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Full text of "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen"

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Inhalt, 



Di? iuiltiltive ihn ihdiachim und Iranbrkm. Von Fritz \\'t>;if 
Zm Uali&clien verUaltlextou Von U er m a n ii J a co b»ii h d 
/(isatz VoQ W i 1 h «? 1 111 S r h u 1 7 ö 
Zu deü piHODaletxlaQiEeu« Von V. l-\ Ublerib«ck . 
AbLati?e mit ficbeiobarer bkaiifbedeuiuyj« Vt>u F. N F-inck 
Zur griechiacheu betöftiinnf Von F<lti«r»i n^^nuanii 



Otto Uarrasiiowitz In ijeipzlg^ 

SpeciaibmhhandJuMj für Lmguisiik. 



vracb^tncüdcn ^S ^rKf. 



rt aller wichlig^a 



Ankauf ganzer Bibliotheken 

snwie etuzcicicr Werke von W'iiri. 



Altindisclie Grammatik 



% Soeb«! bt en»€biefifU 



l^nt. IM- Jacütj >riu'kernas^'l* 
aBaul LTeii: Eioleitimfi im Worllebre, RoiniiialkonipositioiL 

IVr l Band (Uotl«tire. ßi": 8 ^ LXXIX u. HI4 8 n,m M , gel» 

{^1 14^.^11 (•f-;,!L liTllMl 

Im Druck befindet iidi: 

Die IVIal(edonen, 

ihr<? Spraeho und ihr VolkstniiL 

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Pr«b «?twa !. 1 




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Inhalt. 



Seit» 

Die infinitive des Indischen und Iranischen. Erster teil. Einleitung s. 1. — 
Erster abschnitt: Die ablativisch-genetiyischen Infinitive s. 5. — Zweiter 
abschnitt: Die accosativischen infinitive s. 54. Von Fritz Wolff 1 
Zar italischen ?erbalrefiexion. Von Hermann Jacob söhn .... 112 

Znsati. Von Wilhelm Schulze 117 

Zu den pcrsonalendnngen. Von C. C. Uhlenbeck 121 

Ablative mit scheinbarer lokativbcdentung. Von Franz Nikolaus Fi nck 123 

Zur griechischen bctonung. Von Eduard Hermann 126 

Neues und nachträgliches. I. Exegetische und syntaktische fragen s. 129. — 
II. Gelegentiichc bemerkungen zur lautgeschichte und wortgeschichtc 

s. 173. Von Holger Pedersen 129 

Zu autt'i« und zur geschichte des wagens. Ein beitrag zur methodo dor 

etymologie. Von Rudolf Meringer 217 

Zu nua^a. Von Heinrich Schcnkl -J34 

Irish Etyma. Von Whitley Stokos 243 

IJt vaujoH. Von E. Zupitza 250 

Oech. koHtd. Von Heinrich Lewy 255 

Indische etymologicn. Von Evald Liden 257 

Das starke Präteritum des Germanischen. 1. Aoristfornien im germa- 
nischen Präteritum s. 266 — IT. Die indogermanische perfekt- 
reduplikation s. 268. — III. Der vcrlust der pcrfcktreduplikation im 
«irrmanischcn s. 291. — IV. Die reduplizierenden praterita im West- 
germanischen und Nordischen s. 316. Von Richard Loewc . . 266 

I»i*- nomina auf -fug. Von Hugo Ehrlich 352 

Ahd- >.:/i//ar. Von Wilhelm Schulze 100 

Flioige bemerkungen zum beweglichen «. \on ^i^n^t Lewy . . . . 419 

Zu rech, kastei «=« kirche. Von Franz Härder 124 

Ut fjalvra. Von Wilhelm Schulze 424 

Zur arischen wortkunde. Von JarJ Charpeutiui 425 

I»ie ^ man ''-Sätze. liandglossen zu Z«*. 40 s. 134 iF. Von Josel Zubaty 478 



IV Inhalt. 

Belia 

Telina. KaikiDa. Von Ernst Maass 520 

Griech. iäy6e. Von E. F. Johansson 533 

Ai. avfk. Von J. Wackernagel 544 

Gotbch dia-. Von Bichard Loewe 547 

Gotisch marikreitu8. Von Bichard Loewe 550 

Etymologica. Von C. C. Uhlenbeck 552 

Etymologieen. Von Ernst Lewy 561 

Zar gotischen grammatik. Von Wilhelm Schulze 563 

Lflckenbüsser. Von Wilhelm Schalze 565 

Berichtigongen 566 

SachregiBter 567 

Wortregister 569 




Die infinitive des Indischen und Iranischen. 



Erster teil.') 



Einleitung. 

§ 1- 

Erst mit Mlfe der yergleielienden sprachwissenBchaft ist 
es gelungen j die entstehung der iiidügermanisclien infinitive 
bistOTiscb zu erklären: es sind erstarrte casus roo noimna 
actionis. Aus den europäischen sprachen allein war diese 
erfeenutnis kaum zu schöpfen, wohl aber aus dem Ältindischen, 
denn hier sehen wir den erstarrungsprozess der formen noch 
anabgeschlossen vor uns; er voUzieht sich ira einzelneu erst 
?or unseren äugen. Diesem Vorzug, der der historischen 
deutung der formen im ganzen zu gute kommt, steht auf der 
andern seile ein nicht geringer nachteil gegenüber. Während 
wir Eämlich in den europäischen sprachen eine oder mehrere 
feststellende ininitivbildungen besitzen, ist im Indischen (und 
Arischen überhaupt) der entscheid nicht durchwegs möglich: 
haben wir es mit einem inSnitiv oder mit einem substantiT 
zu tnn? 

Unsere arbeit hat sieb also damit zu befassen, gren2en zu 
ziehen, grenzen zwischen Substantiv und infinitiv. 



1) Dieser teil der arbeit itt in Giessen unter leitong des herm profeasor 
BirlholomaB entstanden, dem ich auch an dbser steUe far seine nel- 
■Bjäft onterertilUimg dank sage. 

Abgeaehen Ton den ohne weiteres Terstlndliühen abkür^nng^en wende 
kämt 

^ in der b«deQtimg dea sEeichens bei Barth olomae, AltiranlechaB W&rterbneb. 
Bei brück — Delbrück, Ältindiache Synl^a, 
Ludwig «- Ludwig, Rigreda; Uberaetznnj^. 
EfgeliQg ^ ÜberEetzung des Satapatbabrahmatia in den SBE. 
Bloom fletd — Obersetinng doi Äthan aveda in SBE. Bl 42, 
Die m den tabeUen hinter den einzelnen in(initi?en stehenden klammem 
k^hd saf Whitney^ Warzeln ftberaommen ; die eingekiammeTten f?tellen be- 
^^^Qiüi, daai die dafür angegebenen formen nioht alii iiilinitive tu Taäsen üind. 

r ■ 



2 Fritz Wolff, 

Aber auch noch nach einer anderen richtung ist eine 
grenzbestimmang erforderlich, nämlich gegen das finite verb. 
Wir werden fälle vorfinden, in denen ursprünglich finite verbal- 
formen auf grund ihrer äusseren ähnlichkeit mit infinitiv- 
bildungen in infinitivischem gebrauch auftreten, und umge- 
kehrt Infinitive, die sich völlig dem System der finiten verbal- 
formen eingegliedert haben. 

§2. 

Ich will im folgenden versuchen die criterien aufzustellen, 
die uns nach der einen und anderen richtung zur Verfügung 
stehen. 

A. Finite verbalform oder infinitiv? 

1. Ist das fragliche wort so gebraucht, dass wir es in der 
Übersetzung zwar mit dem finiten verb wiedergeben 
müssen, aber an verschiedenen stellen mit verschiedenen 
Personen oder numeri, so ist dessen infinitivcharakter 
nicht zu bezweifeln. — Die Unmöglichkeit dieses nach- 
weises beweist freilich nicht das gegenteil. Vielmehr 

2. werden Wörter auf grund ihrer gleichheit oder ähnlichkeit 
in der bildung mit denen unter 1. ebenfalls für infiniti- 
visch zu erklären sein. 

B. Substantiv oder Infinitiv? 
1. Formale gründe. 

a) Zeigt das fragliche wort eine sonst nicht oder nicht 
mehr übliche Casusbildung, so wird die form zu den 
infinitiven zu rechnen sein. Der erstarrungsprozess war in 
letzterem falle schon beendet, als die casusbildung ans 
dem lebendigen gebrauch verschwand. 

b) Ein ähnlicher fall wie der unter a) angeführte liegt 
vor, wenn das fragliche wort wohl eine gebräuchliche 
Casusbildung dai*stellt, aber eine bildung ans einem 
sonst nicht gebräuchlichen „stamm^, das heisst, wenn 
es sich um „isolirte^ formen handelt, die dem er- 
starrungsprozess naturgemäss leichter anheimfallen. 

c) Ist das fragliche woi*t mit adverb oder präposition 
componirt, so weist das — wenigstens bedingt — auf 
infinitivcharakter hin. Auch eine mit nomen compo- 
nirte form kann als infinitiv fnngiren. 

d) Hin und wieder wird die vergleichende Sprachwissen- 
schaft die entscheidnng geben können, d. h. man wird 




Die Mfutife det Indischen und Innisclien 



^M sagen dürfea, eine Wortbildung, die in der einen spräche 
^B sicher infiaitivisch ist, wird im zweifelsfaU anch in der 
H anderen als infioiti? genommen werden müssen. Vgl. 
^P 2. B. vidmäne: jtSßepat, 
^2. Syntaktische gründe, 

a) Stellung. 
ä) Parallelstellong im selben satae. 

Steht die fragliche form in enger syntaktischer ver- 
bindnng mit einem gesicherten inflnitiv, z, b. ist sie 
mit dem inftnitiv durch ca EUBammen- oder durch vä 
gegenübergestellt, so wird sie ebenfalls als solcher 
bezeichnet werden müssen. 
ß) Parallelstelluug in verschiedenen Sätzen. 

Anch ohne dass eine solche Verbindung besteht, kann 
durch den parallelismus des satzbaus mit dem eines 
correspondireüden satzes, in dem ein gesicherter 
Infinitiv vorhanden, der infinitivcharakter einer form 
wahrscheinlich gemacht werden. Z. b. MS, 1, 6* 5 
(94. 8) : täd eväm veditor nä tim^n^ kärttwäi (b. u. § 7 
und § 1&). 

b) Construcdon. 
ö) Regirt das fragliche wort den casus des zugehörigen 

verbs, so wird es im allgemeinen Infinitiv sein* 
Man beachte aber, dass im Indischen wie Iranischen 
auch sabstantiva verbale constrnction zeigen* 
ß) Andrerseits beweist ein von der fraglichen form ab- 
hängender genetiv nicht deren substantivcharakter. 
Einmal, wenn das eorrespondirende verb auch sonst 
den genetiv regirt* Aber auch yerbindimgen wie 
dudlmsali pltäye muss man nicht notwendig, wie 
Brugmano (Grdr* 2, 441 f,) tut, substantivisch (^zui' 
trinknng des somasaftes") auffassen. Es liegt viel- 
mehr der partitive genetiv, wie frz. ^hoire du via' vor, 
Ist ein abhängender genetiv nicht als geuetivus 
partitivus zu erklären, so mnss die form selber ent* 
scheiden; denn es steht fest, dass auch ganz ge- 
sicherte Infinitive gelegeutlicb nominale rection auf- 
weisen. \¥ilT den sulijectsgenetiv verweise ich hierzu 
auf das von Recken dorf (IF, 10, 181) ans dem 
Arabischen angeführte beispiel: „töten Kaim seineri 




I 



hruder Abel^. Vgl. auch die zahlreicheü kapitel Über- 
schriften iti Firdusis KOnigsbuch, wo analoger ge- 
brauch vorliegt; z. b. püsux dodan i far^dun pusa- 
rän m.] 

y) Die sog. attraction beim lufinitiv. Ich verweise wegen 
dieser erscheinung auf Delbrück, Altindische Syn- 
tax s» 88 tf» — Weim wir dub neben einer fraglichen 
form X {z, h. RV, 2, 29, 6: avapäda}}) ein davon ab- 
hängiges wort (karta-) sehen, das nicht den zu er- 
wartenden Casusausgang (ac^usativ) zeigt, sondern 
vielmehr denselben wie x (ablativ, kartät), so schliessen 
wir daraus mit Sicherheit, dass x infinitiv sei. 

!^) In nicht wenigen föllen werden wir unser urteil auf 
den Übersetzungen der betreflenden stelle aufbauen 
können. Denn wer übersetzt, ohne sich viel um 
gi^ammatische einzelfragen zn bekümmern, dem wird 
es hauptsächlich daran gelegen sein, den sinn der _ 
beireffenden stelle gut zu treffen ; die ungezwungenere \ 
Übersetzung darf wohl in solchen fällen für die 
richtigere gelten, Dass man freilich sich dieses mittels 
nur mit vorsieht bedienen darf, ersieht man daraus^ 
dass der einzelne Übersetzer gleiche stellen des öfteren 
verschieden wiedergibt. — Auch die indischen com- 
mentare müssen bei der bestimmnng herangezogen 
werden; wenn aber z, b. Säya^a den sicheren In- 
finitiv nidmane (RV. 10. 88. 18) mit vijüänüya wieder- 
giebt, so werden wir daraus schliessen dürfen , dass 
es nicht verwehrt ist, auch ein anderes fragliches 
wort, das er ebenfalls mit einem dativ comraentirt, 
als Infinitiv aufzufassen. 

§3. 

Koch auf einige andere punkte ist aufmerksam zu machen: 
1. Die Arischen sprachen kennen keinen passiven in* 
finitiv. Wenn im folgenden von passivem inflnitiv die rede 
ist, so soll damit stets nur gesagt sein, dass wii^ in der Über- 
setzung den iniinitiy passivisch geben, um den Wechsel des 
agens zu vermeiden, um für das finite verbum und den In- 
finitiv das gleiche agens zu erhalten. Dass aber der Inder in 
solchen fallen den widerstreit zwischen dem subject des haupt- 



Bl« infitiitiTe lies Indischen and Iranißcfeen. 

gatzes imd dem agens des inflnitiys ebenso empfunden hat, ist 
sehr tinwahi-scheinlich ; man denke an die lose (wahrhaft 
^absolute**) veniendung der absoktiva! 

2. Es giebt formen, die sowohl als casusform wie als in- 
fiaitiv fmigiren. Man darf sich also nicht scheuen, im 
gegebenen fall ein wort dem infinitiv znznweiseii^ nur deshalb 
weO es an anderer stelle sicheres nomen ist! 

3, In sprachen, die so reich sind an möglichkeiten inflnitive 
EU bilden wie das Indische und Iranische, wird sich der 
Sprecher sehr leicht verleiten lassen, „ äugen blicksbildungen" 
zu schaffen, die aus dem eigentlichen rahmen der Infinitiv- 
bMnng heraustreten. Ich meine, man wird unter gewissen 
umständen singulare formationen wegen ihrer construction und 
ihrer formenähnüchkeit mit anderen sicheren inflnitiven eben- 
falls zu diesen rechnen müssen. — Überhaupt ist zu sagen: 
hatte eine beliebige wortform in irgend einer syntaktischen 
fiigung infinitivcharakter erhalten, so konnte sie in dieser 
eigenschaft nicht nur auch sonst verwendet werden, sondern 

ich zugleich als muster dienen für weitere bildungen aus 
nderen basen. 



Erster abschnitt* 
Die ablativisch-genetivischen Infinitive. 

Erstes kapiteL 

Übersicht. 

§4. 

Die ablativisch -geneti vischen infinitive, die sich unter allen 
indogermanischen sprachen nur im Arischen zeigen, weisen, 
was die formatiou betrifft, wenig den beiden Arischen sprach- 
Ewcjgen gemeinsames auf. Das einsdge av. sarä könnte für 
die a//-!nfinitive eine gemeinschaftliehe arische grundlage wahr- 
idieinlicb machen. — Wenn man auch noch einige altiudische 
flt-formen fTir Infinitive erklärt (s, u. § 29)^ so ist doch für sie 
imd die av, ^7|-infinitive gemeinsamer Ursprung nicht gut denk- 
Ikir. Es liegt in beiden sprachen dieselbe, aber voneinander 
iBibhAngige entwickhiug vor. 



6 



Pritz Wolff, 



I 



Es sind alles bUdungen, die gänzlich in ablativisch-geue- 
tiviflchem gebrauch stecken bleiben, also niemals in den Voll- 
besitz aüer dem infiiiitiv zukommenden fimctionen treten* Der - 
gebrauch weist mehr Verwandtschaft auf; das hat seinen f 
grnud in der gemein-arischen sat^eonstTUCtion. Wenn wir 
also eine tibereinstimraung der constraction nach den verben 
des ftirchtens, uacb ai. Ue^ jAw, ise und in anderen fällen ^ 
vgL den gebrauch nach präverbien — wahmehmen , so kann 
man daraus wohl auf eine im Aiischen festgewordene satz- 
construction schliessen; fflr formenverwandtschaft aber giebt 
uns das keinen anhält. 

Brugmann Grdn 2, 1415 (§ 1089) führt als arische 
ablativisch-genetivische infinitivbildungen an: 

L aus wurzelnomlna : atfdc^. 

2. -$', 'B^' zwischen Wurzel und casusen düng: aenmhö, 

3. Suffix ti'i darstöis. 

4. Suffix ft*-: dhätölu 
Dazu kämmen noch: 
3a. Suffix tUi Isfeit 

5. aus öt-nomina: Aar^gM. 
Im Avasta sind solche Infinitive nur in gau^ geringer an- 

zahl (rund 10 formen) vorhanden und als sichere infinitive nur 
auf gl und der construction (z, b. wegen der dabei auftreten- 
den attraction) festzustellen. Dabei zeigt das gÄw, noch die 
meisten, was vielleicht damit zu erklären ist, dass die abla- 
tivisch-genetivischen Infinitive in historischer zeit schon im 
absterben begriffen sind (ausnähme hierzu s. § 7). Zu be- 
merken ist, dass auch das gAw. und jAw. keine formation 
gemein haben. 

Im Altindischeu ist eine grössere formenmenge vorhanden; 
sie verteilt sich auf zwei bildungen, die im gebrauch völlig 
gleichwertig nebeneinander hergehen. Dagegen ist ihre 
zeitliche Verwendung verschieden. Während die aj^i-infinitive, 
im Veda noch ziemlich häufig, in nachvedischer zeit sehr 
schnell abnehmen, zeigen die fo4-infinitive in uachvedischer 
zeit sogar eine zunähme der Verwendung* Scheinbar steht 
diese tatsache mit der offenkundig vorliegenden tendenz nach 
Vereinheitlichung der infiaitivformationen in Widerspruch, und 
dennoch kann sie wohl aus diesem princip heraus erklärt 
werden. Denn es hat den auscbein, als ob in der entwieklung 



I 



"5 j 



Die infimtiTe des Indiichcin und Ifsnisehen. 7 

Ytm der maonigfaltigkeit der iiifiuitivbildungeu in der älteren 
^rache tu der eiDheitlichkeit, die mit der tum-form erreicht 
i^iLrde, eine Zwischenstufe yorhandea war, während derer eine 
gewisse Vorliebe für die aus h*-stämmen gebildeten infinitive 
llberhaupt bestand. 

Ich gebe nun zuerst die altindischen bUdungeii: 1. -toU; 
2, -a/> (dazu die av. wie sar-^j aBu-avhÖ); daun die iranischen: 
U 'töu (anhang; -töü); 2. -ut Endlich anhang 1: altindisch 
-at] anhang 2: av. -^lyu* 



Zweites kapitel 
Die altindischen infinitive auf -toh. 

§5. 
Allgemeines. 

Pap in i Grammatik 3, 4. 13. sagt; Uvare tosunkamnaUj 
beiBübtlingk „in Verbindung mit Uvara die sufflxe -^--tos 
w& -^^OB^ (d. h. in der bedeutung von tum). Und 3-4. 16: 
hkäptüak^a^. stheHkp^vadicarilndamijamhhym tomn „au sthäj i, 
i^^ mdf car, hu, tum und jan wird im Veda -^^tos gefügt zur 
■Bezeichnung des nomen actionis^, — Schliesslich noch 1.1,40.: 
^koätornnkasufia^f „der absolutiv auf — --^t^ und die infinitive 
wal -^^iös und -=-— o.^" (sind indeclioabel)» 

Auf diese Sätze Päriinis hin, die im zusammeohang 
mit denen über den iufinitiv stehen, werden die bildungen auf 
Aöft und -ah von den europäischen grammatikern unter die in- 
fimtivbildungeu aufgenommen. Hiergegen kämpfte Jolly, Ge- 
»cludite des Infinitivs, n. 113 f. an. Man solle den autoritMs- 
glaubeu Päiji ui gegenüber abstreifen und diese formen, die im 
gebrauch völlig mit Substantiven identisch wären, aus der reihe 
der Infinitive streichen, mit deren besonderem Charakter sie 
iofthaus nichts gemein hätten. Schon Bopps aussprucb 
(Vfl. iiramm.* § 849 — bd. 3, 250 — ) könnte man gegen 
Jally anführen j nämlich: „man sollte es kaum fiir möglich 
halteo, dass Päoiui übersehen hätte ^ dass -töh der genetiv 
to SttAxes tu- und -ah die genetivendung abstrakter snb- 
itantiva «ei**. (Ich habe die stelle nicht yoUständig citirt.) 
Heate wird wohl atigemein anerkannt, dass beide bildungen 
n den üiinitivischen zu zählen sind. Ks sprechen vor allem 



s 



Wour, 



dafür die mögliclikeit der Zusammensetzung mit dem präverb, 
die verbale construction (Delbrück, Ältindische Syntax s, 410) 
uud endlich die bei den inflnitiven auftretende „attraction'*. 

§6. 

Die büdiing der infinit! ve auf -toh entspricht der der idg. 
abstracten nomina auf tu- (vgl B rüg mann Grdr. 2, 304). 
Sie werden aus dem vollen verbalstamm gebildet {i':e4öb% 
Der ton ruht beim einfachen verb auf der wurzelsübe, beim 
zusammengesetzten auf der vorsilbe. 

Neben dieser bildung {i-:S-toh) steht eine andere, die 
nur scheinbar von ihr genetisch verschieden ist. Wir finden 
in einer anzahl von infinitiven vor der endung -tob ein -i- 'ein- 
geschoben*. Dieselbe erscheiiinng zeigt sich bei allen nüt tu- 
Suffixen gebildeten infinitiven, sowie bei einigen anderen mit 
consonantisch anlautendem suffix. 

Dies -i- ist bekanntlich in einem teil der formen als tief- 
stufenform des langvocalisehen ausgangs zweisilbiger 'wurzeln' 
aufzufassen, geht also auf idg. zurück, vgL bhävitoJ} ans 
*bheu^tous, 2U einer basis *bheuä-. 

Nun erscheint das -i- aber auch in formen, bei denen man 
schwerlich auf zweisilbige baseu zurückgehen kann, wie z. b, 
in eäritoh, vaditolL Die futurformen cari^tjati und vadi^äti 
sprechen wohl nicht dagegen (vgL karw-t^dü neben kartum), 
da das futurum durch aualogiebildungen schematisirt erscheint. 
Man könnte ja nun annehmen , die i-infinitive dieser verben 
seien nach den obigen durch analogie entstanden. Möglich 
aber ist auch eine andere erklärung: vielleicht nämlich handelt 
es sich um formen aus alten verbalstämmen auf aj-. Wie zu 
cär-a-lH ein *car-!toh^ zu g^bk^y-a-jü ein grahi-\toh gebildet 
wurde, so zu *€aray-a-'ti ein cari-iioh. Man müsste demnach 
annehmen, dass ursprünglich *cartob und caritob nebeneinander 
gelegen hätten und dass dann die eine der beiden bildungen 
zu gunsten der anderen sehwand. Die tatsächlich belegte 
doppeltheit cdritum und cartum lässt sich freilich kaum auf 
diesen alten bestand zurückführen, da letzteres erst im epos 
belegt ist Formen wie dhäraylttim neben {ep.)dharitum sind jung. 

Eine dritte entstehuugsraöglichkeit des -i- ist, dass die 
formen mit -i* die compositionsformen der l-haltigeu infini- 



I 



Dk inflnltiTe dei Indiieheti nnd Jmnmhen. 



9 



ti?e giod (s. n.). — Demnach haben wir zur lautgesetzlichen 
erklärung der -i- formen dreifacheii arsprun^ anzunehmen. 

Wurde ei-st das *i-, das in vielen fällen gesetzmässig er- 
schien, alseinwesentiicber bestandteil dieser Infinitive erapfiindenj 
flo konnten leicht neubOduugen das -i- an stellen rücken, wo 
m ursprttnglich unberechtigt war, also formen zeitigen, denen 
keine der drei obengenannten erktärungeu gerecht wird. 

Von diesen -i-bildungen sind (wie Bartholoraae, Stud. 
i. idg. Sprachgesch. 2, 170 f. nachgewiesen hat) zu trennen 
die büdungen mit -h. Sie gehen auf stammauslautendes ai- 
lorfiek. — Wo neben i ein i erscheint, wie in §aritol/ neben 
iähtob, haben wir eine alte compositionsfoim dazu oder eine 
junge analogiebildung (s. oben) anzunehmen. 



Über den gebrauch der infinitive auf -toh ist wenig zu 
gagen, Sie gelten als genetiv-abiative , vedisch wie nach- 
redjscli, bis zu ihrem verschwinden. Nur einmal sehen wir 
nebeneinander, durch ca verknüpft, einen iö/i-infinitiv und 
einen final-dativischen auf -tom* Delbrück erwähnt Altind* 
Sjmt 430 diesen fall, ohne aber die daraus möglichen schltisse 
zu ziehen;, die steOe lautet: 

MS. 1. 6. 5 (94* 8): tad euäf^i veditor nä tveuäift kärtaväi 
,dag iit so zu wissen, aber nicht so zn tun". Wenn somit 
4er beweis sonst fehlte» dass die formen auf 4oh für infinitivisch 
galten^ hier ist er gegeben. Die form veditoh steht in aus- 
gesprochenem gegensatz zn dem sicheren Infinitiv kärtaväi^ ist 
demnach sicher ebenfalls infinitiv. Also ist klar, dass mehr 
ab eben nur substantivische ablativ-genetive in diesen formen 
flacken. 

Die formen auf -io/i — im RV, selten (14 stellen) — nehmen 
iß der zeit der Brähmanas zu, wie Brunnhofer BB* 10, 247 f* 
wm SB. nachgewiesen hat. Er giebt für das SB, 21 stellen an, 
wA es finden sich noch einige mehr (s* u,). Nach Brunn* 
lofer gehören die teile, in denen die infinitive auf -töh vor- 
kommen (käfl^a 1^3, 5, 12—13), den älteren teilen des SB. 
4ü; nur kä^i^a 9, das 4 stellen aufweist, rückt, er zeitlich an 
fie vürletzti? stelle unter allen kän<Jas. Man darf daraus 
sdiUessen, dass der gebrauch der infinitive auf -toh in der 
ftfhmauazeit noch in blute wai\ 



JM L 



10 Ffite Wolff, 

Auffallend ist hier überhaupt das gewaltige übergewicht, 
das die mit tu-suffixen gebildeten inflnitive über alle übrigen 
zusammengenommen erlangt haben. Man sieht den weg zum 
ziel, d. h. zur monopolisirung des fum-infinitiys (s. o. § 4). — 
Vielleicht aber liesse sich die frage aufwerfen, ob nicht in den 
Brahmaijias die drei inflnitive -tum, -toh, -taväi als eine art 
inflnitivdeclination — accusativus, genetivus, dativus — em- 
pfunden wurden. 

§8. 

Der genetiyische gebrauch der infinitiye auf -toh. 

In zwei fällen haben wir im ßV. die infinitiye auf -toJ} 
in genetiyischem gebrauch, beide male abhängig yon l§e. 

RV. 6. 18. 11 : yäsya nü cid ddeva Ue . . yotoh. Ludwigs 
Übersetzung (nr. 542): „Über den der ungott (im commentar: 
der gottlose) keine gewalt hat, dich fem zu halten^ zerlegt 
den satz unnötigerweise in zwei teile, indem er in das yäsya 
eine doppelte beziehung legt. Wenn auch Grass mann: „dem 
kein gottloser jemals zu widerstehen vermochte^ den sinn nicht 
genau trifft, so ist er doch der richtigen satzconstruction 
näher gekommen und verdient Ludwigs scharfen persönlichen 
Vorwurf (Comm. nr. 542, bd. 11. 105 f.) keineswegs. Wir werden 
am besten mit Delbrück, Altind. Synt. s. 418 übersetzen: 
„den fernzuhalten kein . . . vermag" und haben somit eine 
genetivattraction an den Infinitiv. 

**VgL aus dem Iranischen Y. 44. 15: yezl ahya asa 
päi mai xsayehl, wo Bartholomae in das ahya 
ebenfalls wie Ludwig oben die doppelte beziehung 
legt: „ob du (darüber) die macht hast, es durch ASa 
von mir fernzuhalten'' (Air. Wb., sp. 552). Anders 
Geldner, Sitz. Ber. Preuss. Ak. 1904 nr. 38, s. 1085: 
„sofern du soviel macht hast, um im verein mit A§a 
schütz zu gewähren". Geldner fasst mat als prä- 
nomen „zusammen mit*' auf, was aber wohl kaum 
möglich ist, da mai (wie die belegstellen im Air. Wb. 
sp. 1119 zeigen) nur direkt vor oder nach seinem 
beziehungsworte steht, niemals abei von ihm getrennt. 

Ebenfalls attraction des objects nimmt Delbrück fBr 
4ie zweite stelle an: 



B!« üifltiitiv« des Indischen und IraiÜBchen. 



[ 



RV. 7, 4, 6 : iSe räyäJt suvtryasya datoh ^Er kann besitz 
and tapfere söhne geben". Vgl. dazu RV. 7. 56* 15: mak$ü 
raydl} mvin/asya dätu. Ludwig (or, 697): „gebt schnell vom 
reichtam mit guten helden*^* Es wäre also wie hier auch in 
7. 4. 6, partitiver genetiv denkbar 

Wie hier bei L^b finden wir im nachvedischen Indisch die 
infimtive auf -toh in genetivischem gebrauch abhängig von 
Umrä- (Delbrtlck, Ältind. Synt. 430 f.). Das nomen 
Uimrä-, das im EV* überhaupt nicht vorkoronit, ebensowenig 
UD SV*, im AV. an vier stellen (davon drei mit genetiv)» ist 
in späterer ^eit überaus häufig. Auffallend ist dabei, dass 
im AB, unter den dreizehn stellen, wo i^vara- rait Infinitiv 
auf -toll verbunden ist, zehnmal K-vara- von ha begleitet ist. 
Auch im SB. kommt das vor, aber nicht so häufig (unter zwölf 
stellen fllnfinal^ davon zwei fast wörtlich gleiche stellen). An 
2wei weiteren stellen des SB* (3. 1. 2, 21. und 13* &. LI), 
wo Delbrück Uvarä- ergänzen will» steht ha ebenfalla. 
AUerdings wird wohl, wie wir unten sehen werden (s. ende 
des § 8), die letzte stelle anders zu erklären sein, — Über 
ha vgl. Delbrück, Altind* SyuL 497 ff. 

In fast allen föUen richtet sich fhiard- in numerus und 
geous nach dem satzsubject (Delbrück, Altind. Sjmt. s. 87 f.)* 
E® ist also der construction wie dem sinn nach als reines adjectiv 
gebraacbt mit der bedentung „fähig, im stände**. Dieser reguläre 
pbranch von Uvarä- liegt vor in den folgenden stellen. 

SB, 13. L 2. 4: l^varS va m&h Ariim ürtoh „Is liable to 
incur injury^ (Eggeling 5, 277). 

Fast wörtlich ebenso TS, 3. 2. 10, 5; sa Uvarä ärtim 
irtoh „Er kann ins unglück geraten" (Delbrück, Altind, 
Spit, s, 430). — Weitere parallelen sind: TS, 5, 2. 8, 2, — 
SB, 10. L 4. 13 (l^am ärtim ärtoh^ das hei Brunnhof er, 
BB. 10 a* a, 0, fehlt), — Das subject steht im neutmm 
no4- B^' 7. 7. 15: l§varam ^ai raihantaram . , cak$\jüi prama* 
Aild^f, Delbrück „das r. kann das äuge ansreissen'^. Eben- 
so Whitney, Grammar § 984a s. 354. — Das subject steht 
im dual AB. 1, 30. 1 1 : i§varau ha vä etau . , yajamänam hinrntöh. 
^Die beiden können den opferer verletzen", — Hierzu eine 
hst wörtliche parallele, ebenfalls im dual, MS. 3. 2, 3 (19, 
14.) : tä Uvarä d^ürdau ydjamänaifi hifnsifof^. — Ferner aus 
Wi. eine anzahl ähnlicher stellen: MS, a 7. 8 (87, 4) -* 



12 



Friti WolfT. 



3. 8. 7 (104. 4.) — 4. 7- 6 (100. 15) - S, 1. 6 (7. 17) - 
3. 9. ä (116. 3); in aUen fällen steht hmntoh. — Das sub- 
ject steht im plural MS* 3. 8. 2 (94, 1): päraJico hi yäniUvaräl^ 
prdmetoh ,, Vorwärts gehend können sie umkommen^. 

Von diesem gewöhnlichen gehrauch, dass sich isvarä- nach 
dem subject richtet, giebt es einige wenige ausnahmen^ die von 
Delbrück, Ältind, Synt s. 88 und für das AB. von Auf- 
recht (ausgäbe s, 428) und Liebich, BB* IL 301 | ver- 
zeichnet sind. Im nnmerus abweichend TS. 3* 1. 1. 3: tarn 
Uvaräffi räk^aTfisi häntolL Delbrück s. 88: ,,ihn können die 
Rak§as töten "^^ In diesem falle halte ich die abweichnng für 
dadurch erklärt, dass rdfc^anisi als coUeetivnm empfunden 
wurde; vgl. RV. 1. 162: 9: särva iä te äpi devm astn = zrayra 
tuvra TU an naga xmq d^mtq Bürm (Brugmann, Eurz6 Ver- 
gleichende Gramm, § 879 s. 643). AB, 3. 48. 8. ihmo Itüsya 
vitte dem arantoh {dma plural!) bei Böhtlingk Kl. Ptbg. 
Wh, bd, 4, nachtr, s. 295 sp, 1; „es könnte geschehen, dass 
die götter an seinem reichtum keinen gefallen fänden". 

Das geniis ist abweichend AB. 3, 20. 18: h^aro ha . , kotärani 
ya§o Wtt>h pdas ansehen kann den H. fördern" (ya^o neutrura!). 
SB, 5. L L 9: t&Bye§mrdfp prajä päptyasl bhävitoli (prajä 
feminJ) bei Eggeling 3. 3: „bis people (or offspring) is like 
to become worse'^. 

Genus und numerus sind verschieden. OB, 13. 8, 4, 11: 
UvarS haitä anagnicitam sdmtaptöli (etä plural femJ), Egge- 
ling 5. 440: „they would be liable to weigh heavily npon 
one who ~ — *^, SB. 1. L 2, 22: Uvaro g^hä ydjamanasya , . 
tarn präyantam hm präcyoiöh {fft'hä plural fem,!)* Eggeling 
1, 18: „the houses of the sacrificer niight crush his family". 

AB* 1. 25. 13: Uvaro glävo janitoli übersetzt Delbrück 
s, 430: „es können knoten entstehen"; dann müsste man die 
stelle hierherziehen, glävah aber ist accnsativ, wie auch der 
common tar des Säyapäcärya (in Auf rechts Ausgabe 
s, 248) durch sein glmiivUes^n zu erkennen giebt (janitoli also 
transitiv *erzengenM). 

**An den stellen SB. 5, L 1. 9 — AB. 2. 20. 18 — 
SB. 13,8.4 11 sieht Delbrück, Altmd, Synt. s. 88 
Isvarah als erstarrte form, sozusagen als normalform 
an; ebenso Speyer (Ved. und Skt. Synt. im Grdn 
d. Indo-ar. PhilaL bd. 1. heft 6, s. 66). Richtiger ist wohl 



t>le biMÜTt des tndiicfatn und ItüdBcben. 



13 



die meinang Liebicbs (BB, 11, 310), dass solche 
stellen den Übergang zum Substantiv vorbereiten. 

Das prädicatsnomqn richtet sich in casus und numenia 
Mxk Uvard- und steht ^ da dies nur im nominativ erscheint^ 
stete in diesem casus. 

OB, 9. 5. 2* 3: J^varo ha Sreyan bkävitoh. Egge 1 in g 
t 275: „is able to gain the better"* 

TS» 2. 2. 10» 2: tivaro dtiScärma hhämto}^, Delbrück: „er 
kann hautkrank werden". — Dazu parallelstellen: MS, 3. 4 8 
(56. 5). — Vgl. unten OB. 3. 2, L 3L 

Der Infinitiv hat in einer anzahl fälle ein object bei sich, 
teils im accusativ, teils — durch attraction — im genetiv. 
Das object steht im aceusativ: 

TS. 3. 1. 8. 3: sä ihsarä . . paänn . , ntrhantoh „er kann das 
rieh töten*^. 

TS. 3. 2* 4» 5: iä enam iSvarä hlmsitoh. Delbrück; „die 
klonen ihn verletzen". 

MS. 3. 9. 3(116. 3): Umro '§mto.. UUn Mmitah „der un- 
fromme kann die weiten schädigen "". 

SB. 3. 3* 4* 6 : iMarä enmtt (he^tor i^uro nirvedäffi gantof}. 
Egge li Hg I. 348: „(tnaster) is likely to hate, to become 
dtsgiisted with*^. 

OB. ä. 4. L 14: tamjeh)ar% külam mk^Mhöf}, Eggeling 
I. 360: „is Uahle to crush his famüy". 

AB. 13. 5. L 14: sä tiaifiam Uvaräh säputrani sämattoh. 
Eggeling 5. 201: „it woald be capable of devouring bim 
completely together with his sons". 

Ebenso die parallelstellen SB. 13, 5. L 15; 16, wo prädag- 
4hoh (of bürning) und abhimantok (of destroying) steht. 

AB. 1. 25. 13: Uvaro glüvo janitoh (siehe oben s. 12). 

AB. 7- 29- 2 : Uvaro hästnäd . » brakmanatäm abhyiipaitoh 
,er kann darum in den Brähma^astaud eintreten^. — Parallelen 
AB-7. 29. 3; 4. 

AB. 7. 33. 6 : %§varö ha vä e$o . . ayuJfi pratyuvahartoh »^er 
kiifi das leben verkorken**. 

AB. 1. 10. 2: Uvartl hahiam ni va roddJwr vi vä nuUhüoh. 
Lieb ich (BB. 11, 301): „sie sind im Stande ihn entweder 
fiimiscblies8eD oder zu zermalmen^. 

AB, 8. 7. 9; i^aro ha sarvam üyur aitoh „er kann ein 
leben erreichen**- 



14 



Frite Wolff, 



Ein accusatiT des Zieles steht SB* 9. 5. 2, 1: ihmro 
..danritäm äpattorm va kvdütoh. Eggeliag 4. 274: ^is apt 
to get into trooble or to stumble^. Ferner: 

TS, 5* 4. 12. 3: isvaro vä ä&vo , , pdräm parfwätam ßäntoh- 
Delbrück s. 87: „es kann geschehen, dass ein pferd in die 
ferne geht*^, — Fast wörtHch gleich SB. 13. 3. 3. 5. 

Ein infinitiv ohne casnelle bestimmnng liegt vor in 
AB. 8. 7* 8: i§mro ha tu puräyn^ah praitak „er kann Tor 
der zeit sterben**. 

Die casuetle bestimmnng ist durch composition ausgedrückt in 
AB. 1- 14. 5 : iivaro hänrnakartoh „er kann schuldlos machen''. 
Nur an wenigen stellen haben wir eine genetivische 
attracfcion, TS. 3. L 2. 6: yä dvaro vaco vdditoJji^. sän vicafn »id 
vadet. Delbrück: ^iWer, obwohl er imstande wäre zu sprechen, 
nicht spricht". 

♦♦Delbrück fasst väcah als genetiv, was im gründe 
auflag ist, da man entsprechend väcam vädet auch zn 
väditolj, den accusativ erwarten könnte. Er meint, 
einen plural in väcäh anzunehmen, wäre hart ; ausser- 
dem verweist er auf TS. 3. 1 . 8. 2 : vUah kkälu vai 
räjnah prädätor Uvaräh „das volk ist imstande den 
könig preiszugeben^. Eine aUzugrosse beweiskraft liegt 
in prädatoh mit der attractiou nicht» da pra-dä- auch 
sonst mit dem objectsgenetiv verbunden ist; vgl. 
RV. 8. 52. 5: ä§vasya prä datu ntüj^ bei Gras smann: 
^er schenke uns rosse '^. Aber eine andere stelle 
hätte Delbrück erwähnen können, die wegen ihrer 
ähnlichkeit im auf bau des satzes TS, 3. 1. 2. 6 be* 
stimmen kann. Es ist AB. 2. 7. 6: t§varo häsya 
väco rak^öbha^ö janitoh ^er kann dessen wie die 
Eak^as bellende stimme ertönen machen^; die folgen- 
den Worte des satzes lauten yo ^yani rak^asm vücaif% 
vadati . , . ^ also wie in TS. 3. t. 2, 6. 
Delbrück ist kein beispiel eines negirten i^^wra-satzes 
bekannt, wohl aber zwei stellen, an denen der Infinitiv mit 
der üegation (« privaüinim) componirt ist» Beide stellen in AB. 
AB. 3. 18. 11; UmraJt parjanya ^var^toli. Böhtlingk 
Kl. Ptbg. Wb* bd. 4 naehtr, s. 295. sp. 2: „es könnte sein, dass 
P- nicht regnete**» 

AB. 3. 48» 8: mmro l^asya vitte devü arantotjt (s. o. s. 12). 



Die inEnitiv« des todlächen und InLtua€h«n. 



15 



Zu den behandeii^n stellen^ an denen ein genetmscher 
mfinitiT von iSvarä- abhängig ist, zieht DelbriiclE, Altind. 
SyBt. s, 430 noch einige, an denen man das i^arä- hinzuzn- 
denken habe. 

AB. 6. 30. 7 : nmdhjamdinam abhi pratyetoh „er kann zur 
mittapzeit gehen^ Auch Böhtlingk (Kl.Ptbg.Wb.bd.4. 155) 
will Uvara- ergänzen, und so wird es auch recht sein; im 
commentar (Aufrecht s. 369) steht abkilak^ya praiyetöh, 

OB* 8, 2* L 31 : lato dtk^iiatj pammio hhavitölj . . tMo 
rSämd pämanäni jänitoh. Eggeling 2* 33: „the consecrated 
wottld be liable to be affected with the itch < , . that olfepring 
»oiüd theo also be liable to be born with the itch**. 

SB, 3. L 2, 21; Uim hMhhntam abhijanitor jäyäyai 
ifart^hmn mrabadhit Delbrück, Syntakt. Foi^chnngen 3. 25 1 
hatte übersetzt: ^eiu solches ungeheuer fortzupflaozenj hat er 
den schöss eines weibes verhindert". Er hatte also eine con- 
Hmction angenommen^ ähnlich wie wir sie im Veda antreffen 
(s, u. § 10): einen ablativischen Infinitiv nach verben des 
j.abwehrens**, Eggeling 2, 11 note wies nun aber auf den 
Käflvatext hin (sa tarn heMjaro "dbhtitam dMjanitoh . , .) 
und zeigte so, dass man eine form von lh}arä- zn ergänzen 
habe; er übersetzt demgemäss : „he wonld be likely to be born 
as a Strange being, such as 'he has expelled an embryo from 
a waman"'. JeUt steUt sieh auch Delbrück, Altind» Synt 
s. 430 auf Eggelings Standpunkt. 

Ein weiteres beispiel, wo man eine form von l^ara- zu 
ergiiizen habe, soll nach Delbrück sein^) SB, IS* 5« 1. 1: 
tu ^üike hQtävyarti manyata Agantor ilL Delbrück; „(wenn 
ril Agnibotxin abwesend stirbt) so glauben einige, es sei noch 
II opfern I in der melnnng: er kann noch kommen". Er 
Mint also, ägantoh stehe fiir ik}ara ügmitolt, Eggeling 5. 197 
löte verwirft diese auffassung; man müsse mit Harisvämin 
igantoh auflösen in äagantoh. Eggeling stützt diese ansieht 
iiit einer beschreibung (nach Käty, 25. 8, 9.) der sitten bei 
dem tode eines abwesenden Agnihotrin. Damach vollziehen 
die lente eines in der fremde sterbenden Agnihotrins die opfer, 
lolaiige bis sie nach hause gelangt sind. Eggeling über- 
demnach : „some indeed think that (his Agnihotra) should 



>> IHt flellc fehlt bei Brunrifaofer B6, 10 a. a. o. 



lö 



Frffe Wolff, 



be offered tili they get home". Mithin gehört die stelle aicht 
hierher. 

Eine andere art genetlTischer inflnitivconstmctioneii haben 
wir nicht zu verzeichnen. Über die constructiou von madhyä 
im Veda werden wii* weiter unten (§ 14) sprechen ^' da es 
zweifelhaft ist, oh mau in den davon abhängenden infinitiven j 
genetivische oder ablativische zu sehen hat 

Der ablativische gebrauch der inflnitive auf 4oh. 

Wir haben soeben gesehen, dass für den genetivischen 
gebrauch der Infinitive auf 4oh eine einzige, allerdings im 
laufe der zeit modificirte, gehrauchsweise vorlag. Anders 
beim ablativisehen gebrauch dieser bildung. In der mehrzahl 
der fälle sind die vedischen infinitive auf -toh von verben I 
des j,ahwelirens, fürchtens und dgl.'* abhängig« Wie es mit 
dieser construction in nachvedischer zeit steht, werden wir 
unten § 10 sehen, — Der ablativiscbe infimtiv nach deuj 
Präpositionen pnm und ä ist im Veda auf einen fall beschränkt; 
in späterer zeit ist dies der allgemeingebrauch. Dazu kommen 
dann noch purästat und m-vädnam^ die aber nur selten belegt 
sind, — Über den vediychen — in drei fällen bezeugten — 
gebrauch von tnadhyä mit dem *a//-iafinitiv s* § 14. 

§ 10, 
Die inflöitive auf -toh von verbeu abhängend» 

Dass bei den verben des „abwehrens, sich ftlrchtens, etc." 
im Veda der ablativ eines nomens in gebrauch war, ist bekannt; 
es ist das eine allen sprachen gemeinsame Verwendung dieses 
casus; vgl, Kappus, Der Indogermanische Ablativ (Marburger i 
Dissertation 1903) s, 56 ff,, wo auch auf ausserindogermanische 
.parallelen hingewiesen wird. 

In derselben weise haben wir ablativische infinitive von 
diesen verben abhängig. So RV. 3, 54, 18: yuyota ho ana- 
patyini g&nto}}, Delbrück: ^rettet uns davor zu kinderlo^g- 
keit zu kommen^. Beachtenswert ist der von gäntoh abhängige 
accusativ, der den verb^en Charakter der form gmioh deutlich 
erkennen lässt, 

RV, 3. 53* 17; indraJi pätalye dudatä^ii Säritoh, Ludwig 
(nr. 1003): „Indra gebe die beiden pflöcke, dass es nicht 



Bie iitfiiütire des Tnditch&n and Iraniicfaen. 



IT 



breche'^; diese übei-setzuug würde TÜemals deo ablaüvisclien 
infimtiF erkläreDj und so giebt Grass mann (wohl nach Del- 
brück, Ältind. Verbuin s. 227) für dadatäm die ilbersetznügr 
^be wahre '^. 

Hierher stellt Ludwig, Commentar zu nr. 1003 (bd. ü* 
fi&l) TS, 3, 3» L5: idäm akäm äditi/dn hadhnam^/ ä 'vitmnäd 
mmü^jfmi vi^6 ^agantoh. Er übersetzt den schlnss des satzes: 
^dass dieses volk von diesem hier nicht abfalle". Ludwig 
hat dabei das ä übersehen, das den sinn verändert, dva^antalt 
bedeutet nach dem Gr. Ptbg, Wb* „erlangen" , nach deni Kl. 
^rgelangen zu"; und so werden wir übersetzen: ^so binde ich 
die Aditya's, bis jenes volk von jenem her gelange". Somit 
gehört die stelle nicht hierher (s. u. § 12). Ähnlich 2. 3. 1. 4. 

Ebensowenig hierher gehörig ist die von Delbrück, 
Altind. Verb, s, 227 angeführte stelle EV. 10. 5L 6. Da Auf- 
recht und Müller kftejmoli^ nicht k^eptoh lesen, wird man 
an der richtigkeit dieser lesung nicht zweifeln dürfen. Aller- 
din^ mnss darauf aufmerksam gemacht werden, dass *k^ipnolu 
wäX cerebralem rt zu erwarten wäre* 

Hierher aber RV. L 174. 3; räh^o offnhtt . , . simho na 
iame dpmimi vdstoh^ Ich komme weiter unten (§ 11) auf die 
itelle zurück: 

A V. 12. 3, 55 ff. : täni no gopäyafmniäkam ditoli , das 
Bloomfield s. 192 übersetzt: „do ye guard it for us, until 
we aiiive^ ; er zerlegt also äitoh in a und etol*^ doch kann er 
attf diese weise naJß und asmäkam nicht erklären» Ich zer- 
1^ ä'^oh (^ als präverb gegen ä als pränomen) ; nah ist dativus 
ethieus* Also: „hütet ihn (uns), dass er nicht zu uns komme". 

Der ablativische mfinitiv steht ferner nach einigen verben 
486 „aufhörens, ablassens" ; so RV* 2. 15, 5: sä im ^nahint 
Aunim etor aramnftt „er hinderte den grossen ström am 
limseii^ (Delbrück). 

RV. 3. 38. 3: ariramad atamänmfi cid etoh, Ludwig 
(iir, 1S2): „selbst den rollenden hemmte er vom laufen". 

RV. 4. 6. 7: na ydsya sMur jdnitor dvüri, bei Delbrück 
narh dem Gr. Ptbg. Wb. : „dessen behälter nicht gehindert 
Würden konnte, ihn zu gebären", bei Ludwig (ur. 333): „den 
za gebären als den gewinner kein hindemiss war". Auch 
Bergaigne, ReUgion V^dique 2. 6 f. mit note nimmt sätnh^ 
ab genetiv und avari unpersönlich. 



18 Fritz Wolff; 

RV. 10. 86. 1 (Ludwig, Infinitiv s. 63): vi M sotor 
äs^lc^ata. Ludwig (nr. 990): „vom pressen sind sie ab- 
gestanden". 

Die construction des ablativischen infinitivs auf -toh ab- 
hängig von einem verbum ist in der prosa nur an einer stelle 
bekannt, nämlich: 

äB. 14. 8. 14. 4^): träyate hainarn prärjtäJ} k^anitohy 
das M. Müller Brhad Äravyaka Upani^ad 5. 13. 4 (in the 
Upanishads 2. 195) fibersetzt: „breath protects bim from 
being hurt**. 

SB. 8. 1. 2. 21 hatte Delbrück, Syntakt. Forschungen 
3, 25 f. frfiher ebenfalls so aufgefasst; jetzt anders (s. o. § 8). 

§ 11. 
västoh RV. 1. 174. 3. 

räJc^o agnim a§u$ain türvayanom siifiho nä däme äpatitsi 
västoh' 

Schon das Gr. Ptbg. Wb. fasste västoh als infinitiv auf. 
Es stellte ihn zu einem verb 7vas „losstürmen auf" und fiber- 
setzte: „wehre dem gefrässigen feuer, dass es nicht wie ein 
löwe auf die werke (d. h. geräthe, besitzthum) im hause sich 
stürze". Der einzige, der västoh in die infinitivsammlungen 
aufgenommen hat, ist Brunnhof er, KZ. 25. 351. Wie 
Delbrück das wort an dieser stelle fasst, ist nicht klar; 
jedenfalls rechnet er västoh zu den sogenannten genetivis 
temporis (Altind. Synt. s. 164). Oegen die annähme des Vor- 
handenseins von genetiven der zeit im Altindischen richtet 
sich Bartholomae, BB. 15. 200ff.; und Delbrück, Ver- 
gleichende Synt. 1. 357 schliesst sich ihm jetzt an. Nur für 
västoh macht er eine klausel: er will abwarten, wie sich 
andere zu der sache äussern. Soviel mir bekannt, ist seit der 
zeit eine neue besprechung von västoh nicht erschienen. 

Uns interessirt hier nur die eine stelle RV. 1. 174. 3, 
die Bartholomae, BB. 15. 211 f. behandelt. Es steht nach 
ihm ausser frage, dass västoh ein ablativischer infinitiv ist, 
abhängig von räk$ah\ und in der bedeutung scheint ihm 
Geldner, KZ. 27. 217 das ansprechendste gegeben zu haben. 
Gel du er übersetzt: „dass es nicht wie ein löwe die geräthe 



Die stelle fehlt bei Bnumhofer, BB. 10. 



le iti 



ave des 



ifcüen 



fttUSCl] 



19 



im hatise fresse" • Auch Ludwig macht denselben fehler, den 
Bartbolomae bei Geldner und Roth (s. o* die übersetxuiiie:) 
tsdeJt» sim^io nd auf agmm bezogen zu haben; vgl Pischel, 
Vedische Studien 1. 91 ff. 

So müssten wii' übersetzen: „hüte uns löwengleich vor 
dem teuer, dass es nicht . . **. Wir hätten damit einen ver- 
fldeh, der nicht gerade sehr gelungen erscheint; denn dass 
man, um starken schütz auszudrücken, als tertium compara- 
tionis den löwen wählte, vor dem man doch wohl selbst 
sehütz suchen musste, ist wenig sinnreich. Säya^a erklärt 
e^nso. Und in der that lässt der vorliegende text eine andere 
deutung nicht ZU; er sagt: simko tjaihu nirhhayo virodhim^gan 
hmlum dhüvatt Das wert dhavati j,läuft** scheint vdstöh 
liedergeben zu soUeiu Der dichter der Strophe hatte offenbar 
mehrere bilder vor äugen: den löwen, wie er sich mit kraft auf 
die thiere stürzt und das feuer, wie es sich auf die geräthe stürzt; 
aber er verarbeitete diese bilder schlecht, indem er dem löwen 
die kraft des Schützers beilegt. Möglicherweise aber ist der 
teit fehlerhaft überliefert. 

**Lndwig, CoTumentar will nicht ^ werke" j sondern 
^äcker*^ übersetzen, womit er zugieht, dass vastoh 
nicht, wie seine Übersetzung will, j,hewobnen*^ bedeutet; 
aber richtig scheint mir „äcker*^ nicht zu sein, da 
man dann ddme und dpätfisi auseinanderreissen raüsste, 
was Ludwig selbst, wie mau ans seinem hinweis 
auf RV. 7. L 19: mä no dnme niA väne erkenn tp nicht 
gewollt hat. 

Das Kl. Ptbg. Wb. giebt wie das Gr. vdstoJ/ als 
infinltiv mit der bedeutung „stürzen auf" , verweist 
aber auf Geldners anschauung in KZ. 27. 217. 

Geldner stellt dort dieses vas- zu lat vescor^ 
ve^er und r^as (*essgeschirr*) und im nachtra^ (a* a. o. 
8. 260) zieht er aus dem Avesta vastra- ,,ftitter, 
weide", västar- „Viehzüchter" hierher. Beweisend sei 
V. 5. 20: 3far3d9mf^a naire asaone västr^nu^a gave 
huMvhe „nahrung für den gerechten menschen und 
futter für das gerechte thier*"* Nach Gel du er hätten 
wjr also vah- „fressen '^ gegenüber a^ar- „essen", 

Barth olomae» Wb. sp. I413f. fasst üd#far-, etc, 
ajiders auf. Er setzt eine „wnrzel" arisch *uat- 



20 



Flitz Wolff, 



^weiden** an mit der doppeltam bedeutimg „auf die 
weide gehen** und „auf die weide gehen lassen "*, zu 
ahd. weida „weide** (weitere literaturangabeD siehe 
Bartholomae a. a* o.). västar- wäre also aus 
*ua.t'tar- entstanden und auf diese weise mit hülfe 
der doppelten bedeutung von u^t- besser erklärt als 
durch zttrückftihruag auf arisch uus- „fressen'*; denn 
dann würde man doch für „hirte*" vielmehr (ar.) *vasitar 
(zum kausativ *vasayatil) erwarten. Und was die 
Schlüsse Geldners aus der oben angeführten stelle 
V, 5, 20 anlangt, so sind auch diese nicht zwingend. 
In der that haben wir eine prägnante gegenüberstellung 
in x^ar^^' „speise" (Bartholomae, Wb. sp* 1868 
giebt für af'ur^$a- die bedeutung „nahrtingsmittel, ins- 
besondre des menschen") und vastra- „futter" ; aber diese 
letzte bedeutung ist als eine secnndäre anzunehmen, 
die sich leicht aus „weide" entwickeln konnte, 

Dass trotzdem die existenz einer arischen wurzel 
m^- „fressen** nicht in abrede zu stellen ist, zeigt 
2vastra-,^) das Bartholomae, Wb. sp. 1385 mit 
„fresse, manl, rächen** übersetzt und zu ahd. tdst 
und mir, feis stellt. Einen anderen keltischen ver- 
wandten fulirt Strachan KZ. 32, 320 an, Baunack 
KZ, 27. 561 ff, eine anzahl griechischer. Vgl Leu- 
mann, EL Wb, der Sanskritspr. s. 94^ wo von der „an- 
geblich nachgewiesenen wui^el vas- essen" die rede ist* 

Geldner selbst giebt seine ansieht schon Vedische 
Studien I. 270 f wieder auf; er nimmt jetzt an, dass 
vas- ursprünglich „spiessen oder stechen" bedeute. 
Und ebenso fordert Johansson, JF. 3, 245, ahne 
Geldner zu erwähnen, für unsre stelle „stossen*", 
worauf „essen" zurückgehen könnte. — Sicheres wird 
man ja nicht feststellen können, aber falls „stossen*^ 
die gruudbedeutung ist, kann man es nicht mit den 
germanischen werten zusammenbringen, und das 
spricht gegen diese etjmologie. 



>) Übrigens be^bte man Im Aveita das nebeneinander Ton ^rastra- kleid^ 
and t^vastra- fresde** in pEir^lele za uiiBerein: „fiittt^*'' (atoff) und fjutter^ 
(gpeiaa). Die deutschen werter sind nach Panl, Wb. it. 154 „schon nr- 
gennanisch Wühiachemllch nur ^of^lig- lantlicb identbeh''. 



Dl« infinitiTe dca IndiGchen und ImniBi^heir. 



21 



An unserer stelle (RV. 1, 174. 3) ist übrigens die 
bedeutung „fressen" nicht gerade notwendig. Man 
käme anch mit „kleiden, einhüllen" aus, das dann 
hier bildlich stehen würde- Dauebea dann die dritte 
möglichkeit nach dem Ptbg. Wb. (s. o,). 
Jedenfalls ist die auffassuag der form als infinitiy, wie es 
die Ptbg, Wörterbücher, Brannhofe r, Geldner und zuletzt 
Bartholomae thun, völlig gerechtfertigt (vgl. oben § 10), 



I 



§ 12. 
Der ablatiTiJiche iMnitiv auf -toh bei präpo^itioneti. 

Bei L 



Aus dem RV. ist eine stelle hierher gehörig. RV. 1-41.9; 
catnrti^cid dddamänäd bibhiyäd ä nidkatolh 

Delbrückj Altind. Synt s. 418 sagt nur: ^die bedeu- 
mng ist mir nicht klar**. — Ich stelle zunächst die vei*- 
»diiedenen mir bekannten Übersetzungen zusammen. 

M. Müller j Essays 1. 38: „möge der mensch ihn fürchten, 
der die \ier (würfel in seiner band) hält^ bevor er dieselben 
fdederwirü*'. 

Wilhelm, De inünitivi forma et usu 7 giebt eine Über- 
setzung von Müller: ^priusquam iaciat**, 

Geldner^ 70 Lieder des RV. s, 20: „man scheue bis ans 
aide gottj der in der band die lose hält^. Dazu die note: 
^dgeotlich die vier, d* h* die vier würfel, als bild für das 
«atscheidende los^ das erst erkannt wird^ wenn der wurf ge- 
faUen mV*. 

Ludwig (nr. 93): „der dürfte fürchten sogar, wenn er 
die vier (Varuija, Mitra, Äryama, Bhaga) besitzt^ sie aus der 
hand lassen (zu müssen)**. 

6 rassmann: „den, der die vier würfel heget, scheue 
van^ noch ehe der wnrf fäUf*. 

Kapp US, a. a. o. 57: „der dürfte sich fUrchten, auch 
wenn er die vier besitzt, vor dem aus der hand lassen müssen**. 
Dazu: „hier sind zwei ablative, von denen der erste dada- 
immtäi an den zweiten attrahirt ist**. 
^^k *^L u d w i g und ihm sich anschliessend £ a p p u s sagen, 
^^^^ dass der ablativ äadawinai durch attraction an den 
^^^B^ Infinitiv zu erklären sei. Attraction wird ja vielleicht 



Frite WoMP, 



auch beim subject (ageos) stattfinden können^ aber 
Ludwigs beispiel^ dass er Commeiitar L 98 erwähnt 
um die in dädamanäd ä ntdhätoij vorliegende con* 
straction plausibel ^u machen, RV, 2. 29. 6: trädhvani 
kartäd avapadaJji. „rettet vor dem fall in die grübe'' 
(Ludwig nn H>8), zeigt die attractiou beim object. 
Stände das ä nicht da, so könnte man an eine sonst 
vorkommende constrnction von bhi- „sich fllrchten** 
denken, nämlich dass es mit zwei ablativen verbunden 
Vird. YgL Delbrück, Altind. Synt 111 zu RV, 10. 
138.5 (dtat aus Gaedicke): mdrasya viijräd alMhed 
ahh%§nathali „sie fiirchteten sich vor dem keile des 
Indra, vor dem zerschmettern, d, h. dass er sie zer- 
schmettere** (s. u, § 20)< Vielleicht haben wir an 
unserer stelle (HY. L 41. 9) statt & nidfuitoh zu lesen: 
ämdhatoh; dann wäre es möglich, hier ähnlich zu 
übersetzen; etwa: „möge er sich vor dem die vier 
haltenden fürchten, vor dem niederlegen, d, h. dass 
er sie niederlege**- Doch liegt kein giltiger grund vor, 
die richtigkeit des überlieferten textes anzuzweifeln, 
so dass wir ä als selbständige präposition auffassen 
müssen. Müller und Grassmann übersetzen, als 
ob purn stände; wenngleich es den sinn nicht 
wesentlich verschiebt, ist es doch ungenau. Das „bis 
ans ende" Geldnera ist sehr frei. 
Man hat hhl-^ wie es sich im Veda öfter findet, nach 
Müller 7 Grass mann und Geldner mit dem einfachen 
ablativ dessen, vor dem man furcht hat, zu constmieren ; ä 
nUifiätoh „bis er sie (die vier) niederlegt**. Dabei braucht 
nicht aufzufallen, dass aus dem ablativ dddamanät das agens 
zu nidhatoh gezogen werden muss. 

Ganz andei-s fasst Bergaigne, Religion vßdique B, Ib^ 
die stelle auf; er übersetzt: „Qn*ou craigne d'etre enlac6 par 
celui qui en retient meme quatre** (s. dort das nähere); er 
läset ä unüberset2t (vgl. Ludwig), 

Es ist dies — RV. 1. 4L y — der einzige beleg für A 
bei den infinitiven auf -toi} im RV, Siehe noch aus dem 
AV* 12. 3, 55ff. : tarn no gopäyatüsm&kam tUtoli^ oben § 10. 

In der prosa wird a dann häufiger; trotzdem ist der ge- 
brauch nicht sehr mannigfach und auf eine nur geringe anzahl 



I 



^^ Iß 



ave des 



nnd InmiBcli^ti. 



roa formen beschränktj und zwar darum , weil viele parallel- 
stellen vorhanden sind* 

Der Infinitiv steht in vielen fallen ganz freij ohne object 
und auch ohne ansgedriicktes subjeet (agens). 

MS. l. 10. 19 (159. 4): ä tdmitolL Delbrück ^bis zum 
eischöpflsein*^. 

TS* 6, 4. 5. 6: yädi därS syäd & tämitas ii^fhet „wenn 
er weit wäre» wilrde er bis zum erschöpftsein stehen", -- 
Ebenso öder ähnlich TBr. 1. 4. 4. 2 (Käs. zu Päpini und 
H. Ptbg. Wb.) - Tä54. Br. 9. L 38 - 13. 1. 1- 17 - 
Lity. S. 9, 15 — Äpast. (alle im Kl. Ptbg. Wb,) — SB. 3, 

SB. 12. 5. 1. 1: täd ih&ihe liotavyam manyata ägantor iti' 
s. o. § 8, 

TS. 3, 3. 7. 3: äiha käsmäd aindro yajM ä sartisthMoh- 
Delbrück: „aber warum ist das opfer indraiseh, bis es zu 
ende ist''. 

Ist dad agens des infinitiys ausgedrückt^ so steht es im 
gcuetiv. 

MS. 4, 2. 1 (23. 3): Ä . . mifyasySdetoh. Delbrück: „bis 
suiD aufgeheii der sonne**. Die gleiche Verbindung auch Tä^^^J. 
Br- 9, 1. 38, 

MS, 1, 4. 10 (58. 13) : dulukhaläyor üdvaditoh, Delbrück : 
«bis möi-ser und stüssel ihre stimme erheben'*. 

Ebenfalls hierher möchte ich stellen TS. 3, 3. 1. 5: idam 
aham adibjän hadhnämy n ^mmmdd arnmyai ^o ^vagantoh: 

S, 0. § 10. 

Das Prädikatsnomen steht im ablativ; es ist dies, wie 
Delbrück, Altind, Synt 90 sagt, eine wirkliche attraction. 

MS. 3, 5. 9 (59. 5): ä medhyad bhävitah „bis zum rein- 
wcrden''. 

Das object wird verschieden ausgedrückt, meistens durch 
den genetiv, 

iSB- L 7. 1. 15: A tis^tjtätn dogdhoh^ Delbrück: „bis zur 
melknng von drei kühen". 

AB. 7. 2. 6: a Sariräiiäm ahartob. Delbrück: „bis zum 
herbeibringen der leichen". 

Der accusaüv des objecto findet sich TS. 3. 5. 1.5: kämam 
^ mjanitoh sambhavauti „sie begatten sich^ bis sie (den gegen- 



24 



Pritz WoUF, 



stand der) liebe erzeugen''. — An derselben stelle noch ein- 
mal ähnlicb. 

Die directe rede als accusativobject verwendet findet sicli 
OB. 1* 5. 2. 10*): 30 ^ähvaryiir näpavyühareä & y^J^ti väktofi, 
Eggeling 1. 141 ; „the Ädhvaryu ranst ntter nothing improper 
until he pronounces (the word) 'yaja'**. 

Auffallend ist das erscheinen des subjects(agens)- imd 
objectsgenetivs hei diesen (oj^^-infinitiven. Dass es genetivi 
subjectivi und objectivi sind wie im deutschen „der nntergaog 
der sonne" und ^das herbeibringen der leichen" wäre ja an 
sich möglich (vgl. oben s. 3 ende). Aber neben dieser annähme 
von nominal construierten Infinitiven lie^gt hier bei den abl- 
gen. infinitiven wohl noch eine andere erklärungsmögUclikeit vor. 

Die genetive können vielleicht eine erklärnng finden, 
wenn man annimmt, dass die ^o^i-infinitive nach A nicht nflx 
ablativisch, sondern bisweilen auch genetivisch empfunden 
wurden, und dass wir dann eine attraction dazu zu erkennen 
haben. S. näheres unten bei pura. Ich meine daher, dass 
man besser tnt^ nicht wie Delbriick mit Substantiven zu über- 
setzen, sondern mit einem vollen verbalsatz: „bis die sonne 
untei-geht". 

§ 13. 
Bei puräy puräst ät^ arväcinam. 

Aus dem RV, kommt, ebenfalls wie bei i, nur eine stelle 
in hetracht. 

RV. 3. 30. 10: ptt^rä hdntor bhäyamano vy ära. Del- 
brück „vor dem schlagen verzog er sich, voll furcht". — 
Ähnlich Ludwig (nr. 497) und O rassmann. Diese Über- 
setzung giebt den sinn nicht scharf wieder; sollte der Ver- 
fasser es so gemeint haben, so würden wir eben den einfachen 
ablativ vorfinden. Man muss also übei'setzen: „furchtvoll 
verzog er sich, bevor der schlag flel*"* 

Aus dem AV. (19, 56* 2.) haben wii^ ebenfalls ein beispiel^ 
das wegen seiner an die prosa erinnernden gebranchswelse 
mit jenen heispielen angeführt werden wird; s. unten s. 25. 



^) Die steUe fehlt h«i BruimhofeF a. a. o. 



Die ittfiDttive Um ludlBch^n mul Iramflcheti. 



u 



Der gebrauch von purä geht in der prosa dem von ä 
pixallel. Der Infinitiv steht frei: 

Gop. Br, 3» 2. 10- pura pramritohi^ im Kl. Ptbg. Wb, bd, 4, 
131 sp, 3: „bevor er ans werk geht*^. — Ähnlich Vaitän» 16. 5. 

Das sabject st^ht im genetiv; so: 

MS. 1 , 60. 1 (102. 1 ) : purä sürya^Sdetoh. Delbrück: 
^Tor dem aufgehen der sonne"". — Ebenso MS* 4, 5. 2 (6ö. 10) 
und Ait. Ar, (Kl. Ptbg. Wb.)- 

Das Objekt steht im genetiv; so: 

AV. 19. 56. 2: purä ratryti janitoh „bevor er die Nacht 
erzeugte*** Whitney, Index verzeichnet das wort nicht als 
Infinitiv, wohl aber Ludwig, Infinitiv s. 44j es ist nicht zu 
bezweifeln, dass er recht hat. 

Während wir bei ä das object der #at-Infinitive ebenfalls 
stets im genetiv sahen, liegt hier doppelter gebrauch vor ; und 
das, glaube ich^ bestärkt die annähme, dass es sich in beiden 
fällen um eine attraction handelt, indem sowohl bei ä wie bei 
purä die Infinitive als ablativische und als genetivische em- 
pfimden wurden. An und fUr sich konnte man den toh-toTmen 
diese doppelte bedeutung unterschieben, oh ist eben ablativisch- 
genetiviscber casusausgang; und ausserdem war in einer an- 
zahl der davon abhängenden objecte die Unterscheidung eben- 
falls unmöglich, indem ja bei fast aUen nominalstämmen ablativ 
iiud genetiv zusammenfielen. 

MS. 4. 5. 3 (66. 12): purä vücaJj, prdvaditoh. Delbrück: 
,vor dem ertdnenlassen der stamme'', — Ebenso AB. 2, 15. ^ 
- TS. 3. 2. 9. 5. — Delbrück, Altind. Synt. s. 431 nimmt 
cffrd^ als ablativ, indem er zum beweis anführt: 

Tä5i4^ Br, 31. 3. 5: pura mghhyait samp^ctvaditoh. 

Ganz zuverlässig ist diese stütze wohl nicht; allerdings 
wird Whitneys auffassung, Orammar § 983, der übersetzt 
.before the utterance togetber of the voices**, also väghhyaJi 
mit sam verbindet, nicht zutrefi'en; wir würden dann den 
iostrumental erwarten. Aber auf alle fälle ist sicher, dass der 
nbjectsablativ vorkommt. So: 

. TS. 6. 1. 3. 8: purä dahinübhyö netoh^ Delbrück: 
,ehe man die opferkühe herbeibringt*** — Whitney, Grammar 
I 983 übersetzt dieselben worte (mit Stellenangabe Äpast.) 
i^before the gifts are taken away"j er nimmt also däJQtinabhtfah 
als snbjeet und fasst den infinitiv i^assivisch. 



26 Fritz Wolff, 

Das object erscheint im genetiv: 

MS. 1. 4. 5 (52. 14): purä vatsänäm apäkartoh- Del- 
brück: „vor dem wegtreiben der kälber**. 

Für purästad verzeichnet Delbrück s. 431 zwei stellen, 
die völlig gleich sind: 

MS. 1. 8. 6 (124. 10): purästaddhotoh „vor dem opfern". 
— Ebenso 1. 8. 7 (125. 11). 

Eine stelle (ebenfalls ans Delbrück) liegt für den 
gebrauch des infinitivs bei arvadnam vor. 

MS. 4. 3. 9 (48. 13): ydd evä kintcärväcinain jänitor 
ena]} karoti. Delbrück: Jede sünde, die er vor dem geboren- 
werden begeht". — Auch das Ptbg. Wb. giebt keine weiteren 
hierhergehörigen stellen an. 

§ 14. 

Bei madhyä. 

**Über die entstehung der form madhyä selbst scheint 
man sich noch nicht einig zu sein. Man sah es wohl 
ursprünglich — abgesehen von älteren anschauungen, 
z. b. bei Bopp, Grammatik 3. 286, der madhyä 
für eine Verstümmlung von madhye erklärt — 
für einen zum adverb erstarrten instrumental an; 
so die Petersburger Wörterbücher und Grassmann; 
Hillebrandt, Veda-Chrestomatie s. 107 hält es für 
eine contraction aus inadhya (d. i. Sandhiform ffir 
madhye) + ä, also locativ + postponiertem a. Dagegen 
spricht sich Bartholomae, BB. 17. 344 aus. 
Bartholomae selbst hatte BB. 15. 21 no. madhyä 
aus *maähya'i-& hervorgegangen erklärt, fügte aber 
BB. 17. 344 hinzu, dass es auch instrumental sein 
könne. Jetzt hat auch Wackernagel, Altind. Gram- 
matik s. 279 Bartholomaes erklärung angenommen, 
und diesem schliesst sich Brugmann, Grdr. 1. 860 
in dem kapitel über haplologie, wo er auch madhyä 
erwähnt, an. Neuerdings aber. Kurze vergl. Gramm. 
§ 579 behandelt er es unter den instrumental- 
adverbien; allerdings steht über den beispielen, mit 
denen sich madhyä zusammenfindet: „instrumen- 
talisch oder locativisch'' ; man kann also nicht sicher 
sein, wie es Brugmann auffasst, und warum er es 



I>ie InfimtJTe des IndlBchen oiid Iranbcheü. 



2t 



nicht unter den locativadverbien behandelte. — Am 
wahrecheinlichaten ist wohl Bartholomaes er- 
klämng in BB, 15. 21 no.; auch das Avesta stützt 
diese erklärnng, wie Barth olomae^ GIrPh, 1. 232 
noten zeigt. Vgl noch Jjudwig^ Infinitiv s. IL 
Anch die hedeutiing scheint in den wenigen vor- 
iiegenden Formen eher an einen locativ zu mahnen. 
Die form madhyä ist nach dem Ptbg, Wh* nur im RV, 
und zwar an vier stellen. Davon fallt eine stelle für 

llJiTliier fort: 

*RV. 10. 61. 6; madhyä yät kdrtvam ähhavad abhike. 
Das Kl. Ptbg. Wb. giebt dafür die bedeutung „ in- 
zwischen'* und Grassmann übersetzt: „was in- 
zwischen zu tun war'*, tässt dabei aber abhike aus. 
Ludwig, der (nr* 997) übersetzt: „als mitten im 
verlauf war beim zusammentreffen der Vorgang'', nimmt 
madhyä als localis wie EV. 1. 115. 4 und 3. 38. 4. — 
Geidner, Ved. Studien 2* 33 zeigt, dass abhika- ^da& 
stürmische reucontre der liebenden" bedeute. Das 
lied ist ein ganz spätes und wohl zum teü, wie 
Grass mann sagt, absichtlich verdunkelt. Viel- 
leicht könnte man statt madhyä liier madhje lesen 
und es zu abhike ziehen : „mitten in dem liebessturm*' ; 
die art des ausdruckes ist ja im Veda häufig, z< b. 
BV. 7. 68. 7: mädhye samudre. Jedenfalls kommt 
diese stelle für uns nicht in frage. 
An den drei übrigen stellen steht madhyä mit einem in- 

initiv auf 4oli verbunden: HV, L 115. 4 — 3. 38. 4, beide 

male mit kdrtoh; 1* 89* 9 mit gantoh> 

RV. 1, 89, 9: mä no madhyli riri-^atäyur gäntoJi, Ludwig 

IßT. 191): ^ hemmt ans nicht mitten im erreichen der (uns 

bestimmten) lebenslange"* 

Grass mann: „brecht unser leben nicht in seinem laufe 

ab^; ebenso Bergaigne, 40 hymnes s. 52: „ne blessez pas 

EOira vie a mi-chemin''. 

Wilhelm, Infinitiv s, 7: «ne nobis in medio cursuprae- 

icadiitts vitam^. 

••Die drei Übersetzungen stimmen darin übereiu, dass 
sie madhyä gäntoh zusammennehmen. Ludwig, 
Infinitiv s. 44 hatte übersetzt: „schädigt uos nicht 



28 



Frite Wolff. 



mitten unser bestlnimtaB alter zu erreichen" ; er hatte 
also madhyä ganz absolut iinfgefasst und den infinitiT 
von rimata abhängen lassen. Auch Wilhelm (s. o.) 
fllhrt diese stelle nur zögernd an, mit verweis auf 
RV, 3.54. 18: tjuyota m anapatpAni gäntoJ^. Stände 
an unserer stelle nicht madhya im veree, so kdnnte 
man sieher den infinitiv auf dieselbe weise wie hier 
erklären. So aber muss man ihn, wie es jetzt wohl 
alle thun, zu madhyä ziehen. Es bleibt die frage, ob 
wir äyuh zu rlri^^ia oder zu ifänioli zu nehmen haben. 
Ludwig wird wohl recht haben, es von gantoh ab- 
hängen zu lassen. Vgl, mrvam ät/ttr eti Delbrück, 
Altind. Synt. s, 167: „er erreicht das volle alter" ^ 
so dass wir einen aceusativ der richtung hätten ; aber 
auch als aceusativ des Inhaltes kann man es auffassen, 
wie pantham, ^ium eti ^ör geht den weg, den rechten 
weg** (Delbrück s. 169) und brahmacaryain carati 
„er wandelt den lehenswandel der Brahmanen" (s. 170). 
In diesem fall wäre apuh gäntoh ein begriff: „sein 
leben gehen, d, h. leben '^. — Delbrück s. 418 über- 
setzt unsere stelle: „ehe wir zum alter gelangen**. 

RV. 1. 115. 4: madhyä kärtor mtatam ^t^m jobhüra, Örass- 
mann: „im wirken rollt den aufzug er zusammen"*. 

Ludwig (ur. 128): „die weitausgespannte hat er, nach- 
dem er sie in unsere mitte gebracht, wieder zusammengerafft" • 

Gel du er, 70 lieder des RV.r „die arbeit ruht, wenn 
auch nur halbvollendet**, 

Gelduer, Ved, Studien 2* 189: „mitten in ihrer arbeit 
rollte sie das ausgespannte zusammen^* 

Ludwig, Infinitiv s. 44 sagt (vgl. oben seine Übersetzung), 
hier wie in ä. 38. 4 sei die bedeutung: ^postquam in medium 
jrrotulit". Im comraentar L 131 f. nennt er seine Über- 
setzung unbefriedigend und schlägt für 1. 115. 4 und 3. 38. 4 
eine textänderung in adhyäkartah vor, das «ji«| Xiyofi^vav 
wäre; wenn dies auch fllr h 115. 4 textlich möglich wäre, so 
wüsste ich doch nicht, wie man dann den infinitiv erklären 
sollte* — Geldners Übersetzung in den 70 liedern ist sehr 
frei, dagegen wird die in den Ved. Studien wohl sinn und 
text am besten wiedergegeben; vgl* Yäska Nirukta 4. 11: 



i 



Dl« in&iiitire des Indiiclien and IrgubclieQ. 



29 



karfnaiiam. Ich würde mit Delbrück 8. 418 „vor 
^StDdung des Werkes" übersetzen. 

RV. 3. 38* 4: madhyA kdrlor ny adhac chäkma dhlrcJi. 
Ludwige (nr, 132): ^sie in unsere mitte zu bringen, schaffte 
«eine arbeit hernieder der weise" (vgl. oben zu 1. 115. 4). 

Roth, 70 lieder des RV. s. 4ü: „sein werk giebt auf 
der künstler mitU?n drinne^ (Aus ZDMG. 24. 306,) 

Geldner, Ved. Studien 2. 189: „mitten in ihrer arbeit 
beseitigte ihr werk der kluge". 

Es lässt sich hierzu dasselbe wie zu 1, 115. 4 sagen; 
aach hier wird Geldner wohl am genauesten übersetzen. 

Die Frage ist nun: haben wir es bei madhya mit einem 

»hlati vischen oder genetivischen Infinitiv zu thun? Delbrück, 

Attiad. Synt, s. 418 sagt, der genetiv scheint natürlicher, es 

Ueese sich aber auch wegen der bedeutungsvenvandtsehaft mit 

|iiird der ablativ rechtfertigen. Auch abgesehen von (üesem 

letzten argument, glaube ich, dass sich der ablativ erklären lässt, 

mid zwar aus der bedeutung von madkyä heraus: der sinn 

der einzelnen stellen ist nicht „in der mitte von etwas** oder 

gÄT wie das Ptbg , Wb. angiebt ^zwischen" ; die bedeutung ist 

vielmehr ^mitten heraus aus, mitten weg von". Obwohl 

also sonst mmiJiya- (als adjectiv) mit dem genetiv verbunden 

wird, würde ich die Infinitive bei madkyä als ablativische 

auffassen, 

§ 15. 
Ma 1, 6. 5 (94. 8), 

MS. 1. 6. 5 (94* 8) : t&d eväm veditor nä tveväni käriaväi 
ist die einzige stelle, an der ein Infinitiv auf -toh die ablativiscli- 
f&netivische bedeutung nicht mehr erkennen lässt Vgl. dazu 
oben § 7, 

§ 16. 
Anhang zu den foiti- Inflnitlveii. 

Whitney, Wurzeln s. 69 führt bei dagh- ^reichen bis 
ao- -daghoh (SB.) an, Es findet sich an zwei gleichen stellen, 
^B. IS. L 3» 4 und 13, 2, 1. 0: }M)ar6 vä e^afi pärätl pradäghoh. 
Eggeling 5. 2H1 : »,he would be liable to fall (pass)rright 
away**. Das Ptbg, Wb. sagt, es stehe irrig praddghoh^ die 



30 Fritz Wolff, 

richtige infinitiyform müsse *pradaghitoh lauten. Im El. Ptbg. 
Wb. heisst es „fehlerhaft für praddghaJ}'* ^ aber im Commentar 
(in Webers Ausgabe s. 1009) steht pradagdhob. Das einzige, 
was f&r die ändemng in *praddghal} ausschlaggebend sein 
könnte, wäre der accent. 

Dass prädagdhoh die normalform, ist ganz klar; aber das 
oh allein wurde schon als genügend infinitivbezeichnend em- 
pfunden; wie oh : tob so gab es ja auch aye:iaye\ viel- 
leicht übte auch die scheu, in prädagdhoh eine mit dem in- 
finitiv von dah- „brennen'' gleichlautende form zu schaffen^ 
eine unbewusste Wirkung nach pradaghoh hin aus. Jedenfalls 
muss man pradaghoh als lecüo difficiUor stehen lassen. 

Auf fälle wie diesen wies der letzte — dritte — absatz von» 
§ 3 hin. Ich halte es deshalb durchaus für unnöthig, das über- 
lieferte pradaghoh zu ändern. Es ist eben eine „augenblicks- 
bildung^, die wie jede solche bildung aus dem rahmen der 
übrigen syntaktisch gleichstehenden formen herausfällt, darum 
aber nicht minder existenzberechtigt ist als jene und jedenfalls 
nicht blos darum beseitigt werden darf, weil sie allein steht» 





Inflnitire auf -toh. 


attoh (B.) 




+sam9 


SB. 13. 5. 1. 14. 


ärtoh (B.) 


AB. 8. 20. 18. 


+*«' 


TS. 3. 2. 10. 5 — 5. 2. 8. 2 - 




SB. 13. 1. 2. 4 — 10. 1. 4. 13. 


etoh (V. B. S.) 


EV. 3. 15. 5-3. 38. 3. 


-Hi» 


AV. 13. 3. 55 ff. — AB. 8. 7. 9, 



-{-abhyupa^ AB. 7. 29. 2—4. 

+Md MS. 4. 2. 1 (23. 3.) - 1. 6. 10 (102. 1) 

— 4. 5. 2 (65. 10) — Tä?4. Br. 9. 1. 38- 
Gop. Br. 3. 2. 10 — Ait. Ar. 

+pra^ AB. 8. 7. 8. 

-hpra^j/*» AB. 6. 30. 7. 
kampitoh (B.) 
kdrtoh (V. B. S.) RV. 1. 115. 4 — 3. 38. 4. 

-Hipä^ MS. 1. 4. 5 (52. 14) — Gk)p. Br. 3. 2. 10- 

-^^nirnix^ AB. 1. 14. 5. 
krämitoh (B.) 



Die infinkiTe des Indischen and Iranischen. 



31 



kfanitoli (SB.) SB. 14. 8. 14. 4. 

kfetoh (B.) 

kfeptoh (B.) 

(kfeptoh RV. 10. 51. 6 bei Delbrück, Altind. Verb. s. 227 
ist za streichen, da k^epnoi}, za lesen.) 

kfobdhoh (^B-) 

äB. 1. 1. 2. 22 — 3. 4. 1. 14. 

EV. 1. 89. 9 — 8. 54. 18 — SB, 8. 3. 4. 6 

SB. 18. 3. 3. 5 — 18. 2...? (s. Brnnn- 

hofer, BB. 10. 248) - TS. 5. 4. 12. 3. 

TS. 8. 3. 1. 4—5. 

OB. 13. 5. 1. 1. 



-Mrt» 
gäntoh (V. B.) 



+dv<f 
-Hi« 
^rofttfoi^ (B.) 
earitoh (B. S.) 

eyotoi^ (läB.) 

+prd* 
idnitoft (V. B. S.) 



jtet«* (B.) 
tapH (SB.) 

tamitoJ!! (B. S.) 



«M^oi^ (B.) 

+prdo 
Attoft (V. B.) 

+prd*» 
%I^/^ (B.) 
ioeftoh (SB.) 
<ft«o?r (V. B.) 

nefoi^ (B. S.) 



-MiV 



ip 



Gop. Br. 8. 2. 10 — Vaitän. 16. 5. 

OB. 1. I. 2. 22. 

RV. 4. 6. 7 — AV. 19. 56. 2 — 

AB. 1. 25. 13 — 8. 7. 6 — SB. 8.2.1.31 

MS. 4. 3. 9 (48. 13). 

SB. 8. 1. 2. 21. 

TS. 8. 5. 1. 5. 



OB. 18. 8. 4. 11. 

OB. 8. 4. 2. 21 — TS. 6. 4. 5. 6 — 

MS. 1. 10. 19 (159. 4) — TBr. 1. 4. 4. 2 — 

Täp^. Br. 18. 11. 17 — Läty. 8. 9. 15 — 

Äpast. 

OB. 18. 5. 1. 15. 
RV. 7. 4. 6. 
TS. 8. 1. 8. 2. 
SB. 1. 7. 1. 15. 
SB. 8. 3. 4. 6. 

RV. 1. 41. 9. 

TS. 6. 1. 3. 8 — Äpast. (Whitney, 

Grammar § 983). 

MS. 8. 5. 1 (47. 17). 



32 Prita Wolff; 

pattoh (B.) 

+0" OB. 9. 5. 2. 1. 
patoh (KB.) 

6Mtn«o// (B.) SB. 3. 2. 1. 31 — 5. 1. 1. 9 — 9. 5. 2. 3 — 
MS. 3. 5. 9 (59. 5) — 8^4. 8 (56. 5) — 
TS. 3. 2. 10. 2 — Ait. Ar. 

mathitoh (B.) AB. 1. 10. 2 — Ta94. Br. 7. 7. 15. 
modttoi^ (B.) 
mantoh (B.) 

+a6M<' SB. 12. 5. 1. 16. 
mardüoh (B.) 
metoh (B.) 

+prd° TBr. 1. 3. 10. 10 — MS. 3. 8. 2 (94. 1). 

yotoh (RV.) RV. 6. 18. 11. 
rantolf (B.) 

-W? AB. 8. 48. 8. 

roddhoh (B.) AB. 1. 10. 2. 

vaMoh (B.) äB. 1. 5. 2. 10. 

«dditoi^ (B. S.) TS. 3. 1. 2. 6. 

+üd<> MS. 1. 4. 10 (58. 13). 

+prd<» AB. 3. 15. 9 — Gop. Br. 3. 2. 10 - 
TS. 3. 2. 9. 5 — MS. 4. 5. 3 (66. 12). 

+sampra? Täp^. Br. 31. 3. 5. 
varstoh (B.) 

+0," AB. 8. 18. 11. 

vastoh (RV.)«) RV, 1. 174. 3. 
veüoh (JB.) 

veäitoh (B.) MS. 1. 6. 5 (94. 8). 
iarücit (AA.) 

idritoüt (RV.) RV. 3. 53. 17. 
safiktoh (B.) 

sotob (V. B.) RV. 10. 86. 1. 
sMioh (B. S.) 

+«0^0 TS. 3. 3. 7. 3 — Gop. Br. 3. 2. 10 — 
Äpast. Sr. 1. 16. 11. 
svaritoh (JB.) 

häntoh (V. B.) RV. 8. 30. 10 — TS. 8. 1. 1. 3. 

+Miro TS. 8. 1. 8. 3 — Yäsk. Nir. 6. 2. 



>) Bei Whitney Wurzeln nicht nnter den inflnitiTen Teneichnet. 



Die itifinitive des Indischen und Iranischen. 33 

* (B. S.) 

+a« AB. 7. 2. 6. 

+pratyava'> AB. 7. 33. 6. 
litfwtfo// (B.) MS. 3. 1. 6 (7. 17) — 3. 2. 3 (19. 14) 

— 3. 7. 8 (87. 4) - 3. 8. 7 (104. 4) 

— 3. 9. 3 (1 16. 6) - 4. 7. 6 (100. 15) 
AB. 1. 30. 11 - TBr. 1. 1. 8. 4 

— TS. 3. 2. 4. 5. 

hitoh (B. S.) TBr. 1. 4. 4. 2 — MS. 1. 8. 6 (124. 10) 

— 1. 8. 7 (125. 11). 
hvdlitoh (SB.) 

-m" OB. 9. 5. 2. 1. 

Anhang (siehe § 16): 
^ra« SB. 13. 1. 3. 4 — 13. 2. 1. 6. 



Drittes Kapitel. 
Die arischen Infinitive auf -ah. 

Allgemeines. 

Päi^iui führt die infliiitive auf ~ah an den oben § 5 an- 
"fefthrten stellen an. Ausserdem vergleiche man 3. 4, 17: 
^pit^doh kdsun ^au s^ und t^'d wird in solchem falle as 
angefügt*"; die weiteren worte s. in § 5, 

Die Infinitive auf M^ sind formell genetiv-ablative von 
iurzelnomina, und zwar werden sie nur aus konsonantisch 
ausläutenden gebildete Das nomen zeigt sich stets in der 
ti€fstiüe der wurzeL In einem falle erscheint die wurzel 
ndt dem präsentischen nasal: nikmndali] das präsens ist 
^war nicht belegt, ;aber aus dem rm-particip "^k^ima- 
m erschliessen; vonSchroeder ändert allerdings an der be- 
Ireffenden stelle MS. 3. 2. 2* (17. 7) in nikmdaljt. Der accent 
nihl auf der wui-zelsilbe » auch wenn der infinitiv in der 
XQstmmensetzung erscheint. Ausnahmen sind ganz vereinzelt; 
80 jßidhäli und ri^äf/^ die man gleichwohl als inflnitive fassen 
kian (vgl. auch das § 20 Über nid^^t gesagte), — Eine auf- 
ftUige bildung ist nisßcüi (zu sar-) wegen seines -^; vgl. 
Bartholomae, BB. 9. 302. 

i ms twrgL Spnwhf- N. F. XX. 1. 3 



34 Fritz Wolff; 

Der gebrauch bewegt sich völlig im rahmen der tob- 
infinitive, er ist wie dort rein genetivisch-ablativischer natnr. 

Eine allgemein infinitivische Verwendung hatte Geldner, 
KZ. 27. 217 in einem falle angenommen, RV. 10. 95. 4: Ü90 
yddi vä^i hatte er dort übersetzt „so oft er zu essen ver- 
langte". Das wäre ein Infinitiv abhängig von vaS- „wollen". 
Geldner selbst hat später Ved. St. 1. 269 f. ü$ah als nomen 
erklärt. Es soll zu einem verb vas- gehören, dem er nun- 
mehr die bedeutung „spiessen, stechen" beilegt. üßoJ} bedeutet 
ihm jetzt „liebhaber"; er übersetzt „so oft der liebhaber 
nach ihr verlangt". Ob die Gel du ersehe fassung der stelle 
richtig ist, mag dahingestellt bleiben; soviel jedoch scheint 
mir sicher, dass die annähme eines ai^-infij)itivs, der anders als 
ablativisch-genetivisch gebraucht wäre, nicht zu halten ist. 

Der RV. bietet etwa 25 sichere belege des a/|-infinitiv8. 
Brunnhofer, der KZ. 25. 329. flf. nur 7 stellen anführt, 
fand, dass blos die beiden Sängerfamilien der Bhärgava und 
Kä^va die infinitive auf -aJji anwenden, und zog daraus Schlüsse 
auf die engen beziehungen der beiden familien. Da Brunn- 
hofer aber nicht das gesammte material berücksichtigt hat, 
und da die übrigen stellen anderen familien angehören, kann 
von einer solch einseitigen Verwendung der ab- formen nicht 
die rede sein. 

Auch in nachvedischer' zeit hat der gebrauch der ah- 
infinitive nicht zugenommen. Whitney, Wurzeln führt sie 
unter etwa 20 wurzeln auf. 

Es lag in der natur dieser büdungen, dass sie nicht all- 
zuweite Verbreitung finden konnten; sie vermochten sich doch 
nicht recht von dem boden loszureissen, auf dem sie geboren; 
sie waren und blieben in einseitigem gebrauch. Dass sich 
die ^oft-infinitive, obwohl sie keinen weiteren gebrauchsumfang 
besassen, eine Zeitlang üppiger verbreiteten, haben sie sicher 
der offensichtlichen bevorzugung des Suffixes tu- zur bildung 
von Infinitiven zu danken. 

§ 18. 
Ber genetivische gebrauch der infinitive auf -ah. 

Delbrück, Altind. Synt. s. 418 kennt für den RV. nur 
den ablativischen gebrauch. Doch kann man wenigstens ein 
beispiel für den genetivischen beibringen. 



Die infinitivit df^^ Indischen und Ira^cheQ. 



3& 



EV. 2, 28» 6; naht tväd äre ninim^ canese f^denn ich bin 
oicbt imstande fem von dir die angen zuzuthun*^. Säya^a giebt 
zwar nime.?asya, doch ist wie Lud wig im Comm, (nr. 83, bd. L 87) 
bemerkt die anffassung von fiinusaJi als Infinitiv vorzuziehen; 
80 thöt es auch Whitney, Wurzeln und Kl, Ptbg. Wb. Wir 
haben also eine construction wie bei den Infinitiven auf -tob: 
(fe mit genetiviscbem inflnitiv. Noch in einem zweiten fall nimmt 
Kl, Ptbg* Wb, einen genetivischen infinitiv an : apfcah in KV. 8. 
4Ö. 9; ich komme darauf unten § 21 zurück. 

Ebenfalls wie bei jenen ^a/ji*infinitiven finden wir in nach- 
?edischer zeit den gebrauch von iSvarä- mit infinitiv auf -alj. 
Aach die beziehungen von l§varä- 2\l subject und object sind 
in derselben weise geregelt wie dort (vgl. § 8). Nur fehlt die 
m&nnigfaltigkeit, die bei den Infinitiven auf -tofy erseheint, was 
ja schon in der geringen hänfigkeit der a4-inflnitive seine er- 
kUmng findet. 

tivarä- richtet sich nach dem subject des satzes. Das 
object des Infinitivs erscheint in dem casus, der bei dem ent- 
sprechenden verb zu erwarten ist 

MS. 3, 2* 2 (17. 7): l§varo v& e^a . . praßm paSün 
fdhmndäJ) (ansg. nih^idah) ^der kann mensch und vieh durch 
knarren umbringen**. 

TS. 1, 7. 6» 6: Uvaräyn vdi vratäm ävis][^am pradahoip 
jm nicht gelöstes geliibde kann zu gründe richten**, 

TS. S* 4. 9. 7: tü yät saha särvH^ nirväped tSvarä enatn 
fradaiwJt ^wenn er diese alle zusammen darbringt^ kdnnen sie 
ik verbrennen^. Ähnlich TS. 3. L L 1, 

SB. 12. 4 3* 4: üimrou vä etäu nirdähal}. Delbrück: 
,die beiden können verbrennen"*. 

MS* 3. 6. 6 (67 schlnss): tänp enam Utmräf]ti pratifmdaljt. 
Delbrück: „sie können ihn wegstossen". 

MS. 4- 3. 6 (45. 4): livarär^ vü etäm etäni chandämsi 
nirmfjaif „diese heiligen lieder können ihn wegwischen". — 
.Umüch MS. 3, 3. 1 (26. 12) und 3. 5. 1 (47. 17), wo Uvarä steht. 

TS. ä. 2. 1. 2: i^aro vü e^ä päräf't pradäghcJi „der kaUD 
mf nimmerrückkehr stürzen". Vgl. das Gr, Ptbg. Wb. <— Eben- 
n äß. 13- 1. ä. 4 und 2, 1, 6^ wo aber praddgholi steht. 
Brannhof er, BB. 10. 244 und Delbrück s. 431 tühren 
i&e&e stellen unter den oi^-inflnitiven an, ohne ein wort zu 

3* 



36 



Fritz Wolff, 



bemerken, dass das eine correctur ist, während Whitney» 
Wurzeln pradäghöh^ wie der text bietet, stehen lässt (vgl § 16)* 

MS* 4» l, 9 (IL 10): sei \§vaT6 ^Mnim tejma yäjamänasya 
pasün nird&h^^t* Delbrück: „er kann wenn er nicht besänftigt 
ist, dnrch feuerkraft das vieh de^ opferers yerbrennen*. 

TS, 5. 4. 4. 3 : Uvaro väi täni S^icä pradäkali „er kann j 
üiE durch kummer verbrennen**, 

§ 19- 
0er ablati?igcbe gebrauch der inflnitiTe auf -ah. 

Der ablativische gebrauch ist bei den o/t-ininitiven im] 
RV, ausgebildeter als bei den toift -infinitiven (vgl § 9 ff.)-] 
Besonders tiitt dies in ihrer abhängigkeit von verben hervor J 
Was ihren gebrauch nach präpositionen anlangt, so erscheint' 
neben pur& und ä auch r^e und in nachvedischer zeit in einem 
ffiJle prak; die Verwendung des a^j-iaflnitivs bei purä scheint J 
später nicht mehr vorzukommen (s. Delbrück s, 431). Äberl 
noch eine andere construction ist im Veda vorhanden: derj 
Infinitiv abhängig von nominibus. 

§20. 
]>ie infliiitive auf -oJjl von verben abhängeudi. 

Es kommt dieselbe kategorie von verben in betracht wiej 
bei den fo^/-infinitiven (vgL § 10), Ich ordne nach deren] 
bedeutung. 

Nach verben des „Schützens": pa-j tra-j rak^-, pari-tß-^ 

Nach pa-: 

RV, 3* 5. 3. (i : druho rmili sampfeaJi pähi sürfn f,schüt^e1 
die Opferherren davor, dass feind und Schädiger sie berühren*^.] 
— Ludwig (nr. 184): „nacbstellem und befeindung'*. Besser] 
ist der singular, mit attraction an den infinitiv anzunehmen/ 

EV. 3, 39, 4: vüräsah pätam mmän „schützt uns dav0r| 
zusammenzubrechen" . 

KV* 3. L 9: tmm . -pärnj adhfed}}, Ludwig (nr. 294); 
^du schützest vor angiiff^, ebenso KL Ptbg, Wb»; wenn rnanl 
aber adhf^aJi als infinitiv fasst^ und es spricht nichts dagegen^l 
wird man es wohl als passivischen nehmen müssen: „du 
schützest uns davor, angegiiffen zu werden*^. 



Die infinitive des Indiachen and Iranischen, 



37 



Auch nkhi}} Hesse sich als Infinitiv fassen, allerdings müsste 
es daim an allen stellen als passivischer infinitiv genommen 
werden. Der accent würde gegen diese annähme nicht allzu- 
sehr ins gemcht fallen; s. HficUi weiter unten. 

RV. 6. 6L 11: särasvati nidäs patu ^Sarasvati soll (uns) 
davor schützen angefeindet zu werden". 

Den accent auf dem suffix finden wir auch bei rUtaf^f das 
Whitney, Wurzeln trotzdem unter den infinitiven anführt. 
Dieconstruction spricht in der that in einer anzahl falle dafiir ; so 
HV. 1. 41. 2: yäm . ,päMi martyant ri^äli ^den sterblichen, 
den sie davor schützen schaden zu nehmen"* Ebenso 5. 52. 4 — 
k 67- 3. 

RV. 1, 98. 2: sä ?ro dim sä rmih pätu näJäam ^er soll 
wm tag und nacht davor schlitzen schaden zu nehmen**» — 
ÄkuUch 10. 87, 1. 

RV, 3. 31, 20: indra , . pähi no risiäJi; ebenso 6, 24* 10. 

In RV. 6. 3, 1 haben wir eine form ämhaliy die nur an 

dieser einen stelle erscheint und von G-rassmann im Wb. für 

einen ablativ aus mnh- t j,Enge*^ gehalten wird* Man wird 

oiffhoi^ wahrscheinlich auch als infinitiv fassen können* 

y&m . . päsi tyajasü märtam amhah. Ludwig (nr. 369) : 
^den du . . schlitzest den sterblichen durch Vernichtung der be- 
diiognis^j was, wie er im commentar selbst zugiebt, sehr hart ist* 
•*Oae decke, Accusaüv s. 289 hat tibersehen, dass 
das Gr. Ptbg* Wb. die stelle im nach trag erklärt; er 
tiisst mit gegen überstellung von mn^iomüc- „(aus) 
bedrängnis erlösend*^ in RV, 10, 63, 9. und yä , * ärßi^aso 
mucäi in 8. 24. 27 ämhah als „speciaHsirenden in- 
haltsaccusaüv". — Die Ptbg*er Wb.er geben an, 
mfiJial} stehe aui versende für iftphasiü/. — Geldner, 
Ved. 8t 2. 32, nimmt ämhasd als grundlage; ebenso 
stehe nie räcah für väcasah, sondern stets fiii^ väcam 
Geldner will dann tyäjasa und änihasä asyndetisch 
zusammengehörig gedacht wissen, tyäjas-^ dessen be- 
deutung Grassmann Wb* gegen Gr. Ptbg* Wb. 
mit ^wurfwatfe, angrifl'^ angiebt, sei vielmehr „zom, 
hass, feindschaft"; s* aber jetzt Oldenberg ZDMGp 
55* 280 ff,, der die bedeutung mit der des verbs ttjaj- 
in einklang zu bringen sucht, — Die stelle yäm , , 
pdm tydjmü mufiam ämh^h soll nach Geldner zu 



38 



Fritz Wolfll 



Übersetzen sein „welchen sterbUcben du schirmst vor 
häss und not"* Er muss sich also, um diese Über- 
setzung zu rechtfertigen, darauf berufen, dass zwischen 
instrumental und ablativ wechselbeziehung^en statt- 
finden, und dass muc- häufig den instrumental statt 
des ablativs bei sich führt; ob aber diese constrnc- 
tion auch bei pa- vorkommt, sagt er nicht, und das Gr. 
Ptbg. Wb. bat dafür kein beispiel; auch sonst habe 
ich nirgends etwas über den instrumental nach pa- 
gefuuden. Der Wechsel zwischsen instrumental und 
ablativ bezieht sich im wesentlichen auf komparations- 
instnimentale ; vgL Speyer, Ved. und Skt. Synt. s. 12. 
Das auftreten des iastrumentals bei muc- „lösen, ab- 
schirren" dürfte doch eine sehr leichte erklärung 
darin finden, dass es das gegenstück zu yu}- „ver- 
binden, anschirren" darstellt. 
Ich meine, dass man die stelle, ohne eine änderung und 
Unregelmässigkeit anzunehmen, erklären kann. ämhuJ} ist als 
passivischei* Infinitiv zu fassen und fyäjam von diesem ab- 
hängig; ich würde danach übersetzen: „welchen sterblichen 
du davor schützest, durch feindschaft bedrängt zu werden". 
Aui' diese weise käme auch die bedeutung von anihali deut- 
licher heraus. Allerdings ist zu bemerken, dass dwhah eine 
nicht normale form zeigt, da wir bei den ai -Infinitiven die 
tiefstulenfonn *dhah erwarten würden. 
Nach tra-: 

EV. 3. 29. 6: tradhvmii no devü nijüro vfkasya trädhvcoß 
hmiad avapädalji „hütet uns davor, dass der wolf uns fresse, 
hütet uns davor in die gi-ube zu fallen"* avapädah wird 
allgemein als infinitiv gefasst, karfät durch attraction erklärt; 
vgl. Ludwig, Comm. (zu nn 198, bd, I. 197). — Den ersten 
teil übersetzt Ludwig „rettet uns vor dem tode des wolfes^. 
Dazu fügt er im comm. hinzu: „Säyaoa nihaiiät; es ist wohl 
der elende tod des abgehetzten wolfes gemeint". Wenn über- 
haupt ein vergleich vorläge, würde er doch nicht in nijnrali^ 
sondern in vfkasya zu suchen sein ! Das Kl. Ptbg. Wb. verweist 
hn nachtnig auf Aufrecht, KZ. 27. 609 f., der die bedeutung 
„verschlingen^ feststellt, im übrigen aber wie Grassmann 
im Wb. nij^ als casus eines Substantivs fasst und übersetzt ^vor 
dem Schlünde (wörtlich dem verschlingen) des wolfes (ver- 



Die inBnitiTe des Indisclien und Iramschen. 



m 



fol^ers)". — Der parallelismus der beiden teile ist zu augeü- 
sebeinlich als dass man iß dem einen faUe ein substanti? 
(mjHrah), im andern einen infinitiv (avapäd^i) annehmen dürfte. 
^kasya ist entweder snbjectivisch zu nehmen: „dass der wolf 
fresse'^, dann sind stellen zu vergleichen wie purä siXrya- 
ßyiddölij oder aber man fasst den infinitiv passivisch „gefressen 
zu werden" und nimmt dann nfkasya als „vom wolfe**, mit 
atlraction an nijiiralh ^ 

Nach rate-: 

RV. 8. 48.5: te mä rak^antu visra$a§ cariträt Delbrück 
&» 111 (wörtlich); „sie mögen mich schützen vor dem abbrechen, 
vor dem flisse". 

**Delbrück hatte EV. 3. 29. 6: trädhvam kartM 
avapMah s. 90 übersetzt „rettet (uns) vor der grübe, 
dem faü"^. Auf diese weise kann es den anschein ge- 
winnen j als ob beide fälle gleichwertig seien. Beim 
letzten haben wir in kartM ein object zu avapädah; 
in 8* 48. 5 ist aber cariträt nicht etwa als Objekt zu 
visramb zu denken; hätten wir doch sonst eine con- 
struction im Indischen anzunehmen, die unserer 
deutschen entspräche ^^er bricht ein bein**, was eigent- 
lich ist „ihm bricht ein beiu*' (vgl Paulj Wh. s, 
80), msrä^salt bedeutet auch ursprüagiich eher „sich 
lösen, sieh ablösen, abfallen*^. Wii^ müssen in cariträt 
das subject zu der verbalen, in avasräsaf} aus- 
gedrückten thätigkeit sehen und übersetzen „sie 
mögen uns vor dem abfallen des beines schützen". 

Nach pari-yü- : 

HV. 6. 63. 2: pari ha tyäd vartir yäiho ris^h Geldner, 
Ted. Stud, 2, 31 „ihr haltet jetzt wache vor dem feind". — 
(xeldner verlangt s. 30 t für vartis- die bedentung ^ronde, 
w&chtgang", für vartir yä- „die roude fahren" (cu^im-ire) 
Er iibeiBetzt aber gamicht pdri^ das doch zu ya- gezogen 
werden mass. Grassmann, Wb.giebt f\lTpari-ya- die bedentung 
fhStend umgehen^. Und diese annähme wird wohl zutreffen. 
Da« davon abhängige rlmh kann man dann sehr wohl als 
(piÄivischen) infinitiv fassen, wie es auch Ludwig im 
Gmm. (zn nn 50 bd. L 58) trotz Säyaijas hhmakmya 
Wrafr will. 



40 ^^^r ^"ntz WoW 

Nach yie-. 

RV, 3. 33, 1 : mä nah sfm/asya samdfso ynyothüh ^hiadei?" 
uns nicht die soBne zu sehauen**; süryamfci ist attrahirt aa 
den infinitiv (vgl § 12 u. 13). Ludwig führt ini Comm* 
(zu nr. 708 bd. ü. 266) zum beweise des infiuitivcharaktei"« 
von sanidßa}} die folgende stelle an, 

TS. 1. 6, 6. 1: samdi§a$ te mä chitsi „man störe mich nicht 
dich zu schauen'*. Es ist das einzige mir aus nachvediscber zeit 
bekannte heispiel, das den Infinitiv auf -ah nach einem verb zeigt* 

Nach bhl-: 

RV, 10* 138. 5: indrasya väjrad abü/hed ahhUnäthalt. 
Delbrück s. 111 y,sie fürchtete sich vor dem keil des Indra, 
dass er sie zerschmettere" (vgL 8> 39 zu RV* 8. 48. 5)* 

RV* 10* 92. 8 : stiraS cid & harita asya riramad — indraä 
ä kä& cid hkayate tämyasal^ — bhimmya vf^o jathärad al)hi- 
^mso — divMive sähuri stmin nbadhitafi. 

Ludwig (nr, 239): „dem Svar sogar hat er die falben 
angehalten, vor Indra fürchtet sich jeder als vor dem 
stärkeren; der aufhaueh aas des furchtbaren stieres bauche 
donnert tag für tag siegreich unbehiuderf*. 

Grassmann übersetzt die erste hälfte ähnlich; die zweite: 
*,vor seines bauches sausen des gewaltigen Stiers (d. h. scheut 
sich jeder); der sieger donnert ungehindert, tag ftir tag", 

Kappus, Hg. ablativ s. 67 (wo die stelle unter den 
Verben des schalls angeführt wird: „der ausgangspunkt des 
schalls Im ablativ"): wie Ludwig* 

Grassmann und Ludwig (ebenso das Gr. Ptbg, Wb.) 
nehmen ^AkUväsat^i als nominativ eines nomens „der aufhaueh, 
das aufstossen'*. Delbrück, Altind. Verb. s. 227, W h i t n e y, 
Wurzeln, Kl. Ptbg* Wb. geben es als Infinitiv an; letzteres: 
„ablativischer infinitiv, vor dem herblaaen (sich fürchten)*^; 
ebenso Grass mann in der Übersetzung. Delbrück, Altind, 
Synt* hält die stelle für zweifelhaft — Somit hätten wii' hier 
wahrscheinlich einen Infinitiv» abhängig von hkayate^ das man 
aus der ersten sti^ophenhälfte ergänzen muss* 

Nach stabh' : 

RV. 3, 17. 5: ästabhmin niMyäya dyäm avasräsaf.i ^er 
sicherte durch kunstvolle befestigung den himmel davor ein- 
zufallen". Kl. Ptbg. Wb. „ne decidat". VgL aus dem Ave^ta 
Y. 44. 4, unten § 26. 



Bie MöitiTe am Indiachen un^ Tranischeö. 



41 



Vielleicht hierher, nach ubj-: 

RV. 4. 19. : ätarpmjo vüßa utja ürmim ; nach Gi\ Ptbg* 
Wb, (7.777) „Infinitiv oder adjectiv"; nach Roth (70 Lieder) 
ii^iutiT, ebenso Bartholomae, BB. 9. 302, Man würde 
d^in zu. übersetzen haben : ^du sättigest die fluten, du hieltest 
de davon ab zu entströmen*^, Kaegi (70 Lieder s. 66): 
,Die fluten stilltest, hieltest du zusammen^* Ludwig, der 
ach im Comm. gegen die auffassung als Infinitiv erklärt 
(or. 519): „du sättigtest die rinnen^ triebst an die wellen". 

Wir sehen, dass der iufinitiv auf -aJjt nach verben im 
Veda häufiger ist als der auf -töJi- — Aus der nachvedischen 
3£pit kenne ich nur eine hierher gehörige stelle, TS. 1, 6, 6. 1, 
die ich seite 40 angeführt habe. 

Der ablativiHcbe Infinitiv auf -ah «ach präpOHitioneu« 

§2L 
Nach L 

Der gebrauch des a/>-infimtivs bei ä ist selten (Delbrück, 
Altind. Synt. erwähnt ihn überhaupt nicht), vedisch wie 
nachvedisch* 

RV. 1. 15L 5: ä nimniüa tisäscü^ „bis zum vergehen der 
morgenrote" ; vgL MS. 4 2. 1 (23. 3) : ä tu smyasySäetoJi „bis 
zum auf gang der sonne**; freistehend erscheint mit derselben 
ted^tung & nimrumf) in RV* 1, 161. 10, 

Hierher möchte ich noch eine andere stelle ziehen, 

RV, 8. 40, 9: väsvo vlrasyäpfco yä ftü sädkanta no dhiyo 
mbhantam amfakS same, Brnnnhofer, KZ, 25. 344 führt 
ipfcoh unter den infinitiven an, allerdings als einen nicht ganz 
ddieren: ebenso ör. Ptbg. Wb. mit der bedeutung „sich 
sittigen** ; Kl. Ptbg. Wb. gieht an „genetivischer inflnitiv ; um 
m füllen, — sättigen RV. 8. 40. 9^. Delbrück erwähnt 
die stelle weder altind. Verb, noch altind. Synt. Grass- 
mann im Wb, bietet „Adj, erfüllend, durchdringend**; Lud- 
wig (nr, 754) übersetzt „an einen guten (um gutes an einen?) 
beiden wanden sich diese unsere lieder, die sich mm erfüllen 
idlen: hindern lassen sollen sich alle die anderen un- 
bedeutenden^. Qrassmann überträgt den schhiB „zerstieben 
*)B der feinde schar*^. Vgl. Ludwig, Comm. IL 299, wonach 
üe Wortstellung für beziehung von apfcali und dhUjali sprechen 
wU. Ludwig muss also wie Grass mann ein santi ergänzen 
luid sieht dann in äpfctj^^ ein adjeetiv wie jener. 



42 Fritz Wolff, 

Wie aber kommen Brunnhofe r und die Ptbg.er Wb.er 
zu der auffassung von apfcah als infinitiv? 

Ich glaube, wenn man statt apfcah liest *äpfcah und es 
in ^ + pfcah oder n + apfcah auflöst, lässt sich die stelle im 
selben Sinn wie die obigen erklären. Eline ähnliche Auflösung 
sahen wir oben (§ 8 Ende) Eggeling zu dB. 13. 5. 1. 1 
Yomehmen (Delbrück ä-gantoh, Eggeling ä ägantoh). Auf 
diese weise erhalten wir hier die Übersetzung ^ . . , bis unsere 
lieder, die sich nun erfüllen sollen, den guten beiden (Saya9a 
tavendrasya) zuMeden stellen (eig. sättigen) . . **. 

Auch aus nachvedischen texten führt Delbrück a mit 
infinitiv auf -aJ} nicht an. Ein Beispiel ist: 

AB. 8. 20. 7: a visrasah „bis zur gebrechlichkeit des 
alters". Im Kl. Ptbg. Wb. wird visr^ als infinitiv angefahrt. 

§22. 
Nach purä, j^e, prak. 

Es kommen nur wenige stellen in betracht. 

1) purä: 

RV. 8. 1. 12: purä jatrubhya atfdah „ohne die glieder 
zu zerspalten**; die attraction wie in 3. 29. 6 (s. oben § 20). 
Ebenso wörtlich AV. 14. 2. 47 und SV. 1. 3. 2. 1. 2. 

RV. 10. 97. 11: ätmä yähmasya na§yati purä jivagfbho 
yatha. Ludwig (nr. 1026): „es schwindet der Schwindsucht 
dämon, als wie vor dem der lebendes ergreift (dem tode)"; 
vgl. Wilhelm, De infinitivo s. 8, wo eine Übersetzung Roths 
gegeben ist. Im Comm. U. 559 findet Ludwig den rechten 
sinn der Strophe und übersetzt „ehe er noch gleichsam an das 
lebendige greift". — Die bildung eines solchen Infinitivs mit 
nominalcomposition braucht nicht aufzufallen; wir finden der- 
artige compositionen, die sicher infinitivisch gebraucht wurden, 
auch in anderen klassen. 

Wahrscheinlich wird man hierher auch RV. 1. 24. 4 und 
8. 78. 6 ziehen dürfen. 

RV. 1. 24. 4: SaSamanäli purä niddh, Ludwig (nr. 81) 
„geopfert, noch ehe der tadel kam". 

RV. 8. 78. 6: sä ynanyüm martyanäm . . cikl^ate purä 
nidä.^ ciklßate. Ludwig (nr. 616) „den zom der menschen 
spürt er auf; ehe noch (ihn) tadel trifft, spürt ers auf ; siehe 



Die inGnilive dei Indlscben und Iranischf^n. 



43 



dazu nach Ludwig, Comm. bd. ü. 177* — Besonders ün 
letzten fall scheint die auffassun^ von nidaJj als infinitiv eiu- 
leuchtend. Ludwig scheut sich oflfenhar, den infinitiv passivisch 
zu nehmen; mir scheint es das natürliche, da sonst ein ageos 
fehlte; also: „bevor er getadelt wird**; s. oben über nidäh^ § 20. 

Sicher hierher gehört VS, L 28: purä krurasya visfpah 
^ohne dass sich die Rohheit verbreitet'' (zu PäniniS, 4. 17.). 

AB. 3* 6. 14 (Yajug-Vers) : pnra nähhya api^asal^ «ohö^ 
den nahe! wegzuschneiden" (Gr. Ptbg. Wb.)^ Delbrück s. 431 
sagt, der ablativische gebrauch bei pura scheine in der prosa 
nicht belegt zu sein. 

2) ][ie an zwei vediachen steUen, 

RV. 8, h 12 (= AV. 14. 2. 47 = SV. L 3. 2. L 2): f*.^ 
eid (ü^hUrimh (purä jatruUiya ätfdal}.). Delbrück „ohne 
irgend ein verbinden", KK Ptbg, Wb. nimmt a^ als Substantiv, 
was wegen des parallelismns mit dem folgenden, durch pura 
eingeleiteten Satze nicht wohl möglich ist. 

RV, 8* 27. 17: jrte sd vindate yudha}i ,,ohne zu kämpfen 
trwirbt er**. Auf diese stelle weist Bartholomaej KZ. 28, 
23 hin, zum vergleich mit Y. 3L Ib: hanara västryehyä ae^mioM 
{%, unten § 25). 

3) präk ist anscheinend nur an einer stelle belegt, 
Eathop, 6. 4: prak sarlrabi/a visrmah „bevor der leib zu- 

ammenbricht" (Kl. Ptbg. Wb.). 



§23. 



f Der abist ivische infinitiv auf -ah bei nominibu!«. 

ll Ftr diese construction , die bei den to/^-infinitiven nicht 
I Torhanden war, verzeichnet Delbrück s. 418 einen einzigen 
I fall, des^sen sinu auch nicht einmal deutlich sei. 
I RV, 10, 108. 2: atiskädo bhiyäsa tan na avat Ludwig 

k(pr. 992) „aus furcht (vor der schmach) übersprungen zu 
Bferden hat das (wasser selber) uns geholfen". Die con- 
itraetion ist nicht sehr auffällig, wenn man in betracht zieht, 
wie die verba des furchtens behandelt werden, 

§ 24 
inh&iig zu den a/^infliiitiveu ; Iraui»che o^Hinflnitivei 

Hau hat die bildung der (arischen) a??4nfinitive auch auf 
irmischem gebiet gesucht und datur hier und da belege ge- 



44 



PtHe Wolff, 



bracht. Die eiozige form, die wohl sicher hierher gehört^ 
mr^, von Bartholomae, KZ. 28, 22 allein unter -a§ aas den 
Gäthas aiigefiihrt. Die bildung von mn) ist die gleiche wie 
die der indischen formen : sar^ geht znrtick aul' ^^^ro^ (s. dazu 
Bartholomae, KZ. 27* 204); wenigstens werden wii* das 
in antilogie zu den indischen formen annehmen müssen; sie 
entspricht also ganz der von nijurdl^i. Die stelle lautet: 

y, 49. 3: tu vüv}mL^ sar^ -^uya (so J» etc., N, A* isyüi) 
manavJWf das Bartholomae, Wh. sp* 1565 übei-setzt ^dram 
verlange ich, dass man sich an Vohu Manah anschliesse''. 

**Fiir das verb as- giebt Bartholomae, Wl>, sp. 342 
die bedeutung ^streben, verlangen nach". Dass der 
geneüv nach den verben des Verlangens indo- 
germanisch ist, zeigt die iibereinstimnmng der ver- 
schiedenen sprachen in dieser constj'uction ; vgL gr. 
öQdyö^ai Ti»'og etc* Bei dem mit ä£- etymologisch 
verwandten ai. ihate finden wir ebenfalls den Infinitiv; 
s. Gr. Ptbg. Wb. 1. 867. 

Die constniction manavhö mrj (statt des in- 
stmmentals manavha) ist völlig identisch mit der im 
altindischen vorliegenden attraction; s, die literatur- 
angaben bei Bartholomae, Wb. sp. 1565. Im 
Ördr. Ir. ?h. § 257 ist sar^ nicht angetlihrt 

Wenn Gregolre, KZ» 35. 111 sagt „Qnel qua 
soit le sens qne Ton donne k mrä, le genitif vav~ 
Jmis manavhö en depend", so kann man ihm ent- 
gegenhalten: wenn man sar- f, die ihm allein zu- 
kommende bedeutung „Vereinigung" giebt ^ nicht wie 
Darmesteter 1- 322 no, „Je dMre la maitrise de 
V. M," übersetzt, — so würde man doch eher einen in- 
st mmental dabei erwarten; denn unter den neun von 
Bartholomae, Wb. sp, 15(J4 angeflihrten fidlen, in 
denen sar- ein object bei sich hat, steht dies vier- 
mal im instrumental, und unter den übrigen fünf 
malen findet es sich einmal neben dem genetiv sarö 
(y. 31. 21 : xsad^'ahyü mrö . . vazdvar^), ein zweites 
mal (Y. 35* 8; amhya , . sairi mahya mr^zme) ist 
der genetiv aus dem gründe erforderlich, weil sar- 
in correspondenz mit V9r&z7ma- (mit genetiv) steht, 
und scblieülich an einer dritten stelle (Y, 53. 3: 



Die mfinitive dts Indiseben und IranisclieD. 



45 



vav}i^us ^paUyastlm manavhö , , dat saf*dm) ist der 
accusati%^ saram schon selbst von einem nomen ab- 
hängig, so dass die construction schwerfällig geworden 
wäre, wenn aach noch ein von sar- verbal ab- 
hängiges object hiezugekommen wäre. 
Barth olomae hatte BB, 9. 302 noch zwei andere 
IbmieD za den genetivisch- ablativischen bildiingen auf -a/> 
geeteUt: tmr^iö und frayratö. Würde auch die construction 
eme solche annähme zulassen, so dürfte ihr sicher die büdung 
der formen entgegentreten, besonders bei letzter. Ist das 4- 
auch in msrdtö noch einigermassen zu erklären — siehe 
Barth olomae, a» a* o,, wo er für die bildung auf aL visfta}.i 
BV. 4. 19-5 {s. 0, § 20) verweist, — so ist es bei frayrätö 
Undenkbar, Und so fasst er es denn jetzt (\Vb. sp. 977) als 
locativ zu frap-äfay- (raof:^at^hqm fr^ „beim erwachen des 
ti^slichts"), wie schon Geldner Studien s, 141 that; vgl. 
uoch Bartholomae, BB* 9, 311 uo, 7- — Die fassung von 
wi»rBtö als genetivisch -ablativischen inflnitiv auf -ak hat 
Barthotoma e schon Grdr. Ir. Ph. § 257 no. aufgegeben; 
s. uuten bei den locativischen Infinitiven, 

Es bleibt also nur ein einziger sicherer beleg fiir die alt- 
inftüitive im Iranischen übrig: sar^ Y, 49. 3. 



§ 25. 
inliaiig zu den er^-iiiflnitiveu: av. amavhö Y. 31. 1&. 

Ebenfalls ein «i-infinitiv, aber kein aus einem wunsel- 
iLomen abgeleiteter, ist das av, aenavhö, das Bartholomae, 
KZ, 2S. 22 als infiiiitiv aus dem präsensstamm mit suffix -sah 
gebildet erklärt; Bartholomae betont allerdings dabei (s. 19), 
dies der präsensstamm nicht belegt ist Im Grdr, Ir. Ph. 
aber ist die bildung nicht mehr unter den Infinitiven erwähnt, 
Q&d auch im \Vb* ist aenavhö als casus eines namens erklärt. 
Rragmann. Grdn 2. 1415 (§ 10^9) führt es allerdings als 
intinitiv an» thut dies aber jedenfalls nur eben im anschluss an 
i^arth olomae. Über die bildung von apjmvhö s, n, bei den 
daüvischeu infinitiveu. Die stelle lautet: 

V.31* ib: t/5 mit jyöiüm havar^ muasil västryehyü a^navh) 
fomm tnraal(''a adrujyantö. Bartholomae hatte KZ, 28. 23 
.ohae dass er des frommen ackerbanem herde und leute ver- 



46 



Fritz Wolff, 



gewaltig!^, übersetzt. Im Wb. sp. 611, 62 dagegen: y^der seinen 

lebensunterhalt nicht findet ohne gewaltthat an des banem 

thieren nnd lenten, der (ihm doch) kein arg thut". — 

Darmesteter(l. 231): ^(quelle est la ponition dn malfaitenr) 

qui n'accepte point de ranc^on ponr la vie; de celoi qoi 

opprime le labonreor qui a maltrait6 ni tronpeaox ni hommes*'. 

**Darmesteter zerschneidet den satz in zwei theile, er 

macht aenavhözam nominativ, was ihm schonGr 6goire. 

KZ. 35. 110 vorwirft (s. dort auch die anmerkungen). 

Aber auch dieser lässt von (isnavhö nicht pasätis^ 

vlraaJUfaj sondern vostryehya abhängen. Darmesteter 

geht dabei von der anschauung aus (gestützt auf aus- 

führungen im Dinkart), dass es sich um einen mann 

handle, der aus lust am morden menschen tötet und 

nicht davon ablässt, auch wenn ihm entschädigungs- 

geld {Juxnard: han- mereri"!) angeboten wird. 

Von asnavhö hängt also pamis viraati^ ab, und man thut 

wohl am besten, diese als attrahirt an oBnavhö zu erklären 

und somit dies als Infinitiv aufzufassen, d. h. Bartholomaes 

frühere auffassung (KZ. 28. 23) wieder aufzunehmen. 

Wir haben somit bei hanard dieselbe construction wie bei 
rte in RV. 8. 27. 17: ^te sä vindate yudhäb; s. o. § 22. 



Infinitive auf -aJ}. 
A. Altindische. 



{amhah 


RV. 6. 3. 1.) 


{ii?ak 


RV. 10. 95. 4.) 


-Hibhy^ 
kamah (B.) 


K. 26. 1. 
K. 26. 2. 


kmnäjaJi (B.) 
""gämal} (MS.) 


MS. 3. 2. 2 (17. 7.) Ausg. ^kmdaft^ 


gfbhah 

+jiva'' 
jurah 


RV. 10. 97. 11. 
RV. 2. 29. 6. 


ttm (V.) 


Pän. S. 4. 13. 


+a« 


RV. 8. 1. 12 — AV. 14. 2. 47 



SV. 1. 3. 2. 1. 2. 



Die infinitive des Indischen und Innischen. 47 

Hraaah (£•) 
däghab (B.) 

+jwa» TS. 5, 2. 1. 2 — TB. 1. 3. 7. 7 
(SB. 18. 1. 3. 4 — 13. 2. 1. 6; 
der tezt hat °däghoh.) 
iähah (B.) 

+nir« SB. 13. 4. 3. 4 - MS. 4. 1. 9. (11. 10) — 

Tänd. Br. 3. 17. 3. 
+pra» TS. 1. 7. 6. 6 — 3. 1. 1. 1 
— 8. 4. 9. 7 — 5. 4. 4. 3. 



+MIH» RV. 3. 33. 1 — TS. 1. 6. 6. 1. 
dhftah (EV.) 

-HP» RV. 3. 1. 9. 

{mm RV. 1. 24. 4 — 3. 34. 15 - 6. 87. 6 

— 6. 14. 5 — 6. 61. 11 — 8. 78v 6 

— 9. 29. 5 — 9. 61. 30 — 9. 70. 10.) 
H&dah (K.) 

+praet» MS. 3. 6. 6 (67 schluss). 
padah (V. B.) 

+am« RV. 3. 29. 6. 
'furah (K.) 
ficah (V. B. S.) 

-HT RV. 8. 40. 9. 

H-Mm- RV. 3. 35. 6 — TS. 1. 1. 1. 2. 
««?«* (RV.) 

+ni'' RV. 3. 28. 6. 

mfjah (B.) 

+«ir* MS. 3. 3. 1 (26. 12) — 3. 5. 1 (47. 17) 

— 4. 3. 6 (45. 4) — Tä94. Br. 3. 2. 3. 

mrieah (RV.) 

+ni'> RV. 1. 151. 5-1. 161. 10. 

ywOtäh RV. 8. 27. 17. 

mäh (RV.) RV. 1. 41. 2 — 1. 98. 2 - (3. 26. 4) 

— (3. 34. 9) — (3. 35. 6) — 8. 31. 20 

— 5. 52. 4 — 5. 67. 3 — 6. 24. 10 

— 6. 63. 2 — (10. 36. 2) — 10. 87. 1. 
likhah 

-Mn» Päfl. 8. 4. 13. 

>f«<*(B.) 

•bM(K.) 



48 


Fritz WolC 


idralt (B.) 




-Hipi« 


AB. 3. 6. 14. 


hidthah (RV.) 




+o6Äi« 


RV. 10. 138. 5. 


imal^ (V.) 




+a6Äi» 


RV. 8. 1, 12 — AV. 14. 2. 47. 


hiäsaJf, (RV.) 




+o6Äi» 


RV. 10. 92. 8. 


«fta« 




-Mn» 


RV. 4. 19. 5. 


efpah (B.) . 




+«i° 


VS. 1. 28. 


«Ädda« (RV.) 




+aM? 


RV. 10. 108. 2 — Ait Ar. 17. 14. 


"spfm (B.) 




«rosaft (V, B. ü.) 




-Mtvo* 


RV. 3. 17. 5. 


-KH» 


RV. 3. 39. 4 — 8. 48. 5 — AV. 19. 34. 3 




— AB. 8. 20. 7 — Kathop. 6. 4. 




B. Altiranische. 


(frayratö). 




(mantö). 




sarä 


Y. 49. 3. 




Anhang. 


asnaohö 


Y. 81. 15. 







Viertes kapitel. 
Die fibrigen ablativisch-genetivischen infinitive. 

Zu den besprochenen ablativisch-genetivischen inflDitiyen 
des Avesta kommen einige andere von abweichender Gestalt, 
die aber wie jene im gebranch zn den indischen stimmen. 
Zur bildnng s. n. bei jeder einzelnen art. 

§26. 

Iranische inflnitiye auf -töis. 

Eine bildung ähnlich der der altindischen inflnitiye 
auf -toh ist die im gAw. vorliegende auf -töis. Bei der 
geringen anzahl der belege (im ganzen yier formen) lässt sich 
das Prinzip der bildung nicht mit Sicherheit feststellen. — Zur 



Inßnitite dm 



en und Iramietoen, 



49 



bildnng von frorBtöis vgl GIrPh* L 182 bei 28; für darstöis und 
hnn.pürMöii verweise ich attf Bartholomae, IF. 9. 264. 

Die vier formen sind: avapctsUü \\ 44. 4 — fröratöis 
\\ 46. 4 — darMöiSf hSm^parHow Y. 33. 6. 

Y. 4ft. 4: at img dr^gvd tßng aMhyä vaidrhig pat gd 
frördtöu „der draggenosse hält die for derer des A§a davon ab 
das rind zu tordern'* (nach Bartholomae, Wb, sp, 1024). — 
KZ. 28. 23 hatte Bartholoraae frörBnföw gelesen und dar- 
nach die stelle anders aufgefasst, s. dort. — Wir haben es hier 
syntaktisch mit der s. 16 ff. besprochenen und belegten eon- 
stxuction ^u tliun: ein ablativischer Infinitiv ist abhängig von 
einem verb des „Schützens, abwehrens" ; s. auch unten unter 

^■^ Y. 44. 4; kasrtä daratä zqm . , avapmtoiL Bartbolomae, 
^iFh. sp. 173 ^wer wahrt« die erde, dass sie nicht herabfiel". 
V **Die conslruction ist wie eben in Y. 46. 4 zu 



beurteilen. Wenn Gr^goire KZ. 35. 109 sagt „Le 



sens Premier du verbe (tenir, fixer et non ; empecher) 
est eucore trop clair pour qu'on en fasse [dßpendre] 
nn Infinitiv'' (vgl. Darmesteter L 288, der selbst 
ttot€ angiebt ^a fix6 contre la chute"), so hat Bar- 
tholomae, Wh. sp. 173 no. dagegen vedische 
stellen geltend gemacht, die seine auft'assung der ave- 
stiscben stelle rechtfertigen. Sjutaktisch genau ent- 
spricht EV. 3. 17. 5: ästahhMüt . . dyäm avasräsalj. 
Für den sinn und die sinnliche anschauung vergleiche 
mau BV. 1. 105p 3r mo m^-svar äva pädi dwäh. 
Y. '13. 6: täJöi ^izyä (N. A. uyai) ahura nia^d^ dars- 
*ÄMr h^m^paniöisi^ä, Barth olomae, Wb. sp, 700: „(so) 
verlange ich diese deine beiden, o Ahura Mazdah, zu erschauen 
(aimlich A^a) und zu rate zu ziehen (nämlich Vohu Manah)". ~ 
Zur constmction vergleiche das oben, § 25 zu aenavhö ge- 
sagte. — Darmesteter 1. 246 übei'setzt etwas anders als 
B a r t h 1 m a e , aber auch mit einem infinitiv; „ * - je d^sire de 
im, Ahnra Mazdah: te voir et t^entretenir". Um so wunder- 
barer ist es, dass Gregoire, K2. 35. 109, der sich sonst doch 
KtetB auf Darmesteter beruft, nichts anderes zu sagen hat, 
)ds JiJm,parstöw et darMöis dependent du verhe irgaV^. Und 
damit meint er es bewiesen zu haben, dass sie keine Infinitive 
sind! 



50 



Ftitz WoW, 






Wir haben also unter den vier gAw. infinitiven auf -föil: 
zwei genetivisclie, abhängig von '^ityß, die im altindischen 
keine entsprechung finden, und zwei ablativische, die mit ihrer 
abhängigkeit von verben des abwehrens sich ganz dem indischen 
gebrauch anschliessend 

§ 27. 

Anhang: Iraninehe infiiütive auf -töU. 

Im jAw< fehlt die infinitivbildung auf 4öü^ dafür erscheint 
hier ein anderer casus aus dem ^i-stamm in infinitivischer 
fiinction: die form 4öiL Sie ist auch nur dreimal belegt. 

Barthol omae, Wh. unter den betreffenden stellen, sowie 
schon vorher Gr^goire, KZ. 35* 111 vermut-en, dass -töit in 
-iöis zu ändere und somit die formen zu den eben behandelten 
gAw. zu stellen seien. Dies wird wohl das richtige sein. 
Denn während doch -töü ahlativische gestalt zeigt» erwartet 
man an den betreffenden stellen vielmehr einen genetivischen 
iüfinitiv. Sind sie aber richtig bezeugt, so haben wir jeden- 
falls jüngere bildungen in ihnen zu sehen, denn bekanntlich 
ist um Uriranischen die ablativbildung wie im Indogermaniscben 
auf die 0'(a')stämme beschränkt. — Brugmann, Grdr* 
kennt diese form gamicht; heisst das, dass er sie zu den töU- 
infinitiven stellt? 

P, 33 (D armesteter 3, 61): nm^a , . im^fa fraBütoU nöü 
apmütöil drayqnifJina gUmanqm, Darm es teter „il ne peut 
plus aller en avant ou en amöre de ce lieu de trois pas". _ 
Ebenso Bartholomae, Wb. sp. 1709t Wir sehen hier« 
das verb aps- (:ai. tse) mit einem infinitiv verbünden, nnd das 
spricht noch mehr fUr die annähme -töi^ zu lesen, da wir wohl 
eiae dem indoiranischen gemeinsame construction bei aes- er- 
warten können, S. noch Bartholomae^ Wb. sp. 26 no, 3, 
der gamanqmj im falle einer änderung der inflniüve in Höis^ 
als durch attraction erklärbar bezeichnet. 

N. 9 (Darm es teter 3. 84): +/i^ -^xsayete ^ana (Hds, 
haxsade vana^ aber Pü, ^tön pätixMh; s. Wb. sp. a53) 
. ,haxtöü. Bartholomae (sp* 1745) „so darf er . . mit ibra 
gehen '^. Darmes tet er „il pourra suivre^. — 8* zur stelle 
Bartholomae, IF. 12, llHf Auch hier würde die von 
Bartholomae (und ör^goire) vorgeschlagene änderung 
in *hajMB der syntax entsprechen, da das mit isaHe gleich- 




Die infini^Te des IndjecbfE tmd IraniE^hen. 



"bedeutende je^ayete wohl auch eine gleichartige coDStructioii 
trwarteE lässt. 

§ 28. 
Infinitive auf -ut. 

Brngmann, Grdr* fährt die hildimgen auf -a:^ als infinitive 
nicht an. Nach Bartholomae, KZ. 28. 23 haben wir im 
gAw, eine einzige hierher gehörige form, die aus der wurzel 
gebildet erscheint. Auch ini Ordr. Ir. Ph. führt er nur diese 
eine an, während er jetzt im Wb. noch eine zweite — aller- 
dmgs unsichere — aus dem jAw. beibringt, 

We gAw. form darasät zeigt die vollstufe der wurzel 
mit dem suffix -ät und erscheint in ihrer anwendung 
Y, S8. 13^ völlig der form entsprechend, als ablativischer in- 
finitiv. Die stelle lautet: 

Y. 33* 13: 1/5 is pät darasät asahya. Barth olomae, 
Wb, sp. 697; ^ider es ihm wehren wird das ASa zu schauen*^. 
Der genetiv amhya ist nicht weiter aufMlig, s. oben § 12 
und 13. 

Aus dem jAw. stellt Bartholomae, Wb. sp. 177, aller- 
fings zweifelnd, avasyai dazu, d. i* ava ^asyät zu qs- „hin- 
lelaogen zu"^. Die bildung ist sehr auffällig und kaum allein, 
wie Bartholomae will, durch beeinfiussung seitens der vor- 
hergehenden 3. sg. avasyäi zu erklären, derart, dass etwa ein 
ertliches *ava.^ai gestanden haben mag, das im ausgang 
em angeglichen worden wäre. Die stelle lautet: 
Tt* li 18 : mit dim . . avasyät mU aküvö < . nöit vlsanfe 
u§m av€t$yät. Bartholomae, Wb. sp, 1327: ^ nicht ver* 
Mgen . . steine (ihn) zu treffen"^. 

Wir sehen also^ dass es sich nicht einmal um einen ab- 
lativisch-genetivisch gebrauchten infinitiv handelt; dadurch 
wird die bUdung noch unwahrscheinlicher, 

^Geldner N. A., in den noten zu avusyät, verweist 
auf Yt. 13* 72; dort lesen wir; mit dsäm ar0mQsüt& 
ava^yat „nicht treffen ihn , . geschleuderte steine"- 
Sollten wir nicht zu Yt. 1. 18 in nöit visante asänö 
amm^cU eine parallele derart haben, dass vmnte ein 
verderbtes attribut zu amnö darstellt, während mit 
avam^äi das regirende verb einfach wiederholt wird? 
Darmesteter 2. 339 scheint es so aufzufassen; er 

4* 






52 Fritz Wolff, 

hat zwar in seiner Übersetzung nur einmal „atteindront^ 
(avasyat), giebt aber vis9nte asanö mit „pierres de 
fronde** wieder. 

§29. 
Anhang 1. 

Auch im Indischen liegen formen auf -at vor, die viel- 
leicht ebenfalls als infinitive zu fassen sind. Allerdings darf 
man nicht etwa deshalb arischen Ursprung der at-hüdung an- 
nehmen; denn die wenigen bildungen, die etwa so erklärt 
werden können, dürfen schwerlich höheres alter beanspruchen. 

TS. 5. 2. 5. 2 : iyärn vä agner atidahäd ainbhd. Delbrück, 
Ai. Synt. 111 „die erde fürchtete sich vor Agni, dass er sie 
verbrennen könnte"; s. dazu ans dem Veda RV. 10. 138. 5: 
indrasya väjrad abiJ)hed abhihiätha]} (s. § 20). In beiden 
fällen haben wir eine ablativische attraction: agneh (ablativ 
nach Delbrück) und vdjrat 

OB. 1. 1. 2. 3: asurarak^asebhya äsaitgäd hibhay&in caknih. 
Delbrück 111 „sie fürchteten sich vor den A., dass sie sich 
an sie heften möchten". 

TS. 3. 4. 12. 3: abhiparyävartäd dhy äbhibhet „denn er fürch- 
tete sich davor, beschlichen zu werden". Auch hier attraction. 

In RV. 1. 52. 10 kann man svanät vielleicht auch als 
Infinitiv auffassen, obwohl das beistehende äheli durch asya als 
genetiv gekennzeichnet ist: dyätis cid asya . . ähel} svanäd 
äyoyavlt Ludwig (no. 967) „sogar Dyaus wich. zurück vor 
dieses drachen brüllen; vgl. in § 13 MS. 1. 6. 10 (102. 1): 
jnirA süryasyodetol}. 

§ 30. 
Anhang 2. 

Noch eine andere bfldnng hatte Bartholomae, KZ. 28. 23 f. 
unter die gAw. infinitive aufgenommen: „suffix *'tha8ya] aus 
der Wurzel gebildet; einmal belegt: vlöi^hya^. 

Y. 30. 2: *ä vardnd vidi^ahyä. Bartholomae hatte das 
a. 0. 24 übersetzt „bis oder ehe ihr zwischen den beiden 
glaubenslehren unterscheidet", unter verweis auf RV. 1. 41. 9 
und 1. 151. 5. Jetzt liest aber Geldner in der N. A. wie 
schon BB. 14. 24 vahista . . avardnd vlöi&ahya, und Bar- 
tholomae übersetzt jetzt, Wb. sp. 1437 „das beste für die 
entscheidung zwischen den beiden glanbensbekenntnissen". 



Die infinitiye des Indischen and Iranischen. 53 

Somit fällt diese an und für sich wenig wahrscheinliche 
infinitiybüdnng fort; vgl. Gr6goire, KZ. 35. 111. 



Die ablatiTisch-genetiyischen infinitiye des Iranischen. 




(s. 


aach nnter den aMnflnitiyen.) 
1, Infinitive auf -töis. 


avapastöis 




Y. 44. 4. 


darstöis 




Y. 83. 6. 


frördtöis 




Y. 46. 4. 


hm.parstöls 


Y. 33. 6. 






2. Infinitive auf -töit. 


sütöit 








■Hipa' 


P. 23. 




+fraf> 


P. 33. 


haxtöU 




N. 9. 
3. Infinitive anf -at. 


iardsM 




Y. 83. 13. 


awsyat 




Yt. 1. 18. 



Anhang 1: Altindische formen auf -at 
otidahat TS. 5. 2. 5. 2. 

ämgäi SB. 1. 1. 2. 3. 

Miiparyavartdt TS. 3. 4. 12. 3. 

(mnät RV. 1. 52. 10.) 

Anhang 2: Iranisch -»ahya. 
(mdidahya Y. 80. 2.) 



I 



54 ^^^V Frftz Wolff, 

Zweitor abschmtt 
Die accusativischen infinitive. 

Erstes kapital, 
Obersicht 

§ 31. 

Während die ablativisch-genetirtschen mflnitiye anf die 
arischeD sprachen beschränkt sind, zeigen die arischen accusativ- 
inflnitiTe entsprechungen auch in anderen idg. spraclizweigen, 
so dass man wohl berechtigrt ist, einen teil der bildung: als idg. 
anzusetzen (vgl Brngmann, Grdr. 2. 1413 £). Dies umso 
mehr als auch der gebrauch der accusativischen formen auf -inm 
im Alüudischen, Lateinischen, Baltoslavischen zum teü über- 
einstimmt, insofern sie gleichmässig bei verbeu der bewegung 
gehraucht werden (vgl. Grdr. 2. 304), AutTallend ist dabei 
allerdings, dass das Avesta die f?*m-infiiiitive überhaupt nicht 
und das Vedische nur in selir beschränktem masse kennt. 

Auch die aus wurzelstämmen gebildeten accusativischen 
Infinitive auf '(a)m zeigen im Avesta und im Altindischen so- 
viel ähnlichkeit der bildung j dass man ebenfalls wenigstens 
auf arischen typ schliessen darf; über andere idg. verwandte 
vgL Grdr. 2. 1414. Auch ans sonantisch (d, i. auf o^) auslaut€n- m 
den Stämmen gebildete infinitivformen sind in beiden sprach- 
zweigen belegt. — Ob die aus abgeleiteten stammen ge- 
bildeten f?m-infiuitive für arisch gelten können, ist zweifelhaft. 
Im Avesta sind wenig solcher foruien vorhanden, im Alt- 
indischen überhaupt keine ganz sichere , wenn man nicht — 
was allerdings wahrscheinlich ist — in den periphrastiscben 
bildungen wie mdäm cakära alte infinitive erkennen will 

Dass sich diese annähme empfiehlt, zeigt die entwicklung 
jener constructionen. Nach Whitney, Grrammar § 1070— 73 
ist von den drei bildungen ^äi^ eakara^ baihfwa, äsa in der ■ 
älteren spräche die mit kar- sozusagen die einzige (es sind ^ 
nur 2— S Verbindungen mit as- bezeugt, s. § 1073d); später 
gewinnt die bildung mit as- immer mehr an boden, während 
die mit kar- abnimmt; bhü- ist überhaupt äusserst selten. 
Man kann daraus schliessen, dass die ^m-büdungen ursprüng- 
lich von kar- abhängige accusative waren: ihäifi cakära 



{ 



Die mfinitiTe dei Indisch«!! und Ir&aiaehen. 






„er hat das sehen gemacht", d. h. „er hat sehen gemacht^; 
Da wir auch sonst infinitive bei kar- finden, liegt es nahe, 
in den £Ein - bildnngen ebenfalls inflnitive zu sehen. Erst 
nachdem diese formen in der Verbindung mit dem perfect 
aus kar- erstarrt waren, konnten sie auch in dar Verbindung 
mit den perfecteu aus as- und hhü' zur Verwendung kommen. 
Es ist von Wichtigkeit zu beachten, dass auch anfeinem andern 
gebiete der forraenbildung die drei verben kar-^ as-, hhü- zum 
theil wohl schon seit arischer zeit in Wechselbeziehung stan- 
den, nämlich bei der composition mit verben, i. b. jAw, saoöUmye 
aad ai, hrühmamhhnija\ s, dazu Whitney, Grammar § 1091 ff. 
md GIrPh. § 263. — Standen die drei bildungsmöglichkeiten 
(mit hiT'^ üS'^ hhU') an dieser stelle gleichwertig nebeueinander, 
80 konnte ihr gegenseitiges fftreinandereintreten auch auf 
andere gebiete — ^m-bildungen — übertragen oder zum 
luiQdesten in diesen erleichtert werden. 

Wahrend nun im RV* die bildungen auf -am überhaupt 
nicht bezeugt, im AV. nur mit einer stelle (gamayäm eaJiära) 
btlegt sind, werden sie im SB. schon ausserordentlich zahlreich 
(s, Brunn hofer BB. 10.), allerdings im grossen und ganzen 
ik$Am^ vidAnif bibkayAm beschränkt. Nun kann aber die 
düng ganmymn caküra des AV. nicht den ausgangspunkt 
eser büdnugen darstellen, da gamayäm deutlich aus einem ver- 
balstamni abgeleitet ist; es müssen andere einfachere bildungen 
Torhergegangen sein; und da uns die Veden davon nichts 
geben, muss man annehmen, dass wir in gamayäin cakara einen 
tos anderen diatekten einge^ihrten typus vor uns haben. 
Wir werden wenige Zeilen weiter unten sehen, dass den 
Kansas 7 und 8 des SB. die fmn-infinitive völlig fehlen; wir 
en ebenso hier, dass wieder gerade diese beiden Käindas (T 
und *<> ausserdem noch 6) keine dieser peripbrastischen büdungen 
kennen, während 4e lq den übrigen Käudas des SB. sehr häufig 
mud! Nun besitzen zwar jene beiden Käntjas überhaupt wenig 
iaflmüve, aber dennoch wird man wohl nicht fehlgehen, aus 
diesen gründen, dem fehlen der periphrastischen tzm-bfldungen 
sowie der ini^i- Infinitive, den in den Kä^cjas 7 und 8 vor- 
liegenden dialekt flir einen dem vedischen näher verwandten 
anzusehen. 

Delbrück, AL Synt 426 will fftr die periphrastischen 
bOdtmgeu von vOä^i cakära ausgehen ; er lässt dabei aber unsere 




56 Fritz Wolff, 

form gamayäm cdkara ganz ausser acht. Nun wird man ja 
vielleicht in der that in vidäin cakära den ansgangspunkt 
der entwicklungsschicht zn sehen haben, zu der auch gama- 
yäm cakära gehört; man darf doch aber nicht ausser acht 
lassen, dass wir in der form des AV. einen bedeutend früheren 
beleg dafür vorfinden. 

Das Avesta zeigt eine anzahl äm-bildungen, die aus ver- 
schiedenen präsensstämmen hervorgegangen sind. Ihnen kann 
das Altindische keine völlig entsprechenden zur seite stellen; 
doch vgl. ai. patividyam, das in seiner bildung den avestischen 
formen am nächsten steht. 

Ebenso ohne ai. entsprechung sind die seltenen avestischen 
infinitive auf -tim. — Falls man V. 16. 46 tnasdamm (so alle 
hds. bis auf L4 und Kl) lesen müsste, könnte man es mit 
ayanam in RV. 8.. 33. 7 vergleichen ; s. dazu die germanischen 
infinitive. 

Brugmann, Grdr. 2. 1414 ff. ftthrt als accusativische 
bildungstypen an: 

1. aus Wurzelnomina: §t(bham, dam. 

2. Suffix ti-: astini^). 

3. suffix tu-: dhätum, 

4. suffix io-: "Vidyam. 

5. suffix iä'i af'airyqn. 
Dazu kommt noch: 

6. aus präsensstämmen gebildete: -daranam. 

Über die zeitliche Verwendung der verschiedenen Infinitiv- 
bildungen im indischen lässt sich nur sagen, dass allein die 
fiew-infinitive im zunehmen sind. — Im iranischen sind die 
meisten der bildungen jungavestisch. 

Der gebrauch der infinitive ist in allen bildungen, soweit 
sie überhaupt mannigfaltigkeit zeigen, und in den beiden 
sprachzweigen ziemlich übereinstimmend. Zwei gebrauchs- 
weisen stehen sich überall gegenüber: die final-supinale und 
die einfach-infinitivische (besonders in abhängigkeit von verben 
des könnens, wollens, Wissens). Daneben treten vereinzelt un- 
abhängig gebrauchte (d. i. konjunctivisch-imperativische) in- 
finitive auf. 

Ich gebe nun: 1. die altindischen bildungen auf -ttim; 2. 
die arischen auf '(a)m (anhang 1: -anam?; anhang 2: nijadtm; 

>) Kein Infinitiv; s. § 68. 



Die iBfimtiTe des Isdi&chen tmd IranisclieB. 



57 



^bang 3 : 'yam) ; 3, die auf -am : a) einfache, b) aus präsens 
ttämoien; 4 die iranischen auf -iim; und zuletzt als anhange 
Ä : die fonnen auf -at (-atj. 



Zweites kapiteL 
Die altindischen Infinitive auf -tum. 

§ 32. 
Aligemeines. 

Pl^inisagt 3. 3. 10 r tutnumwulau kriyaifätn kriyarthayäm, 
bei Böhtlingk: „wenn ausgedrückt werden soll, dass eine 
hÄßdliing einer anderen wegen geschiebt , so bezeichnet der 
infinitiT auf -^—ium oder ein nomen agentis auf ——iika die 
iß tier Zukunft gedachte handlung" . Ferner 3, 4, %b : Mkadhf^ajflä- 
ghlfihatarabhalabhakramasaharhäsfyarthesn tumun ^in Verbindung 
init hk- u. s. w. und mit einem verbum in der bedeutnng 
da sein' steht der inflniliv auf ——tiim^, — Vgl. ausserdem 
pR^ini 2. 3. Ib - 3. 3, 158; 167 — 3, 4 9; 66. 

Über die bildung der iiim-inflnitive Jässt sich dasselbe 
sagen, was zu den fo^-forraen (s.oben § 6) bemerkt werde. Zur 
büdung von jlvüttim ygL KZ. 39. 492 ; jtmtum stellt eine nach 
jöngere bildung dar. Schon in nachvedischer zeit (in den Bräh- 
Bä^m und Sütras) treten infinitivbildungen aus dem ^causaF- 
^mme auf. Auch hier ruht der accent wie bei denen ans 
der einfachen wurzel auf der Wurzelsilbe, sofern sie nicht 
romponirt sind; in diesem falle auf dem präverb. Eine aus- 
nähme bildete der accent in äp^/ayäi/itum der MS. ; es ist aber 
erst so von Schroeder aus äpy&yäyditiim corrigirt Sind 
mehrere praverbien vorhanden, so ruht der hauptton bald auf 
dem ersten bald auf dem zweiten. 

In späterer zeit — in der zeit der alleinhenschaft von 
^liifii — kann zu jedem verb ein inflnitiv gebildet werden, 
H^er selbst verständUch geschieht das nicht mehr durchweg in 
HBJJII lahmen der alten bildungs weise. 

r Im gebrauch der fwm • infinitive sind vom HV, an im 
I gnMen und ganzen zwei weisen zu unterscheiden. Die eine 
l ieigi noch die in der infinitivform steckende accusativfiinction 



58 



Frite Wol«^ 



deutlich; sie drückt das ziel, die richtang aus und hat schon 
ini EV* ganz die bedeutung des lateiiiischen supinums. Die 
zweite gebraachsweise könnte man die des „eiafachen iaflmtivs** 
nennen ; es sind constructionen wie deutsch „ich kann geben**. 
Besonders nach den verben ^^ak- und arh- ist sie ausserordent- 
lich häufig. Beachtung verdient die thatsache, dass dabei in 
der raehrzahl der fälle der satz negirt erscheint. Nur ein ein- 
ziger fall, und zwar aus der älteren prosa, ist nur bekannt, 
in dem der infinitiv auf 'timi unabhängig auftritt; s. unten § 38. 

Die häufigkeit der formen nimmt ständig zu. Der ÄV, 
hat schon mehr formen auf -tum als der RV. (wenigstens ver- 
bal tnisBmässig; an sich ist die zahl in beiden die gleiche). Im 
SB* entsprechen nach Brunnbofers Zählung (BB* 10, 252) die 
*wtn-inflnitive dem dritten teil aller übrigen bildungen zu- 
sammengenonimeu. Dabei ist auffallend, dass sie in Kä^da 
7 und 8, die Brunnhofer sogar zu den allerjüngsten zählt, _ 
gänzlich fehlen. Vielleicht spricht das , wie es ja das plötz- | 
Hebe aufblühen der f«m-bildung überhaupt thut, für die an- 
nähme, dass die ^an-infinitive ihren siegeszug von einem dia- 
lekt oder von einer dialektgi'uppe ans genommen haben. Und 
zwar gehören demnach Käiif)a 7 und 8 (ebenso wie die Veden) 
zu denjenigen dialekten, die nicht als ausgangspunkt der hmi- 
infinitive aazuHehen sind. S. noch oben § 31 über anderes ge- j 
meinsame der beiden Kä^^as und der Yeden. ■ 

In der späteren spräche übernehmen die f ?iti*-infinitive die 
gebrauchsweiaen aller übrigen infinitive*). Auch nach verben 
des ^furchtens^, in denen man ablative erwartet, finden wir tum- 
infinitive, vgl. Hoefer s. 99 f. — Da ein lat satz wie non 
potest necari im Altindischen vielmehr durch na Mkyafe han- 
tuni ausgedrückt wird, so sollte man meinen, dass passivische üi- 
finitive überhaupt nicht vorkommen. Dem ist jedoch nicht so; 
vgl. narho matpurusair ufdum ^ nicht ist er wertj durch meine 
diener geführt zu werden ** (Hoefer s. 87). Dabei ist der in- 
strumental sehr auffällig; er beweist klar^ dass eben netum 
wirklich passivisch empfunden wurde. — Hoefer führt eine an- 
zahl von eigenthümlichen Verwendungen der f^im-infinitive an, 
ohne aber immer dafüi* überzeugende erkläruugen zu geben. 



I 



*) Eine auefiihrliche danitellung' des gt^biaucbea findet sich bei Hoefer,] 
Vom Infinitiv besoaders im Sanskrit s. 62—123* 



Die MmÜre des Indischen und Ir^acben. 



59 



§ 33, 

Der supinale gebrauch der iiifn-infliiltiYe. 

Peutsches beispiel: „ich mache mich auf zu gehen*^). 

Es ist auffällig, dass der accusativische (zielaccusativische) 
duurakter der tum-inÜmÜYe im EV. nur au zwei beispielea 
mm vorscheiu kommt; 

BV. 1. 164. 4: kS mdväffisam npa gät präßfu^ ^tdt „wer 
wird an den wissenden herantreten, am darnach zu fragen''. ~ 
Datö lied gehört nach Grassmann zu den spätesten stücken 
des RV. 

RT, 10. 2, 3: d devfnmm äpi phithäm affannm yde chaknä- 
mma tad dnii prävo4kum „wir sind gegangen auf den pfad der 
fötter, um, so viel wir können, vorwärts 2u gelangen" (Del- 
Vrftck s. 417). 

Ebenso wie an diesen beiden RV.-stellen stehen die ttim- 
Mnitive auch sonst bei verben der bewegung (s- u*)» Aus 
dem AV. gehören hierher AV. »• 9, 4 = EV* L 164. 4; AV, 19. 
59.3 = RY. 10. 2. 3 (s. o.); ausserdem: 

AV, IL 5- 3: täm jafdm dra^^am abhisämj/dnti devnh. 
Bloomfield r. 215: „when he is bom the gods gather about 
to sae him'^. 

AV. 13. 4* 31: vaSäm upapräyanti yäcitiinh Bloom- 
field 8. 177: „they come to heg for the sterile cow*^. 

AV. 18. 4. 63: äyatu no g^h&n havir ättum „kommt her 
ansern häusem, um das Havis zu essen''. 

Nicht ganz klar ist mir die stelle, wo Whitney im Index 
zum AV. dätum als Infinitiv nimmt: 

AV. 6. 122* 2: dädatali praydcchanto dätum. Soll das 
lltiisen „gebend^ reichend, um zu geben"? Auch hier hätten wir 
dann einen supinalen inftnitiv nach einem verh der bewegung 
iuznnehmen (jjra-yam- „hinreichen"), 

E>er gebrauch in der prosii stimmt gänzlich mit dem 
Vedischen überein; siehe Delbrück, AI Synt s, 428» dem 
ich die folgenden beispiele entnehme: 

TS. 6. 3. 1. 6: hotitm di „er geht zu opfern"- 

SB. 3* 1. 1. 4: derayftjanaffi jo^a^itum aima „die opfer- 
te zu besuchen gingen wir". 

SB, 3* 2, 3. 1: drd.^(nm ä gacchanü „sie kommen herbei, 
um SQ geheü^. 



* 




60 Fritz Wolff, 

Hierher auch OB. 12. 4. 4. 1, wo RV. 10. 2. 3 citirt 
ist, und 

SB. 4. 2. 4. 9: eväitad drä^um ägacchanü , . yäSaJ}. 
Eggeling 2. 300: „they approach, forsooth, to behold that 
glory". 

MS. 4. 6. 8 (90. 5) : sarfwatsaräm etäu kälpayitutß pläyete 
^sie beide eilen sich das jähr zu schaffen''. 

MS. 1. 10. 15 (155. 15): vj^rätfi hdntum upapUycUa „sie 
nahten sich, um Vrtra zu töten". 

OB. 8. 6. 2. 6: pätava veditum „fliegen wir (beide) hin, 
um nachzusehen". 

MS. 4. 5. 6 (72. 1) : hotum upodcdi^than „sie erhoben sich, 
um zu opfern". 

MS. 8. 8. 2 (94. 1): ye somam apyayäyitum uddsthtih 
„welche sich aufgemacht haben, um den Soma quellen zu 
lassen". Über den accent von apyayäyitum vgl. oben § 32. 

Die tum-inflnitive in ^einfach-inflnitiTischem^ gebraneli. 

(Deutsches beispiel: „ich kann gehen".) 

§34. 
1. Bei &dk'. 

Der einfache infinitiv bei §ak- ist in der älteren spräche 
unter allen am häufigsten. Im RV. findet er sich noch nicht, 
dagegen treten uns schon im AV. einige füle entgegen. 

AV. 4. 18. 6 (= 5. 31. 11): tm SaSAka kärtum. Bloom- 
field s. 70: „he has not been able to accomplish them". 

AV. 12. 4. 18: dätum ced äiakad vaSAm. Bloom field 
s. 175: „if he has prevailed upon himself to give away the 
sterile cow". 

Der gebrauch in der prosa stimmt zu dem der AV.-bei- 
spiele. Die mehrzahl der fälle bilden negative Sätze; objecto 
beim infinitiv sind nur als accusative vorhanden. 

A. Positive Sätze. 

SB. 4. 6. 7. 21 : Saknoti caritum Saknoti haivd hharyän 
bhärtum, Eggeling 2. 440: „he is able to perform, he, for- 
sooth, is able to support his dependants". 

OB. 5. 2. 3. 4: yäs tat kärma §akn6ti kärtum „der das 
werk thun kann". 



lies 



liaebeD m 



Ir&nifcben, 



;i 



MS, 4. 7. 7 (102» 15): yädi äaknoti gräkltum (zwei mal), 
Nlbr^ck s* 428: „wenn er fassen kann*^, 

SB, 3* 4. 2, 6: yä etasya vratdi}i ^aknoti caritum. Egge- 
Hng 1. 362: „when one knows to keep his law^ — Ebeaso 
4. 6. 9. 5. 

SB. 5. 2. 5, 4: saknati vai tat kmium. Eggeliug 3. 55: 
^Ümt he is able to do**, — Ebenso 5, 2, 5, 8; 12. 

SB. fi. 7. L 20: ayam utmä SaknoH sthMum. Eggelin^ 
3. 270: „for that seif is able to exist", 

SB. 10, 2» 1* 1: ütpatitum ^akmwanti „sie können auf- 

AB. 7, 5. 1: tue ced vyapanayituffi Saknui/at. Delbrück 
^g. 429: ^wenn er das abgiessen kann", 

SB. L 4, 5- 1: bhärtum väm iakeyam. Eggeling L 
128: „may I be able to handle you", 

SB. 6, 3. L 39: tvät/ä mydm agnuii ^akema khnnitum 
^mä mal). Eggeling 3. 202; „by thee may we be able to 
dif out Agni**, 

SB. 4, 1. 4. 2; täfali ^aSäkaivä bnihma miträ x^e k^aträd 
^vaninät sthätum. Eggeling 2, 270: ^then Mitra, the priest- 
hood, cottld stand without Varuna, the nobility". 

SB. 14* 9. 2. 8 : kathäm a^akata mad j^te ßvitum. D e 1- 
krück s, 429: „wie habt ihr ohne nüch leben können**? — 
Ebenso 14. 9. 2. 9; 10; IL 

B. Negative Sätze, 

MS- 4. 6, 8 (90. 18): m ite marüdhhyo ^^ahiod vlryäfn 
41» f^nicht ohne die Marats konnte er die heldentbat ans- 



MS. 4, 5. 9 (77i 4): nä iak^ümo jtmtum j^wir werden 
nicht leben können", 

TS. 3- 5. 2. 3: nä Saknuva äitum „wir beide können 
^nicht hinzagehen", 

^B ÖB- 3, 5, L 17: nMakim äpakramitum. Eggeling 2. 114: 
^B conid not go away*". 

^™ SB. 4. 2. 2. 11: apigfhya näsike nä hiühartuf^i Saktwti, 
Eggeling 2. 291: „hence one cannot utter the sonnd 'hin' 
j after closlng his nostrüs", — Ebenso 1, 4. 1, 2. 

SB. 4. 2. L 5: etäv eva nä SeJctir äpahanhim. Egge- 
ling 2. 279: ftthey could not drive away these two'^- — Äha- 




62 



Fniz Wolff, 



lieh 4. 2. 4. 19 « 1. 1. 4. 17 ') - MS. 4, 6, 3 (8L 1) 
4. 5, 8 (75. 1) — TS, 6. 2. 3. L 

SB. 14. L 1, 6: idam yä^'o vimur na Sa^äka sämyantum. 
Eggeling 5. 442: „Vi?mi was anaWe to codItoI that glory 
of bis". — Noch einmal ähnlich ebeudort* 

SB, 3. 1* 4. 26; näinam ^ahnoty Myantum, Eggellüg 
1. 300: „he caanot Hft it*^, — Ähnlich 1. 1. 1. 18^) — AB. 3. 
28- 2; 3. 

AB. 1, 7, 3: »Ml }micana§(iknuvan karium ^sie konnten 
nichts thtm^ — Ähnlich OB, 6, 3. 1, 14. 

SB, 4. 6. 4, 1; nä §aMka sämhatum, Eggeling 2,430: 
„he was unable to raise himself". — Ähnlich 1* 6. 3. 36. 

AB. 3. 14, 2; tarn . . . nasaknöt sattum „er konnte ihn 
nicht setzen"* 

AB. 3. 14. 2: tan näSaknod vyavaitum „er konnte das 
nicht trennen"^. 

SB, 11. 4. 2. 19: tväm . . näiaka ädätum. 



5. 61: „thou hast not been able to take up". 



Eggeling 
Eggeling 
Eggeling 



SB. 1. 4. L 13: tam nä SaSäka dhärayitum. 
1. 105; „he was nnable to hold him back*^. 

SB, 1. 4, L 40: evd na sekur dk^rvitum> 
1, 113 f.: „they were nnable to injnre thera**. 

SB. 9* 5. 1, 5: na tvdbhipattufn Sekid.L Eggeling 4. 255; 
yjbut they could not lay hold of it"* Ebenso auch 9. 5. 1. 6; 9. 

SB- 10, 4, 1. 5: na §ah^yavaJi prajäh präjanayittim. Egge- 
ling 4. 342: „we shall be nnable to produce creatures"* — Eben- 
so 6, 1, ]. 3. 

TS. 6. 4. 10, 1 : tS ^nyo ^ny&ffi nMahmvann ahhibhavüum 
.sie konnten einander nicht übertreffen^. 



I 

i 
I 

I 

I 



i 



§35. 

2. Bei arh-. 

Die anzahl der stellen, an denen arh- mit infiniti? anf 
-tum erscheint, ist fast so gross wie die mit i^ak-. Schon im 
RV. giebt es eine stelle. Allerdings will Grassmann in 
seiner iibersetznng (1. 544) die betreffende Strophe als später 
zugedichtet nehmen, und zwar gerade wegen dieser constracüon 
von arh-. Die stelle lantet: 






Fehlt bei BrnnDbofer fiB. 10. 




Die iniiütiT« des bidiecban und Iraniichen, 



63 



ET. 5* 79. 10: hhüyo vü dättm arhaBL Delbrück s. 417: 
,CKler du kannst mehr gehen^. 

Aus dem AV* gehören drei stellen hierher: 

AT. 10. L 26: nä tvä nikartum arlmtL Bloom field 8. 75: 
^he is not able to put thee down**, 

AV, 19. 22. 21 : tma arhati hraJmuhjü ^pdrdhitum „er 
kann mit diesem priester wetteifern**. — Ebenso AV, 19. 23. 3Ü, 

In der prosa begegnen uns nicht so yiel negative sätze 
wie bei Sak'^ dagegen eine anzabl fragesätze, die nach ihrem 
mhalt negativsätzea ähneln. Im übrigen stimmt der gebrauch 
mit dem bei Sah- völlig überein. 

IÄ, Positive Sätze, 
6B* 6, 7. 1. 1: salyäm vä etäfft yäntum arJmti Eggeling 
S6B: „the tnith is able to sustain that", — Ebenso 6. 7- 
3; 7; 12 j 13, 
TS* 5* L 3* 4: mänasa . . täm äptum arhati „er kann 
jeae dnrch geist erlangen*'. — Ähnlich TS. 5. 2. 7, 4 — MS. 
L IL 9 (171. II). 

AB, 6. 23. 5: aJnnani tantum arjiati „er kann die feier- 
tage dehnen'*, 

MS. 3. 1. 5 (6. 6): etän manii^ä yäntum arhanti „das 
können die menschen gewähren^. 

P^ MS. 1. 10. 19 (159. 10) : ünnetum arhalL D e 1 b r ü ck s. 428 : 
,er vermag weg^snflihreü". 

MS. 4. 4, 6 (56, 11); etdm sägdhum arhati j^ev kann ihn 
auf sich nehmen^. 

AB. 8, 12. 5; indro viryam kartnm arhati „Indra kann die 
Iddenthat vollführen", - Ebenso 8. 17, b. 

TS. 7. 3, 1. 4: mdna vä imay^ sadyälj pdryäptiim arhati 
wmmk päribhavitum ^der geist kann diese plötzlich erlangen, 
jer gieist Kbertreffen^, 

SB. 13. 6. 1. 41: sä ha väi brahmä bhävitum arhati 
DilbrELck s. 428: „der verdient ein brahman m sein**. 

B. Fragesätze. 

6b. IS, 4. 2, 16: kä w hyetäm arhati pratyävartayitum. 
Egg eling 5, 359 : „Who, forsooth, is able to turn him back"*? 

SB, S. 3, 4, 9: ko hy iiäm ärhaty ahhyäroffimm, Egge- 
Hilf 2- 78: „for who is worthy of mounting beside Mm**. 



64 Fritz Wolff, 

AB. 1. 6. 7: ko Whati mantißyab sarvam satyam vaditum. 
Delbrück s. 428: „wer vermag als ein mensch die volle 
Wahrheit zu reden"? 

OB. 14. 9. 1. 11: ko hi tvaivätn hruvantam drhati pratya- 
khyatum „wer kann dich, der du solches sagst^ abweisen"? 

SB. 2. 1.2. 11: ko hy etäsyärhati gühyatß näma grdhitum. 
Eggeling 1. 285: y^Who dares to nse his mystic name"? 

TS. 2. 1. b. 2: ko Whati sahäsram pa§An präptum „wer 
kann 1000 stück vieh erlangen"? — S. gleich bei C. 

C. Negative Sätze. 

TS. 3. 2. 9. 7: nä hl . . pa§um ärhaty äptum. S. eben. 

&B. 2. 4. 1. 10: täin eva 7iärhati vdktum. Eggeling 
1. 359: „he dares not say to him" (zwei mal). 

SB. 13. 1. 4. 2: na i;a imänt käScana . . ätyetum arhati. 
Eggeling 5. 285: „for no one (creature) is able to go be- 
yond it". — ÄhnUch 13. 7. 1. 15. 

SB. 6. 4. 1. 8: 7i6 haitäm anyo divo varimA ydntum 
arhati. Eggeling 3. 216: „and him assuredly none other 
than the width of the sky can contain". — Ebenso 7. 4. 1. 9^). 

MS. 1. 11.6(168. 5): nd vä etdn manusyä yoktum arhanti, 
Delbrück s. 428: „das vermögen die menschen nicht anzu- 
schirren". 

AB. 8. 23. 10: na vai tan inartyo jetum arhati „nicht 
kann das der mensch besiegen*'. 

§ 36. 
3. Bei dhar-. 

Der gebrauch ist wie bei §ak- und arh-. Im RV, kein 
beispiel. Ludwig, Infinitiv s. 64 hält sittuyn AV. 6. 17. 1 
für einen infinitiv. 

AV. 6. 17. 1 : evä te dhriydtani gdrbho dnu sütum sdvitm-e. 
Bloomfield s. 98: „thus shall thy embryo be held fast, to 
produce a child after pregnancy"; ähnlich übersetzt Florenz, 
BB. 12. 269; Ludwig selbst bietet jetzt (Rigveda 3. 477): 
„so werde der keim von dir gehalten, die geburt zu gebären*^. 
Es ist demnach klar, dass 8{itum nicht als Infinitiv anzusehen ist. 



1) Fehlt bei Brannhofer BB. 10. 



Iklll 



he« wm Imiufltliwi. 



65 



Beispiele aus der prosa. Solche mit negaüon seheinen hier 
nicht vorzukommen ; Delbrück Yerzeirhiiet einen fall, wo der 
intitutiv mit der privativpaHikel verbunden ist, 

TS. 6. 5. 9. 1: tarn adhHyata hotum. Delbrück s. 429: 
,er entscMois sich ihu zu opfern". 

SB. 14, 4* 3, 32: tanl (nändich kflrmmp) jmttim duährire 
,diese (werke) kennen zu lernen begannen sie'*, 

SB. II, 4. L3: Um hu tdta eva prd^ium dadhre. Egge- 
liug 5. 52: ^and began to question him", — Ebenso 14. 6. 1. 4. 

SB. 10* 6. 5* 6: ^äriram ^myitum adhrh/ata. Delbrück 
s-429: pder leib begann zu schwellen". — Ebenso 13. 4. 4. 6, 

SB. 10. 6. 5. 5 : tdttad ätttim adbriyata, E g g e 1 i n g 4, 403 : 
M set about devouring". 

SB. 1. 6- 2. 2: tarn anve^tum dadhrire. Eggelingl, 161 : 
flthey thereupon set about searching for it". Ebenso 1* 6. 4 2, 

SB. 3. 3. 3. I : tä kmnAfft sämpe^um dadhrire. Eggeling 
h S42: pthey sought to crush Mm**, 

0B. 9, 5, 1* 19: anyät kartum dadhrire. Eggeling 
4.358: „they began doing something eise"; vgl dort seine 
EOte zu Delbrück s. 429. Ebenso auch 9. 5, 1. 20; 21. 

SB, L 4. 1. 11: täm xghhir hvayitum dadhre. Eggeling 
1 104 f, ; rthe began to invoke the latter with verses of the 
%-?eda\ 

OB. 10* 2, 2. 1*): täm dm)& yajümaiva yastum adhriyanta, 
Eggeling 4. 304: „and the gods set about offering him up 
in sacrifice", 

Brunnhofer BB. 10. 239 führt noch SB. 3, 3, 2. 8 an, 
ich kann jedoch die steUe nicht finden. 

Das eine voü Delbrück angefflhrte beispiel mitnegirtem 
iafinitiv lautet: 

SB. 10, 4. 1. 18: änaihiharfmß dhriyante, Delbrück 
I. 429: f,man sebickt sieh an nicht herbeizubringen". 



I 



§3L 
Bei anderen verben. 



Während wir oben in den §§ 34—36 sahen, dass der RV. 
Ton dem später^ in der älteren prosa, so weiten gebrauch 
der mfinitive auf 4um bei iaJc-^ arh-^ dhar- noch so gut wie 



*1 F^t \m Brunnhofef BB. 10. 




66 



Prite Wolff, 



ganiichts kennt (von allen drei gebrauchsweisen hat er im 
ganzen ein beispiel!), so haben wir hier — im gebrauch bei 
anderen verben — im KV. eine fast noch grössere niannig- 
faltigkeit als in der älteren prosa. Aber die wenig zahl- 
reichen beispiele verbieten, besondere Schlüsse zu ziehen. Hier- 
her gehören; 

RV. 5, 36. 1 : sd & gamad ifidro yS väsUnäm nketad dätum. 
Delbrück 8. 417: „Indra komme herbei, der die absieht hat 
guter zu schenken*", väsanäm ist partitiver genetiv. 

RV* 6. 9. 2: n&häm täntum nd vi janämy otum^ Grass- 
mann: j, nicht weiss fich recht zu spannen noch zu weben**. 
Ähnlich Ludwig (no. 375). Kaegi 70 Lieder s. 102) 
übersieht das doppelte na nnd verfehlt deshalb den sinn: 
„den faden weiss ich nicht zu weben". Ebenso RV. 6. 9. 3. 
Vgl hierzn ans der prosa: 

AB* 6* 23. 5: ya enam yoldtim ca vimoktum m veda „der 
sie (die feier: aMnam) zu binden und zu lösen weiss". 

RV. 1. 91, 6: tmffi m soma no vd^o jwätuffi nd maramahe 
„wolle, Soma, dass wir leben, nicht mögen wir sterben*". 
Wohl accusativus cum infinitivo, vgl. KZ. 39. 491 f. 

Einen infinitiv werden wir auch anzuerkennen haben 

RV* 6. 47, 10: indra mila mähyam ßvätum icha „sei 
gnädig, Indraj such mir zu schaffen, dass ich lebe". — 
Ludwig und Grass mann übersetzen jlvätum als nomen. 
Der infinitiv ist hier jedenfalls möglich, weil es sich ja nicht 
um das abstracte leben, sondern nur um die action des lebens 
handelt; doch muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass 
iS' gerade in der angenommenen bedentung öfter nomina acti- 
onis bei sich hat; vgl. EV. 1. 80. 6; 4. 18. 10; 5. 30. 7; 6. 6. 1. 
jivätum in RY, 8. 47. 4: ärusaia k^dywm jivdimn ca „sie ge- 
währten Wohnung und lebensunterhalf^ ist reines substantiT. 
Dagegen lässt sich aus der prosa eine stelle anfuhren, wo 
jiväUim wegen seiner Verbindung mit jyok sicher als infinitiv 
zu fassen ist, nämlich 

OB, 12. 8. 1. 20: diJiö jySff jwätum waim dadhäti Egge- 
ling 5. 237 übersetzt frei: „he also confers long life on them"; 
wörtlich! „lange zn leben gewährt er ihnen". 

Ras von Ludwig, Infinitiv s. 64 angeführte sotum EV. 
8. 19. 18 ist sicher Substantiv, wie auch schon Brunnhof er^ 
KZ, 25* 344 sagt; es ist mehreren Substantiven coordinirt. 



Infinitive de« Indiiclien und Iraniiehen. 



67 



Auß dem RV. bleibt noch eine stelle übrig, die Del- 
biöck s. 417 für uDdeutlich erklärt, 

RV» 3. 48. 1 : sadyo ha jütS v^^abhah kantnaJß präbhartum 
amä ändJiasah sutdsya. Ludwig (no. 958): „sogleich wie 
er geboreil, hat der junge stier ?erlaiigt zu nehmen vom ge- 
kelterten safte '^_ Ähnlich auch Grass mann» Nun hat aber 
^ira-lthar- nicht die bedeutimg von „nehmen"; pra-hhar- heisst 
fldÄTbringen". Für avat giebt G rassmann Wh, als bedeu- 
mug an 7, gern annehmen, sich wohl gefallen lassen*", so aach 
das Gr. Ptbg, Wb* „wünschen, gern haben". Also werden 
wir den lofinitiT passivisch fassen müssen: „er hatte sich ge- 
faüen lassen, dass ihm dargebracht wurde". — prähhartnm 
wild allgemein (s. Delbrück, Ludwig, Grass mann, 
Wilhelm, Brunnhof er etc.) für einen Infinitiv gehalten- 

Ans der prosa gehören ausser den schon oben angeführten 
rtellen hierher: 

SB. 10. 5* 2. 6: täsmäd agnim nädriyata pärihantum. Egge- 
iiag 4. 368: „one need not therefore mind destroying Agni". 

SB. 9, L 2, 16: nädriyeta , . kärtunh Eggeling 4 173: 
,k ueed not care to make", 

SB. 3. 6. 3, 17: täsmän nädriyeta pärivartayitum Del* 
kTfiek s. 429: „deshalb lasse er sich nicht angelegen sein, 
mä rings das haar zu scheeren*'. 

^Täp<J. Bn 13. 6. 9; Ihantum naUffisata. Delbrücks. 429: 
rechnete nicht darauf zu töten *^, 
AB* 4. 8- 3: na ha iam dadhx^atur . . vaktum. Delbrück: 
rSie wagten nicht zu ihm zu sagen". 

SB. 4, 1. 4. 9; nä cakame häntum, Delbrück; „er 
wfinschte nicht zu töten". 

SB* 5. L L 13: kämäyeta väi räjä mmrä4 bhdvitum* 
Eggeling 3. 4: „a king might iudeed wish to become 
efflperor*'. 

AB. 3, 39. 1: nanv akammjataitum, Delbrück s. 429: 
^er wünschte nicht nachzugehen". 



m 



§38. 



Ber inflnitiv auf -tum In imabhängigem gebrsneh. 

Wir haben oben (§ 32) gesehen, dass dieser gebrauch in 
»ptterer aeit öfters vorkommt. Aus der älteren zeit kenne 
ich uir ein beispiel, und zwar aus der prosa. 

5* 



68 Friti Wolff, 

SB. 11. 6. 2. 5: sa hoväcagnihoträm . . veditnm iti. 
Eggeling 5. 114: „and he said ,is it to know the agni- 
hotra'?". 

InflnitlTe auf -tum. 



attum (V. +) 


AV. 18. 4. 63. 




SB. 10. 6. 5. 5. 


anitum (B.) 




äptum (B. +) 


TS. 3. 2. 9. 7 — 5. 1. 3. 4 — 6. 2. 7. 4. 




MS. 1. 11. 9 (171. 11). 


+pdry' 


TS. 7. 3. 1. 4 (zwei mal). 


■hprä" 


TS. a. 1. 5. 2. 


asitum (B.) 




etutn (B. +) 




^tr 


SB. 18. 1. 4. 2. 


+anu 


AB. 3. 39. 1. 


+t;ya»o» 


AB. S. 14. 2. 


+ä- 


TS. 2. 5. 2. 3. 


edhitum (B.) 




e?tum (B. '+) 




+dnif 


OB. 1. 6. 2. 2 - 1. 6. 4. 2. 


otum (RV.) 


RV. 6. 9. 2 — 6. 9. 3. 


kärtum (AV. +) 


AV. 4. 18. 6 — 5. 31. 11 — AB. 1. 7. 



3 — 8. 12. 5 — 8. 17. 5 — OB. 5. 2. 
3. 4 — 5. 2. 5. 4; 8; 12 — 6. 3. 1. 
14 — 9. 1. 2. 16 — 9. 5. 1. 19; 20; 
21 — MS. 4. 6. 8 (90. 18). 
+WI» AV. 10. 1. 26. 

+hhio OB. 1. 4. 1. 2 — 4. 2. 2. 11. 
kälpayitum MS. 4. 6. 8 (90. 5). 

kramitum (B. +) 

+dpa? SB. 3. 5. 1. 17. 
Jchdnitum (B. +) SB. 6. 3. 1. 39. 
khyätiim (B. +) 

+pratyä'> SB. 14. 9. 1. 11. 
gamtum (B. +) 
gatutn (B. +) 
goptum (B.) 

grähitttm (B. +) SB. 2. 1. 2. 11 — MS. 4. 7. 7 (102. 15) 

(zwei mal). 



^^1 


Bm^^E^^^7\* «MMi^~jr^< ^r^^^^H^^^^^^^^^^^^H^^^^^^^^^^^^^^^^I 


^ Die infinltiTe des Indiichen und IrameeheD. 69 ^^H 


earitiim (B, +) 


SB. 2. 4. 2. 6 — 4. 6. 7. 21 — 4. 6. 9. 5. ^| 


dettum (B. +) 


^H 


jauayitum 


^^1 


+pra* 


SB. 6. 1. 1. 3 — 10. 4. 1. 5. ^M 


ßvätum 


RV. 1. 91. 6 — 6. 47. 10 — (8. 47. 4) — ^1 




SB. lä. 8. I. 20. ^1 


jkiiim (B, +) 


SB. 14. 9. 2. 8; 9; 10; 11 — MS. 4. 5. ^1 




9 (77. 4). ^M 


ßm {B. +) 


AB. 8. 23. 10 — TS. 6. 2. 3. 1. ^H 


iSfüyUum 


SB. i, 1. 1. 4. ^H 


ßähm (B, +) 


SB. 14. 4. 3. 32. ^1 


f^idum (B,) 


RV. 6. 9. 2 - 6. 9. 3 — AB. 6. 23. 5. ^M 


dihidhmn (B* +) 


äB. 3. 3. 2. 8. ^M 


hMhum (BO 


^H 


ahm (V- +) 


RV. 5. 36. 1 — 3. 79. 10 - AV. 6. ^M 




122. 2 — 13. 4. 18 — SB. 11. 4. 2. 19 ^M 




— IS. 7. 1. 15. .^M 


Jroi^fitwi (AV. +) 


AV. 11.5.3- SB. 3. 2. 3.1 -4. 2.4.9. ^M 


dh&him (B, +) 


^H 


^^i^ 


Bhäg:.P. 7. 8. 18 (Kl. Ptbg. Wb. 3. 1&3 8p,2). ^M 


iWrayifwm 


SB. 1. 4. 1. 13. H 


^firiHfwn* (SB*) 


äB. 1. 4. 1. 40. ^H 


^wi^tVum (B. +) 


^H 


^wyapa° 


AB. 7. 5. ]. ^1 


n€tum (B. +) 


^H 


+fin° 


MS. 1. 10. 19 (159. 10). ^1 


jMiWiim (B.) 


^H 


+Äe^ 


SB. 10. 2. 1. 1. ^H 


pmum (B- +) 


^H 


4^I&M^ 


SB. 9. 5. 1. 5; 6; 9. ^H 


jorÜMtn (JB*) 


^H 


ftftmn (B. +) 


^H 


+5attt^ 


SB. 3. 3. 3. 1. ^M 


fjfäi/ayitum 


^H 


+fl° 


MS. 3. 8. 2 (94. 1). ^1 


jiraifuiii {V. Hr) 


RV. 1. 164. 4 — AV. 9. 9. 4 — SB. 11. ^M 




4. 1. a — 14. 6. I. 4. ^1 


ih^um (B. +) 


^H 


^'Mreiiirt (Y. +) 


SB. 1. 4. 5. 1 - 4. 6. 7. 21. ^M 


tpra' 


RV. 3. 48. 1. ^1 



70 Friti WOB, 

bMmtmm (B. +) OB. 6. 1. 1. 13 — 18. 6. 1. 41. 

+abhi'> TS. 6. 4. 10. 1. 

+p<ino TS. 7. 3. 1. 4. 
bkettnm (B. +) 
matum <B. +) 
moMum (B. +) 

+«• AB. 6. 23. 5. 

ydtOum (B. +) SB. 6. 4. 1. 8 — 6. 7. 1. 1 ; 3; 7; 12; 13 
— 7. 4. 1. 9 — MS. 8. 1. 5 (6. 6). 

+üdo AB. 8. 28. 2; 3 — OB. 1. 1. 1. 18 — 
3. 1. 4. 26. 

+86^" äB. 14. 1. 1. 6 (zwei mal). 

yägtum (B. +) ^B. 10. 2. 2. 1. 

yäeitum (AV. +) AV. 13. 4. 31. 

yokhm (B. +) MS. 1. 11. 6 (168. 5) — AB. 6. 23. 5. 
ro^um (B. +) 

+abhyä'> SB. 8. 3. 4. 9. 

väktum (B. +) AB. 4. 8. 3 — SB. 8. 4. 1. 10. 

vaditum (B. +) AB. 1. 6. 7. 
variayitutn 

+pan» OB. 8. 6. 3. 17. 

+präiya'> SB. 18. 4. 2. 16. 

veditum (B.) OB, 8, 6. 2. 6 — 11. 6. 2. 5. 
vo4Jium (V. +) 

+prä'> RV. 10. 2. 3 — OB. 18. 4. 4. 1. 

-HWMjprd» AV. 19. 59. 3. 

Sväyitum (B.) SB. 10. 6. 5. 6 — 18. 4. 4. 6. 

sägdhum MS. 4. 4. 6 (56. 11). 

saUum (B.) AB. 8. 14. 2. 
«dtum (JB.) 

(8Ä«Mm AV. 6. 17. 1). 
seddhum (B. +) 

{sotum RV. 8. 19. 18). 
stohmi (B. +) 

sthätum (B. +) OB. 4. 1. 4. 2 — 6. 7. 1. 20. 
snatum (B. +) 

spärdhitum (AV. B.) AV. 19. 22. 21 — 19. 23. 30. 
syänttum (B.) 
svaptum (B. +) 




1. hätmn (B. +) 

2. h&tum (B. E.) 

fcfffmium (B. +) 
hfkum (B. S,) 

Jlp^titfi (B.) 



Di« laEnitiTe des Inditehen an3 



M& 1. 10. 15 (155. 15) - 4 5. 8. (75. 1) 

— 4. 6. 3 (8L 1) - SB. 4. 1. 4. 9 - 

Tä^i Bn l:J, 6. 9. 

SB. 4. 2, L 5. 

SB. 4. 2. 4 19. 

SB. 1, L 4 17. 

OB. 10, 5. 2, 6. 



SB. 10. 4 L 18. 



&B. 4 6, 3. 36 — 4 6. 4 L 

MS, 4 5. 6 (72, l). 

TS. 6. 3. L 6 — 6, 5. 9. 1. 

SB. 4 4 1. IL 



Drittes kapitel 
Die ifido-lranisctien Infinitive auf -(apn, 

(Aus wurzelstämmeii). 

§ 39. 
AUgemeines. 

F ä ^ L Q i sagt 3. 4. 12 : §aki namullmmulaiu das B ö h 1 1 i a g k 
übtrsetzt: „in verbmdutig mit Sah- haben im Veda — — am 
and —^am die bedeutung ¥on *«m". 

Was im § 17 zur bilduag der geaetinsch-ablativisdiefl 
nitive auf -ah gesagt ist, das gilt auch hier. Normal ist 
dip tiefstut'engestalt der wurzel. Andere formen miissen für 
jangp gelten. Bei nareifäm (RV,) ist das ganz offensichtlich. 
Anfeilend ist mmoham; üh- ^movere" zeigt im II V. sonst 
keine einzige verbalform in der hochstufe, die nur in wenigen 
idten auftretenden nominalen ableitungen belegt ist. Man 
tian es allenfalls auch als absolutiy fassen; Pischel» Ved. 
Stni 1. 39 ff. wiU alle hochstufigen bildungeo der absolutiv- 
Uifie zuweisen. — Ebenso näyam (RV.) (s. u. §51) und mläyam 




Fritz Wolf, 



(AV.), Überhaupt wird das absolutiv» das ja in vieleE fällen 
im gebrauch kaum vom infinitiv zu unterscheiden ist^ das 
muster für diese bilduugen abgegeben haben ; so jedenfalls fiir 
öeu iufluiüv vihhajam der prosa. Die hildting von upasiMyam ■ 
neben ""stMm zeigt die ja häuiig genug zu beobachtende ver- 
wirrung der n- und rrfj/)- wurzeln. Auf den eintluss des 
mit nasal gebildeten präseusstamnis weisen avarändham und ■ 
avalümpam. — Zu beachten ist, dass hier im gegensatz zu den 
ablativiscli * genetivischen wurzelinfinitiven auch solche aus 
sonantisch auslautenden wurzeln erscheinen. 

Ähnüclies wie für das Indische gilt für das Iranische. 
Obwohl sich im Avesta nm- eine Meine anzahl von sicheren 
aceusatiyischen infinitiven aul^ (arisch) -(a)m vorfindet, wird 
man doch wegen ihrer der indischen ähnliehen Ibrmatiou 
scbllessen dürfen, dass sie bereits im Arischen existirt haben. 
gAw, dam und jAw, ""harasBrn zeigen eine bildungsweise, die 
völlig zu der der indischen formen stimmt; ebenso snaäBm. 
■^ahvm kann hier nicht als sicher angeführt werden ; denn selbst 
wenn es in dieser gestalt belegt wäre, bliebe noch der zweifei, 
ob es nicht vielleicht zu den fm-infiuitiven gehört. ''Haa^m 
zeigt dehnstufenform. 

Der hauptton der indisehen formen steht regelmässig auf 
der wurzelsübe, auch in der komposition; ausnahmen bilden 
nur varmjäfUj das seinen accent wolil unter dem einfluss von 
vareydti erhalten hat, sowie vüjambhar^äm und upaväkäm. 

Der gebrauch der Infinitive im Indischen stimmt ganz zu 
dem der t^m-infinitive. Hier wie dort haben wir einen final- 
supinalen infinitiv, daneben einen einfachen, meist in abhängig- 
keit von *§ak-i an einzelnen steUen scheint es, dass Infinitive 
von participien abhängen; in einem falle ist wohl ein prädica- 
tiver infinitiv anzunehmen. 

Ähnlich ist der gebrauch im Avesta, Auch hier sind 
drei infinitivarten vorhanden: der einfache, finale und unab- 
hängige. 

Die (aJm-iu&mtivB sind im KV, ziemlich stark vertreten, 
lassen im AY. schon sehr nach und gehen in der prosa auf 
eine ganz geringe anzahl von formen zurück. Brunnhof er» 
BB. 10* 234 £ verzeichnet aus dem SB. nur zwei stellen 
(in der tabelle s. 252 giebt er drei an). 




Die infiniliye dei Indisehen und Iramschen. 73 

a) Die Indischen Infinitive auf '{a}m. 
L Der finale gebrauch der fa/m-lafiiiitiTe. 

In der mehrzahl der falle ißt der inflnitiT von verben des 
^fehens'* abhängig (i-y car-, yä-J. In zweiter linie kommen 
dann andere verben der bewegung in betracht (vi-, di-, sar-), 
and schliesslich erscheint der finale infinitiv auch bei verben, 
die eine tbätigkeit ausdrücken (ciid-, pil- etc,). 

§40. 

Bei den rerben des ^jgehens^. 

Dieser gebrauch findet sich oft im KV. und AV, Aus der 

kenne ich nur ein beispiel, aus dem SB.; ob er in 

deren prosatexten vorkommt, weiss ich nicht; Delbrück 

fthrt keine hierher gehörige stelle an. — Ich gebe nunmehr 

die stellen an, indem ich von den einfachsten und sichersten 

tttsgehe: 

■ Aus dem RY.: 

H BV. 10. 69. 9: yät mmpfclmm mänti^ir vUa äyan „als 

^ifle menscheustämme kamen (um dich) zu befragen**. 

; RV* 7. 86* 3: üpo emi cikitü^-ö vipfcham. Geldner 

70 Lieder 8. 6): „ich gehe zu den weisen, sie zu fragen". 
^B SV. 8* 48. 10: iäsmä indram pratiram emy äytüt „um 
^HS leben zu verlängern gehe ich Indra an^. 
^" RV. 3. 24. 6: putmr yäta u äyan lad ml lyur ävUam. 

Lfldwig (no. 726): „sie sind, wober sie gekommen, dorthin 

2[irückzukehren fortgegangen**, 

RV. 3. 36, 6: dcha räjäna ndma ety ävftam. Ludwig 

(qo, 790): ^hin zu den beiden königeu naht die anbetung 

limkebren'*. 

RV. 3. 62* 13: devhnäm eti ni^k^äm ftämja ymim asädam. 

Delbröck^ Ai. Synt. 417 : „er geht zum Stelldichein der götter, 

am sich auf den schoss des Opfers zu setzen"^. — Ähnlich 
&2, 1. 
RV. 4. 9. 1 : iyitha barkir mädam. Müller, SEE. 46. 348: 

.thoQ hast come to sit down on the saerificial grass". — 

Mnlich 8. 1. 8. 




74 Frits Wolfl; 

RY. 4. 51. 6: Subham yäc chuhhrä u^äsaS cäranti. Ludwig 
(no. 9): „wenn geschmückt die ü§as zu glänzen beginnen^. — 
ÄhnUch 1. 23. 11. 

RV. 5. 57. 2: svayudJiä maruto yothana §uhham. M All er 
SBE. 32. 340: „with your good weapons, o Maruts, you g< 
to triumph"! — Bergaigne, 40 Hymnes s. 48: „portan 
de belles armes, ö Maruts, — vous allez d^ployer vota:^ 
parare". 

RV. 7. 82. 5 : ugrdh Subham anyd tyate „der andere zieh 
als held aus, um zu glänzen^. 

RV. 1. 164. 8: ndmasvanta id upavakäm lytil}. Bar 
tholomae, BB. 15. 217 no.: „verehrungsvoll gingen si< 
anzurufen". 

RV. 10. 85. 15: yäd äyatam hihhas pati vareyäin süryän 
üpa. Ludwig (no. 906): „als ihr kamt, ihr herren det 
glanzes, zu der Werbung der Surya" (d. h. „um um die S. zi 
werben"). 

RV. 10. 85. 23: anxharä fjaval), santu pänthä yebhil, 
sdkhayo ydnti no vareydm „ . . die wege, auf denen unser« 
freunde gehen, um zu freien" (Ludwig: „zur gattenwahl") 

RV. 1.145. 4: upasthüyam carati. Müller, SBE. 46. 164 
„he goes to greet them". — Grassmann Wb. sp. 258: „in 
finitivisch". Ludwig, Comm. (zu no. 287 bd. L 282) wil 
üpa sthäyam lesen. — Wenn Bollen sen, ZDMG. 47. 58( 
upasthäyam als ältere vollere form f&r den dativ upasthäyi 
von upastha- erklärt, so ist eine Widerlegung wohl unnötig. 

Dieselbe gebrauchsweise zeigen aus dem AV.: 

AV. 6. 66. 1: ye seyiabhir yüdham äydnty asmän „welch< 
mit beeren heramiicken uns zu bekämpfen". 

AV. 6. 103. 3: aml ye yüdham aydfiti ketün kiivänika§di 
„diese welche die banner reihenweise aufrichtend herankommen 
um zu kämpfen". 

Zu AV. 4. 16. 2 s. u. § 41. 

Aus dem SB. gehört vielleicht hierher 

6B. 7. 2. 1. 9: praläyam eti, wo Böhtlingk Wb. pralä 
yam als absolutiv nimmt. Ebenso auch Delbrück, Ai. Synt 
404 und Eggeling 3. 321 („remains concealed"). Es kam 
aber ebensogut Infinitiv sein: „er geht, um sich zu verstecken" 
Vgl. zur construction aus dem Germanischen z. b. Reinke d< 
Voss vers 70: Do quam dar eyn kleyn hundeketi ghan. 



Di© infiiiiÜTe de» Indiflchen und Iraniachen. 



75 



§ 4L 

Bei anderen rerben der bewegim^. 

Die gebrauehsweise ist dieselbe wie bei den verben des 
„gehens*^ in § 40. Aus dem RV. ^ehörea hierher: 

RV. 4» 17. 13: iparü retn*^ maghävä samöham. Ludwig 
(üo* 518): „staub treibt er auf ihü zusammenzuwehen". Del- 
brück s. 404 fasst sflttM* als absolutiv. 

BV. 9* 3. 1: em * • diyati abhl drfhjäuj/ asädam, Ludwig 
(00. 794): „ei- fliegt, sich zu den holzkiifen zu setzen*^. — 
Ahnhch 9. 30. 4, wo asi^adat steht* 

RV. 9. 62. 16: väjam wäsarat cam^i^i &akmaumadam~ 
Ludwig (no. 852): „er ist gleichsam zur ki*aftthat (scblacht) 
I gegangen, mit kundiger stärke in den pressschalen seinen sitz 
m nehmen". — Ähnlich 9. lOL 14. 

EV, 9, TL 1: hi^my äsädam veti „der starke geht sich zu 
jseteen**. 

^^ BT. 9. 7L 6: iyeno nä yoniffi sädanam dhiyu kiiätn 
^^rafj^äyam osadatn devä Smti Ludwig (no, 861): „wie ein 
Hhlka nach seiner statte, dem durch Weisheit geschaffenen 
^■(tze, dem goldenen, eilt der gott zu sitzen". Man beachte 
^nier die Terbindung sädanam: äsädam. 

kAm dem AV* kann man hierher vielleicht stellen 
AY, 4. 16. 2: yds ti^hati cäraÜ yä§ca väMati yo niU- 
m cärati yäh pratm}kam. Das KL Ptbg, Wb* fasst nila- 
m xrnd p'afiWcam als absolutiva: „sich ¥ersteckend" und 
^schleichend", Ludwig, Rigveda 3- 388: „wer steht, wer geht, 
wer versteckt wandelt, sich duckend'^. Grill, 100 Lieder des 
äV. s- 32: „ . . , ob er verkrieche sich, ob er entlaufe*'; 
Kaegi, Rigreda s. 90: „ . . , wer ein versteck sich sucht 
und wer davonläuft"; ähnlich auch Bloomfield s- 88. Da- 
gegen beachte M. Müller, Essays L 40: „ , * ob einer sich 
verstecke, ob einer gehe niederzuliegen oder aufzustehen"*, 
Vgl noch Bloomfield s. 389 ff. 

Offenbar stehen sich doch die beiden teile yh tUfkatt 
cärati und yäsca mit dem rest des satzes als corre- 
spondirend gegenüber* Der zweite teil scheint eine aus- 
fuhmng des eisten zu bilden; i^tliati *er steht* wird 
erläutert durch väncati ^er duckt sich', cärati wird 
mit dem gleichen wort wieder au^enommen; nil&yam 




76 



Friti WoMf, 



und pratäftkam geben alsdann den zweck an, zu dem 
man die handlangen {vatlc- und aar-) vollführt. Dem- 
nach scheint Müllers Übersetzung den sinn am 
besten getroffen zn haben; allerdings verkennt er 
wohl die teilnng des satzes, denn er lässt beide — 
nilayam und pratfifikam — von cärati abhängen. 
Ich möchte übersetzen: „ob einer steht oder geht, ob einer 
sich dnckt, um sich zu verstecken, oder geht, um sich fort^u- 
schleichen", — Zu Hiüyam vgl pral&yam SB. 7. 2. L 9 (s. o. 
§ 40), zu pratäiikfim vgl. AV. 5. 13. 8 (s, u, § 43), 

§42. 
Bei anderen Verben, die keine bewegimg ausdrucken. 

Wir finden in einigen fällen einen finalen infinitiv bei 
verschiedenen verben, die eine thätigkeit ausdrückeu, ausgeführt 
zu dem zweck, ein bestimmtes ziel zu erreichen. Aus dem 
RV. gehören hierher: 

RV. 10, 88, 18: nopaspijatti vaJp pitaro vadümi pichämi 
mli kavayö vidmäne kam, Ludwig (no, 431): „nicht mit euch 
^u wetteifern j o väter, rede ich; ich frag euch, o weise, um 
es m erfahren"*, Ludw^ig übersetzt upmpijam mit „wett- 
eifern'* nach Säya^a: spardhmjuktam vacanam ncyate. Das Kl. 
Ptbg» Wb, giebt für upaspi}- t „etwa scherz** an, das Gn 
Ptbg< Wb* fügt dem liinzu „oder infinitiv**. Das wird den sinn 
besser treffen. Da die beiden sätze (vadümi . , p^chämi) 
parallel stehen, und da ini letzten vidmäne sicher infinitiv ist, 
wird mau auch upaspijam als solchen lassen nilissen* 

RV, 9. 8. 3: indrasya soma rädhase piinam Mrdi codaya 
ftäsi/a yonim (isädani. Grassmann; ^^des Indra herz, o Soma, 
treib gereinigt du zum schenken an, zu setzen sich im schoss 
des rechts**, 

RV, 9. 25. 6: ä pavasva . , arkäsya yonlm äsädam* 
Ludwig (no, 815): „läutere dich, nieder an des liedes st&tte 
dich zu setzen*". — Ebenso 9. 50. 4 und 9. 64, 22 (itäsya). 

RV. 9. 101. 15: häriJj pamire anyata vedhä nä yonim 
Usädam, Ludwig (no. 891): „der falbe hat sich in die seihe 
eingehülltj als priester an seiner statte zu sitzen**. 

Eiuen finalen infinitiv sieht Ludwig auch in 



I 



Jlfl 



^TB de« Indiseh^Tt un^ iranifichen. 



77 



EV- 0, 85- 11: ßihtnt rihanti matdyaJs - . . k^änrntii sfhä^, 
Ludwig (üo. 875): „lieder küssen den jungen, dass er auf 

Idie erde sich seiike*"* 
k **Vgl. Ludwig, Infinitiv s. 511 nnd Comm. IL 3Ö7, 
I wo er ausführt, dasa götter und menschen sich nach 

I ihm (Soma) sehnen, dass er auf der götter flehen zum 

I himmel emporgestiegen war, und dass nun die mensch- 

r liehen Sänger ihn wieder zur erde herabrufen. S. dazu 

I die erste halfte der Strophe: nahe miparimm npapa- 

I pt'wänmfm giro venänüm akfpanta pftrvfhj das Lud- 

I wig übersetzt: »»dea auf des himmels rücken ge- 

L flogenen adler hatten (so Comm,) viel stimmen von 

■ verehrenden (göttern) angefleht". 

I Eine weitere, hierher gehörige stelle dürfte sein 
I EV* 10» 80* 1 : ag}iih säptim väjambhardni äwläty agnir 
m&m h'fUyant kamiani^thäm. Ludwig (do* 429): „Agni 
giebt das kraftnahrung erbeutende zugross (so Comm,), Agni 
den berühmten zur that sich erhebenden beiden". Es ist da- 
bei zu bemerken» dass Jcarmam^thäm wohl am besten mit 
Lad wig (Comm, zu no. 429) als haplologische kürzung aus 
hfmani-nlf^thäm zu erklären sein wird, worauf schon das 
dentale a weist. Dann konnte man allerdings ohne weiteres 
beide Wörter : karmani^thAm und vajambharäm nominal nehmen, 
Äier der sinn scheint mir doch eher flir infinitivische auf- 
fissong zu sprechen. Ich würde danach mit finalem Infinitiv 
ibersetzen: r^Agni giebt das zugross, damit es kraftnahrung 
erbeute« den beiden < . damit er inmitten der thäügkeit stehe^. 
Aus dem AV, kann man wohl ebenfalls eine stelle hier- 
berziebeu, 

AV* 7, 50, 5: äjai^am tvä säifüikhitam äjai^am utä sam- 
Tudham, Bloomfield &- 151; „I have conquered and cleaned 
Üiee out(?); 1 have also gained thy reserve" (s, d. noten 
&. 549); dort ist Henry citirt: „(je t'ai) gratte de fond 
wi comWe(?) et j'ai gagn6 l'enjeu total (?)", — Grill (s, 72): 
,ira8 du einstrichst, gewinne ich ab, gewinne was du zurück- 
bdöeltest'*. Ludwig^ Eigveda 3* 455: „ich hab dir abge- 
Mmmen das zusammengekratzte, ich hab dir abgenommen das 
»iwmniengescharrte " , 
^^ ••Ludwig und Grill stellen sammdham mit sätfi- 
^^L Hkhitam auf eine stufe, was nicht denkbar, denn als 



78 



Fntx Wolff, 



part* parf pa^s. würden wir srnnrufWiam erwarten 
(wohl mit accent auf der vorsilbe). Nach Grills 
Übersetzung wäre tvä instrunjental, was uach Whitney 
Grammar § 492 nur im RV. vorkommt. Das Kl. Ptbg. 
Wb. (b. 225 sp. 2) giebt für sämlikhita* an: ^spiel- 
ausdruck*' {imtiUkh- sonst y^schröpferi*'); fnr sanmtdh- 
(7, 3- sp. 1) „Spielausdruck, etwa art des einsames** 
(sanirtidh- als verb „festnehmen etc."). 
Whitne^r nimmt im Index zum AV* sanirüdhani als infinitiv, 
und ich glaube^ dass so der sinn am besten getroffen wird: 
^ich habe dich, nachdem ich dich geschröpft, besiegt, und ich 
siegte, um einzuheimsen''. 

Ludwig, Infinitiv s. 51 will noch eine weitere stelle in 
derselben weise auffassen. 

AV, 18. 4* 5: dhruvA dadhara piihwtm prati^ßäm prafU 
mAm lökä f/hiiapiHha],i svargäh kämmfikamam yäjamünaya 
duhräm. Ludwig nimmt dort pratifmm zum ersten teil und 
siebt einen Infinitiv des zwecks darin. Nun haben wir oben 
(§ 36) gefunden, dass nach dlmr- accusativische infinitive auf 
'tum vorkommen; in allen jenen fällen aber ist dhar- intran- 
sitiv. Dagegen kann man zum vergleich mit unserer stelle 
anfuhren AV. 6. 17. 1: evä te dkritjaiäm gärbho änu sütnm 
sävitave. Ludwig, RigredaS. 477: „so werde der keim von dir 
gehalten, die geburt zu gebären^ (s. § 36 weiteres zur stelle)* — 
Man sieht dass die anffassung möglich ist; was aber sollte 
pratimäni bedeuten ? — Ludwig selber fasst später (a. o. 3, 489) 
die stelle anders: „die Dhmva hält die erde als festen Stand- 
ort; als entgelt (pralimäm) sollen die ghytabedeckten Svarga- 
weiten jeden wünsch dem opferer fliessen lassen"^, 

§ 43. 
3. Der inflnitiv ist abhängig von partlcipien. 

Ebenfalls in finalem gebrauch scheint in einigen fallen der 
Infinitiv von participialforraen abzuhängen ; im übrigen schliesst 
sich der gebrauch ganz dem in §§ 40—42 behandelten an, 

EV, 5. 55. 1 if. (refrain im ganzen liede): siibkam yatäm 
ämi rätha aviisata, Müller, SBE, 32. 333: „when they 
went in triumph, the chariots followed", Bergaigne, 40 
Hymnes s, 45: „ä la suite ont roulfe lenrs chars, quand üs 



I 

I 



Bie ittfinitiTe dcE IndiRchün und Ir&niBclieu. 



79 



Tont d^ployer leur panire". (VgL oben § 40 RV. 5> 57. 2 
mit Bergaigne's übei^setzung). Aach Ludwig Comm. (zu 
HO. 689) nimmt ^ibham als infimtiv. 

RV. 1, 60. 5 : tdnh tvä va^äm . . prä imnsamo niatibkir 

^aiamnsaii at^^üm nä vdjamhharäm marjäyantaJ.L Ludwig 

(HO* 259); „als solchen preisen wir . . dich mit liedem, wie 

erinen renner, der kraftnahruBg einbringt, dich glänzen 

machend*'. Müller, SEE. 46. 52: „rubbing thee as a 

swift racer that wins the prize". Ich glaube, dass man wie 

oben RV, 10* 80. 1 (§ 42) vajamhharäm als infinitiv fassen 

darf: ^ihn Eicbmückend wie einen renner, damit er den preis 

eftange*". Allerdings muss ich auf eine parallelstelle aufmerk- 

mm maclien : RV. 9. 87, 1 : ä^am nä tvä vafmam marjäyantalL 

RV. 9, 84- 2; kpwän m^iq%tp vicftam. Ludwig (no. 

*i74}: ^Verbindung und lösung bewirkend**. — Ludwig führt 

die stelle Infinitiv s. 54 an* Es ist aber nicht' klar, ob er die 

formen wirklich für infiuitive hält. Säya^a: saniyuktam und 

rmnkiam. Ich denke, man kann übersetzen: ^lösen und 

¥ereiüen machend'^ (frz. „faisant unir et s^parer"). Vgl, 

AV, 6. 117. 1 und 6. 119. 2: päMn vicftam vettha (veda). 

AV- 5. 13* 8: pf'(xtm\ka}n dadrimimn^ särväBäm arasäiß 
^mm. filoomfield s. 28: ^of all those whc have run to 
iheir hidding-place the poison is devoid of force". Vgl* oben 
l| 41) AV. 4. 16. 2. Man kann wohl ebensogut praiänkam 
ik infinitiv nehmen: „alle die liefen, um sich zu verbergen". 

§44. 

3. Der eiiifaclie infinitiv. 

Auch der einfache Infinitiv („ich kann gehen") kommt bei 
Terschiedenen verben vor. Am häufigsten hängt er von §ak- 
ih {das sich hier nicht so oft wie bei den tiem-infinitiven mit 
der negation verbunden zeigt), daneben in einigen MIen von 
■?•, das dann wohl in einer *4aft- verwandten bedeutung („int- 
pdrare') steht. Im RV, findet sich weiter der infinitiv nach 
«rfc-, aber nur einmal in einem liede, das Grassmann gerade 
wefen dieser construction für sehr jung hält* Aus der prosa 
ftirt Delbrück mehrere beispiele daför an; die satze sind 
>De uegirt. Unter den übrigen verben, bei denen der einfache 
infinitiv steht, tritt va.^- „wollen" und md- ^wissen" hervor. 



80 



Frite Wolff. 



§45. 
Der einfache inftnitiT bei Sak-, aS-, arh-. 



findet 



RV: 



I 



der mfiaitir 

KV. 1. 94, 3: ^akema tvä mmldham. Müller, SBE. 46. 
108: ^raay we be able to üght thee^. Ludwig, Comm. 
{bd. I. 270) macht darauf aufmerksam, dass, wemi man die ge- 
wöhnliche constructiou von §ak' mit dem iufinitiv aniiimmt, 
der siirn der stelle Utte, da Agni bereits breunend g^edacht 
werden müsse. 

BV. 3. 27- 3: ägne sakema te lyaythn yämatfi devdspa 
vajhmh Maller, SBE. 46. 2%: „may we be able to bridle 
thee the strong göd". Ähnlich 3, 5. L In beiden fällen steht „ 
das object von yämam im genetiv. Das gleiche gilt vielleicht für ■ 

RV. 1. 73. 10: Sakenm rayäh mdhüro yämam te. Del- 
brück^ Altind. Syat. 417: „möchten wir deine reichtumä^- i 
rosse festhalten können *". Darf man etwa — vgl. die ehenfl 
behandelten stellen — in sndhürah eüien genetiv singularis 
sehen ? 

HV, 9. 73. 3: dhträ ic chekujr dharune,^ ärdhkam. Lud- 
wig (no. 863): „die weisen haben vermocht das feste zu er- 
fassen''. 

RV, 10, 44, 6: nä ye Sehir yajüiyäni n&vam ärtiham. 
Delbrück s* 417: „welche es nicht verstanden, das schiff 
des Opfers zu besteigen". 

Aus dem AV. gehören hierher zwei stellen, an denen iak- 
negirt auftritt: 

AV, 5, 18, 7 : lim «f* ^aknoü nihkhidum. Bloomfield 
s. 170: „is unable to digest her^ ; s. dazu die noten s. 432. 

AV. 8. 8. 20: mä §akan pratidhäm i^m. Bloomfield 
s. 119: «may they be unable to lay arrow on (the bow)"*! 
Ebenso AV, 11, 10, 16, Jedenfalls das sicherste beispiel von 
^»jm-infinitiven ans sonantisch auslautender wurzeL 

Aus der prosa giebt Delbrück, Altind> Synt. 429 f, 
unter j^na Sak-'^ folgende stell eu an, 

MS. 1. 6. 4 (91. 16): a^nini väi devä vihkäja^fi näSoknU' 
van „den Agni zu verteilen vermochten die götter nicht "*. 

MS. 1, 10* 14 (154, 4): indro väi v^iräya vajram iidyämmn 
7iä&aknot „India vermochte nicht die waffe gegen den Vftra 
aufzuheben*^. 




Ifcfcan 



attire des Tndifl<;hen und Tnnisclien. 

MS. 1- 10» 12(152.3)' prajApatir vä amiädyam avariin- 
dham nASaknot „P. konnte nicht die nahning zurückhalten''. 
Ähnlich TS, 3. 3, 7. 1 und 5. 4. L 2 (avarfidham), 

MS. 1. 6- 5 (95, 2): agnir t/ai , . tiU^am apalümpam nA§ak- 
liol „Agni vermochte die hülle des embryos nicht abztireissen**, 
MS* 1, 6, 3 (89, 9): oßadhayas tä atiti^Ughi^ami atk^t^- 
ffi nMalcnot „obschon er diese kräater übensteigeti wollte, 
I konnte er sie nicht tibersteigen", 
l Der Infinitiv bei a^- findet sich im RV, an zwei stellen, 

I EV, 10, 62, 9: nä täm aJ^noti kfis canä dira Iva sänv 

^^rähham. Delbrück, Altind. Synt 417: „niemand vermag 
^fhn zu erreichen, so wenig wie des himmels höhe**, 

RV. 10. 92, 7: indre. hhujmji kzkmiänäsa aSata „bei Indra 
kfloneü die sich darum bemühenden genuss erlangen "** 

Der inflnitiv bei uä arh- findet sich im RV. nur einmal, 

RV, 4. 55, 7; fiahi . . ärkamdsi pramhjam, Delbrück 

s- 417: „. , scheint zu bedeuten: -wir dürfen nicht ausgehen 

lasjien'**. Grassmann, RV.-Übers, 1. 536 hält den vers wegen 

dieser modernen construction von arh- für jung. 

Aus der prosa führt Delbrück für den infinitiv bei m 
«rÄ- an: 

MS. 4. 8. 3 (110, 4): nä hi tasmad arkanti somaplthmn 
mkritfam ^denn nicht können sie deswegen den Somatrunk 
loskaufen". 

§46. 
Ötr einfache infinitiv bei verschiedenen anderen verben* 

Der einfache infinitiv bei V(i§- findet sich im RV, 

RV. 5, 34, 5: nd paficähkir da.^äbhir vaety äräbJmm. Lud- 
wig (nr. 535): „nicht mit fünfen, nicht mit zehn wünscht er 
Anzugreifen", 

RV. 5* 46, 1: 7iAgya vaSmi vimücaT^ nä'üftam pmah 
j^tticht will ich mich wieder von ihr lösen, nicht mich von ihr 
wenden" • 

Der infinitiv steht weiter bei 1 vid-^ veda zeigt dabei eine 
Wtotungj die sich mit der von SakHoH nahe berührt. 

BV. 4. 8. 3: sä veda devä änämam devan. Müller^ SBE, 
46.346: ^he, the god, knows how to direct the gods". Ebenso 

AV, 6. 119. 2: sä ethi pä§än mcftani veda särvän, 
Ludwig, Rigveda 3. 442: „er versteht all diese stricke zu 



82 



Frfe Wallt 



lasen". Ähnlich AV. 6. 117. 1 {veitha). — Hierher wohl aach 
die von Bartholomae, IF. 1. 498 angeführte steUe 

RV. 8* 24. 24: vetthä hi furitlnam . , jmrkYJam, Lad* 
wig (no, 597): ^du weisit alles Untergangs Vermeidung*^. 
Der genetiv n** steht dieser auffassnng schon deshalb kaum im 
wege, da pariv^j- auch sonst den genetiv bei sich hat. 

In der prosa ist der iDflnitiv bei nä vid- bezeugt 

MS. 3, 8. 6 (103. 10): ^6 . . dvititjam afmm amrtin' 
dham nd vidyAi „der nicht versteht, das zweite bittgebet zu- 
rückzuhalten"* 

Vielleicht gehört hierher eine weitere EV.-stelle, wo vida- 
fha}} steht, das zu vind- ,,flnden** gehören soll Das Ued ist 
sehr spät und zum teil gänzlich unverständlich. Es heisst 

EV. 10. 106. 9 : h^hänieva gambhäre^u prati^häm pädmm 
0üdhmfi tärate vidathaJjt, Ludwig (no. 72): ^als grosse 
werdet festen grund in den tiefen, wie füsse dem die tiefe 
durchschreitenden ihr fiuden^. — Vielleicht muss man vidä- 
thai^ mit Säya^a, der jünlthah anglebt, zu vid- „wissen" 
ziehen; was für eiue form aber wäre vidathalt? Mau hätte 
dann zu übersetzen ■ „ihr werdet verstehen, festen fuss zu fassen 
in . - ". 

An einer anderen stelle, RV. 5. 47. 7 : aSimähi güdlmm uiä 
prati^tMm wird allerdings pratkihäm als uomeu zu fassen sein. 

In zwei fäJlen scheint ein inflnitiv bei dha- vorzuliegen. 

EV. 3. 2. 9: täsam ekam ädadhur märtye hhüjam. Müller, 
SBE. 46. 229: „of these they have placed one among Üie 
mortals for their enjoyment", Bergaigne, Rel. Ved. 1, 113: 
„ils en out d6pos6 une chez les mortels pour qu^ils en jouis- 
sent**. VgK zur construction aus dem Avesta Y, 51» 17 : yqm 
, * dätü * . nia^dd ahurö amhyä üMyui gar^sdim^ bei Barth o- 
lomae, Wh. sp. 378 und 344: ,, welcher . . Mazdah Ahnra 
es gewähre, zum besitz des A§a zu gelangen**, 

EV. 3. 31. 10: jäte nli^häm ädadhur gom vir an, Lud- 
wig (no. 498): „sie Hessen die beiden sich erheben, als die 
rinder sich zeigten'*. Dazu im Comm. (II. 66): jjäte fjö^t 
statt jatem go^n'^^). Grass mann: „über das geborene 
(den nachwuchs der kühe?) setzten sie einen aufseher und 



1) Ludwig hftt hiev bereite das prmnp der erscheinnug erkannt, die 
ipäter TOD Butb, Über gewisse Kürzangen des Wortendes (VerfaandL dcfi 
VII, OT.-Congrcg^es) eingehendeT beliandelt wurde. 



I 



I 



^ 



Mner aber die kühe (?)", Ein grosser teil des liedes ist 

DkeL 

§47. 
Ein prädicativer infinitiv auf -(a)m liegt Tor in 
RV. 3. 1. 4: tväm aryamä sätpatir ymya samhkv/jam. 

idwig (no. 294): ^dii bist Aryaman, der wahre herr, des 
gemessen isf. Müller, SBE» 46* 186: „wliom I may 

joy^ Bergaigne, 40 Hymnes s. 4: „pour celui doBt 

l partages) le festin**. 

•*Bergaigne will ein verb ergänzen, das den accu- 
sativ samhhujam regirt; er sagt, das Ued sei an 
Tielen stellen sebr knapp gefasst und verlange öfters das 
verb zu ergänzen. — v* Bradke, Dyaus Asura s. 
53 übersetzt: „dessen ich mich freue" und meint, 
es liege eine corruptel vor, indem vielleicht der 4< päda 
die fortsetzung des relativsatzes verdrängt habe, 
Müller (s. 190) wieder ist der ansieht, es sei statt ydsya 
sambh&jam zu lesen yUsi sambh°. Er fuhrt BV. 6. 7L 6 
als parallele an, wo statt k^äyasya deva hhür^p zweifel- 
los k^äyasi zn lesen sei. Der correcturvorschJag stammt 
wohl von Aufrecht, KZ. 27, 6101 Für unsere stelle 
möchte ich jedenfalls die vorgeschlagene änderung 
nicht empfehlen, zumal da sie noch weiter geht als 
die Aufrecht'sche, — Ludwig ergänzt „ist", und 
das wird das richtige sein. Wir haben oft Infinitive, 
die, scheinbar unabhängig, von einem zu ergänzen- 
den asti oder bhavati abhängig zu denken sind; d. h. 
eben, der infimtiv ist prädicativ gebraucht. Säya^a 
hat: yasyütryamno dnnam sambJmjam mmtataihujam 
vyäpakant bhavati und yasya dhanam sambhiijatth sam- 
yak hhogäya sädhu grahitfr}äm. 

ZuKätze. 

Tihangsweise wiU ich im folgenden eine anzaU von 
len zusammenstellen, die von dem oder jenem gelehrten 
fb (ajm-iüfinitive gehalten werden oder wurden, 

^L §48. 

^^^t 1. güham. 

^Lldwig, Infinitiv s. 53 fiihrt gükam RV. 1. 67. 6 als 

iiififlitiy an. Die stelle lautet: 

6* 




84 Fritz Wolff, 

guhä guham galt. Müller, SBE. 46. 63 macht auf 
yudhä yudham und purä puram (beides RV. 1. 53. 7) auf- 
merksam. In den drei fällen haben wir ein zusammenhängendes 
gefllge: „durch kämpf zum kämpft, d. h. „von kämpf zu 
kämpf, u. s. w. 

§49. 

2. samidham. 

Wir haben oben § 45 zu RV. 1. 94. 3 : Sakema tvä mmtr 
äham dies als Infinitiv kennen gelernt. Wilhelm, De inflnitivo 
s. 7. will es ebenso in RV. 7. 2. 1 fassen. 

RV. 7. 2. 1: jti^äsva nai} samidham agne adya. Ludwig 
(no. 778): „geniesse heute unser brennholz, Agni". — Ebenso 
lautet 5. 4. 4. In zwei weiteren fällen: 3. 6. 1 und 10. 70. 1 
steht neben samidham das attribut imäm^ in 10. 69. 10 ist 
asya davon abhängig, und schliesslich in 3. 37. 6 ist keine 
weitere beziehung zu samidham vorhanden. In allen fällen 
hängt es von jus- ab. 

Man wird es fiberall ausser an der zuerst erwähnten stelle 
(1. 94. 3) als nomen fassen mfissen. 

§50. 
3. bhäram. 

Ludwig, Infinitiv s. 53 giebt die form bhdram zu RV. 
1. 117. 18 und 5. 29. 8 als Infinitiv an; Brunnhofer, KZ. 
25. 353 schliesst sich ihm für 1. 117. 18 an. — bhäram er- 
scheint im RV. an vier stellen, an dreien abhängig von hü-; 
bhära-, das in verschiedenen casus belegt ist, bedeutet an 
diesen stellen nach Grassmann „loblied, anrufuug^, während 
es in den meisten anderen casus „erlangen, erbeuten, Schlacht^ 
bedeuten soll. — Die vier stellen sind: 

RV. 1. 117. 18: hmäm andhäya bhäram ahvayat sä vfÄflS^. 
Ludwig (no. 28): „heil dem blinden zu bringen rief diese 
wölfln\ 

RV. 5. 29. 8: käräni na vi§ve ahvanta devä bhäram in-- 
draya ydd ähitn jaghäna. Ludwig (no. 530): „ein preislied 
gleichsam riefen dir alle götter zu, einen gesang gleichsam, 
dem Indra, dass er den drachen tötete". Ludwig schiebt 
unberechtigt 1. ein „dir" ein, 2. ein zweites „gleichsam". — 
Es wird gestattet sein, bhäram wie oben als Infinitiv zmx 



Di« infinltiTt dts Indiiehen imd IraniJicli^n. 



85 



lisseB und za Übersetzen: „es riefen alle götter, ein preislied 
fleiehsatn dem Indra darzubringen, weil er » . "* 

RV. n. 66. 1: hitvf^ bhdram na kärbmm. Ludwig (no, 
610): ,wir rufen gleichsam den nährer des dichters*** — So 
nach Säyai^iar bhaHäram, Grass mann: „ich ruf ihm einen 
jnbelgruss*". Die that^ache, dass auch hier hhäram bei Imve 
steht, legt es nahe, das wort wie an den vorhergehenden 
statten zu fassen; doch macht karhiavi alsdann erhebliche 
Schwierigkeit Man könnte allenfalls ibersetzen: „wir rufen, 
gleichsam ein jubeil ied darzubringen*** 

BV, 10. 44, 5: ä }u iämskidm sväüm^ hhäram A yähi 
süminah, Ludwig (no. 637): „ich will beten zu des Soma- 
l»esitzers darbringung, mit gutem gebete komm". ^ Säyana 
fiebt: tarn bJmraffi yajüam ü yahu Die auffassnng Saya^a's, 
woDach hhäram Mer als zielaccusativ zu ä yähi zu nehmen 
wire, scheint die nächstliegende zu sein* 

§ 51^ 

4. näyam (myamy uAyäm), 

Es kommen in betracht: 

1) näyäm RV. 6, 24. 10 — 6. 46, 11 ^ 9. 91. L 

f) natßm RV, 1, 12L 13 — I. 130. 1 — G. 3. 3 ^ 8, 
2. 28 — 8. 33. 13. 

Die stellen sind ausführlich behandelt von Pischel, Ved, 
Slai L 37 ff., dann von Bartholomae, BB* 15. 217 ff., 
zuletzt von Oldenberg, ZDMG. Do. 283 f. Pischel will 
IQ allen 8 stellen nctyäm als absolutiv lesen; Bartholomae 
iit sich über die aceentstelle nicht im klaren, will aber m 
foraal ebenfalls gleich fassen, trennt dagegen nach der be- 
dentung I. Infinitiv, 2. absolutiv. Oldenberg hat von vorn- 
herein insofern eine andere ansieht, als er zwischen nayäm 
lad iiäyäm scheidet; näyäm ist nach ihm (wie schon das Gr. 
Plbf. \Vh. und Grassmann im Wb* wollten) accusativ von fiaya- 
.flUirer**. An den übrigen o stellen will er näyam lesen, 
im an drei stellen (1. 130. 1 -- 8. 2. 28 — a 33. 13) die 
WeittuBg y,ftihining*'j an den beiden übrigen (1* 12L 13 und 
S.E. 3) «weg, auf den jemand führt oder geführt wird^ haben 
«H — Mit der ersten bedeutung „fährung" kommen wir zu 
«iwr deutnng der stellen, die von Bart hol omae*s auffassnng 
lieht sehr verschieden ist. 



86 Fritz Wolff; 

Ifie Schwierigkeit der erklärang als infinitiy oder absolutiy 
liegt darin, dass einerseits die am-infinitive im allgemeinen 
nicht die dehnstufe zeigen, und dass andererseits die absolativa, 
denen solche dehnung geläufig ist, nur in der komposition auf- 
treten. — Näher auf die stellen einzugehen, verzichte ich. 

§52. 
5. nirnijam. 

Wilhelm, De inflnitivo s. 7 ftthrt unter den infinitiven 
nirnijam RV. 9. 68. 1 und 9. 95. 1 an, und Brunnhofer, 
KZ. 30. 504 stellt nirnijam ebenfalls zu den infinitiven. Die 
form ninyijam — daneben sind aus nirnij- auch andere casus im 
RV. belegt, so der dativ nirnije (auch als Infinitiv) — kommt 
im RV. 13 mal vor. — Das Gr. Ptbg. Wb. giebt für nirmj- f. 
„glänzender putz, schmuck etc.** an. Dass diese bedeutung 
nicht für alle stellen zutrifft, weist Pischel, Ved. Stud. 2. 
114 f. an der band der stelle RV. 1. 113. 14 nach: dpa 
kx^rjiäni nirnijam devy ävaJ^ Er stellt als bedeutung „gestalt" 
auf und nimmt n° als synonymen von rüpa-. Doch wird man 
auch die früher angenommene bedeutung daneben gelten 
lassen müssen; vgl. RV. 9. 82. 2: ghxtäm väsanal,i pari yasi 
nirnijam, Ludwig (no. 872): „in ghfta dich kleidend gehst 
du in eine schöne hülle ein*". Möglich wäre allerdings auch 
hier, nirnijam zu väsanaJi zu ziehen, etwa „in ghrta als ge- 
stalt dich kleidend". S. noch weiter unten. 

Unter den 13 stellen sind 4, an denen ein adjectivisches 
attribut bei nirnijam steht, so auch an der von Wilhelm 
angeffihrten stelle 9. 68. 1. An 4 weiteren stellen steht es als ob- 
ject von kar- in beziehung zu gal.i\ so auch an der zweiten 
Wilhelm 'sehen stelle, 9. 95. 1: ki'nute nirnijam gäh ^er 
macht milch zu seiner hülle". Zu 8. 19. 23 muss nirnijam 
ebenfalls als nomen genommen werden. 

An den 4 übrigen stellen wäre die möglichkeit, nmiijam 
als Infinitiv zu fassen, gegeben. 

RV. 9. 82. 2 (s. 0.) könnte man auch übersetzen: „in 
ghfta dich kleidend gehst du, um dich zu schmücken". 

RV. 1. 25. 13: bibhrad drapim hiranydyatfi väruno vasfa 
nirnijam „tragend ein goldenes gewand kleidete sich Varu^a, 
um sich zu schmücken". 



Die infinitive des Indischen und Irsniachen. 



87 



BV. 9. 86, 46: girä yädi mrtujam ^gmit^o yätjüh „wenn 
sie singend mit dem liede zu schmücken gehen", 

KV. I>. 108. 12: sä smtutah kavtbhir niriujani dadhe „er, 
ron den Kavi gut gepriesen, macht sich daran sich zu 
schmücken*^. 



§ 53, 
6, Verschiedenes. 



^V §B. 6. 3- 3. 5: enaif* deva e$ü lokSßU vigräfmm aichan. 
Die form mgräham, die nach Brunnhofer, BB. 10. 242 inflnitiv 
sein soll, ist hier wohl als absolutiv zu fassen mit der beden- 
tnng „snccessive*^ (Kl. Ptbg. Wb.); so übersetzt Eggeling 
3. 207 : „for the gods searched for him in these worlds part 
liy part**. ^^^^_^ 

Ef Ai, äram wurde früher als infinitiv angesehen, ebenso 
tY. ar9m. S. die literatur bei Barth olomae, Wb. sp. 188 f. 
skdam RV. 4: 7. 7, das Delbrilck, Älünd. Verb. s. 228 
unter den Infinitiven anführt, ist hier wie sonst überall adverb 
mit der bedeutung „stets^. 




RV. 3. 55. 8: antar matU carati nimdhafti goh, Grass- 
^ann: „es dringt sein sinn ein in der weltkuh spende'^. — 
BraanhofeTj KZ. HO. 504 nimmt nk^idham als infinitiv, was 
kaum riclitig ist. Auch das Kl. Ptbg. Wb. giebt „spende*^. 

a) Die indi^^chen inflnitlre auf -{a)m^). 
fi KV. 3. 33. 7. 



RV. L 94. 3 — (3. 37. 6 — 5. 4. 4-7, 2, 1). 
KV. 4. 17. IB. 

MS. 4. 8. 3 (110. 4). 



^ Die in ruttdeik klammoni eüig^e&chlos&eneii eteUen sind nicbt Infinitive; 
iwi denen in eckigen ht d^r infimtivcharakter müg'lieii. 

^ ßif^tlicb mcht hierher gehOtig- ä. s, 96 unten hei anhang' 1, 



88 


Frite Wolflf, 




Jchidam (AV.) 






+nih° 


AV. 5. 18. 7. 




(guham 


RV. 1. 67. 6). 




{gräham (B. +) 






+«1" 


OB. 6. 3. 3. 5). 




cftam (AV.) 






+vi° 


RV. 9. 84. 2. 




+8am'' 


RV. 9. 84. 2 — AV. 6. 117. 1 - 
119. 2. 


6. 


tät\kam (AV.) 






+pra'' 


AV. 4. 16. 2 — 5. 13. 8. 




tiram (KV.) 






+pra'' 


RV. 8. 48. 10. 




dhäm (AV.) 






+pr<Ui'' 


AV. 8. 8. 20 — 11. 10. 16. 




nämam (RV.) 






+a» 


RV. 4. 8. 3. 




{nayam) 






[nir'^ijam 


RV. 1. 25. 13 — 9. 82. 2-9. 86. 
— 9. 108. 12]. 


46 


pfcham (RV.) 






-M?i* 


RV. 7. 86. 3. 




+8am'' 


RV. 10. 69. 9. 




[bhdram 


RV. 1. 117. 18 — 5. 29. 8-8. 66, 
— 10. 44. 5]. 


. 1 


+vajam'> 


RV. 1. 60. 5 — 10. 80. 1. 




bhäjam (B.) 






+vi'> 


MS. 1. 6. 4 (91. 16) — TB. 1. 1. 5. 


6. 


bhüjam (RV.) 


RV. 8. 1. 4 - 8. 2. 9 — 10. 92. 7. 




(mim 






+iwa<i'» 


AV. 18. 4. 5). 




miyam (RV.) 






-fpro» 


RV. 4. 55. 7. 




mucam 






-l-«i° 


RV. 6. 46. 1. 




yämatn (V. B.) 


RV. 1. 73. 10 — 3. 5. 1 — 8. 27. 3 




+»d«' 


MS. 1. 10. 14 (154. 4). 




ytu2/iam 


(RV. 1. 53. 7) - AV. 6. 66. 1 - 
103. 3. 


6. 


räbham (RV.) 






+a° 


RV. 5. 34. 5 — 9. 73. 3 — 10. 62. 


9. 



Die infinitiTe des Indischen und Iranisclien. g9 

idham (AV. B.) 

+ot«i» TS. 3. 3. 7. 1 - 5. 4. 1. 2. 

+8am'> AV. 7. 50. 5, 
mäham (B.) 

+a«i» MS. 1. 10. 12 (152. 3) — 8. 8. 6 (103. 10). 
tham (RV.) 

-Hl» RV. 10. 44. 6. 

lyam (AV. B.) 

+«»« AV. 4. 16. 2. 

+pra'> OB. 7. 2. 1. 9. 
Htnpam (MS.) 

+aw»» MS. 1. 6. 5 (95. 2). 
:areydm RV. 10. 85. 15; 23. 

vOkam 

+upa'> RV. 1. 164. 8. 
tiÄim (RV.) 

+0" RV. 2. 24. 6. 

t/jam 

+pari'> RV. 8. 24. 24. 
vftam 

+0» RV. 8. 36. 6 — 6. 46. 1. 

iuiham RV. 1. 23. 11 - 4. 51. 6 — 5. 55. 1 ff. 

— 6. 57. 2 - 7. 82 5. 
mdam (RV.) 

+a» RV. 8. 62. 13 - 4. 9. 1 — 8. 1. 8 — 

9. 3. 1 — 9. 8. 3 — 9. 25. 6 - 
9. 30. 4 — 9. 50. 4 — 9. 62. 16 — 
9. 64. 22 — 9. 71. 1; 6 - 9. 82. 1 — 
9. 101. 14; 15. 
tiham (B.) 

+uP> TB. 1. 1. 6. 1. 

icam 

-W» RV. 2. 37. 1 — 7. 16. 11. 

iidhatn 

nif/o RV. 8. 55. 8.) 

'iaham (MS.) 

+att» MS. 1. 6. 3 (89. 9). 

'fäm RV. 9. 85. 11. 

+nHto RV. 8. 31. 10. 
+karmanih'> RV. 10. 80. 1. 

+prati'' [RV. 10. 106. 9] - (RV. 5. 47. 7 — 
AV. 18. 4. 5). 



90 Fritz Wolff; 

[sthäyam (V. B.) 

- +upa^ RV. 1. 145. 4]. 
spijam 

-{-upa^ RV. 10. 88. 18. 

b) Die iranischen inflnitiye auf '(a)m. 
§54. 

Über den gebrauch der accusativischen Infinitive auf '(a)m 
im Avesta lässt sich bei der geringen anzahl der sicheren 
formen nicht viel sagen. Das wenige, was man erkennen kann, 
zeigt, dass der gebrauch der formen mit dem der altindischen 
übereinstimmt. Wie schon oben (§ 39) bemerkt, haben wir 
finalen, einfachen und unabhängigen Infinitiv zu unterscheiden. 

Finaler gebrauch liegt an drei stellen vor; eine davon ge- 
hört den Gä^'s an. 

Y. 49. 10: tatda mazda dwahml ä -^dqm (N. A. adqm) 
nipdvhB . . -^mqzajxsa^ra (N. A. trennt) vazdavhä -^avdm -^-ira 
(N. A. in einem wort). — Geldner, KZ. 28. 402 will aväml 
rä lesen; „avdml = avämi, von va = van- +ä; ra zu skr. ra, 
m". — Darmesteter (1. 324) hält sich ganz an die Pü., 
die in avämlra das wort „sterben" sieht; sie thut das aber 
doch nur, weil, wie Bartholomae, Wb. sp. 372. no. 2 zu ira- 
bemerkt, mp. mlrst „er stirbt" an die av. form anklingt. 

Bartholomae (sp. 684 und 372): „und das, o Mazdah, 
will ich in deinem haus in verwahr geben . ., dass du darüber 
wachest, grossmächtiger, mit beständiger thatkraft**. — Q^gen 
die construction ist nichts einzuwenden; die form könnte, wie 
Bartholomae betont, auch zu den ^m-infinitiven zählen. 

V. 18. 6: 2/Ö . . . xratütn pardsät asavamm . . ahicnasam 
asa.nasam vahista .nasam vahistahe avJi^its. Bartholomae 
(sp. 536 und 1402): „wer . . die fromme Weisheit ausforscht . . 
um das (andere) leben, um gerechtigkeit , um das beste des 
besten lebens zu erlangen". — Darmesteter (2. 242) nimmt 
die drei ""nasem als adjectiva oder absolutiva, die sich auf xraimm 
beziehen sollen: „interroger la sagesse sainte, laquelle . . lui 
fait atteindre le monde, le monde des saints, le monde excellent 
du paradis". Ähnlich auch Geldner, Sitzungsber. Preuss. 
Ak. 1903. 422. Doch fällt so der zweck der frage gänzlich 
fort. Vgl. zur construction aus dem Altindischen RV. 10. 88. 18: 
pjrchämi vah kavayo vidmane kam (§ 42). 



Di© infinitiY© des ladiachon ond Irmn lachen. 



Weiter fasst Bartholomae als infinitiv aof: 

4* 17: yö nars ma^am iisahistaiti mtai hß ägBrsptam 

Bartholomae (sp. 310): yjWenn emer sich erhebt, einen 

mann zu schlagen, so begeht er damit eine bediohung^. — 

Nach Bartholomae*s übersetznng soll nars von Etm&^m 

abhängen; es wäre das eine construction^ wie die bei Brug- 

maiin, Gr. Gr.^ § 444 s» ^390 angeführte: ^n^ivm tiv Kgati^fffp 

nvrT^r^at T^g xtfpcd^g avtfjg „ , . » er habe ihr ein loch in den 

köpf geschlagen**. ^ D a r m e s t e t e r 2» 53 : „quand un homme 

se l^ve rarme en inain, 11 a . /. Er zieht also nars zum relativ- 

pronomea; im Itbrigen ist seine Übersetzung „rarme en raaiir 

iiiclits anderes als eine nmschreibung von „pour frapper''* — 

snadtjL- adj, bedeutet nach Bartholomae (sp, 1G27): „der 

schlage führt gegen — (gen.)**. 

**Könnte usahistaiti auch transitive bedentung (etwa 
„aufheben^) haben, so wäre die inögUchkeit vorhanden, 
ma&9m nominal aufzufassen; aber auch die folgenden 
Worte des textes widersprechen dem; yat frakisaiti 
aetal he avaoirishjn, wo Bartholomae nars snaii-em 
nach yat ergänzt und übersetzt (sp. 168): „wenn er 
{auf den mann) losgeht (ihn zu schlagen), so begeht 
er damit einen angriff"* ; auch frasyav- ist eben nur 
intransitiv (Wb. sp, 1714f)* Hier übei^setzt Darme- 
steter (ebenfall ergänzend) „quand il braudit Tarme*^; 
er will, wie er in der note aiigiebt, „avec rinten- 
tion de frapper" ergänzen, 

§ 55. 

Einfacher infinitiv liegt vor in 

Y. 44- 16: öit^rä möi dqm -^ahrnnMiLratüm (N, A. trennt) 
^du Bartholomae (sp. 285) : „durrh ein gesiebt versprich 
flÜT den das leben heilenden iichter zu bestimmeu". — Auch 
Öeldner, KZ- 28. 206 fasst thim als infinitiv, Gregoire 
scheint KZ. 35. 84 bei seinen ausführungeu die infinitivform 
praiidhAm (AV- 8. K 20 — 11, 10. 16) übersehen zu haben. — 
Aach die bedeutnng von ka&.§' „versprechen^, die Gri^goire 
tticfct anerkennt, ist jetzt durch Bartholomae Wh. (sp, 4S0) 
dchergest^llt, Über ahumMsj das B a r t h o 1 o m a e (sp. 285) im 
anscMuss an Geldner, KZ. 28. 206 erklärt, hat jetzt. Geld- 
er wieder eine andere ansieht aufgestellt, Sitzungsber. Preuss. 



Fritz Wolff. 



Akftd. 1904 s. 10921 Er tibersetzt (s. 1085): „versprieli 
mir durch ein sichtbares reichen gleich einem ^uten regenten 
den Ratu einzusetxen". bi^ soll die fiinction des ai, -vät (s. 
Whitney, Grammar § 1107) haben, sodass ahumbi.^ — ttl an 
den accnsativ siugularis gefügt! — soviel als yaM ahd (ahum) 
wäre; eine sicherlich mehr als kühne annähme, Im übrigen 
wird dadurch an der fassung von dam nichts geändert. 

Bartholomae fasste früher, KZ. 28. 1 7 noch eine andere 
stelle in derselben wxise auf: 

Y. 45, 10: hijal . . i^öiM . . xM^röi höi haurmtä amara- 
tafa ahmai stöi dqn t^v'm utayaith AF. 2, 180 übersetzte er: 
^da er versprochen hat . . , zu verleilien". Auch Geldner, 
KZ. 28. 194 nahm d(in als infinitiv und betonte noch, dass 
man nicht ohne weiteres in dqm ändern dürfe. Jetzt sieht 
Bartholomae, Wh. sp. 684 — wie auch Geldner, Grdr. 
2* 31 — in di{n vielmehr einen locativ von datn* „haus*^ und 
übersetzt: „da er versprochen hat, dass uns in seinem reiche 
Wohlfahrt und Unsterblichkeit, in seinem hanse kraft und bestand 
werden sollen"; vgl zu doi unten bei den locaüvischen infinitiven- 

Zu ma&d^namm V, 15. 46, das nach seiner construction 
hierher gehören würde, a. den anhang (§ 58), 

§56. 

Einen freien — Imperativischen — infinitiv nimmt Bar* 
thülomae für 2 stellen an, die aber keinen hohen syntak- 
tischen wert beanspruchen können: 

V. 9. 14: gaonmPZ9m pa^daeta npai^h9r9e9m ayat^haetiBm 
m sriim m. Wb. sp. 180s : „rindsurin sollst du dann giessen 
in ein gefäss aus eisen oder blei". Ebenso hatte er es schon 
AF. 2. 140 no. nnd Grdr. § 255 aufgefasst. So übngens 
auch schon SpiegeTs tihersetzuug. — Gr^goire, KZ. 35. 88 ver- 
weist auf Justi, der in upa^}\^rBmm ein adjectiv „zu giessen" 
sieht, gaomaftia- scheint aber masculinum zu sein, sodass der 
satz dann ohne snbject wäre. Wenn Gr^goire behauptet, dass 
imperativiseher gehrauch de^ Infinitivs sich nur bei häufig vor- 
kommendem snfiixe, das „nettement caracteris^" sein müsse, 
nachweisen lasse, übersieht er, dass eine anzabl selten gebrauchter 
locativischer Infinitive tatsächlich in solcher venvendung be- 
zeugt ist — Darmesteter (2. 163): „tu prendras , . **, was 
doch im gründe dieselbe grammatische auffassnng wie die 
B a r t h 1 m a e 's voraussetzt. 



Die infinitive des Indischen nnd Iranischen. 



93 



* 



i 



ist aufztitassen : 

'.14. 11: kqstr^m paitwMr;?iBm -^rar^sayanim (N. A. 

hak^rM BrazaUm hah)fi^t ßaranim. Barthülomae 

p, 1308): V, einen spaten soll man giessen für den werk- 

tigen (bauern), ein teil silber^ ein t^sil gold ^ Darmesteter 

: 216): ftöne beche pour creuser et labourer**; er sieht also 

auch in var^eayantam einen infinitiy, fasst aber beide anders 

aaf; mrsi^ kann schwerlich Infinitiv sein. 

Ebenfalls einen nnabhängigen infiintiv vermutet Geldner, 
KZ, 28, 194 no, in 

Y* 47. 1: ahmai dqn hanrväta amdr^tatü tnaidä x^^-adra 
Wrmaiti ahurö. Geldner: „Mazdah Ahura verleihe uns * /; 
Barth olomae, AF. 2. 182 und KZ. 29. 562 nimmt dqn 
ate 3. pL conj, act., ebenso tut es Darmesteter, und so 
übersetzt auch Bartholomae» Wh, sp. 7t 2, indem er eine 
^eonstmctio ad sensum^ annimmt : „es wird uns Wohlfahrt 
und Unsterblichkeit verleihen Mazdah Ahura Im verein mit 
XSa^ra, mit Ännati'^. Ein sicherer entscheid, ob Infinitiv 
oder verbalform vorliegt, ist wohl nicht zu treffen; auch der 
mstmction nach sind beide auffassungen möglich. 



I 



§ 67. 



Kl 



Ich führe hier noch einige formen auf, die früher ebenfalls 
ßr infinitive genommen worden sind. 

1. aj^am; s. die üteratur bei Bartholomae, Wh. up. IbÖ* 

2. ürBtn W 43. 10: a| tu möi däw a59m hyai ma zaozao- 
m\ nrma'ttl haf^imno it nr9nu üi-am ist zuerst von Geldner, 
KZ. SO. 319 und 328 als infinitiv angesehen worden, wih- 

er es KZ. 27, 243 no. als ace. aus ära- ^ gegen wart" be- 
itimmt hatte, Bartholomae nahm es AF, 2* 16ü als ver- 
Wlform, hat es aber dann im Grdr* als Infinitiv angeführt. 
Jetzt (Wb. sp. 183) Übersetzt Bartholomae: „samt Ann. 
ihm zügei^ellt bin ich jetzt hergekommen" (d + ar^m, L Sing,); 
vgL auch Gr#goire, KZ. 35, 86 f, 

3. xsniim Y. 4S. 12 und 5:1 2 wurde von Geldner, KZ. 28. 
IM und 30, 534 als infinitiv gefasstj ebenso von Bartholomae 
imGrdr. Im \Vb, sp. 559 aber gilt es als uomen. Die auffassung 
d«r form als nomen ist in einem falle (Y. 53^ 2) dadurch, 
Am sie in raverbindung mit einem nomen steht, notwendig. 



94 



Prite W^M, 



im andern durch einen von ihr abhängigen genetiv begünstigt; 
s, Gr^goire, KZ, B5. 87. 

4. fravak^m Y. 19. 14 und 30. 3 wurde von Bartho- 
lomae, BB. 15. 218 und Grdr, als infimtiv genommen, was 
sehr wenig wahrscheinlich. Im Wb, sp< 995 gilt es als nomen ; 
s, Gr^goire, KZ. 35. 87 f. 

o, fjam Y. 4:t 1 hat Bartholomae, AF. 2, 140 als 
Infinitiv zu ffay- „gewinnen" betrachtet; im Wh, (sp. 503) ninunt 
er es als accusativ von gaya- flehen", 

6, *duJ'äp8m V. 13. 3. So wurde früher, als die N, Ä. 
noch nicht erschienen war, von Bartholomae gelesen, der 
das wort im Grdr, als Infinitiv anführt. N. A. liest jetzt mit 
den besten handschriften didapim] and so auch Bartho- 
lomae im Wb, Die stelle lautet: yaesqm awJiat diiiaptm 
fHnvatp9r9tam (Wb, sp. 756): j^für welche die C.-brücke schwer 
beikömmlich sein wird"*« Wörtlich: „welchen ein schweres 
beikommen zur C.-brücke sein wird^. Die constructian — dinvtd- 
pjratüm hängt als object von dem Substantiv dtiiapim ab — 
ist etwas hart, aber im Avesta nicht allzu auffällig. Gr^goire 
(s, BHt) verkennt diuaplm; er sieht darin den accusativ 
eines adjectivs; es ist vielmehr nominativ. Somit sind text- 
änderungen, wie sie Grfigoire vorschlägt, nicht notwendig. 

Anbaog 1. 

§58, 

Ein Infinitiv, der nach seiner blldungsweiäe völlig isolirt 
steht, sei anhangsweise hier mit angeführt: maBd-manam, 

V. 15. 46 : yej^i va^n ma^dayasna pö.daa^Mam maB&nmn^m^ 
Bartholomae (sp. 1 107) : „wenn die Mazdahanhänger wollen, 
dass ein läufischer (liund) sich paare". Wir haben hier einen 
der wenigen belege, die das Avesta für die acc.cinf.-construction 
beibringt (Bartholomae, \Vb. sp. 1382). — Die bOdung von 
ma§$^HaHc^m ist nach Bartholomae auffMlig, und dem- 
nach die stelle nicht völlig sicher. Wenn etwa — was Bar- 
tholomae sp. 1107 no. in erwägung zieht, — mit JpJ, Mf2 
mm^anam zu lesen wäre» so hätten wii^ eine art der infinitiv- 
bildung, wie sie im Germauischen üblich ist ; dann könnte man 
zum vergleich ans dem Indischen eine stelle heranziehen, au der 
Wilhelm, De Inf. s, 7 allerdings unter zweifeln einen Infinitiv 
sieht: 



I 




Bie infimtiTe des Indis^clieD und Iranischen. 95 

EV. 3. 33, 7: ayann ipo \janam khämanäl}. Ludwig 

"(no. 1002): „hingingeii die ströme nach ihrem lanf begierig;'^. — 

Es liesse sich aber wohl ebenso gut äyanam als inflnitiv ab- 

hingig vom particip (s. 0. § 43) nehmen und übersetzen: „hin- 

g:iQgen die wasser begierig zu strömen"*/ 

Anhang ä. 

§ 59. 

Als gauÄ vereinzelt stehende infinitivbildung hatte Bar- 
tholomae^ Grdr* § 255 nij(id^i?m angenommen. Siehe dazu 
Grigoire, KZ. 35. 92. Jetzt liest Bartholomae (Wb. 
1081) mit Fl +ßijafe»i, das er für ein absolutiv hält; es ist 
mit asti verbunden ; die stelle lautet : 

Yt. 13, 71: ya^a nü sat^nuM hazaiowm^a . . -^arsanqm 
(N. Ä» pairi^tanqm) +mjat9m hyäi, bei Bartholomae (sp, 
877): „als ob eüi mann auf hundert und tausend , . ähren ein- 
ÄcUflge'*; s. auch seine note zur stelle. 

Anhang 3. 

§60, 

Isolirt stehen auch zwei von Bartholomae, BB. 15. 
24ä f. als inflnitive bestimmte altindische formen auf -yam. Das 
-^ stammt aus dem präsensstamm (vgL martindham s, 72) ; 
das [kurze a ist vielleicht dem einfluss der accusativischen 
wurzelinfinitiYe zu danken. 

KV* 10. 102, 11; p<int;fWeya patwidyam äuat, das Bar- 
tholomae übersetzt: „obwohl, sozusagen Verstössen, gelang 
es ihr doch den (einen) gatten zu finden "*, Vgl. Ludwig, 
Gjmm. n, 486. — Zur construction nach a§- macht Bar- 
I b o 1 m a e auf ähnliches bei Delbrück (s. 417) aufmerksam 
{s- o* §45). Auch Brugmann, Grrdr* 2. 1416 fassi patmid^ 
jfom als in&iitiv. 

RV, 7. 6. 2: kavim . . kinvänti Säm rajyäfft rodasyoli. 
Bartholomae: „den weisen regen sie an, zum heü die herr- 
schaft über beide weiten zu fuhren", — räjyäm ist offenbar 
final gebraucht und also als infinit! v aufzufassen; dem würde 
M^ Ludwigs auffassung, äamrajpäm als compositum zu lesen, 
lAdtt widersprechen, VgL Ludwig, Üomm. I, 367. 



96 



Prite Wolff; 



Aas dem Avesta würden nach Geld n er, BB. 12. 160 f. 
als entsprechende bildnngen zamm Y. 31. 4 und sramm 
Y. S8. 7 dazu zu nehmen sein. Dagegen schon Bartholomae, 
BB. 13. 89 no. und sonst; vgl. auch Gr6goire s. 91 f. 
Im Wb. wird fatnw* als nom. sing, neutr. von eaoya- (sp. 
1655 f.), sr9vlm als accusativ von sravay- (sp. 1643) gefasst 





b) Die iranischen inflnitiye auf ''(a)m. 


-^avdm 




Y. 49. 10. 


{aram) 






{apam 








-^duio 


V. 13. 3). 


(äram 




Y. 48. 10). 


(gasm 




Y. 48. 1). 


{xsnüm 




Y. 48. 12 — 58. 2). 


dqn 




(Y. 45. 10) — 47. 1. 


dqm 




Y. 44. 16. 


näsdm 


+asa. 






+ahu. 


V. 18. 6. 




^^MihiSta. 




(väkdm 








^fra^ 


Y. 19. 14 — aO. 3. 


sna&dm 




V. 4. 17. 


hBrdZdm 








+wpat?° 


V. 9. 14. 




-hpaifis. 


V. 14. 11. 


Anhang zu den Indo-Iranlschen ("a^tn-inflnltiyen. 






Anhang 1. 


Ir. mae&nmwm 


V. 15. 46. 


Ai. äyanam 


RV. 3. 33. 7. 






Anhang 2. 


Ir. {nija^i 


^m 


Yt. 13. 71). 
Anhang 3. 


Ir. {srdmm 


Y. 28. 7). 


{zdvim 




Y. 31. 4). 


Ai. patividyam 


RV. 10. J02. 11. 


rajyäm 


RV. 7. 6. 2. 



ÜTe Am lud lachen and Ir&iiiscion, 



97 



Viertes kapiteL 

Die Indo-iranlschen Infinitive auf -am. 

§61. 
Allgemeines* 

Neben den im dritten kapitel behandelten aus wurzeU 
Smmen gebildeten Infinitiven auf '(a)m kennen die arischen 
prachen — insbesondere das Iranische — auch solche aus ab- 
geleiteten Stämmen mit der endungf -um. Es sind zwei ver- 
sehiedene bildungs- (ableitungs-)weisea zu scheiden: 

L Die bildung aus wnrzelst^mmen. Das Avesta zeigt zwei 
h^iBpMe : g^rBbqnif y9nqm. — Ob dem Altindischen entsprecheüde 
bildungen eignen, ist fraglich. Man hat die periphrasHschen bil- 
dmgen wie nidtm kar- hierhergestellt; so Jolly, Infinitiv s. 
126 und nach ihm Brunnhofer, BB, 10. 2S4ff. Wenn ja 
aucb die Wahrscheinlichkeit da^* spricht, dass anfangs diese 
formen infinitivischen Charakter besassen, so muss man sie doch 
nacli Whitney, Grammar § 1073 und Delbrück, Altind. 
Synt. 8, 426 davon trennen, da sie eben diesen ursprünglichen 
iflfinitivcharakter nicht mehr aufweisen- Im Veda ist die bil- 
duBg bis auf das eine gafnayäffi cakära (AV,) nicht bezeugt — 
Dagegen liegt die möglichkeit vor, mit Ludwig einige andere 
formen hierher zu stellen. So aus dem AV, särjiividam und 
rielieicht aus dem KV, va$am (und vänäm\ Wenn also Bar- 
tbolomaet IF. 3. 20 no, gegen Pischel recht hat zu be- 
haupten, dass die periphrastischen Verbindungen ""am asa nicht 
sicher als arisch bezeiclmet werden können, so ist damit noch 
nicht gesagt, dass die formen, d* h, die Infinitive auf -am es 
mcbt sind. 

2, Die bildung aus prÄsensstämmen. Aus dem Altindischen 
Hart sich keine den avestischen entsprechende bildung belegen. 
^'u^ das oben erwähnte gamaymn cakära (AV.) könnte man hier 
mröhren. Die möglichkeit wäre ja auch hier vorhanden, dass die 
form (nicht die syntaktische fiigung!) arischen Ursprungs wäre. 
iJ^nn gamayäm ist — au und für sich betrachtet — eine so 
auffallende bildung, da,ss man sie nur unter der Voraussetzung 
begreift, dass andere dialekte einfachere und ältere formen 
en, die als mnster für die bildung gamayäm dienen 
konnten. Vgl. übrigens ausführlicher darüber oben § 31. 





Piitst Wolft 

Im Ävesta haben wir aus verschiedenen präsensstäinnieii] 
derartige bildimgeu ; dem gamayäm entsprechend geformt ist 
raEayqn ; ähnlieh yaoidaijqn. Daneben stehen andere bildungen 
wie vytmi, d^r&nqm etc. ■ 

Der gebrauch der inflnitive ist ziemlich mannigfaltig, T 
schliesst sich aber doch im allgemeinen dem der andern accn- 
satiyischen infinitive an. Wir haben auch hier zu scheiden ■ 
zwischen einfachem infinitiv (besonders nach sand- *videri'), 
finalem und unabhängigem. Dazu kommt dann noch der ge- 
brauch bei ah' „sein", wo eigentlich dativischer infinitiv zu. 
erwarten wäre. Es zeigt uns das, dass überhaupt die accusati- M 
vischen infinitive eine weit grössere entwicklungsfähigkeit als ^ 
z* b. die genetivisch- ablativischen besassen. Anzunehmen, dass 
man in diesen ^m-formen instrumentale Infinitive zu sehen habe, 
was an und für sich möglich wäre, ist nicht ratsam, da der 
grösste teil der formen ganz im rahmen der übrigen accE- 
sativischen infinitive gebraucht wird. 

Die inflnltiTe auf -dm. 

a) Zn wnrzelstämmen. 

§62. 

Der gebrauch der wenigen avestischen formen stimmt sni 
dem der oben behandelten accusativischen (a)m * infinitive. 
Es liegen nur zwei „einfache'* infinitive vor. 

Y. ä4, 10: ahijä vavhm^^^ marianhö m/aoSanä vaofat §9^9- 
h({m htiitratm 8p9fitnm(^ä armaitim. Barth olomae (sp. 524): 
„an dieses guten sinnes werken hat der einsichtige festzuhalten 
erklärt und an der heiligen Ärmatay*^. — So schon Bartho- 
lomae, KZ, 29. 588 und Grdr, ; auch Darmesteter nimmt 
ff^TBhqm als infinitiv. Anders Gr^goire (s. 93), der mit 
Justi ,,die ergreifung" übei'setzen will und in syaoBmia einen 
instrumental erkennt. Er übersieht dabei, dass syao^nü durch 
M mit dem accusativ armaiüm verbunden ist. Seltsam bleibt^ 
dass Gr^goire schliesslich doch die steUe mit einem infinitiv 
wiedergiebt: „le sage dira d-embrasser Vohu Manö par Tacte*^! 

Yt 10. 71: ^naf}Sa.6im (N. A. trennt) y^num $adafjeiti, m 
Bartholoma e (sp* 1559): „und es ist ihm nicht so, als ob 
er einen schlag fiibre", Darmesteter (2, 462): ^ne con- 
sidere pas comme un conp*** Wenn man aber die vorhergehen- 



« 



4 

J 



Die inflnithft de« IiiiüichQii und IraniBchen. 



99 



den Worte: uMia manyete jaynvd „nicht glaubt er geschlagen 
2ti haben** (so Bartbolomae und ebenso D armesteter) 
in betracht zieht, wird m8.n yanqm mit Bartholomae verbal 
fassen müBsen. — Zur construction nach sand- *7ideri' vgl, 
Wb. 8p. 1559 f. 

Ob ans dem Altindischen hieher formen zu stellen sind, 
ist zweifelhaft. Whitney, Graraniar § 1073 führt gamay&m 
öiteni anf, das, wie wir schon sahen, nicht als Infinitiv be- 
traditet werden kann. Dagegen zieht Ludwig, Infinitiv s. 
52 and Comm. z. RV. (s. u.) drei andere formen zu den in- 
fiiiitiven, nämlich 

AV* 5, 30. 13: mtu prü^d aitu mäna äitu eäkmf ätho 
bähm §ariram asya säfftvidam. Bloomfield s. 60: „his 
breath shall come, bis soul shall come, bis sight shall come, 
ind, too, bis strengtb! TOs body shall collect itself*, 
Bloomfield nimmt also wohl sänwidam als unabhängigen 
iofioitiv; man könnte auch aitu nochmals ergänzen and dann 
den mfinitiv als einen supinalen auffassen. Vgl. auch Lud* 
wig^ Infinitiv s. 52. 

RV, 5* 2. 6: vmäm räjanani vasatini jänänam draiayo n% 

kihur mafiye$u. Ludwig (no. 342): ^dass er erheUe (Comm, 

1. 327 : „dass er bewohne") die wohnung der leute, haben den 

köüig die Aräti (oder; andere als die Atri, die Bhpgu?) bei 

den sterblichen eingesetzt". Grassmann^ der vas- „f. oder 

m- wohnplatz, haus" angiebt, übersetzt: „der häuser kdnig^ 

ilin, der menschen Wohnsitz, ihn hielten fest . . ". So auch 

Möller, SBE. 46, 366: ^him, the king of dwellings (?), the 

dwelling'place of people - , "* 

Diese Übersetzungen geben — bis auf die Ludwig 's — 
Si ja Dia 's vasaiüm prät)inäm wieder. — Anders Pischel, 
Ted, Stud, L 210; er lässt jananam von dräiayah („nach- 
»tellnngen") abhängen und stellt vamm (als accusativ aus vasä-) 
zu x^asüdim (Adj.), und übersetzt: „die nacbstellungen der 
menschen haben ihn, den könig unter den sterblichen, wohnen 
gemacht''. vasAm vamtUt wäre eine Verbindung wie ßtinijayati 
(D ei brück, Alünd* Synt s. 168 f). Möglich wäre ja diese 
ianahnie, aber die von Ludwig bleibt doch ebenso walir- 
idieiiiljch. 

Noch eine dritte stelle, ebenfalls bei dhu-f fasst Ludwig 
in gleieber weise auf« 

7* 



100 Fritz Wolff, 

RY . 10. 46. 5 : näyanto gärbhatn vanäfß dhiyain dhuh^ das 
er (no. 427) übersetzt : ^herbeif&hrend den jungen schufen zum 
gewinnen sie ihr lied**; vgl. noch Ludwig, Comm. I. 410 f. 
Wie übereinstimmend die Ptbg.er Wb.er, Grassmann und 
Bergaigne übersetzen, bedeutet gärbho vanäm „die frucht, 
der söhn des holzes"; Grassmann verweist auf gärbho mrii' 
dhäm in RY. 2. 1. 14. Sonach ist wohl Ludwig's auffassung 
der stelle unrichtig. 

Es bleiben also nur die beiden anderen stellen übrig, 
deren construction die auffassung der dort enthaltenen formen 
als inflnitive möglich erscheinen lässt. 

Indo-iranlsche Infinitive auf -am; a) aus würze 1- 
Stämmen abgeleitet. 

a) Iranisch. 
yanqm Yt. 10. 71. 

g^rabqm Y. 84. 10. 

b) Indisch. 

(vanäm RY. 10. 46. 5). 

vasäm RY. 5. 2. 6. 
vidam 

-^säm^ AY. 5. 30. 13. 

b) Zu abgeleiteten stammen. 

§ 63. 

Hierher gehört eine anzahl aus verschiedenen präsens- 
Stämmen gebildeter formen. Aus 6 präsensstämmen sind 9 
formen an zusammen 40 stellen belegt. Der gebrauch ist 
kein anderer als bei den übrigen accusativischen inflnitiven, 
bemerkenswert nur, dass der prädicative Infinitiv an einer 
grösseren anzahl von stellen erscheint. 

1. Einen einfachen Infinitiv haben wir an 4 stellen. 

Y. 18. 19: ava wö aeis . . paröü pairi9n9m avhvqm 
'^■ava.ddrdnqm (N. A. ^nqn) sadayeiti. Bartholomae (sp. 
1560): „es ist, als ob Äzay mir die lebenskraft ganz und gar 
entzwei sprengte**. Zur construction vgl. Yt. 10. 71 (§ 62) 
und die folgenden stellen. 



Die infinltire de« Indjeeheu und Iraaieeli«D. 



101 



■ 






^ifor^nam gehört zu eiBem {erschlossenen} präsens- 
stamm der 11. klasse aus dar- „spalten". Anders 
Geldiier, Sitziingsber, preuss. Aiad. Wiss. 1903 
s, 425), der pairi^na- als „ lebensfaden" auifasst 
und übersetzt „von ihrem lebensfaden losreissend". 
Aber man würde, wie Bartholomae, Wb. s. 1560 
no. sagt, in diesem fall den ablativ verlangen. Wieder 
anders" Darmesteter (2. 246) mit noten, s. d. — 
Auf eine parallelatelle weist Bartholomae hin, 
näuüich auf Yt, 8* 54: pairika , . paröit pairi^- 
iiam avhvqm avaJiisUyät „die P. würde , , die lebens- 
kraft . . ganz und gar entzwei spalten" (sp. 865), 
E 3. 7 (in Haug's ArdaViraf-ausgabe s. 282): $rityä 
^raosia vyusq mdayeitL Bartholomae (sp, 1479): 
Jm der Vollendung der dritten nacht sieht man die morgen- 
röte aufleuchten". Darmesteter (2* 652): „ä Taube". — ''nsq 
(oder auch, wie zu H. 3, 25 belegt ist, ""tib-qm) ist ein aus dem 
iocboativstaram von vah- „ülucescere" gebildeter infinitiv; die 
jKifistniction wie oben. Ebenso H. 3. 25. 

Y. 9, 4: yat karo^mot aivhe xSa^raSa , , avhaoSdmne dpa 
nmire x-'airyqn jf^ar^^am +ajyam>iam (N, Ä. üjay°). Bar- 
tholomae (sp. 1874): ^dass er in seinem reiche machte . , 
mein vertrocknend wasser und pflanzen, zu essen unversieg- 
Üche speise". Ebenso auch Yt, 15, 16. Büdung ans der 26. 
iNbeiiBklasse. — So auch schon Geldner, KZ. 25. 581 no., 
fiirlholomae, BB, J5, 243 und sonst; vgl. besonders BB. 
16,275, wo Bartholomae die erklärung J» Schmidt*s (auf 
üe Gr^goire, KZ. 35. 93 f* zurückkommt), 'jt^airyqn als par- 
Ödp zu nehmen abweist* — Zur construction vgL HV. 7. 21 3: 
kfom indra s-rämiavA apas kal^i und andere in KZ. 39. 496 ff. 
V, 8» 10: dva dim nara isöide , . upa.skamham viHöaeSva 
im jmti idvhd ^amö nidai^yqn. Bartholomae (sp. 395f,): 
.£wm männer sollen, indem sie ihn festmachen, . . ihn über 
dner kalkunterlage auf die erde hinlegen". Bildung aus der 
5* prüsenskJasse. Auch Geldner, KZ, 25. 581 nimmt m~ 
iaidpqn als infinitiv. — Vgl. zur stelle Bartholomae, IF. 
2. U2 f. ; zur consti^uction (nach a^^* stehen sonst ablat.-genet. 
itive s. 0. § 27) vgl. V. 8. 100: isaeta me yaoidMÜlm Jhr 
it mich purificiren'* (Wb. sp. 26), wo ebenfalls ein accu- 
siüriicher infinitiv vorliegt. — Gr^goire (s. 97) will mit 





102 Frite Wolff, 

Darmesteter ^ils döposeront*" übersetzen, also nidaidyqn als 
flnite yerbalform nehmen wie in V. 6. 29 ; 31 ; um dies aber 
thun zu können, muss er eine lücke nadi isöide annehmen. 

Geldner, KZ. 25. 581 hat auch raoSayqn V. 6. 6 als 
inflnitiv, abhängig von vas- „wollen^ gefasst. Ebenso Bar- 
tholomae, AF. 2. 140 no. Aber im Wb. (sp. 1496) setzt er 
ein adj. -hrao^a-, raoidya- „urbar zu machen'' an, was wegen 
der drei folgenden HayaBäa-iD&mÜYe richtig sein wird. Formell 
so auch schon BB. 15. 244. Vgl. jetzt Zeitschrift für deutsche 
Wortforschung 6. 231. 

§64. 

2. Ein finaler infinitiv dieser bildung wird fftr Y. 3. 1 an- 
zunehmen sein. 

y. 3. 1: yat ba paiti na asava frayat . . aocsta^Sa dae- 
naya vaöa framrü mi&rdmöa . . *jai&yqm (mit den meisten 
Hss., N. A. jai^yq) ramaöa x^astram „wenn ein frommer mann 
einhergeht . . in Übereinstimmung mit der guten lehre reci- 
tirend, um den Midra zu bitten". — Es ist eine bildung aus 
dem präsensstamme (26., y-klasse) zum verb gad-, Grögoire, 
KZ. 35. 97 will mit Meillet und Darmesteter jaidyq 
als partizip nehmen und framrü gleichordnen (framrü in 
diesem falle falsch für framnivq) ; s. aber gegen die annähme 
derartiger participialformen Bartholomae, KZ. 29. 562. 

§65. 

3. Eine art prädicativer Verwendung liegt vor in der Ver- 
bindung des Infinitivs mit ah- „sein**. Diese construction, die 
häufig beim dativischen inflnitiv vorkommt, erscheint auch in 
einigen fallen mit accusativischem infinitiv. Vgl. Bartho- 
lomae, IF. 3. 19. ffier sei gleich auf KV. 2. 1. 4 (§ 47) 
verwiesen, wo eine ähnliche construction vorliegt, wenngleich 
asti dort nicht ausdrücklich bezeugt, sondern zu ergänzen ist 

Yt. 13. 50: yat he avJiat c^airyqn ajyamnsm. Bartho- 
lomae (sp. 1874): „dass ihm zu essen war unversiegliche 
(speise)**. Zur construction vgl. Bartholomae, Wb. sp. 
269 ; zur form s. oben § 63. — Noch eine andere zweifelhafte 
— weil verderbte — oc^^airyqn'Stelle will Bartholomae im 
Wb. hierherstellen, allerdings mit correcturen: 



Die inflnitire dea Indischem tmd Irmnlschen. 



103 






Yt, 19. 32: yeiähe xm^üSa -^ot^'airyqn ^dö (N, A, x'^air- 
In aslu) uye a^ar^de ajyamne, Bartholomae (sp» 267): 
„durch dessen herrschaft es speise und trank nnversiegüch zu 
geniessen gab^, 

I V* 6. 42 f. : ftal tu haoma yaoMayqn avhofi . , ? yaoi- 
dayan auhmi. Bartholomae (sp, 1233): „siod die Haoma's 
m pmificiren , . ? sie sind zu purificiren". — yaoidayqn ist 
lue bildung aus der 27., ?/-präsensklasse zu yaoidä- ; die hand- 
Whriftea schwaiiken überall zwischen yaoidyqn nnd yaoi- 
ikyan (s* die Zusammenstellung bei Grog oire s, 95 no.); Bar- 
tholomae wollte früher, BB. 15. 243 f. durchweg ymzdyqn 
lesen. Geldner liihrt schon KZ, 25, 581 yaoidayqn als In- 
finitiv auf. — Grögoire (s. 94 If,) versucht verschiedene 
mdere erkläruiigen (theils als adjectiv. theils als particip), die 
ai>er nach ihm selbst auf Schwierigkeiten stossen, sodass er 
sich schliesslich veranlasst sieht vorauszusetzen „que yaaidayqn 
äv&it cess^ d'etre conipris grammaticalement** (!). 

Ebenso sind folgende parallelstellen zu V. 6, 42 f. aufzu- 

: V. 7, 11 1 (wo vastra statt haoma); V, 7. 28 f. (aesma); 

\ 7. 32 f {yava^a vastrada) ; V. 7, 73 f (tasta ämdiarma) ; 

7. 16 t (g^tus); V. 8. 33 f:, 35 f., 97 f. {mra); ebenso (tiam) 

133 f.; 7. 25 f. j aber die antwort lautet hier: 

ayaoidayqn ai^Jian „sie sind nicht zn puriflciren**, wo ay** 
Bitßrtich ebenso als inflniüv au%efasst werden niuss. — 
Wenn Gregoire (s. 94) es als besonders unwahrscheinlich be- 
^pichnet, dass eine mit der negation componiite fonn als in- 
Saitiv zu nehmen sei, so übersieht er das ganz gesicherte Vor- 
handensein solcher Zusammensetzungen im Altindischen, vgL 
Delbrück, Altind. S}Tit. s. 430. 
^K Ohne daas eine tbrm von ah- „sein" hinzugefügt ist, steht 
^■BT infinitiv an folgenden stellen. 

^■^ V. 7. 29: aM yaoMaymu Bartholomae (sp. 1233): 
^H& solcher weise ist die purifikatiou vorzunehmen^. Darme- 
^Beter (2* 103) übersetzt: „il sera pure^ (wahrschemlich 
pBö, weU der commentar, wie er note angiebt» ^au baut 
d^im an" hat;) — Ebenso V, 7, 33; 74; 75 (4 mal); Darme- 
steter (2, 113): ^ils seront purs*'. — In V. 8. 22 will Bar- 
Kjlomae, Wb. sp. 124 yao^dayqn als unpassende zuthat 
Bstrichtiu haben. 





104 Plitz Wolff, 

y. 5.54: paiii avada yaoSdayqn, Bartholomae (sp. 1233): 
„auf diese weise sind sie wieder zu purifidren". — Ebenso 
V. 8. 36. 

§66. 

Ein einziger fall bei dieser infinitivbildung zeigt einen un- 
abhängigen, conjunctivisch gebrauchten Infinitiv. 

V. 8. 100: barazyaogdt vaöö rasayqn. Bartholomae 
(sp. 1527): „so (soll) er mit lauter stimme den ruf ergehen 
lassen^. Bildung aus dem causalstamm (30. präsensklasse) zu 
rä^', BB. 15. 244 las Bartholomae raeyqn, sonst ebenso. 

Iranische inflnitiye auf -am aus präsensstammen. 

tisq oder tisqm 

-H)y^ H. 2. 7; 25. 

"^jai^yqnt V. 3. 1. 

dai^yqn 

+wi° V. 8. 10. 

•^dardtiqm 

-{-ava paröü V. 18. 19. 
yaoedayqn " V. 6. 42 f. — 7. 11; 23; 25; 28 f.«; 29; 

32f.»; 33; 73f.»; 74; 75*; 76f.* - 
(8. 22); 33 f.«; 35 f.«; 97 f.«. 

-Hio V. 7. 24; 26. 

^paiti^ V. 5. 54 — 8. 36. 
{raoSayqn V. 6. 6). 

razayqn V. 8. 100. 

oi^airyqn Y. 9. 4— Yt. 13. 50 — 15. 16 — 19. 32(?). 



Fünftes Kapitel. 
Die iranischen inflnitve auf 'Um. 

§67. . 

Eine infinitivbildung, die als accusativische der gene- 
tivischen auf 'töis und der ablativischen auf -töit entspricht, 
ist die auf -Um. Sie ist wie diese auf das Avesta beschränkt 
Es sind nach Bartholomae Wb. nur zwei formen belegt, 
die sich in der bildungsweise den andern aus ti-sufläx gebil- 
deten formen anschliessen. 



Die luflnitht des IndiBchen und Irmechtn. 



105 * 



Der gebrauch der beiden fbrnien ist für accusativischen 
Infinitiv ungewöhnlich; sie finden sich bei j'M(;yy and aes% wobei 
man eher einen genetivischen iafinitiv erwarten sollte ; daaa 
aber dabei auch accusativische möglich sind, zeigt oben (§ 63) 
V. S. 10. Mao beachte auch, dass im späteren Indisch die infini- 
ti¥e anl -tum nach iwara- erscheinen. 

Früher wurde noch eine reihe anderer formen als in- 
finitivisch aufgetasst; Bartholomae im Wb, denkt jetzt 
andefB darüber (s* u») 

§ 68. 

Die beiden stellen sind: 

V. 8* 100: isaeta me yaoHäitlm, Bartholomae (sp, 26)- 
pihr könntet mich purifidren". Darmesteter (2. 144): „veuillez 
mt^ purifier**. Zur coostruction vgl. V. 8< 10; siehe auch Grdr. 

Ȥ 255, wo literaturangaben. 
Yt» 17. 15: vasada ahi xmyamna fannye x'^aranavhe +dät- 
Ü« (N* A. däiie, aber ProL s. XLIV b, nach Fl daitim). 
Bartholomae (sp. 728): „nach gefallen vermagst du deinem 
leib^ herrlichkeit zu verleihen''. — Darmesteter {2. 603): 
^lu as le ponvoir k ta volonte, par la gloire an toi d^posee**, 
Alio däite^ wie er wohl liest, soll particip sein, bezogen auf 
^($tmavhe] wir würden doch dann dätai erwarten. Bar- 
tholomae 8p* 728 no. will :£^arana^h€^ den dativ statt des 
iccQSätivs, durch attractlon erklären und verweist dazu auf 
^m^i^e und auf Delbrück, Altind. Synt. a 88* Aber sicher 
lieft doch liier nicht die gleiche erscheinung vor, die man sonst 
ils ättraction bezeichnet. 

Ich füge nun noch die formen hinzu, die man früher für 
Infinitive* hielt, indem ich nur die stellen angebe^ wo darüber 
gehandelt ist. 

mtim Y. 33. 2: als infinltiv bei Bartholomae, BB. 13. 
Hit und danach bei Brugmann, Grdr. 2, 1415; jetzt bei 
Bartholomae« Wb, sp* 213 als accusativ zu astay-; so schon 
bei Geldner, BB. 14. 21. 

Wim Y. 4fi, 2: als infinitiv bei Geldner, BB, 14. 1 
will bei Bartholomae im Grdr.; jetzt im Wh* (sp, 377) als 
i^ctisativ von iMay*, 

upa.maitim V. 5. 53 C (4 mal) — Ustryeintim V. 5. 4; 7 
iim Wh, -t^miarayantim) — sraBsycmÜm V* 8* 34 : als infinitive 




106 Fritz Wolff, 

bei Bartholomae, IF. 3. 19 und im Grdr.; jetzt im Wb. 
(sp. 391, 340, 1632) als absolutiva; vgl. Grögoire s. 90 £ 
Das Indische kennt diese inflnitivbildungen nicht; vgl. aber 
RV. 8. 27. 11: idä hi va üpustutim idä vamasya hhakt&ye 
. . asxk9y änyam iva, wo man üpastutim wie hhaktäye ids 
inflnitiv fassen kann: ^nnn am ench zu preisen, nun um euch 
am schönen antheil zu geben, liess ich los die gleichsam un- 
versiegliche". 

Die Iranischen inflnitiTe auf -tim. 

{astlm • Y. 33. 2). 

(astryeintlm V. 5. 4; 7). 

{istlm Y. 46. 2). 

(upa.maittm V. 5. 53flf). 

{sraBSyeintlm V. 8. 34). 

-^däitim Yt 17. 15. 

yaozdaitlm V. 8. 100. 

Anhang zu den accnsatiTischen inflnitiTen. 

(a^bildungen.) 
§ 69. 

Als die einzige im Avesta vorkommende bildung dieser art 
nimmt Bartholomae, Wb. sp. 943 "^barat Die stelle lautet 

y. 9. 51 : öis hau as . . yö me asadayat fradaddm apa.- 
barat . . yas}c9m upaMrat, Bartholomae (sp. 1560): „wer 
ist der, der mir sichtlich gedeihen wegbringt, krankheit herzu- 
bringt". Ebenso übersetzt Darmesteter (2. 171). 

Die construction ist nicht auffallig; wir haben oben 
mehrere belege des Infinitivs nach sand- „videri" gefunden; 
und da sämtliche bei Bartholomae Wb. angeführten stellen 
nach sand- accusativischen infinitiv enthalten, wird man viel- 
leicht die beiden formen ebenfalls für solche zu nehmen 
haben. — Der form nach wäre auch die möglichkeit gegeben, 
sie für locativische Infinitive zu erklären; Bartholomae, 
Grdr. § 260, 2c weist bei den afi-infinitiven (fraSati) auf die 
vedischen auf -at hin, ohne dabei schon die obige avestische 
form zu erwähnen; wir hätten dann die parallele, ati:at = ani:an. 

Zur form von ""barat verweist Bartholomae auf die 
von Ludwig, Rigveda 6. 264 f. zusammengestellten und für 
Infinitive erklärten altindischen formen auf -at Davon werden 



Di« mfinkiTe de» ladüchen and Iraniaclien« 



107 



irdvüt srjdt adätj ßi^oi toö Grassmann als conjimc- 
tiT« au%efasst: die übrigen hält Lau man alle fllr accus, sing. 
Deatr.; derselben bildung gehören nach ihm an: dravät und 
irakyät, die er für adverbien nimmt, — Grass mann fast 
dtßtgät als adverb zu einem at-stamra, die übrigen als adver- 
bien aus dem neutrum eines zum teil unregelmässig gebildeten 
anf-stamms; paiayät soll nach Grassmann* eine abkürzung 
Tüö patayäUakham sein ; es folgt mündayätsakham ; s. u* s* 109* 
Zuerst fällt auf, dass Grass mann in seiner Übersetzung 
von den verbalformen, die doch 3. sing, sein müssten, die eine 
(BV,10, 37. 11) mit einer 3, dualis, eine andere (1. 174,4) mit 
eiaer 2* sing, und eine dritte (7, 56. 10) mit einer 3. plar, 

^-übersetzt (hier vnW er allerdings den ausgang -at in -an ändern). 

^K Drei weitere stellen sprechen sehr flir die infinitivische 

^Mtflassnng der formen. 

^ EV. S* 36* o: fvärn asya brahmanäd ä t]^t piba, Lud- 
wig (no. 790): „aus dieses Brahraa^ia gefässe trink bis zur 
Üttignng". In vers 4 hiess der schluss: pihägmdkrät täva 
ihs^ä^ tipmihi ^aus dem Agnidhragefasse trink, sättige an 
deinem anteü dich". Wenn so dicht nebeneinander auf der 
einen seite tfpinihi . , piba und auf der andern seite t^pät . . 
ßa steht, dazu auf beiden Seiten der ablativ eines zur selben 
hedeutungskategorie gehörenden Wortes, wird doch gegenüber 
t!pnu}n „sättige*^ die form tfpät nicht, wie Grassmann und 
weh Bergaigne annehmen, die ganz verblasste bedeutung 
:,tächtig, zur genüge, lustig", {,bais tont ton soül') haben 
tonnen, — AVir haben nach & öfters den Infinitiv gefunden 
(8. oben § 12, 21), allerdings einen ablativischen; immerhin liegt 
w die möglichkeit vor, auch hier einen intinitiv anzunehmen. 
EV, 8. 2* 23: bhärä piian nan/aya ^ bring dem mann- 
haften zu trinken"; Ludwig's Übersetzung (no. 586) isoUrt 
pibai gänzlich ;, er bringe dem mannhaften, er trinke". Grass- 
mann *s Übersetzung ist falsch, — Zur coustruction verweist 
Burtholomae^ Wb. sp. 943 no. auf lat bibere da und die 
weiteren bei Delbrück, Vgl Synt 2. 4<34 angeführten 
Beispiele, 

KV. 10. 116* 1: pibä somam inahatä indriyäya^ 
pibü v^räya karttave Sani^ha; 
piha räye ^^ävase hüyaniünai}^ 
piba mädhvas t]fp(ld indrtt vf^iW}a. 




108 



Fiiti Wolff. 



Die 4 strophenzeilen sind so symmetrisch angelegt — m 
jedem ist füi* piha eine besondere zweckbestimmuBg anj 
geben — , dass man neben den sicheren inflnitiven hafi 
und Sävase und dem ebenfalls finalen indriyäya anch tfpä\ 
eben nur in finalem sinn, d. h. als infinitiv wird fassen dürfen. 

Weiterhin wird man in derselben weise nehmen können 

RV, 3, 22, 1 : t^-pät sonuun apibad vk^mtnü i^iädm pathä^ 
va§at ^um sich zu sättigen, hat er den Soma getrunken, den 
gepressten, mit Visi[iu zusammen, soviel er wünschte*^. M 

KV* 3» IL 15: txpät somam pahi draJtydd mdra. Lad-" 
wig (no. 484): „o Indra, dich zu sättigen, zu stärken, sollst 
du den Soma trinken**» — W* Schulzens Vorschlag in KZ, 27. 
6()6, drahyät zu genn. dringkan zu steOen, ist trotz dem, was 
bei Brugmann, Grdr.'' 1. 633 f, über den indogermanischen 
Wechsel zwischen Media Aspirata und Media gesagt vnvä^ 
wenig wahrscheinlich* 

BW 3. 32. 2: tjpdd d v^asva. Ludwig (no. 499): „bis 
zur Sättigung tränke diclt*^. Vgl, oben 10. 116, L Vorher 
geht: piba somam ranmä te mädäya „trink den Soma, wi 
haben ihn dir gespendet» dich zu berauschen*^. 

RV. 7, 32* 5: h'ävac chrntkarna lyate vmüjiäm, Lud~3 
wig (no. 5H4): „zu hören wird angegangen, der (scharf) 
hörend ohr hat^ um gutes , ."* Besser scheint ^ mir, §rdvat 
von krutkarnüi^ abhängen zu lassen: „wer ein hörend ohr hat- 
zu hören . . "* \ 

RV. 6. 47. 6: d}i][^dt piha kalMß mmam indra. Ludwig 
(no. 570): ^nm zu wagen, ü Indra, trink Soma aus dem 
becher"^ ; d, b. um eins deiner Wagestücke auszuführen* 

BV- 8. 21, 2: üpa tvä kdrmann ütdye sa no yüvayräi 
€akraina yo dhi^ät Ludwig (uo. 596): „bei heiligem weite 
zur hilfeleistuDg (rufen wir) dich, dieser unser jugendlicher, 
der gewaltige ist genaht, der zum angriff ist". — An den 
beiden letzten stellen nimmt Ludwig dhisäi als in&nitiT, sam 
8 weiteren ist es bestimmt syntaktisch teils adverb, teils ace. 
sing, des neutrum; man wird es deshalb auch hier nicht mit 
Sicherheit als infinitiv fassen können. Oben (6. 47, 6) könntaj 
es adverb sein, hier auch 3. sing, konj. Freilich, gerade dies( 
schillern der bedeutung spricht wieder füi- den infinitiv-' 
Charakter, 



I 

Ler 



I 



Di« in&ittive des Indisehen und IrsnlHcheti 



RV, 10* 20. 5: jm&d dhavyä mämt^asyordhväs tasthau, 
Ludwig (no, 424): „zu geniessen des QienscheQ havya hat 
empor sich erhoben . .^. Grassmauo übersetzt, als oh 
JKfol partizip wäre „wenn er speist" (es würde dann jti^an 
stehen müssen); im Wb* nimmt er es als 3» sing, koiy,, wag 
die coastruction verbietet, 

RV. 10» 37. 11; asmaJmm deva nbhdyäija janmane §ärma 
yfifichata dpipäde cätti^pade adät pibad urjäijamanam äHtam, 
Ludwig (no. 129): „verleiht imsem beiderlei geschlechtern 
. . Behüte, zu essen und zu trinken kräftigende speise", 
Grats mann: ^sie beide mögen . . essen und trinken**. 
Bergaigne, 40 hymnes s. 64 f.: „qu'üs mangent et qu'ils 

. biveat^. 

^H Unklar sind die beiden folgenden stellen; eine dritte, 

Hl* 115* 5 fällt foit, da nicht, wie Ludwig liest, d^M, sondern 

^WH&f im teite steht. 

H RV. 10. 6L 5: präthwtä yäsya viräkarmam i^iiät. 6 rass- 
in an n: „dessen männliches glied sich varstrebend ausgedehnt 
iiatte^ — Ludwig (no. 997): „um zu schnellen**; seine über- 
letKong sonst ist falsch. Das ganze Ued ist „dunkel und 
seliwülstig** (Grass mann)* 

RV, 1. 4* 7 : em ä^wn ä^äve hhara , * patayäyi mandayät- 
9aMmn. Ludwig (no* 443) r „heran den raschen bring zum 
laschen . ,. der fliegen macht (dass er fliegen mache) den 
frennd erfreuer** * Ludwig meint* S ä y a p a 's pafayantam wäre 
möglich, aber auch der infinitiv wegen des alten accentes 
dankbar. Grassmaun will in der Verbindung patayän 
mnndanyätsahham das sakhani auch auf patayät bezogen wissen, 

KU das wahrscheinlichste ist. 
An drei anderen stellen scheint die annähme eines infini- 
y*n bedenklich wegen des dabei auftretenden yät, das Lud- 
wig allerdings an einer stelle auch als infinitiv (von -i-) 
ainLmi! 

EV. 7. 56* 10: priyä vo nama kuve * . ä yät ffpän ma- 
nifö , . Ludwig (no. 697): „eure teure namen rufen wir 
imo überdruss, Maruf. — Ludwig im Comm. sagt, yät sei 
Hpleoiiaatisch ; Grass mann zerlegt t^pän maruta nicht, wie 
r^der worttext will, in ti^pat mandOf sondern in ffpan nmndo^ 
^r übersetzt aber mit der 2* pluralis! — Im übrigen, meint er 
(1. 583), sei der vers metrisch fehlerhaft. 




HO 



Frita WolC 



RV, 4. 27. 3 ; s^jäd yäd asmu äva ka hipd} jy&m ki§ämif^. 
Ludwig (no. 961): ^da bat, dass er auf ihn schösse, losge- 
schneUt die sehne K.^. Roth, ZDMG. 36, 358: „als schwellend , 
. . lossgeschossen", Bergaigne, ReL V6d. 3. 328 stellt s^jät m 
und k^ipät auf eine stufe: y,soit qu'il Tait laiss^ partir ou i 
qn'il ait lache, pour le frapper, la corde*^. 

RV. 1. 174. 4; sijdd ärnamsy äva yäd yiiddhä gas fi^had 
ik&ti, Ludwig (Comin, zm no. 479; n. 47): „loszulassen die 
Wasser, loszugehen mit kämpf auf die rinder, hat er den wagen 
erstiegen*^. Er nimmt also sxjAi und ydt als ttiflnitive {yät za 
eti ,er geht*!) Wozu soll nach der Übersetzung ava ge- 
hören? — Grrass mann übersetzt: „lass fluten strömen, wenn 
zum karapf du eilst, besteig die rosse"*. Wenn auch gäk als 
2. sing, gelten kann, so ist dies doch für $XJ^ ^^d ti^hai üb- fl 
möglich! Im Wb, zieht Grassmann äva zu Bxjät und zu 
qhhy was aber wegen der accente unmöglich ist; ava gehört 
zu ämatnü. Säya^a fasst gäh wie Grassmann auf: yud- 
dhena m gaJjt gacvJmn tadarnmmjudakämj ava sßat aväs^joi^; 
er zieht also äva zu s^jät, — Bergaigne faest in ReL VM- 
2* 185 srAii als „vaches" wie Ludwig. — pät als Infinitiv 
Ton i- „gehen** zu nehmen, ist sicher unrichtig; man wird es 
als conjunction fassen und übersetzen müssen: ^^dass er er- 
giesse die wasser und die kühe im kämpfe, soll er besteigen 
die falben"; so etwa auch Bergaigne a. a. o. 

In einer an^ahl von ßillen scheinen die at-formen in der 
bedeutung von absolutiven zu stehen; so dravätj das Grass- 
mann fUr das ueutnun des partizips drdvat mit geänderter 
betonnng hält und j,flugs" übersetzt* 

EV. L 44 7: sä ä valia , . devan Uiä dravät Ludwig 
(no, 255): ^als solcher führe im laufe die göttar*". 

RV. 1. 2. 5: täv ä gätam npa dravät Ludwig (no. 710): 
„kommt in gestrecktem lauf heran"* Ähnlich 3* 35* 2; 6. 45. 
32; 8. 5, 7. — Zu einer anderen stelle^ 

EV. 8. 49, 5; ä na stomam üpa dravät, wo Ludwig (no. 
665): ^brausend komm zu unserm Stoma" übersetzt, bemerkt 
er im Comm* (II. 223): „infiniti? als imperativ?'*. Man wird 
es besser wohl auch hier als absolutiv fassen. 

RV. 8. 97. 4 : ata.'? Iva girbhir dgugäd indra keMhhiJi mtr- 
tävan ä viväsatL Ludwig (no* 627): ^Ton da mit den nach 
dem himmel gehenden liedern, Indra, mit den mähnigen falben 



I 



mfl 



mmm und IramscBen. 



111 



ladet gleitiisam dich der saA bereitet hat**, Danach würde 
man ia dyngät ein absolutiv zu sehen haben. Vielleicht aber 
ist dy° in der steÜEOg zwischen glrbhik und keJtibhili als kür- 
tmg voD dyugädbhih zu nehmen. Beispiele für dieselbe er- 
gcheinung im Äve^a s» bei Bartholomae, Wb. sp. 1789 m. 
(unter Hiar^ia*), Grassmann übersetz „vom himmel her*^ 
mtd giebt Im Wti. „zum Mmmel gehend". 

Haben wir nun im obig^en manches gefiinden, was unsicher 
ist und manches, was sicher zu unrecht den infinitiven zu- 
gerechnet wurde, so wird doch im allgemeinen Ludwig*s an- 
scliiiiung (Comm* bd- 1. 255. no. 255) das richtige treffen. Er 
sagt dort: ^es durfte eher (als ein particip) eine alte form 
seiji, die in ihrer Verwendung zwischen particip und Infinitiv 
«taheid, wie die formen auf -at», teils Infinitive, teils partici- 
pieB, teüs gerundive wurden** < 

Tabelle zum anhang. 

ai-fonnen. 

I. Äyesta: 



44ipa. V. 9. 51. 
+t4pa. V. 9. 51. 

n. Altindisch. 

m Rv, m 37. 11. 

{mk RV. 10. 61. 5). 

-Nlyf*^ RV. 8. 97. 4). 

jmi RV. 10. 20. 5. 

ifpit RV. 2, IL 15 — 3. 22. 1 -^ 3. 36. 5 

- 3. 32. 2 - (7. 56. 10) — 10. 116. L 

{kmoi RV, 1. 2. 5 — 1. 44. 7 - 3. 35. 2 — 

6. 45. 32 — 8, 5. 7 — 8. 49. 5). 

iffshiH RV. 3. 11. 15. 

%9^ EV. 6. 47. 6 — 8. 21. 2, 

{piüo^ RV. 1. 4. 7). 

fftai RV. 8- 2. 23 — 10. 37. IL 

\mi RV. 1. 174. 4). 

hmfA RV. 7. 32. 5, 

imt RV- 1. 174. 4 — 4, 27. 3). 



112 



Henninn Jwwbcolin, 



Zur italischen verbalflexion. 

L 

Das verhäJtniss von lat, serva/re zu dem in serttu, ameriahi 
usw, erhaltenen umbrischen verbalstamm ist noch nicht auf- 
geklärt. An ihrer Zügehörigkeit zur selben wurzel wird man 
um so weniger zweifeln, als sämtliche arti^n des gebraucbsJ 
die das simpIex seritu anf den Iguvinischen tafeln aufweißt, 
auch bei lat. servare sich aufzeigen lassen. Für pedu seritu 
IL a 24 sind parallelen aus dem Lateinischen nicht nöthig. Äbel| 
auch in der gebets- und auguralsprache ist servare in älterer 
zeit verwandt. Entsprechend dem salvom seritu auf den. 
Iguvinischen tafeln heisst es salvom servare Cato agr. 141 il 
einer uralten gebetsformel und oft in den Acta Arvalium, dai 
älteste erhaltene zeugniss findet sich zum jähre 27 : Corp. VI 
2024 <ßalv>os servüv<erit>. Avem servare gebraucht Enniui 
ann* 80» 81 und danach in ähnlicher weise Vergil Aen. 6, 20( 
(vgl Norden Äeneis VI. p. 186, 226), Cicero hat div, 2, TS 
aves de caelo servare^ div, 1, 36 caebim^ sulera servare, Vergi 
georg. Ij 335 caeli memes et sidera servare und so öfter. DasS 
im allgemeinen öhservare das simples in dieser verwenduni 
abgelöst hat, ist bekannt. 

Auch die ^-äexion des umbrischen compositums anserm 
(bez. ameria-) gegenüber der i-flexion des einfachen verbi 
bietet eine noch ungelöst*? Schwierigkeit.^) Jedenfalls rnuä 
man sieh hüten, das verhältniss von ans^iatut : seritu ohn< 
weiteres m parallele zu setzen mit dem von lat. occiiparei 
capioj stispicari : speeiOi wie es z. b. Brugmann, Ber. d. sächS 
Ges. 1897, 144 anm. thut; während diese in die ff-flexion über-! 
geführten lateinischen verba den nackten stamm zeigen gegenübet 
dem Simplex, ist in ausermtit der Übergang vom i- praesens aui 
erfolgt. Welche präposition in an von anseria- stecke, erklärt 
noch Brugmann (L F. XV. 74) für fragUcb. Aber auf defl 
Iguvinischen tafeln lässt sich ein unterschied der bedentung 
zwischen compositum und simplei constatieren, der aufs deut- 
lichste zeigt, dass an nur = d^q>£ sein kann, anserid' kommt 
überhaupt nur in an Wendung, wo es sich um beobachtung des 
vogelflugs handelt. In demselben sinne wird seritu an folgen- 



1) Ein erklSniDgiTentich bei r. PlanU IL 271. 



Zur Itiliftchen T«rba1iti!on. 



113 



im stellen gebrauclit: VI. a. 11: arsfmiur . . . todreir tudems 
m podruhpei seritu\ es folgt eine aufeählung der tuderor 
tötcof (fiBes urbici). Dann heisst es weiter VI. a, 15: bondra 
mUy ttiäeroj porsd mbra screihtor senty parfa dersva^ curnaco 
dergmi iiefntu. snira esto ttidero peieo merstOf peica mersta 
imtiu Überall also wird die beobachtung innerhalb eines be- 
stimmt abgegrenzten gebiats Torgeschrieben, während eine 
snlche beschränkung nirgend angegeben ist, wo anseria- ge- 
braucht wird. VgL z. b. I* AI : este perskftim aves amet'iates 
<^ietH pernaies pustmes^ VI. AL este persdo aveis aseriater 
endu, parfa airnase dersva, peiqu peica merstu. Vor allem deut- 
Ueh springt der unterschied in die angen VI, B. 48: ponepoph 
%fw& herie^, avif aseriutu etil . , . eriront tudertis avif seritu 

EJalmlich innerhalb derselben grenzen , innerlmlb derer das 
itadtgebiet gesühnt ist.) 
Bei einer solchen vertheilnng des gebrauchs kann meines 
Imchtens ein zweljel nicht darüber aufkommen, dass gegen- 
aber der im simplex in der auguralaprache eingetretenen rer- 
«agang des bedeutungsnmfanges die Zusammensetzung mit an 
tose beschxänknng der bedeutiing wieder aufhebt, mithin 
mm Terallgemeinernden sinn haben muss. Es ist also ^ 
uftfL Ob es aber am- oder amf(i) vertritt, ist nicht auszu* 
machen, man könnte immerhin nach analogie von umbrischem 
omt:, tue - in umero, in dem ein durch syncope zusammen- 
getretenes ms zu ns geworden, meinen, ein ^am^eriatu sei 
iber amfseriatu zu am^eriatu : anseriutu geworden, wenn eine 
solche anffassung für die lautfolge mfs auch nicht gerade 
wahrscheinlich ist* Aber aach wenn mau in aji ursprüngliches 
am sacht, bleibt es fraglich, ob es indogermanischem am ent- 
spricht (vgl. W. Schulze, Eigennamen 542 anm. 3, auch Brug- 
mann, Abriss 468) oder aus der Stellung vor anderen conso- 
aanten, wo es sich lautgesetzlich aus amhhi entwickelt hatte, 
Ibertragen ist. 



Zu den verben des lateinischen, die ein schwanken 
zwischen erster und dritter conjugation zeigen, gehört lavare^ 
ZQgleicb das einzige, bei dem nebenformen nach einer anderen 
äIs der gewöhallchen flexion einigermassen häufig belegt sind. 
Dias die tbematiscbe flexion die ursprüngliche war, lässt sich 



Mkekwin T^r TirgL Sprüht K. F. XX, L 




8 



114 



Hermftiiti Jft<H>bsoba, 



sowohl wegen gr. xifto (neben Ao/*üj) als auch besonders wegen 
der flexiOD der coniposita wie ahluere^ düu&re, eitlere, poUuere 
nicht bezweifeln. Die formen nach der dritten erscheinen 
den späteren als eine alterthambchkeit, vgl Diomedes granun. ■ 
L 381, Prisdan ü. 471, sie haben ausschliesslich transitive 
bedentung. Eine ausnähme bilden nur VaL Flacc, 4, 229 
lamtur patriaß tibi victor ad amnes, ein beispiel, das natürlich 
in keiner weise mehr beweiskräftig ist^ und Lucilins 245 aim 
bulga cenatf dörmitf lavit, von Noniuä p. 78 citirt. Aber hier 
haben der archetypus der von Lindsay sog. zweiten familie 
und F^ lavat gegenüber dem lamt des Leidensis, und es er- J 
scheint mir berechtigt, die vom Leidensis abweichende lesart ■ 
als die ursprüngliche anzusehen, sodass auch Lucilius nicht 
gegen den sonst durchgehends beobachteten Sprachgebrauch 
verstiesse. Vielleicht ward in lavit geändert, weil es den 
schein der aJterthümlichkeit für sich hatte. Übrigens ist zu 
beachten, dass diese stelle des LuciUus unter den als Zeug- 
nissen für die dritte declination angeführten nicht beigebracht 
wird. 

Ist so, wie ich meine, der gebrauch einfacher thematischer 
formen bei intransitiver bedeutung gan2, jedenfalls so gut wie 
ganz ausgeschlossen, so erleidet ihre Verwendung, wie die er* 
haltenen belege unzweideutig ergeben, noch eine weitere, 
recht auffallende einschränkung. Es lässt sich in bezug hier^ 
auf die regel aufstellen: die dritte conjugation ist 
allein dazugelassen, bez. blieb da allein erhalten^ 
wo die auf die Wurzelsilbe folgende silbe im flexions- 
Schema der dritten conjugation kurz war. Nicht 
nur ist keine thematische fonn überliefert bei ursprünglich 
langem und in «einer Quantität erhaltenen oder secundär ge- 
kürzten voeal, es gilt dasselbe auch für positionslange silben. 
Nirgends fiihren auch die grammatiker abweichende Zeugnisse 
an (cf. Neue m.'* 258 l\ Es heisst demnach wohl lavis, lavü, 
tavimus^ lavitiSf lavHo^ luvitef touiti^r, Iötf?ere, laverem% aber 
stets lavanty lavemj lavaiam^ tavabo. 

Um mit Plautus anzufangen, so hat er häufig intransitives 
lavat^ lüvant^ lava^ hvare usw, (Die stellen verzeichnet Lorenz 



*) Die h^hge bei Neue IH." 258 E. lüe hanptfimdEieUe ist Nonins 503/504, 
^gh aüch 466. 



Zur itallech^D verbalflexion. 



115 



znjB Pseud* iO. vgL auch Langen, Beitr, 197,)* Dagegen in 
tiansitiTer bedeutung steht Psead* 10 eas (seil* tabellas) lacru- 
mg iavitj in A, u. P* überliefert und von Diomades, Priscian, 
Nonius nnd Servins bezeugt, Truc. 902 qime puerttm hvit and 
Amph* 1102 pii^os lavere iiismtf W0 Noniua allein die richtige 
tonn giebt, dazu Most. lU venu imber, perlavit^) parietes, 
Dariach hat Sejffert, Stud. Plaut. 6 auch Cure, 580 quae latri- 
imm Uipü für lavaf schreiben woUeo, sodass Plautus bei trans- 
iÜTer bedeutnng nur die dritte conjugatdon kenne. So weisen 
Jich aUe bei den scenikem belegten formen des verbs, die 
der regel entsprechend nach der dritten conjugation flectiereu 
Mimen, thematische flexion auf, und überhaupt ist vor Properz 
4, 9, 58 (dum membra lavat) bei dichtem kein fall bezeugt, 
in dem eine der in betracht kommenden formen des freilich 
recht seltenen verbs nach der fl-conjugation fiectiert. Das 
gBt ffir alle stilgattnngen, filr die tragoedie sowohl wie fttr die 
bmoedie^ Catull hat sie in einem Spottgedicht wie Lucrez, 
Vcrgil verwendet sie in der Aeneis wie in den Georgica, Hö- 
rn in den carmina ebenso gut wie in den satiren und epoden. 
Bei SaUust bist. II. 56 (Maur.) steht drcumlavitur. Aber 
Cito agr. hat neben fünfmaligem lavito zweimal lavato und 
iwar ohne unterschied der bedeutung*). Gegen den versuch, 
daeu bedeutungsuntersehied zwischen lavere und lavare zu 
bostatieren, wie es z. b. noch Heinze in der dritten aufläge 
von KiessUngs Horaz zu carm. 2, 3, 18 thnt, hat sich bereits 
Diomedes gramm, I, B81 mit vollem recht gewandt: quidam 
jer i lamt pro umectat et coinqainat inteUegi volunt, sed 
ftnEtra; id enim signiöcat quod lavas per a. Vgl z^ b. ausser 
den Plantusstellen Enn. scaen. 8S puerumqite tit laverentj 
Rtin. 86 wianm lavite. 

Während Cato neben lavitö also lavata gebraucht, existiert 
bd ihm als conjnncüv nur lavet (laves)^ zweimal in trans- 
itiver, zweimal in intransitiver bedeutnng, einmal passivisches 
Immiur. Terenz hat Phorm* 186 laterem la/ves. Vor allem 
i&ttnictiv aber lUr die verteOnng der formen ist Yergil: in- 



^) In p^lavit TerbesBtrt RitBcM überliefertes lavit. 

*i kwh ViTTo beseligt linf. 9, 106 paemm rtutiii lavat {F tum) tmd 
•rwifhül iD diieer wt»üe, wo er über lavare tmd toart^sprieht, die tbem»- 
tabu fenoen überhaupt mcbl 

8* 



116 



Hermmnn Jacobaohn, Znt italiBchen rerbftlfl«iioxi. 



üeser 



transitiv ist das verb nur georg. L 387 studio lavandi, traas- 
itiv steht Aen, 7, 4B9 Uvabat^ ecL 3, 97 lavabo, Aen. 6, 219 jj 
12, 722 iat?anfj dagegen lavit georg. 3, 221; 359. Äen. 3,1 
663; 10, 727, und dass ein bedeutungsunterschied bei dieser 
Verteilung nicht die geringste rolle spielt, kann einerseits Aeu 
10, 727 zeigen: 

sanguine largo eoUa armosque lavant, 
andererseits 3^ 663: 

luminis eflfossi flnidum lavit inde cruorem, 
schon von Diomedes an der eben citiertan stalle als beweis 
verwertet. ■ 

Daher hat Lachmana zu Lucrez p* 379 das aus Titinius 
überlieferte vestmimita qui levas (Nonitts 245, 9) gewiss mit 
recht in laves, geändert. Die einzige ausnähme von der regel 
bildet lavi bei Pomponius 53 (Nonius 245, 39), bei Fronto p. 
220, 310 ungut et lavi lovis et Solls manibus, als analogie- 
bildung nach Uivere leicht verständlich, an letzter stelle nock 
gestützt durch unguL lavari haben Cato agr. 2, 3 dolia 
vari, picari, villam purgari eqs, und Varro rust. 2, 2, 18 quo 
minus (lana) vel infici reete possit vel lavari vel putari. Da-I 
zu kommt das particip laventibus bei Amobius 7, 32 ad sordetj 
eluendas laventibus aquis, ebenfalls in keiner weise geeignet,] 
die gültigkeit der regel zu erschüttern, 

Uüd nun vergleiche man sonunt neben sanit und sönere%^ 
um zu sehen, dass eine solche vertbeilung nicht zufällig sem 
kann. 

Dass bei intransitiver bedeutung nur — oder fast nur — | 
die a-conjugation angewandt wird^ ist bereits gesagt. Auf 
schwanken zwischen aktiv und medialem passiv, das wir be 
iutransitivura finden, möchte ich hier nicht eingehen und m 
das hervorheben, dass bekanntlich Plautus das aktivum ge* 
braucht, nur zweimal die passiven formen dicht hintereinander 
in den baccheen im anfang des Poenulus, und zwar hier in 
Verbindung mit einer reihe anderer passiver ausdrücke (et 
Langen beitr. 291)* Cato hat lavare, ebenso Terenz* Eon, 
595") haben Bembinns, dj B und Donat lavamur^ CEFFJ 



i] Belege bei Neae HL» 260 f. 

^) cape hoc äabellaiD . . . , dorn l^ramus. Ubi nos IftTerimos, si 



lavftto. 



Wnbdin Scholle, 2aaatz. 



117 



kmmtis. Man schreibt jetzt äUgeraeiü lavamus^ doch findet 
kvamur vielleicht eine stütze in der stellnng im versaus- 
range (ebenda luvet Eun, 582. laves Phorm. 186). Dagegen 
schwankt Varro ling. 9, 106 zwischen lavare und Uvari, bei 
Cicero habe ich nur lavari gefunden, und Horaz hat einmal, 
epigt. K 6, 61, intransitives luvemur. 

So weit die thatsa^iheo* Eine erklärung vermag ich nicht 
m geben. Man ist versucht, die vertheUung der farraen irgend- 
wie in Zusammenhang zu bringen mit dem wandel von ov- in 
st?- in vortonigen silben, und es mag daran erinneit werden, 
lass ein verb lavo das einzige nach der dritten war, das av 
Tor der endung hatte gegenüber gravare, auch cavare, und 
da$ einzige femer, dessen stamm in einer gewissen periode 
der lateinischen spräche auf kurzvokal -i- vollarticuliertem v 
I laiging, (vgl. indess Solmsen Sind, 128 ff. über flovo^ plovo), 
I neben vivo mit langvocal und t?; vgl. Eutychius gramm. V, 
I 484, 22. Aber den thatsachen von hier aus gerecht zu werden, 
I ist mir nicht gelungen, 

I München, 2. 12. 1904, Hermann Jacobsohn. 

L ^ 

Die eben mitgetheilten beobacJitungen über den gebrauch 
d^r rerschiedenen formen des verbums lavo geben mir anlass 
in aufinerksarakeit des lesers noch eine andere thatsache zu 
empfehlen, die nicht so bekannt zu sein scheint, wie sie am 
ende am werden verdient. Zu den composita abluo allim cir- 
mmbio coUuo dihw eluo perluo proluo reluo snbhm verzeichnen 
& lexika aus der Überlieferung der repubükanischen und 
taguBtelschen zeit kein simpIex lue. Nur vereinzelt wagt es 
defa im epos der kaiserzeit hervor/) trägt aber dann auch ganz die 
Hge einer lebensunfähigen willkürschöpfung* Umgekehrt giebt 
es in älterer zeit kein einziges mit lavo zusammengesetztes 
praesens, das vom herrschenden sprachgebrauche wirklich an- 
erkaimt wäre. Einmal hat SaJlust circumlavitur gewagt, hist. 
fr. 2, d6 Maur., und bei Plautus Most, 111 hat Ritsch] per- 



^) Solm&eEi Stud. t, Ist, LantgeBch. 127. Anch in einem in&chnftlicben 
^pifumm iit luunt {am fiuwU) hergeatallt, Baecheler Carm. epigr, 1036, 6. 



118 



Wilhelm Bcbdzep 



lavü aus überUefertem lavit gemacht, om dem verse aufzohelfenl 
Trifft die conjectur, die icli durch keine bessere zu erseta 
weiss, das wahre, so kann es sich nur um eine augenhliel 
bildung^ handeln, die sich der soast geltenden regel entziel 
Längst hat man aus dem formenbestande erscMossen, dass si 
lavOi das der compositionsföhigkeit entbehrt, und abluo aWi 
usw*, denen das Simplex fehlt, gegenseitig recht eigentlii 
ergänzen, das beisst dass abluo alluo lantgesetzlich (Ühi 
*a6iot?o ailovo) aus *aÄtet*o allat^o entstanden sind, wie d^ni 
aus dS 7WVÖ, Der gegensatz yon lauUtB:hüiäiis Plaut, Poe 
232- 316, den man mit clatidererindudere in parallele seta 
darf, zeigt, dass auch die participia düütus eliltus prolüUd 
das ergebniss rein lautgesetzlicher entwicklung sind und g« 
ohne weiteres in das paradigma des verburas lavo einßigi 
Anders steht es mit den perfecten auf -üi; für aUü^o Ven 
Äen. 2, 720 und ähnliche formen^) ist in dem nrspriinglicta 
paradigma kein platz, sie können nur aus deu durch den accel 
umgestalteten praesentien auf -luo durch nachträgliche nil 
hüduug entstanden sein. Aber wie alt ist diese neubildui 
im Lateinisctien? Neue- Wagener 3*, 407 versagen, wie in fa 
allen fragen, die aus dem landläufigen Schema der noch gai 
mittelalterlichen Vulgärgrammatik herausfallen. Ich selbst kai 
sie vor der ciceronianischen zeit nicht nachweisen. Bevor sk 
die neuen formen durchsetzten, muss man notwendig ehw 
fiectiert haben. Nun lese man Plautus Budens 578 

Ehe an te paemtet 

in mari quod elavi, ui hie in terra iterum ehiam? 

^ Elnas tu an exuugnare, ciccum uon iuterduim. 

537 

Iure optumo me elavisse arbitror**) 

1307 

sed quid tibi est? — Hac proxima nocte in mari elavi^ 

Asiu. 135 ^d 

nam in mari repperi, Mc elavi bonis. ^^ 

>) perqw kiret Pmpera &, 6, 74 Vahlen 't Honst perluo. lacruntk p^ 
luif ßnechelDr Cirm. epigr. I54d, 4. 

«) Nene-Wagener S*, 538. SolmaeD a. a. o. 92. 

*) adlMrunt Baecheier Cann. epi^. 1211, S. 

*} me elavisse hat Fleckeiaea aas me lavme bergesteUt. 

^) et alii bt überütfeii :€lavi Pias, 



Znsais. 



119 



k 



Man bezieht elävi auf ein präsens elävö, das in Wirklichkeit 
gar nicht existiert, Stichus 669 

volo eluamus hodie, peregrina omuia 

relinque, Atheiias uunc colamus. sequere me. 
Dazu du€ Aul. 270 eluUo Pseud. 162 elui Capt 846 Poen, 199 
mndo eluendo Poen. 223 J) Andererseits ist bei Plautus keine 
irm des späteren perfecttypus auf -lui nachzuweisen. Es ist 
also evident, dass zu seiner zeit noch eluo und elavi im ver- 
bände eines einheitlichen paradigtnas hei einander standen. 

Zwischen dem perfeetum und dem supinnm bzw. dem 
paissivparticip hat das sprachgefüiil lebendige, mannigfaltig Mn 
uüd her wirkende beziehungen geschaften: das s von mcrsris 
^p^ms stammt aus mersi sparsi, das ? von secr&tus aus secrsvif 
TOD U'ctiis aus fexi, das ä von strävi umgekehrt ans stratus. 
So i^nrd es begreiflich , dass, solange ein perfeetum elavi be- 
stand, durch seinen einfluss auch das participinm elautm neben 
d(^r lautgesetzlich umgestalteten form elutus gehalten werden 
koante-») Trin. 406 

comessum, expotum; einssum: elotnm in balineis 
gebt die Überliefemng in elotnm und ehdum auseinander, Ku- 
i%m 699 wird elautae geschüfezt durch lauhtm 70L 

Als ich vor vielen jähren zum ei'Sten male den Rudens 
Ibs, jrappirte mich sogleich die deutliche Zusammengehörigkeit 
Tön eluo und elavi. Jetzt, wo ich bei zufällig dargebotener 
gel^nheit diese zeiien in den druck geben will, constatire 
ich mit hülfe des Archivs für lateinische Lexikographie 1,135, 
im Langen schon 1883 für Plautus das averbo elm elavi 
dautm eitlere aufgestellt hat. Nur sieht er die dinge etwas 
tohistorisch an, wenn er von einer Vermischung zweier para- 
äipiata redet: Ea ratione Plautus forraas verborum eluendi et 
%arnit videtur commiscuisBe eqs*') In der that ist es doch 



In 



^) An ionetigen compositen finde ich noch düut l^udens 1108 dihwnt 
ftl6 protue Cure 123. 

*) Dr^ Jftcobgolm mächt mich darttof aufmerkBam, das duo tinter d«n 
"■f^mpofiita auf -Itio das einzige ist, daa wie lavere auch intransitiv oder neu* 
^rü gebraucht werden kann. Dadurch itand es dem siroplei näher als die 
tbrlgijt^ iodasB man wohl auch an einen coöcunierenden einflus? von fawhwt 
Ulf dautns denken darf Decb ist zu betonen^ dass die rerwandtschaft 2;wi9chen 
•■pl«! und compositum im praoaens die Terdnnklnng der ursprün glichen 
^MÖbftD nicht hintan^uhalt^n vermocht hat, 

') Analect. PLaatin. p. III 7 (Indei lectionum der akademie m Mineter 188a). 




Wilh<*liii Schulze Züfifttz. 

nnr ein einzigea paiadigma, da eltw die regelrechte fort- 
getzung des ursprünglichen ""elävo ist. 

Die einlieit des paradigmas, die für am sprechenden eine 
psychische realität ist, aus den durch die Überlieferung wahl- 
los verstreuten einzelstücken zusammen^susuchen ist noch immer 
ein nützliches geschäft. Grammatik und lexikon können sich 
in diesem punkte am schwersten von dem traditionellen 
schleudrian losmachen, weU sie die darstellung allzusehr von 
hlos formalen erwäguugen beherrscht sein lassen. Sonst würde 
man nicht fortfahren, z. b. «Srfw xatiS^a&ov (Homer), SXxm 
ti^vaa (Hippokrates)*), hibo jmtiim^ calesco conmlui, fracescit 
f'onfracuit^) und manches andere von ähnlicher art ansein- 
anderzureissen, oft ohne auch nur mit einem woile die duFch^ 
den Sprachgebrauch sanctionirte Zusammengehörigkeit anzu- 
deuten,*) Die lonier haben zwischen nlhtr «Atw^rat *navigare* 
*fahren' ^) und nXmttv nXmifut *natare' ^schwimmen' ■) eonsequent 



um I 

-I 



') Da«ö ttlximn aeme endang von f/jjjt-on bezo|:eii hat, wk Brngiaann 
lehrti wird non orst recht be^eiflich. 

*) pdtum pötiii pöturus mit pntnre tu TerbindeD ist eio unfaf , der nnr 
lange allenfaÜe pasäiereTi darfte« als m&n die wnrzel p?^ im redaplicirtea 
|iraesenfi biberc nicht erkancte. sd^ cxorto pottmi Ijpiito trad] propcllunti 
Varro r. t. 2^ % 10 ab occasu parvo trUertHiUg interposifo nd bihctidum ad- ] 
peUunt 11 meridmno tempore semel agere pot%i%H »aiis habtnt 12. Proper» 
5, 1 a. 14. B, m 32 Ovia metam. h, 45L 453. 

^) DasB die perfecta auf *m^ soweit sie tn praeaentien auf -mcn ^hCrcn, 
in älterer zeit nur componirt anftreien^ hoÜe ich in anderen Küsammeii^ 
hängen später einmal nachzuweisen. Noch beiTacittu crfjbrescit : in* pfrarebruit 
^ *) Wemi ahd. ^tahan, wie hänßg, 'erschlagen' *töten^ bedentot, entüimmt 
es sein paB&ivpartirip dem paradigma dee synanymen irslahan [im Beownlf 
dagegen ohne nnterBchiod sUg »kegefi]. Besonders deutlich Notier 1^ lOft 
Hper^ wö sMIien ^üog crddgcnön rasch aufeinander folgen. In anderer be- 
dentnng heiest es aber gadagan : in cmd la siahanne, in erud gndagan ni 
ward Monsee fr 21, 18; 40, 7, 

^) Homer hat nUt^iy 7tUutMftf&€ti dninkta ^mnluis {imnlmQn^), Herodot 
nl^tiv nkiüü^ü^tH nlwffni Titnlütxtyat, Das falnmm ist ako Tom aoiisto 
nnabhängig, 

B) i^t(x^vnX(i^(i9^ wird denominatir sein, ame YerachoUenem Jaxovftlm^, 
Vgl klendsskr Äventyri ed. H. Grering 2, 81 (B7. 33) sd ga^maär ßöar allr f. 
tärum d. i. *fichwimmt in tbränenV In dei^elben bedeutong kann flytr i tdrum 
ebenda 10, 55. Die wnrzeln pln [an. ßöa ags. fiowan mit nnursprünglichem. 
14;, gut. fiüdm\ nndi^feu [an fi^^ erweitert in an. ftwta] sind ijTionym, schwerlicli 
identisch. Heiland 3917 thit imu thann fliotnu sktduu fan is Ikhamon lib^ 
biendi fod. Lat. plörarc verhalt sich zu an. fida (i tdrum} flöä etwa wi# 
ftorere mhd, bluost zn ahd. bhtotn bhwt pL blwaÜ. 



C. 0. ^Mmbeck, Zd den penonalendimgeiL 



121 



Zu den personalendungen. 



unterschieden, und ich glaube zeigen zu können, dass Ursprung- 
lieli /i^^uv ß^lai intransitiv, fegdetv /^f|at dagegen transitiv 

»braucht wurde.*) Aber dazu müsste ich weiter ausholen. 
Wilhelm Schulze. 
Aus guten gründen hält Hirt (IF. U, 46) die durch -i 
Md -ai charakterisierten locativ und dativ für verhältnis- 
lissig jung. Auch das Verhältnis von gr, noSi\ aind. padi 
und gr. jt^M^A ^^^- P^^^ ^^ S^' otKot^ aind, ddme und gr. 
h^, avest. m>krkäi erklärt sich am einfachsten, wenn wir die 
mkiigung von -i und -ai m die periode nach der aus- 
mrkuüg der vocakchwächuugsgesetze und nach der Spaltung 
4er ursprünglichen t^-stamme in die historischen ü-stämme und 
coEsouantstämioe versetzen* Dagegen muss der gen, plur. gr. 
^orf«f, aind. padämj der ja von gr, ^ftöv, ved» caräthäm nicht 
Terschieden ist, schon zu der zeit entstanden sein, als der 
stÄnm nocb vocalisch auslautete (idg. -6m aus -ö-a'm). 

Wenn Hirt (a, a, o. 70 ff) aber dieselben -i, -ai in den 
personalendangen -mi, -dj -ti^ -nti : -saij -iai^ -ntai wiederfinden 
wiB (das -ai der 1 pers. med. beurteilt er anders), so kann 
icl das nicht fiir wsdirscheinlich halten. Es giebt bei seiner 
aoffassung zwei möglichkeiten. Entweder ist die anfügung 
^on 'üi^ das dann noch kein tiefstufiges -i neben sich hätte, 
älter als die vocalschwächungsgesetze , welchenfalls sich -tai 
fwar wohl aus -to-äi^ -ti aber gar nicht erklären liesse. Hirt 
ttgt selbst (a* a. o. 70): „es dürfte zunächst hinlänglich fest* 
stehen, dass in den personal endungen ein mit der betonnng 
wechselnder ahlaut vorliegt," Wenn -ti die tiefttufige form 
von -tat ist, so wird es nicht zugleich die mit einem i ver- 
sehene tieMufige form von -to sein (vgl Hirt a* a. o. 14 t), 
(an einen doppelten Ursprung für die so charakteristischen i- 
dnngen anzunehmen, dürfte keine empfeblung verdienen. 
*) ^iiiir ist erst ftn« (iili» ^4Uiy neo gebildet worden. /QiUtk' gehOrt 
4 II. drakhfati {dari} sraMtjati [tag! Mapsyati [kalp^ Liebich Pa- 
Qim 77] b fme reihe und beweist wohJ, dasB die metiktbeBifi der Uquidft 
T TTvettuiiich ist. Von der jetzi her rechenden &a:^&atiiig^, die o^idi aiii Q^^ity 
*^*hiUX ist eiweüMch gerade das g^genteU richtig. 



122 



C. C. ühleiibeck, tn den peraonftlendim^eii. 



Oder die anfiigtiiig von -ai Md -i ißt janger als die vocal 
achwäehim^gesetze. Dann geraten wir in andere schmerig- 
keiten. Warom hat man im activum -i, im medium -ai be^^op 
2ugt? Bei Hirts auftassnng hat ja -i nichts mit activbedeE^ 
tung und -ai nichts mit raedialbedeatung zu schaffen. Und 
warum wurde die partikel auch im medium an das active 
Hherei, uicht an das mediale *bher€to gehängt? Dass nach 
der ausbildnng des vocalismus durch schwächungs- und del 
nnngsgesetze -t als activendang, -to als medialendung galt, 
doch nicht zu bezweifeln. 

Ich halte -dj -tij -nti für die tiefstufen von 'Sa% 4ai,- 
woran sich eventuell — nämlich falls 'fnai neben -ai ein hohes' 
alter beanspruchen darf — auch ~mi als tiefstufe zu -mai an- 
scUiessen könnte, aber für -s, 4, -nt ist meines erachtens eüj 
doppelter Ursprung wahrscheinlich* Einerseits entstanden sie 
in der vocalsehwächungsperiode aus -so^ -tOf -ntOj andererseits 
legt das bekannte Verhältnis von air, do-beir zu berid trotz: 
Hirt (a. a. o. 74) die Vermutung nahe, dass in verhältnis- 
mässig später zeit die in i auslautenden formen des praes, act. 
nach praepositionen und nach dem augment ihr i verloren 
haben ^pro-feÄeref, ^S-hheret aus *pr6-bhereti *6-bhereti) und 
dass so eine neue reihe -5, -t, -nt zu stände kam, welche mit 
der schon vorhandenen unterschiedslos zusammenfallen musste. 
So entstand bei den tni-verba auch -m aus -mi^ dessen ver^ 
hältuis zu '(m)ai unklar ist. Eine brücke ziinschen den pri- 
mären und secundären personalendungen des medium (-sa^ 
4a% : -so, -to) vermag ich aber Dicht zu schlagen^ obwohl id 
von ihrem gegenseitigen Zusammenhang fest überzeugt bin, 
Offenbar haben wir es hier mit uralten bildungen zu üinn* 

Auch mit mancher anderen Vermutung Hirt^ kann icl 
mich nicht befreunden. So möchte ich, angesichts der analogii 
zahlreicher nicht-indogermanischer sprachen, nur solche persoi 
nalendungen von den begrifflich entsprechenden pronominal' 
Stämmen trennen, welche sich aus lautlichen rücksichten damit 
durchaus nicht verbinden lassen. Es wäre ein merkwürdiger 
Zufall, wenn die personalendungen der ersten und der dritt-en, 
person nichts mit dem m- und dem ^-pronomen zu tbun hättenj 
Durch seine bemerkung über die festsetzuug des m m der 
ersten person (a, a. o, 79) wird dieses von Hii"t selbst teil^ 
weise anerkannt. Und aus dem umstände, dass das 




F. N. Fiack« Ablative mit scheinbarer lakativbedeatnng. 



I 



zweiten person nicht an das begrifflich entsprechende pronomen 
anklingt, könnte man auch folgern, dass im indogrerinanischen 
ein altes mit s anlautendes pronomen der zweiten person 
4as3erhalb der Zusammensetzung mit den als verbum fiingie- 
renden basen durch das bekannte *tem Ctü) verdrängt wäre. 
Dieses selbst ist vermutlich eine Weiterbildung des demonstra- 
tiven *t€, *tö (s. Brugmann, Demonstrativpronomina 30) und 
es liegt deshalb sehr nahe das s als kennzeichen der zweiten 
person mit dem ebenfalls demonstrativen, in der flerion mit 
*h abwechselnden *so in Verbindung zu bringen. So wäre es 
m gründe vielleicht doch dasselbe element wie das s des 
mns transitivus (vgl aber Hirt a, a, o. 59). 

Die erw^ung, dass sich zahlreiche, nicht durch personal- 
pronomina charakterisierte nominalformen (bzw, casusformen) 
im verbnm finitnm festgesetzt haben, ist nicht im stände wahr- 
Hchdnlich zu machen, dass das ganze verbum finitum in solcher 
weise zu erklären sei Zwar glaube auch ich an den durch- 
las nominalen Ursprung des indogermanischen verbum finitum, 
aber die verbalformen sind meines erachtens wenigstens zum 
teile mit pronouiinaleleraenten (poasessiv-suffixen ?) versehene 
nomina. 



Leiden, 22, Febr. 1905, 



C. C. ühlenbeck. 



k Ablative mit scheinbarer lokatiTbedeatung. 
Wie bekannt, hat Hübschmann, Zur Casuslehre 243 
eraehiedene ablativformen aus dem Awesta zusammengestellt, 
«ie eine unverkennbare lokativbedeutung zu haben seheinen, 
wie beispielweise ^emaM in dem satze mpamn varesem BemaM 
^wri/ai^m voBnaiti '(der) ein pferdehaar auf der erde liegen 
Hlfidit' Yt 14, 3L öeldner, Drei Yasht 75 will das an- 
Vldidnend besonders stark auf eine lokativbedeutung weisende 
9a^em nun allerdings beseitigt wissen, ohne jedoch den 
^Tid anzugeben, und Delbrück Yei-gl Sjnt. I 201 kuiipft 
*a diesen Verbesserungsversuch sowie an andere vorschlage 
Rr text- und tibersetzungsänderuugea (KZ. 25, 194, Drei 
T^tslit23) — über deren berechtigung vom rein philologischen 
sUndpmikt ich mir übrigens kein urteil erlauben darf — die 
^feisichtliche behauptung: *. , so werden sich die meisten 



F, N, Finde, 



der beio:ebrax'hteii stellen b**seitigen lasseel Jedenfalls liegt 
ein alterthümUcher gebraueli des ablativs nicht vor.' 

Delbrücks freudiger Zustimmung zu jedem versuch der 
beseitigung derartiger formen scheint die Überzeugung zu- 
grunde zu liegen, dass diese beseitigung wegen der ab- 
sonderlichkeit der überlieferten beispiele nach mOglichkeit ver- 
sucht werden müsse. Ihm scheint der erwälinte satz über- 
haupt erst durch die von Geldner vorgeschlagene ansschaltnng 
de^ sayaneni verständlich zu werden. 'Wenn dabei mit Geld* 
ner (Drei Y. 73)' — so heißt es, 'sayanem auszuwerfen ist^ I 
so wäre der ablativ wohl begreiflich: der beugst nimmt das 
haar sozusagen mit seinem blick von der erde auf.' Und 
doch hätte ihn schon ein flüchtiger blick auf einen lateinischen ■ 
Satz wie a smmtu et a bonarum cmisa stare (Cic) und auf 
ähnliche, schon bei Diez» CTraram, d* rora* spn 881 angeführte 
moderne beispiele wie di quelkt costa nacqne un sole (Dante, 
Par. 11, 49) etc, darüber belehren können, dass der angeführte 
satz aus dem Äwesta auch mit seinem sayanmn verständlich 
bleibt. Die behauptung, dass auf jeden fall ein alterthümlicher 
gebrauch des ablativs nicht vorliege, scheint aber auf der 
annähme zu beruhen, dass diese ablative mit scheinbarer lo- 
kativbedeutung nur im Awesta vorlägen. Dies ist nun aber 
keineswegs der faU* Sie finden sich vielmehr auch in den 
beiden sprachen, die — vom iranischen abgesehn — von allen 
älteren idg. idiomen allein trotz stellen weisem form verfall 
einen scharf gesonderten ablativ aufweisen, also auch für die 
vorliegende frage allein sicheres bieten können, nämlich im 
indischen und armenischen. Vom griechischen darf oder muss 
man wohl absehn ^ da die schon auf einen kleinen kreis be- 
schränkte Scheidung des durch gleichstellung mit dem gen- 
sing* als ablativ gekenusseichneten f/^-c;>i>'- casus von dem 
durch gleichstellung mit dem- dat» sing* zum loc.-instr. ge- 
stempelten auch noch durch die wenn auch seltene genitivische 
verw^endung der form auf tpi, tptv beeinträchtigt wird. Hin- 
sichtlich der ai, beispiele darf ich mich auf einige ganz un- 
zweifelhafte fälle beschränken und fitr weitere belege auf die 
sorgfaltige Zusammenstellung aller im Rigveda vorkommenden 
singularischen ablative der "".o-stämme und pronomina bei 
C. Kappus, Der Idg. ablativ 41 — 90 verweisen, äriic dt 
mn bhayatam asya SMnüt *auch fern seiend soll sein feiiid 



I 



IHttiT« mit scbf^inbarer lokaÜTbedeutitiig« 



. bew 



Bich fürchten' RV. X 42, 6. duräc cid ä vasato asya kärt^ü 
'auch fern wohuen nah seine ohrea' RV. VI 38, 2* ye änti 
iQräd upanayam e^am *die luiter ihnen, die nah oder fern 
mi, (vernichte) von oben her herankommend' EV. X 91, 4* 
kdra pra iio räikam ava paSc&c eit säniam adrivalj 'Indra, 
hilf unserem wagen vorwärts, auch wenn er hinten ist, stain- 
bewehrter' RV. VIII 80, 4. retodhä äsan nmhimäna asant 
lihä iwmtat prayatüi parästat 'samenspender waren, kräfte 
.ren, selbstzersetzung nuten, streben oben' RV, X 129, 5. 
Irte ann. beispiele liegen wohl in einem engeren, dem aus- 
imgspnnkte der ganzen bewegung noch näher liegenden 
krdae als die ind* nnd iran, belege. Vielleicht das beste ist 
äle iibersetzixng des griech. iv a^xft durch i skzbawi, z, h. i 
ikihmB arar astvae zerkin ev serldr 'iv a^xi\ irtoinotv o ^iog 
m ov^mvöT xai rfjp y^p' Gen, 1, 1, i sk^bam:' er bmw **t 
iuü *?** o loyog' Joh. 1, 1. na m^ i sk^banB at astvae 'ovro^ 
^V ip ag;rfi nqiiQ rav *^ioi'* Joh, 1, 2, während man in anderen 
Men an einen mir übrigens gauz unwahrscheinlichen einfluss 
der ai^schrift wenigstens denken könnte, z. b. bei dem satze: 
^itiiam hanitt ^nd nma i xa^ erkus avazaks^ mi yajme n&ra 
^ mt yäfiekS '^röirf üiavgovvTat avp atJrc^ (Wo k^tirat, £tg in 
iitmv Mai lU e| thi^vv^itov' Matth. 27, 88. Die beiden parallel- 
steilen Marc, 15, 27 nnd Luc. 25, BS weisen statt der prae- 
[K)siton i das für derartige fölle wohl häufigere 9nd auf; ev 
^nd nnm hamn i xaf. erkns avaeakSf ml &nd ajm& ev mi 9nd 
flAek^ Hora *'xui am avTM aTuv^ovaiv 6vü ktiGTagj eva in 6i^my 
>ai ha i^ iv(avvu(0y avion Marc* 15^ 27* and fianin ina i xa( 
er efaragoTcsnf Bömn Bnd ajm& eo ^omn snd j(ixm& xa^e{nn 
*4Kti iüT&vgmeav uvtqv 3t at ttjvf; xtxxöv^yovQf ov ^kv int j>g(a)^ 
Ir f$ a (laiifTi^^v' Luc. 23, 33, Auch erstarrte ablative wie 
1 mray 'über' und dergleichen sind heranzuziehen. Angesichts 
dieser beispiele dürfte es nun wohl wahrscheinlich werden, 
dass der gebrauch der von Hübschmann angefUhrten 
twestischeu ablative nicht nur textverderbnis darstellt, sondern 
wirüiches altes erbgut, und der lokativische sinn ital. adverbien 
mit ablativischer form wie osk. ehtradf lat. ^ra und 
ihnlicher dürfte geeignet sein die vermnthung noch zu stützen, 
und wenn auch ein theil derartiger formen das fUr den alten 
äH. charakteristische d erst in anlehnnng an andere wOrter 
«rhalttn haben sollte, so bleibt doch eine locativische ver- 




126 



Eduard Hermum, 



wendang alter ablative Voraussetzung für die bildbarkeit 
solcher ibrmeü wie auch itlr den zuHammenfall mit dem loc. 
überhaupt Was nun aber den iu der Übersetzung zu tage 
tretenden locativischen sinn der erwähnten ablativformen an- 
betrifll, so wird man diesen für einen nur scheinbaren 
halten müssen, da die in frage kommeuden sprachen ja er- 
sichtlich den abL im aUgemeinen scharf vom loc. scheiden, 
also doch wohl kaum für einige fälle eine ausnähme machen 
werden. So wenig man einem lat. a dextro cornu (z. b. Caes,, 
bell. GalL I 52 : ipse a dea^ro cornu - . . proelium commisit} 
locativische bedeutung beilegen darf, — weil diese, wenn sie 
einen ausdruck verlangt, schon einen findet, z. b. Caes. belU 
Gall, II 23: cum in dextro cörnu legio diiödecima . . . cofistitisset 
— 5 SO wenig darf man offenbar auch awestischen, indischen und 
armenischen ablativformen eine locativbedeutung zuschreiben, 
da fiir deren ausdruck ja eine besondere form vorhanden ist 
und in allen unzweifelhatlen fällen ja auch zur Verwendung^ 
kommt Die angeführten beispiele sind eben nur zeugen für 
einen einstigen umfassenderen ablativgebrauch, für eine ein- 
stige bevorzugung der angäbe des ausgangs punkts des sat^- 
vorgaiip, die ja bei den meisten belegen übrigens auch durch- 
aus natürlich erscheint, Rechts, links, oben, unten, nah, fem 
und dergl. ohne einen ausgaugspunkt zu denken» ist ja doch 
ein kaum vorauszusetzendes kunststück, und der kleine feUer 
*von rechts* statt 'rechts von* nicht gerade schwer zu begreifen. 

Charlottenbnrg, den 14. juni 190&. 

Franz Nikolaus Finck, 



Zur griecMsclien betonung. 

In seinem jüngsten aufsatz über die griechische betonung 
(Idg. Forsch. 16, 71 ffl) hat Hirt sein schon früher auf- 
gestelltes gesetz, der akzent der vorletzten more {^c^) werde 
unter gewissen bedingungen auf die drittletsste more (^wu) 
geschoben, weiter gestützt und Solmsens einwände (Berl phiL 
Wochenschr. 1903, 1004) zum grösseren teil zur ückge wiesen. 
Hirts hypothese hat so entschieden an Wahrscheinlichkeit ge- 
wonnen, zu ihrer Verteidigung lässt sich noch hinzufügen: 



Zur gnechii^chen Vetonong', 



ßflfi^n, dvyatdga erklären sich durch anlehnuDg an nati^a; 

isolierte formen wie x^vf^^ navTa/ov etc, spredien für die 

riditige beurteilttng des Unterschiedes von TioSmy und nai^mv. 

Völlig gesichert ist aber das gesetz immer noch nicht ; manche 

punkte bedürfen noch weiterer stützen. 

Durchaus verfehlt ist jedenfalls die herleituug von ^^^u- 
ßtvü^ aus *fpi^o߀vr)!;, Handb. 195 hatte Hirt *das gesetz auf- 
gestellt, dass sich im Griechischen ein nebenton auf der vor- 
letzten Silbe entwickelte, wenn der nrsprilngliche akzent dem 
dreisilbengesetz nicht entsprach/ Wäre das richtig, dann 
konnten q^rj^i und tpr^ai nur hinter dem oijtonon enklitisch 
!, ebenso *(>i und nW, Die anderen formen des Indikativs 
der zweiten singularis hätten dann in denselben 
steUitngeü ebenfalls ilire enklise eingebüsst, hätten sie aber 
nach dem Hirtschen morengesetz (wC^ > o^w^) hinter dem 
proparoxytonon und dem properispomenon wiedererhalten; 
TieUeicht auch hinter dem perispomenon- Hinter dem par- 
rnytonon aber, z* b. in *kvxoi; i'aztv, wäre die Verschiebung 
der akzante auf die drittletzte des wortkompleies (of) wegen 
des tonas auf der vorausgehenden silbe nicht möglich gewesen ; 
wie sollte dann gerade kmog iariv entstehen (das Hii-t übrigens 
ohne rechte begriindung als ivxog irtTtv erklärt, Idg* Forsch. 
16, 74)? — Gerät man so nicht in einen abgrund von nicht 
£ti erweisenden hjpothesen? 

Wenn ffirt Idg. Forsch. 16, 90 sich sogar zu der Vermutung 
Tersteigt, auf jeder vorletzten silbe habe sich einmal ein se- 
kimdärakzent entwickelt , so führt das zu noch grösseren un* 
■USglichkeiten : dann mlissten <pTjfii, fp^jai, si^i, st&i immer 
trtiiotoniert sein. 

IDer ausgangspunkt dafür, dass rfigofie^o^ auf ein *^^*(>o- 
ßM^ zurückzuführen sei, ist für Hirt die Schwierigkeit, die 
betonnng von amorttnc ans *aTtoTi(fn: = ai. äpacitij abzuleiten: 
ten im Griechischen könne sich der sekundärakzent nicht auf 
einer more entwickeln, die dem haaptakzent unmittelbar folgt; 
'imottm^ müsse erst zu *dnojioi^ und dieses zu ajioTtaiQ ge- 
worden sein. Diese Schwierigkeit besteht meiner ansieht nach 
pr nicht, Ersthch meidet die betonung nicht zwei aufeinander 
folgende moren, sondej-n der akut meidet zwei aufeinander 
foigeade silben, Hirt hält sich (Idg, Forsch. 16, 90) an das 
Wspiel avitpt&ni^ jig. Nach moren gemessen sieht dieses so 



128 



Edtittrd Henmnn, Zur gri«rbisclie[i beton 



aus wüiow/0/w; wäre *äv$gwnn^ tiq zu betonen, dann stiessen 
demnach gar nicht zwei betonte moren zusammen*). Auch 
das nebeneinander von iViiro^ *V?iV ci^l^'6 und Xayav ttvo^ 
ü/iJi>/\j/0 oder von jj^/o« Tig uv*u/wu/^> und iXXmq mmi 
^61^^;^'^ u. s. w. zeigt, dass hier nicht nach moren, sonder 
nach Silben gemessen wird. Zum andern stehen orthotona| 
und eukljtika inbezug auf das dreisilbengesetz nicht 
auf gleicher stufe. Betonungen wie aXkca; nm^, ayud^ov rtv0;,\ 
ttaX^y rivtj^v laufen dem dreisilbengesetz bei andern Worte 
schnurstracks zuwider. Der Grieche machte also in semen 
Sprachgefühl einen untei-schied zwischen entlitikon und ortho 
tonon. Was hier in diesen beispielen beim enkütikon erlaubli 
ist^ wäre beim oilhotonon unerhört. Solches unterscheidungs-j 
verm()gen im Sprachgefühl versteht sich auch sehr wohl: ein 
orthotonon bleibt immer unverändert ein wort, z. b. fp$i^üß^vü(;\ 
das enkütikon dagegen hängt nicht so fest an dem voran 
gehenden wort wie eine endung; zwischen ioj'o^ ng kann sie 
noch ein anderes wort einschieben : Xofoq alioc n^, Waruii 
sollte, wenn so unterschieden wird, nicht auch das geset 
dass der sekundärakzent sich nicht hinter der akuierten silli 
entwickeln durfte, bloss auf die Verbindung des enklitikoiis mi^ 
einem andern wort beschränkt sein? An sich kann sich j| 
doch selbstverständlich ein sekundärakzent direkt hinter den 
hanptton entwickeln. Ich finde es also verständlich, 
*afy€log tk nicht entstand, obwohl *aneji(5iQ zu 
und weiter zu ^'aKottütQ und zu anoxwt^ wurde. — FäUf 
somit der anlass zu der kühnen hypothese, t^^qh^^yng 
^fpd^üfthöi; zurückzufilhren , so wird man die hypothese seil 
gerne autgeben, [Damit ist aber auch zugleich Hirts ver 
knüpfung der lateinischen und griechischen betouuug der bode 
entzogen und andererseits Pedersens hypothese (KZ. 38, S36 f J 
der weg ^^eebnet] 

Bergedorf Eduard HermauE. 

1) S, 77 und 91 ist Hbersell«», dus •*#Jli»>*'or ^ &tiv^¥tiy wäre; 
s£ weite sübe hat zwei moren. Wie p&äit das zu der ausfilU^en pgl«i 
(77t anm. 1) ^e^cn Solmson"? S. 74 wird sogar ifv^i/l iütty, ^oiyii i^%k 
betont und damit otw^s begtündet. In t^m^ truty sind dreii rückt vit 
moren nnbetont S. 76, ä t. a. ht die *ers1^\ nicht die ^zweite^ deklinatii} 
S. 91 j 17 T. tt. *älteT\ nicht Jünger* gemeint. Die betonang ^^^F^o^crd« 
S. 90 bedürfte des zneatzes, dass hier lotft zur folgenden aUbe za zählen 
Oder meint Hirt *iifQo^it^oio, wie er H&ndbii^b i9o schreibt? D&e wQi 
JÄ ipt^umyQto erg^eben. ^_^_^_^^^ 



Die 4R Versammlung deutscher Philologen und 

Schulmänner 

f! Di^D^tar <l^n X bis Freit-ag den Tk i^ktobifr IIKI5 

1 M ii tUi; Herren: Sthalrat Pmft*Ä«or Ih\ 

Brot ►r^ UDtl IhroL Dr. Wemlkitiil-Kiel 

\^*i *tH A'*^ Pl<*tiarisitjtuiigeti haben zii^^r&ügt <lie 

flerrtni: h, r'otixe. l>i*^ls, Otiffr.kt*n, HUk*r vom 

urbucü, Lenz, Licbrwark» Met«, Oldenburg, 

1 tfte für ilit* indosrerma-niseha 

J*v*aLr, ; ._ -'.i-\Auiit: liln^rnoinnu'Ti ■ Prof Ihv Kn'tsrh- 

• li Prc»ff5Hsor l>r. W ncken n^e 

nd TbtiTJib. -e siud in Ans- 



Verlag* von Betither & Btichard in Berlin W. 9. 

ifrjr <lH<*i»t. Bllilk»^m|*ll1e ^ifnl die V Mfrnl« 

rxeiii|ilarp f^rirrlflVii* Ihe ii>H8r«tnhge 

li urtir ■rlt^ii. Wir ii^Ken itrjs ^liihor iti 

. 11, . .!■. iif u, tlie Atisrliatfiirig ru t:r]ciirht''?rrt. ■^llld Wir Lkevu, 

B qn d I X (1887 1896) der Orient Bibüographie 

Jinn«* «uhAkrl liiert Mlrtl. Ihr. Kxfiedtiion 

Mll iili*f»r Offortr fjmj dir frHhvrvn t^rri^Miiigtibolf fri»«flit'n ! 

Hir ]]iic!iBi4!^heiide W#fke t^ii auf 

Üenf«*>, TlHMXlur, UftÄamuidU» Scliriften. Aua^e^AhU n h^raii«- 

■^ - ■ ...;.,...^^ - .......... ....,...,,:... ,^M. 

^ ' san*krut'1iili"[o£ Sdir^firiij II. Sprach wlftsensr.haftllcbfji 

Jil ScIj büoi», IV Schriftp» ver- 

uhalrK n Bfinden v*m hr, *i(*orcr 

I I I nur zum lii^^hertet-n Ladf^iirebe. 



Kolirifhf; IL, Blbili>thiM*ii t^eoz^raph, Piibu'Htluat*. 

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LitH'üiur von -^ »in<I 

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I II ll il 1 1. 



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/ V un H ü i II r i c tt 8 c: h t* n k l 

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Oflltiiiiri^rK Villi ü im hoi*fk k Riiprfcht. 



Nenes und nachträgliches. 

L Exegetische nnd syntaktische fragen- (§§ 1—6: 
211111 AltiraniHcheii; §§ 7—21: subjektlose 8ätze; §§ 22—32: 
giottogoiii^ches über die subjektkonstruktiDu und das 
gnimiiiati84!he g^euus im Id^. ; §§ 3S--39: da8 passiv im 
Idg.; §§ 40—46: das itulokeltis^he paä»iv), 

§ L In der grossen Darias-mschrifl kommt einmal 
ein wort dSi^ vor (Bh. 186: kära hya Nadintabairahyä. Tiffram 
adarayüy avada aiMata lUa ahis naviya aha). Der Zusammen- 
hang dieses Wortes mit ap. abiy aw. aiwi aind. abhi gr. u^ipl 
liegt auf der band und ist schon von Oppert angenommen 
worden. Die bildungsweise des Wortes ist von Johannes 
Schmidt Pluralbild» s* 359 erläutert worden; danach ist üUb 
in der endimg mit gr. i^fpl^ identisch. Über die bedeutung 
des Wortes sind aber verschiedene ansichten geäussert worden. 
Die noch bei Spiegel sich findende auffassung, wonach dies 
oik^ mit dem folgenden naviya zu verbindeu wäre (,auf 
schiffen') ist gewisEi nicht haltbar. Schon Fr. Müller WZKM I 
ä2 hat erkannt, dass ahis ein adverbium sein muss. In seinem 
^Altiran. Wtb. s. 94 übersetzt Barthol omae das wort mit 
,dabei'. W. Foy hat in der Übersetzung dieser stelle ge- 
schwankt. KZ, XXXV, 35 übersetzt er: ,und dabei war eine 
iotJUe' ; dass aber die annähme, navitja wäre eine art kollektiv 
za dem bekannten worte für ,sclüff% wenig wahrscheinlich ist, 
hat er ZDMG LIV, 371 erkannt; hier Übersetzt er: ^es hielt 
den Tigris besetzt, dort stand es, und ausserdem war es auf 
einem schiffe'; er fasst also naviya als lokativ des Singulars 
mit der nachgehängten Partikel -äj was nach der babylonischen 
Übersetzung {ma muxxi , , , ,auf, in , , .*) unbedingt richtig 
sein muss (weshalb in der elamischen Übersetzung nach dem 
Ideogramm für jSchiflf die genetivendung -im steht, vermag ich 
nicht anzugeben). Man mag sich darüber wundern, dass die 
aofiiihrer mit ihren kampfvorbereitungen so sehr im rückstande 
wesen sind, dass ihnen nur ein schiff zur Verfügung stand; 
A SO leichter erklärt es sich aber, dass es dem Darius ge- 
^en konnte, über den fluss hin überzusetzen. Aber die an- 
ime Foy'Sj abis bedeute, , ausserdem', leuchtet mir nicht 
. Eine derartige Verwendung des wortes scheint mir weder 







Hdger Pedei 

aus der arisclien bedeutimg der uoerweiterten präposition (j^ 
gegen*) noch aas der uridg, bedeutung (,nm*) erklärbar zt\. 
sein. Da aber andererseits die bedeutung , dabei*, die semasio-^ — 
logisch leicht zu begreifen wäre, nach meinem gefiihJ ftr 
den zusammeahaug der stelle viel zu blase ist, so nehme ich 
an, dass wir für das Iranische eine auch sonst vielfach zu be- 
obachtende bedeutUDgsentwickJung anzunehmen haben, wonac 
abiS ,auf der entgegengesetzten seite* bedeuten würde. Da 
aufrührerische beer hatte also das rechte ufer des Süsses be— 5 
set^; das schiff aber lag am linken ufer; so konnte man det 
Persem in doppelter weise den Übergang erschweren, 

§ 2, Wörter mit der ursprängUchen bedeutung 
kommen oft in mannigfachen Verwendungen vor, die daran 
beruhen, dass der ursprünglich vorausgesetzte zirkel durei" 
einen haJbzirkel (oder einen noch kleineren theü des zirkeis) 
ersetzt wird. Der halbzirkel kann entweder die front oder 
die flanke eines gegenständes umspannen. Im ersteren falle 
entsteht leicht die bedeutung ,bei\ die z. b. bei dem russischen 
akolö sehr häufig ist; bei Berneker Russisches lesebuch^ 
s, 65 finden sich drei beispiele, von denen ich liier das erste! 
anführe: jeffo . , . stävjat Skolo jäMka ,sie stellen es (daal 
pferdj ein Spielzeug) in der nähe des kastens auf. Die ver-| 
muthlich zunächst bei verben der ruhe entwickelte bedeutung] 
wird nun mit verben der bewegung verbunden (,gegen*): russ. 
öperetbsja petilu ,sich auf das geländer stützen^. Hierauf 1 
(und nicht etwa auf dem zusammenfalle mit einer anderen] 
Präposition, Delbrück Vergleichende syntax I 676, 679) be-J 
ruht auch die bedeutung von aind. ahhi ap. abiy aw. aim. 
Wenn aber der halbzirkel die flanke des gegenständes um- , 
spannt (,ein hinderniss^ den feind umgehen^), so entsteht diefl 
bedeutung ,auf die andere seite' (und, mit noch grösserer 
reduktion des zirkelfragmentes , ,vorüber*, z, b. im 5ech. sli^ 
jsme kölem kosiela = mitna kodel ,wir gingen an der kirchafl 
vorüber*; auch dän, om iml ,an [etwas] vorüber*)* Von den 
verben der bewegung überträgt man die so gewonnene be- 
deutung auch auf Verbindungen mit verben der ruhe (etwa: ,eT 
wohnt um die ecke'), wodurch die bedeutung ,auf der anderen 
Seite* entsteht. Ich erinnere hier an dän* 07üme ,dort, wohin 
man durch eine (mehr oder weniger) umdrehende bewegung 
kommt* (omme i den anden gade ,m der anderen Strasse')» 



Heines nnd oacbtiSelicbes. 



131 



I 



Ans dem Rassischen führe icli an: ja Hvu s nim oh stenn 

oder my iivjom ob stenu ,wir wohneD, er auf der einen seite, 

ich auf der anderea seile der wand' (auch eerez stenu). Für 

meinen zweck am instruktivsten sind einige mittelkjmrische 

Beispiele aus den Äncient Laws and Institutes of Wales ; so 

Bodk I Chap» VI: ar troydauc yam edyskyl ac ef; ar medyc 

emon e kolouen yam etan ac ef ,the foot- holder on the side 

opposite to the king's dish; and the mediciner, at the base 

of the piUar opposite to him, on the other side of the fire' ; 

1 VlU 3 J7^ en eneuat [yv] yam etan ar hrenyn ,Ms place 

in the hall is oppoäte to the king, on the opposite side of 

Üie fire*; ähnlich noch I SI 3, I XII 3, I XVI 3 (S. 5, 8, 

12, 14, 17 in der ausgäbe von 1841)* 

§ 3. Die rein lokale bedeutnng ^auf der anderen seite' 
kaai] sieh nun aber weiter zu ^entfernt von* und anderen 
ü^ativen bedeutungen entwickeln. So schon in dem altir, 
beispiel Wb. 14 d 37 : ntdan chomnili frtsna preceptmi atob- 
«ejabi artimchellni ,wir sind nicht den lehrern ähnlich, 
welche hinter unserem rücken (in unserer abwesenheit, ohne 
unser wissen) zu euch kommen' (vgl, hierüber Verf, Äspira- 
tioBen i Irsk s. 114, Stokes und Strachan, Thesaurus 
Palaeohibemicus I 597 und die dort angefllhrte litteratur, 
Atkinson The Passions and the Homilies from Leabhai^ Breac 
1 1!21 unter timchell). Wie sehr die bedeutnng schon in dem 
tier angeführten altirischen beispiel negativ ist, geht daraus 
liervor, dass man artimcheUm russisch mit hez nas ,ohne uns* 
wiedergeben könnte (vgl* russ» kto pHchodil hez menjd ,wer 
ist in meiner abwesenbeit hier gewesen* ; bes tebjä prinesli pisbmo 
,m deiner ab Wesenheit hat man einen brief gebracht S s. das 
Wtti, der russ, Akademie unter bes). Eine sehr negative be- 
^taug liegt auch in dem deutschen um das lehe^i bringefij 
immen vor. Und schliesslich erinnere ich an die allbekannte 
Verwendung des gi\ dftffk ,get rennt, von einander' und als 
priposition i^tfig hilvmv , weitab von jenen* Od, 14, 352, 
to^jffo; a^ipiq ,ohne kleid* Find. P* 4, 253. 

§ 4, Eine solche negative bedentung Uegt, wie ich glaube^ 
Mdi hn Iranischen vor. Mit dem altpers. abu identisch ist 
m^uer ansieht nach das aw. aibw Vd. 3, 24: nöit n im zd 
ü ^ dor^j-a akarUa saBta, ya karsya karHvataj aibis tat vap- 
hm üiwisöid^ne; iia €aräiti hitraoda yä dari^ya apud^a aeiti, 

9* 



i; 



dere«!. 



aibis toi vanh^m arMnö. Der siim dieser stelle ist im grossen 
ganzen klar genug: die erdft, welche nicht bebaut wird, weil 
ihr ein bebauer fehlt, ist ebenso unzufrieden wie das Junge 
weibj das kinderlos bleibt, weil ihr ein gatte fehlte Man fasst 
jetzt gewöhnlich aibü als ein ans der präposition aibi - aiwi 
und einer verbal wurzel bestehendes komponiites adjektiv mit der _ 
bedeutnng jverlangend, heischend^ In der auffassung der darauf | 
folgenden casus gehen aber die ansichten anseinander* Geldner 
tibersetzte KZ 30, &22: „Denn nicht ist die erde froh, welche 
lange brach lag» die döch [van einem landmann] beackert 
wei'den soUte, solches von einem guten bewohner wünschend. 
Ebenso ein junges schönes weib, das lange ohne kinder geht, 
solches von einem guten mann wünschend," Dieselbe Über- 
setzung gibt Jackson Ävesta Reader s. 44; im glossar s. 51 
lligt er aber hinzu: „Otberwise aibis must here be taken pre- 
positionally, i* e. aibis tat . . . aibis tat ,in this case , . , in 
that ease*," Bartholomae Altiran, Wb, 3, 94 übersetzt* 
^Gutes darum heischend beim bewohner'' und „Gutes darum 
heischend vom mann^. Ich glaube mit Bartholomae, dass tat 
ein adverbium ist ; die bedeutung düifte jedoch sein ,und zwar*. 
Mit Geldner fasse ich vavh^m nicht neutral, sondern persön- 
lich. Die annähme, mwisöi$-He wäre mit vavMm syntaktisch 
gleichartig, möchte ich am liebsten vermeiden. Die von Geldner 
selbst 1894 in einer Vorlesung vorgetragene Übersetzung von 
vauhnts aiwisöi^w ^ durch die bebauung eines guten* kann ich 
deshalb nicht annehmen, weil ich unbedingt aibi^ als Präpo- 
sition auffasse und den genitiv als davon abhängig betrachte* 
Ich übersetze: „ * . . eines guten [mannes], sie zu bebauen" 
und vergleiche aim-xsm^fw ,zu bewohnen* Vd, 2, 25, aibis - 
bedeutet meiner ansieht nach jOhne', Also: „dies ohne einen ^ 
guten mann zur bebauung'* („dies^ weil ihr ein guter mann 
zur bebauung fehlt") und „dies ohne einen guten galten" 
(„dies, weil ihr ein guter gatte fehlt"). Die Stellung des ver- 
muthüch enklitischen toi an der zweiten stelle des Satzgliedes 
zwischen zwei eng zusammengehöligen Wörtern dürfte nicht 
aufiallig seiUj vgl Wackernagel IF I 333—435, 

Das aw. aibis hat demnach die privative bedeutung des 
gr. afttpig, das altpers. abis hat die lokale bedeutung desselben 
griechischen Wortes. 



I 



I 




Keues und nacbtrag-liches. 



133 



§ 5< In der altpersiscben inschrift folgt auf die oben be- 
j^prochene stelle eine Schilderung der art und weise, in welcher 
Darius sein beer über den fluss setzen lässt: ijöä^uä adam 
kiram maMähuva avükanamj anujam tid^oiarim akunavmn^ ani- 
y^tya m[pä patitj]änayanL Mit hülfe der Übersetzungen hat 
man längst erkannt, dass ein theil des heeres von kameeleüj 
m anderer theil von pferden getragen wird. Wie aber die 
Wörter fiir ,kameel' und ,pferd* in der altpersischen stelle 
büßten, ist strittig. Gegen dam ,kameer (ygL atad. daksa- 
,\Ws stier*) ist jedoch kaum etwas einzuwenden (Bar- 
tholomae Wb. 421 liest nstra-); und ,pferd* wird jedenfalls 
a^ gelautet haben. In asabäri- (so, nicht ashari wegen npers, 
mr{ir; denn dass -sb- zu upei'S. -sv-j -stw- geworden wäre, ist 
mir nuglanblich) liegt wohl eine dissiniilation vor^ die von dem 
foll&nden b bewirkt ist; auch in vi$a- neben vispa- aind. 
ti^' sehe ich eine dissimilation (die von Bartholomae 
Grdr. I 226 für Dar, Fers, d 14 huda vi^ihis bagaibis vor- 
pacUagene leExing (viStiibis) und Übersetzung ,niit allen göttern*, 
die von Fov KZ 35, 67 gebilligt worden ist, muss heute als 
ganz an wahrscheinlich gelten; slav. vbsh ,aU* hat idg. s und 
stimmt zu lit vhas^ wie neuerdings von mehreren forscbern 
üaebgewiesen worden ist: Meillet MSL VIIl 291, XI 9; 
Lörentz KZ 37, 264lf.; Brandt Juhil, sbora, v destb MiUera 
i* 1—3 des Sonderabdrucks)» Verschieden von asabäri- und 
ma- ist np. sag ,hund* neben med, (rnaxa (Vermischung der 
nut kv' und der mit fcn- anlautenden Stammformen). Neben 
den kameeleu und pferden wii*d aber meiner ansieht nach ein 
drittes mittel genannt Man muss übersetzen: „Ich setzte (das) 
beer auf ma.küi einen anderen theü machte ich von kameeleu 
ifetragen, und noch einem anderen theile führte ich pferde zu^. 
Parallel in bezng auf die Verwendung von antya ist die unten 

Iaoch zu besprechende stelle Bh. I 95: „Ich schlug (das) beer 
(Ite Nadintabaira sehr ; ein anderer theil wurde ins wasser ge- 
rieben "^ (I)arius tödtet den einen theil, der andere wird ins 
lliBser getrieben). Über miMimvä hat Foy KZ 37, 553 
«lue sehr plausible vermuthung ausgesprochen ; er erkennt das 
i^'ort in dem elamischen mas-Jca-um wieder, wonach dann 
hmm zu lesen wäre (ein ^maska ist im Pei*sischeu kaum 
In diesem maskahuva suche ich den begriff ,schläuche^ 
n Fr. Müller WZKM XI 252 mit unrecht in dasaharim 




184 



Holg«T Pedereen, 



suchen wollte. Ob das altpersische ma$ka mit gr, da^ig] 
,schlaiich^ ßSfxxog ,fell* Res. urverwandt ist oder aus dem 
assyrischen mmku ,haut' entlehnt ist, entscheide ich nicht. Die 
bedeutungseutwickeinng, wodurch das verbum avakanam die 
hier nöthige bedeutung bekommen hat, lässt sieh im einzelnen 
nicht verfolgen, scheint mir aber nichts unwahrscheinliubes zvl . 
enthalten, [Vgl jetzt Justi IF Anz. XVn 108, 125]. | 

§ 6. Am Euphrat stellt sich Nadintabaira wieder dem 
Darius entgegen. Der erfolg ist aber nicht besser als das 
vorige mal; Darius schlägt sein beer und wirft einen theil 
desselben in den flnss, wo er vom wasser fortgerissen wird 
(käram tymn Nadmtahairahyä adam ajanam vcrnya; am7ja 
wpvyü [ajhfyafja, apmm parahara; ich lese mit Fr. Müller 
WZKM Vn 257 vasiya statt des von den meisten forschem 
vorgezogenen vashj). Die letzten werte dieses bericbts haben 
den erklärern Schwierigkeit gemacht. Noch Foy hat KZ 35, 
36 äpmm als *apis Hm aufgefasst, wobei *äpis der nominativ 
eines ^-stammes wäre. Indessen darf" man unter keinen um- 
ständen in dpi' einen andeion casus als in äphja suchen; in 
beiden fallen haben mr den^ loc* sing,, in dem einen falle 
mit der enklitischen partikel -ä, in dem anderen ohne dieselbe. 
Daraus folgt, dass parahara subjektlos sein muss; also wört- 
lich ,es riss ihn (karam) fort im wasser*, 

§ 7. Diese altpersiscbe ausdrucksweise erinnert schlagend 
an eine bekannte und interessante konstrnktion im BussischeUj 
wofttr ich einige beispiele hierherstelle: teflevijmn jego ponesU . 
na^ad (Smirnova in Severoyj vestnik december 1893) ,derl 
Strom trug ihn zurück*; vetrom otmhit golos (L, Tolstoj, 
Metelh VllI) ,der wind trägt die stimme fortV; vStrom meslo krym 
(Makarov*s wtb,) ^d^r wind riss das dach weg* ; vetrom slomÜa J 
dva dereva oder veter Momil d. d. (DbTs wtb,) ,der wind hat j 
zwei bäume gebrochen'; büreju domälo ma^tu (Makarov) ,derj 
Sturm zerbrach den mast*; vetrom rciBdülo mjakinu (Makarov)' 
,der wind hat die spreu zerstreut*; jeleli nas sane^jSt snegüm 
(Tolstoj, Metelb YIII) ,falls wir vom schnee bedeckt werden*; 
kanäl eaneslo Üom (Makarov) ,der kanal ist von scMamm ge- 
füllt worden* (und mehr beispiele bei Makarov unter zanosiU) ; 
rjötii tdk ötob mebeli ne peretjorlo verjovkoj (Dal) ,binde so, dass 
das seil das möbel nicht beschädigt* ; golövä vsja hiäla v 
Vöde , , , . töhko konec krämago platkä pläval i S7wdlö je 




Neues und lUtöhtrSgliches. 



1^' 



(Wagner [kot murlyka], Bez sreta XX) ,der 
mntter) lag ganz im wasser; nur ein zipfel des 
rothen tuches scliwammj und wurde von dem strömenden 
irasser bewegt* (eig, »fortgetragen*, imperfektiv); u menjä 
vßh grädom vs^io poU (Makarov) ,der hagel hat mein ganzes 
feld verwüstet^ ; vsjo solncem soigU (L. Tolstojj Kak ßertjonok 
kraJQ^ku vykupal) ^alles wurde von der sonne verbrannt'; 
olnifskom merija podogret (Gorhkij, DruÄki) ,die liebe sonne wird 
mich aufwärmen* ; otca derevotn ubih (L. Tolstojj Cem Ijudi zivy 
^ein bäum hat den vater getödtet*; sttdno hdom sresalo (Dal) 
idas schiff wurde vom eis eingeschraubt^ zerschmettert* ; mrom 
ikki veäjSt (Makarov) ,die hitze krümmt die bretter*; mdo- 
rogcj vedjot nogu (Makarov) ,der krampf zieht das bein* ; öt 
mpsok achotmka povrjalo na Htätelej soversmno novym düchom 
(Skabieevskij, Istorija novejäej russkoj Hteratury) ,ein ganz 
iieuer geist wehte die leser an ans dem tagebnch des Jägers* ; 
i vejulü mogilbnym chlddom ot nepödmznago Ucä (Lermontov, 
Demon 11 15) ,nnd die kälte des grabes wehte von seinem 
ttnbeweglichen gesieht*; sve^im lesnym veterkom povejalo v 
^(5 (Zasodimskij, Graf Boregar i Agnesa Tusenelt VHI) ,ein 
frischer wald-wiudhauch wehte zum fenster herein* ; dtmstym tep- 
16m povejalö ot zfjtnli (Turgenev, ABja II) »eine duftige wärme 
wellte von der erde* ; kordbh ^aiieslo bürejii nä meh (Makarov) 
Mr Sturm hat das schiff auf eine Sandbank getrieben* ; kakimi 
fuMami BoneslS vas k nam ,quel bon vent vous amene chez 
1018* (Makarov); mysSnka sapachom pirmki pHvleklo (Krylov, 
Tolk i m}*§onok) ,der duft des schmauses lockte das manschen 
heran*; ot vysokoj travy pächlo veCernej svesestbju (Smirnova 
I l) ,abead-fHsche duftete vom hohen gras^ Mehr beispiele 
findet man in den praktischen grammatiken und bei Miklosich 
Vergleichende grammatik IV 692 und 352. Von seinen bei- 
^den, die im ganzen mit den oben augeführten gleichartig 
«ad, möchte ich hier eins besonders hervorheben: podnimülo 
^mlija svjatym dtichom ,der heilige geist erhob den Vasilij*. 
Vgl ferner Jagic Denkschriften d. Wiener akad, XL VI nr. 
^ s. 19^ — 20. Es handelt sich durchweg um subjektlose sätze, 
worin das verbnm aktivische form hat, während das, was wir 
als «ubjekt auffassen, im Instrumentalis steht; dieser subjekt- 
iDütnimentalis ist immer ein unpersönlicher begriff, meist der 
tiame einer naturerscheinung. 




136 



Holger PederB^n, 



§ 8. Diese konstraktion kommt uns recht fremdartig vor, ' 
Nur die falle mit dem verbum jxic/uutiö ,riecheii' lassen sich 
2:11m theil in anderen sprachen nachahmen (podle pt'^Slki mjodom 
pachnety podle iuM navSsom »bei der hiene riecht es nach 
honlgf beim käfer nach mist*; £:de^b pachnet gorelym ,il sent 
le brul6 ici*); diese falle aber können selbstverständlich nicht 
der ausgangspnnkt der ganzen syntaktischen eigenthümlichkelt 
sein; vielleicht sind sie sogar ganz fem zu halten. Offenbar 
ist der russische subjektlose satz mit dem das Subjekt ersetzen- 
den Instrumentalis die fortsetzung eines uralten typus» Als 
eine fortsetzung desselben typus betrachte ich auch den alt- 
persisclien satz apimn parähara, Nur ist hier der ursprüng- 
liche Instrumentalis durch einen lokatJv ersetzt worden. Wie 
geringfügig diese ändern ng war, kann man, glaube ich, noch 
ndt hülfe des Kussischen nachempfinden. Wenn wir z, b. bei 
Vjazemskij (Staroje pokolenije) lesen: kak mnogo sverstnikoo j 
ne stäloj kok mnogo mlädäich ui soslOf kotorych ütro rcucvetalo^ m 
kögdä nas znSjngm poldnem zgh jWie viele altei-sgenossea 
sind schon gestorben, wie viele von den jüngeren sind schon 
hingeschieden, deren morgen sich entfaltete, als uns die schwüle 
mittagszeit verbrannte', so ist hier der instrumentalis ^n6jnyfn 
poldnem doch wohl mit sohtcem in vsjo solncem soiglo parallel ; 
es würde aber an dem sinn der ganzen stelle nur weidg ändern^ 
wenn ma^ snojnym poldnem als adverbielle Zeitbestimmung (wie J 
pozdnej osenbju ,im späten herbst' Goriikij, ßoile, jämyin^ 
dnjmn i tjomnöj nocbju ,am hellen tag und in der dunkeln nacht* 
und ähnliche bei den dichtem nicht seltene ausdrücke) anffksste* 
Zu bedenken ist übrigens, dass die gebrauchssphare des nackten 
instrumentalis (wie auch des nackten ablativs) im Altpersisehen 
schon etwas eingeengt ist — eine art Vorbereitung für die bald 
nachher einbrechende Zerrüttung des casussystems* M 

§ 9- Einen direkten beweis dafür, dass der subjekt-in- ■ 
strumentalis uralt ist, bietet meiner ansieht nach das Awesta. 
Hier gut nämlich die von Geldner KZ 31, 319 ff» (vgL auch 
Caland KZ 31, 256) nachgewiesene regel, dass die namen 
der genien, welche nentra sind, als subjekt im instrumentalis 
stehen; so z, b. Y, 29, 2 und 3: ada tmä g^u^ p^rvsat asami 
, . . ; ahnmi aSä - ♦ . paitl mravat oder Y. 30, 7 ahmäi^ai 
xsa^ra jasat mananha vohü aiäCa ,zu ihm (Gayo Marstan)! 
kam zu hülfe X5,, V. M. und Ä/ ; Y. 48, 1 ye^l adüü ctsa drußm 




Neue« und Aaehtriglieliei. 



137 



,waiin dtirch die Vergeltung ASa die Driij überwunden 
wird\ vgl. y, 60, 5, Yt. 19, 95. 
§ 10. Die Übereinstimmung zi^ischen dem Äwestischen 
QDd dem Eussischen ist so schlagend, dass sie vollkommea 
geögt um einen ausgedehnten gebrauch vou subjektlosen 
mhm für das Urindogermanisdie festzustellen. Entscheidend 
ist die übereinstinimuög im gebrauch des Instrumentalis; auf 
rudere arten von subjektlosen satten (wie kosti maß Umit vse 
Üortkij, Y stepi ,es schmerzt in allen meinen knochen' vgl, 
Makarov unter lomitb oder da ja znal^ äo lij Ho jego tak vot 
vimg vybrodi sjuM is morja-io OorLkij, Makva ,wusste ich 
denn, dass er plötzlich so ans dein meere hierher hinauf- 
geworfen werden sollte* vgl. Makarov uuter vyhrmyvato) gehe 
ich daher gar nicht ein. Wenn im Slavischeu nnpersöuliche 
hpitle ohne rüeksicht auf das grammatische genus als subjekt- 
iiistnimentalis fungieren können, während im Awesta das neu- 
trale genus entscheidend ist, so halte ich den äwestischen 
Mfrachgebrauch für den älteren, schon deshalb, weil man dar- 
Wm^ leicht die slavische regel erklären kann, während um- 
gekelirt die awestische regel als eine entwickelung aus einem 
dein slavischen entsprechenden Sprachgebrauch schwer ver- 
Etäudlich w^äre. Ich kann also nicht Delbrück Vergleichende 
Syntax III 37 beistimmen, wenn er die grenzen für die sub- 
jektlose Verwendung der urindogermanischen verba sehr enge 
^eht (mit Delbrück stimmt Brugmann Kui-ze vergleichende 
tiramm* s. G25 und 629)* Dass im laufe der liistorischen zeit 
nicht selten ein snbjektisches verbum subjektlos wii"d/) er- 
schwert zwar die Untersuchung des problems ungemein, kann 
aber für das ergebniss nicht entscheideud sein. Solche ver- 
»ciiiebüngeu finden sich überall auf dem gebiete der syntax; 
diiaiis aber, daas beispielsweise der dativ bei lat. noceö nicht 
^t, der dativ bei adjütö auch vom rein historischen stand- 
piokte jung ist folgert doch niemand, dass der gebrauch des 
«ialiFg bei verben mit der bedeutung »helfen*, ,dißüen* u- s, w, 

*) SSa den jimgen aübjektloeen verbon gehört ofFeiibur d. es gibt (dän. der 

I und dsfi gleichbed«ut^iid(^ luddentscho ea hat; vgl, Hermann Paul, 

Wtb.f HaUe 1S97 and Jacob GriTnm Deutsche Grammatik, 

»ntloh 1898 IV 266; ebeuBo wobl nserb. und altsprb. ima .es ßibt*, bulg. 

M gtbf , poln. niema .ee gibt nicht' , ngr. ^x^' t^» gi^t% alb, ka, ital. 

^ H d ^ fr. (2 y a. 




'Holder PedenBeiij 

nniirsprüngflich wäre. Ich habe nicht die absieht , liier das 
ganze problem der subjektlosen sätze zu diskutieren; ich 
mache jedoch noch darauf aufmerksam, dass subjektlose sätze 
ganz ähnlicher art wie die oben besprocheDen russischen und 
iranischeE beispiele, jedoch ohne den subjekt-instrumentalis, auch 
in manchen anderen indogennanischen sprachen vorkommen. 

§ 11, Für das Irische verweise ich auf Sara uw Irske 
studier s, 124, Beispiele: arnach coraihur immotk 7 macktkad 
,that it may not put him in Stupor and admiration' (^ , damit 
er nicht in yerwunderung gerathe') Ml 68 b 9; domrcUai i 
cHmsmmd for mo dergud ,1 chanced to be resting on my bed' 
Ätkinsan Passions and Hoioiliea s, G68. Mehr bei Sarauw 
und bei Stokes und St räch an Thesaurus Palaeohibemicus 
I 545 fussnote f, Strachan The Gaelic Journal (Lisleabhar 
na Gaedhilge) nr. 164 s. 543 unter docuirethar. Ich füge hin- 
zu, dass rö ä$ gnoS moir inninffin isin LU42a2 (Windisch 
Irische Grammatik s, 121) ,di68 mädchen wuchs mit grosser 
Schönheit auf trotz des accnsatiys hiningin (nom. inämffen) 
wohl ganz richtig ist; ro ds ist transitiv und subjektlos; 
eigentlich ,auxit puellam'. Die alte subjektlose konstruktion 
wird jedoch früh missverstanden, so dass man manche ur- 
sprünglich transitive verba als intransitiv fasst. So ro la dim 
i socht mor inti Mac Datho Windisch Irische Texte s. 97 
,Mac Dath6 gerieth nun in ein grosses schweigen (blieb lange 
woitlos)'; ro lä ist ursprünglich transitiv, aber inti lässt sich 
nur als nominativ fassen; ähnlich dnralatar inda hapstail inoen 
tegdais lat. ,erant omnes pariter in eodem loco^ doraMar doih 
da dhaJl lat. ,ecce duo caeci' Atkinson 1. h Ich kann es heute 
TÜcht unternehmen, diese frage für das Irische mit grösserer 
Vollständigkeit zu erörtern; noch weniger kann ich auf das 
Britannische eingehen um z. b* zu untersuchen^ ob die häufige 
Verwendung desselben verbums als transitiv und als intransitiv 
im Bretonischen {brasaat ,agrandir, croltre' u. s. w*) mit den 
angedeuteten irischen Verhältnissen im Zusammenhang steht. 
(Vgl. arm. banal ,öffiien, sich öffnen*, hebd ,ausgiessen, sich 
ausgiesseu' u, s, w.) 

§ 12* Sehr reich an subjektlosen Sätzen ist das Alt- 
nordische. Bei Fritzner Ordbog over det garale norske 
sprog findet man ohne mühe unter den verschiedenen in be- 
tracht kommenden verben eine grosse anzahJ von beispielenj 



I 



I 



I 



I 



Nem^ und njictitrfigliclies. 



139 



m dafis ich hier nnr ein paar sätze zar veranschaulichang anzu* 

fähren brauche: kann lofäf^l .werhit mjgk &k for til mimmr 
weB yJlarlag^ ok kastar i gegn straumi, ok tok i sundTj er 
hmn brä vib sver6imi (VoIsuDga saga kap. XV) ,er lobte das 
s^:llwe^t sehr und ging zum fluss mit einem büschel wolle und 
wirft ihn gegen den ström, und er ging entzwei, als er das 
Schwert dagegen bewegte (als er ihn mit dem Schwert be- 
Jilirte*) (wörtlich ,es nahm ihn ent2Wei*); sveimiinn brä upp 
nÜ hmdimiij ok tok hana af hänmn ok hgfutU af komm- 
pnum (Njäla kap. 157) ,dBr jimgling erhob die band (um 
eineü gegen den könig gerichteten hieb abzuwehren), und sie 
wurd** ihm abgeschnitten, und dem könig wurde der köpf ab- 
geschnitten*; ffä^ tok af vet^rit (Yolsunga saga XVII) ,dann 
hörte der stürm auf (vebrit ist accusativ); konunffrinn hrä üt 
vib. ok gerir rauf^an a at sjä ok prütmn (J6msTikinga saga 
bp. XII) ,der könig änderte dabei seine (gesichts)farbB und 
wird roth anzusehen und geschwollen' (wörtlich ,es macht ihn 
fOÜi'); hrtb mikla ger^i at pmn (Nj41a kap. 15S) ,ein grosser 
Sturm erhob sich gegen sie*; jarl s^tii suä rau^an sem blS6 
(Günalaugs saga ormstungu kap. 6) yier fSrat wurde so roth 
wie Wut*; Ölafr konuttgr $t^ i lyptingu & Orminum, bar 
hann hätt mjgk (Heimskringla ed. F. Jönsson I 441) ^er 
tönig 0, stand auf dem hinterdecke auf dem schiffe Onnr, er 
ra^. hoch hinauf (wörtlich ,es trug ihn hoch*); er peim gaf 
h^ (oft, z. b- Gunnlaugs saga ormstungu kap, 5) ,als sie 
gimstigeu wind bekamen' (wörtlich ,als es ihnen günstigen 
wind gab*); hgggit kom ok i steininnj ok fal bata eggimm 
Herrarar saga ok Heibreks kap. U) ,der hieb traf auch den 
iteia^ und beide kanten der schneide wurden unsichtbar* (wört- 
Iki ,68 barg*); rak skipit upp ä Uirur (Gunnlaugs saga orms- 
tongi k&p. 10) »das schiff wurde auf das lehmige ufer ge- 
trieben*; pä keyr^i ä land upp um tmtt eina; ok var^ pur 
hrijit mgnnunif eim skip braut aUt i sjnin (NjMa kap, 153) 
,8ii wurden eine nacht ans land geworfen; die leute wurden 
Jerettet, aber das schiff wurde ganz zerschmettert*; sseni raunir 
hf d sfhan (Gunnlaugs saga ormstungu kap. 4) ,wie es sich 
später herausstellte* (wörtlich ,wie es später beweise brachte*) ; 
^pesm skilr skipti peira (Gunnlaugs saga ormstungu kap. 13) 
tt endigen ihre Streitigkeiten*. Dass skilr in dem letzten 
1-4 le transitiv ist, ist deshalb sicher, weil skipti als plnral 




HoIg«r PedeiBcn, 



aiitzufassen ist; indessea kommt skilja schon in der alteu 
spräche auch intransitiv vor (wie dsaim , wachse' im All- 
irischen)» In anderen fallen wird das verbum erst spätei^ 
als intransitiv an^efasst (z, h. dän* stormen tager af ^defl 
Sturm nimmt ab*) ; in noch anderen fällen ist das alte subjekt- 
lose transitive verbum im Neudänisehen durch ein subjektisches 
passivisches verbum erset^st worden (deshalb könnte möglicher-^ 
weise dän* iler gives ^es gibt' an das altnordische subjektlose 
gefa anzuknüpfen sein, wenn man es wagen darf, es von dem 
deutschen es giht zu trennen , das noch im 16. jalirhundert 
selten und erst vom 17. jalirhundert an häufig ist). I 

§ 13. Der parallelismns des altnordischen Sprachgebrauchs ' 
mit dem Irischen und mit dem Russischen ist schlagend. Die 
von Lund Oldnordisk oixlfojniugsl^re^ Kopenhagen 1862» s, 26| 
gegebene regel, wonach die subjektlose Verwendung besonders 
bei solchen verben vorkommt» welche die Wirkung einer natur* 
kraft (wind, meer, hitze), einer waffe oder eines Werkzeuge^ 
(schwert, spiess, axt), einer Stimmung oder eines gefühles be- ' 
zeichnen, summt in wesentlichen punkten mit der im Eussischeu 
geltenden regel. Miklosich Vgl. giamm. IV 353 nimmt sogar 
an, dass auch der snbjektinstrumentalis im Nordischen vor^ 
kommt und beruft sich dabei auf das beispiel hjstr nn ddumn^ 
i bddti go^in ,es schlug mit feuer in beide götzen'; er hat aber 
unrecht; der Instrumentalis vertritt in diesem und vielen älm- 
liehen beispielen nicht das subjekt, sondern (nach einer be- 
kannten germaniseh-slavischen regel, Delbrück VergL Syntax 
I 258 § 120) das objekt. Ähnliche subjektlose konstruktionen 
mit objekt-instrumentalis kommen häufig vor, nicht nur brf 
Ijüsta ^schlagen*, sondern auch bei anderen verba des bewegen« 
(z, b. bregta ^schwingen*; vgl. auch dreif sandinum = fauk 
sandrinn ,der sand stob* Fritzner I 266 sp. 1); vgl. auch 
svä mikit $em hamim potti fyrr fyr^ j6k nü miMu d (Morkin^ 
skinna 10 b^ ed. Unger s. 63) ,so viel ihm früher im wege 
stehen schien, vermehrten sich seine bedenken jetzt sehi 
(wörtlich jes vermehrte mit vielem* ; der instrumentadis ist hier^ 
mit dem vor einem komparativ stehenden maass -Instrumen- 
talis verwandt). Dass es in allen diesen fällen beim über« 
setzen nahe Hegt, den instrumentaüs zum subjekt zumachen, 
ist zuzugeben; aber gleichzeitig muss man dann die transitive 
bedeutung des verbums in eine intransitive bedentung 



i 



2 



NctieB unü nachträg'Helim. 



141 



Eißen objekt-instnimentalis finde ich auch in dem russischen 

salze: » lugov ijmtd mpachöm svele-skosennago sPtja ,von den 
wiesen weht der duft des Msch-gemähten heues' Gorbldj^ 
Jarmarka v Goltve. 

§ 14. In den bis jetzt betrachteten beispielen war das 
nach unserem gefühle zu ergänzende Subjekt unpersönlich; 
bpiiö wörtlichen Übersetzen würde man im Deutschen es als 
«Objekt verwenden. Es gibt aber im Altnordischen auch subjekt- 
lose gätze, bei denen sich nur ein persönliches subjekt (,man*) 
kinziidenken lässt Dies kommt u. a. in Sprichwörtern und 
sprichwörtlichen redensarten vor : opt sparir leitum pats heßr 
Ijufum hugat (Havamäl) yoft spart man für feinde, was man 
freunden zugedacht hat' (voraus geht allerdings hier matr)\ 
m er iÜs gengis nema heiman hafi (Droplaugar sona saga kap* 
101 ,man ist ohne unglück, wenn man es nicht von hause mit 
hat*; eiffi veit hvar mamti mwtir (Sturlunga saga ed. Vigtusson 
I 21) ,man weiss nicht, wo man einem manne begegnet'* Oft 
jM ,man solP: pesd hestr et* kominn frä Sleipnij ok skal hann 
mndliga ttpp fai^a (Yolsunga saga Xlir) ,dies pferd stammt 
vott Sleipnir, und man soll es sorgfältig grossziehen*; skal 
hmrki Hl spara af värri hendi staifestu ne manna forrat 
(öuanlangs saga oiTüstnngu kap* 5) ^dazu soll von unserer 
s^ti* mcbt an besitz oder bäuptlingschaft gespart werden*; ei 
Atd haltr ganga^ mitan hS^r fwtr eru jafnlangir (Gunnlangs 
saga ormstungn kap, 6) jmau soll nicht hinken, so lange beide 
fliasi gleich lang sindS Bremer in einem Vergleichssatz: sva 
Wi $ver(^ sem i vatn of hrygf^i (Häkonarmäl 5) ,das seh wert 
schnitt so» als wenn man es gegen das wasser schwänge'. 
Im heutigen Dänischen ist diese subjektlose konstruktion nicht 
metr gebräuchlicb ; das sie enthaltende Sprichwort det skal 
UUgt krßge^ söm god krag skal blive ,man niuss früh das 
krümmen, woraus ein guter haken werden soll* wird daher 
^mchiedenüich umgedeutet oder geändert, indem man ent- 
weder kr&ge als intransitives verbura auffasst (so Molbech 
in semenr Wörterbuch; vgh Wiwel Synspunkter for dansk 
*prügisere, Kopenhagen 1901, s, 42 f.) oder es durch das 
lüäviacbe kreges ersetzt* 

§ 15* Solche subjektlose ,man*-sätze finden sich nun auch 
b Slavischen. Im heutigen Russischen gibt es allerdings nur 
^ eine beispiel nevmtb ,man weiss nicht*. Zahlreiche bei- 



142 



Holg^ Ptodeiieiit 



Spiele lassea sich aber aas dem Slo venischen und aus dein 

Westslavischen beibriDgen, Bei Sket Slovenska slovstven* 
gitaukaza sedmi in osmi razred sredüjeh ^ol, Wien 1893 finde id 
s. 124 in einem auszug aus dem Vorworte zu Marko Pohlin'j 
Malo besediSfce den folgenden satz, den ich mit der von Sket 
etwas modernisirten orthograpliie anführe: zakaj se ni^e, lubi. 
KrajnCf ie zdamiej poprej doliusedl ter^ koker be pihnelf ßj| 
velikf en cel popolnema dikcijönarijum spkaVi^ , weshalb hast dfl 
dich nicht, lieber Slovene, schon längst hingesetzt, und in eineiB 
angenblick (wörtlich ,als wenn man hauchte*) ein grosses, em 
ganz vollständiges Wörterbuch gesehrieben*. Dieselbe redenai 
art finde ich den würterhüchem von JaneziC und Pleterl^ 
nik als kakor bi pihnilf juhnil (^mnckBen*), iretiil (^bliii2en% 
kotf ko bi trmil (Sket 211, 219; ko bi z o^fmi miffnü Sket 2Ö3) 
wieder* hl gilt im Slovenischen für alle personen; dass aber 
die angeführten redensarten (wenigstens ihrem Ursprünge nachj 
vgl kar bi z ot'mi trenil = kar b o^m\ tretm PeterSnik) nichl 
die 2, sing., sondern die ;i. sing, enthalten , wird ans der folgen«^ 
den darstellung ganz klar werden* Ferner bietet Sket s. 13Ö 
aus dem Wörterbuch von Gutsman das Sprichwort mlin me^ 
kar mu naspe »die mühle malt, was man ihr aufschüttet*; be 
Pleter§nik erscheint dies Sprichwort aber als mlin melje, 
se mu uaspe ,wie man in den wald bineinruft, so schallt 
wieder', was darauf deutet, dass die subjektlose koustruküoi^ 
den Slovenen heute in diesem falle anstössig geworden ist. 

§ 16* Eine reichhaltigere Sammlung von beispielen besitze 
ich für das Westslavische. Als mir nämlich die historische 
bedeutung der mir bei meiner Cechischen lektüre mehrfach 
aufgestossenen koastruktion klar geworden war, ohne dass idi 
in den mir zugänglichen grammatiken irgend eine bemerkunffl 
darüber finden konnte, wandte ich mich brieflich an Zubat^ij 
der mir dann in der liebenswürdigsten weise in einer reihe 
von briefen (12, februar — 22, märz 1904) eine fülle von 
beispielen'), literaturhinweisen und eigenen bemerkungen übn 
das Problem mittheilte (es stellte sich dabei heraus, dass der 
ausgezeichnete böhmische Sprachforscher ebenso wie ich dea 
subjektlosen Sätzen eine grosse bedeutung für die indogeJ 
manische syntax zusehrieb). Am häufigsten kommt die subjekt^ 
losigkeit in irrealen Vergleichssätzen vor: C. ale, jako kdyb 

1) Die übenetsung del' helBpide rtÜirt in der reg el von mir her. 




Neues UDd nachtrS^Iichfs. 



143 



h m mne hoäil — mtisim tii do postele (Neruda, Sebranö spi^y 
I 33 in d**r erzähinng Tyden v tich^m dorne IV) ,aber, als 
wenn man es anf mich geworfen hätte — ich mms jetzt 
scUafen gehen* ^ mysUte^ ie ho Utovala? Fan Buk iachran^ nl 
m mela rddaj jakohy jl predelul (ebenda s, 41 kap. V) ^glauben 
Sie» dass sk ihn (den treulosen bräutigara) betrauerte ? Gott 
btbflte, sie liebte schon Sie, als wenn sie verwandelt wäre'; 
fodlf jakö by mu nohy podrUl oder jako by ho do hJavy ukodd 
(Zubaty) ,er fiel, als wenn mau ümi die ftisse unten weg- 
geschnitten hätte' oder »als wenn man ihn auf den köpf ge- 
schlagen hätte*; £tratil se^ jako by kämen do vody hodil 
tZübatj) jer ist verschT^Tinden, als wenn man einen stein ins 
Wasser geworfen hätte*; cesta rovnä, jako hy hiäem mrsJd 
(Zubaty) ,ein weg so eben wie ein Peitschenknall' ; iyl jakoby 
ItQ (^paril (ZubatJ) ,er war wie verbrüht* d. h. , voller schäm'; 
j^ tarn tak daleko^ cq by kammem dohodU (mit der scherz- 
ISÄften fortsetzung: a ostatni doh^hl, Zubaty; in dem Wtb. von 
Kott wird coby kamet^em dohodil aus Haranta z Pol2ic, Cesta 
do Jernsalema, 1608 angefllhrt) ,es ist so weit, dass man mit 
eanem stein hinwerfen (und das übrige laufen) könnte*; nel 
ßy napoHtal pet oder nei by fehl hjec^ tu byl pryö (Zubaty) 
M Ott, bevor man bis zu fünf hätte zählen (oder ,das w^art 
*üee aussprechen') könneUj war er schon fort*. Zubaty beroerkt, 
im man bisweilen nekdoj kdo oder dovek als Subjekt in 
solchen sitzen hört; statt nel by (byl) napo^iial pat kann man 
aich nel napoöilal pet sagen; in den Sätzen mit jako kann 
k dagegen nicht fehlen. Die subjektlosen ,man*-sätze sind 
we%stens in einer grammatik beschrieben: Mlnvnice jazyka 
fftskäio pro äkoly stfedni a üstavy uöitelske von M* Blazek 
(Uiil F, Bartoö. Die betreffende steUe, die raii' von Zubaty 
Dtdigewiesen und mitgetheilt ist, findet sich in der den zweiten 
thefl bUdenden syutax von BartoS (11 Skladba, sepsal F. BartoS 
* Brunn 1889) s. ö. Hier wird als beiispiel angeführt: bolest' 
prestda, jak by tifal ,der schmerz höri^ auf, als wenn jemand 
Iji weggeschnitten hätte* ; und m dem darauf folgenden übungs- 
slkk stellt: co by pet }mpo<fitalf byl jsem na nustf} ,ira nn war 
ich auf der stelle** Im Slovakischen kommen ganz ähnliche 
MiKikücke vor, wofür mich Zubaty auf die sprichwörtersaium- 
taig von Ä- P- Zätnrecky (Slavmskä prislovi^ porekadla a 
ÜwiPrag [lt>97]j herausgegeben von der Akademie) verweist. 



Holger Pederai 




I 
i 



WO sie in hülle und fllUe vorkommen : räd je tomu^ ako fohy 
mn zlatu koeu dal IV 320 ,er ist darüber so froh, als wenn 
man ihm eine goldene ziege gegeben hätte*; len, akaby ha 
oharil lY 267 ; (^oby sJcaloit dohodil a ostatnie dohehol XVT 724, 
Für das Polnische hat mir der polnische Sprachforscher 
Kazimierz Nitsch (durch die Vermittlung von Zubaty) die 
folgenden beispiele mitgetheilt: prosto, jak strMU ,so gerade 
wie ein gewehrschuss' (im Wtb, von Linde: jak strMUl 
^schnell'); jak uciql »wie weggeschnitten* (bei Linde: gdy 
pr^velwko söbie stanq dwoje drmmj a jedm mmknwsz^ nk 
wiair nie moie, wif^Uca ce^U $il jego, jak uciql »wenn zwei 
thiiren sich gegenüber befinden^ und man die eine zumacht, 
vermag der wind nichts mehr, ein grosser theü seiner krtfte 
(ist) wie abgehauen' ; jak iiciqfj ani shivka dalej .plötzlich still, 
kein einziges wort mehr*); jak b bicia tr^asnaß ,wie ein 
Peitschenknall*; eichoj jak makiem ^asial ^so still, als wenn 
mau mit mahn besäet hätte* (Linde fllhrt unter mak aus dem 
Syloret von Waclaw Potocki an; Skoro matka wes^la. jako 
zasul makiem j Cfwc dotqd igrah iartowal i broH ^sobald die 
mutter hereiutrat, (wuide er still,) wie wenn man ihn ver-B 
schüttet hätte, obgleich er bis dalün gespielt, gescherzt und ^ 
getobt hatte') \ pisto^ jak wymiöÜ ,leer wie ausgekehrt* (Cech. 
bylö tarn, jako hy vymetl); ubrame leiy^ jak ulai ,die kleidnng 
passt wie gegossen' (Linde: reka, jak 2t srebra ulaij pahis^kl 
powahne ^die hand wie aua ailber gegossen, die fingerlein 
reizend*). Eigenthümlich für diese beispiele (und für andere 
ähnlicher art wie jak pioro opalil ,wie man eine feder ver- 
brennt* ^schnell' und odrwi predsej^ nit pioro opalU ^er betrügt 
schneller, als man eine feder verbrennt' ; jak s procy mysirzelil 
,me aus einer Schleuder geschossen* d. h. ,auf der stelle, 
spornstreichs* Liude unter str^elüCf opaliCf hicz) ist dem 
Cechischen gegenüber das fehlen von by, by scheint jedoch 
bisweilen auch hinzugefügt werden zu können; wenigstens 
bietet Linde jakhj uaiqf^ was er auch mit einem beispiel aus 
der literatui' (des 18» Jahrhunderts) belegt: niecliie poczcmnj 
czlowiek slow kilka wyrBecee na czyjq pochwale, wnet jakoby 
tmqlf ponure milc^enie ivszystkich w tym ponedzmiu ogarnie 
,es spreche ein ehrlicher mensch einige werte zu jemandes 
lob, sofort bricht es ab, ein düsteres schweigen ergreift aDe 
die anwesenden^; ferner gibt er jakby ulal; dafür hat erzwar 



I 
I 



ym.m und nmh 



iicnei. 



keine belege, aber er hat wenigstens ein paar beispiele mit 
gi^by: talijka smagla, ramiona gdyby nlal ,die taille schlank, 
die arme wie gegossen*; fraceekf gdyby ulaif ^Aex frack wie 
pg08senS corka to paäska; jak gdyby jq idal tiü podobieAstwo 
,das ist Ihre tochter; wie zum ebenbüd gegossen*; schliesslich 
ilt er unter opalic: dicto cititis^ pierwej niili sloivo tJüyrzekl^ 
jdkoby pioro opalil (wo wohl auch tvyr^eJcl als Subjektlose ,man*- 
ferm zu fassen ist; das beispiel stammt aus dem lexicoB Latiuo- 
polonicum von Mfczyiiski 1564; Linde citirt zugleich Cnapiusz, 
Adagia) ; bei dem anderen beispiel tak gladko sklamai, jaJc gdyby 
pmko opalil ist die konstruktion nicht evident ,er log so glatt, 
als wenn man (oder: er?) eine feder verbrenntet 

§17. Statt des irrealen Präteritum kann im Öechischen 
iDch ein präsens stehen: jako kdyi biäem mrskne; holest pre- 
Msty jaka kdyi uine\ jako hdyi ho opnfi n. s* w. (Zubaty). 

§ 18. Neben den subjektlosen irrealen Vergleichssätzen ist 
fär das Cechische und SlovaMsche noch auf andere arten von 
leberjsätzen aufmerksam zu machen (vgL oben slov. mim mele kar 
mu nmpe). Bei Truhläf Vybor z lit. öesk^, doha novä s. 
348 (in dem gedieht V skalin4ch von EliSka KrÄsnohorskä) 
fiadet sich das beispiel: tvrdä püda, tvrde Hilf krumy chleb 
jm mäh syti; z nese^myeh rostmi lopot kUsky, jei by 
sp^>f%tal ,harter boden, hartes leben! hart erworbenes brod, 
dii wenig sättigt; (als die frucht) von ungezählten mühen 
tioken ähren hervor, die man zählen könnte** Aus der 
spricliwörtersammlnng des (1403 verstorbeneu) Smü FlaSka z 
Pirdttbie (Proverbia Flasskonis^ generosi domim et baccalarii 
Pratensis; handschrift aus der 2. hälfte des 15. Jahrhunderts, 
gedrückt in Wybor z literatury desk^ I 1845) führt Zubat^ 
ti: mnohö by bylo plätna jmieth by chtel ka^demu vsta za- 
rfridt s. 845, 9 ,es wäre nöthig viel lein wand zu haben, wollte 
niaii jedermann den mnnd verdecken, verstopfen* ; hy vedl osla 
k Partie, komoü z mho nebude s. 843, 20 ,auch wenn man 
«äftea esel bis Paris föhrt, so wird trotzdem kein ross ans ihm*» 
ffier könnte zwar by rein grammatisch als 2. sing, (^ modern- 
ftech. bySf poln. byf) anfgefasst werden; es ist aber ganz ge- 
vi» 3. sing. Eine weitere reihe von beispielen hat Zubaty 
ilr im ftnschlnss an die slovakischen beispiele bei ZMurecky 
titgetfceOt die ich mit Zuhaty's bemerkungen anführe: i tarn 
tiie, hie ko nezaseje IV 282 >er wächst auch da auf (^ech. 



i4e 



Holgvr Ptdenen, 



I 



v^ejde)f wo man ihn nicht säet* (von einem zudringlichen 
menschen; für einen Cechen verständlich); M^ ho stn% tarn 
tr^ IV 636 ,wo man ihn hinstellt, da bleibt er stehen' (ftech. 
kde, katn ho postavif tarn ho take naße ,wo man ihn hinstellt, 
da findet man Um aoch', von einem wenig rührigen menschen - 
hier ist anch der hauptaatz subjektlos, vgl unten) ; kef^ mu ruht 
nedrialf metko hy roih&dsal IV 454 ,wenn man ihm nicht die 
band hielte, würde er alles verschleudern* (dech. wäre mdglicbr 
kdyby ho nedrielf vsecko hy ro2:düV) ; nehodmi je iba aby ho obesü 
n 324 jer verdient nur, erhängt zu werden' {tech. ne^ashuH 
oder neni hodm, leda aby ho eastfelilj obesil ,er verdient nur 
erschossen, erhängt zu werden*); nenie hoden, ahy mn vodtf 
podai II 328 ,er verdient nicht, dass man ihm wasser reicht* 
(auch öechisch); chce^ aby mu viäy jednu notu hüdol IV 154 
,er will, dass man ihm immer eine note spiele* (nicht CecMsch, 
aber für einen Cechen verständlich). 

§ 19. In hauptaätzen findet sich der subjektlose gebrauch 
besonders, aber nicht ausschliesslich in Sprichwörtern and 
sprichwörtlichen redensarten. Ein Cech. beispiel wurde schon 
oben angefahrt ßam ho postavi, tarn ho take najde). Bei 
Barto^ 1. L finden sich die folgenden beispiele; s podwosti 
nejdäl dojde ,mit ehrlichkeit kommt man am weitesten*; 
siareho vrabce plevami neoHdi , einen alten Sperling kann man 
durch Spreu nicht belisten* ; slibü se nemiji ,an den versprechen 
kann man sich nicht satt essen*; ^a penue vmcko dostam ,fiir 
geld kriegt man alles*; da toho kopce nevyjede ,auf diesen 
hügel kann man nicht hinauffahren*« In dem ersten beispiel 
hält jedoch Zubaty dojd^ (2, sing.) für das allein übliche und 
vermuthet, dass dojde vielleicht speziell mährisch ist, (Das 
zweite beispiel Itilirt Jagic, Beiträge zur slavischeu Syntax, 
Denkschriften der Wiener Akad. XL VI 1900 no. V, s. 22 mItJ 
der Variante neolidU an). Auch einige von den anderen bei — 
spielen klingen Zubaty fremdartig; am meisten sind ihm ver — 
traut die negativen sätze und ausdrücke wie tarn dodane vseckoM 
,dort (an jenem orte, üi jenem laden) kriegt man alles*. Auf^ 
dem Slovakischen gehört hierher: zbledmdf ani hy sa mu 
nedoreml ZätureckJ IV 248 ,er erblasste, (so dass) man 
nicht bis zum blute hatte schneiden können' (auch ßechisch 
bei Kot t im wtb. krve hy se na nem nedofezal)^ na toho slov* 
mohöl hy hory staväV V 102 ,auf seinem worte könnte ma: 



I 



J 



l^eum und uachträgllcliea. 



147 



bauen* ,er hält sein wort* (liechisch nach Zubaty: na 
'shvo by mohl hory stavet), rolnisclie beispiele (nach 
Nitsch) : starego wroUa na plewy nie slapie (oder £:lapiesB) ,einen 
liten Sperling erhascht man nicht mit spren'; glow^^ muni neprse* 
frije ,init dem köpf durchbricht man nicht die mauer*; plac^etn 
uhiy nm naprawi 4urch weinen richtet m^i keinen schaden 
an'; kijemmlka nie eabije ,mit einem stock erschlägt man den 
wolf nicht* ; prsed karq boiq nie tfici^knie »vor der göttlichen 
strafe kann man nicht flüchten'; prostq droffq najl^iej dojdsie 
(oder dojd^ies£) da celu ,auf dem geraden wege kommt man am 
besten zum ziele* (die 2, sing* ist in solchen Sprichwörtern 
seltener). Ferner: dojdzie tarn tq drogq? dojdüe ,kann man 
auf diesem wege dorthin gelangen? Ja*; priejdeie tfiy? 
pt^zie ,kanü man hier durchgehen? Ja*; pnejedeie tq drogq? 
m prseji^deie^ droga zanihtifta jkann man auf diesem wege 
durchfahren? Nein, der weg ist gesperrte 

§ 20. Jagiö L l führt sorb, reka ,on dit* an, und er- 
klärt eech , pry 'man sagt' aus pravi ; Sobolevskij Zürn . 
mißist narodn. prosveäö. CCCXLIX 162: altruss, dejets ,man 
sagt*, re^e ,man hat gesagt, man sagt* (über eine entsprechende 
Verwendung von pmta ,man schreibt' s. Jagic und Sobolevskij ; 
Miklosich VgL gramm. IV 265). VieDeicht soll man mit 
Jagic auch das wohlbekannte altbulgarische (und gemein- 
diTiiche) ne {ne-ksto Jemand* u. s, w.) hierherziehen; es wäre 
imn aus *neve kontrahirt, worin ve - vMa ,raan weiss* wäre. 
Hirt IF XVII 289 f, nimmt au, dass man von alters her im 
äjtvischen nacJi der negation eine verbalform mit sekundären 
piidimgen gehabt hat (je für jesU% .und er könnte hierin viel- 
leicht recht haben (mit Hirts ausführungen L L s. 287—292 
% ich übrigens absolut nicht einverstanden; die endung der 
3. mg. 'ta halte ich noch für eine rein lautliche entwicklung 
I ^18 -U, und Ich glaube jetzt ein ganz klares daraufbezügliches 
Utttgese^ formulireo zu können ; hier kann ich aber nicht dar- 
auf eingehen; auch die Thurneysen'sche deutung des 
iiischen tu h^te ich nach wie vor fiir verfehlt). Das alt- 
liordische neJckvefr jemand' erklärt man aus ne veit ek hverr; 
Mglich wäre es wohl auch von jie veit hverr auszugehen (und 
dabei veit als 3, sing* zu fassen). Die hier gebilligte analysa 
%s ilavischen ne in ne-ksto u. s. w, und des an. nekkt^err 
^d durch dag anders geartete ir, ne-ch Jemand' lit. nekadä 

10* 




148 



lolger Pedfrtwn^ 



,niweilen* (kada ne kadä) nicht gefährdet. — tSher sttbjektio! 
,man*-sätze im Indischen s, Speijer, Sanskrit sjTitax, Lejdei 
1886 § 12, Delbrück. Altindische Syntax s. 231; ähiiliche| 
im Iranischen, s, Bartholomae, Arische forschiingen II 88 
und im Umbrischen, s. Brugmann Grdr 11 1391, 

§ 2L Ich habe im vorhergehetiden die ,es'-sätze und dk 
,man*-sätze auseinandergehalten. Indessen lässt sich diei 
Unterscheidung nicht immer durchführen. Der altnordischi 
satz : var pat i Igg seit, at af ^'^hjläi taka hUmggngur (Gumw 
laugs saga ormstungu kap, 11) ,es wurde gesetzlich festgesetis^ 
dass man die Zweikämpfe abschaffen sollte* erinnert einerseit 
an die ,man*-sät3Ee mit dem verbum skal\ andererseits abei 
kann man diese Verwendung von af taka absolut nicht voi 
dem oben belegten tekr af, tSk af in ,eß*-sätzen trennen. Um 
wenn man bei Hälek in dem gedichte Goar diese zeilen (Troll 
läj s. 276) liest: dve vele pnou se hradu vySf ta jedna dävnai 
ranou puklat jak hy ji kUnem ra^ra^il ,zwei tbiirme ragej 
über der bürg hinauf; der eine ist durch eine alte wunde ga 
borsten, als wenn man ihn durch einen keü gespalten hätte* 
so fällt es auf, dass man eigentlich nur das mascnUnnm dei 
verbalform ins neutrom zu ändeiii brauchte um einen regel 
massigen russischen ,es*-satz mit subjekt-iustrumentalis zu gg 
winnen. Und neben die Öechiscben sätze jako kdyhij to m 
mne hodil und jak by tifal, die das plötzliche eintreten oda 
aufhören eines (physischen) zustandes bezeichnen, lassen siel 
russische sätze mit dem Terbnm im neutrum stellen. Beispiel 
findeu sich bei Dal unter mimätb: hoU net, kak ri^cSj mjäm 
,es gibt keinen schmerz (d, h, ,der schmerz hat aufgehört*), äl 
ist wie mit der band weggenommen*; s tech por on ttie n 
vrjöif kak nikSj mjdlo ,7on der zeit an lügt er nicht mehr 
es ist wie mit der band weggenommen*. Die ahnlichkeit diesi 
Sätze mit den angeführten Cechiscben Sätzen wird dadnr^ 
nicht aufgehoben, dass im Russischen kak nicht zum verbunj 
sondern nur zu rukoj gehört, (Nebenbei möchte ich auf di 
grosse ahnlichkeit des russischen smmetf snjalo mit an. tM 
af tok a/" aufmerksam machen; vgL noch das beispiel plotin 
vodoj snjäh (Dal) ^i^B wasser hat den dämm weggespült'). 

§ 22, Es unterliegt wohl keinem zweifei, dass die ,m 
Sätze und die ,man*-sätze ursprünglich nur eine kategorie gi 
büdet haben, nud zwar eine kategorie von Sätzen, die eh 




Neuei ond naclitrtgliclieB. 



149 



vollsiäiidig subjektlos waren ^ wie unsere iDfinitive es heute 
sein können. Wir müssen Delbrück 's früherer ansieht (Synt. 
forsch. 5, 4) beistimmen, dass es im Idg, verbalaosserungen 
gegeben hat, „welche wirklich als subjektlos gedacht sind, 
i i. welche nach der absieht des sprechenden nichts als er- 
sdidnuBgen ausdrücken sollen, welche also einer anschaunng 
entsprechen I bei welcher eine sonderung in den träger de? 
handlußg einerseits und die handlung andererseits gar nicht 
TOtfenommen worden ist."" Man darf getrost auf grund der 
tbatsachen eine solche ansieht aussprechen ohne deshalb ver- 
pfiichtet zu sein, über die personalendungeu der dritten person 
des singnlaris vermuthungen aufzustellen* Ich halte es (auch 
Dach den ausführuugen von Hirt IFXVn 36—84) für wahr- 
scheinlich, dass der anfang des idg. Systems von personal- 
endtmgen auf suflSgirung yon pronominalformen beruht. Aber 
andererseits betrachte ich es als selbstverständlich, dass das 
ganze system nicht aus einem gusse ist; auch wenn man in 
den endungen der 1, und 2, person suffigirte pronomina an- 
ffteünt, braucht man nicht das 4 *ti 4o -tai der 3. sing, un- 
letliagt als pronominal aufzufassen. Und selbst wenn man in 
im 4- dieser endungen ein ursprüngliches subjektsprouomen 
lerkennt, so ist daraus für die lehre von den subjektlosen Sätzen 
ilut niebts zu folgern. Denn sobald dies muthmassliche 
Htjektspronomen in seiner bedeutuug so abgeschwächt worden 
tar^ dass man es auch dort verwendete, wo das snbjekt schon 
ÄQderweitig ausgedrückt war, so konnte es auch auf die sub- 
jektlosen verha übertragen werden ohne eine geändeile auf- 
füssung derselben zn veranlassen. „Das suffii der dritten 
Ptrson findet sich bei diesen verben nur darum, weil jede 
Glitte person nach der ausbildung der flexiou ein suffix hat", 
l^merkt Delbrück a. a. o. 

§ 23. Den unterschied zwischen mascuUnumj femlninum 
liDd nentrum kannte das idg. verbum nicht. Einen formalen 
iliiterschied zwischen ,es*-sät2en und ,man*-sätzen, wie er in 
4et modernen slavischen sprachen vorliegt, konnte es also nicht 
geben. Als aber das periphrastische Präteritum im Slavischen 
Wlich wurde, musste in jedem einzelnen satze, der ein Prä- 
teritum enthielt, die wähl zwischen dem masculinum und dem 
nentrum getroffen werden. Das Russische hat vielfaeli diese 
^M anders eutschiedeu als das Westslavische (und das 



150 



Ho1g«r Pedertem, 



Slo venische), und davon dürfte es nicht ganz unabhängig seil 
dass die verschiedenen sprachen die verscbiedenen uisprünglicli 
gemeiasameu typen von subjektlosen Sätzen nicht im gleiche^ 
nmfange erhalten haben. Aber auch ohne tlas vorhandenseiij 
eines periphrastischen tampns konnte eine ähnliche wah^ 
zwischen dem masculinuni und dem neutrnm in allen einzet| 
sprachen von den ältesten perioden ihrer geschichte an noth- 
wendig werden, wenn der satz ein prädikatswort oder eind 
apposition enthielt. Im Indischen [und fast ganz ebenso inj! 
Griechischen; vgl. hierüber den nachtrag] kann man fälW 
finden, wo ein subjektloser ,man*'Satz ein masculinisches parti^ 
zipium (väsann aranyanyäm säydm jjdkruk^ad^ Ui manyati 
KV X 146, 4 ,wenn mau abends im walde verweilt, so meinl 
man, es bat jemand geschrien*) oder ein pronomen wie eSä m 
der bedeutung ,hier* enthält. Ob dieser letzte typus urindol 
germanisch ist, ist mir einigermassen zweifelhaft {noch zweifelJ 
hafter ist es mii*^ oh die Verwendung verschiedener demoaa 
strativpronomiua direkt in der bedeutung ,manS die sich fQl 
das Indische nachweisen lässt, urindogermanisch ist); dii 
Verwendung des paitizipiums dürfte dagegen nach allen ai» 
zeichen als uralt zu bezeichnen sein, und auch von den subjek^ 
losen Sätzen wird sie ursprünglich nicht ausgeschlossen ge^ 
wesen sein. Dann wird das partizipium natürlich in Aeä 
,man'-8ätzen, solange die grammatische kongmenz bestand^ 
hat, masculinische form gehabt haben. Die darin liegend! 
halbe andeutung des suhjekts wird aber nicht aus der xai 
sprünglichen anschaunng hervorgegangen, sondern ganz eini 
fach durch äusseren (grammatischen) zwang zu stände gebracU 
sein. Der subjektlose satz wird älter als die kongruenz seiaj 
sieht er doch aus wie eine erinnening an die zeit, wo dol 
unterschied zwischen nominalen und verbalen formen viel gm 
ringer war als in der historischen zeit, eine erinnerung m 
sprachzustände, die sonst im Idg. durch spätere entwickelungejj 
g-rflndlich verdeckt worden sind, während sie in verschiedene^ 
nicht-indogermanischen sprachen deutlicher durchscliimmem oda 
klar am tage liegen. 

§ 24. Der oben im Slavischen und Iranischen na 
gewiesene gehrauch eines snbjekt-instrumentalis erinnert lei 
häft an eine eigenthümlichkelt verschiedener nicht-indog6i| 
manischer sprachen. In den kaukasischen sprachen gilt vie 




Neues und n&ehtrlglichta. 

ie regel, dass bei transitiven verben das Subjekt im 
instrameotalis steht (Schiet ner Versuch über die Tbusch- 
vsprache § 252 und an den entsprechenden stellen in seinen 
darstellungen der anderen nordkaukasischen sprachen). Ich 
führe hier nur ein awarisches beispiel an (Schiefner Awa- 
rische Studien § 133): w&eas bfmla ^u ,Au' bmder kauft ein 
pferd' {näniB ist instrumentalis Ton wac ,brnder*). Im Kasi- 
knnulkischen wird statt des instmmentaUs der ^enitiv ver- 
wendet (Schiefner Kasikumükische Studien § 117). Vgl 
Schuchardt Über den passiven Charakter des Transitivs in 
d«Q kaukasischen Sprachen (Sitzungsberichte d. k. Akad. d, 
Wiss. in Wien, pbil-hist, Cl. CXXXIH, 1895). Ähnliche zu- 
stiade finden sich auch anderswo z. b. im Tibetischen (L J, 
Schmidt Grammatik der Tibetanischen Sprache, St. Peters- 
hürg 18^9, § 159) oder im Eskimoischen (wo das Subjekt im 
l^tutiv steht, wenn das transitive verbum selbständig, nicht 
durch ein suffix, ausgedrückt wird). Vgl. W. Thalbitzer, 
Förhandlingar ridsjätte nordiska filologmötetj üppsala 1903 s* 60, 
F. N. Finck, Sitzungsberichte d. kgl preuss* Akad. d, Wiss. 
1905 s, 280 ff., Uhlenbeck KZ XXXIX 600 f. 

Eine ausdrucksweise wie die oben angedeutete bildet 
nea ersatz für das passiv. Instruktiv ist in dieser beziehung 
ne sonderentwickelung des Altarraenischen, Hier fungirt 
ils i^aitizipium der Vergangenheit eine form auf -eol, äie so- 
wohl aktivische wie passivische hedeutung hat, was sich dar- 
m erklärt, dass es ursprünglich ein verbalnomen war (wie 
ia« -HO- und -io-partizipium § 34). Das sufflx ist einerseits 
idsch mit dem aus dem Slavischen bekannten -lo-, womit 
^tort ein partizipium der Vergangenheit gebildet wird, anderer- 
*<*its mit dem 4 des armenischen iufinitiva {sirel gen* nreloy 
^i:1iea* u. s. w.); nur ist dies suflix hier an einen aorist- 
^tamm getreten (vgl KZ XXXVm 212): sireal (dre^eM) 
igBliebt, geliebt habend* (-o-stamm)* Das suffix -lo- ist wohl 
traprünglich adjektivisch (deshalb konnte es zur erweiterung 
'- dten -nU Partizipiums verwendet werden, s. KZ XXXIX 
'■:: im Armenischen ist e^ (wohl in der neutralforra) auch 
Mtttivisch verwendet worden (sirel ^lieben*), und es ist nicht 
tmiiT^^schlossen^ dass auch die form auf -eal in manchen Mlen 
"ix^prilnglich substantivisch fimgirtej so namentlich zum theü 
k der Verbindung mit dem verhorn suhstanüvum als um- 



Halger Ftderseu, 



^^B schreibtiBg des Präteritums. Bai dem so gebildeten prätentum 
^^m steht das subjekt, wenn das verbtim iatraositiv ist, im nomina- 
^B tiv, weEn es transitiv ist, im geiiitiv (Malchasianc Grabari 
^H hamajainnt'iuna, Tiflis 1892 s. 36 f,, Meiilet Esquisse s. 96). 
H [VgL Meiilet MSL XI 385; 375 f. (flexionslosigkeit), Sehn- 
H ehardt WZKM XIX 208 (udische paraUele)], 
B § 25. Da es nun im Urindogermanischen kein passi? 

■ gegeben zn haben scheint^ so könnte man sich darüber wundero, 

■ dass der subjekt-Lnstrumentalis so eng begrenzt ist. Die nr- 

■ Sache dieser erscheinung lasst sich ahnen. In einer vorhistorischen 
I Periode haben, wie ich vermnthe, die folgenden regeln ge- 
I gölten: bei intraasitiven verben stand das subjekt in der 
f (n. a. auch als Objekt fungirenden) gmndform (hei o-stämmen 

die form auf -om^ bei den -a-, -h-, -r-stämmen die historische 
nominativform) ; bei transitiven verben stand das objekt in der 
grundfonn, das subjekt aber im genitiv, wenn wirklich von 
einer thätigkeit desselben die rede sein konnte, also wenn es 
der uame eines lebenden wesens war; dagegen stand es im 
instrumentalis, wenn es ein unpersönlicher begriff war. Die 
beiden sätze: „der brnder tödt^t das thier" und „der banm 
tödtet das thier** wurden also als „des brnders tMertödten'* 
und „durch den bäum thiertödten" ausgedrückt. Dabei ist 
der snbjektsgenitiv natürlich als possessiver genitiv aufzufassen 
(auch dann, wenn Delbrück VergL Syntax I 186 f., 333 mit 
seinen mir äusserst zweifelhaften ansicbten Über die älteste 
gebrauchssphäre des genitivs recht haben sollte). 

§ 26. Allmählich differenzirte sich jedoch der subjekts- 
genitiv (der casus activus) von dem genitiv in seinen sou^gen 
Verwendungen, und zwar theils durch die Wirkungen eines 
verschiedenen ak^ents (casus activus etwa *qlQp-s ,dieb*, genitiv 
*5^0's), theils durch morphologische neubildung (casus activus 
^ekuo-8 ,pferd% genitiv "^ehie-sio oder *ehio-sio). Nachdem 
sich in dieser weise ein selbständiger casus activus entwickelt 
hatte, konnte dieser casus seine gebrauchssphäre erweitem, 
sodass er auch bei intransitiveD verben als subjekt fungtrte; 
eine Zeitlang wird er in dieser funktion mit der grundform regel- 
los abgew^ei:hselt haben, bis schliesslich bei den o-stämmen 
die grundform auf die nicht -subjektivische Verwendung be- 
schränkt und dadurch zum accusativ gestempelt wurde. 
Die endung -m wurde dann als accusativendung auf die 



Nillee and nüchtTägliches. 



153 



tibrigen stammklasseu übertragen; so trat beispielsweise eine 
ftriD ^ekua-m ,die stute' (acc.) an stelle des älteren ^eh^r das 
aar noch als nominativ bewahrt blieb, in dieser verwenduQg 
aber den casus activcs ganz verdrängte (der casus activus 
kiinnte hier eventuell deshalb weniger lebenski'äftig gewesen 
sein, weil er vielleicht dem geaitiv allzu ähnlich war; vgl. 
aber weiter unten). 

§ 27, Bei den o-stammen, den sufiMosen konsonantischen 
Itämmen, den i- und a-stämmen, kurz überall, wo nicht die 
gnmdfonn, sondern der casus activus als noniinativ verwendet 
wurde, bestand ein unterschied zwischen benennungen von un- 
belebten gegenständen und von belebten wesen. Überall, wo 
m sprachlicher unterschied dieser art vorhanden ist, zeigt sich 
aber die eigenthümUchkeit, dass gewisse bezeichnungen un- 
belebter gegenstände den bezeichnungen der belebten wesen 
grammatisch gleichgesetzt werden. So im heutigen Englischen, 
wo die Pronomina he und she (ini ge^ensat^ zu tt) für die be- 
lebten wesen vorbehalten sind, trotzdem aber z. b* von sclüfifen 
oft genug she verwendet wird. Im Eussischen, wo nach einer 
allbekannten sla\dschen regel, die (masculiDJschen und plura- 
Sachen) beasdchnungeu belebter wesen den accusativ durch 
äen genitiv ersetzt haben, wird diese eigenthümlichkeit ge- 
It-geutlich auch auf nicht belebte gegenstände übertragen. Von 
^ clmj ,peuis^ und dem damit gleichbedeutenden jeldäk findet 
sicli im accusativ neben der regelmässigen form (gleich dem 
flaminaüv) auch cliüja und jeldakd (belege z. b, in dem buche 
Meidu druzbjami. Smeänyja i pikantnyja Stuki domaäuich poetov 
fioggii, Eonstantinopel (Galata), Simomus & Co. ohne jähr, 
*-6, 40, IG), Ähnliches findet sich im Polnischen ; bei Sören- 
»ea Polnische Grammatik § 40 bem. 1 und C. W. Smith 
Grammatik der poüiischen Sprache s. 195 werden einige hier- 
kergehörige falle verzeichnet: mit den belebten wesen werden 
gleichartig behandelt Wörter i^ie trup ,leichnam', geldbezeieh- 
öimgen wie talarj giildenj dakatf rubele die namen der spiel- 
kift@ii, die namen der tanze {polskij ma^urekj krakotviak, me- 
«Ket; auch russisch pljasätb trepaka ,den trepak tanzen', 
^V^mtb gapaka ,den (kleinrussischeu tanz) hopäk trampeln* 
Ötttikg, Jarmarka v Goltv^), ferner kulak ,faustschlag*, 
ttkirehaniec jrippenstass, fnssstossS ßgiel ,possenstreich*, drapak 
jEE&tzbesen' In dei^ redensart dat- drapaka ,reissau5 nehmen^ 



154 



HoIg^T PeÄersen, 



(vgl. russ. tumäk ,liauseiizuiigeu, thunflsch, faustscMag' and iix 
der letzten bedeutung z. b. datb kömf(4ibö tumakä ^eineni ein^ 
auf den köpf versetzen* wtb. von Koiransky, poludv jieimovef- ^^ 
tmgo tumakä ^als er einen kolossalen fanst^eblag erhalten hatt^fl 
Mattet, Bezglasnyj ; Hob]/ datb pinkd etomit ffeloveku ,um diese^^:^ 
menschen einen fnssstoss zu versetzen* Gorbkij V stepi; öc^d 
auch datb komü raeä jemandem einen hieb versetzen' wt ^^ 
von Makarov)t die namen einiger bäume und pflanzen: Ärt^^ 
deha ,eine eiche umhanen\ u^yrwae bodaka ,einen dornenstrain^^jj 
aufreissen* j ^jeiö kaw&na ,eLne melone essen' , ^naleie gr^"^}^ 
,eiiien pilz finden' (russ. najti ffrihä). In den bis jetzt ^uf, 
gezählten fällen dürfte es evident sein, dass eine Personi- 
fikation vorliegt; wenn man eine vollständige aufzablung de- 
artiger fälle nnternebmen wollte, würde es allerdings eft 
zweifelhaft sein, ob nicht ein wirklicher genitiv vorliegt, wie 
Brandt Kratkaja fonettka i morfologija pokskago jazyfca 
s. 17 mit recht bemerkt, 

§ 28, Auf ferner liegende beispiele fär die personifika- 
tion unbelebter gegenstände — wie die Verwendung Ursprung' 
lieber nomina agentis als nomina tnstrunienti , worüber Pm " 
krovskij Semasiologifieskija izsledovanija v oblasti drevulc^ 
jazykov (bd, XXIII der Ußonjja zapiski Moskovsk, univers — -^ 
ist.-fil otd) n. 70 f* gehandelt hat — brauche ich gewiss nicb ^^ 
einzugehen. Was ich schon angeführt habe, genügt voll^^' 
kommen, um das Vorhandensein eines casus activus in wörtei-*^ 
wie idg, *pöd-s ,fuss', *odonf'S ,zahn*j *nau-s ,schiff begreiflich^ " 
zn machen. So waren die beiden kategorien, die ich der kürz^ ^ 
wegen als das thätige und das unthätige genus bezeichne*^ 
möchte, schon von allem anfange an nicht nach streng logische*: ^ 
linien gesondert , und es kann nicht überraschen, w^enn di- ^ 
unlogischheit der vertheilung sich mit der zeit immer mehr verbrei^^ 
tete ; von der zeit an, wo der casus activus zum blossen nomin^^ 
tiv geworden war, mnsste bei neubUdungen und entlehnungen di^^ 
wähl zwischen dem thätigen und dem unthätigen genns nac^^^ 
ganz unklaren analogien stattfinden. 

§ 29, Das unthätige genus ist der keim des historische 
neutrura* Auch der keim des historischen femininnm 
schon von den allerältesten anfangen an im Indogermanische 
bestanden haben. Ein femininbildungssuffix gibt es bekani^^^ 
lieh in sehr verschiedenen sprachen, auch in solchen sprach^^^* 





Neues xmä oachträgücljes. 



155 



r 



die ein grammatisches geschlecht nicht keanen, Es wird da- 
ler auch schon in einer fernen Vorstufe unserer Ursprache ein 
feauninbildungssuffix gegeben Iiaben, und zwar war dies sufflx 
?ermuthlich -a; weshalb paare wie lat. equus : equa nicht als 
die fortsetzung eines uralten typns anzuerkennen wären, 
fbste ich nicht. Das suffix -ja mit den altemationsformen 
i^ und -t (vgL KZ XXXVIII 404) ist aus -a durch denselben 
Torgang hervorgewachsen, auf dem wiedenim das -m von 
fr, noTvta oder an. äs-)jnja ,göttin* neben äss ,gott' beruht, 
l h, dnrch Verschmelzung mit einem vorangehenden snflSi, 
Das suffix -a hatte neben der femininbildung gewiss auch 
Ändere funktionen (z. b. die funktion der kollektivbildung). 
Da aber dem sprachbewusstsein die Personifikation unbelebter 
gegenstände durchaus geläufig war, so konnte leicht das ge- 
fiihl aufkommen, dass bei allen Wörtern auf '^, die nicht* 
belebtes bezeichneten, eine femininische Personifikation vorläge. 
Und als dieses gefühl in der grammatischen kongroenz seinen 
anadmck gefunden hatte, war das historische drei-geschlech- 
tige System der indogermanischen sprachen fix und fertig* 

I 30. Es entsteht hier eine chronologische frage: ent- 
stand das gefühl der Personifikation bei den nicht-belebtes be- 
zeiclmenden -^-stammen erst zu einer zeit, wo aus zufälligen 
Milden (§ 26 schluss) die grnndform bei dieser stammklasse 
ih lominativ den casus activus besiegt hatte? oder war dieses 
g^efobl schon vor dieser zeit vorhanden ? Wegen des parallelis- 
^iis mit den semitischen sprachen gebe ich der letzten mög- 
Üchkeit den Vorzug: auch im Semitischen gibt es bekanntlich 
^in genos femininum, wozn nicht nur die bezeichnungen weih- 
licher wesen» sondern auch eine reihe von anderen Wörtern, 
^kni n. a. gerade die kollektive gehören (wenn das femininum 
im Semitischen gelegentlich unser neutrum mitvertritt, so mag 
^i«8 auf der kollektivbedeutung desselben beruhen; vgL meine 
'^enuüthung über das neutrale idg. -d KZ XXXIX 468). Ich habe 
Behon längst (ZDMG LVII 560 f) die ansieht ausgesprochen, 
äass zwischen einer reihe von sprachstäramen, welche die 
Sreizen von Europa und Asien übersehreiten, eine noch wahr- 
1 lAiQbit'e Verwandtschaft besteht (und habe für diese sprachen 
^ fe bezeiehnung ,nostratische sprachen' vorgeschlagen). Ich 
Jw Branche daher nicht zu verhehlen ^ dass ich es für möglich 
^L Wte, dass der parallelismus des idg. und des semitischen 



I 



156 



Holger P^dei^m, 



femiamums auf einem historischen zusammenbang beruht 
Sollte dies der fall sein, so niüsste das genns fomininum jeden- 
falls im IndogennanischeE sehr alt sein, und gerade das ge- 
fiiM, dass alle Wörter auf -a einem genus femininum gehörten, 
könnte mit dazu geholfen babeu, die auch hier einst vorhandene 
Unterscheidung zwischen einem thätigen und einem unthätigeE 
genus mit verschiedener Subjektkonstruktion aufzuheben. 

§ 31. Diese ansieht halte ich nicht nur mit rücksicht 
auf fremde sprachen, sondern zugleich aus inneren gründen 
für nöthig. Denn in einigen fallen lässt sich das historischei 
neutrum und mcht-neutrum nicht aus dem gegensatze zwischen 
einem thätigen und einem unthätigen genus erklären (so z. b^ 
bei den &-, n-^ r-stämmen: tcog, yhog; ajafmv, ;f«>«). Hier 
hilft nur die annähme eines alten in der Yokalisation der 
grundfonn zum ausdruck gekommenen gegensatzes zwischei 
kollektivischen und nicht-kollektivischen formen (vgl. etwj 
arab. "^äin-un »auge* plur. a^jän-tm). Da die kollektivische] 
formen als feraininisch, also als persönlich empfunden wurden^ 
vielleicht auch die vokalisation der grundfonn mit den personen- 
hezeiclmungen gemeinsam hatten, so war es nur natürlich, 
dass bei diesen stammklasseo in bezug auf die nominatiyfonofl 
eine ähnliche entwickeln ng wie hei den -ä-stämmen stattfand. 
Danach blieben nur die nicht -kollektivischen, nicht - belebtem 
bezeichnenden Wörter als keim eines genus neutrum zurückifl 

§ 32. Als Supplement zu den vorstehenden glottogonisehen« 
ausführungen verweise ich auf KZ XXXIX 468j wo ich das 
eigenthümliche bewegliehe -m der grundform der idg. 0— 
Stämme mit dem gleichfalls beweglichen auslautenden -n d 
Mandsch,'MongoL -Türkischen identiftzirt habe. Ich dachte d; 
mals auch an die arabische nunation, die beim determinirtei 
Substantiv fehlt {farasun ,eiD pfevd*, al farasu ,das pferd*)C! 
und ich will jetzt diese vermnthung nicht verheimlichen. FallJ 
das idg. -s des geniüvs (und des casus activus) ursprünglicr^ 
ein artikel war (was nicht ausgeschlossen ist, da eine ver« 
Wendung des artikels beim genitiv, während er beim regend 
fehlte, mit mehreren lebendigen sprachen parallel sein würde"^ 
so wäre die indogermanische regel für das vorkommen d^ 
beweglichen -m mit dem Arabischen parallel* Dass die endun^ 
des idg. acc. plur. -m auf -m -f pluralzeichen beruht, da.-:^ 
man unter der Voraussetzung annehmen^ dass -ms im auslai 



u — 

3 




N«u« mdnsehträgUchei. 

Efl -N5 geworden ist Ich habe a. a* o. auf Uhlenbeck IF 
HI 170 verwiesen, will aber hier ausdrücklich hervorheben, 
dass der kern meiner ansichten älter ist als Uhlenbecks aufsatz 
nad privatim von mir schon längst ausgesprochen worden ist. 
§ 33* Ich habe oben § 25 ausgesprochen, dass es im 
Oiindogennanischen kein passiv gegeben zu haben scheint. 
Woiigstens lässt sich anf dem wege der Sprachvergleichung 
keine spar eines passivs nachweisen. Die mittel, wodurch die 
einzelsprachen ein passiv gebildet haben, sind verschiedenen 
alters, zmn theil sogar sehr alt, in keinem falle aber als urindo- 
germanisch in anspruch genommen oder in anspruch zu nehmen. 
Zu den ältesten mittein gehört wohl die passive Ver- 
wendung des raediums (Delbrück Vgl. syntax n 432 £). 
Aber trotzdem steht es ganz fest, dass die ursprüngliche be, 
dentang des mediums eine ganz andere gewesen ist. Alt- 
iber nicht ursprünglich ist femer die passivische bedentung, 
gewisser besonderer verbaler stammbildnngen, in erster reihe 
der -^-form (gr, aor, auf -rjv, arm, präsens auf -im), woran 
^ch vielleicht die -io-form des Arischen (Delbrück n 435) 
suBchliesst Der ursprüngliche sinn der -5-form war aber nicht 
passivisch, auch nicht immer intransitiv (mau erinnere sich der 
-^-verba mit der bedeutung ,habea^ KZ XXVm 20:i, lat. 
^en^e n* s, w.) sondern ist eher etwa als resultativ und (für die 
J^risenS'form) als permansiv zu bezeichnen (also verwandt mit 
4er bedeutung des -^o-partizipiums nach Brugmann's deflnitiou 
tT V 93); daraus entwickelt sich unter umständen leicht eine 
intransitive bedeutnng, und das intransitive verbura konnte wie 
-*flch sonst (vgL gr. dno&aptty vno rtv^;) passivisch verwendet 
^^erdeuj wozu namentlich die gegensätzliche association mit 
^J&ßsitiven formen beitragen mnsste. Über die nenarmenische 
^tssivbildung mittelst eines -v- vgL Earst Historische gram- 
*3mtik des £ilikisch*Armenischen s. 297. 

§ 34. Ziemlich jung ist wohl die Umschreibung mit hUlfe 

des Partizipiums anf -to- und -no-, die z. b. im Lateinischen; 

im Deutschen, im Albanesischen (G* Meyer Alb, Gramm. 

I 123) vorliegt. Ursprünglich waren diese partizipia, wie 

^rugmannlFVin bemerkt, gegen die genera verbi völlig 

imtral. Beispiele für die aktivische Verwendung dieser ver- 

W-adjektive^ auch wenn sie zu transitiven verben gehörten, 

^ schon Brugmanu beigebracht* An ein paar dort nicht 



158 



Holger Pedefsefi, 



benieksichtigte that^achen möchte ich hier erinnern, weil es 
möglich ist, dass sie als weitere beispiele für die alte akti- 
vische Verwendung des partizipiams zu deuten sein künntaD* 
Ziemlich unsicher ist eine solche deutung für die bekannte that« ■ 
Sache der albanesischen granimatik, dass der aktivische iiifini- 
tiv mit dem iu rede stehenden parüzipium (in der regel mit 
-«0-, seltener mit -to- gebildet) gleichlautend ist (d§ns »gesagt, 
sagen*, pas^ ^gehabt, haben*). Auch wenn der infinitiv mit 
dem gleichlautenden partizipium etymologisch identisch ist» - 
könnte die aktivische Verwendung sekundär sein (auf der sub- | 
stantivirung beruhen); die etymologische identitat kann aber ' 
nicht als unbedingt sicher gelten, wie ich schon IF Änz. XU 
93 ausgesprochen habe ; es wäre z. K möglich, dass das parti- 
zipium auf 'to-f 'iw-^ der inflnlüv aber auf -tU, -ni- beruhte 
(Vgl. besi ,glaube^ aus ''bhend^tU, s, KZ XXXVI 308). Er- 
wägenswerther ist ein eigenthümlicher slavischer Sprach- 
gebrauch, wonach das neutrum des -m- und 4o- parti2ipiuins 
als subjektlose transitive ,inan*-form des Präteritums verwendet 
wird. So namentlich im Pohlischen, vgL Sörenseu Poln. _ 
Gramm. 268 f., C. W. Smith Gramm, der poln. Spr. 227 f.: ^ 
tiktadmiö gramatyki fiheoficsne ,man verfasste (impf.) philoso- 
phiscbe grammatiken' (Baudouin de Courtenay» Szkice jfzyko — 

znawcze I 3); ro^poczeto hadaiiia ßsjologiczne ,man begann 

physiologische forschungen' (ebenda) ; gdyby mif zapytano (Bau — 
douin de Courtenay, My^li nieoportunistyczne s. 3). An^^ 
Miklosich Vgl. Gramm. IV 364t, 839 ersieht man, ddä^^ 
dieser Sprachgebrauch geraeinslavisch ist. Vgl noch Jagic ■ 
Denkschriften XLVI nr. V s, 2L In den meisten der heutigeiK^ 
slavischen Schriftsprachen ist er allerdings stark zurückge^s 
drängt. Im Kussiscben kommt er in negirten Sätzen iQm:z 
{divna.ja sHa kakoj ne dano nikotmi ,eine wunderbare kraft""^ 
welche niemandem gegeben ist* Jazykov, Samson); darauf i^^ 
aber nichts zu geben^ da im Russischen überhanpt alle mö g^ 
liehen negirten ausdrücke , die irgendwie ein nicht-sein bo^ 
mchnen, mit dem genitiv verbunden werden können {)^^ 
nade}um cio nlkakoj istorii ne vyjdet »ich hoife, dass keiicrz; 
geschieh te herauskommt* Turgenev, Otcy i deti XXIV; f-^ 
vspychnet mysü ,kein gedanke wird aufleuchten' Pu^kin, Je-^ 
genij Onegin VII 48; ne proslS nedelij on tiii ispölnil svo^^^ 
eaddcii .keine woche war vergangen, als er schon seine am^ 




Nouefi und nacbträglkhes. 



159 



gäbe ausgeführt hatte* Potapenko, Svjatoje iskusstvo V; nikogdd 

ne rascvetülo takogo m^etkä ^niemals ist eine solche blume auf- 

gäblQibt' Zasodimskij, Graf Boregar i Ägne&a Tuseiielb VIII; 

m stenoJH V komnate sosednej ne ^vu^älo preinich golmop 

^hinter der waod ira nacbbarrimmer erklangen nicht die früheren 

summen* Nikonov, Niva, beilage febraar 1901; ne du^ilosi da 

u Vladimira donm TH^bski'wh mo^iWüch hogatyrej ,es waren 

nicht 2U hanse \nadimirs mächtige russische beiden* HUferding, 

Bylin. I 27 ; kljatv ne septälosb vtüi ,keine eidschwüre wurden 

im geheimen geflüstert' Medvedev bei Salbuikov, Eusskije poety 

u sto let s. 484; nikakich popytok ne predprinimälösb Skabi- 

^evskij, Istorija novej^ej russkoj literatury ^ s. 13; vgL Mi- 

klosich VgL gramm. IV 499). 

Dagegen hat man im Hussischen noch den akkusativ bei 
verschiedeneu verbaladjektiveB : sräzu rndno ^eloveka ,man 
a^t (erkennt) sofort den mann* MamiUf Dikoje si^astbje XIX ; jej 
tei ialko Iryla etu chorosentkuju dSvot^ku ,es that ihr so leid 
m dies niedliche kleine mädchen^ Kot murlyka (Wagner), 
J^jubovfc velikaja II {ialko = lah^ das gleichfalls den akkusa- 
Ör regieren kann). Vgl. Miklosich VgL gramm. IV 366. 

Mit der akkusativ*kon3truktion beim -*oY-"o->parti2ipium 
*^ Slavischen vergleicht Miklosich Vgl gramm IV 365 mit 
**^€ht gr* doxrjxdov iüri rijp a^^t^r, lat. aeteruas poenos in 
^H^e timendum. Man könnte noch daran erinnern, dass das 
^^teinische gerundinm überhaupt aus dem nentrum des gerun- 
*i4Ts entstanden ist. Offenbar ist es eine alte regel, dass das 
**eiitmm verschiedener verbaladjektive (ebenso wie die Verbal- 
substantive Miklosich IV 376 f., Delbrück I 386 f.) mit 
^em akküsativ verbunden wird. Diese konstrnktion beruht 
^^rohl darauf, dass das verbaladjektiv substantivirt werden 
konnte und dann wie andere Verbalsubstantive (mit, ursprüng- 
lich aber gewiss ohne kopula) prädikativ verwendet werden 
konnte. Ein solcher Sprachgebrauch sieht ans wie eine er- 
ÄBaeniug an die zeit, wo die verbalformeu überhaupt nichts 
^h prädikative Substantive waren. Ein theil der Substantive 
"^amrde auf die prädikative Verwendung beschränkt und differen- 
zirie sich formell (durch Verschmelzung mit pronominen u. s. w.) 
^'öa den übrigen Verbalsubstantiven, die ihrerseits gleichfalls 
^e eigenthümliche morphologische entwickelung (kasusbildung 
^ 8. w.) durchmachten, trotzdem aber nicht mit einem schlage 



160 



H(ilg«r PedetB^n, 



von der kopulaloseo prädikativen Verwendung au^sgesehlossen 
wurden. (Über das -io*partizipium im Arm. s. § 24). 

§ 35. Jung ist zweifellos die passivische Verwendung der 
reflexiven, d. h. der mit einem reflexiven objektpronomen ver- 
bundenen verba (z. b. im Skandinavischen, im Baltisch - Sla- 
vischen^ im Romanischen). Die identität des Subjekts nnd des 
Objekts bei dem reflexiven verbum kann zu interessanten syn- 
taktischen erscheinnngeti führen. So vor allem zur Verwen- 
dung eines reflexiveu verbums, wo man auf das objekt kein 
gewicht legt, wo die aufmerksamkeit sich allein auf das Sub- 
jekt konzentrirt. Es entsteht so eine im prinzip und bisweilen 
auch in einzelheiten dem medium sehr ähnliche Verwendung, 
die im Slavischen häufig ist, russ. z. b. on Ijubit stroiU.^ ,il 
aime k bätir' Makarov (vgl. ebenda unter mesto: idesb m 
choroU stroUbsja; mesto nerovno ,il n'est pas bien de bfttir 
ici; le terrain est inegal*); on ne kusajetsja ,er beisst nicht' 
(beruhigung) Turgenev Asja 11 ; stueätbsja v dveri^ ,an die 
thür klopfen'; lytbsja, kop6thsja ,herum\^ühlen* ; ja ne iotöaB 
namlsja, Ho ska^ätb jej ^ch war nicht sofort darauf gefasst, 
was ich ihr sagen sollte* Turgenev Asja XI (so oft nacho- 
dihsja) ferner ohesf^ätbsja ,ein versprechen geben' (mit einen 
infimtiv als objekt; die aufmerksamkeit wird hier von einen 
etwaigen dativ abgelenkt), celitbsja ^zielen* (dän. etwa 
Sit sigte*); auch bei intransitiven verben kann diese konzeiL^^ 
tration auf das Subjekt stattfinden: vidnetbsja ,sichtbar sein* -= 
starMbsja ,alt werden*. Ich will diese eigenthümUchkeit hie^3 
nicht weiter verfolgen (vgl Miklosich IV 267 ffi); nur b^J 
merke ich, dass ausläufer desselben Sprachgebrauchs auc^v 
z* b. im Deutschen vorkommen (z. b. dch in eine fr au vc ^ 
li^en russ. vljiiUtbsja u. s. w.)> Wo sowohl auf das obj^^ 
wie auf das Subjekt nach druck gelegt wird, wird bekannt U^^ ^ 
im Slavischen nicht das enklitische, sondern das betonte 
flexivum verwendet (vgl* Miklosich IV 264: asL pometaji 
s^ Qintitat^ pometajetd sehe ^/nru iavTov), Dagegen wird 
enkUtische reflexivum zunächst reflexivisch ohne betonung ^Mli 
Objekts verwendet (russ, britbsja ,sich rasiren^; hierher at^^c 
hritbsja ,sich rasiren lassen^); femer kann es aber aieb zk^^ib 
ausdruck des passivs verwendet werden, aber wie in andecr"^fl 
sprachen ursprunglich nur da, wo auf das logische (oft i:mü- 
erwähnte) Subjekt kein gewicht gelagt wird (etwa weil es «^ii 




Nea^s und nachträgliches. 



161 



lebloser oder abstrakter, oder ein unbekannter, wechselnder 
be^ff ist), wo also die autnierksanikeit auf das logische ob* 
fekt (das grammatische Subjekt des passivs) konzeiitrirt wird, 
Beispiele fiir solche passivische ausdrücke zu geben dürfte 
überflüssig sein; sie kommen in anderen spiachen genau eben- 
so vor (franz* ks vers sappreiinent plus facilfimmt qm la 
p'ose; le sigmd se donne, la baniere s'ouvre; d» es verdeht 
nch V071 selbst n, s. w.) Ich möchte aber hervorheben, dass 
die ausserachtlassung des logischen Subjekts, worauf dieser 
sprachgtsbrauch beruht, nicht bei jedem logischen objekt gleich 
leicht und natürlich ist; am leichtesten ist sie, wo das logische 
Objekt ein unpersönlicher begriif ist. schwieriger aber» wo es 
fiicli um einen persönlichen begriff handelt, weshalb denn auch 
die paH^ivische Verwendung eines reflexiven verbums der 
ersten oder zweiten person Bich bedeutend schwieriger ein- 
stellt als die entsi»rechende verwertdung der dritten person. 
Sehr natürlich ist es, dass die passivische bedeutung in sub- 
jrtilosen Sätzen besonders leicht eintritt, vgl. Miklosich IV 
361 (asL otävrzetd sf vmm ,aperietur vobis'; bulg, .^/n i^e ,dor- 
Mitiir'; serb. ide se ,itur; pije se ,bibitur'); vgl noch i^ech, 
Ikiedo sveia ,man (- ich) ging in die weite w^elt* Hejduk 
bei Trnhlir s. ;^01 ; ttdy se Um stmd rktelo pö§eptati, £e . . 
tdiilurch wollte man also andeuten, dass . J Langer bei 
Tnjhlär s. 241; spi^^kum lern dostävalö se i nemaUhö ü^asten- 
^t^i .diesen büchern w^irde auch eine bedeutende theüuahme 
2a theit' Rjbiöka bei Truhlär s. 271; nhy se spishm iemto co 
naim neßtrsihö ejedhalo prnchödtt ,daniit man diesen büchern 
4k gTdsatmögliche Verbreitung verschaffte' ebenda s. 270; 
«(* imtane sc hisky hilS lebce ,ßs möge dem weissen schädel 
Ibbe HU theil werden' Nemda bei Trulilär s. 29L 

§ 36. Es ist nicht wunderbar, dass diese subjektlose 
T^rwendung des reflexiven verbums als ein präsens zu dem 
in § 34 bi*sprochenen subjektlosen prädikativen -no- und 
^io- Partizipium empfunden und demgemäss u» a, mit einem 
ilkwativischeu objekt verbunden worden ist Beispiele fiir 
ikia erschein ung finden sich bei Miklosich IV 5ßä, Jagic 
L l Sv 2L Wenn man, was nach meinen ausfuhrungeu in 
|34 niSthig ist, von den negativen Sätzen absiebt, so ist unter 
^m modernen sprachen das Polnische die wesentlichste fnnd- 
^H für diese konstruktion. Die Sache wird ausführlich 

ZflUiefaim rat ^Arf U npnoht. N. F. XJL. I. \l 



162 



Holder PederBfin, 



besprochen von Sörensen, Polnisi-he Grammatüc s. ^ 
C. W.Smith, Grammatik der polnischen Sprache s. 227, Ich 
führe hier nur ein paar beisipiele för die ,man*-bedeutnng des 
reflexiven verbums nach diesen grammatiken an: jest gif 
sklonnym mvieriyc .man ist geneigt zu glauben* ; kmdy sif #wa 
08obi§cie atUora »wenn man den Verfasser persönlich kennf: 
calq kdqik^' czyta si^ Jak powie^c ,daa ganze buch liest sich 
wie ein roman'. Vgl* noch gdy mf jest go^podarefm w swojej ' 
nauce ,wenu man (= ich) herr seiner (meiner) Wissenschaft 
ist' Krnszewski bei Baudouin de Conrtenay, Ssddce jfzyko- 
zuawcze s. 99. 

§ 37. Ich habe angenommen, dass diese konstraktioQ 
diu*ch die associadon mit dem transitiven prädikativen -wo- und 
-io-partizipinni unterstützt worden ist. Dass sie aber auch 
ohne eine solche stütze ins leben treten konnte, zeigt das 
Italieniscbe » wo eine ganz entsprechende konstmktiou sehr 
Üblich ist: 56 lö trova ripetuto ,es findet sich wiederholt*, i 
(Gekicb, La Zedda, Spalato 1899 s. 22); non mi si accusi di 
arroganza ,maD beschuldige mich nicht der Selbstüberhebung" 
(tiorecchio^ La questione albanese^ Catanzara 1898 %. 49); d 
e sewpre in hocca al lupo ,iiian befindet sich immer im rächen 
des wolfes*; si ^ dctiri dl non far toriü ad alcuno ,man kr^- 
slcher, dass man niemandem unrecht thut^ (beide sätze belK 
Lorecchio, La qnestione albanese s, 86); si era inesorainlm^ 
,mau war unerbittlich' (La nazione albanese 1900, nr. l2s,iS)^ 
d e rimciti ,man hat erfolg gehabt* (La nazione albanese 
1900, nr. 6 s, 5). Abweichend vom Slavischen steht da 
prädikatsadjektiv im plural; ,man* ist wie im Slavischen bis 
weilen mit der ersten person gleichbedeutend, und durch ein^ 
interessante neuerung kann in solchen fällen ein noi ,wir-^ 
hinzugefügt werden : che noi non si rimünga Alhanesi ,damir J 
wir nicht Albanesen bleiben* (La naz. alb. 1900, nr. 6 s. 5)^ 
Ich verweise übrigens auf Kr. Nyrop Itaüensk grammatit^ 
§§ 263, 89, 96, 254, wo man reichhaltige beispielsammlunge^ff 
und die beschreibung einiger weiteren eigen thümlichkeiten de:^" 
italienischen konstruktion findet: nicht nur woi, sondern auctt 
tutti kann zu der ursprünglichen subjektlosen konstruktion als 
Subjekt (ursprünglich w^ohl als apposition) hinzutreten^ in be- 
sonderen tfillen kann das prädikatsadjektiv auch siagularisci „ 
sein: ei deve essere lieta d*esser madre di iali figli ,mau muss ■ 



Neues vnä nacbträglleheB. 



t^ 



froh sein, mutter solcher söhne zu sein' n. s. w. Von Njrop's 
I>efepielen fiihre ich noch an: si msito msierne le coUfziöni 
M^n Uat (- wir haben) zusammen die samnilungeu besehen*; 
lo ii dispreB^a ,er wird verachtete Besonders möchte ich her- 
vorheben, dass in der dritten person die transitive (subjekt- 
ive) und die subjektische konstruktion des reflexiven verbums 
im passivischen sinue mit einander wechseln: si vende dei 
lihri und »i vmidono dei libri ,man verkauft bücher*; si face- 
mm viofiffi in Oriente ,man hat reisen im Orient gemacht*. 
In der ersten und zweiten person kann dagegen die passivische 
sübjpktische konstruktion des reflexiven verbums nicht vor- 
kommen; sie ist nämlich überall da ausgeschlossen, wo sie zu 
luehrdeutigkeit führen könnte; „gänzlich untersagt ist sie, 
mm das subjekt ein persönliches fiirwort ist" (Vockeradt 
§ 2;^1), Dagegen ist, wie schon die obigen beispiele gezeigt 
haben, die subjektlose konstruktion hier ganz häufig (vgl. noch 
ei ri era perduü d'oceJäo Nyrop § 89 ,wir hatten uns gegen- 
mtig aus den äugen verloren*)* 

§ 38, Man könnte fragen, ob die parallele entwickelung 
im Slavischen und im Italienischen nicht etwa auf gegen- 
seitiger beeinflussung beruhen könnte. In dem slovenischen 
Wörterbuch von Pleter^nik wird unter i?e&e angegeben» dass 
^e subjektlose transitive konstruktion des reflexiven verbnms 
beeouders an der italienischen grenze üblich ist (während sie 
in der slovenischen Schriftsprache vermieden wird). Die bei- 
^ide bei Miklosich zeigen jedoch^ dass die konstruktion 
im Slavischen so alt und so verbreitet ist, dass von einer eut- 
l^uug aus dem Italienischen absolut nicht die rede sein 
kann- Und der etwaige slavische einfluss auf das Italienische 
W doch gewiss viel zu gering gewesen um diese konstruktion im 
lulieuischen hervorgerufen haben zu können. Die entwickelung 
msm also auf beiden seiteu spontan sein ; aJlerhöehstens könnte 
IMa annehmen, dass der an und für sich zufällige paralleUs- 
Dias mit der nachbarsprache sowohl im Slavischen wie im 
Itaüenischen die eigentbümliche konstruktion gestützt haben 

§ 39. Da ich mit meiner au:^ählung der verscliiedenen 
öitlel, wodurch die indogermanischen sprachen das passiv aus- 
dröcken oder ersetzen t auf absolute Vollständigkeit keinen an- 
sprach mache, so übergehe ich ganz den lettischen debitiv (vgL 

11* 



Balge r Pedenon, 



Endzelin BB XXVI 66—74 und PrellwitE BB XXVHI 
319) sowie die Verwendung der 2. sing, als ,nian'-form im 
Slavischeu (rtiss, po ctUym dnjam sUva ot tehjd ne ndym 
jganze tage hindurch hört man kein wort von dir* Zasodimskij, 
Graf Boregar i Agnesa Tusenelt s, 89 ; i dale ffluposti smm^ 
V tebe ne vstretisb^ m)et piistSj , sogar eine dummheitf die des 
lachens werth wäre, findet man in dir nicht, du öde weif 
Po§kin, Jevgenij Onegin VII 48 ; zapretnyj plod vam podamj; 
a b&t togo vam raj ne raj ,man soll euch die verbotene fmcht 
gehen; ohne sie scheint euch das paradies kein paradies zu 
sein* PuSkiüj Jevg. On. VIII 27; ein in dieser weise mis 
gedrücktes ,man* ist oft = ,ichS vgl z. b, die KZ XXX Vn 230 
unten ausgeschriebene stelle; so auch mit maskuliuisetieiD 
genus im munde einer frau: ach^ i noöb ie, haijidki moi! 
vosJclikntila Lidija Viktorotma; öUego v iaküjn no^b bymjä 
tak Öiidno na dme? i chorom i grüstnö! tnk by^ käJetsja i 
uletM kudä4ö ,ach, welche nacht! rief h, V. aus; weshalb ist 
einem in einer solchen nacht so wunderbar im herzen? au- 
genehm und zugleich wehmüthig; es scheint als ob mm 
geradezu irgendwohin wegfliegen möchte* Sbornik na pomo^ 
n&aöCimsja ^en^dnam Moskva VMl s, 234). Noch viel ui- 
bedenklicher übergehe ich die in manchen sprachen vor- 
kommende Verwendung der 3. |>]ur. in der bedeutuiig ^mao'; 
ein so ausgedrücktes ,man* ist in der regel weniger aUgsuiein- 
gtiltig und schliesst u* a, den sprechenden aus; nur selten ist 
es im Eussischen einem ,ich' gl eich wert big (jntaju: ty pot^M 
i ispugäJsja; no neuiSli ty ne podozrevälf dto i tdfjä tjubiü^ 
„ich weiss es: da hast geliebt und hast dich erschrecken 
lassen; aberahntest du denn nicht dass du auch geliebt warst 
(von mir)?" Turgenev, Nakanune XXIII; slomjat UbS haskn 
,ich werde deinen köpf zerschmettern' GorbkiJ, Malbva; Tgl- 
das häufige govorjät tebe ,tebS skäeano' ,ich sage dir*). 

§ 4ü. Dagegen ist es unbedingt nöthig das italiscb- 
keltische passiv zu besprechen. Hierüber besteht eine an- 
regende Untersuchung von H, Zimmer KZ XXX 224— 2fß, 
Er nimmt bekanntlich an, dass der ausgangspunkt der ganzen 
formation eine 3* plur, act. war, welche eine endung -or oder 
-f hatte, und welche auf die Verwendung im ,man''Sinne ^• 
schränkt wurde. Diese beschränkung ist nach Zimmer sekan- 
dar ; da sie aber sowohl für das Italische wie für das Keltische 
Eüzunehmeu wäre, so könute immerhin eine Versuchung ^ 



NcfHeB nnd B^chträfllches. 



16& 



diese beschräiikimg schon für die arzeit anzunehmen. 
fm nähere nntersuchung des ganzen problenis ist daher fär 
meine zwecke nöthig. 

Nach Zimraer's theoiie rauss die im Lateinischen vorliegende 
fleiion des passivs durch alle personen unursprünglich sein. 
Man muss nrspnmglich für alle pereonen eine einzige trans- 
itive form gehabt haben. So ist die Sachlage wirklich in den 
brilannischen sprachen nnd im Nenirischen. loi Altirischen 
aber nicht, nnd das ist ein haupteinwand gegen Zimmer, Aller- 
diags feommt das passiv im Altirischen in der L und t. person 
nicht vor, sondern diese formen werden durch die 3. sing* mit 
infigirtem objektspronomen ersetzt (tio-m-berar ,man trägt mich' 
n&-t-befar ,man trägt dich* u. s, w.); aber die 3. sing, wird 
nicht mit dem akktisatlv, sondern mit dem nominativ eines 
«nbfitantivs verbunden, und es gibt eine 3. plur (3, sing. 6mr, 
iöierör, 3. plur* hertir, doheftar). Die konstrnktion mit dem 
nominativ müsste nach Zimmer eine entgleisnug und die 
3p plar. müsste neu gebildet sein. Die fonnenbildung und die 
bn^truktion ist ferner beim Präteritum genau dieselbe wie 
Wm präsens (imm-um-ruidbed ,ich bin umschnitten worden*; 
3. sing* döhreth »wurde gegeben*, 3. plur. dobretha)-^ da dies 
tempQs auf dem alten -io-partizipium aufgebaut ist^ müsste 
Wer eine reihe von analogiebildungen vorliegen. Schliesslich 
Mi hervorzuheben, dass es im Irischen ein durch alle personen 
tler alten sabjek tischen tempora durchkonjugirtes deponens 
|ibt Bei Zimmer's hypothese kann man absolut nicht umhin, 
4u deponens vom passiv loszureissen. Das passiv soll darauf 
beruhen, dass eine pluralform auf -r sich in der bedeutnng 
ym der pluralform auf 4t -at (herit ,sie tragen*, do-herai ,sie 
gsben') differenzirte nnd zu einer ,man*-form wurde. Das 
l^nens soll dagegen darauf beruhen, dass zunächst im per- 
fektum die pluralform auf -at sich mit der pluralform auf -r 
küntaminirte ; und thatsächlich findet sich in dem aktivisehen 
perfektum eine 3. plur. auf -atar {rogadatar; auch 1, plnr, 
^^Q^adammar); eine ähnliche kontamination glaubt Zimmer auch 
iffl lat. amav^utit annehmen zu dürfen. Es ist aber nicht 
recht klar, wie von diesem ausgangspunkt sich ein durch- 
kaojugirtes deponens entwickeln konnte; nnd obgleich Zimmer 
*ich für seine ansieht über das junge alter des deponens auf 
üe torm der endungen des präsens scheinbar mit recht be* 




Holi^er P( 




mfen kann (passiv 3, mng, -thir, -thar, deptvnens 3, sing, -w», 
-adaj% HO bleibt es bei seiner erklärung ganz räthselhaft, wes- 
halb gerade die alten medialen verba im Irischen deponente 
form haben {srjchur »folge*, lat. sequor, gr. ^'ffo/i«/, aind. saci). 

§ 41, Es braucht kaum ausdrücklich heiTorgehoben zu 
werden, dass der altirische zustand mit dem heutigeu italie- 
nischen und slavischen reflexivum schlagend parallel ist. Das 
italienische passirische reflexivum (§ 37) wird wie das irische 
passiv nur in der 6, sing, und 3. pliir. verwendet; die prono- 
mina der L und 2* person müssen wie im Irischen im akkusa- 
tiv stehen, obgleich ein Substantiv als Subjekt im nomiuativ 
steht oder wenigstens stehen kann. Nicht viel andei"S liegt 
die Sache im Slavischen; und hier fuugirt als Präteritum zum 
passirischen reflesivum ein -to-parti2ipinm (oder ein -tm- par- 
tizipinm), das den akkusativ regiren kann (§ 3ö, § 34), ganz 
wie im Irischen dem r-pasdv ein -^r/-partizipium sich als pra* 
teritum zugesellt und mit dem akkusativ der pronomina der L 
und 2; pei^on verbunden werden kann. Und neben dem 
passivischen reflexivum des Slavischen steht ein mit ähulicheu 
mittein gebildetes ^ aber in allen personen gleichmässig vor- 
kommendes medium (dem aber die präteritumsbildung durch 
das 4ü- oder *^^o-partizipinm fremd ist)j genau wie im Irischeu 
dem r-passiv ein r-deponens gegenüber steht (dem aber die 
präteriturasbildung durch das 4ö<partizipium fremd ist)* 

Die syntaktische Übereinstimmung ist so gross, dass man 
mit vollem rechte behaupten daif ; das irische (und überhaupt 
das keltisch -italische) r-passiv kann nur aus einem reflexiven 
verbnm eutstanden sein, 

§ 42. Nun behauptet allerdings Brugmann IF V 110 
(einer allgemein herrschenden ansieht ausdruck gebend), dass 
„die seit Bopp oft vürgetragene und verfochtene nieioung^ 
die italischeu geuera verbi seien durch Zusammensetzung der 
aktivtbrmen mit dem reflexiviironomen se eutstanden, aus be- 
kannten lantgeschichtlichen gründen völlig unlialtbar ist, wenn 
sie auch heute im kreis der klassischeu philologen immer noch 
anhänger hat." Nur selten ist aber eine unter allgemeinem 
beifall ausgesprochene kategorische behauptung so grundfalsch 
gewesen me diese behauptung, die in wirkliclikeit ganz in der 
luft schwebt und jeder faktischen grundlage entbehrt. Wo 
sind denn die bekannten lautgeschichtliiheu gründe? Aller* 



I 



Heues and nachträ^Uclies. 



167 



dmgs kennt das Uritalische und das Keltische im wortinnern 
keinen solchen Übergang von .^ in r, wie er hier anzunehmen 
wäre. Wie kommt man aber dazu, vom wortinnern Kch Hisse 
auf den saudhi zu ziehen ? Ebenso gut könnte man doch be- 
haipten, die anter den indischen philologen verbreitete meinnng, 
im das r von dnmjmtir im aus s entstanden sei, aus be- 
liimten lantgeschichtlicheu griindeu unhaltbar sei, weil .s im 
wortinnern nicht zu r wird, Es ist aber eine thatsache, dass im 
sandüi auf schritt und tritt in den verschiedenen sprachen 
ajidere gesetze herrschen als im wortinnern. Die thatsache 
Hast sich nicht ableugnen ; durch eine reiu physiologische be- 
irachtQBgsweise lässt sie sich aber auch nicht erklären ; sie ge- 
\iW daher zu den klarsten beweisen fiir die namentlich von 
Baudouin de Courtenay immer wieder hervorgehobene 
thatoche^ dass die lautgesetze durch und durch einen psycho- 

^klgi.schen Ursprung haben. Und nur hierdurch erklärt sich 
loch die von Johannes Schmidt KZ XXXYIII 1—52 so 
schön nachgewiesene thatsache, dass prokli tische Wörter ein 
aderes Schicksal haben können als ganz analoge lautgimppen 
ii wortinnern- Man mag liier ein physiologisches motiv 
(sebnellere ausspractie) dazwischen schieben; die wirkliche ur- 
saciie bleibt doch psychologisch: eine geringere psychologische 
werth-betonung. Damit hören die lautgesetze allerdings nicht 
aaC ausnahmslos zu sein; sie müssen aber bisweilen anders 
/ormulirt werden als bisher- Wo mir recht ist, hat noch vor 
einigen jähren ein angesehener Sprachforscher die ansieht 
tprtreten, dass der sandhi sich lantgesetzlich nicht anders 
ib das wortinnere gestalten könnte. Eine solche ansieht 
«*oIlte künftig nie wiederholt werden. 

§ 43. Ein prinzipielles und apriorisches bedenken gegen 
die annähme, s- sei im anlaut eines enklitischen wörtchens im 
üritalischen und Keltischen immer oder unter speziellen be- 
dinguügen zn r- geworden, existirt also nicht. Übrig bleibt 
also nur zu untersuchen, wie die faktisch vorkommenden 
formen im einzelnen zu erklären sind, wobei noch darauf zu 
achten ist, ob sich vielleicht ein spezieller ausgangspunkt des 
J&atwandels nachweisen lässt, von wo aus er sich analogisch 
irbreitet haben könnte- 

Die Untersuchung mnss vom Altirisehen ausgehen , weil 
Wer die alterthtimlichsten formen vorliegen. Die fälle, wo 




168 



Holger Pedereen, 



man nnr das -r wegzuschneiden braucht um eine alte n 
personalendung versehene form herauszubekommen, könm 
zunächst ausser betrachi bleiben, weil sie auf späterer weiu 
Wucherung der einmal entstandenen endung beruhen könn« 
Auszugehen ist aber von den formen, die vor dem -r schei 
bar keine personal endung haben* So findet sich im präse 
herir ,wird getragen', doberar ,wird gegeben' (woraus di^ 
talmrr ,denen gegeben wird^). Hier kann es wiederum nie 
zweifelhaft sein, dass man nicht von der konj unkten, sonde 
von der absoluten form auszugehen hat* In der konjunkl 
form konnte das reflexive pronomen ursprünglich nicht suffigi 
sondern nur infigirt werden. Wie ich schon KZ XXXVI SC 
ausgesprochen habe, beruht der unterschied zwischen absolut) 
und konjunkten Ibrmeti im Iinschen zwar in seinem kern a 
der ererbten difförenz zwischen primären und sekundär 
endungeu, er ist aber in weiter ausdehnung nur das produ 
einer systembildenden weiterwucherung und so auch gerat 
bei den passivformen. Bei berir darf mau, falls die annahn 
einer primären endung zu nichts führt, von der sekundäre 
endung ausgehen. Die primäre endung fuhrt aber zu nicht 
also ist von *bherä; se auszugehen. Aus dem auslautenden 
war im üritalischen -d entstanden (Brugmann Grundrisg 
912); dies darf man ohne weiteres auch*für das Keltische a 
nehmen* Aus *bhered se ist berir entstanden. In der zweit* 
sehe wäre eigentlich von -ajed se oder eventuell -ad se m 
zugehen. Die daraus entstandene form muss aber ein so a 
weichendes aussehen gehabt haben, dass sie nicht erbalö 
bleiben konnte; als eine neubildung eintrat, wurde ^glei 
die personalendung wieder eingeführt (caHhir). Wie i 
KZ XXXV 3.6 nachgewiesen habe, besteht neben den form* 
des passivs und des deponeus auf -ir in der 3. sing, und plt 
eine relative form auf -ar (in der dritten serie -er). Die 
formen können auf irgend einer analogiehüduiig beruhen; i 
könnten aber schliesslich auch lautgesetzlich sein und dara 
beruhen, dass zu formen wie ^hlm'ed se noch dasjenige relati" 
pronomen hinzutrat, das im Irischen meist geschwunden i 
(und nur durch die folgende lenition seine existenz verrät h), te 
weilen aber in der Verschmelzung mit einem auslautend 
vokal des vorhergehenden Wortes als -a* oder -e- zu tage tr 
(KZ XXXV 361 §43) und möglicherweise mit dem cyrnrisdi 




Keiles und nachtrAgiJches. 



169 



a identisch ist. Ich wage es nicht, die urkeltische form dieses 
pronoiuens zu rekonstruiren ; jedenfalls aber eathielt es einen 
hinteren vokal; falls es vokalisch anlautetet hat das proüoraen 
*ie vielleicht davor sein eigenes -e aufgegeben* Es musste 
also eine form mit nicht momllirtem -t' (aus -d s-) entstehen; 
das historische berar ,der getragen wird* kann also wohl laut- 
psetzlich sein. Die imperativform berar ,werde getragen* 
(i&berr ,werde gegeben') könnte wohl anf einem -a- konjmiktiv 
%hemd se beruhen, der auf iniperativische ftinktion beschränkt 
wurde, während im paradignia des syntaktischen konjunktivs 
eine neubildiing ßetihir) eintrat An die übrigen passivischen 
ond deponenten -r-formen brauche ich nicht viel worte zu ver- 
lieren. Ich bemerke nur, dass ich die ansieht Zimmer' s, dass 
Jie 3. sing, des deponens jünger i&t als die 3, sing, des pas- 
Bivs ohne weiteres anerkennen kann. Das alte medium muss 
also eine Zeitlang neben nenentstandenen, reflexiven und 
passivischen -r*formen bestanden haben. Als aber schliesslich jeder 
Utdeutungsunterschied zwischen den neiigebildeten reflexiven 
formen und den alten medialformen verschwunden war, wurden 
^eide arten von formen theils kontaminirt teils zu -einem para* 
4igma kombinirt, wodurch das historisch vorliegende irische 
«ieponens entstand. (Über eine mittelirische neubüdung vgL 
Zimmer KZ XXVIII 342—48). 

Was schliesslich die deponente form der 3. plnr, des akti- 

"frischen perfektums betrifft, so behalte ich hier Zimmer*s ansieht 

"fcei. Das Irische wird im perfektum wirklich eine dem indischen 

-ur (dadür ,sie haben gegeben*) entsprechende endung erhalten 

laben, die mit der gewöhnlichen pluralendung kontaminirt 

TTörde, Dass das cymr. givyr ,er weiss' eine umgedeutete 3, 

jlun perf. sein kann, halte ich für möglich; die bedentung 

^man weiss* könnte die semasiologische brücke zwischen dem 

pliir. und dem sing, gewesen sein. Nicht ganz einfach ist 

^Jlerdings die lautliche frage. Vgl. Zimmer KZ XXX 273. 

§ 44. Es bleibt noch übrig, diejenigen formen de^ iriacbeu 

passive zu besprechen, die nicht zur r-formation gehören. Die 

ionjnnkten formen des Präteritums, die im sing, auf -d, -th^ 

im plur. auf -tha ausgehen (z* b, du-ro-lged ;remissum est*, 

Altin do-ro-lgetha), hat man, wie schon oben hervorgehoben, 

längst ans dem -fo-partizipium gedeutet (Grrammatica Celt. ^ 

Zl t). Daneben bestehen absolute formen, die man zuerst im 



170 



Rolger Pederaeix, 



Mittelirisdien beobachtete, wo jedoch schon manche ver- 
mischuugen vorliegen (Zimmer KZ XXVIII 363—570); sie 
kommen aber schon im Altirischen vor {ffabthe ,wurde ge- 
nommen', hrethae ,wnrde getragen' IF Anz. XII 97), Natür- 
lich ist hier wie sonst viellach die unterscheidimg zwischen 
ahsoluteD und konj unkten formen sekundär, und zwar müssen 
die absoluten formen neu gebildet sein; die Zimmer'sche ver* 
muthung, dass sie auf dem -Ho-partizipium beruhen, durfte M 
richtig sein. Das fehlen der mouillirung des th einer form wie 
brethae ist dann eine überti^ogung von formen wie gahthe, wo 
es lautgesetzlich war (vgl. verf. Aspirationen i Irsk s. 6 f.) ■ 
(Einige mittelirische neubildungen behandelt Zimmer KZ 
XXVm 348—352, 352—363), 

Übrig ist das sogenannte präsens secundariiim , dessen f 
singnlarform auf *the (no-ber-the) ausgeht. Ob man hier zum 
zweiten mal das -^io-partizipium in anspriich nehmen darf, weiss 
ich nicht. Die pluralform ist mit dem aktiv gleichlautend (no- 
ber-ih); sollte es eine ursprüngliche aktivische pluralforra im I 
^man'-sinne sein, die mit dem passivischen paradigma kombi- " 
nirt wurde, wobei die bedeutung der pluralendung umgedeutet 
worden wäre? Übrigens ist es bei mehreren von den spär- 
lichen belegen möglich zu zweifeln, ob die form wirklich , 
passivisch ist (z, b. Sg. 6 a 6 forceinnfitis anmann inie gl, 
necessario terminalis nominnra inveniretur; anmann könnte j 
doch auch der akkusativ sein). 

§ 45, Die lateinischen -r-formen zeigen alle vor dem -f j 
eine deutliche personalendung* Trotzdem wird das r ur-j 
sprünglich in formen entstanden sein, die mit ir. berir ,i 
getragen^ bm*ar ,es werde gebogen* parallel waren. Und* 
diese Voraussetzung wird durch umbr. ferar ,man trage' ier 
,man wird gehen* bestätigt (Brugmann Grundriss II 1391). ■ 

§ 46. Das -r-passiv ist vielfach als beweis fQr eine 
nähere verw^andtschaft des Keltischen mit dem Italischen in^ 
ansprnch genommen* Auch ich bin der ansieht, dass derfl 
parallelismus \iel grösser ist als etwa der heutige parallelis- 
mus zwischen dem Slavischen und dem Italienischen in der 
Verwendung der reflexiven formen (vgl § 38). Es liegt nicht 
nur ein syntaktischer, sondern zugleich ein lantgeschichtHcher 
parallelismus vor, den ich mii' nur durch eine historische ge- 
meinschaft erklären kann. — Ich hebe zum schluss hervor, 



Netzei und nschtt%!ielics. 



171 



leine deotung der italokeltisclien -r-formen zwischen 
imiD^r und seineri gegnern die mitte hält, jedoch so, dasa 
alle die scharfsinnigsten und genialsten beobachtungen Zimmer's 
ihm giiltigkeit behalten. 

Nachtrag, 

Ich verdanke Zubaty den hin weis anf die s, 150 erwähnte 
indische erseh einung, dass in einem subjektlosen ,man*'Satze 
ein roaskulinisches partizipium oder pronomen stetien kann* 
Zugleich hat er in einem späteren briete (27. mai 1905) auf die 
Mannten griechischen „man"-sätze verwiesen, die ich bei der 
aasarbeitung meines aufsatzes leider ganz aus den äugen ver- 
bren hatte. Am schlagendsten mit dem Slavischen und Alt- 
nordischen parallel sind die epischen beispiele, vgL Krüger 
dialektgramm. § 61, 4, 1 und Ameis zu IL 22, 199 u. s* w. 
Ke beiden optati tischen beispiele bei Krüger (Ovi^d xbv hv&m 
Tifjjf yf ^ivQQ y-tti /Jt^f^g o^ontf 11, 13, 287, Ovx äoa ßovvop 
f^v *Eoi6tüP fivngf uXX' ini futav Hat 6m' tiJ* ftdv mv inai^ 
flinut ro^üa;j ^ d'inificuftqj^. Hes. "E 12) erinnern an die 
iltriordischen sätze mit skal Ein maskulinisehes partizipium 
findet sich in dem letzten von diesen beiden salzen; vgl. die 
iiüfige fnrmel o^rroi' t* flyrnv^ ßü^ouQ; ein pronomen: mg 6' 

f¥ (ivfi^fii nv Svvaj fii ff fvynpxa ßtwxttv* qvt ap' o tov 6vPUTari 
iMmftvfHP üv»' 6 dmmti' H, 22, 199--20O; ein adjektiv: r^d* 
^Hif UV jCioi vvjCTi ntt^sSouBfv fixeXt>g avi^ Od. 20^ 88* Bei- 
qiiele aus der späteren zeit finden sich bei Krüger, Att. Gramm, 
§61^4,5 und in anderen gi'ammatiken; besonders bemerkens- 
weith sind satze wie aui yao ffctdtXoiv ini t^v iüx^trjy itaipo- 
fif aftmv&itfit Aristot. de part. anim. I 3« 

Es war mir bei der ausarbeitung meines aufsatzes ganz 
Uar gewesen^ dass die subjektlosen ,man*-sätze einen gewissen 
Mtbeil an dem zusammenfall der 3. sing, und 3. plur, im 
Baltischen gehabt haben können. Auf die subjektlosen sätsse 
dieses gprachzweiges ging ich aber nicht ein; wegen der von 
Zob&tf gegebenen böhmischen Übersetzung mochte ich jedoch 
jetzt ein lettisches beispiel nachtragen, worin das verb schwer- 
Ueh von anfang au pluraliscb gedacht ist: jo bermt per^ jo bems 
rmd ,awi vic dite bije^ tim vice diie plä^& je mehr man ein kind 
Bdd%t, am so mehr weint das kind\ Zubaty bemerkt, da^i 




172 



HoIg^T Pc^erBCBi 



man im Böhmischen allerdings eher UjeS sagen würde; vgl 
aber das Sprichwort cim t??c $e s havnetn maie^ tun vie smrdi 
je mehr man im mist herumwühlt, um so schlimmer riecht er^ 

Hier noch eine kleine nachlese yon ftechiscben beispielea: 
po tmt' nerozeznä kravu od hone ,in der nacht kann mau eine 
kuh Yon einem pferd uicht unterscheiden' (Zubaty) ; und aas 
Mähren (mitgetheilt durch die vermittelung von Zubaty): wecA 
iö^ to nesmi ,lass das, das darf man nicht*; (o nemuh ,^ 
kann man nicht'; lakomjhQ stolara vokoUi^ne nenajde pSOlcheo 
tischler findet man in der Umgebung nicht*; tole nekoiipi ^ni 
V Brne ,das da kauft man nicht einmal in Brunn'. In der alt- 
<^echischen Übersetzung von Marco Polo's Million, heraus- 
gegeben von Pra^ek^ Prag 1902 finden sich zahlreiche beispiele; 
Zubaty führt an: tak daleko jako by mohl m sedm dni tyÖ* 
,so weit man in sieben tagen gehen kann^; okolo toho mhhi 
turkyssiYü najde mnoho ,um diese Stadt herum findet man viele 
türkise' ; po sedmi dnech jest pak jüi vserJco doluoVt tok ii 
Icdva dolti(w sende ve dvü dni ,nach 7 tagen muss mau stets 
hinabsteigen, so dass man mit noth hinunterkomrat in 2 tagen'. 
Schliesslich verweist Zubaty mich auf einen altrussischen 
,man'-satz mit maskuiinischem partizipium : smotrichomSy iaiö 
sja poklonjajutb v& chrame; pofdomvsja sjadethf i gtjadith seft^ 
i oimnw jako besens ,wir sahen^ wie sie sich ira lerapel Ter 
neigen; wenn einer sich verneigt hat, setzt er sich und schaut 
hin und her wie ein toller* (Nestor, jähr 987), 

Sehr interessant ist die thatsache, dass im Finnischen ein 
ganz ähnlicher Sprachgebrauch herrscht wie im Altskandins- 
vischen und im Slavischen. Ich verweise auf Setälä, VmsU 
spräkets satslära, Helsingfors 1903, p- 4: sen kohta iuwH 
eVä känessa on älyä ,das liört man sofort, dass er scliarfsinn 
besitzt'; hänen sanoihinsa ei voinut luottaa ,man konnte sieb 
auf seine worte nictit verlassen': häntä ei mitenkaän olisi hd- 
htt Bairaakd miekekd ,maö hätte ihn keineswegs für rioeo 
kranken manu genommen'. Besonders häufig ist die sub- 
jektlose Verwendung bei den verben man und saaianj die ^^ 
an, skal ziemlich gleiclibedeutend sind, wofür ich aus ümsch 
geschriebenen arbeiten von Mikkola ein paar beispiele liielifir- 
Stelle: ei myoskään saanut pauna toimeen Böömissa tner^^ 
ttiomiöisiuimen päätoksiä ,man durfte auch die entscheidüng^o 
eines fremden gerichtes iu Böhmen nicht ausführen*; pappf- 



liene« ona 



llcli0i. 



173 



vifhja ei saa mtjydä ,inan darf die priesterämter nicht ver- 
kaQfen'; kansallistumw oli min vakvisUinut^ että nyt pikemmin 
mattoi puhfia kanmUisylpeydestä .das oationalitätsgeföhl war so 
eistarkt, dass man jetzt eher yon nationallioclimutli reden 
koonte'* Auch das folgende beispiel erinnert an das Indo- 
g^manische: Monpoika on kuin seljapim; jafa enemmän f^itä 
kttmif ntä paksiimpaan kiiorf^m $e peittyy ,der bau er ist wie 
m bolunderbaum; je melir man ihn scitält, mit um so dickerer 
rinde bedeckt er sich* (Mikkola). Vgh noch tanf^kalaisessa rmw- 
m htionKta toiseUa pwtUn Hamlei-tarim^ toisdia puülen Didrik- 
tQmn sekoittisia ,im dänischen gedic t bemerkt man ein ge- 
misch einerseits von der Hamlet-sage, andererseits yon der 
Didrik - sage^ ; mutämnat kohdat mitiä eläväsÜ muisttitiavüt 
K^iäervö-iarHaf varsinkin jos ottaa huömioon eman towm hu' 
luH ,einige punkte hierin erinnern lebhaft an die KuUervo- 
sa^e^ besondere wenn man einen j^e wissen anderen gesang in 
betracht zieht' (Mikkola.) Ob der Sprachgebrauch alt ugroflnnisch 
i«t, oder auf indogermanischem (germanisch-slavischem) einlluss 
^^iraht, vermag ich nicht zu entscheiden. 

^Hiani 

I kaiisch 



IL (ieleprentliehe bemerkungen ttir lautgeschichte nnd 
I^rtgeBchichte* 

§ 1. (Verner's gesetz). Als ich meinen au^atz jZnr 
lenüehre* KZ XXXIX 232 ff schrieb, worin ich s. 243— 24G 
"Nachzuweisen versuchte, dass Verner's gesetz aus einem mnsi- 
kalischen akzent zu erklären ist, war es mir entgangen, dass 
8chon öauthiot MSL XI 198 ff, dieselbe ansieht aufgestellt 
kitte. Ich will es nicht unterlassen wenigstens jetzt nach- 
traglich auf die vorzüglichen ausftlhrungen dieses gelehrt-en 
binmw eisen. GautMot zeigt zugleich, dass die bekannten )aut- 
g^cfaichtlichen theorien von J. Wackeraagel (über -rs- im 
Griechischeß; ov^a, ia^n^) und Barth olomae (über -rt- im 
Awesta: kBf9ta', maSya-) mit dem musikalischen Charakter des 
ahentee gut stimmen. 

§ 2- (Idg- qh und q'^h im 81 avischen). leli habe IF 
T491 die ansieht autgesteUt, dass idg. qh und q'*h im Slavischen 
ab dt auftreten, eine ansieht die n. a, bei M ei II et MSlj IX 
m und Etudes sur l'^tjTnologie et le vocabulaire du vieux 
tlafe s. 174 beifall gefunden hat» Gegen diese ansieht wendet 
M neaardiogs übleobeck IF XVU 95 ff. 




174 



Eotg0r Pedet^n, 



Zanächst führt Uhlenback s. 95 einige apriarische er- 
wäguDgen an, die meine ansicM nnwahrscheiElich machen 
sollen. Er behauptet, dasf> nach meiner anffassuug (die dann 
allerdings unwahrscheinlich wäre) „im Slavischen das kh niebt 
nur durch seinen Übergang in ckj sondern auch schon durch 
das erhalten der aspiration eine sondei-steUung (den übrigen tenaas 
aspiratae gegenüber) eingenommea hätte*** Er stellt also 
meine ansieht chronologisch in der folgenden weise dar: 
I. kk th ph 
U. kh t p 

ni. X ^ t p 

Eine solche Chronologie habe ich aber nirgends angedeutet 
oder empfohlen ; mit meinen ansichten stimmt nur die folgende 
aufstell ung: 

I, kh th ph 
n, X th ph 

m, X t p 

Aber auch von diesem missverständniss abgesehen, schetal 
UUenbeck es noch als au^ilig zu betrachtenj dass qh und f I* 
anders als Zh th ph behandelt worden ist. Hierin bat er 
aber unrecht; denn es lässt sich empirisch nachweisen, im 
die weit hinten im munde gesprochenen versclilusslaute be- 
sondere leicht spirantisch werden; und diese erscheinung ist 
phonetisch sehr leicht zu erklären: weit nach hinten ist es viel 
schwieriger emen vollständigen verschluss zu bilden als ki 
den weiter nach vorne gesprochenen lauten* Ein besonders 
klares beispiel dafür, dass ein hinteres k besonders leidit 
spirantisch vnvd, bieten die türkischen sprachen, in deneü riel- 
fach k bei hinteren vokalen spirantisch geworden ist, während 
& bei vorderen vokalen sowie auch t und p verschlusslaute 
bleiben ; dies ist z. b, im Cuwaäischen noch vor dem eintreten 
der eigenthtimlichen vokalgesetze dieser spräche gesehelieQ. 
Noch häufiger ist in den türldschen sprachen eine entsprechende 
verschiedene entwickelung des g bei hinteren und bei vorderen 
vokalen (vgK Vilh. Grönbech, Forstudier tu tyrkii?k lj*l* 
historie, Kopenhagen 1902 s, 151). Ich könnte mich auch auf 
das Mongolische berufen, wo vor hinteren vokalen nur x und 
y, vor vorderen vokalen nur k und g auftritt (I* X Schmidt, 
Grammatik der mongolischen Sprache §§ 12 — 14). Iid Ma- 
gyarischen ist das ur-ugrofinnische k- vor hinteren vokalen zi 



NoDes und nacbträglioheB. 



175 



h- geworden, vor vorderen vokalen als k- geblieben: finn, 
liak ,fisch* magy. hal; finn. käst ,haiid' mag3^ kez (vgL Setälä, 
Yhteissuomalainen ääunehistoria s. 8). Ich übersehe dabei 
keifleBwegs, dass es im Magyariscbea auch noch andere interes- 
sante änderungen der ur-ugrotiniiischen verschlnsslaute gibt 
{p'>f- und verschiedene fiir den inlaut geltende gesetze); 
aber diese gesetze ändern an der ans hal:kea zu ziehenden 
lelire nichts. Und brauche ich daran zu eiinnern, dass im 
Holländischen f/ spirantisch ist, d und b aber nicht (vgl. 
Sweet A handbook of phonetics, Oxford 1877, s. 141 £)? 

Wir brauchen uns aber überhaupt nicht vom 81avischen 
111 entfernen. In mehreren slavischen gegenden ist g über y 
tu einem stiüimhafteu h geworden, während d und b erhalten 
geblieben sind, so im Kleinrussischen und im Cechischen, Ich 
eriBüere hier daran, dass nicht nur die verschiedenen artiku- 
lationssteilen, sondern auch die verschiedenen artiknlations- 
titen dem spirantisch- werden gegenüber sich verschieden ver- 
galten. Am leichtesten werden spirantisch die aspirirten tenues, 
Ferhältnismässsig leicht auch die mediae, am schwierigsten die 
t'mm tenues, weil bei ihnen der verschluss am energischsten 
Und straffsten ist. Beispiele hierfiir lassen sich nicht nur aus 
<lem Slavischen und zum theil ans dem Türkischen sondern 
ÄBch ans dem Armeuischen, aus dem Neugriechischen und aus 
^m Urgermanischen anführen. 

Also: die annähme, dass idg, qk q"h im Slavischen zu x 
geworden ist, hat apriori an sich absolut nichts unwahrschein- 
Mches, Es kommt also auf die belege an. Mit den belegen 
st^ht es aber so gut, dass ich wohl sicher hoffen darf, meinen 
bochgeschätzten holländischen kollegen leicht für meine ansieht 
S^winnueii zn können. 

Ulilenbeck fiihrt für seine ansieht, dass qh und ffh im 

Sliräcben zu k werden nur ein beispiel an, das er selbst als 

C^zlich unsicher bezeichnet: asl. kleüda , Verleumdung, 

^9duiiähung' gr. /ä^iJjj ,scherz, spotte kleveta ist aber mit 

«riaem im Slavischen durchaus lebendigen suffixe von einem 

ifetbnra abgeleitet, das uns im Russischen als kUvätb ,picken 

Km\ dem Schnabel)' klevätbsja ,hacken, beissen' entgegentritt. 

^eiin ühlenbeck femer altsl. Mits ,schild* zu gi\ o/J^ts stellt 

tsUtt zu lat, scütmn ir. sciath cymr. ysf/wyd% so handelt es 

^ ntir um eine ganz ferne Wurzelverwandtschaft, deren wahr- 



176 



Holger Pedersen, 



scheinlichkeit ich gamicht zu untersucben brauche, da schon 
die neugriechische (und die urgermanische) parallele es als 
möglich erscheinen lässt, dass S'Ji s(fh anders betiandelt worden 
isfc als qh <fh, Gr. inx^Luä kann man daher auch mit asL 
iskra jfunke* kombimren (vgl, jedoch KZ XXXII 273) oke 
dabei meine theorie zu gefährden. 

Es kommt also nur darauf an, ob Uhlenbeck's kritik 
meiner belege für slav, x aus qh q'^h zutrifft oder nicht, Idi 
habe eine ziemlich lange reihe von belegen aufgestellt; ich 
halte sie noch alle aufrecht^ bin aber weit entfernt, sie alle 
als gleich sicher zu betrachten. Da meine theorie nicht dureli 
die Widerlegung einiger peripherischen etymologien widerleg 
wird, wenn nur eine anzahl von absolut sicheren beispielen 
übrig bleibt, so halte ich mich nicht für verpflichtet, alle meiae 
etymologien hier noch einmal zu vertheidigen. Ich überlassne 
vielmehr ohne weitere Wortverschwendung den fachgenoäseii 
die beurtbeitung derselben. Nur mit rücksicht auf asl* s^^ 
jgrau' fi. sery p, szaryi an. harr ,altersgrau* gr. ;rf)roo; Merkel' 
halte ich es für unbedingt nöthig, auf Uhlenbeck's gegen^ 
bemerk ungen einzugehen, weil diese einen faktischen irrtlmm 
enthalten, der vielleicht nicht von allen indogermanisten be- 
merkt werden wird. Wie ich schon auseinandergesetzt habe, 
lassen sich die westslavischen formen nur unter der voraiis^ 
Setzung mit den südsla vischen und russischen formen vereinigeD, 
dass sowohl i? wie s aus ch durch die jüngere palatalisation 
entstanden sind, Uhlenbeck schlägt jetzt aber vor, die west- 
slavisehen formen von den ost- und südslavischen zu trenflen: 
für jene setzt er den anlaut B-, für diese k* an; unter dieser 
Voraussetzung lasst asL sei^B sich zu aind. garä- ,bunt, scheckig 
stellen. Auf die methodologische frage will ich nicht eit- 
gehen; eine reihe von slavischen formen, die vom slavischen 
Standpunkte aus als absolut identisch betrachtet werden müssea, 
auseinanderzureissen , um für einen theü der formen eine 
auswärtige etymologie zu finden, ist allerdings ein verfahreo, 
wovor ich bei meinen Universitätsübungen meine znMrcr 
ernstlich warne; es hat z. b, einmal einer von meinen ^' 
hörem den Vorschlag gemacht, man solle an. haun ,bohne' von 
den lautgesetzlich entsprechenden deutschen und engli^^ften 
formen trennen, um es durch eine vorausgesetzte grancüorm 
*bhabhuna mit laU faba zu vermitteln; ihm habe ich dringend 



HeüeB und nicli 



[iCfiM.. 



177' 



3sa beherzigen gegeben, dass man immer zunächst den engeren 
kreis von sprachen zu vergleichen habe, ehe man sich an ferner- 
liegende vergleichungen wagt, dass man also unbedingt davou 
süksehen müsse, flir an. bann eine grundform aufzustellen, die 
Miicht zugleich für die deutschen und englischen formen passt. 
X)er grundsatz dürfte einleuchten; ich will mich aber nicht 
^weiter darüber verbreiten. Denn es genügt hier vollkommen, die 
nach Uhlenbeck für das Westslavische aufzustellende grundform 
etwas näher zu betrachten, Sie soll mit h- angelautet haben; 
v^m flir ein vokal soll aber darauf gefolgt sein? Ein idg, e 
k&nu es nicht sein, weil dies schon nrslavisch nach i zu « werden 
tuusste. Das polnische a in szary lässt sich nun allerdings 
^gleich gut aus urslav* a und auj* urslav. S erklären; das 
■pfichlscbe e in sery lässt sich aber aus a absolut nicht erklären; 
n^h einem j oder einem j-haltigen konsonanteu wird a be- 
kanntlich im Cechischen nur dann zu e, wenn auf den vokal 
\tm ursprünglich unmonillirter konsonant folgte; deshalb z. b. 
nominativ Jan ,Johann* neben dem vokativ Jene, dem diminu- 
n^ Jmik u, s. w., U.S.W, (vgl Genauer Historickä mluvnice 
1 92)* Eine grundform , die mit idg. *Aiöi- oder *kiat- an* 
Isatete, darf man aber ebensowenig für fi. sery p. ssary auf- 
llen ; denn oij ai wäre nach i über ei zu urslav. i geworden, 
lUte jemand bereit sein, nun auch ö, SeriJ von poln, szary 
ea (etwa für das Cechische ^kie-^ für das Polnische 
anzusetzen), so rauss ich darauf aufmerksam machen, dass 
auch mit drei urslaviscben formen nicht auskommt, da doch 
iucb osorb* siry zu erklären ist. Wenn er nicht noch eine 
rierte grundform (welche?) aufstellen will, gelingt die sache 
okht Kurz, es besteht nur eine moglichkeit: ash strs L sery 
OflOrb. eery poln. si'ary können nur auf eine grundform zurück- 
gllien, die mit x anlautete und einen diphthong enthielt. Und 
idoii dies eine wort genügt vollkommen, um slav* x aus idg. 
jA, ^h zu erweisen. 

Auf Uhlenbecks einwände gegen meine etjTnologie von 

ha gehe ich nicht mn. Dagegen muss ich die hemer- 

Ton Meringer IF XVII 117 berücksichtigen. Seine 

semasiologiscbe bemerkung s. 117 ^ ist natürlich durchaus 

nchüg. Unrecht hat er aber, wenn er das slavische wort aus 

i (schwer nachzuweisenden) germanischen w^orte entlehnt 

liast. Unrecht hat er schon deshalb, weil die grund- 

EiUicbnft tat Tetgt. Sprtti^hr S. F. XX S^ |2 




178 



Böiger P«denen, 



I 



bedeututig des slavischen Wortes nicht ,zocIie\ soDdern ganz 
einfach ^ktiiittel, ast* war; es kann daher nicht aus einem 
(nicht existierenden) germanischen wort mit der bedeutnng 
,zoche* entlehnt sein; es war weder ein kulturwort noch ein 
lehn wort Allerhöchstens könnte man daran denken, dass die 
bedeutnngsentwickelung, wodurch das wort im Slavischen ti. a. 
die bedeutung ,hakenpäug' bekam, durch den anklang an ein 
gennamsches wort (etwa das wirklich eiistierende ahd, suohha^ 
stiöhhüi ,aratiuncula') begünstigt worden ist. Ein echt slari- 
sches wort bleibt sovha aber auch so* Dass ich dafür nicht 
eine wui^zeletymologie bereit habe, betrübt mich absolut nicht. 
Zu den sicheren belegen für slav. x aus qh q**k rechnf 
ich noch asl. dwteti ^wollen* arm* xatid ,ardente brama* gi\ 
/itig u* s. w. Ganz peripherisch war meine yermuthung, lat. 
amäre, famm könnte auch hierhergehören. Ich bin ganz bereit, 
diese peripherische vermuthung, sobald sie widerlegt wird, 
aufzugeben. Mit grosser Verwunderung lese ich aber IF 
XVn 96 1, dass diese vermuthnng nach Uhlenbeck's „aus- 
ftihrungen über die Vertretung der teuues aspiratae im Latei* 
nischen (IF XIII 213 ff) als dlirchaus verfehlt" zu bezeichnen 
ist. An der angegebenen stelle findet sich allerdings ein auf- fl 
satz von Uhlenbeck über die atigedeutete frage; der anfsatz 
gipfelt aber (s. 219) in dem bekenntniss, dass Uhlenbeck weder 
über die Vertretung der t^nues aspiratae im Lateinischea ■ 
noch überhaupt über die idg* tenties aspiratae irgend etwas 
EU behaupten wagte; „nil scire tutissima fides"; und auch der 
leser konnte nach der lektüre von Ühlenbeck's aufsatz, deir 
kein neues material brachte, absolut nicht gezwungen sein^ 
seine etwaige frühere ansieht zu ändern* Ich habe den im 
ganzen nur referirenden aufsatz Ühlenbeck's gern gelesen, habe 
aber darin eben mir ein referat gefunden; und jetzt soU das 
ganze problem durch diesen aufsatz entschieden sein ! Ich halte 
es vielmehr nicht nur aus physiologischen gründen für wahr- 
scheinlich, sondern zugleich ans etymologischen giünden für ab- 
solut sicher, dass die idg. tenues aspiratae im Lateinischen als f 
und h (und deren fortsetzer) erscheinen. Dies hier näher zu 
erörtern bin ich nicht verpflichtet. Vgl, jedoch unten über 
hm^Gs und § 4 über fungfis^ — Mit bezug auf die sonstig« 
lautforra des asl, choteti sei es mir erlaubt, hier noch hinzuzu- ■ 
fügen, dass ein o als Vertreter eines u- farbigen silbischen I 



I 



Neaei xmä nachtriglicheB. 



179 



BMals Eoch in einem bis jetzt über&eheneti klaren beispiel 

TOrliegl.. ÄsL groza bedeutet ,horror*^ ebenso russ. grom, 

ugroza; riiss. grozä liat aber daneben die jedenfalls ältere be- 

deutung ,gewitter, donnert Das wort lässt sich daher voü 

a&L grbmiti t. hrmiti ,donnern* asL groms ,donner' nicht 

trennen. Eng verwandt ist es auch, wie längst von M i k lo s i c h 

erkamit, mit lit, gnmudiiii gruntsti .di'ohen*. Aufiallig ist es 

zwar, dass dem litauischen ^d im Slavischen nur z entspricht; 

eine solche entsprechung ist jedoch auch sonst bekannt , vgl. 

IF Y 36 und Mi kl o sich Vgl. gr. P 271, wo noch auf lit 

gmistu griftiEdaü griihstt ^sinken in wasser, schlämm' neben 

\m gidchbedeut enden asL gr^^m^ü russ, grjä^nuU verwiesen 

wird. Die kombination von asL groza mit lit. grumsdHü 

koünte früher als unsicher gelten, weü das verhältniss der 

Tökale unklar war; dieser verdächtigungsgrund besteht aber 

bBQte nicht mehr. Aufzugeben sind also die etymologien bei 

Oethoff Parerga s< 44 und bei Zupitza KZ XXXVII 398. 

{Das gesetz Zupitza's über slav.^ aus s kann aber trotzdem richtig 

m; zwei neue belege nach r will Uhlenbeck KZ XXXIX 

ä99 wahrscheinlich machen. Mt unrecht nimmt er aber an, 

dass hierdurch eine revision der ansichten über slav. ch aus s 

md den in diesem puakte besteheuden Zusammenhang mit dem 

Arischen aöthig werde, i ist im Slavischen (ausser vor ver- 

icUosslanten, IF V 77) zu ch geworden; der entsprechende 

itimmhafle laut f ist dagegen niemals etwa zu y verschoben 

'Orden; wie das erhaltene s vor verschlusslauten historisch 

4 A auftritt, so erscheint auch i als slav. e] anders könnte 

ttim es überhaupt nicht erwarten. Die alternation s:€h ist im 

^Tischen gelegentlich zu einem mittel der wortbüdnng und 

ißt bedeutungsunterscheidnng geworden, wie Baudouin de 

Coirtenay, Szkiee jfzykoznaw^cze 1 259 schon nachgewiesen 

bL Deshalb kann ch (aus s) gelegentlich auch nach e und a 

itdien; an dem lautgesetz, dass idg. s nur nach i u r k zn 

A wird, ist aber absolut nicht zu rütteln). 

Uhlenbeck hat IF XVII 99 uud 95 noch ein paar von 
lir vertretene et3rmologien , die mit der ^/i-frage in keiner 
fierbiüduüg stehen, angegriffen. Die gleichung ash chlado 
lit. smltas .kalV wird kurzer hand als ^ willkürlich*^ 
^lehnet, weil Uhlenbeck szdUas von lit. szalnä asL sktria 
J^ nicht trennen will* „Wäre es nicht um chlads unter- 

12* 




180 



Holg«r FttderBen, 



1 



zubringeiif so würde es keinein eingefallen seiü, ^älfc^ von 
srnhiäj aksl slana zu trennen und sein anlautendes sz aus idg. 
ks zu erklären^. Dieser satz ist unbedingt richtig; er kanu 
auch so ausgedrückt werden: „Wenn man das heutige Litaaiscb 
ohne irgend eüien seiteabUck auf verwandte sprachen etymo 
logisireu darf, so kann smlias von ssalnä nicht getrennt werden". 
Dies verfahren ist nun aber einmal nicht erlaubt; mau darf 
niemals nach wurzeln suchen, ohne auf die historische and 
vergleichende Sprachwissenschaft rücksicht zu nehmen. Wahn- 
sinn gehört nicht zu tvahu^ wähnen ^ alb,*tiirk. sevda ,liebe* 
gehört nicht zu ttirk, sevmek (sävmäk) ,lieben* (ZDMG 57, 5B6)^ ■ 
d. Glicht gehört nicht zu sticken, hantieren nicht zu Äan/CT 
(Brngmann IF XVII 17Q), bret dimezdl junges mädchea"^^ 
(aus fr- demoiseUe) gehört nicht zu dimesd ,heirathen' (worübe^^ 
vgl, V. Henry Lex. 6L du breton moderne); alb. leho\ 
.Wöchnerin* (griech*) gehört nicht zu lehem ,vverde geboren' 
türk. syklät »pesanteur, peine, importunit^*» alb. mkkt ,ui::^- 
behagen' ,lange weile' (arab., von paqala) gehört nicht zu türk^. 
.sykylmak .Unbehagen, lange weile empfindenS da dies ecB=Lt 
türkisch ist {sykmak ,presser'); die ähnlichkeit war aber gro^ss 
genug, um einen forscher wie G. Meyer (Et Wtb, s* 384) ^sa 
täuschen. Im Dänischen steht agem ,frucht der eiche' neb^su 
fg ,eiche* genau wie bog ,frucht der buche* neben bag ,büch^'; 
und trotzdem ist agem (got. akran) mit eg absolut nicht v^aa-- 
wandt 

Was die bezeichnung der gleichung ash chlada : lit* szäl^^as 
als „willkürlich^ betrifft, so erlaube ich mir darauf zu r^r- 
weisen, dass dieselbe deutung auch in der bald nach mein ^m 
aufsatze erschienenen arbeit von Mikkola Baltisches tm^nA 
Slayischey (t'inska vetenskaps-societetens förhandlingar XL-*^) 
s. 44 vorgetragen ist, also wenigstens zu denjenigen willkürlL^^h- 
keiten gehört, die auf einmal von mehreren Sprachforschern 
einleuchtend gefunden werden. Auch die sowohl von K»ir , 
(KZ XXXVIII 395) als auch von Mikkola (Baltisches uJidJ 
Slavisches s. 39) und von Mansion Les gutturales grecqtJes 
s, 98 gebilligte kombination von aal sirs ,verwaist* lit. $zmrfs 
,wittwer* sBeiri ,wittwe* mit gr. xn9^^ 1^*- herm wird von 
Uhlenbeck IF XVII 95 verworfen, vermuthlich nicht nur 
wegen seiner verliebe für wurzeletjrmologien (hier bietet mh 
ein indisches ha- ^verlassen' !) , sondern zugleich weil ein id^. 



N«tiee und nficbtriglicbee. 



181 



*ih^o- *Pk^ro' (vgl. serb. dröte ,die waisen*, siromäi ,die 
annen*, Strotan »verwaist', sirot^äd ,die waiseoS derpii akzent 
aaf ein idg. ti oder / weist) seinem wünsche, die existenz der 
idf* tennes aspiratae gänzlicli abznleugnen (IF XIII 219), 
aicht recht zustatten kommt, 

§3* (Die armenischen lehn Wörter im Türkischen.) 
Deijenige theil meines aufsatzes KZ XXXIX 3B4— 485, der 
über die armenischen lehnwörter im Türkischen handelt (s. 
W2 — 465) ist von bern] dr. Bernhard Munkäcsi in der 
idtichrift Keleti szemle V 352—357, vgl. 347—349 be- 
^rochen worden. 

a) Ich war natürlich bei der abfassnng des betreffenden 
tbechnittes vor allem bestrebt gewesen die als armenische 
lehnrörter in anspruch genommenen türkischen Wörter nach 
biften allseitig zu beleuchten. Ich darf jetzt nach Munk^esi's 
kaprechung annehmen, dass mir dies einigermassiMi gelungen 
ist; denn er hat im grossen und ganzen nur dasselbe materiaJ 
ins feld geführt j das auch schon bei mir verzeichnet ist. Was 
er aeues beibringt, wird im verlauf meiner darstellnng be- 
sprochen werden. Mit einer gewissen enttäuschung habe ich 
jedoch bemerkt, dass er über diejenigen türkischen Wörter, 
ten geschiebte mir unklar war (wie osm. gäm ,zaum^ s. 462), 
liebt nur nichts entscheidendes, sondern überhaupt nichts vor- 
getragen hat. 
I b) Obgleich nun aber Munkäcsi dasselbe material wie ich 
J benutzt, so hat er daraus zum theil gau2 andere folgerungen 
I «1» ich gezogen. Auffällig ist en mir gewesen, dass er that- 
I ^heu, die mit meiner hypothese stimmen, und deren fehlen 
^fir meine lehre geradezu verhängnissvoU sein würde, als ar- 
^punerite gegen mich verwendet. Ich habe bekanntlich eine 
nähe von türkischen Wörtern als aus dem Armenischen ent- 
Wmt bezeichnet und dabei auf eine periode verwiesen, als 
ten termin US ante quem ich nach der lautlichen fonu 
to Wörter das jähr 5CM} vor Chr. angesetzt habe. Munkäcsi 
w&det nun mehrfach ein, dass die betreffenden werter gemein- 
ttridsch sind, über das ganze türkische Sprachgebiet verbreitet 
>iiMl. Dies wäre allerdings ein sehr schwer wiegender ein- 
»tßl falls man annehmen dürfte, dass die Türken in der 
?eri(Mie H300— 50(j vor Chr. Konstantinopel beherrschten, bei 
Kaxaa wohnten, am eismeere sassen, eine annähme, die eben- 



ii 



Holfer Peäonen, 



80 wahrscheinlich ist wie etwa die atmahme, dass die Slaveii 
in jener periode Madivostok, Archani^elsk, St. Petersburg und 
Prag beherrscht hätten. Derartiges nimmt aber Muakäcsi 
selbstverständlich nicht am. Die ungeheure Verbreitung^ der 
Türken ist ebenso wie die ungeheure Verbreitung der Slaven 
ganz sekundär* Auf dem ungeheuren gebiete der türkischen 
Stämme sind noch heute die sprachlichen unterschiede so gering, 
dass man vielfach geneigt, ist, eher von verschiedenen dialekten 
als von verschiedenen sprachen zu reden ; und auch wenn man 
die am meisten abweichenden sprachen (das Jakutische und 
das CuwaSische) mit heranzieht, daif man sagen, dass sich 
auf dem türkischen gebiete keine grösseren differenzen als 
etwa auf dem slavischen gebiete voi'ftnden. Und wie die im 
9* Jahrhundert nach Chr. entstandene altbulgarische slavischeJ 
Schriftsprache von einigen speziellen punkten abgesehen in^ 
ganzen gerade diejenigen formen enthält, die man nach deBET' 
vergleich nug der sämmtlichen modernen slavischen spracheszi 
als urslavisch ansetzen miisste, so enthalten die aus dem ^ . 
Jahrhundert nach Chr. stammenden von Vilh. Thomsen ent- 
zifferten Orchon-inschriften noch im wesentlichen die als wm:-- 
türkisch anzusetzenden formen. Da die sprachentwickelui:»^ 
nicht immer mit der gleichen Schnelligkeit verläuft, so ist ^ss 
natürlich nicht möglich durch rückbereclmnng den genauso 
punkt zu finden, wo noch die türkische ui-sprache als ga 
einheitlich bestand, und wo die spraclüichen vorfahren 4 
jetzigen türkischen Völker noch als ein nicht allzugross 
irgendwo eingeengtes, einheitliches volk ein der grossen w 
unbekanntes dasein fristeten (wobei es ganz gleichgültig ist 
ob dies volk isolirt dastand oder etwa durch eine lange kette 
von später sprachlich verschollenen bruderstämmen mit d«tj 
Mongolen verbunden war). Wenn wir annehmen, da^J 
die erste bekann tschatt der Chinesen mit den vermuthlid* 
türkischen Hiung-nu mit der ausvvanderung der Türken aQs 
ihrer nrheimath in Verbindung steht, und wenn wir die zeit, 
die für die Wanderung von einer recht fernen nrheimath bis ^ 
den grenzen des chinesischen reiches nöthig war, nach maass- 
gäbe der historisch bekannten Völkerwanderungen berecho^^ 
so werden wir an der annähme absolut keinen anstoss nehm^^ 
können, dass die sprachlichen vorfahren der jetzigen türkiscbeß 
Völker nach in der von mii* angedeuteten periode {deren ter- 



I 



Neues und ßachtri^Ucfisfl, 



183 



ante quem das Jahr 500 vor Chr. ist) als einheitliches 
Volk in der nähe der Armenier lebten. Sollte jemand aus 
turkologischen gründen meinen terminus ante quem etwas 
weiter zurück (etwa 600 oder 700 vor Chn) verlegen wollen, 
80 habe ich dagegen nichts, Haben die Türken in dieser 
I Periode lehn Wörter aus dem Armenischen autgenommen, so 
Blässe n diese lehn werter heute auf den verschiedensten punkten 
Hles türkischen gebietes nachweisbar sein, ganz ebenso wie es mit 
^4e& im anfaug unserer zeitt^echnung aus dem Gotischen ins Sla- 
mhe übergegangenen lehnwörtern steht, die jetzt von Vladi- 
vostok bis Prag verbreitet sind und an ableitungen ebenso 
reich sind wie die echt slavischen Wörter (lehrreich sind auch 
liie ur-ngrofinnischen entlehn ungen aus dem Arischen wie finn. 
^sda läpp. &iiöUe magy. siä^ ,huüdert\ deren alter allerdings 
nicht bekannt ist; älter als unsere iranische Überlieferung 
(Diifiseü sie nach der sprachlichen form sein; ur-ugrofinnisch 
wurde z, b. etwa *iata ^hundert* gesprochen). Auffällig wäre 
6fl dagegen gewesen, wenn armenische lehnwörter, die vor 
dem jähre 500 vor Chr. aufgenoumieii sind^ nur eine geringe 
feographische Verbreitung hätten. Ich habe mich daher natür- 
j lieh bestrebt den gemeintürkischen Charakter der armenischen 
lehnwörter nachzuweisen. Ich hätte erwartet, dass ein etwaiger 
geguer mir vorgeworfen hätte, es sei mir dies nicht immer 
irelangen. Dass aber gerade der gemeintürkische Charakter der 
Wörter und ihre ableitungsfilhigkeit (Munkacsi s. ;iö6) als ein- 
tÄfld gegen mich verwendet wird, kann doch wohl nur auf 
I äoem lapsns c^lami meines gegners beruhen. 
' c) Was die historische seite der frage betrifft, so muss 

ich natürlich, nm meine hypothese aufrecht zu halten, den Ur- 
t3rken ziemlieh weit nach westen gelegene wohnsitze zu- 
schreiben. Hierzu bemerkt Mnnkäcsi: „Auch ich halte es für 
dorchaus walirscheinlich, dass die entwickelung der altaischen 
sprachen nicht im fernen osten, sondern in der nähe der ur- 
llten westasiatischen kaltur nnd im Zusammenhang mit ihr 
Itattgefunden hat.*^ Über diese Zustimmung kann ich mich 
latürlich nur freuen; jedoch muss ich nachdrücklich hervor- 



eben, dass ich gar nicht von den ^altaischen" sprachen, 



■p^ndern nur von den Türken gesprochen habe. Dass aus den 

^iefitlichen Wohnsitzen ^noch nicht folgt, dass die Armenier 

*?inst auch nachbarn der Türken gewesen sein müssen", gehe 




184 



Hotgor Federsöö, 



ich selbstverständlich zii; eins folgl^ aber daraus: dass meüie 
hypothese sich innerhalb der grenzen der u, a. auch von 
Mnnkäcsi als möglich anerkannten Verhältnisse bewegt; er ist 
also gamicht dazu berechtigt, meine vermuthung schon apriori 
als „sonderbar" zu bezeichnen (s. 352). 

d) Ich habe in nieineüi aufsätze s. 463 — 460 eine Über- 
sicht über die sich irgendwie mit der meinigen berührenden 
entlehn ungshypothesen (beeinflussung der Türken von anderen 
Seiten her, einfliiss der Annenier auf andere Völker) gegeben. 
Zunächst musste es mich natürlich sehr interessiren , dass 
mehrere ausgezeichnete und methadisobe Sprachforscher (u, a. 
Setälä und VilL Thomsen) es für möglich und wahr- 
scheinlich halten, dass die ugroiinnischen sprachen in sehr alter 
zeit lehn Wörter aus dem Armenischen aufgenommen haben. MuB- 
k4csi batte gegen diese ansieht polemisirt; der Schwerpunkt seiner 
Polemik ist darin zu suchen, dass er das tnv finn* orpo ;waise' 
(arm* orb) charakteristische o anch in solchen Wörtern nach- 
weist, die nicht armenisch sein können (finn, kota ,hütte' awest. 
kata- jkammer*, finn. ora ,bohrer' aind. ärä ,ahleO* Wenn er da- 
neben auch auf den vokalismus des Magyarischen {ärva ,waise\ 
häe jhans*, ar ,BchuhahleO ein gewisses gewicht zu legen scheint^ 
hat er kaum recht; nicht nur in bezug auf die quantitat, 
sondern auch in bezug auf die qualität wird der magyarische 
vokalismus un ursprünglich sein* (Vgl, magy. hmin ,zn hauhe* 
finn, Arotom; ein Wechsel zwischen a und o liegt allerdings 
sicher vor bei dem iranischen lehuwort finn. sami ,horu' : läpp, 
fJoarwe), Wie Mnnkäcsi sich übrigens mit gleichungen wie 
finn, nuori jung' arm. lior ,neu, jung, oder finn, oris ,hengst 
arm. orj (j = ;j) ,männlich (von thieren)* abfindet, weiss icli 
nicht. Ich woDte und will aber zu dieser frage noch nicht 
selbständig Stellung nehmen, 

e) Was die fremden einflüsse auf das Türkische betrifi't, 
so habe ich zunächst anerkannt, dass das Türkische lehn wort er 
ans dem Sumerischen enthält. Dies stimmt durchaus mit den 
ansichten von Mnnkäcsi, der gerade aus diesem gründe geneigt 
ist, die ursprünglichen Wohnsitze der Türken in der nähe der 
uralten westsasiatischen kultur anzusetzen. Auch gegen die von 
manchen forschem angenommenen und gewiss nicht abzuleug- 
nenden berölirungen der Armenier mit dem babylonischen 
knlturkreis scheint Mnnkäcsi nach s* 349 keine bedenken zu hegen. 



N«a«i und naehtrfif Uches. 



185 



f) Ferner hat nun Munkäcsi schon längst angenommen, 
im es im Türkischen arische lelmwörter gibt. Gäbe es wirk- 
lieh alte (d, h, urtürkische) entlehnungen aus dem Arischen^ 
so wäre dies natürlich für meine hypothese eine giinstige that- 
swbe. Was aber MiinkÄcsi Keleü szemle I 156 f* vorträgt, 
koBnte mich unmöglieh befriedigen. Es findet sich hier z. K die 
gleicbung toboL tat. jäldm, jylyni ,fischenietz' aind. jälam 
jiet2'; wie soll es aber möglich sein, dass das indische j durch 
ein türkisches j wiedergegeben worden wäre? weshalb haben 
ie Türken nicht das ihnen geläufige f' verwendet? Aus d^j 
% ist das indische j doch nicht eutstanden, wie Munkäcsi 
sonderbarer weise annimmt Auch lässt sich die kombinatiou 
sieht etwa in der weise retten, dass mau einen wandel von 
^ in ; Bof tiirkischem boden annimmt; denn wo auf türkischem 
^Mete j neben j steht, da ist es einfach aus j entstanden (so 
steht z, b. neben osm. ^üA ,bündel, bürde, last' ein kirgis, jü/f 
und mit noch weiterer änderung Cuwa^, U% Sok). Möglich 
wäre es dagegen, ein türkisches / einem nenpersischen s gleich- 
setzen, weil das neupersische anlautende j aus einem älteren 
i entstanden sein kann; in solchen fällen wäre also das ttir- 
üAb wort nicht ans dem Neupersischen, sondern aus einer 
^as älteren sprachform entlehnt. Ganz sonderbar finde ich 
iber die gleichung tuw. j^m ,\mm' (nach Grönbech's sehrei- 
bnag j?tn) magj. imeg, ing np. ^«ina ,kleid* ; zwar ist auch hier das 
sp. j ans ; entstanden, aber das gemeintürkische j ist bekannt- 
Hei im Cuwaäischen zu § gew^orden, und das heutige öuw, ./ 
itt das Produkt eines ganz sekundären lautlichen Vorganges; 
tichtiw, j^m kann also nni" dann zu np. |ama gestellt werden, 
tenn es aus einer anderen türkischen spräche entlehnt ist; 
dmiber theilt Munkäcsi aber nichts mit; vielmehr scheint er 
das wort als echt finwaöisch und als quelle des magy, imeg, 
i^g aofzufassen. Obgleich ich also auf manchen punkten mit 
HiBk&csf s behandlung der lautgeschichte nicht einverstanden 
sdn kann, bat er allerdings eine anzahl von etjmologien auf- 
gestelll, gegen die ich prinzipiell nichts einzuwenden habe: 
fcagit, jam ^irdener trug' : aw. yama- ,glas' ; alt. jada ,zauberstein^ 
Ißäa^ ,2auberer' ^ag.jadu ,zauberei* : kaz. jadt^^ iadu ,zauberei*: 
Äw* ydh** ,zauberer*; mm. jan ,seite^ np. ja» ,richtnng, seite*; 
^ag, Jan kaz. ia» ,seele' np. jd» ,seele^ Wenn ich prinzipiell 
ttkhts ge^en solche gleichnngen einzuwenden habe, so bedeutet 



186 



Hülger Fedeneu, 



das nun allerdings nicht, dass irh sie alle als zweifellos richtig 
betrachte. Bei wenig verbreiteten Wörtern lassen sich bei aller 
anerkennung des IraniBcheii ausgangspunktes noch verschiedene 
müglichkeiten denken, an die Mimkäcsi gar nicjit gedaciit zu 
haben scheint; me wäre es, wenn z. h. irgend ein neuper 
sisches wort mit j- zunächst darch den einfluss des mohanune* 
danismus in einen türkischen dialekt übergegangen wäre, de^ 
selbst j- besitzt, dort volksthümlich geworden wäre und nach 
her in einen nachbardialekt übergegangen wäre, wo man g^^ 
wohnt war, das j der nahe verwandten nachbarn als mit de^^ 
eigenen j identisch zu empfinden? (Vgl. etwa dän* sky aus fraa^^ 
j^is^ wo die lautvertretung sieh daraus erklärt, dass man g-^ 
wohnt war» fremdes (deutsches) s mit dem dänischen sk etyitxo. 
logisch zu identiflziren). Von diesem gesichtspankte ai2s 
verlieren 5ag, jam» jadu und jan ,seele' einen theil ihrer übef- 
zeugenden kraft. Vgl. fiuw* janavar ,thier* aus np. ^anvar, 
Äimarin p. 12< Der anklang des osm, >ii ^seite* an ü&s 
«tyraologisch dunkle np< s^n könnte ganz gut zufMlig sek 
Onm. jiik ,bündel, bürde, last', das einerseits ein unzweifel- 
haft altes türkisches wort ist, andererseits aber an das idf 
*jt(gom joch' auffällig anklingt, passt wegen des ü und übrigens 
wohl auch wegen des k nicht zum Iranischen, Ich kann also 
absolut nicht finden, dass Mnnkäcsi es wahrscheinlich gemacht 
hat^ dass das Urtürkische lehnwörter aus dem Arischen ad- 
genommen hätte» Ja, ich muss hinzufügen: ich hatte bei der 
lektüre von Munkicsi's aufsatz überhaupt kaum den eiudruct, 
dass er eine solche these aufstellen wollte ; es war mir zwar 
klar, dass er die entlehnungen in eine einigermassen alte zeit 
verlegte ; dass er aber an die urtürkische periode dachte, s^ltien 
durch die art seiner darstellung ausgeschlossen. NatÜrUcb 
wäre es denkbar, dass das, was Munkacsi nicht bewiesen W 
und vielleicht überhaupt nicht hat beweisen wollen, trotssdew 
beweisbar wäre* Ich verhalte mich jedoch in dieser heziehuag 
skeptisch, und ich gab KZ XXXIX 465 meiner skepsis dar^b 
die folgenden, von Munkacsi sehr beanstandeten worte aiiä- 
druck: „Auch wohnten die Türken in alter (d. h. urtürkischer) 
zeit vielleicht nicht östlich genug, um sich mit den Ariern za 
berühren*^. Aus diesem anlasse belehrt mich Munkäesi, i^ 
^arische nomadenstämme in der mitte des ersten vorchristliclien 
Jahrtausends (und wahrscheinlich auch viel früher) — wie di«s 
die skythischen eigennamen und die arischen lehnwörter iu 



im finuiseh-magyarischen sprachen unzweifelhaft beweisen — 
«estUcb bis zum Don verbreitet waren". Von den lehnwörtera 
10 den finnisch- magyarischen sprachen sollte man in diesem 
Zusammenhang nicht sprechen, solange man nicht weiss, wo 
die Ugrofinnen etwa 1000—500 vor Chr. gewohnt haben; 
Damentlicb sollte man davon nicht reden, wenn man wie 
Mankäcsi, Keleti szemle IV 374 ff* der ansieht ist, dass diese 
Iphn Wörter zum theil geradezu indischen Ursprunges sind. 
Die Skythen am Don haben im jähre 500 vor (-hr. jedenfalls 
nicht Indisch oder Urarisch gesprochen. Auch schon der ge- 
danke, dass die Iranier sich Jahrtausende lang von Indiens 
freozen bis weit in llussland hinein erstreckt und sich 
trotzdem nicht mehr ditferelizirt hätten, als dass sie noch im 
Westen wie im osten als eng verwandt leicht zu erkennen 
wircn, ist auffällig genug. Vorsichtiger und wahrscheinlicher 
därfte die annähme sein, dass die Iranier in ihren westlichen 
Wohnsitzen nicht viel früher vorhanden gewesen sind als in 
der zeit, aus der unsere ältesten darauf bezüglichen Zeugnisse 
itAmmen. Dass die Iranier, die in der mitte des ersten vor- 
cbristlichen Jahrtausends in Russland gewohnt haben, aus Iran 
oder den nächsten Umgebungen Irans ausgewandert sind^ wurd 
man auch dann annehmen müssen, wenn man etwa die ur- 
kimath der Arier nach Russland verlegt, was Munkacsi \ael- 
lächt mit der bemerkung andeutet, dass nach seiner f^ansicht 
ta vordringen der altaischen stamme nach Zentral- Asien in 
eine ältere periode fällt als die der eiuwandetung der Arier nach 
Eran nnd Indien/ Die Arier wären dann zunächst sehr firöh 
w Bussland nach Asien gewandert (wie etwa die Insel-Kelten 
IQS Gallien nach Grossbritannien und Irland eingewandert sind)» 
Ip&ter wären aber einige iranische stamme wieder nach Uum- 
U&d eiDgew^andert (etwa wie die Bretonen nach der Bretagne), 
aber die urheimath der Arier Hussland gewesen wäre, halte 
für gaoe unbewiesen; viel eher kommt Iran oder theile von 
Inn und den nächsten Umgebungen Irans in betracht. Das pro- 
Hem igt mit der allgemeinen frage nach der idg. urheimath 
Hg verimöpft. Hier ist es nun allerdings mode geworden^ an 
sgend eine gegend von Europa zu denken. Es ist mir aber 
ücltt bekannt, dass jemand flie von Johannes Schmidt für 
laien geltend gemachten schwerwiegenden argumente wider- 
egt hätte (vgL neuerdings Meringer IF XVI 166 f., Fick 



188 



Hi^lfer Peder8«ot" 



BB XXIX 244 f ) Wie dem auch sein mag, ein beweis dafiii-, 
dass das urttirkische volk, das in der nähe der Armemer 
wohnte, auch nut den Ariern heriihrungen gehabt hätte, ist, 
soweit ich sehe, bis jetzt nicht erbracht. Was für chrono- 
logische und geographische Mgerungen man daraas zu ziehen 
hat, ma^ meinetwegen noch eine oflene frage bleiben, 

g) Nicht sehr aufmerksam scheint Munkftcsi meinen § 69 
gelesen zu haben. Ich gebe gern zu, dass der inhalt dieses 
Paragraphen etwas bunt ist; ich wollte hier das, was unsicher, 
aber aus irgend einem gründe beachtenswerth war, zusammen- 
stellen, um es so von den mir als sicher oder absolut wahrschein- 
lich geltenden etymologien reinlich zu trenneu. Ich bin entschieden 
in meiner vonsicht zu weit gegangen. Gegen die herleitung des 
osm, kapu orch, kapyff oder des stammverbums dieses Wortes aus 
dem Armenisclien , gegen die erkläning des osm, hart* jak, 
kari- ,bauen* ans arm. k'erfem, gegen die deutung des osm. 
däri ,haut' n. 8, w. aus dem Armenischen (vgL arm. tet gen, 
plur, tfi-ic ,callo' und dazu Meillet MSL VIII 165), lässt sieb 
in Wirklichkeit nichts einwenden; ziemlich gut steht auch dia 
Sache bei osm. dum ,dach'; und so lange die geschichte des 
osm* gam ,zaum^ nicht in eine neue beleuchtung gestellt worden 
ist-, müssen auch meine darauf bezüglichen bemerkungen un- 
anstössig bleiben. Diese Wörter geben absolut zu keines 
pathetischen deklamationen anlass. Ich hatte aber in dem- 
selben Paragraphen noch die frage berührt, wie man die 
augenfällige ähnlichkeit einiger alten türkischen Wörter mit 
gleichbedeutenden slayischen Wörtern zu beurtheüen hat. Meine 
entscheidnng ging darauf hinaus, dass die annähme von be* 
riihrungeu zwischen Urtürken und Slaven mir so aufiallig war, 
dass ich lieber z. h. das offenkundige lehn wort osm, apmk 
jpapper öuw. ewes ,aspe* (asL osina \\L ap^tmh ahd, aspa) aus 
einem verlorenen armenischen worte als aus einer vorform des 
slavischen Wortes erklären möchte ; über das gleichfalls an das 
iSlavische anklingende givmäk, gävmäk ,ronger, rumiuer' habe 
ich mich mit dem allergrössten vorbehält ausgedrückt (ich 
habe mich einfach damit begnügt, diejenige form zu konstriüren, 
die nöthig wäre, wenn man an das Armenische denken wollte, 
und habe dann die weitere beurtheilnng deu lesern überlassen). 
Auf meine behandlang der beiden Wörter apsak und gh>mäk 
muss sich, falls nicht ganz gegenstandslos, die 



I 



aussenmf ■ 



Neues und DMhtrt^Hehea. 



189 



MuDkäesrs s. 356 bexiehen, wonach die annähme , dass sich 
im Türkischen eventuell sonst verlorenes armenisches sprach- 
gut erhalten haben könnte, „alle grenzen der unmögücbkeit 
Terach winden'* lassen soll. Ich hebe daher ausdrücklich hervor, 
dass, wenn ich hier in methodischer beziehun^ überhaupt un- 
TOfsichtjg gewesen bin , meine Unvorsichtigkeit darin besteht, 
dass ich den slavisehen einöuss auf das Urtiirkische abgeleug- 
net liabe, keineswegs aber darin, dass ich das ,, verlorene 
sprachgut" für meine armenische hypothese in die wagschale 
gelegt hätte, was ich nicht gethan habe. Vor „verlorenem 
iprachgut'* hat Munkäcsi übrigens nicht immer die gleiche 
forcht So hat er Keleti szenile IT 312 slav. ksnjiga ,buch* 
ilfi aas dem Türkischen entlehnt bezeichnet, obgleich ein ent- 
iprecheudes wort im Türkischen nicht nachweisbar ist Ich 
liabe ihm KZ XXXIX 464 beigestiramt, weil ich im anschlosa 
an Mikkola das woii als ursprünglich orientalisch betrachtete. 
Meine weiteren erörterungen über dies wort hat Munkäcsi 
8.349 in extenso zitirt und hält sie also offenbar für richtig; 
wie ich bÜligt er also Mikkola's verweis auf assyr. kunukku 
4egel'; wie ich findet er also wohl, dass arm, knik^ ,sieger 
(gesprochen Imnik'', wobei 9 ein älteres u oder i, hier jeden- 
bXk u vertritt) dem slavisehen kmjifja formell nahe steht 
Wn ist nun aber die unmittelbare quelle des von Mnnkäcsi 
üod mir postulirteu türkischen woites? Ich verweise natürlich 
direkt auf arm* /mit'. Es hat in einer vorhistorischen periode 
d£s Armenischen ein mouillirtes n gegeben (KZ XXXIX 407). 
Nichts hindert die annähme, dass auch das n von knU^ in einer 
TorMstorischen periode mouilliil war. Dies nmthmassliche ifi 
hätten die Türken durch ihr nasalirt^s i (KZ XXXIX 451, 
/D-MG LVII 552) wiedergeben können, und diesen türkischen 
laut hätten die Slaven in früher zeit durch ihr nj ersetzen 
können (vgL die mongolische wiedergäbe durch n (KZ XXXIX 
452 unten), Munkäcsi wird von seinem Standpunkt aus nicht 
auf das Äi-menische verweisen können, muss also auf eine ver- 
lorene Sprache verweisen; ich würde ihm allerdings nicht des- 
Wb vorwerfen, dass er alle grenzen der Unmöglichkeit ver- 
^winden liesse* Auf eine verlorene spräche möchte ich selbst 
f erweisen, am das arm. hiik^ zu erklären. Das i aus u ist 
toalich zu erklären wie bei apers. dipi' ,inschrift', das durch 
düoiiebes Zwischenglied aus assyr. duppu- ,tafel^ entstanden 




190 



Holger FediM^fti. 



ist (Jensen ZA VI 172, W. Foy ZDMG LH, 128; im- 
gemäss mag das keilschriftliche elamische tup*pi als tip*pi zu 
sprechen sein). Die Zwischenstufen zwischen u und t sind 
nicht belegt; sie können aber ju^ jiu ji gewesen sein; dadurch 
wäre denn auch das oben angenommene n in knik" erklärt. 

h) Mnnkäcsi wendet gegen meine hypothese ferner ein, ■ 
dass ein paar der von mir als lehnwörter ans dem Armeniseheii^ 
bezeichneten wöiter anch im Mongolischen und im Tungi--.^ 
sischen oder Mandschuischen vorkommen. Auch hier benutz'-^ 
Munkäcsi nur das schon von mir verzeichnete materiaL WL ^ 
aber die erwähnte thatsache ein einwand gegen mich sein so^l 
begreife ich absolut nicht. Ein theil der Wörter kommt doc?-j) 
auch, wie ich gleichfalls erwähnt habe^ im Magyarischen im^ 
im Sla vischen vor. Daraus folgt doch wirklich nicht, iaas 
diese worter nun sofort ur-indogermanisch-ugrofinnisch*turkiscJi' 
mongolisch-mandschuisch wären* Vielmehr bandelt es sich ma 
ganz offenkundige lehnwörter. Die betreffenden mongoliscben 
und mandschuischen Wörter enthalten in ihrer lautform absolnt 
nichts^ was auch nur den leisesten schatten eines zweifeis an 
der möglichkeit der entlehunng erregen könnte. Überhaupt 
kann kein sachverständiger daran zweifeln, dass wenigsten W» 
der augenfälligen Übereinstimmungen zwischen dem Mongolischen 
(Mandschuischen) und dem Türkischen auf entlehnung beruhen; 
denn die sprachen sind in ihrem kerne von einander ungeheuer 
verschieden ; der gegenseitige abstand ist sehr viel grösser als 
der abstand zwischen den verschiedenen idg, sprachzweigeu 
(KZ XXXTX 443; vgl Grönbech Forstudier, s. 4—8, He- 
llo ran skij, GGA 1904, nr. 6, s, 491 ff). Wenn die zahlreiehen 
lehnwörter noch immer oft als Zeugnisse der verwaudtscliaft 
angeführt werden, so bedeutet das nur, dass die methode der 
betreffenden altaiologen noch alles zu wünschen übrig lasst 
Zu diesen antediluvianischen altaiologen gebort aber selbstver- 
ständlich Munkäcsi nicht. Und die form seiner äusseruBgen 
über die von mir als armenisch bezeichneten türkischen Wörter. 
die auch im Mongolischen und Mandschuischen vorkoniraent 
lässt vermuthen, dass er gar nicht an Urverwandtschaft gedacht 
hat. Wäre es möglich zu vermuthen, dass er osm, küju»^ 
jSchaf' koi^ , Widder' als mit dem mong, xanin ,schaf Mc& 
»Widder* urverwandt betrachtete, so wird dieser verdacht doch 
wohl dadurch widerlegt^ dass er neben diesen mongohscfeeo 




Keaefl and na<;htr%Hches. 



191 



r 



formen auch mandsclu homn tungus, konin und mandseb. Mäa 

tngns. kuca anfuhrt; denn bei diesen letzteren Wörtern Uegt 

die entiebnang doch so auf der hand, dass wohl niemand 

daraa zweifelt. Wenn aber Munkäcsi ebenso wie ich die be- 

treffenden mongolisch - mandschuischen Wörter sämmtlich als 

^Üehnt betrachtet, so verstehe ich nicht, wie sie gegen mich 

ins feld geführt werden können. Armenische Wörter, die in 

oitilrkischer zeit aufgenommen worden sind, müssen doch eben- 

m leicht me die echt türkischen Wörter sich zn den nachbarn 

der Türken verbreitet haben können. Ja, Tielieicht noch 

leichter; denn es läsat sich vielfach beobachten, dass gerade 

die lehnwdrter eine tendenz haben, weiter zu wandern (weil 

sie mit weiterwandernden knlturerrungenschaften und kultur- 

strömangen in Verbindung stehen)* 

i) Von den allgemeinen gesichtspunkten gehe ich zu den 
einzebien von Mnnkaesi erhobenen einwänden über. Diese 
g^ehen ganz natürlich in der regel nicht vom ai'menologischen, 
scndero vom turkologischen gesichtspunkt aus. Meine erklärung 
Am türkischen favar osui. äavar ,vieh* findet Munkäcsi sehr 
▼eriockend, verwirft sie aber trotzdem, indem er sich auf meine 
oigenen worte beruft, es sei aufiföUig, dass das urarmenische u 
iwn, tvair ,mit^t\ gesprochen tavair mit 9 aus i*) im Tür- 
kbcben mit a wiedergegeben wurde. Ich hatte es als meine 
Pflicht betrachtet, auf die auffalligkeit dieser wiedergäbe hin- 
zuweisen; unerklärlich ist sie aber nicht; denn nachweisbar 
hat in einigen fallen im Türkischen eine vollständige assimi- 
hänn der vokale von zwei aufeinander folgenden silben statt- 
gefimden; vgl. orch. ygad koibaL ayys osm. a^a^ ,baum^; kir, 
k^. tam^/r jakut. fymf/r osm. danmr ,ader' (ZDMG LVII 5Ö9), 
Ferner wendet Munkäcsi ein, es sei von mir hei der beurthei- 
litg des Wortes tavar „ganz ausser acht gelassen worden, dass 
du wort im Osttürkischen (auch im Uigurischen) die form 
taior hat (s. Radi off Wtb, m 966). Vielleicht gehört es zu 
OttQ. krim. tabym ,gchaf, herde* 6agat, kaz. tabun ,pferdeherde*". 
Tkl eher wäre es möglich, dass tavar volksetymologisch 
mit tohym^ tahun m Verbindung gebracht und dadurch zu 
^hr umgestaltet worden wäre. Dass iahar nicht ohne die an- 
•ibiiie einer analogischen oder volksetymologischen Umgestaltung 
ist (arnr idenüfizirt werden kann, muss doch wohl auch Mun- 
kieri wissen. 



192 



Holf er Federieaf 



j) Mit beztig auf äsä'k ,esel' arm, 6^^ bemerkt Munk; 
8. 353, dass -äk zwar, wie ich angegebeu hatte, im Türkischl 
ein sehr gewöhiilicbes suffix ist, jedoch nur im deverbaleo g|| 
brauche. „Solche beispiele, in welchen niit -a.k -ak vou eind 
substantivum ein anderes gebildet ist, sind äusserst selt< 
(vgl hamk ,ähre' neben has ,haupt', kumak ,sand' neben Aii| 
,sand'); demzufolge ist es auch sehr zweifelhaft, ob eine dej 
artige bildung bei einem lehnworte angenommen weriM 
kann," Ein ins Urtürkische aufgenommenes lehn wort steht i 
bezug auf die ableitungsmöglichkeiten auf einer linie mit d^ 
echt türkischen Wörtern; und ein denominatives -ak, -äk i| 
keineswegs selten ; vgl. int aUmak ,nehmen* neben al-ipn 
nehmen*; osm. aps-ak ,pappel* kaz. usak neben ^uwa§* et 
,aspe* koibaL o$; kaz, osm. höjräk ,niere' neben kaz. bojSr 
buör ,niere* (dass Böhtlingk in jakut hÜGr abfall eii^j 
suflSxes angenommen hat, hebt die gültigkeit dieses beispie] 
nicht auf); jakut kätäx ,nacken' neben bochara, hejin ,bi 
behind' taranöi, altai. kln ,nach* koibal. kesü ,nach üun' {; 
kenn + poss. pron.; urtiirkisches -d- wird jakut -i-, küf 
-jy'-, in den meisten dialekten aber zu -j-, das schwinden k 
u. s. w. ; vgL noch Böhtlingk Jakutische Grammatik I l 
Und sonderbar genug, s* 347 nimmt Munkäcsi selbst an, dj 
ämk ein lehnwort ist und trotzdem ein denominatives -ak 
hält (er stellt näralieh äMlc zu snmer. anM), 

k) Bei dem türk- worte kfjtz ,gans', das ich mit dem art 
mg identifizire, hatte ich auf eine bemerkung von Badlot 
verwiesen, wonach im osmanischen nominalauslaut nur ^, aidi 
s vorkommt Ich bemerkte, dass das Osmanische in diesel 
punkte vom Urtürkischen prinzipiell nicht abwiche, und erklärt 
die erscheinung aus einem urtürkischen anslautgesetz, wonaß 
s im wortAUslaut zu e geworden wäre. Apriorische bedenke 
gegen ein solches lautgesetz kann es nicht geben. So scheui 
doch z. b. im Urgerraanischen jedes auslautende s zu i' gl 
worden zu sein (während im inlaut der wandel von b in 
nur unter bestimmten akzentbedingungen vorkommt). Vgl ad 
Über aind. devapatir Iva u. s* w. oben I § 4^. Für den gril 
chischen auslaat will Hugo Ehrlich KZ XXXIX 550: 
einen wandel von urgr. -rs in -rr annehmen, während im inlaut 
entsprechender wandel nur unter bestimmten akzentbedinguni 
(oder nach einigen gelehiten gar nicht) vorkommt Im Bi 



Neues und iia«litrfi^licli»B. 



193 



toniscUeii ist auslautendes s zu ^ geworden, inlautendes s ist 
dagegen wenigstens iu einigen fällen stimmlos geblieben: foe 
^aben* plur, fochon, wo ch den laut s bezeichnet; ob dies mit 
dem 7on mir für das Urtürkiscbe angenommenen Vorgang 
parallel ist, mag jedoch zweifelhaft sein. Ganz verschieden 
ist jedenfalls die entstehnng eines ^ aus s im auslaut im Vep- 
sischen und Li vischen, s. Setälä Yhteissuomalaiiien äatine- 
lustoria s, 234 und 237). Was die empirische seile der sache 
betrifft, so habe ich selbst als ausnahmen von der Radlolf sehen 
regel eine anzahl osmanischer Wörter auf -s angeführt, habe sie 
jedoch als wenig beweiskräftig bezeichnet, weil sie entweder 
lautmalend waren oder eine assimilation (zu osnu tas ^kahl* 
vgl das türkische lehnwort im Magyarischen tar ,kahl*) ent- 
halten konnten, Mnnkäcsi trägt zwei beispiele nach: öagat, 
koiian., kirgis, äs kaz. is ,verstand' baSkir. is ,sinn' Öuwai. 
m (magy. esB ^verstand*) und ^agat, bm ,nebeP ba^kir, bm 
,dampf osm, pm ,nebel\ Das sind zwei sehr beachtenswerthe 
beispiele, für deren nachweis ich herrn Munkäcsi nur dankbar 
mn kann. Ich glaube aber nicht, dass sie uns nöthigen, die 
Ra41ofl'sche regel aufzugeben. War e nur im auslaut aus s 
eitstanden, niebt aber im inlaut, so muss es ursprilnglich 
duen wecLsel zwischen s und ^ gegeben haben, der zwar im 
iDgemeinen im noraen zu guusten des stimmhaften lautes aus- 
geliehen wurde, ausnahmsweise aber auch in der entgegen- 
gesetzten ricbtung ausgeglichen worden sein mag. Was den 
4iilaut des turk* wortes kai betrifft, hatte ich auf ZDMG LVn 
661 verwi&sen, wo ich zu beweisen versucht habe, dass man 
ii türkischen anlaut ursprünglich sowohl stimmhafte wie 
^immlose verschlusslaute gehabt hat (was eine abweichung 
vom Ugrofinnischen, aber eine Übereinstimmung mit dem Mon- 
golischen sein würde); in den uns bekannten türkischen 
stachen ist diese doppelheit allerdings fast aufgegeben ; reste 
änd vor aUem im Osmanischen Torhanden, In dem worte 
hl hatte ich g- angenommen. Nach Munkäcsi ^ fehlt der 
pund*", hier ein g anzusetzen. Mit Sicherheit kann ich aller- 
ittgs nur behaupten, dass der anlaut von osm. kae ,ganz' 
fitod u, a« %r ,mädchen*) verschieden von dem anlaut von 
^m, kan ,blut* und kar ,schnee' war; dafür aber, dass gerade 
itr ersten reihe von Wörtern der stimmhafte anlaut zuzu- 
Kkmbeu war, findet sich im Türkischen allerdings nur ein 



194 



Holg^T PedeweD, 



schwacher anhält; aber andererBeitß spricht das Mongolischf 
dafür, dass kan und hat einen stimmlosen anlaut hatten: kuh 
entspricht wohl dem mongol cimm ,blut*; und kar ist mit dei 
koUektivendnng -r (KZ XXXDC 445) von einem wort abge- 
leitet, das mit dem mong. camm ,schne6' identisch war (beide 
etjmologien rühren von dn Vilh, Grönbech her; über das 
bewegliche -n, das vor dem suffix -r fehlt, vgl KZ XXXIX 



444 f. ; für das Mongolische wäre ein Übergang von k in c, 
das vor i zo ^ wird, anssonehmen; für das Türkische müsste 
achwund eines s angenommen werden; der vokaüsmus des 
Mongolischen wäre vom Türkischen wesentlich verschieden — 
alles allerdings annahmen, die hei unserer völligen uukenutniss 
der mongolisch -türkischen lautgesetze noch nicht bewiesen 
werden können). Als ich ZDMG LVH 550 f für koM und fry-i 
ein ursprüngliches g ansetzte, schien mir dies mit dem arme 
nischen Ursprung der Wörter nicht besonders gut zu stimmeni 
Die nähere Untersuchung hat aber jetzt ergehen^ dass sowak 
die armenischen reinen tenues wie die armenischen mediae ii 
Türkischen im anlaut mit einer media wiedergegeben wurde 
(nur die tenues aspiratae werden mit einer tennis wieder 
gegeben). Im inlant liegt die sache anders (vgh ortürk» *q^ 
*an/A und osm. jakut. oi KZ XXXIX 456, 458, 460). \m 
trage aber kein bedenken, die für den anlaut der armenisch 
lehnwörter geltende regel als eine werthvolle bestätign 
meiner ansichten über den ursprünglichen türkischen anlaut % 
bezeichnen« 

1) Ich hatte s. 458 türk- (osm,, orch,) j6l ,weg* jakut. 8tt4 
6uwaS. kil Sd aus arm, nl, uH ,weg' erklärt^ indem ich aas^ 
drücklich einen u r t ü r k i s c h e n J- verschlag annahm und dabei 
auf ZDMG LVII 555 verwies, wo ich übei^ die möglichkeit (und 
zugleich Über die Unsicherheit) einer solchen annähme ge- 
sprochen habe, Munkacsi bemerkt nun: „Ohne mich in die: 
analyse der richügkeit dieser behauptung" (d. h. dass ein ur* 
türkischer j-vorschlag anzunehmen ist) ^einzulassen^ will ich 
nur hervorheben, dass der anlaut des türk. jol sich in seine^ 
regelmässigen äuderung auch im jakut. mol und önwaS. id ^um 
zeigt demzufolge gar keine spur vorhanden ist, dass wir ei 
hier mit einem j- Vorschlag zu thun haben.** Also: das ; von 
jol kann nach Munkäesi deshalb nicht in urtürkischer zeit vor* 
geschlagen sein, weil es (wie ich seihst nachgewiesen hatte) 



NeoM imd nMhtrSgliehtB. 



195 









ortärkisch ist! Oder liegt vielleicht in dem einwände das 

hinptgewicht darauf, dass ich keine spur einer .;-losen form 

nacligeiiiesen habe? Dann verlangt Mnnkäcsi entsclueden zn 

viel; was in urtürkischer zeit verschwunden ist^ kann ich doch 

nicht anchweisen. Mnnkäcsi kann meine kombination von türk. 

iol und arm. id angreifen, aber nicht, wie er irrthümlich 

j^abt, ohne sich in die aualyse der richtigkeit der hypothese 

einem urtürkischen fvorschlag einzulassen. 

m) Das urtürkische *aryk (osm* arpy) , Wassergraben, 

kaaal* (woraus magy. ärok .graben, kanal*). das ich aus dem 

gieichbedetitenden armenischen aru erklärt hatte, will Muukäcsi 

zinftchst mit Öagat. arna ,kanal, den ein fiuss von selbst 

büdet* und weiterhin mit türk, (osra,) jaryk ^spalte, Öffnung* 

verbinden (aus dem tttrk, ßryk ist russ, jarugm ,schlucht, hohl- 

w^ serb. järuga ,alveus de monte decurreus* poln* jarug^ 

jmiffa ,tiefer sumpf, niedrig gelegenes walddickicht* entlehnt, 

irie Munkicsi richtig bemerkt). AUe diese Wörter sollen von 

im verbum jar- »spaltea' abgeleitet sein. Er wiederholt also 

die ganze von Vämb^ry Et Wtb. s. 122 f. gegebene dar- 

Stellung. Über das dabei anzunehmende bewegUche j- äussert 

e sich sehr unklar: er vergleicht einei^eits taranöi jagad 

^w, ßweS neben osm. ayag ,baum\ nimmt also ein einzel* 

sprachliches prosthetisches j- an; andererseits vergleicht er 

ttwiit Sewar neben osm* ayt/s ^mund', was zu der annähme 

riaeg urtlirkischen prosthetischen j- führen würde, worüber er 

ach auf derselben seite (mit bezug auf türk. jol ,weg*) so 

tkepdsch ausgedrückt hat Die sache liegt bei jar- ,spalten, 

fBDau so wie bei jol ,weg*: von der in rede stehenden ety- 

i&ologie abgesehen ist „gar keine spur vorhanden, dass wir 

Ä hier mit einem j-vorsclilag zu thun haben," Oder nimmt 

Vtt&käc^ etwa an, dass in osm. aryy ,wa6sergraben, kanal^ 

^k ursprüngliches j- abgefallen sei? Eine disknssion der lant- 

Üchen frage dürfte übrigens überflüssig seih; tiryy hat mit 

ßt' spalten' semasiologisch so wenig zn thun, dass man die 

Mden Wörter getrost von einander trennen darf* Es bleibt 

iker gelbstverständlich möglich, dass urtürk, *aryk ^kaiial- und 

OUB. jaryk »spalte* sich gegenseitig formell oder semasiologisch 

t^ednflusst haben können; vielleicht hat *argk in dieser weise 

«sia auslautendes k bekommen, statt dessen ich ein g erwartet 

^'^. Dass das Vorhandensein eines Wortes arm ,kannl^ 

13* 



196 



Holder Fadofien, 



gegen meine auffassung ein einwand sein soll, ist mir äbi 

raschend; vgl. osm. alt. turna kaz. torna Öuwag, törnä. töf% 

kh\ tynm »kranich* neben mong. toyoriYun^). Darf man foyn 

rifim und iMtna zusammenstellen ohne auf eine verbal wurzi 

zuiiiükzugehen, so darf man auch fiir aryy und anm dasselli 

thun, gleichviel ob der Schwund des -yy rein lauüich (wf 

ich glaube) oder in anderer weise zu erklären ist. Das sul|j 

-na^ -nä ist wohl Überhaupt als eine erweite rung eines suffixe 

'Un oder -in zu betrachten ^ vgl. osm. ajin ,rücken' scboi 

ägnä ,8Chultar\ Wir kommen also zu der annähme, dass ^ 

im Türk, neben "^arijg ^arug (woraus *ar^i) eine nebenfor^ 

*ar(y)gyn *arugin (woraus arna erweitert ist) gegeben baj 

Das würde sich ganz ebenso wie osm* kößin neben orcb. k^ 

erklären, vgl. KZ XXXTK 452 f. MunkÄcsi vermuthet schlieai^ 

lieh, dass arm. aru (vgl. aragamm ,be wassere*) aus dem TÖ15 

kischen entlehnt sein konnte. Dies ist aber gänzUcb unmög 

lieh, weil dabei der Wechsel zwischen -u und -og- nach arm^ 

nischen lautgesetzen unerklärlich bleiben würde. Diesai 

Wechsel aus dem Türkischen zu erklären, ist gleichfalls ud 

möglich. Das CuwaSische, das herm Munkäcsi anderswo (vg 

unten) als angebliche fortsetzung des Bulgarischen dien^ 

leisten muss, kennt allerdings einen schwund eines auslaute 

den k: ura ,fuss* osm. ajak (r und j aus nrtürk* -d-) (n 

Budenz Nyelvtudomänyi közlem^nyek X 133 vergleicht Mj 

mit solche lehnwörter im Magy, wie hajo ^schiff* osm. kaX 

gytirü ,ring' osm, jiieük fcuw* Söro; er führt auch magyarisd^ 

wörfer an, die ein absolut nicht-^uwaSisches aussehen haben, ^^m 

karo ,pfahlj pflock' osm. ka^yk^ weshalb mir die frage ni».^ 

lässlich zu sein scheint, ob nicht hier eine rein magyariäe^ 

lantentwickelung vorliegt; Budenz leugnet zwar dies, beweä 

aber nicht die Unmöglichkeit der annähme)* Darauf kam 

man sich aber aus mehreren gründen nicht berufen, n. a. weil 

die Bulgaren-horden, die Armenien berührt haben, nicht die 

Armenier so nachhaltig beeinflnsst haben können, dass sie 

ihnen nicht nur ei« wort atu, sondern auch noch ein daron 



^) Auf einer form ohne das saffii -wa beruht jakut. tnruja (211 der nicht 
ohne weiteres klaren endung diesei Wortes vgl. BöhtÜngk Jaknl Gramm. 
g 269); Badens Njelrtadomanji k^tzlemi^nyek X SO möchte magj. da/m 
.kratdch' als türkkches lehn wort betrachten (über die Verbreitung des Wort» 
Tj^l. Donner Vgl. Wtb. der finu.-ngr, Sprachen 1 137) j vgL mong. to>w«, 




Neues und miehträglichüs. 



197 



abgeleitetes verbum aufgenöthigt bätten, um ganz daron zu 

schweigen, ob der schwand des auslautenden -k im Cuwa- 
.%hen wirklich alt genug ist, um in betracht zu kommen. 
(Der durch den Schwund des auslautenden -k ira CuwaSischen 
möglicherweise entstandene Wechsel ist übrigens heute durch 
assimiiatiou beseitigt: duwa§, puW ,fiscb^ = osm. balyk^ gen. 
mi^'^h dat* 2^«iia). 

tt) Törk, hjz ,mädchen' (mit urspriinglich langem g) habe 
ich ans arm. koh ^mädchen' (mit oi aus öu aus ^u aus ou) 
erklärt. Aus dem vorausgesetzten bu wäre türk. g entstanden. 
Mank^si erklärt aber, dass hieraus im Türkischen „nicht y, 
soDdem ö\ ü oder n zu erwarten" wäre. Munkäesi scheint 
ako Dicht bemerkt zu haben» dass nach der in der iudoger- 
manistik üblichen bezeichnungsweis© ^ denselben laut angibt, 
den Munkäesi selbst mit § bezeichnet (wofür andere gelehrten 
^schreiben) und gerade durch tatar. k^^ ,mädchen* exempli- 
fizirt; ein entsprechend artikulirter, aber engerer laut ist y, 
bei Munkäesi I, bei anderen gelehrten i. Warum soll nun ein 
armenisches <? im Türkischen durch alle möglichen laute (ö\ ti, 
«)j nur nicht durch e oder i reflektirt werden können? j^ End- 
lich ist Icys ein gemein türkisches wort, dagegen ui"sprnng und 
^ymologie des armen. koU unklar** , bemerkt Munkäesi mit 
pftcht; er vergisst aber, dass andererseits kois ein gemein* 
vmenisches wort ist, dagegen Ursprung und etymologie des 
%k. hfe vom türkischen Standpunkte unklar ist. Zwar haben 
VimbiSry Et. Wtb. s. 89 und Halövy MSL XIII 166 f. kyt 
^ der Sippe von osm, hyz-mok ,roth werden, zürnen*, kyzyyn 
hm, brünstig*, kyakan^ ,neidisch\ kymmiik ,rougeole, scar- 
latine*, Jtyzyl ,roth^ gestellt (und daran noch weitere ganz 
pbantastieche annahmen geknüpft). Diese etymologie ist jedoch 
ticht nur begrifflich, sondern auch formell unbefriedigend, so 
man nicht nachgewiesen hat, dass die sippe von kyB- 

ein langes 5 gehabt hat. Dann wäre es doch viel eher 
laöglichj vom armenischen Standpunkte aus eine etymologie 
fcs Wortes kow (gen. pl. ku^w) zu finden. Das wort bedeutet 
JtngfrÄuliches mädchen* oder ^kleines mädchenS Nach guten 
i^&Iogien darf man die letztere bedeutung als die lu-sprüng- 
&ke auffassen (vgl. über slav. dma KZ XXXVIII 373), Be^ 
Jmkt man nun, dass z. b. bret. hngel ,knabe' ursprünglich 
iuhliirt* bedeutet (vgl. neuir. hmichaiü ,a boy, a lad; a cow- 




198 



Hol^r FedoTieti, 



boy, a herd-boy; an uniuarried young man*) und mit gr. ßou-^ 
x^A^c identiach ist; bedenkt man ferner, dass diese bedeutungS' 
eutwickeliiug darauf beruht, dass „la garde des bestiaox est 
dövolue aux enfants** (V. Henry, Lex, ^t da breton moderra 
8, 47), und dasR die kleinen mädchen noch heute ebenso gat 
wie die kleinen knaben diese arbeit ausfuhren; bedenkt maa 
schliesslich, dass im Idg, die bildung von kurznameu (Starke 
Die Kosenamen der Germanen, Wien 1866—67; Fick, Di« 
griechischen Personennamen 'li^74, fl895, Zimmer KZ XXXH 
158—197 und die dort verzeichnete litteratur, dazu Arboial 
de Jubainville MSL IX 189—191; Justi, Iranischem 
Namenbuch, Marburg 1895, besprochen von Fick BB XXHi 
308 f,; Kretschmer, Einleitung in die Geschichte der grÄ^ 
chischen Sprache s* 200 ff ; Brugmann Grdn n 33 f* u. s. w*J 
nicht auf die eigennaraen allein beschränkt war, sondern auca 
bei einigen mit den eigenoamen verwandten gruppen von appi 
lativen belegt ist, so liegt es nahe genug arm. kois auf *g''oti4fi 
,kleine hirtin* zuriickzuftihren, vgl. zur endung gr. V^yi^, zi 
stÄmm gr, Bovnimv. 

o) Arm, ffml ,dorf , das ich als quelle des türkiscl 
*€i^yl (osm, ayt/l u. s. w.) betrachte, hatte ich von agamm ,ül 
Dachte* abgeleitet. Dazu bemerkt Munkäcsi: ^Die gmr 



hypothese ist viel schwächer als dass sie noch eine and' 
ertragen könnte^. Er hat dies oSenbar nur deshalb geäuss^ai 
weil er die wirkliche Verkettung meiner argumente nicht ei 
kannt hat Die sache liegt so: L geui ist ein f-stamm (tmi 
dem sekundären diphthong eti im uominativ); 2. in allen um 
bekannten ^stammen ist das I ein ableitendes elemeüt^ also 
jedenfalls auch hier; 3* als wurzel bleibt also nur g-^ nnd man 
muss daher an irgend eine lautliche reduktion denken; 4. ab* 
faU eines anlautenden vokals kommt im Annenischen mehr- 
fach vor; 5, wenn man demnach genl ^dorf mit agamm ;itber- 
nachte* verbindet, kann man sich auf den ganz Ähnlichen Ur- 
sprung des sinnverwandten gr, alhq berufen; 6. da alXi^ et^^^ 
mologisch mit aganim in Verbindung steht, so wäre es nach 
meiner deutung mit genl^ wenn auch nicht identisch, so dock 
aufs engste verwandt, was mit der sonstigen Übereins timmungj 
zwischen dem armenischen und dem giiechischen sprachschati; 
gut stimmt. Es handelt sich also hier absolut nicht um eine: 
schwache grundhypothese, sondern um eine tadellose etymoL 




Nenes oad nachtrÄglichea. 



199 



Ton der man auch dann nicht abkommen würde, wenn meine 
deatuug des türkischen Wortes widerlei^t wäre- Ich habe über- 
haupt zwar konstroirte formen, aber keine ad hoc konstruirte 
formen aufgestellt. Der Vorwurf Munkäcsi's s. 356, dass ich 
üe türkischen und arraenischeu „formen erst mit linguistischen 
kaastgrilfen und weitgehenden klügelcien zu einander naher 
gebracht" habe, kann mich daher nur wundem. Würde Mun- 
kacä es denn als eine empfehluug für meine hypothese be- 
trachten, wenn die von mir für die periode 1000 — 500 vor 
Chr, angesetzten formen sich ohne weiteres in allen einzeln 
heiten mit den heutigen oder wenigstens mit den ältesten 
historischen armenischen formen deckten? Nach &, 348 könnte 
man es fast vermutheu; hier liest man nämlich in der auf- 
zälilnng etwaiger sumerischer lehuwörter im Türkischen n. a. 
folgendes: „Snm. i6§, im ,drei' -- gemeintürk. ü(\ Cuwa:§. viMB 
4m'; , , , sum. im, vim ,zehn* - gemeintürk* an, ßuwaä. van 
*zehn*.*^ Ich sehe ganz davon ab, ob die sumerischen Zahl- 
wörter hier richtig angegeben sind (bei Delitzsch Assyrische 
Lesestücke* s. 1101 liest man: sum. eS ,drei\ (x)a oder (x)u 
,2eh&'; vgl u. a. C. F* Lehmann SamaMumukln, Leipzig 
1892 (Delitzsch und Haupt, Assyriologische Bibliothek bd, VID) 
127 ffO Wenn aber Munkäcsi richtig erkannt hat, dass die 
eiotürkischen formen ii€ und on (richtiger ön) sind, warum 
will er dann seine leser mit den öüwaSischen formen foppen, 
die doch erst rein sekundär den angeblichen sumerischen 
formen ähnlich geworden sind? Da die ungekünstelte neben- 
manderstellung der duwaSisclien und p, sumerischen" formen 
£Q einem anachronismus von einigen Jahrtausenden führt, so 
b&tte ich hier unbedingt eine kleine dosis Ton linguistischen 
kuDstgrifieu und weitgehenden kUtgeleien gerne geseheu. Was 
ndne hypothesen von den armenischen lehnwörtern im Tür- 
kischen betrifft, so hätte ich statt des Vorwurfes von lingui* 
ttiichen knustgriffen und weitgehenden küusteleien viel eher 
im einwand erwartet, dass die betreffenden türkischen Wörter 
fett historiicben armeniseben formen viel zu ähnlich sind. Aber 
widi dieser einwand ist ungefährlich; es lässt sich nämlich 
nachweisen, dass die lautent Wickelung im Türkischen und im 
Armenischen in mehreren wesentlichen punkten so parallel ge* 
vis^n ist (abfall der auslautenden vokale, Schwund eines u (ü) 
od^ j (y) m binnensilben , Vereinfachung von konsonanten- 



p%ßm 




200 



HulgflT pMCrMIlj 



gnippen u* 8. w.)j dass auch die armenischeD lehnwörter leicht 
im Tüikisclien theilweise dasselbe lautliche Schicksal gehabt 
haben köiineiJ, dem sie nach der zeit der eotlehnujig in der 
Originalsprache nnterlagen. f 

p) Ich komme jetzt zu dem wichtigsten punkte von Mun- 
käcsi's einwänden, zn den Wörtern orch, koi ,schaf* arm. xi^y 
jwidder* nud Ü^. koffkar ,widder' arm. ö^asar ,schaf , Bei 
allen übrigen von mir behandelten Wörtern liegen nnr die 
beiden möglichkeiten vor: entlehnung ans dem Annenischen 
oder leerer znfalL Bei koi und ko^kar kann von einem leeren 
^all absolut nicht die rede sein. Dagegen habe ich es EZ 
XXXIX 449 fiir nöthig gehalten, die etwaige annähme einer 
entlehnnDg der armenischen Wörter ^oy und o^jcar aus dem 
Türkischen ausdrücklich (ablehnend) zu besprechen. Gerade ■ 
diese annähme wird nun von Munkäcsi vertheidigt, jedoch wie 
es scheint nur mit geringer Zuversicht; denn er deutet zwei- 
mal (s, 354 z. 9—10 und z. 25) an, dass er am liebsten einen 
blossen zufall annehmen möchte. Die entlehnung aas dem 
Türkischen begründet er in der folgenden weise : „Ist doch aus 
armenischen und byzantinischen geschichtsqueUen genügend er- 
wiesen, dass zur zeit der Völkerwanderung in Nordarraenieu 
Bulgaren-Stamme wohnten, ivarum könnte ein wort ans deiB 
begriffbikreise der Schafzucht nicht von der türkischen spräche 
dieser Bulgaren zu den Armeniern gekommen sein?! In be- 
treff des anlautenden x in xoy mag bemerkt werden, dass 
einem postpalatalen ttirk, k auch im Öuwaöischen — welche 
Sprache mit recht als fortsetzung des Bulgarischen betrachtet 
werden kann — x entspricht (vgL auch ungar. homok ^sand^ 
=^ türk. ktimak, angar, hiirök .schlinge' = türk. hiritk ,pferde- 
schlinge*).'* Was zunächst die lautliche frage betrifft, so gebe 
ich selbstverständlich zu, dass x aus k in Wörtern mit hinter- 
zungenvokaUsmus sehr gut in dem von Munkäcsi angedeuteten 
bulgarischen dialekte zur zeit der Völkerwanderung vorhanden 
gewesen sein kann; als beweise dafür, dass es wirklich vor- 
handen war, scheinen mir allerdings die beiden von Munkäcsi 
hervorgehobenen momente nicht zu gentigen* Da auch in echt 
magyarischen Wörtern anlautendem ugiofinnisches k vor hinter- 
znngenvokalen zu k wird, so können Wörter wie homok und 
hurok^ wenn sie nur früh genug aufgenommen sind, auch auf 
türkische formen mit anlautendem k beruhen ^ wie schon 



I 




N«iieB und ii«chtr£g:lichea. 



201 



Böden z NyelvtudomäByi közlem^nyek X 134 ausgesprochen 
kt. Zu beachten ist übrigens das auslautende fr; im Cuwa- 
%hen wird in Wörtern mit hinterzuDgenvokalisnius doch auch 
auslautendes k zn x (x^Ux ,pferdehaare* osm. kyl)^ falls es 
flicht ganz schwindet (die föUe eines schwanken zwischen *x 
and 4-5 die von AS marin Materialy dlja izsledovamja CuvaS- 
äkago jazyka, Kazan 1898 s, 51 angeführt werden, können in 
Mgerer frage schwerlich in betracht kommen). Was das Cu- 
wiSische selbst betrifft, so ist hier x allerdings ältei* als die 
revoktion des Vokalsystems; das alter dieser revolution ist 
iber noch nicht ermittelt. Die bekannten türkischen lehn- 
wörter im Magyarischen, die in Übereinstimmung mit dem Cuwa- 
siscben (und nebenbei bemerkt auch in Übereinstimmung mit 
llmer reihe von türkischen lehn Wörtern im Mongolischen: mong. 
äier ,ochs*, vgl osm. ökm, magy. ökör ; mong. ikere ,zwülinge', 
woraus mandsch. ikvri^ vgL osm. ikiz, äkiz, magy. ihm") r aus 
irtBik. E haben, scheinen von problematischen gleichungen 
ibgesäieo keine spuren der önwa^ischen vokalrevolntion aufzu- 
wogen,") Übrigens halte ich es absolut nicht für ausgemacht, 
iiss diese magyarischen Wörter durchaus aus dem CuwaSischen 
stammen müssen. Da die Mongolen kein r (wohl aber ein j), 
die ügrofinnen gleichfalls kein b besassen (magy. z ist sekundär, 
l b. m $zäi .hundert' finn. saia), so könnten sie wohl ein aus- 
ppn^ stimmhaftes türkisches ^ direkt mit r wiedergegeben 
htben (vgl, magj^ar karo ,pfahl^ osm. kasyk, wo das erhaltene 
i k mit dem Cuwa^ischen schlecht stimmen würde). Mit dieser 

^^1 ^) Die eiazig« äofinalime ist etwa da.^ magy. i in f&Uen wie tinö »der 
^^Bip ochs* osjn. duna cowai. Hna, tna^. ir-ni .schreiben* mm.. jaz~ cnwas. 
HBK und einigen anderen wOrtem. Sonderbarerweise fi^irt aber die innere 
■ittwhtong dei Cnwasischen ^u dem erg ebnisF, daas dies i auf dem aUer- 
jtapfen der grossen euwasiachen vokalgesetae beruht (ZDMö LVIl 547). Zti 
*J*lfpn ifit übi%enB hier mong. jiru-iCu »malen^ zeichnen*, das sehr gut ein 
MJa^liee lehtiwert sein kannte; j, worans Tor i ein j^ entsteht, entspricht 
>fi telmw^ftem oft einem türkischen.// ^il jähr* osm. jifl, ^^arlik .wort, be- 
SÄI* ffl, omh. jartyka- (Terbalstamm). Aus dem Cuwasi&chen wird aher 
Wi tohl dafi mongolißcho wort nicht stammen. Es gibt eine urtürkigcbe 
^tiUliernitton a:y {2DMG LVU 559) vgl. 2. b, oam. jaz- ,nahe daran sein* 
^'^*, bat es etwa eine türkische spräche gegeben, in der die werter dmm 
^ jta- ,8«hreiben' ein y hatten? Ist jaz- .schreiben' vielleicht mit jo^- 
lilif darwEi gem"^ identisch (etwa nispr. ^zeichnen') — VfL GrOnbech 
'•«lldier s- 78, 



Holf^r Federaen« 



bemerkung will ich übrigens die hypothese, dass das Magj^arische 
lehn Wörter aus dem CuwaSisehen besitzt, nicht beseitigen; sie 
bedarf allerdings sehr einer erneuten methodischen prütung, 
wobei die lexikalischen Übereinstimmungen nicht als argument 
benutzt werden dürfen, wenn man nicht auch das häufige teblen 
eines „öuwaiisch" aussehenden magy. Wortes im CuwaSischeu be- 
rücksichtigt. Aber darauf brauche ich hier nicht einzugehen. 
Es genügt, dass ich an einem dialektischen türkischen x ans 
einem hinteren k keinen anstoss nehme* 

Ist aber das ursprünglich anlautende x des armenisclien. 
o^xar durch dieselbe dissimüation geschwunden, die in itror^ 
,froh' neben xrtvx Torliegt, dann mnss das wort im Arme-- 
mschen älter ab die armenischen vokalgesetze sein, und kann 
daher schwerlich zur zeit der Völkerwanderung atifgenommeo 
sein. Nun nimmt aber Munk&esi an, dass der Schwund des 
anlautes von o^xar auf tüjkisehem bodeu stattgefunden hat 
und beruft sich auf türk. ä^kä^ ä^ki .ziege* neben osttiirk; 
keekij keöi CuwaS. kagaga magy, kecske. Ich wül kein gewicht 
darauf legen , dass die feuwa^lsche form nicht ganz klar ist 
(urtürk. (" wird In der regel im anlaut zu öuwaä. I, im inlaui 
zE ä); auch will ich die möglichkeit nicht zu sehr betonen« 
dass es sich vielleicht in der Wirklichkeit nicht um einen (dlssimi- 
latorischen) abfall des anlautenden k-, sondern um eine Ver- 
mischung von zwei verschiedenen rtifwörtern (etwa äökä imd 
kedi) handeln könnte, die sich zu einander nicht viel anders 
verhalten würden als ahd. mcchi zu chujti. Die deutung voe 
ädki keH als rufwörter hat an serb. kec, keca ,laut um die 
Ziegen zu treiben* (gewöhnlich wiederholt kec kl'c) eine gewisse 
stütze (vgl G. Meyer Et. Wtb. der alb, Spr. unter kets ,ziege', 
wo noch weiteres material beigebracht wird). Ich will aber 
lieber zu viel als zu wenig zugeben und leugne daher die 
möglichkeit eines dissimilatorischen Schwundes des anlautenden 
konsonanten eines türkischen ko<^kar auf türkischem boden 
nicht« 

Historisch und kulturhistorisch igt aber die hypothese vcid j 
Munkäcsi sehr wenig verlackend. Sem ? ! hilft nichts ; die ^^ 
thalsache bleibt bestehen ^ dass die türkischen Bulgaren sichre 
als ein kulturvolk absolut nicht bewährt haben ; sie sind z. b. aa^^ 
der Balkan halbinsel in den von ihnen beheiTSchten Slaven spnr^^ 
los aufgegangen. Mögen auch die Magyaren von ihnen beeinflus 



I 
1 




NeaoB imii oftcbtrS^tichea. 



203 



worden sein, so darf man nicht ohne weiteres von den wan- 
dernden Magyaren auf die seit uralter zeit ansässijEren und 
scliafzacht ti-eibendeo Armenier folgern (vgL arm, garn ,lamm^ 
gr- akkasatiy a^i'a, arm» am' ,schafwolle* gr, noxog ^abgeschorene 
wolle* lat. peais ,8chaf, vieb* an, ßdr ,schaf , arm, gelmn ,wolle* 
lat vdhis n. s. w,) Dazu kommt noch ein sprachliches moment: 
auf türkischem hoden stehen koi kajun ^schaf und äoc^, konkav 
,widder* unyermittelt nebeneinander; auf armenischem boden 
l^en sich xay und o^xur ohne weiteres vermitteln, xoy lässt 
sich aus *qhoti~, of- aus ^qhotiu- deuten (Monkäcsi behauptet 
— sogar 2weimal —, ich hätte o^- türk* k&d ans den „ver- 
meintlichen prähistorischen formen^ von x&y gedeutet, und 
wirft mir aus diesem anlasse vor ^hypothesen zu häulen'*; er 
hätte sich aber die mühe geben sollen, meinen aufsatz zu 
lesen, ehe er darauf antwortete ; ich habe docli deutlich genug 
gbsag^, dass ich xay und of- als verschiedene, aber allerdings 
v<*rwandte formen betrachte)* Die suffixbildung in of-xar ist 
vom armenischen Standpunkte absolut verständlich: zunächst 
ein auch sonst vielfach belegtes -x* (vgl* noch gr. fzfikt^tn; 
»freundlich' neben asL mih ,lieb', gr. xoiptxog ,drossel' neben 
poln. ^ch, kas serb. kos ,amseP), dann das so ausserordentlich 
[»roduktjve armenische suffix -ar. Femer gibt es für arm, moy 
eine tadellose auswärtige etymologie : ir, cU ,schaf aus *qhetni' 
(wobei das -«- später von anderen bildungen übertragen sein 
kann; die altemation e:o ist im Idg. unanst^ssig). Und zu 
.^oy oder of^- gehört noch das regelmässig gebildete kollektiv 
^wn fS€hafherde\ das allerdings am leichtesten auf eine grund- 
form mit -e* (stamm *qheti€n-) zurückgeführt wird. Kurz: 
^<7y, o^xar^ xdsft haben ein durchatis unverdächtiges arme- 
nisühes aussehen. Dagegen ist es vom türkischen Standpunkte 
nicht nur, wie schon bemerkt, unmöglich, koi uud ko^ mit ein- 
a^tider zu verbinden^ sondern es ist auch schon sehr schwierig, 
ho^kar neben kof" zu erklären* Da die nominalkomposition 
im Türkischen keine roUe spielt müssten wir natürlich in -kar 
ein denomioatives suffix suchen. Munkäcsi hat aber den 
Oachweis eines solchen sufiixes aufgegeben und trägt statt 
dessen folgendes vor: ^Zu bemerken ist, dass kotVcar (alt, 
feoekof) augenscheinlich ein kompositum ist, dessen zweiter be- 
«tandtheü ein veraltetes wort sein mag. Dasselbe wort Ter- 
mathe ich in ajgyr jhengst\ das neben jakut. attfr, sagai 



204 



Rolfr«r PedeRMi, 



I 

I 



mkyr (kott* askar) ,heugst* sich auf eine orform ^aJl-kyr •al- 
kar zuriickfithren lässt (v^L at ,pferd'). Vielleicht gehören 
hierher als alte eDtlehnungea auch: vogul* xür, ostjalc. teir 
liar xöTf ostjak.-samojed. kor .männchen, hengst, stier' (t|^. 
auch grusln, xari ingiloL xk^ar ,stier').*^ Das -kar voo türk* 
ko^'kar aas ainem ugrofinoischen oder kaukasischeD 
Worte zu erklären, das aus diesem gründe und nur aas diesem 
gründe ein türkisches, im Türkischen selbst verlorenes wort 
sein soll, ist doch ein sehr bedenkliches rechnen mit ver- 
lorenem sprachgut; mit recht kann mau hier Munkäcsi's eigenes. 
Worte zitiren: „Wenn wir mit annahmen in der methodischer^ 
foi-schung so weit gehen dürfen, dann verschwinden überhani^^ 
alle grenzen der Unmöglichkeit.'' Die zurüekliihrung von *ijg^^-^ 
jhenpt' auf eine urform *at-kar erinnert lebhaft an jene per^- 
ode der sprach mssenschaft, wo man den begriff iautge^etz nod^li 
nicht aufgestellt hatte. Die urtürkische form von (ijgyr (vg 
Vilh. Thomsen Inscriptions de TOrkhon s* 157 und 1: 
— 190; dazu noch Keleti szemle II 241 ff.) ist identisch mit A^ar 
in den Orchon-inschriften vorkommenden form üdgijT\ sie e^Eit- 
hielt L nicht t, sondern rf, woraus in den meisten dialekrteiÄ^ j, 
m einer kleinen dialektgruppe (Äbakan-sprachen) b^ im Cu^pwa- 
^Ischen r, im Jakutischen t wird; ein urtürkisches t wäre da- 
gegen in allen dialekten erhalten geblieben oder höchstens zn 
d geworden; ein beispiel ist gerade das fast in allen türkiscliei} 
dialekten gleichlautende wort, ai ,pferd* ßuwaS. ut] von eüiar 
Verwandtschaft, zwischen at und nägiir kann schon ^tib diesmal 
gründe keine rede sein. Die urtürkische form von djfpjr ent- 
hielt 2. nicht ft, sondern g\ deshalb der Schwund im Jaku- 
tischen, Ferner enthielt sie 3. in der zweiten silbe keto ^. 
sondern ein y. Ganz parodisch wirkt die beruf ung auf kott- 
ashar; die spräche des kottischen fiinf-seelen-^ Volkes** wa-* 
doch nicht türkisch; sie besass kein y (V oder e) s. Caströr» ^ 
Jenissei-ostjakische und kottische Sprachlehre^ s* 2; sie konnt^^ , 
daher türk, e nicht besser als durch a wiedergeben. Bei Ca 
strön, Versuch einer koibalischen und karagassischen Sprach- 
lehre, St. Petersburg 1857 findet sich allerdings ein kara- 
gassisches askar, aber 2U dieser form ist auf Radi off, Gramme 
s. 9 und Proben der Volkslitteratur der türkischen Stämme 
s. XTX zu verweisen» wo die ungenauigkeit der Casti*en*scheii 
bezeichnung bdeuchtet ist: u. a. sehreibt Castr^n gelegenüiclc-^ 





Niiiea und nachtrtgliches. 



20& 



ütti y; das karagassische askar ist also etwa asläh- seh lesen, 
Eailloff erkennt aacU in seinem wtb. kein mkar an. Für die 
eirtürkische form darf man absolut nicht ansetzen; daraus 
wiire das faktisch vorliegende y nicht erklärbar. Dagegen 
liÄtte das wort ko^Jcar ein altes a; warum Munkäcsi die al- 
tmche form kof^kor anführt, ist unklar; eine brücke zu den 
\m ihm angeführten ugrofinnischen wortem (mit a oder 0) 
ist diese form nicht; denn das zweite in alt. kotJkor ist 
durch die rej^elmässige einzeldialektische vokalharmonie aus a 
unter dem einfluss des der ersten silbe entstanden. Irgend 
ein grund adfjijr als ein Kompositum zn betrachten besteht 
nicht -gyr (-gir} gehört zu der zaMreichen gruppe von tür- 
kischen Suffixen, die mit -g- anlauten; eine etymologie auf- 
zustellen bin ich nicht verpflichtet; eine Vorbedingung hierfür 
wäre die ermittelung der ursprüngrUchen bedeutung („raänn- 
Uches pferd" oder etwa „renner"" als poetischere bezeichnuüg 
d€«pferdes, besonders des streitpferdes? im letztem falle wäre 
2iisammenbaug mit orch, ad-ak osm, aj-ait ^fnss^ denkbar), 
AUes spricht also dafür, dass koi, kof^ (woraus magy. kos), 
ka^kar aus dem Armenischen entlehnt sind, 

q) Ich habe jetzt sämmtliche von Munkäcsi gegen mich 

erhobenen einwände besprochen und kann danach nnr zu dem 

^rgebniss kommen, dass meine hypothese bis jetzt nnerschüttert 

^t. Als eine empfehlung für dieselbe führe ich noch an, dass 

^ie von mir als armenisch in anspmch genommenen türkischen 

^^^örter sich alle ungezwungen in das bild einer friedlichen 

^^nemtultnr einfügen lassen. Es lässt sich indessen gar nicht 

^^zweifeln, dass es viel mehr armenische Wörter im Türkischen 

ibt als die von mir nachgewiesenen. Denn eine systematische 

Durchforschung des ganzen türkischen Wortschatzes habe ich 

^i-icht unternommen, und von anderen arbeiten gedrängt muss 

*c:^h auch für die nächste zukunft davon absehen. Nachtragen 

^Ociöchte ich hier nur ein mir schon seit langen jähren bekanntes 

"^^^tlrkisches wort, das ich bei der abtassnng meines anfsatzes 

^^ ergessen hatte, worauf ich aber durch die bemerkung von 

Sehe ftelo Witz BB XXIX 69 wieder aufmerksam geworden 

^in. Ann, tei gen. feloy ,draht, faden* jfilum, stamen, netum, 

^apülus* ist natürlich mit türk. tat (osm., Krim, Aderbedschan), 

tfaser, faden^ draht' »die kurz abgeschnittenen haare auf der 

^^ der frauen' identisch* Dass aber das armenische, schon 



aoe 



Holger PedsiMD. 



I 



in der bibelübersetziing vorkorameöde wort aus dem TürkiBchen 
stammen soUte, ist gewiss unmöglich. Eine etymologie des 
anuenlsctien wortes bietet sieh angesucht j wie fd »sehne, 
äehniir* (KZ XXXIX 413) wird das wort -ml- enthalten haben; 
es ist ein iäg, ^tenslo- und gehört zu der idg. wunsel *ten- 
(*ten3-); vgl aind, tdniu-s /adeu, schnür, drabt, saite', asL 
i§tiva ,saite, sebne\ ir, tet cymr, tant ,saite*; formell ist das^ 
wart vielleicht mit lat, tBlum identisch. Zu fei gehöii: t'eladir^^ 
,che suggerisce; esortatore'. Die anklänge, die für iäl im Tftr*^ 
kischen nachweisbar sind (etwa jakut. iäl- ,riemen von leder^ 
schneiden' alt- tu- kaz. tel- osm. du- ^nwa^. ^el- oder ofmr:^ 
däl- jdurchbohren*) , sind offenbar zufallig. täl ist wie fora-.^ 
,enker KZ XXXIX 462 ein unzweifelhaftes armenisches lebr^ 
wort, braucht aber nicht zu den ältesten schichten zu gehöre^^^ 
[Die türkischen lehnwörter im Neu -armenischen, wie 
,wenig* osm. Äit? magy. kis, gehen mich hier nicht an.] 




Die erste hälfte eines aiifsatzes von Scheftelowita 
armenischen lautgeschichte (BB XXVTH 282—313 und XXIZß 
13 — 71) erschien zur zeit, wo ich meinen aufsatz KZ XX X IX 
334^485 schon längst eingeliefert hatte ; die zweit*^ hälfte «r^ 
schien um einige tage später als mein aufsatz« So ist es mir 'M:m- 
möglieh gewesen auf die ausfiihrungen von Scheffcelowitz rft.ct- 
sicht zu nehmen. Jetzt möchte ich aussprechen , dass seine 
arbeit vielfach von einem bedeutenden Scharfsinn zeugt, dais 
sie aber ein durchaus unfertiges gepräge trägt. Zu rügen ist 
schon die unmasse von fehlem und ungenauigkeitan in den 
faktischen angaben. Jedes von diesen versehen mag au und 
für sich entschuldbar sein; die grosse menge derselben bleibt 
aber ein Vorwurf und zeigt dass herr S. nicht die nöthige zei't 
und Sorgfalt auf die ausarbeitung seines aufsatzes verweadet>^ 
hat. Ein theil der fehler ist Übrigens solcher art, dass nichts 
jeder beliebige leser sie bemerken und korrigiren kann. Zwar 
wird — um von ganz massiven fehlem abzusehen — ein 
sorgfältiger leser leicht bemerken, dass arm, asti ,dasein, weit, 
weltliche dinge* nicht, wie Scheftelowitz s* 20 es thut, zu der 
idg- Wurzel *eB' ,sein* gestellt werden darf; denn es bedeutet 
,hiesig* und ist von mt ,lüer* (zu als .dieser* wie and ,dort* 
zu ain Jener*) abgeleitet Und wenn S. s» 15 arm. eov ,meer* 
zu an. kaf ,meer^ kefja ^hinnntertanchen* gr. ßunna stellt 




ifenes und riicl 



Ulli die sebelnbar schlagende parallele „arm, covanam ,Iiin- 
ratertaucben*^ üinzufiigt, so wird der vorsichtige leser auch 
oke kenntnisse des Armenischen leicht aus dem wörterbnch 
ersehen, dass eovanam die angegebene bedeutung nicht hat; 
es bedeutet ,sich wie ein meer ausbreiten, überschwemmen' : 
ob die gleichling cov an, kaf, die mir schon vor einigen jähren 
WOQ einem Euhörer vorgeschlagen wurde, richtig ist, ist wegen 
der vokale äusserst zweifelhaft; einfacher wäre es, mit Stokes 
TFXü. 191 cov zu ir. g6 ,meer' zu steUen; noch anders Mserianc 
in den Verhandlungen des XIIL internationalen Orientalisten- 
longresses in Hamburg 1902 (vgh das referat der diökussion). 
^enn aber Scheftelowitz s. 19 annimmt, dass in arm, teii ,ort, 
m $' abgefallen ist, so wird der fernerstehende sich leicht durch 
^ herangezogene stdanam ,sich hinstellen' täuschen lassen, 
«bfleich in diesem worte s- die bekannte armenische präpo- 
süon ^-, s- ist. 

Leider erstreckt sich der mangel an sorgfiilt nicht nur 

«ttf das material, sondern auch auf die behandlung desselben. 

Das bild der lantentwickelung , womit S. sich begnügt, wird 

{«Wiss die mitforscher nicht befriedigen, S, hat keine laut- 

S^egetze gefunden aus dem einfachen grunde, weil er überhaupt 

fiicht ernsthaft danach gesucht hat Nur in einem falle hat 

CT vielleicht ein neues lautgesetz richtig ermittelt: er nimmt 

^ 32 fm, dass dental -f t im Armenischen als st erscheint, 

^as möglicherweise vor meinen vermuthungen KZ XXXIX 4^2 

^^n Vorzug verdient 

Auch die polemik ist bei S. sehr wenig sorgföltig- Bis- 

^^^ilen ist sie sogar ganz gegenstandslos und räthselhaft. S. 38 f* 

«^merkt er, dass idg, bh zwischen ursprünglichen vokalen zu 

^ geworden ist, führt dafür ein paar beispiele an und fährt 

Ö^aim fort: „Hübsehmann und Pedersen KZ XXXVin 

^99 und 201 nehmen an, dass bh auch sonst zu v wird, was 

^teer falsch ist. Sämmtliche hierbei in betracht kommenden 

^t^ymologieo sind entweder iranische lehn Wörter oder falsch*^. 

^nn lehrt aber Hübschmanu, dem ich an der betreffenden 

W>elie einfach pedibus in sententiam ivi, genau wie S., dass bh 

uitervokalisch zu t; wird (und die einzigen richtigen beispiele 

W S. stammen von Hübschmann)* Die polemik kann also 

Lnidit gegen die Hübschmanu 'sehe regel gerichtet sein; 
^ auch nicht gegen seine beispiele; denn die von S. als 



Igl^r Pederaen, 




f^ I 



iranisch bezeicBneten Wörter sind schoD von Hübsehmann 
iranisch bezeichnet. Das einzige, was gegen Hübschinanu ge 
richtet sein könnte, ist die verfehlte behauptnng, dass die 
menische adjektiyendung -vor iranisch wäre (richtig hei Hübsct:^^ 
mann Arm. Oramm. I 420), Was meint also S. mit sein^^^ 
polemischeu bemerknng? Etwa, dass es niemandem geling^^^ 
wird, andere belege fiir das intervokalisehe -bk- als die vi^^^j 
S. gebilligten aufzuflndeu? 

Als zweites beispiel fiir die wenig sorgfilltige art c^^j. 
polemik bei S* verweise ich anf s, 27, wo er gegen die 0^|. 
ho ff sehe Deutung des arm, tram ,fest* mit den folgen^^jj 
werten polemisirt: „Osthoffs annähme, tram gehe auf *(J^~ 
romo zurück, ist unmöglich, da es im Armen, zu *eftram hUtte 
werden müssen, wie idg, *bhrat&r(l): arm. elbair^ gr. (jF(^f(/)o^: 
arm. eibatir(}),^ Osthoff hat aber kein *rfn*roiwo, sandem 
*drf(rärm-s oder *drm-ümo-*^ angesetzt. Und wozu das wört- 
chen ,unmöglich*? Weshalb kann in der silbenfolge *drufä^ 
eine dissimilation nicht zu der zeit eingetreten sein, wo die 
ganz anders gearteten silbenfolgen ^bhrdtBr und *bhreut ^^ 
intakt blieben? Eine solche müglichkeit ist absolut nicht abzu- 
leugnen. Wä.re eine solche dissimilation trotzdem nicht eio- 
getreten, so würde ich allerdings als scblussergebniHs etwa 
*BHram erwarten; Scheftelowitz hat aber andere ansiehteil ab 
ich über die armenische lautgeschichte. Es handelt sich Wer 
um die interkonsonantische gruppe -ru-; bei Hübschmaai 
finden sich zwei etymologien, die nur unter der bedingMg 
möglich sind, dass eine solche gruppe zunächst zu -ur- ge- 
worden ist. Ich habe daher KZ XXXIX 345 ausfährlicki 
untersucht, ob eine solche metathese annehmbar ist; da \o^ 
immer der tradition gegenüber so konservativ wie möglich* 
bin, so habe ich mein ergebDiss in den Worten formuHrt, da^-^ 
eine solche annähme weder widerlegt noch bewiesen werdeJ^^^ 
kann. Aus meiner weiteren darstellung wird man jedoch leich 
ersehen, dass ich selbst nicht daran glaube; überhaupt dürfte 
ein unbeweisbares lautgesetz als nicht vorliegend zu betrachtei^^^ 
sein- Um gegen alle missdeutnngeu sicher zu sein, habe ict^^ 
in der Zeitschrift der Wiener Mechitaristen Bandes 1905 s. 3^^ 
ausdrücklich ausgesprochen, dass ich die annähme verwerfe^^^' 
Ganz anders verhält sich Scheftelowitz; er akzeptirt ohne be ^' 
denken die metathese (BB XXIX 54; vgl seine etymologiet 



»t 




NeiiTO xmi nsebtrigrlicbes. 



209 



8. 25, 29, 49 und BB XXVTTI 309). Also wäre nach seinen 
«mehten in *drnmnn-s zunächst -ru- zu -ur- geworden; aus 
ämm so früh ^tisammeng^ekommenen *rr- wäre gewiss ganz 
ftinfach -r- geworden. Also wäre nach den ansichten von S* 
ans *drürämi-s eben nur tram geworden. 

Nicht gehaltvoller ist die gegen mich (d, h- gegen meinen 
kleinen aiifsatz KZ XXXVni 194—240) gerichtete polemik bei 
Scbeftelowitz. Auch da, wo er scheinbar wirkliche argumente 
Mbringt, hat er die sache nicht durchdacht. Meine ansieht^ 
Mg. u erscheine im armenischen anlaot immer als g, ist nach 
Scheftelowitz s, 41 von mir selbst durch die gleichnng arm. 
m preass* tüinsus widerlegt. Ich glaubet eine gewisse kennt- 
mss des Slavisch-Baltischea und eine sorgfaltigere lektüre 
lueines kleinen aufsatzes hätte wohl herm S. in den stand ge- 
setzt, das zu ahnen, was er jetzt KZ XXXTX 437 ausführlich 
feien kann. ^ Bugge hatte KZ XXXII 65 arm, sung zu gr. 
mi^ytiq gestellt, was ich natürlich als richtig anerkannt habe, 
Scheftelowitz will aber die kombination deshalb ablehnen, weil 
«HD. sitvg ,pilz' bedeutet Dass die bedeutungen .schwamm 
«Im abwaschen* und ^pilz' sich sehr gut vermitteln lassen,' 
h4tte er aber fast aus jeder beliebigen spräche (u, a, aus dem 
Deutschen) erfahren können. Über die weit verbreitete sippe 
4es gr. tjnoyyog (in der die bedeutung jpilss' sehr gut älter als 
I tWaschschwamra' sein kann) habe ich in den Materyaly i prace 
^comisyi jfzykowej akademii umiejftnosci w Krakowie I 165 ffi 
i^nafuhrlich gehandelt und werde meine ausfuhrungen hier nicht 
"Wiederholen. Ich bemerke nur zu Uhlenbeck IFXm 215, 
^a&s lat. frtngus selbstverständlich kein griechisches lehnwort 
i^t ; als lehnwort miisste es doch wenigstens *piingus lauten. — 
fAatn. unim ,ieh habe* hatt« ich KZ XXXTHI 203 zu ahd. 
^^onm u, s, w, gestellt ; Scheftelowitz s. 34 will diese etymologie 
"Wegen des zu unim gehörigen oin ,gewohnheit* ,abito, abitii- 
dine* ablehnen; statt dessen soll es zu aind* äpnas .besitz, 
liabe* gehören. Leider ist aber gerade die form oin eine un- 
bedingte Widerlegung dieser vermuthung (das von S. selbst 
Mgeführte k^un »schlaf zeigt, wie sich die gruppe -pn- im 
Annenischen entwickelt; vgl. KZ XXXIX 349—50); fhr meine 
Etymologie Ist dagegen oin nicht nur semasiologisch, sondern 
^Tigleich morphologisch eine erwünschte bestätigung. oin stellt 
«ich Bch(Sn neben das zu ahd. um^m gehörige gr. $vv^ (vgL 

■«liwluiA f, m^. Spaolil K. F. ZX. f. 14 



Hol^r PisJersen, 



die bedeutungsentwiekelung iü aind» okas ,wöhnstätte* nel 
s^sh vyknqü ,sich gewöhnen*) und zeigt, dass Brugmann B 
richte der phU^-hist. Cl der königl. Sachs. Ges, d. Wiss. 1901 s, i; 
mit bezug auf eiVif auf falscher föhrte gewesen ist. v, Patr 
bÄny, der IF XIV 58 f. gleichfalls arm. umm zu der vi 
mir herangezogenen sippe stellt, hat daher auch ganz richl 
die form oin als einen beweis dafür betrachtet. Ich mad 
hier noch auf einen anderen fall aufmerksam, wo das Arm 
oische und das Griechische von einer mit eue- aalautendeu baj 
die gleichen formen bewahrt haben. Das sehr gewöhnlid 
neuarmenische i^em ,ich wUl' ist für die alte zeit nur zweiO 
haft belegt; dass das woit aber trotzdem alt ist, geht aus di 
altarmenischen kompositum y-u^em ,suche' mit dem verbl 
Substantiv y-oiz hervor. Dass uzem geradezu die neuarmenisd 
form von yt$zem sein sollte, wie Hannsz Sur la langue 4 
Armeniens polonais s. 132 annimmt, leuchtet mir nicht rei^ 
ein; übrigens würde aber auch in diesem falle die etymolog 
die gleiche bleiben: gr, ev/f^ßen aw, ao^da ^sprach' lat vmfi 
aind. vaghät ,opferveranstalter*. I 

Unter diesen umständen muss ich es als ganz überjlüsal 
betrachten, im einzelnen auf die polemik bei S, zu antwort^i 
Überhaupt wäre eine durchgeführte rücksichtnahme auf ein| 
ganz unfertigen aufsatz eine unnöthige zeit* und papier?^ 
scbwendung. Dass von S. gesammelte material könnte hin m 
wieder zu einer kleinen ändemng meiner beweisführnng S 
XXXIX 334—485 aiüass geben (KZ XXXIX 347 habe ij 
hervorgehoben, das eine metatbeBe einer gruppe von vä 
schlusälant und l im ArmeBischen nicht nachgewiesen ist; ij 
hätte hier einen hin weis auf das syrische lehn wort arm, halln 
,schUngen* Hübsch mann Arm. gr. I 308 hinzufügen solli| 
wo eine solche metathese vorliegt; daraus folgt aber für d 
echt armenischen Wörter weiter nichts, als dass eine grup| 
von verschlusslaut -f l damals nicht vorkam); meine result^ 
bleiben aber ungeändert. Auch kann man den aufsatz von | 
nicht lesen, ohne bei manchen von ihm falsch etymologisirtl 
Wörtern die richtige etymologie zu finden (arm» ardinn ,strqi 
tura*, das S* s. 33 unter einseitiger bedeutungsangabe zu li 
pretmm stellt, gehört natürlich als nomen acüonis zu g 
aoaQiaxm arm. ütnem ,mache*)* Aber darauf gehe ich hit 
nicht ein; in der Zeitschrift Randes werde ich gelegenhä 




NeuSB und nachträglicheB. 



baben, auf die sich mir aus der neuesten Sprachwissenschaft- 
Üchen litteratur ergebenden ergänzungen meines aufsatzes 
hinzuweisen. 

Hier möchte ich nur auf einen pnnkt der armenischen 
lantgeschichte hinweisen, der wirklich mit Schwierigkeiten ver- 
bunden gewesen ist: das Schicksal des anlautenden idg. q- tmd 
r* im Ärmenisehen. Scheftelowitz BB XXVHI 302 ff. vertritt 
in dieser frage die von M ei II et und mir abgelehnte ansiclit, 
dass q- und q"- zu arm. k- wird. Alle seine beispiele zu be- 
sprechen halte ich fiir zwecklos. Die kritik würde eben des- 
halb viel zu zeitraubend werden, weil S, selbst absolut keine 
kritik geübt hat Ältere befriedigende etymologien werden 
von ihm gar nicht berücksichtigt; er stellt z. b. kolr ,ast, 
Eweig* zn asL koh ^pfahl*, obgleich Meillet MSL XI 185 
l&ngst richtig asl goh ,ast, zweig* verglichen hat (von Meillet 
hat S. aber überhaupt nichts gelesen; er citirt ihn nur zwei- 
mal, das eine mal nach Hübschmann, das andere mal nach 
mir). Er gibt eine etymologie von arm. kiiU^ ,topf, gefäss' 
ohne überhaupt anzudeuten, dass ein solches wort sowohl im 
grossen Venediger Wtb. wie bei Ciakciak fehlt (diese beiden 
^prachqnellen hat er aber, wie es scheint^ überhaupt nicht be- 
itutzt). Als wirklich auf den ersten blick ansprechend kann 
if^h von seinen etymologien höchstens zwei anerkennen: arm, 
^^^ ,handvoU* amd. kagir ,handvoU* und arm. katar (i-:a-staram) 
»feipfel* alb. kodrt (fem.) ,hügel, anhöhe** Vor diesen beiden 
^cmbinationen ist es daher vielleicht nicht übei'flüssig die fach- 
^«nossen ansdrücklich zu warnen, ku^ ist ein seltenes armer 
Fisches wort, das von Ciakciak in der folgenden weise erklärt 
"^^ird: ^erkok'in ap'k' jefac kcealk^ i miasin gogajev orov lini 
^nrn mi''. Die in dieser erklärung angedeutete etymologie 
%j^u k^em ,unire, congiungere') dürfte richtig sein. Zwar ent- 
^ÄÄlt die Wurzel dieses verbums eigentlich i (vgl. kig ,unito, 
^songinnto*t -ki^ ,genosse*); u lässt sich aber als eine entglei- 
^uTig erklären, wofür auch sonst beispiele vorkommen (KZ 
^^^XIX 410). Dass die dentung seniasiologisch ansprechend 
lst| zeigt ein blick auf die übrigen ableitungen von k^em^ z» b. 
krank* ha^ j^erku hack' kcealk' i miasin; una bina di pane". 
fci? und %em sind aber vom zablwort ^zwei* abgeleitet und 
etitJiftlten k aus du-; ^ ist aus sk entstanden, und kip ist mit 
*hi iwisk ^zwiefach* identisch (Meillet MSL VHI 296). 

\ ZI 



Dass das suffixale armenische -£r in der rege! aaf sk znriick- 
geht, and dass das Armenische in der yerwendimg dieses snffixea^ 
vielfach zum Germanischen und Slavischen stimmt, dhrfte heut 
anerkannt sein. Ich benutze die gelegen heit um ein ueue^^ 
beispiel dafür beizubringen. -o€ ist im Armenischen ein hau 
figes auffix in ortsbezeicbungen : eznmior, emm- ,ochsenstaU' 
kfoe ,korb*, aikiuöf; alhü^ ,GloacaS darhn<K ^werkstätte eine 
Schmiedes*, hnon ,ofen' (eig. ,feuerstätte'), ca^ftof ,blumeiigartep 
dpror ,schule' u. s. w. Die erklärung bei Bugge KZ XXX^ 
45 hat sich mit den lautgesetzen nicht in eiuklang bring -^W 
lassen. Vergleichbar ist dagegen das slavische suffix -i$iko iir^ai 
der Weiterbildung -i^<Je (aus -Uqie\ worüber Miklosich V'^^g 
Gr, II 274 ff. handelt : poln* chmieliskQ ,hopfengarten*, i*. ^luii- ^j, 
,feuerstatteS asL gnojiste ,ämetum\ delateliMe ,afficana*j u-fJd' — -^^ 
jSchnle' u. 8. w. 

Falsch ist auch die kambination von arm. katar mit -^lli 
kodn. Schon rein lautlich ist sie nicht ganz emfach; sie beir^ühj 
auf der annähme, dass ein idg. -dr- im Albanesischen un^^^er* 
ändert bleibt, was anMUig genug ist, da nicht nur ia.<er< 
yokaügcbes b d g schwindet (G* Meyer Alb, Studien III ^7)^ 
sondern auch lateinisches b vor r nach der hen^chenden md 
trotz der dürftigkeit und (theilweise) Unsicherheit des materfa/tf 
gewiss richtigen ansieht verloren geht (Gröber's grundriss I 8ii> 
und Hei big Die italienischen Elemente im Alb., Leipzig 1903, 
8, 66). In italienischen lehnwörtem bleibt -dr- erhalten (Hei- 
big s* 72); so auch ia dem worte hätsedre ,dracheS desse 
letzte quelle gr, x^^rrvS^og ist (G, Meyer IF VI 106); ^ 
femer in dem stadtnamen Skodrs, bei Liviös Scodra; dies«yi 
name ist aber ursprünglich nordillyrisch ; ihn als albanesisel 
zu deuten ist schon wegen des o nicht möglich. Dass i 
einem ererbten albanesischen worte oder einem alten lateiuischf 
lehn worte -dr- erhalten bleiben könnte^ ist noch unbewiesj 
und unwahrscheinlich. Aber auch wenn mau von dieser lai 
liehen fragr* gan^ absieht, ist es vollkommen sicher^ dass 
ködrs aus rumän. codm ,wald* entlehnt ist* Herr dr. 
Sandfeld Jensen, bei dem ich aufschluss über das 
nische wort gesucht habe, bemerkt zutreffend, dass die em 
des rufoäuischen wertes (-u) unerklärlich sein würde, we 
aus dem Albanesischen stammte (wo ködr§ fem. ist), wäj 
umgekehrt alb. kodr^ aus rumäiL codm ohne weiteres 



Neues und Dachirn^Uche«. 



2ia 



^1 

lieb ist. Ausserdem verweist er mich atif die romamstigche 
^f iitteratur über dies wort Ich stimme mit Densasianu 
BoEDania XX Vm 62—64 tiberem, der codfii aus lat, quadrttm 
erklärt; das wort bedeutet ^quartier de pain', ferner in alter 
teit »portion de terre bieu delimitee*, woraus sich die bedeu- 
tmgen ,place d'uu village', /oret^ ,monta^e couverte de forets' 
vollkommeü erklären. Die von Densusianu angeführten stellen 
acis dem Corpus glossariorum entsclieiden meines erachtenB 
<iie Sache vollkommen. Mit dem o (vgl altfranz. coron ,eoiu, 
a^gle, boQt, eitr^mit6*) ans a rauss man sich unter diesen um- 
^t;äiiden irgendwie zurechtfinden; W. Meyer-Lübke polemi- 
siert zwar im Literaturblatt für germanische und romanische 
I^liilologie I9ül sp, 299—300 ge^en Densusianu; er erkennt 
An, dass z. b- ein lat. quodratns aus quadratus gesichert ist, 
'^^iü aber den tibergang nur fUr vortonige silben anerkennen, 
^&r mag hierin recht haben; ich sehe aber nicht ein, wes- 
l»^b qiiadrum sich nicht nach qtmdrattts analogisch gerichtet 
^^ben könnte* Sein versuch, quadrum mit gr, nh^a zu kombi- 
*Äiren, ist, wie ich glaube, undurchführbar* Wie man tibngens 
^4e Sache dreht and wendet, eine möglichkeitj alb. hodn 
^Hit arm. katar zu verbinden, ergibt sich nicht. In dem arme- 
^^iscben worte ist -ar vermuthlich wie sonst ein suffix; in kaJt- 
It^nnte die wurzel *^3- (gr* i-ßti arm. kam ,ich stehe^) mit 
^4iiem -d^suffix stecken. 

[§ 5. (Der battisch-slavische akzent). Mit un- 
»■^«At habe ich KZ XXXVIII 333 gegen Saussure ein bal- 
^tjscb'Slavisehes akzentgesetz — -^ > — — (wobei — eine ge- 
^tossene länge bezeichnet) als wahrscheinlich anerkannt* Lit. 
^r»f?tmm. gälva., acc. pK gälvas^ nom* dual galvi von galvä ,kopf^ 
Enthalten die aus dem acc, und dat sing, und nom, ph be- 
kannte akzentzmückziehung, die von Saussure in seinem 
e^enialen aufsatz IF Anz. VI 157 ff. als nachahmung der konso- 
ttantiscben stamme gedeutet worden ist. Ebenso bei den mehr- 
silbigen Stämmen: instr. sing, äszaka, acc. pL ässakas von assa- 
ha ,gräte\ Bei den zweisilbigen stammen mit geschleifter 
'^fwz^Isilbe hat Saussure's akzentgesetz - — >--^ gewirkt 
Tmstr. mergä^ acc. pL mergä§, nom. dual, mergi von mergä 
B rWidchen*). In bezug auf den acc. pl. stellt sich also das 
^k IWüerhe nicht auf die seite des Indischen (skr* acc. pl. padä$% 
■^^ »»ttdem auf die seite des Griechischen (noia^). 



214 



Holder P©46Tsen, 



Das SlaviBche stimnit durchaus mit dem Baltischen (r. dual 
6be nagi, ygL KZ XXXVIII 360; acc. pL nogi; instr. sing 
noäbjii von noöb ^nacht*, lok, nöt% gen. pl noäeS). SaussureÜ 
akzentgesetz hat aber hier anders gewirkt als im Baltbchen 
weü die akzentzuröckziehung der vokaMschen stamme im Sl» 
Tischen mit intonationswechsel verbunden war: C» hora ,berg* 
vzhüru .hinauf (KZ XXXVIII 304); 6. heäa p. hiaäa (inter 
jektion) ,wehe* (erstarrter nomiuativ mit alter intonadon), ab€( 
ö. UM p. hiedu ,nolIi* (deklinirtes Substantiv mit veraDgemei 
nerung der iutonation der kasus mit zurückgezogenem akzeut 
über poiö. u als den nnnmlautbaren Vertreter eines langen i 
Tgl. Brandt in der Fortunatov- Festschrift) ; altö, zima ,a 
ist kalt^ (erstarrter nominativ), aber lima ,winter* (v. Roa 
wadowski, Semazyologia [aus Eos IXJ p. 15; Gebauei 
Historickä mluvnice I 610); slovak. ckvala hohu ,gottlol| 
chväla ,lob* (Kott, v.Rozwadowski brieflich. 27. nov. 1903); M, 
acc. ffülvq, T. golomt ,kopf (Meillet, FortunatOT-festschrit^ 
ö. vira ,glaubeS vern »fÜrwahr* (erstarrter acc). ^ und - c3[ 
Wurzelsilbe sind also zu — , und umgekehrt — zu - geword^ 
analogiebildungen kommen natürlich massenhaft vor (serb. a^ 
sing. Bimu^ nom. acc. pL ^me u. s. w.). Saussure's gesa 
konnte also nicht wirken in formen wie r. acc* pl. go^y, tlrni 
dual. pU€i »schultern^; es wirkte dagegen in r. acc. pt skml, 
jfelsen* von f^kalä (ö. skdla s. $käla\ dual, mudt ,hoden* ($ 
müdö)^ wo die Wurzelsilbe alte gestossene Intonation gehalJ 
haben mag, die bei der akzentzurttckziehung schleifend wurd^ 
Auch hier massenhafte analogiebildungen. 

Die akzentzurückziehung der vokaliseben stamme find^ 
also statt: 1. im acc. sing,, wenn er vom nom* verschiedet 
war, im nom. pl auf -s, acc* pl, auf -m^ nom. acc, dual, nad 
dem muster von nida noSeg ni^ag ni^f, während sie in dei) 
charakteristischen formen der neutralen o-stämme (nom* acc« 
sing* pL), im nom. pl. masc, der -o-st^mme (lit. devm) und la 
den bei den konsonantischen stammen endbetonten kasus unter* 
bleibt; 2. in denjenigen kasus, die in der konsonan tischen 
flexion nichts entsprechendes hatten (KZ XXXVIII 365 f), 
d. h. im ablativ (lit dSvo), in allen nicht auf -mi ausgehenden 
instrumentalforraen des sing. (Ht, galva^ därht. von darbas pl« 
darbai ,arbeit*, r. nodtjn, aber lit. ssirdimi von s^itdls ,herz*? 
r, Jcrugom ,ring8 um* von km^ ,kreis*, gen. kruga, uom, pl 



Nfliiee nnd nachträgliches. 



21& 



und im dat. sing, (was darauf deutet, dass bei den 
onantisohen stammen im Baltisch-Slavischen äbnliah wie 
m Griechischen die besondere form des dativs verloren ge- 
gangen war; aus dem Hussischen citirt Brandt, JnbU. sborn. 
Ttestt Mülera, s. 5 des sonderabdiucks: k etme, k stSne^ k 



In der gemeinsamen baltisch-slavischen akzententwicke- 
Innf lassen sich vier perioden anterscheiden : 

1, Verdeutlichung des ererbten akzentwechsels (lit» dnkti 

düJäeri); bewirkt keinen intonationswechsel *). 
n. Verbreitung des verdeutlichten ak^entwechsels (lit. 

galvä gälvq^ r. golovä golotni). 
M. Das akzentgesetz (- — und o — wird * -^, ^ — ; im 
Slavischen vielleicht auch ^^ — > uw^l^^ g. KZ 
XXXVin 307), 
IV* Verallgemeinerung des theils ererbten, theös in der 
Periode III entwickelten akzentgegensatzes zwischen 
o-stämmen und a-stämmen (KZ XXXVIII 332 f.) : lit 
masc. giras ,gut', neutr. g^raj fem. gerä; r. seU ,dorf , 
dölotd .meissel', pL sjola, doUta vgl. KZ XXXVIII 333. 
Dazu kommen noch speziell slavische akzentverschiebungen: 
l^-ne mit Saussure's geaetz analoge vorwärtsgehende verschie- 
j^^ng (r. vhpLvesjolyj^ -sädit : sadUsjaj govorirdzgovor^ Upei: 
l^^et, sküIet:skaH, s. KZ XXXVDI 306—307, 335—336, 
^) und zwei rückwärtsgehende Verschiebungen (betontes 
i windendem a b gibt den akzent an die vorhergehende sübe 
*, KZ XXX Vin 343 (§ 53), 299, 363; ebenso gibt eine sekun- 
4 ^r schleifend gewordene silbe den akzent an die vorhergehen- 
i^ sübe ab, s. KZ XXXVm 307, 335-336, 358: russ. mit^b 
^adeiL, klafter', gen. pL säien). Dazu noch massenhafte ältere 
^itd jüngere umfassendere und vereinzeltere analogische akzent- 
fc^gelungen. 



^ S. EZ XXX VII r 355; ein weiteres beispiel bildet der verbaltyp na r. 
S9^iltk ,hT«iTmen\ präs. gorjü^ gorit^ klr. gorjü tjorit gotimö: i^g. akzent- 
"^^«cltBel fwischm dem gtämm vokal "l- und der^ personalendang' ; daraus im 
^IftT. ikzeDtweohs^l zwiscbeii der anfang^BÜbe nnd der per^onaleDdiing {daher 
^- viMb sl^Mtf s- mt^eii MaU); bei geechleiftor oder knr^cr Wurzelsilbe 
^•'irkte ab^r Satißsure'B ^esetz. Die kausative (r. noHttt nohi ^lönii klr. nMit 
^M nMmo) hfttlen dagegen ursprüngliche anfan^betonuog- und geschleiftes 
-^ m prkem, b. EZ XXXTOI 417. * 




216 



Eolger Fedtrseiif K«iim und SBctttriglicliea. 



Das Baudouin de Courtenay^sche gesetz ist, wieicl#"-^i 
KZ XXXVin 384, 385 nachgewiesen habe, älter als di^^^g 
moiiopIithoDginiiig der ??-„diphthonge*^ und der i-diphlhong» -^^^ 
Es ist jünger als die akzentnenerung m, detm es wirkt u. ^ 

vor der erst durch Saussure's akzentgesetz betont gewordene ^^^^ 
inflnitivendiing -dti Eine nähere Untersuchung ergibt al^i::^^^!* 
femer mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass es gleichfalls jün^^ge^ 
als die akzentneuerung IV ist. Die toii dem Baudouin ^^ 

Courteuay'schen gesetze bewirkte palatalisation tritt in ^^«ier 
akzentsilbe ein und unterbleibt unmittelbar nach der akz g-ss nt- 
silbe: abulg. licef r. lico ,gesicht^5 aber Uka ,chor*, r. lik^ ^^^»ea. 
pl_ likov; r. vösklicätf> ,ausrufen\ aber klikaib ,rufen'; r. pg^ 
dvuätb-sja »kämpfen^ aber dvigath ,bewegen^ Eercalo und ^^^er- 
TcaU ,spiegel*, Sie tritt ferner in der zweiten sUbe nach ^«rieiu 
akzente ein: abulg. mcsecb ,mond\ r. mhjac^ abulg. kn n ^ ^ ^ dzh 
,fnrst% lit, kuningm ,prieateT^ abulg, sajecb, r. zdjac ,h^^?e\ 
abulg. sidbce r. serdce ,herz*. Dies erklärt sich daraus, ^a^s 
diese silbe einen nebeuakzent hatte (vgl. KZ XXXYIQ ^60^ 
364j 381, 367, [3^i4]; auf dem Umtausch des hauptakzentea. mit 
diesem nebenakzent beruht überhaupt die aufhebung der^ en^ 
klise bei nicht anfangsbetonten wortfarraen: r, na gorS ,äuf 
dem berge* neben na goru ,auf den berg*, ?gl KZ XSX^TT/l 
355), Auch die zweite silbe vor dem hauptakzent muss einen 
nebeuakzent gehabt haben ; sie war aber sehr oft die aniau^- 
silbe des wertes und konnte daher bei dem Baudouin de 
Courteuay'schen gesetz nicht in betracht kommen. Bei Wörtern 
mit beweglichem akzent war vielfach ein Wechsel zwischen 1^ 
und c u, s, w, zu erwarten; er ist aber fast immer aiisg^" 
glichen worden. Will man die zahl der dabei anzunehmende^* 
analogiebildungen möglichst herabmindern, muss man das Bai^^' 
douln de Courtenay'sche gesetz möglichst spät ansetzen: ma^^ 
muss sich möglichst weit von dem bunten litauischen akzen -^ 
entfernen um sich möglichst viel dem regelmässigeren russi -^Z 
sehen ak^ent zu nähern. Ein rest des lautgesetzlichen wechsel^^-*^ 
hat sich bei dem pronomen abulg, dch, nkn ^solcher* erhalten ^^^' 
k erscheint u. a. in der form ^iko^ die nach der akzentneuerun^^^:^ 
IV den akzent auf der ersten silbe tragen musste (vgl. «erb. -^^ 
tako ^so'); femer in der ableitung hikovs, deren akzent nadf^^ 
r. takovojf takov^ takova, takovo u. s. w. zu beurtheüen istf ^ 
und schliesslich enthalten/ die dreisilbigen ursprünglich end- 




w 

' oefonten 



B. M^nnger, Zu nua^a and ?ar g'eschicbte de& ^a^ens^ 



217 



ifdEten formen sicechB sicems sicemi (und die entsprechenden 
formen von vbsb ,all*: vbsechs u. s. w) nicht die Baudouin de 
Comtenay'schen palatale (nach denen i statt e zu erwartea 
wäre), sondern eine von dem folgenden e (aus oi) bewirkte 
spätere palatalisation. 

Die abhängigkeit der palatalisation (oder vielleicht genauer: 
der Weiterentwickelung der mouillirung) von dem akzent, die 
für Bandouin de Courtenay's gesetz charakteristisch ist, be- 
gegnet xiuB auch anderswo, z. b, im Schwedischen (nicht pala- 
tales & in rike u. s. w.); darauf beruht auch die einzige bis 
ietzt vorgebrachte diskutirbare deutung der armeuischen pala- 
tÄlisation (KZ XXXIX 396); ganz mit unrecht will Meillet 
MSL XTTT 244 die berechtigung eines solchen erklämngs- 
piiii2ips a limine ablehnen.) 

Kopenhagen^ den 16- märz 1905, 

Holger Pedersen, 



l 



Zu u/i«?« und zur geschicMe des wagens. 

Ein beitrag zur methode der etjtnologie. 

LUtemtmrs Ginzrot Die Wäg-^n und Fahrwerke der GrieclieD und 

^'t^llier München 1817. ^^ Schröder Reatleiikon st. Wag'en. — Heyne Deut' 

*^^hes Nabmngsweaen 8. 27 f. ^ Eich Dictionnaire des antiqoitöB Rom, et 

^^ rf^rques tnul, ik rAnglais sf?. canrus, plauiitram, plo^teUam, ploxemmn, 

^'%imift. — Forestier La roue Paris Nancy 1900« — Hahn Das Alter der wirt- 

■■^cJiamichen Kultnr 1905 s. l^ff. — Nc>ire Das W©rkieag nsw. 1880, — 

vTndiiet ZU. f. EthnoL 1890, ^ Partwänglcr Meisterwerke der g-ricch. Plastik 

^^ 267 ff. — Hoemes Urgesc^h. d. bUd. Eunat 44Ö ff. — Verfasser L F. XVI 

^* 146. — S. MtllfT Nord. Altert. H 44flr. — Graahof Fohrwerk bei Homer 

^adHedod 1846. 

Ich habe Sfiala als j,eiiiachser^ erklärt und das wort auf 
^ine tufortn * fttii-alc^ia zurückgeführt. Da erschemt es nun 
^retschmer (Zts. XXXIX 549) „seltsam", dass ich, der von 
^Jidereu fordert, dass sie sich mehr um die Sachen kümmern, 
^t deutung aufstelle, „die zwar lautlieh allenfalls denkbar, 
%W sachlich so unpassend wie möglich ist," ''Afia^u werde 
•dsoi in der Odyssee als vierrädrig bezeichnet, sie stehe im 



218 



E. Merin^er, 



1 



gegeneatz zn dem immer zweirädrigen Streitwagen* «p/«« ode:^^ 
ü/ja. Wenn also aucli der zweirädrige karren „nicht gai^::^,^. 
gefehlt zu haben braucht^" müsse man doch sagen, dass dr^^/p 
vierrädrigkeit für die a^ta^a ebenso charakteristisch ist, w 
die zweirädrigkeit tüf das aQfia. 

Ich antworte darauf folgendes. Wenn aua^a in historisch 
Zeiten den vierrädrigen* also zweiachsigen karren bezeichn-___ ^* i 
so beweist das nicht, dass nicht schon der dem zweiachsi^^gQ 
vorausgegangene einachsige karren denselben namen führt^^ij 
Durch meine herleitung aus ^sr^-ak^ia habe ich genügend .^q. 
gedeutet, dass ich die büduiig für sehr alt, für vorgnechs^eA 
halte. Kretsehmer selbst hält diese deutung ftir „lautU^fj 
allenfalls denkbar'', was geringschätzig klingt, aber oic^t 
tragisch genommen werden muss, denn wüsste er einen ein- 
wand, so hätte er nicht ermangelt ihn auch mitzutheilen. 

Meine Stellung zu den „Sachen" hat Kretsehmer damit 
nicht genügend gekennzeichnet, dass er mich nur fordern lässt, 
dass man sich bei den etymologien mehr um sie kümmere. 
Wenn man glaubte, dass uns die historischen sachen immer 
über die Wörter^ die doch oftmals sehr viel alter sind, auf* 
klären, so wäre das ein grober fehler. Man darf nur Uirer 
entstehung nach zeitgenössische Wörter und Sachen zusammm- 
bringen. Das wort kann geblieben, die Sache aber ganz ändert 
geworden sein, Vergleiche das, was ich über lisch ^ hdt^^ 
wand usw. ermittelt habe. Wie wir sprachliche Urformen er " 
schliessen, so müssen wir Urformen der sachen — nicht na^ 
der realen dinge, sondern auch der gedanken, der Vorstel- 
lungen — erschliessen. Das wird nur auf dem wege der ver- 
gleichuug, namentlich durch herbeiziehen eines grossen ethnogra- 
phischen materials möglich sein und deshalb habe ich (Mittheil ^' 
der Anthrop. GeSp Wien XXXI V s. 177) gewünscht, dass neheiT^*'* 
der vergleichenden Sprachwissenschaft eine vergleichende sach- -^^ 
Wissenschaft entsteht, zu der sich die einzelnen archaeologier^*-^ 
ähnlich verhatten würden, wie sich die Philologien zur rer- "'^" 
gleichenden Sprachwissenschaft verhalten, M 

1) Coma Eoacht mich auf eine echöne paraUele aufinerkgam : franz. hrmtettm^-^^^ 
(„petite charrette a une rou©, qu'on pousse dovant soi" „fichubkarren'' Dict^^^*' 
teclinol. par C. Rumpf et 0. Mothes Wtesbade 1868 sv,) geht aus 'bwr&tit^^''^^ 
her?or und besass urBprüngüch zvrei räder. Körtang- 1427. Die ziemlic^^'" 
priButive koimtniktioEi eiueä ähnlicben^ zweirädrigen kaireas bei Föroelier &. 



Zu nfitr^a und aar geuchiclite des wagetis. 



219 



Der bauptatiterschied zwischen mir und Kretachmer ist 
den dass ich ^^iula fiir viel älter halte aJs dieser. Meine er- 
Idknng setzt voraus, dass es zur zeit der bildung des wertes 
schon eioen zweiachser gegeben hat, seine deutung als vier- 
ridriger wagen mit festen rädern setzt voraus, dass es schon 
das bewegliche rad gab und dass wagen mit solchen rädern 
üemlich verbreitet waren. Auch das muss ziemlich früh der 
fcli gewesen sein. Für mich ist es gut denkbar, dass die 
Griechen zuerst einen einachsigen wagen hatten, dann einen 
zweiachsigen, der diesen namen übernahm j so dass später 
neben diesem zweiachsigen der einachsige aus dem Orient 
tberaommene und, wie seine räder zeigen, kulturell viel höher 
stehende Streitwagen stand. Auch fifia^ixo^ X 146 „mit wagen 
m begehen, fahrbar" scheint mir nicht vom vierrädrigen wagen 
henannt worden zn sein, sondern den breiteren weg, wo der 
karren fahren konnte, im gegensatze zu 066;, der urspriing- 
liehen benennung des fusswegs, zu bezeichnen. Aus der be- 
mchtiung der nomaden als ufia^oßint wird man wohl eher auf 
einen verbältnissmäsi^ig grossen vierrädrigen karren mit dach 
scidiessen wollen als auf einen zweirädrigen. Trotzdem gab 
«« und gibt es noch heute zweirädrige wohnkarren, vgL Ginz- 
foi I 234. Diese können ziemlich gi^oss gewesen sein, wie es 
iie von vier rindern gezogenen zweirädiigen karren auf einem 
%jptiscben bUd werke zu sein scheinen; vgl. Rosellini I Monu- 
*enti deU^ Egitto e della Nubia I Mon. storici taf. CXXVm,*) 

^of den dargestellten karren von barbarenstämmen fahren 

<^Uch die weiber.^) 

Wie ich mir das nacheinander von wagenformen und be- 
Äeichnungen dafür seit theUweise noch vorgriechischen Zeiten 
^^nke, wiU ich kurz angeben. Vielleicht dürfen wir uns den 
^erkuf so vorstellen. Der älteste wagen, einachsig und zwei 
^'^Ä4jTg, mag *uoghos — o/o^ geheissen haben. Als dann ein zwei- 
^^di%er, vierrädriger, aufkam, wurde dieser o/ja (wenn der 



*) Theil weise reproduciert bei W. Mai MüÜor, Asien und Europa nafh 
*tt%ptischpn Denkmälern. S, 366. 

^1 Eakanat bt, class in späten zelten die wagen im kriege wieder ihro 
ff^iii TLnpi^n^lJche roUe geffpiolt haben» und polix, oboz „feldlagor**, eigpnt- 
^^ Bingenbor^^ (vgl akaL übozz aarcinao} Mikioaich Et. Wtb. 387 bowaltrt 
i^i tbe «rinnening danin. 





220 



H. KenDger^ 



plural so zu deuten ist') oder o/^oq genanut, fiir den einacls 

wurde ^mii'oksiU'U^ala gesagt Alsdann drang von Asien 
Streitwagen ein. Dadurch bildete sich ein neuer, ganz andes 
gtgensatz: lastwagen — Streitwagen. Der last wagen, gleL^ 
gültig ob ein- oder zweiachsig, wurde afiu%u genannt f^ 
Streitwagen ao^a (oder o/f« d. h. „wagen ** im allgemeiQe/?|^ 
und dieser zustand hat wohl bis in die MstoriBchen zi^it-ei? 
hinein gedauert. 

Die entstehung von ^m^aJcsia „ein achser" ist also meiner 
meinung eine ähnliche entwicklung wie die von lat* biröüis^ 
lit, dviräc^iai (dvirätisfj r^fpaKVTeXfnf, gall. petorriium^ die alle 
entstanden sind, als neben und zu dem zweirädrigen wageo 
der vierrädrige aufkam. Für eine erklärung von a^ta^u aber^ 
die sich auf den unterschied von wageu mit festen rädern und 
solchen mit beweglichen gründet, ist nirgendwo ein sprachliche* 
auaiogon vorhanden, ttber die sprachlichen Iblgen des fest- 
werdens der achse (und damit des beweglicbwerdens des rade^) 
vgL verfosser IF XVII 110 und unten. 

Einen beweis für meine deutung von a^aia zu erbringen 
bin ich ausser stände, doch bleibe ich bei dieser, denn Kretecbmers 
erklärung befriedigt mich noch weniger. Besehen wir sie vm 
nähen 

Kretschmer findet nur eine sichere parallele zu aftaldj 
nämlich äfmd^vac- näfia^Qvdg ist aus Sfia ^^vt erwacl)S€B; 
es ist die nymphe, die ^eins mit dem bäume' ist.** Und hm 
lastwagen seien die räder mit der achse verbunden, rDtirew 
mit ihr, seien also i>a i'lov*. Ich staune, dass Kretsdimer 
dabei nicht merkt, dass man auf diesem wege zu einer er- 
klärung von ujL4uia = wagen nicht kommen kann: wena 
ifLaS^vaQ die bezeichnet, die eins ist mit dem bäume, die \mm^ 



*) Am leichtesten begreift man die Wörter in plnralfonn, wenn m fcf«**" 
BtÄade bedeuten, die irirklich ans gleichen theilen bestehen, s, b. Bt 
Hrkkä „selier©% girnos „hm^mnbia^, deutsch kosen, Int. fore» von derflUl«^ 
thflr htrstammend wie ai. dvärfm noch genauer zeigt, lat. bigar, tfig^ 
quadrigac. Die anderen pluraliscbea w-örter z. b. ni/ttratt. lat, tyurrün \i^ 
mfiehte ich mir nicht so wie Delbrück erklären (t,weil man an die de&tlirb uf^^* 
scheidbaren und aolbständi^en [?] tbeile des Wagens denkt")» sondern hier ^^ 
plur^ coUectivisch fassen, was g-ewiss möglich ist, weil auch ein collectiTtiffl 
|fluraliach funttioniren konnte (.1. Schmidts erklärung Ton ^jtigä „gejocb^** 
-.juche"). Sieh unten lit. ratm, dial. „gretter" üuw> 



Zu Kua^tt uod zur geicb lebte de« wagem. 



221 



npphe, so müssle doch Sßa^a das sein^ was i>a a§opt ist, 

was eins ist mit der achse, und das ist auch uach KretscUmer 

i dem primitivsten wagen doch nur das rad. Nur die räder 

sind S^a il^fift ; afiü'^a könnte also nach der argumentation 

i-füQ Kretschmer nur das „rad" bezeichnen, niemals aber 

^vagen** , es könnte nur der name des seheibenrades (ohne 

ipeichen) sein, das auf der achse fest verkeilt war. 

Und weiter* Kretschmer verweist auf ß 265: „hier be- 
pnt die heri'icbtung des wagens damit, dass sie die mit 
riderii versehene (evr^n^og) ä^u^a herausheben — . . * dann 
iden sie den wagenkorb darauf^. Hier sei also von einem 
^lulügeti der räder an die achse keine rede, die u/^a'^a sei 
«chon mit rädern versehen. Anders sei der wagen E 720, auf 
dem Hera und Athene fahren. Hier beginne die zurüstuag 
des Wagens damit, dass die räder an die eiserne achse gefugt 
Werden. „Sie waren also vorher von ilir getrennt, vermuth- 
üch an der wand aufgehängt,** 

Alles zugegeben. Aber wenn der lastwagen sich vom 

Personenwagen hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass beim 

«Isteren die räder schon befestigt sind, beim letzteren erst 

^r dem gebrauche befestigt werden, dann miisste^ wenn das 

^fachlich ausgedrückt werden soUte, doch die spräche den 

^Tsteren * ifmxvnktiv genannt haben , nicht aßu^u, denn „zu- 

*^^meB mit der achse" ist der eine wagen wie der andere, 

i*ibezug auf die achse unterscheiden sie sich nicht, nur inbezug 

;^Hf die räder. Freilich unterscheiden sie sich auch inbezug 

^Uf die achse, aber nur insofernj als der lastwagen mit festen 

^'Ädem bewegliche achse hat, während bewegliche räder eine 

tau w^enboden befestigte achse voraussetzen. Wenn man 

K^iit Kretschmer Sßu^a aus a^a alion sich entstanden denkt, 

ann könnte das wort eventuell noch den wagen mit fester 

und beweglichen rädern bedeuten — doch das ist von 

gesichtspunkte aus annehmbar* 

Kretschmer ist auf dem besten wege gewesen sich die 

Einwendungen, die ich ihm machen muss, selbst zu machen. 

Bi sagt am Schlüsse seiner ausführungen : „einfacher ist viel* 

leicht die annähme, dass sich afia^a zu al^mv verhalte, wie 

^m. ßü&vkitßüQ zu liiutßv^ also nom. pL ntr* eines adjektiFes 

*i^|oc s«i/ Das ist gewiss möglich, denn solche bildungen 

sind schon indogermanisch* Wenn dann Kretachmer fortfahrt: 





222 



R. Mermgier* 



^jtvxla a^a^a 'Scheiben verbunden mit der achse' entsprfichi 
genau deü Upnpmm cühaerentia axi bei Probus", so stimme i' 
vollkominen zu und bedaure nur, dass Kretschraer aiclit b^ 
merkt, dass damit seiae eigene erklärung yoü afnaltÄ ad a1 
surdum gefühlt ist, denn a^m^n ist eben die bezeichnang ein^ 
Wagens und nicht die eines rades, einer Scheibe od« 
eines tympanons.*) 1 

Die ajtiö^tt der späteren zeit besehreibt PolL ^ 2^s^ 
Namentlich der theil, der ««a§jj;ioJfg genannt wird, ford. 
unsere aufmerksamkeit heraus: a^al^no^fg, vf* wv o a^ 
'iXxtTai at^fff^oftfpag. Und Hcs. sagt; uf^a'^inGAfg' T>ig w#| 
tBpiag tu fi'öri rm TOig a^out ngnariS-i^iva üTQf(fr)ßevmg wwfp' 

avjL Danach waren die äfialinod^g theile des obergesteWa, 
mit denen dieses auf die achsen gestellt wurde, woraus sich 
ihr name ^^füsse" wohl begreifen lässt Dann war aber zu 
dieser späteren zeit S^ia^a der obere theil des wagens, nicht 
der untere* Für die Urbedeutung beweist das aUerdiHgs j 
nichts. 

Kretscbmer ist aber bei a^alia nicht stehen geblieben. 
Er bemerkt, dass auch das plumtrum räder ohne Speichen 
hatte, die fest auf der achse sassen und sich mit dieser droliteD. 
,jDieser offenbar uralte wagentypus", sagt Kretschmer, „fiilirt 
uns die entstehung des rades aus der hölzernen walze deut- 
lich vor äugen ; um die reibungsfläehe der walze zu Terkleineröt 
wurde ein stück von dem mittleren theil iires mantels ab- 
getrageUi so dass sie in der mitte schmaler wurde als i^ den 
beiden enden.*" Wie einfach sich doch Kretschmer das alle® 
vorstellt! Übrigens ist natürlich auch dieser gedanke nicht 
neu, ja er ist bereits von einem emsten manne, Forestier s. 
122 C, ausfuhrlich widerlegt worden, und neuerdings hat sich 
E. Hahn s. 123 dem pro teste Forestier's „mit energie" an* 
geschlossen» Zuerst muss man Kretschraer's worte „um die rei- 
bungsfläehe der walze zu verkleinern" angreifen. So bewusst 
und kenntnissreich waren die erfinder jener unendlicli feroen 



1) Du gri&cli. wort, daa seiner lamtgentalt nach dem f^^a^tt mn äba- 
llchsten i^ djuä^tt^vf, Hes. dfifiitv^ „der an pfählen gezogenem weioittvck i 
ist leider etymologbcb gan^ ondarehBichti^, Leo Mejer Hndb. 1 220. -^ 
Daas ß\Ytn?jUöJ« den ersten vocal des ZTreiten Wortes nicht gedehnt hatt h** 
seinen ^ond in dem ursprünglich spirantischen anlaol Waekemagel, D&^' 
GQngsgesetz s. 54 f. 



Zu aßaiu unä zur geschichte des v^ene. 



223 



I in denen der wagen entstand, nicht Schon Laz, Geiger 
aaeb Noire s. 167) hat richtig gesagt: ^man würde das 
ug gänzlich missyerstehen, wenn man immer in seinem 
zwecke die Ursache seiner entstehung finden wollte*^. 
I sagt sich so bequem^ man bat aus der walze den 
fen theil des mantels „abgetragen". Ja womit denn, 
|p damaligen Werkzeugen? Das war eine böse arbeit 
[ genügender correctheit überhaupt ganz unmöglich zu 
p denn der Querschnitt der so entstehenden achse musste 

ritriscb sein mit den daran verbleibenden scheiben- 
Das ist auf einer drehbank zu erreichen, aber nie 
i 
mmer mit freier band nach dem augenmasse.^) 

(cht zutreffend ist auch, wie Kretschmer sich die weiteren 
lale des wagens vorstellt ^Vielleidit wurde der obere 
tbeil (die nfi^ivg) von einem gestell mit halbkreis- 
ln ausschnitten getragen, in denen die achsen sich 
I • . ." VieUeicht? Nein, gewiss nichts denn schon 
pziehen der zugthiere wäre die achse ans den „halkreis- 
^ ausschnitten'* herausgesprungen, und wenn da noch 
lann beim ersten st^in, der auf dem wege (den dama- 
regen 1) lag* 

jklbkreisförmige ausschnitte allein tliun es nicht, der 
boden mnss ösen, runde löcher haben, in denen die 

ganz amfangen sind, damit sie nicht heransbüpfen 

1^ Die nötigen konstruktionen sind bei Forestier s, 15 

rot angegeben und in ähnlicher, wenn aucli einfacherer 

jhne raetall, muss sie schon der nrwagen gehabt haben, 

%n muss es endlich einmal sagen: die entstehung der 

^en Werkzeuge und erfindungen ist ein ebenso grosses 

wie die entstehung der spräche. Es ist daher ganz 

tdass Noir^ z. b. ebensowohl über das eine wie das 
buch geschrieben hat. Die meisten werden wohl 
n ober beides nicht zu schreiben, und das ist ent- 



be fragd an die ethnograplien : gibt es irgendwo EcheibenrSder, die 
ichnitten von bäumen bergesteUt Biad? Vieneicht in den tmpen? 
wm b&ome unt ibron Jahres riDgen wären dazu schwerlich tu brau eben, 
te theiJe eokber ring-o abspringen müssten. Ein rad, das wider- 
ig sein soUj mnss am stimhotz gemacht sein. Daxti kommt noeb 
[)a& alte rad ist »ehr gross; zn seiner hefBteUiwg aus quericbnitten 
\ an den entsprechenden &%en. 



224 



K. Meringer/ 



1 






schieden zu empfehlen. Wiis bis jet^t an solchen erklämng- 
zutage getreten ist, wäre abschreckend genug, sollte in 
meinen : das feuer soll der mensch erfunden haben, als er s: 
dass der stürm ein Schlinggewächs an einem bäume rieb, |jj^ 
feuer entstand (A, Kuhn), der ofen soll nur ein amgestttlf^j^^ 
feuertopf sein, die kacheln sollen einfach dadurch entstan ^(.^ 
sein, dass man die Oberfläche vergrössern woUte usw- Di^^gj. 
weg der klugheit filhrt direkt dazu, dass man genetische zit, 
sammenhänge zwischen einem gothischen thnrme und eineis 
regenschirm findet Auch das ist im ernste gesagt worden. 
Wenn man mich zwingen würde, eine meinnng über die ent- 
stehung des rades und des wagens zu änssern, würde ich 
sagen, im spiele ist der mensch darauf gekommen. Fora- 
stier sagt, eine mutter hat das erste wägeichen erfunden, EV> 
Hahn sagt, ein müssiger priester. Das ist im gründe imme^ 
derselbe gedanke ~ aber die auskauft ist eine magere, eii»-* 
ausflacht. 

Ich muas noch einmal auf Kretschmer znrfickkommen. E^^ 
sagt s. 552: „ . . * und eben dieses gestell (mit den „halt^' 
kreisförmigen anßschnitten*^, in denen die achsen sich drehten ^^ 
das auch die vordere und hintere achse verband, samir** 
achsen und rädern mag a^ta^a geheissen haben", Währea^^ 
wir auf s. 551 veranlasst werden, zu glauben, dass Kretschni^^ 
äßa^a daraus erklärt, dass die rsder a/ia äli>vt sind, komirmt 
hier eine ganz andere erklärung zum Vorschein* Aber, wi^ 
es sich auch mit diesem widei^prucb verhalten mag, die netm« 
erklärung ist genau soviel wert wie die frühere: wie soll 4i« 
spräche dazu kommen, den ganzen wagen (ohne den kort>) 
gerade vom Standpunkte der achse als ,,deu, der mit d^^r 
achse eins ist" aufzufassea? Ja, wenn die «^ag« wemgate«» 
nur eine achse hätte, aber sie hat ja nach Kretschmer der^ß 
zwei^ was er gerade mir entgegengehalten hat! 

Schuchardt sagt in seiner festschrift für Mussafia („^fc^* 
Schuchardt an A, Mussafia," Graz 1905) s, 23 über itaL cwn^^^ 
„lastenwalze": ^es ist nichts anderes als lat. ciirrus ^wage*:^- 
nur umgedeutet. Sind doch die rollen mit den darauf ^^^' 
legten lasten die urform des wagens". Mau muss dalt==>^i 
allerdings nicht an genetischen Zusammenhang denken, vi ^^^^ 
leicht denkt Schuchardt bloss an die ähnlichkeit von wa^*^ 
und urwagen. Wenn aber Schuchardt wirklich die genetisc^l'^ 



Zu auft^n imd zur geacbicbte des wagens. 



Urform des wagens in der walze erblicken sollte, [dann 
^Türde kh ihm vorhalten^ dass gerade wir, die wir zum 
atadium der sacheii auffordern, nicht so reden dürfen, denn 
üonst könnte mau einmal von uns sagen» sie haben den quell, 
den sie aufdeckten, mit derselben schaufei wieder verschüttet ; 
uad man wäre gegen nns im recht, denn dann fordeiien wir 
zum Studium auf und machten es gleichzeitig durch hypotheseu 
überflüssig. Und ital, curro „lasten walze *^ beweist ja wirklich 
garnichts. Für den Steinmetz sind seine walzen sein 7, wagen, '^ 
ein schöner beleg für den satz, den ich an anderem orte aus- 
spreche: es verengert ein wort seinen sinn, wenu es vom 
weiteren kreis iu einen kleineren tritt, wie umgekehrt 

Vielleicht will jemand noch ein sprachliches kriterium für 
die behauptung verwenden, dass das rad aus der walze ent- 
standen ist. Zu idg, *r6thös „wagen**, *r€thö ^laufe" (vgL 
1-F. XTII 110) gehört lit. ritü rUti „rollen^, und — worauf 
es hier ankommt — ritinis „rolle", rwtiwas „walze", ritus 
jMlhiiT'^. Aus der tiefstufe ri = ^ (Brugmann P 472) hat 
I lieh weiter ein sekundärer i-ablaut entwickelt, lit. recnn resti 
y,mllen, wickeln" usw, Leskien Ablaut 281. Für die genesis 
des rades aus der walze, der rolle^ beweisen die vorliegenden 
büdun gen nichts, schon deshalb, weil lat. rota^ ML rätas „rad", 
flring um sonne oder mond", ahd. rad altertümlicher gebildet 
mi als lit. ritiniSj ristüvas. 

Ich habe a, a. 0,, um zu erklären, woher e^ kommt, dass, 
^ben lat, rata^ d, rad, lit, rätas^ das Altindische iu seinem 
ratha- eine bezeichnung des wage ns bat gesagt: „ich denke, 
dass *r6thüs das wagengestell bedeutetej also die achse und 
die mit ihr in fester Verbindung befindlichen räder, worauf 
«rst im bedarfsfalle der wagenkorb gesetzt wurde. Als die 
rtder beweglich wurden, behielten die einen sprachen das 
Wort für die räder bei, während die aödereu für ,rad* ein 
oeae^ wort benützten". Füi* das neue wort halte ich x{mko$, 
4 mkrd usw. 

Über ai. raiha- EV sagte ich, ein idg. *rötho wäre eine 
kollektive abstraktbildung*) und ^wiese auf einen kulturkreis 




1) Wir beeitzeji ähnliche koUektivbil düngen. Der pfliigTFagen heistt 
I* gretia, greda^ ger^daeh SchmeUer» Frommann 2, &1, käfUt. grüt^ 
K ^dti Lexer 202. Im bd. entsprach«!! ga'äder^ gerüde. 



l, Merijig 



hin, wo "^rotkos ,das rad\ *röthas .wagen* bedeutete**. Dafiir 
könnte mau auch lit. raial „wagen" anführea, was aichts 
anders ist als der plui al von rätas „rad*" , vgL air» roih m,, 
pl. roith ^rad**, „wageu", aksl. höh „rad*\ pL k^la^ kolem 
^wagen''. Wenn aber jemand das ai. miha- vom adj*, vgl, aber 
lat birötus, lit. dvirätis „zweirädrig"» herleiten wiU, so könnte 
iß&n, denke ich, nicht viel eiuwendeiL 

Aus dem Ävesta vergleiche: Yt. 19, 43: eom ra^^nn . . 
asmansm ra^am Ja^nmaväne „die erde will ich mir zum rad.., 
den Mmmel zum wagen machen" Ältir, Wh< 576» — Sr^ra^a- 
1506 bemerkt Bartholomae, dasB nach der angeführten stelle 
rada- und {Taxra- zusammen den väm- bilden. Mit dem letzteren 
wort sei der wagen als ganzes gemeint » insbesondere der 
Wagenkasten, Sp. 1418 sv, vasa- leitet Bartholonme dieseaj 
wort aus varat ab und zieht var^itöra^ „mit rollendem" 
wagen" (sp, 136«) heran. Das alles passt zu dem, was ich 
über *röthos gesagt habe, aufe beste. 

Das von Plinius überlieferte „raetische", nach meiner 
meinung germanische plaumoratus (oder plaumortdum) habe 
ich a. a. 0, als *plog\kmoral)az j, pflugwagen "* gefasst, was ja 
insofern passt, als diese art pflüge nach Plinius rädei' liatteu. 
Darnach war also auf germanischem boden ^rapaz im sinne 
von „wagen** nachgewiesen, und zwar von zweirädrigen wagen 
ohne irgend einen korb oder sonstigen aufsatz; 

Für germ. *räpaz - wagen könnte man noch radt-machm- 
(daneben rädermacher) DW = „wagner*^ ^inluhren, Dass es 
einst handwerker gab, die bloss räder machten, ist meines 
Wissens nicht tiberlielert^). Die radlnmcher ^ die neben der 
wagnern im Mün ebener Steuerbuch von 1618 erscheinen, vgl . 
Schmeller-BYommann a. a, o,, sind, wie das dinünutivum raä 
schon zeigt, die spinnradmacher. Bedenken könnte man aUer 
diugs wieder dadurcii bekommen, dass die wagiier nicht eine^^Än 
wagen, sondern ein rad im wappen führen,') Man k5nntz=^ 
meinen^ dass dieses wappenrad die Ursache war, die wagne^^r 
radmadier zu heissen. Ich halte das umgekehrte für viel w^h ^-^ 




Ich gkulie^ man dart' aaeb tiicht ^agen, ^mdeumeher ''hi \y&xu ^ ixt 
toto zu verfitehen Dio boispiele ti^ehUrf Hchräner sind anderer art, äes^^mm 
eis tiBcli, ein seh rein »ind et^as gan^eE, aber ein rad mt gs nicht. 

1) Bei uns wenigstens. Leider i^ die heraLdik der handwerker uc^^'ii 
nicht studiert worden. 




Zu afin^a und zuF g«»ctiSchte des W&g«DB. 



227 



idieinlidker: radmacher wurde nicht mehr als „wagettmacher" 
refgtaideu und so kam das rad in das wappen. Lit. räc^ius 
»rademacher, wagner" zu rätai, lett rati „wagen**, oder auch 
m. eioem ^rätas - „wagen"? 

Von den gepflogenheiten unserer zeit aus betrachtet, muas 
es auffallen, dass der wagen der homerischen zeit erst vor 
deiD gebrauclie zusatumeugesetzt wurde. Man kann sich das 
TOn verschiedenen gesichtspunkten deuten ; für das wahrschem- 
Ik'iiste möchte ich aber halten, dass die enge der räumUch- 
Iceiten, vor allem der Wirtschaftsgebäude der grund dafui^ 
war. Der zerlegte wagen, dessen theile man an die wand 
ielmen, vielleicht sogar unterm dach unterbringen kannte, 
a&hm gewiss weniger platz ein, als der unzerlegte. 

Am spätesten ist der wagen korb mit dem gestelle zu- 

Äiimriengewachseii. Die prähistorischen nachbil düngen von 

wagen zeigen ihn überliaupt nicht; ob er nicht existii-te — 

^aß aber sehr unwahrscheinlich ist — oder nur nicht dar- 

CMellt wurde, darüber muss man sich erst anf grund von er- 

*ipingen ein urtheil bilden. Zwischen korb und korb ist 

*l>er ein grosser unterschied. Der korb des Streitwagens, der 

l^^s begreiflichen gründen zuerst fest gemacht worden sein 

I^Hrfte, ist ein anderer, als der des lastwagens, in dem waren 

'^^er weiber und kinder vor regen und wetterunbill geschützt 

«rden sollten. 

Der korb des lastwagens ist bei unseren landwa^en 
<ich heute nicht rest geworden. Er wird heute noch nach dem 
^brauche abgenommen und wandert in den dachraum eines 
nppens oder unter ein fliegendes dach, während der wagen 
^R im freien bleibt. 

Beim Personenwagen ist aber in vielen iällen der korb 

em^achsen und der ausgangspunkt der uns bekannten mo- 

«meD wagenformen geworden. Wir können hier etwas ähn- 

^hes beobachten wie beim tisch, dessen gesteil ursprünglich 

iCht in fester Verbindung mit der platte, der „tafel" war, 

gab es ursprünglich keine gepolsterten möbel, sondern 

kbsen lagen lose auf usw. 

Gr, a0^a hat Walde L, Et* Wb. wieder mit lat. armentum 

^^laammengestellt, was ich für unmöglich richtig erachte. Ich 

|l ^inbe, dass die alte erklämng aus ayagliTicto (vgl. äg^og „fuge, 

I ritze*) das richtige trifft Dabei ist es ziemlich gleichgiltig» 

I 15* 




Meringef«^ 




Ol) das „fugen" (vgl ag^io^m) vom fiigen bei 
Wagens, oder von seiner zusainniensetzung vor dem gebram 
gemeint ist. Die zusainniensetzong aas verschiedenen Uieil« 
bezeugen auch die plnrale ägfiuTa, oß^iUf ox^t. Der spiril 
asper von a^^a wird jetzt auf rechnung von -o^i- gesetzt 
Leo Meyer I 287, Sammer Griech. Lautstudien 133. Es 
schwer zu dieser annähme Stellung zu nehmen; die oäcbr 
liegende erklärung — tcinloswerden des q^ wobei die entsteh 
eines h sehr begi*eiflich wäre — ist nicht plausibel zu macl 

Wenn nfi^ivg ufigtp^QQ wirklich ein griechisches wort ^ 
oder doch wenigstens aus einer idg, spräche entlehnt :^ 
möchte ich es auf ein ^periueudh- (etwa durch die stizzÄi^ 
^rjeatfv^- *nf§ptv^-) zurückfuhreu *)* „Herumgewunden" war 
der korb allerdings, denn seine älteste technik zeigt flecÄt- 
werk, wie heute noch so häufig und ai, trivandhurd' EV» yqm^ 
wagen der Aävinen gesagt, des sinnes: „mit einem korb fi*^ 
drei personen versehen", böte auch sprachlichen anhält J 

Die Zusammenstellung von tift^vtj mit lat pannus^ g<^"^ 
fana usw. (Uhlenbeck Et Wb. d. got Sprache sv.), die ich b^^ 
Autenrieth-Kaegi Schul wörterb* zu den homer. (red, finde, b^^ 
friedigt mich vollkommen. Man hat, so denke ich, grosse hol^* 
reifen über das wagengest*!! gewunden und darauf eii*J 
schützende decke gelegt. Solche wagen finden sich heute noc^^ 
auf allen landstrassen. Vgl Ginzrot I 457, taf. XXXVII fi^g 
2 und passim im ganzen werke. Eine prachtform dieses typt— ^ 
ist der wagen kaiser Friedrichs III< in Grraz (vgh A. Schul "Äs 
Deutsches Leben im* 14. und 15, Jahrh* fig. 253), an de^:»! 
man wieder sehen kann, wie höhere kunstfonnen manchnm. al 
nur aus dem primitiven Ursprung des typus, der oft gaj^ 
anderes material verwendete, erklärt werden können. ■ 

Auch der wagen der Nerthus Tac, Germ, 42 muss v^on 
solchen reifen, die es ermöglichten eine decke darüber an^w- 
bringen, überspannt gewesen sein, und man wird nicht irre- 
geh n, wenn man sich ihn in der art der heutigen wagen der 
landstrasse vorstellt, Vehicidumt neste coniectum. Holtzmann 
übersetzte: „mit gewändern bedeckter wagen." Aber veste to 
^decke, tnch, teppich", wie Miillenhoff DA IV 472 angibt 
Tacitus fahrt fort: attingereuni sacerdoti concessum, ü adem 



Dabei können wOrter «af* iyS^ nüt^ewirkt haben. 



Zu f^ff^a und xor geBchichte am wagens. 



229 



penärali deam inteÜegü vectamgue bahtis feminis multa cum 
p^nendione prosequittir. Das penetrah ist der überdeckte 
^ragenkorb, wo eine gläubige pbantasie sieb leicht die göttin 
anwesend vorstellen konnte. 

Anders, wenn ancb äholicb, scheint der kult der göttin 
g^eweseu zn sein, von der der Strettweger (Judenburger) 
^5^agen erzählt (IF X\T 146), Hier scheint die göttin verehrt 
^^rorden zu sein, indem ihr bildnis, unbedeckt auf der Platt- 
form eines wagens stehend, herumgefahren wurde. Freilich 
ist nicht ausgeschlossen, dass das denkmal anders zu deuten 
ist; denn ich frage, wie hätte der plastische künstler^ wenn er 
etwa die Tacitus*sche feiet der Nerthus hätte darstellen wollen, 
etwas anderes hervorbringen können, als was der Strettweger 
'Waagen uns zeigt? Und dass bei den Germanen götterbilder 
hemmgefahren oder getragen wurden, dafür haben wir ganz 
bestimmte nachricbten, Grimm DM* 88, 21L 

Sehr interessant sind die skythischen tonwägelcben, welche 

Blenkowski Wiener Studien Jg. 24 (1902) b. 394 ff. pubHciert 

niifi besprochen hat. Aber die erklärung der form ist Bien- 

köwski nicht geglückt* Der erste wagen stellt kein haus mit 

«nnem thnrm dar, sondern einen leiterwagen, auf dem ein 

s^dt transportiert wird. Was Bienkowski für thllre und fenster 

Bliebt, bedeutet nichts anders als die Öffnungen zwischen den 

Stangen der leitern. Dass leiterwagen so stilisiert werden 

können, zeigt ein zu Orbe in der Schweiz gefundenes römisches 

Mosaik (vgl A, Oppel Natur und Arbeit taf. bei s. 14*3). Dass 

öt sich um den transport eines zeltes handelt, ersiebt man 

mi& Ginzrot I taf, XIII flg. 2, wo ein Tatarenzelt auf einem 

^a^en dargestellt ist Der zweite wagen, den Bienkowski 

abbildet, ist ein bochgewölbter reifen wagen mit decke, wie er 

iiodi so weit verbreitet vorkommt. Nebenbei sei bemerkt, dass 

Bienkowski, wenn er sagt^ diese Wägelchen seien den todten 

btigegeben „zur erinnerung an ihre lebens weise oder als spiel- 

Mig'^, auf Widerspruch stossen wird* Wie man dem sess- 

kiften ein haus in irgend einer weise mitgab, dem Seefahrer 

riö schiff, so ist es nur konsequent, wenn der äßulioßtog seine 

«po|a nüt ins grab erhält oder doch deren abbild. 

Lat, plaustrum Iphsirtmi Sommer Handbuch s, 92) darf 
^ wohl schwerlich mit Hchrader aus *plaitx-strum (wegen |??ora- 
»wtm) erklären. Diese wagen mit ihren holzachsen waren 



230 



Meiing^r, 



schon im altertiim durch den lärm, den sie machten, bekanr::^!)* 
als dridentia plaustra. Der lärm solcher wagen ist so a--*^^ 
und durchdringend, dass in Bosnien seit unserer occupat::::^!^^ 
die Vorschrift besteht, sie eine wegestunde vor dem orte ^^ 
schmieren^)* Der Spanier nennt einen solchen kreischen, ^^jj 
karren carro qiie ctuda. Darna<2h böte sich die möglichkeit ^ ^^^ 
ein verbnm anzuknüpfen, das einen schall machen hedeixie?; 
kurz an plaudere^ plodere. Allerdings müsste dann das verBöjn 
einmal eine weitere bedeutung gehabt haben, denn den schäUeji, 
die gewöhnlich platidere bedeutet^ gleicht das greuliche krei- 
schen, heulen, jammern und pfeifen der hol^wa^en nicht. 

Im Oskischen wurde das plarist'njt^m nach Festus Tb. d- 
P. 560, 17 veia genannt, das man aus *u€ghia erklärt C^' 
Planta I 177 u. ö*)* Die altertümliehkeit des gegenständ *^^ 
passt wohl zu dem altertümEchen wort. 

Besser als mit plaustrum sind wir mit ploximum dra:^^' 
Ploodnum capsam dixerunt Festus Th. d» P. 290, 7, 8chc^^ 
Ginzrot I 133 hat dieses wort fttr „wagenkorb" „wagenkastei^^ 
zu plectere gestellt^ vgl. russ. pletenka „ wagenkorb *" (ak^^^ 
Haynvv Miklosich L, P. sv,). Auch benjia (vgL Walde L. Et*4| 
Wb. SV*) bedeutete einst nur den geflochtenen korb. Unse*^^ 
mundarten kennen das wort heute noch und ünger-KhuU ve:^" 
zeichnet neuerdings bettdd „geflochtener wagenkorb*^ Ic^^l* 
komme auf das wort bald genauer zurück, — 

Als ich diese zeilen abgeschlossen hatte, bekam ich er 
Uhlenbecks Bemerkungen zum gotischen Wortschatze PB« 
Beitr, XXX 252 ff. zur band. Dass meine „Wörter urmd 
Sachen" (IF XVI und XVn), von denen bis jetzt zwei [d^*i 
C. N.] theile gedruckt sind, viel Widerspruch hervorufen wenies^«* 
das erwartete ich. Aber ich erwartete nicht einen derartig^^ü 
angriff. Meine art mir die Sachen zusammenzureimen, K -^*t 
Uhlenbeck ganz aus dem bauschen gebracht: ich muss d -^ 
nachtwächters eines Städtchens der guten alten zeit gedenks^=^* 
Wenn der bei nachtschlafender stunde einen feuerschein s^*»^^* 
da stiess er ins hörn: feuer! Und so ruft auch Uhlenbec 
auf, feuer im etymologischen schappen! 



B^3H 



^) Die boaniscliea wagen, die ich ^singen" g^ehflrt habe, hftben ben 
beweg-licbo rädor. Vgl. die biJder in meiner fichrift: Dio Btollnug' des h-^:=sK»s- 
niecsben Hatases nnd Etymoiogioa zam Eansrath SBAW Wien CXLIV &. 63 * _ ^ 





Zn ituniit übA lor g«8chiehte des iraf^i». 



231 



f 



Wand kommt von wenden, weil man sich dort umwenden 

^Äouss, nicht weiter kann (Paul), Wohmm ist sich irgendwo 

/reuen (Kluge). Bett ist dasjenige , worauf mau drückt (f), 

Thlenheck nach Kern Et. Wb. der got. Spr. sv. badi. „Der 

'fcegriff der gemein samkeit beruht auf dem des Wechsels*^ 

Xfhlenbeck 'scher eigeuhau sv. gamams. Got. baür ist „gebore - 

:Äier'^ schlechtweg, ühlenbeck eigenban; nach v. Grienberger 

<XJnter8nchungen zur got, Wortknnde s, 13) ist baür ^speci- 

:fi^ches masculinum ohne nominativ-*^ wie wair, also ,die mänu- 

^che geburt . . .'*^ Mit got. -gairdan „verwandt ist ahd> gerta 

^vimen* als umgürtendes, bindemittet *z. b* bei zäunen' , . .^ 

if. Grienberger a. a. o. 4*1 „Wie ahd* poduma ,carina8* , . . , 

so sind byden , biute^ biup}^ ,mit boden versehene gefasse' v. 

Grienberger 50 (wo gibt es andere?) Matd ist das „organ 

^ura schliessen" v* Grienberger 66 usw, usw. 

Das ist so ziemlich die typische heutige art zu erklären. 
Sind diese etymologien wirklich so schön, dass sie verdienen 
ilöter polizeilichen schütz gestallt zu werden? 

Im detail habe ich wenig mit ühlenbeck zu streiten. Nur 
lu 3. 322 möchte ich ihm vei-sichem, dass die gattnng primi- 
tiyer keiintuis.se nnd gedanken, die er mir zu „erwägen" gibt, 
anch mir zur Verfügung steht. Da ich auf alle die von mir 
behandelten dinge noch öfter zurückkomme, werde ich noch 
reichliche gelegenheit haben zu den einzelheiten Stellung zu 
nehmen. So kann ich mich diesmal auf das allgemeine be- 
^liiänken. 

Meine allgemeinen gedanken hat Uhlenlwck nicht begriffen, 
Und deswegen nehme ich ihm seine starken ansf^lle nicht übeL 
Das gewisse ^dichte gewolk"^, von dem er s. 325 spricht, möge 
^T eher in seiner nähe als in der meinigen suchen. Ich denke 
niir: ein jeder lernt nur, was er lernen kann, ühlenbeck 
wünscht auch, dass ich zur „strengen Wissenschaft^ zurück* 
Isehre. Zur IThlenbeck'schen etwa? Über das, was Wissen- 
schaft ist, nehme ich von niemand eine belehrnng an. Darüber 
Übe ich selbst ein urtheil. 

Ühlenbeck sagt s. 322: „dass etymologisches Studium ohne 
tieferes eindringen in die realia des altertums nnd der gegen- 
^art undenkbar ist, darf doch nicht gerade als eine neue ent- 
tl^iung Meringers gelten»" Gewiss nicht. Aber wo hat 
Wiienbeck solche Studien gemacht? Hätte er sie gemacht^ 



i 



232 



E. Meringer. 



dann wäre er mit deiö leben in solche berührung gekomme^s;^^ 
dass seine etymologischen erklärungen ganz anders anssfijip^^^j^' 
Hat er sie trotzdem gemacht, dann fehlt ihm die kanst, f^-^>' 
lehren der Wissenschaft und die des lebeus in einklang ^ 

briBgen. j| 

Einen besonders „abschreckenden** eindruck haben ^^km 
(vgl. s. 325) meine gedanken über die grundbedeutung *^^/ß^. 
w. Uf^n gemacht. Was er selbst über diese frage denkt, jj^^ 
er im Et, Wb, d, got. Spr* sv: unwimands niedergelegt. K ^^^ 
ihm bedeutete die idg. w* u^n-: „begehren, streben, mtib&T'ojy 
arbeiten, leiden, siegen usw*" Das „usw/ finde ich köstlid 
Die falle von bedeiitnngen (sammt dem usw. !) kann doch nieU 
yon vorneherein bestanden liaben! Es ist doch gewiss die 
frage berechtigt: aufweiche einfachere formel geht denn diese 
fülle der erscheinungen zurück? Ich nahm eine sinnliche quelle 
an und versuchte es mit „ackern". Das ist eine hypothese^ 
gegen die eine art moralischer entrüstnng zu empfiiideD^ 
lächerlich ist. Uhlenbeck sagt, keine spräche erfordere den 
ansatz einer solchen grundbedeutung. Da hat er recht. Wäre 
das der fall, hätte man sie auch schon laugst angenommen. 
Aber Uhlenbecks forderung, dass die Urbedeutung noch irgend- 
wo (oder irgendwie erkennbar) in den historischen zelten er- 
halten sein miisse — denn daraufkommt es wold hinaus — ii>t eben 
der irrthum, in dem wir übrigens alle gelebt haben. Die Ur- 
bedeutung muss sich ebensowenig irgendwo erhalten haben^ 
als sich der urlautstand irgendwo erhalten haben muss! Hier^ 
müssen wir Urformen, dort Urbedeutungen rekonstruieren. 

Eben weil wir das verkannt haben, wollte die bedeutungs- 
lehre auf keinen grünen zweig kommen. Jahrtausende spraeh^ — 
lieber und kultureller entwicklung liegen zwischen der indo- 
germanischen Urzeit und den überlieferten sprachen. Und dK-- 
verlangen wir, dass die grundbedeutnngen irgendwo erhalteiK— 
sindl Mit diesem unsinnigen vorurtheil muss man brechen^p.- 
und wenn meine rekonstruktion von uen - „ackern** auch noch^ 
so falsch ist, den Vorzug wird sie doch liaben, dass sie einend 
alten, heute schon ganz unzeitgemässeu irrthum ins waukew^ 
brachte. Meine antwart mag missglückt sein, aber die frage^ 
die ich stellte, ist richtig, und die wird bleiben. 

Viel zu wenig hat man weiter bisher berücksichtigt, das^ 
die entwicklung der bedeutungen nUt der allgemeinen kultur- 




Za tt^tt^a und zur ^esehfcMe des wafüns. 



233 



entwicJdiiDg zusammeühäogt und ihr ausdrück ist. Der besitz 
an geistiger und materieller kultur entwickelt sich* Jede 
wortbt^deuttiDgsänderuüg ist der ausdruck eines theils dieser 
kiilturändenrng. 

Auf 8. 322 nimmt mir Uhlenbeck übel, dass ich eine be- 
rtentung irom blockbau auf den handel ilbergehen lasse. Ja» 
FarQm denn nicht? Als der haudel sich entwickelte, ent- 
standen neue brauche* Für sie wurden nicht neue wortgebilde 
frd erfunden. Man verwandte alte w Orter bildlich für neue 
begriffe« So war es ilberalK Alle unsere Wörter, d. h* Wort- 
bedeutungen sind eraporkömmlinge ärgster art, sie stammen 
ans den tiefen der kultnr der urzeiten und haben sich mit 
<lieser gehoben. 

Wie viel aber unsere heutigen Urbedeutungen wert sind, 
darauf kann man leicht die probe machen. Man stelle doch 
Aue bis heute enichlossenen grundbedentungen zusammen! 
Ver soll sich mit solchen sprachlichen nebelgebilden verständigt 
iahen? Fast keine concreten bedeutungen hatte diese grund- 
Sprache, alle waren mehr oder weniger abstrakte begriffe, mit 
bleuen man zwar philosophieren, nie aber von den thatsachen dieses 
»rijischen daseins hätte sprechen können. Mir scheinen aber 
doch unsere nrahnen vorwiegend das letztere gethan zu haben. 
Warum gerade Uhleubeck mich angreifen musste, und 
warum er mir schon nach dem ersten satze in die rede 
en musste, das verstehe ich nicht. An ihn habe ich zuletzt 
acht, denn er entbehrt der Originalität. Jedenfalls hätte 
warten können^ bis ich mich einigernmssen verständlich ge- 
ht habe, resp. bis er mich verstanden hat. Meine früheren 
*rteiten namentlich: „Die Stellung des bosnischen Hauses und 
"BStymologien zum Hausrath" scheint er gamicht zu kennen, 
<5enn sonst hätte er schon damals widersprechen müssen. 

Wenn man mir im detail widerspricht, so finde ich das 
^freiflich. Einige Übereilungen berichtige ich selber schon in 
»•er nächsten fortsetzung. Aber unbegreiflich ist mir, wie man 
I Btich der träumerei (^märchenwelt'' sagt IThlenbeck s. 325) 
beicliuldigen kann. Ich denke, meine etymologien schmecken 
efcer nach der erde, als die Uhlenbeck'schen schreibtischety- 
roologien. Meine gedanken sind sehr einfache. Ich verlange 
hm man die etymologie auf die anschauung gründe. Bei den 
tatentangen verlange ich, dass man bei ihrer rekonstruktion 



234 Heinrich Schenkl, 

genau so vorgehe wie bei der der formen, und dass man 1 
den bedentnngsänderungen die sozialen und materiellen y( 
hältnisse der betreffenden zeit befragt. Man wird das besi 
verstehen, wenn mein anfsatz über die Wörter, welche y,mässe 
bedeuten, gedruckt ist (W uS TH). [I. F. XVm 204flE: C. ] 
Und von diesen einfachen gedanken gebe ich nichts pre 
Kein Uhlenbeck der weit wird mich davon abbringen. L 
werde sie vertheidigen, solange mein athem reicht. Sollte ii 
in diesem kämpfe wirklich allein stehen? Ich kann's nicl 
glauben. Ich baue fest darauf, dass ich meine eideshelf^ 
nicht zu rufen brauche; sie werden selber kommen. 

Graz, den 12. april 1905. 

Rudolf Meringer. 



Zu afuxgo« 

Fflr die feststellung des altepischen gebrauches des woi 
begriffes ä/Äo^a sowohl f&r sich als in seinem Verhältnisse : 
uni^vtj stehen folgende stellen zu geböte, denen ich die flbc 
reste der antiken erklärung, soweit sie in betracht komme 
anschliesse. 
A Hom. H426 (von derbergung der leichen) avSga (xanrov , 

. . . aftal^amv inaeigav, 
B M447f. (Hektor schleudert einen feldstein) 

Tov ä* ov x€ Sv av€QS Sfifiov aginro} 
^ijidioog in' äfial^av an* otJ^co^ o/Xlaanav, 

Hesych. 6/U^hv : xivetv, ^o/k€v€iv (= Suidas); Gloss. C^ 
Yen. A dnoxtvi^astav ano iSa<povQ ; Etym. d/A./^(o : xivco (da 

Zonaras tj xai fisTaxivtS). Ausserdem Hesych. o/Xrjasiav (at 
Variante bei Homer): xivfjasiav. 

C ii, 150 (= 179) og X idvvoi 

-^/Ätovovg xai afta^av ivTQO/ov. 
189f. avzaQ o y* viag afiu%av svtqo/ov ^uiovf 

nnXiaai rjvcoysi, nelgir^a Si J^crat in avrrjg. 
263 ovx av dri fioi afJLU%av itponXiaGaire xayia 

xavta 6s navT inid'Biifr . . . ; 
265 ix /L16V äfxa'^av äfi^av iiT()o/oy ^/tiiovfirjv 

xaXfjv nQ(otonayia, nsiQivd-a 6€ Srjaat in atrffi 



Zu Sfia^a. 



835 



275 ix ^uXaftov Sk fi^oyrec ffv^^f^rov *;i' ini^vijg 

329 n^6ü^^$ ^iv ff^iovQi fAxov rfrpajft'jfXoi' ant^v^v, 
447 je«i äyA«Ä <fwp^ e^r^ a TT jj y /; g, 

478 ivrfffiüT^nv ^' in in^Vfjg 

rlg^ov änmpfi, 

590 f^vv 6' £Tu^nt ^ftgay ivdeoTfiP in aji^vriv. 
711 (Andromache und Hekabe) 

TiXXiadrjv in* u^a'^txv ivjnny^v ut^atrai 
718 , • ♦ * iil§aP in^Pfi, 

179. SchoL Townl. xai ufta'^av: r^v dn^vtjv ovtda^ Hn$, — 
ti'O. Etym, MagTl. nd^tv^-o^: rj xai it^t^ivda XiytTm* rr^^aivBi 
^t to Tftgdfmyav ro inavta r^q aai'^T^g^ (^vluv ^dd. Cod, Par.), 

u ijt QinmP n^nkfypiivoy nXiy^inv, Qiniv&a. Dasselbe mehr 
oder weniger verstümmelt und vermengt bei anderen, SchoL D 
ftg:t hinzu o xai v7i£Qtf^iav xaXnvatv (ähnlich -Eüst Und die 

t band des TOWUL). — 266* EuSt a^a%av ^ih nai dn^vr^P 

fuhif WQ iXatpoöiifia, immra yag mQ iixoq nl ^^tivHat wg n^gi 
u ^vyiiV dvaXoymg et/e ngog iXatf^ÖTtjTa (iffT* yigi Kai ßüBiif 

Townl, m. 2). 

D ß, 782 ff. ot i' vn^ i^u^fia^v ßimg »f^io* 

yovg TB 
l^fvyvvaav .... 
dwtj^ia^ fisv tq/ y€ ayiVBüv SonetüV vkrjv^ 

^£ Od. ^^ 37 ^movovz KCEf äfia^av iipfinXi^uu 

57 f. otjx av (}/) ^ni ifponXidfffiaQ 

an T^y rjv 
Vtffril^v ivxvxlov, 
69 f, ara^ Tüi ifjWtöec itponXia ooi^my 

dntiV^y 
i^i^Xijv fvxvxXüVf in€^T£^ifi d^a^vtav, 
72 f» Ol ^^i' a^' ixTög dfiaZuy ivT^n/ov ^^loveitjv 

onX^QV^ tjiuopovg 3" vjtayoVj ^svl^av d' vn anfjvfi^ 
78 xovgr^ 6' iniß^u fj' an^yrj^ . * 

88 *Vy ai y* ^ftiovffVQ ptsv vnexn^oikvaav antiPfj^. 
90 f* rni J' dn^ a ti jj y ly g 

si^ura ^i^aiy l^arro. 



236 Heinrich Schenkl, 

252 ii/ÄUT aga njvl^aaa ri&H xaXijg i%^ dni^Vfi 
260 f. TOipga avp a/Li(pin6Xoiai fied^ ^/äiovovq xai 

xaQnaXi/ÄfOQ fp;|f€a«9af. 
fj, 5 f. of p' vn anijvtjQ 

fjfiiovovq ekvov. 
37. Eost.: ^[ariov Se on xavxov afAa%av xai ant^vipf «W< 
xai OTi ovx nnXwg ufjia%a rmv ^f4i6vmp, dXXä X9^ ngoaxetad 
xai t6 fjittiov€ia xai ort nXeloDV ?j xQ'J^^i '^^^ anijvrj hfxavt 
fjnsQ Tov u/Äul^a, Siic ro xaigitaxaTOV afxa^av filv yag iig Xift 
ani^Vfjv ^€ nXiovaxig. ro ficvroi ugfia i(p^ tnnmv fAovtov Bitot 
XdyiaSai. — 57. Schol. H. P. itpoTiXlaasiao] ^Piavog iiponXioaHa 
Ol dfÄtosg SfjXovoTi. — 70. svxvxXov] Schol. H. firgo^ov, xvxh 
yag oi rgo/ol (= Eust. ZU 58). — ynegtsglfi dgagvtav] xtg nXi\ 
&itf x(p inixi&f/Ä€vtf xfl afialEfi nghg x6 nXiinva ßagij (pigf 
BPV; T^/ nX. x(o in, av(o&€V fig x6 Sixfo&ai xa ivxidifisva^i 
v\f/9]Xoxax(p, xai nXip&lov xaX$Vxai Y, 27 xw v7isgav<o xrjg afnal^i 
xexgaydmf %vX(f dfxo/ninp x6 enixi&dfASVov (pogxiov BEQ^ 
Hesych. vnfgxsgia : x6 avto&sv xijg a/tial^fjg imxt^ifiBVOV. Apolloi 
Soph. TO nijy^a xijg a^al^fjg (= Suid. U. TÜnaeUS). Eust. 1 

inixfl/ÄSVov xBxgiytovov nXiv&iov xtfi a%ovi to d« vnegxsgi 

agagvtav ßovXsxat SfjXovv, (og ev fjgfioaxai fj vnegxegifj x^ a|o 
sixB xaxa/ÄOvag ol xgo/oi xivovvxai ii'xs avaxgi(povxai xfp a^ovi. - 
88 ajtijvtjg] yg, ifna^fjg H. 

F «, 271 f. (vom felsblock, mit dem Polyphemos seil 

höhle verschliesst) 

ovx dv xov y€ Sv(o xai ftxoa dfAa%ai 
ia&Xai xexgdxvxXoi an ovdeog o/XiGonav. 
Eust. fAri dv vno 6vo xai eixoat l^fvytov fXBxo)(Xin9tjvai, xovxsa 
/noxXotg fABXaxiVfi^fjvai, rj xai dXXayg dfidl^aig ßaaxaxdijvat ; Vg 
Hesych. dni^vfj: dfia^a' ol Ss J^Bvyog ^fdiovcov und die ZU B ve 
zeichneten glossen. — xfxgdxvxXot : nxgdxgoxoi Apollon. 
6 X, 103 f. (vom fahrwege im lande der Lästrygonen) 

r,n€g afin^ai 
daxv i* d(f)' viprjXwv 6gi(ov xaxayivBOV vXviv, 
H Hes. ^gya x. ^. 426 ff. 

xgianlda/u,ov d* dxf/iv xafivfiv dexaidgtp d/naS 
noXX' inixufjinvXa xdXa' (pignv dh yvrjv, ox* dv svff^ 
eig oixov . 
Proklos: iaxi dt ij uipig rj mgu^ovaa xag Xfyojuivag xvrj 



Zu aua^a. 



ni 



ß^lbm^^ rag ^ tov a^oi^of «C r^*' a^pUa tätPoiaag 

<^i JL^' , ^ * . , fivxovp ^Sft rr^v ndnav nsgi(pig&iuy h^itv k* Kai 

^' naAmatag (wenn man die stücke aneinanderlegt) ifjXov 

^»-«f Sri wug g' naAatüJUQ (er rechnet statt n rund 3) ctPaXiaa^v 
^d% ra Xiyi^fVa ylafnaiöiaj txuaji^Q uipfSog rffq a^ftoa^mg rtjq 

^*u (so Geistbrd statt d^tft'äta). 

X 453 ff, Q fj'tStov foLQ fnog tinftv* ßof ^ig xui äfiu^otw. 

ipjffJi S' dvijg tpgivag afi^fiig nt^l^aüSm afiul^ap 

i£ 692 f, düpiiP <J' (i x' in* apLaiav vTid^ßiQp a/^o; 

ufiQag 
a^&va xctvm^Hg xai tpOQtia ^av^taSiirj. 
-L 'Aan* 273 eviradignv in dn^vtjg 

AI Fragm. 54 (231) Ez, rXaxTOtpaywv ig yatav dni^pag oijci' 

Strabo VII p. 302. iv t^ xaUv^ivji r^g Ti^^ih^h 
Aus diesen belegstellen ergibt sich zwar mit Sicherheit, 
^ass die meisten dar in betradit kommenden probleme schon 
^on den alteu erklärern ang^eschnitten worden sind, für die 
^ache sonst aber reclit wenig. 

Hervorzuheben ist zuerst, dass die stellen A — D simmt- 
licli aas etwas jüngeren partien der Ilias stammen, in deren 
^testen schichten sich weder äfui^a noch a^^J*-^, wohl aber 
«P^a{ra) Und Q^Ea finden. Sodann, dass Hesiod nur u^a^a 
kennt; denn L ist handgreifliche uachahmung von C (wie auch 
o^o^a und ü/ta nur in der Aspis vorkommen), während die zu- 
Tfceisung von M zu den naxulaYQi nur auf einer unsicheren 
Termuthong Kirchhoffs beruht. 

Die Verschiedenheit des numerus bietet für die bedeutung 
^mm anhaltspunkt; denn an den vier stellen^ an denen sich 
der ploral findet (B D F G), ist unzweifelhaft jedesmal von 
ittehreren getrennten wagen die rede. 

Wichtiger ist das verhaltniss der beiden worte afia%u und 
^^^^ (C, E). Das letztere kommt nur in je einer episode der Ilias 
lad Odyssee vor; es ist seit Homer ausschliessliches dichter- 
*ört durch mehrere Jahrhunderte, bis es erst im L jahrh. v. 
^. bei den historikera wieder eingang findet Von jenen 



238 



Heinrich ScbenM, 



beiden stellen zeigt E die merkwürdige erscheinung, dass 
in^v^ mit ä^mpi vollständig gleichbedeutend gebraucht wird, 
so dass die beiden ausdrücke beliebig den platz wechseln und 
mit demselben verbum tfponAi^m verbunden werden. Dies ist 
bereits den alten erklärem aufgefallen (Eust. u. Hes, zu F) M 
und wirkt sogar in der textkritik nach (Variante zu 88). Sie ' 
glaubten dasselbe auch für die (ältere) Iliasstelle C annehmen 
zu dürfen (öchoL zu 179 u. Eust zu 2ü6), aber mit oiurechL 
Denn hier heisst, wie längst beobachtet worden ist, das fuhr- 
werk, sobald der obertheil aufgesetzt ist, konstant dni^vrj ; und das 
wiedererscheineu von a/iot^'a in v* 711 ist ganz woUbegründetj ■ 
denn Andromache und Hekabe müssen, um zu dem auf dem 
Wagenaufsatz aufgebahrten leichnam zu gelangen, auf das 
wagenuntertheil, d. h* wohl auf die räder (die eine rechts, die 
andere links) steigen. Während der ältere dichter die bedeu- 
tungen von aua^a und «;r^Vj7 scharf trennt, scheint er im ge- . 
brauch des letzteren w ortes weniger sicher zu sein. Es be* f 
zeichnet ihm in den versen 629, 478 und 718 zw^eifellos das 
ganze fuhrwerk sammt dem rädergestell; aber v* 275 und 
590 mrd man bei nngezwungener erkläningsweise nur auf j 
den Wagenkasten oder wagenkorb beziehen können. Derfl 
Odysseedichter hingegen, der die Iliasstelle sicher vor äugen " 
hatte, ahmte sie Welleicbt ohne klares Verständnis^ nach und 
hielt die begriffe ufmia und dm^pTi gar nicht mehr auseinander. 
In C, der ältesten unter den 7 Homerstellen, bedeutet 
a/jff^fi bloss das rädergestell* Blosse Untergestelle sind aucli 
gemeint in D und G, wo vom schleppen des holzes die rede 
ist. Holzstämme lädt man nicht auf eine evlsatog dn^pjj. 
Femer müssen für solche zwecke die achsengestelle trennbar 
sein. Jeder, der in Waldgegenden geweilt hat, wo noch viel 
primitiver holztransport vor sich geht, weiss, dass die bäum- 
Stämme auf zwei zweirädrigen achsen befördert werden, die 
je nach der länge der stamme weiter oder näher gestellt 
werden. Verbindet man zwei solcher gesteile durch einen 
festen bäum und setzt das obergestell darauf, so gibt es einen 
regelrechteq 'leiterwagen^ Handelt es sich um eine kleinere 
führe, so begnügt man sich mit der Vorderachse und einem 
entsprechend kleineren aufsatz (kästen oder korb). Hingegen 
müssen die in A und B erwähnten ä^iu'iai aus sachlichen 
gründen mit einem obertheil versehen gedacht werden ; von E 




2q äßifln. 



239 



ist es ausdrücklich gesagt. An zwei Hesiodstellea (I, K) ist 
die entseheiduDg zweifelhaft und auch ohne belang. 

Andere bedeutungen von «jua-« treten uns in F und H 
entg^en, Dass man einen riesigen feUblock nicht auf 22 
nebeneinander gestellten wagen fortschaffen kann, da er — ab- 
gesehen von der breite der fahrbahn — die festgefügtesten 
gestelle zerdrücken musste, hat man in alter und neuer zeit 
nicht verkannt und sich gegen die buchstäbliche erklärnng 
ausgesprochen. Aber während die neueren geneigt sind, darin 
dne poetische lizenz oder ein märchenhaftes bild oder eine 
sdiwlche homerischer denkart und dergleichen zu erblicken, 
Mm die alten längst richtig erkannt, dass hier unter dea 
22 cifitiim dü^Aiii Tfigaxvieloi ebenso Viele gespanne guter zucht 

IM verstehen sind. Für das aus der HiasstelJe B entlehnte 
i)[manup, welches einige (wie die glossen xtvi^oitav und ittvifj 
m B zeigen) einfach als fortbewegen* deuten wollten, haben 
andere (Eust, zu F) die der originalstelle angemessene vor- 
stsUung der hebelwirkung beibehalten wollen; in diesem falle 
Ütte dem Odysseedichter ein büd vorgeschwebt, ähnlich 
den assyrischen dai'stellungen ; vorn die gespanne, rückwärts 
a&Qner mit hebebäumen. Doch ist es zweifelhaft, ob mehr als 
du mechaniscbes herttbemehnien des ausdruckes vorliegt, 

(Janz abweichend ist wiederum der gebrauch des wortes 
k 4er Hesiodstelle H, Mit d^tcuddQfi) kann, wie schon Proklos 
i* Plutarch) ganz richtig erkannt hat, nur der raddnrch- 
t gemeint sein. Daraus folgt aber noch nieht. dass 
i^ain hier das rad selbst bedeutet. Denn die radhöhe, welche 
ungleich das doppelte der achsenböhe ist, als charakteristisches 
maass für die wagendimensionen zu nehmen, ist sehr nahe- 
Jj^tind, da die Spurweite (d. i. die achsenlänge) so ziemlich 
iurdb. die landesübliche wegbreite festgesetzt ist, während 
fiddiirchmesser und felgenbreite nach der vom fiihrwerke er- 
warteten leistung schwanken* Immerhin wird man die mög- 
Uclikeit eines derartigen bedeutungswechsels (vom rad zum 
ridgestell) nicht als ausgeschlossen betrachten dürfen. 

Leider erhalten wir über die wichtige frage, ob die räder 

in der achse festsitzend oder beweglich zu denken sind (eine 

frage, mit der sich die alte Homererklärung ebenfalls schon 

baschäftigt hatte, vgl Eust. zu E), durch keine der hier ver- 

^eiduielaE iteUen sicheren aufschluss ; auch in der etwas tiefer 



^ 



* 




240 



Heinrich Sefaeokl, 



ins technische sich einJassetiden Hesiodstelle H ist keines dir 
beiden Systeme geradezu aosgesdüossea. Sicher ist nur. im^ 
die von Hesiod gegebenen maasse sich mit grösserer wabr- 
scheinlichkeit anf ein speichenrad als auf ein Scheibenrad l>e- 
ziehen lassen. Er empfiehlt fiir ein 10* handbreit hohes rad 
3 spannen (^ 9 handbreit) lange felgentheüe im yorratb zu 
schneiden. Soll an ein Scheibenrad^ das nach der art. des bei 
Rieh (tympanum 3) oder bei Ginzrot (taf. VI, 1 ^ Forestier 
48) abgebildeten aus kleineren stücken zusammengesetzt ist. 
gedacht werden , so sieht man nicht ein, warum die rohtn 
hölzer gerade 9 handbreit lang geschnitten werden miisseu: 
bei parallel gelegten theüstücken aber ist, wie fig. 3 zeigt. 








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Flg. 5 



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ausserdem eine 0,5 handbreit f^tarke^ also ziemlich dünue m\i- 
fassungsfeige erforderlich, von der Hesiod nichts sagt. Hid- 
gegen reichen solche klotze eben aus, um aus ihnen die ßr 
ein 10 handbreit hohes rad benöthigten vier felgenstiicke be- 
liebiger stärke sammt Verzapfungen durch abarbeitung zu g^ I 
Minnen (s. fig. 1 u. 2); wobei bemerkt werden soU, dassder] 
innere rand nicht immer in kreisförmiger krümmung sb*- 
gearbeitet sein muss (s. z. b. abb, 2900 bei Baumeister), D*] 
für verschiedene beanspruchung des fuhrwerkes auch ver- 
schiedene felgenstarke und -breite erwünscht ist, wird es er- 
klärlich, dass Hesiod über die querdimensionen der rol«fll 
a^fiÖBg nichts bemerkt. Grosse Schwierigkeiten machen to| 
den nächsten vers einleitenden worte nolV imxaptTtvka näU%\ 

^) Aach bei eiiilachst<?r aus führung erfordert die hereteUüng des radestöl 
deo verzapf cingen u. dgl viele ein^lteile, so dasE wir den '100 hftkörn' (BI 
ziemlich nabe kommen. Auf die neuere archäolo^BCbe Utteratur, besondpi^ | 
den inhallBreicben aufsah von Miss Loiimer in Joam. of HeU. 8tad. 190$] 
«mzn geben mogs icb mir hier vertuen. 



Tm afia^tt. 



241 



welche grammatisch entweder (wie es PeppraüUer ia seiner 
tbei-setzimg thut) als selbständiger satz mit ausgelassener 
c^pula zum folgenden oder als apposition zu atptv im vor- 
liergeliendeu tezogen werden müssen. Die letztere erklärungs- 
weiae echeint mir die riehtige ; denn die hölzer müssen zweifei* 
\m ?or ihrer zusammeusetzuog abgearbeitet werden und 
werden am zweckmässigsten grob zugearbeitet aufbewahrt, 
weil sie so noch besser trocknen und beim bruch eines feigen- 
«lückes gleich zur band sind. Die alte erklärung scheint aller- 
dings eineu weiteren radbestandtlieU ins atige gefasst zu haben, 
imd zwar die nahe, wenn d^fpiSea richtig hergestellt ist, mit 
welchem wort Hippokrates to tJTointov rrj^ ^n^g^Q bezeichnete, d, i- 
die portio vaginalis uteri, die, wie jeder anatomische atlas 
lehren kann, eine geradezu typische ähnlichkeit mit der vor- 
springenden radnabe hat*) Ob nun aber dieses rad ein festes 
öder freilaufendes istj bleibt nach wie vor unentschieden; 
denn auch ein speichenrad kann auf der achse festsitzen, wie 
das viereckige achsenprofil bei Forestier flg. 61 u. 84 und 
das fehlen jedes achseustückes fig, 82 u. 83 verbtirgt. 

Was eodüch die zahl der räder, womit auch die der achsen 
verknüpft ist, betrifft, so werden ti%pütKvnKoi aßa%m (wie bei 
Herodot I 1458 u. II, 63) in P erwähnt; freilich zeigt hier die 
bedeutung von afia%a = gespann eine so vorgeschrittene, mo- 
derae auffas^ung, dass auf diese stelle kaum allzugro&ses ge- 
wicht zu legen sein wird. Desto grösseres auf C (ß 324)^ 
wo der von Idaios gelenkte maulthierwagen ausdrücklich als 
tn^axvxlog dnt^vrj bezeichnet wird. An allen anderen stellen 
(ÄQsser F) kann man ebensogut einachsige wie zweiachsige 
fiibrwerke annehmen; gerade hier, in der ältesten, ist die ein- 
Äclisigkeit ausgeschlossen. Auch die denkmäler zeigen vier- 

► ndrige, d- t zweiachsige wagen, obschon die einachsigen in 
ier mehrzahl sind (vgl. insbesondere die der "EKroßog MV^a 
Ätsprechende fig. 63 bei Forestier) ; nnd dadurch wird jeder 
^eifel an der beweiskraft unserer stelle beseitigt. Denn dass 
«t)doc pl- nvnlu hier etwa dasselbe wie das hesiodische «^^ 



■) fjt§Mnu;ivko^ wird durch Ejmn. in Merc. 90 (&chon im altetthum mit 
dir fiesiodstelle cniamnieiigeb nicht; vgl, die Variante von M intTiafMniika 
(Um ft^tt 47nxitiUjiüA0i^ iüjUQvs) geschützt; es erscbemt daher Überflüssig 
vf dii mdglicfaen l6simg-en fni x. und fm. v. einzugehen. 




242 



Hfiänrieb Sch^nkl, 



(vgl. Hesych, aV^rdf^* ra xmla twp tao/ßr), TiigixvnXog alSO 

das rad, bezw* den wagen mit vierteiliger feige bedeuten könnte, 
halte ich fiir undenkbar. 

Für die vierzahl der räder ist von Kretschmer auch der 
name des grossen baren angeführt worden, von dessen siebeti 
grösseren sternen vier den rädern entsprechen. Diese auf- 
fassung des Sternbildes kennt das alterthum in der thatj aber 
sie ist nicht die einzige. Vielmehr ergeben sich aus den 
scbolien zu Aratos Phaeu« 36 f, 

agxTot a^a T^oj^otjoat (? o i^ xakdovrai '^^^aiat). 

drei erklärungen, nämlich: 

1. ^la to a^ta r^i^nv (Maass, Comm. in Ar. reL M3, 24; 

344, 3, 4; 345/ 13). 
2* weil Ol f^fri avTijg i^rd^eg a^d^fjg tvtioi' i^ovmv (so 
allgemein auch die schollen zn 2 483), ol ßisv ini 

Tim nkivS-iov jdaaaQig [nkiyStov 6$ Xdy§Tat na^a jn^g 
y^uifidT^atg nä^ Tii^iya^i^m^f qI ^i rßef^ ini fifjxng to>' 

^vft^v nXtipovmv (345, 19). In den Odysseescholien zu 
f, 273 erscheint diese erklämng in folgender form: 

ipta'^u xaXfftai 37 "^jipxtOQ^ dmi in rsatia^mv anrd^mit 
evyttitrai rgono^ i/iwrtov nXivB'lnv xat aXXtay r^ttBv iixtp^ 
i^oyta^v ^tffiüth Durch diese übereinstimraung wird di^ 
Überlieferung der Aratosscholien binläoglich gegen diei 
von Maass vorgenommenen einschlebungen c»y vor 0^ 
und Tovg t^^/üvg nach ttTQaymynv) geschützt ; manft 
vgL auch die antike Homererklärung über nei^ipc, 
vmgte^iij und nXtp^iov ZU C und E. 
3* $ii TO ix^iy ayji^a a^u%fig, jmv Ttana^mv durd^tüv mvti 
T^o/mv nagaXtiftßayoftiyü^Wf lüav Si TQi<ay r^g ov^äq avri 
^vßQv; sachlich = SchoL f, 273 f| a^^JOie^a»»^ äk mQnf^k 
tgtt/tay uai ^vftov aßu^ijg aj^^fim unorBXttTmM 
Die erste etymologisierende erklärung ist ein produkt der 
gelehrsamkeit; düe beiden anderen sind volkstümlich, und es 
wird schwer halten zu entscheiden, welche die ältere und ur- 
sprünglichere ist. 

Der epische gebrauch von a^a^a umfasst also ein sehr 
weites feld: vom einzelrad bei Hesiod (wenigstens als maass 
der wagenh&he) bis zum gespann. Die ziweiachsigkeit stellt in 



Zti apttt^it. 



243 



z^ei fallen (C und F) fest. Über das System der radbefesti- 
fUDg lässt sich sicheres nicht ermitteln. 

Zum schlufis mag noch daranf hingewiesen werden, dass 

es bedenklich erscheinen muss, das wort a^a^Qvdc zum vergleiche 

heraazttziehen» Erstens weil das alter dieses Wortes keines- 

wep hinreichend sicher verbürgt ist, wie Kretschmer selbst 

berrorhebt. Selbst wenn die bei Plutarch de def. orac. c. 11 

auf das Pindarfragm, 165 (146) Sehr, folgenden worte itn xai 

jfoMi> alraQ (so Wilamowitz Hermes :i3, 527 «tatt uvtaq) i/i«* 

i^puSdi; dahin zu deuten sind» dass die Hamadryade bei Pindar ^) 

»dbst ihren nameu nannte (es konnte ja auch eine ausdrucks- 

ireise wie die in der gleich zu erwähnenden hymnensteile yor- 

Üegen), so hat sich doch dieser name noch lange nicht ein- 

g^ebürgert; er begegnet erst wieder in hellenistischer zeit 

(ApoUonios Hhodios, Myro, Pherenikos) , es müsste denn 

Jemand Anth, Pal. IX, 803 wirklich für platonisch halten. 

Zireitens weil die a^aJ(>vc!g nicht die nympbe bedeutet, die 

*eiDS mit dem bäume ist*. Die worte des homerischen hym- 

HtLS auf Aphrodite t* 264 f. 

1x1 denen höchst wahrscheinlich der Ursprung des später ge- 

mchaffenen wortes zu suchen ist, zeigen deutlich , dass es sich 

latir mn zeitliches zusammenfÄllen der lebensdauer handelt; 

di^be auffassung tritt auch im Pindarfiragment und in den 

voQ Schröder herangezogenen schollen zu Theokrit III, 13 in 

den vordet^rrund. üeitirich SchenkL 






Irish Etyma. 

admat *timbe^^ 

udmat 'timber, material', F61. Oeng. ProL 294, gen. std ceck 
^immi LL. 117^ y, acc. cech n-admat LU. 35^ 11, now adhmad. 
Bare *mat, from *mazdo- is, like Ir, matan 'club*, maite *8tick', 
öpate with Qerman mast and Lat, malus from *mädiis, The 



■) IHt fvriiialiclieii scholien id ÄpoU. Rh. 2, 477 nenn«« nicht Finclir, 
« ftb gewihrBiiiftim für die etjmologie. 

16* 



244 



Wbftity Stokes, 



d of the accented prefix ad would in wbat Germans woüld 
call strengaltiriseh have beea assimUated to the m of mat: c£ 
ämnms *angrifi"' from *iid-tftws', od-midet/iarJ) But in ädmaü 
Vonfession', ddmall *waötOö\ ädmolad *praise\ as in admat^ 
this assimüatioii does not occnr. 

allubair *echo'. 

Tbe uBual Irish espression for *echo' is mac alla^ literallj 
*soü of a clifi*. A synonym is aUubair (corruptly allobair | 
folabra, O'Dav, no. 144)* This is a Compound of all *cliff 
and Mair j suilbir, O'Dav* na* l!t>L 'bene-loquens*, 'eloquens', 
Ascoli, Gloss, paL hib. CLI, where labar, Wb. 5** 32, shotdd^ 

I think, have been equated with Gr, Xaß^og, 

alt *]oint*, ^poem'* 

alt *artus* Ml, 44* 2, Ascoli XXIII. pL alta na n-huadh, 
Ir. Texte III 128, aÜ + aircetal, O'Day. no. 6. So Gr. fidXor 
L gUed, 2. lied. 

att *a swelling'j attaim *I swelL' 

att 'tumar*, Asc. LII (gl tuber) Sg. 61 ** Ib, acc* ag. frisber^ 
üü *heals the swelling*, Thesaurus pal hib, II. 250 L M, ge:^ 
fri met in atta 'from the size of the swelliug', LB. 142"* 4^^ 
wheuce we see that att is a mm. or ueut. stem iu a. ^ 

As in modern Irish this word is at, not ai, it cannot coi 
from *ardo-, as I have proposed in ürkelt. Sprachsch. 24, S( 
Zupitza, KZ, XXXVI, 233. If, however, we assume a p r» c 
celtic oxjrton "^patnü cognate with Gr. natiofiatj all becom ^ e s 
clear fi'om the phonetic poiut of view- The initial p is i ^ e- 
gularly lost.*) The pretonic n is regalarly assimilated, Idg. V(^r§ u h . 

II 167, The modern t points to an Old- Irish t, as in 
*harp', eiie 'wing', Ute *porridge', mut 'short\ The passage 
meaning from 'I eaf to 'I swell' is not difficult, especially 
Ir. äs ^wuchs' from "^pat-to^,, äsaim ,wachse*, from (pjattü^ 
like Goth, födjan^ in ablant-relation to natdoftat. 



1) See Thnmeysen, Herue C«lliqtLe VI lä6. 

■} I tike thiB opportiimtj of EaggBsÜJog thftt avotk, the GsuliBh ward 
'potter*, the pounder or thomper^of wet cky, ib from *pavoti-a, co^ate ir 



Iiiih Etyms. 



245 



^ 



bald *durable\ 

taif, baidh ^ Mm, O'Don, SuppL occurs iu the F^lire Oen- 
pisso, Aug. 2, where the Ubb Teothöta tu bäid-mi 'Theodota 
that dnrable one* , rhyines with na tri maacdin mäith - sin 
Ihose three good youths'» Here baid from *bhudi is probably 
copiate with Goth. batimf Eng. better, 

bech(ff)amam^ (beth(s)amüin ?t 'a swanm of bees', 

The nom. pL of this word occnrs in the Immacallam in 
d4 Thüarad, and, so far as I kaow, is given corruptly by all 
tiie mss. Thus : 

Ui beeha nminif LL. 188' 29. 

ik hethamain (+ beich). RawL B, 502, fo. 61 ^ h 

ile beithonmain, Yellow Book of Lecan, p. 247 ^ 28, 

ni beth somumj H* 3, 18, p, 549 \ 

Ui bethamuht, Egerton 88, p, 78*' L 
To these may be added 0'Clery*s gloss beitheanihain + beich 



It seems to me that from these carniptions we may elicit 
Üie trne reading, viz. , ili becMamaini ^ *many bee-swanns', 
where bech^amaini ia nom. pL of bech^amain^ a Compound of 
AecÄ *bee' (from *bikQ-$) and 9amain (ex *3amam) *assembly*, 
c<^ate with Skr. snmana^ and compounded also in cetß)amainj 
ian(^)amau^ Utkelt, Sprachsch. p. 293, If, as is possible, the 
tme reading is ili betfiMmainij we might compare with the 
ktk (from bito-s?) the Lith. bith %ee\ 



^%a\ 



büar ^flux', 'diarrhoea' 

T 4 buinnech, OT)av. no. 319. büar from "^bhogro- (or 
*bha^a), as büal + uisge, O'CL (flowing) *water\ from *bhog* 
^, Zimmer, Celt. Zt, 1- 98, Cognate with Germ< buch, Ags* 
*öcc (grundf, bhogi^ Kluge)* 

^^ cathir ^city\ 

" It. cathir 'city' is often connected with Cymr. caer *urbs, 
'Siiinis', Bnt the two words are etyraologically quite separate. 
t, cathir comes from the root bat 'bergen', whence also Lat. 
^^Qem from *kat-ti-8i Brugraann, Kurze ve^gL Gramm, § 268. 
Bnt Cymr. caer (from ^kagro-) comes from the root hagh^ 
wheQce also Cymr. cae 'clausum\ Oerm, hag^ gehege. The 




WMtley Stokcf7 




I 



Kymric cognate of Ir. catkir m cader 'septum, Cftstrnm. locus 
manittls^ (Davies), 

cengim^ cingim *I step*. 

This old verb, of wWch tlie imperative sg, 3 is ceingeth ^) 
the perfect is cechaing^ fut, cichiSj and the infinitive ceim (from 
*kengmen)f has been doubtfally connected by Bezzenberg-er^^ 
with Litb. keme^öti ^langsam gehen' (Urkelt. Sprachsch. u) ^ 
More likely cognates are Skr. khmljatif Germ, hinken, 

The Cymric reflex of the verb is in the Compound rhy\^ 
gyngiL 

An Irish form with prefixed s, scifirfim *I springt Be%tcm^^^ 
= Gr. ffifäCü* from trxiigjm {s-kh9ngjö Kluge). Otherwise Zimme?^ 
KZ. XXX. 63, note L 

centhain. 

This an. kfy. occurs in the fifth poem in the Codex 
Pauli, Carinthia, Thes, pal hib. II 294, 1. 10. 
Ai4£ Miüredaich centhain 

translated ^Descendant of Mnredach at every time\ 
if centhain were cech thain. 

But the emendation, cech for cm, is fiolent, and ^be 
resnltant meaning is improbable. 

I propose to read cennthain^ gen, 8g, masc, of an s^ij. 
*c€nnthan *long-headed' (cf, rayaoSttgog) or »thia-headed' Ol 
TarainoSäg), As a rille t is not ^aspirated', when it immediat^Iy 
foUows n or l; but in muniher, Thes. pal. hib. II XXXII, 
genther, ibid. p, 30, dainthech, ibid. p. 361, moÜhu ibid. 3ö3 
we have the combinations nth^ Itk. 



ceol 'music, melody'* 

ceol from *kiuplö- cognate with Goth, hmfan .wehklag^i^' 
as teol *thief from *tiuplo'^ cognate with Goth. im^s {betl>^ 
ßiufs)y Ags. peof. 

ein *loYe'. 



I 



cm *love' *affection\ gen* cena^ now written don, li^ 
hitherto been fonnd only in Late-Middle and Modem Irish. !B *^^ 
it seems a genuine old word from an urkelt, *kemi^ cogn»^^^ 



1) c«»^£/* am, St Gall Incant, Tbes. p»l. hib. U 248 




Trish Etyma, 



1 



with the Vedic eanas 'gefallen, befriedigang', cani^fhos *sehr 
^ädig, sehr genehm*, Uhlenbeck, who compares Av, cim 
(cinah-)^ cinma (cinman') *liebe, huld\ 

colba 'love*. 



The roöt hibh 'to love* has not, I think, been pointed out 
in the Celtic langnages. It seeins, however, to occiir in colba 
(now cdbha) *lave, friendship', iustrumeatal sg* eolbu, F^L Oeng. 
Ep. 74. TMs may be a Compound of the preflx co-, Cymr. cy-) 
ürkelt. Sprachsch. 85—86, and *lubae, the posttonic u being 
ejected. 

I *cor 'sword*. 

f The acc. pl of this T?ord, cmre^ occurs in the Amra Chon- 

röi, H. 3. 18, where it is glossed by sainchenel ehidibh 'a 
special kind of swordv It seems a stem in s^ cognate with 

I Qoth. hairus^ ON. hjörr^ Ags. hearu^ words wbich, according to 
Luft (KZ. XXXVI* 145), are related to Gr. x^'p« from uBgjoi. 



cronn a nver-name* 



The river-name crond (leg, crömi% LU. 56* 39, may come re- 
Cidirly from *krosno-s^ and thus be identical with Gr, n^mpiq 
*qaeü, bmnnen', and cognate with AeoK ^t^iwa. 

cuikhe *mantle', 

ctülche 4 brat no cochall *mantle or cowl* O'CL miilche 
flmck E}\ 2, 3L Thes. pal. hib. IL 315, From ""kötikiüf-o?} 
co^ate with Germ, hülle ex *hidja. Idg. root kd — koL 

cummal 'cup\ 

The acc, pL of this rare word, cumala^ leg, cumnmla, 
■«ccurs in the Amra Chonroi, Eriu 11 3* The nom. sg. mmmal 
(fram ^ktimbulo- or *kumbala) is cognate with Ir. citm *v6sser, 
^etr. GL 58j and Gr. xr^/Jjy, ^HtßoQ, xvftßaXov. 

des *arrangement\ 

This an. Xiy. oocurs in the Immacallam in da Thäarad^ 
^ev, celt. XXVL !4, and O'Davoien, no, 759, glosses it by 
*^^u§\id, It is cognate and sjmonymous with Gr. diüiq; but 
^^ Irish Suffix seems -sto ('Stä?), not -ii. 



248 



Whiti*y €to\m. 



feih ß *iB\ 

This Terb substaDtive govems the accusative, and Sarauw, 
Bev, celt. XVIl 276, after reminding us that the root ml 
means *to see\ ingeniously explains feil, fil as an imperative 
meaning originally ^voicV. '*From voici to ü y a", he says, ■ 
"the Step Ib not very long*\ I have lately found a parallel, 
in another linguistiti family, which goes far to confirm Saranw's - 
tbeory* Ie Machuers Methode pour Vetude de PArahe parle J 
Alger 1887, the author says: Pour exprimer le verbe etre ao^ 
präsent de rindicatif oii se sert du mot m (qiü a, ä propre^ ^ 
ment parier, le sens de voir)^ que Ton fait auivre des pronom^^ 
aifizes : 

ram je suis (= me voici) 

räk tu es (= te voici) 

ruh il est (= le voici) 

räM on raha eile est (= la voici) 
and so oe. The Iiish ß-us *they are\ which occurs twi* 
in the Cambray sermOE, Thes. pal. Mb. 11, 246, 247, seern^j 
exacüy parallel to the Älgerian rahotim Os sont (^ leg voic^:3) 

goirt *bitt6r\ J 

ffoirt 'bitter' from *ghorsti-^ cognate with &erm. gar^ig 
and perhaps Lat, horridtbs from *ghorsidtis. So tart *thirsf' 
from *iar$to', root ters to be dry\ is another example of 
extrnsioE of s from the sound-gronp rsL 



inu 



land'. 



iriUj gCE. irenn, dat. irinn, assuming the regulär loss of p, 
has been connected with Goth. fera *gegend^ seite'. It may 
also be connected with the PamphyUan ntj^ta and the Thessalian 
ni^puai See Bezz. Beitr. XXIV 295, XXVm 106- 



luan 'mamma\ 



it^l 



luan I eich, Lecan Vocab, 303, pl* acc. hmine YBL, cited 
Bev. celt XXVI* 30, note 1, seems a stem in s, and may cotne 
from ^(pßounos^ cognate with pluoy Tzlm, plavate^ Ags. flöwan etc 

mugh 'bad\ 

mugh f olc *bad', mugh-memnati + drochmenman, O'Dav. i 
no. 1223, mugh-ort ^culpable homicide', gen, mtigh-uirt O'Dav- 



Iiiah El^ma. 

Qö. 1251- This rare word seems coimected with Lat mnger 
qm tllis male ludit'j Paul, ex Festo 158* 

mür 'abundance', 

mür f iomad O'CL occurs in the F^lire Oengusso, ProL 
126, and the Amra Cholturab chüle, Hev, celt XX. 154. If, as 
seems likelyj it is cog^ate with Gr. fivgiog, ptv^iot, Prellwitz's com- 
biaation of these Greek words with Skr. bhtiri must be given up. 

Yreff *to dist€Bd\ 

Many Wsh derivatives of this root are quoted by Ascolij 
Bloss. paL hib* CCIl. To these may be added indrach (ex *ind- 
reg), now speit ionnrach, *a tent or plug used to keep wounds 
mn\ the British (Old-Breton?) equivalent of which is anre 
fi. C0lirio, i. e* coUyrio, dat, of mllyrium *a roll of lint used 
^ dilate a wound*, 

Yseq 1:0 See'. 

ar^secha \ deoa ar sof^ad, *he should see us welV, 
Immacallam in d& Thüarad § 12, Rev. celt. XXVI. Here the ar- 
is the common prepositional prefix (not, as the glossator supposed, 
tlie possess. pron. pL 1), and the secha is 3d sg, a-subj. of a 
derivative of the root, whence also Goth. saihwan^ Germ, sehen, 

shn 'chain'. 

sim (leg. Bim) \ in t-idh bec bis a comat in coniainn ^the 
toüe chain that is securing the cattle^pound', 0*Dav- no. 1615* 
Here we have the Irish reflex of Skr. simd^ Gr, i^«f and 

mlj fol 'floor'. 

*solf pL nom. solaig^ Immacallam in dk Thuarad, § 194, 
du ioUgib Ml, 44\ 13, is cognate with Lat solum from "^svolum 
lud Geim. sehwelle from *swaJja. Hera as in m, seng, serb 
«tc. the initial sv has become s. In the sister-fbrm fol + bond, 
Lecm Vocab. 534» aiM3, sg- folaigt Rev. celt. IX. 458, the sv 
hm become f^ as in far-n^ fet^ fiur etc. 

tescim 'l ctit\ 

This verb is connected by Zupitza, KZ. XXXVII 393 note, 
with Skr. taksh^ Gr. tixtiay etc., and he says it ^ macht durch- 
AUS den etodmck eines simplex: ein "^do-esc- oder dergl. er- 



250 



E. Znpftzi, 



scheint nirgends'*. Bat in a law-quotation given hj O'Dl 
ren, no* 787, we have acht ni doeskter *save what may 
severed*, (or ,cut out*), where doesister is the s-sobj, s\ 
passive of the deuterotonic do-escim (*to-es8-Bmm)^ cogi 
with Lat. secare, securis ete. The Irish cognate of ia 
tijttmv U, I think, täl 'ascia\ from ^iäkslo'. 

torathar ,monster\ 

torathar, nom. pl. torathair *niOöStrous births', ImmacaJ 
in da Tlmarad, Kev* celt. XXVI, 48^ points to an urkelt. *t 
tra-s in ablaut relation to Gr, tigag, gen. ti^aTöc or in Ho 
tigaog, ^H 

ussari kleath'. ^B 

The acc. sg., lissairb, of this rare word occnrs in 
Amra Chonröi, Eiiu II 5, where it is componnded with 
pejorative prefix do- - Gr. Ji?^-, Skr; dm, Its nrkelt ance 
would be *ud-sterba^ where ud ia ^ Skr. wd-, Goth. uU 
sterha is a derivative of the root sterbe a sister of *st€rp whe 
Ags. steorfan, Germ, sterben. For other such paira {skah 
skap^ rmtb and reup^ dheub and dfieup etc.) see Brugia^ 
Grundriss* § 70L 



London, Aprü 3, 1905. 



Whitley Stokes. 




Lit naüjäs. 

u muss im Indogermanischen eine geringere 
besessen haben als i, denn wenn beide in intervokaüsd 
steUuDg aufeinandertreffen, bleibt w stets konsonantis 
während i sich mit einem vorhergehenden vokal znm 
phthong verbindet. Es heisst idg. nett | jos, ai. närnja-, aber ^ 
a* I iuü* kommt nicht vor, vgl ai, r^änt- 'reich* neben n 
(ai. topa- 'wasser^ ist wohl nicht echt altindisch). In mehrei 
einzelsprachen hat dann i offenbar etwas von seiner seh 
kraft eingebllsstj so dass die silbengrenze in den fallen i 
typns "^neuios hinter das u verlegt werden konnte, vgl. got n^ 
lit. na^jm, abg, mjb - al. savyd-. Das sind wohlbekan 
dinge. Es ist aber lohnend, einmal naher zuzusehen, 
welchem punkte der Sprachentwicklung der wandel im 81a 




JM. m^ta. 



251 



scheu cmd m den einzelnen baltischen dialekten erfolgt ist. 
Im Slavischen war heterosyllabisches eu noch nicht zu ou ge- 
worden, denn aus ^seuiö- entstand nicht *sujb^ sondern mjb, das 
bedeutet: der neu entstandene diphthongetf en eichte den anschluss 
an den alten, der eben slsju auftritt. Es sei hier darauf hingewie- 
mn, dass der Übergang von em* zu oua* jünger ist als die affek- 
tiüB der gutturale vor e (und anderen hellen vokalen), denn 
das einzige *keuO'i das mir bekannt ist, zeigt die gestalt *^ms, 
v^l. alti^eeb. vs^eüujti 'besuche', neuöech. ndvstev ^besuch*. Das 
^ hat hier begreiflicherweise das e vor der beeinflussuog durch 
tlis u geschützt. 1) Mikkola IF. XVI, m, 100 sucht in dem 
v»iev mvne in <^ujq ^erfahre, wache ^ die wurzelstufe k^u nnd 
bemft sich auf lat, caveo^ indem er fflr das Lateinische den 
Übergang von ouct* zu au^* leugnet. Das leugnen hilft nichts, 
veil die offenkündigen thatsachen zu stark sind. Vielmehr 
«teckt in -^eva : caveo «oia> der gute alte ablaut e . o. Lat. 
<«t«o, gr- xoe'ftj, ableitungen eines *kouosj vgl $^i*oox6oq, got 
mskaws, haben ein ebenso unaufl^Uiges o wie toihIc und pro- 
aw, zu ai* kavi- ist an r^i^'^ ^u erinnern. 

Im Litauischen ist u in der Verbindung euia* lange genug 
konsonantisch geblieben, um das vorhergehende e zu n zu 
firben^ erst dann entstand ein diphthong, jetzt natürlich au, 
nicht iatt. Es heisst also nailjas 'neu\ Mit unrecht forderte 
Osthoff Parerga 262 die lautgestalt niaüjas für den fall, dass 
Bemeker richtig Ut. tau für die fortsetzung des idg, eU' er- 
Hirt hätte, Bemeker selbst glaubte noch IF, X, 164 tiaüjas 
dtirch ablaut erklären zu müssen; wie ich ihn kenne, wird er 
iesen ausweg ungern gewählt haben, euio steckt vermu^th- 
Bch auch in Irailjas *blut\ apr. krawiaf crautjo^ vgl. lett. krewe 
*idiorf auf wunden'.*) Die Verschiebung der silbengrenze fKUt 



i) Ein Utanisches *ke}fa* hegt vor in f^wäkut {kiäwakss) 'eierechaio', lett. 
^^ida 'schale' (ztL ai. öhavi- 'haat, farbe\ got. hitvi *schem\ ae. scio %oUco' 
^*). Aneh hier ist vor w nicht regelrechtes a entstanden, weil dag immer- 
U& palatiliaiertg k (t^I. z. b. Ganthiot Le Parier de Bnividise, Paris 1903, 
i« SQ dem e günstig^ war. — Die aaf Mui^enbaiier zurüclcg'ebende dentnng 
^QH mvitfv und die spräche bronologiache folgenmg daraus ist niebt lieber, 
^«i^ker thoUt mir brieÜich mit, dass er daa eechkcbe Wort mit rti^. na* 
i^£b mf die wunel yej^- hezieben machte. 

^ Üt. 9naujm 'schnell flieü^eEid^ mms wohl verscb winden. Szyrwid hat 
^^««, Neesehnann straujas, vgL lett. straujach ^ •jrotn|öi. 




252 



für das litauisclie jedenfalls vor deu beginn der Überlieferung^ 
vereinzelte Schreibungen wie 7mmiaw€di8 (Bezzenberger Beitr. 
z, Gesch. d. lit* Spr, 302) dürfen natürlich nicht ins feid ge- 
fthxt werden. 

Das altpreussische encheiridion hat folgende beispiele der 
lautfolge a*uia* : pogerdawie b2^ , rickawie 16, rikawie bOy hn- 
wia 40j krawian 16, 4L 88, Normal wird au durchaus dorcli 
a?* wiedergegeben : atisins poklauslmanas miginnons ^lautin äusitm 
lauckan etc. und u zwischen vokalen durch w: deiimn §i- 
wamme tawas etc. Nehmen wir diese thatsachen ganz bam- 
ios hin, wie es unsere pflicht ist, so müssen wir sagen, in der 
spräche des encheiridion war das tv noch (kaora schon wieder) 
beterosyllabisch. Das Elbinger vocabular stimmt mit seinem 
crmitjö und craupawirps zum Litauischen. Im katechismas H 
der heterosyUabisches w nach (kurzem) vokal uw sclireibt, 
finden wir dagegen nicht nur neuwenen und tautüyschis^ &ondera 
auch ktddmmey. In summa: für das Prenssische lässt sieb die 
ausspräche auj überhaupt nicht als die durchgehende erweiBei. 
*Neu' heisst nawam^ im ench» mit Schwund des a in unbetonter 
Silbe nauns^ hier ist e vor w zu a geworden, ehe der di- 
pbthong entstand. Das Elbinger voc, hat neben crauyoumiQ 
'haut' = lit. hiautat und pmise 'flehte' = gr. n^vnri^ freilich aüch 
caune 'marder' - kimmt^ daraus möchte zu schliessen seifli 
dass eti neben heterosyllabischem aw^ eine weile noch mbig 
fortbestand und jedenfalls durch sein Schicksal das von m^ 
Btigem ewj nicht mitbestimmen konnte. Dem späteren preussi- 
sehen auViüt 'sterben* = lit* liüutes oder cramp ,bime' = 
kriausBe ist nicht anzusehen, ob ihr l und r moniUiert wir 
oder nicht. 

Das Lettische sträubt sich bekanntlich nicht gegen laat- 
gebungen wie tewi seiüi krewe drewe demi (Berneker IF. X, 
165). Wenn es die nachkommen von *neuio- *kreuio- besiss«. 
könnten sie nicht anders als mit n und r auftreten, leider bat 
es sie verloren* Vielleicht hatte es einmal ein *n'aum aas 
älterem *neivam *neu' und machte daraus jaim.% wobei jauns 
juog' und das nebeneinander von jemt und n*emt 'nehmen' i^ 
gleichen theilen mitgewirkt haben mögen. In einer reihe voc^ 
Worten weist nun das lettische 'auj gegenüber Htanischem a^^J 
auf. Es sind dies: lett. kr'auju kr'aut 'häufen*, kfauja 'häufe "^ 
lit. kräuju krautig lett. kräujüs kVätäes *sich Süilebnen*: li^ 



Lii nanjas. 



253 



tmktmju, -klduti (kliautis * vertrauen'), lett* schauju schaut 
^sehiessan': lit. szauju szdati (abg, aujq sovati), lett* ^chauja 
todvoll* nebeQ sm4^: \\i. sduja. Es geht zunächst nicht an, 
1 b. in lett, Wauju und lit. krätipi ein älteres lett. *krewjii 
lit, *krawju zu suchen, letzteres mit dem vor Verlegung 
gübengrenze aus e entstandenen a. Die intoaation ver- 
bietet das. Sie ist im Litauischen gestossen und setzt einen 
laugdiphthong voraus. Diesen möchte man vom lettischen 
I^LDdpunkt als euj, älter ewj, vom litanischen als äuj^ älter 
(vgl. krowiau s^owiau kloiviau) anset2en, denn ewj konnte 
Ja auch im Litanischen nur imtj ergeben. Andere verba der- 
selben klasse (Kurschat gr. 314 fl\) zeigen dies iauj auch 
wirklich, so liduja : lett. Vauju C^rmiö, böhm, leviti, klr. liuyh/ 
•^uchlassen') und piäuju: lett. pVanju (dazu tiefstufig lat. j/st'io 
Bemeker IF* X, 160), Allein in der einheitlich aussehenden 
iitaiiisehen verbalklasse steckt offenbar recht versclüedenes, 
wie das schon Bezzenberger BB, XXI, 310 ihr angesehen hat. 
tJem einförmigen stosston des Litauischen stellt das lettische 
beide intonationsarten entgegen; lett. gr*äuju Icaujti mhjtju 
ktmjus^ aber krauju pVanjii l'außi schauju. Das bedeutet 
gewiss einen alten unterschied, der dem Litauischen abhanden 
gdtommen ist* Uniformieit sind auch in beiden sprachen die 
praeterita^ denn liowiaii tawu und piowiau pVäwn könntui 
ii dieser gestalt einfach nicht ursprünglich sein. Ablaut 
qualitativer art ist ausgeschlossen, daher werden diese formen 
sich ihr i aus dem präsens tiäuju piäuju-^ ihr ä(o) aus dem^prae- 
teritum anderer verben ohne erweichung geholt haben (alt 
*^imau *p^wiati). Dies alles gibt uns den muth und das recht 
iJi unserer klasse noch weitere unurspränglichkeiten zu suchen. 
lit kduju kowiau (mit vorbehält, fehlt bei K.) hat sicher von 
hm aus kurzen vokal, vgK russ. kiijü kttj^sb kujün^ lett. käujn, 
aber prät. käwu^ aisL hoggua. Femer entspricht dem lit. 
^t}u Mowiau russ. sujü sujesb sujHs inf* sovätb (das s von 
^wjri aus dem intinitiv), vgl. abd, sciozan und aus dem Litau- 
Men selbst die formen uuszawari prät. (Leskien abl, 312) und 
f^iawä *beifaden beim weben** Muss man nicht diese beiden 
«OS *k&uiö ^skeuiö ableiten?^) Freilich die betonung! Einem 



1 Mao denke auch an die abg'clciteten verben wie kardt^ karatruüt 



254 



E. Zupitzi, Lit tia^ias. 



ebemaUg^en *sB^mau (vgl. k&iaii zu keliu) kann wohl der Aum^ 
gehende stosston nicht entstammen. Sollten sich accent und 
Intonation rein lautmechanisch verändert hahen? Ein letti-^ 
seh es kauju aus ^koum ist noch zu verstehen, mau denke 
an Umks ^ levxig (Bezzenberger a. a. o. 3i0) gegenüber laiiks^ 
^ laL lücus^ aber es heis^t andererseits schauju, und dann ist 
Lettisch beileibe nicht Litauisch. Allerdings bietet auch dies 
paare wie äuk8^tas 'hoch' und aük&sias *der obere bodenraura* 
(Bezzenberger 313), Ich wage mich augenblicklich nicht 
weiter in dieses schwierige gelände. Es ist also jetzt noch 
nicht mit Sicherheit zu sagen, was &b mit den fallen von lett. 
*auj = lit anj auf sich hat. 

Natürlich hatte ich bei der besprechung von nuUjas den 
bintergedanken , das lautgesetz: idg, tu ^ slav. ju, lit tau 
von einer der ihm noch anhaftenden unreinlichkeiten zu snäubenu 
Dies gesetz hat es noch nicht zu voller auerkennung gebracht* 
Beigetreten sind ihm z. b, Porzezinskij *zür Gesch* der Konju- 
gationsformen in den baltischen Sprachen' Moskau 1901, s. 79 f, 
vgl Berneker Archiv f. slav. Phil XXV, 488 f. und Vondräk 
Altkirchenslavische Grammatik 48 ff. Aber schon Brugm&nns 
Zustimmung (Grd* P nachtn zu s, 202, Kurze vergl. Gramm. 
§ 145) ist nicht sehr fieudig, und unüberzeugt geblieben sind 
z. b. Osthoff Et, Parerga 260 ff-, Mikkola IF. XVI 95 ff. und, 
was besonders schmerzlich ist, Leskien in der letzten aufläge 
seines Handbuchs. Ostlioff führt ausser dem jetzt hoffentlich 
erledigten naUjas apr. tauto, lit lett. tauta *land, volk' als dem 
gesetz widersprechend an. Mit recht, normal müsste es lit. 
*c^iaiita heissen. Aber wer wollte mit Zuversicht behaupten, 
dass hier ablant ausgeschlossen ist? Kann tauta nicht *tötitä 
sein? Oder vielleicht "^tauta? Dann läge es neben got piudA 
genau wie tavgüg neben aish piorr 'stier* (Brugmann IF. VI^ 
98), die läge des accents im Germanischen (teutä) widerspricht 
nicht, da sie der kategorie der a-stamme im allgemeinen zu* 
kommt und in piuda mcht eine alte spezielle berecbtigang zu 
haben braucht. Schliesslich wäre auch noch ^u bedenken, oh i 
nicht tatita aus Heutä durch assimilation im Baltischen ent-l 
standen sein könnte. Die neigung zu einer angleichnng von " 
unbetontem ü an a ist unbestritten, freilich treffen die sonder- 
bedingungen, unter denen wäkaras tvasarä äst ctsewa apr. assaran 
entstanden sind, für tauta nicht zn* Auf dälia ^Stange' neben 



i 



H. iewy, Cech, kostd. 



255 



i^üOf pagälba neben pagelha 'hilfe' u. dergl. darf man sich 
üicht beriifeu, denn liier entstammt gewiss das e aJs das se- 
kmidäre zumeist dem danebenliegenden e-verbum. Übrigens 
ktate aucli das zweite t von *teutä erhaltend auf das erste 
^wirkt haben. Kurz, ich fühle mich durchaus berechtigt, 
Ma als gegenbeweis abzulehnen. Unbequem ist laükas 
'blässig': Itvnoq, aber deswegen künnen wir doch nicht blind 
'Jigegen sein, dass es limpsinti, abg. Ijtiba, lett, taudiSj abg. 
(ßdi etc, heisst. 

Mückola hat neuerdings IF. XVI, 95 ff. slav» ju Ut tau 
405 idg. 9u abgeleitet. Selbst wenn er mit einigen fUIlen 
recht hätte, würde daraus noch lange nicht folgen, dass eu 
nicht zu ju tau geführt hat, denn diese können ja einen 
doppelten oder dreifachen ursprnng haben. Was Mikkola bei- 
bringt, ist samt und sonders nicht eindeutig, unrichtig ist 
die glaichsetzung von stiaurps *nordwind' mit lat. caiirns, da 
pl ^murt^ einen langen diphthong erfordert, aach pmtju muss man 
*■ bei der grundform *pBuio belassen und froh sein, dass sich 
mt fitosston auf diese art mühelos erklärt, Slav. turs *stier'j 
ipr. tauri€ setzt Mikkola natürlich dem aisL piorr gleich. Ich 
irblicke darin gr. rav^^^g. nanUnam vä u nö dhiyaJ^ heisst es 
schon im ^greda, E. Zupitza* 



Cecli, kosteL 

Ztschn XXXIX, 545 nennt P. Kretschmer das öechische 
boäd „ürche" merkwürdig und glaubt, die bezeichnung beruhe 
doch wohl nur auf einer gewissen äusseren ähnlichkeit der 
^OD einer mauer umgebenen kirche mit einem schloss. 

Aber vielleicht hat es in Böhmen einstmals wirkliche 

lirchen bargen gegeben, wie deren in den siebenbtirgisch- 

Mehsiscben orten einst gegen BOO bestanden haben sollen und 

«och jetzt viele erhalten sind. Bei Bielz-Sigerus, Sieben- 

trgen (Heimannstadt 1903), s, 61 heisst es darüber i „dem 

iSedürfiiis entsprungen, sind sie schmucklos, aber fest, oft voll 

malerischen reizes und düsterer romautik» Immer bildet das 

tottesbans den mlttelpunkt des kastelies, doch ist dasselbe oft 



256 H. Lewy, Cech. koatd. 

äusserlich eher einer bastei, einer mit schiessscharten und em- 
lauf versehenen barg ähnlicher als einer Idrche. Hohe maaeni, 
mit türmen und bastionen bewehrt, schliessen die kirche ein. 
An der innersten maner waren kammem angebracht, in weldis 
die dorfbewohner beim nahen des feindes flohen, um oft wochen- 
und monatelang dort zu hausen. Die kinder erhielten wthrand 
dieser zeit im 'schulturm' Unterricht.^ 

Mttlhausen (Elsass), 6. april 1905. 

Heinrich Lewy. 



Verlng von C. liertelsmann in GBtenjIoli. 



r» 



le 



GescMclite der Philosophie 

im Örundriss. 

Kin üWraiclttliclier Blick in den Verlauf ihrer 
Entwickelung^ 

TOD 

Friedrich Clirlstopb Poett^ür» 

j^welti' weslülslifch verbesserte iuAaire. 

UiMiU A. Die gri&chiscbe Ptiflosopluf). L Feriod«. Vöit 

♦r».„i,^ I^U ^„ ^jßjj Soiihit^teii. — FL VerlfxJ«, Von SfikrÄte» hu zu Ari- 

ift- 1. Sokrftte« oud «^im Scliüler. ü, Pkto imd di** Akademie. 

Mird die Peri|>at<^tiker. — IJL ?*jiiodft, Die imchaniitotfl]- 

niP, — B. iMi» rn!iiorft, rr^r' und nuchJtatitiMtht 

Fbilotüfiti re* 1. IVrlnde. Di« vi»rkanti8che f'liilfVHoplu*^. A. IdoAHi- 

^r... N pr^t^trimim*. C. 8kepii:iömii8, — It Vmnde. Dia karttiRclK 

;^clie FtiiUi*tajihii^ K Kant» 2 Ffr.hie und n*>rlj»rt i^ 



THp Alrakkt d ctrji Konip^^udiiims ht^ in da*t Studium der Qegchickie 

rtphiÄ' üQti damit in düs Stadium dftr PhiltiHO|*lii/i ilberliaupl 

n^ Ks irtU Anleitung daxii grdiuif dli» Haupigedaüken der 

i*hilo*<j|>hcu mit tirieröoi Vftrstandßii* au erfassen» die Ein 

.1 derftdben zu dnrt:li«rhttut«u , und den Larmtiiiischcn Oang, 

r»! lieh d4« Kiuxcdm' /um Oati/eö iri'rbiudei , au prlcßnniin. 

• d<T VrrfaMtier Iti der That dureh muf klare 

HsrH t ellu iig^ widclit^^ wenn tili* üiich nicht 

iU ttiM den erslen (ju^llen geädiopfi int« sieb doch meist aitf dk 

^''* "».tiou stützt. Diu forüeweude zweite AimgÄhR, dea^n Iml- 

ncn nncb döf ejretefi för die Bniuehbarkrit d#!a nuiibei* 

intsstifr« r .. ittjrt. 

»fiariühe n 1 und 

*rt. Kndiirli ihr dan Werk» v»>lKtii,"s für Antttupwf be* 

. _i 'i dificu empfoblen w*;rd*sn dnrf, durch eine iubt^JJüriftch« 

über dtw nynort* Philonc»phie, »owii» dureb ein Aipbu belisch es 

if«r ferriilktAndigi worden. iI*bilf»ssopb. Mi^üiiL**bd'ie. XIX, ft»^ 



Dissertationen 



C. Kcilelsmann, ßuohdrnckerei, iilitci 



Die infliütive 
des Indischen und Iranisch« 

Ureter t4»II: 

Vf. FriiJT. iioirr. 



liu Vitrtjign von Ü. Bertehntänti in (jütc^rfsliih i^rMltia 
Bi, U. IWIejielert 

Dio deutsche Nationalität 

Kleinasiatischen Galä^ 

Ein Beitrug zur Geschichte der 
Gt'fmfinen. Kelten und Galater nnd ihrer Namj 

Die Christenverfolgungen der CäsS 

Ms zum 3. Jalirhundcrt 

historisch nnd ehrnoologisch nriter^ucht 

I M) ort Ji 




ZEHSCHKIl r 

VEUGLEICHENDE 
SPK A( FIFORSriTÜNO 

\IF ULM uKld^AL iH'.L 

L\n(H;RHMANISrHKN SPRArHEN. 

A- K H N, 

E. KÜHN nah W. SCHULZE« 

_ßAKl) XL, NEUE FOLGE BAND XX. 
DRITTES HEFT. 



GÜTERSLOH, 

Ct)KrrR rvn \^frt u. voüf a BERTELSMANN. 



»«^♦<li«o *<|it»c!»rTi bcttaJliiu, «rtlticn 



I n h a 1 1 . 

ihi^ nUkrkn prijteriuui} ' utAcheu. Von Blebard Loewi 

IHi* uumititt auf -tu. ^ .. .: .^t* Ebrln li 

lutiig* hHuerknogen *üiii ^ewegllel*#u *, Smd l*. tum i.«#» 
1 



Zur gefiilligen Beachtung* 



Xarli fiviiinlsrhaftlirheiii l^lfrn' ' • 
iüis.r Zeitsrhritt vuii Itanrt il iib . 

Vandenhot^pk & Kuprecht lu (iljttiüge 

mir gelietVrt. 



Die infinitive 
des Indisclieii und Iraniscl 

Erster teil: 

Die iiblativisib-geni^ivisehi^n im<l die acciisativigcben iol 

Prei» 2,4 't M 

»rlasr lon I « Bi^Halftuiiiiiit in Ufitfr^lntiT 



Dissertationen ^*^.r*",Ä, 

iiuiLiigc^iii Prem 
€• BertelBiiüiuii, ßuehdruckerei, IfliU^rHloü/ 

HienEU tjiiie Bi > n der Veilagsbuchljaudlimi^ Vanil 

& Kiipn^dit in tiOTiHi;;tn, welche fa-uiidlkher Umcl 

|*fülil<*ri wirtl. 



Indische etymologien. 



1. Ai. ^äma-. Dies woit kommt nur zweimal — RV. I, 
15; 33, 15 — vor. Erstere stelle i^ewährt einigermassen 
!b6r6n atüialt zur bestimmung^ des sinnes: 
liidro yfitö ^vasiiasya rajä 
rdmasya ca Qnginö väjrabäJmh. 
ser wort steht Mer im deatlichen gegensatz zu ^^x^gtn- 
'gehörnt\ Ludwig, BV, übers, n, 597 (?gl. V, 471) giebt 
es daher mit * hornlos' wieder. Ihm schliesst sich Ol den - 
bergf^ Religion des Veda 138 an: 'Indra ist könig von 
^em was geht und was zur rohe eingekehrt ist, vom un- 
gehörnten und von dem gehörnten/ Dazu passt es gut, 
dass an der letzteren stelle gamam v^mbhärii 'der hornlose, 
mit noch nicht voll ausgewachsenen h5mem versehene stier' 
TOD dem jungen, schwachen, in einer gefährlichen läge sich 
befindenden Bhujyü gebraucht wird (vgl Ludwig, I, 599; 
V, 472). — Boehtlingk, Sanskr.-wb. in kürz, Fass. Über- 
setzt pÄttta- mit 'gezähmt, domesticus', verbindet es also jnit 
\^myuti *rnhig werden' (vgL Säya^a 'gamasya ^antcmja^ etc*). 
Ladh Tb. Baunack, der das wort ausführlich bespricht 
L^KZ. XXXV, 527 f.), geht von der bed, *ruhig' ans; da er 
Aber die betreffenden stellen im ganzen auf dieselbe weise 
ie die genannten forscher auffasst, wiU er in den ge- 
gebenen fällen gama- als *den geschlechtlich noch nicht 
"reifen (stier) j mit noch nicht voll ausgewachsenen hörnern, 
dem die re^^hte kraft und neigung zum kämpfe noch fehlt' 
interpretiert wissen, wie er dementsprechend gi^gin- L c* als 
'den zu voller kraft herangewachsenen stier, der nach er- 
langter geschlechtlicher reife auch voll ausgewachsene hömer 
Bnd kraft und neigung hat^ sie zu gehrauchen' erklärt. 
Meines bedünkeus ist diese bedeutungsentwickelung eine recht 
äschraabte. und überhaupt Hesse sich der tbatsächliche 
f^brauch von gama' kaum ohne künstelei erklären, fiüls wir 

Z^lticljrtn rar TCTgt SprMhf, H. F. 3CX. a. 17 



258 



Evald Lid^n, 



von einer ursprünglichen bedeuttmg *rtiliig, gezähmt' oder 
ausgelien müssteo-*) 

Die sich besonders durch den gegensatz zu cr^ffhi- mii 
grosser Wahrscheinlichkeit ergebende bedeutuug 'iingehörni 
oder 'mit noch unausgewachsenen hörnern' wird meines ei 
achtens durch aasserindische beziehungen bestätigt, denn ^äm\ 
aus idg* *i(?mo- scheint verwandt mit lit zemait ssm-ul 
*ohne hömer' (G eitler, Lit Stud, 115), sem-ülis 
üim-ulti t *ein rind, ochs, knh ohne hftrner', lett. mafis m., 
müh f. 'ein ungehörntes stück rindvieh'* Das bisher Tet^ 
tiinzelte halt, wort ist offenbar uralt. Seiner form nach h 
es eine ableitung auf -lo- von einer basis "^fm-Ä-. 

Hieran knüpfe ich gi\ xf^aQ^ -ado^; f Hom, u. s* w* (hei 
späten dichtem xi^i^ia^) 'junger hirsch, im zweiten jähre» im 
alter zwischen fff^^d? und elö^Fo? (also mit nur wenig mP 
wickelten hörnern)' aus *l'eni-ad',^) wozu nach alter und 
allgemeiner annähme auch awnord. hind^ ae. hhid^ mndd. 
nndl. hinde^ ahd, hinta 'hirschkuh, hindin' aus urg, *At>ii^-, 
-iö-j idg. ^kem-t-l (Über ahd* hinna *ds,' s. Ehrismann, 
ZfdPh, XXXIJ, 527.)*) — Die wcibchen der zur hirschfamilie 
gehörigen thiere sind hornlos. Auf diese eigenschaft be- 
zieht sich preuss. glum-b-e *hindin' gegenüber ragingi» 
■hirsch', eig, *der gehörnte* (vgl ragis *horn'); ersteres gehört 
zu lit glkmas 'hornlos, von rindern^ schafen, ziehen', (ßimi^ 
m., gliimt t 'hornloses rind, schaf etc.* (vgl- Osthoff, EtyiD' 
Parerga 1, 296). Die vorgeschlagene erklärung von m^k 
und hindin wird durch diese unzweideutige bedeutungsparallele 
besondei-s nahe gelegt, — Bei solchem Ursprung versteht e» 
sich einfach, warum zu hindin kein verwandtes mascuIiuniD 



*) Offeubar uubofricdigead ist GrasBinaiiti*» üborsotzang (Eig-Ve^'» 
M, 11,34^36): \hE arbeitsame vieb and das ^(i|i5nite' I. 32. 15, '^^' 
stirke «tier' I, Sli« 15. Er zi<iht iäma- zu *;dmafi '^ich mühend 

*) Atta dem ßalt. ütammtn fimu mitliy Uv. mvl\ iftitotiV *ds/, ThomfBii* 
BerOr* meU. dö fin^ke og: de balt. Spro^, s. 22Gh Die liv. form sntouV hexettg^ 
fli@ drt^tige Vorhandensein des anlantendeTi spir. aueh im Lett. 

») Wach ühUnbeck, PBB. XXVI» 29© wäre ##ufti;- aua */#^«f-. 
idg-. *kevmt' umg-ebUdet — möglich, aber unnuthig. du divs saffis -d- m tincrt^ 
iiamon häati^ begerriict. vgl 2, h, Bn^^L% PBB. XH, 428 t 

*) AL {^ambüra- 'eine hirei'hart' Mbh. u. s, w* (uns fawi-m-?) mwi 
Wohl fem bleiben. Auch ^amana- *eiiie gazellcnart' Lei* klingt gewiss ; 
y.ufälll^ an. 



eiistiert; zu lat. cervm, das, wie anerkannt, mit corim, gr. 
iff'faf u* s. w. zusaminenbäDj^, muss das hm. ce}'va erst 
äekmdär gescbafieii sein (s. Osthoff a. a. o., s. 297), Das 
verwandte germ. henit- *hirsch', eig. *der gehörnte*, 
Eomplettiert sich dagegen, seinem Ursprünge ge- 
dIbs, mit dem fem. htndl-, ursprünglich 'die hörn- 
ose'* In eben derselben weise stehen prenss. ragingk und 
iimbe semasiologisch einander gegenüber. 

Von verschiedenen forschern sind zwei weitere Wörter 
oit germ. hinM- und gr. x#ji/dc zusammengebracht worden. 
Jejzenberger, BB* XXVII, 167 Terbindet damit preuss, 
föC.) camstian *schaf , das er auf *kemad-stlan oder *iemfld- 
rfia« zurüekflihrt* Semasiologisch liesse sich diese annähme 
ßt den obigen kombinationen wohl vereinen : die hörner des 
BUttarschafes sind gewöhnlich klein oder fehlen ganz.*) Von 
iriten der form aber ist das fr- statt s- auflaUend. Falls die 
deichung camHixan-hindin stichhaltig sein sollte, würde ersteres 
injrt sich den fällen nnregelmässiger yertretnug der idg. 
»alitale wie preuss. pecku *vieh' (ai. pägti)^ kuru-is *ochse' 
&IU zu lat. cervus^ ai. gfnga-), ackons 'grannen' (lat. actis, 
iigi') u. s. w. hinzugesellen.*) Meinestheils möchte ich das 
)r«uss. wort gan^ bei Seite lassen, theils wegen der abweichen- 
lea bedeutung, welche die fragliche gleichung nicht besonders 
tolenchtend macht, theils weil für camsUan andere ebenso 
Nirscheinliche kombinationen wohl möglich sind. 



P^ Dil prenss. safiRx -ft)stian, worüber Leskieiif Bild. d. Nora, im Lit. 
md MikkoU, Bdt. n. Slav. 9 {Finska Vet^^nsk-Soc. FOrhandl XLV, 
AB— 1903) handeln, bildet in dor regel deminutiv^ namon junger thiere^ 
^mmtian 'zicMein^ werstian 'kalb'. Kb igt dalier wahrBchoinlioh , duss 
BMHüm aiBprÜnglich das weiblk-he kmra, das jong-e mutterschaf be- 
«iebiMt Mt. 

*) [SchmeUer-FrommanD, Bayer, Wo rterb . 1 , 1 1 12 : hum m clhock, 
fimmdgmm 'bock* widdor, ziege ohne hOmer*. Cf* cech. kmioly 'sinmpf, 
%lltut£t'; kämt, komolyi 'keine b^mer habend'. Fletorinikf Sloveneko- 
nÜti idovar 1, 428 §. v. kmnöi 'bdmerlos' verweist auf das gleichbodeuteude 
Ml kom&lyj und ahd. hantal 'mutilW. Dazu jetat Hoops Waldbämne und 
nitiiqiflansien im germanisehen Altertum 638. ^ Zu dem tok Falk-Torp^ 
IpSdlogiak ordbog over det norske og det danske sprog I, 269 verzeichneten 
ia4. hammd darf man TieUokbt daran erinnern * da^s russ. kmith das 
el* ende eiBei bdkene« das wurzelende eines haareB. den be^enatier be- 
itel. — W. S,] 

17* 





260 



Erald UUn. 



Bugge, PBB. XII, 428 f, stellt den rora.-germ. nami 
der gemse mit gr. xt^ag, Uhlenbeck, PBB. XX, 299 | 
mit diesem and mit gerra* hindl zusammen. Was nun zuertl 
die deutsche benennung (ahd* gamua, gamicln^ mhd, gam 
gümeze) betrilft, kann sie ans sachlichen gründen scbwit| 
lieh altererbt sein, ,s. besonders Much, ZfdÄ, XLII, 167 i 
Schrader, Eeallex. 41 f-, 823 f^) Die gemse lebt in dsil 
Alpen, Pyrenäen und Earpathen, fem von dem alten v^ 
breituupgebiet der Germanen, andrerseits ist ihr romau. naii 
(it camoBia^ sp. camiiza gamiisa^ trz. chamois) unter der foi| 
camox bereits um das jähr 448 belegt^ s, Much a. a. j 
Das roman. wort — und mittelbar oder unmittelbar auch d^ 
germ. — muss irgend eine indogerm. oder fremde alpeai 
8prache zur quelle haben* j 

Falls dieser name der gemse überhaupt indogermaniscil 
ist, muss jedoch dessen Verwandtschaft mit der germ. b^ 
Zeichnung für das Weibchen des hirsehes offenbar frajj 
würdig sein* Die blosse möglichkeit, unter annähme von be: 
dentungswechselj mag zagegeben werden. 



2. Ai* palU t 'eine kleine bauseidechse^ (Eäjanigh, ett.i 
auch paÜika. In Uhlenbeck*s Etym. Wörterb- unerkl 

WahrscheinUch ist fmUi das fem. zu einem ^palJa-, mittel! 
ind. form für *padla-, *pudra- eig, 'fuss' oder *pädin-, mi 
fflssen versehen'* 

Die eidechse wird volksthümlich — und früher wol 
allgemein — zu den schlangen gezählt, aber im gegensatz ä 
diesen ist sie *die mit fllssen, beinen versehene'. Daran 
beruhen mehrere bezeichnungen des thieres, wie nschw* dia 
fW'fotüj nnorw. ßor-fetta^ fir-fot, dän. fir-ben ^eidechse, lacert 
agUis', wörtlich *vierfüss, vierbeiu\^) Lat, lacertu, lacertn 

)} Bagge's erklärang von gem^e vst »ach laatlieh unhaltbar. Tor] 
Bpro^l.-hist. Stucl. tüegfi. C. E. üngor (Christiaüia 1896), b. 188» Filt i 
Torp. Etym. Ordb. I, 221 v erlab den ea mit awnord. gimutrr^ nachw. gtm* 
'wiil(ler\ awnori). gymbr 'jim^es weiblichem ichaf u. a,, was freOich lantil' 
mriglicb ist aber zur forausBetzting hat, dasB die roman. benennung uns d^ 
Germ, tdaunmen mUtß, Ir. gabar, cymr. gafr 'ca|]erf capra' ist mit ^^ 
genannten w^irtem nicht Fenrandt^ & Wald«^ Lat, etym, Wb. 15 (su 
habina). 

•) Ygl auch Brngmann, IF. XV, 8, n. L 



Indb^the Etymologien- 



261 



ddechse' ist eigentUoh s. v. a. *die mit beinen versehene 
(schlänge) and gehört mit hc&**tm *oherarm, arm' zusammen, 
.'S. Lid (^n, PBB. XV, 51 H: das gruudwort Jacer^ hatte ur- 
sprüDglich eine weitere bedeutung, wie aus der Verwandtschaft 
DÜl awnord, leggr (nrg. *Jfljk-) *achienbein, die länglichen 
kochen der gliedmassen\ Imr (urg. *lahaz-) *oberscheiiker, 

rum. olokh *schienbein, bein* (Liden, Armen. Stud,, Goten- 
terg 1906) erhellt^) Gr, xtaltajfjg *eidechse' gehört nach 
Prell witz zu molov 'glied, bein'. 
Auf die existenz des vorausgesetzten ^paHu- führt, wie 
ich glaube, auch das Dhätupäthawort pallati gana 'gatäu\ — 
Beispiele von ai. U aus dl sind bekanntlich sehr häufig, 
s. Wacker nage 1, Altiud* Gr. I, § 195. Ich erinnere noch an 
l^h fpalli-f palUkü) 'kleines doif , insbes. eine ausiedelung 
i-üder stimme' neben padra- *dorf, (Uhlenbeck a. a. o,, 
ä*. 160 lässt es unerklärt und hält es für ein lehnwort aus 
einer nicht-arischen spräche.) — Vielleicht sind palla- m, 'ein 
pwaer behälter ftti^ feldfrüchte' (Caraka Sai|ih, u, s, w-) und 
p^i *ein best getreidemass* (Comm. zu Kätj. ^r.) mit awnord, 
M 'fess% ae, fwt, ahd. ftw 'fass, behälter. kästen' und lit* 
ßias *^topf veiivandt und aus klass. ai. *padra-^ -i zu er- 
Ulren; indessen ist wohl auch entstehuug aus pah-, püU 
^a pa* 'aufbewahren*, pa-tra- *behälter' möglich. 



3. Ai, jina- 'ein lederner sack' Mänav. Dharm. (nach 
KflUüka's Comm. - carmapitta); jila- m. 'schlauch* Gant. Dharm. 
Im Etym, Wörterbuch von Uhlenbeck sind die Wörter 
^cht erwähnt. 

Falls aus idg* *^i-?io-, *^i-io- entstanden, lassen sie sich 
^t air. l/ian^ bimin *a skin, a hide' (Kuno Meyer^ Contrib, 
^ It. Lei- 213), gäl. biafi 'a skin^ hide, pelt of wild animals' 
Äflß idg, *g^i'Uö' zusammenstellen. — Nach Macbain, An 
%m. Dict. of the Gael. Lang. 31 wäre das kelt. woii: mit 
*«r wnrzel *bhei- (asl bi-tl 'schlagen', ii\ hiail 'beil% nhd. 
"**^ etc.) und lat. findö^ nhd. beissen u. s. w. zu verbinden. 



^) Ulli en deck , Etym. Wk d. altind. Spr. 14 st^Ut, Kehr wenig Über- 
**«ir**rjcl, hwprta mit ai. alit^ardtt- 'watäserschlange', (üaganlu 'gütiger blut- 
"t*!' isyeaiiUD^ti. Anders Fick, Vgl Wk 1*, 539. 



262 



Evald Liden, 



4 ktpavgü' 4ahm an den fassen' MBk, YajÜ,, Paücai. 
n. s, w*; zigeun. pango^ woher serb* hangav ßagav) *lahiii, 
hinkend, clandiis*. Ulilenbeck, Etym, Wb. lässt das wort 
unerklärt. 

Von dem Wechsel sp- ^ p- abgesehen, ist das wort 
identisch mit liL spangiis 'schielen d\ *) wovon spangiji^ 'm 
schielender (in Südlit.); gewöhiJ. ein Schimpfwort, so v. a. 
halbblinder\ — Leskien, Ablaut d. WnrzeMlb. im Lit 345 
iiiiinnt zweifelnd Zusammenhang von spa^iggs mit lit spingSi 
*glänzen*, lett. &pftgut Ms/ u, s* w, an,^) 

Die nrsprungliche bedeutung der verglichenen Wörter ist 
*schief, krumm': vgL einerseits lit räiszas lalmv = 
gr, gütHoi; *krumm, gebogen, besonders mit einwärts ge* 
krümmten füasen\ (nxvoi; *krumni, gebogeii\ mnnd, imck (wTij-) 
'verbogen, verdreht' (Lid 6n, Ein balt*slav. Anlantgesetz 11 f); 
it. 7'anco *hinkend, lahm' aus gei-ra* ^türavka- zu nhd, veyrmknK 
ae, ummcan *drehen\ lit. reFigtis 'sich biegen, krümmen' 
(Lid^n a. a* o., s* 13); ai. kti^i- 'lahm am arm' zu gr.KvUk 
%rnmm. gekrümmt'; andrerseits nhd. sched^ schidm: ahi 
scelah 'schief, krumm, schräg; scheel' awnord. skidf 
*8chief, ächeer. It. strambo bedeutet sowohl 'schiefbeiüig' als 
*srhielsehend\ piemont. stranb *hinkend, lahm' (vgl lat. strM. 



5. Äi* ftrü- m. ^Schenkel, lende' RV. u. s. w, (üf^ 
Bhäg. Pur.), nrvl 'mitte des schenkeis oder eine dort Ir 
findliche hanptader' Sugr. 

Es gehört meines erachtens zusammen mit lat. vütui 
'auseinandergebogen j auswärts gebogen' {crnra Varro, conntü 
Oy.\ besonders von personen mit auswärts gebogenen schenket 
'dachsbeinig, ein grätschler, teckelchen' Plaut, Hör,, übertr* 
*divergiereuds entgegengesetzt' Hon ; davon der zuuame Vaff^' 
(neben Virne^) ; ^) mricus 'die füsse auseinandersperreni gräi- 

*) Die fonn spantfüs ist mir nur durch Solmaen beiJacobi, CooiF* 
ti, Nobeneatz b, 14 bekannt. 

*) So auch Zubity, BB. XYIIT. 252. Sokundär© »saijdatwa f^ 
dieaer wortgrnppe (vgl, ap-npang^ Verblendet', Zutat 7 &. a. 0.) ist «f^' 
kicht anzuerkenueu. 

^ Mit der besonderB in kurKUftmen häufigen gemmienmg, a. ZuT>it**' 
KZ. XXX\% 235; BrugraaTin. VergL Gr, P, 817 f.; Sommer, ^ '^ 
2Üß f i Hiiiidb. d. kt. Laut- u. Fürmenl. s. 290. 



Tndiscbe etymnlogimi. 



263 



ficbehid^ Ov*. Vitr., väricö 'die fiisse voneinander sperren, 
gritschelti' Vairo, Quint.; vära ^gabelförmige Stange, gabel, 
iiuerholz' Col^ Vitr. 

Zu gUBSten der vorgeschlagenen konibination ist besondere 
liervorzixheben, dass vams mit zubehör vorwiegend von den 
sehen kein gebraucht wird; der sonstige gebrauch macht 
deo eindruck, ein übertragener zu sein. Damit stimmt ai, firü- 
woU über ein. Es werden bekanntlich die bezeichnnngen für 
srhenkel, bein oder überhaupt für glieder des körpers mehr- 
fach von den begriffen * krümmen, sich biegen* her- 
I genommen; das klassische beispiel ist gr. ujefio^- 'schenker zu 
I mutig 'krumm, gebogen' , vgl nhd, schmkel, mhd. sehinke 
I *Ächeiikelj schinken', ne. shatik zu awnord. skakkr (aus *fikanka-) 
I ^seitwärts gebogen, schief, s. die Zusammenstellungen bei 
I Elirismann, PBB, XX, 52 f. und Lid#.n, BB. XXX 
L_(wo weitere literaturaachweise). 

^p Ich fasse vurus als idg. *uä-rö- und nm- als idg, *ii-rti- 
iilf; Suffix -ru- wie in ai. af-rie, gi\ t>ccx-(>i?, got> ai-ni-s hnh-ru-s; 
-nj-j ra- neben -rtt- wie in ai* a^-rä-m: ä{;'ru; gr. ix-^o-g: 
lit üsetrits; lit. smakrä: aL £mä^-ru- u. a* — Dass uä-^ ü- 
äIs wm-zel zu fassen ist, beweist die wahrscheinliche ver- 
waadtschaft vod varm mit vätius *einwärts gebogen, krumm, 
von beinen', vätia *ein krummbeiniger', vätaa:^ *krumme oder 
^biefe füsse habend' (Persson, Wurzelerweit. 67, 174), 

Damit habe ich (BB. XXX) wiederum ahd. wado *aura, 
«ulfrago'j nbd. wade, awnord* vodui^ aschw, vajnvi 'dicker mnskel 
Sonders an beinen und armen' (urg, *ifa^yan-) verbunden. 
Die beiden Zusammenstellungen värus — hth und vaihis vatax 
■^ tmde stützen einander gegenseitig formell und semasio- 
'ogisch. Das ihnen zu gründe liegende wnrzelelemeut wird 
ÄChmi proethnisch vorwiegend mit bezng auf Schenkel und 
*^henkelähnliche gegenstände (vgh lat* im^a ^gaber) gebraucht 
tarilen sein, 

* Ifit laL varti.^ u* s, w. steUt Perssou a, a. o. (vgl. 
Uppsalastudier tillegn, Sophus Bugge. s. 189) vielleicht richtig 
fett gf^-väri *(iuerstangen bei der egge' und ausserdem eine 
oienge von entfernter verwandten büdungen zusammen. 

Nach einer ansprechenden vermuthung von Froebde, 
ßß' VIIJj 1Ö3 f, stünde varns in Verbindung mit honi* nidtg 
«-te^ü/ ß 89, s* indessen Schulze. Quaest. ep* 471, n, 1* 



264 



Ev*ld UiUt\, 




Die scholieD zur gteUe, mit berutuüg auf Aristarch» m€hm 
in amgoi ejii ion* äprj, wgaifjf das 'xw^jj' bedeuten soll; t3(ii^-^^^ ^ 
ist thatsäcblich durch eine niiletische inschrift aus dem 3 
oder 4. jahrh. v. Chr. als ein gewisser theil des opferthiere* 
bezeugt, wird aber da vou xwXrj ausdrücklich uuterscMede^ ^-^^^ 

tS^jyO, B achtel, SamraL d. gr. Dial-Iuaclir, III, 633 l 
echeint in der that nichts dagegen zu sprechen, dass ägt^ odi 
fSoi7, falls aus ^/rngd* klg. ^m-rä-^ zu varm zu ziehen ist, 
lat. ÄiTra hat es schwerlich etwas zu schaffen, wie Becht 
a. a. 0. und Abb, d. Gott. Ges. 188T, s, 69, Prell wit^ z^ 
Etym. Wörterb. 43 vermnthen. 

Von ai. urtl- hat Johansson, IF, II, 26 eine andere 
Ursprungsdeutung in Yorschlag gebracht. Er st^Ut es m 
tat, tirimm 'krümmung des pfluges\ osk, imivii 'curv^a, flexa C^)\ 
ai* iircä* ^becken, behälter (?)* und zweifelnd ürdaru- et;wÄ 
*8cheffer, und er schliesst sie der wurzel u^- (in lit. verlu 
'öffnen und schliessen', lat aperiö u. s, w.) an. Uhlenbecl^ 
(Altind.) etym. Wb* 32 vergleicht üni' und ürva- mit lat» 
urimm, — Was aber zuerst uruum betrißt, ist es nach mehreren 
forschem vielmehr mit ai* v^jind- *krumm, falsch\ vjnäM* 
^drehen, wenden', gr. {^dfißm, lat, vergö u, a. zusammenzusteUeJi 
{aritiim ans *L*r^^o-), s, Froehde, KZ, XXIII, 312; Bß- 
XIV, 105; Brugmann, Vergl. Gr P, 599; Liden, Ein halt-' 
slav. Anlautgesetz s. 14 mit n. 4 u, a. Anders Pevssoi^t 
De origine etc* geruudii lat. 29 f., 129 f., dessen ausfuhmtift^ * 
aber mich nicht überzeugt habend) — Die bedeutung vt^* 
osk. uritvü ist ganz unsicher, s* zuletzt Bück, A Gramm^^^^ 
of Oscan and Umbr, 230, — Ai, ürvä' ist aus versclüedein? ^ 
gründen in jenen etymologischen Zusammenhang schwerütr--* 
anzubringen ■ über seine bedeutung handelt jetzt eiugeheu -^ 
Oldenberg, ZddmGes. LV, 316 ff,; ein et3miologischer ver^' 
such bei Schweizer, IF, X, 211 t — Mit nrdiirü' ist nicht::^-* 
anzufangen, * 

6. Ai* i'k^äla 'Aas fesselgelenk bei hufthieren, der fu^^ 
des pferdes von der hacke bis zum huf VS. XXV, 3. Dafi^*^ 

1) Unter den von ihm verglichenen wfirteni würde uruum begriflU ^"'^ 
ziemnch vcroinzoH sein, Sciiio Kweifel an der labiovelaren qnalität tles ff r*^^^' - 
tifjim-i Ci^rgö etc. dnii iiit'ht berechtigt, vgl. Verf. u. a. o. 




Indische etymologfien. 



26& 



jtet TS- V, 7, u achüä und ÄV. X^ 9, t% ixchärä (xchäm) 
er nach anderen hdschr. ftsära-^ alles prikritische formenj 
L an man im Album Kern (Leiden 1903), s, 302. 

Fick, Vgl Wb, l\ 119 steUt das wort zu üt rSszm 
1er resm) *fesst?lgelenk', aber wie ich (*Ein balt,-slav. Anlauts- 
m^tz\ s. 12, in Göteborgs Högskolas Irsskiift 1899) gezeigt 
L haben glaube, gehöil die^ zu ahd, nho (für "^tvnho) *sura» 
»ples, locus corrigiae\ mhd* rihe *rist des fusßes', nhd. reuten 
B.\ mndl. wrighe^ undL wreeg 'fussbiege\ ae» ttwist^ nschw- 
l^e ^fiissgelenky rist' (wurzel *yrei^- 'drehen'). — Uhlenbeck 
Utind.) Etym, Wb» 33, 242 denkt an Verwandtschaft mit 
,. rahaii »bewachen, hüten', gr, mXf^m 'schirmen, abwehren' 
. i. w*, was gegen die bedeutung verstösst. 

Als grundform setze ich für ffe?flZä ein idg. ^q-s-elü an 
Qd ziehe es zu russ. dial. äUt^*ikU 'talus' — awnord. hggr m. 
Lnterbein, länglicher knochen der beine und arme', langob* 
yi 'oberschenker (aus urg. *kjiz- n.), awnord. 1(B}\ aschw. 
ir n, 'Oberschenkel* (aus urg. Hahm- n.); — lat. lacer-tiis 
»Ijerarm, arm' — gr, «?.«^- n^x^'^ Hes. — air. less (aus 
^-etpa) 'hüfte, hanke'; — preuss. lagno *hosen' (statt *lukno^ 
kf. 'beiuMng') — lit. illektis *unterarm, elle\ alkun^^ etkmi^ 
sllenbogen^ ; asl lakfiti^ serb. läkat, russ* ISkoti (urslav. *oi/rf?fi) 
süenbogen, eile'. Über die ganze sippe handelt zuletzt vert, 
.nnen, Stud, (Gotenburg 1906) und BB. XXX, wo literatur- 
Achweise zusammengestellt sind. 

Nachdem ich (a. a. o.) dieser Wortsippe auch arm. olokh 
Schienbein, bein' angereiht habe, wäre sie also in fast sämmt- 
klien idg. sprachzweigen vertreten. 

Der präsuffixale worttheil (idg. ^Iq-s-) von xl^-älä ist die 
schwächste ablautstufe des s-stammes, welcher in awnord, 
'fSfgfr und Übt thatsächlich vorliegt, und welchen aueb air, Icss 
hftfte' und wahrscheinlich lat, hcus-ta hmoi'ta *heuschrecke j 
^e art seekrebs* (eig. 'schenkelthierclien\ s. verl, PBB. 
XTj 5! 6 f.) zur Voraussetzung haben. 

Rotenburg (Schweden), iin decc*mber 1905, 

Evald Lid^n. 




Das starke Präteritum des Germanisclien. 



In lueiuor Germanischen Sprachwissenschaft habe klM^,^^ 
zur erklärung wichtiger eigentümlichkeiteii des genuanischeM^,^^, 
starken Präteritums von den herkömmlieheti iheorien ahcijp;;^^ 
weichende ansichten aufgestellt, die uoch weiterer ausführunge.5ü^^g^ 
bedüifen. Wenn ich auch bei näherer betrachtung der hie^^^p^ 
vorliegeuden fragen in verschiedenen punkten zu ander^^ -^j^ 
resultaten als in meinem büchlem gelangt bin, so sind do«^ ,^^^ 
meine grundanschauungeii hier ganz dieselben wie dort ^^^e* 
blieben. Meine theorien betreffen sowohl den redupUkatio^^Rj^, 
Verlust im Urgernmnischen wie das Schicksal der gotisch ncrsfif 
reduplizierenden präterita im Westgermanischen und K ^r^ 
dischen. Da auch die ansii^ht besteht, dass es indogermanisch 
auch reduplikationslose perfekta gegeben hat, so gehe ich 
auch auf das idg. perfektum ein. Zuvor muss ich aber nocli 
einen punkt von prinzipieller bedeutung berühreuj die ira^e. 
wie weit aoristformen an der germanischen präteritalbildaiJ^ 
beteiligt sind. 



I, Aoristformen im germanißcheix Präteritum, 

Es ist von jeher ein beliebter aus weg zur erklärun^^ 
schwieriger germanischer präteritalformen gewesen, sie al^^ 
aoriste auszugeben: so hat Kluge, Germ, Koujug* 137 ahd -^ 
mr als echten aorist Joh. iSehmidt, KZ* 25, 600 ahd. sainm^^ 
als ^-aorist aufgefasst. Schon Zeitschr, d. Ver. f. Volkskunde!^ 
1, 60 habe ich Tiiieh gegen diese auftassnng gew^andt imi^^ 
prinzipiell betont, dass, wo eine formenkategorie untei^eht^-^ss* 
alle ihre einzelforiiien niituutergeheu müssen, so w*eil nicli^^ 
etwa einige von ihnen gegen die übrigen in irgend eine^^ 
w^eise isoliert sind. Eine solche isolieining lag allerdings vo^^ 
bei got. iddja und zwar nicht nur \vegen seiner von deic:^^^ 
gi^os der aoriste abweichenden bildnngsweise , sondern vo' 
allem auch wegen seines suppletiven Charakters, Da di- 
aoriste mit t-reduplikation idg. nicht hauäg waren und w 
langvokalisch anslautenden wurzeln idg. *dhedhüm der einzij 
gewesen ist, so ist es begreitlich, wenn auch dieser sich 






n 



Richard Loewe^ Das^starkß prÄtentum des Cennanbchen. 



gigs. dyde, afi. dedüf ahd. teta (und überhaupt im sdiwachen 
Präteritum) erhalten bat. Mit diesen beiden präteriten sind 
a^aeli die germ. erhaltenen reste einzelner verba erschöpft, 
und man darf nicht etwa die gegenteilige ansieht damit stützen, 
3ass im Italischen eine grosse anzahl verschiedenartiger aoriste 
in das perfektsystein aufgenommen worden sind; es ist viel- 
juehr eine besondere (wenn auch vielleicht nicht lösbare) 
Atifgalie, zu erfomchen, ans welchen gründen sich gerade 
diese aoriste erhallen haben. 

Nicht bestreiten lägst sich allerdings die ansiclit v, Fier- 
liugers vom aorislischen ui-sprunge der 2. sg, ind. prät, im 
Westgerm. Denn bei der früheren annähme Scherei^s, dass 
eine optativform in den Indikativ gedrungen wäi*e. Hesse es 
sieb nicht begreifen, warum die präteritopräsentia von dem 
ganzen akte verschont geblieben sind. Letzteres aber wird 
oline weiteres klar bei einer aoristforni, die, wo sie eine 
ihr bereits funktionell ganz entsprechende perfektform ver- 
drängte, doch eine präsentisch fungierende nicht ersetzen 
Iconnte* Wenn der echte aorist im Griech. und Ai. auch nur 
ym verhältnismässig wenigen thematischen verben vorkommt^ 
so kann er doch im Idg. noch weiter verbreitet gewesen sein, 
I ^hgesehen davon » dass doch recht gebräuchliche formen wie 
|T. itftyfjr, iXtnov hierhin gehören. Jedenfalls steht lüchts 
<äer annähme im wege, dass der echte aorist den mit ihm 
ganz gleichbedeutenden s-aorist in einer älteren periode des 
^erm., als das perfektum doil noch nicht aoristische be- 
detitung angenommen hatte, verdrängte: dann aber musste von 
j^dem verbnm ein echter aorist gebildet werden. Als der 
fichte aorist später selbst unterging, niussten natürlich alle 
^^ine formen untergehen, die nicht besonders geschützt waren* 
0er scbntz aber für die 2. sg, ind* aor. wurde dadurch ge 
^4hrt. dass dieselbe — allerdings erst nach dem Schwunde 
^^r perfektreduplikation — sich besser in das perfektsjstem 
j *Ih di*^ entsprechende peifektform selbst fügte, 
^^ Der grund für den Untergang der 2. sg, ind. perf. lag 
^'^ch Brugmann, Grundr* II, s. 1261 hauptsächlich in dem 
^Anstände, „dass der der personal endung vorausgehende stamm- 
P^^Messende konsonant so häutig verändert und dadurch die 
rTOrni hmtlich isoliert worden war." Brugmann vergleicht 
Jji^mit gr* ninopOug usw* mit -«; für -^a, wo durch dieselbe 




268 



l^ichard Leww©» 



Hisaehe zwar keine fonneTivemiiachimg, wohl aber eine ana- 
bgiebüdimg nach dem ;?-aorist hervorgerufen worden war: 
daher sind hier auch die präteritopräsentia fisfiova, smxa von 
der neuerang mitergrifFen worden, und nur das redupükatlons- 
lose ojV« stand den übrigen perfekten zü fern, um der ana- 
logiebildung initzuerliegen. Eine andere art von analogie- 
bildung^ die Brugmann hiermit noch zusammenstellt, ist lat, 
fuiudisU für HidusM. 

Zur bevorzugnng einer form auf -s könnte im 6erm_ 
allerdings auch noch der umstand mitgewirkt haben, dass ii 
der % sg, des schwachen Präteritums ueben dem optativische t^ 
~s auch ein indikativisches -5 stand. Über -£ für -$ habe ic^^li 

dem nichts hinzuzufügen, was ich Germ, Sprach wissenscha r 

145 gesagt habe* 



II. Die indogermanisclie perfaktreduplikatlon. 
L Ursprung der pert'ektreduplikatiou. 

Nach Brugmann, Kur-ze vgl, Gr, 11^ s. 543 hätte die to^? 
deutung des erreichten zustandes, welche das perfekt hatf 
nicht von der reduplikatiou abhängig zu sein brauchen, si 
dass allein eine anzahl eigenartiger personal endungen im iorf 
tig.^akt*, der a-vokalismus ebendaselbst und die pailizipial- 
büdung auf -ues das perfektum charakterisiert hätten» Doch 
können die diesen perfektformen auhatlienden besonderen kenn- 
zeichen, selb5it wenn das perfektum aus gar keinen anderen 
formen weiter bestanden hätte, schwerlich ausgereicht haben, 
die funktion dieses tempus gegenüber den anderen tempora 
genügend zum ausdrack zu bringen. Denn das partizip hatte 
ja gerade teils ^^-vokaliamus (im nom. sg, »lasc, nach Willi. 
Schnke, KZ. 27, 548 1), teils Schwundstufen vokalisnms wie 
andere präsentia. Und die speziell dem perfektum eigenen 
personalenduugen hatten weder unter sich noch mit dem 
partizip etwas gemeinsames* Die aktionsart des perfekts war 
aber idg. überhaupt eine so scharf ausgeprägte, dass es nicht 
gut denkbar erscheint, dasselbe habe überhaupt kein besonderes 
kennzeichen besessen: als solches bleibt dann aber wohl 
nur die e-reduplikation übrig. Ohne e-redupükation würde ja 
auch die mehrzahl der perfektformen vollständig mit den ent 
spredienden formen der reinen wurzelpräsenda zusammen 




*T)iks starke präterilmn <1ob Gemiani&ehe; 



ftllen. Allerdings gab es auch wurzelpräsentia mit ^redu- 
pllkation. Doch vermutet auch Brugmann, Grundn I, s. 941, 
dass diese erst nach den reinen wurzelpräsentia und denen 
iiüt i*reduplikation gebildet worden seien; noch eher aber 
keimte hier libergang aus der perfektflexion in die präsens- 
Aeiioo stattgefunden haben, nachdem die betreffenden perfekte 
r^ine prä^sensbedeutung angenommen hatten, wie wir ja eine 
solche besonders im Griechischen häufig finden. Auch ist die 
ssahl dieser ^Tirzelpräsentia mit e-redaplikation verhältnis- 
mässig gering und lassen sieb solche mit Sicherheit überhaupt 
^'ohl nur im Ai. nachweisen. 

Die teilweise Verschiedenheit der persanalendungen des 
Perfekts von denen der übrigen tempora wird so zu erklären 
Hein, dass die ausbildung des ersteren als eines besonderen 
tempus gerade zu einer zeit stattfand, in der ältere und 
Jüngere personalendungen mit einander im kämpfe lagen und 
daas dem bedUrlnis nach deutlicher tempusscheidang dann 
ÄUch durch Verteilung dieser endungen auf verschiedene tem- 
pora rechnung getragen wurde. Wahrscheinlich ist es dabei 
kein zufall, dass die Scheidung gerade in den gebräuchlichsten 
formen, d. h. im ind. sg. akt eingetreten ist: von hans aus 
^ber haben die personalendungen als ursprüngliche pronomina 
keine unterschiede des tempns oder der ^tionsart bezeichnen 
können. 

Möglich ^vird letzteres allerdings wohl bei den suffixen 
d^r partizipia gewesen sein: doch könnte auch hier die ver- 
teil nng von 'iit' und -ye§-, -uet- in dem streben nach dent- 
iicherer tempusscbeidung ihren grnnd gehabt haben. Aber selbst 
lö ersterem falle werden die partizipia auf -ues-, -u^h auch 
iiUr durch annähme der e? leduplikation in das perfektsjstem 
eingefügt worden sein, wie denn auch das Altindische und 
^--rriecliische ebenso gut im partizip wie in den übrigen formen 
<ies Perfekts reduplikation zeigen* Wo die reduplikation im 
Partizip fehlt, wird das wie bei anderen perfektformen auf 
jüngerer entwickelung beruhen. 

Der 9- Vokalismus des sg* ind. akt., der auf bestimmten 
l»etonungsverhältmsseu beruht, ist höchstwahrscheinlich erst 
in einer zeit entstanden, in der das perfektnra längst ein 
Selbständiges tempus geworden war* 



270 



Richard Loewe, 



im 
He 



^ 



Datur aber, dass die reduplikation zu einem t^mpuB- 
zeiehen werden kann, legen anch nichtmdogermanische sprachen 
Zeugnis ab. Von den beispielen, die Pott, Doppelung 205 ff. 

dafür beibringt, können allerdings das TscherokesiBche mid ^ 

tlas Tagalische deshalb weniger als parallelen znm Tndo* — ^ 
germanischen in betracht koninien, weil diese sprachen über-^ — ^*^ 
haEpt in den meisten ihi'er tempora reduplikation zeigen, .m^^j^ 
Noch weniger darf wohl tlie Kechua spräche in Fern, welch^^^-^ 
tue gleichzdtigkeit durch reduplikation ausdrückt, hier heran.«::^^^ 
gezogen werden. Zur bestimmung einer absoluten zeit uo 
zwar nur einer einzigen dient dagegen die reduplikation ii 
Formosanischen , wo sie iiis futurum kennzeichnet, Df 
bildungsweise dieser spräche zeigt auch äusserlich mit d* 
indogermanischen die grösste ähnlichkeit: das futurum koma 
hier dadurch zustande, dass vor die präsensform der- — ^g 
anfaugskousonant mit folgendem a tritt (e. b. cha chummaa:r^/to 
von chummmhoj pi pia von pia). • | 

Speziell ein Präteritum oder richtiger w^ohl sogar ^^m 
perfektuni durch reduplikation bilden einige verba der PiiBzia- 
spräche in Arizona. Pfefferkoni, Beschreibung der Landseli.Äft 
Sonora, Köln 179495, II, 258, woher Pott mittelbar gesch&i>^^ 
bat, nennt zwar das durch reduplikation gebüdete tempus de ^ 
Pirna allgiMBein Präteritum, giebt aber die bedeutung von atr * 
mumuhat (zu muhat „tOten") an als „ich habe getötet", di^^^ 
von aiii ffumiit (zu mdt „sehen") als „ich habe gesehen^. 
Den namen ^Präteritum" aber wendet derselbe s, 251 auch 
an auf fornieu, die durch anhängung von ta an das vor dem 
verbum stehende Personalpronomen gebildet werden wie anta 
^imaK apta simatj die er aber auch durch „ich habe gewnsst", 
^du hast gewussf* wiedergiebt (zn mnat „wissen", ani „ich", api 
„du"*). Ein anderes präterituin indess als dies bei den meisten 
Verben mit ta, bei einigen durch reduplikation gebüdete tempus ^ 
kennt Pfefferkorn überhaupt nicht. Sonst besitzen wir von -^ 
Pirna, aber von einem anderen dialekte desselben, noch das ^ 
von Buckin«rham Smith, New York 1862, herausgegebene ^% 
Oramniar of the Pirna or N^vam, das ein 1767 nach Spanien ^^ 
gebrachtes mannskript eines spanischen Jesuiten enthält- Hier ^^^^_ 
lautet nach s. 19 von (fi/uiarida ..contar^ das prasens ani 
hiiqniarida y,yo cuento^, das imperfektum ani fmqiiiarid cada 
^yo contaba*", das perfektum an V haqimri ^yo he contado**, 




Das starke prftteritant ^m Gennanif^üben, 



271 



p' V haquiari „tu has contado" usw.; reduplizierte formen 
eont das buch nicht Doch ist das perfektuni dieses dialekts 
it dem durch anta simat repräseiitieiteu Präteritum des 
dderen offenbar im gründe identisch. Bei der dE^rftigkdt 
on Pfefferkorns n achrichten ist es auch keineswegs au8- 
Bschlosseu, dass er ein auch in dem von ihm beobachteten 
ialekte noch existierendes Imperfektum der erwähnung nicht 
Ir wert gehalten hätte, so dass hier die von ihm durch 
enteche perfekta übersetzten reduplizierten formen ebenso 
de die mit ta gebildeten, die in dem anderen dialekt noch 
Is perfekta wiederkehren, auch nur erst perfekta gewesen 
raren oder wenigstens das Imperfektum nocli nicht ganz 
erdrängt gehabt hätten. Freilich bleibt der parallelismus 
Sit dem Indogermanischen auch, wenn den pimaisclien formen 
«s von Pfefferkorn beobachteten dialekts bereits allgemein 
Tätmtale bedeutung zuzuschreiben ist. Wir hätten dann hier 
a einer Indianersprache ganz dieselbe entwicklung wie in 

vielen indogermanischen, in denen das perfektnm auch 
«ristische bedeutung angenommen hat» Es ist auch, nach 
nalogie von Vorgängen in den indogermanischen sprachen zu 
cbUessen, nicht unwahrscheinlich, dass die in dem einen 
-iiüekte ganz verlorenen, in dem anderen nur bei dem kleineren 
eße der verba vorhandenen reduplikationsperfekta älter als 
iie durch Umschreibung gebildeten sind. Sicheres hierüber 
mri sich vielleicht einmal in einer vergleichenden grammatik 
ler sonorischen sprachen feststellen lassen. 

Es darf wohl an dieser stelle die erörterung der frage 
üdit übergangen werden, wieso überhaupt redüpükationsformen 
nir peifektbedeutung gekommen sind. Nach der bereits von 
3opp, Vgl* Gr.* § 515 autgestellten und besonders von Curtius, 
^erbum* II, 170 vertretenen ansieht wäre dieselbe aus der 
Btensivbedentung hervorgegangen, indem das perfektnm als 
Tpm des gewordenen, vollendeten im gegensatze zu dem 
^t im werden begriffenen durch die reduplikation einen 
tärkeren nachdruck erhalten hätte. Dem gegenüber ist jedoch 
^rmxt hinzuweisen, dass die im Arischen imd besonders 

1 Griechischen zahlreichen perfekta mit priisensbedeutuni^f 
Bißtens (oder vielleicht immer) keinen intensiven nebensinn 
Üjen. Wenn für das (griechische in manchen iallen aus dem 
isammenhange einer stelle heraus ein solcher iu sie hinein- 




272 



Richard liOetr«, 



interpretiert worden ist, so liesee sich doch das gewiss aueh 
oft genug bei wirklichen präsensformen machen. Bisweilen 
fallt freilich auch bei den perfektformen mit präsensbedeutuiig 
eine solche interpretation sehr schwer, wie denn Curtins. 
8. 176 selbst zugesteht, dass die intensive kraft von ßißQt^i^ 
an verschiedenen stellen, z. b, o 334 „weniger wahrnehmbar'**^ 
und dass der unterschied zwischen ninXfi^e und nXi^$si, »i^ijA ^ 
und d^alku überhaupt Jedenfalls ein geringer** ist. tjhe^^ r 
ßfßi^xu bemerkt er sogar s. 177: „freilich kommt die form o^a^ 
genug von menschen im gleichen sinne vor, ohne dass e^^n 
besonders rüstiges auftreten in den Zusammenhang pas^at. 
2, b. Z 435." In uywya lind ysyQitpd^ hat sich nach Cnrti^^is 
die intensive kraft überhaupt verwischt Ebensowenig at^^r 
wie fUr das Griechische ist ein intensiver gebrauch Aes 
perfekturas für das Ai, festzustellen* Selbst bei den „zeitlos^ 
stehendcD perfekten mit langem reduplikatiousvokaJ, lür welch e 
Delbrück, Synt Forsch* n, 102 f. intensive bedeutung ^m^- 
nimmt, muss er doch hinzusetzen: „wenigstens steht elji^^ 
solchen autfassnng nichts entgegen'' und von den gewöhnliche^ 
mit kurzem reduplikationsvokal giebt er s, 103 ff. Überhaöp^* 
mehr beispiele, bei denen „der intensive sinn entweder nie 
50 deutlich oder überhaupt nicht zu erkennen ist" als solcbe 
bei denen er intensiven sinn annimmt. Wo die handlung al^K^ 
„gegenwärtig** gedacht wird, tritt nach s. 105 überhaupt nu^^ 
selten intensive bedeutung hervor, und das einzige beispiei 
das er überhaupt hier für diese anführt, ist davidhäva, eini 
form mit wirklicher intensivreduplikation, Dass es aber über 
haupt nicht die gewöhnliche inteusiv-präsentische bedeutung- 
sein kann, aus der sich die perfektbedeutung entwickelt hat^ 
folgt aus den perfektischen personalendungen^ dem peifektischei 
partizipialsuffix, der perfektischen stamm abstufung, kurz aiu 
der rein perfektischen flexion der präsentisch fungierendeirr^ 
perfekta, durch die sie selbst von deu mit e-reduplikatioL 
versehenen präsentien scharf gesclüeden sind. Es ist das ii 
wesentlichen derselbe einwand, den schon EohlnianUf Übe -^^ 
die annähme eines perfektum iutensivum im Griechiscliei 
Programm von Salzwedel 1886, s.'a gegen die Bopp-Curtiu 
sehe theorie gemacht und dem sich auch Delbrück, Grundr, 
L72 t angeschlossen hat. 







Das stark© prätorituro dea Gennanischeji, 



273 



Kotilmantis positive aufstellungen erweisen sich freilich 
auch als unhaltbar. Dass, wie er s. B aasftihrt, das perfektimi 
seine reduplikation vom reduplizierteD aorist erhalteti haben 
.^oll, weil es den eintritt, den anfangspunkt eines zustandes 
ixiitenthalte , ist eine höchst gezwungene, unpsychologische 
^^rkJärong. Zudem würde das perfektum, wenn es sich wirk- 
lich an den aorist angelehnt hätte, doch sicher solche form an- 
t: m en von diesem erhalten haben, die sämmtüchen aoristen oder 
<3.<»ch sicher einer grösseren anzahl zukamen, als es die e- 
^«dnplikation war. Und obendrein kam doch die letztere auch 
i X31 präsens vor, von dem doch das perfektum nach Kolilraanii 
^5-«rade differenziert werden sollte. Was Delbrück betrifft, 
sto begnügt er sich, Grundr. 4^ s. 176 1, die präsentische be- 
«iM^ntung des perfekts für die ältere zu erklären und zu Butt- 
'MXMmns erklärung zurückzukehren, wonach dasselbe den ans 
«i^^ra vergangenen ereignis hervorgegangenen zustand be- 
^ «lehnet Er übersieht hierbei ganz die Inkonsequenz Bütt- 
^■^Kianns, der, um die bedeutung aller perfekta mit präsens- 
*:*€deutung zu erklären, von lidv^na „ich bin tot^, eigentlich 
^sp^jch bin gestorben" ausgeht, also von einem sekundären 
W> erfektpräsens, wie Cnrtius es nennt bei dem die materielle 
l:>edeutung von der seines präsens {^vfimo^ „ich sterbe") 
^.urchaus abweicht und aus der wirklich perfektisehen gerade 
^rst hervorgegangen ist. Weit zahlreicher sind aber im 
^Griechischen die primären perfektpräsentia , die wie attisch 
Ätiif^ftyK „ich schreie" neben y^ga^m ^ich schreie" in ihrer 
Bedeutung mit den formellen präsentien der gleichen verba 
S^nau übereinstimmen und wie uifjßlwsetn „ich gehe" neben 
Mtfiß^mxa „ich Mn gegangen** zu ßlcirrKm „ich gehe** von der 
"^Uich perfektischen bedeutung auf das schärfste abweichen. 
Auf diesen fundamentalen unterschied hat allerdings Curlius 
niit vollstem recht schon Tempora und modi 172 hingewiesen. 
Die brücke zwischen dem wirklich perfektischen und 
dem primär priisentischen sinne der perfekta kann kaum eine 
«ödere bedeutung gewesen sein als eine solche, welche die 
in der Vergangenheit volkogene handlung noch in die gegen- 
^ÄTt hineinreichen Hess. Wenn Brugmann, Kurze vgl. Gr. 
§ 636 homer. fiißVKB „er brüUt** mit „er ist ins brüllen ge*- 
•öiöijieii ojid ist nun im brüllen darin" übersetzt, so ist damit 
'*^chstwahnsciieinlich nicht nur der ältere sinn des wertes 



274 



Hichard Loewe, 



ei 



getroffen^ sondern dasselbe hat vielleicht in der that noch ii 
gegensatze zur präsensfoi ro diesen sinn in , homerischer zeii 
für den sprechenden gehabt, ohne dass wir das freilich irgend- .^^ 
wie nachweisen können, Brugmann bringt die beiden ver^:^^ 
schiedenen perfektbedentungen durch die annähme zusammen.:^ 
däss das perfektum einen zustand des snbjekts bezeichne^ de 
sich aus einer vorhergehenden handlang desselben ergeh- 
dass aber auch eine thätigkeit als zustand aufgefasst werd^ 
könne, Indess besteht doch gerade zwischen einer thätigk^^ ^y 
und einem zustande ein so scharfer gegensatz , dass m ^.^^^^ 
dieser hypotheae nicht ohne starken zweifei begegnen ka^^^^ 
Auch kann in den primären perfektpräsentien deshalb ni— .i^^^ 
wohl eine jüngere bedeutung vorliegeu, weil sie grösstent^^iir^ 
onr in den ältesten uns überkommenen Perioden der M^lg, 
iprachen, bei Homer und in den Veden, vorkommen und weä 
sie bei Homer weniger häufig mit s^ als ohne x gebildet siüd 
(Loebell, Quaestiones de perfecti Homerici forma et usu, 
Leipzig 1876, 58). 

Noch weit wichtiger aber ist, dass sich die grieehischB* 
primären perfektpräsentia ihrer stofflichen bedeutung iia(>* 
zum allergrössten teile in ganz bestimmte klassen einreihe!- ^*^ 
lassen. Nach Cnrtius, Verb,* n, 174 giebt es vier solch^^'^ 
klassen, erstens schallverba, zweitens verba des gesichts- un^^^^ 
geruchssinns, drittens verba der geberde, viertens verba de^— ^ J 
afiekts. Von schallverben allein finden sich acht perfekta mi ^*' 
präsensbedentung bei Homer (davon zwei in anderer foiit^^ 
auch im attischen drama), wozu noch das der attischen pros^^^ 
geläufige xm^äya^ das Aristophanische xixgtjÖT^g und da^^^^ 
Hesychische xt/Xrji4pa$' xf/of^rw kommen. Reduplikationsforme] 
von schallverben bilden aber ein seitenstück zu denen voi 



vogelnamen und den namen von musikinstrumenten, me si^ — jj 
nach Pott, Doppehing 51 ff', in den verschiedensten spräche*^ '*■ 
der erde vorkommen und ungemein zahlreich sind, NatürlicCT-^ 
kann die reduplikation in wörtem wie z, b, lat rtiadus, turtu^^^M 
tihila, ÜnÜnnälmhim nur die Wiederholung des tones bezeichu^^^*« 
haben. Hier haben wir also wirklich einen punkt, bei de^^*^ 
mch von einer noch vorhandenen bedeutung aus leicht eii^c^^ 
anknüpfung an eine der Urbedeutungen der reduplikation g^ ^" 
winnen lässt, wie dies hier anch schon durch Loebell, Qua*- ^' 
stiones 32 ff. geschehen ist. Curtius seihst vergleicht griechisc^W'^ 



1 




irke Präteritum des Germanis^^ 



reduplizierte präsentia wie ^iogfiv^ai^ idxl^axm, die aber aucli 
nicht intensiv, sondern gleichfalls iterativ zu verstehen sind* 
Was die hierhin gehörigen peifekta von verben des gesichts- 
Sinus betrifft wie SbSöoxe „sieht ans, blickt, leuchtet", xdXafine 
„leuchtet", so stehen diesen unter nomina die farhennamen 
nicht zu fern, welche nach Pott 86 ff. gleichfalls in sehr 
vielen sprachen mit rednplikatioo gebüdet werden, die dann 
ebenfalls iterativ das scMllern bezeichnen solh Curtius ver- 
gleicht hier die griechischen reduplizierten präsentia fia^uaigm 
„ flimmern ", natqiatiaat „blicke rasch umher" , nanjairta „sehe 
ojuher", denen aber auch keine intensive bedeutung zukommt^ 
sondern bei denen die iterative sogar aui das schärfste hervor- 
tritt; in diSrtQxe und kskuf^Tii ist diese wenigstens noch ebenso 
scharf wie in 6&väilXtn „sehe mich nach jemand um" aus- 
g-€prägt. Auch die verba des gemehssinns sowie besonders 
tue der geberde lassen sich leicht iterativ denken: besonders 
deutlich ist das auch noch bei Xelux^i'ag ^ züngelnd^ und 
j^motr^arai „sie flattern" zn sehen. 

Hat man also zur deutung der perfektfnnktion von dem 
"begriffe der wiederholten hajidlung anszugeheUj so kann das 
d<)ch nicht eine nur iu der gegen wart wiederholte gewesen 
sein, da sonst sowolil die formelle Scheidung der primären 
I>€rfektpräsentia vom präsens wie auch die entmcklung zur 
^wirklich perfektischen bedeutung unerkllLt'Iich wäre. Vielmehr 
'^^d man sich der erklärung Ficks, VgL Wk 4^ 12 aozu- 
schJiessen haben (nur dass für das beispiel ein anderes zu 
^«tzen ist): „besonders aber triffi die doppelung • * • die 
verbalstämme ... bei der bildnng der perfektthemeu, um das 
einfallen der handlung in zwei verschiedene zeiten zu be- 
^^ichnen, z. b. da-da heisst wohl ursprünglich: ich gab und 
^*^be, und so: ich habe gegeben." Allerdings wird die 
^öipfindung von der Verteilung auf zwei Zeiten hier auch nicht 
^sprünglich gewesen sein, da bei thematischen verben wegen 
Verschiedenen Übereinstimmungen in der einzelsprache wie 
tischen ai. sd-Sca4i und gr, i-crn«-ro bereits für das Idg. 
^ts vorkommen von ß-reduplikation anzunehmen ist. Auch 
^ttrfte die zur bildung verschiedener tempora verwandte e- 
^dnplikation älter als die nur präsentische i*reduplikation 
^in> welche letztere vielleicht erst nach dem aufkommen des 

18* 



276 



Richard Loewe, 



perfektums die intensiv und iterativ pr&sentischen formen 
deutlicher von diesem scheiden sollte. 

Wenn nun gerade hei den verben der sinneswahrnehmuagei 
sich zuei"st, wie es scheint, die empfindung gebildet hat, dasi 
die handlung sich auf Vergangenheit und gegenwart verteil^ 
so ist dabei wohl ein besonderer faktor mit im spiele gewese; 
Gerade mit den Sinnesempfindungen verbindet sich, besonder»— ^ 
fiir das kind, meistens ein lust- oder Schmerzgefühl, und d&^ ^ 
konnte der weg werden, um aus der zeitlosen vorsteUui^^^ 
die als solche der präsentischen am nächsten stand, ew-^^^' 
perfektische zu machen. Selir treffend bemerkt Wegen. .^; 
Grundfragen des Sprachlebens 14 vom perfektum: „die gai:^/^ 
schärfe der bedeutung dieses terapus wird nur im gefülilslebeij 
des menschen klar, wo die handlung als lust^ oder schme/z- 
gefühl im sprechenden noch fortdauert," Derselbe hat hiertin 
auch s. 15 den eigentlichen gegensatz des perfekts zum reioer^ 
Vergangenheitstempus, dem aorist, erkannt: „darum ist cü« 



( 




grammatisch ausgebildete form des aorists, nicht die di 
perfekts das rechte tempus fiir die kalte erinnerung des 
fahrenen ; dies ist der sogenannte aoristus gnomicus oder^ ' 
empiricus." Wegeners wolle beziehen sich allerdings nur auff^^ 
die eigentliche perfektbedeutung; doch treffen sie auch schoi 
auf die hier gekennzeichnete Vorstufe des idg, perfekts zu. 

Der bei den verben der Sinnesempfindungen entstandene 
typus konnte sich natürlich weiter verbreiten. Am früheste] 
haben sich ihm wohl die verba des affekts angeschlossen^ -* 
deren perfektformen im Griechischen (wie Sidta, ^alna^ T^r^^^^ ^^ 
nach Curüus» Verb.* n, 176 ausser denen von verben de^^^ 
schäUs, des gesichts- und des geruchssinns und der geberd<^»rJ 
unter den präsentisch fungierenden die einzigeil sind, di< 
ein« bestimmte bedeutungsklasse bilden: ihre rückkehr zu 
präsentischen bedeutung erklärt sich eben dadurch, dass si 
sich nicht weiter als die verba der Sinnesempfindungen vo 
dieser entfernt hatten. Gerade die verba des affekts konnte 
ja am leichtesten ein tempus bilden, bei dessen an wen dun. 
das lust- oder Schmerzgefühl des menschen sich besondei 
geltend machen musste. m 

Durch die verba des affekts wird damit die von de^*^ 
begleitenden lust* oder Schmerzgefühl in die perfektreduplikatic^^^ 
auch hineingetragene empfindung der Intensität verstärkt word^^ 



1 



g 




Das fstark«^ prateritam des Gemtaiusehti! 

sein* Doch ist der dem perfektum anhaftende inteasitätsbegriff 
höchstwahrscheinlich bei keinem einzigen yerbum (ausser viel- 
leicht, wo die reduplikationssilbe noch dehnung erfiihr) der 
der objektiven Intensität gewesen, der die stärke einer wahr- 
genommenen handluiig au und fttr sich bezeichnete: vielmehr 
haben wir es hier nur mit der subjektiven intensität, 
d- h. mit der starke des die wahrgenommene handlang be- 
gleitenden gefühls zu thnn. Diese subjektive intensität ist ja 
auch der grnnd für die redupli^ierung der idg,, im Ai. noch 
vorhandenen, desiderativa; wenn sich aber nach Zimraerj 
Kä. 30, 128 dies desideiativum im Air. zu einem futErum 
entwickelt hat, so wird man auch wohl das durch reduplikation 
gebildete formosanische futurum (vgl s, 270) ebenso zu be- 
mitteilen haben» Etwas analoges ist auch die doppelsetzung 
emphatisch gesprochener Wörter wohl in allen sprachen wie 
besonders des imperativs, %. b. in mhd. wariü wartf nhd. warte 
^^:^€irie^ komm komm. Auch die Wiederholung der negation zu 
^Jtijer eigenen Verstärkung (Pott 119 t) geböil hierhin. 

Bei den formen mit e-reduplikation von verben der sinnes- 
^inpfindungen hat man wohl arsprünglich , dem objektiven 
eindrucke gemäss, eine kleine pause zwischen den beiden 
^^rch die Wiederholung der wurzel gekennzeichneten sinn es- 
Eindrücken empfunden; doch hat sich vielleicht auch hier 
^tc;hon, zumal die reduplikationssilbe, den oder die nach dem 
^^"okal stehenden wurzelkonsonanten garnicht enthielt, das ge- 
f^hl einer ununterbrochenen handlang, die aus der vergangen- 
l^eit direkt in die gegen wart hineinreichte, gebildet. Sicher 
*iiusste eine solche empfindung entstehen, als sich auch die 
'^erba des affekts dieser hildungsweise anschlössen; erst diese 
'Verden das rauster zu weiteren büdungen dieser art abgegeben 
haben* Es konnten nun also auch gleichartige formen auf- 
itanimen mit bedeutungen wie etwa „ich bin gegangen und 
K«he noch", „ich habe gesucht und suche noch". Unmöglich 
aber waren diese sich auf zwei Zeiten erstreckenden perfekt a 
t^i verben punktueller bedeutung wie etwa ^kommen (ein- 
treffen), finden"* Nun lag doch aber ein „ich bin gekommen 
^fld bin jetzt hier'* einem „ich bin gegangen und gehe noch** 
*^er ein „ich habe gefunden und habe jetzt" einem „ich habe 
pÄucht und suche noch" nicht so fern, dass sich hier nicht 
ife verba mit punktueller bedeutung nach denen mit durativer 



278 



Bichard Loewe, 



^0 ^ 



ig 



Iiätteo richten können. Bei ersteren dauerte die wirkting ^^^t 
vergangenen haudlung in die gegenwart fort, bei letzte:^^^^ 
aber konnte doch auch die gegenwärtige handlung als e=^ij|^ 
wirknng der vergangenen aufgefasst werden: jedenfalls spi^^j^^ 
in beiden fallen der affekt eine besondere rolle. Auch mu^^^jg 
es der spräche recht gelegen kommen, für das so hä^^g^ 
gebranchte eigentliche perfektum wie für „ich bin gekomm^^^- 
„ich habe gefunden^ kurze, unumschriebene formen zu erhalf g^ 
Bezeichneten nun aber diese reduplikationsfomien bei den 
verben mit punktueller bedeutung eine vergangene hand/cß^ 
nebst dem sich daraus für die gegenwart ergebenden zustand, 
so konnten sie nun den entsprechenden sinn auch bei deo 
verben mit durativer bedeutung annehmen, so dass z. b. ein* 
form, die wie die vorform von gr, ^ifjtßlütuu „ich bin f^' 
gangen und gehe noch" bedeutete, auch den sinn ^ich bi^ 
gegangen und bin jetzt fort" erhalten konnte» Da die letzte*^ 
art der bedeutung bei allen verben möglich war und sie 
zudem ungemein häuüg gelegenbeit zu ihrer anwendung bo 
so wurde sie überhaupt die allgemeine. 

In solchen fallen, in denen sich das resultat der bandlan 
nicht am subjekt, sondern am objekt zeigt, wurde noch ir 
älteren Griechisch nicht das perfekt, sondern der aorist ge^et^^^^ 
z; b. in dem so überaus häufigen avidqnt^ „er hat ein weittÄ- 
geschenk aufgestellt, und es steht nun" (Wackemagel, Stuc^^ 
z. griech. Perf. 4 ff.); von der ursprünglichen perfektbedeutun^^Ji 
nach der die beiden handlungen gewissermassen eine einzi^^g^ 
linie darstellen müssen, ist natürlich derjenige verbalbegrfcnff 
noch weiter entfernt, der den an die stelle der zweiten han«^' 
luDg getretenen zustand sich nicht in unmittelbarster welui ^^ 
an die erste handlung anschliessen lässt. 

In den einzelsprachen hat die reine perfektbedeutucz^»? 
als die allgemein vorkommende und von der bedeutung A^ ^^^ 
präsensformen scharf geschiedene die perfektpräsentische fa-^^^^ 
überall verdrängt: die bei Homer noch verbreiteten primfiri^'^'^'^ 
perfektpräsentia sind attisch bis anf ^i^igaya verschwunde^^^'^^ 
und auf arischem Sprachgebiete sind bereits im Vedisch^ -*^^ 
ihre reste nicht sehr zahlreich. Ausserdem bestehen sie n,-^*ör 
im Germanischen in einigen präteritopräsentien fort, nel**^^^ 
denen die wirklichen präsentia untergegangen sind: hieröt^=^r 
weiteres unten. 





Das starke Präteritum des Gennaüifichen. 



279 



2, Gestalt der perfektreduplikation. 
Es ist die g^ewöhnliche ansieht, dass cUe perfektreduplikation 
der konsonantiscli aulautenden verba im Idg. von anfang an 
aas dem ersten wurzelkonsoiiaiiten + e bestanden hat. Ein 
^widersprach gegen diese hypotbese kann nur von den mit 
s + explosiva beginnenden verben üiren ausgangspunkt nehmen ^ 
da bei diesen fast allein in den einzclsprachen abweiehnngen 
vorkommen. In der that glanbe ich diesen widersprach erheben 
äu müssen, da mir der versuch Osthoffs, PBB. 8, 544 ff< den 
-t^ypus se-$t als nrsprünglich zu erweisen missglückt zn sein 
scheint. 

Die übereinsttmmnng zwischen Iranisch, Griechisch und 
keltisch, auf die sich Osthoff zunächst beruft, kann, falls sie 
Dicht überhaupt durch eine zufällig gleiche art von dissimilation 
«31 es typ US ste-st zu erklären ist, darauf beruhen, dass in allen 
^m sprachzweigen unabhängig von einander die sehr nahe 
li^nde analogiebildung nach dem allgemeinen typus $e-sr 
slÄitgefunden hat; natürlich kann auch in zweien der sprach- 
^weige eine dissimilation und in dem dritten eine analogie- 
bÜduDg oder in zweien eine analogiebildung und im dritten 
^ine dissimilation eingetreten sein. Wenn Osthoff ferner darauf 
^verweist, dass der präsenstypus n-st sieb nicht nur ii^anisch 
lind griechisch, sondern im gegensatze zur art der perfekt- 
Tedaplikation auch italisch und germanisch findet , so kann 
das doch so zusammen hängen, dass idg. sti-st zwar zu si-st 
«assimiliert wurde, ste-st aber unversehrt blieb, da das i ein 
2iisammen treffen mit vorbeigehendem s mehr als das weniger 
Mlatale e begünstigt haben wird; dazu kommt, dass zwischen 
idg. präsens und perfekt auch noch unterschiede in der be- 
tonung bestanden. Wenn dies richtig ist, so muss allerdings 
idg. *si-8ta-mi im Äi* umgebildet worden sein, sei es nun, 
dans es zunächst zu *sii'gta-mi wurde, das dann dem all- 
gemeinen dissimilationsgesetze des Ai. unterlag, oder dass 
direkt tU^hämi dafür eintrat. In beiden fällen ist der vor- 
Saog so zu denken, dass im AI. wegen der zahlreichen 
i^eduplizierten präsenüa das gefübl für die reduplikation auch 
m *d-gtämi lebendig geblieben war^ dass diese dann aber so 
gestaltet wurde, wie sie sonst (näralicb im perfektum) bei 
den mit *■ -f explosiva anlautenden wurzeln beschaffen war. 
I^h wäre auch bei si-st einzelsprachliche dissimilation aus 




I 



Bicfa&rd 

nti-st zom teil im gegensatze 2ur behandlung vm 
dem oben angegebenen gründe iiieht unmöglich. Übrigens ist 
für das Gennanische der typua sid durch das zweifelhafte 
ahd, sestöm keineswegs gesichert (Streitberg, Urg. Gr* s, 320). 

Nach Osthoff hätte sich der von ihm als idg, bezeichnete 
typus se-si durch angleichung des anlauts der reduplizierten 
form an den anlaut sämmtlicher reduplikationsloser derselben 
wnrzeisippe, besonders demselben verbalsystems, in stehst ver- 
wandelt, woraus dann in den einzelsprachen durch dissimUatioii 
t€'St (al. tmthau), ste-t (lat. sietl, umbr, diti), ste-a (ahd. steroi) 
entstanden wären. Nirgends aber gieht er eine aufklärmig 
darüber, was denn die Ursache der „tiefgreifenden bedeutuug'' 
gewesen ist, den ^die einzelsprachlichen abirrungen von dem 
typus se-st bei d*, sk-, s^p-wurzeln** erlangt haben, obwohl er M 
gelbst betont, dass bei anderen wurzelanlauten derartige ab- " 
weichungen „tiberall viel singuläreren Charakter^ tragen; was 
er später von letzteren nennt, bezieht sich überhaupt nur auf 
das Germanische und ist, wie ich am Schlüsse dieser arbeit 
zeigen werde, anders aufzufassen und auch besonders motivieri, 
Dass in so verschiedenen einzelsprachen gerade der typns 
se-st sich zum typus ste-d umgebildet haben, sonst aber fast 
stet^ bei zweikonsonantisch anlautenden wurzeln einkonso- 
nantischer anlaut gewahrt geblieben sein soll, ist völUg 
unglaublich. 

Man däif sich hiergegen auch nicht auf die germanische 
alliteration berufen, welche die anlaute st^ spf sk einkonso- 
nantischem anlaut gleichsetzt: wie nicht nur die einfachste^ 
phonetische anschau ung, sondern auch die griechische und^K 
lateinisdie prosodie sowie die lateinische betonung lehreu^^ . 
waren st^ sp, $k doppellaute, die stets posittonslänge wirkten^J 
Die gleichsetzung von anL st^ sp^ sk mit einfachen lauten ii — 3 
der germanischen alliterationsmetrik entsprang vielmehr, fall^H 
sie einheimischen ui Sprungs ist, erst der beobachtung, da 
in den reduplizierten perfekten st^ sp, sk einfachen konsonantei 
gleichgalten. Die perfektbUdung durch präfigierte reduplikatioi 
fiel ja derartig aus dem suffigierenden und sonst nirgend 
reduplizierenden grammatischen bau des Germanischen heraa^^^ 
dass sie die anfmerksamkeit auch des naiven beobachters aiz J 
sich lenken konnte. Es wäre möglich, dass überhaupt d^::- 
germanischen perfekta — und dann wohl, als sie sämmtlii 



I 



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>a« stArire prätoritimi <ie« €brmai«sch©n. 



S81 



flocii reduplikation hatten — den anstoss zum alliterations- 

prioeip gegeben hätten. Aber auch wenn letzteres auf andere 

weise entstanden war, konnte es sieh doch bei den dichtem 

mit denjenigen sprachlichen gebilden psychologisch Terknöpfen, 

welche eine solche Wiederholung des anlauts in sich selbst 

boten. Formen aber mit Wiederholung einer anlautenden 

doppelkonsonanzj wie sie noch iu got, staishiM^ skaiskaip vor* 

liegen, mussteu neben solchen mit wiederholtem einfachem 

konsonanteu jedenfalls auffallen und das gefühl wachrufen, 

als seien st, sk, sp mit einfachen lauten gleichwertig. Wenn 

nAch Windisch, Ber. d* Sachs« Gesellsch. d. Wissenseh. 36, 225 

a^mch in der altirischen alliterationspoesie sc nur mit sc 

^lUteriert (nur diese Verbindung von s + explosiva kommt 

©igeDÜich für das Ältirische in hetracht), trotzdem es hier im 

^«rfektum sesraing, i^escnifid heisst, so liegt hier entweder 

eiüe anlehnung an die angelsächsische poesie vor oder die 

^Jütarationsart stammt noch aus einer zeit her , in welcher 

tif^r typos ske-sk auch keltisch noch vorhanden war. Im 

lauteren falle wiltde allerdings höchstwahrscheinlich wie das 

Sanze alliterationsprinzip so auch die gleichsetzung von s + 

^:iplosiva mit einfachen konsonanten im Germanischen aus 

d«m Keltischen entlehnt sein, diese jedoch im Germanischen 

S€lbit an dem dort bestehenden perfekttyp us ske-sk, ste-st 

«üe neue stütze gefunden haben. Im übrigen würde, was 

^ben vom Germanisehen gesagt worden ist, auf das Keltische 

öb^rtragen werden müssen. 

Nach den vorangehenden ausführungen kann nur ste-d 

^*r idg. typus gewesen sein, der in den verschiedenen einzel- 

^Prachen verschieden dissimiliert wurde, gotisch aber noch 

^^hilten geblieben ist. Mit dem sonst überall geltenden typus 

^e-ÄT aber vereinigt sich ste-st durch die einfache an ti ahme, 

^&ss auch ersteres auf ein sre-sr zurückgeht, d, h. dass bereits 

*<%. der zweite konsonant der reduplikationssilbe, ausser wenn 

* selbst ein verschlusslaut uud der vorhergehende konsonant 

^Ä B war, dem dissimilationssch wunde unterlegen ist. Wo 

*Wei einander folgende silben mit gleichen konsonantengruppen 

^*Uauteten, musste ja dissimilationsschwund noch näher liegen, 

^Is da^ wo nur ihre ersten konsonanten einander gleich waren ; 

äoch kommen gleiche konsonantengruppen als einander folgende 

^tenaulaute fast nur bei redupükationsformen vor, so dass 




chard Loe 



282 



beispiele flir das verschwinden eines ihrer läute nicht allzu 
häufig sind: es gehören hierhio dissimilationen im Iranlechen 
wie abaktr. frap'aray&Ü neben fra-yrüfrütf^ti (Brogmanii, 
Grundn I*, § 981); besonders aber zeigt sich das deutlich 
gerade darin, dass der aus irgend einem gronde von der idg. 
dissimilation verschont gebliebene typus ste-st fast m allen 
idg- einzelspraehen doch diesem laulwandel nnterlegen iit 
Das idg, dissimilationsgesetz wirkte auch, wenn die gleichen 
Silbenanlaute durch i geschieden waren (vgl. gr. Tij^mm, 
fifvmnKm)^ und in diesem falle wahrscheinlich auch bei dem 
typus sti^Bt (vgl s. 279). 

Es wäre ja auch schwer denkbar^ dass gewisse reda- 
plikationen bei zweikonsonantischem wurzelanlaut ursprünglich 
dadurch zust^ndegekommen sein sollten, dass man auf den 
ersten konsonanten gleich den vokal, der den wurzelyokaA 
variierte oder ihm sogar glich, hätte folgen lassen, d* h. niitt©''^ 
aus der wurzel ein stück herausgerissen hätte. Wo ii^ 
reduplikation noch als ein natürliches mittel, die vorstcllu»- -* 
der Wiederholung oder Intensität jederzeit hervorzurufec:^^' 
empfunden wird, kann wohl der dem wurzelvokal folgend-^ 
konsonant^ schwerlich aber jemals einer der vorhergehende^ "" 
fortgelassen werden, wie man denn z. b. nhd. von der mter"^^' 
jektion smm ein m hru hrum, aber kein *m sa srum hüde* — 
könnte. 

Was die vokalisch anlautenden' verba betriffi, so kam* -^ 
doch wohl die richtigkeit der ansieht nicht zweifelhaft sein-rf^^*' 
dass die längung ihres wurzelvokals wie in ai. Ma, lat, edf^ -**' 
got. fr-f}t durch koutraktiou mit vorhergehendem rednplika^ 
torischem e entstanden ist; idg. ^Ha braucht auch nicht aui^ 
*e-oda, sondern kann auch schon aus dessen vorfonn *e-edm^^^ 
kontrahiert worden sein. Der vortritt des blossen e vor di^^-*^^^ 
vokaliscfi anlautenden verba nach dem muster der konsonantiscr-=^^ 
anlautenden reduplikation wiederholt sich nicht nur im gar^^ 
aiaih'f aiauJc, sondern hat auch noch eine weitere parallel^ ^'^ 
in dem erwähnten futurum des Formosanischen, wo bei koD 
sonantischem anlaut der erste konsonant mit folgendem a, 
vokalischem blosses a vor das präsens tritt: daher z. W^ ^* 
kakumpi von himpij papia von pia, mimmachol von umtmuA — ^^ 
(H, a V. d, GabelenU, ZDMG. 13, 88), 




Das starke prÄtoritnm des Gennaniichen, 

In die schwuDdstufigen perfektfornien des typus *Ma, in 

I denen idg, der lange vokal entweder zu <? geworden oder 

s<^ar ganz getilgt worden sein muas, wurde dieser vielleicht. 

deshalb aus dem sg. ind. akt. wiedereingeflilnt , weil er wohl 

' ^nch für das Sprachgefühl das wichtigste perfektischß kenn- 

I zeichen, die e-reduplikatiou, vertrat, die bei den konsonantisch 

: AQlantenden verben in den schwundstufigen formen unversehrt 

t geblieben war. Bei der am meisten verbreiteten wnrzel es 

j die auf die übrigen Wörter dieser art eingewirkt haben kann, 

[ fielen vielleicht sogar die schwundstufigeu perfektformen mit 

' ^^«Tirzelvokallosen schwundstufigen präsensformen zusammen^ 

im welchem falle eine analogiebildung in einem der beiden 

^t^mpora direkt notwendig wurde, im perfektum aber, das 

^Eonst in der reduplikation ein einheitliches kennzeichen hatte, 

ixäher lag. Änsserdem kann aber sehr wohl auch der durch 

3Li ättqSa, anqiima repräsentierte typus, dessen reduplikations- 

^ilbe in den schwundstufenformen unter denselben betonungs- 

^Verhältnissen wie in denen von konsonantisch anlautenden 

"Verben gestanden haben und deshalb von jeher unversehrt 

gehlieben sein wird, auf einführung des langen vokals in den 

'typas ai, ädim('fj lat. rdirnuitf got. fr-etum hingewirkt haben. 

Der in ai. äfiqSa^ ain t-änac erhaltene typus selbst sowie 

der durch gr. eiJjyJfo^ repräsentierte erklärt sich durch an- 

Uhnung des typus ai. tda an den in gr. iv-iy^^tv und dem 

ai. intensiv ar-ar^ati ^er strömt" bewahrten reduplikations- 

typus und somit ans dem streben, auch für das perfektnra 

eine deutliche reduplikation zu schaffen. So sehr empfand 

waa also gerade die reduplikation als das zeichen des perfekts, 

^*S8 man ihr iu verschiedenen solchen perfektformen, in denen 

8ie nicht mehr sichtbar war und sich die gewöhnliche konso- 

DAntisehe perfektreduplikation auch nicht durch analogie- 

bÜdungen voUstandig deutlich machen liess^ zur kontamination 

der vorhandenen perfektformen mit einer anderen art von 

reduplikation griff. Dieser prozess ist so merkwürdig, dass 

nitn die entstehung der typen aL anqh und gn iSri^wg mit 

einander in Zusammenhang zu bringen, also auch letzteren 

l^reits dem Idg, zuzuweisen haben wird. 



Bichard Loeve, 



3p Verlust der perfektredaplikation. 
A, Der typus al, vtäa, gr. oUa. 

Eine antwort darauf, wieso bereits idg, die perfe! 
reduplikatieQ verloren gehen konnte, hat Hirt, Der idg. Äbla^i 1^ 
194 ff* zu geben versucht, indem er (wie schon früher Jo^^j^ 
Schmidt und Osthoff) für gewisse fälle Schwund des red^gf^, 
plikationsvükals infolge von un beton th dt und dann verschiBelzn__jj 
des reduplikatiouskünöOüanten mit dem ihm gleichen aiilaut^^j^. 
den wurzelkonaonanten angenommeu hat. Doch ist die wCÄjf- 
scheinlichkeit dieser annähme schon wegen der menge ^et 
dazu für die verschiedeneQ einzelsprachen anzunehmen^eii J 
ausgleichungeu recht gering. Besonders unwahrscheinlich ^ber ■ 
wird die theorie durch diejenige form, die einzig mit sicherheii^ 
schon für das Idg. als reduplikationslos angesetzt werden dar^** 
durch *uöida, Dass in der letzten periode der idg. urspraeli^^^ 
*Uoida überhaupt kein muoida mehr neben sieh gehabt hab 
kann, folgt aus der iihereinstimmung des Ai. und des Griech^e 
in welchen sprachen sonst die perfektredupükation durchaus 
die regel ist Von den reduplikationslosen perfektformen, die^ 
sich vereinzelt ai* und griech, finden, lässt sich auch kelu. 
einziger als idg. nachweisen, da sich liier nirgends zwischen.-*^ 
beiden sprachen eine Übereinstimmung wie bei v6da und oiSa ^^U 
zeigt. Nun hätte aber bei einem Verluste des e der redu- — ^ 
pUkationssilbe aus *ueuoidu nur *tiuöida werden können, undC*-^ 
dass *uoida hierfiir erst analogisch eingetreten wäre, hatt^^ t 




doch nur auf umwegen und nur nach dem vorbüde solchei*^^ 
reduplikationsloser formen geschehen können, deren vorhanden ^ 
sein für das Idg, überhaupt zweifelhaft ist, und die, wem 
sie schon damals existierten, schwerlich so wie *uoida 
gemein durchgedrungen waren. Ungleich einfacher ge<staltes^^t 
sich jedenfalls die ganze sachlsige, wenn man idg. *uoida ohu --ö 
irgendwelche analogiebildungen erklärt. m 

Eine solche erklärung bietet nun aber die annähme einef^^r 
haplologie, die trotz Grammont, La dissimüation coli-^*" 
sonantique J63 fussnote auch für anlautende silben mögüc^r^^li 
ist. Allerdings sind die von Karoline Michaelis, Komaniscfc-^^ 
Wortschöpfung 17 f. dafür angeführten beispiele nicht b^ ^' 
weisend, da nach Grammont im Eomanischen überhaupt häu^^3? 
vortonige anfangssilben wegfallen, ein Vorgang, den man wah...^»^'' 



i 



Das itarke pTfitentom des G«Tmaiiisebeii, 



185 



ffclteiiilicli als wortkürzang aufenfassen hat. Indess giebt hier 
C. Michaelis gerade fiir den wegfall bei gleichen silbeii anlauten 
Bo zahlreiche beispiele, dass sich wenigstens an einer mit- 
Wirkung eines haplologischen triebes auch für diese fälle kaum 
zweifeln läast. Eine wirkliche Iiaplologie liegt dagegen höchst- 
^'ahrscheinlieh in dem von 0. Michaelis mit frz. courge aus 
at eiicurbita verglichenen ai. earbhata (aus ""cacarbhata ?) vor, 
iJanz sichere beispiele fiir eine solche sind aber ngr, SdanfiU^ 
ttis agr. ^iSatj^aXog und ugr, tidfn auf Naxos, Cypern und 
rhasos aus atjodpxi (Hatzidakis, KZ, 33, 119)* Sicher ist aber 
Lüch agr, fii^tiv aus ßiopfivpftv - lal murmumre^ ahd. mut- 
murön auf haplologisehem wage entstanden. Höchst wahrscheinlich 
^t auch agr, ^m*vi aus "^(.invf^vvi (so Leo Meyer, VgL Gr* 1, 
it37, der nur *^ofo-ofv5 ansetzt) hierhin zu stellen; ein© Zu- 
sammensetzung mit üfi- fiir aipt- zu &Iq, wie sie de Saussure 
m. a. hier annehmen, kommt doch sonst nicht vor, während 
M»lche mit /loi^o; überaus zahlreich sind. 
■ Den besten beweis dafür, dass auch anlautende sUben 
Ki der haplologie betroffen werden können, bildet die that- 
Sache, dass sich beim fortfall solcher vor gleichem silbenanlaut 
Blea solche eigentümlichkeiten wie bei dem von inlautenden 
Silben iu gleicher Stellung finden. So bilden parallelen zu 
dem seltenen falle, dass wie in ai, manak aus mananäk der 
Vokal der vorderen von der haplologie betroffenen nicht an- 
lautenden sübe den sieg davonträgt (Brugraann, Grundr. I*, 
^858) j für den wortanlant ugr. kypr* xatv/n ^^^ aus na^ii 
H|^ iTOü, ngr. kret ^^irmlkaytat^fja ans *%i-KaTaXXufiul^(j} (Hatzi- 
*iÄfs a* a. 0*)* Auch beispiele dafür, dass die haplologie zwei 
iillkht benachbarte sUben triflft wie in ugr. kephallenisch 7?«^«- 
fft^uiv€tai aas napa^ivü -\- q^aivttai (Hatzldakis a. a. 0.) finden 
^ auch da, wo die erste der betreffenden sUben im Wort- 
en fang steht wie in ngr. ^mapti aus ftdaa -j' ^'^P*« (Hatzi* 
*ltüds a* a. o.), jixkivt aus xat axktv£ (Hatzidakis 120), ngr. 
Äoffjfdg ^kuhhirt" aus ßooßotfxog (G. Meyer, Griech. Gr.* § 302). 
Dass anfangssüben der haplologie unterliegen können, 
^igt sich endlich auch darin, dass sich solche Verluste hier 
&^itade in den seltenen fallen, in denen drei einander folgende 
^üben mit dem gleichen konsouanten anlauten, nachweisen 
^*sseß, weil sie hier natürlich besonders begünstigt war. So 
a^. Ta0t tifii^ior aus *T§iafT fipii^tov. Iu einer haplologie 




286 



Eiehard Lotwe, 



*TSTpa7if^aj woraus berei^ 
form hergeleitet hat: *^* 



bei drei einander folgenden gleichen sUbenanlauten hat mm 
oftenhar auch den grund dafür zu suchen, dass im Ai. die 
schon mit präsensreduplikation gebildeten verba im perfektum 
öfters keine reduplikation davon mehr aufweisen (vgL vivtä-m 
zu vi-vak-ti und andere beispiele bei Brugmann, Gnindr. 2, 
s. 121H). 

Durch haplologie schwinden, wie es scheint, wie im wort- 
iimereu so auch im wortanfang nur nichtbaupttonige gäben. 
Wenn attisch beim komiker Amphis taQ<jov für j^TTa^m er- 
scheint, so wird das gewiss nicht mehr auJ" indogermanische 
staramabstufung zurückgehen, die doch sonst bei diesem worte 
wie überhaupt meist im paradigma ausgeglichen worden war» 
sondern im gegensatze zu stetem T^Vr^^jf^-, zitTugot, tixtagui^ 
auf haplologischem Schwunde der unbetonten anfangssilbe be- 
ruhen, die freilich auch im genetiv nach diesen formen bai^^ 
wiederhergestellt wurde. Auch TQanet,a erklärt sich am d^' 
fachsten durch haplologie aus 
Curtius, Griech, Etym.-* 488 die 

T^aiTf^a eben nicht mehr „vierfuss*^, sondern ^ tisch** bedeutet>^' 
konnte es sich im gegensatze zu *r^axj^j *jgaxv)(Xo; us^^^- 
die an TdTtxQxog neu angelehnt wurden, erhalten (in Tafirr^ßloi^^^ 
aus *tft(£üj^fi6iHnv ist dann wegen des dreifachen aulauts 
erneute haplologie eingetreten; in dem im paradigma stehet* 
den tnagTfj ist auch hier die erste silbe wiederbergestel 
worden). Ebenso ist homen rgv^aUta „heim" wahrscheinlii 
mit Fick, Bezz. Beitr* I, 64 aus *Tfw(jv-tp<iXftu zu eiklMi 
wenn es daneben bei Homer rfT^aqui^po^ und t£t ^i^uL 
„mit vier schienen versehen*^ (als bei wort der xwi^, d 
helnis) heisst, so hat man hier den gleichen gegensatz 
zwischen rgum^u und TitQinfdo;. Auch nhd. [alter aus m. 
ftfalter wird hierhin zu stellen sein. Die gewöhnliche 
nähme, dass f\f alter einfach durch anlehnung an faltmi :r 
(alter geworden sei, hat wenig wahi-seheinlichkeit, da soi 
bei volksetymologischen unideutungen der unverstandene 
standteil nicht ganz weggelassen , sondern nur verständlip^ ^^^ 
gemaeht wird, wie das auch in bair. fmirfaUer, beifaltm-^^^ 
weifalter, Bwifalter^ pfeiffalter neben lautgeset^licbem feifalBf-^^ 
(Schmeller, Bair. Wb. 1, 716) geschehen ist Dagegen hat 
Verlegung des haupttons von der anfangssilbe auf eine schw( 
mittelsilbe parallelen in nhd. lebendig, foreüe, hornisse, schlan 



— li 



le 
id. 








Difl «t&rke präteiitum des Germanifichen. 



28t 



nd besonders in den mit ßfalter lautäholichen holünder und 
uchhoJder: doch kann bei der ton Verlegung auch der um- 
and mitgespielt haben, dass in fif alter der erste teil un- 
^rständüch» der zweite durch aulehnung an falten ver- 
ändiich schieu. 

Man wird daher auch zur erklärung des Verlustes von 
tdaplikatioussüheQ in erster ünie die haplologie heranziehen 
üssen. Es ist sogar leicht möglich, dass viele formen, die 
ch nur reduplitationslos rekonstruieren lassen, einmal redu- 
likatioo besessenj diese aber durch haplologie verloren haben.^) 
ei idg. *mida kann indess kein zweifei bestehen, dass es 
af ein *ueuöida zurückgeht 

Allerdings wird *ueuoida nicht die einzige idg, perfekt- 
irai gewesen sein, die von der haplologie betroffen wurde: 
och werden die übrigen formen dieser ait nach dem muster 
erer mit erhaltener redupükation diese wieder angenommen 
aben. Wenn "^uoida sich dieser analogiebüdnng durchaus 
nimgen bat, so hat das offenbar daran gelegen, dass es 
ereita idg, zu einem sekundären perfektpräseus, d, h. reinen 
T&sens mit veränderter bedeutung des wurzelhaften bestand- 
aili geworden war: denn, was jemand weiss, brancht der- 
elbe nicht immer gesehen, sondern kann es auch durch jeden 
diebigen anderen sinn wahrgenommen, ja auch durch hören- 
agen erfahren haben. Auch wenn man von einer anderen 
nffassung über den reduplikationsverlnst in *ueuoidaj z. b. 
OD deijenigen Hirts, ausgeht, wird man doch den gruiid fiu' 
lie abweichende richtung in der ausgleichung bei diesem 
forte daiin sehen müssen, dass es im gegensatze zu den 
»eriekten mit wirklicher perfektbedeutung und den primären 
i^ektprasentien , die beide prä^entia mit gleicher bedeutung 
kr Wurzel neben sich hatten , seihst als ein reines präsens 
anpfunden wurde und deshalb gerade das hauptkennzeichen 
1«! Perfekts nicht wieder erhielt. So bestätigt gerade das 



'] Ilflplologischcr seh wund künttte auch V]elfac|i bei kompoBitiE mit tin^ 
wntpm einsübjc^en ersten beßtandteil statt^eftinden haben; solche vor^aijf*'e 
^ioiieti iich aber erst recht kaam bemerkbar , da man sieli leicht Jer 
^^iichao}; hingeben kaim , als habe sich die durch den ersten begtandtcil 
tiemr^^tiifene bedenton^modilikatioa des zweiten aas diesem allein ent- 
^«It. Ohne dass ich hh jetzt bierfür beispiele anzuitlbren vonnagf mOchte 
^^ doch eimnal die aufmerksamkeit auf soldio mOgiichkeiton hijüeakea. 




288 

reduplikationslose "^uoidUf dass eben die reduplikation für das 
Sprachgefühl der lüdogermaneü selbst das wichtigste kenn^ 
sseicheii des perfektums war* 

Wo das Ai, und das Griechische — vom ai. typM scdim 
abgesehen — vereinzelt reduplikationslose perfektlomieQ auf- 
weisen, werden dieselben durchweg erst durch eiuzelspracldiche 
haplologfen entstanden sein* Auf eine solche erst im Grie- 
chischen selbst deutet so wahrscheinlich das nebeneinandar 
von homer, did^njui und Si/uTat aus *dfJf'/«rö( und diy^ff^ 
aus flifdByfifpnQj wo Schwund und erhaltung der ^edüpIikatiOB^ 
Silbe sich nach dem griechischen verbalbetonungsgesetze, nicht 
nach der idg. be tonung regeln. In formeu wie griech. ki- 
Tiviftai freilich können^ wenn diese annähme richtig ist, nur 
analogiebildungen nach solchen wie ^imifvyfjtivog aus i^tnxfi^ 
fthng enthalten sein. In dem Et. Magn. 458, 40 bezeugteEt 
der bauemsprache angehörigen d^vfif^t&yn; (Curtius, Verbura' t 
164), dagegen liegt wohl kaum schon eine analoglebildnng flach 
anderen verben vor, sondern es wird hier entweder die bapl^ 
logie noch vor eintritt der hauchdissimOation gewirkt babeü 
oder ti vor einer mit & beginnenden sübe weggefallen Ä 
weil & nichts anderes als t + A war. Im allgemeinen sifld 
indess die auf diese weise in altgriechischer zeit entstandeneu 
formen wieder der ausgleichuug zu gunaten derer mit reda- 
pUkation , die immer noch als das hauptcharakteristikum i^ 
perfekts empfanden wurde, erlegen. Nur ionisch und lesbiscli 
ist oixa nach niKa^ut-p aus "^fnixüLfifv (aus /f/QixafA^v) gegmüb%T 
attisch suiaa (aus /d/omn) durchgedrungen/) da die^ perfektttm 
gerade wie schon idg. *uoida nicht mehr als perfektum grefeti- 
über anderen formen desselben verbalstamnis empfunden 
werden konnte,*) 



^) Die übereiDsttmmung zwischen lotUEch und Leebisch Im gegeüs**^ 
tu dem mit dem lonisi^hen rerwandten Attischen erklirt dch hier iOi ^^^ 
nacbba rathalt der beiden ereteren di&Iokte. 

^) J^cheinbar umgelrebrt wie idg. *^inda und lon.'lesb. ohtt hit gfi«clL 
ütxiii/jrti „ich b«?sitzö". 4*^ ^^^^ darcb die nnumsehriebene bildung teii^** 
konjünktivä und Optativs anf das doutlicliBtc als perfekt prtseü& dokuiaenä*rt 
und zwar ein sekundäres perfektpräsens ist, zv, gunsten der redapüksiiö^ 
ansgeglichen. Doch wurde das durch dissimilationsschwund dea anlftoteDd* 
kousonaiit«n an steUe der perfekt rednpUkation g^retene #, das in 1^ 
media blieb, ao gut wrie diese als perfcktkcnnzeieben empfanden. ^^^' 
Bcheiulich war der digäimilatiun^chwijnd bei den mit xr aulautenden vM^ 



Das «tftHre präerittim des Gennaniscbeii. 



289 






Auch im Italischen sind vielleicht haplologische Verluste* 
TOD redapHkationssilheti für einzelne perfekta anzunehmen. 
So braucht x, b* ttdi fiir älteres tetidi nicht notwendig nach contuli 
(Sommer, Lat. Laut- und Formenlehre s. 595), sondern könnte 
Ättch nach tulwti aus tetulisti^ das durch haplologie nach ein- 
tritt des dreisilbengesetzes entstanden sein kann, geschaffen 
worden sein. Auch umbr. fakust neben osk. fefaettst ist viel- 
leicht nach fakurent ans einem *fefäkurent (wenn so betont) 
gebildet worden, 

B, Der typns ai* E^ima, lat. sedimiis, got. s^tum. 

Eine besondere Stellung unter den reduplikationslosen 
Jflrmen nimmt der durch ai. sHinui, lat* sedimm, got. s&tmn 
ref»rasentierte typus ein. Da die reduplikationslosen formen mit 
* ab ablaut für idg. e im Ai, wie im Germ, an stelle zu er- 
wartender reduplizierter schwundstufiger formen stehen» so 
tonnen sie trotz der scheinbaren Verschiedenheit ihres vokals 
Glicht von einander getrennt werden. Und zwar können die- 
s^ben, da die reduplikation hier verloren ist. die Schwund- 
stufe aber gedehnt, nur anf irgend einer Verschmelzung der 
^'edaplikationssilbe und schwundstuflgen Wurzelsilbe beruhen. 
Will man bestimmen, in welcher weise diese Verschmelzung 
^m sich gegangen ist» so wird man eben vor allem den 
Unterschied im vokal des Äi. und der centum-sprachen auf- 
IclÄreo müssen. Dieser unterschied aber wird dadurch nicht 
Viar, dass man völligen Schwund zuerst des wnrzel vokals und 
dann des anlautenden wurzelkonsonanten und zum ersatze 
**m weder für den einen oder für den anderen dehnung des 
r^dttplikations vokals annimmt. Zudem lässt sich der seh wund 
^€3 konsonanten auf diesem wege lautgesetzlich nicht recht- 
fertigen; speziell hätte auch die lantgruppe bA^ die hier bei 
ä«r aber drei idg. Sprachgebiete verbreiteten und sicher mit 
muster abgebenden form der wui-zel sed entstanden wäre, 



»di hinjfiger eingetreten als unterblieben (vieUeicht urspranglich von be- 
i^mu^arhältiüäseu nbbän^g'); ibnUch wie bei änderen mit zwei ger&usch- 
latrtiD bftgTiincnclen. Deshalb wird dann bei der grossen menge der ptrfekt» 
^t ^fw^hnliche form dnrch^dnmi^n sein , ant* dem difierenzierongstriebe 
it>er beiiD perfelctpräsens die geitenere (doch auch hier daneben noch «Vrj^^af): 
l*äeii£^ zeigt fi€k anch hier wie bei *y^ida and oixa eine formelle difTeren- 
'NOBg E wischen perfektnm nnd sekundärem perfektprtaens. 



290 



llichard Loawe, 



t 



nach aus weis z. b. von gr, o^h^ goU asts^ arm, ast sowie ¥oa 
lil Vt2dmj ahd., ags. /^e^f und besonders von dem zu dem- 
selben peifekttini gehörigen abaktr, optatiy haMyat erhalt^ii 
bleiben inüssen. 

Dagegen lösen sich die ftchwierigkeiten, wenn maa statt 
eines *i>'e-id-me ein ^se-s^d-me zw gvimde legt; gerade zwischeu 
2wei geräuscblanten läi^st sieb ja am ehesten blosse Tokai- 
reduktion anstatt vollständigen vokalschw^undes annehmen. 
Die idg, typen se-^d und se-sjd sind dabei ursprünglich wahr- 
scbeiulicb dadiircli geschieden gewesen, dass ersterer m 
vokalen (also besonders im Optativ), letzterer vor konsouanten 
statthatte. Aus einem *se-s&d-me aber konnte dnrch disBi- 
nülation des zweiten s gegen das erste se-ad^me entstehen: 
beispiele Mr den verlast eines silbenanlautenden vor vokat 
stehenden konsonanten durch dissimtlaiion gegen eben sokben 
konsonanten einer nachbai-silbe kommen ötlei's vor^ wie gr. 
dy^o/^ft aus äj'^j'ö/ftj kypr, dndX^xa y^dndy^toya^ (Hesych) acs 
aTtoki'Afixfi t arm, orkor ^kehle" aus *korkor neben ko-krd 
(Meillet, M6ra* de la soc. de ling. 8, 160), neubulg. agtm-tü 
„die lammer** aus abulg, agn(ita ta (Miklosich, VgL Gr IH*, 
180), lat, Cereälis aus ^Cef-eraUs (Osthotf, PBB. 8, 550), ngr- 
(auf Amorgos) laifre aus kakffrs (Hat^idakiSj KZ, 3S, 121) 
zeigen ; den scbwund eines von drei solchen konsonanten weist 
gr. UU^^ai ans ^XtAiXiifiui aul In den drei letzten ffiUea 
bandelt es sich wie in unserem um den verlast des letjtefl 
der gleichen konsonanten. Dass ein solcher lantwandel au 
und für sich überhaupt keineswegs so fern liegt, xeigt Ü^^ 
thatsache, dass er auch bei nicht benachbarten silben wie in 
gr* xvXtvvxioy „becherschrank'' aus *jivlixov/iüv vorkonuD^ 
(Bnigmann, Griech, Gn^ § 125). 

Dass dieser dissimilatoriscbe Schwund im allgeraeineD 
leichter in nichthaupttonigen als in baupttonigen süben ein- 
tritt, lehren altirisdie peifekt- und futurforuien, deren redii- 
plikationskonsonant im simplex nach ro erhalten bleibt, bei 
weiterem vortritt einer präpositiou aber schwindet: dabei 
z. bp ro fienascj aber arob-roinasc (Rieh* Schmidt, L F. 1, 43 f-^ 
So kann auch in *se-sBd'mS das zweite $ geschwunden, in 
*se-s6d-a aber gewahrt worden sein. In ^se^dme aber masste 
sich arisch das a regelrecht zu i entwickeln, während ßr 
die centum-sprachen die kontraktion des nebentonigen e ^ 



Das starke präteritom des Gerrnftnificheii, 



291 



im unbetonten ^ (das aUein a ergab) zu e am nächsten 

lag; also ai. s&dima gegenüber got. setum nnd lat, sMimm. 

Da bei wurzeln^ die aus geräuschlaut + e -j- geräusch- 

laut bestehen, neben dem durch ai- sEdimäj petimä und dem 

durch ai. paptimä repräsentierten typus ein idg* typus *pe- 

p&^me nicht mehr nachzuweisen ist, so scheint der dissiraUations- 
Schwund hier allgemein gewesen zu sein. Man wird demnach 
daa idg, dissimilationsgesetz vielleicht folgeiidermassen formu- 
lieren dürfen: „folgte auf einen anlautenden geräuschlaat + 
nebentonigem e derselbe geräuschlaut + unbetontem ^, so fiel 
der geräuschlaut an zweiter stelle aus," Sehr fragheh ist, 
f3b dem gleichen dissimüationsschwunde unter umständen auch 
ein Sonorlaut unterliegen konnte, weil dann vorausgesetzt 
werden müsste, dass sich ^ hier auch nach einem Sonorlaute 
Yor einem geräuschlaute erhalten hätte: got. tMimn (wozu 
Mch da,s air. medium ro midar) ginge dann Über "^mBd-me^ 

^me-od-mt auf ^me-mad-nit zuiück. Doch liegt hier viel wahr- 

^heinlicher eine analogiebildung vor, wie denn der weite be* 
reich des typus *sed-mv hauptsächlich durch analogiebildungen 
m erklären sein wird, die ächon im Idg. begonnen haben. 
Wir werden diese ausbreitung hier nur für das Germanische 

jieiter verfolgen. 

B III. Dar Verlust der perfektredupükation im 
^K 4 Germanischen. 

^^^1. Die perfekta mit präteritalbedeutung, 

^^V Ä, Allgemeines. 

V Die erste grössere Veränderung des germanischen per- 
fektums ist wahrschemlich die aosdehnung des idg. typus 
^ed-mS auf alle bis dahin reduplizierenden und zugleich 
^kshwundstufigen formen aller auf einfachen konsonanteu aus- 
gehenden verba der e-reihe gewesen. Der parallelismus, 
Welcher zwischen ^'sHimie und ^siesit^ume^ *hebtidunie usw, 
beatand, führte wahrschemlich oft da^u, neben *stesti^ipf 
bebudtp usw. auch ein *setip zu schafien, so dass der durch 
ai* paptimä repräsentierte typus im Germ, überhaupt ver- 
schwand. Aber ausser der internen analogiebildung tiat auch 
eine externe ein. Auf einer analogiebildung bendit es natür* 
lieh, wenn unter den auf einfachen konsonanteu schliessenden 



L 



19* 



292 



Ekb&rd Loewc, 



yerben aacli alle zweikonsonantisch aülautcnden wie 
imrikan den typus satum teilen. Aber auch forineti dii 
typus, die mit Sonorlaut beginüen wie got. fwatnm, sind eher? 

HDalogisch füs lautgesetzlich aut^sufassen (vgl, s, 291). Sieben 
ist dies für wurzeln , die auf Sonorlaut endigen, der Merj: 
sonantisch werden und danüt die beibehaltung eines vofi 
sich überflüssig machen konnte: lautgeset^Iicbe bildungen sinffi 
hier gr. fu^ainey = got* mnnwn, femer gr. yiya^uVf nftf^Mraij^ 
^iiaQ^tai U. a> I 

Wenn auch die ausbreitung des typus s&tum für einzebiq 
formen bereits in die idg. zeit, für andere, wie durch lal 
vBnimus = got. q^num sehr wahrscheinlich wird, wenigste] 
noch in die zeit der berühruog des Italischen mit dem öei 
manischen fällt, so ist doch eine aualogiewirkung im grossei 
massstabe hier erst im Germauischen erfolgt. Dass hier di 
ausnahmslos wirkende an a 1 g i e g e s e t ss des Germatiisehei 
bei keinem einzigen auf doppelkonsonanz schliessenden verbui 
durchgeführt wurde^ ist eins der besten beispiele dafür, wilj 
auch die analogiebildung durch lautliche faktoren in bestimmtd 
grenzen gebannt werden kann. Die ausdehnung auf doppel 
konsonantisch schliessende wurzeln ist deshalb unt^rbliebei 
um die entstehung überlanger sUben zu vermeiden; es hal 
also derselbe trieb, der sonst häufig positiv zur lautgesetzliche] 
kürzung langer vokale vor doppelkonsonanten geführt hal 
hier negativ die analogiegesetzliche durchführ ung erst-erer laui 
in gleicher steUung verhindert* Da das analogiegesetz aucl 
got. smhan getroffen hat, so liefert es auch den beweis daltii 
dass zur zeit seiner ausbreitung entweder h oder das noi 
unverschobene t' noch ein emfacher laut war; für die ai 
spräche des Iv im G-otischen besagt dieser umstand allei 
dings nichts. 

Wahrscheinlich erst nach vollständiger durchführung d 
besprochenen analogiegesetzes ist bei den meisten gerra* pedl 
fekten die reduplikationssilbe verloren gegangen, Gleichwofl 
kann dieser verhist unmöglich von dem für das sprachgefü^ 
allerdings reduptikationslosen typus setum herrühren* DecSJ 
nach pluralformen mit e? in der Wurzelsilbe hätten siugnls 
formen auch nur mit dem gleichen vokal gebildet werd- 
können, und zwar hätte das um so eher geschehen müssä 
als in urg. ^Ma^ *etume bereits ein hUufiges perfektum 




Das itftrke prätentam des Gennani stehen. 



293 



zugleich singularischeiD und pUiralischem e vorlag: ist docli 
auch lateinisch nach edimusj ädl zu sedimtis ein ssdi usw* 
gebildet, worden. Aber selbst wenn urg. '^setume ein *sesäta 
All *säla hätte umgestalten können , so wäre doch auch die 
Übertragung des reduplikationsverlastes auf die perfekta der 
fibrigen reihen nur auf umwegen möglich gewesen (?gL Holz, 
TJrg. geschlossenes e 21 t). Die annähme Bethges in Dieteis 
Xaut- und Fonnenlehre s. 360 n* 376, dass das pait, perf* 
^t., dessen altnordische reste auch bei den sonst germ. redu- 
plizierenden präteriten keine spur der reduplikation aufweisen, 
"von jeher diese nicht gehabt und daher bei den meisten 
"werben auch zur beseitigung derselben in den übrigen perfekt- 
formen beigetragen habe, scheitert, um von dem s. 269 geltend 
gemachten gründe abzusehen, an dem isolierten got. b^rusjö^, 
das die vokalstufe von bauranSf nicht die von bertim^ b&rjmi 
5Edgen müsste, wenn das part, perf, akt. reduplikationslos 
gewesen wäre. Unstatthaft würde hingegen auch eine be- 
xirfnng auf anorw. fnü-nomse sein, das nach Noreen, L F. IV, 
32ö sein o erst von nomenn erhalten hat. Auch aisL of-gangse^ 
cpkT'stadset aschwed, dogse und vielleicht auch aschwed. gmngse 
sind nach Noreen 324 t an andere verbalformen angelehnt: 
unter solchen umständen ist aber das gleiche auch bei aisl. 
heuBy Iiahcj äleikze gewiss nicht unwahrscheinlich (doch ist 
ßr diese auch noch eine andere erklärung möglich, w^oriiber 
Leiter unten). Bei den wenigen anderen Substantiven aber^ 
die teils wahrscheinlich, teils möglicherweise nach Noreen 
hierhin gehören, kann, soweit sie mrklich hierher zu stellen 
^nd, eine haplologie gewirkt haben» oder aber dieselben können 
^reits im Idg. zu Substantiven geworden sein, als sich das 
mnizip auf -ye;? noch nicht fest an das perfektum an* 
9säilüssen hatte und daher noch keine reduplikation besass; 
^afürhch kann auch für irgend ein wort die erstere» für ein 
Eitleres die letztere möglichkeit zutreffen* 

Auch aus einem schwnnde des vortonigen e lässt sich 
<äer verluM der reduplikationssilbe nicht erklären, da vor- 
eilige »üben im Urgerm. sonst überall gewahrt bleiben* Man 
ist hier eben deshalb noch nicht auf die richtige spur ge- 
lommen^ weil sich bei reduplikationsbildungen sonst nicht so 
I Miifig vorkommende lautfolgen einstellen^ die deshalb auch 
B •eilener wirkenden gesetzen unterliegen können. Hierhin gehört 



294 



Bieh&rd Loewef 



aber vor allem die hier schon mehrfach zur erklärung 
redupUkationsverlustes in einzelformen herangezogene haplologie. 
Die haplologie komoit nämlich nicht nur bei eiozelneD 
Wörtern, sondern auch bei ganzen formenkategorien von Ein 
beispiel dafür bietet, wie bereits Angermano, Die ErscheinuiigeD 
der Dissimilation im Grieehischenj Programm v* St Afra 1873, 
s. 6 erkannt hat, der verlast der reduplikationssilbe des aen- 
griech* part* perf. pass. (z. b, in ßaftfthvü^^ ypufifiivogy k^v^- 
fjtivogt küvüfiipog, ftu&fjftidpfig). Nach Hatzidakis^ Einleitung in 
die Nengr. Gr, 75 ist schon das Byzantinische vor dem 
10* jahrh. „voll von derartigen formen"^ die ^ich oftenbar aas 
der Volkssprache in die Schriftsprache eingeschlichen habett. 
Aber derselbe gelehrte ist im nnrecht, wenn er abweichend 
von Angermann diese fortlassung einer ausgleichung zuschreiblr 
durch welche der stamm des präsens und futurnms auch m 
das perfektum gedrungen wäre, und damit den verlast der 
reduplikation dem teilweisen des augments gleichsetzt. Den» 
es fehlt bei der reduplikation in der ganzen raittelgriecMscheB 
zeit ganz die umgekehrte, beim augment damals schon sehr 
hänfige erscheinung, dass sie auch in das präsens und fiitnniiD 
sowie in die verschiedenen modi der präterita eindrii^ 
(Hatzidakis 63 ff,). Das augment wurde höchstwahrscheinlicli 
zunächst vom Indikativ des aorists auch auf dessen übrife 
modi übertragen und dann das nebeneinander augmentierter 
und angmentloser fonnen weiter ausgedehnt. Beim perfektum, 
dessen modi gleichmässig sämmtlich entweder reduplikatioD 
oder einen ersatz dafür hatten, lag kein solcher anlass vor, 
und seine teilnähme an dieser ausgleichung hätte auch nur 
erst auf dem Umwege zustande kommen können, dass zuerst 
bei den verben, die f anstatt der reduplikation setzt en^ dies 
auch im perfektum weggebliehen wäre und dann erst nebeE 
den formen mit wirklicher reduplikation auch solche ohne 
diese gebildet worden wären. Die zahl derjenigen vokaÜscli 
anlautenden verba aberj bei denen anlautender präsensvokal 
und perfektvokal mittelgriechisch lautgesetzlich zusammeu- 
fielen, war viel zu gering^ als dass sie die grosse masse der 
übrigen verba nach sich ziehen konnte. Es bleibt daher ftr 
den Verlust der reduplikation im part. perf. pass. des Mitt«l* 
griechischen nur die erklärung, dass hier eine die ^an^e 
formenkategorie treffende haplologie stattgefunden hat. Er§t 




TH% stirke prStentttm des GernianjBelien, 



295 



oftch den auf diese weise verkui'ztaii formen sind auch kürzere 
fmmen fiir solche mit i^ eingetreten, ebenso da wo wie in 
wr fSaßifikPnQ reduplikations- und Wurzelsilbe mit verschiedenen 
konsonanten anlauteten. Man kann das lautgesetz dahin for- 
lainlieren, dass, wo ein woit mit konsonant + nichthaupttonigem 
^ anlautete, dem unmittelbar der gleiche konsonant als anlaut 
^iner zweiten nichthaupttonigen silbe folgte, die erste Silbe 
"^egfieL Weitere stützen fiir dies lautgesetz vermag ich freilich 
lüicht anzuführen, aber auch keine Wörter, die dagegen sprächen. 
^Aber selbst wenn noch wortformen unzweifelhaft volkstümlichen 
'«rBprungs gefunden werden sollten, die dem lantgesetze wider- 
ssprächen* so würde dies damit keineswegs gestürzt sein, da 
neben haplologisch entstandenen formen nuch die älteren noch 
^ine zeit lang fortzubestehen pflegen, wobei man es mit dem 
mitebenein ander von lento- und allegroforraen zu thun hat 
<3rugmann, Grundr. P, s, 859). Es brauchen dann beim aua- 
2™:leich die allegro formen nur bei einer bestimmten Wortklasse 
^mBgt zu haben. 

Durch eine solche die ganze formenkategorie treffende 
baplobgie ist offenbar auch der verlast der reduplikation im 
Ijart. perf. des Baltoslawischen (abulg. ^rttSj lit. kiHes gegen- 
über ai. rakitväs-) hervorgerufen worden* Mit Brngmann, , 
Kurze vgl Gr. 11, § 710 ist hier die durchführung der redu- 
plikatinnslosen formen schon für urbaltoslavisch zn halten, da 
fSer Untergang des perfekts gerade bis auf das partizip und 
die angliederung des letzteren an den aorist schwerlich ge- 
trennte akte des Baltischen und des Slawischen gewesen «ind^ 
der letztere akt aber den reduplikations Verlust bereits voraussetzt. 
Für das Germanische lässt sich das die perfektformen 
treffende haplologiegesetz dahin formulieren, dass^ wo ein 
iFort mit konsonant oder konsonantengrappe {s + tenuis) + 
Bichthanpttonigem e anlautete, dem der gleiche konsonant oder 
difi gleiche konsonant engruppe als anlaut dei' nächsten silbe 
f%ta, die erste silbe fortfiel. Doch ist der vertust der redn- 
pKkttionssilbe im Germ, kein durchgehender gewesen. Wie 
"lÄU längst erkannt hat, steht die reduplikation germ. im 
allgemeinen da, wo kein ablaut den unterschied des perfekts 
^m präaens kennzeichnete. Gerade aber dies nebeneinander 
^duplizierender formen bei den einen und redupükaticmsloser 
^i den andern verben findet in nichts besser als in einem 




ächar<i Loewe, 



einstigen gleichzeitigeii Vorhandensein von lento- und allegro- 
formen seine erkläruug* Beim ausgleich zwischen den läugerea 
und den kürzeren formen siegten dann meist die letzteren 
als die einfacheren, welche die durcli die Iiaplologie beseitigte 
Sprechschwierigkeit nicht von neuem boten. Wo jedoch der 
sg* perf* oder der pL perf. den gleichen tonvokal wie das 
präsens aufwies, genügten dem sprachgefiihl die verschiedenen 
personalendungen j die weder im praseus etwas einheitliclies 
gegenüber dem peifektum noch im perfektum etwas einheit- 
liches gegenüber dem präsens hatten, zur kennzeichnung des 
tempusuüterschiedes nicht, der doch durch die einheitliche 
peifektreduptikation auf das deutlichste zum ansdruck gebracht 
worden war: so gewannen hier wieder die älteren formen 
die Oberhand. Das ist doch gewiss auch an und für sich eine 
einfachere erklämng, als wenn mau annähme, dms idg. redu- J 
plizierte und reduplikationslose perfekta neben einander exi— ^^ 
stiert und von allen verben beide formationen sich viele jähr— -^ 
hunderte lang neben einander fortgeerbt hätten, bis endlich«::^ 
nachdem durch lautpruzesse bei einem teile der verba de^^ 
ablaut aufgehoben worden, eine ausgleichung zwischen dcs^^ 
doppelformen erfolgt wäre. 



I 



i 



B. Die einzelnen reihen, 
a) Die e- reihe* 

Nach dem gesetze der ausgleicbung mussten in der 
reihe die reduplikationslosen formen siegen. Nur weni ^^ e 
präterita dieser übergrossen klasse haben in umg8kehrt--^r 
richtnng ausgeglichen ♦ Es sind dies hauptsächlich, wie \^^ 
sonders aus aisl. htS zu schliessen ist, die vokatisch auslautenden 
wurzeln der ei^^reihe gewesen, die im präsens u aufweise ü> 
Im pL prät konnte hier leicht anstatt eines *be-btt-me n»..^*li 
dem vorbilde der grossen masse der verba ein *be-bu'H^m^ 
eintreten und dies zu *bebüme kontrahiert werden. Ist djS-^ 
richtig, dann war der zusaramenfall der vokale des pl pir^t- 
und des präs. gegeben, wodurch in erstereni die redüplikati<>D 
erhalten bleiben musste und infolgedessen auch im sg, pr"^*- 
wieder durchdringen konnte. 

Auch mit d^ vokalisch auslautenden wurzel der ei-r^ü^ 
sfcrl in ahd, scrian verhält es sich wohl ähnlich. Auf *^^ 
spriinglich reduplizierende präterita geht nämlich, wie i^^ 



I 




Dis Btarke prätcritom des Germinieclsen. 



297 



recht mehrfach angenommen wird and wie ich am Schlüsse 
dieser arbeit ausführen werde, auch der r-typus des Ahd* 
zurück- Auf diese weise lässt sich auch gerade der gegeusatz 
von ahd. screi und sairum begreifen. Im opt. nämlich kann 
hier *ske'skri'i' zu "^ske-skrl- kontrahiert , damit aber die 
Tokalische Scheidung vom präsens verloren gegangen und die 
reduplikatiou infolgedessen gewahrt geblieben sein. Da aber 
der opl. prät, in seinen ablautsverhältnissen sonst stets zum 
jjL ind. prät. stimmte, so behielt auch dieser die reduplikation, 
nicht aber der sg, prät. 

Bei konsonantisch auslautenden wurzeln sollte man er- 
lialtuug der reduplikation in den schwnndstufenformen bei 
Ain aoristpräsentieu erwarten. Doch ist hier fast allgemeiü 
4ie im sg. prät berechtigte reduplikationslose form auch im 
pl dnrchgedi*ungen , offenbar weil in ungleich mehr ganz 
gleichartigen prätentalbiltfungeu der pL so gut wie der sg. 
die reduplikation hatte verlieren müssen (daher z, b. ahd. 
«putTifitn nach band : hundum = sparn : spurnum). Doch scheint 
sich wenigstens in dem vereinzelten ahd. singular widarspinm 
tsrecalcitrauif* der rest einer aus dem pL stammenden redu- 
pUkcitionsform erhalten zu haben (Felix Uartmann in Dieters 
Laut- und Formenlehre s, 492). 

Nicht so leicht ist die erhaltung der reduplikation bei 
fitd, splwan in ^spirum (mhd, spiren) zu erklären, falls man 
hier nicht überhaupt eine analogiebildung nach srrmtm an- 
zunehmen hat. Es wäi^e indess denkbar, dass man zur 
^eatung von *s^inrum von der wurzelform spu als Schwund- 
stufe zu speu auszugehen hätte, wie sie, dem lat. .s^itö, griech. 
^tÄu) entsprechend, vielleicht im ahd. spfiunn (Tatian 192, 1) 
Vorliegt, das indes nach Braune ^ Ahd. Gr.^ § 331 ^ anm. 3 
Wegen ijespüen im Bamberger glauben (Mtillenhoff-Scberer, 
Denkm* 91, 49) vielleicht auch als spüwun zu fassen ist; eine 
^un&elforra spä liegt auch dem nl spnwen und dem aisL spyla 
2tt gründe. Lautete das präsens ^spü-ö^ der sg. präU "^spe- 
*l*dt|-a, der pL prät. "^spe-^pu-me^ so musste die reduplikation 
tili pL prät. erhalten bleiben, im sg. prät. aber schwinden. 

Sonst finden sich von konsonantisch auslautenden wurzeln 
»ier e-reihe präterita des typus mit ursprünglich erhaltener 
*^iip!ikation nur bei einigen verben der ai-klasse im Ags.j 
öie von Otto Uoffinann Fifjag bb zusammengestellt worden 



§d8 



Elchard Loewe, 



sind. In Wirklichkeit kommt freilich von diesen formen mt 
hSöf in betracht. Denn deoß Beow. 851 gehört, wenn ee 
wirklich ^färbte" bedeutet zu einem präsens *dmja« neben 
dSü^imi ^färben*^, dSa^ung, dmh. Auch bei onreod ^iiDbuit" 
(Cori). Gl. 1129) ist es nicht Kit^her, ob es wirklich zu hreodai^ 
„schmücken" und nicht vielmehr zn einem *readan hUm, 
fllrbenj tauchen" zu ziehen ist. Aber auch in ersterem falle 
käme die form nicht für alte erhaltnng der rednplikation in 
betraclit, da der aus dem reduplikationstypus im Weatgenn, 
umgebildete kontraktionstypns, me ich ausführen werde, bei 
den zweikonsonantisch anlautenden wurzeln erst auf aus- 
gleichungf beruht: danach könnte auch *hrSod nur analogia 
bildung nach hSaf sein. Eine solche analogiebildnng kann nar 
bei dem für breat „brach*' einmal vorkommenden breot (Beow, 
2931) vorliegen; doch wäre dieselbe wohl nicht sfustande- 
gekommen, wenn nicht das bedeutnngsverwandte knkp 
j,pflückte ab" (von hneapan) mitgewirkt hätte- Zu hneop selbst 
wird in Jmmpan das alte präsens trotz got. dishrdupan j,zer- 
reissen"^ aschwed. nj/tpa ^kneife" vorliegen, die eine vom 
ursprünglichen ph perf, ^hnnpume ausgehende gotonordMi* 
analogiebildnng nach der umfangreichen eti-klasse sein werden. 
Dass auch in heof die erbaltung der redupükatiou wen^* 
stens nicht allgemeingemianisch war, zeigt got. fnifmn. Man 
wird bei heof an eine einwirkung des bedeutungsverwandteü 
u'eop zu denken haben : doch kann nicht wohl ein schon be^ 
stehendes *hauf oder *heaf nach weop umgebildet worden 
sein, da ja dann gerade der sonst überall zwischen pris«P 
und wenigstens sg. prät. beim fehlen der reduplikation vor- 
handene Tokalunterschied aufgehoben worden wäre: vereiu^eto 
breot neben hreotmi ist ja erst nach dem muster von hhf 
und hSöfan (unter einwirkung von hneop) möglich geworden, 
und hat doch auch gerade die vokalgleicliheit von heöf mit 
heof an die nebenform heof de erzeugt. Auch bliebe es unMaTt 
weshalb eine einwirkung von mSpan gerade nur im präteritam 
stattgefunden haben sollte, wenn es dort nur noch *kauf oder 
ViSaf gelautet hätte : wohl aber konnte ein noch existierende 
*h€haufa durch einfluss von *ivewöpa seine nebenform *hmß 
verdrängen. Immerhin könnte es fraglich erscheinen, ob dB 
solcher einfluss stark genug war, die allgemeine m 
durchbrechen. Jedenfalls wird man es nicbt als i 




Dm Btsffkt Präteritum des GermmniBcbon. 



29d 



bcmchüen dürfen, dass bei dem siege von *hehaufa über 

^haufa noch eine empfindnng voo der Urbedeutung der redu- 

j^Iikatioa als eines mittels zur Iteration und zur verstärktmg 

niitgewirkt hat, d, h. dass man in *hehanfa „ich stiess klage- 

^^ne aus" die einzelneu töne und deren stärke in der silben- 

"^dederholung hindurchempfand. Ähnlich ist von säuimtlichen 

^griechischen perfektpräseutien , die ein wirkliches präsens in 

gleicher bedeutuug neben sich hatten, in der attischen umgangs- 

sqirache einzig xdxmtyn ^ich schreie"^ vielleicht direkt deshalb 

^sriialten geblieben, weil man in seiner silbenwiederholutig die 

stärke und die einzelnen töne des geschreia noch hindurch- 

^»mpfiinden haben kann. 

b) Die a-reihe. 

In der a-reihe haben die einkonsonantisch und die auf 
2wei geräuschlaute schliessenden präterita die meisten schwierig- 
Gleiten bereitet Da in sämmtlichen übrigen föUen des redu- 
l>likationsverIustes, d. h. in den verschiedenen Untergruppen 
der e-reihe der vokalunterschied zwischen sg- und pL prät. 
Ätreng aufrecht erhalten worden ist, so ist es nicht wahr* 
»Äeinlich, dass die vokalgleichheit zwischen sg* und pl, prät* 
fcei den verben der a-reihe mit atifgegebener redupUkation 
auf einer ausgleichung zwischen den verschiedenen numerls 
beruht Meine Germ. Sprachwissensch. 127 ausgesprochene 
Meinung, dass sich hier der sg. nach dem pL gerichtet hätte, 
i^ermag ich nicht aufrecht zu erhalten. Denn es würde 
^och wohli wenn die vokalisch anlautenden einkonsonantisch 
schliessenden präterita der a-reihe, got, ön, aisL 6k, ags, 61, 
l*ei denen sg. und pl. schon idg, den gleichen vokal zeigten, 
<^as muster für die konsonantisch anlautenden gleicher be- 
^chaffenheit abgegeben hätten, das in der Umgangssprache 
*Joch gewiss sehr häufige *et (ahd, (T^, aisl äf, ags. dt) den 
entsprechenden verben der e- reibe als muster gedient haben; 
«ausserdem ist es aber auch wegen ahd. iarj ianm von vorn- 
herein fraglich, ob nicht umgekehrt in ön usw. eine analogie- 
hildung nach den konsonantisch anlautenden verben vorliegt 
f^ür die ursprünglichkeit des sg, bei den konsonantisch an- 
lautenden verben spricht aber noch mehr das alleinige vor- 
liandensein von aisL ox neben dem doppelten pl. oxom und 
^^om: danach kann hier eben nur in 6xom eine analogie- 

IMdung vorliegen. 



300 



Bicliird Loewe, 



Was zUDäcbst den sg* perf, anlangt, so ist es docli \m 
gewiss das nächstliegende, mit den germanischen formen mkh 
anssergermanischen zu vergleichen, in denen sich thatsacblicb 
ein bestimmter parallelismus zu diesen zeigt. Ein solcher 
parallelismas besteht aber nach Joh. Schmidt, KZ* 25, 12 zu 
got, fara^ ßr in gr, ^öAaw, rd^fflu (don TddüXa% wenn man 
damit got. qimaj qam und gr. rgeq^uif tirtioqa vergleicht. Mag 
man auch über den Ursprung dieses parallelismus mimT 
meiuung sein als Schmidt, man wird doch über die thatsaclie 
nicht hinwegkommen^ dass hier in denjenigen beiden idg, 
sprachzweigen, die den ablaut am hesteu erhalten haben, eine 
Übereinstimmung hen^scht, die nicht leicht auf zufall bernheu 
kann. Griechische formen wie d^akXto neben perlektea wie 
Tf^jyJLa (dor. Te&äka) und derivaten wie i^td^jk^g, ^v&ijl^^ be- 
trachtet mau allerdings jetzt mit recht als schwundstufige 
Präsentia zu fl-wurzeln (so G. Meyer< Griech, Gr.* § 55T). 
Aber genau so wie s^iSr^ltjq, tv^fil^q zu ^aklm verhält sieb 
annrid-^Q ZU got, slmpja^ das also als ein schwundstu%ß 
präsens zu einer idg. wurzel skath anzusehen ist. Auch ^1. 
vada^ ags. vadan^ ahd. watan kann neben lat. vädö^ das imV 
als präsens schwerlich die dehnstufe darstellt, kaum andeiB 
denn als schwundstufenpräsens zu einer wurzel mit a a^f- 
gefasst werden (Streitberg, Urg. Gr. s. 293J, Auch andere 
Präsentia der germanischen sechsten ablautsreihe, bei denen 
wir die etymologie nicht kennen, mögen schwundstufenfonneT* ' 
von wurzeln der fl-reihe sein. Völlig sicher, dass eine wurzel 
mit idg. a zu gründe liegt, sind wir eigentlich hei keinem 
einzigen konsonantisch anlautenden verbum der sechsten ablautsrJ 
reihe: doch besteht wenigstens eine grosse wahrscheinlichK*^ 
bei ags. hladan (got. läoPan, ahd. hladmi)^ wozu als ^^ 
wandtes wort nur abulg. klada^ klasti „legen^ bekannt ^^\ 
während hei got. hafjan - lat. capere wegen griech. «ü1?tj7 *^^ 
bei got. skaban - lat. smbere wegen ÜL skfipti schon et"^^* 
mehr zweifei an der ursprünglichkeit des a als wurzelvol 
zulässig erscheint. Nichts ist aber verständlicher, als 
ursprüngliche «wurzeln wegen des Zusammenfalls ihres 
tischen a, gleichviel ob dies idg. a oder a war, mit ^^' 
präsentischen a aus idg. b der schwundstufigen präsentia ' 
£1 -wurzeln, da das präsens beherrschendes tempus war, 
perfektum gleichfalls den vokalismas dieser s-wurzelu 




DftS starke p rite ri tum d^s G^rmanisclieii^ 



301 






nahmen. Auch bei denjeuigen verben der german. sechsten 
aWautsreihe j die wie faran, fjraban yon urst^rtinglichen e- 
wurzeln koramen, ist ja der Übergang vom präsens htsr, wo 
gleichfalls a sich für ein idg. b der Schwundstufe einstellte, 
erfolgt. 

Ob hier in den germanischen perfekten mit ö älteres ö 
oder a vorliegt, ist wohl nicht zu entscheiden. Nach de Saussiire, 
i^yst, prim. 154 f, war die ursprüngliche flexi on von kiAffd-a 
vielleicht l. sg. Uläd^a, 3. sg. "^UXmde und bestehen reste des 
perfektischen ö von einer ^-wurzel noch in der. t^i^toy^iipot- 

ß^€ffi€Sv*jfidvt)i, zd^^^at* ze&i^iiiüTai (Hes.) VOn d^ayatf WObel er 

uatiirlich das m als aus dem sg. akt. entlehnt betrachtet. 
J^uch wenn der Vokalwechsel ursprünglich in der art, wie ihn 
de Saussure vermiitetj wirklich bestanden hat, wäre es doch 
^^enig wahrscheinlich, dass das Germanische ihm in der zeit, 
.»Is es idg. a in ü verwandelt, noch nicht beseitigt gehabt 
tiiite. Bei der im allgemeinen so strengen durchführung des 
Vokalwechsels zwischen präsens und perfekt im Germanischen 
^vird man dann aber dem germ. ö hier wohl eher ö als ä zu 
^nmde zu legen haben. 

Wenn die einkonsonantisch schliessenden a-wurzeln und 
•^-wurzeln mit präsentischem a der analogie der «-wurzeln 
mit gleichem a folgend im perfektum ö oder ä angenommen 
liabeii, so braucht diese analogiebildnng nicht vor den zwei- 
Icoßsonan tisch schliessenden wurzeln gleicher beschaffenheit 
lialt gemacht zu haben. Ob dies geschehen ist oder nicht, 
d«riiber ermöglichen uns die auf i, u? nas. oder liq. + kons, 
»chliessenden wurzeln dieser art, die den langen vokal wieder 
kfttzen mussten, allerdings kein urteil. Wohl aber zeigen hier 
^ die beiden hierhin gehörigen, auf zwei geräuschlante schliesseu- 
*leii verbalstämme des Gennanischen, tvahs und tvask (got,, ahd* 
*^olis, aisl. oXf ags» wSXf ahd*, ags. wösc^; got wahsjan gehört 
Mtauntlich als e-wnrzel zu griech, rif^os, ahd. ivascan als 
^'Wnrzel oder e-wurzel mit ursprünglich nur präsentischem sk 
^ got. watö, abg. vodaJ) Steht aber der lange vokal da, wo 
^ latitgesetzlich vor doppelkonsonanz erhalten bleiben musste, 



Klage, Et. WL. b. v. wachen hÜt die zns^mmengelidnglcdt Ton ahd. 
•*^«»faij mit ir. faiscimt kymr. g^a»§ii „drücke, prcaae" für ebeufio gut mdflich 
^ie die mit got. wolO; aUer Wahrscheinlichkeit nach hat sich ftber du von 



302 



Richard Loewe, 



SO wird man ihtt ursprünglich auch dort anzunehmeii haben, 
wo in gleicher Stellung seine kürzung später notwendig war. 

Ist für den sg, perf, der verba der sechsten ablantsreilie 
die dnrchtuhning der reduplikationslosen formen natüi*licb auä 
der Verschiedenheit des perfektvokals vom präseusvokal u 
erklären, so kann das gleiche doch nicht für den pl. perf, 
derselben verba gelten. Für diesen wäre wie in der e-reihe 
so auch in allen übrigen reihen Schwundstufe zu erwarteL, 
Die verba mit präsenlischem a stiminen nun aber mit denen 
mit präsentischem e auch darin überein, dass sie hier vor 
einkonsonantischem aiislaut langen vokal zeigen, Dasa #* 
grenze hier genau gezogen war wie in der e-reüie, lehrt ebea 
aisL ujsomf wo vor zwei geräuschlauten so wenig ö eingetretea 
ist wie B in ahd. vulitumf vluhtnm, ags. bnigdon, aisL iuUm 
usw. ; doch lag die analogiebütlung aisL oxom nach dem sg. k 
neben den zahlreichen perfekten mit ö im sg. und ö im pl 
ungemein nahe, so dass es eher zu verwundern ist, dass ml 
lixom überhaupt noch daneben existiert, als dass westgem. 
hier und bei wa^can die formen mit ö alleiuherrscheiid gt^ 
worden sind. Auch erklärt sich die heransreissnng von aisl> 
vaska aus seiner reihe durch Übergang in die schwache kon^ 
jugation (vaskada) kaum anders als durch das Vorhandensein 
der ungewöhnlichen flesion *6$k^ *uskom; vaa-a wird nur ebea 
seiner grösseren häufigkeit wegen nicht den gleichen we^ be- 
schritten haben. Nun verhält sich ja auch, wenn man dafi (* 
des pL perf. aus a entstanden sein lässt, dies a genau so 
zum a des präsens wie in der e reibe das e der ersteren fOT 
zum e der letzteren. Das analoglegesetz, welches das ^ w 
pL perl der verba mit e als präsensvokal seinen bereich aaf 
sämmtliche einkonsonaütisch schliessende wurzeln ansdeimen 
liess, hat also genau in derselben weise ein ä im pl. pert 
der verba mit a-präaens getroffen ; natürlich haben diese lormen 
mit ä so wenig wie die mit ^ reduplikation gehabt. 

Dafür, dass man in der that ein solches analogie|:esati 
auch fiir die a-reihe anzunehmen hat, zeugt auch noch ^ 
einmal belegte ags. form weoc, Sievers, der dieselbe Ags, Gr.* 



der wurad ^ad oder ^ed „waeser'' gebildete wort filr „waschen' uraprflBgl«* 
auch noch über andere idg-. sprachoD aJs das Germanische erstreckt, daiui 
aber keltisch ans der bedentung „ waschen'' die von ^ drücken, pressen* si^' 
wickelt. 




ke pr 



am des uemioBiscbeii. 



303 



§ 302, aom. 1 neben woc genannt, aber als zweifelhaft hm- 
gestellt hatte, hat sie Ags. Gr? überhaupt übergangen, wohl 
weil er sich ihr Vorhandensein in dieser verbalidasse nicht 
erklären konnte- So lange aber niemand gezeigt hat, wieso 
an der betreffenden stelle wme für woc verschrieben worden 
ist, wird man ersteres mit Kluge in Pauls Grundr* P, 437 
Ar echt zu halten haben. Ein weoc kann nun sehr wohl 
nach einem pL *iüeocon gebildet worden sein, der ganz regel- 
recht auf der reduplizierten schwundstnfigeu form *ye-;4ft-w/i 
von der wni^zel y^/t (idg. ya/;) beruht. Die form ist deshalb 
Dicht ohne weiteres durch eine reduplikationslose mit a als 
wnrzelvokal verdrängt worden, weil sich das zugehörige 
t>räseüä mit seinem «-snffix nicht in die proportioneUe analogie- 
bOdung *sakö: *sakme = *{ikabkö: *skabhme fugte. Erat später 
ergab sich auch ags. wtkmi nach imc wie gewiss auch erst 
später ahd. giwuögum nach *giwtioh {giwaoyj. Ags, weoc 
konnte deshalb zu *weoeon gebildet werden, weil, wo So im 
prät, vorkam, dies stets in beiden numeris zugleich erschien* 
Eine parallele zu *weo€ön bildete in der e-reihe der gleich- 
falls nur einmal belegte ags, pL prät, frugan (Sievers, 
Ags. ör.^ § 389, anm, 3, Streitberg, ürg. Gr. § 201), wo eben- 
falls bei n als präsenssuflix die alte schwundstufenform gegen- 
über got. frehumj aisl. frggom noch vorhanden ist; *friigoit 
vurde dann nach dem präsens zu ^frugnon (wie as. frugmtn) 
lungestaltet. 

Die ausbreituüg des <i-typus reicht in ihren anfangen 
gerade wie die des ^typus mindestens bis iii die zeit der 
berühmng zwischen Germanisch und Italisch zurück. Wenn 
Brogmann, Grundr* U, s, 1240 lat* scübi und got. sköf identisch 
*«tzt, so ist das dahin abzuändern, dass nui' die plnimle sca- 
Wmtt# und skobum identisch sind: lat, scabi ist erst nach 
^übimtu' gebildet worden wie südl nach sedimus nsw* (noch 
slat vheühaked für fedt). Dem a von seabimus steht unu 
ftbfr bei anderen a-präsentien ein b gegenüber, so in cBpimus^ 
f^cimtiSf i^cimuSf p&gimtis, fr^gimus. Nach Brugniann wäre 
freilich cifj}l erst nach fert - gr. id^r^xa gebildet worden. Aber 
gesehen davon, dass die Identität von fecl und e^xa doch 
Wohl nicht ganz über allen zweifei erhaben ist, hätte doch 
M einem nebeneinander von faciöf ßcimus und capiö, *cäpmu8 
^'fsteres weit leichter zu *facinms denn letzteres zu cBpitmis 



chard Loewe, 



umgestaltet werden können, da nach dem ausweise von fodio, 
födimus und wohl auch von fugm^ filgimns^ hwöf iammiiSf 
fundöf fildimnif sowie vincö^ vvnmus, Ii7iqu0f liquimus das 
Latein überhaupt dahin gestrebt hat, ein reduplikationsloses 
perfektum mit dehnung des präsensvokals zu schaffen und 
man wohl ilberliaupt eher eine gleiche vokal qualität von 
präaens und perfektum geschaflen als aufgehoben haben wird. 
Danach liegen also wohl in cQpimiLSj ßrimusj mitnus ältere 
formen vor als in seäbifmis. Auch als eine bildang des Idg. 
ist wohl c^pimm aus ^ke-Bp-mos aus *ke-k9p-mös wie sedimus 
aus "^se-ad-mos aus ^se-s^d^mos zu begreifen: smbimus aber 
dokumentiert sich schon durch seinen zweikonsonantischen 
aulautf der idg, in der Wurzelsilbe jedenfalls nicht völlig dnrcli 
dis!^imilation hatte schwinden können, als eine analogiebildung; 
dass scahö hier einen weg einschlagen konnte, den facio, capiö, 
iaeiö nicht mitmachten, lag daran , dass es als ein präsens 
auf '0- mit denen auf -io- nicht so eng zusammenhing, sowie 
dass die zu verdrängenden formen bei ihm einem andern typtu 
als bei faciö usw, angehörten. Nach Brugmann wäre wahr 
scheinlich auch fr&gimus ursprünglich, weil es got. br^kun 
von der wurzel hhreg entspräche, während p^gt erst uac~" h 
fregi gebildet worden sein soll. Aber zu fregimu.s hätte do<^=^ 
bei einem Übergang in die a-klasse nur ein präa. ^frag-^-rmö 
nach c^imns^ capit\ ßcimus^ faciö, i^cimns^ iaciö geschaff^^^n 
werden körmen: frangö ist offenbar erst nach pmigö weg^^n 
fre<jimus neben pr^gimus gebildet worden, wobei der begri ^- 
liche gegensatz von pangö und frangö, auf den Brugraa^^on 
hinweist, neben dem gleichen Wurzelausgange g gerade di^ se 
analogiebildung und damit den Übergang des verbums in «3ie . 
ei'klasse hervorgerufen hat. Seinem Ursprünge nach ist parm^m 
= got. fuha aus *fan^ö freilich, wie bekannt, ein verbum t3er 
^*reihe (vgl. lat. pagina, compäges, gr, ni^yvvftt): danach ist j 
auch in den langvokaJischen reihen im pl perf, zwischen z^^ei ■ 
geräuschlauten a für den langen vokal und dann natürlich " 
genau so wie bei den kurzvokajischen dissimilation und kon- 
traktion eingetreten Cpe-p^g-mös zu *pe-c7g-mö$j woraus yr^T- 
ital* *peg-m0s). 

Eine analogiebildung nach dem sg. kann wie got, wöhsf^^ 
KMch nur got. stöpiim sein. Der sg. stöp repräsentiert di& 




Das sisffke p ratet ti tum des Gemtanliehen. 



305 



am deu dental vermehrte gestalt der wurzel stäf deren lang^er 
rokal im präsens vor » + kons. v<*rkiirzt worden ist, 

AisL u:j:om geht zunächst auf *u^ihsuvie zurück, das über 
seine vorform *ueuuhsume wegen seines vom präsens ab- 
weicheoden wnrzelvokals gesiegt hat. Freilieb kann *ueU'U^istim€ 
sein zweitem u nur erst wieder den vollstufigen formen ent* 
leimt haben, also nur für wirklich schwundstufiges ^m-ult^-me 
eingetreten sein* Letssteres ist vielleicht auch noch in ags. 
ff'eaxon enthalten, zu dem dann der sg, wthx erst gebildet 
^worden w^äre ; doch lässt sich hier auch mit Sievers, Ags* Gn^ 
§ 392, anm, 5 sekundärer übertritt zur flexion der redu- 
plizierenden verba annehmen: dann ist weox der proporüon 
MMealdau: wea^t^mi - hmld: weox entsprungen. 

Bei den übrigen von Kluge in Pauls Grundr, P 437 

zusammen mit weoc und weöx genannten prateriten dieser 

i^eihe, die noch die reduplikation erhalten zu haben scheinet], 

liegen wohl sicher erst jüngere analogiebildnngen vor. So 

^tdit nach Sievers Ags, Gr.® § 392, anm. 4 westsächs. sp^aw 

flockte" für altwestsächs, spon; offenbar liegt in ersterem 

^ine Vermischung nüt speon „ spann te"^ von Auch hkod im 

IBeownlf ist wohl nur eine analogiebildung nach heoldy die 

clürch die lauiähnlichkeit von hladan mit healdan verursacht 

^\örden sein kann* Ebenso ist vereinzeltes ahd. kihliad wohl 

xiaeh hlalt wegen der lautähnlicbkeit von hlüthan und haldan 

KfMldet worden; doch ist hier die möglichkeit eines sclireib- 

oder lesefehlers für kihload nicht ausgeschlossen (Holtzmanu, 

^tdeutsche Gr. 254), 

Die sg, prät. der a-reihe von zweikonsonantisch schliessen- 
^H wurael, die ihr ö vor doppelkonsonauz zu a gekürzt 
liatten, bevorzugten meist, um eine zu grosse ähnlichkeit 
«wischen präsens und sg, prät, zu vermeiden, die redu- 
Pfeierenden formen vor den reduplikationslosen. Im West- 
e«nn. findet sich nur eine hierhin gehörige reduplikationslose 
ftriD, das dreimal im Beowolf (lÜlO, 1290, 1317) begegnende 
l^iig: wahrscheinlich erklärt sich dies daraus, dass auch gan 
^ präsens zu *gesauga empfunden worden w^ar. 

Im pL prät, können natürlich auch die verben der a-reihe 
ton zweikonsonantisch schliessender wurzel ursprünglich nur 
^-b wundstufe aufgewiesen haben. Wegen der abweiehnng 
4res Vokals von dem des präsens wären deshalb eigentlich 

Zfhaebrtft mr r»Tgl, SprKbf, N. F. XX. ^, 20 



306 



l^ichard Loew«, 



für sie reduplikationslose fonnen zu erwarten, Docli sind 
solche in den uns erhaltenen germanischen sprachstufeii niclit 
mehr weit verbreitet. Einen sieh auch auf das West^emi, 
erstreckenden rest derselben bildet nur noch mhd. luff'en = 
aifiL Idupom^ aschwed, lupum. Sonst sind derartige fomea 
auf nordisches gebiet beschränkt: es gehören hierhin aisl. 
stiipom^ agutü, Hhmi^ mschwed. huggom (wozu 3. pL runen- 
schwed- wAu, Noreen, Aschwed. Gn § 542, anm. a), asehwd 
vulioni^ mschwed. fullom^ Judäom. Doch ist auch nordiscli hier 
häufiger angleichung an den Singular eingetreten, die gotisch 
und westgerm» regel ist. Dass sich hier die pluralforrafin 
nicht hielten, hegreift sich daraus, dass der sg, prät, dm'h 
rednpUkation, aber nicht durch Vokalwechsel, der pL prat 
durch Vokalwechsel, aber nicht durch reduplikation vom pra«eDs 
geschieden war. Die Inkongruenz zwischen beiden nninem 
wurde deshalb zn gunsten des Singulars beseitigt, weil sieb 
die reduplikation viel deutlicher als der ablaut als ein be- 
sonderes kennzeicheu bemerkbar machte. 

Nur in einem falle (wenn man von den schwachen asdiwed- 
vuUa^ aisl. olH absieht), in aschwed. lop^ scheint eine ni- 
gekehlte ausgleichnng stattgefunden zu haben. Freilich könnte 
Up auch als Uop (wie einmal mschwed. geschrieben) geleseu 
werden; Noreen, Aschwed, Gr, § 542j anm. 7 glaubt es ffii 
diesen fall aus liöp (nur mschwed. zw^eimal bezeugt) = aisl. 
hliop erklären zu müssen, indem -i- nach anaJogie der übrigeii 
Stammformen entfernt worden wäre. Doch wijd wobl biei 
einer analogiebildung ein laut eher hinzugesetzt als weggela^eßi 
auch sollte man wohl an und für sich erwarten, dass m 
häufigeres Iwp wie westnord. auch in den pl gedrungen würe- 
Das ö von mschwed. loop lässt sich auch als dehnung von o 
in geschlossener sübe deuten (Noreen, Aschwed. Gr. § 130)' 
Fasst man aber lop als Up^ so erklärt es sich sehr einfadi 
über *hlopa ans urg. *hlupa nach *hlupume. Wenn hier die 
ausgleichnng eine umgekehrte richtung wie sonst genomioeii 
hat, so hängt das damit zusammen, dass im Altnordis^kn 
und besonders im Altschw^edischen vielfach auch im singi 
reduplikatiouslose formen neben den reduplizierenden da 
banden waren, wo man letztere allein erwarten sollte. 6*' 
es aber ein aschwed. Vilmipa (^ westnord. hlaupa^ wonad 
anorw. hlaupom) neben *hehhmpa^ so engte jede dieser beiito 



)ifl starke pTftefitnio des Geimtfiiselieii. 



307 



formen den gebrauch der anderen ein^ infolgedessen es einer 
dritten anaJogiscbeu form gelingen konnte, beide zugleich aus 
dem felde zn schlagen. 

Mit dem Vorhandensein redupUkationsloser singnlarforraen 
neben den erwarteten reduplizierten im Altnordischen steht 
auch die erwähnte tatsache offenbar in Zusammenhang, dass 
erstere auch im pl häufiger im Nordischen als im Westgerm, 
vorkommen. Als solche singulare finden sich: aisL heit - 
aschwed. hetj aisl simip, nmenschwed* hauk (d. h, *hpgff^ 
Noreen, Aschwed. Gr. § 542), aschwed* vaU^ fall Dass sich 
die singularformen hier nicht etwa erst nach Proportionen wie 
gripom: greip = siäpom: siieip gebildet haben, lehrt die B- 
reihe im Äschwed., w*o sich liier die nebenfomien latj gmt^ 
rüdb (pl lätom, rüdhom) finden. Wollte man aber annehmen, 
alle diese formen hätten ei^t später ihren vokal vom präsens 
angenommen, so widerspräche doch das sehr häufige aschwed. 
Ut (pL lötom). Dies löt lässt sich ja überhaupt nur durch 
baplologischen verlust der reduplikatioiissUbe ans *lelöta ^ 
got. laUöt erklären, und wenn dieser hier auch wegen des 

L abweichenden wurzelvokals vom präsens eigentlich erforderlich 
Vlre, 80 ist er doch gerade sonst in dieser reüie nicht dnrch- 
pführt worden. Danach hat das Nordische und zwar he* 
loaders das Ostnordische in denjenigen fällen, in welchen das 
Ibrige Germanisch die reduplizierenden formen allein wieder 
durchführte, die rednplikationslosen daneben bestehen lassen. 
Daraus dass die ausgleichung im Gotischen in derselben weise 
»ie im Westgermanischen ^ aber abweichend vom Nordischen 
uad besonders Ostuordischen stattgefunden hat, folgt, dass 
ae in einer zeit eingetreten ist^ in welcher das Gotische kein 
ostnordischer dialekt mehr war, sondern bereits an der unteren 
Weichsel gesprochen wurde nnd mit dem W^estgermanischen 
tm gemeinsame entwickelung durchmachte. "Wahrscheinlich 
ist die haplologie von da, wo ihr die ausgleichnng am wenig- 
tten angehabt hat, die allegroformen also wohl von anfang 
an am häufigsten waren, auch ausgegangen, um von dort 
über das Westnordische ^um Westgermanischen und Gotischen 
^u gelangen. 

Stets durchgeführt wurden die reduplikationslosen formen 
iß aschwed. valt, vuUomt vielleicht deshalb^ weil hier wenigstens 
^^ Schlusskonsonant von dem des präsens {vaUa, vaüa) ab- 

20* ~ 



308 



TScfi 



Loowe« 



wich, eine abweichuDg, die bereits vorgermaniacher herkunfl 
sein wii*(L Auch im Aisl, ist ein zum aoristpräsens i'aida, 
gehöriges ^revalp^ wohl wieder wegen des konsonanten« 
Unterschiedes, einem *valp gewichen, dessen p dann auch in, 
den pl. eingedrungen ist, wie ollom zeigt Da aber doch di^ 
Übereinstimmung des sg. prät. mit dem präs. im vokal dei^ 
allgemeinen bildiingsprinzipe auch des Nordischeo widerspract;^ 
so wurde zu dem pL ein schwacher sg. , aisL oUUj aschwe ^ 
vulte^ uUe geformt, eine analogie, die wegen des dental ^^ 
auslauts des verbums um so näher lag. Wie es westnord* /^ 
dieser reihe überhaupt keine präteritalform mit a als wurze/- 
vokal gibt, so steht hier auch ollu allein^ während aschwed 
auch noch valt wie fal vorkommt (Noreen, Aschwed* Gr, § ä43, 
anm* 7), 

Bei dem weiter als im Westgermanischen und Gotischeo 
gehenden Verluste der reduplikatiou im Nordischen begreifen 
sich auch die anord, part. heii^ej /mfee, {deilcse einfach als 
redupltkationslose formen, so dass hier die annähme einer 
angleichuüg, auf die ich s. 293 als möglich hingewiesen habe, 
keineswegs notwendig erscheint. Beim part. perf, war ja and 
durch sein stetes s die Unterscheidung vom part. präs. üiit 
seinem steten nd deutlicher gegeben, als das dnrcli die 
wechselnden personalendungen geseheheo konnte. 

Die Tokalisch anlautenden, einkonsonantisch sohliessenden 
präterita der a-reihe scheiden sich in zwei gruppen, deren 
eine durch got» ö«, aisl 6k, 61, ags. 61 und deren andere darcli 
aM. iar repräsentiert wird. Letztere form kann nicht gut 
analogiebildung sein, da sich ahd. et^ien nach den einkonso- 
nantiseh auslautenden io-präsentien mit konsonantischem aiilaut, 
worunter sein reimwort aiverien, hätte richten müssen: daher 
auch vereinzelt ahd. uor (Kögel, PBB. 16, 502), Die älteste 
germanische form dürfte *eraj entsprechend lat, Pgi und to-^h 
welches letztere sich nicht wie egi wegen der bedeutungsähiüich- 
keit nach ßci hat richten können, gewesen sein : vor *Bra kann 
dann wie in got. aiaik, aiauk noch einmal die reduplikatioo 
als e getreten sein: *edra aber ergab *£?^m (vgl. ags. sUp^ ahi 
sliaf, got- sai£lep}. Für *era und lat. Bgl, co-^n wird ©an 
wohl an der annähme einer idg, kontraktiou des P aus e + ^ 
festzuhalten haben. Attisch ^/a wird allerdings, wie thertoh 
^f&yo/a und a^äga bei Pindar (G. Meyer , Gr. Gr.' § 548) 



Dia starke prSteritnm des GennaniBcbeit. 



309 



hl 



wttlirscheinlich Diacheu, smf *a/a zorückgehen : doch hat sich 
ja griechiscli überhauiKt das prinzip ausgebildet, bei vokalisch 
anlauteoden verben die reduplitatioö dErch einfache dehnuug 
auszudriii-'ken, was offenbar von den mit e anlantenden verben, 
wo e ans e + e eiitstandeü war, ausgegangen ist. 

Wenn von den vokalisch anlautenden präteriten got, *et, 
ahd. ai kein e vor sich mehr angenommen hat, so wird das 
daran gelegen haben, dass *etum durch den typus setum ge- 
stützt selbst wieder *et stützte. 

Wenn ahd, iar noch an die idg. urform anknüpft, so 
k5nnen got. öti^ aisL oJc, 6lj ags, 61 wohl nur analogiebildungen 
nach dem typus for sein: die präterita zu o-präsentien konnten 
recht wohl einen anderen weg als das io-präsens arjun ein- 
schlagen. Doch war der unterschied vielleicht auch haupt- 
sächlich ein dialektischer, indem das Ahd. bei allen verben 
die alten formen beibehalten haben könnte, die nördlichen 
dialekte aber dafür bei den o-präsentien die analogieformen 
oach den konsonantisch anlautenden verben schufen, das io- 
präsens arjan (vgh aisL arda, ags* erede) aber in die schwache 
tonjagation überführten. 

Von dem einzigen vokalisch anlauteoden zweikonsonantisch 
scldiessenden verbuni der a-reihe, alptin^ ist keine prät belegt ; 
doch dürfte es *aialp nach analogie von staistald gebildet haben. 
c) Die e-reihe. 

Die ^?- reihe befand sich, wie das nebeneinander von 
äschwed. löt und lät zeigt, zur zeit des eintritts der haplologie 
Wenigstens in einem teile des Germauischen bereits in einem 
Vadium, in dem sich unter einfluss von ^l^an im Präteritum 
bereits g neben ö eingestellt hatte. Für die formen mit 
perfaktischem p ist die beibehaltung der reduplikation das 
Natürliche, wie denn auch das Aschwed. ungleich häufiger Iwt 
*ls lat aufweist. Wo das Altnord, ö noch gewahrt hat^ ist 
hier auch die kürzere form durchgedrungen, wie nicht nur 
^chwed, Ut neben got. lailöt^ sondern auch aisl. tok neben 
KoL iüitük zeigt: offenbar ist das präsens taka zu tok erst 
ftach aka zu ök usw- gebüdet worden, wie denn aschwed. 
^HcJi ein präsens ItUa neben hUa vorkommt^) Auffallender- 

*1 Naeli Noreen, Äsciiwed. Gr § 151 wäre laiü tut unbetontem lätn 
^tüttoden; da aber nach ü^inttn eigenen soagmB lata auch schon sehr früh 
^Ki b«tojitGr «teUojig vorkotnmtT eo ist doch wohl die obige erkl&rung vor- 
*^iheiL 



Richard Loew«, 

weise ist aber die reduplikation bei perfektiscliem ö gegeti 
das allgemeine ausgleichsgesetz im Got, beibehalten worden, •] 
und auch das Westgerm., mit dem das Got,, als die baplologie 
eintrat, eine gemeinsame entwickelting durchmachte (vgl. s. 301), 
hat hier wenigstens nach dem ausweise von as, ^riot die 
reduplizierten formen bevorzugt. Der grimd für diese er- 
scheinuDg ist wahrscheinlich in dem Vorhandensein des durch 
angUscb reord ans *rerd repräsentierten typus zu suchen, das 
nur nach seinem pL ^rerdum gebildet sein kann und nach 
Kluge in Pauls Grundr* I, 437 als schwundstufige form voll* - 
ständigen vertust des langen vokals aufweist:') in einer-^ 
urgerm, form *reriume aber, in der auch das zweite r zm:^ 
ersten silbe gehörte, konnte ja nnmdglicb eine baplologie em-^ 
treten. War aber bei bestimmten verben im pl, stets di^ 
reduplikationssilbe stehen geblieben, so musste das natürlic^^ 
auch in deren sg* den sieg der reduplizierenden formen übe^^ 
die reduplikationslosen fördern. Bei der ausgleicbung zwisch^^j 
Singular- und pluralformen sind dann mit ausnähme des Ae 
tischen tiberall die ersteren, die sich besser in das gan: 
verbalsystem fügten, durchgedrungen. 

Dem typus reord gehört aus der gleichen reihe nur n(^i 
leort an, das durch dissimilation aus *l€oU entstanden itxid 
von einem pl. *ldtnm ausgegangen ist. Es sind also Tvraf 
mit einfacher liquida anlautende verba, hinter einer welch 6ii 
doch wohl auch schon idg, ein s» (aus e) in unbetonter sUhe 



1 



1) Wenn Streitberg, ürg> Gr. «. 330 Ägs. reord dem got. rairuß jjleid- 
3©tat aad für d&n ?erlust des langen TokalB atif ag'fl, hwilc, swdc «iowie ,y**^»^^ 
fr<Btw€ r erweist, so ist dem entgegenzuhalteti , das» doch der reg^el üicb 
uitbctoEiter vokM iQ langier aUbe ag^. erhalten bleibt, die genannten v^rttr 
also besondere erklärüHj^^en erfordern* In ^miwc^ frwticc lag' wohl in zweiter 
silbe von id^. zeit her kurzer rokal oder vokallosigkeit als seh wund stnfEv ^r. 
oder aber es sind fät den atiBfall dea e im A^&. die nm^benden laut^ ^^ 
boding'ende faktoren mit in betracht gekommen. Tn dem frapewort *hir^^ 
aber wird die ente s^ilbe einen stürkeren wortton, &Lb er im allgemeine 
üblich war, erhalten haben, gerade wie gr. t k als fr^epronomeD seinem i 
niemab in den gr^viis ?erwandelt und aach in den obliquen casus den 
auf die Wurzelsilbe zn rückzieht^ Tm^ aber die erste silbe einen noch itlfk^ 
hanptton , als er sonst vorkam, so wird die ihr folgende noch schwächer ^ 
andere onbetonte Silben betont gewesen sein, wenhalb hier aach ein l>^^ 
vokal voUständig schwinden konnte. Nach * hu Utk wird iivh auch seiü ^^^' 
relätivum *siLälik in der betouting gerichtet h&ben und daher Auob <i^ 
gleichen wandel unterbgen eein. 



Dm starke präieritniD des Üermanis^hen. 



311 



am leichtesten schwinden konnte. Dem entspricht auch a^. 
jrutum ans ^se-jndiime (aus idg. *gke-gh^d-mi% in dem die 
x^dnplikation als selbständige silbe yerloren gehen konnte 
«ind bei dem sodann die rednplikationslose form wegen dea 
^okalnnterscliiedes vom präsens über die reduplizierende siegen 
:iz)Usste; nur die existenz eines ^riitum neben riäum konnte 
"Wohl den anachlnss des elfteren yerbums im Ags, an das in 
^er bedentnng vielleicht auch damals schon ganz fem stehende 
-a'eoian ^fallen" als ^reotan bewirken* Für das Grot. wäre hier 
^egen des ursprünglichen pL *gruhtm im Sg. *gröt zu er- 
^warten: doch ist guigröt zu ffr&tan nach lailöt zu iHan und 
^airöß zu r^dan wiederhergestellt worden; das gleiche gilt 
auch für as. griat^ griot. 

Unter den präteriten von vokalisch auslautenden wurzeln 

^er ?-reibe konnte *se^öa (aisl sera). das den grammatischen 

i»reehsel zwischen den anlauten der reduplikations- und der 

"Wurzelsilbe nicht ausgeglichen hatte, von der haplologie iiber- 

li&upt nicht getroffen werden* Wenn sich die übrigen präte- 

TiU derselben klasse nach diesem einen gerichtet haben, so 

laben hier wahrscheinlich die der konsonantisch auslautenden 

^rzeln der e-reihe mitgewirkt. Waren idg, a und ö schon 

2tisammengefallen, so sind wohl auch die vokalisch auslautenden 

iferha der ^-reihe mit im spiele gewesen* 

d) Die a-reihe* 

So weit die a-reihe vollstnfige präsentien bildet, entstand, 
^ Veno das Germanische im sg* perf, wie das Griechische zu 
pusten des a ansgeglichen hatte (vgL att. ndnf^ya aus *ninäfa 
^ nt^yyv^i^ lat* päguiü ^ compäges usw.), ein zusammenfall 
zwischen präsens- und perfektvokal, der den sieg der redu- 
PÜkationsformen bewirken musste. Aber auch wenn das Germ* 
iöi sg. peif. ö durchgeitihrt hatte, trat dieser zusaramenfall 
doch nach Übergang von idg* a in ö ein : lag dieser also früher 
*l8 die haplologie, so konnte sich nur das gleiche resultat 
*ie in dem anderen falle ei^eben. Daher got. fatflök zu 
*flökan usw, 

2. Die präteritopräsentia* 

Die haplologie musste natürlich ebenso gut die redu- 
plizierenden präteritopräsentia wie die perfekta mit präteritaler 
Deutung treffen* Am deutlichsten tritt der so bewirkte 



BIcbard Loewe^ 



reduplikatiOTisverlost bei got. man^ munum hervor, das, wie 
die übereinstimiDung von gr. fUfwvUf fn^iuftiv mit lat mmmi^ 
meminimus zeigt, idg* zwar präteritopräsens war, aber die 
reduplikation dort üoch nicht verloren hatte* Der veriust 
atellte sich natürlich auch im pl. ein, wo sich das verbom 
der bei den einkonsonaatisch sehliessendeii pratmtaUonDeD 
wrkenden analogiebildung entzogen hatte. Der graiid für 
diese ausnähme vom analogiegesetz könnte lediglich in der 
abweichenden präsentisclien bedentung von ^memnme an lüd 
für sich gelegen haben; doch hat wahrscheinlich aucli der 
umfitand mitgespielt, daas das ^ von ^bhe^^me usw. zu dei 
e des präsens *bherü in beziehung gefühlt wnrde (vgL s, 302), 
za ^memipnS aber auch kein formelles präsens existierte. 

Allerdings kann bei einem oder bei einigen präterito- 
präsentien ein redupllkationsverlust deshalb nicht stattgefiindöi 
haben ^ als in ihm oder in ihnen von haus aus atheamtisdie 
präsentia vorliegen. Sicher ist das, wie schon Höfer^ Gotl 
23, 3 f. gesehen bat, bei nmd. dam ^ich wage^j konj, ^nt, 
das ein as. *durmim^ got, *dmr^mim - ai* ^fi-im-mds voiws»- 
setKtp Walirscheinlich richtig ist es anch, wenn man got 
kunnum (wonach dann kann) aus idg, ^gn-m-me (vgl ä 
jä-m-mds neben ja-ua-mi) und ahd^ iimmm (wonach dinn 
ann) aus idg, *n-m-me oder ij-nu-me (letzteres nach BragauiQiii 
Grundr,* § 646) entstanden sein lässt; doch besteht hier aucti 
die mögliclikeit, dass präsentisches n frühzeitig in das per 
fektum eingedrungen wäre, in welchem falle umgekehrt mum 
analogiebildung nach avn aus ^enn für *aHnum aus *mim 
sein würde. Bedenklicher ist schon, wenn Kluge in Paul» 
Gruudr. P, 440 ahd. durfum als Hu-bUdung aus *purpum Ml 
p aus pp aus idg, pn erklärt und dem aL ffp-j^u-mäs g^eic^ 
setzt, da f hier auch aus einfachem p verschoben sein knut 
^ttnd die einander entgegengesetzten bedeutungen vöö durfm 
.wir haben üötig"" und von tfp-}in-mas „wir werden befriedigt' 
li nur schwer mit einander vermitteln lasseiL Was ater 
'Üe abiigen prateritopräsentia des Germ, betrifit die ffliS?^ 
ükaloger weise erklären möchte, so kannten diese ai? 
üJKatische präsentia alle nur wurzelprisentia gewesen ^ 
m äkI aber die wurzelprÄ^sentia in der seit vor der 
ilreunung Überhaupt verhältnismässig seltai gew«fi«ü 
auch meist nur noeb bei den haii^steu w<wr 



)u starke prfttorHmn des GeTmuiüehen. 



313 









den, zu denen doch nicht alle germanischen präterito- 
p^lsentia gehören* Zu den ein2ehieu germanischen praterito- 
präsentjen sind aber in den verwandten sprachen nicht nur 
keine wurzelpräsentia nachgewiesen worden, sondern es stehen 
dort auch einigen derselben andersartige präsentia gegenüber. 
So heisst es neben got. ga-dar$ ai. ausser dhf^-ijo-mi auch 
är^-ü-mi^ neben got. skal lit. skeliü (mt skelMi), Letztere 
form ist um so bemerkenswerter, als gerade das Litauische 
die aus dem Idg, ererbten wurzelpräsentia festgehalten und 
sogar noch weiter analogisch ausgedehnt hat (Brugmann, 
Grundr. n, s, 911). An der peifektischen herkunft von got. 
gadars ist aber um so weniger zu zweifeln, als auch ai, 
dadhär^a „ich wage*' und das abgeleitete gr. TEda^ofjxoL „ich 
lin voll mut" bedeutet (Delbrück, Grundr. 4, 179). 

Es wii'd danach für die meisten präteritopräseutia wirk- 
ffch perfektischer ui^spruug anzunehmen sein, wobei die be- 
fcntnngsentwicklung keinerlei Schwierigkeiten machen kann 
(Tgl. s*273tf0^ Man wird in den meisten germanischen präterito- 
prÄsentien idg. primäre perfektpräsentia zu sehen und keinen 
aast^ss mehr daran zu nehmen haben, wenn das got. perfekt 
*ia? genau die gleiche bedeutung wie das lit. präsens skeliü 
liat Änch got. gadars ist als verbum des affekts Tvohl nicht 
mit Delbrück a. a. o. als sekundäres perfektprasens „habe 
ml gefasst, getraue mich", sondern als primäres zu fassen 
(Tgl. s» 276). Das Verhältnis von *dars zu "^dursum wird auch 
den Uauptanstoss zur blldung des gleichbedeutenden dam nach 
*dimmm gegeben haben (bei kunnmn und uminm war jeden- 
faUs ein so direkter austoss zur büdung von katm und ann 
nicht vorhanden). 

Mit den griechischen und lateinischen präteritopräsentien, 
[•die eine geistige regung bezeichnen ^ hat übrigens schon 
Curäns, Griech. Verbnm 2-, 116 germanische gleicher art ver- 
llichen , indem er hier nicht nur got man zu gr. ^iiftovu, 
Iat_ metnintj söndeni auch got, ög zu gr. awxn^^^ gestellt 
hat Allerdings bedeutet gr, ajfa/yj;<«i wie a^nf-tm „ich be- 
trübe mich**, das verwandte got. ög wie "^aga (zn erscbliessen 
tai mmgamh „furchtlos") „ich fürchte**, und der bedentung 
öach vergleicht sich auch gr. <JfJ(« „ich furchte". Doch müsste 
^40 gotische wort, wenn es als primäres präteritopräsens aus 
4iiiildg. herzuleiten wäre, doch wohl seine form "^ig gewahil 







lichard Loewe, 

haben, wie in überemstimmung mit lat. ^ffi, co-gji and ahd. 
iar angenommen weiden muss (vgl* s. 308). Es ist daher 
trotz flxti^f^ftai und SiSttt wahrscheinlich, dass *^ja ^nnäeh^t 
im Germ, wirkliche perfektbedeutung gehabt hat und in solcher 
sia *ö,ja umgestaltet wurde, als für *da ein *öla usw, ein- 
trat. Man wird dann fiir got, *affa die bedeutung „ich gerate 
in furcht'', für ög die bedeutung „ich bin in furcht geraten", 
daher „ich fürchte mich" anzunehmen haben. Dafür dass öq 
als sekaodäres perfektpräsens anzusehen ist, spricht auch der 
umstand, dass ein rest seines präsens wenigstens noch in 
iimtgamU vorliegt, während die primären perfektpräsentia die 
mit ihnen konkurrierenden wirklichen präsenüa schon voU^ 
ständig aus dem fehle geschlagen hatten. 

Doch soll nicht geleugnet werden , dass auch vielleichi 
noch das eine oder das andere germanis^che präteritopräsene^ 
sekundärer art sein kann. Hierhin gehört wohl got. ^aiio/i 
da die idg. würze! naJc ^erreichen" bedeutet, so kann d^ 
ursprüngliche sinn ebenso gut „es hat (den gewünscht« 
zuBtand) erreicht" wie ^es erreicht (den gewünschten zustaad V^n *^ 
gewesen sein* 

Für die mehrzahJ der konsonantisrh anlautenden praterit ^- 

präsentia ist nach den voranstehenden ausführungen red_ ^. 
plikations Verlust anzunehmen. Auch die ablauts Verhältnisse 
sind meistens einfache, wobei got. shihim wie munum 
beurteUen ist Innerhalb der ff-reihe gilt das gleiche fiir 
^emigan. Der zugehörige singnlar got. ganaf^, ags. §en&ai 
zeigt noch die kürze des vokals, wie sie fttr eine a-wurzel 
ursprünglich erforderlich war, mag hier germ. a nun idg. u 
oder a repräsentieren: das isoliert stehende präteritoprasens 
hat also den ersatz des kurzen perfektvokals durch eiaen 
langen nach dem mnster der perfekta der ä-reihe mit schwonJ^ 
afcuflgem präsens nicht mitgemacht. 

Schwierigkeiten könnte hier mötan machen, insofern wir 
seine etyinologie nicht mit Sicherheit festst^eüen können. Doch 
ist es das wahrscheinlichste, da^^s die verschiedenen modalitäts- 
bezeichnungen, welche dem verbutn zukommen, aus derjeuigß'^ 
sinnlichen grundbedeutung bervorgewachsen sind, die n^^^ 
germ, selbst, nämlich in gol. gamöt, vorliegt. Ein „ich hn^^ 
räum" lässt sich doch aber wohl als ein ,jich durchmesse den 
räum" verstehen, so dass die herleitung von der wurzel ^i 



Daa starke Präteritum dee Germaniaeben, 



315 



„messen** in der that einige wahrscheinüclikeit hat. Es müsste 

dann freilich die dehnstufige wtirzelform m^d zu gründe gele^ 

irerdeiij wiq sie in gr. fn^6of£ctt vorliegt. Der sieg der redu- 

])likationBlosen form in ga-mot im gegensatze zu hUöt nsw. 

"Würde sich dann hauptsäcMich aus der präsen tischen bedeutung 

^es Wortes erklären; das ö wurde dann nach dem muster 

4ler sechsten ahlautsreihe des Germ, in den pluval eiugeführt. 

Kaum aus perfektischem Ursprung kann das ablauts- 

irerhältnis von got. ma^^ magum erklärt werden* Nur wenn 

man für den pL ein *memgitm entsprechend *rm'dum (anglisch 

^mrdon) zu gründe legen wollte, würde es aus der eigenart 

^er bildnng verstäudlich werden, wieso dieselbe durch eine 

«ich direkt an den sg. anschliessende bildnng verdrängt werden 

lonnte^ wiewohl man auch in diesem falle eher mugum (vgl 

jtbigeres ahd. mugum) nach analagie vou skal, skulum er- 

irarten sollte. Da aber auch die existenz eines *memgiim 

sehr fraglich ist, so wird man Wer überhaupt eher an einen 

Übergang aus der präsentischen in die perfektische flexion zu 

Heiken haben. Doch kann das wort kein ursprüngliches 

^warzelpräsens gewesen sein, da es auch in diesem falle im 

pl. mu' aus idg, m- zeigen müsste. Man wird daher mit 

Bru^mann, Grundn 2, s. 1255 mag, magum aus einem präsens 

mit betontem themavokal, wie es noch in abg. moga vorliegt, 

herzuleiten haben: offenbar war möi, das auch die bedeutung 

-ich kann*^ hatte, dasjenige wort, nach dem sich mo^ iji seinen 

«"üdungen gerichtet hat, wahrscheinlich freilich erst, nachdem 

*tie präteritopräsentia präsentische infinitive und partizipien 

:<Bbildet hatten. 

Von vokalisch anlautenden präteritopräseutien kennt das 
*j^rm. ausser ahd. am} und got, ög nur nach got, aih^ aignm^ 
^Hs die 0r die vokalisch anlautenden perfekta des Idg, 
- '^^^ode regel der einfiihrung der vollstufe auch in die eigen t- 
li sehwundstuiigen formen getreulich befolgt. Allerdings 
Ifegt in ai* iSfi ans unbekanntem gründe noch die wirkliche 
Schwundstufe des idg. perfektthemas dlJc vor, das aus kon- 
^ktion des reduplikatiousvokales e und einer wurzel eik oder 
^Ü entstanden ist. 




316 Bicljärd Lotw^, 

IV. Die reduplizierenden präterita im West- 
germanischexi tmd Ifordisehen. 

1, Der kootraktioustypus. 

Das Verhältnis, welches die im Gotischen noch redu 
pürierenden präterita zu üen ihnen im Nord- and Westgern^::^ 
entsprechenden eionehraen, hat der forschung bisher aussei::^^ 
ordentliche Schwierigkeiten hereiteL Um diesen schwierigkeite^^^ 
zu entgehen, haben Brugmann und Word einen teil d^^s^ 
nordischen und westgermanischen formen, nach denen ä^^^^ 
übrigen sich gerichtet haben sollen, als unreduplizierte hildungv^u 
von langdiphthongischen wurzeln erklärt, was sich jedoch a»^s 
verschiedenen gründen nicht aufrecht ei halten lässt (Beth ^g^ 
in Dieters Laut* u, FormenL § 196 anm.)< Aber auch dai^ot 
ist nichts gebessert, wenn Otto Hoffmann JVp«g 33 ff. nur in 
den präteriten selbst die langdiphthonge entstanden sein lässt: 
er geht hierbei von Streitbergs gewiss mit Scharfsinn aufgesteUt^tm, 
aber doch keineswegs bewiesenem dehnstufengesetze aus i:mti(i 
muss überhaupt zur durchfiihrung seiner theorie hypothese ai 
hypothese reiben. Es ist aber auch ganz natürlich, dass j^de 
erklär nng scheitern mnsste, welche die nord.-westgerm. forianea 
von den got. trennte: denn es wäre doch höchst wuaderl3ar, 
wenn fast allen im Gotischen reduplikationslosen präterilea 
nordisch und westgerm. die lautgesetzlich dazu stimmen «3en, 
fast allen reduplizierenden präteriten des Gotischen aber ^iue 
ganz abweichende bildungsweise im Nordischen und \^ est- 
germanischen gegenüberstehen sollte. Vielmehr deutet .Dilles 
daranf hin, dass, nachdem die Goten sich aus der nähe der 
Westgermanen entfernt hatten, d. h. an das schwarze ixieer 
gezogen waren, das Nordisclie und Westgermanische geoi^ifl- 
sam die reduplizierenden präteritA umgestalteten. Es maclrt 
auch keine j^^chwierigkeitenj die vokale der nord.-westg-em, 
formen durch kontiaktion des reduplikatiousvokals und der 
wurzelvokale zu erklären. Nur weil man bisher nicht gewuM 
hat, auf welche art and weise der zwischen redoplikatioiis- 
und wurzelvokal stehende konsonant geschwunden war, hatte 
man die erkJärung von einem ganz anderen punkte aus Ter- 
suchen zu müssen geglaubt. 



Das starke präteritam den Germamechen. 



317 



A, Der konsonantenyerlust. 

Da in der fiir die uoibildung der reduplikatioBspräterita 
In betracht kommenden zeit kein einziger iiitervokaliseher 
koQsoDant ausgefallen ist, so bat niaiij so weit man hier 
überhaupt an der ideotität der gotischen und der nord.-west- 
germ. formen festhielt, die Verschmelzung des reduplikations- 
imd des Wurzelvokals als einen lautgesetzlichen akt meist 
nur för die vokalisch anlautenden verba angenommen. Gegen 
fiie annähme indess, daj^s die präterita mit vokalischem anlaut 
allein das muster zur Umformung abgegeben hätten, haben 
Ändere mit vollstem rechte geltend gemacht dass diese hierzu 
weder zahlreich noch häufig genug gewesen sind. In der 
r-reihe und in der ^ -reihe sind solche überhaupt nicht vor- 
banden, so dass man, wenn man von den vokalisch anlauten- 
den Verben ausgeht, zu den hierhin gehörigen präteriten (wie 
auch zu denen von fähan und Mhan) nur auf umwegen von 
den übrigen reihen aus gelangen kann (vgl. Holz, Urg. geschU 
e 33 £), Von den auf doppelkousonanz ausgehenden wurzeUi 
der a-reihe lautet vokalisch nur got alj/an an, ein gewiss 
nicht sehr häufiges verbunij das überdies vielleicht schon in 
der zeit, als das Nordische und Westgerm., aber nicht mehr 
das Gotische, gemeinsame neuerungen durchmachten, unter- 
gegangen ist, da es aisl. nur das partizip ahletin^ in den ver- 
schiedenen westgerm, dialekten aber überhaupt nichts hinter- 
lasieu hat (ags* nur ealdianj ahd, nur aUmt), Das verbum 
QTjan (aisL ef'ja^ ags* eriauj ahd. eriati) aber kann bei der 
Umbildung überhaupt nicht mitgewirkt haben, da es sonst vor 
allem seine eigene klasse, den typns hafjan (aisl hefja^ ags. 
Ä^Wat^j ahd. Mffan) und darin besonders sein reimwort ^mvar- 
itt« (aisL ^verja, ags, , as. swerian ^ ahd. stvt^ian) nach sich 
Sß^ogen haben müsste. In der ai-reihe kommt nur das seltene 
ahd. eikhan „opfern**, eigentlich „zusprechen" (= got. *aikan 
iü afaikan) in betrachte das gewiss auch in den übrigen 
dialekten, in denen es sich überhaupt nicht mehr nachweisen 
Ifest, nicht häufig gewesen ist. Was endlich die öftt-reihe 
Wtrifft, so ist iüsl. ausa im Westgerm, überhaupt nicht nach- 
weisbar, während dem aisL mika {- got aiikan) ein ags. 
*'«icia»| as. ökiaUf ahd. ouhJiön gegenübersteht: da im Ags. 
gerade nur eacen als adjektiv» im As. nur das entsprechende 
^kan vom starken verbum übrig geblieben ist; so ist der 




318 



Eichard Loewe, 



Übergang des verbnins in die schwache konjugation wahr- 
BcheiJilich schon ein gemeinsamer akt des Westgermanischen 
gewesen. Nur für das Nordische wäre es an und für sich 
nicht UDdenkbar, dass auka nnd ausa allein die konsonantisch 
anlanteoden verba der gleichen klasse nach gich gezogen 
hätten: doch könnte das bereits aus gotonordischer zeit stam- 
mende *haggwan (aisL hgggva) sich nicht nach ihnen gerichtet-c 
haben. Eine form wie aisL hjo muss eben lautgesetzlich sein, 
ebenso gut wie ap. heöf (vgl s, 298). Allerdings Uesseci^Z' 
iich hjo und heof durch yerlust des intervokaüschen h im-^^^^ 
einzelleben des AisL und des Ags. erklären» An und für sic^^^ 
wäre das ja auch bei den altnordischen und angelsächsische^^ 
mit h anlautenden präteriten der umgebildeten ganzen reih^^ij 
möglich, die Bethge s. 362 deshalb auch als muster für (^ie 
Umbildung mitbetrachtet hat: doch sind formen wie aisl h^ 
ags, het von as. hi% ahd. hias nicht zu trennen; die gaiMse 
Umformung ist eben im Nordischen, AngloMesiscJien m^i 
Deutschen tiberall in gleicher weise erfolgt und offenbar äh/ 
einen einheitliclien akt zurückzuführen. 

Reichen nun aber die vokalisch anlautenden verba ui- 
mÖglich als muster aus, so nmss doch auch mindestens M 
einem teile derer mit konsonantischem anlaut noch liegend m 
lautwandel den Schwund des anfangskonsonanten oder der 
anlautenden konsonantengruppe der zweiten silbe bewirkt 
haben. Da diese nun aber nach den allgemein gütigen kot- 
gesetzen erhalten bleiben mussten, so kann der konsonanteD- 
ausfall durch nichts anderes als durch die besondere struktar 
der reduplikationsformen veranlasst worden sein, die ja wie 
zu haplologien so auch zu koRsonantendissimilationeu hänfis^ 
genug anlass bieten. Für unseren fall können natürlich ßß^ 
die ein konsonantisch anlautenden verba in betracht kornJUCB* 
Ein gleicher lautwandel wurde bereits s, 2^5 für das Ui- 
angenommen, wo auch genau entsprechende beispiele aus Ter 
schiedenen Sprachgebieten angeführt worden sind. 

Besonders kommt hier wieder das altirische lautgeset2 
in betracht, dessen bedingung Richard Schmidt, li\ 1| ^ 
dahin formuliert, „dass auf das hochbetonte, nicht in vorlet^r 
ßilbe befindliche o eines Wortes ein konsonant -|- ^ oder i + 
derselbe konsonant folgt" und für dessen Wirksamkeit in nicht 
reduplizierten formen er cöimmchlmtd „Wechsel" aus ^com-i^' 



1 






Das Et«r1t(> piHtontam de« Gemumischen. 



319 



cMöud und cäimthecht ^societas^ aus *'€om'im'thecht als bei* 

spiele angibt. Die gernianische dlssirailation hat mit der alt- 

imcheii das gemeinsame^ dass der schwindende konsonant 

im mittelbar hinter dem haupttonigen und immittelbar vor 

eineDi nichthaupttonigen vokal steht. 

Das germanische dissimilationsgesetz lässt sich folgender- 
tnassen formulieren: ^folgt auf eine aus konsonant + ^ be- 
stehende haiipttonige anfangssilbe derselbe konsonant + vokal, 
so schwindet der konsonant an zweiter stelle,** Die formen 
des darcb anglisch reordon aus *rerdum repräsentierten typus 
fconnten natürlich von diesem gesetze nicht betroffen werden. 
Selbstverständlich gilt das erst recht von formen, in denen 
^wi© in "^sezöj woraus aisl. sera, der grammatische Wechsel 
zwischen redupUkatjons- und Wurzelsilbe nicht ausgeglichen 
worden war. In den meisten fiillen waren allerdings nach 
aus weis des Gotischen solche ausgleichungen eingetreten, wie 
das auch ganz natürlich war, da sonst die reduplikations- 
empfindung gestört worden wäre. Ausnahmen finden sich nur 
einige bei s wie aisL sera und got» salzig: was hiervon der 
^rund war, dürfte schwer auszumachen sein* 

So bleiben als wirkliebe aufnahmen nur as. deäa - abd. 
feto und aisK rera übrig* Was deda betrifft^ so kann daraus 
entstandenes *dm^ nach dHun, das wegen seiner vokallänge 
der dissimilation nicht mitunterlegen war, unter der einwirkung 
von nerida neben neridun zu deda wiederhergestellt worden 
Sein, Doch musste auch die singularforni selbst von anfang 
an erhalten bleiben, wenn die dissimilation zu einer zeit ein- 
trat, in der urgerm, anl. /f schon zu d, aber noch nicht west- 
g^nn* inh d zu d geworden war. 

Bei rera könnte die ausnähme um so merkwürdiger er- 
fiebeinen, als sonst r gerade am meisten unter allen lauten 
Von den verschiedenen arten des springenden lautwandels 
betroffen wird. Doch konnte eben diese erscheinung uns 
^elleicht zn einer erklärung verhelfen, indem bereits vor 
ßujtritt des dissimilationsschwundgesetzes die beiden r im 
Kordiseben in der weise dissimiliert worden wären , dass eines 
^m beiden palatale ausspräche angenommen hätte. Dass die 
beiden r des Altnordischen nach bestimmten lautgesetzen mit 
ßiuander wechseln können, zeigen die altdäniscben runen- 
^J^sditifLen des 10. Jahrhunderts, in denen S nach dentalen 



320 



Rietiard Loewe, 



ZU r geworden, nach gutturalen nnd labialen aber sowie nacU 
vokalen unverändert geblieben ist (Wiinmerj Runenschrift 297). 
Da ferner in sprachen, in denen es zwei verschiedene r- 
laute g:iebt, auch ein im silbenanlaut vor vokal stehendes r 
durch ein zweites in gleicher Stellung befindliches einer 
nachbaralbe zu einem anderen r-laut werden kann, zeigen. 
gr* Tdüog, Ttkfjtor, TuQig, Ta^ia, Tagiag^ nnr dass hier keine 
dissimilation, sondern eine assimllation stattgefunden hat 
(Schnitzer, KZ. 14, 1^65 f.). Doch wäre für das Nordische 
auch wohl die m5glichkeit nicht ausgeschlossen, dass die 
Skandinavier das alveolare r von rera an das palatale von 
sera und snera angeglichen hätten, wie denn die in jungereü 
nordischen runeuschriften übliche Schreibung des nom* sg, der 
r-stämme mit B im auslaut im gegensatz zu dem r im ans* 
laut der übrigen ca^us nach Wimmer a. a. o. vielleicht der i 
wirklichen ausspräche entspricht und einer einwirkung der 
casusendung -B im uom. sg. mehrerer Stammesklassen seioe 
entstehung verdankt 

Die nordisch- westgermanische dissinülation müsste freiließt, 
wenn sie genau in demselben sinne wie die altirische ate 
lantgesetz betrachtet werden sollte, auch alle formen, ^^ 
keine reduplikatimispräterita sind, aber die oben angegeb^ß^ 
lautfolge besitzen, in analoger weise treffen. Beispiele hieMtirf^ 
weiss ich allerdings nicht anzugeben. Aber es dürften ^^icli 
auch schwerlich beweisende beispiele für das gegenteü ^^^-*uf- 
finden lassen, d. h. formen, bei denen nicht durch cinwiric^^uöK 
einer verwandten form der zweite konsonant hätte wie -^er- 
hergestellt werden können* So kann gewiss ahd. he^^tam 
^häher** die erhaltnng seines zweiten h einer nebenform wie 
*hifnra oder Viehra verdanken, bei welchen wieder an kon- 
taminationen mit formen nach art von ags. hi^ora^ aisL Iss^^egfM 
zu denken wäre. Da sich indess ein zwingender bewefe^=^ IB^ 
das lantgesetz als solches nicht führen lässt, so kann hier 
die frage nicht umgangen werden, ob hier nicht vielleich^^B üb 
dissimilation in einem anderen sinne als in dem eines sti'e ~^Migen 
lautgesetzes gewirkt hat. In der that kommen ja g^i^de 
beim springenden lautwandel fälle vor, in denen derselbe? nwr 
den zwecken des wortwandels dient, so wenn die metatlies/i 
in gr. Iv^ijti aus ^XvTTj^t in anlehnung an ikv^r^v oder in 
dptfmxm aus dßnla/m in anlehn uug an ififfd erfolgt ist 




Das s^rke prSteritum des Gennanisf^hen. 321 

(Brugmauüj Griech. Gr.^ s. 104). Für UBseren fall Hesse sich 
denken, dass die djssimilation deshalb eingetreten wäre, qid 
durch Überführung der kleineren Masse der reduplizierenden 
präterita in die grossere der ablautenden eine einheitliche 
präteritalbildiing bei den starken verben zu schaffen ; freUicfa 
wftrde man wohl auch bei dieser annähme vorauszusetzen 
haben, dass die dissimilation da, wo sie zuerst entstand, rein 
lantge^etzlieh war, deshalb aber, weil sie für die starken 
praterita eine solche Vereinfachung bot, sich hier über das 
ganze nordisch ■ westgermanische gebiet verbreitete» Wenn 
nun freilich die dissimiladon nur im dienste des fomienwandels 
erfolgt wäre, so hätte doch wahrscheinlich die analogiehüdiing 
bei den zweikonsanantisch anlautenden verben nach dem 
mnster der einkonsonantisch anlautenden noch bei derselben 
generation stattgefunden, welche die dissimilation seihst voll- 
zogen hatte* Da nun aber von einem zweikonsonantjBch an- 
lautenden verbum noch ein redupliziertes Präteritum in nor- 
thumbr. blefia (Lindisfarne gospels Joh, 12, 22) vorliegt, so 
^ird man doch wohl besser bei der annähme stehen bleiben, 
dass bei den reduplizierten prateriten im Nord- und Westgerm* 
eine streng lantgesetzliche dissimilation erfolgt ist 

Die form hhfta erfordert hier noch ein näheres eingehen 
zunächst deshalb, weil ihre echtheit von Sievers, PBB. 26, 557 
lestritlen worden ist* Dass bhfla als reduplikationspräteritmn 
anzusehen ist, hat nach Füchsel Änglia 24, 75 Schick erkannt 
und dabei die Zustimmung Pauls gefunden. Dem gegenüber 
hält es nun Sievers für wahrscheinlich, dass man es in blefia 
nur mit einem Schreibfehler zu thun habe, indem das -fta des 
Wortes ans dem inmflauU des unter der angelsächsischen 
Übersetzung stehenden lateinischen textes zu erklären sei und 
Bein Zusatz i ^Men^* die richtige form herstelle. Es ist ja 
allerdings nicht unmöglich , dass jemand bei gedankenlosem 
schreiben aus der Übersetzung in den darunter stehenden 
grandtext hineingerät; aber zu den häufigeren schreibfehlem 
gehören solche versehen doch wohl gewiss nicht* Für unseren 
Ml wäre noch besonders merkwürdig, dass der schreiber, 
noch bevor er bkmi zu ende geschrieben, in das lateinische 
Wort und zwar auch gleich meder in dessen mitte hinein- 
geraten sein soUte. Vor allem aber wäre, wenn sich wirklich 
bei niederschrift des angelsächsischen wertes das lateinische 




Bichard Loewe« 



eingedrängt hätte, nicht emzmehm, warum denn letzteres 
nicht auch bis zu ende geschrieben wurde. Merkte der 
Schreiber seinen feliler, als er eben das a von bleßa ge^chiieben 
hatte, warum korrigierte er sich dann nicht sofort, sondern 
schrieb erst on hice hinter bleßa ^ beyor er I ^ebho*' on him 
hinzusetzte? Nach Sievers sind wenigstens im Matthäus« den 
er allein koUationiert hat, die i-zusätze ^zwar meist von 
gleicher hand, aber in roter tinte, d. h. offenbar nachträglich, 
auf grund einer zweiten vorläge» eingetragen"* In der that^ 
werden sich auch im Johannes die dort sehr häu%en, durcbq 
l eingeleiteten Zusätze kaum anders als durch eine zweii 
vorläge erklären lassen, aber nicht in der art, dass su^ 
korrektureo, sondern in der, dass sie nur gleichwertige iibi 
Setzungen enthalten sollen. So ist z, b. 20, 20 gauid ^'^l 
durch gefeadon l ^Imde ueron^ 14, 31 ampUiis durch fordor- 
niaruf gleich darauf löquebatur durch gesprtBc f sprecmid u^^^ 
wiedergegeben. In unserem falle geht sogar nicht nur 
Sebleti'* on 7*m, sondern auch schon dem blefia on hiw ein / 
voraus, so dass die gleichwertigkeit beider lesarten hier dujcfi 
ein vel-vel noch besonders angedeutet worden zu sein scheine 
Wenn blefla nach Sievers in den Lindisfarne gospels „über 
3(1 normal gebUdet^ gegenbelege wider sich hat**, so lege kb 
wenig wert darauf, dass nach meiner theorie die 11 ein- 
konsonantisch anlautenden (8 von säwauj 1 von ahmumi, 2 vou 
rowan) garnicht in betracht kommen können, sondern betone 
nnr, dass gegenüber den IT formen dieser art von emimn 
und den 7 von blawan selbst eben in blefla eine schon m 
ältesten überlieferten Northumbrischen absterbende bUdang 
vorliegt. 

Zur entstehung von ^blefla bemerkt Füchsel richtig, dJ 
sich ein wie got, saisö gebildetes *be4dö ags. regelrecht 
*befta entwickeln musste, wobei er bona aus *han& vergleicl 
Die Wiederholung des l in der reduplikationssilbe möchte 
als analogiebildung nach dem prasens erklären. Jedeut* 
lässt sich die einfügimg des l daraus begreifen, dass 
stattgehabter dissimilation nur noch recht wenig reduplizien 
präteritalformen übrig waren, bei denen zudem die vertei 
über verschiedene gnippen die empfindung der einheit 
mnsste. Empfand man formen dieser art überhaupt 
mehr reduplikatorlseh (und bei ^beßa war das besonders 



Baa Btarlcc prät«nttim des Germam sehen. 323 

möglich, weü sich h und f nicht genau entsprachen), so 
milderte man ihre abnormität durch angleichung an das 
ptsens wenigstens im konsonantischen aulaut; fühlte man 
aber die reduplikatiou noch hindurch, so verdeutlichte man 
dieselbe noch durch einfügung auch des zweiten konsonanten 
in die redoplikationssühe« 

Trifft diese aufiassung von blefla zu, so folgt daraus 
weiter die richtigkeit der annähme, dass das tv von ags, 
llitivan^ bleow^ row'a«, reaw usw. ursprünglich nur ein präsens* 
Suffix gewesen ist (Eethge § 187)* Es begreift sich ja auch, 
liass das w leichter an die für die sprachempfindung ablauten- 
den präterita, die sich gut in das allgemeine konjugations- 
System fugten, als an die ganz aus dem System herausfallenden 
und noch reduplizierenden präterita antrat. Wenn *befla nicht 
mehr reduplikatorisch empfunden wurde, war es wohl iiber- 
liaupt unmöglich, dass es noch ein tv erhielt, da in diesem 
Mh nur U- als wurzelhaftes dement und -efia nur als 
isolierte enduug gefühlt wurde. 

Bei den meisten nntergnippen der reduplizierenden präte- 
iita bildeten die einkonsouantisch und die vokahsch anlautenden 
zusammen die majoritätp so dass sie das muster für die zwei- 
tonsonantisch anlautenden abgeben konnten. Bei den vokalisch 
aiisiautenden verben der ^*reihe freilich sind die zweikonso- 
nantiscb anlaatenden ebenso zahlreich wie die einkonsonantiscb 
Anlautenden gewesen (ags. bldwan^ cnäwan^ cräwan^ prawan 
Heben mdwan^ säimih umvan, ahd* najan); es ist aber leicht 
^begreiflich, dass auch hier die einkonsonantisch anlauteuden 
"Verba siegten, da sich überhaupt ablautende präterita besser 
aJs reduplizierende in daa ganze verbalsystem fügten* Doch 
lilogt die erhalt uiig von blefla noch iin älteren Northumbrischen 
"W'Ohl damit zusammen, dass es in dieser reihe ags. mehr 
ÄWeikonsonantisch als einkonsonantisch anlautende verba gab, 
freilich ist der drucltj den die übrigen reihen ausübten, 
*>ffenbar auch der grund daflir gewesen , dass auch in der 
<^-reibe die kürzeren formen durchdrangen, obwohl hier unter 
^^Xk vokalisch auslautenden verben nur ags. rowan^ und unter 
^^n konsonantisch auslautenden nur ags, wvpant as. wopia7i^ 
^Ud. wu&fan (mhd. mwfen) einkonsonantiNch, in beiden gruppen 
*^^in einziges vokalisch anlantc^te and obwohl b(*i letzterem 
^uf aga.-as. gebiet nur vom part* prät, nicht auch vom präs, 
^Us eine proportionelle analogiebildung möglich war. 

21* 




324 



HichaTd Loewe, 



B. Die Yokalidcheii Verhältnisse* 

Bei einer betrachtung: der vokalTerhältnisse in den efi 
zelnen uaterabteilungen der umgestalteten reduplikatioi] 
präterita empfiehlt es sich, wegen der unter ihnen herrschet:^ 
den wecbselbeziehuagen möglichst immer dieJBDigen zusammen 
zubehandelD} die den gleichen kontraktionsvokal anfweis^^ 
Es werden hier zuerst die verba mit ^* als kontraktionsvot.^ 
dann diejenigen, bei denen an stelle des b^ meistens e oder x% 
letzteres auch eo steht, und an dritter stelle die mit eo ^ 
kontraktionsvokal besprochen werden; zum scUusse wird noc4 
über die faUe gehandelt werden, in denen e^ an stelle eijjes 
erwarteten eo oder eo an stelle eines erwarteten e* auftritt 

d) B^ als kontraktionsvokaL 

In der ai-reihe i^Tirde im sg. prät. e mit dem aus ai in 
unbetonter Silbe entstandenen ^ zu ^* kontrahiert, das im 
allgemeinen auch im pL durchgedrungen ist. 

Ägutn. hit und die aisK nebeuform Int beruhen nacti 
Noreen, Äschwed. Gr. § 541, anm, i auf einem einstigeü pl 
Viitumy d. h. der sg. aisl hetf aschwed, hmt hat die yokal- 
tarbung des pL erhalten» Da het einen pl. heiom bildete» so 
wurde nun auch zu heit ein pL heitom geschaffen. Eine 
Sonderstellung gegenüber heifa und leika nimmt im Aisl. 
mdpa ein, das als starke formen im sg. prät, nur smipni 
im pl. nur suipom kennt. Eine genügende erklärung für die« 
erscheinung ergibt sich wieder nur durch die annähme, im 
die zweikonsonantisch anlautenden verba die dissimilation nkb\ 
mitmachten, die reduplizierenden formen also etwas länger 
erhielten. Während nun het^ Miom ein hmt^ ^hitom und ift. 
Ukom ein Heikf *likom zurückdrängen konnten, vermoehteB 
dies *8emi^, *Besttepomj die nun zu sehr aus der aUgemeinen 
bildungsweise herausfielen, bei stteip. suipom nicht: vielMehr 
rissen letztere formen die alleinherrsch aft an sich. Ihre isolierte 
Stellung hat dann freilich auch die erzeugung schwaßher 
nebenformen, die bald die häufigsten wurden, veranlasst 

Bei den konsonantisch auslautenden verben der e-refli^ 
waren die analogischen formen mit e im Präteritum schofl 
überall auf nord.-westgerm. boden die gewöhnlichen geworden* 
als die dissimilation eintrat; dass diese Umbildung m all- 
gemeinen nicht auch auf die vokalisch auslautenden ver^** 
übergriff, lag daran» dass sie durch das konsonantiscb ^^' 




Das starke prStciitimi äes GermomscheTi. 325 

Jatitende slBpan veranlasst worden war, Aucli hier entstand 
durch koutraktion des e mit unbetontem e ein ^*. Altnordisch 
verursachte dann der zusammenfall mit dem sg. prät. der 
ai-reihe nahen den pluralformen mit aus dem sg. stammenden 
€ auch solche mit i: aisL Utom^ agutn. lüum^ gritum. Infolge- 
de^en drangt dann auch ei in den sg. (aisl. leit reip^ greif, 
asehwed. let^ r^p^ gr^) und von da wieder in den pl (aschwed. 
r^hom^ gr^(om). Und um den parallelismus voll zu machen, 
hat sich aisl, lit nach seinem reimwort hU^ agutn, llt nach 
hit gebildet: wahrscheinlich hat auch das in der mitte zwischen 
Westnordiseh und Altgutniseh gelegene Altschwedisehe ur- 
sprünglich an dieser analogiehildung teil gehabt, *Ut aber 
wieder wegen der zahlreichen nebenformen {Imt^ Ut, löt) 
verloren, 

Beziehungen zwischen den beiden zuletzt behandelten 
klassen haben auch im Westgerm, bestanden, wie sich am 
deotMchsten im Anglisclien zeigt. Die mit einfacher liquida 
anlautenden konsonantisch auslautenden verba der 6-reihe 
haben hier die volle Schwundstufe mit vorhergehender redu- 
pUkation erhalten (vgl s, :ilO) und auch in den sg, eingeführt: 
Tßordon^ reord aus *rerdunj *reri^ leorlün^ leort aus ^Mhin^ 
*leU, In dem für l stehenden r des letzteren Wortes wird 
man schwerlich mit Scherer Zur Gesch. d. deutschen Spr* 261 
eine analogische neuerung sehen dürfen, da sich nicht ver- 
stehen hesse, weshalb sich das häufigere wort nach dem 
selteneren gerichtet haben sollte. Besser wird man znr an- 
nähme Schleichers Corapendium* § 308 anm., dass hier eine 
Dissimilation der beiden l vorliegt ^ zurückkehren, Osthoffs 
einwand PBB, 8, 560, dass dann auch in Imk eine dissi- 
nüation stattgefunden haben müsste, ist nicht stichhaltig, da 
beim springenden lautwandel alle den beiden in beziehung 
gesetzten lauten benachbarten laute als bedingende f^iktoren 
mit in betracht kommen: in leolc war zudem das zweite i, 
weil es vor Je stand ^ guttural geworden, was sich deutlich 
darin zeigt., dass brechung des ags. e tm eo nur vor l, dem 
ein € oder ä, nicht aber vor einem, dem ein anderer konsonant 
folgte, eintrat: das zweite l von koh glich also garnicht wie 
das von ""koU dem l des anlauts. Wichtig ist nun, dass 
^rerdun und ^MtuHj die einzigen einkfmsanantisch anlautenden 
ploralpräteiitalformen von konsonantisch aui^lautendeu verben 




Ichard Loewo, 



der e-reihe, im Anglischen die einkonsoEantisch anlaotendeii^^^ 
verba der ai-reihe nach sich gezogen und so die yeranlassou^^^ 
zur bildung von Viehtun (hehion) und *leJkHn (lelcon) ge ,^^,^ 
geben haben. Das war nur möglich, nachdem die ursprün^^^^ 
liehen singularpräteritalformen beider klassen (red und ä^^^| 
wie noch westsächs.) einander gleich geworden waren. Mer^^-j,* 
würdig könnte es freilich scheinen, weshalb hier angliseh d^^g 
pluralformell in den sg- gediningen sind, während doch tr^^g/ 
den übrigen reduplizierten präteriten aucli im AngUschen Vk..^^^ 
ancb bei den hier in betracht kommenden klassen aus^rh :^5 
des Angliscben die singularformen gesiegt haben. Es lag ^3ai 
offenbar an dem zusammenfall von b^ und ^* im Anglisct^«]] 
infolgedessen sich hier die präterita *iet und *rerf von ib.^^|} 
präsentien Uta und reda im wurzelvokal gamicht mehr unter- 
schieden. Bei der völligen ausgleichuug der nuiueri riclLt:ete 
sich dann auch weiter im Anglischen auch in der ai-kUi^$e 
der Singular nach dem plural, weil dadurch hier das vor. 
handensein einer besonderen klasse mit e im Präteritum auf- 
gehoben, also wieder eine Vereinfachung geschaffen wurde. 

Einen beweis für das einstige Vorhandensein einer Ab- 
stufung bei den reduplizierenden präteriieu bilden neben Am 
genannten nordischen und anglischen formen auch die Ter- 
elnaselten ahd, furleisB^ firleiszi, die dem aisi leit entspredien 
{Noreen, Aisl. u. anorw, Gr.* § 432, anm. 1)* Offenbar siaÄ 
sie auch wie dies leit zu erklären und setzen die einsti^^ 
existenz von *hÜ2iifnj *lizzum voraus. Wahrscheinlich ga.^ 
es einmal eine zeit, in der im ganzen Nord.-Westgenu* aac;;-^ 
die konsonantisch auslautenden verba der ^-reihe im pl prlC^ 
auch formen nach dem typus aisL .^uipom sowie die verb^^" 
der ai-reihe auch solche nach dem typus anglisch reordon iu::-^^ 
pl. prM, bildeten: wo dann nicht wie gewöhnlich die dritte:^^^ * 
art der bildung nach dem sg. siegte, liiang einerseits auff^^ 
nordischem, andrerseits auf deutschem boden der typus suip&mf^-^ 
in der mitte aber auf anglischera der typus reordon durch. 

Die der s*reihe angehörigen zweikonsonantisch aulantBndeu 
verba got. sUpatt^ gr^tan^ ags» ondrwdan kennen neben Ihrei*^^^ 
einstigen siugularen ^seslepa, ^^egröta^ '^'dedröda als plural^^' ** 
ursprünglich nur *seslupume^ *ge^utume, "^dedrudnme ent---^ 
sprechend "^ref^iunief ^leltume gehabt haben. Wegen de' ^^^ 
Unterschiedes vom präseosvokal werden dann Mar zanick^^^ 




Das starke prfiteritaiii des Gennanisclien. 



327 



*^upfime^ ^gnitiime^ *druäume dorchgedningen sein. Über 

*grHtvm€ vgl. s. 31 L Für *drridan lag ein reimverbum in 

^^an vor, so daas sich hier gegen die ansieht Scherers^ Zur 

Oesch. d. deutschen Spn- 261 von einer analogiebildung keinerlei 

zweifei erheben kann: daher hier auch westsächs. ondred, 

tmdredon wie anglisch ondre&rd (ondreard)^ ondreordoih Kein 

masterverbum gab es dagegen bei Blepan. so dass '''shipume 

aach keine andern formen nach der CT*-reihe (wie *^rtäume) 

Ixervorrief und vielmehr selbst überall mit ausnähme des 

Anglischen nach der allgemeinen regel dem vokalismus seines 

siogolars unterlag; im Anglischen aber wurde das verbum^ 

um den znsammenfall des präteritalvokals e mit dem gleichen 

präsensvokal zu vermeiden, da eine analogiebildung nach den 

€itikonsonantisch anlautenden verben gleicher reihe zu schwer 

aussprechbaren ^formen geführt hätte, in die alles aufnehmende 

schwache konjugation übergeführt. Das zweisilbig aolauteode 

verbum der ai- reihe ags, scädun hat vielleicht auch einmal 

anglisch (wie westsächs.) ein Präteritum sced gebUdet; doch 

stand dies zu isoliert, nachdem im Anglischen hei nnd Uc 

verschwunden waren, abgesehen davon, dass es diesen in 

ihren analogischen plnralbildnngen so wenig wie slepa hatte 

folgen können. Auch hier trat daher schwache fiexion ein. 

h) e neben dem kontraktionsvokal e^. 

^ft Iß der reihe, die hinter dem a nasal oder liqmda + kons. 

hat, steht in dem grösseren teile des Nord.-Westgerro* e, in 

dem kleineren ^^ als präterit^ vokal* Wenn man von der 

kontraktionstheorie ausgeht, muss man natürlich das letztere 

aJa das ursprüngliche ansehen. Dass ^^ hier erst analogisch 

ftr e eingetreten wäre, ist auch deshalb unmöglich, weil sich 

die verbä mit präsentiscbem monophthongischem a -\- konso- 

Qantengruppe nur nach denen mit monophthongischem a -f 

konsonant, nicht aber nach denen mit präsentiMchem ai oder 

^ hätten richten können; an eine lautgesetzliche entstehung 

des ^* aber aus e ist natürlich noch viel weniger zu denken- 

Auch wird sich die aisL nebenfönn heilt kaum anders erklären 

lassen, als dass es zu einem *J^t gebildet wurde, weil ein 

heit neben hei und ein leit neben let bestand; das ei hat 

dann die kürznng, der das e* vor konsonantengmppe und 

4oppelkousonanz unterlag, nicbt mitgemacht. 




Wenn man ge^eu die ursprün^lichkeit des e* den ein- 
wand erhoben hat, dasB es nur im Ahd. nnd aach hier nielil 
ausschliesslich hen^sche, während das Nord,, Ags. and As. e 
aufwiesen, so könnte eben diese majorität der dialekte nur 
dann in die wagschale fallen, wenn dieselben niemals einander 
benachbart gewesen waren. Da aber eine solche nachbarschaft , 
vor dem abzuge der Angelsachsen bestanden hat, so kann 
natürlich die kürzung des ^^ vor doppelkonsonanz auch nochi 
eine der zahlreichen nordisch- westgerra. neuerungen geweser 
sein* Von den übrigen neuerungen dieser art unterscheide^:^ 
sie sich nur dadurch, dass sie nicht das ganze westgemrzj 
gebiet getroffen hat. Ganz ähnlich wie später die vom alpeizi^^j 
gebiete aus vorrückende hochdeutsche lautverschiebung nacr;:::^] 
norden zu sich abgestuft hat^ so hat die offenbar vom ni^^j^. 
dischen kommende kürzung des e^ vor konsonanteiigrup -^^g 
und doppelkonsonanz nach Süden zu abgenommen und ^^ 
noch vor erreichung der südgrenze des Deutschen vol]stanc3/^ 
zum stillstand gekommen; natürlich spielte aber hier wie i^mDrt 
auch der unterschied zwischen westlichen nnd östlichen ^e 
bieten mit, 

Doppeltbrmen, ja sogar dreifache formen finden sich tijer 
im Mittelniederländischen, worüber Franck, MnL Gn § lä? 
und ZfdA. 40, 31 ff. gehandelt hat Derselbe ist wohl ün 
recht, wenn er das nebeneinander von hieltj hieMen und häl 
helden durch kürzung des <?- nur vor auslautender konsonaateij- 
gruppe erklärt, da im inlaut der zweite konsonaut zur folgen- 
den ailbe gezogen wurde. Dagegen ist es wenig wahrscheinlici, 
dass bei viel, viehn neben vel^ vellen nun umgekehrt der 
lange vokal sich im sg, gehalten haben soll: vielmehr durfte 
hier die kürzung des ^?* vor anslautendem langen l gleich- 
zeitig mit der vor l + kons, eingetreten, dagegen vor dew 
sich auf zwei silben verteilenden langen l unterblieben sein. 
Vor rin dagegen wird^ da bannen und spannen nur formen] 
mit ie haben, die kürzung sich überhaupt nicht eiDgesteU^ 
haben. Auch vor ^.«f (in hm.^en „bellen*^) mag das gldch| 
überall geschehen sein. Dagegen ist von waUen vielleicht nu 
zufällig nur wielf uiden belegt: doch wäre es auch wohl nicjj 
unmöglich, dass hier wegen der Seltenheit des Wortes das Ij 
den meisten verben der ganzen klasse vorwiegend oder ätl| 
vorkommende ie (im Mnl« haben sich unserer gruppe 



IHs starte priteritmn des Oermamfcben. 



319 



rerba der ßt-reihe mit präsentischem i ausser lachen^ ausser- 
dem auch ivaken angeschlossen) wirklich stets durchgedrungen 
wäre. Die formen hilt, hilden erklärt Franck wohl richtig 
darcli abenualige kürzuug des ie vor auslautender konsonanteu- 
gruppe, weshalb auch Jäelt^ hieldm seltener als hiltj hiUen 
seien, "Wenn dagegen hei vaüen die formen viL viüen seltener 
als viel, vielen und vel^ vdlen vorkommen, so deutet das doch 
wohl darauf binj dass sie erst nach dem nebeneinander von 
hielt, hdtj hilt und hieldeti^ helden^ hÜden zu rielf rel und 
vielen, veilen geschaffen worden sind; als hilt entstand, wird 
*tneU eben längst auch zu viel gekürzt gewesen sein. 

Bei den verben auf ng zweifelt Franck mit recht, auf 
si€ die gleichen erklärungen wie auf die übrigen anzuwenden, 
indem er darauf hinweist, daas speziell das Flämische vsl 
und vil, hell und hilt und hielte aber aussclUiesslich vinc^ 
uinghen^ hinCy hinghen^ ginc^ ginghen hat; das Holländisch- 
Braban tische wiederum kennt nur ^mc^ mnghen usw. Man 
^W'ird daher vor ng woM auch für den inlaut eine kürzung 
des B^ für die gleiche zeit, in der dies vor l + kons* und 
vor langem l wenigstens im auslant gekürzt wurde, anzu- 
nehmen haben. Francks hypothese, dass e vor ng im Fla- 
misehen noch von dem alten wände! des westgerui. e in dieser 
Stellung mitbetroffen wurde, im Holländischen aber nicht mehr, 
ist nicht haltbar, da westgerai. e vor vg schon um 100 n, Chiv 
Äü * geworden war (Streitherg, Urg. Gn § 64, Bethge s, IS), 
der ganze umwandlungsprozess der reduplizierenden präterita 
Äher erst nach dem ahzuge der Goten an das schwarze meer 
l^egonnen hat. Auch kann das flämische i nicht wohl aus dem 
Optativ stammen und wie das i vom ahd. sigristo aus mlat. 
^egrista, ahd. pßrsich aus lat, persicm auf eiuwirkung des i 
der folgesilbe beruhen, da man nicht einsieht, warum sich 
d^nii i hier gerade vor vg festgesetzt hat. Vielmehr wird 
in FläraiBcheu entweder neu vor Dg entstandenes e zu l 
geworden oder B^ vor vg von vornherein zu i gekürzt 
^*orden sein. 

Sehr beacJitenswert ist. dass sich hier wie im Flämischen 
^ audi im Altnordischen i vor vg zeigt: so in aschwed. ßk, 
mgom^ gik, gingmn^ aisL felck (aus *ßn*ff)^ ßjigom^ yekh (aus 
?*'*.'?) I gingötHf hekk (aus *hing)^ zu dem im pl nur noch 
^^ugm überliefert ist wie jünger auch feugomj geiyom mit 



330 



Eichard Loeve^ 



vokal des Singulars. Der lautwandel lässt sich auch ganz wie 
der entsprechende flämische beurteilen* Die Übereinstimmung -^ 
zwischen dem nordischen und dem flämischen wandel fällte 
80gar so auf, dass man an einen genetlBchen zusammeahang 
beider trotz ags, feng^ heng zu denken versucht ist. Bestehti 
ein solcher, dann ist ö* wahrscheinlich noch vor seiner all ^^j 
gemeinen kürzung vor doppelkonsonanz speziell vor vg ii*:^. 
ganzen nordisch-anglofriesischen und in einem teile des aiw-^ 
grenzenden deutschen gebietes zu i gekürzt worden, worac^^^ 
dann aber im Anglofriesischen das e analogisch wiederhe-^s^^ 
gestellt sein niuss (so ags, fenßf heug wie Mend, *ÄeW, afri^^^ 
feng, heng, geng wie hen^ helt usw.)* '■ 

Franck verweist auch darauf, dass die kürzung vor ^^j^« % 
überhaupt geographisch am ausgebrei totsten ist und dass aiz^^-^ 
in neneren fränkischen mundarten feng neben hdt und fi^a^ 
neben hielt steht: die formen mit t^ finden sich ja hier Ti^cb 
Sievers, PBB. 1, 507 auch schon ahd. in dem fränkisehea 
Isidor und den auf fränkischer grundlage berulienden fwag- 
menta theotisca (z. h. kafem\ kafmigun^ genc^ gengun, arhenc^ 
aber feal^ feahm^ felun; vgL auch Sievers ZfdPh, 15, 247). 
Auch fUr das Niederdeutsche ist siclier wenigstens teilweise 
die gleiche Verteilung anzunehmen; als die gewöhnlichen 
formen für die mittelniederd. zeit giebt Liibben, Mnd, Gr, § 48 
speiij ben, vel, welt^ helt^ speit , aber vet^k^ Jwnky gmik BXi* 
Allerdings macht Franek, ZfdÄ. 40, 36 selbst darauf auf- 
merksam, dass die neuniederdeutschen mundarten nicht durck^" 
weg hierzu stimmen, wie denn das Neuwestfälische nicht nt*-^ 
in der gruppe fangen ^ sondern auch in fallen und haJäe^ ^^ 
kurzes e wie der Monacensis habe. Ganz sicher ist freilich 
— und das giebt auch Franck zu — die ansetzung der kür^^^ 
des e in dieser klasse für den Monacensis nicht: wohl ab^^^ 
darf man dies für die Vatikanischen brueUstücke behaupte^^^ 
in denen s lantgesetzlich in ie übergegangen sein miisst^^" 
Das gleiche gilt auch für den Kottonianus, bei dem sich fa^^* 
nur in den ersten 1250 versen neben formen mit e solct*-*' 
mit ie finden, in denen Franck die einniischung eines anderes^* 
Sprachtypus erblickt Wenn in dieser partie 13 gieng nr»* 
11 fieng (von hähmi ist kein Präteritum belegt), aber n»^^ 
1 hüM und 1 wield stehen, so wird man deshalb dooft 
schwerlich anzunehmen haben, dass in irgend einer gegei^^ 



Das starke prütcnttun ^m Gennanfschen. 



331 



^* vor l 4- kons, gekürzt, vor ng aber beibehalten worden 
sei, der kutwandel sich hier also gerade umgekehrt wie auf 
anderen niederdeutschen gebieten vollzogeu hätte. Vielmehr 
dürfte hier ^* wiederum nur vor auslautender konsonanten- 
grnppe, allerdings auch vor 7ig gekürzt worden und es dürften 
dann durch ausgleichung zwischen Singular- und pluralformen 
-wieder doubletten entstanden sein* Das häufige auftreten 
der formen mit ie bei fahan ist dann wohl aus der Überein- 
stimmung ihres präseuavokals ä mit dem von sUpan^ latan 
usw. zu erklären; fieng und Viieiig können dann auf ein 
stärkeres hervortreten von gienc hingewirkt haben (ähnlich 
Uolthausen, As. Elementarbuch § 44>5, § 447 anm.). 

Eine besonderheit zeigt in der bildung der meisten prä- 
teritä dieser reihe das Angelsächsische mit seinem eo^ das 
an sich ebenso gut der kurzdiphthong eo wie der nornial- 
4iphthong co sein kann, Dass dies eo hier erst sekundär 
ist, ergiebt sich aus der Übereinstimmung des nordischen e 
mit dem auch deutsch hier vielfach auftretenden e; das in 
der mitte gelegene Ags. hat das e ja selbst noch in hhnd^ 
feng^ hetig^ das ihnen nächstverwandte Altfriesische aber ancK 
Boch in helt usw. ; es ist daher von vornherein wahrscheinlich, 
dass wir es hier mit dem kurzdiphthong eo zu tun haben. 
Doch ist es durch nichts wahrscheinlich zu machen, dass in 
%^ld, wie Franck 40, 36 die grnndform anstatt *hehald, 
*kealdj *hBld, *held ansetzt, der nachschlag des e oder in 
*he-ld eine pause vor l die brechung bewirkt habe. Dagegen 
Ifest sich wenigstens ein Präteritum finden, das nach den 
lantgesetzen so lauten musste, wie es uns vorliegt; es ist 
weolc „walkte^, in dem e vor Ic regelrecht zu eo gebrochen 
ist. Nun wäre es ja an und für sich mehr als unwahr- 
scheinlich, dass dies eine seltene wort die 7 übrigen zum teil 
recht häufigen präterita auf // und ? + kons. (feoU, weoU, 
f^old, heold, steold, weold, smlt) nach sich gezogen hätte, wenn 
nicht begünstigende umstände für seine einwirkung hiBzu- 
eekommen wären. Ein solcher unist^ind aber war die that- 
aache, dass neben den ags. präsentien mit ea präterita mit 
eo lagen (das wegen seiner entsprechung im AisL als ie>, im 
ßeutschen als eo nur als co angesetzt werden kann), so dass 
Schon die lantgesetze der spräche eine proportion hSatan: heot 
i wmlcan: weolc liefeiten. Aber selbst schon ohne das be- 




332 



P!eh«nl Loerwe, 



Stehen von weole hätte die proportionelle analogiebildiing 
beatan: beot - feallan: feoll äusserst nahe gelegen. Das m 
des Präteritums drang eben überall durch, wa im präsens m 
stand, d» h, bei allen verben auf ü und l + kons. 

Nicht so einfach wie für das Westsächsische liegen diese 
dinge freilich für das Anglische, das zwar anch im präteritniu 
feoll^ heoldy aber im präsens ftilUin^ haldan usw, bietet, Indess 
muss auch das Anglische einnitil die brechung des a zu m 
vor U und l + kons, gekannt haben, da es im northumhn 
Bealla = got* saljan einen rest davon bewahrt hat ; letztere form 
kann auch nicht einmal der ansläufer eines westsächsiscbeu 1 
lautwandels sein, da sie westsacbs. mit umlaut sieUan^ syÜan 
und sogar ohne brechung sdlan lautet. Umgekehrt findet sich 
nun aber auch westsächs. in gleicher Stellung a neben m, I 
z. b, fallan neben feallan^ ald neben eukl, halp neben healp. 
Die formen mit a finden sich westsächs. uamentlich in den 
älteren quellen; doch fehlt einigen Wörtern wie balea, dak, 
fald auch in jüngeren^ in denen die a sonst hier seltener 
geworden sind, regelmässig die brechung (Sievers, Ägs. 6r,* 
§ BO nebst anm, 3). Zwar ist das bei fald mit Sievers aus 
älterem ags. falud^ falmd zu erklären; aber in bahn ist nach 
ausweis von afries. balca, ahd. balko die lautfolge lli alt. Es 
iässt sich daher meines erachtens die annähme nicht umgehen, 
dass einmal im gesammten Aga, für ursprüngUches a vor I 
-|- kons, sowohl a wie ea stehen konnte^ ein zustand 4 wie 
er sich noch im älteren Westsächsischen ziemlich intakt ei- 
halten hat. Doch neigt anch das ältere Westsächsische schon 
etwas zum siege des ea, der sich dann auch in einer jüngeren 
Sprachperiode wirklich einstellte, nachdem sich jedoch aus 
unberechenbaren Ursachen bei einigen bestimmten Wörtern a 
festgesetzt hatte* Umgekehrt hat im Änglischen schon früh 
das ea im allgemeinen gesiegt, in smUa aber schon zuvor 
das m die allein herrschaft erlangt, VergegenwäiUgt man sicJi» 
dass der lautwandel ebenso gut wie die analogiebildung aus 
der spräche der heranwachsenden generation stammt, so kann 
auch" eine solche annähme ganiichts merkwürdiges haben. 
Denn so gut wie neben einer aufgekommenen analogiebüdung -3 
noch die ältere form über generation en hin fortbestehen kann, 
so ist doch das gleiche auch beim lautwandel möglich, wem: 
sich hier auch wegen der grosseren mengender von ihm be 





Das starke priterittmi des GemuuüsclieEL 

tröffe nen Wörter die Ausgleichung im allgeraeiiien schneller 
%'^ollzieht*) Sind diese ausfuhrungen richtig, dauii ist natür- 
lich auch für das Änglische bei (eoll usw. die gleiche analogie- 
bildong wie für das Westsächsische anzunehmen. 

Die ags. formen heonn., speonn, geong hat Franck, ZfdÄ. 
40, 37 zweifellos richtig aus anlehnung von *benn, *8penn. 
S^^S C^Sl' afries* hen^ g^-^^ff) an die präsentia bonnan, sponnan^ 
^on^jan erklärt; nur liönnte dabei ein schonvorhandensein des 
typus feoll, heold das durchdringen von beonn usw. noch er- 
leichtert haben. Dass dem ^eong ein ^s^ng vorausliegt, geht 
doch daraus hervor, dass seine nebenform §en^de nur durch 
kontamination von *j^nj und eode entstauden sein kann. Die 
«rbaltiing von /"enj und hen^^ ist daraus zu erklären, dass die 
präsentia fon und hon ihnen zu fem standen, um einfluss 
zu üben. Auffallend ist indess, dass auch von Mondän nur 
blefid vorkommt. Das nebeneinander von blend und beonn^ 
spBmtn beruht vielleicht nur auf dem zufall der Überlieferung, 
indem von allen drei verben die formen mit e und eo gleich- 
l>ere^htigt gewesen sein können ; bei einem so häufigen verbum 
^wie „gehen" dürfte freilich *je?J^*) nicht zufällig fohlen, 
sondern es wird, nachdem es wie ja??j, ^m^de, j^ö?ij von 
^^iide aus der Umgangssprache verdrängt worden war^ sich 
^.os der alten spräche in die poesie wie seine drei neben- 
tfcrmen, die schon zahlreich genug waren, nicht mehr haben 
BT-^ttan können. 

c) €0 als kontraktionsvokaL 

Das e der reduplikationssilbe wurde mit folgendem ö, 
ISl^hviel ob dies urgerm, ö (in der a-reihe und bei den 

') Oflenbar beroht doch vaf solchem nebenoinander von iJteren mwi 

Jüngeren laotvertretongen die in vielen sprachen beBtebende Gleichwertigkeit 

^'oti Uli. bj d, tf und mbj ndf vg sowie tlas von Sie vors, Phonetik ^' § 73S 

tlidmi pisteUte Bch wanken in der Sprache eines Papna twischen k^ ^, g^ h" 

^&d kt Im voka ^kafiee'*, also vieileicbt nur inte rvokaü^ch), welche lanto wie 

*ii« turpiUjigliche form und verscbiedene anaiof^jebüdting-eii neben einander 

^■tilieii. Weiteres material wird sieh wahrscheinlich noch aas genauerer 

^^Mbadsltm^ lebender tnnnd arten ergeben. Auch da^ wo m gpracbdenkmälem 

*kT ältere tmd der jtngere lant mit einander wechseln, wird sieb das nicht 

immer muB der teilweisen beibebaltung einer älteren Schreibweise oder aui 

mischimg de^ ilialekts dei Schreibers mit dem seiner vorläge, »ondem bäoSg 

S^nif wohl auch aas der spräche des Rcbrelbers ganz allein» in der ältere 

otd jQiiger« lante gleichwertig waren, erklären, 

^ ^m^ in der ags, genesia ist bekanntlich as. 



334 



BichäTd lo0we, 



Tokalisch auslautenden verben der e-reihe) entsprach oder m 
unbetonter sübe aus au (in der att- reihe und bei aisi btia 
und ags. heofan) entstanden war^ zu eo konbahiert, das alt- 
nordisch in id überging* Eine durchgangsstnfe tu ist hier 
unmöglich, da iü vor k und p hätte bleiben müssen, während 
es doch aisl. iok und hliop lautet. 

Die vokaüsch anlautenden präteiita der rtw-ldasse im 
ÄisL, iSk und Us, entsprechen bekanntlich genau got* aiauk 
und *atamy wie auch ihre plnrale iokoni und iosom den got 
plnralen *amikum nnd "^amitmm (vgl. aimkumy Der plural 
dieser verba muss schon idg. die yokalstufe des $g* so gut 
wie aisl ätom neben ai nsw* erhalten haben, so dass sich 
sowohl Singular wie plural ?on ihren grundformen nnr durch 
den erneuten vortritt der redaplikation unte scheiden. Die 
formen iukom nnd imom gehen nach Noreen, Aisl u, anorw. 
Gr.* § 9ß anm. wahrscheinlich auf *i*Aom, Hisom zurück: die 
vorfugung des i erklärt sich leicht aus dem gefähle der 
inkongruenz im aulaut zwischen sg. nnd pL desselben tempus. 
Daher konnte auch hhipom bestehen bleiben; das auf das 
Anoisw. beschränkte liupum ist nur eine jüngere analogie- 
hildung nach iukiun^ uu^nm. Dagegen können umgekehrt 
*iikiim^ "^usum nur nach klupum gebildet worden sein. 

Ein grösserer gegensatz als wie zwischen aisl. hliop und 
Mupom bestand zwischen aisl hiS nnd *huggnm^ weshalb 
auch hier i in dem pl. eingeführt wurde: daher aisl. hmggom. 
Die einstige existenz von aisl. Vwggum wird nicht nur durch 
mschwed. htiggum^ runensehwed. ukii wahrscheinlich gemacht, 
sondeiTi auch durch aisL huggiom bezeugt , das nach Noreen* 
Aisl n. anorw, Gr,^ § 493, anm. 1 ein *buggom voraussetzt; 
eine form *bugfföm kann nur nach der proportion hio: ^huggom 
- hio: *higgöm gebildet worden sein, da hüa sonst nirgends 
ein uu zeigt. Die o von aisl, aschwed, hmggom^ aisl bioggom' 
erklären sich wohl durch Übernahme der vokalilrbung voi 
hiö^ biö^ das H von hiü durch eine analoge angleiehung 
hrnggiim. In aschwed. hiog für seltenes hiö (geschrieben hiw^ 
liegt nach Noreen, Äschwed. Gr. § 542^ anm, 2 eine an- 
lehnung an den pl auch im konsonanten vor; nach anoi 
hioggom ist auch im sg, hiogga in anlehn ung an die schwach 
konjugation gebildet. Über aschwed. byggi u. a. vgl Noreei 
Aschwed, Gr, § 59, 10 u. § 545. 



I 



I 



Daff Starire pilteritimi des Oennanisetiüii. 



335 



As, ÄeWj dem smi parallel geht (vgl* mnl* hieu^ neti) 
bann nach Franck, ZfdA, 40, 39 für *heo aus *hehauw durch 
einfluss des w, vielleicht vom pl. Vieowun her, stehen i m kauu 
hier also etwas ganz ähnliches vorliegen, als wie wenn es für 
den as. notuinativ treo auch treu nach trewes, trewe kernt 

Die auf labial ausgehenden praterita mit to ersetzen dies 
bekänutJich altoberdeutsch durch in, während es die auf dental 
aosgebenden beibehalten. Ist hier der diphthong, wie ich 
ingenommen habe, überall aus e -{- ö kontrahiert worden, 
10 kann nur eo ursprünglich sein. Die ursprünglichkeit des 
e$ folgt nun thatsächlich nicht nur aus einem vergleiche mit 
&ii&l. iSk^ hUop (vgl s, 334), sondern vor allem auch daraus, 
daas €0 (io, le) im Altmitteldeutschen auch vor einem i und 
M der folgesilbe z, b. in kofam auftritt, während bei ursprüng- 
lichem eu (aus e + u in der Schwundstufe) doch hier tu 
stehen müsste: ist doch sonst nirgends da, wo einmal die 
rednplikation nicht mehr vorhanden war, dies ablautsverhältnis 
zwischen sg. ind. prät einerseits und pi ind* prät nebst dem 
ganzen opt. prät andererseits aufgehoben worden* Ist eo 
aber im ahd, Präteritum überall ursprünglich, dann kann 
freilich auch altoberd, in, da wo es in anderen Wörtern vor 
eioeni labial oder guttural hei einem anderen vokal der folge* 
silLe als i oder u auftritt, nicht direkt auf altem in (aus eii) 
l^eruhen, sondern muss zunächst auf eo zurückgehen. Wenn 
^ber m in diesen fällen erst über eo entstanden war, dann 
**i:aucht es, als es wieder ein in wurde, natürlich nicht wieder 
^t altem in zusammengefallen zu sein. Waren aber altes m 
^d neues tu von einander verschieden, dann konnte auch 
^^txier«s in io, weiter ie übergehen und so mit io, ie aus 
^^haltenem eo wieder zusammenfallen, als altes iu als solches 
r^^äütdien blieb, wenn es nicht gar schon zu ü kontrahiert 
F^^rden war. Nur so ist es erklärlich, wenn Notker durchau» 
p^ieder tief^ sUh usw, schreibt, bei denen doch das verlorene 
^ der folgesilbe nicht zum zweiten mal brechung hat hervor- 
rufen können. Das vor labial und guttural stehende in der 
^4^toherdeatschen praterita hat hier ganz das gleiche scbick.^aJ 
P^^e das ans dem brechungsdiphthong e^ in gleicher Stellung 
«-Itoberdeutsch entstandene itij wie denn schon die den 
i^>3ergaögsstandpuntt repräÄentierende Wiener gen^is ebe&io 
Kiit rief wie tief, diep bietet (Braune, PBB. 4, ö62)* 




IlicliÄrd Loewe, 




Das« die beiden im des Altoberdeutschen in der that vo] 
einander verschieden %raren, wird zum überfluss nocli durc^ 
ein anderes inoment bestätigt. Ein streng oberdeutsch^ 
denkmal bereits des 8. jalirhnnderte, der vocabularins St, Oalim 
schreibt nämlich nach Braune, PBB, 4, 561 in den vier tälle^^ 
in denen in ihm das dem altmitteldeutschen eo gegen übi 
stehende iu vorkommt, jedes mal eo. Das erklärt sich d« 
nur so, dass das erst aus eo wieder entstandene altoberd. 
dem eo noch näher als das alte m stand. Letzteres 
eben schon i + ü, die Vorstufe von ü, gewesen sein. ^ 
ersteres als % + u erst aus eo entstand. In denjenigen abei%J 
deutschen gegenden freilich, in denen auch jüngeres iu den/ 
eo nicht wieder gewichen ist, sondern diphthongisch wurde, 
mnss auch für dies i + ü angesetzt werden* Es smd dis, 
nach den wenigen angaben Braunes, PBB* 4, 5H3 f, zu schliessctit 
die südlicheren oberdeutschen mundarten. Wahrscheinlich ist 
also im äussersten süden Deutschlands eo vor labialen und 
gutturalen direkt in iü übergegangen: als aber die laut- 
bewegung weiter nach norden vorrückte, übte doch das nocb 
in der spräche der älteren generation vorhandene und aas 
dieser wohl neben iU in die der jüngeren generation auf- 
genommene €0 auf dies in einen so starken einfluss aus, das^ 
daraus mittleres m entstand, neben dem eo und lü iu deu- 
selben Wörtern verschwanden. Dies mittlere iu drang dauu 
noch weiter vor, erlahmte aber an der grenze des Fränkischen. 
Der spätere wandel dieses m in io im grdssten teile des Alt- 
oberdeutschen ist dann allerdings wohl in anlehnung an das 
benachbarte Fränkisch erfolgt, aber keineswegs durch eine 
literatursprache, sondern dadurch, dass die junge generatioti 
im oberdeutschen gebiete deijenigen im fränkischen gebiete 
nachsprach, nachdem in beiden raundarteu nicht nur gemßiQ' 
sames eo (vor dentalen) zu io geworden, sondern fräntisck 
auch das dem oberd. iu entsprechende eo natnrgemäss dem 
gleichen wandel mitunterlegen war: machte aber der Fräste 
gar keinen unterscliied mehr zwischen den beiden diphthong^ßi 
sein oberdeutscher n achbar aber nur noch einen geringen, ^ 
lag es für letzteren allerdings sehr nahe, die diffarenz g^^ 
fallen zu lassen. 




79a starke prtteritum des Gennsnücben. 



d) ö* für €0 und eo fllr eV 

las einzige konsonantisch auslanteade verbtim der ä-reihe, 
M ädi aisl. erbalten hat, blota^ bildet seüi Präteritum be- 
inDtüch als biet, während man doch *blj6t = ags, hlSot^ ahd, 
ms erwarten sollte« Ist in diesem worte eine ganze reihe 
einem gfermaniscben dialekte völlig aus ihrem gefiige ge- 
?sen, so tritt doch auch sonst e"^ für zu erwartendes eo und 
ich umgekehrt eo für zu erwartendes e' auf. Alle ftlle 
Bser art müssen natürlich im zusammenhange mit einander 
handelt werden. 

Am verständlichsten erscheint hier eö in as. griot (Cotton*), 
iai (Monac.) aus *greot Die form repräsentiert nach Roediger, 
FdA, 20, 243 einen rest des got, typus lailöt Die dissi- 
ilation des wurzelanlauts gegen den reduplikationsanlaut 
uss in einer zeit erfolgt sein, als in der p-reihe die präterita 
it ö noch nicht ganz neben denen mit b verschwunden waren : 
ich *leöta zu *Mö konnte sich aber auch *greota zu *^rstö 
ilden. Wenn dann, als der typus leH den tj^pus *leot sonst 
änzlich verdrängte, von letzterem dennoch *greot bestehen 
lieb, so lag das ofl'enbar an dem in der bedeutung setu^ nahe 
erwandten *weop, wiop. Wahrscheinlich hat dann auch das 
im anomal empfundene *jreo^ dazu beigetragen ^ das verbum 
nian nicht in seiner alten flexion festhaften und vielmehr 
a gnihim ein ^eotan (ags. ^eafan» as* greotan) bilden zu 
üien (vgL s* 311); im Ags. ist es sodann selbst von dem 

fgreoUm gleichzeitig gebildeten ^-mt verdrängt worden, 
Haben eine zeit lang die typen UH und *leot neben 
tnander gelegen, so konnten sich auch da, wo sonst präterita 
lüt e* existierten, nebenformen mit eo einstellen, also tri der 
E^reihe. Natlii-Iich waren solche formen da leichter möglich, 
k überhaupt nur analogische bildungen vorlagen, d» h, bei 
§^ikonsonan tisch anlautenden verben. Da indess in der i?- 
eibe selbst das ^^ das eo fast ganz aus dem felde schlug, 
» konnte letssteres auch in der ai^reihe kein gi^össeres terrain 
gewinnen* Ein eo zeigt hier nur ags. mmop^ dem ahd., mhd, 
^^f gegenübersteht. Die ausnahmsweise bildung von mmop 
n«ben *mi}ep nach ^leot neben Ut ist offenbar durch die be- 
ifeirtungsverwandtschaft von swapan „wegfegen** mit verben, 
tei denen eö im Präteritum das normale war, begünstigt 
forden; es waren das blawan ^blasen**, wäwan „wehen ^ und 

2«>»«liHfl fftr Tflrgt Spruttif. K. F. XX. S. gg 




338 



Blchftr«! T.o€Tre, 



vielleicht auch mäwan „mähen", drnwan ^drehen '^ (vgl abd 
sweifan ^winden**)* Das eiBmal vorkoniraende partkip ostvo'^ 
verdankt offenbar erst dem sweop seine entstehung. 

Das nebeneinander der typen UH und *leot konnte abe-- 
auch da, wo t^o ursprünglich war^ ein e^ daneben erzeugei::^ 
So kommen denn ags. auch bei den vokalisch aaslautendt^ 
Verben der f- reihe neben den präteriten mit eo bisweüen an^ 
solche mit e vor, die northnmbrisch häufiger sind (Sieve^ 
Ags. Gn^ § 396, anm* 8); eine form dieser art ist auch ^^ 
von Franck, ZfdA, 40, 38 aus bhrem (= hk -j- er ^ &^^ 
herausgeschälte afries. hlB, Auch falls as. $eu als *seii? a^^j 
zufassen ist (so van Helten, PBB, 20, 524 f.), ist es vielleioi^ 
ebenso zu erklären ; freilich könnte sich auch schon wie ne^bg^ 
^lelöta ein bald häufiger werdendes "^lelHa so neben *se8Gi 
ein selteneres *stsüa eingestellt haben, auf welches dann agSL 
*se (woliir sew mit dem w von säwan) durch die gewöhnUcie 
dissirailation zurückgehen würde. Neben den formen mit e 
liegen in dieser reihe northnmbriach auch solche mit m mt 
onenmv neben oncnew und oncnmw (für -eow): dieselben mi 
offenbar aus denen mit e durch beeinflussung des präsentischea 
ä entsprungen, wie ähnlich in der Soester mundart fiir ia, 
den lautgesetzlichen Vertreter des totJangen i-umlauts von 
germ. a, überall da, wo noch eine verwandte form mit a oder 
a daneben lag, das dem a näher stehende ea eingetreten ist 
(Hollbausen, Soester Mundart § (JO f.); im Ags. selbst habefl 
wir ganz dieselbe erschein ung noch in dem einmal im Eush^ 
worth manuskript begegnenden prat. hcH (Sievers, Ags* ör-* 
§ 394 anm.), das offenbar für het unter einfluss von hdtan stebt. 

Wie sehr überhaupt das präsens im Northumbrischen das 
Präteritum beeinflusst hat, ersieht man aus den zahlreichen 
präterit^lformen von u?dbpa^ von dem ausser den regelrechten 
weop, wSap auch die durch koutamination mit dem prä^efls 
entstandenen wtwp und uHFap vorkommen, daneben aber auch 
mit völliger präsensvokalisation tvö^i der nur hier W* 
kommende präsensvokal (ff machte sich eben der sprach- 
empfindung so stark bemerkbar, dass er dem prinzip d^^ 
Vokalwechsels zum trotz auch dti^ekt in das Präteritum driiigß*^ 
konnte; doch ist man diesem gleichlaut in der starken koii* 
jugation auch durch bildnng eines schwachen Präteritums tvc^i^' 
(vgl* heofde nebeu heoß ausgewichen. 



Du starke Präteritum des GermaniEclteii. 



33!> 



^y Wenn das Northombrische auch von hreQUWi die form 
hrewitn aufweist, so ist diese bilduiig wohl deshalb erfolgt, 
am das prät^r, hreoiOy hrmw vom präs. hreowan^ hreawan 
deutlich zu scheiden; aii und far sich konnte sich, wie sew 
neben seow^ seaw bestand, auch hretv neben hrSow^ hrSaw 
eiBStellen; bei einem verbam auf *w mag eine solche Neu- 
bildung nach sdwan am nächsten gelegen haben, wie sie denn 
Sievers auch bei dieser reihe genannt hat. Das neben hretüun 
stehende hrmmn ist wohl als hrcrwun aulzufassen, also weiter 
nach smv neben sStv gebildet worden. Nicht zu erklären 
Temiag ich das von Sievers auch angefiihrte hrmmm^ sollte 
vielleicht hromun t\ir hreoimm verschriebeu sein? 

Das e tritt nun aber northumbrisch auch im Präteritum 
vokalisch auslautender verba der ä-reihe auf, wie die Optativ- 
form sfietta zeigt: offenbar ist iuer nach dem nebeneinander 
von seow und sew aut'ti zu speow ein ^-pfhv gebildet worden. 
Ausser ^petm ist nach Hievers a. a* o. von präteritÄllbrmen 
dieser reihe im Northumbrischen nur noch siftcpve als 3. sg. 
belegt; wenn hier auch^ wie es scheint , die 2. sg. fiir die 
3. sg. irrtümlich gesetzt ist, so spricht doch das nicht gegen 
die richtigkeit des vokals in der Wurzelsilbe. Nach dem neben* 
einander von seiv und bcbw ist hier also weiter neben *ßetu 
^uch noch ein flwv gebildet worden. 

Was im Northumbrischen bei den vokalisch auslautenden 
Verben der ^-reihe voi^g, das vollzog sich bei den kon- 
sonantisch auslautenden im Westnordischen, wo nach dem 
Nebeneinander von Heöta und *lB^ta neben *hleota auch ein 
*6te*fa gebildet wurde, Aisl biet hat die ursprüngliche form 
Wahrscheinlich erst verdrängt, als diese *hlj6t lautete, also 
im tonvokal ivieder mit dem präsens iibereinstimmte. Dass 
tich aber die ^*-formen in der a-reihe nicht auf das Nordische 
l*eschränkt haben, zeigt as. wPpin (Cott. 5520), dessen f' doch 
lücht mit Sievers, PBB. IG, 254 als eine kontraktion von eo 
ÄUfgefasst werden darf, da sonst nirgends ein beispiel einer 
Solchen schon im As. vorliegt; die gewöhnlichste form des 
Cotton. ist imop^ woneben wiopuu^ wiep^ tmepi^ wiepmi 
(Sdilüter in Dieters Laut- und Formeulehre s. 466). 

In derselben art wie Met in der et*reihe ist auch anorw- 
Cund dalekarlisch) lep in der <ih- reihe gebildet wortlen ; wenn 
liitr aber das ältere liop im allgemeinen die Oberhand behielt 

22* 



340 



Eichard Loeir#» 



(aisL nnr hliSp)^ so lag' das eben daran, dass es im gr^^ß- 
satze za *bli6t im vokal von seinem präsens abwich. Vielleicht 
nicht durch zufall findet sich eine ^^-fonn in dieser reihe über- 
haupt nur als ii ebenform einer analogiebildung, die, weil sie 
selbst erst die ursprüngliclie form verdrängen musste, nieht 
ganz 80 fest wie die lautgesetzlicben ios^ iok, hiS gestanden 
haben mag. 

Wenn umgekehrt merciscb gerade für eine lautgesetzliche 
form der öfü-reihe, für westsächs* Jmni} ein keu (Iipw) über- 
liefert ist, so ist das wohl erst später durch anlehnung an 
die vokalisch auslautenden verba wegen des hier im präter, 
durchgeführten tv erfolgt. Doch war die art der anaJagie* 
bildung ganz die gleiche wie früher: seow: sew - hmw: hm. 
Fasst man as, hmi als *hm' auf, so lässt sich diese form in 
gleicher weise wie merdsch hin erklären: die nenerung wird 
dann aber schon vor dem zuge der Angelsachsen nach Bri- 
tannien erfolgt sein (dann auch wohl gleichzeitig as. st^n ^ 
westsäcbs, shv). 

2. Die r-typen* 

A, Der altnordische r-typus. 

Im AltwestTiordischen bilden von den urgerm. noch redü-^^^ 
plizierenden verben säraratUche vokalisch auslautenden, sowei»^,! 
sie nicht ha die schwache konjugation ühergegangen sind, mi»^_t 
einziger ausnähme von hna präterita! formen, die auf dan^^, 
bezw. auf die vor dem wurzel vokale stehenden konsonantet^^ 
die lautgruppe er und darauf die personalausgänge de!:^ ^r 
schwachen präterita folgen lassen. Keinerlei zweifei besteh m^t 
hierbei über die herkunft von sera^ das man allgemein an— as 
*sez6 herleitet. Auch in rera sieht man mit recht noch ein ^— ^e 
alte reduplikationsform, die indess wahi^cheLnlich eins ihr e^ "^ r 



beiden alveolaren r in ein palatales verwandelt hatte (s, 319^^"^). 
Unrichtig aber ist es, wenn man nun mit Zarncke, PBB. l^^tö, 
353 snera als eine direkte analogiebildung nach sera odfc^^^ 
rerü betrachtet. Auch wenn man annimmt, dass di^ zweit*"^i* 
r von Vera palatal geworden und so mit dem von ^era n^rm 
sammengefallen war und -era daher für die vokalisch au^ ^f^ 
lautenden verba suffixwert erhalten hatte, sieht man nicÄ^-^^k' 
ein, warum denn nicht auch gerade die verba der g- reihe nrz^rjifl 
der Ä-reihe selbst diese bildung angenommen haben, war n^^ iin^ 




Bas starke präteritain des Geroianiscbeti, 



341 



nicht z^ 1>P auch md nach sä ein *nien£ und floa nach r6a ein 
^flera gebildet hat: vor allem aber hätte umgekehrt smm 
selbst, wenn es einer analogiebildung erlegen wäre, sich doch 
nur Dach seinem reimwort Ma richt^ii könneu. Eine der 
Wahrheit in gewisser richtuug näher kommende erklärang 
von snera hatte Osthotf, PEB* 8, 554 gegeben, als er dafür 
die ent Wickel ungsstufen ^se-snäwey ^sne-snäwe^ *sne'Säwej *$ne- 
mwe ansetzte. Doch müsste es nach dem gesetze, das Osthott' 
ffir das Urgenn. annimmt und das ftir alle mit $ + kons, 
anlautenden verba gegolten haben soU^ auch got, *filai£Bp 
anstatt saizlep gelautet haben; übrigens sieht man auch nicht 
ein» warum das gaset?., den zweiten anlautenden konsonanten 
in die Teduplikattonssilbe anzunehmen, nicht für alle kon- 
ßonantengruppen gegolten haben soU; dem gegenüber beisBt 
es freilich got. auch faifrais, faiflök. 

Die Widersprüche lassen sich umgehen, wenn man den 
anstoss zur ent stehung erst einer zeit nach der Wirksamkeit 
des Vemerschen gesetzes zuweist. Bei einer form wie *sez~ 
mifja nämlich musste die empfindung schwinden^ dass man es 
mit einer redupliziereüden form zu thun habe, um die in- 
kongmenz mit den übrigen reduplizierenden verben zu be- 
seitigen, wäre es nun das einfachste gewesen, den stimmhaften 
konsonanten wieder durch den stimmlosen zu ersetzen, wie 
«8 nach dem ausweise von got, haihait und faifraü^ ftüfiök 
gegenüber aisL sera und got. saulBp bei den gutturalen und 
labialen ira gegensatze zu *' (für ]> fehlt es an beispielen) 
offenbar schon urgerm. geschehen war^ wie es aber weiterhin 
auch bei a noch einzeldialektisch geschah, wie besonders got. 
mislep zeigt. Auch für das Nord.-Westgerm, ist eine er- 
^tzong von *sei'lepa durch "^sesl^pa wahrscheinlich, da bei 

[ beibehältung der ersteren form der ersatz von *lelöta durch 
^leUta usw. doch schwerlich stattgefunden hätte. Aber jeden* 

I falls haben sich im Nordischen nach answeis von sera und 

« B^tera die vokalisch auslautenden verba einer solchen aus- 
gleicbung entzogen, offenbar weil bei ihnen die wurzelgestalt 

I im Präteritum der im präsens schon so unähnlich geworden war 
C^gl- *s^ö und *s€-^ö-a, *snn-6 und *s6-znaU'(i gegenüber 
"^Blep-Q und *b*e-^lt'p-a) ^ dass sie eben nicht mehr wui-zelhaft 
empfunden wurde» Vielmehr musste in *sezöa das s- als wurzel- 
bafter teil, das -ezö- aber als präteritalendung empfunden 






342 



Richard Loewe, 



werden. Als eine ganz isolierte form aber masste dem spracl 
^efiilil *se^naija fii'scheinen , welches zwar wie das zugehöria 



-^ 



präseas mit s anlautete, das dem s in diesem tempus ii-«::^^^^ 
mttelbar folgende u aber erst an späterer stelle aufwi^^^r , 
Diesem mangel half man nun dadurch ab, dass man in *^^^^ 
num^ das n an die zw^eite stelle des wertes versetzte: *^ ^ 
haben hier also eine metathesi® im dienste des fniiuenwanr^ ,^ 
wie in griech, Xv&ijti aus ^XvTrjSt und a^q^hnm aus «/*;ir^^^ ^ 
(7gL s. 320). Auch ist die annähme einer metathesis ^f^ 
tacher als die eines doppelaktes, einer angleichnng der r^^>j/^ 
plikationssilbe an die Wurzelsilbe und einer darauf ^oct i 
folgenden dissimilation. Am besten begreift sich die lam- h 
Umstellung dann, wenn man sie erst fiir die zeit nach der " 
yerw^andlnng von unbetontem nrgerm. au in d annimmt: deim 
ein ^seEuöa stand einem ^seeöa so nahe, dass bei seiner \m- AE 
büdung zu *Ä7iezäßr ausser dem eigenen präsens gewiss aucl> W 
das verwandte Präteritum ^sezöa mitgewirkt hat: es wurd^ 
dann durch die metathesis direkt in den wurzelhaften teil sr^ 
und das auch sonst vorkommende tempuszeichen -esö- zerleg*^' 
Aber auch falls die lautnmstellnng schon *menauu traf, musst^*^'^ 
doch, naclidem dann auch unbetontes au zu ö geworden waf'^l 
das -p^ö- von ^miezöa mit dem von *sezöa vom sprachgeffih^^ 
identifiziert werden. 

Wenn in rera eine dissirailatorische Veränderung des^ ^^ 
zweiten r vorliegt, musste ein zusammenfall des ansgange^:^-^^ 
von *reBöa mit denen von *seBöa aus ^sezda^ '^'sneRöa ans^— ^ 

*m€zöa stattfinden. Auch würde sich, wenn zunächst nur * 

*raJ2öa und *8€Röa zusammenfielen, eine Umstellung von *&eBn6^^ 
zu *mieB6a noch leichter als sonst begreifen. Wenig wahr":^' 
scheinlich ist es dagegen, dass sich das zweite r von ^'rerö^^^^ 
dem R von *seBöa und *meBQa analogisch angeglichen har-^^^^ 
da letztere beiden formen doch schwerlich eine dritte aus de^^i^ ^^ 
umfangreichen reduplikationstypus herausgerissen haben werde^ir^=D* 

Anders wurde die sache, als der reduplikationstypus dun^-»d3 
den dissimilätionsschwund in zwei ganz verschiedene klÄSs<^^»^fl 
auseinanderging* In der a-reihe war infolge des vorherige^^^" 
ausscheidens von roa überhaupt kein muster vorhanden, nac^-ch 
dem sich die zweikonsonantisch anlautenden vokalisch au-^c^s- 
lautenden verba hätten richten können. In der ^-reihe em__ji- 
stierte aber von einkonsonautisch anlautenden verben m^^^!- 




Das starke prätentnm deB Gennaniachen. 



leicht schon damals nur noch *ms-an (aisL md)^ denen von 

.zweikonsonan tisch anlautenden mindestens noch *pre-anj ar- 

I ballen in aisL /^m „sich heftig^ sehnen**, eigentlich ^sich 

«Ireheii^, und das doch wohl sehi^ häufige, später zum präterito- 

präsens kn^tto gewordene *kni^-an = ags. cnäwan (aisL knä ^ 

^£1^. cndwe) gegenüberstanden. So folgten dann, als sich alt- 

I jiordisch die z weile onsonan tisch anlautenden konsonantisch aus- 

, lautenden verba dem kontraktionstypns anschlössen, die zwei- 

Iconsoii antisch anlautenden vokalisch aitslautenden dieser ana- 

\ logie nicht, gingen aber, da ihre präterita sonst zu vereinzelt 

gestanden hätten, in die stets hilfsbereite schwache konjiigation 

I tlber. Schwach flektieren daher aisl. floa (ags- flotvan), hUa 

i <;trotz seiner bedeutung ^warm sein*^ woU identisch mit ags. 

IäWo«!«^ ahd. Oi)lnoen „brüllen '^), prä and kngtfo (für *^ia), 

r Hur wo die ähnlichkeit mit den verben des <?ß-t>^us eine 

t)esonders grosse war, d. h, wo bei einer vokalisch anslautenden 

^wursel der vor dem vokal befindliche konsonant an gleicher 

stelle auch bei einer T^nirzel, die bereits ein Präteritum nach 

dem eß-typus bildete, stand, trat nach dieser eine analogie- 

loüdnug ein: daher grera von groa nach rera von roa und 

^nera, bnera von ffmia^ bnüa nach snera von sniia. Schwerlich 

3ber wärde hier ein einheitliches prinzip gewiikt haben, wenn 

niclit der zweite r-laut von rera derselbe wie der zweite von 

»nera (und sera) gewesen wäre. Wir dürfen also wohl in 

der art dieser regelung eine stütze für die annähme einer 

difisdmiJation der beiden r von rem sehen* 

Das verbum prä (und wahrscheinlich auch Vena) hat dann 
auch ma in die schwache flexion hineingezogen. Dagegen hat 
f>m sein kontraktionspräteritum bio beibehalten ^ weil keins 
der auf ü ausgehenden verba in die schwache konjugation 
übergetreten war, 

B. Die althochdeutschen r-formen, 

Ihrem wesen nach dem altnordischen r-typus nahe ver- 
wandt, doch in ihrem historischen Ursprünge von ihm ver- 
schieden sind die r-typen des Althochdeutschen, Zamckes, 
PBB, 15, 350 flF. in} anschluss an Lachmann, Jak* Grimm und 
Hfillenhoff unteinonimener versuch, das r der ahd. formen 
^oü neuem als hiatusfuUend zu deuten, scheitert nicht nur 
daran, dass man nicht sieht , warum denn ahd. nur einige 



344 



M^liard Loewe, 



wenige bestiminta verbalforinen dies r annebmen konnteii, ' 
sondern auch au der thatsactie, dass das m vou ahd* ^m^i 
usw», woraus sieroz erst auf die angegebene weise entsf andeii I 
sein soll, ein diphthong war, wie am deutlichsten sein über- 1 
gang in m gemeinsam mit dem aus n* durcli a*umlaat eut- 
stiindenen m im Altoberdeutscheu zeigt, nach Zarncke s. 354 
selbst aber hörte die veratilassuug zu jenem r hei diphthongeu 
überhaupt auf* Auch fällt es auf, dass die in betracht J 
kommenden verba grösstenteils mit b + t€nuis anlauten ■ 
{Biözan^ scridan, scrlan^ apurtian^ spiwan gegenüber hlöe^an, 
büan^ Ici^zan). Ferner steht von den meisten dieser verba f 
fest, dass sie zu den ehemals reduplizierenden klassen gehören; 
auch bei narian^ spurnan und spiwan glaube ich s» 2^7 ur- 
sprüngliche beibebaltnng der reduplikation gezeigt bezw. wahr* 
acheinlich gemacht zu haben. 

Bei behandlnng der einzelneu r-formen fasst man am 
besten die derselben mundart angehörigen zusammen. Am 
besten beginnt man bier mit den alemannischen formen; 
denn wie Zarucke, PBB. 15, 354 ff. iu trefllicher weise ge- 
zeigt, hat, stammen die glossen anasterv^, kiskreröt^ plertizzun, 
capterusii sämmtlich aus Reichenau. 

Am einfachsten unter diesen formen wie überhaupt anter 
allen ahd. r-formen erklärt sich ahd. sleroz, das nach OsthoflV 
PBB. 8, 553 über *8tmiut€^ *Btesäute auf "^staistautB zarlick- 
geht. Doch ist es unnötig, mit Osthoff iu got. "^staishmt ein 
umschöpfung aus *stamiut zu sehen : die dissimilation, welche?^ 
aus ''^stestaute ein stesaute machte, braucht nur einen einzelnezKr 
teil des Germ, getroffen zu haben, wenn auch das ihr zeitüclr^ 
erst folgende Yernersche gesetz sich wieder auf das gesamm 
Germanisch erstreckt. Setzen wir *stßstautü als grnndfbrm 
so haben wir eben zur erklärung von steroj^ ausser den not 
wendigen lautwandlungen nur eine dissiniüation der beidej 
silbenanlautenden $t anzunehmen, die ja an sich äussers^^^^ 
nahe lag. || 

Nicht so leicht zu vereinfachen ist Osthoffs erkläruug vo«:^ 
ahd, ki-skreröt^ das über *skre-Bnnde- ^ *skre'mHde' ^ *skr0sm 
skräude aus *s€-skräude entstanden sein soll* Als germamsch M 
grundform lässt sich nur *ske-skräude annehmen, da nacT^ 
dem ausweise von got. statstald^ skaislatip einerseits, mm 
faifiök^ faifrais andrerseits und nach dem vergleiche mit 



I 
I 





Das starke prateritnni d«s G«niiuiMChen. 



345 



I 



verwandten sprachen wohl s ^ teouis als wurzelanfang auch 
in die redoplikationssUbe gesetzt wurde ^ nletnals aber eine 
Hquida, die nicht selbst an erster stelle stand. Ein *ske' 
skrdiide aber musste von demselben dissimilationsgesetze wie 
si^stäute betroffeu werden und so "^ske-sräude und weiter durch 
das Vemersehe gesetz *.^ke-£rmide ergeben. Neben einem 
präsens *skrätidö musate nun dies ske-^rmde sehr anomal 
erscheinen; die anomalie aber liess sich beseitigen, wenn man 
das r von *$ke-zrdu(te — das r neigt ja von allen lanten am 
meisten zur metathesis ~ in die ei*ste silbe stellte und so 
ein *skre-mu4€ (woraus ahd. skreröt) schuf. Die form *skre- 
iuude verhielt sich zu ^skratidö genau wie *ste-zänte zn *stautö^ 
und es kann daher nicht zweifelhaft sein, dass *$te-eaHle als 
flauster mitgewirkt hat. An und fiir sich könnte ^skre^äude 
SQ^dkT eine blosse analogiebildung nach *stezäute sein; aber 
eulBchieden war diese doch erleichtert, wenn es schon ein 
^'ri^gf'äude gab. Auch fällt es auf, dass in der ceii-reihe ausser 
VDD iftösati eben nur vott dem selteneren scrötan^ nicht auch 
van hlouffan und houtvan ein präteritnm des r-t}T>us belegt 
ist Die metathesis im dienste des formenwandek bei ahd* 
skremt bildet eine genaue parallele zu der bei aisl, mera^ 
das ja auch zugleich auf eiufluss seines präsens ond eines 
anderen Präteritums mit einfacherem anlaute beruht. 

Neben steror und skrerot gehören den auf Reichenan 
zurückgebenden handschriflen als r-prMeritalformen noch 
^twö^UHj ptermzun^ eapleritszi an. Hiervon scheidet jedoch 
^erozun aus unserer betrachtang ans, da es nach Zarncke 
s. 336 erst ans dem sg, stero£ korrigiert ist, um lat- ^in- 
pingebant" richtig zu glossieren. Nach Zamcke hat der pl 
«a sterv£ in Wirklichkeit wahrscheinlich ^dertiz^an geheissen. 
tHeBe form passt in der that nicht nur zu plertusun, mpk- 
^^t^^i^ sondern ist auch, wenn man von der Wiederherstellung 
^Us einem *diru££tu$i (mit tiumlant des e) nach dem sg. ab- 
zieht, die zu erwartende fortsetzung des scbwnndstaflgen ur* 
^erm. *gte$tutfinp^ das seine reduplikadou nach dem sg. fest- 
gehalten haben kann. 

Bei piertiznm bat auch Osttiüff, PBB« 8, o68 f. die au' 

i^^me einer angleicbung der rednplikationssilbe an die wurzel- 

^be und einer darauf folgenden diüsimllation wegen der zu 

gr<kssen omsUndücUeit mit reeht verworfen. Aber auch alt 




346 



Hichard Li>rvre, 



einer veraetzung des l m die erste silbe ist hier nicht aus- 
ziibommen ^ da ans einem *bl£böte niemals ein *bl€röt€ hätte 
werdeü können. Zudem ist es doch bei weitem das eiofachste, 
für alle r-präterita des Ahd. einen einheitlichen tunsprtmg 
anznnehineü , was aber in diesem falle nur durch ausetzung 
einer analogiebUdung möglich ist. Doch ist Osthotfs pro- 
portionale analogie stösan^ skrötan: *sterö£^ *skreröt = pluo^an: 
*pkrtioi^j woraus *plerit£ gekürzt sein soll (wogegen ^ero^ 
aus ^steröz^ skrerot aus *skreröt)^ schon deshalb unwahr- 
scheinlich, weil im 8. jahrh. genn, ö im Alemanuischen meist 
noch als ö, oa^ selten schon als tta, uo erscheint* Vor allem 
aber bleibt es unklar, warum sich nach zwei verben mit 
offenem ö (germ. an) eins mit geschlossenem ö (germ. ö) hätte 
richten sollen. Die analogiebUdung wird vielmehr von da 
ihren ausgang genaramen haben ^ wo die musterwörter und 
das sich danach richtende wort wirklich etwas gemeinsames 
hatten: es war das aber die gewöhnliche präteritalform mit 
eo. Weil neben jüngerem steoe (nach *heaWj woraus hio, fmt) 
ein stm^ö^j neben jüngerem skreot ein skreröt lag^ wurde auch 
neben pleo^ ein *pleröz gebildet. Lautete dann aber der pl 
zu ^erog *steru2mm^ zu skreröt "^skrenitun^ so ergab sich 
pl. von *pleröe pJermzim. Ähnliche entstehung von präterital — 
formen habe ich schon mehrfach angenommen; bei *pleröz ha^=^ 
aber offenbar noch die ähnllchkeit des diphthongs eo mit de 
lautgiuppe erö zur neuerung beigetragen. Das -er- wurde 
d*eT-öE, sh'-ef'-öt, als infix empfunden; auch ein konsonan tischt 
infix konnte gewiss in einer spräche produktiv werden, 
für die sprachempflndung von vokalischen infixen ^ in gesta 
der ablaute — vollständig durchzogen war. 

Wie wir aus den behandelten Wörtern sehen, waren 
die r-präterita besonders in Beichenan lebendig gebliebe 
Wir werden daher kaum bedenken zu tragen brauchen, Uint 
noch ein merkwürdig aussehendes Präteritum anzureihen, ds^ 
wie kisererot und ana sieroB dem Eeichenauer Glossar 
angehört, das Gl. I, 290, 25 stehende uidar spirun ^rec^ 
citraiiit", in dem F. Hartmann bei Dieter s, 492 ein auf ein- 
reduplikationsform beruhendes r-präteritum vermutet. Der i 
prät von ^purnan muss ja ursprünglich *ape-spum'Ume 
lautet haben, woraus über *spe-mrfi'umS, *^e-snimumS, ♦j 
^urmmiy ^sperurnum ein ^spirunmm werden musste; gen 






pl. 




Bas staike prätentom des GermsniBclutii, 



347 



wegen der ganz abweichenden bilduiig des sg. ^ßarn konnte 
*spirurmim auch einen sg. *spirurtt aus sich ei'zeugen^ der 
dann dureh dissimilation der beiden r ein spirun ergeben konnte. 
In anderen ahd, dialekten als dem Alemannischen sind 
— von den allgemein gebräuchlichen scrirum und spiren ab- 
gesehen — r-präterita bisher nur yon je einem verbum auf- 
gefunden worden. 

Auf weiterentwickeluQg des alemannisch noch unversehrt 
erhaltenen steröe beruhen die formen, welche Kögel, PBB. 16, 
500 f. aus bairischen Prudentius- und Virgilglossen beigebracht 
hat Da nach ihm die handschriften dieser glossen ei*st aus 
dem ende des 10, und dem anfange des IL jahrhnnderts 
stammen und auch die originalglossierungen , auf denen sie 
heruhenj nicht sehr weit zarückverlegt werden könnten, da 
Pfudentius und Virgil ei^t ziemlich spät in das schnimässige 
Studium aufgenommen worden seien, so werden wir auch 
wohl den unterschied der überlieferten baiiischen und der 
Überlieferten alemannischen formen von vornherein in der 
bauptsacbe als einen zeitlichen betrachten dürfen. Kögel lässt 
von den vier formen, die er aufgefunden hat, stirie (zweimal), 
dirs, sterae, farsierc (für *-sterE) nnr die erste und die dritte 
als wirkliche sprachformen gelten. Doch verhält sich stiri^ 
zu stiriz gerade wie *$ter2 zu aieraz, und es wäre doch höchst 
merkwürdig, wenn in stirs und *farsterz (wofür weiter farsierc) 
dieselbe art eines Schreibfehlers vorliegen sollte; auch ist es 
rieUeicht nicht ganz ohne belang, dass stir^ in derselben 
g^Iosse in zwei verschiedenen handschriften steht. 

Das € von steras fiihrt Kögel auf das von sterö^^ das 
erste i von ^tiriz auf das i von lautgesetzlichem *stmi£zum 
Zurück. Auch das a von steroB wird man mit ihm wohl aus 
dem ö von steröz erklären dürfen, da im Bairischen der spät- 
althochdeutschen zeit in unbetonten silben a sehr häutig für 
^.ndere vokale, auch für ö, vorkommt (Vogt, PBB. 2, 265). 
Sei dem zweiten i von stiriz freilich wird man sich nur auf 
^as vielfache schwanken der endsilben vokale im Spätaltbairiscben 
Überhaupt berufen dürfen: es scheint, dass hier das i der 
t^ansilbe und das schliessende -b des wertes auf den unbetonten 
^okal zugleich eingewirkt haben ; vielleicht ist auch das diesem 
vorangehende (wohl auch im Deutschen nicht palatale) r mit 
im spiele gewesen, womit der nordische B-umlaut zu ver- 
gleichen wäre. 




Bidiftrd Loewe, 




Iß siirt und *äer^ setieinen koiitaminationen von dm 
mit *stiru und *derö£ vorzuliegen- Es kann hier das ft 
steröz und ^stiroz neben stö^ait als infix empftindene -er- ur:^^ 
-ir- au stelle de§ g:Ieichfalls als infix empfimdenen -eo- ym::^^ 
steo^ gesetzt worden sein. Übrigens legt es auch die üb^|., 
lieferung nahe, dass *^fer^ demselben gebiete wie sterc^, ^^rs 
demselben wie sfirU angehört hat. 

Ms rheinfränkische formen des r-tjT>us sind uns nur uns 
einem dem Oberdeutschen nahen gebiete von Otfrid biniun 
und biruwls überliefert, die wegen ihres anlautes nur aDälogTe- 
bildiingen sein können. Dürfte man annehmen, dass sich aisL 
sn/m einmal bis in das Ahd, hin eistreckt und bis dorthin 
auch dieselbe Umbildung im Präteritum wie im Nordische n^ 
erfühlen hätte, so könnte diese in der weise entstanden seia * 
dass zum optativ "^snirtü ein ind. pl. *snirtmn gebildet worde*^ 
wäi'e, woraus sich *miniunin ergeben hätte^ welches nlede.:^ 
einen optativ *miruwl erzeugt haben würde, wonach dan*^ 
*birmmm (geschrieben biruun) und birmvu gebildet worde^^ 
wären* Man ivürde in diesem falle die im dienst des formen 
wandeis im Ältnordit^chen und im Althachdentschen ertblgte^^ 
gleichailigen lautumst eilungen als einen einheitlidien akt z^^^ 
betrachten haben, dessen resnltat nur in dem zwischen Ält^- 
nordisch und Althochdeutsch gelegenen gebiete von analogi^^" 
bildungen wieder gänzlich vei*schüttet worden wären. Da sic=^^h 
indes eine solche annähme nicht beweisen lässt, so thut ma^^n 
wohl besser, ahd, biruun und birmms nur im znsammenhan^s^^ 
mit den ahd. r-formen zu erklären. In diesem falle i^^ 
aber nur eine analoge deutung wie für pterti£zun, caplerur^^^f 
möglich. Stand neben steo^ auch ein ^teröz, so konnte neb^^fl 
*beo (= aisl. bio) auch *berö gebildet werden, za dem 1 ^3r 
pL biruun (wie ^stirn^^un; vgL einerseits stirU^ anderersem ts 
plerusiuii) lauten musste* Ein biruun aber konnte sich "ssu 
*b%niwun entwickeln (so ist biruun bei OtMd auch wohl ätm^ 
zusprechen) und hiernach Uruwis gebildet werden. 

Dem Mittelfränkischen gehört das von Kögel a. a. o, ^^s 
einer Trierer handschrift Gl. 2, 33, 1 beigebrachte anagelief^^m 
„indulsere^ an, das er wohl mit unrecht selbst fiir zweifelhaft 
hält. Wenn das r wirklich, wie er vermutet, für i ver- 
schrieben sein sollte, so müsste doch auch dargelegt werdf^np 
wie^o denn gerade dieser Schreibfehler entstehen konnte* D«^ 



Dan starke prütentnm des Geroianisch«!!. 



349 



ie ftber, das ihn 8o bedenklich gestimmt hat^ kann doch für 
eine koütaminationsform , als welche lierson zu oetiiiien ist, 
iiichts auffallendes haben. In Hierz kann aber !^^ mit *ler&£ 
in der weise kontamiaiert worden sein, dass nur das in 
letzterer form am meisten sich bemerklich machende r in 
erstere aufgenommen wurde; *Jer^ aber kann neben U^s nach 
dem nebeneinander von ^skersd autgesetzlich aus ^skeskaip 
— got. skaUküip) und seiner jüngeren n ebenform *skü^d ge- 
bildet worden sein* Doch ist lierzon möglichenfalls auch aus 
Vermischung von l(^Ezim mit einem dem ags, leorton ent- 
^rechenden *lersun hervorgegangen : in diesem faUe wäre 
^Mtun schon während des aufenthalts der Angelsachsen auf 
€lem kontinent zu "^lerttm dissimiliert worden» 

Über das ganze abd- gebiet ist ahd. scrirum^ scrirut, 
£crimn^ opt. scriri verbreitet. Die Urform der 1. ph ist als 
'*sk€'.^krime anzusetzen, woraus sich durch das dissimilationB- 
gesetz und das darauf folgende Vernei^che gesetz ^ske-srlfne^ 
weiter *ski-^rim€ ergab. Da diese form neben dem präsens 
"^skriö wieder ganz anomal erschien, so wurde das r wie das 
von '*^ske*zraude wieder hinter das .^A' vei"3etzt.j so dass *hkrieim€f 
weiter ^nkririm, entstand; offenbar erfolgten beide umstellnngea 
gleichzeitig, und in sfrimm^ das ja keine analogieform sein 
kanuj liegt eine bestätigung dafür vor, dass auch skrerot nicht 
auf blosser analogiebildung nach steröB beruht Zu einem 
^sh'izhne^ weiter \3kririm, gelangt auf seinem wege, also 
Umständlicher, auch Osthoff, PBB. 8, 554, daneben zu einem 
o|it, scriri aus *skri£ii-l. Das ungewöhnliche des paradigmas 
*Äiririm, *8kririt, *sktirinn wurde dann nach Osthoff die Ver- 
anlassung, dass sich zu scriri nach dem Verhältnis von stigi 
zu digum auch ein scrirum bildete* 

Nach scrirum ist auch noch ahd. ein partizip giscriran 
g^ebQdet worden* Mhd. schrim und geschrirn sind nach Zamcke, 
I*BB. 15, 352 fiber ganz Hochdeutschland bis in den fernsten 
Osten verbreitet und haben sich dialektisch bis auf den heutigen 
tag^ in der Schriftsprache hie und da bis ins 17. Jahrhundert 
Erhalten* ,,Der grund zu dieser langen erhaltung aber lag 
äarin, dass man es hier mit einem dauernden bedürfnisse zu 
t-him batte^ da der unbequeme hiatus durch den auslaut des 
Stammes gegeben war.** So wenig man der hiatustheorie 
^arnckes im allgemeinen zustimmen kann, so getrost kann 




350 



Bicliard Loawe, 



man den hier von ibm angeführten satz voll iinterschreil»en. 
Denn es handelt sich ja hier nicht mehr nm entstehuiiff, 
sondeni nur noch um erhaltung von r-formen, und in der 
that hatte scrirum vor der schon seit alters besondei's wegen 
des sg, sa^ei nahe liegenden analogiebüdung ^serium den 
Vorzug; dass es den hiatus vermied, Dass dem wirklich so 
war, zeigt nicht nur der Untergang des typus sterös (wofür 
steoz mit diphthong), sondern auch die tbatsache, dass das r 
von scrinitn in den sg. prät, wo ein hiatus nicht statthatt^^ J 
nur da eindrang, wo, wie das im Bairischen geschah, da-Äj 
ganze verbum das r anoehmen konnte {schrei/ren ^ hthrii 
Schmoller, Bair, Wb. 11, 594). Daher dürfte Zamcke iiüi" 
wesentlichen auch damit recht haben , dass er den untergac». g 
der j, naturwüchsigen" r-formen von schreien der seit dfeiwi 
16. jabrh. aufkommenden gelehrten grammatischen zucht, die 
ein gleichraässig geordnetes paradigma schuf, zuschreibt^ 

Mild, spiren^ das sich erst um 1100 für spiun bei Otfirid 
und sptiHun im Tatian findet (Braune, Ahd. Gr.* § 331, 
anm. 3), wäre nach Zamcke eine analogiebüdung nach i^chrir^u 
wegen des für ahd, spiwari auch vorkommenden sp'mn neben 
scr'ian, Dass die beiden verba in analogische beziehungen zü 
einander getreten sind, steht ja ausser zweifei, wie denn 
bekanntlich schon in den Mainzer Glossen (9./10. jahrk) 
erscriuun „clamaverunt" vorkommt (Gl, 1 , 713, 41), Nach 
Zamcke s. 352 hätten die doppelformen splwan und s]^m 
es veranlasst j dass einerseits schriweHy schriuu-en und 3^ 
schriweu , geschrmwen , andrerseits ge^iren gebildet wordea 
wäre. Diese auffassung ist in der that zulässig, da auch in 
derselben Sprachgemeinschaft i^pmmi neben dem aus ihm ent^ 
stfindenen spian noch eine zeit lang fortexistiert^ haben kann 
(vgl. 8. 332 f.); doch ist es wohl der häufigere fall, dass die 
älteren formen neben den ans ihnen lautgesetzlich entstandenea 
sofort erlöschen. Wenn spiwarr sich nicht mehr in derselhen 
dialekteinheit neben splan erhalten hat, so lässt sich ahi 
scriunm nur so erklären, dass es neben scrirun gebildet warf**^ 
weil es neben einem schon bestehenden ^spimn auch öß 
spitvun gab. Für diese letztere möglichkeit föUt der umstand 
sehr stark in die wagschale, dass sich die ti^^-bildungeQ von 
scrmn gerade wie die r-bildungen beider verba (vom späteren 
Bairisch abgesehen) auf die schwundstuflgen formen beschräiA^D' 



Das starke präteritam des Germanischen. 351 

inimt man noch hinzu, dass splwan mit s -f- tenois anlautet, 
) wird man, obwohl die erklärung fiii* die erhaltung der 
idnplikation bei diesem verbum grössere Schwierigkeiten 
acht, doch mhd. spiren mit Osthoff, PBB. 8, 554 f. besser 
rekt aus einer reduplikationsform von spiwan selbst herleiten, 
och braucht man nicht mit Osthoff vom optativ auszugehen, 
a dann verschiedene Umbildungen anzunehmen: vielmehr 
klärt sich mhd. spiren, wenn man von der im Tatiamschen 
ttuufi vorliegenden wurzelform spu ausgeht, ebenso einfach 
ie steröz durch eine ganz lautgesetzliche folge: *spe-6!pu-mJ, 
pe-sii-me, *8pe'eU'ine, *spezum, *sperum, *$pirum, spiren. 

Berlin, 8. august 1905. 

Sichard Loewe. 



Die nomina anf -^s.^ 

Was von den primären -t^-stämmen , die das perfekte 
partizip des aktivs bilden, (ai. vidvan vidtisas) gilt, das gilt 
nach einer von mir aufgestellten theorie auch von den ans 
nomina abgeleiteten -ue^-stämmen : ihr paradigma ist als ur- 
sprünglich abstufend vorzustellen, und der indogermanische 
Wechsel ^ekue-vfis (-uös): ^elcu^-usos hat seinen reflex in dem 
gegenüber ai. aSvavan: griech. 'i7ini}[f(T]o(;.^) Es mag nun sdn, 
dass ai. aghö^ bhagö^^ Vokative zu aghavän hhagavän^ nicht, 
wie ich annahm, reste alter abstuf ung darstellen, sondern, 
wie Solmsen a. a. o. p. 223 will, von der Umgangssprache 
aus aghavas bhagavas verstümmelt sind in der art, wie sie 
mit begrüssungswörtern umzugehen pflegt (allerdings ist 
agliö? „schuldbeladen" kein begrüssungswort). Indessen ge- 
winnt die morphologische Voraussetzung meiner hypothese eine 
zureichende fundamentierung aus den griechischen Verhältnissen 
für sich genommen. Nicht ohne Wahrscheinlichkeit lässt sich 
die vollstufe eines -i^es-stammes in der gestalt *-i^8 in ivfi; 
*Tvff>(o/(ag finden. Ein klarer fall lässt sich auch für -/i^g (*-U^) 
beibringen. Über die prosodie von vdagi^g „wässerig" hat 
Moeris p. 379 Pierson die schätzbare notiz: 

^^Ydagig ßgu/v xo a l/iirixcog' iLiaxgaig ^EXXfjvixcag. 

Wie man auf grund der quantitätsverschiedenheit ionisch- 
gemeingriechisch judvog: attisch /uavog^) ^/aavfog als Ursprung* 



») Vgl. K. Z. 38, 53 ff. 

») Vgl. H. Meltzer, N. Philol. Kandschau 25. janaar 1902. p. 36-37; 
Hatzidakis, Deutsche Litteraturzeitung 29. märz 1902, sp. 783—85; E. Schwyier, 
Berlin. Philol. Wochenschrift 5. april 1902, sp. 433—37; F. Kretschmcr, 
Zeitschr. f. Ostreich. Gymnasien 1902, p. 711—13; H. ffirt, Littorar. Central" 
blatt 25. märz 1903, sp. 455—56; F. Solmsen, Indogerm. ForschoDgen XV 
Anzeiger p. 222—28. 

uäyog Empedokles v. 230 Stein. Herodian II 13 ss {neQi (fi/poVwy)- 
T« (ig yog hjyoyia ö^uioy(t xad^rcQfvoyiog lov y ei i)(Oiey iv ift H^ 



le HOB 



-etfc- 



chste form ansetzt, so kommt man hier notwendig auf Hia^- 
3C" regelrecht ist äolisch ^5j«^firT£[{i]o[i'] Mitylene CGIns 
tsc 2, nr. lu, worin/ ohne dehnung des vocals geschwunden, 
K^jjc aber in der koine entstammt dem Ionischem *wiJ«^-/j^; 
US iudogerm. ^itd^'Ues enthält den st^mra vJtoö in schwacher 
BStalt, ist also konstituiert wie d^a^rj *a^a^-/ä ^adh^-uä 
Bben lat. a4or „speit**, ai* pitf-mja „vatersbruder" neben 
Uar-, Damit erhält die annähme, dass U^r^q neben U^itv^ 
rgriechisch ist und -i^g von stammen i\1e *JoFajc-/^g bezogen 
at, eine festere kousistenz, als ich zu hoffen wagte. Auf 
CT anderen Seite zeigt eine griechische bildung voll- und 
!hwuodstufenform nebeneinander. Von mehreren selten (s. 
chwyzer sp, 435 n. 2; Solmsen p. 226) sind berechtigte 
irelfel angeregt worden, ob ans dem innerhalb des Attischen 
ereinzelten genitiv Jlnait^m (Aristia^ fr, l, p. 726 N.) ein 
Lamm *IIn(jit6ä/o- gefolgert werden dürfe. Ebensowenig läset 
ich allerdings nf)oa6ta m guasten einer von Solrasen an- 
esetzten form "^Iloauiä- verwerten. Es ist schlechterdings 
Ludeukbar, dass das Attische in diesem isolierten falle den 
Jten genitiv eines masculinen -ä-stammes (*JIo^t*d-ao = -fw 
= -m) beibehalteu habe. Ilmei^m neben Iloüeidatvog ist durch 
Us Verhältnis Tvfpm: Tvtpmvog erzengt; die analogiebildnng 
Imtpfte natürlich zugleich an bei der älteren doppelheit der 
akkisative IJoimScö: Hocruimva^ Tvq>tü: Tvtptova, Im recht 
g^abe ich Solmsen, wenn er meine dentung des dorischen 
genitivs Uor ft^u, akkus. lloruSäp, vokat. HoTaSil als zn 
könsUich verwirft. Man erkennt, im Dorischen hat aich 
tlnu^av in der fleiion nach "^Eg^ip (ans '^EQ^mmy) gerichtet; 
dft dem nominativ ^Eiyptiv der -a -stamm 'E^ftat; mit den casus 
otüqai 'Eouä 'E^fia 'Emtav *K£iu« gegenüberstand, so sprach 
laUl auch neben notttdav nontäävüg: (iTorfuJäc), gen. IIq^ 
nd^ etc. Den attischen vokativ noatt^ov wird man solange 
^ neuschopfung zu HoofiScov nach 'Anillmv: ^^Anollav auf- 



^R^f 



vr th ä, ixTlT&ßfi^QP rti^TO ?^ovnt^ dftyö^ 4 l?^dv tQUif^^ itPivÄf. rot^ro 
^ n«(ME i&h liTtixoit; avaiillftm. PhrynichoB BA 5Lii hält fiäy6f fftr 
^CtiKli^ Aber i». Zon^rw s. fjLUy6t^* dgatoy ßQ^yi^^ kiyf>tjt3i^ TtilutM^tj^ 
*^ni roü iix^ißig (fr. 61 K.). iHdteay (fr 200 K.) xai t^tJtcr umvdxic t^^ 
iuii^m^ dvji tmt fiv^tdxti {?), Etymologisch gehört juni^/or za ftn*^^^ 
(«ofai » fidyty^) ^dQiuie haut". 

Z*it»Lbiin rat r«rgt. SttnuiM. K. F, XX, S. 23 





I 



Hugo Ebrlii^ 

fassen dürfen, als Solmsens kürzerer stamm */lorfiJov- mcM 
in einer anderen kasusfonn des Attischen oder znm minderten 
irgendwie ausserhalb dieses dialektes nacbgewiesen ist- Das 
Thessalische belegt in Larisa nnTu{A)ff{v]pi GDI 3464 Jlottt' 
iuvn 1^21 iloTf^JotKi'O 1322, in Atrax nfnHdf\tm] 1324 4* 
Die mdgUcbkeit, dass Ilojfi^nrn aus nnt&tdalfliüpi contrahiert 
ist, kann nicht mehr bestritti^n werden, seit W. Schake 
(Gott. Gel Anz. 1897. p. 899) gezeigt hat, dass -am- unter 
unbekannten bedingnngen ini Thessalischen zu 01(01?) geworden 
ist; belege rnfiftrovp gen. ph zu rop^^hm^ (münzen), n^o- 
^^tvtovv Kierion 63 e Hoffm., ^hvrttn^ neben Yartrog. So fehlt 
es in Larisa an einem ausschlaggebenden beispiel für die 
behandlung der gruppe -a[/]cö- (aber 345 4« räv ttoivüv aus 

¥/i[o]üji'| 02 jiun^htit; — ^aa&ttttfti; aus jftxl/\o- 11 ^lapfto; 
aus Y«i/]fJi'fiof^ 84 W^i'^«oui' eventuell gehalten durch ^j^^uv^ ^ 
Buöpog), Denkbarer weise war der wandel zunächst auf äto ^ 
vor inlautendem konsonanten beschränkt. Sollten aber fiind^^ 
der folgezeit selbst gegen diese oder eine andere eingeschränkt^^ 
formulierung eutscheiden, so wäre immer noch eine assoziatir^^ 
beeinäusgung des st *IIf}tHdaovv durch ^Tvqaavv ^Tvfüvm^ 
[Tvffivyi' Hesiod. Theog. 306, att. Tinf^at^] im bereiche d^5^f 
glaubhaften; der ansatz eines st *notftdnp- ist also aus de^u 
dialekten nicht za rechtfertigen. Ich führe demnach at::.^ 

/Jrmf i*Jaii^ auf iloTfidaw*', d. akkus. Ilnoit^w -=■ böot Ilftfam^a 

anf *JIaT*<^«w */Tftir*iJ«/oaö zurück. Das lautgesetz ^attisc^i 
*^Mfm^ - -ep- ausser in zweisilbigen wortformen [f&yg - ^m;, 
vftiäP zu vavg)^ ist mir freilich bestritten (s, Hatzidakis sj?, 
784/5; K. Eulenburg indog. Forsch, XV 138). Schalten wir 
aber unter den belegen &emQ6g aus **>f»/tiiöov,*) IJuimv aus 
Ilatativ aus, weil hier die kontraktion durch den vokal, der 



') Das material gestattet es beute, aaszuspreefaeis, da&s in att. ^ttit^ 
twm vefBchiedeue worte xasammengefloagen eind, I. Das wort für den li/t- 
beiimtcn hut in allen muudarten -(-, eDthÜt folgücfa den staami tod $t9^ 
mit analogisdi eingedrungenem -ii- wie ^f',-iculQi^ (et SolmBen, Unters, t 
griech. Laut- n. Versgeach. p. 22 ff.): *&tä-ßttQ6g bedeutet «ktilt wiluwid' 
^ lti^t>fitf^fAuiy, IL ^im^Qi ^xns chatler ^ ist eigentlich *i^ajnj^^6i; «uibM 
blickend** zu ^iu „anblick" und ei(ic/«u. Ha ^ nicht mit ü abxulauten "^i^t^ 
Bo wird ^^ßoi' Bnv^a Hei. (Schuhe, QE. 13, n. 5) echtes ß enthaltcD lui^ 
ni ^d^pQs gehören; auf die Hesychglosben ^4y^^^* 3&v^amä, ^^r*»^ 
-^tttf^tiaid ist kaum g'ewicht zu legra. 




Die nommi uif -«iif. 



mMtk^ varaasgeht, bedingt 8eiti kdnttte; vemolitHi) wir auf 
rtftm^o;, da als gmndlbrmeii *nfAäftt»^i^ (vgl nßtU^itu Piudiir 
OL IX 8i) und ^'tifto/af^i^ (vgl. ioiL n^uDiiig HinoduL 11 Ul, 
YII 171) zur Wahl stehen; ho bleiben iniuusrhin iiUNMor 

HüüuitB 

2. ^^aii^; kypr. ^gä/mP GDI 86 ji, .^o^Jfac (* cod,)' i^> 
i^m* Iltt(f>ioi Hesych = *.%(/ätaM«c» 

3. Moivtjttvö^ (Kfiivmvdiolg ^xoiväjmpo^t nmvuvthvim¥ LakoiUitch 
^vertrag) Thukydides V 79, umpüvi Pindar Pytli. 111 fiO^ ^m* 
^iwmv Üiantheia (Ozolische Lokrer) C|D1 1478 A 4a» cf, ivpf^mp: 
Ivi^äojrfc Pindar Pyth, III 48 %v¥ä¥a Nem. V 27. Daxo 
lomtnen neu 

4. att Wrcu; = ion. Im^ü^; Hesiod Ttieag« fj19, hjtiti^. 

5* att ntntmg = ion, nintriti^ (Ilomer „«kb kaU42nid^)| 
jit]vr««f^ aus * nfUTÜfiii. 

Hau igt sieh yielleieht nkbt hinlirjglich darüber klar^ 
dass, W0 einem attbeben ^^ dai$ DoriMi:Jje ein f/ (/f^^^^fjüber^ 
stellt, f^r dieses m Ursprung entwisder auM mu iA^.r abi^r aiui 
mm — nicht ffo^ — mit debertieit indfetett fit hhrmB IH 
XAbL Don § 24, 3*8 rertni noeb die meinung, diu 
M Äo zn werden k5&ne. ') Ei bat damit f^itgeude 
Drd exzerpte ans Inaaiiei Gfamnialiein k«D]i«ti aii doHiehe 
panizipien zu ^iiik«, £Um ffimp ilim. Orefor f^orfutli. fi. Hb; 

*^up f§lm^ f^^ Wt^ «'^«H ' '^^^ ^^^^ 

p. «M E I II «»d Tli^iMrw 
(- mia VmkMMm) p. Utk: 








SM 



Hugo Ehrlich. 



antaftivmv äta tqv av ix{p§^ov(f{ TfjiOOvyTsg ro»' Toror nvXwy 
ntiXäv^ xal(^y xmläy [tjffivmtf aiptvdv add* ThesauniS COrxiQ- 
COpiae]" nai ini xcov ftern^wv i^uoimg* ytkw yfläp, 4kmr ikiv. 

Ohne frage hat loannes Gramniaticus diese regel ans 
TheokrithaüdschrifteE abstrahiert: 

cf, Tia^tküLVTa Theokr. V 89 w. 3. Gellius IX, 9, 5 ma^i- 
XavTfi Q (apparat nach Ahrens), 

nmg$XaPTa VIH 73 p, m. Q. yelana I 36 p. 

Neben Theokrit benutzt eine unbekannte quelle Herakleides 
bei Eustatbios Odyss. p. 1557, 34 ff*, der als dorische 3. Per- 
sonen pluralis ytliyti und ßnuvtt bezeichnet; cf, Theokr. I 90 
yelävTi R. 6, Dl Ql lunt Alle erwähnten textlesungen, wie 
sie Ahrens rezipiert hat, sind richtig. Nur setzt nn^fkavja 
nicht ein pr&sens tlim voraus, sondern eine unthematische 
hildnng *i>aut, wie sie bereits erschlossen ist aus ai^risch ^ 
noTfliTm Inscr. PeL I 554 e koisch iluvroo GDI 3636 g, t4, t%^ 
uoTfli^Toa 15. 1«. 1». Zu schreiben ist also na^tlivta (vooKr:! 
nominatiy na^iXa^ ana ^-skä-pi^). Ferner hat Joh, Schmid*^ 
K Z. 38, 35 n. 1 *ydka^i gefolgert aus epidaurisch ötdyilm^ . 
xajmyikififpog GDI 3339 34. iä^: hierzu j^f^Äf^u (zum mascalinuim: 
*Yflmg *f€kuvtoc) und die 3. pL fdkavTt. Von besondere^Ki] 
werte ist uns nun das ^üavti des Herakleide^, weil es utz^i 
den befiind anderer dialekte auf» trefflichste erläutert. Homerisc^A 
ßmtjai (mit dem futurum intßdfrnfiui) kann nicht aas /ifn^ir^fl 
entstanden sein,*) weil ßmam auch attisch ist: ßmaurm Ati- 
stophanes Frieden 1154 ß^fjny (imper,) Kratinos fr. 396 I 
p, 121 K. Es ist *ßoanaf {^ßnianfiat) anzusetzen, dementsprechend 
fiir iou. , att, dor* ßcoargdm die grnudforra *ßoaar^6w. Ds 
weiter dütvßnmjf^g nias ß 701 („durch die Stadt rufend*^) auf 



*) Der lautwandel o^j — (a ist Homer abzuaprech^ti. ti' 05, wc die hMud- 
ichriften zwischen ttyt^tüfjtietfxf PH ftyycSffttfitf GMl und ily^ftanntj^f FLW 
liytaünaifi D fiyy^aaetaxf ÜZ schwanken, schreibe man ayrtaßfuaxt (iteratiTi» 
imperfekt zu ütyyt^aau^, einer ableitong ren t/yytiig). Die tttrumte dyfmG^ifi 
konnte leicht ftadurch entstehen, doäH tty^t^a^axt darch seinen sigmatMKiB 
gtammaaslaut wie eine aoristform erauhien und als solche nnn weiter coit 
dem bindes'ocaL -a- charakteriäiert wnrde. Ich möchte aach daran i^rinndt^' 
dasB xaiatjßtüffaL Herodas V 39 nach massgabe von Co«*^' ö[e]/**ö^if ^uf^^^* 
üli\ß40oy Hesjcb »m besinn auf •-u^oita«* znrückgeföhrt wird (prÄsona *ü^^^ 
*aßtoCiit). Im übrigen gilt das lantgesetz für ä^ Jüngere lomsche mit äiciü^ 
heit: äik9yyma«s *-yifo^attg vwtsai =* voijaat (^^n Kiüenbnrg, I^- ^'' 
206 ff,). 



Die nomina auf -iv^. 



357 



*aotvßmfjg *arrTi;^oa-rag zurückweist, SO steht dies nomen 2U 
ßmQTBM geuaa wie inn-tjli-Ta zn ikanTod^o. Wiederum werden 
wir also auf ein uothemaüsches präseus "^ßaä^i geführt, und 
in der that kann das imßwjm des ionischen gedichtes Theokrit 
Xn 35 üui* als dessen passivform Cimtßoa'tai) gedeutet 
werden: die 3. person plur. act. dazu ist ßoa-vti (so zu be- 
tonen), cf, i'^a-vti Theokr. VII 97. Nicht anzutasten ist auch 
jinmiT* Theokr. XV 148 Sianupafi^g Aristoph. Achamer 717; 
denn wie attisch nupijy lehrt, Hegen zu gründe "^nupiovri 

^Stanttvanfug (cf, neiyäo^v IliaS J'25 netväovTi il 758 nuvaovta 

-2 162). Im übrigen aber hat sich Ährens durch hyperdorismen 
der mannskripte täuschen lassen; im Theokrit 

1^ $7etaaä V 6 d. e, G. 
^fe iujdüca k, p. V. vulg. : richtig im^tta}; 
H inalä IV 28 k. (pr.) a. p. 16. M, Y, Antt. Schk, Seh. 
^■all in^ia 8*: richtig inalm k. a sec. DK Q^; 
^^ dfiayxtaat X 16 DUr K; dfidvi^aai richtig vnlg. 
l [VI 41 derselbe vers interpoliert, in k. fehlend : d^avt^aat 

B\ p. V. 9, L. M^ Q. J^cJiTiuai (*). 8), D, y. Med, Aid. CalL 

ififiuiyTtftQi lunt]* 

Pol! EX IX 74 rai^ d^£tav xai tuy aotpiav vtxävrt (richüg 

f onjuvTti; (richtig o^iTmvTfg) Epichann fr. 164 Kaib- bei 
Athen. Vn 309 E; 

inffyvdfitpiii (richtig i7iffyü(of.ifvm) Sophrou fr. 60 Xaib* 
W ApoOoB. de prön. ll^b (tiberliefert in einem Parisinus 
2548 Xn. sO* 

Die Byzantiner, welche ihre regeln teils auf grund solcher 
terderbungen machen, teils selbst deren Urheber sind, ver- 
äieDen natürlich kein gehör; vgl. Au» Ox* III 241 n ff: oi 
ftt^ ^ai^i§tg T^inovai tq w lig a. n^corog, nguTüg* in^lmj 
inQta^ Sjtgmv^ äxgaw (aber ngim Epicliarm &, 1^7 Eaib, bei 
Pollax IX 80); 

SehoL Theoer. IV 28: ^nal^al to d'^i^TC^o»' n^oGtanop t(w 

Wo*Jato «vo^cra iy^atpoi iy^dif/a'^ ovwta xüi ro dnul^Gt dpri JQV 

EM. 579 19 1 l^^q>ißokov^ rixe fivyxonfi Mivikag xai j^oavkag 
^'tf ngdütt TOü o xai et itg a ftaxfoVf ti^g iXi^uo ik^'^a in^la^ 

i 



3S8 



Hug-o Ehrticb, 



Wenn demnach Eulenburg a* a. o. g^rundformen wie *3(u- 
/flpog *Ti/i«/o^oc konstruiert, so stützen die dialekte diese 
ausätze nicht. Es wird ja ziemlich häufig: vorausgeBetzt^ dass 
die ä-stlmme als erste kompositionsglieder ihren auslant zn a 
schwächen können; ein beweis ist nicht zu tiihren. Ernstlich 
in hetracbt kämen nur zwei belege: erstens homerisch l^ijfa- 
ihiof, Idlx^- ist aber der akkusativ zu dlxi; cf Herodian zu 
E 299 (bei Ahrens Dial. I 121): Tpt5<^coi' di iv t^ nütitm nt^i 

xfiüfjv x^ixa xai tf^v aXxi^v ilnu mg nugnm. Syntaktisch 
fungiert ^Altca- als akkusativ der beziehnug: „schnell in der 
abwehr.*" Eine analoge auffassung ist nahegelegt für zweitens 
^güwQffg Hiaa X 69 = 3vgm^6Q Herodot I 120 = aoL ^^m^ttg 
Sappho fr. 98 1, auch dies ein kasuelles kompositum: sein 
erstes glied ^v^ä- ist der akkosatiy eines wurzelnomens *dvg-, 
welches sonst vom Griechischen aufgegeben ist (eine ver- 
einzelte spur nur in ^'p-J«* *|eo Hesych), aber durch ander^^ 
zweige der indoeuropäischen sprachfamilie gesichert wird, vgL . 
z. b. altnord. dytr pL ^tür"' *dur^s^ litauisch dürys pL ^tür**^* 
st *dur-. Nach ^gat^a^og hat sein synonymon *fivXätaong seilten 
ä analogisch verkürzt (Ilias 530, <P 681), aber nicht einms^kJ 
gemeiugriechisch , da bei Hesych noch nvXivoog s *jtvkrjm^^^^ 
steht (Wackernagel K. Z. 27, 263). — Irgend welche vomt^ 
Standpunkt der griechischen lautgeschichte unwahrscheinlicl^e 
konsequenzen schliesst, soviel ich sehe, das gesetz "^äjm ^ at^p^ 
cö nicht ein. W^en attisch ^Alx^imv 'A'Ax^tfmviSai hatte icsl 
geglaubt ein urgriechisches *Wlif^iJ/Gji' annehmen zu müssen 
trotz dorisch Wijfjii«&>F Alkmanfr. 71; daran haben Hatzidakri« 
und Eulenburg mit recht anstoss genommen. ^Alxpiawv flektier*^e 

AXxfiuarQg ^AXn^ianvt ^AXu^anva {Akx^aopa Utas ilf 394 [A]Ji^^^ 
fiäovt Delphi BCH 24, 142 z, B). UkH^umnäui beruht also 

Ungesetzlich auf ^Alx^dnyiäai, "AXxf^imvog etc* auf ^AKxftanm^^^ 

*i -a; folglich hat der nominativ ji^xpiieav sein f in anlehnavig 
an die casus obliqui bewahrt. Auch Solmsen bestreitet aller- 
dings für IJoüfidtoy entstehung aus flnju^äfm*, „bei dem 
freilich der akzent, wenn er so richtig ist, schwierigkeit^ö 
macht" p. 226* Er erspart es mir also, auf die schwäcJie 
seiner eigenen ansieht aufmerksam zu machen* HauftSc^ boü 
ebensowenig eine grundform ^/loreida/od« voraussetzen wia 



< 



Die noTiifnA auf -fe/c. 



359 



M%mt(i)m ein *xtJXJ7/oaa. „Es ist wülküT , diese formen yon 
Stämmen auf -/<iv- von ßlfj/ß eind atjSovg nnd ähnlichen 
bildungen von stammen auf -ny- loszureissen*' p/227. Aber 
UnijfiS^ ^vn$m sind von den werten auf -öJ -nuc, welche in 
allen fällen femininä sind, durch ihr geschlecht hin- 
länglich gesi^hieden. Nach Hatzidakis schliesslich ist nmH6m¥ 
-im (statt des von ihm verlangten -idmv -Sko) an W^ro^Acui^ -ai 
angelehnt; der akzentschwierigkeit wird nicht gedacht. Zu- 
sammenfassend lässt sich nach dem allen sagen: die annähme 
der Stammformen *JloT«(if«/^- *nntu6ä- ^IlüxuHm- ist nn- 
begründet. Zu unrecht angefochten ist der ansät« Umni^m 
AUS */ror€(*fa;offa;*) also bleibt nichts anderes übrig, als 
U^ai^^i^Q auf */ToTirfä*/<T-io^ zuröckzurühren, und eine schwache 
t^erm der abgeleiteten -yo^-stämme ist aus dem Griechischen 
heraus erwiesen. 

In den ^f-stämmen sind zwei urzeitlich getrennte kate- 
S^orien zusammengeflossen; abgeleitete -ues- -lio-f-stämme wie 
Mumtvt Innf^Qt; - ^\nnf^f3nq und primäre wurzelnomina» die 
liiuter / kein <j verloren haben: Z*t'; W. Aim\ ifk^vq W, hhUy^ 
CK, Z, 38, 61 n, l); ngfoßfvq (etyraologie ?) ; ajgng „un- 
erschütterlich" Euphorion fr, 94, Kaib. epigr. 1046 it (zu r^im 
'W. treu Schulze QE. 317 n. 4); vgl. auch den adverbieU 
^^hrauchten neutralstamm vndg-fftv („übermässig** = vnfoqvm;) 
^T, bheu Aischylos Ag. 371, Pers. 820, Diese primären stamme 
Sudeten ihren vokativ von anfang an auf et", wie Ztv be- 
'Weist, wogegen bei den Sekundärableitungen ^innfjjü<; = ai. 
<Mhavas statt innsv vorausgesetzt werden muss; dieser dualis- 
^nus der vokativbildung ist aber zu gunsten der wurzelstämme 
li^eitigt. Demnach können Z^v lit^iv ihrer betonung nach 



>) leb habe n&TtiJH/uitf al« «den waaserTejehon" gedeutet und sehe 

ktme TenmlBflsm)^, meine meinaa^ za Stidem {tJoi-tt^tt- «m tioiq- t\x 

3i^fBii^< und -#iJ«-* za ai* imln ^tropfen")* Dafür t daas .TOFrtudir aus 

"^^(^«ü* entstäDdeti ist, lässt tich folfeüdes anfUbieu. itQ7n^4? hftngt mit 

j'HrtQ^ las^mmeii. Dies vort hat man ^war Dut ai. pathi „pfad* Terglicben, 

*ii die vyQff xflfv^n Homens eriimemd; aber di@ auslaa^img^ gerade det 

Wöiondicben naerkmak in der sprachHcheQ be^eicb nötig ist käum tu ertra^eü. 

BiU kh aXmo richtigor kombiniert, so wekt ^rdvrt^c mit notwendi^^keit &ut 

*TO'm(ü« düjch die nasalinfigierutig-- denn dre&e tritt nur bei j^olcben wurzeln 

^ treibe auf, welche i ^ r l m n enthalten: ai. vadh ^Btosseii* : got 

^'^jm , wanden"! ^i-iit^tx^^: 4fiyxtiy etc. 



360 



Hüfo Ehriicli, 



recht wohl mit A^x^t verglichen werden; das grundsätilicbe 
meiner theorie wird damit in keiner weise berührt (gegen 
Solmsen p. 224). Über die allgemeine frage der vokativ- 
hetonimg ist allerdings klarheit schwer herzustellen, ehe 
man nicht sich über die genesis der Substantive auf -m -of^ 
rechenschaft abgelegt hat. Ich gehe davon aus, dass in ur- 
indogermanischer zeit ein lautgesetÄ bestanden haben mnss, 
wonach ?, o zwischen r^ i, «t> w, u und betontem io ie schwand u. 
i)f9at^(ü *i/ß^H'^ *^/,^i<> {^X^^oq) älter *egdhr€'i6 ^ *q^iXÄu 
{ip^atf (piküQ) "^bhilio *bhil^i6 ^fp/^u> (^f^jUwg) *SigfÄim indog 

ä^vBvto {dgpemg = "^d^pfj/og) *«(»v*^/ito idg. *Up^^'U^i^ (K* Z. 38, 64 r^-^) 
ßiydxkm aus dfdl/tu} ^ wegen des lautlichen s. Schulze Q^^? 
82 ff. — {dyXafig) *aglii^io. Hier ist nicht etwa ein nebe :^. 
einander konsonantischer und vokalischer stamme wie 1^^/ 
Caput: altnord. h^fod ^haupt*^ aus *kaputom im spiele; tle^^^ 
selbständig tritt eben ein ^i^^- *bhil' ^g^hemi- etc. nicht ^uf. 
Es besteht nun nach fonn und bedeutung eine ähnlichkajit, 
zwischen den Worten auf -a» -ov; und der vedischen kategorje 
nadi^ jiadias (nadyäs) „Anas". Freüich ist hier verschieden' 
artiges vereinigt: nomina, die zu -i-stämmen in beziehm]^ 
stehen: spjtU! „sichel** : s^ni, ahU „ein dämon": ahi ^schlange^j 
apathi4 jjWanderer*^ : puthi „weg", äputhi ^auf dem w^e*-1 
Ferner wiirzelnomina: dÄi^ „gedanke*^ avest. ^i*-jö „f^5*^ 
living^' etc. Uns gehen nur movierte stamme an wie kalyanß 
(hilyanu) „schone frau" and abstracta wie tapani^ „hitae" 
d^his ^damm^, eigentl. „das graben^. Maskulina finden sich 
nur wenige und erklären sich wohl durch Übergang der 
abstrakt- in die konkrete bedeutung: praw§ „aufraerks«3i"i 
eigentl. „aufmerksamkeit'^, rathi.} „wageulenker" (gegeiisatz 
arathl^), eJgentL „das wagenlenken'^, cf. griech* injtita (eigeüü 
„beritten sein"*). Andere feminina fungieren maskuliniscb a!* 
zweite glieder eines kompositutns: sabasra-stari^ „mit tausend 
kühen" {stari^ ,>kuh"), hiranya-vaSi^ (vak^ nbeil**) „mit pl^ 
denem heil*^j m-pravi^ „sehr aufmerksam**, dm-pritm^ ^un- 
aufmerksam^ zu prävi^ „aufmerksamkeit^* Auch die bohüö* 
auf -Ol sind feminina, bezeichnen abstrakta und weiblich*^ 
wesen, sind teOs primär, teils sekundär: sekundär >jx^ (»?/''«)» '^ 



^] leh kaim es mir nicht Teru^n, wxd einen versteckten bel«f f^ ^' 



I 



1 



Die nomint auf -fv%. 



3(U 



imtjtm „abwesenheit*^ Herodot IX 85, iimtm „wohlheiltideu'^ 
von eiuem St *iaTff- ^das seiü** ; ^tffitmvfi „erlddit«rün(r** 
wohl ans *^aaTöJ erweitert (-r^jjrw; Latona\ zn ^m^m „k^chter 
werden", ^gaCaro^, FoQyti: fQ^iyu^ uud kosenamen wio Mv^nti» 
Primär sind etwa Xc;^c^, na^tjlf^ fixm. Ich nehme an» ro{tyt4(i) 
ist kontiahiert aus *rfiQf(ja -j- -^ J"^*'y<'>[tl'»^ fUiB T^jj/rt [ -io«, 
-öfj[^ -&iös war gesetzmässig hinter explasivlauteii und Mibilimt« 
4 -ios hinter r, ?» m, w, y^ (so dass iapanias auH *'tapana + fair 
reduziert wäre)* Die -.^-lose nomiiiativbildung dm Üriedibchen 
tnaebt einen altertümlicheren eiudruck bIb die Higmuüiiehti dm 
vedisehen Sanskrit; hier kann sie von den beiden aiidwren 
klas&en der i -stamme übertragen sein, denen iti« von hauaii 
aas zukam: spm' etc. (bei den ö-etämmeii neben tunu: tanüH) 
und den wurzelnomina wie dhi^ (vgl gn xfg lat* im^ dazu 
-ihti^}. Ähnlich fasst man ja das vt^rtiältnis von lat. maierii'u 
(dm spes nachgebildet) zn lit. ioM auf; und grieeh, /Xun^ 
kann schon der küi^e wegen nicht nr»prünglich Ki^iii. Gegen» 
aber lM)na aus Xf/ja + l zeigt der vokaiiv Xfjrol' > *U^fi + f 
eine akzentznrückziebung am eine more, ebenso Z§v gegen- 
aber Zivi. Und damit scheint das betonnng»geiiet2 de» vokativjt 
für nnkomponierte nomioa angegebeo: ai. mipä: vok. ßäntya 

gr. naj^g nirtg (statt ^nttTi^)^ ^voj^^ *3£tig\ atL im^ g^<^n 

IM« ijflJ,' verändert nach dem vokativ *^q^ « *im^; Utaitfieb 
iBfü? ms "higfim statt ugnoi, mitmü &Qi *mmoQ Matt mmidi. 
Im Groivvffiifldieii ist die regel nodi bei mtanlklitn üd»* 
dutiT«! Iieobachtet: dmk gen* ifaoAa rok cttolr (HaOMss Ardt 
C dft¥. PhiL T, 326j. ZiäuEuncMetaii««! hti^iwgw, r«4flp&^trt» 
emgesdiloseot iefacint das get€U 2^ trtfeii: disr 




EiOXEOXE («cl JML* Mi 






1. «w 




Hofö EhrMdfa, 



ton weicht iin vokati? auf die letzte silbe des ersten $ 
zurück: vgl. )?r, ä-Stlfpo^: aiikff, /Tffit-xA^^: nfoinlfn 
TiÖTjjg: iUünora aL HkUvAn : dkifvas. Nähern sich diese for- 
mElieniDgen dem wahren Sachverhalt^ so mnss das Indisclie 
uniformiert haben, eine meinung, die schon Kretschmer aus- 
gesprochen hat*) 

Dass sich im vokativ der 37/-stämme von a keine spur 
findet, lässt sich verstehen. Man könnte aber erwarten, diesem 
für die sekundären nomina auf -U% statnrahaften laut wenig- 
stenp in ausserpräsentischen formen der verba auf -ttm zu 
begegnen. Bisweilen liegt der grund, weshalb diese erwartung 
getäuscht wird, zu tage, d^vfvm «(^i-fvr^c, rtlevr^ gehören 
zu Stämmen auf -ij/o , nicht auf -tj/n-; so gehört vielleicht 
mXiim MiXtvTiaw zu K§li(/)k (könig von Eleusis b* Cer. 146,, 
Aristoph, Acham. 55). Mehr derart bei Herodian zn Ilia^ 
V 160: fylfTi ftaXifTta x^StöQ ian vfxv^: nve; ißagv^mr mtrj^s^ 

K^Stvoa. ra yuQ li^ Äj X^ynvxm QyifiUTU naoa ^sjum fivnßiv^^ 
Ma^agfiovia Kai t»w i nttQalfjyoptBva i^yfoi^m Äfi«, tpmXfi^tM 
iftmkift^ o/fv<x> (>;ffof ttai iv nltüvu^r^m toi/ 7$ ia^ihg* uai na^i 

6' in lo/föto ni'ig (Hes. Theog, 178), dXX' nvv y§ ßnQvtip^ 

01 nX&lnvQ aviyvafTdv nXiopatjpov iadi^i^nvm xov € äate nap« 
t^v ^.fj/oti ytPix^y — ix X^^ov ti^ttt^Spjtje (D. ji 379) — Xo^on* 
yiviis&ai xai Xo/J^m, ot^roig Sk Xfita toy ngfmgr^^dvffp xarsra 
Qj^f^atog QVTö^ tav Mi^^ivto ro wao «uro o»'ö^«j Xdyca Sk w 
jei^dfoCt o^titorritftjfrfTat. 

Sieht man davon ab, dass in umkehrung des gescUcbt- 
Liehen Verhältnisses überall das verbum zum prius gemacht 
wird, so streifen diese bemerkungen immerhin recht nahe an 
die Wahrheit heran* x^fSfo^ ist allerdings vielmehr aas m^Sh^ 
geschwächt. Aber richtig wird der Zusammenhang zwischen 
f(oXBV(o (Aristoteles h. a, 2, 11; Theophrast fr. 171, 9 Wimmer; 
176—178) und *^cöXf(/)fjf hervorgehoben (Äristot h. a. % ^^ 
37), richtig kann Xn/jvmmit Xoj^£(/)df verbunden sein. Neben 
den danominativen auf *-fftj^i die sich mit den sl avischen »uf 



t) Att. n6ytiQf ß6-/9t^ite sind rieUeicht nenbilduögea ; icb halte aü* 
oinem ortoU zurück. 



Die 



»nf -fvr. 



363 



-ujq decken, K.Z, 38, 64 n, 2, sowie denen auf *-j^tai könßtea 

m sich auch solche auf *- 7/^1*01 bestanden haben. Aber ein 

statistischer nachweis ist nicht zu erbringen. Denn da einmal 

ein legaler Wechsel zwischen -ues- (-us-} und -va-stämtnen 

festgestellt ist, so ist flir jeden konkreten fall die annähme 

zulässig, dass die denominative bildung nicht auf dem -u^s-^ 

sondern auf dem -yo-stÄmm fiisst: hg€Vix> (iSöevTo) nicht auf 

iä^itf^t sondern auf *ifpJ7/o- (cl hgij = '^tf^rjä), ßufjtUvm nicht 

auf ßamUvq, sondern auf *ßaatXrifo- (s, Schulze, QE, 490) etc. 

Ein weiterer einwand gegen die neue throne: Ich habe 

siCp 80 sagt Solmseu p. 223, durchgeführt „um den preis der 

irerletziing eines unbezweifelbaren griechischen lautgesetzes'*< 

Auf der Kölner philologenversaramlung hat Solmsen nach 

Indog, Abz. 6, 154 sich zu der meinung bekannt, im Grie^ 

crhischen habe die gmppe vokal + if -f 5 + vokal das u 

festgehalten, wenn der akzent auf dem ersten ruhte, es sonst 

Aufgegeben* Obgleich ich den Vortrag nur nach dem referat 

Icenne, glaube ich das material genttgeud zu überblicken, um 

stur Sache eine bestimmte steUung nehmen z\x können. Es 

ist von den präsentia ixnva* yevta *Gai d^oaim nicht mit gewiss- 

lieit zu sagen^ dass die lautgesetzliche entwicklung bei ihnen 

ohne Störung verlaufen sei; wir wissen, dass die verba auf 

-fw *-*/(ü zeigen raÜBstettj wenn nicht das futurum sich 

mit seinem einfluss geltend gemacht hätte. Das homerische 

material fügt sich der regel überhaupt nicht L Es heisst 

ttxov^a (^ got. hatisjan „hören"), aber auch axov^ (inaxnvng 

Besiod op. 29), 2. Es heisst ijmg = ö/^oJg; zum gleichen 

stai&me ziehe ich lävoq, bei wort von xu(ia£Tfoo<;^ ndnlng, xtg 

^teppich**. Das wort sucht Solmsen, K. Z. 32, 539 mit imm- 

^tUt^vQog bei Alkman, Partheneion 69 zu vermitteln, havi^ 

Ml zwar für ifavo^ stellen; Alkman setzte aber dafür layo- 

ein, weü gewöhnlich in seinem dialekt einem gemeingriechischen 

-fit' -(K- entsprach. Diese Voraussetzung trifit nicht zu. Im 

Lakonischen ist ek aus *€oa zu tj kontrahiert^) So findet 

ttdi nti^mMi] Alkman, Parth. 3 Evjd/^fj e, -jj lUj eW/y fr. 25 i^ 

«»*ij fr. 58 f, daneben freilich itdäta fr, W (und fiiX^a fr. ♦105 

Cms. = adesp. fr 81 B.*; liinX]kf fr. 33 s??), Dies -sa ist 

L) Dtgegen tä aaa *ifn bUeb üffea. In Hemkloia Beben /iitj I tu 
^ ^^t TL li. ji^, 47, gl, Jitf^Qgu l 141 (d&t. pL ^ff^QtQis I 17A, &lso aom. 



864 



Hugo Ehilich, 



aber nicht notwendig echt lakonisch, gehört vielmehr der 
gemeinsprache der dorischen poesie an» vgl. -tu nebea -^ bei 
Pindar, Speziell bei einem dichter^ xlem Apoll, de pron* 396 C 
das attribut awi^x^g aioXit^onv giebt, wird man Eonäcbst an 
einen äolisnms denken* -ij wiederum kann nicht bometisch 
sein (so Solmsen), weil im text des epischen Sängers nur -e« 
zu dulden, -ij erst in attischer zeit eingedrungen ist (K. Z. 
88> 81). Dazu nimmt die Solmsensche erklärung keine rücksiebt 

auf f^p fr* 76 s, tj^t-faKOV* ^auiltTxoy ^axmvr»; und ßfjgi'/ahiW 

To fimQtivS^öv'^) AuKmvt^ Hesjch {ß = /). Das letzterwähnte 
wort hat das besondere interesse, dass in ihm der st. x«^**-* 
der im Griechischen ans seiner grundbedeutnng y^glän^eni^ 
hell" sonst nur den sinn des metalles abgezweigt hat, hie^i- 
die auch anderweitig belegte bedeutung ^griinzeag, kohl** 
bewahrt: cf. altbulg, ilak^ *0iolqos „kohl**, UXmu' Aw/tti*« 
0^vy€Q Hesjch *ghelqia. Gleichfalls zeigen inschriften kontra- 
hiertes ^: KlffifSvtj Taiuaron GDI 4508* (nach ende de^ 
Peloponnesiachen krieges), /4t^ Herakleia GDI 4629 I m. 
Also ist iavn-yXifpuQfyq ^mit strahlenden äugen" von lävi; m 
trennen; ^mvü- ^strahlend** ist vermutlich der stamm, der 
homerisch iaivm „erhitzen" zu gründe Hegt, cf* m^nv „brenneD^ 
md^fitl „glänz"* iüvo;, von ähnlicher bedeutung („strahlend, 
glänzend*'), geht auf ^^avo^ *a^navnz znriick. Nicht erfüllt 
ist die bedingung, an welche Solmsen den Schwund des; 
geknüpft glaubt, in jjioc (v* ^P'^W' 365i ^ 152),*) Unter da 
homerischen beiwörtem des Sonnengottes findet sieh ketaes 
von etymologisch durchsichtiger art, das nicht in hinblick auf 
das natursubstrat gewählt wäre. Also beisst jJjo^ „gläuz^aä*' 
= *«/ffio^-, vgl i^tü-, 3. Neben J*Aij „spätnachmittags Hi*s 

111 Steht dUelo^ 232, ^fifli^v ^^a^ g 606, äiiHiffm; 

^ 599. Neue Varianten sind durch die AmmoniosscholieD zu 
111 ans licht gefördert und von H, Diels, Rh. M, 56, 29 1 
treffich beurteilt, Diek stallt her: 



<) Wenn in der gnechischen gemeinsprache (iüBchriften und papyri) ^ 
225 T. Cbr, ebenfÄOs oU anftritt, so ist das eine jnng"e nenbildnng Tarn ^' 
turdf. die mit doriflch ülf nichte ^mein hat; so richtig Keil Herrn. 25> GflS^ 
Eohner-Blasii I, 483, CrOnert, Memoria Graeca Heren! aDODsis p. 167 mi^ ^^ 
(lalacti Sommer G riech. LaatEtadien p, 16)* 



Bie nomias auf -ft;^. 365 

pQ Od Ol Vfxinv^ti r[fkaa[ym nghq Si^\Xnv. 

[ig ia ?i^|coVijv deBikr^v nkeift[yfi; ^ifjfivg]imv 

^cf. EM« 261 ^7 kdytrat ^eikij xai Aitilrj nai dietlTj), 

Als älteste form des Stammes ergiebt sich SeBlog, die bei 
Homer metrisch zu SEUiog gedehnt erscheiat, wie Mfkop = 

*äiilftVj ^ftfkii^aag = *6£€kt^nag] detDBECb ISt Jf/Aij aus *Sstkrf 

koütrabiert öhkog aus "^ievtr^kog vergleiche ich^) mit Tedisch 

dö§ä (^-stamm) ^abend, dunkel", avest daasa-tara „westlich^, 

We^en SuEkt^ uod ^f« Ai^ kann ich auf Diels verweisen, der 

die faeimat dieser doubletten im jüngeren epos oder der älteren 

ionischen dichtung sucht und sie für knnstprodnkte erklärt: 

durch ^iiiki^ wurde dcMflg weiterflektiert ; S^nkt; iJfA 17 erinnert 

an ff ig: EiVj Kgf^Tij: K^^tij. Rein als konstruktion wäre 

aacb ein ^Ssvaeaka - Ssfikti möglich: das Indische hat einen 

o^-stamm do^as („abend"), aber so vereinzelt {u^asö dö^asaSca 

Atharvaved. 16, 4, 6)^ dass man an eine fleiivische umbüduog 

nach dem oppositum ii^as („morgen") glauben möchte; es 

\%ärd demnach bei der Diels'scheu auffassung sein bewenden 

haben. 4. äa I 337 = (att. Sa) äoL S^vh ^Sfvau Schulze 

QE- p, 62, 77: ai, dö^a „mangeP, du4yati „verderben". Auch 

eine auf das weitere griechische gebiet hiuausgreifende be- 

trachtung erweist die Solmseosche regel als nnznlänglich. 

5. Die urgriechische flexion des Wortes für „das ohr" muss 

gewesen sein: *o/ng *m/fjaTöQ\ während S/oq aus att oig (0) 

dor. m ohne weiteres folgt, pflegt man für den genitiv ^ovaar&g 

anzusetzen. In der that überiiefert Herodian II 921 is oaro?: 

das ist aber vielleicht eine neubildung vom nnkontrahierten 



1 
1 



*) Die g^leiche etymologie schon bei Sohasen Unters, p. 81. Solmscn 
siksf^ntoiert allerdings 4itil6^ mit Herodian I 161 i ; aber dieser konnte über 
die betonung* des Homerwortea nicht woiil etwaa wissen, Digegen weist 
ilas remimnum Jtilfj [akzent nmh HerodiMi n 110 la] =- VftA^ mit seiner 
l>aroiytoiiiening^ auf maakidimi^eheB *(fjt'*ior VEurück : denn das von SolDneii 
m hfllfe gerufene j.geeotz", wonach ein *dtiltj den akstent hätte zurückwerfen 
mftssen, sehweht vöUi^ in der Imft (wie auch Bezzenherger in seinen Beitr. 
30* 175 m 1 urteilt). Es ifd doch kaam eine frage, dass it^ät/tr 7fa(4uiy 
<5riiiy auf ^Snifdmß' ^na/iJtatf *<Jdjtuy zurückgehen, 

«) Freilich ist die traditioneUe betonung nicht durch ein ^nverifissiged 
latikerzengnis gedchert. 




Wxgo Ehrlich, 



tiominatiT *ong ans vgl. iiutog von Hog Sophod. fr. 305 1 

p* 202 N*^ fjniutoq VOD onfo; {omaTaaoi XenophanaS fr. 37 

Diels), Auch homerisch- äolisch üvat^g {Ovar lag bmder und 
nachfolger des tyranoen Itfennes von Kyme nach Nikolaos von 
Damaskos FHG III 387; 8, Fick B. B. 26, J23 E) ist nicht 
eindeutig. Denn es lässt sich beohaclitenf dass im Äolisctien 
urgriechische vokailänge -|- /h aus /«r sich zu kurzem vokal 
-f V entwickelt; ""^it fvog = ^jigr^ng ^''A^fißjng'^ auf ^'Aq$j^% 
geht "A^ivi^; schwerlich zurück, da homeriBch ''Aitta nach dem 
Zeugnis des attischen vrfjiij hinter £ nicht j, sondern a ver- 
loren hat. Mit bezug auf koisch und sizilisch Gvmju (KobJ 
GDI 3636 6^; Epicharm fr. 21 4 Kaib.) möchte ich daher ver^ — 
muten f dass die in rede stehende erscheinung eine weiter^^ 
Verbreitung hatte. Jedenfalls ist ^^jammg genügend gesichert 
maing Herodian 11 921 i^; wata Balbilla Dissert. Argentot**, 

lY 1*J^; iiuttA iitla^ oix«; mu^ty. iiniv\ iit^ßu^ta Hesych; aft^fm^^ 
Theokrit I 28; taatod^^ii€i^: aVuJfin^«* ^mQiitg Suldas (- watc^t^ 
9qnw, uHnvftftpLat* Atapnt^ Photlos, matm&^ata* miovtjn^^^^ 

Hesych), a,iu (cod* äraY tlta TaftavTiioi Hes. kanii nur ans 
tö*>T«, nicht aus *oar« entsprungen sein') {*uvaäia bei Schulze 
QE, 38 n* 1 als grundform mir nicht wahrscheinlich), Ici 
lese daher 0FATIE2 ^üf ChaUds (Kretschmer Gr. d. att. 
Vaseniuschr, p, 64) als Sijati^g* mtmpTa Ilias ¥^ 264. 513 
Hesiod op. 659 erregt anstoss; aber verderbung aus ^orar'^iina, 
wie man herstellt, ist nicht recht verstäudlieh, da ovarog ganz 
geläufig war; ich stelle her; maiofptu. Aus *£o/oaTö ist im 
Attischen gegen Solmsens regel wTa geworden* Die end- 
betonung lütog alti stellte sich natürlich erst nach vollzogener 
kontraktion ein, welche '^^mg (- hom, oraro^) wie den gemtiT 
eines monosyllabons erscheinen Hess; so schon bei Bomer 
neben offenem x^iaiog (metrisch gedehnt aus a^iätog) kon- 



1] *oa wird ]m Gmchlschen nur %u m. nQu^to^ gebt demnach mit dor 
böoi jt^rh^g eioher aof *jtiiu/jt(TQi zurück. Euleuburg IF. XV 143, ^^ 
ftach kypr. liiiwtmifAm fltii^ttjo^ heraazioht« vemachlfisaigt zum schui^ 
dor ßa*:he SchulKe QE. p. 22 n. 3. iJchalz© weist ©inen zweiten ftmu» 
* ^ f f j cü T o- > d er 2ü /J 4 ,7 ptJo jf tu g^ehö rt , nach : d axu höo t . // y w i d;* rrjf **- k)|i 
IlinüfQtiptü, namentlieh klar *rf*af-vf(>*ijro/; Hitwiw -i43 (Nereide), kam»*ßi* 
aus n^ütf^utiftiu ^da6 BchickBal kennend*' ^ N^^i^rng X 46 (vgl KZ^ «^ 
71 oatenl, ähnlich II^üjuvs adB ti^mjQfin^n^ CIA. II, 568. 13 (^fom% 
Etwft» anders ale Eulenburg Brogmann, Knne vgl. Gramm, nachtr, zu ^~ 3^' 



ihiertes xoaro^. Es ist eine annahuie, die man seinerzeit 

ich einer akzenttheoiie zuliebe gewagt hat, die sich aber 

Im standpankt der griechiscben laatgescbicbte wenig empfiehlt, 

hss die indogermanische endbetonuug ^taaio^ sich in mtog 

rekt fortsetze (Wackernagel K. Z. 29, 140),') Schliesslich 

6ise ich 6. auf das fiiturum zu x^*^- X^^ ;fio^at = *;rf/*fta 

5ff/cio^«i: gemeingrieGhisch scheint -/fj- als -v nur in einem 

lue erhaltea: in am^ aus *Ac*uAoc - lit saUsm „troeken*^; 

hr aber ist die einzigartige bedingung im spiele» dass der 

fchthong zwischen zwei hauchlaüten stand. Für das Äolische 

^t Solmsen ein Spezialgesetz: vokal + /w = vokal + ^\ 

Bnn der spezifisch äolische ton auf Ihm rnhte: w^ma (amvai 

Ippho fr. 2 t*) gegen Evan^i^Q (beiwort der Artemis in Mitylene 

mmm Dat, eins. fasc. 2 n, 101 s (103) lOo. 106; beiwort 

ir Isis 113), ^Ynaitnoq (beiwort der Athene in Mitylene jenseits 

les EuripoSf ^Ynaxom Dat. n* 476 »). Die gegenbeispiele sind 

fe Jahrhunderte später als das Solmsen scheinbar günstige 
ipiel belegt, so dass man sich in erster linie fragen mnss, 
für das schwinden des v etwas anderes als der unterschied 
ier zeit verantwortlich zu machen ist. Auch dient Solmsen 
wenig na^am\ das I, das in nuQ^iA = att* nu^ui nuQriiQV 
apjyig dor. y^aXuoita^mn^ (nicht -«ag) = ion. yaXnünigjim; 
wird auch in nagava aus *na^avja *na^avia einmal 

rhanden gewesen sein. Zur erhaltung des v wirkte also 
anderes motiv als die läge des tones, der hier ebenso* 
wie in ''A\>iv(ig den vorausgehenden vokal traf. Im 
hen wurde -/er-, nehme ich an, zu v 
, hinter kurzem vokal in älterer ^eit allgemein: ix&vm, 
Eresos CIns. f, 2, 526 A i« B t«, «Wei'j? MityL 6 %i 
T. Chr.); 

, hinter langem vokal nur 
.) wenn er im anlaut stand : avm; ovttTa, 
i) wenn ihm velarer vokal + ^ vorausging: "A^tvog 
a gegen fi^^i^Uiq ijp^f?; 



(it ^iSjtittioi sL *0|^* vgL fot. <msd gen. attsim „ohr" st, ^Hfßen-. 
lucho aOhr" ist nicht ot^^ gleichsusetzeii; Älter wh i^r aitigiilar iet 
\*uii *ucki *j||«f Tom i-etamm, cf. lit. ausis kt, imtis, ond ich Ter- 

&h licho m *uchi tiAch dem verhütnii oko („augc*")^ dual *(M — ^ 

bscb zugefügt ht 



Enga Ehrlidi, 



i 



vergleiche die gegensätzliche behaDdliing von pi hinter 
yelarera and palatalem vokal r xaigtx> *;pap£co, aber ff&^u^m 

(ygamg scheidet als unbezeagt gänzlich aus; sonst ähnlich 
schon K Z. 3ö, 63 n. 2.) — 

„Endlich die auffassung des 37 von -lyr- als gedehntem 
auslaut von cio-stämmen scheitert an der hoiuerisch-äolischen 
flexion der eigennamen mit -f-, nicht -1^- {Tväiüg Tvdii Tvdfm)'' 
Solmsen p, 225. Die hier ausgesprochene landläufige meiimng 
ist namentlich durch Hoflmann Dial, 11 545 verbreitet, der 
vom Äolischen sagt: 

„Im gegensatze zn den appellativis bilden die eigeniiameiÄ:^^ 
a. s. w, meistens aUe kasus von dem stamme auf -f^(^tv) 
l4)fillBvg '^;f/XXf/og:*^ Was nun das Äolische des 6. ja 
hufiderts betrifft, so konnte sich Hoffmann nur auf ^llrfiit ^j7 
fr. 4b B berufen: 

Wir haben das fragment schärfer ins äuge zu fassec^ -n, 
um einzusehen , dass ]4/Jkk6u bei einem lesbischen dicht^fc^^r 
auch anders gedeutet werden kann* Die mythische versio-^^n, 
welche Alas zu einem abkömmling des Zeus, mithin sein^ an 
vater Telamon zu einem söhn des Äiakos, bruder deß Pel&=^=iM 
macht, kennt Homer noch nicht, wohl aber mit Älkaios Pindt arl 
Pyth. Vm 100 ö. und Bakchylides XU (XIII) 97 ff,: sie ^st 
augenscheinlich dem nachhomerischen epos entnommen. Nio^/ 
nur nach der stofflichen, sondern auch nach der formalem? 
Seite hin sied die Lesbier vom epos abhängig, wie W, Schn&a 
Gott, gel Anz. 1897 p. 887—91 gezeigt hat Dafür liefert 
auch dieser vers einen beleg. Atag nicht *"Atatg wird als 
äolisch bezeugt durch Herodian II 405*9 = Choerob, 98, 16 ff.; 
das ist die form des epos (Meister DiaL I 78), Und eiß 
akkusativ Ai'uv (wie K^ovi^ay zu KoovßaQ gebildet) setzt ja 
den norainativ Aiug voraus. Vielleicht ist auch jener aus dem 
ionisch epischen mischdialekt übernommen^ da diesem analoge 
raetaplasmen vertraut sind: &6äv zu Qohq Hesiod fr. 144 Ez., 
AiA^-)'fv^g zu "AiAäg opp. 383. Dass nun in diesem verse, 
der seinem gehalt wie seiner form nach den einfluss der 
älteren dicbtung bekundet, der akkusativ \4xmm, so wie er 
ist, aus dem nachhomerischen epos mit ionischer Verkürzung 
des rj entlehnt ist, kann mit fug als wahrecheinlich bezeichnet 



^en. Denn 1* grade L^;ft(Ä)Äfi'f flektiert bei Homer durch- 
Iteod -^ng -35t -i^rt (statt ^AyillBt versBcbluss V 792 lies 
ykl0, 2. Herodian II 673 st ff. (Choerob. 209, 18) weiss 
Jjhts ?on der angeblichen flexionsverschiedenheit : Ifftiov, 
f ta iig £v^ Ai^ynvTU nivTS xi/fffig intds/oPTat hi tov s xai 
U^tPtBg mn¥ jijfikXdüg ßamXinq" dia %m t nui cö ItfTTixcSg mo¥ 
^iXlimg ßaailemg* im tov fj Kai q na(ia rofg ip/aintQ "Imaty 
pr Idj^tXkl^og ßaatXijog ofimtog 6e xat utt^a rof^ jitnlivaiVf 
%* of Aiokflc n^anct^oSüroFoütJ«', ^A/ikXtjag ßaaiXr^o^ XiymTiQ* 
hi ik Tot^ pBmidpötg ^imai ^ti xjjg ft Sttp^ofym nmi tov ö 
jtf \4xiXX&toQ ßaütXitogf ofiolmg de naga To^g Vimrd^&ig jiio- 
miiPt dXXa naXiv ot jitoXitg n^nnug&lt*vovatv ^A/JXXitOQ 

miksiüg XifavTig, 3, aber ist die Hoffmannsche regel dtirch 
i N i^g^id fg von Sappho Charaxosode t* 1 überhaupt uro- 
jltosaen, so dass sich behaupten lässt: im Äolischen war 
r zeit des Alkaios and der Sappho ij vor vokal noch nicht 
{rkürzt, einen bereits früher erledig:teii fall ausgenommen 
L Z. 38, 61 n. 2): dass nicht /, sondern c oder i in dera 
ilns verloren gegangen war: nXdag *nXifag ddas *djjeö. Bei 
pi ij/'StÄmmen war demnach tj erhalteo und blieb es bis in 

letzte drittel des 4, Jahrhunderts v. Chr* Damals jedoch 
de — das ergeben die lesungen des Corpus insniarnm 

2 (1899) — ly vor vokal zu i verkürzt, wo es bis dahin 
gesprochen war (f ein geschlossener e^lant, $ und u 

hrieben, vgl oben Herodian)* Erst um Christi geburt 

:en attische formen wie ßaoiXimg ein. Also Mitylene 
f. 2 n, 6 (nach Boeckh 324 v, Chr.) hat noch 9 ßaai- 

1« ß[aüiX]r^mg 41 ipfjag 15. 47 ßaoiXi^a 45 ßaai\Xfing. Aber 
j. Yh. Chr.) b 7 T^a6ayn{}it4yai h it ^^üfiuti t4 -fuH 
i^Sati 75 a i [y^^f^^j] | (Jafii b % Yji)i\iQBiü (GDI 166 u ^ 
u steht nicht eiQ{i)^aatv, sondern u^ovuniootv). Auch 
n. 645 (ca. 319 — 17) hat noch A 1 \ßaü]tk^fnm 13, »t 
ag\ dagegen 649 A 45 ßaaiktag B %i [ß]maikii§^ B 37 
tu; (it = i); wie sich durch ixifjt Ä 40 yräqu^t A 41 aus- 
war in Nesos damals vor 1 noch keine verklirzung 
iten. In anderer weise begrenzt war der lantwandel 
ai; 1Ö5 9 Hof&nann (4. j. v, Chr*) it Aifaüad^ neben 
a^M^ 10 aQv^aStöv: also vor f früher als vor anderen 
ingetreten. Eresos 526 (letztes drittel des 4, j.) hat 
Lg ßa&iXiog D «& ßauikiog [beide male las Hoffmann 

Twi Ternl. Bpnclif. N. F. XX. X 24 




370 



Hmgo Ehrlich, 



unrichtig ßaatXimi;\ B a» ßnaiXdcav*^ 548 t Kawi^Bfg i[Ktii]na- 
ptjtbP MityL 26iOt bei Hoffmann angeführt, ist genitiv von 
KaifJMQijit = Köi<japf*« „Cäsai Spiele", vgl. schreibnngeö wie 
iafüXf^u tvnißf^a, gehört alöo nicht hierher). Demnach sind 

ßaaikfog [d]vriy^a[(p]fiiQ 21 a etC. SO gut äolisch als Atyndtfim. 

Man bemerke, dass -io^ auf einer äoÜKchen inschrift des 4, j. 
nicht aus der koiv^ stammen kann; denn Attika hat -df^^ erst 
vom letzten vorchristlichen Jahrhundert ab (Meisterhatis Gr. d. 
att Inschr.^ p. 140)* Und wenn in mancheu gegenden, die 
gemeinhin die keine verwenden, nämlieh in Messenien und 
im südwestlichen Kleinasien, spät (in chnstUcher zeit) formen 
wie ßa^tUo<; aufüeten, so stellt Schweizer Gr, d, Perga-^ 
menischen Inschn p, 148 richtig fest, dass hier die ein« 
heimischen, dorischen uud ionischen dialekte nachwirken ^^ 
Endlich merke ich noch eines an. Auf der erwähnten insclirif^^H 
von Eresos 526 A 3$ (um 3S3 v, Chr.) steht ;Tt*^'ij/Sffi;, Aäzi^ 
sich könnte das der nomin. plur. eines «Stammes sein, Abe^^ 
das wort fär den Gesandten flektiert im Äolischen als ^,ß^^ 
stamm: GDI 318 a» no^oß^tu acc. sing, (*/ = f), wie auch b^* 
kanntlichim nächstverwandten Böotiscben: n^ujytuq^ Ionischem n 
(Hesiod Scnt. Heracl. 245) und im Attischen: dual n^^ng^^ 
ans *n^i<Tßrii Aristophanes fr. ii39 I p. 551 K (ChoeroK 440^ 
14 = Herodian I 325), Aischylos Suppl. 693 (Schulze QE. Gl 
n. 4). ngiaßdQ ist also aus *ngfaßpjfQ gektirzt Wenn Hoffman^ 
aus dem äolischen gedieht IlatStttf* Theokr. XXIX »t jix*^*-**^ 
anfuhrt, konnte er auch znfögen ss apdprmv, 3« otvlfimg, jila- 
xara XXVIII 10 dvdiJiioti;: fäUe^ die beweisen, dass in dem 
jmigäolischen dialekte, den Theokrit schreibt, der wandel 
ohne die für Nesos beobachtete einschränkung galt Das ist 
der tatbestand, wie ihn wesentlich die Inschriften veran- 
schaulichen. Was aus anderen mundarten zugunsten einer 
besonderen flexion der nomina propria beigebracht wird, ist 
noch weit zweifelhafterer natui\ Bechtel B, B. 25, 100 erkläit 
so "AXaatxfjg (Fisatls) aus *^^kaoüdtg gegenüber eUsch ßmmlvt;* 
^^AXaavrjfg anzusetzen steht ohne weiteres frei, da auch sonst 
die Pisatis gegenüber Elis ihre dialektischen besonderheit«D 
hat Brugmann Griech, Gr.^ p. 185 stellt die hypothese auf* 
attische patronymika wie midtvc dXmnftttSiig seien m^^ 
gleich homer, 'Atyfv^ flektiert worden. Es scheint bisher einj 
analyse dieser bildungen nicht vorgenommen zu sein. S' 



Die ncmtina awf -fu^. 



371 



können als beweisstücke dafür dienen, dass die patroaymikal* 
fcfldiiDg der eigennameii iTv^^vi: Tvdiidrjg) in alter zeit ancli 
aaf das gebiet der appellativa übergriff vhSfti; nnd mt&-fivg 
aus *v'uS-4iftg sind gemeinschaftlich von *vi-iSfig ^sohnessohn** 
abgeleitet, vgl. iiffipiuB-QVQ mit uviypiidriQ Pollux 3, 28, ferner 
mXi. "!Atäijg a ion, ^^idtig aus *At-l^rii; (aiu) „söhn der erde"; 
^nch der konsonantische stamm, aas welchem sich -li-r^g er- 
^weitert hat, ist gelegentlich noch lebendig; ion> ""^Ung = 

^Ai'i^-; dlaiTisxig „fuchsjUDges" (^dkmnfmtH-rig): dliünfniäfVQ. 

Somit braucht man -tSivg voü den übrigen appellativis auf 

-fvf, die ja ebenfalls von nominalstämmeB ausgehen, nicht zu 

sondern. Eine andere urgriechische Zweiteilung der flexi on, 

als die oben konstatierte: nämlich der abgeleiteten r^/ stamme 

und der wurzelnomina, ist nicht zu rechtfertigen. Die spräche 

Homers beansprucht als ein mischdialekt, der obendrein ele- 

mente verschiedener Jahrhunderte vereinigt, auch in dieser 

frage eine eigene Stellung. Bei Homer hat ^Ax^mg (dazu 

\Hoficov - \4T()€ßmp,^ATQfiAf^q) durchgängig kurzen vokal vor 

dem kasussuffix und wahrscheinlich aus urgriechischer zeit: 

^At^ivg ist ja wurzelnomen. Ganz vereinsamt steht nun 

Tvitvg Tv^iag: aber der akkusativ Tvdij Dias J 384 aus 

*Ti?diya (K. Z. 38, 85) weist darauf hin, dass Tü6dng aus 

•l'uJjjoc verkürzt ist* Einen grund, weshalb in diesem heispiel 

die ionische erscheinung so energisch auftritt, vermag ich 

öicht anzugeben. 

Es verlohnt sich, die Homerischen Verhältnisse durch 
einige zahlen massige angaben zu beleuchten* Wenn es auch 
^cUtig ist, dass die kurzvokalische flexion auf -iog -u -ia 
Q^ezu beschränkt bleibt auf die eigeunanien, so wird doch 
^ie deutuug, die man dieser tatsache gewöhnlieh giebt, dass 
ii*iinlich die eigennamen von hause aus nur so flektierten, 

I durch die Statistik minder begünstigt, als man anzunehmen 
Pflegt, Meine tabelle^ die nach Haupt De nominum in -^Ig 
^xeunt^um flexione Homerica und Gehrings index Homericns 
^asammengestellt ist, ermöglicht einen überblick über das 
^'orkommeu langvokalischer {-f^ng ijt etc,) wie kurzvokalischer 
flexionfiformen bei appellativen wie bei nomina propria* 
24^ 



^^^^37^^^^^^ 


Bn^ 


I. 


^ 


^^^H 


AppsllfttiTIk. 


YOlnL 


Kun- 
*0taU. 


Nr. 


AppBU*ti^». 


vokaL 


^1 


^^m 


aXt^g 


2 





13 


fü^p^ 


11 





^H 


a^ipifpQ^§vg 


3 





14 


Witn/f 


7 


° 1 
■ 


^^* 


aneQmBvg 








15 


üv^Bvg 


4 


^m 


d^tarsig 


30 





16 


h^g 


12 





H 


ßaatXivg 


84 





17 


nav^ü^OPevg 


3 


li 


H 


ßoevg 








18 


nofinevg 


ä 


H 


dovuxivg 


1 





19 


nog^fievg 


1 


o^n 


H 


^vinyfvg 


4 





20 


TOirdJg 


28 


^ 


H 


finEQQniig 


1 





21 


T^ocTifCcfig 


3 


ca*fl 


^^_ 


lE^^vg 


5 





22 


q^ovsvg 


3 


^- 


^^m 


inneig 


15 


10 


23 


ipo^svg 


1 





^^H 


xi^aßBvg 








24 


X^^>^^^^ 


2 













225 1 ^-J 




n. 




^H 


NuuüfiA p»pEift, 


Lug- 
TokpL 


Xan- 


Kr. 


Koul&ft ptopriK. 


tnUL 


Km 

TaMt 


H 


^jfidüüivntg 


1 





46 


^Hyionfvg 


1 


0~ 


■ 


Ai^iQnBvg 


1 





47 


&rj<Tfvg 





2'} 


■ 


"AlmBVg 


2 





48 


^läof4(V£vg 


35«) 


» 


■ 


^AfiaQVfxevg 





l 


49 


^ilttiv£vg 


3 


■ 


AvTifpavevg 


1 





50 


Itv^oviig 


1 





■ 


'Ar^fvg 1 





16») 


51 


lip€vg 





L ^1 


■ 


^Atpapivg 


3 





52 


Katytvg 





L ^1 


■ 


"AxiX{X)ävg 


139 


1*) 


53 


Kanayivg 


3 


1 ^1 


■ 


B^iC£vg 


3 





54 


KonQEvg 


1 


1 o| 


H 


VfiWivg 








55 


K^fl&€vg 


2 k 0| 


■ 


JovXixiivg 


2 





56 


A^Qvt^g 


2 « Ol 


■ 36 


Jm^itvg 1 





1 


57 


M^XavEvg 


1 1 





■ 


^Xat^m.% 








58 


M^XavBeig 


^ 1 





■ 


lEvimvg 


2 





69 


Msviädeig 


^ 1 





■ 


^w$vg 


1 





60 


MfimüTwvg 


' 


n 


■ 


^7r€lf£vg 








61 


NavT^vg 


^ 





H 


^(»a^ir^ 








62 


NtjXivg 


5 


1 


■ 


'E^ex^m 


2 





63 


Ntg^vg 








H 


*ETi(ov$vg 








64 


X>6v(j(u)mjg 


269 


3') 


■ 44 


Ei^vad-^vg 


3 





65 


D&^vüP€vg 


1 


Im 


^^^ 45 


HtiiPBvg 


2 





66 

■ 


Va^ig 


14 


t 



]l9iai]ia ptopirlft. 


Lang* 

YükAL 


vqIuL 


s«. 


Kcwbift fiopto. 




Kon- 

votal. 


OfFitJ; 


3 





77 


n^vftrevg 








Oi/MXi(vg 


3 





78 


Tlpto^tvi 








X)tp£vg 







79 


np(ürtv( 





l 


X)T^mfT£vg 







80 


Sakfuüveig 


l 





Uayonsig 







81 


Siuiy9tvg 








Jlfpatvg 







82 


Ttidtvf 





35") 


rii^XtvQ 


17 


12*) 


83 


Tv<f(aei'( 





2 


IIit&$i^ 







84 


0^ytii 








nffPTBvg 








85 


0vXtvi 


1 


2 


Ilng^tvQ 





1 


86 


Ühnctvf 


4 











540 


82 



Es ergiebt sich: 22 appellative liefern 225 belege der 
gprokalischen, 3 der kurzvokalischen flexion ; 49 eigenaanieii 
> für jene^ 82 för diese. Die zahl dieser 82 belege redu- 
rt sich dnrch wahrseheiiiJiche konjekturen (s. n. 4, 7, 9) 
r auf andere art (n. 5) auf 74, die zti 14 eigeimamen 
lören. Aber Ur|»«lg und Tv^fvg nehmen von jenen 74 
jin 51 in anspruch. Diese beiden worte stehen fttr sich, 

übrigen verbleiben den 12 restierenden eigennamen 23 

piele der vokalkiirzmig, die damit als eine bei Homer 
th seltene, moderne erscheinung charakteri- 

rt ist. 



i r mtitosr. 

ei H«ipt Mit J 195. 
^^tJUfl *i' 792 (veresclüuäe) ; es kann l^tilp gelesen werden, 
fijaia 1 mal (A 265) in einem veree^ den Ven. A ansl&dst. 

Haupt fehlen die stellen /V 297. 330. 387. 469. 470. 
^^xiaiäf^^; B 566. '/^ 678; man lle«t »«it Thiersch meiet M^jetar^J^; 
Üerte akkusativ Mr^xtaiq O 339 ist nicht in betncjit fCüKogen; 
*Mnxia i^fi KZ, 38, 85. 
IvüoiQ^ 1 mal, Wttotvs 1 mal, tJ^uooitt 1 mal (q 301). f 212 
F jfltet t?trt;ö(Ff {'Odi^tTia PXDüHV). Wvau 2 mal {f 388. 
ker Wvctii mügücji ift XJivOpi vgL n. 4. — Die irtellen f lU 
b«] Hanpt 

rir,)joi lieEt man iett Thierscl] an 4 stellen M 488, II 2h 
B> gew^hnllcb fl^ijjof. 
kontrahierte akknaatlT Tv4i jiBMui nicht elnf erechnet ; rgi. n. 7. 



1 



Hago Ehriicl 




Eine aüffaüüng demnach, welche das fj von jtmmr; 
^ ruderholz" ^) unter dem gleichen gesichtswnkel ansiebt wia 
das t] von *xiaiirifmv = xwTTfoji',*) d. h. vokaldehüting durcl^u^ 
folgendes u voraussetzt, hat kein bedenken gegen sich; si^^ 
wird auch dadurch gestützt^ dass in Tjargoic M^rpm^ = *p^tf-u(^) 
*mätt'U(s)' der stamm vor dem if-stiffix gleichfalls gelängt ist^;.^;:;^. 
die gleiche beobachtung macht man an Tvtpmv aus ^Tvfpm-^^tn^^. 
da dieser dämon klärlich eine hypostase vulkanischer kräfl^tet^ 
darstellt, so ist Tvtpmp mitsamt Ti^ffuwy notwendig auf rvtp ,„. 
„rauch'^ zu beziehen (K- Z. ^H, 96 n. 2). Meine gleichsetzn^^J 
des Stammes von niiQtac und lat. paträstei^ - *paträve$t€r ^rist 
von Schwyzer sp, 436 n. 3 gebilligt, ist andrerseits aber ai^^fj] 
auf Widerspruch gestossen, s. Stolz K. Z. 38, 425—30^ Solra^^stn 
ebenda 450 ff.j Idg. Anz. p. 227- Beide leugnen den iiW- er- 
gang von üv€ in ä, ä aas ävö statuiert Solmsen für lat. nn^^br. 
Mars ^ Mävors,^) mulö = mavolo quossum = qvavorsFum ( zmnr 
hinter lippenlaut). Da auch pah^aster mit einem labial ^q. 
lautet, der durch die konsonautengruppe hindurch gew^^rtt 
haben kann^ so ist man kaum behindert,, patraster auf *|/^ #/^, 
vösier z uiiickzu fuhren ; hier wäre der Triphthong rav zum rtt 
vereinfacht. Was im übrigen gegen den lautwandel fiv^ iu ^ 
eingewendet wird, schlägt nicht durch. Es kann nicht ie. 
hauptet werden, dass die kontraktion unter aUen umständet 
eingetreten ist; cf. eadavef^ papavpr. Damit entfallt aber ukbt 
die möglichkeit einer spezialformuliernng. Beispielsweise tagt 
Skutsch B. B. 23, 100, d^iss im Lateinischen -ri- zu -er- 
wurde: testamenitim ans ^tristnmentum ^ ter = *tri8 cemn ^^ 
*üritiOf certtis ^ *critos, tesHs = *tristis; ich fäge hinzu cerrui 



4 



1) Heroclot V m Äriötoph- Lji. 422. 

*} ^ xui^fifg Tbeophrast h. pl. 4. 1* 4; 5, 1, 7, 

°} So ^ni man die beiden namensformen miteinander Termitteln roöclite, 
scheinen mir noch nicht alJo Schwierigkeiten gelöst; «s ist nämlich noch 
«ine dritte, Mamurn, z\a beachten. Mamen^ kennt Varro de L 1. 5, 73 «Li 
EftbiDlsehe gottheit, nach Paul. ex. Fest. p. lÖS M. (ans Alfias de heUo Punico) 
und p. ISl ist das wort im Oslci^chcn gleich Mars^ wie auch Mamrrcm 
(= *MamcrUmiii) ein osldschoa pränomen sei (p. 131). Dazu vgl. Schuhe 
Zur Gesch. lat. Eigennainen 464 ft*; man wird Mmnvr» am UeUsten anf 
*Mar^nti% zurtckfllhron und das Marnm%- des Arvalliedes rergloicheD, Man 
llitbe alao eine alte redapIiKiorte bildung vor sich, die auf eine wunel ^mer 
{mors) wieset mit Mamra aber nicht kombiniert werden kann. Zur s«]ben 
wunzel stellt sich dann Marä st. *tnft-, 



Die nominft auf -tvg. 



375 



^zemeiche** = *ceTeos *crieos *gifrj«os; vgl. griech, rti^iyog 
„Steineiche" (zuerst Hesiod opp. 436) = "^ninovr^q *q^ri8nos. 
Aber doch trJbtis tribuo t7'lm€stris triplex trlpiidium tnvium; 
al&o wurde -ri- nur vor dental (d, e, s, n^ r = £) zn -er-. 
Vielleicht wurde aoch äv^ nur zasammeni^ezogen, wenn dental 
— und eFentuell l ~ folgte: mnüram ^ ^amüv^sam, animann 
= ^anermvents, paträster = *patravBster, möglicherweise mfdim 
= fnäväim, -äster nicht -äster ist mit gutem gninde an- 
gesetzt; ein kurzes a in urlateinisch unbetonter Mibe unter- 
lag der Schwächung zu €. et scanrlOf coiiscendo^ mgentrmn - 
griech. nTdyatjTpoy, An dem Verhältnis pater: patrastür er- 
^riichs^ wie früher ausgeführt, das suffix -üsier^ welelies minder 
lichtig ein deteriorativsuffix , treffender ein fiuffix der sn- 
mähenmg genannt wird (s, Wölfflin Arch. f- lat, Lexicogr, 12, 
419 ff.). Solmsen ist über -üster andrer meinung. Nach dem 
Torgange von Meister zu Herodas IV 46 (p. T(J9) vergleicht 
«r laißaar^ow ^fresssack" etc. (Üeutgche Litterat urzeitung 
1899 sp- 1591, Idg. Auz. p. 227), Aber kaifiaoTfinv htXititftpfyy 

^nimtiitjQnif nj^faftTgt^y /fi^aarmw Bind deutlich ableitougen 
vom Verbum (c£ Ättif/ft^uoj, äfliaCa», ftnna^m, fit^/t^m, /ufia^uk^ 

^io^atgf^y: ^f^tJQm^ vmßvnr&ny Herodas VI 6: ßim). Ein ver- 
dunkeltes kompositum iA wohl I^{*f-anT^üy ^ kastln ^, eigeutl. 
„mit qnerbalkeD zaawnciigefllgt^ -aurpuF zu «rr#<j»/ji Her- 
mippos fr. 2 I p* 225 K. == Si-äC^tt9m ^gewebe atifziehn''^ itf^ia 
Sophron fr. 79 Kaib. = Siu<rfiu „anlziig", ti-anri; ^auii dem 
gewebe hingende faden*', r^t^t'^y dor. arptim „göwebe**» boroer. 
fji.iJT-pifio; ,,dicht gefugt ^ hintereinander''. Uigrieefaifdi iit 
itipuarpny (zn luff^^f ^mhr^)^ verdorbene leioingan iind f^ixa- 
tn^t^, all 4föif>^ im sDgeuÄnnten Etymologictim Oudümnin 
p. 14 (Sitti AitiL t lat Lexicogr. «, ftOH): iMbrisib utfux^^üq 
oder W/ttf^'a; (^e* mmmhmmmj ipItfriaeUidi);*) t^^mnm atf^t- 
«t^a; Catena in Mt 3^ p. ^56: ichnfb aijr4fi^t>;, Henidäi 
rv 02 ist rkdiiip ww^ä^ffm, sieht mS^ifwi^ay imlif' Cruiiui 
e«L alt. adü.). Verandt fteht Httumu^f^ AotkiMboi M 
AtbeiL XI p.4fiSA: ^immrf awdmi Latgieiielien 4rum 

^ballter^ mglekhhir wm *€9pii + tra^: / ^^. ^^^^^"^ 

^ni^tjter «fUber^ (r&^) fie»iffct| wibrend mk^mutirum 
^brefli»»»' g ri echii A ef proreolMS lil {*ir«y4i^i'ir(^«r), R« 




Biiift in mirmrti^ miX. umB.m i^^kläm UUm^kÜmä^ 



376 



Hugo Khrliebi 



führt also keine brücke von -aai^typ zu -äster; Bicht nur ist 
die qnantität der (i- vokale eine verschiedene, es liegen im 
Lateinischen ausnahmslos Substantive oder adjektive (meiöt 
der ö-deklination) zu granäe. 

Lateinisch *patra-ves' oder -vös- ^ ^pitf'Ues- (-uos-) stimmt 
also zu griech, Ttar^o)/- = *p^tfus-> Zu allem, was über die 
längende Wirkung des -u- gesagt ist, kommt hinzu, dass aucli 
das auftreten der dehnung beim augraent iitoptoy = ♦j-J-^/o^aor) 
und bei der perfektreduplikation an nachfolgendes digamma 
gebunden ist (K. Z. 38, 69 n» 2), Die Mle wie etmQy&f lassen 
sich uro einen vermehren: Odyssee X 191 

X£(X« dk /^ot Hßnta (/}fjffTat. SchoL ZU X 191 1 r^iTtm: 

^atm GHXDÜWpc, T^ ^ajai pc. H" ^jm F ihm T pc. 
F* U^ $Im(jLi K (jj superöcr*) ifffr«* P. 
flüxm geht auf */i^jfüTat zurück. — 

Nach Eretschmer a. o. p. 711 ist von mir ^zwar manches 
für die möglichkeit^ meiner annähme über die nomina anf 
-fvc yjbeigebracht" ; doch ist von Uini eine neue theorie aut- 
gestellt, auf die einzugehen wir nunmehr gerüstet sein dürften. 
Eine heziehung zwischen -fi5<o und altbulg. -ujtij lit, -dwjtt 
wird auch von Eretschmer anerkannt. Aber über die art 
dieser heziehung war er insofern noch nicht zu voller klarheit 
durchgedrungen, als ihm entging, dass -ujq von hause aus 
zu nomina auf -ovs gehört, wie -iia} zu solchen auf -f/o-, 
-jy/o-. Ein beweisender fall ist von mir aufgezeigt (K. Z. 3§, 
64 n< 2): damjq darmati zn russisch darmoj „geschenkt^, ■ 
altbulg. ""darovö^ zu entnehmen aus daräv-im j^geschenkt"*, 
darov-iü „schenken". Das beispiel trägt den Stempel be- 
sonderer altertümlichkeit; ich habe etwas auszuholen. Solmsen 
hat K, Z. 32, 513 ff. zweifelfrei dargethan, dass auf Kreta J 
der tthei^ang von antevokalischem c in t zu einer zeit statt* ' 
fand, wo intervokalisches digamma noch erhalten war. Einzelner 
Schwierigkeiten ist Solmsen indes nicht heir geworden. Es 
handelt sich L um ßo^iav Gortyn GDI 5016 u gegenüber att 
ßogdäQ. Solmsen will es nicht wort haben, dass zwischen f 
und « ein / geschwunden sei. Aber jedenfalk muss die 
homerische skansion Boojf^j; - Boo^pjg ebenso ausserhalb der 
diskussion bleiben wie die attische ausspräche ßntj^a; (vgL 
oTtg^% = üTtQEog) neben ßügiag. Es ist die gleiche Ursache, 
die in beiden dialekten unabhängig die gleiche Wirkung 



I 



rirkung ge- M 




Die nomin» mf -ivc. 



377 



zeitigt hat: nämlich die physiologische natnr des r^ die eine 
konsonantische ausspräche des nachfolgenden £ (= j) beförderte« 
Auch ist es unstatthaft, ßogdaq mit ^Egfi^^ zu vergleichen: 
die grundformen ähneln sich nicht, da ^E^fir^g - dorisch ^E^ftiäg 
aus ^Eg^aäQ, dagegen ßo^iag nach unserer heutigen kenntnis 
des attischen dialektes aus "^ßo^ijäg entstanden sein muss. 
2, hat Solmsen einen beleg fiir e aus c übersehen: Usgiatf^iKüvu 
Lato GDI 5075 64, cf. sizilisch nf^iaregimif aus ^-f/^v: [ÄpulejusJ 
de medicam. herb, c* 4 nomen herbae colmnharis a Oraecis 
dicitiir hierobotanef Siculi dicunt perestm'eon. Dioscorides IV 61 
ifpii ßatavij' ol Se mptüThQ^mva ixaABaav. [Diese Stellen ver- 
einigt in Xaibels Comici Graeci snb glossa 220 a.] 3. braucht 
nun xfPiWc = itgitog Oaxos 5128 7 nicht bezweifelt zu werden. 
4, belegt Gortyn GDI 4983 i dmgiuv, nach Solmsen bildungs- 
verschiedeu vou attisch dwgni. Allerdings hat man schon 
sehr früh ^^{OQfta geschrieben: zuerst CIA I, 8, 20 (nach 444), 
IV, 1, a, 25, a, 5 (nach 444), dann II add. 1, b, 23 (c. 403) 
neben ^cageo. 1, b, 32. Das kann auffallen, weil sonst die 
Orthographie fi für $ im 5. Jahrhundert überhaupt nur 3 mal 
auftritt : EIOJ^ - &oq vase Kretschmer Gr. d. att. Vaseninschr. 

p. 136 fiavTua}y = aayTttav CIA IV3 1, b, 373, 99 ^aftnjgitmg 

IV, I, bj 491, 35, b, 1. Trotzdem ist der ansatz dtogita = 
Hm^fiTld kaum notwendig, umsoweniger als nur der a-stamm 
dmgüp, kein e^-stamm ^Sa^gfa- existiert. Dass $ so früh eine 
geschlossene ausspräche hatte, bewirkte der voraufgehende r- 
lant, daher auch Aa^nTgiimg, Ist also mit ^mgia als der 
alten form des wertes zu rechnen, so ist die grundform 
Hüigtfi - kret. ^rngta. In den vier erörterten fäDen des Über- 
gangs von f in * sind die bedingungen die gleichen: es ist 
digamma ausgefallen, dem £ geht g voraus. Demnach hat der 
kretische lautwandel zwei zeitlich getrennte akte: der eine 
spielte vor dem Schwund des intervokalischen digamma, der 
andere nach dem Schwund und vollzog sich hinter inlautendem 
g, *Smgf/a weicht in keiner hinsieht ab von altbulg. darova-ti 
{*dörSvä-)^ russ. darovoj {^dör&vö-). Wird also Zugehörigkeit 
von -ujq zum suffix -uo- mit recht behauptet, so fehlt eigent- 
lich jede berechtigung, mit Kretschmer bildungen auf -iig wie 
vigwtevg „ZU den besten gehörend", die ausser -rjjo- -f/ft- 
neben -iim stehen, als postverbal zu betrachten. Zweitens 
hat das dogma einer verschiedenen flexion der eigennamen 



378 



Hng0 Ebrlirlj» 



und appellatiye, wie gezeigt, keinen bestand. Nur dann dürfte! 
man wegen homer, Tv6snQ TvUi an einen stafnin *Tt4vc 
appellieren, wenn diese kurz vokalische flexion mit Sicherheit 
ins Urgriechische zu projizieren wäre. AIko wird auch Tirhv 
nicht der alte vokativ dieses n-stammes sein (vgl. nach 
Kretschmer ai, ^ümis ^sohn**, vok. mm). Die ursprüngliche 
nominativbildung dieser stamme wird angeblich durch Tv^v^ 
u, dgl. (li'St) auf vasen repräsentiert; aber es sind auch I 
kurznamen der handschriftlichen litteratui* wie '*ln7irc "^Innvn; 
zu berücksichtigen ^ nach deren analogie iiian TvSvq ebenfalls 
lange ultima geben wird. Drittens aoU die abwandlon^ 
-fjfog -rj/i -flffj^ vom lokativ ausgegangen sein, der mit ai. 
simuu verglichen wird* Hier haben wir den fall, dass ehie 
an sich annehmbare hypothese durch die tatsachen wider- 
legt wird: der einzige vokalstamni, der bei Homer -i^^c -^ 
flektiert., ist der i-stamm nnXig; att amimg w^Jj^ftoc sind gewiss 
nach noXfmg neu gebildet; also gebrach es der van Kretacbmer 
suppOBierten neuregelung an einem auknüpfungspunkt. J 

Am nächsten berührt sich meine tlieorie mit der Brog- " 
mannschen, insofern namentlich^ als auch diese die formation 
der *iio-stämme und deren zusammenhänge mit anderen suffix- | 
kategorien ins äuge fasst. In der beurteihmg des einzelnen 
sind wohl verschiedene wege möglich. So bezieht Bnigmanu 
die Suffixe litauisch -ovas^ ßlav. -ava, lit. -yv^^ slav. -wn auf 
Verbalstämme, und wo ein nexus mit nominibus unleugbar ist^ 
betrachtet er ihn als eine neuerung der einzelsprache : lit - 
iinovas „kenner'* zu Mnafl „kennen", valdovm „herrscher'^ zu( 
valdaü „herrschen**, analogisch "^sarff&ms „Wächter" (in sargo- 
vuiis) etc. Ich kann aber die bemerkung nicht unterdrücken^ 
dass auch die entgegengesetzte ansieht ohne gewalt durch* 
zufuhren ist: -ovas ursprünglich denominativ, sekundärer weisei 
mit verben in beziehung gesetzt: vgl. mit vadovas ^fuhrer** 
serb. Vi/j-vöda „ herzog "^^ mit *mrffövas lit sarga got. saiirga 
„sorge"'. vaMövm kann deverbativ, aber auch denominativ 
sein: cf. urnordisch rhoalt^ (Stein von Vatn 700—725 p, Chr) 
= isl Hroaldr = ahd. Hrodmmld. Nach valdovas konnte, 
wenn man es zu valdafi zog, iinovas (Hnaü)^ weiter *gerams 
ptrinker*^ {gerovüis) lydoims „geleiter" geneuert werden. JmM 



Slavisclien hat man z 
schölle'', Imluxvd 




b, fffudam „rauh" zu ginda „erd- 



„schmeichlerisch" zu laska „sclimeichelei" ; 




Di« nomlna anf -ft*r. 



379 



1 ^ 



da es auch Idskaü „schmeichele** gab, analogisch bajavB 
(bHJati), del.av3 (dtlati), veHt^avJi {veUäaii) u, dgL m. Kein 
zweifei besteht wegen herkunft aus uomina für das suffix -ovä 
- slav. -ava: Tümkm4 ^ännel" zu rankä „haod", mime „Ort- 
schaft** zu miä „ort**, kalnov^ „bergwerk" zu kdlnas „berg**, 
slav- dqbrava ^wald** zn dabr^ ^(bauin", pohi. chmurava „ge* 
wölk** zu ehmnra ^ wölke *^ (Leskien Bild, d, nom, 3:^1), So 
war auch gimdyvf^ j,gebärerin** im bewusstseiu mit gimdyti 
^?ebären" verbunden; aber Vorbild war tmhjvv „amme'*, das 
man zu ämdyii ^säugen** zog statt zu dem nomeu, welches in 
Wirklichkeit der ableitung zu gründe lag: üildis „nahrung 
der mutterbrust**. Dasselbe bild wieder im SlaviRchen, Vnbivs 
i^'ubifi) ist deverbativ, klar denorainativ dagegen tatlvs {tatb)^ 
boja^nwii (bojasnb), und z. b. mijdiv5 konnte, wenn statt mit 
myslit ^gedanke" mit mysiiti „denken" verknüpft, als muster 
für rubiv^ chodim dienen. Das alles bleibt nun in gewisser 
weise problematisch, solange wir uns im rahmen dieser 
jungen ent Wicklungen halten. Mängel offenbart, die Brugmann- 
sche deverbativtheorie erst dann, >veim wir die vergleich ung 
EU hülfe nehroen: ein *uoldhäuos - valdova^ ausserhalb des 
Litauischen würde man notivendig als ableitung von einem 
-o- -a-stamm ansehen. Und dasjenige suffix, welches im 
Italischen — das ist ein zweig, der uns tausend jähre früher 
lüs das Baltisch-Slavisehe bekannt wird — slaviscbem -tvs 
korrespondiert, nämlich -ivos^ ist direkt unverständlich, sobald 
man seinen ausgangspunkt beim verbum sucht, -mos gehört 
zum nomen und zwar Ä) zu -io-stämmen, B) zu Substantiven 
auf -i- *ti-. A) liQinvos: lixittSf primitwos: primitiae, redi- 
^vös: redivia (vgl, L, Lange Gurt. St. X 225 ff.), secivom 
{mibsmvfis): altbulg, ^eHvo „heil**: sedit st. *sBkiQ- ffftectio^ 
lat, i-siciumj pro'siciae ombr. pru-segia Ignv, tafel II A 23. 
B) fiementivos (Cato): seme^dis^ raptivos (Plautus): deutsch 
Maß aus ^capfis, snh-ditwos (Plautus): *dafis - ai, diti 
^gahe", däiwos (Varro): *statis in statim gr. fTtmotgr geftetivm 
(Varro): yivfot^ - *ffVBTt^. Eine eingehendere betrachtung 
macht cadims {recidivos) nötig. Man pflegt die bedeutungs- 
eutwicklnng des verbums citdere unter den grundbegriff des 
■feillens zu stellen, ohne so zu einer haltbaren etymologle zu 
gelangen. Anders wird das, wenn man als ursprüngliche 
bedeutung ansieht „schaden leiden, zu gründe gehen, unter- 



SDfü 



gehen". Der sinn des „fallens, Sinkens** fixierte sich yieUeicbf 
zunächBt in gebrau ehs weisen wie „sol cadif^^ d. h. „die sonne 
vergeht" oder, da man das gestim unter dem horizont ver- 
schwinden sah, ^die sonne sinkt"^* Es bietet sich nnn ohne 
weiteres die ankniipfnng an calumitm aus cadamiias, incolumm 
ans Hncadtimis Hncalamis "^incelumw^ griech. xaSapLn^^ tM^fki^, 
2aXa^iv<i>oi Hesych, v^^^m dor. x«<i(ii ^vei"sehren**. (Aon 
ninixiiitv - lat, cecidi *€€cadL) Zu gunsten der dargelegten 
anfiassung lässt sich geltend machen, dass der verbalstamm 
cad- im Umbrischeo „zerschneiden^ (also eigentlich ^ver- 
letzen **) bedeutet Zwar tafel von Iguvinm VI A 17 heisst 
arsferturo nonme mrsitu sicher „ffaminem nomine appeiktto'*; 
cardtu = caritu zu lat calare. Aber I B 33 JII 21 VII A 43 
hat man bisher keinen glücklicheo sinn znstande gebracht. 
m 21 ap I vuku ktikekes^ iepi persklumar karitu 
vrird von Bücheier tibersetzt: ^jUht aedetn mccendet, iHteribi 
ad suppUcationem mcixto.'' Über die bedeutnng von iq?i i»t 
er (p. 157) in zweifel; ein derivat des pronominalstammes i- 
ist das nicht; iepm 11 A 32 von verwandtem stamme steht 
nnmöglich für *ie^ prn j,pro eis, ante ea^; denn in Ver- 
bindungen, an denen eine postpositive pi^position teil Imt, 
ist das -.^ der voranstehenden ablative ganz fest, iepi, naci 
nrnbrischem lautge^etz ^ *iqipr, vgl ostemmdi VI A 20 
jjOstefidentur^ aus ^östensmi-ter j entspricht dem lateinischen 
iecur - ai, yakfi^ Da das Umbrische auf indogerm. *ieijmi 
zartick weist, so ist ein ähnlicher ablant der snüixe zu koQ* 
statieren wie für ai- üdhar ^ndhet^i griech, ovBa^ ^öudJif, ahd' 
fuir ^puuer: griech* nvg, 11 A 3:? tibersetze ich also iepru 
erits tmini kuveitu „iecinora deis nimm congerito^^ III 21 j,t*Ji 
a^em saccendet^ iecur ad saenßtium caedito (soll er die leber 
zum Opfer zerschneiden)**. I B 33 pune purtinsuSf käf^i 
pufe apruf ] fakurent^ pu^e erus iera. Büeheler: j^cum pof- 
rexeri^^ vöcatOj ubi apros fecermi^ tit eriiB dei/ Ich ittt^r^ 
pretiere: cum porrexeris^ caedito qiws apros fecerint^ ifl ä^ 
det, VII A 42 ape | purdinmust^ carsitu pufe ahrofis fantfBitli 
piise erus \ dersa: ffUbi porrexerit^ caedito quos apros fec^Mt 
ut dei^ det^ In der deutnng von eru.^ als ^deiB"" (^ *mif^\ 
dativ pluralis eines M-stammes *cn*-, älter ^aisu-) bin ich ^'^ 
mehreren zusammengetroffen und halte sie für sicher. Bücheier 
p< 69 gründete seine interprelation j^qiwd dis datur perad^^ 



Die nomii» auf -tv^. 



mcris'' nameQtlich auf II A 27 kafles tuva tefra | terti ertis 
prusekatu. Hier werde zwei teilen des opfertieres (tefra) 
als dritter das ents entgegengesetzt» Er übersieht aber, dass 
man zu terti aucli tefrom (= tertiam partem) ergänzen kann. 
erjis ist kein neutralstamm wie lat* opus ius, weil die jüngeren 
tafeln f welche auslaatendes -s zu -r werden lassen» *erur 
schreiben müssten. Schliesslich stC^sat man sich daran, dass 
IV A 13 {inuk ererbt umtu I putrespe erus) das wort die nur 
an dieser stelle passende bedentung eines adverbs „um willen" 
haben soll. Grade dieser passus, meine ich, entscheidet für 
mdne Interpretation, Es werden im vorhergehenden zwei 
gottheiteo (*Puemuns und Vesima) vereint augerufen; daher 
übertrage ich den satz IV Ä 13: ^ftum sacrarium unguito 
idrique deo, Dass die Römer den plural des pronomens in 
anderem sinne als die Umbrer anwenden, ist kaum von be- 
deutnng. Alle stellen verbotenus anzuführen lohnt nicht*) 
Man bemerke die neugewonnenen beispiele dej genitirus 
partitiTUS wie VTI A 38 vestisiar erus titii „vestidae deis dato*^ 
cf I A 33 VI B 16. 38. — Zu umbr. karitu „caedito** stimmt 
gut lat, mstrare „schneiden, verschneiden", stamm casira' 
^käd — |- trä-; fern halte man ai. Sütstra „messer", grundform 
^hestro', von einer wurzel der e-reihe (griech. itdm ^spalten" 
etc.)- Nach all dem spricht wohl einiges dafür, dass cadivos 
an den nominalstamm cadi- f^calamitas^ anzuschliessen ist, 
der ans oskisch mdeis j^calamitaiis*^ (genitiv) Tab. Bantina 
17 « folgt.*) Ein klares deverbativ findet sich nicht unter den 
adjektiven auf -ivos; denn vocivos „leer"^ (Plautus) bat zwar 
kein nomen *voci- mehr neben sich, aber auch keinen verbal- 
stamm, wie etwa *votire] nocivus „schädlich'' scheint erst in 
der kaiserzeit aufzukommen, ist demnach jünger als nocuus 
ttfid durch das nebeneinander von vacivm und vacutts ins 



') VI B 2ö isee pcrstko erws ditii : ^item pedesfre (i. e. quod ad pcdem 
fXatur) deis dato/' Oder persitko — *perkcsHkom zu persnimu ^precator" 
^*^ Ist. prccarium «g-ebetspende'*? — Mit erus woUte Bflcheler p. 152 
**^ermi9 m 6 zusunmeDäteUen (^ mos). Die eteUe ist Qoeh nicht ricbtig 
^rklirt. m 4 £ inuk uhtur^i urUs puntis \ frattr ustentuta , purt fratru 
*nersm fast \ kunfimklf. -Tum üHütortni ürtiä pöniibtis frat^m oÄfmrJun^^, 
^wi fratrmn tnos erit coUegio.' Man erwartet est staU mt Äiiiziigefaen ist 
äaTon, dass $nersiis ntir filr *medsus Stefan kaiuL, älter *medsvoft: das ist der 
nom^ag. mase. zu mersuva ^solita^ EQ 11. 28 im sume des oskiscbon meddu;, 
purt^ geht also auf uhtriru „mictüran^ qiti fratrum meddkc erit CQlk^'^, 

*) Otto IF. XV 26 eriimert an dpo i^at. stüU-ddium ma *-cädiun^. 



Hufo Ekrlieh, 



leben gerufen. Wenden wir die lehre des Italisehen anfi 
BaltiscL-Slavische an, so sind wir darauf verwiesen, aach -iv^ 
'pvt^ ans nomeu anzuknüpfen. Und ich präzisiere meine ein* 
wände gegen die theorie Brngmanns über -fii; dahin: h Ei 
giebt in den indogermanischen sprachen keine ableitangen 
ans dem verbalstamm in der weise, wie tf^nijfig zu tfn^dm 
gebildet sein soll. 2. Es giebt in den indogermanischen 
sprachen keine ?f-stämme, denen sei es nominal-, sei es fertige 
Yerbalstiimme zu gründe lägen, wie es ipo^tvg *bhore*U' einer 
sein soll. 1) 

Meine lautlichen Untersuchungen nötigten mich, das problem 
der homerischen textkritik zu beriahren — ein schritt, den kk 
ungern that, wohl wissend, wie schroff sich auf diesem gebiete 
die meinungen gegenüberstehen. Man kann den metrischen 
beobachtnngen Naucks ihr verdienst zugestehen und ist trota* 
dem nicht gezwungen, die sprachliche crkJärung in abhängig- 
keit von diesen beobachtuugen zu versetzen. Dass eine silbe 
gewohnheitamässig in die Senkung gestellt werden kann, 
weil ihr vokal sich einmal aus zwei kürzen vereinigt hat, ist 
gewiss, ebenso gewiss aber, dass für die Stellung eines wortes 
im verse auch andere faktoren massgebend sind. Inwieweit 
fühlte sich die alte poesie an die usuelle Wortstellung ge- 
bunden? Maclit es für die metrische behandlung eines wort«« 
einen unterschied aus, ob es einem System von kasus- oder 
verbalformeu angehört , und werden etwa solche Systeme ija 
verse nach möglichkeit gleichmässig behandelt? Das sind 
fragen, die immerhin der er wägung wert sind. Nauck findet 
dass die paen ultima in 'HpuKlf.nQ *H(ß(t3ckfjt ^HgaxXr^a nie iu 
die hebung tritt Von den Worten auf -nlfjg waren aber die 
iambisch anlautenden nur versgerecht, wenn sie eben so ye- 

St-eUt werden: 'Aytixl^OQ z/mxlfjng 'Entttkijog QiKlijog gr|-L-|w; 

ihrem eintlusse unterstand ^Hguxl^g. Der genitiv itg^mv hat 
14 mal die Stellung -\^. Nun habe ich es unternoininenT 
sämtliche spoudeische formen von Worten, die mit muta + 
liqnida anlauten, auf ihre metrische Verwendung zu präföo. 
(H. h. = Hinter hebung. — H. s. = Hinter Senkung; nom^ 
imd Klntt^ sind nicht aufgeführt > ebensowenig formen dt 
verkarzter endsübe wie ä^i^mt etc.) 

1) N. van Wijka ausführtmgen IF, XVII, 296 C bewegen mh doFcbw*? 
10 den bahnen neuerer theüiien^ die m aUg^ememer anerkenniuig tiicbt gv* 
langt Bind. 



Die nomiiui auf -tut. 



383 



Wortfoim. 


1 




i Wortfonn. 


1 








2 




ygi^fag 


1 






ßH^ßag 




1 


SfUfai 


2 


17 




ßknffdtiq 




2 


6ft(p<5y 




1 




ß^W^ 




1 


ifitfäi 


6 


7 




ßkmap^ 




2 


i/ieomr 


4 


7 




ßXmdgjp 




1 


iguivu^ 




1 




ßglaag 




1 


ifiti(p9i] 




1 




ß^WT^g 




3 


Optpimy 




8 


1 


ßgtifitig 




2 


^(fTi^m 




2 




ßQWfitjP 




3 


öp;!«j? 




1 




rkaiuti 




1 


GgfiX^v 




1 




rkawav 




1 


ö'QtjVtOV 


1 






Ho^y 




1 


^gijvvy 




1 




rXot«^ 




1 


^Qtoaxtov 


2 






7^P1^ 


1 




d'gtoaßifp 




3 




riflV 




2 


»Xarrn 


1 


3 




Tkiaarr' 




1 


xXayyijg 




1 




rXü9T9ig 




1 


xXayyti 


1 


1 




rlmofig 




1 


xXay%ag 




1 




r^Aaatu 




1 


xXaita 




2 




flmanaq 




2 


xXaisig 




3 




r^a»fioi 




2 


»Xalfi 




1 




f r^aßmoTg 




2 


xXaUiv 


4 


1 




T^ftfinrag 




1 


xXauoy 




ö 




P^VIJP 




1 


xXaiova' 


1 


6 




rt^totü 




2 


xXav&fonj 


2 






r-^ 




1 


xXdntji 




1 




r>^ 




2 


xXdy/ai 


2 


1 




»O/iyjr 




2 


xXfjdtjv 




1 




r^oi^g 


3 


6 


xXfl^Qfl 


2 






y^^in 


1 




xXfiig 




2 




y^^ai 




3 


xXfitö' 




2 


1 


y^^unol 


1 




xXfiQif 


1 


6 




y^^t^tmr 


1 




xXfjToi 




2 




y^^mnwg 




2 


xXiv(ov 




1 




y^Hnxai 




1 


xXlvag 


1 






y^ai^i 




1 


xXivdri 


1 






y^ftoitii 




1 


xXiOfiff 


1 


2 





384 



Hogo Ehilkh, 



Wortfonn. 


i 

. »1 


d 
^ 


■j WortfomL 


1 






xkiGfiovg 




8 


»givag 


1 


6 




xyr^fifl 




1 


Kgniofiov 




1 




xvrffiijv 


1 


1 


xgoaaag 




1 




xvfjfjiat 




5 


Kgovvovg 




1 




xvvi^iag 




2 


ngnvvm 


2 






xvfULii:^ 




1 


xgowovg 




1 




KV fj (Li ovg 


2 


2 


»gvßSfjv 


2 






xvijaTi 


1 




xgvnVQ 




1 




xviatj 


1 


1 


xgvnxtov 


1 






xvlofjg 




7 


xgvy/ai 


1 






xviaji 




5 


xgvy/oD 




3 




XPiiTfjV 


2 




xgvq>&/j 




1 




Kvcoofp 




1 


nkayxrag 


1 


1 




Kvfaaotfvg 




1 


nXal^ei 




1 




XQainwai 




1 


nXal^cov 


2 






xgamvmg 




5 


nXayx&fj 




1 




xgaTiov 


2 




nXayx^k 


1 






xQflaaav 


4 


10 


nXetoi 




2 




XQfltOV 




55 


nXaloig 




2 




XQfloVT* 




1 


nXeifj 




2 




Kgi^Stov 


1 


1 


nXeCai 


2 






XQfJfiVOl 




1 


nXaieiv 




1 




xQfjjuvovg 




1 


nXeiovg 




1 




XQtlVfl 




3 


nXeiaxfi 




1 




xQJjVTjg 




3 


nXBlGTfjV 






1 


xgi^vfi 




2 


nXBtaxai 




2 




xgrivriv 




6 


nXetaroi 




8 




XQTjVai 


1 


2 


nXeiGTOvg 


1 


2 




xgfjvieov 




1 


nXexT^v 




3 




KgtjrdSv 


1 


10 


nXfXToVg 


2 






Kgy^ 


1 




nXsvgmv 




1 




Kgi^Tfi 


1 


3 


nXcvgig 




3 




KgriTriQ 






nXsvgöiv 




1 




Kgi^Tfiv 






nXfjyfig 




2 




xgid-al 






nXpjyf, 




1 




xgid-icov 






nXriyi(ov 




1 




xgi&ag 






nXfjdvg 




2. 




xgivwv 


1 




nXpj&vl 




3 





^^^^^ Die nm^% »trf -ei-*-. 


385 1 


1 


1. 


1 


r3 


^ WortfoniL 


1 






1 


2 


9 


ITgmgtvg 




1 




1 


1 


1 


ngdgrig 1 


1 1 
1 




^M 


1 


1 


1 


Ttgmuod'' 




2 




^^H 


L 




3 


ngwTM 


2 


10 


l 


^^H 


■ 


fe 


1 


ngdim 


1 


2 




^^1 


r 


^ 


1 


ngiirtj 


1 






^^H 


1 


1 


4 


7ig(J}T£<X>V 


1 


1 




H 


1 


1 




TlgmTw 




1 




^^H 


L 


1 


1 






2 
2 




H 


H» 


2 


tkuiijg 


2 


3 




^^H 




^ 


2 


rXuifi : 




s; 




^^H 






6 


TÄiJröi 




1 




^^H 






1 


r^»}!«; 




1 




^^H 






2 


Tß^Ör^V 


1 






^^H 






1 


T^CüAy 


! 1 




^^H 






1 


rgi^im 


1 




^^H 




2 


10 

1 
1 


TgiAf/aq 
r^*^a«: (2) 

rgitTtrat 
\ tgr^TO^g 


1 
1 

1 
3 




■ 


■ 




1 


rgi^/jf 


M 




^^1 


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3 


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Tgoii;^^' 


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• 


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^19 


1 Tgii^g 


1 2 


^^1 


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^' 1 I 


Igmmv 


46 168 1 


^^^1 


1 




1 


Tg^fOü 


11 41 


^^1 


1 


1 


2 


1 Tgm/^^ 


1 1 


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^^H 


r 1 * 


1 1 fgaSftiap 


I; 


^^1 


1 1 


tfgfjtffid' 


1 1 


^^H 




W XX- Jl. 


25 


" 



»86 




^ 


Ingo l';hr]ich, 




n 


1 


Wortfonn, 


IT 




j Wortibnn, 


2 

^ 1 






^^a&aan' 


1 




X^mgag 


i; 




f^fjIQfi 




1 


xe^^^FTi 


3i 




f^r^t^a^ 




1 


X^miüfJtwtv 


5 




^^laau 




1 


X9^vart 


1, 




f^ijag 


1 




X^^imv 


i 




XUh^ 




1 


X^tm 


1 9 




XXaii'fi 




1 


Xg/ßf^fk 


1 1 




/luivm 


7 


4 


XQtaai 


1| 




j^Xaipag 




8 
l 


X^^tfi 


1 


^X^vPf^v 




18417081 


8 , 



Es ergiebt sich: onter 900 messen wie xgn^v ^\-^ 108, 
den L ftiss füllen 184, andere fusse 8, Anf eine klaie fonnel 
gebracht heisst das: die homerische technik hat eine snfc- 
schiedene abneigung, spoudeische formen mit dem anlaiit oiola 
-f iiqiiida innerhalb des verses anf eine senknng folgen m 
lassen. Am liebsten wird daher die stellnng — |-«- gewühll 
in rnnd */fi oder 80*^,0 aller fälle, demnächst stelhiDg m 
L fnsse (rund */5 oder 20%). Nach dieser berechnnn^ wäre 
also zn erwarten, dass x^tmv, 14 mal gebraucht 11 mal -;- 
gemessen würde, d, h. 3 mal weniger als es thatsächlich der 
fall ist. Man stellt MpenBv gleichmässig hinter eine hebimg^ 
weil andere kasusformen (xgfag ^^iü mqs'} so stets und uot* 
gedrungen verwendet wurden: (-«-)i/w. In der erforschanj 
solcher individuellen bedingungen ist wohl noch nicht genttg 
getan. Was ich sagen will, ist: treffen sich metrik m^ 
Sprachforschung m ihi'em ergebnii, so hat die sprachforschnnf 
den nutzen ; jedenfalls aber soll sie ihren weg gehen und mi 
nicht den dekreten der anderen disziplin widersprachslo?^ unter- 
werfen. 

Zum einzelnen überzugehen, hier zunächst zwei äussenrngeHf 
die meine meinung nicht deutlich medergeben* „Er inöss 
neben ^Uog ddf^g i'kiog üTidog xgdag langvokaUsche nebenfonneii 
KX^og n* s- w, annehmen" (Schwyzer sp. 437). „Er stellt tls 
ursprünglich auf formen wie *xX^/Oi; *Sf^[i]og "^anfjog *Jt(>jf/'^Cf 
die nirgends in den verwandten sprachen einen anhält flßden 
nnd sich auch mit den vom GriechlBchen selbst g^hotw^ 
ablantsformen nicht in einklang bringen lassen" (SohiisßD 



Bie noudna auf -tv^. 



387 



p. 226). Nicht sind von mir neben ionisch anUc (nicht 
attisch! Wegen Enlenburg IF. XV 133) und ion. att xoiag 
lang^okalische nebenfoimen aagenominen , sondern ich führe 

andüg auf *(jniJG^ = cn^taQ ZUfÜck, wle tt^iag ÄUf *x(>^/öj 

(im Attischen a^iäg statt *jfpiä? nach fi^äg Sdnag etc. ; et xiai 
statt *»*« aus x^ai nach natdfvaat etc,). Dass der ansiatz 
♦airjyos in den verwandten sprachen keinen anhält findet, 
Fermag ihn nicht zn diskreditieren; denn der stamm hat 
bislier keine etymologische beziehnng ansserhalk des Grie- 
chischen, und was die ablantsformen des Griechischen selbst 
anlangt^ so verliert Solmsen über attisch an^lutov ^fint^ia-Xatov 
kein wort. Den dativ andtjat verwertet Solmsen (Unters, z. 
fiiech. Laut' und Verslehre p* 90) zur Unterstützung einer 
theorie, wonach ionisch $s in geschlossener silbe zu f ge- 
worden wäre. Aber 1. BnXia&ui (Dias T 172. V 159) geht 
nicht aus *onlhad^tti hervor, sondern verhält sich imu wie 

ftltit (*iy4Acij) zu ipikdtöf yrjfiaL ZU fa^im U* S. f . ^ d. h. in 

htl^^ai aus ^ünXtpfiai, (cf, thess* ""AnXmv aus '^'jinlmv neben 
^Antikmv ans ^^AuiUmv) hat der stamm vor dem präsentischen 
-t-Buffix die verkürzte gestalt, wie sie für nasal- und liquida- 
itämme die regel bildet; mit ^sopl-ietai stimmen bis auf die 
wnrzelfonn iberein ai, saparyati = lat, sepelm idg, *sepel-ieti 

2, Das 'iiauQv des iterativs soll in -stTMov übergegangen 
sein. Allerdings ist tpö(}h-uKov seiner bildung nach älter als 
fi^mnop: soU nach dem gesetz, das in ^tdi-aHov zu tage tritt, 
im verbum auf -ita ein iterativ verliehen werden, so mnas 
daa suffii -axov an den präseus^tamm treten: das ist *q}ogf-[i\f-. 
So wenigstens analysierte das Sprachgefühl auf einer älteren 
stufe der morphologischeD entwicklung. Ein Grieche der 
fanmeriscben zeit aber, und wir müssen bedenken, dass die 
il*jrativformation damals noch durchaus produktiv war, konnte 
iu^ht umhin, dem paradigma ffügd^m tpogistQ (pogd-it ^^n^d-o^tv 
fügi^itf <poQdovüt Statt ^tpo^it" *^o^f- als das stammhafte 
ojiterznlegen. Auf die weise setzte sich tpagiaxov an die stelle 
des unverstandenen tpogh-axor. Eigentlich derselbe fall liegt 
Vor in 3, Kioxno Od, tp 4t, uagfudaxtr S 521, nach Solmsen 
=* *MiinMfjo. Das Griechische weist in seinen meisten ge- 
^Ultangen auf *je£t- nicht *xr^i- als normalform der wui^el: 
^ffrcii s iL ieie ^er üegt", *k^tai^ koiyunkt. xitja$ = '^nHil-ita* 

25* 




588 



Hüffo FhTÜdi, 



(Schulsse QE. 380); am einer thematischeü bildung gehört 
tdüPTitt {X 510 X 341 31 232) = ai. hyante, sing, hyati 
(xt&[i]ai hat dehnstufe wie r'7t'ß>)' Von Khpiai ging ein it^rati? 
*xiinxfTo auä; dazii bildete sich das allein tiberlieferte xi-fmix^ 
nach der analogie von tfo^ii<iititü: (po^daxttfi \h dgL m> l 

4. anin&t nicht aus *fTn$£aüt; sondern zu "^^anhoai, ver- ' 
kürzt aus rjjf^cfjfi*, kam anifrm hinzu nach massgabe des 
Verhältnisses, welches sich hei den übrigen fir-stämmen dar 

bot: itndiijfjt: timüm. Nicht SO isoliert Wie ünin^; steht xWfls 

innerhalb der verwandten zweige. Und bei näherem zueehea i 
stellt es sich heraus , daas nicht *x^nfa^, sondern die im ■ 
handbuch zu handbuch fortgeführte konstruktion *xpt/a^ es 
ist, die nirgends einen anhält findet Das Geimanisclw' 
belegt durch ahd. mh* hräiver („roh**, siehe Kluge s. v.) den 
ablau t *hrmm- *hrawo~ = indogerm* *qreuo- *qr9uo-, ])m 
reduzierten stamm *qr^ti- zeigen litiiuisch kraüjas (^bluf) - 
ai. hravya („fleisch") aus "^kwuio-, irisch vrua^d ^fest" *ftfat«ip 
*gf0t*-dis* Endlich ai. kram^ („fleisch") differiert von gr. t^m 
= *nö^fn^ nicht nur im ton; grundform ißt nicht *qr^^^. 
sondern *qr9UBs, welche sich vollkommen deckt mit t^< 
xoiaQ Hesych = *3C(*a/ac« 

Meine ansfiihrungen über homerisch ^lio; und -xi^;, 
welche darin gipfelten, dass ich für den neutralstamm «ine 
äbstufung ^xlij/üq *xU/efTog, für -xk^g eine dehnstnfe -Ml^ß^i 
erschloss ~ vergleiche die ö-stufe in lit. .^elovi „rühm'', sliv 
alava *Boua — sind nicht auf fruchtbciren boden gefaJlen. 
Vielleicht kommen die dialekte mir zu hülfe. Im delphisch- 
phokischen dialekt bleibt 1. tä ans *frTä *hu ankontratüert' 
xgvma = att. /pv^^ ÖDI 2501 ai (380 v. Chr.), tir*« 1918t 
1984 6 (priesterschaft 11 U>3 v. Chr:) rdkfu 2642 a« (15^ 
v. Chr.) iaptyiv Phokis (Elatea) Inscn Graec. IX, 2 nr. 111« 
(2, H. d. 4.a. H. d. 3. j, v. Chr.) i[a]QiPaq Ilelpbi 2506 « 
(Äichon Hieron c, 278) ia^iväc BCH 24, 87 03 (Archen Hieron 
c. 278) ia^iv^c BCH 24, 130 CoL I i» (Ärch. Dion 33fiö); 
p. 474 CoL II ti (Aich. Theon 3287) p. 491 s (Arch, Chan^ 
xenos 330/29). 2< fjä aus *r^aa *r}fa wird zu jy; jia^'f^p 2502 
137. 148 ^p 2518 7 2652 & (3. pers, plm\) = böot. *iW •J«' 
(homerisch ^iv ist zwai\ wie man glaubt, eine piuralfoFDi* 
fungiert aber nur singularisch; schwerbcb ist daher ^* ^ 
^£p entetanden)« Ferner der akkusativ der uomina auf -tk' 



Di« noQiiDa &!if -mg^ 



389 



ßamlfj {= ßaaiXr^a) 6tc. Im delphischen dialekt flektieren die 
werte auf -af^jfg; gen. -kX^o^ dat ^xXu akkuBatiy -x;iif z. b, 
monl^ GDI 2502 B »i (Archen Menaichmos 32^/1 v, Chr.) 
-11A17 kann nicht ^-icAfca zur Vorstufe haben nach 1.; aus-;rX^a 
wurde -itlij mit kontraktian der ersten beiden vokale nur in 
einem strengdorischen dialekt; also ist fiundform *-jfAj7a nach 
2., älter ^-nlfim, wie ^xlin^ -xXn für *-xX^oq *'xXrjt st^hn. — 
Meinen auseinandersetzungen über *jign^ hätte ich nichts 
zuzufügen, wenn sie nicht dadurch minder überzeugend wirken 
müssten, dass eine gesamtauffassung^ die ihnen zur eigent- 
liehen unterläge dient, fiir den leser verschleiert bleibt. So 
verweist Schwjzer (sp. 437) unter ablehnung meiner idee auf 

Schtdzes kapitel über die ati^oi aniq^aXot XayuQol fufinvgoi. 

Die freiheiten des ersten und letzten fusses werden QE- p. 8 
so festgestellt: 

„Versus epicus admittit brevOTi 
I, in prima arsi 

n, in prima thesif si fit in pnmi alten usqne pedum 
compage diaeresis 

DI* in ultima arsi:" 

Einen schritt über Schulze hinaus scheint Dauielsson 
(Zur tnetrischen dehuung im älteren griechischen epos p. 49) 
Zü gelangen, indem er zeigt, dass der letzte fuss des Verses 
tatßächlich in Homerischer zeit nicht defekt war, dass viel- 
mehr seine hebung eine metrische dehnung erfahren hat, 
deren ratio freilich nicht deutlich sei. Dass in Wirklichkeit 
der einzige vers, der die dehnung nicht graphisch ausdrückt, 

M 208 T^täeg d' iogiyfiaaVj onmg iÖQp rnoXop ofpiv 
sehr früh mit troehäischem ausgang gelesen wurde, dafUr 
bürgt mir die nachahmung des Hipponax fr* 49 s : 

In einem überaus lehrreichen kapitel seiner Unters, z. 
griecb. Laut- und Verslehre („Zur lehre vom digamma'' 
1». 126 £, vor allem p. 136) bringt Solmsen etwa ein halbes 
Imndeil atixot Xayagoi zusammen. Die richtige beobachtung 
Bartels nämlich, dass bei Homer anlautendes digamma eine 
söbe auf kurzen vokal + konsonant, wenn sie in der Senkung 
steht, nicht verlängert — dnag (ßinng ~ erweitert Solmsen 
dahin, dass auch anlautende mute H~ liqnida hinter thesis- 
vokiU stets schwache position bilde: uXsro ^^ipa^§yQg. Bisher 



390 



Ha^ Ehrlich, 



glaubte maOj dass aiüautende rnnta + li^nida bei Home^*^ 
ausser in worteu yon iambischem anlaut so gut wie stat%,^ 
Position bUde; vgl. La Boche Homer. Unters. I, p. 21, 25, 3^^^ 
Eg war also für einen, der über diese dinge reflektierte^ aU^^ 
veranlassung gegeben, sich die werte mit vernachlässigt^^ 
Position auf ihre metrische form anzusehen. 

Meine tahellen fiissen auf La Roches Sammlungen, 
sich aber aus Gehrings index vervollständigen lassen. 
stellen, die in note ohne weitere bemerkmig angeführt Hi^>-^ 
fehlen bei La Eoche. 



A 



L lambisch anlautende worte bilden positio debll;^^ 





StoUen. 




Stellen. 


n 


Klvwatfty^aT^fl 


4 


d'^ivmp 


2 


^^ 


xXi^fjpai j 


2 


^^6yoi(n(¥) 


2 




xXvSmr 


1 


&(t6yotg 


3 




xlti)^ovtr 


2 


d^^OVOl 


1 




KXicavdg 


1 


^Qoytp 


3 




nXitöv 


2 


Spafiiiawr 


60 ' 




nXdovna 


1 


K^öyitay 


42«) 


M 


nksovffug 


1 


K^oyioyQC 


2 


m 


nXiiüif (noXvg) 


1 


Kgm^üin 


4 




nXuxmav 


1 


Kgoyov 


15») 




ßftotwv 


44*) 


x(»aTa(i^ 


9 




ßoototiJt{v) 


28") 


x^axatt^v 


1 




ßgütoto 


n 


xgaratti 


2 




ß^OTOi 


1 


x^atatig 






ßgoTüig 


1 


Kgaruiiy 






ß^fAyhmg 


1 


n^ajaiig 






ß^a/Joya 


4*) 


x^atmyv^Xm 






ß^ayjovfg 


1 


u^istyHrjg 






^^axtay 


5*) 


M^^yetap 






dguit ovta 


3 


xgvfpffäoy 






df^thiürt^g 


1^) 


xgtü^y 






AgvaVToq 


1 


xgaiiVTmtiay 






^(»trai^Ta 


1 


ngaSaiyoptiyti 




m 


6^6fiovg 


1 


xgmiatyofi.ey^y 




m 


^fOt'Dir; 


11 


n^otnrt^g 




1 



Die nomins uf -«v;. 



391 





SteUen. 




SteUen. 




>fxTJ 


1 


ngoamna 


7«) 




weifAiva 


14") 


ngoaiinuat 


1») 




^ffXB 


1 


ngoam 


4M) 




^dvfiifiai 


1 


XQttntt^a 


4 




oq aXXiiXinfg 


30") 


Tpans^tii 


3 




iXki^Xag 


1 


rpawiCjj 


5 




dXX^Xjiaiv 


1 


XQüintZefV 


13«) 




SlXfjg 


1'«) 


rpanc^at 


2 




^iXtov 


1 


rganiZfe 


9 




^igoiiiii 


1 


XQanwxo 


1 




"HXiSog 


1») 


XQunmvxai 


1 




* •* 


3»*) 


XQttnia9ai 


2 




^oirny 


1 


xgunttofttv 


3 




idi 


1 


xgiyovg 


1 




ovit'i 


1") 


xgi<pn 


2 




ov^avop 


4") 


xgiatpav 


3 




ov fityaXij- 


11»') 


Tgtxiis 


1 




TOQa{9vft6v) 




xgixti 


1 




0» lix^i 


1 


xgixrig 


1 




<o iauof 


4 18) 


xQtxetr 


1 




xovQtay 


1») 


TQl^XOVXtt 


3 




'oao«|a5 


3 


xgiijxoai' 


1 




>9aijvian' 


13 


xgiijxoaiotaii' 


1 




»Mtivia 


163»«) 


xgt)]x6aioi 


1 




HmavSitt» 


1 


XQixoMte 


1 




>ooav4i/r«7>' 


2 


xgonotf 


1 




^oaünura 


1 
1") 


XQOipov ^_ 


1 




munov 




564 





n. Fälle anderer art 



•^ (nAcfo;) 
^axa 

OtfUP 

•9W 



1 
1 
1 
2 
1 
1 
1 



Sgayftaxu 

9p6yoe 

Sgfpiwv 

XQVty 

K(fi»og 

tcgSxt 

XQttXU 



302 


nxkgo Khtiieh, 


J 


1 




StoUeB. 




SteU«n. 




x^ivafi§¥og 


1 


ngoQ ftat^iq 




M^dTOg 


1 


7Tpü>rac 




Jlgiafiiäaü 


2 


Ti^^toy 


1 1 


fl^ia^uifi 


3»6J 


n^üatpaud'ai 




ll^ia^idfjv 


5^^ 


T^sftoy 


j 


n^iv 


5 


r^/rog 


1 i 


n^O 


P«) 


TptMiiaioiV 


1 1 






40 ! 





») «f» 360, 463. '!' 439 stehen MachMch bei G^hring unter ßo9T9im 
«) S 32&, n 148. Streiche bei La Etoche ^B21. 
^) il 505. 565 (G. unter ßg^iQio) ateht ^^ordc. 
*) M 889, iV Ö29, 
») B 308. 

T) .i 571. Streiche bei G. i2 714. 

•) P 441, T 340, « 386, y BS, ^ 399. 406, J 303, o 477. 

•) JV 346, O 187. Bei L. R. streiche i' 441, r 340 (s. n. 8), 

»^) rf 67. 

^^) Da die pripoeitioii mit ihrem nomen einen woiikCrper bildet, ist nqoi 
unbedenldicb bieriier gestellt. Bei L. H. fehlen il 142, >^ 165. 

t*) if 456. 

^n ^ 347. 

'*) . 26. 

1») * 459. 

»«) © 364, l 17. 

*T) « 355. 464. — Dte reflexivntti vereinigt sich iried^nun mit macm 
iiiibsteiiti¥um tn elnetn eueren komplex. 

i«) Die steOen aind: O 35t, Sl 783, * 106 (fehlt b«i L. B.), m m. 

"•) P 726. 

«) « ^2, ^ 507. — // 706 fehlt G. 

«) -r 24 

»«) * 85, o 332, T 361. 

«) H 212. 

»*) i 642, ^^ 368. 

«) # 542, * 92, ^ 174. 137. 

»*) N 80. 

«T Af 316, O 604 

w) >V 799. 



Während sich also positio debiUs 564 mal mit iambisch*'' 
form des wortanlauts verbindet, lassen sich nur 40 ftlle i^- 
bringeDs in denen metrischer zwmg nicht wiitsam «w- 



Die nostint snf -ivf. 



39S 



I 



Dorchmustert man aber diese, so ist bisweilen assoziativer ein- 
ÜUBB von Wortgestaltungen der ersten ait nicht zu verkennen: 
<^nktin ta richtet sich nach ^nlinow, ^^^opog nach w^oyoi^f, 
^K^ivoc nach ^fK^ivfiin, ^j^itoc nach ^Tf^lriov, ^Jn^6 t' aXV nach 

^nQO «grcag und evident ^n^ooffiaa^fu nach wnitOßiivSa, Im 

ganzen ist tatsächlich Vernachlässigung der position ira wort- 
anläut dem dichter ein zugestandiüs, das er widerwillig dem 
verse macht Man mache auch die gegenprobe; und wird 
finden, dass nicht-iambisch, z. b, trochäisch anlautende worte, 
ohne dass die versstelle eine rolle spielte, vorangehende 
kürze konstant Terlängern; so n^mtQg T^mg. Die hypothese 
Solnisens mit allen ihr anhängenden folgerungen ist demnach 
yerfehlt. 

Sollte es nun nicht möglich sein, den lizenzen, welche 
Schulze in der tat an der ersten und sechsten versstelle 
nacbge wiesen hat, ihr auffallendes zu nehmen, indem man sie 
den sonst bekannten metrischen dehnungsgesetzen HomerB 
unterordnet? Es sind folgende (vgl im allgemeinen Scihalz« 
QE., Danielsson a. o.): 

\. Darch den iktus veriängeit werden kann 

L eine von drei oder mehr kurzen silben, welche ent- 
weder in demselben worte oder in zweien , die gleichsam 
einen wortkörper bilden, unmittelbar aufeinander folgen, 

n. in antispastischen werten die sübe, welche den längen 
vorausgeht^ 

nx in bakchischen werten die silbe, welche den längen 
¥orausgeht (Danielsson p. 33 ff). 

B. In der Senkung kann jede kürze als länge fungieren, 
welche innerhalb eines Wortes zwischen zwei längen steht. 

Man findet, dass die gesetzmä^i^eit der metrincheo 
dehnuog in diesen vier regeln au%ebt, wenn man einen 
fruchtbaren gesichtspunkt beachtet, den bereit» Schulze in 
anwendung gebracht und Danielsson hie und da weiter ver^ 
folgt bat Es handelt sicli um den begriff des syntaktischen 
Wortkomplexes. 

Mehrere worte können metrisch eins werden 

a) in engen syntaktischen komplexen, 

b) durch vokalelisioti ; 
ein besonderer fallbn) eotitelit, wenn zwischen vokaliichem 

wort-ans- und aaUnt eine einalUfe Partikel elidiert wird. 




394 



Hogo Fhfliflli, 



Yielleicht zu sehr wird von Schulze nrgiert, dsm im 
versbegiun einige male metrische dehnung durch die schrÜt 
nicht angedeutet wird: enixnvQQ pt 42B ^^ifv^lri ^119 inu^fi 
X 379 ^^ 2 a 13 5^ 452 ip 2b o) 482. In folgen ?on drei 
oder mehr kürzen (A I) oder von bakchischer form w.^ (A HI) 
konnte man diejenige silbe, die den iktus bekam, auch wohl 
laugen, ohne dass der buchstabe dazu aufforderte. Melriäch 
einheitliche komplexe bilden in erster linie proklitika mit 
einem starkton igen worte: eiV iy^^f^ ^iy "AlSao fiVi Sv^^t 
*iVi d^opf vniie aXa (Schulze Qe/ 216 ff,). Hierher fallen 
auch diijth^^anliüc t 3&T = H 2bl = A 435 iiijih^g 
^mfirtj^OQ z/ 135 TOP STsgov £ 266 rec hb^i xaXa 352 t6 ^a vir' 

/r228.*) &VTI ipvijdaq = yaxfac Hesiod^h, 310- Sc. m,l61 
(QE. p* 434). Näturgemäss ist auch die Vereinheitlichung eines 
Wortes mit einem anhängenden enklitikon: an^tfi fim K 285 
^ anio fim. Ebenso beliebt ist es, ein ac^ektiv^it seinem 
Substantiv mit htilfe des verses gleichsam zu vei'schweissen : 
daher «?« nf^vXvp ZfAiXt^v K 517 = p 67 n^vlv^ StaXitg (an 
diesen stellen schreibt Schulze p, 448 noXlov noUig), movlifp 
i(p vfQrjv j£ 27 = d 709 (^£pa noXk^^y P 269 movXvp Mor. C&nt. 
novXjjv S) if/^a novXvv E 776 = 9 50: Schulze statt nmkvp 
"^novXav. Aber ^iue änderung ist nirgead notwendig; überall 
bezeichnet -01- metrische dehnung gemäss der regel A I; 
und novXvp ar^itTüv Ö 472, wo die länge so nicht gerecht- 
fertigt werden kann, hat eiu rhapsode nach novXip S^aJIo? 
gewagt. Analog beurteile man nun X9^^^f^ xivaa ^ na^ia 
(Schulze p. 433); ipaejaolrwfiTs J löo. E Sb9T0 308 (p. 387); 
aioXov otpip M 208. Tjnter den begriff usueDer wortverbände 
fallen ferner Jcp^»^ diSovvut^ ^ ^tSöt^at i2 425, iSuevm adtjp 
E 203 (= m3fjv p. 452); etwas freier piiam Xvu ij I^^bUU 
XtH p. 320), i^y€t€jinag Hesiod Opp. 263 (p. 451). Ali 
metrisch gedehnt fasse ich weiter xXv^ (- ai. Snidhi); plur. 
xXvre = MXvt§ schou nach Schulze p, 390. Hinter xXv^ icAvrf 
steht bei Homer entweder ein enklitikon: 
xXv^i fiäv A ^1 = Abi 
^Xv»l f,a £ 115 IC 278 ß 262 d 762 ? 324 
xXvrd fioi ^ 239 iji§v Aristarch) MXiwi fim 172 



I 
I 




») Ferner 8c itXtjs X 236 (v-*^). 




I 



Die BomitiA «uf -im. 395 

oder eio vokativ: 

)ilv&i upol /I 514 £ 445 
kXv^i IloaMtdaoif ^ 55 i 528 
Kkvdi aii W 110 
nlvTf Kaoiyyritai 2 52 
nXvtt qiikot. B 56 I 495 
xÄvf£ (fikm ef 722. 

Der faU Am enklitikoos ist uns von amto ^ot her bekannt; 
und enklitisch lehnt sich anch der vokativ an das den 
salz anlautende verhum an. Das vedische Sanskrit (siehe 
WMtney Indische Grammatik § 593, § 314) und das Griechische 
Homers hannonieren hierin in überraschenderweise; ein vers- 
auf ang wie itXv^ ß()ojwv inittm^Q^ hymu- h. 8, 9 wäre für 
Homer nicht möglich. 

Dass durch vokal elisioii zwei worte quasi zu einem 
Verschmelzen, kann man aus mancherlei anzeichen entnehmen; 
so kommt es, dass in der Verbindung Ndutö^' t^tio = igis 
^611 die metrische dehnung auf die zweite statt wie ge- 
wdhnlich auf die erste der drei kürzen gelegt wird ; dasselb*^ 
motiv liegt vor für die messungen xdax' in* dn^ioioiv v *T 

= «ar' (Schnlza p. 380), liaT^ dvyyijrovg 2 596 (p. 386), 
Durch ©lision einer einsilbigen partikel wird worteinung er- 
reicht Z. b. ß 1 XvTo 6' aydt^ = Xvto (</^w-), ^t J' U^jfi^ 
o 222 ^ ^i. Gehäufte belege aber für die auf p, 393 unter 
^) b) b«) rubrizierten regeln gewinnen wir erst mit der he- 
trachtung der» wie wieder Schulze erkannt hat, metrisch be- 
findeten quantitierangen SJfwp und «i'^i». Zunächst vStog steht 

a) in engen komplexen 

ayX'aiv 5<Jaip B 307 345 1 140 

iX/iv^iv Z^wQ a 511 f 100 t 227. 470 ^ 238. 240, 431 a 294 

uaXXiQQoay vSa^g B 752 M 33 

fiiXav vSmQ n 161 202 *5 359 C 91 ju 104 v 409 

tß^ipLQv vSmg ^453 

2Tvrk Ut^Q O 37 H 271 f 185 (vgl. Daüielsson p. 16) 

aviiiQ^ Tt nai tJdcyp y 300 ^ 277 482 

mitd S§ ol v6(j^g S 435 
(verbnm + Subjekt) 

&vaßißgv/jy vStog F 54 

o£W v^m^ Q 209 



396 



Hugo Ehrlich, 



(verbum + objekt) 

io)^ipu y^typ P 747 

oiai^^r vdwQ y 429 

Xhi vii^^ / 15 /I 4 385. 

h) hinter einem wort, das elision erleidet 

f|i;fü5' viva^ T 470 
Tai Sh ßisd^ vimg v 153 
X$gai ^ itp' if^ca^ t) 213 (cf* hm) 
b«) hinter^elidierter parlikel 
C« 6' m\mi} 365 
9e^fieT£ d* vdcog &■ 426 
<t£()/£cio ä' vScag ^ 348 ^ 437 
ialp€TO d' vSm^ X 359 
nokv J* "Kdcöp C 86, 
Diesen 45 fällen stehen 4 gegenüber, die s^ich keiner 
lionn fügen: 

{igvSaivsto i) ) ul'^aji väm^ <]^ 21 

(X^ifii^iov) mXiy v3{o^ V 420 

xac i;<fa>^ ti 110 

jfa^' v()'ca(» 14. 

Dass avj^Q seine paenultima nicht auf grund einer eigen- 
tumlichkeit der sechsten hebung verlängert, ist deswegen von 
vornherein zu vermuten, weil das wort einen spondens, wenn 
auch meist im letzten > so doch an vier stellen im vierten 
fusse bOdet. 

Hier tritt nun unser erklärungsprincip in krafL 

a) ß^ozog av^p fi 77 

Bxot avi^^ {verb. + subj.) M 382 
bö) im 6' dviJQ ^ 112 
nagit y dvi^g n 45 

Der rest des materials gruppiert sich folgenderraassen: 
a) ai^ijiog avjjp P 520 ft 83 

ainoXog dv^g ^ 275 

/iotixoXog dvfi^ ^ 845 

ßgoTog dvr^^ ft 17 

j^dg6ayog dv^g B 701 JT 807 

imßQvxoXog «yjyp X 412 p 235 ^ 199 ;f 268. 285 

jra(iT££>o; dv^g S 242. 271 v 393 

otoi n$g afjfjp n 97. 115 




(verbum + subjekt) 

ägnaüfi avf^Q ^ 319 
ßaX§v dv^i* jj 6 
eg/^Ttii dv^g K 341 
iv/iiiu dvti^ S 484 
fjyayfv up^q y 383 

itto dvj^p n 148. 177 

ovTuatv i^J^Q £ 361 

nüft dr^g ^f 169. 209 

TSanaTut dvj^p o 400 

jn{}vmaiTai aViJp f 249 

yipfr' dvi^g B 553 

£ßaA cevjjp ji 475 

^/TTfi' dv^g Q 707 

oiJ j'ö^ in dv^g ß bS g 537 (csf* a) 
b a) dvi(/a iV dvii^ N 131 /7 215. 
VereiBzeltes: 

dpyvfjfp ttl'ijp C 232 V' 159 
e}iߣVüt uvt^p V 470 
tiPnjj dn aimvfi^; fl 725. 

Das gesetz ist gewahrt m 44, verletzt in 4 fallen; ganz 
ähnlich st^Ut^ sich das Verhältnis oben bei v6mp dar, so dass 
raaii die regel Widrigkeiten wohl späteren sängem aufbürden 
darf, welche die altert tiraliche verskunst nicht mehr voll be- 
herrschten. Hauche einzelheiteii, die man bei Schulze be- 
handelt findet, können ebensowohl sprachlicher als metrischer 
interpret4ition unterliegen. In ßogitjg 1 5 (fwrjes) ßogifj ¥^195 
(horjei) ist die erste silbe durch das konsonantisch fungierende 
f posilionKlang geworden. Hesiod Opp. 596 lese ich tgii vSutoQ 
als Tghg v^ctTog. Das Griechische hat eine neigung, die man 
bis in die inschriften verfolgen kann^ den auslautenden kon 
sonanten einsilbiger worte bei nachfolgendem vokalischeni 
aulaut zu geminieren; vergleiche bei Homer ipvtm = iv-£nt, 
ivvenifiat = iv-fuifjoi (dagegen hat, glaube ich, iwmiyatti; 
etymologiscli berechtigte geminat^)- ^^tf/ö? ^ 47 njj (schreib 
^fi) H 340 I 245 möchte ich für konjunktiv des perfekts (zu 



398 Hugo Khrlich, 

^a-d^a, elisch ^a-tm) halten, trvq^ewg (geiiitiv x 389) = ^m- 
^pifOQ *'fpfjf6g ist wohl die gruiidform von avtpfog: zn *fn/^^ 
ipio-Xiog „lager^, altnoid. hol „Wohnort**, indo^erm* *fcAöfo* 
*hhöleuo-f noch älter *hhöulo-i wurzel hheu „leben**, 3oiaxn; 
^xog und attisch f dorisch 9äitog sind nebeneinander un- 
begreiflich » wenn man iiiclit d-öitfi^ (Soph. OR. 2 AeschyL 
SuppL o75K, Empedocl v, 18 St^ein) gegen Schulze p, 435^ 
abti^ennt; siehe Passow s. y. &6^xüg = 9mxog aus *^aj:mwog lautet 
ab mit S-axoQ = *^ufäKog: indogenn* "^ähäuöko- ^dhan^ko-, ovSov 
(^weg'') ^ 196 mag sich ein rhapsode gestattet haben, der 
iSog als nebenform von oMg „schwelle** kannte (cf. ^^iJ/axo^ai: ■ 
didhico^ai u. ä.)j daher die quantitätsverschiedenheit auf das 
gleichlautende, aber unverwandte wort für „den weg** über- 
trug. Über iay^ A 559 s. K. Z. 38, 69 n. 2, über ui&vtai 
oben p. 388- ßuftai ^ eilen "^ und tt^jiu „ senden ** werden hin- 
f^ichüich der guantität des i-vokals gewöhnlich so beurteilt 
(Schulze p. 437), dass man dem ersten verbum langen, dem 
zweiten kurzen vokal als ursprünglich zuweist; diesen ntiter- 
schied hätte das Attische umgekehrt. Ich habe bedenken, 
/iifiai ist doch wohl bilduugsgleich ätiptui^ einem unzweideutig 
athematischem verbum. Zudem hat fh^ai das präterituni jjm 
- *€-u\i^i\ deshalb scheint mir auch der vokal des präsens 
von natur kurz zu sein; idg. ^uXie-mai, regulär also l^a$^ 
M 274 "iiVTm Jll r. ^04< Messungen wie X^tq ie^ivog id^j&tiv 

(v*-) iBT^ ivt ^i$yapütg v 344 iiv d^i^fuv M 68 tst' dxövritKtai 
N 585 ^^11 359 geben ilber die wirkliche beschafenbeit des 
Iota keine auskauft, da überall metri causa gedehnt sein kann ; 
Ityr alk^lmy N 501 = II 761 setzt bei hßai bereits verlust i 
des digamma voraus, zeigt also nach attischer art augmentnm 
temporale. Auch trjfu hat bei Homer syllaba anceps, * kann 
kurz sein, ist lang z. b. in ttraat ^192 atplnaai 17 126 iipki^ 
A bl. Die Quantität der redupUkationssÜbe schwankte meines 
erachtens seit der urzeit; '^sl-sBinL So wird auch iaQßai 
(ifjtgQg) von Homer mit langem» von den attikem (Euripides, 
Arlstophanes) und Empedokles mit kui^em 1 gebraucht; bei 
Äischylos und Sophokles wird i gemessen, aber es steht dahin, 
ob das die alt- attische weise ist* Nun zählt iao^ai zu deß 
Verben, die aus der atheniatisehen in die tbematische flexioa 
Übergegangen sind: bei Homer noch ^iä^i^vog 31 139. 193, auf 
Kypros ta^^at GDI 59 A s. *iufiat steht, was man bisher 



I 



^ 



Difi nominft 



-ttfr. 



nicht erkannt hat, fiir ^at-aa-^ai (att ^iAofiat lautgesetzlich 
für *hthaio^mt cf. avog ans *havhüg): zu latBiiiisch ^ä-jm^. 
Damit ist auch *s%semi legitimiert und drittens (og vmiv) 
jit-^mvax§ IC 478 neb€Q nXfavtfxat erläutert* Aus dem dar- 
gelegten ergiebt sich, weshalb ich mich bemühte, dar spon* 
deiscben messung y/p^c ^ine sprachliche begrtindnng zu geben. 
Man siebt, ütiyoi äxi^pakoi und ft^iov^m sind nicht notwendig 
anzuerkennen. Es könnte sich nur fragen, ob ein defekt der 
ersten Senkung mit grösserem rechte zugelassen wird. Dafür 
sprechen namentlich drei beispiele: ^ 493 Atav Idofni^Bv n 
{Wackernagel ^iai'ir') m 299 mv ä$ (al. di}, am) vrjvq, % 327 
HK^p avat(xXioQ\ Schulze avotalioq. Diesem beweismateiial 
hinreichende tragföbigkeit zuzusprechen oder zu bestreiten, ist 
dem subjektiven belieben anheimgegeben. 

Berlin, deo 15. augnst 1904. 

Hugo Ehrlich. 



mi 




simgur. 

Die eltero eines verheirateten matines hieseen für die in 
den neuen familienkreis übergetretene frau im indogermanischen 
altertum svekuros und svekriis. Die accentstelle ist gesichert 
durch die vollkommene lautliche identität, die zwischen m. 
ivähiraJi [av, zvami^rö]: svaMHi)} und ahd. siiehur TatJan 
185, 11 Otfrid 4, 17, 31 mehor Ahd, Gl 2, 332, 54 [ags. stmor]: 
siiigar Tatian 44, 22, 48^ 1 Otfrid 3, 14, 54 [ags. Meeger, 
ÄCC. siüegre] besteht.^) Denn dass ^uigar zu beurtheilen ist 
wie himgar Tatian 78, 7. 97, 2 Otfrid 2, 4, 4. 16, 13 u. ö. 
wintar Tatian 134, L 145, 14 midar Ahd. GL 1, 48, 9. 2, 9, 60. 
364, 9. 371, 21 dat sg, mthare 2, 562j 38 nom. pL tvidan 
3, 10, 27. 449, 41 gen, pl tviäaro 2, 250, 55 [got hvhnts 
wintnis ivi]}nis]% also auf ein altgermanisches "^swiffvu^ zurück 
gehti hat Paul aus den yokalverhältiiisgen von mefmr: suigar 
zwingend demonstriert. ^) 

In verschiedenen sprachen bewährt das femininum eine 
zähere lebenskraft als sein männliches pendant*): arm. skesrair 
kymr. chwegrwn nhd. Schwiegervater sind ei'st aus oder zu 
i^ke^ur chwegr srhwitgerfmutter] neugebildet worden**) Einer 
Ähnlichen entwicklung begegnen wir bei den Ostgermaneo. 



i3 

1 



1) Venier Z 23, 117. 

a) Bratine Ahd. Gr,* g 216». 229^ 

*) PB 6, 81. Ags. swagtr mit e m& weder — ^ fd mprus oder teUm-^^^ff 
-- ahd. dtroch zittaroeh [titturuh Ahd, GL 2, 242, 47]. 

*) Dam DelbrüelE VerwamltschaftBiiaiuen 140 [= 518] Schoof Z^ikachrv mM^t^ 
f. hochd, Ma. t, 284 OSchrader Schwiegermutter a. Hagestolz 89. 118. 

^) Hübscbinanii Arm> Gr. 1, 491 (s&csur selbst freijicli ist vorher an dt^ W-^Am 
später verschollene laasculinani ang-eg-lichen worden, wie txvQfi an ^^i/pds^^f -:^ ^j) 
Stokes-Bezzenberg-er U rite lt. Sjirachschatz 322. Im Slavischen hat mj^kry ^LK^».seii 
k, das in der konsonantengruppe wahrecheinlich durch disäumlation lant^^s^v^^siil 
geBctxlich entstanden i^ar {ähnlich wie in Ut. klamaü miakrä poln. gwia^d^^^^^^ 
vgL dazu Meillet Etudes mr VHymolo^e et le Tocsibulairc da vieai da i i y^r J3«' 
1, 178). aach an dai^ iDasdüirdsche »veh^ oder mjek&rz [üL szisrttraä] thfjfr ■ 
gegeben. — Übrigens beweist die ieicbtigkeit des austaaaches zwischen dff^M^ « 
gutturalen eiplosiven und den palatalen spiraüten, die sich hier offen bar"«^^^*^ 
doch wohl, dass für diese ostindo germanischen Spiranten noch lauge d^M:^ ^ 
aussprachswert etwa unserer tcA-laute gegolten haben mnss. Wer parallelem Ä'^ 1*1 
für die ganze pntwicklnngsgeachichte dieser Spiranten suchte findet sie rie^s 
leicht am bequemsten in deti iranischen Pamir dialekten bei einander, wo aioi 
irar *esel' sowohl sn Iffr wie zu kam umgebildet hat. Geiger Gnmddss d^-^ 
iraiL Philologie 1, 2, 302. 



üitd 

Ktamm^) in gl 
alte tnasknlmi 
noch kraft geati^ 



hat f^r wAmm «nt^HUMi« iWitAf 
Sita tmwHtifl^ h mt 4(i^ ^^k 



liehe foim zn ttbertmiftn, lUwtl »lnj*r ÄUih m4ui^ ii^H*^ ^t ' ■••^ 
ausgespielt Deno goL .^tiYiiJim lAt nur i^itH> iiHt^li livK ' 
aoalogien geschaftVtie neubiUUiiig iuin frintHlnuiM iii^tiAiii, mi\^ 
<lie zweisilbigkrit seiner form ht^wniNt, illn nM\ (ml in tMHulHi^l 
%aren auknüpfung an dan iii^sprlln^lltiu^ N^i^Aontj« wlitiniiiUil/^ 
Ii0 norden ist man ohne nnubiltlnnM: iiHMtfokiMiiuiitii, lidlmn 
man skli mit dem mehrdeutigt*!! mtitp iM'liair litliiinnim IH^ llt 
Best man bei Ulfilas: na tarn imh mvnihm hnjftßn^ U\ il(»l 
islindiscUeD bibel heis^t um dafür: Mit var mtttfui i*fiifiht*> 
Die enge verwand tachaft des (JoUrnlinii iiüil Am HmiHäiimi 
hmwibrt sieb anch liier, m gut wiit In tU^r gmymu Imfitminuilw 
^mMMäkit der morte mef/» und nuif/r^ diit v^IHtf umi^f** Wi^MH 
eefct ab im WesmermAnimhm.*) 



■#f> 



ViattMr^W^MtfttMWMMVMAM" 



^-«.■<. 



^*- 



402 Wilhelm Schulze. 

indes die beiden familien einander schon so nahe gerfickt^ 
dass die altererbten bezeichnnngen anch für den mann und 
seine beziehnngen zn den verwandten der frau anwendbar 
werden: swailiro ist Mtth 8, 14 die mntter der fran, 10, 35 
dagegen die mntter des mannes^), moder Jconu und moder 
manns unterscheidet die isländische bibel, der die alten termim 
ganz abhanden gekommen sind. Man wird annehmen dürfen, 
dass dieselbe doppeldeutigkeit für alle mit suehur: baigar 
formell oder begrifflich zusammengehörigen geim. Wörter ^L 
Unser neuhochdeutsches schwager [mhd. swager]^ das aacb 
in der fremde als lehnwort aus dem Deutschen an vielen 
orten heimatsrecht erworben hat, ist meines Wissens bisher 
nur aus quellen belegt'), in denen die alten unterschiede der 
endsilben vokale bereits verwischt sind, aus handschriften 
frühestens des 12. Jahrhunderts: sivager mager- sororius [di. 
mann der achwester] Ahd. Gl. 3, 68, 21. 177, 2 suagir levir 



iHeidt i svHimq ialüie Jaszkicwicz S?otb. dajnos 421. 1 cf. 296, 8. 1019, 7: 
iszsid&da änt swodbös' yn/uiaxoytm Lc 20« 34 kaa iszdiM: ut wijra' 6 yafii^y 
1 Cor 7, 38 im NT V. j. 1701]. iiudUü [ui jdunu Joszkiewicz aao. 207, 13 - 
uijdunu dUti 394, 7; vgl. mieiii, nuteketi ui wyro (vcyrt^ 199, 7. 264,7. 
307, 16. 309, 7 Mc 12, 26 hn NT v. j. 1701 , Min ejH ^sich verheiraten' 
Jnszkiewicz 425, 8] slav. [alovcn. russ. poln. cech.} othdati, rass. vydaU zämni 
poln. tcydaö za mqi [vgl. rass. vyjti zämui] got. in fragibtim' 4fjvr,aiivu(vi 
Lc 1, 27. 2, 5. Daneben überall auch das simplex, zb. Yäjöavalkya ed. 
Stenzicr 1, 66 

mkjftpradlyate katiyä, haratnatäfii cauradamtflabhäk. 
dattämapi harefpUi-vacchreyamäcedvara airo/cf, 
kanyndnnam und kanylipradanam (Dahlmann Das Mahäbhärata 101. 117 s. 252)» 
Recht von Gortyn 8, 20 jimoog iTo^Tog /J dtfiXtiitj^ an. gefa JGrinmi RA.* 580 
Bninner DRG 1, 75 {(jjafvaxta 'of marriageable age to bc given away) 
Bjömsons *neuvermälilte' heissen im original ^dc Ny-gifte\ wente de erbenom^^ 
Metele teere gyn elike rechte geghcvene husfruice Hänsclmann Mittelnieder- 
deutsche beispiele nr. 44 s. 37. U7id was ain edly frotv und wart gegeben 
aincfn edlen heren Leben der Schwestern zu Tflss ed. Vottor 17, 2 (50, 10)- 
data ejit s. v. a. nupsit Ovid metamm. 6, 436. Der übertritt in lüe familio 
und das haus des mannes kann natürlich auch von der anderen seite angesehen 
worden, im Slavischen sind otzdati vydatb und rzdati [slovcn., cech.] *i" 
matrimonium dare' 'donner on manage' synonyma [sorb. ndafi ndhiniU'^ 
vgl. poln. corke w Imzy dorn wydac, MW 10, 85. 26 gfhän gaccha gjrhäpd^'] 
yäthäsab]. Miklosich Syntax 410. Die Inder stellen activischem prayaccJta^ 
'dat in matrimonium' ein mediales upayacchatc *acci])it in matrimoniiuu 
gegenüber. 

') Delbrück Indogorm. Vernandtfichaftsnamen 150 (« 528]. 

«) DW 9, 2176 (Braune aao. § 235 » Wümanns DG 1 \ 32. 2, 277 KJu^ 
Etymol. Wört«rb.o 356 Franck Etym. Woordenbook 1225). 



|d!. frater raariti] 424, 19 (megerinne- fratris iixcr 364, 30), 
überall neben sweher Hmger^)^ mit denen fs auch die tn^igunff 
theilt, in die analo^ie der konsonantischen stamme fafer mnotpr 
fiMer überall treten.') Bei der gi'ossen lautähnlichkeit, die 
zwischen sweher swi^fer simget* besteht, ist es kaum zn ver- 
widen, jedenfalls nicht verwunderlich, dass die bedentnngen 
m ende durfheinandeif allen: stveher levir Ahd, GL 3, 427, !♦ 
Mmffer socrns [fik\ 715, 42 schfvage^* ftir schweherDVf ^K 218(> 
Sehoof 2W. Das Mittelniederdeutsche hat alle ftmküonen von 
fitreher stüiger f^ivager in der 6inen form swage^^ zusamraen- 
fliessen lassen, und der plural von mvager bedeutet hier das- 
selbe, was im Alt indischen ^muräft oder im Lateinischen 
soceri [VergU Aen. 2, 457], Dämlich die *schwiegerelteni*. *) 
Merkwürdiger ist die bedeutung 'gener', die srtmger gelegent- 
lich zeigt [Ahd. Gl. 3, 390, 38 SchiHer-Lübben 4, 482 Sehoof 
an der eben citierteu stelle],*) 



») Die schrelbdiLgen »u'^eMr mmgir heg^pim 3, 425, 14. 426 ^ !^ s 
427, SS. 662* 65, 67 [vgl zb, tcidar wider imdir Palander AM. Thienjamen 
lae, leicher Ahd. GL 3, 338, 26 tekinr cekhir 303, 7. 320, 6. 424, L 30 
«tttt zeichnr üchhur 2, ö. L 22, 11, 4, 204, 17 leilüior znchor zehckor 2. 
7. X 17, 16 s. 370, 21, 375, 1. 3, 424, 2t 30. 4/l48. 64, deren u: o wohl 
£u bi^urtlieUen ist wie das in ahd. nnhhtti nnrhot nakof]. Gan^ voreiniclt 
*«ijur [neben mieher and zdukir} in einer Schlettstädtcr handschrift de« 
12. jahrbtindertä 3* 425, 15 (424. 30). Wenn OScbmder Schwieg^rmntti^r 
üful Haifefttoh 7* 67 gmäe diese fonn bevorzugt, kann das imr ein veraehon 
»'ein. — BeaebtoBijweTthe roischlonnen sind »tiet/fr und tmir (beide i— Hitfhi^.r\ 
Ahd, GL 3. 68. 10 [DW 9, 2180 Sehoof aao. 1, 277], 

*) JGrlmm DG 1, 605 n. Abdr. Bratinc aao. § 234=» DW 9. 2176. 2180 
Igeü. Huigtr NoÜrer 1, 74, 2 Piper: mjUrhtiH miereg nndt' ftöHrht^o mtiger, 
ßöethiu» vm-rt^wi gen. pL.]. Der amgelautete jvliual stemger kann ebenfalls 
liufcb tv4!«f briiiiirr veranlasst sein, S. ancb Wilmanns DG 2, 276, 

') Delbrück Vgl Syntajc 1, I31i 172. Im fspAteren Latein patren *elt©rii' 
fHirsrhfeld xa CIL XIII 1196], fratr^ "^ea^hwhtef Buecheler carm. epig'r. 
1^]B> 3 [äjmn. ht^rrnnrnm], gemimm QuiHnm Invenal U, 106 von Eonrnloii 

tUemoB (Wiäüowa Religion 141*]. 
^} Im Dlini^cben reden — oder redeten id^^li früher — die 'gegen- 
llier^ (wj4' Frymaiin und H^dif er in GKellers Fähnlein der Hieben Auf- 
•^bfeefi genatmt wertien! mit m'tyger an, xmd das verbÄltnis de^ bfüntigams 
^^^ faiiuiie ^iti^r braut hej£.st m-v}gmtkap [Holberg« Erafuinß Montanue 1, 5. 
^' 6. 4^ 2]. Schwager im sinne von ^gegenfichwäber^ auch in Tieeks novelle 
^^^ jahnuftriLt' Ges. Nov. 4, 20^ Dan. svogn* hat in volksthäml Jeher spräche 
**i^h <JiB früher anbekannte hvigt^^mn mitvertnrten mü&ien, und mn^ekehrt 
*■** ntigninäe die Ircdenton^ V"on ttvoget'Mk** 't^chwü gerin' sngenonimen [Vid^n- 

2a' 




404 



Willielni Sübülzf, 



Dass sweher stviger mvägm^, die das naive empfinden der 
sprechenden immer zusammengeordnet hat, auch etymologiäch 
verwandt sind, hat man bis vor kurzem wohl allgemein ohne 
Widerspruch angenommen. Schon JGrimm verzeichnete mvag^: 
snehnr suigar als einen bemerkenswertheu tall des ablautes 
e: e.^) Johannes Schmidt brachte ihn in Zusammenhang nicht 
blas mit got qino: qen^^ ahd. spebön: späht und anderen 
ähnlichen paaren, die mir indes nur eine rein äusserUehe I 
aualogie zu gewähren scheinen, sondern auch mit büdungen 
me got sihuntehund : taikunj nihd. hnoBt: hast, deren vokal- 
dehnung schwerlich blos zufällig an die bekannten Yrddhi- 
erscheinnngen des Indischen erinnert '^) Schon längst hatte 
de Saussure — im anschiuss an Schleicher, der auch das ver- 
hältnis von taihun: -tehund richtig beurtheüen lehrte — be- ■ 
obachtet, dass der gegensatz von got. dags und fidur-dogs mit 
merkwürdiger treue den quantitätsunterschied von ved. mräd-: 
sata-^üradah reflektirt.^) Die eigentliche domäne dieser von den 
indischen grammatikern als Vitldhi bezeichneten vokaldehnung 
ist aber, wie bekannt, die sekundäre nominalbüdung. agaii 
heisst das erz, äynstt' ist alles, was aus erz besteht, und das 
substantivirte ayasam kann jeden aus erz verfertigten gegen- 
ständ bezeichnen: grade so bedeutet im Mittelhochdeutschen 
hiioBt den aus bmt hei'gestellten strick. Skr. ^amra-^ das 
zufällig erst spät belegt ist, heisst so viel als *dem schwäher 
gehörig*. In alter zeit würde es nach der üblichen regel, im 
unterschiede von seinem grundworte M>ähtraJfif auf der endung 
betont worden sein, VgL Gotama}} Gantam&h..*) Jede denkbare 
beziehung zum svasurah kann durch ein so gebildetes ad- 
jektivum zum ausdruck gebracht werden; es ist deshalb attch 
nur ein zufaU, dass die bedeutung *schwager, brnder des 
m&nnes oder der jfrau', die wir an einer anderen adjeJcti vischen 



skabemee Selskabs daneke Ordbog 6, 983]. Es huiitcH sich n^ttrlich dtirtli' 
aUM tun enttebmmgen aas dem Kiederdeatscbeii. 

*) DG t eOÖ. 2, 62 n, Abdr — Noreen Abriß« d. geriii. LanÜehi« 74 
Klage ördr. d. ^erm. PbUoJoine 1 », 408. 

») Urhoiinat der Indo^erm, (aus den Abb. d. BerL Akad. 1^0] 26. 

^) Competidium* 370. — Memoire 16ö. VgL Bocbtel Eaaptproblem« 
175». Anders Wackemagel Ai. Gr. 2, 1, 101. 

*) Beiapiele bei Edgren On Vrddhi-derivatii^efl in Samcrit 13 [Act» tuuTef«. 
Land. XVU 1880—81] 





Alid. miogur. 



405 



ableitung desselben Wortes, an §vahirtjah beobachten, an der 
form .^(i^nra* nicht zur entwickelung gelangt ist. Denn 'bruder 
des manues oder der frau' heisst ja nichts anderes als *sohn 
des Schwiegervaters'^), und die vrddhirten adjektivbildnnffen 
aaf -a- haben im Indischen sonst ganz gewöhnlich die funktion 
des patronyniikons : A§vamedhfih söhn des *ħvamedhalL Neben 
diesen patrouymika auf -a- giebt es noch eine kategorie anders 
gebildeter, in der sich dehnung des vokals mit dem antritt^ 
eines i*suflSxes verbindet; Ka^yajiih söhn des KcLsyapah. Man 
versuche einmal dies bildungsprincip anf germanische Ver- 
hältnisse zu übertragen und erinnere sich, dass im Nordischen 
die bewobner zb. des Laxärdalr nie anders heissen können 
als Laxdffflir,^) Da haben wir, ganz wie in den indischen 
patronymika, däla-: doli- neben einander. Das Altpersische 
gewährt eine noch genauere parallele: FatiSfhpwan- *be- 
wohner von '^Paii^(h)Hvar\^) Werden wir nun nicht auch 
den muth finden, flU^ das Ältgerinanische, wieder nach alt- 
arischer analogie, das wortpaar .s^tvf^hnras 'Schwiegervater'; 
megiiniz ^zum Schwiegervater gehörig, söhn des schwieger- 
Taterg' zu fordern, um das für die geschichtliche zeit bezeugte 
nebeneinander von sw^er: swager vei-ständlich zu machen?*) 
Jönge hat für stväger eine grundfonn *m^kr6s erschlossen; 
sie ist morphologisch ganz im verständlich und von den sprach- 
vergleichern deshalb mit recht abgelehnt worden.^) Der ansatz 
von *stypktir6s wird durch die belegten to lernen ebenfalls ge- 
stattet; er erklärt, soviel ich sehe, alles — und erklärt es 
ohne zwang, freilich unter der Voraussetzung, dass die keime 



*) In St^ing^s* Peräian-Engliflh Dictiotiftty 460 finde ich maarpüntf 
*a wifes brother\ wortlich *sohn des Bcbwiegerrat^^raV 

>) Cleaübj-Vigfüsifon 95 bv. dnlr. Die abkürznng' des enteti gliede« er* 
ttduint zb, aoch in Eeykjanes*. Reyknt'dnt/ar, Väpnafj^räi-: Vdpußrdhtgar, 
M^Mjordr: Eyfiräingar, Borgarfjgidri Bm'gfirdinijar^ Hjnritarholt: Hjarä- 
hylHngar usw. Dio erklünmg ist bei Xfn .lojl*?: jVfOiioJlfrjgf zu Ruchcu. 
Em Nordisehen isl man freÜi^^h radikaler verfahren und hat in der alileitung- 
tdcht blo^s casuHt^nffijCf , i^ondorn auch wortbiJdungiselemente nnterdrückt: 

*) Foy Z 37, 524 Hom 38, 290. 

*1 Delbrück aao. 161 [— 529] übergetzt das deateche üchirafffr, nnter der 
"v^iisassetjcuDg, dass es mit fn^furähn' Tcnrandt M, 'znm sthwäher gehArig^ 
CT weiÄiä die fonncn nicht zu i^ermitteln. 
^ Delbrücii an der eben genannten ittHe. 



L 



Wilhelm Sehulzi«, 




der indisch-iranischen Vrddhibildungea schon in geniSn-mST 
ganuaiiischer zeit gelegt wurden sind. Aber wer bat denn 
ein recht, diese varaussetznng a priori für unzulässig zu er- 
klären? Über ihre zulässigkeit entscheidet nicht unser vor 
gefasstes meinen^), sondern einfacli das Torhandeui^ein od^r 
fehlen etymologischer gleichungen, die sie nötig machen.*) 

Ich habe, um die frage zu erledigen, nui' noch zu be- 
weisen, dasa die form *m?^kvr6fi von der Überlieferung nicfit 
bloss erlaubt, sondern gefordert wird. In der vorrede m 
Th. Mommsens ausgäbe des lordanes f Auct ant. VI] p. XL VII 
§teht folgendes zu lesen: Ueidelbergensis 921 (nobis H) scriptos 
saec, VIII potius quam IX in Germauia (nam ad cognaium 
p. 43 j 22 adsctipta est glossa Theoüscii sn^igar)^ fortasse 
Fuldae unde plures Codices similis scripturae veueruut in 
nioiiasterium S, Martini Mogoutiaci a, 1037 conditnin. In 
Fulda ist auch die Tatianübersetznng entstanden, in den 
30er jähren des 9. Jahrhunderts, sodass wir jetzt für diese 
zeit und diesen ort die vollständige reihe mehttr: mügar: 
magar bei einander haben. Die glosse ist also sicher all 
genüge um den scblnss zu gestatten, dass mu^ir nach der 
ursprünglichen vokalisation seiner endsilbe utimittelbar zu 
Hiiehitr ^sweJniTaz] gehört, von i>nif/ar [^'sfvigrta] aber weiter 
abzurücken ist. Und erst recht wird klar^ dass der zusammen- 
klang von mvayer mit hrimder f'ater muoter dohler, wie es im 
Tatian natürlich immer heisst, erst das ergebnis einer jüngeren _ 
entwicklung ist. Angesichts dieses neuen Zeugnisses, das die 
Germanisten au einem von ihnen vielbetretenen wege un- 
beachtet haben liegen lassen^), darf niemand mehr täugnen 

1) vBrftdke ZDMG 40, 362. Heute wir*! mm im princip AllgenieL 
geneigter &om* der indiach'iratiiaebe« Vrddld ein hohes aller zmaj^estebea 
MeiBet Ijitroduet. 227 Brogmann Kun^e Tgl. tir. 337. 

3) An. ki^ääa fNoreen Äbrisg d. ur^emi. Lautlehre 74 Aachwed. Gr. 
§ 65. 7] verhält stell za agi&. cwidu i^ioiiu, ahd. quitl {Kluge Festg:n]!£9 
Bähtlingk 60] unj^eMir wie das ai. adjectivurn jätuf^a- %\i jatti- 'lack^ od ^^er 
genauer za einer terBchoUenen nebenform Jö^k?-; vgl. mdnH'\ «winitf-: nt4ntqiL ■ ^ 
Urgenii. *^rdj6trf>a- abgeleitet aus *Mc(mJ4-? 0er vorluat dos w wie in v ^•^ 
tfata [got gahvi^ lett.. f^atwa lit, gäbet] tjata [tinn. ta^va] simhi [läpp, ifpti^^^^ 
^vulfOf YTheiBäen Den ^otiske sprogUasseB indHydelse p& deti fiusVe 1^. 1&^^^/ 
Die bildttng von kvääa hi, abgeieh^n von der Vrddhi, dieselbe wie die i*"^ ^^ 
tjara. Beeser noch stimmt au üir das Verhältnis von al pävm- und pärir^'^^' 

^} Am rande verzeichne ich noch eme versteckte ahd. glosge, die freiLf ^^ 




AM. mttgttn 



40T 



das8 mhd* smiger eio altes wort ist iiiid laut für laut mit 
ai. §va^tra~ ^ziiin schwäher gehörig* (ibereinstiniTiit, während 
es Beine bedeutung ebeiiHo voUkomraeü mit ai. ^m.^nrt/a}i 
'brader des m^uiiiew oder df*r frau' theilt*) Der cogimiuM des 
kaisers Leo, von dem an dei* angeführten lordanesstelle 
berichtet wird, ist Basiliscus, ein bruder der kaiseriiL also 
in der that sein ftthimfff^' gaiiü in dem nns geläufigen sinne. 
Äucli sonst kommt cognafn.^- in dieser specielten bedeutung vor, 
wie Delbrück aao, 149 f= 527] nachweist«) Schon im Alt- 
deutschen hat .mratjer also im wesentlichen dieselben funktianen 
erfüllt wie heute, indem es den brnder der frau [f'ofjnatttf^] 
oder des mannes [kvlr]^), aber auch — mit einer leicht- 
begreiflichen ansdehnuiig des ursprünglich gewiss enger uin- 
gi-enzten schwaRerschaftsverhältnisses — den mann der Schwester 
[aororiie.^] bezeichnete. Da straffer von haus aus adjektivisch 
war und eigentlich alles, was irgend zum .^wehef^ gehörte oder 
zu ihm iü beziehnug stand, in seine bedeutungssphäre hinein- 
ziehen konnte, begieilTt es sich leicht, dass das wort gelegent- 
lich im Mittelniederdeutschen auch vom neflen der irau ge- 
brancbt wird und überhaupt, wie die Wörterbücher ausweisen, 
lue neigutig zu einer umfassenderen, nicht auf die nächsten 
grade eingeschränkten Verwendung an den tag legt. Immerhin 
merkwürdig bleibt es, das« vereinzelt selbst der Schwiegersohn 



iiji^htii neiOK lehrt, ZwiRchen (a]!. M aiid 55 *h& 2. buchte« der tsögenanntßn 
FVedegBT^chen chrcmik ächieb«n mohroi^ handlich ritten die worte täljfua' «cretio 
«Iq. Krii&ch MG Ecripl Morov, 2, 10 »v. 76 an. Das wort iit attch sonst 
<^fit b«2eiigt und noeh liouto im Ober^leuti^heii nicht aasgestorbeD. Dpt» 
nu^acülinii^^bc tfjjpm lUraff 6, fiM] ist fiir tlas KomanLsehe nicht (fan^ ohn* 

t) Deecke Die ikMit^^chen Vcrwandtficbafisnämcn 220 (das von ihm ml* 
^^t^hjtt umgclatitetü ^Uf'i/cr. da^ er mit ivtt^ut^tfai} in Zusammenhang brin^ 
ia^ m viel ich sehen kann, unbe^eu^ v^l. AhtL GL S, ä64 n. 3). — Das 
"^^tliAltnii der formen ir finita* und Ai^ü&nrtfa- if^ ganz wie bei mänu^a- und 
^*4jriii||/fr' 'nieiiHcb* eig, *tnent^€hensohn\ 

^ co^jKihut 'scbwa^or' ht auch in^^ UomaiiiiEche Qbergeganj^en, und von 
^Ä mni tbeil weiter im Sluvii^rhe. Pu scann Etjmol. Wörterbach der rumin. 
Sprache 1 , 38 BV. ntmtmt, Nenianjt^ Cakavifich-kroatiiche Studien 1 [Sitmngs- 
^*^r, der Wien. Akad. philos-lÜHtor. CK 104. bd. 188St 397 kotijädo 'mmü 
*•>! moiis frater, aorons man tu»'. 

*) unter TerdräAgnn^ de» uralten ze^ihhur zciehm* [a^. M^^üt], da» nur 
■*<idi durch ahd. flössen beaeng;! ist. also friili dnrch mcn^er enet^i zu »ein 



408 



Wilhelm Schuhe^ 



[gene7\ sonst eidtim] zum mvager wird; m ist das vielleicht 
der stärkste ausdmck iür die aUgemeitie antwickelungstendenz, 
die die vetschwäi/mien familieti immer näher aueinauder rtiekt 
und immer festere beziehungen zwischen ihnen achaHt: indem 
die Schwiegereltern ihrem Schwiegersöhne denselben namen 
geben, mit dem ihre tochter den bruder des mannes anzureden 
gewöhnt iät^ stellen sie für das gefühl des verwandtschaft- 
lichen ssusanimenhangs beide auf die gleiche stufe. ^) 

Ich kenne die entscheidende glosse der lordaneshandschrift 
schon seit jähren und habe die naheliegenden oder^ wie mir 
scheinen will, selbstverständlichen konsequenzen tiir grammatik 
und Sprachgeschichte sofort gezogen. Sie heute voi^zutragen 
veranlasst mich der kürzlich in den Indogenuanischen For- 
schungen 17, 11 SS. erschienene aufsatz OSchraiters 'über 
bezeichnungen der heiiats verwand tschaft\ in dem der versuch 
gemacht wird, zwei deutsche verwandti^chaftsworte, ^chumgej^ 
und mJcelf durch die annähme einer entlehn ung aas dem 
Slavischen zu erklären* Unter den argumenten tigunrt auch 
die augeblich späte besseugung des wertes i^^wager. Das fallt 
jetzt natürlich fort*) Aber auch abgesehen davou muss, 
glaub ich, jeder, der sich für den bestand des altgernianischen 
Wortschatzes einmal im zusammenhange das Verhältnis des 
debet und credit klar gemacht hat, eine anschauuug tUr un- 
zulässig erklären» die in Wörtern von gut deutschem klänge 
wie i^waffer und mindnli entlehnungen aus den auch lautlich 
weitgenug abstehenden slavischen formen s-vojaks und vöntiks 
erblickt. Um auch nur die lautgestalt des deutschen emnrkilt 
eninkel ssu rechtfertigen, sieht sich Schrader genötliigt, das 
lit. anükas, das ans einer russischen dialektform tiiit o [vgl 
klr. onüh] entlehnt ist. und das poln. lümJc zu gleicher zeit 
zu bemühen, das erste, um das erforderliche aulauts-^i zu ge* 



1) Die bezekhnüiij^eti des *&chwieg©rsohn«\ die freüich von 
meiet einen all gemeineren ^üin haben ('verwandter', ^helrat^vetn-andtor'), 
nehmen gern auch die bedeutuiig *^cliwa|^r* (^maun der sclmeater") in iich 
auf, Delbrück aae. 155 L^ äS^J] *So anch lett. fitüU und iran, znmütm*- 
[nach Hom Gnindri8& der iran, Philologie 1, 2, 17J, 

') Der zufalle der die j^an» isoliert auftretende glosse de« Heidelber^nsL^ 
geschaffen «nd ei halten hat* rückt mit einem schlage daa wort um mehrere 
Jahrhunderte hinauf. Nur ku oft vergeasen wir, dasä gröiie strecken aUer 
Qberliefening Ton solchen KuMlif^keiteu geradezu beherrscht dnd, and Ter> 
wechseln das alter der bezeugmig mit dem alter dcg worteä^ 



I 
I 




Abd. mtüffur. 



409 



winnen, das im SlaviscbeD selbst nicht aufzutreiben ist^ das 
ssweite, um deu nasal der zweiten ailbe zu erklären, der 
wieder im Litauischen fehlt. enitichiU ist in Wahrheit ein von 
den etymologen auch nie verkanntes deniinutiv des grossvater- 
namens ano. Dass uns menschen von heute diese bezeicbuung 
des enkels fremdartig anmutet, ist noch lange kein grund, sie 
:ils unverständlich zu diskreditiren. Bei den Indogermanen 
(und nicht blos bei ihnen) empfängt der söhn unendlich oft den 
namen grade des grossvaters*); griechische väter nennen den 
männlichen nachkommen gar nicht selten läytlnar^og^) (in 
ionischer abkiirzung ^ArTtnäg)^); bei den Germanen beisst der 
enkel der ^kleine grossvater': ist es nicht mit häuden zu greifen, 
dass ältester indogermanischer denkweise der enkel als ^ersat^' 
CdwtintiTgoQ)*) oder *abbild' (eniiichül) des alt und stampi 
gewordenen oder schon vorher gestorbenen grossvaters er- 



*) Dbhs die sitbe, den sobn statt nach dein gross vatc*r direkt nach dem 
Yiler zn benennen, «in Griechenland erst allmählich bnden gewinnt* wird, 
wie ich glaube, einmal die Statistik lehion. [Vgl. Wattke Deutscher Volks- 
aber^laube M97 : kinder soU(^n nicht auf den namea der noch lebenden 
eitern getauft werden. Wellhauscn GGÄ 1895. 95G ] 

*) Da die eltem den namen geben, ist Trtxrt^o In Vfrii.7«r(jo^ gewiss 
von ihrem $tandpimk^ aus, nicht von dem des kinde^ geseben. Selhet- 
vei^tändlich ist auch i^vjinn/fno^ möglich und kommt wirklich vor t^i^i- 
yirtis i4tfMlytiMfQ^ aind synonyma von *^ii'ji/fftt{>o^. 

') *Ai'rt,iä^ -i>4'**^*fii Dittenberger Sylloge» 11 m (Halikamass, Ausgang 
de» 5. Jahrb., Fick-Beebtel 20. 62). Zur bUdung vergleiche CIL X! 3480 
M. Senboiii Xkomne §. Trehiciwi Bn^ticelianus f. H M. Farraciiis Nico- 
mttk^ iftpfoH) in 1719 IMm-oH l>ioca(^ni CUix [di, UQy4i Jtoyi'i^ou]; mit 
noch stärkerer körzung, wie sie in dem namen des '/ajfJLr?^ *,i<i}eltj7TtMoit 
KCurtius Z. Ge&ch. u- Topogr. Kleinasiens (Ahh. Berl. Akad. 1872], 63 
(I^lck-Bechtel 30), lia%läg Uaxlänu^$fi>g BCH 2, 184 oder ancb des i4*jtiufh 
M^ffjtitJuj(>oy BCH 12, 257, Jtoi^vatU^ .ftoft'aoJüiriötr Michel Ö56 B IBt 
^l/{)«f Wt*«xif^tfoi' Bev. arch. 1875 (voL 29), 307 m ta^e tritt, CU. IX 6100 
Antttii AiitipfjtH Tyrii f («daiu Buecheler lih* M. 36, 338, der an den Philo- 
sophen Antipatros von Tyros erinnert]. Der name '-/^rf/i^ipos: war offenbar 
anch bei den Semiten beliebt [s. die aninerkung ^. 410 ']: bekamst aind 
noch Antipatros von Sidon, der epignimmatikor , und der gleichnamige 
vater dei künigs HerüJe&. in dessen famitie die identitÄt von \4v^(nuifiQ^ 
und \4%*it iüs unmittelbar deutlich wird [Z 33. 221 anm., Wilcken bei 
Paulj-Wisßowa L 25091. — T>io herkömmliche accentuation ^lytinif*; hat 
ucbwerlicb aoBteichende gewAhr. jBechtel 8a. 5727 schreibt ".ittutti^^ 

*) 'Xinder zeugen heilst ersate t^chaflen ttLr die gestorbenen', deshalb 
höft es im jenüeita, wo der tod seine herrschuft verloren, naturgemäss auf. 
Lc 20, ä6 mit Wellhausens note. 




4tO 



WlUiebn ScMze, 



scheiat, dessen nameo fortssufillireü er auserseiien wird?') 
iSentimal darf inaii das natürlieh nicht nelimen: uni männer 
und vieli, aSvUm^i putrliunji virävanta^i gomantmft ray'tm^ bittet 
der noch streitbare Inder des vedisehen Zeitalters seine g^ötter: 
er mochte wohl giund z« dem wünsche haben, dass den 
abgang an wehihaften luRnnern, den alter nnd tod vernrKachen, 
ein reichlicher ersatz durch männliche geburteij deckte.^) Das> 
diese YOrstellung des ersatzes sieb speciell an das verbältnii; 
von grossvater und enkel heftete, liegt in der natur der 
dinge.^) Ob auch elemente des seelenglaubens und des ahnen- 
kaltes mithineinspielen und dieser TorstelUmg eine besondere 



*) Der Phoonikier *Atfjtiimi}ü^ ^^ii^q^^ioluv aus Äakalon ist in Ath(*n 
gfestorbeii und bpstattet; auf aaincm gmbmal ist neben dem grietrluächcn 
auch der einheimische iiainp erhalten, r*iriffl2n^ 72 O©- ^^''* ß^ 
ÄhdoBtarti [so nach CIS I 1, 15 = CIA II 28;i6 — EHoffmann Sylloft 
epigr. gr. nr, 108]. Hebr. QQ hei^t 'n»Eiie\ ascb 'nachrahm, ftodetiken'; dl* ■ 
Orientalisten müssen entstchoiden , ob die hier voÜKOgene gleich&etxung' tle? 
damit identischen pensoncnnämt'nE^ und def« ^f^cbischen ^A>'tiit€tjno^ nicht 
über beide giieder der g-leichnng Ucbt zu verbreiten geeignet ist [freilirb 
auch, ob die lesujig Euverläasig Ist, Ath. Mtth. 13, 311]. 'Er^atx^ als nuEtr 
NOldeke Beiträge xnr iemit. Sprach Wissenschaft 98. 100. ■ 

') Nachkommenschaft und viehbesitz, pa&ti und prajd, R-ehörra iuch in * 
der fol^zeit immer eng zu^^ammen; aber je länger je mehr wird man dalci 
ausschJiesölich au die hedcutung gcda<!bt haben, die das vom söhne zu toH- 
ziehende manenopfer fär die iieelc des heimgegan^enen Taters und ihn» 
grabeBmhe nach indischem glanben besass. VgL Seh rader Reallex. 438. 
der mir indes dies motiv etwas zn einseitig betont zn haben scheint. Ad« 
dem Worte patra^ hat die etymologisierende spekuktion der Inder sehom 
frübEoitig die wnrze) trä *retten' heransgehilrt [Qu. ep. 527 ; Brhadätaajikar 
npan. 1, 5, 17; Dahhnann Das Mahäbbärata 73. 75. 139]. 

3) Erst dnrch die gehurt eines enkels scbeint das, ich möchte ftagm. 
persdnhche fortleben des individunms gesichert [Roh de Psjebe 491 "j. Eäth^a- 
npan. 1^ 2S (alle glÜcksgOt^r j^nsammeufaseend) 

äatäyu^a^ jmtrapaidrän t^iß^v^ 
bahün pn^n limtDdmistyam (liväBf 
in DoosBens Übersetzung [Seebad g Upanisbads 270] 

^Währ hundertjährige kindor dir und enkeL 
Viel horden^ elefanten, gold und rosse/ 
\gl KV 10, 85, 42. EHoffiuann Sylloge epigr. gr. 105. 

rijQtttaM/ ftyixsov ntti^fftg itai^i^it^ ini^üüWttv 

Ofid fast. 2, 428 

iam äo^er optatmit nomen habebit ari. 




Ahd« suagur. 



411 



tkrbe oder inteniäität geliehen habend, kann ich nicht fest- 
stellen. *) 

Noch ein drittes altgermanisches verwandtsehaftawort bat 
man der entlehnimg aus dem Slavischen verdächtigen wolleo, 
got. nijjrjitf^ d&8 man mit sl* n&tij iS^hfi^twg zu identificiren 



*} Ich haito es indes fUr iiiit^Heh, hier ein paar ^üon nu^^^uschmben, ad» 
dem alten teKtamentö und den reden des iBaioa. Sie mögen ^^i^'h gegenseitig 
erilutem. Buth 4, 10; xtd fi 'Pqlu^ t<5*^ Mittttßljtv jt^y yv^aUa M&tilutv 

ix jm^ dätlff^y atfroC x^i (x j^g tfvl^^ laav t^ifröv [TgL Nam 27, 4, lum 

aosdruck aach Mtth 22, M fti^nfSTt^ßH a/t^Qfßu ifp «{Jtlqm atJtov mit 
WeUhaQsenä note: tiyaaiijaat. (a^pH) <*>'ö"« (onj) und rfi^ffiFrjJijßi nni^fA^ 
(^t) ^hid gleichbedeutend], Isiiios 2, 36: xnt tym ufy 6 .jotyr^e- ixtiydv 

*'vßQ^ 4 ttixQ^ at^toC ytyrjjtKif xai tilivjiOKytn i&ttiptt tt^tm^ 4xtiyöv tt 
xtü fitrtvjnv, Xfü ini^q^tt xttl^y ini^*^XHf xm la fVnire jffti lulXi* jnrViit 

^>*' fo ^üiaioy TO 7!«(;jiltiif^^»' itt*r^T 7ti2tfikfTO , jdfttttiCttytft iF fii/rOK 
f^JinfcTr; jrrfi n^t'tJ^'i^fot^ ^-fei'Jlf ifff ^itr/raif^Ofri. Im gleichnamigen eniel lebt 
eiwm vom großsvater fort, die Tolle verniehtimg der existenz wird erat duitsli 
die vemiebtang' nach des namens besiegelt {vgl. die daüinstio memoriiie FmXj 
4% 2059). Dem alten testamente sind die formein ^^tiXiiijutt tu Qy^ßiu f^Jrou^» 
liiolfitat fo ova^tr aihov geläufig. 1 Sam 24, 22 *ßi *'ti' ^uöo6y fiQt 4v 
AvoiM OTi oi'x i^tiAfä-fttvtSttg^ io tut iq tut fiov d.iiatit uou xtti o^x tiqtti'tii^ 
irt &routi fiQv 4x roti ofjrob» fot^ nm^tos ^ov (dif^e formelhafte rerbindmig 
ven (f;tfQur( und ^^of^tc mit dem begriffe der TemichtuDg ist» wenn mich 
medne erinnenmg nicht täuscht, im Semitischen auch anderwfirts ^«'elaufig) 
Der name ist viel mehr als ein blosBCä reichen der Persönlichkeit oder de« 
dingeii. In *naroen' und *ge&talten\ nämäni nnd rüpn%n^ ent&ltct nach der 
Ui>amsadlehre sich die weit fBrhiidäraTiyaka-upan. 1, 4. 7 — Denik^en JJ94]'; 
die erlöBung vernichtet beides. Mun4aka-upan. ä, 2, 8 -^ Deosj^en 558: 
ytUhä fiodyn^ »yartiiamünu^ mmitdre 'starbt gacchtinH nämarüp^ vihdfja 
taihä mdvannamampädtnmuktal^ parotparam purft^amupaiti divifam. 
'Wie ströme rinnen und im ocean, aufgehend name mid gestalte verschwinden. 
So geht, erl&et von name und geetalt, der weise ein zum göttlich hiiehnten gei^/ 
Far alle formen primitiven denken:^ wird der sa^ geltung haben, den kfirzUch 
WeUhausen dem verse Mtth 5, 9 beiKeschrieben hat: 'Der name deckt aiel 
mit dem wesen nnd int die o0enbarung des wesens.^ ÄDieterich Mitbrma- 
ütnrgie 110 »&. I7S. In dieser an^schauuni^ Ue^en auch die wurzeln mUer 
«1^mologifl«hcn ^^eculation. 

=) [Dies war geschrieben, ehe mir Dteterichs freondschaft die onter- 
äuchungen über 'mutter erde* im sonderabdmck aus dem Archiv för Keligians* 
Wissenschaft Vlll zugi&bgiicb machte (jetzt separat unter dem titel 'Mutter 



412 



WUbelm Schtdi«, 



seit langem gewöhnt ist. Da netij sicher zu ahd, nevo mß 
gehört, muBs es ein p verloren haben. So gesetzlich dieser 
konsonantenverlust im Slavischen ist, ebeuso unerhört erscheint 
er Tom Standpunkte der germanischen lautgesehichte ausJ) 
Deshalb erklärt neuerdings Much das gotische mpjb *var- 
wandtet^ ohne alles zögern für ein lehnwort.^) AVer genauer 
zusieht, fühlt bald heraus, dass hinter dieser anlBteUung sich 
eine recht sonderbare zumuthung an unseren glauben Ter- 
birgt Die Germanen mtissten ein slavisclies wort von ganz 
specieller bedeutung, dessen serbische fortsetzung netßk 
noch heute den 'schwestersohn' bezeicimet, entlehnt haben, 
um daraus ein ganz allgemeines wort fltr den begriff der 
Verwandtschaft zn machen. Denn es kann nicht nachdiilcklich 
genug betont werden, dasa nipjis im Germanischen nichts 
anderes bedeutet als 'verwandter' schlechthin, ohne jedes 
ansatz zu einer specialisiriing des verwandtschattsgradeSt wie 
sie tur Hf^^o und netij charakteristisch ist* Im gebrauche des 
Wortes ist nichts, was die ableitung grade vom stamme nepüt- 
auch nur begünstigte, geschweige denn forderte, Got. nifgi» 
ist fsvyy^r^g^ t^^jo fjvyyevigy t;anipjö$ avyyfvtt^, ähnlich steht 
es im Altnordischen, und im Altenglischen gar hat sich dßr 
bedeutungsumfang des Wortes nippas so erweitert, dass am 
ende nichts übrig geblieben ist als der ganz allgemeine sinn 
*mÄuner' oder 'menschen'* 

ni-pjis ist nach form und bedeutung das gegenstiick ztt 
frama-ßeis'^): es bezeichnet eigentlich alles, was innerhalb 
des haus-, Sippen-, Stammesverbandes steht. Man kann tu 



< 



©rde' 1905, 25. 34). Wor den dort entwickelten Gedankengängen g-efojgt ist 
und, riar-h Dietcrichö aiiwoiBünp. auch die ^uFamnicnsU^IJungen Jirer^eks in 
den Mittb. d. Srihles, Ges. f. Volkskunde 1, 30 ^9. beherzig, wird nicht 
zweifeln, dasB die im texte vorgetragene erklärunff in der tba»t bWiq ntio- 
nflliftiB<:b ist und nicht anf den urgrund der aitte hinabreicht Der nrsprfiiig- 
lichRten anffafisnng ist jcdenfaUa die gleichnamigkeit von entel wnd 
vater eine gewähr realen fürtieben^ j^ewcfaen.] 

H Job. Schmidt wollte den konäonanteDverln^t ^v^^^^U ans den hh-\ 
herleiten^ m, nätihluiah. Neutra 11 anm. Mir scheint das wenig probalw^L 

K) Deutsche Stammesknndo^ [Rummlung GöHoben] 37, wo zugleich. eb*n* 
falk ohne 2n reichen Jeu grund, el. svekrfj m:ehr^ als germanische lehnwert« 
beae lehnet werden. Üben s. 400 anm. 5. (Dagegen Jlllte ich, trotK Meilkt. 
d. iy<XHCr för entlehnt, üo got wio das lit. pvkm) 

•-) l^elegt sind nur framapjana früinapjai framapjaim frttmitpj&nf 
frattwpjm. 



J 



AM. iuagur. 



413 



einer art von gleichung vereinigeii nifißs: irmakundai Mtth 
10» 25. 35 [im ariginal mxtanot] - framapeis: ags» feorctmd, 
G-if feöTcund mon odde fremde hutan wege gemid tvudn tfonge 
[Ihne 20, Gesetze d. Angelsachsen ed. LiebermanE 98]. Wer 
bei der übersetÄung vou got. airpa* guma- himina' ufarhimina- 
itiHrt- qinaknnds den etymologischeD bedeutungswerth des zweiten 
gliedes urgirt^ fälscht die wahre meinang des Ulfilas und seiner 
Zeitgenossen. In der that ist -kimds fast ganz schon s^nr 
geltung einer suffixsilbe lierabgesunken, wie fast durchweg im 
Angelsächsischen und auch im as- godkundJ) Aus Alfreds 
Übersetzung der Cnra pastoralis ed* Sweet genügt es ein paar 
stellen auszuschreiben wie 130^ t>. 8 worldcunde domas ~ da 
eordleean ding 136, Is* eordUcam dingnm - worldfMndra dinga. 
Den gegensatz nipjis innakunds: framalmiB feorcimd kann man 
ohne Schwierigkeit in altindische woite und Verhältnisse über- 
tragen, wenn man den im Petersburger Wörterbuch l^ 373 
aus der Väjasaneyi-Samhitä 5, 23 citirten satz mit seiner 
gegenüberstellung von amätyah \amä ^daheim' ^zu hause*]: 
ni^ty^h [mh 'hinaus^] vergleicht, amä-tgcü^ bedeutet den ^haus- 
genossen, angehörigen', ni^-tyafy den ^auswärtigen, fremden'. 
Auch als beiwort des 'besitzes', vedah, kommt am&iya- in 
adjectivischer function vor, sh no vedo amätyam agni raksaiu 
viivdtal^ utäsm&n patv äi\hasGd,i RV 7, 15 » 3.') Wer zur 



t) JGiiiDin DG % 554 Kluge Stamrobildon^lehre« § 241. In godakvmdsr 
tdytrij^ Trf 19, 12 hört man freilich d^ 'geboren* noch deutlich heraus. — 
Fiu dem aa, tpäkund entsprechendes adjektivTim hat auch im Althochdeutschen 
nicht gefehlt« aber da zei^ es zwei bemerkensirerthe eigenthümlichkeiten^ 
Dem t TOD kihmt natura Ähd. GL 1, IIB, 26 [ai. jäti-] $teht hier meist d 
(aoe fh) gegenüber fGraff4, 419]* und in der Benedictinerregel c. 20 [Hattcmer 
J, 71] liest man dcf' cotchnndiun msü (— divinae gratiae). Wenn diese spur 
«inei -ja-stammes f erlässlich ifit, scheint es mir natürlich, dass beide ah- 
weicbnngen des Althochdeutschen von dem aa, ags. got. tT|>us mit einander 
in Zusammenhang stehen- -hindft- {kikant) verhält öicb zu -kunPja- genau, 
wie aa. aiä (got idtk it. aldi-) tn got, alßxMj aber aüch wie ai. Jätä- gr. 
-yvqr<ig lu jäUju- yf^at&f. Der nominativ kok^itid (~- difinut) Morb/Hjmn 
6, 6t 4 [Sievere 3G] mässte eine kontaminationsbildnng lein. VgL cammanchuttt 
cAi*«i (^ masculum U 2, 23) Ahd. Gl. h 733, 26. 

*) Ich sehe keinen rechten grund, vtih and amdtyam zu trennen und 
das iwelte wort mit 'hausgenoasenschaft' tu überaeitten. Vielmehr scheint mT, 
diS8 bei streng zweigliedriger auffagsung deü gebet« die gegen uber^telloAg 
des besitxea {vedo amätyam) und der menschen (mmän) wirksamer heraus- 
i kommt 




414 



gleichen sippe nabhH^ gehört, ist adnftbhiJ^i, wer ausserhalb su^liu 
vielmehr tikty^üs^ lü, Vd^\ ii. Synocyiu voö nkttja- Ul rimi^a- 
't'remd\ G, 75, 19, 8, 1, 13; mät mkhyhd äratjtim nAhhim (mi 
*von der eigenen freundsrhatt gehe ich za fremder sippe* 
10> 124, 2, Der gegeiisatz zw ärane *m der fremde' ist wieder 
amä: sä tto amä so ärane tu pühi \{\ l»3, 16.') Jetzt könuen 
wir auch ai* m-tya-^ über dessen analyse das gleichbedetiteode 
«e-jft- entscheidet'), in seine geschichtlichen und grammatischeii 
ziisamnienhäuge Jnueinstelleji. Im gebrauche berührt m »icli 
gelegentlich mit amMtja- and sein gegensatsE ist ebenfalk 
äm^-: mlimn vi% miyam rarmtaranum ^^ U^^ >fiW4 ^fftiS 
mk^mä äih^dthm tat 5^ H5, 7 aramm wi nityam 3, 53, 24 
[Geldner Ved. 8tud. 2, 160] par'mdijam hy nranasyu rekm 
nityamfa raynh pdiayah m/ünm 7, 4, 7 (vgl. 4, 41, 10), mt^a9^ 
räytHt ist das seitenstück zu vedo mnätyam^ luid drafia^/« 
rekiialt ki)nute man sich wohl auch durch m^tymya rekmU 
vertreten denken. Mit anderen Worten; ni in miya- muss etws 
das gleiche wie amt) und das gegen theil von uflt bedeatei^E::^^ 
und in der that verhält es sich zum gr, ^vt (ai, twi in iftiiJbrr^i.^^ 
formal genau wie ai. pidhanam zu ijti&rf^a.^) Wie im Lateiniache-^a 



>) Es koEimt auch amä — draui^ rar» 6^ 2i, 10 [Mgh d«zu m4 tm däm 
mü vdna äjahürthn}} 7, l, 19 *ün hause — im waldo']. Das ^iibstantif arw^ffcmtH 
bedeatet 'wdr], wildnis, odeV Wenn man bedenkt, daas den ulfilatÜJf^L» «u 
verbindani^en min au^junn jftftp Mc 1, 35 [ft^ tQtjfKtp^ t^no»^] ana tu^jct »m 

ntadim 45 {tn^ ^\njfioti rri.ioj^') im Französischen (htut *m lUu marle^ (Uvm 
ffc* li^ttj^ ecartrii entspricht» wird man vurmuthen dürfen, dass genn. mi'f»Jtt- 
211 der bekannton praoposition au |lst. anfiro nnfugio] gehört und urspr&Jiir- 
lieh ^abgelegen' bedGutet43 aupt^ui ist su^ dv^n formen auPjtjmma ttnpjfim 
aupjtinii aupjtftf» and ahd. ödi erachloBBen ; die altnordiäche nebcufono ffti^ 
dei^kt flieh mit ^r: ttvtd*;, über dcsaen bcdeutun»f ich iju. ep. ^50' ^ 
«procheo habe (v^L noch Woigel Diasert. Vindobon. ä, 119 Kaelk^r lMi*t 
Sind. 3, 2TS). I^as aufik von auptiit stimmt in form ond funkt^on genau «i 
ai. 4ya- Whitney § 1245; veig-leiche ih. ujMttyaM 'am ftissos eines berp» 
gelegenei land'. Zugeburige femimna liegen in "AuTftüün 'AfiK^am [-i 
/nicaa uiifiii0(i [vgl. tu. djtiit^a'-] t^vttati [ai. mnuhfa-\ vor Z 29* ^ 
B«rl. Fhüol. Wochenschrift 1800, 1506. Da^u kommen die adverbia aoöoo^" 
d/flaoio *rac'j f;m. Vgl BeK^etibe^rger BB 27. 159: Xur Gesch. lat, Eir"* 
namen 541*. Andtirs Brngniajin IF 17^ 3öl , deaseii deatimg von *tto^^" 
uifttffoa als 'nach-einlieger* ich koinon glauben entgegejuub ringen vtmuir 
LaL tn-fi«M» etwa *abweicbung\ t^ikftauL 

*) Ai. tijiatyak —• gf* tiuoy^fo^. dak»im^ll<*h " ^(rlAfjfi?iÄt;di {t^- 
die TOn Piscbel Vcd. Stud. 2» 78 angaführt^^n bti>Ueü)* 

*) i-Vi za *V [ai. nntdr finttdm ^ A'*#fioi^l wie rf;tt-^f** stu got. «t^*" 



-^ 



Kirnffur. 



M( 



und Griecbiscbeii die adjectiva domestiem mw$iffg, haben sieb 
aaefa iin Sanskrit die synonymen aUffa- nija- zu der bedt^ututig 
von muts tthog sv(i'^) entwickelt, und wie in proprms tmt mch 
zu dieser bedeutiiug die Vorstellung des *dttU(^mden\ *b6* 
»t4ndigen' üiüzugefunden ^) : denn im wesen des eig^ntbumH 
Uegt eSj als zeitlicb unbegrenzt gedacht zu werden,^) In 
dieser bedeutung verwendet der Pgveda das wort nUt/a- gern 
von den «ich immer wiederholenden leistnngen des Opfers, 
auch von Agni, dem iipronvaii (/fhäjmtih *dein hausvater, der 
nie sein haus verlässt' [8, 60, lt*J^"*) Sonst wird eö im l^igveda 



^t*ff za^ieoL Am. ii^o [li. par^d-]. Auch ni*nM-H [lat, atdus h*!. nfni] ht 
vieUekht ebar der ort det eiDsitzenfl ab des niedertüitzeins [vj^l, dixa 
wk. ni w:, utjhhu-]. Katflrllch trenne irh am- fyt tti iv d [Ebel Z 5^ IH5 
U\l Schmidt 26, 23 a. 27, mi WScholze 29, 264 Mihlow AEO 79] ton 
dem gewöhnlichen ai. n%^ dae in abd. nidar usw. steckt [Wackemagei Ai Gr. 
2. I, 73J. 

*) fiÜyc tah' tfi'firditeafff *rc ^iw^ KV t, 2^ IL 
^ Terensi And na 959 [mit Donata and Hpengek mmerlcon^j 
e^ deomm vitam eapropter sempitenuei «aM arfoitror 
qtiod %oJaptateB eomm propme snnt 
Paaii Kock Eh. >(. 43. S4, Flantus Most, 224 «. \iAem^Ufiiu.m — proprium). 
— Btte«* heier earm. epigr. 185« 2 

Tire in dies et horaa, oam proprinm evt nütil. 
DasQ UdMoa 6St 101 ed Man Hom m, 2, 2, 12Ö ü. («pitt. 2, 2, 168 m), 
mte bei Nonias 36211. [^7B Linda,). 

*) Ib etnar bekannteii thetfalJBfhen iiiachrift atm FhandJi» [OEolbittBii 
2, 4$ nr 65] hieist ea *4itvxat9' — ^g^***' nai^ui^fttw $*tu ,tdptu ^ff^tf&t'. 
Aadenrärtii m9ti ^im^^r hi*^ l^itlenhen^r Hjrlbfe' 425« 14 fSttrnt^ ifi 
.^mfqix^H 17St 11' 19 {out de« lteraiu}f«ben( aniD<»rkuiigJ. Xeuopfaoji jaAnior, 
S, % S nmqipu r« ii*< ;i|»<ia^V«imi. TäffituN ann, IJJ, 64 t^fm patrimm 
mimm earetiamt Yl^kä^M tteicbe kh mkh nifhu wtmi mir m\tk§ MUm 
ak ikiiisluiii nd hiitH i gwiig der etjnokfii tucluiMii. die kh n»ol£rJt 

fiM ^alm üIm hiini» IdittA'juanu «rjttt 
Tibdl £. 4. äi aefa «nittt. B«adMlir cum i^^ij^r t^« ;^ 

qwitM et ^ all «rl» «MÜgfl aua woto«. 
oft mgM M. pr^p(i^4mm *^m 4m M§40jtdfmfH «rüM't iM 

«f&iiitf««r«f MiiViiivitd jijimmm ii«i«f lüfiflwf 

VQfti' i^wiMi fWdb 9itt «rie kmiw^^itMi 
fai »1 

V^ 4» niMiii ia 4ae ittt alaW4# i(^«i^ |< W; 4 7, I, 3! 



rvi^r ^o^ 






416 



Wilbehn Schuhe, 



vom besitze des menschen und beRonders aueh von seiner 
Verwandtschaft gebraucht; es eracheiut als attribut neben 
rayilt 4» 41, 10, 7, 4, 7. 8, 56, 2; rekiMi 8, 4, 18; äh^ab 3, 
53, 24; vajt 5, 6, 1; veSah 5, 85, 7^); /ipilß 7, 88, 6; patih 
1, 71, 1; mnuh 1, 66, L 166, 2, 185, 2. 10, 39, 14; tokam 
^, 2, 11; tänayam 3, 15, 2. 7, 1, 21. Damit ist die brücke 
geschlagen, die gradeswegs zum gotischen mpjis ^verwandter* 
hinüberführt. Der etymologe darf es durch hmakund&- mmmni^*) 
oder auch durch inkHnjar ryvfiq>vkdtrjQ [1 Thess 2, 14] über- 
setzen. Schon vor mehr als zwanzig jähren hat Zimmer die 
Identität von ai. uitya- und got* nipjis festgestellt, freilich 
ohne sich über den ursprünglichen wortsinn zu äussern.*) 
(jrehör aber hat er meines Wissens bei niemandem gefunden. 
Mir scheint, dass schon die einfache gegenüberstellung der 
paare ai. nUi/a^: ut^ya- [von nili 'hinaus*], got. nipjis: fram^^ia 
[von fram *feni von — '] die saehe zu Zimmers gunsten ent- 
scheidet Über das suffix -ijo- habe ich in der anmerkung l 
zu s. 414 gesprochen.*) nitya- und uam [grundfonn ävrjm] 
zeigen dieselbe bildung; im wortkem verhalten sie sich zu 



») Geldner Ved. Stud. 3, iSö ^. 

*) Auf den ddphisichen freiloßsungsarkonden wedweln tVJoj'irij«' und 
Gix^yfvtjg lar bazeichnung des vema. Anders ist d^ kret fy^o&t^in ddla 
m beurtboilen^ das im recht von Gortyn 2» 11 cineti gegensatz zu ^ädtt^vauiret 
bildet unti deshalb wohl tue jongfräoliche ^ *iin E^chntze, in der zuröck* 
gezoponheit des hause?i gehaltene^ aklavin bezeicbneii muss. V-g-L schol 
Eurip, Alk. 989 hQ^Hi: t)^^ lOtV titft]ßovg axoiitivs l^yovtftt^ and besonder« 
Heeiod op. 519 

ovniit ?oyfi f^tfiit tioIv^Qv^qv \-i(f^odit ^^ . 
verm, die sich unmittelbar wie eine inte rpre tat ion der kretisdteit gesetie^;- 
BteUo lesen. Kret. ^V<fö*/(ftör iit wahrscheinlich aus ^yJüo^idto^ entstandon 
das fl[lr Epidauras bezeugt kt, Dittenberger Syllogc * 938, 19. 32 rtJydoo^lSifi 
'eiügeweide^ Eine karzerc form ttif6a3^i(t steht bei den LXX nnd in der 
ijiachrift BGH 22, 378 | Karlen). Zu gründe liegt wohl ein aas weitrerbratefeon, 
do<!h manchmal verkanntem dor. ^V'Jtif erweitertem adverbiaiu. Vgl. Hemd 
op. 523 fVtTo.** olxov 520 tfo^mt^ fyjttti&i (oder Svioa^i), 7Mm wecha«! d*T 
kürzeren und längeren ableitung 4itta^ttfttt Sophron fr. ÖO titi^ dui^ff^ftr 
Epicharxn 90 Kaibel tmy iiiiiO&imy nodmy Semon. ^B^. 

^) 2fDA 19, 449. 

*) Ob man ans got> fmmadd ein adjectirum fri^madeU ersehlies&fia darf, 
weiss ich nicht, Yieüeicht verhalt aieb frumaddn- zvl lAt primitme ilmlidi 
wie gr. yk^x^v- zu ylutcatt. 



I 
I 



I 




einander grade so wie ai. pt- und got, if- in i/iuma; das 
Griechische hat in ivi ini beidemal die volleren fonnen bewahrt. 

Die analyse und interpretation von ni-tya ni-ja, die ich 
hier versucht habe, scheint mir unmittelbar bestätigt zu werden 
durch ein av. Zeugnis, auf das ich erst nachträglich aufmerksam 
geworden bin, Baiiholomae Altiran, Wörterb. 1086; ni-s^nta- 
*ein(d. h im haus)geboren\ Dass dies kompositnm mit ai> 
mja zusammengeBtellt werden muss, hat Bartholomae schon 
IF Anz. 12, 27 konstatirt. 

Das soffix von mtya' ist in ähnlicher Verwendung auch 
im Litauischen nachweisbar* sw^czias [grundform '*'sive4ja-s] 
heisst *gast*, bezeichnete aber gewiss ursprünglich den *ti*emden\ 
wie die bedeutung des lett. stveschs^) und des lit. adjectivums 
BwStimds *fremd' lehrt*); es gehört wohl mit gr. iuag ßenag 
[*ff/f-xa^]*) zusammen.*) Die adjektive tvidutmis mrseutinis 
paskutlnis sind ans kürzeren formen erweitert, wie die Super- 
lative ividucsiänsias mrseucsiäunas p(zshtcziäitsias beweisen; 
dass formen mit einem c^-safflx za gründe liegen, lässt das 
paar dabarceu 'jetzt': dabartinis errathen.'*) Die erschlossenen 
widucsia- uirsmcsia' paskucma- sind aus den adverbien ividut 
wirszm paskut auf ähnliche art entstanden, wie i^ftidm^ 
(ä^^o^eo) aus aQ^oL^ Das suffiz -utinis hat im Litauischen 



*) Lctt me»chä /«»* — Ut swetim&j ihnije Act 7^ 6. 

*) i 9tKÖiü ^aielff j mcHmq kdek Jnezkieincz Svotb. dajnot^ 1042, 5 
{vgh 185, a. 379, 3. 420, 11 - 421» 2). VerhAlt aich mü^imis in miczim 
wi« got. midumü zu mi^jls^ 

a) Jöbaiinefl Schmidt Nentn älS. 

^) und weiter mit lat. §h in aolvo socors mif dm wie prGd-^ mne^ du 
wie 9ä. vina gebildet ist? Etwaigen zusammenhiLn^en mit dem refleiiTum 
weiter mchzugehen habe ich tioch keinen rechten muth. Die begrifie 'aeibst* 
und ^aUein' ^hüren nicht blat im Sl». [tam%\ nnd E>iimBch-Bretomacheii 
[ZeOK-Ebel 408, zh. bret pa i^do he-unan otc iyiyijü xata /xiyag Mc 4, 10 
mhan he-uvan (v iavi^ 5, 30] zusammen. VfL <idj4f b. 414 anm. 1. Tiett 
mmthii heisst 'besondet^, abgesondert, allein': Act 23, 19 seicisehkl atsgitjitt 
tiraxu>24^ag itat^ Miay (lit. nktru, i Mzäl{\. — Ganz anders über awiczUM 
Solmsen Ünterrach. z . griech, Laot- o. Verslehre 203 (OSchrader Sprachvergl. 
II. ürgesch.» 204). 

ft) Nachweise bei Leskien BÜd. der Nom. un lit, 2&7 f— 407] idabar^ 
tirm nicht blos 1 Tim 4, 8, sondern auch 2 Tim 4. 10). Dm dort mit 
angeführte %üi»öHna$ gehört aber fennnthlich einer ganst anderen wort- 
bildangskategone an: aL mnatana- lat. diuHnwt gr, 4niitv€tv6f, 

») Vgl ai. vi: gr. ß-itos, yiQtprt yotfifJ^ttn {foOtfKo^m}, (y Z**9^* 





WiIheliQ Sditilzet Ahd. nmigur. 



daon zn wuchern Ijegoimea, ^ahitlni^ und pirnmünis nach 
pa^kutmh^)^ ankszfuthns Uüd lemiäittis nach it^ir^rtetiiii**') 
Die kürzere suffixforra zeigt sich am deutlichsten ini sub- 
stantivii-ten femiDiniim apacsiä ^der untere lheil\ neben dem 
auch die üblichen ableitungen apactmusim apathm in der 
spräche bestehen.*) Im Lettischen entspricht das durch k- 
eiüschüb entstellte apakscha *TiiitertbeU\ dem sieh weiter noch 
tkscha 'inneres* prlkscha *vordertheir gesellen* apaksch lA«* 
prlksrh haben die funktion von präposiüonen und sind »chan 
von Bielenstein*) richtig analjsirt worden. =') 

Berlin, dezember 1904 (febrnar 1906). 

Wilhelm Schulze. 



! 




iyX^t^^^iOf (fy^ti^iC^) [att. iv^^ioy gegenüber dor. i^uäßfidnt], ätj^^m 
^iX^ddtQs. Ohm s. 416 amn, 2 S, jetet Bmgmann IF 16. 1901 491, d« 
mdm vergeasen bat, dass die, hoff ich, richtige ©rklämng von /fJioi seh 
ron mir in der Borl PhU. Woi-hensctirift 18%, 1$68 gegeben worden b 
Caei^ar b. g. 4, 1 pnvati m^ ta^rati agri apud raft fi4^ «st; dis ifit die 
iQologiBcb*xatreffeiide abei^etzung dee gr. ßdtag. 

*) Ij€ 14, 8 dni pit*nmtinw8 teietda 10 mt pa^ktitiniQ» wktÖ» NT 
j, 1701. 

') iemntinh feblt bei Knrschat tuid LeBHen. Im Niojta kalendorio^ l^i^lj 
metams (TUieje 1904) lese Ich s. 30 temuftnüii jwriu randen» $htagt$tiai c^ ad 
gleich darauf mrMim\t dm^ffmiYi £0 das3 der gang der analogiBchen tk^^o» 
büdung schon durch die gegenÜbersteUung deatüch wird. Mieiiniü und L^^ 
babeii das wort bereit» versseichnet. 

*) Hi&*ezm Zubaty IF 6, 279 (MeiUet Mi^m. de k Sodm de ling. 9. U 
11, 184; BrugmaDD Demongtratirpronom. 116). 

^) Lett. S]ir 2, 312. 315. Das lit. UiczwBj daa Earscbat nach Kess«^ 
mann au^ Brodow^ki mit der bedtütung 'emgeweide' anfilbrt, Ter^he M 
tireilicb nicht. Au gr, ^t^-g darf man doch nicht denken, nnd Jofaanssoju 
scharfsinnige anaJjfle [IF 3, Mä] wiU mir auch nicht recJit einlenchteo. 

^) apiicziä gebort, wie Bielenatein bemerkt, zunächst zu lit. pö lett. ps 
■&1. pud» 'unter', die man doch nicht ohne weiteres mit aL dpa gs. ^^& 
identiücleren darC Es liegt nabo, diese gleichnng ao^ustcUeii; ai. v^^ 
gr. vjio [Brugmann Kurze vgl. ür. 463]; lit. apacsiä: pd = ai. ubHaü 'bcitlf' 
lii o^K äl. ifba : got bai. Aber ich fürchte, man ger^th ea auf emen boli^ef 



419 



Einige bemerkungen zum beweglichen s. 

Trotz der arbeiten von Siebs') KZ, 37 und H, Schröder 
PBB, 29 ist die frage des beweg-lichen s wohl noch nicht 
ganz erledig. Mit nur wenigen beispielen möchte ich einige 
Vermutungen belegen^ die vielleicht die sache fördern können, 
wenn auch ihre absolute richtigkeit kaum zu beweisen ist. 

L Die zuletzt von Zupitza HZ. 37, 387 behandelten 
konsonantenschwankungen im an- und auslaut der wurzeln 
sind auch durch die annähme des beweglichen s nicht be- 
seitigt. Siebs nimmt für ai, hrd- und gr. ttapSia eine grund- 
form mit sk(li) an (300), wobei, ftr mich wenigstens, der 
einzelsprachliche schwand des s unfassbar bleibt; aber gleich 
sein musterbeispiel (299): schallen u. s. w, zeigt neben idg. 
*^Ä, '*'skß), *k auch g: kallön: gaüus (s, Zupitza KZ, 37, 391). 
Es bleibt also, wie mir scheint, der urspraehliche Wechsel 
zwischen Je, g, kh^ gh u, s. w. bestehen (die erklärung Zupitzas 
ist gut denkbar) ; jede form konnte mit s- (bezw. ^') versehen 
werden. 

2* In vielen fallen scheint es sich nicht um ein ^-präfix, 
sondern um „wnrzelkomposition"*) mit Vereinfachung der 
konsonantengruppen im anlaut zu handeln. 

Eine grosse anzahl der mit .st- anlautenden wurzeln 
scheint die wurzel st(M) 'stehen* zu enthalten. Es folgen 
einige beispiele, meist im anschluss an die schon genannten 
^beiten von Siebs .und Zupitza und an Zubaty, tlber gewisse 
mit 8t- anlautende wurzeln im BaJtisch-Slavischen. SitÄungs- 



>) AUen beispielen braacht man nicht bdzQ^iiini«ti. got mc^rB: kaitruB 
i. b. wird niemand glauben (b. Uhlenbeck PBB. 30, 312); vgl. lett. moBre 
'ziehbalkeTi am bnimien^ (Leskieii Abi. B48) im abbut mit lat. sUra u. s. w. 
(t. Leekien a. a, o.). 

') Diese annabme ist weder besondere neu noch kühn. Erklärt doeb 
Brogmami (IF. 12, 154) bringen te eine Verbindung von *bhtr' und *€nk- 
Iv (T^cu, ^ptyxQy) {tJhlenbecL PBB. 30, 270). Und wenn Schroeder (FBB. 29, 
486 — 87) von werten spricht » wo vor den reimenden be&tandteil aUe mög- 
lichen «präfixe^ gesets&t gind, so kOmien wir das beinahe auch „wurzel- 
kompeeition" nennen. Ohne zwang lasBen sich viele worte ^erleg-en, z. b. 
*preus' (mhd. friomn n. a. w.) ans *per' {nipLnqtiut n. s. w.) and '"em- {urfre 
lit dmÜM kühl werden); lat. jiode» ans *$€l~ {$€ht, kalt) + *ak- *ßcharf 
(: aiil. hld, kkgmn reiben? nach Noreen Aisl Qt.* § 491, a«' * ^-* daa j? 
tnt inalogieprodukt). 



430 



EniBt LewT, 



I 



ber- d, böhm. Ges. d, Wisseiisch. phii-hist Kl, 18^5, lur- XVI 
(die trennung jener wurzeln iu zwei hauptgruppen ist wohl 
kaum begründet). Wegen der bedeutungsübergänge darf ich ■ 
auf Zübaty verweisen. % 

Lit. dauiiü *stossen' (Zupitza Gntt. 199): sd. tuj: M, stock 
(iüuge® 381), idg* '^'dug-, Hug-, ^stuff- aus "^st-tug-, 

Ai, darpä 'Übermut'; aisL diarfr 'verwegeu, frech' (Zapitza): 
Ut tafiiti 'gedeiheu': lat, stirpSf M. sterben (idg. d^ dft, t, st). 

öot. dunibs *stumm', aksL dqbs (ob eiche oder bäum im 
Slav- die ältere bedeutung*) ist, s. Leslden bei Osthoff J 
Etym. Par. 1, 177, ist für die etymologie gleiehgiltig) : mhi | 
mmffe *penis': aksL tqpa 'stumpf : lett. si^bs 'hoher bäum- 
stumpf, ai. stambh *stützen\ stamba ('gras)bäschel^ schöpf, hd. 
stumpff slav. stqpiti ^treten* (dh-^ d-^ f-, st- mit auslaut^wechsel). 

Dieselbe gruppe unuasaUert hd, tapfer: gr. Si^pm 'kiieteii\ ■ 
hd. sappeln: ^iapfeti^ aksL stobora 'säule\ lit* sti^brps 'gefalltm* 
baumstamm', slav. stopa *tritt' (db-, d-, t-^ st-). 

Got dauf^ *verstockt\ hd* toben: lett stid/s 'stumpf, 
abgebrauchter besen*, ai. stohkas 'Starrkrampf- 

Lett. dilia 'Schienbein* u, s. w, (s. Leskien Ablaut d. 
Wurzelsilben im Lit 323); gr, tolimij 'knäul' (g, Prellwitz 
324): lett. sttdbs 'betäubt*, lit. stdbti 'schal werden (von ab- 
gestandenem bier)\ 

AksL drqg*f 'stange% aisl* drmigr 'bursch* (Johaiisaon 
KZ* 36, 374); lett. Strangs 'mutig, frisch*, hd. strunk. 

Wie in diesen werten der begriff der Starrheit hei-vortritt, 
eo in andern mit ^k- anlautenden der begriff des Schneidens: 
*sek' (secare), 

Hd. graben: gr. y^at^ca, hd* kerben: ai- karpara 'schale': lat. 
scrobis 'grübe', hd* scharf (s. Zupitza 155) (gh-j g-, fr-, sk- aus 
*5fr + gh-, g-, fr-). 

6ot. gil^Mi 'sicher: ai* avakutpatt 'zerteilen', ahd. scaltan 
^stossen' (s* Johansson, PBB. 14, 313). 

Ak&hgols, hd. kahl, aksL glava ^kopf: lat calvus: hd* schale. 

Gr. ;f(»ojua<}oc 'geknirsch% hd* grimm: ahd. krimman 
'kratzen': hd. schramme (Siebs 318, 322) (gh-, g-, sk-). 

Gr* yla^eo (lat. glaber?): lat* scalpo^ mhd. schelfe S 
(Zupitsa Gntt. 152)* 



I 



') Wenn man Bbeiltupt dtvon sprechen dwf. 



'schale' I 



EiTiiir^ bem^rknn^^n xtim bewf^g-licheii »^ 



4i\ 



AgB. gielp ^öbennut, trotz*: ai. ßlpati ^murinelt, redet': 
lit, kalbti ^reden': lit skMiu *ein gerücht verbreiten',*) 

Hd^ griifBe^ g^ie^^ aisl. hytm 'to munnur' (Zupitsfa Gutt- 
212): hriota *schBarcbeii- (ebd. 208): ags- scrmdian 'seh Beiden*, 
Ist. scrüta (ebd* 157) (gh-, g-^ ft-, ak-). 

Diese beispiele liesseo sich aus Zupitzas gutturalen sehr 
vennehren. 

Unter den mit s^* anlaatendeo gruppen erscheinen viele, 
die etwa den begriff 'drücken' bezeichnen. Eine passende 
Wurzel 8p- kann ich aber nicht finden; soll man etwa an ps-i 
ai, pm (: bhm) denken dürfen? Oder igt es denkbai> dass 
»p- aus s(k) + p'j fr- u, s, w, entstanden ist? 

Ags* bmtan ^schlagen, stassenV: gr. anivStOf lit. äpäudiu 
^drücken', hd, spie^s (ahd. spio^); vgL die reimworte sttidiumj^) 
lur^lerejstossen; truderefStrauits] aisL briSta ^brechen*: hA.spr&s$f 
lit spriaudhi 'zwängen', lett spraude *zäpfchen* (Leskien, 
Ablaut 309). 

Lat frangere^ hd. brechmn gr, sß^a^t *krachte' (Johansson 
KZ, 36, 345): hd, sprechen {hh-, i-, sp-), 

Lit, feiWfi 'poltern', lett WWet *reden\ hd, pdtern\^ nrnd. 
palie 'läppen, stück' (Siebs 302): hd< spalten. 

Gr. qialayl, hd. balkeu, block, aisl b^laka (s. Zupitza, Gutt 
213): Bi, phalaka 'brett\ lat falx *sicher: gr; ndkMxvt;, bL parhi 
Mppe, sicher/) ahd. fdga: aisl. spialk 'diinna^ ntütk bolz' 
(Siebs 303) (ää-, pk-, p-, sp-),^ 



*) Di« Widen kippen {yXii*fw, gielp) dod ^trö» Idmiütcit l>i#8#Ib«fi 
1ati%Tiipp«ii bezeichnen Am breeben, schneidea, seMtf«» unä dm dsmit ? «r- 
bnndene gerinidi, dann aoch dm ^re^^ben (t^L Ulil^iib^ek FBB. 30. 371- 
2^2 2MU t. b.M ^pradla«: frrecAeii; lett btidit redend lit ^tMit poltern^ 
^t hti^^an (Nileicd) ^tcMafen', tiue. rmAm 'g€TtiM\ mt^irit' IfKthai' 
(s. lOkloddt Dster miiltvi): ÜL 6J«iitt «tfbUUJeii'; üt ^rim^ *iM vor- 
MngiB*: fll 6ni9liiu *fpf«ebfii'; etpva mefa «eear^t Mfen^t 

^ Fni lwi ii Wi ietzt för irjifJ^ oad $fmdmm ein« grandforn 

*) Wenn poUerm «du ononulopcMtiHlMi icWhrort* ^fOnfe« aOä. ro 
jedoch aodt lit hüd^ mgtMai icQ M^ m od doeli tetk davoti cdton 
llter, wie in nuiKiicin vort iltnHcber nt ; rgi 1. 1». ilMip«ni mii lit dofUnm, 
4m vfln IwHiM, AbL BGB mgefUtit und iirii Wiea jamma 

^ Tgi iL Midni «t , Ist eiiil<7: M. «dkiOecr (, dM i 
«ird, f. 2^lla €irtt ISO/^ mM. Iiwt teiwe^ al kd^ *mt^^m^; bL a^ 




Lat. fiudef^ hd, beis&en^ boot: lettp spM (sped-) *drtcken^ 
(Leskien, Abi* 284}» lat, sjmmi.^ arm. p^at/t *holZj spiesa' (ag«, 

3, In einigen fäUeii scheint ein Wechsel zwischen s-^ w ■ 
und im atilant vorzuliegen. (Thumb IF. Anz, 14, 9 beroertt 
aber alb. herk% lat, stdcns, gr. Uxm, lit. veUdt^ dass sie „wohl 
imter einer ursprüaglicheii anlauts-trias w, 5-, u- vereinigt 
werden mtissen^; was er aber eigentlich damit meint, weiss 
ich nicht ganz genau.) Hier nur zwei, der bedeutung wegen 
(und weil atavu so viel ich weiss, bis jetzt ganz allein stand I 
sehr verlockende beispiele: 

Äi. afaiHj lat. salttis, hd. wtüd (germ, *wa^^); für das 
snfflx von afavi vgl. r^dua : r^Svg, 

Idg. ^oqu- ^auge': ^»-eq^ (hd. sehm^ sagen): *u-eqi^ 'sprfiehen* j 
(gr. tfWog ih B. Vf.}.*) Über den bedeutnngsiibergang zuletzt] 
Uhlenbeck PBB. 30, 305 j vgi noch lit. ivelgiü ^blicken': 
ivelqstu ^plappern'; lett. spüffolas 'glänz, funke': lit spefifftil 
'klingt in den obren'; vielleicht auch Ht, renin 'schau cb': ahd, 
rahhön 'sprechen' (: alid. ruoh, ruohha 'achtliaben' : lat, rogäre)? 

Den Wechsel zwischen sk- u. s. w. und w- scheint Schröder 
aber ohne grund anzunehmen; znm mindesten müsste er die 

*) Hierher atich — wohl offenbar — hd. pßug und pßßck. Freilich «luef 
ganz paeEondc form fuidet sich ausserj^enn. nicht; oder ygV Fick 11* 188? 
Vgl. aach noch Kluge*' 108: mhd. ralgefi 'omaGkeim, graben'! Die bt- 
deutofig-en : 'radfeige* und *egge^ kann sehr wohl einmal ein wort gehabt 
haben. 

*) Boot eig. *bolz, einbaum' bat bereits lid^n {b. äeme Stad. i. m. tt.1 
i'ergl. Sprachg0Bch. 34) mit ann. p'ai/t Änsammenges teilt. Vgl. vieUeicMl 
lat. rätis *floes': ahd. ritota 'nite, etange* (lat. rrifiiits; rädix'^ und arm. l&^il 
*holzflos&, schüTskiol, boot' (t^ehpftelowitj * Bß. 29, M), ^las viplloicht zu iiLI 
laz<iä *itock' zu stellen i»t, worin herr Dr. Schoftclowifci mir b«i$timmt ' 
Wenn IfUfla and slav. loza 'rebe' beziohungen m einander haben» so sind pii» 
jedenfaUft noch unklar. Daas die herkünft des slav. z nicht ^o eiüfarh i«ti 
hat Züpitaia KZ. 37, 396 gezeigt. Mui?s demi eigeatlieh üt pyida, pyzä l 
dav. lehiiwort s&m'i Lit. hnrzdim *rührig* (Leskien Bild- d* Nom. 2a6)J 
erinnert stark an akil. örsra, rnee. barsöj *schneU\ Vienekht stehen die 
dinge irgendwie in beriehung mit <lem outen unter 4* behandelten, 

') *Of/v-i srhtn hat auch Holthaueen IF. 14. 341 zusammengestent (wit 
friüier Bchon Ben%, (iriech. WunelJei, I. 220). Wenn Uhlenbeck PBB. 27, 
337 gegen Holthannen das feste o von ^oqi*- anf&hrt, m ist zu bemerken, dmt 
die praetiie einer periode angehören können, in der der abkni nmk 
anegebüdet war 



Einige bemerktingen nun beweglichen r. 



423 



H 



»' 



t 



aimahme über das gernianisclie ausdehnen, wozu eine be- 
luerkun^ Solmsens (Untersuch, z. griech. Laut- und Verslehre 
209, aniiL 2) lust machen könnte, wonach die anlautsgruppe 
'*foff- in \ier gestalten ins Grieeh, kam, als km-f ks-^ su-^ *- 
(und hsu- kann natürlich mit sku- wechseln). Wenn Schröder 
2. b. m\ 35 neben ^skrat- Teissen, ritzen' got. ivratön stellt, 
so möchte ich an lit. randtu radau 'finden' (r- aus ^L'r- nach 
liiden's gesetz) erinnern**) 

Auch was man sonst an idg, praefixen gefiinden hat, 
scheint mir meist nui' auf ungeniigenden etjmologien zu be- 
rohen. Ähd. hahm *hechse' (Zupitza Gutt. 104) and ahsa 
'Ächse\ achsala 'achsel* (ebd. 187) z, b, möchte ich verbinden, 
aber nicht mit hüfe eines t-präfixes, sondern unter annähme 
von redupUkatioii (die Verschiedenheit der gutturale macht bei 
einem so alten Vorgänge nichts aus): ebenso ai. eähu: fih-n 
'äuge'; vielleicht lat. rodes: lit. äklm. 

4. Wenn mit s- und ohne s- anlautende wortgruppen fast 
überall nebeneinander liegen, so muss dieser parallelismus 
auch in den suffixen erscheinen, die doch zum grossen teil 
auch einmal selbständige worte gewesen sind (ganz deutlich 
ist das ja z. b. bei den 'wurzeldeterrainativen' d, dhf bh, wo 
man *auch von 'wurzelkomposition* sprechen könnte). 

Gr* ifi'ff^oj *cuanus*: «^i/^to 'verbergen-, "^kmi-e-dh-,^) 

Ai. mudgara *hammer': ndl moker *hammer' (Uhlenheck 
Ai. Wb. 227). 

Hd. knospe {^knn^ha-^ vgl. gol. a^g6: hd. asche; dazu wohl 
auch hiorpel knirps): lat, gmnma {*gemhmaf Schmidt, Kritik 
lä4, anm. 1) {*§ene'hh- neben "^gene-bh- Zupitza 147). 

Ist die aosführung 4, richtig, so würden wir ein gutes 
'öittel der wui-zelzerlegung gewinnen. 

Berlin, dezember 1905. Ernst Lewy, 

') wrütm: raml!^ bat auch IL Traatmiuiii gefunden und jetzt BB. 29, 308 
»Wiffentacht 

') Zo *km- *bedeck©a' {ai. kunäti 'bedeckt', llt. kümtn 'leib\ vgl. ai. 
^^fl 1«ib*: lat. gall. eay^im *haua' [Uhlenbeck Got. Wb.« 87: hweilmi]; aül 
'*«<wr 'hjyit, ge8t*lt\ hd, hemdr [: m^hmn] Zupitz» Gutt. 182; *kett4': mss. 
W 'B^k\ lat. colew^f bd. hohtj lit. kätdas 'kiiochen', k^^alas 'derBchale' ; 
*W»- : ai. ko$a *bebältcr', lit. kUiiiMm "dIV bd. kam, hom' ; *keii4- : hd, haut, 
M<t, hüttt, lat. sctäum 'echUd*, lit. kiautai 'getreid&achalen') gehurt oflfenbar 
h kuvitis *8ich Bchanjeu' (vgL z, bed. *stham% oben xvaßQ^), Die konstraktion 
m H^im PBB 30, 33S scheint anbegEündet. 



424 

Zu cechisch kostet = kirche. 

Ztschr. XXXIX 545 erwähnt P. Kretschmer das techische 
kostel „kirche^^), und XL s. 255 sucht H. Lewy zu zeigen, 
dass damit ursprünglich wirkliche kirchenburgen gemeint 
gewesen seien, wie sie noch in Siebenbttigen nachzuweisen 
sind. Auch in anderen gegenden finden sich solche kirchen, 
die als kastelle oder bürgen bezeichnet werden können, z. b. 
auf Bomholm. Die dortigen vier alten rnndkirchen, die Ny-, 
Nylars-, Oesterlars- und Oleskirke, machen mit dem festen 
türm, den ganz kleinen lichtoffiiungen, die man eher für scfaiess- 
scharten als fttr fenster halten möchte, mit den gewaltigmi 
dicken mauern mehr den eindruck von bürgen als von gottes- 
häusem. Die älteste von ihnen, die Nykirke, ist 1287 erbanti 
als Bornholm unter der heiTSchaft des erzbistums Lund stand. 
Da die geistlichen mit den dänischen königen fortwahrend in 
kämpfe lagen, so suchten die erzbischöfe bei dem bau der 
kirchen die zwecke der Verteidigung mit der kirchlichen auf- 
gäbe der gebäude zu vereinigen. Die festen tfirme dienten 
als kastelle, als verteidigungs- und Zufluchtsstätten. Das 
oberste Stockwerk bildete eine mit schiessscharten und zinnen 
versehene plattform, um welche sich rings an der mauer 
entlang der wächtergang zog. Im türme wurden die waflEen 
der zugehörigen landbevölkerung aufbewahrt, die in notfUlen 
durch ausstecken einer fahne zusammengerufen wurde. Kirchen- 
schifif und altarraum sind im osten angehängt und haben nur 
sehr kleine dimensionen. Weitere angaben, auch über den 
baustil, bietet u. a. Griebens Führer durch Bornholm. 

Berlin. Franz Härder. 



Lit. galwä. 

Wer den vers Act 21 , 24 in seiner öechischen fassung 
aufmerksam liest, hat, glaub ich, die etymologie von lit. galwä 
asl. gUva ^kopf in der band : Iva lvgijaa)>Tat rijv xetfaXi^y äby 
oholili hlavy. galwä zu sl. goW yv/Äv6g und ahd. calua' cal* 
Vitium, wie lat. ralva 'schädel' zu ccUvos. ELewy o. s. 420. 

Wilhelm Schulze. 

M [\gl auch Aich. t. sl. Phil. 28, 159. - W. Soh.J 



mnn m 



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Vfiii 

Adulbert KahiL 

ü#riiuiigf'geli«n vt>u Ernst Ktiiin, 

Inter Ba^d: Die Seralkuolt i%% Feoers nad des ßOttertraiLks. 

3* rerm. Abdruck, Ö M. 




Beiträge zur Pali-Grammatik. 

Vnt] 

EfDHt \V. A. Kulm. 



\M[ liiilHü. ilii> 




I 

f 

^L,., ., . . -. - -^^ m 1' . 

fiiHtlniroii, Vuntlenliot'rk k ttuprc 



Die infinitive 
\ des Indisclien und Iranischi 

Villi FritK n oirn 



A^ Itiipiiirht tu If dllliiiri'ti , mt^klvi^ fVeiii^iJtirlif? fiVf^rhruu^ 



Zur arisclieii wortkunde, 

L Av, hav' *kocheD^ rösten', 

Vd. 8. 73 lautet in der Öeldnersehen ausgäbe: yat mte 

yät mazdayama päda ayantam^) vä ta<}int9m^) va da7-afnmm 

va vasBmmm va atram nampak^m frajasan — nasüm hqm. 

pm^an nasüm kävayqn — kii$a te vor^zyqn aete yöi mazdaymiiu. 

Dies wird von Bartholomae, Air. wbch, 158. 1375. 1782 fol- 

g^ndermassen übersetzt: *wenn die Mazdähanhauger schreitend 

Mer laufend oder reitend oder fahrend zu einem feuer kommen, 

womit man eine leiche kocht ^) ~ sie kochen eine leiche, sie 

schmoren eine leiche — ^ie sollen da die Mazdähauhänger 

verfahren?' Das verbum havayqu wird somit hier mit 

•schmoren' wiedergegeben. Eine andere form desselben ver- 

'^ ms findet man in Y* 71. 8, die in extenso so lautet: yöi 

^ /'jk^rant^nti vlspmn dtiSmat^m yöi uipükBrantanti vispam 

dtiJüxtam yöi aipiJc^rantdnti vlspäm duivarst^^ni mqfiay^n aiie 

ya^a ätars Jni^kam aesnwm yaoidät^m hupairlsUm aipikBr^n- 

taiti havayeiti''') daiaiti = (Bthl., Aii\ wbeh. 17 B2) *die, welche 

alles übel gedachte , alles übel gesagte und alle schlechten 

taten zerschneiden, gerade so als ob das feuer trockenes, 

ritttell vollkommen gemachtes, wohl ausgesuchtes holz zer- 

at4lckt, schmort» verzehrt*. Beide diese formen setzen eine 

prÄsensbüdung havayeimi, ein intensivum einer wurzel hav- 

*gchinoren\ voraus. Ein dritter beleg der wurzel liegt in V, 7, 55 

vor, wo jedoch der text verdorben zu sein scheint; es steht 



«) padayfint^m P 10. Pt 2. L l. 2. Bt h 

*) tadantsm K L Jp l. ebenso V. tj. 26 tadanttm K 1^ waa mir tUer- 
din^ eine gewisse üeachtiing zn rerdienen scheint^ vgl. Barthclomae EF. 12, 145, 
Air. wb<ih. 628 

») Die ftr xms ein wenig befremdend© vorBtellung', dase dfta feuer ©in© 
l0ulie 'l£ocht\ hat ja |:^on»iie parallelen im ÄltimMscbcn ; vgl. %, b. EV, 10. 
J6, 1- 2 ifüdä tf'^fifti kr^dvö jatäv^dö 'wcim du ihn fortig gekocht hait, o 

*} aim K 5. P 6, vgl Yt. 14. 62* 

^) hnvayeitt Mf 1. hnmiti Pt 4 J 6. H 1. 

y^mlimahtm für reigL Bpncht. N, F, XX. 4. gg 



Jarl Oiftrpentier, 



nämllcli 3 p. opt. akt, hujßr9s = ai* *suyür^) statt 2 p. *hu' 
yata - ai. *stiyata, was jedoch vielleicht dnrcli associatioi] an 
das Vorangehende yöi mahjüka statt an yUiam in den teit 
hereingekommen ist. Die bedentung steht auch hier fest, 
Die form huyäras setzt ein präsens *haoiti nach der sch 
genannten wnrzelldasse Tor/) 

Man könnte geneigt sein anzunehmen, dass diese wnrzel 
hav *kochen, rösten' eigentlich nüt der wnrzel hav- 'keltan, 
auspressen' ^ ai. mnoti das* identisch wäre. Aber dies wird 
meines erachtens durch zwei umstände widerlegt Erstens 
kommt von dieser letztgenannten wnrzel nur die präsens- 
bildung ^su-neu-nu vor: aT* Jumav-f hunv- = ai* sfinav-, smv- 
(denn die andere avestische bildung hun- = etwa ai. *mniti 
ist wohl mit Bartholomae, Air. wbch. 1781 f. so zu erkläreü, 
dass die partieUe lautliche identität der wurzel mit den 
wurzeln hav- 'antreiben' - ai. suvdti und hav- ^gebären' = 
ai, süte, wo die präsensbildung hutm- heimisch ist, eine gleich- 
artige bildung bei hav- *keltern* herrorrief), während — wie 
oben erwähnt ist — hav- *küchen, rösten' nur die bildungen 
haoUi^) und hnvayeiti kennt Zweitens scheint av. hunath : 
ai. minSti gerade ein terminus technicus für die keltemng des 
soma zu sein, wie auch aus den belegen j die sich hei Bar- 



I 



I 



') Die steUe IaQt«i: tfa&a . . . yüi^m ^ni mah/aka ^av^^a n^ßMa 
Auiy/in>S gq^i^a j'^mt9m amraiH, d, li, (Btiil. Air. wbch. 1783) Vie ihr, die 
menechen . . . ep eisen sclunort und ^ree ÖeiBcb es^\ Die traditioii schwaiüft 
iwiBchen huyär^^ Jp 1, Mf 2- M 2. Br 1, hüyür^i Pt 2, hujfUrü L L ä 
und hüyäri^ K 1* 

*) Die optaüvbildungen mit r-formativen* die zuletzt bei Btngmmn^ 
Grdr. II 1388 ff.» Kz. vgl. Gramm, s, ö96 if,, Sommer, Lat h.- ond F-lebre 
e. 527 ff., Bartholomae, GIPh. I, U 921 212 und Tliumb, Handbuch 292 f 
296 ajim, bcbandt^lt sind, sind nicht gctitl^end aafi^eklärt. Ich bemerke dilt 
hier g'egen Barth oiomae, dass es mir tmbeg-reißicfa ist, warum man av. formen 
von dem typna hßr^f liuya^-^i fUr * älter' ak die altindi sehen von dem ^Ui 
gamyur^ syür halten 6olL Enthalten doch die altindigchen fonn«a dm 
optatiTformang in der fiLr diese perBon gebührenden ablaotsstufe -|*» wahrend 
die avcstiFchen formen mit ihr^m -yä* sich als güm junge neubildtmftn 
kundgeben. Eine andere tateache ist, dass *ur in syür zweifelsohne nicht , 
hierher gehürt> da der akzent wohl auch früher auf der endimg ruhte. ■ 

A) HftD möchte ja vielleicht einwenden, dass diese präfensbilduug dareh m 
hav- 'gebären^ das im Altindischen sein präsens nach der wurxelklafise hUdei, 
»^U, herbeigeführt Bein kann. Aber diese wurzel bildet im Are^ti^cben m 
himü' ^ ai. *sunäfif *suntti. 




Zar arischen woHlmide, 



427 



tholomae, Air. wbch, 1781 und Böthlingk-Eoth 7, 1019 ff. 
inden, za sehen ist- Da es, soviel sich daraus sehen lässt> 
^ar keine einzige anwendung der wiirzel hav- : eu- 'keltern* 
ausserhalb des genannten bezirkes im ganzen Altindoiraniscben 
findet^ scheint es nur nicht geraten eine Identität dieser 
wnrzel mit der in den oben angeführten Avesta-stellen be- 
legten Wurzel hav- 'kochen, rösten^ zu behaupten. Wir haben 
somit meines erachtens hier eine vierte wnrzel *seu' zu kon- 
statieren. 

"Was die etymologie der würze! hav- 'kochen, schmoren, 
rösten' betrifft,') finde ich verwandte Wörter in der germa- 
nischen wortgruppe für ^sieden^ : aisl. siopa 'sieden, kochen', 
(vgl. s^iüpa matf skitr^ half usw. mit dem av. :r^^ari(^ti j^a^ta 
hiiyürss *speisen schmoren' Vd, 7, 55), ae. sedfxm dss., ahd, 
siodan^ mhd, nhd. sieden. Damit gehören zusammen aisL seyp 
'brausendes wasser', seyptr ^a fire-pit, kochgrube', weiter sop 
'fleischsuppe , siedendes wasser, worin man fleisch gekocht 
hat', sojnm 'gekocht werden*, und got, saups *opfertier', aisL 
saiiPr 'schaf, auch anderes kleinvieh* (Gräg&s 484 ff.), wozu 
nschw^. dial. so 'schaf, stor-söar *kühe', gmig-sö *dorfstier, 
ein stier, der von den bewohnern eines dorfes gemeinsam 
gefüttert wird' usw, siehe bei Rietz, Dialektlei. 586 *" f. (vgL 
auch Falk-Torp, Et. ordb. II, 147), Unter annähme einer 
Wurzelvariation *seu' : *sy-e* stellten hierher auch ahd. swedan 
'abdampfen'j ae. smittd^ *dampf Fick, \Vbch,* III, 326, 361, 
Koreen, Spr^kvet. sällskapets förh. 1882—85 s. 120 f. IMes 
scheint ja sehr wohl möglich zu sein und würde dann eine 
zweisilbige basis Heu-e- erweisen.^) Ebensowenig abzulehnen 
sind die kombinationen Johanssons PBrB. 15, 237, der got- 
mipjon 'prurire' {im die bedeutung vgl* ai. pUm- *brand'j 
^lömti *brennt\ zu lat, %irtirire} und supns *magen', eig. wohl 
*verschmelzung', ebenso wie aisl. miipa ^brennen', ^ipa 
*S€hm erzen', mip 'gebratene schafknochen* (Sturl. I 159 f.). 



1) Scheftelowits. ZDMG. 59,710 verbindet lim- mit gr. fl'w, was natQr* 
Hch g«- nicht eticbhftltig ist (ivm -. dfraft). 

•) Solm&en, Unter». 271 it«nt Bivahul in gr. tiitp4)f^ nytt\urty «iT^ß* 
yAöl Um. usw., W8ß iber natüilich zu u/%ui osw. gehört^ Tgl. Pereson, Stadieii 
35. 228. 282. 

>) Bemeker, IT 10. IGO steUt zu döpa &qc1i 111 mtumü, nüü»ti 'w^ten*, 
ttuUti 'anhaltend wtlteD\ wm woM mt^gllch w&re. 

28* 




42ft -« 

jhif.z<^ *ai^ TTTKiäinL 'ri-fft- ttel n& ack TJirihirfci ii it. 
irif^t- 'ziEi»yiii jiöiaiit -ncL -»n»*" T. 32. 7. Ti. I3l 2 vieder- 
inAan Zxr ^^rTjuv^ycit fMSttc Iisa&eiL wiTäS imi gififhp, ■» 
Mi'^ Yh^L-Tyr}, Ejl ;ru. IL SI&. ^i ±«A!ft TieDädit 

mit leftL *i>7xV 'rfifcaii. ka2c' luauHBabSA wird. iBdotaitikel 
ix^it *K*h r/ri Filk-Torp IL Sd^b s Aum aiir iSKTkaift ndes 

fluiu». «Trir, I* 70O. T5«>- Er Teraat am z«m. •^«^ KL 
>f^^cAir^. iz^fta^. iZHJ^i -%faiiL4r?a. brikcii* nier iiBBahae ebff 
fcaiHit *4^i*-. dfe im gcfm. •**?*»#- > "Äfv^ ^^wb wfiric 
¥a füfhtisA mir aber höchst mskhrr. am nkht nrndtip n 
JtageiL zo b&haapteiL dass i;^ im gi&rm. ^ swebai hat Dean 
da» einzige etwas sichere bei^ieL ahd. didLsoiii Hmü* n üt 
fa^zyft'i 'behaaen\ gr. rmmv -Zimmermann'. aL f4il?-, aT. te^ 
^^Mythn asir., beweist nnr die behandlnng im inlant mid ist 
aiu^b etwaif nnsicher, denn es kann ebensowohl < ^deteola 
^ *Uhl^tlo' s^in. TgL orgerm. *frf-p^<i- > ahd- icadaL ir^»'> 
fi^-pf/i- > nhd. rod/fe/ nsw. Was die behandlang im aslant 
angebt findet sich^ soviel ich weiss, kein einziges 
das einen Übergang vcn kp'> s erweisen kann, denn ahd. 
as. s^hal 'wohn-sitz', ahd. sidilo -baner . das Bmgmann, Grdr. 
V 635. T(iO zu ai. fe^Jri- usw. zieht, gehört natürlich zu W- 
'.sitzen'*; i\z\. urgerm. ^set-Ja- < ^sed-thy- = ai. sattni' 'eine grosse 
HomafV;ier*, av. hastra- Versammlung'). Dagegen finden sich 
vifflleicht belspiele, die eine ganz andere Vertretung von 
anlautend'^m kp- im Germanischen env'eisen: es scheint mir 
nämlich einleuchtend aschw. giju^y nschw. gös *Lucioperca 
Handra' zu ai. Umh- 'speise', gr. iyßi; 'fisch' usw. zu stellen 
(Johansson, PBrB. 13, 117 ff., Zupitza, Gutt. 204, ühlenbeA, 
Ai. et. wbch. 71 ^ Tamm, Et. ordb. 268, Falk-Torp, Et,ordb. 
I, 228. 232, anders aber kaum richtig Ehrismann, PBrB. 1^' 
221i); got. fjinna *niensch' gehört ja zusammen mit lat. /to»»^ 
UHW. zu lat. Inimus, gr. /ßußiaXo- /a/tiat, ai. ksäm- 'erde'- 
Diese beiden beispiele scheinen eine Vertretung von gd(h}" 
innerhalb des (Termanischen durch einfachen guttural zu er" 

>) So do Saussure MSL. 0, 246 ff. 



M 



Zur arischen wortkunde. 



429 



weisen, und man könnte dann Termuten, dass k^- > h ent- 
wickelt wäre. VieUeicht lässt sich auch ein weiteres bei- 
spiel beibringeni got. himslf ae. hüsel *opfer\ ne, homel 
'abendmahl^ stellt man gewöhnlich zu av. spdnta- 'heilig', lit. 
s^W€fltasJ akslv. svftfl dss., s. z. b. Schade* I^ 431, Feist^ 
Got. elym. 294, Bemeker, Preuss. Sprache 325, Zupitza, Gutt. 
50* 187 usw.*) Aber eine viel mehr ansprechende etymologie 
scheiut mir die von Mekler, r^pag s. 247 ff. ?orgetragene zu 
sein, nach welcher hunsl vlelmelir *schlacht-opfer\ *schlacht' 
wäre und zu gr. xuivm, i'xapüp 'schlagen, töten' gehöre. Aber 
xa/fco < *uav-fm < k^Ho ist wohl nur eine innerhalb im 
Griechischen entwickelte nebenform zu xr*/m *töten\ wozu ja 
weiter xtovo^ 'mord', apägo-nTaairj *niännerschlacht\ ai* kmn&tl 
^vernichtet, verwundet', und hunsl Ti-ürde somit urspröngUch 

< ^hp^}Ulö' (vgl mautfi < *ip}jt-W') entwickelt sein. 

Demnach ist es meines erachtens ziemlich sicher, dass 
siöpa usw. nicht aus *kpeut- entwickelt sein kann und somit 
nicht za lit szusH gehört.^) Ebenso abzulehnen erscheint mir 
die kombination mit akslv. prkyfmtii 'dörren, verwelken', 
6ech. vednouü Suchern' bei Falk-Tort*, Et. ordb. n, 337 f. 

< *'($)u^nd', was weder der bedeutung noch der lautlichen 
Verhältnisse wegen besonders einleuchtend scheint. Falls 
jedoch einige Verwandtschaft besteht, kann ja dies nicht 
wesentlich auf die obige kombination einmirkeiL Ich iehe 

t) Prof. Bezzenberg^r bst mich gOtif«t dsrmf aufmeriUm ffffisellti dm 
tr BB. 21. 151 fossn. fol ktmd mh dem oben «nrünit«» ^ mmtü Vls^oft, 
bfühe; lelt imtu ^er4e häm, tdimore' zuMnnn^ftüleUt jiftt. Die« lii 
iiaQtkbt ob«no mO^cb wie «üe w/tpmlo^ IMknv jetoiikllt vM bmmm 
ila dk ]indliii%e zosamntcaiteUiiiit IBÜ MmßHiiat ovw. 

*) I>ftg«geii knüllt» i« dit litidacli« wort fllx tleb Mbr wohl «in H$. 
hp entluHaii. Dmm dks «^d« ariiflltuek «^m 'mp ffttai und «U 4k 
plante ^b«iia|il dtti M^mtim uif Bill» ftrtawit« xa hakm *cb#io«ii, jß 
Tiell<ÄcM jmr «» milliBritio» mHAm Iwt* WMm, km «in *mfi mäf wM 

dwe dmt knie m 4m Mim ipiifhi« ihüfcnpl :>- »4«stt nNin, «fbiml 
de in dtQ CcAtuft^^pmdM« «iw «ivM li^rtfii bibmdhiiig tffUnwi. !>■« 

> Mb«. wn^lwfiUi pldUfw fHlclMfl iit iWli wyd«, 

■■* .y^P'^' ^^C* ^^ÖSB» flOMMIf ttUm VMnMB4Jv| WHI IBV Wc^w ^^^■■^^■■■w 

wt» A > M. I s iimwi liifliii irvdiM wM*). J/ftt a^rmniiMb* gfbt» 



J&rl Ctiarp«iifaiir, 



somit in döpa < urgerro. ^aeupa-na- ein t-präsens snir wunel 
*seu- kochen, rösten, brühen' in aT. hav- ^schmoren, kochen'. 
Über f'Terba s. beispiele bei Brugmann, Grdn II 1038 f. 

2* Ai, camarä- *bos grnnniensV 
AL mmarä- (JJjy. 3, 131) bedeutet: *bos gronniens* ep. 
kl. lex. — 'sein als fliegenwedel gebrauGhter schwänz* ep, 
lex. — 'eine bestimmte grosse zahl' lex. (wohl sicher ein mit 
camarä' in den vorher genannten bedentnngen nicht ?er< 
wandtes wort) — 'ein zusammengesetzter stier lex, (TfL 
cämara- in der bedentnng *stiel des fliegenwedels' lex)^). 
Dazu gehört die ableitung enmara-, das nur ^schweif des boa 
gninniens, der als fliegenwedel gebraucht wird* ep. kl, let 
bedeutet- Da die bedentnng 'büfFel, ochs' wohl die älteste U, 
möchte man vermuten, dass das wort mit camuni- 'eine 
hirschart' lex., zusanunenzusteUeu sei, was jedoch wegen der 
Varianten mmüru-^ mmura- lex. nicht gan^ sicher ist 

Eine etymologie des Wortes ist mir nicht bekannt. Ich 
erkläre camarä- aus indogerm. *fcem'^i-?o- und vergleiche a 
am nächsten mit gr,* xt^dg, st. xi^tiS- *hinde\ womit ffi&ii 
gewiss richtig ahd, hintan aisL ae. hind 'binde' < *kem-i^' 
zusammengestellt hat, vgl Kluge ^ 168, Prellwitz 143, Nortea, 
Urgerra, lautl 152, Zupitza, Gutt. 207, Tamm, Et. ordb. 30*1». 
Falk-Torp, Et ordb. I, 289 ^*) Was die stammbildung dieser 
Wörter betrifft, erweisen sie ja zusammen einen konsonaat- 

^) Man machte Tielleicht vennuten, traa mir mein lehrer« prol Johüi^D« 
wugwrprocben hat, daes cafitnrd- eigentlich 'lÜegeDw&del, ftchwani^ Wwtt 
mid iomit eigentlich mit der aippe von pflanzem:iamen zusammengeli^rap ^ 
n. $^ durch ai. kamala* ' Lotus* ^ camat^ika- ^Bauhinia Tariegata^ L. (wofD 
Wohl mich ernnpü- *BftuMiiiii\ campaka- 'Michelia campaka' L. obwoW ^ 
abieitnng unklar iHt)> ahd, htmtra *nicswurz\ lit kf^nerai Sraaserdost', «te^- 
i^nerita 'nimmxn', ^emerb *gift* usw, (vgl. ZnpItKaj Gutt. IIB, wo littentor» 
Uhlenbeck, Ai. et. wbch. 43^. 88 **) repräSDutiert ist. Dies ist freilich mö5li<^' 
jedoch m^^ichte ich glauben, dass es auch ursprünglich ein wort camarä' *octe 
neben *canuim- 'bnsch, pflanze' gab, was mir zum teil wegen des rorhlin^^' 
eeina bedeutungsi^erwandter Wörter (i. unten) glaublich ist. Die beiden if^rt*^ 
k<tmien jedoch auf einander in der bedcotung- eingewirkt haben. 

») Bezzenberger, BB, 27^ 167 f. Terbindet mit ^ijwwtF- nnd hind ul^^ 
apr. canistian 'schaf, waa er ans *kfmafUtian oder *k4m€i4ktian betlei*^*' 
möglich wäre wohl ebensowohl eine fonn ^kem-d^fimit was ich vorzieht' 
weil ich das -«- ron xi^rtd- als liemlieh gicher ^ ^ «ntstandea betracit^' 
Übrigens habe ich gegen diese zusammen stellmig nichts einzuwenden; 
verträgt sich ja auch mit meinen auieinanderaetsungen sehr wohL 



Zur anschea wortlniiide. 



431 



imm *kem-d!t-f sind aber in verschiedeEer weise ausgebildet. 
Mnäa- ist ja nur eine thematische ausbildung des konsonant* 
Stammes in seiner einfachsten form, weon ich mich so aus- 
drücken darf, *kem4-^ während gr. xefiaS^ meinea erachteus 
ein älteres *k€m-t^-d- voraussetst ^). Es gehört somit in den 
hÜdungstypns von tiernamen, die ursprüngliche -t- oder 
-d-stänime waren und dann in verschiedener weise entwickelt 
sind. Eine spezielle abteilung dieser stamme scheint mir die 
2H sein, die u. a. von x^fiaS- repräsentiert und besonders bei 
uamen von 'horntier, rind' zn belegen ist* Es gehören meines 
erachtens zu diesem typus, der eine kontamination von -n* 
tind -di^-stämmen voraussetzt, u. a, folgende beispiele: air* elit 
^hirschknh' < "^el-fj-ti- oder ^el-ii-di- (mit einer erweiterung 
des konsonantstammes in i-stamm, die z. b. wieder in aksiv» 
y^dl begegnet*); s. weiter unten), zu *el-m- 'horutier' in 
Türm, ein *hirschkuh\ giv iXarp^g, ilko^ < *iX'p^^ akslv. jelenl 
'Mrsch', lit. ebif! ^hirsch' nsw, vgl Osthoff, Et. Par. I, 293 ff. 
Weiter gehören hierher lat* armentum 'grossvieh*, aisL jgrmuni 
dss. <: *a'erm-y-^; einen -7i-stamm weiss ich nicht sicher zu 
belegen (falls gr. S^ua^ wie es Walde^ Lat. et, wb. 45 wiU, 
eigentlich 'spannvieh' bedeutet und hierher gehört, kann es ja 
der N-stamm sein; dies ist aber meines erachtens unsicher, 
um so mehr weil, falls die etymologie richtig ist, das t der 
casus obUqui vielleicht ursprünglich ist), die Zugehörigkeit 
Äü diesem bildungstypus ist aber deutlich. Ein drittes bei- 
spiel Sude ich in ahd. hrind, ae. hride7% hnjäer *rind' aus 
"^kr-en-t- *kr-ii-t- zu giv kret. m^za usw, 'vieh' < *HgaTa 
(Lagercrantz, Nord, stud, tili Adolf Noreen 452 ff., vgl. 
Johansson^ BB 18, 26*)? das wohl trotz Lagercrantz zu xi^a^ 
gehört. Weiter findet sich bei Ps, Arist, de mirab. ansc, XXX 

^ '} über jff/ittV handelt hier oben a. 257 ff, LJdön, der zu gana anderen 

■^Utaten kommt 

J^r ^ D» air. dk -^ *ei-^-rt- 'Mreehtah' bedeutet, möchte m^sx vennaten, 
^tm die f-ableitimgen dieser stamme ai^priliigUch dazu dienten, feminina 
m EDBäkulinea, die oiierweiterte t- oder ff^etämme waren , ?u bilden. Dies 
Jst jedoch wegen dej§ äusserst spärlichen materials schwierig zn beurteilen, 
hesoDdere darum, weil die konienantstämme so überaus selten in nngeitfirter 
^ibflrllefenin^ Toriiegen. Dass die l-ableitung jedoch im Keltischen in 

\ <U<«r terwendnng lebendig war, ^elgt die »oUstäntlige büdttngsQbereinstim* 
*Wtoj mschen cjmr, dain 'hirscbktih* -= '*'d-^ni und ai, nr-[Atß * rötliche kuh^ 
^'^- Vgl. auch die i7w)-;)-erweitemng in alb. niaze Veibliches f(Üle^^ dr&ue 
^Mnchkuh'. 



L. 



432 «'^ 

dne skfdkiädie heftanjotg dts rantien, rifm^^m^ die, 
jriKli ihrer etymokfie ganz nkkr läL TgL ToaosckelL Kritik 
d. ilt. DJtkr. iber den Xordea fkrth. H 2« £, Scknder, 
BeaDez. 373 1, sicher diesen bfl dna g aijp ng r^rtsatiert 
Andere haspide sind woU das nock nngedeatete apr. UenU 
iodiW» sowie aach ahd. irinaf. aisL riMadr hrisent*, woraber 
niletzt Schrada, BeaUex. 690 fl Die bei Fr^Ade, BR 20, 206 
Torgetragene gieichsetznng des wortes mh dea gr. i«r^, 
Od. 14, aO ist, faDs dieses wirkUch 'nttjg' bedeotet, sicher 
abzulehnen. Anders wäre das TerUttnis, £aJls imr^m^ "stflin- 
bock' oder ähnliches bedentet, aber es lisst sich wohl nicht Ton 
iop^og jonges haar' scheiden. Aach das gr. ßHu^a^^ bei Fs. 
Ar. Hirab., sicher nicht ein echtgriechisches wort, reprisoiti^ 
wohl in irgend einer weise diese bfldong. Ein weiteres, nicht 
beachtetes beispid findet sich in alb. dreme ^irschkoh^ (i^ 
drfni 'hirsch") < *dhrendjfl (zur etymologie lidäi, Stodien 
6b).*) Schliesslich gehört wohl hieriier auch das nschw. dial* 
Witid, brinde 'elentier' < ^br-en-t-, das zunächst mit messap. 
ßgdmop = rj «cgal^ jov ila(fov Strabo VI 282, ßgipdov ' ikaft» 
Bes., alb. brini *stim, hom', (lat. front- 'stirn') zosammengehört 
(Xoreen, Urgerm. lautl. 137, Walde, Lat. et wbch. 247); das 
alb. wort gibt hier den •ii-stamm, brpn ist < *&r-{i- ent- 
standen.') Mit diesen worten gehören wohl in irgend einer weise 
auch pr. braydis^ lett. brlds ^elentier' zusammen, obwohl sie 
vielleicht eine andere stammbildnng yoranssetzen, vgl. Schrader, 
BeaUex. 372. Zn dieser kategorie von tiemamenbildongen ge- 
hörten wohl auch die musterbeispiele des aksly. -f ^-paradigmas, 
etwa stemt' *catulus', zrebet- 'faUen', oiroM- *kind' usw., vgl. 
Johansson, BB. 18, 21, Beitr. gr. sprk. 117 (wo auch lite- 
ratur) und weiter Persson, BB. 19, 282 f., Hirt, PBrB. 22, 231 f. 
und Osthoff, Et. Par. I 247 f. Mindestens zum teil für be- 
rechtigt halte ich die bemerkungen Osthoffs ebend. gegen 
Brugmann, Grdr. ü, 596. 

Dass die oben berührte bildung eine kontamination von 
älteren -n- und -rf,t-stämmen repräsentiert, scheint mir darans 
hervorzugehen, dass wir in gr. xoovSoq *haubenlerche', germ- 

1) Der etymologie Bezzenbergers BB. 27, 176 kann ich nicht beistimm^^* 
*) Vgl. drenze : dreni — ßQiviiov : alb. hrmi. 

•) Persson in seinen Vorlesungen vereint lat. front- mit ir. hroim ^^of^ 
stamm' und aisl. hrandar 'acroteria navimn ac domumn'. 



£iir 



ben 



433 



Vierut- in aisl. hjgrtr ußw. (vgl, Johansson, KZ. 30, 347 £, 
wo aach über aisl hnitr * Widder' < *£-r-H-rf-o-. Anders über 
dieses wort aber nicht stichhaltig, Fick, wbch.^ IH 8d), soviel 
ich sehe, eine deutliche zusamraenfüguBg eines -u- und eines 
-d-stammea haben. 

Einen andern bildunptypns repräsentiert, wie oben er- 
wähnt wurde, aisl. hind < urgerm. *}wnda- < *kem4-. Dieser 
findet sich wohl wieder in ae. colt *tiei junges, füllen', aschw, 
holder junge brut'^) : ai. gwii- ^junger stier' (Zupitza, Gutt. 148, 
TJhlenbeck, Ai, et. wb, 76, 78, vgl Bartholomae, IF, anz, 12, 24) 
< *gol-d-\ lat. ariä' * Widder* : lit. ^^tis *lamra\ vgl Walde, 
Lat. et, wbch. 44 und vielleicht auch in got, gaifs, aisl, geit 
*ziege' : lat, haediis 'böcklein' (eine mir unannehmbare wurzel- 
analjse der Wörter bei Prell wita, Et, wbch.^ s* v. /at^^i 
Walde, Lat et» wb. 281) < ^ghatd- (urgerm. V^i-^ flektiert 
als konsoaantstamm).^) Weiter gehört wohl hierher auch aib. 
nujFet mme 'weibliches fiillen' < *man-d'ia, nhd, dial. pien^ 
Imfruchtbare knh' > "^mm-d- (das wort ist wohl nicht echt 
{ermaniseh, vgh Walde, Lat et. wbch. 366, G, Meyer, Alb, 
Ht. wbch, 276), Besonders häufig ist aber dieser bildungs- 
:ypiis bei vogelnamen, wovon ich hier einige erwähne. So 
letzen lat, anat-, ahd, anut^ aisl, ond, ae. (ened^ lit, dntisf 
äkslv, qty^ ai, atU *ente' einen ursprünglichen konsonantstamm 
^nn-aÄ-, *an-t' voraus, wozu ein *na4' vielleicht vorliegt in gr, 
tnjüom, väaaa ^ente' (zuletzt hierüber Walde, Lat. et. wbch. 28)» 
Äi. äti' darf man jedoch vielleicht besser mit Tamm, Et» 
>rdb, 86^) auch zu aisl, tp/^, nschw, äda *eider' ziehen. Das 
germanisch' alavische wort für *8chwan', aisl, glpt, alpt neben 
äkslv. russ. lehedlj eigentlich ja 'der weisse' (zu alhus usw., 
^gl, Walde, Lat» et. wbch. 17), setzt eine ähnliche bildung 
^alhh-(e)d- vor, während russ, lehjadj, poln. labed^ < urslav, 
^Uhedi der anderen kategorie gehört. Neben idg, *ghan'S- in 
ai, hivma-y gr» /jjV, lat. anser usw, *gans' findet sieh min* 
destens ein germ. ^^an-d- in ae. ganot^ mhd. gante^ ahd, 
ganm£o usw. (lit. gändras *storch' ist wohl lehnwort), Weiter 

*) Nicht hierher gehörig nach Lid^n rF. 19. 

>) VieUeicht ^jeh/Jrt auch aißL kip 'junge ziege* hierher. Man könnte es 
«ft *^t-t- erkläJ-eii vitid mit av, ga4\cä 'hüntün^ kombinieren. Vgl. für die 
kiHeutnn^ aid. hnpna *jtiiige zieg-e^ : Jat. i^aitdm^ Osthoff, Et, Vzx. I, 250 f, 
ÄJsderE Aber kip Falk-Torp, Et. ordb. 360^. 

') Wo beacbtenswcrteB über die stammbildimg' von germ, ^anud-^ *anid-. 



L 



434 



Jar! Charpäütier, 



finden wir ein *ered-, *er-d- m gr. ^Qioiiig, lat. ardea 'hlher' 
nschw, ärta *eDte\ nslv. rSda *storch*, vgl, OsthoflF, Et Par, 
I 1B6. Solmsen, Unters, 76. Gr. mk$t&&- *a3liimba\ obwohl 
es aussergriechisch nicht zu finden ist, setzt wohl emß der 
erwähnten bUdiingstypen vor (es ist unsicher welche, denn 
-uä- kann ja sowohl < -ad-, wie aus -pd- entstanden sein). 
SchUesslich möchte ich gern dieselbe bildungsweise in einigeo 
neuschwedischen und isländischen vogelnamen wiederfinden: 
aisL $i€pa, glein-a *mÜ7Us' <: urgerm. *^l-ii- scheint mir nicht 
mit Noreen, Urgerm. lanÜ. 21, Tamm, Kt ordb. 217 b, Falk- 
Torp, Et ordb. I, 234 zu ags* glida 'gleiten* und dessen 
Sippe zugehören, sondern ist eher mit gr, ;rfX'«d*roy*) 'schwalbe, 
ut^X^^-^it ^^-Z^'^ ZU vereinen; die wurzel findet man wohl 
mit Persson, Studien 49 und passim in gr. ia/li^m ^schwurreo* 
wieder, vgl. auch Walde, Lat et, wbch. 288; lat, himnio 
*schwalbe' setzt übrigens eine hierhergehörige Stammbildung 
voraus , obwohl die etymologie nicht klar ist. Neben urfm. 
*sl'i^' steht *^l'aii-S-j *^l-m-d- in nschw. dial. glanta, dän. 
gletäe^ glinfe *milvus\ eine bildnng nach dem sef^öJ-typos, 
Aisl. gj6p7' *Pandion haliaetus^ norw. diaL ßske-(g)jofdX nschr 
diät judü}' (s, über dieses wort Hellquist, Nordiska studier, 
B. 187 ff) (wozu vielleicht nschw. ytidunge *altes männchen 
von eider* < * gii-d-n-^ä" < ^ghu-t-n-kö- vgl, ai, vartah* 
*wachter usw.) neben aschw. gjuse usw. erweist zwei wech* 
selude stamme *ghu*d- und ^ghu-s-^^) vgl. ^gfimi-s- anä 
*ghan'd- in ai, kfhhsa- : ahd» ganaz^ö^ vgL Falk-Torp, Et. 
ordb. I, 228. Nach diesen beispielen zu urteilen scheint es, 
dass diese bildungen besonders im GermaniEchen wohl ver- 
treten sind.^) Im Griechischea und zum teil im Lateini&chen 



*) Vielleicht auch germ *^u-t- in nachw. öial* ^utar, afad. crin^gtm, Tgt 
Hellqüiat in Nord. Studier üll A. Nor&eti s. 187 f. 

*) Weil es lucbt nmmttelb&r das vorliegende berührt^ erwähnte ich la^' 
nicht die fäUe von ti^rnamenbildting, wo etr -stamme mit anderen iiifflx«ii ^ 
d!t erweitert sind, oder vielleicht richtiger mit anderen konflonatttstluaat^o 
wechselten. Ich brauche nur an die nicht ungewöhnliche erweit^nm^ oü* 
h oder bh zvl erinnern* die k. b. in gr. i;ülv/aßog *taacher\ lat. pfünmbHf 
mlumbaj aga. f^ulnf^e tanhe' (tut etymologie vgL PreUwit«^ BB. 22, lOi 
Halthausen, IF, 10. 112, Lid^n Stadien 05; warum das wort auf lateinisclieT 
entlehnong- beruhen soU, wie es Pogatecher, Feetachr* t, YTH. allgem. deul- 
scheu Philologenvers. 1898, s. 103 ff., Wald, Lat. et. wbch. 134 wiB, ¥er- 



Zur ariflcheit woriänmde. 



435 



(anat) sind sie als konsonantstämme erhalten geblieben. Da- 
gegen scheinen sie im Altindischen (ati-f gaii-), im Keltischen 
(dit) und im Baltisch-SIavischen (lit. erytis, aniis, akslv* lebeix) 
in die i-deklinatioii übergegangen zu sein, was vielleicht 
darauf beruhen könnte, dass gewisse casus in dem ursprüng- 
lichen Paradigma von einem i-stamme gebildet wurden. Akslv- 
qiy ist ein fz-stamm* 

Ich habe oben ai. camara- < *kmn-fj4o- und gr. x^^uarf- 

< *Kf^i-n-S- erklärt; einen /i-stiimra finde ich auch in einer 

skTiEchen Wortsippe » die ich hier anreihe, Arnes, komonb^ 

fiech. komoif\ 'pferd',^) apr. mmnet dss- werden von Joh. Schmidt, 

Kritik 138*) mit lit, humiU 'stnte', humd\}s ^füllen* < *feo6- 

mon- erklärt und mit dem zweiten gliede zu lat. manmts 'kleines 

pferd' gezogen.") Für kimiSU habe ich in Le Monde oriental 

I, 22 eine andere etymologie zu begründen gesucht, und 

was die gleich nng komoiib : mamius betritt , wird sie von 

Walde, Lat< et. wbch, 366 mit vollem recht in zweifei gezogen. 

komouö : camnet erweisen einen w-st^mm, etwa *kom-efi'f der 



stihe ich nicht), akslr. golqbi uiw. vorUegt. Erweiterung mit k liegt vor 
iji ai. vartaka^ VachteF igr* oqtv^ i§t wie x^^vdo^ in beurteilen) usw. 
ObrigeoB bemerke ich zum schluäs» dass ich in den obi^n angeln ander- 
»etamg^n vielleicht hie und da versäumt habe^ literatiirfamweismigen ein- 
x^f^iTtn. Ich hait-e es aber uicht für notigi da die tatsachent mit denen ich 
operiere, allgemein bek&unt eeio dürften, obwohl ich hier eine mehr über^ 
ttichtllche znsatmnensteUung und Ordnung- der fSUe gegeben habe, die wohl 
tucht gan2 überflÜBsig sein mag. 

*) Vielleicht hierher auch akslv. konu *pferd*» wenn -^ ^kom^n^bj was 
lÄiir glaublich ist wegen der au afQh rangen J. Schmidts Kritik 138 ff Jedoch 
^um es anch -^ *kop-nb Bein (vgl. kopati 'schneiden') ♦ was vielleicht mit 
^. stdnoty in zuaanmienhang steht. 

») Vgl. Lcekieu, Sachs, abh. XIII uo, 6 a, 534. 

■) Das Vorderglied würde somit nach Schmidt u. a, mit kohyla 'stnte^ 
Xmd weiter mit lat cabülhijs *pferd\ cuhö Vallach' (gl.), kelt. *kabaUo scn- 
ftaoimengehriren. Da ja diese w5rber wohl sieher ursprünglich anseeriade* 
^rmanjsfhes enthalten (die vennntnng Waldes, Lat. et. wbch. 76, von 
^mem Zusammenhang nut ^a^ihä' *huf , aisl. köfr das. usw, tiberzeugt mich 
^ar nicht), kiinnte ja so etwas mögUcb aein. Jedoch scheint mir das vor- 
Üegende besondere Schwierigkeiten zn bereiten: denn erstens zeigt die sippe 
Ton caballuß eine im grossen und gaiizen dorchgehonds identische stamm- 
büduitg und weiter wäre es doch gan2 monströs , wenn man ein lehnwert 
*koh(uh mit einem gleichbedeutenden slav. *fnonit componierte. Solches darf 
loeb Dicht ohne ganz schlagende beispiele behauptet werden. 




436 




Jttd CfbsTpiEiitw, 



betrete des Tüirzelvokalismus mit ^kernen- in camard- mi 
ü§uaS- ablautet. 

Man könnte vielleicht einwenden, eine gleiehnng *pferd — 
ochs — hirsch' wäre in semasiologischer hinsieht nnbereehtigt. 
*Ochs — hirsch' kommt ja natürlich gemeinsam nuter 'honi' 
tier' zusammen, doch 'pferd' scheint nicht hierher zu gehören. 
Aber lat. illyr, mannus ^kleines pferd\ alb. mss^ mm 'mäDn 
liebes füllen von pferd und esel', mize, ^naze ^weibliches füllen' 
< *mandiä gehören mit mhd. menz *mifi*uchtbare kuh' za- 
sanunen, und erw eisten somit einen bedeutungswechsel *pferd — 
knh*. Lat armenium wird sowohl von ochsen^ wie auch tod 
pferden gebraucht, und aisL jgrmum bedeutet 'pferd* and 
*rind\ Ich kann somit darin kein hindernis ftir die etymo- 
logie, die ich oben zu befanden gesucht habe, sehen. 

3* Ah ga^pa- 'graskeime\ 

Ai ^por (poqja- U^ädis. 3, 28) bedeutet ^graskrime, 
junger trieb von reis' usw. Dazu gehört ^a^^iüjara- *gelb- 
rötlich schimmernd wie junger rasen' VS* 16, 17, 58 (TS. W 
sa^piüjara-) < *pa^pa'pifijara-j vgl Wackernagel, Ai. P- 

I 226, Uhlenbeck, Ai. et. wbch. 30Gb. Das wort ist etymo- 
logisch unerklärt^ denn die gleiehung Leo Meyers, Vgl p. 

II 601 mit lat, caespes *rasen' ist natürlich nicht stichhaltig 
(s. Walde, Lat. et. wbch, 82). 

Eine indogermanische Verbindung I + j? müsste ja 
eigentlich arisches ip > ^p geben, was im Altindischeo ^1^/ 
im Iranischen ^p geben würde. Jedoch ist dieser lautwandel, 
der ja nur ein ganz eingeschi-änktes gebiet hatte, dotcli 
analogie und systemzwang fast ganz beseitigt. So heisst ks 
2. b* ai» vi^-pati-^ av. tnspaiti durch anschluss an mf, ri^- 
statt des richtigen *vi^-päti-j *vis-paüi usw. Innerhalb des 
Avestischeu vermag ich kein einziges beispiel des ungesliJrten 
lautwandels zn zeigen, dagegen finde ich im Älündisch^o 
eben in gospa- ein solches. Es steht somit meines erachtea^ 
für *f^-i5)-a-, was ich aus älterem ^M-hp-o- herleiten möchte- 
ich ziehe nämlich hierher das germ. *Äa6- < "^hop -^ m ahi- 
ha/vor Oy aisL aschw. hafre *hafer, avena sativa\ was bishe^ 
etymologisch unerklärt ist.*) Die ältere zusammensteUnng 

i) D&äs 4^8 wort mcbts mit dem agntn, hagrt^ tuiHp (!w) hikra^ scliir'^ 
norw* dial» ha^rt 'avena* zu tun bat, ist durch die aosfuhnm^n Zupitia^ 



1 



Zur nT^clieii wortkim^t. 



437 



mit aifutn. hagre 'avena' ist von Zupitza, Gutturalen s* 31 1 
mit recht zurlickgewiesen worden (vgL unten), aber sein 
eigener Vorschlag ib. 32 fussn., das wort mit lat. cibiis zu 
vereinen, scheint nicht überzeugend, vgl. Walde, Lat. et. 
wbch* 118, Die bedeutungen *hafer' und *junges gras^ gras- 
keim' nsw* lassen sich ja sehr wohl vereinen. 

Andere ai, Wörter, die denselben lautübei-gang intakt er* 
halten haben, weiss ich nicht zu geben; am ehesten möchte 
man wohl vermuten, dass ha^pa-^ vä^pa- 'träne, dnnst' ein 
solches wort wäre; jedoch weiss ich wegen der wunderlichen 
Jautlichen gestaltuug des wart es nichts darüber zu sagen. >) 

^4. AL klidyati 'feucht sein', 
i, klidyati 'feucht sein, feucht werden' kl. lex., pt, Minna' 
geworden, feucht' kl. ep. lex. wird von Froehde, BB. 
8, 162 mit gr, nladog *feuchtigkeit', nlada^o^ ^feucht', zu- 



O'tttt 32 überzeugend tiochge wiesen worden. Auch die ^uammnensteUiing 
Zofritsis mit ir. mirce *avena\ der Falk-Torp, Et. ordb. I 277 mit nicht 
"^rfftigeo gründen widersprechen, ist wohl aufrecht zu halten. Ai. kaca- 
'fampthaar* (Falk-Toq> aao.) bleibt, so licl ich sehe^ besser fem. Denn 
^lüichnngen, die auf solchen bedentiiu|^en fassen, müssen besonders evident 
^ein, am angenommen werden tti kGnnen, Geg:en die verbind an^ von hamrö, 
h^afre mit hafr als ^bocksgras' bei Tamm, Et ordb, 193^ FaUc-Torp aao. 
^gi die treffende hemerkang Kluges^ 155 Auch Noreens or^eUe Ver- 
bindung — ügm. lautl 148 — von hagre — Imfre mit iat. avenu darf 
tiatHrlich nicht in betracbt komment vgl. Pedersen, IF. 6, 42* Walde, Lat. et. 

') Ich m^^chte hier «bwohl mit grösster reservatioH ein beispiel anführen, 

^lus möglicherweise Jtp ^ ^p oder aber skp =i- ^cp ^ $p entJiält, nämlich ved. 

^H^pitä-. Gewöhnlich übersetTt man daa wort mit 'g^ofahr, not' (BE. Grass- 

^Matm). Ludwig erklärt m mit 'das weit aas^espannte' nnd ähnUeh^ gesteht 

mber selbst ku (Der Rigveda 4, IIB. 230), «iass diese Übersetzung eine g&nz 

'^illkar liebe iat. Man hat auch eine etymologie tUr die bedöutnng *gefahr* 

dargestellt » indem man es mit gr. ajiiy6^ 'mager^ und air. Heim *eiiliB* 

Vergleicht, vgL Uhlenbeck, Ai. et. wbch. 290 a. Das Wort ist in liY 7, 60. 7 

.joärmm nö asya vi^piiäsya par$an und 8, 72, 3 dti nö vi^pitä näitbkir ap6 

"ma par^atho^ belegt. Es scheint mir Mn besten, diia wart mit 'schlncht, 

^hgnmd' KU ilberuetzenj vgl BV 2. 27* 5 pari i^idbhrcva duriiÄni vrjyäm 

«ind Bomit könnte das wort -= *^iskpätö' entstanden sein imd mit gr. 

^ttjiiior ^gruben' (za oxtlfitta mit volarem k) geboren. Dies ist jedoeii nur 

und gar tmaichere Vermutung. 




1S8 



J«n 



bwpentleT, 



sammeügestellt ; er erklärt ai, Mid- < *t|d-'). Die etymologie 
ist meines eraclitens ganz richtig, aber die lantlicheü Ver- 
hältnisse sind wohl etwas anders zu fassea als es Froehde tut 
klidyati kann man nicht wohl von af. kladivant-^) *feacht^ 
in AV 7. 90, 3 (avüsthäsya kladivatah ^anhiräsya nitödma}}) 
scheiden, und dies scheint mir zu erweisen, dass man klid- 
< *q^M' erklären muss. Die formen mit a ai, kUdayaü 
^befeuchten* kl, lex., kl&da- Feuchtigkeit' ep, kl.j kledana- adj* 
*feucht machend' lex. (als suhst. n. 'phlcgma, scMelm' ep. E 
lex*) sind somit in indischer zeit entstandene ablauisentgld- 
Bungen, was ja nicht befremden darf. Man bildete kledayoii 
2U klid-f wie man vedayati zu vid-y ve^ayati zu vig-^ cBtüye^i 
zu cit' nsw, hatte, klid- ist somit = gr. nlaS- < ^nUt- 
(Lid^n, Studien zur al u. vgL sprachgesch. s. 49 Terbindet 
nXii^og mit *pel'^ *pI' in ai. palvald- *teich', gr, ujjXog *lehmV) 
lat, pahis *snmpf , üt p^Uce *bruch\ lett. pel^e^) *pfiitze, p. 
niilHog ' nf^log Hcs., slh. pelk 'pflitze' USW., was mir weniger 
glaublich scheint, da eine ti-erweiterung *pl-d- oder *pM- 
ausserhalb des Griechischen nicht erwiesen ist). Mit ai. Mii% 
hhdivant- vereine ich auch urgm. *Äia-?i-rfa- < *klo'U-i6- m 
mL ae. htand ^urina' eigl. 'feuchtigkeit' (anders aber meines 
erachtens minder richtig Zupitza, Gutturalen 118)» Die vmte^ 
wäre somit *klödf'f *klad-, 

5. Ai. libujä- *gchlinggewich8** 

Äi. lihiijü' 'Schlinggewächs, liane* kommt vor KV 10- 
10, 13. 14, wo es im gespräch zwischen Yama und Y&mi 
heisst (v. 13) at^yä küa tväffi kak^n/eva yuktäfk pari ^jäi 
Itbnj^a vfk^äm und (v. 14) anyäm n ftt tvwih Yamy a«ya ^ 



1) Übet TtJLRcToc vgl. auch Besezenberger, BB. 27^ I7ö^ der lett pliäi^^ 
^b&den-f piideH%8 ^glittetiif^' usw. heran debt Ei ist hier schwierig ^ 

entecbeidoiig zu treifes, jedoch kalte ich die von FrOhde tmd mir ^^^ 
WDiteto etymologie für ebensowohl mögLieh. 

*) Es gehört dies tJi den -ra*t^ab]oJt«ngejj mit yerliogerteiD vokil ^^^ 
dem süffijo wie k* b. di^vavant- (neben dqvavant-)i gr. ^fcr/j-üf -^ *^f^^' 
/iyt- nebea ^ioo^^ idktivant- "iDÄchtig* asw.^ vgl, Whitnej, Gnumn.» 414. 

^) Anders aber meines erachtens unrichtig über nfjl6s iSeinmer, Grit^^' 
laatstad. s. 741 

*) Aßdßra über dieees wort Bezzenbergert BB. 27 ^ löO ftissn. (fgl *0C^ 
Fick, BB. 22f 231), wsb mir aber wenigstenä Kweifelh&ft scheint 



Zur atitehen vortkunde. 



439 



tväfh pari svajäte Ubujeva vrhdm. Weiter ist es in AV6<8^ L 
Kän^. 35 TMBr. 12. 13, 11 belegt. 

Das wort wird von de Saussare MSL. 5, 232 mit akslv« 
lobsmii^) *küssen' zusammengestellt, was ja sehr probabel 
aussieht^ meines erachtens aber wenig glaublich ist. Denn 
lolmmti katio wohl zusammeD mit lohuö *kiiss' nicht von lat. 
hmho *lecken\ ahd. Uffan dss., aisl. lepja 'wie ein hund 
^nken' usw. getrennt werden (s. bei Vaniöek, Et wbch* 250, 
Cnrtias, Grundztige* 363 und zuletzt Walde, Lat. et, wbch» 
322). löU^B enthält freilich ein idg. *labn^', was aber am 
nächsten mit gr, Xatpvaatü *Yerschlinge' < *labß)a^4ö zu- 
mmmengehalten werden muss. Sonach scheint es mir voll- 
kommen berechtigt, die etymologie von Ubiija- in einem anderen 
zusammenhange zu suchen.^) 

Man darf wohl nicht daran zweifeln, dass es mi. Wörter, 
wenn auch in geringerer ausbreitung, als man früher an- 
zunehmen geneigt war, innerhalb der vedischen ütei^atur gibt, 
und es scheint mir, dass wir in Ubitja- ein solches finden. 
Ich erkläre es nämlich aus *librjä-; von einem solchen 
mi* lautübergang finden sich im RV. mindestens zwei 
einwandsfreie beispiele, nämlich küiiaru' *lahm am arm* BV. 
3- 30, 8 (zum späteren ft?cj,ii- dss., Wackemagel, Ai. gr. I 21) 
Hnd pmiya- 'günstig' RV. 2. 43, 2, pn^ya^gandha- ^schön 
duftend' RV. 7. 55, 8 (das der bedeutung wegen etwas un- 
sichere küfa- RV. 1, 46, 4 lasse ich hier bei seile). Hihrjü^ 



^) Ei fragft sich, ob Blav. ioh^ wirkMch -* ai. Uh' -^ *i^b' entstanden 

A^iii kann. Vielmehr deuten gewieae zeichen dahin, da&9 man eher ein tLav. 

% &b ein &!& Vertreter desä idg-. 9 ansehe q darf. Vgl. darüber zuletzt Ost* 

;iioff, Et Par. 1 , 264 1 mit treflender kritik der aoffiweung Hirte^ Ablaut 8. 16. 

*) Warum man diese Wörter von der edppö von labium 'lippe' trennen 

*oil, wie e» Walde a. a. o. will, begreife ich nicht recht. Eher gcheinen 

^ir mehrere verhäitnigse darauf zu deuten ^ daes die w(;rter verwandt Bind. 

Bo finden wir einen wecfaael *lab(h)- : *lap(h)- in lambo x apr. tapiniä ; 

^(fi'dffiti i lamtv 'lechze, schlürfe^ -^ Hanjifj (warum dieü zn Xala^, lett, 

^^t gehören seil, ist nicht t\i sehen), und *ic&;|p- in ^6fi*m : pehl. Itip *lippe\ 

^^l WaJde, Lat et wbch. Mb mit Litt. Weiter ergeben rieh folgende 

■täumie bei labium t (lö&s^a 'kuäs' bedeutet wohl eigentlich iippe', denn ein 

•oUiier stamm ist nicht bei abstrakten werten gew^ihnüch) *tcb-lö- in labtutif, 

e^na. *tibja-, *lebr(h in labrum^ *kb-e&- in nhd. kfi^e und vielleicht lat. 

I ^^ibmtm (Wdde a. a. q.), und dazu Mgt sich woh) das *lob'ti-§- in slav 

ie^u^ daa deutlich ^ein -§' aui einem uraprüngBchen rn-paradigma er- 

^^\m hat 




440 



Jiri ChafT>«nü©r, 



das somit die echt altiodische form wäre, ist weiter aus idg, 
*Uhr§'^ entstanden. 

Ich möchte das wort mit lat, lährmca {utm oder vUk] 
*die wilde rebe' verbinden. Dieses wort ist zweimals io 
verschiedener weise erklärt worden. WhartoD^ Et, lat. 5(1 
verbindet es mit lahrum als 'die an den rändern der weiD- 
berge wachsende', was von Walde» Lat et. wbch, 316 mit 
recht zurückgewiesen worden ist,^) Aber mit Waldes ebenäa 
zweifelnd aufgestellter etymologie, lalmtsca wäre die 'hm* 
liehe (nicht unter aufsieht und pflege wachsende)' zu gr, ka$^k 
'heimlich', scheint es mir nicht besser zu stehen, Sie ist laat- 
lich richtig, wenn la^^o; nicht aus *laT-o-^o- entstanden i«t, 
aber das scheint mir auch alles zu sein, was man Mgeü 
könnte, um sie gutzuheissen, Semasiologisch scheint sie m 
sehr wenig einleuchtend* lährusca möchte ich aus *l^hrucscü 
erklären und dies weiter < *lährg-skö'\ man kann ja ein- 
wenden, dies würde ein lat. Hakitmca > *lähusca geben, aber 
es seheint mir gar nicht unwalirscheinlieh, dass ein mUl 
^lähr(§)ska sich zu Väbrosca > läbrusca entwickelte, um *e 
schwer sprechbare lautverbindung in Haktrsca zu venneiden- 
Nach lährusca sind wohl atntBca und a^nuscüf namen Ton 
verschiedenen weinrebearten, gebüdet. Was das sufQi -sh- 
in pflanzennamen betrifft, vergleiche man z, b, lat viseum < 
"^vicsüum : gr. i^og ,mistel'; lat. mculm < *aig-seo4o' : gr. aifa^^i 
'schwai'zpapper, aiyiXm^f ^eichenart', urgerm. ^aika- usw.*) 

Noch ein lateinisches wort reihe ich hier an, nämücJi 
lUhuTnnm 'der breitblätterige bohnenbaum, Cytisns Labmmöm 
L/, was ohne etymologie bei Walde a. a, o. dasteht. Icli 
erkläre es < *läbornO' < *Uhr'Uo-. Es scheint aber mir 
ziemlich deutlich, dass wir hier in Ubttja : lübrusca : l^mmf^ 
die spuren eines einstigen paradigmas *?ff&?-^, gen. *hhnes t^ 
sehen haben, d. h. noch ein beispiel des von Johannes Schmidt 
in seinen Pluralbildungen aufgestellten typus der neutraleQ t>' 
Stämmen. Die von Schmidt angenommenen beispiele sini 
idg. *isrg* *^mies *blut' in ai, (m% gr. ec^p» lat. asBer nsW* 
(s. ziüetzt Walde, Lat. et. wbch. 48) und *jpef-r'j^> '^p(e)tm* 



{ 



i 



^) Dageg'&n machte ich nicht verneinen, dass vieUeicht die inssere '. 
geataltmi^ von labrmca durch Icbrum beeinflnsst geworden ißt, 

') VgL weiter *ob-s1*o- iü iirgann. *mka-, arm. ha^i tu *ö«-i- io Ui 



Zur anaehea wortlnuide. 441 

'feder, iiüger in ay. fra-pfc?r£ya>ii-, gr* nxigv^ usw. Dazu fügt 
Johansson, Beiträge s. 1 ff, sechs neue beiBpiele, nämlich *qcirgt 
"^qß^nes *fels* in gr. nirga, lat, tri-quetrusj aisl. huepra usw,, 
*östhfgf *3sthne$ 'bein' wegen gr- aetgayaloQ, oatgmxor, oirtmxo^ 
usw,, *9kfg^ (ä}kms *horu' in gr, iHmvu, ^Ax^ayavT-t x^ayympt 
ai* {fnga UBW.^ *leuqr9^ Hnqms *lichf in lat hLC^rna^ gr, 
kvictißuvt-, "^pelrg^ *p(e)lnes *fels* in gr. ndlXa, nekioQ usw. und 
*paurg^ *pimes *feuer^ in ai. pavaka-^ arm, hur^ gr, nv^^ got 
fön usw. Noch ein beispiel ist von Bartholomae, IF. II, 118 
füsm. 3 aufgewiesen worden, nämlich ai. mastak^ *schäder, 
tnmtwka- 'gebira