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Full text of "ZEITSCHRIFT FUR DEUTSCHES ALTERTHUM."

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# « 









^' A 



^ 







ZEITSCHRIFT 



FÜR 



DEUTSCHES ALTERTHÜM 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



MORIZ HAUPT. 



DRITTER BAND. 






tfh 



LEIPZIG 

weidmann'sche buchhandlvnc 

1843. 



BRUCHSTUCKE VOM NIEDERRHEIN. 

Der königlich preif/süche ^teuerintpector und vereinscoti' 
irolleur C. Becker, dermalen in Pq/sau, übersendete mir 
unterm 28» juni 1842 folgende von büchereinbänden abge- 
taste pergamentblätter. 



Em JhHoblatty 2 spalten, je 45 geilen^ somit 180 verse^ 
aus Freidank*, aus einer lateinischen bibel {Köln, Quentel^ 
1527), früher eigenthum der abtei Elten unweit Cleoej ab* 
gelöste 

anfang Swas gesundet hat zin leben 

Vn swem er scaden habe getan 

Des habe er in alles ledic gelan 

Swer des giet der ist bet^gen 

Vn hat den pabest angelogen 
= Alle aflais liggent da ni^'der 

Wan gelt vn gib wieder 

Dein aflais d&nket toren gut 

Dem eyn goch dem andern tut 

Die genade esele wol gezi'lnet 

Das er eines ochsen zünde m'^met 

(M)arbo6ten vn ander wi^'rte 

Gebären vn hirte 

Vergebend alle z&nde da 

Die genate ist.niergen anderswa. 

* hei dieser ^Gelegenheit möge bemerkt werden dqft bei fP'h, Grimm 
9. VI Strafsbarger papierbandschrift und mitte des 15n jb. gelesen wer* 
i/en m^ft. 

Z. F. D. iL IIL 1 



2 FREIDANK. 

Die folge der spräche ist diese, 
s. 1 sp. a. 150, 3. 4 : 5. 6 : 7. 12 : 13. 24 : 25. 22 : 23. 
26 : 27. 151, 1:2. 7:8. 9 : 10. 11 : 12. 13 : 14. 
150, 8:9. 10 : 11. 20 : 21. 151, 1 : 2. 7 : 8. 9 : 10. 
11 : 12. 13 : 14. 150, 8:9. 10 : 11. 20 : 21. 151, 
3:4. 5:6. 148, 4:5. 6:7. 8:9. 10 : 11. 153, 

7 : 8. 148, 14 : 15. 

s. 1 sp. b. 148, 16 : 17. 18 : 19. 20 : 21. 153, 23 : 24. 

2ftl26. 163,27 1 154,1. 151,23:24. 154,2:3. 

4:5. 39, 10:11. 12:13. 14:15. 16:17. 129, 

9 ^ 10. 11 : 12. 13 t 14. 132, 2 : 3. 4 : 5. 21, 17 : 18. 

21 : 22. 11 : 12. 13 : 14. 15 : 
s. % sp.ü. 21, : 16. 19 : 20. 23 ; 24. 25 : 26. 22, 12:13. 

14 : 15. 23, 7 : 8. 9 : 10. 177, 3 : 4. 23, 1 : 2. 3:4. 

5 : 6. 22, 4 : 5. 2 : 3. 22 : 23. 24 : 25. 26 : 27. 6 : 7. 

8 : 9. 10 : 11. 178, 14 : 15. 16 : 17. 18 : 19. 

s. 2 sp. b. 178, 20 : 21. 22 : 23. 24 : 25. 26 : 27. 177, 

9 s 10. 11 : 12. 65, 14 : 15. 16 : 17. 70, 12 : 13. 
14 : 15. 16 : 17. 128, 14 : 15. 18 : 19. 16 : 17. 29, 
2 : 3. 4 : 5. 66, 13 i 14. 15 : 16. 17 : 18. 19 : 20. 
21 :22. 23 : 24. 67, 1 Durch wort ein wilder slange gat, 

hiermit abbrechend. 



Bruchstücke eines gedichtes von konig Adolf von Nas- 
sau und seinem fall in der sehlacht bei Cröllheim am 2n juli 
1298. gänzlich verschieden von dem gedichte des Hirzelin 
(bei Rauch scr. rer. austr. 2 tmd Crraff Diut. 3, 314^.) 
das demselben gegenstände gewidmet ist. 

Der dichter zeigt sich hn kmmpfe gegemoärtig (192. 
290) ; daher seine lebendige theilnakme, seine klage um die 
einzelnen gefallenen (259. 465) und nmmenüieh um den kö- 
nig Adolf (ien vait von R6me 229, (lenRAHi»re 246. 265. 
271) selbst (531 /.), cfe» die ßirsten doch alle gewählt hät- 
ten (526). wer an seinem tode reckt schuld s^ will er nicht 
sagen (525), atich nicht recht , wer aus der schlacht geflo- 
hen (368. 594). 

Dqfs er vom Niederrhein war zeigt die spräche {ob" 



ADOLF VON NASSAU. 3 

schon schreiberflüchtigkeiten eine zweite ahscknft vermutem 
Iq/sen) und seine entschiedene theilnahme ßlr Adolf (529 
— 556) 5 doch ist er auch gerecht gegen die feinde (267). 
aber er sagt sogar van unser siden (323). umnittelbar um 
den kaiser war er im augenblicke von dessen falle nicht* 
dtjfs ihm Albrecht unter die äugen gestochen und die wild' 
und raugrafen ihm vollends zum tode verhelfen hat ihm 
Dietrich von Bräubach erzählt (371). aber das gedieht mti/i 
unmittelbar nach der Schlacht gefertigt worden sein, als 
niumasre im reiche: er redet Adolfs söhn Robert mit dem 
besten wünsche an, als wäre derselbe noch in Albrechts 
oder in des Mainzers gefangenschqft (386). 

Da^ vielleicht nicht kurze gedieht ist deshalb durch- 
webt von lebendigen selhstaufgeworfenen und rasch beant- 
worteten fragen (313. 420. 430) und scheint überhaupt reich 
an frischen zügen gewesen zu sein, so heifst es z. b. dafs 
noch ein rosenrother mund sich freue der tapferkeit des 
ritters den jener zum kämpfe getrieben (599, vergl. 9. 50. 
105. 569), ja dafs die enget lachen und gott frage wn die 
tapferkeit Dietrichs von Rimsberg (580y.), bei dem er sich 
Dietrichs von Bern erinnert (582), wodurch wir berechtigt 
werden bei der bezeichnung des unmittelbar vorhergehenden 
Siegfried von Lindau (von Lindauwe Syverit, de was ein 
enstelicher smit 579) auch an Siegfrieds aufenthalt in der 
schmiede {ffHi. Grimms heldens. 72 ff.) zu denken, wie nicht 
minder kurz vorher (568 ff.) in den werten Markolf von 
Larheym lach da doit, der sin herze ney geboit zu valsche 
noch zu dorperheit eine anspielung an den Markolf im Hede 
zu vermuten. 

' fVas wir über die Schlacht bei GöUheim aus den ein' 
zelnen chroniken. Albert von Strqfsburg, Ottokar von 
Homeck {ganz aif Albrechts seite), Ellenhard, Heigen, bis 
auf Günderode, Eichhorn^ Menzel, an einzelheiten wifsen 
hat der jetzige Kölner coadjutor Johann Geissei als dorn* 
capitular zu Speier in der schrift ^die schlacht am Hasen" 
buhl und das königskreuz zu GöUheim^ {Speier 1835. 114«. 
8<>) zusammengefqfst ; doch war ihm Hirzelms gedieht in der 
DtuHska entgangen, unser bruchstück fügt manchen namen. 



4 ADOLF VON NASSAU. 

auf des Nassauers und des Österreichers seite ktnsu und 
stellt uns mitten in die gemütsbewegung der zeit. 

Es sind ztoei doppelblätter, die wir nach der bezeich- 
mtng ihres ß?iders und mittheilers, des vorgenannten hn 
Becker^ A und B nennen, sie rühren aus dem einbände 
eines gedruckten werkes her welches früher eigenthum einer 
klosterbibliothek su Münster in Westfalen war. tirs^priing^ 
lieh waren es vier blätter; die zwei fehlenden gicngen ent- 
weder verloren oder finden sich noch unter zurückgelafse- 
nen papieren in Köln, 

Von den vorliegenden blättern schildert A 1 auf spalte 
ab cd einen minnehof da eine frau ihren boten (den dich- 
ter?) hinsendet recht und sprach zu verklangen, ob eine 
fraUy der ein ritter treu gedient^ ihm, wie er verlange, 
lohn schuldig sei: der hof, an welchem Kraft van Ryfer- 
scheit (63) des ritters fUrspreche ist und die grafen Gerart 
van Guyige (125) und Johan van Spainheim (148) urtheil 
abgeben, spricht zu recht, dqfs die frau ihm das herz, 
nicht den leib, schuldig sei (122) und dafs dies anders neit 
dan durch huide Thnote) sines lives unde ir 6ren geschehen 
solle (122); mit welchem urtheil van Grifenstein der minne 
Lneht (also der dichter? aus der Wetterau oder aus dem 
Roblenzischen? schwerlich aus dem Osterreichischen) fort- 
eilt : dat urdeil mir beschreven (aufgeschrieben) wart — ich 
machde mich .up mine vart: mine vrauwe ich alleine vant 
(157 — 159), und diese ergibt sich im allgemeinen dem 
Spruche (168). 

Hier bricht bl, 1** ab. das gegenblatt versetzt uns mit- 
ten in den kämpf der beiden könige, koninck Adolf und 
des van Oistenriche, und zwar unmittelbar vor Adolfs fall, 
wie er unaufhaltbar (s. Ottokar 627. Geissei s. 100) in das 
wädeste Schlachtgewühl dringt^ koninc Adolf unversunnen 
dränc, als ein mann de nä dem ddde ranc u. s. w. (489^.) — 
der werde koninc de lach doit (524). der dichter bricht in 
die frage aus wen sal ich des geiven scholt? alle hatten 
ihn gewählt und ihm geschworen und er war ein christli- 
cher könig, ein werther graf, ein kühner ritter der sein 
sehwert oft in weibes dienste zog: gott nehme dich, könig 
Adolf y in sein paradies auf viele junge herren (^60 ff.) 



ADOLF VON NASSAU. 5 

blieben da gleichfalls todt^ Wilhelm von Kronenberg ^ Markoff 
von Larheim. tapfer schlugen sich durch (575) Nafsauer, 
Laurenburger und Siegfried von Lindau (578), Dietrich 
von Kirensburg (580), Johann von Rijnberg (588), Her^ 
mann von fVirtbach (596), Kontad von Mayle (602). Awr- 
mit bricht das bruchstiick ab. 

Das doppelblatt B^ i a b hebt an mit dem beginne der 
Schlacht, wir sehen die banner sich rotten (178), hören 
trommeln und posaunen (179) und den leisen (In gotes na- 
men varen wir 183, nicht Sant Maria, muoter unde mait, al 
unser n6t si dir geklait, wie Ottokar 626 sagt) anstimmen* 
wir sehen beide könige (254), den löwen und den aar 
(194/. 218); der voit van Romc (229) aber {Adolf) spricht 
sein gebet (230). 

Auf sp, c hat der Romer (246) den B^heim^re (244. 
268. 271) überritten (246) und getödtet (271). 

Auf sp. d sehen wir auch den adler (Adolf) verhauen 
zur herberge gebracht (291); der dichter ist gegenwärtijg 
tmd fuhrt einen spruchkönig Rudolfs (von: Habsburg) an (300). 
BL B 2 a zeigt uns wieder mitten im kämpfe fVigand 
von Franken (304), Gerlach von Cleve (305), den von Baier- 
land (312); sp. b den grafen Eberhard von KatzeneHenbo- 
gen (255/.) und seinen bruder (364); sp. c zeigt uns flüch- 
tige, auch das königskind graf Robert (386), daz kint van 
Nassauwe (392); nun gilt es van der ander siden (405) ge- 
fangen nehmen (A07ff.). tapfer wehrte sich Dietrich von 
Randeck (421), auch das banner von Eppenstein (427). 

Nach dem gange der geschichte müste das letzte blait, 
da Adolfs söhn Robert, der treu neben dem vater hielt, 
hier hört dat der koninc wsere doit (395), den ausgang der 
sehlacht, da auch jener gefangen genommen wurde, dar- 
stellen, B \ a aber den beginn {a das anrücken, b Ado^s 
gebet, c einen kämpf desselben mit dem B^heimaere, dem 
böhmischen szuppan, Zawisch, und d Adolfs stürz mit sei* 
nem pferde {Geissei s. 52)), so dafs nur jenes gerüehi 
(msere 394) von seinem tode zum söhne gedrungen, wenn 
die beiden blätter, was auch von der bequemlichkeit 4e$ 
buchbinders zu vermuten sein wird, würkUch auf einander 
folgten^ dann reihte sich, soweit ohne zwischenblatt zu 



fi ADOLF VON NASSAU. 

^teehen ist, bl. B 2a an, wo einem tackt mehr namentlich 
ßrkennbaren ritter der de den anker droich (441) entgegen- 
ßilt, der aber bleibt (469). nach der klage um seinen tod 
mnuffs dies ein adolfischer gewesen sein ; auch heijst es gleich 
danach koninc Adolf vuoir den sinen nä, stich slach väk vä 
(472 y.), uud unmittelbar reiht sich daran sein kämpf mit 
jilbrechtt der ihm ins äuge stach, wonach der raugraf 
(de rü Georgias fi09) das übrige that, was hier abschnei- 
det, nach anderen berichten aber bei Geissei s. 55 erzählt 
wird, hierauf B 2 c die klage um Adolf und d die erwäh- 
nung der gebliebenen. 

fVir werden hiemach wohl genöthigt werden die bei- 
den doppelblätter in einander zu legen, unbekümmert wie 
viel zwischen ihnen fehlt, so zwar dafs A 1 mit der er- 
Zählung vom minnehofe begönne, ob es sich hier um eins 
der vielen liebesabenteuer Adolfs oder um die minne zu sei- 
ner Imagina handelt^ die während des kampfes bei Göllheim 
an kloster Rosenthal gebetet hatte und den todten nachts 
a»{f der wahUtatt aufsuchte {Geissei «.86. 106)? eine blofse 
erßndung des dichters kann nicht gemeint sein, da die gra- 
fen von Reiferscheid^ Jülich und Sponheim genannt werden, 
deren bürgen alle am Niederrhein lagen, an welchem sich 
Adolfs Schicksal bewegte ; der von Sponheim führte nament- 
lich in der Schlacht die Nahgauer {Ottokar 628). wenig- 
stens scheint das hier angeknüpße bild sich durch das ganze 
gedieht fortzuspinnen. auf B 2 b he\fst es nach erw ähnung 
des grafen Eberhard von Katzenellenbogen swich, minne, 
Bwiohä swich 1 und sp. d von des königs sohtie Robert 
sohauwe, minne, schauwe dat kint van Nassauwe. aber der 
dichter wünscht sich auch^ als er vom Baier spricht (B 2 a) 
bedde ich sinne unde kunst unde suoizer minnen denne gunst. 

Der buchbmder hat uns die blätter wie angegeben ge- 
knfffis so Iq^en wir denn hier bl, A 1 auch voran stehen 
und zählen danach, die blätter A sind oben und unten 
beschnitten, die blätter B blofs unten ; von letzteren dürfte 
die hä(/ie fehlen, nirgend steht ein punkt am ende der Zei- 
len, innert der zeilen öfter comma, auch punkt. anfangs- 
iuckstaben der absätze, die aber nicht abgerückt sind, roth. 

.- \ H..F. MASSMANN. 



ADOLF VON NASSAU. 7 

Jl \ a 

Hie vaad ein flos ein segU 

Der minnen atzi male. 

Si is vreade vnde qoale 

Ritter herzen grftndLs: 

Si is vreude vrendis vnndis, 5 

Dey troiste in herze sendit 

Vnde alle serge swendii 

Vnde lichtit swair gemude. 

Ir munt vol rosen rüde 

Kunde mich ane spreohen. 10 

Durch min herze nebyl breehea 

Began ir ougen sunnen glast 

"An sich gehaft vn gehasf 

Sprach si *hait dey minne 

Min herze vnde mine nnne. 15 

Dine zucht mich eit des meide : 

wach, na deynstes gelde 

Eyji ritter zä mir sprichit, 

Wy krenkit vnde briohil 

Min herze reychle in mitten. 20 

In der ritterscbefte smitten 

Hait bey gew^kit reychte vn eyn werc. 

Dey warheit hait des geyn verberc* 

Sin s&ysser liif nä loyiis gert. 

Wye w&rde bey des intwert? 25 

Wye hedde icb dan gevaren so? 

Min herze in wfirdis nftmmer vre. 

Ouch tr&we idi emisr bemmS mül. 

Sin heyser sweis, sin eydil bl&l 

Mit sines gftdis koste rieb 30 

Vnuner royfent ooer mich 

Vnde royfent v&r d* minnen throyn. 

Geyne ich eme onch deynstis loyn« 

Vnz beyden dat gar na hey lyt. 

Vfir verl&ste vns mache cpiyt 45 

Gfit geläste vnde dye hoiste hantj 

f. dmrük$elmm9n. vand tmHektr. 19* fioM gehaft camma. 
16. eit] ükL %!t. vn imtfii woM geHfiekm werden. 



8 ADOLF VON NASSAU. 

Ich meynen vnser beyder pant: 

Dat is sine ere vnde sin lijf. 

Nu dichte seine vn schrijf, 

Wye ich min herze hey tusge drage. 40 

Mit truwen rait vnde sage, 

Wy ich also wenie 

Dat sin loyn neit verderue 

Vnde wir beide sieher sin 



b 
Lant mich vrage vnde sayn, 45 

Dye de minne kunnen drayn, 
Dat si mir geynen lere 
Wye sin lijf vnde fr ere 
Vnverlustich muge sin. 

Vil mangis radis mundis schin, 50 

Dye herze kunnent heylen, 
Solen mir helpen deylen/ 
'Du en salt beyden langer 
Sprach si: 'mir wart ney banger. 
Den wech salt du wenich sparen 55 

An ien dich dis wil wail erwaren 
Dey wissen vmbe minnen reicht, 
Id si ritter oder kneycht.* 
Minen wech ich hin reichte mas. 
Zu lanc gereiche di" minne sacz. 60 

Van deme perde ich an gerechte trat, 
Eyne vursprege mir geyuen bat:. 
Min hirre kraft van ryferscheit 
An minen worde da erscheyt: 
Hey verdingende sich vn mich, 65 

Gespregis gerde hey weder mich. 
Ich nam den ritter np eyn ort 

45 ff. hier spricht wohl dir boti, der nuBne kneht (157). 
45. durehsehnitten, nmn sieht nur yrage. 48. nach lyf eomma. 
61. trat/flif erloschen, 63. Re^erscheid in der E\feL 64. fast 
schimmert erscbeyn [er^cheyn ist wohl richtig und ryferscheit in der 
vorigen »eile ein Schreibfehler ßir §^yfensteyn ; *. 155—157, wo 156 eine 
Parenthese enthält, 157 mi^ 155 zu verbinden ist und den satx beschulst 
danach ändert sieh inhaltsangabe und Vermutung oben s. 4. Hpt.] 



ADOLF VON NASSAU. 9 

Vnde sachte eme alle mioe wort, 

Dar ymbe ich dar was gesant. 

Miner vrauwe neig hey zu hant. 70 

Hi"* sp"ch 'di"* reyde is mir wale sleght, 

Ich verstayn mich up d* mine reghtz 

Vur den vrauwen allen 

Muis vns dat vrdeil vallen.' 

Zu hant hi" an gerethe geynck, 75 

Sine wort hi" sus ane veynck: 

Hey sprach 'eyn bode is gesant 

An dit gerethe durch manich lant, 

Deme in kan ich doch neit kome bi| 

Van weyme hey her gesant si« 80 

Bi deyme stayn ich eyne 

Eyn vrdeil al gemeyne. 

Hey bescheit an gerethe hey 

Sine wort, di* mich sagen wey 

Eyn ritter hait gedeynit vil 85 

Eyner vrauwe, des hie haue wU 

Loyn na siner wirdicheit 

Dey hey in mangen lande dreit 



' c 
Gequetzit vnde verserit 

Is des seinen ritters lijf« 90 

Des geit eme des eydel wijf. 
Mit den vrauwen sich besprach 
Reychte als das dat vrdeil sich v^iaeh. 
Man zalte her, man. zalte dar» 
Dey warheit nam des endis war, 95 

Als man an minnen reyche vant 
Dey vrauwen geynge alze hant 
Weder an dat. gerethe. 
Hien trurich herze diehte, 
Wyc si dort her swungen, 100 

Vi^ye vur der vrauwen drängen 

75. es steht hans gerethe sieht auch 7$. 83. 98. vergl. 61. 

88. 89. durchschnitten. 91. Des ^^ des] f. 188. 94. vor und 

nach her emnma. 99. so* 



10 ADOLF VON NASSAU. 

Dye kamer e drinc a drinck, 

Mit wisen steyuen swinc a swinck, 

Wye vlirich ougen blicke, 

Rode m&ndelin neit zu dicke lOd 

Van vures varwe scbine 

Vp ritters heyze piiie 

Sunder lacbgeliche. 

Da gesayssen alle gelicbe 

Bittere vnde vrauwen. 110 

Nu sal man wunder scbauwen. 

Vp stoynt' der eydel lijf wol zart, 

De vrauwe, di° gevragit wart: 

Si spracb alsas 'eyn vnd^scbeit 

Geit mir der massenie sin, 115 

Als icb al bey gelerit bin. 

leb bin alsus geleret bey: 

Deynst gerde loyns bey. 

Der ritter bait gedenit vil. 

Ist dat eme genfigen wil 120 

Also dat dat eydil wijf 

Eme ir berze deylit sonder lijf 

Mit sinne vnde mit muyde 

Vnde anders neit dan durch buyde 

Sins liues vnde ir eren, 125 

Wil eme den loyn neit meren, 

Hey bait wail reebtis lonis zil. 

Vurbas ich neb sprechen wil, 

Dat sal an sin^ käre steyn : 

Si in mach ym anders neit intgeyn, 130 

Hey In solde he lonis sin gewert 



d 
Eyn alder beyden sprach hey vor 
'Quid non sentit amor?' 
Minne ist gar behende. 

Icb wene, alle wende 135 

Dey minne vmbe luge. 
Zu minnen borit vuge: 

131. iZ%. durehieknüten. 



ADOLF VON NASSAU. tl 

f 

Sijn ynde beheodicheit 

Of di* zu rechter schanze dreit 

Eyn deil dugenthaftis wijf, 140 

Ir ere vn irs vr&ndis lijf, 

Vuuerlustich mogent sio. 

Ich begiedes bi deme eyde min 

Ynde bi der miDnen krönen, 

Si sal vmmer deynstes Ionen/ 145 

Den vorten min vursprege neic. 

Dye minne da neit langer sweic. 

Van guyige greue Grerräert 

Der volge da gevragit wart. 

Van spaynheym greue Joban 150 

Mit eme vi*l oisch dar an, 

Vn der ritter massenie gar, 

Mit deme reif dye volge dar 

Yil manger vrauwen roder müt. 

Min vursprege noch da stunt. 155 

Den dächte dat vrdeil also reycht. 

Van gryffensteyn der minne kneyt. 

Dar vrdeil mir beschreuen wart. 

Ich machde mich up mine värt, 

Mine vrauwe ich alleyne vant) 160 

Den breif sumchte ich in ir bant. 

Dat ingesegii si besach, 

Dat ouch der warheide iach. 

Dat drucbde si an eren munt. 

Dar ane eyne gülden strale stiint, 165 

Eyn belhunt up lasure 

Na der minnen euenture. 

Si sprach 'sint ich eme dan lone sal, 

Kunde ich den loyn dan brenge wal, 

Als ich van herze eme gani 170 

Eyn suysser lyf, hey leyuer man, 

138, nach Syn (= sin) comma, 140. Eya eydilt 141. nach 

ere comma, 146. /. Worten 148. Jülich, 150. Spanheim 

(Sponheim) in tUr PfaU, an das Zweibrüekitche grenzend. 
157. /• kneychi 158. /. Dat 160. ieli] nicli, alffir eorti^ffiorii 

i^i,iL ßm&iehtk . . 



12 ADOLF VON 



Wye mtLck ick dir doch wcdfkga? 

Wcnidi spnac tä htgtm 

Kuks ih li}f YB^e govt 

Nei rilter ritteiikbe Atotc 175 



B Im 

Dye sckar rm icy biaeyrai 

Bcgündea sich r^tlerreB^ 

Tamburen slach, hasiinea schal» 

Dal her sich wc|;ede oacr al 180 

Des Tsz soyjcss aae waac. 

Den le(r)seB Baa zä tcMc saac 

*Iii gotis Banea Tarea wir.' 

Hey weiade maager, geloMes mir, 

Siae süadea, daa siaea lijf, 185 

Siae kiai tö oach sia schoae wijf. .:. 

Jkyoj oach wechte d* riaade her. 

Wi* geiack d(e)s segil ia dal a^r. 

Also geia(i) dey h(aa)erea z4. 

£f was d(er) aad(er) koaiack di: 190 

Vp orse h(i*)li hey sirides gar. 

Var hermiia eyas lewea war 

Nam ich, ap kelea dar geslrackt: 

Va genck des area adel sacht 

Der lewe cluaBOl Tä streyaii: 195 

Dal ors dal weigii tb leyaii, 

Schar de erde, heis dea xoai. 

Der varsle säad^ schriches soai 

Heilt hey behagel tu fier, 

Eynis stolzea henea solde gier. 200 

Mit tnüsle kaa hi* dre siae auunea. 

Ia siae haal aam hey dea Taaea 

Yd beyal ia eyne litler wert. 

Der erea dicke hait gegert. 

Hey sprach *ain, rilter hegemuyi, 305 

SUaea vane, lijf tu oadi nii güyt 

173 — 175. m. i9SU rmmd» Ummm^n 
dar kmmd$ekrift mug9kr^€k9m timd. 186. 

in. U Vaa iU. L geya wMr adebiackt 




ADOLF VON NASSAU. 13 

Miner eren schrin, mios landes heil 

Mins . . d d(ei)l 

b 
Den heim sturtzit der vn der. 
Hey wan orsen grois getwinc 210 

Hye zu vrunde drinc a drinc. 
Sich beval ey maych deme mage 
'Hie lach vaste vnde wage 
Lij7, guyt, sele vn erc. 

Ko . . vz ich mere 215 

Dal la(is ic)h sin. des was genüch. 
Awoy eyn ors dort herre druch 
Den man den lewen vn aren. 
Geiszheten künt is vn bam. 
Dar up was euch reyche gelimfjp. 220 

Hey geynck ouch ernst vur den schimp: 
Id koste me dan eynen pagen. 
Gayn eyn zoygen vn wagen 
Sach man baneir van beider syt. 
We hey tuschen ueder lyt, 225 

Ich meynen zu vergaderungen 
Vnder orse samenungen, 
Der melm moys wyere da sin dach. 
Alsus de vait van Home sprach .;. 
*Ciot du wunderrere, 230 

Beschirme mich sunderei 
Zu vurders hude de ere min. 
Ich laissen an dinen genade sin^ 
Wye is kome vmbe den lijf. 
Byede kint vnde wijf 235 

Beueijle ich diner gude. 
Verli mir eyn gans gemude 
An gel5uen vn an ritter wer 
Ich en vorte neit der viande her 
Lais mich .... d ...... . 240 

210. /. Hey wat 213. e$ $teht vare [L enwÄge HptJl /S14. nach 
lA^t comma, 215. Ko(ine) v. i. m. [eher kom d4 dz iht mSre, HptJ\ 
218. nach lewen comma* 235* /. Beyde (Jmagina und Robert) 
239. vorte] vorhte 240. ahgeseknitUn, 



14 ADOLF VON NASSAU. 

c 

Vnde van herzen dar geheiztit, 

Si erstupet vn ersetztit 

Stolzeliche gewerder arm. 

Deme beheym was zom vn härm. 

Want bye dat vnsanfte leit 245 

Dat in der Homer oaer reit. 

Wey wi stolzdiche dar 

Dye vlogel erswanc der adel ar 

Ind gayn des lewen clayn hie. 

Wye doynt de ors ! da mudet sie : 250 

Si scument vn demppent 

Vnde ouch sere wrempent 

Sich van mangen wunden, 

Dey kininge beyde hayn besiayn. 

Nu mussent suchten vn clayn 255 

Vnde vlein gode vmb ir lijf 

Alle reyne suysse wijf. 

Dye ors in beyden lagen doit. 

Des iamerde mich ir beyder noit. 

Ir beyder elleüt dat was starc. 260 

Vnder in sich eyn lewe barch, 

Der ouch geyn deseme iewe vacht : 

Sulzger kouerunge macht. 

Halpt up eyn ander kastelayn 

Deme Romer: da war is gedayn, 265 

Als hey is buch hait gemachil me. 

Ouch duyt mir dat Valien we 

Dat der beheym neder viel: 

Vsz sime yedelen verge wiel 

Eyn vrsprunc beis vn roit. 270 

Do lach d^ bebeymm^ vur dem rom* doit. 

d 
Mine vreude di"" movs wMen twert: 

%AZ» so, !244. der Zawisch, Szuppan von Böhmen, mit ^00 reisigen 
(fleissel s, ^9). ?50. nach ors und 252. nach Sich comma. 

;M1. wer führte dies wappen? 263. doch ti;oA/ Sul^ber (wie 467) 
264. /. Halp 265. nach Romer comma, war] /. was 

269. yedelen = eydelen, edeleo. 271« Do lach d^ stark beschnitten, 
272. die über der seile nachgetragen, l, twerc. 



AOOLP VON NASSAU. Ifi 

Ich seyn nu in din eydel fert 
Vade in dine reyner wuode yIos. 
In iamer bougen vn flois 275 

Mus ich mich ymme sleissen 
j Vnde mine ougen sich ergeissen« 

Yp deme orse hey wenede vn wanc 
Van wunden vn i& iamer cranc«. 
Van der wal wart hey gevurt. 280 

In hadde manich swert gerurt. 
Metzer, speis vh sch(o)s. 
Dat ors begois de(r) wunde vlos 
Dat id van binde (doi)t seig. 
Van me orse hey ned(e)r stc(ig), 285 

Dat hey zu herbergen qua(m). 
Dye waypen man van eme nam 
.Bludich vn zu bauwen. 
Dar geynck man vaste schauwen 
Vn dis mine ougen name war 290 

Vp golt von zabel eyn adel ar 
Was geslayn vn gelait: 
Van me riebe hi'^ dese waype drait; 
Van arde hi* an deir waypen hail. 
Eyn lewe in hoher werde stait 295 

Van kevle ap golt gestain, 
Den hi"" vil dicke hait gedain 
Herzen schickes lere. 
Hye ist eyn rieh burgare 

Koninc Rodulf, dey d^ kröne ple^git. 300 

Wisset dat hi** baii geseigit 
Eyn lewe, eyn ritter vnde eyn ar 

(ft) i 

B 2a 

Hey heist wigant van francken, 

Of Geirlach van kleen: 305 

^73. /. ferc (#. 269) %7^. nach bongen, 279. nach wunden, 

1$%. nach speis comma. 279. /. jamercranc 294. /. andeir 

jtnder) 295. in] ain, abed* a ist auigekratzt, 296. kevie=:kele 
193. 296. L geslaia 298. /. schrickes 302. nach lewe und 
iitter commata. 3<)3. w^ggwehnitten. 



16 ADOLF VON NASSAU. 

Man sach si ritterliche steen« 

Ayn, dat ich in h^zen iamer drayn, 

Owi owi wolde ich sayn 

Van eyme hiirg wandeis vri — 

In räcke wey der seine si — 310 

Hey droych in siuer werder -hani 

Den baneyr van byeger lant. 

Of der baneyr blene da? 

Ja si sicheriiche ia. 

Si vuyrtc eyn rittcr in d* hant, 315 

Deme vieyn ist vele vnbekant: 

Dat wissent sunder iougen* 

Hei dreit noch vuder ougen 

(Ich spreche id sunder smeychen) 

Die rechte Stridens zeygen, 320 

Ingesegil vnde hantveste* 

Vur wair hey was der beste 

Hye her van vnser siden. 

Man sach in vi! wale striden, 

Biden vnde halden, 325 

In groysser eren walden. 

Hedde ich sinne vn känst 

Vnde säysser nl^lnen dene gunst, 

So wolde ich iiv vyseyren. 

Hei geinc mit deme baneyren 330 

Ey bas vnde bas da dr&ngen, 

Vmbe sinen heim erclungen 

Hortte her vn der swerte, 

Vp der reychter verde 

Want man den eidelen vorlauft 335 



b 
Des alden vnde des wisen. 
Ouch muys dey werilt prisen 
Den milden vn den reynen. 
Wissent ir, wen ich meynen? 



308. nach Owi eomma» 310. In rucke = lehn rnoche 212. /. 

Beyerlant 316. yleyo] vergL 256. 321. nach Ingesegil comma, 
331« Ey =: le 335. /. Vant * abgeiehnütm. 



ADOLF VON NASSAU. 17 

Den, na der schumferturen 340 

So lange künde d&ren 

Stende in ritterlicher wer. 

Eyn grois conreide, eyn michel her 

Begunde intgayn eyn brechen. 

Sin swert dat was zu brochea. 345 

Als sin ritter art in heis, 

Den heim hey up dat hoyft steis. 

Sin ellent ouch zu wenich sleif: 

Mit deme metze hey si ane leif 

AI hurten in der viande schar. 350 

Wye drüuge si in her vn dar! 

Si drängen in mit groisser noit 

Dat hey de haut voris strecke boit. 

An ganzea eren vmbe drogen, 

Der stam van katzenellenbogen, . 355 

Eyuerart de suysse greue: 

In geinis valsches heue 

In sime h^erzen ney geveil. 

Dem konincge da des riches crone (veil), 

Do hey van sime rayde scheit. 360 

Hey sloich in doit, de eme dat reit. 

Siwich, minne, swich a swich 

Vä deme selue stamme ein blä(des zwich) 

Ich meyne des greue broder d° . . . 

Na sime arde künde hey d . . . 365 

Hey deyde so ritterliche w(er) 

Dat vür eme weich der v(iande her) 

c 
. . . j . e . reychter zyt van ym sleich, 
(D)at is mir herzeliche leit, 
(Vnd)e van eme fluchtich reit: 370 

(D)at hait van brubach deyderich 

340. Den z= Den der 348. metze] vergL metzer 11S2> 353. /. 

nmbedrogen 355. über Eberhard von Katzenellenbogen s. Geissei 

*. 69, 3, 103, 35«. 371. Braubach (Breubach) im herzogthum Nas- 
sau, am Rhein an der grenze der grafschaft Katzenellenbogen, Ger- 
lach von Breubach vmr Adoffs zeugmeister* ^ 

Z. F. D. A. III. 2 



IS ADOLF VO?C NASSAU. 

fAI;»o wale beseheideii nidi. 

(\a)n sehoinecke »o k^re koarait 

Der fluchte gaf m gejM raiu 

(IV^aat eme herzeliche was leit 375 

rD^at ey ir geio danne reit. .:. 

^wi" des adel areo kam 

Vil ritteiiicbeD känne rani. 

(fia) der ritterschefle veste er zoaek. 

(Na; sime arde Tmbe trooch 380 

(Al;s des adel aren kint 

(Gey^n der sünnen schine wenich blint, 

(So; kan dey reycbte dar in ool Slam. 

. . n sach in swimme vn Tarn, 

(Dal) hey must sin d^ werill wert : 385 

(Des k)onincges kint greue Roprert 

(Va)n dir in dar ich neil spreche me, 

(Wan; ich wiinsgen dat id dir ergc 

(Wey) ich mir scluc günde 

(Vfi i)ch wale wiinsgen künde; 390 

(Sc)hauwe, minne, schauwe : 

(Dat) kint van nassauwe 

(Saj)ch man in den vianden wayn : 

(Du) eme de mere horte sayn 

(Dat) der koninc were doit, 395 

(Den he)lm hey zu me hoifde boil: 

'(Vnde) is min hirre doit geli'^ge, 

(So wili)e ich dan leydes pli'gen, 

sint biiuen hey/ 

d 
Ja her, sicherliche. 400 

Min hirre Johan ritterliche 
Kfindo sine war dar langen, 
Bis dat hey wart geuangcn. .;. 
Alroirst saoh man stride 

Van der ander siden. 405 

Das . . t van wcnstc vaste geinc, 

373. S9A^etk im TViVivrAfn, im <itr KifhL 378. /. kuode? 

38«. /. Bop«rt 39l>, leydes dutHshlöektrt und tite(feihqfe. 

399. ^bgerifttn md btsthnäNn. 406. Das . . t eriosehen. 



ADOLF VON NASSAU. 19 

Man sluch, man stach, man veync 

Wal noch da der viande was. 

De geuangen man up vaste las. 

We wie ritterliche hi"U 410 

Eyn ritter, de des vanen wi^lt. 

Ich neymen dat up minen eit. 

Lege ouer se Aej cristenheit 

Intgain der keidenheit geschart, 

Des doufes vane were bewart 415 

An deme r(itter), de müdes rieh 

Lies ouer ore eit dringe sich« 

Neyn sin vorder dräch, sin stolzer hart 

Magdc in de viande mange färt. 

Wolt ir wissen, wc dat were? 420 

Id was der randeckere 

Deyderich, geborn van ritter art, 

Den vanen up die reychte vart 

Künde richten vn wisen: 

Also dat müssen prisen, 425 

Sinen ellenthaften lij'f 

Ritter vnde guijde wijf. 

Bi deme vane gelichis scheyn 

De baneyre van eppensteyn. 

Hait ir ere wol gehandel sin? 430 

Dat dunkit mich wal mogelich. 

^ 2a 
Sin swert flamnieret an sin^ hant, 
Als id van vure were verbrant. * 
Der viande samenunge 
Leyt sine vergaderunge 435 

407. nach^ sluch und nach stach commata, 416. An ferner . . . . , 
de 417. eit =z iht, nibt 421. Randeck an der Altmühl, 

423. Den =z De den 429. vergl, Diut, 3, 321. vom geschlechte 

Eppenstein war Gerhard, der erzbischo/ von Mainz, welcher die 
ganze wendung der verhiUtnisie verschuldet hatte, und nachdem er 
Adolf, seinem nahen verwandten, früher durch alle mittel schlauer 
Überraschung zur wähl verholfen, jetzt wider, ihn war, ihn abge- 
setzt und nun seinen gegner Albrecht von Österreich gewählt hatte, 
430. nach ere eomma. /. gehandelt sich 431. abgeschnitten, 
A%fl, durehseknitten, 

2* 



20 ADOLF VON NASSAU. 

Vnmayssen ritterliche 

Mit cyner hurte riebe. .5. 

^IVare, here, war a war! 

Vä der and^ siden vur de schar 

Eyn ritter*ouch mit sporin sloich: 440 

Ich meynen, de den anker droich. 

Sin ors ho vnde stolz 

Quam noch sneller dan eyn bolz 

Also mit Sporen dar gemeint. 

We wye gefustet vn gedeint 445 

Zunt in siner hant dat swert. 

Hey quam als hey der viande gert. 

We id wolde mirken, 

Sin swert geinck wol dar w*ken, 

Hauwen vnde schimmen, 450 

Ganstren vnde gelimmen, 

Wunden vn scren, 

Van ritteren liue reren 

Ir werde lüde speiie. 

Qb hei dat wail id bene 455 

Mit sime stolzen hurte? 

Ja in der viande fürte 

Gein hey der broste 

Vn rosten vnde vntrosten, 

Wen hey gayn im sach riden. 460 

Wisset dat sin striden 

Vnd ouch sine, ritterliche dait 

Den vianden vele geschadit hait. 

Van siner dait sade ich uch me, 

Want dat mir iamer deit so we: 465 

Jamer krenkit mir den sin, 

Als ich gedencke reychte an in. 

Her künde sulgher werren pleyn, 

Were hey doil da neit geleyn, 

Her were nümer worden quijt 47O 

Der eren van beyder sijt. 

436. Vnmayssea] y über der xeile nachgetragen. 441. welches rit- 

ters Wappen? 454. 455. so, 458. /. Geinc — brosten 

459. Vn rosten] gemeint ist wohl nnrusten, nicht Unrasten, nnresten. 



ADOLF VON NASSAU. 21 

Koninck adolf voyr den siii«Q na 

Stich slach va a va. 

Dat weyder was vnmayse heys 



475 



Ob mannit wieder drungint 

Ja a kouerunge 

Brachte eyn weder dringen. 

Man horte swert erelingin 480 

Vn sach dye konincge striden, 

Dey zagen danne riden. 

Wye mir mit vragen komit bi, 

Wey geriten danne si? 

Gein deme in halde ich geyne baich: 48ö 

Ich weis dat in geyn min maich 

Noch gein minre hirre danne reit. 

Were dat gescheit, dat wVc mir leit. 

Koninck adolf vnuersnnne dranc, 

Ais eyn man de na dem dode ranc: 490 

Hey suchte den van oistenrich. 

Van dem hey zu hant kirde sich. 

Mir sade eyn ritter, de id sach, 

Dat hei in vnder ougen slach. 

Hey sach intgayn eme dringen 495 

Z wenbrucke . vn linningen 

475. 476. dtfrchschnitten. 477 — 479. so. [481. /. koninszkiienea HptJ] 
485. baich] d,i, bac (: mac) 491. oistenriche, ttber das zfveite e ausge- 
kratzt. 492. hey über der zeih nachgetragen. 494. vergl. 318. 
496. Zweibrücken und Leiningen (im fFesterrich) hielten zu AWrecht 
{Geissei s. 28. 31. Diut. 3, 321). über den rauhgrcj'en (comes hirsutns) 
oder die rauhgrafen, den comes de Gemino ponte (496), den comes 
Silvesler oder quidam miles s. die stellen bei Geissei s. 101 Jf. der 
graf von Zweibrücken ertrank bald darat^f in der Blies, der graf von 
Leiningen tpui^de wahnsinnig, der wildgn^f wurde von seinen ei- 
genen leuten umgebracht, der erzbischoj von Mainz fiel bei tische 
plötzlich todt aus seinem sejlsel {Geissei s. 109). dies alles, was die 
zeit, und auch noch Konigshofen, als strafe ansah, hätte unser diehr 
ter in seiner klage, auch erwähnt, wenn es schon geschehen gewesen 
wäre, er dichtete also wohl unmittelbar nach der sekkteht*. 



» ADOliP VON NASSAU. 

Vn dey baneyr yan veldenze. 

Of sich dai spil eit schenze? 

Sich sehenzit leider vn dat spil: 

Ruch vnde wildegreuen vil, 500 

In der konreide hey sin slois. 

Sin boyft was des helmes blois. 

Als hey den räwen greue sach, 

'Her min ors' vn sprach 

'Ich seyn hey den reycbten stayn, 505 

De Solen vnder sin gedayn: 

Alher wir willen sucken sie/ 

'Ja man vindit vns alhie' 

Sprach de ru Georgius : 

'Dem dinge is rechte nu al dus 510 

Wir nu komen up dat velt. 

Ir vindit hey stridis wider gelt 

Van vnser massenie. 

Dye swache vadie, 

Den wirt van uch han geleden, 515 

Des in wirt vr vert hy neit vermeden. 

Rintfleiz vnde gudemare 

Dar vuirre is vns vmmere, 

Wat vna den schaden han gedain 

......... (u) .. . hain 520 

€ 

(ein bro)ohen. 

(E)me wart dat ors gestochen 

(0)wi der Jemerlicher noit. 

(D)er werde koninc de lach doit. 

(W)en sai ich des geyuen scholt? 525 

(D)ye vursten hatten eme gehult, 

(B)eyde gemannit vn gesworen, 

(6)emeyne hatten si in gerkoren 

4Ö7. Feldern at{f dem Hundsrück, »wischen Trier und der grafsehqfi 
Spanheim, vergl. Diut. 3, 321. 49i>. vn] /. nv 501. so, 

603. /. de 505. /. 4e 509. vergl. Diut. 3, 320 Der rachgrave 

v«Ä Stolzenbare Jörge nad der von Liehtenbere Der edele werde Jo- 
Imb. 515. /. wir 520. 521. fast gans^ weggesehnitten. 

521. (ein br)Mk«B] vwrgl. 344. 



ADOLF VON NASSAU. 23 

(V)n in weis neit, wey sin reynis leyue 

. . at ist an dat re gegeyuen. 530 

(I)cli muys den rl^'nen koninc clagen, 

(W)ant an eme wart erslagen 

(E)yn cristen koninck, ein ^reae wert, 

(Ey)n ritter koue, de sin swert 

(In) wiues deynste dicke erzoycb. 535 

S(in) eydil herze was so boych 

(Da)t ney geyne vndait drin inquam. 

(Ich) wille deyme dage weysen gram 

(Dat i)n dey sänne ey bescbein, 

(Du e)ine begangen wart de meyn. 540 

(üw)acb dat faey des neit in genoys 

(Da)t in des crismis flos begoys 

(V)n de kröne wart sin boifdis dach! 

(V)an des rade Asti geschach 

(D)at bey sus is doit geieygen, 545 

(D)e in künde neit guder witze pleygen 

(0) koninc adolf, ho gebore biuit, 

(I)n der minne zwyge schone id bluit. 

(D)u brehte ritterschefle filuich; 

(R)itters ellent, wiues scfauch 550 

(V)an dime reyrae iiue scheyn. 

(Bi) namea du were ye der eyn, 

(D)e ritters orden reychte deyde. 

(G)ot durch siner müder beyde 

(D)ine eydel sele wiiie 555 

(Z)u deme vronea paradiset 

(K)unde ich vür iamer sage me, 

(S)o sade ich wye id den seinen ge, 

. . . de bi eme leden noit^ 

(W)ey dri iunge hirre läge doit, 560 

(y)an den ich nu zeirst sprach. 

(ü)wemer vnde owach, 

(D)at ich*ir eynis hayn gedacht: 

(D)at hait mir nuwen iamer bracht. 

530. (D)at it is? 555. /. wise 550. (Den) de? 564. am 

ende weggeschnitten. 



24 ADOLF VON NASSAU. 

d 
Eyn iunc arme man doit da iiget, 565 

Des iugent brachte gude werc 
Wilhelm van krönen berch: 
Markolf von larheym lach da doit, 
Der sin herze ney gebmt 
Zu valsche noch zu dorperheit. 570 

Ir sült wissen dat hey steit 
Reychte als eyn ritter solde: 
De lach doit up der molde. 
Dey andren, dey da leyfden, 
In groysser noit si streyfden 575 

Vn schreyden durch d* viande dor, 
Nassauwen, yuilen, lures borg, 
Vn lyndaawe syuerit 
De was ein enstelicher smit; 
Van kirensburg deyderich, 580 

Deme andren deyderich gelich 
Dye van berne was genant: 
Sin swert dat geinc an siner hant, 
Dat gbt seine vrachde mere 
We der ritter were; 585 

Dey engele mästen lachen, 
Dat hey is sus künde machen: 
Van rijnberg her Johan 
Stoynt reychte als eyn man. 
De sich der viande künde neyren ; 590 

Eyne sicherhi^'t must in doch neyren : 
Noch dan stoynt hey zo bile 
Vur in eyne lange mile. 
Phia phia phiel 

Si nennent in der vrte. 595 

Van wirtbach herman 
De viande geinc alunen an 

567. Kronbet*g in der W.etterauf 571. /. slreit 576. /. durch 

de viande dopg 577. schwerlich Laurenzburg im Aachenschen, viel- 
mehr Laurenhurg dessen griffen von 1160 an den namen Nassau führ- 
ten (Geissei s, 69). 578. /. Vfi van L. oder Van L. 579. /. enr 
gestlicher 588. Rheinberg im Clevisehen. 597. aluiien Parz, 



ADOLF VON NASSAU. 25 

Als eyn ritter hey ouch stunt. 

Des lachet nofeh eyn rod* munt, 

Des grftsse leche dar zu dwanc 6(K) 

Dat sin swert so lüde erelane. 

Van mayle er Conrait 

Sine ere wail bewart halt. 

Dat wissent sicherliche, 

Hey streyt gar ritterliche 605 

Dey bi eime war waren, 

Kunden so gebaren 



337, 20. Ulr. Trüt. 24S9. 608. abgeschnitten. 



SECHZIG RATHSEL UND FRAGEN. 

Versinnlichung des geistigen, vergeistigung des sinnlichen, 
personificierung des unpersönlichen, verschönende erhebung 
dessen was alltäglich vor uns liegt, alles das gehört zum 
Wesen des räthsels, wie es zum wesen und zu den mitteln 
der poesie gehört ; und so möchte kaum ein volk sein das 
poesie besäTse und keine freude an rathseln. aber vor allen 
zei^ sich die deutsche poe$ie, die ältere wenigstens, ganz 
durchdrungnen von einem zuge nach räthselhafter anschauung 
und rede, die litterarhistoriker zwar nehmen keine notiz da- 
von : Gervinus in seinem gi'ofsen vielbändigen werke berührt 
diese seite mit keinem wort; und doch haben wir in zwei 
gedichlen, die wahrlich nicht unbesprochen sind, augenfällige 
aasläufer jenes zuges, im Traugemiundesliede* Jen volksmä- 
Tsigen, im kriege auf der Wartburg den gelehrt -meistersän- 
gerischen; und doch streift das räthsel dem Inhalte wie der 
form nach an das lügenmärchen (der Tannhäuser vdH. 2, 97^ 
mischt lügen und räthsel neckend untereinander), das. Sprich- 
wort (vergl. unten 52), die priamel (31), die gnomische poe- 
sie überhaupt (vergl. 4. 5. 47. 53. 55. 56 und die räthsel bei 

* Jac. Grimm altd. wäld. 2, 8 ff. schreibt Tragemunt, wie im Orendel 
steht, die handschrift Trovgemunt, bei einem entstellten fremdworte 
^ dieses ilt (mittellat. dragütnänus drogamundus dolmetscher, ei- 
S^tUcb TorkoBUUie) scheiat iaebr als «ine form xuläfoig. 



26 RÄTBSEL UND FRAGEN. 

Reinmar von Zweier vdH. 2, 187\ 192\ 211'. 21 7^ 221'); 
uad doch giebt es rätbsel die man ebenso wohl märchen nen- 
nen könnte (58), und ia märchen sagen und alterthümlichen 
rechtsgebräuchen unseres Volkes wiederholen sich fragen 
and befehle und bestimmungen von absichtlich räthselhafter 
Schwierigkeit und un Verständlichkeit (3. 50. 59. rechtsal- 
terth. 255. 257 ff.). 

Ich wünschte das interesse welches diesem nach die rätb- 
sel verdienen durch nachfolgende auswahl von neuem anzu- . 
regen, sie beruht auf einer alten Sammlung in kleinoctav 
oder sedez, die unbetitelt und undatiert, aber, soviel aus der 
Schrift zu entnehmen, anfangs des 16n Jahrhunderts zu Augs- 
burg bei Hans Froschauer gedruckt ist. dahin weisen auch 
die sprachlichen eigen thümlichkeiten ; nur derraten 21 für 
erraten ist mehr bairischer und fränkischer art. wie sich 
dies rathbüchlein zu dem von Görres volksb. s. 175 angeführ- 
ten verhalte, ob vielleicht nur als^ das ältere original, kann 
ich, da jener neuere druck mir abgeht, nicht bestimmen ; von 
dem Strafsburg^ räthsdbuche das Panzer verzeichnet (Zu- 
sätze zu den annalen s. 25) ist es verschieden. 

Eine auswahl also: sechzig von mehreren hunderten, so- 
viel eben nöthig schien um das ganze farbenspiel dieser dich- 
tungsart, den leichtsinn neben dem ernst, die ungescheute 
derbheit neben der zartesten Zierlichkeit, zu characterisieren ; 
was minder bezeichnend, so wie manches das jetzt noch gäng 
und gäbe ist, habe ich übergangen : so die allbekannten räth- 
sel Vier bain erwüscht ain bain; Es flog ein vogel feder- 
l<^fs; Was hat sein büsem vol stein. 

Von einer art räthsel, deren mir aus früheren Jahrhun- 
derten keine bekannt sind, zeigen sich in diesem rathbüch- 
lein die ersten und gleich auch reichliche spuren: es sind 
(der unterschied geht ziemlich sicher durch) die nicht mit 
Rat, sondern Ein frag eingeleiteten, hier ist weniger poe- 
tisches; auch die reimfbrm mangelt: die haoptsache ist ein 
neckender witz, mitunter auch ein Wortspiel, und die an& 
lösüng ist mehr durch conventioneile willkür bedingt, nicht 
wie bei den eigentlichen räthseln die nothwendige summe 
all der poetisch umschreibenden eina^elheiten oder der natür- 
liehe träger de& angegebenen merkmak» dergleichen fragen 



RATHSBL UND FRAGEN. 27 

also finden sieh hier zuerst ; auch jetzt noch sind sie allbe- 
liebt; für das 17e Jahrhundert bezeugt sie Paul Fleming 
(poet. wäld. 4s buch) als ein geläufiges unterhaltungsmittel, 

der giebet rätzel auff, woreim tool aUes geht; 

was iieget, wen» wir stehn^ und wenn wir liegen, sieht; 

wariimm man käse schabt (29). was eine bunte ziege 

wol habe vor einfelL vor was die elster fliege. 

was doch wol dieses sey^ das nicht hat haut, nicht haar, 

und wenn es kömmt zur weit, so brummt es wie ein bahr. 

warümm der fuchs nicht fleugt, was zwischen beinen wachset, 

und was der schnacken mehr. 
1 Radt. Es ist von oben herab kommen, hat vil lejrdens 
an sich genommen« von hitz kelt vnd beschneyden. noch 
vil mer mufsl es leyden. hat nit lang do heim gesogen, 
in die frembi ward es gezogen, mit fich vnd leüten so 
es het. sein leger warn nit linde bet. lust noch fireüd es 
nie begert. xxx. pfenningwas es wert, verkaufll gefan- 
gen gebunden ward es hat geschlagen gezogen gef&rt 
manch fart. ein kreiitz gemacht daran gespert. nyemant 
wart fanden der do wert, sein seydt verwandt vnd ander 
glider. nindert geschondt hoch oder nider. daraufs flofsen 
heilsam braunen, in der finster gantz on sannen, eim 
yeden menschen zu gut. der sich darzu schicken thut. 
Ant Ein weinfafs das kompt vom bäum herab leyt hitz 
so es gebrut wirt in haissem wasser. vnnd auch kelt zu 
seiner zeyt. vnd von dem pinder geschniten. Es saugt 
oder facht den wein nit lang an eim ort. sunder wirt ge- 
furt vnnd gezogen in die frembdt von pferden vnd für- 
leuten. sein leger ist hart, ein klein fafs gilt xxx. pfen- 
ning. wirt gefangen so es die raiff hat. gepunden ge- 
schlagen gezogen gefurt hin und her. das kreiitz auff dem 
legner mit schliessen gespert. Die wunden ist der spunt 
vnd die zapfien 16cher. daraufs fleust der wein, eim ye- 
den zu nutz der in praucht. in der finster gantz ön sun- 
nen. das ist in dem keller. 
2 Rat. Ich sach drey starcher waren fast grofs. ir arbayt 

i. die yergleichBDg Christi mit dem weinstocke (s. leseb. 1, 975), leiekt- 
aftneig nmsekehrt. eine ähnliche personifioation des weines bei NiceL 
MasMly lc8«h, 3, 1,.1M9. 



28 RATHSBL UND FRAGEN. 

was on ynderlofi^; der ein sprach, ich wolt das nacht 
wer der ander des tages ich beger der drit es sey nacht 
oder tag kein ruw ich nimmer haben mag. Ant. die 
Son der Mon vnd der Windt. 

3 Es was einer bescheiden zu kommen wann die haaren zu 
ein wurden geen. vnd die ynruwigen still steen. ynnd 
wann die nassen trucken werden, vnd die leüt vergessen 
ir geberden, vnd so auch das leicht das schwer bebt, 
vnd das todt das lebendig vergrebt. Ant. Die bauren so 
man die tisch zu samen legt die vnruwigen sein die thür 
zu gethon. das nafs sein die trinck geschir. vergessen 
der geberden, das ist im schlaff, das leicht sein die fe- 
dern im bet. das schwer die menschen darauff ligen. das 
todt ist die eschen, das lebendig ist das feüer. 

4 Rat ein nagel helt ein eysen. ein eysen ain pferdt. ain 
man ain schlofs. ain schlofs ain landt. 

5 Rat. ein zäun wert vngeferlich drey jar. drey zäun ein 
hundt. drey hundt ein pferdt. drey pferdt ein menschen, 
drey menschen ein sehne ganfs. drey sehne genfs ein 
hirschen. 

6 Ein frag, wie vil vnser hergot thuchs zu einem par 
hosen bederff. so der hymel als die heilig geschrifil sagt 
sein stul. vnd das erdtrich sein fufsschemel ist. Ant. 
ein eilen thuchs ist genug einem armen menschen, dann 
Christus spricht was ir einem aufs den minsten der mei- 
nen thut das habt ir mir gethon. 

7 Ein frag, welchs das gröst wunder werck gottes sey. 

4. vepgl. Freidank 79, 19. Reinm. v. Zw. vdH. 2, %i%^. 

5. kein räthsel, sondern blofs wegen der formellen äfanliohkeit mit dem 
vorigen auch in das büchlein aufgenommen, die vier ersten stufen 
schon in einem Spruche Reinmars y. Zw. vdH. %^ 210^, eine weitere 
ausführung im liederb. der Hätzlerinn s. lxix ; vergl. J. Grimm Reinh. 
8. IV. Geilers ' über den neunten zäun' (rechtsalterth. s. !216) bedeutet 
also 'über 27 Jahre.' 6; als aator einer ähnlichen deutung und 
anwendung der beiden biblischen stellen nennt Job. Pauli seh. und 
ernst 282 (Frankf. 1550) einen . schwäbischen bauern, Hans Werner von 
Villingen, vergl. Berthold s. 302 fragen wir einen Juden wd got tl 
vnd waz er tuo, so sprichet er 'er sizet üf dem himel, unde g^nt im 
diu bein her äbe üf die erden! ow4f lieber goty s6 müestest du zwS 
lange hosen hdn, nach der rede, 7. Quid est maius mirabüe 



RÄTHSBL UND FRAGBIN. 29 

Ant« das er so vil menschen geschaffen hat. doch kains 
dem andern gleich ist. 

8 Ein frag, welches di& edelsten vnd achtbarsten heiligen 
sein. Ant. sandt Martin vnd sant Jörg die reitten. mes- 
sen die ander zu fufs geen. 

9 Ein frag. Welchs der geringst oder der leychst heylig 
sey. Antwurt. sandt Quinten, der geen. iüj. auff ein lot. 

10 Ein frag. Welcher heilig der gröst füller sey. Ant. 
Johannes euangelista. dann so einer so wol getruncken 
bet. das im die zung sein bein vnd ander gelider ver- 
sagten. Dannocht mufs er sant Johannes segen drincken« 

li Ein frag. Was in der kirchen nach dem Kyrieleyson 
gebett vnd gesungen wirL Antwurt. Das CbristeleysQn.. 

12 Ein frag. Wo für die bauren vnsern hergot am maisten bit- 
ten. Antwurt. Für die Reysigenpferdt. dann wo die selbigen 
abgiengen. wurden die edeleüt die bauren mit sporn reyten. 

13 Item so einer, xxx. meil zu einem guten freündt het vnd 
soit in zwayen stunden oder dreyen das sy beyd ir hend 
aufs eim wasser weschen. vnd die selbigen an einer ma- 
teri trücknen. Ist die frag wie das geschehen müg. Ant. 
des morgens in dem taw zu weschen vnnd in dem windt 
zu trücknen. 

14 Rat was übergint das wasser vnd trinckt nit. Ant» ein 
kuscheil. 

15 Rat. Welchs sein die fünff köstlichen vnd besten wasser. 
Ant. der tauff. das weychwasser. das wasser so man für 
die sündt weynt. wasser der weynenden kindt so man 
sy strafft, vnd das wasser so die müln treybt. 

16 Ein frag, welcher . stein am maisten im Rein sein. Ant. 
Der nassen. 

17 Ein frag. Welcher dreck aia land schad sey. Ant. den 
die ku in das wasser fallen lafst der kann das erdtreich 
nit düngen oder bessern. 

18 Ein frag. Welches das meisterlich vnd kunstreich thier 
sey. Antwurt. ein saw. so dic) ein alten dreck ifst macht 
sy einen jungen daraufs. 

quod deus unquam in parva re feceritt 'diversttas et exeellentia fO' 
eierurn legende vom h. Andreas, altd. wäld. %, ^9. 
10. Johannes nunne, Joh, segen, s. mythol. s. 37. 



M RÄTHSEL UND FRAGEN. 

19 Radt ritt er. Zehen v6gel gut. Der erst ynder den hat 
kain mut. Der ander hat kain magen. Der drit mangelt 
des kragen. Der vierd hat kein zung Der fiinfft seügt 
sein iung. Dem sechsten gebrist auch sein gall. Der sy 
bendt singt über sy all. Der acht verkündt die künfiTtig 
zeit. Der neündt fleugt vor all ander weyt. vnd der ze- 
hent ist so weyfs. das er ifst drey ierige speyfs. Ant. 
Der erst die thiirtel thaub nach abgang irs gemagels« 
Der ander ein.habich oder keützlein. Der drit ein* bien. 
Der yierd dn storck. Der funflTt ein fledermaufs. Der sechst 
ein eyl. Der sibendt ein nachtgal. Der acht ein han. Der 
neündt ein schwalb. Der x. ein krametfogel ifst wechaltem. 

20 Rat. Ein vogel in der lüflTt schwebt seins gleichen auff 
erdt nit lebt, sein flügel sein in der hitz gewachfsen. 
wann in hungert ifst er syben ochfsen. Ant. Der han 
aufiP der kirchen. seins gleichen hat kein leben, sein flü- 
gel sind im feür gemacht, er hat nymmer banger. 

21 Rat. Es stat in dem taw als ain schone iunckfraw. ist 
weifs als der sehne, vnd grün als der klee. darzu schwartz 
als der koll. seindt ir weyfs ir der rats wol. Antwurt. ain 
specht der badt sich im taw vnnd hat die obgestimpt färben. 

22 Es nist aufP den dechem hat lang rot bain. weyfs grofs 
flügel. ain gelen Schnabel vnd legt eyer. Antw. ain störckin. 

23 Ein frag. Warumb der bering an der Stangen hang. Ant. 
vmb den grat. 

24 Ein frag, welchs das best an den fischen zu essen sey. 
Ant Salmeus infederis rupis hechtilisque in leberis. Car- 
peus in zünglis ifs alius im mittel drommis. Stockfisch in 
blasiis krepsius in schwantzis barba meülein lecker bifs. 

25 Ein frag. Ob der hundt am schwantz hang oder der 
schwantz am hund. Ant. hebstu den hundt bey dem 
schwantz übersieh so hangt der hundt am schwantz. hebst 
aber den kopfT übersieh so hangt der schwantz am hundt. 

11^. wörtlich wie das schwed. räthsel altd. wäld. 2, 11, aar dafs der zweite 
yogel dort der kibitz ist, während im Traugemandslied iv der swarhe 
(scharbe, taucher?) keinen magen hat. 20. in hexameter umgeformt 
von Job. Gltjns, dem grammatiker, leseb. 2, 163. 21. im Trauge- 

mundeslied xii von der elsfcer. 24. also macaroniscbe j)arodie der 

schoU Salernitana noch vor Job. Fiscbart: geseb. d. bexam. s. 26 f. 



RATHSEL UND FRAGEN. 51 

26 Ein frag. Welchs thier aim wolff am aller gleichsten sey, 
Antwort, die wölffin. 

Z7 Es schickt ain ritter über rein, -seiner liebsten frawen 
sein, gntten wein on glafs. vnnd alle andere trinnckfafs 
rat warjnn der wein was. Ant. er schickt ir traaben 
darjnn het sy den wein. 

28 Rat es stat hoch ob dem haufs. bat grfifs als ein maufs. 
ist weyfs wie der sehne vnd braun wie der klee. auch 
grien wie das grafs. sag gntter fründt was ist das. Ant. 
ain Baum nufs. 

29 Warumb beschneydt man den käfs. Das er nit federn 
hat das man in beropffen kan. . 

30 Ein frag. Wann ein mensch in ein würtzkram oder ga- 
den get. Was am ersten riech. Antwurt. Des selbigen 
nienscben nafs. 

31 Item. Welchs ist ein wald on laub. ein strafs on staub, 
ein haufs on rauch ein volck on gauch^ ein land on dieb. 
ein geselschafft on lieb. Antwurt. Der wald ist ein thann 
wald. Die strafs ist ein schifPreich wasser. Das haufs ist 
das paradeyfs. Das volck ist Enoch und Hellas. Das 
land on dieb ist der himel. Die geselschafft on lieb, seia 
die in der hellen. 

32 Ein frag. Wie offt einer sein hart geschoren hab. Ant. 
Ein mal das ist zu dem ersten mal das was der hart, 
darnach seins als stümpff. 

33 Ein frag, so einer in aim guten bet leg was er am mai- 
sten begert. Ant. das das bet geöffnet wer vnd er aufs 
auff dem bet leg. 

34. Rat. Was geet über wasser und netzt sich nit. Ant. 
die Sunn. 

35 Rat. wann man es hört so erschrickt man vnd hörts nit 
gem. hats doch ye lenger ye lieber. Ant. ain pferds ey- 
sen so das ein reytter anff dem felde hört klappern das 

31. abweichend das räthsellied in Büschiogs wöchentl. nachr. 1, 6$, 
'Die milchstrafs am himmel ist ohne staub, Der fichtenwald ist ohne 
lanb.' übrigens ist dies räthsel in der ganzen abfafsnng und in ein- 
zelheiten ein widerklang der priamel Ain Junge maid on Heb in 
Weckherlins beitr. s. 59. 



32 RATHSEL UND FRAGEN. 

es abMen wil erschrickt er. vnd so ers lenger hört so 
er mer hofft das selbig in die herberg zu bringen. 

36 Ein frag, warumb ain messer ain messer haifs. Ant. das 
es ein befft hat. dann on das selbig hiefs es ain lomel 
vnd nit ain messer. 

37. Rat. Was ist das. ain lebendiger aoff ainem todten safs. 
vnnd als der todt lachen thet starb der lebendig auff der 
stett. Ant. der todt ist ain klumpen schmaltz in ainem 
tygel. der lebendig ist ain brinnender wicht oder dacht. 

38 Ein frag. Welchs das getreust thier sey. Ant. ain laufs 
die löfst sich mit eim hencken bleybt bey im bifs in todt. 

39 Item zu fragen, welcher vnder aim rolier vnd dem hencker 
der frumst sey. Antwurt. der hencker. vrsach. der selbig 
fürt das leicht böfs volck aufs der stat von den leütten. 
so füret sy der roUer hinein. 

40 Ein frag. Welchs den frawen das nützst vnd best hant- 
werck sey. Ant. die waffen Schmidt die machen beyheli 
oder agst do mit man das holtz hawt. das siinst villeiclit 
die man auff den bösen weybern entzzway schlugen. 

41 Rat. welchs hantwerck am meisten stilt. Ant. die löffel 
macher vnd die kefsler an den pfannen machen vil Stil. 

42 Rat. Der es macht der darffs nit. der es kaufft der wils 
nit. der es praucht der waifs nit. Ant. ein toden lad. 

43 Rat. welcher vnderm bartscherer oder vnder aim mader 
der das gras abschneit die grost freyhait hab. Ant. der 
mader mag auff sein stümpff hofiern oder sein notturfft 
thun das wirt dem scherer nit zu gelassen. 

44 Ein frag. Warumb die storcken nit auff der mül nisten. 
Antwurt. Sy fürchten der müUer stell in die ayer. 

45 Ein frag. Wie hoch vom bimel her ab sey. Antwurt. 
Das waifs nach got nyemant dann der teüfel der hat es 
gemessen, vnnd mag nit wider hin auff kommen. 

46 Ein frag. Welch zeit die best zu lachen sey. Antwurt. 
Der apriU oder sunst so es rengnet werden vil lachen 
oder vil pGtzen. 

47 Rat. ein bäum hat dreyzehen efst vnd yegklicher ast hat 

45. vergl. die stelle aus der legende -vom h. Andreas altd. wäld. 2, 30. 
47. weiter ausgeführt in Steinhöwels Aesop, leseb. 1, 106^. in der 
Würzburger handschrift 



RATHSEL UND FRAGEN. 33 

.liij. nester. vnd in yeglichem nesl syben iangen. der bat 
yeglicber seinen namcn besunder. Ani. das iar hat .xij. 
monat. die monat .iiij. wochen. die wocben ir tag. 

48 Ein frag. In welchem landt man nit efs oder trinck. Ant. 
in dem elsefs do zeret man. morgen zeren. zu ims ze- 
ren. vesper zeren. abends zeren. 

49 Ein frag. In welchem landt kain pferdt sey. Ant. Schwa- 
ben do sein rofs. 

50 Ein frag. Wie ferr von aim ort der weit an das ander 
sey. Ant. ain tag raifs. als die sunn bezeugt mit irem 
anffgang des morgens, vnnd nider ganng des nachtes. 

51 Ein frag. Welches das frolichest volck auff erdtreich sey. 
Antwurt. die gaystlichen die in den Clustern vnnd Stiff- 
ten. wann die singen tag vnnd nacht. 

52 Ein frag. Welches die frolichsten frawen sein. Antwurt. 
die yennen so die kinder seügen singen offt so ander 
leüt schlaiTen als man spricht, welcher ain saügets kind 
hat der hat ain singenden fraw. 

53 Ein frag. Wer gestorben vnd nit geborn sey. Ant. Adam 
und Ena. 

54 Ein frag. Wer geborn sey ee dann sein vatter vnd mut- 
ier. Ant. Adams kinder. 

55 Ein frag. Welcher mensch hat ain gantz viertail der 
weit getödt oder vmb bracht. Ant. Chayn erschlug sei- 
nen bruder Abel darvor lebt niemandt dann sy zwen vnd ^ 
ir eitern adam vnd eua. 

Est arbor quedam retinens ramos duodenos. 

Quinquaginta duos ranu rettnent Mihi nidos, 

Nidorum quisque Septem volucres habet in se. 

Et volucrum quisque sibi nomen habet speciale. 
von einem vater, zwölf söhnen und deren je sechzig theils weiPsen, 
theils schwarzen töchtern Gleobnins anthol. gr. Jac. 1, 5^; von einem 
viereckichten wagen mit zwölf rädern, zwei und fünfzig frauen darauf, 
vierzehn theils weifsen, theils schwarzen rossen davor, oder mit vier rädern 
und zwölf fuhrleuten Reinm. v. Zw. vdH. %, 211*. 50. die zweite frage 
im abt von Canterbury (Percy !2, 3, 7) und in Bürgers kaiser und abt. 
53. vergl. got hiez werden einen man der nie geboren wart von vrou" 
wen Übe; diu vater noch muoter nie gewan, die nam er im ze wtbe 
Tannh. vdH. 2, 97^. 54. vergl. ein bruoder sinen bruoder sluoc 

4 dai ir heider vater wart geborn Reinm. v. Zw. vdH. %y 2)21'. 
Z. F. D. A. III. 3 



34 RATflSEL UND FRAGEN. 

56 Ein frag. Wer geschryeQ hab das die gantz weit bort. 
Antwurl. der esel in der archen noe. 

57 Stunden so vil frawen fein, als tropfen seindt im rein, 
vnd wer dir auffgesetzet zu biifs. sy binüber zu füren 
truckeus füfs. on brücken, scbiff. steg karren oder wa- 
gen, icb lob dicb frey kanst du mir es sagen. Antwurt. 
Geb ir yegklich ein tropffen auff die zung. so beleibt kain 
Wasser mer da. 

58 Item drey frawen worden verwandelt in blumen auff dem 
feldt sten. docb der ayne mocht des nachts in irem haufs 
sein, sprach aulf ain zeyt zu irem man. als sieb der 
tag nahet widerumb zu iren gespilen auff das feld kommen 
vnd ain blüm werden müfst. so du heüt vor mittag 
kumbst vnd mich ab brichst wirdt icb erlöfst vnd furbin 
bey dir bleiben, als dann also geschach. Nun ist die frag 
wie sy ir man gekent hab. so die blüm^n gantz gleich 
vnd an im selbs kain vpderscbaydt was. Antwurt. die 
weil sy die nacht in irem haufs vnnd nit auff dem feldt 
was fiel der taw nit auff sy als auff die andern zwo. do 
bey sy der man kant. 

58 Rat. wer ist des maus liebster vnd getreuster freündt. 

vnd wer ist sein ergester feind. Antwurt. sein weib 

nach dem die wol oder übel wil. 
60 Ein zu fragen welchs der mittelst buchstab im Abc sey. 

Antwurt. Das b. 

56. vergl. dar nach ein hunt erbal, daz alle Hute die dS lebten hor- 
ten smen schal Tannh. a. a. o. 58. in der neuesten ausgäbe der 
■lärchen das 160e. 59. vergl. die in den märcben 3, 176 f. an- 
geführten erzähluBgen aus den cento novelle antiche, den gestis Rom. 
und Paulis schimpf und ernst. 

WILH. WACKERNAGEL. 



a5 



•• 



SAGEN UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAÜ. 

1 

^s isch einisch e ma in es richs hns ebo, und isch im 
stal übernachtet, eso um zwölfe umme cbunt eine mit eme 
seckel voll gäld, und bet ne verlachet und gseit jetz, tüfel, 
hüet, bis se en wifse geifsbock dur der stal bindere jage/ 
am andere morge iscb de ma siner wsege gange, aber vo 
der zit a band si ekeis veh meh ha cbönne i dem stal: al- 
les iscb druf gange, übers jobr isch de ma wider dert ver- 
by cho, und wo ner gboert bet wies au mit dem stal stöi, 
so bet er nes gseit was er i sälber nacht gseh gha bet. do 
band se en wifse geifsbock gehäuft, und ne dur der stal hin- 
dere gjagt, und alles isch wider guet gsi, unds gäld band se 
ufse ggrabe, und dem ma au en schoene tbeil dervo gge. 



Einisch bet zRinach bi der bui^ obe e cbnächt mit sim 
meister z'acber tribe. do cbömme zwe der berg ab, und me 
het ene alles gseh, weder der chopf nit. wo se do noch bi 
de marksteine gstande sind, sind di zweu vordere ross vor 
umme gange, do het der cbnächt zum meister gseit 'meister, 
i fare nümme.' 'he, worum nit?' 'he, gsehst dene zwe dert 
oben abe cho?' 'abbAI i gseh nüt: fal* du zue !' 'i fare mi- 
ner seel nit zue. chum, trib du: i wil binde ha. gsehst, 
dross wand au nümme fürse.' ja, do cbömme di zwe und 
spanne dscbnuer über all drei markstei hindere und bim 
letste band se enand gge und ufgleit mit de baggene, dafs es 
bi miner wobre seel gstobe bet ; und do sind se wider gange 
und fürt gsi und versch wunde.* 

3 
's isch einisch e künig gstorbe ; si frau und zweu chind 
sind no am Isebe blibe, es meiteli und es büebli. do band 

• vergL sagen 1, 374. 

3* 



36 SAGEN UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAU. 

se einisch dniaeter gfrogt weles von ene dafs einisch müefs 
kiinig wärde. do seit se zue-n-ene 'liebi chind, goend jetze 
zämme i wald ufse und suecbet das bluemeli wo-n-ech do 
zeige, und das, wo^s von ech zerst findt, das muefs einisch 
kiinig wärde/ do sind dl zweu zämme gange, und im wald 
sind se bim sueche e chli ufs enand cho, und smeiteli het 
sblüemli zerst gfunde. do denkts, es well sim briiederli no-n-e 
chli warte, und lit naebem wald i schatte, nimmt sblüemli i 
dhand und schloft i gotts namea i. der wile chunt sbüebli 
au a das örlli, aber sblüemeli het er nonig gfunde gha. 
wo-n-ers do aber im händeli vo sim schwösterli gseh het, 
so chunt em öbbis schröckeligs zsinn, 'i will mis schwö- 
sterli ermorde, und em sblüemeli neh, und hei goh mit, und 
denn wird i künig.' denkt und tho. er hets toedt und im 
wald verscharret und härd drüber deckt, und kei mönsch 
het nüt dervo gwüfst. uo mengem mengem johr isch e hirte- 
büebli dert uf der weid gsi mit de schoßflene, und findt es 
todtebeindli am bode vo dem meiteli; do macht er e par 
löchli dri wie amene floetli, und blost dri. do het das beindli 
gar erschröckli trurig afoh singe de ganz gschicht, wie smei- 
teli vom brüederli umbracht worden isch : me het moßge de 
halle thrsene briegge, wemme das lied gbcert het. do goht 
einisch, wo das büebli so gfl(Btet het, e ritter dert verby: 
da het em das lloetli abgcbauft, und isch dermit im land um- 
me zöge, und het an allen orte uf dem beindli gspilt. einisch 
het do au di alte künigi dem ritter zueglost, und isch ganz 
trurig worde, und het der söhn abem thron gstofse, und 
briegget erer la;btig\ 



Der güggel het einisch zue sine hüendlene gseit 'chöm- 
met weidli i dstuben ufe goh brotbroesmele zämmebicke ufern 
tisch : euse frau isch ufsgange goh ne visite mache.' do säge 
do dhüendli 'nei nei, mer chömme nit: weist, dfrau balget 
amme mit is.' do seit der güggel 'se weifs jo nüt dervo. 
chömmet er numme: se git is doch au nie nüt guets.' do 
säge dhüendli wider 'nei nei, s isch ufs und verby, mer goend 
nit ufe.' aber der güggel het ene kei ruei glo, bis se end- 

• vergl, tnärchen «<> 2S, 



SAGBT^ UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAD. 37 

Us S^^S^ sii^^9 ^^^ uf<^ tisch, und do brotbroesmeli zämme 
glsese hend in aller strenge, do chunt justement dfrau derzue, 
und nimmt gschwind e stäcke und steubt se abe und regiert 
gar grüseli mit ene. und wo se do vor em hus unde gsi 
sind, so säge do dhüendli zum gnggel 'gse gse gse gse gse 
gse gsehst aber?' do het der güggel glachet und numme 
gseit 'ha ha han is nit gwürstT' do händ se chönne geh. 

WILH. WACKERNAGEL. 



DIE VOGELHOCHZEIT. 

Es wolt ein Reiger fischen, 
auff einer grünen Heyden, 
da kam der Storck, 
vnd stahl jm seine kleyder. 

Da kam der Sperber here, 
vnd bracht vns newe märe, 
wie das die Braut 
schon aufsgegeben were. 

Fraw Nachtigall die war die Braut, 
der Kolman gab sein Tocbter aufs, 
der WidhopfF, 
der selbig tropff, 
der hupfPet vor der Braut auff. 

Die Trostel hat die Heyrath gemacht, 
vor einem grünen Walde, 
die Amschel mit jrem Gesang, 
die lobt die Braut mit schalle. 

Der Gümpel was der Bräutigam, 
der Adler auff die Hochzeit kam, 
der Fafshan, 
die zwene waren vornen dran. 

Der schwartze Raab der was der Koch, 
das sach man an seinen Kleydern wol, 
der Grünspecht, 
der war des Kuchenmeisters Knecht. 

Die Alster die ist schwartz vnd weifs, 
die macht der Braut zu Hoff Speifs, 



38 DIE VOG£LHO€HZEIT. 

der Fincke, 
■ der bracht der Braut zu trincken. 

Der Pfau mit seinem langen schwantz, 
der fuhrt die Braut wol zu dem Tantz, 
der Emmerling, 
der bracht der Braut den m&helring. 

Die Henn wol zu dem Tantze gieng, 
der Hau der fuhrt den Reyen, 
der Greife, 
must auff der hochzeit pfeiffen. 

Der Gutzgauch war der Kämmerling, 
der fuhrt die Braut zu schlaffen, 
der Baumheckel 
kam auch hernach gelauffen. 

Der Stieglitz mit seiner witz, 
der wolt die Braut ansingen, 
der Rotkopff, 
mit seinem Kopff, 
der wer auch gern darinnen. 

Der Eyfsvogel was wol gezieret, 
das Behemlein der Braut boflieret, 
der Schnepffe, 
der wolt die Braut anzepffen. 

Der Sittig was ein frembder Gast, 
kam auff die Hochzeit geladen, 
der Stare, 
wolt mit der Braut nur baden. 

Da kam sich auch die Turteltaub, 
vnnd bracht der Braut ein gruoe Schaub, 
die Meise 
wolt mit der Braut aufsreisen. 

Die Ganfs mit jrem langen Kragen, 
die fuhrt der Braut ^en Ksimmerwagen, 
die Ente 
fuhrt 49ß Regim^ute. 

Noch weifs ich einen V9gel gut, 
dea dar|r ich ^ucb nit nennen, 
ja w^pn jhren secht, 
jr w\irf jjrt »11 wol k^nnep- 



DIE VÖGELHOGHZfilT. 39 

Also hat die Hochzeit ein end, 
wie jr hie habt veruommen, 
wer dieses nit glaub.en will, 
soll selbst zar hochzeit kommen. 

ENDE. 
Auf einem fliegenden blatte van 1613 {ohne angäbe des 
druckortes) als Das andet* Lied; das erste. Der Stigelitx, 
worin der spafs nur iveiter ausgesponnen wird, steht im 
leset. 2, %2^ff, einige reime scheinen auf eine ursprüng- 
lich niederdeutsche abfafsung hinzuweisen ; der anstofs aber 
:iu solchen dichtungen mag von den angrenzenden Slawen 
gekommen sein, wo uns dergleichen häufiger, begegnen. 

WILH. WACKERNAGEL. 



•• 



NIEDERLÄNDISCHES LIED VOM 
BRENNENBERGER. 

Q Van Brandenborch. 

Hfit is gheleden iaer ende dach 
dat Brandenborch gheuaugen lach 
Gheworpen in eenen toren 
Van steenen waren die mneren. 

Daer lach hi meer dan seuen iaer 
Sijn hayr was wit zijn baert was grau 
Sinen rooden mont yerbleecken 
Vander liefste was hi gheweken. 

Sr leyden hem op eenen disch 
Si sneden hem wt zijn herte frisch 
Si gauent der liefste taten 
Tot eene morghen onbijten. 

Nv hebbe ick gheten dat herte zijn 
Daer op wil ghedroncken zijn 
Nv sehend mi eens te drinckea 
Myn herte wil mi ontsincken. 

Den eersten dranc mer die si dranck 
haer herte in duysent stucken spranck 
Nv helpt msuna maghet reyn 
Met uwep kindeken cl^yne. 



40 NIEDERLÄNDISCHES LIED VOM BRENNENBERGER. 

Mer die dit liedeken eerstwerf sanc 
Een viy sluymer was bi ghenaemt 
hi beaet so wel ghesonghen 
Vander liefster is hi ghedroDgfaen. 
Aus Een schoon liedekens- Boecky Antwerpen 1544 bei 
Jan Roulans, bL 92 np. 93 vw. 

WILH. WACKERNAGEL. 

ALTDEUTSCHER CENTO. 

Auch die altdeutsche poesie hat gleich der des abster- 
benden altertkumes ihre centonen: beispiele sind das akro- 
Stichen am schliifse des schachzabelbuches von Konrad von 
Ammenhausen (Diut. 3,451 — 454) und ein lied in Rhaus 
biciniis (leseb. 2, 38 y.). tvas aber den altdeutschen een- 
tonen eigen und vielleicht ein vorzag derselben vor den an- 
tiken ist, es wird da keine künstlerische Verschmelzung, 
sondern wie in musikalischen quodlibeten nur eine launig 
neckende zusammenhäufiing unverbundener unvermittelter 
einzelheiten beabsichtigt, 'ein hochspringen und weitwaiden 
auf der heide der wortel werth für uns haben diese Spie- 
lereien dadurch dafs sie zeile um zeile bald den anfang 
eines verlorenen liedes, bald einen sprichwörtlichen scherz 
des Volkes, bald dies oder jenes ähnlicher art uns über- 
liefern, und so mögen denn auch aus einer breslauischen 
handschrift des Ihn jahrh. {iv. foLbh) folgende verse mit- 
getheilt werden; sie stehen unabgesetzt auf der rückseite 
des letzten blattes. 

Gekomen is der winter 

wo sulle wyr vor hiccze gebleyben 

ocbzen das sint rynder 

frauwe vor^ meccze loih vns dy rede bescreiben 

was man hawer^ reyth das sint tencze 

Is das nicbt eyn wunder gros 

das eyner her von reyne schos 

der reyn vleust heym^ vor mencze 

knapen das sint knethe 

Do quam der aide ruperecht 

1. abkürzung von f^auwe. 2* d. h, hewer heuer. 3. wohl hin. 



ALTDEUTSCHER CENTO. 41 

her sich frawe her wyrt czelit vns rechte 

lütgart treyb dy kelber in dy awne ^ 

Man grub hauwer^ raben aus der erden 

her wirt macht vns dy erde nas 

meyn lyp ist mir worden has 

was roth sal myr werden 

löubir in weiden 

dys sint des somers an eren reyzen^ 

dy hazen loffen balde 

dy phofen scheyren laute treten weysse'^ 

1. awe 2. d. h, hewer heuer. 4. die sint des somers an Iren 

reisen 4. die phafen schreyen laute, treten leise? 

WILH. WACKERNAGEL. 
SEGENSFORMELN. 

1. handschriß; der wqfserkirchbibliothek zu Zürich C *%75 

bl. 93\ 
Contra rehin. Primo die pater noster. in dextram aurem. 
Marhphar. nienetar. mvntwas. marhwas. war comedvdo. var 
indinee. ciprige. indine marisere. daz dir zebSze. ter. pater 
noster. 

2. er Zählung in der Heidelberger handschriß, 341 W. 166*. 

nach der brautnacht tritt die mutt^ in das gemach 
der neuvermählten. 

si sprach 'got ^üeze iuch, kinder I 

ros unde rinder, 

kom unde win 

bescher iu unser trehtin! 

sselde unde heil, 

^otes ein michel teil 

immer 6wicliche, 

und ouch sin himelriche 

teile er mit iu beiden I' 

diu vrowe was bescheiden u, s, w. 
der alte spruch den der dichter hier benützt hat (er selbst 
macht keine dergleichen verse) wird mit dem worte himel- 
riche geendigt haben » von segenstvünschen im beginn der 
brautnacht Heinr. Trist. 672 J^. 



42 SEGENSFORMELN. 

3. pergametitblättchen des lAn Jh., zwischen dem gebälke 
des Eichwalds, eines alten gejangnisses in Basel, ge- 
fimden, 

'\ Ich wil hivl vf stan 

Ich wil in gotes namen binnan gau 

Ich wil Ich wil {so) mich begvrten 

mit den gocz worteü 

mit den sige rinen 
. mit allen geweren dingen 

daz mir alles daz holt si 

das sant dem tag vf si 

div svnne vnd ovech der maue 

krist selbe amein. 

Div helle si mir verspert 

öUe Waffen sin mir ver wert 

want alein eis daz sticht vnd sunit 

swa mans hin wist. amen. 
für sige rinen lies sigeringen : vergL den siegstein könig 
Nidungs Vük. saga 25, den siegring in einem verwandten 
magyarischen märchen bei Gaal s. ilAff., den ring des 
Scharfenbergers der ie nicht sigpser war, bei Ottokar 541% 
und Jac, Grimms mythoL 630^1 — vor ver wert i^t wi- 
derleit ausgestrichen. — sunit d, h, snit, snidet. 
4* pergamentblatt des 14n Jh. im klosier Einsiedeln. . 

ich beswer alliv wafen guot 

bigot vnd bi sim vil heiligen bluot 

bi sine'n heiligen 5 wnden 

di vnserm herren durch sin site drungen 
das alliu wafen as lind gegen mir sient vnder mir vnd ob 
mir hinder mir vnd for mir vnd nebent mir as der sweis 
was den vnser frou sancte Maria swist do si irs lieben trut 
kindes maget wis an dis weit gnas das mich kein wafen 
snid das ie gesmidet wart sit das krist geboren wart in got- 
tcs namen amen. WILH. WACKERNAGEL. 



4d 



SIEGFRIED UND FREYR. 

Saxo Grammaticus bat uns in seiner dänischen geschichte 
mehrere sagen von drachenkämpfen aufbewahrt deren nähere 
erwägung im vergleich mit der Nibelungensage der zweck 
der folgenden abhandlung ist. wir stellen zunächst die drei 
wichtigsten erzählungen in der kürze zusammen. 

1. Der schätz des königs Frotho ist durch die kriege 
seines vaters Hading erschöpft, es wird ihm von einem un- 
genannten gerathen einen drachen zu tödten der auf einer 
insel einen schätz bewacht. Frotho bedeckt nach der er^ 
mabnung desselben körper und scbild mit einer rindshaut um 
sich vor dem gifte zu schützen, tödtet den drachen, als er 
von einem wafser wo er getrunken hatte zunickkehrt, und 
ninunt sein gold. Saxo 2 s. 20 Steph. 

2. Fridlev, söhn Frothos des 3n, läfst durch gesandte 
um Frögertha, die tochter des norwegischen königs Amund, 
werben, obgleich diese ihn liebt, weist der vater die gesand- 
ten schnöde ab; andere welche die Werbung abermals anr 
bringen läfst er sogar tödten. als Frotho sich schon gerü^ 
stet hat um die braut mit gewalt zu erstreiten und einst in 
der nacht das lager verläfst, rathen ihm drei über ihm flie- 
gende schwane den riesen Hythin, der den söhn des königs 
von Tbielemark geraubt hat, zu tödten. zugleich schenken 
sie ihm als beistand zum kämpfe einen mit versen beschrie- 
benen gürtel. Frotho folgt dem rathe der schwane, ver- 
wundet den riesen, zwingt ihn zur flucht und nimmt ihm 
sein gold, welches in einer hole verborgen war. nachher 
wird agcb Amund überwunden und fällt in der Schlacht, noch 
auf der brautfahrt befindlich verweilt der held eine zeit lang 
bei einem gewissen Grubbo, mit dessen tochter er den Olaf 
erzeugt, als er später mit Frögertha nach hause zurückkehrf, 
wird ei* an eine unbekannte insel verschlagen, woselbst ihm 
gerathen wird den drachen der da auf einem schätze liege 
zu tödten, die einhüUiuig ii^ eine stierhaut hilft iiudi hiar 



44 SIEGFRIED UND FREYR. 

zum siege, er erlegt den drachen, als er aus dem wafser 
hervortaucht, und bringt den hört auf seinem schiffe davon. 
Saxo 6 s. 99 — 102. 

3. Alvilda, die schöne tochter des gothiscben königs Sy- 
vard, war so keusch dafs sie beständig vor männern ihr ge- 
siebt verhüllte, ihr vater verscblofs sie in ein unzugängli- 
ehes gemach und setzte eine natter und einen drachcfti za 
ihren Wächtern, nur der überwinder dieser thiere sollte sie 
zur gattin haben; wer aber vergebens den Zugang zu dem 
gemache suchen würde, dem sollte das haupt abgeschlagen 
und auf einen pfähl gesteckt werden. Alf, der söhn des kö- 
nigs Sigar, ausgezeichnet durch sein glänzendes haupthaar, 
tödtet die thiere*, nachdem er sich mit einem blutigen feile 
bedeckt hat. aber Alvilda verschmäht den freier, der ihr von 
ihrer mutter verhafst gemacht ist; sie begibt sich als mann 
verkleidet zu schiffe und treibt seeraub. Alf, welcher sie 
lange vergebens gesucht hatte, geräth zufallig mit ihr in ei- 
nen kämpf, erkennt sie aber dadurch dafs einer seiner, be- 
gleiter ihr den hehn abschlägt und vermählt sich mit ihr. 
Saxo 7, s. 126 — 28. 

Dies ist der wesentliche inhalt von drei sagen welche 
eine grofse Übereinstimmung unter sich und mit der Nibe- 
lungensage zeigen, und es sind besonders die mythisch 
scheinenden punkte der Nibelungensage, die erlegung des 
drachen, die erwerbung des hortes und die befreiung der 
Jungfrau aus dem mit der waberlohe umgebenen gemache, 
welche in diesen erzählungen, freilich in der einen mehr in 
der andern weniger deutlich und vollständig, wiederkehren. 
Die erwerbung des hortes fehlt freilich in der dritten 
erzählung, welche neben dem drachen noch eine natter über- 
winden läfst (eine häufung der gefahr, die für uns weiter 
keine bedeutung hat), ist aber noch in den beiden ersten, 
wie in der nordischen und angelsächsischen sage von Sieg- 

* torridum ehalybem foreipe comprehensum hiantis viperae fauei- 
bus immersit; eine echt mythische kampfweise, so fafste der riese 
Geirrödhr mit einer zange einen glühenden eisenkeil und warf ihn ge- 
gen Th6rr : dieser fieng ihn und schleuderte ihn mit solcher stärke zu- 
rück dafs er Geirrödhr und die eiserne säule hinter welcher er sich 
v«itorgen hatte durchbohrte. Sn. 115. vergl. Saxo 8 s. 163. 



SIEGFMED UND FREYR. 45 

fried oder Siegmund mit dem drachenkampfe veriianden. auch 
das hat die sage von Fridlev noch in Übereinstimmung mit der 
angelsächsischen von Siegmund erhalten, dafs mit dem horte 
das schiff des siegers beladen wird, der ungenannte wel- 
cher Frotho und Fridlev zum kämpfe aufreizt vergleicht sieb 
dem Regino der nordischen sage, der Siegfried zu dem aben- 
teuer bestimmt, der drache wird von Frotho getödtet als 
er von dem wafser zu seiner hole zurückkehrt, nach der 
edda und der Völsuugasage auf dem wege zu dem bache; 
die sage von Fridlev läfst ihn unmittelbar aus dem wafser 
hervorkommen, merkwürdig ist der zug dafs in allen Arei 
erzählungen die beiden sich durch einhüUung in häute vor 
dem drachengifle schützen, fast möchte ich darnach anneh- 
men dafs die sage von Siegfrieds uuverwundbarkeit, von 
welcher der norden nichts weifs, einen ähnlichen Ursprung 
habe, dafs demnach der held vor dem drachenkampfe durch 
irgend ein mittel vor wunden geschützt wurde*, doch hat 
auch Frotho ein hemd welches ihn unverwundbar macht. 

Neben dem drachenkampfe kennt die sage von Fridlev 
noch die Überwindung eines riesen, dem ebenfalls sein gold 
geraubt wird, da auch nach der spätem deutschen Nibelun- 
gensage aufser dem drachen ein riese zu überwältigen ist, 
und diese erzählung wahrscheinlich aus der echtem dafs der 
riese Fäfnir in draehengestalt auf dem golde lagerte ent- 
sprang**, so möchte auch die dänische sage früher auf ahn- 
liehe weise erzählt haben dafs Fridlev einen riesen in dra«^ 
chengestalt überwand, die aufmunterung der schwane stimmt 
mit dem bekannten rathe der vögel in der Siegfriedssage; 
nur bezieht er sich da auf den mord des zwergs Regino. 

Die sage von Fridlev hat die erlegung des drachen nur 
in einem sehr lockern zusammenhange mit der erwerbung 
der Jungfrau: sie läßst den kämpf zufällig vor sich gehen 
als der held die braut schon heimführt, während er ein mit- 

* wie Persens zn dem kämpfe mit der Gorgo den unsichtbar ma- 
chendeji iielm des Hades oder Percdur nach dem mabioogi zuqi dra- 
chenstreite einen unsichtbar machenden stein bekommt, bekam Siegfried 
die tarnkappe' vor dem drachenkampfe? 

** s. meinen versuch einer mythologischen erklaniDg der Nibelnn- 
Sensage s. 36 f. 



46 SIE6FR1BD UND FREYR. 

tel zur eriangung derselben sein sollte, eben so angenau 
ist die erwähnung einer zweiten geliebten, der tochterdes 
Grnbbo; doch deutet diese sage an, dafs auch hier ursprüng- 
lich zwei weibliche wesen auf ähnliche art vorkommen moch- 
ten, wie in der Nibelungensage Kriemhilde neben der ver- 
schmähten Brünhilde auftritt, und so ist es auch würklich 
der fall in der erzählung von Regner Lodbrog, die wir hier 
einschalten. 

Regner freit um Lathgertha, von liebe zu ihr ergrif- 
fen als er sie in den scharen der männer kämpfen sah und 
ihm die wallenden haarlocken verriethen dafs sie ein weib 
war» die Vermählung wird gefeiert nachdem er einen hund 
und einen baren getödtet hatte welche ihr gemach bewach- 
ten, später aber verschmäht er sie und wirbt um Thora, 
die tochter des königs Heroth. dieser hatte ihr vater dra- 
chen zum aufziehen gegeben, die aber mit der zeit solche 
gefahr drohten dafs die jungtrau dem besieger derselben 
zur belohnung versprochen wurde. Regner, der sich um ihr 
gift unschädlich zu machen in ein wollenes gewand gehüllt 
und sich mit demselben ins wafser gestürzt hatte, damit er 
durch das sich ansetzende eis fester würde *j tödtet die dra- 
chen und erwirbt Thora. Saxo 9 s. 169 ff. später wurde 
er in einen mit schlangen angefüllten kerker geworfen and 
verlor durch ihre blfse das leben, ebend. s. 176. 

Hier erscheint deutlich die kriegerische nachher von 
Siegfried verschmähte Brünhilde. aufserdem hängt von dem 
kämpfe die erwerbung der braut ab*\ wie auch in der sage 
von Alf, wodurch beide dem echten typus der Nibelungen- 
sage sehr nahe kommen, denn die erlegung des drachen und 
das eindringen in die mit der waberlohe umgebene bürg oder 
die unterweit stehen auch dort, wie ich in meiner erwähn- 
ten abhandlung nachgewiesen zu haben glaube, in einem in- 
nern zusammenhange, die waberlohe hat freilich auch die 

* so hier statt der einhüllung in eine stierhaut. 
" im übrigen erinnert die erzähiung von Regner Lodbrog mehr an 
die von Ortnit, in dessen sage die auf Fütterung von drachen vorkommt 
auch Regners ende vergleicht sieh dem von einem drachen verschlmir 
genen Ortnit. die sage vom schlangenkerker erscheint nur als eine aa. 
dere Wendung, die sich in der nordischen Nibelungensage auch fälsch- 
lich an Gunnar geheftet hat. 



SIEGFMED UND FREYR- 47 

sage von Alf schwinden lafsen, obwohl das unzagängliche 
gemach noch hinlänglich die frühere gröfsere übereinstifflniung 
der sagen andeutet, auch hier ist es ein verwandter (der 
vater) welcher die Jungfrau eingeschlofsen hat, wie wir da&* 
selbe bei der Nibelungensage (versuch s. 67) nach verglei« 
chung des mythus von Freyr und Gerdhr und der vielfachen 
erzählungen von eingeschlofsenen töchtern annehmen musten. 
die sage von Fridlev läfst nur die tochter dem freier versa- 
gen und seine gesandten tödten, während richtiger der freier 
der Alvilda das leben verwirkt wenn ihm die kämpfe mis-* 
lingen, wie in der deutschen sage von Brün bilde, noch mag 
hier der übereinstimmende zug angeführt werden dafs Sieg- 
fried nach der edda (Ssem. 193) in Brünhilde ein weih er- 
kennt, nachdem er ihr den heim abgenommen bat, wie ein 
gleiches bei Alvilda geschieht, als ihr der heim im kämpfe ab- 
geschlagen ist. bringen wir nun auch die namen in auschlag, 
halten wir besonders Fridlev zu Siegfried und bedenken wir 
dafs in Alfs geschlechte in den namen seiner Schwester 
Signe, seines vaters Sigar, seines grofsvaters und bruders 
Syvald sieh das wort Sieg eben so wiederholt, wie in den 
namen der Yölsungen, so können wir nur noch zweifeln ob 
diese erzählungen unmittelbar aus der schon ausgebildeten 
Nibelungensage, die ja auch in Dänemark bekannt war, aus- 
gefiofsen sind, oder ob die mythischen grundideen die sich 
in Peutschland an Siegfried geheftet haben hier träger ap. 
den sagenhaften dänischen königen und beiden fanden, ich 
möchte mich mehr für das letztere entscheiden, weil die Über- 
einstimmung in manchen freilich für den mythus gerade un- 
wesentlichen punkten, namentlich die aus der geschichte auf- 
gekeimte räche der gattin, fehlt. 

An eine historische erklärung dieser sagen wird hier 
wobl niemand denken der den Charakter der altern geschich- 
ten bei jSaxo nur obenhin kennt, ich habe in meiner ange- 
führten abhandlung zu begründen gesucht dafs uns in den. 
mytbischep theilen der Siegfriedssage ein mythus von dem 
gotta Freyr geblieben ist: die dort vermutete Identität des 
Freyr und Siegfried, welche sich besonders auf das überein- 
stimmende wesen des gottes und des heros stützt, scheint 



48 SIEGFRIED UND FREYR. 

durch diese sagen bei Saxo, besonders darch die drei ersten, 
eine erwünschte äuTsere bestätigung zu bekommen. 

Betrachten wir zunächst die sage von Frotho. es i^t 
früher schon mehrfach von andern bemerkt dafs Saxo Ha- 
ding, den vater des Frotho, mit seiner gemahlin ein lied sin- 
gen läfst welches in der Jüngern edda der seegott Njördhr 
und seine gemahlin Skadhi so auffallend ähnlich singen dafs 
Saxos gedieht fast für eine Übersetzung des eddischen gel- 
ten könnte*, es könnte dadurch die Vermutung räum gewin- 
nen, dafs unter Hading und seinem söhne Frotho Njördhr 
und sein söhn Freyr verborgen sein möchten (wie ja auch 
sonst Saxo götter in die reihe der dänischen könige ver- 
setzt und Njördhr mit seinem söhne Freyr in der reihe der 
schwedischen könige erscheint), oder dafs wenigstens mythen 
von diesen göttern auf sie übertragen sein dürften, diese 
Vermutung wird dadurch bestätigt dafs auch die art wie 
Hading seiue gemahlin erhält, mit einem eddischen mythus 
von Njördhr stimmt. Saxo erzählt s. 16 folgendes: 

. Regnilde, die tochter des königs der Nitherer, war ei- 
nem riesen verlobt. Hading tödtet denselben, empfängt aber 
in dem kämpfe mehrere wunden, auctorem beneßcii puella 
crebris offusum vulneribus, ignara^ medendi cura prosegiä- 
tur. cuius ne notitiam temporis interiectus eriperet, crus 
eins annulo vulneri incluso obsignaturn reliquiL eadem post- 
modum a patre eligetidi mariti libertaie donata contracUm 
convivio tuventutem curiosiore corporum attrectatione lustra- 
bat, deposita quondam insignia perquirens. spretis omnibus 
Hadingüm latentis annuli indicio deprehensum amplecUtur 
eique se coniugein donat qui conmgio suo gigantem potiri 
passtis non fuerat, wenn wir bei dieser erzählung beson- 
ders ins äuge fafsen dafs es der Jungfrau gestattet wurde 
sich einen gatten zu wählen und die eigene art bedenken 
mit der sie dabei verfuhr, so fällt uns augenblicklich wieder 
Skadhi ein, der die Äsen, als sie zu ihnen kam um ihres 
Vaters tod zu rächen, die erlaubnis gaben sich unter den 
göttern einen mann zu wählen, doch unter der bedingung 

* Njördhr singt dafs ihm das wohnen in den gebirgen zuwider sei, 
Skadhi dars sie nicht am seestrande wohnen möge: eben so Hading 
nnd seine gemahlin. 



SIEGFRIED UND FREYR. 49 

dafs sie von den za wählenden nur die fSfse sehen sollte, 
sie wählt Njördhr, den sie wegen seiner glänzenden (firse 
für Baldr hielt, auch der tod des riesen läFst sich mit dem 
tode des Thiassi vergleichen, der sich Idhann hatte ver- 
sprechen lafsen. freib'ch hat Saxos erzählang eine ganz an- 
dere wendnng bekommen. 

Der erwähnte mythus von Njördhr ist der einzige den. 
wir von diesem gotte in einiger Vollständigkeit kennen ; wes- 
halb es kaum gelingen kann anderes von Hading erzählte 
mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf diesen gott zurückzufüh- 
ren, die andeutung einer andern erzählung, Ssem« 64**, dafs 
Njördhr einst nach osten d. h. zu den riesen als geisel ge- 
schickt wurde und dafs dort die töchter des Hymir ihn mis- 
handehen, ist zu unverständlich als dafs sie sicher mit Ha- 
dings gefangenschaft zusammengestellt werden könnte, zumal 
da Saxo s. 12 ihm diese gefangenschaft nur weissagen und 
mittel zur befireiung angeben läfst, nachher aber darüber weg- 
eilt, weil er wahrscheinlich nichts vor sich hatte als das lied 
welches diese Weissagung enthielt, es scheint sonst noch 
manches in Hadings geschichte mythischer natur, wie na- 
mentlich sein Verhältnis zu der riesin Harthgrepa s. 10 ff., 
seine fehrt in die unterweit s. 16, welches ich nur anführe 
mn zu zeigen wie mythisch die sagen von ihm sind, doch 
dörfen wir nicht übergehen dafs Hading als Stifter des jähr- 
lichen Fröblot von Saxo s. 16 erwähnt wird, was wieder 
eine nähere Verbindung mit Fi*eyr andeutet, denn dieäe sage 
läfst sich eben so wohl als eine historisierte fafsen als wenn 
es Sn. 354 heifst dafs Njördhr und Freyr zu opferprie3t«m 
bestellt sein. 

Haben sich so nachweislich wenigstens einige mythen 
von Njördhr an Hading, Frothos vater, geheftet, so knüpft 
sich auf der andern seite an den namen Frotho bei Sasco 
friede und freigebigkeit, was beides auf den gott Freyr passt. 
im übrigen trägt die geschichte von Frotho dem In, abgese- 
hen von dem drachenkampfe, nicht den mythischen charaktcr 
wie die seines vaters Hading, obgleich dessen ungeachtet 
einiges von ihm erzählte auf dem boden des mythus wurzeln 
möchte, die edda deutet eine feindschaft zwischen Freyr 
und Freyja an, da Loki der Freyja Ssem. 64^ vorwerfen kann, 
Z. F. D. A. III. 4 



52 SIEGFRIED UND FREYR. 

cur vuUum peplo otscuraret inquirii *. cuius anitmtm cetr 
tbis experjttirus nupturam $ibi feminain fingii eiM$que Jtorum 
canscendens lucemam Syrithae gestandam commütit^ quae 
cum absttmptis paene lychnis admoto propius igne prcme- 
retur, tantum patientiae spectmen praebuü ut manum iibsque 
motu continere visa nullam ardoris molesiiam scnüre cre- 
deretUTn extemum qyippe aesium cohibcbat mtcrior et prur 
ritantis animi fervor adustae cutis incendium temperaiat. 
quae demum ab Otharo manui consulere iussa placidos in 
cum obtutus verecunda luminum erectione convertit statimque 
semoto nvptiarum figmento genialem torum nupUira am- 
scendit* 

Das sträuben der Jungfrau gegen die Umarmung 4es maar 
nes fiodet sich in der Nibelungensage bei Kriemhilde und 
Brünhilde und in dem mytbus von Freys Werbung am Gerdbr 
wieder, zeigt also danach schon, diese erzählung einige 
Verwandtschaft mit der von Freyr und von Siegfried, so 
führt Syritha selbst, die verwandte des drachentödk^s Alf 
(sie ist die Schwester seines vaters), auf eine dem Freyr 
nahe verwandte göttiu, weil nämlich offenbar Syrilba um- 
herirrt um den geliebten Othar, der sie verlassen hat, zu 
suchen, so ist es einleuchtend dafs wir hier dem hauptin- 
halte nach den bekannten mytbus von Freyja (Sn. 37) |u- 
ben, /Welche Odhr der sie verlaFsen hat sucht, zum übet- 
flufs stimmen auch die namen. der name des mannen ist 
derselbe; Syritha läfst sich mit Syr, einem beinamen der 
Freyja**, zusammenstellen, durch diese hier von einer, ver-. 
wandten des Alf geltende erzählung erhält also die annähme 
dafs der. drachenkampf sich ursprünglich auf Freyr beziehe, 
und dafs folglich der Siegfriedsmythus ebenfalls zuerst yon 
Freyr galt, eine neue begriindung. obgleich wir nun nicht 
näher erweisen können in wie weit der mytbus von Odhr 

• also auch Syritha verhüllt sich wie Alvilda, Alfo geliebte, der 
name Kriemhilde, der vom altn. grimä larva (vergl. gramm. 1, 189) 
abzuleiten ist, könnte die verhüllte bedeuten und auf einen ahnlichen 
verloren gegangenen zug in der Nibeluogensage weisen. 

Sn. 37. sie bekam den namen als sie Odhr suchte, in dem 
«weiten theile der composition Syritha liegt wohl das ahd. /ft> nym- 
pha, altn. dis oder dis ahs idis, vergl. Jac. Grimm über zwei ent- 
deckte gedichte s. 5. 



SIEGFRIED UND FREYR. 53 

bei Saxo getrübt ist, da er io der edda nicht aasfahrUch er- 
zählt, sondern nur angedeutet wird, so scheint es doch ein 
eeht mythischer zag dafs der riese der Syritha das haar 
in einander geflochten hatte, da auch die deutsche fran Holle 
verwirrtes und struppiges haar hat*, so gewinnen wir ans 
dieser erzählung theils den mythischen grund der sage (die 
nach der analogie von Sifs abgeschnittenen haar erklärt wer^ 
den mufs), theils wird dadurch meine früher (versuch s.129) 
aufgestellte vermutuag, dafs die Holle Freyja «ein dürfte, 
bestätigt. 

Haben wir so zunächst die Verwandtschaft der drachen- 
tödtersagen bei Saxo mit der Nibelungensage erwiesen und 
darauf bei den beiden derselben und ihren verwandten mehr- 
iache, freilich mehr oder weniger sichere, spuren gefunden 
welche auf die vanengötter und vornehmlich Freyr führen, 
so wird dadurch, weil Untersuchungen wie die vorliegende 
wegen unserer armut an echten quellen für die deutsche 
und nordische mythologie nothwendig an einem gewissen 
mangel an ganz evidenten beweisen leiden, die angenommene 
Identität zwischen Siegfried und Freyr freilich noch nicht 
ganz gewiss, sie hat aber eine neue nicht abzulehnende be- 
stätigung erhalten, flöfsen die reinen quellen reichlicher, 
wir wurden mit gröfserer Sicherheit behaupten können dafs 
wir in den ersten büchern des jSaxo und überhaupt in deut- 
schen und nordischen sagen einen reichem schätz von wenn 
auch getrübten und entstellten mythen besitzen als wir uns 
jetzt gestehen dürfen. 

* über das strnppise haar der Holle und den hollenzopf s.' myth. 
166. 1t6%. 

WILHELM MÜLLER. 



BEITRÄGE ZUR KENNTNIS DES MITTEL- 
NIEDERDEUTSCHEN. 

Durch die gute des herrn pastor Thilo zu Daberkow in 
Pommern wurde mir eine alte kirchenagende mit fortlaufen- 
der niederdeutscher Übersetzung, die sich in der kirche zu 
Bartow befindet, auf einige zeit zur sprachlichen benntzung 



54 ZUH KENNTNIS DES MND. 

überUbea. sie findet sich zwar ohne zweifei noch ia vie* 
len lirchen Pommerns nnd Mecklenborgs« ist aber so Tiel 
ich weils in hinsieht auf die darin enthaltene niederdeot' 
sehe spräche noch nicht benutzt worden, obgleich sie in 
der mitte des 16n jh. abgefafst ist und namentlich in den 
lantverhältnissen schon sehr von dem älteren mittelniede^- 
dentschen zu dem heutigen plattdeutschen sich hinneigt, so ist 
doch die spräche dieses umfangreichen' denkmals in Tieleo 
ponkten noch entschieden auf der stufe des mnd. und bielel 
daher als zeugnis aus der beginnenden Übergangsperiode 
manche interessante erscheinungen dar, die hier kirzlich 
zusammen gestellt werden sollen. 

Übrigens ist die spräche nicht durchgängig ganz gleicht 
sondern es zeigt sich in den etwas später abgefafsten Tor> 
reden, und in einigen theilen der Agenda welche ana dem 
47n jh. herrühren mögen, eine merkliche verflachnng« 

Das buch besteht aus zwei abtheilungen welche aoeb 
ihre besonderen titel haben. 

1. Ktroken Ordeninge im lande tho Pamem doreh de 
darchlilöhtigen hochgebamen forsten unde herren^ herm 
Barnim unde herm Pkilipsen hochlöffliker gedechtnis^ beide 
hertogen tho Stettin, Pamem, der Cafsuben unde ff^enden, 
Jtireten tho Bilgen unde graven tho Gutzkow etc. aneeng^ 
Hek up dem Landdäge tho Treptow, Anno m.dxxxly. ge^ 
elaten, unde itzund vemer dorch de dorchlUchtigem Aod^- 
gebamen forsten unde herren^ herm Barnim den öldiam, 
herm Johann Friedericheny herm Bugslqffen, herm Ems$ 
Ludewig, herm Barnim den Jüngern unde herm Casimim, 
geveddem unde gebröder, hertogen tho Stettin, Pamem ete, 
up radt der theologen unde bewilliginge der Landstende 
vomyet unde vormeret, Olden Stettin, drückt unde vor- 
legt idt Friderich Ludwig Rhete, köningl. boeckdrUcier. 
Anna 1690. 

Voran geht eine rerordnung des königs Karl von Schwe- 
den die einführung dieser KO. betreffend, in hd. spräche, ge- 
geben»! Stockholm am 28n juni 1688. dann folgt eine lange 
voirede 4er dimaligen herzöge in Pommern (Barnim des äU« 
n. s. w.) in welcher wiederum eine Verordnung der beiden 
«nerat geplanten herzöge Barnim und Pbilipp enthalten isit 



ZUR KENNTNIS DES MND. 55 

mit hd. uad &d. text von 1563. dann folgt die KO. auf 
111 folioUättern. 

2. Agendü dat is ordeninge der hüUgen iercienempter 
unde ceremomen, wo stet de parrherren, seelsargere unde 
kerckendenere in Srem ampie holden sckälen, bestellet vor 
de kercken in Pamem up bev4l der dorchlüchtigen koeh- 
gebamen herren herm Barnim des ölderen etc. Anno 1 568. 
OUen Stettin Anno 1691. vorrede von 1568. dann dei^ 
text der Ag. auf 463 folioblättern ; sowohl text als voiS 
rede in neben einander fortlaufender hd. und nd. mundart. 

Daraus erhellet dafs die KO. zuerst 1535 abgefafst 
worden nnd 1563 in erneuter gestalt wieder erschienen ist, 
worauf ihr 1568 die Ag. nachfolgte: beide zusammen aber 
sind 1690. 1691. auf befehl des Schwedenkönigs, ohne we- 
sentliche Veränderung wie es scheint, wieder abgedruckt wor- 
den, wir haben also mit wenigen ausnahmen ein denkmal 
der nd. mundart aus der mitte des 16n jh.* 

1.. VOCALZERDEHNÜNG. 

In den meisten der hier abzuhandelnden lautlichen gram« 
malischen und etymologischen erscheinungen zeigt sich ein 
entschiedener parallelismus des mnd. mit dem mnl., da ja 
auch diese beiden mundarten in der nächsten blutsverwandt* 
Schaft zn einander stehen; das mnd. ist. dabei nicht selten 
im vortheil, indem es deutlichere wortformen nnd durchgor 
bildetere gesetze darbietet, so auch bei der vocalzerdehnung, 
von der Grimm für das mnl. in seiner darstellung der mnl» 
vocale handelt; denn die entsprechende mnd. lauteigenthüm«' 
liehkeit ist nicht nur über mehr laute ausgebreitet, sondern 
hält sich auch in bestimmteren gränzen und tritt überhaupt 
in viel organischerem Charakter auf als die mnl. dies mufs 
näher erörtert und mit beispielen belegt werden. 

1. vocalzerdehnung nenne ich den eintritt eineft kurzen 
«lautes hinter einem ursprünglich einfachen oder einfach ge^ 
wordenen langen laute um denselben im seiner länge zu be- 
schützen, wobei der alte laut bleibt nnd nitr durch das nack- 

* [die pommehtehe agende ward zuerst 154/2 %t^ Wittenbers 9^ 
dniekt. J* G« L. Raiegarten.] 



56 ZUR KENN^rNIS DES MND. 

ballende e ia der erfaaltang des zeitmafses seiner silbe nn- 
terstützt wird, welches durch andere einflüfse bedroht war. 
diese erscheinung^ hängt nämlich genau mit einer andern zu- 
sammen die im folgenden abschnitt behandelt werden wird, 
mit dem bestreben der mnd. spräche die consonantiseh aus- 
lautenden Wörter in ihrem auslaut genau und deutlich von 
dem folgenden worte abzugränzen, wodurch sowohl der aus- 
lautende consonant mit gröfserer härte und schärfe bervor- 
gestofsen werden mufs (also dem inlautenden consonanten 
immer wo es möglich ist ein härterer im auslaute entspricht), 
als auch der vorausgehende lange vocal in seinem zeitmafse 
beeinträchtigt werden mufs, weil die Verschärfung des auslauts 
auch leicht zur eiligeren ausspräche der ganzen silbe v«^ 
leiten mag. dadurch finden die mnd. zerdehnungen ihre or- 
ganische bedeutung und die art ihres auftretens eine genä- 
gende erklärnng: sie gehen ursprünglich hervor ans dem 
streben des spraehgefuhis dem durch den harten auslaut ge- 
fährdeten einfachen vocale seine alte länge zu erhalten und 
finden sich daher eigentlich nur in geschlofsnen d. h. con- 
sonantiseh auslautenden silben, und zwar in solchen deren 
vocal eine einfache länge ist. dies ist der ursprüngliche und 
organische bezirk der mnd. zerdehnung, welchen sie aber 
theils nicht völlig ausfällt, indem nicht alle Wörter wo zerr 
dehnung statthaft wäi*e dieselbe erleiden, theils auch über- 
schreitet, indem auch eigentlich kurze vocale zuweilen von 
derselben ergriffen werden und indem auch in offenen sMbea 
mitunter die zerdehnten laute gefunden werden, während in 
der regel ein durch flexion an die geschlofsne Mibe antre^ 
tendes e den einfachen vocal zurückruft, aber die mebrzahl 
der fälle sichert dieser erscheinung die ihr angewiesene 
stelle und bedeutung. sie zeigt sich am häufigsten bei a, 
o, M und modificiert diese laute in ae^ oe, tie; bei e, welches 
in ee übergeht (vergl. 8), hat sie einen etwas unoi^ani- 
sehen Charakter; bei ü und ö findet sie sich nur einzehi; 
bei ff 9 i ist sie meist nur scheinbar und beruht auf einem 
e einer flexions« oder bildungssilbe, so dafs ye als y*e zu 
fafsen ist. als zerdehnung ist für den ü^xkihlois gietx ava- 
ritia zu betrachten (ahd. gitsz), während gedyen bene suc- 
cedere, gedyent successus, vyerU inimicus, vartyen igno- 



ZUR KENNTNIS DES MND. S7 

scere, vorlyen sappeditare, nye novus nicht hierher ge^ 
höfüii* 

2. die miil. brechung des a io ae kann mit der hier b^ 
sprocfanen mnd. zerdebnung ae nicht verwechselt werden, 
weil diese nicht von einem folgenden rm, m, rd, rt dihängt, 
sondern sowohl vor einfacher, als auch vor doppelter con* 
sonanz statt findet, und überhaupt auf ganz anderen gründen 
beruht als die brechung. vergL Grimm gr. 1, 278 ff. 283» 
zeitschr. f. d. alt. 2, 270, 4. 

3. der von Grimm (gr. 1, 281 ff.) dargestellte nuü. 
laut ae hat ganz dieselbe naturwie unser ae und tritt auch 
wie die mnd. sierdehnungen überhaupt nur in geschlofsnen 
silben auf, während in geöffneten der alte einfache laut wie-» 
der erscheint (Grimm 1, 282). 

4. der mnl. laut oe (Grimm gr. 1, 298) gehört gleich« 
falls hierher und ist im gründe gewiss ganz von derselben 
natur wie das mnl. tie; aber hier steht das mnd. dem mnL 
als reiner und consequenter gegenüber, denn dieses ver- 
breitet seine zerdebnung auch über Wörter wo die einfache 
consonanz durch ein folgendes e als anlaut der endsilbe er* 
scheint, wodurch also die silbe in der das o steht eine offne 
wird und der organische grund zur zerdebnung wegfallt) 
denn da der silbenton nun auf dem o ruht, so wird dessen 
länge nicht geschmälert, sondern eher verstärkt, im mnd« 
dagegen, welches sich seihst treuer bleibt, steht entweder 
das alte o oder der neuere laut ö an dessen stelle, z. b. 
ropen vocare, woker foenus, blöde sanguine, broder firater^ 
moder mater, rode virga, böte emendatio. — vökn sentire, 
vordömen damnare, nomen nominare, dröve turi>idns, pro^ 
ve» probare, geraten curare, söien quaerere, ßöken male« 
dicere, höden custodire, möde fessus, vöden nutrire, gräten 
salutare, möthen ieherej söte dulcis. 

5. das von Grimm (gr. 1, 301 f.) abgehandelte mnt. 
ue aber läfst sich mit unserem mnd» ue gar nicht verglei^ 
chen, weil jenes durchaus keinen organischen Charakter hat 
und auch an ganz anderer stelle steht als dieser mnd. laut. 

6. mit den getrübten lauten ä, ö, ü können- unsere zer* 
dehnungen ae^ oe, ue schon nach der ganzen bisher gegebe- 
nen darstellung dieser laute nicht vermischt werden, aber 



58 ZUR KENNTNIS DES HND. 

auch deswegen nicht weil in unseren quellen für jliese ge- 
trübten laute nirgends andere zeicben als a, ö, ü voikoB- 
men und also die eigenthümliohkeit des ae, oe, ue adion 
d«reli die Schreibart unumstöfslich festgestellt ist. 

7. übrigens ist diese phonetische erscheinong keines- 
wegs in allen fällen consequent durchgeführt, ja selbst bü 
den Wörtern welche gewöhnlich mit dem zerdehntea laut 
gefunden werden wechseln öfters die formen mit den ein* 
fachen längen ab, so dafs es fast scheint als ob es in der 
Willkür des sprechenden gelegen habe die länge durch den 
l^nen yocallaut oder durch zerdehnung auszudrücken. 

8. endlich mufs mit diesen erstgenannten lanten noch 
ein anderer mnd. laut verglichen werden welcher gleiehMls 
als zerdehnung gefafst werden kann, nämlich ee. er drückt 
überall das lange e aus und entspricht entweder dem abd. 
ei, ai, oder dem akd. m^ io^ ia, ie, eo, oder den ahd. t 
goth. ai; im nd. selbst wechselt er mit e und S (letzteres 
scheint immer wie ä auszusprechen), und zwar so dafs diese 
beiden laute vorzugsweise den offenen, ee vorzügUoh den 
geschlofsnen silben zufällt, demnach wäre dieses ee gans 
von einerlei art und natur mit ae, oe, ue, öe, iie, ie, und 
ich zweifle auch nicht dafs dasselbe nicht blofs müfsiger 
Vertreter- des e und 4 gewesen, dafs vielmehr in der ans^ 
spräche nach dem ersten stärkern e das zweite leiser nach* 
klingend gehört worden sei ; der unterschied liegt nur darin, 
dafs ee das wesentliche merkmal der mnd. zerdehnung, die 
bssohränknng auf die consonantisch auslautenden silben, öf* 
ters aufgiebt. der grund davon mag wohl darin zu-sndien 
sein dafs das e, welches im nd. eine so grofse ausbreitung 
hat und daselbst so oft in unscheinbarer gestalt für die klang- 
reicheren laute anderer mundarten auftritt, da wo es ab 
volle länge gehört werden sollte (und zwar als ä, nieht als 
^), auch selbst als silbenauslaut dem obre nicht genügte, 
sondern sich noch durch den nachschlag de^s scbwäeherea 
lautes, gleichsam durch seinen eignen schatten, verstärkte. 

Es ist uns nun noch übrig für die angestellten sätze 
belege zn geben. 

ae = ahd. d oder a. 
tmert cnrsiis, i^pvoert ascensio, waen opinio, wraeokgiricheU 



ZUR KENNTNIS DES MNIK t» 

iracundia, maendt luna^ maendttydt mensis, affgespaent fa- 
tigatas, gehör saem obedientia, gaen ire, traech piger, fuaedt 
malus, raedt eonsiliuu, dael vallis, laet sine, schaep ovis^ 
$Uiep somnus, underdaen sabiectus, saedt semeo, sodaen lalia« 

dal vailis, radt consilium, taten sinera, schape ores, 
9lapen dormire, varen vehi. 

oe. 

1. für ahd. 0» 

hen merces, schoet gremium, verdroet pignity geboedt ias- 
Sit, homulaginge cavillaiio, woerdt verbam. 
lones mercedis, wordes verbi. 

2. für ahd. au. 

laep «ursns, iholoep adeursos, roeck famos, soem narga, 
la^ffioerdich dignus cui credatar. 

gehve fides, geloven credere, lopen earrere. 
Z. für ahd« uo. 
bloed sangttis, back Über, behoeff atilitas, vorheeff wk 
si^erbivift« boeiverdich ad poeDitentiam promptos, boelpre^ 
dige suppUcatio, moetwülich lascivus, doen facere, demoet 
modesita, floeck maledictio, ßoet fluctus, egendoem proprie- 
iaSy tm^oet . dilavies, groedt salatatio, kroeck eaupona, 
Uoeckheü prodentia, ro^ clama, schoep creavit, tcboelmeir 
ster praeceptor, schoeldener minister scholae, stoel aeUa, 
vproer seditio, voeth pes. 

bok über, modt auioiiis, avermodt superbia, klok pro» 
dens, bhdt sangnis, droch portavit, bokes libri, böte poeni«« 

tentia, ropen clamare, schale schola. 

•• 

sget dulcis, neben söie; stöelte subselUa, aber siSle sellaA» 

u^. für ahd. ü. 
geirueck usus, luedt sonos, ruem spatinm, kruedt herjm, 
umkruedt herba inutilis, vörhuedt praepuüam, vuel pigar, 
puelhmt pigritia. 

mU piger, bruken uti, si^en haurire, luden sonare« 
brudt spoBsa. 

äe. 
wUest vastas, düetlick perspicuus, gebiiiecklick usitatus. als 
ffexion ist das e wohl anzusehen in thiiet trahit, süet videt, 
geschüet ißt. 



60 ZUR KENNTNIS DES MND. 

I. fär ahd. ei, ai. 
scheed discrevit, erscheen apparuit, dreeff pepolit, weeth sdt, 
beseheedt resfonsnmj breedthUis, uthbreeden iÜAiaiTe, deeek 
maza, deel pars, ifee/eit dispartiri, eedt iasiiirandain,*^efcA 
caro, heelen mederi, keen^ neen nullus, kleen panr«s, Uedi 
iniuria, meenen opinari, vormeendtlick creditus, steen lapis, 
steentgen lapidibus obmere, unterscheeden discemere. 

beledigen offeudere, allene solas, bene crura, bewetun 
plangere, egen proprius, gemene ecdesia, heten iubere, rt- 
ken tendere, teken signam. — bl^e maneret. 

2. für ahd. tu, ia, io^ ie, eo. 

blees fiavit, deeff für, deeffstal furtum, entsleep obdormifä, 
leeih iussit, heeldt tenuit, fleech effuge, deenst sendtiim, 
deep profundus, heeth nomiuabatur, knee geau, leeff cams, 
leep cucurrit, meedtlinck merceuarius, vorreedt prodidit, 
iteeffkindt privignus, theen trabere, deerte animalia. 

anrSpen adclamarent, bMen offerre, gebSde» Mertj 
brSf epistola, entspr^ten nasci, g4ten fiindere, ninumit 
oemo, nimals nunquam, prSster sacerdos, vordrSten pigere. 

vorlesen perdere, denen servire, dener senms, entle- 
gen effiigere, umme/enck amplexus est, leve amor, ieeen 
aHMre. 

3. für ahd. i, goth. ai. 

heerden pastores, weerdich diguus, weerdigen dignari. — 
vee pecus kann nicht füglich hierher gerechnet werden, weil 
auch vehe vorkommt. 

Schliefslich will ich noch bemerken dafs auch die heu- 
tige plattdeutsche ausspräche eine analogie für die eben be- 
sprochene zerdehnung der älteren spräche darbietet': das 
lauge e nämlich, welches regelmäfsig dem hd. ei gqjenöbw- 
steht, wird entweder als reiner elaut gesprochen oder es 
klingt ihm ein leiser flaut nach, welcher in mancbea di- 
stricten zum breiten hd. ai wird, so dafs weeth seit bald 
= wet, bald = w4it, bald = wait gesprochen wird"* der- 

* [die jetzige zerdehnnng des ee in et zeigt sich auch schon .in al- 
teren Schriften, ick weit. scio. in Siaggerts chronik, circa a. 15)^5. 
deyner. servuM. Lisch mecklenb. jahrb. bd. 3 s. 186: kU^ne keys» 
parvi easH, ebend. s. 187. Kosegarten.] 



ZUR KENNTNIS DES MNO. 61 

selbe iall ist es mit dem ad. 6 welches hd. u oder au eal- 
spricht f das o. ist entweder ganz rein oder ein korser «Unt 
schlägt nach welcher wieder zu völligem au werden kann« 
z. b« boek über ^b bök oder bo^k oder Äotfit. 

2. AUSLAUT. 

Die vorhergehende auffafsung der mnd. zerdebnnng wird 
durch eine andere erscheinung dieser mundart unterstätzi 
und bestätigt in der sich eine sehr feine und conseqneol 
hervortretende empfindung für den einflufs des auslants auf 
die ausspräche der endconsonanlen offenbart, um nämlich 
den schlufs eines Wortes deutlich in der ausspräche hören 
zn laben ist es nöthig einen druck oder eine gewalt auf 
das ende des wertes zu legen, wodurch fast jeder con- 
sonant unwillkürlich an härte oder schärfe zunimmt« dasr 
selbe mufs natürlich dann statt finden, wenn ein consonanl 
mit einem andern (und zwar surden) in der mitte eines wer- 
tes zusammentrifft, weil, wenn die laute beide deutj|;ich ge« 
hört werden sollen, die gröfsere anstrengong des organs zur 
ausspräche des zweiten lautes einen ganz ähnlichen druck 
wie beim wortschlufse auf den vorausgehenden consonanten 
zurückwerfen und ihn dadurch gewaltsamer hervortönen la- 
fsen mufs. beide falle sind also nur eine und dieselbe er- 
scheinung und können deshalb der kürze wegen beide unter 
dem namen auslaut hier begriffen werden, diese lautmodi-f 
fication mufs nun gewiss eigentlich in allen sprachen eintrer 
ten, aber sie wird nicht überall gleich stark sein können, und 
zwar desto schwächer sein, je lebhafter das temperament des 
volksstammes und je flüchtiger also seine redeweise ist, so 
dafs sie entweder gar nicht oder doch nur in einzelnen .{al- 
len durch die scbrift ausgedrückt wird, es spricht sich d^a- 
ber in den sehr subtil durchgeführten und ausgebildeten aus- 
lautsveränderungen des mnd. eine characterislische ruhe und 
bedächtigkeit des nd. volksstammes gegenüber dem hd. aus, 
^ldem. der Niederdeutsche sich bemüht in dem ebenen lang-t 
Samen gange seiner rede jedem worte und jedem laute sein 
volles recht zu gewähren und so alles hübsch ordentlich und 
bedächtig abzugränzen, während der Oberdeutsche seinei^ 



tu ZUR KBNNTNIS DES MND. 



abhSnge aad felsstiicke dabin raaschendeo bergstrteen 
gleieh meistentheils über die anbaitspunkte der rede lieber 
riseh dahin eilt oder sie gar mit sieb forlreifst* als dab er 
sich die zeit nähme jedem sein recht rohig znznwigen. 

Der einflufs des abgränzenden Sprachdruckes äuCsert sich 
natürlich am deutlichsten bei den mutis, die von selbst ihre 
verschiedene härte stufenweis bezeichnen : er läfst keine stufe 
derselben ganz unverschont, sondern verwandelt die media 
in die tenuis oder aspirata, die einfache tennis in die ver- 
sehMrflte oder auch in die aspirata und die sonore aspirata in 
die snrde, so dafs jeder stumme consonant so lange es i^ 
gend möglich war seine empfindlichkeit gegen den ibn ge» 
leisteten widerstand zu erkennen gab ; doch konnte die waa- 
delung der tenuis in die aspirata auch oft unterbleiben, weil 
sich die tenuis die der media als hilfe genügte aneh zor 
Selbstverteidigung stark genug dünken durfte, die aaebe 
verhält sich nun im einzelnen folgender mafsen. 

1. am meisten mufs, wie sich von selbst versteht^, der 
schwächste grad des consonantischen lautes der verändenmg 
Unterliegen, also die media ; sie kann entweder (und das ist 
das gewöhnlichste) in die tennis oder auch in die asfnraU 
übei^ehen» und zwar so dafs die dentale media inmer die 
tenuis wählt, weil es im nd. eine dentale aspirata nieht gibt, 
die dentale tenuis erscheint in der dreifachen form dt, t 
und ttf worin eine wachsende Verstärkung liegen kanni-an- 
fserdem wechselt mit t auch th. die gutturale media gebt 
gewöhnlich in die aspirata ch über, bei vorausgehendem n 
aber in die tenuis ck; die labiale media geht in die aa^rata 
y* über, wohl deswegen weil ihr im Verhältnis zum bd« durch 
das lautverschiebungsgesetz diese lautslufe gelaufig ist. übri- 
gens kann nach der natur der nd. laute die labiale- media 
eigentlich gar nicht in den auslaut zu stehen kommen, ^eU 
sie im iolaut nur uneigentlich vorkommt; denn da wo sie im 
bd. steht, mufs natürlich im nd. die aspirata auftreten; die 
formel^ — b — p für lat. u. s. w. — nd. — bd. aber, wel- 
che für das inlautende b dem nd. ersatz gewähren löante, 
bat sich für das nd. nicht entwickelt, weshalb die labiale 
media daselbst Jbst nur im anlaut gefunden wird, ans wel« 
ehem sie nicht bis in den anslant verdrängt werden kann. 



ZUR KENNTNIS DBS MND* 63 

gtbeden iubere, gebüdi, gebüth iubet, geboedi iassil ; 
geraden bene succedere, gereedt bene saccessit, bidden ora* 
re, bau orkvit; werden fieri, wert fit, te^^rrf fiebat; holden 
tenere, höldt tenet, Ao// tene; treden calcare, trett cakal^ 
tradt calcavit ; ende finis, entschop finis ; levendt vita, h' 
vendes vitae ; vortruwent fiducia, vortruwende fidnciae ; gele- 
vet amatus, geleveden amati; vorbHert emendatus, vorb^ 
terde emendata; godt deus, gades dei, g'öde dii$ blodi san- 
guis, blödes sanguinis ; geldt pecnnia, geldes pecuniae ; do- 
dm interficere, dodt mors; pant pignus, pandes pignoris, 
panden pro pignore capere. 

flegen fagere, fleech ftige, thqfluclu refugiom; segen 
videreat, sack vidit, sichtlick visibilis ; leggen ponere, leehst 
ponis, letht ponit; Uggen iacere, lach iacuit, lieht iacet; 
gesehtgen fierent, geschach factum est ; seggen dicere, eecht 
dicit, seck die; swigen silere, swicht silet; dragen ferroy 
drechst fers, droch tulit ; mögen velle, mach vult, machst 
vis; krigen nancisci, kricht nanciscitur; plegen soiere, 
plecht solet, plach solebat; töge traberet, unvortöchlick 
statim ; dächtich strenuus, düchtige strenui ; sSdich benemo« 
ratus, ^^£^/^e benemorati; genoch satis, genögen sufficere; 
dach dies, dage dies; wech via, wege viae. 

laf^e diu, lanck longus, lancksam tardus; gingen 
iveruni, ginck irit, unvorgencklick aeternus; gesanck canr 
tilena, gesenge cantilenae; anvangen incipere, aneenckHck 
ab iniiio ; ummevangen amplecti, ummevenck amplexus est ; 
junge iuvenes, junck iuvenis; dtnges rei, dinck res; kä* 
ninck rex, köninge reges; nyelinck bomo imperitns, nye* 
linge homines imperiti ; meedilinck mercenariQS, meedilinges 
mercenarii. 

hebben babere, heffst babes, Ae^ babet. 

2. die tenuis kann sieb entweder durch sieb selbst ver- 
schärfen, indem statt der einfachen tenuis im auslaute die 
Verdoppelung steht, oder durch die aspiration. daher gehl 
die gnttufale tenuis k theils in ck, theils in cA über; die 
labiale tenuis p aber wandelt sich in ff. 

entwiken aufiigere, entwickt aufugit; sprSken loqui, 
spreekst loqueris, spreckt loquitur, spreck loquere, sprach 
locutus est; brSken frangere, 6r<?r£f frangit, hrackbt%\i. 



64 ZUR KENNTNIS DES MND. 

söken qnaerere, socJut quaeris, söcht qoaerit, gesockt 
qoaesitus; denken cogiUre, dachte cogiUvit. 

dopen baptizare, döffi baptizat, döffle bapüzävil^ ge* 
Jö^ bapüzatus ; köpen emere, köffst emisj, köffieadi, köffie 
emit^ gekofft emtas. — dagegen lopen currere, lopt carrit; 
ropen clamare, röpt clamat. 

3. für die labiale reibe besitzt das nd. eioe doppelte 
aspiraU) eine sonore v = dem ngr. ß und eine surde/ 
=: ngr. 9. im anlaut steht v oft ohne unterschied für/, 
aber im inlaut zwischen zwei vocalen hat die sonore as]^- 
rata ihre eigenthümliche Stellung, und dafs sie hier aach ei- 
nen weicheren laut hat geht schon daraus hervor dab sie 
sich stets in ff wandelt sobald sie in den auslaut tritt: Ae- 
ven tollere, heff tolle ; dryven pellere, driffst pellis, i^ß 
pcllit, drt/ff pelle 5 geven dare, gifft dat, giff da, gqff dc- 
dit; hlyven manere, blyffi manet, blyjt mane; sekiyven 
scribere, schrifft scribit ; wyff mulier, wiver mulieres \ bfff 
corpus, lives corporis ; hoff aula, haves aulae. 

3. MERKWÜRDIGES VON DEN GUTTURALEN. 

Bei dem Übergänge der niederdeutschen dialecte ans der 
alten in die mittlere periode mufs eine durchgreifende nei- 
gnng dagewesen sein die alle iautformel ß in cht umzöge- 
stalten, denn sowohl im mnl. als auch im älteren mnd. tritt 
cht in vielen Wörtern auf welche im alts. ags. und ahd. ß 
fadien. auch in unserem mnd. der letzten periode finden 
sich noch mehrere interessante beispiele dieser erscheinuog, 
während das pld. davon nur einen sehr unbedeutenden rest 
erhalten hat*, das englische zeigt spuren beider Perioden 
in eigentbümlicher Verwirrung, indem bald ß^ bald gh er- 
scheint, welches letztere in vielen Wörtern wie ß ausgespro- 
chen wird, qßer post, ieß sinister, sigh suspirare, Imtgh 
ridere, enough satis, coiigh tussis. auch das ahd. gibt in- 
nerhalb der gränzen seines eigenen gebietes beispiele eines 
solchen wechseis zwischen der gutturalen und labialen reihe, 

[die verwandeloDg des ft in cht hat die jetzig pommersche 
spräche noch in manchen Wörtern : lueht luft, sacht sanft, tehackt 
Schaft. Rosegarten.] 



ZUR KENNTNIS OBS HNO. 65 

klaphon kloohAn kloßtgan puLsare, lib Uh Yita,.corpiu» krio^ 
chan krifan repere, zu vergleichen mit ags. creopan, engl» 
creepa nord. kriupay mnd. kripen, nhd. kriechen, lat. r«- 
pere, serpere, griech. iQ-nv^to, skr. ^ap. der Übergang der 
labiale in die gaituralen scheint demnach immer erst eine 
spätere entwickelung zu sein und steht im nd, in abhängig- 
keit ,yoB einem folgenden t. wichtig ist diese erscheinung 
für die erklärung einiger dunkler wortformen; weshalb die* 
selbe hier näher beleuchtet werden soll. 

sacht placiduS) saehtmödich mitis, sachtmodt mitis ani-* 
muS) ahd« samß:^ ags. seft, soji^ engl. soft, aus dem älte- 
ren mnd. ist zu vergleichen saehtmödich. zeitschr. f. d. alt« 
i^ 541, 15. 19. sachtmodicheyt zeitschr. 1, 541, 25, ^rocA- 
ten miiigare, wen sik denne sachtet sin böse grwit zeitschr. 
1, 542, 32. der nasal ist also in den niederd« dialecten 
einstimmig verloren gegangen. 

suchten und soften ingemiscere, ahd. suftön, mhd. süif" 
ien, soften (zeitschr. 1, 439, 19. 454, 559. 2, 198, 17), 
ags. seoßan, engl. sigh. die englische form ist ebenso aus 
der ags. umgebildet wie die mnd. aus der altnd., die woU 
der ahd. gleich gelautet hat ; deswegen ist der guttural in 
sigh und suchten nicht gleich dem in goth. gasvdgjan, 
sanskr. stic. vergl. Graff 6, 173. 

achter pone (das noch heutzutage gewöhnliche wort für 
hinter), achterreden calumniari, ahd. aftar, goth. qftaro» 
nord. qfiiTy ags. qfter, engl, q/ter, alt. mnd. und mnl. ach* 
ter. der achter rüge vorsake im Calo zeitschr. 1, 542. 
dat in is nit achter hieven zeitschr. 2, 321. achter loissen 
zeitschr. 2, 321. 

^ lucht und 7«^ aer, mnl. locht (zeitschr. 1, 106), lacht 
(zeitschr. 2, 328), ahd. alts. li(ft, goth. luftu, ags. Ijji, 
engl, to liftj altn. lopt. 

üichter sinister ; ebenso im alt. mnd., wente wat dar gift 
dbi vor^ hont dat se diner luchteren umbekant zeitschr. 
I, 544, 24. und im mnl., uut sire luchC hanU ^ut sinen 
luehireH voete zeitschr. 1, 103. die etymologie dieses wor* 
tes ist dunkel: das engl, lejt sinister läfst sogleich an to 
leave relinquere (ahd. lei^'an, altn. lei/hy ags. laejan, alts. 
farlebian) denken, dessen part, prät. im engl, wütklich leß 
Z.. F. D. A. III. 5 



fi6 ZUR KENNTNIS DES HNO. 

heifst und die bedeutong relictus, reliqaas r= posterior- wür- 
de YortrelTlich zu der obigen mnd. stelle passen, wo die 
rechte band die vordere heifst; aber dann würde eine abd. 
form leipter^ alts. lefter erwartet werden möfsen, deren 
Yocal wohl zu dem engl., aber schwerlich zu dem mnd. 
mnl. u stimmt; deshalb wage ich nicht diese lockende spir 
weiter zu verfolgen, sondern sehe in luchter den rest eines 
älteren wortstammes: im alts. müste die correspondierende 
form lufter oder Iqfter lauten und dies wurde auch einen 
abd. stamm luß; oder lajt vermuten lafsen, wovon ich .aber 
nichts nachzuweisen vermag, jedesfalls ist wohl das latdn. 
laevus, griech. kaiog als verwandt zu Vorzeichen. 

brüdtlacht nupüae : dat men am sondage nene brudtimJä 
holden schal Ag. 190. de brudtlachten Ag. 190. dat de HUe 
Sre brüdtlacht up den maendach leggen Ag. 19t. 10»^ in 
brudtlachten gebrüecklick is Ag. 172. brudttaehte» freiige 
sermo nnptialis Ag. 174. b. unde am drüdden dage wart 
eine brüdtlacht tho Cana Ag. 409 a. über die abd. form 
dieses wertes, brutloi{fti, brutlaujt haben sich schon Griim 
(deut. rechtsalt. 434) und Graff (abd. sprsch. 4, 1120) und 
zwar beide zweifelnd ausgesprochen, der gründe zum Zwei- 
fel über die erklärung der zweiten bälfle von brutbof/i sind 
auch, wenn man die verschiedenen dialecüschen formen des 
merkwürdigen wertes mit einander vergleicht, gewiss nicht 
wenige, die ags. form bridlop und die altn. brütUuqt sammt 
dem dän. brullup weisen einerseits durch ihre tenoia ent- 
schieden auf den stamm hlaupa, hleapan^ erregen ab^ durch 
den mangel des aolautenden h gleich wieder verdacbt; ^n* 
ser mnd. brüdtlacht^ im brem. wb. brutlag brutlqfl, das 
mnl. bpuhicht (zeitschr. 2, 327), brulogt (zeitschr. 2, 355) 
and die modificierten formen bruloyt (zeitschr. 2, 350) und 
bruloit (zeitschr. 2, 327) lafsen eine alts. form brutlojl ver- 
muten, welche wiederum nur dem stamme lobhön lm>An h- 
bön angehören kann, während von hlopan müste brütUef 
erwartet werden, woraus aber kein brutlacht brubeeki ent- 
stehen könnte, die hd. formen dagegen geben eine entschie- 
dene hinweisung auf den stamm hlaufan currere; der äa- 
fsere habitns der form brutlauß brütloußi läfst eben so 
schnell an hla^f hlauß hlatifti cursus denken als brätkaip 



ZUR KENNTNIS DBS HNO. «T 

aa hUttf^ brüUap an hleapan ; der nangel des anUaies w fir- 
de an, and für ^ch noch niehts entsckeiden, da sich fast fnr 
alleanit U anlaotenden Wörter auch schon ahd. formen fin« 
den in denen das h abgeschliffen ist. aber Griff gibt (4» 
1120. 1121) würUich formen die mit h anlauten, nämlich 
bruihkttift nnptiae, bruÜUaufie naptiis, iruikUnffHe nnptia» 
hMf^ truMatf/ifges nuptialis ; es wäre aber . gewiss eine 
schwierigere annähme das A in diesen formen für eine an» 
organische anschwemmong za erklären als den mangel des- 
selben im ahd. altn* ags. far einen auch sonst oft vorkom- 
menden natfiiüchen verlast an formfulle, besonders da die 
vollere form- wirklich vorkommt, aber ahd. brätünffÜ brülr 
l99fß, mhd. brätlouf. brMo9ffl brütiofi bräüoff (Grimm d, 
rechlsäll. .434), bair. brätOläuß,: silv. brülqf (Schott silv. 
gem. 277) reizen, aach auf der andern seite gar nicht zur 
ableitug YQüJobön, lobin spondere; denn obgleich der ober- 
gang der mäta b vor ti^ t in die aspirata f nicht Uofs 
niederd.^ sondern auch hd. ist (vergl. g{ft:, grifft^ kliffi von 
den worzeln gab, grab, klub) nnd aach von loböm ein Iqfti 
lm(fH erwartet werden. könnte, so ist doch bei diesem stai»* 
me das saffix H sonst nicht geläufig (verg^. gebtbeda foe- 
das, Urlaub licentia), wonach von lobdn eher ein brüüobda 
brätlaub brAÜobnissa mandgerecht wäre, während for den 
begriff cnrsos das saffix ti im ahd. ganz hergebracht ist and 
im altn. der mangel des Suffixes an brätlaup ganz zu der 
form Uaup cursus stimmt, aus diesea gründen bin ich über* 
zeiq;t dab der . zweite theil unseres braiitiat(f für die hd. 
nord. und ags. formen nur aus dem siMomt laußn erklärt 
werden darf; und dahin mnfs nun wohl auch das mnl. nnd 
mnd. ' sich vereinigen, wären die formen brudtlaeht brur 
lueht brulogt auf nd. boden erwachsen, so moste allerdings 
nnr an gelofte gelöjie foedus, votum gedacht und eine alts* 
tatm Milq/ie vorausgesetzt werden; aber dann wäre wohl 
dem auid. die etymologie des wertes noch im gedächtnisse 
gewesen und es hätte sich wohl eher eine form brudtloc/U 
brudüfcht als unser brudüacht gebildet, da nun das mni. 
die bedeutung dieses wertes nicht mehr klar gefiihlt zu ha* 
ben scheint und sich auch kein alts. entsprechendes wort 
aufweisen läfst, so glaube ich dafs diese wortform im alts» 

5* 



68 ZUR REMNTNiS DES UND. 

entweder gar nicht vorhanden gewesen oder doch sebr büh 
aafser gebrauch gekommen ist. wenn sich dies wfirklich so 
verhält (was freilich erst durch eine sorgfältige durebfbr- 
schung aller alts. quellen erwiesen werden müste), so' bliebe 
nur die annähme übrig, dafs sich die mnd. und nml. Wüit- 
formen aus dem mhd. brütlouß bruti^ofi entwickelt haben, 
was an und für sich bei dem bekannten einflulse des mhd« 
auf die mnd. und mnl. Schriftsprache nicht auffallen kamif 
beide dialecle waren aber gewohnt in vielen Wörtern dem 
hd. ft ihr beliebtes cht gegenüber zu stellen und bekleidf^« 
ten also wohl bald nach der aufnähme den hd. fremdling mit 
nd. gewande. ebenso aber konnte sich in dem fremden' diMH 
kein Worte im mnd. aus hnidtlocht leicht brudtlacki biidjBB, 
da namentlich im spätem mnd. das miid. o sehr häuig dareb 
a vertreten wird, vergl. apen npertus, entspraten uatas^ 
ßram pius, gadcs dei, gebraken fraclus, gegateti -fusas, -ge- 
namen captus, geslai'en clausus, gespraken dictus, kapen 
sperare, kamen venire u. a. m. möchte dieser versuch «eine 
dunkle wortform in allen ihren verschiedenen erseheinsngeii 
aufzuklären den kundigen genügen. 

Übrigens gibt es aufser den hier aus unserer quelle be« 
handelten Wörtern mit cht für Ji im innl. und im älteren 
mnd. noch viele beispiele inr diesen lautwechsel. ich fähre 
2um schhifse noch einige an. mnl. ogte aut (mnd. effie) 
zeitschr. 2, 356. 353. mnl. stickten constituere zeitscbr.2, 
326. ebenso im älteren mnd. mnl. ^cii<?A^ hastile zeitschr. 1, 
109. ghescacht creatos zeilschr. 1^ 264. cracht robar 
zeitschr 1, 264. (im mnd. unserer quelle kraß^ varsdmffi^ 

Als eine zweite bemerkenswerthe eigenthümlichkeit der 
mnd. gutturalen ist ihre Verwandtschaft mit den halbvocalen 
j und w anzusehen, von der gutturalen media zum halbvo^ 
cal j ist nur ein kleiner schritt und die provineielle «nst 
Sprache in Deutschland verwechselt beide laute vielfaeb.. da^ 
her ist es wenig auffallig beispiele zu finden wie mnd; ye^ 
gen contra, yegentoerdieh praesens ; ebenso im Cato zeitsdir. 
1 , 540, wo sich aber auch kegen und legen findet (538. 
540.542), mnl. j^gf^e» (zeitschr. 1, 108), ahd. gagan hagan, 
Ags. gf'gen. nord. gagn. — so geht auch die gutturale «spi- 



Zm KENNTNIS DBS MNa 119 

rata zuweilen io den haibvocal übers teyeh decem, alu. te- 
han, goth. taihun, ahd. sehan. 

So konnte sich nun natürlich statt, des halbvocals auch 
der würkliehe vocal i an die stelle des gutturals setzen, z. h. 
sleii ferit, tem decem. vergl. mnl. cratt crackt vis, seide 
dixit, bruloit brulogt nuptiae, nthd. verireü perfert^ seit 
dicil) verateit {lavidus, meit virgo, gekleit accusatus. 

Und wie. in den angegebenen fällen eine erweichung 
dei^ ursprüttglicben gutturals in den haliivocal y oder in den 
vtfcal I statt finden, so ist auch die Verhärtung eines halb- 
vocals zum gutturalen nicht ohne beispiel, und zwar des halb^ 
vpcals tif zur media :• söge sues {soog sus, Graff 6, 63), ags^ 
^uga^, !tv^. sowy ahd. sü sus, suwisnis^ negen novemi^ 
^8^* MgäMj' fotfa. ahd. mim, nord. niu, lat, noitem, skr. 
navün; wobei das ags. in Übereinstimmung mit dem nd. die 
gattnrale media zeigt. 

'Aber diese vereinzelten fälle von erweichten und durch 
veiliärtuDg entstandenen gutturalen im mnd. fuhren uns zu 
einer anf dem deutschen Sprachgebiete weiter verbreiteten 
erscheinung des wechseis zwischen gutturalen und den halb» 
voealen w und j\ wodurch die eben angeführten beispiele erst 
in ihr rechtes licht gesetzt werden, es ist dazu natürlich 
die vergleichung der dialecte erforderlich. 

1« £s gibt, eine reihe von deutschen wortstämmen wo 
dais abd. : aU erweiterung der vöcalisch auslautenden wurzel 
A oder w verwendet oder auch die infinitivendung mit dem 
j der schwachen conjugation unmittelbar an den stamm aoh 
aeblieüst; daji mhd. hat entweder das i der schwachen conj. 
zay verhärtet oder es. zeigt h wie das ahd. $ das nhd, be^ 
bält diesea h durchj^gig bei. das goth. hat in entspre- 
ehenden Wörtern stammhaftes i^ als dessen Verhärtung das 
bd« A angesehen werden- könnte, während sich zugleich auch 
ter.nn deni stamme entwickelte, für das alts. mnfs wohl als 
regel giBltendafs sich weder m noch h in dieser wortreihe 
gefiinden habe, sondern blos das i der schwachen conjug»- 
tion-^ demgemäfr haben das mnd. und und« durchgängig den 
balbvocal y^ j\ das ags. zeigt standhaft den andern haibvo- 
cal v^ welchen auch das englische in seinem w beibehält; 



70 ZUR KENNTNIS DBS UND. 

das nord. endlich yerachtet jede erweilemng des •taaiiiies. 
so entsteht folgendes Schema 

goth. ahd. mhd. nhd. alts. mnd. ags. engl. 
« JtA»«' j\h h i j V w. 

goth, sdian serere, väüm spirare. 

ahd. samt sä/an sähan säwan serere, mdiäm meUrty 
ndhan ndwan n^'an nectere, bl^'am bUhan inflare, w^^tm 
wähan wäH spirare, drdjan drdhjan torqoere, bUfon Uöktm 
bUwan fiorere, gUjan candere, möjem mdhjtm vexare, mSld 
molestia. 

mhd. gHlen glüejen, bHien btägen, müen mü^fen^ bim- 
Jen spirare» irasjen firagrare, krmjen crocitare,- wM/em me- 
ter«) MB/en nere, sttjen serere. — bwbe foveo, tmm Ib- 
vere, draibe torqaeo, dr€m terqnere. 

nhd. säen, mähen, nähen, blähen, wehen, drehen, MB- 
hen, glühen, bemühen, mühe. 

alts. sdmn serere, also auch wohl mdien, näiam, bUütn, 
wdütn, drdian; und ans bldian florere folgt auch gUien 
candere, gamöian Texare. 

mnd. und nnd. seyen, meyen, neyen, bleyen, weyen, 
drejfen. — blöyen, gloyen, moye, bemöyen, 

ags. sdvan serere, mävan metere, bldvan fiare, dh^ 
van dktegian terqnere. — blövan florere, gldoan candere. 

engl, to sow serere, te mow metere, to hlew fiare. 

nord. s6a s4 serere, md metere, glda candere, mye 
molestare. 

2. In einer andern reihe von Wörtern steht das Ver- 
hältnis der dialecte zn einander etwas anders; denn wlb- 
rend in der ersten J nnd A vorherschten, so ist hier w äier- 
wiegend» die hierher gehörigen wortstämme. sind nlttlick 
solche deren stammvocal seine neigung zum trlaut im ahd. 
mhd. ags. alts. mnd. durch anschiebung oder richtiger dnreh 
prodnction des halbvocals kund gibt; das alts. zrigt and 
reinere formen; das goth. hat wohl in den gnuidformea 
meistens au gehabt, in den ableitungen tritt das anfBx/s 
und die formel ggv auf. ebenso zeigt sich eine guttandi-* 
sierang des (labialen) halbvocals einzeln im nord. und ags^ 



ZUR KENNTNIS DES MNO. 71 

aber durchgäDgig im Verhältnis des nad. zum mnd.; das 
nhd. hat den halbvocal meist wieder aufgelöst, doch zuwei- 
len auch in h verhärtet, es entsteht uns also die reihe 

goth. ahd. mhd. nhd« alts. mad. und. ags. 

^u,ggv^(J) w w u,h w w g v>g 

nord. 

SS' 

gelb, gabauan habitare, /roiMrit confidere, triggvaiAtB^ 
Jroujü dominus, nhga novus. vergl. hlaggv = abd. flau^ 
glaggv =: ahd. clau. s. Grimm gr. 1, 119, 1. 

abd, drawjan drawen minitari, hauan hauwan hauwön 
hauugan caedere, büan büwan habitare, briuwan fervere, 
ingmSn (auch wohl gruwSn?) borrere, träSn tntwen triu- 
wen confidere, iriuwa triwa fides, ßrawa frowa fröuwa mu- 
lier, triuwa poeaitentia, hrhtwan poenitere, räwu röa rauwa 
^nies, rdwön ruowön quiescere, strawjm spargere, ^ot^/Vm 
ßrmejan frewjan gaudere, frawida laetitia, seawön scauwön 
contemplari^ niun niuwt novus, niwön renovare. 

mhd. houwen caedere, büwen bouwen coXerty brouwen 
fervere, getrüwen getrouwen confidere, vrouwe feminaV rm- 
wen dolere, rouwen dolorem, rdwe ruwoe quies, räwen 
ruowen quiescere, strouwen spargere, vröuwen vrewen gau- 
dere, schouwen adspicere, niuwe novus, niuwen renovare. 

nhd. drohen, kauen, bauen, brauen, graußn, trauen, 
treue, fiau, scheuen, reue, ruhe, streuen, /reuen, Schauen, 
neu. 

alts. githröön minitari, träön confidere, trewa fides, 
fraho fr6 dominus, hrewan poenitere, döian mori, ströwian 
jUemere, vergl. hSu percussit, s^ seminavit, snSu nix, stSu 
bebes (Grimm gr. 1, 244. 245). 

mnd. drowen drouwen minari, howen houwen caedere, 
buwen aedificare, bruwen cerevisiam coquere, grüwen bor- 
rere, tmwen confidere, truwe fides, fruwe mulier, schuwen 
reformidare, rOwe poenitentia, rouwe quies, strouwen strö- 
wen strouwen spargere, frowde gaudium, fröuwen gaudere, 
beschouwen contemplari, nye novus, vomyen renovare (wohl 
firiiber niwe, vomiwen). 

nnd. drougen, hougen, bugen, brugen, grugen, trur 



72 ZUR KENNTNIS DES MND. 

gen^ frugen mulieres, rougen quiescerc, schugen peformi- 
dare, ströugen fröugen gaudere, nige dovus. 

ags. dhrean dhreavjan dhreagan minari, heavan ca&- 
dcre, brivan fervere, treovjan confidere, treova fidcs, hreove 
poemtentia, hreovan poenilere, streavjan? streagan? spar- 
gere, neov niva novus, nivian renovare. 

engl, brew cerevisiam coquere, true veras, strmo 
strew sternere, ncw novus. man halte auch snow nix, draxo 
irafaere, deiv ros gegen nd. smgen, trecken, döugen. 

■ nord» brugga fervere, trüa confidere, nyr novus, nya 
renovare. 

Dureh diese zusammensiellung, in welcher ich die for- 
men für die älteren dialecte nach Graff nnd Grimra, die 
jind. nach meiner qaelle, die nnd. aas dem monde des Vol- 
kes gegeben habe, scheint die Verwandtschaft der gultnrar 
len mit den beiden halbvocalen, besonders aber eine neigimg 
vieler deutscher dialecte erwiesen zu sein, mit gotturakB 
und dem halbvocale w in vielen wortstämmen zu wechsdo. 

Wenn wir nun w als den labialen halbvocal bezeich- 
nen, so wie j der gutturale genannt werden kann, so er-, 
scheint auch der oben abgehandelte eintritt des cht im mnl. 
und mnd. für älteres Ji als aus derselben neigung entspran- 
gen and ist im gründe dieselbe erscheinung, nur auf einer 
andern, nämlich der aspirierten stufe. 

Endlieb ist von den gutturalen zu bemerken dafs sie im 
nrad. häufig aasgefallen sind, und zwar am meisten vor $, 
aber auch sonst im in- und auslaut. 

büsse pixis, osse bos, söss sex, wass eera, wassen 
erescere, voss vulpes. — na post, ^»ff^^r vicinus, naberseh&p 
yndmlAs^ ha?nödich saperbus, slan ferire (aber slögen^ ge^ 
slagen), theen trahere (neben t'ögen, getagen)^ - gescheen 
fleri, gescküet ßt (doch gesehegen facti sunt, gesbhach fa- 
ctum est), Seen videre, ^'e^ videt (aber sack vidit, scg^ 
▼iderunt), lenen mutuari (ahd. lehanon)^ leen mutuum (abd. 
lehan), vartyen ignoscere, smäen maledicere', smeltck igno- 
miniosas, smaheit ignominia, vorsmaden repudiare, t>ee pe- 
cas, CiSner Cingarus, sSde dixit, ISde posuit. 

Die zahl dieser beispiele würde sich leicht noch yer- 
mebren lafsen, wenn ich über die gränzen unserer quelle 



ZOR KENNTNIS DBS MND. 73 

hätte hinausgehen wollen, das mnl. geht auch in dieser er« 
scheinuDg hand in hand mit dem mnd., indem es besonders 
vor der dentalen tenuis gutturalen ausstöfst, z. b. vrut fru- 
ctus (zeitschr. 2, 305) vorte metus (zeitschr. 2, 311) unre-- 
the iniustus (zeitschr. 2, 321) geslethe genujs (zeitschr. 2, 
321) gesut quaesitus (zeitschr. 2, 323) öesuet (mit zerdeh- 
nung für besut) tentatus, probatus (zeitschr. 2, 329) ; im in- 
laut zwischen zwei vocalen widersaen negare, ohtrectare 
(zeitschr. 2, 341). 



4. STEIGERUNG- 

Was Grimm (gr. 3, 621 f.) von der comparativischen 
natnr der suffixe nn goth. hvapar, ähd. huedar und an den 
possessivis nachweist, so wie (3, 635) an goth. anpar, ahd. 
andavy und was er (3, 629) bei gelegenheit des goth. A/et- 
duma (sinister) vom mnl. rechter erwähnt, das findet in ei- 
nigep wortformen unserer mnd. quelle einen merkwürdigen 
anklang, für das relativum existiert nämlich daselbst auGser 
den gewöhnlichen Wörtern («fe, dat^ — ^o, — 2£^a^) das dem 
ahd. interrogat. welihher^ alts. huilik, entsprechende wet-' 
cker, das vollkommen in comparativischer form und fleidon 
auftritt und zwar eben so in einer doppelten weise wie die 
ahd. possessiva unserer unser y iwerer iwer, in ganz ähn- 
licher art erscheint das indefinite pronomen yeder quisque, 
welches in seiner ganzen flexion durchaus comparativisch 
ist und nur, wie dies im nd. gewöhnlich ist, die definierenden 
endungen im nom. masc. und neutr., und im acc» neutr« 
eingebüfst hat. ich setze die formen der beiden pronomina 
so wie sie in Ag. und KO. in vielfältigen belegen angetrof- 
fen werden, als paradigmä hieher. 

1. relativum und interrogativum. 

a. volle form. 

jsing. 
nom. welckSrt qni, welckSre quae, welckSre quod. 

' welcher. 
gen." f^lckSreäy weHjkiSrer, Ufelcil4res, ' -■'■ 



74 ZUR KENNTNIS DES MNO. 

dat. welckSrem, welckirer, welck^rem. 

ftcc. welckiren^ toelckire, welckire, welcker. 

plur. 
nom. welckSre, 
gen. welckirer (?). 
dal. welckSren. 
acc, welckSre. ! 

b. verkürzte form. 

sing. 
Dom, welckes, welck qaod, quid, 
gen. welckes, welcker, welckes, 
acc. welckefi qaem. 

pIuTk 

nom. welcke* 

dat. welcken. 

acc. welcke. 

Die erste form mit dem comparativsafBx ist bei weftem 
die gebräuchlichere, nur den gen. plur. habe ich nicht an- 
getroffen; beiderlei formen werden fSr das interrogat. und 
relaU verwendet. 

2. indefinitum. 
a^ starke form. 

nom. yeder, yedere, yeder, 

gen. yederes, yederer, yederes. 

dat. yederem, yederer, yederem, 

acc« yederen, yedere, yeder. 
b. schwache form. 

nom. ein yeder, eine yedere, ein yeder, 

gen. eines yederen, einer yederen, eines yederen. 

dat. einem yederen, einer yederen, einem yederen. 

acc. einem yederen, eine yedere, ein yeder. 
Neben dietiien vollständigen formen kommen auch die 
elidierten yeders, yederm, yedem vor. 

Diese von welcker und yeder aufgestellten formen sa- 
gen uns das mnd. noch in ungeschmälertem besitze eines al- 
ten indogermanischen erbgntes, wovon andere sonst bevor- 
zugte bräder nur kümmerliche reste erbalten haben \ und 



b. 



ZUR KENNTNIS DBS MND. 75 

dazu gesellen sieh noch zwei andere Wörter welche gleich- 
fidls anf anerkennang ihrer alterihümlichkeii anspräche ha- 
ben, das ist rechter dexter und luchter laevus. wie tther» 
haupt hei örtlichen bestimmungen wo die vergleichnng mit 
dem eignen oder einem fremden Standpunkte in frage kommt 
das comparativverhältpis häufig gefanden wird (vergl. Grimm 
gr. tj 622 ff.) und wie namentlich für die begriffe recht und 
link sowohl in den alten sprachen als auch in den germa- 
nischen mundarten die comparativ- und superlativformen ant 
treten (vergl. Grimm 3, 629), so gibt uns auch unsere 
mnd. quelle diese begriffe nur in der gesteigerten finrm, 
Aar rechteren htmdi Ag. 3, mitsmer rechtem htmdi Ag. 188 
und öfter; ther luehteren handt Ag. 117. 226. über die 
Wurzel lueht ist eben bei gelegenheit des wechseis zwischen 
ehi und Jt eine Vermutung gewagt worden \ was aber die 
comparativische natur dieser beiden wortfimnen anlangt, so 
ist iiir sie besonders das mnl. zu berücksichtigen, für rech- 
ter sind mnl. belege bei Grimm (a. a. o.) gegeben ; fiir das 
▼OB- ihm nicht erwähnte luchter wiederhole ich die beiden 
schon oben angeführten stellen, vut sire luchi hont, UMtn^ 
nen luchtren voete zeitscbr. 1, 103, und das vMA.wemte 
W0t dar gift diu verde hant dat se diner luehteren umhe- 
kant Gato 24 zeitschr. 1,. 544. 

Für die anomalen comparativbildungen mufs hier noch 
erwähnt werden dafs, während melior melius in unserer 
quelle sonst immer bäter heifst, sich doch auch noch die 
form hat in dem ausdruck desto bSt eo melius KO. 20 Toi^ 
findet ; laban denke dabei an die im mhd. besonders geläufigen 
ausdrucke eil baXi miehel tax, deste bau, und an die ent- 
sprechenden formen der alten dialecte (ver^. Grimm 8, 
589. 591. 593 ff. 604); als beispiel aus dem altem mnd. bie- 
tet hve einen anderen nicht bet wan ify €ato 9 zeitschr. 1^ 544. 

5. PRONOMINALSTÄMME. 

Von den reichen pronominalbildungen der altes spräche 
hat sich in unserem mnd. noch manches ehrwürdige alter- 
Ibum erhalten, wenn auch oft entstellt und ohne genaue ver- 
gleichung . plastiseherer formen unkeullich. zutoittriU uns 



76 ZUR KENNTNIS DES MNO. 

der im abd. und mbd. so vielfach verweodete sUmoi wikt 
entgegeo. er kommt in der form ickt. yor^ ich tes tarnt. qMr 
quam KO. 8. Ag. 294. der partitive geuitiv sieht auch ohne 
wat: van nemande ichts KO. 72. ichts tho gdven KO. 109. 
Moärden de visüatores ichtes vorordnen KO. 80 (v«rgl. 
Crriimü gr. I (2e ausg.) 318. 392. 393). im Cato 35 idU 
mliquid zeitsohr. 1, 540. — mit der negation erscheint gleich- 
&Us sehr oft die vollere form mchles (neben nichU)^ die 
mit icktes^ ichts verglichen sich sogleich als partkivgenkiv 
erweist Grimm 3, 64. 67. 68). für den begriff UvUiis 
kommen in unserem denkmal beide deutsche bildangeB in 
gleichem recht neben einander vor, sowohl neen = aUs. 
nmttt^ ältfr. nhi^ ags. ndn, engl, ndne (entstanden ans mr 
eMt. (Grimm. 3, 66), als auch keen zzz abd. nihkein^ n^k- 
hein, mhd. nechem^ enchetn^ nhd. kein, alts. nigin^ mal. 
neghän (entstanden aus nih-ein Grimm 3, 69 ff.). 

Eine andere ans dem stamme ein erwachsene wortfona 
ist yennich : yenräch söne edder dochters — yennick 'hBir$$- 
gudt KO. 42. yennich prMiger KO. 43. yennigen kercken- 
deenst KO. 47. ane yenniges hindej^inge (sine coinspiam iah 
pedimento) KO. 84. van yeniger creature Ag. 118. nUt yeih 
niger vorwerringe der conscientien KO. 26 und in vielen 
anderen steilen, das wort bedeutet, wie die belege zeigmi, 
uilas, qnidam, und entspricht dem abd. einicy ags. 0en^y 
nml. inech inig, engl, any (Grimm 3, 9) ; aber es ist noch 
mehr als diese Wörter, denn in dem anlautenden y, j stockt 
das präfix ^o, mhd. ie^ n\\i, jCy so dafs sich yennick vä(> 
ahdi So einic ullns (Grimm 3, 52) völlig deckt, so wie ya- 
mandt mit ahd. äoman. von diesem letzteren worte ist xu 
keaierken dafs zuweilen der geniliv, analog dem gen. ai»&- 
Uf^ nichttiSy elliptisch als acc. oder nominal, vorkonmt, so- 
wie also ictUes für ichtes icht oder ichtes wat, meines fiir 
nichtes nicht steht (Grimm 3, 67), so hier yemandes für ye- 
mandes ein oAet yeviandes yeuiandt i unde schölen nicht lichlr 
lick des sondage morgens yemandes absolveren Ag. 140. dat 
de conscientien nicht porwerrel noch yemands unehrisiliok be- 
stoSret werde Ag. 140. dieses präfix eo, io, goth. a/a kommt 
auch ab selbständiges wort vor, wie nhd. je (vergl. Graff 
I9 513 ff.), in der form ya: yo dat ungeliicke gröter ü,yo 



ZUR KENNTNIS DES MND& 77 

de iepe tfüriger wert Ag« 176. yo se dergobordi neger smt^ 
yo se godi lever hefft Ag. 109. yo neger de tydt der geöordi- 
heran iret, yo mer se gade danoken schälen Ag. ÜO. 

Ein anderes merkwürdiges proaomen ist ein idtlick uniuk. 
qiiisqae. sehöle wi bilUck mit grotem vlyte ein idtlick sick 
sütvesi jfräveti Ag» 355. darum schälen wi ein idtlick sm 
crütze tqf sick nSmen Ag. 356. da dieses wort nur ia def\ 
bedcntuBg qiiisque, aber nie far aliquis gebraucht wird, aa 
bat es nichts mit ahd. etalih, inhd. etelich^ nhd. etäeh au 
thoa? noch mit mnd. ittelik aliquis, nnl. ettelik (Grimoi 
3, 58. 51>), soudern es entspricht dem ahd. iosSwölih, mbd» 
iesÜch quisque, für welche letztere form auch als verein- 
zelte Varianten, ietslich und itsleich von Grimm angefiübri 
werdeAi (3, 56. 57). diesen mhd. bildaugen bt unser 
idiück ganz gleich und dieses wort löst also den von Grimm 
ausgesprochenen zweifei ob die bildung ieslich auf nd. gpc* 
biete gefunden werde, wenn man nicht lieber annehmen 
will dafs in unserer spätea mod. quelle das wort blofs als 
ein dem mhd. itz/eich, ietslich nachgebildetes gefafst wer- 
den näfse. 

Der begriff talis wird häufig durch sodaen ausgedrückt 
welek is denn sodaen toordt gades Ag, 40. welcke sini se^ 
dane wordi unde thosagen gades Ag. 41. ahd. so getdn^ 
rahd. s6 getan sdtän (Grimm 3, 62). 

Von den comparativischen formen des relat. ist sohoii 
oben gehandelt worden ; aber es ist noch ein anderes relar 
tivam anzugeben welches auf den ersten blick etwas be» 
fremdlich aussieht, nämlich tool is qui oder als kiterrogatit 
vum tpM.'Wol de gröteste is sy der andern dener KU* 14. 
schal de pader edder wol up sincn bevSl vadderen biddet 
KO. M. wol (quis) entfengt dienn sälck sacrament weerdi* 
gen ? ^deis recht weerdich ivol den geloven hefft, — wol Öv&vtt 
dissen werden nicht gelövet edder twivelt, de is unweer^ 
dich Ag. 44. zu erklären Ist dieses wol aus ahd. hwioUb 
quaiis, welchem eine kürzere form wel weler (quis) gegen- 
übersteht 5 mhd. w^:lh wel (Grimm 3, 47), wobei man sich 
nur über den olaut der mnd. form wundem mufs. 

Andere sprofsen aus dem relativstamme sind das locsr 
tive wor nbi, mit dem entsprechenden demonslr. dar ibi. 



78 ZUR KENNTNIS DES UND. 

war steü dat gesckrSven Ag. 42« wor ü denn sSiei SAoU 
Wide drinokent näite tho Ag. 43. ahd. hwdr, alU. tmtr 
(Grimm S, 184. 185); das modale wo goonode, wo kmm üi- 
ier sökk grot ding doen Ag. 41. wo kan de mmsehe Mümit 
vorgSven Ag. 45. alts. hud (Grimm S, 183) $ mid das cai- 
spreebende demoastrat. do qoam, unse herre Jesus Ckriiiut 
in der nacht do he vorraden wart Ag. 41. afad. dS, alU. 
thMio (Grimm 3, 169); eadlich das caasale wente nam, wal- 
ehes darchgängig in unserem denkmal fiir das hd. denn v«p> 
wendet wird, ahd. hwanta, alts. hwandy mhd. want wnniB, 
mnl. want (Grimm 3, 183. 184) ; aach in der bedevtiag 
ttsqae ad kömmt wente noch vor, ick de herre din godi U» 
ein yverich godt de aver de de mi haten de sOnde der eider 
tho hos sbke wente in dat drüdde unde verde gehdt Ag.S4. 
so auch das mnl. inde also lange als da bes uAU doä it 
Herodes mnl. Ostersp. 521 zeitschr. 2, 319. im auid. fn- 
det sich wente (nam) auch sonst nicht selten, zeilschr» 1* 
538. 539. 540. 541. 543. 544. 545. 546/ 547. 

Als seltene und vereinzelte bildung habe ich endfich 
noch für das gewöhnliche yhnals das wort yewerle anfaaHi 
und iKe. negation newerle nunquam für nSmals angetroffen. 
wente nemandth^fft yewerle sin egenßeesch gehatetAg* 177. 
unde dat idt tSter were dat se den weck des ISeendes unde 
de gnade Christi newerle erkandt hedden KO. 4. man denkt 
sogldlch an das engl, every never oder an sdid. Sogoweri 
usqnequaque, iogiwar quolibet, mul. ieweren usqaail^ nie- 
weren nusquam, und ist geneigt die mnd. endung le nut 
mnl. nieweren el nullibi, eis ieweren alicubi (Grimm 3, 220) 
zusammen zu stellen, wenn aber auch der Übergang der lo- 
calen bedeutoag in die temporale nichts aufTälliges hat, so 
erklärt sieh doch unser yewerle, newerle viel leichter ans 
mhd. Ufer werlde nie, xer werlde immer, mnd. newerUe^ und 
im brem. wb. iewerle unqnam, unwerle nunquam, Grima 
3, 224. 

6. ADVERBIA UND PARTIKELN. 

Die mnd. adverbia finden sich theils in der geniliviseliea 
form (Grimm 3, 88 ff. 127 ff.) anf es, s, theils in der schwa- 
chen form anf e» (Grimm 3, 94 ff. 136 ff.) und auf e (Grimn 



ZUR KENNTNIS DES MND. 79 

I, 101 ff* 115 ff.), wovoB ich Beispiele gekea will. dageHkeM 
HO. 37» jferlikes KO. 102. vorgeves frastri. sted9M semper 
iO. 83. wflgendes postea. ylendes festiaanier Ag. 79. 
rHUesmigends tacite Ag. 246« itzundes Dunt Ag. 105. wrS^ 
feb aefarie Ag. 134. 

gruwUken horride KO. 4. ersten primo KO« 15. o/y- 
Iq^en «iMfe truwliken diiigenier et fideliter KO. 18. unfydh' 
{Ten praematare KO. 23. nömliken nempe KO. 54- desge- 
^yek&n demgelycken pariter KO. 69. moetwilligen pelulan- 
«nr KO. 85. ryckliken *abande Ag. 23. eintfoldigen simpli- 
äter Ag. 32. tüchtigen caste Ag. 33. Jalschliken Mso Ag. 34. 
ftdtlikm diviniitts Ag. 38. hefftigen yehementer Ag. 436. 
wgdiken sapieoter Ag.444. wurhqfftigen\tvt A^.Zl^. vor-, 
riieA%«iprBdeiiter Ag. 421. tydtlikenundeewichliken Ag. 38. 
mitiken Ag. 39. weerdigen digne Ag. 44. lyffliken Ag.44. 
^nedichUken Ag. 90. warliken profecto Ag. 92. erstUken 
irimo Ag. 124. swerliken difficile Ag. 132. ekrütUken 
Ig. IM. weerdkhliken Ag. 148. dütliken perspicae Ag. 240. 
MÜAotj/digen praematare Ag. 259. demödigen humiiiter 
K%. 347. geistliken Ag. 354. uthwendigen Ag. 355. aU&' 
tmmüiken Ag. 356. hüden hodie Ag. 30. vaken saepe. KO. 
ig. öfters, z. b. Ag. 180. 186. . .*^ 

lesterlike ignomiBiose KO. 96. ungewüse RO. 102. vSle 
mlto Ag. KO. öfters, stede semper KO. 19. eins edder twye 
ionel vei bis Ag. 194. aUerdinge Ag. 69. rede iam K0.90. 
»dt rede Ag. 17. allrede iam KO. 9. wenn rede Ag.. 77. 
fUe wäge semper. in ander w4ge aliter. in kenem u)4ge 
■«Ilo modo KO. 30. allerdinge omnino Ag. 184. . 

thosamende wechselt oft mit detn gewöhalicherea thohöpe 
B. h. wat godt thasamende vöget schal neen mütsche sehet- 
ien Ag. 188. so sprühe ick yuw eelick thosamende im den 
häUgen eestandt Ag. 188. dat se de helle thohöpe buwen 
Ag. 179. auch steht zuweilen thosamen, dama kamen de 
\forordenten mit einander thosamen KO. 77. und samentUek, 
wholen se samentlick edder sunderUck vp den negesten sy^ 
wdum bescheden werden KO. 77. man vergl. ahd. samant, 
idid. sament (Grimm 3, 215) und ahd. xi samana, zi so- 
msmde, zi häufe (Grimm 3» 147). 

Als beweis dals das- alts. huarha nicht blofs im mnl.» 



80 ZUR KENNTNIS DBS MND. 

sondern auch mnd. seine nachkömmlin^e gehallt bat dient 
ans unserer quelle ander werff iternm. de aUmechtige godi 
unde vader unses herren Jesu Christi, de di anderwerffg^ 
baren hefft dorch dat water unds den hilUgen geisl.Ag* 98. 
so anch in Bert. Crane 595 der ist uns anderwetf uMreten 
zeitschr. 1, 94. im mnl. auch dirdewerf zeiischip. 2^ 347. 
über die entsprechenden dialecüschen formen vergL Grimm 
3,231.232. 

Bemerkenswertb ist die doppelte form, in der in unse- 
rer mnd. quelle und wohl überhaupt im mnd. der begriff 
oder ausgedrückt wird, nämlich durch edder und i;^^- beide 
Wörter sind in Ag. und KO. völlig gäng und gäbe und wer* 
den in der weise verwendet dafs edder das allgemeinste 
wort fSr den begriff oder ist, wogegen effte eigentlich nnd 
gewöhnlich ob bedeutet und gleich dem lateinischen swe und 
un seinen fragenden begriff auf die objectiv unbestimmte mag* 
lichkeit mehrerer sich gleichstehender falle übertragt, wie 
man anch jetzt noch sagt ob dies, ob das, und wie im wet- 
teranischen dialect für öder durchgängig aber (auch wohl 
nulr aus ahd. oba entstellt) gebraucht wird. z. b. sunderliok 
sckölen de kerckendener • — sähest neene beerkröge kolden 
noch hanteringe so öreni stände ungem^te edder yagtt drf- 
ven KO. lt. idt schal oek neen prädiger capelku^ edder 
scholmeisier angenamen edder tho deenste befördert wenkm 
KO. 13. teere överät twivelhafftich effte dat jänige n.B*w» 
KO. 10. schal idt tho der Visitation edder sttperintendi^* 
ten iedencken unde gevallen stan, effte mer kercktn einem 
pastori können bevalen werden KO. 16. efft de anderem 
sermanc schälen anstan u. s.w. KO. 20. sampt einem effle 
twe psalrnen KO. 19. na dem sermone (fft up eine andere 
gelegene stunde KO. 20. dat men dorch de wercke der ge* 
bade gades sehöle effte könne den hemmel wordenen K0»2. 
wenn överst de overicheit ichtes wat gebiith effie, dr^fi 
KO. 8. in stMen effte dörpem KO. 9. unde können mer 
edder effte weiniger classes syn KO. 61 (oder anch). unie 
schal sick nSmandt egendom daran amnaten alse efft (quasi) 
ke tho sinem huse erfflick gef^.gen were KB. 86. wente efft 
wol (quamvis) de christlike kercke nicht up gelyekförmige 
ordeninge der ceremonien gebuwet is Ag. 62. unde efft wol 



ZUR KENNTNIS DBS MND. 81 

im olden testamente hevunden wert Ag. 199. ^ ke ock 
gedüldich sy? efft he in angst sy? ^ he angefochten 
werde? Ag. 203. 

Sonst findet sich im mnd. of nom (zeitscbr. 2, 198) 
nnd of aut (zeitscbr. 2, 199), auch oß num (zeitschr. 1, 545), 
ifte sive (zeitschr. 1, 539); mnl. ef num (zeitschr. 2, 306. 
307. 315. 346), ofove sive (zeitschr. 2, 306. 313. 316. 350.), 
ogte sive (zeitschr. 2, 353. 356). 

Was die entstehung unserer beiden formen anlangt, so 
eBtspricht edder goth. aippdu, ahd. eddo^ altn. eda; effte 
dagegen alts. ejthö, mnl. oßcy altfr. jeftha^ so zwar dab 
beide reihen zusammen gehören und sich ergänzen: edder 
und tffi^e sind also eigentlich dasselbe wort und nur dadurch 
hervorgerufen dafs das mnd. hier eine doppelte rolle spielt, 
vergl. Grimm 3, 60. 274. 

7. GERUNDIUM SUPINÜM INFINITIV UND 

PARTICIPU. 

Wenn man innerhalb des niederd. Sprachgebiets das da- 
selbst vorkommende Verbalsubstantiv auf -ent mit dem ge- 
mndium und supinum auf -ende vergleicht, so ist man sehr 
versacht von jenem Verbalsubstantiv als dem mittelpunkte 
dieser erscheinungen auszugehen und gerundium und supi- 
num als casus von demselben herzuleiten, wodurch ein sehr 
oi^anischer und classischer Zusammenhang dieser formen 
entstehen würde $ allein durch vergleichung des ahd. und 
alts. überzeugt man sich leicht dafs die sache sich ganz an- 
ders verhält. 

1. vom gerundium haben sich in unserem denkmale 
noch deutliche spuren erhalten; der ahd. endung -ndo ent- 
spricht die nd. *ende: da dieselbe aber auch durchgängig 
für das part. praes. gilt, so ist es im einzelnen falle oft 
schwierig, ja unmöglich zu entscheiden welche von beiden 
formen gemeint sei. sicher als gerundia sind wohl anzuse- 
hen de in sünden moetwillich stakende blyven Ag. 46. Ä/y- 
ven in er er hüchelye stakende Ag. 124. dat da in sünden 
stäkende bl4vest Ag. 164. dat dat r'ökelose gesinde thor 
bicht unbereidet lopende kimpt Ag. 127, und verkürzt de 
Z. P. D. A. III. 6 



82 ZUR KENNTNIS DBS MND. 

lofen kamen KO. 43. dagegen müfsen die übrigen falle wohl 
lieber als pari, praes. gefafst werden, mide segen des mjbh 
sehen s'öne vor uns mit dem hilligen geist bemedder vl^ 
rende (descendentem) Ag. 97. ick sack ein lam staende 
(stantcm) up dem berge Zion Ag. 427. dat alle bbker 
vörangerögede er dorn anlangende (respicientes) KO. vorr. 
wi willen, gnedichUck begirende unde emstlick geiedende 
(oplantesetimperantes) KO. vorr, wibeüMen^ se gnedichMek 
ermanende (cobortantes) Ag. vorr. Christum sütende thor 
rechtem handt des vadcrs (sedentem) Ag. 30. de godt fTt- 
seden ane underlath singende (cantantes) Ag. 182. cfe här 
Uge geist is vam vader unde vam söne uthgande Ag. 459v 

Unsicher scheinen mir folgende fälle, du schalt kneende 
edder staende spröken Ag. 46. de knaben singen kneendf 
vor dem allar Ag. 72. he bade dat vaderunser kneende 
Ag. 95. men reke den lyff des herrn also sprSkende Ag. 214. 
wi singen einen lavesang ane ende seggende Ag. 388. dar- 
under de sänder mit gudem gew^ten unde gedult der gnade 
edder des rechten erwachtende sick schal begSven Ag. 170. 

vergl. Grimm 1 (2e ausg.), 630. 631. 634 ff. 

2. der infinitiv hat überall die endung -en für das äl- 
tere -an (Grimm ], 636). das supiaum hat nirgends mehr 
die abd. alts. ags. endung -anne, -enne, sondern^ nimmt an 

« 

der seit dem 14n jh. eingerifsenen ven^^irrung tbeil darch 
welche die endang des gerundii und pari, praes. sich über 
das supinum verbreitete; daher zeigen sich überall formen 
auf -ende für das dalivsupinum, während das genitivsupinum 
ganz erloschen ist. im affs tigende Ag, 7S, im fragende 
Ag. 108. mit beswerendcy mit badende im wy water Ag. 237. 
mit bichthörende^ abscherende 9 dopende Ag. 10. holdt an 
mit lesende, mit studerende^ mit vormanende Ag, 10. 11. 
mit zetterende Ag. 50. mit beende Ag. 54. m£t predigende 
unde singende Ag. 81. tho theende KO. 48. tho vormidende 
Ag. 191. tho vullenstreckende Ag. 236. tho doende KO. 15. 
tho seggende Ag 11. und so überall. 

Aber neben dieser vorhersehenden form zeigt sich auch 
schon der ab£aü des charakteristischen Zeichens in formen 
wi« tho besorgen, tho vorbeden, tho vormiden, tho vörde- 



ZUR KENNTNIS DES MND. 8S 

ren^ tho begegenen, tho wSreUy besondere in den vorreden. 
vergL Grimm 1, 638 ff. 

3. ans diesem noch deutlich als dativ gefühlten supi- 
num hat sich nun auch eine nominativform auf -ent ent- 
wickelt, welche sehr zahlreich erscheiqt und von dem infini- 
tiv eines jeden Zeitwortes ein Verbalsubstantiv bilden kann 
das ganz dem nfad. inßnitiv mit das entspricht und vollstän- 
dig durchflectiert wird wie ein gewöhnliches substantivum. 
reste dieser bildung hat die heutige pld. volksmundart noch 
genug erhalten; für unser mnd. denkmal mögen folgende 
beispiele genügen, 

düt anropent unde förder ent KO. 110. neen anseeni 
der person Ag. inseent KO. 34. vorwismt KO. 14. vor- 
»eflieai/KO.. 10. dat Uvent KO. 4 u. iinmer. toSsent KO. 4« 
qßoitent KO. 39. ane vorwStent KO. 42. ane siiment 
KO. 106. alle unse doent unde vormögent Ag. 12. dat lose 
wasschent Ag. 23. aventätkent Ag. 31. sölck Sthent unde 
drinckent Ag. 43. dat men doe biddent Ag. 51. ane klo- 
ckenHident Ag. .101. dorch dat bloet vorgetent Ag. 220 
ane beenbr4kent Ag. 437. 

des uthreisendes K0.16. vam vötewassckende Ag. 436. 
iho rechtem vortruwende KO. 21. mit sinem unschuldigen 
Udende Ag. 36. thom ewigen ISvende Ag. 74. in unsem Ur 
vende unde stervende Ag. 85. disse vormaninge vam, schre^ 
ckende der öveldeder Ag. 225. b^ krancken unde doden- 
maiende Ag. 221. 

Analoge . bildungen finden sich übrigens . auch im ahd«, 
wo aus dem part. praes. durch das suffix e. substantiva mit 
allgemeiner bedeutung abgeleitet werden, winnandi vexntis, 
deilnemandi parsin6mia, ßmemandi electu$, wentendi diver- 
ticulum, rogeriti accusatio, hroafandi clamor, kepanti gc9iÜ9i 
(bei Graff 2, 1142). es würden diesen ahd. Wörtern, wenn 
auch nicht in ganz gleicher bedeutung die nd. formen win- 
nent, deelnöme/it, vornäment, wendent, wrögent, ropent^ 
gävent entsprechen. 

4. was das partic. praet. anlangt, so hat dasselbe über- 
all die. untrennbare präposition ^e als sein zeichen, in Über- 
einstimmung mit dem nhd., aber in grellem widersprach ge- 
gen das nnd., welches bekanntlich niemals dieses präfix als 

6* 



84 ZUR KENNTNIS DES MND. 

Charakter des pari, praet. gebraucht, als an&Dg dieser ge- 
wobnheit habe ich in unserer quelle nur zwei beispiele ge- 
fnnden, nemandi so tho deenste. kamen is KO. 89. idt ü 
dat heil uns kamen her Ag. 452. vergl. Grimm 1, 641 ff. 

8. WORTBILDUNG UND WORTGESTALT. 

In dieser hinsieht bietet unser mnd. denkmal zwagr nicht 
viel eigenthümliches, aber doch manches bemerkenswerthe 
was es mit den älteren dialekten gemein hat. 

1. manche präßxe, die sich in der neueren deatsehen 
spräche so fest mit manchen Wörtern verbunden haben dafs 
diese ohne sie nicht leicht mehr vorkommen oder doch we- 
nigstens für gewisse bedeutangen ihrer bedürfen, treten 
im mnd. noch nicht in so grofser Verbreitung auf and be- 
schränken daher noch nicht so sehr die zahl der einfachen 
wortformen, diese präGxe sind ge, be, er, ver (vor), win- 
nen affwinnen reciperare, winnst lucrum, wercke societates 
opificum, werve qnaestus, ringe exiguus, rume spatiosus, 
weldich potens, waldt vis, gerichtswaldt vis iudicii^ wände 
vestis, hören pertinere, horchen obedire, brueck consuetudo, 
brOecklich usitatus, laven anlaven polliceri, sich benögej$ 
contentnm esse, unwisse incertus, vorwissen certiorem bee- 
re, ledt ledtmate ledemat^ membrum, bMt preces, löven 
credere, loeffweerdich dignus cui credatur, imlövisch qui non 
credit (daneben geloven geiöven gelövige), vare pericnlmn, 
sanQk cantus {lavesang, sanckböker), staden concedere, an- 
wennen adsuescere, gastebade convivia, hülpe adiutnx, 
deerte (coli.) animalia, stöelte (coli.) sellae, reken esse, 
n^Unge usus, smack gustus, röke odor, vdte vasa, vadde- 
ren cpmpatres (auch gevadderen). 

waren conservare, rede jam, stan consistere, fryem li- 
berare, dröfenisse moestitia, drögerye fraudulentia, notnen 
nominare, gnaden propitiari. 

ehrbedinge reverentia, inlyven incorporare, drechUek 
tolerabilis, spören animadvertere, sich holden se habere, 
sprengen divulgäre, lösen redimere. 

2. in vielen fällen sind die präfixe durch form oder be- 
deutung bemerkenswerth. 



ZUR KENNTNIS DES MND. 85 

vor. 
vorlyen sappeditare, vorlenen mutuari, vorgeven ignoscere, 
vorgeten oblivisci, vorsahen deserere, vorwerven sibi com- 
parare, vorkl^ren explanare, vorschrecken perterrere, vor» 
lösen redimere, vor lachten illuminare, vortomen exacerimre, 
vomyenvtVLoydire^ vorh4ven extollere, vorwachten exspectare, 
vorlöven permittere. 

vorstören delere, vordrücken ärgere, vortaten dimiiterei 
vorlöven dimittere, vorlöjffhtsse dimissio. 

vorbundt foedus, vortruwen matrimonio coniangere, vor» 
truwinge matrimonium. 

tho. 
ihoriten diripere, thobrSken frangere, thorätten labefactare, 
thestnmwm dispergere, thosnüten dissecare. 

be, 
beleven in vita experiri, beerven hereditate accipere, behö' 
ren deeere. 

ent* 
entvangen accipere, entvinden sentire. 

Merkwürdig ist das präfix bt in dem worte biloven by* 
loven superstitio KO. 21. Ag. 39; es ist nicht wie im engl. 
beUeve die verstärkende ahd. yorsilbe bi^ sondern die trenn- 
bare präposit. by (bei), welche denselben sinn hat wie das 
griech. -naQa (daran vorbei), so dafs byloven mit na^adoiog 
naQudolla in begrifflicher Verwandtschaft steht. 

3. die Suffixe erscheinen meist noch in unverkümmerter 
fonn und bieten auch manche eigenthümliche bildang dar. 

heit. 
erbarheit dankbarheit sümheit (negligentia) idelheü. — ^ rei^ 
nicheit ewicheit einhellicheit avericheit (magistratus) gerech" 
ticheit lüdelefflicheit (humanitas) einicheit ummestendicheit 
(remm conditio) minscheit (genas humannm) küscheit (casti- 
tas) smakeit (ignominia) starckheit (robnr) hocheit (altitttdo). 

Mge. 
ermaninge meninge vormidinge minschwerdinge beteringe 
bekeringe wammge upstandinge und uperstandinge (resur- 
rectio) vortruwmge erdbSvinge (terrae motus) blodtvorgS» 
tinge nitinge vortzaginge wilinge (electio) utkvorsehinge 



86 ZUR KENNTNIS DES HND. 

(Providentia) nalatinge rremissio) annSminge antöginge he- 
iennmge. 

dam. 
ckristendom pawestdom hilligedom egendom rikedom was* 
sedoem (incrementum). 

schop. 
naberschop ßründtschop vyendtschop rSkenschop landtschep 
gemenschop swSgerschop herr schop geselschop egenschop. 

nisse. 
vorsümenisse ergemisse gevencknisse dröfenüse vorloffiusse, 

ye. 
arstedye (medicamen) thöverye (praestigiae) affgöderye. 

inne. 
hulperinne (adiutrix) manninne (femina) wrSkerirme (nltriz). 

de. 
hogede (altiludo) sterkede (robor). 

te (zu bildung von coUectiven). 
deerte (animalia) stöelte (subsellia) b^delt (sacculus); 

lick. , 

däetück brüecklick wyslick ^lick.— liederlick (tolerabiüs) 
KO. 27. lydtlick (gratas) KO. 52. samentlick (una) sieht- 
Hck (visibilis) unsichtlick (inyisibilis) dörlick (stniius) wü- 
iick (certas) vorwitiiken (certiorem facere) eelike mennsr 
(mariti) eelike fruwen (axores). 

ich. 
wworsiendich ewich dnich schüldich tveerdich. — herb&rgich 
(höspitalis) haderich (cootroversus) z. b. haderige saken 
(res controversae) Ag. 406. — sundrigen (separare) besun- 
derge (siagulares) bestedigen (sepelire) Ag. 256. Utwersm- 
get (integer) Ag. 280. 

isch. 
bitisch (mordax = rixae cupidas) haderisch (litigiosus) utk- 
setiisch (leprosas) unlövisch (qui non credit) sökisek (eii- 
riosos) kindelbeddesch (pucrperalis) kindelbeddesebe fru- 
wen (puerperae). 

e erscheint als abstompfung anderer laute (ahd. a, o, i) 
umme eirca, unde et, nänsche homo, gesette lex, gerichU 
iudifuasi, bilde imago^ vorbilde^ fruchte metus, st^ke pars, 



ZUR KENNTNIS DES MNO. 97 

gemöthe auimus, fruwe femina, halde mo;x, ailtse crux, 
gefyke faviievj daranne in co, bev4le iussus, schulde noxa, 
herte cor, predige sermo, herre domiDUS, stamme stirps, 
denae nam. 

4. viele formen sind als durchsichtig voll, und den ur* 
sprönglichen wortformen nahe stehend zu bemerken. 

gelücke res secundae, ungelücke res adversae, geloven 
fides, gelöven credere, vorgelimpen conciliarCi gelyck ae- 
fiwis^ gelycken parcm esse, vorgelycken comparare. 

pawest papa, naket nudus, maget anciila, frömedt pere- 
grinus, vaget praepositus, vögede praepositi, yaget venatioi 
hJovet Caput, enthövedinge decoUatio, wedewe vidua, wertet 
toerlt mundus, düäeseh germanicus. 

Dahin gehört auch vordegedingen defendere (und die 
abgestumpft.eren formen vordedingen vordedigen)^ in älte- 
ren mnd. quellen auch noch deghcdingen als simpIex; es 
entspricht dem nhd. verteidigen, vergl. Graff 5, 184. 

5. bemerkenswerth scheiden endlich noch folgende Wör- 
ter theils ihrer bildung, theils ihrer wortgestalt nach. 

flntiäth {aeiesj düpe profunditas, süll trabs, limen, stck 
gewennen eousuesceTe^ anwennen diisnescevey antwerden re- 
spoodere, helle infernum, lepel cochlear, weke hebdomäs, 
middeweke dies Mercurii. 

sweren iurare, dregen fallere, legen mtnim ^schepper 
creatör, scheppinge creatio, betichtigen arguere, geröken 
curare, rökelos scelestus, nömen nominare, lögen osten- 
dere, pordömen damnare, tvrögen accusare, vödinge upvö- 
dinge educatio, sindlfloedt diluvies. 

lyck (neutr.) corpus, sadt saedt jsemen, sadtseyer sa- 
lor, wrake ultio, tarekerinne ultrlx, wraeckgirtcheit ira- 
eundia, missgewade stola, lycham lychnam corpus, waren 
exspeetare, wachten vorwachten (\ffwachten exspectare, £fö- 
get virtus, jöget iuventus, vorlesen perdere, averwinnen 
superare, vormögen potens, dives, köninck rex, erdboddem 
soinra, Olyeberg der Olberg. 

kümpstich futurus, thokumpst tempus futurum, vomt^fft 
ratio, vomuffUch ratione praeditus, viillenkamen perfectus, 
vullentheinge ratilicatio, vorsmaden repudiare, sick nalen 
appropinquare, affwöltem devolvere, ummegördeln cingere. 



88 ZUR KENNTNIS DES UNO. 

diirbar pretiosus, deenstlick atilis, t^erstandmge upsUmr- 
dinge resurrectio, vörstendere praefecti, wolgeval satblaelio, 
höpen spes, genüt usus. 

bemen urere, vorbemen cpmburere, bemeholt cremia, 
bom fons, borst pectus, fruchte timor, sick fruchten timere, 
godtfrüchtich religiosus, nodtrofft iDdigentia, nodirqffück 
egens. 

almissen eleemosynen üetjfioavinj, arste meücuSj arHe" 
dye inedicamen, arstelone merces medici (artistae), Christen 
adj. und sabst. christianus, pröven praebenda, paschen pa- 
schale, pingesten TiivnjHoani, Junte Juntsteen baptisterinm 
KO. 22. 56. (fundere?)*, patene (und bereidet darup dat 
brodt in der patene, den win in dem kelcke Ag.21i. yer|^. 
vD\iA, diu patöne bezeichent den stein der dö wart geieitiif 
das grab dd unser herre inne lac zeitschr. 1, 281) vom 
lat. patina, patena. 

dingsdach dies Martis, donnerdach dies lovis, narren- 
dedinge nugae (vergl. vordegedingen, ahd. tagäding)^ cas-^ 
pel das kircbspiel, vastelavendt (mnl. vastelavont zeitschr. I, 
266), weedagen dolores (vergl. rikedage opulenäa ^itschr. 
1, 545), nabeslagen avarus Ag. 10. verschone praeteriapsus 
*K0. 72. wanschapen deformis (vergl. ahd. scqffelds defof^ 
mis und ahd. alts. ags. wan deficiens, mhd. geschepfois 
forma, ungeschaffen deformis), bademöme obstetrix (vergl. 
ahd. m6ma und ahd. bajan fovere)**, underUgen diversus 
Ag. 237. 

lüdeleefflicheit humanitas, nütbrUkinge usasfimctos, 
hoenslaginge cavillatio, nodtsaken res adversae, evenkihn" 
//cAr conveniens, sochkinder lactentes, uthvqrsehinge Provi- 
dentia, maendtydt mensis, undertydten thotydten interdum, 
leddichgenger otiosus, wedderstal repugnantia, affsinniek 
demens, qffhendich abreptus. 

9. WURZELN. 

Aufser den schon angeführten durch laut bildung und 
gestalt eigenthümlichen mnd. Wörtern und aufser den ety- 

Ifönfe wird das lateinische /on« sein. Kosegarten.] 
[bademöme ist wohl bademutter, die das neugeborne kind ab*- 
wäscht. Rosegarten.] 



ZUR KENNTNIS DES MND. 89 

mologisch merkwürdigen deren erläuterung oben versucht 
wurde (brudtlacht luchter und die pronomina) gibt es im 
mnd. noch manchen wortstamm dessen etymologie auf in- 
teresse anspruch hat. 

vorwiten exprobrare Ag. 163. tmvorwitlick integer, san- 
ctiis Ag. 231. ahd. wizan farwizan imputare, fgoih. fraveir 
tan, alts. farwitan. 

outüen oyes Ag. 423, skr. avi, griech. oig, lat. oms, 
litth. auns, ahd. atin, nord. d^ ags. eova, engl. ewe. 

dörntze conclave KO. 98. ahd. tumiz aestuarium Graff 
5, 459. Kosegarten hält das wort für slawisch, dreumiza 
herd&tätte*. 

wSdeme das pfarrgut KO. 13. 16. 53. Ag. 19. ahd. te^r- 
damo (dos), ägs. veotoma, nhd. witthum GrafT 1, 778. 

boren tollere, böringe die hebung KO. 39. ahd. heran, 
vüllbort permissio, venia KO. 90. Ag. 134. vergl. ahd. 
Tnuntborto patronus. 

kindelbere baptisma KO. 21. 24. darf wohl des vocals 
Wjßgen nicht zum stamme hören gezogen werden, sondern 
enthält das wort heer cerevisia, wie gildeheer KO. 79. noch 
jetzt ist dies wort das ganz gewöhnliche für kindtaufschmaus 
und lautet kmnelhier. 

knie taglöhnerwohnung KO. 56. noch jetzt im munde 
des Volkes, ags. cote, engl, cot cottage. Leo rectit. 47» 

gilden convivia. gilden unde gemcne geselschopen 
Ag. 445. dat gildeglas Ag. 446. dat se Sre gildent taten 
anstän Ag. 446. gildeheer KO. 79. eigentlich wohl eine 
handwerkergesellschaft, dann überhaupt schmauserei. vei^L 
ahd. gelt {pecunia, vectigal, ceremonia), goth. gild (tribur 
tum), ags. gild (tributum, cultus, fratemitas), nord. giald 
(pecunia retributio), nhd. gilde, mnl. ghilde (societas) 
zeitscfar. 1, 266 f. 

soet fons KO.^8. noch jetzt gebräuchlich; von seden 
abzuleiten, wie das ags. seaä (Leo rectit. 72). vergl. ahd. 
siodan coquere, salzsuti salina Graff 6, 166. 

* \ddmt%e wird in Lisch meklenb. jahrb. bd. 5 s. 34 darch ein 
slawisches drewonfce herdstätle, von drewo holz, erklärt. Schmeiler 
im bair. wöiterb. bd. 1 s. 339 erianert an ein rassisches gomixa 
feoerstelie, mit vorgesetztem deutschen artikel. Kosegarten.] 



90 ZUR KENOTNIS DBS HNO. 

imme apis KO. 97. ahd. impi. 

ummetrecken umherziehen KO. 99 (sonst in unserem 
denkntal immer theen). vergl. lat. trahere, engl, draw^ nl. 
trecken treckschuite. 

wadeL dat de kälter tho rechter tydt unde im wadel 
g^houwen werden unde nicht allent up ein jar tammege- 
bracht werde KO. 100; es beifst dies so viel als im. rich- 
tigen schlag, sollte das wort mit dem stamme wat vestire 
und den davon abgeleiteten ahd. witUy ags. vudu, nprd. vi" 
ibir, «ngl. wood (silva) verglichen werden dürfen? — der 
lAttsdruck ist noch jetzt gewöhnlich und bezieht sich auf die 
schlageintheilung der forsten \ ;r 

kavelen, dat ander bemeholt up den wSdemhöven.mach 
de kerckherre sampt dem dat he in den kavelen^ neberfy^k 
kricht alse idt em na anthall siner hoven köret, unde van 
old^s kergebrackt is den baren gelyck siUvest brukeM edr 
der vorköpen KO. 99. auch dieses wort wird jetzt noch |;e- 
braucht und bezeichnet das zum hauen fähige undbestiminte 
bolz**. 

vorsaken negare. dewile idt överst de fruwen . toennt 
gade gedöfft is vaken vorsaken, schalen de prMiger jmit 
ernste dama fragen up dat nene wedderdöpe gesckee Ag. 85. 
ahd« Jarsakhan negare, goth. sakan, ags. sacan, altnord. 
saca accusare, engl, to forsake deserere. vergL Graff 6, 
74. 75- 

kosten nuptiae KO. 91. Ag. 174. aventk'östen eoenyi, 
oonvivium nocturnum Ag. 172. amtkösten amtausriebtoiig^. 
jarwßrckede^ sp^lpletze^ Jechtscholen, kröge dar meH, beeH, 
wyn^ m^de, brandewyn edder anders schencket unde teil 
h^ffi, item kosten, kindelbere, gilden, amptkösien imde 
gasteryen schälen den dach so lange de predigen wäre» 
vorbliven KO. 21. — da nuptiae die ursprüngliche, bedeuloiig 

* [wadel bedeutet volisiondszeit, Grimm mythol. s. 405. 406. 408. 
.In ggjs. wird tnotui waiol übersetzt luna erratica, und aUerdiof» be- 
deuten dort waff und waäema Wanderung; daher Grimm deii.sinn 
Der sinkende, abnehmende mond vermutet, in Scbmellers bair. wÖr- 
terb. findet sich b. 1 s. .30 uedeln gedeihen. Kosegarten.] 

** \kavel bedeutet lefs, abtbeilung. noch jetzt sagt man kaveln 
loben, esistwohi einerlei mit ÄMi6e/ schnür, seil; das mit der sehBur 
abgemefsene. Kpsegarten.] 



ZUR KENNTNIS DES MNO« M 

und eonvivium nur eine natürlich abgeleitete ist, so möchte 
wohl an ahd. kusti kust, ags. cyst electio gedacht werden 
därfent wähl, nämlich brautwahl = hochzeit. in der be* 
deutnng schmaus sagt das voIk noch jetzt austköst (herbst* 
schmans, - emteschmaus) \ in aust könnte entweder augnst 
als emtemonat, oder ahd. herbist, altnord. kamt (messis, 
auctumnus) enthalten sein, s. Graff 4, 1018. 

böleken die geschwister Ag. 195. bölekenkindere ge- 
«chwisterkinder Ag. 194. auch in der heutigen Volkssprache 
lebt die letztere Zusammensetzung noch als halb veraltet fort« 
mn die etymologie ist man verlegen : vielleicht dürfte an lai« 
ßlius, ßlia, oder noch lieber an skr. bdlas (puer) bdlakiu 
^pnerulus) gedacht werden, welche letztere form wunderbar 
mit der unserigen zusammenstimmen würde, vergl. GrimmS, 
eWj 6. Bopp § 652 s. 270\ 

seettagen mit dem tode ringen, fast verscheiden wot 
leii. wenn bverst de kpancke in den testen tagen lege unde 
eeeitagede Ag. 2f 7. wo de krancken rede seelUigen in den 
hsten swaren tagen Ag. 220. dies dunkle wort scheint mit 
seele ;zusammenznhängen. 

sölen, es sich schwer und sauer werden lafsen. dat 
wi mit kummer, swackheit, schade unde varlicheit unse dach*- 
like brodt darvan hebben, sweten, solenn sldpen, uns gr^ 
men und^ plagen bet in de grove Ag. 181. die zusammen- 
«tellimg mit sweten und sl4pen erlaubt wohl dieses wort mit 
ahd. solön inquinare, solagön versari, natare, iatltn. sbia 
inqttinare (Graff 6, 86) zu vergleichen: eigentHcfa sich im 
kothe wälzen, daher aber auch wohl sich durch noth und 
Jammer durchzuwinden suchen. 

U^ck. in einen vorslatenen block edder caste KQ. 102; 
ahd. iUhhan daiidere, biloh clausura. 

begeren an die glocke anschlagen Ag. 424. wenn ape^ 
steldage edder, andere hillige dage in der wSken valten, 
de men nicht vyret, koken se de wSkenprMige up de dage 
leggen, dartho beyeren laten Ag. 81. vergl. nord. berüi 
(ferirc), ahd. berjan (tcrere) Graff 3, 201. 

torhUren locare: derwSgen schalen de visitatoren na 

* jholeken^ aacfa hole, ist das rahd. huole, buie, frennd, verwand- 
tep, KofesArtea.] 



92 ZUR KENNTNIS DES MND. 

emes yedem ordes gel4genheit de vorseinge doen dat de 
parrherren unde predicanten idt sy in städeken edder dar- 
pem allene tho nodtrojfftiger husholdinge den ackerbuw drir 
ven unde de överigen koven tko pachtrechte uthdoen edder 
verhüren KO, 82. hirmit schal kumpstich affgedan tyn de 
varhüringe der parren KO. 16. eogl. to hire. vergl. ahd. 
har4n clamare, forharhi proclamare, foraharo praeco. 

böten fascinari. up dat de herten vam sigenen^ böten, 
mcken unde warseggen, thöverye unde dergelyken dOeelr 
sehen bäoven, the gades fruchte unde tho rechtem var- 
truwende thogade gewennet werden KO. 21. wenn yemamdt 
mit valscher opinion in der I4re beladen, unde dessülvigen 
överwunnen, edder mit sSgenen, böten unde dergelyken d^- 
velschen wäsen ummegeit KO. 28. man kann Rieses wovt 
entweder mit ahd. bözjan buozjan emendare, goth. gabdtm 
vergleichen, wo der begriff der sühne und reinigung aaf den 
der Zauberei. übergetragen wäre, oder man könnte ahd. Mjh 
Jan tundere, nord. büta amputare, truncare, ags. beaUm 
caedere hierher ziehen und für den Übergang der bedentung 
an selbstgeiselungen oder andere gewaltsame zaub^rg^räa- 
che denken (Graff 3, 224. 232) ; endlich erinnere ich auch 
an das nd. hüten (tauschen), nnl. buiten, welches Grimm 
(zeitschr. 1, 576) aus brem. wb. 1, 174 anführt \ 

wichen praestigiari. s^genen, böten, wicken unde woT' 
teggen KO. 21. es ist = ahd. wichön saltare, praestigiari. 
Graff 1, 708. 

guaedt malus Ag. 51. 178. 257. vergl. Grimm 3, 606. 

side humilis. idt schal ock nene vortruwinge gescheen, 
idt sint denn de personen hoch edder side twe edder dre" 
mal van dem pfedigstqel gekündiget KO. 42. noch jetzt im 
pld. gewöhnlich und auch in Ortsnamen (Hogenbiissow^ Si- 
denbüssow), vergl. ahd. sid inde, sidor postea, eidero se- 
rior, eigs. sidor sidra, allnovd. sidar sidhari (GTSiS6,l^S.)f 
wo nur das frühere der gegensatz ist, während das nd. 
wort im gegensatz zum hohen steht. 

kindert4lendt kinderzeugen, s. Paulus secht dat ehrist' 
like fruwen wenn se im geloven unde in der leve gades 

{böten ist wohl barsen, bersern. man sagt ketelbÖter kefselflicker, 
de tene böten, den Zahnschmerz stillen durch Zauberspruch. Kosefurtea.] 



ZUR KENNTNIS DES MND. 88 

blyverii dorch. kindertölendt gehUUget sint Ag. 110* Tergl. 
abd. zilän contendere, studere, alts. tilian colere, ags. leo- 
lan tiolan niti, cupare, tiljofi parare, procurare. 6raff5,&56. 

esschen postalare, destinare. esschinge destioatio. dar\ 
mit dat rike Jesu Christi alse mit einem scepter toert r&- 
gerety geesschet^ gesamlet unde erholden KO. 2. dat he na 
der kerekenordeninge em wille gehorsam syn unde kamen 
war he thom synodo effte sOs geesschet wert KO. 46. wenn 
eine parre vaccret schalen de patronen einen godtfirüchti' 
gen vorstendigen geschickeden man esschen Ag. 17. de 
geesschede nye pastor schal sine bicht doen unde commu-' 
nieeren Ag. 18. im bysyn etliker ander Christen^ de men 
dartho esschen unde vorderen schäl Ag. 204. dat du schalt 
tho em in den hemmel geesschet werden Ag. 216. dat he 
den ßruwen ire esschinge (ihren beruf) vordraten maken 
wil Ag. HO. de erw Hinge zmde esschinge der prSdiger ge*. 
schiith van der christliken kercke Ag. 5. vergl. ahd. eisca 
pelitio, eiscdn poscere, petere, eiscunga appellatio, nord. 
aeskjay ags. aescjan^ engl, to ask, Graff 1, 493. 494. es 
ist also nhd. heischen, erheischen, wogegen in unserem 
denkmale vorheischen fiir verhei/sen promittere vorkommt 
Ag. 337. 

wilteldach, .item de pröven up wynachten an gelde 
wursten schinken brodt na gewÖnlikem caspelrechte, de wit- 
teldach up paschen dem cöster KO. 98. offenbar sind da- 
mit ähnliche leistungen der bauem an den küster gemeint 
als die pröven an den prediger waren und es könnte also 
an den abd. stamm undamo (Graff 1 , 778) gedacht werden, 
der in verkrüppelter und verderbler gestalt darin enthalten 
wäre;. aber viel augenscheinlicher und auch den lauten nach 
passender ist eine andere erklärung, die mirKosegartcin brief- 
lich mitg^theilt hat, witteldach möchte wohl ein weifser tag 
sein; auf ostern folgte dominica in albis, weil die getauf- 
ten oder confirmierten in weifsen kleidern erschienen, ob 
aber gerade diese dominica gemeint sei kann ich noch nicht 
entscheiden'^.' 

* [witteldaeh, man könnte den grünen donnerstag vermuten^ wel- 
cher mnl. de witte donderdach halfst, ond an welchem spenden au»- 
getheiit wurden, Haltaos calend. med. aev. s. 84. dock findet slck i« 



M ZUR KENNTNIS DES MI^. 

. MchSHnge molestia, querela. wo ock de prSd^ere mü 
privatp&rsonen edder süss yemande in ungüde tho doeMie 
hedden, schälen se 4re sch4linge unde gebräk$n meit up 
de cantzel bringen KO. 15. 

böne hausboden. dat caspel is schiUdich de wSdeme 
mit .dömtze, cameren, koken, kelter, böne, soet, sckUne, 
stellen, backhus, hakelwerck, wo idt van olders kirge- 
bracht, tho buwen u?ide dem pastori verdich tho averamtwer- 
dm KO. 98. 

In den vorsteheDden kleinen aufsätzen glaube ich nicbU 
iy>0rgangen zu haben was in unserem denkmal einer wi* 
benschafUichen betrachtung werth gelten kann; den zweck 
dieser darstellungen werde ich für erreicht halten, wenn des 
mnd. dialekte durch dieselben etwas mehr zur anerkennong 
seiner ebenbürtigkeit mit anderen deutschen mundarteü ve^ 
,ho|fen worden ist. 

pommerschen arknnden auch wittelsehiiltng, eine kleine abgab» wei- 
che bei gerichtlicher verlarsung des bauerhofes der Verkäufer den 
knechte des richters gab, Dahnert plattdeutsches wörterbneh s; 854. 
Rosegarten.] 

PRITZNOW bei Jarmen in Pommern. 

DR KARL REGEL. 



ÜBER LIODHAHATTR. 

Scheint es vorschnell über nordische versmafse sefaoo 
bestimmungen aufzustellen, so bekennt der verfaf^er, dem es 
bei bearbeitung einzelner lieder bedürfnis wurde solche zo 
suchen, dafs er keine geselzgebung, sondern vorläufige fest- 
stellnngen nach dem was Grimm und Lacbmann über den 
deutschen versbau gelehrt haben, in der ahnung dafs es das 
allgemeine sein müfse, versuchen wollte, wenn auch damit 
nur das bisher darüber gesagte aufgeräumt und der Charak- 
ter äe& versmafses in umrifsen beschrieben werden sollte. 

In der ältesten sangweise des nordens, dem fomyräa- 
lag, sondern sich zwei hauptarten, je nachdem acht oder 
sechs durch zwei hauptarsen ausgezeichnete kurze zeilen zu 
einer sinnesstrophe zusammentreten» unter den bisher von 



LIOOHAHATTR. 05 

einheiiiiiseheii sohreibem und berausgebem gewöhnlich in 
sechs Zeilen getheilten versen gehören entweder jedesmal 
zwei oder jedesmal drei kurze zeilen näher zusammen, die 
erstere art, wie sie oft in der Glumssaga vorkommt, ist von 
der achtzeüigen im gründe nicht verschieden, nur die andre 
art, wie sie im Hftvamäl durchgängig ist, soll hier zur sprä- 
che kommen ; nur sie führt den nainen Hodahättr, worin die 
zweite hälfte wie: in bragarhdttr nichts anders als sitte, 
weise, bedeutet, so dafs Uod in gegensatz tritt zum ältesten 
t^Sf wofür herschend der achtzeilige vers gilt, indess einen 
entsprechenden gegensätzlichen namen gibt es nicht, und 
wenn der altepische vers nach Vorgang der Snorraedda von 
Rask (Mohnike s. 30. 35 u. o.) Starkadarlag benannt wird, 
so tritt jetzt dies entgegen dafs unter Starkadr des alten 
namen auch liodahittr begegnet fornald. 3, 9. 12. 13. wie 
nnn der achtzeilige vers in vier ganz gleiche paare zerftllt 
und von Grimm in vier langzeilen zusammengefafst worden 
ist, so ist dem wesen wie dem gebrauche des liodahftttr eine 
ahtheilung nach den beiden bälften, in die es durch den sinn 
allemal getheilt wird, angemersner; die beiden ersten kurzen 
Zeilen haben allemal denselben Stabreim, wie im H4v. 94 
Astar ßma \ skyH engt madr \ annan aldregi: \ opt fd d 
horskan, \ er d heimskan n4 fd^ \ lostfagur litir (über liebe 
keifen soll kein mann auf den andern jemals: oft. fängt beim 
weisen was am thoren nicht fängt, lustsames antlitz). da 
nun was der Stabreim bindet zu einer reihe gehört, . wird 
dieses. ganze am richtigsten in vier zeilen getheilt, wie 
ebenfalls schon von Grimm in der ausgäbe der eddalieder 
so oft deren vorkamen geschehen ist; eine vertheilung die 
sich auch rechtfertigt für die Variationen in denen nach alter 
weise sieben- oder mehrzeilige verse entstehen würden, wenn 
man nur gesetz und gebrauch dieser versart näher ins äu- 
ge fiifst. 



Das wesen dieses rhythmischen baues zu ahnen liegt 
nach der belehrnng über den deutschen nicht fern, nach 
allen denen. die immer noch metra in den germanischen ver- 






• r 



96 UODBAHATTR. 

sen suchen, wofür sie in den nordischen besondere bewttü 
sehen, soll dieser vers ein adoniscber sein, mit oder ohne 
anakmsis oder basis ; oft, wähnt man, entstehe aus drei sol- 
cher Zeilen ein hexameter. * dazu stimmt nicht einmal im 
allgemeinen der gang der strophentheile, wenn man die he- 
bungen mit ihren ausfiillungen auch einmal den versfnbeD 
der alten gleich setzen wollte. 

Vor aller rücksicht auf den umfang der groGsea und klei- 
nen arsen fallt aber als haup.tsache für diese sechs kurzen 
Zeilen in die äugen die Verbindung je eines zweigliedrigen 
regelmäCsig dreistäbigen verssatzes mit einem kürzeren ge- 
wöhnlich zweistäbigen Untersatze, der als eine art al^eang 
zu den beiden Stollen betrachtet werden kann, weniger we^ 
sentlich ist die Verbindung zweier solcher gesetze zu eines 
sechszeiligen (vier lange Zeilen gebenden) verse, denn es 
kommen auch, z. b. Lodfafn. str. 119. 121. 123. 132 durdi 
den refrain gesicherte neunzeilige, und einzelne z. b. Fiörak. 
15 nicht wohl anzufügende dreizeilige (sechs und zwei or- 
dentliche Zeilen gebende) Strophen vor. auch das angeg^ 
bene Verhältnis des Stabreims ist zwar das ebenmäC^gste, 
und die zweistabigkelt des Untersatzes das herschende, wie in 

at hddi nS hlatri \ hafdu aldregi 

gest n4 ganganda; 

Oft vito ögörla \ peir er sitja mni ßiTy 

hvers peir ro kyns^ er koma. 
aber hauptsache ist nur dafs ein doppelglied mit' einem 
einfachen fühlbar verbunden sei: sehr oft hat das erstere 
nur zwei stäbe, zuweilen hat das letztere deren drei, wie 
Oegisdr. 12 

mar ok maeki \ gef ek per mins fiar, 

ok hoetir per svd bangt Bragi, 
und diese . dreistabigkeit ist nicht selten, z. b. eh. 4. 25* 
26. 30. 42. Fiölsv. 1. 2. 3. 4. 11. 38. 47. Groug. 4. 9. 
Fiörsk. 23. 24. 25. 26. 36. 37. AIv. 18.34. Helg. Hadd. 28. 
Sigurdq. Ha. 9. 30. 32. Häv. 43. 46. 47. doch in den mei- 
sten fällen so dafs die zwei hauptstäbe zuletzt und zusam- 
men stehen, seltner ist der fall dafs die unterzeile nur 
einen stab hat, denselben mit jedem gliede der obern, wie 

* Rask versl. 37 uod danach Legis ia den fundsniben. -^ 






LIODHAHATTR. 97 

Hihr. 80, eine Übergangsstrophe; ähnlich wird die stablose 
unterzeile FafhismÄl 2 anstofsfirei, wenn man statt f^eng liest 
{6r ek emn saman (iöpor : iira.) 

Näher ist der l>aa dieser, der obersatz hat wenigstens 
vier hebungen mit mindestens einer senkangi wovon drei 
oder doch zwei durch den stab gehoben werden, woneben 
aufser aufiakt selten nebenarsen vorkommen, jenes mind^ 
ste z. b. Häv. 77 deyr fe, \ deyja fraendr. da aber die- 
ses doppelglied nichts anderes ist als eine epische langzeile, 
so kommt hier als das dem liodahättr eigene nur. der Unter- 
satz sn ausführlicherem betracht. die einfache schlufszeile 
hat nothwendig drei hebungen durch wenigstens eine Senkung 
unteriirochen, wovon indess nur zwei den vieren- der ober- 
zeile an stärke gleichkomn^en, so dafs eine sich mit dem 
defton begnügen kann, die Stellung dieser unentbehrlichen 
nebenarse vor, zwischen, oder nach den andern erzeugt eine 
dreifache form, deren nicht jede gleiche freiheiten hat. die 
beliebteste weise ist dafs die schwächere hebung vorangeht 
und die beiden starken nur durch eine Senkung unterbrochen 
die zeile. schliefsen ; nur hier ist ein über partikeln hinaus- 
greifender bis vi^silbiger auftakt gewöhnlich, der indessen, 
elision und synizese mitgerechnet, doch nur noch eine neben- 
hebung anzusprechen pflegt, wie in folgenden aus Hävamftl 
genommenen fallen. 

ok vülptTaf honom gbtt geta, 
opt kaupir ser i litlo lof. 
ok hafda'ek piss vaetki vifs. 
peirrar er logdomc arm ^r, 
sialdan hiltir leidr i lid. 

sd Jner^ er friar. 
äfletifür. 
in andern liedern kommt auf deq auftakt vor den drei he-« 
bungen zwar auch nur noch eine hebung, aber zuweilen 
mit doppeltem vorschlage wie S61arl. 21 u. a. unter 4 a. 
angeführte Zeilen, und viele der oben angegebenen belege 
dreistäbiger. tritt dagegen die unbestabte dritte hebung in 
die mitt« oder ans ende, so ist zwar noch eine leise he- 
bung auf einem tieftone erlaubt, nicht aber wie es scheint 
Z. F. D. A. III. 7 



d8 LIODHAHATTR. 

I 

auf dem dano seltenen nnd kurzen aaftakt, wie sich in fol 
genden darstellt, 

lostfagir litir, - gest nS gängända. 

annars brtostom t. bländna briostom i. 

ßini qveykiz affüna, färpu ad finna 6p t» 

nS sqfdndt mädr sigr. etnhvdrjom dllan küg, 

peim er sorgatäusastr sevi. opt er gott pat er gamlir 
bregdi engt fostoheiti fira. queda, 

selten ist hier mehr als zwei silben auftakt, ein längerer 
ist besonders im letzten falle schwerlich gerecht gewesen, 
noch dürfte^ auch wenn die beiden bauptarsen vorangegangeB 
sind, noch mehr als die eine dritte hebung nachkommend 
mit höchstens einer Senkung gefunden werden, wie in ö/b» 
at.uppldki. die mittengestellte dritte hebung erträgt tbeils 
dreisilbigen auftakt, ok drekta Hlopvis sdnom i haß Helg. 
Ha. 19. Grimn. 39. Fafh. 27^ tbeils noch eine neben sieb, 
einmal selbst mit neuer endarse, vigs otraudir^ at ^ccr 
vega tidiy Fiörsk. 24, eine der längsten unterzeilen, äbn- 
lich, aber ohne endarse Häv. 122. 

Ob diese ganze nichtepische art des fornyrdalag von 
sechs kurzen zeilen schon ursprünglich neben der episeheo 
von sechs solchen zeilen bestanden, werden die nicht be- 
zweifeln die eine anfänglich alleinige herschaft der ej[iisclieD 
dichtung und form leugnen, wer aber auch nur eine frühere 
einheit der form annehmen und suchen zu müfsen glaubt, 
dem bietet sich ungezwungen die möglicbkeit den liodahftttr 
auf den allgemein germanisch epischen vers zurückzuführen, 
sein obersatz ist noch eine unverkümmerte langzeile von vier 
hebungen, die vier übrigen sind im Untersatze nur zu dreien 
zusammengesunken, nachdem im nordischen sehr früh lange 
Partikeln und die wortendungen ihre betonung verloren, 
und in folge des auch in der otfridischen Strophe sichtlichen 
strebens nach unmitteilbarer aufeinanderfolge der letzten ar- 
sen der zweiten langzeile; welche neigung in dieser nordi- 
schen versart begünstigt wurde durch den gedankengang, für 
den sie immer ausschliefslicher in gebrauch kam, der im all- 
gemeinen das ganze mit einer spitze schliefsen sollte, ur- 
sprünglich mag also betont worden sein lostfagir iiiir. 



UODHAHATTR. 99 

oUam at ippldki» ob sich diese beionang in allen gegen* 
wärtigen versen der art darchführen labe, würde nicht ein- 
mal nöthig sein nachzusehen, denn das bewustsein davon 
wird für diese zeit, wo man schon ziemlich regelmäfsig zwei 
solcher Strophen zu einer verband, eben so wenig in an* 
Spruch genommen als für das Verhältnis der nibelungenstro- 
phe zur otfridischen. 

Die gegenwärtige erscheinung aber des liodahftttr bildet 
allerdings auch nach dem rhythmischen gange einen gegen- 
satz zu dem genannten epischen verse. gleicht dieser in 
seinem einherschreiten völlig dem heroischen verse der al- 
ten, wobei er immer regelmäfsig zwei solcher rhythmischer 
hezameter enger zusammenrückt, so läfst sich der fall des 
liolahÄttr, wie er jetzt ist, ganz und gar nicht mit dem ado* 
nisehen, sondern genau mit dem abfall des archilochischen 
verses von anderthalb hexametern zusammenstellen. 



Dazn stimmt auch völlig der gebrauch dieser nordischen 
versart. die ganzen lieder die in der edda in ihr abgefi^st 
sind ohne Unterbrechung, sind yafl>rudnismäl, Grimnismtl, 
Fiölsvinnismäl, Fiörskirnis, Oegisdrecka, Hftvamäl, AlvismAl 
nebst 6r6ugaldr und S61arlio^. der umstand dafs sich dar* 
unter alle eigentlichen spruchgedichte, die vier letztem sind 
die einzigen ganzen, befinden und dafs ferner das epische 
versmab in der Brynbild^miuida gerade da wo die rath- 
sehläge an Sigurd und die runensprüche anheben, so wie in 
der Hervararsaga da wo die räthsel anfangen, mit dem lio- 
dahftttr vertauscht wird, bezeichnen seinen Charakter hin- 
länglich als den der gnomischen dichtungsform angemefsnen, 
was^ auch allgemein gesagt werden kann, sobald man nicht 
darauf besteht dafs ihr nur angehöre was sententiosen oder 
eigentlicb' sprichwörtlichen inhalts ist. schon nach dem in* 
halt der meisten eddalleder die ganz dieser versart folgen 
fallt der unterschied zwischen dieser und der achtzeiligen 
art nicht mit dem von ethischer und mythologischer weis* 
heit zusammen, betrifil vielmehr eine form ihrer dichteri- 
schen erscheinung. das mythologische bat doch nni* gerade 

7* 



100 UODHAHATFR. 

da dieses gewand erhalten wo es in frage .und antwori, wo 
es räthselweise vorgetragen wird, wie in Vaf^r. zwischen 
diesem und Gagner, in Fiörsk. als gespräch anter Skadi^ 
Frey u. a. gegen Skirnir, in Fiölsv. worin mit stehender 
fragform regelmäfsig frage und antwort zwischen Fiölsv. and 
Vinkald abwechselt, — oder wo die verborgnen Verhältnisse 
der götter und menschen doch nicht als handlung, als g^ 
der des weltdramas, wie in der Völospä erzählt, sondern wie 
in Grimnismäl als stücke des wifsens, oft mit zahlangaben 
zusammen hangend, und lehrweis aufgezählt werden. 

Die einzelnen stellen wo liodahättr innerhalb der epeo 
der heldensage statt des epischen verses eintritt begründen 
sich völlig ähnlich, zunächst das gespräch der riesin Hiuh 
gerd mit Atli und Helgi, voll streit, nicht lehre oder räth- 
sel, Helgaqu. Hadd. 12 — 30. die erzählende einleitung in 
Brynhiidarqu. 1, str. 1 gehl in epischem rhythmus, der gröste 
theil in dem hier besprochenen, weil runenlehren und lebens- 
regeln rathweis aufzählend; Sigurdarqu. IIa str. 19 — 27 über 
die Vorzeichen des kampfes sind geheime glüokslehren ; Lo- 
kis und Andvaris gespräch ebenda entwickelt verborgenes 
wifsen. noch mehr voll von geheimnissen und seotenzen 
ist das gespräch mit Fafnir und dem rathgeber Regln, da- 
her denn auch Fafnismäl fast ganz bis auf den erzählenden 
scblufs 40 — 44 und bis auf einige lieder der schwalben 32. 
83. 35 in dieser liedform gedichtet ist. 

Da endlich der Wettstreit zwischen Loki und den göt* 
tinnen eben nicht mythologische lehre noch Sentenzen ent- 
hält, Oegisdrecka aber dennoch ganz hieher gehört, nicht 
minder als die katechisierende Synonymik in Alvismid, so 
wird sich der bereich des liodahättr näher bestimmen lafsen 
anf gewisse arten dramatischer darstellung; er befafst so- 
wohl den feierlichen lehrenden monolog (aufser in Brnnh. 1 
nnd Grimnismäl auch Hävam. Söiarl.), der in Gröugaldr 
erst auf das gespräch der mutter mit dem lehrebittendea 
söhne folgt, als den dialog im sinne der alten als regelmä- 
fsiges wettgespräch, namentlich also wo nicht erzählt, son- 
dern entwickelt, entweder über that und sinn gestritten oder 
über gegenstände des denkens und ergebnisse der erfahrung 
verhandelt wird : solche stellen mögen am frühesten aus dem 



LIODHAHATTR. 101 

epos hervortretend, ohne es gerade allemal zu verlafsen, 
eigene form wegen ihrer erhebung zur art des allgemeineo 
angesprochen haben. 

In den spätem prosasagen verliert der gebrauch dieses 
verses, der auch überhaupt seltener wird jemehr drottquaedi 
um sich greift, allmählich seine alte strenge, noch ungestört 
ist seine art und sein umfang in den zur heldensage gehö- 
rigen, welche die alten lieder fortpflanzen, und in der Her- 
vararsaga, da ihm hier nicht jenes zaubergespräch, was nicht 
erörterung sondern handlung des zaubers war, zufiel, son- 
dern nur die eigentliches wifsen enthaltende räthselrede fom- 
ald. 1, 465 — 87, worauf die gewöhnliche epische Strophe wie- 
der eintritt, im ganzen umfange der übrigen von Rafn her- 
ausgegebenen sagen ist mir nur folgendes aufgefoüen. in der 
Keiilssage ist die versart an vier stellen jedesmal im beginn 
eines gesprächs, dreimal (fornaldarsög. 2, 119. 125. 127) 
zur anrede an tröUgeister verwendet, in der Gautrekssage 
für die klagen über die verlornen drei erbstücke (fomald. 3, 
11 — 13) wozn auch die nicht mit Rafn achtzeilig abznthei- 
lende klage über Gautreks that an Snotra, Heimsliga ek veik 
(s. 11), zu rechnen ist. die Hialmterssage hat wieder eine 
wechselrede mit einem tröUweibe (3, 480) im liodahftttr, den 
anfong einer nachher achtzeilig fortgesetzten anrede an eine 
blendende Jungfrau (ebend. 489) und ein spottlied (ebend.477). 
unter den liedern im landnämabök und in den alten königs- 
sagen kommt unser versbau gar nicht vor, anfser in einem 
liede auf einen gefallenen beiden, wo man den gleichmäfsi- 
gen epischen gang erwarten sollte, im Häkonarmäl, ein deut- 
licher beweis dafs nicht der Inhalt an sich, sondern die ihm 
gegebene dichterische form, welche hier fast ganz das ge- 
spräch zwischen den hohen göttern und ihren boten ist, zur 
wähl des verses in guter noch nicht auf blofse lustbarkeit 
sehender zeit das bewegende war. 

In ältester zeit waren vielleicht wie die lieder über ru- 
nen und angänge Sig. Ha 19 ff., so auch Zauberformeln wie 
die vardlokknr, und Sprüche womit unholde angeredet ge- 
fragt und verstanden wurden, im liodhahättr abgefafst: oder 
sollte es zufällig sein dafs sich die gespräche mit der fel- 
senbewohnerin Hrimgerd, mit Fafnir, mit Andvari als otter, 



l(fö LIODHAHATTR. 

und in der Ketilssage dreimal, in der von Crantrek wieder 
einmal mit einem tröUweibe in dieser form bewegen? 

Aas Oegisdrecka und dem spottlied fomald. 3, 477 atekt 
zu vermuten dafs auch dem altbeliebten, so oft selbst durch 
geseize verbotenen niälioä^ obwohl es später (fomm. Zj 97) 
auch vom drottquaeäi ergriffen wurde, ursprünglich gwradd 
diese liedform genehm war, besonders wegen ihres spilzigoo 
oder keilförmig auf breiterer grundlage aufsteigenden baueS) 
womit sie trifft wie ein epigramm. 



Nicht zu besondern aus dem wesen des liodbahAttr he^ 
vorgegangenen arten gehören einige abwechselungen mit ver- 
wandten mausen, die sich auch wo er herschend ist nekcB 
ihm finden, wie er aus angegebenen gründen unter epischen 
Strophen oft nur den reigen anführt, meist aber diirdl den 
veränderten ton herbeigerufen eintritt, so. erscheiaen anok 
umgekehrt in einigen gedichten die sich in seinem rhythmas 
regelmäfsig fortbewegen hier und da fremdlinge von anders 
gebundener art die sich nicht ausweisen lafsen. es sind die 
kurzen ebenmäfsig fortschreitenden zeilenpaare des epischen 
fornyrdalag, gewöhnlich zur Strophe von acht, oft auch aar 
zu der von sechs bemistichen durch den inhalt verbanden, 
und nicht einzig in später buntliebender zeit, sondern s^aa 
im HävamAl, z. b. str. 82 

i vmdi skal viä höggva, \ vedri d sio röa; 

myrki vid man spialla, \ tnörg ero dags augo$ 

d skip skal skridar orka, \ en d skiöld til hltfan 

maeki höggs \ en mey tu kossa. 
eine Strophe die man nicht für dreimaligen obersatz zn ei- 
nem gewöhnlichen Untersatz erklärend auf liodhahättr m- 
rückführen darf, da auch die letzte reibe das gewöhnlidie 
mafs einer seiner unterzeilen überschreitet und dies doch auf 
die gleich darauf folgende 8Se str, nicht anwendbar w^t 
noch auf andere hernach erwähnte scchszeilige gebönde. 
auch wird dadurch das gewebe nicht der einheit verlustige 
der einwurf ist aus demselben Stoffe mit den fäden des 
liodhahjittr. 



LIODHAHATTR. 109 

Veranlarsang wie stellang dieser abweichaog ist beson- 
ders doppelt, entweder vom inhalt bervorgerufeti dient sie 
den flofs gleichmärsig wallender Satzglieder, sein dies sieb 
drängende züge einer scbilderung oder sieb bäufenle gieieb- 
artige lebrbilder, scbneller zu befördern, oder sie entstand 
darch ein rorherscbend rbylhmisches bedürfnis. dem inhall 
gewiss nicbt unangemefsen treibt im liede auf Häkons an- 
knaft in Valballa die vergegenwärtignng der seblaebt in der 
er fiel in unverbrocbner strophenpaarang daber; es sind 
acbizeilige geselze, denen zum Übergang ein secbszeiliges 
noch gleicber art (str. 9) angefügt Ist, während die beiden 
ersten stropben, die den haaptton des ganzen ankündigen, 
den liodbab4ttr, noch den Vorgang bei der absend nng der 
aomen vor der schlacht enthalten, zweifeln könnte man 
ok in einem so ans sprächen und episoden zusammengesetz« 
ten liede wie Hl^vamäl die vom gewöhnlichen versban ab- 
weichenden Strophen nicht aus anderen spruchgaazen einge^ 
drangen seien, durch das angegebene beispiel aus Hikoliar- 
mftl mindert sich das* bedenken, es findet sich der absprang 
dreiinnl, str. 81 — 83, str. 85-— 90, wozwischen 88 regelmä- 
Mg ist^ und str. 140. die beiden ersten stellen gehören am 
meisten hierher; sie geben aufzählungen dessen was man 
zu welcher zeit thun müfse, und dessen dem man erst nach 
erpmknng, und von anderem dem man nie recht trauen dürfe, 
diese sätze verhalten sich zu einander würklich ganz anders 
als die einander über oder untergeordneten, grund und folge, 
vorinld nnd hauptsache, besonderes und regel verbindenden 
gGeder des liodbahftttr; der freundliche katalog von vielen 
unter dieselbe vorsicfatsregel fallenden dingen welcher von der 
miHlerlichen Spruchweisheit vorgehalten wird, das Verzeich- 
nis der orte, wo die runen anzuschreiben, Brunb. str. 15 — 19) 
ein namenregister wie Grimnism. str. 27.28.30.46. eine 
fragenretbe Runecap. Hav. 143 läuft in der thal am besten 
und würksamsten so schneit und ebenmäfsig ab als es das 
r^elmäfsige hin und wiederatbmen der zetienpaarung ver- 
anlafsl. 

Andern mehr nur rhythmischen grund hat die abwech- 
selang wo sie am anfang oder zum schlufs far liodhabAttr 
eintritt, nicht eben zur vermittelung mit dem eptsehen verse 



104 LIODHAHATTR. 

geschieht dies, wie man ausBrunhildarqu. 1 entnehmen könnte; 
auch Lodfafnirsmäl schliefst so (Häv. str. 140), obwohl die 
gleich versigen Rünatalsf^ättr angefugt sind, und diese selbst 
haben als abgesang des ganzen Hävamäl zuletzt eine gleich 
gepaarte achtzeilige Strophe 167; ähnlich tritt das GrimnismM 
am ende str. 53 aus dem herschenden rhythmus ; in Brunhild. 
ist Str. 5 wieder nach dem älteren fornyrdalag geformt, denn 
damit als einleitung beginnt das eigentliche in der Volsunga- 
sage würklich so abgesondert vorkommende mit derselben 
vorstrophe anfangende runenlied. danach wird sich sagen 
lafsen, eingang und schlufs der lehr- oder wechsellieder konn- 
ten, nicht allemal wegen episches inhalts, vielmehr zu stär- 
kerer würkung oder ebenmäfsiger abrundung des einschnei- 
denden liodahättr, der mit par impar einherschreitet, in 
gleichgegliedertem gange antreten, einleitende aufiTordernnr 
gen konnten freilich auch in der mitte wie Försk. 34 in 
^esem gange der nc^uen rede vorangehen, die würkung war 
dann, wenn man strophenganze mit einer einzelnen rhyth- 
mischen oder metrischen reihe vergleichen darf, wie für den 
iambisch stechenden vers die anakrusis die durch ihren tro- 
chäischen fall zur ruhe führte, oder wie für eine zusammen- 
gesetztere reihe die vorbereitende basis, und das undaktyti* 
sehe uniambische ende anderer. 

•Dafs sich in einer und derselben Strophe des liodabättr 
beide arten von fornyrdalag vermengten, wie Rask in sei- 
ner Verslehre aufstellte (nach der übers, von Mohnike s. 35 
— 37), wird nicht zu erweisen sein, er führt H&konannftl 
im allgemeinen dafür an, und zwei einzelne stellen aus der 
Hervörsage. in ersterem gedieht sind alle liodahättrstrophen 
1.^2. 10 — ^21 regelmäfsig; was in gleiche zeilenpaare über- 
geht sind nicht theile solcher Strophen, sondern die ganzen 
stücke 3 — 9, aus dem vorhin vermuteten gründe, die Stro- 
phen aus dem räthselllede aber (fornald. 1, 467 beide) er- 
härten dies nicht, da in ersterer der refirain es ist der an- 
fser der sonst regelmäfsigen Strophe steht, dieser refrain aber 
eben so wie sonst die bezeichnung des redenden bald in 
bald aufser dem verse steht (wie in Häkonarmäl str. 12 
vergl. mit 13. 16. 17); die letztere Strophe aber ist nicht 
zu lesen wie er abtheilt nach sieben einzelnen zeilen 



LIODHAHATTR. 105 

Göd er gdta piuy 

Gestr bündig 

geilt er peirrar; 

gengr hamar 

d glöd Binar, 

kvedr vid hätt 

ok kemr d sttja, 
so dafs die zweite Strophenhälfte in vier kurze zeilen zer- 
fiele und fremdartig eingemischt wäre, sondern 

Göd er gdta pin, \ gestr blindi 

getit er peirrar s • 

gengr hamar \ d glod Binar, 

h)idr vid hdtt ok kemr d sitja, 
wobei nur in die erste und dritte zeile eine cäsur fällt, die letzte 
aber in einem athem zu lesen ist, wie Häv. 132, 6 leipiz 
"•^^ ff^^ ^f S^^» ®^®^ Vaf[)r. 41 sitja meirr um sdttir 
iman» ein absprung innerhalb der 62n Strophe in die 
82e würde sie aufheben ; wo letztere eintritt, wird sie ganz 
eiBgefiihrt, kann aber nicht mehr als besondere abart des 
liojahättr selbst gelten, nebenformen können nur die hei- 
fsen die noch sein grnndgesetz und seinen umfang im gan- 
zen theilen; diese verdienen eine besondere beSchtung und 
nicht weniger sichtung. 



Liest man Strophen wie die aus der Herv. 5. ausgeho- 
bene so wie die ausgaben schreiben und Rask es vertei- 
digt, so entsteht eine siebenzeilige abart. solcher übervol- 
len gesetze begegnet man vielen in der Kopenh. edda, entr 
weder so dafs die dortige siebente zeile mit der sechsten 
gleich lang den zweiten reimstab erst bringt, oder so dafs 
sie selbst zwei von denen der sechsten zeile verschiedene 
Stäbe bat; die siebenzahl kommt endlich auch so zu wege 
dafs einer von beiden genannten fällen nach der dritten zeile 
eintrat, und so hat Legis fiindgr. 1, 133 als besondere Un- 
terart des liodahättr die siebenzeilige Strophe mit dem ge- 
setze gestellt dafs nach der dritten dieser sechs zeilen eine 
vierte ihr ähnliche eingeschaltet sei. 



106 LIODHAHATTR. 

Bei deutschen dichtem des mittelalters sind Strophen 
von sieben gliedern sehr gangbar, nur steht dann das letzte, 
sei es ein Lehrsatz oder fortfiihrung des gedankeas, wie eine 
zugäbe aufser der reim Verbindung, in der nordischen erschei- 
nung dieser art ist es nicht der kehrreira der die Strophe 
übrig ausdehnt, er wird entweder ebenmäTsig gemacht oder 
ganz daneben stehen gelafsen, und wird der gedanke würk- 
Uch weiter geführt oder wesentlich vervollständigt, dann trägt 
diese vermeintlich überschüfsige zeile auch einen rein, der 
auch für den rhythmus unentbehrlich war. dies letztere ist 
aber, wie sich gleich zeigt, auch ein grund gegen die sieben- 
theilung, ein verdachtgrund gegen nachzügler. nächstdem 
ist hier auch noch das unterscheidende dafs kein gedieht ganz 
in diesem um eine zeile vermehrten liodahättr fortgeht, 
wiQ dies im deutschen der fall war; die abart ist sogar sd- 
ten, z. b. in Oegisdrecka sind es von 66 Strophen vier die- 
ser art, im Hävam. von 140 Strophen neun, in VaflNrAdn. 
zwei von 55, in Fiölsv. eine von 51, in Grimnisra. zwei 
ton 53 Strophen, im S61arlio[> von 83 nur eine, solche sie- 
benzeilige müsten nach der richtigeren abtheilung als Innf- 
zeilige erscheinen, wenn der anhang würklich das rbythmi- 
sehe gesefa^ überschritte, und das ist nicht der Ml. 

a. in vielen fällen ist eine solche vorletzte kurzseile 
für sich gar nichts oder die letzte macht doch erst mit ihr 
zusammengenommen eine würkliche rhythmische reihe aus: 
dies ist einleuchtend in der doch wohl von handschriften ge- 
gebenen abtheilung in H4konarmäl, wodurch die zweite Stro- 
phe sieben zeilen erhielt, 

Braedor ßindo feir Biamar 

or hrynio farn 

kanung und gujmßtna; 

drüpäö dotgar 

enn darrar hristiwy 

upp var pä 

hitdr of haßn, 
wo die seile t^ v€tr pä störend für sinn und alliteratiM als 
eine einzelne dasteht; allenfalls liefse sich reimen uppifoTy 
aber die Wörter sind zn tief stehend um einen hanptslab tra- 
gen zu können, und zu lesen ist 



UOOHAHATTR. 107 

Broedor ßmdo peir Biamar \ or brynio fara, 

konung und gunnfdna; 

drupdo dölgar \ enn darrar hrisiiz, 

üpp var pä hildr of hafin. 
der gleiche, fall ist Hftvam. sir. 126» za lesen 

Sitiom er ßd blandat hberr er segia raedr 

ei^oi» 9Lllan hug; 

alt er betra, enn sS hrigdom at vera, 

era sd vinr ödrom^ er viU eitt sigir. 
hier wurde die vierte zeile in zwei zerlegt, wodurch die 
reime auseinander fielen, denn die tiefliegenden ödram und 
eitt kommen wenig in betracht; die zeile wird lang, aber 
nur durch diese ausfiillungen ; haupthebungen sind darum doch 
nur drei darin wie auch in einom allan hug* solch eine 
längere zeile kann auch aus der zweiten entstehen ; Grim- 
nism« Str. 29 wird nicht anders zu binden sein als 

'RSrmt ok Örmtj ok Jierlögar tvaer, 

par $kal Tkdrr vada iag kvern, er hon iämuferr 

ait a$ei Yggdrastls, pvi at As - brü bretm oll loga^ 

heilög vötn hlöa. 
nach der Scheidung in der Kop. edda ist /ar skal TMrr vada 
schon> für sich dritte zeile, und dann die einzige reimlose 
unter den sieben; die einzige siebenzeilige Strophe im So- 
larlipd 2 rerschwindet, wenn man, wie die alliteration fordert» 
die beiden letzten kurzen zeilen zusammen nimmt, 
Einn han at opt hardla 
alldri baup kann manni tU matarf 
i/tr enn mddr oo megin^lüill 
gegtr gangamU qf götu kam. 
es entsteht so eine dreistäbige zeile, aber solche sind sonst 
ungestört gelafsen, wie Oegisdr. 12 und 42 : v«i«la pu pa 
yesall hve pu yegr; was zugleich für gröfsere ausdehnung 
dieser zeile beleg ist, wie auch Ö3< 58 dieses Ueds; Bftv. 
164 4 S61. 3. 20 pa er han lagdi & vald hams f^tg''otfifi 
2i en peir hetu hanom gulä i gegm 22. 40« 45. 72 peir 
yoro [a/ßir] yilliryega; Fiölsv. 1 kttattnAeryemadaryanr 
yera. — so löst sich auch die siebenzeilig abgetheilte Stro- 
phe Fiörsk. 27 nothwendig in eine gewöhnliche auf, worin 
die uQterzeile der ersten hälfte beifsen mufa henm heimi 



108 LIODHAHATTR. 

or, snugga heljar tiL ebenso Fiölsv. 50 stbliefsl at pu ert 
äptrkominn mogr til minna sola* 

b. einigemal bindet der reim an eine schon alliterie- 
rende sechste karzzcile eine siebente, diese darf nun schon 
dieses bandes wegen nicht als eine neue überschüfsige ab- 
gesondert werden, gibt auch in den vorgekommenen fallen 
erst eine dritte hauptarse für den Untersatz, so Grimn. 44 
ist die andere hälfte 

öllom Asom \ par skal inn koma 
Aegis bekki d, Aegis drekko at* 
wo das zweite Aegü gegen die auf dem reimwort drekko 
liegende hebung bedeutend zurücktritt; ähnlich Fiörsk. 29 
und 28 

at nndr-stonom pu veräir, er pu Vit kömr^ ä pik 
Hrimni hari, d pik hotvetna stari. 
auch der reim ist gerecht selbst neben der alliteration ffir 
jede rhythmische epische zeile, so im obersatze Vafj^r. 38; 
doch konnte der reim auch wohl Ursache sein dafs man, 
wenn die ursprünglich einzelne erste halbzeile von andern 
anders gesungen wurde, diesen anderen ähnlichen ansgang 
mit aufnahm, noch näher liegt diese Vermutung für die fot* 
genden falle. 

e. sehr gewöhnlich ist von der sechsten kurzen zeile 
die siebente nur eine Variation, bald den ausdruck betreffead 
wie Fiörsk. 10 

myrkt er üti, \ mdl qued ek for fara^ 
vrig fiöll yfir. = pyria piot yfir. 
so auch Oegisdr. 13. 63. 66. Häv. 110. 114 (Run.) 149. 
152. sogar zwei solcher Variationen H4v. 136 (zweite hälfte) 
opt or skörpom belg \ skilin ord koma 
peim er hdngir med ham. 
= ok skollir med skram 
= ok vaßr med vilmögom. 
bald ist die übrige zeile bis auf ein einziges anders gewäU« 
tes wort congruent, Fiörsk. 36 (erste hälfte) 
ödri drykkia \ fa pu Mregi 
maer qf pinofn munom. 
=t maer af minom munom.. 
ein wiederholender sänger fand wahrscheinlich die dreista* 



LIODHAHATTR. 109 

bige zeile noch befser die ihm aas der str. 26 wieder in den 
köpf kam. völlig unbedeutend ist und darum sicher nicht 
ursprünglich eingeführt die abwechselung ebenda io mitte der 
nennzeib'gen str. 30 

Ul HrimpMirsa hallar \ pu skalt hverian dag 
krdnga kosfalaus» 
= krdnga kostavön» 
der art auch Här. 1. 106.^ 145. 158 und die tautologische 
schlufszeile von Oegisdr. 63. an keiner dieser stellen über- 
haupt ist angemerkt dafs eine oder die andere handschrifl 
die nachhinkenden übrigen zeilen nicht hätte ; es mögen also, 
was bei so alter langer Überlieferung sicher leicht möglich 
war, früh mit vielem singen durch unfertige sänger eingedrnn- 
gene dacapos sein, welche die Schreiber nicht auszufinden 
wiisten. dafür liefse sich anführen dafs in dem spätesten 
am wenigsten gewiss vor dem auEzeichnen gesungenem Sö- 
larlioi unter 83 Strophen keine einzige eine solche Variation 
kennt; besonders aber endlich die folgende thatsache« 

d. znweiten sind die zusätzlichen zeilen würklich erst 
ans dem rande oder aus einer einzelneu handschrifl gegen die 
übrigen aufgenommen worden, anfanglich nur beigeschrieben 
war nach den herausgebern der Kop. edda 3, 127 die letzte 
zeile von str. 137 (zweite h.) 

gest pu ni %eyia \ nä d grind ki*aekir 
get [— g-fnV] pu yalopom ve/. 
\^eir muno likn per lesa'\ 
der zusätzliche grund ii prosperitatem tibi precabuntur, den 
Finn Magnussen schön findet, ist zugleich gegen den sonst 
im heidnischen Hävamäl herschenden ton. sogar zwei über- 
schüfsige Zeilen, welche beide Variationen der letzten zeile 
sind, haben einige hss. yaf[>rud. str. 41, die darin unrich- 
tig vom cod. reg. abweichen, der sie nicht kennt. 

Ähnlich mag es mit der müfsigen anrede Vaf[ir. 42 in 
der letzten zeile stehen, und der zusatz Oeg. 55 dürfte blofs 
glosse zu der vorangehenden dichterischen Umschreibung sein, 
dieselbe annähme eines erklärenden Zusatzes durch fahrende 
Sänger — denn die hss. schwanken hier schon nicht mehr — 
liegt nahe Gröug. 10, wo die gerechte letzte unterzeile ok 
stöckr pd Ids af limom noch die leichtere Wendung nach sich 



110 LIODHAHATTR. 

bat en mf f6tom fiotur^ durch welches letzte wort das duaklc 
IA$ verdeutlicht wird. 

e. unrerfatigliches Verhältnisses zum äbrigeii texte aad 
mit dem gesetz des liodahättr unvereiobar ist nur die sie- 
benzeilige Strophe Vaf^r. 38, die wärklicb fiinf völlige Zei- 
len statt vieren gibt, 

Segpu pat it iionda^ \ alz pu tiva rök 

oll Yafprüänir \itir: 

hvaäan Ntörär um kom med Asa sonom? 

hq/bm ok hörgom \ kann raedr hynn mörgam [ktmp' 

mörgomji 

ok vardat kann Asom dilinn. 
kaum wird man sagen können dafs das unbetonte um eines 
Stab trage zu Asom^ die zeile entbehrt des reimes auf den 
haupthebungen, ist aber doch im zusammenhange unverdidH 
tig. dennoch erbringen auch solche nicht die.nothwendigkttt 
eine fiin&eilige, nach alter setznng siebenzeilige, Strophe an- 
zunehmen, denn einmal steht fest dafs der liodahftttr aoeh 
nur einmal drei glieder haben kann, so wie dtds er sie drei- 
mal hat, und fürs andere fehlt es nicht an zeilen die ohne 
kehrsätze zu sein, wie im Hervors., ganz aufserhalb der 
verse stehn, mögen sie nun alliterieren oder rein ungebun- 
den sein ; so Oegisdr. 55 und 54 der beschreibende Zwischen- 
satz kann tök vid homi ok dracc qf ok quad. *->- nur in 
den reinen sprucbgedichten finden sich solche Unterbrechun- 
gen naturlich nicht. 

Nach allem bisherigen läfst sich die siebenzahl der glie- 
der für diesen vers nicht erhärten; meist ist die fünfte zeile, 
die nach richtiger theilung dieser glieder auf vier zeilen übrig 
bliebe, am gedanken was ein fünftes rad am wagen $ die un- 
verdächtigen Zusätze aber bilden nur eine längere vierte 
zeile, verschieden von der vielleicht nicht längeren dritten 
durch die fehlende cäsur, zuweilen wie Oegisdr. 64 AI- 
vism. 35 zum abschlufs des ganzen liedes ausgehalten. 



Dazu kommt auch eine abweicbung nach der entgegen- 
gesetzten Seite, in einigen gedicbten wo liodahftttr herscht, 
und zwar schon in der edda, erscheinen auch nur fiinfiBeilige 



LIODHAHATTR. 111 

Strophen, die zwar naeh der hier befolgten abtbeiloDg noch 
vier Zeilen geben würden, aber mit dem wesentUchen man- 
gel dafs die erste oder dritte nicht zweigliederig wäre, wie 
Vaf{ir. 29 gegenwärtig aaflritt, 
Orofi veira 

äper veri törd scöpud 
pd var Bergeimer borinn. 
Thrudgetmer var pess faier 
enn Attrgelmer afi. 
hier wäre aber die vorletzte zeile naeh der sonstigen weise 
in zwei zeilen zu trennen gewesen ; sie bildet würklich eine 
gerechte langzeile mit cäsar nach Thrudgebnery worin pes»^ 
noch ungeschwächtes demonstrativam, den Stab trägt (wie 
Volusp. 15). ganz analog nämlich besteht ein solches henii- 
slich des obersatzes würklich nur aus einem dreisilbigen 
Worte fornald. 1, 326 istirdai nicht anders ist H^v. 157 
v4gi dy und ans drei einsilbigen mit zwei hebongen besteht 
dieser theil oft. sind namen im spiele so treten die hebungen 
noch enger zusammen, wie Grimn. 33 

Hirtir eru ok fimrir, \ peirs af haefingar d 

gag-Jialsir gnaga: 

Ddinn \ ok DväHnn, 

tiwieyrr ok Dura-'pror, 
worin der zweite obersatz nicht aufTäUigere gliederting hat 
als der onaogefocbtene Häv. str. 76 deyr fe^ deyja fraendr. 
derselben art ist HAv. 146 

Odinn med äsom^ \ en ßir klfom Damn, 

J)yalinn ok ivergomjur; 

Äsvidr I iötnumjtir: 

ek reist sialfr sumar, 
nur eine Strophe kam mir vor auf die solche abtheilung kaum 
anwendbar ist, Försk. 12, wo die erklärer nur nach vermu* 
tung auszufüllen wifsen : hier stehe eine die wenigstens den 
gegebenen wage hält, die Überschrift ^rc/tr quad kann wohl 
die erste zeile ausgemacht haben, wenn ursprünglich wie 
kurz Yorhet Jeriirdtr gestanden hätte, die alliteration wäre 
wie in Häv« str. 80, und auch in die sechszeilige Strophe 
wird die angäbe wem die rede angehört mit verwebt, wie im 
Häkonarmäl öfters. 



112 LIODHAHATTR. 

Auch solche gestaltungen bleiben also wie die unter 4 
angeführten unverkümmerte, nur selten etwas freiere, aus- 
fiihrungen des liodabättrgesetzes, auf&Uend nur durch die 
im nordischen wie schon im niederdeutschen gröGsere aos- 
dehnbarkeit der thesen und nebenarsen, aber ohne deshalb 
den namen einer abart oder nebenform zu verdienen, auch 
die unter 3 angeführten abweichungen dürfen ihn schwer- 
lich in ansprach nehmen; sie beruhen auf ^Lnzlichem ver- 
lafsen dieser art und auf absichtlicher rückkehr zu der ganz 
anders mefsenden und wnrkenden ach tzeiligen aber gleich- 
gegliederten art des fornyrdalags. davon verschieden ist eiie 
an nmfang gleiche aber im Innern bau dem liodahAttr ange- 
passte Strophenart, die noch zu berühren ist. 

Eigenthümlich ist der gnomischen Strophe das verhält* 
nis ihrer jedesmaligen theile wie zwei zu eins, und za d^ 
alliteration die zweistäbigkeit dieses einen untergliedes we- 
nigstens gewöhnlich, das hauptgesetz könnte nun auch so 
zur erscheinung kommen dafs auf zwei epische langzeilen 
eine solche folgte, wodurch der doppelte umfang entstünde, 
dies liegt würkUch einmal Häv. 148 so vor, wo nach einem 
gewöhnlichen halben liodahättr von drei zeilen noch sechs 
i^olche kurze oder drei epische langzeilen folgen, doch ge* 
rade diese Strophe leidet auch an grofser dunkelheit nach 
ihrem inhalte, und so möchte sie durch die übereinstnnmung 
der ja so jungen hss. nicht hinlänglich sicher sein um 
darauf etwas zu bauen. . . 

Eine würkliche abart des liodahättr ist diejenige bisher 
achtzeilige Strophe welche diesen umfang durch gleichmi- 
fsige einsetzung der dieser art eigen thümlichen zweistabigra 
kurzen zeile erhalten hat. es ist nun vielfach erhärtet dafs 
das grundgesetz der Strophe sich in schon drei alten zeUea 
ausprägt und deren Wiederholung zwar gewöhnlich aber nicht 
nothwendig ist, dafs es drei-, sechs- und neüngliederige verse 
geben kann, desto eher konnten ein paar kurze Zeilen da- 
zu oder dazwischen treten, eine copula die im mhd. leiche, 
in den kürzeren Strophen selbst so oft begegnet, die ver^ 



UODHAHATTR. HS 

bindnng zweier solcher zeilen zu einer einzigen sträubt sith 
sobald jede ihre Stabe hat : so entsteht eine sechszeilige ab- 
art, durch eine zweizeilige copula in der mitte oder am ende, 
wie Brynh. 36 

pat raed ek per ip iiunda | at pu iritir aUbregi 

varam yarg^drapa, . 

hvarg pd er hrödr^hani, 
edr haßr pü teldan (ödr. 

\ilfr er i \ ibigom sym\ 

p6 s^ hon gulli gladdr. 
ebenso Fiörsk. 31 

med ^ursi \rih'6ßtudom \ }fü skaltae nara, 

ed verlaus \era. 
pitt ged gripi 
pic mom momt; 

ver&i sem \istill \ sä er ^runginn var 

i 9Lunn ofanverda. 
der art ist noch H4v. str. 140, ähnlich Helgaqu. Hadd. 26; 
eine nachgesetzte copula scheint mir in Hftv. 159 (Run. cap.) 
zn liegen 

pat kann ek ip ellista \ ef ek skal til orrosto 

leidn \angvini 

undir vandir ek gel \ en peir med tiki fara 

heiär hilda^ til 

heilir hildijrd 
. koma peir heillir hvadän- 
so auch Oegisdr. 23 wo die vorietzte zeile nach einer hs. 
zu lesen ist. und nach str. 33 ok, hefir pu par böm of bo^ 
rit. in derselben weise ist Yafpr. 41 vermehrt durch spä- 
tere hss. unter diesen fall gehören denn auch die wieder- 
holten kehrsätze die in Heidreks gedspeki «o oft den ge- 
wöhnlichen Strophen nachgesetzt sind, Heidrekr konungr 
hygg pd at gdtu, vielleicht ist auch noch der dritte mög- 
liche fall als nebenart des liodahättr zu bezeichnen, däfs die 
sechszeilige, nach den ausgaben achtzeilige, Strophe bewurkt 
wird durch eine nach einem jeden dritten gliede eingesetzte 
reihe von vier Stäben, Brynh. 18 

a//ar voro sif-ska/har \paer er varo k-ristnar 

ok hverfdar vid inn lie^ miöd, 
Z. F. D. A. III. 8 



114 LIODHAHATTR. 

ok sendar a \ida vego; 

paer ro meä Asam \ paer t*o mod Affam^ 

sumar med visom Vönam, 

sumar hafa menzkir menn, 
in dieser weise wobi auch Fiörsk. 34. käme diese» bau non 
auch öfterer vor als es wiirklich der fall ist, so wörde dar- 
aus doch nicht die folge zu machen sein auf giltigkeit der 
unter n» 4 bestrittenen ninfzeiligeUf nach den aasgaben sie- 
benzeiligen, Strophe^ hier wird die gleichmäfsige ein auch 
sonst vorkommendes ganzes bildende gliederung dureb unver- 
dächtige gedankenverbindung geschlitzt, und, was wohl einen 
unterschied macht, diese Strophe zeigt sich besonders in den 
meist erzählenden einleitungen oder schliefsungen zu den 
lehrhaften ganzen. 

Endlich ist auch noch einer erweiterung der einfachen 
dreigliederigen Strophe zu gedenken, worin nach dem dritten 
gliede mehr als zwei eben so kurz abbrechender Zeilen ohne 
rückkehr zum ursprünglichen bau zu einer Strophe zusam- 
men gesetzt werden, das einfachste beispiel dieser art ist 

HAv. 18 

pat er pa veynt^ \ er pü al vunom spyrr 

enom Tegin-kunnorn^ 

peim er gördo gmregtn^ 

ok fddi {imbvl - pulr : 

JM^ heßr hau bezt ef hon ^egir. 
nimmt man hier peim er gördo — pulr zusammen, so ergibl 
sich zwar die vierzeilige strophe in der ausdebnang wie sie 
sonst ist, .aber nicht in ihrem ineinandergreifenden bau, die 
Zeilen fallen auseinander, unter diesen ist auch die letxte 
wie das ganze zerbröckelnd, einmal, Eäv. str. 139, besieht 
eine solche unordentlich gefügte Strophe diesem letztem theik 
nach aus unerträglichen tautologien, die zu gutem ^öck aaek 
schon in den handschriften eingeklammert sind, wie uns die 
berausgeber, welche die mannigfaltigkeit loben, verratbeo. 
unverdächtig ist dieselbe zerStückelung in Brynh. 14 ge- 
braucht 
I 

d htargi stod ) med brmts eggiar 
hafdi ser d hößti hialm. 
pd maelti Mimü höfidd 



UODHAHATTR. 115 

(rödlict ip tyrsta ord 
ok sagdi^ sanna stqfi. 
so aaeb Helg. Hadd. 28. noch mehr zerfliefst das ganze 
wo das gesetz. des dritten gliedes sich nicht drei mal wie 
hier» sondern vier fünf mal wiederholt, ersteres Hftv. 145 
(vorwort zu Rune cap.) 

ränar muntu ßnna \ ok vddna ^tqß 
mök aiöra siafi; 
mi'ök siinna stqfi^ 
er iddi iimbulpulr 
ok giördo ginn regfn, 
ok reist hroptir vögna. 
und Brynh. 19 (im nachwort) 

ptU ero bökrunar | pat ero hiargrunar^ 
ok eJlar ölrunar, 

ok maetar meginrunar; 
kveim er paer knd 
Militär ok öspilltar 
ser at heillom hqfa. 
niottu ef pü namt 
unz riufaz vegin. 
statt kveim vermute ich zur herstellung der alliteration pei^. 
oder liefse sich das zerfiülen des baues abwehren durch zu- 
sammennehmung dieser zeiie mit övilltar u. s. w. zu einem 
neuen obersatze, wozu ser — hafa Untersatz wäre, so dafs 
eine Strophe entstünde wie die vorhin angeführte Brynh. 18, 
nur gröfserer zweiter copula? 

Man darf auch nicht verschweigen dafs öfters im besten 
liödahättr ein drittes glied zweimalige alliteration hat, z. b. 
Häv. 12 yaerom p6 y er dir %agns JrA godom. so liefse sich 
in der eben genannten Strophe das ende niottu — : regin zu 
etaer zeiie verbinden, so dafs die form ganz wie Brynh. 18 
wäre. 

pat ero bökrunar \ pat ero biargrunar 
ok allar ölrunar, 

ok maetar meginrunar, 
kveim er paer knä övilltar | ok ospilltar 
ser at heillom hafa. 
niottu ef pu namt. uns riufaz regin. 

8* 



116 LIODHAHATTR. 

wollte jemand auch diese erweiterangen, deren manche ans 
bekannten formeln zusammen getragen sind, auf rechnung 
einer späteren schon freier nachsingenden zeit da das tihr 
rende volk überhand nahm, nicht als ursprüngliche, setzen, so 
käme das ansehn der jetzigen für die eddalieder so jangen 
handschriften nicht auf. 

Überhaupt zeigt sich die bestimmte einfachheit des alten 
reinen liodahättr besonders geeignet für anfange der kridk 
eddischer lieder, und seine beachtung wird auch für geschiebte 
der nordischen poesie erstes bedürfnis sein, wenn diese ihre 
gegenstände nicht mehr blofs nach dem Stoffe aus mytholo- 
gie Sittenweisheit und heldensage, sondern nach der Innern 
dem inhalt immer weniger fiiefsend gegebenen form anord- 
nen und beurtheilen will, denn was im mittelalter nnter ly- 
rischer form steht ist es doch zuletzt was sich aach immer- 
mehr im liodahättr befestigt hat. 

Nach dem allen l)eurtheilt sich auch schliefslich die noch 
bei Legis wiederkehrende annähme, aus diesem versmafse 
habe sich das drottquaedi entwickelt, dessen ursprüngfieh 
epische art unverkennbar ist. dagegen sind mehrere berüb- 
rangspunkte der einfachen und einer ausgedehnteren form 
mit dem mhd. leiche in seinen kürzeren gestalten nachge- 
wiesen, dessen fireiere entwickelung im nordischen die ton- 
angebenden hofdichter mögen verhindert haben. 

MARBURG. DR DIETRIGH. 



ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

(bd. 2 s. 204 ff.) 

Anfinerksamkeit erregt ihr alter und ihre heimat. "dafs 
sie nicht völlig thüringischem boden entsprofsen sind verntk 
der abschreiber wo er die glosse unverstanden lierob^ 
nimmt; formen wie das entstellte huuelspcepersa, plortle 
wie die dunkeln lebdaeloccas, wisphas, limas (dies letztere 
ist s. 206 sicher statt limus dem deutschen zuzusprechen), 
endlich ausdrücke wie faihem ulnus, limas glieder, linm 
muskeln (englisch yi7fAo?7t ulna, orgya, /m6 membrum, ags. 
scanclira sura) weisen auf nachbarschaft mit den gegenden 



Zu DEN ERFURTER GLOSSEN. 117 

die von den Angelsachsen veriafsen worden waren« ein (Hh 
herer mehr hochdeutsch redender Schreiber mag sich erlaobt 
haben in den ihm noch deutlichen Wörtern die altsächsischen 
formen nach seinem munde, was wenige diphthonge traf, 
umzufärben. 

Dies zu bestätigen, und was der letzte abschreiber oder 
auch schon ein früherer verunstaltet oder für uns unkennt* 
lieh gemacht hat theilweise wieder herzustellen, ist die ab-- 
Schrift derselben glossen welche hr professor K. F. Her-, 
mann in dem Marburger prorectoratsprogramme vom j. 1841 
ans einer hiesigen handschrift mitgetheilt hat auch durch 
die textesverbeFserungen dieses gelehrten wichtig, einever- 
gleichnng beider exemplare zeigt dafs auch der hessische 
mönch des 13n jh. nicht, wie ein früherer mag gethan ha- 
ben, für seine zeit die deutschen glossen etwa ganz ummo- 
delte, und dafs selbst dieser Vorgänger dem hochdeutschen 
nur. geringen einfiufs gestattete, aber einen dem thüringi-^ 
sehen verwandten codex mufs gehabt haben, da bei aller 
ähnlichkeit doch nicht unmittelbar der Erfurter aus dem 1!^ 
jh. dem hessischen kann zur abschrift vorgelegen haben. 

Da das genannte programm eben so wie ein früheres 
von 1838, welches den Marburger codex selbst beschreibt, 
nicht allen lesern dieser Zeitschrift die an diesem gegen- 
stände antheil nehmen zur band sein möchte, stehe hier eine 
vergleichungp^ wobei die handschrift wieder eingesehen und 
einiges zur aufhellung der dunkleren Wörter über die beide 
rathlos lafsen bemerkt ist. 

Das nahe Verhältnis beider glossenüberlieferungen zeigt 
der gleiche anfang, coloni locatum cigrum colunt id est an' 
deres lani eezän nach der Erfurter, wobei die glosse nur 
übergeschrieben ist in der Marburger, und derselbe schlufs 
in beiden, stomachus graecum est et interpretatur os et 
subauditur ventrü M. auch die summe des inhalts, der, wie 
Hermann nachgewiesen hat, aus Isidorus origg. 9, 4 bia 
zum schlufs und wo die gliedernamen anfangen aus 11, 1 
auszugsweise entlehnt ist, stimmt im ganzen in beiden über- 
ein, auch gleiche Unrichtigkeiten im lateinischen, scemmata 
St. stemmata E s. 205, calus st. glos ebenda» canni st. 
canini s. 20d, arpina st. arvina, gleiche dunkelheiten im 



118 ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

deatscben, z. b« tautonibus ouerE S.2O69 M nur ohne leeren 
ranin danach, und gleich darauf beide conas ougan und ge- 
gen das ende viscera vitalia hoc est hartumefhere E 
8. 207, viscera vitalia hoc est hart in nethre M. nur hat 
E einiges mehr, namentlich die vier glossen inbuirthiehj 
vhaSf lichhoTy ein schorenlach hat M nicht, welche dage- 
gen vollständiger nach rumen wasejid, nach subUngüim thmi 
für eadem et sub — eadem et subhirci hat, wo E leere räu- 
me hat, und noch s. 206 nach liquando nece mehr gibt et 
liquamen necethe. M hat auch einiges befsere, am eade 
der Verwandtschaftsnamen lanitrices duorum Jratmm uxoresj 
im anfang der gliedemamen papilla a pauiditate*, ^uiderenud 
auch fehler, wie Jeror st. soror, concubitus st. cubitus^ 

Es wäre wünschenswerth näheres über den nrspraag 
des Erfurter codex zu erfahren» dem Marburger ist vorge- 
setzt S. Marie virginis de Aulesbvrg^ dieses seiner läge 
nach jetzt gänzlich unbekannte oistercienserkloster war um 
1141 von fioppo dem In grafen von Heichenbach gestiftet, 
schon 1215 aJier nach dem näher an der Eder als der Ldm 
gelegenen kloster Hayna verlegt worden, wo. die manche 
sich noch eine Zeitlang de Aulesburg schrieben« in der 
handschrift geht unmittelbar vor unsern glossen ein ostera- 
verzeichnis vorher über den cyclus von 1125 bis 1100« 

Die wichtigeren Verschiedenheiten des Marb« ood., wo- 
bei einige fehler im schreiben lat. Wörter übergangen aiad, 
bestehen in folgendem, in z« 3 vom anfang hat burgseno 
E, bvrgsezan M, tmgelazin urigelazins sun^ geurieikat 
E, Jrigelassan, ßngelacen** san, gefriethatM. ein hont' 
gengo E, tu hant gegan M. die vier nächsten glossea 
lauten ttader mage, müder mage^ maihe (unleserlich) gt- 
landen^ mämen sun in Mf, und zwar an denselben steiles 
als in E $ endlich statt huuelspcepersa^ heimuroutta B heibt 

* [? — ao8 Isid. 11, 1, 37 voeatur autetn pujnUa piod Hi purä 
et impolluta, nt sunt pueUae scheint mir zu folgen dafs 206, 3 Brf* 
zu lesen ist puptlla a puritate dicta. eadem et pupula. Hpl.] 

nach Hermann /rigelaten. in der hs. ist eun undeutlich etwas 
hSher geschrieben. 

f so las Hermann, wie es denn auch das entsppechende materk- 
rae JUii erfordert, die hs, scheint mudren sun, das depravierte, tn ge- 
hen, wie B. 



ZD DEN ERFURTER GLOSSEN. 11» 

es huuil scoperae, heimfrouua M. die vorhergehende reihe 
lautet Arroho datur pro caniugio dicta quasi arra bona et 
dos pronuha et paraffimpha. 

Die femern glossen zu den gliedernamen sind genaa 
bei denselben lateinischen Wörtern folgende hotuedhar* lanc^ 

e 

lebde loccas. wiffas (vielleicht wifsas). theneben.- gedana. 
ouer. ougan. kinneben, orlappa. the mannes gethunge^ 
uiniatkren. uuasend. thungan. ellenbogo vel elen. fathem. 

seeundum quosdam elen, nam graeci u. s.w. lenden. oslen» 
nagata, burstlappa, burstbein, warza, spune, darüberste- 
hend ei aliquando nece, im text folgt et liquamen nezethe, 
orspinna et est illud durum in aure. lira (1. dicta Herrn.). 
lidera et aliquando limus (wahrscheinlich limas?). yertibula 
wirfbein, gescoldera, totum interscapilium medietas. pale 
seolderen, räkebein, rukelende, lendenbein. lenden. hufi- 
bem. lanca, gofen, uuerß)ran, hammen* scinkan, scina. 
Moeh. enkel, beuillet ßesc, rinblood siue giltistr, iharma, 
hart in nethre. scood. Uran, senuliran, leueriu lapa, M. 

Offenbar hat der Vorgänger des hessischen absehreibers 
mehr niederdeutsches bewahrt in den wortformen als der des 
erfurtischen, beide bringen uns ungefähr gleich viel' unver- 
standenes, in diesem aber wieder hat der Erfurter als der 
entferntere, obwohl früher abschreibend, doch gröbere ent- 
stellnngen. zumeist in der für paranympha voi^efundenen 
Übersetzung huuelspcepersa, wobei das humlscoperse in M 
zum Verständnis hilft, unter der mehrfach erforderlich ge- 
wesenen Voraussetzung eines altsächsischen Originals, die 
endung -ersa ist bekanntlich im alts. vollkommen gerecht 
der hd. -erin entsprechend; das erste wort der Zusammen- 
setzung mufs also huuil sein, ein deminntivnm von hübe, 
was sächsisch käve lautete 'mitriola hubeV Diut. 3, 148. da 
aber für den zweiten theil das mhd. «c^At^^^/e;^ unpassend ist, 
ein alts. sköpan aber nicht vorkommt, e und t ferner über- 
aus oft verwechselt worden sind, wie auch hier in scemmata 
und umgekehrt in thioth femur, so zweifele ich nicht dafs in 
anserem sehr vergilbten codex oder in dessen orginale hur 
uilstopersa gestanden hat. stöpan ist von Lachmann zum 
Hildebrandsliede für das alts. hinlänglich festgestellt, das 



120 ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

nordische zeigt auch die bedeutung auf in der das etwas ver- 
schiedene stopan hier genommen ist. es gehört als ablei- 
tang dritter stufe zu stiopan (woher ftoi{/ii cautes, mpes 
Diät. 2, 17 in den keron. gl.), wovon als verbura wenigstens 
das schwache nord. steypa erhalten ist in der bedeutimg von 
überstürzen, meist medial erscheinend für prolabi, Sn. edda 
1, 669 und für obducere sibi, sich einen theil der röstung 
oder ein kleid überstürzen; letzteres; z. b. Fridl»i(0&. c. 11 
steypti kuflshöttnum und steypti afser kuflinum ebenda, auch 
im deutschen gilt überstürzen namentlich für kopfbedeckun- 
gen; über schleier stur» und unte eifert Seb. Brant narr. 
8. 90 Stroh, für das gefundene wort spricht die sache. das 
haubeaufsetzen gehörte von jeher zu den rechten und form- 
liebkeiten der Vermählungsfeiern, nach 6rimm.reehtsalt.443. 
dafs es aber gerade geschäft der brautjungfrauen einmal ge- 
wesen wäre müste belegt werden, die Hessen beobaehtea 
z. b. im Rothenburgischen die nur nicht ganz dahin stim- 
mende sitte dafs der braut nach der trauung von den -schon 
verheirateten freundinnen die haube mit gewalt gegen die 
eigentlichen brautjungfern übergestürzt wird, wogegen den 
letztem eine Verteidigung obliegt dafs die braut nicht *ge- 
petzelt^ werde, die dann, wenn ihr statt des kranzes die 
'petzel' aufgethan ist, den Überwinderinnen wie den scbntze- 
rinnen etwas zu gute thun mufs. danach möchte ein k4bä' 
stopersa mehr Übersetzung von pronuba als von paroMgm- 
pha sein. 

Unter den glossen für die gliedernamen fällt zunächst 
am meisten auf cirri. id est lebdaeloccas £, cirri mit dem 
darüber geschriebenen t. lebde loccas M. schwerlich eise 
Zusammensetzung; schon loccas entspricht den cirris völlig, 
'cyrros hccha Diut. 2, 340. auch das erste wird pl. sein, 
wie nachher artus lithe, ist d richtig, so kann es sehr wM 
ableitung heifsen, der übrigbleibende stamm aber findet. sieb 
würklich im nord. wahrscheinlich aus ableitung mit j ent- 
standenen leppr haar, z. b. vom pferde ok tök ek einu lepp 
wr toßli kons fornald. 1, 331. die alts. form käme dem in 
der bedeutung so ähnlichen X6q)og (haarbusch, besonders 
diß aus pferdehaaren bestehende helmzierde) und dem koifia 
(mahne und gemahnter hals) in den lauten näher als jene 



zu DES ERFURTER GLOSSEN. 121 

nordische form, woneben lopi (ein stück, ein flocken wolle) 
völlig zu der bedeutang des vom glossator zu cirri vergli- 
chenen griechischen wertes fjicdXog (wollenflocke, locke, 
haarzopf, auch engl, lock dasselbe) stimmen würde, der form 
nach aber mehr zum lat. loba culmus. 

Das unmittelbar folgende zu crtnes gestellte, aber gleich 
donkle witphas E bewahrt deutlich eine niederdeutsche aus- 
spräche; wie es letfe ist für das hochd. lefse. die unver- 
setzte form hat der Marb. cod., wifsas, wie wahrscheinlich 
statt w{ffas zu lesen ist. die Erfurter. Schreibung fordert 
auf zu einem versuch dies wort im angegebenen sinne zu 
rechtfertigen, da Isidor bemerkt crines proptie mulierum 
sunt und seine etymologie quod vittis discemuntur dicii 
vom deutschen glossator aufgenommen ist, so scheint auch 
dieser ein diesem ältesten gebrauche und Ursprünge entspre- 
chendes Wort gesucht und an die mit bände^m durchflochte- 
neazöffe seiner landsmänninnen gedacht zu haben, wie sie 
jn einzelnen hessischen und oberdeutschen gegenden noch 
von den töchtern des landes getragen werden, im englischen 
l»edeutet <wejt aufser gewebe auch zopf, locke, die alts. 
form wäre aber abgeleitet wie felisa saxa Diut. 1, 272 ne- 
ben ßall nord. dasselbe, oder wie lefse neben mhd. l^ 
lippe Diut. S, 291. 

Bei vultus gedena hat E schwerlich eine richtige form, 
die ich vielmehr in dem gedana in M finde, obschon auch 
da über das a der wurzel ein e übergeschrieben ist, viel- 
leicht weil das schon seltenere wort, nicht ganz bestimmt 
geschrieben, die letztere lesuug begünstigte, denn in einem 
St Flor. cod. des 12n jh. Diut. 3, 147 sithifacies getai^ 
und noch entsprechender in dem aus dem 13n jh. stammen* 
den alts. vocabular species gedane Diut. 2, 229, so dafs der 
um&ng dieser ableitung etwa so weit als ildog gegangen sein 
mag, <d)wohl anders als. dies und als species abstammend; 
während getät besonders in der Zusammensetzung han^e^ 
tat bekanntlich auch geschöpf bedeutete. 

Woraus Tautonibus ouer und conas ougan entstanden, 
woher dann thes marmes gethunche zu canini dentes ver- 
sprengt sei, da zu linguam M schon thmgan hat, erräth 
vielleicht ein anderer. 



i22 ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

Nach ulnus secundfim quosdam fathem empfiehlt sich 
die abtheilmig vbl M, secundum quosdam elen Nam Greei 
u. 8. w., durch den isidorischen text so wie durch die ge* 
läufigkeit des ulnus elin Diät. 1, 531. 

Arpina (arvind) spunnä et liquando nece B : richtifi^ 
and mit einem weitern zusatze gibt M spune, dtrober et 
aliquando nece, im text et liquamen necetke. das spune 
wird nicht etwa zu dem gleich vorbeigehenden ubera zo 
ziehen sein, denn mit einer für das Verhältnis von necetke 
zn nece bemerkenswerthen abieitung zeigt sich Jona spintun 
de adipibus Diut. 1, 491 und adeps spinth 3, 418. arvma 
spint altd. hl. 2, 196. die andere glosse meint sieheiüch 
eigentlich die fetthaut, das netz über den gedärmen, woraus 
zumeist der schmer bereitet wird; genauer wäre, wie sieh 
auch sonst findet, nezzismero reticulum, Diut. 2, 44. 3, 423« 
wäre in dem folgenden pulpa orspinna et est illud durum 
in aure. lira quod pahpitor E, — Ura quod palpiM M, 
dieses /tra, wofür Hermann dicta vermutete, vielleicht noch 
deutsch zu pulpa wie in scoodlira und senuKra? 

Dafs bei artus Udera M statt des nrsprnnglieheii Wke 
Erf. (pl.) schon ein neutrum zu gründe liege, dafür 'seheiBt 
zu sprechen die glosse artus lider Diut. 3, 148. für den 
pl. Umas aber spricht das nord. und ags. lim glied. 

Unter den letzten verschieden überlieferten glossen steht 
auch viscum quod est rindblood siue btllistr s. 207 Elf*, 
rinblood siue gillistr M, wo in beiden fällen letzteres das 
ursprünglich geschriebene sein wird, zu dem gilstr findet 
sich bei Graff nichts ähnliches, denn gelstar goth. gilHra 
(sacrificium, vectigal) gehört zu gildan und gils (cerebrum) 
stimmt in der bedeutung zu wenig, da die mundart der hs. 
M auch Versetzungen wie burst aufweist, so zweifele ich 
nicht däfs das dunkle wort in dem engl, glit, nach Bailey 
mit eiter vermischtes blut bedeutend, wiedergefunden sei. 
es müste nur ans der früheren spräche belegt werden, ob 
die form gleet^ wofür nach Richardson von Sktnner gUU 
mit der Übersetzung ichor gegeben wurde, echt sei, nm eia 
verbum gliotan wahrscheinlich zu machen, die sich zu dem 
durch lat. gluten vorausgesetzten gluo verhalten würde z. b. 
yfießiotan zu fluoy wonach das sächs. glit fär gfyt stunde. 



zu DBN ERFURTER GLOSSEN. 123 

Endlich in hartinnethere (viscera vitaiia) E dürfte kein 
fehler anzunehmen sein, da fasl ganz so M hat hart in ne- 
thre und die stelle Isidors diese ist item viscera vitaiia id 
est circumfiisa (oder oircumßua) cordis loca. wenigstens ob 
der erste theil der znsammensetzung hert'(herxa) ist, wage 
ich nicht zu entscheiden; der zweite aber ist wegen des 
gewöhnlichen irmodi viscera nicht anzutasten, denn es findet 
sich gerade so hochdeutsch viscera inedre Diut. 3, 239. 
MARBURG. DR DIETRICH. 



BIBLISCHE GLOSSEN ZU ENGELBERG 

UND RHEINAU. 

Diut. 3, 422 — 432 werden aus der Engelberger band* 
Schrift I. yi] 'altdeutsche glossen in einem lateinischen com- 
mentar zur bibel' mitgetheilt. ich bemerke hierzu folgendes. 

1* die handschrift, eine erst im i2n jh. gefertigte copie 
eines ich weifs nichiwie viel älteren Originals, enthält eine 
fortlaufende Worterklärung zu den biblischen Schriften der 
die eomtnentare des h. Hieronymus zum gründe liegen, die 
erklärenden werte sind theils lateinisch, theils deutsch, die 
letzteren stehen zwar über den zeilen, dennoch gehören sie 
von Tom herein und wesentlich zur ganzen arbeit: in den 
meisten fällen ist das deutsche wort die einzige erklärung 
des darunterstehenden lateinischen, z. b. 
i'^t^*^ ßgono. obelei wisode. 
Bfaasae caricarum. Benedictionem. Infasciculo uiuentium. 

inoongregatione. 
sußx>di» tmseßi. 

Singultum. Scrupulum. Sciphnm. in quo manus lauantnr. 
ndchin ist der commentar eben so wohl ein deutscher als 
ein lateinischer zu nennen> 

2. Graffs abdruck ist weder genau noch vollständig! 
Worte die er gänzlich übersehen hat sind Collidebantnr 
spumten (oder spuritten). fnrfnmptirpurpheUola* Cydft* 
rim hout. Unus sumiwelcher. Inscriptio capitan. 

Scribendi capitalunga. Titulus capitulan. Desursum 

huf. Ederam ebde. 



124 BNGBLBER6ER GLOSSEN. 

Folgende aber hat er anders gelesen oder geschrieben^ als 
wärklich in der handschrift steht. 

Subula siula: Gr. 422 siäla Retorta gizwimeiesMi 

g^ixvvimotemo Fricatur gesotanwiri: 423 gisotan vwi 
Papnlarum ancheveza: anchwexa* Hemiosus holoe- 
ther : hohther Contencbrati ptoumata : ptoumeta 

Percrepruisset marivvurda: 424 /Vocrepnisset, man 
vourda Coccum bis tinctum zvvirgizatophelloi s^ zvtirgt- 
rato phellol Perendie ubergene: ubermorgene Fi- 

stuias nuosca: 425. »ao^ca Bubule carnis vvüttmes 

(vvisitines) ßeüces Sorbiciunculas sufinostU: siffimuh 

sili Gratuita firezebin: firgebin Ana^ifa manUba: 

manliha Rubigo milttou: militou Slcomoros wiUi 

vvihcpoma \ vvidimulpoma: wildi mulpoma neraum bob 
l üinhata: 426. isin. halta Cursim kizolo: kizalo 

Uasa gtzinga: giziuga Conuenticula cisaminackiffia: 
conventiculam, dsamina chur^fta Pupillam cjhti {qfket) 
\ sehun Emulari hanzan (hazari) \ biliden Stillicidiis 
trophizuga: trophizunga Depostfetantes aJftersUtiguni 
q/terzütigun Contestabor zurchunde ziaha: siuho 

Decachorde zebantsetigemo : zehantsetigemo Cynonia 

huntfluiga: 427 huntfliuga Pila stanph: stamph 

Torax prunice : prunta Glareis ^ej^^i»; 428 grexw 

Gurgustium rinsai ruisa Pyramldas irminsua: ir- 

isimtula Armillas armboch: 429 armbuch Desoiabit 

moadet: moadet Litura tunichuga: tunichunga 

Misce scencha: 430 scenchua Bubalis vvisanUmi 

wisantain Naulum ferescaz : feriscaz Leoncolos 

leunchuliu: leunchultn Sudarium Svezuanch: 431 svei- 

suanch Architectus vverhmiester : Werkmeister 

3. auf den zehn letzten blättern (67 rw. — 76 rw«) 
enthält dieselbe hs. eine alphabetisch geordnete, aber. schon 
im C abbrechende reihe hebräischer griechischer und latei- 
nischer Worte mit lateinischen und deutschen erklärungen. 
hiervon steht in der Diutisca nichts, die deutschen glossea 
dieses unvollständigen Wörterbuches sind aber folgende« 

* dies and manches nachher allerdings die richtige befseniDg. 



ENGELBERGER GLOSSEN. 



125 



Analogiam, lectprimn. , le- 

ctar. 
Anthidotom. contra datum. 

i. tronch» 
Ab. ascella. ouchsa. 
Ansa hanthaba. \ hasta. 
Anüa. aas prunaram. i. 

glauiphanna. 
Alietam. auis eringrie». 
Attacas. kehera. t. t at qui- 

dam. humbeL . 
Areola, lectalas inhorto. i. 

heitte. 
Abi. genas besti^. i. elaho. 
Aqaamanile. hantcar. 
Andela. brantreita. 
Ariola. houba. 
Amiealam. peplam. fascia 

peetoralis. hdbettoch, 
Aeer herba gundereba X ar- 

bor maxxiltra. 
Anetom. tille. 
Apiam. ephe* 
Ascoliom. ascloh, 
AngniUa. aal. piscis. 
Alapa. orslac. 
Aarago. species colorisi.^e- 

Kwi. 
Aulieas. houelinc. \ haue- 

trut. 
Ancomiseos. ineastratura. i. 

nout. 
Aspisdiscos. uncinus. i. cra- 

pho. 
Aconei. tdntime* 
Axidoaü. sessorium. i. stuol, 
Anus, aetala. t alibi. ars. 
Ascia. dehsela \ barta, 
Anca. 1 anser. gans. 



Aneta. anit. aais aqaatiea. 
Auena. wilthabero. 
Aruina. pingaedo i. unsUU 
Allieeo. inuito. gpdno. 
Assentior. adulor. sHhtehm. 
Am US. 1. angel. 
Birsa. peius, i. huL 
Bothoma. arna. i. dmer t. 
Bolbolicala. stotif. t. 
Balafium imago. i. bilide. 
Bootes, sydus babolcas. oh* 

sinare. t. 
Bucertys. bubalus. i. wisant. 
Bubalus. wisanL camibas 

magnis boai similis. 
Bubo. aois nocturna, i. kuo. 
Braca. femoraie. t. brich. 
Bulla, sperula aurea. i. 

rinch. 
Balista. sagitta. \ genus ia- 

culi. i. federari. 
Ballena. species piscis i. 

walira. 
Bastaban. t. bremo. 
Bitumen, gluten terr^. i, 

erdlim. 
Buculare. labium. i. labil. 
Bracile. bräche. 
Bipennis. barta. l pialbis 

acuta. 
Botrüs. wintrubo. 

• 

Butirum. hancho. 
Battudo. flegileimo. 
Basis., quicquid fundamento 

super ponitur. i. stqffil. 
Balbuliens. t. balpsonie. 
Bomblx. gotweppe wrm^ 
Bastema. species uebiculi. 

i. sambuch. 



126 



ENGELBERGER GLOSSEN. 



Balbiis. t.. nesilenter, 
BnUa. t. platera. 
Blesus t. Ksbenter. 
Cidarim. miira. t pelleos. i. 

hotiü. 
Cataplasmo. t. gafascon, 
Catasta. equuleas. in quo 

rei ligantnr et puniendi. 

t. scala. 
Cyclade. gotweppe, t. 
Cenocepbalas. hunthoboto. t. 
Cardiacns. herzesuhtiger. 
Caprea. silaatica. i. steingex. 
Capra domestiea i. geix, 
Castor. i. biber, 
Capreolus. t cambolus. rech. 
Cecalus cecas anguis. blin- 

deslicho. 
Capedo. species piscis. i. 

dlant, 
Conca. t concola. muscula. 

t Utbel. 
Cancer, chrebiz. 
Capns. falcho, 
Cuculn^. t. gich. 
Caradrion. lericha. 
Comix. chra. 
Carduellus. distilßncho, 
Cotdmix. perdix. rebhon, 
Cautio. scribgezuch, 
Caateriutn. ) caateriolam. t. 

cantare. 
Caloitium. chalwa. 
Geroix. t coUam. i. hals. 
Colaphus. halslag. 
Cartilago. molle os i. chros- 

Ulla. 
4. eben jenen commentar enthalten noch so viele aa* 
dere über Deutschland hin verstreute handschriften da£i es 



Coxj^. \ elnnes. t. iiedi. 

\ goss§. 
Cerebella. himereba. > 
Cleffal. ienar. 
Calx. \ oaleaneom. t. fif" 

serma. 
Grus, t tibia. t. scincka. 
Cliens. t clientalua gnoz- 

l seruitor. 
Coclea. turris in qoa per 

circuitum ascenditur i. we- 

dtlstein. 
Cripta. i. churt. 
Cementum. phUuter. quo 

murus conpingitor. 
Calx. chaOi. 
Cementarius mumre. 
Curia, dinchus. \ sprmdim. 
Curialis. 6sago. 
Calips. staL 
Cauterium. ferram qno ani- 

malia uruntur. i. holsi. 
Clauus. tunimagiLXxmmk^ 
Clauis sluzil. 
Creagra. chrewil. - 
Circinus. rizza. 
Circulus t ciclus. i. riSnit. 
Carra. 1 carruca. t carpeo- 

tum waganU 
Carpentarius. toagenare. 
Cenaculum. muosgadem. 
Ciatus. calix modicus. i. sti^» 
Cratera. naph. 
Coclear. leffil. 
Cantarus naph \ iatmeto. 



RflBINAUER GLOSSEN. 



*«7 



I deg schöaea uolersochongen Docens (migceU. 2, 168 ff.) 
I schwer tauen sollte daria einen nachlars der grorsen 
gaelen würksamkeit des Hrabanus Maurus za erkennen, 
so bedauerlicher dafs für den abdruck in der Dintisca 
de ein minder werihvoUes exemplar gewählt worden, 
dafs in der beniitzung der übrigen der althochdeatscbe 
chscbatz so unzuverläfsig ist. 

[joh will hier aus einer handscbrift des klosters Rheinau 
. LXVI, im sprachsch. Bib. 11), die um etwas älter (aus 
lln jh.) correcter und reichhaltiger ist, die erheblich- 
Ton denjenigen werten nachtragen welche der Engel- 
er hs. fehlen und in den fünf ersten theilen des sprach- 
tves entweder gar nicht oder unrichtig verzeichnet sind. 



ßsentiarum zan?itvvrti. 

lenti »uomose. 

lU alansa sula. 

»na Prortchramph^ 

wa. prart l cramph, 

Tasilem vndirßlotan. 

olas scibun, 

netoiia scarliv. 

» sabvn. 

!S boktmri* 

Bos chragun, 

tim labeL 

Iks hochisan* 

q^rsa kichetinv, 

io mo/. 

assur^ anmal. 

micus wtssagalichota. 

giaem hogasal. 

tigo warza sicca sca- 

» dttarovga. 

nes erdepAele bebinna. 

ibrio hdn kalb l grabvn 

linationibus leit^arnida. 



Uentilabit ziwetbiL 
Syrenarum meriminona, 
Denocte etages, 
Defecit vngemagota. 
Alas scemvMga, 
Priuilegium hanffesti. 
Benedixit gotespetota. 
Heri et nudius tertius gß- 

steren vnde egesteren. 
Gremium spacha l criebo. 
Novell^ phlansun, 
linguosus vilschosiger, 
Manicis hantruhen, 
Ostentacionis romüales. 
Desertores hereßuhtige. 
Necessarios nof/runda. 
Gestatoria para \ traga 

Stola. 
Placentas fladen. 
Laqueatis gihimilzoten. 
Galuari^ gebeis.. 
Scenofeia (d. h. scenopoeia) 

gixeltwabta. 
Testimonium Iwment. 



128 RHBINAUER GLOSSEN. 

maniceps gibure. Safiurrones rvnixare. 

Paries dealbat§ gichaltv Conmendat giliubet. 

mura. Peripsima (d« h. peripsema) 
ScBhm ßogskef. vmbünita. 

Armameiita gizviga. Pedagogus magezohana. 

Artemone segelli. Prophetans vor90ginUtr. 

Bithalassum xivmelichan. Scarrilitas scermmga. 

Sarmentoram S7ieitaha.\ Armatura gisariwa. 

Signa bisigila. Caaterium brenmsarem. 
Andt girifota, > 

WILH. WACKERNAGEL. 



SALOMONIS PROVERBIA IN LATEINI- 
SCHEN REIMVERSEN. 

hl. 1 rtö. Salomonis prouerbia. quibus sant incognita. 

Huc aduertant animum. ubi discant seienti^ 

gaadiom. 
Sapienti^ priDcipimn. habent timentes diHDiniiiii. 
Doetrinam patris audiat. qui legem semare eo- 

gitat. 
Qui aalt animam seruare. legem debet obser- 

uare. 5 

Ergo fili benigne, audi uerba disciplin§. 
Correptiones noU spernere. si nis regol^ 

obedire. 
Opera iastorum diligat. qui salatem desiderat. 
Verba quoque malorum. detrimenta sunt bo- 
norum. 
Tuum honorem prospice. ne gaudeat inimicns 

de te. 10 

Caue ut multum non dormias. ne te deprimat 

paupertas. 
Sed semper operare. si uis animam saluare. 
Ab omni fomicatione. animam tuum remoue. 
Nam omnis fornicator. legis est contemptor. 
Nunquam proferas mendatia. si uera tibi sunt 

labia. 15 



SALOMONIS PROVBRBU. 1» 

Qtti mendatio nititar. perfecto corde non dili- 

gitur. 
Qui ambulat simpliciter. ambulat copfidenter. 
Qai inntiil ocuUs. non est in nerbo fidelis. 
Vbi fuerit superbia. ibi erit contumelia. 
Vbi auteoi humilitas. ibi et sublimitas. 20 

Non proderant diuiti^. ubi perditio anim^. 
In omni quoqne iuditio. fiduciam babe in do- 

mino. 
Honorare parentes. admonent deum timentes. 
Qtti parentem honorat. legem seruare desiderat. 
Ne.sis grauis in domo, ut diteris omni bono. 2^5 
Familiam corrlpere. debes in dilectione. 
Peccata tua plangere. non debes in crastinum 

differre. 
Nam nostr^ uit^ tenpinus. nobls est incognitus. 
lustitia rectorum. uita est beatornm. 
U. 1 V. Pro iusticia agonizare. deum est amare. 30 

Qui despicit amicum. nuUum timet peccatum. 
Multi subueniunt diuiti. sareina manet pauperi. 

vel bene 

Beate facit anim^. qui misericors est uidu^. 

Panperi et orphano. hie erit in gandio. 

Qui propriis habundant. horrea lilis redundant. 35 

Multi rapinam diligentes. semper sunt egentes. 

Sapiens mulier. propria seruat diligenter. 

Qu^ autem est fktua. dissipat in domo quesita. 

Lingua placabilis. est semper amabilis. 

Labia dolosa. omnibus sunt odiosa. 40 

Noli pro amico. inimicns fieri proximo. 

Quandoque declinatur amicus. nunquam muta- 

tur proximus. 
Cum aliquo homine. noli uerbis contendere. 
Verba enim odiosa. semper odit anima. 
Sperne auariciam. qu§ tibi aufert animam. 45 

Cui enim dominatur. omni tempore tristatur. 
Fuge ab inuidia. qu§ infert mortis pocula. 
Nunquam concordia. ubi regnat inuidia. 
Qui amat concordiam. beatificai animam. 
Z. F. D. A. in. 9 



«30 SALOHOMS PROVBRBLL 

Com sensato homine. stabis omni tempore. 50 

Stultus profert omnia. qu^ habet abscondita. 

Sapiens agit consilio. qoicquid habet in animo. 

Ne derelinquas amicum. quem babaisti anti- 

qaum. 

Nouns non erit similis. qaod erit mutabilis. 

Filius sapiens. I^lificat patrem. 55 

Omne quod est nimium. iiertitnr in uicium. 

Omnis auarus. null! est carus. 
Perg. hand Schrift der öffentlichen bibliothek {ehemals der 
Johanniter) su Straf slmrg^ gez. A, 1.57, aus dem 12// 
Jahrhundert. WILH. WACKERNAGEL. 



BRUCHSTUCK EINES MARIENLIEDES. 

In einer handschrift der rehdigcrschen bibliothek hier 
selbst, tvelche das sownium Scipionis und den cqmmentar 
des Macrobius enthälty beßnden sich zwischen beiden auf 
zwei zur hälfie leer gela/senen selten folgende verse von 
einer späteren, wohl dem \An jh. ungehörigen hand* alle 
abkürzungen liefscn sich mit Sicherheit außösen. die ein- 
zelnen verse sind durch grofse buchstaben am anfange und 
punkte am ende bezeichnet, letztere habe ich weggelafsen 
und mir dofilr, so weit es ohne willkürliche deutungen in 
den text hineinzutragen möglich war, moderne interpunh- 
tion anzuwenden erlaubt. 
BRESLAU. DR TH. JACOBI. 

O Johannes vil guder 
Nu plig wal diner muder! 
Si eu hat nit kindes me wan din, 
Nu du ir ganze truwe schin! 
Ir edel kint hat si verlorn, 5 

Dat ane wewen wart geborn 
Van ir in einer suzekeit, 
Des hat si ser und uverleit. 
Johannes, godes drut, 
Du liezes eine muder und eine braul 10 



BROGBSTÜCK BINBS MARIBNUBINBL tat 

Darcb live godis niDae; 
Nu da up dine sinne! 
Sieb, dir is vergolden wol, 
Du hast di, di der gnaden vol 
Ist und was und immer ist, 15 

Gebet dir soze crist, 
De dir so vil der minnen sobin 
Erzeuget bat, iobannes mini 
Wie sal be dir der minnen me 
Ougen? ime si lof immer me ! 20 

O Jobannes ewangeüsl! 
Nu sieb, wi lif du gode bist. 
Dar an, dat be di mnder sin 
Dir beval, da det be sebin 
Di minne und der minnen vlnt. 25 

Dar an gedenke, iobannes gati 
He beval in dine bade 
Marien, di vil gnde. 
Nu la si dir bevolen sin, 
Want si is gar der gnaden «ehrin, 30 

Si is des heiles bome, 
Der Werder engel suonne, 
Si is der scbaz der heren ort, 
.Di dir. beval dat godis wort. 
Nu tröste wal din munelin, 35 

Dat du vil selieh mnzes sin« 
Du bist gar selicb, dat is war, 
Nu sage, ioban, wer is din pin? 
Wer ie entslief up godes barst 
Mit also wanneelicber Inst, 40 

Als du, iobannes, minnecliobe? 
Ja bistu aller gnaden riebe. 
Dir is di godes mnder 
Bevolen, o vil gaderl 

Nu bud ir ere und piig ir wol: 45 

Dat du min lif, dat stet dir wol : 
Want so we ir ere erbieden kan. 
He si iune, alt, wif oder man, 

S. /. ereolbort as. pin]? iUr reim verümgte par. 

9* 



132 BRUCHSTÜCK EINBS MARIENUBDES. 

He sali wal genizen, 

Want si wil im entslizen 50 

Der gnaden und der seiden sehrin, 

Si wil im na bi sin 

In aller not biz an den doi, 

Si en lezt in nit in siner not. 
lUvL sulen wir wider keren 55 

Und sulen och vurbat leren 

Van der vil reiner guder 

Marien, godes müder. 

Si was unz an den dirden dach 

Dat si grozer clagen plach, 60 

Si nam in ir gemnde 

Alle irs kindes gude, 

SI gedahte, wi he ir was gegeven, 

Und an sin minnecliohe leven. 

Si gedahte an sine mildecheit 65 

Und an sine groze gedoldecheit, 

Wie milde he und ouch wi gut. 

Si nam vur sich sine demut, 

Wi he van ir got geborn. 

Si en horde van ime nie engeinen zorn. 70 

Si gedahte an manege suze lif, 

Dat he der werlte hadde gedan, 

Si en mohte ir weinen nit Verlan, 

Wi he dar umbe wart verspit 

Und der armer iuden nit 75 

In verit unz an den dot. 

Dar af was si in grozer not, 

Si sach ir kint vur ir begraven, 

Si mohte luzil trotes haven, 

Bis dat si gar gevrowet wart, 80 

Do ir kint edel und zart 

Mit wunne erstunt van deme grave, 

Do hadde ein ende ir ungehave. 
O vrowe maget! o minneclich! 

müder aller gnaden ! 85 

Des paradises suzecheit, 

vor oder nach 71 fehli ein ver», 79. /. trostes 84. fehlt em versT 



fiBDCHSTÜGK EINfiS MARIBNUfiDCS. 133 

Ein burne aller miidecheit, 
Du bist der megede gimme, 
Ein engelische stimme, 

Des himmelriches wunne, 90 

Ein keiserliches könne, 
Selicb, selieh, suze, pia, 
Reine, milde, o maria! 
rose rot! o lilie wiz! 

blume schone ! o vrowe pris ! 95 

morgen Sterne 1 o sunne clar ! 
Schoner maene! o adelar! 
tordeldube! o godes tron! 
Der engel vrode, der seien Ion, 
Des sunders trost van gnaden gut, 100 

Der werelte licht, djer wannen vlat! 
werde maget van fiolvat! 
Du bist di gotes kint gebar. 
Du mir up der gnaden schrin, 
Der du vrowe nun bist vol. 105 

Du weist, dat ich bedarf vil wol: 
Dinrer helpen, maget gut. 
Gevrouwe, vrouwe, mir den mut, 
Ervrouwe mir die sele min, 
Vedrif van mir des herzen pin, 110 

Behude, reine müder, mich, 
Du up di ougen und sich, 
Sich an mines herzen not, 
Verdrif van mir der seien dot, 
But mir diner gnaden haut, 115^ 

Und brich an mir der sunden bant. 
Lif und sele bevele ich dir, 
vrouwe! kuom ze leste mir 
An minen ende und alle dage, . 
Dat ich id in der not verzage. 120 

So min sele van mir sal varen, 
So saltu vrouwe mich bevaren 
Vur des duvels banden 
Und vor den grozen schänden, 
lt. /. flolrar? vor oder*naeh 1(M scheint ein ver$ »u fehlen. 






134 BRUGBSTÜGK EINES IIARIBNUBDIS. 

Di alle solider fideni da, 125 

Da hilp mir o Maria! 
Credenke an dine mildecheii 
Di alles trotes crone treil, 
Und hilf mir, dat ich käme dar 
Mit vrottden an die engel schar, ISO 

Da ich sibe din kint und dich. 
Erhöre reine vronwe mich, 
Du brenc mich vor den godes tron^ 
Da din edel knning salomon 
In wunnedicher wannen ist, 135 

Bi deme da bit vrouden bist. 
Da hilp mir, maget soze, 
Dat ich dich loren mnze 
Da ich yroaden muze taben 

128. /. trostes 

ZUR SYNTAX DER EIGENNAMEN. 

NotkeTj bei dem wir doch xuerst die akd. proea in 
natürlichem ßtf/s antreffen^ hat einen bemerienswerthen 
echwung ßir die steäung' des genitivs von tigennamen de- 
nen sich noch ein anderes nomen appositiv verbindet, er 
läftt dies voran gehen, dann das subst. von welchem der 
gen, abhängt folgen» und schliefst mit dem eigennamen. 

Ps. 50, 1 daz er mit Bersabi slief sines berecbnehtes 
chendnUriae {bei B. der firau seines knechte U.). 
Bth. 3 pi des cheiseres ziten Zenonis. 
Bth. 20 gagen sines leidares hazze Qpridni {odOs Cypriam 

delaioris). 
Bth* 226 umbe des chaninges willen Aristet« 
Bth. 226 uzer des chuninges riebe Alcinoi. 
Cigif. 15 in des Iliegenten gotes kewalt Cuj^dinis (in po- 

tentiam voUtantis stgferi). 
Cap, 37 erwegetiu föne des foreleisen soandedo Mercorii 

(praecedentis officio conatssa). 
Ctqf. 46 legeta si zn sinero muoter minna Majae. 

Die zitsammengekörigen genitive werden durch das sie 
behersehende subst. getrennt, doch geschieht ets mcktnoth 



ZUa SVNTAX DER EIGENNAMEN. laS 

wendig oder allerwärUy z. b. ps. 33, 1 liest man riebe mi- 
ais fater Davidis und nicht minis £siter riche Davidis. 

Dafs die -pornphaß; schliefsenden genitivein jenen be- 
legen lauter fremde namen sind tkut nichts zur sache^ es 
hätte ebenwohl he\fsen dürfen pi des chunioges zitea Ota- 
oheres ; ferner^ glaube ich, wäre auch zuläfsig geivesen 
dem eigennamen die vordere, der apposition die hintere stelle 
SU verleihen^ z. b. umbe Aristei willen des chunioges. bei- 
des beweise ich aus dem ags, Sprachgebrauch, 

Boeth. cap. 19 hvät sint nu {»äs visaa goldsmides bau 
Velondes? wo sich die metrische Übersetzung ausdrückt 
hyiaer sint nu {»äs visaa Yelaudes bän ^äs goldsmides? der lat. 
text hat auch trennend ubi nunc fidelis ossa Fabricü iacent? 
was N. gerade nicht nachahmt^ er setzt Bth. 100 w4r ist 
sär nu daz krab des ketruea Fabricü? statt des ketriien grab 
Fabrioii. * aber die ags, prosa liefert genug andere bei- 
spiele. 
Kembles chartae 2, 131 in usses dryhtnes naman haelendes 

Cristes. 
Thorpes anaL 51 .^urh Adelr^des ha^se Myrcna cyninges 

(iussu Athebredi Merciorum regis), 
daselbst 84 on AdeIrMes dagum kyoges. 
ehronoL sax, 538 be Alfirddes btoe Vestseaxua cyninges 

(j)rece A. fV. regis). 
Aus dem altnordischen fällt mir die hergebrachte Stel- 
lung von Saga oder qvida zwischen die genitive ein, 01a& 
saga Tryggvasonar, Sigurdar qvida FäAiis bana, Brynhildar 
qvida Budia dottor, Helga qvida Hundings baua u. s. tf« 
diese ags. und altn. stellen versichern uns dafs auch Not* 
hers tveise unnackgeahmt war. freilich läfst sich aus UU 
ßlas keine ähnliche structur beibringen^ dem sein text dor- 
SU keinen anlafs gewährte; es war natürlich diesem fol- 
gend zu sagen in dagam H&rödis [»iudanis Luc. 1, 5*^; 
gibid imma fräuja stdl Daveidis attins is Luc. 1, 32) ungo- 

* oder Wielandüs, wenn er darauf gekommen wäre wie Alfred 
in Fabricius faber zu sehen, was auf den berühmten Feland ieitete; 
auch fidelis ist passend mit visan vertauscht. 

** ebenso T. ^, 1. 8, 1 in tagon Herodes des cuainges nach dem 
tat. ia diebu Herodis regis. 



136 ZUR SYNTAX DER BIGENxNAMBM. 

thisch würde aber ein in Her6dis dagam [»iudanis, Daveidis 
si61 attins is, oder in [»ludanis dagam Herddis nicht gewe- 
sen sein, auch versteht es sich dafs die trennung der zu- 
sammengehörigen Wörter nicht auf den fall des genitivi 
einzuschränken ist, z. b. der acc. durch das verbum ge- 
trennt werden kamt; N. Bth. 56 hei/st es als6 GregArins 
Johannem z6h coustantinopolitanum. 

Aus der mhd. spräche gehört nun ganz hierher die 
neigung von den eigennamen oder appellatiten der färste» 
vnd edetn die Opposition ihres landbesitzes durch ein andres 
wort oder mehrere zu trennen, dieser besitz ufird aber 
nicht mit dem genitiv, sondern den präpositümen von oder 
Az bezeichnet. 

Parz. 45, 11 fiz der kiingiu lani von Zazamanc. 
Lanz. 4418 in des küneges lande von Maroc. 

5066 ze des herzogen hüse von dem wizen sA. 

fF'alth, 21, 1 des fiirsten milte üz Osterriche. 

-* 85, 10 der den werden fiirsten habe erslagen van 

Kölne. 
fFigal. 8063 eins vil edeln fiirsten tot von Mer&n. 
Ulr. frauend. 92, 27 mit hnrte er an den grAvea quam von 

Tyrol. 
MS. 2i 152^ waz mac diu küneginne wol jehen von Unger- 

lant? 
''— 2, 132* danne der edele kr6ne trage uz Beheimlant. 
Amgb. 4^ ich bin des gräven künfte vrö von österberc. 

— des vürsten tot üz Beigerlant. 

MS. 2, 1* in des vürsten d6n von Düringe lant^ 

2, 210^ des küneges kint üz Ungerlant. 

Ben. 440 in des haut von Riuwental warf diu magt ir bal. 

454 warf ich den bat in des hant von Riuwental. 

Suchenwirt 18, 295 der des küniges banier truoc vonFrank- 

riche. 
Beiderlei nachsetzungy die des genitivs wie des örtHr 
chen begriffsy behalten auch die Chronisten und Urkunden 
des \3n Un i5n jh. bei. 

Fritz Clösener s. 20 Cunrat grave Cunrates sun von 

Hessen. 
■ — '- 59 des bischofes gesinde von Triere. 



ZUR SYNTAX DER EIGENNAMEN. 137 

FHtz Closener s. 72 durch bete willen Johannes Twin- 

gers. 
73 in sanle Johannes cappele baptisten. 



Konigshofen s, 283 des küniges tobter von Ungern. 

. . -^ . 334 herzog Leopoldes tohter von Osterrich. 

Lindenblait s. 198 des koniges boten von Bohemen. 

— ' 203 des koniges vater von Polan. , 

Jjohann von Guben zitt. jahrb. 6, 1 by des geczyten von der 

Lipen. 

6, 7 dez son Von der Lipen. 

= 8, 18 von dez volg von Mi- 

chilsberg. 

Uomeyers Ssp. 1, 25 Scrapen kind von Jersleve. 

Heidolves kindere von Wininge. 

SiMpflin »0 768 (a. .1290) mit mines herren hant von Phirt, 

graven Diebaldes. 

Günther 3, 531 (a. 1371) uf sente Andreas abent de& heii- 
gen aposteln. 

3, 281 (ö. 1342) vor sente Margareten dage der 

heiigen juncfrawen. 

3, 526 (a- 1371) uf sente Marcus dag des heiligen 

ewangelisten. 

— : 3, 528 {a. 1371) uf sente Yitus und Modestus dag 

der heiligen merteler. 

Höfers deutsche urk. s, 15 (a. 1261) na sente Mathies dage 

des apostelin. 

s, 17 (a. 1251) unser vrowen dage der 

laszire (lateren). 

*. 29 (a. 1275) an unser vrouwen 

avende ier lafsir. 

s. 59 (ö. 1300) an sente Andreses dage 

des apostols. 

— ^ s, 284 in sente Johanneses daghe bap- 
tisten. 

Rugian. landbrauch tit. 184 von des bischofs gerichte van 

Roschilde. 

Pupikofer n^\A (a, 1282) das hain wir an hern Eberhapten 

gesetzet von Stufenegge. 



138 ZUR SVNTAX DBR tilGBNiNAMBN. 

Pupikofern^ iS {a. 1285) an hern Ruadolfes sUI yoq Sib- 

berch. 

' i|0l8 (a. 1285) in maister Hainriehs hof des efau- 

ters von Costenze. 

n*14 (ä. 1282) ze nnaer vrowe toltder jongen. 

fVigands archiv 2, 18 to Johannes bns Kynekea* 

2, 20 (ß. 1361) to Jobannes bus van Lose. 

Rindlingtr 2, 291 dragen in mins berren sai Tan Cohie; 
weüth. 1, 674 alle frige nutze eines appetes sint voa 

Ebersbeimmunsier. 
Mindener urk. ü^ 20 {a. 1308) twiscben Gerwiges hns Ttn 

Meitsen unde £rnestes bns des pipers. 

»« 28 (a. 1320) Didertkes wif des weftirs. 

Detmar 1, 31 koninghes Lodewigbes sone van Vrankriken. 

nnd so in unzähllichen andern ßUlen. namentlich W0tim 

auch die präpositionalen willen und wegen auf solche weise 

xwisckengeschoben. 

Detmar 1, 27 dorcb siner zuster willen Gberbrud mark- 

grefbinnen. 
Kindlinger 3, 470 {a. 1367) umb bede willen des vorg. mins 

beren. 

3, 471 (ff. 1368) umme bede willen vrauwen Bi- 

cbarden. 
' Schreibej* freib. urk. n^ 52 (a, 1296) von der wegen von 

Friburg. 
weisih. 1, 503 (a. 1338) von mins berren wegen von Ha* 

nauwe« 

■ von eins fauts wegen zu Munzen- 

berg. 
Dahls Lorsch s. 38 (a. 1300) von des Stiftes wegen zu 

Lorse. 

63 ^^^ 1423) von des bischofs wegen zu 

Mainz. 
Kindlinger 3, 377 (a. 1339) van Gerlages wegen van Be- 

vercn. 
Duellü misc. 2, 242 von graf Conrads wegen von Helfen- 
stein. 
Einigemal auch ohne da/s ortS' oder eigennamen im spiel 



ZUR SYNTAX DER EI6ENNAHBN. 139 

tmd^ z*t* KaiUxQw 2, 430 umb tiefe willen des sehes^ 
Hwuelmann n"* 1 16 (n. 1350) durch heiles willen siner sele. 
iie ffrUbestimnmng l^fse sieh leicht in ein ad§\ oder ap- 
peUßÜ» venoündeltts von des Helfensteiners wegen grafen 
CSonrades* am ülhnsten scheint die construction, wenn der 
biofie arükel eUqftisch vorausgeht, in des hant von Hin- 
wental = m die hand des (herren) von Riuwental; von der 
w^gen von Friburg :zz wegen der {herren oder leute) von 
Fribw^. Ernesies hus des pipers, Dlderikes wif des We- 
bers gleicht, wenn man den eigennamen in die letzte steile 
rüeki, des pipers hos Ernesies, des wevers wif Diderikes, 
vSUig der notkerschen weise, von welcher ich ausgieng. 
wuere heutige spräche hat diese, wie gezeigt worden ist, 
altdoHische freiheit fahren Iqfsen und sich um einen nad^ 
sbHekUchen schltffi des satzes gebracht. 

JAG. GRIMM. 



MAMNSNAMEN AUF ^CHARI, -HARI, -Alt 

lob will zeigen dafs die altfiränkisch mit chari, gotb. 
mix huri, ahd. mit hari heri, ags. mit here, altn. mit or 
snsammengesetzten eigennamen dieselben sind, ein Verzeich- 
nis mufs vorangehen. 

Dem grieoh. K, lat. G hat nach dem gesetz der laut- 
verscbiebong deutsches GH zu entsprechen, wie dem T die 
aspiration Tfl entspricht, dem P PH entsprechen sollte, da 
aber die goth. mundart GH in H und PH in F milderte, 
während sie richtig TH behielt, so ist auch ahd. dieses H 
and F geblieben, nicht wie es sollte 6 und B eingetreten^ 
digieich £är goth. TH richtiges D sich ein£uid. diese stö* 
mag näher auseinanderzusetzen gehört nicht hierher; es 
sei blofs bemerkt dafs in den ersten Jahrhunderten, wie die 
Schreibung deutscher namen bei Römern lehrt, das organi- 
Jdie GH noch gegolten haben mufs und dafs es sich auch 
ia eigennamen, vorzüglich altfränkischen, bewahrte. 

Hiernach ist das altfrank. Charibert = ahd. Heriperkt^ 
folglich die .Umstellung Bertachari ==: ahd. Perhiheri,. and 
so sind alle nameii auf '^hari zu fiiben« deren ich folgende 



140 MANNSNAMEN AUF -CHARI, -HABI, -AR. 

sammle. Audcharius MabiUon n^ 14 (a. 690). ÖUtchar tnd. 
patav. n9 36 (a. 899). Aunacharius Greg, luron. mir. Mtrt. 
4, 13. concil. paris. iv (a. 573). concil. antisiod. (a. 578). 
concil. matisconeDse 2 (a. 585). Baldacharius. Paldadm 
Irad. patav. 0^20 (a. 818 — 38). Baudacharnu Marini ii^76 
(sec. 7). acta Ben. sec.2 8.165. Beracharius MabiUon n^tS 
(a. 696). Bemachar Schannat n^ 79. Bertachariw ..... 
Blatcharius MabiUon n^ 26 (a. 706) 27 (a. 709). Kopp 
tachygr. 1, 377. Clotachari MabiUon n^ 8 (a. 671.) Chbdth 
chartus id. n0 28. 31 (a. 710. 716). Chrötcharius Mabilloii 
n* 15 (a. 691). Hrödachar Schannat n® 8. EAmraektTi 
Ebrachar. Erachar Schannat n^' 222. GuntraekariMt (1. 
Gnnthacharius) Marini n^76. Cundacchar trad. patav. b^14 
(a. 788). Gmdacchar ibid. n» 34 (a. 788). HeHmdm 
Kopp tachygr. 1, 432. Lacombiet n® 17. MB. 28^, II 
(a.814). 31,42 (a.817). Imnacharius Marini n^7t (sec. 7). 
Leubacharius conc. paris. 2 (a. 555). conc. anrel. 1 (a.511). 
Magnecharius MabiUon n^^ 24 (a. 697;. Ragnacharuu ., • . 
. . • Sindackar trad. fuld. s. 525. Theudacharius Marini 
n<* 114. Theodachar, Wamachxirius Marini no64 (a. 653). 
oonvent. cUpiacens. (a. 659). Wiliacharius Greg. Uir. mir. 
Mart. I9 23. 3, 13. fFolfachar .... meistentfaeila so» 
|[en diese alten namenbildungen vor dem ch ein a^ nar 
AudchariuSy Blatcharius j Crötcharius nicht. 

Chart gestaUet sich, zumal bei lateinschreibenden, gern 
in cari (wie Catti für Chatti)^ die form acar • oder aicmt 
für üchar darf also nicht befremden, ödacar Schannat n® 49. 
^ödaocar Lacombl. n° 65 (a. 855). ötacar trad. faid. MS. 
605. Chloihacartus Marini n^ 59 (a. 627). Eburaear Sohan- 
nat no 78. Gundacar trad. fuld. 603. 605. Hildicar Schan- 
nat no 196. Hruadacar trad. fiild. 603. Stndacar tnd. 
fuld. 603. 605. Snellacar trad. fiild. 603. Theotacar^ 7]k^ 
tacar Schannat n^ 380. 385. 

Hart oder umgelautet heri ist die gemeinabd. fonn, 
nnd gewöhnUch schon das a vor dem h ausgestofsen. AI- 
pheri im Waltharius. Ansbert. Ascheri. Baldheri Schan- 
nat n® 448. Paldheri trad. pat. s. 35. Berhtheri, Bert- 
heri. Bemheri, Blatharius polypt. Irmin. 88". Dieiheri» 
Theoiheri trad. fuld. 603. Egisheri Schannat n<> 354. Ev^ 



ULANNSNAHBN AUF -GHARI, -HARI, -AR. 14! 

i Schluiiial n^ 200. Engilheri trad. pai. s. 69. Erpkeri, 
wkarius. Fastheri. Frumiheri Schannat 0^^469. Pruotheri 
lanresh. Gamalheri ir. lauresh. 3179. Gewinahari Ried 
W (a. 819). GiseUieri tr. pat. 55. Gösheri, Közhert trad. 
• 5S. 65. Grimheri tr. pat. 55. Gtmdheri Ried n® 41 
849). patav. s. 24. 69. Cundhari tr. patav. s. 12. Hra- 
ti Schannat 200. Lantheri tr. fuld. 609. Liutheri .... 
^htkeri Ried n« 43. 87 (a. 852. 901). MeginheH Ried 
U (a. 821) tr. patav. s. 22. Md. 615. Mmiheri S^Yihn- 
A7\ . Mootheri n» 429. Nandheri Schannat n» 290. 302. 
ndkarius tr. fuld. 608. Oßhere Neugart n"» 273 (a. 837). 
h$ri trad. fald. 2, 49 (ad Onheres fontem). ötheri tr. 
I. 613. Ortheri tr. fuld. 605. Schannat n® 393. £il/- 
tf tr* patav. s. 7. 15. 25. Reginheri Schannat n^ 347. 
Ulm tr. patav. s. 5. 5/27//Aßri Schannat 313. Stmdarhari 
uumat 340. Sundarheri tr. pat. 48. 59. Sudbheri Neu- 
t A^ 145. Suueßieri Schannat n^' 72. fValtheri häufig« 
dfharius Neugart n^ 213 (a. 822). fJTerinheri Ried 
n. 88 (a. 889. 901). fVilleharius Pertz 1, 6\ fVint- 
i ir. pat. s. 91. Wolfharius trad. fuld. 609. Wonat- 
i, fFonadherty fFufiatkert tr. fuld. 1,44.59.127. 2,16. 
lannat 203. 205. fFunnaheri. fVw^hari Neugart n^ 59. 
77'4). ff^urmheri, Goldast tom. 2. n^ 94. noch einige 
ere hat Graff 4, 986. im latein wird nicht selten. das H 
erdfückt und geschriehen Bertarius, Gimtarius, Regt- 
WS9 tValtarius^ fVilarius für Berthariusy Guniharius, 
nnhariusy fValthariuSj ff^ükarius. 
Beispiele des ägs. here in eigennamen. Alfhere Kemble 
130. Äschere Reov. 2647. Ealkere Kemble 1, 197. 
lAere Kemble 1, 36. Gülkere cod. exon. 326, 4. 
Ukere 322, 20. Ohthere. öshere Kemble 1, 289. 
Aere. Rondhere, Stghere, Sceafther e coi. exon. 320, 20^ 
ßhere Kemble 1, 39. Sighere, bei Reda 3, 30 noch 
heti. . Valdheri Reda 4, 1 1 . F^ulfhere cod. exon. 325, 29. 
^ert Reda 3, 30. Fynhere Kemble 1, 172. ^ynw- 
? cod. exon. 325, 29. 

Für die goth. form können wir nichts aus Ulfilas schö^ 
1, doch eine der Urkunden bietet AufLahari oder IJfita-- 
'• man darf also mit ziemlicher Sicherheit ein Aunaharis^ 



142 MANNSNAMEN AUF -«BARI, -flAllt» -AM. 

BabrkkikarUy Guntkaharis, Ragmaharis, ThimJM&rt^^ f^^fth 
harü veniittteii. der griechisch sehreibeBdePlrooopkoMile 4m fl 
in der mitte nieht bezeichnen, sein *Pa/Pttfig (b. goA. 4, S4), 
AtiSiQiQ führen anf Ragnahmrü, lAudaharü; dodi sein 
BawddkitQioq auf Vandalareis nnd gehört gar nicht in la* 
sere reihen, wohl aber fVinitharius bei Jornandea ea^ 48, 
Arakartu$ der name eines quadischen mannea, Fnmariu 
(ss Prumikeri) der eines suevischen königs. aocb die In 
Borgand. schreibt CfundahariuSf Gislahariui. 

Die meiste abkurzang gegenüber den viersilbigen IBaf* 
silbigen goth. nnd fränk. namen dieser znsamnenaetmaif 
haben die altnordischen erfahren; sie sind gleich den nbi. 
Günther^ Walther oder fFalter, Werner nweisilbig ge- 
worden.* in den Nib. erwächst Volkir ans Folekert. 

Im latein geht das anlautende H hei der gns a n u n c n 
Setzung nicht verloren {exhortor^ exhaustus^ perUbe^i ^ 
kaereo), der Grieche aber entsagt ihm nnd macht aus lU»- 
rig, oTfia, ^imta, i<nri(u ai^f^aXcnogy dituftog, nsQ^J^Ttm, M- 
Gtfifu, aus alQm iJ^ai^eto, nur nach oaio, iirl, naxA, futi 
läfst er die aspiration haften und a(p, itp, na&, fu^ bewlb^ 
ken, cuQH» i<pMQ€Oi, lipm^m, fjud'MQHn, diä» fu»&£vim, 
wenn in ii^end einer deutschen spräche gefühl für das be» 
halten oder weglaTsen des H zu suchen ist, so wäre es dis 
altnordische, zwar finde ich nicht dafs aus athugm, rfcMf 
ein aiugay Mall werde, wenigstens drückt die seinriflt de^ 
gleichen nicht aus, und in den meisten zusarnmensetxnngHB 
bleibt das H, selbst in eigennamen, vankeilly einke^fgr, 
jimhößU, Alßäldr, Grimkildr, L^ngkeüh, ßtkiMr. aus- 
nahmen sind aber beachtenswerth. einardr pervicax ent- 
spricht dem ahd. einkerti^ steht also für einkarär; ebeasa 
likemt (ahd. lihkamo) für likkami. aus dem ahd. eigmwa» 
men Nidhad (Neugart n<> 74 a. 779. 268 a. 935). ags. 
Nidkad (cod. exon. 377, 17) ist altn. Nidudr (Saem. 1S9) 
statt Nidkaär geworden, und Saxo gramm. schreibt firt^ 
mitdü, Regnüda für Grim/ulda, Regnkilda. den eioleucli- 
tendsten beleg sollen mir aber unsere hier verbanddien ^ 

* Sigotachar bei Schannat qo 79 halte ich für ein doppeltes cob- 
positum ; mit Sigotac (sächs. Stgedag) verband sich nochmals hert, also 
goth. Sigudagakaris. 



BIANNSNAMEN AUF -GHARI, -HARI» -AR. 143 

gettumen kergebeo, die sämmiticb das H auswerfen und e» 
bereits in firfiber zeit, getban haben miifsen, als der umlaut 
von her nocb nnentwickelt war und har = goth. harii ge- 
sa|^ wurde, es sind bauptsäcblicb folgende. Agnar, Alfar^ 
Ddmar, Einar, Framar, Cfardar, Gtqfar^ Grimar^ Gwt- 
nar» Hrdar, Hrezdar, Ivar, Onar, Ormar, öttar, Ragnor, 
Sigmr, Sieinar, Ulfar^ f^aldär, Vikar, Yngvar; lauter com- 
posita, die sieb nacb dem entwickelten verbältnis leiebt in 
die übrigen dialecte übersetzen lafsen, z. b. Agnar in ein 
Gränk. Aganuchari^ goth. Aganaharisy ahd. Agankerii AI- 
fmr in ein goth. Albaharüy ahd. Alpheri, ags. Aifkere; 
D&mar in ein ahd. Tuomkeri u. s. w. zu den vorhin an- 
gefahrten latinisierten Guntariusy Frumarius stimmt also dio 
nord. form und man könnte sich einbilden dafs sie geradezu 
am ihnen entsprungen sei. nachtheilig scheint die vermi- 
sebang mit dem organisch «ibgeleiteten, unznsammengesetz- 
ten wir in hamar (ahd. hamar)\ doch von der ableitung '^ari 
{dömari, skapari^ gramm. 2, 128) bleiben sie durch den 
abgang des t gesondert, während nhd. fVärner, fValter so- 
wohl mit danner, hammer als mit richter, Schöpfer gemiscbl 
sind, merkwürdig ist mir neben Einar = ahd. Eüthm der 
pl. einherjar (fiovofjiaxoi). 

Die gewonnene Übersicht wird nicht zweifeln lafsen dafs 
Chlothachari Ckiothar Lothar und Luther der nämliche 
naae ist. gleich notbwendig stehen nebeneinander Balda-^ 
chari und Baldhere;* Gundachari Gundacar Gunihere 
Gunnar; Ragnachari Reinheri Ragnor; fVamachari 
fFermkeri fVemhere; Theodachari Dietheri; fFtltacharf 
Wiliheri; Magnachart Meginheri Meiner; Crimheri Gri- 
mar; fVo(fachari fVolfheri Vylßiere Vlfar; fFuram-* 
hart Fyrmhere Ormar, da aber eigennamen überhaupt 
ihren besondem lauf halten und das mafs der andern Wörter 
nicht an sie gelegt werden darf, so erklärt es sieh warum 
an gleichem ort und gleicher zeit zuweilen ältere und neuere 
formen zusammen gelten. Graff 4, 219 schliefst ganz über- 
eilt dafs in Urkunden des 9n — lln jh. Gundachar mthi fijr 
Gfindahari genommen werden könne, seine annähme Gund^ 

* woraus zugleich folgt dafs der nord. gott Batdr dem abd. na- 
iRen Paitm* entspricht; Paltkeri fordert ein altn. Baldat\ 



144 MANNSNAMGN AUF -GHARI, -HARi, -MBL 

achar ist unstatthaft, noch im 13n jh. reimen unsere dich- 
ter Gundacker : wacker; man dachte freilich nicht mehr an 
die identität des namens mit dem gangbaren Günther. . wie 
sich heutzutage einer Otto, der andere Otte nenift, durf 
auch in einer Urkunde des neunten jh. ein GuntaeJuari ne* 
ben Guntheri stehen. 

An diese betracbtungen der form scbliefse ich einife 
über die bedeutung. wenn das gotb. harjis (so schreib! Ulf. 
bekanntlich für haris)^ ahd. Am, ags. here in der oorapo- 
sition enthalten sind, so kann ihnen ursprünglich picht der 
sinn von exercitus, agmen beigewohnt haben ; ich- yermate 
dafs sie blofs miles ausdrückten, was eine ahd. glosse (Graf 
4, 983) zu bestätigen scheint, in jedem der aufgef&brten 
namen ist der begriff eines einzelnen kriegers oder beiden 
enthalten, und der erste theil des compositums liefert dan 
die nähere bestimmung. dieser erste theil ist zuweilen Wk 
adjectiv {emhert, gamalheri, berahtheri, baldheriy fastkm, 
fimmiheri, snellheri^ stiUiheri)^ weit öfter jedoch ein sab* 
stantiv das den begriff des kämpfers ausmahlen konnte, 
darunter kommen aber schwere, dunkle Wörter yor, deren ei- 
nige näher besprochen werden sollen. 

AUN EAN 6n. 

Aunachari, Onhert, ünar stimmen, und die, ags. form 
war. ohne zweifel Eänhere. noch folgende weitere susaM- 
mensetzungen mit demselben werte sind mir bekannt. A^ 
nemundus lexBurgund. Mabillon n^'T. Marini n^64. (a.653)« 
Fumagalli n^5 (a. 742). ags. Ednmundus rexKemhle i, 140. 
Aunolfus Pertz 6, 113. Aonolfus frater Odoacri, Kugippü 
vito Severini cap. 39. ags. Eänulf Kemble 2, 373. 3ÄÖ. 
Eänvulf (ei. 845) Ingram s. 91. ahd. önolf inA. wiszenb. 
19. 151. Schaunat n^ 320. önold trad. lauresh«^ daher 
Onotdesbah = Onolzbach Anspach, Aunefrit Fumagalli 
n« 10 (a- 769). ags. Eänfrid (a. 617) Ingram a. 32. 
J?aii/h'^ Kemble 1, 106. önfridinga castellumPertz4, 56. 
önhart trad. patav. s. 19 (a. 818). öngast Ried n» 29 
(a. 833). ags. Ednberht Kemble 1, 58. 103. 128. Ingram 
s. 85. Eänbald Injgram s. 77. 82. Edngisel Kemble 1, 137; 
ich meine Aunegisü in fränk. urk. äuge troffen zu haben. 



MANNSNAMBN AUF -CHARI, *HARI, -AR. 145 

Ong^xoi. lanresh. Nun auch frauennameo. ^1090- 

^Yi££r lex Burgund. 52. ahd. önhilt Neug8irin^94Z (a.830). 
önkUdis polypt. Irminonis 133*. Goldast unter den burgund. 
fiaaennamen hat gleichfalls önhild. önsuind Schannat n<> 145. 
ags. Eia^H (a. 625) Ingram 33, wäre ahd. 6f^. ahd. 
önräda polypt. Irmin. 259*. hierzu kommt endlich der un- 
sammeagesetzte mannsname ahd. öno trad. patav. 76 (a. 1013), 
ags. Edna (a. 689) Kemble 1 , 34. 

Niederschlagend für unsere kenntnis von der alten sprä- 
che ist es ein wort das ehdem so lebendig gewesen sein 
miifs gar nicht mehr zu verstehen ; Graff hat es nicht ein- 
mal in seinem buch, zwar führt er ein paar jener eigenna- 
meii auf 1 , 302, verkennt sie aber so sehr dafs er ihnen 
kurzes o beilegt, für ö entscheidet dun und edn:, die glei-. 
chong wird nur durch das altn. önar gestört, für welches 
man ^unar erwarten sollte; ich werde aber eine analogie 
dafür anführen. 

Die formel goth. dun, ags. edn, ahd. 6n gehört in un- 
serer Sprache zu den seltnen und ist jederzeit schwierig; 
es werden aufser unserm wort nur noch sechs andere sein, 
goth. dduns oder, altn. daun; goth. läun praemium, ags. 
leam, ahd« I6n^ altn. laun; goth. sduns redemtio, altn. wie- 
derum . s6n für saun und die ausnähme Onar bestätigend ; 
ags. bedn &ba, altn. baun, ahd. pöna; goth. kduns humi- 
lis, ahd. höni, ags. hedne; goth. skduns pulcher, ahd. scdni. 
ganz ähnlich lauft goth. din, ags. an, ahd. ein^ und wenn 
gründe vorhanden sind, in beiden das n für blofs ableitend 
zu halten, zwingen andere ihm schon ein so hohes alter bei* 
znmelsen dafs es mit in den ablaut aufgenommen wurde; 
das ahd. adv. liuni fere scheint mir verwandt mit I6n prae- 
mium, sduns mit siuns visus, und für skduns darf ein ver- 
bau skiiman^ skdun angesprochen werden, das in skeinan^ 
skäm überspringen könnte, auch runa secretum ziehe ich 
zu dem altn. raun tentamen, vermittle beide wiederum durch 
ein verbum riunan, rdun, lauter betrachtungen die es ge- 
statteji für unser aun ein verbum iunan, dun zu mutmafsen. 
Was nun bedeutete duns oder, wenn es neutrum war, 
dun? rathen liefse sich leicht, vis, robur, so dafs önkeri^ 
önfrid, önoy^ ausgesagt hätten was Meginheri, Megmjrid^ 
Z. F. D. A. III. 10 



146 MANNSNAMBN AUF *CHARI, ^AKI, -Ji». 

Meginolf, Elhnkmi, Eüam/Hd, Ellanolp öno, ags. Eimf 
wäre WAS Mcgino? die mhd. dichter bedienen sich eiaige* 
mal des Wortes on, Radoifs weltchronik (nach der Königsl». 
hs. 29^) hat Crist herre säeaer vater Sn, das scheut aker 
eher ein griech. oiv, als das uralte deutsohe 4n. Lye führt 
ein ags. eanian parlurire, eniti an, eanod enixus und geetme 
eava foetae aves gen. 33, 13 ^ das ist das engl. yMHt, aher 
mit der bestimmteren bedeutung lammen (franz. agneler), 
also mit eov ovis, goth. avty zusammenhängend, und emmm^ 
nicht eanian^ zu schreiben? doch liefse sieh mman Tertci« 
digen und aus eacnian concipere, parturire erklären, aoem 
(Aaegnans ist das altn. auHn, alts. ScaUf und wir mnlkeB 
wiederum unser duns, Sn beiseite liegen lafsen, eioe ein- 
zige stelle wo Ulfilas das ihm gewiss bekannte duns^ mm 
angewandt hätte wäre allen zweifel zu lösen hinreichend, id» 
finde im finnischen onni fortuna, esth. ön, gen. onme^ wer 
mag aber so blind in fremde sprachen, die sonst kasn ver* 
wandt sind, hinein vergleichen? 

HELIS. 

Der seltne, jedoch unbezweifelbare name Ueltsaekgr (bei 
Graff 4, 859 in einen örtlichen verwandelt) macht nicht aüa* 
der zu schaffen; gleichviel wäre Heiisheri, was mir nidit 
vollkommen ist, wohl aber Helitpert Neugart n<> IM, wa- 
für Elisfret vfi 178, wie Elisachar im polypt. Irmin. 211''. 
den einfachen mannsnamen Eiis haben die tradit. fnU. öfter« 
z. b. 613. 618. 619., das fem. Ilisa MB. 28% 173 (a.. tdO) 
und einen seltsamen mannsnamen Etüom, EHsam das pO' 
l]rpt. Irmitt. 6^. 16*. 16% aus der heldensage sind lisam niä 
listmg', Else und Eisung bekannt, kaum steckt in jeneai 
idten, wie es scheint echtdeutschen namen das kihl^ffiAn 
Eäsaketh, HeHsabeth; lieber stelle ich dazu die Helkä, 
welche Tacitus neben die Nahanarvali setzt, und weil 9^ 
firüh kein umlaut des a in o statt fand, so mnfs HäUs:s:^ 
lu angenommen werden, wozu lli$a stimmt, dieser gruni 
lehnt auch eine vergleichung des goth. adv. halisdw (aegre, 
fioytg) ab, und in diesem kalü scheint 4s comparativisGh 
(gramm. 3, 690). über den sinn von kelü bleiben wir also 
noch ganz unaufgeklärt, auf irgend eine weise, glaube ieb, 



HANNSNAHEN AUF -GHARI, rHARI« »AR. 147 

wM mit helü aach der ahd. frauenname Heiüpd, gen. He- 
tisfän zusaannenhängen» trad. fnld. 1, 38 s. 499 (doch 2, 175 
•• 610 steht Elisba). ableitungen auf ^ba siod in unserer 
spimohe fiberaus uanblich. 

SÜMTH SUND. 

Meiner Vermutung (gramm. 2, 209. 477) dafs mwuI ans 
Mumtk hervorgegangen scheine thun auch einige hierher gd» 
hörige eigennamen Vorschub. Marini u9 76 hat SumthahaHus 
nni*Swmthul/ks in einer Urkunde des siebenten jh., dem er- 
sten entspricht die ahd. form Suntheri trad. patav. 28. man 
würde sie für gleichbedeutend mit Sundarhert* erklären, 
lehrte nicht jenes ältere sumth ein anderes, zwar kann ich 
keinen wmtnSuntolf, Sundwolf, und gerade wieder Suntä-* 
ro^ aufweisen, doch mögen beide zusammen gegolten und 
ganz verschiedenes bedeutet haben, wie Suntheri und Suntffr^ 
ieri» Swidhilt trad. faild. 2, 32 scheint richtig und von dem 
sonst vorkommenden Sindhilt verschieden. 

UFT. OFT. 

In einer der goth. Urkunden las man den namen Ai^fia^ 
hu% Mafsmaon hat Ufitahari hergestellt, wenn der das i 
bildende zug noch als herahgehende Verlängerung des dachs 
vom i angesehen werden darf, so entspringt Vßahari^ wel- 
ches vorzoglicher scheint. Aujtahari (falls ein vor dem u 
stiehendes zeichen a abgibt) und Ußahari hätten gramma^ 
taseh vorerst gleichen anspi^ich auf riohtigkeit. vorerst wird 
Prooops ^OnvaQtg (bell. goth. 1, 11) ganz dasselbe sein, wie 
^Pm^üQig Reginahari; wenn der lat. text Optarit gibt, so 
sebäint das nach einer griech. genitivflexion ^Ojtriftdog ein- 
geEöhrt, wie man f^iHarit für f^üiaris und ähnliebes findet ; 
dkfim acc. setzt Procop ^'OmaQip. Gregor, turon. . . . be^ 
wahrt uns die form Optacharius^ und ahd. Urkunden ge<- 
währas Oßheriy Neugart n^ 273 (a. 837), wahrsoheinlieb 
ist bei Ried n^ 21 (a. 821) Ostheri zu befsem in Oßhtari, 
die trad. patav. s. 35 geben den ort ad Oßherigon^ wofür 
ioh lese Oßheringon^ wie noch eine jüngere Urkunde MB. 

* Sundather trad. fnld. s. 538 entweder in Stmdarher oder in 
Sundaeher tM befsem. 

10* 



148 MANNSNAMEN ALF -GHARI, -HARl,. -AR. 

28**, 456 (a^ 1280) Oftheringe schreibt. Goldast verzeieh- 
nei unter den alamaiinischen namen Oft^ri, 1. Oftheri. aber 
noch andere Zusammensetzungen erscheinen. Opteramus (das 
wäre = Oftahraban, Ofthraban) bei Agobardus (ed. BaUuii 
2, 160. 162. a. 874); Oft^när im cod. lauresh. 769. unter 
den Angelsachsen begegnet ein seltner name ; ein a. 692 
oder 693 gestorbner bischof von Worcester liiefs Oftfor 
Beda 4,23. Kemblel,35. latinisiert Q/>/bnM Kelnblel,37t 
Oftcforis I9 41; sollte das nach analogie yonCkristopkmrm 
gebildet sein? ich kenne im zweiten theil der compositioB 
sonst kein "for, das doch -Jor, ahd. -fttor sein mäste, uns 
liegt hier mehr an dem ersten theil. 

An PT neben FT wird man keinen anstofs nehmen, üt 
filas liebt jenes nicht, ich glaube er würde von ikapmi die 
secunda praeteriti sköft bilden, nicht sköpt^ wie er gOMh^fU 
ableitet, nicht gaskapts. er schreibt hafts^ baftjan^ und ioi- 
ches FT ist auch der ahd. und ags. mundart gemäfs» doeh 
das Merseburger gedieht hat uns neulich bapt heptidun ixt' 
geboten und die altn. spräche setzt haptr und skapt. wieio 
dem angeführten OptachariiiSy Opteramus können also ein- 
zelne mundarteu sich dem PT zugeneigt haben, auf. die 
griech. Schreibung ^'O-ma^iq will ich kein gewicht legen; 
^'Oqt^uQiq würde den goth. namen zu sehr entstellt haben. 

Ich erkläre nun uft^ oft nicht etwa ans einer nachalh 
mung des lat. namens Optatus, sondern halte sie für rein 
deutsch und suche daraus einen schlüfsel zu gewinnen für 
eine nnserer dunkelsten partikeln. im goth. wird bekannt«' 
lieh nfta saepe von aüfto forte 'iamgy uqu, tcixu unterselue- 
den. für letzteres scheint nur ein einzig mal ufiS. zu steho, 
Matth. 27, 64, ist aber wohl blofser fehler, sonst ertrügen 
die lautregeln beides, vor FT tritt zwar sonst keine breehnag 
ein, es heifst iftuma^ hliftus^ nicht aiftwna, hlaiftus, shffti 
nicht skaüfts; aber sie könnte gerade bei aüft6 begenneB 
haben und noch schwanken, aüftd hat man sorgsam voa 
ufta zu scheiden, wurzelhafi dürfen sie immer zusammen 
gehören 4 

IJfta lautet ahd. oßo^ alts. ofto^ oft, altn. opty wir se- 
hen in allen späteren dialecten den goth. reinen yocal schon 
gebrochen, die bedeutung der partikel ist ebenso unzwei- 



MANNSMAMfiN AUF -CHARl, -HARl, -AR. 149 

feibaft als ibre abstammuug unbekannt. Graff 1, 184 ermit- 
telt oicbt das geringste, denn was ist mit dem stamm u und 
der warzel t^/* geholfen ? s. 185 fällt ihm freilich der manns- 
ttame OJiheri ein, übel aber ein ortsname Oftenmedinc^ 
den man nach weistb. 2, 472 beseitige, sieht man sich 
nach demselben begriff in andern sprachen um, so ist das 
griech. TiokkaMg , das Span, muchas veses völlig klar, and 
das böhm. casto, russ. tschasto aus cas^ tschas (tempus) 
entsprangen, wie man auch in verschiedenen gegenden Deutsch- 
lands, z. b. in Hessen zeitlich für oft hört, doch das lat. 
saepe liegt im dunkel ; man hat es aus äd nti gedeutet oder 
mit saepes = s(^pes verglichen; die verwandten partikeln 
crebro nnd Jrequenter zeigen welcher sinn darin liegen 
könne : gerade so ist das ital. spesso aus dem lat. spisse her- 
voi^gegangen, und ahd. wird diccho, mhd. dicke allenthalben 
ffir frequenter, saepe gesetzt, mir scheint nun saepe ver- 
wandt mit sub supra supremus^ wie das franz. souventy 
aUfiranz. sovent^ ital. sovente an sur, ital. sovra sopra ge- 
mahnen und sovin aus supimus, souverain soverano aus 
iupremus entspringen. 

Kaum bezweifle ich auch nahen Zusammenhang zwischen 
ufta (saepe), aftuma^ ijiuma (ultimus) und den präpositio- 
nen i2/'(sub), ufar (super), af^ afar^ aflra, die begriffe nl- 
timns und supremus stofsen an einander, tißö mü ist 2 Cor. 
9, 1 verdentscht ne^iaaov ^loi iariy ufj6 kann die schwache 
Beulmlform des adj. sein, lieber nehme ich es für ein subst. 
siqiervacnitas, das was drüber hinaus geht, allen partikeln 
liegen ^nnUche bedeutungen zum grund, die aber sehr ver- 
steckt spielen und in der einen spräche mehr, in der an- 
dern weniger wach geblieben sind. 

Da die mit heri zusammengesetzten eigennamen in ih- 
rem ersten theil ein verständliches wort zu enthalten schei- 
nen, darf man auch für uft and oß in Ußahari, Oßheri 
einen frischern begriff mutmafsen als Ihn uns die partikel 
uftm, oßo gewahren läfst. UßahaH, Oßheri mufs einen 
tapferen, atolzen Streiter bezeichnen, wie in superbus su- 
per liegt, könnte ein sahst, ußs superbia, fortitudo ausge- 
sagt haben. 

Dafür schlage ich noch etwas anderes an. neben ufia 



150 MANNSNAMEN AUF -CHARI, -BARI, «AR. 

gilt eine abgezogenere, daran auch im vocallaat gebrochms 
Partikel ai^d^ der die fast enclitiscbe bedeutung des grieeh. 
tixn, «(Ml, <af»^5 dea lat. forte zusteht, raxa ist abw aal 
7«;t^ffj forte wo nicht unmittelbar aus forUsy doch 9iit dm 
nahliegenden fors gebildet, ich weifs nicht, wie nah das viel- 
deutige S^^a zu U^ni] gehört, alle dergleichen partikeln sa- 
gen ursprünglich etwas lebendiges aus, was hernach abUabt« 

Aber es ist nicht genug diese bedeutung von aiijü 
wahrzunehmen, wie die brechung aufto den vorschritt der 
abstraction anzeigt, so scheint der hochdeutsche dialect, dem 
nun gcbrochnes o/2^o für goth. ußa (saepe) galt, jene schwä- 
chere enclitica noch weiter, und mit einem bekannten Über- 
gang des FT in HT (kraß verderbt in kracht, nfftet in 
nickte) a^S in oht verwandelt zu haben, zwar gewähren 
uns die unvollständigen ahd. quellen diese partikel niebt, 
doch das mhd. oht, cht, endlich qt und et erscheint desto 
häufiger; es wäre unmöglich dafs ein solches wort dem ahd. 
gemangelt hätte und in seiner gestaltung mufs das goth. au/to 
dem mhd. oht, ot vermittelt gewesen sein, wir sehen im 
Hei. ein alts. odo forte (17, 8. 99, 16), das Schmetler aa- 
scheinend wohlbefugt zu ddt facilis rechnet; es könnte wie- 
derum dem goth. auftö verglichen werden. 

Um aber nochmals zu unsern eigennamen aaräokznkeb« 
ren, ich finde kein dem goth. üßahari, ahd« Q/2Aert . glei* 
ches ags. Ofthere, sondern statt dessen mit dem nSmlicbeii 
Wandel des FT in HT Ohihere; so heifst einer der reise* 
besohreiber in Älfireds perlplus und ein held isi Beov. 47M* 
4784. 5852. 5860, die beiden ersten stellen schreiben muh 
gelhaft Ohtercy wie auch in der chronik bei Ingram b. 189. 
131 Ohier für Ohtkere gesetzt ist. diesem ags« OAAere 
entspricht nach der oben gegebenen regel das aito. ötitr 
(Sflßm« 114 — 120), da dieser dialect überall langen VMalvar 
TT = ags. HT fordert. bäUe sich PT in opt aack für dea 
eigennamen behauptet, so wurde dieser Optar laufteau aas 
dem goth. ogan, öhta (metuere) läfat sich Ohihere nicht dea- 
ten$ das wäre eine für beiden unziemende bedeutung, uad 
sie würde öhthere zu schreiben gebieten, wofür aieb m^ 
gends ein analoges ahd. UohthmH^ goth. ökUthtuis nbSte, 



MANNSNAHBN AUF GHARI, -HARI, -AR. IM 

angekehrt Ohtkeri und Uftahari für die iimwand- 
Ittug der ags. Ohthere ans Oßhere slreiten* 

Ahd. weib ich neben Oftheri die vollere form Oßa- 
ckturi Biciil zu belegen; von beiden scheint es mlhstoi öt- 
keri usd ötachari abzusondern, die ein goth« jitidähari, 
ags. EidherCy altn. Auäar forderten, d. h. deren erster theil 
von ioidy iits edd (opes, folicilas) zu leiten wäre, womit 
atteh die ahd. namen ötmär (Graff 2, 865) =:: Audomärui 
lind ÖOiram (Graff 4, 1147) gebildet sind, der berühmte 
BaMe öiachar oder ötacher, wie das Hildebrandslied und 
N* im proleg zu Boethius schreiben, hat nur das rätbsel- 
hafte dafs das einfiiche a der zweiten silbe in zweisilbiges 
oa» ava erweitert wird ; bei Cassiodor und Marcellinus steht 
Odoacer, bei Eugippius cap. 7 Odouachar^ cap. 31 Odov^h 
cwr (oder Odobagur)^ doch cap. 38. 39 OtAaear. beim ano- 
ofamsValesii Odoecer, bei Jornandes de regnor« suoc. Odoor 
OST, bei Jemandes de reb. get. cap. 46 Odovueer. dachte 
num «eh eine Zusammensetzung mit wakar (vigil)? 

JACOB GRIMM« 



lONAKR UND SEINE SOHNE. 

Die sage von lAnakr und seinen söhnen Hamtir, Sörli, 
Erpr ist voll bedeutsamer, grofsartiger züge, die ein hohes 
aber und weitreichende Verbreitung kundgeben, in der S«- 
mattdaredda sind ihr zwei besondere lieder gewidmet, Go» 
MDarfavata and Hamdismäl ; Bragi der alte hat sie in einem 
getieht.behandelt aus dem stellen in skildskaparmftl Sn. 145 
mitgetheilt werden, eine Strophe steht auch Sn. 940. die 
diehlenprache bat einige stehen bleibende ausdrücke aus die- 
ser bbel genommen, neben der erzählung jener lieder wird 
eine prosaische Snorraedda s. 142 — 144 und eine davon merk- 
wllipdig abweichende Völsdngasaga cap. 39 — 42 gegeben. 

Aas den liedern ist wohl die älteste gestalt des mjthas 
SM! tetnehmen. Godrun wird von den wdlen, die die un« 
glüeklicbe nicht verschlingen wollen, zu I6nakars land ge^ 
tragen, der sie beiratet und mit ihr drei söhne, Sörli, Erpr, 
Hamdir zeagt; Sigurds toehter, die schöne SvanhilAr wird 



152 lONAKR UND SEINE SÖHNE. 

neben ihnen grofs gezogen, um Svanhild läfsi lörmonrekr 
auf des Bicki treulosen rath durch seinen söhn Randver 
werben, das geschäft bringt Randver an den galgen und 
Svanhild unter der rosse hufe, die sie nicht zertreten kön- 
nen bis ihre strahlenden äugen verhüllt sind, nnn sinnt 
Godrdn auf räche, sie treibt ihre söhne den lörmnnrek za 
morden, ungern machen sich Hamdir und Sörli auf, unter- 
wegs auf Erpr stofsend fragen sie diesen, wie er ihnen za 
helfen gedenke? 'wie der fufs dem andern oder die band 
der andern antwortet er. was mag fufs dem fufs, band disr 
band helfen? meinen sie, tödten ihn und mindern ihre kraft 
um den dritten theil. lörmunrekr wird benachrichtigt dafs die 
rächer nahen, er trotzt denGiukungen. sie hauen ihm bände 
und fäfse ab, niemand vermag ihnen zu widerstehen, kein 
Schwert beifst ihre kleider. da ruft lörmunrekr brüllend sei- 
nen leuten, steine auf sie zu werfen, 'jetzt wäre auch sein 
haupt ab, wenn Erpr unser bruder lebte, den wir nnler- 
wegs tödteten!' sagt Sörli, doch den steinen erliegen diiB 
beiden, Sörli fällt am giebel des saals, Hamdir sinkt am 
rücken des hauses. 

Obgleich in dem prolog zu Godrdnarbvata Sörli, Erpr, 
Hamdir ohne unterschied als brüder genannt sind, so fällt 
es auf, dafs in Hamdismäl Sörli und Hamdir leibliche voU- 
bürtige brüder {sammcdärar) heifsen, Erpr hingegen, mmdr^. 
mwdri (diversa matre genitus) genannt wird, auch schelten 
sie ihn hömungr (spurius, illegitimus) und iarp^kaiKr 
(? skammr), den braunen kleinen (zwerg), und dies' bangt 
sicher mit seinem namen Erpr selbst zusammen.. . das altn^ 
tarpr bedeutet bädius, rothbraun, ags. eorp, Csedm. 190)4 
wird das braune beer der Ägypter (eorp verud, Thorpe ver- 
steht es £ailsch) dem bleichen (vigbldc 190, 24) der kinder 
Israel entgegen gesetzt; im cod. exon. 433, 21 ist eorp 
unvita fuscus idiota, gleichfalls^ herabwürdigend, ahd. lantet 
das adj. ePf und der daraus gemachte eigenname Erf^ Erphog 
woher Erfesßirt = Er/iirt (thüring. Erpesjurt). Graff 1, 
406 inengt diese namen unter erpo (heres)^ womit sie nichts 
gemein haben, deutlich halten auch Sörli und Hamdir zusam- 
men und verachten den Stiefbruder, der mutter liebling; er 



lONAKR UND SEINB SÖHNE. 153 

scbeiiit also nicht für Idnakurs söhn gegolten zu haben? es 
geht nicht klar hervor. 

' Snorri weifs nichts von dieser Verschiedenheit; er legt 
allen dreien schwarzes haar, wie den übrigen Niflungen bei*; 
nach ihm rieth Gudrun ihren söhnen, die sie mit schwert- 
fiBSter püstung ausgestattet hatte, lörmunrek im schlaf zu 
äberfiülen und auf einmal niederzuhauen, Sörli sollte ihm 
die bände, HamSir die füfse, Erpr das häupt abschlagen, 
die zwei ersten machen sich ohne Erpr auf die fahrt, den 
sie unterwegs finden und befragen, wie er ihnen helfen 
wolle? er antwortet 'helfen wie die band dem fuTs.* sie 
meinen, das sei nichts, wie könne der fufs auf die band 
stützen? sie erschlagen den bruder, weil sie der mutter zür- 
nen, deren liebling Erpr war {pvi at hon unni honum mest), 
die sie in solche gefahr gesandt hatte, nun setzen sie den 
weg fort. Sörli stolpert und erhält sich indem er die hand 
ZOT stütze nimmt; da besinnt er sich und sagt 'befser wäre, 
wenn Erpr lebte!' als sie darauf den schlafenden lörmnnrek 
iberfidlen und ihm bände und füfse abhauen, erwacht er und 
ruft seinen leuten. da sagt Hamdir 'jetzt wäre auch sein 
haupt ab, wenn Erpr lebte!' ihnen konnten keine Waffen 
etwas anhaben, doch lörmunrekr be&hl sie mit steinen todt 
za werfen und das geschah. 

Nach der Vötsungasaga hatte die mutter den söhnen 
sdbwertfeste kleider gegeben, aber empfohlen sie vor stei- 
tktn in acht zu nehmen. Hamdir und Sörli stofsen unter- 
wegs auf Erp und fragen ihn, wie er ihnen beistebn wolle? 
'wie band der hand, fufs dem fufs.' das dauchte sie wenig, 
sie ersehlttgen ihn und giengen weiter, da strauchelte Ham- 
^ and stützte sich auf die hand: *Erpr hat wahr gesagt; 
ich. wäre gefallen, hätte mich nicht die hand gestützt.' bald 
daranf strauchelte auch Sörli und stützte sich auf beide fü- 
fse i 'ieh wäre hin gefallen, hätten mich nicht die füfse auf- 
reebt gehalten.' bei lörmunrekr angelangt, hieb ihm Hamdir 
die bände, Sörli die füfse ab. 'nun wäre auch sein haupt ab, 
lebte Erpr unser bruder noch.' nun entstand ein heftiger 
kämpf, sie erwehrten sich tapfer der menge, doch kein seh wert 
bifs sie. da kam ein ältlicher mann mit einem äuge und 

* aucli Bragi nennt sie hrajnbläir, rabenschwarze. 



IM lONAKR UND SEINE SÖHNE. 

sprach 'ihr seid mir iduge leute, dafs ihr aictht mit diesen 
männem fertig werdet/ 'gib uns ralh' sagte der köaig, 
'wenn da kaonst' der alte versetzte Verft ne mit, steinen 
todt!' aas alles ecken flogen jetzt steine and Hamffir nnd 
Sörli liefsen ihr leben. Bei dieser darfttellang ist Yor allca 
merkwürdig dafs Odinn, der anter dem alten eiiuuiigige& is 
▼erstehen ist,* auf lörmunreks seite steht nml ratbseUiige 
gibt wie die Niflungen zu verderben sein» und unm wage 
ich eine mutmafsang. S»m. 272* ist eine von den erUirefO 
bisher anverstandene oder anbefriedigend gedeatele stelle, 

hat qvad pd Hrddrglöd, stdd uf hiedam 

mefingr mcelH vid mög penna* 
Urftdr|§^ schien eine fraa nnd man hat daraos uidit sehr 
glücklich lörmunreks matter gemacht; aber die folgenden 
Worte drücken Verwunderung aus dafs zwei Männer gegen 
zehnhandert kri^er ausdaueru könnten, was nur völfig ss 
jener einmischung Odins stimmt, ond es fragt sich^ ok wAn 
HrAptr gladr (Odinus laetus) gebefsert werden dürfe, wv* 
mit sich anch das stod uf hiedam (gradibus celsis inaisteBi) 
und ein näheres Verständnis des schwierigen aosdnicks me- 
fingr einigen liefse. 

Schon solche abweichuogen der einzelnen bericble ver- 
sichern uns des hohen alters das dieser sage in der nsrdi* 
sehen poesie zukommt; was man auch von der abfabag der 
eddischen iieder in der form welche sie ans übertidiBrt kst 
artbeilen möge, Bragi des alten lebenszeit wird in den sehlili 
des achten jh., etwa in die tage Karls des grofsen, gelegt^ 
nad sein skäldgedicht setzt doch die einfachen lijcder Tonrns. 
S9 bekannt war allen dichtem die begebenheit selbst dafs 
für stein grmd Hamdü ok Sörla (das verderben H, oiid S.) 
2« sagen ein gewöhnlicher Iropus wurde**. 

Alle anzeichen deuten aber darauf hin dafs der nnythss 
in andern tfaeilen Deutschlands noch früher zu hans war und 
von da erst nach dem Norden gebracht wurde. Joraandes 
kannte ihn bereits in der mitte des sechsten jh., er sa((t 

* deutsche mytholosie s. 133 (der zweiten ausg.) 
•' Hamdis serk (lorica bellica) forum, sog. 1, 171 (12, 42), Äim- 
dU klwiti 6, 307 (12, 123.), SMa serk 11, 138 (12, 239), iatilep «tei- 
len aus skaiden. 



lONAKR UND SBINB SÖHNE. 165 

uur beiläufig dtfs Ermanaricus die Svanibilda imter rosae- 
trittea habe tödiea laraen und nun von ihren brüdem Sarua 
luid Anmius überCallen und schwer verwundet worden ad. 
man merke dafa er nur zwei bnider nennt, dieselben weUbe 
diA that vollbringen, fünfhundert jähre später verlegen die 
aanalea quedlinburgenses (Pertz 5, 31) den Vorgang in die 
zeit dea kaisers Anasraaius (ausgang des 5n jh.); ihre kurze 
sMldung lautet Ermanarici a fratribua Hemido et Serila et 
Adacearo, quorum patrem mterfecerat^ amputatU maniku» 
ei pedibus turpiter^ uti dignus erat, occisio. endlich das 
ehronioon urspergenae nimmt an dafs Ermenricua unter Va- 
IcBiinian und Valens ^n der zweiten hälfte des 4n jh.) 
bombte und a duobus ßrairibue Saro etAmmie^ guos eon- 
änmus ees ßüeee fui tmlgariier Sarelo etHamidieeus (viel* 
leicht Hamidieus) dicuntur^ vulneraium — fideee. Sanii 
wid Anmiua hat dieser chronist ans Jornandes, Sarelo untl 
Hamidieeua ans liedern die noch im 13n jh. erschidlen* 

Sama, dünkt mich, würde im goth. lied Smnme, nnd 
jtmmiue Hamapius gelautet haben, beide namen scheinen 
becngüeb, Sarvus gehört zu sarv pl. sarva (ama), Hamm* 
pAu ist sraaammengesetzt aus hama (tegmen) und pme (pieff 
milea), Sarvus bedeutet also armatus, Hamaphu miles ar* 
■Mtns, loricattts; wir haben gesehen daTa die mntter beide 
beiden in unzersehneidbare rustungen gewaffnet hatte« eine 
steUe bei Ulfilas Eph. 6, 1 1 gakumAp ixms sarvam bietei 
ana beide Wörter ungesucht nebeneinander, die jüngere poeaie 
aieht fiir Sarus das diminutiv vor, ahd. Smile^ Serilo, alUi. 
SMi, assimiliert SöUis das ö (umlaut des a dorch u) würfe 
sich befser aus goth. Smmla s=3 Sannla (wie mmguta für 
mmgviUif gramm. 3, 666) ergeben, dem Hamapiue entspricht 
ein Uufiger ahd. eigenname Hamadeo (wie Sigidee, Imum^ 
daa, hmndeo)^ noch mhd. Hamdie MsH. 3, 2t3^; die alln. 
form Hamdir, Hamdir hat gelitten, sie müste Hmmp^, 
Hamd^ geschrieben sein, dafs der dritte bruder ahd. Erf^ 
alta. Erp, aga. Eotp geheirsen haben werde ist bereits 
nachgewiesen, altn. wäre iaiT^r recht, das beibehdtenejErTM* 
neben dem im liede selbst angewandten lebendigen adj. iarpr 
mag wiederum die Übersiedlung der sage aus sächsischer 
gegend bezeugen, war Erp kein schwarzhaariger Nibdung 



156 lONAKR UND SEINE SÖHNE. 

oder Gibichang, sondern jener beiden Stiefbruder (was ich 
nicht anders zu erklären weifs als durch die bedenklidie 
yermntnng^, Gudrun habe ihn mit Atli gezeugt), so konnte er 
wohl ihnen zum gegensatz der braune oder der fuchs heitsen. 

Bisher ist gar nicht nach lönakr gefragt worden, dem 
vater unsrer beiden, dessen Jornandes, der annalist md 
Chronist in ihren kurzen erwähnungen der fabel geschweigea. 
ich stehe nicht an zu behaupten dafs er im goth. lied Au- 
naharis^ abd. önacheri müfse gebeifsen haben, was, wie oben 
gewiesen wurde, mit dem späteren Onheri einerlei ist. da 
nun sonst in der altn. spräche das volle -achari gar nicht 
erscheint, immer -ar = -heri, so folgere ich daraas. tob 
neuem entlehnung der namensform mit der sage. Önar d. i. 
önheri ist die benennung eines zwergs Saem. 2^. Sn. 11,16; 
Stt. 123 heifst die erde döttur önars*^ an welcher stdle 
Resen bemerkenswerth liest döttur lönakursy zum ydliigei 
beweis der gleichheit beider namen. da hier zwei mal ii 
verschiedener stelle önar für Aunar erscheint, mag ich das 
6 nicht für einen saxonismus ausgeben, noch aber blidie 
das anlautende I zu erläutern; warum wurde lonakr iSr 
dnakr gesagt? entweder hatte eine ags. form Ednhere eift- 
flufs, da auch andremal altn. io dem ags. ea nachgelMldel 
scheint, oder man gerieth fälschlich auf die analogie des 
altn. I6n = Johann, engl. John, und wüi^lich findet sid 
inch statt des ags. Eänberht in dem namen eines erzbischofi 
gesehrieben laenberhtus, lambertus, loanberhtusy lohäh 
beihhtus (Kembles urk. 1, 166. 168. 170. 180. 183. 184). der 
nanie sah christlicher aus, und so mochte auch EUsbeHU 
dein HeUsberht vorgezogen werden. 

Viel zu sagen wäre über Bikkt = abd. Sqticho, 9ign. 
SifecOy nach einer in der nordischen mundart beliebten aphafr- 
resis; ich verspare das auf einen andern ort, um mich hier 
noch über einen theil der sage zu verbreiten. 

Diese hilfe, die ein bruder dem andern leisten soll, wie 
die band der band, der fufs dem fufs, die band dem fufs, 
ist tief aus dem menschlichen gemüt gegriffen ; sie wäre als 
blofses . gleichnis schön und wird hier noch durch die vor* 

* dSttur Onars viäigrasna So. 1^3. eikigrcena Bnars ffdodi fonun. 
sös. 1,>9. 



lONAKR UND S£JN£ SÖHNE. IÖ7 

gange ausdrücklich beslätigt. die welche ausgeheo,. durch 
abbauen der bände und fiifse an ihrem feind die räche zu 
kühlen, werden an den gebrauch der eignen bände und füfse 
gemabnl. bei bänden, fufsen, angen wie bei brüdem bedient 
sich die griechische spräche ihrer glücklichen dualformen, 
diese glieder haben etwas brüderliebes, und eine hübsche 
stelle aus Xenophons memorabilien gehört hierher, 2, 3, nai 
fuip id£Xg)w yi, wg ifiol doH€7, 6 'd'sog inoirja€¥ im fniCf^pi mgj&- 
iiiqi akki^Xoiv ij X^^Q^ ^^ ^^^ node xoi oip'&aXfjKa nou riXXa Öau 
iifXq>ä i<pva€¥ att&Qdnoig, X^^9^9 f*^^ 7^9' ^' ^^^^ airäg ra 
nXdo¥ o^yviag diixovcu ufia noi^aat, ovk clp ^i/A'a^ro u. 8. w. 
die Römer brauchten von solchen zwillingsgUedem frater- 
culare oder sororiare. Festus 297, 30 Mororiae (1. sarartare) 
Mammae dicuntur puellarumy cum primum tumesount, ut fra- 
terealare pueroruni. Plautus in Friholaria ^fraterculabant 
muiieri pupillae primum^ sed illud volui dicere^ sororiabant.^ 
auch di^s hohelied vergleicht die brüste weidenden rehzwil- 
liagen.* ein trockner hessischer chronist des 16njh. (Lanze, 
U* 1 s. 273 der Casseler hs.) geräth von der Uneinigkeit 
mes brüderpaars redend auf vergleichung der bände und 
fiiae, so nah lag sie: aus dem allem befinden wir tierlich, 
iq/k diejenigen, so irer bräder Jreundsckq/t begeben und 
bei andern ßrembden naw ßreundschqft suchen und machen 
MfoUem^ nichts anders thuen wider die, so inen selbe enU 
weder aus grobem Unverstand oder wansinnigkeit ire eigene 
hende und fue/se abhauwen und inen domach an derselben 
OMe andere eiserne hende und fuejse Iqfsen an maqhen, 
welche ob sie wol die form und gestalt haben, haben sie 
doch weder hrafft noch macht, bekannt sind die worte des 
sterbenden Micipsa zu Jugurtha und seinen söhnen Adherbal 
und Hiempsal, quis autem amicior quam frater foatri ? . in 
unsrer sage bieten die abweichenden darstellungen sogar den 
doppelten ciusdruck dar dafs nicht blofs band der hand, son- 
dern auch hand dem Ms beistehen solle, und das erinnert 
an 1 Cor. 12, 15, wo der apostel den fufs unbrüderlich reden 
UUsi, iäp smti 6 novg, oxv ovx flfu x^'^y ovk sifii ix rov atafia- 

* gerätbe das sieh äbnlich ist betrachtet die naive Sprache des 
alterthnms als verbrüdert, /4lr hroir Knift. So. 133. 



tM ZUM BRACLIIS. 

to^. hier wM wiegen« die geneiBfektft wad üeMtvetlMiii- 
denheil der glieder Tonosgesetzt. 

JAC. GRIMM. 



ZUM ERACLIUS. 

xxm. din phendnnge verstehe ich nieht. was die k$. 
die phentniife, ßikrt auf das was der svm verbmgt, dif 
phentiflge oder in gewöhnlicher /arm die pbeuiiiige. He 
reimbmdung jolii ist also s. 131 und 622 vu sireiöhen, -^ 
X3ET wird herre b^ser weggelafsen. nach berela gebohrt 
sich kolon, in der folgenden seile imch beia funkt. 

Lxxii — Lxxv sind sinnlos; ich weifs aber keine sichere 
terbtifierung. 

78. dqfs er sich auf got (59) xurückbemieken kSnm 
ist mir unglaublich t auch gewährt die fFiener he. gil, 
und dies halte ich hier ßlr so nothwendig als es 79 ehn$ 
alle noth gegen beide hss. getilgt ist. in der folgenden 
»eile ist die Wortstellung der hss. (denn fV weicht msr m 
casus ab) ohne grund geändert, es sind verse von vier he- 
bungen. Den got guoles vil Terlihet Uod si kiode Terzftet 
in der nächsten »eile natürlich S6 git er ir ab maDgen ?il. 

90. der heilig engel nnl sin böte, das wären »wei. hi 
den hss. steht sehr richtig kein nnt. 

154. Daz ez mir iht werre Jlf, und dies begehrt der 
sinn. Cassinia hofft von gott dq/s es (das was sie thun wiU) 
ihr kein leid bringe, 

158 — 160. 'wer gottes gäbe durch dienst vergilt, der 
ist immerdar reich, wie es mir darum ergehe* gibt keinen 
sinn. Swie ez mir dar nmbe erg^ gehört zum folgenden, 
fVic es mir ergehe, ich will es vollbringen.. — 401 gehört 
»um folgenden. 

422. d6 ist zu streichen, die lesart der MUnckener 
hs. gibt Sonst einen Vordersatz ohne nachsatz. 

AZOf falsche interpunction die allen sinn zerrütUt- 
lies 'Muoier sprach er» Velhen wis?* 'Daz du im beifest.' 
'muoier, wesT warum das im der hs. zu in rerwandeU 



ZUM BRACLIUS. 159 

werden ist verstehe ich niehL aus der inter/nmetion des 
kertmsg^ kann ich mich zwar nicht vernehmen, aber wes 
mtf/e er doch wohl auf helfest beziehen, und dann ist in 
ebi epraeh/ehler. 

503 — 505. Si rltet edelm wibe Daz si an ir Ukt lin- 
der wilen visselnot Leider dorcb ein kleines gnot. das 
miiste hier, denke ich, hei/sen mit ir Übe. wenigstens Iqfst 
sich aus den lesarten der Münchener hs, mit leichter mühe 
etwas viel böseres gewinnen, Si rsetet einem edeln wibe 
Diz si verhenget ir übe Daz underwiln er missetuot u. s. w^ 
vjkAeryfWji fordert das versrna/s auch 1386. 3652. 

571 . tugentlicbe pafst nicht zu muost. vermutlich lege- 
liche^ wiißtr 2337 in M legenlich steht, 

576, wahrscheinlich Solde ich Ak wider streben^ demi 
Mnoter in M, das gleich noch einmal kommt, und Frowe 
in W sind »usätsse oder können es wenigstens sein $ hinge- 
gen da kann nicht fehlen, ebmso wenig ist da oder dar 
entbehrlich 585 f wo Ich kan iu wol raten zuo nicht mhd. 
ist* aus der lesatH von M ist blofs wol wegwlq/sen. Ich 
kao iu raten dar zuo. ebenso falsch ist 596 gegen die hss. 
gesetzt Diu frowe sich bereite zuo i untadelhaft haben die 
hss. Dia frowe bereite sich dar zuo. derselbe fehler ßndet 
sich 664, Diu werlt mich umbe schulte, wo aus dem dar 
nmbe der Münchener hs, sich drumbe ergibt, ebenso kann 
es 672 nicht heifsen Wie lützel ir ane missetuot: die hss. 
haben dar an, lies dran, denselben fehler zeigt 1769, wo 
iw falsch getilgt ist, und 1792, wo statt Dö was manegiu 
ander zu schreiben war Da u, s. w., und 2548, Die der 
keiner zuo nam, wo M da zv nam hat, ff^ richtiger dar zv 
gewan (dar zuo gwan): man, und 4159, Waz mag ich nmbe 
sagen m6, wo zu lesen ist Waz mag ich iu drumbe (dar 
vmbe M) sagen m6, und 4254, wo nicht an sondern dran 
für das daran der hss. zu setzen war, und 4704, Zwei kriuze 
wAren Af gesniten, tvo M dar auf, ff^ richtig drAf hat. 

626. Gevazzet mit gewande. dafs des kaisers truch- 
sefs nicht nackt durch den markt ritt läfst sich denken .^ 
riehtig, in versen von vier hebungen, gibt M Einen riter 
von dem lande, Wol gevazzet mit gewande, und in W ist 
die seile wenigstens ohne beeinträchtigung des sinnes ai{f 



160 ZUM ERACLIUS. 

drei hebungen herabgebracht^ In guotem gewande. das wol 
das der herausg. hier fehlerhaft tilgt setzt er oft gmm 
iiberßii/sigy z, b. in einer andern stelle wo von. bekleubmg 
die rede ist, 3579, die kaiserin hatte an sich Ein hemede 
wol gebriset, wo die hss. das überfliifsige wol nicht haben 
und es niemand setzen wird dem die anfangsgrUnde der 
mhd. metrik geläufig sind. 

648. /. müeze. 

650/. Welt ir daz kint hione geben? auf diese fiage 
läfst der herausg. antworten Um tusent bisande. so hat W, 
aber dort passt dies zu der frage Frowe, wie weit ip mirz 
geben? wie im franz. gedichte die frage ke fait-hon eest 
enfant? und die antwort Slre, mil besans donr6s zusammen 
stimmen, aber hier, nach der frage wie sie aus M atff- 
genommen ist, passt diese antwort nichts sie stört den schritt- 
weise in kurzen wechselreden sich bewegenden gang des ge- 
sprächest das der dichter hier und anderwärts in einer weise 
gehalten hat die bei Eilhart von Oberge und Heinrieh tan 
Veldeke neue manier ist und im jähre 1156 gewiss keinem 
geläufig war. in M ist alles richtig, 'Welt it* daz kint 
hinne geben?' 'Ja.' 'wie?' 'um täsent bisande.' Er sprack 
'daz ist ein michel schände' u. s. w. auch hier, wie an ei- 
ner menge von stellen, sind also die verse von vier hebun- 
gen nicht anzutasten. 

698. Sage mir, kanstu aber iht? da man nicht fhagen 
kann "^ verstehst du abermals etwas ?^ wenn man memt 'ver- 
stehst du noch sonst etwas ?\ so würden diese warte be- 
deuten 'sage mir 9 kannst du aber auch etwas?' allein diese 
zweifelnde frage ist hier unmöglich, da der truchst^s schon 
eine der künste des Eraclius erfahren hat. aus den hss. 
ergeben sich zwei gleich gute fafsungen der frage. Sage 
mir, kanst anders ibt? und Sage mir, kanst ab anders iht. 

723, si scheint ein druckfehler für so. aber ich ver- 
stehe nicht warum die lesart der Münchener hs. atffg^e- 
ben ist. Ich wil din niht enbern : sie hat volle vier hebungen» 

730. Daz was harte gemelich Daz man si von einander 
bräht. dafs mutter und kind von einander getrennt wur- 
den soll sehr lustig getoesen sein? und wie stimmt doch im 



ZUM ERAGLIUS. 161 

ß^lgmdeHy Doch beten siz alsA {ohne noth in gft geändert) 
vor bedäht (fetäerhaft und gegen die hs. vorbediht)?' e« 
miffi keifsen Daz was harte nngemellich, oder Daz was harte 
j»merlich, obgleich fV^ die jsemerliche bietet^ überhaupt m* 
4m*t; umnogtich aber ist was der herausgeber hat stehen 
iajken^ den wenigstens der französische vers hätte sollen 
au/merksam machen, auf den er selbst verweist, AI d^pariir 
ot deiod molt grant. — 737 ergibt sich aus dem fohler in 
M was JV richtig hat^ Si z6ch sich f/. s, w. — 742 ist 
ein unmöglicher vers, Daz diu sMe lebte doz fleisch erstarp» 
das ursprüngliche scheint Daz diu sile, d6 daz fleisch er* 
iUrp, Fuor vil fneliche In daz ftwege riebe, wid darax^ 
fihrt auch die änderung in JV. 

7^Aff. Mich düokt, du habest missetän, Als ich mich 
yeninneQ kan. so ist zu interpungieren, mit einem punkte 
ntek kan. es folgt DA wsere ein vil (vil fehü in den hss.) 
wis^r man ; Wan du dich du versinuet hast Uat dich eil 
kint betriegen Ust. Daz ist ein gr6z unwisheit. so der her* 
ausgeber. allein wer sich versinnet der läßt sieh eben nicht 
betriegen, und stünde statt versinnet ein passendes ver* 
bum^ so wäre immer noch wan der gedankenreihe wutnge» 
m^/sen^ wasJUr einen sinn der herausgeber in diesem sei* 
nen t>erse findet das lehrt »war seine Verweisung auf den 
französischen vers Ains m^s nus ne vous tint por sot, offene 
bar soll Wan du dich versinnet hast bedeuten Denn du bist 
immer verständig gewesen: aber das ist überflüfoig nach 
Da wsere ein wiser man und kann so nicht ausgedrückt 
werden^ man vorlangte wan du waere ie versannen oder 
etwas ähnliches. M hat Waz daz d. na v. hast, fF Daz 
da also gevarn hast, ändernd^ aber dqfs sie doch mit dazu 
hiyi in dem Waz daz der andern hs. einen schreibfofder 
ßlr Daz zu erkennen, lies Du wsere A {oder ie) ein wise^ 
man (diesem verse entspricht jener französische)'. Daz dl 
dich na versfimet hast Und dich ein kint betriegen last, 
Daz ist ein gröz unwisheit. ich denke, versumct wird in 
der hs. stehen; zu erklären brauche ich es wohl nicht, 

772« So mag er wol versuochen. was denn? L Swenne 
des min herr wil ruochen, S6 mag er ez wol versuochei 
(ob ich den truchsefoen betrogen habe). vergL 783 Ich ver* 
Z. F. D. A. III. tl 



162 ZUM ERAGLIUS. 

soochz in kurzer zit, wo der herausgeber ^bst gesehen 
hat dq/s M das pronomen ez irrig ausla/st. 

784. Wie küme ich des enbite. /. erbile müdemzei- 
chen des ausrufes. 

881 ff, Eraclios der jungelinc Bevalch gote siniu dite 
Ze allem sime dinge, so mag M haben, aber reden imm 
niemand so. in W steht Und allez sin gedinge, wobei mm 
sich beruhigen könnte, wenn nicht Ze allem sime gedinge 
nahe läge. — 889 würde man wohl lieber schreiben D6 
sach er allen gähen als D6 sachr in allen g., wenn über- 
haupt Ursache wäre drei hebungen su erkOnsteln: es ent- 
spricht diesem verse einer von richtigen vier Hebungen, 
Einen stein, dem gunder nähen. — 891 halte die lesart w 
ff^, ein arme, den vorzug verdient vor ein armer, wem 
von M abgegangen werden muste. 

970 y*. Leides sprächens im genuoc, Swie lützel A es 
verviengen« dies ist mir ebenso unverständlich als was in 
M steht, Swie 1. es sei ueruiengen. lies Swie lützel si 
verviengen, denn das Ak mite der fFiener hs. (Da si lützel 
mite V.) versteht sich dabei leicht von selbst, das es in 
M rührt daher dqfs der Schreiber im sinne hatte Swie lützel 
ez si vetrienge. aber dies ist im reime auf giengen ie- 
denklich. wenn 2427y*. hinnen, 2689 gewinnen : keiserinne 
(dat.) reimt, so liegt es, um von hinne nicht zu reden, na- 
he an die form keiserinnen {fVh. Grimm gr. Rad. s. 5. 
Hahn mhd. gr. s. 90) zu denken, statt ze guoter mlze 
(: ges&zen) 1845 /. ze gnoten mäzen {wie mit guotea mk- 
zen 3548). 3199/. ist ertriehe : luterlichen nur nachläfsig- 
keit oder Wunderlichkeit des Herausgebers, die andere form 
des adv., lüterliche, gewährt eine hs. ; welche, das verwehrt 
ein druckfehler zu sehen. 3469^. /. Movftk huop sich dan 
(Sine wolde langer beiten) Ir salben bereiten, worauf M 
führt. 3497 /. nach M In der selben zite (: rite). 3507/. ist 
sehen : geschehe nur vom herausgeber durch vermengung 
beider hss. zu wege gebracht, über 3619/ s. untat. 
2565/ und 3445 hilft fV, und will man die änderungm 
dieser hs. nicht zulafsen, so reichen doch so wenige und 
so wenig sichere beispiele in fünftausend zeilen nicht hin 
diese ort ungenaues r ebnes glaublich zu machen. 



ZUM ERAGUDS. 163 

988^. Wir hörten daz manz ime bot Mit dem Arsten 
gedinge. Umbe sehs pfenninge Haete imz einer Uzen, der 
punkt nach gedinge ist vielleicht zu streichen^ denn Umbe 
sehs Pfenninge kann otnb xot^ov stehen, und dies scheint 
passender, einer aber gibt keinen sinn : L jener, der ver' 
käufer. 

1016/*. Einen stricket nmbe mieh. Heizet mich ink 
wazzer senken, dies ist um nichts be/ser als die entstellte 
lesart von M, Ein strichen v. mich, das nothwendige Ei- 
nen stein stricket umbe mich ergibt sich aus JV, wo steine 
em geringes versehen ist, der herausgeber scheint gemeint 
XU haben, stein verstehe sich von selbst, da vorhergehe 
Noch hftn ich den stein hie : Den lät mir, herre, in der hant 
Und heizt mich nemen an ein bant. Daz ist genuoc beschei- 
denlich. allein die unverständliche auslqfsung des substan- 
twams würde den edelstein und den schweren laststein sehr 
wunderlich gleichstellen* 

1033. nothwendig D6 si daz vernftmen, mit W, als 
Vordersatz der folgenden zeile Zer Tiver si schiere kAmen, 
denn dqfs Tiver falsch ist lehrt der vers. 

1063. niemand könnte ohne des teuf eis hilfe sein leben 
fristen In dem wäge lange zit. von selbst verlangt Jeder 
in diesem zusammenhange s6 lange zit, und so hat M, 
also fF. 

1069« D6 den keiser duhte zit. bei dieser lesart müste 
nach der folgenden zeile kein punkt stehen, denn Er wolde 
scheiden disen strit wate dann so viel als daz er wolde, 
und das folgende Er hiez u, s, w, bildete den nachsatz zu 
Dd. soll nach strit der punkt stehen, so ist nothwendig 
was W gibt, D6 des den k. d. zit. 

1077. Im was niht kein einem gruz. ausdrücklich gibt 
der herausgeber an dqfs in beiden hss, war steht; er hat 
also darin nicht das verbum werren erkannt. 

1131 J^. Man zihet offenbaere, Ich si ein zouberaere, 
Swaz ich rede, ez si ein lüge Daz dirre stein ze nihte tüge. 
Sin tugent hän ich wol erkant. in der ersten zeile ist das 
ptonomen gegen die hss. und gegen den Sprachgebrauch 
weggelcffsen : l. Man ziht mich off. . in der dritten zeile ist 
ez eine überflüfsige Vermutung statt des überlieferten daz^ 

ir 



164 ZDM BRAGLIIIS. 

da rede sehr wohl einsilbig sein kann : man braUeki bloß 
nach läge ein komma su setzen; die /bigende zeUe gut 
nähere erklärung. aber ßir nihte ist ihte »u schreiben. 

1250y. die leute freuten sich über des kaisers gebot 
Vnie lobten al den iac Der in von hove geboten was. sie 
lobten den ganzen tag der ihnen anberaumt war? die hss. 
haben Unde lobten den tac und das versmqfs begehrt kei- 
ner einschaltung, — 1271, wo sich aus M ganz wUadel' 
haji ergibt^ Deheiner dorfle des jehen, bringt die ändenmg 
Ir deheiner durftes jehen zum überflufs einen Sprachfeh- 
ler. — 1279 ist Welchez (/. Welhez) beste waere ohne 
sinUf da das adv, hier nicht stehen kann, das sekw. adj. 
aber den artikel verlangt, den die hss, auch richtig ge- 
währen: L Welhöz daz beste waere. — 1291 ist nie noch 
ohne grund und gegen den gebrauch statt des noch nie 
der hss. gesetzt. — 1295 ist deheiner aus den hss. gegm 
die grammatik beibehalten, denn da Des im iht gezcine 
durch die parenthese Daz gienc sinem herzen ii4 davon 
getrennt ist, so ist an keine attraction zu denken und es 
mufs heifsen ledoch sach er deheinez da und entweder Des 
in, oder, da M öfters dez für daz hat, Daz im iht ge- 
zaeme. 

1316^. nicht sowohl in den hss. als in der ausgäbe 
ist das gespräch zwischen Eraclius und dem bauer von hier 
an zerrüttet, die beiden ersten Zeilen gehören dem Era- 
cKus und es ist entweder 1316 nach M ir stt {denn das 
ist das er sit der hs.) und dann in der folgenden xeüe mit 
derselben hs, Ir erkennet zu schreiben {denn das Irreken* 
net des herausgebers ist eine unnütze künstelet die er mehr- 
mals statt wichtigerer dinge sich hat angelegen sein Iqfsen), 
oder, da der bauer viel befser geduzt wird, mit ^1316 
du bist und 1317 Dn erkennest, von der 1318« »eile bis 
zur 1341« gehört alles dem bauer, der glaubt, Eraclius 
meine mit seinem Gotweiz, friunt, du bist niht karc (klug): 
Du erkennest ez niht rehte, drittehalb mark sei zu tkel ge- 
fordert, und deshalb die trefflichen eigenschaßen seines 
fohhns herausstreicht. — 1320 mag fulzene, das freilich 
auch 1485 sich ebenso zeigt, ein druckfehler sein für ftd- 
zcne (Jac. Grimm gr. \, 15ö der 2n ausg.) ßillenzähne 



ZUM ERACUUS. 165 

Visch ij 306''); denn an faulendt zahne wird der heraus- 
her doch nicht gedacht haben? — 1328 ist mit der udU- 
}rlichen änderung Deste baz er ia fcvalle ein wenig ge- 
kickter ausdruck und ein ungenauer reim (: fldzg^len) 
r in diesem gedickte kein sicheres beispiet hat (s. oben 
[ 970) zu wege gebracht, lies mit IV Deste bas lät ioz 
yallen oder in der vorigen zeile Ez enh&t und hier mit 
' Dester {oder Diu) baz lät ia iu gevallen : das geschlecht 
r pronomina schwankt hier durchaus zwischen dem mas- 
Umum (vol) und dem neutrum (pfert). — 1329. Breithao^ 
lewel. sollte würklich ein adj. breithuof vorkommen, so 
ire immer noch siaewel ohne sinn, da das ganze jiferd 
möglich so heifsen kann, in M steht Breit huf siaewel : 
(f ist Breite hiieve siaewel, wobei niemand mit recht ein 
rium vermifsen würde. fV macht daraus Sia hoabte breit 
id siabel. — 1331. Ez zeltet lützel uad drabet woL den 
^irischen anstofs höbe andre Orthographie . aber kann es 
m pferde zum lobe gereichen dafs es nicht {denn darauf 
^ lützel hinaus) im passe gehe? ich glaube es mufs 
tfsen Ez zeltet uade drabet woL 

\Z7Aff. Daz er gerae aeoiea wil, Daz hiezest im ge- 
B, des ist ze vil. sinnlos, l, Daz heiz im gebea (die ge- 
rderten drittehalb mark) : des {was du geben willst, seck- 
f mark) ist ze vil. wenn die kss. hiezest haben, so ist 
es aus heizest entstellt, und darin ist der imperativ nach 
mfiger weise der abschreiber verderbt, — 1382 ist den 
in zu streichen, das versmqfs verlangt Si werten, alse 
' gebftt, Dea geburen sehzic marke. — 1S85 /. mit W 
is ez. 

1410^. Als er des pferdes wart gewar, Daz er ziehen 
«h unt ledic gän, D6 was ez übelliche getlin, En allen 
igenseme. hier ist übelliche mie sehr überflüfsige vermur 
mg, als ob 'übel^ nicht ganz richtig betont wäre, was 
I allen heifsen soll weifs ich nicht, aus M {und auch W 
heint nur durch weglafsung von vil abzuweichen) ergibt 
^h In allen wis vil angenseme, und das ist tadellos : aueh 
e folgende zeile hat vier hebungefi. In wanderte wie daz 
cme. in der nächsten sseäe^ Ezn was et schoeae noch schein 
lot, ist et gegen die hss. eingeschaltet, ohne grund und 



166 ZUM ERACUUS. 

nicht sehr schicklich, ich glaube^ urgprUngUch hiefs es 
Etn was soboene noch guot und schein ist ein zusats der 
den ausdruck dem verfolge der erzählung genauer anpas- 
sen soll. — 1429 wird^ wenn 1430 nur drei hebungen ha* 
ben soll, d'hut billigen wer nie von einem zweisilbigen auf- 
takte gehört hat. denn in den hss. wird dies ebensowenig 
stehen als dVile 2330, wo wiederum auch eine gescUektere 
kärzung (dAht diu wile) unnöthig ist. 

iA$4ff. Die bi uns wären, die jungen, jehen Sft got 
die werlt werden lie Sft kam uf einen market nie AIsA ma- 
nec schcene pferf. wenn man wäm schreibt^ so ist dem 
versmq/se geholfen, aber nickt der grammatik und dem 
sinne, denn der conjunctivus Jehen ist unpassend, und war- 
um sollten sich die diener des kaisers wohl auf das ur- 
theil gerade der jungen berufen ? offenbar muß es hei/ien 
Die bi uns warn, die mögen jehen. so wird auch wohl m 
den hss. stehen. — 1448 y*. Nnne weiz welch der tievel 
tmoc Ze jungest einen yitlän. mag weiz ohne pronomen 
stehen können, was soll denn der, was JV nicht einmal 
hat? soll der tievei nom. sg. sein, so ist dies nach welcb 
rein unmöglich; soll es gen. pL sein, so ist es mindestens 
gegen den Sprachgebrauch, l. Nu enwefz ich welöb ticvcl 
truoc. 

1516 gehört zum vorhergehenden, in der folgenden 
zeile ist Die zu streichen. — 1520 7iothwendig nAmen 
mit JV. 

1526y*. Des er sich tet vermezzen Desn wart er nibt 
erläzen. *sich eines dinges vei^mefsen machen , denn er tet 
sich vermezzen kann kaum ein englisches he did presume 
sein (s. zu2%i\.)i ist eine seltsame redensart. L hetySertet. 

1536. fuorten scheint druckfehler für fuoren (fF'), da 
der herausgeber selbst auf 1539 verweist, wenigstens ist 
fuorten ohne sinn; denn elliptisch, wie sprancten, wird ßs 
nickt verwendet. 

1585. Er was des keisers herzen trut. /F'. hat Dem 
keiser was er harte trut und dies kann man billigen, M 
Er was der keisers trut, wo die befserung des gemigte 
(denn sein volles mqfs hätte der vers). Er was dem keiser 



ZUM ERACLIUS. 167 

harte trul abet* nicht unwahrscheinlich wäre, des herausge- 
bers erßndung ist alhu zärtlich. 

1596 /. Der keiser was ein juoger wirl Unt niuliche 
zftren komen. das bedeutete dqfs er vorher ohne ehren war. 
be/ier wird die bestimmte ehre des kaiserthums durch den 
artikely den die hss, haben, ausgedrückt. Und niulich ze 
den 6ren komen. 

1633. Enbieten M und Gebiete fF ßihren auf das me- 
trisch nothwendigCy dem sinne nach angemefsenere Enbiet 
= Enbietet. 

1635y*. Daz si her ze hove komen — Die wile si le- 
ben, solz in fromen. dies ist, auch wenn man das komma 
nach leben ausstreicht, nicht mit dem rechten modus aus- 
gedruckt, aus fV ergibt sich das richtige Die wii si le- 
ben sül ez in fr., und selbst die entstellung in M deutet 
doch auf den conjunctivus. 

1709 y*. Die si solden leiten, Die muosen sich bereiten, 
86 si beste künden, Unt sich ir underwunden. die letzte 
seile ist gegen den Zusammenhang der sätze, aber auch 
gegsn die hss., wider deren lesart Der frowen si sich an- 
derwanden nichts einzuwenden ist. — 1716 tr t wünneclichin, 
wenn auch fV -ia hat, ein fehler. 

1833^. Des enist deheinia n6t, Daz ich die mAze er- 
kenne Unt Sander barn nenne Alle dise zierheit Dia der fro- 
wen was bereit, diese zeilen des herausgebers, denn ganz 
so hat keine hs., sind mir unverständlich, das wahre gibt 
W, Ob ich die mäze erkenne, Daz ich besonder nenne. 
was sunder barn hier heifsen soll weifs ich nicht, obwohl 
ich Gott. gel. anz. 1839, 636 gelesen habe, das sonder 
bar w M iM sonderbar = besonder. — 1851/. ist bite 
und rite falsch, bite und rite nicht gegen den vers. — 
1880. Daz ir got nii gebe leit. das ohne grund hinzu ge^ 
thane nA verderbt die bekannte formel zu dem wünsche dqß 
es der Jungfrau jetzt, also etwa in der hölle, übel gehen möge. 
1904 ff. Diu frowe bete es selbe wän, Ir heiles tac der 
wsere komen. Doch bete siez als6 genomen. in der ersten 
»eile ist von den hss. unnütz abgewichen, nach M hiqß 
es Diu fr. des het den selben (so wird das s. des heraus- 
gebers wohl zu deuten sein) wän, viel befser, nach W Dia fe^. 



108 ZUM ERACUUS. 

hei des selbe (wenn s.^oxu deuten ist) wän, ebenso gut als 
die neue lesart, und befser^ wenn selben steht und man den 
selben schreibt, die dHtte steile ist unerklärlich: lies Oucfa 
{worauf auch die änderung in fF fährt). Auch hätte sie es 
sich gefallen Iqfsen. — 1916 wird freit ein druckfehler für 

treil sein. 

1919y*. Des wefasels mac nians lihte erblten. Dft wirt 
selten nach gestriten. dies ist die nothwendige lesart. man- 
che trägt ihren freund nicht im herzen, sondern am der 
sehe (sie liebt ihn nicht von herzen), die Iqfst sich nicht 
sehr anflehen, man kann sie leicht erbitten den geliebten 
am vertauschmi, es kostet wenig kämpf der herausgebet 
schreibt mit W gegen den sinn leider statt selten, toas er 
aus der folgenden seile hierher gerathen glaubt, dort 
schreibt er, das nie beider hss. willkürlich bei seile scMe- 
be?id, Daz enwart selten guot, da doch aus fV sich das 
richtige Daz wart leider nie guot ergibt und selten oder 
leider in M offenbar ein fehler und die Verböserung die- 
ses fehlers ist. 

2019^. Daz wsere ein swachiu triuwe, Soldich tiisenl 
herzeriawen Undem frowen machen Durch eines wibes la- 
chen? Wir süln nns beraten baz. Ine tuen ez niht ambe 
daz Daz ich sus verwinde, Wände ich deheine vinde, Ze 
der swechest waere bewant Beidiu kröne unde lant. in der 
ersten zeile ist Er sprach ohne noth getilgt: die zweite hat 
vier hebungen. in der zweiten fordert die reimgewohnheit 
dieses gedichtes die gewöhnliche starke form herzeriawe, 
die fV bietet, s. oben zu 970. ungenaue reime müsten 
sich in diesem gedickte ich weifs nicht von welchem Jahre 
q/ter zeigen, wenn man sie, wie hier, gegen die eine hs. 
und gegen die innere wahrschei?ilichleeii dulden sollte, in 
der vierten zeile zerstört das fragezeichen den abhängigen 
satz: Soldich machen ist fVenn ich machte, von der sechsten 
zeile an hört der sinn a^f. für verwinde, was hier nichts 
zu schaffen hat, gewährt W erwinde. in der vorletzten 
zeih hat W Ze der swachisten w. wol bew., in M scheint 
freilich zu stehen Ze der swechest waere bewant, allein 
dies kann nicht etwa heifsen 'bei welcher kröne und land 
auch nur im geringsten wohl angewendet wäre's so wird 



ZUM ERACLIUS. i«9 

swechest nicht gebraucht tmd es müste dann immer noch 
wol aus W hinzu kommen, ich vermute lehn tuon ez niht 
ambe daz (nicht um die frauen xu kränken) Daz ich sus 
erwinde {von der prüfung abstehe), Wan deich {sondern 
ich) deheine vinde Waa {aufser) ze der swecbest waere be- 
want Beidiu //. s. w. — 2030 hat sich der herausgeber 
durch M9 wo y'A fehlte nicht abhalten lafsen den vers su. 
oerderben, — 2063 kommt mir Der zun unt wende wären 
flu, wie keine h$. hat, nicht sehr mhd. vor. fünferlei wäre 
bfffeer gewesen. Zun und wende wären ful, Zun und want 
w« f.y Zun und diu want w. f., Zun und die wende w. f., 
oder mit der einen hs. Der zun der wende der was fiiU. in 
der beseichung der hss, ein druckjehler, wie oftmals, ebenso 
wie hier ist 3684^1 die mhd. gewohnheit im gebrauch des 
artikels verletst, mir ist diu huf abe uude rücke (der her^ 
eatsgeber schreibt rucke und geht überhaupt mit dem Um- 
laut nachlqfsig um) : diu mt(/s gestrichen werden oder es. 
wiujs heifsen und der r., wie W und ouch der r^ hat. — 
2075 ist der plural gebiutet ein fehler, auch wenn er etwa 
M einer oder in beiden hss. steht; denn wer so willkürlich 
mit richtigen formen der hss. umspringt, darf unrichtige 
wicht unverbe/sert Iqfsen. — 2092 wird bei Als got wolde 
UDt gfiböi keinem die frage des herausgebers fehlt ez, et?' 
evifallen. 

214971 Si ist ir iemer eine Von fleische unt von ge« 
beioe. vollständiger unsinn. L Si ist ein gimme reine; im 
Jranx. gedieht Gar c'est la flors et c est la gemme De Uml 
ceat si&cle. 

2170^. Im habt deheinen triwem kneht, Dem iwei^ 
Are si 56 liep. Ir müget in dicke heizen diep, Ane Bohulde 
schelten oder slän. Mac erz getuon, er sol iuch län, Sio 
dienest wenden anderswar. dies ist im zusammenhange lä-^ 
cherÜch und fast sinnlos; aber davon tragen nickt die hss. 
die schuld, sondern der herausgebe, von dem die inter^ 
punction und der comparativus triwern herrührt. M hat Lr 
enfa. so deh. gebiwen cheneht, ff^ Ir h. deh. so getr« chn. 
daraus ergibt sich von selbst der richtige gedanke, die 
werte können verschieden lauten, es kann hef/sen Ir en- 
habt nibt sd getriwen knebt., und dies ist das wahrschew" 



170 ZUMERACLIUS. 

lichste, oder Ir enhabt deheinen triwen kneht ; selbst Lr en- 
habt deheinen kneht gtenge an. statt der beiden folgenden 
punkte des herausgebers sind kemmata zu setzen, dicke ßr 
zediche M kann richtig sein, deutlicher ist s6 vil, wie W 
haly nur dafs sie folsch einen diep ßir diep gibt, der swn 
des beispieles ist, in ganz gewöhnlicher mhd. Jretkeit der 
construction, Ihr habt keinen so treuen und euch so erge- 
benen knecht den ihr nicht durch ungerechte beschsmpßmg 
mnd mishanMung so weit bringen könntet dafs er euch, 
wenn es ihm möglich ist, verläfst. zu anfang der letzten 
zeile ist Und aus grundloser abneigung gegen zweisilbi- 
gen auftakt weggelqfsen. aus demselben nichtigen gründe 
ist 2178 iu getilgt. 

2180yi Nu var ich unde bringes her. Grot habe iach 
beide in siner phlege. dies sagt bei dem herausgeber Era- 
clius, die erste zeile voreilig ohne den befohl des kmsan 
abzuwarten, die zweite hier ganz unpassend, beide Zeilen 
gehören dem kaiser. auch gewährt fV Nn var enwee, 
und wenn M Nu var ich hat, so kann dies nur eine vrung 
sein, wahrscheinlich stand ursprünglich Nu var unde bring 
si her, was der herausgeber freilich ßlr folsch halten wird, 
der z, b. 2232 in D6 der tac und diu zit kam nach nnd 
ein unnützes ouch einschiebt und zu 2247 j Gab er des tt- 
ges swert, wo nicht einmal nöthig ist zu lesen G&b är, 
sondern Gib er d6s t&ges sw^rt gemeint ist, fr^t fohü 
ouch?' — 2202 ist Die beßer als Des. — von 2205 Wr 
2207 scheinen bei den lesarten folsche verszahlen zu stehen. 

2242^. geweiht wurden zwei krönen. Dar zao ander 
ir gewant, Sin zeptrum und sin kurzebolt, Koste silber unde 
golt Nftch Romsere rehte. /. mit fF Daz koste, das rda- 
twum kann, wenn vor koste komma stehen soll, nicht fokim. 

2268 ff. Diu juncfrowe wol getdn Wart geleit an siii 
bette. Dö spilt er äf ir waete Eins spils daz er künde, Des 
si vor nie begunde. so der herausgeber, und in der im- 
merkung 'Jlf wete (: bette), ^ wette.* man würde an einen 
druckfohler denken, wenn nicht bette : wsete in das retm- 
register s. 121*. 122^ eingetragen wäre; auch s. 622 z. 2 
bleibt der herausgeber dabei, wie lächerlich uf ir wste 
ist lehrt die ganze stelle, uf ir wette heifot, denke ick. 



ZUM BRACUUS. 171 

so dq/i 0s beim spiel auf ihren verbist gieng. in der letzten 
zeäe lesen wir des h^^ausg. unnätse erßndungfür die lesar- 
tenderhss., M Des si doch nie vor begunde, tmtadellich, W 
Des sie 6 nie begande. /. Eines in der vorhergehenden zeile. 

2324. Ir minne diu was eine, so verderbt der heraus^ 
geber das richtige reine der hss,^ was eine bedeuten soll 
sagt er nicht. 

2375* ebenso leichtsinnig wie oben waete : bette ist hier 
ixT falsche reim wirs : mirz gesetzt^ obwohl M mirs hfl. 
fiifst der herausgeber etwa darauf dqfs gr. 4, 661 von ge^ 
bmben mii dem gen, keine mhd, beispiele gegeben werden, 
M u^ hier eins^ wie es mir gerade zur hand liegt^ WaUh. 
74, 26 ob ir mirs geloubet, vergU die lesarten zu Iw. 1730. 

2398^. Er vorbt im daz die diebe — Im die wende 
uitorgraben. M hat vorch, fF forhtet, und es bedarf nur 
tmet bUckes um zu sehen dafs fiirhtet nothwendig ist und 
rorbte weder als ind. noch als conj. irgend passt.. das 
punomen im ist unnütze und bei fiirhtet schädliche zuthat 
in Herausgebers. 

2434. triben M ist nicht nur ungenauer reim (: mir 
den), sondern ein ganz ungeschickter ausdruck und liden 
If^ tmerläfslich, 

2489. befser Der. 

2511. /• Üf dem besten turne. 

2525. nothwendig mit fV Ez würde, fVären nicht die 
fdilde, so unirde mancher verwundet der jetzt gesund aus 
^ kämpfe reitet, der text der Münchener hs. und des 
israuigebers gibt unsinn. 

2576. S6 einer heiles ruom erwarp, S6 k6s man eines 
zageheit. zwar findet sich heil oft genug vom waffengüick 
^JMf rütersy aber hier fordert der gegensatz beides ruom 
^ dies bestätigt die änderung in fV Als er nach beides 
1^ warp, wo Als der zu lesen wäre und damit iibereinstim- 
^i^d im folgenden verse jenes, das überhaupt nöthig ist. 

2628 J^. Wie sol ein wip sich bewarn? Ez bat einiu 
^6 gnot. Diu an ir manne missetuot Unde ir liep nihtes 
^twert. Diu saelde diu ir ist beschert Sam einer, dia sidi 
Mnget Und nach 6ren ringet, ich bin ti^fähig dies zu 
^stehen, die hss. helfen nicht viel. M hat Div vnsaßlde 



172 ZUM BRACLIUS. 

Ist ir b., ff^ Div saelde div (ir ist b. denke ich), in der 
nächsten zeile M Sam div ie nach eren rahch, vier verse 
weglqfsend^ W Als einer div sich twinget. der einen hs, 
Sam abborgen^ was ganz so viel ist wie Als, und daneben 
den unsinn der andern stehen Iqfsen ist eine tmmdersame 
kritik, lies Ez hat einiu als nnguot, Diu (= daz si) an 
ir manne missetuot Unde ir liep nihtes entwert, Die s«lde 
diu ir ist beschert Sam diu ie nach £ren ranc {oder, wenn 
die Zeilen aus fF' aufgenommen werden sollen. Als einia 
diu sich twinget). 

2683 J^. Alsez dar vemftmen Die herren, die ir pUl- 
gen, R6maere willen unde muot Si duhte billich unde gttot. 
aus dem reime vernämen : phlägen ist ßir das alter des ge- 
dicktes nichts zu folgern^ da es hier sichtlich zerrüttet ist 
W ändert ohne erfolge in M steht Als die daz vemaiBen, 
woran der herausgeber nicht weniger erfolglos geändert 
hat. willen als nominativ ist ein Schnitzer an dem die kss. 
unschuldig sind, denn M hat Es dauchte sei ubil vnd git, 
^ Ez divht sie billich v. g., beide also beginnen erst hier 
den nachsatZy und dann ist willen richtiger aceusativus. 
ßir das aus fV gewählte billich unde guot spricht die fdr 
gende »eile wenige wo es heijst Sie wagten nicht dagegen 
zu streiten, und ebenso wenig die ängstliche vorswht der 
hilter. aus M ergibt sich leicht Ez dühtes übel und uiijguoi 

2772 mengt der herausgeber in sein gedieht vom jakre 
1156 eine späte schlechte form, den conj. prät. tete: denn 
der oonf.' ist nothwendig, fVarum sollte er aber das Am 
{mich ansehen)? was weifs {genauer, wüste) er denn wm 
mir? wenn die hss. tete haben, so ist damit natürüeh tsete 
gemeint, statt hier die Orthographie zu berichtigen, ist üih 
her ganz unnütz geändert 2775 ff. Got durch dine gfiete 
Bewar mir min gemiiete Und gip mir redelichen sin, wo beide 
hss, sine haben, M gebe, und nur W in gibe unsichsr 
schwankt. 

2%\\ff, Wer dich sAre, deist dir gnot. Ich taete gern 
(=: ich wehrte mich gern; vielleicht aber ist Ich taste k» 
streichen und blofs zu schreiben gerne), möht ich den maoi 
Von im gewenden : ich enkan. der herausgeber verderbt 
das Selbstgespräch indem er schreibt Ich taete gerne,^ möhticb, 



ZUM BRAGLIUS. 173 

den miioi Von im gewenden u. s. w.^ als gehörte ta^le ge- 
wenden zusammen, s, jsu 1526. von auanlzarem tuon mit 
dem ifff. kennt Grimm gr. 4, 94 nur zwei beispiele, von 
denen das eine nickt streng beweisend ist, fValtk. 6^ 2 daz 
si ans taon bewarn, denn hier kann uns zur noth der da- 
Heus sein, mir Jällt noch Biterolf 2784 ein^ aber die stelle 
ist mir verdächtig. 

2844 y*. Im gunden arme unde bein Bibene als ein espm 
le^p. hier ist ganden überfliifsig statt des begunden der 
hss, gesetzt. Bibene verstehe ich nicht, l. Bibenen. - ff^ 
hat Pibnen. — 2854. Als im diu rehle minne riet gehört of" 
fenbar zum vorhergehenden, es folgt Getorster des gedin- 
gen. Man hasten sehen dringen Birne Ersten kameraere. Daz 
er deste slär ir waere, alles aus machtvollkommenheit des her- 
amgebersy und gedingen ist unpassend genug, wer danach 
m^inerksames lesen die abergläubische furcht vor versen 
van vier hebungen verloren hat, dem ergibt sich aus den 
ifs». ungefähr dieses Getorst er mit deheinen dingen, Man 
kete io sehen dringen Bi dem werdesten kameraere, Daz er 
ir deste näher waere. 'rfer erste kämmerer für ^der oberste' 
ist keine mhd. redensart. 

2874. Nein si, aber si ist s6 guot: diese sinnwidrige 
mterpunction (statt Nein si aber, si ist s6 guot:) würde 
man für einen druckfehler halten, wenn nicht in ähnlicher 
Verbindung dieselbe falsche interpunction stände, 2605 y! 
Nein, aber ieh, weiz got, Ich hän en ernest und en spot 
Mich vil wol unz her beb not, wo das komma nach Nein 
zu tilgen, nach got kolon zu setzen isty der üherflüfsigen 
abweichung von den hss. in den folgenden Zeilen zu ge^ 
schweigen. — 2889 ist Des nasme ieh nehein guot eine 
verwerfliche änderung des überlieferten Da fiir nseme ich 
nehein (dehein fV) gnot. das auf erster silbe betonte dehein 
kennt der her ausgeber nicht, wie auch andere stellen zeigen. 

2936. Wie ist iu, w6 oder wä? hier ist die schrei" 
bung wft, wenn das etwa so viel als wie sein soll, vom 
übel, weil dann das vorhergehende wie in gleicher form 
wiederholt werden müste und weil ein solches übergenaues 
festhalten einer einzelnen seltenen form in des herausgebers 
durch und durch . willkürlichem tewte sich lächerlich aus" 



174 ZUM BRACLIÜS. 

nimmt, natürlich mujs hier das komma ganz geitriduä 
oder nach wA gesetzt werden; der sinn ist fVie ist euck 
weh, oder wo? viel/eicht ist das falsche komma ein druck" 
fehler : ick wef/s nickt ob ihn dann der herausgeber ssu dm 
allzulustigen oder zu den ärgerlicken versehen rechnen 
wird von denen er in der vorrede s. xii in einer sehr Uyi" 
liehen stelle redet: aber das weifs ich dafs es nickt allzu- 
lustig ist ein buch durchzugeken das an weit mehr stellen 
als ick anßlhre den leser in zweifei läfst ob er es wü 
fehlem des setzers oder des kerausgebers zu tkun hoL 
dock zeigt sich seinem geschäfte der setzer dieses buches 
um sehr vieles mehr gewachsen als der herausgeber. 

2971. Ich entbrinne gar und bin doch kalt, so der her- 
ausgeber. M Ich verbrinne gar, ff^^ Ich brinne, und dqfs 
beides befser ist bedarf keines beweises, die unnütze wd 
schwächende Vermutung entbrinne ist noch zum Oberflufs 
mit einer nickt mhd. form ausgestattet, 

3002. die mutter des Parides kann die alte nickt wohl 
triweliche (M getrivleiche) empfangen, aber sekr wokl trn- 
ricliche {fV), in trauer um ikres soknes krankkeit, 

3054^. 'Ich will gerne sterben/ Si sprach 'dar weihe 
schulde?* *S6 liep dir gotes halde, Frouwe, dar lastet micbs/ 
die beschip'örende formet S6 liep u. s, w» in Parides mund 
gelegt mackt die stelle sinnlos : auck ihrzt Parides später 
die Morfea, diese ist es die sprickt 'dur weihe sehnlde? 
(sage mir es) So liep dir si gotes hulde/ denn das sie 
der ks, wird befser in si verwandelt, in einem verse von 
vier kebungen, als getilgt, mit Frouwe beginnt Parides 
antwort: aber auck kier kat der kerausgeber nack eigenem 
gutdünken scklecktes gesetzt, während die kss, gutes bie- 
ten, sterben ist kein ort, also ist dar lustet michs dt^elt 
unsinnig, einmal wegen des unpassenden dar, sodann weil 
es nickt ke^fsen kann mich lüstet {denn so lautet das wwrt) 
es dar, sondern nur mich lüstet ez dar, mick getastet es 
dortkin (zu geken). fV, in der die beiden vorkergehenden 
Zeilen f eklen, gewäkrt ' Warumbe?' 'des lüstet mich (: didi), 
an sick untadelkaft, M gibt ricktig 'Frouwe, da löstet 
michs (: dichs)', mick gelüstet dessen, des Sterbens; und 
dq/s da unzäkllicke mal antworten einleitet sollte der her- 



ZUM BRACLIUS. 175 

ausgebet doi^k wohl wifsen, gleich darauf steht in Morjeas 
gegenrede ein neuer fehler gegen die spräche oder gegen 
den smn, PArides, bedenke dichs, Swaz dir anders wirret: 
hier kann es nur Waz hei/sen. und darauf, 3069, wie- 
derum ein Sprachfehler, Des im lülzel doch gezam : er kommt 
(wie 1295) auf des herausgebers rechnungj da beide hss^ 
das richtige in haben, und an keinen druclfehler ist zu 
denken, da sonst die anfuhrung der handschriftlichen les- 
ort keinen sinn hätte, auch 3077 Diu frowe langer enbeite 
ist (wie ähnliches öfter) ßir die spräche dieses gedichtes ein 
feUeri die hss. ganx richtig Diu frowe niht länger enbeite. — 
3080 riihrt die Umstellung Alsam ir meide täten statt Ir meide 
aliam t&ten M aus der sonderbaren und x. b. von 3629 wider- 
listen Voraussetzung her dqfs man nicht älsam betonen 
Vkme; und selbst wenn sich dies so verhielte, wäre ja den^ 
noch die lesart von M unanstofsig. — ich habe hier, von 
3057 — 3080 die gröberen fehler einer einzigen spalte zu- 
smmmengestellt: was ich nicht erwähnt habe ist nicht ta- 
deyreii eine besonnnene kritik würde noch einiges anders 
gestalten. 

3t01j^. Din siechtuom muoz ein ende hin: Woldestun 
(so mit dem circumflex und dergleichen wiederholt sich) 
■ich wizzen län, Ich swere des wol einen eit Und wizze 
des die wArheit, £zn ist deheinen wis der tdt. hier ist nicht 
viel sinn. L Din siechtuom müese ein ende hän, Wold^st 
da mich in wizzen lAn. Ich swere wol einen eit Und weiz 
des die wärheit, Ezn ist u. s.w. 

ZiOTff. Daz^ ir s6 vil gefrdget, Und iuch des iht be- 
traget, Daz ist ein grdz unwisheit. hier ist gar kein sinn, 
in abhängigem satze kann iht wohl negativem sinn genü- 
gen, hier aber nicht; denn dajs ein daz vorangeht macht 
dß» ^atz noch nicht zu einem abhängigen, die worte Daz 
— betraget sind der regierende theil des satzes, der das 
subject bildet, so viel als iwer fragen, es versteht sich 
van selbst dafs es niht heifsen mufs; aber das erriethe von 
selbst niemand dafs der herausgeber dieses sprachwidrige 
iht aus irgend einem geheimnisvollen gründe gegen beide 
hss., die richtig niht haben, erst eingeschwärzt hat. 

3130. Parides kann die alte Morfea wohl muoter an- 



176 ZUM BRACLIOS. 

reden, oifer firowe, oder auchy wie 3164, firow«, nmoter ge^ 
trennt in doppelter anrede, aber schwerlich seu ihr sagen 
was der heraasgeber nach M in einer zeih die kein ver»- 
mufs hat ihr in den mund legt, Froa maoter, was wxr 
mir deste bas? entweder Frawe, was IV weglq/st, oder 
mnoter ist in M iiberflUfsig hinzugesetzt: l. Maolte (pier 
Frowe), waz wser mir d. baz? — 3138 ist das triowes A» 
herausgebers, der auch sonst den vers ändert, an sieh nicht 
unmöglich nach dem condicionalen cofg\ praet., aber gOM 
genau richtig gibt M Ich truwete dir si wol gewinaea; 
der entsprechende vers läfst sich fUglich mit vier hebungen 
lesen, ganz falsch aber ist das präsens 3164 ff. Und ol 
s! bi mir wsere, Daz ich si mueze ane seheo (Jalsek sUid 
ähesehen), Sooe mohtemir niemer baz geschehen« LtoAesie 
und möht. 

3162 y*. Bi ir Isege ich genier tot Danne ftne si ich 
sterben muoz. die unmhd, Wortstellung gehört dem her* 
geber, M hat Danne ich an sei sterben mnoz, fV Dijmm 
daz ich an sie sterben muoz. freilich geben auch die ks* 
arten der hss. nur einen armseligen sinn : aber die neAr 
wendige verbefserung liegt auf der hand, Danne icb An si 
leben mnoz. — 3184 gehört noch zur rede des Psofides, 
und nicht der alten an, wenn es auch darauf heifst Parides 
sprach ir aber zuo, welcher vers lehrt dafs in Paridea das 
a nicht lang ist, des herausgehers drcumflexe im diesem 
namen also überall von übel sind. — 3189.. Nä wis mir, 
muoter, gnsedec. die hss, haben A*em mnoter; es war an 
dem Zusatz eines einsigen buchstabens gentig, Nu wis mir 
gensedec. 

3209. Und sage waz daz diutet der herausgebet; die 
hss. weit mehr nach gewohnter weise Und sage dir. kann 
denn etwa sage in der hebung nicht einsilbig gebraucht 
werden? 

3217. Sol dichs iht vervähen der herausgeber; aber 
der genitiv ist fehlerhaft, loenn auch M Sol es dich hol* 
l. Sol ez dich. 

« 3252^. Urloup nam si sch6ne Und gie wider an ir 
gemach, Daz si dise rede sprach, die eine hs. (in der be- 
Zeichnung ist ein druckfekler) hat Als sie dise rede sprach, 



ZUM ERACUUS, 177 

uniadeihq/t, die andere Daz si diüse gesprach, wo statt 
Daz sich Von selbst D6 darbietet, der herausgeber thut 
Heber zu. der lesart der einen hs. den fehler der andern. 

ZZliff. Morfea kniet nahe zur kranken kaiseriny Das 
si ex alle sähen. Niemen irs engande, Wan si vil wol 
künde Und gnaoc von erzenien. niemand gönnte ihr 4ies 
(detm iaeiter kann dies nichts heffsen, da engunde nicht se 
viel ist als niht engunde), denn sie verstand sich sehr gut 
inff heHmittel. dieses 'denn (wan) passt wie die Jaust aufs 
muge» ein aufmerksamer findet von selbst was der heraus- 
geber mit hilfe der sehr kenntlich entstellten lesart vonfV 
hätte eetzen sollen^ Nieman ir des erbunde. statt hier sinn 
im die werte zu bringen ändert er lieber, um bei derseU 
kern spalte stehen zu bleiben, 3224 die tadellose wortstel- 
iuug der hss^, 3335 die ganz richtige form gester, die 
3433 unangetastet bleibt. 

i430ff. Morfea berichtet (in versen in denen der her- 
ausgeber zum theil unnütz klügelt, zum theil die Forderung 
des terses übersieht) dem Parides, die kaiserin liebe ihn noch 
heftiger als er sie. Parides antwortet 'Nu hoerich wal, da 
gessehes nie' {wo saehes erforderlich ist), darauf Morfea 
'Sweic (/. Swic).suon, vernim diu wort Diech von irminne 
hftn erhört, ohne allen zweifei richtig hat W von ir munde. 
dadurch underlegt Morfea die behauptung^ sie habe die kai- 
serin nicht gesehen, die hss. haben übrigens das richtige 
Dia ich. 

3446 ff. Si hat mir gerne gesaget vil, Si fiirhte man 
werdes innen, Si müeses schaden gwinnen. , in M fehlt 
gerne und es ist weder für den t)ers nöthig noch für den 
sinn sehr tauglich, das folgende geben die hss. nicht so 
unzusammenhängend: mir scheint der indicativus fSrhtet 
erforderlich, dann ergibt sich — vil. Si fürhtet, man 
werde es innen: S6 müeste sie schaden gewinnen. 

3480« Ich westez wol und seitiu daz Ir gneset kurzli- 
che wol. ein fehler statt des richtigen Ir genseset der hss. 

35i8y*. Ein guoten mantel hiezs ir geben. Der dannoch 
was genuoc goot. hier ist zu viel des guten. L Einen 
mäntel hiez si ir geben, auch fV läfst, in anderer fafsung, 
gttoten weg. 

Z. F. D. A. IIL 12 



m ZUM ERACUüS. 

.3&75. An die atate, dar si g^rne reH. wtn' mll kiei 
State occasio?.L.s\:dX oder stete. .: . 

3588y, A> kaiserin trug purpur. der sluopi ir uw?r 
m&^eii wol Mit eime bortea n4eh dem site. Dd het si sich 
gegürtet mite Weder ze breit. noch ze smah Mit golde be- 
slagen tiberal Was ir mantel gnuöc guot, Scbarlachen tiX 
als eia blaot, durch seine interpunction und durch' tmf^- 
sehde änderung hat der herausgeber den sinn serrüttet, 
nach wol gehört ei?i pufikty nach site ist der punkt zu 
tilgen^ nach mite gebührt sich ein komma. .dann hat M 
Mit golde waz beslagen al Ir mantel genuoc guot, freüich 
wohl nicht richtig, aber .was der herausgeber hieraus und 
aus der lesart von fV, Mit g. b. über al Ir mantel wajv 
harte guot, susatrimengemengt^ ist nm. nichts be/ier, lies 
«nal, .Mit gold^ besIägen äl.. Ir raänt^l genuoc gaot, ohte 
verbum, dessen es nicht bedarf, statt hier auf das pas- 
sende aufmerksam zu sein streicht der herausgeber lieber 
3597 in Brdn und ze rebte breit zum Zeitvertreibe die ganz 
richtige präposition, und 3C»G3yi wo die federn des hütes in 
M heifsen Beidiu lieht unde breit, Mit golde spaebe beleil> 
in W. lind mit golde wol beleit, schreibt er Unt mlL goIdc 
sp^he beleit, weil er, wie in vielen stellen j, deti richligm 
verjs in M nicht richtig betonte. 

361 9 J^, Wes wildu nü beginnen? Gestatestn dich die 
Minne Verleiten als si mangen hat, Daz wirt ein gr6zio 
missetät. der accusativus cum inßnitivo rührt vom heraus- 
geber her, W hat statt der letzten drei seilen Du solle 
(/. solt) dich baz versinnen, und damit genauen reim, M 
Gestatest du daz dich div* minne Verleitet, nicht bedenkli- 
cher als des herausgebers änderung und zugleich genauen 
reim herstellend wäre Gestatest du der Minnen Dich ver- 
leiten. — 3630. Wie toerschen ich nu gedäht hän. dm 
Ow6 das M zu anfang der zeile hat ist nach fF mit recht 
weggelqfsen; aber das toerlich beider hss, in tcerschen, das 
dem versmqfs nicht bqfser entspricht, ändern ist teärklwh 
thöricht. L Wie toerlich ich gedäht hdnl 

3711/. Si wante d6 ir hende Unt zefuorte ir gebende. 
der herausgeber hat d6, was in den hss. nicht steht und 
dem zusammenhange der sätze nicht recht gemäfs. ist, aus 



ZUMERAGUÜS. 179 

SU grq/ser sorge ßtr das versniqfs eingeschoben und dabei 
übersehen dafs wante (wendete) ohne sinn ist, mioLg es in 
den hss. stehen oder von ihm erfunden sein. l. waot« — 
3734. Der wite ist nie s6 tiure. Ich erwerme si noch hlule. 
so mit, fV, aber der punkt nach tiure stört das verstand* 
nis. M hat Ich enwerme, was den vorzug verdient. — - 
3759 U Daz erz brühte bereit. — 3772. Ich färbte, herre, 
ex si din spot. die hss, haben nicht berre, sondern geselle 
wie 3768, und ich vermag nicht zu errathen welche grille 
dem herausgeber dagegen eingenommen hat. zum duzen 
passt herre weit weniger. 

3794 jf. als der diep Dem wirt die want an gehebt 
Unde im die swellen undergrebt, S& geschiht vil lihte schadis 
da. was an gehebt (M) hier bedeuten soll weifs ich nichts 
verstehn lä/st sich abe gehebt (nach W)^ das ursprüngliche 
wird dkn gebebt sein. — 381 2yi /. Da müeze iuch got — vor 
(nicht von) bewarn. — 3846. natürlich stant üf, die erste 
pers. plur. ist hier unpassend. 

3851. Si tete schiere üf sän. ein pleonasmus des her* 
OMSgebers; in M fehlt schiere, fV hat wohl das fichtige^ 
Schiere het sie uf getan. 

3866 — 70. Dö het der keiser Fdcas — Vor der stat 
gesezzen Uoz er si gewänne mit gewalt. Des maneger dar 
in (die hs. da inne, dar inne) entgalt, der unpassende conj., 
der das ereignis in eine absieht verkehrt^ ist vom heraus» 
geber erßmden ; M hat Unz er si (/. crs) gewan, und dies 
wird das wahre sein, fV Daz ers gewnnen het, wenigstens 
nicht gegen den sinn, warum es gleich darauf nicht mit 
den hss. heifsen durße Es wurden die besten von der stat 
gejimgen, sondern üz der st. geschrieben ward, ist mir ver* 
borgen, mit beispielen zu belegen was an sich klar ist wi- 
dersteht mir. 

3968. /. miiet «^a^ muot. ebenso A^2\. (ilfÄ^r höre 4919 
vergl. Lachm. Nib. 1462, 2.) 

. 4029. Saget dräte, wä ist der man — ? statt wa ohne 
circun^ßciß zu Iqfsen^ sagt der herausgeber in der anmer- 
hing 'ob weist? doch vergL 4037' (Saget drAte wä er si). 
hier habe ich nur die gegen/rage zu thun, ob weist soviel 
sein soll als wer ist. — 4034. So lÄt in, herre, ie genesen. 

12' 



180 ZUM ERAGLIUS. 

das mdersinnige ie gehört dem herausgeber, der nicht ver- 
stand den vers zu lesen. — 4070. Des hat si allen nns 
verjehen. die unmhd. Wortstellung ist gegen die hss.; Ues 
Des hftts uns il\^n verjehen. ebenso falsch ist 4883 Si 
heten alle sich zeslagen, wo aus der hs. sich leicht Si be- 
ten sich &lle zerslägen ergibt. 

4135 J^. Lät si behaben den selben man, Sit ir got niene 
gan £ren und hohes niuotes namen. bei der zweiten seile 
fragt der herausgeber unnöthig 'fehlt doch?' er hätte sich 
lieber fragen sollen was die dritte zeile bedeute, muotes 
ist nichts als ein fehler in My die Grozzer eren n. h. miio- 
tes namen hat. dafs etwas zu streichen war lehrte der 
vers, dafs muotes getilgt werden muste hätte der sinn und 
der vers lehren sollen, l. Grözer 6re und hohes namen. — . 
4166 kann es nicht heifsen uf keisers bette, da der gedankt 
kein allgemeiner ist, sondern das uf des keisers der hss. 
Iq/st sich nur in uf skeisers ändern. — 

4254. s^re missetät er an. zwei Sprachfehler in einem 
verse. die hss. haben dar an : /. dran. s. zu 576. aber 
ich bezweifle dafs sie missetät haben: wenigstens muste 
der herausgeber missetet oder missetete schreiben. 

4265. Ez duhte michel wunder (Sagich iu besonder) 
Wie der gezieret wäre, nicht viel befser als sinnlos, lies 
Ez diuhte m. wunder, Sagte ich iu besunder Wie der himel 
gezieret wsere, denn himel auszulafsen ist kein genügender 
grund vorhanden. 

445Aff. Manec zeichen unde van Ze den selben stan- 
den Wart dar an gebunden, hier hätte einmal der heraus- 
geber, der so oft das unschuldige dar streicht ^ recht g^ 
habt zu zweifeln, ich denke es mufs heifsen W. dd an 
gebunden oder Wart an gebunden. — 4464. /. draete. 

4484. Man sach da mauegen gebären Der da heime ger- 
ner wäre gewesen. Der zage triuwet niht genesen. Swenn 
er den viant ansiht (/. an siht), so stellt er sich froh, aber 
es ist ihm anders zu mute, der Zusammenhang lehrt dafi 
blofses gebären dem sinne nicht genügt, aber die schuld des 
unvollständigen gedankens kommt auf den herausgeber, von 
dem manegen herrührt: M hat mannichleich. er hätte der 
vorhergehenden zeile durch die volle form unde zu ihren 



ZUM BRAGUUS. 18f 

viet* hdnmgen verhelfen sollen^ und dann schreiben Man 
sach da manliche gebärea Der (= den der) u. s. w. W hat 
die stelle erweitert^ aber so dafs sie den unerläfslichen 
sinn nur noch deutlicher macht. 

4508^. Gedenkt in iwerm maote, Durch wen ir uzkae- 
met Unt daz kriuze naemel. /. üz kämet : nämet. 

4854/ Ergip dich, helt, daz rätich dir, So möhtu fri- 
sten noch din leben, die unform möhtu ist vom herausge^ 
ber$ die hs, hat mohte du, worin mäht du so leicht zu er- 
kennen war dafs es der Herausgeber selbst 4877 in dem 
mohtv der hs. gefunden hat. statt sich hier zu besinnen 
wie die 2e pers. conj\ praet. heifst, fügt er lieber ein sehr 
entbehrliches noch aus eigenen mittein hinzu und thut zu 
4858 und 4872 ein paar unnütze fragen und ändert 4871 
ein richtiges crlie in ein unrichtiges lie. — 4878. Tonf 
£eh, werde kristen. die hs. hat T. d. vnd w. kr. befser 
also Touf dich und wirt kristen. — 4888 ist listen fUr lei- 
sten ein starker fehler. 

hOOOff. Er b6t deheine lougen Unt bot gote gn&den 
sän Als ein schuldiger man. sinnlos, l. Und bat got genä- 
den sän. es folgt Des pflager unz an die stunt — Daz ist 
uns von den buochen kunt, Daz got die sinen nie verlie — Daz 
tore Yon einander gie Aber, daz selbe burctor Unt stuont 
offen als da vor. auch dies ist ziemlich verwirrt, l. Daz 
von ein ander gie Aber daz selbe b. u. s. w. 

5047 J^. Anastasius rocky Swer den hinte an leit, Ist 
daz em eine wile treit, Mit dem tievel bevangen, Als ofte 
ist ergangen, Sä ze der selben stunt Wirt er ledic nnde ge- 
sunt. viel verständiger die hs. — treit Und mit den tievel 
ist bevangen. Als ez ofte ist ergangen 2^.«. k;. — 5057 »cr- 
langt werlde den artikel den ihm die hs. gibt. 

Diese bemerkungen berühren was von Störungen des 
Sinnes beim erßten lesen der ausgäbe des Eraclius auffiely 
und nur gelegentlich andere irrthümer. die grammatischen 
mängel dieser ausgäbe, die nachlqfsige und oft sinnwidrige 
interpuncUon, die verstöfse wider das versmqfs, bald mit 
den handschriften bald gegen sie, die mqfslose willkür über" 
fli^fsiger änderungen und einschaltungen und unnützer oder 
schädlicher orthographischer künsteleien, die unkritische 



182 ZUM ERACLIUS. 

vermengttng der tesarten beider handschri/ien, dU schwan- 
kende Unsicherheit in sichern dingen, dieses alles mit eini- 
ger Vollständigkeit darzulegen fehlt mir die geduld. 

HAUPT. 



SPICILEGIEN ZUR DEUTSCHEN GRAMMA- 
TIK AUS DER KELTISCHEN. 

1 

Unser deutsches bilfszeitwort sein entlehnt seine fer» 
men bekanntlich von vier verschiedenen wortstämmen.. das 
gothische hat nur drei derselben, denn die ahd. formen pns. 
1 sg. bim, 2 sg. bist, 1 pl. birumis, 2 pL birui haben im 
gothischen nichts analoges, ebenso kennt das altnordische 
nur die drei stamme des gothischen. dagegen stimmen mit 
dem althochdeutschen nicht blofs das mittelhochdentselie and 
neuhochdeutsche, sondern auch das altsächsische angelsäch- 
sische altfriesische mittelniederdeutsche nenniederdentsche. 
mit einem worte, in den östlichsten sitzen, ösdich der 
Weichsel und des Sundes, ist der eine stamm von welchem 
formen für unser bilfszeitwort entlehnt werden nicht zu fin- 
den ; er ist auf das eigentliche Deutschland und auf das von 
da aus bevölkerte angelsächsische land beschränkt und scheint 
demnach erst neuerdings, nachdem die deutschen stamme 
westlich der Weichsel in ursprünglich keltische lande vor- 
gedrungen waren, in die deutsche spräche gekommen zo 
sein, erst in folge stärkerer, längerer mischung. 

Diese Vermutung wird zur gewissheit erhoben, wenn 
wir in betrachtung ziehen dafs diese formen in einem der 
alten dialekte auch von der seite der bedeutung in auffäl- 
lendster anomalie dastehen, im angelsächsischen nämlich wird 
das einfache lateinische präsens sum es est immer nur über- 
setzt durch com eart is, dagegen die daneben stehende prä- 
sensform beom bist biä hat immer eine conditionale oder 
futurische nebenbedeutung, ich sollte wohl sein, ich werde 
wohl sein, ich werde sein, ich bin wohl, die anderen dia- 
lekte können diesen unterschied nicht mehr so scharf hal- 
ten, weil sie die doppelten formen des gothischen im und 



ZUR DfiDTSCHGIV GRAMMATIK. AVS D. KBLUSCIIBN. Itt 

des deatscfaen btm nicht so vollständig neben einander zei- 
gen wie das. angelsächsische eöm und beom; doch fühlt sich 
selbst in ihnen noch, zuweilen die bedeutungsnnance der von 
bim abgeleiteten formen hindurch. 

Merkwürdiger weise hat nun das gäli^che, das sein hilfs- 
zeilwort auch aus vier stammen bildet, nicht, nur die mit 
dem Infinitiv beith zusammenliangenden formen . in der art 
als* die in ähnlicher weise vorhersehenden wie das deutsche 
seine mit tcra^a» zusammenhängenden formen,' sondern gerade 
die condrtionalen formen des gälischen beüh fallen auch gans 
init jenem, ags. beom, alts. bium, Mr. bem^ ahd. bim v^X"* 
sammln 9 nämlich der irländisch -gälische conjunclivus pfae- 
senüs lautet 1 bidhin me, contrahiert bhim^ 2 bhidir^Zbhionn^ 
4er gälische- conj. futuri \ bhiom 2.bhionntu^ 3 bhionn se, 
der gälische coiisue^udinalis sg. 1 bim, 2 bidhir, 3 bi oder 
Uos und pl. 1 bimaoid oder bidh sin (spr. bimöd, bishin)^ 
2 bUhidh (spr. bihi)^ 3 bidhid (spr. bijid). ganz analog, 
nur in den formen dem deutschen etwas ferner liegend, ver- 
hält sich das wälsche hilfszeitwort bod^ welches dem gäli* 
sehen beith auch darin entspricht dafs besonders die formen 
welche etwas conditionelles andeuten sollen diesem Infini- 
tive entlehnt sind, als beispiel führen wir den conjuncti-* 
VQ8 praesentis und das erste futurum an, wobei wir bemer- 
ken dafs das auslautende v ein ursprüngliches m ist. 

conj. praes. 

sg. 1 byddwt/v (spr. böduöw). 2 byddwyt (spr. böduöi). 

3 byddyw (spr. bödöu). 
pl. 1 byddym (spr. böäöm), 2 byddyck (spr. bödöch), 

3 byddwynt (spr. böduont), 

futur. primum. 

sgw 1 byddav (spr. böäaw). 2 byddi (sps. bödij* 3 bydda 

(spr. böda). 
pl. t byddwn (spr. bodun). 2 byddwck (spr. böAwh). 

3 byddant (spr. badant). 
Es ist deutlich, unser bim bist birumSs birut ist mit th- 
nigem eingreifen gewöhnlicher deutscher flexionsformen aas 
dem keltischen bim bidhir bios u. s. w. entstanden. 



184 ZUR DBDTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 



Bin im deutseben aller regel trotzendes und in seiner 
anomalie unerklärtes zeitwort ist thun, auch dies aber scheint 
ein fremdling und zwar ebenfalls keltischer abstammang zu 
seiur weder Gothen noch Nordländer besitzen das wort; 
nur damit zusammenhängende Substantive, gothisch deds and 
dSdjas altnordisch ddd, haben sich eingeschlichen, wie denn 
substantiva immer leichter und eher in fremde sprachen auf- 
rahme finden als verba. es kommt hinzu dafs sich die ano- 
malien in den flexionen dieses wortes in den einzelnen dia* 
lekten nicht auf ein gemeinschaftliches älteres, zu. gründe 
liegendes, zurückführen und wenigstens unter sich in ein- 
klang bringen lafsen, so dafs auch nach dieser seite das 
wort als ein freadling erscheint, den jeder dialekt, indem er 
ihn (vielleicht aus verschiedenem keltischem dialekte) aot 
nahm, nach eigener, abweichender bequemiichkeit handhabte. 
Das wort ist aber kein anderes als das gälische deim 
thun, machen, arbeiten, wovon einerseits dan oder duan das 
werk, die arbeit, die that, das gedieht (dieses wort findet 
sich auch im wälschen), dana oder danach arbeitsam, un- 
ternehmend, kühn, thatkräfUg; andererseits daith kräftig, 
arbeitsam^ schnell, gewandt, duad die arbeit, das machwerk, 
duadmhar arbeitsam, duaidh facinus (zunächst kamp^ an- 
strengung, dann in schlechter bedeutung unthat, übel) abge- 
leitet sind, dafs das n des Stammes vor den dentalen weicht 
ist eine den deutschen dialekten mit den keltischen in h»- 
hem grade gemeinsame erscheinung. dem gothischen d6dsy 
altn. ddd entspricht zumeist das gälische duaidh. 

Am nächsten entsprechen offenbar den gälischen formen 
noch die d§s schwäbischen dialektes, wo (in den ehemali- 
gen agris decumatibus) wohl auch eine dem gälischen zu- 
nächst kommende keltische mundart, nämlich, wie es scheint, 
die gallobelgische, gesprochen ward, die Schwaben ' conju- 
gieren in einigen gegenden präs. ind. sg. 1 ich thua, 2 dM 
thuascht, 3 er thuat, pl. 1 mar deandy 2 ar deand, 3 sei 
deand. conj. sg. 1 ich thät, 2 du thätescht^ 3 er thät, 
pL 1 mar dhäiaty 2 ar dhätat, 3 sei dhätaL inf. thua. 
part. prät. thaun. H. LGO. 



las 



•• 



VERSCHRANKUNG DER ALLITERATION 
IM ANGELSÄCHSISCHEN. 



In der feierlichstea stelle des ags. gedichtes Judith, in 
dem gebete Jaditbs welches in dem zehnten gesange vor- 
kommt, ehe sie den Holofernes erschlägt, finde ich ein Ver- 
hältnis der alliteration auf welches ich bis jetzt noch in kei- 
neni anderen ags. gedichte aufmerksam geworden bin; näm- 
lich die beiden durch Stabreime verbundenen vershälften 
enthalten zwei buchstabenreime, aber so dafs nicht jede hälfte 
ihrea eigenen reim hat (wodurch sie auseinander fallen wür- 
den), sondern so dafs sich beide hälften in beide reime thei- 
len und diese sich also verschränken, ich setze die stelle 
her, und gegenüber die reimbuchstaben, um die beobachtung 
deutlicher hervorzuheben, die wohl eine weitere beachtung 
verdient. 



-f-g I -f-8 
b — V — I b — V — 

m — p — I m — p — 



ic fie, Jrymda god andfrößre gcesty 
beam alvaldan biddan ville : 
milise pinre me pearfendre, 
pHnüse prym ! 

Dafs diese feierliche, schwere reimconstruction nicht zu- 
fällig, sondern absichtlich ist, sieht man aus der zu ihren 
gunsten aufserordentlich von der natürlichen abweichenden 
redeconstruction. denn diese wäre ganz einfach folgende, 
ßrymda god and frößre gcest^ ic beam pe alvaldan biddan 
ville : miltse me pearfendre pinre ! prinisse prym ! gott der 
Ursprünge und tröstender geist, ich, ein kind, dich den all- 
mächtigen bitten will: sei gnädig mir der bedürfenden dei- 
ner, o der dreieinigkeit herrlichkeit ! miltse kann hier nicht 
als Substantiv genommen werden; es ist eine conjunctivi- 
sche contrahierte form (für miltsige) welche für den impe- 
rativ miltsa steht, wie das ganz ähnlich häufig bei verbis 
zweiter schwacher conjugation vorkommt.* 

H. LEO. 

* [über die überschlagenden reime im HiLdebrandsliede and im 
Heljand s. Lachmann über das HiidebrandsLied s. 14. Hpt.] 



186 ZÜU THIERSAGE. 

KLEINIGKEIT ZUR DEUTSCHEN 

THIERSAGE. 

Nachdem sich die benennungen des hahns und hubns 
in der- malb. glosse der lex salica erwiesen haben Üs die ' 
originale zu den in franzosischer Übersetzung in der thier- 
sage aultretenden nameu Chanteclins und Ckantecters, kg 
der gedanke nahe, zuzusehen ob nicht mehrere von den d- 
*ten noch unerklärten übrigen thiernamen der sage vlelleicbC 
geradezu keltische sein, das ergebnis des Versuches ist foL — 
gendes. Salaura ist name einer sau. gälisch bedeutet ^tr^ 
schmutz, rost, schlacke, unrath aller art und salaeß^ 
schmutzig, kothig, ear aber heifst der köpf, da nun dL^0 
malb. glosse überall den Übergang des gälischen ed m bei-" 
gisches au zeigt, ist sal-aur schmutzkopf, kothhanpt, ün^ 
Salaura gewiss ein passlicher name für die sau. — dorfttf 
man in dem namen Karchofas das auslautende s als la- j 
tinisierte endung ansehen, so läge auch bei diesem namea 
die deulung nahe; denn die Galen brauchen das adjeetimin 
gearr (wofür malbergisch ohne zweifei car oder kor stehen 
würde, wälsch lautet das wort cor) bei thiernamen, z. b. 
ßadh das wild, der hirsch, gearr -ßiiadh (eigentlich klein- 
wild, zwergwild) der häse. da nun cabhar oder cobhar eia 
veralteter ausdruck zu bezeichnung des pferdes ist, würde 
gearr- chobhar (spr. garckovar) zwergpferd bedeuten und 
hier also deresel zum pferde in ein ähnliches Verhältnis ge* 
setzt sein, wie der base zum hirsche. H. LEO. 



ZUR GUDRUN. 

593, 4 (2374). daz volc ist übermüde : Chaudrun mag ouch 
sy verschmähe, was ma^i hieraus gemacht hai, Rüdriin 
mac ouch si versmaehen, verstehe ich nicht, ich ver- 
mute Gudrune mägen wsene ich si wir smaehe. vergL 
606, 2. 3 (2424/.) dd er sich versau daz si nach minne 
Hieren, d6 het man si vil sma;he« 

863, 3. 4 (3456yi). lies ouch bete er under brünne von 



ZUR GUDRUN. 187 

" vil gooten siden von Abalie ein hemede. die hs. auch 
bette vnnder der br. und von Ab. an hemede. 

37, l*-'4 (A\A7ff.) lies Si woltens baz versuQchen. ze 
hov« hiez man gän die vil sohoenen OrtrAn, ein raaget 
wol getdn. die sölte mit ir ziihten, si mit ir gesinden, 
.eines gnoten willen die armen Gudrän überwinden, die 
hs. hat firawen statt Ortriin. die falsche interpunction 
der herausgeber bedeckt den fehler. 

99, 1—4 (4397 J^.). lies Si sagten im ir dienest trittwe 

. .linde gnot; swie da der recke dar nmbe wsere gemnot 

\_ bdswen er siner manne dar weite bringen, si sotteH 

• herverten hin zOrmanie. von den Hegelingen, die hs. 

wie -r^ darynn — oder wen — heerferten hin zun Hege^ 

lingen. es ist vom übel dafs die herausgeber^ unge* 

- warnt x. b. durch IVolframs Gaschier der Oriman Parie^ 
46, 20 neben von Normandie Gasebier Parz. 25, .14, 
die formen mit N überall durchsetzen, denn 1626, 4 
(6508) ist die vocalisch anlautende form durch den vers 

' gesichert, s6 wirt dir zOrmanie ein richia kröne. 

27, 3 (4911). lies der ander heizet Ludewic von Orma- 
nie riebe, die hs, v. 0. der reiche, ebenso ist 1312, 3 
(5251) XU verbefsem in Ormanie [die] riebe. 

S49 4 (5740). lies uf dem Wülpensande du lieze miner 
beide vil verhouwen. die hs. deiner, aber Herwig mtffs 
- von dem reden was Ludwig ihm xugeßigty nicht von 
dem was Ludwig erlitten hat. 

Mf 3. 4 (5819y*.). lies si kundenz niht verenden, in zo* 
wetes harte kleine, si sähen ab der müre werfen mit 
manegeni lassteine, die hs. in zürnet es h. claine. 

B4, 4 (5940). lies wir sin her von Stwen. nü sagt uns» 
maget, waz sül wir iu dienen? die hs. wir nn dienen«. 

HAUPT, 

ICH WEISS. 

Ih weiz her imos Idndt, zu anfange des LudwigsHedes 

'S der handschrift glücklich an den tag gebracht, istfbr^ 

^Uiafte redensart. ih weiz iz got worabta Ot/r. 1, 1, 80. 

weiz thie boten rietun 1, 27, 69. ich weiz er imedöge- 



188 ICH WEISS. 

hiez genesis (Jtmdgr. 2) 27, 41. ich weiz er in vervlao- 
chete 28, 42. ich weiz er ime dienöte vil wandern gnöte 
37, 3. ich weiz er si vil minnechliche chuste 41, 32. ich 
weiz in got ane rief 45, 36. ich weiz er des gedähle 47,36. 
ich weiz er nahl unte lach sineme vater ane lach 49, 37. 
ich weiz si ime geswigten 53, 30. ich weiz mich bedubte 

53, 32. 59, 45.- ich weiz si in allen gähen chouflAte sühen 

54, 31. ic!i weiz er in ane watet einen sahen guot 61,13. 
ich weiz er ime zeien began al dia wort diu er yemam 
«j?o</tr« 95,31. ich weiz er chunt im Aaz Antic/irüt (Jimäjgr.%) 
107, 32. ich weiz sie die vrowidi douwent die sihi^tin 
nnrehti 120, 38. ich weiz iz himel unt erde sam irgit 
130, 21. ich weiz er sich an in richet 133, 16. äkniieh 
üt in dem Hede auf den heiligen Georg 28 dhaz weiz ih 
daz ist alewilr, üf erstuont sih Georjö sär (: dhär) unik 
dem Hede von der Samariterin 2 ze untarne, wizzon thaz, 
er zeinen brunnon kisaz. in der eigentlich mhd, zeit ist 
das adverbiale und formelhafte ich weiz aufser gebraMch 
gekommen. HAUPT. 

KURZIBOLD. 

In Christian Weises absurda comica (aufgeführt in Zit- 
tau am 12n februar 1682) heifst es 3, 10 s. 325 Ich Im 
— Stärcker als der Schweppermann, Muthiger als duf 
CurtxipoltZi Darum hin ich auch so stolts. Schwepper- 
mann ist durch das zum Sprichwort gewordene Jedem eis 
ei, dem tapfem Schweppermann zwei noch heute unter de« 
Volke wenigstens dem namen nach bekannt, von KurziboU 
kann Weise in Goldasts Eckehard (Pertz 2, 104) gelesen 
haben: denn bei dem fortsetzer des Regino zum j. 948 
steht blofs Conradus^ qui Curcipoldus dicebatur, ßHus Eber' 
hardiy vir sapiens et prudens, obiit, ohne erwähn^ng seines 
kühnen mutes. aber er pflegt sonst in seinen lustspielea 
nicht gerade gelehrsamkeit dieser art zur schau zu tragen, 
und er muste bei seinen Zuhörern Verständnis voraussetzen, 
tläher kann ich mich der Vermutung nicht erwehren dafs ans 
den untergegangenen liedern, die im 1 In jh. Eckehard kannte, 
no^ im 17n der name Kurzibold sprichwörtlich dauerte. 

HAUPT. 



189 



CHAÜCI. 

In dem aamen AevChaud schwankt die aspiration zwi- 
schen der ersten und der zweiten silbe. doch scheint Chaud 
befser bezeugt als Cauchi. bei Tacitus ist in den annalen 
alle sieben mal Chauci überliefert, in^ den historien hat die 
handschrifl das eine mal, 4, 79, Cauchis, das andere, 6, 19, 
Chaucorum^ in • der Germania 35 gibt Pontanus äbschrift 
zuerst Caucorum, darauf Chauci^ im folgenden capitel scheint 
sie wieder Caucorum zu haben, wenn Ptolemaeus wie Gas- 
siui^ Dio und andere Kav^ot schreibt, so scheint mir darauf 
wenig zu bauen, er schreibt zwar richtig Xinrai^, Xai^jov- 
9inoiy aber daneben, worauf Zeufs s. 139 mit recht aufmerk- 
sam macht, Kafiavolj Kaaova^oi, und gerade bei Kav^oi 
läfst sich Verschiebung der aspiration leicht begreifen, da 
fuv% keine griechische lautverbindung ist, zu der umgekehr- 
ten Stellung der consonanten aber xavxäa&ai leiten mochte, 
bei Lucanus und Claudianus steht Caucus Caucis Caucos 
dreisilbig mit langem u: aber dies ist sicher gegen die ur- 
sprüngliche ausspräche, und dafs die aspiration ganz fehlt 
hat deshalb kein grofses gewicht weil das Latein aspiriertes 
e im anlaute nicht, kenut. vom inlaute ist es nicht völlig 
ausgeschlofsen, so dafs die Schreibart Caud eher gegen Cutr- 
ehi als gegen Chauci stimmt, die Kav^ov die Ptolemaeus un- 
ter dien hibernischen Völkern aufzählt lafse ich aus dem spiele. 
Die von Zeufs versuchte ableitung des namens will mir 
nicht zusagen, er stellt die Chauci und die Xaovk%ot Ka-- 
Xoi%fävi^ Chabilci und die Xavßot Caviones Aviones etymo- 
logisch zusammen und leitet diese namen von häuan in der 
anbezeugten bedeutung Kämpfen, mir ist eine andere weise 
den namen der Chauken zu deuten in den sinn gekommen i 
ich. theile sie, wie sich von selbst versteht, nur als einen 
einfoll mit. Plinius erzählt 16, 1 sunt vero in septentrione 
visae nobis Chaucorum {gentes)y qui maiores minoresque 
appellantur. vasto ibi meatu bis dierum noctiumque inter^ 
vallis effusus in immensum agitur Oceanus^ aetemam ape- 
riens rerum naturae controversiam^ dubiumque terrae sit an 
parte in maris. illic misera gens tumulos obtinet altos aut 
tribunalia structa manibus ad experimenta altissimi aestus. 



190 CHAÜCI. 

easis ita impositisy. navigantibtis similes -cuni integant aqvai 
drcumdata, naufragis vero cum recesserinL wie wenn da: 
Volk von den hageln auf denen es wohnte den namea bäUel 
haugr ist altn. coUis, tumnlas. ahd. kommt das wort nickl 
Tor, wenigstens kann ich es bei Graff nicht finden; abei 
rohd. ist houc vorhanden und unser nhd. hügely wenn es nidil 
aus MAel enstanden ist, wird zu derselben wurzel gehöru. 

HAUPT/ 

EXPERIMENTÜM IN DÜBIIS. 

E^erimentum in dubiis. in equinoctio martii in prima parU 
noctis hoc oportet fieri cum psalmis et orationibns. primumia 
quire ubi tu argillam invenias. cum exire volueris de domo y€ 
deeedesia ubi eris, incipe Pater noster. deinde Credo L 
deum. in via vij psalmos die. si forte alicui obviaveris, mn 
quam ei respondeas. quando venies ad argillam, ponestalii 
dextrum super illam et dices contra orientem 'Syos*, eontr 
meridiem *Syos% contra septentrionem 'Syos*, ad prientM 
iterum.'vis eterna, innumerabilis potentia, vera rerum preises 
iia, supplex posco tuam clementiam, ut cuiuscunque rei fidiei 
huic terre mandavero, falsitatis excedat dubietas veritatis n 
tardet* eventus/ tunc accipe artaum**, cum manubrio albp i 
inmde terram circa talum : remoto pede fbde, ut tibi suffidai 
cum acceperis, die He deum laudamus/ postea 'gloria in ewt 
sis deo/.hic finitis recede. cum necesse fuerit expertmeniUi 
&cere, accipe duas cedulas. in una scribes Est, in altera N<i 
est, et include quamque per se in parvo pastillo illius terr 
deinde accipias cifum plenum aqua benedicta et pones int 
iUos pastillos dicens 'in nomine patris et filii et Spiritus sanirf 
amen' et die (^uisque vult '^gloria, deus qui corda/ cum aufeci 
poiies pastillos in aqua, dices hane adiurationem, ''adiuro VA 
breves interreatos per nomen Eloy et seniorem Moysi, ut ki- 
itts re (/. rei) mihi veritatem ostendatis/ et, nota bene edtf 
cedttle terra primo tibi venerit: iÜa enim tuam dubitationevi 
certificabit. 

^tis einer in Frankreich im \Zn oder 14« jh, geschride^ 
neu Erfurter handschriß, 

* retardet, zurückbleibe. 
** mefiereken, s. Du Fresne unter artavus. HAUPT* 



191 



ALTE BÜCHHANDLERANZEIGE. 

. . .... " • 

Adelung (1, 162 J^.) und genauer IVilken (s, 406) 
haben von der ersten seite der in den vierziger Jahren des 
^^.jh. geschriebeneti Heidelberger ks. 314 ein Verzeichnis 
^on deutschen büchern mitgetheilt die zu Hagenow py Dy- 
pold läber schreyber lerer die kloder {ein beispiei zu gr, 
4, 755. 963) zu haben waren, abschrijt eines ähnlichen 
^(ffzeichnisses, von dem stirnblatte einer gleichzeitigen Ber- 
liner hs. welche die lege?ide der heiligen drei könige ent" 
^ffÄ, habe ich vor Jahren durch die gute des herm custoS 
dr Gottlieb Friedlaender erhalten, indem ich dieses vet^- 
steichms hier abdrucken lafse füge ich zur bequemlichkeit 
»ahicn hinzu. 

Jltem, welcher Haude buch er man gerne hat, gros oder 

Ueiii-9 geistlich oder welllich, hübsch gemolt, die findet man 

^e .bei Diebolt Louber schriber in. der bürge zn Hagenow. 

1 Ilem das grosse buch genannt Gesta Koman. u. saget 

was zu Rom geschehen etc. . 
^ ' — Vila Christi. 
^ -— die XXIV alten gemoll. 
^ *- e. gereymte bibel. 
& ~ d. Hitler H. Wigalois. 
^ — Wolf Dietrich gemolt. 
^ ~- d. ganze Passional leben, winterleil u. summcrtcil. 

2 bücher. 
^ ' — • Episteln u, Evangelien durch das jar. 
® ' — • Wilhelm v, Orliens gemoll. 
^^ — • Her Ivan u. Her Gobbin u. kunig Artus gemolt. 
^^ — ^ der H. dry Kunige buch gemoll. 
** =- Parcifal gemoll. 
*^ ""^ suben meyster Bucher gemolt. 
^'^ ' Bellial gemolt. 
*^ '"^ d. witfarn rilter. 
*® d. grosse Troye gemolt. 

^^ "^ d. hymmelstrasse genannt d. welsche gast. 
^^ — d. zehen gebot mit glossen. 



1 



192 ALTE BUGHHANDLERANZBIGB. 

19 Item Von einem getruwen ritter der sin eigen hertze 

gab umb einer schönen frowen willen. 

20 — ysopas gemolt. 

21 — gute bewehrte artznien bücher« 

22 — Frigedang. 

23 — pfaffe amyfs u. sust* deine bette bücher. 

24 — d. Rosencrantz. 

25 — d. Ritter unter dem zaber. 

26 — gemolte lorsbücher. 

27 — d. seien trost. 

28 — Von dem ritter Sant Alexius. 

29 — Sant Anschelms Frow. 

30 — d. kunig von Frankrich. 

31 — e. Keiserlich rehtbuch. 

32 — Tristram. 

33 — V. Sant Gregorius dem sünder. 

34 — morolf gemolt. 

35 — ein salter latin u. tütsch n. sust andere. 

Von diesen büchem sind in der Heidelberger hs, die /o/- 
genden verzeichnet, 1. 12. 34. 9. 13. 14 (Item der adLe^ 
mann vnd belyal gemalt). 7. 11. 3. 32. 16. 5. 

Der witfarn ritter (15) ist vielleicht die reisebeschrä- 
bung Johanns von Mandeville, — den titel diu himd- 
slräze, genant der welsche gast (17) hat aus einem bücher' 
Verzeichnisse Diebold Loubers, ich wei/s nicht ob aus dem^ 
selben, bereits fVh. Grimm angeßihrt, Gott. gel. ans. 1835 
f. 419. ich bemerke hier gelegentlich dafs unter den M- 
ehern die im j. 1436 sich in der Ordensburg zu Königsberg 
unter aufsieht des ordensmarschalls befanden auch der 
wälsche gast war , s. Voigt, Johann von der Pusilie s, 18.— 
die geschickte von dem treuen Htter der sein eigen her» 
gab um einer schönen frauen loillen (19) ist vielleicht das 
herzmsere (von der minnen in Müllers Sammlung hinter dem 
Parzival s. 208^.) — auch der sfelen tröst (29) war unter 
den büchem der Königsberger Ordensburg, 

HAUPT. 



193 



DIE SAGE VON DEN NIBELUNGEN WIE 
SIE IN DER KLAGE ERSCHEINT, 

NEBST DEN ABWEICHUNGEN DER NIBELUN6E 
NOTE UND DES BITEROLF. 

(VERGL. LACHMANN ZUR KUlGE 8 %9l') 



DER HOF ZU WORMS. RRIEMHILD IST MIT SIEGFRIED 
VERMÄHLT. DER STREIT DER RÖNI6EN1NEN. SIEGFRIEDS 

ERMORDUNG. 

Der burgundische könig Dancrat (13) hatte mit seiner 
{[^ahlio Ute (14) drei söhne, Günther Gernot und Gisel- 
lier, and eine tochter, Kriemhlld. die drei könige behersch- 
ten die weiten ererbten lande (13) und besafsen alles in 
Ble was reichen königen zukommt (15 f.). Günther war 
Bit Brnnhild vermählt und erzeugte mit ihr einen söhn 
(1726. 1822. 1885. 1997. 2001. 2038 und sonst), dessen na- 
Be nicht genannt wird. Gernot war wol gewahsen an 
griBge und an lenge (964 f.), so dafs, als man die todteii 
Heb dem kämpfe aus dem saal trägt, für ihn die thür zu 
eng ist (965). auch Giselher der junge, dessen milte ge- 
'Änt wird (897 f. daz golt git nu nieman sam du tcete), 
ww von kräftiger gestalt; denn als man seine leiche auf- 
lH)k, war sie den hebenden zu schwer und fiel in das blut 
zornek (917 f.)« das beiwort der ungehiure (776) mag sich 
Hofs auf den kämpf beziehen, die könige herschen zu Worms 
BD Rhein, ihre unterthanen heifsen Burgunden,. einmal wer- 
fcn sie die stolzen Rheinfranken (152 vergl. Bit. 9729 und 
Pranken Bit. 5965. 9310. 9733. 12123) genannt und einmal 
keifst Giselher der vogt der Nibelunge (771). der name 
^ihhmge ^Lommi dMhtrAtm nur noch einmal (1713) vor und 
^W dort den früheren besitzern oder hütern des Schatzes 
i>eigelegt. von den beiden am hofe zu Worms begegnen uns 
^%nde. 
Z. F. D. A. III. 13 



194 DIE NLBELUNGESAGE LN DER KLAGE. 

1. Hagene von Tronge (545. 710. 1938), der äberhSre 
(115. 579), [im kämpfen unersättliche (1760)], Günthers 
mann (1950). auf Hagens frühern aufenthalt bei den Hen- 
nen (vergl. N. N. 1120. 1141, 4. 1359,4. 1464, 3. 1597,1. 
1593^95. 1734 — 36) wird nicht angespielt; auch dafs er 
mit den königen verwandt sei weifs das gedieht nicht (N. 
N. 841, 1. 1073, 3. Bit, 2763). 

2. Dank wart, marsehall (719), Bagens bnider (708. 653) 
und wie er den Burgundcn unterthan (1183 f.); der dichter 
des Bit. kennt ihn nicht. 

3. Volker von Alzey (681. 1911), der spielmann (696. 
905. der spcehc videlwre 207 wie N. N. 1697, 2, dervid. 
699), der aus freiem geschlechte stammt (697 vergi. N. N. 
1417) und nach 679 f. das land am BJiein mit Günther 
besitzt; nach 1183 f. jedoch sind die Burgunden seine her- 
ren; auch er ist dem Bit. fremd. 

4. Sindolt, der schenke (1870; im Bit. 10357. 11902 
truchsefs). 

5. Rumolt, der nicht in Worms, sondern dd keime k 
sinem lande wohnt (2007), doch Günther untergeben ist 
(2008), und dessen treue gegen diesen weit bekannt war 
(2009 f.). dafs er je ein omt am burgundischen hofe ver- 
waltet habe (in N. N. und im Bit. ist er kucbenmeister) 
erfahren. wir nicht. — Ilunolt, in der N. N. kammerer, 
im Bit. schenke, wird nicht genannt; ebenso wenig Ortwii 
und die beiden markgrafen Gere und Eckewart. 

Kriemhild dfu edele und diu milde (35), die von Dietrich 
noch als leiche ihrer Schönheit wegen bewundert wird (388; 
über ihr alter in der N. N. vergl. Wh. Grimms heidensage 
s. 64,, in der klage finden sich jene Zeitbestimmungen nicht), 
und von der nie jemand mit recht übel reden konnte (76 f.), 
war mit Siegfried, dem söhne Siegmunds (60) und der Sie- 
gelinde (62) vermählt. Siegfried war so stark dafs er woU 
alle länder hätte unterwerfen können (53 — 55), vergl. N. 
N. 22, 3. 102, 4. 1671, 3); von seineu jugendthalen hörea 
wir nichts, ebenso wenig von seinem aufenthalt bei Etzel 
(N. N. 1097, 3. Bit. 9471—9495), von dem beistand den 
er Günther zur erringung der Brüuhild geleistet hat oder 
von seinem frühern Verhältnis zu Brüuhild, das, von so un- 



OIB MIBELUNGESAGE IN DER KLAGE. 195 

gemeiner bedeutang es für das Verständnis der sage ist, von 
den deutschen dichtem bekanntlich stets nur leise und un- 
sicher berührt wird, auch Siegfrieds und Kriemhildens söhn 
fißbit hier, und von ihm hat der dichter ohne zweifei nie ge- 
hört, denn er würde sich diese gelegenheit zu neuen kla- 
gen nach dem tode der mutter und der obeime nicht haben 
entgehen lafsen. woher Siegfried stammt, wo Siegmund 
herscbt, erfahren wir ebenfalls nicht. Siegfried wird von 
Hagen getödtet (1707. 1888. 2014). die veranlafsung zu 
seiner ermordung war ein wortstreit, in den Kriemhild und 
Brünhild thörichter weise {in ir ttimpheit) gerathen waren 
(1986 — 88. 2023—25) ; Kriemhild hat ihn begonnen (1986f.). 
in welcher weise dieser streit die Ursache zu Siegfrieds er- 
mordung geworden ist, was sich in der Zwischenzeit zuge- 
tragen hat, wird nicht erzählt; doch gesteht Brünhild dafs 
sie schuld an dem morde hat, 1982 dö gedähte st dar an wie 
wol siz erholte^ das leit daz si nii dolte^ und 1989 daz ir 
froude ir (Kriemh.) wart benomen^ daz ist mir nu her heim 
kamen, aufser Brünhild und Hagen, dem vdlant der ez al* 
lex riet (625 f.), ist es nur noch von Günther entschieden 
dafs er an dem verbrechen tbeil gehabt, an drei stellen 
zwar wird nur Hagen schuldig genannt (114 — 119 und 131. 
954 f. 2013) und 954 heifst es ausdrücklich ez hcete wol 
gescheiden Crimhilt Hagen von in drin, niwan u. s. w« ; 
doch da Günther aufserdem stets mit als schuldig aufgeführt 
wird (z. b. 52. 247 ja riet er daz ersterben S\frit mnose» 
ir Srster man), da Kriemhild ihn bafst (246 f. 605) und ihm, 
als er nach dem kämpfe gefangen ihr übergeben wird, das 
leben nicht schenkt, so folgt wohl dafs an jenen stellen Ha- 
geiis schuld nur besonders hervorgehoben wird weil er den 
mord ausgeführt hat (1707. 1888), den jene beiden nur be- 
achlofsen. die N. N. sagt nicht dafs Kriemhild nur ihn habe 
tödten wollen. Gernot heifst 246 und 961 schuldig; sonst 
wird er unter den schuldigen nicht genannt, 1705 ausdrück- 
lich für unschuldig erklärt. Giselher hat in keiner weise, 
weder mit rathe noch mit bänden an dem verbrechen theil 
gehabt (240 f. 1705). 

Siegfried ist gestorben von siner übermuot (20), was 
wohl nur edel wegen seines allzu stolzen sinnes heifsen 

13* 



196 DIB NIBCLUNGESAGE IN DER KLAGE. ' 

kann; denn 2021 f. hören wir dafs Siegfried Hagen nichts 
zu leide gethan hat and dafs er ohne grund ermordet wor- 
den ist. der dichter scheint durch diesen ausdmd^ aadea^ 
ten zu wollen dafs Siegfried den tod hätte voraussjelin mni 
vermeiden können, wenn er nicht zu edler gesinoaog gewe- 
sen wäre um argwöhn gegen seine freunde und verwanilte 
z« hegen, doch hat schon der iiberarbeiter an der atdie 
anstofs genommen und sie geändert (s. anmerk. s. 292). 

Aber nicht blofs der gemahl wird Kriemhilden getödte^ 
Hagen beraubt sie auch des Schatzes in grSxen Witrütwe» 
(2014f.); auch dieser raub seheint 96 — 99 und 1713—17 
mehreren zugeschrieben zu werden (vergl. § 7). bei dem 
schätze selbst wird nur vom goldc (96. 1713), nicht von 
den steinen, der tarnkappe und Wünschelrute der N. N. 
gesprochen (vergl. heldens. s. 76->78). aufserdem verietzt 
Hagen die königin zu aller zeit durch viele unversdiiildete 
Schmähungen (2018 f.). so sinnt Kriemhiid schon daheim aaf 
räche (2015 ich sack es an ir riuwen, sioie si» an getrüe* 
ge, daz man si drumbe slüege, swenne ez och geschwhe). 

Ute hat eine abtei zu Loise gegründet (vergl. heldens. 
s. 114) und bringt dort ihr alter mit andachtsübungen zo 
(1839 — 42). der Biterolf kennt Ute nicht. 

Nur der übersichllicbkeit wegen schliefse ich hier nock 
den bischof Pilgerin von Pafsau an, einen reichen und weit- 
berühmten mann (1646 f.), den bruder der königin Ute 
(1649. 1653. 1699. 1712; stirbt 991, vergl. heldens. s. 71. 
109). die alte bürg Pafsau (1645) liegt auf dem wege von 
Bechlaren nach Baiern (1643) zwischen der Donau und dem 
Inn (1644). im Biterolf kommt auch Pilgerin nicht vor. 

Dies wenige ist alles was das gedieht aus dem ersten 
theile der sage enthält, und hiervon wird Pilgerin bekannt- 
lich erst im zweiten theile der N. N. erwähnt, Volker tritt 
hier erst selbständig hervor, dafs die alte liedersamniiang 
durch den ausfall so vieler einzelheiten welche das Ver- 
ständnis der sage, wie wir sie in der N. N. besitzen, er- 
schweren, vorzüglich des dunkeln früheren Verhältnisses 
Siegfrieds zu Brünhilden, durchsichtiger gewesen sei und in 
ästhetischer hinsieht somit vermöge der schärfer hervortre- 
tenden einheit gewissermafsen höher gestanden habe, kann 



DIB NIBBLUNGESAGE IN DER KLAGE. 197 

man Genrinus (1 , 359) zageben ; doch der veriust, den die 
Sagengeschichte dadurch erlitten hat, ist sehr grofs. wenn 
Crervinos ebenda jedoch die alte liedersamralung früher als 
die einfuhmng der vollständigen Siegfriedssage stellt, so weifs 
ich nicht wodurch er diese ansieht stützen will ; die vier an- 
gelpankte dieser Verbindung, Kriemhildens ehe mit Siegfried, 
der streit der königinnen, Siegfrieds ermordung in folge die^ 
ses Streites, und Kriemhildens zorn hierüber als die quelle 
des spätem Unterganges der Burgunden, liegen bereits voll- 
ständig vor, und daraus dafs die alten lieder nicht mehr von 
einzelheiten enthielten folgt doch nichts als dafs ihre ver- 
figdser nicht mehr zu geben wüsten oder für ihren zweck zu 
geben für nöthig hielten, höchstens dafs in der heimat des 
Sammlers keine in bezug auf die Siegfriedssage ausführli- 
cheren lieder vorhanden waren. 



2 

ETZEL, SEINE VERMÄHLUNG MIT KRIEMHILDEN, SEIN 

HOF UND SEINE HELDEN. 

Blzel, Botelungs söhn (29. 443. 619. 1208), der rei- 
che, hehre (23 ff. 88. 186. 231. 253. 995. 999. 1011 u. s.w.), 
dessen gleichen es unter Christen und beiden nie gab (26 f., 
vei^l. N. N. 1184,2. 3. und 1278 — 80. 1282 — 87), war 
könig der Heunen und herschte über zwölf könige (25, vergi. 
N. N. 1175,2. 1331,3. 1852,3; doch Bit. 328 über drei- 
Eishn; N. N. 1282 sind vier und zwanzig fürsten sein in- 
gesinde). viele die von seiner macht gehört hatten ritten zu 
ihm in das land (27 f. vergl. Bit. 333), und er wird von 
fremden Völkern so gefürchtet dafs man seine boten, als sie 
durch Baiem nach Burgund ziehen, nicht nur nicht verletzt 
(da» muost man durch ir herren Idn), sondern sie beschenkt 
(1743 — 45, vergl. N. N. 1434 und Bit. 4784 ff.), von ge- 
bart beide war er fünf jähre christ gewesen (493), darauf 
jedoch von seinen götzen (Machmet und Machaz^n 483, 
vergl. anmerk. s. 290 u. 302) wieder zum abfall vom chri- 
stenthum bewegt worden (491 f. 494 f.). " nach dem todci 

* W. Grimm (heldens. 114) vermutet ohne zweifei mit recht dats 
der dichter dies nar anführt um die ehe Kriemhildens mit einem hei- 



198 DIB NIBELUNGESAtifi IN DEft KLAGE. 

seiner tugendlichen gemablin Helcbe (31 — 34 Ycrgl. Bit. 
334 ff.) rathen ihm seine verwandten (vei^l. N. N. 1083, 3) 
zu Kriemhild (35). Kriemhild sitzt bei den Hennen gewal- 
tig wie einst Helcbe, alles gesind im beunisehen reiche, 
mehr frauen als in der heimat und viele Streiter sind ihr 
unterthan (42 — 46), zehn oder mehr gekrönte könige siebt 
sie zu jeder band (58 f., vergl. 12 könige oben). alleiB sie 
bleibt die eilende und weder das ansebn noch die macht lin- 
dern ihren schmerz um Siegfried (37 — 41. 47 f. 60). wäre 
sie ein mann gewesen, sie hätte wohl mit eignen bänden iu 
grofse unrecht das ihr geschehen war gerächt (64 — M); so 
beberscht sie ihren zorn und bereitet schweigend die raehe 
vor (49 — 51). sie gebiert Etzel einen söhn (251. 4SI* 
1903. 1925), Ortlieb genannt (432). 

Von dem leben und den sitten der Hennen erfahren wir 
nichts: sie sind beiden und unterscheiden sich durch die 

« 

kleidung von den Burgunden, denn Elzels boten' werden in 
Worms an den kleidern erkannt (1764 f.). einzeln treten 
folgende beiden hervor. 

1. Blödelin, Botelungs söhn (1170) und Etzels bmder 
(444. 465. 1892), von dessen mannen im kämpfe 3000 der 
höchsten und besten fallen (166 f., in den N. N, 1286, 2 
führt «r beim empfange Kriemhildens 3000 mann mit sieh), 
Bit. 13057 ist er fürst von Walacben. 

2. Dietrich von Bern und die Ameiunge. - 

Von Dietrichs von Bern (1055. 1949. 2133) jngendtht- 
ten schweigt das gedieht, er ist aus seiner heimat Ben 
vertrieben (871 min langem eilende hat taste sieh gemtreL 
der tack si geuneret daz ich ie sehtet von Berns. 911 tcft 
solt vzl unvertriben sin von küngen immer mire, ob kit 
der degen h^re [RüedegSr']. 523—26. 693. 1018. 2064) 
und sucht sie wieder zu gewinnen (die eben angeführten 
stellen 911. 525. 2064). wie er Etzel gedient hat wird 
nicht erzählt, es begegnen uns nur die allgemeinea äobe* 

den ZQ entschaldigen. von dem religiösen bedenken mit weichem Rriem- 
bild in d. N. N. (1188. U01) ansteht sich mit Etzel zu vermShlen 
erfahren wir hier daher nichts, die auf das christentham bezHglichen 
stellen sieh in n« 8. der Überarbeiter der N. N. hat diese ludeniiig 
audi in sie aufsenonuneii. im Bit. ist Euei steto beide. 



DIB NIBELUNGBSAGE IN DER KLA6& 199 

ruogeu, 1060 dem er da diente manegen tao (Hiidebniiid 
dem Etzel), der dient im nu von schulden, er het nach si* 
neu bulden vil dicke harte wol geriten; und etwas bestimm- 
ter spricht Dietrich bei Wolfharts leiche 864 Etzel der kä" 
t^ek hSre hat manegen sie von dir genomen (vergl. 164 f. 
aod 737 f.). auch von dem heereszuge, den Dietrich von 
Etzel unterstützt zur Wiedergewinnung seiner Vaterstadt un- 
ternimmt, wird nicht ausführlich genug gehandelt, und wir 
würden diese für die geschichte der sage wichtigen verse 
(987 — 1012) gar nicht verstehen, wenn nicht eine stelle 
der Vilkinasaga (c. 293 — 316) sie aufklärte (vergl. Raben- 
schlacht und heldens. s. 121 f.)- aus dieser erfahren wir: 
Etzel hat, auf bitten seiner gemahlin Erka, dem Thidrek 
ein grofses beer gerüstet, mit dem dieser die Vaterstadt wie- 
der zu erobern zieht; diesen zug berührt Dietrich in un-* 
serm gedieht mit den Worten do ich den viänden min mtiose 
rämen miniu lant (993 f.). nach der Vilkinasaga siegt Dietrich, 
nach unserm gedichte wird er besiegt, und dies ist als rich- 
tiger anzunehmen, da nur hierdurch begreiflich wird wes- 
halb er zu den Hennen zurückgekehrt ist. ferner erzählt 
die yUkinasaga dafs Etzels beide söhne, die Dietrich auf 
seinem zuge begleiteten, gefallen sind ; dies scheint Dietrich 
zu berühren, wenn er von Etzels hafs spricht (995 — 997), 
wenn er die Heunen seine feinde nennt (998) und sich freut 
dafs Etzel seine grofse schuld vergefsen habe (1001 f.). in 
dieser noth steht ihm Rüdiger der treue bei (994 f.). Rtt>« 
diger gelobt, Etzel solle ihn selbst eher hängen als Dietrich 
gefiingen nehmen (999) ; auf diese bürgschaft hin kehrt Dietrich 
ins Heuneniand zurück (998) ; hier wird er von Rüdiger ge» 
heim gehalten (1003 — 5), bis dieser Helche von Dietrichs 
läge unterrichtet (1005 — 7) und mit ihr vereint Dietrich und 
Etsel wieder versöhnt (1001. 1007 — 1012). dieser kämpf 
bat zwölf jähre vor dem untergange der Burgunden statt ge- 
habt (988 \ wenjgsten$ scheint Dietrich ihn im sinne zn ha« 
ben wenn er hier vor zwölf jähren gestorben zu sein wünscht, 
da er gleich darauf ausführlich von dem kämpfe spricht), 
auch Kriembild -hat sich liebreich gegen Dietrich erwiesen 
(393 f.). von Dietrichs kriegern, welche die Bemer (904. 



200 DIB NIBBLUNGESAGE IN DER KLAG». 

1930) und die von Amelange lant (1586. 1934) beitBeo, 
werden aufgeführt 

a) Hildebrand, der greise (2102 und oft der alte), LähBe 
(162), meister (507. 550. 1943. 1968 und oft). 

b) WoUhart, Hildebrands schwestersohn (879), <2er volkr 
degen (831), mit rötblichem barte (835); seiner treue and 
tapferiLoit wegen gerühmt (857 — 65). 

c) Wolfbrand (731 — 42), Dietrichs mann (730), tapfer 

(737 f.). 

d) Wolfwin, Hildebrands neffe (765), der söhn des küh- 
nen Nere (766), Dietrichs burggraf (765),* dessen leiche 
später an dem glänze des helmes erkannt wird (761). 

e) Siegstab, herzog von Bern (744), der reiche (743)) 
dessen mutter und Dietrichs vater eines vaters khider wa- 
ren (747);** edelsteine, licht wie die sterne, leuchten durch 
sein gewand (744) ; auch er wird seiner treue wegen ge- 
priesen (749 f.) 

f ) Helpfirich (674) wird unter Dietrichs freunden auf- 
geführt (661 dd her Dietrich siner träte tnanegen reim 
ligen vanty diese Schilderung der Berner erstreckt sich bis 
784); ebenso 

g) Gerbart (774). 
h) Wikhart (782). 

i) Wiknant (778).*** 
160 — 163 heifst es, sechshundert von denen die Dietrich 
ins Heunenland gebracht seien im kämpfe gefallen ; doch wie 
wir 523. 1587. 1935 hören sind alle getödtet. es scheial 
iaher anzunehmen dafs ihn ursprünglich zwar mehr begleitet 
haben, dafs die übrigen jedoch früher gefallen sind» — nor 

* über diese einzelheiten schweigen sämmtliche and^n gedichfe. 

' * in d. N. N. J^I^^O, 3 ist Siegstab Dietrichs schwestersohn ; das 
altersverhäitnis in nnserm gedieht ist natürlicher, und Wh. Grimm (heV 
dens. 105) vermutet dafs es die N. N. nur ändert, damit der in der 
ganzen sage höchst dunkle vater Dietrichs nicht gerührt werde; m 
Bit. (5254) heilet Siegstab nur Dietrichs neve, 

*** WÜLuant kommt nur im Bit. vor und ist hier Wolfbrands bro- 
der (10365); die N. N. und der Bit. nennen aufserdem Ritschart und 
Helmnot, und der Bit. noch Siegher Wikher und Adelhart^ vergl. hei- 
dehs. lOSL 



DK NIBELUNGESA6E IN DER KLAGE. 201 

Siegstab wird, wie in der N. N., ausdrücklich Dietrichs ver- 
wandter genannt; die worte mdge und man (874. 1942) können 
als epische formel wenig gelten und der ausdruck min aller 
bestez künne (390) bezieht sich vielleicht nur auf Rüdiger, bei 
dessen ieiche ihn Dietrich (990) wiederholt (vergl. heldens. 
8. 106). 

Hier schliefse ich noch Herrat an, Heichens schwester- 
kind (1099 wie N. N. 1321, 2), von der sie grofse schätze 
geerbt hat (2070 — 73). Herrat heifst meit (1145), juno- 
firouwe (^1\S)^ wodurch wohl ihr dienst bei der heunischen 
königin angedeutet wird (vergl. heldens. s. 103, näher wird 
derselbe nicht bezeichnet). Dietrich und Hildebrand haben 
Herrat zu schützen geschworen (1253); Dietrich nennt sie 
diu triutinne min (2064, schwerlich gemahlin, was sie in 
der N. N. 1321, 3 ist, im Bit. deutet nichts darauf hin) 
and wird von ihr min f Hunt genannt (2121). über ihre ab- 
stammang (in N. N. 1321, 4 ist sie die tochter könig 
Nentwins) erfahren wir nichts ; dafs sie eilende (N. N. 
1329, 3) ist sagt uns der dichter jedoch, indem er sie un- 
ter den 86 Jungfrauen nennt die an Etzels hofe erzogen 
werden (s. unten). 

3. Rüdiger Gotelind und Dietlind. 

Rüdiger von Bechlaren (in der stat ze Bechelären 1569. 
1624. zer burk ze Bechelären 2109). Bechlaren liegt auf 
dem wege von Wien über Treisemmauer nach Pafsau (vei^L 
1392. 1396. 1645), unfern der Donau (1402). Rüdiger ist 
aarkgra.f und wird wie in der N. N. besonders wegen sei- 
ner ergebenheit gegen den fürsten gerühmt. Etzel sagt er 
sei durch seine treue emporgehoben worden vrie eine feder 
durch den wind (1023 f.). auch Dietrich ist von ihm nnter- 
sttitzt worden wie schon erwähnt ist. er heifst vater aller 
tilgenden (1067 wie N. N. 2139, 4) und wird vielfach ge- 
priesen (z. b. 934 f. 943 f.). auf die kriegsdienste, die er 
nnd seine mannen Etzel geleistet, wird angespielt mit den 
Worten swie dicke in was gelungen bi Etzeln dem rtcJien 
(230 f.). im kämpfe mit den Burgnnden führt er fünfhun- 
dert ritter (229). über sein rofs Poimunt (1426) sieh anmerk. 
s. 290. dafs er von Etzel leben trägt, wie in der N. N., 
wird nicht ausdrücklich erwähnt, doch gehörten seine frau 



202 die; NIBELUNGESAGE IN DER 

und tocbier zu Etzels bofgesinde (1039 — 41). aueh von 
Rüdigers brautwerbung für Elzel bei Kriemhilden börea wir 
nicbts, ebenso uicbt dafs er wie iu der N. N. und im Bit. 
aus der beimat vertrieben ist (beldens. s. 97f.); übrigens 
aber summt wohl kein cbarakter unseres gedicktes mit der 
Nib. N. so genau überein. 

Gotelind, Rüdigers weib und Dietrichs basenkiad (913 
wie N. N. 2251, 3, nißel 1039, Dietrich ihr net>e 1558). 

Dietlind (1349. 2112. 2120; kein anderes gedieht nennt 
sie, vergl. beldens. 118), Rüdigers tochter, Dietrichs n(ftel 
(1343. 1350. 2126), 

Däfs Rüdiger mehr kinder gehabt habe wird nicht er- 
wähnt; N. N. 2103, 3 sagt er ich bevühe iu uf g&mdß 
min wip und ffiirnu kint, vergl. 2251, 4 und die anneik. 
zu 2101, 3. Bit. 3337 ist Nuodunc, der edle jun^e nark- 
graf, Gollindens kind; die N. N. kennt ihn zwar (I637,.3. 
1840, 3. 1843, 3. 1844, 3. 1864, 4), doch giebt sie nicht an 
wessen söhn er ist. 

4. Irnfried Hawart Iring. 

Imfried, Hawart und Iring sind, um schwerer vergebea 
willen in die reichsacht erklärt (190), üf gnMe zu Etzel 
gekommen (185), dem sie ängestlichen dienen (186); vergeb- 
lich hat man mehrfach versucht sie mit dem kaiser ausza- 
söhnen (191 — 193). sowohl von der ächtung als den sük* 
neversucben weifs die N. N. nichts ; im Bit. musten Hawart 
nnd Imfried durch ir viende haz ihr laud räumen (5296 f.); 
Iring ist vom herzöge von Lothringen in die acht gethai 
(7722 — 25), Irnfried vom landgrafen (wohl dem yon Thü- 
ringen, seinem nachfolger) vertrieben (7726 — 29). da hat 
Etzel mit reichen gaben sie vermocht dafs sie ihm dienea 
(193 — 195). sie haben zusammen 3300 mann ins Hennen- 
land gebracht (204; N. N. 2007, 2 fuhren Irnfried und Ha* 
wart 1000 und 2014, 1 bestimmter 1004 nach Irings tode 
sum kämpf). Irnfried, der reiche (208), war landgraf von 
Thüringen (198 f.), Hawart könig von Dänemark (1185. 
200), Iring von Lotbringen, ein kühner mann (201 f. 551), 
ist von Haw^art durch grofse geschenke bewegt worden dafs 
er sein mann wurde (202 f. 543), der er auch in derN.N. 
ist. in der N. N. (1965, 1) ist Iring markgraf von Däne- 



DIB NIBELUNGESAGE IN DER KLAGE. 203 

marL. vod Lothringen ist er auch im Bit. (z. b. 1589. 3435. 
5289. 8750), in Dietrichs flucht und der Rabenschlacht wird 
er nor genannt, noch wird von Iring gerühmt wie gut er 
nach schöner frauen hnld zu ringen gewust habe (552 f.). 

5. Ferner begegnen uns von einzeln stehenden fiirsten 

a) Der herzog Hermann von Polen (173). 

b) Siegher von Walachen(174) ; diese beiden haben 2000 
ritter zu dem folgenden feste gebracht (175). 

c) Walber, der edel/He, der aus der Türkei durch 
Griechenland 1200 seiner mannen herbeiführt (178 fi). 

4) Nitigere (772). 

Ob diese vier als freie nur zu dem feste geladen wer- 
den (vergl. 1187 f. 219f.) oder in irgend einer abhängigkeil 
von Etzel stehen läfst sich nicht erkennen, dafs Hermann 
von Polen von Etzel besiegt und sein vasall ist wird im 
Bilerolf (3585.3750.3805.3994 — 99) erzählt, in dem auch 
Siegher Etzels unterthan ist, doch Siegher von Turkie (S456. 
7639 f.) heifst. Walber findet sich in keinem andern ge- 
dichte (vei^. heldens. 115). 

6. Aufserdem hören wir von 86 edelgebomen jung* 
fimnen (1094), welche fremde fürsten Etzeln und Heiehen 
ZK e/krea an den heunischen hof gesandt haben (1116 — 19), 
nnd die vonHelche (1093—95. 1115), später von Kriemhild 
(1116) erzogen werden; von ihnen werden, aufser Herrat, 
die schon besprochen ist, namentlich au%efuhrt 

a) Siegelind, diu minnecliehe, des kUnec Nitigirs kmt 

(1102). • 

b) Göldrun, Liudigers v. Frankreich tochter (1103 — 5)« *^ 

c) Hildburg von Normandie (1108).'** 

d) Herlind von Kriechen (1109) f; sie und Hildburg hei- 
fsen reicher fürsten kinder (1107). 

e) Adelind, die berzogin, des kühnen Sintrams kind 
(1111; Bit. 1107 wird ein Sintram von Griechenland er* 

* auch im Bit. (13191) wird eine tochter Nitigers erwähnt, doch 
fehlt der name. 

** sowohl tochter als valer kennt kein anderes gedieht: 
*** im Bit. heirst sie die tochter Ludwigs von Ormaoie und Her- 
borda gemablin (6465. 6505). 

•{- auch Herlind treffSen wir sonst nirgend. 



204 ME NIBELUNGfiSAGB IN DER KLAGE. 

wähnt), eines berühmten forsten, er het bi österlande em 
käs an Ungennarke stät : Puten noch den namen hat 
(1112 f.) — die N. N. (1320, 3) erwähnt nur die töchter 
von sieben königen ; Herrat pflegt des gesindes noch bei 
Kriemhildens ankunft (1321, 1). 



EINLADUNG DER BURGUNDEN ZU ETZEL. IHRE FAHRT UND 

IHR EMPFANG BEI DEN HEUNEN. 

Längere zeit nach seiner Vermählung mit Kriemhilden* 
lud Etzel edle (löbliche) fursten zu einem grofsen feste 
(80 — 83), wobei Kriemhild niemand von denen zu ladei 
vergafs die sie gern sehen wollte (83 — 85). wer die bötschtft 
an die Burgunden bestellt habe wird nicht ausdrücklich er^ 
wähnt; doch daraus dafs Swemmelin, als er nach dem tode 
der Burgunden mit der trauerbotschaft nach Worms gesandt 
wird, der wege kundig ist (1296 dem sint die wege wol 
bekant, 1643^ da er sine wege vant) und zu Worms vini 
den Burgunden erkannt wird (1790 f.) schliefse ich dafs er 
schon jetzt, wie in der Nib. N., sich unter den boten befin- 
det. Wärbel wird nicht erwähnt. Rumolt widerräth Gün- 
ther die fahrt (2028 hete min herre getan als ich im mä 
triU)€n riet dd er von dzsem lande schiet, so enwasr er fdkt 
erstorben, 2007 mit tritöen was im ande daz sin vil lieber 
herre mit schaden also verre was üz sinem rate kamen), 
in gleicher weise ist er N. N. 1405 — 9 dagegen, und Wol- 
frams anspielung hierauf ist bekannt. 

Wann und wie die Burgunden zu Etzel gekommen seien, 
sagt der dichter ausdrücklich, wifse er nicht (85 — 87), und 
dieses geständnis reichte bekanntlich auch ohne die übrigen 
gründe hin zu beweisen dafs er bei der abfafsung des ge- 
dichtes nicht die Nib. notb vor sich gehabt habe (vergl. 
anmerk. s. 287). er weifs nur dafs die Burgunden über 

* Ortlieb ist inzwischen geboren, eine genauere zeitbestimaiuf 
fehlt, in der N. N. 1330, 4 sind es dreizehn jähre ; so viele nimmt 
die klage nicht an, wenn es richtig ist dafs Dietrichs zug gegen Ben 
zwölf jähre vor den Untergang der Burgunden fälit, da Helche danal* 
noch lebte. 



DIB NIBBLÜNGBSAGB IN DER KLAGE. 205 

Bechelaren gezogen sind und dort eine zeit verweilt ha« 
ben. ^ hier wird Dietlinde mit Giselher verlobt (908—910. 
1521. 1039. 1921), auf Volkers rath (905); au(;h in der 
N. N. (1614 — 16) ist Volker die veranlarsnng der verlo« 
bong, doch hier nar zafällig, indem Hagen vielmehr Volkers 
and Gerne ts werte aufgreift und offen zu dem Verlöbnis räth. 
anch werden die Burgunden von Rüdiger beschenkt (1591 
sagt Dietlind s6 manegen baue röten so wir in gäben hier 
en lant)\ unter den gaben wird besonders das schwert wel- 
ches Gemot erhalten hat um seiner tugent willen gerühmt 
(941 nach dem kämpfe scharten noch flecke er da ninder 
ane vant)$ hätte Rüdiger das schwert nicht weggegeben, 
so würde er. im folgenden streite wohl nicht gefallen sein 
(936 dö sach der alte Hildebrant die gäbe in G4mätes 
hont die im het Biledegär getan, het ez der helt verldn, 
wa» ob er wtere genesen?), dies bestätigt auch die N. N. 

Die drei könige führen viele ritter mit sich (93 — 96) 
und 9000 knechte (1204). 

Die gaste werden von Etzel freundlich empfongen (100 
— 102. 155. 1318f.), sein ganzer hof freut sich ihrer an- 
knnft (105 f.). wie sich Kriemhild beim empfange der brfi- 
der gezeigt hören wir nicht, denn was die boten 1511—13 
Dietlinden von ihrer freundlichkeit erzählen kann nicht gel* 
ten, da sie Dietlinde durch falsche nachricht zu beruhigen 
Sachen, doch ist entweder anzunehmen dafs Etzel beim 
empfonge, wenn Kriemhildens feindlichkeit auch hier wie in 
der N. N. (1679 bei der frage nach dem schätze, vergl. 
Kl. 96f. und hierzu Über d. urspr. gestalt der Nib. s.41f.) 
bereits durchblickte, nicht zugegen war, oder dafs Kriem- 
hild die brüder allerdings mit verstellter freundlichkeit be- 
grüfst hat, da sonst Etzel ihr sinnen hätte erkennen müfsen^ 
doch nach dem kämpfe klagt er wiederholt dafs er die blu- 
tige absieht der königin nicht geahnt habe, da er alsdann 
das verderben von den fürsten abgewendet hätte (557 do 
sprach er 'ez solde wesen : jd wcerez anders mir geseit. ir 
tat und min arbeit het ich wol understm; 607 'wosr ez mir 

* die klage des markgrafen Else über seinen anverschuldet ge- 
todl^en bruder (1751 — 58, vergl. N. N. 1526—89) üUergehe ich als 
anecht, vergl. anmerk. s. 160. 



206 DIB NIBELDNGESAGE IN DER KLA6R. 

S kunt g€tän, st muesen alle sin genesen; vei^l. 142. 144. 
456—458. 624. 1316 f.; N. N. unter vielen andern stel- 
len 1803). erst nach dem tode der Burgnnden hart Elzel 
von Dietrich die rehten mcere (408 f.). 



DAS FEST. DER AUSBRUCH DES KAMPFES. 

Über das fest selbst erfahren wir nichts genaoeres; die 
Worte 155 swie wol ir der wirt pklac und 1318 wmn ichs 
in güetlieh erbot lafsen sich auch hieher ziehen; und da- 
durch dafs Etzel bei Gemots leiche sagt nach den mm J9ar- 
gondelant het daz kint geraten (946 f.) scheint angedeutet 
dafs er auch in der klage wie N. N. 1853 f. beschlofsen 
hatte Ortlieb den Burgnnden zur erziehung mitzugeben (ür* 
sprüngl. gest. der Nib. s. 44). 

Während die burgundischen fiirsten beim mahle sitzen 
(1902) befindet sich Dankwart mit den knechten in der ron 
Etzels palaste entfernten herberge (1895. 1897). hier greift 
ihn Blödelin von Kriemhilden gewonnen (168 durch emes 
wibes Ure; 169 f. diu im xe wibe was geswom, der dient 
er näh ir hulde; 652 het diu künegin daz eine Idn das si 
Blwdelinen Hagen den hruoder sinen se tdde niht het hei^ 
»en slAn, so enwcere es alles niht getdn)^ um ihr leid zi 
rächen (630), feindlich an und wird so urheber des Streites 
(167. 448 f. 631). alle Burgunden in der herberge werden 
zum kämpfen gezwungen (1895), die Hennen erstürmen ihr 
haüs (1896 f.), Blödelin selbst fällt zuerst (171. 1893) von 
Dankwart getödtet (723. 1894, vergl. N. N. 1864) und 
mit ihm 3000 der edelsten von den seinen (166 f.); doch 
auch die 9000 burgundischen knechte fallen sämmtlich, es 
bleibt niemand als Dank wart am leben (1898 f.). in der 
N. N. 1869, 3 werden von Blödeis knechten nur. 500 oder 
mehr erschlagen ; hierauf erheben sich 2000 oder mehr an* 
dere Hannen und tödten Dankwarts noch übriges gesiode 
(1871), nur mit mühe entgeht diesen Dankwart, die klage 
fährt fort: Dankwart eilt zu den königen in den palast, das 
unrecht zu berichten (1900). wie diese ihn gehört, dd sbiog 
Hagen des wirtes kint se siner angesihte sint, das es ßtr 



DIB NIBELUN6ESA6E IN DER RLACK. 207 

den iisek schS» und im daz bittot sin hont begdz (1903, 
▼ei^l. 432 f.); die Burgunden springen anfand beginnenden 
kanpf (1905); Etzels mannen wollen den tod des kindes 
räehen (250 — 254), und so entbrennt von beiden seilen ein 
allgemeiner kämpf (1906 — 9). — Hagen bätte niemand ver- 
letzt, wenn die königin nicht seinen brader hätte tödten 
beirren (651 — 654); and die Barganden alte wehren nar 
ihr iebeo, wenn sie nicht von den Hennen zum kämpfe wä* 
rea gezwungen worden, hätten sie ihn nicht begonnen (454 
— 456. 619 — 21). ans den ungenauen versen 1959 — 1961 
darf man nicht folgern dafs hiermit im Widerspruche die 
Bsrgnnden urheber des Streites genannt würden, die worte 
die bfUktens in die arbeit brauchen sich nicht auf den be- 
ginn des kampfes zu beziehen, auch könnten unter den Chri- 
sten Etzels christliche untertbanen gemeint sein; doch 145. 
456 f. (vergl. N. N. 1803, 3. 4) wird geklagt dafs die Bar- 
ganden übermütiger weise den kämpf zugelafsen; vergl. 1319. 



DER KAMPF. 

Hennen und Bu^unden kämjpfen innerhalb des palastes. 
Imfried Hawart und Iring sind bereit Kriemhildens leid zu 
räcben (195 f. nach N.N. 1962 scheint es dafs Iring nur durch 
Kriemhildens gold zum kämpfe bewegt wird, Irnfried und 
Hawart aber 2007 nur seinen tod rächen wollen). Irnfried 
wird von Volker getödtet so wie viele von denen welche 
den drei forsten in Etzels land gefolgt sind (205 — 208); 
Hawart fällt durch Dankwart (214; N. N. 2012 durch Ha- 
gen), Iring durch Hagen (209. 543) ; Iring hatte Hagen zu 
tödten gesucht (212), doch obgleich er ihn bereits verwun« 
del hat (545), ergreift er ängstlich die flucht (543) and fälll 
auf dieser; er flieht aus dem hause, denn seine leiche wird 
aafserhalb desselben gefunden (538 — 541) von dreifsig lei^ 
eben seiner mannen umgeben (564). in der N. N. 1989, 3 
and 1991, 1 entkommt Iring glücklich, greift Hagen aufs 
neue an (1997) und wird erst jetzt von ihm tödtlich ver« 
wandet (1999), doch stirbt er nicht auf dem platze, son- 
dern, zu den seinen zurückgekehrt, von den Thüringern 



208 DIB NIBELUNGESA6E IN DER KLA6B. 

Dänen nnd Kriemhild amringt (2002—6); daTs seine leiehe 
in der nähe des haases gefunden wird ist somit anch der 
N.N. zuwider; von den 30 mann spricht sie nicht, ob Iriig 
wie in der N. N. vor Hawart und Irnfried ßllt ist nicht 
ersichtlich. Siegher von Walachen wird von Gontber ge- 
tödtet (781), die 2000 mann welche er und Hennann toi 
Polen, die beide Kriemhildens leid eifrig rächen (174f.)i zi 
Etzel gebracht, fallen sämmtlich (177). Nitigere stirbt dordi 
Giselher (772). Dietrich und Rüdiger meiden den kämpf, 
jener weil er das kämpfen auf beiden selten mit schmen 
sieht (1916 — 19), dieser weil er Giselher seine tochtisr ▼e^ 
lobt hat (1919 — 21); doch vergeblich. Etzel will den tod 
seines sohnes gerächt wifsen (1924 f.). und zuerst geht Rü- 
diger, durch Kriemhildens bitten bewegt, in den kämpf (1925 
—27); er tödtet Gernot (227. 929 — 931. 1555. I928f.), 
der unten an der brüst eilen wit verwundet wird (927 f.); 
N. N. 2156, 3 wird er durch den heim verwundet. Gemot 
hat in dem kämpfe so viele feinde getödtet dafs sich der 
ruf davon wohl durch dreifsig königreiche verbreitete (222). 
aber auch Rüdiger fällt von Gernot (224. 934. 1413. 1555. 
1641. 1928 f.) durch dasselbe schwert verwundet welches 
er ihm daheim geschenkt hatte (936 — 38) ; seine leiehe wird 
später in dem Schilde liegend gefunden (986), innerhalb des 
Saales, denn als Hildebrand ohnmächtig bei ihr hingesnnkes 
war, heifst er beim wiedererwachen die thür mehr öffnei 
(1063 f.). Rüdigers 500 ritter fallen sämmtlich (229), nach 
V. 1284 und 1415 jedoch siud sieben von ihnen am lebei 
geblieben, welche die trauerbotschafl nach Bechelaren brin- 
gen, im schmerz über Rüdigers tod fordern die Berner den 
kämpf (1929 — 31) und wider Dietrichs verbot beginnt ihn 
Wolfhart (1931—33). Giselher allein tödtet mehr als drei- 
fsig von ihnen (903), unter diesen Woifwin (770), dessen 
leiehe an der wand liegend gefunden wird (764), Gerbart 
(774 — 77) und Wolfhart (830 f.), auch hier scheint er je- 
doch, wie N. N. 2233—35, 1, durch Wolfhart getödtet 
zu werden, da beider leichen neben einander gefunden wer- 
den (831 — 833), von vielen die durch Giselhers band ge- 
fallen sind umringt (894 f.). dafs Woifwin und Gerbart von 
Giselher getödtet werden weifs die Nib. noth nicht. Wolf- 



DIB NUELUNGfiSAGE IN DER KLAGB. 209 

harts unbändige kampflust (vergl. heldens. 60) bezeichnet 
es Yorirefflich dafs er noch todt mit zasammengebifsnen 
(durhbixzen) .zahnen daliegt (852) und das schwert so fest 
imklammert hält dafs Dietrich und Hildebrand es mit Zan- 
gen aus seinen langen Gngeru brechen müfsen (841 — 46). 
durch Dankwart fällt Wolfbrand (730 f.) innerhalb des saales 
(726), durch den heim verwundet (728) ; Wiknant (778) und 
Wikhart (782) durch Günther, auch von Wolfbrands Wik- 
nants und Wikharts tode erfahren wir in der N. N. nichts, 
die bei dem kämpfe der Berner überhaupt ärmer ist und nur 
den tod Siegstabs und Wolfharts schildert, im übrigen mit 
allgemeinen Wendungen sich begnügt (vergl. 2225. 2226, 4). 
Volker allein tödtet wohl zwölf Berner (687), unter ihnen 
Siegstab (750, vergl. N. N. 2221 f.), der noch im tode den 
Schild im arm hält (756). wie Hildebrand Siegstab fallen 
sieht, dringt er auf Volker ein, und obgleich er schwer ver- 
wundet wird und schon am leben verzweifelt (669 — 71) 
uad in der that erlegen wäre, wenn Helfrich die kämpfen- 
den nicht geschieden hätte (673 f., auch von diesen einzel- 
heiten weifs die N. N. nichts, vergl. 2224), tödtet er ihn 
(7M— 53), aufserhalb des saales an der wand (662). hier- 
anf verwundet Hagen den Hildebrand (1939 f.), ebenfalls vor 
dem gadem (589; N. N. 2237—2244 in demselben), dafs er 
kaum mit dem leben davon kommt, doch zu Hagens grofsem 
leide rettet er sich durch die flucht (587 — 90). von den 
Borgunden ist niemand mehr übrig als Günther und Hagen 
(1936 — 38), von Dietrichs schaar niemand als Hildebrand 
(1935). 

Wie und wann Dankwart gefallen, der mehr als vier- 
mal so viel feinde wie Hagen getödtet hat (711), wird nicht 
erzählt, doch ist er innerhalb des saales (705 — 9) und im 
kämpfe mit den Bernern gefallen, da wir ihn in demselben 
noch bemerkt haben, (von ihm weifs die Nib. noth dafs ihn 
Helphrich getödtet hat, doch nur in der spätem Strophe 2228^ 
auch von Helphrichs tode erfahren wir nichts. Hildebrand 
überbringt Dietrich die nachricht vom untergange der seinen 
(1938 L)? der hierdurch erst erfährt dafs sie überhaupt ge- 
kämpft haben (1934, vergl. N. N. 2247). er eilt mit Hilde- 
brand zu den beiden noch lebenden Burgunden (1942 f.). 
Z. F. D. A, III. 14 



210 DIB NIBBL0N6BSA6B IN Dfift KLAflft« 

Hagen, wieder im Baal, schilt Dietrich von oben heMtk (9>n)* 
doch Dietrich will sie erhalten (1944), er anchl Günther sn 
versöhnen (582 f.), dringt in ihn dafs er Etzek nnd sän 
geisel werde, und verspricht beide unverletzt wieder an des 
Rhein^ tn bringen (691—95, vergL N. N« 2274. t277). 
allein Hagen ist dagegen (583 — 87), und der könig sdhit 
hofft noch alle überlebenden feinde za tödten (5d5 f^ $ vergl. 
N. N. 2263, 4. 2275. \ «luch wollen sie nachdem tode^der 
ihren nicht leben (1945 f. diesen grund giebt die N.N« nieht). 
da mafs Dietrich den Untergang der seinen rächen (1946 f>). 
als Dietrich mit den beiden kämpft, hat der streit schon zwii 
lange sommertage gewährt (1954). dreimal wird Dietridi 
von Günther zu boden geschlagen (598), und er wttr6 nidit 
am leben geblieben, wenn nicht die feinde vom kämpfe aiatt 
gewesen wären (1952); so verwundet er mit nnermodiMdr 
band (600) Günther auf den tod (601 mit einer verehwm- 
den) und nimmt zuerst ihn (1950), darauf Hagen (1956 ff. 
1964) gefangen. Hagen wird gebunden (374, wie N. N. 
2290, ob auch Günther, wie N. N. 2298, wird nicht gesagt). 
N. N. 2289 wird Hagen zuerst überwunden; die geAaae 
Schilderung, dafs Dietrich dreimal zu boden geschlagen wird, 
fehlt dort, vergi. 2294 — 97, doch wird 2287, 4 Dietndi 
von Hagen verwundet. Dietrich übergibt die geCuigeiei 
Kriemhilden (1966. 601) und hofft sie wird des bmdera aiAd- 
aea (602-^4). nach 375 (wie N. N. 2310, 3) wirf 
Hagen von ihr mit eigner band, nach 1967 wie Güblker 
(602 — 5, vergl. N. N. 2306, 2) auf ihren befefal getödt«t 
Günther wird das baupt abgeschlagen (569). seiner selbtt 
mcht mächtig (366 nUt unsinne) erschlägt Hildebrattd jetzt 
die köni^n (261. 367. 375. 400. 1968) vor Etzels ange» 
(262), und zwar schlägt er ihr das haupt isdi (398, diii.VtiS 
wilderuBg der N. N. 2314, 2, dafs Kriemhild zu stüekrag»^ 
hauen wird ist der klage fremd), so lebt niemand mekr VM 
den helden als Etzel Dietrich und Hildebrand. 

£tzel, der auch in derN. noth den Boi^Alea gegMh 
über sehr dürftig dasteht und im Atlam&l (99) offen der b^ 
heit beschuldigt wird (heldens. 69 f.), erscheint auch hier 
weder selbst unter den kämpfenden, noch feuert er ran 
kampfb an oder hält von itai ab ; er heiCit den tod des sob- 



DIB MIBELDN6BSAGB IN DER KLA6B. 211 

nes rächen (1924. s. o.)j doch weiter geht er nicht, und 
selbst hierbei scheint dem dichter die läge der dinge nicht 
gtns klar gewesen za sein; alsdann muste EtzeL wenig- 
stens am anfange des kampfes gegenwärtig gedacht werden, 
ioA mit den Worten 454 wie solden si dö hdn getin, die 
9Ü werUch wären ie, dö Man si stinies niht erlie, die heUe 
erwerien och sich? daz si das verdugten mich^ daz kam 
ewja ir übermuot klagt er dafs die Burgunden, als man sie 
zmn kämpfe gereizt, geschwiegen, ihn nicht zur abwendnng 
desselben herbeigerufen haben, und deutet, wie es scheint, 
aa dafs er beim beginn des kampfes nicht zugegen gewesen, 
ist, wenn man auch die übrigen zu ende des 3n § angeführ- 
ten stellen, in denen Etzel wiederholt versichert, wenn er 
dea plan der königin durchschaut hätte, würde er das ganze 
verderben abgewendet haben, nur darauf bezieht dafs er als- 
dann die Borgunden nie zum feste geladen hätte, und was 
sagt Dietrich dem könige (408 f.;, wenn dieser den streit 
selbst mit augesehen hat und somit auch längst Kriemhil- 
dens gesinnnng mufs erkannt haben? 1589 wird er vom käm- 
pfe znräckgebalten ; die königin selbst hat es listiger weise 
zn Terhnten gewust dafs . er von dem kämpfe der Burgunden 
erbbre (145 f.). wahrscheinlich war der- könig also zwar 
bei dem tode des sohnes zugegen, ist jedoch gleich darauf 
von Dietrich, der, wie wir gesehen, ebenfalls während des 
kampfes nicht gegenwärtig ist und nicht einmal von dem 
streite der Berner weifs, weggeführt worden, damit nicht 
•oeb ti getödtet würde (vergl. N. N. 1932, wo Kriemhild 
und Etzel von Dietrich aus dem saale. geführt werden), dann 
mästen sich die obigen werte, durch die, wie ich sagte, 
zweifelhaft :wird ob Etzel beim beginn des kampfes zngegen 
war, Anf einzelne beleidigungen, herausforderungen, beziehen, 
durch welche die Burgunden, wie N N. 1704 0*. 1775 ff., 
ehe der kämpf in der herberge ausbricht, gereizt werden, 
and die sie zn stolz sind Etzeln zu klagen, damit es. nicht 
sebeine als ob sie nuritterlich dessen beistand forderten (vergl, 
N» N. 1 SOI, 1 SOS, 4). bei Kriemhildens ermordung ist Etzel 
vieder zugegen (wie N. N. 2310, 4 schon bei der ermor- 
daog Hagens), doch da konnte ihn auch Dietrich nicht mehr 
fem halten. 

14* 



212 DIE NIBELUNGESAGE IN DER KLAGB. 

Der saal wird nach 294 {da» käs da» lae genauen 
ob den recken allen) und 854 {üs dem asckem) verbruint: 
sonst besteht er in dem ganzen gedichte (790. 821* 891. 
1064. 1139. 1246 u. s. w.). die todten werden während 
des kampfes nicht aus dem saale geworfen (wie N. N. 1947ff. 
vor Irings angriff), denn Ortlieb wird 432 darin gefandeo. 

Es sind 40000 oder mehr im kämpfe gefallen (119. 1955). 



ETZEL DIETRICH HILDEBRAND UND DIE HINTERBLIEBENEN 
ZU WORMS UND BECHLAREN NACH DEM. KAMPFE. 

Was auf die schlacht folgt, der eigentliche Inhalt der 
klage, ist für die darstellung der sage von geringem belang. 
Etzel Dietrich und Hildebrand irren unter den todten, wd- 
che wie von löwen erbifsnes vieh (1036) rings liegen, mit 
stets erneutem klagen umher; dadurch dafs in ihren klagen 
nicht einmal eine Steigerung hervortritt wird das ohnehia 
dürftige gedieht noch schlaffer. Hildebrand, vom nnglnekaa 
wenigsten niedergedrückt, dringt umsonst wiederholt in die 
beiden andern, den schmerz zu beherschen. bei der Schil- 
derung des Schmerzes finden sich arge Übertreibungen,* 3U 
schreit Etzel wie ein wisenthom, 31 5 f. dafs palast ttndtbii^ 
me davor erzittern, 788 dafs das haus hätte über ihm wt 
sammenbrechen mögen u. s. w. doch dies geht>rt in die ge- 
schichte der poesie: für die sagengeschichte ist folgendes 
herauszuheben. 

.a) Etzel wird nach dem Untergang der Burgnndea der 
geistesklarheit beraubt und siecht zwischen tod und leben in 
dumpfheit dahin (em was tot noch enlebte, in einem twabu 
er swebte)^ was er nach Dietrichs abreise gethan, wannjal 
wie er gestorben, weifs niemand zu sagen (2090 — 2100)« 
von geringerem gewicht ist dafs er in seinem schmerze dam 
denkt wieder christ zu werden, doch von der scheu der diri- 
Stengott werde ihn jetzt verschmähen zurückgehalten wirf 
(488—490. 495 — 98. 501 f.). er heifst waffen und klo- 
der der erschlagenen sammeln (1271) und verspricht sie ihren 
verwandten zu schicken (1275 — 81). auch im schmerze 



DIE NIBELUNGESAGB IN DEH KLAGE. 213 

zeigt sich Etzeldarchaus uomäanlich (vergl. 307.839. 503 f. 
d44 — 47 u. a.). 

b) Dietrich Herrat and Hildebrand kehren heim gegen 
Etzels wansch (2054 — 68). der Herral wird zu der fahrt 
ein sattel aus der kammer gelragen, der von gold und edel- 
steinen schwer und auf den der beste sigelat der weit ge- 
schnitten ist (2075 — 2083). wahrscheinlich gehört er zum 
nachlafs der Helche. wie sich der dichter diese heimkehr 
lenkt ist nicht deutlich. Dietrich klagt wiederholt dafs er 
jetzt aller hilfe beraubt sei (vergl. 513 — 31, wo er, um Etzel 
zu trösten, ihm sein eignes geschick als weit trauriger ent- 
gegenhält, vorzüglich die worte 526 jd mäht du, künc^ die 
dine vil wol überwinden: du mäht -noch manegen vinden 
4er dich niht under wegen Idt. umbe mich es leider an- 
ders stdty als du hie selb mahl schouwen. jd ligent si ver- 
kmiwen gevallen tief in daz bluot^ die durch mich Hb unde 
guot satxten üf die wage; ferner 851 ivie mir min helfe 
ist benomen! 989 zuo wem sol ich nu tröst haben? vergl. 
N, N. 2256, 2—4. 2257, 4. 2259, 4 ff. 2266, 4). er wünscht 
sieh selbst darum den tod (754. 988. 850); und gleichwohl 
zieht er vollkommen friedlich mit einem einzigen saumthier 
das die kleider der Herrat trägt (2104 — 6) in die heimat, 
za der Herrat und Hildebrands grofser freude (2055), ja er 
sagt ausdrücklich er müfse nach Bern zurückkehren, weil er 
bei. Etzel hilflos dastehe, 2061 wie wolt ir daz ich wcere dn 
hel/i und dn die mine? ein islich man die sine bi im vil 
pilUchen hdt. ir seht wol wie min dink stdt: ich unt diu 
trüfUnne min suln hie niht eilende sin; ohne welche freunde 
jedoch will er nicht leben? weshalb ist er nicht längst von 
ihnen unterstützt in die Vaterstadt zurückgekehrt was er so 
sehnlich gewünscht (vergl. 2, b)? dafs Dietrich oder doch 
Hildebrand heimgekehrt ist erfahren wir bereits aus dem Hil- 
debrandsliede, doch hier findet der Zweikampf zwischen zweien 
beeren statt ; auch in spätem gedichten wird Dietrichs rück- 
kehr oft erwähnt, doch wie dachte sie sich der dichter nach 
den früheren äufserungen möglich? jedenfalls fehlt das Zwi- 
schenglied, es scheint fast dafs der dichter des letzten lie- 
des der alten Sammlung (denn nur in diesem wird die rück* 
kehr erwähnt) von Dietrichs zuge gegen Ermenreich (verj^.2). 



214 DDS NIBELUNGBSAGß IN DER KLAGE. 

nur den glücklichen erfolg, von dem die Vilkinasaga und die 
Rabenschlacht spricht, kannte und somit meint, Dietrich sei 
bereits zwölf jähre wieder im besitze Berns, doch er habe 
sich Etzel zu liebe später noch bei den Hennen aufgehalten; 
in diesem liede ist von Dietrichs hilflosigkeit nicht die rede, 
denn die Worte 2129 überwinde ick aber mine not könneii 
sich anf seine augenblickUche läge und auf den schmerz aber 
den tod der freunde beziehen. Herrat nimmt von dem er- 
erbten schätze 80000 mark werthes (2073), mehr kann sie 
nicht mit sich führen (2071 f.)* — auffallend ist auch dafs 
Dietrich dem Hildebraud aufträgt die Herrat den weg naeb 
Bechlaren zu führen (2102), als ob er ihn nicht wüst6 oder 
nicht zugleich mit ihnen zöge. 

e) Etzel und Dietrich senden boten nach Seeklaren lurf 
Worms, und zwar nach Bechlaren die sieben noch lebendea 
knechte Rüdigers (1284 ff. 1415), die der markgräfin und ite 
rer tocbter grüfse von Dietrich (1340 — 43) und das Schwert 
rob und gewand Rüdigers (1288) bringen f nach Woras 
Swemmeliu den spielmann (1298. 1791) und zwölf andere 
(1297). die boten ziehen vereint durch Österreich (1365), 
über Wien (1376) und Treisemmauer, (1396 N. N. 1272,3. 
1276, i Zeizenmure, Bit. 13368 auch Treisenmure) naeb 
Becbelaren (1398); hier bleiben Rüdigers knechte. sowoU 
Gotelind (1439—49) als Dietlind (1450-54) ist durch bangt 
trSume auf das bevorstehende unglück vorbereitet, diese 
stelle (1402 — 1630), die Schilderung wie die boten das w- 
heil verheimlichen wollen und wie sie es nach und naeb, 
wider willen, verrathen, ist die beste des matten gedieht 
und to der that tiefpoetisch. — der sinne nicht mächtig kam 
Gotelind für die boten nicht sorgen (1620 f» i63Sf.), ^doeb 
1631 heifst sie; vielleicht Dietlind (vergl. 1635), dieselbei 
in der Stadt herbergen (vergl. anm. s. 289 oben). Swemnu)" 
Kn und seine begleiter ziehen uf in der Beter tont (1643) 
nach Pafsau (1645), wo der bischof Pilgerin sie -freundlieb 
aufnimmt (1665 f.) und eine trauermesse hält (1687 — 94); 
hierauf durch Baiem (1743) und Schwaben (1745) naeb 
Worms (1763). die klagen des Volkes beim empfang der 
traverbotsohaft, »owie Dietrichs befehl dafs die boten aof der 
bhrt niemand erzählen sollen was geschehen ist, und dtf 



OIB NIBELUNGBSA6E IN DER KbAQM. «15 

Widerspruch dafs bald ge^gt wird, dieser befehl sei gehal- 
ten, bald, er sei übertreten worden, endlich die herzogin 
Isalde Ypn Wien sind als für die geschichte der sage be- 
deatangslos zu übergehen (doch vergl. anmerk. s.289. 290). 

d) Ute bringt man von ihrer abtei nach Worms (1848); 
siebeii tage darnach stirbt sie vor leid (1976 f.) und wird zu 
LcMTse bei der abtei begraben (1991). 

e) Günthers und BrünhIIdens knabe wird zum ritter ge- 
scUftgen und gekrönt (2000—2005. 2039 — 47), vornehm- 
lich auf Rumolts rath (2037), der erst ans seinem lande 
herbeigekommen ist (2004), also nicht wie N. N. 1459 znm 
reichaverweser bestellt war; alle empfangen die leben von 
dem kinde (2045 f.) Sindolt gelobt in seinem und der übri- 
gen namen Brünhild und dem knaben treue (1875 — 80). 

f) Dietrich kehrt auf seiner rückkehr in Bechlaren ein 
«nd langt am siebenten morgen daselbst an (2108 f.)*. Gote- 
Ijnd ist drei tage vorher vor schmerz (2114) gestorben, für 
IMetlind verspricht Dietrich zu sorgen (2130 — 55). 

g) Zur bestattung der fürsten werden drei tage ge- 
braucht (1191). die Christen werden von den beiden getrennt 
begraben (921 f.). die drei burgundischen könige und Kriem- 
hild kommen in herrlichen sargen (1149) an denselben ort 
(919 — 21)* Hagen Dankwart und Volker werden in der 
nähe ihrer herren beerdigt (1182 f.); Irnfried Hawart und 
Iring wohl ebenda (1185 — 1187). Kriemhild und Ortlieb 
liegen in einem prachtvollen sarge (1163 — G7). zum be- 
griJben der knechte wird eine sieben speerschäfte weite und 
eben so tiefe grübe gemacht (1200). viele, deren gewänder 
aicb nicht aufstricken lafsen, werden aus denselben geschnit- 
ten {S02f0 

* nach Swemmelin wollte er binnen zwölf tagen, nach anknnft der 
b«lei in Bechlaren, Goteliad besnehea (1494 — 1503); dafs dies nicht 
gtfdiehen. itt ergibt sich daraas data er bei der rückkehr der boten 
nock niisht abgereist ist (2050 f.) ; im fiiterolf (4790) aber werden zur 
r^ige von Etzelbnrg nach Worms sechzehn tage gebraucht, und hier 
musten die boten in fünf, oder wenn man nnr Dietrichs abreise be- 
selelinet meint, in zwölf tagen von Bechlaren nach Worms and von 
W«nn8 Boriiek zu Etzel gelangt sein, wahrscheinlich geben die boten 
jMur um Gotfilind zu trästea dleseo Zeitraum an. 



216 DIB NIBBLUNGESAGE IN DER KLAC»; 



DIB URSACHEN DES UIHTERGANGS DER BURGUTCDBN. 

• 

An dem untergange der Barganden war KriemhildeBS 
zorn wegen des ihr zagefiiglen Unrechts schold; um Sieg* 
frieds tod und den raub des Schatzes zu rächen lockt sie 
die brüder ins verderben, diese ansieht geht durch das ganze 
gedieht (vergl. 18 L 50 f. 117. 159 f. 474 f. 195 f. 247—249. 
255 f. 273 — 276. 632 — 634. 1595—1599. 1713 — 1717. 
1886 — 1890. 1966. 2014—2017 und die vielen stellen in 
denen Etzel klagt dafs er den sinn der königin nicht gekanni 
habe und in denen den Burgunden selbst £e schuld ihres 
todes zugeschrieben wird). 

Hildebrand meint dagegen, die räche gottes habe die 
Barganden ereilt (635 — 639) obgleich hier ihre schuld die* 
selbe ist, so entspringt doch daraus ein grofser unterschied 
dafs die Burgunden nicht in folge einer menschlichen, viel- 
leicht verdammlichen, leidenschaft sterben, sondern dafs ibr 
verbrechen so groPs ist dafs gott selbst sich zum rächer er- 
hebt^ 

Etz^l sagt, das unglück sei ihm vom gott der Christen ab 
strafe gesandt, weil er zum heidenthum zurückgetreten sei 
(477 — 488. 517 f.). 

. An einer andern stelle sieht Etzel allgemein nur eine 
vorheri)estimmang, ein Verhängnis, in dem Untergänge, 557 
d6 sprach er *ez solde wesen : jä loeerez anders mir jg^seä* 
vergh myth. s. 503. 

Einmal endlich wird mit sehr unbestimmten aUgemei- 
nen werten der schätz als grund des Verderbens angegeben. 
96 Krimhilte golt rat heten si ze Rine Idzen. diu zit d 
verwdzeuy daz sis ie gewunnen künde, ich wcen si aiter 
Sünde engulten und niht mere, wenn man hiermit folgende 
beiden stellen vergleicht, 1713 der Nibelunge golt röt, Ae- 
ten sie daz vermiten, so möbten si wol sin geriten zuo ir 
swester mit ir hulden, von ir selber schulden und- von ir 
starken übermuot s6 hdn wir die recken guot verlorn alk 
geUche in Etzeln künecriche, und 2014 do er (Hagen) »ro- 
wen Kriemhilt nam ir man und ir ir guot an gewan in 



DIB NIBELUNGESAGE IN DER KLAGE. !^17 

grözen untriuwen, ich sack es an ir riuwen^ swie st» an 
getrüege, das man si drumbe slüege, swenne ez ock ge- 
schmhe^ so könnte man schliefsen dafs die alte sunde wel- 
che die Burgunden entgelten auch dort nar der raab des 
Schatzes ist : allein wenn der dichter dies in der that meinte, 
warum drückte er es nicht deutlicher aus? die dunkelheit 
seiner worte erweckt die Vermutung dafs hier eine anspie- 
long auf die alte verhängnisvolle macht des Nibelungehortes 
▼erborgen sei; der dichter der klage müste dieselbe in der 
alten sammlang vorgefunden haben, er* selbst verstand sie 
ohne zweifei nicht mehr, die stelle bekäme dadurch die 
höchste Wichtigkeit dafs sie die einzige wäre, in welcher 
das nordische Verhängnis auch in Deutschland durchbräche ; 
doch eben deshalb wird die annähme um so gewagter. Wh. 
Grimm (heldens. 11t) fafst das gold nach ihr entschieden als 
verhängnisvolles, in der N. N. deutet nichts auf das Ver- 
hängnis hin. 



ANSICHTEN DES DICHTERS UND SEINER ZEITGENOSSEN 
VON DER SAGE. VERBREITUNG DERSELBEN. 

CHRISTENTHUM. 

Hier ist zuerst der tiefe gedanken hervorzuheben, wel- 
cher der N. N. fehlt, dafs Kriemhildeu, obgleich sie durch 
das blnt von tausenden und durch brüdermord befleckt ist, 
▼on gotf vergeben sei, weil nur die treue der grund ihres 
vergebens war. hierbei beruft sich der umdichter ausdrück- 
lich auf seine quelle, 285 des buoches meisier sprach das 
4. dem getriwen tuot untrtwe w4, sit si in triwe tot gelac, 
an gotes hulden manegen tac sol si ze himel noch geleben* 
got hat uns allen das gegeben, swes lip mit triwen ende 
mmty das der dem himelrzche simt; vergl. 70 — 79. das 
Volk hingegen hält Kriemhilden für verdammt (276 — 282). 

Aach wundert sich das volk wie ein weih Hagen zu 
tödten vermocht habe und hält dies für eine lüge (368—372, 
vielleicht fügte sich der dichter des letzten liedes nur dieser, 
ansieht, wenn er 1967 Hagen auf Kriemhildens geheifs tödten 
läfst ; vergl. 7 f. wo von solchen die rede ist denen das märe 
missehagen könnte). ^ 



2tö DIB NIBELUNGESAGB IN DER KLAGE. 

EtzeU reichthum setzte der dichter bei seinea Zuhörern 
als bekannt voraus (24); ebenso hatten diese gewisis schon 
gehört wie Kriemhild bei den Ueunen der Hdcbe gleieh 
berschte (36), wie Etzel die forsten zu einem grolsen feste 
lad (80) und wie treu Rumolt seinem herren diente (2009). 
auch sprachen die leute davon in wie kurzen tagen man das 
grofse fest bereitete bei dem Günthers söhn zu Worms ge- 
krönt wurde (2041). 

197. 203. 217. 709. 2070 ist nicht zu entocheiden ob 
sich der dichter auf sein buch oder auf die lebendige sage 
beruft (über 190 vergl. die anmerk. zu dieser zeile). 

Die sage hatte man schon oft in deutscher spräche ge* 
dibhtet und die alten und jungen kannten sie wohl (2155. 
—2157). 

Bestimmte christliche ansichten enthalten die verse 291 
— 293. 437f. 921—923. 1171 — 1174 und 1176 — 1179. 
1687 — 94 und die oben besprochenen stellen von Etzels 
bekehrung und seinem rücktritt zum heidenthum. 

E. SOMMER. 



EIN LEICH VOM NIEDERRHEIN. 

Mein freund Zacher erlaubt mir aus seiner abschriß 
der in dieser Zeitschrift 1, 227^ — 262 von ihm beschrie- 
benen liedersammlung im Haag die stücke 74 — 77 mit- 
zutheilenf welche ich zusammen für einen leich halte, 
'als solchen scheint sie mir die gleichartigkeit der gedan- 
ken und ausdrücke in allen vier stücken , so wie die Wie- 
derkehr derselben Strophen in den drei letzten zu beseichr 
nen. wie das ganze zerr(fsen werden konnte begreift man 
leicht, da es sich von seihst in diese vier abschnitte »er- 
legte* der erste, die einieitung, stellt sich durch, den durch- 
gehenden rmm ' Me gleichsam als eine Strophe dar ; bei 
dem anfange jedes folgenden aber nimmt das versmtife ei- 
nen neuen aufschwung und der gedanke eine wetidung. dq/i 
mkht ein grundgedanke in strengem fortgang das ganze 
durchzieht fällt bei einem leiche nicht auf. die überschr^ 
ien der letztem theile mögen in der hs, welche dieser. zu 



BIN LBICH VOM MIEDERRHBIN. 219 

ünde liegt entstanden sein nachdem der Schreiber die 
iehnitte bereits hervorgehoben hatte; um den leser nicht 

irren ßigte man das dreimalige vürbaz hinzu, — der 
Id Osenic (48)9 Ober den Lersch in d. jähr b. des ver- 
\s von aUerthumsfreunden im Rheinlande \ , Mf. zu ver- 
riehen ist, bestimmt uns, da er facht sprichwörtlich be- 
kmt war, ohne Zweifel die heimat des dickters, von 
fsen krä/ten der leich übrigens keinen hohen begriff 
ht. — im reim stehen folgende niederdeutsche formen : 
rsm6de {hd. versmfthte) 10, karte 31, unm^re (hd. un- 
$re : h6re) 76, singen (hd. siDgent) 114, gelart 123$ 
oh sind die reime jugent : tugent 58. 60 und leben : ge- 
)en 126y*. wohl als klingend zu nehmen, hiernach wollte 
* dichter offenbar hochdeutsch schreiben, doch zitke ich 
bei dieser beschaffenheit seiner spräche vor nur die für 
*smafs und sinn unerläfslichen änderungen in den text 

setzen. E. SOMMER. 

Bilde, milde bys teghen myr; 

Dir bin ich holt vur alle wyb. 

Blib an mir afman stede. 

Sint tu bist al myn to^versicbt 

Vnd muest zi zun an ende, 5 

Zo bayn ich gantz zu dir gheplicht 

Dinli lieben gruetz myr sende. 

Zuze, grüetze bistu rych. 

Mich troeste, zarte reyne vrucht, 

Zucht, du dich nie versmede. 10 

Alle yrouwen haut der eere 

Die myn hertze haet ercoren. 

Liebes liif van zwifel keere \ 

Anders bin ich gaer verloren. 

Blicke scycke wol behut, 15 

Gut is it vur der nider scal. 

Val neyt an yr gherede. 

i|j0te 5. Vnde m&es zicb T.Dinea 9. Vrftcht ent in der 
:tnden zetle. 10* du (diu) ohne dick 11. vor der %eÜe {|^ 

i#d a&. 33. 41. 46. 50. 58. 73. 86. 100. 117. 134. 12. Den ai, 
tft 13. lief 16. it] its 



220 EIN LEIGH VOM NIEDERRHEIN. 

Zini das yst mir eyn heyl gedaen, 

Das ich cyns wibcs eyghen byn, 

Zon wulde ich vür zi gheyne hacu. '^ 

Si ervrouwet mir den sin. 

Denke, senke mine pin, 

Myn hört end hoyste paradys, 

Prys ye du gerne bedc. 

Wol mich vmmer wol der lieben stunde, ^ 

Ich sach dri bloemen tugendriiche staeh; 
Zo eener tsyt mir god des heyles gunde 
Of eenen zuverlychen grünen plan. 

Die bloemen fiin so zarte 
.^ Mich machten sorgen vri, ^ 

Dat ich mich mit willen zu yn karten 
Het waren wael ghewunste vrouwen dri, 

Vyl hoogheboren, tugeden volj 
Das weys ich zunder zwifel wol: 
Ich moes unt sol ^ 

Yt vmmer wal gedencken; 
Want sii siin alles wandeis baer. 
Ich wensche yn vmmer heyles zwaer 
AI durch das Jaer» 
Zi können leyt versenken. 4(1 

Ze vrueden zint si wal ghestalt, 

18. teyl !^0. zo ne — hayn 21. So. 23. Myns herteo (herl 
eo) 24. zwischen dieser und der folgenden zeile Desen houedana 

zanch vorbas, roth unterstrichen wie die beiden folgenden Überschrif- 
ten, wahrscheinlich ist blqft hovetanzsanc xu schreiben; vergl. taaz* 
liet in dem bekannten spruche Reinmars des fidelers (W'ackemagel 1. 
519) und tanzwise bei Ulr, v. Lichtenstein ; auch der Tanhauser sagi 
ich sing in wol ze tanze, MS, 2, 66^. disen hovetanz sine vürbai 
ist weniger anzunehmen, 25. Wolmich — liebliche, was bleibet 

kann, wenn man das zweite wol streicht, 26. drie 29. d» 

einrückungen sind gegen die hs,; dieser und die nächsten drei versi 
stehen in der hs, zwar als vier Zeilen, doch schliefst die erste mi 
machte, die zweite mit willen, die dritte mit wael:; hinter vri um 
karte stehen punkte. . 31. ym 32. hets (vergl, 16 its) w. w 

ghewunste der vr. drie 35. Ich sal vn moes, von der folgend» 

zeile nicht getrennt. 36. ym, vergl. 31. 38. 37, siin] sim 

38. ym 40. versinken 41. Zen 



A- 



KIN LBICH VOM NIEDBRRHBIN. 221 

Weriich bi minem eyde, 

Yr taegent die sint menichfalt. 

6od hued zi mich voer leyde, 

Dey lieben oghen weyde. 45 

Ich weys vyl wal eyn bluendes rys, 
Gar zuuerlich gestellet. 
Der Ozenynch zwaer in keyner wys 
Mir nicht so wal beuellet. 

Zucht WS dem rise spruzit, ' 50 

Daer zu vil werdicheyt, 
Ondaet dem rys verdruzit; 
Des yst siin lof so breyt. 

Daer van myn hertz ervruwet wyrl, 
Wan ich des rys ghedencke; 55 

Myn sin myn moyt vyl sorge embyrt. 
Daer mit ich leyt versenke. 

Ich meyne eyns wibes jughent 
Gar alles wandeis vri; 

Men zayt van yr vyl tugent, 60 

Daer yst die waerheyt bi. 

Das weys ich wol oph minen eyt, 
Daer an ich zwifel nvmmer: 
Myn bluynder walt die crone dreyi 
•Der tfigeden weriich vmmer. 65 

An yr yst wensches vlyt gheleyt, 
Dey mir vuer alle vrouwen wal beuellet. 
Van yr zücht men wonder zeyt ; 
Zo gütlich yst der zarter liib gestellet 
Dat ich moys yr eygen ewich bliuen. 70 

Dey crone zi mit züchten dreyt 
Der tugent weriich gar vur alle wiuen, 

l mioeD 44. huede. vielleicht ist zi zu streichen. zu mich 

rgL 52. 66. 91. 97. 48. ozenynch, das versmqfi zeigt dßfi z 

r 8 steht, 55. ghedenken ; wohl rises denke ; wan = swenne. 
. sorge vmbyrt ; /Kr- imbyrt {yoie vmmer, nummer) zz: embyrt? 
. versinke 65. hierauj soll naeh der angäbe der hs, 46 — 49 

ederhoU werden; es folgt die Überschrift noch vorbas 68. yre 

69. Heb', zu zarter vergl. 87 mynnentlycher. 72. vor allen? 



222 EIN LBICH VOM NIEDBHRBBSN. 

Des vreuwe ich mich an allen wank. 
Han ich es van den gueten dank, 
Der sorghen dwanc 7^ 

Wer mir dan gar vnmere. 
Ich we^s zi sunder Kwiuel gaer, 
Zyn lesset mich nicht troestes bar. 
Der eeren scaer 
Becronet zi dey here, ^O 

Die vber mich gebieden sol, 
Dey zarte minnentlyche, 
Behaghet yr myn dienest wol, 
$i eyne macht mich ryche 
Aen vreuden vyl ; myn gonst van ir nicht wyche. S«'» 

Myn moet zu yr ghehuldet bat 
Der minnentlycher tsarten, 
Dey vry ist aller miissetaet. 
Myn hertze zwoer yr truwelich zu warten. 

Das moys aen ende werlych zun: 90 

Vyl sorghen swaechet mich der scyyn 
Der WS haer oghen blicket. 
Zo wold ich das ich queme d^r 
Vnd haer liebliche neme waer, 
Ws sorghen bände wurde ich wol erstricket. 9^ 

Sihe ich das minnendlyche heyl 
Ob got mir des ghewerte, 
Dan weer so groys inin vreuden tcyl 
Das mich vuf alle sot*gen wol ernerte. 

Ich byn yr holt oph minen eyt. 10^ 

Yr tttgent yst lanch vnde brcyt. 
Ich vreuwe mich yr guete. 
Was mir dar van al yst bescert, 

74* ich et] ichz 78. zey ne 79 mit der folgenden zeite aa- 

samfftengesehrieben, 80. gehere 8^. niionenclyche? 83. dienst 
65. Aen {das wäre 4ne) vreuden vyl i«^ unverständlich; vtelkUkt 
und vreuden vol ah besondere zeile. .88^ mistaet 89. hefti 

zwaer; äU änderung zwoer d. t. swuor ist unsicher. 91. swaedit 
in. ir 9?. Wt beren ohne der ? 94. Vnde h. üblich nemea 
96. ich] mich 97. ob] Dat 98. mir ' 99. vi<>re. hüratif Ut 

68-^89 %u iHederhokn. 102* yre 



BIN LEICH VOM NIBDERRHBIN. 223 

Des bliue ich vrolich wol gewert. 

Ich wensche das *si vmmer god behüte. 105 

Yr gut gelaet, yr walgestait 
Das yst gar ane maze; 
Syst alre zücht eyn bloyuder walt, 
Bi der ich zwaer al mine sinne laze. 

Höret wie der vogel zanch 110 

Zieh erhoghet in dem luchte scooe. 
Wye si winters Qoet ye dwanc, 
Das yst hyn, ich merkes an dem done, 
Wan si so wünnentliche zueze singen; 
AI myns leydes weer verganch, 115 

Of ich mucht in yrme dienste ringen, 

Die ich gar liep in hertzen haen 
Vnd vmer ir alre eeren gan 
AI sonder wan 

Aen alle valschen rete. 124 

Vuer allen vronwen yst zi tzaerl, 
Ir keine mir nie lieber waert. 
Mich hat gelart 
Yr tugent bliuen stete 

An yr werlych al minen tsyt, 12.5 

Der wile ich mach gelenen. 
Nv dar, das zi ghegeuenl 

Wal ff, la hyn mit vruden gaen, 
Hes yst mir alles wol ghetaen, 
Was zi mir de]H, dey reyne. 130 

Ich wil onstede in allen siin 
Wan der vyl lieuen vroawen myn. 

nazen 108. Se yst a. z. myn 109. hterat^f S^ — 89 noch- 
»U.W tederholen, dann die überschrfft noch vorbas, Marunter 
homedans. llf. luchte 113. ich in merkens in de doene 
Dan si so winnentUche (minnecliche ? ) zuez 115. yerfpanc, 

/ ■ 116. dienst 117. Die] Den 118. Vnde vmmer in 
nd 1120 eine zeile, 120. alre valseher 1%%*, In keyner d, 

\n keiner? 123 und 124 eine teile. 124. bliuet 

12t. die anaiogie der Strophen 33 — 45 l^st vermuten dafi 
(Do'H MtUh fehlen, 13I. al onsteden sirn 132. Valider v. 

rronwe 



224 ETYM. VERGL. D. D. GÖTTERN. M. KELT. WORTF. 

Si mach mich troesten eyne. 

Du wandeis leere tsarle, 
AI mynre vreuden Izyl, 135 

Miin bloynder walt, ich warte 
Zu dyr myns heiles vil. 

134. Des 137. myn 



ETYMOLOGISCHE VERGLEICHÜNG DER 
DEUTSCHEN GÖTTERJVAMEN MIT KEL- 
TISCHEN WORTFAMILIEN. 

Indem ich im folgenden deutsche mythologische namen 
mit keltischen Wortfamilien zusammenhalte, ist meine ab- 
sieht nicht die meinung auszusprechen, die deutsche my- 
thologie sei keltisches Ursprungs; nur auf das merkwürdige 
Verhältnis will ich an einigen beispielen hinweisen, dafs sidi 
der gröste theil der mythologischen terminologie der Dest- 
sehen eben sowohl und mit denselben resultaten keltisch als 
deutsch etymologisch erklären läfst. 

1. die Äsen, ds heifst im nordischen, ans im deut- 
schen ein riegelbalken , eine Stange, der wälsche plar. 
^SS^^S' ^^^ bedeutet latten, sparren, ribben. der einzelne 
gegenständ dieser art heifst äsen; der plural hiervon lautet 
asau und asenau. im gälischen lautet das wort aisean und 
asna. 

2. Odhin. im nordischen heifst ddhr animtts, menSy 
sensus; das deutsche wuot bedeutet ursprünglich mensj, m- 
genium, im walschen bedeutet gwjd Charakter, gemüth, 
leidenschaft, wuth, sünde; gwydion oder gwydien ist der 
name eines göttlichen geistes der in den lüften, über äther und 
Sternenhimmel waltet, gälisch bedeutet (nach ganz richti- 
gem lautwecbsel) f odhin (contrahiert fonn) die leidenschaft, 
neigung. 

3. Thörr. der in der deutschen etymologie zu gründe 
liegende begriff ist donner. im walschen bedeutet tarm 
donnerschlag, taranu wettern; im gälischen torann (oder 
torunn) donner. die Gallier hatten einen gott Taranus 
oder Taranucnus. 



BTTM. YBRGL. 0. 0. GÖTTERN. M. KELT. WORTP. 225 

4. Baldr. im wälschen bedeutet bdli die öfliiung, der 
aosgapg, der vorhof, hof; alles was herausstrebt ; aacb die 
spitze eines thannes oder tamalas; dasselbe bedeutet bal; 
und bala der ausbrnch, das hervorscbiefsen ; ball bat beide 
bedeutnngen, sowohl von bal als von bala. damit hängt 
zusammen dafs bei bedeutet der ausbruch, der kämpf, der 
aoszug, der krieg, und bela ausziehen, kämpfen, so wie dafs 
baldm*dd heifst das ausbrechen der knospen der blätter und 
blnmen. im gälischen heifst beal, der krieg, aber auch die 
öShnng (auch die sommerliche sonne), die Kelten hatten 
einen gott Belus, der noch in den resten des aberglaubens 
als Beal bezeichnet wird. 

5. Tj^r. dieser name ist im deutschen ursprünglich all- 
gemeiner gottesname. im wälschen heifst dato oder dew 
gott , dwmfawff oder dtoyfawl göttlich , dewin der prophet, 
jBnd als adjectivum göttlich, im gälischen heifst dia gott. 

6. Freyr bedeutet im deutschen ursprünglich herr. im 
wüschen heifst gtor ein mit willen begabtes, selbständiges 
Wesen, ein freier mann, ein herr; später ein ehemann, 
ein hausherr, ein mann überhaupt, das adjectivum gwriawg 
beifst einen herren habend, hörig, die frau ist gwriawg 
in beziehang auf den mann, der vasall in beziehung auf den 
iehensherrn. die frau heifst gwraig, nach ganz richtigem 
lautwechsel lautet gwr im gälischen fear , der mann ; und 
gwraig zieht sich gälisch zusammen in frag, die frau. 

7. Loki. dieser name bezeichnet ursprünglich einen 
riegel, eine abschliefsung. im wälschen bedeutet lloe das 
gefangnis, der eingeschlofsene räum, der dämm, die bürde, 
iiie >einschliefsung, und llociaw einschliefsen. im gälischen 
heifst loc der aufenthalt, das hemmnis, die beschränkung, 
und das verbum loc - bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, 
beschränken, etwas abschlagen. 

8. HeL im wälschen heifst kul die hülle, und hffll, oder 
kell, quod celandum est — also widerlich, häfslich, wild, 
Bchrecklich, kyllu häfslich machen, wild werden, sich er- 
schrecken, hell^gre die hexe, im gälischen heifst cul die 
hülle (auch die verdeckte, hintere seile), ceal die decke 
(anch der himmel) und der tod , cuil böse , und colach 
gottlos. 

Z. F. D. A. III. IS 



826 Bfmi. YBRGL. 0. D. GÖTTERN. M. KBLT. WOIITF. 

9. Maspell, im wälschen heifst mwl alles was bewegt, 
verändert werden kann, was nicht fest ist, und yspel die 
yertreibong, hinansschaffung. gäiisch bedeutet mutii «^ Yer- 
Sndern; bewegen, nnd spm'ü die wegfiihrang, wegschäffang, 
beraubung, plünderung, Zerstörung, die lateinischen worfe 
movere, mmtare und spoliare liegen nahe. 

iO. Niördhr. fuhrt nach deutscher lautlehre auf die ta- 
cileiscli« Ncrthus. im wälschen bedeutet nerth kraft, raaebt, 
hilfe, und nerthus kräftig, mächtig, hilfreich, im gälisefaen 
heifsi neart die kraft, die gewalt, und neartor kräftig, mächtig. 

H. LEO, 



ZWEI URKUNDEN AUS DEM XIII JAHR- 
HUNDERT IN NIEDERDEUTSCHER 

SPRACHE. 

Nachstehende zwei Urkunden vom jähre 1294 enAtt- 
ten einen münzvergleich zwischen dem erzbischof Srioh 
von Magdeburg und dm grafen Busse tatd fFblier von 
Barby, damals herren der Stadt Zerbst*, worin bestimaU 
wird d€f/s der erzbischof keine münzen mit dem geprägt 
der grafen in seiner fnUnze zu Magdeburg und ebenm dk 
genannten grafen keine münzen mit dem erzbischSfliebsh 
gepräge in ihrer münze zu Zerbst fortan schlagen sotten* 
dabei wird bedingt dqfs die münzen der grafen 9onBarby 
im erzstifie stets geltung haben sollen, auch wenn ändert 
münzen verboten werden, und dqfs der grafen münameükr 
zu. Zerbst dem münzmeister des erzbischof s von jeder netm 
münzsorte die er schlägt 12 pfund übermache, oder, wenn 
d^ Magdeburger münzmeister es für nöthig erachte,, emm 
hüter atif dessen kosten bei sich dulde, dar da wache dafi 
zu Zerbst keine münzen unter Magdeburgischem geprägt 
gest^lagen werden. 

Die Urkunde unter 1 ist vom erzbischof Erich tmd 
dm domkapitel zu Magdeburg ausgestellt und mit de» 

* welche sie i2H vom damaligen besitzer Richard van Zerbst 
erkauften tmd bis 1307 behielten, wo die stadt, unbekannt wie, an 
die fürtten %u Anhalt kam. 



NQtDERDBrrSCHB DBKCNDBN. Kit 

Iumig9ndek' tiegeln de$ etxÜschofs und des dwnhapüeis t^ 
S6km, uuch in Beckmanns chronik von AnhäU nr» vn« l 
S'. fM\^ j^doeh ßhlerhaßi übgedtutkU 

Die Urkunde unter 2 ist eine xeugenbestaligtmg d$i in 
dit tnten getroffenen vergleiche durch die rathmanne und 
ifmungemeisier von Magdeburg, ausgestellt an dkkuelbek 
tnge^ versehen mit dem hängenden stadisieget von Mt^gdv^ 
b»gy und ungedruckt. 

Die spräche beider Urkunden ist rein niederdetOsoh und 
^ hohes aüer, als niederdeutscher Urkunden deren eehP- 
hott keineni sweifel unterworfen ist, gibt ihnen einigen 
werth. ich kenne keine so alte Originalurkunde in dsu^ 
scher spräche weder aus dem erzsti/ie Magdeburg noch 
aus den anhaltischen landen auf dem linken und auf dem 
rechten elbtifer, wo das slaventhum^ erst seit Albrecht dem 
birek mit erfolg bekämpß^ am ende des \Zn Jahrhunderts 
moek so verbreitet war dqfs nach Beckmanns angäbe (Af^ 
Horie des ßerstenth. Anhalt iv, vi s, 561) die /tirsten 
Bernhard der 2e und Albert der ie xu Anhalt gemetn^ 
ookußUoh mit dem d^te Konrad zu Nienburg an der Saate 
mrßigtisn, fortan solle in den öffentlichen geriohten nicht 
mehr die mendisehe^ sondern lediglich die deutsche spraeki 
4n anwendung kommen, diese bemerkung, unehtig sowohl 
fOr He geschichte der deutschen spräche an der Mitteleibe 
Itberbkupty als auch hinsichtlich der zeit ßtr die nach/bi^ 
gmden beiden Urkunden^ die ein Jahr später fallen^ ist leb' 
der von Beckmann nicht urkundlich nachgewiesen^ sondern 
«lieft nur an der ang^fiihrten stelle und sonst noch einige^ 
mal hingeworfen, er hat^ wie es scheint^ diese nachrieht 
aus dem manuscripte eines anhaltischen archivsecretärs Bar^ 
tholomäus Schwaneberger {um 1580) entlehnt , welches, in 
wmnem exemplare, diese angäbe auch nur schlechtweg 
enthält. 

ff^enn es irgend urkundlich sich nachweisen liefse^ was 
spätere Schriftsteller blofs behaupten^ dafs der kaiser Bui^ 
dolf der le xu Mainz 1281 oder zu fFürzburg 1287 ver^ 
ordnet habe, es sollten fernerhin alle öffentlichen instrW' 
maUe in deutscher spräche 'abgefafst werden^ und wenn 
uneektheit des von ihm darüber angeblich ausgestellten 

15* 



298 NKDERDECTSCHE URKUNDEN. 

diploms, welches sich bei Goldast findet^ nicht erwiesen 
wärCf so könnte man auf den gedanken kommen die deut- 
sche abfqfsung dieser beiden Urkunden mit jener Verord- 
nung in Verbindung zu setzen, 

übrigens ist das gewiss und bekannt, dafs Rudoffdes 
\n vwUebe für deutsches wesen und deutsche spräche dem 
erstem wie der letztem bedeutendes gebiet gewonnen hat* 
nachdem fast hundert Jahre lang mehr oder uyeniger «»- 
deutsches und fremdes wesen in den deutschen königen sich 
kund gegeben, ist Rudolf der ie wieder ein durchaus deut- 
scher mann, und von ihm an ist eine neue seit seines Vol- 
kes zu rechnen. 
Zerbst. F. SINTENIS. 



In deine Namen des vaderes. vnd des s&nes. vnd des 
heylegen geistes. Amen. Wie Eric von der gnaden Codes 
erzepiscop tu magdeburch. Albrech die dumprouest. Bemart 
die deken. vnd dat capitei gemeine des Godeshuses tu mag- 
deburch. bekennen openliken an disseme ieghenwardigen 
breue. dat wie gededincget hebben mit den edelen laden« 
heren Bussen, vnd heren Wolthere von Barbeye dem bnn 
deren. Ymme vnse muntye tu magdeburch. vnd vmme eci 
mnntye tu ceruuist alsogedane wis Dat sie henne von die- 
seme daghe sie noch ere eruen. tu euer ewicheit diewik 
vnse Godeshus steit. vnd de stad tu cerwist. nene penninge 
slan ne scholen vppe vnse yseren. noch wie uppe ere. Ynd 
sie moghen slan swelkerleye penninge sie willen, sonder 
meydebursche penninge. Ere penninge die scholen gan in 
al unseme lande, sunder allerleye vare geistlik vnde wer- 
lik. na erme werde, ofte man wol allerleye penninge Vor- 
bode. Hir vmme ne scal ere muntmester von Cerwist nene 
penninge slan hie ne hebbe tu voren vnseme Muntmeslere 
vorwisset twelf punt tu me slage meydeburscher penninge. 
vnd scal ok liden enen hudere swem ene vnse muntmester 
sat sunder wederrede in sineme brode. vnde bi vtises mnnt- 
mesteres lone. die ne scal nich mer bewaren wan dal hie 
nene penninge ne sla vppe vnse yseren. Vppe en openbar 
vnd en ewich orkunde disser sake. so hebbe wie dissen bref 



NIBDBRDEUTSCHB URKUNDEN. 229 

geaen vnd besegelet mit Tnseme Ingesegele vnd mit vnses 
piteles ingesegele. Die toghe disser dinghe sint. Her 60- 
ke VOB hessen die sancroester. Her hinric von wederden 
B Seofanester. Her albrech von keteliz. Her burchart von 
ianckenb&rch die kemerere. Her hinric von barbejre. vnse 
enstmanne vnd vnse riddere. her heyne von alslebe. her 
jines burcgreue von louburch. Her henning von bardelene« 
NT ihile von scerenbeke. Vnse Burghere. her wesseke Ke« 
ling. Betheman hose. Hannes von honsten. Heren hassen 
id heren woltheres man. Wolter von Sticboye. Henning 
^nltechte. Henning muntmester. Michel de voget. Disse 
ef die is gegheuen vnd disse dincg die sint geschin An 
me iare voft Codes gebort, ouer dusent iar. tweyhunder 
r. in dhem verdhen vnd Neghentheghisten iare an deme 
yligen aaende sente matheus des apostolen. 



- In dheme Namen Dhes vaderes und dhes sones und dhes 
legen gheistes amen. We Ratmanne und we Meistere dher 
Qiinge in dher stat tu Maidheburch bekennen dhes opeli- 
m ah dhisseme Jeghenwardighen breue dhat dhe Eri)are 
urre vnse herre Erzebiscop Erick. von Maidheburch. her 
ibrecht dhe dumprowst her Bernart dhe deken und dhat 
ipitel ghemene dhes ghodeshuses ghededinget hebben mit 
len Edhelen luden hern Bussen vnd hern Woltere dhen 
öderen von Barboy umme dhe muntie tu maidheburch vnd 
nme dhe muntie tu Cerwist also ghedane wis dhat dhe 
iBumeden heren her busse und her Wolter henne von daghe 
I nooh ere eruen tu euer ewicheit dhe wile dhat dhat ghodes- 
\s und dhe stat tu Cerwist steit neue penninge slan ne 
holen up unses heren Maidheburcsche yseren noch unse 
tre wedher up ere yseren vnd se moghen slan suelkerleye 
mniDge se willen sunder maidheburchsche pennige Ere pen- 
ge schulen ock ghan in alle unses heren lande sunder al- 
deye vare gheistlick vnd werlick na erme werdhe oft man 
ol aUerleye pennige vorbode Hirumme ne schal ere munt- 
ester von Cerwist neue pennige slan hene hebbe tä vore 
ises heren muntmester vorwisset tvelf punt tu dheme slaghe 



m NiBDBRDfiUTSGBB UHKUNDBN. 

Maidbeburcbsohd peimige ere muntmestar soba) oek lidhea 
enen b&dere säen eme un^e munUnester sat siwder. wedhw* 
reda in »iva» brode uod bi uoses muntoiesUrs lone dbeiift 
scbal Hiebt mor bewarjen went dbat be aene pemuge ne all 
«p unsea bereu yseren Vp en ewich und openbar oritiukte 
dUßser dbinge ao bebbe we durcb bede unsea bereu dhiaaea 
bref beacreueo latea Qode dben besegbelet mit unser atal 
ingbesegbele Dhisser dioge tughe $int unse beren db« dum* 
beren her God^ke dhe sangmeater« her binrlok van vede^ 
den dbe scholmester. her aibrecht von ketelisi. ber Borcbarl 
Yon Blaockenburcb. dhe kemerere. her binrick voii bavboy« 
Dhe dbeneatmanne und Riddere her heineman von idsteae 
ber Johann bprcbgreue her hennig von bardelene. her T3e 
von ßcbereabeke« Dhe borghere von Maidbeburoh ber w.e»< 
seke keseling. her jBeteman hose, ber Jobana vQn honatea* 
hern bossen und bern Wolters lüde. Wolter von stickbn. 
hennig dhe schulthechte. hennig muntmester. Michel dhe 
voghet und anderes ghetruwer lüde ghenuch. Dhisse bref 
dbe ia gbegheuen und dbi&ae dingk dhe sint ghei^cben an 
dbeme iare von gbodes gheborl ouer Dbusent iar« Tueibun« 
d^rt iar in dbewe verdhen und Neghenteghesten iare an 
dbejM heleghen auende aente ^latheuaa^ä dhea apoatolen. 

WIE OER BÜCHSENMEISTER DER STADT 

ZERRST 

BW JAHRE MCCCXCm GEFANGEN WARD^ VON 

HM SELBST ERZÄHLT, UND BERICHT ÜBER DK 

FEHDE IN DER DIES GESCHEHEN, VOM ZEHB- 

STER BÜRGERMEISTER PETER BECKER. 

Die nacfi/blgeTuU ersiähbrng (1) Am Zwbster bikh» 
Qder g^schätj^meüters Syverd Ludm beginnt mit gedrä^g* 
ter dar^tellmg seines terkältnisses mm rath$ aud s^ur biir^, 
girgemmde der stadt Zerbst^ er gibt werst d^f^.briff 
durch weitAen ihn ßlr\f jähre vor seiner g^fimgennehwmg 
der rath zu Zerbst o^fs schleunigste deiin bertffm habe, 
erwählt me er dem. rt{fe sogleich gefolgt und unter wk 
eben beding^ngen er dU beserger der bikhsen dort wge* 



NmraaiBEUTSCHE URKUNDKN« 2SI 

t i ^ mu m m woräem m, und beriekiei da$m 9tine ^OHgenneh'- 
mtmffmiter der stadi banner mit wehremhr /umd^ tBöher 
der Stadt die verj^ichtung obliege, ihm lüsegeid und er^mtm 
fUr eHitteuen schedeu su geben, welches beides erforderte 

Als ieitrstg xur frühesten geschichte der feuerwt^ffm 
Mt diese eraäkhmg nicht unwichtig, wie hundert jähre spar 
ter die buchdruekertunst^ m^s die emwendung des pulvere 
«v gesoküt» und schief sgewekr^ beides dmmals bOebsen ge- 
ntumt und seiner gestult nach mehr dem heutige» geschäUf, 
minem ialiber nmek mehr dem, heutigen handgewehr glei* 
ekeud, Mf/s schnellste sich verbreitet haben $ denn eine 
atmdt wie Zerbst, dttmals freilick blühend wtd mächtige 
kmt sehen 1387 einen bMchsenmeister, 

Es felgt iiermff (2) der beriet des Zerbster bOrger* 
meistere Peter Becher über die fhhde in weichet^ der er^ 
mäknt9 biiehsenmeister Syverd Luden gtfstnge» ward, er 
ist der ckronik entnommen welche dieser bOrgermeister im 
miflrage des rathes und der bUrger im Jahre i4Si auf- 
sMüte. das original derselben liegt im gehevnen arcku^e 
dar stadi Zerbstf aufser eimselnett abschnitten, die ich in 
dem neuem mittheilungen des thüri^g. aäohs, veresms hake 
ahdruckem Ufsem, ist wen dieser chrenik noch michts ge- 
drueki» 



Vasea dinsl viida vorder^Use to vom. lone »iueri wy 
bu» iu biddw dal gy also wpl dua dorch ynges deittte$ 
mUb«. vnde bat iwdeni doroh iuwea awagber wenemari wü** 
huu vQde komeo |o vo«. to cerwist al»o gjr erst mogbeo im 
Torlogheriiighe. wente wy myd iu bebban to redest, dai wy 
oä iUoiit ayobl moghen eoibedea eder scunue«. — > 

Do std ik voa ituadea m up mym perd ynde red to 
oerwisl to den radmannea. Ynd« eade vy myd en voime da 
aka de se my do badden to aoraaeo. Don gbauen sa wy 
da borgersaop yada der brower ingfbiDgbe, vode atodighaden 
my to arme denara. vnd gbeuan lay aUp dU^a brif pa luda(» 

wy rato^annea Scbcpen innigmeysJtare borgbcrghcmeyne 
der stod to Cerwisi bekennen openbar in dissem iagbanwar'- 



232 NIBDERDBUTSCHE URKUNDEN. 

dighen breae. vor allen luden, dat wy hebben entbogben 
Mester syuerd luden to eyneme dener vnser stad. vnd scal 
bered wesen myd den bussen. to denende bynnen der stad 
edder dar boten wan men des wert bederuen vnde sead de 
bussen an richten myd puluere med al deme'des men dar 
to wert bederuen med syme arbeyde. vnd med der stad ki- 
ste. vnd scal en geyme heren edder stad bussen gheten eder 
dynen vedder vnser stad wille. vor dissen vorghescrenen 
denst scal he wesen Scotes vry vnd scolen eme ghenen von 
der stad weghen to Cerwist. alle iar uppe sonte iöbannes 
baptisten dach ver mark gheldes vnde ene halue mark Ger- 
wister weringhe to syner kledunghe to synem lyue. de wile 
dat he an dem dinste wil blyuen. Des to eyner c^enbarer 
bewisungbe bebbe wy eme gbeuen dissen openen brif vnd 
vnser stad inghesegbel dar an henghet. Na ^odes bort drit- 
teynhundert iar in dem seoen vnd achtighesten iare. an de» 
daghe des hilghen heren sunte mertens» 

Don scach^^dat de radheren na my sanden. vnde sp^ 
ken mester synert wy sint drapliken gfaewamt sed dat de 
bussen synt verdich eft man se scolde bederuen. Do scach dat 
enes dinsedaghen morgens {AsX fehlt) de vyende vor cerwist ran* 
den vnd nemen dar vor. don luddeme de klocken to storme« 
Do ghing ik vor dat radhus vnd wolde de bussen hebbfo 
dat men se hedde ut ghevoret. alzo ik de des auendes hadde 
verdich ghemaket. Don konden se my nycht utghevoret wer- 
den. Do ghing ik by den sekhof myd den borghem. Do 
quam predemitz reden de der radmanne en was. den bad 
ik da(t) he de bussen lete utfören. eft wy se bedemen 
scuUen dat wy se hebben went'ik hebbe hir al myn giie- 
rede dat ik dar tu bedarf, don konden se my nycht werden. 
Do bet my bulendorp predemitz vnd amt ghercke dat ik 
scolde volghen den vyenden myd den borghem. Dar euer 
wart ik ghevanghen vnder der stad banneren myd werender 
haut, hedde ik don de bussen dar^had myd der hulpe godes 
wolde ik den scaden wol bewart hebben. Hirvmme bidde ik 
dat gy iuw€ gnade to my kern dorch god vnd des rechtens 
willen vmme myne haue de ik vorlom hebbe vnd vmme dat 

* hier sind im originale die worte dat enes mandaghen ataendes 
amgestrieken. 



AUS PBTER BECKERS ZERBSTER CHRONIK. 2SS 

ik dar ouer vortered hebbe vnd dat ik to schallinghe hebbe 
gheuen Q Edder dun my dar vmme alzo gy my von rechtes 
wegfaen plichtich synt. wenXe an rechte schal my alle we- 
gfae wol pughen. 

2 

Item by des geuenten vnszrs herrn grauen Segmundes* 
tyden Anno domini mcggolxxxxiii so he dat regement ouer 
▼ns badde geschach eyn merklik stryt in deme stiffte to hil- 
densym tuschen deme hochgebornen Fürsten vnd herrn herrn 
firederike hertogen to Brunswick vnd Em banse van Swi- 
ohelde vnd Curde vame Steinberge vnd andern stifftgcnoten, 
den suluen stryt wan der genente hertoge frederik vnd fengk 
vele der stieffgenoten gude lüde borgere vnd bür. Thu deme 
müuen stryde ward der genente vnsze herre graue Sege- 
mond van deme geuenten hertogen frederike geheyschet vnd 
gebeden de denne med resiger haue siner manne deme ge- 
nenten hertogen fredericke to hulpe toch. 

Item so der genente vnsze herre deme hertogen wolde 
thu hulpe komen so vorbodede he den Rad thu Czerwest 
tha den tyden vor sik vnd seyde deme rade liuen getruwen 
wy willen med vnser manschap so wy de rüstigest hebben 
mögen vnszem liuen Ohemen vnd herrn hertogen frederiken 
to Bmnswigk volgen vnd vns in syne hulpe geuen weder 
de iitiefitgenoten. So gy denne wol w^ten dat wy vnd gy 
▼nd , vnsze gantze land med dehn aldemerkischen befeidet 
rin weret- sake dat de* merkischen vor czerwest oder in 
ynsze land welken namen deden gy schollen in vnszem aff- 
wesende nicht lagen wen wy besorgen vns gy mochten dar 
oner Schaden nemen Sodanne rede vnde sage vnszes gnedi« 
gen berm brachte de Rad vor de borgere. 

Item so vnsze gnedige herre vppe de reyse vte waz 
sachten de olden merkeschen vor lyndow** vnd Czerwest 
alse de houetman van Angermunde genent koningesm^rk de 
nitenplitzere de van Stendal de van Angermunde vnd ore 
holpere vnd nehmen vehe vnd drefen dat vehe wen iegen 

* ßirst Siegmvnd der \e %u Anhalt , starb 1405. 
** bürg undfleeken i^/z stunden vonZerbst; die trümmer der er- 
stem sind heute noch seäenswertk. 



2U AUS PBTBR BECKERS ZERBSTBR CHROIW. 

lottborch So ward dat genichte bynnen dosser alad- M ia« 
geden de borgtre na thu perde vnd thu fiite so dQ borgarQ 
tbu der tyd gantz ferdicb weren vnd vele borgere perde 
bilden, wen thu der lyd bilden de bürgere perde nach ona 
guderen. So de borgere vor dat Annckunscbe* dor qwemen 
fiigeden sik de Radmanne by sik (/. sy) vnd spreken lineii 
fraüde vosze gnedige berre graue Segemund heft VBS {e- 
seeht vnd gar ernstliken befolen so he van vas scbeite 
wddo effi de yd der alden marke edder andere welken- vobft 
namen in synem lande ader vor der atad nemen we icM* 
den nieht na iagen vnd de rad bad vppe de tyd de borgeif 
dat sy dar an vnszera gnedigen berrn borsam werea Ok 
qwam vppe de sulue tyd eyner genent Eferken do haddft 
tbu der tyd dat slot lyndow van der stad wegen in m iyfh 
dow thu der tyd vnsze pandslot waz vnd sprak tbo doa 
borgeren linen frunde iaget nicht na wen de fyande heUbeai 
by lonborch med eyner grothen sampnunge vorhaldea Des 
suluen glik wurden ok de borgere van iüswelker »ansobap 
van louborcb gewamet dat de fyande by louborob vorkalden 
bedden dar wolden de borgere deme rade vnd sodanoior 
wamnnge nicht achten vnd weren deme rade tha der kfi 
gantz vnborsam vnd spreken deme Rade vnd den ibennea 
de sy warneden bönliken vnd togen tbo perde vnd tbo fMa 
wente vor loborob ofer vnd thogen gantz wiet vnd breit vaa 
eyn deger vttgescbidcet wy ryden adder lopen künde de todi 
vor. So de borgere twusoben groyden vnd zcepemiek qwt« 
inen so brack der vyande halt vp«vnde de roure woddcr» 
Wenden sik vnd togen dehn borgeren iegen vnd so de vyindt 
den borgeren iegen togben so qwemen vele borgere tki 
Czepernik vppe deme kerckboff thu perde vnd thu fiite bo* 
stau vnd slügen der Stadt bannir dar loesz vp^ sunder sj 
weren thu der were nicht geschicket, wy ryden ader lopea 
Jbunde de reden vnd lepen dehn iennen iegen de nook sa 
Vp de volge weren med eyneme groten gesobrey ki der 
Wiese, liuen firande fleht hir is verloren liff vnd gnd» So 

* Ankuhn, eine grqfse vorstadt hei Zerbst, seit jahrhunderUn 
durch ihren trefflichen g'arienbau bekannt; dernatHe, in altem Urkun- 
den Ankona, AnkHQ, ist »we^elsohne slatnsoher herkimß, 9mm» deu- 
tung mir der slavischen sprachen unkumdigem nieht megUek, 



AUS PETER BECKERS ZBRBSTEft CHRONIK. 2Sft 

nMAdeu de {yande vnsse« iKurgeren iegen vod na vnd slögoD 
tar w<d -bjr um doi vpd feogen dei: bouea anderhalffhiin- 
Iwl Ib« fute vnd tho porde dsur felQ vechiige vod ryko liido 
Bi^Q irereu vod forden de gefangen iegeo Angennunde vad 
.eten der eyn deil tho Stendal füren vnd eya deil bilden thtt 
iwgpl dai der van niUenpUbi wa? vnd de ibu Angermunde 
{^bogen weren de ßeten in eyner knien vppe deme alole» 
Uium so de suluen borgere de Ibn der tyd dol worden g^ 
ilugea vppe deme velde Uggen bleuen worden de suloen gante 
H gelogen vnd geblötei vnd sere getreddet vnd gewundeb 
M de doden wurden in de ßtad gebraeht vnder vppe deve 
ndbose qwemen vele lade vnd iLunden ore frind dar mai^ 
Iiwn0 bekennen. 

Dusse nedderUge vorlu»l vnd sobaden ia gesoben iiaoh 
gpdea. geiKirt also man sehreff M<k:;cQ(»xGm am dage aenet ca- 
lixtus des billigen paweses. 

Item so de sulue vnsze gnedige herre wedder inhemisch 
f[wajfi vude sodanoeu iammer vnd schaden borde wart he 
gantz vnwillich vppe den rad tbu Cserwest daC sy syme bode 
nicht weren horsam gewest. 

Item so de siduen gefangen itzwelke tyd geseten had- 
den vnd sere gepyneget weren würden de gefangen vnder- 
langes alle eyn dat se sik wblden vdborgen laten vor vebr 
dnsend bemiscbe scbok gr, vor hundert fuder zcerwester ber 
vor hundert parchane vor hundert pnnt pepera vnd sanden 
dar vp ore bpde&chap an den rad tbu Czerwes^ vpd de snl- 
nän g«&ngen vorwilkorden sik iegen den genenten boiiet» 
man van Angormunde vnd iegen den. andern de sy gefangen 
baddoB, werel dat de Rad van Czerwest sodanne schattinge 
vor SY' nicht vorwissede so woldensy hundert fuder berss 
legen sy vorfallen sin vnd vorborgeden den willekor med 
itzwelken borgeren bynnen' Angermunde. 

Item so de gefangen ore bodeschap an den Rad brach- 
tea ÜLU Czerwest so lyten de rad de gemeyneo burgeco 
vppe deme radhuse vorboden vnd brachten sodanne wiese 
vor de borgere. so de borgere sodanne der gefangen schat-i 
tinge vnde wiese vomemeo wolden sy oren willen vnd fut* 
bort dar to nicht geuen noch in keyne wie3 folgen. Sunder 

le J>org;Qro werden eyn vod geuen dewo. Rade in« wy det 



236 PSALM. 

gefim^en were de salde sik salaes losen, wen sy alle loesz 
weren so schulde de rad de borgere tho sampne hebben wes 
sik denne de böigere dar vmb vordrügen dat würden do ge- 
fangen denne wol vornemen so losede sik eyn iowflk ge- 
fangen nach sjme vormögen. 

Item dar nach so de gefangen ore schatünge besät hai* 
den so würden de borgere vppe deme radhuse vorbodeiTBk 
wedderstadinge der gefangen beschattinge dar würden de Imn^* 
gere vppe de tyd eyndrechliken eyn dat de rad scholde ey- 
neme iowelken gefangen den drüdden penningh wedder genea. 
Dar hadden de gefangen nicht gad genüge thu noch bleff ed 
d^r by. Sander eyn borger genent bans krögher de woUe 
dar in nicht folborden so dar van hir nach steit wa hans 
krögher med deme rade dar vmb sakede. 

Ynde dar thu genen de borgere alle eyn gemeyne sehet 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENüBER- 

SETZUNG. 

bl. 1 a. ps. 118, 7—13. 

in der rebtheide der herzen in gerehUite 

in directione cordis in eo quod dtdicz nidida. iastide 

diner gere behvde niht xnih verlaz . • • 

tne. lüstißcatianes tuas cii^todiam non me dereli»^ 

hemo rihtete der iungere 

ztaqueqiiaque. In quo corriget adolescen/zbr utam suam w 

te • . . . rede mime vortkiete Ük 

cKStodiendo sermone^ tuos* In toto corde meo exfoisivi te 

a.« • •• • . . ten dinen io herzen . • • • • ^ 

ne repelias me a manAdiüs tuis. In corde meo absconä 

• . de dine daz ih niht svn • . . . ..... bis h^re 

e/oquia tua ut non peccam tibi. Benedictus es domine 

lere, mib ^gere mvnden mine vyrekvnde 

doce me iVL^tißcaUones tuas. In labiis meis prononiiaia' 



bl. 1 b. ps. 118, 19—24. 

nde ih bin inerden gebot diic 

•la ego snm interra non abseondas a me mandalt toa. 



• • • 

r- 



PSALM. tSJ 

.... min gere gere ... . . ia 

tHmphdt anima mea desiderare insttficationes tuas io 

so ziteo sovl . .... vervlvhet di da abeneiget 

ni tempore. lacrepasti superbos maledicti qui deelioant 

abe nim vo mir idewize 

mMmdatis tuis. Aufer ame obprobnion et contempUtm 

te- mrckvade din sazen wrsten vä 

ia tesliiiionia tua exqtusim, Etenim sedtrani principes et 

• •• koehte svnder din • . • 

uersum me loguebaninr seraas autem tuas exercebatur in 

• eitCB dine wäde 

ftilcatioiiibus tuis« Nam 



bl. 2 a. ps. 118, 113 — 118. 
iuele belfere vS phabere min . .' . . vn Inwort din 

lexi« Adintor et susceptor meus es tu et inuerbum taum 

er boffete von mir vbelwilligen vn scol kvnde gebet 

persperani. Dec/tnate ame maligni et scniiabor man- 

gotes mines inpbab mib nab re . . diner va 

Ete dei mei. Suscipe me secundum elojridnm tunm et 

»e sat vn nibt gescendes mib . . n beitvnge miner bilf 

nam et non confundas me ab expectatione mea« Adiuoa 

r Vn . • . ic werde vn scol betrabte in gerebtbeiten dine 

) et salxms ero et meditabor iniustificaüojii^as tuis 

«er smebeles alle abe 

■per Spreuisti omnes disce^ 



bl. 2 *• ps. 118, 124—129« 
pmiea dinen vn gerebtbeile dine . . . micb knebt 

sericordiam tuam et iustificationes tuas dace me. Seruus 

A bio ich gib mir ve . . . . daz wize vrekvnde dine 

IS sum ego da mihi inte/Zectum ut sciam testimonia tua« 

sU ... tvn'de herre zestorden ewe dine • . • 

wck^us yaciendi domiue dissipauerunt legem tuam. Ideo 

inete gebot din vber golt vn . . pazion dvrb daz zv 

exi mandata tua super aurum et fopazion. Propterea ad 

ferne geböte dime wartgerihtet allen weg vnrehten hezlih ba . . 

inia mandato tua dirigebar omnem uiam iuiquam odio ha^tfi 
mderlih 

ttrabilia 



m PSALM. 

iL S- ps. 118, 133—154. 

. » ... • • . % . •.*•'•■•'« min- aUe vnpeht 

. (n) wm taam et non domineiar mei onfins iffinslieit. &^ 

lose mih von «canden der Ivtd das feil bekrte- gebot • diie 

4iine me acalamBüs hominam ti (so) eastödiam nattdaU taa» 

antliise din irlvbte vber knebt • dinea vü l«Ni lllik ge- 

Facieni taam illamiiia super seruam toum et doee ae m» 

' rehtbeite - dine Yzgane d^ watere bineleiten • aygei» wb 

alifieationes tnas. Exitus aquarum dedoxerunt ogoU m 

wäde nibt bebvten ewe dine rebt bis . b*M • td 

qaia non custodierunt legem tuam» lustus es dotnite et 

rebt vrteil din gebot gerebtheit vrekrode dioe 

rectum iudicium tuum. Mandasti iusticiam testimonia toa 

vu warbeit dine zevile wrbte mib tele zorn mio 

et ueritatem tuam nimis. Tabescere me fecit zelns mens 

'Wide v^gesen sint wort din viaade min vria gekoM : 

quia obliti sunt uerba tua inimici mei. Ignitum eloqiiiiiiB 

. din gebelib Tn knebt din mianele das . tVMetiu 
4uum uehementer et seruus tuus dilexit illud. Adolescen- 

bin ih vn v^(. • • .)t gerehtbeite dine aiht Mi 
tulus sum ego et contemptus iustificationes tuas non suo 

v( ) gerebtheit din gerebtbeit (••«.«••.) vn ee din wariMit' 

oblitus. lusticia tua iusticia ineteraum et lex tua ueritas. 

(••.•• .) wadea (. . .«..••«) betrabtvagi 

Tribulatio et angustia inuenerunt me mandata tua meditatio 

min (. . .) gerebtheit vrekvnde din iaewe * nernvaft 

mea est. (b) Equitas testimouia tua ineternum intelleetam 

gib mir vn sal lebe rif in alleme herzen min irbore mih 

da mihi et uiuam C7lakati intoto corde meo exaudi me 

bVe gerehlheit dine sal vorske rif zvdir Ti 

domiue iustificationes tuas requiram« Glamaui adteet 

lieilic mih dv vö sal bebvte gebot dine vnre qY*m ii 

saluum me fac et custodiam mandata tua. Preueni in- 

rificbeide vn rif in worte dime vber bofiete vunpia- 

maturitate et damaui in uerba tua supersperaui. Preae- 

men avgen mine zvdir vrvwe daz betrahte rede dioe 

aerunt oculi mei adte diluculo ut ineditarer eloquia taa. 

stime mine nah barmherze diner h re vnd 

Vocem meam ^ seenndum misericordiam tuam domine et 

* din inewe oben meist weggeschnitten ** aadi tif^ MUtg^- 

iqften. 



PSALM. 

nah vrteile dime generc mih iz ncheden 

secandum ludicium tuum uiuifica me. Appropinquauerunt 

nah • . Igeten mih vnrehte von ee sund* . . . verre gemahet sint 

perseqaentes me iniquitati alege autem tua looge facti sunt, 

nahe wis h re vii .... wege dine warheit in aneg^ngc 

Prope esto domiDe et omois uie tue ueritas. Inicio 

bekan(..^ ••) vrekvnde dioen wäde iii«we (..)stift(.^) si 

cognom de testlmoniis tuis quia ineternum fandasli ea. 

siii demvte mine ( ) mih wädc ee din n(. .) 

Vide bumilitatem meam et eripe me quia legem tuam non 
bin v^geien (...). 

ftmn oblitus la 

Zwei pergatneniblätfer^ vom einbände eines buches im 
besitze der Leipsiget* deutschen gesellschaß; abgelöst, mit" 
getheilt von herrn doctor Leyset\ von dem ersten blatte 
nur etwa die hälfte in zwei stücken übrig ; das zweite blatt 
ßut nnversUlmmelt, auf dei' seile achtzehii lateinische zei" 
len^ in octav. die schri/i aus dem zwölften Jahrhundert. 
Qursivschrift im lateinischen text, punkte in der deutschen 
Übersetzung bezeichnen was weggeschnitten isty eingeklam^ 
merie punkte unlesbares. 



DER STARKE BOPPE. 

Bruder Berthold sagt in einer seiner lateinischen pre- 
(Leipziger* hs. 496 bl. 57^) sunt nt Poppones, qui vi* 
doiieei doplicem habait yirorum fortitudinem et unam diem yei 
etiam parasceve ieinnare non potuit. der 'starke Poppe' des^ 
sen der ackermann von Bö heim gedenkt (WTi- Grimm d. hei- 
iens. s. 402) wird derselbe sein; der dichter Boppe aber^ der 
m der Überlieferung der meistersänger der starke hie/s, mt^s^ 
4m er nach Bertholds tode (1272) dichtete, diesen beinamen 
einer anspiehmg auf ältere sage oder geschickte verdanken* 

H. 



240 



•• 



EIN LOBSPRÜCH DER SCHÜTZEN. 

Darinnen die aufsreden, vnd furwort der loblichen Büchsen- 
Schützen, anf aller band vrsachen vnd allerley zufallende ge- 
legenheiten, so im schiessen furfalle, auch in was gestalten 
sich die zutragen mögen, erzelt vnd beschrieben werden 
Gantz kurtzweilig, vnnd den Schützen sonderlich nützlich 
zu lesen. Gestelt Zu Ehren vnd Wolgefallen der Löblichen 
GeselscbafPt der Büchsenschützen, der vralten Statt 

vnd Ländtschafft Zürych.* 

(holzschnitt) 

Dem Edlen Vesten Junekeren, Johai^s Hartmaa Aeschern, der zeyt 
Zeagherren der Statt Zürych, etc. Seinem iosonders 
günstigen Junekeren, etc. 

Esdeler, Ehrenvester, insooders günstiger Junckher Zeugher: Nach 
dem ich dirs gedieht^ vor etwas zeyts, aufs etliche alten vnd neSweD, 
getrnckten vnnd geschriehnen brieSen, vnd zädlen, zusamen getfagei 
gemehret vnnd gebesret, vnnd auff das schiessen, weliches Annd Do- 
mini 1504. (so albereit schon hundert Jahr ist, syder her es geobl) 
alhie zu Zürich gehalten, gestelt hab, bin ich die zeyt hero, etwo dicker 
mals, von vilen schützen alhie angeredt worden, söliches durch dei 
Truck an tag zugeben. Hab aber difs biPs auff jetzt vnderlassen müf- 
stn, eins theils von wagen etlicher geschä£Ften, anders theil& dafs ich 
besorget^ difs kleinfug wercklin mochte von etlichen vnruwigeil leutheo, 
denen nichts rechts ligt, getadlet werden. Sitemahls aber en&elte 
schützen, vnnd etlich ander ehren personen, mich jetzo neüwliek wi- 
denim ermant, vnd an mir angehalten, in disem wercklin filrzufahreD, 
vnnd ich auch betrachtet den spruch : Ein weyssen Geist müPst der 
gwifs han, der anfieng das gßel jedermä, so hab ich jhnen hierin ge- 
wllfahret, vnd ermeltes gedieht, zu ehren den Büchsenschützed, der 
statt vnd landschafft Zürich aursgehen lassen. 

Dieweil vnd aber edler vester insonders günstiger Jnngher zeä^- 
herr, ein alter brauch gewessen, dafs wo je etwas uutzlichs, vnd löh- 
lichs im Truck aufsgangen, hatt das selbige alweg seinen Protectoreo, 
dem es zugeschrieben, gehebt. Dero wegen ich alhie sölichem branch 
gefolget, vnd mich vmb ein Patronen vmsehen, dem das schiessen mit 
den handrohern, wie auch gleichs fahls mit grobe geschütz geiiebe. 
Hab derhalben ein hertz gefasset, E.V. difs Tracktatlin zo dediciereo. 

* tieh%ehn quarlblä'tler. 



GROSS AUSREDEN DER SCHCtZGN. 241 

Vad du Tiirnemlich vmb dreyer vrsachen willen. Brstlichen', äaXs £. 
V. Ton JQgend auff ermelt schiessen, mit grossem vn kleinem geschiitz, 
nit nun alein geliebet: sonder der gstalt geübet, daPs jbr auch der 
zeyt von einer ehrsamen obrigkeit , alhie zu Zürich, yber jhr zeiig- 
haufs, grofs ynnd klein geschütz, sampt aller bereitschaffit, vä muni- 
tion (wellches alles sich jetziger zeyt, Gott lob, treffenlich gemehret 
hat) gesetzt sind, bey vnnd neben dem edlen, vesten, vnd hochgeach- 
ten Janckherren, J. Hans Heinrych von Schönauw, alter vogt der herr- 
«ehallt Greiffensehe, welicher aach ein besonderer liebhaber dePs gros- 
sen ynnd kleinen geschosses ynd der selbigen geübten igt. Anders 
theils hab ich E. V. difs gedieht darum dedioiert, dieweil ich weifs, 
dafs jhr es mit eower authoritet vnnd ansehen, wider alle lestermeü- 
1er, die alles zu tadlen wüasen, protecktiere yn schirmen werden. 
Letstlichen, dafs ich doch den aller geringsten theil der Obligation, 
damit ich E. V. yon wegen yilfaltiger bewissener fründsehaflft ynd 
guththaten, so mir yon £. V. yn dero geliebten bruder Junckherr Ge- 
rolden Aescher, meinen insonders gönstige Jhekherren, yon Jugend an 
widerfahre (obligiert ynd yerbunden bin) danckbarlich Z& bezalen er- 
zeigen mochte. Wiewol difs wercklin der selbigen nach allzu gering 
ynnd kleinfug möchte geachtet werde«, etc. Bitte hiemit E. V. 
wolle disere meine kleinfuge arbeit, im besten yon mir auffnemmen, 
vad yerstehen, ynd mich in eüweren gunsten ynd gnaden, wie bifshera 
nach weyter lassen befolhen seyn. Befilch euch hierauff- sampt euwe- 
rem geliebten gemahel, ynd kinderen, auch die euwerigen alle in den 
schirm Gottes, neben wunschung eines neuwen gluckseligen jahrs, 
welicher euch in dem glückseligen wolstand ynd ansehen, in den eh- 
renempteren (mit welichen jhr yon ynsere gen'ädigen herren begäbet 
sind, ynd yerhoffenlich durch sein genad noch zu yil höheren ynd 
wichtigeren ampteren auffsleigen werden) genädigklich erhalten wolle. 
Amen. Zürich den !26. Decembris, Anno Domini 160!^. 

£. V. Dienstwilliger 

Hans Heinrych Grob 
der jünger. 



Z. F. D, A. m. 16 



242 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Aufsreden vnd Fürwort der LoUichen Oesellschtß der 
' Biicbseiiscüizen, wenn sie nit vil Träffen, wie sich. 

das zutragen mag. 

Auf aller hand vrsachen, so im Schiessen ffirfallen mögen, 
gesteh. Gantz nützlich vnd kurtzweylig znläsen, «tc. 
Gedicht durch ein liebhaber defs hochberiimpteD 
Bücbsenschiessens, in Zürycb. 

Ich thet mich auff ein zeyt auffmacben, 

zu bschanwen aller band weit vrsacben. 
Durchreifst vil Länder feer vnd weyt, 
' zog vmbber fast ein lange zeyt. 
Saeh hin vnd her, vil schöner ding, 

auffs Schweitzer land ich auch zugleng: 
Dann ich vernommen bet neüw mär, 

wie das ein sebiessen darin wer^ 
Zu Zürich in der hanptstatt gbalten, 

mit grosser freud von jung vnd alten. 
Begab mich defshalb schnei auff dstrafs, 

gar bald ich auch in Zürich was^ 
Wolt gelbst besehen disere Sachen, 

Was gstalten man es möchte mached. 
Mit den bauptschiessen grofs vnd fein, 

Ob gleich mir worden was zu klein. 
Der seckel, vnd das galt daraufs^ 

Zog ich doch zu eim freund zu baufs. 
Der mich kostfrey gehalten hat, 

Die zeyt die ich was in der statt: 
Dan von Züricheren man thut sagen, 

wie sie nichts reüwt, zu keinen tagen. 
An frembde leutb, mit kostfrey halten, 

mit gesellscbafft leisten, jung vnd alten. 
Mit vmbbin füren an ort vnd end, 

wo man vil kurzweil übt behend. 
Wölchs mir auch widerfahren was. 

Von der Herrschafft, gwifs sag ich das. 
Nun dafs wir an difs schiessen kommen. 

So wüfst, wie ich es hab vernommen : 
Dafs vor viln jähren hiebeuor, 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 343 

Den (/• Die) Bücbsenscbtitzen offenbar, 
In gantzer Eydgnoschafft berum, 

Begert band, an jhr Herren firum. 
Von ort zu ort, einen krantz zebalten, 

• das ist ein scbiessen vnzerspalten, 
Damit die scbStzen der Eydgnoscbaffl, 

Also dnrcbs scbiessen mit liebes krafflt^ 
Ein ander möcbten bkantlicb werden, 

ancb desto gheimer in kriegs gferden. 
Weil nun zu tagen ward fiirbracbt, 

Difs bgäre, vnd gar wol bedacht, 
Da namen die Züricber dsach zu band, 

Vnd scbreiben aufs, in vile land. 
Im tausend vnd funffbundert jabr. 

Viere darzu, ist offenbar, 
Im Ängsten, vmb Lorenz! tag, 

(wie jbr aufsschreiben fein vermag) 
Dafs man sölt kommen gebn Züricb, 

auff dises scbiessen, grofs vnd berriich, 
Auff obbestimpte tag vnd zeyt: 

defs kamen von stett vnd landen weyl, 
Der scbützen eine grosse anzal, 

von allen orten, vast vberal. 
Die zugen hie zu Züricb ein. 

Zu halten disen scbiessen fein. 
Die besten gaaben wurden gmaebt, 

auff beyder zeiLstatt wolbedaebt, 
Hundert vnd zeben gülden grftd, 

die man auff beyde ^iehlstatt gab. 
Zum Toppel ward gelegt nit mehr, 

dan anderbalb gülden vngefebr. 
Den schützen schanckt man brot vnd wetn^ 

auch käfs vnd obs, vnd anders fein, 
Zu der Tagürten, wie ich sag, 

weil scbiessen weret, alle tag. 
Auff dem platz fand auch menigklicb, 

vmb gälte wie in der statt zugleich: 
Zessen, ztrünken, was man wolt. 

So bat man da, in silber vnd gold: 

16* 



244 GROBS AUSREDEN DER SCHlJTZBrf . 

Vil schöner gschir, wie auch hieneben, 

in den vil auffgerüsten gäden: 
Köstliche wahr, vnd krämerey, 

welchs man da fand zn kauffen (rey. 
Hiemit das schiessen fahet an, 

ich hell damals nit vil zu than: 
Dan dafs ich gieng da auff vnd nider, 

bschauwet alle örter hin vnd wider. 
Damit ich sehen möcht mit lust, 

das ich daruon zu sagen wnfst. 
Vnd wen ich solt die warheit jehen, 

so bab ich schöneren lust nie gsehen, 
Von aller bände knrtzweil vil, 

ynd sonderlich von manchem spiL 
In Silber, kleinot, gold vnd gelt, 

defs liefs sich sehen mancher held, 
Da thet gar manchem der seckel krachen, 

defs doch der ander nuhr thet lachen. 
All ding waren wol gerichtet an, 

vil zälten stunden aulT dem plan. 
An beyder ziehlstatt gspannen auff. 

ich gwaret vast der büchsen lauff. 
Auff sambrost ich mich nit verstund, 

Darumb zu sehen ich begundt. 
Wie dschützen am platz fiengen an, 

hatt mich gar nach zuhin gethan. 
Nam mich der sach doch an mit nichten, 

Vnd liefs mich ander leüth berichten. 
Wie all ding waren zu gelon, 

ein schütz thet in den andren gohn. 
Der erste schütz der war voUendt, 

die neüner waren da behendt. 
Von Scheiben zogens die schütz aufs, 

Liefferten trälTer ins schreybhaufs. 
Die fehler giengen neben hin. 

wer nit trifft, der hat kleinen gwün. 
Mein achtung gab ich eben drauff, 

wie sich beklagt der fehler hauff. 
Was mancher für ein vrsach het, 



. 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 245 

dafs er den schütz nit träffen thet. 
Eim fehlet difs, dem andern das. 

iets klagens was vil über dmaars. 
Da hört ich gleich den ersten klagen, 

wie sichs den schütz hab zugetragen. 
Er sprach, die scheyben thut mich äffen, 

all mine schütz kan ich wol träffen, 
In der wettscheyben, sag ich zwar, 

die anderen scheyben fehl ich gar. 
Znr wettscheyb, bin ich recht gestellt, 

der rächten hab ich gar gefehlt. 
Die wettscheyb hat mich gar betrogen, 

oder die rächte scheyb hat glogen. 
Dort schiefs ich hoch, da schiefs ich nider, 

ich wil mein büchsen seübren wider. 
Der ander schütz ward auch volbracht, 

ich mir in meinem sinn gedacht: 
Was wil sich nun jetzt heben an, 
' bin schützen die nichts troffen han. 
Die hatten vil zu schaffen alle, 

wer da nit traff, thet mir gefallen. 
Einer kam her, thet sich sehr klagen, 

hör mein gsell, solt ich dir nit sagen: 
Bs hat mir einer sabseben gscblagen, 

das thet den schütz auff dseiten tragen. 
Solt mich das nit vnlustig machen, 

ich mufs bas achten auff die Sachen. 
Dafs ich nit schiefs so über zwer, 

wolt dafs ich wider daheim wer. 
Ich war da heim gar wol beschossen, 

alhie bin ich schon gar verdrossen. 
Hab gmeint bey allen meinen sinnen, 

ich wölt alhie das best gewinnen. 
Da heunen gwint mir niemauds an. 

Hat mich ein gut jähr her gelohn. 
Ich dacht, was wil noch werden draufs: 

das schiessen ist doch noch nit aufs? 
Was wollen dan die andren sägen. 

bald kam einer, thet sich klagen: - 



GROSS ACSRBDBN DER SCHÜTZEN. 

Bocks marter, was hab ich vergessen, 
ich bin vor bey der zäch gesessen, 

4 Vnd hab mich nit einschreiben lohn, 

ein schönen schütz ich troffen han, 
Vnd sol mir nun jetzand nit gälten, 

so schlage doch darein sant velten. 
Ich sähe za, gieng wider vnd für, 

defs klagens ich kein ende spür. 
Wann ich sie euch all solt erzellen, 

es möchte mir am papier fehlen. 
Der schimpf der. gfiel mir also wol, 

wann ich die warheit reden sol. 
Bald kam einer her gegangen, 

nach seinem gsellen thet verlangen. 
Sich mein gsel, ist das nit ein pob, 

dafs den tropfen all phig anstob, 

5 Der mir mein büchs abglassen bat, . 

ich stund drefmal an der schielsstat: 
Zum ziel ich schiessen wolt gesehwind, 

kein kraut nach loth ich darin find« ^ 
Drey mal gabs fewr, wolt doch nit lassen,. 

gar bald die neiiner darbey wassen, 
Heissen mich gschwind gehn anfs dem stand, 

kein gnad ich bey jnn gar nit fand. 
Gsell sprachen sie x Thu wider laden, 

dein schiessen thut so kleinen schaden. 
Kein aufsred wirt dich bälffen nit: 

hetst du der büchs rächt gwart hianil. 
Ich gieng darvon mit schläolitem muth, 

wie ichs klagt meinen gsellen gut, 
Sprach er zu mir: Ach bruder mein, 

lafs dir das nit ein wunder sein: 
Sich wie gefats mir auff disem schiessen, 

solt mich difs auch nit hart verdriessen: 

6 Wie ich zu lang bim trunck gesessen, 

hab ich der kugel gar vergessen. 
Vermeint jbet sie in dbücbs gelegt, 

wie bald der hau in tigel schlegt, 
Gieng zwar als an mit schlächtem klapf, 



GKOBS ADSRBDBN DBR SCHÜTZEN. 247 

Ich stand da wie ein voller zapf. 
Der Zeiger weit sieh gir nit regen, 

Der Britsehenmeister kam entgegen: 
Binder mir her, mil seinem gseUen, 

Vnd thet sich eben lätz gesteUen. 
Macht mit mir da nit lang verdanck: 

Vnd legt mich.anf den Narrenbanck: 
Hanwt mich gar sehr mit seiner brütschen, 

Ich meint er weit onr sgsefs zerknütschen. 
So g«i gschirr hal er mir gemacht,. 

Das volek anch meinen goug hat glacht. 
Als diser haft sein klag voUendt, 

vnd ehe ich mich recht vmbgewendt: 
Da sach ich bei, vnd vmb ja staha, 

vast sieben oder acht, neän man. 
Die thetien jhre Boht erzellen, 

^K^ jeder aeiaen schnts thet feien. 
Der ein der hal znvil gebawt. 

Der ander svil dem dritten, drawt. 
Der viert sabsehen bat geschlagen, 

thet jm den schütz gar weit abtragen. 
Der fimfft sprach, ich hab nit gelogen, 

mein bolffer gat ist mir verzogen. 
Rein schntz wil mehr zum andren gähn, 

vnd solts sant Veiten« siechtag han. 
Der sechfste sprach, mir ligt nichts dran, 

wenn ich nur hie mein knrtzweyl han. 
Da heim wil ichs wol bringen ein. 

Der itebeadt sprach: ach warticfa nein:,^ 
Waan dn was köntest hie gwinnen, 

dn wnrdest dich nit lang besinnen. 
Das poperle im ermel dein, 

das wil auch jetzund bm mir sein. 
Dem achten war das schlofs zerbrochen. 

So hat der neündt gar offt gestochen, 
Auff'den haaptschiessea ^ab das best. 

das glück jn jetzund gar veriefst, 
Defs mufst ich jn mein busen lachen, 

Ich dacht sie Werdens besser machen. 



248 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Der dritt theyl sschiessens war nit bin^ 

16 leb acbt nur, wer das best gewin. 
Mancher sagt: ob jcb nicbts gewinne, 

so wil ich doch sein gutter dinge. 
Mein lieber Hans, der gilt euch aufs, 

ynd machet nun nichts anders dranfs. 
Hat nuh der ritt das rofs dabin, 

so nem er auch den zäum mit hin. 
Da fieng sich sschiessen wider an, 

defs abendts hat man schlaafftrunck than: 

17 Die schlaafftriinck hört man morgens klagen, 

darmit war mancher gsein beladen. 
Mit zanck vnd bader, schlegerey, 

das gab vil seltzam fantasey. 
Difs wil ich jetzund bleiben lan, . 

ynd wider naufs zun schätzen gan: 
Dann bald sy schiessen wider an, 

do macht ich mich schnell auff den plan. 
Thett ferners hin vnd wider bsehen, 

was weitter thetten zsammen jehen. 

18 Eim was etwas am schlofs zerbrochen, 

19 dem andren war ein stich drein gstochen. 

20 Dem dritten hat das schlo£s gelossen, 

defs hat er in den stock geschossen. 

21 Der viert hat vil zu lang gehalten, 

22 dem fünfften war der schafft zerspalten. 

23 Dem sechfsten einer für thet stahn, 

darab er jm ein schrecken gnon. 
Hiemit er vmb sein schütz thet kommen. 

24 Dem siebenden war der han abgsprungen. 

25 Der acht den anschlag zfast truckt hat, 

defs gieng der schütz beseits von stat. 

26 Der neündt das schlofs ,nit kont gestächen. 

27 Dem zehenden thet sabsähen brächen. 

28 Dem eilften war das schlofs gehangen, 

im schiessen nit zu mal vmbgangen. 

29 So war dem zwölften sschlofs zuhart, 

wolt nicht vmgehn zu einer fart. 

30 Der ein seins Stands nit recht nam war, 



GROSS AUSREDEN DER SCBJJYZEN. 24» 

defs schofs er zvast beseits vn^fiahr. 

31 Eim andern ist der wind zu grofs, 

32 dem dritten gar zu schwer sein gschofs. 

33 Der viert der sagt: kön nit recht halten, 

34 dem fünften thet der finger kalten, 
Jllit dem er hat das züngle gruckt, 

daTs er den schütz nit recht abtruckt. 

35 Das rad dem secbfsten war gar stumpf. 

36 Dem siebenden sror ein wenig krumb. 

37 Dem achten szünglin war abgstossen. 

38 So thet der neündt auff sschwätzen lossen. 

39 Der zehendt hat das treff nit recht. 

40 In dem der eilft gespant vnrecht. 

41 Gar weh dem zwölften war im köpf. 

42 vom stand auff dbüchs fiel eim ein tropf, 
Dafs er das bützlin nit kondt sehen, 

also den schütz nit recht aufsspehen. 

43 Eim andren gieng das schlofs zfast auff. 
^^ Jehner sich mit dem hart selbs rauff. 
^^ Dem einen ist der lufft zu feucht. 
^6 Dem andren dann das zünglin kreucht. 
"^7 Jehnem wirt zu blöd das gsicbt, 

dafs er weit nebend dscheiben sieht. 
Es wil jm mancher selbs nit trawen, 
^^ " defs thut er an dem anschlag bawen. 
^^ Zu yil der ander drab hat brochen. 
^^ Dem dritten hat das gsicbt verstochen. 
6at schmutzig band hat jhener ghan, 
defs mocht er dbüchs nit wol behau.. 
^^ Einem bracht das gnappen schaden. 
^^ Zvil bulffer hat der andet (/• ander) gladen» 

l ^4 Der eine hat nit recht gwischt. 

Dem andren dann das bulffer -pfitscht. 
Jehem hat der schütz versagt. 
^'^ So ist der ein zu vil verzagt. 

^^ Der ander hat den schütz versäumt. 

Der drite nit recht eingeräumt. ' 

Der scher wol hat der viert vei^e'ssen. 



I 

1 5, 



! S5 
56 



59 
60 



°^ Der fünfte sich zu vol gefiressen. 



2M GROBS AUSREDEN DER SCHUTZam. 

62 Dem secbrsten sfederlin zfast kreucht. 

63 Das bulfer ist dem sibenden zfeiicht. 

64 Zu vil der acht bat gbalteu aub, 

drumb scbob er auff die seit binaub. , 

65 Der neündt hat zu grob fiitter thuch, 

geh beim, vnd dir ein reiners such. 

66 Dem zehenden wii der schwum nit bannen. 

halt ich wil dir ein andren bringen. 

67 Der eiUt der bat sich gar verihrt, 

vnd nit zu vor die kugel gschmirt. 

68 Der zwölft hat zu vil gladen wein* 

69 Jehnem schlug der han nit ein. 

70 Einer im stand auffghaben bet, 

den andren vast erschrecken thet. 

71 Einer bat zu hoch geladen. 

72 zu nider thut dem anderen schaden. 

73 Einer hatt zu vil am backen. 

74 der ander thet heraber hacken. 
Damach ein anderer thrat dahär, 

75 der selb vergässeii bat das schmär. 

76 Wie disem bat das scblors zfirü fassen, 

hat er oben durchs Tächlin gschossen. 

77 Auff dbäch£si dem einen safs ein muck. 

78 der andepr hat den schütz verschnpft. 

79 Mit Geyssen kam der dritte auTs, 

defs bracht er wenig gwins zu hanis. 

80 Zu liecht das Ror dem vierten ist, 

macht da£s jm gschwind der schntz entwiscM* 

81 So bort ich von dem iiinSien klagen, 

als jm sein biichrs hat thun versagen, 
Legt er die selbig von jm gschwind, 

ein gliinrslin klein sich drin befind t,. 
Ehe er rächt lugen mocht darzu, 

lag dBüchs hinder jm wol siben sehn. 

82 Dem sechfsten widerfure das, 

als er im besten schiessen was. 
Hat troffen drey schütz wol vnd gnt, 

(defs er zwar was gar wol gemnth) 
Wie er den viertan laden woU, 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN; 2Sl 

hat er ein lätze kagel gfaoU. 
Die war z« gvoh wolt nit hinein, 

wandt an ini arbeit, grosse pein. 
Dafs sy zu ietst hinab ward bracht, 

als er den schntz zethyn gedacht. 
Für dkugel zhoch, Ind sieh zethrang. 

Dem sibenden macht gar angst vnd bang, 
DaFs sich ins bolfer hat gemist, 

ein klötzlin bleyg, welchs schnei gewischt: 
Zum Zündloch da wolts helfen nit : . 

das liideren wie dann ist der sit. 
Gab wol fünf mal im tigel fähr, 

aber aufs der biichs wolt nichts herfür. 
Mufst vngescho^en aufs dem stand, 

den fehler er darnach befand, 
Als er die biichs aufsgschraubet bet, 

fand sieh das Uötzlin aa der stet. 
Der acht sein knglen zlang hat bhalten, 

dafs sie wol müfsten gar veralten. 
Altbachen kugien sind kein nutz, 

sy geben gern ein kurtzen schütz. 
Der neundt klagt sich hab nit gnug gsoffen. 

Sonst wolt er gwüfslich han getroffen. 
So hat der zehend sieh übernommen, 

mit zu vil weins, vnd kondt nit kommen, 
In dscheiben mit keinen fugen, 

wie vast er nach ir brucht das lugen. 
Drumb mufst er bleiben auch dahinden, 

weil er die Scheibe nit kont finden. 
Der eilft sich des beklagen mufs, 

hat zweit für gstelt den rechten fufs, 
Schofs gegem zeiger auf die seit. 

Gleich bald der zwölft auch gfelt hat weit. 
Der spracht ich brauch all renck vnd tück, 

nach so hab ich weder fahl nach glück. 
Bin wol gernst in allen sachen, 

nach wil sich sglück nit zu her machen. 
In dem sich disere thetten klagen, 

tbet ich mich bafs hemmbher wagen. 



4 



GROBS AUSRKDKN OBR 8GHÜTZKN. 

Dacht bei mir selbss wann ists am end^ 
mit diser klegt: do hört ich bhend, 

Ein schützen mächüg fluchen, toben, 
i9 zu nider schiessen ich 'dort oben. 

Jetz hab ich dunden zhoch geschossen. 
Ein andren hat das sehr verdrosseii, 

90 Hat zlang anghan, macht müd den arm, 

ders traff er nichts, das Gott erbarm. 

91 Der drit sein schätz gschwind hat verschidU, 

ehe dafs er dscheiben recht erblickt« 

92 Was der viert für ein aufsred ghan, 

thet er mit schmertzen zeigen an: 
Der Zeiger ist für dscheiben kommen, 

darab er jm ein schrecken gnommen, 
Darauff kein schütz mehr gar nit troffen, 

dafs jn all plag anstofs den tropfen. 

93 Dem wind der fünfft zu vil hat geben, 

defs lieff die kugel auch dameben. 

94 Nafs zündseyl hat der sechfste ghan, 

die wolten nit recht zünden an. 
Dem siebenden thets an dem erwinden, . 

95 kont kein fewr mehr am zündstrick finden^ 
Hat troffen wol drey gutter schütz, 

der viertte aber was kein nütz, 
Welchen man jm nit gelten liefs, 

zu dem er ein andren strick anbliefs. 
Den achten hat zu sehr verdrossen, 

96 dafs er nit nach der Ordnung gschossen, 
Die ich nit gwüfst, klagt er sich vast, 

mufs mir gwüfs sein kein vberlast, 
Zulesen die mich recht zuhalten. 

Dafs sein der rit hie müsse walten: 
Sprach der neundt schütz, wie hab ich gs 

97 ich hat den daumen zvast gestossen 
In dnafs, drum schofs ich vber zwer. 

Ein ander redt gleich gen jm her: 
Hetst du in gstossen weifs wol wo, 
so bettest du nit gfelt also. 

98 Der zehend zu vil drauff hat ghan. 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. SB3 

) So hat der eilft za wenig dran. 

ft Den zwölften Ihnt der Schnee rast blenden, 

darff sich nit sicher hinanFs wenden. 
Ich dacht domals in meinem mut, 

furwar das waren sehätzen gnt. 
Wann sy nur besser glückfahl betten, 

ich mofs jn jre wort bestetten, 
Sy stebn zwar dapfer zu dem ziel, 

ynd trifft der mertheils doch nit viel. 
Doch steckt man sziel zu weit hinanfs, 

welchs ztreffen mir zwar brechte granfs. 
Drum wil ich keinen nit verachten, 

wil doch vmbgehn sy zubetrachten, 
Was jre aufsred weitter sind^ 

gar bald ein schütz sich da befindt: 
Der thet also sein klag vast treiben, 

ich sach zwey schwartz in einer Scheiben, 
Des kompts das ich nichts treffen kan, 

ich sprach zu jm : mein gutter man, 
Ir habt furwar ein böfs gesiebt, 

zwey schwartz sind in der Scheiben nicht. 
^wo maafs jr truncken band villicht: 

nit übel auff nam er den bricht. 
Bald sich ein ander zu her stalt, 
I der wil erfrieren hat zukalt, 

Mufs nur vast zitteren, rieht nichts aufs, 

die kelte treibt jn wider zbaufs, 
Ein dicker wammefs zleggen an, 

als dan bsteht er auff dem schiefs plan. 
Ein andren hat sein büchs ghasset, 

drum dafs, er sy zu starck gefasset, 
Defs het der schütz nit recht sein gang. 

Ein ander hat gebraucht zu lang, 
Sein Zündloch, das war all zugrofs, 

ein pfriendspitz ich schier darein stofs. 
Die Sonn die thet eim vberlast, 

dafs er in bänden schwitz zu vast. 
Ich sach ein hat ein böfs schwantzstraube, 

defs kondt er wuschen nit sauber, 



SM GROSS AUSREDEN DER SCHUTZBN. 

DaFs nit ein wenig wüst bleib dran, 
mit dem er lang znschaffen ghan, 

Gab nit gschwind fewr nacb seinem sin, 
bifs dafs er macht ein ander drin. 

So hat jm jehner auTsgesucht, 

107 zu gar ein reines futter tuch. 
Die kugel nam den zug nit an, 

sy thet zn gar gern abbin gan. 
Es kam einer klagt sich vast, 

108 wie er nit vor der Sonnen glast. 
Die scheib könt treffen wen sy gläntz. 

109 Eim andren ward ein schütz abgschwentz. 
Dann dkugel gieng nit durch die Scheiben, 

sy was zuklein liefs sich nit treiben. 

110 Ein ander hat auch wol getroffen, 

ist aber vor in boden gloffen. 
Brach grüns mit in die Scheiben fein, 
defs war der schütz nit gschriben ein. 

111 So hat der drit zweimahl angschlagen, 

der selb sein aufsred fuhrt mit klagen: 
Ach wer der schütz zu erst abgangen, 
die scheib faet ich gwiifs thun erlangen. 

112 Der viert ein newe büchs hat kaufft, 

weifst nit wohin die kugel lauSt. 
Wie der fünft zlang bim trunck gesessen, 

113 hat er defs dritten schutzs vergessen, 
Dafs er den selben nit angab. 

So^ hat der sechfst klein gfallen drab, 

114 Dafs er den tigel nit recht gwischt, 

drum hat jm das zündpulfer pfischt^ 

115 Der siebendt war ein feiner knab, 

stofsC dkugel vor dem bulfer nab. 

116 Dem achten, wie ich hab vernommen, 

hat szündloch ein klein schrentzlin gwonnen. 

117 Der nebel fiel dem neundten zfücht, 

defs halff jn nichts sein fleifs vnd müh. 

118 Der zehend gibt die schuld vnrecht, 

dem bächsenschmid vnd seinem knecht. 
Rüsten jn nit nach seinem willen. 



6I10BS AUSRBININ DBit SOHÜinN. Vtö 

L' 80. er 4ooh mt kau halten stille. 

Viel sdiiild der Bachsenschmid nrnTs hau, 
^ wo nit grad eben schlegt der ban. 
Der eilft Unit sieb ders vast erklagen, 

dafs er den scbatz hab gar verschlagen 
Am backen, dmm schofs er auff dseit. 

der zwölft auch schiessen kont nit Weit, 
Dann als er einem zvast thet losen, 
hat er znm ersten hinab gstossen 
Die scberwol, also gar vnbsint, 

die ob 87 gleich des fewrs empfindt, 
Wils doch nit gehn zum vierten mahl, 
defs mag er dbtichs auTsschlahen wol. 
Gleicbs ist eim andren wider&ren, 

der thet das wüschen zwar nit sparen, 
Liefs aber drin ein fätzlin klein, 

drnm wolts nit an gehn vberein. 
Ein enges zundlocb ein ander hat, 

defs gieng der scbntz anch nit von stat. 
Ziindbulfer facht der dritte nam, 
das jm doch zn vnstatten kam. 
Der viert was vor gsein vnverdrossen, 
I hat aber jetz zn spat geschossen. 

So kam der brütschenmeister gloffen, 
^ znm fünfften der hat wol getroffen 
Die letze scheib, mit grosser klag, 
bnitscbt er jn schier ein halben tag. 
\ In schütz hat maa dem sechfsten gredt, 

den er sonst wol getroffen het. 
) Dem siebenden hat man grötlet aufs, 

dem kamen wenig gaben zhaofs, 
) Der achtet kan gar nicht nach dienen, 
sein schiefsen sol sich säumen nienen. 
Nit recht thet sich der neundt bedencken. 
l liefs dkugel i^vast entweris lencken. 
Als er sy lud vnd stiefs hinab, 
darum kein gutten schütz sy gab. 
l Der zehendt verschüttet mit vnheil, 
defs bulfers einen gutten theil. 



33 



134 



135 



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139 



140 
141 



8R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 257 

Der antwort mir, mein lieber fränd: 
Ich ghör euch wol am reden an, 

dafs jhr ein last zun schlitzen han: 
Deb wil ick edch zu lieb vnd gfallen, 

etwas von jnen sagen allen. 
Als Gott erschaff den ersten man, 

wolt er gleich aoch ein schützen han: 
Adam gebar sein söhn Cain, , 

der war ein mörder recht vermm: 
An seinem brader Abel fromb, 

vom gschiitz er vmb sein leben kompl: 
Lamech erschofs jn in eim wald, 

in eines wilden thieres gstalt. 
Sonst findt man gar vil in der schriSt, 

was dschutzen vnd jhr thon antrifft. j 

Aoff dafs man aber bafs versteh, 

so sagt die Bibel von schützen meh : 
Ismael war ein iunger schütz, 

vnd Esan war Isaac vast nütz. 
Im alter von seim vatter bgärt 

ein wildbrät, das er wirt gwärt. 
Dann Esau jm ein gwild bald schofs, 

ob wol er sein vast wenig gnofs. 
Als man im buch Genesis findt, 

auch ander Partiarchen (so) sind 
Gut schützen gwesen, lifs nur fort 

im Künigbuch an manchem ort. 
Gott strafft durch das gschütz den Jehu, 

wie weiter wirt gemeldet nuh 
Im gmelten buch, da findst du klar: 

dafs Jonathas auch ein schütze war : 
Mit David glitten hat vil noht. 

Das gschütz den Säulen bracht in todt. . > 
König Asa des gschlechts Beniamin, 

bedacht sein krieg mit klugem sin. 
Vil schützen er zu sammen bracht, 

damit zwang er seins feyndes macht. 
Im vierten buch der König steht, 

wie Heliseus der Prophet, 
^* D. A. IIL 17 



..*< 



998 6R0BS AUSRBDEN DER SCHÜTKRN. 

Eio heiiger maa was au der zeit: 

der »elb dai gaoiiofg (JeMt bal) benedieitf 
Dem KöBig i» Judea grofs». 

er sprach: ein schuiz dera beiU war daa^ 
Der Prophet selb aein band dran legtt 

welchs mich nit vnhiUicb hwegt, ' 
Die schätzen aloben, hoch' zapreisen, 

weil mans kann mit der schriffi beweiaan* 
Im Tito Linio, wilt du wtissen, 

hörst du gar vil von alten scbütsen. 
Als dRchner gar vil kriegen ballen, 

begiengen dschützen gwalUg tballan. 
Marcus Manlias mit streit, 

die alarcken Griechen mderleil: 
Defs seine acbütiea vrsaob waren, 

die brachtend dfynd in grosse gfahren* 
Als Troia anfcngklich fiel, 

Schossen schon dRöraer in dem ziel. 
Nach wii ich dir ton einem sagen, 

von blut vergiesaen val geragen, 
Hiefs Tamerlin, der was ein Heid» 

der für ein miiditig statt aich leidt. 
Die selbig war Sgifsbaob genant, 

wie vast der Heid die atat heraat: 
Mocht er ihr doch nichts gwinnen an, 

mit sechfsmal hundert taosend man. 
Vorm gschofs der schätzen in der statt^ 

der Heid des kriegs kein ehr nit bat. 
Weitter schreibt Yirgiliua meh, 

von Königs Son Archaide, 
Defsgleiehen auch von Hercnle, 

auch von dem griechschen Acbille, 
Welchen Paris vor Trd erschofs, 

da ward der Troier ireude grols. 
Der Scipio.vil grofs manheit, 

mit seinen schätzen übt bereit: 
Er hat das sohiessen sehr geliebt. 

Die Perser habeiis vast geübt» 
Cambises der ein lUpig was. 



GaOBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. V» 

in Persia, wie ioh es lab, 
Der war ein sobiiUs, doch voller weif^, 

wie icbs mit seinr bistori bweifs« 
Mann weifst nQcb wol was hat gethon, 

der brumte brunst schütz zu AIcob, 
Flori sein gschuts^ kam wol za stewr» 

eriörst seia gliebte von dem fewr. 
Wilhelm Tbel wafs eio gutter schütz, 

wafs jm vnd seinem kind vast nütz. 
Das het er seias lebeas braubt, 

wo er jm nit het ab seim haapt, 
Den ijifel gscbwiod da daniien gscbosaen, 

obs gleich den Laodvogt vast verdroffsen, 
Dann er bald drauff grad selbs erscbosseo : 

die Eidgttoschafft ist draoTs entsprossen. 
Dann diser schütz mit seiner that^ 

den Schweitzeren aalofs geben hat, 
Dafs Sf sieh also bald vereint, 

ein ander r^ht vnd trewlich gmeint, 
Ire fyend allsambt gscbwind zveriagen. 

defs wir jetz rind noch diser tagen. 
In einem solchem freyen staht, 

als kaum ein volck so lang gbebt hat. 
Gott gab vns gn^idvnd weitter bstand, 

vnd bware vns mit seiner band. 
Als nun der alt schütz anfsgredt hat, 

wolt er vQn mir gehn von der stat. 
Ich aber tbet jn weitter hätten, 

er solte keins wägs von mir trätten, 
Mir mehr von schützen zeigen ^n, 

das hat er nun mit willen than. 
Er sprach; weil dann die gscbrifll tbnt jeben, 

was nun vpn alter bar ist gschehen. 
Mit dem gescbüt? gwalti^ vnd fein» 

SQ ist es nit m hallten klein, , 
Ja so mans braucht mit Gottes ehr, 

mann weifst sonst f^uch der icbütii^en mebr^ 
Die sind vor zeittnn hoch c^bobei^^ 

mann thut jet^ aber bilUcb loboPf 

17* 






i 



GfiOea AUSRBDBN DER SCHlh'ZBN. 

Die büchsenschützen allgemeiD, 

wie ieb dann hie wil führen ein: 
Gleich wie mann jetz vor angen sieht, 

so acht mann vast der bogen nicht. 
Ob -gleich das stahel schiessen drat, 

von alters bar sein vrsprung hat, 
Vnd man jm gar vil ehr hat geben, 

so merck zu diser zeit dameben. 
Jetzund so hats nit solche macht, 

es wirt nur für ein knrtzweil gacht. 
Drum band bifsbar nach vnverdrossen, 

vil stattlich leuth mit bogen gschossen. 
Vnd glicht mir nach jr schiessen sehr, 

die bnchsen aber nach vil mehr. 
Dann weil mir dbüchfs so vast geliebt, 

hat mich mein vatter darauff gäbt, 
Mit büchsenschützen schiessen lahn, 

als ich kaum schier zwölff jähr hat ghan. 
Defs bogens kein acht mehr ich hat, 

schofs mit der bächs auff der zielstal, 
Von jugendt auff bifs vntz hieher, 

vnd noch vil mehr ist Gotts beger. 
Den b(^en wil ich bleiben lassen, 

die büchs ist daraufs hergesprossen. 
Was man jetzund wil fangen an, 

so müssen dbuchsen vomen dran 
In kriegen, wie man hat gesehen, 

ich mufs mit gantzer warheit jehen. 
Kein reüter ist schier nit so klein, 

er führt auff jeder Seiten ein : 
Damach ein par am Sattelbogen: 

darmbrost sind weit hindan geflogen. 
Vnd wann dann geht das treffen an, 

so feit ein büchs gar manchen man. 
Mann findt wol manchen starcken gecken, 

lafst sich mit einer büchs erschrecken. 
Wann schon kein kugel nicht ist drin, 

es weifst keiner des andren sin. 
Die büchsen mufs ich billicb loben. 



GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 261 

8y schweben warlich jetzuod oben. 
Land vnd leüt wirt mit bestritten, 

durch dbüehsen haben vil erlitten, 
Viel Fürsten, Graffen, Ritter vnd knecht, 

das kein armbrost zuwägen brecht. 
Es ist auff erd kein man so bhertzt, 

der sich nit vor der büchs entsetzt. 
Mawren, Thüm vnd grofs Pasteyen, 

können sich kaum vorn biichsen gfreyen. 
Es wurd lang kein statt vest gemacht, 

wann dbüehsen weren nit auf gbracht. 
Ich wurd all waffen bleiben lahn, 

dafs ich möcht bey den büchsen stahn. 
Grofs kosten wirt darauff gewendt : 

der büchsen lob hat gar kein end. 
Keiner kan nit spacieren gähn, 

er wil ein büchsen bey jm hau. 
Er gehe in thälren, oder bergen 

sein büchs die kan er wol verbergen. 
Kem einer mit dem armbrost her, 

eh er gspant wer der sattel lehr. 
Die büchsen sind gar wol erdacht, 

gab wer zu erst das bulfer gmacht. 
Difs so jetz ist von büchsen gmelt, 

hat mir der alt schütz alls erzelt: 
Mit jm darnach zuhaufs genon, 

vnd mir vil guts vnd ehr anthon. 
Des morgens gieng ich wider bhend, 

wolt bsehen wann der schiessen end. 
Auch was die schätzen weitter thetten, 

lofst was sy zu ein andren redten. 
Ir zween begundten zsammen jehen : 

wie ist vns so grofs ehr beschehen. 
Ja seitens vnser weiber schmecken, 

was gntter bilslin in büchsen stecken, 
Sy wurden dschleier all verkauffen, 

vnd mit vns auff die schiessen lanffen^ 
Vnd sich darauff auch löblich halten, 

so müssen sy da heimet walten. 



GROBS AUSRBDBN DBft SGauTZEN. 

Meia fraw wird mir den bttben btitz«!!, 

bsorg übel mfifs micb mit jhr stntzen : - 
Ali fluch sj vlber mich hat gfelt, 

sich gegen mir vast let2 gestelt. 
Sy sprach: du zeuchst von mir hinaufs, 

ist oben vnd vnden nichts im hauTs. 
Korn ich, vnd hab kein fanen gwonnen, 

bsteh ich wie butter an der Sonnen. 
Der ander sprach: ich mufs dein lachen, 

du kanst dir bald ein lassen machen. 
Vnd kombst also mit ehren heym, 

ich wil dir ein par Cronen leyn. 
Lafs dir vil gülden daran mahlen, 

also kanst du dein fraw bezahlen. 
Er sprach: was sol ich sy betriegen, 

du weist dafs es nit bleib verschwiegen. 
Mir dörft es nach dem sprnchwort gähn, 

den spott zum schaden müfst ich han. 
Doch fragt ich nit vil nach dem gspöt, 

wann ichs nur überwunden het. 
Gar frewdig bin ich zogen aufs, 

jetz kumm ich trawrig wider zhanfs : 
Ich mein mein weih die wirt mir zwagen. 

Gott hilf du das Creütz mir tragen. 
Als disre zween das redten bsunder, 

da bort ich Treffer auch darnnder. 
Ir keiner nam sich gar nichts an: 

doch sach ich ein von fehren stafan, 
Sprach ich hab nach sechfs schütz zethun, 

o thettens all in dscheiben gähn, 
Könt ich sy nach ein ander treffen, 

so hoff ich vmb das best zustechen. 
Atiff jn ich eben achtnng het, 

hernach er sy all fehlen thet. 
Grofs fluchen fieng sich bey jm an, 

hiemit er auch in orden kam, 
Mancher war ein gutter schätz 

anfenglieh, aber zietst kein nütz. 
Ich thet mich vast verwundren drab, 



flROBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

wie mABcher grors gliek ror jm htb, 
Vnd meint iü allen seinen sinnen, 

er miifst ohn fehl dis best gewinnen^ 
Es ist doch gleichwol müh darbey, 

wann schon das glück darbey ist frey. 
Doch sol man darbey auch abnemmen, 

wer sbest nit gwünt sol sich nit schemmen. 
£s sey im doch gleich wie im sey, 

die gutte gseUschafft war darbey, 
Ynd thttt jm das halb nit so weh, 

dafs er sich dammb klagte meh« 
Ein jeder macht sein rechnnng gut, 

sey nichts destminder wolgemuth, 
Triff ich heüt nichts so triff ich morgens» 

bedarff defshalb nit grosses sorgens. 
Bin ich nit wol im schiessen dran, 

so hab ich doch mein knrtzweil ghan. 
Das glück das wirt bald zuher tringen, 

dafs ich ein gaab darvon wirt bringen. 
Will mich anch üben ohn verdriessen, 

dafs ich etwan mit meinem schiessen, 
Dem vatterland behilflich Sey, 

thnns dammb gern mit willen frey. 
üiemit das schiessen ward voUendt, 

die gaaben hin vnd wider gsendt. 
Ein jeder schütz zog an sein ort. 

Ich wolt nun anch gern ziehen lort^ 
Bin doch nach etlich tag da bliben, 

hiemit die mengel all bescbriben, 
Die ich hab in dem schiessen gsehen, 

doch mocht ichs nit allsampt anfsspehen, 
So in dem schiessen thän fiirfiillen) 

wann sy mit lob zum ziel thnn schalleri. 
Mann kan die mengel nit aU zelleo^ 

die täglich thun den schützen fdhlen. 
Doch wie ich selbs TOn jn bort sagen, 

so ist gar bald ein sohutas renchlagea. 
Es sind der menglen all zn vil, 

die ich nit all erzellen wil. 



TU GROSS ADSREDSN DER 8CHÜT2UH* 

Was mm der mengten nach mehr' sind, 

ein jeder schätz bey jm befindt* 
Ich kont nit alle mengel bhalten, 

wil es defshalb Gott lassen walten. 
Doch bab ich weitter mich bedacht, 

auff das was an mich ist gebracht: 
Wafs gutter gsellschafft sey das schiessen^ 

land vnd leüt thut jhr gemessen. 
Vnd lob die gutten gschellschafft (so) beid, 

in jhrem dienst bin ich bereidt. 
Darumb wer dschützen rerachten thut, 

der hat kein recht verstand nach mutb. 
Es spricht manch grosser Hans merck eben, 

ein büchsen schützen möcht ich geben, 
Wolt mich gar eben darauf fleissen, 

wann ich nit müfst die band bescbeissens 
Mein armbrost wolt ich wol hinlegen, 

verdriefst mich nur das wischen, fegen. 
Das holderen wil der ein nit hören, 

thut jm zugar sein ghör verstören, 
Denckt mit der büchs nimt keiner war. 

ob jme auch der boltz wol fahr. 
Verlachet jeden schützen gschwind, 

wann er gfelt aufs dem stände spring^, 
Keinr vrsachen er nit gwaren wil, 

derhalben mancher schweig wol stil. 
Dafs ich all ding zum besten kehr, 

im armbrost hats der menglen mehr. 
Vnd welcher schütz ein mangel findt, 

der schaw in difs gedieht geschwind. 
Ob er was könte klauben drauCs, 

darmit er ehrlich kom zuhaufs. 
Vnd nem jm ein exempel dran, 

forthin darvor sich hütten kan. 
Es ist sonst manchem sehr gefehr, 

wann ich an seiner stelle wehr. 
So wolt ich schweigen aller still, 

es gieng mir wie 4er lieb Gott wil. 
, Geht es dir einmahl vberwerz. 



' 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 265 

vnd klagst eim andren dein beschwer. 
So lofst er eben auff die Sachen, 

vnd thul dann deinen spotten, lachen. 
Da hebt sich das vexieren aa. 

Mann findt auch manchen seltznen man, 
Der eben sgspöt nit leiden kan, 

sitzt auff den Esel vnd reit darvon. 
Besonders wann er sich vbersicht, 

mit etwas fehls, vnd falt ins gricht, 
Dem Brütschenmeister vnder sschwert, 

so der jn etwas trift zu hert, 
Nimpt er sich des zu mühen an, 

meint es sey gar nit recht gethan. 
Drum wer jm selbs helffen kan, 

der denck, was geht dich diser an, 
Vnd nem seiner sacben selber war. 

Gott bhiitt der frommen Schützen schar, 
Thfi jnen seinen sägen geben, 

hie szeitlich, dort das ehwig leben. 
Hiemit die schützen der EidgnoschafFt, 

ermane ich durch liebes kraft. 
Sich züben dapffer mit dem schiessen, 

auch sich in kurtz nit lan verdriessen, 
Ein grofs frey, loblich schiessen zhalten, 

wie dann gebraucht ist von den alten. 
So bringts vil liebs vnd fründtlichkeit, 

vnd alles guts zu jeder zeit. 
Alle Obrigkeiten hochgenandt, 

die seyen hiemit wol ermandt: 
An dschützen euch lafst rewen nüth, 

man braucht sy vil für ander leüth: 
Zu schimpf vnd ernst, nach vnd auch fehr, 

der feynd gar vbel förcht jr gwehr, 
VU lobs ist wärt ein gutter schütz, 

besonders in den kriegen nütz. 
Ir Zürych schützen thund euch fleissen, 

so wirt man euch wie allwäg preysen: 
Ir hand das lob nach vnd auch fehr, 

das wöUind jr behalten mehr. 



\'H,. 



7i :■ -=' 



2M v! ZUM BREC. "^^ 

Gott wöU dafs jr mit flrölchem mut, 

lang schiessind dem vatterland eu gut. 
'Wünsch euch hiemil ein gut New lahr, 

vnd bhüt euch Gott vor aller gfohr. 
Der wöll euch ewer gsellschafft mehren, 

damit es reich zu seinen ehren: 
Auff dafs wir letstlich all zu gleich, 

erbind sein ewigs himmelreich. 
Das gebe Gott durch Jesum Chris t^ 

der aller weit erlöser ist. 

AMEN. 

Getruckt zu Ztirych, bey Rudolff Welssenbaoh. 1603. 



ZU HARTMANN VON AUE. BERICHTIGüN 

GEN tWD NACHTRÄGE, 

(mit Sternen sind druckfehler bexeiclmet.) 

ZUM EREC. 



50. selben B {Benecke) 218. s. Lachmann zum hß* 

s. 409. aninerkung zu 233. Gerhard 5282 ouch w. be- 
herberget d. st. 240. über han s. L. zum Iw. s. 434. 
267. strit"^ 337. swarzen dornen bedarf keiner an- 
derung, uz dem swarzen dorne lachet wiziu bluot yil ma- 
necvalt Kanrad von fFürzbiirg MSH. 2, 314", vergl. 316'. 
der swarze dorn ist worden wiz [Neidhard] MSH. 3, 185*. 
er (dermal) kleidet swarzen dorn in wize bluot 3^211*. 
355. rite* 358. vielleicht schine 421. vergL L. zum 
Iw. 1537. 427* der**" 431. meine Vermutung edeln 
armen billigt G (fVh. Grimm), indem er vergleicht Freid. 
40, 15 man sol sich gerne erbarmen über die edeln armen. 
474- stuont üf unde fF (fFackernagel) 479: üf gnäde 
fF 499. deheiner W 533. verläzen vr5ude h&t mit 
gote kein gedinge der Meisner MSH. 3, 88*. 663. bei- 
legen (s. L. zum Iw. 651) 669. imbiz habe ich ohne 
noth eingeschaltet: L alsA der d6 ergie (s. L. zum Iw* 
656). 674. d4* 808. undern arm 832. Kesamne 
liezens sider gän B 898 -^ 901 . wir velschen beide rii- 



/ 



ZUM BRBG. 287 

i ttitot dt iiiile und wir enmitten laon: ez ist sunder 
I nad Aue nioii. unser B 903. verderbt ward dies^ 
k woht sein (vergL L. »um Iw, 6379), aber ich wef/k 
ne wakr$chemKehe verbe/serung. 919 — 921. si spi- 

de beliben. sns siz vil lange getriben daz B 1059. dft 
9iekt L. %um Iw. 6500. 1108. nnderii L. xum Iw. 

)8. 1140. gof" 1151. Wdlw&n 1152. Käin] 

T die Schreibung dieses namens s. L. »um Jw. 74. 
[6. leit in 1347. baz enmobter fF 1392. alle die 
!^n komen dar ff^ 1466. bater ohne punkt* 1489. 
wefaseltens vil dicke nach der hs.^ s. L, zum Iw, 7212. 

1515. Lucans der schenke Heinrich vom Türlein fFie- 

hs. bl. 136^ {fVolfüber die lais s. 399). 1628^. 

nrkh vom Türlein bl. 138** (JFolf s. 411/) zählt zum 
■l dieselben ritter der tafeirunde auf obwohl er dann 

ungenauer erinnerung behauptet die von Hartmann im 
90 übergangenen genannt zu haben, 1741 . zer schoen- 
tt JF 1764. die* 1783. s, L, zum Iw. s, 562. 
fi. danc L, zum Iw. 1500. 1883. im da fT. 

11/. s. L. zum Iw. 897. 1981. gekleit* 1985. 'den 
len Scharlach, denn brutlach kenne ich nicht. Parz. 
\^ 4 steht brutlachen, ebenso fFh. 63, 22' B. vergl. L, 
• Iwi 326. 2006. beslozzen* 2167. niht eines B 
18. den gwis L, zum Iw. 7785. 2213. langte oder 
^rt L. zum Iw, s. 530. 2299. in habe ich irrig 

mgeßigt, s. L, zum Iw. 4428. 2324. Arlflses 

V. *mit lichten bestaiht, vergl, frauend, 299, hff. Gerh. 
^ff**fF 2401. der Sselden schol L. zum Iw. 4449. 

. 2435. so daz nie ritter t»te baz G. leichter scheint 
' als6 nie ritter baz. vergl. 2672. 2497. trinte, #• 

»um Iw. 415. 2500. endet, s, L. zum Iw. s. 530. 

»5 ist nichts zu ändern, s. zum g. Gerh. 1753 zeitschr^ 
t99. 2567. wäpenroc und kr6ne G 2600. nnne 

ßsum Iw. 4067. 2615. erledegte (s. L. zum Iw. 

4. 402) 2702. wie hier ist h&mit m ßlnf stellen des 
erolf verderbt und vom herausgeber verkannt worden. 
M87 sendet tAsent degene zuo zin an din bämit (: sit). 
14 iä si sider diu bämit stakten kurz oder wit. 8773 ih 
«nde enstele stftn dAr daz ritterliche spil für diu hAmit 



268 ZUM ERBC. 

aa ir zil« 8959 Walth^res wigande, sibene faorten si sit 
der Rüedegftres durch diu hämit. 9016 in diu hämit gettn 
wurden die helde kecke. 2723. nimmer dehein die h., 
vergl. L. zum Iw. 894« 3094. 'niwan bi dem libe, 

vergl. 841. 1052/ W 3106. »u dm heUpielm ramük 
gebrauchter substantivischer accusative ßige ich sie fooren 
enalverte diu mos joh die herte, b6diu berge nnt lal Wemk. 
Mar. 158, 36 Hoffin. er var laut oder mer klage 14S2. 
vil ungevertes er dd reit fFolfr. Parx. 180, 6. niht wan 
durch des gräles kraft streich er wazzer unde laut 479,22. 
in «iner jugent fürt unde wisen reit er vil durch tjoslierea 
502, 2. ine weiz wie manec laut er reit 821, 29. den bra- 
cken, der walt und gevilde phlac der verte als er von arte 
solte Tit. 153, 2. 3. ir stritet berge ode Ul fFh. 212,23. 
dd reit diu maget wol getan mit ir geselleschefte dan beidia 
berge unde tal H^imt fVig. 2351. wan er sin ors hei rer- 
lom. des enmoht er gedrenge unt dorn ze fiiezen wider 
strichen Heinrich vom Türlein fViener hs. bl. 137^ - si 
fuoren an dem mitten tage eine beide diu was breit Kw 
rad von Fufsesbrunnen kindheit Jesu 83, 69. ob ich ein 
michel her nach ir flieren solte erde unde mer Chidr. 594, 1 
(2375). laut unde sträze da wart ez hin geseit 746, 2 
(2983). ein jegere äne jagennes list, der doch an jagenne 
stritec ist, der volget nach dem wilde walt unde gevilde 
Konrad von Heimsfurt \ff. ich wil beide unde pUn oAch 
äventiuren riten Bertolds Barifant 104. daz si tal unde 
berc der kinde einez muoste tragen von der guoten freu 
1652. ich solde eines morgens g4n eine wise breite Milnr 
chener lieders. bl. 59" (MSH. 3, 444*)« ein snecke wolte 
springen vür den l^bart beide berc unt tal Reinmar von 
Zweter MS. 2, 149^. ez (ein wunder) vert die Tuononwe 
und den Hin der Mamer MS. 2, 169*. die Verbindung von 
verbis der bewegung mit den accusativen wec strftze pfcl 
ist^ wie noch heut xu tage^ xu gewöhnlich als dqfs sie mH 
beispielen belegt xu werden brauchte, in der Gudrun 208, 1 
(831) verdirbt meine verbffserung, wenn man interpungieri 
Er was ze Friesen herre : wazzer unde laut, Dietmars unde 
WÄleis was in siner haut, denn Dietmars unde Wäleis kim 
nichi erklänmg oder weitere ausßihrung von wazzer ood^ 



ZUM EREC. 269 

lant sein. 3127y. wären : gebären X. zum Iw. 1321. 
3155. s. L. zum Iw. 4871. 3223y*. sin geselle in wolte 
gerochen hän: dem wart alsam getan. B und Wy vergL 
3337. 3253y. — nimer getaete — nimer v. haetc oder 

nimmer Uete und nimmer v. h. L. zum Iw. 6670. 
3258. ichz 3281/. geschach an B 3400. den vunven 
rige an gewan fF 3762. vil nä ez £. zum Iw. 5487. 

3800. iuch* 3935. Lachmann nimmt iu zurück zum 
Iw. 2939. 3940 — 3942. begunde d6 fristen ir 6re unde 
it mannes lip frowe Enile, ein getriwez wip Ct ■■■ 4037. 
stille wird kaum richtig sein. 4042. zweinzegest, s. L. 
»um Iw. 651. 4073. du wsen ein ableitsere bist L. zum 
Iw. 842. 4177. 'alsam, wie sonst diebe^ W 421 1. sider 
n« enverswar* 4247. vielleicht flienden L. zum Iw. f. 526. 
ßir do wird da zu lesen sein. 4265. vergl. L. zum Iw. 
8080. 4296. äs (gramm. 3e ausg. 1, 169 z.^Z ist zu be- 
richtigen.) 4301. w. d. d. rede däwaer zev. oder doch wirt 
zei y. L. zum Iw. 3560. 4316^. erriten. dd — vant; 

d6 u. s. w. aber lückenhaft scheint mir die stelle auch jetzt 
noch. 4322. !^rec 4325. [er sprach] L. zum Iw. 

3637. 4393. da/s schilte nicht richtig sein kann lehrt 

4A0Sff. vielleicht zoume. vergl. 9126. 4505. erfürbte 
4528. des ich unz an dirre frist und in der anmer- 
kimg nnz L\ mufse 4620. leider* 4790— 4793 y<{/}^ 
B als Parenthese, enbeiz (dentiuvel — teil), d6 4822. vergl. 
Zr. zum Iw. s. 556. 4953. nie man ff^ 4959. 'ich 

zweifle nicht dafs mich richtig isf B umbe mich hat 

er yerschuldet wol G 4967. tuo] L. zum Iw. 2112. 

s. 434, 3181 s. 455. Eraclius 3359. Heinr. Trist. 4298. 

5085. nach kann bleiben. 5103. vergl. L. zum Iw. 
5541. 5210. unangestliche. so auch ff^ und jetzt L. zum 
Iw. 7236. 5279/. gebären : wären 5352. s. L. zum 
Iw. 1316. 5390. möhte 5413. begangen, 5417. *er- 
sigen, vergl. 5719' W 5424. s. unten zu büchl. 1,429. 

5494. dan* 5539. swaz der crapfen waere G 

5611. daz den sige an leide nam: 5699. unt * 

5747. ir niemen mfere W 5748. herzes^rc* 

5841. sach. * 5936. du "^ 6006. sin gelücke 

6083. schrient L. zum Iw. 5335. 6100. getriute 



270 ZUM fiREC. 

6338. entrittt 6411. Si sprach 'da7 got enwelle» sit in 
vm miD geselle also muoz sin verlorn/ ff^ die Jblgßnde 
steife des wart vil tiure d6 gesworu ist als eingesdiMlUtw 
p^s des dichters von Enitens werten zu sondern. 
6424. §i nibt von ff^ 6514. nune wohta der grftve »t, 
vergL h* zum Iw. 4067. 6598. nich fremdeiö g. B. 

vergl. Zr. zum Iw. 1321. 6606. wan du. bist et leider 

t6l B, vergL zum Iw. 2469) Ze ausg. s. 203* in der 

anmerkung l. Nib. 1728. 6620. er ersluoc B- 

6634. hie fldcb der hof, dort fl6ch der hof; B 6717* sie 
rotewaoge er sanc, Karojan. vergl. Ferd. fVolf Ober ik 
lois ^. 248. 6747* in dem gewert der ks. hat geriwet 

erkannt L* zum Iw. 5862. 6894. der 46 mit WoUuid 

was hedaht. B 6942. s. L. zu Ulrichs ß^auend* 338,.t' 
6973* von im mir leidiu m^ fV 7027. vet^l. l. 

»um Jw. ^.443. 7042. dazu B 7149« erz.fyn 

wiltban ff^ 7154 — 7165. euch het der wirt 4io hw^ 

die des mannes willen täten : mit den ditz jag^bus w^g li^ 
:rAten» awenn er dar üz saeh maneges site dar 44 rimde tt 
Bijte, sw4 er bi den zinnen saz, so sfthens jene nibt vil 
bia^ die ik mit den hunden randen. wer s^ld im ab to 
cnblaodep, swenne er mit den frouwen mdht ab dem bd^ 
seboHwen loufen die hunde? B, der zu rande ilfiS, 2, 226** 
t>erglei^kt, waz hilfet daz m^n trsegen esel mit 9aelle«i Bkvkt 
rennet? 7167. ersprenget L, zum Iw. s. 404. 7|95. der* 
7807/. wer aol nu s. a. $. der heile fF 7249. pergi 
L^ zum Iw. 749. 7292. volManker fT 7827. t^gi 
L, zu Nib. 1852, 1. 7888. spricht ieman 7509. seht 
dsuE icbz rehle W 7540f genauer diu Gefiioge 

7678. gewalteger 7610. dar inne sam er lebte fF 
7613. buwct smeres L. zum Iw, 2516. 7691. Vor? 
7702. bpumol }F 7727. 'ich glaube. Alle a^f gk^ 

«*>W^ gefafst' G 7742. houpte, s. L, zum Iv>. 7771 

7816. gebuwen, vergl. Erec 6313. Herb^^ 14WÖ. 
Ottacker s, 120S gr. 4, 598. Schmeller 1, 136. 
^875. eia geYeUe\B;r 7904. mich jB, vergl, GßUfi. 

Trist. 52?6. Perth, s. 254. 7905i winsterp bant W^ 

zu Itaehmanns erklärung gehört im i^t noch wir9 danj 4^9 
die ^fkl n^ch porte aldä diu venster st^nt Parz. 171^ 5. 



ZUM EREC. 271 

7920« OS Ut fr 7933. unde 7987. od wie bAt H^' 

80U. riltor 8012. gewioae 8029. 'edel* 

8123« vepgL L. zum Iw. 3043. 8136. 'tisch üt ganz 

richtig, die tiscbliiueQ hat ireii aammen dohär» das von ir 
QtUicher wyfs ein tisch in der bandt geformieret würt. wenn 
das feld oder spacium so ^wüschen der mittelnatürlicben 
ttaieo, ynd der tiscbtinien erschynt^ ist der bandt tisch ge- 
mnal. /o. Jndagine, Die kunst der ChfrQfnantzey Strqfi^ 
kurg 1523 foL bL 8\ ein seer b6rs zeycben ist, wo ein 
liaieo von der mittelnatürlicben linien entsprängt, ynd godt 
49reb den tisch vnd die tischlinien» vnd an dem end vff des 
Mittelfingers bübel ein gabel machet ebend. bL 8^. streckt 
neb ei» linien vfs yom quadrangel, oder dem tisch der bandt, 
▼od godt gerad durch die tiscblinien zu dem bübel des mit- 
telfingers, vfi bat am end ein kleines kreüulin^ gibt ein an- 
zAig eins gew&ltigen vnuersebenen ends ebmd, bl. 9*, die 
feidyervng so zwüscben der tiscblinien vnd mittelnatürlichen 
liniea ist, wärt gebeyssen die fyerung, oder der quadrangel 
der hiindt, -^ ist die feldyerung des quadrangels weyt ynd 
hreyt> so ist der mensch mütfrey ynd eins bobeo herrlichen 
gvmAts. -^ wenn sich die tisohUnien der maHsen vereynt 
mit der natürlichen linien, als mächten sy beyd ein triangel, 
fo ist der mensch yffsetzig vnd begyrig blut ^u yergiessen. 
etwen findt man ein sychtlipb kreütz bey dem end des tischs 
der bandt, ynden bey dem handtschlagk, das bedeütt yil wal- 
^lens, bilgerscbafften, vnnd anderungen der stett, yedoch mitt 
C^ltig^m glück, ynd ist zu mercken, wo obgemelte zwo 
(inieQ dvrch die der bandt tisch erkundet, seer weyt yon 
einander stond, so bat der mensch yil überflüssiger hitz, 
yad übel temperierte feücbtigkeit in seinem leib, bärwider 
isX solicbe feldyerung zwischen den zweyen linien eng be- 
sc^ilnssen, so ist der mensch geytig, ynd gantz geflissen gelt 
%ik sammeln, einer grymmen ynbarmbertzigen art ebend. 
bt. 17', Sifk viel aus dem munde des ersten zeugen, zwei- 
ter X0ugc 9ügt ausy er nenne sieh Das Grofs Planete Buch, 
Sampt der Geomancj, Phisiognomj ynd Gbiromancj. Alle% 
^Hfs JPlatone, Ptolomeo, Hali, Albumasar ynnd Joanne Ku- 
nigsperger, auffs kürtzest ynd fleissigst gezogen u. s. w. 
Jetzond yon Newem gebessert u. s* w. Strqßburg 1575. 8^9 






272 . ZUM EREC. 

und bl. 137^ stehe bei ihm Cap. viij. von dem tisch der handt. 
Der tisch der handt der zwischen der mittelen linivnndder 
lini des tisch ist, so der eng ist in der mitte, bedeüt ein 
kargen geitigen menschen, ist aber mensa breyt in der 
mitte, so bedeüt es einen der keyn mafs hat in kosten, son- 
der er gibt reichlich, vnd weyfs nit wann er g^ben soll.— 
also ist auch zu erkennen an dem tisch der handt, Want 
kalte complex mangelt der natürlichen hitz, das macht ein 
engen mensam, der da bedeüt ein kargen menschen, ynd ein 
kleynmutigen, aber so der tisch grofs vnd weit ist, bedent 
vil natürliche hitz in dem menschen, der reichlich aoEigiirt 
u, s. w.* K. H, G. von Meusebach. 8203. über neb- 

sent vergL L, zum Iw. 7493. 8217. s6 gebent 

8286. zweinzegest 8288. under den w. L. »um Jw, 

1208. 8333. bewegte 8334..Erecke 8346. e^ 

barmte 8348. wan des wärens gwis äne wän. 

8364. vol L. zum Iw. 6569. 8380. vielleicht kam in 

entbehrt werden, s. L. zum Iw. 2986. 8406. 'belangen, 
zögernd* G 8469. swie er wser unumbegeben B 

8491. dewederm 8568. ezn B 8584. vergL L. zum 
Iw, 155. 8696. vielleicht und ahte ez 8753/. Nu 

reit der wirt vor in gegen dem boumgarten hin, fjT 
8786. diu houbet kann bleiben, vergL 8515. 8794. d. 

d, ritter sigte an L. zum Iw. 6604. 8836. und* 
8885^. ergie: ez enwas et ritter nie m6 guntroestet fF 

8909/. vlügen : trügen s. L. zum Iw. s. 423. 
9032. vergl. der wirt sprach sin Are Parz. 173, 11. htm, 
ir sprechet iwer zuht ff^h. 343, 3. si redent ir zuht: got 
gebe in heil Heinrich Tescheler MS. 2, 88*. 9092. vergl» 
wände der stolze Ehcunat ein lanzen durch in Itote pfat 
Parz. 413, 15. 9107. si minnetn äne b. L. zum Iw, 

s. 530. 9168. Geselle Hartman, und in der anmerkung 
Hartman L^ fehlt. 9178. geruoter stände dem fehler der 
hs. näher und wäre nicht unrichtig, vergl. L.. zum Iw* 
3643. 9189. do* 9197. vielleicht ist möglich enkonde 
sich erbannen. vergl. L. zum Iw. s. 514. 9200. slooe: 
9253. umbe slac, und in der folgenden zeile mit der 
hs. gegen W 9294. *doch des, obgleich das* W 

9348. hätz ein unedels man getan, B 9435. wa€ke^ 



ZUMEREG. 273 

lieber fV 9436« wie mich des verwundern kanl fV 
9439* von iemaunes g., vergL L. »um Iw. 194. 
9451 y« behalten, und solde ich hinne alten, ff^ 9498. danc 
lt. »um Iw. 1500. 9503. zur anmerktmg vergl. Erec 

2396. büchl. 1, 886. 9513. schinet diu minne guot fV 
9534. wünneclicher mufs bleiben. 9637. 'unde rie- 
ten nach der hs., vermuteten' B 9657. sch6ne* 
9677. mnoatu L. zum Iw. 483. 9685. s. L. zum Iw. 
1208. 9752. begsiu L. zum Iw. 3560. 9786." dem 
bnnnherzen X. zum Iw. 4856. 9812. leben, s. L. zum 
Iw. s. 550. 9843. vcrkferen, fF 9847. 'tilge wan' 
nr 9870. bat* 9919. vielleicht beßer ir herren, mit 
vier hebimgen. s. L. zum Iw. s. 412. 9962. genauer 
Bren 10048. sin, (so antworte ick) von diu, und schein 
der lip nu da, s6 was sin lop andersw4. B 10058. wün- 
neclicbe JL. zum Iw. 105 s. 374. 10114. 'wurdens, wie 
se rite werden und dergl.' fV 10115. wan si got fV 
10118. vergl. L. zum Iw. 2112 s. 434. in der anmer- 
kung zu 10124 kann Gudr. 422, 4 (1690) hinzugeßigt 
werden. 

Eine leider verlorene hs. des Erec wird im Serapeum 
S (1842), 339 enc'äA»^ 

ZU DEN LIEDERN. 

8, 10. vergl. L. zum Iw. 3694. 12, 16. trurec* 

tSy 9. ich b. e. st. dienestman L, zum Iw. 5522. 

ZU DEN BÜCHLEIN. 

I9 222. s. L. zumiw. 2943. 251. vielleicht sim alther- 
Ten. s. L, zum Iw. s. 412. 429. ungeh6rten kann rich- 
tig sein, so unvernomen arbeit Erec 5424. daz ist ein un- 
gehoeret dinc und wart vil selten ie vernomen Konr. von 
fnirzb, trcg. kr. kT. 449. vielleicht ist der zu strei- 

chen, s. L. zum Iw. 1208. 494. zesamen sie ir pfrüende 
truogen und lurzten (teuschten) in mit worten kluogen Rol. 
codex 185, 1047. 511/. da von g^nt den reinen man 

danne zw6ne schaden an L. zum Iw. 5522. 591. er ist 
Z. F. D. A. IH. 18 



^ 



274 ZU HARTMANNS BÜCHLEIN. 

ein sinnelAser man, der äne bärgen durch das wip iemtr 
geveilet den lip Trist. 9894. min lip der ist geyeilei mit 
kämpfe und mit vehte Trist. 13240. 811. wische len 

mies vonn ougen L. zum Iw. 1208. 881. gerowen] i. 

L. zum Itv. 415. 1111. ze fr. mich n. v. L. zumiw. 

5172. 1216. gebiutst et L.zumfw: 6261. 1497. wan 
so ziuht si uz in a. L. zum Iw. 2738. 1612. gezieii. 

vergl. L. zum ho. 2868. 1681. gelant (denn gew»t 

steht \70Z) L. zum Iw. s. 561. 1762^. jk lebe ich 

sam ich swande über tiefen s6. dan man hlit verre fiz ze 
lande, so, und 1778 in dem sande, ist wie ich glaube zu 
schreiben, ich hegte diese Vermutung schon früher y -und 
auch herr von der Hagen sagt MS. 3, 844^ 'sawainde ist 
wohl' swamie*, allein ich konnte das verbum swemmen nuf 
beim Suchenwirt nachweisen, was für Hartmann nickt ge^ 
nügt. aber auch Ulrich von Tärheim sagt Trist. 2808/1 
er viel selbe an den bach. hin über er geswande. ai m 
balde rande beide mdge und man. in Ottackers ckronäk steht 
s. 61^ tS einem meiden er sä swemte über die Trä ze siner 
Tinde angesiht: wan si mohten im uiht mit swemmen ge- 
volgen, und, s. 88** ez was ik mosig unde murc. dd swemt 
der alt von Liublenburc uf eim verdahten ravit über daz 
wazzer wit. die stellen des Suchenwirt sind folgende. 
4, 446 lief was geroer und auch der sant, pei den schiffen, 
und daz muor. ainer swemt, der ander fuor, piz daz uns 
got von himelreich her über half gensedicleich. 9» 197 ze 
Vizenz über die Prente swemt er: scbol man (/• manz) ge- 
lauben? 13, 134 pei Olsnitz swemt er über die muor. die 
transitive bedeutung, aas der sich die intransitive des über 
Setzens gebildet hat, findet sich beim Suchenwirt 4, 192 mit 
müe und auch mit arebait von mitten tag zuo vesper zeit 
swemt man über daz wazzer weit pei den schiffien, daz ist 
wAr, m6r wen dreizik tausent gar. 

2, 110. willn L.zumiw. 1159. 479. vol X. sam 
Iw. 3079. 582. geloubte. s. L. zum Iw. 1730. 

736^. wan sol mir immer da vone geschehen — guot daz 
— tuot, des u. s. w. L. zum Iw. 901. 



275 

ZUM ARMEN HEINRICH. 

174. arzle L, zum Iw. 1553. 189. dia rede ist b. a. 

L. zum Iw. 6372. 328/1 liebt — mobte — tobte. 

vergl. L. »um Iw. 4194. 436. zuo L. zum Iw. s. 514. 

865. saut L, zum Iw. 901. 1018. zuo L. zum Iw. 
9. 514. 1035. niemer mk mit A. 1055. s. L. zum 

Iw. 6774. 1089. binde, s. L. zum Iw. 3560. 

1382. sines gelückes 1392. engeloubten 1411. spaebe. 
s. L. zumiw. 7300. 

Zur vorrede, s. x z.2 v.u. L WesperspiU zu s. xn 
z. 1. der von Absahne wird aus der reihe dermhd. dich- 
ter zu streichen sein. s. Jac. Grimm in dem Bericht über 
die Verhandlungen der Berliner academie 1843 april s. 122. 
zu s. xyf. Haug von Salza ist von herm von der 
Hagen aus derselben Urkunde erwähnt worden MS. 4,644» 
un einer stelle wo niemand etwas von den herren von Salza 
erwartet und auf die auch weder s. 870 noch s. 920 ver^ 
wiesen ist, so dq/s ich sie übersehen habe, die behoi^tung^ 
Haüg von Salza v)erde mit Veldeke genannt, verstehe ich 
nicht: wo Heinrich vom Türlein {den herr von der Hagen 
Ulrich zu nennen pflegt) von ihm redet, steht von dem 
Feldeker keine silbe. HAUPT. 

ZUM GUTEN GERHARD. 

Die Gelehrten anzeigen herausgegeben von mitgliedem 
der königl. baier. akademie der wifsenschaßen kommen 
schwerlich in die hände aller die sich mit der mittelhoch- 
deutschen poesie philologisch beschäßigen. daher mögen 
die wohlüberlegten verbq/serungen des textes von Rudolfs 
gutem Gerhard die herr Franz Pfeiffer in seiner recension 
meiner ausgäbe dort (Jahrg. 1842 n^70 — 72) niedergelegt 
hatf so vne mit geringer ausnähme die Vermutungen die er 
fragweise ausspricht, hier räum finden. H. 

1127. aeibe biez, nach B. 1347. s6 oder als man? 
1368. altbcrrcn? 1936. wan eine mines h. b. auf tmt 
führt one in B. 2471. Ditz 2666. unde ir fr. zwA. 
vergl. 2679. 2685. 2702/ ob et ir gedenket min 

u. s. w. 2799. ze kferenne? 2849. die rebten w. 

18* 



276 ZUM GUTEN GERHARD. 

m.? 2851. vrowe, daz sage ich dir vil wol. {vielmeh 

wohl daz gesage ich dir vil wol. Haupt.) 2884. fitelieh 
in min hus bin hein 2890. rilicher wsete 2909. Dt 

fr. s. m. liebe kr. 3081. ach w^nic deist? 3341* äls6! 
3429. bi m. d. h6chgezit albie 3529. swie kranc et 
was? 3595# diu üt mit B wegzulqfsen. vergL 636. 

2536. 3493. fFühelm 1753 dd messe halp gesungen was. 
1956 dd messe was gesungen. 3649. daz was ir kiie 

mit st. kr. im fFilhelm reimt krie : hie 1383.6387.6453, 
krie: ut sie 9171. 3666. durch der vreude ez s. s.T 

4239. beilegen 4532/. des genädet im zehant der 
4766. süez rede, senfter umbevanc ?iach B? suezsenfter 
umbevanc? 4981. alse 5145. das mir der hs. A ist 
nickt aufsugeben. Alexander Manch, hs, 14* in üppeeli- 
chem wAne wirt er als6 16s gemuot daz er sich setzet durch 
sin guot wider der h^rschefte gar diu in geboehet bAt biz 
dar. 33" in vientlichem zorne was dd der wolgebome ge- 
gen At^ne der stat, daz si bäte sich gesät wider im in solher 
wer. Heinselin von Kostenz in der Minne lehre bei Mül- 
ler s. 352 — swer sich wider mir (: dk*) setzet und der 
muoter min, — dem zünde ich an sin herze mite. 1482/1 
— wes zibstu mich^ daz du strebest wider mir (: dir)? itt- 
gegeii im nämlichen sinne 319^. sich setzet maniger wider 
mich also vesteclich daz ich mit giietc in nibt betwingen 
kan. vergl. gramm. 4, 795. Graff präp, *. 192 — 107. 
sprachsch. 1 , 638/. 5367. da ? 5470. der ist ze 

lihtsemfte gemuot mit A. 'dieses wort, dem hier etelichor 
ist ze karc gegenüber steht, ist uns öfter begegnet und 
bedeutet nachsichtig, nachgiebig, mild^ auch nachläfsigy 
träge. Flore ^Aff. er hat der boesn nätüre kraft mit liht- 
senfte überwunden, cod. monac. 100 bl. 144^ — daz daz 
wÄre.wort, daz unser hörre selbe ist, in ir herzen ist de^ 
loschen und daz sie lihtsemfte sint worden an gotes dieoste 
und ungedultic und snel ze unnützer rede u. s. w. bruder 
Berthold, Kling 422 lihtsenftekeit. ähnliche jsusammense- 
tzungen sind, bruder Davit min joch ist senftsüeze und mio 
bürde ist ringe. Ernst 1990 und kom ein lihtsüezer {t9 
steht bei v. d. Hagen und es braucht nicht, wie gramm» 
2, 576 geschieht, in liehtB. verändert zu werden) tac der 



ZUM GUTEN GERHARD. 277 

sie nUch leide machte vr6/ 5495« komen sit her in ditz 
lant mit B. 'die partikeln her hin dan dar u. s. w. sind 
R. sehr geläufig und et* wend^ sie in dieser weise hätffig 
an, z. b. 1195. 1208. 6831 der brä'hte hz her in ditz länt. 
fnihtflm 848 h^te brftht dar in daz lant. 5997 von der 
stat hin üf daz velt.' 5527. von dränge? 5557. alse 
5589. an] Ane in? 5723 jf. Dd wir s6 großzliche in 
daz künecriche schAne enpfangen wurden da. 'diese redens- 
ort und andere ähnliche kommen auch in Wilhelm vor, 
X. 14541 und wurden riliche enphangen in daz riebe. 13122 
(Haäger perg, hs.) er häte al den sinen einen hof gespro- 
chen dar armen unde riehen gar ze Norwaege in daz riche. 
10722 (ebd.) dirre beiden künege her — samenden sich sä 
zehant mit lureflten werliche ze Tenemarc in daz riebe. 
11582 (ebd.) er teilte in daz riche den herren die gevan- 
gen gar« 5564 und gruozten in mit vreuden gar hin wider 
heia in sin lant. 3646 (Haager hs,) herberge nemen in 
die stat. vergl. darüber gramm. 4, 827. 825. 5736. dar 

fife 5746. ir ie? 5749. und von gesteine 5772. ouoh 
was dem kunege ein guot gelimpf. 'dcTtn es ist wohl zu 
beachten dct/s, wenn vom könige die rede ist, nicht blofs 
der herre, sondern der herre min oder min herre gesagt 
wird; vergl. 5779. 5879. 5967. 6022. 6042 u. s. w: 
5929^. — liebte breben sacb — gevilde die u. s. w.? 
5966. ezzen als man s. 6140. für alles guotes öberguot. 
vergL 5553. Barlaam 11814 ein überguot des guotes (bei 
Käfke 295, 14, wo die ganze stelle lückenhaß ist, über^ 
g61te) 6144» selben? 6271. daz lant, der kröne h$r- 
schaft, 6361. voilebringen k. 6384. an? 

6686. ob ich d. g. iht geb. möhte, daz tt dannoch niht 
lohte? 6831. dttz lant 'die beiden zeilen 4887 und 
'4888 swer euch nü spil merken wil, ik was mane ritterli^ 
chez spil verrathen sich durch schlechten bau und matte 
Wiederholung als einschiebsei des Schreibers und sind zu til- 
gen, dqfs B mit 280 versen die lacke von 2 blättern m A 
richtig ausßUtt, beweist noch nicht daß sie auch in dieser 
v&thanden waren, indem die 35 zeilen auf jeder spalte <feV 
ser bs. 'nicht immer eben so viele verse betragen.^ ebenso 
nahten auch die z. 2905 — 2908 zu streichen sein, wo^ 



278 KLEINE BEMERKUNGEN. 

durch die kurz vorhergehende lücke auf sechs xeilen er- 
mäjstgt würde, femer ist auch z. 6924 mit B zu strei- 
chen; sie enthält einen nichtssagenden zusais und das ge- 
dieht soll mit 7 gleichlautenden reimen schliefsen^ wie 4» 
Barlaam mit zweimal 7 und fVilhelm mit 9, welche kts^ 
tere so lauten, 

Swelch min fnunt mir friandes vk\ 

erzeiget äne missetät 

(ob mir der rät ze staten stät 

and mich niht tumplich irren lät)^ 

der tuot mir wol, swie ez ergät, 

and leit an mich der triuwen wät. - 

daz ist ein friuntlich getät. 

nü helfe uns der erbermde sät. 

ditz maere alhie ein ende hat. 
damit vergleiche man die schlufsverse der kwdheit Jesu 
von Konrad von Fufsesbrunnen {K. A. Hahn^ gedichtetes 
I2n und \3n Jh. s. 102. 146), die Rudolf sowohl der form 
als auch dem inhalte nach offenbar nachgeahmt hat.* 

[2161 lies 'kan si Franzoyser spräche?' 'ja.' Hatqft.] 

KLEINE BEMERKUNGEN. 

1. ZU FREIDANK. 

Freidanks zeilen, 1, 7 — 10 borgt Ottaeker s.70% bei 
dem in der lOn zeile büwet statt zimbert steht. Th,Jacobi 
(de Ottocari chronico Austriaco, Breslau 1839) hat dies 
nicht bemerkt, was er s, 36 y*. über Ottackers kenntnis 
deutscher gedichte sagt ist überhaupt sehr ungenügend. 

73, 22. Sd ebene nie kein künec gesaz. Im würre dan- 
aocli eteswaz. vergl. Ottacker s. 378* — wir haben ge- 
hört Ein altez Sprichwort, 'Nie kein man st eben gesaz, 
Im gebreste etewaz.' 

Den sprach 127, 16. 17 Ich weiz wol daz niemen mac 
Verbieten wol den widerslac hat, wie fFh. Grimm s. xcvn 
bemerkt, Neidhard s. 392 Ben. in persönlicher fofsungi 
Der keiser Otte künde nie den widerslac verbieten, ich y^ 
:suochte ez, kamt er (der von Reuenthal) her, ob In din 
swert, iht schrieten. in dem alten drucke steht dqßir (Ha- 



\ 



r 



KLEINE BEMERKUNGEN. 279 

gens MS. 3, 671^) es mocht der keiser Carol nie u. s, w, 
md wie . Otto mtffs Karl in diesem Sprichwort auch sonst 
genannt worden sein^ denn Ottacker s, 134^ sagt Mir hat 
linic Karle Den widerslac erloubet. Ich bin an rehte be- 
tonbet Und gestAzen von minn landen. 

163, 15 das hds von siben vüezen halte ich nicht ßtr 
den sarg, sondern ßtr das grab, wie in der von Wh. Grimm 
angeßikrten stelle aus, dem Alexander und bei Alanus 
parab. 1, 109 {Leyser hist. poet. m. aevi s. 1070) Omnia 
Caesar habet, sed gloria Caesaris esse Desinit, et tomulum 
Tix habet octo pednm, und in Karajans ßiihlingsgabe s, 86 
Vix nunc tuus tnmulus Septem capit pedes. 

2. MEIER HELMBRECHT. 

Ottacker s. ZZ7^ff. erzählt wie der abt Heinrich von 

^dmont bauern am den Ensthal aufbietet um den Ungern 

dmeon geführtes vieh wieder ab zu jagen, die ^ackertrap- 

pen, die an den pflüg gehören,^ fliehen schimpflich und 

verschworen es gegen ein solches langbärtiges volk, das 

die xähne so greulich bleckt wenn es seine bogen spannt,. 

je wieder aus zu ziehen : mit solchen dienstforderungen möge 

sie der abt verschonen, mancher sprach (s. 239^) 'sendet 

mich unser Herrgott heim ins Ensthal, da will ich mich, 

dqfs vater und muhme es loben, an den Uchtien blumen mit 

fMiner sense rächen. 

mit der Unger geschrei 
wil ich sin unverwarren. 
hinz Ungern in die scharren 
Iftz im ein ander wesen gftch 
unde in daz studach. 
dem abbte diene ich gern: 
mag aber er min enbem, 
für triben kam ich nimmer m6r. 
Hekaprehtes vater 16r 
wil ich gerne volgen 
und der knäppscheit sin erbolgen.' 
^ «««pte/«piy atff den meier Hebnbrecht, wo (242 jf.) der 
'^^^^ «fe» sohl ermahnt beim pflüge zu bleiben, ist deutlich. 

H. 



ALTSlCHSISCHE GLOSSEN. 

Die Merseburger hs. 42, perg., in kleinfolio^ aus de» 
10» Jh., enthält unter dem titel Isidoras de viU clericomn^ 
eine Sammlung von bruchstäcken aus Isidoras, Hieronymus^ 
Augustintu, Gregorius dem \n, Prosper, Leo dem in, Gele — 
sius, und von concilienscklä/sen. die folgenden altsächsiichep'9^ 
glossen sind meist mit derselben tinte und vielleicht von ier^^ 
selben hand, »um theil von anderer hand und mit schwärxerr^^ 
Unte übergeschrieben, viele dieser glossen sind schwer, mam-^ 
che gar nicht zu lesen. H. LEYSER. 

bl. 103*" Don lamen in cauendis uiliis (. .enu uardianun) — 

dislare (uramstan) — qai eaangelicum pree^ptaxn 
freqaenter distractis (foisaldun) atqne renaliliAis 
(end Jbrsekenun) patrimoniis — • qaatenas ad ea 
quQ contempserunt (tket se tith enthingun) -— 

103^ copiosioribas {manigeru) aamptibvs (itof..)^— 
nUiDtur (methat) indig6re {bithurf. ..) — 

104* pro temponiDi oportunitate (hiburiHeum) — 

104^ et militibas xpi Stipendiarie (uuislicas) debent intel- 
legi — et pauperes foueant (tMlistien) — 

104' ineffabiliter (untellica) instantiaaime (dfi^Afieb^ 
Äc«) — 

104** qui uero haec qn^ premissa sunt (ileteneT) — qnod 
possibilitas subpetit {iuul. . . •) ^- caaendnm smu- 
mopere (alleromest) — 

105* necessitatibtts »— adminicnlari (iuullistian) — ' 
corporis — solatia (tmllust) — 

105^ gule (kielurithi) — 

105^ aliqaid incommodum (unimeces) fecissent — nil 
qu§rimoni^ (cldge) contra se obicere (däuan) pn 
sumant. ne aut seuerissimis uerberibns ofBcian 
(iuuegde uuerthan) aut humane semituti denuo (i 
crudeliter addicantur (idomde uuerdan) — p 
sertim cuni {tithursleäti) apud deum non sii peft 
mm acceptio (selredia oder selfediaj — p« 
rum seclusis {ut bislatenun) nobilibus — 



ALTSÄGHSISCHB GLOSSEN. 281 

105^ inofBciose (unforthia nadlac) accipere debere noa ab 

re putauimus (mateltat tedun) — 
106* quibus opus (iharua) non habent — aut libenter 

accipiunt aut exigunt {asrehiad) — si fidells et 

operosa {uuerklic) deuotio (tfmihed) — uitare 

(nnthan) — 
109* ut necessaria pulmeuta (hardrad) habeant — 
110'^ summo poDtifici secum in tremendi examiais die inle- 

lesas presentantes non cum reprobis et diuina ultione 

seruandis damnantur (antkemu deg^ t? furht uuer- 

than das übrige unlesbar). 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 

IVu wünschen wir alle geliche 308, 10 

dem herzogin Hainriche 
daz im gol 16ne 
. diu matterjä diu ist sc6ne; 
die suoze wir von im haben, 
daz buoch hiez er vor (/. für) tragen 15 

gescriben ze den Karlingen; 
des gerte diu edele herzoginne, 
eines riehen kuniges bam. 
mit den liechten himil [wizen] scaren 
nach werltlicben arbeiten 20 

werdent.si geleitet 
unter allen erweiten gotes kindeu 
da si die Ewigen mandunge vinden, 
daz si sin ie gedfthten. 

daz man iz für brAbte 25 

in tiutiscbe zungin gekftret) 
da ist daz riebe wol mite g^ret ; 
sine tugende dwungin in dar zuo. 
wä lebet debein furste nu, 
dem ie s6 wol gescähe ? .30 

der b^rre der ist getriwe nnt gewire. 309 

'Mune mugen wir in disem zite 
dem kuninge D4vite . 



28» DER EPILOG ZUM ROLANDSLIBDB. 

niemen 8Ö wol geliehen, 

sA den herzogen Hainrichen. 5 

got gap ime die craft 

daz er alle sine viande enraht. 

die cristen h&t er wol getrel, 

die beiden sint von im bek^ret; 

daz erbet in von rehte an. 10 

ze fluhte gewant er nie sin van: 

got tet in ie sigehaft. 

in sinem hove ne wirdet niemir naht, 

ich meine daz 6wige lieht, 

des ne zerinnit im nibt. 15 

ontriuwe ist im leit: 

er minnit rehte w&rheit. 

jd uobit der b^rre 

alle gotlicbe 16re, 

unt sin tiure ingesinde. 20 

in sime hove mac man vindin 

alle State unt alle zubt. 

da ist vroude unt gehabt: 

da ist kiusche unde schäm. 

wilUc sint ime sine man. ^ 

da ist tugint unt 6re. 

w& fraiste (/• freiscetet) ir ie msere, 

daz im baz geschähe? 

sime schephsre 

opheret er lip unt s61e ^ 

sam Davit der h6rre. 

swft er sich virsumet bat, 

zuo geribte er im [nu] st4t 

an dem jungistin tage, 

da got sin geribte habe. 310 

daz er in ze geribte nine vordere, 

sundir er in ordine 

zuo den 6wigin gndden, 

dar umbe ruofe wir alle 'Amen.* ^ 

Ob iu daz liet gevalle, 

so gedenket ir min alle. 

ich heize der pfaffe Kuonrät, 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIBDE. 283 

alse iz an dem buoche gescribm sUt 

in firanzischer zungen, 10 

sb h&n ich iz in die iatine bedwungen, 

danne in die tiutiske gek6ret. 

ich ne hän der niht an gem6ret, 

ich ne hän dir niht überhaben. 

swer iz iemir höre gesagen, 15 

der scol in der wären gotes minne 

ein paternoster singe 

ze helfe minem harren, 

ze tröste [minen] allen geloubigin sölen, 

daz unsich got an rehtem geloubin mache 

veste, 20 

daz Uns an guoten werken nine gebreste, 

unt mache uns sin riebe gewis, 

tu autem, domine, miserere nobis. 
lesen epilog enthält bekanntlich die pßihische handr 
die meiner ausgäbe des gedichts zu gründe liegte 
ich stelle ihn mit einigen verbejserungen voran, 
h veranlafsung habe, ihn näher zu erläutern. 
sr dichter beginnt damit dem herzog Heinrich, un- 
tf wie ich in der einleitung (xxxi. xxxii) ausgeführt 
nur Heinrich der Löwe kann gemeint sein, gottes 
t wünschen, weil man ihm die bekanntschaft mit dem 
' verdanke, dessen Inhalt schön und voll süfsigkeit 
er herzog liefs das in Frankreich und in französi- 
frache geschriebene (wahrscheinlich sorgfältig ver^ 
\ buch herbeibringen (füre tragen 308, 15. vor in der 
iri/t ist niederdeutsch, vergl. graf Rudolf A, 10) 
wir auf begehren der herzogin (308, 17). ich habe 
": gehabt dieses begehr eti auf die deutsche Übersetzung 
\ehen; die herzogin kannte schwerlich schon den in- 
md trug zunächst nur verlangen die handschrift zu 
die vielleicht mit bildem atisgeziert war. möglich 
uch sie die Übersetzung anregte, denn es ist von 
m die rede, denen dafür dcfs sie des gedachtes ge^ 
haben (308, 24), was freilich ein allgemeiner aus- 
ist, die ewige freude des hünmels zugesichert wird, 
ch, he\fst es weiter, ist damit geehrt, dqfs man das 



284 DIR EPILOG ZUM ROLANDSUEDE. 

lied in deutscher spräche dichtete (für brähte, »u stände 
brachte, vollendete (308, 25 — 27), indessen war es doch 
wohl der hersog der den außrag ertheilte^ denn es heifsi 
von ihm allein (308, 28) sine tagende twungen in dar zuo. 
wenn ein so hoher werth auf das werk gelegt wird, und 
ein so grofser lohn ßir die mittheilung desselben in an- 
Spruch genommen, so mvfs man bedenken dqfs es^ wie km. 
anderes, den kämpf der Christen gegen die heiden verherr^ 
lichte und als die höchste pflicht tapferer männer darstellte^ 
ist das deutsche gedieht, wie ich wahrscheinlich gemacht 
habe, in den jähren 1173 — 77 entstanden, so muste der vo^m 
seinem xug nach Palästina zurückgekehrte herxog, wie sein 
ganzer hof besondere theilnahme dafür empfinden. 

Nun geht der dichter auf das lob des herzogs über; 
er wei/s ihn nur mit dem könig David zu vergleichen, wie 
diesem verlieh ihm gott den sieg über seine feinde; nie wenr 
dete er seine fahne zur flucht, vorzüglich abei" wegen sei- 
ner frömmigkeit setzt er ihn dem biblischen heiden gleich» 
wie dieser bringt er gott leib und seele dar (309, 30. 3t). 
die cristen hat er wol ge^ret, die beiden sint von im b^ 
k^ret (309, 8. 9), was sich wahrscheinlich auf seine käm- 
pfe mit den heidnischen Slaven bezieht, an seinem hoffi^ 
det man alle tagenden vereint: keine nacht gibt es da, «aä 
das ewige licht ihm niemals erlischt, wenn er sich irgend 
eine sündliche Versäumnis hat zu schulden kommen lafsen^ 
so steht er dafür am jüngsten tage zu gericht. möge il» 
dort die gnade gottes zu theil werden, ich habe 309,33111 
getilgt, weil offenbar von Heinrich dem lebenden und sei' 
nem gegenwärtigen hof die rede ist. ich glaube dieses no 
rührt von einem abschreiber, der nach dem tode des her- 
sogs (1195) diesen nur för ihn geltenden zusatz utibedtwht' 
sam einrückte. 

Zuletzt spricht der dichter noch von sich selbst4 » 
ist ^in geistlicher (pfaffe) namens Konrad. er war einßbr 
seine zeit gelehrter, in sprachen bewanderter mann, viel' 
leicht capellan ari dem hofe des herzogs. er bewältigie 
das französische werk erst durch eine Übersetzung ins bh 
teinische, und legte diese dem deutschen gedieht zu gruni* 
dq/s er nichts zugesetzt aber auch nichts übergangen hebe 



DER EPILOG ZUM ROLANDSUEDB. 285 

h De han dir niht ii|)erhabeii 310, 14) sagt er ausdrucke 
h; er ist also seinein v.orbild treu gefolgt, wenn er hin- 
ßigii jeder der das gedickt vo7*trägen höre möge ein 
itemoster »um keil seines kerm singen^ so ist damit nickt 
wtgt dq/i dieser sckoti todt sei, sondern Konrad denkt 
i ^ätere zukörer. 

Diese erklärung des epilogs mufs ick nock gegen den 

Tausgeber des Eraclius verthcidigen^ der in seinen flei- 

*gen und dankenswertken untersuckungen über dieses ge- 

*ht anlqfs genommen kat eine ausßikrlicke Widerlegung 

559 — 561) einsusckalten, 

■Er legt auf das von mir ausgewiesene nu (309, 33) 
tmfscrordentlickes gewiökt, inan köre, 'jenes nu, das 
» sowokl wegen des versmafses als weil das streicken 
^/nem unicum überkaupt bedenklick ist, nickt zu tilgen 
Ten, sckeint vielmekr einen vorzüglicheren sinn und, was 
^eit der abfq/sung betrifft^ dem ganzen gedickte eine 
^J^lick andere bedeutung und beziehung zu bieten.* der 
Pe grund ist nicktig. wenn das vcrsmafs auck hei Ron' 
t geregelt wäre, toas es nickt ist, so gestattet es dock 
Partikel auszuwerfen, ja der vers lautet befser als 
nn man nd {mit langem vocal, der gar nickt nötkig ist; 
rgl. grammatik 1, 81 Ze aufl. Graffi, 976. 977) kinzu- 
gt. der zweite grund empßeklt bedenklickkeit, als wenn 
\ leicktsinnig verfakren wäre, die kintik darf sick das 
cht nickt nekmen lafsen mekreren, ja einer ganzen reike 
n kandsckriften, in welcken sick ein f ekler fortgepflanzt 
t, zu widersprecken^ sobald sie nur kinlänglicken grund 
zu kat: sie kat bei einer einzigen offenbar geringere ver- 
twbrtlichkeit. Mafsmann kat sick bei dem text des ErU" 
US (freilick nickt zu dessen vortkeil), zwei ka?idsckri/len 
fenüber, ganz andere freikeiten genommen ohne sie mit 
\em wort zu rechtfertigen, 

. ßock zur sacke, welcke befsere erklärungen, welcke 
te qufsckliJfse empfangen wir? es keifst (309, 29 — 30) 
I dem kerzog sime scbepha;re opberet er lip unt s^le; 
r wird erklärt ^ Heinrick denkt nun {nack dem zuge ge- 
t die wendiscken keiden) ''um seiner seele keil unllen^* 



286 DER EPILOG ZUM ROLANDSLIBDB. 

an eine nachträgliche {der ausdruck ist nicht ghlckUck ge- 
wählt) Pilgerfahrt ins gelobte land.' was unmittelbar auf 
jene werte folgt, sam Davit der hftrre, wird ausgelqfsen 
und ganz mit stillschweigen übergangen, dieser xusat% 
aber macht allein schon die besiehung auf eine fUgerfakti 
unmöglich ; ohnehin ist von einem blofsen vorhaben ßudU 
die rede, sondern von einer that, swä er sieb yersumet 
hat (309, 32) soll eine 'fromme, geistliche ausdrucksweise 
sein, sie kommt aber auch bei ganz weltlichen dingen vor, 
z. b. beneide 12907. Parz. 233, 12. Freidank 116, 24. 
177, 26. diese zeile wird nicht blofs auf die versäumte 
kreuzfahrt bezogen, was den werten nach möglich wäret 
wenn sich nur beweisen liefse dafs Konrad daran gedacht 
hätte, sondern auch auf die bisher unterlq/senen gedanken 
*ans geistige leben, ^ ich verstehe das nicht, wenn nicht 
durch einen druckfehler geistig für geistlich gesetzt ist. 
aber unbegreiflich bleibt die behauptung immer, da ja der 
dichter des herzogs frömmigkeit, seinen eifer fUr das chri- 
stenthum, ausdrücklich rühmt; er sagt sogar mit übertret- 
bung (309, 14. 15) daz ^wige lieht, des fie zerinnit im 
niht. j'etzt kommt die hauptstelle mit dem schwer wiegen- 
den wörtchen (309, 33), ze gerihte er im na st&t. diese 
ganz deutlichen werte, was sollen sie aussagen? man er- 
räth es nicht; so viel als 'das will er nun gut machen, 
durch- eine pilgerfahrt nämlich, der blofse vorsatz einen 
zug nach Syrien zu unternehmen soll schon als ein einge- 
tretener gerichtstag angesehen und nu auf diesen vorsatg, 
von dem nichts gesagt ist, bezogen werden» umnittelba' 
auf jene zeile folgt im text an dem jungisten tage, da gol 
sin gerihte habe, das gehört noch dazu; will man es aber 
abtrennen und zu dem folgenden ziehen (dd für dft hd 
Mqfsmann ist wohl ein druckfehler), so bleibt doch die be- 
Ziehung auf das jüngste gericht so klar dafs eine unglaub- 
liche befangenheit dazu gehört dies nicht tuif den ersten 
blick einzusehen, die neigung überall zwcifel bedenküch- 
keiten und fragen anzuhängen, wenn man nichts bffserei 
zu bieten hat, wird schon lästig, weil sie die forschung 
mehr hemmt als fordert, aber grundlose einfalle bekämpfen 
zu missen macht verdrief stich, und doch nennt Mqfsmanm 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 287 

9eine erklärung 'eine gewiss nickt erzwungene*, die dem ge^ 
dickt 'einen vorziiglichern sinn gewähre. 

Gesetzt der text wäre einer solchen deutung irgend 
zugänglich, miiste man sich nicht den eintourf machen 
dafs 'es ganz unnatürlich gewesen wäre, wenn der dichter 
auf einen so wichtigen^ ruhmwürdigen entschlu/s des her^ 
zogs nur unbestimmt und dunkel^ nur aus der ferne hingewie* 
sen hätte? er muste laut davon reden, ihn mit andern hei-- 
den der sage oder der gesehichte, mit Roland oder mit Gott- 
fried von BouiUon, vergleichen, nicht mit dem könige David. 

.^äber weiter^ das gerettete nu soll auch *ums die zeit 
der abfafsung betrifft, dem ganzen gedichte eine gänzlich 
ändere bedeutung und beziehung bieten,^ dafs es dieser 
smsicht gemäß kurz vor der Jährt des herzogs (1172) ge- 
dichtet ist, macht an sich keinen merklichen unterschied, 
denn ist meine meinung die richtige, so ist es nach seiner 
räekkehr (1173) entstanden, allein das ist auch hier nicht 
der hauptpunkt, sondetm die weitere behauptung, das lied 
sei gedichtet 'zur trostanschauung der rückbleibenden her^ 
zogm, welche die Verdeutschung des welschen buchs wünschte * 
vorher wird sogar behauptet, Konrad habe es ihr gewidmet* 
wie es sich mit der einwirkung der herzogin auf die über- 
Setzung verhält habe ich erörtert, ich weifs nicht was 
M^fimann darunter meint, wenn er sagt 'der herzog hiefs 
das buch vortragen.* doch wohl nicht was wir heute dar- 
witer verstehen, er liefs das buch vorlesen? aber gesetzt 
die herzogin veranlafste das deutsche lied^ so konnte sie 
doch, während der herzog den gefahren einer solchen reise 
unterworfen war, schwerlich einen trost aus einem gedieht 
schöpfen das den jammervollen Untergang Rolands und sei- 
ner genofsen auf eine ergreifende weise schilderte ; im ge- 
gehtheil, es muste sie mit nngst und besorgnis erfüllen. 

Wir sind noch nicht zu ende, die erklärung 'des win- 
zigen aber gewichtigen nu trägt noch weitere fruchte, der 
Übersetzer des liedes soll Konrad bischof von Lübeck ge^ 
wesen sein, dem Heinrich 1162 diese würde verlieh, ich 
beßirchte er ist es so wenig als Otto von Freisingen dich^ 
ter des Eraclius ist. an sich ist es unwahrscheinlich dafs 
Ranrad seiner würde nicht gedacht, sondern sich blofs ei- 



288 DBÜ EPILOG ZUM ROLANDSLIEDS. 

nen geistlichen genannt habe, zumal die häufige erwähnmg 
des Bischofs Turpin ihn daran erinnerte, und die beschei- 
denheit der geistlichen jener zeit nicht darin bestand, nicht 
einmal bestehen konnte, ihre Stellung zu verbergen, meine 
Vermutung (mehr ist es nicht, und ich lege kern gewickt 
darat(f), dq/s er capellan des herzogs gewesen sei, beruht 
atff den allzu höfischen ausdrücken mit welchen er von sei- 
nem herm spricht, darf man sie von einem bischof von 
Lübeck erwarten? doch davon abgesehen, es ist noch ein 
Anderer umstand entgegen, der bischof Konrad begleitete j 
den herzog auf seinem zug und starb in Syrien, es ist ] 
nicht glaublich dq/s er vor ei^ter so wichtigen Unterneh- 
mung und während der zuriistungen dazu an einen 'schwa- 
nengesang* gedacht, das hei/st last und mufse gehabt habe 
ein gedieht von diesem umfang {etwa 9250 Zeilen) erst ins 
lateinische, hernach noch metrisch ins deutsche zu über^ 
setzen, wenn Mq/smann gar noch die (geringe) einmischmg 
niederdeutscher sprachformen ^ die ja in den meisten gedick- 
ten des zwölften Jahrhunderts sich zeigt, aus des bischojs . 
schwäbischer herkunft und seinem aufenthdlt in Lübeck er* 
klärt, wenn er 'zu hilfe nimmt dafs bruchstücke einer 
handschriß in dem 'nicht fernen (T)^ nicht beziehungslosen 
Schwerin (etwa weil Heinrich das land der Obotriten er- 
oberte? was hatte das für einen einfltfs auf die Übersetzung 
des liedes?) sich befinden, so führe ich das nur an um zu 
zeigen wie ein allzu grq/ses bestreben scharfsichtig zu sein 
auf falsche fährte verlockt. 

WILHELM GREHM. 



289 



DIE VORREDE ALBRECHTS VON 

HALBERSTADT. 

Arme unde riche, 

den ich wiUicIiche 

mhies dienstes bin bereit, 

ze Idne miner arbeit, 

veroement alle besunder 5 

dia manicvalden wunder 

dia ich iu in disem buocbe sage^ 

wie vor manegem altem tage, 

d6 diu werlt gemachet wart^ 

4ia liute wurden verkart JO 

unde manege wis verschaffen, 

daz ez leijen unde pfaffen 

ungeloubelich ist. 

doch wizt ir wol, sit dirre frist 

daz got geschuof Addmen 15 

unz äf Abrahamen, 

der sin 6rste holde 

was, daz er nie wolde 

sich iemanne künde, 

durch der liute sünde, 20 

die sich versenket bäten. 

swaz si dö täten, 

si betten an die abgote. 

in der tiuvel geböte 

stuonden si gemeine. 25 

holze unde steine 

ir opfer si brähten. 

die stumben unbedäbten 

hätenz an den mseren 

daz si von goten wseren. 30- 

»yster Albrecfats Prologus hebet sich hie alsns. 11. Vnd maiii|r 

1^. ez phlt, 15. Adam 16. Bifs zu Abrahom 17. boli 

18. wolt 19. Sich niemandt künd !20. säad 21. hetteo 

. Was s. d. Ihetten 

Z. F. D. A. III. 19 



9!» ALBRBCHTS VON HALBERSTADT VORRBDE. 

si wAren unversunaen 

und gloubten an die brunnen 

an4 m dt« hwm» im w^ikt. 

des muo9|c^ i^ fewihkQ 

diu tiuvelische meisterscbaft, 35 

der an in wiste sine kraft 

durch maneger bände pfse^ 

wan si wdrea sine. 

des moht er sicherlich: 

er ertiez es die werll nibt, 40 

wan d6 was grft£ sin suocbe. 

Der aiB sinne an di^m buoohe 
ze reble h&t geDoze», 
der er ist sidi if wmen: 

cnweder dirre zwmer, 45 

weder Swftp noob Beier, 
weder Dürino noch Franke, 
des Ui iuz sin ze danke, 
ob ir fändent in den rirnen» 
die sich zeinandet Urnen» 50 

valsch oder unreht; 
wan ein Sabse, beiBCii Albrebi,. 
geboren von Halber^t«^ 
iu dilze buoch gemBebet b&i 
Ton latine ze diute^ 55 

s6 vil guotcr liule 
an tibtenne gewesen ist, 
daz siz an mich habent gfifrist) 
daz wil ich läzen äne ba^« 
daz man ouch etewaz 60 

geniizze miner sinne, 

33. ioD dem Waldt 34. gewalt 95. Der Tenffelisefae 

meysterschaft. die alisäeksisthen ma$euUna auf «soepi stellt Sehmel- 
ler im gloss. zum Ilel. s, 9^^ zustimmeu» a6f r ßir 4lhr€^9ht von Halber- 
s4adt ist der meisterschaft 9fii^w^fliek ^t^vf^$n^ if^ habe diu ge- 
setzt: das folgende der bezieht sich avj das im a^'eetivum liegende 
tHI¥«U ^9. vielleicht d«s nioht er mU iu M^^p pftik^, 40, <« 

iw weit 41. Wann do war gr, s. geaueh 43. In» reellem. 
48. IhB lafs ich sein 49. fiUdeii 50. 9un«9der . 55. zv 

Teutsclfe 56. gute leute 58. haben 



ALBRBCBTS VON HALBERSTAOT VORREDE. 291 

In dem ersten beginne 
saget ez wie diu wierlt wart 
(an ir wart nibt gespart), 
wie den liuten geschach 65 

Wunders, als ich ^ sprach, 
nach ir gelouben vil, 
wie daz werte unz an daz zil 
daz Augnstus zuo kam, 

der zins von al der werlte nam 70 

und machte s6 getanen fride 
dai; man dia swert begnade smide 
in segense unde werken hiez 
zuo den sicheln den sptez. 
d6 wolte geboren werden 75 

und erschinen uf der erden 
Kristus unser heiiant, 
von gote dem vater gesant, 
von einer juncfrowen gebom, 
dar zuo sunder uz erkorn. 80 

Dar nach über lange stunt, 
als ich iu iezuo tuen kunt, 
zwelf hundert jär und zehen bevorn, 
Sit unser herre wart gebom, 
ergiengen an die stunde 85 

daz ich des buoches gunde, 
bi eines Fürsten ziten, 
in allen landen witen 
von siher tugent wol bekant. 
daz was der voget von Düringe laut, 90 

der lantgrdve Herman. 
ieh bftn billichen dran 
den Carsten iezuo genant, 
wan diize buoch in sinem lant 

^ wvrtfihlt. 6e. als] wie 67. irem 6S. obz] bifo 70. von 
lUtrw^t 71. Frieden (:-en) 73. Ina Segen 80. gonderUsh 
^ — S^. für{f Zeilen Darnach vber lange zeit Als ich euch jetzt bc- 
Idt Auch da setz zu vor Zw51ff hundert Jor Vnd zehene beuorü 
)5. Blrgangen 86. das buch heg. 88—90. Der in allen Landen 
witett' INi9 was der Vogt von Turingen lant Von seiner Tngent wol 
Mikant ftS. Ikm Fürsten z& handt 

19* 



292 ALBRECHTS VON HALBERSTADT VORREDE. 

lif einem berge wal bekant 95 

(er ist Zechenbuoche genant) 
wart ze tibtenne gedäht^ 
begunnen unde voUenbräht« 

97. Wart Idd dichten ;. 

Nach der ausgäbe von 1551 (getruckt zn Meyntz bei 
luo Sch6ffer yb/.), deren lesarten angemerkt sind, die 
ausgäbe von 1545 stand mir nicht zu geböte. HAUPT. 



•• 



EIN MÄRCHEN AUS THÜRINGEN. 

AUFGEZEICHNET VON GEORG FRIEDRICH STERTZING. 

Eines tages kam vor das kleinste und ärmlichste häos- 
chen eines dorfes ein prächtiger wagen, mit sechs glänzen- 
den rappen bespannt, angefahren und hielt da still, ein 
bedienter in einem kleide das ganz von goldenen und sil- 
bernen borten flimmerte, öffnete den wagenscblag und es 
sprang ein junger schöner mann heraus dessen anzug noch 
viel kostbarer war als der rock des bedienten \ er trug einen 
Säbel der mit edelsteinen besetzt war, hatte einen stem auf 
der brüst und starrte überall von gold und silber. in dem 
bauschen wohnte ein armer alter mann mit seiner firau. die 
giengen dem gaste bis auf die schwelle entgegen und waren 
verwundert, wer nur der reiche fremde sein möchte, und 
fragten sich leise, was der vornehme besuch bedeutete, aber 
ehe sie sich von ihrem staunen erholen konnten war der 
fremde schon auf sie zu getreten, hatte dem alten fireund- 
lich und traulich die band gegeben und ihm einen guten tag 
gewünscht, 'ich efse' sprach er dann weiter, 'nichts lieber 
als kartoffelklöfse, und da die stadtköche sie durchaus nicht 
so gut bereiten können wie die frauen auf dem lande, so 
möchte ich mich einmal recht an klöfsen erlaben wie man 
sie auf dem lande macht, seid also doch so gut und berei- 
tet mir welche; ich will euch gut dafür belohnen.' als die 
beiden alten das hörten, wurden sie ganz freundlich und 
riefen 'tretet nur ein ; ihr sollt klöfse haben so gut wir sie 
zu machen im stände sind, ' der fremde trat in die niedrige 
Stube ; die alte holte kartoffein aus dem kelier, wusch sie 



EIN MÄRCHEN. 2M 

ab und rieb sie auf dem reibeisen, presste sie und schickte 
sich an sie zu ballen und zu kochen, unterdessen nahm der 
alte seinen gast mit in ein gärtchen am hause, wo er, wie 
er sagte, nothwendig zu thun habe ; der fremde könne ja 
zusehen, der alte hatte im gärtchen löcher in die erde ge- 
graben und fieng nun an bäume darein zu setzen, da sagte 
der fremde 'hört, alter, habt ihr denn keine kinder?* 'dafs 
es gott erbarme, gnädiger herr herzog oder wer ihr sonst 
sein mögt; freilich habe ich einen söhn, aber einen gar un- 
gerathenen hüben, er war als kleiner junge träge und faul, 
machte nichts als böse streiche und lief mir zuletzt davon, 
weit weit in die weit hinaus ; ich habe seitdem nichts von 
ihm gehört.' — unterdessen hatte der alte einen bäum in 
das loch gesetzt, einen pfähl daneben gestofsen und das loch 
mit erde gefällt, darauf nahm er hast und band den bäum 
an den pfähl, 'sagt mir doch' sprach der fremde, 'warum 
ihr dies bäumchen au drei stellen so fest an den pfähl 
schnürt/ 'seht, gnädiger herr' antwortete der alte, 'Sin 
den drei stellen hat das bäumchen krümmen und ich binde 
tä deswegen an diesen stellen an den pfähl damit es hübsch 
gerade wachsen möge.' 'gut' sagte der fremde: 'aber war- 
um befestigt ihr denn nicht den krummen knorrichten bäum 
dort oben in der gartenecke auch an einen pfähl, damit er 
gerade wachse?' *ja, gnädiger herr' sprach der alte lachend, 
*der ist schon zu alt und zu verwachsen als dafs man ihn 
noch gerade macheu könnte, wifst ihr denn nicht dafs man 
die bäume ziehen mufs weil sie noch jung sind?' * alter,» 
dai. habt ihr recht' antwortete der fremde traurig; 'ihr hät- 
tet nur euern söhn auch ziehen sollen wie er noch jung 
war, so wäre er euch nicht davon gelaufen, gewiss läfst 
er sich jetzt nicht mehr ziehen; es wird ihm wohl gehen 
wie dem krummen bäume dort. aber sagt mir doch, 
würdet ihr denn euern söhn wieder erkennen, wenn er 
euch vor die angen käme?' der alte meinte *das ist wohl 
nicht leicht, denn er ist schon lange fort und mag sich sehr 
geändert haben, doch hatte er ein muttermal wie eine bohne 
auf der schulter; daran könnte ich ihn erkennen.' da streifte 
der firemde seinen rock ab und zeigte dem alten die nackte 
Schulter, 'herr gott, du bist wahrhaftig mein söhn!' rief 



2»4 BIN MÄRCHEN. 

der alle, aber dann sagte er bedächtig 'nein, es ist nidii 
möglich, es kann nicht sein, ihr seid ja ein herr herzog«* 
'und doch bin ich euer söhn' sagte der fremde, 'aber eis 
rättber. ich bin der verzogene bäum dem kein pfähl mehr 
firuchtet.' darauf ergriff der alte die band seines sohnes sid 
führte ihn zur mutter, die eben die dampfenden klöbe aof 
den tisch trug, als er ihr alles erzählte, weinte sie tot 
freude und sagte ' wenn auch mein söhn ein rauher ist, wu 
thuts? haben doch meine alten äugen ihn noch einmai gese- 
hen.' darauf verzehrten sie zusammen die klöfse; und ab 
sie fertig waren, sagte der alte bekümmert ' aber, söhn, lange 
darfst du hier nicht verweilen, wenn dein herr pathe, der 
graf im schlofse droben, erfährt wer und was dn bist, so 
wird er dich nicht auf den armen am taufsteine schankda, 
sondern die lüfte am rabensteine dich schaukeln laben/ • 
nein, vater' sagte der rauher \ ' ich werde ihn hente abend 
noch besuchen, und er wird mir nichts thnn; denn ieh ve^ 
stehe mein handwerk.' darauf liefs er anspannen und bkt 
anfs schlofs zum grafen. 

Als er ins zimmer getreten war, gab er sich s^em 
pathen zu erkennen, der freute sich sehr dafs er ihn in so 
guten umständen sah; als er aber hörte, sein pathefaen m 
ein rauher, da ward sein gesicht gar lang, endiieh aber 
machte er doch gute miene zum bösen spiel und sagte *nmi, 
leb habe nichts dagegen dafs du ein räuber bist^ wann dn 
deine sache nur gut verstehst, aber wehe dir, wenn da 
sohlecht bestehst in der prüfiing die ich mit dir vomehmsa 
werde.* 'nur her mit der prüfung, herr pathe'- sagte der 
räuber. da sprach der graf ' wohlan, zum ersten sollst de 
mir mein leibpferd aus dem stalle stehlen s den stall werde 
ieh von innen und aufsen wohl bewachen lafsen und eia 
Wächter soll auf dem pferde reiten, znm andern sollst da 
mir, während ich mit meiner frau im bette liege, das bett- 
toch unter dem leibe weg stehlen und meiner frau den truN 
ring vom finger. zum dritten endlich sollst dn mir den pCtf* 
rer und Schulmeister aus der kirche stehlen, wenn du aber 
von diesen drei aufgaben auch nur eine nicht lösest, so 
mufst du unfehlbar sterben: das merke dir.' 'nichts leick« 
ier als das' rief der räuber und lachte, darauf nahm er ab« 



EIN MARGHBN. 29» 

ichied and reiiiers das schlofs indem er seinem kutscher i>e* 
fM in die nächste Stadt za fahren. 

Als er in die Stadt kam verschaffte er sich die kleider 
einer alten bauerfrau, zog sie an^ mahlte sitb fiüten ins ge- 
siebt, und kaufte sich dann bei einem brantweinbreuner ein 
fiUichen brantwein und bei einem apotheker eine grofse fla- 
sche voll schlailrank, den er dann unter den brantwein 
nÜBchte. das färschen legte er auf eine kötze, die kötse 
hockte er auf, und so gieng er mit wackelndem tritte wie 
eine alte frau auf das schlofs seines pathen. es war spät- 
herbst and es wurde schon dunkel als er im schlofshofe an- 
kam, er setzte sich auf einen stein und rieb sich die bände 
als wenn ihn recht fröre; dazu hustete er und keuchte als 
wenn ihm die seele aus dem leibe fahren wollte^ an der 
thüre des f ferdestalles lagen Soldaten um ein feuer, denn 
die nacht war kühl, einer von ihnen sah die alte frau und 
rief 'seht einmal dort das alte mtitterlein, wie das friert I 
wir wollens herrufen, damit es sich am feuer wärme; das 
arme weiblein wird wohl sein nachtlager nirgend und doch 
überall haben, wie es bettelleute gewohnt sind, mütterlein, 
h8rt ihrT kommt her und wärmt euch/ als nun die alte 
frau näher trat rief ein anderer 'sie hat ja ein fäfslein anf 
dem rücken! vielleicht handelt sie mit brantwein. in dieser 
kalten fenchten nacht wäre ein schnaps eine gute arznei.' 
unter derlei reden war die alte an das feuer getreten und 
sprach mit heiserer stimme * guten abend, ihr herren soldsr 
tenl gebt mir doch etwas zu lösen, ich hausiere mit brantr 
wein der eine wahre herzstärkung ist.' da kauften die Sol- 
daten ein glas nach dem andern und waren fröhlich und 
gnter dinge, über eine weile rief einer in den stall hinein 
'Kameraden, hier ist ein weib mit schnaps der den magen 
so schön wärmt als wäre ein feuerlein darin angeschürt.' 
die Soldaten im stall bekamen da auch ein gelüste und for* 
derten die frau auf in den stall zn kommen, als sie ein- 
trat, sah sie rings um die wände Soldaten gelagert; auf dem 
ieibpferde des grafen safs einer, ein anderer hielt den zäum, 
und ein dritter den schwänz des pferdes. der brantwein 
gieng reifsend ab, und das fäfschen war kaum leer, da fieng 
ein Soldat nach dem andern an zu schnarchen, zuerst die 



296 EIN MÄRCHEN. 

vor dem stalle, dana die im stalle, dann die Schwans uni 
zaom hielten, dann der welcher auf dem pferde sab und der 
anfährer der Soldaten war. als alle eingeschlafen waren, 
nahm der ränber einen strick und gab ihn dem in die hand 
der den zanm gefafst hatte ; dem der den schwänz hielt gab 
er ein strohseil zwischen die finger; dann nahm er one 
lange starke Stange die im stalle angelehnt stand, schnallte 
den Sattel des pferdes los und brachte die Stange unter des 
sattel ; darauf wand er mit seilen die an der decke des Stal- 
les festgemacht waren den reiter mit sattel und Stange in 
die höhe und band die seile an einem pfosten fest, non 
wickelte er läppen um die füfse des pferdes, führte es sachte 
aus dem stalle, schwang sich darauf und jagte ins fireie. 
als es schon hoch am tage war, kam er unter die fenster 
des grafen gesprengt und rief 'herr pathe, das erste kunst- 
stück wäre gemacht ; da ist das pferd ! seht nur wie schön 
euere Soldaten noch schlafen.' da sah der graf ans dem 
fenster und sprach 'dein erstes stück war gut; nimm dich 
nur bei den andern in acht.' dabei that er ganz freund- 
lich, aber im geheimen beschlofs er den räuber zu tödten, 
denn ein solcher gauner schien ihm doch zu gefahrlich fiir 
seine grafschaft. 

Als es nun wieder nacht geworden war, legte sich der 
graf mit seiner frau, die den trauring anstecken muste, zu 
bette, wie sie nun zusammen im bette lagen, sagte der 
graf ' meine liebe frau, hilf mir wachen, damit ich mit die- 
ser geladenen pistole den räuber erschiefse, wenn er zam 
fenster herein steigt.' der räuber aber schlich leise zun 
nächsten galgen, woran er einen armen sünder wüste, schnitt 
den ab, lud ihn auf den rücken und trug ihn vorsichtig in 
den schiofshof. dort lehnte er eine lange leiter an ein fen- 
ster im schlafgemache des grafen, warf den todten über die 
Schulter, stieg mit ihm die leiter hinauf, rückte das fenster 
und schob ihn behutsam, den köpf voran, hinein, der graf 
lauerte schon im bette, und als er den köpf durch das fei- 
ster kommen sah, drückte er los, und so wie es krachte, 
schlug der leib eines menschen hart auf den boden. da rief 
der graf 'frau, nun sind wir den spitzbuben los. aber da- 
mit es weiter kein aufsehen gibt will ich aus dem fenster 



EIN MÄRCHEN. 297 

die leiter hinab steigen und den leichnam im garten ver- 
scharren.' das billigte die gräfin als sehr verständig, und 
der.graf stieg hinab und trug die leiche in den garten, un- 
terdessen hatte sich der rauher versteckt; als aber der graf 
mit der leiche hinweg gegangen war, kletterte er aufs neue 
die leiter hinauf und stieg in das schlafgemach, dann fieng 
er an und sprach, indem er die stimme seines pathen nach- 
ahmte, ' liebe frau, bedenke, der mensch war mein pathchen. 
es ist billig dafs ich ihn anständig begrabe; gib mir also 
das bettuch, damit ich seinen leib darein hülle, so dafs er 
nicht in die blofse erde kommt, auch gib mir deinen ring: 
er hat sein leben um ihn gewagt und soll ihn wenigstens 
im tode haben.' die gräfin bedachte sich nicht lange, denn 
die stimme teuschte sie, und gab dem rauher tuch nnd ring, 
der räuber aber stieg mit beiden eilig wieder zum fenster 
hinaus, als nun der tag da war und die sonne hoch am 
himmel stand, da trat der räuber mit bettuch und ring in 
das zimmer des grafen und sprach mit lachendem gesiebte 
*hier ist die zweite probe, herr pathe,' der graf sagte ver- 
driefslich 'aller guten dinge sind drei, erst vollbringe das 
dritte und schwerste stück, dann will ich dich für den mei- 
ster aller diebe halten.' 'es wird schon UQch, herr pathe' 
sagte der räuber und gieng von dannen. 

Als nun die sonne schon lange zur ruhe gegangen war 
und die nacht schwarz einherzog, da kam der räuber mit 
einem sack voll krebse, die er bei einem fischer, und mit 
einem bündel wachslichtchen, die er bei einem krämer in 
der Stadt gekauft hatte, in das dorf gegangen, er gieng auf 
den gottesacker an der kirche, that einen krebs um den an- 
dern aus dem sacke, klebte auf ihm ein Stückchen Wachs- 
licht fest, brannte es an, und setzte den krebs auf die erde, 
als der letzte krebs aus dem sacke war, zog er ein langes 
schwarzes gewand wie eine mönchskutte an, klebte sich ei- 
nen langen falschen hart an das kinn, nahm den sack worin 
die krebse gewesen waren, und gieng in die kirche auf die 
kahzel. als nun die thurmuhr zwölf schlug, fieng er an mit 
lanter gellender stimme zu rufen und zu predigen, der jüng- 
ste tag sei nahe und das ende aller dinge sei gekommen, 
zwischen seiner predigt rief er beständig 'wer mit mir in 



tas EIN MÄRCHEN. 

den himmel will, dec krieche in diesen sack ! ich bin Pe- 
tras, der die himmel thüren schliefst nnd öffnet; der jflngsle 
tag; ist da, die weit geht unter; da dranfsen wandeln die 
todten nnd lesen ihre gebeine zusammen, dämm, wer imt 
mir in den himmel will, der krieche in diesen sad^I' unter 
diesem schreien und predigen waren pfarrer und sehnlmei* 
Bter, die zunächst der kirche wohnten, und die den lern 
hörten und die wandelnden lichter sahen, in die kirche ge- 
treten, als sie nun die predigt eine weile mit angehört hat* 
len, stiefs der Schulmeister den pfiirrer mit dem ellenbogen 
in die seite und sagte 'nun herr pfiarrer, wie ists? da wäre 
noch vor dem einbruche des jüngsten tages in den himmel 
EU kommen.* 'wohl* sagte der pfarrer, 'habt ihr lust, 
Schulmeister?' 'ei nun ja!* antwortete der Schulmeister, 
*aber euer hochwurden haben den vortritt, mir ziemt nach* 
Eufolgen.' der pfarrer gieng voraus, hinter ihm her der 
Schulmeister, bis auf die kanzel, wo der rauher stand und 
den sack aufhielt, da krochen beide hinein und der rauber 
strickte den sack zu. dann ergriff er ihn beim bausch und 
zog ihn langsam die kanzeltreppe hinunter, so dafs die köpfe 
des pfarrers und des Schulmeisters auf jeder stufe hart aof- 
schlugen ; der räuber aber sagte 'jetzt gehts schon über die 
berge.' so schleppte er den sack alle stiegen der kirche 
hinab, über alle strafsen im dorf und durch alle lacbon und 
pfiitzen, und wo es durch einen tümpfel gieng, da sagte tat 
jedesmal 'jetzt gehts durch die wölken.' endlich kam er ii 
den schlofshof, und als er den sack die schlofstreppe faia* 
aufzog, sprach er 'jetzt sind wir auf der himmelstreppe oad 
bald im vorhof. ' als er aber oben im schlofse war, nahm 
er den sack und schob ihn in das hühnerhaus, gieng darauf 
zum grafen und sagte ' herr pathe, pfarrer und schnlmeister 
befinden sich im hühnerhause, so wäre ich denn fertig and 
hätte auch das dritte stück vollbracht.' 'ja ja' sagte der 
graf, 'du bist der meister aller diebe. aber zeige mir aaek 
ob es wahr ist dafs du pfarrer und Schulmeister gestobka 
und ins schlofs gebracht hast.' da führte der ränber dkn 
grafen ans hühnerhaus, machte die thüre und dann den saek 
auf, und richtig, pfarrer und Schulmeister kamen herausge- 
krochen, 'du bist ein erzdieb' rief der graf mit lachen, 'ond 



Em MÄRCHEN. MO 

ich BcfaettkA dir das leben, das du eigentlich rerwürkt hät^ 
lest, aber dabei befehle ich dir daCs da im augenbliek aus mei* 
ner grabchaft gehst and dich nie wieder darin betreten läfst; 
es wäre sonst dein tod.' da nahm der räuber abschied von 
seinem pathen and ftihr zu seinen altem; und als er auch 
▼on denen abschied genommen hatte, fuhr er in die weit 
Jiinein, und es weifs niemand bis auf den heutigen tag wo 
er hingekommen ist. 

vergl, iiB sweite erzählung io Strapparolifi erster nackt. 



BONUS. 

Im »weiten bände dieser Zeitschrift (s. 20Sff.) habe 
iek das altdeutsche gedieht vom bischof Bonus herausgege- 
ben und dabei Hoffmanns nachweisung eines lateinischen in 
einer Göttweicher handschrift aus den altdeutschen blättern 
(1, 327) angeßihrt. ich wüste damals noch nicht dqfs die- 
ses lateinische gedieht längst gedruckt war. aber auch 
herr Edilestand du Meril, der es aus der Göttweicher 
handschrift in seine PoSsies populaires latines antMeures 
au douMi^e sidcle s. 190^'. aufgenommen hat, weifs da- 
eon nichts, in seinem buche treibt viel scheinbare gelehr- 
samkeit auf der Oberfläche, selbständiger und griindlieher 
Untersuchung zeigt sich oft wenig, so ist die bemerkung dan- 
kenswerth dafs Albericus Triam Fontium bei dem jähre 764 
dieses gedichtes erwähnt; aber herr du Meril gibt die stelle 
unvollständig und kann sie nicht ordentlich angesehen ha* 
ben ; sonst hätte sie ihn auf wege führen müfsen welche die 
rathlosigkeit seiner anmerkungen zur 63^ und zur 69^ 
;seile verhüteten. Albericus sagt (JLeibn. access, histor. 
2» 100) civitati autem Avernis sanctus Bonitus, vir nobiUs, 
praefhit. de hoc Petrus Damianus in epistola sua meminit, 
qood hac oeeasione cathedram contemsit atque ad remotioris 
vitae cnstodiam se contulit, quam (quoniam) de manu regis, 
laici videlicet hominis, episcopatum suscepisse eum contige- 
rat, de eodem sancto Bonito habetur illa narratio rhythmica 
in miraculis beatae Mariae qui (quae) sie incipit Traesid 



300 BONUS. 

erat deo gratus ex Francorum genere natas* Bonos erat ei 
nomeD, qnod designat bonum omen' etc. 

Vom heiligen Bonitus oder Bonus, bischqf vom Cler- 
mont in Auvergne, der nach Savaro und MabUhn um das 
j\ 709 starb, so dqfs Albericus in der zeit irrt, handeln 
ausßikrlich die acta sanctorum unter dem 15» Januar und 
Mabillons acta sanctorum ordinis s. Benedicti, saee* 3, 
ly 78^. Surius Bolland und Mabillon geben eine leberu- 
beschreibung die von einem xeitgenofsen verfqfst ist: in ihr 
steht nichts von dem wunder das in dem lateinischen gC" 
dichte erzählt wird. 

Dieses gedieht gibt Bolland s. 1077 aus einer hani- 
Schrift der carthause von Köln, ich wiederhole es hier, 
da es vielleicht dem deutschen gedichte zu gründe Uegt, 
und bezeichne in den anmerkungen die Kölner handsehriß 
mit A, die Göttweicher mit B. die wähl zwischen beUen 
ist oft unsicher, wie es bei lateinischen gedichten des mä- 
telalters zu gehen pflegt. 

Praesul erat deo gratus, ex Francorum genere natus. 
Bonus erat ei nomen, quod designat bonum omen; 
ilie iuxta dei legem custodivit suum gregem. 
sanctitatis dans exemplum Michaelis petit templum. 
solus loco in obscuro orat deum corde puro, 5 

planctus agit, pectus tundit, inter fletus preces fundiL 

1. qaidam nach Hoffmann vor, nach du MMl nach erat B» 
in Francoram, wie in beiden hss. und bei albericus steht, klammert 
du Meril die buchstaben or ein, damit acht silben herauskommen- 
aliein die verse dieses gedichtes sind nicht blqfs an den fingern ek- 
gezählt; sie sträuben sieh gegen eine solche betonung ex FranenB 
genere natus. auch ist man nicht berechtigt den ungeschickt küiut' 
liehen genitiv Francnm einxußihren, genere mit verschliffenen beiden 
ersten silben ist unanstöfstg, 3. iste dei iuxla 1. B. 4. Micbad 
petiit templum B. über die pi/gerfahrten nach Mont - Saint ^ MiM 
verweist du MMl auf Desroches histoire du Mont- Saint -MiM 
iy 107. 151/1 5. Solus loco in obscuro orat dominum puro coHc 

rogat B, wenn man mit du Meril loco verwirft, so geht diese lei- 
art an. nur darf man nicht mit ihm domnum schreiben wollen, da 
domnus von gott und Christus und domna von der Jungfrau MarU 
ungebräuchlich ist, 6. tundit pectus agit coetus inter preces firndit 
fletus j4. 






BONUS. 301 

qttae convenit plebs, abscedit, et ad sua quisqoe 

redit. 
ille solas ibi iacet, ut divinae laudi vacet. 
ciistos loca perscmtatur, ne qnis ibi relinqaatur. 
hie manere solus audet nee se capi posse gaudet. 10 

dum ex corde deo psallit, perscrotantes servos failit. 
hi reeedoiit^ isie orat ciilparumque memor plorat« 
Hora noctis intempesla, dum revolvit sua gesta, 
dum amaros agit planctus, angelorum audit cantus. 
oblectatur dulci melo, descendente quasi caelo. 15 

iamque verba vocum audit memorique corde claudif. 
admiratur tanto sono, tarn suavi gaudet tono. 
dum precatur dei numen, videt late fusum lumen 
et caelestis adest coetus, unde virum subit metus. 
angelorum chorus praeit et vexilla sacra vebit: 20 

sobsequnntur sancti dei, quos precantur omnes rei, 
ineeditque sie festiva virgo mater sicut diva* 
quae rogata quis canlaret quisve missam celebraret, 
' Bono' inquit 'boc concedo : illum enim dignum credo/ 
verba praesul audiebat seque tremens retrabebat. 25 

ipse lapis cedens ei servat Signum huius rei. 
stätim sancti Bonum quaerunt et quaesitum invenerunt. 
quem indutum vestem claram statuebant contra aram. 
bie caelesti veste dives caeli stabat inter cives. 
patriarcbae hunc ducebant et propbetae praecinebant. 30 
incedebat sie deductus, memor tamen sui luctus, 
et accedens aram petit, quam cum sanctis ante stetit. 
hinc suscepta manu pura ipse deo offert thura. 

7, qoae A: quo B, 8. iste B, 10. posse capi B. 

\Tt, plorat B. et calparnm m. orat B. 13. hora nocte int. B. 

16. namque yoeum verba andit B, 18. dam deprecatur B. 
19. inde A, %^, sie B: nt A. mater dei s. d. A. !^3. rogata 
ji: rof^ret B, vei quis B, !^6. credens B, womit sich du Miril 
hemkigt, im deutsehen gedickte 1^2 ff» habe ich das rechte verfehlt: 
M wird zu lesen sein do entweich diu sul von der stete wol zwelif 
klifter wit: daz zeichen sach man immer sit. servat A, und du 

MMl aus Vermutung: servans B, ^8. praeclaram B. statue- 

bant A: dnebant B. 29. sie B, stabat inter c. c. B. 

31. tamen B: tantum A. 32. sanctis B: suis A, 33. hie ac- 

cepta A. offert deo B. 



302 BONUS. 

resonabaat dulces meli, praecineDte talMt caeli. 

ut divinum opus digne vir peregit et benigne, 35 

virgo mater ei veslem pro mercede dal oaelesten. 

agit grates, reddit vota, laudat deum mente tota, 

et quam virgo sibi dedit sumit veatem> et abaoedit. 

bis occulte ita gestis, crevit fama datae vealis* 

ilie quidem nihil celat, sed quod vidit, hoc reveUU 40 

Alter quidam, credens male promereri quiddam iah, 
praecessoris ad exemplum illud quidem peüt teiKplani« 
intrat solus valde sero, hebetatus multo mero, 
et labore longo fessus gravi somno fit depresaaa. 
hinc aurora lucem dedit et cum somno nox reoedU, 45 
capiteque vix erecto se in suo videt lecto. 
signo cruci$ se munivit thalamoque sie e^vit 
spectat servos et salutat ei errare sese patat. 
tandem praesul in se redit, vqcat illos et cons^i, 
quodque secum fiiit gesium suis facit manifestwa, (0 
quam pia, quam benigna et laudari vere digna 
Christi mater est intacta, cuius mira sunt tot facta, 
quae sie parcens negligenti sanum reddit s«ae genlii 
malens illum poenitere quam pro culpa mQ;^ delero, 
Bonum autem vigilantem nee iucassum excobaatem 55 
sie dilexit. ut caelestem largiretur ei vestem, 
volens eum celebrare opus dei salutare. 

Ne quis putet hoc commentum esse, ecce arga« 

mentum. 

34. pereinente turba e. B, 36. ei B : riro ji, 38. siM Tfrgtt B* 
39. bis ooevltis J, 40. te^ A: €t B* 4|. pptnertii w 

quiddam t. B : pro merito quiddam t. j4, 42. quidem ^ : eoim B» 

vielleicht idem. 43. et heb. B. 44. lacet quasi fessiu B^ W 

du MSril gut dur^h bumi nach iacet ausfüllt, 45. mox Am 

46. mos A. un ms, du Moni -Saint- Michel, dcrit frababkfMiä 
ä la ßn du IO0 siecle, que fon conserve ä la bibl, d^Avranehm «Mi 
le rn^ 34, raconte ceite aventure dTune maniere d(fferente ; sasaii MkhsL 
lui dit 'surge ecclesiamque egredere et prout poteris satitfaeJ (nJl 
/ours a]fxes il etait mort. du Meril. 48. errasse B» 49. UÜHBi 
SQTVOS A, 50. et quod B^ 51. et quam b. est B* osm 

qnoque laude digoa A, 5)2. Chr. mater baec int. Ay mater Cbrifti 

sed int. B, cuius mira sunt et f. B, per quam sunt to^ mira f. Ä* 
5^. Bonum A : beaQ B. 56« lar|^atur B. 5&. Ne qojs jHitit 
esse comm. ecce arg. B. 



V.. 



BONUS. 30S 

dorat adhüc vestimenium, nullum ferens^ deirimeiiittin« 
4Iyernensis urbs praedives e3i quae multos babet 

cives, 60 

)rienti tota patens, occidenti parti iatens, 
äima siii satis clara, belli quippe non ignara. 
Ckurat mens haee nofieupatar. apod eam reservatur 
Ha Boni bona resiis, raro visa nisi festis. 
lOaTissiflii odoris et niientis est coloris, (^5 

nultae quoque levitatis, sed et mirae laevitatis. 
nodas vero contexturae^ cujus artis vel facturae 
»t iniropstts et extrorsu», ignoratur quidem prersn». 
lomnus praesul hoc Herbertus Norwicensis est ex- 

perlus, 
jni dicobat hanc vidisse, banc et manu tetigisse. 70 

ergo qni non credis vere rem ot dioo se habere, 
rade et fac tibi fidem, vestem videns hanc ibidem, 
et cum tibi flet satis, landem sanctae trinitatis 
eoarrare tone memento corde puro et intento. 
verum ne obliviscaris stellae maris salutaris, 75 

cuius donis non privatur quisquis ei famulatur. 

. AraeriMnsis nrbs perdives A, AluraneDsis {nach Hoffmanm AUm- 
eiiais) est vrbs praedives B. Uh habe die^ nicht seltene form Al- 
rnepsU gewäkttf weil lieh fo das Verderbnis in B leichter begreift, 
mn «?ait diß abkürning erwägt die sich in der mentelinschen ausgabt 
s VinQen^us findet, alunepsis« est c^nae] quae B, qnae et A. 
• partim B. 62. sui B: fnit A, quippe A: quidem B. 

^ ipte ea reserratnr A, 64. vestis] eandem in cathedrall b. Ma- 
lt oßelcaUe Arvernioa hacteoua adaervatam contueati popiüa cano- 
4 tie feato #, BonU^ a^tenduat. Makitlm «. 7^ 15. auavU^imi 
t od. A. et nitentis A und nach ffoffmann B : mitissimi nach 4^ 
^^l B, 66. modus quoque lenitaüs B. sed mirae levitatis B. 
67. vero A: quoque B. et cuius sit creaturae B, 68. tarn 

>btiis quani extrorsus B. 69. dominus quidem Herebertus B, 

^nricensis B. gemeint ist Herbert, bisehof von Norwich, der 

^Matthäus von Westminster \ \ V^ »t^rk. aus diesi^r stelle schliefst 
^Umd mit recht dafs der dichter «m Engländer Vfars 70. hanc v. 
••sev. B. palpavisse B, 71. rem A: istam rei^ B, ut B: 
ÜU A, se B: sie se A, Tl, hanc videns B, 73. cum Bt 

«e A, laude trinitatis B, wo du MSril sanctae richtig einschiebt, 
> dem sinnlosen laude aber nieht oHätqfst. laudem seire quam non 
ipis A. 74. attento B, 76, d^^o A, 



I 



904 BONUS. 

ipsi atqne nato eins salns honor laas et virtns. 
'amen amen, fiat fiat' qoisquis isla legit dicat* 

77. atqne A : qnoqiie B, Uns et B : atqne ji. statt der iwi 

letzten »eiien Amen A, 

jius diesem gedickte hat Vincentitu van Beauvais im 
spec. hist. 7i 97 {bei Bolland s, 1076) seine erzähbtng ge- 
scköpß. HAUPT. 



ZU KONRAD VON FÜSSESBRÜNNEN. 

» 

Hahn hat bei seinem abdrucke der kindheit Jesu {in 
den gedickten des \2n und iSn JA.) übersehen dq/s zu der 
JViener und der Iqfsbergischen handschrift und zu den 
Leipziger bruchstäcken ein pergamentblatt kommt das Dronkt 
inMones anzeigervom j. 1839 sp. 200 ff. bekannt gemacht 
hat. es enthält was bei Hahn s. 93 z. 21 bis s. 94 z. 52 
steht. 

Die herziger im anzeiger vom j. 1833 sp. 96 ff. ab- 
gedruckten bruchstäcke sind dort falsch geordnet, i und 
u enthalten von Hahns abdrucke s. 72 z. 46 bis z. 77; 
III und IV s. 74 z. 37 bis ;:;. 68; w s. 74 z. 69 bis «.75 
z. Z\ y s. 7h z. A bis z. 19 ; vii — xii s. 84 z. 6 bis s. 85 
^.16. von derselben pergamenthandschrift hat herr doctor 
Leyser später auf dem deckel einer anderen Le^ziger 
handschrift noch zwei bruchstäcke geßtnden. 

Das erste dieser beiden stücke besteht aus anderthalb 
zusammen hangenden blättern und enthält die folgenden 
Zeilen (bei Hahn s. 73 z, 24 bis s. 74 z. 2) 
1* Wände si en. di schulde .... 

Er wände si were ime ge • . . . 

Wände er sie vnrechtis .... 

Vnde vorchte ir hulde .... 

Doch was se sentfte an ... . 

Do quam den iuden zu ... . 

Daz ioseph kamen we . . 

Vnde maria trüge en . . . . 

Do waren sie alse sie h ... . 



V. . 



zu KONRAO VON PUSSESBRUNNEIN. 905 

Vngetruwe vnde nid ... . 

Sie sprachen vnse me . . . . 

An disem aide er uaren 

Dem andirs nicht woi .... 

Dise vrowen bevolen .... 

Wie er sie sus habe be . . . . 

Man sol in noten ir . . . . 
I ** az kint tr(u)ge. 

alden misse zimit 

bosiz ende nimit 

s abiatar. 

ch ir rate dar. 

balde vor cumen« 

seph wir haben vornumen. 

nger si 

as du dabi. 

siz gelegen. 

er werlte bewegen. 

er ane wan. 

immer sin irgan. 

er danc gesen. 

dich selben ien. 

ede das gesäch. 

2* Das se manigen man versprac. 

Junge vnde riebe. 

Die allewis ivngeliche. 

Vnde sie sich vf den alter lie. 

Durch anders nicht wan daz du sie. 

Mit truwen soldes bewaren. 

Nu hastu ir vbele mite gevaren. 

Vnde dich selben misse halden. 

Daz man vber dich alden. 

Sulche dinc rieten sol. 

Daz stet vns andirs denne wol. 

Der vnuersagete sprach do. 

leben uwrchte nicht vuuer dro. 

Also ture als ein bare. 

Vnde were dise rede wäre. 

So soldit ie richten vbir mich. 
F. D. A. III. 20 



«. 



306 ZU KONRAD VON FUSSESBRUNNEN. 

Swie die e. gebute abir mich. 
2*" Deme sulte dar aue han. 
So sult ie mich mit v. lan. 
In minen eren geaesen. 
Heziet vwer de crelin lesin. 
Swas mir ze tune gesit. 
Daz ich mich dirre virzit 
En schuldege mit der warheit 
Des bin ioh hie zu stete gereil. 
Na stunt naen da bi. 
In deme templo domini. 
Ein wazzir daz so helic was. 
Vnde segenden man da vmbe las. 
Swer vmbe deheinen argen wan. 
Zu not solde rede stan. 
Als er des wazzeris getraue. 
So was ein sone vnbe ganc. 

Das zweite bruchstäcky ebenfalls aus anderthalb zusam- 
menhangenden blättern bestehend^ enthält folgendes (bei 
Hahn s. 89 z. 52 bis z. 83, und s. 90 s. 65 bis s\ 91 
z. 11). 

r 

1' Di stige waren irsesam. 

Swer ane geleite dar quam. 

Der en weste schire wa er gie. 

Der Wirt die geste nie verlie. 

Biz sie an ir straze quamen. 

Vrloup sie do namen. 

Sie sprachen got sie mit v. 

Syridiu. vot condiv. 

Sus anwrte in der man. 

Sie füren hin der wirt gie dan. 

Josepe tet die sorge we. 

Daz er so manige wis was e. 

Besweret in der wvste. 

Er vorchte daz er muste. 

Lieden groz vng^mach. 

Zv deme kindeline er sprach. 



zu KONRAD VON PUSSESBRUNNEN. 307 

sen 



1^ Nu hast da herre wol getan. 

• • • 

ch 

Waz vns leides ist gesen. 
Vnde noch lichte als man tut. 
Ob iz dich nu dinkit gut. 
Bi dem mere zv der zesewen haut. 
Da sint stete vnde gute lant. 
So riet dich daz wir keren dar. 
Durch daz wir di 11p nar. 
Vnbe rechten kovf funden. 
Vnde nicht vermissen künden. 
Swie wir varen wolden. 
Alle nacht wir solden. 
Wol beliben da lute sint. 
Joseph sprach daz kint. 
Bin sorge die ist manicvalt. 
Nu weistu wol [ich hau gewalt] 
2' Ein got der ob in . . . 
Ich en kan andirs ... 
In minem mute i . . . 
Daz sie muge ge . . . 
Der herzöge effr . . . 
Dir ovgen her vi . . . 
In dem t . . . 
Nu sach er iu dem ... 
Die reinen mut ... 
Er gedachte daz . . . 
Gestozen von ir . . . 
Vnde widir eim . . . 
In selben noch vn . . . 
Daz ist von disei ... 
Der vil bedachte ... 



• t » 



2** den lute. 

n hüte. 

geschie. 

er wäre got nicht. 

vnd erden hat gewalt. 

20* 



t 



3Ö6 ZU KONRAD VON PUSSESBRUNNBN. 

nden im irvalt. 

ligit. 

n gedigit. 

ir hat getan. 

vil lichte irgan 

pharaone. 

andes croae. 

Gliche truc. 

tarn durch in sluch. 

liehen sieben. 



STROPHENANFAJNGE DER ALTEN LIE 
SAMMLUNGEN AaDdHhR (HEIDELB. 1 

357. 350). 

^. lieder mit 34 dichtemamen, in der heidelberi 
handschriß 357 */. 1 *w 39. 

1. Reimar. bL 1 vorw, 

1. So ez ienir nahet deme tage = MS, 1, 63** 

2. Div Hebe hat ir varnde gvt. 

3. Div weit verswiget miniv leit. 1, 63** 

4. Owe trvren vn clagen. 

5. Swaz iar ich noch zelebenne han 1, 65* 

6. Ich wirbe vmbe alles de ein man. 1, 64'' 

7. Si ist mir liep vn dvnket mich 1, 65* 

8. So etteswenne mir der lip. 1, 64^ 

9. Ynde ist de mirs min selde gan. 

10. So vil so ich gesane nieman. 1, 64* 

11. Ich halte ie von tage ze tage. 1, 63^ 

12. Ich wände ie ez were ir spot. 

13. Sit mich min sprechen nv niht kan 1, 64* 

14. Vn wiste ich niht de si mich mac. 

15. Wol ime de er ie wart geborn 

16. Dar ich min leit nv lange clage. 

17. Ich wil von ir niht ledic sin 1, 64** 

mit * sind die Strophen bezeichnet die bis jetzt nur einmah 
iitfert zu sein scheinen. 



STROPHBNANP. DBR HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 309 

18. Gnade ist endelichen da. 

19. Ein wiser man sol niht zevil 1, 66* 

20. War vmbe vuget mir div leit. 

21. Si iegent de stete si ein tvgent. 

22. Wie dikke ich inden sorgen doch 1, 65'' 

23. Hette ich der gvten ie gelogen. 

24. Daz beste de ieman gesprach. 1, 65" 

25. Min rede ist also nahe komen. 

26. Do liebe kom vn mich bestvnt 1, 65^ 

27. Ich minne sinne lange cit. 1, 116^ 

28. Gewan ich ie deheinen mvt. 1, 62*" 

29. Wiest ime zemvte wundert mich 1, 62^ 

30. Ich weiz bi mir wol de ein zage. 1, 62^ 

31. Min herce ist swere zaller zit. 

32. Mich ger5 noch nie de ich den sin. 1, 63'' 

33. Got hat vil wol gezieret ir leben. 

34. Swaz ich nv nivwer mere sage. 1,66^ 

35. So wol dir wip wie rein ein name. 1, 67" 

36. Die hoch gemvten zihent mich. 

37. Ich han ein dinc mit sorge geleit. 

38. Der lange svzer kvmber min 1, 67*' 

39. Vvan gelr^wet frvnde niht. 

40. Daz si mich alse vnwerden habe. 

41. Mac si mich doch lazen sehen. 1, 68" 

42. Redi der Ivte tvt mir we 1, 67^ 

43. £z wirt ein man der sinne hat 1, 61^ 

44. Min liep ich mir vil nahe trage. 

45. Ez ist ein nit den nieman kan. 

46. In miner bestin froide . froide ich saz. 1, 74^ 

47. Het ich ze dirre svmer zit 

48. Ich han nach wane dikke wol 1, 77" 

49. Ein wiser man vil dicke tvt 1, 75" 

50. Sol ich leben tvsent iar 

51. Ez ist ein spehes wibes sin 

52. Nv mvz ich ie min alten not. 1, 76" 

53. Ich enmac in alles niht gesagen. 

54. Von herze leides schvlden hat. 
^^55. Mir sol ein svmer noch sin zit. 

56. Div weit wil mit grimme zergan nv vil schiere 1, 100" 



310 STROPHBMANP. DER HBIDELB. LIEDBRSAIDILOIWXN. 

57. Div weit bat sich so von vreaden gescheiden 

58. Swer nv den wiben ir rebt wil verswacben. 

59. Sprecbe ich nv de mir gelvDgen were. 1, 76** 

60. Vvil div vil gvte daz icb iemer singe 

61. Icb bin nibt tvmp mit also wisem willen 

62. Vvie tvt div vil reine gvte so 

63. Lieber wan ist ane trösten da. 1, 77* 

64. Vvaz bedarf icb denne vr&den me. 

65. Icb sacb si were ez aller der weite leit. 1, 66^ 

66. Micb hoehet de micb lange boeben sol 1, 66* 

67. Owe do icb einer rede vergaz. 1, 66^ 

68. In disen bösen vngetrvwen tagen 

69. Swaz in allen landen 1, 68^ 

70. Micb betwanc ein mere 

2. Reimar . der . videler. bL 4 rw. 

1. Ez waz ein kvnig gewaltic vn riebe 2, HO** 

2. Höret wunder wie icb sol gibaren. 

3. Dvr torbeit icb der weite erkenne 

4. Nv wacbe berre balde vn wirb vmbe erc. 

5. Maneger lat mich vnge grvzit 

6. Ez ist in vil swere 2, IIT 

7. Stetiz lop er nie gewan. 1, 79'* 

8. Aller seiden selic wip 1, 71* 

9. Frowe tv des ich dich bitte 1, 77* 
10. Frowe mit rede de herze min 

"^ll. Got welle sone welle doch singet der von seven 
'*'12. Daz erste wip den ersten man den ersten schaden eriet. 
3. Reimar . der . ivnge. bL 5 vw. 
*1. Die wil ich nv lebe in so menegin leide 
'*'2. In disen firoiden vn in disen eren 

4. Walther . von . der . Vogelweide. bL 5 rw. 

1. So die blvmen vz deme grase dringent. 1, 116* 

2. Swa ein edeliv schone frowe reine 

3. Nv wol dan weit ir die warbeit schowen 

4. Aller werdecheit ein vugerinne 

5. Nidere minne beizet div so swacbet 

6. Die zwiuelere sprechent ez si alles tot 1^ 120* 

7. Icb wände daz si were gar vor missewende tri 

8. Die losen schelient g^ten wiben minen sanc. 1, iW 



STROPDBNANP. DER HEIDELB. UEDERSAMMLDN6BN. 311 

9, Der also gvtes wibes gert alse ich da ger 

10. Frowe ich eine eine trage ein teil zeswere 1, 123** 

11. Ran min frowe sfze saren. 

12. Obe ich rehte bitten kvnde 

13. Saget mir ieman wc ist m'inne 

14. Gnade frowe also bescheidenliche 1, 123'' 

15. Gewinne ich iemir liep de wil ich haben eine 

16. Si selic wip si zvrnet wider mich ze sere. 

17. Ich wil dir iehen de dv min dicke sere bete. 

18. Ich firevde helfelorser man 1, 11 9*" 

19. Vil minneclichv minne ich han 1, 119* 

20. Gnade frowe minne ich wil 

21. Gnedeclichiv minne la. 

22. Vro selde teilet vmbe sich. 

23. Wer gap dir minne den gewalt. 

24. Ich lebte ie nach der Ivte sage 1, 135". 62** 

25. Ich höre ime meneger eren iehen 1, 124* 

26. Ist de mich dienest helfen sol. 

27. Wie kvmet de ich so wol verstan 

28. Mich hat ein wunneclicher wan. 

29. Mit valscheloser gvte liep. 

30. Die mine vreide hat ein wip 

31. Frivntlichen lac ein riter vil gemeit 1, 107* 

32. Frvndinne min dv solt din trvren lan 

33. Frowe nv. ich wil beliben baz. 

34. Daz mfz also geschehen 

35. Frowe ez ist zit 

36. Waz helfent blvmen röt. 1, 107*» 

37. Der riter daunen schiet 

38. Ich han ir so wol gesprochen 1, 113^ 

39. Frowe minne ich clage vch mere 1, 114* 

40. Frowe lat mich des geniezin 

41. Ich bin vwcr frowe minne. 1, 137* 

'^42. Ja lige ich mit gedanken der alrebesteo bi. 

43. Ich saz vf eime steine 1, 102* 

44. Ich horte ein wazzer diezen 1, 102^ 

45. Ich horte in rome liegen 

46. Vil svze were minne 1, 125* 

47. Diz kvrce leben verswindet 



312 STROPHENANF. DER HEIDELR. LIEDERSAMMLDN6BN. 

48. Div menscheit mvz verderben. 

49. Got dine helfe vns sende 1, 126* 

50. Na alrest lebe ich mir werde 1, 104' 

51. Schone lant rieb vü bere 

52. Hie liezir sich reine tSfen. 1, 104^ 

53. Hinnen vur der svn zerbelle 

54. Do er den tievel do gescbande 

55. In diz lant hat er gesprochen. 

56. Jvden cristen vn beiden 1, 105* 

57. Ir svlt sprechen willekomen 1, 119^ 

58. Ich wil tvschen vrowen sagen 

59. Ich han lande vil gesehen 

60. Von der elbe vnz an den rin 

61. Tivsche man sint wol gezogen. 

62. In noie dni ich wil beginnen sprechen am 1, 131^ 

63. Nu wil ich mich des scharpfen sanges och genieten. 

64. Ich han gemerket von der seine vnz an die m^re. 

65. Ich han des karaderis gäbe dicke enphangen 1, 132" 

66. Ich enweiz weme ich geliehen mvz die hovebellen. 

67. Ir biscbof vn ir edeln pfaffen ir sit verleitet I, 133^ 

68. Die cristenlicbe doch der habest vnser lachet. 1, 13S^ 

69. Swelcb herze sich bi disen ziten niht verkeret- 1,133^ 
70 hove so lobelicber manne 

71. Ich bin des milten lantgrave ingesinde 

72. Herzoge vz os tünche la mich den Ivten. 1, 132^ 

73. An wibe lobe stet wol daz man si heize schone. 1, 134* 

74. Vil wol gelobter got wie selten ich dich prisc 1, 131' 

75. Ich han des hern otten trivwe er en mache mich noch 

riebe 1, 130^ 

76. Von rome vogt von pvUe kvnic lat vch erbarmen J, 131* 

77. Sit willekomen herre wirt dem gr^ze wil ich 8wi- 

gen. 1, 131*» 

78. Herzoge vz osterriche ez ist vch wol ergangen 1,135' 

79. Ein schale in swelchem nam er si der dankes triege 1, 130^ 

80. Der keiser sit ir willekomen 1, 103^ 

81. Her keiser ich bin frone hotte 1, 135^ 

82. Her keiser swenne ir tvschen vride 

83. Got gibet ze kvnege swaz er wil 

84. Des gottes svn hie inerde gi6 1, 103^' 



nmoraSNANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 313 



85. Hi vor do man so rehte minneclichen warb I, 116^ 

86. Ich sanc hvte vor den frowen vmbe ir blozen grfz 1, 117' 

87. Ich sage vch waz vns den gemeinen schaden tvt 1,116^ 

88. Wip m^z iem^ sin d^ wibe bohste name 

89. Si wunder wol gemachet wip 1, 118^ 

90. Got hat ir wengel hohen vliz 

91. Sl hat ein kvssen de ist rot 

92. Ir kel ir hant iewer tvz 

93. Ir h5bet ist so wunnenrich 

94. Phylippe kvnec here 1, 113* 

95. Wir svln den kochen raten 1, 135^ 

96. Waz eren hat vro hone 1, 136* 

97. Her wicman ist d^ ere 1, 113* 

98. Mir hat ein lieht von vranken 1, 111* 

99. Dv sele mfze wol gevarn 1, 123* 
i(Ml. Ich hat ein schonez bilde erkorn 

Ol. Ir reinen wip ir werden man 1, 122**. 

^^. Lat mich an eime Stabe gan 

^3. Welt ich han dinen Ion wol gesehen 

^4. Daz milter man gar warhafl si 1, 136* 

^. Min frowe wil zeschedelichen 1, 115** 

^. Ich weiz si dv daz nibt ennidet 

*^. Sich crenken frowen vn pfaffen 

^^. Nv sol der keiser here 1, 136* 

^9. Der missenere solde 

^9. Ich han dem missenere 1, 136^ 

Li. Lange swigen des hat ich gedaht 1, 124** 

12. Hoeret wunder wie mir ist gescheh 

13. Herre waz si vlucbe liden sol. 
t4. So mich dvhte de si were gvt. 
15. Solde ich in ir dienste werden alt 

1|6. Die mir indem winter vroide hant benomen 1, 136^ 
.17. Zwene herzeliebe vlucbe kan ich och. 

18. Wan sol sin gedvltic wider vngedvlt 1, 124** 

19. Ich wil alder weite swern vf ir lip 1, 125* 

20. Herren vn vrvnt. nu helfent an der zit 1, 136** 

21. Herze liebez vrowelin 1, 117* 

22. Si verwizent mir de ich 

23. Bi der schone ist dicke baz 



314 STROPHBNANP. DER HEIDELB. LIBDERSAMMLDNGBN. 

124. Ich vertrage als ich vertruc. 

125. Hast dv trivwe vn stetecheit 1, 117^ 

126. Hvte gebe ir got vil gvten tac. 1, S2>^ 

127. Si bat mich do ich ivogest von ir schiet. 1, 34' 
128« Waz obe mich ein böte versuniet gar. 

129. Mir seit ein eilender bilgerin 1, 33^ 

130. Werft dv ensolt niht vmbe de 1, 121" 

131. Dv hast lieber dinge vil 1, 120^ 

132. Wie sol ich gewarten dir 

133. Vro weit ir svlt deme wirte sagen 1, 111** 

134. Nement frowe disen cranz 1, 125" 

135. Frowe ir sit so wolgetan 

136. Si nam de ich ir bot 

137. Mir ist von ir geschehen 1, 136^ 

138. Mich dvbte de mir ie 1, 137' 

139. Do der svmer komen waz 1, 109' 

140. Bi dem brvnnen stvnt ein böm 

141. Da bedvhte mich zehant 

142. Gerne slief ich iemer da 

143. Wan ein wunder altes wip. 

144. Werder gr^z von frowen mvnde 1, 169^ 

145. Wilen fragt ich der mere 

146. Sist vil gvt de ich wol swüre 

147. Dv weit waz gelf rot vn bla 1, 125'' 

148. Ich saz vf eime grvnen le. 

149. Die toren sprechent snia sni. 

150. E danne ich lange also. 

151. Ich bin verlegen als ein sv. 

5. Der . von . Morvnge. öl. 13 rw, 

1. Owe war vmbe volg ich tvmbem wane 1,54" 

2. Min steter mvt gelicbet niht dem winde 

3. Ich han so vil gesprochen vä gesvngen. 

4. Div vil gvte 

5. Ich mfz sorgen 1, 54^ 

6. Die der frowen bvtent 1, 54* 
*7. Ascholoie 

8. Von den elben wirt entseheu. vil manic luau 1, biJi^ 

9. Si gebvtet vii ist in dem herzen min. 1, 51"" 
10. Mich enzvndet ir vil lihter ogen schiu. 



SntOPHKNANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLDNGIN. 315 

11. Swenne ir übten ovgen so verkerenl sich 

12* Ist ir liep inin leit vü min vngemacb. 1, 53* 

13. Si hat liep ein deine vogeilin 

J4. Sist mit tugenden vn mit werdecheit 

15. Ich bin iemer ander vh niht eine. 1, 52^ 

16. Si ensol niht allen Ivten lachen 

17. Sit si herze liebe heizent minne 

18. Min liebeste vn och min erste 1, 49^ 

19. Wer ich mit minem sänge 1, 50' 

20. Nv ratent liebe frowen 

21. Frowe wilt dv mich g:enern. 1, 54*' 

22. Frowe mine swere sich 

23. Der also vil geriefe in einen toben walt 1, 51' 

24. Wist ich obe ez mobte wol verswigen sin 

25. In so hoher swebender wnnne 1, 50^ 

26. Swer mir des verban obe ich si minne tSgen 1, 55* 

27. '*' Swaz dv weit nach vreiden ie vf hohen m^t gewarp 

1, ISO»» 

28. Wol gedingen vn iedoch niht volle wol geleben 

29. Swer zürnet so de er gat vur die ere sin. 

6. Der . trvhste . von . S. Gallen, bl. 15 vw. 

1. Daz fro min mvt von herzen si. si 

2. Der werden wirde wirdet mich. 

3. Ir sprächet ie den frowen wol 

4. Hobische vrowen hohgemvten 1, 151* 

5. Dannoch baten si mich mere 

6. Solde ich iemer vreide erwerben 
*7. Minne minnecliche minne 

*8. Swer rehten wiben dienen sol 
*9. Git got der lieben den gedanc 
*10. Dvr not dv liebe liebet mich mir 

11. Frowe ich were gerne vro. 1, 151* 

12. Nein vil svze frowe nein. 

13. Ir svlt selchen spot verbern. 

14. Das min rat vn och min clage. 

15. Boeser tvcke ist mir niht kvnt. 1, 151^ 

16. Swer wunder daz ich si geswigen 1, 150* 

17. Ich svhte liep da vant ich leit 

* hier tollte der name des folgenden diehters stehen. 



316 STROPHBNANF. DER HEIDELB. LIEDBRSAHMLDNffiN. 

18. Kvnde ich der werden werdecheit. 1, 151^ 

19. Nv stet doch rehter gvle wol 

20. Div liebe liebet sich san mir 1, 150" 

21. Swie hohes mvtes ist ein man 1, 151^ 

22. Geselliclicher vmbe vanc. 

23. Der tac mich leider hat betaget 

24. Der svze wehsei vnder zwein 

25. Der tac wil scheiden ritter werlt 1, 152'' 

26. Der vil selderichen 

27. Sit der gvten gvte 

28. Swer an gvten wiben 

29. We wer sol mich grvzen 

30. Kvnde ich so gesingen 

31. Vreut vch vreut vch froiderichen 1, 152^ 

32. Solde ein svze wip ir ere 

33. Wer kan nv den slvzzel vinden 

34. Wir svln danken wibes gvte 

35. Ich wer e vil lange mvtes 
'*36. Svmer \h svmer wunne 

^^37. Hovelschlich tanzen vrolich singen 

38. Waz kan wibe \h wibes cren 1, 152'' 

*39. Ich weiz ein in hohem mvte 

40. Svn die alten vur die ivngen 

41. Wie gerne ich mit vreiden were. 1, 153* 

42. Ich mvz lieben vn leiden 

43. Liezent t5ben sich die wisen. 

44. Wer sol sich an valschen keren^ 

45. We de wir so crancke werben. 

46. Swer minnecliche minne 

47. Nv beeren trvt geselle 1, 153'* 

48. Owe mins herzen herze 

49. Sol ich nv von scheiden 

50. Min vreide yfi min sinne. 

51. Von vreiden vreut min herze sich. 

52. Mir ist de ofle vor gesaget. 

53. Min gemvte höhet sich 1, 154'' 

54. Leider iare wirt mir bvz. 

55. Swie vil ein wip vn vreide machet 1, 150*. 2, 208' 
"^56. Got berre dv schvfe mich. 



STROPHBNANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 317 

*57. Do got den rieben riebe scbvf. 

*bS. Der ribter wird dvr de genant 

59. Nv gert ieh nibt d^ weite me 1, 154* 

60. So ^fz laebet sfzet mir 

61. Gedinge sorge vleben tvt 

62. Dv bob gemvte böbet sieb mit tvgende so. 1, 154'* 

63. Min kvmber d^ mieb ie so kvmberlieben twanc 

64. Swaz ieman weiz ieb weiz ein wip so voUekomen 

65. Seide riebe selie wip 

66. Minneelicb gebaren wil 

67. Svzer vreidc ieb waz gewent. 1, 155" 

68. Alder weite nieman kan 

69. Waz sol singen oder sagen. 

70. Clage ieh mine seneden clage 

71. Selie wile selie zit 

72. Der ich diene vn al da her gedienet ban. 1, 149'* 

73. Waz dv werde minneelieber minne git. 

74. Debt ieb iemer ieb verdebte ir gvte nibt. 
^75. Diz ist min vro weit die ieb so sere lobe 

76* Swaz wibes ere wol gezam 1, 155* 

77. Wan sol in dienen vmbe de. 

78. leb bin der gvten vndertan 

79. Kunde ich vreide volgi ieb vrevte gerne mich. 

80. Wart ie ibt so reine alsam ein reines wip. 

81. Dv sfze wip do dich min ogeu alrest gesacb 

82. Noch enpfant ich nie zegvte leider mir 

83. Sol von rebter gvte wabsen and* gvt. 
*84. Ich wil minem vatir gerne wol . raten. 
"^85. Rvdelin dv bist ein ivnger blappen blap 

86. Rebter liebe vz stetem mvte 1, 156* 

87. We daz ieb der sfzen mere 

88. Waz bedorft ieb langer stete 

89. leb wil in dem vierden liede 

90. leb mvz von verdiender scbvlde 

91. Frowe selie frowe 

92. Sit ir mieb so seret 1, 156** 

93. Ir weit mir verkeren 

94. Wiz ieb nv den willen 

95. Seide schone gvte 



318 STROPHBNASF. D£R HEIDELB. LlfiDERSAMMLOllieBN. 

96. Ob ich der gvten gvtes gan. 

97. Sich hvp ein vngevuget zorn 1, 164^ 

98. Zehant do si versvnden sich 

99. Si git vns iemer vroiden vii 

100. Wan de ich minnecliche tobe 

101. Sol ich mich rihten nach dem A. 1, \57^ 

102. Gnvge sprechent singe als k 

103. Ich mac wol sprechen baz owi. 

104. Ich vreute mich do stvnt ez so. 

105. Ich mac wol wunder schrien wu. 

106. Waz hilfet ane sinne kvnst 2, 150^ 

107. Vns ist wol von meren worden kvnt 2, 138" 

108. Ich wise an wiser Ivte rat 2, 151* 

109. Swer sich des stetezvrinndes dvrvbermvtbeheret. 1,131' 
*110. Ich wil niht me den ovgen volgen noch den sinnen. 
"^111. Der gvte win wirt selten gvt. wan dem g^n vazze 
*112. Ez nam ein wittiwe einen man. hie vor in alten zileu. 
'^ 113. Derkvnic behielte kvneges namen dern in bebalten hieze. 
* 114. Si iehent de böser kom ie nach de hat sich nu verkeret. 
'*'115. Da hin da her wart nie so wert, in allen tvschen landen. 
*116. Vil meniger mich berihtet 

*117. Gilerter vursten crone 
'^118. Vns ist vnsers sanges meister an die vart. 

7. Rvbin. bl. 20 rw. 

1. Lob der reinen wibe mac 1, 170** 

2. Von der ich mines lobes bin 

3. Diest dv weit also verzaget 1, 171* 

4. Der vögele svzez schallen 1, 170* 

5. Ich bin noch von ir selten 1, 170^ 

6. Ich han noch den gedingen 

7. Wie künde leider mir geschehen 1, 171* 

8. Do sprach der ritter eilen thafti 

9. Div vrowe ir liep zvzir gevic. 

10. Do kvst er do wol tvsentstvnt 1, 171** 

11. Doch mvzcn si sich scheiden do 
* 12. Div togen minne ime geriet. 

13. Got hat uns aber san gemant 1, 168* 

14. Swer nv de crvce niht en ninmet 

15. Ez brahte ir missebieten mich 



STROPHBNANF. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 319 

16. Ein sinne riebe selic wip 

17. Ich wil vrlop von vrunden nemen. 1, 171** 

18. Swer gol dvr dise weit nv lat 1, 172* 

19. Ich wil mich einer schvlde gar 

20. Vurde ich von der gften vro. 1, \7\^ 

21. Lobe ich ir vil reine ivgent 

22. Kvnd ich aller Ivte leit 

23. Han ich niht mit der nahtegal gesvngen 1, 170" 

24. Sie mac mir wol die selben not erwenden. 

25. Wie tvt si so dv vil liebe lobe svze 

26. Nieman an vroiden sol verzagen 1, 169" 

8. Nivne. bl. 21 rw, 
Nv geit mir nach, ein ander leit 2, 117^ 

1. Nv iarlanc stet vil hohe min mvt 2, 118\ 208** 

2. Er nam si bi der wizen hant 

3. Jvnge vfi alte ir helfent alle vreide meren 2, 118^ 

4. Wir sin bezzer vro so wir nach tvgenden ringen 

5. Nieman kan mit sweren mvte niht verenden 

6. Frowe ir hat vwer schone vn vwer gvte 

7. Mich enwil der lieben gvte niht erlazen 2, 119* 

8. Sol min sprechen sol min singen 1, 163* 

9. Sich alse dßr tac so rieh 

10. Alder weite vroide meret 1, 160* 

11. West ein wip min vngemvte 1, 160*' 
^12. Wol mich hvte vn iemer mere 

*13. Wol ime swer nv gvt gedinge 

M4. Ez lebet in minem dvncke niht 

15. Hat ieman leit alse ich ez han. 1, 157^ 

16. Der kan ir selchv mere sagen 1, 158* 

17. Ir mvgit wol wennen swez ir weit 

18. Ist halbes war de ir da clagit, 

19. Ez dvhte vch lihte baz getan. 
*20. Ich bin der gvten mere vro. 
*21. So liebez ich mir nie gesach 
*22. Wie mac dv liebe selchen mvt 
^23. Owe herze cvmberlichv clage 

24. Min senedes denken 2, 28*. 1, 22* 

25. Selic ich were 

26. Ich wünsche ich dinge 



32a STROPHENANF. DER HEIDELB. LIEDBRSAMHLONGBN. 

27. Wol mich der sinne 

28. Mine hende ich valde 

29. Wie sol ich den ritter nv gescheiden 1, IG** 

30. Din kvslich nivnt din lip dar vn svze. 

31. h5restv vrunt den wahter vf der zinnen 

32. Ich wache vmbe eines ritters lip. 1, 17^ 

33. Min lip m^ze vnselic sin 1, 18* 

34. Din zom si dir vil gar vertragen 

35. Minne ir habt mich so besweret 2, HO* 

36. Minne volget miner lere. 

37. Ich kfse an deme walde 1, 9^ 

38. Mich dvnket niht so gvles noch so. iobesam. 2, ilO' 
*39. Nu singe ich als ich 6 sanc. 

40. Swa so liep bi liebe lit 1, 139^ 

41. hat der winter kvrzen tac 

42. Selp var ein wip 1, 137* 
^^43. Ich wil iemer minen mvt. * 

44. Mir ist ein not vor allem mineme leide. 1, 68** 

45. Niender vinde ich trvwe dest ein ende 
'^ 46. Mir hat ein ritter sprach ein wip. 

47. Solden sich ez die vreidelosen niht anmir ver driezen 2,208'' 

48. Ich vn ein wip wir haben gestritten 1, 174* 

49. Ich minne si vur allv wip 1, 175^ 

50. Swie verre ich var so iamert mich 1, 174* 

51 . Svmer diuer svzen wetter mvzen wir vnS anen. HgnZfiii" 

52. Also hat dv gvte mir de herze min betwangen 

53. Wer ist nv der geielste vnder tvmben gettelingen. 

54. Odelichen wart von ime vf minen traz gesprvngen. 

55. Enge rocke tragenz vn smale schapperune. 

56. Seit ich nv zemeren wie siz vnder in gesch^fen 

57. Wa bi sol man min geplepze hinnen wur bekennen 

58. Ich saeh vil wunnecliche stan. MS. 1, 73* 

* ich setze diese Strophe her, weil ich sie in der hagenselM 
Sammlung nicht ßnden kann. 

Ich wil iemer minen mvt. 
hohen dvr ein wol bescheiden wip. 
obe si mir niht anders tvt. 
wan de dvr si eren gert min lip. 
so hat si wol ze mir getan, 
swenne ich rehten m^ ze vreudea han. 



STROPHKNMP. OBR HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 321 

59. Blir enmac niht missegan 1, 73^ 

60. Ich bin steter vreiden riebe 

9. Gedrvt bl. 24 ruu 
* 1 . Von kanzeeben her wabsmf t 

^2. Wer aber ieb so selie de 

3. Het ieb einen kneht der svnge übte von siner froweo 2, 1 19* 

4. Wan singet minne wise da' zebove vn inmime schalle. 

5. leb han ein wip ersehen 

6. Ir vil roter mvnt 

7. Der walt vnd div beide breit 

8. Ich wil min trvren lan. 2,119^ 

9. Dv m^ter vor zorne sprach. 

10. So werde aber altez wip 

11. Tobter wer mac er sin 

12. Ich singe svnder minen dane. 1, 166'* 

13. Ich gesaeh den walt vn aldie beide Hagen 3, 227 

14. Swer nv sine brieve boren welle 

15. Sprach ein magt den wil ich gerni heren 

16. Ir gespil si vragen do begvnde. 

17. Ich mac wol din vngevfigez schelten. 

18. Spriches dv de ich si vngevuge 

19. Dise traben tagen MS. 2, 74* 

20. G^te Ifte holt 1, 176'» 

21. La mich minne vri 

22. Owe sprach ein wip 

23. Wol si seüc wip 1, 176\ 2, 208* 

24. Die gemf len vmbe nit 2, 208* 

25. Sold aber ieb mit sorgen iemer leben 1 , 74' 

26. Sit si iebent wie wol mir vreide zem 

27. Ez ist nv lanc de mir dv ovgen min 

28. So siz nv vil gerne wenden wil. 

29. Swie vil ein wip vn vroide machet 1, 150'. 2, 208' 

30. Maneger claget die schone zit 1, 148\ 2, 208* 

10. Nitbart */. 26 vw. 
1. Swaz an einem wibe Hagen Z^ 192** 

♦2. Si bat mit ir strale 

3. Diebe ich mir gedenke Hagen 3, 256^ 

4. le lieber vn ie lieber is si mir dv wol getane MS. 2, 83* 

5. Sine tage lovfent von der hob gegen der neige 
Z. F. D. A. m. 21 



322 STROPHBNANF. DBR HEIDELB. LiEDKRTfllf OKfiPi^ 

6. Wie vber winde ich beide Hagen 3, 246' 

7. Sol mich niht vervahen 

8. Engel wan vn vze 

9. Owe Hebe svmerzit Hagen 3, 27!" 

10. Wist ich weme ich soldc clagen 

11. Owe liebv svmerzit Hagen 3, 249'' 

12. lemer an dem svnnentage 3, 250*' 

13. Dar an siner gele spranc 

14. Owe lieber svmer diner Hehler tage lange Hagen 3,270'* 

15. Hat aber ieman leit de minenie leide si gelich 

16. Ich engewan vor menegen ziten vngenaden mere 3^271' 

17. Sine wolde ie doch in sinen Spiegel nie gelegen 

11. Spervogel bL 27 vw, 

1 . Swer in vremeden landen vil der tvgende hat. MS, 2, 226'' 

2. Wan sol die ivngen hvnde lazen z^ dem bern 

3. Swer svchet rat vn volget de» der habe dane 

4. Ez zimpt wol beiden de si vro nach leide sin 

5. Waz vromt dem rosse de ez bi dem vuter stat 2,227* 

6. vn vert zewalde spvm so Aer sne zergat 

7. Swer lange dienet da man dienst nihi verstat. 

8. Dv selde dringet vur die kvnst de eilen gat. 

9. Wan sol einen biderben man. wol drizzic iar. 

10. So we dir armvt dv beuimest dem man 

11. So wol dir wirtwie wol dv doch dem hvse zimpfl 2,227" 

12. Ich sage vch Heben svne min 

13. Mich rüwert vart vber mer 

14. Wer sol vf steinberc 

15. Do dier gfte wernhart 

16. Steinberc die tvgende hat 

17. Wan seit zehove mere 

18. Mich mvt de alter sere. 2, 228** 

19. Swie sich der riebe betraget 

20. Weistv wie der igel sprach 

21. Swie de wetter tv 

22. Ez WC ein wolfgrawc 

23. Ein wolf vn ein wizzic man 

24. Ein wolf sine svnde vloch 

25. Ez mac der man so vil vertragen 

26. Swene hvnde striten vmbe ein bein 2, 228*^ 



STBOPHDCANF. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 323 

12. Der . ivnge . Spervogel bl. 28 vw. 
27. Ich bin ein wegemfder man 
%^. Entwerfen ist ein speher list 

29. Swer des biderben swache phligt 

30. Swer mir dvr sine kvndekeit 

31. Der alten rac 2, 229" 

32. Gvsse schadet den brvnnen 

33. Swa zwene dienent einem wibe 

34. Alder weite hob 2, 109^ 

35. Zwo gespilen mere 

36. Sage bi den trvwen 

37. Icit vn vngem^e 

38. Genedieb Inder maze 2, 110'' 

39. In dem walde vn vf der grvnen beide 1, 162** 

40. Wol in den der deinen vögele singen 

41. Er ist gewaltic vn starc 2, 229" 

42. In der belle ist micbel vnrat 

43. In bimelricb ein bvs stat. 2, 229^ 

44. Swer gerne z^ der kilcben gat. 

45. leb ban gedienet lange 

46. Micb bvngerte barte 

47. Swa ein g^t böm stat 

48. Swel man ein gvt wip 

49. Ein man sol baben ere. 

50. Korn säte ein bvman. 

51. Crist sieb zemarterenne gab 

52. An dem österlichem tage 

53. Vnrze des waldes 

13. Rvdolf . von . Rotenber bL 29 vw, 

1. Waz verzagetes herzen bat min lip 1, 32^ 

2. Ich bet ir doch ein teil geseit 

3. So ich bi der hochgemuten bin 

4. Ir svlt mir selic vrowe ein wort 

5. Getorst ich vch mins herzen willen sagen 

6. Were an der minne valscbes ibt 1, 33* 

7. Owe de ich ez mit der lieben ie begvnde 1, 34* 

8. Owe wes hat sich dv liebe an mir gerochet 1, 34^ . 

9. Ich wil gein der lieben singen vmbe ein scheiden 
10. Ich wände ie de ich eiz waz der weite were 

21* 



324 STROPHENANF. DER HEIDBLB. LIEDERSAHMLDNGIR. 

14. Heinrich . der . riebe, bl, 29 rw. 

1. Nv lange stat dv beide val 1, 99*" 

2. Die rinden t micb in meneger zit. 

3. Mir were starcbez berzen not 

4. Soli icb an vreiden nv verzagen 

15« Heinrieb . von . Rvccbe. bl, 29 rw. 

5. Nacb frowen scbone nieman sol 

6. Icb tvn ein scbeiden de mir nie I, 100* 

7. Ich gerte ie wunneclicber tage 

8. Icb borte gerne ein vogeiin 

16. Hartman . von . Owe. bL 30 tw. 

1. Mir battenbotten frowe gvt 1, 182* 

2. Dv solt ime botte minen dienst sagen. 

3. Min erste rede die si ie vernam 1, 182^ 

4. Swez vroide an gvten wiben stat 1, 180* 

5. MoLt icb der scbonen minen m^t 

6. Ez ist ein elage vn nibt ein sanc 

7. Icb spracb icb wolte ir einer leben 1, 179* 

8. Sit icb ir lones mvz enbern 1, 179^ 

9. Mir sint dv iar vil vnverlorn 
10. Der icb da ber gedienet ban 

17. Wolfram . von . Escbebacb. bL 30 rt», 

1. Ez ist nv tac 1, 147^ 

2. Daz gvte wip 

3. Si beide Ivste 

4. Ir ovgen naz 1, 148" 

18. Wabmvt. */. 30 rw. 

1. Lobe icb nv des meien gvte 1, 162'' 

2. Liep vor allem liebe ein wunne 1, 162*" 

3. Icb wil dir mit trvwen singen 

4. Obe icb vngesvngen swenden 

5. We war vmbe trvrent si 1, 161* 

6. Frowen diene dicb vnverzaget 

7. Waz bilfet de icb kiege da. 

8. Waz bat micb dv liebe zit vervangen 

9. Vz ir 5gen vliegent stralen sere 

19. Rvdolf Offenbvrc bL 31 vw. 

1. So dv nabtegal ir sanc 1, 34^ 

2. N6t vn angist sint da bi 



lOPHBNANF. DER H£1D£LB. LIEDBRSAMHLUNGEN. S25 

• Ir wol eren richez leben 

• Ist ic ich verderben sol 1, 35* 
. Si sol wizzen de dv not 

20. Walter . von . Mezze. bl. 31 vw. 

• Ich lide zweier hande 1, 163^ 

t. Ob si mich hazze nein si niht 1, 164* 

;. Ich wände senften minen mf t 

U Er dvnket mich ein kfne man 

»• Sichvrentmedeger in gegen derwonneclichen zit 1,165* 

U Mir ist selten berzeliebes iht geschehen 

^ So we dir weit de ich dir niht entrinnen mac 1, 166* 

\. Hetin nv die bl^en den gewalt 

K Dir enbiitet edel riter gft 

h Der walt in grüner varwe stat 

L. Ein winken vn ein vmbesehen 

t. Ich wil weinen von dir gan (/. hän) 

I. Div linde ist an dem ende nv iarlant lieht vn bloz 

I. Mirst min altv clage noch nvwer denne vert 1, 166* 

&• Sold ich wünschen so woid ich den vogelen wünschen des 

6. Swes die nahtegal mit ir sänge neme war 

21. Gotirit . von . Strasbvrc. bl. 32 vw. 
1. Div zit ist wunneclich 2, 183* 
Z. Wiplichv werdecheit 
S. Ich vnverdahter man. 

4. Was sol min vmbesagen 

5. Der svmer si so g^t 

22. Heinrich . von . Veltkilchen. bL 32 vw. 

1. Tristrant m^ste svnder danc 1, 19* 

2. Sit dv svnne ir Übten schin 

S. Swenne ich bi der vil hobgemften bin 1, 21^ 
4. Swer mir an alle schvlde si gehaz 
5* Der winter were mir ein zit 1, 40* 
•• Wie tf t der besten einer so 

7. Swer meret die gewizen min 

8. Ich bin dir lange holt gewesen frowe biderb vn g^ 1,39^ 

9. Ez dvnket mich wol tvsent iar daz ich an liebes arme lac. 
0. Oben ander linge den zwige. da sanc ein dein vo- 

gellin. 



.•*•-• 



826 STROPHBNANF. DER HEIDELB. UBDBRSAMMIJDRGBN. 

23. Der . marcgrave . von . Hoheobyro. U. 31^. rw. 

I. Ich han erweit min selbe svzen kvmber 1, 15^ 
'^2. Ich han in minem herzen vroide vil 

3. Ich het ie gedaht wie ein wip wesen solde 1, 17^ 

4. Ir lip vn ir ere de ist alles vil reine 

'^5. Si enist niht in allen so schone min frowe 

6. Sit alse vngelovbet 2, 109^ 

7. Wolde sich div g^te 

8. Ich wände vngemvte 

9. Er mac wol verderben. 

10. Der ich gab vur eigen 

11. Nv han ich gedinge 

24. Heinrich . von . VeltLilche. bL 33 vw. 
*1\. Swer wol gedienet vn erbeiten kan 
'^12. Wer ich vnvro dar nach alse ez mir stai 
*13. Ich bin vro sit vns die tage 

14. Hie bete wilent zeiner stvnde 1, 18^ 
'^15. Ez kam von tvmbes herzen rate. 

16. Ich wände dat he hovesch were 1, 18^ 

17. Hei isch an ime theloso minnen 

25. Havvart. bL 33 rw. 

1. Ich wil dir herre ihc der vil reinen megde kinde 2» lli' 

2. Wie lange svln die beiden vns mit dinem lande pfenden 

3. Dir herre clagen wir armen grozer vngenaden me 

4. Crist enbvtet sinv mere 

5. Nv tf svnder vf din oren 2, 111^ 

6. Dvlden mvz in dinen hvlden 

7. Nv b^te vur vns dine hende 

8. Vz den bvchen sagent die pfaffen 

9. Obe ez an minen eren mir gesohaden niene mac. 
10. Sich diner eren frowe envare ich vf die truwe niht 2,112* 

II. Sage mir waz ist minne von der singes dv so vil. 

12. Waz minne si vil liebv frowe min. de sage ich dir 

13. Ich en minne niht doch merke ich eines do verdori>en ist. 
14« Mäht dv doch mine stete kiesen bi der grozen not 

15. Nv kvs ich an der vogel swigen 2> 112^ 

16. Mich iamert nahe ir tvgenden iemer 

17. Dv bist min trost vn och min wunne 






SmOPBBNANP. DER H£1D£LB. LifiOBRSAMHLI}N6£N. X7 

26. Gvnther . vz . dem . Vorsle. öL 34 rw. 

1. Ich han liep mit seneder leide 

2. la enweiz niht dv wolgetane 

3. Swer ie seneden mvt gewan. 

4. Nv svit ir mir lere geben 2, 113* 

5. Were ich in der werdecheit 

6. Noch han ich ein troesteliu 

7. Wie Virt ir min stete kvnt 

8. Wol mich de ich ie den mvt gewan 

9. Sine weiz niht wie liebe si mir t^t. 

10. Si liebe si schone si gvte 

11. Si werde si here si riebe 

12. Si senfte si sfze si reine 2, 113^ 

13. Nv her obe ieman kan vernemen 

14. Ez warp ein ritter lange cit 

15. Div schone frowe kan gegan 

16. Si waren beide enzvndet gar 

17. Do alle ir wille wol ergienc 

18. Nach der vil grozen liebe kam 

19. Div minnecliche frowe sprach. 2, 114* 

20. Der ritter gft sprach do hin zir 

21. Ich sol dir sprach div frowe her 

22. Owie mohte ich leisten dinv wort 

23. Do sprach de wunnecliche wip 

24. Swer sich an liebe mazen kan 

25. Die mohte ich lengen baz din leben 

26. Min sorge swachet mir den sin. 2, 114^ 

27. Nv boret wie der vrowen gvt 

28. Do sprach der ritter vber lanc 

29. Do sprach dv vrowe wol getan 

30. So wol mich de ich han vernomen 

31. Nv boret wie dv lieben do 

32. Hie mvgt ir merken fremede zal. 2» 115* 

33. Swer vch von ende solte sagen 

34. Div schone frowe sprach also 

35. Svz endet sich der zweier strit 

36. Gvten Ivten wil ich kvnden 

37. Sol ich ir den trovm betvten 

38. Min stimme hiez mich vro beliben 



328 STROPHENAMF. DBR HEIDELB. LIEDBRaAMMLimcatR. 

39. La mich noch ein Ivzzel sprechen 2, 115^ 

40. Sold ich mich von schvlden vroiwen 

27. Der . herzöge . von • Anhalten, bh 3& rw. 

1. Ich wil den winter enphahen mit gesange 1, 6^ 

2. Wol mich iemer mir ist wol zemvte 

3. Mohten si deme walde sin i5p verbieten 

4. Sta bi ia mich den wint lan weien 

5. Ich sach die schonesten in den landen 

28. Albreh t . von . lohannes . dorf. bL 36 vw. 

1. Min erste liebe der ich ie began 1, 173^ 

2. Ich wände de min kvme were erbitten 1, 174'' 

3. Ich han dvr got de crvce an mich genom 1, 173^ 
*4. Mich mac der tot von ir minnen wol scheiden 
*5. Do dv wolgetane gesach de crvce an miiie deide. 
*6. nv min herze vrowe nv entrvre niht so sere 

29. Der . marcgrave . von • Rotenbvr(c abgeschmUen) 

bL 36 VW. 

1. Deme kvnege dem vure ich swererwil den lip. 1,144' 

2. Min ovgen mfzen dvr de selic sin 1, 18". 144^ 
*Z. Swer sich so sere an die minne verlat 

30. Brvdcr . Wemher. bL 36 rw. 

1 . Ich weiz der herren menegen obe ich bete ir eines gft 
'^2. Ich wil dem crvce singen [2, 161' 
*3. Ze tröste wart vns allen 

31. Lvtolt . von . Seven bL 36 rw. 
*\. Die nv bi liebe slafen 

2. Man sol nv singen 2, 98' 
*3. Von deme scheiden 

4. Wer kan nv zedanke singen 1, 137* 

5. Vroide vn sorge «erkenne ich beide 

6. Wol vch deinen vogellin 

7. Frowen lat vch niht verdriezen 1, 106" 

8. Ich wil vch ze redenne gvnnen 1, 106^ 

9. Frowe so wil ich vch leren 

"^10. Ez ist wol daz wir die lieben beide 
'^11. Wie solt ich ze tanze wol gesingen 

12. Mir gab ein sinnic herze rat 1, 78*. 99* 

13. Min lip vor liebe mvz irtoben 

14. Han ich iht vrvnt die wünschen ir 



9flOPHBNANF. DER HEmBXtB. UEDERSAHMLUNGBN. 329 

15. Ich svhte g^ter vrvnde rat 1, 42" 

16. Mir woDt vil VDgemaches bi 

17. Ich bin mit rehter stete einem g^en riter vndertan. 2,1^7^ 

18. Sine mvgen alle mir benemen den ich mir lange han er- 
*19. St)lde ich den ivngen raten [well 
*20. Ich horte manegen vragen 

*2i. Mich wundert wie den Ivten si die sich der eren schament 
29. Nv wil aber der deinen vögele singen 2, 115^ 

23. Do min ovgen si alrest irsahen 

24. E daz si anders ieroan lieber were 

25. Als ich gemeinlichen mfz gebaren 

26. Die liebten lieben s^ze tage reine 2, 116* 

27. Daz ist ein wip dar ich mich han gewendet 

28. Nv wil aber der blvmen schin 

29. Des mich tvmben sit verdroz 

30. Si ist so noch gnfge sint 

31. Laz ich in des get mir not 

32. Tr^g er inder holden wan 2, 116^ 

33. Liebe vroideloser kneht 

34. Div vil minnesliche die ich da meine 

35. Ich weiz wol ez hat dv schone svnde 

36. Nv ist mir aber leide 

37. Wes ich wa ich svnge 

38. Nv sehe ich an ir mvte 2, 117* 

39. We waz wil si me 

40. Ich enwil niht twingen 

41. Wil mir ein wip gnedic sin 

42. Ich han gedingen wirt si mir 

43. Vns wil schiere wol gelingen 1, 117^ 

44. Mvgit ir scbowen waz dem meien 

45. Wol dir meie wie dv scheides 

46. Scheidet vrowe mich von sorgen 1, 118* 
^^47. Der die schonen zit mit vroiden hf^re waz** 

32. Hvg . von . Mvlndorf. bL 39 vw. 

1. We waz hilfet al min singen 2, 207^ 

2. Swer den vrowen an ir ere 

* in dm mmnesingem des herm von der Hagen 3, s, 468 c / 



380 STROPHBNANF. DER HEIDJCLB. UfiDERSAMMUDIGBN. 

33. Der . byrcgrave . voa . Regensbvrc. bL 39 vw. 

1. Ich lac den winter eine wol tröste mich ein wip 2, 117^ 

2. Nv heizent si mich miden einen ritter ine mae 
34. Grave . Otto . von . Bottenloben. bl. 39 vw. 

i. Wizzet daz ich singen wil 1, 168^ 
2. Ich wil selic vrowe dir 1, 169" 
Vro minne ich lachet miner swere 1, 16* und Benecke 

5.1 — 8 gewinne. 
Die Sammlung ist beendigt: denn unter die rUckseite 
des 39n blattes hat der Schreiber die %ahl y gesäst, 
als ob der Jiin/te quatem dort schon su ende wäre. 

If^erzeiehnis der äiekiemamen. 

der hersoge von Anhalten 27, 

gmve Otto von Bottenloben 34. 

Wolfram von Eschebach 17. 

Gedrvt 9. GotFrit von Strasbvrc 21. 

Hawart 25. der marcgr. von Hohenbvrc 23. 

Albreht von lohannes dorf 28. 

Walter von Mezze 20. der von Morvnge 5. Hvg vod 

Mvlndorf 32. 

Nithart 10. Ni^ne 8. 

Rvdolf Offenbvrc 19. Hartman von Owe 16. 

der bvrcgr. von Regensbvrc 33. Reimar 1.2.3. Rrdolf 

von Rotenber 13. der marcgr. von Rotenbvrc 29« 

Rvbin 7. Heinrich von Rvcohe 14. 15. 

der trvhsle von S. Gallen 6. Lvtolt von Seven 31. 

Spervogel 11. 12. 

Heinrich von Veltkilchen 22. 24. Walther von der Vogel- 

weide 4. Gvnther vz dem Vorste 26. 

Wahmft 18. brvder Wernher 30.] 

a, Anhang von späterer hand in derselben handsckrifi 
bL 40 VW. bis 43 rw. 

'^l. -och gonde ich gutin lutin wol. 

2. Ich singes vnder minin danc. 1, 166^ 

3. Ich wnzhe da2 ich ir gelige 1, 167" 

4. -V minne habe des iemer danc = 59a. 

5. Ir guetlich lahin minneclich 1, 166^ 

6. Wie kumit daz mich ir ogin gruz 1, 167* 
'^7. Min mut stunt ebene vn wol 

8. -ich hat ein lieber wan 1, 167'' 



I 



STBfHVBNANP. DBR HEIDBLB. LIBOERSAMMLDNGEN. 8S1 

9. War unbe sprich ich daz 

10. die na daz herze min 

11. ein reine hohgimüte 1, 169^ 
*12. knnde ic^ als ir gizheme 

13. si fragent vfi fragent abir aizi vil 1, 122" 

14. die schamelosin liesen si mich ane not 1, 121'^. 122^ 

15. ich solle ein Inzii miner langen swere clagen 1, 166^ 
*16. selicliche deme geschiet. {gehört »u 1, 169* D^a») 

17. der svmer vn alle sin schone, vn och sin wnne 1, 168^ 

18. der lieber svmer künde schöner nith gesin 1, 167^ 

19. ein sende leit daz ich von eime wibe drage. 

20. dv liebe lat mir scheiden niht von ir geschehen = Rubin 

21. -fz ich nach wane wezin vro 1, 109^ [19 A. 
Zwischenraum von 10 zeilen, bL AI vw. unten. 

*22. owe daz wisheit vn jugint 

23. des swar reimar dv ruwes mich 1, 105* 
Zwischenraum von 9 Zeilen. 

24. frowe ich höre weh so vil der tvgende iehin. 1, 114^ 

25. konde ich die mase als ich ir leidor niht inkan 

26. wir man wir wellin daz stetekeit 1, 115* 

27. ich sage weh wer vns wibin wol bihagit 
*28. ein wip mit wibis gute. 

^^29. nv horent lat weh wisin. 

30. -V minne lat sich nemin da 1, 112* 

31 . swa zhuene munde gereut giliht =: 203 D, 

32. so minne ein gokil spil wil machen = 202 D^^ 

33. Swa minne slusit vn vir drossln =: 206 D. 
S4. ein schone magit Ulrich von Lichtenstein 512) 7. 
85. der wahter sanc von minnin wol 2, 98* 

^^36. dv reine sfze sere ir srac 

'^37. Von dannen schiet der kfini tegin 

eine zeile Zwischenraum. 
*3S. Bi liebe lac 
*39. -v vil sfze sprach drut gi seile 

eine zeile Zwischenraum* 
*40. swer nu vir hole lige 
*41. wahtir din sanc ist grus 
*42. Dv liebi ir werdin gast 
^43. Der liebin leide wart 



832 STROPHBNANF. OBR HEIDBLB. UEDBRSAMHLDNeiN. 

44. mir armen wibe waz ze wol 1, 68" 
*45. -ie froide mir verbotten hat 
'^46. Vns kwnt div suzze sumer ziU* 

a. Von einer dritten hand, von der mitte der rück- 
Seite des 4Sn blattes bis zum ende des 44». 

47 • svlt ich gottes hoha wnder wert an dn er hat geleit 2, 212* 

48. So wol dir gottes wnder tal ich meine dich tvrv weit 

49. Ir lobt gar alle gotes werc so lert der kvnic danid. 2, 212^ 

50. ich bore dicke sprechen so die haben sich lJ)e getan 

51. So wol dir weit so wol dir hüte vnde iemer mere wol. 
Zwischenraum» 

52. mAn schiitet got noch sinn wnder wert dar vmbe niht 

Müller ^^\. 

53. dv werlt ist ein garte do got inne brechen sol MiUlerZ'92. 

54. -b man die werlt niht mvhte schelten vnd ir missetat 

JUüUer 393. 
"^55. -wer von der weite seit an ir si wandelberes niht 

56. -V weit von rehte wirt bescholten verre deste mer 

Malier 390. 

a. Von einer vierten hand, auf der vorderen seite des 
45» blattes, 

57. Wie kom daz mich ir ongen gruez 1, 167^^ 

58. Ich wünsche daz ich ir gelig 

59. Die minne habe dez immer danch = 4 a* 

Auf der rOckseite des 45» blattes stehen von einer un- 
gebildeten hand noch dreizehn verse^ die herr von der Ha- 
gen, ob sie gleich kein lied sind, in seine Sammlung aufge- 
nommen hat 9 3, s, 420 n. xmi, aber in den ersten zeHen 
unbegreiflich entstellt, da in der handsckrift deutlich zu le- 
sen ist 

ach herze liep ach herz let 

ach libes lieplich erebet. 

ach gechant (d. t. jächant) min ach baisam tror. 

ach dv SYSses zvkker ror 

libes vn herze min u. s. w. 

* bei herm von der Hagen 3, s, 468}t ^/ 



SntOPBBNANF. DER REIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 383 

D. Sammlung von sprächen in der heidelbergischen 
handschriß 350, bl. 1 — 40. 

1. abtheilungy bl. 1 vw. 

i. Ich sagt vch gerne nu bort waz. = MS. 2, 138^ 

2. Do wonte ein magt vf erde hie. 2, 125" 

3. Do got her in erde wolte komen. 2, 138^ 

4. Adam, tu manic verlorn sei. 2, 125* 

5. Got vater diner manigen tvgende. 2, 138^ 

6. Got uater svn heiliger geist. 

7. Got aller gvten dinge ^rsprinc. 2, 137'' 

8. Ihc dv gotes wunder bot. 2, 139" 

9. MatHs menschen bilde hat. 2, 125" 

10. Got herre swes dr an vns gerst. 2, 139* 

11. Got herre gip vns hvte heil 

12. Abi wie wuniclich ein schar. 2, 125^ 

13. Got herre vater da dv bist. 2, 136^ 

2. äbtheilungy bl. 3 vw. 

14. Ich wil iv singen nv merken t daz. 2, 139^ 

15. Owol dir Gabrieles munt. 

16. Groz wunder daz vns ist geschehen. 

17. Nv si vron Euen diz verclagt. 

18. Maria kuniginne her. 2, 140* 

19. Ez ist vil manigem minnere leit. 2, 125^ 

20. Swer gerne minicliche lige. 

21. Dv svnden bloz dv*ualsches bar. 

22. Gegrfzet sis dv kuni^. 2, 140* 

3. abtheilungy bl. 4 rw. 

23. Er ist ein seldenricher man 2, 143* 

24. Gedinge höhet mir den mvt. 

25. Tristram der leit vil groze not. 

26. Vrowe miner frouden heil. 2, 150* 

27. Sich vmme dich vil selic wip 2, 126* 

28. Sit trvwe ist al der werlte g^t. 

29. Der guten wibe werdikeit. 

30. Wir wellen daz div minne si. 2, 145* 

31. Alle schvle sint gar ein wint. 2, 142* 

32. Minne ist ein daz beste wort. 2, 142^ 

33. Wibes minne ist rehter bort 

34. Got hat mit hoher werdikeit 



■ i 



3S4 STROPHBNANP. DER HEmELB. LffiDRRSiOiaUIRaN. 

. S5. Bin wip di gar geariet hat 2, 149** 
*S6. Vrowun lop ist reinez leben. 
37. Ich wil vch leren werdiv wip 2, 142^ 
*38. Ir vrowen scheident man von man. 

39. Swer alder werlde werdikeit Hagen 2, 184" 

40. Ich gibe vch vrowen einen rat Hagen 2, 184^ 
4t. Waz cleider vrowen wol an ste. MS, 2, 12((^ 

42. Man tvt vns michel wunder kant. 2, 145*" 

43. Man seit von heilawage vns nil. 2, 149^ 

44. Der werlte riede ist ez ensol. 2, 147^ 

45. Ein man der so erworben ist 2, 126^ 

46. Ein man der niht erwinden wil. 

47. Ein gelle ir geile niden m^z. 2, 144^ 

48. Der baisam ist den herren gvt.'*'' 

49. Die minne hat wunderliche sit. 2, 127* 

50. Ein lip. zv sele. ein mvnt. ein mft. 
*51. Nv wil ich leren ovch di man. 

52. Vil maniger wenet vrowen leben. 2, 149" 

53. Di berge di sigent nach mir zv. 2, 145* 

54. Vnd het ich drier wünsch gewalt, 

55. Swelich vrowe ir m^tes so irrenert. 

4. abtheilung^ bL 10 mo. 

56. Ein herre von gebvrte vri. 2, 138* 

57. Ein ivnc si lobelichen ivnc. 2, 127* 

58. Ein herre ivnc schone vn rieh. 

59. Der mvt was wilent knehtes kneht. ^, 148^ 

60. Mulwille ist vbel er ist ouch g^t. 2, 127^ 

61. Vz sinwellem mfte ein man. 2, 148* 

62. Ein man im selber ist ze rieh 2, 146* 

63. Sage vngelobter richer man 2, 137^ 

64. Gewalt mac melden vnder slan 2, 127^ 
*65. Die werft ist vngelich gem^t, 

66. Di werlte was wilent so gestalt. 2, 148*" 

67. Nv volget ein gemeiner site. 2, 141* - 

68. Waz eime rehten herren zimt. 

69. Wol dir richeit wol dir gewalt. 2, 141** 

70. Daz gut ist eime hohen man. 2, 141* 

* hei herm von der Hagen zwei mahl, 2, 186* und 3, 33)2*, an§t^ 
lieh aus einer vnd derselben handt€hr\ft! 



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.nHMVdfiHV. DBR HBmELB. ^ 3SS 

71. Ez sint noch herren etswa. 2, 141'' 

72. DI ere was wilent also wert. 2, 127^ 

73. Ez wart nie wip noch man belogen. 2, 128* 
*74. Div ere minnet niht dvrch gut. 

*75. Yro ere ist magt. vn habt doch man. 

76. Ez ist ein forme di wnnder birt. 2, 128* 

77. Swaz dl vil reine trinitat.' 

78. Swaz in der werlt noch geschach.' 

79. Di edeli ist ein hoher nam.' 2, 128^ 

80. Daz hoheste dino da man von seit. 

81. Zwei adel sint an den luten ouch. 

82. Ich bin edel sprichet manic man. 2, 129* 

83. Blanker geberde stunde ir ganc. 2, 141^ 

84. Verguldet kuphfer. versilbert zin/ 2, 141^. 168/^. 
' 85. Ez ist ein wae der lat sich waten. 

86. Ir vzgesanten bruder seht. 2, 129* 

87. Swa so di lute geordent sint. 

88. Vil manic gft cristen svnden phligt. 2, 145* 

89. Svnden glast mit wider wer.' 2, 145"* 

90. Swem liep geschiht. vn doch nit wol.' 2, 144^ 

91. Gelnckes rat ist sinewel. 2, 140^ 

92. Man swaz dir vnnerdienet kome. 2, 147^ 

93. Waz hilfet ane selde kunst 2, 150^ 

94. Daz hoste vleisch daz ie getruc. 2, 137* 

95. Di reine zunge ist also gut. 2, 143^ 

96. Oben vber. vn vnden durch geuam.' 2, 137'* 

97. Sage an munt uol/wilt du dich 2, 124* 

98. Den siiren sdr. den scharphen scharf.' 2, 144* 

99. Vnde solt ich malen einen man.' 2, 140* 
100. Struzes ougen solt ein man.' 2, 140^ 

101* Ein adam der ein euen hat.' Hagen 2, 195* 

102. Swelch gut man hat ein bider wip.' Hagen 2, 195^ 

103. Der edel wise vri adam.* Hagen 2, 195^ 

104. Her han ich wil iv sige.s iehen. 2, 129^ 

105. Swa gut man hat ein übel wip.* 

106. Tvrnieren was e ritterlich. 

107. Owe dir spil wi böse ein amt. 2, 148*" 
L08. Daz schoniv wip betwingent man.' 2, 124^ 
109. Der tvuel der geschuf wVfelspiL' 



336 STROPHENANF. DER HEIDELB. LIBDBRSAlIllUIlfeaD«. 

110. Ez ist ein würze div schaden birt 2, 129*" 
'^Iti. Swaz got durch der propheien mvnt. 

112. Vns ist von meren worden kunt. 2, 138* 

113. Di trankenheit tut grozen schaden 2, 130* 
*114. Wir haben nv eredinge vii. 

115. Zvcker sfz. honic benit. 2, 130* 

116. Ein schiltmezic ritters kneht der sol (von a$ukrer 
hand verbffsert Ez sol ein ritter mezig knecht) 2,137'' 

117. In dirre wilden werlde uert Hagen 2, 189* 

118. Di haut di muze selic sin.* MS. 2, 147* 

119. Gern gewern vngeme biten 2, 140^ 

120. Di milte manigen herren hat.* 2, 130* 
'*'I21. Vro milt ir sit vn sit doch nit 

122. Ist milte ein tvgend als man ir gibt 2, 130** 

123. Der toren milte di toren lobent.' 2, 124* 

124. Swind ist ein lop swer daz nv kan 2, 130^ 

125. Di clucheit ist der kundikeit 

126. Her vriunt. her vriunt wi tvt ir so. 

5. abtheilungy bl. 21 vw. 

127. Di engel sint noch engel kint 2, 131* 

128. Do got in menschen bilde erschein.' 2, 143** 

129. Swer bannen wil. vn bannen sol. 

130. Ir seht der kirchen in den munt 2, 144* 

131. Här vn hart nach closter siten. 2, 124^ 
132* Swer einen schonen wizen man 2, 144* 

'*'133. Der bähest hat vil riebe kint 

134. Vnreht. vn reht habent lange gestriten 2, 146* 

135. Wes sumes dv dich endecrist.* 2^ 147^ 

136. Wes sumes dv dich endecrist.' 2, 137^ 

137. Des uaters swert vnt ouch des svns.. 2, 131* 

6. abtheilungy bl. 23 vw. 

138. Der triwum triskamer bort. 2, 149'' 

139. Walt hat oren uelt gesiht 2, 131* 
^140. Der keiser wil des riches brot.V 

141. E daz di knappen wider als 6 2, 138* 

142. Daz rieh was vil sere siech. 2, 131* 

143. Vor kundiclicher gelichsenheit.* 2, 124' 
*144. Svren mvt vn vngewizzen lip. 

145. Got alter vii niwer crist. 2, 131^ 



4 



gil W illM fAIff; PER HEIDELB. LIEDERSABiMLroW«W; m 

*146. leii kan gebnq^n Boch gestegen 

147. Veaedier di habent Temomen 2, 146' 

148. Daz liehe daz ist des keisers niht 2, 131^ 

149. Symliehen yursteü ist daz leit 

150. Ein kanic der woi gecront gat. 2, 132* 

151. Ein kanic der aller der wil sin 

152. Von rine so bin ich gebor.* 2, 146^ 

153. Mir ist geswoUen hie der mut. 

154. Ich were vngerne da Rauit. 

155. -Her herre vnt habt ir einen man 2, 132* 

156. Swer einen gucguc haben wil 

157. Swa Ingener ist herren bot. 2, 132^ 

' 158. Swa meister Ernst wirt uertriben J 

159. Der lecker monde znnge ist snel 2, 147^ ^ ' > 

160. Her hagene ir sit dem man so wis.' 2, 149* 
^ 161. Ich quam geriten in ein lant 

162. Ein honschricke w&nde.ein lewe sin.' 2, 132^ •;' - 

163. Ein clage in minem herzen hat * "" 

164. Ein voUenkonien mensch vnnf. sinne hat 2, 133* ' 

165. MeriJLe tnmbes mfttes innger man 

166. Swer minnen will nach minne site. . 
167« Der rehte gftte sol niht gern 

168. Vergoldet knppfer. nersilbert zin = 84 D. 

169. Ein vngebeten genaterschaft 2^ 133*" 

170. Gesoten Rge gebraten Inge. 

171. Div werk gelichet sich dem mer 

172. Di wildener di habent site. 

173. zwinel machet zwinel m^t 

174. ich enrfche sagt weder abe noch an 2, 147* 

175. agez da bist ein abel diep- 

176. vil wiser man nv bore mir. 2, 134' > 

177. beschaffen vnt ez m&ste sin, 

178. nv merkent alle wi daz 2imt.' 2, 134^ 

179. ez was ein gar vnselic man. 

180. einem vischer trSmt er solte län. 

181. in miner abentzit ich bin 2, 135* 

• * 

182. di werlt ist wunderlich. 
183« swenne ein vlfirzvn drt iar gestat. 
184. wir haben gehört lange .W0I..29 135'* 

Z. F. D. A. Ili. 22 



SS8 STiU)IWMANP. DER HEIDELfi. UBOERSAMlILIINaN. 

185. atzuDge ist herreo houe ein bagel. 

186. so wac gclit so wint geligt. 

187. -in sneller wol geuierter wagen. 

188. nv merket waz daz si durch got« 2, 149* 

189. nv seht wie listie däz er was. 2, 148' 

190. sich mensch dich vvr. warte wer da bist. 2, 136* 

191. vii tvmber mensch ich rate dir. 

192. swer ane svnde welle veraarn. 

193. ez vvr ein eben heriv diet 2, 150^ 

7. abtheilung, bL 32 no. 
*194. dO fro ere saz an ir gerihte. 
'*'195. ginge vngevuge vf von den nidem. 
*196. jch weiz wol daz ere iht mute. 
^^197. gelucke wil sich lazen vinden. 
'*'198. stivre edel ritter dinem munde. 
*199. vro werlt ir altet vn bo^et. 

*200. ez sprechent wol gezogene lute. . 
*201. -i minne hat reht der sinnen craft. 

202. swa minne ein gougelspil wil machen. z=: 32 ir. 

203. swa zwene mvnde gernt gelioh. zz^ Z\a. 
^^204. wer sol des einer vrowen danken. . 
^^205. man sol den vrowen minne eruleben. 

206. swa minne sluzet vnuenlrozzen. =; 33«. 

^207. der hohesten zuht ein meistrinne. 

*208. swer vrowun diener wesen welle. 

'^209» ein man der hoher minne lachet. 

^210. schäm di man borget durch di gesle. - . 

*211. jr vrowen swa di herren lazzen. 

*212. neronis volger vn erodis. 

'*'213. man sagt der struz kunne isen slinden. 

'*'214. der tuvel ist ein lugenere. 

*215. so ich di ratgeben des begruze. 

8. abtheilung, bL 36 vw, 
'*'216, der minniclichen vrowen twingen 
^217. daz von den wolgemüten wiben 
'*'218. wil aber ir sehen so nahen reichen 
^^219. daz liebiv wip di man gewerten. 
*220. swa minniclicber vrowen gruzen. 

221. swa vrowun schone vnde vrowuo gute. Ragen 3, 421' 



STOOPWaNANP. DER HEIDELB. LIBDGRSAMULQNfiBN. 93» 

222. -urch liebi maniger wirt ze kinde. Hagen 3, 421^ 
*223. -ich duhte ein vrowe gecleidet wol. 
*224. min vrowe der ich wol g;utes gan. 
*225. der vrowen hören, der vrowen sehen. 

226. Waz hilfetmich daz ich zu vremedenyr5den var . 1,165* 

227. Were ich nu min als ich min e gewesen bin, Hgn'i, 3()9M 

228. Daz si mir ist so liep tete ir daz woL MS. 1, 165' 

229. So we dir werlt daz ich dir niht entrinnen mac. 1,166* 

230. Swcr rrowen minne trvtet vn ir ere niht. Hgn 3, 421^! 

231 . Ein wol versunne vrowe sol niht dienstes me ffgn 3, 422* 
2«I2- Di lungen überwunden etswenne ir iugent. 

233. Swelch man di iar hat ane mvt. di doch manzitic sint. 

9. abtheilungy bL 38 2>ie^. 
S34. Vrone wahter nu wecke 

235. Lat iv ir minne vnmere. 
S36. Vf dirre wilden werlte wart. 
%i7. Nach disen xwein senden pflügen. 

238. Mannes herze in herren übe. 

10. abtkeilungy bL ZS rw. 

239. Ez troumte des ist manic iar. MS. 1, 129* 

240. Die ueter habent ir kint erzogen. 

241. Wer zieret nu der eren sal. 

242. Owe dir werlte wi übel du stest. 1, 128* 

243. Nv wacht vns get zv der tac. 

244. Swer ane vorhte herregot. 1, i^S^. 

?45. Waz Wunders in der werlte uert. 1, 127** 
246. Swer houbetsvnde vnt schände tvt. 1, 128^ 
J47, Jvnc man in swelher ahte dv bist. 

248. Mit seiden mfze ich hivte vf sten. 1,129* 

249. Der hof ze-wiene sprach zv mir. 1, 129^ 

250. Mir ist verspart der seiden tor. 1, 128* 

251. Vil wundern wol gemäht wip. 1, 118^ 

252. Ir houbet daz ist so wunnerich^ 

253. Got het ir wengel hohen vliz. , 

254. Si hat ein kvssen daz ist rot, , 

255. Ir arme, ir hende. itweder ir vuz. 

256. Ich bore iv so vil der tugende iehen. 1, 114** . 

^uf der hälße des fünften quatems abgebrochen 
mit den warten kvnd ich leben, min 

22* 



340 STROPSBNANP. DER HEIDBLB. LIBDBRSAlOILDP^a!!. 

rf. Van späterer kand^ bl, 41 vw. 

1. nein ynde ia daz ist min eit. Docens müe. 1, 115. 

2. wEr koppen orden niet virbirt. 

rf. Von einer dritten hand, bL 42 rw. 

3. Miü freude wert niht lange Hagen 2, 351^ 

4. Maria kuniginne. Hagen 2, 352^ 

5. Der dot wil hie verdringen; Hagen 2, 352* 

H. Sammlung geistlicher lieder, in breiter sächsi- 
scher schri/t, der Sammlung D angebunden* (Hd- 
delb. hs. 350, bl. 43—64). 
*1. Wa sintnu alle die uon minnin sungin.e. Hagen 3,451' 
2« Godberreuonanegengegod. undeaachaneendeg;ar.2,212^ 
3. Lob nach gode daz hohste. solle wir gebin der hohin med. 
4« Uns bezeichint der glaube daz anegedge si. [2, 213* 
5. Uz einem worte wus ein god der doch ie wesinde was. 

MiUler 422- ' 
^^8« Des holdirbanmis smag hat einin unadiliehin smag. 
7. Ia engele hohit uwin sang. 2, 151** 
^^8. Maria dir wart gekunt 
*9. Drn groze wundir die sint besbribin. 
*10. Waz man von allin creaturin seit. 
"^11. Uil wundir wundirlichir got. 
'^12. Wol ieme der den bestin pbat 

13. Man siehit nach gode ein bilde malin martilnar. =:116i?. 

14. Maria godis dohtir mtidir lebindig brut. Hagen 2/343'' 

15. Swer godis brotwilniezin. und sinblätdar zu.rrllTiT. 

16. Nieman sal sinis leidis also drnrig wesin. Hagen Zj 125' 
'^IT. Ein rieh gewaltig hoher kunig was hie beaor/ - 
^18. Uil maniger noch besitzit sins uadir laut. 

^^19. Gedenkit hohe furstin richir lande wit. 

20. War sint die Bebeste komin wa ist ir gewalt. jGT^ 3,125' 

21. Ich clage den uatir vor. ich clage die muter nach. Hagen 
*22. Moyses der rette ane allin haz. [3, 125'* 
'^23. Sit dich diz wunder umme ied. 

* 24. Nf stat der Walt mid ftire gar. 

ich habe diese Sammlung früher zuweilen unter der bezeiehnung 
H angtjiihrt; wodurch einem Zufall mehr als billig ehre geschieht 



SniOraBNANF. DER HEIDBLB, LIBDERSAMMMVGBN^ 341 

*25. Moyses dir wirt aon mir geset. 

*26. Moyses der fragete für baz. 

^27. Daz riche sibiu furstin hat. 

*28. Uor drizig iarin slant iz baz 

*29. MVe Maria god in ewekeide. 

^^30. AVe Maria mutir allir gnade, 

"^31. AVe Maria. Gabrielis gruzin. 

^^32. AVe Maria, wer zu dir gedingit. 

*33. AVe Maria, waz man von dir singin. 

*34. AVe Maria reinir spilindir sunne. . 

^^35. AVe Maria waz du gnade enpbienge.. 

^^36. AVe Maria, wol dir ganzir wunne. 

*37. AVe Maria wundirlichiz wundir. 

'^38. AVe Maria allir megede frauwe. 

'^39. AVe Maria iemerlichis smerzin. 

'^40. AVe Maria dinis herzin sere. 

'^Ai* AVe Maria suzir mandilkerne. 

*42. AVe Maria, diz iudin geslehte. 

^^43. AVe Maria, da uon wart niht wundir. 

*44. AVe Maria. Got is ein gruntueste. 

^45. AVe Maria lebinde hiemil spise. 

"^46. AVe Maria, zarte magt stete. 

*47. AVe Maria, froude manigfeltig. 

*48. AVe Maria, uon yesse du gerte. 

*49. AVe Maria mutir ane swere. 

*50. AVe Maria. Wir warin uernihtit. 

♦51. AVe Maria. Nu ist hien gesheidin. 

♦52« AVe Maria. Wer din maget gedeidüt. 

♦53. AVe Maria, aaronis rute. ^^ 

*54. AVe Maria reinir morgin steme. 

*55. AVe Maria. Magit wis ein ärkunde. rA' 

*56. AVe Maria, lutir sint dine augin. 

*57. AVe Maria. Reine frauwe wise. 

*58. AVe Maria. Wer ist sie die gäte. 

♦59. AVe Maria. Shur der ungerehtin. 

♦60. AVe Maria. Bit din kint daz reine. 

♦61. AVe Maria, unsir heil besundir. 

♦62. AVe Maria. G^unt rehtis glaubin. 

♦63. AVe Maria. La dich frauwe erbarmin. 




S42 STfMNPHlfftANF. DER HEmBLB. UEDBRSAiaiLIS^ 

*64. AVe Maria Rose in raeien dauwe. 

*65. AVe .Maria, wazzir ftir loft erde 

'*'66. AVe Maria, magit min lebin krankit. 

*67. AVe Maria. La mich niht aergezzin. 

*68. AVe Maria. Vor deme ^ozin zome. 

*69. fiVa din grozir widir mut. 

*70. Ave in gotis orin was. 

*71. Eva daz ich mit fluche dir. 

*72. Ave du hohir erin hört. 

*73. Eva du bist die erste gewesin. 

*74. Gehouit uerhouit unde ungehonit. 

*75. Uerhofter shalg waz sol din lebin. 

'*76. Ich wii deme ungehoftin man. 

*77. God hat ime rebtin sin gegebin. 

*78« Dvrch god du sage mir meistir min. 

"^79. IVOe der werde sich in ganzin druwin hielt. 

*80. Uon winis kraft der aide in grozem freisin lag. 

'^Sl. Sem bot deme altin da er lag die linctiu hant 

*82. Ein kunig der gewaltis pligt. unde rehtis gert 

*83. Uon einis wibis shone hub sich ungeraach. 

'^84. God der wol alle sache shone riehdn kan. 

*85. Dauid der kunig leite da zu felde sich. 

*86* Saul der den risin bette der der krefte wielt. 

*87. Dauid die krönen alsus minnicliche erwarb. 

88. Gewalt mag meldin undirstan. MS. 2, 127^ 

89. Da minne menshin mut besaz. ir wunder wolte dobin. 

[2, 177' 
*90. Da minne menschin mut besaz. sich h&b nnstedekeit 

♦ji. uf ^ozin ungewin. 

♦92. ir wnndir warin vil. 

♦93. — ^g hette sie da nor. 

*94. e. was sie wordin kant. 

♦95, uf wandillichin ker. 

♦96, Dauid daz wart dir künt. 

nach dem b9n fehlt ein blatte das 18« der Sammlung 
Hy d. h, drei ganze Strophen. 
*100. bide Maria kunegin. 

^101. Da minne menshin mut besaz. sie wart Paulo bekant. 
♦102. Petre waz det sie dir. 



SimiPHBUNf* DIR HEIDELB« LIBDBRSAMHUDN6EN. 948 

*103. Da minne menschin müt besaz. ir 3m was wandeis fri. 

♦104. wer hette sie m gesant. 

*105. wie sie do deilte sich. 

*106. AVe Maria. Mutir allir seiekeit. 
*107. AVe Maria. Waz der creatarin lebt. 
*108. AVe Maria. Magit du bist gnadin fol. 
*109. AVe Maria, zuht bi dir gehusit hat. 
'^110. AVe Maria. Tempil der driualdekeit. 
^111. AVe Maria. Mit dir^ist der godis Thron. 
^^112. AVe Maria. Wol dem minnenclichin dage. 
^113. AVe Maria. Minninclichir morgin rot. 
^114. AVe Maria. Gnade minnencliche magit. 
'^'liS. E Godis herze breche uon des dodis kraft» 

116. Man siehitnach gode ein bilde malin martiluar,;;^13/f. 

117. Wer gotis brot wil niezin« unde sin Mut dar zu» t^ifS^H, 

118. Ich sehe dich sheppher aller sbepphenunge göd. Hagen 

119. Maria godis dohtir muter lebindig bruU = 14^». [3» lÜ^ 

bis zu den worten shrine. der dropphiu dorob die 
nach dem %Zn fehlt ein blatte das 2Ze der Samm- 
lung H. 
die anderthalb ersten spalten des 64^ blattes smd 
beschrieben, aber die Schrift ist ausgekratzt, hier 
eine probe. Das seste sprich, und« mana mich daz 
ich an deme or&ce schrei, mich durstet» iiiht nach 
liblichir krancheit. sundir nach des meüshin heiie. 
Daz siebinde sprich unde mane mich daz ich ge- 
drank 

h. Von späterer handf bL 64 rw. 
1. Ihc du wuntfrere. MS. 2, 171^ 
tp TiTOSt al der cristenheit. 2, 172' 
3. Ob allen fw'en fw*e. 2, 170\ 

R. Lieder von Regenbog Mamer und Frauenlob, auf 
vier perganientblättem, den vorhergehenden Samm- 
lungen D und H angebunden in der Heidelbergi" 
sehen handschrift 360, bl. 65 — 68. 
1. Hie hebet sich an d* Regepog in sin* langen weis. 
Ich hazze ivch ivden svnder mazze Hagen 3, 351" 



S44 STROPHKNANP. DER HBIDELB. UBDBBSAlOfLDNGEN. 

2, Aber der Regenpog sin langweis. 
Wol her an mich welch ivd ist weise 

5. Aber sa der Regenpog di langweu. 

Jvd gelaybstv daz goi hiel tu erden Hafen -i^ S51^ 
4. AUez der Regenpog in siner langen weis. 

* Da kvnic pharao niht lazzen wolde 
^, Der Regenpog di langweis 

Jvd waistv waz pharao bedevte. Hagen 3, 353^ 

6. Aber sa der Regenpog sin langey weis. 
Pharao gelich ich Incif^n. 

7. Hie hebet sich an d* Marener in siner langen weis 

* Di moler molent an ein want 

8. D* mam* sin langweis 

'* Ein tyer so fremdz ich nie gesach 

9. Aber sa der Mamer sin langweis. 
*■ Johannes in ein lat^m sach 

fO. Mam* langweis. 

* Ich pinz ein morgen rotiv prehen 
11 4 Allez der Marn* sein langev weis 

* Maria lihter himel van. 

12. Aber sa allez der Mamer sin langweis 

* Maria hebst* himelhort 

.13. Allez d' Mam* di langweis. 

Maria pivendez mandefareis MS. 2^ 173^ 
IAm Der frowelop sin zartiv weis 

* Maria rainer magetfm. 

15. D* frowenlop zartweis 

^ <6ot seit dein ger drei in ein crantz. 

16. Aber der frowenlop di zart weis. 
^ Svn dv pist svn. svn erbes kint. 

LACHMANN. 



945 



• • 



STROPHENANFANGE DER XXIV. UND XXV. 

ABTHEILCN6 DER WÜRZBURGER 

HANDSCHRIFT (Ee). 

E, Hie hebent sich die iieder an des meist*8 von 4er 
vogelweide hern walthers. bl. 168 rw.^ 

1. mir tut einer siahte wiiie = MS. ij 13S^ 

2. Dieke dunke ich mich so stete 

3. Wil er mich vermiden mere. 

4. Ich getar vor tusent sorgen. 

5. Sit daz im die besten iehen. 

6. her walther. so, oder her walther von der vogelweide 

oder walther vor Jedem neuen ton. 
Der riffe tet den deinen vogelin we. 1, 138^ 

7. Uns hat der winter kalt vn andere not. 

8. Uersumde ich disen wunnenclichen tac. 

9. Herre got gesogene mich vor sorgen. 

10. AI min fraude lit an einem wibe. 

11. Als ich vnder wilen zv ir gesitze. 

12. Man sol gutes mannes wirdekeit. 1, 114* 

13. Ich bin als vnschedelichen fro. 

14. Manig*: trnret dem doch wol geschiht. 

15. Als ich mit gedanken fmme var. 
'*'16. Mia waz wirt der kleinen vogelin. 
*17. Owe daz ich also verre. 

*18. Wil sie wider sie lange striten. 
*19. Tumbe lute nement mich besonder. 
*20. Mich wil immer singen 
*21. Sie sint verborgen 

22. Frauwe ich wil mit hulden 1, 57* 
*23. Nieman sol daz rechen 
^^24. Ich hao ir gedienet 

25. Minne hat sich an gennme. 1, 120** 

26. Minne sol daz nemen f&r gut. 

27. Minne hat noch einen site. 

29. Ich han ir so wol gesprochen. 1, 113** 
29. Frauwe minne ich clage fch mere. 1, 114* 



SM STROPHENANF. DER WURZB. HS. 

30. Frauwe lal sis nibt geniezzen 

31. Frauwe minne ir sult mir Ionen. 

S2« Ich bin fwer vrowe ninue. 1, 13T*' -^^ ; 

33. mUr sagt eiu enlender bilferin. 1, 33^ - *; 

34. Got der gebe der lieben guten Uc. 

35. »Si bat mich do ich iungest von ir sehiet. 

36. Waz ob mich ein bete vers&mde gar. 

37. Miner sinne ich do halber vergaz. 

38. lA^il aber ieman wesen fro. 1, 114'' 

39. Wie die selde cleiden kan 

40. Frauwe als ich gedenke an dich. 

41. Swer verholne swere trage. 

42. IBaz ich dich so selten gruzze. 1, 13tf^ 

43. Ingesach nie tage slichen. 

44. Dv solt eine rede yermiden 

45. min frauwe ist ein vnselic wip. 1, 118' 

46. Owe miner wunnenclichen tage 

47. Ingesach nie haubet baz gezogen. 
*48. Si hat mir bescheiden vil manigen tac. 
'*'49. Maniger claget sin frauwe spreche nein. 
*50. Hertze liebez frauwelin. 

51. Frauwe nement disen crantz 1, 125* 

52. Frauwe ir sit so wol getan. 

53. Sie nam daz ich ir bot. 

54. Mir ist von ir geschehen. 1, 136^ 

55. Die mir disen winter fraude bat beuüme. 

56. Zwene herzeliche fluche kan ich decb. 

57. Herrent vn frunt nu ratent mir* 

58. Hertzeliebez frauwelin. 1, U7" 

59. Si verwizzent mir daz ich f 

60. Bi der schöne ist dicke haz. 

61. Ich vertrage als ich vertruc, 

62. Hastu truwe vn stetikeit, t, 117'' 

63. Bin ich dir vnmere ^ 

64. Frauwe des versinne 

65. Sol daz sin din bnte. 
*66. Sie beginnent alle 

67. mich nimet immer wunder waz ein wip 1,'199* 

68. Habe ir ieman ibt vou mir gelogen. 



STROPHENANP. DER WURZB. flS. S» 

69. Da sie wonet do woaent wol tusent man. • 

70. Wil ;5ie fuge für die schöne nenne 

71. Lat "i sagen wie ez fmme ir zauber sUI. 
^72. Ich han die zit wol gesehen ander linden.. . 
^73. Swaz grünes was. daz blichet besunder. 
'*74. Alz ez nu stat so ist es zv sorgen . 

'*75. Swer wip wil sehen, beide schone vü wise* 
'^76. Da mac ein man. wol Verliesen die sinne. 
^77. Sie selic wip. daz ich so lange mide 

78. Frauwe ir lat vch nit yMn^zze 1, 106* 

79. Ich muz v zv redene gunnen 1, 106^ 

80. Frauwe daz wil ich "^ leren. 

81. Beide schauwen vü gruzzen. 

82. Frauwe daz wil ich so wagen. 

83. Ijange swigen bete ich gedaht 1, 124^ 

84. Höret wunder wie mir ist geschehen 

85. Sol ich in ir dienste werden alt. 

86. Do mich duhte daz sie were gut. 

87. Vwe waz sie fluche leiden sol. 
'*'88. tVarlanc sint die tage trübe. 
'*'89. Sumer du hast manige gute. 
*90. Winter du hast lange nehte. 
*9I. Ligens an angest vn warme. 
*92. Wol bedurfte ich guter sinne. 

93. Bi den luten nieman hat* 1, 139^ 

94. Leider ich müz mich entwenen. 

95. Maniger wenet der mich sibt. 

96. Ich han ir gedienet vü. 

97. lehn weiz wie iz erwerben mac* 

98. IV er gesach ie bezzer iar. 

99. Swa so liep bi liebe lit, 

100. Ich wil einer helfen clagen, 1, 140* 

101. Ir sult alle sprechen wilküme 1, HO** 

102. Ich wil tuschen frauwen sagen. 

103. Von der elbe biz an den rin. 

104. Falsches volk ist gar betrogen 

105. Ich han lande vil gesehen. 

106. H^ie han ich vil selig man. s;; 9 JF. 
*107. Were ich bi ir tusent iar. 



S« 8TR0PHENANP. DER WURZB. U. 

*108. Eiaeg dinges prise ich sie. 

*109. Köude ich des geoiezzen ifat. 

110. Ich bin na so rehle Gro. 1, 140* 

111. lehn sach die g:äten nie 

112. Discn wunoeoclichen sanc. 

113. Dazn kAude uieman mir 

114. Höra walther wie ez mir sUt. 

115. 'Wer mac dir gewarten 1, 120'' 

116. Dv liast gnler dinge vH. 

117. Werit du soll niht 

118. Werlt tu des ich dich bite. 
*lld. Werlt wie lange sol ich gern. 
*120. Ich hau ir gedienet so 

121. Dir hat enboten frauwe gut. 1, 182'' 

122. Dv solt im böte minen dienst sagen. 

123. Do ich der rede alrerst began. 

124. SwergihtdazminnesAndesi. ^29*« (xettoAr. I,t37 

125. CSot gehe ir immer guten tac. 1, 140* 

126. Ich were dicke gerne &o. 1, 140"* 

127. Got hat vil wol ze mir gelao. 

128. Kz tut mir innencliche we. 

129. Sit daz ich eigenlichen sol. 

130. Weder ist ez fbel oder ist ez gut. 

131. Vwie kummet daz ich so manigem man 

132. Sie sehe daz sie inne sich bewar. 1, 141* 

133. Swie noch min fraude an zwifel stat. 

134. Gnuge künnen deste baz 

135. Die griseu wolteo mich des 'Vber kümeo. 

136. Min ange michel wander siht. 

137. Hie bevor dos aUe waren fro. 

138. Sich bäh ein vngeluger zorn 1, 164* 

139. Zebant do sie versunden sich. 

140. Sie git ms immer fraude vii. 

141. Wenne daz ich sianenclichen tobe. 

142. Ex wizzen alle Ifite niht. 1, 165* 

143. Ich ban ein hertze daz mir noch sol 1, 165^ 

144. Sol mir du leide von ir geschehen. 

145. Der vngezogenen ist so vil. 
*146. (Jil selic man gedenke min 



STROPHBNANF. DER WURZB. HS. 349 

^. Die liebes wal vö wehsei han. 

l. Mch lebet ir wol vn ane nit. 1, 115* 

I. Noch dolte ich taugenlichen schaden (/• haz) ' 

). Mac ieman deste wiser sin. 

L. Min frauwe ist under wiln hie 1, 115* . 

t. Mch fraude helfeloser man. 1, 119* 

L Yil minnecliche minne ich han v 

U Genade frauwe minne ich vuge 

l. Gnade riebe minne la. 

S. Df selde teilet fmme sich mich. 

• • •• 

^« Saget mir ieman Waz ist minne. i, 123* 
l. Ob ich rehte raten kunne 
). Frauwe ich trage ein teil zf swere. 
). Ich wil also fingen immer. = 48 F. 
l. Kan min firauwe suzze suzzen 1, 123* 
l* Die schamelosen liezzen sie mich ane not. 1, 122^ 
\. Wie wol der beide ir manievalte varwe stat« 1,122* 
I. Ich mae der g&ten niht vergezzen noch ensol 
S. Die zwifelere sprechent ez si allez tot 1, 120* 
>• Ich wände daz sie were missewende fri. 
^ Ich han f gar gesaget daz ir misse stat. 1, 120^ 
\. Der also gutes wibes gerte als ich da ger. 
K Die losen schelten guten wiben minen sanc. 
). leb b&re f so vil der tugende iehen. 1, 115^ 
l. K&nde ich die mazze als ich enkan. 1, 116* 
^ Sie w&llent daz die stetikeit. 
L Ich sage f wer vns wol behaget. 
U Mch wil teiln e ich var 1, 115^ 
I. Sit mir denne nit mer werden mac. = 31 F. 
f. Man mac wol offenbare sehen. = 30 F. 
'. Ich han vil deine andir beiaget. = 32 F. 
L Mch wil nu mer yf ir genade wesen fro. 
K Ich wünsche so werde daz ich noch gelige. 
I. Min vngemach daz ich durch sie erliden han. 
. Owe daz mir so maniger missebieten- sol. 
t. So die blumen vz dem grase dringen. 1, 116* 
1. Swa ein edele frauwe schone vn reine. . 
i. Aller werdekeit ein fögerinne. 



350 STROPHENANF. DER WURZB. BS. 

185. Nider minne heizzet die da swachet. 

186. Wol dan ir sult die warheit. schaawen. 

187. Mch was leidic vor allea wibes. zn S8 F. 

188. Man saget mir daz lute sterben. 1, 10* 

189. Wer hat ir gesaget mere. 1, lO*" 

190. Mir gat einez ime hertzen. 

*191. Waz wirret daz sie mich verneme. 

*192. Iir&lt der wint^ schier zer gan. 

'*'193. Ich wünsche daz der winter zerge. 

194. M6htich verslaffen des winters zit« 1, 113^ 

195. Vns hat der winter geschadet fber al. 
"^196. Swaz mir nu wirret des wirt allez rat. 

197. -in meister las 1, 141^ 

198. Ein tnmmer wan. 

199. Vwie sol ein man 

200. Heiliger krist 

201. A.Irerst sihe ich mir werde. 1, 104* 
*202. Me danne tusent hundert wunder 

203. SchSne laut rieh vn here. 

204. Sit liez er sich taufen. 1, 104^ 

205. Daunen für er hin zer helle 

206. Do er den tufel dort geschande. 

207. Cristen iuden 

208. In diz laut hat er gesprochen 

209. Vnser lantrihtere rihten. 

210. Ir lat fch niht verdriezzen. 

211. Dar nach was er in dem lande 1, 105* 

212. Owe wa sint verswunden alle mine iar. 1, 141^ 
bis also ob ez si gelogen, die mihe 

nach dem ISOti bhtt fehlen sieben, im repertoriim der 
handschrift bL 2 vw, sieht xxiiij. Lid* hn wallbs 
vö d* vogelweide vnd binde nach ein getiht des Ru- 
phermäs. 

E. bL 181 vto, nach dem repertorium bl, 2 m- 
Hern Reymars lied*. vnd hindenaoh yö alle (ingp ey 
lobelich rede, lupoides hornburgs vö rot,e))^g» 

213. also dar. vn hüten daz sie noch erwüten = Heim* 78^- 

214. Mich genidet nimmer selic man, == 79 J3* 



STROPHENANF. DER WURZB. HS. 351 

215. Ich wene ieman lebe, er habe ein leit. ::= 80 B^ 

216. Mir ist lieber daz ir ir enper. = 81 jS. 

217. lo engienc ir nie daz ich gesprach.* 

218. h reymar, so vor jedem tone, vor dsm folgenden steht 

von späterer hand 13., sie zählt 46 lieder tValthers 
bis an die lücke^ und 44 Reimars. 
Mch han varender frauden vil 1, 70* 

219. Lide ich not vn erbeit; 

220. Daz ich ir gediente ie tac. 1, 70^ 

221. Nie wartgrozzer vngemach. 

222. Ich han immer teil an ir. 

223. Mch gehabe mich wol. vn enruchte ie doch. 

224. £z erbarmet mich daz sie alle iehent. 
S25. Ich bin aller dinge ein selic man. 

326* Die ich mir zv fravden bete erkor n, 1, 82' 

227. Treit mir ieman taugenlicheii haz. 1, 71' 

228. Ich wil immer gerner fmme sehen. ^ 

229. liieber böte nu wirbe also. 1, 71^ 

230. Frage er wie ich mich gehabe. Hagen 1» 186^ 

231. Sprech er daz er wolle her. 1, 71** y 

232. Des er gert daz ist der tat. 

233. Daz ich also yil do von 

234. Ich tun mit disen dingen niht. 1, 80" 

235. Do iph frauden mich versacb 

236. Uerliesen mich die fraude gern 

237. Ich han in anders niht getan. 

238. Wie bin aber ich alsus gar verzaget. 1, 80^ 
*239. Mch solt beliben si. 

*'240. Wes vfrsuni ich tummer man. 

* Ut diese _ sirophe vielleicht irgendwo in der hagenschen Samm- 
lung versteckt y so kann ich sie wenigstens nicht ßnden. 

lo engienc ir nie daz ich gesprach, 
so nahen daz ez were ihtes wert, 
sol mich daz veriagen daz ich sie sacb. 
vn ich auch ihtes dor vnder han gegert. 
daz ich solle han verswigen. 
owe wie ist daz gedigen 
vnschone. 

nach 80 cleime lone. 
hon ich selten noch genigen. ^ 



^2 STROPflENANF. D£R WfJRZK BS. 

'^241. We daz sie so maniger siht. 

242. (Swaz in «lien landen 1, 68^ 

243. Sie hat selten 

244. Nieman immer verweste 

245. Mich betwanc ein mere. 

246. Ich wil allez gaben. 

247. mir ist ein not for allem mime leide. 

248. niht en vinde ich tr&wen dest ein ende. 

249. Swie dicke ich gefrege guter mere. 

250. Wol den äugen die daz wellen kunnen. 
*251. Daz ein man der ie mit b&sem mute. 

252. BCertzelicher fraude wart mir nie so not. 1, 82* 

253. Waz vmmaze ist daz ob ich han ge'swom 

254. lehn gesprach nie daz si an mir tele wol. ffgn 1,199' 
255« Ungefüger schimpf bestet mich alle tage« JtfiS. 1,82. 

'^256. Waz ich b&ser handelunge han. erliden 

257. Ich was vro vn bin daz yntz an minen tot. 1,SS' 

258. Ion singe ich zware durch mich eine niht. 

259. Ich wil aller der empern die min empern 
'^260. Mch bin von minen iarn 

261. Waz ich dulde an mime Übe. Hagen 3, 318^ 

262. West ich rehte wie ez were Hagen 3, 318^ - 
'^263. Ez ist allez an ir eine. 

264. Ich gesach nie wip so stete. Hagen 3, 318^ 

265. We war vmme trurn wir. MS. 1, 180^ 

266. Daz ein wip getruwe si. 

267. Die enwil mich niht gewem. 

268. Kehl ist daz ein selic man. 

269. Tütest ich wo man frauden pflege. 1, 72^ 

270. Wil aber iemän guter lachen. 
*271. Der ie kam an liebe stat. 

*272. Ich gedinge vf der vi! guten rat.* 

* auvh diese Strophen kann ich in der hagensehen Sammlung nithl 
ßnden. 

Der ie kam an liebe stat. 
der bute sich 

miner fraude was yil nach mat. 
wenne daz got mich 
brahte vz grozzer not. 
so sol ein wip 



STROPHENANP. DER WURZB, HS. 398 

27a. Ane swere 1 , 83'. 

274. Min geselle 

275. Min gedinge 

276. Wol den Üben 

277. Ich wer stete 

278. Zu dem scheiden 

279. A.n miner besten fraude ich saz. 1, 74^ 

280. Hete ich zv dirre summ^zit. 

281. Ein missebieten tut mir niht 1, 75* 

282. Ich han nach wane dicke wol 1, 77' 

283. Dem ich so maniger eren sol. 1, 78" 

284. Crewan ich ie dekeinen mut 1, 62^ 

285. Wie ist ime ze mute wundert mich. 1, 62' 

286. Do Sprechens zit was wider die wip.. 1, 62^ 

287. Die liebe hat ir.varende gut. i» 63*" 

288. Owe trWn vü clagen. 1, 63^ 

289. Ime ist vil wol der mac gesagen. 1, 63* 

290. So ez iergen nahet dem tage 

291. Her lange sus^.e kuinmer min. 1)^7* 

292. Mac sie inich doch lazzen sehen« 1, 68' 

293. Wa nü getrüwer fr&nde rat. 1, 67** 

294. Daz sie mich als vnwerden habe. 

295. Owe daz alle die nu leben. 

296. £ün rede der lute tut mir we. 

297. Ich wlrbe vmme allez daz ein man i , 64^ . 

298. Sie ist mir liep vn dunket mich. 1, 65' 

299. Als etswenne mir der mut. 1, 64^ 

360. Swaz iar ich noch ze lebene han 1, ^5' . 
30t. Mac ich. daz mirs min selde gan. I, 64'' 

302. Saz ich juin kit so lange clage. 1, 64' . 

•■ • . • . . , • ■ 

-gedenken waz si mir gebot, 
do in grozzen ftorgen st&nt min lip. 
loh gedinge vf der vil gäten rat. 
als der tut. 

der sich nieman ledigen lat< 
vf al sin gut. 
vn.han mich selber dar 
gegeben 
nu getar 
. ich leider muten aihtcs. svs. ist min- lebtn. 
Z. F. D. A. III. .23 



354 STROPHENANF. DER WURZB. BS. 

303. Gnade ist endelichen da. 1, 64^ 

304. Ich wil von ir nibt ledic sin. 

305. Wol im daz er ie wart gebom. 

306. Tü^az icb nuwer mere sage, 1, 66^ 

307. Die bocbgemuten zihent micb. I, 67* 

308. So wol dir wip wie rein ein name. 

309. Zwei dinc ban icb mir für geleit. 
*31D. Ob icb nu tun vn ban getan. 

311. Micb böbet daz micb lange erböben sol. 1^66* 

312. Wie mac mir ein wip so rebte liep gesin. 

313. Icb sacb sie wer ez alder werelde leit. 1, 66^ 

314. Owe daz icb einer rede vergaz. 

315. In disen bösen vngetruwen tagen. 

316. Der aldie werlt gefrauwet ie baz denne icbt 

317. Mcb alte ie von tage ze tage. 1, 63^ 

318. Nu micb min sprechen nibt enkan. 1, 64' 

319. So vil als icb gesanc nie man. 

320. West icb nibt daz sie micb mac. 

321. Icbn wände nibt ez were spot. 1,63^ 

322. Daz beste daz ieman gespracb. 1, 65* 

323. Hete icb der guten ie gelogen. 1, 65^ 

324. Wie dicke icb in den sorgen 

325. Min rede ist also naben kummen. 1, 65* 

326. Kya wiser man sol nibt ze vil. 1, 66* 

327. Sie iebent daz die stete sie ein tugent. 

328. War fmme fugent sie mir leit. 

329. Tut ein leit nacb liebe we. 1, 67* 

330. Des einen vn debeines me. 

331. Icb weiz den wec nu lange wol. 1, 65^ 

332. Icb lebte ie nacb der lüte sage. 1, 62'' 

333. Ist daz micb dienest helfen sol. 1, 63* 

334. Wie kummet daz icb so wol verstau 1^ 124* 

335. Mir kummet etswenne ein tac. 1, 62* 

336. Icb bau vil ledelichen brabt 

337. Icb wirde iemerlichen alt. 
*338. Möbte icb der werlde 

339. Des ich nu lange hau gedabt. 1, 81* 

340. Spreche ein wip la senede not. 

341. Mir ist vil we daz icb sol sage. 



äTROPHENANF. DER WURZB/ HS. 3S5 

e, bl. 189 VW. ^ Anhang, van derselben kand ge- 
sehrieben, vor jedem ton steht h* reymar, nur 
nicht 350. 
34!?. liop der reinen wibe mac 1, 170^ 

343. An der ich mit truwen bin. 

344. Wie ist die werlt also verzaget. 
^345. Ein vil hoher niiwer wan. 
*'346. mDr ist der werlde vnstete. 
^347. Wiscr denne ich were. 

*'S4S. Sol ich des engeilen. 

^349. Vn ergienge ez immer. 

^350* Mchn weiz waz ich singen sol. 

351. Wie tut die reine suzze also. 1, 76^ 

"^352. lehn kumme des willen nimmer abe. 

353. Sprech ich nv daz mir wol gelungen were. 1, 76^ 

^354. Ich wil dir selic frauwe minneclichen singen. 

355. Slie vor do man so rehte minneclichen warp. 1,11.6^ 

356. Zwo fuge han ich doch swie yngeiuge ich si. 1,117* 

357. Ich sage f waz vns den gemeinen schaden tfit. 1, ii6^ 

358. Wip muz immer sin der wibe höst^ name. 

359. Ich sanc hie vor den wiben fmme iern blozzen grüz 

1, 117' 

360. Z^ nuwen frauden stat min müt. Hagen 3, 444* 
'^361. Die wile schone mir zergat. 

362. Eren vn mioneclicher sch&ne. 

363. Uon ir hohem werden lone. 

364. mir ist geschehen als eime kindeline 1, 57* 
'^365. Minne die der werlede ir fraude meret. 
"^366. Groz angesl han ich des gewunnen 

^'367. Hoher wip von tugenden vö von sinnen. 

*Z&S* IV^ol mich lieber mere. 

*A69- Michn hazzet nieman. 

^ä70. s61te ich mine liebe 

*371. So sie mit dem balle 

^372. BCerre wer hat isie begozzen mit der milche vn mit dem 

blute; 
"^373. In gesach mit minen äugen nie kein tnflndelin so here« 
*374. Weizgot ich het ir daz l)izzen noch vergolten, in der 

oster wfichen. 
23* 



356 STftOPHENANP. DBR WüRZff. BS. 

*i7i* W.e mir sia das er mr also sere draowQt ez werde 

^-..' . mit z(ft leide«- 

^376^ leb hete im alle wile vor geslan. ob mieb diehatjeüezze. 
Hie gen vz bem Reymars lieder. vor dein letzten 
■ ' wort tVif vb'sebe. übergeschrieben^ ungems9ohmn 
derselben hand die meist unbedeutendes richtig ge- 
bejsert hat. 
Von anderer hand ist das hiery bL 491 rw^,, folgende 
gedieht Leupold Homburgs geschrieben^ s. Docen 
im altd. museum 2 s. 22. LACHMA^N. 



STROPHENANFANGE DER I^EIPZIGER 

HANDSCHRIFT. 

(stadtbibliothek Rep. VL 70a, lAjh. perg, kleinfolio») 

bl. 91 VW." bis 9Zvw^ 

. . ■ • • • . .- • 

1. Alle'scole is gar eya wiat. MS, 2,142* ' 
2*.. Wa Just wa wnne wa spehe, Hagen 3, 150" 

*3. Wyp seiden bort der wnnen spU Hagen 3| 360" 

*4. Man vint in rote bleyge szam« 

5. Wa wiplicb wip lieplich tougin lebin mä MS. 2, \^h^ 

6. Wa blic au blicke vint sin art Hagen 3> 15{ü* 

7. Ottwe dal mir gebristit. MSn 2, 240* 

8. Wer sin h ze wil instricken. Hagen 2, 314* * 
*9. Den reynen wibin sprechint wol Hagen 3, 418' 
tO. Eyn man d' niet erwindin.wU. MS. 2, 126^ 

*11. So zart in wart gebore nie wip. Hagen 3» 41S" 
* 12% Wal cman sayt wat n^ine si, . ., 

13. Eyn mine dyef d' lieflieb stilt Hagen 3, 28* . 

*14. Wa lyep dyeplich lyep stcb hayt mit vö(vbe vas|^ Hagen 

15. Wer aller vrauwenwMekeitv#flEg-(^ 2^184*. I3,.,4t8^ 

16. So war icb varin vnl wat ich vrauwcüa ban gesien. M'S, 

17. In müt d' lugCit als d* ligte ruhi doyt. 1, 184^ [1,185' 
'!}8. Dy'' wol getane tuingit minin sendin Up. JägH\S{\29^ 

19. Ir wisin mirkint.wye mir sendin si geszien. MS. 1, 185^ 
^^^Of Rijt ader gayt emap geuangiii adergebundin* Hgn^^Jk^V 

21. Der edil wise vri adapi Hagen 2, 195^ 

."•■.•• • • 

herr %fifn 4er ffagw hat 3, 710* die Leipziger hs, vergt^psen. 



STROraBNANF. OBR LBIPZI6BR RS. SOT 

22. 80 wa eyn adatn eyne eua h^l Hag€n 2, 195* 
33* Wa goil man -hak eyn byderae wip 195** 

*24. Ich handiii*ch varen widelant. vnd ^tugtedoch fnd^ künde. 

Hagen 8, 453^ 

'^25. loh bin wnt geuangeu in geslozsin mit vil ringin 

\bL 9S vw,^ bis 94 rto.*" Ich quam da mit vreuden sais- 
sen . 9 Strophen. Hagen 3, 441*] 

. bL 94 VW. " bis 96 rw, 

1. Ob allen wnder mirket wol ein wndei:_grois MS. 2,232** 

2. Wol zunt der edel stein in rodim golde. 2, 236* 

*Z. Der eren vogil. {so) dat ist d* szilt. iö och snert. Hgn 
4. I>vrch le^be mang^ wirt zu kinde. HagenSfA2i^ [3,419* 
*5. Sich wunder wol gemachit wip. Hagen 3,419* 
*6. Eyn spegil diner augin si, 

7. In duser wider werelde ein vreude vert Hagen jty 198' 

8. Dy® truwc vf eyner strasin yoir. vntruwe ir widert rcyt. 

Hagen 3, 4V 

9. Vrauwe ere bet groissen szaden ir clage is manichvalt. 

Hagen 3, 10** 
10. Was sal eyn keiser ane recht, eyn pais ane barremüge. 

MS. 2, 179* 
*11. Eyn valke vf eyme strigge wart Hagen 3, 468»«* 
* 12. Eyn wiser alder edil man hatte eyne valkin guot. Hagen 

3^4fl^ \ '. 

13. Wa vrauwen schone, in vrauwen gude. Hagen 3,421* 

*14. Kusche inder iügent. Hagen i^ A\9^ 

15. We vrauwin mine trudit in ir ere niet. Hagen Z^ 421^ 

16. Somelictf wiue vnstede. MS. 1, 163* 

17. Wif was ,ie der hoiste name 1, 116^ - 

18. Ich geuen vch vrauwen eyne rait Hagen 2, 184^* ...^.. . 

19. So hie so dort so allentbalue altd. bll. ^2, 121. Hagen 

3,419^ 

20. Of al der werilde gar geweldich were ein man; MS. 

2j230\ aitd. Ä//. 2,131 

21. Mjr is als ich niet lenende si. wan ich intnucken sere. 

MS. 2, 206^ 



358 STROPHENANF. DER LEIPZICBR BS. 

22. So we mir dumbir. dat mich ymmeriangir dage irdrvu^t. 
'^23. Ich sach eine vraawe mineclich. Hagen 3,419^ [2,207* 
'^24* Der vrauweii ich vch bescheiden wil. 
'^25. Die Yoglin de da sangen ir. 

26. Der eren spegil ist die schäm. MS. 2, 175^ 

27. Eynwailvsannevrauwe. Salnietdienstisme ^^3,422' 

'^28. Wer tore vfer heringe sezt. der het de szate vloren. 

Hagen 3, 452* 
'^29. Gut is gut das man vor eren niet in spart. Hgn 3, 420' 
30. Hut der eren zallin stundin. Hagen Z^ ^l^*" {vergL%\^) 
* 31 . Wer ceygit kunst da man ir niet erkenit. Hagen 3, 378** 

mit dem ende dieser strophe schliefst der temio, es 

folgen bl, 97 vw." von anderer hand Strophen am 

Dietrichs drachenkämpfen, -mitten in der 29» dieser 

Strophen ist abgebrochen und das übrige des bl.99 

VW. * leer gelafsen (vergl. grundr. s. 44). 

bl. 99 rw. " bis \^%vw.'^ folgt von derselben anderen 
hand Ny hört eyü clage von werden vrouwin Den 
iamer mach man niet vol schauwen u.s.w. darauf, 
wie es seheint von anderer hand, Sibilla hait gespro- 
chen U.S.W., 5 Strophen, Hagen 3, 468 A. von der 
rückseite von bl. 102 sind anderthalb spalten teer* 

HAUPT. 



•• 



KLEINE BEITRAGE ZUR DEUTSCHEN 

MYTHOLOGIE. 

Alles hier mitgetheilte stammt, wo nicht der ort der 
herkunft ausdrücklich bemerkt ist, aus dem Jüchsethale bei 
Meiningen, im fränkischen theile der alten grafsehaft Hen- 
neberg. 

1. ZAUBERSPRÜCHE. 

1. gegen den rothlauf. 

Hallemäst, h6p dich auf, 
rutldf, se'tz dich drauf, 
ich ha dich änn tak: 



ZOä D. MYTHOLOGIE. 3M 

bä dü^s joar o tak. 
im nöme u» s. w. 



2. gegen das abnehmeB. 

I Bimmt einen reisigknüttel, fiifst ihn, stellt ihn dann in 
küchenecke und spricht dazu 

knöttel, ich fafs dich, 
knöttel, st^ä! 
steä of änn bä I 
des änäme ha ich. 
ich hä^s änn tak: 
bä du^s joar o tak. 

S. gegen das aufblähen des viehes. 

i geht am karfreitag (andere sagen, am ersten ostertag) 
der sonne stillschweigend an fliefsendes wafser, spiüt 
der rechten band und dem rechten fuTs bis übers gelenk 
n und spricht dazu 

däTs nirs d^rplatz, d&rs niTs derpl6ä, 

baTs ich öfaTs, bäTs ich 6s6ä. 

im nöme u. s, w. 
I nimmt man wafser mit nach hause: es hält sich ein 
ses jähr und wird nicht stinkend, damit benetzt man die 
l oft, wodurch die kraft erneuert wird und bis zum 
laten karfreitag dauert, bestreicht man mit dieser band 
eades vieh, so hilft es plötzlich. 

4. bübnersegen. 

ein erkauftes huhn an das haus zu gewöhnen, so daTs 
licht wieder zu seinem früheren besitzer läuft, spricht 
, indem man es um das rechte bein dreimal herumzieht, 

hühle, gew6 o mä h», 

bi ich mä bael 

im n6me u. s, w. 



360 ZDR D. HYTHOLOGffi. 

5. taubensegen. 

Aus dem Camburgiscben. eine fremde taube zu gewöhnen 
dafs sie nicht wegfliegt, spricht man über sie 

taube, du sollst wohnen in vier wänden, 

wie die mutter gottes, in Marias bänden, 

wie das kind in ihrer demut,^ 

wohl hier auf diesem gut. 

im namen u. s. w. 



6. gegen das alpdrücken. 

Aus dem Meininger unterlande. 

das wallala 

alle be'rge durchtra, 

alle wafser durchbat, 

alle biaUch ablät, 

onnerdesse wörds tak. 
diese formel steht schon gedruckt in Emmerichs Meininger 
taschenbuch(1800), mitgelheilt von Reinwald, Atv hti waUah, 
das auf den alp zu gehen scheint und vielleicht das wallende 
bedeutet, von Walhalla und ihren göttern foselt. aus jeneni 
taschenbuch nahm die formel L. Bechstein in seinen thü« 
riii^schen sagenscbatz auf. 

2. ABERGLAUBEN UND GEBRÄUCHE. 

1. wer am trinitatissonntage etwas, und sei es geringiei^ 
arbeitet, darein schlägt der blitz, daher stricken und nähen 
die frauen ungern an diesem tage. 

2. an der Rhön im Eisenachischen glaubt man, wenn 
(»s im Spätherbst noch einmal recht blitzt und donnert, daTi 
d«no die gewitter heim ziehen. 

8« wenn die kinder im merz zum fenster binans sehen 
wollen, rufen ihnen die mutter zu '^guck nett naus, der merz 
hackt dich.' 

4. wenn die kinder in den brunnen isehein» rufen die mut- 
ter 'guck nett nei, der wafsermd zerrt dich süst mit sann 
hake ins wafser.' 



ZUR D. MYTHOLOGIE. m 

5. als gott die blindschleiche geschaffen hatte, fragte er 
sie was sie nun than wolle, darauf antwortete sie 'ich wefde 
das kind im mutterleibe nicht verschonen.' da madite sie 
gott blind. 

6. ein zeisignest, das gewöhnlich auf erlenbänmen an 
bachen versteckt ist, kann niemand entdecken, aufser wenn 
er den schatten desselben im wafser sieht, denn der zeisig 
legt ein kostbares steinchen in sein nest, wodurch es an- 
sichtbar wird. 

7. auf den wiesen zwischen Rilhschenhausen und WöU 
fershausen, die Bibra genannt, befand sich sonst eine quelle. 
Tön der erzählt man, vor ungefähr dreifsig jähren habe ein 
mann in der heuernte daraus getrunken, sich erkältet, . und 
sei davon an der auszehrung erkrankt: jemehr er abzehrte 
desto mehr habe das wafser abgenommen, und sobald er ge- 
storben sei habe das brünnlein aufgehört zu fliefsen und sei 
biA jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen. 

8. man erzählt dafs als Vorzeichen der theurung von 
jabre 1817 brunnen an orten hervorgebrochen sein wo we« 
4er vorher noch nachher welche waren. 

9. wenn die landleute zum ersten mal im frühling aob 
feld zum ackern ziehen, so werden sie des abends bei ihrer 
rückkehr von ihren frauen oder kindern, junge burschen ge* 
wohnlich von mädchen, mit wafser bespritzt, das nennt man 
eiaweiben. 

10. man glaubt dafs sich im mai die Walser reinigen 
und dafs die kröten die darin herumschwimmen das winter- 
gift im sich saugen. 

11. von der zunähme des tages im winter sagt man 

der tag nimmt zu 

Weihnachten einen hahnenschrei, 

beilige drei könige einen hirschensprung, • 

lichtmess eine ganze stund. 
12« wenn von einer getreidefrucht das letzte gedro* 
sehen wird, soheifst der welcher mit dem dreschflegel den 
letzten schlag thut je nach der getreideart körn*,, weizenr^ 
haber*9 gersten-, linsenesel und bekommt puffe. 

13. wenn man den kukuk zum ersten auile schreien 
hört mniß man den geldbeutel schütteln ; dann geht einem das 



i 



< 



3fö ZUR D. MYTHOLOGIE. 

ganze jähr das geld nicht aus. oder man auifs sich auf der 
erde wälzen : dann bekommt man das jähr über keine kreaz- 
schmerzen und bleibt gesund. 

14. wem die hexe lause angehext (ögemächt) hat, der 
mufs auf einem kreuzweg oder grenzstein ein feuer niachen 
and einen tiegel darüber setzen in den neunerlei holz oder 
nemierlei kräuter gethan worden sind, wenn dies kocht, 
mufs er mit einer sichel hinein hacken: dann bekommt die 
hexe leibschneiden (denn jeder hieb geht in ihren leib) und 
die lause sterben ab. 

15. wenn jemandem lause angemacht worden sind imd 
man thut davon eine ungerade zahl in einen Federkiel und 
wirft sie stillschweigend in ein offenes grab, so verge- 
hen sie. 

16. das bluten einer wunde stillt man, wenn man eines 
stein aufhebt der sich fest in die erde eingedrückt hat, ihn 
dreimal übers kreuz auf die wunde drückt so dafs sich blat 
anhängt, und den stein gerade so wie er lag wieder in die 
Vertiefung drückt so dafs das blut in die erde kommt. 

17. eine Schnittwunde eitert nicht und heilt bald, weim 
man das mefser mit dem man sich verwundete in eine lehm- 
wand steckt, oder in ein stück speck, so dafs das Uut nit 
hinein kommt. 

18. schmerz im hohlen zahn heilt man mit einem Btirg' 
nagel den man hinein stöfst bis blut daran hängt und daum 
in einen weidenbaum schlägt. 

19. wenn man vor Sonnenaufgang eine schwarze schaeeke 
stillschweigend aufhebt, einen kröpf dreimal damit bestricht, 
und sie dann an einen dorn im freien felde spiefst oder in 
den Schlot hängt, so schwindet der kröpf jemehr die schneie 
zusammendorrt. 

20. zwei Vorderpfoten eines maulwurfes von einem men- 
schen mit den zahnen abgebifsen und in einen läppen genäht 
ohne sie mit den blofsen bänden zu berühren und dann an 
einer schnür den kindern um den hals gehängt erleichtem 
das zahnen. 

21. wenn man einen jungen hasen im hause aufisieht 
nm ihn zu mästen und dann zu schlachten, so stirbt er oder 
reifst aus, wenn man den abend vorher sagt ' morgen soll 



ZUR D. MTTHOLOGIE. 3$3 

H^scUaebtet werden.' er kann aasreifsen selbst wenn alle 
sgange verscblofsen sind. 

22. wenn der storch der aaf einem hause nistet im 
ihling nicht wiederkehrt, so brennt es bald nieder, das 
aus der storch und deshalb bleibt er aus. dasselbe sagt 
diaueh von den schwalben. 

23. die mütter sagen zu den kindern 'wer das brot 
dit aufifst, sondern wenn er satt ist das übrige wegwirft, 
r kommt in die hölle: da mufs er steinerne klöfse efsen 
id. mistjauche trinken (ber brüt ziibrengt, der körnt in di 
Un: da mufse staenere hüz eTs on mistpfötsche trenk)/ 

24. osterwafser, früh vor Sonnenaufgang unangesprochen 
ti abgewandtes gesiebtes geschöpft, hält sich das ganze 
ir ohne zu verderben, ist gut für böse äugen und vertreibt 
n kopfschmerz. 

25. stirbt ein kind ungetauft oder wird es todt gebo- 
fkj so wird ein irrlicht daraus, um das zu verhüten mufs 
m es auf dem gottesacker unter die dachtraufe der kirche 
graben. 

26. wenn bei einem begräbnisse das zeichen (d. i. das 
iten mit der kleinsten glocke nach dem zweimaligen län- 
1 der grofsen glocke und vor dem ausläuten mit allen 
leken) geläutet wird und man ifst dazu, so fallen die 
hne aus. 

. 27. wenn unter dem läuten bei einem leichenzug die 
r sehlägt, so stirbt bald jemand, auch wenn es unter dem '^^ 
wohnlichen täglichen läuten zwischen dem dreimaligen anr 
lilügen zum gebete schlägt. 

28. schlägt die uhr unter dem kindtaufläuten, so jnufs 
I kind sterben. 

29. die weisen männer und irauen die Sympathie brau- 
en, oder blutstillen, sind hilflos und müfsen sterben, wenn 
»elbe krankheit sie befällt die sie zu besprechen verste- 
n« sie können nur fremden leuten helfen, sich selbst nicht. 

• 30. wer das feuer besprechen kann, hinter dem springt 
her während er es bespricht und er mufs deshalb hurtig 

vimlaufen. 
' 31. auf einen regenbogen darf man nicht mit fingern 

Uten, sonst wird er blafs und verliert sein licht, (seht 



* 



^64 ZUR D. MYTHOLOGIB. 

den prächtigen regenbogen, aber nach den deutet nkht: 
denn wer deutet ungewogen, muls es biifsen, wie man spricht. 
Rnckertr' Schi - king s. 65). 

32. wenn die rosen im Spätherbst noch einmal zu blü- 
hen anbngen, sei es in einem garten oder aaf dem gottes- 
acker ; wenn die rüben, besonders die rothen riiben (runkeln) 
im keller weifs ausschlagen (weifse blätter treiben), oder 
wenn im feld auf einer ruhen oder runkelsaUel, einem klee- 
oder wicken- oder erbsenacker eine Staude weifse blätter 
bekommt, oder auch nur wenn der untere theil der blätter 
weifs wird, so mufs jemand aus der familie sterben auf de- 
ren eigenthum dies geschieht. 

33. es gibt ein farrenkraut im walde das heifst irrkraot, 
manche üennen es auch otterkraut (atterkreutich). wenn man 
ohne es zu sehen darüber schreitet, so verwirrt es den köpf 
und man kennt weder weg noch steg mehr, selbst wenn man 
auf den J>ekannte8ten stellen des waldes ist. nm das irrege- 
hen zu verhüten mufs man sich niedersetzen und die schuhe 
wechseln oder, wenn es ein frauenzimmer ist, die s)ohnrze 
abbinden und sie umgedreht anbinden^ alsbald weifs man 
wieder den rechten weg. 

34. wer das ottemkraut bei sich trägt, den verfiriges 
die Ottern so lange bis er es wegwirft. 

35. wer von der otter gestochen ist, der mufs sogleich 
an einen bach oder sonst ein wafser laufen, kommt er der 
Otter, die so oft sie gebifsen hat das wafser sucht, suvtr, 
so bleibt er leben; kommt aber die otter ihm zuvor, soniifs 
er sterben. 

36. blumen, wie leykoijen oder goldlack, deren ^bluten 
voll werden sollen, müfsen im Vollmond gesät werden ; thnt 
man es im neumond oder im abnehmenden mond, so werden 
alle bluten nur einfach. ' ^. 

37. ^nse die viel junge ausbringen sollen müisea ao 
einem freitag im vollmond wenn es am meisten schlägt (mitr 
tags um 12) gesetzt werden. 

38. klopfen und anderer schall schadet den gänsen bein 
brüten und die eier stehen ab. um das zu verhindern Brnfs 
man ein gefäfs mit wafser neben das nest setzen^ denn wa- 
fser zieht den schall an. 



ZUR D. MYTHOLOGIE. S85 

39* wenn dn hnbn ein winde! (sehä^Ues ») legt^ murs 
Sin es über das faaus werfen, sonst brennt das iiaus nieder* 
40« .banns olPätterkätt (Petri keitenfeier) rftnt, -so wört 
nering, on bann alle steutlich voll m&l hange. 
41« vom Wetter bei Marienheimsuchung gilt 
gett di Marie tracke nii (über das gebirge)) 
ze gettse näfs ru : 
gettse naTs nu, 
ze gettse tracke ru. . 

42. banns of Gehannestak gitt rö, 

da rftnts dernach noch verze tse^: 
banns of Gehannestak gitt göfs» 
geroate nirt di bäselnöfs. 

43. den lein mufs man drei tage vor oder drei tage 
ich Johanni säen, dann geräth der flachs, auf den tag Jo- 
inni darf man aber keinen säen. 

44« scheint licbtmess di sonn offen st^> 
so Word der floes (Qachs) kl», 

45. wenn die junge frau in das haus ihres mannes. ein- 
^.hält, so mufs sie von den weibern dreimal um den herd 
nd um den tisch, dann in den keller und in alle gemäober 
$9 hau&es gefuhrt werden, weil sie so sieb eher einge- 
öhnt. 

46. wenn eine frau das erste mal ihr Wochenbett ver- 
Ist,- mufs sie des mannes rock anziehen, seinen imt anf- 
stzen, seinen gehstock nehmen und von der hebamme sich 
i lUlen Stuben und gemächern des hauses herumführen läfsen. 

47. wenn der teig eingesäuert ist und man macht drei 
reuze mit dem finger darauf, so können die hexten nicht 
iriiber.. , 

48. wenn beim buttern der tahm nicht geraden wiU, 
I mufs man ein. dreikreuzntefser, einen erbscblüfsel oder 
ne erbschere unter das fafs legen : dann mufs die hexe ab- 
beo und die butter geräth. 

'49. wenn man kind^r die noch kein jähr alt jund oft 
jiTlkt, so lernen. sie das reden schwer oder stammeln. 

50. tritt man in ein haus., so mufs man siqh, wenn 
)eh nur ein wenig, setzen, sonst trägt man den lenten die 
ihe hinaus. 



366 ZUR D. MYTHOLOGIE. 

61. wenn einer folsch schwört, so beulen die Lätzen 
forchterlieh. 

52. wenn man einen Sargnagel in die fafsspur eines 
diebes schlägt, so stirbt der dieb, 

53. wenn man den fuFstritt eines diebes mit nadeln sticht, 
so bekommt der dieb ein lahmes bein. 

54. wenn man den fafstritt eines diebes ausschneidet, 
in ein säckchen steckt und räuchert, so zehrt der dieb ab 
und stirbt endlich wenn die trappe dürr ist. 

55. wenn ein todter von einem gewächse mit unter die 
erde bekommt, so verdorrt d|is ganze gewächs. 

56. wenn jemand stirbt, müfsen alle bienenstöcke des 
hauses verrückt werden, sonst verderben sie. 

57. läfst man die tauben ans einem todtenkopfe saufen, 
so gewöhnt sich keine aus dem schlage und fremde tauben 
gewöhnen sich herzu. 

58. wenn es im rauhen (blätterlosen) wald donnert, so 
gerathen dies jähr die gänse nicht (banns in den raue wUt 
dunnert, geroate die gens nirt). 

59. wenn das vieh gedeihen soll, darf man es nicht mit 
ungewaschener band füttern. « 

60. bienen die über gräber fliegen müfsen, 8te^ 
ben ab. 

61. wenn es regnet und die sonne scheint dazu, so 
bleicht der teufel seine grofsmulter. 

62. wer sich die band aufschneidet, in die Öffnung ein 
Stückchen von einem donnerkeile steckt, und sie dann m- 
heilen läfst, der kann mit einer einzigen ohrfeige den stSii- 
sten mann todt schlagen. 

63. wenn das jüngste kind im hause beim buttern hilft, 
so geräth die bulter gleich. 

64. kinder die die blumen sehr lieb haben, werden 
nicht alt. 

65. wenn das wütende beer unschädlich an einem T0^ 
über, ziehen soll, so mufs man sich entweder auf die erde 
legen oder den köpf zwischen die Speichen eines wagenrt- 
des stecken. 

66. häuser mit zwei eingängen in gerade entgegenge- 
setzter richtung, so dafs eine thüre auf der Vorderseite, die 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 367 

andere auf der hinterseite des hanses ist, sind' dem 4arch- 
zi^e des wütenden heeres ausgesetzt. 

67. wenn es dreizehn schlägt und die huhner anfangen 
zn krähen, so kommt der jüngste tag. 



3. VERMISCHTES. 

1. zu myth. 39 f. bei dem dorfe Neubrunn im Jüchse- 
Ihale, zwei stunden oberhalb Meiningen, liegt ein mit Buchen 
bewachsener berg von dem die sage geht dafs ein schlofs 
darauf gestanden habe und dafs der letzte ritter dieses schlofses 
mit seinem goldenen Schwerte auf dem berge begraben worden 
sei: dieser berg heifst Alberg {Oalbcerk). ist das vielleicht 
alahperac? mit alt kann das wort nicht zusammenhängen, 
denn in jener gegend heifst das adjectivum aller, all, all 
(z. b. en aller mo, en all frä, en all kent [ein grofser 
mensch der sich kindisch beträgt]) mit dem bestimmten ar- 
tikel all (der, dt, des, all mö, Jrd, kent), das unfleclierte 
adjectivum aber dlt (der mö es dlt). seltsam bleibt wie das 
Volk eine tradition von einer bürg an den berg knüpfen 
konnte, da offenbar keine darauf gestanden hat. denn man 
sieht nicht die geringsten spuren davon, selbst nicht einmal 
von einem gründe; die spitze ist viel zu klein, der berg 
überhaupt für eine bürg ungeeignet ; auch gibt es keine g^e- 
sehichtliche nachricht von einer bürg auf diesem berge. 
von L. Bechstein erfuhr ich dafs der verstorbene buchdmcker 
HarUnann in Meiningen, der sich viel mit alterthümern be- 
schäftigte, ihm gesagt habe, es sei dort eine mahlstätte ge- 
wesen ;. woher aber dieser die nachricht gehabt habe wüste 
er mcht. übrigens liegt auch eine stunde von Schiensingen 
ein kleines dorf das den nainen Ahlstädt führt. 

2. neben jenem berge, ja mit ihm zusammenhängend 
liegt ein zweiter b^g, genannt Dieterich, in der mundart 
di Ditterich, wobei das di seltsam i»t, da alle bergnamen- 
jener gegend masculina sind, aber auch bei Meiningen heifst 
ein berg die Dieterich. ist die ein vereinzeltes niederdeut- 
sches die = der? 



368 ZUR D. HYTHOLOGIB. 

S. unter der Dieterich bei Neabrami i^ ein kltiaes 
jetzt angebautes, früher bewaldetes thal, genannt da» Dmi- 
nerl&ck {d^ Dunner loch), myth. 126 f. 

4. dem Alberg gegenüber liegt der Ansberg (mydi. 17), 
zwischen beiden das dorf Bibra. 

5. ooyth. 248 vermutet Grimm neben dem ahd. masc. 
der alp ein neutr. da» alp. im Hennebergischeü ist die 
gebräuchlichere form des alp, also neutr. ; das masc. hört 
man selten. 

6. myth. 416. *wagan^ wagen.\ hennebergisch hsanrndi- 
ww. 417. henneberg. pflucksster» gürtel and schwert des 
Orion. 

7. myth. 527 anm. *}**i*. henneberg. ha gett xur gr^ 
ärmSä oder ins gni/i här^ er stirbt; ha es bä der gnfit 
ärmSä^ im grtffse hdr, er ist gestorben. 

ft. myth. 557 anm. '^*. ein hennebergisehes Sprichwort 
kntet der lügt den teufet e ur ra^ on ach wider nd. 

G.F. STERTZDfG. 



VOCABÜLAMÜS LATINO - TEUTONICüS. 

Aus der hs. 269 des klosters Admoni, 11 Jk. petg* 
fei. 23 &//., auf der seite 3 spalten, beginnt Adam brndo 
} terrenns. HOFFMAKN. 

Arabo, pfant. Andela, brantraita. 

AcinaXy ferrea hasta i. azger. Adriola, h&ba*. 

Alnus, erila. Apium, epfi. 

Abies. tanna. Ascoloninm^ aseUovch» • 

Amürea i. olei fex, drusjoa. Acumen, acies, wessi^- 
do uentris i. aruina, smero. Alapa, orsläch. 

Ala ascella, öcbsay. Aulicus^ houelineh t honeii'it. 

Ansä, hanthaba. Aspidiscos, uncinna^ «ritrhi- 

• Amla, nas prunaram- i glötb- Auena, habero. 

phanna. Artocrea, crapho. . . 

Atticus, humbel. Argilla, melgil. . 

Attacus» hehera. Aquarius, aehari. 






ADMONTBR VOCABULARIUS. 



969 



dlis, hantkar. 
le, scheiden. 
», umbehanc. 
abile, halbisen. 
m^ lachen, 
hibnlum, mandil. 
^, fundreba. 
, zabaK 
»lex, molta. 
»tanum, stabeuurz. 
■asaxa, senchilstein. 
io, spanun. 

riiun, volgelweide (so). 
atura, partha. 
a^ dehsela. 
ator, losari. 

o, elido i. ich zerchnuso. 
Grigium, goltporto. 
go, cr5wel. 
igo, gelesaht. 
icia, grint. 
a, regera. 
ra, nnstil. 
om, baselwrz (so). 
^ifa, nianliha. 
, mazeldera. 
ca, wolfzusila. 
nentarius, chanzilari. 
iritores, dienestman i. nii- 
steriales. 
go, crSwii. 
loatus, gaiincter. 
snlarius, ratgebo. 
;ara, spizprata. 
mm, lado. 
i, pellis, hnt. 
diitula, stovf. 
las, wisant. 
, huo. 
F. D. A. III. 



Broma, riffo. 

Bastaban, bremo. 

Balbncus, stammelonder. 

Basterna, sambuch. 

Bulla, blatere. 

Balbas, niselender. 

Banchale, banchachan (so). 

Bipennis, pigil. 

Bulcio, polz. 

Bracium, malz. 

Brinna, hundaz. 

Bacina, wegewahta. 

Baca, uua, hegelari. : 

Brasicia, wrz. 

Bruchus, kener. 

Boletus, buliz. 

Brattea, blech. 

Cidarim, mitra I pileus, h&< 

telin. 
Cenocephalus, hnnthonbet. 
Cardiacus, herzsiecher (eod. 

herhs.). 
Cris, hergesello. 
Celan drum, colgras. 
Coliandrum, abrotanum, sta- 

bewrz (cod. stahewrz). 
Claretum, lutertranc. 
Cocodrillns, nichvs. 
Caprea siluatica, steingeiz. 
Capra domestica, geiz. 
Concha t concula, musculla. 
Cancer, crebez. 
Capns, falco. 
Cuculus, gouch. 
Caradrion, lericha. 
Carduelus, distiluinco. 
Cotumix, perdix, rebohonh. 
Cornix, chra. 

Capreolus I campolus, r^chr 

24 



* 



370 



ADMOISTER VOGABULARIDS. 



Calculus, kiselinch. 
Cantio, scripgeziuge. 
Canterium, ferrom quo anima- 

lia feruntur, i. bolz. 
ColuDibar, knebil.. 
Colludium, spil. 
Cauaria, rotanditas capitis, 

gibilla. 
Caluiciam, calua. 
Ceruix, collum, hals. 
Cubitus, elna. 
Costa, rippi. 
Coxa I clanis, diech. 
Calx t calcanens, fersina. 
Grus l tibi(a), scioca. 
Gliens, genoz. 
Camera t arcus, gewelbe. 
Cementam, pblaster. 
Cementarius, murare. 
Curialis, honelinc. 
CaUps, stabil. 
• Cuminam, chumich. 
Circinum, riza. 
Circas t circulus t clicus, 

ring. 
Carra, carruca, carpebtam t 

planstraiD, wagan. 
Carpentarias , weginare t 

hizwercbman. 
Cicuta, scerblinc. 
Calathas I canistram, zainna. 
Cratera, napf. 
CoUandram t c^rifollum, kor- 

uilla. 
Coclear, lepbil. 
Caldarium t caldariolum, ke- 

zil. 
Cantaras l cancta, kanna. 
Cacumis I cacurbita, gurbiz. 



Cucumerarios, kuitogarto. 
Capedo, i. alaot. 
Carectam, rieth. 
Cepa, cibulU. 

Cep^, pblanze t srntelovcb. 
Carduus, distil. 
Cannabus t canniaa, baipf: 
Celidonia, scellewrz. 
Celocasia, wildhi minza. 
Caulis, cölgras. 
Cardamus, wilder cresso. 
Crocus, cr5ge. 
Cypressns, cipresboum. 
Cerasus, kersboum. - 
Cinus, chriechboiun; 
Carpeous, b&gebicba. 
Corilos, hasil. 
Colurnus, beseliner. 
Coccus, rothpbello. 
Calige, bosan. 
Calicula, linsoch. 
Culix, mucca. 
Carica, figa. 
Controuersia , altercatio, 

stril. 
Cardo, ango. 
Callis, pbat. 
Capnlus, belza. 
Camites t canti, felga, circa 

rotas. 
Callus, cutis spissata, giswil- 
Colustrum, liest. 
Constellatio, gistim. 
Conpluuium, daebtrif. 
Carbasus, segil. 
Ciconia, storch. 
Colus, roccho. 
Colum, siba. 
Curtis, höf. 



AOHONTGR VOGABULARIDS. 



S71 



Ue, houestat. 

posy reider, 

ibium, gihilaichi. 

manipularis, comilito, her- 

sello. . 

ta, spelunca, griif. 

lila, meisa. 

leUa, dascha. 

plodo, ich zesameren. 

[lo, ieh nascon. 

^are, acitare, gisnren. 

»iltatio, ra(^)fraga. 

pilator, zesamene blezare . 

mia, hantfliega. 

Strom, halfdera. 

natoriom, drinchus (so). 

nonator, sonare. 

»is l copbinus, corp. 

mbus, drabo. 

idrum, welleblech. 

US, halda (cod. habda). 

adis, hema. 

Dinm, griebo. 

, wezstain. 

isam, kersa. 

)enta, bircha. 

is, go£Pa. - 

»m, garthomil (so). 

iola, daha. 

ibella, hinereba. 

tx, wan(Qlus. 

;a', trinta (trutta), foriana. 

icola, zoha. 

(ia, wihboum. 

bium, gottwebbi. 

pana, gloca. 

toriom, siha. 

is, selehofi 

r^ kichera. 



Cucuioa, kachma. 
Cramacula, hahila (cod. ha- 

bila). 
Cartilago, prnsdeifel, 
Canterus, wibel. 
Gremium, spahha. 
Contribules, cumelinge. 
Colocincias, wildia churbez. 
Grustolum, brecila, genus pa- 

nis concauus el tortiis. 
Conpeodium, churzi. . 
Cartilago, crustila. 
Cardamum,nastarcium,cresso. 
Gicatrix, obductio uulneris, 

masa. 
Dentilium, rie&t. 
Dextralia, lat^ armill^, bon- 

gun. 
Damma, hin(^)chalp. 
Delphin, merswin. 
Decipula, ualla. 
Dolabra, ascia, barta. 
Deceruiculum , ornamentum 

uirginalis capitis ex auro, 

underpant. 
Deliram^nta, acosuDge. 
Ductile ipetallum, geslageiich 

(geslagen blech?).. 
Depasco, consumo, ich fri^zo. 
Dehisco, patesco, ich geinen. 
Dedo, subdo, ih irgibuii. 
Dolo, ich imbore. 
Deprauor, ich uerboson. 
Duciolus, zapfo. 
Dictannnm, wizwrz. 
Deuocatio, schelta(7i)ga. 
Dipsane, lovchesaesun. 
Demolitus, zostorta. 
Detentio, . andant. * 

24* 



372 



ADMONTER VOCABULARUJS. 



Kcclesiastes , concionator , 

Sprechare. 
Euphebia, lupanar, huorhus. 
Electrum, metallum, i. gi- 

(^)melze« 
£(^)talis, grfizdarm. 
Empticins, ch5fscalc. 
Exactor, qai aliqaid exigit i. 

firidemari. 
Emunctorium, zanga. 
Erodins, wiltfalco. 
Eruca, grasewrm. 
Ebor, helfinbein. 
Edero, ebov. 

Ebitudo, slafzeit (/. slafbeil). 
Exox, lahs. 
Ericius, igil. 
Expedecio, hereuart. 
Essedum, sambuch. 
Episumen, zem5se. 
Exentero, euiscero, ich scurfe 

chie (so). 
ExtiiberOy nodosus fio, ich 

maseren. 
Exploro, inquiro, ich spehon. 
Esculus, eschilbovm. 
Emissarias, reino. 
Erpicarius, egidare. 
Erpica» egida.. 
Elox, salmo. 
Ester, bisewrm. 
Encenia, kirichwaht. 
Echo, galm. 
Emula, gella. 

Epistelia supermissa, bolster. 
Flascones l flasce sunt uasa 

uinaria. 
Fiola, glasecoph. 
Filix, lisoa. 



Felis campeolis, rech cigelinc. 

Fistula, saegula. 

Fascia, circumligatiira I lim^ 

bus, lisda. 
Fascialis, windinch. 
Furcä, haggo I zuisella. 
Fenerator, wocherare. 
Furcilla, gabela. 
Fulum, rotez t eluez t brane2. 
Femorale, feminale, brich. 
Femen, coxa, diech. 
Fiscella, sporlula, churbeliD. 
Fascis l fascieulos, gebnnde- 

lin. 
Fibula, concatenatio, nnschil. 
Fascina I fascinula, crSwil. 
Falx fenaria, segensa. 
Feniseca, fenam secans, ma- 

dari. 
Falcastrum, getesin. 
Fornix, suibogo. 
Fumarium, röchus. 
Flauens, faluer. 
Feri^, undaciones, firrun. 
Funda, slengerra. 
Fenus, lehan. 
Fundibularius, sUngare. 
Fissura, scissura, scnmda. 
Ficetula, snepha. 
Fringellus, uincho. 
Fucus, treno. 
Ficones, s5chschova. ' 
Fagus, b5cha. 
Fraxinus, asch. 
Fusarius, spinnelbovm. 
Farnaicus i. cippus i. stoch. 
Feniculum, uenichil. 
Fragum, erthbere« 
Fungus, su4m« 



ADBfONTBR VOCABULARIUS. 



373 



Inain I fascinatio, z5ber. 

inssor, burigo. 

OS panis i. flado. 

mm l flabellum, winda. 

aiuniyCoeciüiam, red[ie(^o) 

iria, fason. 

0, dioido, ich spalto. 
ino, ich z5beron. 

1, ich libon. 
iaa, kasecbar. 
orium, rastriim, howa. 
imen, wrst. 

irimn, sulza. 

sar, gurlät. 

tdator, spebt. 

3lla, soimma (so). 

das, filloD* / 

ster, stiephsun. 

f ueltchamich. 

, cisimns. 

;iae, partes circa dentibus 

bilare. 

la, slunt. 

OS, houer. 

y kela. 

icnla, rost. 

osus, cliuelin. 

iosns, ensüger. 

en, Urnen. 

er t glabelltts, caluer^ 

lulus, r5ch. 

ns, grillo I heimo. 

iolus, suertella. 

is, hano. 

ina, henna. 

to, fraz. 

I, granich. 

pilio, engerinch. 

s, eichilla } dros. 



Glandala, droselip. 
GaDnio, ich grino. 
Grassor, pugno, bacho, sehib 

i. ich doboD. 
Graaarium, spicare. 
Glarea, reddo. 
Gallicola, gebita. 
Galerus, h5th. 
Gener, eidum. 
Glabrio, grint. 
Herodion, wiltfalcho. 
Hydropicus, wazzersuhüger« 
Hannaue, hanif. 
Humeruli, kipfa. 
Humerus, scultera. 
Habena, zugil. 
Huicitum, satilhulft. 
Hirundo, saalwa. 
Hinnula, alant. 
Himdo, 6gela. 
Hibix, steinboc. 
Hio, ih ginen. 
lesas, salnator I salutaris, 

heilant. 
Ichoos, sonus i. galm. 
lecor, lebera. 

Inguina, pudenda i. heidrSse. 
Inaares, oringe. 
Interrasilis, interlimalus i. 

underfiliter (cod. — s — ). 
luniperus, weckelderboum. 
Inclusus, chlosanare. 
Illecebra , inmandicia , gi- 

spensta. . 
Iricius, igil: 
laculus, anguis, qui aninudia 

transiacit i. lintwrm. 
luridicus, legis peritus i. 

esago. 



374 



ADHONTBR VOGABOLABIDS. 



Incus, iacollisy aneboz» 
Insecter, ih anton. 
Indago, inuestigo, ih forsca. 
Indulßo, ih smeeche. 
Inputare, ih firwiza. 
Imbas, bortdo. 
iDducUles, scubeÜDc. 
Invencus, stier. 
Inprecatio, flohunga. 
Inola, alant. 
lOuaieSy unsubri. 
Impostiisti, bitruge. 
Imcompeüs, in den geuvin. 
Indulcoro, ih gesaozi. 
Isqniamus, bilisa. 
loger, agellus, mergen, cc* 

XI. pedom in longitudine. 
Brantia, kinnebacho. 
Brancus, morbus i. dampho. 
Iresipila est insnper morbas in 

superficie cutis, rubore 

slaninico i. rnbescente i. 

flechtinde. 
Libra, xii. pfunt, aintiel- 

wag^. (so), 
Librum, humor sub cortice, 



orum 



Lärns, musare. 
Loaficusj grounspeht. 
Lustrus, Otter. 
Lumbrictts, reginwrm. 
Laüdila, lerocha. 
Locus ta, höscrecchil. 
Licis.ca, mistbella, zoha. 
Linter,' witit. 
Luikibi, lente. 
Linx,' luhs. 

Lacertus, muaeulus brachii, 
mvs. 



Lamia, quoddam monstnnn 

mulieri simile, hohnuhwa^ 
Larue, larea raali, qnedam 

moiistra, Bcreza. 
Lanugo, firactus Biatoros ear* 

duum t lana terre i; miiB, 
Lathomus, steinmazkil. 
Laquear, himilce. 
Lima, wla (so). 
Later, ziegil^ 
Laterculus, ziegili. 
Lineolus, filum i. snSr^ 
Lacinia, ora uestimenti, wm 

l ort, 
Licium, harlopha I fitzza. 
Liciatorium, fitzebSm. 
Lumbare, } renale, diechrüc. 
Lena, lilachen. 
Lacerna, nestis fimbriati^ 

chozzo. 
Lamina, tenuatam metaUnni) 

i. blech. 
Lagena, uas fictile I la|nde8iB 

i. chr5c 1 la^ella. 
Lecitus, uitreum uasyampulla. 
Lebes, caldarium maganO} 

kezzel. 
Lentiscus, linde. 
Licuta, scerline. 
Lacerta, egidehsä. 
Leuigo, ih erlihteron. 
Ligurio, ih choren. 
Lippus, s&roger. 
Litura, dunchunge. 
Lubrum, l labrum 1 labinm, 

lefse. 
Lappa, pleticha. 
Lapatium, ohledda. 
Lolium, Fatin. 



ADMONTBR VOGABULARIDS. 



379 



itliciiim, lobesteche. 

1^ linsi. 

\y dis, niz. 

liauky nahtegela. 

18, haso. 

oBf strabtts i« scilihindeF. 

r, ziegeL 

I, wibgernes. •* 

', sech. 

iua, i&ga. 

1, harlifa. 

laiD, spec; 

nis, lorb5m. 

aca, laddoch. * 

iarida, springa. 

is,. cabraehe. 7 

US, hechil. 

ix, wcppe. 

itas, flado. 

na, commixtumlmixtara, 

i&alba. 

giipios, secchil. 

incolia^mgnuii fei i.fasche. 

paro, parua aanigatio i. 

»afo. 

Uentas, maeer i. magerer. 

«nole, -catenule terekes, 

iSrlin. 

«na, lantfruda., 

?ai,' hovt. 

ft l maxilla l mandibnla, 

innebacbi. 

les, rotz. 

lalla, march. 

aina l mamilla, tuddi« 

rona, firSwa. 

obranum 1; membranula, fei. 

dpulus, gari)a.. 

ü& i. eqi^folter. 



Menta, minza. 
Malua, papila. 
Millefolium, garaoa« 
Marrubium, andorn. 
Malleus, hamer. 
Malleator, hamerare. 
Moneta, muniza. 
MonetariaS, monizare. 
Mediolus, naba. 
Mansus, h5ba. 
Megalis, poreos castralua, 

parch. 
Melertera, sorormatri8,ni&iBä. 
Mulsum, lutertrancb. 
Mappa l mappula, hantfanp. 
Mergus l mergulos, d&chare.' 
Mernlus l merula, amsila. 
Merops, gronnspeth.- 
Murio, cazza. 
Mus, müs. 
Mustela, wisela. 
Migale, härm. 
Muscipula, ualla. 
Manicipale, congestum, ge- 

burlich geding. 
Matricularius, doumpfaffb^ 
Malta I mattnla, maddä. 
Mantica, pera, malha, daso». 
Marceo, langueo, ifa serwen« 
Mutio, modicmn n marawia 

sin (so). 
Multor, percutio l punio, ih 

mordi. 
Metior, ih mizze» 
Mastico, dentibns commintio, 

cuon. . 
Mulgeo, ih mileha. 
Mensale, disclaoben, 
Manile, hantfaz. 



376 



ADMONT£ft VOGABULAIUDS« 



Milium, hirse. 
Malteum, balz. 
Mancas, einhender. 
Melantiom, morcrut. 
Melones, piboz. 
MannbiaSy roabare. 
MorUrium, morsare. 
Manstroga, lachin. * 
Noxticorax, nahtram. 
Nanus, getuverc (cod. — s). 
Nouacula, scarsachs. 
Nouerca, stiufmSter. 
Nouilricas, stiafater. 
Nuras, snura. 
Nacifraga, nuzbrecba. 
Nacleos, nuzzikerno. 
Noctua, uvo. 
Nastnrcium» cresso. 
Maulnm, uert. 

Nauclerus } nauta,sceirmaister. 
Nauticus, scleflicher (so). 
Nausia, unwillo. 
Nates, arsbelli. 
Nudius i. egesteren. 
Nenos (/. Neo), nes, neui, 

filo, filas, fademon. 
No, nato i. ih saimmo. 
Nola, scella. 
Napum, raba. 
Nnccinus, nazboum. 
Nepulus, nespilbom. 
Nectar, seim. 
Nutricius, magezoge. 
Neni^, laitsanc. 
Natatoria, ursprine. 
Nimbus estfasciola transuer- 

sa ex auro assuta in lin- 

theo, qnod est in fronte fe- 

minarum borto. 



Ophalmo, dolor oculomm, 

ocswere. 
Orphanus i. weiso. 
Oriza, subtilissima £mna, L 

simila. 
Onocrotolus, horduchil. 
Orarium, linteum, quod oia 

mortuorum tegit, I stola t 

mappula, Jiantfano. 
Ora, finis, s5m l ort. 
Ornus, häginb5m. 
Orbita, uestigium rote, wa- 

ginlaisa. 
Olea t oliua, olebim. 
Olor, elbiz. 
Obses, gisil. 
Ocree, beinberga. 
Omentum, quod tegit intteti- 

na i. budminc. 
Operculum, lit. 
Oriza, snitz carnis, 
Ostrum, Goccus, rotphell(ri. 
Orifium, gensprinc. 
Off6co, extinguo, ih wrge. 
Oscito i. ih gene. 
Obstipeo, obrigeo, ih erstabo. 
Ocimns, herba, girgila. 
Ofites, uogel. 

Opinatissimus, namehafteste. 
Parcherdum, prestigiam, z(- 

berunte. 
Petasum, latum calciamentmn, 

scritsc5he. 
Pilax, catza. 
Papauer, mago. 
Pastonaca, moraha. 
Porfirio, ysaro. 
Psitachas, hincust, 
Platanus, abhorn. 



ADMOMTER VOGABULARIUS. 



»77 



ma i. fesa. 

tos, g5mo. 

s, brShc. 

s, pali, stecco I phal. 

, sc5ael. 

lilio, nivaldera. 

aüones, cinsi. 

c, meisa. 

tms, bagan l ageleia. 

dros, pharefirit. 

US i. leibart. 

sulum, wadel. 

luin, f5ter. 

la l patella, phanna. 

nbeSy addubun I heitubin. 

icus, spöle. 

, fasciteriuiDy sesetraga. 

9 phawo. 

ium^ phenihc. 

9 phedema l erdaphel. 

IS, V. pedes, scritmale. 

ix, rebehon. 

cos, phersichb5m. 

NsnliBum, petirsil. (cod. 

rsil)^ 

ra, napf. 

uluoi, galgo. 

Qdam, grindel 1: dremel. 

naca, moraha, 

' melda. 

}lllllS, lüs. 

»nus, sisegomo. 

satus, kebesoter. 

:o, prorigo, uredo cutis, 

Ledo. 

icax, einstritiger, 

im, amiculom i. uelamen 

ntis l pectoris, höbet- 

Aa. 



Perna, tergus suis i. bacho. 
Pecten, champ. 
Papirus t papirio, lisc. 
Petuita, caligo l flegma oculo- 

rum t morbus gallinarom in 

lingua i. cipphic. 
Pilleus, h5t. 
Pala, offa, baiza. 
Pilum, phil. 
Pila, stämph. 
Pincerna, scenche. 
Pisa, arwezzi. 
Pitacium 1: pitaciolum, modi- 

cum curlolum i. scedade- 

bet5h t bletzo. 
Petacium, epistola, brief. 
Picus, hehera (cod. heheta). 
Picea, forha. 
Pix, buhsa, trucha. 
Pica, aglestera. 
Pinus, pinbömr. 
Pirtis, birb5m. 
Pirum, bira. 
Pisale, phiesel. 
Pistor, phister. 
Pistrinum 1: pistrilia, pachns* 
Pons, brucca. 

Populus, arbor albis foliis» wih. 
Papulus, albare. 
Porrum, louhc^ 
Poledrus, folo. 
Puls, brii. 
Pupilla, seha. 
Pulmo, lungula. 
Pobles, chnierade. 
Pustula, buUa, aneavez (so). 
Pulix, flöhe. 
Pultrinus, uvlehin (cod. -^ 

bin). 



d7S 



ADMONTER VOCABULARIDS. 



Puteal, locus ) statna in foro, 

harfa. 
Puba, toecha. 
Pdluillas, chussi. 
Pamex, pumiz. 
Placenta, flado. 
Plaastnim, wagen. 
Plantago, wegerich. 
Plana i. scaba. 
Plutes, tabula parieiis i. diL 
Plambum, bll. 
Prignns, pfloumbSm. 
Prelam, balco. 
Prioignus, stiufsun. 
Priuigna, stiuftohter. 
Pröauns,. alterane. 
Progenies, gagerla {l /unein" 

cörrig, m e), 
Predium, lehan. 
Prestatio, leban. 
Pinnoi. ferio,pf6moi.Dntirton. 
Propnnctorium^ stozisin. 
Pulcita, uederbete» 
PlumatiuDi, wancussi. 
Pista, diech. 
Pascha, ertbere, 
Paro, goumo. 
Panaoeta, reninano. 
Pulcina, hSninchil. 
Purro, sturi. 
Plectalimatica, slifstein. 
Polipodium, steinfarn. 
Penus, spichare. 
•Pultes, bdnbri. 
Ptisanas, Unsanio. 
Popö, uyrsteline. 
PatinuSj phannin$lil. 
Pille, balla. 
Propugnaculum, prustwere. 



Parafrasten, luginare. 
Percrebuit, mare uvari. 
Pelex, gella, 
Palatarum, figon. 
Pus indeclinabile i. saogois 
corruptus, inde bustde qui- 
dam uolatir dicitur gaha. 
Quisquila, spirti.- 
Quacaria, wahtala. * 
Quercus, eicha« 
Quernus, heichmer. 
Qualus, spola. 
Quisquila, wahtela. 
Reumatica, chranichesnabil. 
Racemus i. drubo« 
Rana, frosc l jcrejta« . 
Ramma, agelei. 
Radii, ligna in rotis,!. speidmi. 
Radix i. raticb I gerta. 
Rafanum, merraticb. 
Rastrum, houwa. 

Rastellum, r^cbo. 

Resiba, batns. 

Rennnculns, niero, lendihrato. 

Reticulum i. nezce.. 

Recaluaster i. cbalaer. ' 

Reditus, nutz, 

Remus, roder. 

Regius i. .gelesubt. . 

Reclinatorium, lineberga. 

Repagulum, lobiectia i. 8p> 
zile. 

Repurium, repai^tio i. vebn. 

Rima, scrunta. 

Recinium, acus I sporah. 

Rnncina i. nuil: 

Rubigo, TosU 

Rumex, mf» 

Rubricata pellis, loisc. * • 



ADHONTER VOCABULARIUS. 



sr» 



nun, snabil. 

la, coüaolaU, * cantola L 

lel. 

marinnm, herba, nimphea 

grensinc. 

ledo, heisir. 

., rancilla. 

»aus, niiuBohter. 

ino, iddrachon. 

IS, holder. 

)x, braina» 

liind, salzfaz. 

les, st5f. 

am, raia. 

rta, wit. 

iji wirz. 

oücaliiiD, hfibetbaiit. 

a, ambracülum, louba. 

na, Signum 1 figura in 

rpore i. lichmale. 

na, chelc I cbroph. 

, coxa, diech. 

igo, snlza. 

nisoga, egela. 

ina, gos5me. 

ir, natare. 

dalia^ ronsc5ha. 

dix, weit. 

£ceos, uvidiner. 

olam, getisift. 

larius, soumare. 

., saliha 1 wida. 

ninarias, harttrugil b5m. 

mens, holare. 

as, sachk 

olns, sechil. 

na, seiffa^ 

cia uvrst. 

mca, rietgras. 



Spiculum, scoz t spiez. 
Sellarius, satibros. 
Sidacivm, hasip» 
Serpellum, aeltchonela. 
Simia, affin. 
Simius, crumpfiiasi dindiil 

(steht diträbery men sieht 

nicht wohin es gehört^. 
Sistarciam i.^ mSsUsche. • 
Siligo, rocco. 

Spelta, dinchil. i 

Similago, simila. 
Seta, porst. 

Sisimbria, sisemera. . - . 
Sorex, grozmus i. radda. - 
Solarium, altnm edificimn i. 

solare. 
Supercilium, oberbra. - 
Suggellatio, derisio, reprer 

hensio, houh 1 spot. 
Stellio, moltwrm. 
Submentum, underkinne. 
Sus, suin. 
Subtemen, weuil. 
Sudes, steccbö. 
Snrurro, runzare. 
Scurro, qui aliom nictua gnir 

tia sequitur i. nascbaro. 

Subulcus ii sninare. . • 
Suses, susin. 

hoc 

Spint. Spinnela. bendi (so). 
Subparum, camisia X furbendi. 
Sumen, pinguedo in mamilie 
scrofe, sponrunst. . 

Suber, rinda, loft. 
Scurra, nascare X scemare. 
Sceda \ scedula, plezto. 
Scarabeus, wibil. 



.1 



380 



ADMONTER VOCABULARIUS. 



Scabro, homuz. 

Scrofa, SU. 

Scirpus i. piniz. 

Scitum, mandatum, decretum, 

ban. 
Scaria, scara. 

ScQSSoriam, rennila t quirn. 
Scabies, ruda. 
Scutica, geisili. 
Spien, milz« 
Spata, suert. 
Sparas, sper. 
Spatarias, suertrago. 
Spacas, drat. 
Spartus, wint. 
Spartas, scaflinhou. 
Speculam, Spiegel l warta. 
Statera, waga. 
Stnicio, struz. 
Sternus } sternulus, staro. 
Sturio, sturi. 
S tarnen, warf. 
Stappa, auvirche. 
Stipes, stam. 
Stirps, genealogia, stam. 
Stupeum, colobium, uzspunne. 
Sarcio, ih b5zo. 
Susorro, runzon. 
Sucinus, saeizige. 
Stragnlum, fechlacben. 
Solee, solun. 
Salinam, salzfaz. 
Saline, salzgrabin. 
Sifonüa, sprizza. 
Scalprum, scrotisin. 
Scalpellum, scribmezzer. 
Supara, lesa. 
Sabticula, scurliz. 
Satere, wallen. 



Supputacio, zala. < 

Stiria, ibselle. 

Sarectum, säbar. 

Sagnea (so), strala. 

Smigma, seipba. 

Subtulares, ficones, sc5ha. 

Seuum, unslit. 

Sorbius, spib5m. 

Spinus, scelebSni. 

Surculus, zui. 

Serculus, staro. 

Satureia, quonila. 

Solsequia, sunnewerbil. 

Subtellus, barbo. 

Taberne, edicule plebeiomm 
parue, cr4mun. 

Tabernarius, caupo, cramare. 

Tabernio, tauernare. 

Talpa, muworfo. 

Tapetium, tepich. 

Terebrum I terebellum, na- 
biger. 

Tramaratia, mazbaldera. 

Thorax, brunna. 

Tibias, crura, scinkin. 

Tremula, aspa. 

Ticio, brant. 

Torno, draio. 

Traha, slite. 

Tribulus, hufolder. 

Tridens, croL 

Tricolanum, gartl^ago. 

TruUa, chella. 

Tela, weppi. 

Toreuma, scafraida. 

Tortus, wit. 

Tignus, spara. 

Tauanius, premi. 

Tumba, c5ffa. 



ADMONTER VOCABÜLAMÜS. 



381 



, zuber. 

ata, -diechbrato. 

im, linda. 

0} ih snitin. 

isj h&sta. 

änarium, stampf. 

s, duchistein. 

lus, made. 

das, asc. 

la, weppegerti. 

9, dtcsila. 

US, droscala. 

ere,. bachin. 

s, tal. 

im, grabo. 

mtia, notnumft. 

ricoltts, umbilicus, nabel. 



Uepres, brama. 
Vernaculus, genakneth. 
Uertex, sceitila. 
Uesica, plater I croft. 
Vespertilio i. fledermSs. 
Vespa, wefsa. 

Vestis mutatoria, padiguant. 
Uiaticus, wegiwiso. 
Violentia, uis ualida, notnumft. 
Virago, malier que uirile offi- 
cium implet i. friedela. 
Ulula i. uwil. 
Vmbo, rant. 

Umbraculum, hStta 1 15ba. 
Vnco, eberzant. 
Vomer, waginso 1 scaro. 



BRÜCHSTÜCK DER HRABANISCHEN 

GLOSSEN. 



jiüs cod. f^znd. 482. 

DYO, fona dem niuuiun. 

tere, et deru altun. 

mento, eu. 

sare, uuidarsahan. 

i;ans, sanfmoti. 

ipater, faterliih fater. 

ere, farlaugnen. 

le federe, auu uara t 

Qua. 

3 amicitia, anu friuntscaf 

id. friufscaf). 

littentes, anasentente. 

t fer si. 

st, fona ist. 

at, farquidit. 



HOFFMANN. 

abominat, laidazit. 
abstractum, farzogan. 
adseuerat) kasaket. 
abluit, arduoog. 
refiitare, fartriipan. 
de est, uan ist. 
latens, midanti. 
adfirmat, kafestinot. 
adnitentem, zileten. 
adnectit, zokacgnuphit. 
asciscit, farspanit. 
adnixa, zokamahhot. 
adulta, kauuahsaniu. 
matura, rüffiu. 
arogantes («o), hroomiihho. 



3a2 BRUCHSTÜCK D£R üftABANISCHEN GLOSSEN. 



elate, keilliihho. 

algor^ firost. 

angor, sorga t tristor, kaun- 

frauiiit pim. 
coartatar, kidoungan. 
constringor, kadaüngam pim. 
satis ubertim, abarkanooc. 
alteroatim, uuehsalliihho. 
uicaria, nuehsal. 
reciprocans, iotauibslenti. 
alecer, sneller. 
expeditas, mantar. 
armonia, liudeon. 



conpetens, kalimfliih. 
apta, ca. kafokiu 1 kaforiu. 
modolatio, missäliih saue, 
arduos, uuidarpegi. 
difficilis, unsenfti 1 nnodi. 
araa, aogar. 
amoeourn, BUimisaiii. 
delectabile, lastliih. 
fertilis, uuasmiic» 
iocanditas, aunnisami. 
adtonitus, hlosanti. 
inteotus, kemi. 
stapefactis, arqueman. 



PRAGER GLOSSEN. 

Pergamenths. des ii/\2 Jh., 51 bll. foL, aus dem kloster 
JVe{fsenaUy in der ßirstlich lobkowitzischen bibliothek zu 
Prag, glossen zum Isidor, ein codeoD rescriptus; darunter 
sind glossen aus dem Qnj'k., die hin und wieder durchschim- 
mern, an einzelnen stellen nur schwach ausgekratzt und auf 
blaU 51^ stehen geblieben sind. HOFFMANN. 



bl. 51^. . . . paldlihbo. 

Non praesumant ni ketarran. 

Disponere kastiflen. 

Sobuenire kabelpbe. 

Committere kafelahe. 

Leccionis lirnuncba. 

Artes list. 

Omoe CO.*. allan. 

Carias liupora. 

mercis mieta. Seu iaab. 

Inperfectum unkifrumit« 

Expleatur arfuUent. 

Arripiunt fahant. 

In cenobiis Jn manistiore. 

NoQ trepite nalles late. 



Poenam uaizzi. 
Concedatur fargebani. ^ 
Si qua piuualih. 
CoDsammaü bohirom.^ 
Momcra broarnessi. 
Distabimas danastaiitä.. 
Perrimiscimt arfurabteDt. 
Rubigo rot. 
Affectate min mot. 
Parassitus scirnun. 
Magus cauculare. 
Mimoram clia aun (?)« 
Lacioris preitUhbora. 
Annaria puabscrini. 
Expremunt ardbohent. 



PHAGER GLOSSEN. 383 

Exterit faraanit. Occupati numaazzic. 

Disceptare arrabhot. predicta kiquetan. 

Decreü kistatit. Gradienti dero*cango. 

Conuenit karisit. Arbitrio frituä. 

Qaod professis gebanti sint. Quamuis doh. 



MÜNCHENER GLOSSEN. 

Perg, A blL, 9* jh, JbL, bezeichnet Fragm. MSS. 
Hoüac. 4. HOFFMANN. 

sinapiones, cressa sax. 

1 
spalagius, masca uenenosa est autem similis fifeld§ sa^. 

stilo, cueldebered^ sax. 

sura, hamm^ sax. 

taxata^ broc sax. 



KLEINE BEMERKUNGEN. 

1. Wh. Wackernagel hat in den altd. bll. 2, 122 f. ein 
schönes lied bekannt gemacht das er wohl mit recht noch 
in das zwölfte Jahrhundert setzt, in der Züricher handschrift, 
die es allein aufbeiwahrt hat, fuhrt es die Überschrift Disiv 
lied sank ein herre hiez von kolmas. herr von der Hagen 
hat es in seine Sammlung der minnesinger aufgenommen 
(3, 468 m) und ihm die Überschrift Herre von Kobnar gege- 
ben; 4, 762 anm. 1 meint er, kohnas in den altd. blättern 
sei wohl nur druckfehler. allein Wackernagels abschrift hat 
sehr deutlich kolmas, und es gab herren von Kolmas. in 
den vermischten nachrichten und anmerkungen zur erläute- 
rnng und ergänzung der sächsischen besonders aber der ei- 
senachischen geschichte (von C. W. Schumacher) 5, 48 be- 
zeugt ein dominus Henricus de Kolmas eine Eisenacher Ur- 
kunde, Anno domini Millesimo ccLxxiiij . xiii kalend, lanuarij, 

2. herr Gervinus in seinem handbuch der gesch. der 
poet. nationalUt. der Deutschen s. 53 erwähnt in einem pa- 



384 KLEINE BEMERKUNGEN. 

ragraphen der in den altd. bU. 2, 148 ff. heransgegebenen 
bnicbstücke Yon Gawan und der kröne Heinrichs yon dem 
Türlin, den er fälschlich um 1242 setzt (vergl. meine vor- 
rede zu den liedern und büchl. und dem armen Heinrich 
Hartmanns von Aue s. xif.). allein jene bmchstncke sind 
eben nichts weiter als stücke aus der kröne, vei^l. altd. 
bU. 2, 156 ff. mit Ferd. Wolf über die lais s. 430, 2151 ff. 
3. in dieser Zeitschrift 1, 29 macht in der zeile Eywes 
willekome lieb* b , . die ergänzung der verlorenen buchstaben 
Schwierigkeit, sie müfsen einen reim auf iii(vobis) ei^eben: 
denn der nothbehelf den Jac. Grimm vorschlägt, bot (für 
böte) und in der folgenden zeile die Umstellung Herre, tu 
vergeltix got, ist mir unwahrscheinlich, es kommt mir nam- 
lieh vor als ob hier nicht männer unter einander redeten, 
sondern frau Treibe, die schenkwirtin, von einem gaste, dea 
sie in ihrer geschäftigkeit nahe kommt, mit ^willkommea* 
begrüfst würde, ich glaube also dafs lieb* ein Schreibfehler 
ist für liebe oder liebiu und dafs darauf würklich briu folgte, 
dies finde ich, im reime auf driu, bei Neidhard Hag. 3, 22S\ 
Lüte also ruqfte ein altiu briu 'wd sint diu miniu kini, daz 
si niht enspringent an die schar ?^ ob briu mit recht an 
das französische bru gemahnt weifs ich nicht; aber wenn 
man es als scherzhafte bezeichnung eines weibes, hier der 
wirtin, fafsen darf, so ist die stelle in Ordnung, 

Diz ist vrowen Triben leben. 

man muoz ir beidenthalben geben. 

schiere sie aber swinget 

da jenre st4t unde singet. 

der ist beworm in einer note: 

der quit alles ''dorilote, 

ey \iües\ willekome, liebe briu!* 

herre, got vergelten iu.* HAUPT. 



SR5 



ZU HAVAMAL. 

' Der ursprüngliche verband der im HAvamM zusammen- 
geslelUeo, zuerst anter dem teuschenden namen Ethica Odini 
von Resenios veröffentlichten, regeln and Sprichwörter für 
Uiren und heirasitzen, ehre und liebe, erwerb und gemach, 
bandeln und trauen, ist theils wegen der oft gestörten folge, 
tbeila wegen der volksmäTsigkeit ihres inhalts nicht wabr- 
spheinlicb. viele der spräche werden in den altem sagen 
icban nh/bmguedin ord bezeichnet, als etwas sem maelter. 
«rat. die sammelzeit nannte auch sie, wie alles unvordenkli- 
obe, Satzungen Odins, nach aussage der Überschrift 'des ho- 
hen lied.' ihn läfst man rathen, warnen, als seine beobacb- 
Ungen, bewährt mit seinen erfabrungen, str. 66. 96 — 102. 
105 — 111» treten die altüberlieferten klugheitssätze auf, mit 
seunem^ des viel gereisten, 'ich sah, ich erkannte' sollten 
wobl die Sprüche neue kraft und eindringlichkeit erbdten. 
ein zweites ähnliches hier angefügtes lied, LodfafnirsmAl 
•tr« 112-— 140, legt in seinen mund ähnliche rathschläge mit 
boiUflunter richtung auch an einen sonst unbekannten Jüng- 
ling* die Selbständigkeit endlich des Runenlieds str. 142 ff. 
erweist sich durch sein vorkommen auch in der heldensage. 
wir schliefsen es aus als unfruchtbar für die gnomik. 

über das alter des iohalts ist sicher zu sagen dafs er 
weil in die vorchristliche zeit hinaufgeht; Verhältnisse sind 
einigemal vorausgesetzt deren auch die ältesten sagen keines 
mehr kennen, die sammler aber aus dunkler erinnerung als 
vor aller geschichte liegend gedenken, dazu gehört das ver- 
brennen der todten str. 71. 81, wovon der gelehrte Snorri 
zwar wüifs, eine zeit aber nicht anzugeben vermag^ Heimskr. 
1, 8. 13; die prosasagen kennen für nähere zeit nar das bü- 
gelwerfen, wie auch schon Brunh. str. 34. so spricht die 
Svarfd. c. 6 von einer kiste für den leib; nur einer der im 
bügel noch nicht verzehrt war als man ihn ausgrub, wurde 
verbrannt Isl. sog. 2, 191. mythologische eigenthümlichkei- 
ten sind, die Schwachheiten Odins bei Fiöl str. 14 und bei 

Z. F. D. A. ni. 25 



386 ZU HAVAMAL. 

BiUangs maid 97 ff., wie aach vom trank Gandlads .erst die 
Snorraedda wieder mehr zusammenstellt, nur auf altheidni^ 
sehen sinn passen ferner die aufforderungen nuc für sich 
schnhe zu machen, den fiblen mann mit listigen Worten zu 
benutzen 45, und falschheit gegen die lüge zu setzen 45. 42, 
sich den besten mit runen anzulocken, in allen falLm aber 
heilrunen bereit zu haben 122 ; endlich der nnterrieht für 
beute- und lebenfang str. 58. 

Danach bedarf es kaum eines beweises vom voriooiMi 
einzelner dieser spräche in den ältesten denkmäiem. es 
mfiste auch sicherer sein dafs die lieder welche die Hem- 
kringla alten dichtem zuschreibt, wie str. 84 dem ThonBod 
(11 Jahrb.), würklich so alt sind, um daraus für hier verei- 
nigtes ein alterzeugnis zu entnehmen, jedesfalls gehört die 
Sammlung weit vor das Solarlio]^, welches sich unveiJLefti- 
bar in ein meisterndes Verhältnis zu ihr stellt, wie es daui 
durchaus christlich ascetischen geist haucht, und nicht telkB 
gegen jene altheidnischen regeln stark sprühet« so S» sIr.tO 
im vergleich mit H. 84 berichtigt durch Coheletb c* 7v S. 
Str. 19 miC H. str. 45; S. str. 28 mit H. 37; S. str; 61 
mit H. 122; S. str. 64 mit H. 58. 

Noch schwerer dürfte sich eine bestimmte örllidikeit 
dafür feststellen lafsen. wenigstens die erwähnang der.reaiH 
thiere, welche es in Island vor deAi 18n jh. nicht gab, wiMe 
nur für str. 90 allein gebraucht werden können ; Aicht su fe* 
denken dafs an vielen orten alte spräche ohne die saehen 
sind, die meisten aber überhaupt weit über Islands bebaaang 
hinaufgehn. von der mehrzahl läfst sich nachweisen dafs sie 
allgemein germanisch sind ; nur selten hat die concreto ge- 
stalt eines Spruchs so eigenthümlich nordische färbe eriud- 
ten, selten ein solches eiskleid, dafs er nicht auch bei des 
südlichem stammen gerade so aufgetreten sein könnte* 

Eine gewisse anordnung läfst sich in der hauptsaehe ats- 
finden. zuerst str. 1 — 38 kann man zusammennehmen uo- 
ter beherbergen und fahren, und den folgenden, wo engere ab 
gastliche Verhältnisse berührt werden, entgegensetzen, ohne 
nur zu hehlen dafs die regeln von der mäfsigkeit 19-^-21 
und von den merkzeichen des thoren 22 — 29 nur entfernt 
mit dem sonst verhandelten auswärtftsein in beziehnng ste- 



zu HAVAMAL. 887 

hett. abbrechen iäfsi sich aber noch nicht mit str. 36, wel- 
die ja als gegensatz zu dem ganzen vorigen gehört, wie ein 
söleher schon str. 5 vorkommt, besonders da str« 38 noch 
eine wichtige regel für wegemachen nachholt, alles folgende 
bis 104 Mst man nnter res domesticae zusammen, es wird 
aber darin dasjenige was man 'die guter' in der ethik nennt 
im folgende gruppen zusammengestellt. freundschaft39-^53, 
das wifsen 54 — 57, erwerb und dazu nöthige eigenschaftci^. 
58 — 67, gesnndheit und leben 68 — 72 (unklar 78; str. f4 
und 75 stehen wahrscheinlich unrichtig), guter name und 
rabtt.das höchste 76 — 80, wo nur die beiden letzten Stro- 
phen wieder zu schon gesagten gjegensätzen abfallen, ver- 
mittelt etwa durch den gedanken dafs keins der vorher be- 
trachteten dinge ein absolutes gut sei folgt nun was zeit und 
ilBUil&nde selbst beschränken: zumeist mufs fürs trauen im 
bandeln die zeit abgewartet, aber auch die rechte ergriffen 
werden 81 — 83; traue daher niemand dingen in unentschie- 
denen zuständen und den frauen nie 84 — 95; eine eigne 
orfiihnmg Odins liefert den beweis vom schlauen trug der 
•ehmeichelnden Jungfrau 96 — 102; Weisheit und dichtuog 
aber kommt vom begeisterungstrank 103 — 111« 

Lodfafhirsmäl gibt ohne anordnung wieder regdn fiirs 
reisen und verhalten als gast, besonders für Umgang mit 
tonem freunden und fremden, in Sprüchen die zum theil mit 
den vorigen parallel sind. 

GAST- UND REISEREGELN (str. J— 38). 

1 . dar gangi fram. feinde können vor dejn eigenen 
wie in dem fremden hause lauem, die vorsieht beim ein- 
tritt in ein unbekanntes scheint hier gemeint zu sein, da die 
enkunft sogleich beschrieben wird, so nahm es die Snarra 
Edda fob. 2. wo berichtet wird, Gylvi habe als gast bei Odins 
halle diesen vers gesungen. Odin nur wird hier redend ge- 
dacht« zwar von dem bei der ankunft nöthigen im allgemei- 
nen, doch steht auch so seine eigne erfohrung im hinter- 
grnnd, die ja str. 13 und 14 auch mit dem Ich hervortritt, 
und die von ihm ausgesprochen um so eindringlic^her sein 
rauste, da man ihm das gröste reisen zuschrieb. — um 

25* 



388 ZU IIAVAMAL. 

gkggnas skjfli ist eine wenn auch durch keine hs«, so doel 
durch die Störung des Versbaues verdächtige zuthat eines 
der das umsehen einschärfen wollte; da si^U yöUig geredit 
den Stab trägt, so ist der unterzeile mit umskodä sfyli ge- 
niige gethan. skoda» zwar auch noch Orkn. a. 448, scheiot 
weniger gebräuchlich als skygnaz Frid. c. 11. — äfitti 
ßtr. fiel ist wohl nicht im allgemeinen haos sondem flur, 
nach Fomald. 3, 18. Svarfdoel. c. 2 liegt einer i fletinu so 
dafs das feuer zur einen, der aschenhaufen zur andern seite 
ist und t milli setstorkana, sein eintretender bruder fillt 
über ihn hin. nicht selten sind Tälle wie der hier vom.&iii- 
lichen auflauem vorausgesetzte, so Olaf d. heil. c. l(Ni. 
Glums. G. 16 lauert Skuta an der thür einer triftenhiitte. 

2» hvar skal sitia sia. die frage gehörte zur sitte. 
der. angekommene geht vor die welche den hochsitz eimidh 
men, und fragt nach dem grufse, hvar peir visi honwmtil 
saetis Fornald. sog. i, 295. selbst der jarl Rögnyaid.*tbst 
die frage in einer hätte, wo er ausgefroren von einer See- 
fahrt eintritt, an eine magd, Ork. s. 265. sorgfältig fiegi 
dann der wirt nach der erscheinung des gastes seinen stand 
abwägend den platz ihm näher oder ferner v«m hochaiU 
anzuweisen, könig Hring, der seinen gast gleich erkannte, 
Frid]^. c. 13, läfst ihn zu sich heran kommen c. 11, aker 
Glumr mufs sich, da er bei seinem grofsvaterVigfus ankon- 
mend seine Verwandtschaft nicht bewähren kann, der srio 
äufseres wenig entspricht, auf seine bitte visa ser til sadis, 
zu äufserst den sitz bestimmen lafsen, ok visadi honum tä 
saetis d hinn öaedra beck utarliga : ok veitti hönum liUa mr- 
ding, Vigagl. c. 6. hier erhält die frage mehr den anstrieb 
des bedürfhisses, denn miök er brddr u. s. w. deutet as 
dafs ein so von der strafse kommender, eben, wenig warlei 
könne. Finn Magnussen führt aus dem munde des volks das 
nicht ganz unähnliche Sprichwort an brää eru bramtmgk 
erindi, nur ist hier von einem zustande nicht der geschifke 
sondern der reisenden selbst die rede, wofür der eingang 
des Solarl. str. 2 in ähnlichem falle geradezu modr vk mt- 
gin litill, d. i. müde und kraftlos, hat. und so ist die dem 
wort brddr, gewöhnlich schnell,, eilig, zu gründe liegende 
anschauung wohl das athemlossein. . . 



zu HAVAMAL. M9 

3. eU» er ßörj'. mehrere feuer werden eigens för die 
angemacht, als im norden natürlich erste pflioht, 
Oik. 8. 265. Fomald. sog. 1, 230, und selbst die ärmsten 
bringen dem fremden einen mantel oder in ermangelnng des- 
sJBn, wie die bondenfrau auf Hialtland dem grafen Rögnyald, 
einen fellrock, hüsfritin bar skinnfelldar-skikkiu at iarH 
Ork. 8. 265. — er hefir umßallfanp, dafs die bergfahrten 
ana allen übrigen herausgegriffen würden könnte man sich 
gefidlen lafsen, Yon selbst verstünde sich doch dafs Yon see- 
blirten dasselbe gelte, aber die parallele str. 19 ok heßr 
ßSldumfarid begünstigt die lesart zweier papierhss.y^ö//^ 
gebirge. 

A^ vaiSy perro, piodladar. das waschen der bände vor 
jeder maUzeit war im ganzen mittelalter allgemeine und we- 
gen des ermangelns der gabeln höchst nöthige sitte noch 
■ach Zeugnis Tbomasins bei Wack. 1, 505, 18 und der 
tisdiznchlen in den altd. bll. 1, 111. 281. hinter jeder 
tkfir, von Island an bis in die Schweiz besagen es ger^ 
manische quellen, befand sich handwafser und handtuch^ was 
Kitr perrfh heifst, nennt das deutsche mittelalter twekele. 
4$M war der ortj zu dem sich Enite während ihrer abson- 
demng bequemen mufste Erec 3666*, selbst unterwegs fehlte 
beim imbiCs die twehel nicht ebd. 3550, noch auf der Grals- 
burg-, wo hundert tische stehen Parz. 237, 7S. hiervon spricht 
auch Grimm zu Freidank 89, 12 f. wie es daher im nordi- 
oeben für zu tische gehen hiefs taka handUmgar, so blieb 
auch noch, lange bis ins 16e jh. im deutschen jenes bände- 
waschen sprichwörtlich., auch üe^piodlödy das gute alte nö- 
tfaigen, das freundliche gesiebt des wirtes Vafjirudn. 8 (die 
nsammensetzung wie in pioäräd Fomald. 1, 88)- empfiehlt 
noch. Barth. Ringwald; der karge, sagt er. Da sie ihn ilber^ 
roMchen Mit jm die hend am tisch zu waschen f^nd su gC" 
nüi/ien seine speis. Spuckt at{ff* die erd, siht immer satar, 
ynd knackt viel erger als ein bawr laut, wahrb^ s. 107, und 
Frank erklärt den spruch Das handwasser ist das siissest 
mit folgendem, dann wan man die hend wascht, so wil man 

* [ti was gesezien von im an der tweheln ort heifst Sie safs von 
ihm enlfernt an der ecke des tischtoches, am entgegensesetzten ende 
des- tisches. Brec und Balte sitsea an einem tische, s* 3731.' Hpt.] 



390 ZU HAVAMAL. 

mii dm aeenen danizen, dazu gßifft doM hmdwmsser auff 
spr. I, 87*. auch Brant rechnet zur 'düehts miMuekt dh 
mit wescken dunt ir hend, fFaim sie sich zu duck dm^t 
setzen narrenseh. s. 287. 

5. daelt er kefma hvat. dies fuhrt auch. B. Bald, ab 
ein gangbares Sprichwort an, und erklart es ' firei iil tm 
hanse alles.' yölliger trifft wohl den sinn das deatsche Ah 
heym isis geheifm Frank 2, 99*, worunter freilich aneh be- 
griffen ist Da hat man deines munds gewont. Da bistm aün 
zu thun nrmd reden frey. Da ist dein bedt, dein weit mad 
Und auch an gelt dein rechte freund 1 , 20^. das nördliche 
daeleih^ ddleikr ist Vertrautheit, ein ödaell der wenig, inl 
hart spricht, unheimlich und ungemein, unbeliebt, wie der g^ 
gensatB ergibt, Thorarinn vor madrvitrokvvuaelly ThmnMt 
Krokr vor hdlmgängumaär ok idaeU Vigaghuia. e. 5. kmm 
vor högvaerr ok daell i öUu vidjblkit Orkn. s. 146. <— mh 
gabragd ist Verspottung als blinken oder winken waü des 
äugen zwischen zweien über einen dritten, denn sonst babl 
das Wort augenblick. 

6« denke niemand, sein verstand {hyggiandi^ wie auch 
Edd. 2, 234. 1, 513 subst., daher gegen die Varianten hyg- 
gianda und hyggindi zu erhalten) überhebe ihn des an^pat* 
aens und der vorsieht, ähnlich steur dich nicht msf deum 
Witz Frank 1, 121* Ter^. 125^ das folgende lieTfe jick 
hiennit unmittelbar so verbinden, Vorsicht bedarfs, wenif dai« 
ner heimatshecke ein kluger und schweigsamer naht; wh<- 
auf dann der allgemeine satz vom vortheil der gewahrsamkcit 
den grund brächte, vorzuziehen scheint es indess die regd 
auf das . ankommen im fremden gehege zu beziehea ; da ist 
die Warnung vor achtlosigkeit desto mehr an der stelle od 
befser schliefst sich die folgende Strophe an, wo weiter die 
vorsieht als zuhören und erforschen angerathea wird, etwas 
störendes haben aber jedesfolls die überschüfsigen letztes 
Zeilen, da hier gerade nicht einzig auf die inchtigkeit des 
Verstandes, vielmehr auf die acht und hut gesehen wird, 
sollten sie mit unrecht hieriier verschlagen sein, etwa toi 
den Sentenzen über das unzuverläfsige? 

8, wäre dies eine bevorzugung des ruhmerweri>ens ge- 
gen den verlaCs auf anderer gesiwong,. so. liebe, es zieh mit 



zu HAVAMAL. Sdt 

dea kitheri^u. Sprüchen für das reisett and er&hren als eine 
anffofderiing Teranigen sich in der ferne sn versuchen uhd 
Mifas der rede wertfaes za unternehmen ;■ aber den hauptac- 
oent hat das likn-stqßs staßj das ausgesprochene worl, wie 
29). 2, wird hier gegen das in der brüst yersehlofsene ' hei^ 
vwgeboben; nnd die werthlegung anf das lob der Icnte ist 
der alten zeit jedes Volkes angemefsen gewesen, sie. will 
Gtbe and ehmng in körpem, im lobe des yelks, lieber als in 
te. leichter verfliegenden unbetbätigten gedankenznwendung. 
dM folgende hebt ähnlich an, bringt aber eine nähere ver- 
itindigang hinzu. 

• '• 9» nur mnfs er auch selbst löbliches haben, selbst sich 
iiilheii können das ganze leben hindurch, sonst kann er übel 
beiatheD werden: fast wie jenes selbst tst der mami «ud 
sAe^ ieißtu sialfan pik Groug. 6. siuyi er hönd holbwt 
Vigagl. e. 4. Freid. 130, 26 — 131, 2. der poet. plnr. hrkn 
tta» ist häuBg, selbst im eigentlichen sinne : er hiör ne r^fr 
tmnars briostom i :=: wer das sehwert nicht senkt in des «n- 
deiu-brost Edda 2, 178. 

10. nunrnvü mikil gleicht nicht völlig unsenn menschen- 
irerstaiid,' noch weniger ist es Weisheit was als das unter- 
kaksmittel des armea gepriesen wird, sondern wohl alles 
wifsea als können, etwa rathferügkeit und gesebickliehkeit» 
was im- deutsehen mittelalter kunst hiefs : kunst ist ein gtUer 
isArpfennigy man tregt nit schwer dran ; kunst ist. gut über 
ims feld tragen Frank 2, 7^ auch in demselben vei{^ich mit 
dem Kiehthmn wie hier rygheid Jyl dicke forgaity De kun$t 
i§ testait laiendoctr. s. 157 Schell. 

- 11. andere spräche die vor dem rausche warnen, wie 
Bdda 2, 208, setzen hinzu wie leicht er zu unheil, zu morde 
Sfinre, .und so das laiend. s. 37, oft zergehe die wirtsohaft 
mit .morde, seidene guden endetoint, toän de bösen fordrunr 
mH Jttntm 

\ 12' — 14» gnmd und beispiele. der rausch wird als ein 
dieb iMaeicbnet auch Edda 2, 207 margan stelr mn viti^ 
dentseh wenn wein eingeht, so geht wit» aus Frank 1, 29*, 
ähnlieh Braut s. 113. — dafs die auf die trunkenen herab* 
sebwdiende vergefsenheit ein häher heifst, beruht sicher we- 
der auf dessen sehwelH» über den aeen, noch auf den aiis* 



302 ZU HAVAMAL. 

dünstiingen der trinkenden wie J. will, in der ann« zu die- 
ser stelle, sondern einzig auf dem raoschenden finge nnd der 
ranhnatar des yogels. gerade das vergefsen war aneh dem 
altnordischen sprachgeiste ein verrauschen, wie in gkyma 
Yon gUtumr (strepitus), und so ist hier hesondert .Yon seir 
nen federn die rede, obwohl sie an sich nicht fefselaiköniici. 
auch die deutsche dichtung bedient sich gern ähnlidber biU- 
reden, die.hausfrau s(dl alles durdispähen.ist.lanU.iridHL 
291 mit dem spechtsgeßdr reuchern nnd für schndlet urf* 
gehen der reichthümer heifst es Rßichtumb . habem. adlsr^ 
dem, sie lafsen sich nit bannen Frank 118^. würklickwttcfa 
um schlaf und vergefsenheit zn wirken federn nnter daB.pioU 
gelegt altd. hll. 1, 145. auch im gegentheil eiinnenng.«d 
anderes geistige schwebt und- ist geflügelt, wie kugi.wA 
msmi. — die vergefsenheit durch Gunnlöds trank wird str» IM 
noch weiter besungen, und so soll diese Strophe woUsi- 
gleich vor dem warnen was Odin begieng. — Fialar heiisl 
Volusp. 14 ein zwerg; man vermutet dafs es anch ein lie- 
senname gewesen sei, wonach dann hier auf denselben tanscb 
beiGonnlöäs vater, dem riesen Suttung, Ungesehen wäre. 

15. 16^ mut und firohsinn, pagalt ok hugafi, . iiauk 
schweigen und denken kann niemand krenekfin Frai^ 2» 88^ 
fiodoiubam erklärt B. Halderson durch inqnilinus.. im.ge* 
thischen bedeutet diese ableitung von piod (volk). den. köuf, 
im nordischen scheint sie würklich nur den freien Tolksge- 
nofsen zu bedeuten, den edlen der auf dem thiiig.za feden 
hat (str. 116) und ein vom volk angesehener mann iak^ so 
dafs des königs söhn vorzugsweise diesen ehrennamen. JSbrt, 
Atlaqn. str. 22. auf solche aber die fördemng des kampf- 
mnts zu beschränken wäre wenig im sinne der alt^ wsk* 
Sigurd, als er in seiner Jugend den drachen tödtet, sagtgus 
.allgemein fir er g amall haräty ef kann er t bernßku bkadr 
Vols. c. 18. Fornald. 1, 160, wenig sind im alter kühn, die 
in der Jugend feig sind, nur ist allerdings solche sehmaeh, 
die furcht, am volksführer am schmählichsten, era konungüUf 
at quida mörgo Edda 2, 185. daCs aber der Zuspruch hier 
allen gilt beweist auch die folgende Strophe von der 8pee^ 
furcht der feigen, dazwischen eingeschoben ist die anffiar 
derung zu frischem lebensmut bis zum.tode. in derselheD 



zu HAVAMAL. «» 

Yerbindong mit der männlichkeit wird er aach latend« 203 
und 192 gefordert, und so wird der sinn des spmchs ghtr 
okrei/r nicht so allgemein an dieser stelle sein alsimdent«: 
seiieii esff ist nichts vber guten mut; kurtx trauten^ lang Ith 
ben Frank .1, 26^; mehr entspricht hvötom. er betra enn.se 
öküötam i Mldileik hafaz; glöäom er betra ennsS gläpMmr 
im koat sem at hendi kömr Edda 2, 180. — ' das alter giht 
dcM ängstlichen doch keinen frieden, d, h. doch sieohthooi 
«ud tod (sprichwörtlich nach Sn. Edda c, 12), und ist .4^ 
sArobtod beber. als der speertod? auch die spätere seit ito- 
det noch immer gegen die todesfurcht, we dänßntgtet, wat 
geskigt, drovig is he alle tyd^ dog en helppt it nigtes nj^^ 
dedod mot ummer kernen io laiend. 132, räth abek* auf. no^ 
dai men magt mit magte skal weren, nigt derg wrahe styv. 
ebeiid* läO* ein kecker mut ist ein guter hämisch Frank J^ 
13^ ; m nöiem sieht man wer ein mann ist^fleuehstu^ sa.ligsfu 
alienda. 

. -17. der spruch knüpft sich an 12 and die firahemre- 
geia vom. , zusammenkommen mit menschen an, und bereitet 
die besonders von der mafshaltigkeit beim mahle handßbidev 
slröpAnn 19 and 20 vor. kopir afglapi. die hss., schwan- 
ken ' auch in kopir und köpir. jenes kbpa ist sonst krafir 
loa sein oder werden ; die zu gründe liegende anschauüng 
wird, das starre klotzartige dasitzen sein, denn k6p heilet 
der Seehund, den man sich nur auf dem land sitzend vorzor* 
stoUeii braucht, um die gemeinte geberdung des tölpels am 
tbohe lebendig zu erhalten, so ein unbeweglich und. stcunsi 
dasitzender wird auch IsL sog. 2, 177 ein ii^^(]gE»t genannt^ 
vorher ein yijyif, nachher heifnskr 178, obwohl errCSnurder 
äraeheinung nach . war. dieser name bezeichnet genauer d^ 
stuiiipfsiinn ; denn glapna heifst fehl, stumpf werden von 4<Bn 
mgpnj gläp^gdr. ein stumpfsichtiger, glepia verblenden) 
stören; freilich ist glöp nur faselei. — - ein solcher nimmt 
steh vielleicht vor zu schweigen um seinen rühm zu ret- 
ten, Mber der wein 'hat kurzen athem, er läfst nichts vei?^ 
sehwiegen.! 

18. offenbar ist auf den blofsen ersten blick das v^s 
der fiifsungskraft einem erfahrenen (ein solcher sagt, auch 
Alv. « ek h^ vipa ratap) -r, daskömitQ gegensätzUebe an- 



SM ZU HAVAMAL. 

ll^ng BO dem vorigen ausmaoheB, wann äberhaopl verbiii- 
dang ansonehmen ist. ob die letzte zette tibrigeiM zn Jbarr 
gehört oder zu sd einn kann man zweifelhaft sein; däü letz- 
tere wSre eine nothwendige ergänzung, nur der wiirde die 
leute alsbald dorchschaaen, der schon auf das reisen ve^ 
stand mitgenommen hätte ; die andere verbindang wiirde aos- 
sagen dafs der sehloTs von besonderm änfsem anf besondeit 
kegabong und gesinnang tiberhanpt erst die sieherkeil nbv 
sonstige Verständigkeit eines beobachteten voransaetze. jeitt 
wird einfiieher sein, die umschreibang durch das pari, wd 
verb. sahst, mtanü er = veü war auch im deotsehen sab 
gewöhnlich und findet sich bei dichtem bis ins 16e|ilD^ 
btindert. 

19. hmldi maär d keri könnte man wie das folgende sb 
warmng fafsen, man halte an, ztigele den becber; und m 
wird das halda der zange str. 29 gefordert, aber das ftt 
gende p6 wird 'dabei jedoch' sein, und der erste satz sonach 
anch dn Zugeständnis, wie es die Kopenhagener heransgeb« 
nehmen, tractetur licet poculum. gegen unnützes redftn anch 
Vaf^r. 10; 

ökynnü ßess vor pik engi soll deutlich die untadUöbkeit 
des zeitigen Schlafengehens den mäfsif^eitsregein beigesd- 
len. vwr müste =: f>arar sein : es warnt dich keiner tevor. 
die Kopenhagener herausgeber schreiben vär^ was nicht deil* 
Keher ist, leichter hat R. viUs^ conj. von vita argnero» 

20. nema geds viti, er wifse denn Vernunft, im p fi l 
ren sinne, zu nehmen, der gen. entspricht unsenn eusIIs- 
liehen etwas, recht ausführlich schildert das lächerliehe dtf 
gierigkeit am tische, die der vermmjß, hqfzucht vergtam^ 
Brant s. 287 — 289, der auch die namen solcher vögel auf* 
bewahrt hat, wie schlind-rab, ieer^s-kerä, schmirunmtty 
ßUl'^den-mag; ein ähnlicher katal(^ bei Frank 2, 98% |^ 
eher rath im Cato 323» 

22. gegen das schadenfrohe lachen spricht anch str. ISO. 
tdtki han veit. . at hart er vamma vtmr. hier ist die lesirt 
der übrigen handschriften era^ dafs er nicht fehlerios ist, dr 
fenbar gegen die der ältesten vorzuziehen, man müste denn 
übersetzen, dessen ist er sich doch nicht bewnst, was ii 
ihm seift aniste, der fohlerlosigkeit; aber das ist goswnngea* 



zu HAVABfAL. 999 

dein sinne nahe kommt unser viel gesehrwy. wenig woUe 
Fiwk 2» 108^9 e^^^iff ^ deinen eygen busen 126*, epeUeß, 
werth ist, der spott jederman und schaut nicht nor sich set* 
ber im Frosehm, 2 o. 5. 

23. der grund gegen das sorgen und grämen, alt er 
M sem vor == der ganze jammer ist wie er war, d. h. meht, 
wie man sonst wollte, das klagen hebt da von neuem jas^ 
•uodeni, dessen gegenständ bleibt ja unverändert; daher auob 
dtfli lesnngen vit oder vis (da ist er so weise wie er war) 
ifaehwäehnngen sind; der spruch ist allgemein undtriA 
webt' nur geschehene dinge, sondern auch unerreichbare« 
n Sigurd, als er die unzugänglichste besitzen woUte, sagte 
s» Alsvitfr er ßat illt at s^ta er maär faer eigi^ übel ista 
um das sich zu ängstigen was man nicht erreicht, Femald« 
iy 176. ähnlich laiend. 182, und yon dem körperlichen nach- 
tkefl Zu mei sarg die ist niemtmßir^ Sie machet manchm 
tMch und dürr Brant s. 126, was besonders die sorge oh 
die gens blq/s gehn trifft; su>er elliu dino besorgen, wil, 
iuM ist alles leides sä Freid. 58, 13. lufs die.vSgkin #dr^ 
gen, dann sie haben schmale bein Frank 2, 86* und bei 
ftpanl250. 

24« -hiiki ban ßär ßStt peir um kann fär lest, das &ir» 
dety merkt er nicht, wenn sie gefährdendes über ihn reden \ 
demi p6tt kann hier nur si^ nicht etsi sein^ obwdil es anoh 
^en . Gonj» bei sich hat; fär geben die Ropenhagener dnreb 
pesüafera convtcia. aber str. 153 ist es auch nur wie sonst 
fioindselii^eit, gefahrdnng, ahd. tdra. wie hier so ist.^isMi 
anoh 137 sprechen, nicht wie sonst sammeln oder lesen, 
sammeln und sagen findet sich aber auch in singen, gelb» 
siggvany Grimm gramm. 2, 36. 

25. wenn sichs um das mein und dein handeb ödeF 
sonst etwas wichtiges auf dem spiele steht, was auf desi 
tUog yerhandelt werden mufs, dann findet sich ob die zn wil- 
Ich sprechenden (vilmaelendr wie vilstigr str. 100 Instpfad, 
nnd wie vilmaeli 87 dad mundreden) freunde sind, 'freund 
in der noth gehn zehn auf ein loth.' 

26. wer sich einmal zu helfen weiTs in einem seUmi« 
men &Ue, soll nicht gleich seiner klugheit sich überheben; 
die setgl siel^ erst, wenn mit stiehefareden, oder nul fragen 



S96 ZU HAVAMAL. 

die KU rathen geben, die probe gemaehi wird, wie s^r dies 
aueh die alten Nordländer liebten aceigt z. b. Fiid^. e. 14. 
lUgtt. Lodbr. c. 4. 

27. auch Str. 80 wird dem thoren das sehweigen esr 
pfbblen; wmm der narr schweigt, so wird er wetfs sagt auch 
bei Frank 1, 112^ die erfahrong eben so ironisch wie bicr 
halb znrncknehmend hinzugesetzt wird t>eita .\ tä maart, aar 
fireilich weifs der nichtswifsende aach nicht, wenn er zu nd 
spricht, an das mittlere glied, 'niemand weiTs dafs er.niclit§ 
kann, wenn er nicht za viel spricht' — ein sehr verbreite- 
tes wort, beiBrant mancher ßir witzig würd geschetsi^ wmm 
er sich nä hett selbst geschwetzt s. 118; bei den warten ieiU 
mstn den thoren, bei dem gesicht den mehren Frank i, it^ -* 
sobliefst sich näher an 

- 28. der nnwitz verräth sich dem kundigen übrigens auch 
bei äufserer gewandtheit; fragen und sagen können gdiM 
zwar zu den erfordernissen des geistreichen (str. 62), tbil 
es aber nicht allein ; im munde des ungescheiten hats doch 
sein gepräge. daher wel kunnen sprühen isfylgad An dem 
der is wys unde fiHd laiend. 128. — ^ta synir menschen- 
kinder; so oft in diesem liede, auch Orkn. s. 156 koe ytm.-^ 
den satz ^vi er gengx um guma beziehen die Kopenbi^ener 
auf eyvita (=: övita) mit der übers, quoniam ea grassatw 
inter homines, aber pvi er ist nicht gleich pvi at. man priift 
ob Torzuziehen ist Simulatque inter homines itur, wie str. 57, 
oder Ei qui inter homines versatur, was passender ersoheinti 
denn dem erfahrnen erst verhehlt sich die halbheit nioktin 
jenem sagen und fragen können, die ähnlich klingende zeüe 
94, 2 kann hier nicht entscheiden. 

29. von dem verderben was die zunge anrichten kaai 
sind aller Völker spräche umständlich und scharf« die vo^ 
christliche zeit spricht nur von dem zu viel des stattloses 
was nothwendig der beständige zungenkitzel mit sich bringCj 
die' spätere zeit hat men segt, an fehme spräken enmeg 
nigt wol sunde enbräken laiend. 55. — statt gelr hat eine 
papierhs. getr, wie str. 8, findet, erwirbt, oft übles; aber 
farbiger ist Die zu geläufige zunge singt, ergellt sich übles. 

30. Pott tu kynnis komi kann nicht sein JStsi [ignotns] 
ad hospitium veniat, sondern Si ad notum hospitium {kj/nm 



zu HAVAMAL. 407 

seizi ja das kunna voraus) veniat« und das ist ein gniBd 
für das pichibespöUeln ; der rath wird jedesfalls an den ge^ 
mäehlich im hause sitzenden geben (dem von der stralse 
kommenden würde spötteln wenig anliegen); dann aber soll 
es der wirt nicht thun, weil einer im yertrauen auf sein^ 
gistfirenndschafl kommt, es wird aber auch ein anderer grund. 
hinzugefügt: es könnte dadurch eine eigne blöfse sichtbar 
werden, dies scheint die Verbindung der beiden vershälften 
;Ea sein, und margr pickis wieder auf den ersten, den wirt, 
au sielen: mancher dünkt sich auch schon weise so lange 
das fragen, das freista (str. 26), ihn noch nicht von einem 
erfahrnen ankömmling getroffen hat, und er es erlangt hat im- 
mer mit trockner haut zu sitzen, letzteres bezieht Johnson 
anf das ungewaschensein von spottreden und scharfer zunge, 
mit berufung auf -die ähnliche stelle in Oegisdrecka kripi ok 
rdg^ (/* pu ejfss ä holl regin, a per muno pau perra pat^ 
wenn du schelte und Schmähung giefsest auf die guten göt* 
ter, so werden sie es an dir abtrocknen, Edda 1, 152.. auch 
im deutschen hiefs es einen mit scharfer lauge waschen und 
ungewaschen davon kommen, inzwischen könnte auch gemeint 
sein, mancher rechne sich sein glück und das seinige auis 
troekne gebracht zu haben für eigene klugheit an; gerade 
immer in ruhe und im trockenen sitzen können macht uberr 
mutig und zum spotten geneigt. 

31. er ßdtta iekr nach Johnson 'cui fiigam capessendi 
fiicultasest, vel qui alios fugientes opprimere potest' (flofUf, 
=: fiigieus in den Zusammensetzungen), bleibt man aber 
bei dem gewöhnlichen stehen, wonach ßotti m. = flucht, so 
wird die Vorstellung sein Klüglich scheint sich der zu hanr 
dein der nach der Verspottung, die. er dem mitgaste angetluu^ 
hat, sich davon macht, wie es heifst der war klug, der laur 

Jhn erdacht Froschm. 2 c. 5^ aber klüger wäre es gewesep 
solchen höhn zu unterlafsen, denn 'der über tisch spdttlicb 
Jaehende kann nicht wifsen ob er nicht gegen einen grämlit- 
ehen^ der das nicht vergifst, poltere.' auch Tacitus.weils 
ad convivia procedunt armati, — crebrae ut mter vmolen'^ 
toe rixae. 

32. und doch scheint, bei all den spätem folgen die 
solche neckerei unter g^stmahlsgenofsen haben können, es 



SK ZU HAVAMAL. 

über tische gar nicht anders als mit gegenseitigem schraih 
ben, rekäz, d>gehen za können, 'dieses anziehen/ rif awA 
in der nnter 80 angeführten stelle, 'der männer wird laaer 
danem;' sein Vorbild hat es in dem berühmten gStterirorU 
streit, der Oegisdrekka, und die sagen sind voll der bd- 
spiele dasn, wie Faer. c. 5 wo der Wortwechsel selbst bm 
opfermahl zu th&tUchkeiten fuhrt ; auch Edda 2, 207 wird k- 
vor gewarnt; ein völliges geweri>e machten aber die bene^ 
kir daraus die gastmähler im lande umher aufznsachen, am 
dann mit verfänglichen fragen oder herausfordernden somo* 
langen dem kämpfe vorzuspielen. 

33. eine andere gastregel, 'damit man zum gesprieke 
mebt verdrofsen nur nach der schüTsel denke, nehme mu 
bei Seiten etwas zu sich/ ist dies der sinn, ao ecwaiiet 
man iSr netna til kynnis komi vielmehr /^fif wie SO; wifc 
die negation recht, so müste sich die' ausnähme auf den bH 
beziehen dafs man zu guten fireunden gienge; jedesfidls mab 
man bei $itr ok snapir sich ein 'sonst' hineindenken, die 
Verbindung der beiden verstheile ist sehr lose und vielleickt 
moht ursprünglich; anderwärts folgt auf den ersten theil, 
anf den rath sich früh zu versehen, nur der allgeneiae 
gmnd, man weifs nicht, ob man bald wieder unter lente konoit; 
80 Lodiafii. 7 (118) und Edda 2, 165. 

34. 'ein umweg ist es zu einem üblen freunde' kau 
auf die gebhr gehen oder auch auf die vergebliche - erwa^ 
tOQg der anfhahme wie str. 66. ein beispiel f&r den eniM 
Gdl wird Vigagl. c. 28 erzählt ; für den gegensätzlieben Sfraik 
nuls es auch ein kürzeres wort im Volke gegeben habea» 
ilentseh fi'eund seind gut bei dem weg Frank 2, 57^; dae 
ihnUcbe spur liggfa til Giuka groenar brauiar Eddaf , 18S. 
aber gagn - veg bildet den gegensatz zu ajh^erf^ nnd wM 
nicht sowohl den gerade entgegen stehenden weg besriehBCi 
als den näheren pfad auf dem man zustreckt, von gmgli^ 
winn, nnd dies wird behauptet, wenn auch der freund fern- 
ab wohnt, entsprechend dem vielleicht am wege wohnento 
fibelgesinnten. 

35. deutsche sprüche geben auch ein bestimmtes mafs 
an,, drei tage sei es räthlich die gasüichkeit in ansprach za 
nehmen ; das kann aber nicht sehr alte bestimmong seio. 



zu HAVAMAL. IM 

36. 37. da8 befser in den Worten vom eigüeii heerd 
^litt offenlmr im gegensatz zu den unmittelbar vorhergefaen- 
den Tom aufenthalt bei andern, und bildet so mit einem in 
aller weit anerkannten gefühlten satze den Bcblab zu dim 
TÜthen fürs ausgehen und in die fremde ziehen* die sprücbe 
•elbtt aber setzen bestimmter wenig und nichts haben gegen*- 
iSberf daher die deutschen vom goldeswerthe des eigenen 
ramchs, berdea, feuers, kohls, daches Frank 1, 20^. 37*. 144^ 
2, 99* f. Wack. 1, sp. 215 nur zur hälfte parallel sind. 
... 38. vapnom sifiom . .fett ganga framarr erklärt John- 
son 'armis suis in solo coUocatis nemo pede procedat olte^ 
rioa/ aber velH d wird wie velli at str. 11 nicht erdboden 
jem^ sondern das feld draufsen. schwierig ist auch die ooi!»- 
slmction, mit den waffen am boden ausgehen, zusammenge- 
hören wird vapnam framarr ganga j wer draufsen unter freiem 
kiflunel ist gehe keinen schritt von seinen waffen. 

VOM FREUNDSCHAFT ERWERBEN (39 — 62). 

39. zum erwertien von freundschaft fuhrt immer schon 
4a8 lebenken; auch der mildeste und reichste iäfst nicht nli^ 
gtsm sich etwas geben, das folgende versglied. und des Ta- 
•eitos gaudent munenbus bestätigen diesen sprach, zur mil^ 
digkeit der edlen wird aber als ein haupterfordernis gerech«> 
net, freigebig in speise und trank (matar gödr Edda 1, 38) 
«n sein« — die bestimmtere beziehung auf freundschaft er- 
werben, -in einem so allgemeinen spruche wie es hat sich §^ 
Mnwr müd genommen (Frank 1, 74*) finde ich freilich erst 
durch die Stellung zu den folgenden regeln vom freigdngM 
anstbeilen und den ehrgeschenken. 

40. die erste hebt gegen jede knickerei an, und trifft 
^suamtnen mit den deutschen sprächen was du hast, des bf/i 

As gtut Frank 1, 75'' wer wird sems mauk ein stie/bater 
'Bmkl 2, 73'' ; und dafs man auch etwas aufgehen lafsen -soll 
an freunde damit zu Verehren', dafs dagegen das ihnen ab^ 
gespaite oft doch auf unerwartete weise verloren geht, das 
halle ich für den sinn des zweiten verstheils nach mafsgabe 
der deutschen mahnungen was man »u ehren sparte ßihrt 
der teufet sonst hin Frank 1, 118% 2, 149% was man 9U eh- 



400 ZU HAVAHAL. 

rem tp^Hy kompt tu ungefel Ringw. 1. w. 114« -*- der 
Mtx mart g^ngr verr, enn varir hat seine örtliche bese- 
hnng hier auf die möglichkeit dafs das erworbene and frem- 
den blofs zugedachte aber aufgesparte eine beute dei leindn 
werde, was in jeder zeit jeder stärkere sein konnte, wie 
etwa nich guote wirbet manee man^ unt wirt dem, dem en 
abeie gan Freid. 56, 19, — ist aber ein in mehreren frünoh 
^H im nordischen sehr gangbares wort, margan hendar^ ptt 
er minsi varir Ork. s. 82. pat verdr miök [mörgm rami] er 
mkmst varir sialfan Lodbr. c. 15. Fomald. 1, 282. Kbiilieh 
Faer. c. 43. Solarl. str. 8. 

41. mit Waffen und kleidem sollen sich freunde erfreiea. 
das waren überhaupt gewöhnliche geschenke. als GlAm fread 
zum hofe seines grofsvaters kommt, empfängt er einen pds- 
rodL (feUd) spiefs und schwert Vigagl. c. 6, und sehr oft 
kommen geschenkte skarlatskirtill vor. dem kaiser Heinriek 
dem 5n schenkt herzog Knut lävardr einen zobelpelz und die 
gegengabe des kaisers bei dessen abfahrt war ein gddge- 
säumtes kleid Knytl. c. 90. — statt pat er d sialfam syut 
ciehen die Kopenh. die lesart R^s vor, soemsi am gezie- 
mendsten ; synst wäre am meisten in die äugen fidlend, » 
genscheinlich, und dürfte nicht zu verwerfen sein ; aueh holL 
hiefs es t'alrenenst, was altd. bll. 1, 73 durch das allerge- 
sehnste, beste erklärt wird. — vidrgefendr ok endrg^fenit 
erox lengst vinir hat sich nur in einer etwas masiivem 
form erhalten in dem sächsischen Nemen unde weddergeim 
dait Jrunde tosamende kleven laiend. 39. das ist gemeiift, 
denn vidr^gefendr sind die das geben aus fireien stSckei 
anhebenden, wie vidrkenna freiwiUiges bekennen ist^ eiidt' 
gefa ist das zurück, dagegen geben, wie endr dem laft. ft 
entspricht in endmyan, endrfoeding d. i. renovatio, recret- 
tio. sogleich auf das erste kennenlernen pflegte ein nokhtf 
gabenwechsel zu folgen ; auf dem handelsplatz zu Grimsboer 
in England lernt der Ork. Kali den kauffahrer GiUa-Krist 
kennen; das stiften ihrer freundschaft wird so beachriebea, 
peir Güla-Kristr ok Kali skriptu» giöfum vid at subita 
ok kii hvor ödrum sinne vinattu ßiltkominne hvar eem ßufr 
di peirra baeri saman. deutsche sprüohe gehen noch wei- 
ter; da heifst es geben macht freund und leben $ auch unter 



zu HAVAMAL. mi 

den Utttorerwandten, dat ü ein gemeine ward^ jkinä fader 
mde wmder, darto luster unde broder med givie eini tasm^ 
memde htndeni — wän men mid tydUken gude geumtfnmdie 
amdb möge Laiend. 39. 100. — der zusatz ef pat Mdr verdn 
tel kann freilich bedeuten Wenns gut geht, wenn weiter 
Bkhta bedeutendes vorfällt ; es scheint genau genommen auf 
4aa vergönnen des Schicksals rücksicht genommen zu werden« 
42* den spruch lausing vid lygif losheit gegen liige 
annehiiien, verstehe ich wie böfs mit böfs vertreiben Frank 
iy 18*y gott und die Juristen schreiben daß man sol hart 
mü hart vertreiben Ringw. 1. w. 123. über die nrsprüng- 
Uehe bedeutung von höldar sprechen die Kopenb. berausge- 
ber der Edda 1, 322 mit beziehung auf die kenningar n. d. 
w. konung. 

44. drei regeln um sich freunde zu erweii>en, von de* 
nnr die erste hier einzig dasteht, die zweite fährt str. 41 

I, -die dritte str. 121 ; sie hat hier die hauptbetonung wie 
hijäid. 98 und verr hat nit ehr; die äugen lieben Franl^ 
I9 9. im spruchwort man gemeynlich giecht, egfn Jrundi 
dm andern oß besiecht, was nur anders ausgelegt wird von 
Arant s* 125. -Uebe körnt Jan den ogen laiend. 43. — dai 
gaX blanda den sinn, eigentlich mit dem sinne, miscboa 
(siffhm blanda 126) ist wie lagdu hugi saman in Frid]^. 
nnd . wie niederd« mengen in dem satze ji sholen an nenen 
dingen mid hoßirdigen frundskop mängen laiend. 50. — - das 
flMrtiv ok viU pu af honom gott geta ist der unverzierten 
juiit' eben so gerecht als der satz sem fomt mal ert at i 
fSrf skßl vinar neyta Heimskr. 4, 294. 

45. dazu möchte sich aus keiner christlichen zeit ein 
liebes finden lafsen als grundsatz. 

46. um hug maelüy um den eignen sinn hemm ohne 
ihn zn berühren und zu verrathen, ist schon milder als str. 45 
«nd wird' auch zu dem vorigen die rechtfertigkeit angefiigt, 
diCs die entgeltungen (giöld) den gaben gleich sein sollen. 

47. einn saman . . vard ek villr vega, des weges irr sagte 
oian auch im deutschen, viele spräche erheben sich gegen 
die einsämkeit. es soll niemand im selbs leben u. s. w. 
Frank 1, 123^. 224\ laiend. 64. 204 ; selbst im kloster, beifst 
es, wird, ein kovent errichtet. 

Z. F. D. A. III. 26 



402 ZU HAVAHAL. 

48. müdir fraeknir . . sialdan sit ata^ freigebige nUh 
reo selten sorge, meint wohl nicht, wie Johnson will, iii 
ans der wohllbätigkeit entspringende gute gewifsen.; iinh 
fraektnr, starkmatige, wird za betonen sein, Reinm« ▼• Zw. 

die hende mäezen swlic sin, da mitte und etlem beide hhd 
gekäset in MS. 2, 147*. als Mge wird nächst dem Wohler- 
gehen überhaupt auch betrachtet die Sorglosigkeit nm das aas* 
kommen, der milde quält sich dämm schon nicht, indem er 
gibt, und hat auch nachher wenig sorge, denn laut der e^ 
£ahmngsweisheit kommt es ihm auf andere weise wieder si 
gate, so dafs sein vorrath nie durchs geben abnimmt« iemi 
distrilmere non est minuere altd. bll. 2, 137. qui d^tUimF' 
ter valeat frequenter ebendas. der mät gipt sich reieh^ isr 
geitig nimpt sich arrn Frank 1, 117^. daher wird in doa 
gleichen nachsatze der karge geradezu mit dem thoren Ye^ 
tauscht, der immer fürchtet und sorgt, nämlich, er möditi 
arm werden, wie es deutsch heifst forcht den der armnA 
förckt Frank 1, 73^; so hier s^tir ae glaeyggr vkt gi^Sm^ 
und so sind die gaben gewiss nicht die welche einer, en- 
pfangen soll, wie Johnson geneigt ist anzunehmen, senden 
solche mit deren Zurückhaltung , während er sie geben sA 
te, einer denkt schlau, genau zu sein. — die scbreibug 
glaeyggr für glöggr ist wie neycquidr (49) für nöcjuider 
(R) = nakinn; klag für karg auch in gtoggvingr Snom 
Edda s. 196. 

49. vddir minir gaf ek... tveim trimonnum. die über 
Setzung 'hominibus ligneis* vermag ich nicht zu tbeilen*. dl 
Odinn spricht, so kann man schon an mythische gesdUsi 
denken \ holzwip und baumweibchen kennt auch die deiitscke 
Yorstellung, Grimm myth. 243 ; ein vierzig eilen hoher gau 
alter mosbewachsener trSmadr kommt auch Ragn. Lodbr. 
c. 21 vor. wie nun kornweibehen splitterüackt erschieoea 
(myth. 617), so schrieb man dies auch namentlich den baiiB- 
männern zu, ja der in der Ragn.sage erwähnte singt *air- 
gend schützt mich fleisch noch kleider.' wenn sie nun nach 
dem empfange der kleider sich beiden dünken, so erinnert 
das. freilich daran dafs kleider leute machen, nur dafs der 
volle nordische Spruch auf eine lebendigere art auch aus- 
sagt gut macht mut Frank 1,19*.— neiss er neycquiär heir, 



zu HAVAMAL. 4M 

der schmäliiing latgMetzt ist der nackende, scbeint mehr 
•If kleiderlosigkeit einzoschliefsen, and in dem sinne * ein 
Uofser kann kein held (reckr) sein' fortzuleben in der nm* 
sohreibang rergebliches untemebmens einen mietenden pff 
die sckütwacht stellen Frank 1, 4*. neiss hat wahrscheinlieh 
sieiMe Wurzel in nidä haCsen verachten, und stünde für $ieid^ 
wie tfiss Gtt vits. 

50. die auch unter uns wohl bekannte vergleichung des 
▼eriafsnen mit einem entlaubten stamm scheint hier ihre steUe 
gefunden zu haben durch str. 49. — mit porp kannte wohl 
äaeh der gewöhnlichen bedeutung die dorfliade bezeichnet 
sein ; gerade sie, dem walde entnommen, ist die einsame und 
tttt meisten der entschälung ausgesetzt; Johnson aber gibt 
es hier durch 'locus propatulus', so auch Mohn. Frithiefs. 
s« 175 'in der öde', zwar ohne beleg, aber möglich w&re 
dafs das wert ursprünglich nur den dem walde abgewonne- 
nea platz, das gereute, bezeichnete, und für eine einsame 
gegend scheint es auch Ragn. c. 21 zu stehen, wo der ba«m- 
ffljann, der auf dem walde am strande gefunden werden war, 
sagt ^ vard ek pessa ßorps rddandi. ebenda ist auch Ton 
den schützenden hüllen wie hier hlpr« gebraucht, für die 
ifltxtere auffofsung liefse sich auch anführen was von der 
in walde ungekannt verblühenden linde altd. bll. 1, 110 ge- 
sagt wird, tnanec schomiu linde stät, der nieman kerne akie 
kit u. s. w. ; dagegen für die trauer der verpflanzten linde 
spriehe die anwendung dieses bildes im Ereiv6007 — 29. — 
in der frage Was soll der frenndlose länger leben? ruht ein 
Sprichwort. . niederdeutsch heifst es de nenen frund hai m 
der ndd, is luttik bäter wän de död laiend. 42. 63. in 
Franks Sammlung ist kein sprach mehr von dieser stärke; 
da heifst es nur man kann ehr ohne geld als efyie freunde 
ieben; freundtschaft thut mehr not dann wasser und brot 
a. dergi. 

5i. in dem vergleich mit dem feuer liegt wohl *gähe 
fireundschaft, lange feindschaft'; nur scheint die meinung 
zugleich zu sein dafs andere fireundschaft als unter guten 
nicht aushält. 

52. ok med höllo keri wird richtig erklärt durch 'in- 
cliiiato poculo'. das seltene höll gehört offenbar zu der ver- 

26* 



404 ZU HAVAMAL. 



lorneii wurzel gothiseh hilpan und wurde ebenda hm^ ho- 
teii; die Reiche assimilalion gieng auch in den ebemdato 
stammenden holl, geneigt, hold» vor sieb, denn dafa kM 
lud hold zn diesem stamme gehören steht feat^ s. Griaai 
in d. Wien, jährt». 70, 50. der sprnch Oft erwirbt ■» 
sich mit wenigem b>b, besteht nach Finn Magnniaen noch 
im dänischen; deutsche schliefsen mehr den gmnd ein, er 
gilt ein trank wasser au seiner zeit ein vq/i mit wein, m 
heller ein gülden oder die gaben macht der will gut Fraak 
1, 0*. 33^; wie und wer, nit was 2, 87^. 

53. die Kopenhagener ausgäbe macht keinen yersnch 
diese dankle Strophe zu eridären; die Übersetzung ist '»- 
nntarnm arenarum instar, minutis com ingeniis, minnti saat 
animi hominum'. sollen die Sandkörner aller menschen vw- 
stand bedeuten, so widerspricht die wendnng 'nicht alle wc^ 
den gleich klug;' eben so stark die sonstigen erfahronga^ 
mäfsen Unterscheidungen der menschen in kluge und thö- 
richte. sollte also der sinn sein dafs yergleichangsmibil 
der menschenverstand ein sandkom ist, gegenüber dem ui* 
Tersum das er durchdringen möchte, oder gegenüber doa 
Schicksal welches ihm des vergangeuen viel und die nnkanft 
ganz verhüllt, oder gegenüber dem wifsen der götter? daaa 
wäre der sprnch parallel bei Biwn Hald. 270. nur UUst sich 
das folgende dazu gar nicht als grund reimen, wenn mu 
nicht iqfnspakir etwa auf das gleiche wifsen der znkuBfty 
die späherischen gaben, bezieht, die man einigen zuschrieb f 
ungenau wäre dabei nur immer noch dafs danach die mea- 
schen überall in zwei hälften zerfallen, könnte man dage- 
gen in der ganzen zweiten hälfte der Strophe eine meiefis 
annehmen, die eigentlich so viel sagen wollte als Eine grobe 
Unebenheit findet unter den menschen statt, wenn sie laeb 
der klugheit eingetheill werden sollen, dann könnte diie entc 
hälfte bedeuten Die summe der einsichten gleicht snndko^ 
nem. — beides bildete eine passende einleitnng zn den fol- 
genden Sprüchen Man solle nicht nach zu viel wifsen sire- 
ben, da sich überhaupt nur wenig wifsen lafse. doch wiche 
diese erklärung gern jeder die sich näher an die Worte sn- 
schlöfse und befseres Verhältnis der beiden verstheile her- 
stellte, vor der band denke ich die constraction mir abge« 



zu HAVAMAL. 405 

broehen so, Kleiner Sandkörner, kleiner geisteskrftfte — 
(sind die nensehen ; ja) klein sind die geister der männer. — 
keine -einxige Variation gibt es die eine befsere Verbindung 
oder anslegung an die band gäbe. 

54-^fi6. vel mari vüa ist, auch das lob des eehlen wei- 
•ett Fafnir Edda 2, 174. die sprücbe von den vorzSgen des 
Bieht allzu viel wifsens braucht man nicht fiir spätere einle- 
gngen ans christlicher zeit zu halten, welche das prediger- 
bnch viel für solche Sammlungen benutzte , wie im Freidank 
«b4 besonders im laiendoctrinal zu sehen ist. ein Zweifler 
Etante sieh auf Coh. f, 18 berufen, *wo viel Weisheit, da 
ist viel grämens' und 7, 16 *sei nicht allzu weise, warum 
willst du dich verderben?* aber die erbhrung liegt zu sehr 
auf der band als dafs man sie nicht jedem volke unabhängig 
sntnaen sollte, und sie hat im munde des germanischen 
volki viele eigentfanmliche und stufenweise immer stärkere 
anidrueke. der allgemeinste ist aUo Jele ü seiden gäd: wän 
mbe dmi kam iwem gemikke (fibermäfsig viel) tqf dem/elde 
ei^ä io dickey fwrdmkket dai tmdere, also dat des de htde 
werdem wt/ro Uiend. 125; wer viel we(/s, der wirt futjeyjit; 
wer ml er/eri, der nuffs vil leiden; was einer nii we(/i, 
das ini im nit wee; wer nicht versteht^ den nicht graei; 
M'btnsi, vil müh und mwüfse Frank 1, 17\ 67\ 90^ bei 
M kunsi ist vil vnnnffs; unvemiäf/Ug schadt nichts es lebt 
nmr einer dester bafs; narren haben gut leben^ man hat 
Jn niektßtr vbel ebend. 2, 99^. du soU underwilen sm un^ 
wieer denne ein kindeUn dato 294. sehr ausfuhrlich im 
FVoschmäusler c. 6 wer viel versteht — tmd kan der ist 
eüi heehbeschwerter mann u. s. w. auch der gegen das be- 
gehren der weifsagungen gerichtete spruch str. 56 beweist 
Boeb nicht christliche zeit ; in den nordischen sagen kommen 
genug beispiele von einem solchen hinwegsetzen über die 
neigüng die zuknnfl. zu erforschen vor, wie tief sie auch im 
heidnischen volke safs, so Vigagl. c. 12. Örvar Odd. c. 2. 
IhiÜicher rath erhebt sich noch im laiend. 133 nog klein nog 
grot begären wetende iuen död, 

ö7. madr at manm verdr qf mdli kud, der mann wird 
durch den mann in (mit) der rede kund, wird so viel sein als 
berühmt, so dafs bei der vergleichung mit dem feuer das 



406 ZU HAVAMAL. 

sich nur vom feuer belebt, entxiindet, dai ganze wohl one 
auffordernng ist unter die menschen xa gehen nad es adt 
ihnen za halten ; dann dürfte aber auch til daelikr af Ad 
nicht sein ' sed impudcDS ex silentio (superbia ignorantiä)' 
sondern Eben so wie der echte mann als solcher durch an- 
dere bekannt wird, zeigt sich der unwerthe am rethwgßä 
und daheim sitzen bleiben, diese bedeutung für dut, das sick 
verstecken, verliegen, wie es altdeutsch hiefs, läfst sicdi api 
dem 4fylia entnehmen, wie es z. b. Fridj^. c. ii stehL ^^ 
was hier von der ehre und tüchtigkeit gesagt wird» schreibt 
ein ähnliches wort der freundschaft zu, beiwommg wmid 
kundt9chq/tf so brint leicht 9tro vnd fewr begfsamen Fruk 
1, 35\ 

58. 'früh soll aufstehen wer des andern gut oder lebn 
haben will' stimmt zu gut zur zeit der rachegereebligkol 
als dafs man es mit Johnson möchte verallgemeinern, eiass 
nachklang davon finde ich noch in dem gewiss nralteii iffOr 
che ßisch daran tödt halb den mann Frank 1, 26*. aadi 
die angeknüpften Sprüche sind im deutschen gangbar gewe- 
sen neben dem dafs der släfenden vöhe selten eine mis.k 
den munt loufet; noch Schottel sprachsch. 1130^ ffihrt to 
dem schlafenden woffe leuffet kein schaqf in den wund*, 

59. . sins vej'ka ä vit, soll seiner artieit ins angesiflkt 
gehen ; fara, ganga d vit ist der gewöhnliche ausdmek Or 
auCsuchen, nach etwas gehen; hier wohl absichtlich zu b6^ 
vorhebung des eigenen Zusehens, lug selbst »u seinem dingt 
wer wUl dqfs ihm geling Frank 2, 43\ — zu mart ...et 
um morgin se/r vergleichen die Kopenh. heransgeber du 
dänische morgenstund giver (har) güld i mund» mi| der «^ 
klärung* gibt es in die band' (wofür mund früher allerdiagi 
der allgemeine name war). — hd{/r er auA* und hvötom, der 
halbe erwerb ist unter (liegt an) dem raschangreifenden d. b. 
als solchem; ähnlicher gebrauch des concreten adjectivs ii 
der priamel langsam und bös hat kleinen lohn, behend mi 
gut behalt die krön Eschenb. denkm. 416. er mer un^ür 
heifst sowohl es liegt mir an, als es liegt an mir, so dals 
der sinn ist wol angefangen ist halb thon; frisch ange- 
lauffen ist halb geeckten Frank 1, 4\ und = undü" Edda 
2» 159. 



zu HAVAMAL. 407 

M* pakinna natfra deckender rinden oder eohindeln. 
der form nach ist das pari, ins pass. umgesohlagen, was oft, 
je nachdiiem die ausspräche bequemer ist, im nordischen |^ 
aohiehl. so heifst es a lidandi degi und ä Udnumy soaach 
^fihm^::: lifandi str. 70. — pass kann madr miöiude da« 
▼Oll weib man das mafs — was nöthig ist, am sich gegen 
firofit and sein dach gegen das wetter zu schützen: also -r- 
diese anfforderaDg ist verschwiegen, daher der aosdruok wohl 
sprichwörtlich war für besorgung dessen was mindestes be- 
dorfiiis ist um nicht nachher elend zu leiden 9 wer nit im 
mmmre gablen kan^ der mufs im winter mangel han, den 
berendants dick sehen an Brant 201 — 3. man sol sehnet" 
den weil die emt ist. wann du nun im sommer vnd herbst 
nU wilt einemdten und lesen^ so darb im winter, wer leidt 
ii^/ijm in sein eygen haufs regnet oder schneiet ^ des erbarmt 
-sich gott nit* — die form miötudr ist freilich selten, doch 
niehf mit Johnson in miöt abzustutzen; sicher ist zu lesen 
mßtude (nicht miotudc) ; der dat. bei kann ist wie im deui- 
ffckea können mit. die form miötudr aber wie.ags« veorod 
aiid. werod (menge) gramm. 2, 230 und wie munod (liebe) 
atr« 79, obwohl das ags. meotod den mefser, Schöpfer bedeu- 
tet, d. myth. 15. 72. — er vinnas megi; der vollständige 
ansdrpck für hinreichen ist vinnas tilßillu. — mdi ok missere 
bat etwais formelhaftes ; der acc. pl. mal bezeichnet einzelne 
bestimmte Zeitpunkte, wie die tagsmahlzeiten, die Jahreszei- 
ten, geriehtszeiten \ missere für misseri ist wieder als pl. zu 
nehmen (es ist ebenfalls neutr.); die halbjahre aber ist ste- 
hende bezeichnung des jahrs, ,dessen älteste beobachtung sich 
Sberall an die beiden Sonnenwenden knüpfte, wo die grofsen 
opfer und gerichte waren ; seiner Wortbedeutung nach hiefse 
es wohl Wechseljahr, Jahreswende ; so heifst Er hielt sich 
da einige halbjahre auf ok var sva pd nockr missari Vigagl. 
€• 20 9 jähr aber ist es in der straftestimmung hqfa 3 hei- 
wt4K d kverium missarum ebend. c. 19. ebenso 13 und 9. 

61. in dem zusatze 'obschon er nicht zu wohl gekleir 
det sei' kann ich keine wamung sehen zu sorgen wo die 
kleider herkommen, wie in Matth. 6, 25, was Johnson hier 
anfuhrt, sondern einzig eine h^orhebung der ordentlichkeit 
und reinlichkeit gegen das sehen auf guten anzug. 



408 ZU HAVAMAL. 

sollte man gioh, will es sagen, ungewaschen zu kommen, 
aber nieht in einem geringen rocke oder auf nicht allxnga- 
tem pferde xa kommen ; und eher schäme man sich der USbe 
als der schuhe und hosen, wenn sie nicht besonders siid. 
ein ähnlicher spruch setzt das gekämmt sein hinzu iemir 
ok pveginn skal kaenna hverr, ok at morgni meUr Eddi 
2, 165. saed steht für sid (se-at) wie ^aetfi für ^mri, 9(fi 
und öfter aezzze geschrieben ist. 

62. die vielerwähnten erfordemisse des weisen, fingen 
und besonders sagen können (so str. 104), vergl. Grimm 
Andr. s. 91, stehen hier nur des gegensatzes halber} der 
fibergang scheint der zu sein. Zu sprechen wifse der yer- 
ständige, doch sein geheimnis verschweige er. die form fie- 
ses ' allein wifse man seine sache* u. s. w. kommt auch sonst 
ähnlich vor; wenn ein ding bis an den drit man kampt, w 
bleibt es selten verschwiegen; was einem zu eng ist, ist 
auch dreien xu weit Frank 1, 11*. formlos im laiend. 67. 
nach diesen beispielen ist nicht der deutung Finn Magnos- 
sens beizustimmen ' merkwürdige neuigkeiten sind nicht einem 
oder zweien, sondern dreien zu sagen, da es dann das ganze 
Volk weifs*, eine Wendung die nur daraus hervorgieng dals 
ihm die Übersetzung Johnsons einen Widerspruch zu enthal- 
ten schien; diese war 'unus sciat licet, non item alter, U>- 
tus populus seit, si tres sunt conscii. * so auch Mohnike in 
der Frithiofssage. aber auch dies hat seine parallele, der 
Winsbeke räth — din taugen niht den tumben sagen. is% 
»wein ist reht, deist senge drin MS. 2, 251^. was vber 
xwey hertz kompt, das kampt auff (aufs?); was einem sa 
eng ist ..ist allein zweyen gerecht Frank 1, 11*. es ble&t 
nicht verschungen was vber zwey hertzen in das dritt komfi 
2, 113*. 

63. das unruhige flattern des adlers an der see, wo er 
sich nicht halten kann, und die läge dessen der keine fn^ 
Sprecher, besonders nöthig im alten thinge (str. 25), zur seile 
hat. das Also — wird sein einen got und vü freund ssl 
man haben Frank 1, 7^. alt heifst das meer wie der risse 
(vergl. zu Str. 105) unter d^sen namen auch Oegir war. 
Sn. Edda R. s. 210. 



zu HAVAMAL. 4M 

64. iiU nmCi hier allerdings gewalt ioi aUgemetneti teiii t 
ifts Vorige und die anwendnng erweisen als mitldglied Man 
paebe* sieh keine feinde, das zweite versglied, welches hier 
ansagt Veiiars dich nicht aaf deine eigene stärke, begegnet 
9mA als selbständiges Sprichwort von selbstüberschätsung, 
wie 'der stärkste findet noch immer leicht einen stäri^erei 
ttpferem' j^egü-hialm bergr emugi, kvant skulo reiÜr 
Mgro» pu ßat finnr er medfleirom kSmr at emgi er emnm 
ktmUMr Edda 2, 175. fomald. 1, 162. es üt mteh keiner 
40 gmchwmdy der nicht einmal sein meister ßnd Froschai* 
t| e; 14« 

65. für die vorsieht im tränen klingen viele spräche { 
iie dentschen geben anch ein maTs dazu, trau niemmdy du 
Imkest denn ein salzscheiben mit ihm g^sen Frank 1, lli^ 
(104). 2j 16. 

66. *bald war das hier getrunken, bald nicht ansgele- 
gesy wenn ich kam' könnte man als klage fiber ongastlidi* 
keit fiüBien, nicht mu geben findt der geiijfig nUweg nrsaek 
Frank 1, 72'; hier gilt es aber dem der den andern nicht 
gern sieht, wie die letzte zeile sagt Selten kommt der lei- 
dige zum tmnke recht. Ud n. ist anch ein im dentschen 
gefcränchlich gewesenes wort, wie es im Ludwigsliede fnr 
nvsehlnink steht. Sn. Edda R. a. 208 Ud heitir 81. 

. . 67* hier der gegensatz, Während man beim ubdwoUen* 
des iamer nach dem feste kommt, gibt der freund immer den 
geringsten vorrath her, nnd den ziehe ich allen gastgeboten 
Tgr. — mundi mer heim uf bodit es würde mir entboten, 
iehr könnte eingeladen werden, denn Er Ind ihn zn sich heibt 
bsmd komm tä sin Vigagl. c. 20. budu peir hem Högna 
Edda 2, 419. 1,363. 

VERGLEICHUNG DER GÜTER DES LEBENS 

(68 — 80). 

68. in dem aasdmck eldr er beztr med pta sonom ok 
solar spn fand schon Finn Magnussen sparen der alten hei- 
ligkeit der sonne nnd des feners, mit vei^Ieichang des per> 
sisehen cultns; auch Grimm bemerkt 'wie schon Julias Cae- 
sar Sol nnd FulcamiSf und die Edda, beide als das höchste 



410 ZU HAVAMAL. 

preisend, feaer and sonne neben einander nenot' d. m. S40.— 
wenn, dieser halbvers auch aufser der veriiindnng, in der er 
kier erscheint, ein gangbares wort war, so ist diese Tor- 
steUnng unverkennbar, da aber hier daranf noch ein Wenn 
folgt, welches nor mit dem vorangegangenen lobe des ümn 
nnd der sonne verbanden werden kann, so vermag ieh ucht 
oine anbeschränkte, sondern nur eine bedingte vorzfif^ki- 
keit jenen dingen zogesprochen za finden, and es bleibt vir 
Dar die nüchterne erklärung übrig Dann ist das heimiUiche 
feaer, dann der sonnen anblick köstlich, wenn der nensdi 
die gesundheit zu behalten and ohne fehl nnd schmach ii 
leben erreicht, statt * leben' zu sagen 'die sonne anbliekea' 
würde sich kein dichter nehmen lafsen; dafs aber (69 — 71) 
das leben als unersetzliches und jedem andern, unter seinei 
gutem vorzuziehendes gut in immer hellem und stärken 
aasdrfidLen bezeichnet wird beweist auch hierher zarSek dib 
es hier gemeint sei, damit man zum voraus verstehe .wu 
76. 77 schärfer ins äuge gerückt wird, ehre sei noeh htihor 
als leben, ein fehlloses leben das höchste. 

69. gesundheit nicht das einzige gut im leben» qfvet' 
kam vel von wericen, thaten genug, bezieht sich nickt aaf 
wohlthätigkeit. 

70. dazu führt Finn Magnassen das noch gehiMe Ü- 
niscke Sprichwort an queger mand /aar vel ko, - mem iSi 

fimr aldrig Ud. auch deutsche spräche gedenken der kok 
als des mindesten hausbedarfs, wer wil haben ruh, bleu iqf 
meiner kuw Frank 2, 84*, und preisen das leben, da9 Afcs 
ist Heb; der Mb üts hauptgut i, 17^ -^ die lesari Olafih 
muni für mattm, wonach der sinn entsteht Die reiebthoaer 
kann das feuer verzehren, zieht Finn Magnussen richt^ Tsr; 
sonst könnte man nur an das bestattungsfeuer denken, aod 
dann ist der tod nicht mehr blofs vor der thüre; auok str.78 
spricht dafür. 

7i. so viel anschauung als hier dürfte sich tn späterer 
zeit schwerlich wieder zusammenfinden, wo gesagt wird difs 
gebrechlichsein immer noch befser ist als todtsein ; denn mit 
Verbreitung der christlichen lebensansichten vermindern sich 
die Sprüche von dem werthe des irdischen lebens. anberiihrt 
davop mosten sich aber natürlich solche erhalten wie bqfser 



zu HAVAlfAL. AH 

tlem arm als den hals abgtfallen Frank 2, 7^ ; die todt^n 
mögen uns nit nuekr hoffen 1« 35*. — brendr = daudr aach 
itr. 81. 

72. über die bautar - steinar Snorri za an&ng dev 
Heuiakr. — eptir gengbm guma nach dahingegangenem 
mann (vater) geboren. 

78. teeir ro eins heriar 'duo inter se sunt adversarü/ 
•• die Kopenh. herausg. und die lesart R^s, einkeriar^ 
Meate dasselbe, einheri wäre monoheros gr; 1, 661 (wie 
em^ani)f euiziger auserlesener held.wie Yaffir. 40. Grimii. 
tt* 29. merkwürdig dafs die Variante eins heriar ebenso 
Vafj^ü 41 v<Nrkommt. man hat es auf die im folgenden ge? 
Bannte feindschaft zwischen zunge und haupt bezogen, 4ereii 
spnßhwörtlichkeit sich aus jenem alten zusatz zum Uplandfrr 
lag beweist, worin der lästerer, wenn er im ;sweikamp.f ialU^ 
ala «iine das eigene haupt treffende zunge (tunga hiwdbani) 
ohne boTse bleiben soll s. 130. Finn Magnussen hält dio 
ganze atrophe als abgerifsen und dem versbau widersprechend 
for imeMKht und eingeschoben, gerade die Dunkelheit der letz-r 
teil zeile spricht eben nicht dafür, und längere dreistäbig^ 
nntensStze widersprechen dem Liodahattr nicht, wie ich ii| 
dieser zeitschrifk nachgewiesen habe, selbst Resenius, bi|i 
dem aonst manches nicht stand, hat die Zeilen nur offenbar 
entatellt, bane er naer t bedenn, hveim handarvane. aber 
die pergamenths. war den Kopenh. herausgebem nur bei 
hsmfiidsy was sicher richtig gesetzt ist, undeutlich, gar nichts 
blieb., schwankend in den folgenden schwierigen werten er 
fier t. hedin hvem handar vaeni* das seltßnt hedinn UlTsIt 
sich . dureh nichts anders erklären als durch rock, JFinn 
Magnussen verglich richtig geit-hedinn, wenn auch die ab? 
Idtqng von hud unrichtig ist. auch in der zusammenziehung 
äffhednar die wolfspelzträger Heimskr. 1, 95. 4, 17 liegt 
dasselbe wert; sicher ist nun dafs die Verbindung dieser t 
hedin hvem mit vaeni bei den Kopenh. heransgebern, so daf^ 
der rock der gegenständ der erwartung, hoffnnng, sein sollte, 
nnznläfsig ist; nähme man auch handar -vaeni etwa für be- 
hende oder sichere erwartung zusammen, das worauf man 
hofi, oder rechnet, wird immer im gen. zu vaeni oder vän, 
tan gesetzt, so honorr vor styriar vaeni Har. barf. ^c. 19 



412 ZU HAVAIIAL. 

nmi in dem Sprichwort er Mer /knfs vom qf frekom tdfi 
kiupf erwarle ich von einem schnaubenden wolfe Bddi2, 
159« iltra ordä er mer on at ykrom syni Försk. 2, kötH 
er kmmm pikkir skidU tntn wo ihm sieherheit za boSei 
schien fornald. 1, 218, könig Gnnti gieng darauf zu, wo er 
hondegebell hörte pviat honum pditi ßar kdzi wuamä «m 
weil er da am ehesten anf menschen sn treflfon rechnen kimnle 
fomald. 3» 5, koma i landt van auf der see&hrt 2,305; m 
dem grofsen walde mufs man auf manche retTsende aehidE- 
ehe thiere gebfst sein, en par vdm marga skaetra J^ 
bl. 2, 330. ebenso das verbum fengjwr vaena fomald. 2, SN. 
hiemach kann er wter kaniar vaeni nichts anderes heiüna 
als Ich rechne auf eine band, versehe mich einer bnsl, aal 
dann wird in dem prapositionellen znsatse das wann oder ivt 
zu .suchen sein; völlig eben wäre ein mit i verbundener d^ 
liv, das hier gewählte i hedin kvem mag aber sein In jedm 
rock setze, denke ich mir, eine fausU ist dem so, dann c^ 
gibt sich völlig angemefsen zu der wamung der dondi ie 
Zunge oft drohenden lebensge&Jir die fortsetzung der V10^ 
sichteinschärfung, Und sicher wXhne ich mich nirgends dab 
sich nicht eine veriK>rgene band gegen mich erheben kSnnte, 
dies mochte sprichwörtlich sein durch den kurzen satz ans- 
sudrficken Wo ich einen rock sehe, da denke ich mir ciae 
fimst darunter, ein spmch gerade so identisches veiündeal 
zur sehirfung der anfinerksamkeit wie der gan^re deulseh 
bei Seh. Frank zu findende und oft im nordischen gebrauchte 
por er mer u(fsins van, er ek eyrom sd^ da wiüine ich ta 
wolf, wo ich sein ohr sah Edda 2, 183. Fomald. 1, 164« 
alt. bll. 1, 11. belegen lälst er sich luium mit Laxdodasagl 
s. 160 M. (unter diesem kleide weils ich meinen tod woh- 
nen), wohl aber durch opt em vorgugar hendur mtdirter' 
gugum felldi d. i. saepefartes manne sub sordida toga, n 
sprach den B. Hald. (s. 462) gelesen hatte, der fortsehritt 
vom ober- zum Untersatze ist dann hier ähnlich wie str. W» 
oft muTs man für seine worie entgeltung erfohren. 

74. auch diese Strophe hält Finn Magnussen für eine eia- 
geschobene. aber ihr bau hat nichts ungewöhnlicheres ab 
dafs eine 3e oder 4e kurzzeile zu viel ist, und ihre dunkel- 
beit bt nicht so grofs dafs man darin nicht eine anffordenuv 



zu HAVAMAL. 418 

nr vormht auf reisen erkennte, wodurch sie sidi weaif^ 
Ileus in einige Verbindung mit 73 setzt, obwohl sie sieh 
befser an die regeln vom einkehren 34. 35 oder 33 snschlö- 
be; denn dem sinne nach würde ich sie so nmsobreiben^ 
Fiiene dich der ruhebringenden nacht nicht einzig schon dann 
wenn du reisevorrath hast, ohne ein obdach ist es auch beim 
heitersten abend misslich, veränderlich ist die herbstnacht 
«•s*w. nicht ganz sicher zwar scheint die von Finn Magnus- 
sen angenommene bedeutung herbstnacht für hai$st grima^ 
iß ,grima nur hülle, larve, fielm bedeutet, so könnte die 
SMinung auch sein Oft ändert der herbst seine maske, seis 
SBSsehn. für die erstere erklärung spricht aber dafs im ags« 
ütf naeht ein heim genannt wird, Grimm Andr. und Hei« 
fl. zxxvi, und dafs sie in den kenningar u. Alv. 30 mdl*gr^ 
M heifst. sollte in diesem siebenfüfsler etwas eingescho«> 
btaes sein, so ist am verdächtigsten skammar ro sldps rar 
knn sind des schiffes rahen, deren sinn etwa ist Oft schlSgl 
der wind um — herbeigeführt durch die folgenden sätze vom 
wstterwechsel ; der wind aber hat für den wanderer weniger 
hedentong, und so ist erst ohne diese zeile der zosammenr 
hang der ganzen anschauung ungestört. 

75 — 80. vom reichthum und dafs er dem thoren nichts 

7^* die befserung af auäram (Finn Magnussen) für qß 
^fatdlrom wie in der pergamenths. steht, wird unverwerflicb 
adttf sehr annehmbar scheint aber auch die änderung qf 
mtAm V4>m reichthum, die derselbe mit vergleichung von 
Sokri. Str. 34 margan heßr audr apat vorschlägt, indem 
ta erst ein. leichter Zusammenhang mit dem folgenden ent- 
steht, sonst heifst es Der thor weifs nicht, wenn -ihn an- 
dere zum besten haben (Brant narrensch. 196); niemand ver- 
spotte einen blofs der armut wegen. 

: • 76. .77. unvergänglichkeit des nachruhms, des guten oder 
iiUen namens, nach dem tode. was hier arx^tirr wortruhm 
lieiTst, drückt auch das einfache tir aus; so ags. üT" eddige 
häled Andr. v. 2. tir 105. wenn man tir erwori>en, will 
man gern sterben, gods höfoni tirar tengit, pott skylim nü 
eir i gaer deyia Hamd. 29. on par fül Bardi med göSim 
aräii^ bl. 1, 308* — dämr ist zwar gewöhnlich ein form- 



414 ZU HAVAMAL. 

liebes gericht, hior aber nur das über jeden mensebes sieh 
bildende nrtbeil. 

78. Tergänglichkeit des reicbthnms ; ein eigenthnmficlier 
ansdraek dafür aas deatscher Überlieferung wnrde zn 13 aa- 
gefSbri; die benennung FttftrTi^ liefse sieb etwa mit FeHinrf 
oder Fettling wiedergeben. 

79« 80 bilden einen nur lose sich anscbliefsenden aa- 
bang SU den Sprüchen über die lebensgüter : nachdem bincu- 
gefugt ist dafs der reichthum, ja jeder besitz, nur for dea 
klugen, nicht für den thoren, ein eigentliches gut ist,, den 
letzteren wachse nur die aufblähung davon, wird for daea 
aolchen der schon 27 gegebene rath des Schweigens wiedo^ 
holt, hier mit wohl absichtlich pomphafter einkleidnng Ji 
wäre es ein hohes geheimnis. ßeim er g'ördo ginregm wel- 
che hauptrunen die hochheiligen götter machten; peim iit 
von runom angezogen, wie gewöhnlicbv so dafs in er erst 
das volle relativum ist; die Zusammensetzung gm^rpgiMislL 
wie jTtii-Aet/ir^r hochheilig Vol. 6, doch wohl eigentUck zan 
anstaunen heilig, denn gin von gina ist die mondesöffaing. 
ein ags. adj. gin (patulus amplus) weist Grimm Andr. 1523 nach. 
Finn Magnussen führt auch ginfast (zum erstaunen JeMt) aa; 
so wird später auch forkunnar wel (wunderwohl) gesagt 
Orkn. s. 84. dunkler ist die gleichfalls steigernde zosaii- 
mensetzung mit ßrnbuly die auch str. 104 begegnet ubd ia 
ßmbul'vetr Tafpr. 44. Grimm vermutet es möge ursprSag* 
)Uch das rauschen bezeichnet haben wegen fimlni{faM 
Str. 104 und ags. ßfeldor^ fifelstream^ Andr. und E. 8.147. 

ZEIT ABWARTEN UND WAHRNEHMEN 

(81—83). 

81. was die sechs einzelnen bilder auf gleiche weise 
aussagen, das findet sich später auch nackt, zusamjnengezo- 
gen in einen spruch, dargestellt: als BrynhUd sagt 'da bist 
gut zufrieden sein, da dir alles nach wünsche geht' antww- 
tet Gudrun snemt er pvi enn at haela, früh ists noch des- 
sen sich zu rühmen fomald. 1, 189. nämlich mer sprikt 
unde is 6k al wäre, allen wärken werd lov gesägd in dem 
ende, aUe men ee lägt laiend. 32. schilt und lob menumd 



zu HAVAMAL. 416 

hmld Frank 1, 72^ auch die einzelnen biider waren fSr.aidl 
gangbar ) noch jetzt haben wir ^ ist noch nickt alter tage 
abend wie Frank 2, 84^, wo auch es ist jwoI so grüns tor 
nachts zu hew worden als das. aber aiich wie hier galt 
guoten tac man xe dbent loben sol, aus Laurin Wh. Grimm 
Freid. xcvu ; ferner das erprobte schwert Freid. 95» 1% ; und 
starker als mey er gefin er findet sich nach der hochxeit 
erkent man des weibs bofsheyt^ was Frank 2, 71* in glei- 
ehem tone auslegt. 

82. die zeit wahrzanehmen hat das deutsche noch mehr 
bildliche aufforderuDgen \ schneid pfeifen weil du in den roh* 
rem uixest$ schöpf oder trink dir genug weil du bei dem 
hrwmBn bist und andere bei Frank 2, 92^, 153'; doch ist 
Uer noch in jedeiii bilde zugleich eine selbständige gute re* 
gel; die zweite vershälfte geht von der einschärfung der rcysh- 
ten. zeit zu der der bestimmung über, in jeder aber hat sie&t* 
fieb die letzte, die aufforderung zum genufs der Hebe, den. 
fiuptfon. — a släp skal skriäar orka eigentlich mit deat 
aduff soll man schritt, lauf wirken, skrid, sonst n«, hier 
f.y drickt einen hinrauschenden gang oder lauf aus, das hift- 
streiehen, will aber hier doch kein recht volles bild gebend 
R. Jiat skreiäar orka fische fangen, aber skreid wird naeh 
Siöm Haldorson nur von den getrockneten fischen geip 
bnlicht. — maeki höggs hängt noch von til ab, wie vedri 

▼OD t . 

, 83. eine ähnliche kaufregel sogar .im laiendootrinal, men. 
gkal datfä kefen so dar jifng sy unde wasse to 1,13$ hier 
aber» wenn es unscheinlich ist. in heima hest feita schon 
ninfs^äa eine andere bedeutung haben als die welche die 
Wörterbücher und Finn Magnussen geben, mästen ; denn die 
wenigsten pferde wurden ja zu opfermahlzeiten verwendet, 
und auf den hund passt es gar nicht, die bedentung ziehen 
sqUiefst sich ..leicht daran an und meint hier jedesfalls die 
dressur; belegen läfst sie sich vielleicht mit dem englischen 
to fit zurechtmachen u. s. w. die regel den hund auswärts 
gewöhnen 2u lafsen befolgen noch alle Jäger, hu ist fireilieh 
allgemein der anbau und war str. 36 heimatlicher besitz, er- 
halt aber öfters den sinn eines aufser der heimat noch, also' 
auswärts, errichteten neubaues, landgutes; so Oriui. IM, 



416 ZU HAVAMAL. 

Sigari hatte ein ant, also niederiaTsong; in Tanaberg, #1 
4Ui U d Au8tr - Ögäum. ein reicher bonde in Norwegei 
hatte 12 bügaräa, Jyrw utan patm hq/udtoe, er kum Mi 
d sirnffr fomm. 11, 422, 

■ 

WORAUF NICHT ZU TRAUEN (84—91). 

84. die tbatsache der wandelbari^eit der firauen (deatieh 
«t hänt kurzen muot und langez Aar Wh. Grimm Freid» SttSt) 
heklagt anch der verlarser des SolarL 10 \ aber er lenkt eis, 
wie CdieL 7, geschaffen sein sie wohl gat, aber — • 

85 — 89 hangen die dative alle ab von dem achlielni- 
den verdit madr sva tryggr at pessi trüi Silo, sollte daher 
wohl die in der constmction wie . im metrum anterbreehoMe 
aliQ. 88 vor oder nach dieser langem priamel ihre iirspriuf- 
lidie Stellung gehabt haben? freilich ist wohl aneh niekt 
nfiUlig dars anfiing und schlafs nach der gegenwürligen cid» 
anng anf das unzuverläfsliche der frauenliebe als das hitta^ 
ste im besten gehn, so dafs das übrige zn diesem als im 
am meisten betonten in ein ähnliches Verhältnis tritt wie 
in atr. 82 nnd sonst, wie es anch deutsch heiJat bnaui, im 
WMfre9 Jbity und det weites duck smdt vier alle siuds 
Frank 1, 28^. die einzelnen stücke dieses kalalogs der la- 
snveriiTsigkeiten sollten sich wohl auch sämmtlich in dealr 
sehen Sprüchen nachweisen lafs'en, und könnten daher bo- 
iriehtlieh vermehrt werden; z« b. schon in gesellsehaft des 
bogen! pflegt noch mehr zu kommen, ein sckwager imim 
erlenbogen, ein schnelle ihat nicht wol erwogen^ eindU 
brOek und fahles uferd, wenn sie best^hn^ sein lobensmeri 
B« Ringw. 1. w« 371. der kurze mann und der rite hart 
Freid. 85, 19. Frank 2, 179^ sind auch nordisch verdäehtigt, 
wenigstens im 13n jh., at pu truir aldrei Idgum mamd ok 
raudskeggjudum fomm. 11, 428. — 86. bami kommgif 
weil er als regierender sich ändern kann. •— 87« sia(friJs 
praeU einen, so zuvorkommenden diener verdächtigen aoeb 
deutsche sprüche. völo ifü^maeli, denn sie thaten es ge- 
wöhnlich um guten gewinnes willen. Viga^. c. 12^ r— as/ 
njf'Jhldom doch wohl, weil 'es sich oft begibt daTs der sieb 
noch selbst rächt der den todesstreich empfieiig', fomald«l9lfö.— 



ZD HAVAMAL. 417 



die folgenden 4 siäcke heidrikum • • . skiaeim sind nnr tos 
einer papierhs. anfgenommen ; die beiden enteren hatte Re» 
senins schon nach 85 ; warum sie Finn Magnussen für an sich 
verdächtig hält, abgesehen von herra^ dessen richtigkeit in 
der alten spruchform aufgegeben werden kann, ist schwer 
xa sehen; der spnich von den thränen der bnhldime steht 
jedem alterthum an, für die beiden ersten Zeilen aber gibt 
es ein, Zeugnis aus dem 12n jh., ridenti domino diffide, po* 
Ufue sereno altd. bll. 1, 11. und wieder im 16n klarem hm- 
mel und lachenden Herren sol niemand trauen Frank 1,77^, 
2, 179*. roter bart^ erlinbogen; herrengunst^ ßnmenUeby 
üpriUenwetter ebend. — was würde aber hunda gellti, dem 
g^bell der hunde, für eine anschaunng voraussetzen? etwa 
die eines in fremder gegend verirrten, der dadurch zu fein- 
den oder in andere gefahr geleitet wird? oder stand ur- 
ipränglieh hunda hellti oder helti, dem hinken der hunde? 
dies wenigstens haben deutsche Sprüche, hxmd hincken, wet- 
her u^eynen, krämer schweren, sol sich kein weiser anke^ 
rm Frank 2, 83\ 

88. das trügliche des früh gesäten ackere auch bei 
Frank, ßiih sat selten ßtr sich gat 1, 5*". 104*; und zu 
neir. raedr akri vei^l. das jar bringt treid, nit der acker 
1, 19*« die genaue parallele mit dem früh gesäten acker 
wäre, wie deutsche Sprichwörter haben, Einem früh sich en^ 
wiekelnden söhne traue man nicht; hier steht aber alige- 
mein auf keinen söhn hoffe man zu früh, etwa wie es heifst 
.eAi vatter neret eh 10 kinder, dann 10 kinder einen vatter 
Frank 1, 78*. — aus dieser stelle, wird sich das in jeder 
handschrift anders gestaltete Sprichwort' Vigagl. c. 7 herstel- 
len lafsen. Astridr hofft die durchführung ihrer gerechten sa- 
ehe.von ihrem jüngsten söhne Glum, wenn er von seinen 
flihrten zurückgekehrt sein werde; da sagt ihr gegner zu 
ihr seint til vanar sä man erja nach Rafn 2, 341, sd muni 
0rya Ci um pä mann-erju B, sd mann erja nach Peter- 
sen ; keine lesart befriedigt recht, denn man, knecht, ist nen- 
tnun, manerfa (geringer ackerknecht) aber femininum; und 
wantm sollte der söhn geschimpft werden? wärfe aber der 
sinn 'spät soll man hoffen, da man den acker bestellt,' so 
Z. F. D. A. IIL 27 



418 ZU nAVAMAL. 

ipränge das Sprichwort nicht aas dem bilde iu schoiährede, 
und zu lesen wäre etwa pd menn erja oder pä er. 

89. brödur - bana sinam. dem nicht zu traueii, wird 
auch dem Sigurd von den schwalben vorgesungen Edda 2, 183, 
so wie auch der grund, vtll bölva-smiär brödr he/na. viel- 
leicht dafs aus der heldensage sich diese gestalt des Sprich- 
worts erst entwickelte, oder dafs es doch seine ursprfingii- 
chc Stellung zwischen Sigurd, Fafnir und Regia hatte, es 
hätte ja eben sowohl Jadir - bana sinom heifsen können, dem 
der söhn hat gleich starke rachepflicht. in der yorliegendea 
form wird es auch Edda 1, 76 berührt und Solarl. 20 — 23 
mit einem beispiele erklärt, nur dafs gemäfs den da he^ 
sehenden christlichen grundsätzen die selbstrache abgevebri 
wird. 

90. fridr qvcnna^ liebe der frauen, goth. JHäAa, wie 
Str. 51. — Sern akt, als ob man führe mit unbeschlageaem 
pferde auf glattem eis^; hdl war aucli im deutschen noch in 
16n jh. so gebräuchlich, sie hat keine helen- schlangenhttui 
Frank 1, 112"; jenes aki braucht nicht reiten %u sein^ eine 
eisfahrt mit einem einspänner kommt ja auch Frid^. c. 12 
vor. — eitt hi'oss pr^vett^ ötamit Isl. 2, 177. 

91. auch der männer reden gegen die frauen sind ttD- 
sicher; und so wird bisher das warnen vor ztt.scbnelleD 
trauen ausgedehnt, doch liegt schon in Mr. 90 ein ansatzsu 
dem, was nun ausführlich besprochen und mit einem beispiel 
belegt wird, was es mit dem liebkosen der frauen auf sich 
habe, so dafs man auch schon 90 und 91 zu dem folgendeo 
ziehen könnte. 

* 

VON FRAÜENLIEBE (92-102). 

92. wie frauenliebe zu erwerben sei, erfahrungssatse 
die man nicht von Ovid geborgt zu glauben braucht, d 

faer er ßiar ,ß*ia heifst später gewöhnlich loslafsen and 
nachlafsen, hier noch im alten und in unserm sinne sich be- 
werben um liebe; deutsch lieb überkömpt man mit Heb; 
wil einer geliebt werden^ so lieb er; dem mutigen wird die 
braut Frank 1, 9^ und sonst, etwas massiv, aber nicht un- 
gewöhnlich ist Je bioäa. mit geschenken von goldriogen 



zu HAVAMAL. 419 

a. 8. w. wird in vielen sagen liebe gekauft ; so Tersacht es 
Skiniir mit zwölf goldenen äpfeln und einem goldringe von 
wunderbarer kraft, freilich vergebens, bei Gerdur Eddal, 77 f. 
deshalb möchte ich nicht mit Finn Magnussen vorziehen 
was R. statt fe hat, fr^tt oder fridt^ gutes, schönes ; die 
Edda sagt geradezu frid at kaupa^ ich schenke dirs. ' 

93. dstar ßmay über liebe sich verwundern, setzt also 
schon einen solchen grad voraus, wie er 94 klar ausgedrückt 
wird« 

94. deutsch, besonders im 16n jh., noch stärker lieb 
macht läppen Frank 1, 10*. 

95. da mit dem sinne, der dem herzen zunächst wohnt, 
nnd mit neignngen allein dasteht, wiefern diese nie völlig so 
von andern empfunden werden können, offenbar ein Vorgang 
des innersten selbstbewustseins, der nur der eigenen pArsön- 
Üchkeit entspringt, eingeleitet werden soll, so kann das be- 
zeichnete siechthum schwerlich die gewöhnliche Unzufrieden- 
heit mit seinem jedesmaligen Schicksale sein, was sich er- 
gibt, wenn man ser öngo at una mit Finn Magnussen über- 
setzt 'sorti suae nnllatenus adquiescere.' die folgende erzah- 
lung, die eine erfabrung davon beibringen soll, spricht nur 
Ton der quäl unbefriedigter liebe, deshalb nehme ich ser 
una als gegenliebe, liebesgenufs finden, nach lehre der deut- 
lichen Sprüche lieb haben und nit geniefsen möcht den teu- 
fet verdriefsen — ; wie wee dem ist, der lieb sucht da keyne 
ist Frank 1, 88^ und wie es auch in der Vols. heifst 'schwe- 
rer ist es den barm der daran liegt (an entbehrung der ge- 
genliebe) zu dulden als scharfe waffen' fornald. 1, 177. 
kaum wäre es so stark, wenn hier geradezu unna für una 
stände, die angesprochene bedeutung für una bestätigt sich 
yöllig durch Edda 2, 216 vergl. 219. 

96. sie war mir fleisch und herz ; dennoch um nichts 
itii^hr habe ich sie. das hefik gleicht also einem * erhielt 
ich sie.' 

97. Billing ist sonst unbekannt*; Finn Magnussen sieht 
dessen hier ungepannte tochter in derRinda welche nach Saxo 
Gr. Odhins antrage mehrmals abgewiesen. — jarls yiidi, 
keine königslust ohne sie; zar/ ist also nicht in seiner spe- 

27* 



420 ZU HAVAHAL. 

ciellen bedeatang zo nehmen, wie schon ahd. keiserüeh so 
vorkommt. 

98. die versprechende rede der jangfran geht gleiehMs 
von dem str. 82 gegebenen gmndsstze aus. 

99. visom viT/oin^iJ^Finn Magnussen 'ab certavolimtate'; 
er ziebt aber /yrt (L) vor, d. i. wegen; es scheint aber in 
Übereinstimmung mit pottwnz jenes frd besser, wenn man 
es so erklärt, 'obwohl ich von gewisser neigong (von gewiss- 
heit ihrer neigung) in der that fem war/ 

100. in npta vi}/- droit, jene nütze wachsebar d. f. die 
tüchtige. — qf vitadr ist abgesperrt, verhindert.^ 

102. g6d kann hier, da sie nachher schlimm genanoi 
wird, nur etwa gütlich, freundlich sein. — haäungar Itita- 
di mer, so wird leita mit dem gen. auch in rdds leifa ve^ 
bun^n, und die person die es zu leiden hat, tritt in den dai. 
wie in ' es jemandem ansuchen oder antkun mit etwas. ' — 
hafda ek pess tetki vifs. wie im lat. wird adj. und subsL 
gern durch einen acc. getrennt. 

VOM BEGEISTERUNGSTRUNK BEI GUNNLOM 

(103 — 111). 

103. deutlich ist dafs durch diese und die folgende lehre 
die erzäblung vom besuche bei des riesen tocbter eingeführt 
wird, wie nämlich hier munterkeit und gesprächigkeit ein- 
geprägt wird, so heifst es gleich im anfange d^r besuehsge- 
schichte 'wenig hätte ich bei dem schönen riesenkinde dnreh 
schweigen vermocht, viel sprach ich in meiner sache;' oni 
so wird noch str« 108 wieder eingefügt 'dem < verständigen, 
der sich zu helfen weifs, geht wenig ab.' denpoch kann 
man schwerlich sagen dafs der ganze mythus dieselbe Stel- 
lung hier habe wie das abenteuer bei Billingsmaid, welches 
allerdings, wenn es etwas lehren soll, wenig mehr sagen I^ann 
als was zur einleitung vorangeht str. 95. der nun folgende 
liebeshandel kann nicht blofs wegen seines glücklichen ab- 
laufs den gegensatz haben bilden sollen zu dem verdriebli- 
chen und vergeblichen; denn in den Vordergrund tritt der 
geistentzündende becher, der nun zu den men!»Ghenkindem 
heraufgekommen ist str. 108, aber weder der liebesgennfs 



zu HAVAMAL. 421 

ttoeh 4ie kluge art durch wi(z und bewegUehe Worte dazu 
zu gebuDgen ; von seinen gesprächen mit Gunnlöd sagt Odino 
gerade gar nichts. — desto n(>th]ger ist es eine eigenthüm- 
liohe Bedeutung der erzählung von derjenigen zu unterschei* 
den die ihr durch die Stellung hier gegeben ist, als sollte 
sie nur beweisen wie nöthig kluge rede, erinnerung und an- 
knfipfiing an das vergangene, und überhaupt gespräohigkeit 
sei; regeln die ohnehin zum theil schon jda waren 15« 62, 
105. diese Selbständigkeit des mythus von Gunidöd be- 
weist auch seine ausfiihrung und benutzung in der Snorrt- 
edda, Suttung haust tief in der erde, der weg gieng durch 
gewaltige felsen (107), von seiner tochter geniefst und ent- 
Gkhri Qdinn.den begeisternden trank, der miöd (106) b&terir 
geisterreger (108) heifst. deshalb erklärt Finn Magnussen 
diesen Vorgang für eine mythische darstellung der erzeujping 
der feldtrücbte durch den in die erde eindringenden' beo*nch- 
tieftden bimmelseinflufs und für einen lobspruch anf den aus 
diesen fruchten bereiteten köstlichen biertrank, den idlge- 
neinen nordischen begeisteruugstrank auch der diohter, so in 
der Athene 6, 242. dann käme es nahe an den mythus von 
Fros.«rpina. nach dem hier vorliegenden aber ist* schwer zu 
finden, wie an die feldfrucht, an die gerste, gedacht sein solle, 
wonias der trank gemacht war ist der erzählung gleichgil- 
ligV sie nennt ihn meth ; das eingehen in die erde hat keine 
für sieb erklärung fordernde Stellung, denn riesen wohnen 
ddtmal in bergen; und der same käme, ja doch nicht unter 
fiEdaen. der mythus scheint daher zu beschränken auf den 
^trerir.. die frage, wo kommt die dichterische begeisterung, 
jeder höhere schwung des geistes her? veranlaTste an einen 
tiefeat. Zusammenhang mit den geistern der natur zu denken^ 
dna. uralte dasein der dichtenden kraft gebot eine zuruckfiib- 
nug auf Odinn, wie bei allem unvordenklichen geschah; er 
also, mnste ihn von den riesen in der erde, und, weil ohne 
Hebe kein, höherer auf&ug, durch die gunst einer riesentoch- 
ier gekostet haben, und mit adlersflügeln, setzt die Snorrar 
edda hinzu, verliefs er sie wieder ; die hier zuletzt gegebene 
wendnng läfst das ganze als einen trug, oder doch als einm 
gewaltthätigen raub erscheinen, denn Suttung wird getödt^t 
niid Goiiniöd sonut in doppelter treuer verialsen. 



422 ZU HAVAMAL. 

106. den ninnen Gunvlöd erklärt Finn Magnussen doreh 
AiAi einladen, kampfladerin, nnd hält dies für personifica- 
tion der erde, lex. myth. s. 408, welcher beziehnng je- 
ne bedeatnng nicht eben günstig ist. wenn die schreibuig 
der Sttorraedda GunnhVöd die ältere form enthält, so bat 
man an hlaäa (struere und prosternere) zu denken, wovon 
lada (invitare) goth. Iap6n verschieden ist, dafür spriiÄt der 
walkyrienname Hlaägudr (Bellona steruens), welcher in an- 
derer Ordnung dieselben bestandtheile enthält. — itbgiöld, 
entgelt, eine Zusammensetzung wie mhd. itewiz, ahi. üUn 
Kero 7. zu der zeile stns ins heifa hugar dürfte ein wt- 
nöthiges echo svara saeva sein. 

107. rata munn letomk . .fd erklärt Finn Magnussen lex. 
myth. s. 664 durch Mes bohrers mund liefs ich ranm Msea', 
naeh^dem bericht der Jüngern Edda, daemis. 72, dafkOdiai, 
bevor er in Schlangengestalt hinunterfuhr, sich durch Sutlnngi 
bmder Baug mit einem bohrer den weg durch die felsen lutk 
bahnen lafsen wollen : unter diesem bohrer sei aber der soa- 
nenstrahl zu verstehen, das letztere hängt mit seiiier dea- 
tung des ganzen zusammen, das erstere ist auch der Wort- 
bedeutung nach schwer zu finden; rati heifst später nur 
thöricht und staarblind; damit ist nichts anzufangen ; a^ iAi(ff 
ist sich schnell und gut fortbewegen, schlüpfen, stürzen, udI 
wird für gut den weg finden gebraucht, entsprechend dev 
goth. vratön gehen, vratöäus weg ; daher denn nordisch auch 
krata daneben steht, deshalb nehme ich das subst. rmU fir 
wegfinder, durchdringer oder stürzer, und dies als umsehrri- 
bnng für schlänge selbst, der die dichtung das siebere ein- 
dringen in den felsigen erdengrund zusehrieb, nach zengiiis 
der kenningar, welche unter orm auffähren als gleichgeltend 
graßitr und grafingr. — der bericht dei: Sn. Ed^'abtf 
mag erst durch eine deutung dieses rati entstanden sein, 
die eben den geschmack verräth als die erklärung des ur* 
Sprungs der afterpoesie. — stödomk, nicht wie gewöhnlieb 
stöd-oniky sondern hier stödö-mik, welcher acc. abhängig 
ist von yifir ok undir (gr. 4, 40), hat zum subj. iotna vegir 
u. s. w. iötna vegir was, wie im deutschen, riesen^ge 
oder steige, wohl nicht die felsenmassen an sich sind, son- 
dern klüfte und würkliohe pfadbildende abhänge, dieses 'ich 



zu HAVAMAL. JßS 

staod zwischen riesengängen uod so gefährdete ich das haupt' 
soll nun die furcht und die trauer zur zeit der Sonnenferne 
nach der winterwende sein: sogar das haupt Odhinns hätte 
nach Finn Magnussen etwas besonderes für sich, nämlich die 
sonne, zu bedeuten, was schwerlich einleuchtet, auf winter 
und Sommer könnte man aber jede reise, jedes gehen und 
wiederkommen eines himmelsgottes beziehen. 

108. lü mufs hier allgemeiner als färbe oder antlitz 
sein, denn hier geht es gewii's auf die mehrmals verkai^flte, 
vertauschte gestalt. als schlänge durchstreifte Oäinn die klüfte 
om einzudringen, angekommen aber trat er als mensch un- 
ter dem namen Bölverk (110) auf. — öäreHr kommt eben 
so -geschrieben auch 143 ; anderswo es heifst, die nome 
Urdur habe ihn zu bewachen gehabt, ödhraeris skyUi Urdur 
geyma mdttk at veria mestum porra Hrafnag. 3. danach wäre 
es geistrührer, nach der sonstigen Schreibung däreirir geist- 
binder oder sammler, von reira vincire. 

lOd« peirrar er noch von nytak bestimmt: hätte ich 
nicht ihrer genofsen, die ich umarmte. 

110. hrimpursar reifnesen, denn aus reif war der erste 
aller riesen Ymir geschaffen, daher allgemeine namen wie 
krimnir u. a. für dieses geschlecht entstanden. Grimm d. 
myth. 305« — häva rdds di fregna wird ganz eigentlich 
sein^ die riesen die jedesfalls ausgehea um die ermordung 
SiitUings nnd den raub des 6drerir zu rächen, wenden sich 
2Qr balle des höchsten, um zu erfahren, wer und wo der 
Vermdntliche Bölverk (der ubelthäter) sei, oder ob er zu- 
gleich mit Suttung gefallen sei^ vielleicht auch schon mit 
jiboung des richtigen: rathgeber oder berather war ein götr 
temame .(r^^^). — med böndoin, neben. dieser bezeichnung 
für die götter hat SnorraEdda s. 176 auch höpt, eigentlich 
fefsel, kvemig ero nöjh godanna? pau heitd band , , . ok 
kdpt, 

'lll- der batig -eidy ringeid, war jedesfalls der reini- 
mgüngseid, womit sich Odinn, etwa seine angenommene smi- 
dere rolle vorschiebend, lossagte; das hiefs eid vinna auch 
in derVigagl. c. 24. wer spricht aber diese letzte Strophe? 
etwa die riesen selbst? 



424 ZU HAVAMAL. 

DIE RATHSCHLÄ6E AN LODDPAFNIR 

(112 — 140). 

DaB Lodd&fnirsmäl war sicher ein selbständiges sprtcli- 
gedieht und nicht ursprünglieh mit HivamAl verbittdeBt da 
es sich dnrch die nene einkleidong, die Versetzung an den 
Urdarbmnnen, wie durch die besondere form, die einseklie- 
fsang eines kehrverses, absondert, nnd nun zusammenhaiig- 
los .aneinander gereihte regeln enthält, die zum groben tbeü 
im Hävamil schon enthalten sind. 

112. der sprechende ist Loddfafnir selbst^ eine. iibrigiBiS 
tmbekannte, vielleicht mythische person; seine Weisheit slamt 
aus .Odins halle; was er da nnd am Urdarbrannensehweir 
gend hörte, vermutlich von Odinn. selbst, das theilft er juu, 
zum rednersitze gekommen, den um ihn her lanseheadeä so- 
bore» init and wegen dieser einkleidang braaehi mui im 
Loddfafnir noch nicht mehr als menschliches ansehen bcisir 
legen ; ein gewöhnlicher götterverehrer konnte noch 861 su 
Ansgars Zeiten seiner rede vor dem schwedisehen yolke* ge- 
gen die annähme des christenthums ^u gründe legen, er hsr 
be sie in der Versammlung der götter des land^ gebort, nai 
sei von ihnen damit ans volk beauftragt, Rimbertus vita Ansg. 
ۥ 23. jeder der sagen oder gedichte sprechen konnte, hai 
überall auf den höfen der könige wie der bonden gute gas^ 
liehe aufnähme; war nach vollbrachtem tagwerke die Cuni* 
lie um das feuer oder die lampe versammelt, so begann der 
angekommene oder der heimische sprechet (ßulr).ywk dem 
ihm in der mitte hingestellten höheren sefsel herab aeinei 
vertrag, so schildert die isländischen abende noch jet|;tHea- 
dersens reise nach Isl. 1, 384 und die wandernden, gesehiobts- 
erzähler s. 385. mal er at.pylia ist formelhaft, wie mH 
er at segja Sn. Edda s. 212 R. Urdarbrunni ai inMiU 
ich nicht so erblafsen sehen dafs es so viel wäre als unM 
freiem himmel, indem bruimt den äther bezeichne (FinnM.), 
denn sonst würde wegfallen da£s der sppedier seine weis* 
heit vom quell aller Weisheit bei den göttern hätte, der 
brunnen Urdbs, der vorzüglichsten der nomen, sprudelnd bei 
der himmlischen wurzel der weltesche, ist die Stätte wohin 
die alten götter und nornen gericht zn halten reiten, dag 



zu HAVAMAL. 4M 

kvem, er peir dämm fara at aski Yggdranb Giima. SO 
(woraa auch mdl hier und döma 113 erinnerl), ihre spräche 
sind Weisheit Grimm d. myth« 460. — für sa ek haben xwei 
alte haodschriften sat ekf nur leichter. 

113« irinar hier wohl nicht geheimnisse im allg^neinen, 
wnißm Ton eigentlichen zauberbuchstaben su . verstehea« 
denn es folgt risting, das von einschneiden der mnea stets 
gebnauohte wort (paer runar^ er reist pin systir Edda 2, 422). 
da am hier nur räthe folgen, so könnte man Yermaten dafs 
das . ursprünglich selbständige LoddfafnirmAl aneh ein mneor 
lied nmfafst habe, welches hier wegblieb weil man ein an^ 
dereä anxafiigen vorzog. 

114. den namen Loddfafnir^ wofür nach der parga* 
Maaths. nnd L Loddfabnir herzustellen ist, erklärt der nber- 
aetzer dnrch *haeres', Finn Magnussen durch 'jüngling dein 
'der hart sprofs)/ mit berufung auf da» lex. myth., wo aber 
aia artikel daröber vergebens gesucht wird, er schmttt bei 
dem ersten worttheU an lodinn (haarig, rauh) gedacht> sa 
'haben; aber was sagt der zweite aus? er ist ofifetfhar der» 
seilte als der name des in drachengestalt gebannten xiesen, 
dea Sigordr erschlug, denn für Fafiiir steht auch FaMr; 
deaaen bedeutnng ist aber ebeqfalls noch •dunkel«'*' "**- per 
wumo g6d sc. vera, oder soll man sagen, die verba maus 
aAa^ waren noch so voll dafs sie das sein einschlofsen? 

* 115« Warnung vor zauberfrauen, doch bestimmter als 
Bvyab. 1, 20 und 27. fornald. 1, 171. die valan, spikonar, 
ellbaarnd sehmeichlerisch, aber ihr Umgang ist gefKhrlioh; ein 
beispiel in der Odd. sage. 

116. dieses vergefsenmachen aller männerbescbätiguag 
a. s.^ w., was hierauf die fiolkkunnigir allein beschränkt wird« 
(üellt die Brynhild fornald. 1, 171 als die art aller schönen 
ÜDaaen hin ; Brynh. 1, 28 wird nur vor dem glänz der Schönheit 
gewarnt.' die zweite vershälfte gibt weitere mögliche folgen 
der bezauberung in der liebe ; daher ist manxkie* gaman wf)- 
dcär allgemein hominis gaudium noch (von mann und jungfirau) 
madchenliebesgenufsj der schlecht hierher passen würde, son- 
dern ' 'dafs du keinerlei männerfreude willst' d. h. kämpfen 
ü» &• w., mag man nun mannxkü lesen oder das hier.st^ 
*. «Bter den beseiehsangeB für schwert steht tM Sa. Sdda s. J^tS. 



426 ZU HAVAMAL. 

htode daffir annehmen, eine hs. (L) bat äueh mannkü, was 
später QByerwerfliefa war, mit nur einmaliger flexiott. die 
doppelte negatioB hat in keinem älteren germanischen dit- 
jecte etwas aaRallendes. 

117. denn man hat beispiele dafs männer blofs um ver- 
traoliches gespräches willen das sie mit andrer firauen fähr- 
ten getödtet wurden. Yigagl. c. 21« 

118. /dstu zusammengezogen aus Jäz (versieh dick, 
fong dir) pu; regel wie 33, mehr wie £dda 2, 165 oi €i 
mmrgni mettr: pviat ösynt er, hvar at aptrd känür^ .deutsek 
bei hrot ist gut wandern. 

119. lafs den unfall den feind nicht wifsen^ so auch in 
laiendoctrinal. 

120. das verderbenbringende der werte äbler franes, 
wird im zweiten verstheile insonderheit auf verieumdniig k- 
zogen; manchem mann ward eine zunge lebensgefiihrlicb, 
die doch nicht um ein wahres verbrechen sich erhob; das 
allgemeine Sprichwort lautete opt stendr illt af tau keemm 
Isl. 2, 172. 

121. der zweite satz sagt aus, was sich von selbl5tTe^ 
steht, dafs der nicht betretene weg vergrast, ist daher auf 
das Verhältnis zum fireunde selbst zu übersetzen, audraa- 
dere Sprichwörter stellen einen alten weg und einen gntea 
alten freund zusammen, nemo viam veterem vel amiei spet- 
not amorem aus dem 12n jh. angeführt und mit .nadiwo^ 
snng im deutschen versehen altd. bll. 1, 11. — trej/dr steht 
fBr das gewöhnliche treär von troda, als ^e es ein^trMtf. 

122. gegensätzlich zu 117; nur mit guten männem m 
Tertraut. das wird viel in deutschen Sprüchen aosgäfohrt, 
etwas allgemeiner laiend. 59 we wont med wulven^ miot. mU 
en k^len; de appel wil gerne fulen^ de by forroteden tf- 
feien Rgt. — die empfohlenen heilsprüche mögen sich Uer 
auf solche beziehen mit denen man sich gegen übeles äu- 
ge und übele rede, besprechen der leute^ oder auch gegen 
krankheiten schützte« 

123« brich nicht mit dem freunde so viel an dir- ist; 
weitläufiger und mit einschliefsung des nachgebens laiend. 41. 
als grund folgt hier wieder ein allgemeinerer spruch von al- 
les theilender freundschaft, ohne ^die sich das 'herz in sorge 



zu HAVAMAL. . 4S7 

verzehrt; ähnlich der deutsche Cato 353 ff. dinen Morgen gr6^. 
sen soliä.vreude underst6»en : tuosiu dax^ s6 verireit dm 
muot vü unglich arbeit, dazu stimmt auch das zu str. 47 aus 
dem laieud. angeführte wort. 

124. (nräom skipta wohl nicht Wortwechsel als streit, 
wiewohl ein solcher rath sonst gegeben wird, Brynh. 1,24, 
sondern allgemein gar nicht ins gespräch eingehen mit dem 
narrea; wie z. b. bei Brant ausgeführt wird, weil weder 
ihm ein nutzen noch dem sprechenden ehre daraus erwach* 
sen. kann, auch im Spiegel der tugend heifst es mit die tum^ 
ben, swä sie gSn, swar sie sitzen oder stän (altd. blh 1, 99 f.)* 

125. stimmt als grund nicht so zum abrathen vom Um- 
gang mit dem thoren (124) als zur aufforderung. mit guten 
umiagehen. wäre also wohl die Strophe versprengt? zu 122 
ist sie freilich auch nicht ganz gerecht, gut flöfse alles, wenn 
man unter osvinna apa den üblen mitverstehen ^könnte; 
doch da sich schwerlich diese im hebräischen vorhandepe ge* 
daokenverbindung für das nordische nachweisen läfst, sawijrd 
der Sprung nicht wegzubringen sein. 

126. knüpft an 123 an; der ist nicht freund dem an- 
dern, er vilt eitt segir, entweder Der nur das mittheilt was 
ihm selbst angenehmes begegnet oder im sinne liegt, in der 
absieht mit dem schmerzlichen den andern zu schonen. — 
wogegen auch das volk immer sich erklärt, z. b. aus dem 
mnnde des Wandsbecker boten 2, 8 — oder. Der nur das 
was dem andern angenehm sein kann entdeckt, nicht dessen 
fehler oder unrecht; in diesem sinne redet viel, Brant |iar- 
renaoh« s. 166; Frank 1, 64^, wahrer freund soll igelshaut 
haben i, 112". dann entstünde auch ein Zusammenhang in 
der Strophe: nichts übleres als uns tat (brigdöm angezogen 
von betra wie im lat.) zu sein; gibt dir der andere durch 
beleidigung oder sonstiges unrecht dazu anlafs, so gehört es 
zur freundschafl das durchzusprechen, durch rüge auszu- 
scheiden. 

127. primr ordom senna — per vidverra mann. — ßer ge- 
hört zu verra *mit drei werten hadern sollst du nicht mit 
einem mann, der unwerther ist als du oder der dir zu schlecht 
ist'; darauf genügte vollkommen *" oft kommt (in solchem fiilie) 
der befsere in nachtheil,' und so ist die über das gewöhn- 



428 ZU HAVAMAL. 

Hebe mafs der gliederzahl scbreitende letzte zeile pA et um 
verri vegr wohl der anflickung dureh einen redseligen ^olr 
sehr Terdäehtig. 

128. skö'Stniär enthält keine gewaltsame übertnguig, 
im nordischen ist smida jedes bearbeiten aus roben Stoffen, 
sei es holz leder stein oder eisen, anch im ahd. ist fab- 
mäth blofs tibelthäter, nnd noch jetzt heifst es aucfc gM 
sehmid nnd pfeifenschmid. deutlich setzt dieser rath »- 
stände rorans wo handwerke sich nicht verbreitet haben, 
aber gerade das führt eben nicht nothwendig auf hohes li- 
ier \ noch jetzt sind in Norwegen gegenden zii fiqden ws 
die hofbesitzer Schuhwerk wie sonstigen bedarf von gerftth- 
Schäften selbst anfertigen. — der angeführte grnnd abor liigt 
die Jhrbe ältester sorge, nur für sich selbst, möglieh indcM 
dafs mit der zeit der spruch sich etwa dahin entfärbte, Den 
andern ist schwer recht zu machen was er am nätfaigstoa 
brancht; lafs dich davon ihm einen dienst zu thun-der.lmlrt 
von ihm selbst verrichtet werden, dir aber übel -ansseUagoa 
kann: 'wer nicht nndank leiden kann, sei der weit ein «s* 
nutzer mann' und wie er später ausgebildet wird, jmoi «ei 
feA, mancher hab das glück, trüg er semen femd 40^ im 
rüek b\ß hin gen Rom ein weiten gang, se verdient er 
dock kernen danck, wenn er ihn mit eim teert veHetsst eit 
am iker unsanfft niedersetzt Froschm. 204 i;nd 547* 

129. mitleid habe mit jedem, aber den feinden bis kei- 
nen firieden — sonst übermannen sie dich, der «rste WfnA 
anch deutsch altd. bll. 1, 96. 

IM. lAt per at gddo getit Finn Magnussen * cvm it 
bonum tibi placeat,' im strengen gegensatze wis vr6 steeam 
ieman geschä wol altd. bll. 1, 96$ das sollte wol der sias 
sein; aber kann geta gefallen heifsen? drei papierhsa. h^i 
in den Variationen ßin statt /er; das wäre einfatdi *BUMke 
dafs man dein im guten gedenkt,' wie in der Svarfd. ok vaeri 
min sidan getit at nokkru, da wäre doch eini^ermafsen voa 
mir gesprochen worden, Isl. sog. 2, 121 • danach konnte man 
das schwierigere, gewifs richtigere, per so eridären, 'lab 
4ir es (das üble, welches, wenn du es hörst, dich nicht cor 
Schadenfreude reizen soll) zum guten gesagt sein, also dab 
es ein reiz zur hilfe wird, oder, wenn rem anderer mängebi 



zu HAVAHAL. «» 

die rede ist, dafs da stau dessen ihrer zum guten, ihrer gu- 
tes Seiten, gedenkst, wie gedenke nienutns »e arge altd. -bU. 

1, 99. der deutsche Cato 357 ff. sagt geradezu eine» at^ 
dem rede und -müseidt, diu dich niht s^e im gdt, Id dir 
wal gefallen, s6 üebestu dich in allen 357 ff. 

131. 'aufechauen sollst du nicht im kämpfe, gialti gU- 
kir verda gumna synir, dem eher gleich werden die men- 

(die das thun; man muTs ein sonst hinzuse;- 
I, wie Str. 33), d. h. sie nehmen feig die flucht, so.Finn 
Migoassen mit berufiing auf Yatusd. s. 107«. sonst furchtet 
luui sich aber auch wohl vor dem thiere, namentlich der 
zeehtSAU Isl. 2, 203. 4. siA* pitt um heilli haar scheint ein 
nener grund zu sein gegen das aufschauen; ist heillt fL 
eenj. Ton heiUa verhexen, durch zauber wegbringen, so ver^ 
langt man allerdings was Finn Magnussen vorschlagt, ßik, 
*detto weniger möchten dich die leute berücken $* beber aber 
denkt man wohl ein mdl zu pitt, deine sache. über die^ be- 
hexiiBg durch ansehen mit übelm äuge Grimm d. myth. 624 f., 
wo auch ein amulet genannt ist; hier würde dem kämptlG^ 
sehon das nichthinsehen dagegen genügen, heilla ist ablei- 
tug von heill Vorzeichen, wohl auch mittel, wodurch von 
anfuiig an der ausschlag bedingt wird; solche bedeutuags- 
volle zufiUle für das unternehmen eines kampfes werden Edda 

2, 163 angezahlt; zu den göd heill gehört einen raben beim 
aafgehen zu sehen, einen wolf heulen zu hören, zu den 
Übeln (t=z/är)y mit dem fufse anzustofseuf da, heifst es 
Sic. 24, * stehen *ünglücks disen dir an jeder seite und wiil- 
lendieh' verwundet sehen.' ist da etwa das sehen auch als 
bewürken . gedacht ? 

. . 132. fogro skaldu heita, verheifsen wird mit dem dat. 
verbunden; die regel ist also nicht 'lobe ihre sebluibeit,'' 
wie sonst, sondern 'versprich ihr etwas hübsches, ok lata 
(neht läi-a, sondern inf. von skaldu abhängig), und erfülle 
es dann, lafs es wahr werden.' — leidiz mangi gott tf 
getr, nimmt man mangi =: homo non, so wird der spmob 
so allgemein wie 39, 1 ; es kann aber auch <= virgo non 
sein. * - ' ■ 

133. von den drei rathschlägen war der erste schon 11. 
31. 32 da, der andere 117. 



430 ZD HAVAMAL. 

134 • anch dies mag sprichwörtlich gewesen* sein, ^den 
fahrenden unbekannten nicht zum besten zu haben ^ lioär- 
*Kgt bragd, at spotta ukunna menn heifst «s Vigagl. e. 3. 
deutsch nur noch halb in dem Spruche wüsU mamek mtm, 
wer manch man war manch mann erböte manch ma$m ehr 
Escbenb. denkm. 425. 

135. die erste vershälfte hat Finn Magnussen mit recht 
ans dem rande der hs. L aufgenommen, sollte sie anek eiae 
spätere wendung des stärker und bestimmter geforsten spncks 
der zweiten sein, die daraus fliefsenden regeln, hier dem ho- 
rer überiafsen, dürften sehr firuchtbar sein ; sicher waren sie 
schon dem alterthum die der mäfsigung und des yerUraga». 
Freidank hat den spruch unter der aufschrift von erimU- 
nüse 120, 17 f. nieman üt so vollekomen . . . , und nach fi^ 
Ita unbegreiflichen dingen zuletzt ich sihe wal eines andam 
nacy den minen ich niht gesehen mac, ez gewan m&*mtai 
s6 herten muot, er geteete doch etswenne guof 136, 5—7. 
derartige spräche auch bei Frank. 1, 90, es ist memand on 
foU, wer kein tauben hat, der hat mucken, mii einem in- 
dem bilde selten man ein haupt e7*ßnd an dem nicht auch 
ein grOndlein stund Ringw. 1. W..302. dunkel ist,, welches 
bild in galli (fehler) liegt ; Finn Afagnnssen denkt an gill a. 
falle ; dasdeutsche dne gälte, was dem reh, der taobe n^ s.w. 
beigelegt wird, liefse sich dafür anführen, aus dem gebm- 
ehe des Wortes Solarl. str. 26 läfst sich nichts entnehMeo. 

136. or skörpom belg, aus rauher, r unzlicher faant ye^ 
ständige werte, scheint älteste form des torher bildlos ge- 
gebenen Spruchs ; der sich gerade so angewendet fbnim*- 3, 
07 findet, die zeilen ße?m er hangir . . . vilmögom verra- 
then einen Sprecher der die gelegenheit ergriff durch aas- 
mahlen zum lächeln zu bringen. 

137. peir muno • . . lesa, ein zusatz, der, da er oSbi- 
bar aus dem gegensatze am ende von 138 entstanden ist, 
auf dem rande hätte stehen bleiben sollen, aus dem er hier 
eingeführt ist. 

138. *^fest ist der riegel der allen aufeuschlieüsen los- 
gehän^ werden soll,' nach Finn Magnussen ''sehr reieb 
mufs der sein, der alle einlafsen will; bist du es nicht, so 
gieb einen scherf.' — möglich scheiat attch der. sinn 'es 



zu HAVAMAL. 481 

gibt, sieh keioer arm, sicher und wohlhabend wird gerade 
der milde. 

139. die klammern haben schon die papierhss.^ gewiss 
sehr, mit .recht, ' die Wiederholungen sucht Finn Magnussen 
wegen der darin sich aussprechenden gesinnung des lehren- 
den und des .reichthums an Wendungen zu retten, sicher 
aber wurden sie nicht im rathe der götter gesprochen (113); 
das alterthum hält nichts vom wortkitzel, am wenigsten 4as 
BOfdische. 

-. 140. -da 13d mit Wiederholung des anfongssprnches of- 
fenbar abgesefalofscn hat, so kann diese Strophe nur als üheiv 
gan^ zum mnenliede angesehen werden, sie enthält abet 
gewiss alte spriiche von den geheimsten heilkräften der.ele- 
nentarischen dinge und ihrer haupterzeugnisse. , dafa erde 
feaer eiche ähre mond helfen, das beruht auf der heiligkeit 
dieser .dinge ; aiich das körn wurde so angeisehen, Grimm d. 
niyth..646. was die erde hier thun soll, den rausch yerbu- 
ienoder vertreiben, das schrieben auch die Deutschen bidd 
steinen bald kräutern zu; in dem Verzeichnis solcher mittel 
bei Frank 1, 30^ kommt aber die blofse erde nicht vor, wäh« 
rend der glaube an die wunderbare stärke die sie mitthei- 
len oder erneuern könne allgemein ist. die heilung die dem 
feuer femer beigelegt wird bezieht sich« nicht auf Anwen- 
dung des ausbrennens bei äufserlichea schaden, sondern auf 
den gebrauch heiliges unmittelbar durch reiben von hölzern 
der natur abgewonnenes feuers gegen krankhciten und Seu- 
chen, wie auch in Deutschland noch im 17n jh. das vieb 
bei Seuchen durch solches wildes feuer, nolhfeuer, hindurch 
getrieben wurde, d. myth. 342 ff. zum anreiben dieses mn- 
ste eichenholz genommen werden; die eiche, ein heiliger 
banm, wurde auch in Deutschland gegen schaden angewen- 
det, d.myth. abergl. n» 877, von verwundeten aufgesucht 
ebend. s. 45; auch krankes vieh liefs man idiyrch.eine ge- 
spaltene junge eiche gehen, abergl. n^ 923; ihre anwendung 
gegen leibverhärtung, wie hier, beruhte sicher auch' nur auf 
dem Volksglauben, die schutzkraft der kornähre gegen Zau- 
berei gilt ähnlich auch in Deutschland; am gewöhnlichsten 
werden, zwar als solche bewahrungsmittel neben dem körn 
oder brot das salz und .die kohlen genannt, d. myth. 634> 



4» ZU HAVAHAL. 

abergl. n^ 564« 71 S^ 760, doch itandm auch in anMhen er> 
sie kornblöten, und drei Strohhalme abergl. n<^ 652. 646; 
sehwed. n^ 125 f. 150* ob die holl, die halle die gegen ge- 
siBdestreit angesprochen werden soll, sich anf hanageister 
bezieht ? ein grüfsen, anrufen wenigstens des mondes wird 
ausdrücklich veriangt zur abwendung von zomeswut, woi 
dies weist auf den auch sonst vom mond erwarteten giflcks* 
Kuflufs z. b. abergl. n^'SOl d. myth. 401 • — beüivid tu- 
sSiimn beziehe ich nicht mehr zn queA'a; denn aehweriiek 
würde eiti thieij;, welches durch bifs siechtham hmrorge* 
bracht hat gegrSfst worden sein, sondern denke mir ein aek- 
men oder wählen dazu, wie am anfiing und- sohlnb der stfo- 
phe, so dafs der bis auf diesen tag überall im volke vorhan- 
dene glaube zu gründe Tage, die bifswunde heile dnreh auf- 
l^^g namentlich auch von blut oder haar des bUsigen thien. 
Ton Mnmer dem arzt erhält Reinecke gegen handsbifk. bundt- 
Unt unter andern mittein z. b. Froschm. (1683) s. 219; 
Kundshaar wird angewendet 229 ; gegen wolfsbifa wolfshaut, 
auf skorpionenbifs skorpionenöl 228. 
MARBURG. DIETRICH. 



BEITRAGE ZUR DEUTSCHEN HAÜXD- 

SCHRIFTENKUNDE« 

VON PROF. DR REÜSS IN WÜRZBURG. 
ERSTE LIEFERUNG. 



Fapierhandsckriß des 15» jakrhmdertiy vfm .178 blL in 
JbL, zweispaltig mit 31 — 38 verszeüen und rothen tnäk- 
leftf im besitze seiner durchlauckt, des kerm. Jtlrsten m 
LSwenstein - fVertheim - Freudenberg $ar Klei^heubach ; 
enthält 
1 bl: 3* bis 65*. Strickers Daniel n^n BiumenthaL 
ahßmg IVer gern alles daz vernympt • 
Daz gnten Inten wol gezimpt 
Der wirt es selten one mott 
/ Untz er Aet werck ain taH gdnt . 



DBirrSGHB HANDSGHRIFTKN. 4U 

Wer aber den Worten ist gehalz 

Der ist ze den wercken dicke lafz 

ITon bisenze maister albrich 

Der brachte ain rede an mich 

Ufz walscber zungen 

Die hon ich des bezwungen 

Daz man si in tiutschen vemiempt 

Wann kurtzwyle gezymet 

Nieman der enschelte mich 

Log er mir so luge ach ich 

Sunst hebt sich difz mare 

Hie will der strickhere 

Mitt Worten ziehen sin kunst 

Unt haut des gerne iuwer gunst u. s. w. 
chbfft Daniel hätte firöde sit 

Alle tage mitt hochgezit 

Ze cluse in sinem lande 

Sin leben stund ane schände 

Do in do selten vlehen 

Den lech er die selben slehen 

Die Jn der kunig leb der da lag 

Daz sl turrnierten allen tag 

Darzu lech er in me 

Das sie es bas tetten danne e 

Do behielten si sinea willen an 

Es ward nie kain Man 

Dem gott hette gegeben 

Ze dirre weite ain besser leben 

Als er untz an sin ende 

Ane alle missewende 

Mit eren vollebrachte 

Dauuon man sin gedachte 

Ze den besten do und ymer sit 

Danon ward sin lob so witt 

nfun mnfz ich der rede gedagen 

Das ich dauuon hortte sagen 

Daz band jr alles vernomen 

Gott lausse uns sin riche komen. 
14&4. Amen. 
. F. D. A. III. 28 



434 DBDTSCHE HANDSCHRIFTEN. 



vergL Hagens undBüschings liter, grundri/s 144—149. 

2 ÖL 66* bis 70^. die unschuldige königin von Frank- 

reich, 
atffang Vom kunig von franckrjrch 

Die geschrift sagt uns waz geschach 
Daz man in hohen em sach 
Von franckrich ainen kunig gut 
Der was vor schänden wol behnt 
Und der hett ain frowe minneclich 
Wie die ward verratten jaemerlich u. s. w. 
schl9(fs Hie mit die rede ain ende niempt 
Von dem kunig von hoher art 
Ain grosser hof geruffet ward 
Ze dienst dem zarten edehi bilde 
Die er do in dem gewilde 
So erlichen bette funden 
Wir sund zu disen stunden 
Die rede nun hie lassen beliben 
Und gedencken allezit guter rainer wiben 
Die sich der schänden band erwert 
Wem gott der aine hat beschert 
Dem kau nit misselingen 
An kainen gutten dingen 
Gott mit siner götlicben crafft 
Die sällig frowe sighaffl macht 
Her durch diu hailig trinitat 
Und. durch diu höchsten Raul 
Und durch diu wirde maria diu muter 
Hilff uns herre vil gutter 
Vor allen bösen valschen zungen 
Daz uns hie und dort muFz lingen 
Und durch diu heilig fünf wunden rot 
Hilff uns hie und dort usz aller not 
Und vor allen schantlicfaen dingen 
Got wolle daz uns wol muge gelingen. 
AMEN. 

vergl. Graffs DiutUka 3, 378^. altd. blätter 2, 95. 

3 hl. 75' — 174. geschickte der Areuzziige, in prosa. 
an/mg Dem fursichtigen herren graue rfiprecbten ze flan- 



DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 4S5 

dern und allen fursten cristenlichs gloubens und 
liebhabemn Entbutt der kaiser von Constantino- 
pel hail und frid u^ s. w. 
Schliffs In der ere gottes und mitt siner hilff und erten 
do furbafs das haiUig grab mit mangerlay gottes 
dienst tag und nacbt. 1465. 



Papierhandschrifi des \.^n jahrhunderiSy 264 zweispaltig' 
beschriebene folioblätter mit 31 — 33 Zeilen und rothen 
initialen enthaltend, tm besitze des herm prof. dr H. 
Müller zu fVürzburg. die hs,, welche zu anfang und 
ende sowie in der mitte defect ist, enthält eine cyclische 
prosaische bearbeitung der sagen von der tqfelrunde. 
(vergL Hagens und BUschings grundr. s. 156) und be- 
ginnt 

— wapin brengen. unde do er gewapint wart do bing 
er den scbilt an synen hals, und saz uff sin ros unde scbeit 
von dannen. unde befal die brudere unrserm herren gode. 
und ywan was gewapnit unde waz uff sin pert gesessen und 
«aide er wulde galahat gesellescha£Ft dun. unde er antworde 
das is nyt mochte sin. das er dar zu keyner geselleschaft 
nit in dorffte. wann dysen knecht. unde also scheyd eyner 
von dem andern unde iegelicher reit sinen weg. unde berr 
ywan reit in den walt u. s. w^ 

schlufs Do leiffen ir beider helffer dar, unde iegelich 
solde syme herren uff helffen von deme andern do erholten 
sich carados lüde als vil. daz sie eliader namen myt ge- 
walt. unde zugen yme den heim uz« wan sie funden in 
daz yme die sele itzunt zu deme Übe was uz gescheiden — 



Papierhandschrift des \6n jahrh., mit 433 zweispaltig be- 
schriebenen folioblättem und 126 coiorierten feder zeich- 
nungeri, zu anfange und in der mitte deftct, aus dem 
benedictinerkloster Schwarzach in die königl. Universi- 
tätsbibliothek zu Wilrzburg eingewandert, enthält Kon- 
rads von ff^ürzburg Trojerkrieg. 

28* 



436 DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 

af^fang Kin koning was zu troye 

Den twanc der lugende boie 

Das er do noch hoher wnrdikeii vacbt 

Uff ere leit er sine macht 

Das er die vöUeclichen stritte 

Er was rieh und wolgesitte 

Gewaltig mylte und eilen thafft 

Ouch diente siner mayeu cralTt 

Und siner hende manig laut 

Gluck hat uff in gewant 

Vil hoher wurdikeit alsus 

Er was geheissen pryamus u. a. tv. . 
schlufs Ich bit ouch fliszclich alle die 

Difz buch gelesen jemer hie 

Das SU die kusch maget Rein 

Maria bitten alle gemein 

Das SU erbarmehertzclich 

Über disen schriber erbaremet sich 

Obe ich icht von frowen geschriben han 

Das villicht ist myssetan 

Das mir doch ist leit 

Wie wol es mir ist vor geseit 

Man sol frowen nit se vil schelten 

Wan man mag sin wol engelten 

Darumbe ich doch von hertzen ger 

Wie wol ich geschriben han die mer 

Das mir volge erbarmherzkeit 

Wan mir in truwen ist so leit 

Was von frowen unheil uff stunt 

Das ist den luten worden kunt 

Das uns die muter aller barmhertzkeit 

Alles nyder hat geleit 

Und uns ouch gnode werbe so 

An yrme gemynten sune fro 

Das er die ewige froyde mir 

Zu myssewende gunne dort mit ir. Amen. 
die handschrift ^^^de von herrn . dr Frommann aus Robwrg 
zu semer neuen ausgäbe des Trojanerkrieges bereits ver- 
glichen, 

\ 



OBUTSGRB HANDSGHRIFTBN. m 

4 

Papierhandschriß des i5n jahrk. mit 248 foliohlättem und 
colorierten federzeichnungen^ zweispaltig beschrieben, in 
der königL Universitätsbibliothek zu fVürzburg; enthält 
Kanrads von Megenberg buch der natur. 



P^itrhandsckriß des 15» jahrh.^ 154 guartblätter, vor- 
mals in der cistercienserabtei, jetzt in der förstlich Lö- 
wenstein-fFertheim-Freudenbergischen bibliothek zuBnnm- 
baehf enthält 
{ bl. Z — 9 Ein schoen aue maria daria dij gebereria go- 
tes vil historien der heiigen scbriffl geleicht wird. 
Ave. Ich grüss dich iunckfrawe reyn 

Aufz ganczem faerczen ich dafz mein 
Versmech mich armen sunder nicht 
Wenn ich vor sunde meyn angesicht 
Gen got dem herrn ait wenden dar 
Defz nym du edele iunckfrawe war u.s.w. 
l bL 10 — 20 Hye hebet sich an gar ein schon rede von 

dem leyden cristi Jesu« 
\ bL 21 •— 35 Hye hebet sich an der geystliche Cremer. 
l bL 35 — 84 Allhie hebt sich an gar eyn schon hystorien 

von eynem prediger, wye der zw eynem 
heyligen bescheulichen leben kam u.s.w. 
i bL 84 — 153 Hie hebet sich an der franckforter und seczt 

gar hoche und gar schön dingk von eynem 
volkomen leben« 
chliifsschri/i Dyfes buchlein hat der almechtig ewig got 
[uTsgesprochen durch eynen weysen verstandigen menschen, 
Icr do vor zeyten gewest ist eyn deutzser herr eyn pric- 
iter und eyn custos yn der deutzsen herrn haufs zu franck- 
ürt und leret gar manchen lieblichen unterscheide gotlicher 
fvrbeyt.-Hie endet sich der franckforter. 1497. 



Papierhandschriß des Ibnjahrh.y 21i /olioblätter, zweispal- 
tig beschrieben, mt 40— '45 zei^ und rothen und bläuen 



438 DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 

üätialen, in derßlntlich Löwenstem-ff'^ertheim-Rreuden- 
bergischen klosterbiblifithek zu Bronnbach rnffbrnDohrt^ 
enthält eine aus zwanzig biichem bestehende naiurhisUh 
rische encyclopädie. 

anfang Die vorrede difs bachs. Die vorredt des hichs 
von der natar and eygenschafFt der dingk, die gotder hem 
schaff. Als do spricht der grofs lerer der heyden SantPaols 
zu den Romemn u. s. w. 

schli(/s Difs bach ist beschryben worden za lybe vni 
%n natz der sele des wolgebomen and edelen herm berrn 
Jofaannsen Grauen zu wer Ihem. und ist auTs fönff oder seehfs 
lateinischen büchern gezogen in deutsche sprach nit one 
grosse arbeyt. Und in eim sulehen cleynen buch sein be- 
griffen und bescl^ryben das under den lateynischen und ge- 
lerten des gleychen kain funden mög werden wann als der 
meinster des eynen biichs spricht. So bot er an dem sey- 
nen buch xv Jar gesammet und bot kein kosten kein arbeytt 
angesehen, dor noch zu wandernn. In Franckenreicb In 
Engellandt. In deuthsschen landen. Auch in den landen 
über mere und bot aus allen buchern die er finden mocht 
das besste und das nutzte gezogen genomen und jn ein buch 
begriffen und geschryben. Michael baiiman. Conuent Bruder 
zu Branbach. Anno 1478. 



Papierhandschri/t des 15» Jahrhunderts, 385 zweispaltig 
beschriebene foliobläüer stark, in der bibliothek des geist- 
lichen Seminars zu fVttrzburg^ enthält 

1 bl.S^ 242 Summe der beychttiger Johans von Freyberg 

brediger ordens, übersetzt van bruder 
Berchtold, predigerordens. 

% bL 243 — 335 deutsche psatmenversion. 

anfang Beatus vir. Selig ist der man, der nit ab- 
gieng in dem rott der unmilten. und nit stund in den weg 
der sunder. in dem stul der pestilenz nit ensafz u. s. w, 

schlufs Got sey got und ymmer lob gesagt. 

3 bL 336 — 384 prosaische bearbeitung der sieben weisen 



DEUTSGH£ HANDSCHRIPKN. 439 

* 

. meüter (vergL H(^. und Busch, liter. grundr. 
310). am ende fehlen einige blätt^. 

^nfang Hie hebt sich des buches erst oapitel on do 
saget von dem kaysser pronacianus und von seinen sone dem 
jungen Diaclecianns wie er den bencken wolt und sibeq mai- 
steren erlosten in mit irem spruchen und ist mit figuren 
gemolt. 

IBas erst capitel do bittet die. frawe 4ie kayserinne 
iren herren den kayser das er nach irem tode welches weip 
er neme u. s.w. 

Schliffs Do antwort er und sprach Ach alexander ein 
freunt meins lebens wie sol ich mich hutten wan ich dein «-» 

8 

Pi^pierhandschri/i des 15» Jahrhunderts, mit 131 octatiblät" 

tem, früher eigenthum des carthäuserklosters zu Amster^ 

dam, jetzt der königL Universitätsbibliothek in fVUr»- 

bürg: bat spieghel der volcomeaheyt ghehieten berp. ii. 

Of^ang Het is te weten dat tot een volcomen leuen 

le comen : dau men gode alre ghelycste mede mach warden : 

ende in den gheest alre meest vereincht: twe dinghen pvin- 

cipalyck toe noot syn u, s. w. 

sckhffs Kosce te ipsum. Kent. v. seinen. 



Papierhandschrift in folio, 15^ jahrh., 303 blL, in der 
königl. Universitätsbibliothek zu fVürzburg, enthält 

1 £/. 6 — 125* Johannes von mente ville Ritter geboren 

ns Engelaut, merfart, us weliscÜe unde 
latyne in duczsche verwandelt von otho 
von diemeringen eyn dumherr zu Mecze 
u. s, w. 

2 bl. 125^ — 154 vier mittelhochdeutsche gedichte. 
- a. anfang'Wtr druwe gulde mit truwen 

. . Des wolde ich nimmer haben ruwen u. s.w. 
schbifs Ewiclich an underlaz 

Nu wunschent alle mit mir daz. Amen. 



440 9BIITSCH£ HANDSCHRIFTEN. 

b. Mufang JDie alden frommen hant uns geseyt 
Daz tugent ist ein eren cleit ti. i. w. 
Mcklufs^ Habent got für äugen und lobent yn 
Hie mide myn rede sal ende sin. 
c» (tt\fung Difz ist der slafBnde hunt« 

llTer getruwen dinstiuden dinsüich dut 
Mit arbeit und mit fiifzes mut u. s. w> 
99Miffs Ewicliche an endes stnnt -^ - 

Nicht befzers mag nns werden kunt. . 
d. anfang Kyn wort das wart von ober lant 

Mit eyme Engel her abe gesant u. #. v. 
Mchlufs Nu hilff uns got zu frenden ye 

Das werde war in gotis namen. Amen. 
3 bl. 157 — 297 Dis ist die uzrustunge dez herczaagen 

gotfrides von buliion. So hebet hie an 
die vorrede Ruprecbten uff die bistorie 
Gotfrides hirczaugen des vorgenannten. 

10 

« 

Piqrierkanischriß tfon 89 juartbiättem^ mu dem i^njahrh., 
m iet konigL nniversüiUsbibliothek zu fFtirabmrg; eiU' 
hält H. Susos buch der ewigen Weisheit* 

anfang Hie hebet sich an das buchelin das man nen- 
net zn latein eirloyum sapiencie und zu teutsche heiszet elz 
das buche der ewigen wirzheid. 

11 

Pvpierhandsükriß in fmari, aus dem i5it jakrk.^ %5 bll», 
eigenihum der königL universitäUbibUothek zu fFtirz- 
burgs. 

1 bL 2^^— 223 Gesta Romanorum cum applicationibus my- 

sticis. 

2 bl, 248 — 357 episteincyclus des jahres. 

anfang Fratres scientes quia. Bruder ir solmit wis- 
sen das sein nv seyt ist, Das wir auff sten von dem slaSe 
Wan unser heyl nv ncher ist Dan wo wir cfst gelaubten 
u» s, w. 



DEUTSCHE HANDS€HRVTIIN. 441 

schlufs pitet got um uas Das uns werde gegeben das 

himilische li^n. Amen« 

3 bL 358 — 365' ein gedickt van 327 versen. 
anfang Hie hebt sich an der spigel der gatheyt. 
Ich wii von got eyuen spygel 
Do schult ir stylle zu gedagen 
Und mich val rechte mercken 
Ich wil den glauben stercken 
Vor «ynen spigel siunt ein man 
Von dem der spigel ein bild gewän 
Ein stuck her von d^ spigel brach 
Der ijine er ein ander pild saeh 
Aber ein stuck brach her do von 
Das stuck das dritte pild gewann 
Seit manick stuck her do von brach 
Also maniches als er dor ynne saoh 
Der spigel doch sein bild gancz behild 
Das bedeutet got der ie gewilt u, s, w. 

. , 9chbtfs Maria himel kungin 

Los uns in deinen hulden sein 

Behat uns vor der helle pein 

Darch das plut des kindes dein. 

Amen« Explicit speculom deitatis. Ily endet ^skb 

der spigel Der gottbeyt^ et cetera. 

12 

Pergamenthandschriß des \An Jakrh.y 87 zufeispaltig be- 
schriebene folioblätter starke von dem yßüraburgischen 
protonotar und kanzler, mag. Michael de Leone (•{• 1355) 
dem vormaligen collegiatstifte zum neuen münster in 
Wilrzburg geschenkt^ gegenwärtig eigenthum der königL 
Universitätsbibliothek daselbst, enthält 
1 bL 40 — 42. Diz ist. ein mercliche rede von dem laufe 
des romischen richs. und ein.clag von sinen anligden ge- 
brechen. 

Höret unde lazt uch sage. 
Von dem Romschen Riebe eyn clage. 
. Der sag« mich jiibt enwadert. 



442 DEOTSGHB HANDSCHRIFTEN. 

Der Rime sint wol zweihandert 

Und sehs und vierzig und uiht mer 

Da mite wii er daz Ryche er. 

Von karlstat Otte Baldeman. 

Alstts hebt her die Rede an. 

Eya wie wol ich nutzte 

Daz im tichkunst schützte u.s.^w. 
schbfß Davon bekert uch des tut not 

Tut Recht dem Rych daz ist Bria Rot. 

Noch Crist gehurt daz ist war 

Ebin druczebenbundert Jar 

Und in dem. ein und virzigesten |^h 

Dise rede von dem Romischen Rieh 

Und dise derbermeliche clage 

Vil ebin an sente Mychels tage. 
dieses 506 verse enthaltende^ van Otto Büliemann^ aus 
Karlstadt am Maine gebitrtigy pfarrer zu Ostheim in-Franr 
ken, 1341 verfafste didactisch -- politische gedieht ist eine 
freie (Übersetzung des in derselben handschri/l bl. 37 — 39 
aufgezeichneten Ritmaticum quenilosnm' et lamentosudi dicta- 
men de modemis cursibus et defectibus Regni ac Imperii 
Romanorum des Lupoid von ßebenburg, bisehqfs von Bam- 
berg (f 1363). beide dicitungen erschienen im drucke her- 
ausgegeben vom professor J. Jf. Peter, als gymnasiafynh 
gramm, fViirzburg 1842. 4. * 

2 bl. 64 bis 66. Wettstreit der heiägkeit von Klein Hein- 

zelin von Constanz. 
anfrmg Dise red6 getichtet ist 

Von den heiigen Johansen'zwein 
Der ein heizzet Jofaans baplist 
Und ist got del* liebsten ein 
Der ander Johans ewangeKst 
Und bot heintzelin der kldn 
Von Costentz geticht wer ez list 
Der bitt sie fiir uns all gemein 
CfOt herre diu almehtickeit 
On ursprunk und on ende 

* ver^/. Böhmers gesiskichtsqueUm ßeuUehiand» 1, xjixvii. Hpt 



DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 443 

Zu hoch zu tief zu laak zu breit 

Ist sunder misaeweade u. s. w. 
schhf/i Von dez gewalt und dez gebot 

Alle aneuenge kamen 

Dez nam der sie gesegenot 

On ende sprechent Amen. 
vergL Magens museum 2, 30^. Varianten str. 5, 2. niht 
lazzen über drangen. 12, 6. wer niht der werck beginnet. 
44, 4. ich wen und immer tribe. 47, 4. gar sunder arg 
aknste. 49, 6. gar sunder alle twale. 59, 4. dinhalb du 
seit in lazzen. 60, 4. wernt ock ir verrihtet 62, 4.^ alsus 
swwBLi die gezierde. 77, 2. ez sie on not begunnen. 79, 5. 
ebenheuzzen siht. 



13 

Pergamenthandschri/i des lAn Jahrhunderts, 100 guartblät- 

ter fnit auslatifenden zeilen und reihen initialen enthal-^ 

iend, in der königL Universitätsbibliothek »u fFilrzburg 

Oiffbewahrt. deutscher psalter. 

anfang Beatus vir. Selig ist der man der nit abe get 

yn dem rade der unguten und der an dem wege der sundere 

nicbt gestanden ist Up s. w. 

sehlufs Lobet in mit czymboln die wol klingen lobet 
in mit czymbolen der freuden alle geiste lobent unsem berren. 

14 

Pergamenthandschri/i des lin Jahrhunderts, 191 octavblät" 
ter, früher eigenthum des dominicanerklosters in Bamr 
berg. Jetzt im Privatbesitze und zum verkatife ausgebt^ 
ten; enthält bl. 104 — 115 eine althochdeutsche glaubens- 
tmd beichtformel, beide noch ungedruckt, und darauf 
nachstehende ahd. beschreibung des himmels und der holte 
(welche an die kleinen t&hd, gedichte in der helle ist 
michel unrät und In himelriche ein hus stät in Hagens 
Sammlung deutscher minnesinger 2, 376 erinnert)* 
Diu- himilisge gotes bürg diu ne bedarf des sunnen noh 

des manskimen da ze liehtenne. in ire ist der gotes skimo 



444 MCTSCHB HANDSGHfUFTBN . 

der sie aldluhtet in gemeinemo nuzze. daz ist in eben allen 
al -daz sie wellen, da ist dazgotes zorftel. 4er anendige 
tag. der bürge tiure lieht faz. Diu borg ist gestiftet mit 
aller tiuride meist ediler geist gimmoD. der bimel meregriez- 
zon. der bürge fiindamenta. di6 port^ ioh di6 mure daz sint 
di6 tinren steina der gotes fürst helido. nndaz ingehellist 
aller beiligone bere. di^ der tugentUcho in- beiligemq le- 
benne demo boi^kunige ze- varston gezamen. Sid stit in 
qoader werke, daz ist ir ewig stift. nnde «int oueh dar ane 
errekkei alle gotes trat friünt diA dor bant eruuQet du lier 
enaiigeiia in stater tugent regnla. in gelichiaio einmufte. 
Sid ist in iro sträzz^n daz rot lohezoute golt« daz meinet 
daz da uurstisot diu tiure minna über al. der gotdicbe wts- 
tuöm. mit allemo wole wille. Siu Ist in goldes sconi. samo 
daz durh liebte glas, alliu durbscouwig ioh durh lutber. Da 
wizzen al ein anderen unuertoügenlicho di6 himilisgen erben 
dit diA barg buent in durhskonen tngindan. an aller misse- 
tate pfleg. Da ricfaisAt di6 minna mit aller milt firowida. and 
aller tagidone zala mit stdten urasmoode. da uerselet'din 
warheit daz alte gedinge. da nimet diu glouba ende aller ir 
gehei^ze. Danne habet resti der engilo arosank -daz saözze 
gotes wnne lob. did geistliche raeindi. der wndertiüre bimeiit 
stank aller goteswolon. da ist daz zi6riste bere allez in 
ein het. daz dienest ewent sie mit senftemo alizze. Da ist 
des frides stAti aller gnadone ba. Da ist offen Ternuiift aller 
dingo. al gotes toügen. daz ist in allez offen, sie können 
alle liste, in selber wärheite. der ne habent si6 ägez. der 
buge in ne wenket. in ist ein alter, eines ricfares ebenteO. 
Da ist alles guotes aber genaht mit sichermo habenne. der 
dam'ohteste tröst. did meiste sig ^ra. da nist forehtone niebt. 
nichein missehebeda. da ist einmnoti. aller mamminde meist, 
der stilliste last, did sichere rawa. da ist der gotes firidndo 
B&nder gibiüwe. da nist sandone stat, foi^ono wizzede. 
da nist ungesundes niefat heile meist ist der. der nntridwen 
akust ne taret der ni^ht. Da ist did neste weneskaft. aller 
salidtao meist, did miltiste drdtscaft« die kunninglichen era 
daz unerrabliche Ion daz gotes eben erl>e. sin wadigüch 
mitewist. dia lussamiste anesiht. ander siner minnAne gebe 
tii^Bto. ^ Oaz ist 'daz hereste goAt daz der uore geg«raw«t 



OEUTSGH£ HANDSGHRIFTBU. 44» 

ist goies tput friiindeu mit imo ce nieazene ieoMir in ewa. 
Sq iBi 14z bimelricbe eiois teilis getan. ^ 

In dero hello da ist dot ane tode. karol unde iamer. al 
Quhrpuwlda mandunge bresto. beches gerouche. der sterUste 
sveuelstank. uerwazzenlicb genibiie. des todes scategruoba. 
alles truobisales wäga. der uersvelehente loug. di6 wal- 
lenten stredema uiuriner dunste, egilih uinster/ diu lemer 
ewenie brunst, did areissamen dot bant. diii betuungeoiste 
pbragiaa. claga uuoft ane tröst. uu6 ane wolon. iwi^ze 
tue resli* üUer wenigheite not. diu hertiste r&cbat der 
handegosta ursuocb. daz serige elelentduom« alle^ bittere 
meist, kala ane uriste. ungnadone uliz. nppige riiiwa* 
karelich ged6zze. weinlciches ahchizöt alles unlustes zal- 
sam gesturme. forbtone. biba« zanoklaffunga. aller w^skreio 
meist. ' Diu iemer uuerente angest. aller skandigelicb. daz 
scamilicheste offen aller tougenheite. leides tuende, und 
aller uuewigelich. marter unerrablich. mit allem unheile, 
diu ünenuigeliche baranskara. uerdamnunga avereden an al- 
ler barmida. itniugiu ser ane gu6t gedinge.- mniierwanddlU 
lieh, iibel. alles gudtes ateil. diu grimmigiste beriscaft. diu 
niantliche sigenunft. griuelicb gesemine. der uulida unsubrig- 
heit mit allem ununscone. diu tiuualliche änesiht. aller ^gi- 
silicb. alles balez unmez. diu leitliche heima. der helle kar- 
kire. daz ricbiste trisebus alles unwnnes. der hizze abgrun- 
de. umbigebillich fldr. der tiüualo tobeheit. daz ursinnigliche 
zorn. und aller ubelwillo der ist da uerläzen in aller ahtunga 
uliz. und in alla tarabafti der bella erbon ine cites ende 
iemer in ^wa. So ist taz helle riebe einis teiUa. getan. 

15 

ZfjKfei pergament/bltoblätter des lAn Jahrb., stBeispaltig .be- 
schrieben, mit rothen capiieVdberschriften, enthalten brück- 
stücke aus einer deutschen Übersetzung des hohen liedes 
und des buches der iveisheit, 

anfang — yn dy palmen. und wil begreifen yr fruchte. 
Der preutegum sprichet von der praut. Und deyn pruste 
werden als die weyntrauben des weyngartens : und der ruch 
deynes mundes wirt als der ruch der opfel Deyn kele wirt 
als der pest weyn i/.. 5. Wi 



446 DEUTSCHE HANDSCHRIFTEN. 

schhifs Wyr unsynnygen. wenten^ seyu. yr leben ep 
ansyDDikeit: und yr ende an ere wy synt sy donunme ge- 
achtet ander den sunen gotes. und ander den heiligen ist 
ir los Dor — 

16 

Acht pergamentquartblätter des 13» jahrh., vom einbände 
einer theologischen papierhandschri/l der königL univer- 
sitäUbibliothek in fFärzburg abgezogen, leider sehr ver- 
sHlmmelty mit über tausend versen aut dem Barlaam wd 
Josaphat des Rudolf von Ems; sie beginnen 274, 31. iet 
ausgäbe von Köpke, 

Do an die reinin kristinheit 

AI dirre weite muz sin virseit 

Die krist got der gute - 

Mit sinim suzin blute 

Loste von des todis not 

Und an in tote den tot u. s.w. 
und schubsen 

Vur iosaphatin er do gie 

Vur in viel er nf siniv knie 

Sin sunde tet im von herzin we 

Vor dem knnige er Ivte shre 

Wir sin an disin standin 

Mit warheit ubir wundin 

Herze liebir herre min 

Josaphat der sun din 

Des heiligin geistis rat 

In sinim reinim herzin hat 

Got hat an dirre seibin stvnt 

Mit ans giredit durh sinin munt — (329, 10). 



447 



VERSUCH EINER STROPHISCHEN ABTHEl- 

LUNG DES HILDERRANDSLIEDES UND 

DES RRUCHSTÜCKES VOM JÜNGSTEN 

GERICHT. 

r 

Der folgende versuch das Hildebrandslied in Strophen 
von drei und das bruchstUck vom jüngsten gericht in stro' 
pben von vier langzeilen (oder sechs und acht haUversen) 
aizuth^len* bedarf im voraus einer nähern begründang. — 
dqfs die strophische abtheilung bei alliterierenden gedichten 
überhaupt zuläfsig ist, das beweisen schon zur genüge die 
altnordischen gedichte, und es urUrde sich selbst ohne die* 
sen äi{fseren grund annehmen lafsen dqfs auch bei der her- 
schqft des Stabreimes die dichtung in Strophen^ weil sie be* 
sonders sich für dßn gesang eignet^ eben so die ältere und 
einfachere war, dqfs sie erst bei weiterer ausbildung der 
kunst gegen nicht strophische zurücktrat, wie mit recht die 
kurzen reimpaare der mittelhochdeutschen dichter als eine 
auflösung. der früher gewöhnlichen Strophen angesehen wer^ 
den. wenn nun diese außösung der Strophen besonders da- 
durch herbeigeführt wurde dafs die kunstdichter sich be^ 
mühten den sinn aus einem reimpaare in das andere zu 
übertragen, so darf es in dem vorliegenden falle als beweis 
der strophischen dichtung gelten dafs das HildebrandsUed 
eben so wohl wie Muspilli bei der durchgeführten abthei" 
lang durchweg mit dem abschlufs des gesetzes auch einen 
gewissen abschttfs des sinnes erkennen läfsi, vrogegen man 
bei der nicht in Strophen abgefafsten altsächmchen evan- 
gelSenharmonie bald wahrnimmt, wie der dichter geflir 
fsentUch den schltfs des sinnes in die mitte der langzeHe 
zu verlegen sucht, am deutlichsten und atiffälUgsten zeigt 

* die brüder Grimm haben {nach s. 37 ihrer ausgäbe) schon im 
Jahre \%\% versucht das HildebrandsUed in strofthen zu Zerlegen ^ 
es wollte nicht gelingen, weil die lücken desselben damals noch nicht 
so fast bestimmt waren, auch Lachmann stellt in seiner Vorlesung 
die strophische form des gedichtes nicht in abrede. 




448 HILDEBRANDSLIED UISD MUSPILLL 

sich dieser abschlufs des sinnes mit der straphe in dem. HiU 
debrandsliede, wo unter andern der formelhafte vers Hilti- 
brant (Hadubrant) gimahalta u. s. tv. naturgemä/s immer den 
(nifimg einer Strophe bildet; dock wird auch die abikeibmg 
des hruchstückes vom jüngsten gericht nur d^ umicherer 
wo liioken und entstellungen des textes vorkommen* 

An diese bemerkung reiht sich eine zweite, gewöhn- 
lich hat jede Strophe des Hildebrandsliedes und des Mus- 
pilU eine la?igzeile mit drei reimbuchstaben. die Stellung 
derselben in der Strophe scheint gleichgütig xu sein, da 
sie bald im anfange gewöhnlicher in der mitte, bald am 
ende des gesetzes zum Vorschein kommt, im Hildeprasub- 
Hede zeigt sich eine auf diese weise gebaute langzeüe nicki 
Str. 6. 9. 13. 21. in der sechsten Strophe, deren zweite 
Zeile atfffallig ganz ohne alUteration ist, kommen in der 
dritten langseile drei stäbe zum Vorschein, sobald man anti 
OMch als reimwort ansieht, ob in der neunten und in der 
einundzwanzigsten Strophe die zwei überschlagenden reime, 
welche sich aber auch sonst neben den z^len zeigen, die 
drei stäbe vertreten sollen, mufs unentschieden bleiben, * 
im Muspilli haben die vollständigen Strophen iO. iS. 22 
(wo aber in der 2n zeile die, lesart nicht fest steht) 23 (wo 
z. 4 zwei überschlagende reime, z. Z gar keine alUteration 
hat) und 27 keine langzeilen mit drei reimbuchstaben* in- 
dess können diese wenigen ausnahmen die regel doch nicht 
verkennen Iq/sen, und wir dürfen dessen ungeachtet ^die be- 
merkte formelle eigenthümlichkeit als einen zweiten gnmd 
ßir die strophische natur der beiden gedickte hinsteilen. 

Die beiden gefundenen Strophen entsprechen endlieh 
nicht nur den vier- und dreizeiUgen Strophen des edtnordi' 
sehen epischen fomyrdhalag, sondern sie laßen sich auch 
in den kleineren alliterierenden althochdeutschen denkmeüen 
mit Wahrscheinlichkeit nachweisen, das gedieht von den 
Idi» besteht aus einer Strophe von viet* langzeilen, vw 

* sir, 3. 15. 19, vielleicht auch 7, haben je4e eine langseile mit 
zweiy eine zweite mit drei atäben, eine dritte mit zwei übersehlageB- 
den reimen^ eine kunstvolle abwechselungy welche mit der dreitkei' 
Hgkeit der Strophe sehr schon stimmt, str. 2, viellei&ht aueh 8, zeigt 
zwei langzeilen, jede mit drei reimbuchstaben. 



4 



HILDEBRANDSLIED UISD HÜSnMj: 449 

welchen die zweite (sumä Aapt Aeptidun, sumft.Aeri lezidua) 
gleichfalls drei reimbuchstaben hat, das gedieht von Phol 
und fVödan hat acht langzeilen, also zwei vierxeilige stro^ 
phen. die siebenzehn sicher alliterierenden halbverse ,d^s 
ff^esMobrunner gebetes lassen sich dagegen^ wie das Hilden 
brandsliedy in drei dreizeiUge Strophen zerlegen, in jeder 
erscheint auch hier eine langzeile mit drei Stäben. * 

JVir Iqfsen jetzt unsere beiden gedichte strophisch ab- 
getheilt folgen^ indem wir ^dabei die abwdcbungen von 
Wackernagels lesebuch sp. 63 — 68 und 69 — 76 bemerken. 

DAS LIED VON HILDEBRAND UND HADUBRAND. 

1 Ik gih6rta dbat seggen 

dhat sih 2/rh£ttun cenoü muottin 

JTiltibraht enti ^adbubrant untar Aerjim ta£m« 

2 5anufatarung6s ir6 ^aro rihtun, 

^arutun st irö ^udhamun, ^artun sih irfr snert ana, 
j&elid6s, ubar hvingäj d6 si£ t6 der6 Ailtju ritan. 

3 /Tiltibraht gi^Tiahalta: ber was A^röro man^ 
yerabes ^dtöro ; ber ^ägfen gistnont 
J^htm uuartum buuer sin Jkler uuäri 

• nach JFackemagels lesebuch *p. 67 
1 Dat ga/Vegin ih mit /irahim /iriuuizz6 meista, 
dat tfro ni uaas noh ^fhimil, 
noh j>anm nohJieiaig noh pereg ni naas; 

^ Ni « noh suana ni scein, 

noh n^ano ni liahta noh der mareoseo. 
d6 dir nit/t^iht ni «t/as ente6 ni uueuiet^ 

3 Enti d6 uuas der eino almahtico cot, 

manno miltisto; enti dar nnarnn anh manake 

mit inan cootlihh^ geistA 

das folgende, dessen poetische form von IFackemagel bestritten ist^ 
gewährt nach der von den brüdem Grimm ausgeführten abtheihmg 
sechs langzeilen, also zwei Strophen. 

Z. F. D. A. IIL 29 



450 HILOBBRANDSLIBD IIND iftSPfLCK 

4 jPlreö in yblche . . . . 



5 ' eddo haelihhes cnuosles du sis. 

ibu du mi ^nan sagßs, ik mi d6 ddrji uu&t, 
chini in cAunincriche : cAüd ist rai al irmindeot/ 

6 /bdubrabi gimahalta, ^filtibrantes supu, 
*dat sag^iun mi üserd Uuti: 

alik anti frötft, deä <^r hina uuärun; 

7 Dat JTiltibrant Aaetti min fater: ih Aeittu /Tadubrant. 
,/brn her dstar giweit, yiöh her ()taGhres nid, 
hina miti TAeotrihbe, enti siner6 «feganö filu. 

8 Her fur/aet in /ante /uttila sitten 
prüt in öüre, £arn unuuahsan, 
arbeolaosa (her raet (jstair bina) d6l. 

9 Sid I>6trihhe cbrbä gistuontnn 

ykteres ^Tzines, dat uua;s so j^iuntlaos m^n : 
her was Otachre z^mmet tiuri. 

10 I^eganö «/ecbisto was her I^eotrichhe 

[darbä gist6ntun] 

io^olches at ente: imo was ^oj^hta ti leop. 

11 CAud was her . . . chtnntm mannuin. 

ni unänju ih iu lib habb6 . 



(es fehlt zum toentgsten eine Strophe,) 

7, 1 nach diesem lyerse nimmt mit wäkrsckeinlichkeit Laehmann eine 
lüeke an : fehlen drei langzeilen ¥ ' 

'89 3 nach Lachmann, d^t tii^t fT. 

10, 1 nach L. unli D. ^. mit den handschrijt. 3, naeh L, her 
was eo W. mit der handschrift. 



mLDBBRANDSLIBD UND MÜSBIUili 4S> 

12 'Uurtta irmin{*M obana ab hevane : 
dat du n^Q efana halt dinc ai gileitds 
mit SOS sippan maa . . 



1 ^ V* 



•. •. 



IS 27«ant her d6 ar arme laiuntaoft bougdi, 

cAeisnriDgu gitdn, so imo si i^v chnning -gap, 
ffdneö trohtin: 'dat ib dir it nu bi Auldi gibu/ 

14 /fadubrabt gimälta, \fllltibraiites Sana, 
'mit^^u scal man ^eba infäban, 

ort widar orte. dd bist dir, alt^r Hdn, 

15 Ummet spkMr spenis mih . . . 

mit din^m f^ortUD, t/i/ili mih dind st>era.V2if!ll[>im. 
pist als6 gialt^t man, so du ^uuin znauit förtds. 

16 Dat ^ag6tun mi «ftolidantä 

2/2/estar uBar t^entilsao, dat man uuio fornam: 
t6t ist ^Itjbrant, ^eribrantes suno/ 

17 ^Itibraht gimahalta, J^eribrantes suno, 
*unela gisihu ih in din^m bmstim 

dat du Aab6s h^me h^rron göten; 

18 Dat du noh bi desemo riebe reccheo ni uuurti 



\ >• 



{es fehlen mehrere ^ttophen?) 

19 '{/f^elaga nu, i^f^ltant got! uuhnxLWTl ß}^h\{i» , 
ih «^i/alldta ^umard enti uuintr6 sehstic, ' 

dar man mih 6o ^cerita in folc «oeotaptDipd, 

20 So man mir at £urc senigeru £anun ni gifasta: 

nu sc^ mih ^uftsat ohind ^uertu l^^uiiuan, .; :; 
Breton mit ^inu ^illjA ßddo ih iipp ti i^irttu^rdan. 

17. vqr dieser strophe hezeiohnet Lachmatm eine iücke, ' ^ 

29* 




452 HHJ>EBRANDSLIBI> UND 

21 Doh mahl du nn ffodlihho, ibu vr dia eliea taoc, 
in sus A6remo man Arusti giuoiiinan, 

ranba birahanen, ibu du dar 6mc reht hab^s. 

{es fehlt zum wenigsten eine, wahrscheinlich mehrere 
Strophen.) 

22 

'der si dob na orgösto dstarliutA, 

der dir nu tmiges t^i^arnA, nu dib «s so tfnellastit. 

23 Gudea gimeindn nius6 d6 m6tti, 

Auerdar sib derd Aregilö Aiutii Aniomen muotti, 
erdo deserd &runn6QÖ ^Mer6 uualtan/ 

24 D6 laettun s6 ^st askim scritan, 
«carp6n ^cdrim, dat in d6m ^ciltim stönt, 
dö' «t6ptun to samane ^taimbort chludun, 

25 ffeuuun Aarmlicco hmiit sciltft, 

< unti im irö fintün Initilö uuurtun 
gitmigan ni ti tit£«mhnum , 

VOM JÜNGSTEN GERICHT. 
1 



^ 



sin tac piquem^, daz er ^6uujan scal. 

2 Uuanta sär s6 sib diu ^61a in den ^ind arbevit, 
enti si den /ibbamnn ^kan . . . . . /i&z2it, 
so quimit ein heri fona Aimilzungalon, 

daz andar fona pehhe : dar jvägant sin umpi« 

3 iSorg^n mac diu s^Ia unzi diu ^uona argftt^ 
za ttuederemo Aerje si giAalöt uuerdi. 

^, 1 li(ftt sieh ergänzen üfiltibrant gimahalta, ^eribrantes snnu. 



HILDEB|UkNDSLI£D UND MUSPi&LI. 458 

uiuiDU ipu sia daz ^atanazses kiriodi kiauinnil, 
daz /eitit sia sär dar iru /eid nairdit ; 

4 In^iiir enti inyinstri: dazi ist rehto i^irinKh ding, 
upi sia avar kiAalönt di^, di6 dar fona Aimile quemant, 
enti si derö engilö «igan uuirdit, 

di6 pringent sia sär üf ia himU6 rihhi. 

5 Däri ist /ip äno t6d, /iaht äno finstri, 
«elida äna ^orgun ; dar nist n6o man ^uh : 
denne d^r man in /»ardisü pti kinuinnit, 

h&s in Aimile . , dftr quimit imo Ailfa kinuok. 

6 Pidiu ist dürft iTtibbil aller6 mannö uuelibbemö 

. . . daz in es sin muot kispanA, 
daz er Aotes uoiliun Arerno tuo, 

7 Enti Aelia fuir Aarto uuis^, 

pehbes jvina, dar pinüt der satanaz altist 
Aeizzan laue. so mac Auckan za diu, 
^org£n dräto der sich «antigan nueiz. 

8 Uu£ demo in t^instri scal sin6 t^irinä stuen, 
prkkn^n in pehbe ; daz ist rehto /»alnuic dink, 

daz ^T man Aartt ze gote, enti imo Ailfa ni quinui. 
uiAml sih kinädä diu t^i/6naga s£la. 

9 Ni ist in kiAuctin Aimiliskin gote 
(i^nanta hiar in 2/2/erolti after ni i^i/erköta), 

so denne der ^Tiahtigo khuninc daz mahal kipaiJiit: 
dara scal ^eman cAunnd kilihhaz. 

6, H IT. .bezeichnet hier keine lüeke, nimmt He dagegen hinter idspA- 
ni an. 6, 3 fängt auf einem neuen blatte an; e» seheint daher, 

weil die handsehrtft oben und unten verstümmelt ist (vergL Sehmet" 
lers MuspilU s, 9), vorher etwas weggeschnitten, ähnlieh' verhält es 
sieh mit den str. 14 und %1 angenommenen lücken. die unvollstän- 
dige Str. 14 bildet den sehl^/i a^ffol. l%0^, sir. 21 den aitfang anf 
fol. Ul*,- woraus hervorgeht dttfk foL \7\ verstumm^ ist 



454 HIUNeBilANDSLIBD UND MBBnUI. 



10 JOenne ni kitar ^arnö nohhein den pan farisissiin, 
ni allerö «lannö aaelih ze demo mahale sonli. 
dftr scal er vora demo rihhe az rahhu stantan 

pi daz er in ni^erolti kiia^rk6t hapftt. 

11 Daz hörüh rahMn di& nueroltrehtiiutsoti« 
daz sculi der onticbristo mit fliase pigan* 

der uusiTch ist kiz/z/äfanit 

denne tmirdit nntar in tmik arhapan« 

12 Rhenbrn sint 8Ö Areftic, diu Msa ist s6 mihhiL 
JTiftlias stritit pi den ^wigon tip, 

noili d^n rehtkernön daz ribbi kistarkun: 
pidiA scai imo Aelfan der Aimiies kiaoaltit. 

13 Der antichristo st£t pi demo «rltfiante, 

8t6t pi demo satan^e der inan £atrsenkan scal: 
pidiA scal er in deru t^icsteti uuutni pivallan 
enti in demo ^inde «igalös nuerdan*. 

14 Dob uuänit des yiia gotmannö 

daz H^lias in demo lodge artora . . ... 



15 ^r <s6' daz ififeliases plaot in mia kitriufity 
so in/^rinnant dit ptrgä^ ponm ni kistentit 
einic in erdu, ahk artrukn^nt, 

muor var^uuilbit sib, juilizöt longA der himil.. 

16 MäM vallit . prinnit »littilagart r 
«/ein ni ki^/entit einik in.erdu:. 

II, 3k 4 bei ]V> ohne lücke als eine langzeile. 

\JL, l dob Quanit des vüa | * gotmannö ^. \iltL scheint nicht die rechts 
Ifisarti pod. nula, vielleicht willo placitusn, sententia ; vergL Grajf 
1, 99Ü, über die folgende lücke vergL zu 6, ^. 

16^?. 3 nach Schmeller eine laag%eile ohne Hieke, ^ Stein. lii UsiW' 
fit« t ^n^e stnsiUf^ in laat Verit mit ^ Tuird If^ v, % ist alkf^ 
dings verdäohtigj vergt. 13, % 8, 



dlLDfiBRANDSLieO UND MÜSPJUjL 4U 

venl AenM slaatago .... in taat,. 
i^otii.ttiit diA f^uird ^*irihö aaisön. 

17 Dar ni mac denne mäk andremo helfan vora demo 

muspille : 
detme daz pmU auasal allaz vaij^reDnit» 
eüü oair enti laft iz allaz ar/urpit. 
uul^r ist denue diu marha. dar man dftr £o mit sinftn 

mägon piec? 

18 Diu marba ist farprunnan; diu s^la st6t piduungaa» 
ni uti&z mit uuiA puoz£ : sär veiit si ^a mdie. : 
pidiü ist demo ^raanne sö^ot, denner ze demo ixahäle 

quimit, 
daz er rahhönö uuelihha rebto . arteili. 

19 Denne ni darf er ^org6n, denne er ze deni'^ ^noiüi 

quimit. 
ni tftfeiz der uutnago man t^i^ielibhan urteil er hap£t, 
denner mit den i^iatön mai^t daz rebta, 
daz der äuvai dar pi kifornit stentit. 

20 . Der hap^t in movu rahbdnö uuelibba, 

. daz der man ::::::::: upiles kifrumita, 
daz er iz allez ki^ag6t denne er ze deru ^uonu quimit. 
ni scolta sid mannö nohbein . . . . . • . 



21 



mwänö nohliein miatun intfÄban. 

22 So daz Aimilisca Aorn kiAlutit uuirdit, 
enti sih der ^uonäri in den ^ind arhevit: 
denne Aevit sih mit imo Aerjö meista, 
daz ist allaz s6 pelij daz imo nioman kipägan ni mak. 

2id^% da2 der man in firihin? 

%i. vergl. zu 6, %. 

%%^ % nach Sohmellers früherer Vermutung. — enti »iJi dw : : : : :•: 



4&6 HIUDEBRAiNDSLIBD UND MDI^ILIjL ■*'■ 



t « 



23 Denne verii er ze dem »tahalsteti 4era dAr kistarchAt ist. 
dftr uuirdit diu «aona dia man dar io sagfeta. 
denne varant engilä aper di6 marhd, 

tMiechant deotä trtossant ze dinge. 

24 Denne acal ntannd gilih fona dem moltu arsito, 
/6ssan sib ar der6 /^uuö vazzön : scal imo avar sin 

Ap piqneman, 
daz er sin reht allaz kirahhön muozzi, 
enti imo after sin^n rätin arteilit auerd£. 

25 Denne der ginzzit, der dar ^uonnan scal 
*' enti ar/eiUan scal tbtAa enti qnekkhftn: 

denne st^t dar tonpi engilö menigi, 
^oterö jx>mön6 ^art st ::::::: : 



26 Dara quimit ze dem rihtungu s6 vila diä dAr 

arstönt, * 

so dftr »tannd nohbein uuiht pimidan ni mak. 
dftr scal denne Aant sprehhan, Aonpit sagtn, 
aUer6 /idö uuelih nnzi in den /uzignn yinger, 

27 Uuaz er untar des6n loannun mordes kifiromiia* 
dar ni ist £o s6 fistic man, der dar ioauiht ar£a- 

gan megi, 
daz er ki/arnan megi tätA dehheina, 
niz al fora demo Muninge kiMundit uuerdfi: 

28 (yzzan er iz mit alamusanu fu 

enti mitykstiin di6 mrinl^ kipuazta 

denne der kipoazzit haptl^ 

denner ze dem ... 

29 Uirdit denne ,/uri kitragan daz ^önA ehruci, 
dar der hkUgo cbrist ana arAan^in unard. 

: : : in den sind arhevit, der dar : : nnan scal toten enti lepen : : 
cod. enti sih der in den sind arhevit, der dkr «noiraan seal« Denie 
hevit fr. 

91^, 4. garjli 9t«eat4Br4? 



HILDEBRANO^LIBD UND HUSPILLI. 457 

denne augit er did mis&n diö er in dem menniski 

intfiang, 

dia er, duruh deses mancunnes 

WILHELM MÜLLER. 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN AUS DEM 

XVI JH. 

In dem landesarchive des herzogthums Oldenburg be- 
findet sich eine aufzeichnung friesischer Weissagungen m 
drei verschiedenen handsckrißen (einzelnen bogen)^ von de- 
nen die älteste um 1580 geschrieben zu sein scheint^ die 
beiden andern vielleicht ein paar jahrzehende später, nach 
der ältesten (^), die zwar die richtigste^ aber doch nicht 
ohne fehler isty gebe ich hier die wahrscheinlich einst viel- 
verbreitete aufzeichnung der Weissagungen i das besondere 
der beiden andern handschri/ien (B und C) Überall genau 
anzugeben- schien mir nicht überßii/sig. es^ bedarf wohl 
kaum der. bemerkung dafs diese unter sich verschiedenen 
^Weissagungen einen innem Zusammenhang nur scheinbar 
durch die Zusammenstellung erhalten haben. 

Wenn de Kercke tho Busckmonnyckenn Js henwech vnd 
dat Croitze tho Maryenhane, Vnd ein Raue ' Jnn den Rerls- 
hilligen Dagben Jungen tho Norden vp den Thomn heffit, 
Vnd ein Smeene tho Oistell vp den Welerkolck^ Jungen 
hefft, So schall Freefslandt Jnn so grote Noedt synn älse 
Jdt Yorhenn nichtt^' gewesen Js. 

Hyr by werth geseebt, dat Wanneer ein witte Arendt 
buyten Oistell witte Jungen tuchtiget, Vnd wenn alle Vn- 
lande tho Lande werden, So schall suickes alles gescheen. 

Noch Jst geseht, wenn de Ekenbohm tho Auwrick vor 
den Stalle wech genhaoien where, So schulde ^ Jdt myt den 
HuTsmann vp dat hogeste synn, Vnd wenn die Poerte tho 
Auwrick vptymmerth lyurde, So schulde ^ darnha die Adel 

1. ein schwarte Raue B, %. Schmente vp den Elsklock by Qlstell 

B, smeeodt vp de Bllekloek tho Osteel C. 3. nuwerle B. 

4. wert, So 8c|ial BC. 5. ayest getimmert wert, So 8c)i|iU. BC. 



458 PRIBSISGHE WEISSAGUNeffiN. 

Jnn 80 grote voracbiunge kamen alse hie nieht' gewesen 
where» Aoerst ^ vann Eyner Vngeacbteden wedder tho Ehrenn 
geuorderth werden, gelyck alse hie gewesen where. 

Alfsdann scholen Drier Wedewen Sane einen Slach^ 
vp den Rifspell dboen, Vnd dat kleene Heer van Oisten, 
weick van Wittmunde vnd den Vpalotb ^ tho samende kompt, 
schaU Erstenn den hoep van Westen slaen, Anerst va» £y- 
nen myt Eynen bruynen Peerde vnd Einer Witten Vedder 
vp dem Helme entsettetb werden, vnd den Priefs beholden S 
Ynnd den Freesen ere olde Frieheit vormbanen, vnd thon 
Lestenn die Freesen by Ypstaendes Bom vhoeren*, alse bj 
ere olde Riehtplaetze, vnd myt einer Witten Roden dar ahi 
slaen, Spreeckende : 6y Freesen, sehet nu tho, wat fj 
dboen, Nn synn gy alle wedder frie, Vnd dieser schall syim 
Einer myt gele krayse barenn, Jck gedencke affgeseharen ^ 

Hir by Jst gesecbt, Dat eyn Meer by Reepsolth gel^ 
gen (oder dammme trenth^) vnd dar by ein Deep, wenn 
dat Deep vnd Meer werden Jn Einander lopen, Alfsdan 
scholde*) Esens Wittmnnde vnd Jhener Einen heren hebbeii. 

Anerst Embden vnd Gronangben scholen eines dages'^ 
gewhnnnen werden", Vnd de Baden ^^ scbolden sich bejeg^ 
nen vp den Delflxyll CEttliche seggen vp der Mherde), vnd die 
Eine schall seggen van Groningen vnd die andere van Embden. 

1. nnwerle B, 2. B hat diesm, sehk^s nicht, in C ksf/kt «r ää- 

fir Aaerat wenn der Vogeachter wedder tho ereno gewordes, «Ui 
vorhen gewesen, dan sali der Wedewen soen ein schlaeh ti. «. w* 
darin ist also der schlieft zum anfang der folgenden Weissagung $•• 
macht. 3. schall der wedewen s5hne ein sehlacbtange B. . 

4. ynd aaer den Vpschlot BC, 5. vielleiehi vnd de seball dei 

Prieb bekolden? wenn einer mit einem hnmeo perde kimpC vid 

ein Witte Fedder vp dem Heimet setten, wert den Priefs ar» #• «• B, 
wen Einer mit ein bmn Pert ynd ein wilte Plom yp den Helm heft) 
wert den stritt beholden C. 6. yormahnen, ynd ySbren na des 

Vpschlotsbohm u, s, w. B, vermanen, und foeren see by de Vpstal«- 
bom tf. s, fü, C. 7. dieser etwas seltsame sehlf{f)i (lek g. aftp.) 

fehlt BC, 8. das hier und weiter unten erngeklammerim /käft BC, 

9. wenn de in einander sint gegranen, alsdann schaU «. «. w, BC, 

10. vp einen Dach BC, \\, B schiebt hier noch ein Die eine Stunde 
aehall Gronningen nergen nichts van weten, de ander stände de graoflo 

mit Sparren ynd VHhren , einige Worte sind erlasehsn, 

12» Baden, de de Ttdnnge , , , ,, ein wort orloschon, B, 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN. 4» 

Dil Js Jarcke van der Muyden syn Prophecie : ' Auerst 
die Herenn van Freeslandt scbolen seggen: Dit Js vnseVa- 
derlandt gewesen, wenn sie vor Freeslandt vor ahuer theen. 
Yndr Ein wedwe aiyt Einen golden Wagen ^ttt LäiAi ge- 
noreth, scholde myt Einen Mefswagen dar vth genoreth wer- 
den. Vnd dit scholde gescheen, wenn die herenn Wytt Jnt 
Oistttt firienn. <> 

1« dimer anfang der letzten Weissagung fihtt BC, %, hierauf ^\tL 
ieder maeh biddea, dat em Gott bewahre vnd de straffe maeh vtb 
Uiaea Amen. C. . , 

Dh €ine dieser weissagungeny welche w>n €iner sohlachi sSU 
Bbpei spricktf-eriftnert an eine ganx ähnliche die 4m fish 
defbornuchen zu hause ist. ich hörte sie von landteuiek 
m der gegend von Büren im december 1832, als man. über- 
all in der erwartung eines schweren krieges war^ und sckriiA 
sie mir damals mit folgenden werten nieder, baldf so sag- 
ten die landleute, werde eine grojse Schlacht auf dem Sin^ 
Jelde geschlagen werden, gegen ein heer das aus weMen 
komme, das sei schon eine alte prophexeiung* die graste 
noth des krieges werde angehen wenn der hafer reif 4'si. 
dann werde eine zweite schlacht geliefert am biirnhaüm^' hei 
WerJ,^ und die letzte endlich bei den Fürstmer linden uih 
weit Erwitte, in der erst das heer aas westen deH sieg 
habe^ bis von links her (aus süden?) ein generat aiff wei- 
fsem Schimmel ansprengend die schlacht f^ die unsrigi^ 
entscheide, so habe es auch schon lange der alte fVioker 
zu fVeiberg bei Büren gesagt, nach der schlacht bei ßt^ 
witte aber werde das ^olk so dünne sein dafs die mensehä^ 
sich wieder zu einander suchen müsten, — diese Weissagung 
feranlq/ste bei einer ungewöhnlichen naturerseheinung itk 
herbste 1832 ein gesteht von einer schlachte über welches 
damals von den anwohnern des Sintfeldes (des schlacktfel*- 
des Karls des grofsen) wenigstens zwanzig menschen eidh 
lieh zu Protokoll verhört worden sind, die stellen am bim" 
bäum- bei fVerl und an den Fürstmer linden haben, so met 
ich mich erinnere, avfser dafs kreuze daselbst aufgeriok-' 
tet sind, nichts in die äugen fallendes, sind aber weit und 
breit im munde des volks bekannt. 

OLDENBURG. DR LEVERKUS. 



460 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN AUS 

S. PAUL. 

Zwei pergamentblätter eines uncialcodex der eo§ng^ 
Uen aus dem %n oder In jh.y mit übergeschriebenen gbue» 
des Sn Jh. 9 vorgebunden einem unciakodex des Ambroim 
de fide catholica aus derselben zeit, in der benedtcHner- 
abtei Sänct Paul im Lavantthale, die besternten wMsr 
sind Zusätze des glossators, das eingeklammerte ist van mir 
ergänzt. HOFFMANN. 



Evang. Lucae 1, 64. loque- 

batur, sprah. 
65. factas est, (ke)tan 

(uua)rdh. 
timor, frahtay forahta. 
'''super, über. 
omnes, alle. 
oioinos, kepurun. 
eoiiim, iro. 
* saper, {u)ber. 
uniaersa, '''omnia, alle, alle. 
montana, peracara, pergara. 
iiidaee, dra • d. 
diffamabantur, '^ diuulgabaii'^ 

tur, kemarit {uua)run. 
haecr, deisu. 
uerba, (uuor)t. 
omnia, (al)liu. 
-66. posoerunt, sazton. 
'*'.omnes, alle. 
"^qui, dea. 
'*'aadierant, horten. 
corde, (her)zin. 
suo, iro. 
dicentes, ohu(e)danti. 



quid, uuaz. 
^putas, uuanis. 
erit, ist. 
puer, chind. 
iste, deze* 
^etenim, so. 
manus, (han)t, 
domini, (truhti)nes.' 
cmn, (nu)t. 
illo, imu. 

67. eius, (si)ner. 
impleias, eru(ü)lter. 
spiritu, atume. 
sancto, uuihemo. 
profetabat, vmzageta. 

68. benedictos^ k{i)u{uiid^ 
ter. 

quia, (huuan)ta. 
uisetauii, . . . . ta. 
fecit, (mahho)ta. 
redemptionem, urlosida. 
populo, {fo1)ohe. . 
suo, (sine)mu. 
70. qui, d(ea). 
aba, J(o)na. 



S. PAULER GLOSSEN. 



461 



tmu. 



memorari, k(e)hukit uue* 

n. 

menti sancti, (uid)htm 

ua. 

iusinraDdam, rehian cid. 

lit, (suu)ar. 

tun, k(eban)tan. 

praeibis, J{o)racas, ' 

id dandam, z(a ke)banne. 

tiam, uuistuam, 

imJssionem, in antlaz. 

per uiscera, (du)ruh in- 

dt. 

IS, ' uf chuuemo, uf 

umft, 

Ito, J(pna ho)hemo, 

illaminare, {liuhtan)ti. 

'itj scue (1. scateuue). 

endos, (rih)tan, 

crescebat, (uu)has. 

)borabatur, * confortaba- 

r, kestarchit uuas, ke- 

*engit uuas. 

ssertis, in uuiastim, in 

a{stim), 

, {ta)c. 

isionis suae, (sin)ura 

augida. 

exiit, uz keanc, 
am, kechuuit. 
Bsare, ßfina) kheisure, 
to, eruuirdiskemu* 

'm texte qüi aba eo. der 
Iber des uncialcodex schrieb 
i saecalo, wie die vulgata 
ieutseh aba eo oder meinte 
vo. der glossator nahm ei 
b eo. 



'*'uniuersas orbis, altiu umbi- 
uur/i. 

2. haec, deze, 

proressio, '^descriptio, kescrip, 

prima, erist. 

facta est, uuortanaz. 

(*a) praeside, ybna demujih- 

rakesa . . . 
syriae, d{e)ra sir. 

3. ibant, keangu(n). 
omnes, (at)le. 

ut, daz, 

profeterentar, sie fuarin, * 

anusquisque, '*' singuli, ain- 

luze, 
in snam, in iro. 

4. ascendit, ufsteic. 
ciuitatem daaid, {bu)ruc da^ 

uides. 
que uocatur, diu ist. 
eo quod essit, pidiu daz 

VMas. 
domo, hose* 
patria, ^familia, hiuuiske. 

5. profeteretur, er ßmH.'^* 
cum maria, {mi)t (mari)un. 
spunsa, '*' desponsata, kema- 

haltera. 
*sibi, imu. 
"^iixore, chuuenun* 
pringnata, '*'pregnante,^{rtMr»- 

grera, suuangrera. 

6. factum, (ke)tan, 
autem, keuuisso. 
dum, denne. 

* der glossator hatte proficisce- 
rentur im sinne, 

** der glossator meint proficis- 
ceretup. 



40 



S. PACLBR BLOSSEN. 



eftsent, {uu)arun. 

impleti sunt, eruuiie (uua)run, 

dies, (ia}gM. 

pareret, pari. 

7. pcpcrit, par. 

filiiuiy chmdh. 

^saum, ira. 

primogenitivD, {e)risiporanm9. 

pannis, laehanum. 

eiiiD, (i)nan. 

conuoluit, ^inuoluit, piuuant. 

posnit, ^recÜBauit, kesasta. 

tarn, UME». 

in praesepium, in paminy in 

chripiun, 
quia, {huuan)ta, 
erat, tmäs. 
^ei, imu. 
locus, stat. 

in diuenorio, in casthuse. 
'^pastores, (hir)te. 
erant, (uua)run, 
in regipn^, in lantscaß, 
ilia, ^eadem, derasetbm^ 
aigibutea, {uuah)hente* 
cosiolientes, haltente, 
uigilias, (uu)ahta. 
noctis, d(e)ra naht, 
gregem suum» chqrtar ipQ. 
9, eece, üiu* 
angelus, {an)giL 
domini, {truhti)nes, 
stetit, stuant. 
circa, '^ioxta illo3, pi im, 
claritas, perhti, perehti, 
*dei, cotes. 

circumfiilsit, (umhi s)kein. 
illos, sie. 



timuenmt, Jbrohtan, . 
timoro, Jirahtun^ 
magno, michilleru. 

10. dixit, (spr)ah, 
illis, im. 
angelus, (an)gü. 
nolite, ni ckurit. 
timere, ßirahUm. 
ecce, mu. 

nuntio, * euangelizo, eußt- 

speUon, 
uobis, iu. 
gaudium, mendi. 
magnum, michila, 
.quod, da». 
erit, ist. 

omni, eocouuelichemu* 
populo, (Jot)che. 

11. quia, daz, 
natus, keporaner. 
nobis, iu, 
hodie, hiuto, 
coqseruator, '^'s^i^tor, hfir 

lant. 
qui, {de)r, 
xps, uuiher. 
dominus, (truk)iin* 
cittitate, (pu)riki. 

12. hoc, *est, noh^f das 
ist iu, 

Signum, zHohm. 
inuenieles, ßndiff ir.^ 
infantem, chb^h. 
*pannis, lachanttm, 
'^inuolutum» piuuntanaz, 
positum, kesaztojs, 
in praesepio, in pamin, 

13. subito, chahun, cahun. 
facta est, (ke)tan imardh. 



Si PAÜLER QLOSSEN. 



468 



Ijftügelo, mit (mgele. 
iMjido, manoki. 
eitu99 heri. 
iti^, dera chamßieiti. 
iSteS)^ d{s)ra himiliski. 
intium,, lobontero, 
U (co)tan. 
itioEi, (guedan)iero. 
gloriä, (ruam?')da. 
Itissimis, * excqlsis, in 
kern, 
(co)te. 
, (er)du. 
fridVi fridu, 
nibus, (man)num, 
aoluntates, d{e)s cuatin 

Ulin^ 

lastores, (hir)te. 

•unt, *loquebantur, spra- 

an. 

loicem, untßr im, 

eamus, farames, 

5, (un)zi. 

ithelm, in bedhlem, 

imus, kesekepies. 

levhum^ das uuort, 

factum est, daz (ke)tan 

1, daz. 

dit, keaucta. 

, uns. 

lenerunt, chuuamun. 

4Ates, illemte, 

epiiat, funtun, 

^1 {mari)un. 

.em^ chindh. 

im, kesaztaz, 

aesepio, Z;^ pamin. 



17. '^uidentes, keseante, kese* 
kante, 

cognouerunt, er(chan)ton. 
de uerbo, piuuorie, pi nuorte. 
quod dictum est, daz kechu^ 

uetan uuas, 
Ulis, im, 
de poero hoc, ybna chinde 

demu, 

18. omnes, (al)le, 
qui, (rfe)a. 
audierunt, kehorton, 

mirati sunt, eruuntrote um- 

run, 
de his, ^£^62 (I. 2/;;}/72 cf^;?) 
que, dei. 
dicta erant, keckuuetan uuß- 

run. 
a pastoribus, Jlp)na kirtum* 
ad ipso$, jffe /»t. 

19. coDseruabat, kehealt. 
omuia, (af)liu. 

^uerba, uuort. 

haec, deisu. 

conferens, ebano ketraganti,, 

ehanoketraganti. 
corde, (her)zin» 
suo, ira. 

20. reuersi suut^ uuarpßtkte 
(uua)run. 

pastores, hirte. 

* glorificantes, ruamante. 

laudantes, lobonte. 

deum, (co)tan. 

Omnibus, (al)lem. 

quae audierant, dei kehprtm. 

uiderant, kesahun. 

"^dictum est, phuuetan. 



464 



S. PAULER GLOSSEN. 



*ad illos, se im. 

21. cum impleti sunt, *post- 
qaam consummati sunt, öf- 
ter diu keenteote (uua)run. 

dies, (td)ga. 
viii, hatouui. 
ut circurocideretar, das um- 

bisnitan uuari, 
puer, chind. 

aocatum est, kenemit uuas. 
namen eins, {na)mo siner. 
quod, daz, 

aocatum est, kenemmit(uua)s. 
ab angelo, f{pna ange)le. 
priumquam, er denne, 
*in utero, in innode. 
conceperetur, entfangan uua- 

ri, 

22. cum, *postquam, impleti 
sunt, eruulte (uuä)run. 

dies, (ta)ga. 

purificationis, dera reinidassi^ 

reinidassi. 
eius, sinera. 
secundum, {af)ter. 
legem, euu. 
mosi, d{e)s moysenes, 
dnxerunt, '^tulerunt, namun. 
'^illum, inan. 
*\ii sisterent illum, das saz- 

tin^ saztin inan. 
domino, (truhti)ne, 

23. scriptum est, {kescri)ban 
ist, 

lege, euu. 

domini, (tnihti)nes, 

quia, das. 

omne, eoceuueliches. 



masculnm , * mascalinum, 
comman chunt, cbwit. 

('^ad)aperiens uulaam, mftMW- 
ti uuamba. 

sanctum, uuihaz, uuihas. 

domino, (truhti)ne. 

uocabitur, kenemmit ist. 

24. ut darent, das kebm. 
sacrificium , * os tiam , sebar, 

sebar, 
secundum, {qf)ter. 
quod dictum est, da» chuye- 

tan (uua)s, 
lege, euu. 
par turturum, zuuei kenestt- 

diu turturono. 
duos pullos colnmbanun, 

suuei iungi huantnckiH tu- 

bono. 

25. ecce, inu. 
homo, (mä)n. 
cui, demu. 
nomen, (na)mo. 
erat, uuais^ 
homo, (ma)n. 
hie, "^iste, deser, 
instus, (reh)ter, 
religiosus, '^timoraUis,y0r«iA- 

taler, 
expeetans, peitonü. 
consolationem, trost, 
israhel, (israhe)les. 
Spiritus sanctus,a<iii7i {um)her» 
cum ipso, *in eo, mit imu. 

26. respunsum, antuurti. 
acceperat, ent/kanc, 

ab spiritu sancto, J{o)na atu- 
me (uui)hemu. 



S. PACLER GLOSSEN. 



485 



BOD, (nat)les. 
aisanmi', kesehan. 
se, nh. 

mortem, d{o)dh. 
(^nisi) prius quam, uxan er. 
uederit, kesahi. 
o&rifltBm. domini, (uui)han 
trohünes* 

27. uenit, chuu€nn, 
in ^»irittt,* in atiane, 
iB templo, in kuse. 
com» (den)ne. 
inSncerint, inlei(titun). 
^parentes eins, cataUnga 

f(örd{o}ron aldo. 
ksum, heilant. 
ut, (dä)x. 
&c^iteDt,. tatin. 
seciindum, {af)ter, 
consuetudinem, keuuoneheiti. 
legis, d(e)ra euua. 
pro eo, pi inan, fora imu. 

28. ipse, er. 
aceipit, entfeanc. 
eum^ inan. 

in manus, '^ulnas, suas, in 
eUnpogtm^ in elinpogtm 
sino. 

benedixit, uuihta. 

demn^ (c0)tan. 

dixity (chuuä)dk. 

29. naac, nu. 
dimitte, forla». 
seraum, {scal)c. 
secundum, (qf)ter. 
uerbum, (uuor)tk 
tuum, (di)naz. 
päce, (JH)diu. 

30. qiiia, (kuuan)ta. 
Z. F. D. A. lU. 



niievuni^ kesa(hun)^ 

oculi mei, (ou^tm (i»i)nfb. 

salutare tunm, da» keil din. 

31. qued, (da)x. 
parasti, kekarotes.' 

ante faciem, J{o)ra siune. 
omnium, (al)lero. 
popalomm, liut(eo). 

32. Inmen, hhot. 

in, '^ad, reuelationem, zean- 

trihidu. 
gentium, deotono. 
gloriam, se (ruamijda. 
populi tni, '^plebis tue, d(e)s 

(Jblc)hes (di)nes. 

33. mater, (mua)te(r). 
mirantes, {uuun)tronUu. 
super bis, {u)ber dei. 

que dicebantur, dei keöhu(e)' 

tan (uua)run. 
de eo,J(ona) imu. 

34. benedixit es, utnktäsiu. 
dixit ad mariam, {oAma)dk 

ze (mari)un. 
eius, (i)ru. 

positus est, kesaztär ist. 
in ruinam, t>t uaL ' 

resurrectionem, urristu. 
multorum, (mana)gero. 
in Signum, in zewka». 
cui, demu. 
contradicitur,tt£ittt£ar ciu(etan) 

ist. 

35- tuam ipsius animam, dih^ 

na selbes sela. 
pertransiet, (jdu)ruh farit. 
gladius, uuqfan. 
reuelentur, sin erUrigan. 

30 ' 



466 



S. PAULER GLOSSEN. 



ex multis cordibes, er mana- 

gern herMotM* 
cogitationes» ke{dan)€ha* 

36. erat, (uud)s* 
profetissa, uuvsaga. 
filiä, thoter. 
fanoel, (Janoe)les* 

de tribu aser, J{ona) chunne 

{ase)res. 
haec, disu. 

processeral, framgeanr., 
diebus, {ta)gum. 
multis, managcm. 
uixerat, lebata. 
cum uiro *suo, (mi)t mane 

ira. 
a uirginitate sua, J{o)na ma- 

gahtheiti ira. 

37. haec, disu. 
uidua, uuituua, 

(usque) ""ad aunos, unzi ze 

iarun, 
Lxxxiy, kahtozo feoriu. 
que non discebat, diu ni ke- 

leid, 
de templo, fipna) htise. 
ieiuuiis, {Jas)tom. 
orationibus, * obsecrationibus, 

ptsituartiin, pisuuartim. 
seruiens, deononti. 
nocle et, *ac, die, {tä)kes 

enti nahtes. 

38. haec, disu. 

ipsa *hora, d(e)ra selbun 

uuäu, 
'^ueniens, ekuuemanti. 
coofitebatur, iah. 
domino, (trtihti)ne, 
Joquebatiu*, sparch (so). 



*qui, dea. 

expectanlibns, * exsp6ctabant, 

peitoton^ 
redemplionem, irJosida. 

39. nt, so. 

perfecerunt, (ßu)ruh tatun. 
omnia, (al)liu. 

secundum legem domiBf^ (a/y 

tef* euu {truhti)?ies. 
reuersi sunt, (juua)rf€nU 

{uua)run. 
ciuitatem suani, (bu)ruc sind. 

40. crescebat, uu.a^. 
plenus sapientia, foUer sfa- 

hida. 
conroborabatur, * fortabalnr, 

{ke)starchit uuas. 
gratia dei, ensti {c6)tes\i 
erat in eo, ^cum iilo, {vm)^ 

(mi)t imu. 

42. cum, (den)ne. 

factns esset, (ke)taner (ma)^' 

*iesus, (hei)lant. 

aonorum xii, (ia)rum (a^g) 

ueo, 
ascendentibtts, vfstigafUem. 
secuodam consuc^tadinem, 

{nf)ter ketmonaheiti. 
diei festi, {Uil)di tagin. 

43. ^consummatisque diehis, 
enti keentolem UigWn. 

cum redireat, {4en)me wutr- 

pton. 
remansit, pHeip., 
puer, chenehty chenekt. 
non cognouerani, ni erchen- 

ton. 
pareutes eins, eutaünge sine* 

44. existimaiites, uuannanie. 



S. PAÜLER GLOSSEN. 



m 



eum, '^illum^ (i)nan, 

esse, (uue)san. 

in comitata, inkesinde^ (f^n- 

gesvide. 
uenerunt, (chuuä)mun. 
*ibdTySmdhi 
diei, d(e)s tage&. 
quirebanl, 9uahton. 
eam, (t)nan. 
inter. cogn^tos, untar kelan- 

gern, kelangem, 
notos, chundem. 

45; nöD inüenientes', ni ßn- 

dante. 
reuersi sudt, utmrpante (tma)- 

re^irentes eum, auar sua- 
" vkante (iynan. 

46. taelum^ (ke)tan. 

post dies tres, ^triduum, qf- 

ter drim tagum, 
inaenerunt eum, funtum nan, 
templo, huse. 
sedentem, stzantan. 
iu medio paagistrorum, "^do- 

ctorum, in metolode meistro. 
attdienteni, horranian. 
^illos, im. 
interrbgaoteni, fragentan. 

.47. stopebant, erchuuamun. 

omnes, (al)le. 

audientes eum, *qui eum au- 

diebant, dea inan kehortm. 
super prudeatiam , über 

clauuida. 
et res|bnsa, *respoQsis, en^ 

ti antuurtim sinem, 

• ••» ■ 

48. ttidentesi keseben/e. 



obstepuerunt, ammirati sunt, 

eruuntrote {uua)run. 
ad eum, "^ad illum, {a)z inan. 
mater eius, (mua)ter (st)ntu. 
fili, chind. 
quid, tmas, 
fecisti, . tati, . 
nobia, uns. 

sie, SQ. 

*pater tuus, (JV)ter diner. 

ego, hih* 

doleotes, serasantiu. 

querebamus, suethtömes. 

\ej(di)h. 

49. dixit, "^ait, ad eos, '^iUos, 
(ckuua)dh ze im. 

quid *est, uuax isL^ 
(^quod me) quaerebatis, dag 

mih suaktot 
nescitis, "^ nesciebatis, ist «/- 

sotot ir, 
quia iu * bis que, daj$ in dem 

dea. 
patris mei *suiit, d(e)s Jäte:- 

re (min)es sint. 
oportet, ketrekiU 
me, (mz)h, 
esse, (uue)san, 

50. ipsi, sie. 

non iutelle4;:eraiit,i2/^^^»- 

tun, 
uerbum, (uuor)t. . 
quod locutus est, das sgre- 

chanter (uua)s. • 

eis, *ad illos, im. 

51. discendit, nidarsteic,*. 
cum eis, {mi)t im. , 
uenit, ...dh. 

■• ' ■ - 

30* 



M» 



PRAGER GLOSSEN. 

« 

Pergamenthandschriß des \in jahrh. in odiavs m ier 
fSrstlich lobkowitzischen bibliothek zu Prag, auf dem ver- 
setzblatte von alter hand Liber . s • Petrt . a .in Aogia mi- 
norj ; und unten von neuerer Biblioth. Weifsenav. 

HOFEMANN. 



1^ Adam homö uel terresHS. 

Abel napor uel luctos u.s.w. 
2^ AÄtidotam contradatam i. 

tranc« 
Ala ascella. Scliesa. 
Arisa banthaba t hasta. 
Anila uas pranaram gl5t- 

phaDDa. 
Alietam anis. erigriz. 
AUaous. hehera "i uel at qui- 

dam nolunt biumbel. 
Areola lectulus in borto. i. 

bette. 
Alx genas bestif. elaho. 
Aqua manile bantcar. 
Andela brantreita. 

c 

Ariola bSba. 

Amiculum peplnm. fascia pe- 
etoralis. hovbetScb. 

3* Absinthium warmSta. . 

Acer berba {dies wort über- 
geschrieben) gundereba \ 
arbor mazziltra. 

Anetum tiUe. 

Apiom ephi. 

Alliuni cnobelovbe. 

Ascölinum asclovcb. 

AnguiUa aal. 



Alapa orsclac« . 

Aorugo. spes coloris. i. ge- 

lin. 
Aulicus boudinc t honetnit. 
Ancomiscos incastratnra« i. 

not« 
Aspidiscos, uncinus. i.jcripbo. 
3^ Axidonum sestsorinm. i. 

st51. 
Alopiciosus intra caluoB. 

Grindobte. ' 
Ascia debsela \ barta. 
Auca 1 Anser gans. 
Aruina pinguedd i. ^unslit. 
4* Alliceo. inuito. spaao 

(aus a ein e gemacht^ aber 

so spemo) 
Assentior adulor i. sücheloD. 
Amus angil. 
Acbalantus carduelis t car- 

dellus distilvinco. 
Alibrum haspiU 
Alnus erle. 

Alopicia grint. ' 

Alopitiosus grindocfate.^ 
5' Btrsa pellis. i. huft 
Böthoma urna. i. jsimber. 
Bptboli<ui)astovf« • 



PRÄGER GLOSSKNw 



BsUfimnyiugp. i. bilide. 
i^ Babulcoi i. obslnarer 
Bnceros bnbalas. i. wieient. 
Bnlpalaa wiesfuit. 
Braga femonde i. brScIi. 
Bidls sperula snrea. i. rineh. 
BaKsta sagitta 1 geons iacnli. 

i. phederire. 
Ballena. i. walare. 
Brincia guttur. i. cbela. . 
Bastabau bremo. 
Bitameii L ertlim. 
Bncnlare labiam. ' i. lanitroc. 
Braeile bruc'abo. 
BipennU barta i pial. 
BotTBS wiDtrubo. 
6* Bimu coUtu Gmbriahu. i. 

cbozo. 
Basis, i. sufel.' 
Bacc^U. i. pizzo. 
Balbutl« blabpizon. 
Bombix gateweppewnn. 
Baslerna species uehiculi. i. 

sambacb. 
Baibus neaelenle. 
Blatla speoies pnrpur^ bla- 

tera. 
Bulla bUtera. 
Blesos lisbinter. 
■. 6* Cidarim. mitra t pULens. i. 

.Ii5tili. 
Cataras maadns. i. reine, t. 
Ciididf gotteWpp&. 
r Cinifes hantflirga. 
Ceaocepbalus hnnborbeto. 
Cardiacas berzesubtige. 
7** Contobernalis hergeselle. 
Caprea siluaüca ateingeiz. 
Cafülago osBÜ.' i. erutila. 



Castor. i. biber. 
CDDieoln« «SdoL 
Capnolus rech. 
Capedo. i. alanl. 
Cauca t concnta M'alta. t. 

(die a sehr Umdaitlich). • 
Cancer crebizo. 
Cnonlus govcb. 
Caradrioa lericba. 
Carduvellas disUlvinco. 
CoUarnix i. rebbin. 
Cicendula oleno. 
CaaUo scripgezocb. 
Calnaria gebel. 
Calniüam dUna. t. 
Ceniix bals. 
Colapbns halsUe. 
Xolapbus elnie. 
Cost^ tippe. 
Cleffal tenar. 

Coxe 1 dunes dieeh ) gaÜi. 
Cerebella bimecreba. 
Calix t calcanenm nerseiu. 
8' Crua t titü HDohiu (Um. 

scincha). t. - 
Cliens. gnoz. 
Camera absida 1 arcns. it g«r 

welbe. 
Cript» cnifi. 
Cementum pflaster. 
Calces ealeh. 
Cementarins mflrare. 
Curia dincbvs tiprahos. 
Carialis 6 sage. 
Calips ferrom. i. stal t iain. 
Clanns Ivrirnagel I zvcc. 
Clanis slnzzil. 
Circinns rizza. 
Ceagra fvscinula. i. cnfvil. 



470 



PRÄGER GLOSSEN. 



CiroaSv rinc. 

Carrö l carruca. wagen. 

Caqientarias wagenare l holz- 

wercman. 
Cuna. Vrage. 
Cenaeqhim musgadem. 
Cartallum canistrain.i.cratto. 
Calatus zeina. 
Ciatos cailix modicas. i. 

stovf. t. ' 
Cratera napf. l copf. 
Cotiear lephel. 
Caidariam chezziUn. 
Celatura erhevei. 
Cantaras naph l canneta. 
Ciminum chömihc. 
Cacumis I cacurbita. i. cur- 
• biz. 

Cuoamerarius curbizgarto. 
Carectum riet l saherah. 
Cieata- woticfa. 
Cepa lovch. 
Cepe phlanza. 
8^ Cerofbiium ohemilla. 
Corilus hasel. 
Carduus distel. 
Ganiua hanif. 
Celidonia scellewrz. 
Colocasia wiltminza. ' 
Casia nirgula corticis robnsti 

purpureiis foliis. i. wih- 

boum. 
Coriandmm eollindir. 
Caulis choli. 
Cardamuis wildeoresso. 
Crocus* i. crägo. 
CoDsitus I plantatiiB gimbe- 

tote. 
Citia t cortex. i« linda,^ 



CippuB stoc } bloe. 
Cedros cederbovin. : 
CerasBS criseboum. 
Cinus crihbonm. 
Carpeaus hagenbSeb. 
Colnmus besebrier (so). - 
Caiculos. cbiselkic. ' 
Coccus rotpbeHol. 
Cocciuum rote^ 
Culix mugga. 
Caliga sc5h t soc. 
Calicula soebili. 
Ciange bosvN.* 
Capulus heize t hanthaba. 
Cassidapera mnhsiim l ta- 

scha. 
Ch6s wezzein. 
Culter mezzer. 
Cliuus halda. 
Crepido stecchili ) bAU. ' 
Controuersia. i. strit. 
Cardus ange. 
Callis phat l vvec. ^' 

Callus- swil. 
Cetramentum blaeba; ' 
Colostrum biest. 
Carbasus segel. 
Constellatio gestime« 
Cola siha. • - 

Caleatorium torcakr trSta. 
Coupluuium dachtroyf. 

9" Colus rocco l ehaiicttla. 

Cdlum siha. 

Claua kolbo. 

Crispus reide. 

Curtis hof. 

.Curläa houestal.- 

Conmaiiipalaiia hergeaeUo. 



PRAGBR GLOSSEN. 



471 



Colossiis altissioia columDa. 

i^ irmensvl. 
Calceus \ caliga «cub. 
9^ Cistella oapsella. i. tasca. 
Clitella cistella meissa. t. 
Görrodo dilacero. i. bignago. 
Clepo furor. i. stilo. 
Catillo alienas domus more 

caluloram giro. i. nasco. 
Cauiiium l oaaillatio h5ch I 

spot.. 
Coacuo in aceium aertor. i. 



irsvrefl. 



Coasultaüo ratfraga. 
CoUimito anamercho. 
Confuto gehdno* 
Confrico gerosto l geherto. 
Compilator ze^aminiplezzare. 
Capistram halftere. 
Capitium hobetlovch. 
Collarium bastwch {so). 
Ceruieal chussi. 
CoQsistorixim dinchus. 
10' Casioriiim bibervviz («q). 
Causape mensale l ambet* 
^ lachen. 
Gälte, i.. de. . 
Concionator sprachare. 
Corbis corp. 

Com^do glutio. uilephraz. 
Corimbus trubq. 
Gylindrum .welleblec. 
Cribram sib. 
Cortin^ aurea uelamina. i* 

rugelacben. . 
Cinoglossa huntzmige. 
Cymex wautlüs. . 
Ciconia storch.. 
Comum herba letalis et j^- 



niciosä bac . starni, sUrt 
uescuntur sine j^ericulo. 

Cloaca phul. 

Colus arsdarn. 

ir Didimus geminus gezyyi* 
nele. " 

Doliuia eruca. i. grasewnti. 

Discus magna . scutella.. Neu- 
tra. 

Discoforus. i. tr5bsaz. 

Discriminalia mulieris capitis 
ornamenta. i. h^rscaida. - 

Damma I dammula^ i..dainä. l. 

Delicatus zaiiicbe. - 

11^ Dumus Spina, i. dorn. . 

Deditio zurgift. 

Decipula ualla. lagueus l 

r 

druh. 
Dolabra asci^. i.' barta- 
Duclile metallam. .gesUgenez. 
Digero ordino' 1 demto.. t. 

fri^o. . . 

Dolo snido. 
12' Dehisco scrindo. 
Dedo. irgibo. 

12'' Eclesiastes JBoneionalorr 

i. sprahare. 
Epbebia iopanar h&rhuff. 
ElectruuK ' gesioelze. . 
EUeborum uQcatnun bemera. 
Enigmal ratsca. ; - 

Eucharistia bonnm donum. i. 

wizzot. , • 

> - 

13^ Extalis grozdarm. t groz- 
magga. . ' *' 

Emissus emissarijis. L rei» 
nescarQ. 

Empticius. coufscalch. 

Ercdius wiltfalco'. 



■ ■. ■■ * 



472 



PRÄGER GLOSSEN. 



Examen swtnn t vrsSh. 
Einca« 1. i^sewnDi 
Erugo. i. rost. 
Ebqr lidftuiibein. 
Elephans helfentier. 
Edera ebah l hebehwoi. 
Exsox Ulis. 
Extrex posterior pars capitis 

i. .95o. 
14" Ebonieas helfenbeininer. 
Ezpedilio hervart. . 
Eqaes reitman. . 
Essedttm ^pecies aehicoii. i. 

sambSch. 
Epismnen zSmSse. 
Emunco snuzo. 
14^ Exentero uentrem aperio 

scurpfo, 
Exoorio fiUo } scindo. 
Extubero nodosos fio. i. ma- 

selobt. 
Exploro spehoD. 
Extuodo» bI5e. 
Emorroidae ficblatera. 
Ephialtes scrate. 
Ei^sterium wercbas. 
15' Furcilla gabela. 
FisUÜa eälamus l svvegela. 
FasciaUs windinc. 
Fafga bacge t zivseUe. 
Fttlttum rotez . . elewez • pr u- 

uez.- 
FeiAinale ) femoralia brage. 

i. brScfa. 
Femar coxa. i. dieh. 
Fiscella spprtala. i. eSrbilie. 
Fascis } fasciejolus gd^undili. 
Fibula ooncatenatica muskil. 
Forceps zanga. 



Fascina l fascimila crQWd ) 

crapho. , 

Falx sicbela. 
Falx fenaria segense. 
Feniseca madare. 
Falcastrom rutsegensa l ge- 
tiseü. 
Fornix swibelo. 
Famos l fomax oiieii. • . 
Fumarinm rovhehasi. 
Flanus falwe. 
Fcri^ firra. 
Fanda slinga. 

Fenos qaestas t ^ asma ) k- 
hen. 

FuDdibularitts Blingare. 
Fiscedala snepba. 
Fringellus uinco. 
Fucus api similis Ueno. 
Ficoaes socscuba.' 
Fagus bScha« 
Fraxinus asce. 
Fusus spinpela. 
Fosarius spinnelbovm. 
Farnaicas oippqs. i. sloe. ' 
15** Feniculam feniciiil. 
Fenicium fenich. 
Fragum ertbere. - 
Fungus swam. 
Fascinum zovber. 
Fertus flado,- 
Flabrum } flabellum uentiis. i. 

wale. • : . 

Fenicium rotez* 
Fimbria fase ,) treimo* 
Fidis corda seito. 
Fundus praediom t gnmt t 

bodim. . . 
Fidicen seitspilarje. 



PRÄGER QLOSSEN. 
IS taiseh. stercas boum. Glans eichilla t drSs. 



473 



Fax &ccata. 


Glandula drSsili. 


ilia stiip^ lacernaruin. i. 


Gannio grino. 


bte. 


Glis gliridis bilieb. 


Bto arefio, . marceo we- 


Glis glissis est lappa. i. 


iikt\ 


zaisila. 


ö: spalto. 


IT** H^rodion auis ignota. i. 


ino zoyberoD. 


^ wiltfac (so). 


) ,rAsto. herto. ribo. 


Hydropicus wazersabtiger.' . 


lilö. . 


Habepa scvbel (so). 


imen vvrst. 


Hamerus abselie. 


Gazöphilatiunii scazhvs. 


Humeruli chippben. 


cisimds. l potius gurgu- 


Hianit weiotb. 


i engerich. * 


Hulcitum huUt. . 


nii Biet. 


Hirundo swalwa. 


B. bttfeleD. 


Heruca grasewrm. 


;ia^ earo circa dentes. i. 


Hirado sangaisuga. i. egela. 


larc- . .- ^ . . 


Hibix steinboc l steingeiz. 


La slant.- 


18" Herniosus ponderosoft. i. 


US bover. 


hdlolt. 


i kela. 


Hio ginen. 


iculatip motu» musicus. 


18^ Ichoos sonas l gaim. 


wigunga. 


Inuolucrum conuolutio ue^ 


»das glaeli. 


stium. i. wel. . 


ioßvts. . ^Dgestiger . (lies 


Iccur lebera. 


latigei^). 


liia iancba. ^ 


en Itiki. 


Ingaina pndehda. 1 begi^dirSs. 


Dimn siccamen lignonim 


Inaures orringe. 


grapien poviim post ' se- 


Interrasilis* mterlimatiis. r. 


iooem. i. Imat. 


underfigelpte. 


n^ macbo. 


Incastratura coniunctio tabu- 


ea griess. 


larum. i. sitöt (so). 


«las Tvcbo. 


Inpetigo griutlvis. ruda. - 


iola swertaUa. 


luoiperus rechelterboni. / 


linus dens kinnezan. 


Inclusus closenare. 


castrati ) baam. 


Imbrex tegula.. i« acbindela. 


^0 ejigericb. 


Iritius igii. . 



Gnatognlosi^s. i.uilefraz.- laculus. lintwmi. 



( craniob. 



luniperus wecbelt^. 



474 



PRAGBR GLOSSEN. 



19^ Incanstum ätramentum. 

i. tincta. 
lugerum inch. 
laridieas esag&re. 
locus aneboz. 
iDtrula interior tunica. i. 

hemede. 
19^ Libra xiu phunt. unti^ 

l wage« 
Librum humor sab cortice 

saph. 
Larus masare. . 
Luter Otter. 
Lumbricas rogenwrm. 
Laudala lericba. 
Locusta hovstapbel. 
Liciscit mistbella l br^chinne. 
Linier eanis. i. wint. t. 
LiDX luhs« 
Lmnbi lendiv. 
Lacertos musculus brachii. i. 

Lamia qaoddam moDstrum mu- 

' lieri simile. i. holzmua. 
Large lares mali. qu^dam 

monstra. i. scrate. 
Lanigo fructas matums car- 

dttum l lana terr^. I. mieis. 
Latboniis steinmeizel. 
20* Laqaeare bimeize. 
Libisticnm lubestechel. 

« 

Lupati freni aculeati i. chami. 

liorum.zSheK^ 

Laciniä era aestimeutii' i. 

sovm. l horei 
LiciHm .h.arlyfe. 
Lumbare modica braca. i. 

diebbrSh. 
Loliam raten. 



Lacema uestis fimbriatasce- 

cho. ' . 

Lamina blecb. 
Lagena uas fictile l lapideam. 

i. lagella. . 
Lubrum I labrmn t laUam 

lefs labetroch. , 
Leuter conca labmm I la^. 
Lapates. i; fladen, firnetot 

fici inter daaf( turtas.praKsi. 
Lappa lapatiüin bletiDka I 

zaisla. *^' 

Leos lendis niz.- ' 
Luseinia. i. nahtegd- 
Lepjüis hase. 

LiQcus strabus. i.- sohilbiate. 
Later ziegeK . 
Leno wibgerner t bormacbare. 
Leuir zeichir. . - 

20^ Ligo secb. 
Lexiua. i. lövga. 
Larua scema. , . 

21* Miric^ geneste. . 
Malagma confeotio, metieo- 

rum. i. gefa*c§. .... 
21^ Min^ maroruHt snmmita- 

tes. i. cinna. 
Macilenttts macer. i. magere. 
Maurus. swarce^ ;«- 
Mentum cbinnebein. .■ 
Murena. i. lantprida, 
Mitra höba. 
MeduIIa marg; 
MammaP majdlia l tatU-. 
Matronä frovva^ 
Menbrannm l inenbranula uel- 

lili. . , . ■ '^.^ ■ ■ 

Manipulus. i. garba. " 
22'' Mascam bisemo ) liiies. 



PRÄGER GLOSSEN. 



475 



ta «liiwa. 
tä papilla. 
^folium garaa. 
BUS* liaiiier. 
fiator hämerare. * 
eta nkaneza. 
iolos naba* 
ins hSbat bisaz. 



Nates arspelli. 

Neo spiono. . 

No aato swimme. 

23^ Oriza subtilif farina 91^ 

mila. 
Onocrotalm hortSbel. 
24" Orarlum, hantfano. 
Ora sovm. 



ilis poreas eastratus baro. Ornus Fibovin. 

lidacheD.^ Olor belbez. 

-mappub hantfan l 
DtiUa. 
;a acarba. 

das l merala amissel. 
)ps grSnspeht.' 



10 cazza. \ 

lela. i. wiseU. 

de barma.. 

M dabs« 

icipiale ;ge8tuin gebarli- 

cr dinge. 

icülarius' comphafib (so). 

alis matta/l tacba. 

i^eo mUobo. 

tica tasca } malaha. 

;o. i. seicbo.^ . . • 

Mastico deutibas commi- 

10. i; chiae. 

ticor fraudem fiacio. i. 

ilo. . 

DS getuVene. 

Di maoula l lebeto (7) 

Nojiacola scarsachv 

ifragä nuzbrecba. 

leus nuzzecherne. 

tua. i. Yvelc. 

;iirtiQm cressa/ 

laiu feriscaz. 



Obses gisel. 

Ocre^ arma crttriumv i. bcno» 

berge. 
Offa balla. 

Omasus uilevart (so). . 
Operculum lit. 
24'' Öslrum rotepbellel.' _ 
Opium tbwalm.s 
Offa pars frusti ainbiz., 
25* Plalanus abom« . ' . '. 
Ptisaua far \ hordeum noadam 

exutum cortice* L fesa. 
Palatus hör. / 

Palus paludis. i. mds. 
Palus, i stecco } pbal. - 
Pala scuuela. 
Pajdllus clauuis. i< nagiL. 
Parix meisa. 
Papauer mago« 
Phalanga pertica gerta. r 
Paliurus hagen l bage&. '. 
Paredus uilis equas. i. par&- 

frit. • - ■'■^- 

Pardus lebarte. 
Patina I patetia pbanna^ 
Palumbes bagetvba. 
Pauo phavvo. . . * 

Paule hovstadil. 
Paiutium fenic^. ' • 



47« PRÄGER GLOSSEN, 

• 


Patibidiim galgo. 


Pupa simulacrumpveronuii.i. 


Pessolnm rigel. 


tocba. 


Pepo phedema. 


PulttiUus cuasie. 


Peffalam flAz {wohl Pessulum 


Pum^ petra cauemosaet k- 


sloz). 


uis. i. piuniz*' 


25*" P^rsicug phersichibSm» 


Puluinar cvssi. 


Pastina morfaa. 


Plauatrum ^agen. 


Peta herba bieza. 


-Plantago wegerieti. 


Peduciiiiis Iva. 


Plana fermm scabe* 


Pellicanas husegome {so). 


Platona lapis pi^tui. i. platla. 


Pelex geUa. 


Pluteus tabula parietis iile« ' 


Petigo' pnirigo iochede. 


Plnmbum bli. . . 


Perna bacho. 


26^ Prinus phlumboYSi. 


Peclen kambe. 


Priuiguus stiufsni» 


Pitttita. nu>rba8 gaUiaarum 


Prurigo liicbedo. . 


pbiphiz. 


Quasquila wahtek. 


PiUena bSt« 


27' Quercus cichv 


Pila offa balia. 


Quernus eichine. 


Pila stainph. 


27^ Renmatica herba quoda« 


Picas spehte. 


crauiches snabel. 


Pisa araiz. 


Raceinus trvbe. 


Pijds bohsse. 


Rasorium scars'ach. 


Pioa agiektra, 


Rana fros. 


Pinus binbovin. 


Ramnns spina albicoiora. i« 


Picea foraba. 


agaleia. 


Pinis birbSm. 


Radii Speichen. 


PisAlis domus que calefieri 


Radix iratib« 


potest; i. fiesel. 


Rafanum merrathich; 


Pon$ brngga. 


Rasa uestis. i. flosa« 


Pomim Web. 


Rastrum hova.- . 


Poledros folo. 


Rastellum reche. 


Pidtriiia folicba. 


Renunculus niero l lendihnllo. 


26* Pub pri. 


Reticulum nezzili. 


Plumen os gutturis quo eibus 


Regius morbus, i« lanesubt. 


deuoratur sluntbein. 


Remus rSder. 


Pulmo lungenne. 


Remiges ferigen^ . 


Poples knicade. 


Recliqiatorium linebei^. 


Pustula püUe \ angvVeiz. 


Repagulum obiecttojqna ostioa 


Pus aanies ,warc. 


clauditaiu'i. dremd« 



PRAGER GLOSSEN. 



437 



Rkeas sumbir. 

I scrvBta. 

ieinm acüs 1 spenul«. 

lex tuf. 

Tum snabil. 

igo röst t miiva. 

goWe. » 

I. zScha. 

iBO itrucbe. 

cvdo bebi. 

MUS ranzellote. 

I ribe. 

Süna gutta l stilla i. is- 

[la. 

iba offa balla. 

Sagmia $t51 l sovm. 

im filz« 

ina in qaa portantur. i. 

eissa. 



Sarcio naige. besto« bSse. 
Sartor nfttare. 
Solum erde. 
Saadix weitbiif. 
Sandiceus waitine; 
Sarculum getisen t h5ve. 
Sacmarios sSman. 
Sambucus holder. 
SaDguinario^ harttrogelin. 
Satureia chenela. 
Sarcile tuniolachen. 
Salsities vvrst. . 
Salianca rietgras. 
Sellarius satelare. 
Sedatium häsib. 
Semispatium. i. sahsa^ 
Serpillum wiltkenele. 

alles übrige aus dem ein- 
bände amgerifsen. 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 



IHe handschrijt aus toelcher ich die nachfolgenden aus- 
ß mittheile enthält ein vollständiges deutsches pas^ons- 
l^ das: erste und bis jetat das einssige dieser art wel" 
sich aus der gewiss grofsen Triette vorhanden gewe- 
r spiele solches Inhalts hat wollen wiederfinden Iq/spn. 
besteht aus 82 links am untern rande gezählten (oder 
nehry da durch Hbergehung der zahl 77 die Zählung 
ch istf aus 81) tmd zwei ungezählten blättern van .och' 
wpjpäpier in gebrochenem foUo oder richtiger der lange 
h- zusammengelegtent quart — ein seltsames, aber auch 
der Insbrucker hs^ ähnliches inhalt^, aus welcher Mone 
altteütsthen Schauspiele* herausgegeben hat, vorkornmen- 
/ormat. die zeilen sind abgesetzt, bis bL. 31 auch die 
\alen mit roth durchstrichen und die ilberschri/ten. eben 
Merstriehen; intevpunction ist nicht vorhanden^ mitoHki 



478 ALSFELOER PASSIONSSPIEL. 

nähme eiiUger menmgdütüiettonen in den Mberschir(ftem und 
solcher Jalle wie (hier i, 165) das stehet zu,, moncbein.virf 
pfaffen; auf der seile ßnden sich 52 — 53 »eilen, äe üt 
von einer und. derselben dem ausgange des X^jh^. ange- 
hörten hand geschrieben; es ßnden sich aber im innem 
mehrere eingeheftete »ettel mit' erweiterungen, des upsprmg' 
liehen textes^ von drei andeim händen^ sämmüich gletekes 
alters 'mit der ersten. 

Das spiel ist in drei tage eingetheilt. der dMe tag 
reicht von bl. i bis 33*. bL 33^ heifst es Hie incipit'seeiMt* 
da dies passionis (beginnt mit der frage OomiBe ubi ra 
parari tibi pascha) ; bL 55^ Hie iacipil tereia dies passioflis 
(beginnt mit der domenkrönung), der ursprünglich^ leat 
schliefst mit iL 82" (wilrklich SI), wora'^ noch at^> dem- 
selben blatte von der ersten hand Processio huius ludi Jblgt. 
aiff den beiden nicht gezählten blättern steht dann noch 
von der. dritten hand eine fortsetzung des , passionsspieb, 
Apostolorum dimisio. . 

^uf einem vom eingehefteten quartblatte stehen ßl- 
gende notizen von der zweiten hand. 

Anao Domini 1501 habuimus hune ludum passionalem 
tribtts diebas festiuis. post festum pasce. 

Aiino Domini 1511 post pasce tribos diebas eundem ha- 
buimus ludum scilicet multum dilatatum sicot duodecim vexil- 
lis.. resttrrectioue. asceusioue Spiritus sancti 9ii$sione. ^t di- 
nision^« 

Aquo Domini 1517 die don^nica in. Septuagenma ha- 
bttimus lodum de natiuitate Domini et Tribus Regibas satis 
oonpeteiitem a uona usque ad terciam horandi. 

AaüO Domini 1517 diebus tribus seqiientes diein pasce 
babuiJiius ludum passionalem usque asceBsidnemi quia. pbvia 
" el. ingeas frigu's nos* abire compuüjt 4*^ bora. 

"■ ' JHe handschriß befand sich bis 1842 in dem arddoe 
der Stadt Alfeld im grofsherzogtkim Hessen; als in im 
genannten Jahre das rathhaus umgebaut^tvurde, fand man 
es wohlgethan die unnützen scripturen des alten städtischen 
archivs an die Juden zu verkaufen; 4^ueh. diese handßchriß 
hatte dieses Schicksal, und gelangte so in meiuen besits* 
^em anseheine nach ist das litüok ^iekt aUew in AlsßU 



^ 



ALSPBLDRR PASSIONSSMBti. 479 

* 

außjfeßikrt' {würunf steh die so eben mü^theMm notiseh 
beliehen), sondern auch daselbst niedergeschtdehen^ iöa nicht 
gar dem gröfseren theile nach abgefafst worden, der dialeci 
is^ nnt gatiz geringen ausnahmen der noch Jetstin stadt 
tmd Umgegend herschende halb niederdeutsche -hessische: 
mer (wir und mir),, der (dir), er {ihr% en {ihn und ihnen), 
zuweilen durch den reim sicher gestelUy Z:, b, mer : bege- 
Te(n)f mer : herni- sodann brengen (bringen), bea (hin), bie 
(wie), sibörlich (suberlich), sieben (suochen) u, s, lo. nur 
das in der hs» oft vorkommende dit (dilze) ist nicht mehr 
hessisch, da an dessen stelle in .diese7i% dialect jetzt das 
mhd. Aiiz getreten ist. 

f^on^ bi. 62** bis bl. 69^ findet sich die am einer Trierer 
hs. in Hoffmanns fundgmben 2, 260 — 272 . abgedruckte 
Marienkldge mit einigen abweichungen : theils im gemein- 
schaftlichen texte selbst theils in der anordnung desselben, 
sodann aber mit ziemlich umfangreichen Zusätzen, so wie 
einigen geringeren und einer ansehnlieheren auslafsung 
(Hoffmann 270, 1 -r- 271, 3) 5 die singstücke sind auch hier 
mit noten versehen. ^ ' ■•" , 

Einer der eingehefteten zettel enthält auch eine scene 
siwisthen dem marktschreier, dessen fr au und dkner, wel- 
che in der haltung der in dem osterspiele hei^H^ffmann 
fundgr, 2, Stsyi vorkommenden sehr ähnlich ist und sogar 
m einzelnen zeilcn wörtlich mit derselben übsremstimmt. 

Zeichen am rande beioeisen^dafs die rollen Christi Und 
,der Maria Magdalena aus der hs. ausgeschrieben wor- 
den sind. . - 

Ich gebe, ohne für jetzt die wüste schreUung corri- 

gieren zu wollen, jedoeh mit hinzifügung der in^rpunction 

■ '" * ■ ■ ' 

1. die einlettung des ganzen mit dem vorspiele ^^ dem ge- 

spräch der teufel, welche zum theit dieselben namen 
fuhren wie in Schembecks frau Jutten spiel, bl. l' 
— 4* mit dem hier eingehefteten zetteis 

2. die bekehrung der Maria Magdalena, bL 2^^ — 23^ 
als einen der eigenthümlichen abschnitte d^ spiels. 

3. die Salbung Christi 'durch Maria, -ali fortsetzung des 
vorigen Stücks und aü probe derfnatteren stellen, des 



480 ALSF£LDBR PASSIONSSPKL. 

spiebs, nebst der echbf/sdeclamatiam des ersten tegesy 

w.sr— 33*. 

4. die köUenfahrt CkrisH bl. 76*— (7S)79^ zurvergki- 
ckung nät den darstelhmgen in den osterspieten bei 
Hoffmann ßmdgr» 2, 303 — 307 undMone altt. schamp, 
s. 115 — 121 . auch hier folgt die höUenfahrt erst nach 
der auferstekimg^ 

MARBURG. DR A. V1LMAR. 



1. EINLEITUNG UND VORSPIEL. 

bU 1* Primo igitur onmibus personis onUnate in 
suis locis constitutis Angeli canimt si- 
lete proclamator in medio ludi didt 
Na boret alle viid yamemet mich, 
Er sijhet all, jung» arm* adder rieb, 
Alle die hie vorsampt syn 
Vomemet wol die redde myna: 
Szo wie ich dick hon gelefsenn- 5 

Das nummer mentsch magk genefsenD 
•Des ewigen todes ynd helscher pynn, 

. Hie bedenke dan yn dem bercze synn 
Das groirs lydan vnd den bittern toid 
Ynd alle die manchfeldige noitt 10 

Die ynser her geliddea hott 
Vor vnfser alle missetadt. ^ 

Synt en das nu nit bot vordrossenn, 
Hie bot dar ymb syn blut Vorgossenn 
AI an dem fronen cracze bere, 15 

Szo soln mer efs em dandkenn (/. d. sere), 
Wan hie es tad durch ynfser willeim, 
Das hie da midde mochte gestillenn 
Synes hymmelscbes yatters grosfses zornn 
Mer weren anders alle vorlomn. 20 

Ali^o noch bade yff disser erden 
Alle die Vorloren sollen werdenn 
Ynd nach disser zyt zu den tnfeln farenn, 

. Dye sich nicht von stfndea bewirenn . 



' < 



1 J 



ALSFJSLDfiR PASSIONS8I4bL. Al 

Ynd alfso sie yorgosfxen goddes U 25 

Das sie nicht achten synes geboddes ;/ 
Vnd aizyt von em wanckenn, f\ 

Die .em synes lydes nit endanckenn 
Das hie szo williglichen leyt 
AI vor die arm.menscheyt 30 

I)ie grosfse vbel hatte begangenn; 
Do vor gab hie sich gefangenn 
Ynfser her ihü crist 
Der fso ser gepynniget ist 

Ymb das mer gesundiget hon. 35 

Das sollen mer en genisfsen Ion 
Vnd dancken efs em myt grosfseh äjtä^ 
Das bie vns hyr nach nyt vorwyfa 
Wan mer komen vor geriehte, ^ . ' 
Konden mer das bewarn mit ichte«. i 40 

Das mer dan mochten fynden gnade. \ 
Ja wer da folgeite mym rade 
Als ich do vor vormanet honn. 
Den magk es dan alle wol her gann '' 
Vnd dor zu gudes vele gescheenn. , t ; 45 

Dar voib sollet ir nu ansehenn 
Myt Innikeit das schone spyell 
Das man hie begynnen well . / 

. Vonn dem lydehn vnsers Herrenn • ' 
1^ Dor zu sollet er vwer hercze kerena 50 

Ir man vnd auch er frawenn ; 
Mit andacht sollet er difs schawenn 
Vnd in alle vwern tagenn 
Jhü syn cnicze helffen tragen 
Mit wiczen vnd. synnen. 55 

Nu woln mer begynnenn 
Disfses Spieles vnd hebenn an 
Von dem teufer säncte Johan» 
Wye der prediget eyn bufsvertig lebenh. 
Dar nach sollet er mercken ebenn 60 

Wie en Herodes toden lyfs 
Dar vmb das he en losrsen hyfs 
Die sunde die hie hatte gethiiyn. 
Z. F. D. A. III. ^, 31 



AL8PBLDBR ^SSIQNSSCRL. 

Dar nach wirt dmb «n hhei» 

Wie vnrMr her Jbüs crist 

Noch Johaoai komea ist 

Vnd sjmes predigens begann, 

Alszo vorgespruchenn hatte Johann, 

Vnd was hie andei* wooden tbet, 

Das mercket wol wan er es seth 

Szo man es vbet 70 dem spyeli 

Zu sagen wirt es zu viel. 

Des wel ich die redde besiyssxenn, 

Das vch do numer darffe vordrisfaeDiii 

Des losrseu mer die redde nd bliben. 

Got gebe das mer das spiel szo triban 

Das mer got da midde erenn 

Vnd alle snnder vnd sunderyn sich bekerena 

Die dissze boren vnd sehenn. 

Das dies alszo gescheen, 

Das hellTe vns der raeyde son 

Der do besiezet des hydielB thronn, 

VnTser herre Jhä crist 

Der vor vns gestorben ist. 

Deinäe rtgent diät rigmttm 
Nu swiget lieben lüde 
Vnd lat vch bettldenn 
Wie dit spiet sal vor sich gehenn; 
Dar vmb mer bidden vch vnd flehea 
Das er alle swiget stille 
Dorch TDser liebenn fraWen wylten. 
Her wola hude spielen von der martd Jhn crist 
Der aller werot eyn erlofser ist; 
Dar vmb solt er alle inni^ synn, 
Vnd eben bedenckenn die puisfse pynn 
Die Jh's al an dem orncz gelidden bot 
Vmb ynEser sunde vnd missetad, 
Want alle vnser heyi dar an lyt 
Nu vnd vnier zu ewiger zyl. 
Nu stehet stille vnd swiget schone, 
Das vch got von hymeln lone;. 
Want wer hie zu «iet. atl ynnikeyt. 



AEAFBLDBR PASSIONSSHBL. 488 

Dem Wirt das hymelrich bereyt. 

Des wol« mer singen mk froliobeBv idiall 

Vnd bidden den heiligen geiat all 

Das hie vns syn gnade vorlybe 105 

Vnd alzyt vns wesze hye. 
* Et sie regem indpit cunere Vem saneie Spi- 
ritus^ post hoe proclamator dieit rigmum. 

ir liebenn mentsehen alle, 

Swiget nii vnd lat «vwer kalten ; 

Ich wyl vch vorkundigenn eyn geholt 

Das der her schultbeys that, iJO 

Wer da betredden wirt in dissem -kreySE, 

Er sy heynoz adder conez add^r wie er heysz, 

Der do nit gehöret in dit spiel, , 

Vorwar ich .vch das sagenn wel. 

Der mdsz syn hufse groiplich en^riBan^ 115 

Mit den tafeln mos^z er yn die helle gan. 

Vngefiig sal nymant hie tribenn • 

Wel hie anders ya der herren holde iitibenn. 

Hyr vmb szo swiget vnd boret vnfser redde 

Vnd stehet stille, des^ woln mer vdi girtlich 

bidden, 120 

Vnd swiget auch Ant zo, 

Szo moget er das spiel defs du hifs vome- 

itien nft«-. 

Her schultbeys macht ir den slagk, ■'• 

Do sieh eyn igKcfaer nach richten, mpfk. 

Nu wyt gnang, wol vmb^ - : 125 

Die wyde vnd anch die kromme. 

Die lenge vnd .auch die ÜMre, . ' 

Vns ssd nymaats irren, 

Mer woln ydgedrangen synr 

Ir bot wol gehöret, der herren pynn 1 30 

Die der schultbeys hot gethon, 

Dar vmb römet vbGi dissetf plann« 
Hoc facto Luciper aseendit doleum. Et dictt 

Woil her, wöil her vfs der hellenn 

Sathanas vnd alle dyne gesellen! [4ius ridden) 

Kommet zn m^r^ er ludle rodden (corrigiert 135 



484 AESFBLDBR PASSIONSSEIBL. 

D^s vch .die ridde müsz sehiddenh) 
Ynd losszet mieb nit alleyn stao, 
Willet er anders den I7n von mer honn. 
Et tunc omnes dyaboli circueunt daieum ikfri- 

sando et caniando 
^ LuGifer in dem throne, ryngelyn.rysz, 

* ..Djer was ein engel schone, ryngdyn rysz. 140 
Post hoc Ludper dicit 
Eya wilch eyn gat gesangk-^i 
Ach ynd ach were hie laogk! 
Wie schyer sollet er mer- mer syngeno 
Das ich vff disser bodden möge gespryngenn. 

Et dicit sine intermedia 
Owe vnd owe, boffart vnd obemvi, . 145 

Na erwiii>eslu doch nomer g«t! > 
Aclr'na byn ich yorlorenn, 
Want ich hat die hdßsLTl vrserkorenn. 
2** Ich thun vch allen kuntin truwenn 
. Das vch nnmmer magk berdwenü: 150 

vHye vor was -ich eyn engel dar; 
.Nu byn ich vorstoissen gar; 
Geheysszen was ich lucifer, 
Ich was in dem obersten thron eyn ficht 
. - treiger; -, 

Des erhttb ich mich aliso sere, 155 

Ich wol :myn stuU secs&ea vber myn soheppere 
Ynd wol mich em gliehetin 
In den fronen bymelrich; 
Dar vsz Wort ich vorstoisszen 
Myt allen mynen genoisszeon •' 160 

Viel tieff in der helle grnni, 
Dar vrab werde- ich nomer {^e&ant. ' 

Kottelrey Mäbalus didt ^ ^' 
Laciper hefe^ <^; . 

Bista nü worden eyn |>redigere? 
'Das stehet zu monchen vnd-pfaaffen; ^ 165 

Ich wel dich nfi glichen eym'affiBnki; 
Want dyn predigen yns schaden thut,. 
Dar Tmb saltu lygen. in der belle gliit. 



A&SFBLDER PASSIONSSPIEL.. 48fi 

Et sie percuciunt. luciferum. ' Et bmfer. ditit ' 
^ Neyn, neyn ich liegenxi, 
leb woMe veh alfso betrie^enn, / .1«. 170 
Kr sollet disses nicht glettben mere ; 
.'Ich werde widder als cc, . .• *• 

Viel Schoner dan die sonne ■ f 

Vnd luobte als eyn xöstrige phanae. 

Et svhjungii sine media 
Nu radet lieben frunde vnd knecht, . 175 

Das that er alswolonit recht, 
Wie m^r dit dingk griffen an, 
Das vas der zenberer Jhüs nit entga, 
Want hie ist allso gar swynde 
Mit synen listigen, fyndenn; . 180 

Begriffe er en szo.haldet en feste,. 
Szo weLich vcfa entphaen als liebe gesteh 

Sathanas dicit 
O edele herre Inciper^ 
Ich han volnbracht dyQ beger: 
Ich byn gewest in der Judden schar, 1 185 

. Ich. han sie alle vorsencket gar, ' 

Sie hon gesworn Jhm brengen Tab liyn lekenn, 
Das salder gefallen gar ebena« 
Ich wel daf vff dencken fröe vnd spade 
Dtsmeren brengen zu dem tode; 190 

Ich wyl kommen ya synen Jungern Judas, 
Das der vfserwelt was, . 
Den wel ich dar zu brengen gar trode 
Das .hie synen meynster sail vorraddenn, 
Vnd sal den Judden. syn blüt vorkeuffenn; 195 
Dar vmb mocht hie wol schryen woffßnn> 
Dar vmb saltu mer Ionen in 'der helle 
•5b)r anders allen mynen gesellenn. 
3* Luciper dicü 

Danck habe, sathanas, myn lieber knecht ! 

Zu vnsen dingen bistu gerecht. 200 

Dar vmb wel .ich ■. der Ionen schyer 

Mit der. begehen krönen, fiier; 

Du Salt' jo 'der beste synn, 



486 ALSFELDER PASSIONSSPHSL. 

Satbanas du lieber knecht mjrnii.; 

Vor anders allen dynea geselleii 205 

Beaellen ich der die porten der belleniu 

Bone dicü 
Luciper, du werest eyn moi^ea stera Vor, 
Nu luchstu als eyn swarcs kesser gar. 
Ich wel kommen in der Judden ^gedinge 
Das sie ihm keuffen vmb dryssigk penninge; 210 
Das magk der wol lieb synn, 
Want hie bot dich vorstoissenn ' 
Myt allen dynen genosszenn. 
Lucgfer respomdit 
So myn lieber knechl bone. 
Du dienest mer alTso schone, 215 

Dar vmb wel ich dir geben ze lone 
Was raer entfellet nacJi der none. 

Milach^dieit 
du edeler her Lucifemn, 
Auch wel ich der dienen gern: 
Ich wel fiiren in annas vnd caiphas . 220 

Ynd wel sie besiezen ds myn eygen vais, 
Vnd wel en das wol radden 
Wie sie ihm brengen za dem todei 
Hyr ymb wel ich keyn mwe gewynnen, 
Ich brenge en dan zu der groissze pynil^ 225 
Dar vmb saltu mer Ionen 
Ich wel ihm mit uichte schonen^ 

Luctper respomdit 
Habe danck, milach, myn lieber kneehl. 
Sieh, dym dinge thusta sere recht;. 
Dar vmb saltu der beste synn 230 

Vnder allen den gesellen dynn, 
Vnd wel der geben zu Ion /^^ 

In der helle eyn furige kroa. 

Natyr tUcit 
Luciper, da werest der schonen sonnen 

glancz» 
Ich wil mich machen an der JnMen daaez, 235 
Ich wel besiezen sinagogea, den alten Jadden, 



ALSFGLOfiR PASSIONSSPUSL. m 

. Vnd solde ea die ritte schiddenn, 
Vnd wel das.ihua froe vnd spade / 
Yff das hie ihm breiige Ztt dem tode, 
Want hie ist gar eyn wyfoer phaffe, 240 

Vfs der Juddischen ee kan hie viel fclaffeon. 
Dar vmb geberet der das du 
Das du mer salt looen dar zu« 
3** Luciper dicit 

Eya du lieber koecht oatyr, 
Ich wel der geben das loa gar schwer, . 2^45 

Vnd wel der des vmer sagen danck 
Vnd der beuellea der helle banck 
Vor anders alle dynen gesellen, 
Want du bist gar wert yn der hellen. - 

BüsenkroMcz dieit 
Luciper, du werest eyn clar eogel zart. 250 
Ich wel mich, auch machen vff die fartv 
Do ich ihm den trogenere 
Möge mit der martel beswerena . 
Vnd pilatum den richter besiezeiin, 
Dar vff wel ich dencken myt syn vnd wiczen, 255 
Das hie sal eyn falsch ortel vber> ihm geben 
Das em uufs geben aa «ynn lebenn. 
Waat er en thut mer nit zu synen sacben, . 
Szo wirt efs sidh korczlich machenn 
Das hie kommet vor der helle tbore 260 

Vi^ kloppet do also geweldiglichen vor: 
Lessestu en dan nicht en, 
Szo byadet hie dich in die helle pynn: . 
Dar vmib saltu mer lonea snel 
Vor anders allen mynen gesellenn.... 265 

Lucyfer dicit 
Szo mjn ^eber knecbt rofsenkrancz, " 
Du weyst dea alden reyen g^ltci^: 
Dar vmb wel ich dich fugenn 
In die helle zu dea,groj|sen kriegenn; 
^ Dar vfs sali» den alden Juddea scbengkmi, 270 
Myt swebel vnd bech saltu sie drengken. 



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48& ALSFELDBR PASSIONSSPBL. 

Raffenzann dicit 

Her Lucifer, du faoist groisfse ere, 

Der dxk doch woil entbere; 

Du bist eyu tnfel dar vnd fyim, 

Du mast e^glicben yn der helle syim. 275 

Ich wel der sagen zu disser frist 

Wie myn name geheysseu ist, 

Das du mer destu bafs mögest gelonenn 

In den ewigen hellen trone, 

Vmb ^as ich szo viel schände han gebriMSt 280 

Vnd da midde dyn freydde han emäwet. 

Ich byns gehejssen raffienzän ; 

Alle bofsheyt heben ich gern an; 

Myn hercz ist falscher list vol, 

Das hon ich bewyfset an den Judden wol; 285 

Den hon ich geradden alzyt 

Das sie solden tragen bafs vnd> nyt 

Vff ihm den fromen mentschenn, 

Dar vff was alle myn gedenckenn ; 

Ich hon auch gestifftet vnder en, 290 

' Das sie en nit woln' boren adder schien' . 

Vnd vorsmehen en als eyn vntedigen m^n, 

Vnd hie doch nie keyn sunde g^Mivann 
4* Adder nie.keyn vbbel yn sym hercze» höt 

gedacht. 

Her LuGiper, 'das hon ich als volnbraebtf 295 

Ich wel mich der erbeit vort vnderstan^ ^ 

Abe es möge nach mynem willen gegiiq-^ 

Das sie. en brechten zu dem tode; . ^ 

Das wel ich en ttyssiglichenr^den, - - ^ 

Szo iriben mer mit den Judden vnfs^r gewÄlt 300 

Vnd synt yn vnfsern reyen gezalt, . 

Den woln mer mit en treden yn der hellen 

Mit allen tufelschen gesellenn, 

Das sal wefsen ir lone 

Das sie an ihü vordienet hon. ^ 305 

Her.Luciper nu gib mer orlaupp, 

Szo wel ich alwege prisen dyn loib. 



•V ''i *•-■=* 



ALSFBLDER PASSIONSSFIEL. 49» 

Luciper dicit 
Sathanas vnd dyn gesellen, 
Ir sollet vch dar zu stellen, 
Vnd nym dissen frunt raffenzan, 310 

Der hebet alle schalkeit an. 
Ir sollet vch vmb thun yn alle lant, 
Dot in wirt vch bekant 
Alle vbel vnd sunde, 

Yff das mer die Judden.kiuidea ' 315 

Brengen in vnfser schar. 
Na laoffet in erem lande alle here vod dar. 

Binckenbangk dicit 
Herre luciper wol gemütt, 
Dich het gott vorstoissen yn die hdle {^ut. 
Myn nan ist dyr wol bekant, 320 

Ich byns binckenbangk gnant; 
Vil han ich der gethayn zu loibe, 
Dar vmb saltu mich hirlich begabenn. 
Ich, han gefaren die wernt alle vmb 
Die wyde vnd auch die krumme, 325 

Dar in hon ich viel arges 2u bracht, 
Beyde tage vnd nacht, 
Das wel ich alles losszeu stan, 
Vnd das na eyn fromekeyt wisszen lan. 
Eyn from mentsche ihüs gnant, 330 

Dem wart nye keyn sande bekant. 
Des hon die Judden gefangen eyn hasz, - 
Vmb syn gerechdikeyt geschach das; . 
Das hon ich geradden en allen, • 
Das las der, lieber herre, woil gefallenn^ 335 

Ich wel die sach vort tribenn,. 
Abe sie an em wolden becUbenn 
Das sie em brechteo vmb syn leben. 
Das sal vns allen kommen gar eben: 
Gefyellen sie vns vff der selben fart, 340 

Mer wolden sie werffen zu vnfserm hart 
Vnd myt vnfsem zenen zorissen. 
Das sie des solde sere vordrissenn. 



4M ALSFELDBR PASSIONS^WL« 

Her Lucifer, ich wel mich des vnderwynden 
Vnd wel myt flyfs dor nach ringenu« 345 

4^ Lucifer reddü Mi graies 

Sathanas vnd dyn geselleni 
Ir sollet vch dar za slellen, 
Vnd mym knecht biockenbangk 
An thun helle pyn an wangk 
Vmb solch groisse gut, , 350 

Dar vfT lange ^g^stat niyn miit. 

Spiegelglantz.* 
Herro mich heysfsel Spiegelglantz, 
Vnd füre disüsen schonen dantz. 
Die rutter han ich gar lieb, 
H.e «y reuber oder diep, 355 

He konde gestellen oder gemorden, 
Szo han ich sie gerne, in mynem arden. 
Hirumb wel ich von henen faren 
Her vnd dar vnder der Juden scharen 
Vnd wil sy. reyfsen mit noidt^ 360 

Yff des mentschen sone vnschiildi^eB toidft. 
Hirumb hore.niich, lieber frundt anoas, 
Vnd mit der Juden, schaden bischoff c^y- 

phas, 
t^rutten raidt wel ich vch geben: • 
Loysfset hiesus nicht leben,- < 365 

He wil vch euwer ehe zwbrechen, 
Das seit ire ane synem hals rechen« 

Krent»ljffm^ 
Meinster, ich beys krentzlynn, 
Das ist mit recht Ätt name myme. 
Ich han mich des besonne, 370 

Vnd byn gerne bye der frawen summe, 
Vnd verde den alwege, 
Sye sollen vnkuscheyt plege. 

* das von hier an folgende gespräch der teu/el ist Ansatz einer 
andern hand (und zwar derselben welche die notizeh über die at{f' 
JUhrung des stüeks vom eingeschrieben), auf einem hesondem klei- 
neren hier eingehefteten blatte beßndlieh^. 



ALSFBLDER PASSIONSSHBL. m 

r 

Fedenojfseh. ^ 
Herre, Am) heys ich myt namen fedderwysch, 
Vnd byn zw aller schalkeTt rysche, 375 

Ynd kan myt moDichen vnd mit pbffen 
Schalkeyt trieben mi Torschaffen, 
Vntbogent zw idler stundt, 
Vnd füre sie dan ia der helle gmndt. . 

BeUsfbugk. 
Meinster, ich kan schalkeit gnungk, 380 

Vnd bin zw aUer boifsheit Uugk: 
Dem riehen rade ich vff mynen eydt 
Das ire trybe groifse gyrheit, 
Vnd wacher sere dar zw 5 
Das trybe ich spade vnd fru. 385 

Astorodt* 
Herre, ich heys asUn^oth; 
Phunt qwentin vnd loyth 
Lere ich die kremer falsch machen; 
Myt solichen hebelichen Sachen 
Wel ich sye in die belle dynfsen^ 390 

Szo mysszen sie efs thür gnung verzynfsett. 

Beruh, 
Schande vnd laster kan ich wol. 
Dar mit mach ich die helle voil; 
Myt Zorne kan ich mich rechen, 
Morden huwen vnd stechen 395 

Trybe ich in der tabeme; 
Das kan ich myne kynder gelerne. 

Belial. 
H^rre^ ich heys beliali. 
Wart wye dyr myn dynst gefalle: 
Ich mache die gelartenn 400 

Das sie werden die vorkartenn, 
Vnd predigen defs sye thnn nicht« . 
Mancher selber die ehe bricht; 
Den neme ich zw der selben stundt 
Mit myr in der hellen grundt« 405 

Seherbranth. 
Schorbrant ist myne name ; 



49S ALSPELDBR PASSI(»föSPiitt. . 

iQh byn in den lenden lame; 

Daiinoch kan ich bofsheit triben . > 

Myt manne vnd auch mit wyben, -v ! 

Die* lere ich affter kofsen, 410 

Liegen, triegen vnd böfsen, ^ 

Szo mufsen sie in der helle pynn: . 

Das ist die arbeit myn. 

Heihundt, 
Ho ho ho lieber meyster, 

Was solln dyr alle die l&yster? 415 

Ich kan die Inte geleren 
Das sie fluchen vnd. swerenn • 
Vnd brechen die zcene geboth, «^ 
Ire eitern thun sie hoen vnd spot: 
Dafs sint myne bofsen fände- ^ 420 

In der helle aptgrunde. 

Schoppenstugki 
Her, ich heys schoppenstack; 
Die lute ich in dye helle zwgk^- 
" Ich reyfse sye zw vnthog'ent 

Inn alter vnd in jugenth; 425 

Morden Stelen vnd rauben, 

Vnkuscheit trieben mit frauwen,. 

Das kan ich alle gare, - ^ 

S^o ich die werlt durch fare;- 

Des muTs sich in der. hellen . . 430 

Afancher hörnen vnd qwellen.* 

Hellekrugh. 
Sone, du hayst myne vdk*gesfsen, 
Doch byn ich auch myt schalkeit besesfsen : 
Ich byn dyne mutter hellekrugk. 
Ist myr wol kromme ^er rück, . 435 

Dach bene ich in derkyrchen gerne: 
Die alten wyber ich lerne 
Kebeln swatzen vnd waschen: 
Das synt myne lieben glapperdeschen ; 
Szo brenge ich sie in der belle gluidt, 440 

Der zw willen, lieber sonegudt. 



ALSFELDGR PASSIONSWlSl.. ,r4«3 

. . Sathanas. ... 

Herc lucifer, lieber meyster myae, 
Das ist das suode gesinde dype: / 

Fedderwusch beltzbock vnd spiegelgUfttz, 
Ästoroth beritb viid Roseokraatz, - 445 

Kotteirey bona mylach vnd oatyr, 
Raffentzene vnd binckebangk dar zu settir, 
Scfaerebranth helhunt vnd schoppenstuck^ 
Krentzlyn belial vnd dyn mutter bellekrüek ; 
Die leuffet hyndeu. an den reygen naoh;' 450 

Das ene geschee leyt vnd vogemacb. 
Efs ist eyne gesinde bofs^, . / 

Habet diß giecht in euwerm gekröfs. 

Luci'per. 
^ J^ ja mutter vnd vil lieben kneebt, 
Euwer dynst gefellet myr wol vnd sleokt; 455 
Ire syt togelsam vnd kynder frome, 
Vnd sollet alle. zw samen komme. 
Myr willen widder in die helle,. 
Die armen sele syden vnd qweUen."^ 
Stc Lucifer descendit de doleo. Profilmimtfr iieit rigvium 
superius notatum scilicet Ir lieb^ menUcheUp Tunc Johan- 
nes baptisia exeat de deserto cum diseipuUs)- JS^ cantans 
F^ox clamantis in deserta et dicit rigmum , 

Na boret alle arm vnd rieh ■..,.■ .> 

Johes der teufer. byn ich 

* van noch anderer hand, ist nach qwel^n hinjtvgffügt Sic omnes 
carrant ad infproam, luciper primus, et tanc sathanas seqaitnr et 
cantaot . 

Hanglet an hanget an 

Ir theufel alle gemeyne 

Mir woln in die helle gan . . . 

Ynd' troren <vnd weyiien. - 

mit Sic Lucifer,^ welches sich an &. 351 anschürt, beginnt wieder der 
text der ursprünglichen hs. 



494 ALSFELDBR PASSIONSSPIBL. 

2. BEKEHRUNG DER MARIA MAGDALENA. 

20^ Hoc facto maria magdalena n^ierho IMäu 
incedit cum lucifero et alüs demonibus 
corisäns. Lttciper iidt 

Wan, maria, lue schone bista gesUdt! 

Dye man werden nummer alt, 

Die dich an schaawen. 

Die schonheyt aller fraawen 

Die hosta genczlich woil an der, 5 

Des salin gleuben mer. 

Nn sich her an dit Spiegel glafs 

Der Schonesten schone der da hoist; 

Nach schöner dan noch ye keyn wypp, 

Sich szo schone ist djrn lipp. '" 10 

Man sal vns aber lieren, 

Ich wyl dich wol denczerenn. 

Maria magdalena respondet demonibus 

idi viel lieben knecht, 

Er komet mer wol gerecht. 

Da iifgest mer freyden gnungk, 15 

Da bist woil myn gefüg; 
- Da hilffest danczen vnd singen, 

Ich wel mit der springen 

Manchen firolichenn sprangk.- Natyr- sp.- sit 

afud mariam. 
Dyaboli omnes clamant 

Das was eyn gud fündt. 20 

Et sie v^Uator indpit mgelläre et cori" 
sant luciper cum- maria magdalena et 
alii demones^ Maria magdalena dicit 

Ich wel zieren mynen lipp, 

Want ich byn eyn schönes wypp, 

Vnd wel auch gern reyen ' 

Mit paffen vnt myt leyen; 

Dar Vmb wel ich springenn 25 

Vnd eynt gut litgen singenn. 

Quo ßnüo cantat corizando sola 

Ich breytte mynen mantel yn die awe, 



ALSFBLDBR PASSIONSSPffiL. 405 

Du begunde mich za fragen myoe frawe, 
Wo ich szo lange were gewest. 
Was wolde sie des? 30 

Sul ich mynes jungen 
Libes nicht gewaldigk synnT^ 
Wole mich, wole mich der seligen stundt! 
Nach freyden wel ich reygen (/.ringen), 
Freyde ist mynem herc^en kunt 35 

Mit tanczen vnd myt spryngenn. 
Wok mich, wole mich der lieben zyt! 
Dye blümlyn yn der auwe, 
Der bot mich alszo grosszen nyt; 
Die geselscbaff kan mich erfrauweti. ' 40 

21* Et Urne prtmus miles Herodis descendet 
de Castro ad mariam magdalenam sa- 
lutando eam. Et dicit 
6ot grussze dich, frewlyn zart! 
Du bist geborn von hoh^r art; 
Altes das diei lebet 
Vnd yn den lufften swebet. 
Das mocbt mer nyt szo lieb gesynn 45 

Als du yfserweltes frewlynn. 

Maria amplexando militem dieü 
Danck habe, her jnngelingk; 
Is magk gut werden vwer dingk, 
Want vwer redde^ kont er vorzelen wöl: 
Von recht man vch eren sail. 50 

Nu nemet hyn das krenczlyn^ 
Dar zu wel ich vwer eygen synn, 
Vnd myt vch danczen vnd springenn 
Vnd myt vch frolichen singenn. 

Maria vertit se äd ancillam et dicit 
Eya nu gib mer her den scheyben hut, 55 

Der ist mer vor der sonnen gut; 
Mer woln gehen vff die awenn, 
Vnd woln da springen vnd vns da frawen. 

• diese stelle (Ich breitte — gewaldigk syn) ist in der hs. mit 
ten versehen. 



496 ALSFBLD£R PASSIOINSSHBL. 

^neiUa sua dicü 
Gerne liebe frawe myon, 

Was ir gebiedet das sal syon. 60 

Dissen hut soll er yff vwer heubt seoaMmn 
Vnd dar vnder gar wol ergeczenn. 

Maria dicit ad servma seil, ifyab^bim 
natyr 
Wo bista knecht natyre? 
Brenget mer den Spiegel gar schyre. 
Serum seil, dyabolus nafyr qffert et spe- 
culum et dicit 
Nemmet hen den spigel, frawei 65 

Dar yn sollet ir vwer schone scbawenn« 
Maria . dicit ad seruum seil, dyabolum 
natyr 
Alle bobscheyt hon ich von der, 
Lieber frant vnd knecht natyre; 
Des fflufs ich vmmer we£sen fro, 
Want myn gemüde heldesta ho; 70 

An der wel ich iiyt vorzagenn. 
Ich wel vmb dynt wyllen hoch gemude tmgenn. 

Maria suspieiendo speculum dit^t 
Myn frunt Spiegel, habe dangk, 
Want myn hercz nymet manchen wangk, 
Wan ich die schone klarheyt «yna . 75 

Beschawe yn dynes glanczes .schyon* 
Et maria corizando cum milite et seruus 
dyabolus natyr cum andlla. Et cantat 
vt supra leh breytte etCk Miles didt 
Frewlyn, er sollet mer orlanpp gebean^ 
Got lofs ych myt ireyd,en lange lebemi.. 

Maria, regraciando ei dicit 
Ich danck^n der des danczes dynn, 
Loib saget der das hercze mynn. 80 

Miles reuer.titur ad castrum suum. Et 
maria incedendo jubüat camt vt Ich 
breytte postea hoc dicit 
21*" So, so, her so, 



ALSFELDKR PASSIONSSPIBIi« 497 

Was wolde ich der geselchin danczen vff eyn 

stro! . 
Der ist gereyde müde worden jo, 
Wer er mer, ich tedis en allen alfso. 
Post hoc marika obuiando ei dicü 
Maria liebe swester mynn, * 85 

Werlich ich focht serc dynn, ' .^ 
Das du vordyeoes godes zorn: 
Szo mussesta syn viumer vorlom. 
Das enhosta gude gelesfse (7) 
Ich tbu das ich dich hpyfse (?) . 90 

Vnd thu nyt alTso iorlich; 
Liebe swester bekere dich, 
Vnd nym an eyn gotlich lebenn, 
Szo wel der got das ewige rieh gebenn. . 
Du visalt mer nü horenn« d5 

Maria dieit 
Nu höre vmb die aide thoren, 
Kan sie nicht yr.kibbeln gelan? 
Ich wel myn frende hanf ^ 
Sie magk es woii begebenn, 
Igh wel hon eyn freyes lebenn. ^. 100 

Eya liebe swester, 
Ich wen der treymet gesternn: 
Das frage disse lüde, 
Was der träum betade. 

Lofs mich an disser wyfse farenn^ 105 

Kundestu ilyn eygen sele vorwarenn. 
Das gonde ich der von herczen woU: 
Myn freyde ich doch triben saiL 
Swester auch bidden ich dich sere, 
Want du dich wylt zu hymel keren^ 110 

Szo lofs mich des entgelden nicht, 
Vnd steube mer yn die äugen nyt« 

Martha dicü 
Ach, maria^ das ye werdest geborn! 
Du host dyn synne vorlornn. 

* vergL die Ordnung des passionsspieh der BartholomäUtifts- 
ule %u Frankfurt am Main in Fichards- franl{f. arelußf' 3, 14!^. 
Z. F. D. A. in. 32 



498 ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 

Lofs disfse vnwipplich mere: - 115 

Du host nicht gude gebere, 

Dyn lipp ist torheyt vol. 

Maria, swester, horesta das woil? 

Du host viel zu viel gethan, 

Du magest nach wol abe lan. 120 

Liebe swester hore mer cyo worl. 

Maria respondens 
Ich hon dich gnangk gehört, 
Lofs dyn allen efien fort. 

Lticiper dicit 
Nu hore auch mer, niaria, 

Du solt myt mer bliben, 125 

Wer wollen freyde trybenn. 

Maria f*fit. 
Das behaget mer viel wol; 
Ich wel thun was ich sail, 
Vnd springen aber eynen sprung. 
22" Dyaboli respondent omnes. 

Das was eyn gut fnnd. 130 

Martha dicit 
Ach liebe swester, bedenek dich noch, . 
Vnd lofs dir nyt syn nach der dorheyt goch. 
Ich föchte efs neme eyn bofse ende, 
Szo werden dich die tufeln alle sehenden. 
Maria respondit ^ertendo se ad paptdum 
et dicit . 
Warte, her, warte, - ' 135 

Was wil myn swester marthe? 
Er klaffen ist gar vmb nicht. 
Wie cleyn gebenn ich dar vff icht. 
Myn hercz ist myt freyden vormyst 
In viel lenger in disser frist (?) 140 

Mit zieren vnd pryf^en, 
Vnd mynen holen fruntschafft bewyfsenu. 
Solde ich alfso eyn stulezes lebenn 
Vmb myner swester klaffen begebenn? 
Mer woln mir dar zu raden (?) 145 

li^h wel er schyer eyn bodenn 



ALSPfiLDER PASSIONSSPtBL. 4W 

Schigken, der si sere sail 6laft, 

Wel sie mich nit mit fireyddeit lan, 

Vnd losszen mich yn disser wyfse farenn. 

Kondestu dyo sele selber vorwarenn^ 150 

Das goode ich der von hercze wol ; 

Myn freyde ich doch tribenn sail. 

Martha dicit 

Maria, swester mynn, 

Kere dich von den sunden dynn, 

Vnd kere dich zu godes wort, 155 

Szo magk dyn woil werden raytt. 

Maria dicit 

Martha, hettestu synn vnd wyczenn, 

Du hyssest dyn honer vbber jüe eyer siczenn, 

Adder spynnest dynen rockenn; 

Ich wel mich myt den Jnngelynn zuckenn. 160 

Solde ich dar vmb dynen wyllen losszen? 

Du peltenerszen, ganck dynn strayssen, 

Vnd kastyge dynen lipp, 

Want du bist eyn aldes wipp. 

Du kirchenfistem, ganck von mer, 165 

Das radden ich sicher der. 

Ganck hen, du bitter gallo, 

Vnd lafs mich yn fireyden schalle. 

Angeli canunt Silete, Hoc facto ordinan- 
tur session^s predicadones et xps se- 
dendo predicat disctpuUs^ et martke et 
magdalene ponendo thema seil. Dico 
vobis gaudium est angelis dei snper vno 
peccatore agente penitentiam* *et dicit. 

Ir seligen lüde, ir godes kynnt,"^ 

All die nu hie gesammet synt, 170 

Vornemet heylsamen raydt, 

Das er vmb vwer missetadt /- 

22^ Habet ruwe vnd leydt; 

Das hymmelrich ist vch bereydt. 

Ich sagen vch auch, vorware, • 175 

Das sich aller engel schare 

• vergl. Fichard 3, 142. 

32* 



500 ALSFELDER PASSIONSSPIBL* 

Frawet werdecliche, 

Wan eyn sonder sich 

Bekeren wel von sunden. 

Dar vmb ich vch vorkundenn, 180 

Das er myt ganczen truwen 

Vch losfset vwer sunde ruwenn. 

Hoc facto Sinagoga cantat cum Judeis. 
Interim ihüs vadit ad alium locum Ja- 
ciendo sermonem marthe et magdahne 
ponendo tkema.scil, beati pauperes spi- 
ritu et dicit 

Seligk synt die armen, "^ 

Want got wel sich erbarmen 

Vber sie vnd wel en geben 185 

Das hymelrich vnd das ewige lebenn. 

Die synt auch seligk anderwert, 

Die hie halden myldikeyt. 

Die das ertrich besiezen truerlich. 

Die synt auch seligk ewiglich: 190 

Der leben hie ist frolich, 

Die sollen dort syn truerlich. 

Vnd die synt godes kynde gnant, 

Seligk synt sie auch erkant. 

Der von herczen reynn ist sunder spot, 195 

Der schauwet auch ewiglichen gott. 

Die synt auch seligk sunder wan 

Die hie betrübet leben han, . 

Die da truren vnd weynen hie: 

Got wil selber trösten sye. 200 

Seligk synt aucji die godes kynt, 

Die hie barmherczig synt; 

Die sollen alle wolle genefsen, 

Crot wel en bacmherczig weEsenn. 

Seligk synt aber alle dye, 205 

Dye sich losfsen tersten hye ' 

Vnd hongern nach gerechtikeyt; 

Den wirt gnung bereyt. 

Ir syt seligk alle gar, 

" vergL FicJmrd a. a. o. 



ALSFELDER PASSIONSSPIBL. 801 

Waa vch die lüde schare 210 

Begynet hassen hie dorcb mich ; 

Do Widder wel vch sicherlich 

Myn vatter dar zu looe gebenn 

Iq dem hymmelrich idas ewige lebenn. 

Sermone facto surgtt ancilla martht de 

loco predicacionü et clamat Beatm ven 

ter gm te portauit^et dicit 
Gebenediget ist der lypp,* 215 

Vnd seligk gar vber alle wypp, 
Der den herren bot getragenn ; 
Die brüst sal man seligk sagenn, 
Die. du berre host gesogen, 

Vnd dich lypplicb band erzogenn. 220 

23* Jhüs rnt* beati qui audiunt verbum dei etc. 
Ja du host viel recht gebort: 
Seligk synt die gottes wort 
Hören vnd die bebalden woil; 
Mynes vatter rieb en werden sail. 
hnversio marie Hie ihüs manet stare. Maria mag- 
magdalene, dalena convertitur recedens a xpo 

et dicit circumeundo circulum 
Nu geseyne «ich bude aller meyst 225 

Gott vatter, sone vnd beilgeyst. 
Owe rosenkrencz! 
Owe myner swencz! 
Owe gele gebende! 

Owe myTier wyszen hende! 230 

Owe myner boffart! 
Owe das idiye geborn wart! 
Nach ist myner sunde me 
Dan Wasser troppen yn dem sebe, 
Vnd laubes bot der walt, 235 

Do zu des meres sant vngezalt. 
Nach mer ist der sunde mynn^ 
Wan Stern yn den faymel synn. 
Ich byn nit wirdigk, das ich gehen, 
Das myn äugen sollen sehen 240 

* vergl. Fichard a, a, o. 



Sm ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 

Die hohe von dem hymmelrich. 

Ich byn nit wirdigk das die (erde) trage mich. 

Ich hon gesundiget leyder. 

Woil hen, ir vorfluchteu kleyder ! 

Ir bot mich gar vorwont 245 

Vnd gesencket yn die helle grünt. 

Vorflucbet masz der Spiegel synn, 

Da ich en besach die schone mynn. 

Owe du vnreynes bare! 

Du host mer gemachet die sunde gar. 250 

Woil hen er vorfluchten lock! 

Ich wel nicht mere gehen als eyn tock. 

Vorbafs wel ich nyt springenn: 

Nach bufs wel ich rynngen. 

Myn hobscheyt wel ich lan, . 255 

Dar yn ich mich gepriset han. 

Vorworffen syn äugen vnd wengelynn, 

Die dick wollen hpbsche synn. 

Myn sele hon sie gar vorwont. 

Dar EU der vnselige mont, 260 

Vnd auch myn spycsen schoe, 

Vorworffen synt sie vmmer nu. 

Wes ich nu myt vcb gegangen bau, 

Des wel ich vorbas nü mer lan. 

We mer das ich ye wart gebornn t 265 

Wie eyn torlich leben hat ich vfserkornH! 

Hoc facto chorus cantat vt sequitur 
Mirabantur omnes de hys quae procedebant 

de orc doi.* 
23^ Sub tali cantico maria magdal^a mutat 

habitum et dicü marihe 
Swester marthe, nu gleube mer,^* 
Ich wel sicher volgen der» 
Ich wel diL torecht lebenn 

Vff nach dym rade gebenn. 270 

Ich sehen woil, efs ist der seien toid. 
Das her ihüs nü geboit, 

* diese stelle ist mit noten versehen. 
** vergL Fichard a. a. o. 



Al«$FEU)ER PASSlONSSnSl.. 903 

r 

Man solde myt ganczea truwen 

Haben stede leyde vnd ruwenu 

Vns (/. vmb) alle suntlich taid, 275 

Das was syn lere vnd syn raid. 

Ach were mich nu. entbände 

Von mynen groissen sunde, 

Die ich arme bonn getbaunl 
Martha respondit 

Vnrser herr.e Jbüs crisf^ 280 

Jo barmherozig ist,. 

Der vns zu trost wart gesant 

Vom hymmel herre yn disse laut. 

Zu dem ich hoffnung bann 

Sicher gar an. allen wan \ 285 

Hie. dut vns gnade kunt 

Vnd hilffet vns zu disser stund, 

Das tner ypn sunden werdenn fry, . 

Vnd syn barmherjczikeit sij vns by. 

Quo facto m^eli canunt cantioum aliquid. 
Et martha et maria magdalma rece- 
dunt. Sed Jhesus. manet in loco Inte- 
rim venit reffiäus ad ihm et dicit 

Her ihüs heiiger geyst"^*^. 290 

Myn sone yn groissen sichtag^nn ist 

• vergib Fiehard a, a, o,- ** vergL Fichard a, a, o. 

SALBUNG CHRISTI DURCH MARU MAGDA- 
LENA. SCHLUSS DER ERSTEN ABTHEILUNG. 

SV Tunc sinagoga cantat>, Interim ^ymw le- 
prosus preparat mensain ad iwntmdum 
Christum. Et trimsit ad chri^tum (Mcens 
Herre meynster ihüs, * 
Myt mer saltu geben zu hürs, 
Du Salt essen da mit mer; 
Des saltu herre mich gewerrenn, 
Want ich myt truwem von dir gern. 5 

* vergl. Fichard 3, 144. 



Ji04 ALSFELDER PASSIONSSHKL. 

Saluator dicit 

FruDt symoD, westa host heuert, ^ 

Des saltu recht syn gewert: 

Ich wel za dym tisch kummen, 

Recht als ich hon vomammen. 

Na gangk du vor, szo Totgen mer, 10 

Das mer erfoUen dya begere. 

Jhüs cum discipulis suis vadunt cum eo et 
cum pervenerint ad mensam domum Si- 
monis Symon dicit inelinando ad cum 

Byfs wilkom, daaides sone, 

Da host mer nö liebe getbayn. 

Syt wilkom er andern, 

Die mit ihü plegen zu wandern; 15 

Die do Janger sint des hem. 
31^ Syt alle wylkomen mer, 

Seczet vch nidder myn lieben gest, 

Ich wel vch tfaun das best. 

Et sie ponunt se ad mensam prandendo. 
prandio facto tunc v^nit maria magda- 
lena cum vnguento et cantat 

Viel Sandes bot des meres girant, 20 

Nach mer hon ich dan tasent stond^ 

Widder got misse thayn; 

Owe das ich das leben han!^* 

Chorus canit Jesu mea redempcio etc. tnum 
versum post hoc maria magdalena dicit 

Ich klage der ihüs herre 

Myt myner ganczen begerre^ 25 

Das ich viel vnseliges wypp*** 

Habe eynen sandigen lipp : 
^ Hoffiirt han ich viel getbayn 

Die wyl ich gelebet bau, 

Myt Worten vnd auch gyrikeyt, 30 

Myt zorn vnd myt ytelkeyt. 

Vnkeusch byn ich gewefsenn, . 

* vergl. Fichard a, a, o. 
** diese stelle ist mit noten \)er sehen, 
*** vergl, Fiehard a, a. o. 



Al^SFELDBR PASSIONSSPIKL. 905 

Des enkan ich nyt wol genersenn^. 

Des bidd^ ich dich berre ynni^ich, 

Das du wyllest begnadeoD mich, .^ 35 

Vnd gebbest mar heylsammen troist, 

Das ich von mynen Sauden werde erlöst. 
Et sie acqedit ad pedes ihü, Chorus canit 
Accessit ad pedes etc. Sub isto cantico 
maria magdalena lauat pedes ihü et ter^ 
git capillis suis et vngit eum etpostea 
dieit 

herre vatter ihü crist, 

Wie gar eyn mylde herre da bist, 

Zu vorgeben die sunde ! 40 

Allen mentschen ich künde : 

Die da gnade an der sieben (/. suchen), 

Den gibbestu, her, myldiglichenn. 

Du hoist, here, bewyfset an mer, < 

Des wel icfi^ vmer dancken der. 45 

Want ich arme was gar vorlornn: • 

Do ich dich, heylant, hat vfserkom, 

Do was dyn barmherczikeyt 

Mer armen sunderyn bereyt. 

Alfso wirt sie aller wernde gemeyn 50 

Die sunde sij groifs adder kleyn ; 

Hot der mentsche ruw dar vor 

Sie'(/. So) wiltu sie em herre vorgebben gar. 
Hoc facto Symon phariseus dicit 

Czwar eynes dinges wandert mich* 

In mynem berczen sicherlich: 55 

Werfe eyn prophete disser man, 

Alfso hie sich bewyfsen kan, 

Er wüste wer disse frawe wer. 

Von der man saget soliche mere. 

Das sie eyn sunderyn ist, 60 

Die en roret zu disser friät« ^ 

32" Jhüs dicit symo habea tibi aliquid dicere 

Ifs was ein rechter Wucherer, 

Der hat zwen schulder: 
verßl. Fiekard a, a, o. 



Ö06 ALSFELDER PASSIONSSPIBL. 

Der eyn solde em fanffzigk peDuige, 

Der ander fuaffzigk Schillinge ; . 65 

Do erliers er sie der sohulde, 

Vnd gab en beyden syn holde. 

Nu saltu mich des bescheyden, 

Wileher dancket bilcher vnder den beydenn? 

Simon dtcit 
Meynster, dem hie mehe lesset fare, 70 

Der dancket em bilcher zware, 

J/u' dicit rede judicasti et dicü 
Symon yu dissen sundenn (/. standen) 
Hostu eyti recht orteyl fanden. 
Wissze der mentsche sunde fruoht 
Han mich vff disse erden bracht $ 75 

Doroh eren wyllen cfwame ich here. 
Auch sistu disser firawen ger, 
Wie sie er sunde kan geklagenn^ 
Myn fufs bot sie mer gezwagenn 
Myt eren treuen vorware; 80 

Sie drucket sie myt eren bare. 
Myt gutter salben sie mich begofs 
Myn heubet, des sie nyt vordrofs. 
Dar vmb wirt sie erhöret 

Vnd wirt yn mynes vatters hufs gefort. 85 

itidas clamat vt quid perdido haec. Et 

mames apostoU si placet. Et Judas dicit 
Sehet was thut noit disser vorlast? "^ 
Disse salbe bot fso viel gekost, . 
Man het disse salbe woil vorkaufii. 
Als nü ist der wernde laufft; 
Man het golt da midde gelost, 90 

Vnd arme lüde da midde getrost, 

Jhüs rnt Quid molesti e^tis huic mulieri 

et dicit 
Ir herren, saget, vmb was'^'^ 
Draget er der frawen hafs? 
Gude werck bot sie getliayn; 
Ir moget arme lüde hayn 95 

* vergl, Fiehard a. a. o. *' vergL Fiokard 3, 14&. 



AJLSF£LO£R PASSI0NS8PIBL. m 

Zu allen zyden wao er wylt; 
Nicht lange er mich hahen solt« 

Jks divit marie magdalene 
Stant yff, maria, selick wypp; 
Nicht versündige dynen lypp^ 
Habe vorbafs eyn reyn lebenn;* 100 

Dyn sunde synt der vorgebbenn. 
Nu ganck vnd habe gutten mud, 
Vnd dyne gode, das ist der gud. 
Dücipidi canunt Dimism sttnt ei peccata 
tnulta etCn Phil^pus dicit 
du armer sunder^bie sich an, 
Was dyn scheppere habe gethann 105 

32^ Magdalenen dem sundigen wybe. 
Myt erem hoffertUchen lybe 
Hot si^ viel sunde gethaynn, 
Die bot ir gott alle vorlan. 
Groisse sunde synt er vorgebben, 110 

Want sie bot lieb gehabt an eren leben 
Ina der jiyt der barmherczikeyl. 
Sie hat gesundiget, das was ir leyt; 
Sie hat sich hude zu dem arez gekart . 
Vnd ist genefsen vff disser fart. 115 

Wer der arcz nyt hye geweftenn, 
Szo enwere magdalena nicht genessen. 
Wer hude vff disser erden 
Gesunt wel werden. 

Der aail an dit exempel sehenn, 120 

Wie madalenen ist gescheenn. 
Sie soln auch leyt vnd ruw hau, 
Szo wel en gott alle er sunde vorlan. 

Maria magdalena dicit 
Ich hon versmehet der wernde rieb 
Vnd eren gesmook siberlich 125 

Ymb die liebe mynes harren, 
Der mer die sele m^gk ernerenu. 
Der mer den lipp hot gegebenn, 
Dem byn ich nu worden ebenn. 

* v§rgl^ Piebard a. a o,, > . . 



508 ALSFELDER PASSIONSSPIBL. 

Ich bat en lieb vnd ban en gesehen, 130 

Des ist mer eyn groisfses beyl von em ge- 

scbeen. 
An en hon ich geglaubet gancz, 
Das hie sij der sonnen glancz, 
Von dem Jobannes sprichet vorware: 
Got ist eyn licht clare, 135 

Vnd ist vns zu troiste gesaut 
Von sym vatter dem heylant, 
Die sunder alle zu erluchten gar. 
Hyr vmb wer do wulde war 
Syner sunde werden ledigk yn der zyt, 140 

Der mercke den synne der da lyt, 
Do got sprichet yn der warbeyt, 
Vnd die schrifiTt vfs leyt: 
Des sunders toid ich nicht begere, 
Sunder das hie sich bekere. 145 

Hyr vmb keret vch vmb, 
Szo werdet er syn ynn. 
Das mercket alle by myner geschieht: 
Das er von mer bot gesehen, 
Das mufs vch auch allen gescheen. 150 

Des helff vch der vatter vnd der sone, 
Vnd der mer disse gnade hot gethayn. 
Maria recedü et incipit canere rigmum 

nmndi etc. chorus continuabit^ post hoc 

dicit 
Woil mich das ich tragen flajs lebenn! 
Groisfse sunde hot mer vorgebbenn 
Myn liebe berre ihüs crist, ^ 155 

Der gottes sone vom hymmel ist. 
33"" Alle die an dem wege stau, 

Die sollen mynen frunt emphan. 

Ich was eyn vorloren wipp 

An sele vnd an lipp; ' 160 

Ich hat mich sere vorgessen: 

Sieben tufel hatten mich besessenn, 

Nu ist myn[er] lieber her ihüs Xq kernen, 

Vnd hat da von genomen. (/. die von mir genommen). 



ALSFELOER PASSIQNSSPIEL. SO» 

Ich was gar eyn stindiges vafs, 165 

Nu ist mer wordenn bafs. 

AlTso mufs vch got helffen .allen glich, 

Beyde arm vnd rieh. 

Tunc luciper dicü plangendo ad mariam 
magdalenam 
maria magdalene, 

Wie werestu yn mynen äugen szo schone! 170 
Do werest myn fafs der vnreynikeyt, 
Das vol was aller bofsheyt. 
Nu hoistu mich szo gar vorlayssen, 
Das thut mer we vnd allen mynen gnosfsen. 
In dich woren geplanczet die sieben heubt 

sunde: 175 

Da von hol dich gelofset ihüs der swynde 
Myt synen falschen listen. ^ 

Ich rech es an der yn kurczen fristen ; 
Mer brengen yn nach in groisse noitt, 
Hie mocht lieber kieüsen den toidt. 180 

sathanas, dar v£F lafs vns dencken 
Wie mer en myt er krencken. et recedü* 

Tunc Christum reoedit u symone et dicü 
Symon, dich mufs got bewarenn,'^ 
Vmb das mer woil hau gefarenn; 
Des habe ewiglichen lone. 185 

Var woil lieber symon. 

Et XPo modicum recedente 

Conclusio prime diei. proclamatar dieit 
Allen den die hie gewest synt, 
Den danek das hymelsche heiige kynt, 
Das szo vnschuldiglichen wart ermort. 
Nu swiget vnd boret vort : 190 

Hie musszen mer dyt speie lasfsen.bestan; 
Zu der kirchen sollen mer alle gann, 
Vnd got danckende synn 
Syner grossen martel vqd pynn. - 
Alfsb byfs mom fro. 195 

Got gebe vns gut widder dar. zu, 

vergL Fichard a. a.o. 



510 ALSPBLDER PASSIONSSPIBL. 

Szo woln mer vorler an spielenn, 
Auch vorter vorzelen 
Von der martel gottes, 

Was em die Judden toden quodes, 200 

Vnd wie die noit sy an em gescbeen,. 
Das solt er vorbafs sehen; 
Vnd wie die reyne maria die mntter synn 
Auch hol gelidden groissze pyn 
Von syner martel swere. 205 

Crehet heym vnd komel mom widder here. 

F. 



4. CHRISTI HÖLLENFAHRT. 

76* ' Tunc saluator cum angelü facit procestno- 
nem ad infemum cantando En rex glo- 
riae etc vsqtie advenisti. Dein anime in- 
fernales cantant adtienisti vsqüe te no- 
stra. Tunc luciper dicit ad Sathanam 

Sathanas was betudet das, 

Das die seien an hafs 

Singen vnd frolich syn 

Alhye in der helle pyn? 

Sathanas respondit 

Luciper her, des bifs beriebt, 5 

Das ich dir sagen die geschieht 

Von ihn dem gerechten man, 

Den die iudden gemartelt hon. 

Der ist von dem tode erstanden 

Vnd wel disfse sele lofsen vfs banden, 10 

Vnd syn gewalt wel ober vns gen. 

Nu hilff herre luciper das mer em widder sten. 
Luciper clatnat horribiliter 

Ach sathan nü riegel feste zu, 

Das vns keyn schade gesche^ nd. 

Sathanas dicit 

Herre luciper des ensyme ich nicht; 15 

Ich ryegel zu, des syt bericht. 



ALSFfiLOER PASSIONSSPIBL. 511 

Luciper dicü ad sathanam 
Ach sathan, wie bostu. gesehen- 
Das ^em man ist gescbeen * 

76** Der (?) von der inddischeyl. 

Den du myt raide hoisl zn gdeyt 20 

Vnd die betrogen alfso gar/ 

Dafs- mer efs nd wol werden gewar? 

Sathanas rnt, 
Luciper lierre, des bifs berrcbt, 
Das icb ifs hon gesimet nicht. 
In der wustenung ich en fand, 25 

Da mir syn hunger wart bekant 
Alfsp von eyn mentschep vorware : 
Ich leget em dry steyn vore, 
Ab hie tceyn zeichen wille thun, 
Das ich erkent godes sone. 30 

Aach forte ich en vff den tempel hohe 
Vnd hiefs en her abe fallen dö, 
Ab ich do mochte haben gesehen, 
Das em ichte wer wee g^scheen.' 
Auch forte ich an wane 35 

Vorbafs vff eyn berek dap, 
Vnd wyfset en aller wemde rieh, 
Vnd hiefs en an bedden mich$ 
Do mer nicht me geschach, 

Her lueij)er, dan das hie -sprach : - 40 

Sathana na ganck hen dan, 
Nymandes dan eynen gött sol man bedden an. 
Auch horde ich en schpyen an dem cracze 
Nach der iudden gedincze: • 
Do konde ich nit erkennen mere, 45 

Wan das hie eyn puer mentsche were. 
Deinde angßli canunt Tollite porteis prin- 
ctpes vestras Sea^tas angelus ditnt 
Ir fursteu thut vff vwer thor, * 
Hie ist der konig der eren vor. 

* vergl. Fiehard 3, 15;^. 



512 ALSFBLDER PASSIONSSPIBL. 

Diaboli respondent Qtus est iste reo; glo- 
rie cum strepttu Luciper ddcit 
Wer ist der kooigk der eren fso rieh/ ^ 
Der do fso geweldigUch 56 

Cloppet an vor myner thore? 
Vff myne f yn, komme ich hervor, 
Ich gebe em eynen kiüen slagk. 
Hie feilet nidder vff synen sagk. 

Angeli canunt submisso tono Dominus vir- 
tutum ipse est rex glorie. Quintus ange- 
lus dicü 
Ich sagen vch zu disser fri3t, 55 

Das der konigk der eren nu hie ist. 

Deinde saluatar procedit circueundo a Ion- 
ge cantando En tex glorie vt suprä 
vsque advenisti. T^mc anime infernales 
canunt Te nostra vocabant etc vsque 
Tu JaciMs es. Post hoc sextus angelus 
cantat Tollite portas princ^es vestras 
et dicit 
Ir fursten nu Ihut vff vwer thore, 
Hie ist der konigk der eren vor. 

Dyaboli respondent Quis est iste rex glo- 
rie Angeli canunt submisso tono Domi- 
nus virtutum ipse est rex glorie. Pri- 
mus angelus dicit . 
77* ** Ich sagen vch nu zu disser -firist, . 

Das der konigk der ere hie vor ist. 60 

Luc^er videns per Jenestram legit Sub 
accentu prophecie 
Quare rubrum est ergo indumentum tuum et 
vestimenta tua siout calcancium in torctdari 
Et dicit 
Nu du so geweldigk bist, 
So sage mer, wo von ist 
Der dyn kleyt von binde roit, 
Als ab du sijest geslagen doit? 

ver^l, Fichard a. a. o. ** naep der bezetehnung 78. 



ALSPBLDER PASSIONSSPIBL. 6M 

Saluator cantat Sttb accentu propAecie Tor' 
cular calcaui solus De gentibus nom erat 
vir mecum Et cantat A^ha e^o Eidieit 
rigmum 

Ich byn mentscbe vnd gott, 65 

Ad der mentscheyt hon ich gelidden den doit, 

Das alle dyn gewalt 

Die du an den onentschen faost gestalt 

Sal dir syn benomen, 

Vnd vort den mynen zu bilff körnen. 70 

Tercius angelus dicit ad Luciperum 

Luciper dyn obermut 

Der wirt dir nA nach numer gut;. 

Dar vmb mustu vorstoissen syn 

Von deii hymeln yn disse ^elle pyn. 

Von dem das dii gelidden holst, 75 

Der boit gebangen an des crnczes ast 

Vnd ist geweldigiich erstanden j> 

Vnd wel nemmen vfs dynen banden 

Alle die da hon 

Vff erden synen wyllen gethon. 80 

i Tunc fercio procedunt cantando En rex 
giorie Tvnc anime infernales canunt Tu 
Jactus es de speratis vsque allehija. An- 
gelt cantant ToUite portas etc, Jesutru- 
deute ianuatn infemi et aperietur, Sal- 
uator dicit 

Myn lieben, nu gehabet vch woil, 

Want ich vch erlofseu soll 

Hynne von disser pyn. 

Mu kommet her vor ir lieben myn. 

Tunc omnes angeli canunt aüa voce Ad- 
uenisti usque te nostra. Adam dicit 

Bys wilkom, lieber herre szo here l 85 

Mer lion dyn begeret sere, 

Vnd hon lange dyn gebeyt 

In dissen betrübten jamer leyt. 

Vnfser betrupnifs bot dich dick geruffeii an. 

Der du vns nicht mochte vngestraufilt km. 90 

Z. F. D. A. III. 3S 



514 ALSFELDER PASSIONSSPiGL. 

Nu bistu komen zu troist yn Vnfser pyp, 

Das mer nyt lenger sollen dar yn syn. 

Woil mich das ich ye gewart 

Disfser seligen fartl 

Der schepper der mich gemacht hat, ' 95 

Der wel mich erlofsen von disser stad. 

Et post hoc vertit se ad euam et dicit 
77^ Nu frawe dich eua, da frauwe myn ! 
Ich sehen den geweidigen gottea schyn 
Vnd syn gebeneditten hant. 
Woil mich ,das ich ye wärt mentsch genant, 100 
Got hot geloissen synen.zorn. 
Woil mich das ich ye wart gebom! 
Hie wel vns yn «yn riche. 
Das sollen mer besiezen ewigliche. 

Adam et Eua cum alüs cantant Gloria tibi 
trinitasetc. Dein Eua didt ad saluatorem 
Gebenediget sistu, worhafftiger gott, 105 

Das du vns wilt nehmen vfs der heile noit. 
Mich sol ruwen vort vmmer mer, 
Das ich dyn gebot vorsme, 
du hocbgeloibter gott! 

Want mer hatten gebrochen dyn gebott, 110 

Vnd musten [syn] ewiglichen wefsen toid; 
Hyp vmb hostu yorgoisfsen dyn.blut szo roit. 

Ysaias dicit 
Ich heysfse ysaias. 
Die wile ich an dem leben was, 
Do wyssagette ich das licht, 115 

Vnd hot mich betrogen nicht. 
Das erluchte vnlser vinsternisfse gar, 
Vnd wart {/. wirt) vns genczlich vnd vörware 
Myt em foren gar sicherlich 
In synes ewige vatters rieh. 120 

Symeon propheta dicit 
Ir herren, ich heyssen Symeon, 
Vnd kan vch wol sagen da von.. 
Ich mag wol yn der worheit iehen: 
Mit mynen äugen hon ich en gesehen 



ALSPBLDBR PASSIONSSPIBL. 5t5 

In ftyner heiigen kyntbeyt. 125 

Nu wysfsct von der worbeyt 

Das hie na kommen ist 

Vnd wel vns lofsen zu disser firist. 

Johannes baptista didt 
Johannes der teuffer heyssen ich, 
Vnd der herre erkant woii mich, 130 

Do ich en daufil yn dem Jordan. 
Do'thet laich vff an alle wane 
Die oberste hymmel porten: 
Des vatters stymme wart gehorte, 
Den heiligen geist hon igh gesehen. / l^ft','''^ 

Nu wirt hie sich zu vns nehen 
Vnd wirt sich an allen tufeln rechen; 
Ir gewalt ^irt hie zubrechen. 

Daniel dicit 
Daniel der prophet byn ich gnant, 
Vnd wyfse saget alle zu haut, ,140 

Do ich yn dem leben was r 
Vnd erkant woil das, 
Dds-ihüs vnfser lieber scheppere 
Solde kommen schyere. 

Moyses dicit 
Moyses heisszen ich, 145 

Vnd nam auch an mich 
Zu erkennen den sone ihüm crist, 
Der vns zu troist komen ist. 
78'* Saluator dicit ad luciferum 

Lücifer ist des nit zu viel? 
Wisfse ichs nicht lenger liden wil. 150 

Ich wel mich an dir rechen. 
Die helle wel ich* zu Irechen, 
Vnd dar ufa nemmen an wane 
Die niynen wyllen hon gethan. 

Saluator vocat angelum primum ad alli- 
gandum dyabolüm et dicit 
Wo bistu nu, michael, eyn engel dar? 155 

Ganck her vnd nymme des war: 

• nach der hezeiehnung 79. • .' *. 

33* 



516 ALSPELDER PASSIONSSPIBL« 

Nyin luciper den helle hunt 

Vnd bynt en yn der helle granl; 

Du sali en feste hefften, 

Das hie myt aHen synen kreffienn 160 

Myme volck nicht möge geschaden;' 

Die wel ich yn den hymel Uden. 

Primus angelus (ticit ad saluatarem 
Myn heire vnd myn gott, 
Ich erfoile gern dyn gebott. 

Et sie intrat ad mjerum et dicit ad biei- 
perum 
Woil her, du bofser valant, 165 

Du bist vmer an ende geschant; 
Vnd dyn groifs vbermüt 
Der sal nummer werden gut. ' 
Ijch wel dich bynden sere, 

Das du nach nummer mere 170 

Keynen mentscheu mögest betriegenn 
Mit dynen bofsen falschen liegenn. 

Saluator voeat saluandos et didt caniando 
Venite benedicti patris mei. Et ditit 
Gehet her, ir gebenediten, yn myn hani, 
Ist das vwer pant, 

Das ich vch erlost hon von dem tode 175 

Vnd von vwern groisszen neden. . 
-Ich wel vch füren yn mynes valter rieh. 
Dar er in blibet ewigliche. 

Ad Tnaledictos dicit 
Blibet ir vorfluchten yn der ewigen pyn: 
Do solt er ewiglichen yn syn. 180 

Pu armer sunder, nu ganck von mer, ' 
Trost vnd gnade vorsageji ich dir, 
^ Vnd kere dich von den äugen. myn; 
Myn anczlicz wirt dir nummer sehyn. * 
.Gehet von mer vnd schriet srch und we, 185 

Vwer wirt keyn raid nnmmer me. 
Tu^c anime infernales cantant miserere mi- 

serere p&pulo tuo prim^ anima iHfermalis dicit 
Mer bidden dich lieber herre szo sere, 



ALSF£LDER PASSldNSSPIKL. 1^17 

Das du gnaden wollest z^u vns kerea 
Durch dyn thures bloit szo roit. 
Das du vorgoisTseu durch aller sunder uoit. .190 
Jhs dicit sub accentu eivangiBly j^men 
Amen dico vobis nescio voa et dicit 
Vorware ich enweisz nicht wer ir ^ijt, 
Want ir nach nye zu keyaei* zyi 
Mich selber erkant hot, 
Nach gedienet früe adder spade. 
Des mu^szet ir bliben yn der ewigen pyii, 195 
. Vnd auch des hymmels freude beraubet syn. 
78'* Et sie diaboli claudunt infetum Ei perdite 
anime clamanP m inferno. Secunda ani- 
ma dicit seil, in sinistro latere 
Owe die thüfel thun vns alfso weJ . 
Lieber herre lafs vns , mit dir gehen 1 

Safuator nah advertit; vadit cum suiä qui 
cantant in via Jesu nostra redempcitTetc. , 
ünum versum. Et post primum visrsum 
' Secunda anima i^fernaUs extendit caput 
vltra ianuam ir^erni et clamat post sal-. 
vatorem et dicit 
O-we, owe* vnd vmer mere! 
Lieber herre loifs vns myt dir gehen! 200 

Die thufel thun' vns alfso we, . 
Das mer enkonnen gesiezen adder gesten. 

Et eoßijt. Cui adam respondit' ' : 
Man gant der des weges woilj; 
• Wart das dich nymandes wieder hoile. 

Tunc dffabohisscilicet Usegan^k inußdit 
( ifitam animam reducens eam ad inferum 
et -dicit ; * 

^ Du eBfel*est alGso von hynnen nicht. 20& 

Du werest eyn rechter bofsewicht. . - 

Da enkanst mer nicht ej^itlauffen, 
Ich wel dich slan vnd reyffen. • 
Du must.AUGh yiL^er helle bliben - ' 

Vnä ewiglicbett dar yn bedibenn. 210 



518 ALSPEI.DEII PASSIONSSPIEL. 

Demde anima prima stans in porta infemi 
clamat Miseremini mei miseremini mei 
sattem vos etc. Et dicit 

Nu helffet, frunde vnd mage, 

Mer vfs disser helle plaget 

Hilff her goU vnd erbann dich ober mich! 

Zu der wel ich hoffen ewiglich. 

Time saluator procedit cum suis ad eelum 
Qui canunt Gloria tibi domine qui sur- 
rexisti a morttds etc. Et eua dicit stans 
in porta celi 

Gelobet sijstu, milder crist, 215 

- Want du eyn geweidiger konig bist. 

Geloibet sistu, heiiger, geist, 

Want dyn hilff aller mey nst 

Vns zo dissen freiden bot bracht. ' - 

Woil vns das vnfser ye wart gedacht ! 220 

Woil vns hude vnd vmmer mer 

Das mer dich nu sollen ewiglichen sehen me! 

Sub isto rigmo Cayphas ännas Synagoge 

<^m iudeis coeunt ante sinagogam. Et 

finita rigmo Saluator cum suis intrat 

celum cantantes Gaudent in celis-anime 

Sanctorum etc. 



DIE BEKEHRUNG DES H. PAULUS. 

BRUCHSTÜCK AUS DBM XII JH. 

Gr({ff hat bekanntlich in seiner Diutiska 2, 297—301 
ein bruchsiück einer sehr alten, wohl noch früh im zwölf- 
ten Jahrhundert gedichteten geistlichen erxählung unter iet 
schon von Lachmann (über singen und sagen s, ö) gerüg- 
ten bezdchnung als 'eines gereimten öder vielmehr assa- 
nierenden gebetes' aus der handschrift 77 des klosters 
Rheinau abdrucken Iqfsen. einer freundlichen mittheilung 
Ettmüllers danke ich es dqfs ich diesen ^abdruck vervoU- 
ständigen kann, aber Graffs geringe genauigkeü zeigt sich 



DIB BfiK£HRUNG D£S H. PAULUS. 519 

ih hicTy und dqfs ihm nirgend weniger zu trauen ist als 

er durch cursh)schr\ft die urkundlichkeii - seiner tearte 

sichert, statt seine angaben zu berichtigen l^fse ich lie- 

Ettmüllers abschrift des ganzen kleinen Stückes ab- 

cken. 

■Die handschrifty in quart, aus dem 12n jh,,' enthält 
3n lateinischen commentar über das neue testament und 
Jeres lateinisches, von anderer aber gleich alter hand sind 
deutschen verse in fortlaufenden jzeilen auf die erste 
\e und (von heizin v. 135. an) auf die unterste häJfte der 
\ten seitCy dicht unter den dort schliefsenden lateinischen 
£, geschrieben, früher mögen mehrere blätt&r oder eines 
gebunden gewesen sein ; aber es begreift sich nicht leicht 
*um d^ Schreiber mit dem deutscher^ gedickte nicht auf 
• leeren rückseite des ersten blattes fortfuhr ^ sondern zu 
e der ganzen handschrift^ 

Was auf der letzten seile steht y und von Graff über- 
en wqrden ist, hat EttmUller durch galläpfeltinctur les- 
gemacht, es lehrt dq/s das bruchstuck von der bekeh- 
g des apostels Paulus handelt y und danach habe ich es 
annt. . H. 

, . . . . . . steine ' 

daz ich niut besize 
die vereislichin izze 
di die helle dine th . . . habin 
des bittich tich dur die drie chnabin 5 

die du beschifdos domine 
in demo glugindin bovine 
Ananias. asarias 
io sagit uns daz buch daz 
dir tritte daz was misahel ^ 10 

in tet daz vür niüit we 
- ez iümahte sie nijut gebrennin 
du wäre sUnd in drinne 
de beschirndos tu die dine . . 
mit dinis selbes segine 15 

die da hulfin vehtin 
wider dem unrehte - 



&20 DIB BEKEHRUNG DBS B. PAULU». 

daz yur si niut inmute . ^ 

süi harte der ovin glvte 

anze du mit tinime troiste 20 

sie deraz lostos 
au bit hich die chnabin drie 
daz si mir helvinte sien 
daz du mich irlosest dinen schalcb 
mit der dinir gewalth 25 

mit demi seibin troiste 
so du sie druz lostos 
-so lose euch mine sele 
genadichlich herre 

daz sin niuth brinne sere 30 

O rex apgelorum 
nu shohu mich irhorin 
dur dine warin triuwe 
also da yemami dine diwe 
mariam unde martam 35 

die umbe dich irdigiton 
daz ir brudir lazarus ghenas « 

der drie nathe begrabin was 
undi du in hisze uf sten 

vroliche dane gen 40 

in den seibin namin bit ich ticb 
dazttt gelich haftos mich 
undi gimmir urstendide 
allir minir sSndpn 

dur tinin heligin toth . 45 

den du dur unsir nodi 
an dem cruce iresturbe 
do du dir mite irwurbe 
daz du die dine alle 

irlostest von der helle 50 

dur die selbun losunge 
bittit dich min zunge . 
daz du irlosest mine sele 
gnadichlicher herre 
dur tine gotilichen (araft 55 

42» Gtaffg g^elibhaftos ist wenigsten^ ^ine^ Hoktige Mn^ectur. 



DIE BEKEHHUNG OBS H. PAULUS. XU 

» 

undi dur taz beiige grab 
da din licham inae lach. 
HimilcbuniBch herre 
io hulfi du danlele 

üzer der lewin grübe 60 

daz ia niuwet getorston beruriD 
der er drin was gegebin 
daz in zerbrachin die lewin 
do bescbirmdos tu dinin schalch 
mit tinir gewalth . 65 

daz tie lewin von imo vluhin 
in einin winchil sich smugin 
daz machot al din gotehait 
sin tatin ime inbein laith 

unzi du mit abaouchis brote 70 

in dfuz lostos 
V nu bit ich den herrin 
den gutin danielin 
daz er mir sie weginde 

undi du mir sies Tergebinde 75 

die sundi minis libis 
also du täte dem wibe 
diu dur rüge ^ . 
vur dich warth gevurith 

die di iudin vurtin 80 

drethin dir^gute 
vur^ dich dur daz eini 
da^ du si hizist steinin., 
si seigin M einis huris 

siu wäre werth des todes 85 

. als ie diu alte euwe |;ebot 
do lostos tu si uzir der not 
da scribi du an der erde 
den iudin unwerde 

der ane sunde wäre 90 

daz er niuwin verbare 
er ni wurfi an si einin stein 
do inwas ir allir incheiB 

. deir er Graff, 



522 DDS BEKEHRUNG DES H.. PAULUS. 

der sich des vennasze 

aini si sie iiezin 95 

do gingin si alle dannin 

eine nach andirmo 

uaus post HDum 

do begandon sie nunin 

do ruwin si ir sunde 100 

dv vergäbe ir zer stände 

dar dine gati 

allis daz sin ie gnsundote 

do bisze du si herre 

daz siu isz intati niuth mere 105 

daz ir sundon lize sin 

do warth siu diu irutinne 

vaste gl5bte siu an dicb 

des anthlazes gerin icb 

des tu ubir si täte - 110 

dur dine gute 

yro du si lieze 

nu la mich ir genizin 

undi danielis 

dinis wisagin heris 115 

undi dinir schalch* allir 

di du irlostost von der belle. 

dur di seibin caritate 

sd d5 ubir se täte .^ 

so bit ich tich gotes san 120 

dur dinis vatir willin 

daz tu gebitis herre 

sancte michahele 

daz er mine sele bringe 

swenne siu geschaidi hinnin ■ 125 

in den barm abrahamis 

zi dinin genadin 

dur dine trie namin. amen. 

Do der hedine man 

so verre warth gehorsam 130 

mit gloube und& mit pigithe 

undir also warlich ' . 



DIE BEKEHRUNG DES H. PAULUS. 52» 

siue sund» begundi rugin 

do inphing in der gotes-sun 

da bies er in tofin 135 

andiris heizin 

^ hiz er sälas 

na is er genamot der milte sanctus paolus 

weih e wäre der aame sin 

nu nist sin gnadigir nibbeln 140 

nu ist er ein irweltiz gotis vas - 

den seibin gewuue er ime gab 

do sich .i. iudis von i. stiz 

den herri. ^r do vari biz 

in -daz lant zen chriechen 145 

do becherter mit den buobin 

manigin hedinin /man ... 

nu sint se.gote gehorsam 

und ist daz diu allir eriste dieth . 

nu ist der herre gote uil lieb 150 

er in da ze himile . . . . ^ 

der ouch uns hi niden ir gehiz 

ze uns vil manege gnade 

westin wir umb in verdinin 

iE F.ÜIVFZEHN ZEICHEN DES JÜNGSTEN 

GERICHTES. 

i Prima dies seculo tale signum dabit. ^ 
, Mare surgen^ turgidum undas elevabit: 
Quadraginta cubitis montes superabit: 
Terram non operietT, ^ed ut murus stabil. 

2 Signum erit postea tale quod $eqüetur. 

.. Mare petet infima : sie et absorbetur, \ - . , 

Quod yix illud oculis hominum cemetur : 
Et ad statum pristinum post hec revertetur. 

3 • Die pisces tercia supra äquam stabunt 

Et rugitus maximos versus celum dabunt: 

e^ handsckrife 4, 1. die. scli* . 1, 3. cubitus 1, 4. Tfa 

3. ocli s homi 3, ?. rugitos -^ 



524 OtB XV ZEICHEN DES GERICHTB& 

Congregali volucres plangent . et -clamabant : 
Nee Don omnes besiie planoiu reaonabuQl. 

4 Quarta lux horribile signum exhibebit. _ 
Mare cum flumioibus omoibus ardebit: 
Omne genas bomiDum videns hoe pavebil s 
Tremens metu nimio pro se quisque flebit. 

5 Non bis minus borrida quinia lax monstrabit. 
Totam terram sanguinis sudor occupabit: ' 
Omnis herbe species sanguine rorabit: 
Totum genas arboris pariter sudabit. 

6 Sexta die menia cuncta diruentur: 
Demus turres öpida simul distraeptar : 

' Instrumentis bellicis non bec sie labentar; 
Ymmo propter proximum finem contundentor. 
7 . Die yero septima lapides pugnabunt 
Et alternis ictibus in vicem ceftabant t 
In cavernis homines metu latitabuot 
Et ut illos obruant montibus- elamabunt. 

8 Totam terram tremere lux octava dabit: 
Supra pedes animal suos nuUum stabil, 
Cunctis terram partibus nona lux equabit, 
Valles implens arduos montes inclinabit. 

9 De cavernis homines prius delitentes ^ 

3, 4. f lanetiire sonabant 4, 1 . lox] dies 4, S; homi 

5, 1. bys nimis 5, 3. offis herbe species sagwine r. 6, %. simvl] 
SDDt 6, 4. pronn fined confandent^ 7, 2. £St ictibns alterhis 
7, 4. nt ipsosY 8, 3. noua 8, 4. ardtias 9, 1. dieser xeik 

geht voraus Nena dies (tibns nooa lax equabit Vallens impleas ardms 
moiites iDcliDab^; statt De steht In, und auf 9, i^ folgt noch Planf^ 
bat suis manibus corde trepidaates. m^n könnte in cayernia lomines 
nach 7, Z für ein versehen. des Schreibers halten und darum Jeden fol- 
genden ersten halbvers eine zeile höher rüchlBn und 9» 4 plangent svii 
manibas loqai nescientes sehreihen wollen, wodurch man eine volUg 
untadelhafte Strophe bekäme: doch zeigt sieh in keiner def übrige» 
darstellungen der 15 zeichen von dem .zusat» plangent snitf manibis 
eine spur, während die werte de cavernis bumines bestätig werden 
durch Petrus ' Comestof hist, evang, cqp. 141 Decima (die) exibnnt 
homines de caveruis et ibant velat amentes, nee poteraat mntde loqni, 
und durch Berceo de los signos que aparecerän ante del juieio 17, 1. ? 
El dia que viniere el noveiio.paasado saldrin todos loa omea oada aa« 
(Je 90 fptado. 



Die XV ZEICHEN DES GERiCBlV8. 525 

. Ibont die decima campos per patentes ".* 

Et errabuQt undique veluti dementes, 
Pre timore nimio loqui nescientes. 

10 Post t^rrorem siquidem talium signoram 
Die sab undecima, claustris.sepulcrorom 

Fraetis, foras salient ossa morluorum ^ . . 

Et terrorem oculis facient vivorum. 

11 De süpernis partibus postea. pressure ^■ 

Die duedecima mundo sunt venture. . . 

Fixe cell penitus stelle sunt casure . 
Et per partes aeris flamme volature. 

12 Die terna deciina cuncti morientur - . , 
,Qui viventes seculo tunc reperientur, 

Cum defunctis aliis ut resiiscitentur 
Et secundum merita sua iudicentur. 
t3 Ignis quartadecima die succendetur, 
.Ut quod homo poiluit ignibus purgetur. 
Ergo superficies celi comhuretur 
Atque terre Facies idem pacietur. , 

14 Dies quintadecima celum renovabit 

Atque terre pariter novam formam dabit: ^ .^ 

Et post hec angelice -tube vox sonabit, 
Que defunctos insimul omnes suscitabit. . 

15 Aer post incipiet totus rutilare: 

Nam in luce veniens Christus nube elare 
losaphat yidebitur supra vallem stare, .^ . 
Vivos atque mortuos omnes iudicare. 

9, 4. l^retimore 10, 2. sepultorum 10, 3. foris . 11, 3. stelle] 
de celo: vielleieht liegt der fehler viehnehr in celi penitas und 6»f de 
eelo ist nur de »u streichen . 11, 4. per piagas? 12, 1. terei« 

{zweisilbig)? cücta 12, 2. Qae 13, 2. Et U^ 1. Die . 
14,3. tuba 15,3 und 4 sind umgestellt, vivos atque mortnös 

glauhs ich nicht ändern zu dürfen {etwa in justoi atque ^ naxios), wsil 
der dichter viel/eicht absichtlich den biblischen ausdruck beibehi&Hj 
obwohl derselbe hier ungenau ist, da am dreizehnten tage alle Men- 
schen gestorben und am fünfzehnten alle auferstanden sind. 

Dieses gedieht flicht Brun von Sehönefieck seiner «»i- 
schreibung und erklärung des hohen liedes ein (hs, . der 
rehdigerschen bibliothek »u Breslau^ in einem bände, mit 



526 DIB XV ZEICHEN DES GERICQTBS. 

der von fFtlh, Grimm mit J* begeickneten hs. der goldenen 
schmiede, s. 370 — 375). ick habe nur die abkürxyngen 
aufgelöst, die Orthographie unverändert gelafsen. ^Brun 
übersetzt jede Strophe einsein in drei kurzen reimpaa^ 
und sagt ausdrücklich^ so spreche Der yyl heyliger sente 
Jerom* (so), wonach er Hieronymus vielleicht fitr den ver- 
fq/ser des gedichtes selbst hielt, bekanntlich berufen sieh 
auch sonst mittelalterliche schriftsteiler bei angäbe der fiftf- 
zehn zeichen welche dem jüngsten tage vorangehen wei^ 
den auf Hieronymus; doch kommt in den werken dessel- 
ben eine solche Zusammenstellung nicht vor (myth. s. 473, 
vergL Hoffmanns fundgruben 2, 127), und es ist nickt m 
bestimmen ob diese berufungen sich auf eine verlorne sckrifi 
von Hieronymus beziehen oder durch irgend einen irrthum 
veränlqfst sind, erweisen aber Iqfst sich dqfk schon im 
i2n Jh. zwei verschiedene Schilderungen der 15 zeichen 
vorhanden waren, die beide Hieronymus als gewähr^man» 
nannten^ so dafs wenigstens bei einer von beiden die b^ru- 
ßmg bereits tradition war, mit unserem gedickte nämlich 
stimmt Petrus Comestor (f 1178) in der historia evangeüea 
oap. 141 * genau überein. eine völlig andere beschreibung 
und anordnung der 15 zeichen enthalten dagegen zwei 
deutsche gedichte des i2n jh., in Hoffinanns Jun^grube» 
1, 196—199 und 2, 127 — 129; und obgleich auch diese 
wieder unter einander abweichen, so führen sie doch wf 
eine gemeinsame quelle, die von Thomas Aquinas, in, qunr- 
tum librum sententiarum magistri Petri Lomb. dist. 48 
qtiaest. 1 art. 4 (opp. Parisiis \%%Otom. 10 s. 7Z(f').und 
von Richard von Middletown, ebenfalls in d^ commentä' 
rien zum An buche des Petrus Lombardus dist^ 48 art 1 
qu\ 3 {Venetiis 1509 s. 214*), ziemlich genau scheint erhol' 
ten zu sein ; da jene gedichte beide, besonders aber das zweites 
oft wörtlich mit Thomas nnd Richard übereinstimmen. ** die 

\* zu Lucae 21, 25 et erunt signa in soie et Inna «t stellis. die 
stelle ist wiederholt in Nicolaus de Lira, postillae perpetuae sive 
brev. eomm, in nniversa hihlia {Norimb, 1487, unpaginiert; auch su 
Lucae 21, 25) und fast wörtlich übersetzt in Felthems sjnegtl kisto- 
riael b. 8 cap, 11. 

** vergl. z. b^ Thomas und Richard Quinto (die) omnia volatilia 
caeli congreg:Bbüiiitar in campis, invicem, plorante^, noji ^stantes neqne 



OIB XV ZEICHEN DES GERieHTBS. 527 

haufkUfweichynjgen dieser darstellung von dem latemüphen 
gedickte bestehen darin dqfs in ihr die vier ersten zeichen 
am wafser, die drei folgenden an der l'nfty das achte bis 
awö(/ie an der erde, und die drei letzten an den menscheß^ 
zuerst an den todten dann an den lebendigen, geschehen s 
dq/s der angstruf der fische vögel und der thiere des' fei- 
des an drei besonäem tagen, dem An 5n und 12n,. ver- 
nommen wird, indem jedes gethier bei den zeiehen seines 
dementes klagt; dq/s das einstürzen der gebäude und berge 
an demselben tage (dem 14n, im gedichte dem ßn und 9») 
erfolgt, die rückkehr des wqfsers in seinen früheren stand 
aber für ein besonderes, das dritte, zeichen. gilt («« 2^ A 
dßs latein. ged.), und dcfs endlich der die weit reinigende 
brand und die emeuung des himmels und der erde nicht 
mehr zu den Vorzeichen des jüngsten tages, sondern zum 
jüngsten tage selbst gehören (s, fundgr. f, 199 f und 
Zyl^df; Thomas von Aquino und Richard von Middle- 
tawn^ erwähnen den welibrand gar nicht, doch ohne Zwei- 
fel' nur weil sie für ihren zweck blofs die 15 Vorzeichen 
des gerichtes anführen wollten), offenbar sind die zeichen 
i^ dieser darstellung b^ser geordnet, was das lateinische 
gedieht jedoch verliert, indem es die gleichsam iggisch 
strenge anordnung aufgibt und vorzüglich die noth, der 
menschen, die auch hier am 10/2 tage besonders geschildert 

bibentes {so) ; fundgr, 2, 128, 2 des vivDftin dagpis beginnint sich leir 
cbiQ an den veldin daz gevngele, igelichis nah siner edile. zesamin sije 
dizint, yil harte sie riziot; des mazes sie vergezint, sie drinchint neb 
ia ezint. — Nono omnes lapides.tam magni quam parvi divid^ntm* in 
quatnor partes, nnaquaque aliam coilidente {bei Rieh, nnaqnaqae petra 
al. ■ coli.) ; /t/^dlgr. 2, 128, 28. des nivndin dagis ein islich stein, er ti 
deine odir groz, in vier deil er mvz. die steine zerspringint, div stv- 
che samint ringint; fundgr, 1, 198, 23 an dem niwenden tage\. . . so- 
zerbrestent di staine grozz vnde chleine. -daz geschiht vor dem VHefl. 
si ehliebent sieh en vitir tail. — Dnodecimo omnta animalia renient 
ad campos de siivis et. montibns mgientia et nihil .gnstantia ; fundgr. 
%, 129, 1 ez si vihe oder dier, an dem zweLftun dage vil SJDhir.aie 
lovfint VE dem waLde an daz velt balde, siB rvhilint vü Ingint, keinis 
mazzis sie sich mvgint; fundgr, 1, 199, 3 an dem zwelften tage so 
hilft yns daz vihe chlagen. so g^t daz vihe vf dem velde, daz tier'&z 
dem walde; vil 15te si rerent, so si zesamen cherent mit l$tem ge- 
schreie. - 



528 DIB XV ZEIGBEN DBS GERICHTBS. 

km^df iekon mehreren ßiiheren tagen etmnüeht^ (kn ge- 
winnt ee an poetischer kraft; und schon dies ftikrtmtf 
die Vermutung dafs der lateinische dichter selbst erst vsm 
jener früheren darstellung abwich^ und dafs die ütrigm 
glfiehlautenden Schilderungen aus dem lateinischen gediektt 
genommen sind, zweifelhaft wird dies nur durch einen Mih 
sat% bei Petrus Comestor. bei der erscheinung Christinäsh 
lieh sagt er et ante eum erant instnunenta mortis saae qua« 
vexilla triumphi, crux, clavi, lancea, et in carne eias yide- 
bonliir cicatrices; dies mufs auch in der ursprünglkkm 
von Hieronymus verfqfsten oder ihm zugeschrijsbenen qudh 
gestanden haben^ da es auch in jenen beiden deutschen ge^ 
dichten^ fundgr. J, 200, 10 und 2, 130, 42 — l^i, 5, äe 
mit Comestor durchaus nichts gemein habend vorkommt 
doch Ufst es sich, wenn Comestor das lateinische geikkt 
auszog, nicht anders erklären als dafs er entweder Meesk- 
dere darstellung auch kannte, oder dafs dem gedieht^ der 
schbifs fehlt, das letztere ist weniger wahrscheinlich, ith 
gegen sprechen für die annähme dafs Petras Comestor 
nicht mit dem lateinischen dichter aus gemeinsamer quelle 
iehopfte, sondern dafs er das lateinische gedieht selbst- vor 
sich hatte, die stärkeren gründe, dafs bei ihm k^in 
ger fsug vorkommt der nicht im gedichte stünde, 
einige züge die das gedieht mehr hat aueh.in der darstet' 
bmg der entgegengesetzten klas&e erscheinen (z. b. beim 
2n und Zn tage), und dafs vorzüglich Comestor mehrmH 
im ausdruck mit dem gedichte übereinstimmt, wie et^ z. b» 
beim 3^ l'ig^ ^^^ ^^ fischen ebenfalls ^n^^.rugitiis dabmit, 
um» im gedichte nur eine durch den reim veranlq/ite umr 
Schreibung scheint, -die einleitung bei Comestor, flielroiif- 
mus ia annalibus Hebreorum invenit signa xv dienun ante 
diem iudicii ; sed utrum continui futqri sint dies iili an ii- 
terpolati non expressit, kann durch eine übßrschrift desg^ 
Hohles veranlq/it sein, aus der wahrscheinlich auch Bnm 
von Schönebeck seine beziehung auf Hieronymus *nühm* 
sehr viel älter aber als Petrus Comestor wird das gedickt, 
seinem versbau nach, wohl nicht sein, — unzweifelhaft ist 
es von Berceo dqfs er die 5« bis 22e Strophe seines ge- 
dichtes de los signos que aparecerän ante del juicio (SanebsM 



DIB XV ZEICHEN DES GERICBTVS. 029 

coieccion 2j 273) nach diesem lateinischen gediehte gear- 
beitet hat. er stimmt nicht blojs in der ganzen anordnun^ 
und beschrdbung der »eichen, sondern in fast allen eitf^ , 
xelheiten der ausßikrung die dem lateinischen dichter al^ 
Um- gehören mit ihm überein, was niemand entgehen vnrd 
der beide gedichte mit einander und mit den übrigen be^ 
kandlungen des Stoffes vergleicht, scheinbar abtveichend ist 
nur das zeichen des An tages^ los mares h los rios andar&n 
& grant poder (10, 2), doch ist statt andario, welches Über^. 
hmgft. kein deutliches bild gibt, wohl ardr&n zu lesen* - atif 
Bieronymus bezieht sich Berceo zwar auch, doch Verspricht 
ernur nn sermon que fue priso de un $aneto libriello qne 
fixo Saut Jheronimo (1, 2. 3), worin noch nicht liegt dq/i 
er "selbst nach Hieronymus gedichtet habe, denn für den 
verfftfser des gedichtes konnte er als priester Hieronymus 
weniger halten als Brun, der sich mehrmals einen lauen 
neimt. vielleicht drückte sich Berceo, indem auch er diese 
bexiehimg aus der überschri/i des gedichtes beibehielt, ab- 
siehilich so allgemein aus, der folgende bei weitem gfö- 
Jiere theil von Berceos gedieht, welcher das gericht seWst . 
schildert, enthält nur allgemeine biblische und kirchliche 
Vorstellungen und ist wohl von Berceo zugeßlgt, dessen 
gedieht übrigens unter den mir bekannten über die 15 zei^ 
eken nächst dem lateinischen das schönste ist. die Jrage 
abfr ob der lateinische dichter vielleicht nach Berceo {er 
ist schon 1220 diaconus, *f* 1264; Brun dichtet 1276 nach 
s.%f\ der hs.) arbeitete und von ihm den vierfachen reim 
beibehielt, wodurch sich meine obige Vermutung über Co^ 
mesUh* von selbst widerlegte, ist darum unzuläfsig weil die 
wemgefn züge welche das lateinische gedieht doch mehr 
enthält auch sonst vorkommen^ z, b. die genaue bestimm 
m^mg düfs das wafser am ersten tage um vierzig eilen die 
berge überrage, während das was Berceo mehr hat (vergt. 
13, 4. 19, 4'. 21, 2 — 4) nirgend wiederkehrt. — fkit dem 
lateinischen gedieht stimmt ferner die im fFunderhom 
3, 199 — 202 gedruckte darstellung überein; und ihm steht 
atuih das \Asegabuch abschn.^ § 11 weit näher als dem 
Thomas Aquinas und den verwandten Schilderungen, ob" 
gleich es auch von dem lateinischen gedieht im gange und 
Z. F. D. A. ni. 34 



SSO DIB XV ZEICHEN DES GBRICBTTES. 

m den nnzeiheüen mehrfach abweicht und an das gedieht 
selbst, nur durch den ausdruck beim 6» tage mil Ana bl^ 
diga dAwe bifangen (sind bawn und grasi occapabil 5, 2) 
erinnern könnte^ der jedoch nichts beweist, aufserdem be- 
rühre ich nur noch das im in bände dieser zeitschr. s. 117/. 
mitgetheilte gedieht, welches sich durch, viele eigentkim- 
Uche Zusätze auszeichnet, die gewiss nicht vom dichter er- 
Junden sind, sondern auf dem Volksglauben beruhen, an 
eine onHäherung an die ursprüngliche beschreibung der 15 
zeichen ist jedoch nicht zu denken: vielmehr glßube ich 
dqfs des verfafsers schriftliche quelle nur das gedieht im 
In bände der Jundgruben war^ da sich in diesem alle ^ 
ge wiederfinden die jenes jünger^ gedickt überhaupt wii 
den übrigen darstellungen gemein hat, und da desandert 
beide gedichte mehrmals in den ausdrücken überein km* 
men; z. b. zeitschr, f* d. a. 1, 118, 2^ {vom m^er) ez 
tainl sich üf, fundgr. 1, 197, 2 vil höh laint iz jsich wider 
Af V zeitschr. 118, 32 des widersetzet sich der strAn, ßmigr, 
•t97, 13 s(^ widergftt im der sträm ; zeitschr. 119, ^%f. 4es 
tftges allez daz zergät daz fldze uiide grAt hat, Jundgr, 
197, 2Zf. s6 wirdet des lutzel rät swaz flözze imde gdit 
hlHi zeitschr. 122, 169 y*. des tages allez daz zer^ftt daz^yeder 
HQd dA hki j ßindgr. 197, 35/. des tages harte %egki swaz 
vetich oiide chlA bat; zeitschr. 1229 222 f. .s6 vervaUeni die 
bürge die [da] durch übermuot geworht wurden, Jimdgr, 
i98', 33/*. so zervallent di bürge di durch raom gebowen 
wurden; eben so zeitschr. HS, 35 -zu ßmdgr. 197, 15; 
zeitschr. 123, 2 (/. flühen si denne in diu hol; vergLl^l 
des tat. ged.) zufundgr. 194, 18; zeitschr. 123^ 227 c: 
ßmdgr. 198, 38; zeitschr. 123, 2Z2=ifundgr. 197, 39 
. u. s^ w. auch dqfs das meer am ersten tage, sinkt wd 
am zweiten steigt, so wie da/s die thiere sterben ist die- 
sen beiden gedichten eigenthümlich ; und das jüngere hat 
den letztem zug noch weiter ausgebildet, indem hier eigent- 
lich nur die drei ersten tage den Weltuntergang verkün- 
den, d^ an den folgenden schon geschildert wird^ 

E, SOMMEB. 



5S1 



SPICILEGIEN ZUR DEUTSCHEN GRAMMA- 
TIK AUS DER KELTISCHEN. 

3 DIE REDUPLICATION DER VERBA. 

In ganz ähnlicher form wie die gotbische spräche kennt 
die gälische eine redaplicaüon der verba. itn gothischen bilden 
verba deren stamm den vocal a oder einen mit a componier- 
ien doppellaut hat ihr präteritum reduplicierend \ im gsUischen 
bilden veriia welche ein a im stamme haben durch die re« 
duplication facütiva, die in den deutschen mundarten in der 
regel von dem präteritum der ablautenden stamme hei^elei- 
let werden, dem sinne nach ist also die gälische rednpli- 
calion ganz verschieden, wie man an folgenden beispielen 
sehen kann, claidh ich grabe, begrabe, ceaehlaidh ich ma- 
che begraben d. i. ich tödte, zerstöre, vernichte. — freagh 
ich antworte, fiqfraigh ich mache antworten d. i. ich for- 
sche, frage. — mair ich lebe, daure, bleibe, meamhair ich 
mache danern, mache bleiben d. i. ich erinnere. — reagk 
ich bringe in Ordnung, regiere, riaraigh ich mache dafs et- 
was in Ordnung gebracht wird, d. i. ich satisfacieire. — > der 
unterschied wie die ähnlicfakeit sind- hier interessant, . da ja 
auch in den deutschen mundarten die factitiva, wie schon 
bemerkt ist, eine beziehung zu präteritivformen haben, ganz 
abgesehen aber von der erscheinung im allgemeinen, von be- 
deutung ist die Zusammenstellung des gälischen fiqfrtdgh 
mit dem deutschen fragen, da ja auch jenes eine Wurzel 
freagh hat. 

4 DAS ALTHOCHDEUTSCHE ADVERBIUM 

BORA. 

Die althochdeutsche mundarf^hat in diesem adverbiiim 
ein sondeii>ares wort, sonderbar auch dadurch dafs es oft 
(wie das französische du tout für point du tout) in negati- 
ver bedeutung gebraucht wird, in welcher Verwendung es 

34* 



532 ZUR DEUTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 

dann auch noch im mlid. und mittelniederländischen öfter 
begegnet, das französische du tout weist nur auf keltischen 
spfachgebrauch zurück, auf eine spräche welche, weil sie 
eigne medi der negation in der verhalbildung kannte, zuwei- 
len in kurzer rede die Verneinungspartikeln selbst fallen la- 
fsen konnte, jenes altdeutsche bora ist aber auch der form 
nach keltisch, im gälischen heifst borr als verbura In die 
höhe gehen, wachsen, zunehmen und grofs sein; als sub- 
stantivum Die gröfse, macht, majestät; als adjectivund ad- 
verbium Grofs, herrlich, mächtig, es ^rd aber adverbia- 
lisch ebenso zu adjectiven gestellt wie das altdeutsche hwa 
oder bof' z. b. suil heifst das äuge; svilleach mit angen 
versehen; bor-shuilleach mächtig mit äugen versahen d. i. 
grofsaugig. 

'Die mischung des deutschen schon in ältester zeit vii 
keltischen Worten findet in gröster ausdehnnng statt, ich 
will nur noch einige recht augenscheinliche beispiele anfüh- 
ren, das wort gabel ist im deutschen eine hieroglyphe.. im 
gälischen lautet es gabhal und ist ganz durchsichtig, deon 
es ist von dem verbum gabk-, nehmen, festhalten, abgelei- 
tet ; gäbhal wird also sofort als Werkzeug des nehmens oder 
jfesthaltens verstanden, das wort küssen (pulvinar) ist deutsch 
. etymologisch nicht zu erklären; althochdeutsch lautet e% hu- 
sin^ im wälschen heifst cysu schlafen ; und damit verwaiidt 
cws der schlaf, im gälischen ist das verbum Verloren, aber 
ableitungeil sind übrig, nämlich cosair das bett und ctdsin 
das küssen. — aber auch unser deutsches woct kuss (osca- 
Inm) ist keltisch, es lautet wälsch cüs und küssen fosoa- 
larijr heifst cusanu oder ctisaw. gälisch ist dasselbe wort, 
iiur mit regelrechtem Übergang der gutturale in die labiale^ 
also bus. dies heifst der kuss, aber auch der mund, wit 
bei uns in der Volkssprache mäulchen einen kleinen mund/ 
adier ^uch einen kuss bezeichnet, und selbst die form Inu 
ist im südlichen Deutschland noch für kuss vorhanden. — 
unser wort morgen ist durchaus im deutschen ohne erkia- 
' ^rung ; im gälischen heifst maraeh ci'astinns und a marach 
cräs; im/wäUchen mory crastinus und e fory (für e mory) 
cräa. gälisch aber und wälsch sind diese Wörter gan:^ durch- 
sichtig-; denn marath ist hergeleitet voil mair- leben, däuerfl) 



ZUR DBUTSCBfiN GHAMMATIK AIJ8 1>. Kfil^T^fiSCHEN. i»S 

M6iI)eQ, fortgesetzt werden, fortgehen, bedeutet also cooti'^ 
onatus, durans, progrediens, und wie der morgende lag vom 
slandpiinkie des heutigen als ein fortgesetzter, dauernder, 
übrigbleibender, wenn der heutige beendigt sein wird^ be- 
zeichnet werden kann begreift sich leicht, ebenso bezeieh- 
net mor im wälschen das dauernde, fortgesetzte, endlose, 
bleibende, und dann specieller die zeit und das meer. erst 
im deutschen scheint sich an den begriff craslinus der von 
matutinus angehängt zu haben. 

Fast überall wo man auf ein altes und dennoch in sei- 
nen etymologischen beziebungen mit den mittein der deut- 
schen spräche nicht zu erklärendes wort stöfst ist es bei 
näherer betrachtung ein keltisches, und die alten deutschen 
mnndarten stellen das bild einer aus deutschem und kelti- 
schem so combinierten spräche dar als jetzt die englische 
spiraehe aus deutschem keltischem und romanischem compo- 
vieti ist, nur dafs in der spräche selbst noch eine gröfsere 
kraft der assimilation und damit zusammenhängend überhaupt 
4er Wortabwandelung zu finden ist. 

- Trotz aller seit dem ersten aussprechen derselben dage- 
gen erhobenen klagen mufs ich nicht nur bei meiner frühe- 
ren behauptung des mischverhältnisses unserer spräche blei- 
ben, sondern diese behauptung jetzt nach fortgesetzten Stu- 
dien weit verstärkter aussprechen als früher. 

Wörter die aus dem lateinischen oder englischen und 
schottischen erst in die keltischen sprachen übergegangen 
sind erscheinen auf der stelle dem geübten äuge fremdartig; 
niemand wird ridire (eques) pearsan (persona) deamon (dae- 
oion) u. s. w. für keltische Wörter halten, die behauptung, 
alle jene im deutschen und keltischen identischen Wörter 
seien ursprünglich deutsch und erst zu den Kelten gebracht, 
ist völlig willkürlich, und hier und da kann man sie lächer- 
lich .machen, wo zum beispiel nicht blofs das keltische sei- 
nen eigenthümlichen lautwechsel bewahrt, sondern die an- 
gelsächsischen und englischen Wörter den keltischen weniger 
nahe stehen als altdeutsche, oder wo angelsächsische und 
englische dieser art nie vorhanden waren. Wörter wie 
chwegyr die schwieger, chwegrwn der schwäher, chioy* 
der Schweifs, chwysu schwitzen, können nicht durch das 



5^ ZUR DEUTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 

angelsächsische oder englische dem wälschen vermittelt sein 
(höchstens chwegyr durch das ags. sveger), und im wü- 
schen sind überdies ckweg (süfs, lieblich) nnd chwys regel- 
rechte Wurzel Wörter, während beide famüien bei uns W1l^ 
zellos sind. LEO. 



DER HEILIGE ALEXIÜS VON KOIVRAD 

VON WÜRZBÜRG. 



Konrads Alexius ist von seinem herausgeber so schmäh* 
lieh verwahrlost worden dafs ein neuer abdruck keiner 
rechtfertigung bedarf; das nicht lange gedieht^ von argem 
schmutze befreit, liest s^ich angenehmer als anmerkungt» 
die des herausgebers verstöfse gegen grammatik versbau 
gewohnheit des dichters und sinn bei seite räumen, und sat 
lernen ist nichts an der berichtigung von fehlem wie die 
folgenden groben grammatischen» wä statt sw& 154. wer 
statt swer 611. 1286. 1292. waz ^to^swaz 753, statt swfM 
332. wan statt swenne 624. 1289. beginnet als participüm 
332. dünkte 418. twnncte 428. spuorte 542. s6 statt dis re- 
lativen pronomens 617. kies als imperativus 627. pin aU 
femininum 710. 728. 760. 964. 1234. teten statt täten 835. 
dnt als erste person des pluralis 989. offenbaere als zweite 
person eines Präteritums 1054. saht statt saehe 1134^ wurde 
statt wart 1291. 

Zwei handschriflen dieses gedichtes sind bekannt. 
nenne ich die durch Oberlins auszilge zum theil mh 
gängliche Strafsburger hs,, A 100 der JohanniterbibUs' 
thek, nach Oberlins diatribe s. ii eine pergamenths. m 
guart. sie ist verloren gegangen, s, Engelhardts ritter vtm 
Stauffenberg s. 26, wo ihr format alsfolio angegeben wird, 
ihr Inhalt läfst sich aas den an/Uhrungen in Oberlins gloi' 
sare ziemlich genau berechnen. 1. ein martyrologium, bU 
2 bis 99. — 2. Carmen de xenodochio HierosolymitanOy 
bl. 101 Atr 112. — 3. Konrads Aleanus, bl. 113 bis 123.— 
4. wie es scheint ein gedieht, aus dem Oberlin sp. 317 wd 
1011 eine stelle anfuhrt, bL 124. — 5. Hartmanns Gre- 
gorius, bl. 125 bis 158. — 6. sermones sacri, bL 160 bU 
207.— 7. Eckeharte9 bredien, bl. 209 bis 231.— 8. vitäe 



KONRADS ALEXIUS. 58» 

pairumj bl. 235 bis 303. — aus dem Alexius gibt Oberlins 
diairibe de Cpnrado Herbipolita (Stra/sburg 1782) *. 11 
dreistellen, s. 376 — 383, 1078 — 108^1, 1360-^1384, und 
s. 33^. den anfang des gedicktes bis 176. aus Oberlins 
glossare zählt herr Mafsmann s. 6y. sechsundxwanzig war- 
ter auf unter denen sich zeilen des jälexius finden ; er setzt 
hinzu, es gebe wohl npch einige andere, das wahre ist 
dii/s er über die häl/te dei* stellen übersehen hat^ und dar- 
unter solche in- denen die Strafsburger hs^ wesentliche hilfe 
leistet. 

I, die elf letxten blätter der papierhs. ' ix D 2 ■ des 
Insbrucker museums, geschrieben durch den bruder Johan- 
nes Ritter, ordinis minor, terminarius in wintertar- et con- 
ventoat. schaffhus. anno domini m^-cggg^xxv^ feria 4' ante 
Ocoli (so hat Mone gelesen, bei herrn, Mafsmann s. 8 steht 
an 9tuli icl). erwähnt hat dieser hs. zuerst Mone in sei' 
nem anzeiger 8 (1839), 217. ich habe ^ie nur in herm 
Mqfsmanns ausgäbe benutzen können, unterscheide also 
durch I was von ihm ausdrücklich als ihre lesart angege- 
ben wird von dem was sein text bietet; dies habe ich mit 
i bezeichnet. 

Die Insbrucker hs. ist eine späte und sehr schlechte, 
ifbwohl es stellen gibt in denen sie befseres enthält als der 
text des heraus gebers ; also verstand sich von selbst dcfs. 
von der älteren und weniger schlechten Strafsburger hs. 
SU ihren gunsten ohne noth nicht abgewichen werden durfte, 
meine eigenen Vermutungen werden sich hoffentlich betken- 
nem des dichters meistens selbst rechtfertigen, einige stel- 
len des Alexius habe ich in den anmerkungen zum Engel- 
hard behandelt, mehreres bleibt unsicher. HAUPT. 

» 

Got, schepfaere über alliu dinc, 
Sit der wisheit ursprinc 
von dir vüuzet unde gät, 
s6 lä mir diner helfe rät 

zuo vliezen und die sinne sieht, 5 

daz ich geprise dinen knehl 
-und ich des leben hie gesage 

1 — 176 dea^r. 33 — 35. %, Sit das d. /. 



.^ 



KONRAUS ALEXIUS. 

' der also lüter siae tage 
in dime dienste wart gegeben, 
sin lop durnehtecliche enbreben 10 

muoz von wären schulden, 
er bat nach dinen hulden 
geworben als6 vaste 
daz in der 6ren glaste 

sin name sol erschinen. 15 

da von s6 lä mir dinen 
wisen rät ze helfe komen, 
daz sin leben nz genomen, 
daz in latine stät geschriben, 
werde in tiusch von mir getriben 20 

also bescheidenliche nu 
daz da von gepri&et du 
werden mügest unde euch er. 
sin h6her name was da her 
so vremde genuogen liuten. 25 

nu wil ich iu bediuten 
unde entsliezen die getät 
die der vil sselden riebe hat 
begangen üf der erden, 

durch daz gebezzert werden 30 

müg eteswer Von siner tugent. 
wan swer daz leben siner jugent 
durchnehtecliche merket, 
der mac da von gesterket 
an guoter sache werden hie. > 35 

der sselden riehen leben ie 
macht ander liute sseldenhaft. 
ez gap in edele biscbaft 

8. al86 t: alz 0. 10. Din (auch gl. 312). Sin lib dar luch- 

teclicben emphelchen /. 12. hat /. 13. also I, alz 0, 

14. Das J, 8 was 0. 18. daz Oberiin: so was 0, Das ich /. 

20 fehlt L werde zvo tuisz (auch gl, HSi). 21. Also be- 

schaidenlieh nu /, alz hescheidenlichen nv 0. 25. Ze fromde gang 
den 1. /. 28. sMdriche /. 29. erde Ö. 30. werde 0. 

35 fBhit I. sachdn 0. -36. Der seiden riche lebeU ie 0, D«8 

s&ldenrichen lehn je : €rebrast an de Jüglln nie /. . 37. vn mähte 0- 
38. Er (auch gl. 159) /. ' 



41 



KONRADS ALJSXIÜS. 537 . . 

und ein so nützez bilde 

daz in diu sünde wilde 40 

Wftiit von gotes 16re. 

da von hab ich nä is6re 

minen muot geleit dar an 

daz ich gesage von eime man 

der hsete gar ein heilic leben, 45 

durch daz sin tugent mneze geben 

den liuten höhe sselekeit 

den hie sin leben wirt geseit 

und daz lobeliche dinc 

wie der kiusche jüngelinc 50 

beleip der houbetsünden vri. 

swer nü so reines muotes si 

daz er mit willen hoere sagen 

daz wunder sines lebetagen, 

der sol mit vlize bieten her 55 

sin dren und des herzen ger. 

Ze Röme ein edel herre was 
der in sin reinez herze las 
milte und ganze erbermekeit. 
gr6z wunder was üf in geleit 60 

richtuomes unde wirde. 
sin muot und al sin girde 
vor schänden luter wären, 
er diente in sinen jären 

mit vlize dem vil werden gote 65 

und wolt^ gerne sime geböte 
wesen iemer undertän. 
er was genant Eufömiän 
und wielt getriuwes muotes. 
vil 6ren unde guotes 70 

i 

\, Davon so h. 0^ 44. gesage : uch sage /. einem «'. 

K flag /. 46. Dem ^da s, t. h5rt g. /. 48. Den den dz 1. /. 

l. B. den hobt sinden fri /. 54. Das er sine lebtagen /. 

'. edler /. 59. erbarm h'cykaH /. 60. Ain w. /. 6^. S. m. 
' sin begirde /. 63. An seh. /. . 64. Er / und Oberltn: Im O. 
L' sinen /. 68. gehaisen eufamioA (: imdertön) /. 69. vet^i, 

gl. ^0^7. 



538 KONRADS ALßXIUS. 

het er in siiier b6hen pflege. 

weiz got, im dienten alle wege 

driu tüsent frouwen unde ouch man 

die pfelle und siden truogen an 

bi den selben jären 75 

und umbegürtet wären 

mit riehen borten guldin. 

er muoste liep dem keiser sin, 

wan er in sinem palas 

der oberste und der beste was 80 

des er da bi der zite wielt. 

sin hüs er miltecliche hielt 

nach der wären schrifte sage. 

dri tische wurden alle tage 

bereit den armen dinne. 85 

die wären gotes minne 

truoc sin tugentricher lip. 

ouch hsete er ein vil ssbUc wip, 

diu was Agleis geheizen 

und künde in wol gereizen 90 

äf milten unde uf h6hen muot. 

si was liutsaelic unde guot, 

bescheiden unde verwizzen. 

ir tage si verslizzen 

hsete in ganzer reinekeit, 95 

wände ir herze was geleit 

an got vil harte s6re. 

in beiden guot und 6re 

was gegeben unde beschert. 

iedöch hsete in freude erwert 100 

daz isi wären äne kint, 

71— 73/eA/ait 0, 74. Die parpnr a. siden an 19 Pfellor Ton side 
trnoe er an derselbe getmve man (?. 75. Tragend bi den 7. /. 
77. rieben 0, siden /. 78. sui fehlt /. 80. beste /: libeste 0. 

81. Das /. 83. geschrift /. 84. Drie 0, Die /. 85. B^ d. a. 
kinden /. 86. wäre 0. Die da wäret gottes miner /. 

87. taot 0. tngethafft^ /. 89. agies /. 91. yf bohea 0, 

raine /. 94. si 0: hett si /. 95. Hetten in g. r. 0, Gar ii 

rainer stätikeit /. 96. Wo I, yn 0. ' 98. Ir /. 99. gebii /. 

100.. iB Oi in daz i. 



KONRADS ALEXIUS. 530 

diu richer liute wanne sint ^ 

unde ir spil üf erden hie. 

daz reine wip enhsete nie 

sun noch tohterlin getragen. 105 

daz h6rte man si beide klagen 

dicke sunder allen spot. 

si gäben durch den werden got 

almuosen rilich alle stunt 

dar umbe daz in würde kunt 110 

von sime tröste ein kindelin 

daz noch ein erbe solte sin 

der höhen gülte manicvalt 

der wunder was in ir gewalt. 

Nu wolte si des got gewern 115 

des ir gemüete künde gern 
gar inneclichen zaller zit. 
er liez ir edel herze sit 
ervröuwet werden unde ir leben, 
in wart ein schoener sun gegeben 120 

von gotes helfe sk zehant. 
der wart Alexius genant, 
den riehen und den höhen vromen 
het er vil schiere an sich genomen 
daz er begunde minnen 125 

mit herzen und mit sinnen 
den wären got für alliu dinc. 
er wart ein saelic jüngelinc 
an libe und an gebäre. 

der edele und der kläre 130 

zuo der schuole wart geleit 
und haete in siner kintheit 
enpfangen schiere die vernunst 

L noch nie /. 107. dicke t: Dvi zwei 0, alle /, ane 0. 
i. werden I, riehen 0. 109. Billich a. alle st. /. 110. der 

be laze in werden k. 0, 114. D. wünsch wz in ir gezalt-/. 

>. ^t des /. 116. Das ir mnt /. 117. Gar inneclicher 0, 

\ mineklich /. 1^1. ^ottes 0> siner /. i^. 124. Vnd bette 

sich genome D. r. v. d. h. fromen /. 129. gebärde /. - 

). vn d. werde /. 131. gelert /. 133. schiere fehlt I. 
unnit t. ■ . ' . 



540 ' KONRADS ALEXIUS. 

■ 

daz er von götelicher kunst 

wart vil unmäzen wise. 135 

mit lobelichem prise 

gezieret stuont sin reiniu jugent. 

er wart ein spiegei richer tugent 

und aller 6ren bluome. 

wer möhte alfaie mit raome 140 

durchgründen oucfa sin h6hez leben? 

im bsete got den wünsch gegeben 

üz erweiter dinge. 

dem werden jiingelinge 

wart allia schände wilde. 145 

er hsete ein klärez bilde 

unde ein luter angesiht. 

an im brast aller sselden niht 

die man üf erden haben sol. 

sin herze sam ein heizer kol 150 

in der gotes minne bran. 

daz schein im in der jagen t an 

vil uzer mäze vnieje. 

man seit, swä tugent blüeje, 

daz di vil richer saelden frnht 155 

beginne wahsen mit genuht. 

diz wart an im bewseret wol. 

sin herze was der tagende voh 

da von sin lip gar s^lic wart. 

ein maget rieh von höher art, 160 

diu von keisers künne was, 

wart im ze wibe, als ich ez las, 

gegeben in der kintheit. 

doch wizzent daz er si vermeit 

und er si kiusche lie besten. 165 

si was n4ch wünsche wol getan 

134. k«oft i. 138. aller /. 140. mit fehlt I. 145. Vor aller 
sebaiiden w. /. 148. brast (auch gl, 185): brist /. 149. erdea 
ifuek gl, 18&): fehlt I, 150. 151. vergl. gl, 808. 1S2. üi 

0: an /. . 153. V. vzzer maze (auch gl, 1913) s V. vif iier nair 
sen /. 157. Bis 7, als 0, 158. ward /. 16t. keiaers 

[auch gl, 846) : des keisers /. 166. nach 0^ vö /. 



KONRADS ALEXIDS. 541 

vnd üzer mftze schoßiie. 

mit lobe ich immer kroene 

ir werdez leben unde ir lip. 

si wart iip als ein 61ich wip 170 

gemahelt in dem tempel sas 

da sante Bonifftcius, 

der marteraere genaedec, ist. 

ril werder priester, wizze Krist, 

ze samene gftben si des tages. 175 

des wart an vröiden vil bejages 

enpfangen in der veste wit, 

wan da geschach ein h6chgezit 

diu rilich unde schoene was. 

diu brut üf einem palas 180 

des nahtes da zehant beleip, 

d6 man den Lac vil gar vertreip 

mit wunne und mit geriete. 

Alexius der bsete 

bevangen h6ber tugende schin. 185 

Eufömiän, der vater sin, 

biez in minneclicbe gän 

zuo der meide wol getan 

uf die kemenäten hin. 

lieplicbe sprach er wider in 190 

'sun, vil herzelieber trat, 

ganc üf ze diner schoenen brut 

in daz gadem wünneclich.' 

mit disen Worten huop er sich 

üf den palas da zehant, 195 

dar in er wol gezieret vant 

die werden keiserlichen frubt. 

an ir lac schoene bi der zuht 

und üz erweltiu staete. 

si was mit richer waete 200 

.67. 112 der maze 0, u. d. mässen /. 168. ich 0: ich si /. 171. t. ha»/. 
.74. werde 0. 176. d. w. an fr. v. bejages 0: D, w. da fp. y. 

lejaget /. bejagei gl. \\% scheint druc^fehler. Vl%, höchzit t . . 
[79. riebe i. 181. des nahtes d& beleip t. 19;^. gang tif, sohop 
lin brüt t. liOO. si 474: nnt f. 



542 KONRADS ALEXIDS. 

bekleifc nftch wünsche garwe. 

ir minneclichia varwe 

gap dnrcbliuhteclicfaen schin. 

si was gar edel und gar vin 

an libe und an gebäre. 205 

diu sselige und diu kläre 

geblüemet wöl mit 6ren saz. 

Alexius dö niht vergaz 

der lugende der sin herze wielt. 

reine und kiusche er sich behielt 210 

vor allen houbetsünden, 

wan in begunde enzünden 

diu wäre gotes minne. 

diu lac in sinem sinne 

s6 brinnende und s6 glüejende. 215 

sam ein r6se blüejende 

vor im saz diu guote. 

d6 wart im ze muote 

daz er sich von ir libe schiel 

und ir daz aller beste riet 220 

des er gevlizen künde sich. 

mit süezen werten minneclich 

begunde er si daz 16ren 

und üf den willen k6ren 

daz si bestüende kiusche. 225 

er warf ir daz getiusche 

der trügelichen werlte jFiir 

und Seite ir daz man gar verlür 

ze jüngeste an ir 16ne. 

dar nach d6 gap er sch6ne 230 

ein vingerlin der süezen dar 

und ein gezierde liehtgevar 

da si nach dem lantsite 

bedecken solte ir houbet mite 

%Q\. gtrwe 0: wate l¥ 203. darchliahtigeD t. 205. gebärde /. 
1^0. 1^ d. werde /. 208. d6 niht] der mit /. 216. Sam so /. 
226. getyefche 542, z& tu^ch /. 227. trygeniidher 0, tmrigea /. 
230. ir schöne /. 232. lieht geyar 0933, Uchtgebar /. 

233. landsitte 0, sitte /. 234. B. — mitte 0, ir hdvbet dahte Ü 



RONRADS ALBXIUS. 543 

daz adelliche was gestalt. 235 

'gemaher sprach er, 'daz behalt 

die wile ez. gotes wille si. 

der mnoz uns immer wonen bi 

und kiusche bi uns bliben gar.* 

hie mite schiet er sünden bar 240 

von ir unde meines bI6z. 

durnehtic michel unde gr6z 

wart sines herzen riuwe. 

der süeze und der getriuwe 

ein teil d6 sines guotes nam. 245 

mit dem sd kfirte er unde kam 

tougenliche sine wege. 

gar statte wolte er in der pflege . 

beliben und dem dienste gotes 

und immer gerne sins gebotes 250 

Tojgen üf der erde. 

der edele und der werde 

saz df daz mer in einen kiel * 

und fuor als ez im wol geviel 

und als in dd sin wille bat 255 

vil schiere zeiner schoenen stat, 

diu nennet man- Laudätiä. 

doch was er niht ze lange ik, 

wan er zehant von dannen schiet. 

sin edel heirze im d6 geriet 260 

daz er k6rte zeiner stift. 

diu ist geheizen in der schrift 

bescbeidenliche Edissä. 

diu selbe stat in Siriä 

lit, daz sagent uns diu bnoch. 265 

da was gedrücket in ein tnoch 

daz bilde J6sü Kristes, 

lite i. !235. 16. ^S. /immer fehlt /. 2^0- sander bar i, 

41. an meines Mos & 168 (vergl. 1847^ vnd main waa los L 

;4!2. !263. %i7, tu^entliche i. sinen we^ /. MS. Garwe 

Gar I) stffiter voliei^ pflege (pfleg /) i, 249. and] in t. 

(50 sin r. 1^56. sckoener i. ;^62* geschrift t. 264. sirean^/. 

l67. Jösus i. xpus /. 



^ p 



» v* - 



544 KONRADS ALEXIUS. 

gar itel karges listes 

and äne menschen werc gemäht. 

ouch stuont ein münster wol geslabt- 270 

gezieret di vil sftre. 

in sant Marien (re 

gewihet ez vil soh6ne was. 

in dirre veste, als ich ez las, 

Älexius sich nider lie. 275 

mit reinem willen er dft gie 

ze kirchen aller tegelieh. 

er ougte mit gebete sich 

den äbent und den morgen. 

in riaweclichen sorgen 280 

wart daz herze sin begraben. 

daz edele und daz riebe haben 

daz er von guote brähte dar, 

daz gap enwec der guote gar 

den armen liuten unde enpfie 285 

mit in daz almaosen hie 

vil gemeinlich alle «stunt. 

im wart vil manic breste kunt 

an spise und an gewande. 

nu daz er von dem lande 290 

was vil tougenliche komen ^ 

und daz ze Röme wart vernomen 

daz er sich hsete enwec gehaben, 

dd wurden side friunde begraben . 

in jämer unde in raaneger n6U 295 

si wären alle an DrÖuden t6t \ - 

durch sine leiden hinevart. 

der va-ier sin von hdher art 

hiez in d6 suochen alzehant. 

vil boten wart nach im gesant. 300 

der kom ein teil zEdisse, 

27 L ez fehlt i. 275. lies gie I-¥ %U. U fehlt A' * 

27$^ zöagte i, 280. Ir rdweklicirem ordei^ /. ' 28)2. haben t*: 

din(^ /. - 284. enwec der g. gar 325: er wilfielicfaedar /. 
^99. tewege hete t. 295. ina]ige(r) ü -^01. ze Bisse {sehemt ^) 
245, ze edissa /. 



1" 



KONRADS ALBXIUS. 545 

und. sähen in gewisse 

dft sitzen bt den aimeu. 

si liezen sieb erbarmen 

den komber sin vil tiare. 305 

d6 gäbens im ze stinre 

ir almuosen alzehant, 

wände er was in unbekant 

an libe und an gebserde. 

in bete sin beswserde 310 

entschepfet unde der breste sin, 

daz in niht mobte werden schin 

daz bilde sin ze rebte. ^ 

doch wären im die knebte 

und die boten alle kunt, - 315 

wan er bekande bi der stunt 

ir namen unde ir leben woL 

für war ieh in daz sagen sol 

daz er ze himelriche sacb 

und gar inneclicbe sprach . 320 

*got berre in diner magen]u«ft 

almebtic unde wunderbaft, 

genäde und lop si dir geseil . . 

daz in der höben sselekeit 

betaget liiute si min leben 325 

daz mine knebte mir gegeben 

hänt ir almuosen hie. » 

die mir da heime wären ie 

mit dienste willeclichen.bi, 

die sint nu richer danne ich si. 330 

des wil ich, herre,. danken dir. 

swes du begunnen hast ze mir, 

daz lä mit sselden und mit fromen 

an mir oueh uf ein ende komen.' 

Die rede treip Älexius. 335' 

die boten wider heim alsüs >f* 

körten an den stunden. 

•« gabentz ja /. 307. al fehlt i, 311. der gebreste t. 

m 3:^5. 141. 331. Das /. 33:2. waz da begiaaet h.t. 
. der t. 

l. F. D. A. IIL 35 



546 KONRADS ALBXIU&. 

daz Si niht haeten • funken 
den uz erweiten an der zil, 
daz seilen si ze R6me sit 340 

den friunden and dein vater sin. 
des was ir herzelicher pin 
von sehulden bitter nnde lief, 
sin muoter in ein gadem lief 
in deiB si nahtes allez lac. 345 

si spreite nider einen sac, 
dar üf si klägelichen saz. 
ir ougen worden schiere naz * 
von sorgen und von leide* 
ir blanken hendc beide 350 

begunde si d6 winden, 
si zarte von den linden 
wangen daz vil rdte vel. 
ein stimme gar unmiäzcn hei 
mit jämer uz ir munde fuor. 355 

bi gote si vil tiure swuor 
daz si nimmer kaeme 
. von danne 6 si vernseme * 
diu rehten wftren msere 

war hin kpmen w»re 360 

Alexius, ir liebez kint. . 
diu sorge wart an underbint 
« versigelt in ir muote 
dar umbe daz der guote 

gescheiden was von ir also. .. 365 

daz was ir großster jämer 46. 

Diu reine, sin gemahel, zehant 
gienc ik si ir sweher vant 

U%. daz t. hertzelicbe /. 344. 34^. 28. 35t. viaden /. 
351. VS8 mässe /. 356. sch&r /. 359L wäre /. 361. A. jr 

yil 1. k. /. 362. ane |8H, ir t. 363. In Q: an t. 

365. alsus t*. ich gebe in dies^en geilen nur wUlkürHeke notkbehelfe 
'Statt der entstellten überli^erung, die nicht einmal deutlich beriek- 
tet wird, mtd statt der umnöglichkeitea de* kerausgabers» 3i06» D» 
WZ jr -gpfisser iwaf sas /. 367. diu (Do die /) reine ain. g^nakil 

d6 t. 368. Ir klag spr. also J? daz si jamerec sprach alsA t. 



KONAADS ALEXIUS. 547 

unde sprach im zuo mit kkge 
'nü wizzet, herre, daz ieh trage 370 

den staeten willen immer 
daz ich gescheide nimmer 
von dem erweiten huse din 
t daz ich von dem friunde min 
die rehten wftrheit hie vernime. 375 

ich arme trüren sol nAch ime 
sam sich diu türteltühe quelt^ 
diu kein ander liep erweit • 
swenne ir 'trüt gevangen wirt. 
si midet immer unde verbirt 380 

aller griiener böume zwi ,. 
und wont dem dürren aste bi 
mit jämer und mit sender klage, 
reht als6 wil ich mine tage 
die frische wunne vliehen 385 

und zuo den sorgen ziehen 
die min gemüete derrent 
und allen tr6st versperrent 
von minem armen herzen, 
ich muoz vil strengen smerzen 390 

liden unz ich hoere jehen 
waz mime friedel $i geschehen, 
dem süezen und dem reinen, 
ich wil in immer weinen 

die wile unz ich daz leben habe, 395 

ist er des libes komen abe.' 
Sus wart Alexras geklaget 
von der keiserlichen maget 
diu sin gemahel worden was. 
diu muoter sin ze herzen las 400 

und ouch sin vater s wahren sin« 
ir höher muot was gar da hin 
unde ir fröudericher hört. 

9. ir swjBher zuo mit kla^e I» 374. frind« /. 376^3^. 

ßtr. 11. 376. icli arme 0: wände ich i, 380. wd^nt /. 
»0 — 393. 1904* 39^. friedet i: \rie$e\ 0. l>e$okeliQa Ot\ .. 
5. unz fehlt u 400. ze] von t. 40;^. gßf fakU u 

35* 



548 KONRADS ALBXIDS. 

ir lieber san der leit ouch dort 

in gotes dienste manege B6t. 405 

almaosen nnde betelbrdt 

was sin lipnarange. 

sin dz erweltiu zonge 

zaller zit gebetes pflac. 

beidiu nahl und ouch den tac 410 

w^nic iranc sin kiuscher munt.. 

er was biz uf der stle gnini 

mit gotes geiste erfüllet gar. 

bleich unde jaemerliche gevar 

begunde in sorge machen. 415 

eht vasten unde wachen 

sach man den reinen gotes kneht 

in duhte billich unde reht 

daz er sich qaelte harte. 

der süeze sich bewarte 420 

vor allen siinden tegelich. 

sin saelic herze wolde sich 

der himelischen gnftde cfrgeben.' 

man h6rte in. siufzen unde streben 

nach dem paradise fr6n< 425 

üf den vil hAhen gotes lAn 

stuont s6 vaste sin gerinc 

daz sich der reine jüngelinc 

twancte desto harter. 

sus lebete er in der marter 430 

vollecliche zehen jftr 

biz got den liuten offenbar 

wolde machen alle tugent 

die sin lip von kindes jugent 

haete an underlftz getragen. 435 

ein bilde lie sich bi den tagen 

in dem münster schouwen, 

407. w. siüs libs n. /. 409. pflag gebeltes /. 410. Baide tasei 
vn naehtes /. 419. der selba stüd /. ^i. Allen (ohne vor) /• 

4;^. Der himelschlich gnad vUehen /• 4SU* süaftzen yü fein«» 

m* gpttes ion 531, löne t. 4)^7. gerioc Q: geräg t. 

429. ZwQDgte dester harte /. 



"N 



KONRADS ALEXIUS. 449 

gewürket nach ißv Irottwen 
diu got, den werden Krist^ gebar, 
ez was n&ch wünsche liehtvar 440 

von golde und von gesteine. 
4az selbe bilde reine 
begunde an einem morgen fmo 
bescheidenliche reden zuo 
dem gloggenaere von der stift. 445 

als uns saget diu geschrift, 
sd sprach ez alsns wider in. 
'ganc für daz miinster balde hin 
und heiz den menschen gän her in 
- der vor der angesihte din 450 

sitzet dft an sime gebete. 
sprich daz er in die kirchen trete ; 
in welle got erhceren 
dort in den bimelkoßren 

des rehten und des guoten euch. 455 

sin bete sam ein wirouch 
äf dranc für gptes ougen. 
diu rede ist dne iougen 
daz er benamen heilec ist. 
in wil der tz, erweite Rrist 460 

erhoßren üf der erden, 
sin reiniu tugent werden 
den Unten offenbaere sol. 
er hat verdienet harte wol ^ 
daz an in werde alhie geleit ^ 465 

fere und ganziu werdekeit.' 
Der dinge nam besunder 
den gloggemere wunder: 
sin herze und sin muot erka^' 
daz er daz bilde lobesam 470 

h6rte sprechen wider in. 



45. von] zu /. 451. da sizt an sineme g. »'. 454. der himel 

. t. 455. onch fehlt L 457. Vff tringet für die bgn gotz /. 
äeh 458. Das solt da mir geloben /. 463. offenbare /. 465. all- 
elait /. 467. d. d. n; michel wander /. 468. d. gl. besapder /. 
69. In herzen vnd jn wader kam /. 



d50 KONRADS ALBXIUS. 

fiir ^az mänster ko|tt er hin 
gegangen ond dar Af getreten, 
er suochte, als er wart gebeten, 
Alexinm den klären, 475 

des er begunde vAren 
mit willeclicben ougen. 
dd was er äne lougen 
s6 fremde siner angesiht 
daz er sin dannoch rehte niht 480 

erkande sicherlichen hie. 
in da2 münster er d6 giel 
fiir daz bilde trat er wider: 
uf siuiu knie er viel da nider: 
innejßlichen er d6 bat 485 

got den süezen an der stat 
daz er im lieze werden scbtn 
wä dirre mensehe- möhte sin 
der also beilic watete, . 

daz bilde wünneba^re " 490 

sprach d6 aber als6 %in. 
'trit üz der kirchen nnde nim 
sin war herwider unde für. 
der aller nagest bt der tür 
sitzet da, sieh, daz ist er-. 495 

ganc unde heiz in komen her/ 
Der gloekenaere giene zehant 
uz dem läünster unde vant 
Älexium ik rehte. 

dem reinen gotes knehte 500 

viel er ze fuezen an der stat. 
gar inneclichen er in bat . 
dar in den gotes tempel gän. 
euch wart den liuten kunt getftn 
von dem messemere sit 505 

daz wunder daz im an der zit 
von dem bilde für was komen. 

478« W'fehU /. 491. spr. aJMr d^ tu» m i- 493. wider t. 
497. uz gieac d. gl. zehant t. 500. Den /. < ^^ des g^ /. 



KONRADS ALßXlUS. ^1 

er seile was er d6 vernomen 

/^ • 

-haste von AlexiA. 

des buten im die. liute ^d 510 

vii hdhen pris. und 6re. 

sinmetde woohs vil s^re 

beidiu stille nud über liit; .^ 

daz 4ex vil reine gotes trat- > 

niht langer mohte liden. 515 

er wolde gerne miden 

^re und werltlichen ruom. 

daz münster und den gotes tuom 

liez er unde k^rte dan» 

den muot enpfienc er unde gewaii 520 

daz er wolt in Cilicjen lapt 

k6ren zeiner stat zehant 

diu was geheizeii. Tarsiä. 

bi sante Panles münster dft 

wolt er beliben immer md, 525 

durch daz er würde niht als 6 

vermeldet noeh erkennet. . 

« • . . 

in der gotes minne wiel. 

nü daz er koni in einen kiel 530 

der uf daz mer geschiffet was,- 

d6 kom ein wint, als ich ez las, 

der groeste, der ie wart bekant, 

und warf den selben kiel behaut 

ze R6me in die vil guoten habe. 535 

des köm sin herze freuden abe, 

wan er dar umbe trüric wart 

daz gerftten was sin. vart 

vil anders danne -et wolte 

und daz er niht ensolte 540 

komen hin ze Tarsiä. 

nü der vil guote spürte da . 

S. d6] hett /. 50». |i»«e v. A. u Ml. y« hoher /. bU.9iu 
I 4er wusefa y. s. /. 51&^ aad .den &63i unde i. • 521 . Ge- 
len /. 5;^. carsia /. 527. aoch. O 1758: uai i. mjkhltl. 
9. Da in /. 531. gestiftet t. 



552 KONRADS ALfiXIÜS. 

ande nam des rehle war 

daz er gein Rdme faere dar, 

iö d&hte er wider sich zehanl 545 

'sifc stich hat alsns gesant 

her wider heim der winde sä^, 

sd Ure ich in mias vater hus 

biilicher nä dan anderswar, : 

wan ich ein swaerin bürde gar 550 

deheinem manne üf erden 

wil hinnen förder werden. 

hl im nnd dem gesinde sin 

daz leben nnd die tage min 

soi ich Wesen hie vil gar. - 555 

nieman der dinge wirt gewar 

daz alhie mine firinnde. sint. 

nnd ich Eufftmiänes kint, 

des h6chgebomen mannes, bin. 

dar um wil ich nu snochen in 560 

mit willecliches herzen gir 

und wil in biten daz er mir 

sin br6t nnz an min ende gebe. 

die wile daz ich nu gelebe, 

s6 bin ich unvermseret hie.* 565 

mit disen Worten er dö gie 

von dem schiffe zuo der stat. 

dar in kfirte er unde trat. 

als ein vil armer bilgerin. 

Euf&miän, der vater sin, ,570 

begegente im üf dirre vart. 

ein liurez kleit von höher ärt 

het er des mäles an genomen 

nnd was von deme keiser komen 

ab sime wünneclichen sal. ■ • 575 

543. rehten i. 544. was gefarn /. 546. sit 1604, Sit daz /. 
547. winde /; wilde 0. 548. ich 0: fehlt L 551. Dekainea /. 
hh% Mn an t. 554. die fehlt L 557. daz alU mine friont kie 

aint t. 558. eofamies /. 559. hoch ereborn /. . 561. wiUekli- 

eben /. 564. lebe t. 567. sUfte /. . 570. Eufamion /. 
571. der yart t*. 



KONRADS ALBXIUS. 5» 

im gienc von liuten ftne «d 

ein michcti niassenie n&ch. 

Älexift wart zuo zim gAch 

dö in. sin ouge het gesehen. 

als uns diu w&rheit h&t verjehen, 5ä0 

s6 sprach er wider, in also 

vil harte erbermeclicben dö« 

'Vil uz erwdter goies kneht, 
tuo diner höhen lügende reht 
an mir gensedecliche schin 585 

und hilf mir. armem bilgerin 
daz ich bi dir belibe 
und miniu jär vertribe 
in dinem bdse reine. 

lä -mir die brosemen kleine 590 

die von dinem tische komen 
ze miner nötdürfte fromen 
und mir si ze spise geben, 
daz gesegent si din leben 
von gote und er geruoche sich 595 

erbarmen aller tegelich 
über den durch sine tugent - 
der von dir fuor in siner jugent 
und in dem eilende sin ^ 
muoste als ein bilgerin/ 600 

Euffemiän der kläre ., 
von disen Worten zwäre 
wart 4es sunes sin ermant 
so vaste daz im alzehant 

sin ougen über liefen ^ 605 

und er vil manegen tiefen 
siiifzen uz dem. herzen liez. 
Alexium er komen hiez , 
zuo im unde sprach, also 
ze sinem ingesinde d6. 610 

7. mässe /. 581. dt 4. 582. «rbärmdhertzeklieben /. 58i. dine /• 

•8. nnz ich min j. /. > 595. gervoehte i, 596. 'Mi I. 

9. Vnd de e. 9. /. 601. Enfamion /. 603. W. Ton sime sub« 

B. t. 



554 KONRADS ALBXIUS. 

' Swer disen menschen alle wege - 
beliben 14t in siner pflege 
und im geftt&t mit dienste bi, 
den läze ich hiute und immer tri. 
dar Kuo wil ich in teilhaft 615 

machen miner erbesohäft 
und al des guotes daz ich hin.' 
sus hiez er einen zuo zim gftn. 
er sprach 'dd nim ze rehte sin 

620 
mit guoter handelnnge war. 
ein bette mache im eteswar 
in minem hus daz schöne st^, 
swenne ich df und nider gö 
für in, daz ich in schbuwen müge. . 625 

kius einen winkel der im tüge 
ze ruowe, da er inne lige, 
daz im kein truren an gesige 
und im ieman niht leides tuo. 
daz soltd späte unde froo 630 

behalden unde besorgen, 
den äbent und den morgen 
pflic sin vil harte schöne, 
des wil ich dir mit löne 

danken al die wile ich lebe. 635 

sin kunft ist mir ein hdhin gebe, 
wände er mit den Worten sin 
mich hat ermänt des kindes min 
daz ich in zehen jAren hie 
gesach mit minen ongen nie. ' 640 

Mit disen werten unde alsus 
gefüeret wart Alexius 
in sines vater hus hindan. 
der heilige und der guote man 
sich dar inne nider liez. ' 645 

611. alluregen /. 612. pSegen /. 017. daz] st i. kau /. ^tO/bhäl. 
^%%. mach da i. 623. daz] da /. 624. waa i. 625 #« nii^, kies eiMi 
Winkel, der im genüeg« ze ruowei daz er dar inne ait gemache 1. 1. 
027.Darjnnel./. 629. leide/. 639.jarehieA 643. hase dan /. 645« dar ji 



KONRAOS ALEXIUS. 665 

in einem wiilkel inan im hies 

ein bette schdiie maehen. 

aldä begnnde er wachen 

in gotes dienate manege naht. 

sin 'heilio lip Jane unde vaht 650 

mit marterlichen dingen ie« 

ze metten nnd ze messe gie 

der s«lige aller tegelich. 

sin tugentrichez herze sich 

dar üf mit hdhem vlize wac 655 

daz er neheine zit verlac 

die man sol singen oder lesen. 

er wolde an sime gebete wesen 

alliu mkl qnd alle frist. 

der edele nnd der werde Krist . 660 

was im i» die sinne bräht 

mit also reiner andäht 

daz er sin niht enkunde 

vergezzen mit dem mnnde 

noch in des herzen muote. 665 

der bideiiie nnd der gaote 

mit grözer kestunge twanc. 

den lip, wan er az unde tranc , 

vil kleine und vil kleine* 

diht anders wan gebeine . 670 

schein er unde hut dar obe« 

sin vater hiez sin wol ze lobe 

von sinem höhea tische pflegen. 

swie abe der werde gotes d6gen 

wart alsus gefuoret hie, . 675 

doch wizzei er enwolde nie . 

dar umbe geluEen deste mftr 

daz man im edale spise h^r 

» 

. n. i. /. 648. Alle da begüDea erwaoken /. 651. mit na- 

ichen i. ie ft^lt I. 653. alle /. 654. sich 1749: 

iL r 656. epkBiae 0, dnkai» /. «57. die 0: das ^4*. 

werdest /. 66;^. rai«e /• 670. den /. . 67f. Wo jn intor 
tobe /. 67Sk ein} im f. 674. Mn ab den w. g. d. i'. 

Alsus gefure hie /. 676» er wolt wie /. 577. gefeisen /. 



556 KONRADS ALEXIUS. 

von sines yaier tische b6t. 

sin ougen wurden dicke r6t 680 

durch manegen trahen bittertich. 

er sente nach dem löne sich 

der ie den rehten was bereit. 

ril maneger bände smftcheit 

■n sines vater knehte hüten. . 685 

die koche die daz fleisch di suten 

swaz die von wazzer und von labe 

(espuolten maneger schüzzel abe, 

iaz wart üf in gegozzen. 

üz leit er unverdrozzen 690 

gedulteclichen alle zit. 

diu kint begiengen wider strit 

an im dö grözen ungelimpf. 

er was ir gamel nnde ir «chimpf 

alle zit und allen tac. 695 

er wart vil dicke üf sinen nac 

geslagen snnder lougen. 

man spei im under ougen 

and tete im allez ungemaeh. 

man schalt den süezen unde sprach 700 

im dicke smaeheliche zuo. 

liz leit er späte unde finio. 

mit willeclichem muote. 

sin vater der vi! guote 

erkande niht der smftpheit 705 

lie der gotes kempfe leit. 

er wände daz man pflsege sin 

vil schöne und er deheinen pin 

von sinem ingesinde Ute. 

4er heilige und der wol gesite 710 

in sines vater hus für war 

faorte stille und offenbar 

vil strengez leben bitter 

083. Die /. 686. koche i: broben ,0 1605. da 0, fehtt t. 
687. nnd 858: alder /. 688. manger 0, .jnege /.■ 593. iia i: 
in 468. 695. zU 0, frist t. alle tage 0, alle tac /. 

698. spigt /. 706. 562. 708. deheine t. 



RONRADS ALEXIUS. 

so daz den gotes ritter 

nieman dar inne erkande. 715 

sin hetze maneger hande 

jsmerliche not enpfienc, 

daz sin gemahd für in gienc 

unde er zir nie wort gesprach. 

nä sprechent ob daz angemach 720 

niht enwaere ein strengez leit. 

mich wundert daz er ie> vermeit 

so lange die vil wunnesamen 

und niht enseite sinen namen 

dem yater nnd der muoter sin, 725 

die beide marterlichen pin 

mit klage umbe in erscheinden 

und also dicke weinden 

durch daz er was von in gevam. 

daz er wolde niht enbam 730 

sin herze und ouch sin bilde, 

daz was ein wunder wilde 

und ein erbarmekeit vil starc. 

vor sinen friunden er sich bare 

biz im von gote was gegeben 735 

daz er niht langer solde Leben. 

Und dö der guote sich versach 
daz im ze sterbenne geschaeh, 
dö sprach er zuo dem knehte 
der alle stunt ze rehte 740 

solde da sin pfleger sin 
'junkherre, zuo dem dienste min 
dich neige unde ein lützel biuc 
so daz dd mir ein schrif^eziuc 
erwerbest daz ze brieve tüge. 745 

hilf mir daz ich geschriben müge 
ein w6nic miner sache, 
daz ich mich sselic mache 

56!2. 718. Das jm s. g. vor Im g, /. 719. za der nieeb w. /• 
en fehlt L 72:2. nie t*. 7%L en fehlt u 7:^6. marterliehe t*. 
ersparn f . 733. ein/eA/^ t. erbarmhertzikait /. 734. imndeai. 
sin /. 743. bog /. 745. der t. 748. Das ick gots»- 



OBS RONRADS ALBXIUS. 

an libe und ouoh an sftie gur.' 
hie mite wart im schiere dar 750 

gewannen swaz er solde haben, 
mit endelichen bnochstaben 
scbreip er allin siniu dinc, 
wie der vii kiusche jüngelinc 
durch got von siner briute lief. 755 

dft bi s6 schreip er an den brief 
daz er als ein bilgerin 
vil swaeren und vil strengen pin 
truoc in dem eilende. 

ouch schreip er vil behende 760 

daz in der tobenden winde sfis 
ze Röme in sines vater häs 
gar über sinen willen treip. 
dannooh s6 malte er unde schreip 
daz er sibenzehen jär 765 

beidiu stille und offenbar 
was unbekennet dft beliben, 
und daz diu hovediet getriben 
mit im hsete ir ungelimpf. 
der spot diu smächeit und der schimpf 770 

diu im geboten wären dar, 
daz was bescheidenliche gar 
gesetzet an den brief benamen. 
swaz ie geschach dem lobesamen, 
daz leite er unde schreip dar an. 775 

also warp der hoveman 
und der vil reine gotes kneht 
dö der grimme t6t sin reht 
an ime zeigen wolde 

und er verscheiden solde. 780 

Dö diz nach lobelicher art 

lee mache /. 758. v. swerre nnt v. strenger p. i, 761. der to- 
benden 1604: tögende /. 764. machter i: vergl, Wh, Grimm 
über d. runen 78. 768. getrieben 698, vertriben /. 769. ket- 
ten im 0, hettint /. 770. den sp. die sm. nnt den seh. t. 
T71. wtf alda J» 11%. gar] d& i. 773. Atn fehlt L 774. k- 
sehaeb i. 776. hoffamä /. 



KONRADS ALEXIUS. 550 

geschribeo allez sehöne wart 

von siner hant der reinen, 

d6 wolde got erscheinen 

den liuten allen sinen tot 785 

und die vil marterliohen n6t 

ivd der getriuwe truoc mit klage. 

au dem vil ti6ren balmetage, 

d6 man sanc die messe fr6n, 

d6 wart ein wtinneclicher d6n 790 

ze R6me gehoeret unde vernomen. 

ein stimme was von himel komen 

höh in daz münster ebene. 

diu rief da wol ze lobene 

' wol her alle zuo mir die 795 

der lip uf er triebe hie 

mit jämer und mit sender klage 

durch minen willen kumbei^ trage!