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Full text of "Zeitschrift F�ur Ethnologie"

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ZEITSCHRIFT 

FÜR 



ETHNOLOGIE 


Organ der Berliner Gesellschaft 


IIB 

Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 

• 


Vierzigster Jahrgang. 


1908. 





BERl 



f* 



ZEITSCHRIFT 

FÜR 



ETHNOLOGIE. 



Organ der Berliner Gesellschaft 

für 

Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 




Vierzigster Jahrgang. 
1908. 



Mit 13 Tatein. 



BERLIN. 

BEHREND & C°. 
(vormals A. Ashcr & Co. Verlag) 

1908. 



1 tt/SKfsn 



FQr den Inhalt der Abhandlungen und VortrÄg-e 
sind die Autoren allein verantwortlich. 



Berliner Gesellschaft 
für 

Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 

1908. 



Vorstand, 1. Januar 1908. 

Karl von den Steinen Vorsitzender. 

Llasauer 1 Stellvertreter des 

Waldeyer | Vorsitzenden. 

v. Luschan | 

Neuhauss i Schriftführer. 

Traeger | 

Sötteland Schut/.meister. 



Ausschuss, 18. Januar 1908. 
v. Kaufmann, Obmann, Ehrenreloh, Friedel, Götze, Minden, F. W. K. Möller. Staudinger, 

C. Strauch, Vlrohow. 



Organ der Gesellschaft: Zeitschrift für Ethnologie. 
Redaktions-Kommission: Llssauer, K. v. d. Steinen, Traeger. 
Anthropologische Rommission: Llssauer, v. Luschan. C. Strauch. 
Bibliotheka-Kommission: Llssauer, Hahn, Maass, K. v. d. Steinen, Traeger. 
Kustos der Photographien-Sammlang: Neuhauss. 



Vermächtnisse. 

Rudolf Virchow, Ehrenpräsident f 1902. 

Max Bartels f 1904. j Carl Künne f 1898. 

Adolf Bastian f 1905. Emil Riebeck f 18*ö. 

Gustav 66tz f 1906. Heinrich Schliemann y 1891. 

Fedor iagor f 1900. William Schönlank f 1898. 
Wlhelm ioest f 1897. 



ZeiUchrift fflr Ethnologie. Jahrg. 1906. Heft L 



(2) Mitglieder -Veneichnis. 



Ehrenmitglieder. 

Frau Gräfin Uwarow, Präsident der Kaiserlich Russischen Archäologischen Gesell- 
schaft, Moskau, erwählt den 21. Dezember 1*89. 

Fräulein Johanna Mestorf, Professor und Direktor des Museums vaterländischer 
Altertümer in Kiel, erwählt den 18. Juli 1891. 

Ministerialrat, Freiherr Ferdinand v. Andrian-Werburg, Ehrenpräsident der Wiener 
Anthropologischen Gesellschaft, Aussee, Steiermark, erwählt den 14. Juli 1894. 

Prof. Dr. Johannes Ranke, erster Vorsitzender der Münchener Gesellschaft für Anthro- 
pologie, Ethnologie und Urgeschichte, General -Sekretär der Deutschen 
Anthropolog. Gesellschaft, München, erwählt den 8. März 1895. 

Prof. Dr. Georg Schweinfurth , Berlin W. 57, Potsdamerstr. 75a, erwählt den 
17. Februar 1906. 

Sc. Exe. der Wirkliche Geheime Rat Herr Dr. G. v. Neumayer, Neustadt (Hardt), 
Hohenzollernstr. 7, erwählt den 10. Mai 1906. 

Geh- Sanitätsrat Prof. Dr. A LIasauer, Charlottcnburg .'>, Oranienslr. 16, erwühlt 
den 18. Januar 1908. 



Korrespondierende Mitglieder, 

mit Angabe des Jahres der Ernennung. 

Amitschin. D., Dr., Professor, Präsident Museum of Polynesian Ethnology and 

der Kaiserl. Gesellschaft der Freunde; Natural History, 1898. Honolulu, Ha- 
der Naturwissenschaften, der Anthropo- waiian Islands. 

logie und Ethnographie, 1889. Moskau. Burg ess, J., L. L. D., C. I. E., Director 
Aspelin, J. R., Dr., Staatsarchaeolog, 1874. General of the Archneolog. Survey of 

Helsingfors, Finnland. India, 1887. Edinburg, 22 Selon Place. 

Barnabei, F, Professore, Dr., Direttore | Calwt, Frank, Amerik. Konsul, 1875. 

del Museo nazionale Romano, 1894.; Dardanellen, Kleinasien. 

Ripetto 70. ;t p. Rom. iCapellinl. G., Professor, Senator, 1871. 

Baye, Baron Joseph de, 1890. 3S Avenue Bologna. 

de la Grande armec, Paris. Capistrano de Abreu, Dr. Joäo, 189;'). Rio 

Beddoe, John, M. D-, F. R. S., 1871. de Janeiro, Brasilien, 2 Run das Laran- 

The Chantry, Bradford-on-Avon (Wilts) geiras (Caixa 590). 

England. Capitan, Prof. Dr., 1904. Paris, Rue des 

Bellucci. Giuseppe, Professor, Dr., 1881. Ursulines 5. 

Perugia. Cartallhao, E., Administrateur du Museo, 

Blumentritt, Ferdinand, Professor, 1900. 1881. Toulouse, Rue de la chaine 5. 

Leitmeritz, Böhmen. Castelfranco, Pompeo, R. Ispettorc degli 

Boas, Franz, Dr. phi!., Professor, 1899. Scavi e Monumenti, 1883. Mailand, 

New-York, Columbia Univcrsjty. ' Via Principe Umberto Nr. ;>. 

Bobrinskoy, Graf Alexis, Excellenz, 1905. Chantre, Ernest, Professor, Subdirektor des 

Smjela, Gouv. Kiew. Museums für Naturgeschichte, 1881. 

Bonaparte, Roland, Prinz, 1885. Paris, Lyon, 37, Cours Morand. 

22, Cours La Reine. Dawkins, W. Boyd, Professor, M. A., 

Boule, Marcellin, Professor der Palaconto- F. R. S-, 1877. Woodhurst, Jallowfield, 

logie, 1906. Museum, Place Valhubert 3, Manchester. 

Paris. i Delgado, Joaquim Filippe Nery, Chef der 

Brlgham, William, T., A. M., A. A. S., Geologischen Landesaufnahme, 1881. 

Director of the Bernice Pauahi Bishop Lissabon, 113 Rua do Arco a Jesus. 




Korrespondierende Mitglieder. 



D«niktr. J,. Dr., Bibliothecain- n Museum, 

8 Rue de Houflbn, Paris. 
Cörpfald, Wilh , Professor, Dr., erster Se- 
ir des Kaiserlich Deutschen Archäo- 
logischen Instituts, 1903. Athen. 
Oupont. Ed., Direktor des Kgl. natur- 
gcschichtlichen Museums. 1871. Brüssel 
Evjns, Bil lohn, Dr. F. EL. 8-, Pros. Num. 
i> 1874. Britvrelt, Berfcfaaonted 
Berte», England. 
FlWfcee, J. W.Jter, 1900, Washington. 
Fle«, Os niuir. 1873. Karlsruhe. 

Garaoa, J. <!.. M, D, 1889. London, 

Royal College of Surgeons. 
Grrlach. Dr. med, 1880. Hongkong. 
6roee,- V.. Dr. med.. Ib80. Neurevillo. 

5chw«ic< 
Guimet. Rmile, 1-882. Lyon. 
HuddOfi, A. C, Sc. D., P. R. S. President 
of ihe Anlhropolog. Institute of Great 
■in and Ireland, 190.; C.mibridge, 
inisf.nl. Hills Road. 
Handy B*y. Excellenz, Direktor des Gr- 18- 
htTilich-Ottomanischen Miim-uhls 1ö94. 
K<Mi»tuntinopcl, Tschinili Kiöschk. 
Harepel, Josef. Hofrat Prof., Dr., Kustos 
■ im N.iliMiial-Museurn, \%H4. Budapest. 
Hamy, Em-nt. Dr., Professcur ^Anthro- 
pologie au Museum d'hist. naturelle. 
Meinbre de rinstuut, 1882. Pai Ia, 
■ GeoflYoy St. Hilnire. 
Hausmann, Professor, 189G. Dorpat, 

Jurjcf. 
Meatr i ■"(■in/. K und K, Regierangarat, 
Ihn ktor der Anthropologisch - Eihnn- 
Abteilung am K. K, Nutur- 
Eiofmnaenm, 1893. Wien I, 
7. 
Hoierh i De. hon. c., Prirat-Da 

■ i Eflrich V. 
Heibig w Dr.. Professor, 1883, 

Kon:. ViWa Lunte, Passeggintn Mar- 

Hertnan. Otto, Direktor der Ungarischen 

Orniiholugischen Centrale, I90G. Huda- 

VI11 Jözsefkörut 65 1. 

Merrmaa* Dr. phil., Professor, 

peat F, Szent-György- 

Miidebrand. Hans, Dr., Reichsantiquar 
Stockholm. 



Hirth. Fr, Dr., Professor, 188G. New- 

York, Columbia Unirersity. 
Holmes, Wdli:imH.,HeadCuratorof the Unit. 
Stites National Museum, ChicfBureaa of 
American Ethnology, 1903. Washington. 
D. C. 
Hörmann, Konstantin, Hof rat, Direktor des 
Landes -Museums, 18SM. Surujovo, 
Bosnien. 
Höra«, Mona, Dr. phil., Pror., 1S94. 

Wien 111, Ungargasse 'J7. 
Houtum- Schindler, A., General, 1878 

Teheran, Persicn. 
Jacques, Victor, Dr., Secrötaire de laSociete 
d'Anthrop., 1889. Brüssel, Rue de 
Kuysbroeck 3u'. 
ihering, Hermann von, Prof. Dr., Director 
do Museo /.oulogico, 1886. Säo Paulo, 
Brasilien, Caixa do correto 190. 
Kate, H. ten, Dr.. 1886. Yokohunm, Japan, 

FnuiiÖs. Konsulat. 
Kern, H., Prof. Dr. phil., 1898. Leiden. 
Koganel. R., Dr med. Prof. a. d. Univ., 1904. 

Tokio. 
Kollmann, J., Dr.raed.. Prof.. 1887. Basel, 

Birmannsgnssr 8. 
lacerda, Dr., Professor. Direktor des 
National - Museums, 1889. Rio de 
Janeiro. 
Lortet, Louis, Prof. Dr., Direktor des 
naturhist. Museums, 18*3. Lyon, Quui 
de Ia Guillotiere. 
Lubbook, Sir .lohn, Bart., M. P., 1871. 
High Elms, Farnborough, Kent, Eng- 
land. 
Macalister, Prof., President Anthropologica, 
Institute of Great Britain and Ircland, 
1893. Cambridge. 
Makowsky, Alexander, Dr. phil., Professor, 

189*. Brunn. 
Man, Edward Ilonice, C. P. E, 1MM. 
St. Helens, Preston Park, Brighton, 
England. 
Manouvrler, L., Prof Dr., 1904. Poris, Rue 

de TEcole-de-Medecine lö. 
Mantegazzs, Paolo, Prof., Director des 
National -Museums für Anthropologie, 
Senator, 1871. Florenz. 
Marchescttl, Carlo de, Dr., Dir. des nattir- 

histonschen Museums, 1887. Triest. 
Martin, P. R., Dr. phil., Assistent am 

A 



(4) 



Mitglieder -Verxeichnis. 



archäologisch-historisch. Staatsmuseum, 

1898. Stockholm, Gref-Magnignhm 3. 
Maaon, Otis T., Ä. M., Ph. D.. Curator of 

the Department of Ethnology in the 

United 8tate8 Nat Mus., 1896. Smiths. 

Institution, Washington, D. C. 
Mo Gee, A. N., Dr , Director Public Mu- 
seum, IDOa 8W. Corner 3d and Pine ; 

Sts, St. Louis Mo. 
MonteliuB, Oscar, Dr. phil., Prot, Reiehs- 

antiquar, 1 872. Stockholm. 
Moore, Clarence B.. 1906, Philadelphia. 

Pa. 1321 Locust Str. 
Moreno, Don Francisco, Director des Natio- 

nal-Museum«, La Pinta, 1878. Buenos 

Aires. 
Morgan, J. de, 1897. z, Z. in Peraicn. 

a. s. le Dr. de St. Germain Nr. 1. 

Rue Dormenil ä Croissv aur Seine, 

Seine et Oisc. 
Morse. Edw. S., Professor Dr., Director 

der Peabody Acndeiny of Science, 1889. 

Salem, Muss , Nord-Amerika. 
Morselll, Enrico, Dr. med.. Professor, Di- 

rettore della Clinica Paiehiatrica dclla 

R. L'nivorsilu, 18H1. Genua, via Aasa- 

rotti 46. 
Mortillct. Adrien de, professcur ä l'Lole 

danlhropolo^ie, 19U7. 10'>l% Avenue 

Reille, Paris (14 •> 
Much. Matthäus, Dr. jur-, Reg.-Rat., Mitgl. 

u. Konservator d. K. K. Contral-Roru- 

mismon z. Erforschung u. Erhaltung d. 

Kunst- u. historischen Denkmale, 1894. 

Uietzing b. Wien XIII, '2, PenzingerUr.84. 
Müller, Sophias, Dr.. Direktor des National- 

Museums, 1882. Kopenhagen. 
Munro, Robert, M. A- M. D., L. L. D , 

LG 4. FJmbank, Largs, Ayrsliir.-. N. H. 
Noelllng. rVitz. Hofrat Dr phil., 1894. 

316 Elizabeth Street, üobart (Tasmanien), 

Australien. 
Orsi. Paolo, Prof Dr., Direttore del Muaeo 

v rionale-, 1888, Siraeusa. 
Pefiaflel. Antonio, Dr, Professor, 1891. 

Mexico. 
Petrie. W. M Flinders, M C. L., L. L. D., 

Eihvurds- ProiVasor of Egyptology in 

the Uiiivonsity College. 1897. London 

WC., Cowerstr. 
Piflorinl, Luigi, Prof., Direktor des prä- 



historisch - ethnographischen Museums. 

1871. Rom, 27, Via Collegio Romano. 
Pisko, Leiter des K. und K. österr.-ungnr. 

General- Konsulates, 1 895. Liverpool, 

J. e. R. Austro-IIung. Cons. General. 
Prosdociml, Alessandro, Cav., Professor, 

Dr., 1889. Este, Italien. 
Putnam, F. W., Professor, Ourator ol th« 

Peabody Museum, Harvard University, 

1903. Cambridge, Mass., U. S. Amine;». 
Radioff, W., Dr., Akademiket, 188- 

Gebäude der Akademie der Wisset 

schart., St Petersburg. 
Reinach, Salomon, Conserrateur du Musn 

des Antiquites Nutionales, Membre di 

riiwtitut, I9M, St. Germain-enMiai 
Retzius, Gustaf, Dr., Professor, 188: 

Stockholm. 
Riedel, J. Gerard Friedr., Dr., 18T1| 

Roigar via Amurnng Manado Nord- 

Celebes, Niederländisch Ostindien 
Rlsley, EI. EI,, President Asiatic Soc. ol 

Bongal, 1895. ColculU. 
Rlvert-Carnac, J. H , Colonel, Aide di 

Camp of His Mnjesly the King, 138! 

Schlos* Wildeck, Aargau, Schweiz. 
Roth, W., Dr., 1906. Australian Musan 

Sydney. 
Rutot, Aime. Conservateu»* au Musee ro] 

d'histnire naturelle de Belgique, 191 

Ruc Vautier 31, Krüsacl. 
Saitnas, Antonio, Professor, Direktor 

N'nlional-MiiM'iiins, 1883. Palermo. 
Sarasiii, Paul, Dr. phil., 190«. Hase 

Spitalstr. :»:'. 
Sarasin. FnU, Dr. phil-, 1808. R 

Spitalstr 22. 
Schmeltz, J. D. E., Dr. phil , Direktor d< 

Bthnographiscfc Rijksmuseum, 

Leiden, Rupenburg 69. 
Schul«, L. F. M., Kapitän a. D., 18! 

Daluviii, Java. 
Sergi, Giuseppe, Professor Dr., Direktor 

anthrop. Museums, 1891. Rom, 27, Vi 

CoUegio Romano. 
Stahl, August, Dr. med.. 190U. Bnyamm 

Porlorieo. 
Stieda, Ludw., Geh. Mcdizinulrat, Prof« 

Dr., 1883. Königbeig L Pfc 
Studer Theophü, Dr.. Prof., l*8f>. Hei 
Stucra, Jonkheei Victor de, Weest 



Ordentliche Mitglieder. (5) 

Referendaris Chef der Afdeeling Künsten Vedel, E., Amtmann, Vizepräsident der 

en Wetenscbapen aan het Departement , Königl. Gesellschaft für nordische Alter- 

van Binnenlandsche Zaken, 1900. Haag. I tumskunde, 1887. Boro, Dänemark. 
Szowbathy, Josef, k. k. Regiermigsrat, ' Verneau, It., Dr. Prof. der Anthropologie in 

Kustos a. k. k. natorhist. Hofmuseum,: Paris, 1906. Museum, 61, Rue de 

1894. Wien I. Baffon. 

ToWt, K., Dr. Prof., k. k. Hofrat, 1906. | Wataon, Dr. med., Professor, 1898. Ade- 
Wien I, Helferstorferstrasse 4. laide, Australien. 
Toftfsanl, Paul, Dr., Professor, 1879. Paris, j Weisbach, Augustin, Dr. med., General- 

Rue de Rennes 105. Stabsarzt, 1871. Graz, Steiermark, 

Troll, Joseph, Dr., 1890. Wien VIII/1,1 Sparbersbachgosse 41. 

Josefsgasse 10. ■ Wieser, Ritter von Wiesenhort, Franz, Dr. 

TraMka, Ciro, Kustos am Bosnisch- phil., Prof., Präsident d. Ferdinandeums, 

Hercegow. Landes-Museum, 1894. Sara- 1894. Innsbruck. 

jevo, Bosnien. Wilson, Dr. med., Professor, 1898. Sydney, 

Tsobol, 8., Dr., Prof. a. d. Univ., 1904.! Australien. 

Tokio. jzampa, RafTaello, Professor Dr., 1891. 

Tanier, Sir William, Prof. der Anatomie, Perugia per Bosco, Villa S. Ubaldo. 

1890. Edinburg, 6 Eton Terrace. Zwingmann. Georg, Dr., Med.- Inspektor. 

Tylor, Edward, B., Professor d. Anthro-i 1873. Kursk. 

pologie, Kurator des Museums, 1893. 

Oxford. I 



Ordentliche Mitglieder, 

mit Angabe des Jahres der Aufnahme. 

a) Im er währende (nach § 14 der j b) Jährlich zahlende (nach § 11 der 

Statuten). Statuten). 

Aso, Julius, 1890, Berlin, f 1907. Abel, Karl, Dr. med-, 1*87. Berlin W. 35, 



Cahnheln, O-, Sanitäterat, Dr., 1883. 

Dresden-A., Gellertstr. 5. 
Cornisg, Dr. med., 1891. Morillon, Genf, 



Potsdamcrstr. 122 b. 
Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg, 
Hoheit, 1901. Berlin SW. 47, Yorkstr. 86. 



8chweiz. Ahrens, Dr. med., 1904. Berlin W.30, Motz- 

Ebresreicb, Paul, Dr. med. et phil., Strasse 53. 

Privatdozent, 1878. Berlin W.62, Luther- Albrecht, Gustav, Dr. phil., 1896. Char- 

atrasse 29. , lottcnburg 5, Rönnestr. 18. 

HsJmmt, Oskar, 1«87, Berlin, f 1894. Alba, Dr. med., Privatdozent, 1890. Berlin 
Jsest, Wilb., Prof. Dr., 1880. Berlin. NW. G, 8chiffbauerdamra 29. 

t 1897. | Aisberg, M-, Dr. med., Sanitätsrat, 1886. 

Lortat, Duc de, Exzellent, 1895. Paris, | Kassel, Kl. Rosenstr. 2. 

47, Rue Dumont d'Urville. Altertumsverein, 1895. Worms a. Rh. 

Neahasss, Richard, Dr. med., 1883. Gross- i Altrichter, Karl, Land -Gerichts -Sekretär, 

Lichterfelde O., Marienstr. 31a. 1886. Pankow b. Berlin, Neue Schön- 

Ble#er, C., Direktor, 1886. Stuttgart, Rothe- holzerstrasse 35. 

waldstr. 27a. Andres, Rieh., Dr. phil., Professor, 1889. 

Sarasin, Paul, Dr. phil., 1887. Basel, Spital- München, Friedrichstr. 9. 

Strasse 22. Ankermann, Bernhard, Dr. phil., Direktorial- 

Sarasfei, Fritz, Dr. phil., 1886. Basel, Spital- ! Assistent am König!. Museum für Völker- 

•trasse 22. künde, 1902. Steglitz b. Berlin, Grune- 

Safcthwkl, L. ( 1888, Wreschen. f 1891. waldstr. 26. 



<W 



Rlttgliedar-Venefoluiif. 



Anl/e. Gustav, Dr. pbil.. Assistent um Mus. 
f. Völkerkunde. 1906. Leipzig, Lampe- 
Strasse 13. 

Arn hold. Eduard, Kaufmann, 1907. Berlin 
W. 10, Matthiukirchstr. IS, 

Asche, Frhr. von, Geh. Kommerzienral, 
190r.. Bad Harzburg. 

Aichenborn, Oacar, ür, med., Geh. Sani- 
lälsrat, 1885. Berlin NW. 6, Luisen- 
platz ö. 

Ascher, Hugo, Kaufmann, 1893. Berlin 
W SO, Rankesir. ß. 

Ascherson, F., Dr. phil. et med., Prof.. Geh. 
Reg.-Rat, 1869, Berlin W. 57, Bülow- 
stniHse Dl. 

Asoholf, Albert, Dr. med., 1894 Berlin 
SW.4S, Friedrichsir. i. 

Aschoff. L., Dr. med., Öeh. Sanitiitsrat, 
1877. Berlin BW- Gl, Bellealliance- 
plutz IIa. 

Ash. Krau Bertha, 1908. Berlin NW. A<k 
Alexnndcrufer B. 

Arniy, Dr. Stabsarzt, 190*, (Auf Reisen.) 

Auerbach, Richard, Kaufmann, 1898- Char- 
lottenburg 2, Mommscnslr. 3. 

Bab, Hans, prakt. Arzt, 1903. Charlotten- 
burg 2, Knesebcckstr. 72/73. 

Baelz. K., Dr. med., Geh. Hofral, Pro- 
fessur, LMM. Stuttgart, Neue Wein- 
steige 33. 

Bar. Adolf, Dr.. Gen, Medizinalrat, 1879. 
Berlin NW. 52, Rathenowentr 5. 

Baldermann, Gustor, 1906. Wien IV, Flora- 
gasse 7. 

Barschall. Max, Dr. med., Geh. Sanitatsrat, 
1881. Berlin W. 82, Maassenstr. 55. 

Bartels, Anna, Frau Geh. Rat, 11104. 
Berlin NW. 40, Roonsir. 7. 

Bartels, Paul, Dr.med., 181*3. Berlin NW.23, 

Schleswigerufer 12. 
Bassermann, Reichstage-Abgeordneter, 1901. 

Mannheim. 
Beccard, Dr. phil, 1908. Berlin NW.. 

Stromatr. 55. 
Begemann, Dr. phil.. Gymnasial-Dircktor, 

1«94. Neu-Ruppin- 
Behla, Robert, Dr. med., Regieruags- und 
Geh. Medizinulrat, I S77. Stralsund, 
HeilgeisUtr. 48. 
Behlen, Uoinr.. Oberförster, 1895, Ilaiger, 
Reg.-Bez. Wiesbaden. 



Behrend. Adolf, Verlags-Buchhändler, l 
Berlin W. 64, Unter den Linden 16. 

Belck, Waldemar, Dr. phil., 1898. Frank- 
furt a. Muin, Baumweg <I2. 

Bencia, 0., Dr. med., Privatdozent, i 
Berlin NW. 40, Kronprinzenurer 

Berendt. G., Dr. phil., Prof., Geh. Bergrat. 
1875. Berlin SW. II, Dessnuersir. . 

Bernhardt. M , Dr., Prof., Geh. Medizinal- 
rat, 1874. Berlin W. 8, Französische- 
strasse 31, 

Bertram, Stephanus, Arzt, 190t;. Berlin N 
Lychenerstr. 119. 

Bibliothek, Grossherzogliche , 1885. Xea- 
Btrattta. 

Bibliothek. Stadt-, 1888. Stralsund. 

Bibliothek, Universität-, 1900. Basel. 

Bibliothek, Universiti^-. L89L GreifewalcL 

Bibliothek, Universitäts-, 1896. Tübingen. 

Bindemann, Elcrmann, Dr. med., 18*7 Befttfl 
0. 34, Frankfurterallee 85. 

Blanckenhorn, M., Dr. phil., Professor, Privat- 
dozent, 1903. Haiensee, Jonchim- 
Friedriehstr. 57. 

Blasiue, Wilhelm, Dr. phil., Geh. Hofrnt, 
Professor, 1878. Braunschweig. Gnuss- 
strasse 17. 

Bleyer, Georg, Dr. med., 1897. Tiji 
Kstado de Santa Cntlnirin;i, Brasilien. 

Bloch, Iwan, Dr. med., 1893. Charlotten- 
burg 2, Schiüterstr. 78. 

Blume, Brich, stud. phil., 1905. Slcyli:,. 
F ich lest r. 11. 

Blumenthal. Dr. med., Geh. Sanitätsrat, 
1880. Berlin W. 10, Victoriastr. 81, 

Bockenheimer, Dr., Professor, Privaidozi-nt, 
1907. Berlin N W. 6, Schiirbauerdamm :<.'.. 

Bohls, J.. Dr, 1S9S. Lehe, Hafensir. 0. 

Bolle,Dr.med..l9o.i.All-Monbit-l^-lmN\V., 
Meierei. 

Bong, Verlagsbuchhündler, 1908. Berlin 
W. 57, Potsdamcrstr. 88. 

Bormtnn, Alfred. Dr. med., Stabsarzt, 1897. 
Thorn, Brorabergerstr. 16 

Bouchal. Leo, Dr. jur., 1S9S. Wien !\ . 
Schäffergasse 22. 

Bracht. Eugen, Ijandschafts-Maler, Geh. 
Rat, Professor, 1883. Dresden V, 
Franklinstrasso 3 B. 

Brandenburg. Erich, Dr., 1905. Berlin V. EK>, 
Eisenucherstr. 113. 



i >r<lcntliclio Kitglieder. 



(7) 



Brandt, v., K. deutacher Qemudtur und 

beToUnaehiigter Minister a. D., Wirkl 

Geheimer Rat, Exz., 1879. Weimar, 

CranachstrusM? 7. 
Brasoh. Felix. Dr. med-, 189& Wunnseo, 

Alsenslr. 28 
Brate. Kiml. Konsul a. D.. 190& He. In, 

W .ir. Sil. 

Bredow. v.. Rittmeister a.D., 1872 Berlin 

W. statr. i . 

Bredow, Ernst r., 1893* Hetzow b.Buschow 

(Bz. ftuschow). 
Brcystg, Kurt, Dr., Professor an der Uni- 

retaittl Berlin. 1904, Schmargendorf, 
Berlin , Balnentr. 14. 
Brösike, 0., Dl med., HS!. Ualenscc 

I». Berlin, Kurfllrsteixt&mm 134. 
Bruchmann. K.. Dr. phil.. 1878. Berlin 80. IG, 

HfiehAoUürchetr 27 
Brückner. Erich, cund. urch.. 1906. Char- 

lotteaburs; - Grolmannstr. C2, Gth. 
Brüht, Hr.med., 1901. Berlin W.(5;>, Luthcr- 

fitnuse 47 
BrüniHg. II.. Enrique, 1905. ciuchtyo 

Peru). 
Brunner. K .. Dr. phil., Direktorial- 
stem am König). Museum für 
erkunde, 1*9». Steglitz b. Berlin, 

BeJfbrUtr 13a. 
Buchholz. Rudolf, Kustos des Märkischen 
mzial-Muscums, 1877. Berlin W 0, 
• ■ 
Busch l'Yu.ir. Dr.med, Prof., Geh, Med - 

Rat, 189$. Berlin W. 15, Paranen- 

ttrueac 
Busohan. G.. Dr. med. et phil., Kaiser! . 

M i a. D. 1881. Stettin , I 

PiirJnch-K.irlsIr. ?, 
Buschke. A», Dr med., Privatdozent, 1*98. 

Berlin W. 50, Kurfürstendamm 943, 
Busse* Herrn.. 18 » . Wultersdorfer Schleuse 

i Erkner (Landhaus Basse). 
Cm, Henry Dr. med., 1903. Berlin S* 29, 

manastr. MO. 
Cliuen. QtiriB, I9U7. Berlin W. 30,! 

16. 
Cltvf. 0. L, Pastor, 190.X Tandala, Bez. 

La&geaburg, ria Dar-es-Salaam Deutsch ! 

Ott-Afrika). 
Been ffUiiftf* Dr. phil.. 1903. Ualensee, 

I..U bim-l ! cdrichslr. 5 



Cahn, D., 1900. Berlin W. 62, Rurfürsum- 

Strasse 103. 
Cordsl, Oskar, Schriftsteller, 1830. Xicolas- 

see (Wannseebuhn). 
C«kanowski,J.,l)r., [906. Friedonau. Krege- 

strnsse 6. % 

Davldaohn. [I., SuniUiUrut, Dr.. 1872. 

Kriedetmu h. Berlin, Saurstr. 15 
Delbrueck, R., Dr. phil., Privaulozent, 

1907. Berlin SV.-'"'. Ansbacherstr. 26. 
Demetrykiewicz, Wladimir, Ur., Dozent 

Tür Prähistorie an der k. k. Uni- 
versität. 1905. Krakao, Bmolensk-G uns 

Nr. V.K 
Dempwolff. Dr. med., Stabsarzt in den 

Schulztruppen, 1 904. Dar-cs-Salaum, 

Ost-Afrika. 
Dlercks. Gu.stav, Dr. phil., 1888. Steglitz 

Humboldtstr. 2a. 
Diergardt, Freiherr von. 1907, Burg Born- 

iieim b. Bonn n. Rh. 
Dieseidorff. Erw. P.. ISOfi, Ooban, Gua- 
temala, 
Dlest,v.,Gcn-Lcutn.z.D M Ev/... 190*. Stettin, 

Kaiser Wilhelmsir. 0'5. 
Oittmer Ludwig, Dr. med., prukt. Arzt, 

i ffl. Berlin NW, 52, Oalriustr. 4. 
Domnicfc. Pfarrer, 1901 PrunendurT, Mark. 
Dönhoff-Friedrlchstfin, Graf, 1886, Friedrich- 
stein bei Lüwenlmgcn, Ostpreussen, 
Ebert, Max, Dr. phil . 1908, Berlin SW. 11, 

Mdekermtr, 187. 
Ehlers. Dr. med., IttOO, Berlin W. S2, 

LÜUowplutz 2. 
Eichhorn. Aug., Dr., 1905. Weoigenjeua 

b. Jena, Obere WfiUnhteerttr. 8. 
Eichhorn, Gustav, Dr., Konservator Hai 

Germanischen Museum, lflOÖ. Jena. 
Elkan, Max, Kaufmann, 1908. BcrlinNW.23, 

HoUloinerufor 7. 
Engel, Hermann, Dr. med., Sunitiitsrat, 1887. 

Berlin N. B7, Schonhauserulloe 167. 
Eperjesy, Albert von, K. und K. Ösierr.- 

I.'i L.M Gesandter, 1880. Stockholm, 

Skepparegntan Nr. 27, 
Erdeljanov*c,Jovan. Professor, l ( Ju2. Belgrad, 

Serbien, Skopljunskn ulica 20, 
Erdmann, Max. Gymnasiallehrer, l*s7^). M(in- 

eben, Kochstr. IL 
Falkenbera. Wilh., Dr. med , Oberarzt, 1 ' 

Lichtenberg b. Berlin, Herzbergstr. 79. 




(8) 



MitgWodnr Y<mntn1mts 



Favreau, Faul, Dr. jur., Rechtsanwalt, 1905. 

Kiinigswinter. 
Felgs-Rohnstock. Delphine, Krau, 1906. Berlin 

W. 30, Traunstemstr 3, Gth. 
Feyerabend. Dr. [»hil., Direktor des EttM 

Priedrieh-MutevM, 1H!M) - Görlitz, Hart- 

mnnnstr. 16. 
Filchner, Leutnant, 190G. Berlin W. 30, 

Spoyerstr. SC. 
Finek. F. N., Professor Dr., L90& Südende 

b. Berlin, Buhnstr. B. 
Finn, W., K. Translator, 1886, Soeben,' 

b. Altlandsberg. 
Fischer, Adolf, Professor, 1901. Kiel. 
Flwilng, Jame-=. 1906. Mannheim, L. 1". 6 
Fliedner, Karl, Dr. med., 1894. Monsheim 

b. Worms. 
Florschüte, Dr. med., 1696 Gotha. 
Foy, Willy, Dr., Direktor des Rauten- 

strnuch-Joest-Museum, I90i. (Stadtisches 

Museum für Völkerkunde), Cöln a. Rh. 
Fränkel, Bernhard, Dr., Prof., Geh. Medi- 
zinal rat, 1371. Berlin W. 9, Lenne- 

strftiBfl "-. 
Freund. G. A , Dr. phil., 1884. Berlin NW 7. 

Unter den Linden 09. 
Frledel, Ernst, Geh. Regierungsrat, Stadt- 

iat, 1872. Berlin NW. 69, Paul- 

straä-e I. 
Friedemann, Max. Dr. med., 1901. Berlin 

\Y.;H). Moteslr. 79. 
Friedländer. Benedict, Dr. phil., I899. 

Bprlin W. 55, Potsdamerstr. 121a. 
Friedlander. Immanuel, Dr. phil., 180<> 

Neapel, Vomero., Via Luigia San Police, 

Villa Hertha. 
Friedrich. Woldemar, Maler, Prof. 1891. 

Berlin W. <i'2, Lützowufer 33. 
Frisch, A.. Draekeraibesitawr, 1876. Berlin 

W. 85, Lützowstr. GG. 
Fritsch, Gustnv, Dr. med., Professor, Geh. 

Medizinalrat. 1»G9. Qross-Licliterrel.it O . 

Berlincrstr. 80. 
Fritsch. K. E <», Professor, 1888. Grune- 
wald (Uz. Berlin), Siemensstr. 41. 
Frobeniua, Leo, 11)03. Balcnsee, Kurfürstcn- 

<l.l II Ml) 1J7 

Fuchs, Rudoir, 1905. Charlottenburg 2, 

Knescbeckstr. 88. 
Fühner, Hermnnn, Dr., 1901. Freiburg i. Br., 

Kvlaplata 23. 



Füliebom, Dr. med-, Professor, Regierungs- 
arzt, 1898. Humburg, Mnnburger- 

damm. 
Gaedeke, Karl, 1893. Ober-Lehrer, Salz- 

wiilrl, Salzstr- 7. 
Gerhardt, Mas, Dr. phil., 1906. ßchön< 

berg b. Berlin, Prinz Georgstr. 4. 
Gesellschan. Anthropologische. 191 5. Oöla, 

Zugweg 41. 
Gesellschaft, Deutsche Kolonial-, 190». 

(Abteilung Berlin-Churlottenburg), Berlin 

NW. 10, Alscnstr. IC 
Gesellschaft, historische, 1887. Bromberg. 

Stadibibliothek, Raiserstrasse. 
Gessner, Hans, Baumeister, 18!>7. Berlin 

W. C2, Bavreutheretr. II. 
Giebeler. C, ln^en^eur, 1905 Gross-Lichter- 

feldc O, Wilhclmplntz 8. 
6iümer. v., Leutnant n. D., Sekretär der 

Zentralstelle Tür Arbeiter- Wohlfahrts- 

Einnchtungen, 1898. Essen (Ruhr), 

Bismirokstr. 24 
Görke, Franz, Direktor, 1886. Berlin V 

Maussenslr. 32. 
Götze. Alfred, Dr. Professor, Direktorial-Assi- 

Stent am König). Museum Tör Völker- 
kunde. 1*88. Berlin SW U, Krinig- 

grutzcrsti. 190. 
Goldsohmldt, Oskar. Dr. jur., 1894. Berlin 

W 85, Genthinerstr. 43. 
Goldschmidt, Hans, Dr., 1907. Embo 

a. d. Ruhr. 
Gardon, Frl. F.. 1908. Berlin \V. IS 

Uhlmidstrnssc I 
Gottheit, Carl, 1903. Berlin W. 35, LQIzovr- 

strasse 80«. 
Gottschalk, Sigisraund, Dr. med., Privnt- 

dozent, )88*i Berlin W. 35, Pots- 

d.imerstr. 106. 
J Griebner, Fritz, Dr., I9<>4. Cöln (Rhein; 

Rautenstniuch-Joest-Museum. 
i Grimm. Paul. I9a7. Berlin SW. 11, Be 

bugeretr. 80, 
| Grosse, Hermann, Lehrer, 1897. Berlin 

NW. N. Zwinglisir B. 
Grosshelm, Dr., Generalarzt n. D.. I: 

Berlin W. 00, Ansbacherslr. 28. 
Grossmann. Louis. Rabbiner und Professor 

NB Hebrew Union College, 1894. Cin- 

einnnti, Ohio, America, 9313 Pari 

Avenue, 



Ordentliche Mitglieder. 



(9) 



Qrwbert, Dr. med-, 1889. Falkenberg, Pom-> 

mern. 
«rünredel, A., Prof. Dr., Direktor am- 

Kgl. Museum für Völkerkunde, 1904. 

Gross- Lichterfelde W., Albrechtstr. 8. 
€udewlH, John Carl, Rentner, 1901. Braun- 

schweig, Kaiser Wilhelrastr. 7. 
Günther, Carl, Photograph, 1881. Berlin 

W. 64, Behrenstr. 24. 
€nti, D., Dr. phil., 1905. 
Cüterbock, Brono, Dr. phil., 1885. Berlin 

W. 30, Nollcnd orfplatz 1. 

Guthkneclit, Gustav, Maler, 1896. Steglitz, 
Hamboldstr. 13. 

fiitzmann, H. T Dr. med., IS95. Berlin W. 35, 
Schönebergerufer 11. 

Haake, Dr. med., 1903. Braunschweig, 
Friedrich Wilhclmstr. 7. 

Haberer, K. A , Prof. Dr., Kgl. Regierungs- 
arzt, 1905 Jatmde, Kamerun (West- 
afrika). 

Hauen, B., Dr., Hofrat, l!h-3. Frankfurt a.M., 
Miquelstr. 5. 

Hagen, Joachim Otto v. d , 1904. Schmiede- 
berg bei Greifenberg (Uckermark). i 

Hagenbeck, Karl, Tierhändler, 1878. 
Stellingen (Bz. Hamburg.) 

Hahn, Eduard, Dr. phil., 1888. Berlin W. 30, j 
Nollendorfstr. 31,32. 

Hahne, Hans, Dr. med., 1903. Hannover,! 
Jägerstr. 7. 

Hake, Georg v., Ritlerguts-Besitzcr, 190:'. 
Klein-Hachnow bei Stahnsdorf (Kr. 
Teltow). 

Hallgarten, Charles L., 1898. Frankfurt a. M., 
Miquelstr. 21. 

Handtmann, E., Prediger, 1880. PoUdam, 
Kronprinzenstr. 37. 

Hansemartn, David v., Dr. med., Prof., Geh. 
Med. -Rat, Prosektor am Krankenhause 
Friedrichsbain, 188(i. Grunewald (Hz. 
Berlin), Winklerstr. 27.* 

Hardenberg, Freiherr v-, Majoratsherr in 
Schlöben b. Roda, I»14. Sachsen-Alten- 
burg im Sommer (im Winter Karls- ; 
ruhe, Stephanienstr. 46.) 

Hartwich, Carl, Dr. phil., Professor, 1883. | 
Zürich (Schweiz), Polytechnikum. 

Hattwlch, Emil, Dr. med., Geheimer Sa- f 
nitatsrat, 1880. Berlin NW. 40, Reichs- 
tags-Ufer 3. 



Havelbirg, Dr., Arzt, 1907. Berlin W. 30, 
Martin Lutherstr. 9. 

Heck, Dr. phil., Prof., Direktor des Zoo- 
logischen Gartens, 1889. Berlin W. 62, 
Kurfürstendamm 9. 

Hecker, Hilmar, Dr., phil., 18°8. Bonn a Rh. 
Bonner Thalweg 43. 

Hellborn. Ad., Dr. med., 1903. Steglitz, 
Ahornstr. 10. 

Helmann, Ernst A., Dr. med., 1 90 M. Char- 
lottenburg •*, Kantstr. 136. 

Helntzel. C, Dr., 1880. Lüneburg. 

Heibig, Georg, Wissenschaft). Zeichner u. 
Maler, 1*97. Schönebcrg-Berlin, Ross- 
bachstr. 5. 

Hellniann, Gustav, Dr. phil., Geh. Re- 
gierungsrat, Professor, 1888. Berlin 
W. 10, Margaretenstr. 2/3. 
Hennig, Paul, Rechtsanwalt, 1903. Berlin 
SW. 11 Anhaltstr. 15. 

Hermann, Rudolf, Dr. phil., 1904. Danzig, 
Langemarkt '24. 

Herold, Karl, 1907. Haiensee, Paulsborner- 
strassc 23. 

Herrmann, Wilh.,Eisenbahn-Ingcnicur, 1903. 
Weissensee-Berlin, Pistoriusstr. 7. 

Heyl, Erwin, Frhr. v., Gesandtschafts-Attache, 
1903. Worms a. Rh. 

Hindenburg, Dr., prakt. Arzt, 1905. Gross- 
beeren bei Berlin. 

Hirschberg, Julius, Dr. med., Professor, Ge- 
heimerMedizinalrat, 1880. Berlin NW. 6, 
SchifTbauerdamm 20. 

Hobt», Felix, Pfarrer, 1902. Dechsel, Kr. 
Landsberg a. W. 

Höner, F., ZahnkUnstler, 1890. Berlin W. 50, 
Nachodstr. '2. 

Hofmeler, J., Dr. med., Geh. Sanitätsrat, 
1902. Nikolassee (Wannseebahn), a. d. 
Reh wiese 25. 

Hörn, O., Dr. med., Sanitätsrat, Krcis- 
physikus, 1887. Tondern. 

Hornborstel, Erich M. von, Dr., 1907. 
Wilmersdorf, Kaiser-Allee 180. 

Honzik, Ed., Ingenieur, Architekt beim Kriegs- 
ministerium, 1904. Bukarest, Rumä- 
nien, Str. Diminetei 5. 

Hübner, Georg, 1907. Mnnaos, Estado de 
Amazonas, Nordbrasilien. 

Huguenel, E, Apotheker, 1904. Potsdam, 
Luisenstr. 53. 



Institut, Kaiserlich Archäologisches, 190*2 

Berlin W- 10, Corneliusstr. 1. 
Jacobi, Alfred, Dr., prakt Zahnarzt, 1901. 

Steglitz, Kuhligghof I. 
Jacobi. Arnold, Prof. Dr., Direktor d. 

Museums, 1907. Dresden A. (Zwinger). 
Jacoby, G, 1907. Berlin W. 15, lihlami- 

strasse 175. 
Jacubow&ki. Apotheker, 1 990. Borsigwnlde b. 

Tegel. 
laegcr, Erwin, Dr. med., 1905. Leipzig, 

Johannisplutz 1. 
lä'nlcke, Ernst, Kaufmann, 1888. Gross- 

Lichterrelde W,,i. Oaibtr, 103. 
laffe, Benno, Dr. phil., 187!). Berlin W. 62, 

Kurfürstensir. 129« 
Jannasch, R., Dr. jur. et phil., Prof., 

Vorsitzender des Zentral-Vereins für 

Bmndsb-Geographie, 18%. Berlin W. (32, 

Lutlierstr 5. 
lentsoh, Hugo, Dr. phil., Prof., 1*75. Guben. 
Jonnhe, Bd. de, Dr. phil., 190$. Rue 

St. Ciucntin 39, Brüssel. 
lumperli, Dr., Oberlehrer, 1901. Gross- 

Lichterfclde b. Berlin C Bolbein- 

strusso 38 ft. 
Kaempf, Georg, Justizrnt. Rechtsanwalt und 

Notar, 1905. Berlin W. 50, Ranke- 

sirassc 5. 
Kandt, R., Dr. und., prakt Arzt, IBQf. 

Dentecfa Ost-Afrika 
Katz, Otto, Dr. i» I i ; B9& Charlottonburgl, 

Berlinorstr. 50 
Kaufmann, Richard rv, Di. phil., Prof., Geh. 

Regierungsrat. ist:*. Berlin W. SS, 

Mansscnstr. 5. 
Kaufmann, Puul, Dr. med., Professor, 1900. 

Rom, Italien, Via Giovanni Lanza 121. 
Kay, Charles de, General-Konsul a.D., 1895, 

New York, US Werf 23 St. 
Kettler, Rudolf von, General leutn. z. D. 

Bxc, 1907. Berlin W. 62, Burggrafen- 

stnij-- 
Kiekebusch, Lehrer, 1906. K:»rlshorst (Bz. 

Berlin;, Treskuwer Allee 61. 
Klessling, Mux, Dr. phil., Assistent am 

Seminar für historische Geographie, 

1903. Wilmersdorf b. BerBn, Motz- 

straasc 51. 
Kind, A. Dr., 1907. Berlin W. 50, Neue 

Anshucheratr. II. 



Kirchhof!. \aver. Ingenieur. 1904. Kru-detiau. 

Kirchstr. 28, II Tr. 
Kirschstein, Egon Fr., Dr., Assistent d. kgi 

geolog.-pnlaeont Institut u. Museum, 

1907, Berlin R. 4, Invalidenstr. 43. 
Kissenberth, Wilhelm, Vv., 1907. Char- 
lottenborg 4, Kantstr. 118/1 H». 
Klaar, W., Kaufmann, 1868. BerliaSO. HS, 

Schmidstr. 5. 
Klaatsch, Hermann, Dr. med.. Prof. der 

Anthropol. u. Ethnologie, Direktor der 

ethnolog.-unthropol. Sammlung, Kustos 

.in Kgl anatomisch. Institut. 1 

Breslau, Auenstr. 18. 
Koch, Max, Dr. med., li.'O '. Elberfeld, 

Hohenzollernstr. 1 1 . 
Koch, Robert, Dr. Prof, Geh Med.- 

Rat : Exzellenz, 1875. Berlin \V. 15, 

Kurfüstendamm -Vi. 
Koch-Grünberg, Theodor, Dr. phil., 1903 

Nikolassee (Wnnnseebahn). Hohen- 

Eollernplate 3. 
Koehler, Bernhard, alud. phil., 1906, Berlin 

W. 80| Eisenaeherstr. 103, Atelierhaus. 
Kofier, Friedrich, Botet. Lo83. Danoatadt, 

Wilhelmstr. 
Kohl, SuniüUsrnt Dr., 1905. Worms. 
Holle. Wilhelm, Prof. Dr., 1005. Bern, 

Schweiz, Hutenbcrgslr. SO. 
Kollm. Hauptmann u. D-, Generalsekretär 

der Gesellschaft für Erdkunde, 1*91. 

Berlin- ChnHoUenburg 2, Hardonberg- 

strasse 4 I . 
Konicki, Julius, Rentier, 1892. Berlin \V. 15, 

KurfUrsteiiritimin 28- 
Körner, Kranz, Grubenbesitzer. I9ÖS Berlin 

NW. 28, Handelst.-. 9. 
Kossmna. Gustaf, ür. phil., Professor, 1895. 

GroM-Ltchterfelde Wesl, Karlsir. 10. 
Kraemer, Augustin, Dr. med., Prof., Ober- 
Stabsarzt, 1903. Kiel. Moltkeatr 70. 
Kraemer, Hans, 1907. Berlin W. lü, 

Corncliusstr. 2. 
Krause, Eduard, Konservator am Kgl. 

Museum ftr Völkerkunde, 1876 Berlin- 

Pricdcnau, Moselstr. 10. 
Krause. L., Archivsekretär, 1901. Rostock 

(Mecklb.), St. Georgstr. 111. 
Krause, Wilhelm, Dr. med., Prof-, Geh. 

Med. -Rat, 1898. Chnrlottenbnrg Jj 

Kncscbeckstr. 17. - 



Ordentliche MUgLiuder. 



00 



Krause, Fritz, Dr. phil., Assistent am 
Museum T. Völkerkunde, 1906, Leipzig 
Saloraonstr. 21. 
Kretschmer, Konrad, Dr. phil., Prof., 18! D. 

Charloltenburjr 1, Eosanderstr. 
Kretschmer. Paul. Dr. phil., Professor, 1894. 

Wien VIII, Klnrianigassp 23. 
Krickeberg, Watter, stud. phil, 1905. Char- 

loftabnrg 3, Schlossstr. 16. 
Krickeberg, C, 1907. Charloltenburg 5, 

nlosa&tr. 16. 
Krlegel, Friedr.. Dr. med.. 1003. Berlin 

BW 68, Oranienstr. 96. 
Kroner. MuriU, Dr. med., Geh. Sunitaisrut, 
1869. Berlin S. 42, Oronienstr. 143. 
Kronthal, Karl, Dr. med , 1890, Berlin W.Ä0, 

Geiabcrsstr. 20. 
Kruse. \V , Dr. med., Prof., 1900. Bonn, 

Gduer-Chaussee Ib. 
Kühl, \V. U., Buchhändler, 1905. Berlin 

BW , Kfio$grttzentr. 82. 
Kunze. Johannes, Dr. phil., Überlehrer, 
1907. Berlin W. 50, Aogabargentr. 3«. 
Kupka, Oberlehrer, Dr., 1903. Stendal 

innuhagenstr. 41. 
Kurti. F.. Dr. phil., Prof. 1874. Cördoba, 
p. A. Herren Mayer 6 Kuller, Berlin 
NW. 7. Prinz Louis Ferdinomlstr .' 
Küster. Dr., Professor der Chirurgie, Geh. 
tzinalrat, Generalarzt, Mitg<lii>-1 de« 
Herrenhauses, 1 9(>8. Charlottcneur^ I. 
e 32. 
Kuttner. Ludwig, Kaufmann. 1891. Berlin 

BW. 68, Bttteratr. 
Lachmann. Georg, Kaufmann, 188*1. Berlin 

W \\ Bendl 
Lachmann. Paul, Dr. phil., Fabrik besit« r, 
Berlin W. 10 Tiergarten - 
Strasse 3. 
Landau, H.. Bankier. 1876, Berlin W 64, 

Wilhelmsir 71. 
Landau. W., Freiherr r., Dr. phil,, 1877. 

Berlin W- 10, Lützowufer 6a, 
Langay, J . Architekt, 1902. Berlin W.66, 

Wjlhelrastr. 91 96. 
Langenmayr, Paul, Rechtsanwalt, 1891. 

Pinrv Pro? Posen. 
Langerhans, Wilhelm, Landgerichts^!, 1901. 

Berlin W- I ». Kaiaernllec 221. 
Lasch, Richard, Dr. rnr.l., 1904. Wien VIII, 
Wickinbur^gasse 2. 



Laschke, Alexander. Kais. Reiehsbunk- 
Oberbuchhalter, 189G. Berlin NW 68, 
Thomasiusslr. 17, Gth. 
Le Coq, Albert v., IH!<2. Ualenaee, Johann 

Georgstr. 13. 
Lehmann. Carl F., Dr. jur. et phil., Pro- 
fessor, 1888. Berlin W. 50, M.irlnnvr- 

straase ''. 
Lehmann, Walter, Dr. med, [901. Berlin 

W. R2, N'ellelbeckstr. II. 
Lehmann- Nitsche, R., Dr. med. et phil. 

Professor, 1W3. La Plata, Argentinien, 

Mus. de La Plata. 
Lchnerdt. Dr. med-, Geh. Banit&tarat, 1877. 

Berlin W. 9, Eiehhornstr. 8. 
Lemcke. Dr. phil., Prof., Geh. Reg. -Rat, 

1891. Stettin. Politzcratr. 6. 
Lemke, Elisabeth, Fraul-in. 1882. Berlin 

W. 10, Sigismundstr. 7. 
Lennhoff, Rudolf, Dr., Arzt, 1907. Berlin 

SO. Iti, Schmidtstr. 87. 
Lennhoff. Julius, Fabrikbesitzer, 1 & »8. 

Berlin SO. IG, Schmidtstr. 37. 
Leonhardi. aforitz Freiherr v , I.VJ7. Gross- 

Kaxben, Grosshcrzo^tuin Hessen. 
Levin, Moritz, Ur. ph.l.. 1887. Berlin W.15, 

Meierottostr. 10. 
Levinstein, Waltor, Dr. med.. 1897, Bi bi 

borg b. Berlin, Maison de Santo. 
Lewltt, Dr. med., Antf, 1905. Berlin BW 18, 

Fricdrichstr. IC. 
Liebermann. l<\ v., Vr. med., 1888. Berlin 

W. Di, KorfOnlaoatr. BS. 
Llebermann, F., Dr. phil., Prof., 1877, Bedüa 

W 10, Bendlerstr. 10. 
üenau, Michael Martin, 1906. Krank fürt 

(Oder), p. Adr. Justizrat Locwcnstcin, 

Gr. Scharrnstr. 51/52. 
Undenschmlt, Dirigent des Rümisch-Ger- 

manisch. (Jcntral-Museunis, 1891. Hains, 
Lohmann, Ernsl, Pastor, 1901. Freienwald*' 

u. d. 0. 
Lucae, Dr. med., Prof., Geh. Mudizinut- 

rat, 1883. Grunewald (Bez. Berlin), 

Tcplit/erstr. 3. 
Lüders, Onrl, Apotheker, 1908. Blunken- 

burg (Harz). 
Ludwig, H., Professor, Zeichenlehrer, 1894. 

Berlin W. 35, Lützowstr. 18. 
Luschan, F. r., In. med. et phil., Professor, 

Direktor am Koitigl. Museum f. Völker- 



(12) 



Mitj»liedcr-Vcneichnis. 



künde, lfi.s.Y Friedenia bei Berlin, 

Begnsstr. 0. 
Maut, Alfred, 1902, Berlin W\ jo, Sigis- 

mumlslrassr 5, 
Maas, Heinrich, Kaufmnnn, 1883. Berlin 

W* l '\ Ilildebrnndgche Privatstr. 24. 
Maat, Julius, Kaufmann, 1883. Berlin W. 10, 

IliliK'lirundsche Privatstr. 84. 
Mac Curdy, George Grant, Lecturer in 

Anthropology und Ourator of the An- 

thropol. Collection, Yiilo Univcrsity, 

1897. New Haren, Connecticut ü. S. 

America, '2'S7 Churchstreet. 
Madsen, Peter, Baumeister. 1889. Döllnilz. 

(Snal kreis). 
Magnus. P., Dr. phil., Prof.. 1801». Berlin 

W. 35, Blumeshof 15, 
Mankfewicz, Otto, Dr. med., 181»«. Berlin 

W, 9 M l'otsdamerstr. I 14 
Marsfeld, Dr. med., Stabsarzt, 1904. Kaiser- 

lii ha Regierung - Station Ossidinge, 

Kamerun. 
Marcuse, Louis, Dr. med., Sanitiitarat, 1887, 

Berlin NW 52, Spmerstr. 9. 

Martin, A. EL, Dr. Professor, Geh. Medi«.- 

Rat, 1877. Berlin W. 62, Keithslr. 14. 
Martin. Rudolf, Dr. med., Professor für 

Anthropologie, HM. Zürich IV, Neue 

Beckenhofstrasse 16. 
Martin, A. v., Dr., 1907. Uerlia W. 9, 

Köthencrstr. 19. 
Martini, Brich, Prof., Dr., Mnrine-Ober- 

stiiiis;ir/i, 190Ö. Tsinglau, Deutsch- 

( 'liir.n. 
Maska. KsirlJ., Oberreulschuldirektor, 1*85. 

IV lisch, Mähren. 
Matchke, Emat, Dr. med., Arzt, 1904. 

Halensec (Hez. Berlin), Kronprinzen- 

■ i.iiiri. 9, 
Matschie, Paul, Professor Dr., Kustos am 

Zoolog. Museam, 19<>4. Berlin B. 53, 

Gncisennustr. 59 
Maurer, Hcrman, Revisor, Uber-Sokretar, 

1890. Berlin NW. 52, Alt-Moabit 15. 
Mayet. Laoten, Dr. med., Interne des 

Böpltonx, 1900. Ruc Emile 7-ola 15, 

Lyon-Retleeuur. 
Mayntzhusen, Friedrich, 1iM>7. Yuguaruzapd 

am Alto Paranä, Paraguay. 
Meisner, Dr. med, Generalarzt a. I>, 1903 

Berlin W.50. Culmbacherstr. 14. 



Mrissner. Georg, Ingenieur, 1907. Dresden- 

Strehlcn, Palaisstr. 8, 
Meitien, August, Dr., Professor, Geh. Ro- 
giemngsrat, 1879. Berlin \V. 6i, Kleist* 
Strasse SS. 
Mendeisohn- Bartholdy, Paul v., Bankier. 
Künigl. Dünischer General-Konsul, 1906. 
Berlin NW. 7, Sommcrstr. 
Mennung, A.. Oberlehrer Dr., 1905. Schöne- 
beck (Elbe), Friedrich*:!. 17. 
Menzel, Hans, Dr., Geologe, 1905. Chor- 
lottenburg 1, Wilmersdorferstr. 1*2. 
Merker. Moritz. Major a. D., 1909. Erfurt, 

Karthiiuserstr. 41. 
Messerschmidt, Dr.. Assistent an der Vorder- 
asiatischen Abteilung des Königl. Mu- 
seums, 1903, Berlin N. ;>-S, Schönhanser- 
alieo 15)1 
Mestinfl, Otto, stellv. Direktor d. Deutsch- 
Asiatischen Bank, 1905. Berlin W. \\\, 
Behrcnslr. U/W 
Meyer, Alfred G., Dr. phil-, Professor, 
Direktor des Luisenstudtisehen Renl- 
Gymnas, 1879 Berlin S 14, Scbustian- 
strasse 3 
Meyer, Friedrieb, Dr., 1006. Tanger- 
münde. 
Meyer. Cduard, Prof. Dr., 1903. Gross- 

Lichterfelde-West, Mommsenstr. 7/8, 
Meyer, Ernst, Pastor, 1904. Königamark 

h. Osterburg in der Altmark 
Meyer, Ferdinand, Bankier, 189*. Frank- 
furt a. M., Bockenheimer Landau*. < t. 
Meyer, IJuns, Dr. phil., Professor, 1902. 

Leipzat-Rcidnitz, Ilaydnslr. 20. 
Meyer, J., Dr. Ar/t, 1907, Charlottenburg 4, 

Schlütersir. 26. 
Meyer. Herrmann, Dr. phil., 1898. Leipzig, 

Bismarckstr. 12. 
Michaelis, Hermann, Bergwerksdirektor, 

1900. Berlin W. 57, Bülowstr. lti. 
Michel, Gustav, Dr. med., 1*94. Hermes- 

keil b, Trier. 
Mlelke, Robert, Zeichenlehrer und Schrift- 
steller, 1894. Churlotlonburg ö, Rönne- 
strasse 18. 
Milchner. R., Dr. med., IS98. Beilin NW. 7, 

Mittelstr. 18. 
Minden, Frau Direktor Franko, 1904. Berlin 

W. 62, Kleiststr. 1. 
Minden, Georg, Dr. jur.. Direktor des 



Ordonllicho Mitglieder. 



(18) 



Berliner Pfundbriofurats, 18*5. Berlin 

W. 68, Kieiststr. 1. 
Miske. Kaiman, Freiherr v., 181)8. Köszeg 

(Günz), Ungarn. 
Möbius : Karl, Dr. phil, Prof., Geh. Re- 

gierungsmt, Mitglied d. Kgl. Akademie 

d. Wissenschaften, 1887. Berlin W.H», 

Sigismundstrasse 8. 
Möller. Armin, Kustos um städtischen 

Museum, 1094. Weimar, Stadt. Museum 
ftmft* Iftartin, Rentier, 1893 Chartotten- 

bvrg 5, Scblossstr. i'A. 
Münike, Karl, Gebeiner Bnnrnt, l9U6. 

Berlin W. 57, Bulowstr. 104. 
Mühsam, JI ins, Dr , I9OT. Berlin SW.61, 

ie-Allieocectr, 93. 

Müller-Beeck, Georg;, Kais. Deutscher 

r.ilLonsul n. D., 1661. Frankfurt 

-i 1 , Bandhopetr. 26, 

Müller. F. W. K , Professor Dr. phil., Di- 

>r am Königl. Museum für Völker- 

kande 1901 Zehlendorf (Wnnnsee- 

tr.ihn;. Alheriinensir. 3. 
Müller. W., Dr, 1903. Berlin SW\ 11, 

Miiseum iur Völkerkunde. 
Müller. Wilhelm, Landmesser, 1904. Leiter 

d, techn. Abt. d. Terrain-Ges. Gross- 

Nscllcr, Herbert, Mud. jur„ 1907. Haien- 
see, Johann-Geor^air. 16. 
Müllerheim, Robert, Dr. med Frauenar/t. 

19ms, Berlin W 03, Bnrggrafenstr. 0. 
Mvneterberi, Osear, Dr phil., 1896. Berlin 

W. .;:, n.rfflin^erslr. 
Msnk. Bemann, Dr. med., Professor, Geh. 
18ü9. Berlin W. 10, 

M ittblikirehitT 1 
Museum, Griflich Dziednszyckisches, 1900. 

Leon usien. 

Museum bei 1904. Dortmund. 

Museum, I ig], Germanisches, 1900. 

Jeu. 
Museum für Völkerkunde, 1888, Leipzig. 
Museum fl le, 1903. Lübeck. 

Museum i'ro\in/i;d-, 1889 Halle a. S. 
Museum, städtisches, lilOO. Bnuinaehweig. 
Museum.-! .". Gera(Rcuss j. L - 

Museum Ihr Völkerkunde, I8H5. Hamburg. 
Mvaeum hes, 1905. Ralberstudt 

Muskat, (fetter, Dr. med. 1901. Berlin W 9., 
16. 



Nabe, Max. 1906. LeipziEr-Gohlis, Loi 

Strasse 24. 
Nacbod, Oskar. Dr. phil., 1905. Grunewald 

(Bcz Berlin), Hngcnstr. 
Naumann. Prof. Dr., 1905. Bautzen. 
Neergaard, Dr., Inspektor am Rational- 

Museum, 1901. Kopenhagen. 
Nnumnnn, Alfred, Dr. med., Ärztl. 

Direktor der chirurg. Abteilung des 

ittdt Krankenhauses im Medriobe- 

hain, 1901. Berlin NO 18, Landsberger 

Allee 189; 
Neumann, Oakar, Prof 1 ., 1896. Berlin N. I, 

Zoolog. Museum, Invnlidenstr. 42. 
Nopcsa, Baron Franz, 1901. Szucsiil, Ungarn, 

Post ilätszeg. 
Nordhelm, .!., Hamburg, 1807. Matlentwite 2. 
Oesten, Gostar, Ziril-Ingcuk-ur, 1879. Berlin 

W 56, Wilhelrostr. 51. 
Ohnefalsch -Rtcbler. Max, Dr. phil , 1891. 

Steglitz, Steinstr. 55. 
Olshausen, Otto, Dr.phil., 1881. BorlinSUT.H, 

Anhultslr. 5. 
Olshausen. Kranz, Dr.. Konsul, 1907, 

Asuncion, Paraguay. 
Oppenheim. Max, Freiherr v., Dr. jur.. 

I-cgationsrat, 18*7. Cairo (Ägypten), 

Bab-el-Loolr, Midan el Aghäre 9. 
Oppenheim, Paul Dr. phil, 1896. Gr.Lfchfer- 

felde-W., Stcrnstr. 19. 
Oppert, (iii-tnv, Dr. phil., Professor, 1893 

Berlin w /.;. Bfllowstr, m 
Orth, A, Dr. phil.. Prof., Geh. Regiorungs- 

rat, 1876. Berlin W. 80, Zieten- 

strasse 6 b, 
Orth, .loh., Dr. med., Professor, Geh. Mc- 

dizinalrat, IKO.'i. Grunewald (Bez. Berlin), 

Ui.inl oldtstr. IG 

osborne, Wilhelm, Rittera^tebewUeT, 

München. Kaulbachstr. 98. 
Ossowidzki. Dr. med., Sanit.it BTtt, 

Oranienburg, Reg.-Bez. Potsdam 
Outes. Felix F., GenerulsekreUir des La 

Platn - Museums, 1907. La Pluta. 

Argentinien. 
Palliardi, .laroslav. K. K. Roter, 

Mährisch-Budwity, Mähren, 
Pal«, Julius, Dr. med., 1879. Berlin NO IS, 

Frankfurterstr. 89. 
Passow,Dr.med.,Pror.,(u-h..M< i -Rot, 1895. 

Charlottenburg 2, Uhlandstr. 3. 



(14) 



Mitglieder- Verteirhnis. 



Pastor, Willy, Schriftsteller, 1906, Wilmers- 
dorf b. Berlin, Gasteinerstr. 4—5. 
Paulus, Adolf, Hofrat 1900. München, 

Leopoldstr. T. 
Peiser, Felix, Professor Dr., 1892. Königs- 
berg i. Pr., Schönstr. l*a. 
Polizaeus, W.,Kgl. Spaniseher Konsul, 1 l(, 2. 

Knir-n. Ägypten 
Penck, Albrecht, Dr., Geh. Reg-Rat, Prof. 

an der Universität, 1908. Berlin W. 15, 

Knescbeekstr 18 
Pflugmacher. E.. Dr. med-, Generalarzt a, D., 

1889. Potsdam, Auguststr. 88. 
Pfuhl, F, Dr phil., Professor, 1877. Posen, 

Oberwal Istr. 1. 
Philip, P., Dr. med., 1896. Berlin V.50., 

Pnssauerstr. lln. 
Plnkus, Felix, Dr. med., 1896. Berlin W.l), 

Potsdamerstr. 7. 
Plppow, Dr. med., Geb. Medizinalrat. 1878. 

Churlottenburg -I, Mommscnstr. 15. 
Pittier de Fabrega, Dir. dea lnstituio Fisico- 

Geogrnflco, 1903. San Jose, Republik 

Costuricu. 
Platen-Venz, v., Rittergutsbesitzer, 189s. 

Stralsund, ßarnowstr. 3. 
Plütr Alß\, ür. med., 1903. München 23, 

Cternensstr. 2. 
Poch. Rudolf, Dr. med.. 1901, Wien IX 2, 

Peliknngnssc 1 4. 
Ron Heinrich, Dr. med., 1696. Merlin 

NW. K}| Hindcrsinslr. 3. 
PDnftck, Dr.. Prof.. Geh. Medi/imdrat, 1878. 

Breelan XVI, N'ovastr 3. 
Prcuss, Theodor, Dr. phil., Direktorinl- 

AsRistent nm Kgl. Museum für Völker- 
kunde, 1895. Steglitz b. Merlin. Sehlnss- 

strnsse ll". 
Prochno. R.tls-Apothcker, 1887. Bl 

borg f'Har/i. Gnrtenstr. o. 
Proehl, F., Dr. med. Btftbmnt, 1906. Berlin 

\\ . 1 "•. Kurfürstendumm 87, 
Putjatln. Fürst Paul Arseniewitach, 11*02 

St. Petersburg, Perspektive Grcsge 6. 
Ramelow. Assessor Dr., Hand e£ft-Altflehti bei 

der Kais. Deutsch. Gesandtschaft, 1906. 

Buenos-Aircs. Republicu Argentn 
Rathgen. F., Prof. Dr., 1905. Berlin C. 2, 

Kleine PrUsidentenstr. 7. 
Reohe, 0.. Dr. phil., 1905. Hamburg, Mus. 

für Völkerkunde 



Reioh, Mnx, Dr. med., Ober-Stabsarzt der 

Marine. Leibarzt, 1891. Gross-Lichler- 

felde W. 3. Zehlendorferstr. 13. 
Reinecke, Paul. Dr. phil., 1892. Mainz, 

Röm.-Germnn. Museum. 
fieUecke. Major a. D., 1892, Charlottm- 

bnrg *2, Savignyplatz 8. 
Reinhardt, Dr. phil., Professor, Direktor, 1880- 

Berlin N. 37, Wcissenburgerstr. 4a. 
Reise, Wilhelm, Dr. phil., Geh. Rcgierungs- 

rat, 1874« Schloss Könitz (Thüringen). 
Remak. E. J., Dr. med.. Prof., L896. Berlin 

W. Ü, Potsdamerstr. 133. 
Richter, Berth., Bankier, 1*70. Berlin W. t», 

Königgrätzerstr. 4. 
Riedel, Bcrnh., Dr. med., Sanitätsrat, 1880. 

Berlin W. 63, Kalkreuthstr. 1. 
Roeber, Ernst, Prof, Historienmaler, 1.'04. 

Bonn-Kessenich, Rosenburg im Sommer. 
Berlin W. 1", Tiergarte nstr. 17 im 

Winter. 
Rogatr, Hermann. Rektor, 1904. Gross- 

Lichterfelile-0»t. Auguststr. 18. 
Höhl. Baron v., Dr. jur., Landrichter, 1890. 

Altonn, Bei der Johnnniskirche 7. 
Rosenow, Dr., Spe/iularzt für Hals-, Nascn- 

und Ohrcnleiden, 1904. Berlin W. 15. 

Uhlandslr. 155. 
Rösler, EL, Staatsrat, 1891. TiQis, Kaukasus, 

Russland, K. Kgl. Kadetten-Corps. 
Rothe. Ottrt, Rechtsanwalt, 1908. Chtmmi;. 

Theaterstr. 86, 
Rotter, Dr. med., Prof., dirigierender Arzt 

am St. Hedwigs- Krankmhause, 1899. 

Berlin N". -4, Ornnienburgeratr- (IG. 
Rüben, Ernst, Gerichtsassessor, 1908. Berlin 

NW. 23, Flensburgorstr. 17. 
Rück, D., Braumeister. 1884. Awitifa, 

Wilhelmen-. 4Ä. 
Rudi«, Ernst, Dr. med.. 1903. München. 

Hcrzogspitulslr. K> 
Rüge, Karl, Dr. med-, Geh. Sanitiilsrat, 

Prof., 1881. Berlin W. 8. Jttgentr. 61. 
Rüge, Paul, Dr., Mcdizinnlrut, I68S. Berlin 

W. 02, Keithstr. 5. 
Runkwit/, Dr. med., General-Oberarzt der 

Marine, 1893. Kiel. 
Ruprecht, Vcilugsbuehhandler, 1903. Berlin 

W. 57, Potsdamer«* 88. 
Salomon, U, Dr.. 1899. Berlin NO. 18, 

Kaiserstr. IT 48 



Ordentliche Hltgfttdfl 



(15) 



Samfton. All.. 1877, Brüssel (Belgique), 

103 Avenue Louise. 
Simter. P., Dr. med., 1892. Berlin N 

Sctaünhauserallee 45. 
Sinder. \\\. Dr. med,, Geb. Mediünalrit, 
76. Dalidorf (Bz. Berlin). 
Sinder. L. M;mne -Stabsarzt a. D., I 

len&u, Niedshr. 86. 
Saude. Emil, Dr. phil^ 1901. Berlin & 

4. 
Scharrer. Viktor. 1699. Nürnberg, Deutsch- 

l , 1 
Schenck. Adolf, Prof. Dr., 1906, Halle a. S., 

BcbiUenrtr. T 
Scheve. Alfred, Prediger, Missions-Sckreuir 
il S\\'.-:\, Lmdener- 
1 5. 
Sehierstädt, Baas ron, Rittergutsbesitzer, 

1905. Alt-Baerbttura b. Pielburg- 
Schilling. Beraum», Dr. med., Sanitatsrat, 
1900. Berlin N. M, Friednchttr. 109, 
Schlaglnhaufen, Otto, Dr, 1905. Simpson- 

liufcu, Deutsch-NeuRuinea. 
Schlemm, In i Kcut.'in. 1893. Berlin W. 10. 

yictoriasu i ;i 
ScMiz. Dr. Bofrtt, 1900, Beilbronn H.H. 
Schloiser. W, Apotheker, 1906. Friedenao, 

lohotutr. SO. 
Schlüter, Oiio, Dr., 1907. Coln, Titas- 

■triM 

Schmidt, Colroar, LandaehRftemaler, 1887. 

Sn W. 83, Kmfuratenstr. 128. 
Schmidt. r.;m Profeeur, 1906. Jena. Kaiser 

Wilhetaitr. S. 

Sohmidl. Ii«z, Dr. jur.. Dircktoriul- 

Jtn Kgl. Museum für Voll i i- 

kunoY. 1900 Steglitz, Rothenburg- 

etrai&c 1 

Schmidt. Hans, l**07 Steglitz, Rothenburg- 

Schmidt. Hubert, Dr. phil., Priratdosont, 

Dire! latent n. Kgl. Museum f. 

I IUI. lialensee, Geurg- 

Wilh b 20, 

Schoede Rermann, 1305, Berlin W. 37. 

Hu I a, 

Schöne, l Dr. phil., Wirki. Geh. 

«*2 B srlin W, 10, 

Schönichen. Wakher, Dr., V." , i i Lermn, 

■ 



Schotensack, 0.. Ur. phil., Pnvatdozont, 
1Ä91, Heidelberg, Bluraenatr. 1. 

Scholl, Arthur, Dr.mecl., ls;>:> BerlinNO.I8. 
Straussbergerslr. 1 0. 

Schreiber, Wiltold, Dr.. 1907. Tarnopol 
(Galizien-österreich), Tarnowskigassc 7. 

Schröder, Gustav, Zahnarzt, 190*. Oasscl. 

Schröder, Pastor, 1HO.0. Hähnchen b. Dorn- 
burg a. Saale. 

Schütz, W., Dr. me4-j Professor, Geh. 
Reg.-Rat, Rektor der tiertrzü. Boeh- 
schulc, 18li9. Berlin NW i'.. Luiaen- 
strasse 6ü. 

Schütze, Alb., Akademischer Künstler, 1879. 
Berlin SW. 29, Belleallianccstr. 17. 

Schulte im Hofe, Dr. phil., 1905. RorlinSW 11 
Dcssaucrstr. 11. 

Sohultze, Hauptmann, L89Ö; Bischofsburg, 
Ostpreussen. 

Schult«. Rentier. 1889. niurlotimburg 1, 
Berlincrstr. sTa. 

Schulze-Veltrup, Dr phil, Professor, 1901 
Berlin NW. 23, Lessingstr. 30. 

Sohultze, M., Volontär d. vorgeschichtl. 
Abtig. d. Mus. f. Völkerkunde, 1908. 
Steglitz, Sehrldhornstr. 1-1. 

Schumann, Hugo, prakt. Arzt, Sanitätsrat, 
1888. LOcfenits b. Stettin. 

Schuster, G., Dr. phil., Künigl. Haus- 
Archivar, 1903. Ualensoe, Joachim 
Fried richstrasse 43. 

Schwabaoher, Adolf, Bankier, 1886. Berlin 
SW. 1 1, Dessauerslr. << 

Schwalbe, Prof. Dr., 1905. Strasburg (Eis.), 
Schwarzwald str. ii). 

Schweinitz, Graf Hans Hermann, Ober- 
leutnant, 1894. Charlottenburg 2, 
Kneecbcckstr. ■" 1 

Seger, H., Dr., Direktor d. Sehlesisch. 
Museums für Kunutg. u. Altertümer. 
1907. Breslau, Victonastr. 117. 
Selenka, Krim Prof., 1 1)04. MUnchtii,Leopold- 

strussc 9. 

Seier, Cücilie, Krau Professor, IftOO. Steglitz 
b. Berlin. Kaiser Wilhelnustr. S. 

Seier. Iuluanl. Dr. phil., Prof., Dir. am 
Kgl Mi;,, um fUr Völkerkunde. 1884 
Steglitz b. Berlin, Kaiser Wilhelm- 
strasse 3. 

Sergi, Sergio, Dr.. 1907. Rom, Via 
r'manze l. 



(16) 



Uitgtfedar-Veneielinfe, 



Siebold, II.v., Baron, 1876. SchlosaFreudcn- 
stoin, Eppan b. Bozen, Süd-Tirol. 

Steglin, W, Dr phil., Professor, 1899. 
Steglitz, Kiiiser Wilhelmsir. «1. 

Siehe, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Kreis- 
phyaikua, 1875. Zullicnnu. 

Sierakowskl, Grar Adam, Dr. jur., 1889. 
Wuplitz bei Altnnirk. Westpreussen. 

Silberstein, Adolf, Dr., 190& Charlotten- 
burg 2, Hardcnbertfstr. 13« 

Simon, J., 1905, Berlin C.2, Klosterstr.*0/S4. 

Simons. E. M., Di., Frauenarzt, 11K)4. 
Charlottcnburg 4, Knntstr. Tl. 

Sökeland. Hermann, Fabrikant, 1n*7. Berlin 
NW. :!. Stromsir. 50. 

Sokolowsky, Alexander, Dr. phil., 190L 
Hamburg, Abendrothsweg 65. 

Solberg. Ole, Dr., Ethnographisches Mu- 
seum, IÜUj. Kristiania, Norwegen. 

SolQer, Fricdr.. Dr. phil., I 08. Berlin »7.89, 
Reinickendorferstr. 2 c. 

Sonnenburg, Dr. med., Geh. Medizinulrat, 
Prof, Direktor am KrankenhanseMoabit, 
1884. Berlin W. 10, Uitsigstr. 3. 

Staatsschule, höhere, 1898. Cuxhuven. 

Stahr, H., Dr. med., 1901. Anatomie, 
Düsseldorf, Jacobistr. 14. 

Staudinger, Faul, Mitglied des Kolonial- 
rates, 1890. Berlin W. BÖ, Nollendorf- 
strusse 33. 

Stechow, Dr., Generalarzt und Korpsarzt 
den Gardekorpa, 1881. Berlin NW. 4o, 
Alscnstr. ö. 

Steensby, II P., Dr. phil., 1905. Kopen- 
hagen, Frederikshorggade 4. 

Stcincn, Karl von den, Dr.raed.etphil., Prof., 
1882, Steglitz, Kriedriehstr. 1. 

Steinen, Wilhelm von den, Kunstmaler, 
Gr.-Lichterfelde O, Augusta- 
strasse 36. 
Steinthal, Leop., Bankier, 1878. Steglitz, 
Fnodriehstr. s . 

Steudel, Dr med., Oberstabsarzt vom 
Oberkommando der Schutztruppen. 
Kolonialabtcilnn-c des Auswärtigen 
Anne-, 1904 Berlin W. 15, Uhland- 
slrasse K49. 
Stephan,<;^Mülilenbcs.,lS!U.Lichtorrelder 

BnachmQhle bei Bnllgast, Kr. Luokau. 
Stltntnlng. \r/A, I9W. Gross-WuMervitz bei 
Bnmdenbnrg a. d. U. 



Stoenner, Dr. phil., Direktorial -Assiste 

a. Kgl. Museum f. Völkerkunde, 1 

Friedenau, Lenbachstr. fl, 
Stolyhwo, EL, 1907. Warschau, Krakowski 

Przedmicscie 66. 
Strassmann, Paul, Dr. med., Professor, 190 

Berlin NW 40, Alexandcrufer 1. 
Stratj, Prof., Dr., 1901 Bug, Niederlm, 

Dendelstmnt 31. 
Strauch, C., Dr. med., Privaldoz., Gen* h; 

arzt, 1*%. Berlin NW.ti.Luisenph.tz 
Strauch, Franz, Koritiv-Adiiiiral B. D., 189 

Friedenau b. Berlin, Kiedstr. 89, 
Strebe!, Hermann, Dr. phil. h. c. ? 187 

Hamburg 23, Papenstr. 7?. 
Strutz, Kgl Kreis-Bau-Inspektor, 190 

Goldap (Oslpr). 
Stumpf. Jod.. Zahnarzt. 19 b\ Berlin C.2 

Münzstr '. 
Stubenvoll. Hugo. Ingenieur, 1904 Vnkov; 

a. d. Don.iu. Östorrej -h-Ungarn. 
Stucken, Eduard, 1892. Berlin W. E 

Burggrafen str 9a. 
Stuhlmann, Dr-med., Kaiseil. Reg -Rat, 189 

Dar-es-Salain, (Deutsch-Ostafrika). 
Tatarinoff. E., Prof. Dr., Direktor de 

Historischen Museums, 1906, Sololhur 
Taubner, K., Dr. med-, 18*7. Haleniit* 

Priedrichnruberstr. SO, Gth. 
Telne, Paul, Hof-Juwelier, 1 sss. Berits 0. 1 ! 

Holzgartenstr. B, 
TeMtsch.Julius.I.ik.M-K.ilirikanLllH»»». Kion 

stadt, Siebenbürgen, Rossiuarkt I. 
Thileniu», Dr. med., Prof., Direktor d 

Museums für Völkerkunde, 190< 

Hamburg. 
Thorner, Ed , Dr. med, Geh. SaniUitsi 

1873. Berlin SW. 48. Wdhclmstr. 11 
Thumwald, Richard, Dr., 1901. Herbert 

hoho auf Neu -Pommern fNeu-Br 

tannien), Bismarck-Archipcl, Südsee. 
Tillmanas, Dr. med., Geh. Medizinalrat, l'n 

ressor, 1897. Leipzig, WBcfaterstr. 3< 
Timann, F., Dr. med., Generalarzt und 

Inspekteur der 4. San -Insp., 187 

Strassburg (Eis.), Blessigatr. 1 
Titel. Max, Kaufmann, 1888. Berlin W. 1 

Kaiserin Augustnstr. 57. 
Török, Aurel v., Dr. med., Prof., Dire 

des Anthropologischen Museums, 1 8 

Bud.M 



Ordentliche Mitglieder. 



(17) 



Traeter, Paul, Dr. phiL, 1809. Zehlendorf 
(Wannseebahn), Burggrafenstr. 7. 

Treyaaj», Dr. med., Zahnarzt, 1908. 
Berlin W. 10, Königin Augustastr. 33. 

Üble, Max, Professor Dr., Direktor des 
Archäologischen Museums, 1888. Lima, 
Südamerika. 

Uhllo, R., Dr. med., 190C. Zittau, Töpfer- 
berg 18. 

Umlaoff, J. P. G., Naturalienhändler, 1879. 
Hamburg, St. Pauli, Spielbadenplatz 8. 

U«|er, Ernst, Dr. med., 1903. Berlin W. 35. 
Derfflingerstr. 21. 

Urach, Fürst von, Karl, Graf von 
Württemberg, 1*92. Stuttgart, Neckar- 

stniBSC (18. 

Vanselow-v. Behr, D., 1906. Nikolassee 

(Wannseebuhn), Rehwiese 14. 
Vatel, Gutsbesitzer, 1894. Beyerstedt b. 

Jerxheim, Braunschweig. 
Velde, Dr. med., Ober-Stabsarzt, 1902. 

Charlottenburg 5, Schlossstr. 17. 
Verein, anthropologischer, 189.J. Koburg, 

Löwenstr. 
Verein fürBeimatskundc, 1896. Müncheberg 

(Mark). 
Verein, Museums-, 1907. Neubrandenburg- [ 
Verein, Museums-, 1«80. Lüneburg. 
Verworn, Max, Prof. Dr., 1906. Göttingen, 

Physiologisches Institut. 
Vierkandt, A., Dr., Privatdozent, 1903. 

Gross-Lichtcrfelde C, Wilhelmstr 22. 
Vlrcfcow, Hans, Dr. med., Prof., 1881. Berlin 

W. 10, Kaiserin Augustastr. 77. 
Vlrohow, Rosa, Frau Geh. Rat, 1907., 

Berlin W. 9, Scheliingstr. 10. 
Vlrcfcow, Hanna, Fräulein, 1907. Berlin 

W. 9. Scheliingstr. 10. 
Vohaen, Konsul a. D., 1894. Berlin SW. 11, 

im Winter Königgrützerstrasse 110; 

im Sommer Caputh b. Potsdam, Villa 

Cbersee. 
Volborth, Dr. med., Geh. Sanitätsrat, 1889. 

Berlin W. 9, Königin Augustastr. 13. 
Vorländer, H., 1X71. Dresden, Park- 

strasse 2. 
Wahl, H., Bergwerksbesitzer, 1*93. Ham- 
burg, Schöne Aussicht 8. 
Waiden, Edgar, 1903. Charlottenburg I, 

Berlincrstr. 94. 
Waidenburg, Alfr., Dr. med., 1903. p. A.: 

ZiMtsehrift für Ethnologie. Jahre. 1908. Heft 1 



Arthur Jaffe* (H. Barkowski), Berlin 
0. 27, Alexanderstr. 22. 

Waldeyer, W., Dr. med., Professor, Geh. 
Medizinalrat, Ständiger Sekretär d. Kgl. 
Akademie der Wissenschaften, 1383. 
Berlin W. 62, Lutherstr. 35. 

Weber, W., Maler, 1881. Berlin N. 24, 
Auguststr. 88. 

Weeren, Julius, Dr. phil., Professor, Geh. 
Regierungsrat, 1887. Schmargendorf 
(Bz. Berlin), Sulzaerstr. 13. 

Wegner, Fr., Rektor, 1892. Berlin 0. 17, 
Mühlenstr. 50. 

Weioelt, Dr., Prof., General-Sekretär des 
Deutschen Fischerei-Vereins, 1893. Berlin 
NW. 7, Dorotheenstr. 60. 

Weinifc, F., Dr., Prof., 1903. Berlin W. 30, 
Frobenstr. 23. 

Wellenberg, S., Dr. med., 1898. Elisabeth- 
grad, Sud-Russland. 

Welsateln, Hermann, Königl. Kreis-Bau- 
inspoktor, 1*82. Brieg (Bz. Breslau), 
Reussstr. 3 

Wensiercki-Kwileckl, Graf, 1882. Karlshorst 
(Bz. Berlin). 

Werner, Dr. Stabsarzt, 1906. Hamburg, 
Holstenplatz 9. 

Weule, Karl, Dr. Prof., Direktor des Mu- 
seums f. Völkerkunde, 1898. Leipzig. 

Wldemann, Wilhelm, Prof., 1901. Berlin 
W.9, Scheliingstr.«. 

Wlechel, Hugo, Ober-Baurat, 18*0. Dresden, 
Bismarckplatz 14. 

Wiegers, F., Dr., Landes-Geologc, 1906. 
Dessau, Kühnauerstr. 7. 

Wiese, Karl, 1900. Berlin NW. 21, Perle- 
bergerstr. -10. 

Wilke, Dr. med., Oberstabsarzt, 1903. 
Grimma i. S., Langestrasse. 

Winkler, Hugo, Prof. Dr., 1892. Deutsch- 
Wilmersdorf b. Berlin, Bingerstr. 80. 

Wolff, M., Dr. med., Geh. Medizinalrat, 
Professor, 1*74. Berlin W.35, Potsdamer- 
strasse 121a. 

Wolff, Thercsc, Dr. phil., 1906. Sachsein 
am Sarnersee, Schweiz, Pension Felsen- 
heini . 

Wossidlo, Dr. phil., Oberlehrer, 1900. Waren, 
Mecklenburg-Schwerin. 

Wolter, Carl. Chcmulpo, 1*93. Korea. 

Wüst, Ewald, Dr., Privatdozent für Geö- 
lt 



(18) Mitglieder- Veneicliim. 

logie a. Paläontologie, 1907. Halle a. S., j Zechlln, Konrad, Apothekenbesitzer, 1893. 
Am Kirchtor 3. Salzwedel. 

Walzer, H., Dr. med., Geh. Sanitalsrat, | Zenker, Wilhelm, Dr. med., Qeh. Sanität*- 
1877. Berlin SW. 61, Teltoweretr. 9. rat, Kreia-Physikus a. D., 1885. Berg- 



Zahn, Robert, Dr. phil., Direktorial- 
Assistent bei den Kgl. Museen, 1902. 
Berlin C. 2, Lustgarten, Kgl. Museen. 



queil-Frauendorf bei Stettin. 
Zernlk, Franz, Dr , Assistent am pharmaz. 
Institut der Universität Berlin, 1907. 



Zander, Kurt, Dr. jur., Qeh. Regierungs- Steglitz, Miqnelstr. 23. 

rat, Generaldirektor der Anatoiischen Zaohlesohe, Paul, Dr. med., Sanitäterat, 

Eisenbahn, 1897. Berlin W. 62, Kur- 1894. Erfurt, Walkmühlsir. 6a. 
fürstenstr. 117. 

(Abgeschlossen am 18. Januar 1908.) 



sieht der unserer Gesellschaft durch Tausch, Ankauf oder 
Geschenk zugegangenen periodischen Veröffentlichungen. 



/>ü nachstehende Verzeichnis dient svgiekh aU Empfangsbestätigung da- unn im letalen Jahre 

^gegangenen Schriften. 

hie i*it ' vermerkten Geseihte haften, deren Schriften wir nicht erhalten haben, hitten irtr um 
Nachlieferung der etwa erfolgten Publikationen ausschliesslich an die Adretie: 
Anthropologische Gesellschaft, Berlin SW., KSniggrätztr Strasse 120, 

Abgeschlossen am l.'i. Januar liHte*. 



I. Deutschland, 

nach Studien alphabetisch geordnet. 

1. Berlin-München. Archiv für Rassen- und Gcsellschofts-Biologie einschliess- 
lich Rassen- und GescIlschoAs - Hygiene. Red. von A, Ploetz. 
IV. Jahrg. Hert 1. (Angekauft.) 
Berlin. Amtliche Berichte aus den Künigl. Kunstsammlungen, XXVIII. Jahrg. 
19(17. Nr. •-' i. XXIX. Jahrg. 1908. Nr. 1 -\. 
YernflYmlichungon ans dem Königlichen Museum für Völkerkunde. 
Bd. XII. 

(2 u. 3 von der General-Verwaltung der Königlichen Museen.) 
4. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. 1907. Nr. 1 — 10. 

Mitteilungen von Forschungsreisenden und Gelehrten aus den deutschen 
Schutzgebieten. Bd. XX. Heft 1—4. 
(4 u. 5 v. d. 0. f. E.) 
B Jahrbuch der König!. Geologischen Landesanstalt. XXIV. 1903. 
(V. (1. G. L.) 
7. .. Berliner Missions-Berichte. 1907. Nr. I — 11. (Von Frau Bartels.) 
Die Flamme. Zeitschrift zur Förderung der Feuerbestattung im In- 
und Auslände. XXIV. Jahrg. 1907. Nr. 357—380. (V. d. Red.) 
„ Vcrwultungsbericht über das Märkische Proviuzial-Museuiu. 
„ Brundenburgia. Monntsblatt der Gesellschaft Tür Heimatskunde der 
Provinz Brandenburg zu Berlin. XV. Jahrg. I90ß. Nr. 7 — 12. 
\VI. Jahrg. 1907. Nr. 1—3. 
IL , Brandcnburgia. Archiv. 

(10 u. 11 V. d. O. f. H.) 
Kl „ Zeitschrift des Vereins fUr Volkskunde. XVII. Jahrg. 1907. Heft 1—4. 

\ d. v. r. v.) 

„ Deutsche Kolonial-Zeitung. XXIV. Jahrg. Nr. 1—52. XXV. Jahrg. 
1908. Nr. 1—3. (V. d. D. K.-G.) 
Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft. (Von Hrn. G. Minden.) 

If 



(20) Obereicht 

•15. Berlin. Mitteilungen ans dem Museum für deutsche Volkstrachten. (V. d. 

Vorstand.) 
16. „ Die Denkmalpflege: Herausgegeben von der Schriftleitung des Central- 

Blattes der Bau - Verwaltung. IX. Jahrg. 1907. Nr. 2— 16. 

X. Jahrg. 1908. Nr. 1. (V. d. Red.) 
•17. „ „Afrika". Herausgegeben vom evangelischen Afrika-Verein. (Von 

Frau Bartels.) 

18. „ Korrespondenz-Blatt des Gesamtvereins der deutschen Geschieh ts- und 

Altertums-Vereine. 55. Jahrg. 1907. Nr. 1—12. (Angekauft.) 

19. „ Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Jahr« III. Heft 1—3. 

20. „ Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft. Jahrg. XI. 1906. 

Nr. 4— 5. Jahrg. XII 1907. Nr. 1. (Angekauft.) 
•21. „ Helios. (V- <*• V.) 
•22. „ Societatum Litterae. (V. d. V.) 
*23. Berlin-Charlottenburg. Verhandl. der Deutschen Kolonial- Gesellschaft. 

(Von Hrn. Minden.) 

24. Berlin-Hai ensee. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. 

Jahrg. III. Nr. 2—12. (Von dem Bureau für Statistik der 
Juden.) 

25. Berlin-Stuttgart. Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen. 

Jahrg. X. 1907. (V. d. 0. S.) 

26. Bonn. Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden. Heft 114/115. 116, 

1, 2. (V. d. V. v. A.) 
*27. Brandenburg a. d. H. Jahresberichte des Historischen Vereins. (V. d. H. V.) 

28. Braunschweig. Archiv für Anthropologie. Neue Folge. Bd. VI. Heft 1 

bis 4. (Von d. Herren Fr. Vieweg & Sohn.) 

29. „ Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder- u. Völkerkunde. Bd. XCI. 

Nr. 4—24. Bd. XOIL Nr. 1—24. (Geschenk des Herrn Prof. 
Andrce-München). 

30. „ Zentralblatt für Anthropologie. XII. Jahrg. 1907 Heft 2—6. 

XIII Jahrg. 19U8. Heft 1. (Angekauft.) 

31. Breslau. Jahrbuch des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und 

Altertümer. Bd. IV. (V d. Museum Schlesischcr Altertümer.) 

32. Colmar (Elsuss). Mitteilungen der Nuturhistorischen Gesellschaft in Colmar. 

N. F. Bd. VIII. Jahrg 19 ;> u lMUti. (V. d. G.) 

33. Danzig. Bericht über die Verwaltung der nuturhistorischen, archäologischen 

und ethnologischen Sammlungen. XXVII. Bericht 1906. (V. dem 
Westpreussischcn Provinzial-Museum.) 

34. „ Schriften der Naturforschenden Gesellschaft. N. F. XII. Bd. Heft 1. 

(V. d. N. G.) 

35. Darmstadt. Quartalblätter des Historischen Vereins für das Grossheraogtum 

Hessen. Neue Folge. Jahrg. 1!» >fi. Bd. IV. Nr. 4. Jahrg. 1907. 
Bd. IV. Nr. 1—3. (Von Hrn. Lissauer.) 

36. Darm Stadt. Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde. N. P. 

Bd. IV. Heft 3. N. F. Bd. V (Von Hrn. Lissauer.) 

37. Dresden. Sitzungsberichte und Abhandlungen Her Naturwissenschaftlichen 

Gesellschaft Isis. Jahrg. 190(5, Juli-Dczbr. Jahrg. 1907, Jan.-Juni. 
(V. d. G. I.) 

38. „ Mitteilungen des Vereins für Erdkunde. Heß 6. (V. d. V. f. E.) 

39. Dürkheim. Mitteilungen der Pollichia. LXIII Juhrg. Nr. 22. (V. d. V.). 

40. Erfurt. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde 

von Erfurt. Heft *27. 1906. (V. d. V.) 



der MfiotUsefaoil Veiöffeutliehungcn. 



CM) 



•41, 
49 

44. 
45 

40. 
47 
48. 
49. 

-.1. 



53. 



'54. 
55. 



5». 



Frankfurt a. M. Bericht- der Römisch-Germanischen Kommission de» 
Kaiser). Archäologischen Instituts über die Fortschritte der Römisch- 
Germanischen Forschung. (Von Hrn. Professor Lismiuer.) 
Gicssen Mitteilungen des Oberhessischen Gcschichtsvcrcins, N. F. Bd. XV. 

(V d. 0. G.) 
Görlitz. JahresheCte der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte 

der Oberlousitz. (T. d. G.) 
Gotha. Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes' Geogra- 
phischer Anstalt. Bd. 53, 1907. 1-12. (V. d. V.) 
% Mitteilungen der Vereinigung für Golhaische Geschichte nnd Alter- 
tumsforschung. Jahrg. 1906/07. (V. d. B. D G.) 
Greif8wnld. Jahresberichte der Geographischen Gesellschaft. X. Jahresber. 
5—1906- (V. d. G G.) 
B Berichte der Gesellschaft für Völker- und Erdkunde zu Stettin. 1902/03. 
19O&04. 190. /Oi. (Von der Gesellschaft.) 
Gaben. Mitteilungen der NicdorUm>it/.er Gesellschaft für Anthropologie und 

UrgWcMchte, Bd. X. Ucft 1-4 (V. d N. G. f. A. u. 0.) 
Halle a. S. Mitteilungen des Vereins für Erdkunde. 30. Jahrg. 190G. 
31. Jahrg. 1907. (V. d. V. f. E.) 
„ Jahrbuch der deutschen historischen Kommissionen. (Angekauft.) 
, Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder. 
Bd..";. 1906, C 1907. (V. d. Provinziul- Museum der Prov. 
Sachsen.) 
Hamburg. Mitteilungen aus dem Museum fUr Völkerkunde 1907. 
Hannover. Zeitschrift des Historischen Vereins fUrNiedcrsncbsen. Jahrg. 1907. 

Heft 1—4. (V. d. V.) 
Heidelberg. Neue Heidelberger Jahrbücher. (V. d. U K. H.) 
Jena Iflhlt&bcriefafl über die Fortschritte und Leistungen auf dem Gebiete 
der Sozialen Hygiene und Demographie. Herausg. t. A. Grotjuhn 
und F. Kriege!. (V. d. Red) 
Kaiserslautern. Pfälzisches Museum . . . Monutsblutt des historischen 

Vereins der Pfalz und des Pfälzischen Kanstvereins. 
Kassel. Mitteilungen nn die Mitglieder des Voreins für Hossische Geschichte 
und Landeskunde. 
„ Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichto und Landeskunde. 
Neue Folge. Bd. 30. 

(56 u. 58 t. d. V. f II. G. n. h.) 
Mitteilungen dos Anthropologischen Vereins in Schleswig-Holstein 

Heft 18. (V. d. A. V.) 
Bericht des SchleswiL'-Hulsteinischen Museums vaterländischer Alter- 
tümer (V d. M.) 
Königsberg i. Pr. Sitzungsberichte der Alterturas - Gesellschaft Prussiu. 
V d. A.-G. P.) 
, Schriften der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft. 47. Jnhrg. 1906. 
(V. d. Ph.-Ök. G.) 
Leipzig, Archiv für Religionswissenschaft Bd. X Heft 1—4. (Von 
Frau Bartels.) 
Mitteilungen aus dem Städtischen Museum für Völkerkunde. (Von 

-I. Mus.) 
Der Alte Orient, Gemeinverständliche Darstellungen. VIII. Jahr-, 
lieft ;i-4 IX. Jnhrg Heft 1— 3. (Angekauft.) 



Ki-1. 



K« 



(-22) 
66. 

67. 

88. 

69. 
70. 

71. 
72. 

73. 

74. 

75. 

76. 

77. 

•78. 

•79. 
80. 

•81. 
♦82. 

83. 
84. 

«5. 

86. 

•*7. 
68. 

•89. 

Öti. 



überlebt 

Leipzig- Hessische Blätter für Volkskunde. Bd. VI. Heft 1—2. (V. d. Hess. 
Vereinigung für Volkskunde.) 
„ Memnon, Zoittchrift Tür die Kunst- und Kultur-Geschichte des alten 
Orients. 1907. Bd. I. Heft 1—2. (Herausg. v. Hrn. Prof. Frhr. 
v. Lichtenberg.) 
., Jahrbuch dos städtischen Museums für Völkerkunde zu Leipzig. 
Bd. I. 1!K>6. 
Lötzen. Mitteilungen der Literarischen Gesellschaft Masovia. XII. h 

Heft 12. (V. d. L. G. M.) 
Meiningen. Neue Beitrage zur Geschichte deutschen Altertums. Herausg. 
v. d. Hcnncb. AltcrtumBforechendcn Verein. Lfg. 21. (Von Hrn. 
Prof. Lissauer.) 
Metz. Jahrbuch der Gesellschaft für Lothringische Geschichte und Alter- 
tumskunde. XVIII. Jahrg. I9Ü6. (V. d. G.) 
München. Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns. Bd. XVI. 
Heft 3—4. (Von der MUnchener G. f. Anthr., Ethn. u. ü. B.) 
„ Altbaycnschc Monatsschrift. Jahrg. 6. Heft 3—6. 
n Oberbuyerisches Archiv. Bd. 52. Heft 2. 

(73 u. 74 von dem Hist. Verein von und für Ober-Bayern.) 
n Prähistorische Blätter. XIX. Jahrg. 1907. Nr. 1—2. (Von -kr 
Redaktion.) 
Münster. Jahresberichte des Westfälischen Provinzini -Vereins fllr Wissen- 
schaft und Kunst. 34. Jahresb. f. 1905/06, (V. d. V.) 
B Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. K4. 
& Abteilung. (V. d. Red.) 
Neu-Brnndenburg. Jahresbericht über dns Museum in Neu-Brandenburg. 

(V. »1. M.) 
Nürnberg. Mitteilungen aus dem Germanischen Nationat-Muscum. 

„ Anzeiger des Germanischen Nation al-Museu ms. Jahrg. 19<>6. Heft 4. 
Jahrg. 1907. Heft 1 u. 2. 
(79 u. 80 v. d. G. N.-M.) 
„ Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft. Bd. XVI. 

(Von der Gesellschaft.) 

„ Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft. 1904. HXtö 1906 

(Von der Gesellschaft.) 

Oldenburg (im Grossherzogtum). Schriften des Oldenburger Vereins für 

Alterturoskundc und Lnndesgeschichte. Teil XXXI. (Von d. O. V.) 

Osnabrück. Mitteilungen des Historischen Vereins. Bd. XXXI. 19ötl. 

(V. i II. V.) 
Posen. Historische Monatsblatter für die Provinz Poson. "VII. Jahrg. 180$. 
(V. d. H. G.) 

Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Po 
XXI. Jahrg. 1906. (V. d. H. G.) 
„ . Roczuiki towarzystwu Przyj. nauk Poznunskiego. (V. d. G.) 
Prenzlau. Mitteilungen des UckcrmÜrkischcn Museums- und GeBchichU- 

Vereins. Bd III. Heft 3-4. (V. d. V.) 
Sntzwedel. Jahresberichte des AltmiirkiHchen Vereins für vaterländische 

Geschichte. (V. d. a. V. f. v. G.) 
Schwerin. Jahrbücher und Jahresberichte des Vereins für Mecklenburgische 
fieschiehte und Altertumskunde. Jahrg. 72. Register Jahrg. "j1 — *»0. 
(V.d. V.f.M.G. u.A.) 







der periodischen Veröffentlichungen. 



(W) 



91. Schwerin. Zeitschrift des Heimatbandes Mecklenburg. 1907. Jahrg. II. 

Nr. 1. (Von Hrn, Prof. BelU) 

92. Speyer. Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz. XXVIII \\X. 

(V. d. V.) 
!»3. Stendal. Beitrüge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde der Altiuark. 
Bd. II. lieft 4. (V. M. V.j 
•94. Stettin. Baltische Studien. Neue Folge. Bd. X u. XI. 
:>5. B Monatsblütter. Herausgegeben von der Gesellschaft für Pommersche 
Geschichte und Altertumskunde. 1906. Nr. 1 — 12. r.»ü7. Nr. 1-9. 
und Register 1887—1906. 

(94 u. 95 V.d. G. f. P.O. U.A.) 
■96. Stuttgart. Württemberg. Vierteljabrshcnc für Landesgeschichte. (V. d. V.) 
'.'7. , Fundberichte aus Schwaben. XIV. Jahrg. lyOti. (V. d. V.) 

„ Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie. Bd. X. Heft '2— 3. 
Bd. XI. Heft 1. (V. d. Red.) 
Trier. Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. XXV. Jahrg. 
Heft S— -4 XXVI. Jahrg. Heft 1— 2. 
100. „ Koirespoudenibl*tt für Geschichte und Kunst. XXV. Jahrg. 190t>. 
Nr. II— 1» XXVI. Jahrg. 1907. Nr. 1-10. 
Jahresberichte der Gesellschaft für nützliche Forschungen. 
(99-101 v. d. G. f. n. F.) 
109 Wernigerode. Zeitschrift des Hurz-Vercins fUr Geschichte und Altertums- 
kunde. XL. Jahrg. 1907. Heft 1—2. (Von d. H.-V.) 
103. Wiesbaden. Aanaleir des Vereins Tür Nubsauische Altertumskunde und 

Geschichtsforschung. XXXVI. Bd. 11)06. 
UM „ Mitteilungen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Ge- 

schichtsforschung. 190C/1907. Nr. 1—4. 
(103 u. 104 v. d. V. f. N. A. u. G.) 
Wolfen bflttel. Braunschweigisches Magazin. Bd. XII. Jahrg. 190G. 

Jahrbuch des Geschirhtsvereins für das Herzogtum Braunschweig. 
Jahrg. V. 190C. 

(105 u. lOfi vom Geschichtsverein.) 



107. 

»no. 

in. 



II. Europäisches Ausland. 
Nach [Ändern und Städten alphabetisch geordnet. 

Belgien. 

Brüssel. Bulletins de In Classc des Sciences, des Lcttrcs et des Beaux- 
ArU de Belgique. 190«. No. 11 — 1?. 1907. No. 1— 8. 
„ Annuuire de l'Academie Roynle des Sciences, des Lettres et des Bcaux- 
Arts de Belgique. 1907. 
(107 u. 10^ v. d. Ac. R.) 
„ Annules de Musee du Congo . . . Ethnographie et Anthropologie. 
Tome U Fase. 1 (Po*. 1—194. Plnneh. I a XXI). Serie V. 
(V. Musee du Congo.) 
Bulletin et Memoires de la Socictc d'Anthropologie. (V. d. S. d'A.) 
„ Annides de In Socute d'Archeologie. Tome XX. I90G. Liv. 3 ü. 4. 
Tome XXI. 1907. Liv. 1—4. 



(•24) Übersicht 

112. Brüssel. Ammairc de 1a Societe d'Arcbeologie. Tome XVIII. 1907. 
(111 u. 112 t. d.S. d'Arch.) 
•113. n Bulletin de la Societe Royale Beige de Geographie. 

114. n Bulletin des Musees Royaux des arts ddeoratifs et industriels. 
6« Anne" 3—13. (Von Frao Geheimrat Bartels.) 

115. LUttich. Bulletin de l'Institut archeologique Liegeois. Tome XXXVI. 
(V. d. I.) 

Dänemark. 

*11G. Kopenhagen. Hemoires de la Societe Royale des Antiquaires du Nord. 
117. „ Aarböger for nordisk Oldkyndighed og Historie. 190Ü. Bd. XXI. 

* 1 18. „ Nordiske Fortidsminder, udgevne af det Kgl. Nordiske Oldskrift 
Selskab. 

119. „ Meddelelser om Danmarks Antropologi. Bd. I, All. 1. 
(116—119 v. d. N. 0. S.) 

120. Reykjavik (Island). Arbök hins Islenzka foraleirafelag. 1906. (V. d. I. f.) 

Finnland. 

* 1 21. Helsingfors. Finska FornminnesfÖreningens Tidskrift. 
*12:'. T Suomcn Museo. Suomen Muinaismuisto-Yhdistykscn Kuukauslethi. 

(121 — 122 durch Hrn. Aspelin.) 

Frankreich. 

123. Bordeaux. Actes de la Societe Linneenne de Bordeaux. Vol. LX Tome X. 
Vol. LXI. T. I. (V. d. G.) 

124. (ircnoble. Bulletins de la Societe Dauphinoise d'Ethnologie et d'Anthro- 
pologie. Tome XIII. 1906. No. 1-4. Tome XIV. 1907. No. I— 2 
(V. d. S.) 

125. Lyon. Bulletin de la Societe d'Anthropologie. Tome XXV, 1906. 
(V. d. S. d'A.) 

126. Paris. L' Anthropologie. [Materiaux pour l'histoirc de l'homme, Revue 
d* Anthropologie, Revue d' Ethnographie reunis.] 1906. Tome XVII. 
No. 6. 1907. Tome XVIII. No. 1-4. (Von dem Verleger Hm. 
Masson.) 

127. „ Lc Tour du Monde. Jahrg. 1906. Nr. .')0— 52. Jahrg. 1907. 
Nr. 1— 48. 

128. „ A Travers le Monde. Jahr^. 1906. Nr. 50—52. Jahrg. 11107. 
Nr. 1—48. 

(127 u. 128 von Frau Bartels.) 

129. „ Bulletin de Correspondence Hellenique. Jahrg. 1906. XXX. 9—12. 
Jahrg. 1907. XXXI. 1—7. (V. d. Ecole Franchise d'Athenes.) 

•130. „ Memoires de la Delegation Franchise en Perae. (V. M. J. de Morgan.) 

131. „ Journal de la Societe des Americanistes de Paris. Nouvelle Serie. 
Tome III, No. 2. 

132. „ Bulletins et Memoires de la Societe d'Anthropologie. Tome VII. 1906. 
Fase. 4— 6. Tome VIII. 1907. Fase. 1—3. 

(131 u. 132 v. d. S. d'A.) 

133. „ Revue raensuelle de l'Ecole d'Anthropologie. Jahrg. XVII. 1907. 
Heft 1—12. (V. d. Ecole d'Anthrop.) 

•134. B Annales du Musee Guimet. 
135. „ Annales du Musee Guimet (Bibliotheque d'etudes.) Tome XII. 
| Tome XXII. Tome XXIII. 

i 



der periodischen Veröffentlichungen. (25 

136. Paris. Rente de l'hiatoire des religions. Tome LIII. No. 2 a. 3. TomeLIV. 
No. 1. 2. 3. .7 

(134 — 136 v. d. Ministöre de 1' Instruction publique.) 

Griechenland. 

•137. „ Atkriov njs i<rropüC)|5 xai iiho)^yüa\q iraipHu; t>js 'EXk*$oq. (Von der 

Historischen und Ethnologischen Gesellschaft von Griechenland.) 

138. „ npaxroca T»j$ iv 'AfK;r*'? 'Ap-fatokayucrt 'Eraipcfcts. 1905 — 1906. 

139. „ 'Efyuspic, eipx*toXeytxviJa.hrg. 190C. Heft 3 u. 4. Jahrg. 1907. Heft 1 

bis 2. 

140. „ 'EfftTJjp«; tl*pv*<r<Tov. 1902—1903. Dazu Beilage von Skia 1904 bis 

1906. 

(138—140 v. d. archäol. G.) 

141. n Mitteilungen des Kaiserlich - deutschen Archäologischen Institutes. 

Bd. XXXI. 1906. Heft 4. Bd. XXXII. 1007. Heft 1-3. (Von 
d. Archäolog- Institut.) 

Grosebritannien. 

•142. Cambridge. Biomctrika. Vol. V. Part 3 a. 4. (Angekauft.) 

143. Edinburgh. The Scottish Geographical Magazine. Vol. XXIII. 1907. Nr. 2 

bis 12. Vol. XXIV. 1908. Nr. 1. (V. d. Sc. G. Society.) 

144. „ Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Vol. XL. 

1905—1906. (V. d. 8.) 

145. „ Journal of the African society. Vol. VI. No. 21—25. Vol. VII. 

No. 26. (V. d. African Society.) 

146. Liverpool. Jonrnal of the Gypsy Lore Society. New-Series. Liverpool 

Vol. I. 1907. No. 1 u. 2. 

147. London. The Journal of the Anthropological Institute of Great Britain and 

Ircland. Vol. XXXVI, 190G, July-Dec. Vol. XXXVII, 1907, 
Jan.-Jnne. (V. d. A. I.) 
14*. „ Man. (Angekauft.) Vol. VII, 1907. No. 1-12. Vol. VIII, 1908. 
No. 1. Jan .-Dezember. 

149. „ The Reliquary and illustrated Archaeologist Vol. XIII. 1907. Nr. 2 

bis 4. Vol. XIV, No. 1. (Angekauft.) 

Italien. 

150. Gatania. Archivo storico per la Sicilia Orientale. Anno II. Fase. 3 

Anno IV. Fase. 1 u. 3. (V. d. Societa di Storia Patria per la Sicilia 
Orientale.) 

151. Milano. Rivista archeologica dclla provincia e antica diocesi di Como. 

Fasciculo 53 — 55. (V. d. Societa Archeologica Comense.) 

152. Florenz. Archivio per l'Antropologia e la Etnologia. 1906. Vol. XXX VI. 

Fase. 3. 1907. Vol. XXXVII. Fase. 1—2. (Von Hrn. P. Mantc- 
gazza.) 

153. „ Bollettino di Publicazione Italiane. 1907. Nr. 73—84. (V. d. R.) 

154. „ Rivista Geografica Italiana. Vol. XIV. Fase. 1 — 10. (V. d. Societa 

di studi geograßei e coloniali.) 

155. Neapel. Bollettino della Societa Africana dMtalia. Ann. XXVI. Fase. 1—6. 

8—10. (V. d. 8. A.) 
•156. „ Rivista mensile di Psichiatria forense, Antropologia criminale c scienzc 
affini. (Von d. Red.) 



(26) 



(Übersicht 



•157; Padua. Atti dclla accademia acientiflca veneto-trentino-istriana. 
15*. Parma. Bullettino di Paletnologia Italiann. Serie IV. Tomoll. Anno XX.MI. 
Nr. 10— 12. Serie IV. Tomo [II. Anno XXXI1J. Nr. 1— in. 
(Von Hrn. L. Pigorini in Rom.) 
1Ö9. Rom. Atti delln Socictu- Romana di Antropologiu. Vol. XIII. Fnsc. 1—2. 

CV. d. s.) 

1 |( '. „ Bullettino dell' Islilutu. Mitteilungen des Kaiserlich Deutschen Aielüiii- 

logischen Instituts. Vol. XXI. 190& Fase. 3- 4. Vol. XXII. 1907. 

Fase. 3. (V. d. Arch. Inst.) 
161. „ Atti della Reale Accademia dei Lincei. Vol. XVI. I" Sem. Fasel — 12. 

Vol. XVI. II- Sem. Fase. 1—18. 
102. fl Rendiconti delln Reale Accademia dei Lincei. Vol. XV. Fase. 6 IS. 

Vol. XVI. Fase. 1— :i. 
U-o. „ Notizie degli seavi di antichitä. Vol. [IL Fase. 7—12. Vol. IV. 
Fase. 1— x. 

(1B1-IÜ3 v. d. R. A. d. L.) 

Luxemburg. 

IW. Luxemburg. Ons Hcmecht. Organ des Vereins für Luxemburger Ge- 
schichte, Literatur und Kunst XIII. Jahrg. Holt 1 — 12. XIV. Jahrg. 
Heft 1. (V. d. V.) 

Niederlande. 

105. Assen. Verslug van de Coramissie van bestuur van het Prov. Museum 
van Oudhedcn in Drenthe nun de gedeputeerde smten. 190G. 
(V. d. Mus.) 

L66< s Gravenhage. Vershig van den Direeleur van Rijks Ethnographisch 
Museum te Leiden. 1905/1 »06. (V. d. R. E. Museum.) 

167. Haag. Rijd ragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde van tfederland* 1 1- 
Indio. F907. 7« volgr. VI, I— B. (V. d. Koninküjk Instituut roqr 
do T.- ( I-.- en V. v. N.-I.) 
*1('8. „ Hnndelingen van de Nederlandsche Anthropologische Vereeniging. 

(Von dem Verein.) 

161». Leiden. Internationales Archiv l'iir Ethnogrnphic. Supplement zn Bd. X\ II 
Bd. XVII!. Heft 8. (Von dem Kgl. Niederländischen Kultus- 
Ministerium.) 

Norwegen. 

170. Borgen. Borgens Museums Aarsbcretning. 100C. Heft 3. 1907. Heft 1 u. 2. 

(V. d. Mus.) 

171. Kristiania. Aarsbcretning frn Foreningen til Norskc Forlidsmindcsinerkers 

bevohng. 190K. 
" 172. „ Aarsberelning fra Foroningen Tor Norsk Folkemuseum. 
178. Trondhjem. Skrifter det kongclige Norskc Vidcnskabers Selskabs. 1903 
bis 1906. 

(171 — 17.'t v. d. Universiiets Sämling uf nordiske Oldsager.) 

Österreich - Ungarn . 
174. Agram. Vjesnik hrvutskogn arkeologiekoga druztva. X. S. Svcsk.» IX. 

1906/07. (V. d. G.) 
176« Budapest. Anzeiger der ethnographischen Abteilung des Ungarischen 

National-Muscums. 11. Jnhrg. 1903/04. (V. d. ü. N'.-M.) 







der periodischen Veröffentlichungen. 



(«) 



176. Budapest. Archaeologiai Ertesilo. XXVII. Bd. 1907. Nr. 1—5. (Vnn 
der Anthropolog.-archiiologischen Gesellschaft.) 
'177 Ca s lau. Veämik eeskoslovanslcych musei a spolkii archaeologickych. (V. 
d. V.) 
l>. üermannstadt. Archiv dos Vereins für SiebenbÜrgiBche Landeskunde. 

Bd. XXXIV. Hert 1-2. 
!T:< „ Jahresbericht des Vereins für SiebcnbUrgische Landeskunde. 

(178 u. 179 v. d. V.) 
180. Innsbruck. Zeitschrift des Ferdinamleums für Tirol und Vorarlberg 

50—61. (V. d. P.) 
|8J, Krakau. Anzeiger der Akademie der Wissenschaften. Mathem. -natarwias. 
Klasse. Jahrg. 1906. Nr. 4— 10. Jahrg. 1907. Nr. L— 8. Historisch- 
philosophische Klasse. Jahrg. 1906, Nr. 4—10. Jahrg. 1907. Nr. 1 1. 
1*2. - Material/ antropologiczno-archeologiczne. Tom. IX. 
189 . Katalog literatury naukowej polskiej. Tom. VI. 1Ö0G. Zesz. 1—4. 

Tom. VII. 1907. Zesz. 1 S, 
(181— 183 t. (LA. d. W.) 
IM. Laibach. Mitteilungen des Museal -Vereins für Krain. XIX. Jahrg 

iion i-6. 

189 n (Ljubjani.) Izvestju muzejskega druitva za Kranjsko. Letoik XVI. 

Seäit 1-6. 

(184 u. 185 v. d. M.-V.) 
186. 9 Chronik der Uckrainischen Sevcienko-Gesellschaft der Wissenschaften. 

Jahrg, 1906. Heft 3 u. 4. Jahrg. 1907. Heft 1 u. 2. 
I 87. „ Sbirnik [rulhenischj. Ethnographische Sammlung. T. XIX u. T. XXIII. 
188. , MateriaQX [ruthenisch] pour l'ethnologie ukraYno - ruthene. 19*17. 
Tom. IX. 

(186— in* v. d. SevC-enko-Gesellschait.) 
18U. Ulm atz. Casopis vlasteneckeho Musejniho spolku Olomuckeho. Rocnik XXIII. 

Cislo 3 u. 4. Rocnik XXIV. Cislo 1 u. 2. (V. d. V.) 
190. Prag. Pamütky archaeologicke a mistopisne. Dilu XXII. Sesit 4 — H. (Von 
dem Museum Regni Boheniiae.) 
•191. „ Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 

XLV. Jahrg. (V. d. V.) 
•192. „ Bericht der Lese- und Redehalle deutscher Studenten. (V. d. 
V. d. L. u. R.) 

„ Oesky Lid. Rocnik XVI. 1906. Oislo 5— 10. Roenik XVII. l 

Cislo 1— I. (V. d. Red.) 
•iy4. n Casopis Spolcenosti Protei Staroznitnosti Ccskych. (V. d. Sp.) 
' 195. n Nirodopisny sbornik Ceskoslovnnsky. (Von dem Verein.) 

196, n Närodopisny V.-aiiiili Ceskuslovauskv. Rocnik II. liM>7. Seite 38— 806, 

Ko-nik 111. Cislo 1. (V.d. V.) 

197. , Bericht über das Museum des Königreichs Böhmen. Jabrg. 1 806. 

(Von dem Museum. : 

198. Salzburg. Jahresberichte des städtischen Museum Cnrolmo-Augusteum, 

Jahrg. 190*;. (V. d. M.) 

199, Teplitz. Tätigkeits-Bericht der Teplitzer Museums-Gesellschuft. 1905/19OU 

(V. d. G.) 
"200. Tri est. Atti del Museo civico di storia naturale. (V. d. M.) 

„ Bollettino della Societa Adriatica di Scieuze naturali. (V. d. S.) 
Olmütz Prav«k. Roooik III. Cislo 1—6. Ustredni hat pro praehistorii u 
unthropologii zemi Ceskych. (V. d. Red.) 



(-28) 






•HKi. Wien. Abhandlungen der k. k. Geographischen Gesellsehari in Wihi 

Bd. VI. 1905 1907. Nr. 2. (V. d MO 
, Änthropos. Internationale Zeitschrift für Volker- und Sprachonkunde. 

Bd. IL Heltl-ß. Bd. III. Heft! (V. d. R.) 
B Annalen des k. k. Naturhistorischen Uofmuscums. Bd. XX. Nr. 4. 

Bd. XXI Nr. 1-2. (V. d. M.J 
, Mitteilungen der Wiener Anthropologischen Gesellschart Bd. XXXVI! 

Heftl-Ü. (V. d. A. G.) 
, Mitteilungen der prähistorischen Kommission der Kaiser!. Akademie 

der Wissenscharten. (V. d. Pr. K ) 
, Jahrbuch der k. k. Zentrnl-Kommission zur Erforschung und Erhaltung 

der Kunst- und historischon Denkmale N. K. IV. Bd. Teil 1 — 2. 

(V. d k. Z.-K.) 
, Mitteilungen der k. k. Zentral -Kommission für Erforschung und Er- 
haltung der Kunst- und historischen Denkmale. Bd. V. Nr. D — IS. 

Bd. VI. Nr. 1 — 10. (V. d. k. k. Z.-K.) 
, Mitteilungen der Knis. Königl. Geographen -Ges. Bd. 50, 1 — S. 
, Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina. 

Herausgegeben von dem Bosnisch-Uerzeguwinischeti Landes-Museum 

in Sarajevo. Bd. X. 19-»7. (V. d L.-MJ 
, Zeitschrin für österreichische Volkskunde. Supplement III o. IV. 

XIII. Jahrg. 1907. Heft 1-5. (V. d. V. f. üsterr. Volkskunde.) 



804, 



206, 



vii»;. 



•2(17. 



308. 



3d9. 



210. 
Sil, 



211 



Portugal. 

913. Lissabon. O Archeologo Portuguez. Vol. XL 19(tf. Nr. !i— 12. Vol. XXI L 
1907. Nr. 1 — 4. (V. d. Museo Ethnographien Portuguez.) 

214. Porto. Portugulia. Mutcriaes para o estudo do povo portuguez. Tom. IL 
Fase. 3, (Von der Redaktion.) 



Rusalauü". 
215. Dorpnt. Sitzungsberichte d. gelehrten Estnischen Ges. 190ti. tV. d. G.) 
21C. „ Verhandlungen der gelehrten Estn. Ges. Bd. XXIL 1. (V. d. G) 
217. Kasan. Mitteilungen der Gesellschaft für Archäologie, Geschichte und 

Ethnographie. Tom. XIX— XXL XXIL Xo. 1-5. (V. d. G.) 
'218. Moskau. Arbeiten der anthropologischen Abteilung. [Nachrichten der 

Kaiserlichen Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften.] 

(Von Hrn. Anutschin.) 
'210. r [Russisch.] Denkschriften der Russischen geograph. Ges. (V. d. G.) 
2-'u „ ^Erdkumlc*. (Russisch.] Periodische Zeitschrift der geographischen 

Abteilung der Kaiser!. Gesellschaft der Freunde der Naturkunde, 

Anthropologie und Ethnographie. (V. d. G.) 
"1. . Kawkus. [Russisch.] Materialien zur Archäologie des Kaukasus und 

der ostlichen Gouvernements Russlands. Lief. 1—5. 7—11. [Von 

der Moskauer k. archüolog. G.) 
393. * Journal [russisch], Russisches jintliropologisches. (V. d. A. G.) 
29 St Petersburg. Arbeiten der AnlhropoL Gesellschaft der militar-modi- 

zinischen Akademie. (V. d. G.) 
224. „ Bulletin [russisch] de lu Commission Imperiale Archeologique. 

(V. d. k. Archüolog Kommission.) 
[Russisch.] Denkschriften der K. Russ. Geogr. Ges. (V. d. G.) 




der periodischen Veröffentlichungen. (29) 

*226. St Petersburg. Jahrbuch der russischen anthropologischen Gesellschaft 

an der Kais. St. Petersburger Universität. 
•227. B Mäteriaux [russisch] pour servir ä Tarcheologie de la Russie. 
•228. n Compte rendu [russisch] de la Commission Imperiale Archiologique. 

(227 u. 228 t. d. k. Archäologischen Kommission.) 
•229. „ Bericht [russisch] der k. Kussischen Geographischen Gesellschaft 

(V. d. G.) 
•230. Riga. Mitteilungen aus der livländ. Geschichte. (V. d. G. f. G. u. A. d. 0. R.) 
•231. „ Sitzungsberichte der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde 

der Ostseeprovinzen Russlands. (V. d. G. f. G. u. A. d. 0. R.) 
•232. Warschau. Wisla. (V. d. Red.) 
233. B Swiatowit. Tome VII. 1900. (V. d. Red.) 

Schweden. 

•234. Stockholm. Antiqvarisk Tidskrifl for Sverige. 

235. , Fornvünnen meddelanden frän K. Vitterhets Historie och Antikritets- 

akademien 1906. Haftet 4-5. 1907. Haftet 1-4. 

(234 u. 235 v. d- Kgi. Vitterhets Historie og AntiqviteU Akademien.) 

236. „ Mänadsblad, t. K. Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien. 

19<>3— 1905. 

237. Stockholm. Fatabnren fron Norriiska Museet: B. Salin 1906. Heft 1—4. 

(Von dem Museum.) 
*238. „ Handlingar angäende nordiske Museet 

239. „ Ymer. 1906. Heft 4. W07. Heft 1. 

240. , Svenska Landsmälen. 1906. Heft 1—4 (91— 94). 

(239 u. 240 v. d. Universitäts-Bibl. i. üpsala.) 

241. Upsala. Le Monde Oriental. 190G Vol. I '2—6. Vol IL Faca. 1» 

(V. d. R. d. M. 0.) 

Schweiz. 

242. Basel. Schweizerisches Archir für Volkskunde. XI. Jahrg. Heft 1—4. 

(V. d. Schw. Ges. f. V.) 

243. Neuchatel. Bulletin de laSociete Neuchateloisede Geographie. Tom. XVII. 

1906. (V.d.G.) 

244. Zürich. Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde. N. F. Bd. VIII. 

1906. Nr. 4. N. F. Bd. IX. 1907. Heft 1-3. (V. d. M.) 

245. w Jahresbericht des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. Jahres- 

bericht 15. 1906. (V. d. M) 

246. „ Jahresbericht der Geographisch - Ethnographischen Gesellschaft ir* 

Zürich. 1906-1907. (Von Hrn. Heierli.) 
•247. „ Mitteilungen der Antiquar. Ges. Bd. XXVI. Heft 5. (V. d. A. G.) 
"248. „ Mitteilungen aus dem Verbände der Schweizerischen Altertums- 
Sammlungen usw. (V. d. Red.) 



III. Afrika. 

249. Tunis. Revue Tunisienne, publiee par le Coinite de ('Institut de Carthage. 
Annee XIV. 1907. Nr. (12—66. Annee XV. 1908. Nr. 67. 
(V. d. Ass. T. d. L. Sc. et Arls.) 



• - 



(30) 



Übersicht 



IT. Amerika* 



250. Andover (Mass. ü. S. A. I. IL III.) Bulletin, Department of Archaeology 
Phillips Academy. 
•251. Austin. Transactions of the Texas Academy of Science. (V. d. A.) 
252. Berkeley, California. Publications of the Unirersity of California, American 
Archaeology and Ethnology. Vol. IL Nr. 5. Vol. IV. Nr. 2. 
Vol. V. Nr. 1—2. (V d. ü. o. C.) 
•253. Boston (Mass. U. S. A). Proceedings of the Boston Soc. of Nat. History. 
•254. Buenos -Aires. Anales del Museo National. 

255. „ Boletin de la Academia National. (V. d. A. N.) 
*256. Cambridge, Mass. Memoire of the Peabody Museum of American Archaeology 

and Etbnology, Harvard University. (V. d. M.) 
•257. „ Archaeolog. and ethnolog. papers of the Peabody Museum. (V. d. M.) 

258. Chicago. Publications of the Field Columbian Museum. Report Series. 

Vol. III. Nr. 1. Anthropological Series. (V. d. M.) 

259. Cincinnati. Annaal report of the Cincinnati Museum Association. XXVI. 

1906. (V. d. Mus. Assoc.) 

260. Colorado Spring, Col. Studies of the Colorado College. Publication, 

Science Series Vol. XL Vol. XII, No. 1. Publication, I^angoage 
Series 18. (V. d. Col. College.) 
2G1. Davenport. Proceedings of the Academy of Natural Sciences. Vol. X — XL 
1906. Part 1-417. Vol. XU. Part 1-94. (V. d. A.) 

262. La Plata. Revista del Museo de La Plata. Tomo XL (V. d. M) 

263. „ Anales del Museo de La Plata. See. Bot. I. See. Paleont. V. (V. d. M.) 

264. Lancaster, Memoirs of the American Anthropological Association. Vol. I. 

Part 1— 6. Vol. IL Part 1—2. (V. d. M. Am. Anthr Ass.) 

265. Lima. Boletin de la Sociedad Geografica de Lima. Tom. XVI. No. III. 

Tom. XVII. No. I. (V. d. S. G. d. L ) 
26«i. Lima-Peru. Revista Histörica. Tom. IL Trimestre 1, 
•267. Madison. Collections of the State Historical Society of Wisconsin. 

(V. d Gesellschaft) 
*268. „ Proceedings of the State Historicnl Society of Wisconsin. 
•269. Milwaukee. Annual Report of the Board of Trustccs of the Public Museum 

of the City of Milwaukee. (V. d. B. o. T.) 

270. Montevideo. Anales del museo nacional de Montevideo. Tom. III. Nr. 2 

(V. d. Museo nacional Montevideo.) 

271. New York. American Anthropologist. Vol. IX, 1—3, 1907. (V. d. Red.) 

272. n Anthropological Papers of the American Mus of Natural History. 

Vol. I, Part 1—3. 
•273. „ The American Museum of Natural History. Annual Report for 1905. 

(V. d. M.) 
274. „ Bulletin of the American Museum of Natural History. Vol. XVIII. 

Part 4. (V. d. M.) 
•273. „ Memoirs of the American Museum of Natural History. (V. d. M.) 
276. Norwood, Journal of american archaeology. Vol. X 3. Vol. XL No- 1 — 3. 

New York 1906. (V. d. I.) 
°277. Para (Brazil). Boletim do Museu Paraense. (V. d. M.) 
•278. Paranä (Entre Rios). (Von Hrn. H. J. B. Fernandez.) 
•279. Philadelphia. Bulletin ofthe Free Museum of Science and Art, Dep. of Arch. 

a. Pal., Un. of Pennsylvania. (V. d. M.) 



ffor |M'no.lisrliih YuNilfiMitlichunpen. 



C»i) 



»384. 
'96h. 



291. 
283. 
S4 



Philadelphia. Proceedingaofthe American Philosophical Society. Vol.XLV. 
19U*.. N'r. 1S4. Vol. XLVI. L907, Nr. 185 — 180. (V. d. P. 8.J 
„ Trunsactions of the Department of Arehaeology Free Museum of 
Science. (V. d. M.) 
Rio de Janeiro. Reviatu do Museu Nacional. (V. d. M.) 
Säo Paulo Revistn do Museu Paulista. (V. d. Mus.) 

Rcvista du Socicdadc scientific« de Säo Paolo. (V. d. 8. s. d. S. P.) 
Toronto (Canado). Proeeeding« of the Cuimdian Institute. (V. d. C. I.) 

3 ri.in-:u uii-iN of the Cmüiilirin Institute. (V. d. C. I.) 
Washington (D. C, U.S. A.)- Annuul Report of the Smithsonian Institution. 
Year 1905—1906. (V. d. S. L) 
„ Annual Report or the Geologien! Sum\ 
Washington (D.C., L". S. A.)- Annual Report of the Bureau of Ethnology. 
24". 1909—03. '-'*'■ 190*— Oi ( Von d. Bureau of Ethnol.) 
Special Papers of the Anthropologie«] Society. 
„ Bulletin of the Bureau of American Ethnology. Vol. 30. Part 1. 
„ Publieations of the Bureau of American Ethnology of the Smiths. Inst. 
, Bulletin of the U. S. National Museum. No. 5G. 57— CO. No. ■>". Purt IV. 
No. :»3. Part II. 

Proceedings of the D. S. National Museum. Vol. 31— 82. 
(290—394 v. d. Smithsonian Inst.) 



V. Asien. 

Hutaviu. Tijdschrift voor Indische Taal-, Land- en Volkenkunde. Deel XLIX. 
All. :;-6 Deel L. Afl. I u. 2. (V. d- G.) 
Notulen van deAlgerueene en Bestuursvergaderingen von het Butuviausch 
Genootschap van Künsten en Wctcnachuppen. Deel XLIV. 1900. 
Afl. -X u. 4. Deel XLV. 1907. All. 1—3. (V. d. G.) 
„ Verbandelingeu van het Bataviuasch Genootschap von Künsten en 

Wotcnachappen. Deel LVI. j. (V. d. G.) 
H J. A. van der Chi ja, Dugta-Regieter. 1G78. (V. d. GJ 
„ Rapporten vsn de commissie in Nederlundseh-Indie v. oudheidkundig 
onderroek op Java en Madoera. lyOö— 06. (V. B. G. v. K. en W.) 
Bombay. The Journal of the Anthropol. Soc. Vol. VII. Nr. 8. (V. d. S.) 
Report on the search for Sanskrit Mss. in the Bombay Presidency. 
1904—05 and 1905—06. (Government of India.") 
'•»'1 Calcutta. Epigraphin Indien and Record of the Arehaeological Survey of 
India. Vol. VIII. Vol. IX. Part 1—2. (Gorernment of India.) 
| „ A descriptive cotalogue of Sanskrit Mss. in the Library of the Calcutta 

Sanskrit College. (Government of India.) 
Report on the search of Sanskrit Mss. (Government of India.) 
B Noticea of Sanskrit Mas. pfal, under order3 of the Government of Bengal. 

Vol III. Part S. (Government of Indin.) 
. Proceedings of the Asiatic Soc. of Bengal. Vol. III. No.l— 4. (V. d. G.) 
, Journal of the Asiatic Soc. of Bengal. Philological Serics. (V. d.G.) 
., Journal and Proceedings of the Asiatic Society of Bengal. Vol. II. 

X . 4-m. Vol. Hl. No. 1-4. (A. S. o. B.) 
., Memoire of Ihe Asiatic Soc. of Bengal. Vol. 1. 10 -19, U. 1 — 1. 
(V. d. 8 



(32) Übersicht der periodischen Veröffentlichungen. 

310. Colombo. Journal of the Ceylon branch of the Royal Asiatic Society. 

Vol. XVIII. No. 56. Vol. XIX No. 57. (V. d. Gesellschaft) 

311. Hanoi. Bulletin de l'Ecole Franchise d'Extreme-Orient. Tome VI. Nr. 1—4. 

Tome VII. Nr. 1-2. (V. d. 6coIe Fr. d'E -Orient in Hanoi.) 
•312. Kyoto. The Calendar, Imperial Univeraity of Japan. (V. d. I. U. o. J.) 
313. Madras. Bulletin of the Madras Government Museum. Vol. V, 3. (V. d. M.) 
•314. „ Report on a scarch for Sanskrit and Tamil Mss. prepared ander the 

ordere of the Gorernment of Madras. (V. d. Government) 
•315. Manila. Publications, Ethnological survey (Vom the Department of the 

(V. D. of the I.) 

316. „ Journal of Science. Vol. I. No. 8. 

317. Shanghai. Journal of the China Branch of the Royal Asiatic Society. 

Vol. XXXVIII. 1907. (V. d. S.) 
•318. „ Der ferne Osten. (Angekauft.) 

319. Singapore. Journal of the Straits Branch of the Royal Asiatic Society. 

Nr. 46, 48. (V. d. S.) 

320. Tokio. Mitt. d. deutschen Ges f. Natur- u. Völkerkunde Ost-Asiens. (V. d. G.) 

321. „ Journal of the Anthropol. Soc. of Tokyo. Vol. XXII. No. 24!»— 258. 

(V. d. G.) 

322. „ Die Wahrheit, Erste Deutsche Zeilschrift in Japan. Jahrg. 5, 1904. 

6, 190.\ 
•323. Wladivostok. Denkschriften der Gesellschaft für Erforschung des Amur- 
Gebietes. (V. d. G.) 



VI. Australien. 

•324. Adelaide. Memoire of the Royal Society of South Australia (V.d. R. S.) 

325. „ Transactions of the Royal Society of South Australia. Vol. XXX. 

Index Vol. I to XXIV. 1877—1900. (V. d. R. S.) 

•326. Brisbane. Bulletin of North-Qucensland Elhnogrnphy. (V. Hrn. W.Roth). 

327. Sydney. Report of the trustees of the Australian Museum. Ycar 1906. 

328. „ Records of the Australian Museum. Vol. VI. Nr. 4-5. 

329. „ Memoire of the Australian Museum. Vol. IV. Pan 10. 

(327—329 v. d. M.) 

330. . Science of man. Vol. V11I. 5. Vol. IX. 1—5,7-8. (V. d. R.) ' 



VII. Polynesien. 

'331. Honolulu. Memoire of the ßernice Pauahi Bishop Museum of Polynesian 

Ethnology and Natural History. (V. d. M.) 
332. „ Occasional papere of the Bernice Pauahi Bishop Museum of Polynesian 

Ethnology and Natural History. Vol. IL Nr. 5. Vol. IN. No. 1. 

Vol. IV. (V. d. M.) 



I. Abhandlungen und Vorträge. 1 ) 



1. Die Makuschf und Wapischdna. 

Von 

Theodor Koch- Grünberg und Georg Hübner in Manäos. 

(Hierzu Tafel I und IL) 

Die Makuechi und Wapischana bewohnen im wesentlichen noch 
heute die Gegenden, die sie nach den ersten Zeugnissen inne hatten, das 
weitverzweigte Flussgebiet des Rio Branco, des bedeutendsten linken 
Tributära des gewaltigen Rio Negro. 

Die ersten sicheren Nachrichten über diese Gegenden und ihre Be- 
wohner verdanken wir Johann Natterer. Dieser verdienstvolle Natur- 
forscher hielt sich im Jahre 1832 am Rio Branco auf, wo er unter anderen 
Stammen auch die Makuschf und Wapischana naher kennen lernte.") 
Leider ist uns nur sein Makuechi -Vokabular nebst vier anderen Wörter- 
listen durch Martins erhalten. Seine übrigen für die Ethnographie so 
wertvollen Aufzeichnungen, darunter 65 weitere Wörterlisten aus den ver- 
schiedensten Gegenden Brasiliens, sind bis auf wenige Tagebuchblätter 1 ) 
spurlos verschwunden, wahrscheinlich im Revolutionsjahr 1849 in Wien 
verbrannt 4 ) 

In den folgenden Jahrzehnten haben sich mehrere Reisende längere 
Zeit in diesen Gegenden aufgehalten, so dass die Makuschi und Wapischäna 



1) Dies« Abteilang entfallt nur Abhandlungen und Vorträge, welche in 
früheren Sitxnngen vorgelegt, bexw. gehalten wurden, *ua Äusseren Gründen 
aber in den Verhandlungen nicht mehr Aufnahme fanden. 

2) Vgl G. Fr. Ph. t. Martins, Beitrage cur Ethnographie und 8prachenkunde 
iasrifcas, tnmal Brasiliens. Bd. L 8. 648. Leipaig 1867. 

3) Die wenigen Beste der An&eichnungen Natterers nebst seiner grossartigen 
ethnographischen Sammlang befinden sich jetxt in der Ethnologischen Abteilung des 
Hofoaseuns m Wien. 

4) In einem ans erhaltenen Veneichnis aller seiner Wörterlisten macht Natterer 
die Wohnsitze mehrerer im folgenden behandelten Stamme kurse Angaben : 

42. Atnrai — an den Quellen des Bio Tacutd auf den Steppen. 

43. Vapeschana — wohnen am Bio Vaurau, der in den Caname fallt, und in 
den Steppen des oberen Bio Branco, oberhalb des Fortea S. Joaquim. 

45. Macnchi — wohnen am Bio Pirarara, welcher in den Bio Mahd fallt, der 
in den Bio Tacntü sich ergieast und dieser in den Bio Branco. 
T iH nM ft Or Kthaolode. Jahr«. 1908. Haft I. 1 



Kuch-Grfinborg nnd UüLn-r: 

besonders durch die klassischen Schilderungen der Brftder Schombur^k '}* 
Appuns 9 ) und Im Thurna 8 ) heute zu den bekanntesten Stämmen Süd- 
amerikas gehören. 

Sprachlich sind die Makuschi zur Karaibengruppe zu rechnen. Sie 
bilden noch heute den zahlreichsten und am weitesten verbreiteten Stamm 



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1) Buburt Hermann Sehonibur-k, Bdm in Guian» und am Oriuoko wabrcnd 
der Jahre 1805- 1839, Leipzig 1S41. — Richard Sclic-raburgk, Reisnu in Brftfeoh- 
Guilina in den Jahren 1840-18-44. Bd. 1 u. 8. Leipzig 1848, 

2) Carl Ferdinand Appuu, Unter den Tropen. Bd. 2. Jcnu isTl. Ausland; 
Jahrgang («59, 1871, 1872. 

1 Terard F. Im Thuru, Amotig the Indians of Cuiuun. London 1883. 



Makuscki und Waiiischiiua. 

idl lioDiet des oberen Rio Branco, wo sie daß bergige Savnunenland vom 
l'rarieuera und seinen nördlichen Zuflüssen bis zum Rupununi, dem west- 
lichsten Quellfluss des Essequibo, bewohnen. Ihre Gesamtzahl, die Robert 
Sabombnrgb auf 8000 Seelen schätzt, sclieint im Lauf der Zeit noch 
zugenommeu zu haben. Bisweilen trifft mau Dorfscliaften, die Über 
KK) Einwohner zählen. Die südlichen Abteilungen dieses grossen Stammes 
sind schon *eit längerer Zeit im Kontakt mit den Weissen, in deren 
Dienst sie stehen. In ihren entlegenen Iliiuptzentron aber, im Fncaraima- 




Makuscfai. (Rio Braacu.) 

:■ irdisch vorn L'rarieuera, am Tacutii, Maliü und anderen Flüssen, 
aliren sie noch heute ihre volle Freiheit und ursprüngliche Lebens- 



^: h 



S Makuschi Bind geborene Handelsleute. Sie unterhalten alle mehr 

.d. r weniger Beziehungen zu den Weissen, sowohl vom Rio Branco, wie 

POID eaglUeben Guayana, wohin sie gehen, um Messer, Flinten, Pulver, 

1 -Kperlen und Baumwollenzeug einzutauschen. Auch mit den 

lammen des oberen Orinoko stehen die Makuschi in regem HaudeU- 

kebr. Die Makiritare-Majongkoii^. Sprurh verwandte der Mukusehi, 

a besonders am Pad&mo, aber auch am Couucom'ima und anderen 



Koeh-GrÜnberf? und Hübner: 

rechten Nebenflüssen des oberen Orinoko. 8ie machen öfters HanduLs- 
reieen auf weiten Land- und Wasserwegen bis nach Demerara (George- 
town) und kaufen dort gute Vorderlader, die sie dann über den Uraricuera 
zum Rio ßrauco bringen und an die Makuschi gegen grosse schwarze 
Jagdhunde vorhandeln. Diese Flinten kommen unter dem Namen 
"Makiritnre-Flinteu" bis nach Manrios in den Handel und waren früher 
dort sehr begehrt. 

Robert tf irhoiuh urjck rechnet die Makuschi zu den schönste. 1 !] Indianern 



Fig. 8. 




Makuscbf. ^Eio Branco.) 



Guayanas und rühmt ihre an Vokalen reiche, wohlklingende Sprache, 
ihre friedfertig© mildo Gemütsart, ihre Betriebsamkeit, Reinlichkeit und 
Ordnungsliebe. 

Nördlich von den Makusehf, in den Quellgebieteu des Mazaruni und 
des Caroni, eines rechten Nebenflusses den unteren Orinoko, besonders in 
der Umgebung des sagenumwobenen Roralma Gebirges, leben die ihnen 
befreundeten Arekuna oder Jarecunas, wie sie die Brasilianer nennen. 
Sie komineu nur wenig mit Weissen in Berührung, so dnss wir ober ihre 
näheren Lebensverhältnisse auf altere Zeugnisse, vor allem Richard 
Schomburgks und Appuns angewiesen sind, die ihre einnehmende 



körperli^hr Erscheinung, ihre edele Gesinnung, ihre Gastfreundschaft und 
kriegerische Tüchtigkeit in das hellste Licht setzen. 1 .) 
Makuschi und Arokü na bilden sprachlich gewissermassen einen Stamm, 

ihr»' Idiome zeigen nur geringe dialektische Unterschiede. 
Nähere Spraehverwandte der Makuschi sind ferner die Ipnrukoto 
oder Porocotos am Uraricuera, die im 18. Jahrhundert als ein zahl- 
reicher Stamm geschildert werden, jeUi-ahrr auf eine sehr kleine Anzahl 
zusamim-n-t-xliniolzen zu sein scheinen, und die weit yerbreiteten, ge- 

Fig. 1 




Makuschf. (Hin Braucu.) 

; Kriachana (Crichanäs), die zugleich am oberen Orinoko und 

I and am Yanoperj augegeben werden.") 

ben und unter den Makuschi leben die Wapischäna, die spruch- 

iii Iruak-Grnppe gehören. Noch den ältesten Nachrichten wohnten 

*ie am Tacatu und seinen nördlichen Zuflüssen Mahü un<l Kurmmi und 






bombnrgk a.a.O. II 23T>ff. — Appun, Unter Abu Tropen II 880fl 

au, La France K<|iiinoxiiüc\ Paria 1**7. Tonic II p. 396: „Lcs 
Macaelü», Jarecun*s, Krichanaa, Porucotos. Ciiiiicuiuos et lus tribus du Jamipirv padflll 
Ungue." 



Koch- Grün berg und Ilütuor; 

galten als der volkreichste Stamm der ganzen Gegend. Sie zeichneten 
sich durch Friedfertigkeit aus, bo dn*s s-chon am Endo de> 1*. Jahrhunderta 
einzelne Familien in neu ^ugrundert» Niederlassungen, z. B. nach Yilln 
Nova da Haiuha (Tupinnmharana) am Amazonas verpflanzt werden konnten. 
Seitdem aber zogpn sich diese Halhnomaden vor den Übergriffen und 
Verfolgungen der Brasilianer tiefer ins Innere, nach Britisch Guayana, 
zurück, wo sie sich ihrer angestammten Lebensweise ungestörter hingeben 
konnten. Zu den Zeiten der Brüder Schomburgk hausten sie in def 
Mehrzahl im Flussgebiet des Rupununi, streiften aber über die Wasser- 

Fig. fr, 




Makuschi. (Rio Branco.) 



scheiden des Essequibo und Rio Branco hin und her und fanden .-ich 
auch in einzelnen Ansiedlungen verstreut an den nördlichen Zuthlsaen 
des unteren Uraricuera. Hie wurden damals insgesamt auf 1500 Seelen 
geschätzt. 

Ihre günstige körperliche Entwicklung, ihre bisweilen wahrhaft 
klassischen Züge werden von allen Reisenden, die mit ihnen zusammen- 
trafen, rühmend hervorgehoben. 

Heute sind die Wapischiina au Zahl sehr zurückgegangen und be- 
tragen wohl kaum noch tausend Seelen, die hauptsächlich die weiten 
Savannen auf beiden Ufern des Rio Branco bewohuen. Vou alleu Stammen 





IL-. S. Malus.ln'. Rio Brsnoo,; 




Fi'.'. 7. Makuschi. <Kio Branco.) 



B 



Koch-Grünborp und Hühner: 



dieser Gegend haben sie infolge ihres friedlichen und unterwürfigen 
Charakters den meisten Zusammenhang mit den weissen Ansiedlern, denen 
sie als Arbeiter auf den Fazendas, als Viehhirten und Ruderer dienen. 
Viele tuii ihnen sprechen schon Portugiesisch. So können die Wapiachäna 
heute kaum mehr als Stammeseinheit gelten und werden bald in der 
zivilisierten Mischlingsbevölkerung aufgegangen sein. 1 ) 

Den Niedergang dieses einst bedeutenden Stammes schreibt Henri 
Coudreau, dem wir eine kleine Monographie der Wapischüua verdanken. 

Fig. 8. 





MaLuäd.i Mtnduoa. (Rio Branco.| 



mit Recht ihrem leichten Anpassungsvermögen gegenüber der europäischen 
Kultur zu. Die Makusehf dagegen sind viel mehr „rebelies ä la diseipline 
de la civilisarion". Sie sind „insolente, insobordonnee" "), sie leisten 
fremden Einflüssen einen irrössena Widerstand und haben dadurch ihre 
Bigenart und ihre Stärke mehr bewahrt. 

Die nächsten Verwandten der Wapisch ana sind die Arorai (Ahn 
Atorradis). Robert BohombUTgb traf sie nur etwa 200 Köpfe stark am 



1) Jarqnoa Oarique o Goorgo Hnebncr, Valle do Rio Branco. Mun&os 19ÜG. 
I. parle p.24: „Gm L'apichanas .... jii nfto contam com os olernentos ethuiros de 
stoncia dl BOA dispotduOB seus autepasaados, podendo bor coosiderados corao docad« 
o cm vi» de dissolucflo." 

■: Ifonri Coadroan a a. 0. Tome II p. 303— 338, Im- hu. 




[';:.- 10 Vftpuch&aa. (Bio Dranco.) 



10 



Koch-Grünbori; BBd Urilrior: 



Carawaima-Qebirge, Ewiaeheu dem oberen Ekseqnibo and den Quellen 
i|i.-s Ivujiununi, n« lim ^'apiachina, von deren Sprache ifat [diom nur 
dialektisch rareehleden ist. 1 ) Dort vrobsea »ie Doch tu h im 

Qaellgebiet des Tocutüi wo Coudrearj sie b und ihre Bitten and 

iucli»? beobachtete.*] Auch sie haben an Zahl Behr varl 
aaeb den neuesten braaftiamsebei) Berichten ein „triba deoadenti 
exttnota.**) 

In froheren Zeiten fährten <ü" Makasehj erbitterte Cftinpfe gegen die 
Wapiaohans Sie bedienten Bicb dabei dea furchtbaren Ccrare-Gifb 

Hg. U. 





Wapischana. (Bio Branco.} 

deBsen Bereitung sie Meister sind.*) Obwohl die Fehden heute aufgehört 
haben, und beide Snimme friedlich Seite an .Seite wohnen, so hat sich 
•loch der alte (jegensntz nicht ausgeglichen.*) So halten die Wapisohana 
des Uraricuera die benachbarten Mnkusohi für „Kanaima", heimliche 



li Richard Sckombnrgk s. a. 0. II :S88. 
Ji H. ('Miidreau a.a.O. II 3011-318, 301. 
'S) Ooriqm* e Unebner a.a.O. 1 lö. 

4) H. Coudrcau a.a.O. II 

5) EUeu ■! . I.*s Maroucliia gont Terbfeind. I« nation enuemie. In vioille 
rivule des Ouopichioncs.* 



Makiiachi und Wapischnna. 



II 



Mörder, Giftmischer und Kannibalen, und schreiben ihrer Bosheit jede 
Krankheit und jedes Unwohlsein zu.') 

Srhon unter normalen Verhältnissen kann man diesen Antagonismus 

häufig beobachten. Die Makuschi und Wapischdna worden gewöhnlich 

von den Groasgrundbesitzeru am Rio Branco zum Viehtraueport benutzt. 

Braucht ein Fazendeiro eine Anzahl von Leuten zu seinen Diensten, bo 

ich dem nächsten Indianerdorf, um sie anzuwerben. Für eine 

iuge Bezahlung, die meist aus Waren fflr den Hausstand besteht*), 

Fig. 18. 




Wapiscfaana Manduca. Vater: Wapiecliün». Mutter: Makuselii. (Bio Branco.) 



erhält er die nötige Mannschaft für die Fahrzeuge, in denen das Vieh 
transportiert wird. Efl sind grosse und schwere Schiffe, sogenannte 
Bntelöes, die unter gewaltigen Schwierigkeiten die Stromschnellen des 
Rio Branco pausieren und nach langer und mühevoller Heise bis nach 
Hanta geben (Fig. 1). 

tfiekl selten sieht mau eins dieser plumpen Schiffe, die je nach ihrer 



1) Appan im Ausland: 1871, 8. 523. - Condreau a. a. 0. II 39(1. 

2) Der Tugelohn eines solchen Ruderers botragt nach Coudrcau etwa 1 Ml. Dazu 
kommt n<>eh die BfkÖstigung, die in Farinlia (geröstetem Mandiokamehl), carne secca 
(gBiitUDMI und an der Sonne getrocknetem Kimilleisch) und Piraracii (geräuchertem 
Salzfisch) besteht. — Coudreau a.a.O. II 411. 



1-J 



Koeh-Grfinberg und Hübner: 



Grösse 15 bis 35 Stück Vieh fassen 1 ), mit Indianern beider Stamm rt be- 
mannt, die, trotzdem sie alle Arbeiten gemeinsam machen und Wochen, 
ja Monate lang zusammen sind, doch immer ein gewisses Misstrauen gegen 
einander bewahren, das sie nicht zu einem freundschaftlichen Verkehr 
kommen lässt, der doch unter den gegebenon Verhältnissen der natür- 
lichere wäre. In den Ruhestunden, wenn das Schiff am FIuBsufer oder 
an einer Sandbank festgelegt ist, und die Besatzung ihre Mahlzeit ein- 
nimmt, teilen sich die Indianer in zwei Gruppen, und nur, wenn es gar 
nicht anders geht, essen sie gemeinschaftlich. 



Fig. IS, 





Wnpischäna Misaol. (Rio Bmiu-o.; 



Nüchtern, geduldig und bescheiden, sind sie mit allem zufrieden, was 
man ihnen im Tausch gegen ihre Dienste gibt, und nicht selten sind sie 
in ihrem Verkehr mit den Weissen das Opfer ihrer Unwissenheit, Leicht- 
glftabigkait und Treuherzigkeit und werden von den oft wenig skrupulösen 

Von den fünf Wörterliaten, die im folgenden, verglichen mit älteren 
Aufnahmen, zum ersten Mal der Öffentlichkeit übergeben werden, sind zwei. 
Hakuschi I und Wapischänn I, von meinem Freunde, Hm. Georg Hühner 



I «oudrean a. 0.0. II .108. 
2)0. 'irupe y Thodo, Über den Rio Blanco und die anwohnenden Indianer 
Globus. Bd-öl 1890 9 J'<\tu (Nach Rcyista memal. Rio de Janeiro.] 



■fakuschl und Wapbi 



i ! 



in Hannos 1 ), einem geborenen Dresdener*), auf seiner loteten Reise zum Rio 
Branco G&d l'rariciiera im Augast 1903 aus dein Munde der Indianer auf- 
gezeichnet.") Eine woitero Liste, Makuschi II, erhielt IIi Ilöbnor von 
nein jacgffD brasilianischen Ansiedler am Rio Branco, der diese Sprache 
ziemlieh beherrsrlin- Die Litten Makuschi III und Wapuchani II ver- 
danke leb Ddefonao, einem der einflussreirhstim Maku-i In- Häuptlinge 
(Taftd l Pig, i;, und seinen Leuten, die im Mai 1905 nach Maoaoa ge- 



Fte. 14. 





häna-Mädchen Anita. (Rio Rranco.) 



I) Vgl diese Zeitschrift, Jahr«. 1907, 3.225-248, Qeorp Hübner und Theodor 
K'»<rh-rifänb*rg: Die Yiuaper^. Fig. 1—12 und Ctfte. 

Ordentliches Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und 
--hirhte; korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft, für Erdkunde zu Dresden. 

ifDer unternahm mehrere Reisen in das Flossgebiet des Rio Branco. Vgl. 
dxiu auch leinen illiisfnVrten Aufsatz: Nach dein Bio Dranco, in Deutsche Rundschau 
G«ogn>phie and Statistik. XX Jahrg. B. 241 ff. 3t»6ff. Wien 181*8. 



14 Kocb-Griinberg und Hfibner: 

kommen waren, um dem Gouvernour des Staates Amazonas, Coustantino 
Nery, ihre Aufwartung zu machen. 

Die ausgezeichneten Photographien sind tou Jim. Hühner teils 
während seiner Reisen im Innern (Fig. 1; Tafel II Fig. 1 und 2), teile in 
Manäos von der Bande Ildefonsos (Fig. 2 — 6, 10 und 1 1 ; Tafel I Fig. 1 und 2) 
um! kürzlich von der Mannschaft eines brasilianischen Lastbootes auf- 
genommen (Fig. 7 — 9, 12—14). 



Literaturverzeichnis. 

Appun, Carl Ferdinand, 1. Unter den Tropon. Bd. II. Jena 1871. 

— 2. Ausland. Jahrgänge 1ÖG9, 1871, Js7_. 

Barboza Rodrignes, Jofio, Pacificacäo dos Crichanas. Rio de Janeiro 1885. p. 247 — 2GO: 
Wörterlistcn der Crichami, Iporucolo, Macuchy. 

Coudreau, Henri, I.a France Kfiuinoxialo. Tome II. Paris 18K7. p. 477 — 191: Wörter- 
listen der Ouapiehianca (Wapischiioa) und Macouchis. 

Grupe y Thode, G., Pber den Rio Diane o und die auwohnenden Indianer. Globus. 
Bd 57, S. 251 -2M. Braunschweig 1890. S. 254: WorterliBtcn der Oapichaoo. 
und Macuchy. 

ImThnru, Everard F., Among tbe Indians of Guiana. London 188B. p. 166: Knrzt» 
Wörtorliston der Wapiana, Atorai, Macusi. 

Martius, C, Fr. Pb, t.. Beiträgt 1 zur Ethnographie und Sprachenkunde Amerikas, zumal 
Brasiliens. ä Bande. Leipzig 1867, Bd. II, 9.280— 227: Wörterliste der Macusi, 
Macuschi (nach Natterer). 8. 012-313; Wörtcrlisten der Macusi, Arccuna, 
Wapitis inna (Wapitynn), Atorai (nach Robert Schomburgk: Report of :h- 
British Association for lf>18 p, 97). 

Onriqne, Jacques, g George Unebner, Valle do Rio Branco. Maniins 1906. 

Schomburgk, Richard, Reisen in Britisch- Guiana in den Jahren 1840— 1844, 2 Bände. 
Leipzig 1848. Bd. II. S. 515-521: Wörtcrlisten der Macusi, Arckuna, Atorai. 

Schomburgk, Robert Hermann, Reihen in Guiana und am Orinoko wahrend der Jahre 
1805-1839. Leipzig 1841. 



Abkürzungen. 

A. Mnkwchi 1 -- Macusi, Macuschf: Nattercr bei Marlius. 

2 - Macusi: Robert Schomburgk bei Martius. 

$ = Macusi: Richard Schomburgk. 

4 = Macuchy: Barboza Rodrigues. 

.' = Macouclii: Coudreau. 

6* = Macuchy: Grupe y Thode. 
Ar. t. . . ^ Arecuna: Robert Schomburgk bei Martiu-. 
Ar. 2. . . = Arekuna: Richard Schomburgt. 
Crick. . . = Crichanü: Barboza Rodrigues. 
/pur. . . . - Ipurucoto: Barboza Rodrignes. 
/.'. WapüchäfM 1 = Wapisoiana: Robort Schomburgk bei Martins. 

2 = Ouapichiane: Coodreau. 

3 = Oapichanu: Grupo y Thode. 

At. i ... - Atorai: Robert 8chomburgk bei Martius. 
At.2. . . = Atorai: Richard Schomburgk. 



Makuschf und Wapischana. 15 

Alphabet zu Makuschf III und Wapischana II. 

Vokale. 
a, e, i, o, u wie im Deutschen. 
ä = Länge. Wo der Langestrich fehlt, werden die Vokale mehr oder 

weniger kurz ausgesprochen. 
d = Wortaccent. 
ä = nasaliert. 

e = sehr offenes e, ähnlich dem deutschen ö, dem französischen /'. 
* = stark gutturales e, etwa wie u im englischen hut. 
e = am vorderen Gaumen hervorgebrachtes e, fast wie dumpfes & 
w = konsonantisches u, wie das englische w in water. 
y = konsonantisches t, wie das englische ,?/ in youth. 
()= eingeklammerte Vokale sind stark reduziert, bisweilen kaum hörbar. 

Konsonanten: 

6, rf, ^, £, wi, n, p, r, «, * wie im Deutschen. 

i = französisches ck in chercher. 

j^ = deutsches ck in ntcA*. 

i = Laut zwischen 2 und r. 

n = deutsches ng in Engel. 

th= englisches th in thought. 

() = eingeklammerte Konsonanten sind kaum hörbar. 

- = kurze Pause im Wort. 



Vokabulare. 
A. Makuschi. 1 ) 

I. Aufgenommen von Georg Hubner in Manäos. Rio Branco, August 1903. 

Deutsche Schreibweise. 

II. Aufgenommen von einem brasilianischen Ansiedler am Rio Branco, 

1903/1904. Portugiesische Schreibweise. 

III. Aufgenommen von Dr. Theodor Koch-Grünberg mit dem Tuschaua 
Ildefonso vom Rio Branco. Manäos, Mai 1905. Phonetische Schreibweise. 



Zunge . 
Mund . 
Lippe . 







Körperteile. 


I. 


unü . 


. . . 1. onnü. 2. hünu. 3. hünü. 4. unum. 


IL 


iani 


Ar. 2: huyahni. 


III. 


unit 




I. 


undä . 


. . . 1. undä. 2. hunta, mutta. 3. mutta; 


IL 


undä 


menta = mein Mund. 4. undä. 5. ounta. 


III. 


ünta 


6. undä. Ar. 1: undack. Ar. 2: mutta. 


I. 


uljebi 


. . . 3. huyepi. 4. undapipe. 



1) Reiches Vergleichsmaterial aas anderen Karaibensprachen findet sich in meiner 
Arbeit: Die Hinnäkoto-Um äu a (Anthropos. Jahrg. 1908. Heft 1 und 2), die über einen 
K&r&ibendi&lekt des oberen Apaporis (Yapura) handelt. 



16 



Koch-Grünberg and Habner: 



IL 

in. 

L 

IL 

in. 
i. 

IL 
III. 
I. 
I. 
IL 
III. 
I. 
IL 

in. 

Ohrläppchenloch I. 
IL 



Zahn . . 
Nase . . 

Nasenloch 

Auge . 

Ohr. . 



Stirn 



Kopf 



Schädel 



Kopfhaar . 



Augenbrauen 

Augenwimpern 
Bart . . . 



Schamhaar 
Wange . . 

Kinn . . 
Schulter . 
Arm . . 



Ellbogen 



Hand 



I. 

IL 

III. 

I. 

IL 

III. 

L 
IL 

L 
IL 

in. 
i. 

IL 

I. 

L 

IL 

III. 

IL 

I. 
IL 

I. 

I. 

I. 
IL 

ni. 
i. 

IL 

I. 

IL 

in. 



mapi 
uyi-pi 

ulje .... 

uizi 
uy$ 

junhd . . . 
teunan 
uyeunä 
junharitd 
uljenü . . . 
tinü 
uy$nu 

panhd . . . 
pannd 
pdna 

panhd-jutd 
pannä-iuld 
iembutd . . . 
embutd 
uye($)piyin 
bubeu 
pupde 
upüpai 
buird 

pnpde-rupä 
buwaschibü . 
pupäe-chipÖ 
uh'-pö(a) 
waramubü . . 
tinü-chipö 
uenikrasibü 
uljibö . . . 
urnicipö 
uyj-pfi(a) 
tnon-hi, mom-hi 
ubitd. . . . 
indäe-epe 
Ijetimü . . . 
umbui . . . 
lemekung . . 
uinzd 
uyfanikuh 
bekchi . . . 
iuzemmü 
Ijindä . . . 
ennd, enzä 
uyhitha 



1. uije. 3. huye. 4. uiecä. Ipur.:m6, 
6. nie. Ar. 1: huyehre. Ar. 2: huyöhre. 



iunä. 



1. uieunä. 3. huyeuna. 4. 

5. yeouna. 6. uieunä. Ar. 1: uyeuna 

Ar. 2: huyeuna. 



1. ienü. 2. uyeuü. 3. henouto; uyenou 
= meine Augen. 4. tenu. 5. yeenou. 
6. uienü. Ar. 1: yenuru. Ar. 2: henouto. 
1. upana. 3. hupana. 4. panure. 
5. oupaana. 6. upana. 



1. jemelä. 3. huyepieng. 



1. jubae. 2. pupei. 3. poupei. 4. popahy. 
5. oupou oupaye. 6. upupai. Ar. 1: 
opuwei, opei, ipei. Ar. 2: oupei. 



1. untse. 3. poupeipopo. 4. unze. 

5. oupaye poupo. 6. utupoc. Ar. 2: 
poupeipopo. 

3. epipo. 5. ouaaramapo. 

3. henouto crassipo. 

4. iepö. 5. ouyepo = Schnurrbart. 

6. uiepö. 



3. hupita. 



3. huyetamu. 

2. humota. 3. humota. 4. umbai. 

4. uemeam. Ipur.; emeicu. 

5. yeemecou. 

3. huperesi. 

1. oentsa. 2. huyenya. 3. huyenya. 

4. iandä. 6. uiendä. Ar. 1: uyena, Uta. 



MakuicM and Wapliefaina. 



17 



Handrücken . 


I. 


tebuina 




Handfläche . 


L 


Ijinarand . . 


Ipur.: uiearana. 4. ierd. 




U. 


ufrizä 




Handgelenk . 


I. 


Ijinaweikadö 




Finger . . . 


L 


Ijinajiinkung . 


1. oentsa mungatschi. 4. uienza. 5.yena. 




II. 


uytnthayepihi 




Zeigefinger . 


I. 


buikarung 




Mittelfinger . 


I. 


Ijinarakdarüng 




Ringfinger . 


I. 


tesemüng 




Klein finger . 


I. 


Ijinamiha 




Fingernagel . 


I. 


Ijinabibd 


3. huyenyapipo. 4. terapipe. Ipur.: 




II. 


enzd-pipS 


inhapibe. 


Bein . . . 


I. 


Ijemadd . . . 


1. upe = Oberschenkel. 5. yemata. 




II. 


ubti 






III. 


uyftna-tä 




Unterschenkel 


I. 


utscki . . . 


1. utschi, hu-tschi. 3. husi = Beine. 




III. 


ü-tsi 


4. uchy = Bein. 5. ouchi = Bein. 


Knie . - . 


I. 


jesemü 


l.jetsemd. 4. iezemu. Crick. : yazemu. 




IL 


izimü 




FUSS . . . 


L 


ubü .... 


1. obü. 2. hupu. 3. hupü. 4. upa 




IL 


ipü 


5. outa. Ar. 2: hutah. 




III. 


ü-pü 




Fussrücken . 


I. 


ubuliebd 




Sohle . . . 


L 


ubükiwang 




Ferse . . . 


I. 


utand 




Zehen . . . 


I. 


ubuiberü . . 


3. hupuyongkong. 




in. 


ifä-pdü 




Zehennagel . 


i. 


ubuibd 




Körper . . . 


i. 


uljesä . . . 


4. ure. /pur.: iezä. 




IL 


zeuam 






ni. 


uye-sa 




Leichnam . . 


i. 


kadumbd 






IL 


cadumbt 




Hals . . . 


1. 


umhä 


2. huma. 3. huma. Ipur.: urume = 




IL 


uman 


Nacken. 5. oumoui. Ar. 1: huma. 




III. 


ü-mÜ 


Ar. 2: huma. 


Nacken . . 


I. 


umuljebä . . 


Ipur.: urume. 




IL 


uman 




Kehle . . . 


L 


fori .... 


4. tore = Nacken. 




IL 


fori 




Achselhöhle . 


I. 


bitäng 




Schulterblatt 


I. 


motakibd . . 


2. humota = Schulter. 3. humota — 
Achsel. Ipur.: motä = Schulter. 


Rippen . . 


I. 


jaratd . . . 


Ipur.: iaratä. 4. uicoroiebe. 




IL 


teburube 




Brust . . . 


II. 


wmbaiibe 


4. iropotoriby. Ipur.: urutö. 5. pouete. 




in. 


u-prö-td 





Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1908. Heft 1. 



18 



Koch-Grünborg und Hübner: 



Brustwarze 



weibl. Brust 



L 

III. 
I. 
IL 

ni. 

Euter der Kuh L 

Bauch ... I. 

IL 

III. 

I. 

IL 

III. 

I. 

I. 

IL 

ni. 

i. 

i. 
in. 

membrum virile II. 

m. 

Hodensack . III. 
Hoden. . . III. 
Membrum 
muliebre 

Vagina 



Nabel 



Nabelstrang 
Rücken . 



Rückgrat 
Gesäss . 



Clitoris 
Anus 

Haut . 



Fell. . 

Knochen 



Blut 



Ader 

Puls . 
Fleisch 



Herz 



III. 
III. 
III. 

IL 
HL 

L 

II. 
III. 

I. 

I. 

IL 

III. 

I. 

IL 

III. 

I. 
IL 

I. 

I. 

IL 

III. 

L 



manaU ... 1. imanatü = Milch. 3. humanati = 

u-mdnatf Brust Ipur.: imanate. 

manaU imüng . 4. manä. 5. maanati, 6. raanate. 

mannte 

manä 

bakd vianati 

roitd, jewdng . 1. tulin-lbtä. 3. hurota. 4. orotä. 

teuam 5. yeouan. 

u-iö-ta 

boni .... 4. spony. Ipur.; upony. 

tiponin 

u-pö-ni, upöni 

boni-sate 

umbö 

umbö 

ümpo 

kurübd 

umeukö 

umai-ko, umaiko 

w*«'tf .... 1. mele, umele. 4. mere. 

uatia 

i/imn 

if&Jna-pe . . 4. itetuum. 

montj . ... I. mone. 4. mune. 5. mone. 

»jfe-ta, i{tf(t)ta 

yile . . 

apibü 

bipö 

bibä . 

pipc 

ubi-pü 

sipsarü 

Ijebd .... 1. techeba. 2. hepo. 3. höpo. 4. tibirebe. 

teburube Ipur.: itepy. Crich.: tepy. 

mang ... 1. möng. 3. mong; humani = mein 

emannan Blut. 4. mim. 

w* ; /i, me-j't 

kard 

card 

uern d-kuniwang 

ubung . . . 

ipum y sararü 

upün 

jewdng . . . 

(vgl. Bauch) 



. 1. pare = membr. mul. 



2. pipo. 3. pipo. 4. ipipe. 5. poupo. 
Ar. 1: pipo. Ar. 2: pipo. 



4. ipocon. Ipur.; ipö. 
4. uienan. Ipur.: ieuan 



Mftkuacki and Wapiachäna. 



19 



Leber ... I. fem, teribd 

IL terurupe 

Speichel . . IL chiuichiqueripan 

Urin . m. $& .... 4. uchutä. 

Kot ... . HI. ud, wd 

Schwanz eines 

Hnndes . . IL aremeracd- 
etauque 
Schwanz eines 

Fisches . ■ II. morö-etauque 
Schwanz eines 

Vogels . . II. imon-ttauaue 



4. taoquy = Schwanz. Ipur.; iauqui 
= membrum virile. 



Elemente und Natur. 



Wasser 

Fluss 

Bach 
Feuer 



Rauch . . . 
Asche . . . 
Brennholz 
(vgl. Feuer) 



Himmel 

Wolke . 
Hegen . 

Wind . 



I. 

IL 

UI. 

I. 
IL 

m. 

IL 

I. 

II. 

III. 

I. 
I. 
I. 

IL 
III. 

L 

n. 
in. 

i. 

i. 

n. 

in. 

i. 
n. 
m. 



tun*, tunä . . 

tonan 

tunä 

burimd . . . 

pariman 

yäunö 

pa riman-merußie 

abö .... 

apö 

d-pö 

kritckanuhü 

arienabü 
abö 



apö 

d-pö 

kd 
kd 
kd 

tuburu 

konÖ . 
cönöhi 

könö 



astung . . 
astUTn, cSnan 
d-ütun^ 

d-(i)Stune 



1. dunä. 2. tnna. 3. tuna« 4. tunä. 
5. touna. 1 ) Ar. 1: tuna. Ar. 2: tuna. 

1. dunä. 



1. apö. 2. apo. 3. ahpo. 4. apö. 5. apo.') 
Ar. 1: apok. Ar. 2: ahpo. 

3. huwereto. Ar. 2: huwereto. 

3. hurunapa. 4. anitaca. Ipur.; iare. 



4. cä = Licht. 



3. katuruppu. Ar. 2; katturuppu. 
1. cono. 3. conno. 4. conö. 5. conoc. 
Ar, 2: cunno. 



1. seman. 3. semang. 4. seman. 
Ar. 2; semang. 



1) Macuti (Im Thnrn): toona. 

2) Alacwi (Im Thnrn): apo. 



.>• 



20 



Koch-Grünberg und Hübner: 



Gewitter, 


Blitz, 




Donner 


. . I. 


uranabi . . . 




n. 


uradäpi 




DL 


udrä-napl 


Sonne . 


. . I. 


weh .... 




IL 


u*i, wei 




III. 


w4% 


Schatten 


. . I. 


ind 




in. 


i-nä 


Tag. . 


. . i. 


winfU . . . 




IL 


petaiem&razd 




III. 


winai 


Nacht . 


. . I. 


warung . . . 




in. 


fudlun, ewdlun 


Morgen 


i. 


benani . . . 




IL 


penanen 


Mittag . 


I. 


wetasibe . . . 


Abend . 


I. 


komube . . . 




n. 


petacoman 



Mond ■ 



Neumond 

Stern . 



Venus . 
Erdboden 

Campo . 
Weg . 

Berg . 

Wald . 



I. kabui 

n. capöi 

ni. kapoi 

n. capöi-non 

I. tschirikd . . 

IU. th'töcä 

IL caiuon . . . 

IU. kaiuonö, kaiwonö 

I. nong .... 

IL non 

III. ni 

ü. poroque 

IL emän .... 

IU. f'-wfl 

IL vi 

IH. we 

I. ulnare . . . 

IL iuguretä 

in. yu 



1. ola nap\ ■= Donner, esensima —-Blitz. 
3. waranappi = Gewitter; etzinsima = 
Blitz. 4. uaranapi — Blitzstrahl. 5. ora- 
napi — Donner. Ar. 2: waranappi 
= Gewitter. 

1. wöi. 2. weh. 3. wae. 4. uei. 5. ouei. 1 ) 
Ar. 1; wae. Ar. 2: wae. 



1. elema pöu. 4. ueinaire. Tpur.: 
ueinaen. 

l.komannofl. 3.ewarumpamu=Nieder- 
gehen der Sonne. 4. iuaron. 5. ouaron. 
4. penane. 

4. uraquita. 

1. komannou = Nacht. 3. akomanune 

= Abend, Niedergehen der Sonne. 

3. akomamme = Abend. 4. cumameä 

= bei Eintritt der Nacht, lpur.t minin- 

comambirä. 

1. kapoi. 2. kapoi. 3. kapoi. 4. capuhy. 

5. capoui. 8 ) Ar. 1: kapui. Ar. 2: kapoi. 



1. tschülükö. 2. sirfko. 3. sirike. 
4. chiriquy. Ar. 1; serrika, sirike. 
Ar. 2: sirike. 

1. kaivono. 3. kaiwono. 

2. nung. 4. non. 5. non. Ar. 1. 
nunk. 



4. iemary. Ipur.: ei man. 
1. öö\ 4. uhy. 5. ouik. 
1. jü. 4. ihu. 



1) Macuti (Im Thurn): wey. 

2) Macuti (Im Thurn): kapoo-i. 



MakuscM and WapischÄiis. 



21 



Insel . . 

Sandbank . 

Sand . . 
Stein . . 



Eisen . . 
Silber . . 



Dorf 

Haus 



Dach 
Tür. 



Fischnetz . 
Tach • . 



L UK . . . 

II. ionupuUi 

HI. yaunö 

(Tgl. Flass) 

I. skabdng . . 

II. acdpan 

III. sküpdn 

TL 9c& . . . 



L tot* ... . 

II. ton 
III. fe' 
II. chipirari 
II. purdtd . 

(Portugiesisch) 



Crich.: ionom. 4. ipahö. 



3. skapong. Crich.: sacabani. Ipur.: 
essaquy. 4. lecabau. Ar. 2: skapong. 

3. skapong. 4. escaban. Ipur,: escaban. 
Crich.: escabani. Ar. 2: skapong. 
1. tö. 3. dö. 4. te. Crich.: tepu. 
5. teu. Ar. 2: dö. 



3. brata = Gold, brata, blata = Geld. 
Ar, 2: brata =- Gold. 



Haus, Gerät. 



II. 
HL 

I. 
U. 

m. 
i. 

ii. 



Tnalocd 1 ) 
eu-te 
uU . . 
eute", autä 
au-td 
itd 
eunatd . 



5. eoute. 

2. aute. 3. aute. 4. euete\ 
Ar. 1: aute. Ar. 2: aute. 



5. eoute. 



Hängematte . I. autä . 



IL 

I. 

IL 



Faden ... IL 
Baumwolle IL 

Tragkorb . . II. 
Hängekörbchen IL 
Matte . . . H. 

Mandiokasieb II. 
Reibebrett . II. 

Trinkkürbis . I. 

n. 

Kalabasse . II. 
Topf, Kochtopf L 

n. 

IH, 



cami .... 
kamitschd . . 
camixd 

(Portugiesisch) 
inimun, inimü . 
tohucd 
darruana 
uaitcarapi . . 
chumbd . . . 

mandri 
chimiari 

arabe . . . 

pijd, pixd 

uaihi 

inhd .... 

uairim 

H-näy H-ne 



4. minatä. Crich., Ipur.: unatä. Fenster; 

4. man ata. Ipur.: unatä. 

1. jöutse. 3. autah. 4. autä. 5. yeoute. 

Ar. 2: autah. 

Ipur.: camy. 

3. camisa. Ar. 2: camisa. 



4. iramo. 5. ouinimou. 



Ipur.: uacarape = Korb (paneiro). 
1 . tsumbä = Korb. 4. chiumbä. Ipur. 

chiumbary. 

4. chimariri. Ipur.: chimari. Crich. 
chimariri. 

3. pitscha. 

5. picha. 

3. aina. 4. uene. Ar. 2: aina. 



1) Fremdwort *us der lingoa gtral (Tapi). 



22 



Koch-Grünberg and Hflbner: 



Schüssel, Teller IL paratü (Port.) 5. paratou. 



Löffel . . . 


IL 


cuierd (Port) 






Beil . . . 


I. 
IL 


uakd .... 
uacd 


1. vuaga. 3. waka. 4. uaca. 5 


ouaca. 


Feile . . . 


IL 


«TIaTJ 






Mesner . . . 


I. 


taurd . . . 


I. taurä. 3. atau-era. 4., Ipur. 


taurd. 




IL 


taurd 


5. taora. Ar. 2: atau era. 




.Waldmesser, 










Tercado 


IL 


suprd . . . 


4., /pur., Crich.: chubrä. 5. cassoubera. 


Buxada (Instrument 








zum Roden) 


IL 


sambd . . . 


5. sampa = Spaten. 




Cavador . . 


IL 


macuttd . . . 


5. massoueta. 




Tanpa . . . 


IL 


tetapuru 






Pflanzung 


IL 


ma&sd 






Scheere . . 


IL 








Schleifstein . 


IL 


te 

(vgl. Stein) 


1. tö = Stein. 3. dö = Stein 
= Stein. 


4. te 






Kanu und Waffen. 




Kanu . . . 


I. 
IL 


candua 








m. 


ka-nä'i 


• 




Einbaum . . 


m. 


kuU-alä . . . 


1. guli alä. 3. corial. 4., Ipur., 


Grich.: 


(Ubä) 






curiara. 5. couriera. Ar. 2: 


corial. 


Dampfer . . 


L 

IL 


aporing (Port.) 

apö-zen 






Ruder . . . 


I. 






Ar. 2: 




IL 


naire 


naireh. 






III. 


näi-h' 




•i 


Steuer . . . 


L 


wir ei .... 


Ipur.: iaure. Crick.: iacumä. 


Ipur.: 




IL 


iacumä l ) 


iacumapon = Pilot. 




Bogen . . . 


I. 


urabd . . . 


1. old pä. 2. hurapa. 3. 


urapa 




IL 


urapd 


4., Crick.: urapä. 6. urapa. 


Ar. 1. 




in. 


urd-pä 


urapa. Ar. 2: urapa. 




Bogen schnür 


L 


ktiarid . . . 


3. currauya = Strick. 




Pfeil . . . 


L 


burang . . . 


1. polöu. 2. purau. 3. parau. 


Crich.. 




IL 


preo 


upreu. 6. pereü. 9 ) Ar. 1: 


purrau. 




m. 


peUu 


Ar. 2: parau. 




Keule . . . 


IL 

in. 


täi-ke 






Blasrohr . . 


n. 

in. 


curd .... 

kul'i 


1. kora. 




Giftpfeil . . 


m. 


kih't-ud . . . 


1. kunga. 





1) Fremdwort aus der lingoa gerat (Tnpi). 

2) Macuti (Im Thnrn): perrow. 



Mmkntcbf und WapischÄna. 



Köcher . . IL 
HI. 

Pfeilgift . . IL 
Iü. 

Samaümaseide III. 



preo 



Dolch . . 
Angel . . 

Angelschnur 
Gewehr 



Schrot . . . 

Schamschürze 

der Frau 
Hut. . . 

Gewebe 
Hemd . . 

Beutel . . 

Sandalen . 
Ramm . . 



EL 

I. 

n. 
n. 

L 

II. 



Doppelläufiges 

Gewehr. . II. 
Pulver ... L 

n. 



cumhd ... 1. urali. 

kumataua, urdli 

teu-nf 

panachicd 

konoin . . 

conöe 

conde-ipü . 

akaruschd . 

aracabu$ä 

(Port.) 



4. murani. 



4. conoi. 5. counoe. 

5. counoe youa. 

1. arca buza. 3. arakabusa. 5. ara 
gaousso. 6. aracapucä. Ar. 2: ara- 
kabusa. 



[. 

IL 

IL 

L 
IL 

IL 
IL 

IL 

n. 

L 

IL 



Tanztrommel 


IL 


Flöten . . . 


IL 


Tanz . . . 


IL 


Fest . . . 


IL 


Cachaca . . 


IL 



aracabufä munui 

uburd ... 3. cruwora, crubora. 4., Ipur., Crich.; 

crubrd curberä. 5. couroubera. 6. curupra. 

Ar. 2: cruwora. 
birotö ... 3. piloto. 5. piloto. 6. pirohto. Ar. 2: 
pirotö piloto. 

Tnocd . ... 1. montsä. 3. mosa. 

arö . . . . 1. alo = Kopfputz aus Federn. 

arÖ 

sararicd 

camixä (Port.) 3. camisa — Leinwand. 5. camitcha. 

Ar. 2: camisa = Leinwand. 
pacard . . . Ipur.: pacarai. 
puxazd 

karashirei . . 4. charaicharai. 
saraisarai Fraucnkamm. 

(— pente alisar) 
parcrd 

(= pente fino) 

sampurd . . L zambolä. 
kaikrd, rite 5. icarica. 

uariban 
parixäri 
caui . . . . 5. caoui. 



5. cherechere = 



Familie usw. 

Mensch, Mann II. uire .... 3. worayo. 4. uiry (= rapaz). 6. uararö. 

. 3. pemongkong = Mensch. 4. pemongö. 
Ipur.: pemongono. Ar. 2: pemongkong. 
. 3. hintong, papai = Onkel. Ar. 2; 
hintong = Onkel. 



Leute . 
Mann . 



Ehemann 



IL pemongon 

I. eikitong . 

IL im-hö . 



3. hunyo = mein Mann. 4. inhö. 
Ar. 2: hunyo = mein Mann. 



24 



Koch-Grimberg und Hühner: 



Vater . . . 
Papa . . . 

Mutter, Mama 



Kind . . . 

Säugling . . 

(vgl. klein) 

Sohn . . . 

Jüngling . . 
Bruder . , . 



Schwester 



Weib . . 

Gattin . . 

Mädchen . 

Tochter . 

Greis . . 

Greisin 

Grossmutter 
Häuptling 
Fremder, 
Weisser 

Neger . . 



II. pay (Port.) 

I. papd . . . 

II. papd 

I. mama . . 

IL ckam 

I. tnurei . - 

IL muri 

I, Uchimirikö 



1. päpa. 3. papa. 5. paapaye. Ar. 2: 

papa. 

1. mäma. 3. mama. 4. ichd. /pur., 

Crich.: ichane. 5. maamaye. Ar, 2: 

mama. 

1. mule. 3. mureh = Knabe. 4. mare. 

5. mou. 6. mure. Ar. 2; mureh = Knabe. 



IL Sri 



II. monherepd 

J. mori . 



Schwager . . II. yacö 



I. wiritzi 

IL ourixy 

IL nobui 

IL onompe 

II. manon . 

IL muri . . 

(= Kind) 

IL aketon . 

U. nu?dnton 

II. cöcö . . 

II. tuxaua . 

II. caraiud . 

IL micrö 



1. ommü. 2. imo. 3. imo; humo = 
mein Sohn. Ar, 1: imo. Ar. 2: imo. 
4. maineripy. 5. mouniericoue. 
1. u-i. 3. moyeh = jüngerer Bruder; 
uwi = älterer Bruder. 5. moyi. 
1. lakö = Verwandter. Crich.: yacöbi. 
lpur.: yacö = Verwandter. 5. jacombi, 
yacombi. Crich.: iacono=seinNächster. 
Ipur.: it-acon = sein Bruder. 
1. olitschi. 3. wurisi = jüngere 
Schwester. 4. uararorigy = Schwester 
des Mannes. 5. oui. 

3. whori. 6. uri. Ar. 2: wohri. 

4. manum. 5. amanon. 

1. jen tsi. Ipur.: mure (= menina). 

Ar. 2: itense. 

1. indongon. 3. ündongkong. 4. aqui- 

tum. 5. aqueton. Ar. 2: ündongkong. 

3. nosandong. 4. nosondon. 5. non- 

santon. Ar. 2: nosandong. 

1. köko. 3. okoko. Ar. 2: okoko. 

5. touchae. 

4., Ipur.y Crich.: caraiud. 



Medizin, Religion. 



Zauberarzt . 
Krankheit 
Tabak . . . 

Tabakpfeife . 
Schnupftabak 
Gott . . . 



II. piassan . . 

I. ent 

I. kaioei . . 

TT. caude 

I. beikbä . . 

I. keaunimd 

IL tupan, papäe 



3. piai. 1 ) 

3. kawai. 4. cauai. Crich.: cauiai. 
5. caouaye. Ar. 1: kavai. Ar. 2: kawai. 

4. paipä. 



1) Maoni (Im Thuro): peartsan. 



MakuBeM und W&piachÄna. 



25 



Gespenst . 



Name . 
Schlaf . 

Katarrh 



I. kaneimäng 
II. canaime' 



IL aize 

L wetung 

II. aiü tum 

I. atum 



3. kanaima — Gespenst, heimlicher 
Mörder. 4. canaime; Ipur., Grich.; 
canayme « Feind. 5. canaeme =» heim- 
licher Mörder. 

schlafen: 4. iuetum; Ipur.: uetunu. 
Grich.: uietunu. 



Säugetiere. 



Affe ... I. wakrd 

Brflllaffe . . I. araftd 

(Mycetes spec.) 
Anderer Affe, 

schwarz L 

Fledermaus . I. 

Jaguar . . I. 

(Felis Onta) IL 



5. youareka. 
3. arauta. 



schwarzer 

Jaguar . . II. 
Hirsch ... L 

(Cervus spec.) II. 
Fischotter . I. 

(Lutra spec.) II. 
Tapir ... L 

(Tapirus americ.) 
Capivara . . I. 

(Hydrochoerus Capivara) 
Paca (Coelo- I. urand 

genys Paca) IL 
Aguti (Dasy- I. 

procta Aguti) II. 
Wildschwein I. 
Taitetu 

(Dicotyles torqnatus) 
Grosser Ameisen- 
bär . . . » L tamand 

(Myrmecophaga jubata) 



weitiri 
marabd . . 
keikusi . . 
caicuxy, 
caicüxy-arärimennun 



4. marapä. 
1. kaikuschi. 



4. caicuchy. *) 



caicüxy-arikUm 
weikin, weiking 
uaiquim 
kurard . . . 
turard 
weird 

warui 



uranna 
akuri 
sucuri 
puinkd 



1. yai galimän. 

1. waikin. 5. ouaiki. 

4. turarä. 5. trouara. 

1. wuaila. 4. oira. 



1. schippale. 



3. acouri. 

1. pengöu, paingöu. 3. poinke (= Di- 
cotyles labiatus Cuv.). 4. puinguy 
(— Schwein). 

3. tamanua. 



4. paca. 



Pferd . . . 


L 


tauari . . . 


3. cavari. Ar. 2: cavari. 




IL 


cavari 




Kuh, Ochs . 


I. 


vakd .... 


1. pacca. 3. vacca, bacca. 




n. 


yakä 


Ar. 2: bacc». 


Hausschwein 


i. 


purkü (Port.) . 


3. puenka. 4. puinguy. 




IL 


pingaimon 





1) Manui (Im Timm): kaikoosi. 



2G 



Koch-Grfinberg und Hübner: 



Hund ... I. 


eimarakd . . 


1. alimalaga. 2. arimaragha. 3. ari- 


IL 


aremeracd 


maragha. 4. arimaraeü. 5. arimerac. 
Ar. 1; arimaragha. Ar. 2: arimarahga. 


Katze ... I. 


pschianä . . 


4. pichand. 


IL 


pucannd 




Maus ... I. 


tceimü . . . 


4. uaimum. 


n. 


aimum 




Ratte (Hespero- I. 


urari 




mys spec.) II. 


prid 




Gürteltier . . I. 


keikä . . . 


1. kaikän = grösseres Gürteltier. 


(Dasypus spec.) 








V 


ögel. 


Vogel ... I. 


toron . . . 


4. taron, toron. 


IL 


toron 




Ei ... . I. 


orumbumiu 


Ipur.: imu. Crich.: imuin. 


IL 


pumüe 




Arara ... L 


kararawä . 


1. kalabavä. 3. cararauma(Macrocercus 


(Macrocercu8 spec/ 


) 


Ararauna). 


Periquito . . I. 


tiriki 




(Psittacula) 






Papagei (Psitta- I. 


orokei . . . 


1. oroke. 3. worokeh (= Psittacus 


CU8 spec.) IL 


oroqui' 


spec). 4. oröquy. 


Mutum ... I. 


baut .... 


1. paui. 3. powis (= Crax alector Lin. 


(Crax spec.) 




Temm.). 4. pauhy. 5. paouiche. 


Jacü ... I. 


oklei 




(Penelope marail) 






Urubü (Cathartes I. 


Umei .... 


Crich.: uatu. 4. uatunae. 


spec.) IL 


uati/ 




Ente ... IL. 


uaio7/)hä . . 


1. mainii. 3. mairva (= Carina moschata 


(Anas spec.) 




Flem.). 4. maiuä. 


Taube . . . IL 


aaicuä . . . 


1. vacücä. 3. \\akauka (= Columba 


(Columba spec.) 




rutina Temm.). 4. macucd. 


Hahn, Huhn . I. 


gariwind . . 


1. kalivina. 3. cariwina. 4., Ipur.' 


IL 


carivinan, 


cariunä. 5. galignanare. Ar. 2: cari- 




cariuinan 


wina. 


Küchlein . . I. 


gariwina-muri 




n. 


carivinanmerique 



Fische, Reptilien. 

Fisch ... I. mord .... 1. molo. 4. moro. 5. moro. 

IL mörö 

Schuppen . . I. moro-bikuljd 4. moropitu. 

IL mörö-tipipi 

Gräte ... I. dekü 

Rochen (Raya) I. sipari ... 4. chipare. 

IL chipare 



Hftknicbf and W»pi8china. 



27 



Snrubim . . IL 

(Platystoraa spec.) 
Piranha (Serra- I. 

salmo spec.) II. 
Alligator (Croco- I. 

dilua sclerops) IL 
Kleiner 

Alligator . IL 

(yacare min') 
Tartaruga(Emya I. 

amazonica) . II. 
Tracajä . . IL 

(Emya Dumeriliana 
Jabuti (Testudo I. 

tabulata) IL 

Schlange . . I. 

IL 

Klapperschlange I. 

Sucuryü . . I. 

(Boa scytale) 
Frosch ... I. 

(Rana spec.) 
Eidechse . . II. 

(Lacerta spec.) 
Leguan . . I. 

(Igaana) 



ararimenun 

arei 
arde 

kuratü . . 
curatü 

aturi 

taregard 

uarard 

taricazd 

) 

oramuri . . 

uadamuri 

ukui 

cot 

kasäk 

ui 

buretkü . 

mattö 

iwö 



1. kolatü. 4. curutü. 



1. wuararu. 4., Ipur., Crich.: uarara. 



1. alamoli. 4. uaramory. 



4. peretucu = Kröte. 



Niedere Tiere. 

Ameise (For- I. tnikd .... 4., Ipur., Crich.: miquy. 
mica spec.) IL mincd 
Termiten (Ter- I. mund ... 4. munä. 



mes) 
Pium . . 

(Simulium) 
Fliege . . 
Biene . . 
Honig . . 



IL monnd 
I. nungfai 



I. eure 

L uang .... 3. wang. Ipur.: nanin. 

I. uanukä ... 3. mapa. 4. nd. Ipur.: uania. Crich.: 

II. uam uanim. 

Schmetterling I. toakdn . . . Ipur.: uacäo. Crich.: uacaparo. 

Lans ... L ardng 

(Pediculus capitis) 

Spinne. . . L arai .... 4. marohy. Ipur., Crich.: arai. 
(Aranea spec.) 

Krebs ... I. mahuei 
(Cancer spec.) 



28 



Koch-Gronberg und Hfibner: 



Pflanzen. 



%e% . . 

ihei 

uharei 

rare 

jard 

tekü 

denabö 

pipi 

diarikü . 

debelü 

bari . , 

pary 

annei 

ande 

puntschd 

uschei 

Heere 

ekei . 

öhi 

üjuei . , 



Baum ... I. 

n. 

Blatt ... I. 

n. 

Wurzel . . I. 
Dorn ... I. 
Schale, Hülae I. 

n. 

Blüte ... I. 
Frucht. . . I. 
Gras ... I. 
IL 
Mais (Zea Mais) I. 
II. 
Maispfianze . I. 
Mandioka (Maui- I. 

hot utüissima) II. 
Farinha . . I. 
(Mandiokamehl) IL 
Beijü ... II. 

(Maudiokafiaden) 
Kascbiri . . II. 

(gegorenes Getränk) 
Maiskaschiri . II. anae-icou 
Mandioka- 

kaschiri . II. 
Batatenkaschiri II. 
Bananenkaschiri II 
Banane (Musa I. 

sapientum) 
Batate (Batatas 

edulis) 
Inyaine, Card 

(Dioscorea) 
Pfeffer (Capsi- 

cum) 
Miriti-Palme . 

(Mauritia flexuosa) 
Assai-Palme . II. 

(Euterpe oleracea) 
Andere Palmen II. 

n. 

ii. 



Holz: 1. jei. 2. yeh. 3. yeh. 1 ) 4. iehy. 
Ar. 1: yeh. Ar. 2: yeh. 



3. yariko. 4. iarembu. Crich.: iarete. 

4. teberu. Tpur.: eteberu. Crich.: teberu. 
1. wuanä. 



II. 
I. 

IL 
I. 

I. 

n. 

IL 



paruru-icou 
barurü . . 
parurü 

sd . . . . 

ad 

kard 



pimt . . 

pimin 

cudi 

assai-ir *) 

mon-ie 
mrimpa-ie 

uxuro-ie 



1. anai, anain. 4. amaim. Ipur.: anain. 



1. küpe = Mandiokawurzel. 3.kuissera 
= Cassadawurzel. 4., Ipur.: quisse. 
1. ekei, bejri. 4., Ipur.: uhy. 5. oui. 
(Jingoa geral: ui). 
1. ekei. Tpur.: iquey. 5. quei. 



pracariy icou . 4. uicö (= Aguardente). 



sabüro 



8U-ICOU 



l.balurü. 3. paruru = Pisang. 4.paruru. 
5. parourou. Ar. 2: paruru = Pisang. 
1. tsä. 3. krisa = Yams. 4. saha. 
Ar. 2: krisa = Yams. 



4. prini. 



1) Maciui (Im Thurn); ye. 

2) ie = Baum. 



Msknschf and W*pücbÄn*. 



Bonne ... I. 


umatd . . 


. 4. cumiisaa. Ipur.: ucamussä. 


n. 


acupucki 




Zuckerrohr . L 


kairucu . . 


. 3-, Ar. 2: kaiwaraquima. Ananas 


(Saccharam IL 


caiudrd 


kaiwara. 


officinarum) 






ürukü ... I. 


uruku 




(Bixa Orellana) 






Kürbis. . . I. 


kajumä 




IL 


caiuman 




Kalabasse I. 


bischd . . 


. 3. pitscha. 5. picha. 


n. 


aricapä 




Tixnbö . . . L 


konojuä 





(Panllinia spec.) 



1 . . 



? . 



3 . . 



4 . - 



5 . . 



6 . . 



7 . . 



8 . . 



9 . . 



10 . - 



I. 

n. 

ra. 

i. 

IL 

m. 
i. 

IL 

nr. 
i. 

IL 

m. 

i. 

IL 

m. 

i. 
n. 
m. 

i. 

IL 

ni. 

i. 
n. 
m. 

i. 

IL 

III. 

I. 

IL 
HL 



Zahlen. 



2. tiwing. 3. tiwing. 4. tiuim. 1 ; Ar. 1: 
tauking. Ar. 2: tiwing. 

2. sakene. 3. sakene. 4. sagane. 
Ar. 1; atsakane. Ar. 2: sakene. 

2. eserewa. 3. eserewa. 4. siruane. 
Ar. 1: itseberauwani. Ar. 2: eserewa. 

3. asakrepanna. 4. sacrere. Ar. 2: 
asakrepanna. 

3., Ar. 2; mia eteukeug. 4. raatiquim. 



tiicinhang . 
tiuinan 
tiwin 

sakrenang . 
sacanen 
sdkane 
tschurunang 
suruanen 
teeuluanö 
sakrerei . . 
sacrM 
säkelele 
miatekenang 
meatoikim 
mid-etekin 

miabiatumate . 3., Ar. 2; tiwing mia pona timotei. 
tiuinan-tamoutai 4. seuraburantiuiu. 
tiwhniaponä 

tumati-sakunei . . 3., Ar. 2: sakene mia pona 
sacanSn-tamoutai timotei. 4. soaraburancaquene. 

tiwimiaponä-sakantf 
juaruneüumatei . 
suruanin-tamoutai 
tiw imiaponä - tst'uluane 

8akretumatei ... 3., Ar. 2: asakrepanna mia pona 
sacrM-tamoutai timotei. 4. asacrere. 

ttw'imiaponä- säkeleie 

miatamanurei S.,Ar.2: mia tamenaure. 

tiuinan-meatanmeabranamanre 4. tamainaureron. 
mia- tame-naueh* 



3., Ar. 2: eserewa mia pona 
timotei. 4. eeuraoyrie. 



1) Macuai (Im Thurn): tewoon. 



30 



Koch-Grfioberg und Höbner: 



11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 



20 . 

eine Haud . 

beide Hände 

wenig . . 
viel . . . . 

halb . . 
voll. . . . 
alles . . 
der Erste . 

allein . . 



I. ubanutumaUi . 3., Ar. 2: tiwing pu pona timotei. 

I. ubanutuaaionei 3., Ar. 2: sakene pn pona timotei. 

I. suruanei . . 3., Ar. 2: eserewa pu pona timotei. 

I. sahrerei ... 3., Ar. 2: aaakrepaiina pu pona timotei. 

I. jateking ... 3., Ar. 2: pu eteukeng. 

I. jatumunarei 3., Ar. 2: tiwing pu ratoi pona timotei. 

I. utumunarei . 3., Ar. 2: sakene pu ratoi pona timoCei. 

I. Ijinkei . . . 3„ Ar. 2: eserewa pu ratoi pona timotei. 

I. tukanküng . . 3., Ar. 2: asakrepanna pu ratoi pona 
timotei. 

I. tiarubanatumatei 3 , Ar. 2: pu tamenaura. 4. tiuim- 

pemongon (= 1 Mann). 

I. uenhd 

IL enzd-Huinan 

I. aakrenei 

IL enzü-sacanen 

I. mararei . . . 

I. kureinang . 

II. teucam 
I. araktd . . . 
L intabokurei 
I. tamaamarei 
I. temanjö, demanjö 

I. ti/rinhdng . . 



3. maranne. Ipur : mararuin. 4. pararü. 

3. toukö. Ipur.: tucan. 4. curenä = 
dick. 

4. araquitd. 

3. tamaneure. 

4. tiuinan. 



ich . . 

du . . 

er, sie . 
wir zwei 

(ich und 
wir zwei 

(ich und 
wir . . 

(ich und 
wir . . 

(ich und 
dieser . 
jener . 
selbst . 
andere . 



mein Bogen . 



du) 
er) 
sie) 
ihr) 



I. urei . 

II. öre 

I. amarei 

IL amanre 
IL 



Pronomina. 
. . 3. hure. 4. ure. 5. oure, youre. 6. ure. 



. . 3. hamore. 4. 
6. amare. 
sere .... 3. misere. 
I. ureirakramarei 6. urenucon. 
IL ore-amanrt! 
II. ore-seri 

II. ore-teri 



amere. 5. amanre. 



IL ori-amanre 

TL teri . . 

IL sr'nin 

IL inan 

I. kierung . 

II. tiaron 

I. ujurubei 

IL ore-urapd 



Ipur.: merere. Crich.: myre. 



4. tiarum. Ipur.:\ax6. CHcA.-'iarum. 



4. ure = mein. 



Makosehf and Wapischina. 



31 



dein Bogen . I. ajurubei 

IL amanri-urapd . 4. amere = dein. 
nnser Haus . I. ueinikong 



Adjektiva. 



gross 



klein . . 



hoch 

tief - 

lang 

breit 

fett . 

mager 

schwer 

lcächt 
alt . 

jung 



rund 
kalt. . 

warm 
trocken 
nass 
verfault 
krank . 
tot . . 

blind . 
taub 
stumm . 
lahm 
schwanger 
gut . . . 



klug . 



L 

n. 
i. 

IL 

I. 
I. 
II. 
I. 
I. 
L 
I. 

L 
I. 

IL 
I. 

IL 
I 
I. 

I. 
I. 
L 
I. 
I. 
L 

L 

I. 
I. 
I. 
I. 
I. 

n. 



i. 



uretnang, 

kureinäng 

curenan, ocae, 

tanö 
Uchimirikd . 
aximeriqui 

uitchang 
tunewang 
aminguc 
aioenei . 
keiiwang 
krawawang . 
muknei . 

laka, laku 
makuibd 

aktton 

imonhoribä . 

manon 
litiribang 
k&ming . . 



3. okai. 4. ucahy. Ipur.: ocai. Crich. 
tanö. 4. curenä = dick. 5. ouacal. 

3. aimirikö. 4. miriquy. Ipur., Crich.: 
chiriquy. 4. chemeriquy. 5. chimerica. 
chemerica. 

4. cussambe. 

4. aminga = weit. 

4. Crich.: auene. 

4. caiuä. Ipur.: icaihiuanö. 

4. carauapa. 

4. amuine. Ipur.: amuine. Crich.: 

itamuine. 

4. aquitum. 5. aqueton. 

4. maineripy. 5. mouniericoue 

(= Jüngling). 

4. manum. 5. amanon (= Mädchen). 

3. komi, komükke. 4. comiquy. Ipur.: 
icomitecä. Crich.: nicomitai. 
3. hauen. 4. ane. 



3. asamanda = der Tod einer Person. 

4. samandä = sterben. 



ane . . . 

k&nobing, konobim 

eikü 

dktata 

komingaahuei 

asamantd, . 

azamang&a 

tcnubang 

panabang 

imeimubang 

uiweikisd 

weimakuri 

mori .... 3. wakui. 4. uaquibe. Ipur.: uaquipe 

uaque CWcÄ.;uaquercpe. hübsch: 4. uaquebe 

Ipur.: uaquebe. Crich.: uaquerebo 

5. ouaqui. 
buning 



Koch-Grünberg and Hftbner: 



dumm . 



schlecht 



I. bakö 

II. Haripd 

L aravribäng 

IL macuipä 



3. öripö. 



tapfer . . . 


I. 


wimarukinang 




feige . . . 


L 


debsing 




. 




Farben. 


weiss . . . 


I. 


eimutung . . 


3. airaatong. Ipur.: aimutum. 4.aimuna. 




n. 


aimutun, 

aimutum 


Crich.: aimonä. 5. almoutou. 


schwarz . . 


i. 


likutung . . . 


3. rikotong. Crich.: aricuna. 4. uricona. 




ii. 


arikton 


Ipur.: uriquitum. 5. ricoutou. 


dunkel . . . 


i. 


hcarong . . . 


4. iuaron. Ipur.: iuarupy. Crich.: 
uarupy. 


schmutzig 


i. 


bürurü 




rot ... . 


i 


itschuhü . . . 


3. tschuyai. 4. chuihu. 4. chiuhihu 




IL 


Uchuiü 


= gelb. 


blau . . . 


I. 




3. rora — grün. 


grün . . . 


I. 


mäsarung 




gelb . . . 


I. 


emutschd 








2 


eit. 


gestern . . 


I. 


ömambord . . 


3. komompra. 4. comamburd. 




n. 


amonbrd 


5. coamouya. 


vorgestern 


i. 


memkomambarä 


3. uminikomompra. 4.minicumamburä. 
Ipur.: miniconnamburd = gestern. 


morgen . . 


i. 


binanei . 


3. ewanue. 4. penane. 5. pinani. 




IL 


pennanen 




übermorgen . 


I. 


iraronbinanei . 


3. ewaneire, ewanoerong. 




IL 


■penanere 




heute . . . 


I. 


seleribei . 


3. sererope. 4., Ipur.: sererepe. Crich.: 




IL 


sfohefe 


sereuarö. 5. tchereouare. 


immer . . . 


L 


m'tberei . . . 


Ipur.: inepare. Crich.: inepore. 


jetzt . . . 


I. 


arawei . . . 


3. asirewai = bereits. 4. sererepe = 

heute, jetzt. 


sogleich . . 


I. 


ukaomong 








Or 


t U8W. 


hier . . . 


I. 


ceptd .... 


3. seni. Crich.: ene = hier ist. 




IL 


senfri, si'nin 




nahe . . . 


I. 


amikamarei 


4. mingaum. Crich.: minchabord. 




II. 


amingur-prd 
(ygl. lang) 




dort .... 


I. 


Uchimptd . . 


4. chimbeta. Ipur : chimbatd. 




II. 


aximutd 





Makuschf and Wapischina. 



33 



fern . . . 


I. 


aminkei . . . 


4. amingä. 




n. 


amingui (= lang) 


dorthin . . 


i. 


UcMngkard 






n. 


aenin-monni • 




vorwärts . . 


i. 


emeibi 




rückwärts . . 


i. 


ibakorei 




vor . . . . 


i. 


inatabund l ) 
(vgl. „oben") 




hinter . . . 


L 


imboinati 




oben . . . 


I. 


iboribund . . 


3. pona = darüber, darauf. 4. ipona 






(vgl. „vor") 


Ipur.: nonobonä. 




TL 


anungue 




über . . . 


IL 


ipcamä . . . 


4. caniroa. 


anf ... 


, IL 


ipcamd-anungui 


* 


unter . . 


I. 


tokoi .... 


3. toko. 4. itocö. Ipur.: ioeö. Crich. 
iocono. 


aussen . . 


I. 


orobunatebakai 


Ipur.; teipunan. Crich.: auipunä. 


innen . . 


I. 


itd 




ja ... . 


I. 


ind .... 


3. üna. 5. igna. 




n. 


inan, inan~ioia 








inan-nibi 


• 


nein . . 


i. 


kand .... 


3. kani. 4. cane. 




IL 


canen 




vielleicht . 


i. 


inau-ti . . . 


4. inarezy. Ipur.; inanequv. Crich. 



manaquemy 



Yerba. 



arbeiten . . 


I. 


senakamd 




atmen . . . 


I. 


uetibuschinaku 




aufstehen, sich 


1. 


emutsakd 




erheben 


IL 


emusdquc 




beiwohnen, 








begatten . 


IL 


acenupai 




binden . . . 


IL 


euatque 




brennen . . 


L 


aranabuid-apoke (apo-ke = Feuer mit). 




(mit Feuer) 


IL 


ereumutdy arautd 




bringen . . 


I. 


tavararunhunhd 




essen . . . 


1. 


entemunkdn 3. entumakan, yane. 4. 


itamocä 




IL 


entammocai Ipur.; itamocamim. Crich : 
mdtöbe, serM 


untacano 


fliegen . . . 


I. 


toron-ahivomdn 
(torou = Vogel) 




fliessen . . 


I. 


apdru-und 






IL 


ecatungu« 




fürchten . . 


I. 


aranebewuei . 3. napowai = ich fürchte. 





1) Vielleicht: eunata, in ata = Tür: bona = vor: vor der Tür. 
Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1908. Heft 1. 



34 



Koch-GrQnberg und Hühner: 



gähnen . . I. 
geben ... IL 
gehen ... I. 

IL 
gTeifen . . I. 

II. 
haben, besitzen II. 
hauen, schlagen I. 



hören . . . 
Hunger haben 

husten . . 

kauen . . 

lachen . . 

leben . . 

malen . . 



mahlen . . I. 
nähen ... I. 
niesen ... I. 
pissen ... I. 
reden, sprechen I. 
II. 



riechen . . 

ruilern . . . 
rufen, herbei- 
rufen 

sehen . . . 

sitzen . . . 

schlafen . . 

schmecken, 

kosten . . 

schleifen . . 

toten . . . 

trinken . . 

sich umwenden 

wachsen . . 

weben . . . 

weinen . . 



I. 

I. 

I. 
II. 

I. 
IT. 

I. 
I. 

IL 

IL 

I- 

I. 

II. 

I. 
II. 

I. 

I. 

I. 

I. 



entabimd 

anique 

uti . . . . 

miari 

atabischuid 

apique 

moroman 

abatuid 

uikuid 

ementibantd 

atumbanawi 

sakansakantavid 

utschitschi . 

eneruiä 

emenukuid . . 

taimenid 
itschibumanid 
eseschunikd . . 
uschutabuite 

seruimd . * . . 
conen 

ibunukuiä 
ikuranid . . 

ganoid . . . 

zapoman 

cremanid 

areman 

eretusd . . 

uetün 

anucuton 

uaqur, nenen . 
ipokaniä 
uiabuid-bomd . 
ereucii 

enarbuid 
enincd 

enabö 

arimamd 
kabuin 
kararü . . . 



3. asere. ute = ich gehe. 4. uten. 
Ipun: iare. Crich.; miaca. 



4. minapanzä. 



3. sisi. usissi = ich lache. 4. ichichi. 

4. semenungä. Tpur.: semingai. Crich.: 
nessemengaiä. 

3. esunasika. 

3. seropang = plaudern, esorema = 
sprechen, essirama = ich spreche. 

4. siaruma. 

4. icuraquy. Tpur*: ecurä. 
3. yannoya = ich rufe. 



3. erauta. 

3. wedong. 4. iuetum. Ipur.: uetunu. 

Crich.: uietunu. 

Ipur.: uaquy. Crich.: uaquery. 
Crich.: paman. 

3. ycnuri. 

4. uenabö. Ipur.: auinihd. Crich.: 
uinahä. 



4. ucarao. Ipur.: caraquine. Crich. 

nacarauatdi. 



werfen ... I. enumanhud 



Makotcbi und WapüchÄoa. 



35 



wollen . . 



zählen . 
zeigen . 
ziehen . 



vorwärU! . . 

rasch! . . . 

geschwind ! 

ich gehe mit 



IL 



I. 

I. 

I. 
IL 

I. 
IL 
IL 



acemman 



ikubuid 
ikarimekuiä 
ücorkuiä . . 
zamuque 
miari tmUambei 
miareman 
canibambe . . 



5. tou semanan? = willst du? 
semanan? = was willst du? 
semanan = ich will es. 



etou 
you 



4. imocä. 



Crick.: 



meinem Freunde 



ich schneide mit meinem Messer 



Jpur.: iamocaquy. 
mocaquy. 

OtcA.;miacä. Tpur.; iare. 5. tambalste 
= geh' weg! outambalman = vorwärts! 
4. canebe = Eile haben. 5. cane 
bampoue = mach' schnell! 
I. atarakreuti. 
II. miareman amanri euti, 
ore miare amanre egue *) 
I. ketori kata teuia 



B. Wapischäna. 

I. Aufgenommen von Georg Hübner in Manäos. Rio Branco, August 1903. 

IL Aufgenommen von Dr. Theodor Koch-Grünberg mit Wapischäna 

vom Rio Branco. Manäos, Mai 1905. 



Zunge 
Mund 
Lippen 
Zahn 
Nase . 



Nasenloch 

Auge 



Ohr 



Loch im Ohr- 
läppchen 
Stirn . . . 



Körp 

I nenüba . 

IL nenüba 

I. unddko . . . 

IL ndakumüte 

I. undakumddo 

IL ndakumdte 

I. unddko . . . 

IL nddku 

I. uniribe . . . 

IL uiribi 

I . uniribe-javare 

L oaöne . . . 

IL uquuene 

L udeine . . . 

IL ntdin 

I. udeine-kadein 

I. unddvo . . . 

IL ntdu 



erteile. 
2. nenoube. At.2: oninuh. 

1. untaghu. 2. mbacou. 3. undaco. 
At. 1: otaghu. At. 2: otaghu. 

2. dacoumade = Schnurrbart. At. 2; 
oteri. 

3. uedaco. At. 2: ohetagh. 

1. ungwiitippa. 2.ouenedebe. 3.uetebe. 
At. 1; ehipe. At. 2: ohipe. 

1. ungwawhen. 2. ouaoueune. 

3. uauaine. At. /.: wawanumte. At. 2. 
wananumte. 

2. mta'in. 3. untaine. At. 2: utainri. 



At. 2: untau. 



1) „egue" = portugiesisch: Camarada. 



36 



Koch-Grünberg und Hfibner: 



Kopf 



Kopfhaar . 

Augenbrauen 
Augenwimpern 
Bart . . . 

Schamhaar . 
Wange . . 
Rinn . . . 
Schulter 
Arm . . . 



Ellbogen 
Hand . . 

Handrücken 
Handfläche 
Finger . . 

Daumen 
Fingernagel 
Bein . . . 



Unterschenkel 



Knie 



I. 
U. 

I. 

IL 

I. 

I. 

I. 
II. 

t 

I. 

I. 

I. 

L 
IL 

I. 

I. 
IL 

I. 

L 

I. 
IL 

L 

I. 

I. 
IL 

I. 
IL 

I. 



FU93 . . . 


r. 




IL 


Fussrücken 


I. 


Sohle . . 


I. 


Ferse . . 


I. 


Zehen . . 


I. 




IL 


Zehennagel 


I. 


Hirschhuf . 


L 


Körper . . 


I. 




H. 


Leichnam . 


L 


Hals . . . 


T 




IL 


Nacken . . 


I. 


Kehle . . 


L 


Achselhöhle 


I. 


Schulterblatt 


I. 



unrudl . 
nrude 

rueire 

m*udüi 

undedidbe 

undebidu 

undHio . 

ntfriu 

unjamiräu 

kaurü 

undai 

uaudd , 



1. unruai-aitana. 2. nrouare. 3. unruai. 
At 1; unruai-eterna. At. 2: uru-ei 
eterna. 

2. nroualri. 3. unruaide. At 2: urie ei. 

2. nditiape. At. 2: ohipaugh. 
2. ndene. 3. undenu. 



. . At 2: uca urtai. 

. . At. 2: u-ettei. 

. . 2. ouaoude. At. 2: untawatta. 

uanubei, uanüba 2. ouanoube. 

uariüba.uantibafrj 

umbuturi . . At. 2: umpatori. 

unkake, unkaki 1. ungwaipanna. 3. unquahe. At 1: 

nfcHe unkuei. At 2: unkuei. 

unkäburei 

unkabdre 

wikdsabikide 

nklteaapekiH 

unkdturasuei 

umbdre . . . 

umküba . . . 

nköba, nHba(e) 

ündabci . 

ntdpae 

unkudüra . 

unkudibe . . 

nkijdtbi 

unkudiburei 

unkudibdre 

unrüda 

unkuribe-iabakide 2. meuesa. At. 2: unkute-sin. 

nked'bi sapekiH 

umbdre 

aimkidibe 

unand 

ndnä 

meidß 

unkund . . 

nkondi- 

unkunä-mdne 

jarardn 

unkushdbu 

unaudo 



At. 2: unkuei-sin. 



2. mbarri. At. 2: unipari. 
2. ncoube. 

'2. ittaba. At 2: unawaire = Beine. 

2. ncoudourre. 

1. unketewi. 2. mquebebe. At. /. 

unkheti. At. 2: unkheti. 



2. mcouna. At 2: ukanei. 



Makoschi und Wapischina. 



37 



Rippen . . . 


I. 


unarde" . . . 


2. nouarade. 


Brust . . . 


I. 


undukurie . . 


2. douconri. 




II. 


nkuiif, n(u)kuiü 




Brustwarze 


I. 


undene 






IL 


ntine, n(u)iene 




weibl. Brust . 


I. 


undene . . . 


2. ndrine. 3. unde 




IL 


ntene, n(u)tene 




Bauch . . . 


I. 


undüba . 


2. ntoube. 




n. 


ntSba, n(u)tÄba 




Nabel . . . 


i. 


undruret 






IL 


nralde^ n(u)ralde 


Seite. . . . 


T 


umburei 




Rücken . . . 


I. 


unarö 






IL 


n(u)bdie 




Gesäss . . . 


[. 


in/caubdu 






IL 


n(u)diumena 




Membrum virile I. 


Ute .... 


2. ntiye. 




IL 


n(u)tie 




Glans . . . 


I. 


dakutdba 




Scrotum . . 


I. 


unkt 






IL 


n(u)kä 




Testikelu . . 


L 


unkeirü . 


2. ouaqui. 




IL 


n(u)ke 




Membrum 


I. 


iwi .... 


2. ioui. 


muliebre 


IL 


tW 




Vagina . . . 


IL 


h(e)ena 




Schamlippen . 


I. 


widenüng 




Clitoris . . . 


[I. 


katenepiiue 




Anus . . . 


L 


undxkiba . . 


2. ndiquiaou. 




IL 


ndikidpe 




Haut. . . . 


I. 


umdda 






IL 


m'ida, m-öda 




Fell .... 


T, 


arumeirokaide 




Knochen . . 


L 


unewiire 






II. 


neuiiri 




Blut .... 


I. 


unreine 






IL 


irei 




Ader. . . . 


T 


unreiniide 




Fleisch . . . 


L 


sardru 






f 


(vgl. Makuzchi 


//)>) 




IL 


ndenii 




Sehne . . . 


I. 


teberetnvde 




Hera. . . . 


I 


unüanäng 




Leber . . . 


L 


unkubä 




Lunge . . . 


I. 


iahene 





1) Vielleicht beieichnet dieses Wort das Fleisch eines Tieres, als Speise. 



38 



Koch-Grünberg nnd Hübner: 



Magen . . 

Darm . . 
Speichel 

Urin . . . 

Schweiss 
Träne . . 
Kot . . . 

Atem . . 
Schnabel . 
Schwanz eines 

Hundes . . 

Schwanz eines 
Fisches . . 

Schwanz eines 
Vogels . . 

Flügel . . . 

Feder . . . 

Flosse . . . 



I. 

I. 

I. 

I. 
II. 

I. 

I. 

L 
II. 

I. 

I. 



umbäte 

unkuri 

raddku 

unrini 

nrena 

umaahike 

urarän 

unduribäni 

ndikie 

uneirudno 

tubard-tdko 



I. ararimei-katewüa 



I. ba thcua 

I. kutueire tiwua 

I. kutueire retebäne 

I. kutueire ketiba 

I. kupuamdde 



1. arimaragha = Hund. 
= Hund. 



2. arimerac 



2. coupae = Fisch. 



Wasser . 

Fluss . 

Bach . . 

Feuer 

Brennholz 

Regen 

Wind 

Donner 

Sonne 

Mond 
Stern 



j. wuane . . 

n. uene 

I. iwa-urt . 

II. uvne 

1. iwa-urjdbe . 

II. uatirt^ape 

I. tketre . . . 

II. t(i)ki?re 

II. luäkare 

II. uyne . 

n. auale 

IL auulcteuir 

ü. gamö . . 



IL gdere . 
II. dikwr 



Elemente und Natur. 

. . 1. tuna. 2. cuene. At. 1; tuna. 1 ) 



2. ouä. 

2. eoua oretsiabe. 

1. tegherre. 2. tiquierre. ALL 2. 
tegherre *) 

2. ouene. At. 2: wüan. 

2. aouarri = Wind; aouacarre = 
Himmel. At. 2: awarre. 

1. kamo. 2. camo. At 1: kamoi. At. 2. 

camoi.*) 

1. keiirrh. 2. ca'iirjt At. 1: keiirhe. 

At 2: kaishc.*) 

1. weri. 2. ouerre. At. 1; watsieirhe. 

At. 2: watsiaire. 



1) Wapiana (Im ThuriO: win. Atorai (Im Thurn): honih. 

2) Wapiana (Im Thurn): tcckari. Atorai (Im Thurn): teekehr. 

3) Wapiana (Im Thurn): kamoo. Atorai (Im Thurn): kamoxh. 

4) Wapiana (Im Thurn): kai-er. Atorai (Im Thurn): kaihr. 



MaknacM and Wapüch&na. 39 



Erdboden . 


. n. 


imifi) . . 


. 1. emn. 2. aimee 


Weg. . . 


. n. 


dendpu . . 


2. denap. 


Berg . . . 


. n. 


mitikiue . 


2. medequeuou. 


Wald . . 


. IL 


kanöku . . 


. 2. canoue. 


Stein . . 


. n. 


keba 





Zahlen. 

1 . . . . II. be(e)<ttpkamu . 1. peiteleppa. 2. baldeoue. At. 1 

peitaghpa. At. 2: paitaghpa. 1 ) 

2 .... II. daitühne . . 1. tiattang. 2. diaetame. At. i 

pauitegh. At. 2: pauitaitegh. 

3 . . . . II. irikinuidä . 1. itikineita. 2. eriquiniare. At. 1 

ihikeitaub. At 2: ihikkaitab. 

4 . . . . II. pomeniedetemekiU 2. paminiare tatnaquiri. At. 2 

pauitaigket. 

5 .... II. bekaitde ... 2. bacaiare. At. 2: wakai ipop. 

10 . . . . II. xpeuakae . . 2. baoucocaede. At. 2: paugh kuba 

wakai. 



Grammatikalisches. 

A. Hakuschi. 

Die meisten Wörter für menschliche*Körperteile haben das Präfix 
„u- tt , das sich auch im Chayma, Akawai, Caribi, Arekuna, Krischanä, 
Fpurukoto, Afajongkong-Makiritdre, Tiverigoto usw. findet und als das ur- 
sprüngliche Präfix der ersten Person Singularis anzusehen ist, 
während andere Karaibensprachen, wie Inselkar aibisch, Galibi, Vayana, 
Bakairi usw. als Präfix der ersten und dritten Person Singularis über- 
einstimmend „i- a (y-) haben. 

Fängt der Wortstamm mit einem Vokal an, so tritt, offenbar um den 
Hiatus zu vermeiden, hinter das Präfix ein B -y- K (-i-). 

u-nü = meine Zunge. 

u-nda = mein Mund. 

u-pupai = mein Kopf. 

u-sipo = mein Kopfhaar. 

u-bita = meine Wange. 

ü-täi = mein Unterschenkel. 

ü-pu = mein Fuss. 

ü-mg = mein Hals. 

u-pröta = meine Brust. 

u-pun =» mein Fleisch usw. 
Dagegen : 

u-y-fpi = meine Lippe. 

U-y-fi = mein Zahn. 

u-y-euna = meine Nase. 

1) Wapima (Im Thurn): bai-dap. Atorai (Im Thurn): baidepah. 



40 Koeh-Grftnberg and Hübner; 

u-y-6nu = mein Auge, 
u-y-epo = mein Bart. 
u-y-6ntha = meine Hand. 
u-y-6mata = mein Bein. 
u-y-^sa = mein Körper usw. 

Entsprechende Formen in anderen Earaibenspracben sind: 

Arekuna: u-ndak 1 ) = mein Mund, u-ta = mein Fuss. 

Chayma: u-mu-r = mein Sohn, u-zan = meine Mutter. 

Caribi: u-puitu ■= meine Frau, u-kure = mein Reichtum. 

Akaicai: u-mure = mein Sohn, u-ndah = mein Mund. 

Krischanä: u-muru = mein Neffe, u-poni = mein Kleid. 

Ipurukoto: u-pety = meine Frau, u-pony = mein Nabel. 

Majongkong: u-nda-ti — mein Mund, o-hutu = mein Fuss. 

Tiverighotto: u-pti = mein Fuss. o-putpa = mein Kopf. 
Dagegen: 

Arek.: u-y-euna = meine Nase, u-y-ena — meine Hand. 

Chaym.: u-y-aguan = mein Herz, u-y-echet -» mein Name. 

Ak.: wi-ahgon ■» mein Bruder, wi-oupu = mein Knochen. 

Krisch.: u-i-ete = mein Zahn. 

Jp.: u-i-e = mein Zahn, u-y-enu = mein Auge. 

Maj.: u-y-enu-ru = mein Auge. 
Andere Karaibensprachen haben als Präfix der ersten Person Singu- 
laris „i-, y- a : 

Inselkar.: i-boutou-li = meine Keule, i-moulou — meiu Sohn, 
i-e-ri = mein Zolin. 

Galibi: i-mota-li = meine Schulter. i-poupou = mein Fuss. 
i-amo-ri = mein Finger. 

Uay. : i-pitpe = meine Haut, i-oure = mein Pfeil. 

Bak. : i-wanata-ri = mein Ohr. y-ena-ri = meine Nase. 
Das Präfix der zweiten Person Singularis ist im Makuschi „a-": 

bipü = Anus, a-pibü = dein Auus. 
Bei vokalischem Stammanlaut wird wiederum w -y-, -j-, -i-* ein- 
geschoben: (u-j-urubei = mein Bogen), a-j-urubei = dein Bogen. 
Ahnlich ist es in den anderen Karaibensprachen: 

Chaym.: a-pta-r = dein Fuss. a-y-acapra = dein Bogen. 

Cumanagoto: a-pana-r = dein Ohr. a-y-ahuan = dein Herz. 

Ak.: a-ndah = dein Mund, a-i-ahgon = dein Bruder. 

Gal.: a-manta = deine Schulter, a-puiti-me c= deine Frau. 
a-y-amuti = dein Sklave. 

Bak.: a-wiri = dein Vetter, a-e-ri = dein Zahn. 
Uay.: a-hema = dein Weg. a-tupi = deine Pflanzung. 
Das Präfix der dritten Person Singularis ist „i-, y- a : 

i-pipe «=» seine Haut; neben: pipe = Haut; u-bipg = meine Haut. 

i-pum = sein Fleisch; neben: u-pufi, u-bung = mein Fleisch. 



1) Alle diese Entsprechungen sind der „Grammaire Comparee des dialectes de la 
Familie Caribc" von Lucien Adam (Paris 1803) entnommen. 



M*kuschi und Wipischin*. 41 

i-pü = sein Fuss; neben: n-pü ■*■ mein Fuss. 

i-embuta" = seine Stirn; neben: embutä = Stirn. 

e-mannan = sein Blut; neben: mang = Blut; MakuschiS: hu-mani 
= mein Blut. 

i-iepelu = seine Zehen. 

j-arata = seine Rippen. 

j-esemü = sein Knie. 

i-tepe = sein Knochen. 

j-ewang = sein Bauch. 

i-tenape = seine Hoden. 

y-imü = sein Hodensack. 

y-£Me = ihre Clitoris. 

i-teta = ihre Vagina. 

y-acö = sein Schwager. 

i-mho = ihr Mann; neben: MakuschiS: hu-nyo = mein Mann 
Dasselbe Präfix finden wir in den anderen Karaibensprachen : 

Chaym.: i-mure-r = sein Sohn, i-y-egut — sein Haus. 

Cum : i-pachi-r = seine Frau, i-maimu-r = sein Wort. 

Ak.: i-mure = sein Sohn, y-ahgon-an = seine Brüder. 

Krisch.: i-ponim = sein Fleisch, y-azemu = sein Knie. 

Ip.: i-ndah = sein Mund, i-auqui = sein Membrum virile. 

Uay.; i-puit = seine Frau, y-atki-re = sein Schwanz. 

Bak.: i-tamu = sein Grossvater, y-unu = sein Blut. 
Das reflexive Possessivpronomen der dritten Person ist im 
Makuschi „t-, ti- a : 

t-eunan = seine Nase; neben: u-y-euna = meino Nase. 

t-inü = sein Auge; neben: u-y-enu = mein Auge. 

t-inü-chipö = seine Augenbrauen. 

ti-ponin = sein Nabel; neben: u-pöni = mein Nabel. boni = Nabel. 

t-euam = sein (reflexiv) Bauch; neben: j-ewang = sein Bauch. 
Entsprechende Formen in anderen Karaibensprachen sind: 

Chaym : ti-zan = seine Mutter, tu-machi-r = seine Sünde. 

Cum.: ti-maimu-r = sein Wort, ti-e-r = sein Zahn. 

Ak.: ti-htah = sein Fuss. t-ahgon = sein Bruder. 

Krisch.: t-epy = sein Knochen, t-una-re = seine Nase. 

Uay.: te-puit = seine Frau, t-ihmo-po = sein Nest. 

Bak.: ti-tamo = sein Grossvater, t-önu = seine Augen. 
Die Suffixe w -ri, -li, -ru, -lu", die in vielen Karaibensprachen zu- 
sammen mit den Pronominalpräfixen den Wortstamm einschliessen und 
nrsprüuglich wohl mit jenen unlöslich verbunden waren, scheinen im 
Schwinden begriffen zu sein. Im Chai/ma und Cumanagoto finden wir sie 
schon reduziert in B -r tt . Das Bakairi hat dieso Suffixe zum Teil schon 
abgestossen. Im Makuschi werden sie überhaupt nicht mehr gebraucht. 

Zunge: Mak.: u-nü. Gal.: nou-rou, e-nou-rou. Uay.: i-nou-re, 
e-nou-rou. 

Mund: Mak.: u-ndä. Caribisi: e-nda-ri. Maquiritäve: i-nta-rri. 

Zahn: Mak.: u-y-ö. Gal, Bak. usw : y-e-ri. 



42 Koch-Grünberg und Hübner: 

Nase: Mak.: u-y-euna. Majonyk.: y-oana-ri. 
Auge: Mak.: u-y-enu. Majongk.: u-y-enu-ru. 
Ohr: Mak.; pdna. Uay.: i-pana-re. 

Hand: Mak.: u-y-entha, enza, enna. Pianogoto: y-ena-ri. 
Das dem Makuschi so nahe verwandte Arekuna hat das Suffix noch 
bewahrt: Arek.: hu-y-eh-re ~ (mein) Zahn, y-enu-ru = (sein) Auge. 

Die selbständigen Personalpronomina „uro, ore = ich, amanre = 
du" usw., aus denen die Personalpräfixe „u- = mein . . ., a- = dein . . ." 
usw. entstanden sind, können auch heute noch als Possessivpronomina ge- 
braucht werden: 

Mak. II: ore-urapa = mein Bogen, amanre-urapä = dein Bogen. 
Die instrumentale Postposition „-ke" in „aranabuid apo-ke = 
brennen mit Feuer" hat das Makuschi mit den anderen Karaibensprachen 
gemeinsam: 

Chaym.: maria-ke =■ mit einem Messer. 
Cum.: equich-ke.= mit einem Stock. 
GaL: butu-ke = mit einer Keule. 
Uay.: maria-ke = mit einem Messer. 
Ak.: t-enza-rri-ge = mit seiner Hand. 
Bak.: püleu-ge = mit einem Pfeil. 

Die Ortsadverbien „inata-bund = vor; ibori-bund — oben; oro-buna- 
tebakai = aussen" und die Zahlwörter der Aufnahme III: „tiwi-mia-pona 
= 6: tiwi-mia-pona-sakane = 7; tiwi-miu-pona-tseuluane = S; tiwi-mia- 
pona-sdkolele = 9" enthalten die Postposition _-buna, -pona = auf, zu, 
nach" cum Accusativo, die wir in anderen Karaibensprachen als „-pona, 
-bona, -oua, -na" wiederfiuden: 

Cum.: top-pona = gegen einen Stein. 
Chaym.: Caraca-pona = nach Caracas. 
Ak. : touk-pona = auf einen Stein. 
GaL: tubu-bona = gegen einen Stein 
Uay.: Atupi-pona = zu Atupi. 
Ip : nono-bona — auf deu Boden. 
Bak. : tü\u-öna = auf den Felsen. 

utotü-na = zum Jaguar, parü-na = zum Fluss. 

Als Imperativformen mit den Suffixen „-ca, -ka, -qne (-ke)" haben 
wir offenbar folgende Wörter anzusehen: 

enin-cd = trinke! ereu-cd = töte! emutsa-kd, einusä-que = erhebe 
dich! euat-que = binde! ani-que = gib! api-que = greife! 

Entsprechende Formen aus anderen Karaibensprachen finden sich in: 
Hübner und Koch-Hrünberg: Die Yauapery a. a. 0. S. 247. 

Über die Erklärung der Zahlwörter im Makuschi vgl. Richard 
Schomburgk a. a. 0. U 3'27: 

Danach heisst hier „pona": „darüber, darauf"; „eteukeng (Mak. III: 
etekin)" = „die eine Hand als Grundzahl"; „timotei (Mak. II: tamoutai)": 
„anfangen", z. B. beim Lesen eines Buches auf der anderen Seite, nach- 
dem die erste vollendet war. 



Mtknschi und Wapiachaim. 



43 



Mak. III: mia-etekih = 5, bedeutet daher: „die eiDe Hand als Grundzahl". 

Mak. III; tiwi-mia-pona = 6: „eins über die Grundzahl". 

Mak. II: tiuinan-tamoutai = 6: „eins fängt an"; d. h. „die andere 
Hand fängt mit einem Finger an"; ein Pinger von der anderen Hand 
wird beim Zähleu hinzugenommen. 

Mak. II: sacanen-tamoutai = 7: „zwei fängt an"; d. h. „die andere 
Hand fängt mit zwei Fingern an"; zwei Finger von der anderen Hand 
werden beim Zählen hinzugenommen, usw. 



Beziehungen zum Tupi: 

inimu, inimun = Faden. 

iacuma = Steuer. 

urdli = Pfeilgift. 

caui = Cachaca. 

tuxaua = Häuptling. 

caraiuii = Fremder, Weisser 

tamand = Grosser Ameisenbär. 

pixannä = Katze. 

uarard = Tartaruga. 

öhi = Fariuha. 

umafd = Bohne. 

kard = Card. 

uruku = Urukü. 



Tupi: inimbü. 

yakumd. 
r uirari. 

v kaui = gegorenes Getränk. 
„ tusriua. 

kariua. 
„ tamandua. 
„ pisana. 

yurnrd. 

ui. 

komanda, komenda. 
„ karä. 

urukü. 



Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass mehrere dieser Wörter 
wohl erst durch die „Lingoa gerat 6 , die Verkehrssprache am Rio Negro, 
in das Makuschi gekommen sind. 



Fremdwörter aus dem Portugiesischen: 

purdtd = Silber Portugiesisch 

kamitscha, camixa = Tuch, 

Leinwand, Hemd. „ 

paratü = Teller, Schüssel. r 

cuierd = Löffel. r 

aporing = Dampfer. 

aracabued = Flinte. „ 

sampurd = Tanztrommel. _ 

mecrö = Neger. 

cavare = Pferd. „ 

vakd, pakd = Kuh, Ochs. „ 

purkü = Hausschwein. „ 

gariwind = Huhn. 



Onomatopöie: 

krikri 



prata. 

camisa = Hemd. 

prato. 

colher (Lingoa geral: 

kuiera). 
vapor. 

arcabuz « Arkebuse, 
tambor. 
negro. 
cavallo. 
vacca. 
porco. 
gallinha. 



Feile. kararawa = Arara. 

tiriki — Periquito. 



44 Koch-Grünberg und Hübner: 

B. Wapischana. 

Fast sämtliche Wörter für menschliche Körperteile haben in Wap. I 
das Präfix „un- a , in Wap. II das Präfix „n- u oder seltener „n(u)- a . Das 
erstere Präfix findet sich auch in den Wapüchdna- und Atarax- Wörtern 
Schomburgks und des Brasilianers Grupe y Thode, das letztere in 
der Wapischäna-Aufnahme Coudreaus. Wahrscheinlich handelt es sich 
um dialektische Unterschiede. Alle diese Präfixe stellen nach Analogie 
anderer Aruaksprachen unzweifelhaft das Präfix der ersten Person Singu- 
laris dar. 



2. Die Erfinder der Eisentechnik 1 '. 



Von 
Waldemar Beide- Frankfurt a. M. 

leb muss zunächst noch einmal auf die Diskussion ZU iii'k kommen, 
die sich an meinen am '26. Januar H»07 über diese Frage ge- 
haltenes Vortrag (vgl- S. 334—381 d. Z.) geknüpft hat, und zwar zu eiuoiu 
Teil deswegen, weil in der gedruckten Diskussion manches enthalten ist, 
was meine Herren Gegner seinerzeit müudlich nicht vorgebracht haben, 
worauf ich ihnen also auch nicht gut antworten konnte. Andrerseits aber hatte 
ich in meinem Vortrage manche Punkte, bo z. B.. die Chalyber-Frage, recht 
ausführlich erörtert, sie aber späterhin vor der Drucklegung auf ausdrück- 
lich"!! Wunsch der Redaktion unserer Zeitschrift vom Druck zurück- 
gestellt lediglich der Raumersparnis wegen. Da in d*>v Diskussion aber 

I« diese in meinem Vortrage, wie er jetzt gedruckt vorliegt, weg- 
gelassenen Abschnitte ausführlich erörtert und an sie von Herrn 
Blankenhorn z. B. mancherlei Schlußfolgerungen geknüpft worden sind, 

D ich nicht zustimmen kann, so werde ich nicht umhin kouuon, diese 

Lhraogeu jetzt nachzuholoa. 

Vorerst möchte ich nochmals mit allem Nachdruck wiederholen (ver- 
e S B43, Absatz 4 meines Vortrages), dass es sich bei der von mir 
teilten Untersuchung um die „Erfinder der Eisentecbn ik w bandelt, 
nicht aber etwa darum, ob vielleicht diesem oder jenem Volke hin und 
einmal ein Stück Eisen zufallig unter die Hände geraten sei, sei 
e* infolge einer gelegentlichen, vereinzelten, rein zufälligen, also 
nicht abaiehtlich herbeigeführten und auch nicht absichtlich wieder- 
holten Erzeugung von Eisen odor selbst Stahl, oder sei es durch 
gelegentlichen Import aus anderen Ländern. Denn es ist selbst- 
verständlich, dass im logischen .Sinne meiner Frage nur demjenigen Volke, 
re«p. desjenigen Völkern die Ehre der Erfindung der Eisenteehuik zu- 
pm hriebeo werden kann, denen nicht nur gelegentlich einmal und zu- 
lig die Herstellung des Eisens aus seinen Erzen glückte, sondern die 
eine auf Erfahrung und Wissenschaft beruhende, regelrechte, mich be- 
■timfOteB Methoden arbeitende und de in gemäss auch vom Zufalle so gut 
ie unabhängige Fabrikation dieses Metalles besassen. 

U onn also auch z. B. nachgewiesen werden würde, dass die Griechen 
schon um 1200v. Ohr- Eisen gekannt hatten, ohne aber zugleich es selbst 
herzustellen, so wäre damit für die Beantwortung unserer Frage im 



Anefiti 



1 1 Vorgelegt in der Sitiung rora 19. Oktober 1907; die in dieser Abhandlung titiertori 
früheren Stollen <H«t«r Vorhaudlungon besicheo sich, wenn nichts anderes angegel < 
•of den Jahrgang 1907- 



46 Bclck: 

positiven Sinne noch nichts Weiteres gewonnen, während im negativen 
Sinne die Griechen schon aus der Zahl der in Betracht kommenden 
Völker auszuscheiden hätten. 

Diese scharfe und ausserordentlich wesentliche Umgrenzung meiner 
Frage scheint mir bei der Diskussion verschiedentlich ausser acht gelassen 
worden zu sein. 

Und wenn ich (cf. S. 353, Absatz 3) meine Frage noch weiter dahin 
präzisiere: Welche Völker können vom höchsten Alter turne herab bis 
zum Jahre 1100 — 1000 v. Chr. als selbständige Erfinder der Eisentechnik 
in Frage kommen?, so meine ich damit natürlich nur die dem Kultur- 
kreise des Altertums, und zwar jenes hohen Altertums angehörenden 
Völker, nicht aber solche, die erst viele Jahrhunderte oder gar ein oder 
mehrere Jahrtausende später in den Gesichtskreis der europäischen Nationen 
treten, somit also wohl auch bis dahin schwerlich irgend welchen direkten 
nachweisbaren Einfluss auf die Kulturentwicklung Europas, Nordafrikas 
oder Vorderasiens gehabt haben dürften. Und damit komme ich zu einer 
weiteren Präzisierung meiner ursprünglichen Fragestellung, einer weiteren 
Einengung derselben. Meines Erachtens wäre für den Geschichtsforscher, 
insbesondere den Knlturhistoriker schon sehr viel gewonnen, wenn sich 
nachweisen lässt, welchem Volke der Kulturkreis des Altertums die Kennt- 
nis der Eisentechnik verdankt, d. h. welches Volk sie dort eingeführt hat. 
Wir wollen also bei unsererUntersuchung und unsererBeweisführung zunächst 
davon abstrahieren, ob ein solches die Kenntnisse der Technik des Eisens, 
seiner Erzeugung, Be- und Verarbeitung in den Kulturboreich des Alter- 
tums importierendes Volk auch zugleich Erfinder aller dieser Methoden 
war, oder ob es vielleicht diese Methoden anderen unbekannten, nicht dem 
Kulturkreise dos Altertums angehörenden Völkern abgelauscht hat. 

Haben wir nur erst einmal diesen Teil der Frage beantwortet, und 
das scheint uns vom kulturhistorischen Standpunkte aus vor der Hand 
das wichtigste zu sein, so mag dann die fortschreitende Untersuchung sich 
auch mit den weitereu Fragen beschäftigen: Sind die im Kulturkreise des 
Altertums nachweisbar ältesten Fabrikanten von Eisen auch tatsächlich 
die Erfinder der Eisentechnik, oder aber von woher stammen deren 
Kenntnisse und Methoden? 

Nach dieser vorläufig engeren Begrenzung der von mir aufgeworfenen 
Frage habe ich zunächst mit Befriedigung zu konstatieren, dass meine 
Behauptung, die Juden hätten zur Zeit der Eroberung Kanaans keine 
Eisenfabrikation betrieben, hätten sonach für unsere Frage völlig aus- 
zuscheiden, allseitige Zustimmung gefunden hat. 

In bezug auf meine den assyrisch-babylonischen Kulturbereich be- 
treffenden, ebenso negativ lautenden Resultate hat sich, wie ich höre, 
u. A. Hugo Winkler durchaus zustimmend ausgesprochen. Ich will 
hierbei nachtragen, dass das von mir (auf S. 351) erwähnte Bronze- 
schwert Adaduiraris I durch eine darauf eingegrabene Keilinschrift als 
diesem Assyrerkönige gehörig bezeichnet und dadurch so genau datiert 
ist. Hinsichtlich der Anlegung und Herrichtuug von Gebirgswegen wäre 
nachzutragen, dass nach Asurnasirapal II (885 — 860 v. Chr.) nie wieder 



Erfinder der Eisontechcik. 



47 



\ unrendung ron lim uz «»-Werkzeugen für diese Arbeiten erwähnt wird 
8fr] u. 852); ei i*r. sonach augenscheinlich der letzte König, unter 
dem BrOZUM Pftr BOlofae Zweckt' benutzt wurde, die fortan eben durch das 
billigere und bessere Eisen, bzw. Stahl ersetzt wnrde. 80 sagt z. B. 
8aobarib im Bellinnzylinder, dass er das Feld zwischen Ivi.^iri und Ninive 
mit eisernen Hacken geebnet habe, und des weiteren sagt er in einer 
BND Inschrift (v-1. Meissner und Kost, Bauinschriften Senken bs 
S. 14), dass er im Gebiete von Balat dickt bei Xinivo vermittelst Äxten 
und Hacken aus Eisen Alabasterjdatten brechen Hess. 

Die jüngste Erwähnung von Eisenmassen unter den Beutestücken 
lei rieb, soviel ich sehe, in der Pninkinsclirift des Assyrerkönigs 
Adadnirari (810—782 v.Chr.), nämlich in IR.3.5, wo er in Z. 17— 21 die 
• Man von Damaskus fertgeeobleppta Heute aufzahlt und dabei 
u. a. erwähnt: .2800 Talente Silin 1. SO Talente Gold, 3000 Talente 
Kupfer. öiit'O Talente Eiben, Gewänder aus.... usw.* Also auch hier 
ist Frieder lie höchst charakteristische Tatsache zu konstatieren, dass 
erbeutete Eisen aus Syrien kommt. Ebensowenig wie Asurnasirupal U 
tino Yorgftnger bei den nördlichen, östlichen oder südöstlichen 
BTachharvölkern der Assyrer jemals Eisen oder eiserne Gerätsckaften er- 
men. ebensowenig sind sie auch jemals in der Lage, in ihren auf jene 
iete bezüglichen Kriegsberichten von erbeuteten Eisenmassen zu er- 
zählen .in- dem sohl einfeebefi Grunde nämlich, weil es bei Jonen Vulker- 
laften kein Eisen gab! 

BUS meine Behauptung, das» das leisen in dem ganzen. so 
tuer grossen babylonisch - assyrischen (elamitischen) Kulturbereiche 
vor ca. 900 v. Chr. eine durchaus unbekannte Grosso war, richtig, so darf 
meines Brachten* in den babylonisch - assyrischen Syllabarcu kein be- 
-i'iiderer Minieriseher (also auf die vorsemitischo Bevölkerung Meso- 
imiens zurückgehender) Ausdruck für Eisen vorkommen, sondern 
li die Bezeichnung parzillu = hebräisch barsei, unter der die 
Aesyrer das Dens Metall in Syrien um 900 v. Chr. kennen gelernt haben. 

ta Feetsustellen kann ja den Assyriologen nicht sehr schwer fallen. 
Die K.'ilinseln iftau der assyrischen Könige liefern uns aber noch 
itere Beklagende Beweise dafür, dass die Bevölkerung Syriens, Kanaans 
1 insbesondere auch Philistäas ganz hervorragende Metalitechniker 
traten. Sankerib nämlich (705 — HiS 1 v.Chr.) erzählt uns in einer seiner 
oriften, dem Memorial Tablet, folgendes (cf. Meissner und Rost, 
Driften Sanheribs, Leipzig 1893, S, 53): „In dem klugen Ver- 
Q de, weleheD mir der Herr der Weisheit. Ea, gegeben hat, machte ich 
för die Kupferarbeiten, welche ich zu dem Bedarf meiner Paläste in 
mV. anzufertigen hatte, auf Befehl des Oottes Formen von Lehm, goss 
rase hinein, und es gelnng das Werk meiner Hunde, und weibliche, 
aus Brodza gegossene Stiergottheiten liess ich Platten aus Carneol 
Ingen nsw.« 

arner ibidem: „Vier Säulen aus Kupfer, deren mit Blei 

ßbergossen [so Meissner und Host; es ist doch aber wohl sicherlich: 
rren Inneres mit Blei ausgegossen!**) war, stellte ich darauf.** 





48 Belck: 

Und in anderen Inschriften (vgl. 1. c, S. 13 ff.) berichtet er: „Während 
von altersher meine Väter, wenn sie ein Bronzebild ihren Formen ent- 
sprechend machten, um es in den Palästen aufzustellen, bei ihrer Arbeit 
alle Handwerker stöhnen liessen und in Unverstand und in Torheit für 
das Werk ihres Wunsches öl ausgössen und das Vliese der Schafe in ihren 
Landen abschoren, habe ich, Sanherib, der erste aller Könige, der alles 
weiss, grosse bronzene Pfeiler, Löwenkolosse, öffnend die Kniee, 
welches kein Vorgänger vor mir gebaut hatte, mit weisem Verstände, 
welchen mir der grosse Gott Nin-igi-azag (= Ea) geschenkt hatte, — in 
eigener Entscheidung, dieses Werk auszuführen, war ich mit 
mir zu Rate gegangen — in meinem eignen Verstände und Begabung 
als bronzenes Werk gemacht und kunstvoll ausgeführt An Stelle des 
Holzwerkes, der Holzformen, für zwölf glänzende Löwen nebst zwölf 
erhabenen Stiergottheiten, vollkommen an Gestalt, und 22 weibliche Stier- 
gottheiten, welche mit Kraft und Milde bekleidet sind, und auf denen 
strotzende Fülle gehäuft (?) ist, habe ich gemäss dem Befehle Gottes Formen 
aus Lehm gemacht und Bronze darein gegossen, wie die Prägung 
von 1 / 2 Scheckeistücken vollendete ich ihre Herstellung usw." 

Sanherib berichtet hier also von den Fortschritten in der Metall- 
giessereitechnik, die unter seiner Regierung in Ninive gemacht wurden. 
Dass er sich selbst das Verdienst daran zuschreibt, darf in einer Prunk- 
inschrift nicht weiter auffallen, aber selbstverständlich beschränkt sich 
sein Anteil an der Sache darauf, dass er den Vorschlägen seiner Giess- 
meister, nachdem er sie reiflich erwogen hatte, wie er selbst sagt, 
folgend sich zur Einführung einer ganz neuen Form- und Gusstechnik 
entschloss. Worin der Fortschritt bestand, ist aus Sanheribs Angaben deut- 
lich zu entnehmen: Bis zu seiner Zeit benutzten die Assyrer zum Giessen 
metallener Tierfiguren ausschliesslich hölzerne Formen, die zum Schutze 
gegen allzustarkes Verbrennen durch die geschmolzene glühende Metall- 
masse, wie es scheint, mit öl begossen wurden, während die Zweck- 
bestimmung der dabei ebenfalls mitverwendeten Schafwolle einstweilen 
noch unklar bleibt 1 ). An Stelle solcher hölzerner, sich naturgemäss 
ausserordentlich stark abnutzender und deshalb nach Erzielung weniger 
Gussfiguren zumeist unbrauchbar werdender Formen verwendet also 
Sanherib nunmehr Lehmformen, die neben anderweitigen Vorteilen ins- 
besondere sich auch durch eine schärfere Wiedergabe der Konturen aus- 
zeichnen. 

Des Weiteren scheinen die Assyrer bis dahin nur massive Figuren 
in solchen Holzformen gegossen zu haben, bei deren Herstellung die damit 



1) Es scheint mir nachträglich nicht unwahrscheinlich zu sein, dass die assyrischen 
Metallgiesser zum besseren Schutze der Holzformen diese mit einer dünnen Schicht 
einer Art Paste, hergestellt durch Zusammenkneten von Öl und Ton und des besseren 
Zusammenhangs (auch in sehr dünnen Schichten und im getrockneten Zustande) wegen 
mit Schafwolle (an Stelle der heute zu diesem Zwecke gebräuchlichen Hede) vermischt, 
ausgeschlagen haben, die aber die Holzformen doch wohl kaum genügend vor dem Ver- 
kohlen geschützt haben wird, da sio, um die Feinheiton der Holzformen wiederzugeben, 
naturgem&sa nur eine sehr geringe Dicke besitzen durfte. 



Friin<lcr der Eisentcehnik. 



49 



Arbeiter nicht nur wegen des grossen Gewichtes, sondern 
auch wegen dea bronzlichon (.Jeruehos des anbrennenden Öls und der yer- 
!;■■ .ii enden Wolle viel Last und Unannehmlichkeit hatten. Nicht einmal 
mit voneinander getrennten Beinen („geöffneten Kniecn") ver- 
mochten sie herzustellen, vielmehr repräsentierten beide Vorderbeine und 
Binter bei De eine feel miteinander und lückenlos verbundene Metallmasse. 
Btaberib nun ist in Folge der Verwendung massiver Lehmformen In der 
nicht nur Tiere mit getrennten Beinen (-geöffneten Knieen ). 
londers lOgat Bohle&alen gieroen zu hissen, deren Iuueres dann zum 
\e grösserer Stabilität mit Blei ausgegossen wurde. Die Assyrer 
beobarhtrt.ii also dasselbe Verfahren, wie die Chalder, denn der von mir 
in den Tempelruinen von Toprnkknlch (— Yan) ausgegrabene Weihrauch- 
altar des ' (jetzt im Kunstgewerbemuseum in Hamburg auf- 
gestellt) besitzt einen unten in einem Dreifuss endigenden hohlen, mit 
Blei ausgegossenen Behalt, auf dessen oberem Ende eben die Räueher- 
Bebate befestigt war. 

Derartige Ilohlh'gureii aber lassen sich am einfachsten und beuten 
in der ffarlorenen Form giessen, und das ist im Wesentlichen denn auch 
die Ton Sanherib eingeführte, etwas ungeschickt beschriebene, neue 
der Ponaucg und Gicssung, bei der selbstverständlich die Ver- 
itiL' von «)1 und Schafwolle in Wegfall kam. und die (iussstücke alle 
die von Sanherib aufgezählten Vorzüge besasaon. Auch die Chalder 
kannten das Uieasen in der verlorenen Form, wie es die verschiedenen, 
von mir in Van ausgegrabenen grossen Metallgussstücke aufs deutlichste 
beweis" B 

Wie kam nun Banberib auf diese neue, wesentlich bessere Methode 

• ii Form- und Gusetechnikr 1 Schwerlich waren es die eingesessenen 

assyrischen Meister in Erzguas, die plötzlich diese Erfindung machten, 

denn daDO h&tte sich dieselbe ganz allmählich und auch ganz sang- und 

IM eingebürgert und vervollkommnet, ohne dass Sanherib oder 

■ I ein anderer König sich auch nur den kleinsten Anteil vom Ver- 

dabei hätte zuschreiben können. Nein, in irgend einer, wenn auch 

noch so bescheidenen Weise muss schon Sanheribs Tätigkeit mit dieser 

Marl zusammenhängen, und Anfschlnaa darüber gibt uns der An- 

lei Bellinoeylinders (1. o. Seite 7), wo Sanherib berichtet: Die IJe- 

i . ■ ■ 1 1 1 1 ■ !■ ron Kui (-las ist das an tfordsyxieii grenzende spätere Cilicieu), 

."ti Cilicien (das ist der südöstliche, an Nordsyrien grenzende Teil des 

tp St er eil i appadocien), von IMiilistiia und von Tyrus, die sich meinem 

Dichl unterwarfen, hatte ich fortgeführt, liess sie Ziege] streichen 

unJ benutzte sie zur Ausführung dea Werkes (bcI. Bau und Aus- 

•olunfiekang des Palastes, mithin auch wohl zur Herstellung der ge- 

n. Mi Tierfigaren usw.) u 

[)aa -iinl aber wieder am lauter kamui&ische, syrische und unmittelbar 

daranstossende Gebiete, deren Bewohner er weg.^e.srlik'ji|>r hat, und dass 

unter den Philistern, insbesondere aber den Tyreru, auch ganz her- 

G Meiste i der Mi-tallgusstechnik befunden haben werden, ist 

üi'dt n ii möglieh, sondern sogar wahrscheinlich. Schon der Tyrey Hiram 

low«. Jahr«. 1908. Hott 1. I 



5(1 



Bftlek: 



Abif 1 ) fertigt ja schon 300 Jahre frülrer für Salomos Tempel wahre 
Wunderwerke der Technik an; man denke z. B. nur an das eherne Meer! 
Welch riesige Schmelavorriehtungen gehörten dazu, um die sich auf etwn 
10000 kg belaufende ßronzemnsso in Fhiss zu bringen, die zur Herstellung 
eines Italbkugolbassins von etwa f> vi Durchmesser bei 10 cm Wandstärke 
erforderlich wiren- Gewiss ist es kein blosser Zufall, dass auch Iliram 
Abif seine Objekte in Lehmformen*) giesst, und wir werden W&tm h 
schwerlich fehlgehen, wenn wir annehmen, dass Sanhorib die für ihn und 
seine Assyrer neue Methode des Formen«; und Giessens von den soeben 
•tsI M»n ihm gefangen fortgetOhrteu Tyrern und Philistern kennen gelern 
resp. in Vorschlag gebracht bekommen hat. 

AVir können hieraus aber auch »neben, den nieht mir die Philist 
Phönizier allen andern Völkern in der Metalltechnik weit VOHQfl wäre», 
sondern zugleich auch, dass die Assyrer in derselben Kunstfertigkeit kein« 
gössen Meister waren. Eben dasselbe lässt sich aber auch von den 
damaligen Bnbyloniern behaupten, die in Bezug auf die Gusstechnik grosser 
stüek." nur dieselben geringen Kenntnisse und dieselbe Gesehirkli- 
gehabt haben können, wie ilio Assyrer. weil es ja sonst für die assyrischen 
Könige, die ja de facto dntunls schon seit mehr als 100 Jahren mich zu- 
gleich die Behejmoher Babyloniens waren, ein Leichtes gewesen wäre. >nli 
von dort her tfiebfcige Meister in Erzguss nach Ninive kommen zu lassen. 

Zugleich alier zeigt uns alles das auch klar und deutlich, dass ent- 
weder die Assyrer. die doch auf ihren zahllosen, nach Syrien und Kanaan 
gerichteten Kriegazügen Gelegenheit genug hatten, das Leben und Tr» ib< R 
sowie die Fähigkeiten der dortigen Völker kennen zu lernen, nur geringe 
Beobachtungsgabe für technische Fertigkeiten besessen, so d&tt ihnen die 
ihren eigenen gegenüber so erheblich vollkommeneren Form- und «Üesserei- 
methoden der Phönizier-Philifiter jahrhundertelang nicht weiter ;uif fielen, 
oder aber, dass es letztere vorzüglich verstanden, diese ihre Fertigkeiten 
und Methoden vor den Augen der andeien Völker zu verbergen, geheim 
Eti halten. Denn ganz ueiiau dasselbe gilt auch von den Babyloniern. 
• leren Kaufleiite ln-i ilm-ui re^en. nach Ägypten hin unterhaltenen Handels- 
verkehr unzweifelhaft sehr liaußg die philistaisch pböaiziaohet Stallte be- 
sticht haben werden, ohne doch hierbei fOr sieh selbst in punoto Giea 
technik irgend welche Belehrung und Weiterbildung profitiert zu haben. 
Es wflrde das also sehr gut zu der von mir bereits d. V. S. 34*>— 347 
mit Rezug auf die lusentechnik behaupteten Geheinmiskriiiiieroi *ler 
Philister-Phönizier jussen. Und so überraschend und unwahrscheinlich es 
auch zunächst klingen mag. es ist Tatsache and kann jetzt bewiesen 
werden, dass die so hochentwickelte (üessereit.eclmik der Phonizi'-t- 
Philister den A-syreni, die zuerst wohl unter Tiglatpileser L (1100 v. Ohr.) 
bis nach Arados und an das Ofer 'las Mittelländischen Meeres vordra 




1) Nach Joscphus VI1E. Buch, Kap. 4, 3 wur Cheiramos (=> Hiram AbiO eiu Sohn 
lies Urins, einen Mannes israelitischer Abstammung, und eines mit dem Stamme Naphtnli 
verwandten Weibes, bette uls<» wohl su % jüdisches Blut in seinen Adern. 

2) Am Ufer des Jordan, wo allein er du erforderliche Quautum Lehm und Brei 
hok vorfand, et. TL Uhroo, J, 17. 



Erfinder <U*r F.Ueiileelmik. 



5) 




leren König? alsdann seit *'•> v. Chr. in zahlreichen Foldsfigen (es 

gen deren woh] 40 — 50 gewesen sein) Syrien, Phönizien und Kannan 
durchzogen haben, durch etwa 40o Jahre verborgen geblieben ist. Und 
- noch auffallender ist.: das alle-:, uh^ieirh Nur. ls\ rien (Arpad) seit etwa 
40 .lalireit. Damaskus seit etwa 30 Jahren und ganz Israel seit etw fl 
■JO Jahren unter assyrischer Verwaltung standen! Bmmi BIO drastischer 
" gaf die l'liönizier-I'hilister es selbst ihren unmittelbaren Na<-Ii- 
■er verstanden haben, ihre Fahrikatiotismethoden, ihre bft- 
\rfahren und technischen Kunstgriffe geheim zu halten. 
Wenn ich mich nunmehr dem Kulturkreise der (Iriechcu zuwende, so 
vermisse ich zunächst iu den Ausführungen des Hrn. K iossüng (vgl. 
; all und jeden Beweis dafür, dass die Griechen zwischen IHM» 
iin.l 1000 V I lir. auch nur im tiesitzo einer eigenen Eisenerzeugung ge- 
i seien, g*nz zu schweigen davon, oh sie als selbst&üdiffe Erfinder 
oder auch nur als Verbreiter der Eisenteeluiik im Sinne meiner enger- 
n/.ii'Ti Präge iu Betracht zu ziehen sind. Denn der von Hrn. Kiess- 
i führte, bis jetzt ganz vereinzelt ilastehende Fund eine» eisernen 
Schwertes in einem der ■pftftmykeuischcii Zeit .angehörenden Urabo beweist 
um' dftH der dorr bestattete Tote ein eisernes Schwert gebraucht 
hat, Riebt aber auch, da&a letzteres in Griechenland und von Griechen 
tabritieri worden i>i! Hr. Kiessling würde sich aber oin grosses Ver- 
ein die Klärung unserer Fsage erwerben, wenn er eine exakt.- 
-.na-it iiative Analyse dieses Eisens veranlassen wollte und könnte, um 
f.'-a/usti'lleii. ob es sich um Sc h in iedeeiseu oder Stahl handelt. 

Schmiedeeiserne Bohwerter scheinen uns den ehernen SchatEwaffen der 

neu gegenfibei wenig angebracht, fast wirkungslos; handelt, ea sich 

( (..'i. irifl zu vermuten, um Stahl, so ist damit zugleich bewiesen, dass 

Bison in Griechenland nicht fabriziert worden ist, denn die 

IC» l>efleiesigtetl sich damals und auch lange nachher noch nicht der 

StablerzeagttOg. Und das bringt uns abermals nuf die Chalyber, denen die 

Qriechen difl Erfindung der Eisen- und Stahlerzeugung zuschrieben (Tgl. 

ein unmissverständlicber Beweis dafür, das« sie selbst keinerlei 

Anspruch auf die Klue dieser Erfindung machten. -Au diesem letzteren 

um ist nicht zu deuteln noch zu zweifeln, es sei denn, data uns 

llr. Kies&ling den Beweis dafür erbringt, dass die Griechen mit dieser 

Behauptung von der ErfinderrolW der Ohalyber bewus.-t die Unwahrheit 

i iitn heb* d 

Diese Ohalyber aber wohnten am l'-mtus, etwa in der Gegend des 

i. don, wo sie zuerst von Elerodot (also im fünften Jalirhnudort v. < lir.) 

auhafl erwähnt werden. Da die Qriechen schon seit alten Zeiten, 

ton Mindesten aber seit der Mitte des achten Jahrhundertl v. Chr. einen 

iften politischen und Handelsverkehr gerade nach jenem Teile des 

man Heeres rieterhielten, wie u. A. ja ihre dortigen Kolonie- 

grflno engen Sinope, Trapezunt usw. ileutlieh beweisen, su ist es 

klar. dass hier besonders günstige Bedingungen vorlagen, um 

• riechen schön möglichst frühzeitig auch mit den Erzeugnissen der 

• ii Mctalltoehnik bekannt zu marlien. insbesondere auch mit den von 

4» 



52 



Bclclt: 



den Chalyhern fabrizierten KiM'iimassen und eisernen Waffen um) Gerfit- 
x haften. 

Ist denn nun aber die Ansicht der Griechen, dergemäss sie ihn 
Kenntnis des Eisens, wenn nicht unmittelbar, so doch mittelbar der klein- 
asiatitischen Völkerschaft der Chalyber glaubten verdanken zu müssen, 
überhaupt zutreffend? Grundbedingung für deren Richtigkeit scheint Otts 
zunächst der Nachweis der Tatsache zu sein, dass die Chalyber, vr«Bl 
auch nicht in den Gebieten am Thermodon autoehthon, so doch nun 
Mindesten einige Zeit vor dem ersten erweisliehen Auftreten des Emmi 
(Stahls) in Griechenland ansässig; gewesen sind. 

Und das ist sicherlich nicht der Fall gewesen, vielmehr sind 
die Chalyber erst in verhältnissmässig späthistorischer Zeit dort ein- 
gewandert. Denn mehrfach wird von den Schriftstellern der Alten die 
Verwandtschaft der Chalyber mit den zwischen Trnpczunt und Erze 
mm siedelnden, bedeutend mächtigeren Stämmen der Chalder betont^ 
Bad Strabo gibt direkt an, daas die „Chalyber" vor Alters „Chalder* 
geheissen hatten, eine Notiz, die gewöhnlich bei Philologen um! 
Historikern nur Bin mitleidiges Lächeln hervorruft. Immerhin ist an 
einem näheren Zusammenhang beider Völkerschaften wohl kaum zu 
sweifeln, and da nuu die bis etwa (»00 v. Chi. /.wischen dem Oberlaufe 
des Tigris und dem Arasos einerseits und von der persischen Grenze 
bis etwa nach der Ebene von Alaechgert mit dem Vnn-See als unge- 
fährem Mittelpunkt andererseits siedelnden Urartäer-Chaldcr sicherlich 
in ihre spateren Wohnsitze am Pontus erst in historischer Zeit einge- 
wandert sind, so darf solches auch füglich von den Chnlybern be- 
banptet werden. Und da Letztere viel weiter westlich am Pontus wohnen 
v\ie die ''luider, TOB denen sie zudem durch mehrere fremde Volker- 
en getranni Rind, 10 darf vielleicht auch weiter geschlossen werden. 
dass ihre früheren Wohnsitze westlicher gelegen haben wie die der ;un 
Pontus siedelnden und dorthin vom Van-Bea und dessen Narhlarschaft 
durch die einwandernden Armenier verdrängten Chalder. 

Nun wird in der nordwestlichen Ecke Mesopotamiens in den keil 
inschriftlichen Kriegsberichten Asurn&sirpals II. von Assyrien nieder- 
holt ein mächtiger Volksstumm erwähnt, dessen Name unverkennbar mit 
l.'in der Chalyber der Griechen übereinstimmt, nämlich die Chalupi. 1 ) 
Ihre Wohnsitze erstreckten sich hauptsächlich am Malich abwärts bis zur 
Mündung desselben in den Euphrat und auch noch über diesen südwärts 
hinaus, andererseits aber nach Westen und Nordwesten bis nach Su pr ia 
(unverkennbar = heutigem Suwerek, wozu auch die l'ositionsan^abeu der 
Am] i er vorzüglich stimmen), dem südwe^tl Sehen Staaten^ebilde der U rat : 
('halder. so dass die Chalupi-Ghalv her also deren nächste Nachbarn 
waren und als stammverwandtes Volk wohl also auch unter dem all- 
gemeinen Namen iei ..Chalder* mit ziisamrueugofasst worden konnten. 



1) Griechisches 1 T i wirl in assyrischer Keilschrift die „n* \vie*lor£egebcn, so %. B. 
tgea = Gugu, Lydicn = I.uriu usw., so dass also die assyrische Transkription des Ninnen> 
lyuer gar nicht anders lauten kann wie Cua-lu-M(j>i . 



Erfinder der GiaeiiUschuik. 



sä 






iner der Hauptorte der Chalupi war Resainu (das heutige Rasur nin), 
essen Trümmerhügel nach dem Bericht von Freiherr Max v. Oppen- 
heim noch heute bei den Eingeborenen den Namen llnleb — unzweifel- 
haft identisch mit Qhttlnpi — ffihrt, und aus dem dieser Gelehrte neben 
nderen interessanten Dingen namentlich aucli die durch (iesichtsschleler 
erhellte Gestall einer unbekannten Güttiu ADS Tageslicht beförderte. Ein 
anderer ll.mptorr der Chelupi lag: au der Einmündung des Baiich in den 
Euphrat, 1 ) und ihm gegenüber erinnert der Kuinenhügel Alep — den 
Ritter und andere geneigt waren für eine Mystifikation zu halten — 
noch heute an die hier einst siodelndeu Chalupi. 

Asurnasirpal II erwähnt nun dieso Chalupi wiederholt in seinen 
lieriehien; er durchzieht brandschatzend, sengend, mordend und 
plflndernd ihr Land, und sein Söhn und Naehnd^er Sal manassar II. 
folgte dem von ihm gegebenen Beispiel. Was blieb dem bedrängten 
ulke übrig, als dem Beispiele anderer Völker zu folgen und sich vor 
dein iiimmersatteu Bedränger auf die Blldere Seite des Euphrat zu flüchten. 
Lud wie schon die um 880 v. Chr. noch an dem Ufer des Tigris siedelnden 
M n>ki(= Moscher), Tabal (-=Tibarener) und K um rauch (= Coramageuer) 
Tot Ion Raubzügen der A*syrer sich allmählich nach Westen bis jenseits 
des Kuphrat in Sicherheit gebracht hatten, wie die Bit Adini (=dera 
biblischen B G*n Eden 41 ) sich nach fast volletändigor Verwüstung ihres 
Lasdea durch den grausamen Wüterich Salmanassar II. mit dem kärg- 
lichen Ilfsi (in den Blutbädern Entronnenen über den Euphrat gefiflchfol 
huieii. ebenso zogen sieh auch die Chalujii vor den assyrischen Vam- 
piren nach Westen über den Euphrat zurück. Und ebensowenig wie wir 
iteren Zeiten die Namen der Muski, Tabal, Kummuch, Adini 
und anderer Völker je wieder Östlich vom Euphrat begegnen, ebenso- 
g auch denen der Chalupi. Und so wie die Muski und Tabal 
allmählich immer woitor nach Norden bis in die Ufergubiete des 
St-h war zon Meeres gedrängt werrlen, wo wir ihnen späterhin als „Mosch er* 
und „Tih.irener* wiederbegeguen, so auch die Chalupi, die wir als 
^Chalyber 44 schliesslich neben jenen beiden Völkerschaften am Pontus 
wieder antreffen. Der von den genannten Völkern auf dieser Wanderung 
ohlagone Weg wird oft markiert durch Ortschaften, an denen noch 
beute ihre Namen haften, Bos. D. der Name der Moscher an: „Sanischat 4, 
tiphrüt. dem „Samoaatn" der Griechen und Homer 1 ') ferner SO dem 



1] Du* spatere Nicephonum oder Iiakka. 

Sa= turanisrhes Looativprafii mit <li»r Bedeutung „GabM* — vergleich) 1 : 
Su-Ami«ufl le.-uto = Samsun), Sa-Arusaxa (heute = Zerezok», Sü-Arabi^aus (heute 
firrpimni]). Sa-Marakanda (heute = Sauiarkand) und so noch unxfihlige andere — 
*• (i, a)-ti :i turanisches bnkalivsuffix, entsprechend i'lamitischain „ti", chal- 
disehein •.■eorgisuheui »ethi - — Teigleiche Iuzi und Inzi-ti (spateres 

B#), Elani und Elam-ti, Biaina und Biuina-idi, Mana und Mana-idi. Caeh 
und Cach-cthi (= Chachctien), Ibcri (= Iberer t und Iber-ethi (heute = Imcr-eilii, 
th'ti, mit wolcher Gleichsetiung ich die ron Herodot xuersL urwahntpn, «eit etwu 
1600 Jahren aber anscheinend spurlos verschwundenen ^Ibtror", das nichtigste kau- 
kasische Volk des Altertums in dem stärksten Stamm der Georgier wieder aufgefunden 
UW. Ali eigentlicher Stamm des Namens Sanwchat bleibt also übrig v fft6fe" 



54 



Jielck; 



In der Nabe und nördlich der cilicisehen Pforte ^le^-eiieu Muskundu- 
(=<lie Moschersladt): der Nanu* der Tuluil (Tibarener) an: AihIivh! 
i'= Anbibalutn der Homer) und dem bisher unerklärten Develi (=Tnbali!( 
Karalüssar, beide südwestlich von Caesaren-Mazaca gelegen. In ähn- 
licher Weise scheinen die Chalupi der ehemals Armau-Chnlinaii ge- 
nannten Stadt in Xordsyrieu ihren Namen dauernd angeheftet zu hüben, 
denn sie beiest späterhin H(H)alep (= dem heutigen Aleji|>< ■ .. wia denn 
auch du gftue Gebiet als „Chalybonitis" bezeichnet wird. Auch in dein 
Namen der etwas südlich von Samosata am Kuphrat gelegenen Ortschaft 
(')iulpat (= Chalpi Tiplatpilosers III, der in dessen Nflhe den Ohalder- 
köni»- Sardur III. 74:> v. Ohr. aut's H:ui|»i icblog) steckt wahrscheinlich 
det Name der Chalupi. 

W ie man also sieht, entbehrt Strabo 9 Angabc, die Chalyber häri«-u 
früher „(Jhalder* 4 geheissen, durchaus nicht jeder realen Grundlage, rid- 
mehr konnten die bei einer zusammenlassenden Bezeichnung der 
verschiedenen Stämme der l "rnrtnc r-Chalder sehr wühl in dorn gemein- 
samen der „Chalder" niiteiiibe^ritt'eu werden. 

Der Zeitpunkt, an dein tragef&hr die Chalupi dann an dar Sfidk 
des Schwarzen -Meeres anlangten und sich dorr seßhaft machten, Irtsst 
sich nicht leicht fixieren. Wir können einatweifofl nur lagen, dau sie 
etwa gegen Ende des IX. Jahrhuiiderrs V* Chr. ilire oatfl ii[> lirateusisc lim 
Wohnsitze verliesseu und nach Westen y,n auswauderteu, wo Namen wie 
Halep — Aleppo, Chalyboaitis u*-.\. auf amen Ifingerdanerndtfl 
Aufenthalt derselben hindeuten. Ob sie daun durch die Diliciaehfttt 
Pässe bei Tyana oder weiter östlich über .Murascli-t'.-t u>mi< 
(— Oöksun) — Comnno- Azizieh nach Norden weiterzogen, löset sich 
vorläufig nicht entscheiden. Wohl aber darf man behaupten. ■! i— :■ 
diese Wanderung nach Norden nicht mit Erfolg ausführen konnten, aolmigfl 
Kleinasien sich in den Händen der wilden Kinimerinrlmnle n befand 
Das war aber trotz des vorübergehenden Erfolge«, den Asarlwuldun 
67(J gegen sie aal dem Felde von Hubuana') errniug. und der - 



Ganz ebonso gebildot ist dor G«uiiamo des oberen Kurutales, des natttttn EUatpt- 
gUlCS d*r „Moscher" (Mischer), von dem jiu» bei Barjom die heute noch &h aj 
ichei Gebirge bezoicbuetQ Jiergkeltc noch Norden streicht, welche den lOdlicüPD 
(.kleinen* oder Auti-)Knukusns mit dein nördlichen, dem „grossen - Kaukasus rerbtadet 
and im Siiramturinel voti der tr:in$fc:infcn>i«eheri Hahiilinie durchschnitten wird. Jenes 
oberö Kuratal nun boüst, Mab dem dort hauptsächlich siedelnden Stumme, mich heute 
noch Sumsrhcthi, was klärlich nichts anderes ist wie St-Msch-uLlii (die georgische 
Geographie des Primen Wachtang gibt in diesem Gebiete als Hauntbowohn. 
georgischen Stamm der .Mcschor" an!). Ein solcher barbarischer Name aber war 
für die Gnocflea und Kömer wogen der Anhäufung der Konsonanten einfach (UUUia- 
'Prochlich: sie beseitigten diese Schwierigkeiten durch KiiiBchiebung von Vokalen und 
Krsatz des ach durch s, und so entstand und musste entstehen Sa-Mo[i]s-a[e)t(n) = Sanio- 
~uto, sonst auch Sainisat genannt. Nebenbei bemerkt existierte Samosata uU Stadt 
unter einem anderen, gegenwärtig noch iinbekannteii Namen auch achou vor der Okku- 
pation darch die Moselier- M uski: dos beneisen allein schon üio in den dortigen Huinen 
gefundenen hctuitiachcii Skulpturen und Uicroglyplieaiiiei'hrilt Ott 

1) »Na* turanisrhen Lokativsuflix mit der Ifedeutung .Stadt"; den Namen .llnln.-* 
habe ich in Homo f^Emesal wieder aufgefunden. 



Krtimlcr der Eisrutechnik. 



;.;. 



xt 



Jahrzehnte wieder nach Morden zurücktrieb, doch wohl bis ziemlich 
um Sehluss des VII. Jahrhunderts v. Chr. der Fall, so dass wir die Ankunft 
1 'halyber am Pontus nicht gut viel früher als 600 v. Chr. ansetzen 
liirfen. Natürlich hatten die < Ihalj her, bei denen nach um 870 v. Chr. Asur- 
neirpal kein Eisen antraf, auf diesem ihrem Marsche zahlreiche Völker- 
schaften passiert, die mittlerweile von I'alästina-Phönizien her mit der 
'Fabrikation wohl vertraut geworden waren. Sie brachten also um- 
K.enninis der Erzeugung»- und Bearbeitungsmethoden dt 
Ictnlles an den Pontas mit, ohne weiter irgend ein Verdienst an diesen Er- 
indasgen beanspruchen zu können. Die Ansicht der < iriechen, als ob die 
halyber die Erfinder des Eisens oder Stahls gewesen seien, ist also 
Js eine dncehaai irrige zu bezeichnen, Und ebensowenig kann der Tat- 
icha gegenüber, dass schon Lykurgos in Sparta die Herstellung 
EflOrnei Mflnzen anordnete, die Möglichkeit zugestanden werden. ila>- 
ist die Jahrhunderte später am Pontus si'sshafi werdenden ('hulyhei 
Icn driaohan die Herstellung und Bearbeitung des Eisens -r/ri-t 
Trotzdem konnten sich solche Legenden sehr laicht bei den 
Iri ab ekeln und schliesslich als feststehende historische Tatsachen 

inarkattfll Iferdon, denn das Land der (halyber war und ist reich an 
iu> denen sieh ohne weiteres ein ganz vorzüglicher Stahl ge- 
■inneii lies-, ein Stahl, der dem aus anderen Erzen nach den primitiven 
Methoden des Altertums gewonnenen ganz erheblich in seinen EL 
lekaftan überlegen sein mochte. Ist doch auch heute noch der .schwe- 
dische' 1 Stahl seiner hervorrufenden Qualität wenn trete der go erstauu- 
UcbeO Vervollkommnung aller Fabrik alionsiuethodeii von Stall 1 aus 
■ in deren EÜaeneraea in der ganzen Welt berühmt. Und die Kauffuhrer 
ieehen brachten dann diesen „< hnly ber-Stahl" zu *\cn Ihren, wo 
i | id.üh; '-'ihl bewandert wurde und seinen Verfertigem sehr bald daO 
Kuf der .Erfinder des Stuhls 44 verschaffte. 1 ) 

leh habe dann s. 358 weiter ausgeführt, dass m. E. die Fhonizier- 
Philittar als die, lei <- direkten, sei es indirekten, Importeure der Kisen- 
fechnik, wie in Orieehenland. so auch in Ägypten und anderen Ländern 
/u betrachten seien, wobei sieh u. A. auch die bei den Küstenländern des 
Mittelländischen Meeres vcrlialtuisinftaBig schnell nach Westen t'ort- 
M hreiti mde Kenntnis dieser Fabrikation durch die ausgedehnte See* 
•chirlahrt dieses Volkes erklären würde. Dabei habe ich ausdrücklich er- 
• t (tgl B. 860), dasa ich mich einer Erörterung der Frage, ob die 
Pbiliater-Phdaiaiot Eisen and Stahl in ihrem eigenen Lande oder an 
!• r. n Mrten hergestellt haben, vorderhand enthalten wolle. Und BwllK 
geschah das abermals der Raumersparnis halber, denn in meinem 
Manuskript war auch dieser Punkt ziemlich ausführlich behandelt Da 
iIht Herr Bl a ne kenhorn, zwar nicht in der mündlichen Diskussion. 
' o 1 1 1 aber in seinein gedruckten Beitrage diese Frage eingehend lie- 



s 

M 



1 Wenn wir hier einen Vergleich ziehen vrullen, so brauchen wir nur an 
amaakei zu denken, de^cn Stnldfabrikate sich im Mittehdipr uiifl bis in die Neuzeit 
in (l.i (ranzen Welt Hos hervorragendsten iiufes erfreuten. 




;>6 



Holrk : 



handelt (S. 3«'>4ff.), so sehe ich micli genötigt, ebenfalls auf diese Punkt»- 
einzugehen. 

Zunächst müssen wir ob einstweilen noch dahingestellt sein lassen, ob 
die Philister-Phönizier den Griechen dio Kcuutnis der Eisentechnik direkt 
übermittelten oder nicht vielmehr indirekt, also durch zweite Band. Denn 
Sicherlich ist der Füll weder undenkbar noch auch nur unwahrscheinlich, 
dass ilie Eiseufahrikate von den Phöniziern durch Vermittlung kretieober 
Händler nach Grieehenland gekommen seien. Ebensogut aber k filmten an 
und für sich die Phönizier zuerst auch den Ägyptern des Nildelta 1 
gerate geliefert haben, von denen es dann die Lnkki. Dardan er, 
Bar der und andere seefahrende Nationen nach Griechenland -'bracht 
haben mochten. Ich seibat neige also der Ansicht zu, dass die Bfteottfl 
Ihre Bisengeräte über Kreta, ja violleicht sogar aus Kreta direkt erhielten. 
l'nd damit kommen wir zu der Frage nach der Lokalität, an der die 
Philister-Phönizier ihre Eisen- wie Stahlfabrikation betrieben haben 
mögen. Es ist mir wohl bekannt, dass bei dem geologischen Aufhau der 
syrischen Küste und insbesondere Philistaas es kaum angängig ist anzu- 
nehmen, dass dort jemals eine umfangreiche Eisenfabrikation aus ein- 
heimischen Eisenerzen und zwar durch viele Jahrhunderte hindurch be- 
trieben worden sei. Anzunehmen aber, dass die Philister-Phönizier von 
anderen Orten her Eisenerze nach ihrer Heimat transportiert haften, um 
sie dort, statt gleich an Ort und Stelle, zu verarbeiten, dazu fehlt einst- 
weilen jeder Anlass und zwar nmsomehr, als man den sicherlich sehr 
praktisch veranlagten phönizischen Kaufleuten ein derartig unpraktisches 
Vor^eheu kaum zumuten darf. NVir sind auch der Ansicht, dass wenn 
ursprünglich und mehrere Jahrhunderte hindurch »He Eieengerite in 
Philistäa-Phönizien fabriziert und von dorther nach allen Küstenländern 
des Mittelländischen Meeres exportiert worden waren, diese Tatsache 
binnen kurzem ebenso allgemein bekannt geworden wäre, wie es die Fa- 
brikation des vorzüglichsten Purpura für Djtob geworden ist. Davon aber 
ist. insonderheit bei den Griechen, absolut keine Kode, und somit erscheint 
es uns auch ganz ausgeschlossen, dass in Philistau resp. Phönizien jemals 
eine irgendwie belangreiche, d. h. für den Exporthandel mit au deren Völkern 
in die Wagschule fallende Fabrikation von Eisen oder Stahl längere Zeit 
hindurch geblüht bat. Wir werden also wohl die Statten der philistaiseh- 
nhöiiizist lien Bisenfabrik&tioE anderwärts zu Sachen luiben. 

Wenn flr. ISlanckenhurn (8. 86SJ hierfür das Nildelta in Anspruch 
nimmt, so vermag ich ihm dorthin leider nicht zu fidgen, denn dort wird 
wohl derselbe Mangel an Bitenerten herrschen, wie in dem philistäisch- 
[diönizischen Küstengebiet. Anders dagegen verhält es sich mit seiner 
■Weiten Hypothese, nämlich Kreta, die er für die ursprüngliche Heimat 
der Philister zu halten geneigt ist (S. 366). Dieser Ansicht neige auch 
ich zu. wobei ich nicht nur berücksichtige, dass nach der Tradition sowohl 
Phönizier wie Philister ursprünglich auf der Insel Kreta ansässig gewesen 
und vtwi dort späterhin, ebenso wie die kleinasiatisehen Garer auf das 
asiatische Festland übergesiedelt sein sollen, sondern muh die Tatsache, 



dass auf Kreta ein Überiluss an Eisenerzen und Feuerungsmaterialien for- 






Etliiulci- dür EUcntechnit. 



57 



Kunden ist LftVt man also die Tradition, welche Kreta aU die Urheinist 
da Philister- Phöni wer hrmrlnhaoti als richtig gelten, so würde es bei 
den geschilderten Verhältnissen als etwas durchaus Hafcörbches erscheinen 
ittuunelimen. doa die Philister-Phönizier nah nach ihrer Abwanderung 
»ob Kreta Ihren Bedarf tu BisenmetaU um fa wir vor auf dieser Insel her- 
stellten und ilns fertige Metall, respektive die <l;n in:- fabrizierten (M-niti- 
und Waffen von dort aus zu den anderen Völkerschaften exportierten. 
i»i die meisten Abnehmer der phönizischen Waren in den filteret) Zeiten 
kein« Seeschiffahrt trieben, m wurde sich durch die Annahme 
büiba inealmreo, den verschiedenen Küsten mehr nllzunah gelegenen Er- 
Kie es eben Kreta ist, auch um besten und einfachsten die 
afidls höchst auffällige Tatsache erklären, dssa es den Phöniuer- 
!'liili>ten] gelungen ist. durch viele Jahrhunderte hindurch das Geheimnis 
dei Bisen- und Btahlfabrikation und -bearbeitung vor allen Qbrigefe Völkern 
BU hüten und zu bewahren. 

Auf Orondlege dieser Hypothese stände natürlich dann auch zu er- 

i, dass auf Kreta sowohl Gerfite ROI Bs hmiedeeisen, wie auch 

VI äffen aus Stahl erheblich früher auftreten nnis-ron, wie in irgend 

einen anderen Gebiets «ler antiken Welt Bjetematisoh und ausdauernd 

betriebenen Forschungen nnNste es denn auch schliesslich gelingen, dort 

die prähistorischen Eisen- und Stahlerzeu^tm^sanhi^iMi, die Schmelsftfen usw. 

iah-phOniziachen Urbevölkerung wieder aufzufinden. 

Hierbei könnte eich dann aber auch sogleich die weitere Trage <r- 

i die l'hdni/äer-l'hilister nicht vielleicht bei der ganzen Yer- 

Dg der andereu Volker mit Bisen und Stuhl lediglich die Holle de« 

ein- und verkaufenden Händlers gespielt, dagegen mit der Erzeugung 

I90U8 selbst garnichts weiter zu tun gehabt hatten, ob also die Rare 

■ii Bfefindang der Eiseutechuik nicht einfach den Bewohnern der Insel 

Kreta ganz allgemein zukomme. Das aber würde uns denn doch sehr 

unwahrscheinlich vorkommen gegenüber der Tatsache, dass die nach 

der allgemein gültigen und in diesem Falle wohl sicher zutreffenden 

von der Insel Kreta nach Anatolien ausgewanderten Carer 1 ) 

Ohr. mit dem Bisen und seiner Technik ebensowenig bekannt 

waren. w„- ;illc andern anabolischen Völkerschaften. Aus diesem Umstände 

wäre übrigens Logiaeherweise zu »cbHessen, dnsa die Carer von Kreta ab- 



\iiili in dem Namen Kreta haben wir wieder das schon auf Seit« 03, Anmerkung *J, 

Ute turanischo Lokativ 9 uffix, nach tiefen Abstn-ifung als Stamm des Namens Cr 

Elu-n desselben Staiain linden wir aber auch in dem Sauen der Carer, wan 

lieh deutlich SB dein Lokalnamon Cres»u$, der Bezeichnung einer der Kaiintstfidtc 

. zeigt. Denn a(c, i, o, u'ssus (in diesem Falle also „cssus") ist ein turaiiischcs 

l .uL»ti\ »11 ffn, mit der Bedeutung „Stadt*, nach dessen Abstreicbung uns von dem Stadt- 

nnm*n <'ressii- aU Namen ebenfalls Cr [wie bei Crcta) übrigbleibt, sodass also Oressus 

direkt Mta.lt bedeutet Wie man sieht, gehört auch der in der Bibel Yor- 

m ■].• Sf-untiHi.iiii" „Cf-ethi" in dieselbe Kategorie hinoio, dessen Augohörigo be- 

ksantßsh ebenfalls von der Insel Creta her in Palästina eingewandert sein soDail, 

■ ins Annahme-, die nach dein oben Gesagten einige Wahrscheinlichkeit für sich tu 

- Im im. 



58 



Bclck 



wanderten, ehe dort die Philister- rhönizier die Eisenfabrikntion erftu 
bzw. in irgendwie erheblichem Masse ausübten. 

Sind die Phönizier-Philister aber in der Tat von Kreta gekommen, r. .|. 
Oberhaupt in Syrien-PalAstina nicht aiitorhthon. so Itat rieh nach ungefähr die 
Zeit ihrer Abwanderung von Kreta und ihrer SeHshaftmncbung in Phünizicn- 
Philtstaa bestimmen. Und zwar nicht bloss so allgemein, wie Hr. Blau» 
hörn und aiulere es tun. indem sie diese Ereignisse in die Hpütmyken 
Periode — «He ja mehrere Jahrhunderte umfasst - setzen, sondern < i- 
heblich genauer, nämlich auf rund 1300 v. Chr. Denn sicherlich 1 
• lir über See eimvauderndon Phönizier-Philister BLunlOhst die beetoi 
die Beesohiflabrt geeignetsten Punkte besetzt, ehe sie sich ftflok 
Innern zu auszubreiten begannen; sie werden also wohl zuerst Sidon Hfl 1 
dann Tyrus und di? anderen Hafonorte gegründet haben. Für Trrusab« 
hat uns Josephaa das genau.» tirfnidiiiiüsdntiiin im VIII Buch. Kap. 3.1 
Aberliefert, nämlich '240 Jahre vor «lein Beginn des salomonischen Tempel- 
baus, der gewöhnlich (ob mit Recht. i>t litte andere Frage) auf etwa 
1000 v. Chr. angesetzt wird, somit also etwa 1240 v.Chr. Wir werden 
also wohl schwerlich arg fehlgreifen, wenn wir, wie oben gesagt, de* 
Beginn der Abwanderung der Phönizier-Philister von Kreta auf ofw 
1300 v. Chr. festsetzen. Damit wäre dann zugleich ausgedrückt, das» 
mindestens schon seit 13<K) v. Chr. die Phönizier-Philister auch 
die Erfindung der Eisenfnbrikation gemacht und ausgebeutet hatten. 

Klir wir uns null dem letzten und wichtigsten Kulturgebiete, nämlich 
«gyptan zuwenden, wollen wir noch kurz auf einige Einwände bzw. Ba* 
merkungeu des Hrn. ßlanckenliuru eingehen. 

Wenn er (S. 303) Thubalkain, den Meister in allerlei Kr/.- und 
Bisenarbeit, mit dem Volke der Tubal (= Tobal der Assyrer, Tibaj 
der Griechen) zusammenbringt, so Übersicht er, dass Thubulkain I - 
Nachkomme Kains ••in knnaaunisehes Volk repräsentiert, wie wir ja am h 
späterhin die Keniter dort wiederholt erwähnt finden, während Tubal und 
Mcsech Sohne Japheis sind, also Völker repräsentieren, die nördlich WH 
Syrien wohnten, oder wie Josephua I. Buch, Kap. 6,1 sagt „nördlich v-mi 
den Bergen Taurus und Ananas in Asien Ins zum Flusse Tamil* in 
Kumpa". Dass diese Tubal (ebenso wie ihre Nachbarn dir Chulupi- 
Cbalyber) noch um IHM) v. Chr. keinerlei eisen technische Kenntnisse 
besessen, habe ich in meinem mündlichen Vortrage ausführlich auseinander- 
gesetzt und zwar mit den jetzt weiter oben S. ob mit Bezug auf die * lalupi- 
i 'halyber wicdergegebenen Worten, während der gedmok te Vortrag darüber 
;tufs. :;.vi eine »war nur kurze, eigentlich aber auch schon genügende N-uiz 
enthalt. Wenn im VL Jahrhundert v. Chr. die Tubal und Mesecb, also die Tiba- 
rener und Moseher, von Hesekiel als Hauptfabrikanten von Erz und Metall 
genannt werden, wobei Jeremies seinerseits wieder angibt, dass die Joden 
ihr Eisen aus dem Norden bezogen, so stimmt das beides vortrefflich ffir 
die damaligen Wohnsitze dieser bilden Völker, aber mit unserer Frage 
hat das kaum etwas zu tun. Es wäre mehr wie auffällig, wenn diese 
beiden Völker in der Zeit von etwa 875 v. Chr. bis etwa 700 t. Chi , 
während deren sie langsam vom Tigris durch Nordmesopotamien und 



Erfinder der Eisentechnik. 



;,i» 



1 

ii 



en nach l'uppndocien gesogen sind, bei den von ihnen pns.-'n it» \ 
Völkerschaften die Fabrikation des Eisens nicht auch allmählich erlernt 
i Dass sie die erschauten Methoden dann selbständig weiter ent- 
wickelten und verbesserten, eo dass ihre Erzeugnisse sich eines besonder* 
guten Rufes erfreuten, ist ein Verdienst, 'las.-, ihnen stiebt bestritten «erden 
soll. Zudem zeigt sieh bei den Tnbal und Mesech ja dasselbe, wie bei 
ihren Efachbaro, den Chalupi-Chalybern, die ja ebenfalls wegen ihrer 
MetaUtechnik, insbesondere ihrer Eisenfabrikate sehr berühmt waren. B> 
ist schwerlich ein Zufall, dass alle diese einander eng benachbarten 
und verwandten Völker berühmte Metallarbeiter und zugleich 
auch die allernächsten Nachbarn der Chaldei waren, die über sehr be- 
deutende tnetallterhnische Kenntnisse und Fertigkeiten verfügten und u. Et 
auch die Erfinder der sog. Tula-Silberarbeiten gewesen sind (vgl. Z. E. 
P.WK), B.59). Efl ist unter diesen Umstanden gewis* sehr interessant, dass 
die Georgier, die in. lv. nie auf S. . r ).'S — ,"i4 des Nahern ausgeführt, aufs 
längste mit den Ueseoh-Moflcheru zusammenhängen, während amlen i • n Ii 
! I.in| t^i.iimn. die Imeretiner - Iberer des Berodot, von Josephua im I. Duell. 
Kap. tM von den Tabal. den unzertrennlichen Begleitern der Hoseher 
abgeleitet wini. dan also die Georgier ebenfalls gftni In -rvorrugende 
Meister in Metallarbeit, insbesondere auch in ullort'einster SUbererl sit, 
Damentliofa Filigranarbeit, sind. 

Indessen, alles das, was Jeremias uud Hesekiel über die Tubal und 

Mesech sagen, bezieht Hieb ja auf eine um etwa 300 Jahre jüngere 

Epoche, wie unsere Frage, um! kommt infolgedessen nicht in Betracht. 

Dagegen drängt sich bei Tbubalkain noch eine Beobachtung auf: 

liahalk.iin, der Vater der Ei>enachmiede, ist ein Nachkomme k.uns, der 

TOB Qi Lehnet" wird (mit dem ^Kainszeichen"), und zwar nicht in 

gutem Sinne gezeichnet; licsse sich daraus vielleicht schlichen, dass die 

ehmiode in der ältesten Zeit bei den braelitep eine inferiore Stellung: 

einnahmen, eine verachtete Kaste bildeten? Etwa so wie es ja heute noch 

bei manchen afrikanischen Völkerschaften vorkommt, z. B. bei den von 

Heraker ia seiner so ausserordentlich Heissigeu Studie Itehandelten ost- 

mischen Mtssai? Das würde ja dann allerdings ein neues und 

i il klfii eil des Liebt über die Tatsache werfen, dass es zu Said.» 

/«•iten im südlichen Palastiuu keiue Eiseuscbmiede gab, und dess die 

dndeu aogar die Reparatur und das Scharfen ihrer Ueräte und 

Waffen scheuten, es vorzogen, diese Arbeiten von den verachteten E 

sehmieden der Philister vornehmen zu lassen. Wurden also jemals diu 

ede bei den Juden als eine verachtete, unreine Kaste betraohfc 
galten Qatargem&Sfi auoh die von ihnen hergestellten Waffen als unreine 
de so, wie das heute noch bei den Massai der Fall ist), woraus sich 
.In auch das Gebot erklärt, den AJtar des -lehova aus rohen, nicht 
s he Im iiimii'Ii Steinen EU errichten. 1 ) 

Hiuiichllich der Fäsenfabrikation bei den Chinesen und t\rn Indern 



I) Die weiter- V« rfolgaag dieser hochinteressanten Frag*- iiiii>scu wir den ^uudtulofsa. 
rt>n Tulmndforscheni QbcrUucn 



60 



Bekk 



(S, 368) beschränke icli mich auf den Hinweis, dass sie für die vorlieg 
Prag* ohne jode Bedeutung sein würde, da beide Völker nicht IDD 
Kulturkreise des Altertums um 1100— KHK» v. Chr. gehören. Was Indien 
Anbetrifft, so machte ich Hrn. Rlanckenhorns Angabe, dass dort da* 
Risen um IfiOO v. Chr. schon allgemein verarbeitet wurde, doch etwas 
bezweifeln; Hr. Oppert äusserte mir gegenüber, das* die Inder da» Bieei 
um 1000 v. Chr. gekannt hätten, vermochte aber nicht mir irgendweliln 
zwingenden Beweise dafür beizubringen. Aber, selbst wenn Hr. Blauckcn- 
horn die Richtigkeit seiner Behauptung beweisen könnte, so scheiden 
für un> die Inder doch au» der Reihe der für unsere Frage in Betracht 
kommenden Völker aus, da Bfl unwahrscheinlich, resp. kaum beweis 
dürfte, dass die Philister-Phönizier ihre Kenntnisse der Eisentechnik vou 
den Indern entlehnt hatten. Allerdings hat ja wohl schon lange iw 
S;i|iiiiu eine regelmässige Schiffahrt der Philister-Plummer nach Öphir — 
.iUo Lii-mass Mim Opperts und vieler anderer Forscher Meinung, nach 
Indien existiert, aber dass diese Schiffe Eisenerze oder Eisenfabrikate 
nach Philistäa-Fhönizien gebracht hätten, davon ist nichts bekannt. Und 
'loch müsste man annehmen, dass in der Bibel nicht nur das Gold und 
die Gewürze als Gegenstände des tynsch-indischen Handels angeführr 
Würden, sondern auch das so wertvolle und begehrte Eisen und die daraus 
hergestellten Waffen und Geräte, wenn wirklich solche aus Indien nach 
Kanaan exportiert worden wären. 

Aus demselben Grande erscheint es aber auch ebenso unwahrschein- 
lich, daai etwa die Phönizier Eisen und EiseugertUe aus Indien nach 
Ägypten gebracht hatten, nach Palästina aber nicht. Auf Grund all 
dieser Erwägungen scheint die Annahme berechtigt zu sein, dass die 
Phönizier-Philister ihre eiscntechnisclien Kenntnisse keineswegs von den 
In lern entlehnt haben. 

Ganz genau dasselbe gilt aber auch für etwaigo afrikanische Völker. 
die. wenn sie im hohen Altertum als Lieferanten von Eisenwaren für die 
Ägypter überhaupt in Betracht zu ziehen sind, sich hierbei keinesfalls 
der Vermittlung der Phönizier-Philister bedient, sondern ihre ErSBOgniMe 
auf dem Landwege naeb Ägypten geschafft haben. 

Und nun zum Schlüsse /u Ägypten! 

Da möchte ich mir gestatten, hier zunächst eine an mich gerichtet« 
Zuschrift des Herrn (!. Schweinfurth, gewiss einer massgeblichen 
Autorität auf diesem Gebiete der ägyptischen Forschung, mit dessen gütiger 
Erlaubnis auszugsweise wiederzugeben. Hr. Schweinfurth schreibt mir 
aus Berlin, 14. Juli M><>7: 

„Ich habe nun Ihren Vertrag ober das Eisen (Stahl) der Philister im 
Original durchgelesen und beeile mich, Sie zu dieser wichtigen Studie zu 
beglflekwftnaehen. lob zweifle nicht daran, dass über kurz oder lang die 
groase Mehrzahl sich Ihrer ebenso lichtvollen als neuartigen Beweisführung 
.inst hlieasen wird 

Hartland hat vor Jahren im Wady Magarah Spuren von Kisengruben 
feststellen wollen, d. h, Schlacken, aber Fl. Petrie hat nachgewiesen, 
dass es sich dabei nur um verbrannte -offerings at the sncred cave of 



r.ffimler der Eiseutechuik. 



.ii 



or" handeln könnte. Olshauson und andere scheinen zu Klauben. 
das* auf dar Sinai-Halbinsel alte Eisenniincwi (pharaonisehe) gefunden 
«eis«. In {? linder Petriei Work, der nur von Hamatit usw. 1 ) in Lagers 
spricht, ixt »In von nichts gesagt, ebensowenig in Hulls Geology.*) Da- 
ist die Östliche Wüste Ägypten reich an Braun- und Knlcisrnerzen. 
BOd beide Borten sind in der Tat ausgebeutet worden, aber erst in 
römischer Zeit, wie schon I'i^ari 1 ) und neuerdings Barron und Ilutne 4 ) 
AH vielen Stellen bezeugen. Das konnte v. Luachau noch nicht wissen. 
l< h glaube der Einzige zu sein, der eiue abbaufäliige Örtlichkeit von 

an in erreichbarer N4he vom Nil aufgefunden hat, und zwar bei 
m 4 fan vorn Nil, Sit (l (_:t. Bieenoxyd enthaltendes Mngneteiflen.") Magnet- 
eben kommt auch im Innern der östlichen Wüste vor, wio die starken 
Ablenkungen der Magnetnadel, namentlich in der Nahe von dioritischen 
Beateinen, beweisen. Kurz und gut: Von Abbau ton Eisenerzen und 
-Erden im ägyptischen Altertum ist in Ägypten keine Spur zu finden 

Das weiche, sporadisch rare Eisen, das den alten Ägyptern von den 
Oberen Nillfindera zugeführt wurde, kann nur als „Merkwürdigkeit"') in 
Betracht kommen. Von Übertragung metallurgischen Wissen < in 
vorromieeher Zeit keine Spur 1 ;. 

Die Ägypter mögen das Eisen gekannt haben als eine für sie nutzlose 
Merkwürdigkeit (weil es kein Stahl war), ebenso gut wie sie Kamele ge- 
kannt haben, ebne sie zu verwenden (wie wir etwa Renotiere), — aber 
Eisen gewinnen, das haben sie nicht gekannt, sich auch nicht 
durum L'i-k ü m meri, \\ 'm ee BO gewinnen.*) 

All* 1 'Ii- von Olshausen und Hl .mekenhorn sage führten Fu nd- 
bericlitr v.ni Eisen im alten Ägypten sind anfechtbar. ") Wo so 



1> W. F. Hume (topography and geology of the peniiiK. of Sinai, Cairo 1906* p, lli» 

28 führt airi Siuai subr reiche Eiaenerxlagpr an, im Uadi Mnlha. I\ Nusbud am 

Ai.u.M. und, Q. s. 

S D« aasige Fachmann, der bior toii altem Bergbau uufEisenerx ilirnuncisenst^in 

ÜB RMWltoiw des l fad] Nasb.J berichtet, war Russegger (Reisen in Europa, Asien nml 

Afrika, 111. Band B.3S6). Er sah mehrere Stollen und einen Schacht, betrachtete diosc 

Werke aber nur als Versuche, da die Stollen nur weiüyo Klafter tief waren. Auch hat 

Rnsaegger nichts Aber die Epoche anzugeben gewussr, in der diese Versucht 1 :msgeführt 

wurden. 0. Schweinfnrth. 

Mwlj scientific!, p. 187 u. 163 

inapby and geology uf tho Eastern dosert of Egypt, nn 13 Stellen des Werbe. 

'i afagnetstsonateio (= KiscumjdoiTdul IVO'i enthält 72,4 pCt Eisen; Herr 

linfnrtfa will also sagen, dass das Gestein 80 pCt. Magneteisenstein, eiit- 

I rd 58 pCt. Eisen enthalte, was in der Tat als ein sehr reiches Eisenerz zu 

hu« n wfiro. W. B. 

Dnnu ist aber auch die Annahme, daas die Philister im Nildelta die Eiscn- 

fabrifcj Dl haben konnten, wohl kaum noch als zulässig zu beseiehoen, W. B. 

Dil i r Tragend wichtigen Satz habe ich sperren lassen. Damit ist also eine 

: r etwaigen afrikanischen Eiscnteclimk nach Europa ausgeschlossen, 
Tum durch Vermittlung der Ägypter. W. B. 

8) l ii mir gesperrt; darnach scheint mir eine eigene Eisenfahrikntion da> 

pter kaum mehr in Erwägung tu ziehen zu sein. W. lt. 



62 



Belck; 



viele Tausende tnusende von Jahren lang bemüht gewesen sind zu graben, 
zu bohren, zu heben, um zu den Sehätzen zu gelangen, da kann doefa ifc und zu 
wohl auch einmal eine Klinge stecken geblieben, in einen Spalt hineingefallen. 
Ungebrochen sein Was beweisen ein Dutzend Funde den 3 — 4 Millionen 
Gegenständen gegenüber, die im Laufe der Zeit aus den ägyptischen 
ßribexn ans Tageslicht gebracht worden sind? Wenn von Berlin nur 
noch Schutthaufen übrig Hein wmlen. wird man vielleicht hie und dl tu 
den Häusern etwa» Plntindraht, PlntinHchwammchen usw. finden. Solche 
Pili ziehen werden aber doch nicht ausreichen, um die Nachwelt glauben 
zu machen, 'lie Berliner des XX. Jahrhunderts hatten alle liabeln und 
Löffel von Platin gehabt! Ich brauche nur das zu wiedt-rlnden. was 
ich 1905 (Z, f. E. 8. 84 u. **) gesagt habe. Im ägyptischen Moaenin 
zu Cnirn habe ich von Eisengegenständen aus der alten Zeit, nur die drei 
Stifte zu verzeichnen, die uns der 21. Dynastie stammen und verbrief! 
sind (— Xr. :il 932, XXI Dyn. „Clou de eetttneil eonserve «lans le bois tt ); 
im Katalog: „troia ohevillaa de long Qfift m qtü fixaient lea panneaox d'on 
cercuoil de la XXI* dvnastie. Fer u , im Saal K. Schrank D. 
AIIhs Übrige ist zweifelhaft.') 

Am meisten berfleksichtigenswert sind noch die Angabcu, die Masp 
iu BMOg auf scineu Fund in der grossen Ziegelpyramide von DnhBchur 
ISS.' oÄOhträglich 188] gemacht hat, aber auch in diesem Falle ist die ftldg 
lichkeit nicht ausgeschlossen, dnss die Kammern, die er fand, vor ihm 
bereite von früheren Eindringlingen besucht worden waren. 

Sie sehen also, ich unterschreibe alles, was Montelius gesagt Im:. 
und was keineswegs in Widerstreit zu Ihren Antraben steht. Von von 
Luschiin wciihf ich nur insofern ab. als ich nicht annehmet) kann, 
ilass die Igyptet das aus Zentralafrika erlangte Risen na-li 
Korden weitergegeben halten. Südeurona wird das Eisen gewiss 
früher erbalten haben von Osten her und von Westen, eveut. von beiden 
Seiten zugleich. Der letztere Wag kann aber nur über Africa minor ge- 
führt haben (Spanien, Sicilien). 

Eine bedenkliehe Erscheinung ist in dein tust uleiehzeitig, oder doch 
innerhalb eines sehr engbegreuztmi /ei trau IBM von kaum ltO—KiO Jahren 
stattgehabten (soweit es nachgewiesen) Auftreten von Eisen in Griechen- 
land und in Italien geboten, sodass mau weder fflr die flbermittelte Her- 
Lunl't vi>n Osten noch fflr die von Westen Anhaltspunkte dafür gewinnt, 
welches Land von Leiden früher das Eisen erhielt 8 ). 

Vor allem müssten Bisen und Stahl auseinandergehalten werden. 
Die prima etil del ferro von Alhann, das im Museo Kirchncriano in Rom 



I \ oa mir gesperrt. VT« B. 

Dk icfanall« WrlirrHung des Eisen- .'rklürr *\cU letehl Annita die vieles Bas 
fahrten « 1-r Philister- Phöniiier, insbosondoro der Neutyrcr, dio j;i nicht nur auf d«?n 
grirchischeri Ir-rln, sundern auch uuf ttiziliwi, in Italic». Nordnfrika, Spanien BSV 
Uhtrtfehfl Handelsniederlassungen gegrüudet haben. M. E. dürften Griechenland, Italien 
und Spanien du fciseo 10 ziemlich gleichzeitig durch die Phönizier kennen gelernt haben. 
Damit, vfiro denn nach zugleich för diese I, (Inder die Herkunft der EUenkenntnis \nn 
11 gegeben. W. B. 



4a Snestecfeik. 



W 



eine so gww RoDe s pie h . ist daraufhin vielleicht noch nicht genauer 
gesittet wordea. 

Das» die Ägypter das Eisen Tersehnsahcen. kommt doch daher, weil 
ihnen Ton Soden kern Stahl xageüthrt wurde, and das weiche Eisen ihnen 
nicht anaeabar erschien. Die 3cneermes*er im ägyptischen Museum, in 
grosser Monge aas allen Epochen, haben immer die beistehende Form 
(ähnlich aach die in Canhago gebräuchlich gewesenen, die in den letzten 
Jahren too Delattre ia grosser Anzahl aufgefunden wurden} und sind immer 
aus Bronze, bis mitten in die ptolemiische Epoche hinein. Alle chirur- 
gischen Instramente sind gleichfalls aus Bronie: ja sogar Sagen zum 
Brettersagen waren in der XVIII. Dynastie von Bronze, wie verschiedene 
Abbildungen und ein neuerdings im Museum von Cairo aufgestelltes Haus 
Rr.L 



H». -* 




3 eiserne Bolzes tod 6 cm Lange, die Bronxe-Rasiermesser ton ungefähr 10«-«* 

x«r Befestigung von Sarfrbrettern I-fioge, links typisches ^Cliakot") des 

dienten. XXI Dju. (cinxige Eisen- alten ÄpTptens, rechts panisches aus 

pegenstinde aas dem rorptolemaischeu Carthago (•'». Jahrh. v. Ohr. nach 

Ägypten, die das Museum ron Cairo Delattre), 

enthält ) 
„3 chevillet* <jui iiiaient le* panneaux 
oVun cercoeil de ls XXI« dynattie-Fcr." 

(Katalog d. Mus.) 

modell mit Figuren bezeugen. Die in <len punischen Xekropolen bei 
Duimes (VII— V. Jahrhundert v. Chr.) und bei St. Monique (IV. — II. Jahr- 
hundert v. Chr.) nahe Karthago gemachten zahlreichen Funde dor er- 
wähnten kleinen Bronzerasiermessor sind noch bemerkenswerter als die 
ägyptischen, denn sie beweisen die Wertschätzung der Bronze «lern Kison 
gegenüber zu einer Zeit, wo in Italien das Eisen bereits seit 7 — 8 Jahr- 
hunderten bekannt war und auch in Karthago bereits die weitreichendste 
Verwendung fand. Die punischen Bronzerasiermesser waren übrigens (aus 
Alexandria) importierte Ware, die demnach als sehr zweckmässig erachtet 
worden sein muse. 

Die blaue Farbe bezeichnet nicht bloss „lusen" im alten Ägypten. 
Mnspero erzählte mir selbst, dass es Bilder gäbe, wo alte Männer mit 



64 



Bclck: 



blauem Bart gezeichnet seien. Blau bedeutete, wie Mnspcrv an^ah, 
in altagyptischcr Kunst eben zugloich auch grau. Daajcni-' BUea, ! 
alten Ägypter sicherlich kannton, war das Meteoreisen, wie schon ihn 
Xamen^ebung für dasselbe andeutet, das „Hinimelsraetall". Tn der B&efctBD 
Wture findet man Meteoreisen leichter als bei uns auf der Oberflfiebi 
leb fand einmal eine Kanonenkugel, 30 km von Qairo, im Osten, in 
Wady T)ugla, die sich später als Meteoreisen herausstellte, ([eh war 
anfangs erstaunt, so weit entfernt auf Kugeln zu stosseo ) 

Erwähnung verdieut das Vorhandensein von Eisen an gewissen Brouze- 
figuren des ägyptischen .Museums zu Berlin, die aber bis nuf 1 — S 8 
nicht datierbar sind und der Mehrzahl nach der griechisch-römischen 
Epoche angehören, höchstens bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. hinaufreichen 
können. Prof. L. Lewin fand eiserne Kernhalterstifte an einer Bronze- 
kfttoe, die übrigens sehr wohl aus römischer Zeit stammen kann. 

Viele Eisen- (Stahl) lache u enthält das Alexandriner Museum aus 
ptolemftischar Epoche, namentlich grosse Schwerter, Dolche, Schaber 
(Strigiles) etc. aus der in den letzten Jahren aufgedeckten Nekropolr (Jor 
Zeil des Ptolemäus Fhiladelphua. Ich habe davon Zeichnungen. 

Im Museum von Palermo sab ich äusserst massive H- förmige Klammern 
TOD Biaen, die im alten Tempel von Selinunt (Anfang des sechsten Jahr- 
hunderts v. Chr.) zum Zusammenhalten der Motopeublöcko dienten, und 
die mit Hlei ausgegossen waren.') Also zu einer Zeit, wo man so ver- 
schwenderisch mit Eisen in Sizilien umgehen konnte, rasierte man neb 
io agypten und in Karthago immer noch mit den charakteristischen 
Itronze beilchen. " 

Und mit bezug auf die Philister bemerkt dann uocli Hr. Sehwein* 
forth: 

„Dan innerhalb einer bestimmten Volkergrupjie gerade ein einselBes 
Volk das Schiniedevolk par excellence ist, diese Spezialität vertritt. i>i 
etwas, was sich in sehr verschiedenen (iebieten wiederholt, und dazu 
stimmt Ihr Philister-Fall sehr gut. Ks ist ein Wunder, dnss Ander- 
Ihnen das nicht herausgebracht haben . . . . u 

Soweit Hr. Seh wein furth. dem wir für diese ebenso wichtigeu wie 
"iVi'idiorzigen Darlegungen wärmsten Dank schulden. 

Danach kann ich mir wohl ein Eingehen auf die von den Herren 
( »Ulia Ilsen und 151a nekenhorn aiigeliilirlcii alifigYptfaehen Kiseufunde 
ersparen: de sind und bleiben das, als was sie schon Monte! ins be- 
Bttch&ete, nämlich zweifelhaft und unsicher. Aber selbst wenn diese sehr 
vereinzelten Funde »loch alle als unzweifelhaft echt und xmvrläsjdy; er- 
wiesen wären oder erwiesen werden könnten, so wurden sie doch auch 
nur eben beweisen, dnss den &gypter& schon in noch alt« im Zeiten, als 
wie gemeinhin angenommen wird, hin und wieder ein Stückchen Schmiede- 
eisen alfl grosse und für sie praktisch nicht verwendbare Rarität in die 

1) Auch bei meinen Ausgrabungen in «Jen Ituinon der im VI. Jahrb. v. Chr. durch 
difl Annullier eroberten und verbranuten chaldischcn K&nigsburg auf Toprakkaloh iVan) 

mrrdeo neben FaosandM von BiwraeA Wafltfi auch gewaltige Eisenstüeko (Vermnkoruogan 

u«w/J zutage gefördert. W. B. 



TrlindiT de* F.iacntechnik. 



«;:. 



H.in-I. geraten Mi. Ja noch mebr: diese Eisenfunde wären wegen ihrer 

i grossen Seltenheit geradezu ein direkter Beweis dafür, dasa 

Ägypter, obgleich sie das Eisen sowohl in Form von natürlichem 

Meteoreis«-n wie auch von künstlich hergestelltem Schmiedeeisen kannton, 

es doch weder zu einer fabrikatorischen Eisenerzeugung noch auch zu 

and einer praktisch erwähnenswerten Verwertung oder Verwendung 1 ) 

des ihnen aus anderen Quellen zugänglichen Metalles gebracht haben! 

Das heisät alsu: im allergfinatigaten Falle haben «He alten Ägypter das 

Elisen und daraus (wahrscheinlich von anderen Völkemj gefertigte ISeräte 

gekonnt, aber weder selbst Eisen erzeugt, noch auch Eisen praktisch BQ 

erwerten verstanden, bzw. sich urn dessen Verwertung bemüht. Das» sie 

ebenbei auch keinen, unter selchen Umständen ja auch zwecklosen Eisen- 

eraberi trieben haben, geht aus Hrn. Schwoinfurths Ausführungen 

hervor, und somit scheiden die Ägypter für die weitere Kr- 

rinrung der von mir aufgeworfenen Frage vollständig aus. 

[oh mu.Hs liier auch mit einigen Worten auf die von den Verfechtern 

iner altagyptischcn Kiseiiiudustrie versuchten Erklärungen des, wenn 

berhaupt. so doch unleugbar höchst seltenen Vorkommens von Eisen- 

i Ben im alten Ägypten eingehen. Wenn Maspero als Ursache hierfür 

die Umarbeitung alter Stücke ia neue Formen* und „die Zerstörung 

erloren -r Bachen durch Host" angibt, so ist das in der Tat nichts weiter 

Bini Verlegenheitserklarong, Denn die vermutete „Umarbeitung** 

■ mimt iltsolut nicht in Betracht gerade bei denjenigen Stückon, die uns 

hilf ;irn ullirmeisten interessieren, nämlich den Beigaben der Toten. 

: wirklieh Eisen zu Waffen und allerlei «Jeruten verwandr worden 

t VOB den alten Ägyptern, wo sind dann die Lanzenspitzen, die Schwerter. 

olehe, Pfeilspitzen, Streitäxte, Hellebarden usw. usw. geblieben, die wir 

su Hunderttausende]] in den unzähligen bereite dnrohaochtea Grabkammani 

antreffen müssen? Anzunehmen, dass niemals solche Waffen den 

hen wordeu seien, wäre ebenso töricht wie, dass allen bis- 

D Erforschern Ägyptens, auch den ernstesten, gründlichsten und be- 

niluiitesteu das Malheur passiert sei, ausnahmslos nicht nur kleine 

eiserne Pfeilspitzen, sondern sogar grosse eiserne Dolche, Sebmfttif msu 

Qbereeben oder nieht der Erwähnung wert gefunden zu haben! Und rw 

das Eigentümlichste daran wäre: selbal den eifrigsten Verfechtern einer 

rptischen Eisenteclmik, wie x. 1J. Maspero, wäre das Malheur passiert 

— «renn wir von dem iuo 5 auf 8. 874 angeführten, ganz vereinzelten 

und sadem nach Jim. Bchweinfurth auch noch zweifelhaften Falle ab- 

lehen — immer nur solche Einzelgräber zu Offnen und au untersuchen. 

in denen keine eisernen [bsw. stählernen) Waffen deponiert waren. 

1 ad was hier von den Waffen getagt worden ist, gilt in demselben 
Uaassü ron Geräten, z, B. Scheren, Schermessern. Pinzetten, Taeohen- 
'»''-'.'in. Meissein. Bohreru, Nadeln und all den unzähligen kleinen und 



I Pfiff Hm. BUnektnhorBfl Behauptung [S. 3BS), dass 2iir Zeit »ler XIX. Dynastie 
in vtlona der ugabliehc Auszug Hruels aus Ägypten falle, eiserne Pflugscharen un«l 
Uattiaa in Ägypten „natürlich* in liebntiirh ^'n^'ii seien, isi kfhierlci Pewci- 
>■ -Kt, Um Sehweiafurths Ausführungen ergeben das Üetfonieil. 

JahriMOuB. Hell I. ,"( 



.;.; 



Met: 



grossen Gebrauchsgegenständen des ttgtiebef) Lebens. Solcher gltrt 
»ehr viele, die aus Stahl, und ebenfalls sehr viele, die aus Schmiedeeisen 
angefertigt werden, aber bis jetzt hat man weder stählerne noch <iueh 
m liiniedeeiserue in solchen («räbern gefunden, obgleich doch Nägel, Draht 
und dorgl. Dingo sind, auf die man bei ihrer vielseitigen Verwendung 
eigentiiah in jedem lirabe stossou müsste. 

-Fa. wenden da die Verfechter der altftgypttsdton Eisentechnik «-in. 
alt diese Sachen waren auch vielleicht einnuil in den Gnibkammorn ent- 
hüllen. uluT der Zahn der Zeit hat sie zerstört, der Kost aie zerfressen ' 
Ganz dfihtig hat diesem Erklärungsversuch gegenüber schon Monte*! i i - 
dann den Nachweis der entstandenen I{ o st müssen gefordert. Ich meiner- 
seits kann nach den von mir gemachten Erfahrungen diese Behauptung 
durchaus nicht (da zutreffend gelten lassen. Denn ein derartiges totales 
Verrosten und daraufhin erfolgendes gänzliches Verschwinden auch <i> - 
Koste* müsste man doch natürlich nicht nur in den ägyptischen, wondoru 
auch in den Xekr<>]>olen anderer Länder beobachten können; das aber 
i-;t dar »baut nicht der Fall. Ich habe in kaukasischen Gräbern ni<M 
nur der jfingeroa Kiseiueit \iele Tausend»* von Pfeilsjnt/.eih l.unzen- 
spitzen usw. gefunden, sondern auch in Urabern der Übergangszeit v<m 
Bronse ah Bisen, vra letzteres noch hoch im Preise stund und deshalb 
mir oder doch vornehmlich mir zu Behmucksachen verwendet wurde, 
dünne eiserne Armringe und Fingerringe, sehr gut erhalten, neben 
Broiizewaft'cii aiiL'« i" tli-u .In, was ganz besonders instruktiv ist. ich hal i 
wiedei'lndt (irahkaiain'M'ir Steinkisten) angetroffen, die 0,8 — 0,6 9H unter 
der Erdoberfläche mbugen logen in sumpfigem Terrain und bia tum 
l'nterrnude der I)eek|datron mit Wa-BSer angefüllt waren, das ich ersl 
mühsam mit Eimern ausschöpfen lassen mnaste, eh.» ich an die eigentliche 
AitHiiuinung herangehen konnte; und trotz dieser anscheinend so hOchsi 
ungünstigen ELonser v iurungibed iugungen habe ieh erst&nnlicherweise sowohl 

die Rroii/.e- wie auch die BifiSttSSOben in hervorragend gutem Krim Irin 
zustande herausgeholt ! 

Ich bestreite deahalb inf Qrand meiner praktischen Erfahrung auf 
«las ullerenUchiodonste, dass ein irgendwie nennenswerter Teil der in nlr- 
ägyptischen Gräbern niedergelegt gewesenen BSsensAolien ilurch V ( .h-Mi 
vollständig hatte zerstört und tum spurlosen Verschwinden gebrachl 
werden können, behaupte vielmehr, dass wenn in jenen Grfibern keine 
K:^'iis;i<'lien heute gefunden werden, sohdie auch vor Alter* darin nicht 
beigestellt worden sein lednnen Wie gnl ^ i< ■ li eiserne Bachen in Rgyp - 
tischen Qrftbsrn konservieren, beweisen ja um besten die drei ron 
Hrn. Schwetnfuri li angeführten Sarkophag-Nägel der XXI. Dynastie 
(vgl. S. <'»-_') und die ron Hrn. Olshausen, d V. S. 376, angeführten 
Bieentsoben in einem (Srnho vom Jähret' v. Ohr Dass Efsensflchen 
sich selbst im Wasser dureh .liihrtaiisende hindurch gut erhalten, be- 
weisen ferner die Moorfande. Und wenn z. B, bei der Untersuchung 
irgend eines pffchtbanei sieh nur Bronze- aber keinerlei Eisensschen vor- 
fanden, ec hal bisher meines Wissens noch niemals ein Forscher be> 
banntet, dsss besagter Pfahlbau zwar der Eisenzeit angehöre, ebsc 



Erfinder 4« Btsenteolnvlk. 



rr; 



rlei Bisengerät mein aufweise, noch aufweisen könne, weil „uatur- 
^emüsa" alle derartigen Sachen im Wasser vollständig; verrostet und vcr- 
vcbwomdeB Baien. 

Au.- alledem geht für midi klar hervor, dnsa in altägyptischon 
Gsftbara nur deshalb kein oder so gut wie kein Eisen gefunden 
weil die Ägypter jener Zeit eben kein Eisengerat rer- 
ideteu 

Und damit gldabe Loh in D berenietinimifsg mit Hrn. Schwein Fürth u A. 
die angebliche „Eiaenteehuik" der alten Ägypter definitiv als abgetan 
iahten zu dürfen. 

Wenn wir noch einmal kurz, die bisherigen Resnltste resümieren, so 

ah dso ergeben, data für die Seit 1 100 — 1UU0 v.Chr. sich lediglich 

für Kanaan und für Palästina im • • 1 1 lt * ■ *' o n Sinne eine tatsächlich vor- 

nti chnik hat nachweisen lassen, als iivwn vorzüglichste 

r ii.n-h via ror die -.Philister* 4 , iru weiteren Sinne aber wohl die 

iftdliehen Phtinicier Qberbanpt zu betrachten sind. Es hat «ich ferner 

:. dass alle weiteren Bemühungen, für jene entlegene Zeit auch 

bei anderen dem Kulturpreise des Altertums angehörenden 

?6lk< Btsentecbnik nachzuweisen« und zwar eine ßisenteehnik 

i inertei ob selbständig erfunden oder entlehnt, ein negatives 

j; mltal ergeben haben, den insbesondere auch der fcgyptieohe Kultur- 

« -Hi- auszuscheiden ist. 

loa <ii" weitere Finge, ob die Phüister-Phonieier die Efiaentoohnik 

pi loteten runde selbständig erfunden oder von irgendwoher entlehnt 

beben, sctieinl eine Förderung bzw. Einengung dattio erfahren zu haben« 

data in dieser Beziehung indische und ostsfriksniacbe Volker hochst- 

vuhrscbeinlieh auszuscheiden haben, und diiss wohl tum' die hinein des 

Mittelländischen Heeres, darunter in erster Linie Kreta, hierfür in Betracht 

l. Auch eme Entlehnung aus Africa minor würde Minder 

wahrscheinlich sein, weil dann vermutlich das Bisen in den westlichen 

Ländern frÖher liütte auftreten müssen wie in Syrien-Palästina, während 

ande I Gegenteil der Fall i- r - 

Hehr interessant mauste auch eine Feststed in hl* und genaue philologische 

-n. leine; der Dezt'ieliHiiiiu' dos Metalles Eisen Lei den \ 'ers i-hiedenen 

rn des Altertums sein, weil sich aus ihr in vielen Killten ergeben 

limrli weisen Vermittlung die betreffenden Völker das Bisen zuerst 

kennen gelernt haben. Demi hier, wie in anderen -analogen Fallen, dürfte 

et sich nicht allzu selten ereignet haben, dnaa das betreffende Volk mit 

lenofi Metall auch dessen Namen von den importierenden Händlern 

Den hat. 

Da wäre 'um zonSohst zu untersuchen, ob dermis überlieferte hebrtti 

nck für Bisen« barsei ein semitischer ist oder nicht Stammt die Eisen- 

. lebt aus dem von Semiten bewohnten Teile Vorderaeierjs, so hätte man 

I '•' /eichnung für dieses Metall wohl einen niebtseinitiacben Ausdruck 

an. Oboe hierbei mehr wie eine Tatsaobe konstatieren au wollen. 

mCehte ich nur darauf bin weisen, dass im Georgischen, einer turanischen 

he, daa Bisen .. t»ri * heiest (oder mit dem „Metall" kurzweg be- 



68 Belck: 

zeichnenden Vorsatzwort ,tith" vollständiger „tith feri u ); und genau 
ebenso, nämlich auch „feri" (bzw. vollständiger „dje feri u ), heisst das 
Eisen im Rumänischen. Ob und inwieweit das phöniciBch-heträische 
„barsel", das lateinische „ferrum" und andere Bezeichnungen des Eisens 
mit dem turanischen „fori" zusammenhängen, das zu untersuchen und 
festzustellen muss ich den Philologen von Fach überlassen. So viel aber 
scheint mir das altägyptische „ba-n-pet" doch zu beweisen, dass weder 
die Ägypter dieses Metall zuerst von den Philistern, noch auch umgekehrt 
die Philister es von den Ägyptern kennen gelernt haben, während der 
assyrisch-babylonische Ausdruck für Eisen „parzillu" — vorausgesetzt, dass 
für diesen Kulturkreis eine selbständig erfundene Eisentechnik nicht in 
Frage kommt, wie wir das eingehend (S. 351—355 und S. 47 ff.) nachgewiesen 
zu haben glauben, — u. E, geradezu auf Philistäa-Phönicien, bzw. über- 
haupt irgend ein semitisches Volk als den Überträger der Eisentechnik 
hinweist. Zugleich schliesst der Ausdruck parzillu die Möglichkeit aus, 
dass die semitischen Bewohner Mesopotamiens die Kenntnis der Eisen- 
technik etwa von Norden oder Osten her, von den dort siedelnden Ohaldern 
oder anderen turanischen Völkern, übernommen haben könnten. 

Die Frage, woher die alten Ägypter etwaiges Eisen, wobei natürlich 
nur an Schmiedeeisen und schmiedeeiserne Geräte zu denken wäre, 
bekommen haben, ist nach wie vor eine offene, wenngleich m. E. die von 
den Herren Schweinfurth und v. Luschan vertretene Ansicht, die hierfür 
die südlich von Ägypten wohnenden afrikanischen Völkerschaften in An- 
spruch nehmen, einen sehr hohen Grad von Wahrscheinlichkeit besitzt. In 
jedem Falle aber schliesse ich mich Hrn. Seh weinfurths Ansicht an, dass die 
Ägypter von diesen Völkern vielleicht Eisen und eiserne Geräte, nicht 
aber eine Eisentechnik übernommen haben, somit auch nicht an andere 
Völker weiter zu übermitteln in der Lage waren. 

Wenn demgemäss dann auch die afrikanischen Völkerschaften und 
deren etwaige antike bodenständige Eisentechnik bei der Beurteilung 
unserer Frage: Welchem Volke des Kulturkreises des Altertums verdanken 
wir die Eisentechnik? auszuscheiden haben, so ist die von Hrn. v. Luschan 
gegebene Anregung, der Geschichte des Eisens bei den afrikanischen 
Völkern nachzuforschen, nichtsdestoweniger sehr dankbar zu begrüssen. 
Ich beabsichtige denn auch in praktischer Verfolgung dieser Anregung 
meine Studien auf diesen Erdteil ganz besonders auszudehnen und auf 
Grund einer au Hand eines ausführlichen Fragebogens vorzunehmenden 
umfassenden Umfrage bei Forschungsreisenden, Missionaren usw. fest- 
zustellen, wo überall wir bei afrikanischen Stämmen eine bodenständige 
Eisentechnik anzusetzen haben. Es ist klar, dass es Jahre in Anspruch 
nehmen wird, ehe auf diesem Wege irgend ein Resultat erreicht werden 
kann, indessen, wir haben viele Jahrzehnte gebraucht, bis wir der Lösung 
unserer Frage nur einigermassen näher gekommen sind, und so steht zu 
hoffen, dass wir auch für das von Hrn. v. Luschau aufgeworfene Pro- 
blem allmählich eine befriedigende Lösung finden werden. 

Zum Schluss möchte ich noch einmal nachdrücklichst auf die Tat- 
sache hinweisen (vgl. S. 348), dass die I. Samuelis 13,19 — 21 aufgeführten 



Erfinder der Eisentechnik. 69 

Waffen und Geräte — Schwert, Spiess, Beil, Sense, Haue, Gabel, Stachel 
und Pflugschar — durchweg solche sind, die entweder ganz aus Stahl be- 
stehen, oder doch zum Mindesten aus an gestähltem Schmiedeeisen. Und 
wenn es heisst, dass die Juden diese Geräte bei den Philistern schärfen 
lassen mussten. so ist damit zum Mindesten gesagt, dass die Philister wie 
die mit der Stahlbearbeitung und -schärfung Vertrauten, so auch wohl 
die Erzeuger und Verkäufer der Stahlwaffen und -gerate waren. Es ist 
erklärlich, dass sie diese Fabrikation, hinter deren Geheimnisse zu kommen 
garnicht so sehr einfach war, möglichst lange geheim zu halten suchten 
uud Stahlsachen wohl auch nur zu horrenden Preisen abgaben. In jedem 
Falle haben wir in dieser Bibelstelle die bis jetzt nachweislich 
älteste Erwähnung von Stahlwaffen vor uns, als deren Erzeuger un- 
zweifelhaft die Philister zu betrachten sind. Damit aber, mit der Feststellung 
der ältesten Stahlfabrikanten und St^felschmiede, ist in der Frage nach dem 
Ursprünge der Eisentechnik ein wichtiger, wenn nicht der für den Kultur- 
fortschritt der Menschheit wichtigste Abschnitt zur Beantwortung und Er- 
ledigung gelangt Und an der These: 

„Als die Erfinder der Stahlfabrikation haben für uns 
die Philister (-Phönizier) zu gelten" 
dürfte jetzt kaum mehr zu rütteln sein. 

Im Gbrigen aber bleibt alles das, was ich auf S. 347 — 349 über den 
Zusammenhang der Fabrikation von Schmiedeeisen und Stahl gesagt habe, und 
dass sich letztere aus ersterer naturgemäss, wenn auch langsam und erst 
im Laufe von Jahrhunderten, entwickelt haben muss, zu Recht bestehen, 
so dass wir sehr wahrscheinlich in deu Philistern auch die bis jetzt einzig 
greifbaren, selbständigen Erfinder der Schmiedeeisenfabrikation jener 
Zeitepoche zu erblicken haben. 



3. Vokabular der „Colorados" von Ecuador. *) 

Von 

Otto von Buohwald-üuayaquil. 

Über das Vokabular schreibt mir Herr Otto von Bachwald, dass es nur von ihm 
selbst gehörto Worte enthalte. Es ist oine sehr dankenswerte Ergansang der Vokabulare 
dieser Sprache, die ich zuerst in den «Originalmitteilungen aus dem Königlichen Museum 
für Völkerkunde 41 und darnach, um einige andere Listen vermehrt und erweitert, in dem 
ersten Rande meiner „Gesammelten Abhandlungen zur amerikanischen Sprach- and Alter- 
tumskunde" (Berlin 1902) S. 1—48 veröffentlichte, fber das Volk, das diese Sprache 
spricht, sind seitdem einige recht interessante Mitteilungen von Dr. Rivet, dem Arzte 
der „Mission francaise pt'odcsique do TEquateur", der im August 19051 vou Quito aus dieses 
Volk besuchte, im zweiten Bande der neuen Serie des .Journal de la Socii'-te des Ameri- 
canistes do Paris" veröffentlicht worden, wo man auch Photographien von Männern und 
Weibern der Colorados und von ihren Häusern findet. Und im vierten Bande dersolbcn 
Zeitschrift haben im vorigen Jahre Honri Beuchat und Dr. Rivet nunmehr auch das 
von Dr. Rivet aufgenommene Vokubular publiziert, das unser Material über diese Sprache 
wiederum in sehr erfreulicher Weise vermehrt. Ed. Seier. 

Alphabet zum Vokabular der Colorados-Ecuador. 

a wie im Deutgehen. 

b zuweilen gleich w ausgesprochen 

(1, e, ae, f, g, h wie im Deutschen. 

i zuweilen mit e verwechselt. 

k zuweilen wie g. 

1, m, n wie im Deutschen. 

o zuweilen mit u vorwechselt. 

p zuweilen mit b verwechselt 

r, s, t wie im Deutschen. 

u zuweilen mit o verwechselt. 

v gleich dem deutschen w. 

X wie ch oder griechisches /. 

y am Ende der Silbe Vokal, am Anfang der Silbe Konsonant. 

ch gleich dem spanischen ch (tsch). 

sh gleich dem englischen sh (seh). 

Colorado. 

Saxchi der Mensch. 

saX cn '^ a die Menschen (los Colorados). 

la chi sa\chila meine Familie. 

tele saxchila Volk — Tribus. 



1) Vorgelegt in der Sitzung vom 19. Oktobor 1907. 



Otto t. Bachwald: Colorados. 71 

sa\chila duke hana .... es kommen viele Leute. 

sen sa^chi der gute Mensch. 

sen sa^chi hishinayö . . . ich gehe mit dem guten Menschen. 

seil saxchi chi ya .... des guten Mannes Haus. 

Unila der Manu. 

unilalä die Männer. 

sona die Frau. 

sonalä die Frauen. 

mangurin unila ein junger Mann. 

unila tan raangarin .... eine junge verheiratete Frau. 

unila taindae bringe deiuen Mann fort. 

sona napuay eine schwangere Frau. 

sona nakika eine entbundene Frau, Wöchnerin. 

Apa der Vater. 

aya die Mutter. 

tata ö ta%ta der Grossvater. 

aya mama die Grossmutter. 

nao der Sohn. 

namä die Tochter. 

nalala die Kinder. 

pa chi nä des Vaters Sohn. 

uao chi nd der Enkel. 

ako der Bruder. 

soke die Schwester. 

inampi der Oheim. 

manku die Tante. 

la chi apa vokidö shui . . . Unser Vater im Himmel. 

nu chi ayan sona? .... Lebt deine Mutter noch? 

ayan puyakä die Mutter ist gestorben. 

Mia der Gobernador. 

paluga mia der höhere Chef (zweimal Chef). 

kola der Bergbewohner. 

peletö der Küstenbewohner. 

tarimpo der Dieb. 

nagenoxtö der Freund. 

pone der Zauberer (el brujo). 

yukan der Teufel, der Böse. 

pateli (span. padre) .... der Priester. 

olacho der Krieg. 

toxteninae der Mörder. 

mishu der Kopf. 

ä das Haar. 

kaska das Auge, das Gesicht. 

kifü, kinfii die Nase. 



72 OttoT. BMfcwtld: 

fiki der Mond. 

taefü der Zahn. 

pungi das Ohr. 

kudan der Hafs. 

kü die Brost. 

pekolo der Bauch. 

kaskafü \ 

ka X kafü / d,e Ä «genbrauen. 

tesae der Bart, das Kinn. 

tedae die Hand. 

sa tedae die rechte Hand. 

Xala tedae die linke Hand. 

tedae kuan la chi! . . . . Gib mir die Hand! 

manta tedae mitai-miska . . die Hand hat fünf Finger. 

tedae ayenka der Daumen. 

tedae naska der Zeigefinger. 

tedae nene naska .... der grosse Finger. 

tebebae der Nagel. 

bosta das Bein. 

medae der Fuss. 

bon tedae der Nabel. 

paegonö der Magen. 

kiluishi die Rippe. 

kantsä die Galle. 

kaxkae die Leber. 

taxki die Milz. 

tenga das Herz. 

neblonga das Knie. 

bestendae der Rücken. 

kuü der Hintere. 

nimri membrum virile 

numi pifoga testiculum. 

nemi shula die Zehe. 

tedae shidae der Knochen. 

i"P» die Milch (aus: aya-pi). 

asan das Blut. 

saxchika das Fleisch. 

fiban tesae 1 , . tI 

fiban achü / graue oder wei88e Haare " 

pebishä Exkremente, Kot. 

To die Erde. 

yo die Sonne. 

yo kidö der Himmel. 

yo tu der Mittag. 

sabö der Stern. 

pae der Mond. 



Colorados. 73 

kepe die Nacht. 

kaeampae Neumond. 

pae x& mobirä Vollmond. 

pae neme abnehmender Mond. 

pae toe der Mond scheint nicht. 

hnapunge das Tal. 

du der Berg, der Hügel. 

sanla der Sand. 

shuarato das Ufer (la playa). 

!"' 1 der Wind. 

nukina i 

. \ der Stein. 

shuga J 

mudü der Sumpf. 

kuntä der Blitz. 

kuntapax der Donner (vgl. „Kotopaxi"). 

pinda der Blitz, das Wetterleuchten. 

ni das Feuer. 

nifü der Herd. 

ni lunay das Feuer brennt. 

. ' y } das Feuer raucht. 

ni puyuuay J 

nidä der Teller. 

ni kuan! gib mir Feuer! 

pi das Wasser, der Fluss. 

., . } die Insel. 

pikuri i 

pahiga pi der ZusammenHuss von zwei Flössen oder 

Bächen. 

lubo pi der gestiegene Fluss. 

gua pi der grosse Fluss. 

pi naska der kleine Fluss. 

... t Stromschnelle. 

P I Correntada 

pilü das Wasserloch. 

pipihi der Teich, der See. 

kuempi stilles Wasser, stehendes Wasser. 

supi der steinige Fluss. 

pi huaynay der Fluss steigt. 

pi tuinay der Fluss fällt, trocknet aus. 

pi piache sich baden. 

pi gun pu%u das Meer. 

Ya das Haus. 

X X j \ me j n Haus. 

la cni ya J 



74 Ottov. Bnchwald: 

tanio 1 die Tür. 

pongo / tamo ist das ältere Wort und hat nichts 

mit „Tambo" zu tun. „Chilin tomo u mit 
[Janen zusammengebundener Verschluss 
eines Baches, um zu fischen. — „Tamo" 
kann auch „Wand" bedeuten — „pongo u 
ist Kichua. 

shudinö der Sitz. 

hadae, shudidae! Komm, setze dich! 

ya bine shaneö Ich komme vom Hause. 

nirage holato! Wie geht es dir? (Einzige Begrüssuugs- 

form eines Ankommenden. Guten Tag 
usw. gibt es nicht.) 

sen hola hiva Ich befinde mich wohl. 

In chinayo Ich werde hinaufsteigen (der Wohnraum 

liegt 2 — 3 m über der Erde). 

ma hinayö Ich gehe fort (das ist die Form, um Ab- 
schied zu nehmen). 

ma hidae! Gehe! — Mach dass du fortkommst. 

nu inö shinatö Woher kommst du? 

ya donü I 

ya kido ; das Dach des Hauses. 

ero kido J 

se ton ero kido das Dach ist schlecht. 

ya tamo \ .. „ 

4 \ die Haustur. 

ya pongo ( 

pongo fore dilti! Öffne die Tür! 

pongo dedae! Schliesse die Tür! 

ti muantö? Wie heisst du? 

panami moske Ich will sprechen lernen. 

, * > Ich verstehe dich nicht. 

mira tot ; i 

nu chi apa pan%udae! . - . Frage deinen Vater. 

kakarit' 1 shinayo Ich werde lachen. Prof. Seier S. 3H: 

cacari bedeutet nicht König. Martiny 
irrt: man hat „Key", König, mit „reirse" 
verwechselt. 

tobi kepodae! Wirf es zur Erde! 

seto, kepodae! Es taugt nichts, wirf es fort! 

la chi ya viadae! Tritt in mein Haus! 

la chi ya tinc shi ma lode Ich komme aus meinem Hause. 

la se ich bin. 

la so toi'io ich bin schlecht. 

kaso ü sha Lasst uns schlafen. 

kasö tiö Ich kann nicht schlafen. 

kiemboyö Ich bin krank. 

pu%ka kay Ich habe die Blattern. 



Colorados. 75 

kupara kuan toe Es gibt (hier) kein Fieber. 

misliu kay kianay .... ich habe Kopfschmerzen. 

toxte anay ich werde töten. 

toxte todae töte mich nicht. 

puya kaxoe ich bin des Todes. 

puyaka der Tote. 

minü der Weg. 

uiinü miraxtoyo ich weiss den Weg nicht. 

Tae Holz, Brennholz. 

tae axtan hue das Holz ist feucht. 

tae ski das Holz ist trocken. 

fufu habina die Mücken stechen. 

nimpui hinay mit dem Rauch gehen sie fort. 

bnanga der Topf. 

huanga lakardae stelle den Topf (ans Feuer). 

huinchila der Löffel (kichua = huishlla). 

ni furipö das Feuer anblasen. 

huanga boxina der Topf ist gerissen. 

huanga u\sbidae Kaufe einen Topf. 

pi moke ich will Wasser trinken. 

moke toe ich will nicht. 

anum ke ich will essen (Speise) (anö,Banaue=Speiae). 

Ubi 8ha laset uns essen. 

fiox ich habe (schon) gegessen. 

tumbi I 

anö / Speise („ano" eig. Banane) 

fishä I 

kuchisä der Trunk. 

shtikili der Branntwein. 

mala Maiabier, Chicha. 

saxchika das Fleisch. 

nulü das Fett, Schmalz. 

pimba das Salz. 

tz_) *-• 

ya ke ich bin hungrig. 

pi moke honay ich bin durstig. 

mala moske ich will chicha trinken. 

kuxshi bisha lasst uns trinken. 

anö fisha pimba ixtö . . . die Speise ist nicht gesalzen. 

kuchi saxchika Schweinefleisch („Kuchi" = Kechua-Wort. 

manga hualpa toxdedae . . schlachte ein Huhn („Uallpa" = Kichua- 

Wort. 

' . } ein Peso = 8 Real. 

tonn i 

torin guachi ich bezahle dir einen Taler. 



76 Otto r. Buchwald: 

hualpa uxshitiö ich will das Hubn nicht verkaufen. 

man libara u^shidae . . . Kaufe ein Pfund (span. libra). 
uyam bineche kuadae, ini 

yukapue Gib mir von dem Anderen, dieses ist schlecht. 

huaxt8A tangano huanchituna Vergiss nicht, Fische mitzubringen. 

la fishinoö ich esse. 

im fio du isst. 

payan finue ich bin voll vom Essen. 

kushita mahina tot 1 .... Ohne getrunken zu haben, gehe ich fort. 

topiri hue ein schmutziger Lappen. 

topiri fun hue ein trockner Lappen. 

kafurü talesheniö ich wasche mein Gesicht. 

kaska torihui das schmutzige Gesicht. 

sen kaskayö ich habe ein. reines Gesicht. 

mikiL mü shitiniyoe .... ich bemale mich mit Achiote (Bixa orel- 

lana). 

Tontö das Bett. 

tolo der Beutel. 

. ■ \ das Blasrohr, Bodoquera. 

pishura J 

lapa das Gewehr. 

pea die Axt. 

bogä (spanisch?) das Ruder (bogar). 

kule der Kahn = la canoa. 

nu shi kule u^shidae . . . verkaufe mir deinen Kahn. 

beni Angelhaken. 

kala 

gala 

laske kala Gold (gelbes Silber). 

kala kobray (?) Kupfer (span. „cobre"). 

mishu shile Kopfschmuck (Kopfband = Liane). 

huinte dae Armband (huincha in Kichua = Band). 

sokpae der Nasenring (soke -r- pai Schwester des 

Mondes, moudähnlich, halbmondförmig. 
Die alte Bevölkerung von Karchi wurde 
Quillacinga genannt. In Kichua: Quilla 
= Mond, Senka = Nase). 

puugiri Ohrring. 

gfii Halsband. (Kichua: „Huallga, Guallga" — 

Huallgayoc-Berg mit ringförmiger Linie, 
Silberbergwerk in Nordperu.) 

Helge Furcht. 

luhue Scham. 

luhay ich schäme mich. 

laskihay ich bedaure sehr. 



} Silber. 



Colorados. 77 

Hanke ........ ich bin faul. 

uene ponay man spricht (schlecht) von mir. 

hnare weinen. 

nu huredae 1 du sollst weinen. 

nencay die Lüge. 

saki panay die Wahrheit sagen. 

nemo hne traurig. 

sehue fröhlich. 

nira% nna laxke shueto? . . Warum bist du traurig? 

duke raunayay ich liebe dich sehr. 

es tö es gibt nicht. 

mira%tö ich weiss nicht 

paxtolä ich habe es nicht gesehen. 

ä-ä! ja — so ist es. 

man huaxta j ^ Jahf ^ ^^ = ^ 

man hu ata J ; 

mam pae ein Monat. 

mam pae bima hane ... in einem Monat müssen sie ankommen. 

man male ein Tag. 

tiora pa%chona? wann kommt er? 

ayuna morgen. 

kishi gestern. 

nashina jetzt. 

aynna pa%chona morgen kommt er. 

maxtude shunayö früher rauchte ich. 

kishin ano fishö gestern ass ich Bananen. 

maxtu duke finay .... früher ass ich viel. 

anö nachina finö jetzt esse ich wenig. 

pilu vinä der Winter, die Regenzeit. 

fuxuke der Sommer, die trockene Jahreszeit. 

duke pilü vinaga hue . . . der Winter ist lang. 

la chi na pilu sonagika . . Mein Sohn wurde im Winter geboren. 

Kela Tiger (Felis onza). 

lukela Löwe (Felis puma). 

kelandela Tigerkatze (Felis pardalis). 

huele Affe (Ateles sp.) 

kantö Affe (Cebus sp.) 

hodongo Affe (Mycetes sp.). 

kidü das Fell. 

mae der Schwanz. 

shushu der Hund. 

shushu hahima der Hund beisst. 

shushu bugena der Hund bellt. 

shushu heus kaina mae der Hund wedelt mit dem Schwänze, 

duke shushulä viele Hunde. 



78 Otto*. Bnchwald: 



amaua das Reh (vgl. Manabi prov). 

melc wildes Schwein (Dieotjlea sp.). 

kurü & uatnM \ Naee tiere 

hualä guanta ' 

hiae Eichhörnchen (Sciurus sp.). 

mese* Katze. 

hm* die Maas. 

hodö das Gürteltier (Dasypus sp.). 

konö* das Kaninchen. 

to%tox Beuteiratte (Didelphis). 

mansd Faultier. 

iyii Stachelschwein. 

Pixchu | 

piXchu / der Vogel (vgl. Kichua: pichiu, piscu). 

picho I 

pifoga das Ei. 

ptxchu kinfii der Schnabel des Vogels. 

pixchu pampe der Flügel des Vogels. 

taxsen das Nest. 

pixchu taxsen das Vogelnest. 

pixchu map der Vogelschwanz. 

olinso Diostedi (Rhamphastes sp.). 

tnlataxtii Catacao. 

fibau pixchu weisser Reiher. 

nbedo Valdivia, 

koksekö Pacharaca, Fasan. 

elö wildes Truthuhn. 

oki Cazique. 

huu\tü Papagei. 

gualan guacamayo, Arm. 

barro Aasgeier (Cathartes foetens). 

olio Habicht. 

kinuin pichu Kolibri. 

hualpa das Huhn (Kichua: Üallpa). 

la cht alpa togtox tie . . . die Beutelratte hat mein Huhn gefressen. 

Piui die Schlange. 

niatani Iguana tuberculata. 

inaxtii Krokodil. 

ampi Schildkröte. 

koxtolo Frosch. 

himpalo Fiidechse. 

Huaxtsa der Fisch. 

bili y, „ (bocachica). 

Xambili „ „ (dama). 

K* 8 » * » (bagre). 



Colorados. 79 

nagta der Fisch, (säbalo). 

Hntö „ M (raton). 

beshü der Taschenkrebs. 

\ot6 Fleischwurm. 

mununehina abeja real-Biene (Mclipone fuscipes). 

sonachina trigona-Biene. 

muchicha Biene. 

guerreketetae Biene. 

Xelen china Honig. 

shinapa Wachs. 

dnondi liticubo -Wespe. 

fü rao8quito, Fliege. 

tenlen Bremse. 

pagua manta blanca, mosquito. 

punä oder din Ameise. 

kinge Zecke. 

karau 8pinne. 

punfu Schmetterling. 

karan fnga fie die Spinne frisst die Fliege. 

punfu h;i*(inay lnli hupui . . der Schmetterling fliegt um die Blume 

herum. 

Shidae 1 . T , 

... , \ der Baum. 

shidae pelae J 

ehi der Stamm. 

tae das Holz. 

habahu das Blatt 

hue p« der Stachel. 

, > der Samen, der Kern. 

pu\ka ) 

käste palma real-Palme. 

ahue chonta- „ 

ara pambil- 

pistuli milpeses- „ 

tirike Steinnuss- „ 

sabae Castilloa elasticti. 

pasko Ficus dendroeida. 

mu acliiote, Bixa orellana. 

guayakan Guayacan. 

pishan Guabo. 

donkilä Guayabo. 

ü Carica papayn. 

bu barbasco. 

lulo tillo. 

kapoey porotillo. 

lnske palo moral (gelb). 



80 • Otto t. Buchwald: 

nana palo de balsa. 

osa laurel. 

asan Baumfarn (asan — „Blut", wegen de* roten 

Saftes). 

ahili Liane (bejuco). 

Vl0 } Mais. 

du Kresse. 

murikumba Theobroma bicolor. 

chivila . , Ananas. 

molö Bobne. 

paskika Bambus. 

tonkuka ein Stück Bambus als Eimer. 

nane Rohr. 

besö Carludovica palmata. 

taspau Gras. 

kuchu . . . yuca-Manihot ntilissima). 

lae camote (Convolvulus batatas). 

puhi Kartoffel. 

anö Banane (Husa). 

anö fisha das Essen. 

anö sonn rohe Bananen. 

anö lu reife Bananen. 

anö todae grüne Bananen. 

anö putenga verfaulte Bananen. 

kakao lulikina der Kakao steht in Blüte. 

luban luli die rote Blume. 

fiban luli die weisse Blume. 

mamey pukä der Kern des Mamey. 

sabaö puka der Samen des Kautschuk. 

pulu fisha • Kartoffeln essen (vgl. „Guapulo", eiu Ort 

bei Quito; „Bulubulu", ein Wald östlich 

von Guayaquil). 

piox puxue Mais ernten. 

kuchu ayenkahue die yuca ist reif. 

kakao kachiniyö ich will Kakao ernten. 

piox era potenay der Mais ist verloren. 

pixshu era finay die Vögel haben ihn gefressen. 

molo ixtoe es gibt keine Bohnen. 

sabae habshu ixtoe .... der Kautschuk hat keine Blätter. 

kaxti habshu mishubi paxtay Ein Palmenblatt ist mir auf den Kopf 

gefallen. 

la machete uxshioe .... Ich habo ein machete gekauft. 

niranke mixkan Wie viel kostet es? 

la chi apa piox axkeshinia . Mein Vater pflanzt Mais. 

la chi ako anö pureshiniä Mein Bruder schneidet Bananen ab. 

piox 'libishia Wir wollen Mais mahlen. 



Colorado. 



81 



cuchillo teadae, cuchillo teatö" Wetze das Messer, das Messer schneidet 

nicht. 

kakao mihnax keahiniö . . Ich will Kakao pflanzen, 

kakao fu keahiniö .... Ich will Kakao trocknen. 

kakao lnnka hue der Kakao fängt an zu reifen. 

Xorö punue hier gibt es Fleichwürmer. 

^ dae ) der Stock. 

tola J 

he hui shinayö Ich gehe in den Wald. 

duke bilf viele Fische. 

buaxtsa kan Fische fangen. 

helan shine hanay la chi nao Meine Söhne kommen aus dem Walde. 

pifoga kokseko hue .... hier sind Fasaneneier. 

hualpa piloega hue .... das Huhn brütet 

pilubi hnaxtsa hanay dnke mit dem Regen kommen viele Fische. 

la chi apa atarraya tae . . Mein Vater hat eine Atarraya (Netz). 

la chi nao kokseko tan^ina . Mein Sohn bringt pacharacas (Fasanen). 



Baban . 


. schwarz. 


okokona . 


reich. 


fiban 


. weiss. 


uniga . . 


alt. 


luban . 


. rot. 


lampula 


faul. 


laskeban 


. gelb. 


pulun . . 


hart, gut, nützlich. 


babakin 


. blau. 


sapaixtö 


schnell, reissend. 


anö ^ 
pobagan ? J 




hidf . . . 


langsam. 


. grün. 


tovidae 


gekrümmt. 


se . . 


• gut. 


tuka . . 


grade. 


settf . . 


. schlecht. 


putenga . 


verfault 


seto minü 


. ein schlechter Weg. 


sanenay 


versteckt. 


gaa . . 


. gross. 


ishambua . 


kalt. 


gua kixü 1 
gna kinfü j 


, die grosse Nase. 


sumba . . 
migayto 


stark, 
schwach. 


gna ya . 


. das grosse Haus. 


nashina 


wenig. 


soni 1 
nalä / 


. klein. 


duke • . 


viel. 


puyaka . . 


tot 


vina . . 


betrunken, voll. 


fun hue 


es ist trocken. 


kiembo . 


krank. 


axtanhue . 


es ist feucht 


mixka hue 


. es ist teuer. 


shiba kea . 


es ist heisa. 


seton hue 


. es ist bässlich. 


shida kea . 


es ist kalt. 


pelae hue 


. es ist billig. 


baravf . . 


weit, entfernt. 


shina . 


. süss. 


kirate, barav 


es is weit, ich habe 


samba hue 


. es ist bitter. 




es nicht geaehen. 


shibila hu* 


. es ist sauer. 


kilote . . 


nahe. 


anianke 


. breit. 


pi mekoche 


auf der anderen Seite 


naskan . 


. eng, schmal. 




des Flusses. 


neme ina 


. es ist dunkel. 


sha meko . 


auf dieser Seite. 



ZeitMhrlft für Etbaologi«. Jahrg. 1908. Heft 1. 



82 



0* T. Buchwald: Colorado. 



Lode . . . 


springen. 


nakeshene 


. . gebären. 




hampede . . 


heilen. 


hachinkeuii 


. niesen. 




neabisha . . 


jagen. 


nozaga . . 


. schweigen. 




kaso&ä . . . 


schlafen. 


pane . . 


. sprechen. 




nenabisha . . 


gehen. 


teraea" . . 


. tanzen. 




nenayö . . . 


ich gehe. 


chispe . . 


. schwitzen. 




pipiä . . . 


baden. 


pixtana 


. sich kratzen. 




ta^shibisha . 


waschen. 


habina . 


. beissen. 




shuxite . . . 


laufen. 


fufü habina . die Mücken 


stechen. 


pispikite . . 


ausspucken. 


panfode 


. fragen. 




kaxtsa . . . 


sich übergeben, 
brechen. 


nu chi apa 
panfodae 


frage deinen 


Vater. 


chira pikiane 


harnen. 


telengue 


. niederknien. 




pikiana . . 


Notdurft verrichten. 


so pubai%t< 


> . es riecht schlecht. 


Ma . 
manga / 


eins. 


paiman 
ramayöe 


Ich bin dreimal 
hier gewesen. 


paluga . . . 


zwei. 


numa mayi 


im Wann kommst du 


paiman . . 


drei. 




wieder? 




humba kula . 


vier. 


la chi nao 


pa- mein Sohn 


ist zwei 


ruanta . . . 


fünf. Für die übriger 


luga hua 


Xta Jahre alt. 






Zahlen werden 


la chi nao 1 


um- mein Sohn 


ist vier 




Kichua- Worte ge- 


bala huaxta Jahre alt. 






braucht. 


kasale . 


. der erste. 




kaskin ako . 


der ältere Bruder. 


benele . 


. der zweite. 




bene soke 


•die jüngere 


teledan . 


der dritte. 






Schwester. 


manaxka 


. einmal. 




kala kakayhue 


Ich habe dem Zau- 


pulaga . 


. zweimal. 




humbala tor 


berer vier Taler 


paimanka 


. dreimal. 






bezahlt. 


manteka 


. fünfmal. 




pulama 


Ich bin zweimal 


manga na 


. der erste Sohn. 


ramayöü 


hier gewesen. 


bene im 


. der zweite Sohn. 






pi manga n 


ä . der dritte Sohn. 



II. Verhandlungen. 



Sitzung vom 18. Januar 1908. 
taender: Hr. Karl von den Steinen. 

(1) Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit dem Wunsche, duss 
Alle «las neue Jahr unter guten Aspekten begonnen haben, und dass es 
viele geuussreulu- Standen gemeinsamer Arbeit bringen inögo. Auch 
riale neue Mitglieder! Denn die borte Garantie für das Blühen und die 
U irksamkeil einer Gesellschaft ist die steigende Mitgliederzahl, und hier- 
für ist (Ins beste Rezept, wolches dringend empfohlen sei, dasa ein jeder 
Einzelne wenigstens ein einziges Mitglied zuführe. 

(2) Vorstand und Ausschuss schlagen die Mahl des Hrn. Lissauer 
zum Ehrenmitglied vor, um ihm in dem Augenblick, wo er das 
Triennium als Vorsitzender beschliesst, und in dem Jahre, in dem er das 

. Lebensjahr vollendet hat. ein Zeichen tiefen Dankes darzubringen für 
<ÜG QJiermQdliehe, unübertreffliche Tätigkeit im Dienste der Gesellschaft 
nicht, nur vr&hread dieser letzten drei Jahre, sondern weit zurück in die 

iten von Virchow und Bartels. Die Versammlung vollzieht die 
Wahl unter lebhaftem Beifall. Hr. Lissauer spricht ihr seinen herz- 
lichsten Dank aus. 

(3) Wir beklagen den Tod eines hochgeschürzten Mitgliedes, des 
Professors Oskar Laesar, der am 21. Dezember vorigen Jahres an den 

folgen i ines Automobilunfalles im 59. Lebensjahre verschieden und mitten 

aus einem äusserst tatenfrohen und kraftvollen Dasein allzufrüh htnweg- 

gerafft ist Kr war ein Mann von glänzenden Eigenschaften, hervorragend 

l >: > und Lehrer in Beiner dermatologischon Spezinlwiösenschaft 

namentlich bewährt als Organisator und Redner im medizinischen 

eroinsloben vieler Berliner und deutschen sowie internationalen Körper- 

ibaften. Unserer Gesellschaft hat er seit dem Jahre 1878 angehört, dem 

wo er nach Berlin Übersiedelte. 

(4) Als neue Mitglieder werden gemeldet: 
lli M. Schnitze, Volontär der Vorgeschichtlichen Abteilung 

des Museums für Völkerkunde, Steglitz. 



S4 



Verhandluogron, 



Hr. Gurt Rothe, Rechtsanwalt, Chemnitz. 
„ Dr. med. Ernst Küster, Geh. Mediz.-Rar, o. ö. Profi 

der Chirurgie, Generalarzt, Mitglied des ll.'ir.-nliausea, 

Berlin. 
Frl. Brna Öordon, Berlin. 

(5) Es erfolgt satzungsgemäss auf Grund einer durch den Vorschlag 
aufgestellten Vorschlagsliste die 

Wahl der Ausschuss-MItglieder fftr 1908. 

Das Ergebnis ist die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder, dci 
Herren Ehrenreich, Friedel, Götze, v. Kaufmann, Minden, F. Wi 
K. Müller, Stnudinger, C. Strauch. Virchow. Nach der Konstitu- 
ierung des Ausschusses wird Hr. v. Kaufmann sodann zum Obmann 
gewählt. 



(6) Nach langem Interregnum 



die mir zu meiner Berufung 

der von Ihnen und Ihrer ver- 
lob habe schon vor 20 Jnhp'ii 



ist dio Stelle des Direktors der Prä- 
historischen Abteilung des Berliner Museums wieder besetzt worden durch 
Hrn. Prof. Carl Schuehardt, Direktor des Kaestner-Museunis in Hannover. 
Dieser hat die (ililckwnnsche des Vorsitzenden mit folgendem Brief 
(Hannover, lii. 1. WOßJ beantwurtefe 

„Unter den vielen Glückwünschen. 
nach Berlin zugegangen sind, war mir 
ehrten Gesellschaft besonders erfreulich. 

im Verkehr mit Schliemann die Überzeugung gewonnen, dass difl 
klassische Archäologie gut täte, sich für die Pflege dos Prähistorischen 
die Anthropologie und Ethnologie zum Muster zu nehmen. Nachdem 
das jetzt mehr und mehr geschehen ist, hoffe ich, dass es mir auch 
vergönnt sein wird, im Verein mit Ihren Kreisen der Prnhistorie im 
Museum wie draussen im Lande gute Dienste zu leisten." 

(7) Am Y&. Januar bat der Schlesische Altertnmsvcrein in 
Breslau sein ">0jfihrigcs Stiftungsfest gefeiert und bei dieser Gelegenheit 
eine Rüste seines Ehrenvorsitzenden, unseren unvergesslichen Mitgliedes 
Hrn. Orempler, enthüllt. Hr. Götze war gebeten worden, die Gesell- 
schaft als Delegierte! zu vertreten. Der Vorsitzende hat der filteren 
Schwestergesellschnft in einem Telegramm die wärmsten Glückwünsche 
übermittelt. 

Der Internationale Kongress für Religionsgeschichte, 1» i 
1900 in Paris begrflndet worden und 1904 in Basel eiu zweites Mal zu- 
sammengetreten ist, lädt zu einer dritten Tagung nach Oxford vom 
15. — 18. September 1908 ein. Es sind vorläufig acht Sektionen ein- 
gesetzt: I Religionen niederer Kulturen, einschliesslich Mexiko und Peru, 
II. Religionen der Chinesen und Japaner, III. Religion der Ägypter, 
IV. Religionen der Semiten, V. Religionen von Indien und Iran, VI. Re- 
ligionen der Griechen und Romer, VII. Religionen der Germanen, Kelten 
und Slawen. \ 111. die christliche Religion. Beitrag für die Mitgliedschaft, 
einschliesslich des Verhandlungsberichtes, 1 i*. Daincnboitrag 10 eh 









Schlagiühaufcn: Nuch Kiet*. $$ 

Offizielle Kongressspraeheu : Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch. 
Mirr, -Illingen an die Schriftführer: J. Estlin Caiponter, 109 Banbury 

I. Oxford; L. R. Farne) 1, 191 Woodstock Rond, Oxford. 

Ein Brater Kongress für sachliche Volkskunde ist für Sep- 
tember li'09 in Graz im Anscbluss an die 50. Versammlung deutscher 
Philologen und Schulmauner geplant. Die Herren Hugo Schuchardt 
und Iludolf Meringer, welch letzterer Zustimmungserklärungen erbittet, 
p die Bildung einer Sektion beantragen, „welche die Forschungen 
über die „Urbesehfiftigungen" (Ackerbau, Fischerei, Hirtenweaen), über 
da« Hau?; und seine Gerrite sowie über die im Hause geübten Techniken 
(Nfthea, Spinnen, Flechten, Weben usw.) zum Gegenstande ihrer Ver- 
andlungen machen soll." 

(8) Der Vorsitzende begrfisst Hrn. Alfred Maass nur glücklichen 
Heimkehr von seiner Expedition in Sumatra. Hr. Maass übernimmt be- 
n itwilligst aufs neue die Geschäfte der Biblothek, die während seiner 
Abwesenheit in dankenswerter Weise von den Herren Hahn und Kunze 
geführt worden sind. Er hat aicli auch auf seiner Reise um die Er- 
gänzung unseres Bücherbestandes verdient gemacht, indem er eine grössere 
Anzahl bisher fehlender Publikationen der Bataviniwh tienuoNelmp van 
Künsten en Wetenschapen mitgebracht hat. 

Von Hrn. Adolf Fischer sind I Hüekwttnsehe zur Jahreswende aus 
Boston eingetroffen, WO er in den bedeutenden ostasintischen Kunst- 
sammlungen reiche Anregung und Belehrung linde. 

(M) Von Hrn. Otto Schlaginhaufen ist eine Mitteilung eingelaufen: 
Bericht über eine Orientierungsrefae nach Kieta auf Bongainrille. 

Die Mitglieder der deutschen Marine -Expedition trafen um 
8 .Novemhrr L907 wohlbehalten in Simpsonhafen ein. Als Forachungs- 
WQrde Xcu-Mecklonburg bezeichnet und der Aufbruch dahin auf 
>< vorüber festgesetzt. Der Leiter der Expedition, Herr Marine- 
Stabsarzt Dr. Stephan, Iraf auf Mntupi alle Vorbereitungen, um die 
Expedition bii ed dieser Zeit völlig reiBe- und arbeitsbereit zu stellen. 
I aterdesaen Bohlosa sich Herr Waiden einer mit dem „Soestern* unter« 
noninicnen Fahrt nach den Aduiiralitäts-Inaelu an, während ich selbst 
.,-iiheit hatte, mit S. M. ß. „Tlanet" nach Kieta, der Regierungsstation 
der deatecheo Salomons-lnselu zu fahren. 

Kieta liegt in der südlichen Hallte der O&tktote von ßouguinvillo 
un*l zwar an einer kleinen Bucht, die durch dio unmittelbar vorgelagerte 
1 tiM 1 1 '<>!>oko geschützt ist. Das Stationsgebäude steht hoch am Hang inmitten 
einet Kndung, die vom Strand bis auf den Kamm des unmittelbar au» 
Höhenzuges reicht und stets noch mehr erweitert wird. Als 
Arbeitskräfte dienen die Eingeborenen der weiteren Umgebung, welche 
die Steuern in Form dieser Arbeit und der Arbeit beim Wegebau 
U iittm. 

Da gerade zur Zeit meiner Anwesenheit in Kieta diese Arbeiten im 
waren, bot sieh mir Gelegenheit, eine Anzahl Leute aus rer- 



66 



Sch la ginhaufon : Nach Kieto. 



sehiedcneu (legenden dea Strandes und der Berge zu sehen und dank 
der Freundlichen Unterstützung ilurch den Stationschef, Herrn Delling« r. 
genauer zu untersuchen. Da eingehende physisch-anthropologische Unt-'i- 
suchungen ober die Bewohner ron Bougninvillo giiuzhVh fc-hU-n, dürften 
nehie Resultate nicht wertlos sein und ich werde nicht versäumen, vpttOT 
die Bearbeitung derselben mitzuteilen, liier möge nur erwähnt werden, 
duss mir unter den Bergbewohnern viele Leute .von kleinem Wuchs 
auffielen and die Körperbohnarung bei vielen Individuen eine starke war. 
Auf Exkursionen in die Umgebung lernte ich je zwei typische Dörfer 
der Strand- und der Bergbewohner kennen: erster« waren die sfldlioh von 
Kitria gelegenen Orte Toboroi und Reboini, letztere die Orte [turn und 
Takotschi. In diesen Dörfern ist an materieller Kultur meiner Ansicht 
nach nur für denjenigen noch etwas zu holen, der sich langete Zeit dort 
aufhalten und die Herstellung und Verwendung der zum täglichen L 
notwendigen 'Gegenstände eingehend studieren kann, denn museale Prank- 
itficke dürften wohl sehr selten sein. Aus diesem Grande und weil ich 
Innre, ihiss Herr Dr. Tluirnwald längere Zeit liier zu arbeiten ^odenke. 
verzichtete ich auf ethnologische Stadien, die ohnehin nur hätten flu' 
lein können und verwendete die Zeit auf weitere anthropologische Be- 
obachtungen. Audi fiir den Sammler von Sehfcdeln und anderen Skelett- 
teilen ist der Boden hier nicht sehr günstig, da die Leichen hier verbrannt 
werden. Durch die Freundlichkeit des Herrn Dullinger erhielt ich in- 
dessen drei Schädel vom Stamme der Terea aus den Dörfern Momoromino 
und Borobere nn der Südküste von Bougainville. Nach einem Aufenthalt 
von acht Tagen verliess der „Planet* die Bucht von Kieta und traf am 
20. November wieder in Matupi ein. 

Simpsonhafen, Deutsch-Neuguinea, 
den 21, November 1007. 



(10) Hr. Professor Klaatsch übersendet die folgende Mitteilung Aet 
Hrn. R. N. Wegner aus Breslau: 

Ein überzähliger Pramolar beim Siamung (Syinnhalaiigus \vndactylus 

Desm&rest). 

Im Sommer 1900 erhielt ich mit anderen Hylobatideiiskoletteu aus 
Teloek-Betong (Süd-Ostsumatra) auch den Schädel eines alten SlfitnoBgfl 
(Syiiiphnhiugtis symbictylus Desmarest), der einen flherzjihli^en V '2 in der 
linken Oberkieferhülfte aufweist (Fig. 1.). 

überzählige Molaren sind bei den grossen Anthropomorpnen, Oi. 
und (iorüla. nicht allzu seltene Erscheinungen, ebenso sind sie mehrfach 
beim Menschen, besonders bei der australischen RnsBC, beobachtet worden. 
I bnzühlige Prarnolaren fand Selcnka bei drei Uteren Orang-Outiin- 
Männehen (Selonka, Rassen, Schädel und Bezahnung des Orang-Outan, 
Wiesbaden 1898), das eine Mal beiderseits im Oberkiefer (|>ag. 91, 
6g 108), eiu auderes Mal rechtsseitig unten. Audi buim Menschen sind 
(tberefthlige Prflmolaren im olierkiefer wie im Unterkiefer wohlbekannte 
Anomalieu. Brwähnenswert erscheint mir hierbei die TuKarhi'. »i;i>- e* 1 ■ « i 



Wegner; Übe nihil? er Prämobu*. 



87 



tischen Rasse oft Schwierigkeiten macht, solche überzähligen 
dann nicht nur der Stellung sondt»ni mich der Form nach als 
Prflmolaren zu bestimmen. 

Beim Gibbon traten überzählige Molaren ebenfalls auf. Schon t'i iehel 

1 backtet« einen unteren M4 beim SympfaalaKtgna *y ndsctvlus (iiiebel* 

OdoBtographie* Leipaig 1855, pag. 2). Kir ebnet erwähnt das Vorkommen 
eines oberen M I bei einen alten Schädel vom Ilylobates concolor Harlan 
tOJ Serdweat-Borneo (Kirchner, Der Befc&deJ des Hylobates concolor, 
snn VarietiOBskreil und Zalinbau, Berlin 1895), Überzählige Prämolaren 
lind fedoeb meines Wissens beim Gibben noeb nicht beobachtet worden. 

R» 1. 




Beiladet eines alten STUphalADgUB BJO<Uctylttfl mit i iii-in 
fiberzilhliguu Prämohircu. fnat. Gr.1 



Bei dem vorliegenden Exemplar sind die Schfidelnfthte vollständig 

• li>< u. Miiiiiliebe Backenzähne mit BinBoblnM des flberzflldigen P '2 

abgekaut. Dies»' Merkmale lassen auf ein höheres Alter des I i- 

■ i i vi-ld ums schliefen. Der überzählige liuke P2 klemmt sich in das 

emmfl BwiBchen C und P3. Da dieser überzählige Zahn infolge der 

1 ntwicklung der Eckzähne keinen rechten Kaum mehr innerhalb 

der Zahnreiho findet, so i*t er nach aussen verschoben. Dieselben Ver- 

hflttoissa treten nach Selenka (I.e. fig. 108) bei einem Oberkiefer von 

Orang noch scharfer In Erscheinung, wo die überzähligen Prämolaren 

ganz noch Winsen gedrängt sind. Bei dem vorliegenden Oberkiefer von 

Siamang isi « 1 i * - Verschiebung nach aussen nicht soweit vor lieb gegangen, 

dalfit aber ist der folgende Prflmolnr P3 gleichfalls aus der Zahnreihe 



88 



Schwcinfartb: 



und 2war nach innen verschoben worden. Der überzählige P 1 selber 
hat eine sehr einfache Form. Er bildet ein längliches Oval, de^-en 
stärker gekrümmte Seile niedijutufirts gerichtet ist Der Zahn ist breiter 
wie lang. 

Grösste Breite 4,!) mm 

» Länge 9fi „ 

Au der buccalen Seite zeigt der Zahn einen einzigen grossen II 
von dem aus schräg nach vorn und lingualwärts eine kleine Leiste ver- 
läuft Diese Leiste sondert eine kleine buccale Vertiefung von einer 
grösseren lingualen ab. Au dem buccalen Basalrande ist das Schmelz- 
band etwas kräftiger. In die medianwärts gelegene firube des über- 
z billigen P2 greift der starke Höcker des linieren linken P .3, dessen 
Spitze infolgedessen abgeschliffen ist. Bei dem rechten unteren P3 ist 
die Spitze de» Höckers nicht abgeschliffen* Hier greift der Höcker, dl 
kein dritter Prämolar auf dieser Seite im Oberkiefer vorhanden ist, iu 
das Diostcmma von \Amtn ein, das sich zwischen P3 uud C befindet. 

In dein Auftreten von dritteu Prumolnren sowohl bei den Anthro- 
pomorphen wie bei den Hylobatiden scheint sich eine Torf ihren -Variation 
zu zeigen, die auf Ahnformen mit drei Prämolaren wie bei den sfld- 
amerikaniselirn Platyrhinen hinweist. 

(11) Herr G. Schweinfurth sendet Hrn. Lissauer uutor dein 20. De- 
zember 1907 folgenden 

Brief aus Biskra: 

Von meinen letzten Aufenthalt in Algier habe ich wieder reichen 
Gewinn gehabt. Namentlich war mir der im Verkehr mit dem Landes- 
botaniker L. Trabut und dem Geologen Flnmaud so liebenswürdig 
dargeboten ' nkoiiaustausch von unschätzbarem Wert, denn man er- 

führt hier immer wieder allerhand überraschende Tatsachen, die diese 
beiden ffir die Erweiterung und Vertiefung der algerischen Landeskunde 
nun schou seit so vielen Jahren überaus tätigen Forscher zu Wege ge- 
bracht haben. Ich glaube. Sir werden bei Ihrem letzten Besuch, der hier 
noch in frischem Andenken ist, sich auch davon überzeugt haben, dass 
Algier ein wissenschaftliches Zentrum von hervorragender Bedeutung 
darstellt. Alle Zweige sind hior in den zahlreichen höheren Lehranstalt«-" 
vertreten. Das im Bau vollendete Institut Pusteur wird eine der groß- 
artigsten Anstalten seiner Art. Prof. Flamand, der als Geologe einen 
grossen Anteil an der geologischen Karte von AJgerieu nahm, hat in den 
Jahren 1890 — 96 namentlich das ausgedehnte Hochland von Sfld-Oran er- 
forscht, und auch in den letzten Jahren das neu erschienene Gebiet 
dieses südwestlichen, jetzt weit um Marokko herumgreifenden Landes- 
teill wiederholt zum Gegenstand seiner nun die geographische und prlr 
historische Richtung mehr betonenden Studien gemacht. An der alge- 
rischen Universitär bat er den Lehrstuhl für physikalische Geographie 
der Sahara inne. Auch in betreff der aus dem Gebiete jetzt verschwundenen 
oder überhaupt ausgestorbenen Tierarten hat Prof. Fl um and viele neue 
Tatsachen, so namentlich muh alle auf die Geschichte des Kamels 



Itripf aus Biskft 



60 



IgHchen, /Jisnmmengetragen, wobei für die jetzt lebende Art ein leb 
OB Indigennt im Bebiete nachgewiesen werden konnte. Dein Kamel 
-< heiut ob in den jüngeren geologischen Epochen Ton Africa minor ebenso 
laugen zu sein wie in Europa und in Südamerika dem Pferde, wie 
:i violleicht noch manchen auderen auffallenden Tierarten, mit denen 
wir bei der lückenhaften Kenntnis ihrer Geschichte (man erinnere sich 
nur der s. g. Wiederkehr der „warmen Fauna") oft, wahrscheinlich mit 
Unrecht, die Grenzmarken bestimmter Epochen abstecken zu können ver- 
meinen, die aber mit ihrem Kommen und Verschwinden und mit ihrem 
'li'iMiif'tnuehen nur eine geographisch-lokale Eniein-niiig der Ge- 
?« hlechter markieren, vergleichbar — in der unermessbanui Zeit — dein 
".anglichen Blütenlaube, das mit dem Tage ersteht und mit dem Tage 
•ht. 

Auch auf einem anderen Gebiet, das Prof. Flamand gegenwärtig 
besonderem Eifei kultiviert, berührten sich unsere Intereeaen. nämlicli 
auf -lein der prähistorischen Fclszcichnuugcn, der Graffiti von Tier- und 
Menschenbildern, die in den Wüstengebirgen des südlichen Ägyptens eine 
posee Rolle spielen, dort aber leider erst in den letzten Jahren meine 
AufiiH'! k>.imk>>it eingehender gefesselt haben. Diese unvergleichlichen 
\v< luve der Menschheit reichen in Kleinafrika zwar nicht soweit hinauf 
in uugeiuessene Zeiträume des vorgeschichtlichen Altertums wie diejenigen 
Hühlenpalaeolithikuma von Frankreich und Spanien, aber auch diese 
1 «'Uzeichnungen haben dadurch oiue besondere Bedeutung, dass sie von 
dem Zusammenleben des Menschen, sei es mit ausgestorbenen, also so- 
zusagen vorwehlichcn Tierarten, oder doch wenigstens mit solchen, die 
dem nordafriknuischen Gebiet verschwunden sind, unwider- 
legbare' Kunde geben. Was indessen den Wert dieser Graffiti für die Prä- 
historie arg verminderte, war bisher immer das Fehlen zuverlässiger 
Merkmale /m Altersbestimmung. Die jetzt von Prof. Flamand auf- 
toouoenea Studien über die Patinabildung der Gesteine werden, da» 
it zu hoffen, diesem Übelatandu abhelfeu. Wie im südlichen Ägypten, 
00 entstammen auch die algerischen Felszeiclmungen, abgesehen von den 
durchaus modernen« drei verschiedenen Epochen, die man in jedem Falle 
auseinanderzuhalten vermag. Nicht seiton nun rinden sich die Graffiti der 
• rien an ein und derselben Felswand angebracht, wo sie den 
gleichen atmosphärischen Einflüssen, d. li. den ihren Epochen zu- 
kommenden, ia gleicher Weise ausgesetzt gewesen sind, so dass man an- 
nehmen kann, dass der Grad der Bräunung, den die Patinabildung in den 
Forchen der Linienzeichnung hinterlieas, die Altersnbstände der einzelnen 
Zeiebnn&gen oder wenigstens die Gleichaltrigkeit der ursprünglich zu- 
sammengehörigen anzugehen vermöchte. Prof. Flamand Üsat von dsjd 
Sendstein der Qrefßti Dünnschliffe herstellen, an denen man unterm 
Hill den höheren oder geringeren Grad der zwischen den einzelnen 

Qnewkflrnera Biogelagerten mineralogischen Neubildung [der Patina) wohl 
n i'mag. Dor Vorgang ist hier oiu anderer als der bei der 

Ablagerung von mangflnhaltigem Gluskopf auf der Oberfläche der theba- 
BUexstucke beobachtete, womit aber nicht gesagt sein soll, »l;i>- 



90 tichweinfarth: 

in anderen Fällen auch der Ausseheidungsprozess in Ägypten zur Geltung 
kommen mag. An den Sandsteinflächen des Süd-Oran, die der Luft und 
der Sonne ausgesetzt sind, wird die Neubildung nicht von aussen heran- 
getragen, sondern sie scheidet sich als Eisensilikat vermittels eindringenden 
kohlensäurehaltigen Wassers (des Regens) auf dem Wege der Capillarität 
und der Verdunstung in den Hohlräumen des Sandsteingefüges nahe an 
der Oberfläche aus. Es mag nicht ausserhalb des Bereichs der Möglichkeit 
liegen, dass es einmal gelingen wird, eine chronologische Wachstumsskala 
dieser Neubildungen aufzustellen. Eine solche Methode würde, wenn die 
klimatischen Bedingungen in beiden Gebieten dieselben wären, sich auch 
bei den ägyptischen Graffiti bewähren, die gleichfalls in Sandstein ein- 
geschnitten sind. Unter den dort vertretenen drei Kategorien sind zwei 
vorhanden, die sehr häufig eine zuverlässige chronologische Datierung 
innerhalb der geschichtlichen Zeit gestatten. Ausser den prähistorischen, 
undenkbar alten, hat man daselbst die hieroglyphischen Graffiti, die bis 
ins 30. Jahrhundert vor Christo, und die arabischen, die bis ins 11. nach- 
christliche hinaufreichen. Aber an den Felsinschriften des südlichen 
Ägyptens ist innerhalb 1000 bis 5000 Jahren eine Patinabitdung über- 
haupt kaum nachzuweisen, während die prähistorischen Graffiti derselben 
Sandsteinwand so dunkel patiniert erscheinen wie die Felswand selbst 
Anderwärts vollzieht sich auch in Ägypten der Prozess schneller, wie 
verschiedene historische Denkmäler dartun. Die drei Kategorien, die 
Prof. Flamand in seinen „pierres ecrites* („hadscherat el maktubat* 
der Eingeborenen) unterscheidet, sind 1. die präliistorischeu (neolithischen), 
2. die libyco-berberischen und 3. die arabischen (mohamedanischen) In- 
schriften. Die Fclszeichnungen der libyco-berberischen Epoche, die 
Flamand nicht weit über den Beginn unserer Zeitrechnung hinaus- 
reichen lässt, sind durch die ihnen eigene, mehr geometrisch ausgeführte 
Darstellungsweise der Tiergestalten und durch die die letztere begleitende 
Zeichenschrift gekennzeichnet. Einige von ihnen gehören der neuen Zeit 
an. Die Umrisslinieu der Zeichen und Figuren sind in sehr breiter Weise 
durch ausgehämmerte Punkte markiert, nicht durch zusammenhängende 
Furchen, wie diejenigen der prähistorischen Kategorie. Sehr oft ist auch 
innerhalb der Umrisslinie ein Teil des Tierbildes geglättet worden, d. h. 
die ursprüngliche OberHäche des Sandsteins au solchen Stellen absichtlich 
ausgeglichen und von allen Unebenheiten befreit worden. Das jüngere 
Alter dieser Art Felszeichnungen ist, abgesehen von der geringeren 
Patinierung und den zur Darstellung gelangten jetzt noch dort lebenden 
Tieren, sehr oft auch daran kenntlich, dass die breiten Punktlinien über 
die älteren kontinuierlichen Furchen hinweggeführt sind und dieselben 
kreuzen. Viele vou den Zeichen, die die libyco-berberischen Graffite be- 
gleiten, haben sich vermittels der Tamaschek-Schrift der heutigen Tnareg 
erklären lassen, andere Zeichen von konventioneller Art (wie Suastika, 
Rauten, Rechtecke, Kreise, konzentrische Kreislinien, Ellipsen, Kreuze u. 
dergl., die sich hier vorfinden, sind auch in anderen Gegenden der 
Mediterran -Region angetroffen worden und harren zurzeit noch der 
Erklärung. Die prähistorischen Felszeichnungen entbehren solcher Zeichen- 



Brief aus Hiskra. 



d\ 



bieten aber dafür weit natürlichere (resuiltcn, und die Ümriss- 
>i ii' 1 ausgeschabte Furchen, die keiner!*'! L'utorbrcchun^ zeigen. 
Ick hatte keine Ahnung davon, dass man bereits eine so grosse Anzahl 
Ten Tier- und Menschenbildern und von so zahlreichen örtlichkeiten uns 
neolithificfaor Epoche zusammengebracht hatte. Alau keunt deren bereits 
iodene. \m häufigsten finden sich diese Bildoriusehriften im 
naschen Hochlande, an Dschebel Amur und in den Bergen de» 
Ewisenea Aflou (Aflu) und Figuig (Figig), namentlich in der Um- 
gebung viui tiirrvvilli- der höchstgelegenen Stadt Algeriens. Andere 
und weiter im Südwesten der BaharadSatriktfl von Orau (Sahara OmuaisO 
anzutreffen, vereinzelte anon in den Babaradlatrikten von Algiex und 
'onstantine. Dur Charakter aller dieser Zeichnungen weicht übrigens 
'.'■< •}{ ron den oberagypti sehen Graffiti der ältesten Kategorie ab, 
in ein weil höheres Alter hinanfreichen als die algerischen, 
ICD mu ihre starke Patinierung in Betracht zieht, deren Bildung in 

Fig. l. 




Kampf IWSJar Hüffelöiillen. 



der dortigen Region weit langsamer von statten gegangen ist als in 

Afriea minor. Die oberägv]ftischcn entbehren zwar der in den algerischen 

Bildern dargebotenen Fülle von Einzelheiten, sio sind aber, wie gesagt, 

in ihrt'r L'mrisszoiehnung von grösserer Naturwahrhuit. Mit den in noch 

I v naturalistisch aufgefassten Zeichnungen des Bonlen- 

»lifliu ums der Dordogne oder "gar denen der Buschmänner und 

Eskimos halten die algerischen Felszeichnungen keinen Vergleich aus. 

Attdererseiti muss freilich zugegeben werden, dass in einzelnen Fällen, 

wie beispielsweise in dem hier beigegebenen Büffelbilde kühne Entwürfe 

perspektivischen Zeichnung vorliegen, die die soeben erwähnten in 

stellen. Was den prähistorischen Felszeichnungen von Algerien 

'jnc besondere Bedeutung erteilt, betrifft das religiöse Gebiet, in 

vuii ihnen dar oh deutliche Versinnbildlichung eines bestimmten 

eingreifen Die mir bekannt gewordenen ägyptischen der älteren 

geben in dieser Beziehung nur Andeutungen zu erkennen. Vlel- 

■ > es hei weiteren Nachforsrhtiugeii in den W Osten tfilern der 

Ababde und Bischarin einmal möglich sein wird, mehr davon zu erfahren. 



n 



Snhweiiifurth: 



Der merkwürdigste Gegenstand dieser uralten libyschen Knltbilder 
i-r ein Widder, der mit einem der versinnbildlichten Sonnenscheibe de? 
Ammon ähnlichen Zierrat gekrönt erscheint. Prof. Flamand hat von 
Boleben Widderdarstellungen zehn verschiedene Beispiele aus dem Süd- 
Om Im«i gebracht. Hinsichtlich der in den Zeichnungen kenntlich ge- 
iiuichteu sachlichen Einzelheiten legen diese Beispiele -l'n' L'lter- 

«■iiisiimmung au den Tag, so dass eine richtige Deutung gewährleistet 
erscheint. Flamand stellt diese Widderbilder in die älteste Epoche 
seiner „jtirnvs ecrites", in die Epoche der seiner Meinung nach vun > It-n 
ältesten Felszeichnungen nicht zu trennenden neolithischen Werkplätze. 
Kr \ ermutet ein Alter von mindestens 10 — 12 000 Jahren. Ein solcher 
Zeitabstaud würde uns in Ägypten zu dem letzten Abschnitt, der wirklich 




Fclsxcichnniigt-n von llou-AIcm bei Ccrryvillc (Sftd-Or;ini. 

iioolithisehen, noch kupferlosen Epoche geleiten. Dreierlei Merkmale 
sind es, auf die Flamand seine Alterseinschätzuug stützt: I. die Technik 
der die Felszeichnung ausmachenden Umrissfurchen, 2. die Putinabildung 
ID denselben, 3. die in mehreren Füllen mit den Widderbildern in Zu- 
sammenhang stehenden Darstellungen einer ausgestorbenen langböroigttn 
Hüffclart (Bubalus nntiquus), die Duvernay schon im Jahre 1851 (in 
Comptes rendus de l'Ac. des sc. XXX III. p. ,V,»5) beschrieb und von der 
sich in Algerien wiederholt Knochenreste, bisher allerdings nur in qua» 
ternären Ablagerungen vorgefunden haben. 

Ich lege die Wiedergabe der beiden bestausgeführten Felszeichnungeu 
dieser Art hier bei (vgl. was Professor Gsell darüber im Vol. I der 
Monuments antiques de l'Algerie veroflVntlielit hat), damit das Bild, als 
Markstein des (iedächtnisses, in unserer Zeitschrift dauernd die Auf- 
iinilsMinkeit auf diesen überaus wichtigen Gegenstand lenken möge. 




Brief «es Biekra. 



'.* 



(iailliinl in Lyon hat in seiner Schrift über den Widder von Mendel 
(Soa d'Aatbrop. de Lyon 1901, p- 88) die in den praeh tatarischen Fels- 
seichnimgtia dos Süd-Oran zur Darstellung gebrachte Schafrasse als nur 
isc&en der langbeinigen Art (Ovis longipes guineensis) gehörig be- 
stimmt. Für die Charakterisierung der symbolischen Attribute des dar- 
gestellten Widders stellen die erwähnten Folszeichniuigen sechs ver- 
I ■■: i Elemente zur Schau. 

I Km sorgfältig geflochtenes Halsband deutet den gezähmten, bzw. 
Ilau-tierzustand des Widders an. Neben 2. Ohr und 3. Hörn Est dal 
rleatlieh gemaehte I. Stunnband (le jugulaire) sichtbar, vermittelst dessen 
Itreferande oder kugelige Kopfschmuck festgehalten wird, die «er* 
uieintliche Sonnensehidhe. an der zu beiden Seilen <!. Anhängsel sichtbar 
sind, du* ;»n aufwjirtsgekrumrnte li am—Schlangen erinnern. Dem von 
Bttlonon lieinach gemachten Einwaud, dass die seitliche Anbringung dei 
Symbols an der Sonnenscheine den Gepflogenheiten des ägyptischen StiU 
zuwiderlaufe, int Flamand durch Nninhaftmnchung bildlicher Beispiele* 
inj «ifMi ägyptischen Altertum begegnet. Wenn man die Gtoaamtfaoil des 
im Bilde Dargebotenen überschaut, erscheint der Eindruck unnh- 
'Vi isluir, dtu man es in Wirklichkeit mit einem zahmen Widder zu tun 
habe, der mit den Attributen des ägyptischen Ammonskults ausgestattet 
bei irgend einem alteD Heiligtum sein Dasein fristete. Professor Flamand 
i>t niclit abgeneigt) aus diesem Vorkommen die für den Ursprung dei 
ägyptischen Ammonskults weitreichendsten Sehlfisse zu ziehen. Vorder- 
hand aber stehen wir ratlos diesem scheinbar unerklärlichen Armch- 
Nole&tna gegenüber. Nach den bisherigen Feststellungen der Aegyp* 
fologic war der Amrnonskult nicht über die Zeit des mittleren Roichs 
H nachweisbar. Die ältesten bisher im grossen Heiligtume des 
Amnion? von Karnak aufgedeckten Bauwerke reichen auch nicht höher 
hinauf. 

Altodingl hu in letzter Zeit Legrain daselbst aus der unerschöpf- 
lichen Bebattgrabe alter Bildwerke einen Gegenstand zu Tage gefördert, 
der mit den Brablemeo des Amnions versehen dem alten Reiche an- 
Irnmerhin aber haben die zahlreichen Fundstätten aus pYOfc 
iaofaer Zeit, die in Oberaegypten bis jetzt ausgebeutet worden sind, 
iiliches ergeben und zur Zeil Lei nicht der geringste Anhalt ge- 
n nachweisbaren, im Sinnbilde des Widders vollzogoncn Ammons- 
dleast di-rt über das 30. vorchristlicho Jahrhundert hinaus zurück- 
zudatieren. Viel wahrscheinlicher ist es, daas diese Kultfortn erst ver- 
hahniamfie nachdem der Hauptbestand des aegyptiseheu Pantheon* 

(Ammon-Ra mit inbegriffen) bereits greifbare Gestalt angenommen, TOD 
aiiKtMn benugettagen wurde, und in dieser Richtung scheint sich tat- 
sächlich einiji \ussiclit auf eine Bestätigung der Flamand'schen An- 
nahme eines libyschen Ursprungs des modifizierten Ammonskults zu er- 
öffnen. In den Oasen der libyschen Wüste Aegjpteni war derselbe von 
Alters her eingebQrgert, im heutigen Siuah, in ol-Daohel und in el-Chargeh 
waren die weltberühmten Ammonion gelegen, die die grossen Froherer 
anlockten. Auch dieser Umstand scheint der Hypothese gunstig zu sein. 



n 



SchwcififurtJi; Urief aus Hfckra- 



Im Bejahungsfälle war*? alsdann anzunehmen, dass in den libyschen Ge- 
bieten des äussersten Westens der werdende Ammonsdienst im Sini 
des Widders zuerst viele Jahrhunderte hindurch in latentem Zual 
verharrt, dort Lili'irhsain seine pnieliistorische Iiikuhation vollzogen halu\ 
bis er aktiv, vielleicht irn Austausch der durch kriegerische Breignissi 
übermittelten Kulturerrungenschaften, in die Erscheinung trat, um 
schliesslich sein siegreiches Vordringen nach Osten zur Zeit des 
mittleren Kciclis cndgiltig zu bewirken. Eine derartige Hypothese i 
besonder* denen u-fallen, die sieh für die Tntsachliehkeit von Platt) 1 ! 
Roman Atlantis empfänglich erweisen um! dorn alten Traumlaud' 
flgyptischeu Priester die Primogenitur in der Kulturgeschichte raerki 
mögen, dann auch allen denjenigen, die in den ethnischen Dingen der 
Ältesten ägyptischen Vorzeit überall libysche Beziehungen statt der eethio- 
]>;>< hell BU wilteru belieben. 

Meines Erachten* hiesse das die Weltordnung; auf den Kopf stellen: 
denn es steht fest, dass der grosse Zug aller weltgeschichtlichen Vorgang«, 
die Bestand hatten, einen westlich gerichteten und nicht einen östlichen 
Kurs verfolgte» eine Bewegung, die bo gewiss wio die scheinbare du 
Firmaments, auch nur scheinbare Ausnahmen erlitt, Ausnahmen, dit 
Regel bestätigen. Im Ausbreitungstrieb der Völker, im Bange der Ki- 
oberungon, sowohl auf materiellem, als auch auf geistigem Gebiet, und 
auf letzterem in nach höherem Grade, offenbart sieh das Westwärtsstrelien 
wie ein Naturgesetz. Von allen Religionen scheint nur der Budhismus 
eine ostwärts gerichtete Expansionskruft an den Tag gelegt zu haben. 
Aber Alexanders und Napoleons Züge schlugen fehl. In Livland Bfid 
in Siebenbürgen haben sieben Jahrhunderte nicht vermocht, Deutschland.- 
Vormacht zu begründen; so wird es wohl auch in Polen sein. In fast 
genau gleichem Zeitraum haben Vandalen und Schweden, diese in Liv- 
land, jene im heutigen Tunesien, vergeblich sich abgemüht, die östlichen 
Eroberungen zu behaupten, wahrend die grosse arabische Überflutung in 
die Brüche ging, von dem Augenblicke an, wo sie in Spanien retrospektiv 
zu werden sich anschickte. Auch war es gewiss kein Zufall, dass die 
Nordamerikaner in Japan die neue Epoche anbahnten, nachdem Portu- 
giesen und Niederländer von der entgegengesetzten Seite her sioO 10 
lange vergeblich darum bemüht hatten. 

Von den ältesten Zeiten her liat sich bei uns die Vorstellung ein- 
l: lit-'i r. dass alles Geistige und Geistliche aus dem fernen Osten her- 
stamme, von Plato (Faidon) bis auf die Zeit, da die indogermanischen 
Ideen reiften; und wenn auch zugegeben werden imisste, dass ein Haupt- 
anteil an der europäischen Gesittung der nordischen Urkultur zukunie 
zu widerlegen wäre die Annahme nicht, dass auch jene Völkerkeime, die 
ihre eisten Träger waren, einen östlichen Ursprung gehabt hätten In : 
nun soll für dns uns so nahe gelegene Nordafrika das Umgekehrte Geltung 
heben« der Geist der Qesobichte dort einmal auch gegen den Faden hal 
streichen können? 

loh bitte diese meine Abschweifung auf einem Gebiete, das keine 
Orensen kennt, mir Nachsicht aufzunehmen. Es war mir nur darum zu 




Neubaues l PhotopruphiesBtnmluDg. 



95 



in grossen Zügen anzudeuten, wie sehr lieb die historische Wahr- 
gegen die Hypothese eines westlichen Ursprungs des im 
idder verkörperten Ammonskults auflehnt. Wir stehen da Tor einem 
lilernma eigener Art. Wir seilen uns genötigt, entweder die Prae- 
von Afrika minor zu verjüngen oder den ägyptischen Ammons- 
kult älter zu machen als er uns bisher erschien. Ein dritter Weg scheint 
nicht vorhanden. In der Tat aber sind Irrungen bei den von Professor 
Flnmand angerufenen Beweisgründen für ein 6ehr hohes Alter der in 
Frage itoheaden Felszeichnungcn (IC— 12 000 Jahre) nicht gänzlich aus- 
geschlossen, so namentlich in betreff der Patinabildung und der Be- 
hrtokang des Vorhandenseins von Bubalus nntüjuus auf das Quartär 
und auf die jüngere Steinzeit, und das zwingt zur Bevorzugung der An- 
na! n eine Altersreduktion der algerischen praehistorisohen Fels- 
seJelnruDgen geboten sei. Nehmen wir also, gauz abgesehen von der 
Prags dos Ursprungs der Ammonsembleme die Epoche des mittleren 
iebsa als die gleichalterige Zeit jeuer Felazeichnungen an, so haben 
wir einen Zeitraum von annähernd 4000 Jahren, und dieses Zeitmass mag 
für die westlichen Gebiete immerhin ausreichend erscheinen, um die Aus- 

aafaeidung Bauer -ehr dunklen Patina bewirkt zu haben. Auf der anderen 
US i> i das Vu In Vorhandensein von Besten der genannten ausgestorbenen 
Büffelart an Fundstätteu von historisch abschätzbarem Alter noch keines- 
wegs erwiesen. Um Beweise von dem Nichtvorhandensein dieser Beste 
an gewissen Stallen abzuleiten, dazu ist das ausgedehnte Land denn doch 
noeh lange nicht genügend erforscht. Falls die Möglichkeit der Bildung 
ein« r hinreichend dunklon Patina innerhalb eines Zeitraumes von 
4000 Jahren erwiesen wäre, dann müsste man allerdings auch grosse Ver- 
änderungen in den physikalischen Verhältnissen des Gebietes während 
lit-t-r Zeit annehmen können. Zahlreiche historische Belege, die be- 
traditio he Veränderungen allein schon fiir die Hälfte des ungegebenen 
Zeitraumes glaubhaft machen, berechtigen in der Tat zu einer solchen 

Annahme. 

Hag QUO vorläufig auch die Frage nach der Herkunft des siunbild- 

i neu Widderkults mit deu ägyptischen Emblemen noch weit entfernt Wt 

»ndgiltiger Lösung erscheinen, mag es zur Zeit noch durchaus unent- 

lieden sein, ob Ägypten dabei die Rollo des Gebenden oder des Etn- 

iBgenden gespielt hebe, immerhin hat Professor Finnland ein Problem 

i ii' die Tagesordnung gesetzt, das für die Geschichte der Religionen wie 

\t die Geschichte von Ägypten und Nordafrika von weitreichender Be- 

tutung sein muss. 



) Von Hrn. R. Neuhauas: 

Die Neuordnung der Photographiosammlung der Berliner 
Anthropologischen Gesellschaft. 

Nachdem ich iu mehr als dreijähriger Arbeit die Neuordnung der 
'liuto^raphiesammlung durchgeführt habe, dürften einige Angaben ober 
Entstellung, Bestand und Anordnung derselben am Platze sein. 




96 



Nouhauss : 



Die Anfänge der Sammlung, welche gegenwärtig rund L2 000 Kinzel- 
nufmilunen au« nllen Gebieten tler Erde enthält, reichen in die ersten 
Jugendjahre der Anthropologischen iiesellsrhaft zurück. Hanptsftcnlicii 
«lern Weltrufe Rudolf Virchows haben wir es zu danken, dass schon 
vor mehr als einem Menscbenalter von allen Seiten Anthropologisch^ Bad 
ethnographische Aufnahmen zusammenströmten. 1888 begann unser um 
die Anthropologie so hoch verdiente Max Bartels das Bildermaterial, 
welches sich im Laufe von zwei Jahrzehnten angesammelt hatte, zu 
katalogisieren. Kr setzte dies fort, auch als durch die umfangreichen 
Nachlasse von Joest und R. Virchow sich die hieraus ergebende Arbeit 
in- rngemessene steigerte und die fortschreitende Krankheit seine Kräfte 
lähmte. Die letzten mit zitternder Hand von Bartels gesehriebraan 
Katalogseiten legen Zeugnis davon ab, dass er nicht rasten wollti-. BUti I 
ah die Körperkräfte bereits vollends versagten. Die letzte von ihm ein- 
getragene Photographie trägt die Nummer 7764. Dazu kommen noch 
]OiM von ihm katalogisierte Aufnahmen, die in Albums und photo- 
gtapaiflohen Workon voreinigt sind. 

Als seine Augen sich für immer geschlossen hatten (1901), iibertWj 
mir der Vorstand unserer Gesellschaft die Weiterbearbeitung der Sammlung. 
Kin erheblicher Teil von Virchows Bildernachlass war nicht katalogisiert: 
hunderte der wertvollsten Blattei* lagen in riesigen Stowen auf und indu-n 
dem Photographieaohra&k; die allerwenigsten derselben trugen irgend- 
welchen Hinweis auf den dargestellten Gegenstand. Freilich war euU 
erhebliche Anzahl in der 
wissenschaftlichen Werken 
Bilder zu bestimmen. 

Noch andere Aufgaben blieben zu bewältigen. Bei genauer Durch- 
~i< :it des Katalogs ergab es sieh, dass mein Vorgänger, zumal in den 
Jahren, wo bei fortschreitender Krankheit seine Kräfte erlahmten, zahl- 
reiehe Irrtümer beim Katalogisieren begangen hatte. Mehrmals verschriet 
BT sH*h in den /.ith'in. Um nur ein Beispiel herauszugreifen, notierte er 
folgende Reihenfolge der Nummern: <i.V.t7. (i.V.'N. <i.VJl>, 7000. 7001, 
7002 usw. Die Nummern 6600 bis 6999 fielen also aus Weit schlimmer 
steht die Suche in denjenigen Fällen, wo er versehentlich dieselben 
Nummern wiederholte, wie dies bei 2407 bis 2426 geschah. Hior tragen 
daher reraeniadene Aufnahmen dieselben Ziffern, und es erforderte einen 
ausserordentlich!'!- Aufwand an Zeit, um die begangenen Fehler un- 
lohfidHeb zu machen. 

Mehrere Monate waren nötig, um den Rest der Virohow-Sammlung 
zu bestimmen und zu katalogisieren, ferner um die fn'lhereu Versehen 
wieder gut zu machen und die Bilder nach Ländern zu ordnen. Kaum 
war diese Arbeit beendet, als sich nicht weniger als 2500 Aufnahmen 
vorfanden, welche in einem verstaubten Winkel der Bibliothek zwei 
Jahrzehnte unbeachtet gelegen hatten. 'JOOO Blatt hiervon erwiesen 
nls Dubletten, 500 konnton eingereiht werden. Mau bedenke die Arbeit» 
welche es verursachte, um festzustellen, ob eine so grosse Zahl von 
Bildern in der Sammlung bereits vorhanden ist oder nicht. 



.Zeitschrift für Ethnologie" und in anderen 
veröffentlicht, Es yalt also zunächst, die 



Phnto^rupIiitiHaminlutig. 



97 



: 



All diese Arbeiten wann verhältnismässig geringfügig gegenüber der 
Aufgabe-, die einzelnen Blätter nunmehr bibliotheksmässig und übersieht- 
lieh anzuordnen. Bei geringfügigem Bilderbestande war die ursprünglich 
■ endete Methode am Platze, welche darin bestand, in fünf Kästen 
die au* den fünf Erdteilen stammenden Bilder aufzubewahren. Nach 
FfiIltiOg eines Kastens wurde ein neuer, /.umeist grünerer, angeschafft, 
aber irgendwelche Sortierung fand nicht statt. In jedem Kasten lagen, 
sehr zum Nachteil der empfindlichen Bildschicht, die verschiedensten 
Formate bunt durcheinander. Als ich 1904 die Sammlung übernahm, 
fand ich 28 dergleichen Kasten vor, welche insgesamt derart überfüllt 
waren, dass zahlreiche Bilder herausfielen, wenn man einen Deckel 
anhob- infolge von wiederholter Durchwühlung von unberufener Hand 
war jede Sonderung nach Erdteilen und Landern aufgehoben. 

Im die schr.ne Sammlung gebrauchsfähig '/u machen, erschien es 
tinerlässlich notig, alle Bilder auf weissen Kartons von demsellii'ii 
Formate zu befestigen und immer nur eine beschrankte Anzahl derselben 
in genau bezeichneten Mappen unterzubringen. Wegen der hiermit ver- 
bundenen ausserordentlich zeitraubenden Arbeit blieb es mir zweifelhaft, 
OD tob imstande sein würde, das Werk nicht nur anzufangen, sondern 
auch m Ende zu fahren. Um der Gesellschaft eino vielleicht nutzlose 
ibe zu ersparen, schaffte ich daher aus eigener Tasche für 50 Mk. 
400 starke, weisse Kartons im Format 33x42 cm an, um einen Versuch 
nach der angedeuteten Richtung hin zu machen. Ich wählte das Format 
33 - i-' cm, weil Kertonblftttcr dieser Grösse von den Fabrikauteu ge- 
liefert werden und sich auf denselben genügend viele kleinere Bilder 
befestigen lassen, die Blätter überdies für die gröbsten Aufnahmen aus- 
:;. Bei noch grösserem Formate wäre das Ganze unhandlich ge- 
antan und vor allen Dingen hätten sich Schwierigkeiten ergeben, die 
apjirn in dein vorhandenen Schranke unterzubringen. 

De* erste praktische Versuch wurde mit „Afrika* gemacht. Da sich 
ie Bmhe bewährte und man hierdurch einen klaren Überblick über das 
iMrnnatt'rial erhält, bewilligte die Gesellschaft die weiter notwendig 
erdenden Kartons und Mappen; ferner wurde ein zweiter, grosser 
rhrnnk angeschafft. 

Die technische Ausführung geschah folgendermasseu; Sämtliche zu 
jaaDQ beeil mm ten Uebiete, z.H. Algier, gehörigen Bilder wurden 
unammengesucht. Nehmen wir an, es befanden sich hierunter 20 Auf- 
nahmen Visitformat, 30 Kabinetformnt, 15 in grösseren Formaten; sümt- 
fcler, wie alle Bilder der Sammlung, aufgezogen. Ein Ablösen 
. • ii der Unterlege war unausführbar, weil hierbei wenigstens die Hälfte 
der Aufnahmen zu Grunde gegangen wäre. Daher wurden die Bildränder 
bis hart an die Gren2e des photographischen Bildes abgeschnitten und 
n nn Hjfthr die zusammengehörigen Aufnahmen auf den grossen Kartons 
klebt Auf einem Karton fanden vom Visitformat 12 bis 20, vom 
atforraal durchschnittlich sechs Bilder, von den grösseren Formaten 
entsprechend weniger Platz. Damit die Bilder auf den Kartons sicher haften, 
ueste jedes einzelne zwei Stunden unter der Fresse gehalten werden. 

Zofuclmit IBr i.rlmoloffic. Julir«. 1908. Hüft 1. 7 




!I8 



Ncuhsiifts: 



Die so hergerirlnvu-u Blatter tragen durchweg oben die Bezeich: 
«los Erdteiles und de« Landes, während uuter jeder einzelnen Aufnahme 
ausser der Kntalognummer die Bezeichnung des dargestellten Gegen- 
standes angebracht ist, ferner, soweit dies möglich, ein Hinweis auf die 
Literatur, wo das Bild oder eine Beschreibung desselben veröffentlich! 
wurde, endlich, wo sieh dies ermitteln liess, der Name des Verfen 
uiui das Jahr dei Herstellung. 

Nur nebenbei Bei erwähnt, dass sich Früher auf den Bildern ledig 
die Katalogntimmet beÜBfcd; Wollte man sich über den dargestellten 
Gegenstand unterrichten, so musste mau den Katalog aufschlagen. II i 
durch wird aber das Studium einer Sammlung ungemein erschwert. 

Beinaho drei Jahre waren erforderlich, um die Tausend* von Bildern 
in genannter Art zu montieren und mit den notwendigen Bezeichnung«'* 
zu verseheu. Kine reichlich« Anzahl von Aufnahmen lag in dop| 
E>eniplaren vor. Diese tauschte ich gegen Dubletten aus an 1- ei d 
Sammlungen au«. 

Unser um die Reisephotographie so hoch Verdiente Jäger hatte »Ol 
vielen Jahren die unglückliche Idee, feile rorbandenen Bilder im Visit* 
formal in sogenannte Leporelloalbums (Zickzack) einkleben zu lies« I 
Gegen 700 Bilder waren in dieser schrecklichen Art montiert und unaeri 
Gesellschaft hatte damals für Herstellung der Zickzacks beträchtlich»- 
Summen ausgegeben. Es war eine trostlose Arbeit, die Bilder aas diesen 
Zickzacks wieder zu befreien. Dabei hatte ich jedoch die angenehm« 
Cberraschung, auf der Rückseite vieler losgelöster Bilder genaue Einzel- 
heiten Aber den dargestellten Gegenstand zu finden, während der Katalog 
nichts oder nur Ungenaues enthielt. 

Dil« nunmehr leichte Orientierung über das vorhandene ßilderniaterial 
regte den Wunsch an, vorhandene Lücken auszufüllen Auf meine Bitlen 
erhielt ich von verschiedenen Reisenden und Besitzern grösserer Photo- 
graphieaamtnlnngan (v. Lusehnn, Veit, Fritsch usw.). zum Teil gegen 
Austausch, wertvolles Material. In nicht wenigen Fällen blieb es aller- 
dings hei teeren Versprechungen. 

Auch in jüngster Zeit wurde die Sammlung wesentlich bereichert 
durch prächtige Gaben von Prof. Lissauer, Hans Virchow, Schwein- 
furth und anderen. 

Im Herbst 1901 überwiesen die Testamentsvollstrecker von Dr. P 
Jagor die in Jftgor« Xachlass vorhandene Photographiesnuiiulung der 
Anthropologischen Gesellschaft als Leihgabe. Lediglich aus formalen 
Gründen unterblieb dio endgültige Beb enkung. 

Jagors Nachlas enthalt rund 3000 BhL&elaufnahmen, darunter eis 
unvergleichlich schönes und wertvolles Material, abor anch zahllose 
Blatter, welche unsere Sammlung bereits besass, und ausserdem einen 
gewaltigen Posten von gänzlich wertlosen Bildern. Der bedauerliche 
Rückgang der wissenschaftlichen Reisephotographie durch Einführung der 
Troekenplaiten macht sich nirgends mehr bemerkbar, ails bei den von 
Jagor selbst hergestellten Aufnahmen. Auf seiner ersten indischen Reis«« 
(1857— 1861) benutzte er das nasse Kollodiumverfahren und fertigte mit 



Pholograpliiesaramlung. 



IM) 



£ 



Weelbeu, um/ der ausserordciitlielisten Schwierigkeiten, eine grosse 
iahl prachtiger Aufnahmen, unter denen insbesondere seine Storeoskop- 
itlder noch heute unübertroffen sind. Überdies raachto er zahlreiche 
Aufnahmen gltissfen Formats auf gelatiniertem und dann mit Silberlösung 
bandelten Papier. Dia Belichtungszeit betrug bei bestem Sonnenlicht 
15 Minuten; du Verfahren Hess sich also nur auf Landschaften an- 
wenden. Die in dagors Nadilass vorhandenen Bilder dieser Art haben 
ht nur hervorragende geschichtliche Bedeutung; sie übertreffen in jeder 
B ftiebnng ungezählte Aufnahmen unserer modernen, mit den vorzüglichsten 
Hilfsmitteln ausgestatteten Reisenden. 

Auf seinen spateren Reisen benutzte Jagor kleine, für Troekon- 

D eingerichtete Momentknmenis und brachto mit denselben nicht 

iniigei brauchbares Bild zustande. Glücklicherweise kaufte er auf 

lesen Reffen ein so umfangreiches, herrlichem Bildermaterial, dass 

ierdoreb eine unsehar/haro Bereicherung unserer Summliing herbe i- 

i'u tri ist 

Au- den Nsehlasa Jagor nahm ich insgesamt 10ü0 Bilder in unsere 
lauptsammioiig auf. Im die Sonderstellung dieses Nachlasses in dir 
.1 m ii. im- BD kennzeichnen, wurde jedes einzelne Kartonblatt, welches 
Bildern aus diesem Nachlasse gefüllt ist, mit der Bezeichumi- wr- 
„Naohhiss Jagor". Ausserdem wurde, abgesehen von den Ein- 
gl Bgon in den Haaptkatalog, fttr diese Bilder ein Sonderkatalog ein- 
gerichtet. 

Im Schlüsse des Jahres 1907 weist der Hnuptkatalog, einschliesslich 

i Nachlasses Jagor, 10 649 Nummern auf. Allerdings sind hiervon 

mehrere hundert Nummern abzusieben, teils infolge der oben erwähnten 

irrtümlichen Buchungen von Bartels, teils weil eine beträchtliche Anzahl 

Dubletten ausgesondert wurde, teils auch, weil in früheren Jahren. 

i infoige der geschilderten Verhältnisse eine Kontrolle des Bestandes 

Ji«]i war. eine erhebliche Zahl von Bildern spurlos verschwand. 

Vuf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, dass in nicht seltenen 

Fällen eine grössere Reihe von Einzelaufnahmeii (z. B. verschiedene 

aus demselben Gräberfuude. verschiedene Gerätschaften desselben 

itamraes) unter einer einzigen Nummer im Kataloge verzeichne) 

steht. Da ausserdem in einer gesonderten Abteilung des Katalogs noch 

iMini 1500 Aufnahmen katalogisiert sind, welche in Albums und photo- 

tphisohen Werken sich befinden, so enthält unsere Photograpliir- 

lammlnng bei Beginn des Jahres 1 908 olles in allem rund 12000 Ein/.cl- 

nfhalunen, welche einen vorzüglichen Überblick über alle Völker der 

Knie geben. Am reichhaltigsten vortreten ist Indien, Oatasien einschl. 

indonesische Archipel, Australien und die Südsee. Allein von 

sind vorhanden i>5 Aufnahmen, von Java 320, von den 

Philippinen und Molokken "280. Auch fast alle Gebiete Afrikas shld 

dm iea Bildermaterial vertreten. Nicht ganz so glänzend steht ee 

mit Amerika und — Europa. Zumal ans unserem Reimatlande fehlen 

pan und Trachtenbilder. Besonders erwünscht wäre eine Auswahl 

uti-r germanischer Typen. 



KM. 



OJshauscn: 



l'm ilns :il>^i>sclilo*".i'Ni> W.-rk ilnuenid in luaiiolihnrem ZiiHtHiide zu 
erhalten, »ah sich »1er Vorstand der Antlirojiolu^isi.'lien Gesellschaft g«- 
nötigt, die ilestiinmiin» Bo treffen, das» phutngraphische Aufnahmen nicht 
aas dem Hause verliehen werden. Die Benutzung der Sammlung; und 
die Koproduktion der Bilder durch Zeichnung oder Photographie hat 
innerhalb der Räume des Museums für Völkerkunde zu geschehen, wo 
die PhotographiesammluiH; nebet der Bibliothek untergebracht iet. Mit 
dem Verleihen der Bilder nach ausserhalb machten wir schlechte Er- 
fahrungen: erhielten wir die Bilder nach wiederholten, dringlichen 
Mahnungen endlich zurück, so waren iie verschmutzt und durch mangel- 
hafte Verpackung arg beschädigt 

Mit Iliublick auf das Aussterben der Naturvölker und da* Schwinden 
aller Ursprünglichkeit wird eine Sammlung wie die vorliegende von Jahr 
xu Jahr wertvoller; gibt sie doch über manche Dinge Aufschluss, welche 
bereits der Vergangenheit angehören. 

Ein so reichhaltiges Bildermaterial ist beispielsweise hervorragend 
geeignet zum Studium der Frage, welche Völkorverschiebungen zwischen 
Indonesien und Oceanien stattfanden. WSf haben hier klassische Typen 
all derjenigen Stämme vor Augen, aus denen angeblich die Melunesier 
mul Folynesier hervorgingen. Je genauer ich beim Ordnen der Sammlung 
dies Bildermaterial kennen lernte, um so stärkere Zweifel stiegen auf 
über die Richtigkeit der Theorien, welche man in Bezug auf diese Fragen 
aufstellte. Vielleicht liefert unsere Sammlung dereinst einen entscheidenden 
Beitrag zur Losung dieser schwierigen Probleme* 



(13). Hr. 0. Olshauseu überreicht eine Mitteilung über 
die Leichenrerbrennuug in Japan. 

Bei meiner Arbeit über „Leichenverbrennung" (Verhandl. unserer 
Gea. 1892, S. 129—173) stiees ich auf eine Angabe lleydecks, wonach 
er in dem Wikingergraberfelde bei Wiskiauten, Ost-Pr., Grabhügel oft 
unmittelbar auf dar Stelle errichtet fand, auf welcher die betreffende 
Leiche verbrannt war. Diese Brandstätten müssen nur selten ulier 1 m 
im Durchmesser, haften also im allgemeinen nur die sehr geringe Flächen - 
ausdehuuug von 0,785 <pn y waa aejdeck zu der Annahme veranlasste, die 
Leichen seien in stehender oder sitzender Stellung verbrannt, „wobei 
der Holze toss keiner so grossen Grundfläche bedurfte". 1 ) 

Hiermit stimmte nun auffallend überein, was mir über die Leichen- 
verbrennung in Japan bekannt war, sowohl bezüglich der Flächen- 
ausdehnung und des Gewichts des zur Verwendung kommenden Holzes, 



11 Altprousaischo Monatsschrift, neue folge 14, Königsberg i. Pr. 1877, S. 660—669 
Uhss es sich hier wirklich um die J.eichenbrandstätten handelt«, geht aus den näheren 
Angaben unzweifelhaft hervor. Der Lehmboden war 7— 10 MM tief ..bis eu einer gel 
Haite' gebrannt; darauf lagen Kohlen, gebrannte Kuochenreste und am Hände zusainuien- 
jjohfmu. Schmucksachen, Waffen, andere üerfito usw. In eiuigcn Fällen fanden sich in 
der Mitte auch kleine Steinpackunjjen von einigen Kopfsteinen; auf diese komme ich 
spater noch xurürk. — Ein«» grössere Ustrine, auf der ein Körper in horixon taler Lege 
hülfe verbrannt werden können, wurde nicht beobachtet. 







Leichenverbrennung in Japan. 



101 



10 

tu 

l 



dl .in li hiDBtchtlioh der verkürzten Lage «1er Leiche. Ich behandelte 

•leshalb das japanische Verfahren in einem besonderen Kapitel (a. a. 0. 

1 '>7 — 139); das Ergebnis der Untersuchung war in Kürze folgendes: 

,x\r vollkommen befriedigenden Einäscherung der Leiche eiues gewöhn- 

i< li -w erwachsenen Japaners hei otfenem Feuer und ohne vorherige Ent- 

fernuug von Weichteilon genügen ausser dem sorgartigen Behälter (Kiste, 

'ou oder Kübel) und den über das Ganze gedeckten RoiBstrohmatten, 

Tannen- oder Fichtenholz ganz sicher, wahrscheinlich wird aber 

■ h weniger, bis hinab zu 45 ktf angewendet. Die Leichen wenlen 

tnil binanfgexogenen Knien in sitzender Stellung in den Sarg 

:eian '), sehr häufig jedoch nur in Strohmatten gehüllt, und dabei (heisst 

in einem Bericht) 8 ) ragen die Beine über die Feuerstelle frei hintut, 

l anfänglich ausserhalb der Flammen und werden erst, nachdem die 

Verbrennung schon etwas vorgeschritten ist, ins Feuer geschoben. Man 

'.-'hränkt also die UaQgi nausdehnung der ganzen Anlage anfs äusserst?, 

wobei freilich die durchschnittlich geringe Grösse der Japaner helfend 

I mitwirkt. — Nach Einführung gemauerter Verbrennungsöfen verringerte 
neb der llolzverbrauch sogar bis auf 31 /y für die gewöhnliche Leiche. 
frörest« hin sii n eine solche verstanden wird, die nicht besonders fett 
•der magei (letzteres bei Phtisikern) und nicht sehr wasserreich ist 
[wie bei Patienten mit Hydrops); fette Leichen erfordern weniger, die 
andern mehr Brennmaterial. 

SDieee Ergebnisse widersprechen nun freilich durchaus dem, was 
lenser Archäologe Ilostmaun nach eigenen Versuchen angab: «lass 
limlich zur vollständigen Verbrennung der organischen Bestandteile eine* 
N BOO Kubilcfuss Holz noch nicht genügten, eine solche bei offenen 
euer Oberhaupt nur möglich zu sein scheine, wenn die Leiche vorher 
aftagenonuoeo und namentlich das Gehirn extrahiert würde. . . 1) Die 
1 1 'i." im an tische Volumangabe rechnete ich a. a. 0. S. 138 in Gewicht 
unter Berflukmcbtignng das spezifischen Gewichts des Holzes und 
unter ÄirtUg des bei aufgesetztem Holz den leeren Zwischenräumen 
iaohea den einzelnen Kloben entsprechenden Volumens. Danach wogen 
die *00 Kubikfuss Holz etwa (\'2Q0 kgl — Die von mir als in Japan 
ihli'-h angegebenen * iowichtsiuengen wurden denn auch beanstandet; 
d- am S. September 1903 in Nr. 421 der Berliner Zeitung „Der Tag" 
• in Bericlit eines Augenzeugen Aber die Verbrennung einer japanischen 
Leiche erschien, berechnete Herr Konservator Eduard Krause aus den 
»rt nngegebpnen Dimensionen des Scheiterhaufens von -' n Länge 



1; Smith in rroeeedings Soc. Antiq. Seotland, vol. X, Kdinburgh 187. r >, p. 2J0. liier 
es: Der Körper wird in den S*rg getan in gekrümmter Stellarg, dio Hfindc er- 
nifl befan Betas, and die Heia« hinauf an den Körper gexngen . . . sitzend, nicht 
I wie in den kleinen Steinkisten Scliotthinde; also nicht unsgearreckt). — Honkema 
il Plüßge. in Mittcilnugcn der deutschen Ges. für Natur- u. Völkerkunde Oitasien?, 
• Inliama, Bd. 8, S. 7 ilKSO). 

S liöniU, ebenda Bd. 1, Heft 10, ß, 29 (187G). 

.'*) Chr. Hostmnnn. Der rrnenfriedhof hei Iiarzaii, RrAnnsrhweig 1874, S. li, 



10* 



Olühanaon 



und jo l*/j Bl Ureite und Hohe dessen Inlmlt zu fkfitä d>m. und 
nach einem nunlogen Verfahren, wie ich m letoenert anwandte 
wicht des (Kioferu-, Tannen- oder Fichten-) Holzes auf 2004 kg. 1 ) El 
wurde also hier verbraucht B 27— 45 mal soviel, als Hr. Olshausen an- 
gibt. Mit über 20 dz Holz ist die Einäscherung namentlich einer kleinen 
Leiche (Japaner) wohl eher denkbar. Die Obereinstiinmimi; der Zahlen 
(45 Ztr. bur. 415 Jy) bringt Rlich auf den (iednnken. <!:iss bei der An ii 
des Herrn Olshausen und seiner I ieuahrsiuaiiner vielleicht ein Irrtum 
dahin unterlaufen i>t, dass er von Kilogramm spricht, wo es Zentner 
heissen soll. 4 " 1 ) 

Soweit Herr Krause. Aber die Übereinstimmung der Zahlen ifll 
mir eine willkürlich hergestellte. Herr Krause hat ja gar nicht 45 Ztr.. 
di h. 2250 kg gefunden, sondern nur 1Ü064 kg — 41 1 , /.rr. die BT ttfloh 
oben hin auf 45 abrundet, indem er gleichzeitig umgekehrt unter den 
von mir angegebenen Zahlen die niedrigste herausgreift Hatte i 
höchste, 75, welche nach meinen Angaben eher nls das Normale an- 
zusehen wäre, oder besser vielleicht noch das Mittel aus meinen beiden 
Grenzwerten, d. h. ÖÖ, zum Vergleich herangezogen, so worden freiliih 
die dann sich ergebenden Quotienten 27 und '.\\ selbst dem oberfläch- 
lichsten Leser die von ihm angenommene Verwechslung von Zcntm it Dil 

d"i n i- i i i » -i i it-, / -004, genauer 2036 .- 

Kilo iiiimnglteh haben plausibel inaehen können. ( — _. =2i : 



34,4.) Herrn Krauses Vermutung schwebt also völlig in dtf 



■m>,;4 

60 

Luft. 

Man wird nun fragen: Wie ist denn aber die so grosse Verachte« 
heit der Angaben über einen und denselben Vorgang /.u erklären? Ich 
glaube, das ist gar nicht schwer: dies liegt einfach in «lern ausserordeoHn-li 
ungleichen Wert der von Herrn Krause einerseits und von mir anderer- 
seits benutzten Quellen. 

Meine hauptsächlichst!-!! ( iewährsmünner waren: 1« Dr. Wilhelm 
Dönitz, früher Professor in Yedo, jetzt Vorsteher der Krankenabteiluog 
des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin; 2. Ih\ <i. A. nee Ten 
in Si/himiiiiiilii. einer Vorstadt von Tokio, ein naturwissenschaftlich ge- 
bildeter Herr. 'Irr von der japanischen Regierung um 18-76 beauftragt 
war, einen Ofen zur Leichenverbrennung na konstruieren; 3, die Herren 
Dr. Beukema und Dr. Flügge zu Tokio, zwei Arzte, die auf Anlas* 
des Gouverneurs die Leichenverbrennung im Krematorium Senji M 
Tokio studierten und darüber zuerst in holländischer Sprache 1878 
berichteten. 



1) Kraust- srt/.tr i|;ui spezili.silx Gewicht dci Holzes = DA» uiitl nahm als «irklulics 
Holi iwai Drittel vom Volum des aufgesetzten Hohes. Ich halle mit Absteht fär di? 
entsprechenden Grössen nur ",'• und '/« aoKcauuimen, am hei Kritik der Host iiiii)iim)r:i 
YiTMirhe jode Übertreibung zu vermeiden. Bei Xugnmdelegnng der Krauaeschon 
Zahlen würden die (»200 *j/ Hostm&nns sogar auf IHuk) k$ «nwachöen! 

2) Z. f. Ethnoi 1803* B. 936-92a 



I ,';ii lieuTcrbrcnuuug iu Japan. 



I0:i 



de 



Dönitz 1 ) schilderte das Verfahren anfangs nach den Aussagen nlt«T 
Diener an den Verbrennungsplärzen und überzeugte sich dann, da sicli 
Widerspruch gegen seine Darstellung erhohen hatte T auch durch den 
tt hein von der Richtigkeit derselben, Er wies namentlich auf die 
Billigkeit dsa Verfahrens hin und auf den lauerst geringen Holz- 
rarbnuisb, Das Gewicht des verbraucbf»ii Holzes gab er allerdings 
Hiebt au, aber er sagte doch: »Seitenet: wird ein grösserer Holxstosfl fttr 
den Leichnam errichtet." 

1 'i ■■•' ven 3 ) berichtete ganz ähnlich wie Dünitr.. zuerst ebenfalls 
a< h ihn gewordenen Mitteilungen Anderer, die er danu durch den 
u—iiöcliein bestätigt fand. An Brennmaterial führt er an: 14 Scheite 
Bob im Gesamtwerte von 15 Son, 3 Strolibimdel, zusammen G Sen 
: -1. ferner kleines Holz zum Foueraumachen usw. im Werte von 
l Sen; da* ganze Brennmaterial kostet also 25 Sen, mithin, da 10<> Ben 
I Ten - 1 % [etwa 4,20 Mk.|. mir 1,05 Alk.! Greeven glaubt denn 
It. dass sich die Sache leibet mit einem Ofen nicht billiger gestalten 
-nie. als nach dem alten, einfachen Verfahren. I)as (iewicht des Holzes 
wird auch hier nicht mitgeteilt. 

Beukt-ma und lMügges Aufsatz wurde, übersetzt und mit einer 
Kaehacfafiffe B.fl versehen, abgedruckt in den Ostasiut. Mitrlgn. Bd. 3, 
- i La (1880); Didmaeion dazu 8. 131. 

si»« berichten nach eigener Anschauung und geben das Gewicht des 
Holzes direkt in Kilogrammen an. Es steht S. 9 gedruckt: „75 ky. 
.4.) hr und für eine wassersüchtige Leiche „120 kg\ Von eiuem Y.m- 
sehen kann da um so weniger die Rede sein, als die Menge des Brenn- 
uaierial.s als „aefar gering" 4 bezeichnet wird, was bei Zentnern doch nicht 
zuti 

Beet&tigUlig findet all dieses endlich durch eigene Beobachtungen dei 
leicht nicht naturwissenschaftlich gebildeten, aber infolge seines Amte* 
"o h an «Irr Sache interessierten und von der Behörde in seinen ßo- 
ttrobungea geförderten Pfarren W. Spinner über Verbrennungen im 
•ematorinm Nippori in Tokio mit Hilfe von Backsteinöfen, wobei 
ine weitere Ersparung von Holz eintrat. Im Durchschnitt genügen 
Scheite lb Iz von Armesdieice und l 1 /- — "2 Fusa (0,47 — 0,63 m) Lange 
ii Ootamtgewiehl von „H Kuwaiiiine". — 1 Kuwamme ist nach Spinner 
etwa S 1 /, Ihn avoinlupoi», d. h. da das Pfund nvoird. 463,59 y wu-Lit 
3,845 /(/: mithin - s Kuwamme — 30,84 kg, oder rund ;)1 /,</.") 

Wer nun der Beobachter des »Tag* war, wird nicht gesagt, doch 

inii neb er wohl ein Arzt gewesen sein, da er über die bei der Yer- 

irennung hinterlassend! Knochen und Zähne einige Bemerkungen macht 

i<l <li ^bezügliche Irrtümer der anwesenden Japaner berichtigt. Aber 

r&hreud alle obengenannten Beobachter ausdrücklich zum Zweck des 

Stadiums, meist mit Unterstützung und z. T. auf Wunsch der Regierung, 

»ii Operation eu von Anfang an beiwohnten, kam der Kranaesohe 

l) Dcniache oitas, Witt. Bd. I, lieft 10, S. 6 u 28; B, 1 WU). 

nda Bd 2, 8. III (1*7)0. 
3) Doatiehe oet»s. Mitt. Bd. 5, S. löti (189U). 



104 



Olahaiucen; 



Gewährsmann nur zufällig hinzu, als oin Scheiterhaufen bereits errichtet 
und der Sarg daraufgostellt war, und, was das Wichtigste, dieser Vorgang 
spielte nicht in Japan, sondern bei Tsingtuu, im Deutseh-eliini's'iM mm 
Schutzgebiet! Die Funktionell drs l'rit'st'Ts lilirrniilmi einer der Leid- 
i.iriiden, und iiian darf um so mehr annehmen, dass kein geübter 
Leichenverbrenuer die Operation leitete, als jener Pseudopriester aus- 
drücklich erklärte, „dass man liier aus Mnugol an den nötigen Ein- 
richtungen die Verbrennung nur in dieser einfachen Weise vornehmen 
könne.* Nun gibt ca ober bei dorn alten Verfahren gar keine Ein- 
richtungen, die in Tsingtau nicht zu beschaffen gewesen wären, und du 
der Berieht aus dein Jahre 1903 stammt, d. h. aus einer Zeit, wo die 
Anwendung von Verbrennungsöfen in Japan wahrscheinlich schon grosse 
Forlschritte gemacht hatte 1 ), ist es sehr möglieh, dass die sa'MMnden 
Japaner das alte, primitive, aber ftttssenJ wirksame Verfahren gar Hiebt 
mehr aus eigener Anschauung kannten. 

Elfi lassen sich denn nuch ganz bestimmte Abweichungen von dem in 
Japau selbst eingehaltenen Vorgehen bei jener Verbrennung in Teil 
nachweisen. 

Zunächst ruhte ja hier die Leicho auf einem wirklichen Scheiter- 
haufen, der aber in Japan gar nicht vorhanden ist. Dort legt nnui <li'' 
Leiche Ober eine flache Mulde im Erdboden oder Über eine kleine Grobe 
von etwa 1,1 m Lange und 0,4 m Breite und Tiefe, nlso nur 0,44 gm 
Grundfläche. Sie ruht auf '2 — 4 etwa . r >/.Ölligeu Holzscheiten, die als 
Roststäbe filier die Mulde oder Grube gelegt sind (in Kioto 1*7S auch 
auf eisernem Kost), umstellt sie mit einigen Scheiten von 40 cm LAngQ 
und bedeckt sie mit nassen, oft auch mit Salzlösung getränkten Keis- 
strohmatteu. Dann wird von unten her gefeuert, wo die Luft frei nn lie 
Leicho oder den Sarg herantreten kann. Uns Hohlliegen der Leiche ist 
eine der wesentlichsten Bedingungen zum Erfolge. 

Auch in den spater eingeführten Öfen wird der eiserne Rost troU 
der Holzfeuerung beibehalten (Beukema S. 10 in Osaka; Spinner 
8. L r »8 in Tokio).*) — Von der grOssta) Wichtigkeit im Interesse der 
Kolzorspnrung ist ferner die Hesclirfuilum^ der ganzen Anlage auf einen 
möglichst kleinen Raum, wie schon S. 101 besprochen; ferner ein sehr 
langsames Feuern, das nuch bei Anwendung von Öfen noch bei- 
behalten wird. Die gante Operation ist dennoch in einer Nacht (7 bis 
10 Stunden) beendet. Greoven sagt a. n. O. S. III: „Der Leichnam 
wird weniger verbrannt, sondern gekocht, geschmort, gebraten, gebacken, 
ausgeglüht, bis nichts mehr vorhanden, als die Knochen, die von den 



1) Nachdem Greeven 1876 mit der Frage der Errichtung voü Vcrbreuuungsöfeu 
sich beschäftigt hatte, crwHhnlcu Boukema und Flügge 1878 oder 1SS0, daas in Osaka 
„seit einiger Zeit- Ofen mit eisernem Rost in Gebrauch seien (a. a. O. S. 10), und 
Spinner sah lS9u ein Ofen-Krematorium zu Nippnri-Toklo, auch war ein solches 
wohl damals en Kamcido-Tokio in Gebrauch und zu Senji-Tokio im Bau. (Spinner 
S. 156), 

•i) Uie von lloydeck einige Male in der Mitte der Brandstelle angetroffenen kleinen 
r;n;]vun«cu von Kopfsteinen können fiollolobl als Auflager für Ilol/schcite gedient tata, 
ilic dne Art Host, wie in Japan, bildet rii. 




LefoheaveibMBifcflg in Jana, 



109 



An-' ii"i ig* ii morgens besichtigt werden. Ber Anblick ist nlsdnnn übrigens 
durchaus kein ekelerregender mehr." Die Knochen sind wtnm oder 
wenigstens grau p ibnuint, leicht zerrciblicli. viel« gsnx vorfallen. 

Du Feuer zu dämpfen, ist auch der Zweck dcv Bedeckung mit 
nassen, salzgeträuktcn Strohmatten; man benetzt auch die Holzscheite, 
««BD nöti^. Diese letzteren beiden Hilfsmitteln wurden nun freilich 
aoeti in Teingtaa angewendet, konnten aber bei einem Holzhaufen von 
1,;» ;;* --- :; 7.") tjm Grundfläche und einsprechender Höhe natürlich 
;' so wirksam sein, als bei einer höchstens 1 qm grossen Herrichtung 
BIM dn l,.i_'i der Leiche diobt Iber dem Erdboden: niisserderu wurde in 
Teingten die Wirkung der Matten z. T. aufgehoben durch Besessen des 
1 1 ■ . • ■ tail Petroleum. 

Endlich sei hingewiesen auf die grosse Erfahrung, welche die 
Leiebenvcrbrenner iu Japan zu sammeln, Gelegenheit hattet). Nach 
B< ukema und Plagge wurden um 1878 in Japan etwa 270000 und in 
Tokio etwa i'000 Leichen jährlich verbraunt, nach Spiunor in Tokio 
Bö rund 12000. Was will da die eine Taingtauer Leiche besagen! 
.\;n h alledem stehen das bis Ende "der 70er Jahre des vorigen Jahr- 
hunderts in Japan gaflbte Verfahren der Leichenverbrennung und dessen 
BtaunonsVerl günstige Erfolge unbedingt fest. Hieran können die so 
Mich abweichenden Ergebnisse der 1 1 DS 1 man uscheu Versuche nichts 
rn; die Anordnung dieser letzteren rauss völlig: verfehlt -ev\e>eii sohl. 
Ab.'i- ,ui'li Herrn Krauses Kritik meiner Angaben entbehrt jeder sach- 
Begrändang; der .i beschossene Pfeil schnellte auf den Schützen 
zaritak. Wenn •■ eich hierbei nur um eine persönliche Angelegenheit 
handelte, hAtfe ich schweigen können; aber das ist nicht der Fall. Wir 
sahen je ifAen, wie das japanische Verfahren auch über unsere 
beinäieohen Verhältnisse Aufklärung geben kann, indem es Heydecks 
Iflckliohe Interpretation seiner Beobachtungen zu Wiskiauten roll be- 
tätigte, und hei Prüfung von Auagrabnngaberichten würde man vielleicht 
i" derartige Fälle auffinden. — Auch war es hohe Zeit, jeden 
"1 bezüglich jenes Verfahrens zu beseitigen, du es infolge der fort- 
schreitenden Benützung von Verbrennungsöfen jetzt in der Nähe der 
;i Städten vielleicht gar nicht mehr möglich und selbst in ent- 
ren Gegenden sehr schwierig sein dürfte, das alte, einfache, aber 
io äusserst wirksame Vorgehen zu beobachten. Aus letzterem Grunde 
s mir besonders angenehm, in der Person unseres Mitgliedes, des 
Herrn Geheimrat Dr. Baelz. langjährigen Leibarztes des Kaisers von 
Japan, einen weiteren Zeugen fflr die Richtigkeit meiner Darlegungen 
beibringen an können. Auf die Bitte, über meine Frühere Veröffent- 
lichung und die Einwände des Herrn Krause ein Urteil abzugeben, 
schrieb mir Herr Baelz: „Mit Bezug auf Leichenverbrennung in Japan 
ii h Ihnen folgendes aus eigener Erfahrung mitteilen: Die Be- 
schrei der Herren Dönitz, Beukerua und (Jieeven, die Sie in 

Ihrem Aufsatz in dou „Verhandinngen L892* anführen, sind bis ine 
Einzelne richtig, also auch in Bezug auf die Menge des zur Verbrennung 
ho nötigen Holzes. Ich glaube sogar, das» die als Normal- 



- 



PL 

: 




10« 



Mayntzhuscn; ADSgrabungen um Alto Paraiu. 



menge angegebenen 75 kg in der Kegel nicht erreicht werden; bOk$ 
für gewöhnlich ausreichend. Natürlich erscheint das Äusserst woi 
man sonst gewöhnt ist. von grossen Scheiterhaufen und Holzstös- 
höron, und ich selber war hei den vielen Verbrennungen, die ieh g« 
habe, über den minimalen Holzverhrauch erataoul Aber die Tstmehs 
besteht, und für mich ist die Sftehe Oberhaupt undlskntierbar nach den, 
was ich mit. eigenen Augen gesehen habe. — Der von Herrn Kranit 
gitterte Füll der Verbrennung einer japanischen Leiche in China kommt 
nicht in Betracht; auch sagt ja dort ein Japaner ausdrücklich, dass diese 
Verbrennung von der in Japan üblichen abweiche. Die Beschreibung« n 
Benkema'i und DönitzB sind so vollkommen der Wirklichkei 
sprechend, dnss ich kein Wort hinzuzusetzen habe. 

Ihr . . . E. Bnelz." 



(14) Unser Mitglied Hr. Mnyutzhusoii übersendet eine vorlau 
Mitteilung Ober 

Ausgrabungen in Yaguarazapä am Alto Paranü. 

Er ist 100 in unterhalb und östlich des Hafens von Yaguarazapä 
Grabungen in entern Saudfeld auf eine alte von Aschen, Koblenrest-n 
und flberaus zahlreichen Ton9cherbeu durchsetzte Kulturschichi fi 
tlip er als die Reste einer vorspanisrhen Jmliuiieraii«iedpliiug uml EWU 
der in grossen Urnen bestattenden (iiiarnnihevölkerung anspricht. Die 
Fundobjekte sind nach ihm zu klassifizieren in Küchenabfälle, keramische 
Erzeugnisse, Geräte und Waffen aus Stein und aus Knochen, sowie 
Schmuckstücke. Alle Gegenstände sind vorzüglich erhalten, obwohl das 
Alter auf mindestens 300 Jahre anzusetzen ist. Denn es ist nicht an- 
zunehmen, das« nach 161-s, dem I -ründungsjahr der Reduktion Yuuuapua. 
die Jesuiten noch freie Stämme am Alto Parami geduldet haben. DflM 
die alte Siedelung von Yaguarazapä aber bis zur historischen Zeit be- 
standen hat, dafür seheint ein gespaltenes Röhrchen aus blauem Glas 
(eine stäbchenförmige Perle), zu sprechen. 

Bs erscheint wünschenswert, eine genauere \ chilVeiitlichung de- inter- 
essanten Materials erst zu geben, wenn sie durch Abbildungen, die we- 
niger skizzenhaft gehalten sind als die dem Bericht zunächst mir- 
gegebenen, erläutert werden kann. Es trifft sich ausserordentlich 
glücklich, dass Hr. Mayntzhusen, der Urossgruudgesitzer in jenen 
alten noch nicht durchforschton Indianergebieten ist, lebhafte Bereit- 
willigkeit zeigt, die dort im Roden ruhenden Schätze für die Völkerkunde 
peradnlieh zu heben. 

(lö) Hr. v. Luschan übermittelt aus zwei Briefen Hrn. Dr. Thuin- 
w.\ i da die folgenden 

Nachrichten aus Nissan uud von den Karolinen. 

Herbertshöhe. 12. März IB07. 
i kehrte ich hierher von einer Expedition nach der Fnael 
Nissan zurück. 



Thurnw&Vl: Sichrichien aus Nisstn und von den Karolinen. 



107 



dar totsten „Sumatra 14 , die jetzt alle drei Monate auf ihrer 
iville- Fahrt auch Nissan anläuft, war ein Brief des dort sitzenden 
Händlers Hcathcotc der Firma Forsaith eingetroffen, in «lern die Sicher- 
heit niese Ulf det Insel in den dunkelsten Farben geschibh'ii 
wurden. Der Gouverneur veranlasste sofort die Entsendung einer Expe- 
■ 1 1 1 i i>n von 40 Polizeisoldaten mit einem Polizeimeister und dem Kaiser]. 
Richter Dr. Scholz. E< wurde mir gestattet, an «lieser Expedition teil 
y ii Dehnen. Ich bin dem Gouverneur für diese Erlaubnis sehr dankbar, 
denn so wurde mir die Gelegenheit geboten, ausserordentlich viel Iuter- 
MUftBM tn leben* zu hören, zu beobachten und phonographisch fest- 
zuhalten. 

Am 36, Februar abeuds verlieas der „Se..steru il Herbertshöhe und 

traf am Vormittag des folgenden Tages in dem Wasserbecken des Atolls 

.■in. Wir machten die Station des Händlers zu unserem Standquartier. 

D de aus sollten die Fahrton nach den verschiedenen Teilen des runden 

.ii. itVn- und den Nebeninseln unternommen werden. 

Die (treten Erkundungen ergaben, dnss auf der ganten Inselgruppe 

Kannibalismus herrsch*', iu der letzten Zeit aber, besonders in einigen 

Distrikten des östlichen Streifens« viele Falle vorgekommen seien. Einem 

Einzelfall, der sich dort vor kurzem zugetragen hatte, wurde nachgegangen. 

gelang uns im Laufe der Tage sowohl der Mörder, wie derer, die 

■i« Ii .in dem Essen beteiligt hatten, habhaft au werden. Zunächst stellte 

mi li berane, dflSfl der Mörder den Toten nicht essen darf. 1 ) Für die 

Kenaefaenmahlaeiten werden teils erschlagene Feinde, teils eigens zu 

•ein /.wecke aufgemästete Weiber verwendet. Die Feinde pflegt DDflfl 

mit rlel Gnreeamkeit zu tiiton: man schlagt ihnen, wenn sie verwundet 

I die QHednMUWeu nb. dann schlitzt man sie bei lebendigem Leibe 

auf und »ehliesslk'h erst schneidet man das Herz heraus. Bei den 

Weibern, die gemfietet werden, verfährt man glimpflicher. Man wählt 

mit Vorliebe Weiber, die wenige oder keine Ileschützer haben, von denen 

Blutrache droht. Vor allom hat man es auf die Witwen abgesehen. di> 

ii geschlechtlicher Beziehung als Gemeinbesitz aller Männer des Dorfes 
betrachtet werden. En unserem, sehr genau erhobenen Einzelfall handelte 
es iioh am ein Huka-Woib, das an. einen Nissan-Mann verheiratet war. 
her Mann war vor 10 Monaten gestorben. Das Weib war zunächst bei 
dem Häuptling des Dorfes ihres Mannes verblieben (bei Tüuiüt aus 
H.iüan). Xach etwa M Monaten holte sie der Häuptling Sahn aus Males 
/.u licfa. G Monate hielt sie sich bei Salin auf, führte dessen Wirtschaft 
und unterhielt mit ihm regelmässig geschlechtlichen Verkehr. Da Sälin 
dem Häuptling Semsnm aus Bangälü bei Sidr zur Lieferung vou Menscheu- 
äelecfa verpflichtet war, wurde schon iJ Monate vor Schlachtung des Weih. ■- 
(Knrüs. Bnka-Nam.- oder II« n-r. Nissan-Name) abgemacht, dass Salin sie 
zur Schlachtung auffüttern sollte. Nun mietete Somsoin, der dos Fleisch 
bekommen sollte, don Schlächter in der Forson des Häuptlings Mögen 

"i- r<iröhälwi"i Kr bezahlte ihn mit einem Schwein, '2 Bündeln Pfeile 



l' Ähnlich ist es in der Astrolabc-Bay in Kea-GüioM mit den Schweinen. 




108 



Thumwuld; 



(zu je 16 Stück). - r > Armringen und einem Messer. An dem vorabn-.] ••:> in 
Tage erschien nun Sömsöm mit seinen Leuten und Mügan und den 
Seiuigeu auf Salms Platz. Jetzt sträubte sieh zanfichat Sälin, die Kiira< 
bterauszogaben. Sin scheint beim geschlechtlichen Verkehr die Lüste dei 
alten Salin zu reiieo verstunden zu haben, ausserdem erwartete Sälm TOB 
ihr nach M — 4 Monaten ein Kind. Er wünschte deshalb, daas BAi 
sich noch gedulde. Dieser alte Menschenfresser wollte aber nicht* dum 
wissen und verlangte Bein Opfer. Der C herzahl vermochte Salin D&ohl 
Stand zu halten und ao gnh er schliesslich doch die Kärüs heraus urel 
half bei Ihrer Schlichtung dadurch, daafi er sie festhielt. Vorher war IM 
wie ein Schwein an Hunden und Füssen gebunden und aus der BfttU 
Siilins herausgetragen worden. Der erste Streich wurde von H 
schräg Aber die Brost gegen die Bauchhohle zu geführt, dann durchselinii; 
ilir einer von Sonisonis Leuten, Sinai, mit einem Messer die Kehle, <-ni 
anderer. Nataweng. schoss ihr einen Pfeil in die Seite und erst er machtf 
ihrem Leben ein Bude. Das hatte sich am Nachmittag zugetragen. Man 
schleppte nun die Leiche nach dem Strand, verlud sie in ein Kanu umi 
ruderte nach SöniBoma Dorf. Dort wurde sie bei Mondschein in de* 
Häuptlings Haus gebracht und die ganze Familie schlief die Nacht über 
in demselben Raum. Am nächsten Morgen schaffte man die Leiche auf 
eine der Üblichen Feuerstätten aus Kornllenkalk und röstete sie dort an. 
wie man es mit den Schweinen tut. Hierauf erst sehritt man dazu, die 
Leicht zu zerstückeln, zur „Kitae**, der Fleisehverteilung. Der Hfiuptliug 
Si.nns.iiii behielt für seine Person die rechte Lende; seinen Leuten gab er 
den Kopf; ein Gemeindegenosse, Welkerüp, erhielt den linken Unter- 
schenkel samt dem Fuss; Itiritun den linken Arm, sein erwachsener Sohn 
DjOmi kaufte für einen Armring von seinem Vater Somsön den rechten 
Unterschenkel und Fuss der Knr;is. I$art«'de aus Pipiasn bekam die linke 
Lende und den Embryo; Kiilu aus Pipissu den linken Oberschenkel: 
Hein aus Kulo den rechten Oberschenkel: Monognlu aus Tennagä den 
rechten Arm; Xedsin aus VValö die Rrflste: Tewcdl aus Termntuän kaufte 
für zwei Mündel Pfeile den Bauch; Nnsshid aus Tabussuri erhielt den 
Hucken und Tokaliün aus Siiir die Geschlechtsteile. (Bei Mäniioni werden 
die Geschlechtsteile nicht gegessen, sundern weggeworfen.) Die Brüste 
und Lenden gelten als Leckerbissen. Die meisten haben die Stücke 
Meiischenlleiach (Moho) also nicht gekauft sondern sie erhielten sie teils 
als Rückzahlung, teils in Erwartung einer seinerzeitigen Gegengabe 
gleicher Art. Für das Fleisch eines Mannes muss ein Mann, für das eines 
Weibes ein Weib wiedererstattet werden. An einem Tage wurde nun 
ein grosses gemeinsames Essen (bilöru «o MenschcnhVischmahl) veranstaltet 
und dabei die Braten (birüa — Menschenfleischbraten) verzehrt. 

Dfltl ein Buka-AVeib damals geschlachtet wurde, hat wohl seinen 
besonderen (irund noch durin, dass stets Weiber an die Huka-Lente, die 
null Nissan kommen und Topfe. Pfeile, Pfeifen zum Hauchen. Kann- 
Schnähel, Schildpattspate] („toroael*), hölzerne Maultrommeln (susap) usw. 
bringen, verkauft werden. Die Weiber, wie die Schweiue, die sie den 
Nissan-Leuten altkaufen, werden von ihnen verspeist. 






iuchrichton aus Niasw an! tod 



dea 



: 



['•»•zeichnend dafür, wie die gescb ilderten Sitten zu einer Yerschuldungs- 
kette von Mrii-ichi'Tifleischliüferurigen rühren and stets neue Schlachtungen 
bedingen, isi. dm genau ermittelt wnnle, für welche Persönlichkeit BUfa 
S^iusi'nn schuldete (eine Frau Li) und dass Soraaom sclum eine Frau 
mäetetr. die er dem Sülin zum Verzehren geben wollte; diese Frau 
Kässil, sollte in einem Monat geschlachtet werden. Um einer anderen 
Verpflichtung /.u genügen, hatte ein Bruder Sömsöms, Tsingdli, vor drei 
Wochen den Versuch unternommen, auf der Insel Sirot ein Weib, Peiwim. 
zu töten. Diese war aber rechtzeitig geflohen. 

Der Schädel fallt dem zu, der den Todesstoss versetzt hat. Er darf 
ihn nicht essen, aber er pflanzt ihn als Trophäe in seinen) Hause auf. 
Den Behftdel der Käräs wie den der Li übersende ich Ihnen demnächst. 

Das» es auf dieser Insel Fleischnot sei, die die Leute zum Kanniba- 
lismus veranlasst» int darum ausgeschlossen, weil es zahme und wilde 
Schweine in grosser Menge gibt und die Buka-Leute herüberkommen, 
um Schweine von hier einzuhandeln. Ausserdem ist die Küste sehr fisch- 
reich uiil .m anderer Nahrung, an Kokosnüssen, Sago, Taro, Kaukau, 
Brotfrucht, Drazäuenfrucht. Galipnüssen, Betelpalmen, wildeu Äpfeln, 
wilden Citroneu usw. usw. Überfluss — wio auf allen diesen ausBer- 
ordentlioll fruchtbaren Atollen. Die Gewohnheit ist sicher uralt, mag sie 
.ms Bnka. mag sie Bttl Neu-Mecklenbur^ stammen. Denn die Bevölkerung 
(■nippe stellt eine Mischung dieser zwei Elemente dar; während 
auf den nordwestlichen Inseln der Neu-M.«rklenburg-Typiis vorherrscht. 
überwiesen auf der Hauptinsel, namentlich auf ihrem östlichen Teil, wo 
auch eine richtige Buka- Kolonie angesiedelt ist, die dunklen hoch- 
gewachseneu Bukagestalten. Auch die Sprache ist mit Bukaworten durch- 
setzt. Die Antworten, die ich auf meine Fragen nach dorn Grunde ihrer 
Menschenfresserei erhielt, deuten darauf hin, dass die Nissan-Leute meinen. 
las Verzehren von Menschenfleisch sie stark und intelligent mache, 
besonders aber das von Weibern ihre sexuelle Potenz hebe. Vielleicht 
es damit zusammen, dass die meisten der am letzten Weiberfrasse 
Beteiligten ziemlich alte Häuptlinge waren. Ausserdem aber spielt die 
Gewohnheit und unzweifelhaft auch der Geschmack am MenschenflrUcii 
eine Kollo. Auch biete! es eine „Abwechslung" gegenüber dem Schweine- 

I und zudem ist es mit traditionellen Festlichkeiten und Aufregungen 
v. rkmipft. Ba ist der „Luxus* dieser kulturarmen Menschen — daher 
auch die Speise der Häuptlinge in erster Linie. 

Difl NuIm der Dörfer kennzeichnet sich gewöhnlich durch Kokos- 
tul BfU-Inusspnlmen. mit Korallensteinen umhegte Bananen- und Taro- 
ptlauzwege (umhegt zum Schutze gegen die vielen Schweine). Im Dorfe 
sind die Häuser gewöhnlich zu beiden Seiten einer oder noch einer 
zweiten parallel laufenden breiten Strasse — die Giebel liuie senkrecht 
zur Laufrichtuug der Strasse — aufgestellt. In der Mitte des Dorfes 
er an einer Ecke, gewöhnlich mit anderer Giebelriehtung als die übrigen 

1 Ein Muster folgt uüclistcns in der Samniluüg, die ich abzuschicken im begriff 




110 



Thurmralri: 



E£&Uior befindet sich diu „house belong all boys*. dns Junggeselleu- on»l 
Männcrhnus. in «lern die grossen Trommeln, die <_ Miramuts aufgestellt sind. 
Das au» Sagoblättern geflochtene Dach') der Häuser pflegt nur ctw. 
vorn und hinton über die Ein- und Ausgangswände vorgebaut zu «ein. 
Darunter ist in der Regel ein Gestell zum Sitzeu uud eine Abteilung Hr 
(reräte oder Früehte, Vorräte und dgl. Das Innere des Hauses ist dund. 
eine Wand gewöhnlich in zwei 4-btoilc getrennt, namentlich dann, wenn 
viele Personen das Hans bewohnen. In das* Haus kriecht man durah ehe 
rechteckige Öffnung in der vorderen und hinteren Baiiibuswund : (fifl 
Öffnung ist meistens otwa 1 vi über dem Boden angebracht. Mau hält 
sich dabei tili einem Ober der Öffnung oben quer angebrachten Bambu>- 
pfeetan. Die Offnungen sind durch Türen, die vorgeschoben uud an- 
gebunden worden, verschliessbar ') In der Mitte des Raumes ist gewöhn- 
lich ein Tisch aus Bambus in den Boden eingerammt, auf dem Hausgeräte 
und Speisevorräte, bedeckt von unzähligen Fliegen, herumliegen: an einer 
Wand, nicht höher als i ll vi über dem Boden, ist ein Diwan aus Bambus- 
hölzern zum Schlafen hingestellt, auf den noob grobe Matten, aus Kokos- 
muMpalmblattaTn geflochten, gelegt werden. Auffällig war mir. in Aon 
Häusern, besonders der Häuptlinge, der grosse Vorrat an gutem Zeder- 
holz, das oft an einer ganzen Wand bis zur Höhe des etwa 2 m hohen 
Daches aufgespeichert lag Im Innern des llau>es wird abends Feuer 
angemacht. Der Rauch vorruset natürlich alles derart, dass jedes Bittet 
und jeder Stock innen mit einem Gemisch von Staub und Ruse sich 
überzieht, Daher wickelt man Tanzetäbe, die mit Federn geschnne dkl 
sind, wie auch an andern Orten, zum Schutz in Bauanenblättor ein, die 
an der Sonne getrocknet sind. I >:is Dach und sein Gartet dient zur 
Aufbewahrung von langen Stäben, die zum Herubholen von Früchten 
benotet irerdBO, von Bogen uml Pfeilen, die, wie erwähnt, von den Bukas 
eingehandelt sind, von Angeln, „Paddeln"*. Tanzstäben, Fisehneta n. 
Messern („Buschmesser" der Europäer), alten Tomahawks. Muschelbeilen 
Bananen, Taro, Kuukau usw. Das Männerhaus besitzt immer nur 
Abteilung, an den beiden Längswänden ziehen sich die Diwans aus Barnim- 
hin. Dort i^t ausser den Garamuts, den Trommeln, nocli ein grosses 
Lager TOT Pfeilen, Bogen, Rudern usw. An diesem sowie an vielen 
anderen Häusern werden aussen (mitunter auch inueu) Schweinekiefer 
iiidii'iii'imiiirlMr in einer oder zwei oft 2 — 3 m langen Reihen als eme Art 
Trophäe aufgehängt. Bei starkem liegen, wie wir auch gelegentlich 
umtut Streifzüge erlebten — auf diesen Atollen ist gewöhnlich Kleinlich 
vi 1 liegen und die Luft auch des Nachts sehr schwül — bei starkem 
Regen also werden die Häuser fast ganz unter Wasser gesetzt, innen 
bilden sich oft förmliche Tümpel und es nützt wenig, dass das Dach aus 
Sjtgopnlmblüttorii („Atap M , wie der mulayisHie Ausdruck, der auch hier 
von Pflanzern gebraucht wird, lautet; einen guten Schutz gei»en das von 
oben kommende Wasser bildet, «ia dieses auf der Erde von allen Seiten 
Euflietet Data unter allen diesen Umständen der Sehmutz gross ist. lieg) 



1) Die Seitenwfinde der Häuser pflogen aus 8agoholi gemacht au .-«in 



Xii-liricliti-n ans Nissan und von tl«*u Knrolitirn. 



in 



_n 
I... 






™ 



Geschwüre und Wunden sind häufig, ich sab Kinder, dii üb. r md 
Ol >et mir krätzenartigcu Geschwüren bedockt waren, die vielleicht auch 
von deq in den buschigen Haare u der Weiber und Männer gezüchteten 
D liorrü hron oder l-Yambosie? Das Läusesaehen gehört übrigens hier 
wie mich auf den weltlichen Inseln (Mntty und Durour) zum Lieblings- 
zeitvertreib unter den Leibern. Die KlnderetsrbHobkeil iet gross, auch 
de] Kiuderimird rat ;tn der Tagesordnung; beiratet eine Wiiwe mit einem 
DU Kinde noeaznafa, wie z. B. im Falle der Frau des HCrdere*) 
Nataweng, so bfltel der zweite Kann die kleinen Kinder des ersten. Auch 
sollet, wenn ein Kind unerwünscht ist. wird es in das Wasser, in die See 
• ■voitcn oder den Schweinen min Fressen gegeben. Einer Frau, die 
D einem weissen Händler ein Kind hatte und in ihr Dorf zurückkehrte, 
..in nicht* BQ essen, ihr Kind verhungerte und sie sucht" Schutz bei 
dem Händler auf der Insel. Die Bevölkerungszahl auf der Insel durfte 
ar trotz allem, trete Kiudesmord und Menschenfresserei nicht abnehmen. 

lern sieh das Gleichgewicht aalten. Die Dürfer sind verschiedet 

rosa, manche nur mit l'— '.\ Hütten, andere zu 15—20 Häusern, öfter! 
in einem Haus mehrere Familien. Die gesamte Bevölkerungszahl 
et Inselgruppe dürfte sich auf etwa 2000 Seelen belaufen, die Dörfer 
liegen zumeist an der offenen Küste, seltener am Ehrende des lonen- 
\n dem Kanal, der im Südwesten die Hnuptinsel in zwei Teile 
-') (auf der Karte nicht eingeserohnet), liegt der grössto Ort, den 
ieh auf den Inseln sah, das Dorf Tapöngal. Die Eingeborenen werden 
ooell selten als Arbeiter angeworben, fast nur von den beiden am Ein- 
gang des Audis gelegenen Inseln Sirot und Burahüu hatte man Leute 
nach Kaliim (Finne Foroaith) gebracht. Wir hatten gelegentlich unserer 
Streiiafige etwa 10 Leute angeworben, die alle kräftig genug waren, in 
Berberteh&be hei der Polizeitruppe eingestellt zu werden. Wenn Ring- 
arm auch nicht selten ist, so kann man ihn doch nicht als sehr ver- 
öltet bezeichnen. Fieber ist bisher noch nicht eingeschleppt. Doefa 
wird die Malana zweifellos bei häufigerer Berührung mit Weissen und 
ten Farbigen früher oder spator auch hier ihre Opfer fordern, die 
l den Knralleninseln mit ihrer wenig widerstandsfähigen Bevölkerung 
••ine geringen zu sein pflegen, wie die Beispiele auf den Hermite-Inseln. 
uf Matty und Durour zeigen. Syphilis durfte noch nicht eingeschleppt 
m. iioc.li allem Anschein mich schon (ronorrhoe. 

Die Inseln Bind mit Ausnahme eines kleineu Platzes, der um die 
Cation des Händlers herum mit Kokosuuaspalmen bepflanzt ist. mit 
B1 MiiM-h bedeckt, bieten ober, wie alle Koralleuiuseln einen aus- 
mieten Boden für Kokosnussplantagcn, die hier wohl einmal werden 
gelegt werden. 
Beim Befragen der Leute war es auffällig, dass sie stets zögerten. 
ihren eigenen Namen zu nennen und wenn sie ihn sagten, mit Flüst.-r- 

1) Vgl. obeu. 

jj Er zweigt vom südlichen Teile der Westküste, noch bevor die Südwestecke er 
wird, in südlicher Richtung ab und ist für kleinere Kutter, nicht fnr grosse Schiffe 

Aar. 




irj 



Thaniwuld; 



stimme in das Ohr sprachen. Es handelt sich da sicher wohl um irgend- 
welchen Aberglauben, wie er sich hilufig ja an Hie Nennung des Nani.n* 
knOpft. 

Da wir die angeworbenen Leute, die Beteiligten an der let/.ien 
Menscheumahlzeit sowie die Mörder hierher mitgebracht haben, werde ich 
in der Lage sein, dieser und anderen Fragen hier noch nachzuspüren 

Was nun meine Plane für die Höchste Zeit betrifft, so beabsicht ■■_■ 
ich — ich beriet mich vorgestern mit dem Gouverneur — in der nfi< | 
Woche nach den Baining-Bergen zu gehen, um dort in das Innere 
Vorstoas zu machen, das ja noch ganz unbekannt ist 

HerberUhohe, den 12. Oktober »»7. 

Vorgestern traf ich hier »uf dein „Soestern" ein. Zwei Reisen In 
nun hinter mir, über die ich Ihnen zu Iwrichten habe. Die eine, im 
Juli-August 1907, brachte mich nach den französischen Inseln, nach Warini 
[N. -W. -Küste Neu-Britauniens und nach Neu-Guinea (Stephansorr-I3ulu\ 
l'berall hatte ich bei längerem Aufenthalt Gelegenheit zum Beobachten. 
Ausfragen, Photographiereu und Sammeln. Von Bulu aus machte ich mit 
dem Gouverneur in Verfolgung des neu angelegten Wegs der Gutta- 
Bxpoditton einen Ausflug 35 km in das Ortzen-Gebirgo. Wir kehrten 
dann über Stephansort zu Fuss nach Friedrich Wilhelmahafen zurück. 
Sinter dem Gogol-Fluss passierten wir die nun nach dem Angriff auf 
Friedrich Wllheliusbafen nach dem Festland verpflanzten Bili-bili-L» m. . 
denen aber gestattet wurde, nach Verlauf eines halben .Innres (von jetzt 
ab) nach ihrer Insel zurückzukehren. Den Lehm für ihre Töpferei ge- 
wännen sie zwar am Festland, aber sie wünschen doch nach ihrer Insel 
zurückzukommen. — Vielleicht ist es mir möglich, später, nach meiner 
Wiickkohr von Bougainville, wo ich wohl ungefähr ein halbes Jahr zu 
bleiben gedenke, in Verfolgung des inzwischen weiterausgebauten M agfl 
der Gutta-Expedition nach dem Bismarck- Gebirge zu gelangen, eine 
sowohl museal wie wissenschaftlich lohnende Unternehmung. 

Die Seplember-Oktober-Reise brachte mich mich den Central« und 
Ost-Karolinen. Damit habe ich nun das ganze deutsche Schutzgebiet in 
der Sildsee kennen gelernt (vor drei Monaten war ich ja in den West- 
Karolinen). Die Zeit der informatorischen und Sammelreisen ist damit 
zu linde. Ich warte auf die nächste Gelegenheit, die mich nach Bitita 
bfingt, nm meine Arbeiten in Bougninvillo zu beginnen. Diese Gelegenheit 
wird sich leider erst Endo November bieten, wenn der „Seestern* nach 
Sydney ins Doek geht. Er läuft dann Kieta an. Inzwischen gehe ich 
nach Toma, um meine Itigiet-Arbeiteii fertig zu stellen und, wenn dl« 
Zeit es erlaubt, nach Baining zu geben. — 

Auf der gedachten letzten Karolinen- Keine nun begannen wir mit 
den mittleren Gruppen. Es handelte sich fnr den Gouverneur darum, die vom 
K ii i'i -eiiii^staifun heimgesuchten Inseln zu besuchen. Zuerst liefen wir aber 
bei der östlich von 8t. Mathiaa gelegenen Teuch-Iuscl vor, deren Lage 
auf den Karten falsch angegeben ist und die der Kapitän richtigstellen 
wollte. Ausserdem wünschte der Gouverneur mit den Leuten der In- -I. 



Xirhriehten ans Nissan and von den Karolinen. 



118 



W* 




e noch uie von Weissen betreten worden war, in freundschaftliche Be- 
ziehungen äii treten — ohne dass Blut vergossen wird. Erst bei dieser 
elegenheit habe ich richtig unberührte „Wilde* — das Wort passt! 
eunen gelernt. Wie der „Seestera" sieh näherte, hörten wir schon von 
weitem die bekannte Kriegstrompete, das Tritonshorn, blasen und ver- 
hnien, wir wir näher kamen, ein wirres Schreien. Die Männer hatten 
ich am Strande versammelt, alle mit Speeren bewaffnet und fahrten 
Sprunge und Tänze aus. Der „Seestern" hielt und da kein Ankergruud 
rnussten wtr treiben. Nach einiger Zeit endlich kam ein Kanu, in 
vier Männer sassen, herangerudert. Vorsichtig, vor Angst zitternd, 
heran. Vorne am Kanu snss augenscheinlich der Anführer, 
esetzt sprach und schrie er uns zu und hielt grosse Reden, von 
denen wir alle natürlich kein Wort vorstanden. Der Gouverneur Zeigte 
' n Messer und ixte. Sie hatten keirneude Kokosnüsse mit vielleicht 
ei Spannen hohen Schösslingen, die sie als Friedeuazeichen uns ent- 
genhielten. Die Männer waren ganz nackt, die Weiber, welche wir um 
tnad beobachten konnten, tragen Urasschflrzen. Ein eigenartiger Sehmurk, 
I MDStge, den ich beobachten konnte, sind die über */ 3 m langen gegen 
B Brust aufgebundenen Barte, die durch eine Schnur am Hals fest- 
bunJen sind. Diese Barte sind zu 3 — 5 Zöpfen geflochten und wie 
glaube, wird ihrer Länge künstlich durch gefärbte Baum fasern nach- 
fen (wie etwa den chinesischen Zöpfen). — Nachdem der erste Aus- 
ch dadurch erfolgt wnr, dass sie an ihren Speereu Körbe mit den 
Tauschwaren herüberreichten bzw. die Geschenke des Gouverneurs in 
Empfang nahmen, kehrte das erste Kanu zurück. Als es am Strande au- 
fkommen war, hörten wir wieder grosses Geschrei und nacli einiger 
*it setzten sich mehrere Kanus gegen uns in Bewegung, die sich Blieb 
zögernd näherten und eigentlich schwer zu bewegen waren, Geschenke 
aufzunehmen. Obwohl das erste Kanu uns, als es nach dem Lande 
k kehrte, durch Zeichen aufforderte, an Land zu gehen, unterliess es 
der Gouverneur, dieser Einladung zu folgen. Diese aufs flusserste erregten 
ill ihrer Angst und ihrem Misstrauen sind unberechenbar — fliegen 
ii < inmal Speere, dann kommt os zum Schiessen. Verständigung ist 
nr lautig unmöglich, bis mal einer, dessen Vertrauen gewonnen, sich ent- 
hlieeat, sich anwerben zu lassen. Da sich die Bevölkerung der ganzen 
1 am Strande versammelt hatte, ist eine Sehätzung der Bevölkerung 
ich. Sie wird aber mit Weibern u\u\ Kindern 100 nicht viel fiber- 

Welch ein Gegensatz zu den Inseln, die wir später anliefen! Zu- 
ächat fuhren wir nach der Mortlock-Insel Ta, die arg verwüstet ist, am 
-ten Tage nach Lukunor. Von beiden Inseln nahmen wir über 000 
Leute an Bord, von denen dio meisten schon in Truck von der vielfach 
mdten Bevölkerung aufgenommen wurde, der Rest von an 150 aber 
Mb Ponape kam. Wir waren gerade zur rechten Zeit gekommen, denn 
hon drohte Hungersuot, da die Vorritte, welche den Leuten fnllier ge- 
rächt worden waren, zu Lude gingen. In Truck bekam ich rinn) folter- 
ten Tanz zu sehen, der zu Ehren des Gouverneurs veranstaltet 

tichrift für Ethnologie. Jahrg. tOÜ8. Heft I. ft 





114 



ThurnwaM: 



wurde. Die Tänze, die ich liier sah, sind, wie ja die ganze Bevölkoruug, 
total verschieden von den melanesiachen Formen. (Nur auf sprachlichem 
Gebiet sind bekanntlich so vielo Berührungspunkte.) Um l f«lQ Uhr abends 
fuhren wir bei glänzendem Mondschein nach der betreffenden Insel, wo 
das Fest stattfinden sollte. Wie wir landeten, hörten wir ein eigentüm- 
liches Geräusch, wie von einem festgebundenen Hunde, der im nächsten 
Augenblick losfahren will. Wie wir in der Dunkelheit weitergingen," 
steigerte sich dieses Knurren und Heulen. Man führte uns in eine offen? 
Ilütt' 1 nahe am Strande. Yon hier ging also das Oleheul aus, das, wenu 
man in die Nähe kam, sich rythmisch anhörte. In der Mitte glomm ein 
schwaches Feuer, durch dürre Palmwedel unterhalten. Ein heiseres hu, 
hu, hu, ahnlich wie ich es von den Derwischen gehört habe, tönte UDfl 
entgogon zur Begrüssung und zur Anrufung der Geister. (Am nächsten 
Tage konute ich alle Gesänge phonographisch aufnehmen.) Ab der Giebel* 
seite im Hintergründe sassen die Männer, ihnen gegenüber am Eingang 
die Weiber. Wir nahmen seitlich in der Mitte Platz. Zuerst sangen die 
Männer, wendeten dabei die Oberkörper nach rechts und nach linkt, 
klopften sich und ihren Nachbarn gegenseitig auf die Schenkel, alles iu 
massigem Rythmus. Auch diese Bewegungen des Oberkörpers und das 
Wenden des Kopfes erinnerten mich an die Derwische. Ein folgender 
Tanzgesang war lebhafter und von einem eigentümlichen Klatschen be- 
gleitet, ungefähr wio wenn man einen Kork aus einer Flasche zieht. Ich 
lioss mir den Trick dann zeigen. Die Hand wurde hohl gemacht und 
seitlich an die nackte Brust geschlagen. Dieser Gesang war von einem 
lässigen Wiegen des Körpers in den Hüften begleitet. Während des 
Gesanges standen nun einzelne Mädchen auf, um vor den Männern solo 
zu tanzen. Die Mädchen hatten die Kattunkleider» die sie überall auf 
den Ost-Karoliuen und Marshall* Inseln jetzt tragen, abgelegt und er- 
schienen nur mit einem Mattenschurz bekleidet. Und nun begann ein 
Bauchtanz, ganz ähnlich wie im näheren Orient, begleitet von .Spreizen 
der Finder nach aufwärts und den bekannten graziösen Hand- und Arni- 
bowogungen. Verschiedene Mädchen löston einander ab. Nun folgte ein 
Weiborgesang. Auch die (iesängo der Mädchen und Frauen wurden durch 
rythmisches Schenkelklopfen und an die Brust-Klatschen begleitet. Der 
Rythmus beschleunigte sich bei den folgenden Weibergesängeu, die Hände 
wurden aufgehobm. Akzente der Steigerung und der Erschöpfung wurden 
einjgeflorhteii und eine gewisse Erregung breitete sich Aber alle. Da 
trat ein Mann vor, ganz nackt, nur mit einem (Jürtel aus Kokospalmwedel 
(nicht mit dem üblichen liraaschürz oder gar mit der jetzt vielfach ge- 
tragenen Hose) bekleidet und tanzte vor den Weibern, ihnen seine linke 
Seite zuwendend (also im Profil) eine Art Bauchtanz, der aber eigentlich 
in Bewegungen soines Hinterteils bestand. Dabei steigerte sich die 
Stimmung erheblich und nun sangen Männer und Weiber in raschen, 
heftigen Rythmon, die Weiber wippten auf ihren Schenkeln, hoben die 
Hände hoch und ilrflben klatschten und schrieen die Männer. Damit er- 
reichte das Fest seinen Höhepunkt und leider mich sein En<W\ 




Nachrichten aus Nissan und von den Karolinen. 



HC 



Ba 

| 

ab 



Audi einen Stabreigen, der von rythmisch gesungenen Kommando- 
wortcn begleitet wird, borte ich und Hess mir vormachen. Natürlich 
zeichnete, phono- und photograpbierte ich alles nach Möglichkeit auf. 
Hier erwähne ich nur einiges. Auch meine Sammlungen kamen nicht 
zu kurz. 

Auf Ponape gab es ein ähnliches kleines Fest, bei dem aber nur 
Männer mitwirkten, die einen stnmpfendou Tanz aufführten. Im Mittel- 
nkt dieses Festes stand die Kawabereitung. Dabei wird eine Art 
Danderreiben" aufgeführt. Die Kawa wird nämlich zuerst mit Steinen 
uf Platten zerrieben. Mau nimmt nun verschieden abgestimmte Stein- 
igten und klopft rythmisch darauf mit den Steiuklöppeln — gleichsam 
s zerriebe man Kawnwurzel — in Wirklichkeit aber um eine Art 
Glockenspiel hervorzubringen. Ich nahm sofort eine phonographische 
ufnahme, dio ich am Orte reproduzierte. Man drängte (»ich heran, 
nuschle und staunte und erkannte die Musik wieder, die Freude war 
oss und zum Schluss brach ein ungeheurer Jubel los. In Ponape sah 
cli auch die Ruinen von Metalanini, die riesigen Basaltmauern, Tore. 
Oräben. Die Mauern, 1 '/,-2 m dick, sind stark bewachsen, die Strassen 
mit V 'füllt, man kann nur bei Flut mit dem Kanu hier durch, 

die Strassen sind durchaus regelmässig. Ob die Anlage von vornherein 
im Wasser gebaut war, ist schwer zu sagen. In Kusaie, wo ganz ähnliche 
Bauten sich befinden, liegen die Strassen trocken. Ein Herr behauptet, 
Besitz einer Knocheuplatte zu sein, auf der sich chinesische Zeichen 
efinden sollen. Kr hatte sie nicht zur Hand, wie ich dort war, versprach 
beT, nie mir zu schicken. Auch in Kusaie, wohin wir von Ponape aus 
fuhren, sah ich die Ruiuen. Dort liegen sie etwa 300 m vom Strand 
ndeinwfirts. Die Mauern sind dort nicht so schön gebaut und vielfach 
hvfiober. Djalut, das wir nachher anliefen, bot für mich nicht viel, 
konnte nur den Marshall-Typ mit dem der Karolinen vergleichen. 
Zügi? werden regelmässiger, die Gesichter weniger breit, wenn man 
ts fährt. Offenbar macht sich hier schon der polynesische hliniluss 
ltend, der noch mehr bei deu Uilbert-Louton, die ich sah, hervortritt, 
uletzt liefen wir noch Nauru an, dass durch die riesigen Phosphat-Lager 
grosser Bedeutung gekommen ist. Am Strande haben die Leute Ge- 
ld' errichtet, auf denen sie Fregattvögel halten und in jedem Hause 
befindet sich ein grosser halbkugelfürmiger Käfig aus Holzstflbchen, der 
ie eine Mausefalle aussieht. Darin wird ein braunschwarzer warbt« 1- 
Dlieher Vogel gehalten. Ob es sich hier um Totemtiore handelt, weiss 
ich nicht.') Ich vermochte leider in der Kürze der Zeit das nicht heraus- 
zubekommen. Nauru war unsere letzte Station, von da aus führen wir 
kbtf Käviäng (Neu-Mecklenburg-Nord) nach Herbertshöhe zurück. 





I) Es ist Strepsilus sp., eiae Bteindreher- oder Itegcnpfciferart. Die Tierchen werden 

Nauru Anscheinend gehalten, wie bei ods StnbenvögeL Über diese nnd über dia 

RNgatfcrBge) auf Nauiii Tgl. die Studie Ton A. Kraomor in .Globus- Ud. ~,\ 

• S , T. J-. 

8* 




116 



Brückner: Ausgrabungeu in Ugtdel. 



(18). Hr. ES, Brückner übersendet folgende Mitteilung über 
Ausgrabungen in Usadel. 

Der Museumsverein von Neubrandenburg hat im September 1907 
folgende Steiusetzung ausgegraben, welche vermutlich ein mehrfaches 
Grab aus dem Ende der jüngeren Bronzezeit darstellt, und zwar in Usadel. 
Mecklenburg -Strclitz. 

Die Steinsetzung bedeckt eine Fläche von 2/20 m Länge und 1,30 m 
Breite. Die Längsachse liegt fast genau VV-O. Die Tiefe beträgt un- 
gefähr 33—40 am, darüber dann noch etwa 15 cm natürlich :instehender 
Lehmboden. Es sind drei Schieliten zu unterscheiden: 

1. Die unterste Schicht besteht aus Platten (grösste von 48 cm Länge) 
oder halbkugelförmigen Steinen, welche mit ihrer platten Spalt- 
fläche auf den anstehenden Lehm des Berges gelegt sind, Die 
Steine zeigen keinerlei Brandwachen oder Einwirkung von Hit2t- 

2. Die mittlere Schicht, in der Stärke schwankend, ungefähr *J bis 
4 Steine übereinander stark, bedeckt hauptsächlich ein Quadrat 
von 6b' cm Seitenlange, ungefähr in der Mitte des ganzen Recht- 
eckes, und eiuen schmalen Streifen an der Westseite. Der übrige 
Raum der zweiten, mittleren Schicht wird ganz von Knochen aus- 
gefüllt, welche in der Hitze stark eingesprungen und geschwunden 
sind. Sie sind wie ein Ring um das mittlere Quadrat hertim- 
gelegt und zeigen anscheinend ein Maximum in den vier Ecken. 
An zwei Stellen befinden sich Scherbenstücke, an drei Stellen stark 
unkenntlich gewordene Bronzestücke. 

3. Die oberste Schicht, etwa 2 Stein stark, bedockte wieder (£a 
ganze Fläche des Rechtecks und war nur an der Ostseite etwas 
lockerer. Die Steine zeigten starke Einwirkung von Hitze und 
Brandflnclieii. Es befand sich auf und zwischen den Steinen eine 

Kohleschicht mit grösseren Stücken von verkohlten Eichenlm!/.- 
s tarn inen. 

4. Die Seitenwände waren teils aus senkrecht gestellten Platten von 
etwa 35 em Hohe gebildet, teils aus handlichen runden Stein«) 
aufgeschichtet 

Die. Knochen sind durch Hitze sehr spröde und in viele kleine 
Splitter zersprungen. Sie stammen mit ziemlicher Wahrschein- 
lichkeit vom Menschen. Zwei Oberkiefer konnten uls sicher vom 
Menschen bestimmt werden. 

Die Scherben zeigen nichts Charakteristisches. Das eine Stück 
ist mit einer engen Strichlage über Kreuz bedeckt, das andere 
zeigt drei Rillen in einiger Entfernung voneinander. 

Auch über die teils geschmolzenen Bronzeßtücke lässt sich 
nichts Bestimmte» sagen. Das eine ist vermutlich ein Knopf (oder 
Nndelkopf?), dabei eine gedrillte feine Röhre: das zweite ein 
Seliiiiillenbügel (?); daa dritte ein kleines Messerchen mit tierkopf- 
äknlicher Endigung. 










Virchow: Kopf eines GoAJaki- Mädchens. 



117 



Man wird jedoch die Anlage fflr ein Grab för mehrere Personen an- 
Outi dürfen. Dafür spricht; 

1 . Die genaue Lage W-O, uad auf der höchsten Stelle der Gegend, 
i'. Die Grösse 2,90: 1,30 wi, zur Verbrennung eines Leichnams ge- 
eignet 
3. sind die Bronzesachen sehr wohl als Beigaben denkbar. 
Die Knochen zeigen, dass ea sich um Leichenbrand handelt, und ihr« 
grosse Zahl, daas es sich um mehrere Personen, mindestens zwei (zwei 
Oberkiefer), handelt, sei es nun gleichzeitige oder wiederholte Beisetzung. 
Zu beachten ist, dass über dem geschlossenen Grab ein starkes Feuer 
••nt/ünder worden ist. 

Die Vermutung, dass das (irab der jüngeren Bronzezeit angehört, 

sich einstweilen, bis ein in der Nahe befindliches zweites (irab 

ielleicht besseren Aufschi uss gibt, nur auf analoge Funde stützen. Herr 

Mielke teilte mir mit, dass er zwei ähnliche Anlagen kennt; die eine in 

Vehlow. (»stpriegnitz wurde seinerzeit nach den gut erhaltenen Bronze- 

sregenstanden in den dritten Absehnirt der jüngeren Bronzezeit dotiert. 



(17) Hr. Hans Yirchow legt 

den Kopf eines Guajaki-Mädcbens 

or. Für diejenigen Mitglieder unserer Gesellschaft, weiche den Vortrag 
des Hrn. Traoger gehört haben, und welche sich der Mitteilungen er- 
innern, die im 33., 31. and 'Sb. Jahrgang der Zeitschrift für Kthnologio 
erschienen sind, bedarf es keiner Vorsicherung, dass es eine ganz be- 
sondere Gelegenheit ist, den Kopf einer Giinjaki-lndianerin in Europa 
vorlegen zu können. Es handelt sich um diesen merkwürdigen Stamm, 
iToMfin Angehörige, obwohl sie nicht weit entfernt von den Ansiedlungen, 
ii Sil heu von Weissen im Urwalde leben, doch ein so Boheaes 
und verstecktes Dasein führen, dass sie bei jedem \ ersuche einer An- 
näherung verschwinden, und welche noch heute eine Steinzeitkultur be- 
n. 

Ich verdanke diese Gelegenheit Hrn. Lehmann-Nitsche, dem ich 
seinerzeit vorgestellt hatte, wie wichtig es mir schiene, Köpfe mit Weich- 
teilen /.u erhalten und durchpräpariereu zu können, um allmählich in der 
Frage weiter zu kommen, wie weit die Rassenmorkniale im Knochen und 
wie weit in den verschiedenen Weichieilen • liegen. Ich erhielt die 
Sendun g im 7. Januar und den Begleitbrief zwei Tage spftter. 

Der Kopf ging mir zu in drei Stocken, welche zusammen in einer 
Kinndoae in starkem Fonnaliu versendet waren. Diese Stücke stellten dar: 
1. den Skalp einschliesslich der Stirnhant und der Brauen. 
-*. das Schadeldach mit dem Gehirn. Jedoch war das Dach so tief 
abgetragen, dass sich noch die Augenhülilendacher an demselben 
befanden und der obere Teil der Sehläfeubeinpyraiuide durch- 
meisselt war. 
«). das Gesicht von der Nasenwurzel an abwärts. Die Augen Debel 
Augenmuskeln hingen am Gehirn. 



138 



Yircbow: 



Diese ungewöhnliche und dabei sehr schwierige Art der Zerlegung 
des Kopfes wurde nur erst verständlich, als ich durch den Brief des 
Hrn. Lehmann-Nitsche erfahr, dass das Mädchen in der letzteu Zeit 
seines Lebens als Wärterin in einer Irrenanstalt beschäftigt gewesen war, 
wo dasselbe an Phthise verstarb. Es war offenbar darauf Bedacht ge- 
nommen, das Gehirn in sorgfältigster Weiso in seiner Form zu erhalten. 
Und dieser Zweck ist auch bis auf einige kleine Verletzungen erreicht 
worden. Für ineine speziellen Absichten jedoch, d. h. die Untersuchung 
der Weich teile des Gesichtes, ist eine nicht unbedenkliche Bceintrflchti- 
gOUg entstunden. 

Fig. J. 




Konf eine* Uuajaki-Mflilchuns (von vorn), 



Hierzu kommt ein zweites, nämlich die Einwirkung der Formalin- 
Lösung auf das Präparat. Für die Konservierung deß Gehirnes bietet 
bekanntlich dieses Mittel ausserordentliche Vorteile, und es ist durch 
dasselbe möglich geworden, Gehirne in einem Zustande zu versenden, wie 
es vordem nicht der Fall war. Auch die übrigen Weichteile werden in 
der Form vorzuglich erhalten und so sind z. B. an unserem Kopf die 
Muskeln und Drüsen zwischen Unterkiefer und Zungenbein in einem 
hervorragend guten Zustande. Jedoch ist durch die Losung der Blut- 
farbstoff und der Farbstoff der Muskeln gänzlich ausgezogen, und dieser 
beistand ist zwar bei den grösseren gut abgegrenzten Muskeln nicht 
störend, jedoch bei den Gcsichtsmuskeln, deren Hache Bündel sich z. T. 
verflechten, z. T. isoliert im Bindegewebe auslaufen, wird es, wie ich 
fürchte, kaum möglich sein, eine völlig zuverlässige Prüparation durch- 
zuführen. Es kommt dazu, dass das Bindegewebe hart und undurchsichtig 



Kopf eines Guajaki- Mädchens 



IIS» 



>rdeu ist und dadurch die Enden drr einzelnen Muskrlhiindelcheii 
*r erkennen lässt. 

Eine dritte Störung besteht darin, dass die Nasenspitze, wie das bei 
wichen Sendungen fast typisch ist, an der Wandung dos zum Versand 
benutzten Blcehgefasscs platt gedrückt ist, bo dass sich leider dio Noeeii- 
ronn nicht feststellen läset, da dieselbe durch das Formalin in dor fehler- 
haften Form starr geworden ist. Auch die Lippen, besonders die obere. 
sind von dieser Abplattung betroffen. 

[oh beschränke mich für heute auf diese Bemerkungen, «reiche alfl 



Fig. 2. 




Kopf eines Ouajnki-MildcliPns (von der Smto). 

!ii|it':uigsbestätigung für das wertvolle beschenk dienen sollen, und möchte 

nur noch mit einigen Worten erörtern, was in ähnlichen Füllen geschehen 

önnte, um die beabsichtigten Zwecke möglichst vollkommen zu erreichen. 

habe schon bei anderer Gelegenheit in unserer Gesellschaft hervor- 

ehoben. dass es sich empfiehlt, einen zum Versand bestimmten Kopf 

on den Uefässen aus mit einem llemisch von Formalin und Alkohol zu 

eren. Diese Arbeit würde weit weniger Mühe inachen als diejenige, 

be in unserem Falle auf Zerlegung des Kopfes verwendet worden ist. 

l%s würde dabei das Gehirn konserviert werden, die Gesichtsmuskoln 

würden vollständig bleiben und nicht in dem gleichen Maasse ausgeblasst 

n. Man musste, während der Kopf noch an der Leiche sich bo- 

l.ihh'i oder auch nachdem derselbe abgeschnitten ist, durch die eine 

arotis communis das Gemisch (9 Teile Alkohol -(- 1 Teil Formal in- 

: i mnfliessen lassen, nachdem z.uvor die andere Carotis und die 





l_'(i y. Luschan: Erwerbungen aus Kamerun. Herrmann: Pi]coma_v> Expedition. 

beides Artoriae vertebralos abgebunden sind. Der Kopf inilsste dann in 
uiner reichlichen Menge von Watte oder Baumwolle, welche mit Alkohol 
durchfeuchtet ist, verpackt werden, so dasa auch die Abplattung des Ge- 
richtet verhindert würde. 

Ich bemerke noch, dasa die Haare schwarz sind, jedoctl «Ben MM- 
gesprochenen Stich von rot besitzen. 

Ich bin zugleich iu der Lage, zwei ausgezeichnete photograjln^li 
Aufnahmen vorzulegen, welche das Gesicht in Vorderansicht und in Beilen- 
ansieht zur Anschauung bringen. Ich verdanke dieselben der Güte der 
Frau G. Greiszen, der Inhaberin eines hiesigen photogrnphischen Atelii-i- 
deren Toobtar z. Z. an hiesiger Universität Medizin studiert. 

(18) Hr. v. Luschan hält einen Vortrag über 

Nene Erwerbungen aus Kamerun. 

Er demonstriert eine grosse Anzahl prachtvoller ethnographischer Stfleke, 
<lie im vorigen Jahre in den Besitz des Kgl. Museums för Völkerkunde 
gelangt sind und fQhrt lebhafte Klage über die solcher Schätze ganz 
unwürdigen Raum Verhältnisse. 

Der Vortrag wird später erscheinen und einige Bemerkungen df l 
Herren ülshausen und Stnudingcr werden beigefügt werden. 

(10) Nach einigen einleitenden Bemerkungen des Vorsitzenden zur 
Würdigung des Problems der Pilcomayo-Forschung und der Verdienet© 
des Vorbereitnngs-Komitees unter Hrn. von Hnnsemanu hält ffr. Wilhelm 
llevrmanu seineu mit vielen Lichtbildern erläuterten Vortrag über: 

Die ethnographischen Ergebnisse der Deutschen Pilcomavo- 

Expedition. 

Bevor ich auf mein eigentliches Thema eingehe, mochte ich ertt noch 
einige Worte über die Vorgeschichte und Reiseroute der Expedition vm- 
auuehicken. 

Bereits im Jahre 11)03 hatte ich auf meiner Reise, die mich durch 
den Bolivianischen Chaco ffihrte, die Verhältnjsse und Bedingungen ffir 
»•ine eventuelle Pilcomayo-Expedition studiert, die nötigen Daten gesain midi 
mil mich mit den dortigen Behörden in Verbindung geeetzt die mir auch 
jede mögliebe Hilfe zur Ausführung meines Planes versprachen. 

Nach Berlin zurückgekehrt, bemühte ich mich lauge Zeit vergeh 
die erforderlichen Goldmittel zusammen zu bringen. Dass das Projekt 
schliesslich zur Ausführung gelangte, ist nun ganz besonders Herrn 
Geheimrat von Hansemann zu danken, welcher als Vorsitzender eines 
Vorbereitungskomitees die finanzielle Seite der Expedition durch Heruii- 
tiehnng von vermögenden Geldgebern soweit förderte, das« genügende 
Mitte] aufgebracht wurden. Auch die Akademie der Wissenschaften, uiui 
die Jagorstiftung besonders, steuerten einen bedeutenden Betrag hierzu bei, 

Der Hauptzweck der Expedition, der ja auch erreicht wurde, war. 
den Mittellauf de» Pilcomayo wissenschaftlich und wirtschaftlich zu er- 
forschen. 




Horrmann rilcomayo-ExpedinoD. 



121 



lr ll( ' i-'iii's nullt um- üiif seine Schiffbarkeit untersucht 
»rden. sondern Jen Bewohnern dieser grossen und noch ho unbekannten 
Gegend, den Pilcomnyoindioncrn, sollte auch ganz besondere Aufmerksam- 




en kt. uml möglichst umfangreiche und vollständige Bflvnmhmgea 
tgt werden. 

Beide Aufgaben sind programmäßig gelöst worden. Obgleich bereite 
\v Bipeditionen sowohl vom Paraguay als auch von Bolivien aus, in 



122 



Herrmann 



das Innere des Grau Chaco eingedrungen waren, so hatten wir doch \»'\>- 
Imm kein getreue*» Bild von der Verteilung der Stämme am Pilccm.iy. 

Fast alle Pileomayoforscher hatten nur das alleinige Interesse, den 
Fluas als Yerbiudungsstrasse zwischen Paraguay und Bolivien zu unter- 
suchen. In einigen Berichten dieser Forseher rinden sich auch Angaben 
über die Indianer. Diese sind aber meist oberflächlich und ungenau. 

So rinden wir in einem erst kürzlich in Bueuos-Aires erschiene 
Werk die Sotegais resp. Sotegaraik auch nla Choroti angegeben. 

In einer anderen, ein Jahr vorher erschienenen Arbeit werden Choroti 
mit Toba verwechselt. Mau könnte danach also annehmen, dass Chogofti, 
Toba und Sotegaraik ein und derselbe Stamm waren. Von diesen drei 
Stämmen bewohnt aber jeder ein besonderes Gebiet, und jetler spricht 
eine andere Sprache. Jede weicht von »1er anderen bedeutend ab, so dass 
sie also nicht miteinander verwechselt werden dürfen. 

i t>ex den Lauf des Flusses und seine Schiffbarkeit herrseliti'n bis- 
her ebenfalls nur ungenaue und oft sich widersprechende Ansichten. 

Es sind '25 bis 30 grössere Pilcomayoexpeditionen seit dem Jahre 1721 
bekannt und ob gibt fast ebenso viele verschiedene Karten und Beriebt« 
die alle erhoblieh von einander abweichen. 

Es isr wunderbar, wie verschieden die Berichte der Forscher laDttt 
uud die von ihnen aufgenommenen resp. \eröffeutlichten Karten aus- 
Behea. 

Häufig sind letztere aus mangelhafter Vorbildung fehlerhaft, oft aber. 
nnd dies ist am meisten zu beklagen, mit Absicht gefälscht worden. 
Manchmal hat der betreffende Forschor auch wohl ein richtiges Bild in 
seinen Berichten geliefert, abor durch andere Personen ist dies dann 
später eutstellt und die wahren Tatsachen siud dadurch verdunkelt worden. 

Wir habeu daher bis auf den heutigen Tag noch kein vollständig 
klares Bild vom Laufe des Pilcoinavo und seinen Wusserverhültn'^siMi 
Dies trifft besonders zu für die berüchtigten Esteros de Patifio, zwischen 
dem 24 uud 25°. 

Um ein Beispiel zu geben, wie leicht falsche Ansichten einstehen 
können, möchte ich nur folgendes erwähnen; 

Als ich im März 1906 von Berliu aufbrach, um meine Pilcomayoreiee 
anzutreten, war der norwegische Ingenieur Lange, der von oinem Ar- 
gentinischen Comitee ausgesandt war, kurze Zeit vorher vom Pilcomayo 
zurück gokomnien. In den meisten Zeitungen und anderen Veröffent- 
lichungen war angegeben, dass Lange den Pilcomayo von der Mündung 
bis zur Grenz*- zwischen Argentinien und Bolivia, d. h. bis zum 22* be- 
fahren hat. Nach einer argentinischen Zeitung sollte dies sogar mit 
einem Dampfer geschehen sein. Wie erstauutu ich aber, als ich am *J4 
plötzlich gezwungen war, mit meiner Chalaua „Halt 41 zu machen, und ab- 
solut keinen Weg fand, dieselbe auf dem Wasserwege weiter zu führen. 
Dos WasBer des Pilcomayo bildete hier kein erkennbares Bett mehr. 
Die Ufer verschwanden und viele tausend kleine Kanäle verteilten die 
Wassermenge übor ein grosses sumpfiges Waldgobiot. Wir hatten upser 
Fahrzeug langst verlassen und versuchten zu Fuse ilon Strömungen des 



looinaro-txpc« 

•••* /u folgen. Aber i»s war uns nicht möglich, auf «liebem We> ( . l.i.- 
^u der Stelle zu kommen, wo der Pilconiayo seine Gewässer wieder ver- 
einigt, da wir stellenweise bis zur Hüfte in dem sumpfigen Grund ver- 
danken, und nebenbei noch unsere nackten Glieder schrecklich von den 
Hofiütoc gepeinigt wurden. Bb ist also vorlaufig nicht möglich mif 
Booten durch diesen Teil des Pilconiayo zu fahren. 

Aach Lange hat hier seine Boote nicht benutzen können. Er hat 
dieeelben mehrere Male auf Wagen laden müssen und um die Ksterus 
herum gwobleppt Am Nordende der Icterus konnten die Boote erst 
wieder in den Fluss gesetzt werden. Hierbei mochte ich aber doch be- 
merken. iUss Lange an seine Vorgesetzten einen wahrheitsgetreuen 

m i. 




: 
: 



ChaUna der Pilcnmayo-Espodition, 

U geliefert hat. und die Irrtümer erst später durch falsche Zeitungs- 
notizen entstanden Bind. 

Ich werde nun ein allgemeines Bild meiner ganzen Reiseroute in 
D Worten geben und später auf den mittleren Teil des Pilconiayo 
iellev eingehen. 

Von Buenos- Aires ging mein Weg im April lüOfi zunächst über Tu- 
maii nach Jujuy per Bahn. Die Argentinische Regierung hatte mir in 
'.'"ukoiuuieiidster Weise für mich, meine Begleiter und mein umfang- 
reiche« Gepäck freie Beförderung, sogar Schlafwagen bis zur letzten 
>ahn»tation gewährt. Von hier ging es per Maultier Aber Vavi nach 
Tarijn und dann direkt nach dem Osten zum Pilcomayo. Auf dem Wege 
dorthin! nach äusserst schwieriger Reise trafen wir als erste Indianer 



ChirignaDQ an. Später stiessen wir auf wandernde CllOTOtl in der N&he 
von Caiza. 

Es begann nun die eigentliche Pilcomayoexpedition. Bis Fortin Gtt- 
rhalla, wo sich eine kleine Bolivianische Besatzung befindet, ritten vir 
am rechten Ufer dos Pilcomayo entlang, setzten dort über, und während 
ich mit acht bis zehn Leuten am 4. August in einem, dort „Chalanu" be- 
nannten Fahrzeug den Fluss abwärts fuhr, zogen meine Begleiter unier 
Führung des Bolivianischen Delegado Dr. Leoeadio Trigo am linken 
Ufer entlang. Die ganze Expedition bestand aus 70 Personen. 

Wir gelangten glücklieh bis zum J4 . Nach Untersuchung der 
lüsterne de Patino, dieses enormen Sumpfgebietes. kehrten wir auf den 
Landwege, auf dein linken Ufer des Pilcomayo zurück. 

Wahrend ich mich anf dem Hinwege hauptsächlich mit der Auf- 
nahme des Flusslaufes beschäftigt hatte, konnte ich mich nun auf dem 
Rückwege mehr den ethnographischen Aufgaben widmen. 

Bei sämtlichen Stämmen, die wir trafen, wurden wir freandltdul 
aufgenommen. Wir hatten nicht die geringsten Schwierigkeiten mit ihnen. 
I mi riegenteil halfen sie uns stets, soweit und soviel sie nur konnten. 

Auch wir taten natürlich unser Möglichstes, um sie durch Geschenke 
und kleine Aufmerksamkeiten zu unseren Freunden zu machen. Auf 
diese Weise war es mir möglich, nicht nur viele Beobachtungen Ober ihre 
Sitten und Gebräuche zu machen, sondern auch von allen Stämmen \ <»- 
cabularien und zahlreiche Photographien, sowie Hund- und FassabdrCcka, 
und möglichst vollständige Sammlungen hei ihnen anzulegen. In Villa 
Montes, in dessen Nahe der Pilcomayo aus dem Üebirge heraustrirt un-1 
sich in die Chacoebcin« ergiesst, verblieb ich längere Zeit, um die do 
(■egend nach allen Richtungen hin zu untersuchen. El ist dies ein iu 
vielen Beziehungen, besonders auch ethnographisch, wichtiger Punkt de 
Wer Chiriguano, TnpuT, Tubn und Nocten zusammen stossen Meine 
Reise den Pilconmyo aufwärts weiter fortzusetzen- war nicht möglich, ans 
Gründen, die ich später erklären werde. 

Ich zog daher wieder zurück nach Tarija und dann nach Potosi. der 
berühmten Silberstadt, deren gleichnamiger Berg nach Jahrhunderte 
langer starker Ausbeutung noch bis heute immer reiche Mineralftcfa&tK« 
liefert. 

Von dort weiter roisend kam ich zur llnuptquelle des PileofB 
welche in einer Lagune bei der Ortschaft Lagunillas entspringt 

Während bis ungefähr zum "2(> 3 noch Chiri^uuuniudmner die Ufer des 
Pilrutuayo bevölkern, herrscht von nun an nur noch der Keshuii. 

Iu Chnllapata erreichte ich die Hahn, welche von Autofagasta nach 
Ornro führt. Von Oruro ging es dann per Postkutsche nach La Paz, von 
WO die höchst interessanten Ruinen von Tiahuanaco uud der Titicacnsee. 
'»taucht worden. 

Die Rückreise fand dann Ober Oruro, Uyuni, Tupisa nach Jujuy und 
Buenos-Aires statt, wo ich Anfang Juli v. J. wieder eintraf. 

Ich habe die Reiseroute nur kurz hier skizzieren wollen, d.i ich i:l. i 
die Reise im allgemeinen, über die geographischen, zoologischen, pal.ie- 



Pilcoru*yo- Expedition : 



125 



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1 



«•ntologischen und arcbaeologischen Ergebnisse, sowie über die wirtschaft- 
lichen Verhältnisse an anderer Stelle sprechen werde. Heute werde ich 
mich auf die ethnologischen Verhältnisse des mittleren Pilcomayogebietes 
in'-w'linnikt'n. 

Wir bereits erwähnt, hat derPilcomayo seinen Ursprung nordwestlich von 
Potosi und mündet nach langem Laufe Ton etwa "2000 fon in den Paraguay, 
in der Nähe von Asuncion Das Gebiet des Pilcomayo wird zweckmässig 
in drei Teile zerlegt Der obere Teil, von der Quelle bis Villa Monte*, 
wird aasser von einer spanisch-indianischen Mischrasse nur von Keshua 
und Chiriguano bewohnt. Der ganze Teil ist stark gebirgig, enthält viele 
fruchtbare Täler, ist aber für Schiffahrt, des ungeheuren Gefälles wegen, 
für alle Zeiten ungeeignet. 

Bei dem mittleren Teil, von Villa Montes bis zu den Esteros de 
Patifio ist gerade 'las Gegenteil der Fall. Der Fluss hat hier wenig 
Gfofille. Auf der ganzen Strecke findet man, weder im Flussbett, noch 
auf dem durchflosseuen Gebiet, auch nicht einen eiuzigeu Stein. Der 
Boden besteht nur aus feinem angeschwemmten Schlamm. Während am 
oberen Teil nur die Keshua und Chiriguauo wohnen, die dort Landwirt- 
schaft, zum Teil auch Viehzucht treiben, wird der mittlere Teil von vielen 
n Indumcr-tümmon bevölkert, dio meist vou der Jagd und besonders 
vom Fischfang leben. Dieser Teil ist fast das gnnzo Jahr hindurch für 
einere Fahrzeuge schiffbar. 

Der dritte oder untere Teil des Pilcomayo reicht von den Esteros 
bifl tot Mündung in den Paraguay. Ausser dem eigentlichen Gebiet der 

08 am 24° ist dieser Teil auch schiffbar. Es wird aber nur eine 
Frage der Zeit sein, das Hindernis in den Esteros zu beseitigen und dann 
den ganzen Lauf des unteren Lind mittleren Pilcomayo von Asuncion bis 
illa Montes zu befahren. 

Du weiter ins Innere Boliviens zu gelangen, müssen von hier aus 
KiM-nbahnen gebaut werden, denn eine weitere Schiftbnrkoit ist aus- 
flössen. 

Auf beigegebener Karte, welche die Verteilung der Indianer des 
Pileonmyogebietes angibt, habe ich auch die Namen der Stamme der 
KttfceignppQ angeführt, welche das Gebiet der rechten Nebenflüsse den 
Paraguay bewohnen, denn wahrscheinlich werden alle diese FIüsbc vom 
Pilcomayo, und zwar aus dem enormen Sumpfgebiet der Esteros, mit Wasser 
verseil 

Vom Rio Confuso ist es bereits im vergangenen Jahre von dem 
Deutsch-Argentiner Adalbcrto Schmied bewiesen worden, dass sein Ur- 
sprung in d*T Nähe der Laguno Colorado oder Escalanto zu suchen sei. 
Mithin bildet der Pilcomayo hier ein grosses Deltagebiet, welches wahr- 
scheinlich eine Änderung erfahren wird, sobald die Regulierung in den 
Ksteros erfolgt ist. 

Beginnen wir mm am eigentlichen Pilcomayo, gi»i;eiriilMrr Amiikmoii. 
so treffen wir zuerst auf Toba-Indianer, welche durch die nahe Berührung 
mit »ii-r t'mlisation schon fast vollständig degeneriert und vielfach mit 
rnden Kiementen vermischt sind. 




w> 



Herrinann: 



Fig:. 2. 



Sie werden zu den sogenannten „Indio* mansos", d. h. den tahawi 
Indianern gerechnet Eine eigene Kultnr haben sie nicht mehr. 

Etwas anderes ist es schon bei ihren Vettern, den Pilagä, welch- 
oinem Teil der Esteros, und südlich davon wohnen. Über dieselben ial 
Biet vor kurzem von anderer Seite berichtet wordou, und will ich daher 
keine weiteren Bemerkungen über sie machen. Es folgen nun vom '.'4 
aufwärts die 8otegaraik oder Tapieti, Ober welebe, soweit ich dsVttbsi 
unterrichtet bin, keine Literatur vorliegt. Sprachlich haben dieselben 
grosw Ähnlichkeit mit den Matacos res]». Mataguayos. Kadfa der B*- 
fltfieitang des von mir aufgenommenen Vocabulars, wozu bisher 

Zeit nicht reichte, wird die genaue Zu* 
gehörigkeitdieses Stammes bestimmt w. 
können. 

Von allen Stämmen des Pike 
hat eich dieser noch seine ursprünglich*' 
Originalität bewahrt. Fast alle Geräte 
und KleidimgsstQcke sind ihre eigenen 
BraengniBse. Sie schmfloken weh mehr, 
besonders die Männer, als alle anderen 
Stämme. Hierbei spielen allerdinge euru- 
piiische Glasperlen eine grosse Rolle. Mit 
Hilfe derselben fertigen sie nicht nur auf- 
gereihte Schnüre nn, sondorn kombinieren 
dieselben zu einem eigenartigen Kopf-, 
Hals- und Armschmuck. 

Obgleich die Sotegnraik mit alN-n 
ihren Nachbaren in blutiger Fehde lcbrn 
und sie bisher von jeder fremden Kultur 
abgepeaattien waren, so sind trotteten) doch 
schon einige europaische Industrieers - 
nisse, die sie wohl zu schätzen wisseu, in 
ihren Besitz gelaugt. Ausser den Perlen- 
schnuren fortigen sie auch Ketten aus 
Fruchtkernen, Zahnen usw. an, die sie auf 
Chaguarfäden aufziehen. 
I liaguar oder Caraguata ist eine cactusähnliche Pflanze und liefen 
den Indianern das Rohmaterial filr viele Bedürfnisse. Das fleischige dicke 
und stachelige Blatt wird durch Schlagen mit einem llolzklöpfel von seiner 
Hülle befreit, und nachdem die Fasern mit Hilfe eines Knochens gereinigt 
sind, werden dieselben getrocknet, und daun von den Frauen auf den 
Knien zu Faden gedreht. Aus den Chaguarfäden werden ihre Kriegs- 
hemden, die mit bunten Mustern geschmückt siud, hergestellt. Ebenso 
die Taschen, Decken, Fisch- und Tragenotze. Während die Frauen fast 
alle diese Artikel herstellen, ist iUn Mäunern die Anfertigung der Fisch- 
netze allein zugeteilt. Die Wurzeln des (liaguar werden in Zeiten der 
Not geröstet und gegessen. Unter normalen Umstünden liefert der Fisch- 
fang ihre Hauptnahrung. Die Fische weiden meist auf dem Rücken auf- 




Sofcsgtraik (Püeomayo -Jl°). 




Pilcoinar«-Ki|jediLion. 

Fig. :;. 



127 




TTL 



Vorrichtung zum Fischfang am mittleren Filoomnyo. 




BotOgVlik und bolirianitcher Kxpcditionssoldat beim Tauschhandel. 




128 



IKirmann; 



geschnitten, gereinigt und zwischen einem gespaltenen Holzstab am Feiur 
geröstet. Auch wird zuweilen eine Art Fischsuppe in einfachen tönernen 
Gefässen ohne Zusatz von Salz oder anderen Gewürzen gekocht. Kommen 
Zeiten, in denen der Pilcomayo wenig Fische führt, so liefert die Jagd 
ihnen nur einen karglichen Ertrag. Sie sind aber auch uicht wähleri.-'!i 
in der Auswahl ihres Wildes. Grosses Wild, wie Ya^uar, Tapir, Hirsch. 
Schwein, ist in diesem Teil des Chaco wenig vorhanden, da diese Gegend 
zu sehr bevölkert ist. Ich habe liier Tolderias, d. h. Indianerdörfer, vou 
■ '><'■ bü 700 Individuen augetroffen. Es wird also gefangen, was da 
„kreucht und Hencht*. Am liebsten fangen aie den Tojo, eine Art Meer- 
schweinchen, welcher ein zartes wohlschmeckendes Fleisch liefert- Er 
kommt in ungeheurer Menge meist in den unbewaldeten Gegenden des 
ganzen Chaco vor, durchwühlt überall den Boden und ist der Schrecken 
aller Reiter, die unfehlbar zu Sturze kommen, wenn sie gezwungen aiml 
eine solche Gegend zu durchreiten. 

Dann fangen sie die Beutelratte, Didelphys Alane, eine Art Wiesel. 
Galictes vittata, und andere kleine Säugetiere. Auch schiessen sie mit 
ihren Bogen und besonderen Pfeilen nach Vögeln, und nehmen, wenn 
ihnen auch daran mangelt, mit Eidechsen, Schlangen und Heuschrecken 
vorlieb. Alle diese Gerichte werden meist nur am Feuer gerostet In 
Töpfen wird höchst selten gekocht. Es sind dann meistens Waldfrüehte. 
wie Tu8ca, Chanar, Algnrroba usw., jedoch nur, wenn diese in unreifem, 
grünem Zustande sind. Sobald sie zu reifen beginnen, werden sie roh 
gegessen oder zur Chicha resp. AIoju, einer Art Bolivianischen National- 
getränkS) verarbeitet. 

Eine andere Frucht, von den Chiriguano „Ihuahuasu" genannt, wird 
auch gegessen, hat aber dem Unvorsichtigen schon oft den Tod gebracht. 
Sic hat die Form und Farbe einer ganz kleinen Wassermelone, von dar 
Grösse einer Nuss bis zu dor einer Apfelsine und wächst an Sträucheni 
bis zu 3 ?» Höhe. Sobald diese Frucht reif ist, öfFnet sich die Schale, 
und die innere weiche Frucht, vom Geschmack einer ('hirimoya oder 
einer recht saftigen Birne, kann ohne (refahr gegessen werden. 

Die Indianer sammeln aber schon vorher diese Frucht, teilen sie 
quer durch und kocheu die Hälften, wobei das hierzu gebrauchte W&SM1 
sechs bis siebenmal erneuert wird. 

Wird die Frucht aber unreif uud ungekocht gegessen, so stellen «ich 
bald Schmerzen au den Schläfou uud den Gelenken, besonders am Knie, 
ein, und ein unüberwindlicher Schlaf, aus dem es gewöhnlich kein Er- 
wachen mehr gibt, überwältigt den Unvorsichtigen. 

Ihre Kochgeschirre sind höchst einfache Tontöpfe ohne jede Ver- 
zierung, ebenso wie die Tonwasserflaschen, welch beide Geschirre die 
einsigen Erzeugnisse ihrer primitiven Töpferei sind. 

Die Flaschenkürbisse, die zu verschiedeneu Geräten verarbeitet 
werden, sind dagegen oft mit schönen BÜujexit&ten oder eingebrannten 
Ornamenten versehen. Feuer wird auf die bekannte Weise durch Reiben 
zweier Hölzer hervorgebracht. 

Sobald die Waldfrüehte anfangen zu reifen, beginnen auch ihr-- Feste, 



PiUomayo-Kxpeditioii. 



1-2:» 



ich mit kurzen Unterbrechungen, «renn nämlich monientnu kein 
Featgetränk mehr vorhanden ist, monatelang hinziehen. 
Die Frauen müssen die Chicha oder Aloja bereiten. 

nie Art Bier von sauersüssem Geschmack und trübem 
ton, ist erfrischend und soll auch nahrhaft sein. Nach Aussage der 
tdisner ist es Speise und Trank zu gleicher Zeit. Die Aloja wird aus 
t Frucht der Tusea, l'hanar und Algarrobabäume hergestellt. Letztere 
il eine Art Johannisbrot und liefert das wohlschmeckendste Getränk. 
1 E« Schoten werden in hölzernen Mörsern gemahlen. Das Mehl wird in 
mächtigen hohlen Kürbissen von ober ', '" Durchmesser, oder in grossen 
Qefteen, die au« bohlen Baumstämmen angefertigt werden, mit heisseni 
Warner übergössen. Es gärt schnell und ist am folgenden Tagt» zum 
Trinken geeignet. Ebenso schnell verdirbt es aber auch wieder und muss 
daher sobald als möglich ausgetrunken werden. Am Abend, bei Mond- 
\- in. führen dann die jüngeren Leute Tänze auf. Die Manner bilden 
eisen Kreis, mir «lern Gesicht nach innen, umfassen sich von hinten, und 
im Takte hüpfen sie mit geschlossenen Beinen, unter lauten Gestagen, 
erst von links nach rechts, nnd dann wieder zurück. Bei einem anderen 
Tue werden offene Halbkreise gebildet, die sich hüpfend bald schnell 
vorwärts, bald rückwärts bewegen. 

Die Frauen oder Hadohen tauzen hinter den Männern, bald einzeln, 
bald in Gruppen. Bei dieser Gelegenheit wählen sich auch die Mädchen 
ihren Zukünftigen, tivn sie schnell aus der Reihe der Tanzendeu heraus- 
holen und dann mit ihm verschwinden. Irgend welche Ehezeremonie 
findet nicht statt. Natürlich geben diese Trink- und Tanzfcsto häutig die 
Ursache zu leichteren Erkrankungen. Ihr Zauberdoktor niuss dann helfen. 
Im allgemeinen kommen schwere Krankheiten jedoch selten vor. Treten 
aber Epidemien auf, so werden oft ganze Dörfer dahingerafft. Die 
Pocken haben arg unter den Indianerstämmen in dortiger Gegend gehaust. 
Gegen den Schlangenbiss haben sie kein hrauchhaure* Mittel und verlauf) 
meine meist tötlich. 

lim- Wunden Werden durch Waschungen und Auflegen von Blattern 

iheill Innere Krankheiten werden von ihrem Zauberdoktor behandelt, 

obei Suggestion und kleine Zauberkunststückchen die Hauptrolle spielen. 

►er Medizinmann saugt gewöhnlieh an dem betreffenden, erkrankten 

»teil, der dem Indianer Schmerzen bereitet, und liolr nach scheinbar 

■nsisen Anstrengungen und vielen Gliederverrenkuugen schliesslich einen 

leinen Stein, einen Küfer, einen Dorn oder einen ähnlichen (Gegenstand 

dem Munde mit der Versicherung, dftM dieser der Krankheitserreger 

m sei, and die Patienten in kurzer Zeit gesunden werden: dieses 

lieht natürlich auch Udd, da es sich meist um leichte Erkrankungen 

adelt 

Auch zu nur kamen die Indianer häufig, damit iob rifl von ihren 

u befreie. Ich hatte drei Universalmittel. Waren die Patienten 

und klagten über Gliederschmerzen usw., so gab ich Lanolin zum 

Einreiben Waren sie älter, so erhielten sie eine Tasse helaaer Bouillon, 

aus einer Maggikanstd, zur Kräftigung. Es half fast immer, denn lie 

Zeitschrift Mr Elluiulogltf. Julir*. I'X«. Hüft L B 






Herrin an n 



rr\*^i*u 




Choruti lieira Bftfeo. il'ikoiiiayo 22 9 }, 



Fiff. 0. 




Clmroti beim Baden. 



Pücomayo-Expedition. 



131 



der. Wahrscheinlich war den Jungen das Einreiben zu 
langweilig und den Alten die Bouillon zu heisa gewesen, \feist waren sie 
aber inzwischen gesund geworden. Waren jedoch diese Mittel ohne Erfolg, 
dann gab es RhabarberpOlen. 

I lier die Kleidung ist nicht viel zu sagen. 

I tie MiiimiT gehen meisl völlig nackt Bei schlechter Witterung 

-i- i'ii _ ostreifte Decke, die sie auch anlegen, wenn sie 

G ioht bekommen, Dann hängen sie sich alle möglichen 

Lumpen und Lappen an den Körper, um möglichst imponierend aus- 

i- hen- 

Kv. T. 




Toha (Pücomayo 28° 800. 



Die Weiber tragen einen Schurz, der meist aus Fellen besteht. Der 
Oberkörper bleibt gewöhnlich nackt. Die Männer haben auch zuweilen 
einen Ledergürtel. Ihre Haare lassen sie lang wachsen und schneiden sie 
Bber den Aogao aus. Vorn und hinten tragen sie oft kleine Zöpfohen, 
und schmale mit Perlen geschmückte Bänder halten dieselben um Ko|>fe 
sneammen. 

Die Botagtraik tragen ebenso, wie die Choroti, Toha und Mataco, 
xwischen dem 20° and 24°, in den durchlochten Ohren grosse Pflöcke, 
iis Hob oder Rohr gemacht sind. Zuweilen haben dieselben einen 
Durchmesset bis zu 6 cm, 

Tätowierungen habe ieh bei den Männern der Sotegaraik nicht be- 
obaebteD kennen. Die Frauen aber haben auf Nase und Kinn blaue 
Tätowierungen, Dafür bemalen sieh aber die Männer das Gesicht und 

\r 




Bemann 
BS 8. 




Gnisnay-Matfteo-Frfli! (I'ilconmyo B2°rÖ 



Ft«r- 9. 




Guisnay-Matae» b*i ta Malihoit in unserem Campamotri 
(PUcomnyo 28« 30'). 



Pilcomayo-EspeJition. 



133 



l Teil ilirei Körpers mit roten Figuren, oder färben es ganz mit roter 
oder schwarzer Farbe. Die Tätowierungen werden von [liieren Frauen 
mir dem Stäche] einer C'actuspHauze in die Haut eingeritzt und dann mit 
i Farbstoff, den sie aus der Asche von Lecheronstengeln, einer Milch- 
saft enthaftenden Pflanze herstellen, eingerieben, /um Bemalen des Ge- 
iohtei Liefert Omen Draea (Orleansstraueh) die roto Farbe. Die schwarze 

Flg. in 









1 I^atv 1 






1 P 1 








7 M 




^i 



T' ■!,;■.. 



No-cten. 



(Pileonuvo 1>1 *JO\ 



irb« wird W irgend w< kher Pfianzenaschc, die mit Speichel angerieben 

inl, hergestellt. 

lebst Interessant war es mit anauaeheu, wenn die Sotegnraik zum 
[sehfang auszogen. 

Fast alle jüngeren Männer des ganzen Dorfes, zuweilen waren es 

»61 100 Indianer, sogen gemeinsam zum Fischen ans, und brachten stets 

'schliche Heute heim. Sie benutzten hierzu zweierlei Netze, welche au 

befestigt waren. Im Schwimmen fingen sie luUtfis die 



134 



Herrnwnn: 



Fische. Kanus sind bei ihnen unbekannt. Es ist eigentümlich, duss liei 
samtlichen Stammen des Pilcomayo, von der Quelle bis zur Mündung, 
Boote oder Kanus nicht in Gebrauch sind. 

Die Hütton der Sotegaraik sind einfach aus Asten oder Zweigen her- 
gestellt, die kreisförmig in die Erde gesteckt und mit Blattern. Rohr und 
Gras bedeckt werden. 

Fig. 11. 




Noch.'». 



Tob« 



rl'ilfomnyn 91 ■ :'" 



Mehrere solcher Hütten, ebenfalls kreisförmig um einen grösseren 
Hof gruppiert, bilden ein Dorf. Dia innere Ausstattung der Untren ist 
höchst ärmlich. 

Ihren Hauptbesitz bilden ihre Waffen, die jfl wie bei fcllen CnflCO- 
stitamen aus Pfeil, Bogen, Lance und einer kurzen Keule, aus »ohwerem 
dunklen] Holz, bestehen. 

Ackerbau wird auch, aber in ging minimalem Masao betrie1>en. 

Kürbisse und Mnndioka sind wohl die einzigen Pflanzen ihrer Kultur. 
Die Felder sind nur wenige Meter gross und werden mir hölzernen Spates 



iro- 
ren 

1 1 ii ii 




PUcomayo-EKpL'ilition. 



L35 



(arbeitet, d. h. der Boden wird von Unkraut dort gereinigt, wo das 
ich für den Kürbissamrii oder für die Mandiukastengcl gegraben werden 
«IL Nach der Aussaat wird dann später nur noch die nächste Umgehung 
ler jungen Pflanze vom Dnkr&ai gereinigt, und schliesslich, oft noch ganz 
uvif. geerntet 

Die (ieburten finden im Freien statt, ohne jegliche Hilfe. Beim 
I l" d**s Mannes wird dio Leicho in der Hütte, oder in der Nähe derselben 
begraben und dann oft dieselbe mit seinen Waffen verbrannt. Etwa vor- 
handenes Erbteil nimmt der Bruder des Toteu in Besitz. 



Fi*. LS. 





tChirignano (Villa Monteo nm oberen Vilcomavo), 
Utere kränkliche heut.- sollen zuweilen noch halb lebend begrab« 
ordeo sein« Bei ansteckenden Krankheiten, oder Epidemien, werden die 
renken ohne jede Hilfe gelassen, die Hinten angesteckt und mit ihnen 
mt. 
EHes isr in ganz allgemeinen Zügen die Beschreibung der Sitten und 
tubranche der Sotegaraik. 

Ähnlich ist es bei den Tob», die nördlich von den Sotegaraik wohin-n 

i allen anderen Pilcomayostänimen. Die Abweichungen sind meitl 

LUE unbedeutend. 

Bio« Aufnahme bilden die Tätowierungen der Tobafrauen zwischen 

nt -j:* 9 und -JA . Ihr Gesicht ist sehr kunstgerecht mit netzartigen 

[MtBOntoa tätowiert und ist in dieser Hinsicht das Schönste, was ich 

< baco beobachtet habe. 




13tf 



Ilcrnnnnn: 



Am 23' beginnt (ins Gebiet «1er Guisnay. Es gibt von diesen EH 
Dörfer uif beiden Balten des Pilcomavo. Das ganze rechte Ufer bis \\\'.' 
M Miit.'S ist Gebiet der Mntacn. Nur mit dem Unterschied, dass die Qnil 
Matnco am '21* allmählich aufhören, und das Gebiet der Nocten-V 



beginnt 



Ufer folgen 
kommen in 



iuif dfe Mataco, bald nach den 18*, du 

bunter K.-ihe. Toba, Choroti, Tapui und 



Fig. 13. 



Am linken 
Choroti. Dann 
I feiriguao. 

Während nun, wie bereits vorher erwähnt, alle Chacostümme in Ihrei 
Sitten und Gebräuchen fasl abereinttinimeo und nur in der Spruche ab- 
weichen, bieten uns die Chiriguano 
vollständig anderes Lebensbild. Die 
Geschichte der Chiriguano kann teilweise 
bis zur Mitte des 1"». Jahrhunderts zurück 
v« rtidgt werden. 

Bereits Vupuuqui, der '►. Inka 10 
PerUj soll ein Heer von etwa ItMmo 
Mann, mit den besten Heerführoi 
hrcr Unterwerfung ausgosandt halten. 
.Nach zweijährigen blutigen Kämpfen 
kehrte ilas Inkaheer ohne Erfolg eni- 
t anseht zuräck. fiarciluBo de Li 
gibt nähere Angaben hierüber. 

Narh Ablauf von weniger al> einem 
halben Jahrhundert hatten hieb die 
Spanier des Jnknreiches bemächtigt. Und 
nun begannen die blutigen Kämpfe, die 
auf beiden Seiten mit List und Grwaaoi- 
keit gefuhrt wurden. 

Andrea Manso, einer der Erobcc r 
Perus, war nuf einem Streifzuge schon 
zu den Chiriguano gekommen. Er 
wurde dort gut aufgenommen und 
gründete eine Stadt, die mit Spaniern 
I»ev5lkt>rt wurde. Lange sollte sich diese 
jedoch nicht ihres Daseins erfreuen, denn 
plötzlich wurde sie von den Chiriguano überfallen, und alles niedergemacht. 
Diese Überfälle wiederholten sich häufig und gross war der Schaden, den 
die europäischen Ansiedler zu erleiden hatten. Missionen der Dominikaner, 
Augustiner, ja selbst der Jesuiten, welche doch in Paraguay bis zu ihrer 
Vertreibung so erfolgreich unter ihren Vettern, den Guarani, gearbeitet 
hatten, versuchten vergeblich die Chiriguano zu zähmen. 

Er>r im vergangenen Jahrhundert gelang es den Eranziskaner-Mnn< hen 
erfolgreich Missionen unter ihnen zu errichten und sie allmählich ihrer 
Wildheit zu entreißen. Oft wiederholten sich noch die Überfalle, aber 
dem energischen Eingreifen der Bolivianischen Regierung gelang es, alle 
diese Anfst&nde mit blutigen schweren Opfern zu unterdrücken. Tftnaende 




Tapui (PilcomaYo 2t° 40'). 



Pilcomftjo-ExpeditioD. . 137 

von Chiriguano museten ihr Leben hierbei lassen. Andere zogen sich 
nach Osten in die weiten Wälder des nördlichen Ohacogebietes zurück. 
Heute ist ihre Macht gebrochen. Der grösste Teil von ihnen ist in den 
Franciskanermissionen angesiedelt worden, wo sie nun Landwirtschaft und 
Viehzucht treiben. 

Nur einige der wildesten Stämme, z. B. die Tapui leben noch weit 
im Innern des nördlichen Chaco. Im allgemeinen stehen die Chiriguano 
auf einer höheren Kulturstufe, als die anderen Chacostämme. Ausserlich 
unterscheiden sie sich von Riesen dadurch, dass sie in der durchlochten 
Unterlippe „die tembeta a , ein knopfftbnliches Schmuckstück, als Stamm- 
abzeichen tragen, während die Mataco, Toba, Choroti und Sotegaraik 
dieses nicht haben, sondern, wie schon gesagt, die durchlochteu Ohren 
schmücken. 

Bei den Chiriguano ist die Vorstellung von Religion, die bei den 
anderen Stämmen nur äusserst gering ist, auch weiter entwickelt. 

Der Toba, Choroti, Mataco glaubt nicht an Gott. Er hat überhaupt 
gar keine Vorstellung vom Wesen eines Gottes. Er fürchtet nur die 
Geister der Verstorbenen und nimmt an, dass ihre Seelen in die Körper 
der Füclise schlüpfen, weshalb der Fuchs auch für ein heiliges Tier 
gehalten wird. Tempel oder irgend welche Religionsgebräuche existieren 
nicht. 

Dagegen glanben die Chiriguano an ein zukünftiges Leben. Die 
Verstorbenen sollen eine enge Schlucht passieren. Grosse bewegliche 
Steine zermalmen die Schlechten. Die Guten und Tapferen kommen 
hingegen nach einem himmlischen Ort, wo sie in Gemeinschaft schöner 
Frauen ein ewiges Leben der Genüsse führen, wobei natürlich die Chicha 
unerschöpflich fliesst. 



Literarische Besprechungen. 



Yolz, \V. Dn* geologische Alter dar I'itlh'onnthropus-Schichtcn hei Triiiil, 



Ost -luv:». 



ineru 



■etb&nd 



Neues Jahrbuch fC 

1907, p. 256— "271. 

Auf Grund der Erfahrungen, weicht! Vulz Ober das Alter der Vulkaue auf Sumatra 
gesammelt harte, konnte er bei der Besichligung der bekannten Kundstolle Ost-Javas 
einen neuen Gesichtspunkt bezüglich der geologischen Einordnung des so viel um- 
striltcnen Fossiles aufstellen. . 

Das von Eugen Dubois gegebene Profil der Grabungsatelle um Ufer des Sole- 
oder Beugawanflusses ergänzt Volz durch die Feststellung, daas der schwarze Ton-; 
welcher das Liegende des Ascheokoinplexes bildet, ein wechselndes Niveau zeigt und 
local als eine besondere höhere Schiebt zwischen die knocbcnf&brendeu sand*tcinartii:eti 
Tuffe einschiebt. Diese« Verhalten xowio das Fehlen einer echten Schichtung* führen fu 
der Annahme, das» man es nicht mit typischen fluviatilen Sedimenten zu tun hat, sondern 
dasa diu Eruptiousinassou des benachbarten 10000 Fuss hohen Lawu in Form von | 
und kleineren SchlammstrSmon abgesetzt wurden, wobei heftige Kegenf&lle und riellei'-l ll 
auch gestautes Flusswasser eine wichtige Rolle spielten. Mit dem Schlamm Vorder 
Tausende von Kndnvern der bei den Eruptionen umgekommenen Tiere abgesetzt, in 
liohor Weise, wenn auch unter linderen Einflüssen, wie im Diluvium Europus. Der 6 
lluss aber hat dieses „nestartige Knochenlager- nicht gebildet, sondern nur aagKuhafttQfl 
— ein Punkt, über welchen Dubois" Mittoilungcn völlige Unklarheit Hessen. Der 
Mongawan oder Solo, selbst ein Kind den Lawu, besteht in seiner heutigen Form erst, 
seitdem der Krater zur Ruhe gekommen ist. 

In der geologischen Beurteilung der „Kcndeog-Schicbten", wie er den fossilreichen 
Sand nennt, hat. Dubais eine Veränderung durchgemacht, indem er anfangs dieselben ab 
..ploistocncn - betrachtet, also zum Diluvium Europas in Parallele bringt, wahrend er 
Bpfttar von -juugpliocaenen fluviatilen Bilduagen" spricht. Letztere Deutung weist Volz 
zurück durch den Hinweis darauf, doss der ganze Schichtonkoraplex einheitlich ist nnd 
selbst diejenigeu Quartärbilduugcu darstellt, welche man in der Nachbarschaft grosser. 
I, T noch tHtiger Vulkane erwarten mnss Dubais" Annahme wäre nur dann haltbar, 
wenn sich nachweisen Hesse, dass der Vulkan Lawu bereits im Obcr-Pliococn mit seiner 
Tätigkeit begonnen hatte. Alsdann konnten die unterstell Partien des Kendeng-Schicht> in- 
komplexei Jungtertiär sein. Eine Anzahl von Vergleichungspunkten spricht jedoch gegen 
ciu solches hohes Vulkanalter des Lawu. Petrographisih bestobt derselbe aus denselben 
Pyroxen-Andesiten, wie der Mi-rapi und die andern noch heute tätigen Vulkane auf J 
Ferner ist der Lawu ein isolierter Kegel und erst der jüngere Vulkanismus produziert 
Einzclindividuen. Dazu kommt Hin guter Erhaltungszustand, er hat durch die dem 
Diluvium Europus entsprechende Pluvialzoit wenig gelitten, die Dejoktionskegel der den 
Berg verlassenden Flüsse spielen im morphologischen Bilde, defl Sockels eine noch unter- 
geordnete Holle. Weiteren Anhalt bietet der Bengawan, der sieh erst 16 m tief in den 
Tullkoraplei eingeschnitten hat, wahrend Vola in Nord- Sumatra bei ganz Ähnlichen 
Vulkanrand-Flüssen meist zwei grossartige Terrassen-Systeme von tfi »» resp. tiOw nach- 
weisen konnte, der Nioder- und Hochtcrrassc unseres Dilu\iums vergleichbar. So kommt 
Vulz zu dem Schluss, riuss die Pitkecantropus-Reste keinesfalls alter uls das „Diluvium" 
sind, in äaaion mittleres Niveau sie „voraussichtlich* zu stellen sind. 

IL Klaulsch, 



Literarische Besprechungen. 139 

Sarasin, Fritz Versuch einer Anthropologie der Insel Celebes. II. Teil. 
Die Varietäten des Menschen auf Celebes, Materialien zur Natur- 
geschichte der Insel Celebes, V. Bd., IL Teil. Mit 22 Tafeln. Wies- 
baden. C. W. Kreidel 1906. 

Im vorangehenden Teil hatten dio Sarasin die Entdeckung der Steinzeithölen von 
Laraontjag nnd die Auffindung Ton Resten einer niedern Bevölkerungsscbicht mitgeteilt, 
der „Toila", welche mit den Höhlen in Beziehung standen. Erat durch diese Entdeckung 
wurden die beiden Baseler Gelehrten dazu angeregt, auch der anthropologischen Seite der 
auf Celebes sich bietenden Probleme ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Um die Eigen- 
art der niedern, offenbar filtern Bewohner festzustellen, musste die Yrrgleichung derselben 
mit der jetzt die Hauptmasse bildenden malayischen Bevölkerung durchgefühlt werden. 
In Ermangelung Ton Skelet-Material, das leider nicht in genügendem Masse beschafft 
werden konnte, geschieht dies durch vorzügliche Photographien, Messungen nnd Be- 
schreibungen, aus denen hervorgeht, dass der Toala-Tvpus sich deutlich von dem der 
Toradja, der Bugi-Makassaren und der Minahassar sondert. Als wichtigstes Cha- 
rakteristikum erscheint die Bildung der äussern Nase, welche bei dm Toala (nur Manner 
sind berücksichtigt) überwiegend ultrachamaerhin und chamaerhin gestaltet ist; die Toäla- 
Naae ist klein mit konkavem Bücken, breiten Flügeln und meist tiefliegender Wurzel, im 
Unterschied von der meist kräftigen, zuweilen hohen und schmalen Nase der andern 
Schichten. 

Hierzu gesellt sich als zweites Merkmal die Haarform; abweichend von den schlicht- 
haarigen Malayen gehören die ToÄla einer cymotri sehen Varietät an. Engwellig-lockiges 
Haar überwiegt. Kopfform nnd Proportionen der Extremitäten Hessen keinen greifbaren 
Unterschied erkennen, hingegen Körpergrösse, die bei den Toala geringer ist und die 
dunklere Hautfarbe der letztern. 

Die Sarasin erkannten in den Toala den Rest einer Urbevölkerung, welche ver- 
wandtschaftliche Beziehungen zu niedern Menachenformen anderer Gebiete erkennen lässt — 
und zwar in erster Linie zu den Weddas auf Ceylon und den Senoi der malayischen 
Halbinsel. Eine Verglcichung der photographischen Bilder der Toala-I.cute mit deuen 
von Weddas in dem frühern Werke der Sarasin und mit den von Martin (Inland- 
stimme der malayischen Halbinsel, Jena 1905) abgebildeten Senoi oöenbart die auf Blut- 
verwandtschaft beruhende Ähnlichkeit nicht nur im ganzen Typus der Gcsichtsbildung, 
sondern bis in Einzelheiten wie der spärlichen Bartbildung, die aus dem kleinen Bocks- 
bart am Kinn und wenigen Haaren über der Oberlippe besteht. Auch der ganze Bau 
in seiner Grazilität und der geringen Entwicklung der Muskolinsertionen, die den Knochen 
aus den ToÄla-Höblen mit dem Skelet der 8enoi und Wedda gemeinsam ist, zeigt alle 
drei Stimme als zartgebaute Wildformen des Menschen. Die keineswegs fohlenden 
Unterschiede vertiefen noch mehr das Bild eines gemeinsamen Bandes, welches die Ur- 
bevölkerungen Ceylons, der malayischen Halbinsel und von Celebes als Typus der Weddaleu 
vereinigt, da in manchen Punkten die Toala mehr den Senoi, in andern den Weddas 
und in noch andern wiederum Senoi und Weddas einander mehr ähneln. So liaben z. B- 
die Toala kürzere Arme mit dem Senoi gemeinsam, auch stehen beide sich durch ihre 
Schadelform, zum Teil meso- zum Teil brachyccphal, einander näher als den Weddas 
mit ihren relativ langen Armen und meist dolichoccphalen, Schädeln: jedoch kommt 
auch bei den Weddas als individuelle Variation Annäherung an Mcsoccphalic vor. 
In der Körpergröese kommen Wedda und Toala mehr überein gegenüber den etwas 
kleinern Senoi, wahrend in der Hautfarbe Senoi und Wedda gemeinsam dunkler sind 
ala die Toila, 

Die Foasbildung der Senoi in ihrer fächerförmigen Verbreiterung nach vorn, der 
geringem Hundung der Ränder und der Ausprägung der Lücke zwischen Hallux und 
zweiter Zehe findet sich bei den Toala wieder, während Martins Untersuchung am Skelett 
des Senoi -Fusaes dessen beträchtliche Übereinstimmung mit dem des Wedda-Fusses lehrt. 
Diese Geaamtheit dieaer Erscheinungen lässt sich nur begreifen durch die Herleitunj; von 
einer gemeinsamen Urform, welche nicht nur in somatischer, sondern auch in „ergo- 
logiÄcher" (Sarasin) oder ethnologischer Hinsicht ihren Derivaten eine weit von du- 



Lite ran s cht* Hesprechungen. 



lies Mulayen verschiedene PriniithkuUur überliefert hat Das frühere Vorbandcns' i 
letzten», welche die Woddalen ah ganz primitive stoinieitliehe nomadisierende Jiger- 
hordcn kennzeichnet ohne MctalUechnik, Töpferei and Ackerbau, und ohne tituliert« 
Häuptlinge, konnten die Sarasin auch Tür die ToiSla nachweisen, mm Teil mit Hilfe der 
Höblenbefnnde, die z. ß. lehren, das» ausser dem Hund kein Haustier vorhanden Rtt 
tDmlttea einer niDbainedanischen Bevölkerung fallen die niedern religiösen Vorstellungen 
der heutigen Toüla-Keiro ebenso auf, wie die strenge Monogamie, die Wahrheitsliebe und 
PehleD des Diebstahls in Anbetracht der sonstigen niedern Stufe. 

Die heutige geographische Verteilung der weddaischeu Volke* macht es wahr- 
scheinlich, das» sie einst eine grössere Verbreitung über Indien und don Archipel gehabt 
haben: bei der Überlagerung durch die mal&yische Schiebt sind die versprengten Bote, 
geologischen Horsten nach dos Referenten Anschauung vergleichbar, stehen gebliol-r. 
Diese gleichsam stratigraphische Auffassung der Itaasenverbreilung, welche die Saraaia 
hier mit Recht verwerten, ist reich nn Anregungen für spätere Untersuchungen. Die* 
zeigt sich schon in der Übersicht der Formen, welche vielleicht i\U zur weddaischeu 
Schicht gehörig in betracht kommen. Sowohl anf Sumatra (Kuba) als auf Borneo Ufa 
agar) sind primitive Stämme bekannt geworden, deren somatische Eigenart bithtf ÜcjW 
eeaftgend untersucht ist. Noch ungünstiger steht us mit den kleinen faseln BatHch l m 
Java, deron Volksgemiach vorlaufig sich nicht entwirren laset, da das nigi 
Clement als Complication hinzutritt. Für Celebes ist das negative Ergebnis wichtig, 
die Sarasin keine Spur von dem Vorhandensein einer ntgritischen Schicht naolivU. n 
konnten. Welche Stellung die Urform der weddaischen Völker im Stammbaum der 
Menschenrassen eitiuimmt, wird bezüglich einiger wichtiger Punkte "r- ri-n. wobt 
interessante Ausblicke ergeben. l)io Auffassung des vorwandUrhaitlichen Zasamm^nhanij - 
Jfr Wfddalon mit den Uraustr&licrn steht prinzipiell nicht im Widerspruch mit den von 
Referenten vertretenen Anschauungen Auch die Sarasin beurteilen die .weddaSacbe* 
und „australische Varietät" als gesonderte Zweige von gemeinsamem Ursprung aus. deren 
jeder sich in eigener Richtung spezialisiert hat. Diese Spezialisierung dürfte aber bei 
den Woddalen weiter vorgeschritten sein, als bei den Australiern, deren ausserordentliche 
Vaxiabilitatsbrt-ite und deren Anklänge au andere Rassen eine nahem Beziehung zum 
Ausgangspunkt des Stammbaumes der Menschheit vorrät, als die Woddalen. Referent 
kann daher der speziellen Fassung der Ansicht, dasa „woddaiache Stamme seinerzeit 
Anstralien invndiert und sich dann zu der so merkwürdig stilisierten australischen 
Varietät ausgebildet haben** nicht beistimmen. Hingegen begrübst er freudig die Äu " 
der früher bezüglich der Dravidat vertretenen Auffassung. Die Sarasin deuten jetzt die 
Ähnlichkeiten der Dravidas mit Jen Australiern als lediglich auf der Abstammung wn 
gemeinsamer Urform beruhend. 

Weddaten sowohl wie L'raufttralior sind „Priniarvarietatcn" in dem von den Saraslo 
golegentlich dor Wodda-Studion aufgestellten Sinuc. Die relative Kleinwüchsigkeit der 
weddaischen Völker berechtigt nicht, sie als „Pygmäen' 1 zu bezeichnen, wie Kollmann 
versuchte. Zwischen dou Anschauungen des letzteren über die hohe phylogenetische Be- 
deutung kleiner Ha>s» n und der ablehnende» Haltung Schwalbes nehmen die Sarasin 
einen vermittelnden Standpunkt ein: „Nicht der Mctörmaasstab allein entscheidet über 
die Zugehörigkeit einer Varietät zu unsern Primären, soudern ein Zusammenstimme n 
zahlreicher wichtiger somatischer und ergulogiaclicr niederer Charaktere, von denen ein 
uuter mittelgrosser Körperwuchs nur einer unter vielen ist". Da stören freilich die 
etwas „etwas grtaexffn" Australier. Die zum Teil sehr beträchtliche Kflrpergrosse der 
letztern und andererseits ihr bedeutender Variationsspiclraum macht es dem Referenten 
wahrscheinlich, dasa in der gemeinsamen Staintnhorde ton Mensch und Menschenaffen 
die Körpergrflsse äusserst variabel war und zu mannigfachen einseitigen Ausprägungen 
ikeit Kot, ohne die Nötigung der Annahme, da^s die primären kleinen Hassen aus 
grossen durch Degeneration oder Auslese sekundär entstanden seien: anders freilich sind 
die Japaner zu beurteilen, deren sekundären Kleinwilds die Sarasiiis nicht bezweifeln. 

l>n etwas allzu nahen Auachluss, den diu Sarasin früher bezüglich der Wedd.t 
an eine schimpnnseartige Urform verbuchten, schwachen sie jotxt etwas ab im Sinne der 

Mn Anschauung, lehnen sich jetzt aber allzu nahe au die von Schwalbe be- 
'"te Stufenleiter: Pithelcanthropiis — Neandertalmoiisch — recenter Mensch an. 



I.itoruriseho Besprechungen. 



141 






Die Primitivität de» angeblichen Homn primigen&a wird bedeutend ttbfTlohtot 
I lehnt die unglückliche Bezeichnung: „priraigeniu*'' gänzlich ab, da die Neander- 
babflaM nur -inen der sahlmchcn Zweige daraLcIlt, welche sich Ton einer dem Pithck 
anthropus nahen — ..praanthropoiden'* Wund entwickelt haben. 

Dl Versuch, die Componenten der maUyischen Bevölkerung von Celcbes zu 

ualjrieren, kommen die Öarasiu zu einer Sonderung in eine prolo- oder reiu mulay- 

leetu und eine doutero- oder misch-malayische Schicht. Dio erstore, hauptsächlich durch 

di<* Toradja-Schicht dargestellt, wird in verwandtschaftlichen Zusammenhang mit den 

iinjak* auf Bornen gebracht. Die Minahasser werden als ein ,, wenig oder nicht ver- 

isebter 1 * Zweig dieser Schicht angesehen. 

Die bescheidner Weise als „Versuch" hezeirhnete Pablikation stellt eine bedeutende 
Bereicherung unseres anthropologischen Wissons dar, sowohl durch das positiv Gebotene, 
als auch durch die zahlreichen Anregungen zu neuen Untersuchungen, zu welchen das 
Saratineche Werk als Fundament dienen wird. Klaatsch. 

Wikkens, Martin. Urundzüge der Naturgeschichte der Haustiere. Neu- 

I bearbeitet von Duerat, U., Leipzig 1905, zweite Autlage mit 35 Bildern 
und 408 Betten, 
I>ut> Buch soll wohl einmal landwirtschaftlichen Kreisen eiuo anregende wissen- 
ichaftlichf Lektors bieten, andererseits soll es aber wohl auch die selbständige Stellung 
des Bearbeiters in der Hauatierfrage zur Geltung bringen. Bei aller Anerkennung, die 
ich ilrm Verfasser zollen mnss, kann ich mich aber in sehr einschneidenden Fragen zu 
ncr Meinung nicht bekennen. Dasä er i. B. den Palucolithikern Frankreichs nach 
I'iettes Vorgang die Zähmung oder doch wenigster« Haltung des Pferdes zuschreibt, 
IMBf uns weit. Ich habe an anderer Stelle schon darauf hingewiesen, dass t wenn in 
jenen alten Zeiten von lieitervölkeru schon die Rede sein kütinte, die Geschichte einen 
ganz anderen Verlauf hätte nehmen müssen. Mit seiner eigenen Stellung hängt es zu- 
sammen, daes er mit dem Schweden Arrenandor auch noch eine besondore hornlose 
Kaatcnfurin des Rindes gelten lfisst, obgleich er doch selbst im Text erwähnt, dass 
ursprünglich gehörnte Horden durch Entartung spater hornlos geworden sind. 

Aber wie man nun gar au! eino Papyrasstelle und eine rage- Angabe ton Ckabas 
hin tuten (rein?) afrikanischen Ursprung dar Dromedars annehmen kann, ist mir rätsel- 
haft; iat es doch in der wunderbaren Geschichte Ägyptens eins der gröasten Wunder, 
■las* durch Jahrhunderte und Jahrtausende das Dromedar am ägyptischen Kande der 
Ost wüste cino gewöhnliche Erscheinung war und doch Ton der Verbreitung nach dem 
Westen (und dum Süden?.) so lauge durch ägyptische Staatsmanns- uud Verwaltungs- 
künstc abgehalten wurde. 

Ed. Hahn. 




m 



IV. Eingänge für die Bibliothek.') 



1. Maclcait, J, P„ Mastodon, Mammoth and Man, Cincinnatti; R. Clnrke & Co. 

1880. 8°. 
9. Morckcr, H. <_'., Tho Lotiapo Stone or tbo Indiaii and tlio Mammoth. New York: 

G. P. Putnams Sons IB85, 8*. 

Nr. 1 und y durch Tausch. 
J). 1 ' a ■ hier, Anton, Die Ausbildung der Beheizung bis ins Mittelalter. Wien: Selbst- 
verlag des Verfassers l*Mi7. -1". (Aas: Berichte n. Mitteilungen des Altertums- 

Vereins zu Wien, XL. Bd., 2. Abt.\ Vom Verfasser. 
I. Nieuuenhuis. A. W., Quer durch ßonieo. Ergebnisse seiner Reisen in den 

Jahren 1*91, 1«%— 97 und 1*98 -19U0. II. Teil. Leiden; K.J. Brill 190T. 8 & . 

Angekauft 
.*». Schnitze, Ernst, Kulturgeschichtlich« 1 Streifzüge, I. Bd. Aus dem Werden nnd 

Wachsen der Vereinigten Staaten. Hamburg: (jutenbcrg-Verlag 1908. 8°. Vom 

Verleger, 
ß, Moore, Clarence, B. Mounds-Moündrillo Rovisited, Crystal River Kcvitited ote. 

(Ans; Journal of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Vol. XIII.) 

Philadelphia 1*107. 4°. Vom Verfasser. 
7. Pastor, Willy, Aus germanischer Vorzeit. Bilder aus unserer l'rgesc hiebt e. Berlin: 

W. Werther 1907. 8 Ü . Vom Verfasser. 
S. Haas, Hau-, Japanische Erzählungen und Märchen. Berlin; Deutsche Bücherei o. J. 

8". (Deutsche Bücherei, Bd. 85. 
9. Frobenius, Leo, Im Schatten des Kongostaates. Bericht aber den Verlauf der 

ersten Reisen der D. I.A. F, E. von 1904— 190C, über deren Forschungen und 

Beobachtungen auf geographischem und kolonialwirtschaitlicbeiu Gebiet. Berlin: 

G. Keimer 1907. 8°. 
10. Münsterberg, Oskar, Japanische Kunstgeschichte, III. Teil. Töpferei, Walten. 

Holzschnitte, Gürtelhänger. Inro-Netike. Braunschweig: G. Wostonnann o. J. 4". 
U. Bartels, Paul, Tuberkulose | Wirbelkarics) in der jüngeren Steimeit, Braunschweig: 

F. Vieweg & Sohn 1907. 4". (Aus: Archiv für Anthropologie, N. F. Bd. VI. 

Heft !.) 

Nr. 8 — 11 vom Verleger. 
\S, Grünwedol, A., Katalog der Sammlung von Lama- Kultobjekten des Fürsteu E. E. 

üebtomski. Teil I, Text; Teil II, Abbildungen. St. Petersburg 1903. 8 fl . 

[Russisch] Vom Verfasser. 
18. Dixon, Holanil B., Linguistic rclutionships wirb in the Shasta-Achomawi Stock. 

Quebec: Dussault & Proulx 1907. 8". (Aus: Bttuofr« ti U-Iil «'rations du 

XV e Congrös dos Americanutes lenu a Quebec IIKXj.) Vom Verfasser. 
14. Segur, Paul Philipp von, Die Erinnerungen des Generals Grafen Paul Philipp von 

Segur, Adjutanten Napoleons I. Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen. 

Hamburg: Gutenberg -Yexlag 1908. 8 9 . (Aus; Bibliothek nortroller Memoiren, 
herausg. von Ernst Schnitze, Bd. V.) 



1) Die Titel der eingesandten Bücher und Sondcr-Abdrücke werden regelmässig hier 
veröffentlicht, Besprechungen der geeigneten Schriften vorbehalten. Rücksendung un- 
verlangter Schriften findet nicht statt. 




Einpänge für die Bibliothek, 



US 



16. 



I 



17. 



>~. 




Inglis und Forbes-Mitchell, Erinnerungen nus dem Indischen Aufstand 1857,JS 
von Lady Inglis und Sergeant Forbes-Mitchell. Bearbeitet von Elisabeth 
Braunholtz. Hamburg: Gutenborg -Verlag 1908. 8°. (Aus: Bibliothek wert- 
voller Memoiren, herausg. vou Ernst Schnitze, Bd. VL> 

B*rdrow, Wilhelm, Afrikas Herrscher und Volkshelden. Lebensbilder an* der 
Heroenzeit de» dunklen Weltteils. Ilcrlin-Niodorschönhauaen; H. K. W, Berdro« 
|90a S*. Nr. 168— 469. 

Nr. 11 -IC vom Vorleger, 
reiber, Witold, Cber die Deviation d^r anatomischen Ton der geometrisch--» 
Medianebene des menschlichen Schiidols in bozug auf die Biaurikularlinio. 
Braunschweig: F. Vieweg & Sohn 1907. 4*. (Aas; Archiv für Anthropologie. 
N. F. Bd. IV. Heß Li Vom Verfasser. 

1 iri, Ridolfo, La scliiavitil mcdioevale o ta sum inlluenzn sai earattcri nnthropo- 
logici degli Italiaui. Roma 1907. S". (Aus; Rivista Italiaua tli Sociologui, 
Anno XI, Fase. IV- V.) Vom Verfasser. 

l.e ><!'-• n. Hans, Kreuz und quer. Berlin: Deutsche Bücherei, Bd. 71 u. 72. o. J. fi n . 
Vom Verleger. 
. :ner. Robert, Goethes Wctzlarer Verwandtschaft, Leipzig: J. A. Barth 1908, 8°. 
Vom Verleger. 

Degen er, Hermann A. L., Wer ist'»? Unsere Zeitgenossen. Zeitgenoßsenlexik-n. 
enthaltend Biographien nebst Bibliographien. Angaben Abte Herkunft, Familie. 
Lebenslauf. Werke, Lieblingsbeschäftigungen, Farteiiingchörigkoit, Mitgliedschaft 
bei Gesellschaften, Adresse, andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse. 
HI. Ansgabe. Leipzig: H. A. L. Degencr 1908. 8 U . Angekauft. 

Forrer, Kobert, Ueallcxikon der prähistorischen, klnsaischon und frühchristlichen 
Altertümer. Berlin: W. Spemann o. J. 8\ Vom Verfssser. 

Batchan. G„ Mongolismus. Berlin: Ürban A Schwarzenberg 11)07. 8» (Ans: Eney- 
klopSdische Jahrbücher der gesamten Heilkunde. N. F. C. Bd.) Vom Verfasser. 

Capialrano de Abreu, J, Capitnlos do Historia colonial (l.~X)U-1800). Rio de 
Janeiro: M. Orosco & C. 1907. 8°. (Ans: T Brasil suas riquozss uaturae?, 
suax industrius", Puhlicacäo do Centru Iudustrial do Brasil.) 

I '•-■utro Industrial do Brasil, O Brasil. Suas riquozas naturaea, snas industrias. 
Vol. I. Introduccäo - Iuduslria extractiva. Rio de Janeiro; M. Orosco & C. 
[907 

J. T.. A Girin Brazilcira Collecciio de Anneiins, Adagios, Rifoes o Locncoes Populäres. 
Bah ia: Diario da Rahia 1899. 8*. 

Nr. -1 -Sfi rofl Hrn. Capistrano de Abreu. 

Hertz, Wilhelm, Aus Dichtung und Sage. Vortrage und Aufsätze, hcrausg. von 
Karl Vollmöller. Stuttgart: J. G. Cotta 1907. 8*. Vom Verleger. 

Martin. Rudolf, System der (physischen) Anthropologie und anthropologische Biblio- 
graphie. Brannschweig: F. Vieweg & Sohn 1907. 4". (Aus: Korrespondenzblatt 
der Deutschen Anthropol. Gosollsch., XXXVIII. Jnhrg, 9-12) 

Steinmetz, S. Ii, Ethnographische Fzagesaiumluiig zur Erforschung des sozialen 
Lebens der Völker ansserhalb des modernen europäisch-amerikanischen Kultur- 
kreises. Herausg. von der Internationalen Vereinigung für vergleichend*"- Recht :>- 
Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Rerlin und in deren Auftrage ent- 
worfen von S. R. Steinmetz. Bearbeitet und erweitert von R. Thurnwald. 
Berlin: R. v. Decker 1906. 8 - 

8argl, G., Neun Abhandlungen anthropologischen Inhalts. Rom 1900—1907- 8°. 
Atti ilella Societü Roniana di Antropologia, vol. VII— XIII.) 

I.amarrk. I.e«- debtlti de ... Par E. T. Hamy. Auge«: A. Burdin et C. 1907. 8 ". 
Aus Bibliotheqnc d'Hiatuire Sei enti Aquo T. 11, No. 1.) 
Nr 28— 31 vom Verfasser. 

Meyer, Ednard, Geschichte des Altertums. 11. Autl 1. Bd. 1. Einleitung: Elemente 
der Anthropologie. Stuttgart; J. G. Cotta 1007. 8°. Angekauft. 

Sarauw, Georg F. L, Le feti et son emploi daus 1d nord de l'Europe aux teinps 
prvhjBtoriqucs et protohistoriqnca. Gand: A. Siffcr 1907. 8*. Vom Verfasser. 




144 



Eingänge für die Bibliothek. 



:)1. Evans, Arthur J., The prehistoric tombs of Knossos. London: B. Quaritch 19 

Angekauft 
Willers, Heinrich, Ncuo l'nteraucbungon über die römische BmilMuhk ton 

Capua und von Niedergermanien. Hannover: Hahn 10o7. 4°. Vom Verleger. 
■ •'. Pes&ler, Willi, Das alisächiische Bauernhaus in der Itueiuprovinx. KU>erleM. 

Ä. Martini & Grüttefien 1900. 8*. (Aas; Zeitschr, des Vereins lür rhcii 

und westfälisch* Volkskunde 1906. Holt 4.) 
8? Pesalcr, Willi, Das altafichsischc Bauernhaus in Mecklenburg-Schwerin; Bärenspi 

1906. 8\ (Aus: Mecklenburg, Zeitschr. des Heimatbundes Mecklenburg, Jahrg. 1 

Nr. 8J 
Pesslor, Willi, Die Hausfurschung, vornehmlich in Norddeutachland Gotha: F. A. 

Perthes 1906. 8°. (Deutsehe (ieschichtsblitter, VII. Bd, 8, H 
89, Pesalcr, Willi, Neues mr Keuntnia dos al (sächsischen Buuernhauscö. Bremen: 

C. 8c1iünemann ]9o7. f. (Aus: Niedersachs*n, 12. Jahrg. Nr. 11 ) 

10. Pesaler, Willi, Die geographische Verbreitung des altsäch&ischcn Bauernhauses in 

Pommern. Braunschweig 1906. (Aas; Globus, Bd. XC Nr 
-II. Pessler, Willi, Plan einer grossen deutschen Ethno-Gvogrnphie. (Au&: K»»)ni 
Zeitung 1907, Nr. 602») 

42. Luschan, F. v., The racial aftinitics of the Hottcntoti. London: Spottiswoode 4 t 

1007. 8°, (Aus: Report of the Britta* and South Afrieau Associatui 

43. Loth, E., Die Plautarapuncuro.se beim Menschen uud den übrigen Primaten. Braun- 

ach weig: F. Vieweg A: Sohn l'JOi. 4". (Aus: Korrespoiidt'niblatt der Deutschen 
Anthrop. Ges, XXXVIII. Jahrg. Nr. 9/12 | 

11. Hamy, E. T., Lea premiers Gaumig. Paris: Masson et C. ll»0G. 8°. (Aus: l.'Antbn- 

pologie T. XTOl 
l.'i. Mac Curdy, George Graut, Neolithic Dew-ponds and Caltle-nuys. By A. J. Hubbard 

und G. Hubbard A reviow. Lancaster 190ö. 8". (Aus: American Anthropologüt 

Vol. VII No.3.) 
4ß. Mac Curdy, George Grant, Peabody pueblo exhibit, 8°. (Ans: Vale Alumni Weefcly 

June 1907) 
17. Mac Curdy, George Grant, Some phases of Prehistoric Archaeology. Washington 

Gibson Bros. 1907. S u . (Aus: Proceedinga of the American Association of tue 

Advancement of Science, Vol. LVI, 1909.) 
48. Mac Curdy, George Grant, Review of C. V. Hartman's Archeologieal Kesean I ■ 

in Costa Rica. 4°. (Ana: Science N. S. Vol. XXIV No. 603.) 
*'.». Mac Cnrdy, George Grant, The armadilto in the anciem art of Chiriqui Quebec: 

Dnssault ft Pronix 1907. 8". 
60 .Schlemm, Julie, Wörterbuch xur Vorgeschichte. Berlin: Dietrich Reimer 1008. 8". 
:>1. Mielke, Robert, Das deutsche Dorf. Leipzig: B. G. Teubner 1907. S\ (Aus: Natur 

und GeiBteswolt, Bd. 192. 

Nr. 30— ."ti vom Verfasser. 
•-' Nigmanu, E-, Die Wuhohc. Berlin: Ernst Siegfried Mittler 4 Sohn 1908 - 

Vorn Verleger. 
53. Saville, Marshall II. Th" George G. Heye Expedition, the antiquities of Manabi. 

Ecuador, a prcliminary Report. New York 1907, I . Vom Wrfaaser. 
54 Müller, F. W. K., Beitrag »ui genaueren Bestimmung der unbekannten Sprachen 

Mittelasiens. 1907. 8°. (Aus: Sitzungsbericht der K»nigl. Preuss. Akad dec 
Wissenschaften, Bd. III.) Vom VerftifOT. 

(Abgeschlossen am 15. Januar l'JOS.) 



Üihnologi* Band XXXX 



Trifft f. 







Fig. 1. MakuscliMIfluvtliim .Tldcfonso (Rio Branco). 






-.2. Wupi.scliiin» (ltiu Brunco). 

i b Kocb-Grönb erg: Die Makusehi und \Y;i\nw\iiu*. 



< 



Zritvhrifl für / Tiatul XXXX 




I. Abhandlungen und Vorträge. 



1. Die Grabformen ostpreussischer Gräberfelder. 

Von 
Vmi\ Hollaok. 

Abkürzungen in der Literatnrangabe. 

Analysen = Bexienberger, Analysen vorgeschichtlicher Bronxen Ostpreussens. 

B. P. = Sitiungs-Herichte der Altertums-Gesellschaft Prussia. (Vereinsjahr 31 = Hft 1 

n. s w. bis zum 46. Vereinsjahr [HM. IG]. Von Heft 17 ab sind die Hefte 

numeriert) 
Berl. Kat. = Katalog der Ausstellung prähistorischer und anthropologischer Fnndo 

Deutschlands in Berlin. Berlin 1880. 
Dorr Lernen = Dorr, Die Gräberfelder auf dem Silberberge bei Lernen und bei 

Serpin. 
Dorr Übersicht = Dorr, Übersicht über die prähistorischen Funde im Stadt- und 

Landkreise Elbing. 
Sehr, auch Schriften = Schriften der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft. 
T. K. = Tischler, Ostpreussischo Altertümer ans der Zeit der grossen Graberfelder 

nach Christi Geburt. Herausgegeben von Heinrich Kemke. Königsberg i. Pr. 

1902. 
Im übrigen ist der Titel der zitierten Werke an Ort und Stelle in einer Anmerkung 
stets Tollstlndig angegeben. 



Einleitung. 

Altpreussen gehört zu denjenigen Landesteilen Europas, welche vom 
Licht der Geschichte am spätesten erhellt werden. Erst das langsame 
Eindringen des deutschen Ordens im 13. Jahrhundert kann als die Zeit- 
wende bezeichnet werden, von welcher ab ganz allmählich die Vorgeschichte 
zu weichen und die Geschichte zu herrscheu beginnt. 

Fasst man, ganz allgemein gesprochen, die Aufgabe der heimischen 
vorgeschichtlichen Forschung dahin zusammen, eine möglichst lückenlose 
Kenntnis des Vorordenslandes Preussen vermitteln zu helfen, so ergibt sich 
schon aus der zeitlichen Begrenzung, wie sie uns hier entgegentritt, 
allein, welche grossen Arbeiten zu erledigen sind, bevor hiervon voll und 
ganz wird gesprochen werden können. Erschwerend tritt hinzu, dass auch 

Zeitschrift fnr Ethnologie. Jahrg. 1906. Heft 2. 10 



U6 Hollack: 

beute noch eine grosse Mehrzahl gebildeter Kreise gar zu gern geneigt 
ist, in der praktischen Ausübung vorgeschichtlicher Forschungen nur eine 
Art Sport zu erblicken. Infolgedessen sind ihre Resultate kaum Aber 
den engbegrenzten Kreis von Fachgelehrten hinausgedrungen. Erschwerend 
tritt ferner das Fehlen eines Denkmalsschutzgesetzes hinzu. „So oft ein 
Denkmal dieser Art zerstört, ein Fund von unkundiger Hand der Erde 
entrissen wird, verschwindet ein Stück Urgeschichte, das nicht mehr ersetzt 
und ein Zusammenhang von Zeugnissen, der nicht wieder hergestellt 
werden kann." 1 ) 

Arbeitet demnach die vorgeschichtliche Forschung unter der Ungunst 
äusserer Verhältnisse, so ergibt sich hieraus, dass ihre Ergebnisse nur 
tropfenweise gewonnen werden können. Dennoch aber hat die Arbeit der 
letzten fünfzig Jahre auch hier in Ostpreussen bereits eine ganze Reihe 
von Unterlagen geschaffen, welche unter anderem zu berechtigten Schlüssen 
über die ethnographische Zusammensetzung der Bevölkerung Preussens in 
vorgeschichtlicher nachchristlicher Zeit geeignet sein dürften. 

Das Material hierzu liefern ihr die grossen Gräberfelder, an denen 
Ostpreussen so unendlich reich ist. Diese grossen Begräbnisplätze lehren 
uns, soweit die Forschung bis jetzt erkennen lässt, Ostpreussen als 
ein Land kennen, welches wenigstens in einigen Landstrichen eine ver- 
hältnismässig dichte Bevölkerung aufzuweisen hatte. Übereinstimmend 
findet man aller Orten, an denen solche Fundstätten vorkommen, dass 
dem Totenkult eine grosse Aufmerksamkeit zugewandt worden ist. 
Unterzieht man jedoch — auch innerhalb kleinerer Zeit- 
abschnitte — die Grabformen und die Bestattungsweise, die 
man beide als durch Stammes*brauch und Religion beeinflusst 
anzusprechen hat, einer vergleichenden Prüfung, so findet man 
im Rahmen der ganzen Provinz grosse Verschiedenheiten. Da- 
gegen ergeben sich innerhalb des Rahmens bestimmter geo- 
graphischer Gebiete feste Normen. 

Wir werden hierdurch zu dem Ergebnis geführt, die vorgeschicht- 
lichen Einwohner Preussens nicht als eine in sich geschlossene, homogene 
Bevölkerung anzusprechen, sondern innerhalb der heutigen Provinzial- 
grenzen bereits damals das Vorhandensein verschiedener Volksstämme 
als feststehend zu betrachten. Hierfür spricht auch der Umstand, dass 
die Graburnen, die wohl ausnahmslos als Erzeugnisse heimischer Arbeit 
zu gelten haben, innerhalb bestimmter geographischer Grenzen gleichfalls 
typische Eigentümlichkeiten haben, im Bereich der ganzen Provinz, soweit 
in ihr Brandbestattungen nachgewiesen sind, aber — und zwar auch schon 
im Rahmen kleinerer zeitlich begrenzter Perioden — keinen einheitlichen 
Typus aufweisen. 

Es liegt sonach in der Tatsache, dass die Grabformen, der Be- 
stattungsmodus und die Totenurnen innerhalb eines gewissen Gebiets 

charakteristische Eigenarten besitzen, die einem anderen Gebiet fehlen, 

— i— ——^— — • 

1) Hans Seger, Der Schutz der vorgeschichtlichen Denkmäler. Denkschrift der 
Kommission der deutschen anthropologischen Gesellschaft. Vorgelegt der 35. Ver- 
sammlung in Greifpwald liKM, 8. ü. 



Gl abformen üstüreusnischrr 



' eiche« wiederum andere Charakteristika aufweist, ein Hinweis auf 
die ethnographischen Verhältnisse Altpreussens in der vorgeschichtlichen 
Rfaen 

In \ erliegender Arbeit soll nun der Versuch gemacht werden, hierfflr 
defl Nachweis sa liefern, soweit die Grabfonnen und die Restattungsweiso 
in Betracht kommen. Geographisch beschrinkt sie sich auf das Gebiet 



. 



südlich vom Pregel und das Samland. 



1. Die La Tene-Graber. 

Das erste Auftreten des Eisens — abgesehen von kleinen Funden — 
ist im Ostpreussen mit der La Tene-Kultur verknüpft. Wie Bezzenberger 
nnohw.h:'.. hat „die mittlere La Teno-Kultur noch während der jüngeren 
Bronzezeit in Ostpreusson Eingang gefunden und bis in die nachchrist- 
liche Zeit gedauert". Wir finden Gräber mit La Tene-Altertümern in 
zwei räumlich weit voneinander entfernten Gegenden, nämlich im Kreis« 
nbiirg und im Samlande, und zwar dort in grossen Flachgrfil^er- 
feldero, hin in Hügelgräbern entweder rein oder in nachbeBtattnngen.*) 
Beide Gebiete sind bisher durch keine Örtliche Brücke miteinander ver- 
band« 

Wm dii Gr&bei des Kreises Neideuburg anlangt, so zeigt das Gräber- 
fehl auf dem Fuchsberge bei Grodtken oberirdische Steinringe von 
.'5—4 </i Durchmesser, was vor wenig Jahren auch von denen bei Gr.-Lensk 
-;ilt: :ni h.-iden Orten zugleich teils vereinzelte, teils in Gruppen von zwei bis 
nigte, aufrecht stehende, auch liegende Merksteine von beträcht- 
lich. >r «iröese ohne Steinringe. Unter zwei solchen Herksteingrappen 
fand ich in Grodtken schttn erhaltene Grflber. In Kl. -Tauersee fand 
ich keine Bteinrlnge mehr vor, was auch von Brinkmanns Ausgrabung 
iederbof und IleydeckB in Taubendorf gilt. Dass ähnliche 
Steinkränze bei Gräberfehlern rlieser Art im äussersten Südwesten der 
Provinz wohl aber durchweg Brauch gewesen sind, bezeugen Bock J ) und 
FQppeU.*) — Enteret fand solche im 18. Jahrhundert bei Pilgramsdorf 
und letzterer in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hei 
KvBefaengut und Wilken. Die Ackerkultur und der Wegebau haben 
wohl :iber das ihrige mit beigetragen, die oberirdische Grabform all- 
tnein nmchwhiden zu machen, 

Aus dem Hefunde von Grodtken, Kl. Tauersee, Oi. I.ensk und Nieder* 
f geht hervor, dass die Bestattung in einer Brandgrube erfolgte, d. h 
in welcher die Oberreste gebettet wurden, ist durch Kohle und 
geschwärzt. Die Form dieser Brandgrube ähnelt dor 
nes unten spitz zulaufenden Sackes. Die Stellung der Urnen in der 
t\ eine eigenartige. Kinige — isoliert stehende — waren in 
"ii terkehrt hingestellt. Dann atiess ich auf zwei Beisetzungen. 



rger, Analysen vorgeschichtlicher tironteu OätprenBscnP. B, X. 
Der» Lbc », ». 0., S. VIII. 
I ttfc, Yvrsnafa einer wirtschaftl. Naturgesclüchto von Ost- u. \\ 

•V.l. 

I A|rprru>»iache Monatsschrift VII IT ff. 

IQ* 



148 



IMI...*k. 



in denen die in der Mitte auf reell t stoheude Urne auf drei Seiten v.-n 
teils liegenden, teils stehenden Beigefassen umgeben war, wie es ähnlich 
auch Brinkmann in Xiederhnf und Bezzenberger in Gr. I.. n-"!; 
fanden. 1 ) Doch will ich nicht unerwähnt lassen, das» letzterer, vifl BT in 
einer demnächst publiziert werdenden Sitzung der L'russia hervor- 
gehoben hat, diesem Umstaud nicht die Bedeutung beilegt, die der Augen- 
schein auf mich hervorrief und seine gegensätzliche Stellungnahme in 
überzeugender Weise begründete. Wie ich von verschiedenen s 
gehört habe, sollen ähnlich angelegte Gräberfelder jenseits der Grenze im 
russischen Polen vorkommen. Meiner Überzeugung nach haudelt es sich 
bei den Flachgräberu dieser Kultur in Ostn-reuesen nur um einen 
schmalen auf die diesseitige Grenze tretenden Strich; der Hauptteil ist 
in Polen zu suchen, und wird das letzte Wort Aber die Gräberfelder 
dieser Gruppe von dortigen Gelehrten gesprochen werden müssen, wenn 
das jenseitige Gebiet erst mehr prähistorisch abgebaut sein wird. 

Was den westpreussischen Anteil dieses Gebiets anlangt, so hat 
Anger in den achtziger Jahren bei Rondscn eiu Gräberfeld aufgedeckt, 
dessen Grabformen als Parallelen zu den in Frage kommenden ost- 
preussischon Gräberfeldern herangezogen worden können, und verweise 
ich auf seine treffliche Monographie über dasselbe. Zwischen Rondsen 
und dem am westlichsten Hegenden ostpreussischen Gräberfelde dieser 
Gruppe, dem bei Gr. Lensk, klafft noch ein grosses unerforschtes Gebiet. In 
Lissauers 1887 herausgegebenen prähistorischen Denkmälern der 
Provinz Waatprensaen Sudel man im Lande östlich der Weichsel und 
südlich der Ossa ausser Rondseu nur noch die Fundorte Grubno (flaches 
Grab ohne Steinkiste mit Urnen) und Marusch (ebensolches) verzeichnet. "j 
was auf eine Übereinstimmung der Grabformeii dieser Gräber mit denen 
der ostpreussischen schliessen läset und was ferner zu dem berechtigten 
Schluss führt, in dem Zwischengobiet analoge Formen zu vermuten. 
Noch sei vervollständigend erwähnt, dass in AVestpreueaen rechts von 
der Weichsel noch in Willenberg, Liebenthal, Pieckel und Ladekopp 
Urnengrilber mit zum Teil typischen La Tene-Artefakten ausgegraben 
worden sind, während entsprechende Gräberfelder in dem angrenzenden 
Teil Ostpreusseus zur Zeit noch fehlen. 

Zieht man eiu Facit, so gilt auch heute noch das, was Lissauer vor 
20 Jahren schon aussprach: „Diese Kultur bleibt in unserer Heimat 
ziemlich beschränkt. Von der Warthe, Welna und Netze her sehen wir 
sio wie die vorhergehenden Kulturströme nach Norden vordringet); 
aber dort wie hier geliugt es ihr nur an wenigen Stationen festen Fuss 
zu fassen, wenigstens nach unseren heutigen Kenntnissen. Im 
allgemeinen sind es Hauptsitze der Hallstftdter Kultur . . . , wo auch Rie 
die günstigste Aufnahme findet; doch sind östlich der Weichsel zwei 



1) Da ich seit der Herausgabe \on Fötors und meinem Buch über Moythionon nicht 
mehr Gelegenheit gehabt habe, im Südwesten der l'rovim Im Tcnc-Grabcr tusEUgrabcn. 
bin ich hier in der Darstellung ganz meinen dortigen Ausführungen gefolgt; vgl. a.a.O. 
S* ite s IT. 

2) Lissauer Denkmäler, Text 8. 126, Tafel IV und Karte. 




Grabforme» ottpreuasiacher Gräberfelder. 



149 



:r Stationen dlemr Zeit gerade an solchen Punkten konstatiert 
erden, wo die HalUtätiei Kultur wenig oder gar nicht entwickelt war, 
in Rondeen und Lftdefcopp.* 1 ) 

An diesem Resultat Ködern mich die seither ausgegrabenen Begräbnis- 
se im Kreise Neidenburg nichts; hoffen wir, dass es der Forschung 
>unt sein möge, den Raum zwischen Gr. Leusk und Rondsen aus- 
füllen. 

Was die reinen La Teno-Hflgelgräber des Sainlunds anlangt, so liegt 
:ur Zeit nur die Tischlersehe Publikation über "Warnicken vor; seit der 
Zeit habe ich ein La Tene-Grab mit unterirdischem Sieinkreise und 
hilic der Peripherie befindlicher, oben offener, aus kleinen gespaltenen 
Steinen besiehenden Kiste bei Sorgenau geöffnet; die sehr wichtigen 
Au^rabungsresultate von Keinkc (Sorgenau) und ßrinkinaun (Klycken) 
aber sind noch nicht publiziert, so dass ich nicht über die nötigen 
Materialien verfuge, um ein allgemein gütiges Bild von den Grabformen 
lieser Periode im Bamlande zu geben; da zu leicht der Fall eintreten konnte, 
bei der schmalen Basis, auf der meine Kenntnis hier fusst, ich leicht 
verallgemeinern möchte, was sich hernach nicht halten Hesse. 



2. Die sogenannten römischen und nachrümischen Graberfelder 
Musurens und Suil-Ermlands. 

Wie in dem Buche über das Moythiener Gräberfeld 1 ) dargestellt ist, 

ergeben web, abgesehen von den La Tene-Grabcrfeldern des Kreises 

ilmrg, die dort als Kulturgruppe 1 bezeichnet sind, für den 

roten Süden der Provinz zwei Gruppen von Gräberfeldern, nämlich 

die eil Kaitargruppe II bezeichneten römisch beeinflußten und die alg 

Kulturgruppe III bezeichneten nachrömi sehen Gräberfelder, bei deuen sich 

dieser Eintluss nicht mehr in dem Alaasse nachweisen lässt und die auch 

iU Vnlkerwauderungsgrftber von den ersteren unterschieden werden. 

Bride Gruppen kommen entweder dicht nebeneinander, wie in 
ternwalde und Kl. Puppen, oder durch einige Minuten M'egs von ein- 
ander getrennt, wie Pru seh inowen-Wolka und Babienteu, oder zum 
Teil übereinander, wie in Mingfeu, oder auch, wie es den Anschein hat, 
isoliert, wie die zweite Gruppe in Machnrron, Aweydcn und Moy- 
thienen, die dritte Gruppe in Kellaren und Daumen, vor, nie aber, 
soweit sich bis jetzt übersehen lässt, mit einander vermischt oder eins in 
lodere allmählich übergehend.*) 

Beide Gruppen haben eine Reihe charakteristischer Besonderheiten, 
die um je einer Gruppe eigentümlich sind und der andern fehlen; dann 
auch einzelne gemeinsame Züge. Im Nachfolgenden soll nun, um ein 
möglichst scharfes Bild beider zu schaffen, der Versuch gemacht werden, 
die dritte Gruppe ganz ausführlich zu behandeln und hierbei auf die Ab- 
ilungen von der zweiten Gruppe hinzuweisen. 



1) Lissaner Denkmäler. S. 124. 

2) 1901 heraoBgegrten von Peiser und mir. 

3) Vgl Moythicnen S. 11 ff. 



LÖO 



IM Jack; 



Hier im üussersteii Süden der Provinz, handelt es sich fOi beide 
Kulturen nur um Flaohgr&berfelder, - lie sich durch kein«' äusserlich her- 
Tortretcndfii Merkmale von der aie umgebenden Ortlichkeit untersch- 
Für die dritte Gruppe kommen in Betracht: Waldersee Ili, Wyakaluu- 
Kellaren, Friederickenbain, Daumen. Lehlesken, Mingfen, Alt-Munto 
Prusehinowen-Wolka, Kl. Puppen, Scheufelsdorf, Sdorron, Stcruwahh 
ausserdem die hinsichtlieh der Brandstellen etwas andere Verhäl: 
aufweisenden Fundstätten von Runlungen und bzw. auch Koslau. ran 
denen das letzte, eine Strecke ifldwastwajto von den oben gftnanntfW 
gelegen, vielleicht neue regionale Gruppen erottnei, deren Weiterverbreifcong 
ausserhalb Ostpreussens gesucht werden inüssfe. ') 

Die mehr oder minder zahlreich durch den Pflug auf die Oberfläche 
gebrachten Scherben und verbrannten Knochen allein schon IftMOfl Bio 
gefibtee Auge du Gräberfeld erkennen. Die gebetteten Überreste sind 
in freier Erde beigesetzt — entweder in einer Urne oder all 
loses Knocheuhäufchou — und durch keine unter der Kr 1 
findlichen Steiupacknngen gesichert 

Dasselbe gilt von der römischen Gruppe; doch sind bier wenigsten* 
sporadisch auch Stcinpnckungeu festgestellt wurden-, so in Moytlii 

unter 92 menschlichen Bestattungen zwei (die Gräber 89 und 59), KU dem 
erlieblich grösseren Urfiberfelde Alt-Keykuth II vier Steinpaekung an, iru 
angesichts der grossen Menge der Begrabenen aber gar nicht Ena Gewicht 
fällt, der Vollständigkeit halber aber nicht unerwähnt bleiben durfte. 

Dagegen kommt es öfters vor, dass sich ein kleiner rundlieber Kiesel 
über der Beisetzung befindot. Da diese rundlichen Sternchen häufig 
durch die Ackerkaltur an die Oberfläche gebracht worden sind, 
auch oftmals sie als gute Wegweiser ffir die Aufßndung eines solchen, 
Flachgraberfeldes. Durch diese bei der Bestattung der Tuten verwendeten 
runden Steiiichen berührt sich Sruppe III mit Gruppe II, bei denen uwo 
aie in dieser Gegend auch hiiulig feststellen kann. In grosse) Vnznhl 
kamen sie in Kl. Puppen vor; bei fast keinem Grabe fehlten >ie; nusaei- 
dem befand eich ein ganzes Depot davon in der liier zwischen beiden 
Graberfeldgruppeu sich hinziehenden neutralen^ raucDgeschwfinten Zone;*) 
aber auch in allen andern von mir untersuchten Feldern habe ich d 
mehr oder weniger (betgestellt. 

Alle Fundstatten - auch die der zweiten Gruppe — sind Braud- 
grflberfelder. Als Ausnahme sei angeführt, dass sich auf dem nnch- 
römisohen Teil des Kl Pupper (iräberfeldes zwei gut erhaltene Meiisrln n- 
sehade! und ilaueheu im verbrannte Knochenreste in einer Tiefe von 0,50 m 
fanden. Zu beiden Seiten ntund in gleicher Tiefe je eine Urne. Auch 
Bujack fand in Lehlesken einige Skelette, doch bandelte es sich liier* 
wie die Beschläge von Metall an tfargresten auswiesen, um Bestatti 
neuerer Zeit.') Auch ich fand hier, als ich HM>0 dieses Gräberfeld er- 



1) Des Vergleich haibor Est weiter autt'ii atioh das bereits im mittleren Prowoigürh-l 
ffologont Grßln>rfeld lei Pistnutetafl hier mit biiieiu besogoa worden. 

2) Mothivnen S. 12 und 8. 19- 
5 R. P. VI. 31. 




Grubformon ostprousssiächor Grfibörfclder. 



151 



h. 



ml ontersnohte, noch ein und zwar sehr gut erhaltenes Skelett, d&fl 
demnach wohl aucli üls neuzeitlich anzusprechen sein dürfte. 

Die Beisetstmg ist. wie oben schon angedeutet, bei beiden Gruppen 

ein« zwiefache, sie ist entweder in einer Urne oder als loses Kuoehen- 
Biofcben erfolgt Wenn letzteres der Fall ist, so sind die Knochen- 
häuten, m itftta sorgfältig zusammengeschüttet. 1 ) Auch in dieser zwie- 
fachen Beiaetonngifonn finden sich Berührungspunkte mit den maaoriftohen 
Gräberfeldern aus römischer Zeit; doch herrschen im besonderen manuig- 
i;uli.' Verschiedenheiten. Der Verbrennungsprozess musa in naehrömiseher 
Zeit als ein sehr guter bezeichnet werden: denn sowohl bei den TJrnen- 
l».'iv,-i, Hl-. M als bei den Knoehenlnlufehen stosst man immer nur auf sehr 
and winzig kleine Knöehelehen. Soweit die Menge der bei- 
gesetzten Knochen allein in Betracht gezogen wird, ist 'lies aber auch 
andererseits als Folge des Unistandes zu betrachten, das* man die \ er- 
hrennungsherde (über dieselben siehe weiter unten) nicht sorgfältig genug 
nach den ÜbeiTfieten 1er verbrannten Leichen abgesucht hat. (Jcrade das 
umgekehrte aeTrscht hei der römischen Kulturgruppe; denn hier ^ind die 
Knochen viel schlechter verbrannt; sie füllen oft */ A der durchschnittlich 
iaaeren Urnen. Die Verbrennungsherde dagegen enthalten nur 
erscnwiiidend wwrig zurückgebliebene Knochen.*) 

ri» weiteres ^Miieinsamefl Moment, sowohl hei den Gräberfeldern der 
III , aJi denen der vorhergehenden Kulturgruppe, bilden die in «reiten 
t iukrci.se um den ''mrntlichen Begräbnisplatz sich hinziehenden Brantl- 
(•lätze. Ib. eh bilden diese kein in sich geschlossenes Ganze, sondern .sind 
ofl dort h beträchtliche Stücke ungebrannten Erdbodens unterbrochen. 
Die Grösse ist eine sehr verschiedene; kleinere und grossem Plätze 
wechseln in bunter Folge. In Mingfeu begannen sie unmittelbar am 
(«räberfelde und erstreckten sich etwa 100 in weit iiHch Süden und ungefähr 
50 bzw. 40 in weit nach Osten und Westen. 

in lagen die Verhältnisse in l'rus*diinnwpii-\Volkii; donfc war 

i die Ausdehnung der Brandplfitse noch eine weil beträchtlichere. 

Noch mehr gilt dies von Sdorren. wo in einer Entfernung von etwa 250 m 

i Brandstellen vorkamen. In Kl. Puppen, woselbst sie oft bis an 

'iherrlächo »eichten, erschien der Erdboden auf weite Strecken hin 

beinpft von ihnen. Auch in Sternwalde und Wuldersee IH beobachtete 

Eeb K d< In unterhalb des Friedhofs liegende Brandstellen und nur von 

Alt-Mtini'u\ru vermag ich keine Angaben zu machen, weil die Zeit der 

Dntenuchung eine zu beschränkte war, als dass ich darauf hin hatte 

n anstellen könneu. 

Auch innerhalb der Graberfehler kommen Brandstellen vor, in 

welchen ebenso wie in den ausserhalb befindlichen keine Spur einer Bci- 

etWDg sieh vorfindet. Hinsichtlich ihrer Forin lassen sich keine all- 

renieiii giltigen Regeln fassen, dieselbe hat sich wohl immer aus dem 



K 

II 



: 



I) Hoydeck uud Bojar I: bezeichnen solche losen Knoclieulifttifchen in 
undbericht«n atoU als Depot. 

WA hierüber Moythienon 12. 



ihren bxw. 



15-2 



Uulliiok: 



jeweiligen Bedürfnis heraus ergeben. Wenn Ilujjtck in Bindungen 1 ) sine 
grössere Anzahl kreisförmiger „ As< ■lienstflleii" erwähnt, so hat wohl 
auch" liier keim- Ahsüditlichkeit vorgewaltet, sondern nur eine mehr oder 
minder rundliche Form den Forscher getäuscht. 

Die Knochen sind nicht immer sorgfältig aus der Grube entfernt 
worden; in allen zur III. Gruppe gehörigen Gräberfeldern bzw. Gräber- 
feldteilcn, welche ich persönlich kennen lernte, besonders aber in Miugfen, 
hatte man viele Knochenreste zurückgelassen. Dasa es sich nicht um 
Bestattungen handelte, war aus dem Durcheinander von geschwärzter Erde, 
bzw. Asche, Kihm-Iumi und Hidzkohlen deutlich erkennbar. Tischler^ 
hält diese ßruiidgnihen für eine besondere Art der Bestattung in freier 
Knie, indem er annimmt, das» die Oberreste des Brandes: Erde, Asche, 
Knochen oder Schmucksachen unsortiert in eine (Jrube geworfen wären. 
Auf rnasuriscbc Gräberfelder angewandt, kann mau diesen Satz nicht in 
seiner Allgemeinheit gelten lassen. Es handelt eich lediglich in den 
meisten Fällen nur um Restbestände in Verbrennungsherdeu, als welch' 
letztere man nicht nur die ausserhalb des Friedhofs befindlichen Brand- 
stellen, sondern auch die innerhalb vorkommenden Stellen gebrannter 
Erde vielfach ansprechen muss. Bujack notierte 1 >s;i in Burdungen 
1!» Braiidgrubeii ohne Knochen und Beigaben und 15 Gruben mit Asche, 
Kohlen und verbrannten Knochen ohne Beigaben 3 ). Er spricht ßie 
alle als Gräber an, was hinsichtlich der 11' Gruben ohne Knochen wohl 
ols irrig zurückgewiesen werden muss und auch hinsichtlich der 15 Gruben 
mit Knochen mit Vorsicht aufzunehmen ist, da aus dem Bericht nicht 
hervorgeht, ob die Knochen in Häufchen gelogen haben oder in wirrem 
Durcheinander in der Grube gebettet gewesen sind. 

Die Tiefe der Gräber und Brandstellen der dritten Gruppe ist im Durch- 
schnitt eine geringe, II eydeek notiert in Pietraseheu*) etwa 14 Gefässe, dir 
mit ihrer Stellfläche OfiOm tief unter dem Riiseu sich befanden. Bujack 
mneht von dem Restgräberfelde bei Scheufelsdorf die Bemerkung, dasa die 
Urnen ausserordentlich flach gestanden haben müssen; denn ein noch ge- 
fundener Topfboden stund nur 20cm unter der Grasnarbe ). In Friedericken- 
hain*) befand sich das Gräberfeld auf einem Snndplan im Walde. Nachdem 
dieser abgeholzt war, wehte der Wind den Sand von den Urnen und 
verwebte die alte Begräbnisstätte in kurzer Zeit. Die Beisetzung muss 
also auch liier eine sehr Hache gewesen sein. InBurduiigeu Ingen die Gruben 
83 — 40 am unter der Oberfläche, so dass ein flach gestellter Pflug schon 
zur Auffindung der Grabstätten genügte*). Etwas tiefer haben einige 
Daumer-Uriien gestanden; denn Heydeck fand solche auch noch in nahezu 
1 m Tiefe; doch stellte er auch viele Urnen fest, welche beim Ackern 



1) B. P. IX. 148 ff. 

•>) Bert. Kat. S. |0a 

3) B. P. IX 149 ff, 

4) ». a. O. V :■ 

:.) ä. ,i. 0., IX 147. 
C) B. P. IX 147. 
7) I. a. 0. IX 148. 



Graliformcu ostpreusxforlicr Gräberfelder. 



153 



abgcpHügt waren 1 ). In Kellaren betrug die Tiefe — bis zum GeftUs- 

I »o<JeH iToreelinet in d'*n meiaten Fallen etwa 60 OH und nur einigem;'! 

war waso Tiefe zu verzeichnen, ßozz enberger, welcher 

kurz nach mir daaeelbe üräberfeld untersuchte und die Angabe der Tiefe 

immer auf den Rand der introtfenden Urne bezieht, notiert folgende 

Katern 20 4... ;>a ;;:;, U [84$ 20, 40, -in, 65, 27, 30, 50, 70, 90, 86, 50 

50, Bfreeti In zwei weiteren Fallen standen «Hb Urnenfragmente bo 

ausseruplentlich flach, »las» sich die Angabe von Zahlen Cur die Tiefe 

*') In Lehlesken fand Bujack die Knochen-, Aschenhaufen und 

Urnen 10—4*1 cm uut.-i der Oberfläche 11 ). In Kl. Ottern kamen mundlicher 

Tradition zufolge die Fundstüeke durch «las Scharren eines Kindes zum 

Bei »lern nachrömischen Or&berfcldteil von Kl. Puppen stellte 

i<h folgende Tiefen fest (die Tiefen beziehen sich hier auf den Rand des 

Geflam): je einmal 80 und 35, je zwölfmal 40 und je fünfmal 50 an. 

YeiM'hi.'lenemal standen die Urnen noch flacher und waren zum Teil 

»um Pfluge zerstört, so dass von einer Messung abgesehen werden konnte. 

Dieselben TiefenTerhiltaisse wiesen mich Bdorren, PmsohJnowen-Wolki 

Alt-Muntoweu und Mingfen auf. 

Die litten und Knochenhaufen der dritten (Sruppe befinden sich fast 
muner in brandfreiem Boden. Nur selten kommt es vor, dass die Beisetzung 
iu 4er Brandstelle selber erfolgt ist. Diese von Bujack in Lehleeken zuerst 
Beobachtung*) lmt sich seitdem fast ausnahmslos wiederholt. 
Hein Sdorror Gräberfeld entmthrn ich 119 geschlossene Funde. In US 
waren die Beisetzungen von dem reinem Sande umgeben, der den 
Roden dieses I irähorfeldes bildet, und nur siebenmal befanden sieh die 
Objekte in gebrannter Erde, bzw. in mit Kohle durchmischtem Sande. 
Hiervon «hui aber noch zwei Funde (die Nr. 19 und 21) abzuziehen; denn 
keine Beisetzungen, sondern vergessene oder absichtlich liegen 
gelassene Gegenstände in Brandgruben. Bei Nr. 19 handelte ob sich um 
[rflrtehriemenstücke, ein Eisenstückchen, eine Uruenscherbo und vor- 
BÜUcelte Knochen, die 2 m tief in 9ehr schwarzer von Kohlen durch- 
setzter Erde lagen, bei Nr. 21 um eine 40 cm tief in schwarzer Kohlen- 
erde befindliche Riemenzunge. In Kl. Puppen war die Beisetzung aus- 
nahmslos im weissen Sande erfolgt, wie auch in Sternwalde, Alt-Muntowen 
and Pruschitmwen-Wolka. In Kellaren fand Bozzenberger alle Funde 
ausser in 2 Fällen, wo die Urnen im kühligem Roden standen, von weissem 
le eingeben*). Wenn ich*) in meinem Fundbericht sage, dass nach 
dieser Richtung hin von einer Einheitlichkeit dor Beisetzung der von mir 
ausgegrabenen Urnen in Kellaren nicht gesprochen werden könne, so be- 



M a. ». O., XIX 4% 
3» *, ». O.. XXI, 8; li» ff. u. 186 ff. 
3) a. % O., VI M, 

-1) Es hudelt sich hier um Gelegcuheitöfundo von olnetD Platt, der uicht untersucht 
orilen ist. 

6) «. P. V T*J. 

<i ». a. O., XXI IST. 

7) «. o. 0., XXI !<;: 



1.'.4 



H-llark 



finde ich mich wohl in einem Irrtum: BS \v;ir meine eiste Ausgrabung ÜB 
S&den der Proyins und habe ich liier, de ganze Partien des Gräberfeldes 
tiuaserdem nicht mehr intakt waren, die allgemeinen Finidvri 'hAltaisse 
nach dieser Rieht uiil; hin noch nicht so genau beurteilt, wie ich beut* 
wünschte, es getan zu haben. In Minuten hatten die Ifensefaea dei 
römischen Kultur ein beträchtliches Stück ihres Friedhofs auf dem Urnen- 
felde der vorhergehenden Kulturgruppe angelegt. Soweit dieses Teil in 
Betracht kommt, kamen demnach die geschilderten eharflkteristiBOben 
Merkmale nicht so scharf zum Aufdruck wie bei den andern Feldern. 
Die Erde wer vielfach durchmischt oder rauchgeschwärzt, wie sie in 
<iräbeni der rttmiaehen Periode vorherrscht, was sich aber mit einem 
Bchlage änderte, als die Stelle erreicht war, bei welcher dae ältere (Jrflber- 
feU endigte. Von hier ab standen alle Urnen der nachrömischen Kultur- 
gruppe in völlig brandfreiem Boden. 

Wesentlich anders haben die allgemeinen Bestattungsverlnünjis^e in 
Kui'lungcn gelegen, woselbst alle nachweislichen Gräber in Aschengruben. 
worunter Bujnck wohl Brandstellen, wie die beschriebenen, versteht, un- 
gelegt waren. Seine Besehreibung derselben, ohwohl recht ausführlich. 
ist etwas unklar. Er unterscheidet /.wischen Branderde und Asche, WAfl 
ohne genaue chemische Untersuchung, auf blossen Augenschein hin. nii h: 
gut möglich ist. Um ein genaues Urteil zu ermöglichen u\it\ weil seni 
Fnndberioht bereite vergriffen ist, las.se ich die betreffende Stellt- wörtlich 
folgen : 

„n) 19 Gruben mit Brnnderde, Asche und Holzkohlen. 

h) 15 Gruben mit Asche. Kohlen und verbrannten Knochen. 

e) 35 Gruben mit Asche, verbrannten Knochen und Beigeben. 

Die Gruben lagen 83 — 40«*! unter der Oberfläche, nur eine hatte 
eine teilweise Deckung von Steinen, dio durch Brand geschwärzt worden 
waren, in einer andern lag in der untersten Aachensehieht ein vom Brande 
geplatzter Stein; sonst waren keine Steine beigegeben. Ein besonderes 
Gi-setz, diiss diu mit Beigaben ausgestatteten Gruben grösser wareu nls 
dio Aschenplätze ohne verbrannte Knochen oder mit solchen, stellte sich 
Dicht heraus" 1 ) (folgt die Angebe einzelner Dimensionen ). 

In Koslnu stellte Heydeck Verhältnisse fest, wie ich sie späterhin 
auch in Mingfen vorgefunden habe, wenigstens zu einem Teil. Spätere. 
also wohl nachromische Beisetzungen, waren zum Teil in frühere hinein- 
geschoben und dadurch dio vorhergegangenen zerstört worden*). 

Hinsichtlich der Dichtigkeit der Beisetzung gilt für die Felder der dritten 
Gruppe das folgende: Die Urnen stehen dichtgedrängt nebeneinander; nah- 
unter isi BOgfil eine mif die andere gesetzt worden. Hierdurch findet man in 
Bebr vielen Fällen eine von der andern zerdrückt vor. Durch diesen l instand 
entsteht eine grosse Unbequemlichkeit ffir die Ausgrabung, weil man, um 
eine Urne zu retten, bei deti Abrnuniungsarbeiten sehr leicht der Uefiihr 
ausgesetzt wird, unversehens ein noch schöneres Exemplar zu zerstören. 



I) B. P. IX 148/149. 

i. 0., XVI I 171. 



ürabfurnit'ii ostprenssisdier firabcrfeNIcr. 



155 



r KirtaltangraaBtand W TieJfael ein sehr schlechter, was scliou dusch 

Baaha Stellung in der Erde allein bedingt wird. Der winterliche 

der Pflog und die Baum- und Graswurzeln sind die Feinde der 

rnen. Weil die letzteren kleine Wasserbehälter bilden und der Stiekstott"- 

gaholt der Knochen die Pfliinzen anzieht, bilden die Baum- und 

Iranern oft ein sehr dichtes Gewebe, das sich in den Urnen 

alubreitet, sie durchwächst, und ofi giin/.lirh zerstört. So fand Ileydeck 

Pietraschen fast alle Ge fasse in ganz kleine Scherben /.erbrochen vor. 

ich Bujack stiess in Burdungen auf kein erhaltenes Gefäss, sondern 

auf Scherben. Auch die Lehlesker Ausgrabung förderte nur ein er- 

Itenefl Betts* m Foge. Qu so glücklicher gestalteten sich meine Aus- 

u'rabuin: " i. Sowohl Kollarcn, als Sdorren, Pruschinowcn-Wolku, Stein 

walde, Kl. Puppen and Mingfen lieferten eine grosse Anzahl von l'rnwi 

und Qeftuen, wodurch erstens für die Typologie des ostpreussischen 

Grnenmaterlalfl and zweitens für die Chronologie der in Frage kommenden 

Kultur vettere wesentliche Fingerzeige gewonnen wurden, 

Die Qrosse der Qr&berfelder ist durchweg eine beträchtliche; doeli 

nicht möglich, eine Durchschnittszahl über die Anzahl der Be- 

aungeben. weil es erstlich nioh feststeht, ob die Ausgrabungen 

inih.i .r .lilin völlig erschöpfende gewesen sind, weil ferner der Saab ban 

tftafc grosse Strecken vernichtet hat und weil drittens infolge der 

flachen Bestattungen viele (»ruber der Ackeri;uirur zum Opfer gefullen 

Bind. Demnaofa Bind selbst im günstigsten Falle immer nur bescheiden. 

sttet worden. Die nachfolgenden Ziffern geben daebalb nicht 

die liiiii.' der Bestartungen an, sondern nur die durch die Ausgrabung 

retteten Resl bestand». 

1. Damnen. rleydecks Ausgrabung ergab !■"»•' Gräber, ausserdem 
eine beträchtliche Anzahl von Streufunden um! solchen Gesamt- Gral, - 

nden. welche teil- vor. teils nach der Untersuchung zum Vorschein ge- 
n sind. ... Im ganzen konnten nach erfahrungsrnäsaigor Schätzuu- 
Beisetzungen stattgefunden haben." ') 

2. Kellaren. Meine Ausgrabung ergab 107, Bezzenbergers 30 
ii, in Summa also 137. Bestaube rger bemerkt im Fand- 

ill: „Weder darefa 1 1 •> llaclcs noch durch meine Ausgrabung ist 

Las Gräberfeld erschöpft, was besonders durch ein Probegraben erwiesen 

unle das ich im Ueliiet der Nummern XIX. XX \XIII und XXIV 

ihm .--'; Ergänzend füge ich noch folgende Sätze aus meinen Fund- 

BOfnafl hinzu: „Zahlreiche kleine auf der Oberfläche zerstreut liegende 

l rneueehexbea un«l Knochenstiickchen deuteten in, dasa bereits vor mir 

teil der Gegenstand von L'utersuehungen gewesen sein müsse. 

hatten solche in der Tat von privater Seite aus bereits stattgefunden." 

3. Sdorren. Wie oben erwähnt 117 Gräber, sowie ein grösserer 
«1 ein kleinerer Fand, die keiner Bestattung angehörten. I)n vor mir 

Bajaok gearbeitet hatte, ausserdem bereits von privater Seite aus 







156 



Hollack; 



gegraben war, handelte es sich hei meiner Ausgrabung ihm um Bitten 
■ehr bescheidenen Rest eines ehemals sehr gross gewesenen Glfber- 
feldes. 

4. Hisgfen. 161 Bestattungen. 

Auch Kl. Flippen, Sternwalde und Pruschinowen-Wolka bewegen sich 
in ähnlichen Ziffern. Bevor jedoch mit der allgemeinen Charakter!- 
dei Yölkorwandeniiii^raber im äussersten Süden Ostpreussens geschlossen 
werden kann, sei noch auf ein allen gemeinsames. negative! 
Moment li ingowiesen; sie enthalten keine Waffen. 

Was die grossen Grflberreihen der vorhergehenden Periode, also die 
sogenannten römischen Gräberfelder, dieses Gebiets (Kulturgruppe II 
anlangt, so treten nach dieser Absichtlich so ausführlich gehaltenen Dar- 
stellung: der Gräber der III. Kulturgruppe ihre hauptcharakteristisch' n 
Merkmale scharf hervor, wenn mau die Unterschiede kurz hervorhebt. 

I. Beisetzungen in Brandgruben, durchmischter Erde und ganz 
Bändigern Boden wechselu hier in bunter Folge. Wahrend, wie gezeigt 
worden ist. die Brandgrubenbeiserzung in den Gräbern der III. Kultur- 
gruppe die Ausnahme bildet. 

IL Dil« Tü'fenverhaltnisse bei II sind im allgemeinen viel !>>■- 
irüeht liebere — im Durchschnitt "/* — I m Tiefe — als die hei III. 

IN. In den Brandstellen bei II findet sich mir ab und zu ein ver- 
einzelter Knochen, während die Brandstellen bei III oft gespickt von 
verbrannten Knochen sind, auch die ausserhalb des Friedhofs befind- 
lichen. 

IV. Die Knochen der Gruppe II sind schlechter verbrannt und füllen 
die Drne oft bis zu n / t ihres Inhalts, während in den Gräbern der 
EH. Gruppe die Knochen gilt verbrannt sind und mitunter kaum deu 
Boden der Urne füllen 1 ). 

Aus den allgemeinen Beisetziingsverhaltnisseii allein schon ergibt sich 
demnach ein grosser Unterschied zwischen den Gräberfeldern beider 
Gruppen. Dieser Gegensatz wird verstärkt durch die Tatsache, dMfl an 
Orten, wo auf einem Gräberfeldc beide Kulturen vorkommen, keine 
Übergänge von einer zur andern Gruppe im Bestottungsmodus vorkommen, 
sondern dass das nacbroiniatln Gräberfeld ganz unvermittelt neben dem 
altern liegt. So habe ichs beobachtet in Sternwalde und Kl. Puppen. 
In Sternwalde lagen die nachrömischen Gräber unmittelbar neben den 
älteren. In Kl. Puppen schob sich zwischen beide (s. o.) eine rauch- 
geschwärzte, neutrale Zone von 2 — 3 m Breite, die ein Depot rundlicher 
St. 'ine enthielt. In Sdorreu und AH-Muntowen, wo auch beide Kulturen 
vorkommen, habe ich das örtliche Verhältnis beider zu einander nicht 
genau beobachten können, weil private Ausbeutungen dies vereitelten"). 
Die ersten diesbezüglichen Beobachtungen habe ich in Pruschinowen-Wolka 
iind Babienten gemacht. Das nachrömischc Gräberfeld des erstgenannten 
Orts lag ungefähr l / 3 km von dem römischen Graberfelde des zweiten 
ontfernt. Die Urnen von Pruschinowen-Wolka standen nun so flach, dass 



1) Zu I— IV vgl. Movthicaen S. Jl/12, 

*2) Über die besonders charakteristischen Verhältnisse in MiDgfevi S. unten S. -'>. 



Grabformon ostpivussi>r-her Gräberfelder. 



157 



renohiedene tou ihnen mit den blossen Händen herausgeacbarrt werden 
konnten; dagegen mussten in Babienten, um 1— "2 Urnen zu retten, immer 
Gruben von */ 4 m im Geviert und 1 i / i — *J m Tiefe gemacht werden. Da 
sieh diese Fundvorhaltnisse, je naoh der betreffenden Kultur, immer 
wiederholt haben, so wird man zu dem zwingenden Schlüsse geführt. 
bierin keine Zufälligkeiten, sondern eine bewusst geübte lirnherarchitektur 
zu erblicken. 

Ein grosser. Gegensata herrscht ferner in der Form und Gross»' dei 
Urnen, vrelober sc bedeutend ist, dess einige auf dem Acker zerstreut 
liegende Scherben .-«.hon genügen, um einen sichern Schluss auf das 
nmngrebeBde Inventar ziehen zu können und verweise ich hier auf die 
Darstellung in Moythiencn 8. 13 ff., nebst Abbildung 6 — 18 und 
Tafel XII. Kurz wiederholend beschränke ich mich deshalb auf die 
Bemerkung, dass die Urnen der römischen Kulturgruppe im Durchschnitt 
w.'it irrerer und stärker gearbeitet sind als die der nachrömiachen. dflM 
dort häufig Urnendeckel vorkommen, hier aber fast gar nicht, dasa von 
i-iiier Ornamentik dort so gut wie gar keine Rede ist. hier aber die 
G «fasse sehr oft dekorativ ausgeschmückt sind und dasB hier hüuRg 
totsten einen ovalen, bzw. rechteckigen Ein- oder Ausschnitt am Rande 
haben, der öfters durch eine entsprechende Öffnung in der Mitte der 
Wendung ersetzt ist. 

Ebenso sehr ist das Beisetzungsinventar von einander unterschieden 
d verweise ich auch mit Bezugnahme hierauf auf dio Nobenoinander- 
stellmig der Inventarieu beider Kulturen in Moythienen S. 21 ff. Inso- 
fern jede der beiden Gruppen ihren ganz bestimmten Formenkreis hat 
und ein Hin- und Herwechseln typischer Gegenstande uicht stattfindet, 
meofern sind diese beiden Kulturgruppen ein vomhrlirher Periodenmesser 
der grossen nachchristlichen iiruberfelder Ostpreussens, besonders mit 

.nähme auf strittige Formen der Tischlerscheu Abteilungen C und 
1). Auch hier muss ich mich beschränken, nur ganz Wuchtig die Ilaupi- 
typen beider Kulturen zu streifen. 

Die römische Kulturgruppe onthült von Fibeln die Armbrustfibol mit 
geschlagenem Fuss 1 ), die Armbrustsprossentibel ohne Spirale und mit 
Nadelschoide"), Sprosseufibeln wie Moythienen Tafel VII Nr. 57, X 5ü, 
IH b, YILWinb, Fibeln mit breitem Bügel und Rollenhalse"), die den 
Aniihnisthhfdn mit umgeschlagenem Fuss sehr ähnlichen Aruibriisttibelii 
mal niedriger oder auch hoher Nadelscheide*) u. s. w. Ferner kommen 
nur in dieser Kulturgruppe vor römische Münzen, achtförmige Bernstein- 
anli;inger a J und Bronzen mit Emaileinlage 1 ). Typisch für diese Kultur 



: 






1) Moythienen, Abb. 20 u. Tafel I öa, b, <•, VII 43 a 1, 5, VII ÖS, X 71 c 1, 2, 
TT. TOa, 74b, 7i'a. 

2) a. a. 0, Abb. 21 

3) a. a. O., Abb. 2:t u. Tafel IV H8. 
! ktorthienen Abb. 25 und Taf. VI 11. i, VII 42a. 
'.) a. a. O, Taf. 1 lid, X 83 b 1, % 
<",) a. a. 0., FubcnUfcl und Taf. VI. ferner Abb. 32-85 



i;.8 



Holtet 



simi ausserdem Haarnadeln — ram Teil fnil verdicktem Koni" 1 ) — und 
von Waffen die La tue, der Spies», das Messer, der Srhild- 
huckel, sehr viel seltener das Schwert. *) Die ganze Kultur Süssen 
sich in einer soliden Technik, und es ist l>is zum Schluss ungeschwächt ein 
Konnex mit «Irr rnmi*clien Provinzial-Kultur zu spüren. 

l>;is Inventar ■ 1 • ■ i* Qr&bei der nacbromischon Zeit ist ein hiervon - 
verschiedenes. Wie Waffenfunde fast nicht mehr vorkommen, Ml rflM] 
auch die römischen Mflnzen, die erwähnten Fihelformen, die achtförmigen 
Bernsteinanhänger und die emaillierten Bronzen verschwunden: forner i-t 
fast ^iinz ilic solide Technik verschwunden, welche die ▼oAergshende 
Periode auszeichnete. Es gilt für die Technik der nuusurisch-nachrüniischeii 
Zeit das. was Sophus Muller') von den entsprechenden Funden des 
Nordens sagt: „Eine merkwürdige Verfeinerung tritt überall zu Tage. . . 
Die Formen und Ornamente sind so verfeinert und abgeglättet, das« mar 
fast in Verlegenheit geT&t, wenn man bestimmt«' Züge nachweisen eoll. 
Leicht vertiefte Linien, Kreise, Halbbogen, Tremolierstiche bilden eifli 
nette, aber fluchtige Dekoration. Viele der Arbeiten sind so dfinn und 
zerbrechlich, dass sie kaum zu praktischem Gebrauch geeignet er- 
scheinen." 

Unter den Fibeln kommen einige Stilformon vor: I. die aus der 
Aiiubrustforni der vorhergehenden Periode hervorgegangene Fibel mit 
kurzem Nadolhalter und ihre A'nrianten, II. die tierornamentierte Spangeu- 
iihel, III. difl Scheibenfibel*), IV. Fibeln mir, aufgesetzten Tierkörpern, und 
zwar unter letztern hauptsächlich wieder die in Kellaren, Mingfen. Sdorren 
und Prusehinowcn-Wolka auftretende Vogelform*). Vereinzelt (Sdorren) 
erscheint auch eine Fibel in Gestalt eines Stieres"). 

Zieht, man I. den grundverschiedenen BestattungsiuM.lus. 11. die eben- 
sogrosse Verschiedenheit der Invenrarc, III. die scharfe Trennung beider 
Kulturell und IV. den unvermittelten seh ruften Übergang in Betracht; W 
gebt daraus hervor, dass ni.in es liier im Sil den der Pnninz mit den 
Cberrestni zweier Vfdker zu tun hat, die zu verschiedener Zeit das 
beutige Maatiren und Süd-Ermland bewohnt haben. Besonders überzeugend 
ist für mich die Ausgrabung der Mingfer Graberfelder gewesen, und gebe 
ich die Movthiencn S. IM) gemachten Abführungen Wörtlich wieder: „Hier 
lagen auf einem beträchtlich. >n Teil des Grfiberfeldea beide 
Kulturen überei uander. Gruppe II (die römische) war an dieser 
Stelle zum Teil zerstört. Ihren Urnen fehlten meistens Rand und Hals, 
öfters war auch nur der untere Teil mit den Knochen vorhanden. In 
einigen Fallen standen die D.-H.-l'nien direkt auf den Knochen der B.-O. 
Brnppe in den noch erhaltenen Uniciifragiueuten derselben. Wieder in 
andern Fällen hatte der Mensch der Gruppe IH die Aschenurne von II 



1) a, a. 0., AM». fl :.|. 

2) a. n. 0-, Tnf. II, III, IV. V. VII. VIII, IX X, M 
:;) Nnr.li^cJiy Altert umskunde II BS. 

4) vgl. Muythiciicii All. Bö— 38, 41—1 '.. 

:.. U. ? Abb. IM 

G ■. *. 0, Abb. '■:». 




Qrabfbrnen oatprcussitclter Gräberfelder. 



.. i>i Magen, die Scherben liegen gelassen und darauf die Aschenurae 
■einer Qrapp< '. Ware der Friedhof der D.-K. -Gruppe nur die 

zung des Friedhofs der B.-C. -Gruppe gewesen, so lässt sich un- 
goakshtl der Pietät der Alten ihren Toten gegenüber, deren Ausdruck 
$ehr oft in den reichen Beigaben findet, die Zerstörung 9m 
altem Teils /um Zweck der Anlüge Bettes G ruber schlechterdings nicht 
erklären. Man wird dadurch eu der Annahme geführt, dasa sich ein 
uevoe Volk auf den Wofanplfttzen eines früheren Volkes niedergelassen 
luitt-'. gegen dessen Tote »•*. keine Pietät zu üben schuldig war und deren 
r man behufs Anlage neuer Gräber einfach zerstörte. u 
Wem man ferMr findet, dass an andern Orten (Sternwald. \ 
Kl. Puppen, Alt-Muntowon uud Sdorren) sich die Friedhofe beider 
tiruppL'ii unmittelbar nebeneinander befinden oder in geringer Entfernung 
v-n-W olka und Babientan] von einander angelegt sind, so 
Dan den Grund hiervon doch nur darin finden, dass hier eine be- 
oraeste Ahsichtlichkeit zum Ausdrnck kommt, dass dies kpin Zufall ist, 
sondern da.«* ihr Mensch der nuchrÖmischeii Zeil die Friedhnfsgegend der 
lu u Epoche als am geeignetsten auch für die Anlage seiner Gräber 
1 etnehtet haben muss. Diese altern Begräbnisplätze müssen ihm also 
aller Orten bekannt gewesen sein. 1 ) Er muss sich also, wenn nicht un- 
mittelbar, so doch in nicht viol späterer Zeit in den alten AVolinstüttni. 
ren Nähe sosshaft gemacht haben. 
„Wie lange diese Kulturperiode im Süden «1er Provinz angedauert 
ii :_ Keht noch dabin, weil yrössen» i iniberfolder mit noch späterem 
H dort nicht aufgefunden worden sind. Zwar stiess ich im Herbst 
hei Dimmern-Wolkn und Ruiiimy auf schön dekorierte Scherben, 
Spuren ron Drehscheibenarbeit aufzuweisen scliieuen und die ich 
all spaibeidnisch ansprechen möchte; doch handelte e^ sich in beiden 
n um Gräberfelder, die durch den Pflug völlig zerstört waren und 
i ein vollständiges Gcföss, noch irgend eine Beigabe enthielten. 
Wahrsoheinliefa erhielt sich die.se Kultur noch jahrhundertelang im Süden 
""t!/.. als an andern Stellen bereits neue Formen sieh eingebürgert 
betten. Zieht man für die beiden Kulturgruppen II und III das Fach, 
lieh fflr die letztere ein unaufhörlich fortschreitender Nieder- 
der. unbeeinflusst von hohem Kulturstromungen, in seiner weitern 
Entwicklung an Überlieferten Formen festhält und dieselben je langer, je 
mehr bai gestaltet, fflr II dagegen ein Konnex mit der römischen 

Pro! inzialknlturwelt, dessen Kinfluss bis zum ScNttsfl ungeschwächt zu 
i ist*. Zu dieser Stellungnahme, die ich wörtlich dorn Moythiencr 
Buch (8. 38) entnehme und die ich vollinhaltlich auch heute Tertrete, 
gelangt man durch alleinige Berücksichtigung der beschriebenen Grab- 
formen und ihrer Funde, doch bleibt die Frage, wer die Leute waren, die 
um römischer und naohrömischer Zeit den äussersten Süden der 
r*rovinst bewohnt haben, dann noch immer offen. 



1) E* sei BOSS darauf verwiesen, daaö auch in Koslau, wie Hejdvck >. o.) nach- 
weist, sich jüngere rjrfilicr in alten hineinschieben und dass in WaldenM III sowohl 
lemische, wie oschrömische Gegenstand* gleichfalls vorkommen. 



169 



IUI:-!.. 



einander gelegter Steine gebildet In der Mitto lag ein mächiiu-^r Deck- 
afein, unter dem sich ein gleichfalls vier Schichten 9tarke* Bteinpflastsi 
befand. Unter letzterem standen einige Omen, welche von Steinen 

wiederum seitlich umgehen waren. Weiten* Irnen befanden sieh auch 
in lindern Teilen des Hügels. Bei tirabhügel IV waren die zwei innen. 
Kranze von zwei Schichten fnustgroasor Steine gebildet, auch die ininn 
Kin^e des fünften Hügel* waren zweifach, die des sechsten dreifach, DU 
Snaaeren Ringe waren in allen diesen Fallen nur aus einzeln gelegt« n 
Steinen zusammengefagt. Von Grabhügel VII heisst es, claaa die s ■ 
lies äusseren Kimm/»- grosser gewesen wären, als in den übrigen Gri 
denn der -ni>sto Teil habe die Crosse- von mittleren Ecksteinblöokeil 
gehabt. Einen diesen Hügeln ähnlichen Hau scheint auch VIII 
gehabt au haben. In Qrabhftgel IX lagen die Steine am Hände in awei 
Schichten, in den Innern Kreisen drei Schichten lief, (irahhfigel X. 
welcher zur Entdeckung des Gr&bfeldea geführt liatte, war zerstört. 

Was die Stellung der Urnen anlangt, so geht die Beschreibung zum 
-ro.-.-' 11 I'eil dennaasaeu ins Spezielle, dass es im Rahmen einiger Sätze 
uiebt moglieh ist, hauptohanikteristiseho Momoute herauszuziehen; dott 
scheint es da<s si<- grösstenteils wohl innerhalb der innersten s 
tunwallung gestanden hahen durften. 

Die Höhe der Hügel war eine geringe; sie betrug hei 1 — 111 je 80. 
bei IV 87 5 bei V 70, bei VII 25 6m. Von den ultngen Hügeln fehlen 
spezielle Angaben, nur bei IX heisst es noch, dass die Erhebung g&itt 

schwach gewesen .-< i 

In allen, mit Ausnahme der zerstörten X. befunden sieh Kohlen- 
stiiekchen und Aschenschicbteu, die wohl sämtlich von innerhalb der 
Hügel angelegten Brandulätzen herrührten. Als besonders angelegi 
Brandplntze spricht Bujack die Nr. 1 und 2 an; denn diese enthielten 
keine Asehengefässe mit verbrauuteu Knochen, sondern nur Branderde; 
Nr. 2 ausserdem als einzig im Oriiberfeld gefundene Waffe eine 30 
lange eiserne Speerspitze mit Brat. 

Ungefähr eine Meile nördlich von Uotebude liegen die Ortschaften 
(irunevken, Alt- und Neu Bodsohwingken und Kettenberg. Bei allen 
befinden sich heidnische Begr&bnisplätze, doch kommt Kettenberg für 
vorliegende Arbeit weiter Dicht in Betracht, da bislang nui altere Gräber 
dort nachgewiesen worden sind, die in die bronzezeitliche Hügelgräber- 
form überzugehen scheinen. Von den drei (Ihrigen gilt dasselbe, was bei 
einigen masurisehon Gräberfeldern miehgewiesen ist: sie enthalten sowohl 
Formen des römischen, wie nnchromi sehen Kulturkreises. Da jedoch 
eine grosse Reihe von Fernen nur Gelegenheiisinnde »ind und die 
wirklich ausgegrabenen Gegenstände nur einer verhältnismässig geringen 
Zahl veii Gräbern angehören, sieht es dahin, ob und inwieweit ein Unter- 
schied im Bestnttungsmodus der römischen und nachromisefoeo Gräber 
bestanden hat. .Manches dental allerdings in Grunejken darauf hin. dajM 
auch hier beide Kulturen einen von einander abweichenden Bestattungsmodus 
aufgewiesen haben Tischler sagt darnbor*); „Die Einrichtung der 






.;. XIX lol. 



Grabformen ostpreussUcher Gräberfelder. 



163 



6 1* ist keine ganz gl ei eh in da» i £e uml ^e heu die Beschreibungen 
er verschiedenen Hei i< hterstatter in einzelnen Punkten etwas 



du 




der 



aufeinander. Nach genau einbezogenen Erkundigungen glaube 

weniger einer ungenauen Auffassung zuschreiben zu 

üteeii als den Qmstande, dass wahrend dos langen Zeitraums, 

uaii - 1 »■ tu Felde zuschreiben kann, wirklich Verändurungeu 

Grabesbau it&ttgefandeo haben 1 ). Darin stimmen alle übereil), 

ie Grr&ber fiusserlich als schwache Kodenerhebungen von 5 — 10 Fuss 

Durchmesser hervortreten, welche vielfach von einem äteinkranze um- 

geben und durch einen Stein im Zentrum gekennzeichnet sind. Natürlich 

l diese ron aussen sichtbaren Kennzeichen meistens bereits fort- 

genomrnen ond mau kann nun nicht mehr wissen, ob sie die Regel 

dldetea. Diehl unter der Oberfläche beiindet sich eine einfache Stein* 

;c ('_'- -1 vi Durchmesser, manchmal sogar noch grösser), unter welcher 

um die < .Jrahurnon stehen bis zu einer Tiefe voü 5 Fuss (1,5 m). Es 

rherbergt nämlich ein Grab, welches sich durch seiuen ganzen Bau als 

in im siefa abgeschlossenes kennzeichnet, oft mehrere Be^rabnisurnen. . . . 

Wir hallen <•* also wahrscheinlich mit Familiengräbern */u tun, Ober die 

■i nach Beisetzung des letzten Mitgliedes die schätzende Steindecke in 

[er am fiberkommenen Form ausgebreitet wurde. In den bei weitem 

meisten Fellen wurden die Asohenurnen, die im einzelnen Grabe ziemlich 

dasselbe Nireau einhielten, noch durch eine besondere steiupackung 

--■hützt; um sie hemm wnr eine Schicht von kleinen Steinen gehäuft 

und darüber ein kleiner Deckstein gelegt." 

Ähnlich waren der ßestattungsniodus und die Grabformen in Alt- 
BodKchwingken. Auch hier markierten schwache Erderhebungen die 
Grftberstellen. Die Urnen waren mit Steinen umstellt und mit einer 
leite sugedeokt. Abweichend von Orunevken enthielt jedes Grab nur 
eine I Hie. \\\ Grab X lagen die Knochen in freier Erde. In den Gruben 
fand sicli immer schwarze Erde.*). 

ähnliche Btempackongen auch stellte Tischler in Gr. Streuseln I 

|. -t. dagegen fehlten diese meistens in dem nahe gelegenen zweiten 

_-< lur Griihcrfvlilc; .//nin Teil wohl entfernt, violleicht auch von 

Kkfang an gefehlt".') 
Das von Bezzenberger ausgegrabene Rominter Gräberfeld, das den 
rengil' i Gräberfeldern sowohl seitlieh wie inhaltlich sehr nahe steht, 
thill abweichend von diesen sowohl Skelett- wie Brandgrfibec Was 
wieder iet/.tere anlangt, so Hessen sich drei verschiedene Arten von Bei- 
tznngen unterscheiden: „die AM-henurnen waren nämlich entweder von 

I steinen eingeschlossen oder sie Blanden auf nnd unter einem Stein oder 
ie waren ohne allen Schatz in der Erde geborgen." Die Tiefe schwankte 
1) Es Ist sehr zu bedauern, ilass dieso \ 'erunderunjjcn im Grubenbau nicht genauer 
leobachtet bind, namentlich auch darauf hin, ob Üburgaiigsformeii im Flau des Grabes 
■.fcomnu-n od« oh Vis bei den bereit?- beb umleiten Feldora ein plötzlicher Wechsel in 
n < oubfvnncu stutttindet. 

2) Behriften Xix 2ö7. 

riachUl -Kemkfl B, 30. Schriften XXV (8. 10). Zustellung: B. 0. 

IV 





164 

hei dm BmndgrftlH'ni zwischen 11 und Ucm, während sie bei d< 
Kkelettgrftbem bis zu 80cm betrag. Wie B essen b< 

versetzt uns das Gräberfeld in eine Übergangsperiode, in saldier 

lapolorale Qebrlaehe von jungem verdrängt wurden- 1 ) Nach ihn ; 
Naipaialiriit der Begrab un gen ballisch, also aistisch, preosätoh-lettieeh. 
.«Man kann nur innofern im Zweifel sein, als man schwanken kunn, ob 
sie den Nadranern ödes den Badaaera zuzurechnen sind," dock fallt er 
wie aus sprachlichen Stünden, auf die er im Fundberieht nicht eingeht, 
jedoch in Sohnaubort« Btatiettaober Beschreibung dos Kreises PUlkallen 1 ) 
fc&davtangea murin,. Mr Bndaaer, welche Mfillenhoff 8 ) mit den Budinen 
des PiofolBaOS inirh ihm überzeugend identifiziert hat. 1 ) In dem VorwOTl 
au seinen Bronze-Analysen sagt er, das* da* Hominter Gräberfeld dorM 
den Wechsel der Bestattung „einem neuen Brauche folgte, der iure! 
h -- l!»e KulturstrÖrnung hierher gelangte, der uns die Zinkbronze UM 
die frühesten provinzmlrömwi-hen Formen brachte", da alles «lies gleich- 
seitig auftrete.*) 

Da die provinziulrönmehen Formen dieser Epoche, ebenso wie die 
in Rominten vorhandenen Lfl Tene-Spuren auf den Bflden weisen, so 
haben wir wohl in diesem lieluct wahrsrheiiilieh du Kindringen gerniu- 
nisiin'ii Binflnsses iui/.iineliMPMi. ein Kinlluss. der sich uach und nach 
liahu brach und wohl auch in der langsamen Änderung «Irr Bosrattnm: 
Ausdruck fand. 

Doch ist dieses Gebiet noch zu «reuig arforaobt, als daes aus d 
Befunde einzelner Gräberfelder allgemein göltige, für die ganze Region 
geltende Schlösse konnten gezogen werden. Wirklich ganz systematisch 
durchforscht sind nur Hominten, Rotobude uud Strongeln: doch sind von 
letzterem nur ganz, kurze Berichte bekannt geworden. Bei drei andern — 
Pietrasehcn, ßodschwingken, Grunevkcu — handelt es riefe, soweit ge- 
sieherte Fnndrcsultate vorliegen, nur um heseheidene Restgraberflftchi-tu 
die gerettet werden konnten. Bschenort ist bezüglich seiner Furid- 
rerhaltnisse gar nur durch die wenigen Zeilen !le>s \. Wichdorfs be- 
kannt geworden, Grosse Strecken, wie die Kreis* \,yk. Oletzko uud 
bzw. auch Darkohmen sind überhaupt noch nicht auf ihre vorgeschicht- 
lichen nachchristlichen Verhaltnisse hin untersucht worden, so dass hier 
noch alles in tiefte Dunkel gehüllt dgliegt. was auch von der Mitte der 
Provinz gesagt werden muss, woselbst jedoch in frühem Jahren im K 
Kast.nbnrg von Klehs, Heydeck (Waldhaus Görlitz) 4 ), Bujack und 
Matthias (Fiirstmiau) 7 ) gute Anfange gemacht worden sind, die aber 
Später mangels genügend geschulter Arbeitskräfte nicht haben fortgesetzt 
werden können. Im allgemeinen gilt, dass auch hier die Sicherung durch 



n b. P. vx. 8. »öff. 

SQ a. a. 0., S. 19 

:t) Deutsche Altertiiuiskunik 1J BL 

4) B» K XX B& 

.">. Analy^u, Einleitung S. VIII. 

6) Schriften XVIII 272, XIX 265, B. P. XII 9, 137 ff. 

7) B. P. IX L9Q, XI 1<m: ff. XII 116, 143 ff. 



Grabibnncn ost|>roussischer Gräberfelder. 



[63 




Langen vorgehemoht hat, wovon ich mich rw einigen Jahren, 

ich durch die Kreiso Darkohmen, Goldap und Kastenburg kam, und 

hierbei mehrere der genannten Orte berührte, auch noch persönlich flber- 

Ugen konnte. Freilich kann ich über etwaige Veränderungen im 

■modus, die sich im Laufe der Jahrhunderte raftgan ergeben 

nichts saj 

nix unbekannt sind um h die prfthiBtOriaofacn Verhältnisse im Kreise 
►erg. Hier hat ehemals ein grosses Gräberfeld bei Heiligenfelde 

Ielegen, von welchem einige der III. Knltorepoohe ungehörige Spangen- 
beln bekannt geworden sind. Nach Kemke 1 ) stammen sie von dem 
«I de» Polder, deren Srftber Pastor Neuwald folgeuderninsson be- 
bt: b Hm Bndel de l 1 .,— "iFuss tief in der Erde untor einer Schicht 
rosser Steine, die nach Art eines Steinpflasters horizontal hingelegt sind. 
[eietena Bndet rieh unter einer solchen Steinlage nur eine Urne, selten 
/.v\.'i oder drei. 1 *") 

Sbenso unliekannt und die hinr in Frage kommenden prähisioriselien 

Verhältnisse des Kreise» Friedland. 1 ) So weiss mau vom Liekeimer 

Brlberfelde, das durch einige Gelegenheitsfunde aus den verschiedensten 

Perioden in den Königeberger Mnseen vertreten ist, nur, dass es ein 

I dgrfiberfeld gewesen ist; das gleich».' giM von der im Kreise Fr. Kylau 

gelegenen Fundstätte bei Ehr. Waldeck, dio dem Prussia-Musoum einige 

lirniniseh.' ESrzettgträse geliefert hat. Nach persönlich eingezogenen 

Nachrichten solh«n auch hier stoinpnekungen vorhanden gewesen sein. 

Ehe ich weiter westlich fortschreiten k;nm, seien noch die bezüglichen 

Verhältnisse dei Kreises Gerttauen und des südlich vom Pregel gelegenen 

I rili .'s des Wehlauer Kreises kurz berührt. Im Kreise (ieidauen haben 

in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderte die Herren Dr. med. 

Bennig und Professor Uevdeck auf dem Feldplan des Vorwerks 

Henrieftenfeld ein Griberfeld geöffnet, du Fundelücke frülirömischer und 

römischer Zeftatelhrag lieferte. Die erste bekannt gegebene Fundnoti/'; 

_t: „Die Feldmark von Benriettenfeld, Kreis Gerdauen, enthält ein 

Urnenfehl und einen Besfattuntrsplat/.. Hier sind Skelette nicht 

nur von Menschen, sondern auch von Pferden gefunden. Die 

i rateren lagen bisweilen in Baumstämmen oder waren mit Sieinen 

umgehen."* Diese Notiz geht auf Hennig zim'irk und ist insofern vom 

alli i Interesse, als sie Baumstirge erwflbnfc. Als zwei Jahre später 

(Sommer 1878) Heydeck unter Assistenz eines gleichfalls Mennig 

beieeeflden Studenten das Gräberfeld ausgrub, stellte er lauter Stein- 

'iingen fest. Ob die Baumsärge in der Zwischenzeit durch etwaige 

>"■* let fOU Heydeck erwähnten Kartoffelu'ruben zerstört worden 

sind, erfahren wir nicht. Über die Anlage der Gräber spricht er sich 

folgendermassen aus: -Die Gräber Belbst haben kein äusseres Kennzeichen. 



1) T. K. .i:> Nr 8. 

2) Erml. Zcitschr. IV, S. 471 ff. 

weh Behhui oMeser Arbeit grub ieb beim Foretbanse I'etlevsruh bei Friedlantl 
*iu Gräberfeld ans, welches vcrbramite Kiioelienhüufche» unter Stein|iackmi^oii 
auswies. Der Fuudberkht wird im 'Ja. Heft dor Prussia-Berichte erscheiorn. 



Ifiß 



Hnliark: 



Ob Hügel odef Marksteine trüber vorhanden gewesen, lässt sich bei «iem 
vielfach benfitaien Terrain nicht mehr ermitteln. Herr Dr. Hennig hü* 
vor zwei Jahren auf der liuken Seite *les Weges gegraben. Dos von 
Herrn Grafen v. Klinkowström blossgelegte tirab, in dessen Nfthe 
den letzten Fund gemacht, la^ nn dor rochton Seite des Weges. I 
bildete oiu horizontnlos, kreisförmiges Steinpflaster, 2.5 m im Durchmesser 
mit einem Ausbau nach Nordwest und lag 0,30 wi unter dem Rasen D 
Peripherie bildeten grossere Steine, der innere Kaum war mir Kopi- und 
kleineren Steinen pflasterartig gefüllt. Ks wurde zunächst noch aine 
grössere Fläche, etwa I.'» Schritt im Unadrat, abgedeckt; da zeigten neb 
denn eine Menge Graber in ähnlicher Weise mit Steiuen belegt, Mai 
darunter, die auch nur durch wenige zusammengelegte Stein«- bezeichnet 
waren. Vielfach liOH wich erkennen, wie ein Begräbnis in das andere 
hinein oder sehr nahe heran gebaut war. wodurch dann das vorhergehende 
zerstört wurde 11 unter ihnen konnton als unberührt gelton.*) überall 
herrschte Leichenbrand; Skelettbeisetzungen wurden nicht erwähnt. 

Von di^n südlich de* Pregels gelegenen Fundstätten des Wehlauer 
Kreises ist das nahe bei Tapiau gelegene Grabfeld bei Imten systematisch 
diire.hgegraben worden und zwar von Heydeck und Rittergutsbesitzer Lorek 
aus Popelken. Es lieferte Funde i'rührömischer und römischer ZeitsteUüBg; 
war jedoch nicht mehr ganz intakt, da es bei Gelegenheit von Bteüt- 
afboiten entdeckt worden war. Es enthielt Skelett- und Brnudbestnttuiigcn. 
Über die Zeitetellung der Skelette lässt sich jedoch niehta sagen, da 
grösstenteils beigabenlos gefunden wurden. Hin und wieder lagen an 
ihnen Steine, die jodoch in keinem Zusammenhang mit ihnen mochten 
gestanden haben, da neben den Skeletten Brnndgrüber lagen. 1 ) Kin 
Skelett lug ganz frei in der Knie. Die Untersuchung der Brandgraber 
ergab Bieinpaekungan ron ungefähr gleicher Bauart, jedoch grosser Ver- 
schiedenheit in QrSase und Starke. „Im grossen ganzen waren in einer 
K rderhübung eine oder mehrere Urnen; in oder neben denselben die 
gebrannten Knochen Die Urne und Knochenschicht war mit ge- 
brannter Erde ausgedockt und darüber eine .Steinpackung von 1 bis '2 L;> 
gemacht, die in dor Mitte etwas höher war als an den Seiten."' 4 ) 

Das von Bezzenberger untersuchte Gräberfeld von Plauen war 
bereits zum allergrössten Teile zerstört, so dass Byatemat'iM-he «irabuiu« n 
von ihm nicht mehr vorgenommen worden konnten, docli scheinen auch 
hier Hteinpackiingen verwendet worden zu sein/) 

Für den Kreis Pr. K\lan. der vorhin schon gestreift wurden ist (s. 
llr. Wulduck), käme zunächst dn Legder Grandberg in Betracht, der ein 
ehemals sehr grosses Urfiberfeld gewesen ist, das aber anlässlirh des 
Baue* der Süd bahn von dieser zerschnitten und somit zerstört wurde 
Beständige Cnunlabtuhren, sowie die Anlage von Karfottelgruben baben 



1} B. P. Hl [33, Voreinsjahr), S. 48. 

2 H. V. V '■'•■ Vcreiwjuhr- ß. 18 

3) Lorek hall die Skelette für Mar viel spätere Xaclibcatiittungen. 

■i) B. 1\ vill 58. Voreifl«jihr] E 86/31 

.v B I' XXI B. 124. 




tiiiibfonuen oatprensäiacher Gr&bMfalder. 



167 




gleicherweise mitgeholfen, den vorn Hahnbuu verschont gebliebenen Real 

Im Gräberfeldes sn zerstören, wozu ausserdem noch private Ausbeutungen 

»traten und. Einige Gelegenheitsfunde friihröniisclier Zeitatellung, die 

Bkelettbestatfong entstammen und die in den siebziger Jahren ins 

Pnima-Muaeirai -rekommen sind, habon den Anlasa zu leider erfolglosen 

\ in-rsuchun^eii gegeben. Als ein reiner Zufall zu betrachten ist es, dass 

HC einiger Zeit, ala Ich gelegentiieh durch Leiden kam und den Berg 

lugenseheJn nahm, ich noch ein intaktes Grab entdeckte, das aber 

■ini' Skelett- sondern Brandhestattun^ euthielt. Ein massives J Steine 

nkf-i Pilaster vmi etwa Am Kantenlflngo und ungefähr oblonger Form 

ib eise im losen Saude steckend»' 1'nie. ohne sie zu bedecken. Eine 

1 "nie befindliche Lanzenspitze deutete auch hier auf frübrbmische 

\* ustellung. 

Günstiger haben sich die Ergebnisse im nordwestlichen Teile des 
B Pr. Eylau gestaltet, woselbst die Gräberfelder von Wogen and 
Wecken zu einen) Teil wenigstens vou Klebe haben ausgegraben werden 
ii um! hierbei Gegenstände römischer und nachrömischer Zeit ge- 
liefert haben. Wie indess die Grabformen beider Kulturen zu einander 
< i cnÖgeu verhalten heben, weiss man nicht, da nur ganz allgemein 
gehaltene Fundangaben vorliegen. In Woguii 1 ) deckte Klebs im Sommer 
1S77 \ <n iher auf, vi»ii denen zwei unter einem viereckigen Steinpflaster 
schwärt- Erde, Knochen ohne Urnenbeisetzung «. s. w. enthielten: in drei 
itereo Grabern befanden sich Urnenbeisetzungen unter Steinpflastern, 
ii einen] andern Grube eine unverbrannte Leiche unter einer Stein- 

•ehichO 

In YVuekern-Alkehneu lagen zwei Plätze etwa 500 Schritt von ein- 
ander entfernt;' 1 ) der erste enthielt noch 11, der zweite 33 oder 34 Gräber. 
Letztere waren nur mit einigen Steinen belegt. Auf beiden Pliltzen 
fanden sieb Asehenurnen, daneben aber regellos Gräber, «reiche Knochen- 
■ iVheu in freier Knie, aber ohne schwarze Schicht enthielten. 
Die Inventar« von Wackern weisen mannigfache Berührungspunkt 
tttU den Inventuren der grossen masurischen Gräberfelder (Moyrhienen, 
in n. Alt-Keykutb u. s. w.) auf uud erscheint mir der Gedanke nicht 
dass hier wie in Miugfen und KI, Koslau ein Teil des alteren 
räberfeldee zwecks Anlage eines neuen Friedhofs zerstört worden soia 
och lässt sich aus Mangel einschlagiger Fundnotizen darüber 
latflrlicb nichts behaupten und noch weniger beweisen. 

Weiter nach Westen, nach dem frischen Haff zu, worden die pra> 
loben Verhältnisse glücklicherweise klarer als sie ea in der Min- 
ler Provinz sind. Mehrfach gemachte Funde lehren uns die östlichen 
und iDd]iehen Grenzgebiete des Halls wenigstens stellenweise als einen 
Londetriafa kennen, der um die Jahrhunderte der Völkerwanderung von 
Her relativ dichten Bevölkerung bewohnt gewesen ist. Das Gräberfeld 



I) T. K. 15 Nr. -20 und Sehr. XVIII, S. 372 ff. 

rgl bisnait «las oben von Kl, Puppen gesagte, woselbst sieh in einer Stelle auch 
rbrunnte Skeletleile neben Aselinnunien befanden. 
K. 38 Nr. 21 und Scbr. XX (8) ff. 







168 



BolUek; 



vou Warnikam und »las von Teugen beide in» Kreise tteüigenbeil — , 

Gräberfeldfundc bei Willenberg, Beeblamlh-n im Kreise Braunsber^ 
Gräberfelder auf dem Süberbergc bei Lenzen und beä Serpien, beid* 
bereits im westpn n Kreiste Klbing. dazu mehrfache Goldrnunzeu- 

fundc, sind uns und fast ausnahmslos auf Grund zuver.. Fund- 

berichte bereits seil längeren Jahren bekannt geworden. Diese Fundort 
weisen entweder auf römische und mielniMnisehe Zeitstellnng, bonr. m 
Ulf lei/.ieie. Das hauptcharakteristische Moment und Steinpaoküögei 
D«fl vim mir 1904 uutersuchte Gräberfeld bei Pettelkuu. Kreis. Bram 
das FondstAoke f'rühröraischer und römischer Zeitstellung lieferte, 80' 
das neuerdings von mir untersuchte Kestgräberfeld von Bethkendorf i 
selben Kreise enthielten keine Steinpaokungen und sollen deshalb 
nah gesondert behandelt werden. 

Durchweg herrscht Leicheiibraud. Kleb», der du-* Wiiruikiiuii 
Fehl in den Jahren 1877/81 untersuchte, *agt folgendes: .,Dns Gräherl'e] 
besteht aus einem Sandhügel. dessen südlicher Abhang vom Lehm lile-i 

lagert wird Wie schwer man sich BnteohlOBB, den Lehm als Gral 

Matte zu benutzen, scheint daraus hervorzugehen, daaa die in ihm an- 
irelegtcn reicheren Gräber mit BIUBT etwa zolldieken Lage Sand au- 
gefüttort sind. 1 ) Zur Beerdigung hatte man entweder Graburnen benutzt 
oder die Knochen frei in die Erde gegeben. Im letztern Falle waren sie 
oft nicht von der Brauderdo gesondert; bisweilen bildeten sie nb< 
auch ein Häufchen, das in eiuzelnen Gräbern von Steinen umstellt wi 
meist alter ganz frei in der Erde lag und von einem Haufen M< ii 
Überdeckt wurde, deren Menge und Grösse von dem Reichtum der Bt 
gaben abzuhängen schien."*) Dorr, der dfll Grabelfehl hei Lenzei 
1892/1)3 untersuchte, sprich) sich Ober den hier geftbten Bestattungsmodui 
in ähnlicher Weise aus: „Die Gräber zeigten einen anderen Bau als A 
bis dahin aufgefundenen prähistorischen Gräber der Umgegend Elbings. 
Kreisförmige »der elliptische Pflaster aus Kopfsteinen (1,30—2 m im Durch- 
messer) lugen 0,40— 0,JU m unter der Oberrläche. Unter diesen PHastern 
fand sich die Brandschicht \on 0,10—0,20 m Dicke, darin gebrannte menti 
liehe Knochen, entweder mehr zerstreut oder in Häufchen, und BpSliid 
Beigaben aus Bronze, Eisen, gebranntem Ton. In einzelnen Grabstätte! 
hatte man unter dem Pflaster an der einen oder andern Stelle .... ein kegel- 
förmiges Loch ge»r;ilien. in welches die Brandmasse geschultui war, so dflM 
hier wirkliche Brandgruben vorhanden waren. In dem südlichen* zuerst untei 
Muhten Teile des Gräberfeldes waren die Pflaster bis auf eins vollständig 

erhalten Wo in dem nördlichen Teile des Friedhofs die Pi 

unvollständig waren "der fast gauz fehlten, war die- auf spfitere Zerstörung 
zurückzuführen. Aus diesem Teil, der auf einer mehr ebenen Abdcichum. 
des Hügels lag und seit längerer Zeit rege beackert wurde, hatte 

der Besitzer, Herr Kuhn, reit Jahren, wie er mir mitteilte, au zahlreicher 
Stellen Steine entfernen lassen, die beim Pflügen hinderlich waren ' 

1) Vgl. hferail dt* weiter unicn ölier Trcutittcn gesagte. 

. T K. S II 

.>rr, Lcnion, 8.6/7. 





ii' n 



>cr Gräberfelder 



169 



04 









deraetbe Forscher 'li' 1 Grabformen bei Berpxa* nur waren 
die Steinpflaster mehrfach nicht so regelmässig, was zum Teil darin seinen 

I beben ii'Hjit. iI:ks wohl aus einigen bereits früher manche Steine, 
die beim Ackern hinderlich gewesen, entfernt worden wnren. 1 ) 

> erfolgen wir, kurz wiederholend, das Verbreitungsgebiet dieser 

urflfoer iiiii Steiopaelangen südlich vom Pregel. so finden wir, dass im 

dar Provinz Ober einer grossen Mehrzahl kleine Hache Hügel 

wölbt gtttreaen sind, die sich heute vielfach mir noch als kaum be- 

rkbere, schwache Erhöhungen markieren; wii finden solche Hügel auch 

noch in dai Mitte dieses Gebiet« flmtea), wahrend «m Irischen Haff die 

Flacfcg ;i im-i t'.>riii wohl gewählt worden ist; doch kann dies auch nur ein 

igei Ontenoheidofigsgruiid sein. In Kotehinlc Ingen die Grflber im 

Walde. Die Konturen perwischten sich also nicht und ilie Hügelform 

konnte noeh deutlich beobachtet werde», wahrend in Warnikam und 

i die V'-kerkultui' angezahlte Jahre himlurch am Bau der Gräber 

I bitte. Von Etotabude und Alt-Bodsehwmgken wissen wir ferner, 

■• Ihr Steinpuckung, «reiche die Omen in r-ich barg, auch die 

Brandstellen enthielt. Wenn wir dieselbe Tatsache am frischen Haff 

0, so scheinen auch hierin Besiehungen im Bestattungsmodu* 

ebmwolten, Beziehungen, deren Ursaclie wir freilieh nicht kennen; denn 

zur Zeit fehlen noch die Verbindungsglieder, welche vom Osten nach dem 

Westen hin übei-h-iten Wenn wir aber sehen, dass die in der Mitte 

befindlichen, heute vorerst noch sporadisch auftretenden I rr&berfalder, 

bowvH vi.n ihnen Fundnmtt&nde bekannt sind, auch eine dns Grab Ober« 

:ide Striiipiu.-kung haben, so scheint in i r darin ein Hinweis tu liegen, 

uif fast film liehe Verhältnisse wohl faei durchweg iu der Mitte 

r Provinz ^t« -^^»- n durften. 1 ) 

Fassen wir die Gräberfunde dieses mittleren Provinsgurtels chrono!* : 

ins Auge, io führt uns das Gräberfeld von Hominten in eine Zeit des 

TOB der Skelett- zur Brandbestattung, was von dem nugoführ 

aeinig zu aefeaenden Gräberfehle anf dem Legder Grandborge auch 

leichen von dem Henriettenfelder frührömischen Gemeinde- 

kbnisplats [vgl oben s '.»7) angenommen werden muee, vielleicht 

auch noch auf [mten bezogen worden kann. Lftsst man bei letzterem die 

allem Anscheine nach viel später zu setzenden beigabenlosen Skelette 

anaan Aaht, so fand sieh doch in t\^\- Steinpaeknng eines vollständig 

intakt tgrabes auch ein Kinderskelett (B. P. VIII ;JG), das ja eine 

Bestattung gewesen sein mag. aber imiuerliin hier erwähnt wer«!, n 

In dieae Seil dos Überganges Führen uns anoh die Brandgräber d< - 
Komin'!- Grfiberfeldee, deren Form keine einheitliehe ist ; da l ruen- 

bsongen in freier Erde mit Stciiiumwallungen, wie ''in.' solche ja 
auch Legdeu uoch aufwies, und Steinbedeekungen wechseln Dieselbe 
Beobachtung inaehen wir auch in Fürstenaa,*) welches zeitlich Rominten 

1) a, t. 0.. B, 26 

•>) Tg) Iiimvii Nr :; auf Seite 37. 
I k 1'. gll 42. Vereii JJftbr), S 117. 




. 



sehr nahe stellt, zum - ■ . Tri! SteinpackimgeQ enthielt, aber auch 

Urnenbeisetzungen ohne solche aufwies. Krlahrt ai an forner, 
hiev vor dem Jahre 1S53 noch Stcinkränze befunden, so erblicken vir 
eine räumlich weit getrennte Parallele zu den frührömisch beeiufiiwsten 
Gräberfeldern mit La Tine-Kultui und oberirdischen Steinkrnnzen da 
äussersten Sudwestens der Provinz. 

In den späteren Perioden hat nuin es allein mit der Steinpackung zu 
tun. Zu bedauern bleibt, dnss an den Stellen, an denen man es mit 
Gräberfeldern zu tun hat, die sowohl Gegenstände römischer wie nacb- 
rörniseber Zeirstelhing enthalten, dns Verhältnis der (jrabfornien beides 
zu einander noch niobl genügend geklärt erscheint. Dagegen treten -1 I 
Formen der nachrßmischen an einzelnen Stellen sclinrf hervor. 

Zieht man oino Parallele zwischen den nachrömißchen Gräberfei 
Masurens und Süd-Ermlands mit den im Ufergebiet des frischen Hati^ 
gelegenen, so ergeben eich einige gemeinsame Momente: 

I. die fluche Bestattung, soweit Serpin und Lenzen tu Betracht 
kommen (von Warnikam liegen entsprechende angaben nicht vor). 

II. die Häufigkeit zurückgelassener Knoefaanreete in den Brand- 
stellen, 

III. die Hei.setzung in L'm«n und losen Knochenliiiuf« In KB. 
Dann aber kommen auch sehr in Betracht zu zieln 

'ii i rsi'li iede vor, nämlich: 

a) die Beisetzung im Haffgebiet ist oiebt nur in brandfreier Erde« 
sondern ebenso in der Brandstelle vorgenommen worden, welcher ver- 
schiedene Modus in der römischen Periode Masurens vorgehende hr hat 

b) die Gräber liegen ilort ohne Sicherung ilurch Sichtpackungen in 
freier Brde, während hier eine schützende Steindecke darüber gelegl 
worden ist, welcher Unterschied auch fttr die Grfiber der römif 
Periode Masurens und die der nördlich hiervon bis zum Pregel 
gelegenen Kreise zu gelten hat. 

Ahwrii'heud jedoch von allen ilurch die Literatur bekannt gewoj 1< 
lirabformen des mittleren Provinzialgürtelß enthält dns von mir BD* 
gegrabene Gräberfeld frührömischer und römischer ZeitBtaUttDg 
Pettelkau im Kreise Braunsberg Urnenbeisetzungen meist in freier Erde 
bei durchschnittlich 50— 60 cm Tiefe und zwar ebenso wie die Gräber A^v 

römisch pH Periode Masurens in Hranderde, gemischtem Boden und hrnnd- 

freien Stellen. Diese Hestattungsfurm wirkt gerade in Pettelkau um so 
flberraacbender, als das Grüberfeld nuf einem Platze angelegt ist, der 
durch seineu Reichtum an Steinen geradezu verblüffend wirkt. Ebenso 
wenig sind Steinpackungen auf den Gräben des leider ganz zersi 
Fundplatzes bei Bethkendorf, Kreis Brnunsburg, vorhanden gewesen, den 
ich kürzlich kennen lernte und «lern ich noch eine Urne entnehmen 
konnte, die ganz frei in Brauderde stand. Nach Aussagen dortiger Ein- 
wohner haben alle Urnen frei in der Erde gestanden und sind bei 
Gelegenheil der Anlage einer Graudgrube zerstört worden. 

Dem Pettelkauer Grflberfelde nahe ilurch die noiswzuugsiuvenrare 
ie Grabformen Bteht das Gräberfeld bei Abbau Tbierberg im 




Grabformen o.stprcuasiscber (ji-jbcrf- 1 1 . 



a 

V 



*" 



Kreise Osterode, das von ihm jedoch durch die Kreise Mehrungen, 
Pr. ll.ill. nid inul Rlhiug, sowie beträchtliche Slüi'ke -1 « •- O-torolet und 
Brenoeberger Kreises getrennt ist. 

Übertragen wir das ganze bis jetzt gewonnene liesultut in die heutigen 
erhftltnisee Ostpreuseene, so finden wir, dass die Braudgrüberfelder ohne 

tpacknngan sieb in ihrer übergrossen Mehrheit im polnisch sprecln-m 
Teil dei Provas befinden, in einer ungefähr ost-we.-tlicheii Linie, be- 
ginnend von den Kreisen Johaunislun .r und wie K sinken Ausgrabung 

Bartlickshof zeigt, auch Lotsen, bis zum Kreise Osterode erstrecken 
und denn sporadisch im Kreise Braunsberg auftauchen. Ol» wir sie auch 
in dem zwischen Osterode und ßraunslier<< -Telegenen ost]»reussisehen 
Qebiet ;if treffen werden, steht noch nicht fest, da aus dem Kreise Moh- 
rungen keins, aus dem Kreise IV. Holland nur ein Gräberfeld (Crossen) 
bekannt geworden ist, von dem aber kein gedruckter Pundberiüht 
rorliegt 

Die geographische Grenze zwischen beiden Grabformen beute sehen 

genauer bestimmen zu wollen, wäre verfrüht, da zu diesem Zweck noch 

□mfaesrade Stadien an Ort und Stelle in den Kreisen Rössel, Allcnstciu, 

- und bzw. auch Mobnrngen nnd IV. Holland vorgenommen worden 

wozu aber Jahre angestrengter Arbeil erforderlich sind, 

Auch das Gebiet dicht südlich vom Progel bedarf noch jahrelanger 
■beit, bevor die Verhältnisse als völlig geklärt erscheinen werden, Bei 
meinen \ erarbeiten eu der demnächst erscheinenden vorgeschichtlichen 
Übersichtskarte Ostpreußens ergab sieh, dass hier nur verschwindend 
klein»- Mengen vorgeschichtlicher Materialien aus nachchristliche! Zeit 

^■:lnnt geworden sind. 
Bin WOlBSer, unnusgefüllt treblicbenrr Streiten, beginnend am frisclieii 
[ttff und hier begrenzt im Süden von Tengen, im Norden v.m dem dicht 
K ■ 1 1 i - - 1 > ■ > r _- liegenden Rosenauer Graberfelde, zieht in allmählicher Ver- 
breiterung bis /um Kreise Gerdauen, nur hie und dt von einer Fundstätte 
unterbrochen. Es mag ein Zufall sein, dass eine so leicht von Königsberg 
tu erreichende Gegend bisher so wenig geboten hat und können schon die 

IFareehangen der nächsten Jahre reiche Materialien liefern: immerhin aber 
muaste darauf liier verwiesen werden. 
Ein gemeinsames Moment, das sich wie ein roter Faden durch das 
_.ni/.i prähistorische Ostpreussen sudlich vom Pregel hindurchzieht, ist 
die Petaache, dass eine Weiterentwicklung der Formen der nachrömischen 
Bpeöhe niohl stattfindet; dennoch aber ist diese, soweit wenigstens das 
Qobiot der Gräberfelder mit Steinpaeknngen in Betracht kommt, nicht 
Igste hier beobachtete Graberfeldkultur; vielmehr finden sieh un 
iel.n Orten Ansätze zu inner neuen Kultur, welche man ganz allgemein 
|i spfttbeiduiBche bezeichnen kann, so in Warn i kam, Kreis HeHigenbeil, 
agotten, Kreis Wehlau. Liekeim, Kreis Friedland, Dagntschen und 
rinnen, Kreis Ooldap, um nur einige Namen herauszugreifen. Sie 
tödlich de« Pregels jedoch noch nicht derart genügend beobachtet 
■n„ da*-- sieh Sätze über das Verhältnis ihrer Grabt'urmen zu denen der 
sehen Periode aufstellen Hessen. Da wir sie aber in hervor- 




\r> 



IlolUck; 



ragendem Masse nordlich «Jos Pre^els, besonders im Saniland, vertreten 
rinden, so ist uns hierdurch ein Fingerzeig gegeben, auch für ihr Y..r- 
liamliiix'in sudlich de* Pregels eine Krklfirung zu finden und sei m 
diesem Zweck auf du weiter unten gesagte verwiesen. 

VuHi Erörterungen Ober die Nationalität der Begrabenen linden 
wohl am besten ihre Erledigung, wenn zuvor daa Samland behandelt 
worden jtjt 

4. Die Gräberfelder tfea Sandanda. 

Das Baznland bildet ein in sieb geschlossen.- Ganxe. Die Zahl 
seiner Gräberfelder ist »ehr gross. Bereit» in einer früheren Arbeit babc 
ich darauf bin gewiesen, dass man namentlich westlich der Oranger Bahn, 
alad im Kreito Fisehhausen, fast "aller Orten auf Gräberfelder atosse 
deite.i einige eiiiü Überfülle von Material geliefert haben, so dos» es 
ausserordentlich schwierig sei, einzelne Fundstätten, die da 
charakterisieren sollen, herauszugreifen. 1 ) 

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass es sich hinsichtlich de« 
Ue>t;utuiij, r :tinodiis möglichst ;m die Gräberfelder ■ I ■ - 1 (Je^iMid de? frischei 
Hafts, wie überhaupt des mittleren Provinzgürtels. anschlicht. 

Kine ganze Reihe seiner Gräberfelder weist 4 Kulturen auf: 

I. r ine f'rii hi'oin i -i hr (Tischlers Abrlg. B), welche seitlich ungefähr 
inii den La Teße-Gräberfeldem dee Südwestens der Provinz susfuttmen* 
IVillr. So weit bis jetzt feststeht, herrscht Leichenbestattung. 

II. eine glänzende Kultur römischer Zeitstellung mit Leichen- 
brand (Tischlers Abtig. C), die hinsichtlich der Beisetzungsiiiveiuart- 
gi'usse Berührungspunkte mir den entsprechenden Gräberfeldern des 
.Südens, wie Maehnrren. Alt-Keykuth usw. aufweist, sich aber in den 
(»efässfonuen und dem Beiaetsungamodus völlig von ihnen entfernt, 

III eine uiichröniische Kultur mit Leichenbrand [Tiaohli 
Abtlg, D), 

l\. eiiM- -*• icennunte späthei dui sehe Kultur, die mancher Orten 
bis in die i irdetiszeit hineinreicht und bei der Leichenbrand und Leichen 
hestattuujf wechseln, was mit der beginnenden I hrUtianiaierung dea 
Samlandfi in /csammenhang zu bringen sein dürfte. 

Was die Grabatfltten mit frithrOmischer Kultur anlangt, so gehen die 
ersten Beobachtungen auf Tischler zurück. Die Leichen waren, bq 
namentlich in Corjeiten, unverbrannt begraben; „jedoch waren die 
Skelette fast ganz ve/gaagen; oft war keine Spur mehr vorhanden, so 
dass nur wenige Scb&deJ oder ganse Skelette erhalten siud. u ") Dos 
Gräberfeld in der Fritxener Forai nahe dem Bteinerkrug, welch« ich 
in» Herbst 1900' begonnen habe auszugraben, lieferte bis jetzt n. ben 
einigen Brandbeatattungen römischer Zeitteilung auch zwei früh- 
rfimiache Gräber mit begrabenen^ aber schon ganz vergangenen Leichen. 
Dicht unter der Grasnarbe befand sich eine die Länge des Grabes etwas 



i Die Vorgeschichte des Sanilands im KorrespondeinljUtt dea Qesimtvertini dir 
lachte- und AllertoiriBvercini für 1905. 
on der phj>. Gkon. Gesellsrh. )'W1I (22) IT. 



Graltformen ostpreussisclter Gräberfd ler, 



173 



: 



U igeude dreifache, aus mittelgrossen Kopfsteine» bestehende Packung 
ran ungefähr rechteckiger Form. Darunter la*r fester mit etwas Sa&d 
vennieebter Lehm von ungefähr 30 cm Stärke, unter welchem sich eine 
dünne I.air*' gestreuten Sandes befand. In letzteren war die Leiche gebettet 
worden -1. r. n Konturen noch erkennbar waren. Der Kopf halte nach 
Norden nur einer toiohien Neigung; nach Westen gelegen. 

Audi in Oorjeiten befanden sich die Skelettgr&ber unter aiaem Stein- 
er, deesen Ausdehnung von etwa i'.tii) m T.iinga und O.no m Breite 
den Diffieanoneo der Gräber beim Steinerkrug ungefähr entspricht. Des- 
en lagen in Corjetten „die Skelette ziemlich genau mit dem Kopf 
nach Norden; zwischen den vergangenen Bkeletteilen lagen Holareete, 
die voU von dazwischen gelegten Brettern herrührt. n."') 

Wir rinden also hier Berührungspunkte in der Bestattung mit den 

mischen Gräberfeldern bei Rominteu, Legdon und bzw. auch Iint«»n. 

Aach kann man das gleichzeitig zu setzende litauische (Jriiberfeld bei 

duhnen im Kreise Heydekrug, woselbst Bezzenberger von 

menschlichen f herreslrn nur un verbrannte Skalettreata fand, in Parallele 

■tollen. 1 ) 

Bin anderes Gräberfeld, das von Ilevdeck untersuchte bei Wiekau, 
führt uns in die Zeit de-* f her^angs von der LeichenbestftttOlig zur Leichen- 
rorbrennung. Eine ganze Reihe von Bestattungen enthielt „Bnurnsärge 
mit b U, aber Terwesten Skeletten, dte von unten und zu beiden 

Seiten mit Bteinpaoknngen umgeben waren. Die jetzt vorhandene untere 
Steinlage hat ursprünglich auf dem Baumsarge gelegen, war aber, nachdem 
'hi Baumsarg verwest war, tiefer gefallen als das untere Niveau der 
seitlichen Bteinpsckung aufgestellt war-"*) Eine weitere Reihe von 
BeiaetBungen enthielt Braudgrälier mit Aacbeagefftssen . Ob diese durchweg 
mit Steinen bedeckt waren, geht aus dem Akzessiousberieht nicht lmrwir. 
doch werden bei Oral» VI, VIII und X solche erwähnt. *) 

Daaa die Sitzungsberichte der Prussia neben dem ungefähr gleichseitig 
/h Betaenden Grftberfelde von Henriettenfeld, Kreis Genlauen, mit Brnnd- 
bestntttmg, auch einen Bestattungsplntz mit Haumsärgon dort kurz er- 
ii, ist oben InT.'its angeführt worden. Doch sollen auch noch an einer 
andern Stelle der Provinz, in Crossen, Kreis Pr. Holland, Baumsärge 
vorgekommen sein Hier untersuchte der leider schon verstorbene 
ms-Kastellan Kretschmann vom Provinzial-Museum in den iieun- 
■TauroD ein grosses Gräberfeld, Ober welches bis jetzt noch keine 
Veröffentlichung vorliegt. Als ich vor einigen Jahren auch nach Ow 
kam. erzählten mir mehrere der bei der Ausgrabung tätig gewesem*u Ar- 
beiter. Kreti-eiiiiiann hätte dort Baumsärge festgestellt, was ich mir 
leider von ihm nicht mehr bestätigen lassen konnte. 

W "as die Bestattungen aus der römischen Periode des Samlnnds 
anlangt, so können diese nicht gut von denen der nnchrömischen Epoche 



brirtoe .\XVII [22ir.). 
P. XXI 3.112«. 
F. XtV 87S* 

.»daselbst S. 276 ff. 



174 



Hol lack: 



geschieden wenton, an es sieb bei letzterer nicht um einen grossen ii 
sich geschlossenen Kulturkreis, sondern nur mehr am einen Losl 
von ersterer handelt. 

Ober das Verhältnis der Bestattungen beider zu ei minder hat 
Tisehler bei Gelegenheil der Besprechung des Corjeitor Gräberfeld** 
einen Hinweis gegeben, defl roh hier folgen lasse: ..In Periode D b5H 
die Dnienbesrattung allm&hliob auf, nnd es werden sohlfesslion die \\i< 
in freier Erde beigesetzt tts ) 

Irh habe dies vor einigen .1, ihren ituf dem He s seiberge bei Hantan 
ebenso gefunden, doch liisst sieh mit Bezug hierauf keine all- . 
gültige Hegel aufstellen, da an andern Orten ebenso häufig iu«di- 
rÖmisoiie Altertümer in Urnenbeisetzungen vorkommen. Ich verweise zw 
diesen] Zweck auf Dollkeim GMfc KW, 128, uti, 147, 150, 161, IW 
163, 164, 183, 195, Greibau Stab 35, 218, Seerappen Grab 24 und 25 
nebst den dazn gehörigen Tafeln IV, V in Üisebler-Keinkes ogt- 
preussischen Ali-nümern, ferner auf die EHmdberiehte Bujncks und 
Hey decke Hbac da» (irebieter Gräberfeld in den Sitzungsberichten der 
A.-G. Prussia, 13. Heft S. 174 ff und 202 ff. Auch meine Ausgrabung auf 
dem (Jalgenfelde bei Nuskern im Herbst 1906, die römische und uach- 
rta "die Altertümer gemischt ergab, wies Urnenbeisetzungen und lose 
Kvocheuhaufchen in bunter Folge auf. 

Im allgemeinen gilt, dass die Bcstattungsweise dieselbe bleibt. Im 
grossen und ganzen können Tischlers Beobachtungen in Eissei 
verallgemeinert werden. Er sagt hierüber folgendes:") „Die Griber wares 
sämtlich von einem ziemlich unregel massigen unterirdischen Pflaster oft 
recht grosser Steine bedeckt, welches nur mittels eines eisernen Stink.-; 
entdeckt werden konnte. Das Pflaster wer von 3-, 4-, "»-eckiger, kreis- 
runder oder oraler, einigemale sogar vou balbmondartigei Form... ... 

Der Durchmesser variierte von 90 cm bis fast 4 m. Unter der obersten 
Slil.ht fand sich meist noch eine zweite, kleinere, oft noch ein«' dritte, 
so dass manche Srftber eine kolossale Monge von Steinen lieferten. 4 

Die Zahl der Grüborfoldi'r, welche eine derartige Sicherung der 
Beieetaasg durch Steiupaekungen enthalt, ist eine sehr grosse und kann 
demnach für das Samhmd das Steinpflaster als typische Form der Grrfibet 
der römischen und natbrömisohen Zeit gelten. Mitunter kommt es aueli 
vor, dass statt der Steiiipaekung ein unterirdischer Steinkranz eng 
ist, ja in dem leider zerstörten Grüherf'ehle zwischen Klein- und GrOBB- 
Hlumeiiau 9 ) konnte ioo 001 li gans kleine, viereckige, aus abgeschlagenen 
Steinen bestehende Kisten feststellen, auf deren Grunde ein platter Stein 
sich befand und die gerade eine lim Fassen konnten. 

Wenngleich Bujack in dem grossen Gräberfeld von Grrhictcn nur 
auf ein Steinpflaster stie-ss und von 18H Urnen Oberhaupt mir 7 mir 



i Bsfariftea JCXVU B. (S7), 
■_») EbendiMll ti W (6/7). 

'' |Q v.iv.'i, , in mit den) von H-unig (B. P. JII. 33. Yeroinsjahr 1877, 
Ulf» untersuchten Gräberfeldo auf der Gieiiao von 
•ii ii n l Klein-Blumenau, 



Grabformen ostpreussi scher Griberfelder. ]75 

Steinen zugedeckt fand, so läset doch eine Bemerkung in seinem Fund- 
bericht schliessen, dass man auch hier ehemals vorhanden gewesene Stein- 
packungen anzunehmen hat. Er sagt: 1 ) „Bei der Herstellung des Weges 
vor 50 Jahren und bei der Beackerung der Palwe (ist) mancher Stein 
gerührt (worden). Die im Juli v. J. ausgegrabenen und aufgelesenen 
Steine bildeten mehrere Achtel, welche der Besitzer in mindestens sechs 
Fuhren nach seinem Hofe schaffte.* 1 ) 

Auf dem älteren Teil des Trentitter Gräberfeldes, das im übrigen 
keine Abweichungen enthält, fand ich unmittelbar neben einem Grabe, 
das typische, nachrömische Fibeln von Silber aufwies, eine Bestattung, 
welche einen etwas andern Charakter besass. Ich habe darüber folgendes 
notiert: „Grosse Steinpackung, darunter in "2 m Tiefe neben einem Gefäss 
sehr viele Waffen, darunter zwei mit ihren Rändern aufeinander gesetzte 
eiserne Schildbuckel, Schwert usw. Daneben zwei zerbrochene Gefässe; 
in einem eine Bernsteinperle; alles stand auf einer ungefähr fingerdicken 
schwärzlichen Schicht, welche den Anschein erweckte, als habe man es 
mit langsam verkohlten Brettern zu tun; dicht neben den Gefässen, 
gleichfalls auf dieser schwärzlichen Schicht, viele verbrannte Knochen, 



1) B. P. XIIC 177. 

2) Im August 1907 stellte ich fest, dass ein ziemlich beträchtlicher Teil des 
Grebietcr Gräberfeldes nocht nicht ausgegraben wäre und dass hier Steinpacknngen 
Torkarren. Nachdem vorliegende Arbeit abgeschlossen uud bereite der Redaktion ein- 
geschickt war, wurdo ich von dem Besitzer za einer Aasgrabung aufgefordert Da es 
mir im Interesse der dem Abscliluss sich nähernden vorgeschichtlichen Übersichtskarte 
von Ostpreussen sehr darauf ankam, das sehr wichtige Germauer Becken mit seinen 
es umsäumenden Fundstätten noch einmal einer geuauen Besichtigung zu unterziehen, 
Hess ich andere Ausgrabungen ruhen und begab mich dorthin. Anfangs teilten Herr 
Geheimrat Bezzenbexger und ich uns in die Ausgrabung; später arbeitete ich allein, 
wobei ich den Besuch eines jungen Prähistorikers, des Herrn Kandidaten Blume-Steglitz 
erhielt, der mir einen Tag wacker mitgeholfen hat. Es handelte sich um Funde aus römischer 
und Dachrömischer Zeit (Ti schier C und D), die dermassen in einander übergingen, dass man, 
soweit dieser Teil des Gräberfeldes von Grebictcn in Betracht kommt, nicht von zwei 
sich einander ablösenden Rulturperioden sprechen kann. Die Grabfonnen selber waren 
von schier ermüdender Eintönigkeit. Abwechselnd Urnenbestattung mit in freier Erde 
begrabenen verbrannten Knochen. Für die Urnen galt folgendes: Sie waron, nachdem 
eine Grube gegraben worden war, auf den weissen Sand gestellt worden. Dann hatte 
man fast immer Branderde in die Grube geschüttet uud zwar in cioer solchen Menge, 
dass die Urne nicht nur von ihr umgeben, sondern auch bedeckt war. In einigen Fällen 
hatte man das Nachschütten von Branderde auch unterlassen. Meistens kamen keine 
Steinpackungen vor: nur ab und zu hatte man solche verwandt. Für die losen Knochen- 
häufcheu galt dasselbe. Auch sie waren auf den weissen 8and geschüttet und dann mit 
Branderde umgeben und bedeckt worden. * 

Hierauf arbeitete ich iu Siegesdicken, Kreis Fischhausen, welches in Luftlinie 
von Grebieten etwa 1 l L Meilen entfernt ist. Das Gräberfeld war zum grössten Teile 
zerstört. Für den intakt erhaltenen Rest, der nur Urnenbestattung aufwies, galt hin- 
sichtlich der Grabformen genau dasselbe wie von Grebieten. Wenn von einem Gräber- 
felde, so habe ich es von Siegesdicken aufs schmerzlichste empfunden, dass es zerstört 
war. Was dieses Gräberfeld hätte für die Wissenschaft werden können, lehrten schon die 
wenigen erhaltenen Urnen; denn diese wiesen eine solche Fülle von Beigaben auf, wie 
sie selbst für das Samland, das den Forscher doch von jeher verwöhnt hat, sehr be- 
merkenswert ist 



17»; 



liotlack: 



nicht gehäufelt) Bonden immer .'hier sorgfältig neben den Bndern gel 
Ausser dieser wies Trentitten noch eine BWQite derartige Beisetzung auf: nlic 
übrigen enthielten entweder Knochcuhfiufchcn oder Umenbeetail 
unter BteinpaektUkgen ohne schwärzliche Schicht. Kinn Abweichung «in 
noeh der eben erwähnte Fund lUbemer Fibeln insofern auf, nls unter der 
Steinpackuug sich eine ungefähr "/♦ vi starke und L 1 /* W ' m <>ovier: 
bauende weisse Bandsehiohi zeigte — rundherum wer beb t liefen - 
in weloher die BeisetBong gebettet war.') 

Di«- l>ci>< tznng nuf der schwärzlichen Schicht erscheint ein Ana '■■ 
in einer Reihe von Bestattungen des unweit von Trentitten brüuNi« n. ( 
Eieeelbitter Grftberfeldee zu haben, von dem Tischler schreibt;^] .Indem 
überwiegend gröseton Teil der Gräber sind die Überreste de* Lei* 
brandos nicht in Urnen beigesetzt sondern mit Asche und Kolilenstüekchen 
und Beigaben vermischt in einer etwa 5(1 — 80 ?m breiten und 10 — 20 «an 
difktMi schwärzlichen Schicht ausgebreitet, welche in der Regel 80—90 w 
unter der natürlichen Bodenoberrläolie liegt." 

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt dnss da* Gräberfeld bei 
Nuskern, welches ich im Herbst 1906 ausgrub, nicht ganz in den be- 
schriebenen Rahmen hineinzupassen scheint, da es nicht nur Gräber mit 
Steinpackungen, sondern mich ohne solche enthielt Nachstehend ein 
Aus/.u- aus meinen Funduotizen: 

Nr. 1 — 4: Urnenbeisetzungen ohne Sicherung durch Steinpackungen, 
und zwar 1 und 4 in Branderde, "2 und 3 im Sande. 

6. Einfache Steinpackung aus Kopfsteinen dicht unter der GratMl 
darunter in Branderde grosse Urne. 

8—10. Ebensolche Steinpackungeii mit darunter befindlichen Asc.hen- 
gefftssen. 

11. Urne in Brauderde ohne Steinpackung. 

12. Knochenhäufchen in Branderde unter einer kleinen Packung von 
\ier Steinen. 

11. I nie ohne Steinpnckung im Sunde. 

15. Urne ohne Stein pnekung in Brauderde dicht neben Nr. 14. 

18. Steinpackung von sehr grossen Steinen; darunter ein zerbrochene* 
Boigeffiss; daneben ein Knochenhäufrhen. Von Branderde keine Spur. 

19. Urne ohne Pnekung in Branderde. 

20. Steinpackung; darunter in Brauderde eine Urne. 

21. Urne ohne Packung in Branderde. 
J4. Sr.iiijmckung; darunter eine Urne in Brauderde. 

25. Steinpackung; darunter in Branderde ein Kuochenhäufchcn 

26. Steinpackung; darunter ein Knochenhaufchen in sandigem Bodeu. 

27. Unter einem platten Deckstein, auch umgeben von Steinen in 
saudigem Boden eine Urne. 

28. Urne ohne Packung in Branderde. 



1) Vgl. hiermit deu Ikfund iu Warnikain, woselbst die Funde tod einer lolldicl 
Sflndsrliirhi umgeben waren. 

2) T. K. E 



Grsbformen ostprsnasisefaer Gräberfelder. 



177 



20, Steiupacknng; darunter in Branderde unaenartigaB Gteftss ohne 

• and Beigaben 
ü Steinpaokang; darunter i rae im Sande. 
Steiapaoknng; darunter Urne in Bnmderdfl. 

Steinpaokung, eh welcher mich ein Mühlstein gehört; darunter in 
Branderde auf einem Kopfstein uTcisse-* urnenartiges Gefflss ohne KmccIkm 
B 11 iben. Daneben Reste eines zweiten i rufftaaes 

d Branderde; ganz eingekeill rem Steinen, unter und auf 
weh-lini Ria itand, sowie umgeben war. 

87. Bteinpackung^ daranter eine Urne im Bande. 
• Unter einer Steinpaeknng in durchmischter Knie 60 «n tief Beste 
daneben unvr riuunnte Schudelreste. lud nrelcliCG 
n lagen. 
19 Stehtpacknng; darunter Urne in Brandeide. 
40 ebensolche; darunter im Bande ein Uefasa ohne Knochen und 
Beigaben 

41. Urne in Branderde^ bedeckt roc kleinen, umgeben ron grösseren 
ui'ii. 

16 Grosse Brandstelle dicht unter der Grasnarbe und bis so I /" 
Fe hinuntergehend; obenauf wenige kleine Steine; in bQcm Tiefe sweä 
im Geftsse ohne Knochen and Beigaben. 
iv In Branderde grosses (JefiUs ohne Knooheo ond Beigaben. In 

im Stein. Packung nicht vorhanden. 
v Bteinpacknng; darunter Urne in gewöhnlichem Boden 

Steinpaeknng; darunter im Bande ein Knoehenh&ufohan. 
bA Dielit neben einer zerstörten Urnenbestattnng unter drei kleinen 

I Steinen Knochen hänfenen in Branderde. 
Schwer bu entscheiden ist, ob diese Verschiedenheit der (irabtormen 
i Knskeni sine bei der Anlage des Gräberfeldes gewollte gewesen ist, 
oder ob sie erat später dorcli etwaige Entnahme tob Steinen entstanden 
ist Immerhin inussto diese Verschiedenheit erwähnt werden. Be- 
merkenswert isl hier ferner das Vorkommen eiuer Bkeletthestattcng der- 
tstellung innerhalb einer sonst reinen Brandbestattung. 
Behon eingangs dieses Abschnitts ist hervorgehoben worden, dass die 
X;ihl der samlftndieehen Fuudplätze sine sehr grosse sei. Uan greif! eher 
zu niedrig als so hoch, wenn man ihre Anzahl auf _t>0 beziffert. 1 > .« > 

Iesshiektlieke Samland nimmt demnach uiclit nur in Ost- 
. sondern überhaupt in Deutschland, ja man kann ohne 
iniii, sajfen: in miiz Kuropa, einen selir hohen Bang 
. < it Aber nielit nur dio Menge der Fundplätze illein drüokl 
dem Samland den Stempel auf, sondern ebenmfiseig die Grösse 
der 6 Ider und das fast durchweg reichhaltige und glftn- 

ads Inventar. Uan ruusa aamUndische Gräberfelder gesehen 
haben, am &ieh eine ungpfftbre Vorstellung ?on dem, was dn> 
Samland in den Jahrhunderten nach Christi Geburt geweser 
ist Miii.-Ii.'ii eu können. Leider isl ein« entliehe, am nicht au 

reitaua teste Mehrzahl der Gräberfelder planlos zerstör! 



lr Kltmulogle. JaUtk- WOG Hefl j 



v: 



178 Holl-ck: - 

worden. Die Funde sind zum grössten Teil zerstreut; man weiss nicht 
wohin, und nur ganz bescheidene Reste haben systematisch durchsucht 
werden können. Aber auch selbst von letzteren existieren zu einem er- 
heblichen Teil nur Inventarien-Yerzeichnisse mit an den Kopf gestellten 
allgemein gehaltenen Fundnotizen ohne Fundkarten, so dass bei der so 
überaus wichtigen Frage, in welchem Verhältnis die Grabformen uns die 
8amländische römische und nachrömische Kulturgruppe zu einander zeigen, 
man nicht feste, gesicherte, wissenschaftliche Fundresultate zugrunde legen 
kann, sondern auf Vermutungen angewiesen ist. 

Soweit sich übersehen lässt, ist der Obergang von der römischen zur 
nachröniiscben Periode ein allmählicher, oft kaum bemerkbarer. Setzt 
man die masurische II. Kulturgruppe mit der entsprechenden samländischen 
in eine Parallele, so wird man durch den Vergleich der Grabinventare 
beider, abgesehen von den Urnen, in denen lediglich lokal geübter Brauch 
zum Ausdruck kommt, das Nebeneinander beider in gleichen Zeit- 
abschnitten erkennen. Es ist ferner klar, dass die für die römische 
Periode charakteristische!! Altertümer nicht aller Orten zu ganz derselben 
Zeit aus den Funden werden verschwunden sein, sondern dass an manchen 
Orten die Friedhöfe länger das Gepräge der römsichen Periode sich werden 
erhalten haben, als in anderen Gegenden. 

Der tiefe Einschnitt, der die masurische II. und III. Kulturgruppe 
von einander trennt, bestimmt fest den Formenkreis beider und ist zu- 
gleich ein Hinweis darauf, was alles auch zur römischen Periode des 
Samlandes zu rechnen ist. Doch wäre dies hier nur eine künstliche 
Scheidung und typologisch berechtigt. Da im Samland die Bestattungs- 
formen während beider Perioden die gleichen zu bleiben scheinen, so 
haben wir hier im Gegensatz zu Masuren an eine konstante Bevölkerung 
zu denken, welche jedoch von den Zeitverhältnissen nicht unberührt 
bleiben konnte, was in den allmählich sich verändernden Inventaren zum 
Ausdruck kommt und so die Veranlassung gibt, von einer nachrömischen 
Periode im Samland zu sprechen. 

Da letztere durch langsames Verschwinden der für die römische 
Kultur charakteristischen Altertümer einerseits, durch allmähliche Um- 
bildung charakteristischer Typen andererseits gewissermassen aus der 
römischen Periode herauswächst, demnach kein zeitlicher Zwischenraum 
nach dem Aufhören der einen und vor dem Beginn der anderen gesucht 
werden kann, so niuss sie etwas früher angesetzt haben als die III. ma- 
surische Kulturgruppe, wo immerhin eine, wenn auch nicht bedeutende 
Zeitdifferenz zwischen dem Aufhören der einen und dem Beginn der 
anderen Kultur in Ansatz gebracht werden muss. In ihrem Verlauf sind 
beide jedoch gleichaltrig, was mich aus diesen Gründen dahin führt, die 
Tischlerschen Abteilungen D und E nicht als zwei einander ablösende 
vorgeschichtliche Perioden, sondern in ihren Typen nur verschiedene 
Modeformen einer Kulturepoche zu erblicken, wobei ich gern zugeben 
will, dass die D-Typen im Samlande mögen früher erschienen sein als in 
Masuren, woselbst sie sich mit den Typen der Abteilung E, worauf auch 



Irabforovn ottoreouüofaer Gräberfelder. 



■ >f 



Tischler ichoii hinweist (Tischler- Kemk.- b n. <>.. 8. H>), stark 

Auch für dae Samlnr.d j^ilt, was vorhin von dem mittleren Provinz- 
Gürtel und dem Süden gesagt ist: der Formcnkreis der nachrömischcu 
Kultur entwickelt sich nicht weiter. Er wird hier plötzlich ohne jeden 
in- abgelM von den Altertümern der sogenannten spätheidnischen 
rfelder, tftolehe mit ein er grundverschiedenen Be statt ungs- 
weise und einem gänzlich veränderten Inventur sich örtlich un- 
mittelbar an die filteren 0ffftb#r unschliessen, in öfteren Fallen auch 
darauf legen and die alteren Kultlirreste zerstören. Kbcnso schroff 
wie im Sflden der Provinz der Übergang von der römischen zur 
na «-h römischen Epoche sieh vollzieht, genau so unvermittelt 
vollsieht sich hier der Übergang KB den Gräbern der spät- 
heidnischen Bewohner des Snmlandes, wie ich dies mehrfach 
ii- eigener Anschauung festgestellt habe. 

Der Boden der spätheidnischen Gräberfelder bildet auf weite Strecken 
dt eine einzige, von Kohle und Brand tiefgeschwärzte Maas«, die sieh schon 
durch ihre Färbung auch äusserlich von dem sie umgebenden Lande kennt- 
lich nacht, namentlich aber nach der ßeackerung scharf hervortritt und bei 
einiger Übung schon von weitem als heidnischer Friedhof erkannt werden 
kann. Ihre weitere Signatur sind mitunter grosse, ausgedehnte, meist sehr 
IIa« h liegende Steinpflaster. Auf. unter und /-wischen den Steinen liegen die 
Gegenstände oft in wirrem Durcheinander, so dass es in den meisten Fällen 
Uefa ata anmdglich erweist, die zu einer Bestattung gehörigen Funde als 
solch« zu erkennen und sie von anderen Bestattungen auszusondern. Mit- 
unter Rieh fetalen diese flaohliegenden Steinpflaster, wie z. B. in Schul- 
>t«dn: das wirre Durcheinander aber bleibt. Mensch and Pferd sind 
uilt-nd der giiazen Periode in bunter Reihe neben- oder auch über-, 
i»zw. untereinander bestatte! worden: das Pferd stets uu verbrannt 1 }, 
wfthxend im Mensch in den alteren Gräbern noch verbrannt, in den 
ren bereite unverbrannl begraben worden ist. I>ie hier und da bei 
Skeletten gefundenen Braktenten lassen aus ihrer Zeitstellung erkennen, 
I die LeicnenbestattUUg wohl schon direkt auf christlichen Einfluss 
rflekzuffihren i-t und manche Gröber, so in Schuditten und Viehof, 
schon ins 14. Jahrhundert zu setzen sind. Die Brandbestattungen nntcr- 
i Biell wesentlich von denen früherer Perioden. Nur in sehr 
tenen Pillen gelingt es, ein grösseres Gefäss zu retten; denn die 
vli.ilien verschiedenartigster Oefasse stecken meist schon ganz zusammen- 
hanglos /.wischen und unter den Steinen; die Urnen sind demnach wohl 
bei der Beerdigung verbrochen worden. Auch die verbrannten Kiiodo-n 
ind lehr oft nicht zu einem Häufchen /aisnuimeniicschüttet worden, 
n dem finden sieh häufig zerstreut vor. So habe ich es gefunden bei 
i ii. Blocken. Viehof, Sortheuen, Trentitten, Ekritten, Woidehnen, 
SchnJeteio, narpehnen und Grebieten. 



2 

ha 



1 Auch In den älteren Gräbern des Samlindea und Masurens, MWte neulich in 
odorf, Kr. Braunst tn.'. habe ich die Pferdckn«»chon stets unvorbrnnnt unter einer 

mehrftefcen Lag« ron gopfatmiieii gefunden. 

vr 




180 



n..|i...-k 



Hiervon hat das Viehöfer jüngere Graberfeld das ftltarg früh- bii 
DachrftmJeohc zuratßrt; in Grebieten, Kirpelmen und Trentirtim 1 i •- — 
ininiiiit'liinr um anderen, in Mnnrnii sind beide durch eine schmale, 
sumpfig*' Wiese getrennt; in Bkriiten lagen beide auf demselben \rkn- 
stück, in Sckuhteü) sind dicht daneben Urnen aus älteren Be&tatti 
gehoben, aber nicht gerettet worden, wns ich aucli von ^ 
Rlöckeu und Sorthencn gehört habe, .il..-- keine diesbezÜgli« heu Dftfaemi 
Angaben machen kann, well ich mich verhältnismässig nur kurae Seit 
dort aufgehalten habe, wofür aber filtere, auf dem Acker liegende Irnen- 
»cherben sprachen. 

In BlOelcea Ingen zahlreiche Reste von Pferdexfthnen nml verbrannten 

MenselieiiknuL'lien auf der t HierflAehe; :iu einer anderen Stelle WBTea Bill 

Sn'ick gewundenen Bromedrahts und eine Bron&escbnalle anfgepflflgi 
worden. Hier Hess ich nachgraben. Im zweiten Spatenstich fanden rfci 
ein Steigbügel und eine Trense; darunter erstreckte sich eine teils 
teils dreifache Packung von sogenannten Kopfsteinen. Zwischen and 
unter den Steinen Ingen viele Pferdezibne. Die Steinpackung bildet 
grosses Pflaster. In der Hegel lugen die (iegenstnndo auf den Steinen, 
vereinzelt auch dazwischen; unter der Packung konnte ich keinen Pnnd 
feststellen. Her Kastellan des Praasia-Mveeuma, Kretschmann (nicht es 
verwechsele mit dem anläßlich des Oroseener Gräberfeldes genannten 
Kreteobmanu ?om ProTiusisl-Museom), der bald darauf die Dntersnohnnj 
fortsetzte, konstatierte auch Funde unter der Steinpackung. Die Zahl 
der Objekte war sehi zahlreich, doch wirkte die Untersuchung ermüdend, 
da in Bberwiegender Weise Pferdeattribnte — Steigbfigel, Trensen und 
einige <i locken — vorkamen; vereinzelt fanden sich muh Lanzen und 
Spiesse. Eine Scheidung der Funde nach ihrer Zusammengehörigkeit war 
wegen der Dichtigkeit in der sie auftraten, nicht moglieh herzustellen, 
Ober und zwischen den Steinen befanden sieh Urnenseherbeu. 

Ähnlich lagen die Verhältnisse in Trcntitlon. Die Enoebenn 
waren nebsl den Beigalien sein- flach gebettet nnd bildeten, wie idi»*rull, 
•in wirres Durcheinander. Das unrerbrannte Pferd lag hier ausnahmslos 
unter der Steinpacknng; bei ihm die obligate Trense und die Steigbflgi i. 
denen rieh ab nml zu noch ein Olockehen Bugeseüte. In Viehof, m< 
allerersten Ausgrabung, glaubte o-h. statt des typischen Steinpflasters 
Ringe oder Zellen mit neeusgeffilltev Mitte erblicken an sollen [B. r 
XV 111, 26), dedoeh erwies sieh dies bei einer meiner späteren Aus- 
grabungen daeelbal als irrige luffassung Durch den Pflug waren nämlich 
die Steinpflaster vielfach gestört nnd auseinander gerissen worden Was 
ich ursprünglich für eine Steinsellc gehalten hatte, war in Wirklichkeil 
niobts anderes als eine serstörte Steinpsckung gewesen, deren Rinder nooh 
mögliehel intakt steh erhalten hatten, deren -Mitte über -< hon fehlte. Der 
Boden war oft nur eine riesige Asohenschb l;t. In grosser Me'nge befanden 
lieh auf dem Östlichen Teile des Ureberfeldee unverbrannte PferdesAhne 
und -knoehen. verbrannte Mon>chenkiiochen und zusammenhanglose l fl 

ben, Luf dem westlichen Teile des Gräberfeldes, der durch ein»' un- 
gerührte Kiessehieht von dem östlichen getrennt war, lagen in bi 



rrabiermfMi o* 







ii li .Mi'iix lim- und Pferdeskelette. Die Lage dor enteren war sehr 

; ieden; oft kam es vor, das» von bwbi diobt nebeneinander liegenden 

Skftlef i i; I ii. i« :li Westen, das andere nach Osten zugekehrt log; 

■ icben im die Richtung Nord-Süd and umgekehrt nicht selten. 

Einige -Ii t Skelette hatten reiche Beigaben aufzuweisen. 

Auch «Ii» 1 Lege den Pfardeekelette war eine Yerschiedenr. in der 
Methode der Beisetzung aber Hess sieh insofern eine einigermassen vor- 
bacdenc (Heiehmflflaigkeit feststellen, ah sechs Pferdeskelette auf der 
Seite mit angezogenen Beinen und ausgestrecktem Kopfe und drei andere 
knieend, gleiohfallfl mit angezogenen Beine», lagen. 

Zuerst beobacbtel and [>eBchriebea in Lfibertabof 1 ) von Mennig and 
. |>hil. Scheruring . dann aucli von letzterem in PusBritten") und 
ulack*) desselben Kreises, in Popelken*), Kr. Wehlau. von Lorek, 
Kultur in den letzten Jahren l>ri Ausgrabungen wieder stärker 
BOB Aasdroek gekommen und so auch namentlich von Hezzenberger in 
9chaditten 1 Kr« Fi-<hlmusen, wiederholt untersucht worden, Sie ist Bienv 
li. h j!.-i« liin-ipsig über das ganze Samlaiid bis zur Deiine hin vertreten 
ur:d timlet sieh, wie gesagt, namentlich an solchen Stellen, an denen 
terfelder filterer Perioden vorhanden sind. 

Dan Ansatz»' zu spätheiilnihclier (-früberfeldknltur auch südlich vom 
l vorkommen, ist acbon erwähnt worden: doch sind Fundbarioata, 
eben von der Beschreibung des vielleicht schon cbristlicbeu Fried- 
a of dem Feld J'raclier-l.iske"*) bei lienlnuen von Heanig mir 
ht bekannt geworden. ). 
Nur Aber den Forstbelauf DogOteohen im Rominter Revier, Kreis 
toldap, befinden neb einige Bemerkungen von Bujacks Hand in 
igks Zettelkaielog die ich hier noch wiedergebe. „Fundort ein 
Tal v.iu 4 tjuadratruten gross; mit Steinen von */ 4 — •/« lvubikfuss Grösse 
in solcher Menge bedeckt, dass >ie von einem Hei;r;tlmi>|datz herrühren 
konnten; aber eine bestimmte Ordnung in ihrer Lage war nickt zu er- 
kennen. In 4 — <i Zell Tiefe lagen in durch Brand geschwärzter Erde in 
Knocbenaeohe und Knochen Ins zur Grosse eines Hühnereies, gleich wie 
aal der Brandstelle folgende (Jegeoatände usw." (folgt die Aufzählung der 
lobjekte, die, wie aus B.P.III50 hervorgeht, von Major von Streng 






B. F. II (82. Vereinsjahr), Sitzung vom Oktober I8T6, V (X. Verein>i:ilir . S. cur, 
VIII 3a \ ■ -rcinBJahr) 1" 

-i) B, P. vin :38. Vereinajihr) 111 ff. 

.; I bar, S :>«;. 

i. !>. v. IV U. V-rnnsjalm 59, V 30, 36, VII K*K VIII 129, IX 188. X 49, 51, 96, 

B ,V'racli»i Doch heute Rebrnochltrhcr IVovinrialismüs für Bettler. „Liake" auch 
.Littet«' au den AltpreossiMhen Lager oder Ansiedumg: demnach _Pracher-LM- 
BoUkr-lacet. 

i. 1;. I V. S. li ff. Heunig deckte hier '.)1 reihenweise nebeneiaander bestattete 

auf, die mit ihren Gewindern ohao einen Sarg in die Erde gelegt worden waren 

und dann HU 50 Beigaben aus (Ironie, Eisen. Silber usw. mitgegeben harte. Die 

beaee Kanten sind bis nuf wenige Aunnahmen BrtcteRten »ns der Zeit roi 



182 HolUck: 

eingeliefert waren, auf den wohl also auch diese Fandnotizen zurück- 
zufahren sind). 

Ergänzend sei gleich bemerkt, dass spätheidnische Kultur auch weiter 
östlich am Pregel beobachtet worden ist und hier namentlich ihren glän- 
zendsten Ausdruck im Gräberfelde bei 8imonischken, Kr. Insterburg, ge- 
funden hat, 1 ) 

Auch der auf der kurischen Nehrung bei dem alten Stangenwalde 
gelegene und von Schiefferdecker beschriebene Begr&bnisplatz 1 ) ist 
hierher zu rechnen. 

Einen ganz anderen Charakter als die bisher beschriebenen spät- 
heidnischen Gräberfelder des Samlandes hat das etwas früher anzusetzende, 
in einzelnen Teilen bis in die Steinzeit zurückreichende Hügelgräber- 
feld im Wäldchen Kaup bei Wiskiauten unweit von Cranz, das, umgeben 
von einem dichten Kranze spiitheidnischer Fundstätten (Trentitten, Laptau, 
Schulstein, Transsau, Mülsen und dem Kunterstrauch bei Wargenau) eine 
auffallende Sonderstellung einnimmt. In den sechziger Jahren entdeckt 
von Wulff gelegentlich eines Manövers, ist es zu vielen Malen mit ausser- 
ordentlichem Erfolg von Heydeck untersucht worden und finden sich 
Notizen und Berichte in den verschiedensten Bänden der Altpreussischen 
Monatsschrift. In Heft III, S. 37 ff. der Sitzungsberichte der Prussia gibt 
Heydeck eine Darstellung der Fundverhältnisse der späteren Gräber. 
Er sagt: „Die Grabhügel der Kaup liegen mehr oder minder aneinander, 
einige so nahe, dass »He Hügel aneinander grenzen. Sie sind durch- 
schnittlich 60 cm hoch und haben in ihrer Grundfläche einen Durchmesser 
von 6 m, also ziemlich flach, und sind zum grossen Teil wenigstens in der 
Mitte des Hügels durch einen grösseren oder kleineren Stein bezeichnet. 
Die grössten dieser Steine waren über 1 m lang und etwa 50 — 60 cm breit . . . 
Mit wenigen Ausnahmen findet man in der Mitte unter dem Hügel, auf 
dem gewachsenen Boden, eine Brandstätte, welche selten über 1 m im 
Durchmesser hat. Auf dieser Brandstätte ist der gewachsene Boden, der 
in der Kaup besonders im südlichen Teil aus Lehm besteht, 7. auch 10 cm 
tief bis zu eiuer gewissen Härte gebrannt. Auf dieser Stelle finden sich 
nun Kohlen, gebrannte Knochenreste und gewöhnlich am Rande zusammen- 
gehäuft ßronzeschmuck .... Andere Gräber zeigten Schwerter und Lanze 
nebst anderen Eisengeräten mit Bronzeresten in der Mitte der Brandstätte, 
dagegen Urnen mit gebrannten Knochenresten und sonstigem Inhalt fanden 
sieh immer nur etwas seitwärts von der Brandstätte. Darüber ist dann 
der Hügel geschüttet. In einigen Fällen finden sich in der Mitte auch 
kleinere Steinpackuugeu von einigen Kopfsteinen. Schliesslich ist der 
Merkstein darauf gelegt, welcher oft bis über die Hälfte, häufig auch nur 
mit seiner Spitze, über den Hügel hervorragt.** 

Sieht man von der Kaup bei Wiskiauteu ab, so findet man, dass die 
grossen spätheidnischen Gräberfelder des Samlandes, so weit sich bis jetzt 
erkennen lässt, die sorgfältige Bestattung früherer Jahrhunderte ver- 

1) Pestschrift zum 2-~>j&hrigen Jubiläum der Altertnmsgesellschaft Instcrburg, 
Tat. XIV, XV. 

2; Schriften, XII 54 ff. 



ürnbformen ostprcusBiseluM' liräberfflder. 



188 



niiss.Mi hissi ii. Eine dünne, (irasuurbe von kaum eines Spatenstiches 

Dioke femml oftmals nur die Cberreste der Begrabenen von der Ober- 

li'\ Öfter« schon bringt die Zinke dex Bgg6 eine Ltiiize. einen S|>icss 

7.um Vfirsi-hciii In riesigen Brandstellen findet man in chaotischem 

! tonhemtndei zusammenhanglose l'nienscherhen, verbrannte Knochen. 

w. naTerbranote Leichen* Waffen und Schmuckstücke. Hon hat m 

!"i< n MaaaenbegTabniese zu sehen, die. angelegt auf der Statte des 

Scheiterhaufens, aotdflxftig mit Erde bedeckt winden. Der ganze Ein- 

llraok, den sie erwecken, ist der oiner gewissen Hast bei «I ■■ r Atilage. 

ie ifieitatelliuig verweist sie bis ins i:s und 14 Jaferhnndert, demnach 

Joe Epoche, die bereits tnflhigt biatoriaeft zu weiden und deren 

demnach mit als Urkunden für geschichtlich beglaubigte Erelg* 

r fgefasst werden müssen. 

im Winter 1253/53 machte der Comthur Heinrich Stange venCbriat- 

rg einen Versnob, Bamlaud an erobern, betrat es nn der stelle, wo nun 

lie Burg LochsULdt gelegen ist, rückte bis zum Dorfe Sennen vor, alles 

,zu beiden Seiten mit Ratlb und Brnud verwüstend. Menschen in groaaei 

lahl tötend und gefangen nehmend", ßa komme zur Schlacht, wo? wird 

nieht der Oomtbur und sein Bruder Hermann fidlen, die anderen 

ti Oder mil dem Heere i-iitw eichen. 1 ) 

Zwei Jahre später, 1 "_' .'».">. limlen wir König Ottokar von Böhmen auf 

[»in rechten Weichselufer. Kr zieht auch Balga und trifft hier eisen 

mlft&diechen Edeln, namens Uedun, aus Med et um. Dieser bittet um 

ihonniig seines Hauaes und Eigentnais. Man rerapriofat es ihm und «ibt 

Bl Ulm /-riehen des Sehnt/es des Königs Ranner. 

„und liiz Ü3 die steck in 
nf eines erbis eckin 
und ouch siner vrriude. 
ii t' daz di Urkunde 
in sohle venia ein beschirm 
vor der Dütschiu angebina."*) 
Kn Heerhftufö aber gelangt etwas früher nach Medenau als Gtedun, 
rrbrennt ihm Hans und Habe und erschlagt alle seine Verwandten und 

'rennde Hierauf 

,,dor kunto vorgenant 
ßorengoto in Samclant 
zu Modenow in daz gebit 
und irslilc gar vil der dit: 
•amaliehe er ouch viue. 
Daz andre alliz da vorginc, 
swaz das vüer mochte zern. 
Und dö er aleus ge treib daz liern 
den tac mit allir siner macht, 



1; H I'. IV. B 100, uach Dusburg III Cap. 68 und Voigt III. B. I-'. 
2) Niculaus von Jeroscliin. Reinichrunik vmi Preusscn (Scriptores Herum 
itMkmn, S. 418 und «9), Dosbnrg, eap. III 70/71, obondort S. !*»ff, Voigt Oft- 
l'rcusscns. III 7'.' ff. 






184 Hollack: 

dö bleib er ouch da ubir nacht. 

Das andrin tagis zöch er vort 

in die gegenöte dort 

zu Rudowe und gewan 

aldä di burc den Samin an 

unde tet mit ächte 

aldä so groze «lachte 

an den samischin ditin 

daz si begoudin bitin.** 1 ) 
Im Anschluss zieht Ottokar nach Quednau, Waldau, Caymen im 
Tapiau. Die dortigen Einwohner in ihrer Angst 

„daz er nicht sulchiu mort 

dö beginge also dort a ■) 
bringen ihm ihre Kinder als Geiseln, empfangen die Taufe und werden 
Christen. Nachdem Ottokar dein Orden den Bau einer Burg empfohlen 
und ihm auch den Platz zu einer solchen bezeichnet hat |das nach ihm 
genannte Königsberg] 

„zöch der edle kunic zart 

mit vroidin so hin gliche 

widir in sin riche.* 4 *^ 
Im Jahr der Erbauung Königsbergs brechen die Nadrauer, Schalauer 
und Sudaner in Samland ein; wie Jeroschin sagt, aus Zorn darüber, 
dass sicli die Samen von ihnen geschieden hatten und 

„hertin crefticlich 

aldä in Samelande 

mit roube und mit brande, 

und slügin unde viugin.*) 
Wie Voigt erzählt (III , _ , 48), galt der Rachezug dem östlichen Gebiet 
von Samland. 

1256 empören sich die Samen und ziehen gegen die Memelburg, aber 
ohne Erfolg. Dies hört Auno von Sangerhausen, der Landmeister von 
Livlnnd. Durch einen Teil der Besatzung der Memelburg verstärkt, zieht 
er die Kurische Nehrung hinab, durchbricht einen Verhau, den die Samen 
zum Schutze ihres Landes dort errichtet, fallt in Samland ein und er- 
schlägt viel Volks. Der Verhau wird wieder hergestellt. Der Landmeister 
bricht zum zweiten Male durch; jedoch viele von den Seinen, wie von 
den Samländeru werden erschlagen. 6 ) 

1*262 fallen 3000 Samen im Kampfe gegen das Kreuzheer der (jrafen 
von Jülich und der Mark. Als Ort der Schlacht gibt Nicolaus v. Jero- 
schin einen Ort an, der früher „Caligen" hiess und zu seiner Zeit 
„Sclunien" genannt wurde (a. a. 0., S. 435)*), was Voigt und die 
Scriptores auf „Kaigen" deuten, welcher Ort freilich nicht mehr im Sani- 



1-3) Siehe Anm. 2 S JK1. 

4) Jeroschin, a.a.O., 410/420. 

j) Voigt, a.a.O., S. 108/9. 

ßl Siehe auch Ousburp, 111 OS (Scriptor.-s l, S. IM}. 



Grabfönnen ostpreuasischer Gräberfelder. 185 

lande, sondern schon in Natangen liegt und, falls diese Deutung richtig 
«ein sollte, von der prähistorischen Forschung festgestellt werden mflsste. 
Bald darauf überfallt Nalubo, ein vornehmer Same, die neuerbaute 
Burg Königsberg. Es erhebt sich ein mörderischer Kampf, in dem 
7000 Samen fallen.') 

Der Ordensmarschall Dietrich greift nach 1264 die Samen an und 
überwältigt 9ie nacheinander bei Wargen, Quednau, Schaken und Waldau; 
zieht darauf in das Gebiet von Pobethen 

„und si onch dö hetiu * 

Dramenow*) daz dorf vorhert, 

gebrant, gevangin und vorzert 

mit dem «werte volkis vil.* 1 ) 
Auf dem Rückzuge wird der Ritter Dlenpusch von den Samen überfallen, 
welcher sie jedoch überwindet 

„und slügin da vorwär 

der Samin eine gröze schar, 

di tot üf dem velde blibin." 4 ) 
Hierauf ruft der Ordensmarschall den Landmeister von Li vi and um Hilfe 
an. Noch ehe diese erscheint, zieht das Ordensheer in das Gebiet von 
Bethell*) und verheert dasselbe. Die Samen sammeln sich, es kommt 
zum Kampf, in dem das Ordensheer schon zu wanken beginnt, als die 
Livländer erscheinen und die Schlacht zu Ungunsten der Samen ent- 
scheiden. 

r Unde slügin mit in dö 

die viende nidir als ein stro. 

so daz ir keinre ni genas, 

der da zu velde kuinin was.* 48 ) 
Die Samen aber wollen noch immer nicht ihren Zwingherren dienen Di«» 
Leute des Rinauer Gebiets ziehen gegen die Burg Fischhausen, müssen 
aber erfolglos umkehren. Der Komthur von Königsberg folgt ihnen nach, 
und es wiederholt sich wieder alles; denn es wurden 

„irslügin al di mau 

die daz gebit da mochte hän; 

wib, kinr und di habe 

tribin si her abe." 7 ) 
Nach einigen Jahren, zur Zeit des Hochmeisters Hartmann von Ileldrungen 
(127."> — 1-283), überfielen 400 Schalauer die Burg Labiau, zerstörten sie 

„unde machten lebensblas 

alliz, daz darinne was.***) 

1) Voigt, III 222. Schütz, Historia Hemm Prussicarum. 31. 
2; Nach Scriptores I, S. 107, Fassnote 1: Drcbnaii bei Pobethen. 
:\) Jcroschin (Scriptores 1 440). 
•I) Ebendaselbst. 

."> Nach Scriptores I, S. HW, Fussnotc 9 wohl ein dem Territorium Pobethen benach- 
bartes Gebiet, dns wahrscheinlich zwischen diesem und dem Kurischen Haff lag. 
«ij Jeroschin (Scriptores 1 4-11). 
7; Jerosehin (Scriptores I 442). 
S; a. a. O., S. 49D. IV P. XIV, S. IS. 



]>[- 



1S6 

Ins Jahr 1277 fällt wieder ein Aufstand der Samen, Aber «Ion 
nichts näheres bekannt ist. 1 ) Drei Jahre später, bot Zeil de« L»nd- 
meisters Mangold von Sternben*, verbinden steh die Sudauei mit 
Litauern uud verheeren das Snuiland.*) 

Wieder drei Jahre spater fallen die Litauer allein in das Gebiet ran 
Pobethen und Reihen. brandschatzen es; 

„mich ehristinlichii luide 
irshigin si ^esundirt 
wohl Tum&ig unde hundirt.* 1 
Km solcher Litauereinfall wiederholt sieh 1289.*) 1309 kommet! &0 OSft- 
mniteu über die Kurisehe Nehrung geritten und Verheeren die Kirchspiele 
RüdftU und I'owundon.*) 

Schon nach zwei Jahren hat du Snnland eine neue Brandachntauftg 
zu erdulden, uml zwar von den Litauern, die es „verzehren mit Brand 

und Raub*. 

„Ouch er ili'i nmehte toiibe 

manches cristenmannes lib.-°) 

Dan Elend defl Landes mitn wohl sehr gross gewesen sein: denn dei 

i che Soriptor Lftsat der Brs&hluog eine lange Klage folgen. 

Weiter erfährt mau von [Mündet *uugen des Labiauer Gebietes ziii 
de«* Hochmeisters Werner von Orseln (1824—1880) durch die Litauer. 1 

Ferner zogen 1862 die Litnucrfürsreu Kynstut. Olgierd und «Jei 
Fürst von Smolen-sk, Patirke, die Gilgc herab in viel II ei 
„Wöhrend die andern Haufen sich mehr nach Westen, nach Powundeu, 
Seluinken und Caymeu wandten, streute Fatirko zu beiden Seiten dal 
alten Deimegrabens. verwüstete die Gegend und macht»' viele Gefangene "~, 

Ins Jahr 1370 endlich fallt die bekannte blutige Schlacht bei Radau 
in der dar OrdensmawohaU Henning Schindekopf fiel. 

Mii riecht bemerkt Voigt, das«; ein wildes und verwirrtes Gewe 
der greuelrollBten Raubfehden diese Jahre füllt; ..eine endlose Reihe ww 
Bildern voll Elend, Jammer und Unglück, ein grässliches Trauerspiel mit 
Szenen voll Mord und Blutvergieascn, voll Verheerung und Vernichtung 
aller menschlichen Wohlfahrt zieht sich durch die furchtbare /-«it hin uiel 
dio Bühne Ist ein Boden, auf welchem Jahre hindurch der grause Getuos 
des Verderbens und des Todes mit Schwert und Feuer in allen geiix n 
Gestalten und mit allen seinen Kitteln grauenvoll geherrsalit und 
wfltet hat - ' 

liiere Verhältnisse müssen mit in Ansatz gebracht werden, will n 
die Hiuuläudischen (irahei felder dieser Zeitatellung recht verstehen. \\ 



tu. 

b* 



... 

Ulli 



l) Voigt, UL M8. 

' derselbe, III 8TÖ und Jorosfhin, BcriptOTOI I SOI. 
3) Jcroscluu, ai. 0., S. ' 
t i n. 0., S. G2G 

5) a. s. 0., S. äl-2. 

6) Ebendaselbst. 

T) H I\ XIV BO (»orn, Zur (JeBchichto Labi.ei 
8) Ebendaselbst und Voigt V, 98, 
9 \ »Igt III, 299 




Grabrormen ostproufbehn «iräbcrfeldcr. 



IUI' 



vei 



sieht, wieviel mal der Boden um Rudau herum mit Blut gedüngt i.-i 

un.i findet dann diese grossen Grabfelder au» derselben Zeit hier mit 

staeeengr&bern und dürftigen Bealattang, dem wirren Durcheinander, 

>n vielen Waffen, so wird man in ihnen nur die lotsten fberbleibsel der 

urclitbaren Kampfe erblicken können, die dorn tapfren Volk der Samen 

aufgezwungen wurden. Dass sich iu häutigen Füllen diese Masaanbegröb- 

Diese unmittelbar an fiel fitere Friedhöfe anschliessen, sich mitunter auch 

daawiaehenscbie-ben. dürfte am besten auf Bitte and Tradition der Bauten 

zurückzuführen sein, ihre Toten au schon vorhandenen He^iübnUplÄty.en 

zu beerdigen, eine Sitte, die wir noch heute hier und dn iu OetpreuatejO 

n treffen und wozu namentlich die christlichen Friedhöfe bei Wilkieteo 

ind Leisten-Jakob - beide Kr. Mcmcl — , sowie Weeaeiten und Barwen 

beide Kr. Heydekruj; — als lehrreiches Beispiel dienen können, da Bio 

nichts weiter sind als das letzte Glied einer angebenden Reihe tob Gräbern, 

an Anfange bis in die ersten Jahrhunderte nach Ghriiti. Geburt wrtjek- 

verfolgt werden können. 

Auch Seh erbring wird ans der Anlage der spathoidni>eheii (iriilier in 
chakaolack. Kr. Labian, zu dem Schlüsse geführt, in ihnen ein Begräbnis 
lehrerer Personen tu sehen. jWelrhe ;m> einer Ortschaft gebürtig, viel- 
leicht Knsammen im Kampf gefallen, auch gemeinschaftlich verbrannt und 
graben wurden.* 1 ) Desgleichen vertritt Tischler eine Ähnliche Ansicht. 2 ) 
Daes in einer solchen Periode dea Binacfalaohtena angesAhlter Tausende 
i einen) räumlich beschrankten Landstrich potahe Massengräber der 
i/'ii Kultur ilir Gepräge verleihen, ist klar, doch haben die Aus- 
grabungen der letzten Jahre aneh solche Bpatheidnisohei] Gräberfelder 
ergehen, die nicht hierauf zurückzuführen sind, vielmehr durch die Ge- 
ichlossenheSt ihrer Funde und Regeluifissigkait der Grabfortnen nur den 
Sefalmu zulassen, in ihnen Friedhöfe ans Friedensseiteu zu erblicken. 

Kfoch treten sie vorerst uoofa vereinzelt auf. So stiess i< h in Mantau auf 
ein sogenannten „Steinerberge" auf eine spätheidnische Brandbefitattong 
nter einer kompakten Steinpackung, welche die Knochen in ein Häufchen 
_.'>rhiiMet und daneben die Beigaben enthielt, wie icdi es ähnlich muh in 
Soithenen beobachtete. Regelmässige Beisetzungen weisen auch die im 
Spätsommer l'-lOti von Bezzenberger und mir ausgegrabenen (Iriihert'elder 
•011 l.nptau und ltludnu auf, die aber noch nicht näher behandeil 
erden können, weil die Inventare noch nicht bearbeitet worden sind. 

Pflicht der Forschung wird es sein, die apfttheidnisehen Qrftberfelder 

Iflt Sanihmds mehr als bisher geschehen ist. zu beachten, um endlich 

gesichertere Grundlagen für die Zeil des Übergangs von der heidnischen 

,eit /um Christentum zu schaffen, als diejenigen sind, über weiche die 

orgeachichtc heute verfügt") 



lt B F. VIII, 61. 

2t Bericht über die arclilulogisch-imthropol. Abteilung des l'rov.-Mu?. S. 16 1" (in 
S« hriften. Jahrgang IWO). 

S) Das Gebiet des alten Litauens, soweit es nördlich vom Profld '"r'- feW schon 

lit zu behandeln, urachien mir verfrüht, da die Gcgeud östlich der Dehne und südlich 

Kurischen Haffs und «wischen Pregel und Memo! auf ilne prähistorischen Vi -r)i dtuisx' 




ISS 



IttlUcb: 



Nclilns>heitierkuiiK;eii. 

In der Einleitung isi worden, dass die &rahformei Hin- 

•A-i- «uif die ethnographischen Verhältnisse Altpreussens in der vorgeschicht- 
lich. -n EXeenseit bOI 

«ieht man, nunmehr rückwärts schreitend, vom 6am)and nae, so I 
einen nvftliehen Anhalt .las Ffttgolgrflberfeld in d« Knup bei Wiskiauten. 
Wie es schon durch »eine IMgelgrnheriorm eine bemerkenswerte Sonder- 
stellung einnimmt, so namentlich mich durch viele BeiHet/unysinventmv. 
welche, wie */. B. die Sehildkrötenfibeln. bisher keine Parallele in Ost 
preoBsen gefunden haben. Dagegen finden wir die Schildkrötenflbel In 
den russischen Ostieeprovinaen, ho in Lirland, dann in Skandinavien. 
Die« n\. -ist demnach auf einen Binflnss hin, der ausserhalb Oetprei 
KD BQehen ist und von heimatlichen Verhältnissen allein heraus betrachte! 
nioht erforscht werden kann. Die von Hey »leck beobachteten, auf der 
Mitte dea Grabes errichtetet Marksteine Beigen uns nun eine sehr n 
beachtende Parallele, die auf Gräbern .lieser Zeitsrelfong bislang 
iiuch nicht in Ostprenaaen, dagegen vielfach in Rornhnlm. sowie nucli 
in Schweden und Norwegen festgestellt isr. Hier findet liiiiu mich 
Bophua Mtlller 1 ) in der Wikiutrer/eit den allgemein üblichen Brauch, 
sogenannte Bautasteine, wornntei er hohe, aufrecht stellende, un- 
behauene I redenkateine ohne 14unenin i *chnft vri-teht, auf (Irah- 
jdätzen zu errichten. Auch die HQgelgrabfOTffl selber findet in dieser 
/.- it nordische Seitenstücke, bo in .iiitland, „woselbst die GrÄber fast immer 
mit einem Bfigel bedeck! .sind. Doch führte mau nur selten neue Hügel 
auf; gewöhnlich legte umn das i «rali in einem Riteren Hügel an-, ziemlieh 
!i:inli- >Mua:* in Hüireln :u;. <ler BK>n«eteh", - J welche Tatsache fttr die 
(iraber der Eaap insofern noch eine Parallele darstellt, als hier auch ein 
Grabhügel aus der Steinzeil mit einer Nachbeatattnng aus der fiteren 
Bronzezeit inmitten der spateren Graber vorhanden war.*) Wenn mau Mr 
die Grabform annehmen muea, daas sie durch Stammeebranch bedingl s 
«o hat* man demnach die Grabhügel in der Sanp als skandinavische Kr- 
Eeagnisse anxDspreohexi. Zieht man ferner die mittelalterlichen Berichte 
in Betracht, so wird man finden, dasa daaSamland ein Ton den Wikii 
anf ihren Rftuberfabxten gern aufgesuchtes Land war und dass nach dem 
bereits historischen X. Ituehe ,\.>< Sn\n Grainmaticus unter der Regiertuig 

hin uoch fast gBCl unbekannt gebliebcu ist. Nördlich ä« Memel find durch Beizen»" 
bekannt swrnHtn: Grejißncn, Kr. TiUit \H. V. \\\ ISöff), das schon r*-i)w< ho zerstört* 
rfsld bei Barsiluhurn. Kr. Qeydeknia s. .1. o., B. 112 ff), das serstötte Feld bei 
Balten Kr. Memeli, s. ;i O ISÖtt, Bcbernen desselben Kreises, B. P. XVII. lllff, und 
liir-h li ii blei das Gräberfeld bei Oborhof, Kr. Memel (.Schriften XXIX, i:>ff. Üä ich 
selber nur du Wßsiebei Qrlber&ld In dieser Gegend aus eigener Anschauung kenn*. 
mag ich di<- vorliegenden .Materialien jetzt uocli nicht verallgemeinern. Krst nach erfolptt-r 
ut liehung der grossen, von Bczzcnbcrger attterouchten Gräberfelder bei Rnbockcn. 
Wegzeiten und Bariren, Kr. Hoydekrug, und Anriullen, Kr. Meine], wird sich ein genaues 
Alls emein urteil über die Gräberfelder dieser Gegend ermöglichen lassen. 
j trdisohs aJlertannlumäi il. 260 -'il ff. 

i) b, p. xviii, a i;. 

■ ■• It. r. WIM. B, 47. 




Grabfoniien ostpreuisisi'her Gräberfelder. 



IS!» 






bne (»3a- Ö85) d> 



ipßsoii Solni Iliujuiiuis dort eine däniM-hc 

Kolonie gründete. Man wird nlso zunächst in der Coup Wfltingergrfiber 

■ : ■iiuinliMT* tu erblicken habei^ zn welchem Resultat auch II eyd eek 

auf Grand der Beieetzungsinventare gekommen i*t. und, einen Schritt 

I weitergehend, dort die dänische Kolonie zu suchen haben 
Dil* Qrftbev der Kaup weifen demnach ein helles Licht anf den uiin-d- 
i Iterlichsfl Bericht des 9axo Qrammatioiu. der schon rou Voigt angeführt 
und ah richtig angesprochen worden ist Auf rein spekulativer Grundlage 



iti-i nur geatfitet auf »las Wort „Wirliinu;". 'las die rornehmen Qrnnd- 



i dos Samlands im 13. Jahrhundert bezeichnet und welch 09 et auf 
die bei Adam von Bremen vorkommenden „Withinger", welche gleich 
den Wikingern Seeraubei gewesen waren, 1 ) deutet, kommt er zu folgendem 

ti.'in.'rknuw.'iii'ii Schluss: „Die neue Niederlassung in Snuiland 

rorzAglich in dessen mittleren Gegenden, nördlich von Laptau 
ln-riint er über Rudau uaW-,*J wns vmi der prfthistoriaeheu Forachung 
vollinhaltlich bestätigt werden kann. 

Nordischer Einfiuss, auf den die Bemerkungen Adams vmi Bn-men 

den Handelsverkehr usw. 8 ) der Semben auch hindeuten, findet »ich 

in vielen Beisetzungsiuvcutarcu auch anderer (trüber des Samlmid>, ein 

Kintiuns. der in «lor iiachrömischen Kpoche noch nicht vortfohorrsoht hat 

Ob und inwieweit nordischer Binfloefl mich auf den Totoukult eingewirkt 

iat, bleiht zunächst noch eine offene Fra^e, da durch die MassengrÄbeT 

>s 13. und 1-1 Jahrhunderts viele in Friodonszeiten anirele^te -.[tiitheid- 

iwlnv Grftber Eerstort zu »ein scheinen und aus dein Befunde von Laßtau 

nid Bludau allein allgemein gfiltige Schlüsse nicht gezogen werden kAncen, 

ie Grfiber det Kaup aber für »ich allein betrachtet werdet mflssen. 

Präge dürfte vielleicht auch unlösbar bleiben, da die Aokerknltur, 

■i Wegebao, die Neugierde und der Unverstand vieles zerstört heben. 

I aber lehren uns die samlandisehen Gräberfelder 

och, daea wir hier in den aachchriatliohen Jahrhunderten eine 

oaatante spezifisch preussische Bevölkerung anzunehmen 

,\Venn ein anderer diese Bevölkerung nicht fi'ir „prenwiach* 

hte ich es nicht als meine Aufgabe, eine solche Ansicht zu 

riderlegen, sondern als die Aufgabe des andern, sie zu beweisen" 4 } und 

len Nachweis au erbringen, «lass ich die grossen (iraberfeldreiben de> 

tmlands falsch aul'^efasst habe. 

AI- ll,iu]ii< li.ir.ikteristikum der samlnndischeii Gräberfelder haben wir 
i der l rne befindlichen, vollständig ausgefüllten Steinpflaster kennen 
tere sind also als typische Eigentümlichkeit der Grabfonnen 
>s preoseiech-aamlandiBcheii Stammes aufzufassen. 



Vuipt, Geschieht* Preusflen« I. 
2] Denolofl L _' •- 

- Hierauf besteht sieh Adams Bemerkung in Bach I, \\u\ < ECanburgfsi 

KirthengMcbichto, tlau och in <teru unweit von Upsola gelegenen Schwedischen Hafenort 
alle Schiffe- der Danen, Slavco, Semben und anderer Volker BcTÜdaai wegen 
Ehler Hanri.ilsbeUürfiiHso gewöhnlich lusammeniimik-n. 

h VgL Hciaenberper B. 1'. XVII, S. 1G8, Schluaesatz «um Fundlm« ht Üb« 
lohsroea, Kr. Memel. tb-n ich etwas verändert hier sftiere. 




1!»0 



llollsck: 



Daes wir difl üb tfiitttorse Provinzgürtel Susi—igen Landi 

ül> Sfiimi: ndt" dar Siimliinder anzusprechen haben, dafnr ^priest 

als Innerer Qrand die Ähnlichkeit dor Qrabferman, ES* kann »bei tat! 
für seinen fotUobeo Teil ein historisches Zeugnis herau^-zo-en werden. 
Die im II. nachohristlichen Jahrhundert entstandene Ptoleruäiseh" Welt 
karte kennt ah eins de* östlich von der Weichsel wohnenden Völkei 
die Sudiner. 1 ) Im 19. Jahrhundert aber finden wir nordöstlich von 
Spirdingscs die Sudaner wohnen, welohe ebenso wie die Samen di 
praussiscb-lettisohen Stamms sngehOrtea. Wie M Ollenhoff (Deutsche 
Altertumskunde II. s. 20) flieh weist, handelt et sieh hier um ein und 
denselben Stumm, dem wir in der späten-n X<-ir .nur unter einer • t\>.i- 
veränderten Nametisform" begegnen. 

Spricht ilioöcs schon «laftfr. auch in diese] <><:_"iul eine stabile I»* 
TÖikOTUOg wahrend der nachchristlichen Jahrhunderte anzunehmen, 
wild Blau darauf am h ebenso durch die Fundberichte geführt, in welch- I 
wir -»»wohl bei den älteren römischen, wie jüngeren naohrömischen Qlttbeni 
die massive Stcinpackmig in niedrigen Hügelchen ;iU i tum* i wiederkehrend« 
Orsbfonn \erzeichnet finden, welch letztere ^leieherwidso nur als Smmme— 
brauch eines and desselben Volkes aufgefasst werden kenn. 

Pber die Kitte der Provinz kann leider nichts ^rsa»! werden, da ni 
sieb der prähistorischen Forschung bisher, wie oben gezeigt worden ist, 
reohl Wenig ergiebig gezeigt bei 

Ini die prähistorische Ethnographie der (legend am frischen Haß' hat 
sieh Dorr verdient gemacht. *J Was die beiden in diese Arbeit mit hinein 
bezogenen (iraherfehler mit Steinpaekttng hei Lenzen und bei Serpin in 
Kreise Rlhiug anlangt, die Dorr in die Zeit von 400— 7C>0 D. Chr. datiert. 
>■> sprich* er sie fttp „Ästengräbei-, demnach auch für Preussengrflber an 3 i 
Fassen wir das Besaitet zusammen, so ergiebl sieh folgen* 
Die durch BieinpackungeD gesicherten Grftber des Samlands 
und der (legend südlich vom Pregel sind auf eine prenssfecb- 
letti so li e B e » 9 1 k er n n g i u r ü ckaa fü h reu. 

(innz andere llesruttungsformeu weist, wie gezeigt worden ist, Masurec 
auf. Für die Qrtbex mit La Teno-K.ulr.ur im Kreis« Neidenborg i>i oben 
•■in Fazit gezogen worden, so dnss es sieh hier erübrigt, Doeb einmal 
derauf surOckzakommen, Anders verhak es sieh mit den Gr4berfelderi 
römischer und naebrttraisoher Zeitteilung. 

Schreiten wir hier auch rückwärts vor. so finden wir in der Gegend 
westlich des Spinlinj^sees im 18. Jahrliundert die (ialiudier, mithin am h 
• ins der Volker, welche die Ptolemäisehe Weltkarte östlich der Weichsel 
verzeichnet. Spezifisch »pitheidnisohe Qalindengr&ber mit Mitsprechendem 
Inventar sind bisher nicht aufgefnnden worden, was meines Brachten! 
daran!' zuniokzufrthrcn ist, dass das Volk allmählich davon abkam . 
Toten Beigaben mitzugehen, tu welchem Schluss der i:auze Charakter der 



1) Ich bestehe mich hier auf «He 1541 besorgte Ausgabe des Ptolemftns Ton M\> 
Villannvius in der Königsbergs StadtbibliotLck. 
»urr, Cberaicht BSW. II. S. 77 
I) Denelb», Dt« OrSbetfftlder aaf dorn Silberberge bei Leine« und boiSeipiB a v S 



GnbÜNHMO ostnreö*tischor Grftberfi'U -r. 



1!»1 



litrlirüini^idiL'u litübeifuuler direkt hinführt. Dir Formen dieser lirüherfeld- 

€ippe degenerieren allmählich und es ergibt sieb, wie oben >rhou gesagt 
rdsn i- s t- »"in MUUifh&rtich fortschreitender Niedergang. Audi wertieu 
Tuntir allmählich immer seltener nnd seltener. Die Gräberfelder 
werden mir der Zeit blosse Urnenfeldor ohne weiteren Inhalt als den von 
'brannten Knochen, oder aie enthalten auf weitere Strecken nur lose 
Knochenhäufchen ohne Beigaben oder enden aneh, wie es beiapieleweise 
r 1'irifin zerstörten Gräberfeld e dieser Art bei Bdorreo der Fall ist. 
lieh ;iiii christlichen Friedhol', neben demnach bzw. in diesen Aber. 
m diesen Gründen die GrÄber der III. Kulturgruppe als Galiadeugrftber 
rechen^ i*t wühl das natürlichste. An der Hund dieser Gräber 
wir also Schritt für Schritt in die masurische Wildnis geführt, die 
k> deotBchc Ritterordt n "inst vorfand. 

Ihre Zeitstellung oder richtiger -vsa-t die Zoitstolluug der Blüte dieser 

Kultur ist sine in den Letzten Jahren oft umstrittene Frage gewesen. 

Boaxenberger 1 ); Heydeck") nnd Hark in un n") nehmen hierfür das 

fünfte. Kt-mke*) da» 6.— S. Jahrhundert an, welche scheinbar einander 

ideraprecb enden Meinungen dadurch ihr« aatnrgeniftsae Erledigung finden. 

M man der ganzen Kultur eine längen 1 Lebensdauer zugesteht, als es 

Ite gemeinhin geschieht Ihr Beginn ist wohl schon im fünften, ihr 

l.»ni:-anM's Kriechen ahi'i' frühestens i in 8» Jahrhundert zu Midien, worauf 

dann allmählich die h eigS hen Iu3e Zeit kam. 

Ihre tiräber, obwohl auch von Angehörigen dos prenseisoh-lettisohen 

inies angelegt, entbehren der schützenden Stoinpackung, was ohne 

Zweifel in ganz bestimmt gewollten Ursachen seinen Grund haben muss. 

i.lu abei darauf zurückzuführen sein kann, dass •••> der (legend an Steinen 

imanseh haue, was tatsächlich nicht der Fall ist 6 ^ 

Ohne Zweifel haben diese tiräber eine starke Iteeinlliissuug durch 
lie gleichfalls Bteinp&ckungaloseii Gräber der vorhergehenden II. inasurisoheo 
[nltnrgruppe erfahren. Ba ist oben versucht worden, den Nachweis zu 
dass wir durch die geographische Lage der Gräber der II. Kultur- 
Jen Weg können lernen, den die Besiedlung des Landes im Süden 
« ProTins genommen hat und dass wir für deron Ausgangspunkt, 
»weit die Forschung beute erkennen lüsst, ungefähr das Mflndungs- 
t»i.-r des Nnrew zu halten haben. 

Bei Ptolem&us finden wir im ~l. Jahrhundert n.Chr. auf dem Ostufer 

ler Weichsel die Goten verzeichnet. Nach Mftlleiihoff*) kann man sie 

licht »anders als innerhalb der grossen Beugung der unteren Weichsel" stellen. 

uf d. >« I führt auch die von Jordnnes mitgeteilte ätauimfraditiim 




I) Prufisia-Katalag II. S. _M W. 
9) R P. 19, B. 68. 

Mt-i. EJBSUSstt in Filmland, S. 148/1 19 
I Bin Beitrag zur Chronologie der ustpreussischen Gräberfelder mit Berücksichtigung 
Nachbargebiole, Schriften der Hbys.-Ökon. Gesellsch., Bd. 40, S. 97ff. 
6 Ich erinnern nur an die beiden speziell in dieser Gegend liegenden riesigen Stcin- 
moräiiLTi in dem CrotinneT Korst. 

•'.) Deutsche Altertunultiiod'. 1 II. S. 1/5, 





Ü2 



Holla** 



des Volkes curöck, die, mag rie noch so sagenhaft umsponnen sin 
doch eine Erinnerung an frühere Seiten bewahrt bat. Dan der i i 
der Weiobael den Goten eh) bekamt« Grebici gewesen ist, las 
ii _ro^i'ii|ilns<'hiMi Kenntnisse des Jcrdanea erkennen; denn di 
schob zu berichten* dasa sich die Weichsel in den Ozean in drei NQn- 
dungen ergiesse und (Ins* sieh zwischen Ihren Untiefen eine foiael befinde 1 ) 

Ferner weiss er tu berichten, dasa Kenig Uermanarieb (um 350), dw 
berühmteste unter den gotischen Amalerkonigen, viele leriegstflohtige Völker 
lies NortleiiH. darunter Mi" \ -i ■ ■ 1 1 . Iic/wnugxm und nie ircuiin-jt habe, nach 
seinen Qeaetaea xu leben. 

Inwieweit dieee Krzälilung von der Eroberung des alten Prensaeu- 
landes auf histor ischer Wahrheit beruht, möge dahingestellt bleiben; jeden- 
falls aber drangen die Gräberfelder der II. oiaauriscben Kulturgruppe 
ilahin, eine ßosiodulung doe Inas treten Süddna der Provinz von der W i 
aus anzunehmen. Dnss diese keine preussisch-tattische war, Bfgih-1 
aus den Qrabformen, die nur in ganz vereinzelten Fallen eine Steinpackv 
aufweisen, vielmehr als eine germanische, angesehen werden muaa, will 
man nicht die damaligen Verhältnis^' in ■ I • • t mittleren VTeicliselgegend 
geradezu auf den Kopf stellen. Wir werden also mit aller Bestimmt« 
dahin geführt, in den Gräberfeldern der [I.Kulturgruppe in den Kreii 
Orteleburg, Bensburg und Sohauniaburg Gerraanengr&ber zu iahen. Zu- 
gleich aber haben wir damit auch einen der Gründe zu der r5m'l6C 
Provenienz mancher Fuudstücko dieser Epoche gefunden. Er ist in den 

Kämpfen der Germanen -e^eii »las r „die lleich r.u suchen, durch welch, 

riele Erzeugnisse römischen Fabrikats nach dem Norden gelangten in 
dem Besitzer zusammen vergraben wurden und sosnfiter'die Veranil 
zu dem ganz falsch gewühlten Namen „römische ÖrÄberfelder* gaben | 

Dase dieser von Süden nach Korden verlaufende Kulturstrom auch 
Händler hierher gebracht hat, ivt wohl gleichfalls als gewiss anzunehmen. 

Wie bekannt, nahm das Reich Uermanrichs ein jähe- Lud.-. Dem 
Anprall dfif Hunnen (um 373) waren die Goten nichi gewachsen; da 
Reich löste sich auf und die besiegten Völker fielen ab. Aber die E 
innereiig hieH sich noch lange Ln dem Ged&ohtais germanischer Stftnim 
und nooh im Vidsid-Liede (Tgl. Müilenhoff n. a. O. II, 9v.<; werden dl 
Goten „oatw&rts von Angeln an der Weichsel gedacht. 41 

Zieht mau diese zeitgeschichtlichen Momente zusammen, so b i 
zugleich eine befriedigende Erklärung zu dem oben skizzierten schroffe 
Übergang von der II. also germanischen, zur 111.. nreussisch-lettischen 



: 

D 



1) UcBcliicbUscIir. der deutschet] Yurzcil. 2. Gesamtausgabe, IM, '• iJ"rd;itu 

■ ' - A.a.O.. 8.88/89. 

2) Bison weiteren Gnmd zu dem VorhaBdoDMin römischer Erseugaisft in <»; 

lirenftsisrhen Grlibern haben wir wnhl auch liarin in Blichen, d»-.- -ri: t :i r m* ;i II. 
»J 817} „dio römischen Kaiser neben der Kniser^ardc nooh eino portcnliolli Lsibwaslw 
aus fremden Söldnern lieb bQdfltea, unter denen neben BaUrerfl und indem QenntneM 
Utk Kelten und Öarmntea", als welch letitere man in Korn guni allgeuislo I 
wärt» der Wachse] wohnenden SUmme bezeichnete, ..Aufnahme fanden". Vgl« H« > tibon 

Qesob. des Nun. Ksisemiehs Barün 1880) S Blfl r>. 



Grabformen ostprenssischer Gräberfelder. 193 

Kulturgruppe Maaurens. Zugleich aber ergeben sich auch Daten für die 
Zeitbestimmung. Ganz allgemein gesprochen, ergibt sich das Jahr 400 
als zeitliche Scheide zwischen beiden Kulturen. Auch Müllen hoff (II, 19) 
nimmt an, dass die späteren Galinden „zum grössten Teile unzweifelhaft 
auf ehemals gotischem Boden" sich niedergelassen hätten, vorher aber 
Nachbarn gewesen wären, was aber die vorgeschichtliche Forschung, soweit 
<lie Frage der Nachbarschaft in Betracht kommt, nicht beantworten kann, 
<la grosse Teile Masurens prähistorisch noch ganz undurchforscht sind. 

Auch Kossinna kommt zu dem Resultat, in ostpreussischen Gräbern 
'ler ersten nachchristlichen Jahrhunderte einen bestimmt zum Ausdruck 
kommenden germanischen Einfluss zu sehen. Er sagt: ., Während der 
ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit dehnen sich in Ostpreussen gotische 
Stämme in starker Vermischung mit Aisteu bis zu einer Linie von der 
Ostgrenze des Samlands nach dem südöstlichsten Winkel Ostpreussens 
aus.** 1 ) Einen solchen Einfluss nachzuweisen, war nicht Aufgabe vor- 
liegender Arbeit, die sich darauf beschränkte, nur die Grabformeu, nicht 
aber die Grabinventare in den Kreis der Erörterungen zu beziehen. 

Vieles bleibt ungelöst, wie es ja nicht anders sein kann, da die vor- 
geschichtliche Forschung noch sehr jung ist. Diese Arbeit verfolgt darum 
in erster Reihe den Zweck, anregend zu wirken und den Anlass zu 
weiteren Arbeiten auf dem Gebiet der heimischen Vorgeschichte zu geben. 

Möge es ihr gelingen! 



1) {Cossinna, Die indogermanische Frage arrhüologisch beantwortet Zeitschr. für 
Ethnologie XXXIV, lftg, S. 2l»ff. 



/.oUselirift far Ktboolo«ie. Jahr«. 1908. Heft '-*. 1JJ 



2. Depotfund im Münchenrotlaer Grund bei Jena. 

Von 
Eichhorn— fena. 

Im Jahre 188.*i wurde am Fasse des Einshügels in nächster Niihe In 
ßinboraa im Muuchenrodaer (irund bei Jeua ein Fund bronzener G 
stände gemacht, der seinerzeit durch die Seltenheit seiner Stin 
meines Aufsehen erregte. Dank der Vorsicht, mit welcher die Find 
bei der Aufhebung der Gegenstände verfuhren, ist alles gerottet und a 
halten geblieben und als geschlossener Fund mit allen Stücken dl 
prähistorischen Sammlung des (-iermaniBchen Museums der Universil 
.1 'im einverleibt worden. Bisher ist in der Literatur noch keine ein- 
gehendere Schilderung des Fundes veröffentlicht worden, nur hier und dl 
ist von einzelnen Stücken Krwfthnung geschehen. In der vorliegenden 
Abhandlung sei dies Versäumte nachgeholt. 

Über die Fundumstände habe ich bei den Findern folgendes er- 
fahren: Der Landwirt Carl Frommann aoa Müncheuroda war mit seinem 
Bruder llerrmunu im April 1885 in einem Seitental dea Muuchenrodaer 
Grundes am Fasse den kegelförmigen Kinshügels beschäftigt, ein Feld zu 
bestellen. Der hinter dem Pflug dreingehende Bauer sah in der auf- 
geworfenen, tiefgeptl igten Krde plützlioh eine goldige Spitze glänzen, die 
wenige Hand breit zutage kam. Das Ackergeschöft wurde sofort unter- 
brochen, und die Stelle mit grosser Vorsieht aufgegraben. Dabei kamen 
zum Vorschein auf einem I laufen zusammenliegend: ein Schwert, eine 
Beilklinge, vier Sicheln, ein Armband, zwei Zierscheiben, vier Knüpfe, 
zwei Ringe, drei Stück ineinanderhangeude Hinge und Spinilndlen. eine 
Drahtrolle, alles aus Bronze. Die Gegenstände lagen frei in der Erde, 
ohne deckenden Schutz, ohne umgebende Steinsetzung. Die Erde selbet 
unterschied sich nicht von der der Umgebung durch Verfärbung ©da 
sonstige Beimischungen etwa von Asche oder Holzkohlen. Auch die 
Bodenoberfl&che Aber der Fundstelle war flusserlich durch nicht-. Auf- 
fälliges ausgezeichnet gewesen. Das Feld war erst seil wenigen Jahren 
beaokeri worden, bis dahin war et mit Wald bedeckt. Späterhin wurde 
im Beisein von Professor Kl op fleisch aus Jena die ganze Umgebung 
der Fundstelle aufgegraben ohne weitere Ergebnisse. In weiterem Dmkreis 
fand sich keine Stoinaetzung, keine abnorme Bodenvt-rfarbung, keine 
Topfseherben. Dreissig Schritt entfernt von der Fundstelle wurde ein 
rotgefärbter Stein aufgedeckt, der im Feuer gelegen hatte, daneben ein 
menschlicher Unterarmknochen einer erwachseneu Person, au einer Stelle 
durch Patina grün gefärbt. Dass dies aber mit den Bronzen in Zusammen- 
hang vm bringen sri. ist unwahrscheinlich. 




BfeMkora: Depotfund hei Mänphonrod*. 



195 



: 



' «<r 






Nach -I- r Art and Weise, wie man iE« Bronzestücke zusammen nsd 
Übereinanderliegend gefunden lint, ist an schliessen, dass es sich um einen 

itfund handelt. 

Du meist»» Aufsehen erregte das Schwert, das sofort als wichtigste! 
und wertvollstes Stück des Fundes erkannt wurde, wichtig aber besonders 
ili'>halh, weil die Klinge noch umwickelt war mit einem Bronzebaud und 
mit der Spitze in einer massiven SehetdanapStze steckte Die Scheide 
selbst, au? iranischer Substanz hergestellt (Leder- oder llolzsxhalen) war 
vermodert. 

I. Das Schwert (Fig. 1) - Kat.-Nr. 4506 a — ist ein sehr gut er- 
baltenee, bronzenes Antennenschwert. Griff und Klinge sind einzeln 
en. Der Griff, »loppclkegelförmig, im Querschnitt Hach oval, ist 
stark abgeschliffen, so dass die Wulstsysteme nur uoch wenig hervortreten. 
Bind es drei, in der Oriffmitte ein aus drei parallelen Querwulsten 
bestehende«, nach dein Knauf und dem Grittansschnitt zu je ein« aus 
Kwai parallelen Querwfilsten. Dia Knaufplette rollt sieh beiderseits nach 
innen an einer Spir&Ischeibe, Diese aufgerollten Knaufenden sind getrennt 
dun h das Angelonde, das als abgestumpfter Kegel von gedrückt ovalem 
Querschnitt durch die Knaufplatte tritt. Die Kunufplatte ist an ihrer 

Bache ornamentiert, und -/war läuft parallel dem Bande derselben, 
etwa - mm von demselben entfernt, ein 3 mm breiter schraffierter Streifen. 
Die Sehraftierstriche konvergieren von der Mitte der Kuaufplntte aus- 
gehend Dach den Spiralseheiben zu. Der Griff ist an der Schwertklinge 
durch drei Niete befestigt, die nur als dunklere Kreise auf der Griff- 
oberfllobe abstechen. Die beiden GrilFflflgel, die eich um die Schwert- 
klinge hernmlegen. sind beiderseits durch drei parallele, seicht eingeritzte, 
rrade Linien versiert 

M ' Schwert klinge ist zweischneidig und verjüngt sich gleichmässig 
r scharfen Spitze. Zu beiden Seiten dee schmalen, Machen Mittelgrats 
verlaufen je zwei Systeme von vier parallelen, seichten Furchen parallel 
den Klingeursindern. Au einzelnen Stellen von der Klingenmitte abwärts 

die Furchen zum Teil abgeschliffen. 

Länge des ganzen Schwertes ,04, fi <■///: Länge der Klinge von der Höhe 
IrirTaussohnittes l>i> zur Sjiii/..> 45,5 >m\ grtaste Breite des Griffes 
ftwieoben den Spiralscheiben 7,1) nn\ grösste Breite der Klinge 3,6 cm; 
• • Dicke der Klinge 0,8 cm. Gewicht des Schwertes 7'Jß g. 

Die metallcm-n Koste der Schwertscheide(Fig.2) — Kai -Nr. 4506b — 
stehen aus zwei voneinander getrennten Teilen: 1. oinem schief um 
die Klinge gewickelten Hp-nzi-band und ■_'. der massiven, uegoasenen 
Schwertscheidenspitze. - Das Bronzeband ist aus dünnem Bronzeblech 
-teilt, in 4*2 enganeinander liegenden Touren umgewickelt. Die 
parallelen Touren nach dein Griff zu und die 15*/ a Touren nach der Spitze 
tu sind schmal, 0,4 bis 0,5 cm breit, die mittleren 1,2 bis 1,3 cm breit 
In der 13. Tour ist das Band genietet durch zwei eben sichtbare Niete. 
Dia 11 letzten Touren nach der Scheidenspitze zu stellen ein Scheiden- 
Btfiok für sich dar, welches an das Ende der [ihrigen Bcheidennrnwicklinig 
angedreht ist. Dies zusammengedrehte Stilck ist dann breit gehämmert. 

13 • 




»cpotlund bri Munclicnrurta. 



197 



i \. ii twfti parallelen, gestrichelten Union mil der 96. Tour ist 

nul nicht ornamentiert. — Die meetive Scheidenspitze konrefgierl 

7ii einem platten Knopf. Die Oberfläche ist mit 12 seichten QuerwuUnm 

di« dun li lehmale Bftnder voneinander getrennt sind. Lange der 

5 cm; Breite ifi\ Dirk.- 1..V Knopf 2,1 : 2,3, 

II. l,nppencelt mit Öse (Fig. 3) — Kat.-Nr. 4507. — Die Öse iil 

-n. Die BehftfUoppen sind offen, greifen aber weit über. Die 

Klinge ladet leicht aus. Keine Bahnverlängerung. Auf der Ober- und 

Unterseite (da* Beil im Gebrauch gedacht) Gussnuht von der Schneide 

*.'.um Bahnende und querer Wobt zwischen Sehneidenhälfte und Beilkörper. 

LflDge der Klinge 15,2; Hohe der Schneid»* 3.!». Gewicht :iöl g. 

III a) Knopfeioke] [Fig. 4) - Kat.-Nr. 4SI« — Die Spitze fehlt — 
mit lenkrochfl auf der Mitte der Siobelflftche stehendem Knopf, etwa in 
\ iertelkreia gekrümmt, mit zwei parallelen, die Rrtekeiikante begleitenden 
Rippen. Das Exemplar ist schlecht gegessen, denn allenthalben sind 
heu den beiden Rippen der Oberseite Brouzeklüinpcheii sichtbar nnd 
■uf der Unterseite während des Gusses Luftblasenhohlraume entstanden, 
Die i ntereeite ist nioM gegl&ttet, aber Irinas der Behneide gedengelt. 
Gl Br de« 91ehelblettee: 2,6 cm. 

h Kflopfeiohel (Fig. 5) — Kat.-Xr. 4M7. — An der Spitze be- 
schädigt, mit senkrecht auf der Kfickeukmite aufsitzenden] Knopf, etwa 
im VJertelkreis gekrümmt, auf der Oberseite mit drei parallel zu einander 
if enden Rflekenrippen, senkrecht von den Huekenrippeii abgehend 
parallele Querwulste, und zwar gebt der unterste von diesen vom 
Knopf aus, die beiden anderen von der innersten Kippe. Auch dieses 
p-lar ia1 Behlecht gegossen, die Ober- und Unterseite sind höckerig 
Die Behneide iet auf der Ober- und Unterseite scharf gedengelt. 
Qr, Br. des Bicbelblattos: i',8 rm, Gewicht 7fi g. 

Mn-lsicliel (Fig. 6} — Kat.-Nr. 4.014. — Vollständig, spitzwinklig 
gel ogea. Auf der Oberseite verlaufen die starken Rippen der Ränder 
der Angel gleichartig, nach der Spitze zu allmählich konvergierend. Die 
Xiiji'l r >i hinten tief ausgeschnitten. An der Iftlckenrippe Uusszapfenrest. 
gelepnren der Behneide an der Ober- und Unterseite. Unterseite 
ungeglattet. 

< i r 3r ..'.' •!!(. Gewicht 56j/< Sehne des Kriininniugsbogens: \\j> cm 

• \ Stieleiche] (Fig. 7) - Knt.-Nr.451A. — Angel abgebrochen. 

Die beiden Angidrippen der Oberseite konvergieren nach der Spitze zu. 

Eapfenreel an der Kückenrippe. Viele Dengelspureii BV der Schneide 

der Ober- und Unterseite. Unterseite roh. 

Gr. Br. :;.:; «"• 

l\. Lrmbftnd (Fig. 8) — Kat.-Nr.4S13. - Sehr gut erhalten 

r, geschlossen, breit, oval. Aussenflache gewölbt, Innenfläche glatt. 

I Po» .dimt dal Stück eiu offenes Armband nach mit sich etwas 

rerjflngenden, dann wieder zu Knöpfen sich verdickenden Enden. An 

der zwei sieh vordickenden, offenen Enden hier ein Wulst, der 

durch eine 'juorverlmiionde Furche halbiert erscheint. Durch die ganze 

Weite defl Armbandes ist auf der Innenfläche die Giissnaht sichtbar. 



19* 



Eichhorn 



Weite des Armbandes aussen: 0,0:7,6, im Lichten 7.» ß,ö. 
(ir. Hr. 3,0; am Wulst 3,2; Dicke O.s ,■>„-. Gewieht 305 y. 
V. Spiralrollen verschiedener Grösse und Hache Ringe, meinau.l.'r 
-»■hangt (Fig. !>) — Kat.-Nr. 4509. — Die größte Spiraln. II- 
Bollendarohmoaaer ist in 2 1 Toaren gewickelt aus einem salir dümn-n. 
1,2 cm breiten Bronzehnnd. Die Aussenfläebe des Bandes ist ornamentie 
Ivs verlaufen swei parallele, (picrgestrichelte Linien flaeh wellenförmig 
Lillys ili^ llnudstreiiens. 

Diese Spiralrolle ist aufgereiht an einein platten, geschlossenen Bing* 
dop nicht genau kreisförmig ist: -irr innen- und Aussenraud sind nicht 
konzentrisch. Kingdurchmesser "»,'» <•//<. Dicke des Ringes 0,1 — <>._' 

An diesem platten Ring ist noch eine zweite, kleinere Spiral roll-.' 
aufgereiht. Auch diese ist aus einem bandförmigen Hnmzestreifen rofl 
n.'i— 0,6 cm Breite in 3' a Touren aufgerollt. Kolleniliirehmi-<si<i "7 . m 
Durch diese kleinere Spirnlrolle ist ein offener Broftzedrahtring 
gezogen von kreisrundem Querschnitt, 2,3 em im Durchmesser, mit flber- 
einunder gelegten Enden, der seinerseits wieder eine kleine Spiralrolle 
trflgt von plattem Bronzedraht, in drei Touren m-nllr. grr-s>trr Durch- 
messer!^ cm, mit anhängendem, kleiuem. plattem, geschlossenem Brcnse- 
riug und einem gleichartigen, etwas grösseren Ring, dessen l Intel ■-- 
platt, die Oberseite gewölbt, an einer Stelle noch den (Jussznpfen hat DDtl 
dadurch in »einer ganzen Gestalt herzförmig erscheint. Durchmesser dieses 
Ringes 2,0 cm. 

Wie oben angedeutet, sind die platten Ringe gegossen. 
VI. Aneinandeihäugeudc Rollen und Ringe, ahnlieh dem vorigen 
(Fig. 10) — Kat.-Nr. 4512. — Eine drei tourigt! Rolle von Bronzebh 
band (Breite des Baudes 0,5—0,8 0»; Durch uiosser der Rolle 2,0 cm) hängt 
an einem geschlossenen, etwas verbogenen Brouzering von kreis- 
rundem Querschnitt (Ringdurchmesser 2,!l cm), an diesem eine viertourige 
Spiralrolle aus rundlichem Brouzedraht. Das eine Ende dieser l\<dle ist 
kopfförmig platt gehnmmort, das andere sohwanzförmin zugespitzt >Duivh- 
messer der Rolle 2,0*111); an dieser ein flacher Bronzering von biru- 
fönniger Gestalt. Beim Gau dieses Stückes hat die Bronzemasse nielit 
gereicht, iln der Ring an der stielartigeu Ausbuchtung nur eben durah 
eine ganz dünne Brücke geschlossen ist. (Diese Stelle ist nicht etwa — 
wie man denken könnte — durch Abnutzung beim Tragen aiugescbliflen, 
wie eine genaue Besichtigung des Stückes ergibt.) 
Durchmesser des Ringes 2,2 : 2,;"> om. 

VII. Flacher Ring mit aufgereihten Bronzedrahtrollen (Fig. 11) 
— Kat.-Nr. 4511. — Der Hache Ring ist fast kreisrund; Innen- and 
Ausseiiraud aber nicht konzentrisch. Die Unterseite ist platt, die Ober- 
seite flach gewölbt. Der King ist gegossen, an dem Aiissenrand ein <iu>s- 
zapfenrest. Durchmesser des Ringes 4,3 cm; grösste Breite desselben 

0,8 cm; grösste Dicke 0,2. 

An dem platten Ring sind vier Drahtrollen aufgereiht. Die grösste 
besteht aus fünf Touren eines im Querschnitt runden, 0,2 cm dicken, 
stellenweis breit gehämmerten Drahtes. Durchmesser des Rollenkr« 



Depotfund bei Mönchenroda. 



1 1 * * ► 



3,3 cm Die zweite Rolle ist aus einem doppolt gelegten Broneedr&ht 

« »tollt, der wat dein einen um-el.'-fon Ende eine Schleife bildet, «uf 




anderen zu einer sehwanzfönnigen Spitze /.usiimmen^edrehi ist. 

Letztere nim Teil abgebrochen. Zwei Tonren. Durchmesser des ^Schleifen- 

1,0. Bbenso sind die beiden kleineu Rollen Überbleibsel der- 




200 Eichhorn : Depotfund bei Münchonroda. 

selben Hingart. An der einen von beiden sieht man die halbe Schleife, an 
der anderen die halbe Schleife und das gedrehte, schwanzförmige Ende. 
Beide Stöcke, im Rollenkreisdurchmesser 1,7 cm, gehören übrigens nicht 
zu einem Hing. 

VIII. Spiralrolle aus dünnem Doppeldraht (Fig. 1*2) — Kat-Nr. 4510- 
unvollständig Der Draht, im Querschnitt kreisrund, ursprünglich fünf 
Touren, bildet auf dem einen Ende eine Schleife; das andere Ende war 
zu einer schwanzförmigen Spitze zusammengedreht, doch fehlt ein Arm 
dieses Endes 

Grösster Durchmesser des Rollenkreises 3,0 cm; Dicke des Drahtes 
0,15— 0,2 cm. 

IX. Kleine Spiralrolle (Fig. 13) — Kat.-Nr. 4508 — gut erhalten, 
aus breitgehämmertem Bronzedraht, neun Touren, Länge 2,7 cm; Durch- 
messer des Rolleukreises 1,0 cm. 

X. Offener Ring (Fig. 14) — Kat.-Nr. 4518 - vollständig, die Enden 
übereinander liegend, das eine Ende zugespitzt. Grösster Durchmesser 

3.7 cm; Drahtstärke 0,2 cm. 

XL Offener Ring derselben Art (Fig. 15) — Kat-Nr. 4519. — Ein 
Ende abgebrochen; grösster Durchmesser 3,5 cm, Drahtstärke 0,2 cm. 

XII. Zierplatte in Knopfform (Fig. 16) — Kat.-Nr. 4529 -, von 
dünnem Bronzeblech, defekt. In der Mitte ist ein Loch. In demselben 
steckt lose eine gegossene Öse, deren Stiel nagelförmig aussen am Kopf 
breitgehämmert ist. 2,5 cm vom Zentrum entfernt konzentrisch zwei 
parallele Furchen, etagenförmig die schalenförmige Zierplatte abstufeud; 
3,1 cm vom Zentrum entfernt eine dritte tiefe Furche, den äusseren Teil 
der Schale zu einer platten Randzone gestaltend. Auf dieser erhaben ge- 
punzte Perlenreihe; eine ebensolche (aus 44 Punkten bestehend) innerhalb 
der innersten Furche. 

Durchmesser der Zierplatte 8,6 cm. 

XIII. Knopf aus Bronze (Fig. 17) — Kat.-Nr. 4525 — schalen- 
förmig mit zentralem Loch. Die Ose fehlt. 1 cm von der Mitte entfernt 
sechs konzentrische eingeritzte Kreise, 2 cm von der Mitte entfernt vier 
konzentrische Kreise um die Knopfmitte. Durchmesser des Knopfes 

5.8 cm; Höhe der Calotte 0,6 cm. 

XIV. Knopf (Fig. 18) — Kat.-Nr. 4520 — kugelschalenförmig, voll- 
ständig, mit nabelartiger Vorwölbung der Mitte aussen; innen eine Öse 
aus einem Guss mit der Schale. Auf der Innenfläche viele Dengelspuren 
vom Aushämmern des schalenförmigen Teiles. 

Durchmesser des Knopfes 5 cm; Höhe 0,7 cm. 

XY-XVIH. Vier Knöpfe gleicher Form (Fig. 19-22) — Kat.-Nr. 4521 
bis 4524 — schalenförmig mit glatter Mitte, innen eine Öse, aus einem 
Guss mit der Schale. Durchmesser 3,1 ; Höhe 0,5 cm. 

XIX. Bruchstück eines Armbandes (Fig. 23) — Kat.-Nr. 452« — 
aufgebogen, innen platt, aussen flach gewölbt, unverziert. Grösste Breite 
1 cm; Dicke 0,2 cm. 



'.'. über Grrabsteiiimuster in Anntolien 



Vi.» 



E. Brandenburg:. 

i.elegentlidi eines Vortrages in der Anthropologischen Ues« llsvliaft im 
Januar 1005 zeigte ich einige Muster von Grabsteinen ans Kravlbaech* 







> 




i (cf. Ztacbr. f. Ethnol. 1905, Heft I, S. 1*10, kbb.2 [irrtümlicher- 
weise ah Holzschnitzereien bezeichnet)). Bei meinem letzten Aufenthalt 
im Sommer 11*07 im Dorfe Jnjmldng, etwa 3 Stunden westlich von der 
»Midaaatadf gelegen, kopierte ich einige weitere Zeichnungen auf Grnb- 
-t.ii. .'», « l i*» die folgenden Skizzen wiedergeben. Die Bewohner von 
Japuldftg sind angeblich Türken, was über aicht viel sagen will, denn die 

badeb dieser Gegenden bezeichnen sich stets so und gehen nie zu, 



Brandenburg: Grabtteiomu 



K^yüny'h y.u sein, [ob kann darüber nicht urteilen, denn bei meinen 
beiden Aufenthalten wen die Leute, du M Sommer war, auf der Jaila 
l»;i< Material der Steine isl orangefarbener Tuff, die Höhe im Durchschnitt 
150 ct», Die schwanen Linien der Zeichnungen aiori in erhöhtem Relief 
gearbeitet! 






^ 



$ 



B3 



Nr 1. Vorder- und Seitenansicht 

Nr. 8, Vorder- Lmd 3eiteuan»"n 1»'. 

Sc, 4. Augenscheinlich ein stilisiertes Pflanzen.OFU{tnteii& 

Sr. ■'. Der wageruchtu Halbmond orhabea, die beiden vertikalen Kreia- 
aante vefetieä gearbeitet 

Nr. T. Oben ein »tüisierter Fes, dadurch all Örab ■ •mo- tfanjiei 

zeichnet. Trotsdem möchte man dar unterste Muster als Pflanzen- 
oniiimciii ;nit'i';i>M'ii. iIms bei den Türken eigentlich nur auf Grab 
-iciiii-n ron Pranen vorkommt. 



4. Sotoe Mythology of the Qundungurra Tribe, 
New South Wales.') 

By 
R. H. Mathews, L. 3. 

I in- territory of the Gondungurra tribe includes Burrogorang, K.*n- 

mba, Pioton, Berrima, Taralga and Goulburn, with tlie intei rening 

Ontry. Tlie Bunan eeremony of Initiation.*) described bj me in l^' 1 » 

ippiiefl t" the Gnndungurra, in common witii tbe Thurrawal and Thoorga 

tribee. In 15*01 I publisbeil an elernentarj grammar of tbc GnnduDgnrra 

gnage.*) In tbe present artiole I am submitting a legeudary tala whicb 

obtainod paraonallj from the remiuitits of thu (Iimdiiiii;tiiTa tribe non 

»sidiiig at Burragoning OB the Wollondilly river. 

Tili- n;i[ivc< <>t' i h i -t triho bidievo that in the f'nr paat times, wbich 
tlit»y call iln* gun'-yung-ga'-litng, all the preaenl animali vrere man, or ;tt 
in> i.iir liad liu man attribntea. Theae le^eiidarv [leifunages are spoken 
of na the Bnrringilling, in eontradiatinotion to Übe present race of people. 
1t would appear, bowerar, that the Bnrringilling folk wäre njuch cleverer 
tli:m tbc people of the present tinie. The\ oould tnake rrvera and otber 
geographica! foatarea, cleare rocks and perfonn nmnv rimilar Hereulean 
laboura. 

i ta-rang '-aieh was one of the Burrlngilliug, bia form belog partlj 
tisb and parll] reptile. One of bia camping placea was in n large, deep 
Materhole or lagoon at what \& now the jnnetion of the rVollondilt] aml 
SI iogeaoaribbee rivers; tlie vraterhole and the conutry aronml it Im in_ 
oaüad Kur-rau'-ral in tbe Gundungurra tongue. Gurangatch uaed to Im- 
in the ahaJlow water near the bank in tbe middle of the day to aiin 
himaa-lf. One day Mfr-ra'-gaü the tiger oat, a resownod fiahermao, who 
«rohed onlj for the largeat kinda of Bah, bappened to eatob d gUaapee 
of Qarangateh's eye whicb sbone Itke a atar through the amtor. Hirragan 
trfed to apear bim trat he aaoaped into tbe eentre of the waterhole, whicb 
was of great depth. Mirragafi theo went into tlie bnsh a Httle w»j oft, 
and ont a tot of bickorj bark, millewa in the natSre language, and 
-:.e ked il in heapa ander the water al differenl plaoaa around the 
ii*), in the hope of making Gurangatch afßk, so that he would come 
to the »arface, The poieoned water rnade Gurangatch very uncomfortable, 
bat the aolution was not strong euough to overcome stich a lar^e fish ne Im . 



1} Vorgelegt in der Siuuux vom ID. Oktober 100T« 

\iiiOiiean Anthropologist, IX, pp. 327—344, witli plate. 
'• l'roc. Amor. Philo?. Soc, Philadelphia, XL, pp. 140—148. 

t) There are some long, thin slabs of stone still lyinp in layers od the üaiiks of 
HÜ waterhole which are said by tho nativea tu be tlie shoots of hickory bark put 
!>j Mirragafi tu poison the nater. 



ä04 



Ifatbowd: 



s.riliin- witli dUappointment, Mirragan went into the buah : 
tut mure hickon hark U) increuse the iiaiiHeHttn^ power of the water, iiul 
.1^ -<"Hi iis (jiiiaiijiiileh saw him going uwuv hfl BUspected wbal he waa 
after and comroeQoad tearing op tln ground along the preaenf rallei "i 
the Wollondilly, cansing the water in the lagoon to How alter him am! 
bear bim along. Be wenl on forming aoraral milea of the river Channel. 
and theo he bnrrowed or ttumeled nndet the gnmnd for aom- dietanea at 
right auglea, Coming out again on a high rocky rid^e on ona aide of the 
Valley, where there is now a spring oi water eatehment. known to the 
white penple as tlie „Rocky Watorhole-, but is enlled by the natives 
Bir'-Hffi-bun'-nung-a-lai*, beoauae it contains birrlmbunnunga or aprata. 1 ] 
Onrangatch rarieed hia head abore thia waterhole and ahoved oul bia 
tongue wlnch flashrd like Ughtning. Prom thia elevated poinfl of obaer- 
Viition lie saw Miii t_:;tii starting fron Murraura] alon«; bis trail. 

Qnrangatcn then returued along bis burrow or tunnel to the Wollon- 
dilly where he bad premoosl] lefl otf, and continued raaking a Banal für 
Idmaelf. When he reaohed what is now the junetion of Qumeacor iira 
In» turnet! to the loft and made n few milea of the ■ Channel ofthat stream 
Coming to a very rocky place which waa hard to excavnte. he eh 
DIB mimi and tum od back to the junetion and resuined bis former OOUrse 
He bail stnni' difhVultv in gatting nwav frotn this spot and made a loQj 
deap band or loop in the \\o!kindill\ which afanost doubloa back npou 
itaolf at t hat place. When Onrangatch got down to where Joek'a < 
now emboneburea with the Wollondilly, he turced ap Joek'e I 
■ scarating a watorcourae for bimeelf Being n great magiciar he conb 
malte wate (low iip hill ta eaaily ns downhUL On reaehing the source 
of Joek's Creek, he bnrrowed undor the ränge, Coming up in the inaido 
of Wom-bee-ang cavea, wlüch are ealled Wjtambeyau hj the white paople, 
being a eorruptiou of the aboriginfll nama. 

We rniiat no* return to Mirragafi. When he came hack to ftfurraural 
watorhole and aaw how Qtirangatoh Innl eacaped. he followed on dowi 
the livn after bim, going on und on tili he overtook bim at Wambaaang, 
Mirragan did not care to go into any of the Bubterranean paeaagee, there- 
fore be wen! up on top of the rocka nnd dug a hole aa deep as hc oouW 
gO and tlu'ii prodded n loni: pole down ,i- t.u aa it would ivach, f° r the 
parpoae of rrighteninp Gnrangatoh out of hia retroat, niuoh in the waj 
we pake a hangaroo rat or Dther oraatnre out of a bollow log. -\< 
mecaeding in hia purpose with the Brat hole, he dug another and still 
another and shoved the lon^ pole down each one as bofore. There are 
aavoral weather wom p pol Indes 14 on top of the Whambeyau obto« .-tili. 
whicli ai-e s;iiil m he thufee niade by MTiTa^aü on thnt occaaion. 

When Qurangatoh paroeived that bis enenrt was continuing bis re- 
lentleea pnranit, be started off one morniag at daylight througfa bia tunnel 
or borrow nnd retnmed down .lock's Creek tili ho camo out into the 



U The BftUvea mnintain tlial tlure lautt be a suLtcrmneous puugü from l!orL> 
Wateraalc to bh« Wulloiidillv beenuso »prats :tro found thero m weil as in Ina rivor. 



Ijumlungiirrii Dribfl 



■J( ff) 



Woilondill) agftin. Borne mite* farther down uns where MirragaaVs (. uni 1 \ 
i-esided. When they hoard tiurangatoh ooming and the wnter roartng alter 
bin like .1 Sood, äioj ran awaj 11p Ute aide of Sie nill in great (error. 
By th;it time Mirrogtä btaaeelf appearod upou the aoene and bis wifa 
begaa aoolcKnej hin far baTing meddled with Gurangatcb and besoughi 
hin to giva up the pnraatt, imr In- would aot ba diaeoadod. Efe w< 
on aftei Qurangatofa and overtook bim ;it wbal the white paopk aal] tlia 
.Slipper^ Rock", bui the uative nanu* ia Wmimi'j'-u.i-ivi' There tbei 
1 long iitn..\ whleb made Che rock smootb aud tlipperj e?#r 

Gorangatoii at Laal got away and went 00 downwarda, making tbe 
wate So« after bim, Every time Mtai Mirragftfi «»vortook bim. bc bit 
bin with Mi big alub or boondee, and Gnrangatch atruek Mirragan 
in';ivii\ uiih bia taiL Xhia oontinued down to wbal ii now the junotioa 
of Cox's rirer, wherc Qnraitgatab tnrned off to the left. digging oul the 
prisriii Channel. Hp went OD tili he came to Billa'-gOO-la Graek, 
rnpted to „Black Hollow" on our mapa, 11]» which In* traveflec 1 aone 
liistance, bui in med back, and reenniod liis oourse an the Oot to the 
jiun tion of Ked-OOltf-bBr Creek, now called Katoomba by the European-. 
He exca\;ii«-: Kedoombar Oreek as far Up as where Reodj Oreek fiomea 

it and tarnet! up tbe latter u little way, where be formed b deep 
waterholo in which he rested for a while 

( iiiraiigatch thon journeyod baok to the Cox, ap whiob he worked bis 

mag fol Mine dittanoe and formed the wut<>rhole Karranuattu. In urder 
to dodge hil anemy Iip burrowed midor uTmiml. rmuing mit 011 .M.-.'. 
m an nountain, now written Kou-in, wbere In* made a deep hole or spring, 
Vhiofa H ivcm iiuw I nii'inu m to the white man* Oftttle "H aooottol of its 
narrownaaa and greal dopth. Retarning to Karrangatta waterhole, be 
made hü waj ap fco the janctton of Koo-oang'-goor-wat, corrcpted to 
k<<nangaroo. where he and Hirragaü liad atiother fierce aOOOUnleT. Ou- 
rangatch journeved 00 np tbe Cox to the pteaeol JtmotiOI] therewith of 
Harry*! Oreak. Be theo escavate<l the raJIIej of Harry'i Creek tili he 
Be to Bin-noo'-niüT, tlie present Jenolazi aavea, wnere ho hnd the -• 

rtone i" Dieet wirb nome of bis relations. 

Qurangaifib au weary ftrom bis bard work and Bora fron all fcha 

Uoin be had received during hia journej. fle inapaeted thai bis anem] 

nid still be in pimuil of bim aud tborofore beaoughl bia frienda to 

eri bim oul of Ins reacb. They accordiugly took bin Olli of Ute cav* - 

I conducted liim otor the raain ränge into a deep waterholOi called bj 

the nativcs ■loo-hm-doo. 

While tbia was going ou, Mirra^an bad arrived oloae fco Binnoonnr. 
init waa verj tired and lay down 00 a liifi« 1 bill to rest htnuelf. Wheu 
ived be leawhed abom the eavea and fonnd tracks of when 
Onransatoh hail hoen staying, and also the tracks of how he bnd baen 
takem awaj t>» Joolnndoo bj bis frienda Mirragaü waa qoite woru out 
bj bSa prolongned encounter, and when be büw tli.it bis qnarry bad got 
among bia relations. ho tbouubt th.it In t i\*<- wmild <*o .md obtain aaai- 



206 



Mütbcwa: «•uadunpuiT» Tribe. 



staue«». He t) kii isidered tliat if wuuld he prüden t. l>efore he left tlie 

Spot (o adopt seine menns of preveuting Ourangatch from eaoaping back 
to b&i old haunts dnring his ahseuce. He conaequentlv set to work h 
luiili a precipitona wall of rock, WanVda fc aw J rf, owrapted by Kuropeans 
to Duckranlloy, aloDg tlie aide of the ränge between tbe caves and 
.lii.ltniiloo. 1 ) 

Hirragafi r hon hurried nwnv to his friends somewhere out w 
Ob iv;h tbfng their camp they were eatinj.' roasted eels and offerod hitn 
Vidi mgfc he waa weary and hun^ry he anawered. „No, ao, tliat I 
im» gfnall ;i tlnin 1 for mo to ent. I am t'hasin^ :i great big Sab and wanf 
von to oome nud help me. u Ho stated that »bis greai fish was in II) 
extremelj tleep waterhole and requaeted them to send the vnv beal iliv ■■ 
in thc ciimp, Thuy selected Billa^oola the sha^, (iool-a-^wan-ijwnn tli 
direr, Qnndhareen the black duck and Goonarring the wood duck. 

Wheu Mirra*ran returned to JooIlUfcdoo with thia continjrent. du 
dhnreen dived into the pool but returned after a whilr aajiog I» 
unable to get down to thc bottom. Qoonarring thon made the attompt 
but without auccasB. GoolagwangWftn was the next to %o down und after 
a considerahle tim«* brought a yoxmg <»r gtnall Guratiirateh to the surface. 
oaying to Mirragafi, „la fliia wbat you have been after?" 1 f #- replied 
-•ontemptiioush . „Nol that is tOO snuill; rry agatD. a Goolauwangwan div 
down ihe secuud time and hroii*rht Up a largar fish, but Mirragafi woul 
uot look at it. Billagoola theo tOi>k his turn nt divin^ and when he » 
down u loiif way he observed several fish like thosc broaght up b 
Goologwangwan. They were trying to hide n very lar^e fish by coToring 
ir with mini on tlie liottom of tlie pool Billa^ooln tried to £ot hold 
thia monetär, but its hcnd was jammed into a crevice of the rock an 

ifr- lau wa> t"i-t in iiuolhtif <'ivvir.' mi tl ppnsitt» aide, BO tliat Im 

uot shift it, Bein«; a very expert diver and a atrong fei low withal. h 
pnlled a hnge pleoe af llesh off the back of Ghmmgaioh and started np 
again. On reaohing the aurface, Hirragati axclaimad with dellght, „Thai 






i- a j'it.'ir i.if the fish I was chasiii^/ When the meat was oooke 



Mirragafi and bis bde&da hadagreat feast and returned to their raspeoti 
bomee. 

Älong the ooorae of the Wollondilly, as well aa along the Cos ii\ t r, 
tbere are bi^' waterholos höre and Miere, which aro aniil l>\ the natiree 
to be Gnnugatch'a reating place«. The follovring aro some of the hol 
in che \Vollondill\ : — Doo^alool. Qrmgga'-look, Woonggaree, U 
Uullindee, Boonbaal, and Gurrabulla. In the Cox river Üiere aro: 
Gaung-gaimg, Jnnba, BÜla'goela, Kurrangatta, and several otbera, Man] 
0< die naterholes referred to nie believed bj the old natives to be in- 
liabited i" the preseut day by descendanta uf Gurangatoh. 



;: 

r, 



IJ A procipitoii- Bin I ItOB« escarpinont, oonsistin^: <>!' hup.' li|<.okd «•(' ro-:k, liiy 
iv. i. i.- ^hll |i"ini..| otit as the wall built by flfftngafi. 




\ ergleichende Vokabularien der Aluridja- und Arunndta- 

Dialekte Zentral-Australiens. 1 ) 

Von 
Herbert Basedow. 

Obgleioh neuerdings die Namen and Gebr&aahe '1er Arünndta und 

Aluridja, der *wei mächtigsten Eingeborenen-Stämme ZentreJ-Anitraliens, 

rlurefa lue M'crkf ron Stirling, Spencer and (iillen allgemein bekannt 

geworden sind, bo fehlt es dock an einem KusninmHnhäiigenden Wlirter- 

rerzeichnia der Sprachen derselben. Kempe*) veröffentlichte zwar 18i>l 

A. (irammar and Yocabulary of tbe Lauguage of tbe Aborigines of the 

Mac I>onnell-Kanges u . welches sich hauptsächlich auf den Arunndtn-Dialekt 

besieht, wie man b©i einer Vergleiehung von Kempcs mit meinen Listen 

Heu kann und doch bemerkt man bei vielen seiner Wörter eine 

I auffallende Ähnlichkeit und Cbereinstiminung mit meinen Aluridja. 
Die _ Antliri>jxd(tu\" <i<?\- Horn-Expedition") und die Schriften Spencer 
und Gillena 4 ) enthalten rveistena die Namen heiliger Zeremonien, Korro- 
boria und Orgauieatione-Bezeichnaagen, aber rech i wenige der im Üblichen 
Gebrauch verkommenden Wörter, 
Von dein Muridja-Dinlekt ist last garnicht* bekannt. Interessant ist 
aber, die Listen weataustralischer Stämme, die von Wells*) und 
Helms wahrend dri Hld«M- Exploration gesammelt wurden, mit den 

Imeinigen au vergleichen. 
Wenn man in Betracht zieht, daaa das Aranndta-Gebiet den wesent- 
en Teil Zeutral-AuatraJiena bis zu etwa 70 Meilen nördlich von 
Mir.- Springs darstellt, so darf man sich Dicht wundern, dass grosse Luknl- 
VarieUUen im Dialekt angetroffen werden — , ja viele Wörter sogar, die 
trotz d« i gleioheu Bedeutung vollkommen verschieden lauten. Dies» 1 Vor- 
Bchiedenheil ist noch viel auffälliger bei einer Vergleichung mit dem 
Aluridja-Dialekt, obwohl letzt« re die unmittelbaren Nachbarn der Arünndta 
v\ est« n bu eind. 1 ) 



rgolegt in der Sitzung vom 19. Oktober 1907. 
rnosactlODS Royal Society, South Atislralia, Vol. XIV, Part I. Lffii pp. 1—64. 
K. 0. Stirling und I. J. Gillon: Report Hörn Expedition Central Australiu. 
Aotbropologr. 

i B TIW NatTffl Iribes of Central AiHtrulia* und B Th<! NortborE trib«! <>f Central 
Australia*. 

Q Journal of the Eider Scientific Explorfng Expedition 1801/92, pp L98-207, 
6 1 r.-insactions Royal Society, South Australia, Vol. XVI, Part III. pp. » B 
') Cf. .The reader cannot fuil tu be Struck vrith tbe extraordinär/ divergeuce ofrhe 
kilstraUaa flfeleets..., Even amtniir terms of kinship, whore, if anywhere, wo should 




208 Basedow: 

Die Vokabularien, welche ich hier vorlege, habe ich auf meine» 
Kxpeditionsuutersuchungen in Zentral-Australien gesammelt und gehören 
zwei dieser dem Aluridja- und eins dem Arüundta-Dialekt an und zwar 
von 1 dem letzteren einer Subdivision, die sich in der Umgebung von 
Paddy's Hole in den Mac Donnell Ranges aufhält und sich als Herrinda 1 ) 
bezeichnet. 

Die Orthographie, die ich benutze, ist das deutsche Alphabet mit den 
Ausnahmen, dass das „w" englisch und ein kurz bezeichnetes „ü tt gefolgt 
von zwei gleichen Konsonanten wie das „u" im englischen „ander" aus- 
gesprochen werden muss. Ferner habe ich den Anlaut „ng", gefolgt von 
einem Vokal, der allen primitiven Völkern gemeinsam ist"), benutzl. 

Wo ich „ng u inmitten eines Wortes gebraucht habe, unterscheide 
ich zwei Sprechweisen. Die eine ist wie im Deutschen „Sänger" (oder 
Englischen „Singer"), wobei das „g u kaum gehört wird. In diesem Falle 
habe ich folgendes Zeichen über das ,11g - gesetzt ". Wo dies Zeichen* 
fehlt, wird das „ng" so ausgesprochen wie etwa im Deutschen. 

Wie Stirling 8 ) schon getan, muss auch ich auf das sehr gebräuch- 
liche Vorschlucken der terminalen Silbe eines Wortes aufmerksam machen 
und, wenn sie nicht gänzlich erdrückt wird, auf eine höchst un regelmässige 
VerÜuderuug ihrer Aussprache 4 ): ö, ö, r, ü und a können am Ende des- 
selben Wortes ausgesprochen werden ohne jegliche Änderung der Meinung 
des betreffenden Wortes. 

Einen grossen Lautwechsel beobachtete ich in der Bejahung: „Ja" 
wird einfach durch <j oder u kundgegeben: nun hört man aber mit gleicher 
Frequenz owa 1 ), uwa. owau und uwau. Die Frauen sprechen diese 
Töne vielfach durch Inhalation aus. 

80 werden auch dio Konsonanten „p" und „b a , „k* und r g" und 
„t" und „d" oft miteinander wechselweise gebraucht. In dieser Hinsicht 
fiel es mir auf. dass namentlich die alten Männer eine sehr undeutliche 
und unkonstante Aussprache besitzen; Kinder und Frauen haben eine 
entschieden verständlichere Aussprache. Das Schnarren von „r" ist ihnen 
ausserordentlich eigen und ich habe schon an einer anderen Stelle auf 
das allein Anscheine nach in ganz Australien gebräuchliche „irr" hin- 
gewiesen ), welches als ein unglaublich lang gerollter, rauher Laut be- 

cxpcct similarity we find thc widost ditference*. — Kison and Howitt: „Kamilaroi «ad 
Kurnai", p. ÜÖ. 

1) Dieser Name ist wahrscheinlich eine I.okalableitung vou „Aruniidta". 

2) Es ist von Interesse, dass Garner in seinem bekannten Werk aber die Affen- 
sprachc gefunden zu haben angibt, dass die von ihm beobachteten Affen denselben Laut 
„ng u besitzen und zwar im Zusammenhang mit dem Ausdruck der Zufriedenheit .ngkw-a". 

:») Ijoc. cit., p. 10. 

-ii Cf. Helms: Loc. cit, p. Oft». 

.V Anmerkend sei nur auf <-iuc Form de« Negativs der Aruundta hingewiesen. Sie* 
heisst ö ö oder ö ai. Es ist höchst sonderbar, dass zufällig dieser Laut ungefähr dem- 
jenigen gleich ist, mit welchem niederdeutsche Bauern in etwas unartikulierter Weise oino 
Frage zu negieren pflegen. Solche sonderbaren Atiklauge finden sieb garnicht selten, wie 
z. ]t. bei vielen .Stämmen im Norden Bejahung durch -ja" angedeutet wird. 

<») Anthropological Notes on the Western Coastal Tribes of thc Northern Territorj - 
of South Australia — Trnnsactions Royal Society« South Australia, Vol. XXXI, 1907, p. 33.. 



Zentralaustralische Vokabularien. 209 

schrieben werden muss. Einen zischenden, dem s entsprechenden Laut 
habe ich nicht bemerkt 1 ) und der Aspirant h ist sehr selten, fast nur 
ganz vereinzelt anzutreffen, wie z. B. in Herrinda. 

Ein kurzes „i a ! wird bei plötzlichem Schreck oder Entrüstung viel 
angewandt, während Beistimmung durch Ah;i oder auch Hm-hm, mit 
spezieller Betonung der zweiten Silbe in beiden Fällen, kundgegeben wird. 

Einige Zusätze am Ende von Worten können einen viel bedeutungs- 
volleren Sinn zur Folge haben. Zum Beispiel heisst ura viel, uraku 
viel im grösseren Sinne und uraku-pu das Superlativ. So werden anch 
viele Worte durch andere verstärkt: pika heisst eine wehe Stelle, in dem 
pika pulga eine Wunde; kapi Wasser, kapi punda ein Gewässer. 

Das Diminutiv-Affix ist inna: z. B. Unnruba ist der Rufnnme einer 
Frau, während sie als Mädchen stets Ünnrubinna gerufen wird. Das 
Wort wimuggitta wird einem andern vielfach nach- oder vorgesetzt, um 
dasselbe verkleinernde Ziel zu erreichen; wardi heisst „ein Mann", während 
wardi wimuggitta wörtlich „ein kleines bisschen Mann", das heisst ein 
Jüngling; und so auch würnma „weit weg", während wimuggitta 
würnma „ein kleines bischen weit weg" bedeutet, dass heisst „nicht sehr 
weit weg" usw. 

In einer frühereu Arbeit habe ich schon hervorgehoben, dass einige 
Namen von Wesen direkt von besonderen Eigenschaften herrühren.*) Ich 
erwähnte, dass der Oreoica petroica, der australische Glockenschläger 
(Bell-bird) von den Eingeborenen bau ban bälele getauft worden ist, 
da mau die wohlklingenden Noten seines Morgcnschlages etwa so auf- 
fassen könnte, bestehend aus drei durch gleiche Absätze getrennten Lauten 
bau ban ba, schnell gefolgt von zwei kürzeren (lrl«) und dass der sogen. 
Mopork (Ninox boo-book) Köre göre heisst, da sein nächtliches Rufen 
auch diesem fast entspricht. Einen schiefergrauen Habicht nennt man 
Kaleya gadabongu, welches heisst „Zerstörer der Emu-Eier", weil er 
die Gewohnheit hat, während der Abwesenheit der alten brütenden Vögel 
die Eier zu raubeu und zu vertilgen. Und endlich, dass der sogen. „Milch- 
busch" (Sarcostemiua australis) „Epi Epi" heisst, weil er eiuen reichlichen 
weissen, milchähnlichen Saft ausscheidet. Epi bezieht sich auf die weib- 
liche Brust. 

Auch dass die Rufnamen vieler Individuen auf besondere Eigen- 
schaften, die sie besitzen, hindeuten, habe ich damals hervorgehoben. Als 
Beispiele erwähnte ich Kartakardonue ein Kahlkopf, Djinnakular- 
rikna ein Schweissfuss, und Djinnangalerriknga ein Grossfuss. Zuletzt 
will ich nur noch kurz auf die Benennung himmlischer und meteoro- 
logischer Phänomene hinweisen: das südliche Kreuz wird verglichen mit 



1) AU Beispiel möchte ich erwähnen, das* mein eigener Käme bei den Aluridjas 
bekannt wurde in der rerftnderten Form von Battedn. Anch ist es interessant, die 
Bildung des eingeführten Namens der wild gewordenen Hauskatie der Ansiedler zn be- 
merken- Sie heisst putte pntte bei den Aluridjas nnd put pudtha bei den 
Arunndtas, die als eine Ableitung des Rufes „Pussy pussy" deutlich erkenntlich sind. 

2) Anthropological Notes made on the S. A. Gorernment Prospecting Expedition, 
11HÖ. Tranaaetionfl Royal 8ociety, South Australia, 1904. 

Zeitschrift för Ethnologie. Jahrg. 1908. Hefe 3. 14 



•J10 



Bisedo* . 



»ler Kralle eines Adlers, warrida djinua; der nahe ihm sichtbare Kohlen* 
sack mit einem sitzenden oder liegenden I*]mu, Kaleja pubauuye und 
ölliit itoppniidoma: die Milchstrasse mit einem Fluasbett. Uewitu-r- 

re-ii) wird alt- „tnuz^mlrs \\ ; r KwutclH' undömmaund der 1><-ii:i •. 

q\h „brüllendes Wasser" K\\ ;i itdiiiiiigoninia bezeichnet. 

Wie bereits mehrfach festgestellt worden ist, haben die Eingeborenen 
keine einheitlichen Bezeichnungen für allgemeine Begriffe, wie sie in 
unserer modernen Sprache bestehen. Mau wird daher niemals auf die 
Frage narli einem Worte wie Tier. Baum usw. eine zur refl ende Aniwmi 
erhalten, sondern stets die Bezeichnung eines speziellst] Objektes bt- 
kommen. welches zufällig als Paradigma gedient hat, Der Schwarze itl 
in seiner Weise ein ausscn-vdriitlicli exakter Beobachter und hat für j eile 
Spezies, zum Teil sogar jede Varietät von Prion ze und Tier sein be- 
sonderes Wort. Daraus resultiert eine enorme Wortfülle für Dinge, die 
bei uns mit einem einzigen Wort bezeichnet werden. Daseolbe gilt auch 
für die verschiedenen Zustände von Naturobjekten, namentlich des 
Wassers, deren Besonderheiten für die Lebensbedingung der Schwanen *■ 
bedeutungsvoll sind. Dieselbe Exaktheit der Ausilruckswoise zeigr >ieli 
in der sorgfältigen besonderen Benennung von einzelnen Siellungen und 
Haltungen bei den Tanten und Zeremonien. 



Vergleichende Vokabularien der Aluridja- und Arunndta-Dialekte 
Zentral-Australiens. 



Aluridja 

Sprache .... wonga 

Greis tobilbi 

Mann ward! 

Greisin .... kongä 

Frau tidji 

Mädchen .... tidjinidarjorre 

Knabe .... tidjikudo 

Säugling, männlich tidjidokudoku 

Jüngling .... wardi wimugg 

Kind kudare 

Vaters Bruder . . kaiduiia 

Mutter-; Seil wester yarkuniui 

Miilters Bruder . kiirmörra 

Vaters Schwester . komdrle 

Schwester» Sohn . kurdona 

ich nayulu 

du ngord 

der da .... ngaröoU«- 

er, sie, es jiraddo 

beide . . . nirausniönna 



Yluridja (Ituarre) 


Ariiundtu 
(Herrind«) 


wonga 


— 


tchilbi 


uimjinn j 


patQ 


;t',i i 


kongä 


arrekütcha 


wamiyO 


kwrya (wunnga) 


uifl 


(a)wiyn 


piperi wimuggitä 


fimbäkakä 


p.itu wimiiggir:) 


apmörrukri 


ukure 


allürr(aifi 


kaidonä 


aknoya 


yarkonna 


maitche 


karmörra 


kannonä 


korndcle 


awona 


uläkadörne 


wiumba 


nayul»' 


Siftgs 


nöra 


nga 


ngarödde 


ngagw« 


jiniddö 


irreuai 


ngangnöuiin 


unnwunndthcrra(?) 



Zentnrtaaßtralische Vokabularien. 



211 



Aluridja Aluridja (Ituarre) 



sie, die da . 
mein . . , 



dein 



sein . . 
dieser . . 

welcher? . 
der erste 
der letzte 
Kopf . . 
Mund . . 



Zähne . 
Kopfhaar 
Hals . 

Nase ' 

Auge . 

Ohr . 

Augenwimpern 

Augenbrauen 

Nasenlöcher 

Pupille . 

Augenweiss 

Bart . 

Lippe . 

Kinn 

Rachen 

Trachea 

Zunge . 

Schädel 

Skelett 

Unterkiefer 

Wirbelsäule 

Rippen 

Scapula 

Tibia . 

Patella 

Knie 

Arm . 



Femur 
Finger 
Fuss 
Hacke 



ngarönn 
nayukä 



ngorummbä 

nongäko 

ngünngittc 

yaal 

ngardoware 

ngardöngunndi 

karda 

tdar 

kaditi 

ourü 

ngundi 

mullä 

korrü 

binä 

ngennbinn 

unngere 

arele 

maru 

wilgarc 

ngünngurr 

tdar pinpin 

ngodu 

mullgurre 

kardödarreka 

darrekä thodä 

muramörra 

widabi 

rnnemerri 

yambil 

djirrarrä 

dängari 

mordi 

yarri 

tünda 

marra 
djinna 
djinna ugaundu 



ngarönn 

nayukii 



ngorummbä 

nongäko 

ngünngitte 

yaal 

ngardoware 

ngardöngunndi 

kadö 

tdar 

kaditi 

kada ourü 

ngundi 

mulle 

korrö 

binnä 

ngennbinn 

unngere 

wayinang 

marö 

wilgare 

ngünngurr 

tdar pinpin 

ngodö 

mullgurre 

kartödarreke 

darrekä todä 

muramörra 

müdde 

mnemerre 

yambil 

djirrarrä 

dungare 

mordi 

yarre 

tunda 

marra 

djinna 

djinna nganndu 



Arünndta 
(Herrinda) 

ngagwariä 
üttchinnä 

(am Ende eines 

Wortes = aitche) 
unngwinna 
nekonnä 
nünne 
tenai 

ngargwimunndä 
ngargwa inngunnä 
kaputta 
ärragidda 
ottide 

kaput ullda 
äainjä (arroldä) 
üllä 

üllgna 

illbä 

orinnbinnye 
ullngunngarre 
alalldura 



i'mngunye 
arrepolä 
arrodna 
arrinnje 

allinnyc 
kaput ungunua 
ungünna 
arrelinga 
töppa ungünna 
ungarellye 
pullipä 

ungunnä illdorrä 
umborrä kalollwä 

aqua (rechter) 

akuttake (linker) 

umbörra 

illja 

inga 

ingatnurrä 



W 



212 



Baaedow: 



Fingernagel . . 



Aluridja 
perri 



Axilla ngakulye 

Herz kordud<" 

Leber arlu 

Lunge tarrelyigg«* 

Bauch wila 

Sprunggelenk . . tdore 

Tendo achilles . . marrepannye 

Grosse Zehe . . mämandörrä 

Zehe djinna ngale 

Spann djinna tdörne 

Haut panndu 

Nabel pullye 

Blutgefäss oder 

Sehne . . . . ? marrepannye 

Blut Pdöllgu 

Brüste (weibliche) epi (mörtunn) 



Penis . . 
Testes . . 
Vulva . . 
Schanihaare 

Sonne . 

Mond . 

Neumond 

Sterne . 

Himmel 

Das südliche Kreuz 

Venus 

Der Kohlensack . 



Die Milchstrasse 



Erde . . 
Nacht . 
Dämmerung 
Wolke 
Windstille 
Wind . . 
Wirbelwind 
Wasser 



kürlu 
tdorall 
pudä 
nanye 

djinndü 
kinörra 
verä davon 
kelilbi 
yillgarri 
warrida djinna 

(der Adlerfuss) 
ukäutchikatchic 
kaleya pubannyö 

(der sitzende 

Emu) 



niaundo 

raonga 

öllbörre 

mardaro 

radö 

wallbä 

wanbalörre 

kapi 



Aluridja (Ttuarre) 
perri 

ngakulye 

kordude 

arlö 

wila 

karredul 
marrepannye 
mamönnderra 
djinna ngale 
djinna tdäne 
pannd« 
pullye 

? marrepannye 

rlöllgu 

epi (mörtunn) 

körlu 
tdorall 
pndö 
nanye 

djinndtä 

pirä 

verii davon 

miudan 

yellgarri 

warrida djinna 

iiiinda.ii 

kaleya pubannye 



karu (das Fluss- 
bett) 
mann da 
monga 
öllbörre 
enbunn 
ratö 
wallba 
wanbalörre 
kapi 



Arünndta 
(Herrinda) 
tipmorra 

(detmoirrä) 
lenba 
takuta 
allömma 
errelidja 
atnetä altnoda 
allngörrorukä 
yerropatche 
inga mikwa 
inga illba 
inga toppa 
yinnbä 
illbagillba 

? alurrukna 
irriknga (alloä) 
oolatche 
(kanndorreknga) 
purra 
ilgnga 
ngallde 
indua 

allönga 

attninja 

attninja kürrüka 

kurralyr 

alkorra 

erriching.l 

ellyallya 

Öllia (l)töppann- 

dömä 
(der liegende Emu) 
aramewarrfi 

rolla 

ingwa 

ülbmörra 

unngullia 

ngönngä 

illga 

aluaarrerä 

kwatche 



Zentr»l*nßtr&liache Vokabularien. 



213 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


(Herrinda) 


Regen (fallend) . 


kapi atturne 


kapi atturne 


kwätche undömmä 


Regen waaeer (ober- 


kapi pinange 


— 


— 


flächlich in Ver- 


ngarinye 


- 




tiefungen ange- 








sammelt) 








Regenbogen . . 


dorddraügu 


dorddraügu 


mbulärre 


Hagel 


konarda 


konarda 


unnbodnä 


Eis 


ngingna 


wanda 


ilnlja 


Quelle .... 


warrepmulla 


ngarrewa 


pinnda 


Quellwasser . . . 


kapi ngaräwä 


kapi ngaräwä 


kwa(i)tche pinnda 


Grundwasser . . 


kapi paki 


kapi paki 


kwa(i)tche 
akünnya 


Fliessendes Wasser 


kapi waropmale 


kapi waropmale 


kwa(i)tche 
oralinnje 


Sumpf 


— 


— 


kwa(i)tche 
unngürükna 


Lehmpfütze (Clay 








pan) .... 


orell 


agkädda 


allderropä 


Felsenloch mit 








Wasser gefallt . 


okadä 


wakollä 


kulla 


Donner .... 


orönnderinganny( 


wonganyt* 


kwaitcbinngomma 
(rufendes Wasser) 


Blitz 


pennbannye 


pennbannye 


arrekorama 


Tagesgrauen . . 


— 


jindöringanye 


alönngä injoll- 

gümmä 


Sonnenuntergang . 


jindujarepannye 


jindujarepannye 


alönngä erupulla 
akölloma 


gestern .... 


— 


parepannga 


(ak)murreka 


heute 


goäre 


goäre 


lüytta 


morgen .... 


mongalönv 


mongalönv 


ingunnda 




warrö 


warru 


urrä 




päuyu 


päuyu 


kutta 




wa-ona 


wa-ona 


(e)kunjä 


Buschfeuer . . . 


wumä 


lundä 


urabmörra 


Nord 


alinndjörre 


allindära 


unndegarra 


SQd 


ullbarerä 


ullbarerä 


alläywä 


Ost 


djinduringanye 


djinderinganye 


ayerrrrä 


West 


wilurarre 


wilerarrc 


ulklola 


Toter Mann . . . 


mer? 


yubä 


erilgna 


Feind (persönlich) 


indaku 


ponga 


atwai 


Hütte (Wurlie) 


gangu 


gangu 


illda 


Windschirm . . . 


youö 


youö 


kwinnjc 


Speer 


kaitchl 


kait ji 


illjud, irritchardö 



214 



Basedow: 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


Arunndta 
(Herrinda' 


Die Einzelteile 








eines Speeres: 








a) Schaft . . . 


kaitchl 


kaitji 


irritcharde 


b) Schneide . . 


wardc 


warde 


allördä 


c) Widerhaken 


ngangnu 


ngangnu 


kälörre 


d) Unter. Segment 


ungölla 


ungölla 


apparre 


e) Sehnonfäden 








zur Verbindung 








der Speerteile . 


marrepanye 


marrepanye 


alluruknga 


Speerwerfer . . . 


meru 


märo 


ammera 


Die Einzelteile 1 ) 








ein. Speerwerfers: 








a) Hauptteil . . 


rueru 


möro 


ammera 


b) Haken . . . 


ngama 


ngama 


Ipa 


c) Feuerstein- 








meissel . . . 


ganndi 


ganndi 


irritclmtna 


d) Harz (Triodia), 








mit welchem 








der Meissel be- 






■ 


festigt ist . . 


kedti . 


kedti 


aitche 


Boomerang . . . 


gkarli 


garlie 


uromanje 


Holzmulde . . . 


mfmbu 


membu 


ofidnä 


Grabstock der Wei- 








ber (Yam- Stick) 


wannä 


wanne 


üttnümma 


Steiumesser . . . 


güddüädje 


güddüädje 


ünudri 


Spielsprungstock 9 ) 


kukerra 


kukerrr 


kükerre 


Keule (Waddy) . 


waldr 


walde 


walde 


Knoclienschmuck . 


delonn 


delonn amultorra 


laUjcrre amuli 


(in der Nase ge- 








tragen) 








Halsband .... 


mangüri 


allyivi 


yiinniuniule 


Haarkissen, unter 








der Holzmulde 








auf dem Kopfe 








getragen . . . 


wallgil 


walig« 1 


inndalindje 


Felszeichnuugen 


papi-papi 


papi-papi 


kanndo kanr 


(Korrobori -Ringe) 








Feuersäge .' . . 


pinjilerß 


pinjilere 


ura uinitche 


Klebstoff aus Harz 


däö 


ngulo 


onnunba 



1) Cf. meiue Figuren in Transactions Royal Society, South Australia. Vol. XI 
Plate IV. 

2) Dieser besteht aus einem an einem Ende spindelförmig verdickten Stock, w 
geschleudert die Sprangbewegnngen der Känguru-Ratten nachahmen soll. In New 
Wales wird er wit-wit genannt. 



Zentral australische Vokabularien. 



215 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


(Herrinda) 


Felsschutzdach . . 


kollbi 


kollbi 


putinndia 


(Franz. Abri) 








Grab 


torl 


tordl 


ourlgna 


K o pf de korati o n : 








a) aus Adler- 








(Aquila audax) 








Federn . . . 


kallpi 


kallpi 


illbulla 


b) aus Eulen- 








(Strixdelicatula) 








Federn . . . 


tchipare 


tchibare 


irrekilbä 
worrukmn 


Starke Erkältung . 


orukälyi 


orukälyi 


urrunngulgna 


Ausschlag (Barcoo 








rot) 


puretü 


puretü 


linje linje 


Gonorrhöea . . . 


— 


— 


minki 


Kopfweh .... 


katokupannye 


katokupannye 


kaputt unndoma 


Wehe Stelle . . 


pika 


pikä 


marmo 


Wunde .... 


pika pulkc 


pika pundu 


marm-aenörrä 


Schlucken . . . 


indördinganye 


indördinganye 


errumalangommü 


Einschlafen des 








Beines .... 


düwill 


düwill 


thära 


Känguru (Macropus 








rufus) . .. . 


mälü 


mälü 


arrörrä 


Känguru, junges . 


dabonn 


dabonn 


korrüka 


Wallaby (Largo- 








ehestes lateralis) . 


warrfi 


warru 


arrrwii 


Euro (Macropus 








robustus) . 


kanalla 


kanalla 


arröngü 


Spinifex Wallaby 








(Largochestes 








hirsutus) . . . 


tallgü 


tallgü 


yiwuta 


Dingo (Canis dingo) 


papä 


papä 


— 


Opossum (Tricho- 








surus vulperula) . 


waiyodä 


waiyoda 


ünndonä 


Stacheligel 








(Erhidna aculeata) 


tchole 


tcliele 


innäläng«* 


Springmaus . . . 


ullgunu 


ullgunn 


alluppaiiy«- 


Wildkatze (Felis 








domesticus) . . 


mollgü 


puttr-putti: 


pütpüdtha 


Fledermaus . . . 


pinnjangarre 


pinnjangarre 


innjiborra 


Känguru-Fährte 


malädjinna 


mali-djinna 


arröringa 


Wallaby-Fährte 


warrüdjinna 


warrüdjinna 


arrewainga 


Euro-Fährte . . 


kanallajinna 


kanallajinna 


arrönginga 


Alte Fahrte . . . 


djinna onnr- 


djinna unnö 


inga ngwia 


Frische Fährte . . 


djinna guarittä 


djinna guarittä 


inga iilüttä 



21ti 



Basedow: 



Aluridja 



Alaridja (Ituarre) 



Ardnndta 
(Herrinda) 

Gestrige Pfthrte . djinna karlölitte djinna pareparto inga murrekinnya 



Schwanz (tierisch) wipü 

Vogel 1 ) .... dollbu 

Schnabel .... tawalödd«- 

Flügel .... yare kallbi 

Vogelnest . . . punm 

Ei ngambu 

Emu (Dromaius 

movae-kollandiae) kaleya 
Bustard (Eupodotis 

austratet) . . . nganngode 
Adler (Aquila 

audau?) .... warrida 
Butcher-bird 

(Oracticus sp.) ngunnitchera 
Magpie-lark 

(Grallina picata) indürrekatharr- 
otharra 



Kabe (Carotis sp.) 



wa angnarre 
karnge 



Wildente (Anas 

superciliosa!) . 
Wasserhuhn 

(Fulica sp.) . 
Eule (Stric 

delicatula) . . 
Boobook-Eule 

{Nin/>.c boobook) 
Mopork 8 ). . . 
Kakadu (Cacatua 

galerita) . . 
Schwarzer Kakadu 
{Calyptorhynchussp.) — 

Rosella-Papagei 

(Platycerus sp.) . — 

Ring-neck-Papagei 
(Platycerus zonarius) padell(sh) 
Wellen-Fittich 

(Melopsittacus 

undulatus) . . tjiljilji 



errialt«" 



wirradü 

koregull 
köregöre 

käkalelle 



wibpü 
jidä 

tawalödd r 
yare kallbi 
punm 

ngainbü 

kaleya 
ngannodi 
warrida 
ngunnitchera 

karnge 

errialtf- 
netchilta 

warekeri 

koregull 

köregOre 

käkalelle 
irrannda 

padell(sh) 
tjiljilji 



pnrrä 

ütepä 
ärrinbinnba 

illbulla 

inbä 

kwaddä 

Ulli» 

uttuä 

erritcha 

jaitchatütcba 



angnoppa 

awongerra 

uttngarethäl- 
gcthalgc* 

arrekorrä 

arretwarretwa 
arrekwarreku 

anngunna 

irrannda 

i'linnja 

üllbitua 

lirrikin(iä) 



1) Ob dieses einen spezifischen Namen darstellt, konnte ich nicht erfahren. 

2) Der „Frosch-Schnabel" (Podaryus) wird allgemein »Mo pork" oder „Mo pokc* 
benannt; es ist jedoch die Boobook-Enle (Ninox boobook), die den bekannten nichtlichen 
„mo-pork u -Lant von sich gibt. 



ZentraJaustraUache Vokabularien. 



217 



Aluridja Aluridja (Ituarre) 



Nymphe 

(Calopaütacua 

novaa-haüandiae) 

Gras-Papagei, Par- 
rakeet (Folyteli* 
barrabandt) . . 

Bell-Bird (Oreoica 
cri&taUt) . . 

Crested-bronze 
wing-Taube 
(Ocypkapa) . . 

RockPigeon(L<yAo 
phapa leucogaater) 

Bronze- wing Taube 
(Phapa chalroptera) 

Cnrlew (Burhinua 
graüarim) . . 

Magpie 

(Gymnorkina sp.) 

Sperlings - Habicht 
(Accipiter cirro- 
cephalua) . . . 
Graucalu* melanopa 

Mallee-Henne 
(Leipoa oeeüata) 

Rnb\cht(MÜvu$ ap.) 

Australisches Reb- 
huhn (Coturnix 
pectoralia) . . . 

White-fronted 
heron (Notophoyj: 
novae hollandiae) 

Königsfischer 
(Alryone sp.) . 

Froginouth 

(Podargua ap.) . 

Fantail 

(Rhipidura ap,") . 

Ephthianura trieolor 

DiamondBirdf/fc»'- 
daloius ornatua) . 

Australisch. Kukuk 
(Cuculua ap.) . . 

Wheelbarrow Bird 
(Sphenoatoma 
criatatd) . . . 



Arünndta 
(Herrin da) 



arrewiljerra arrewiljerra arrewiljerra 



— — uttnöllaitcherra- 

purra 
ban ban balella ban ban balellu kunn bal bal 



mortinya 

ünndeppa 

wilfi 



kerrekin 
manetchera 



kaleya gada- 
bungn 

mordinyö 



arrelelpulba 

raortignä 

ünndeppa 

wilö 

korrebarra 



kerrekin 
manetchera 

ngamarra 



ullbürra 



pulgerra 

ngörida 

ünndeppa 

muilarra 

arreporra 



irrekolagne 
mogalamba 



ngamarra 

inbinbu 



ullbürra 



— ettwarrelö enguarrf- 

rolä rola irricfiyunderrä 

korngudordä korngudordii kutta kutta 

mening mening mening mening atetchitcherra 
merdidi medidi merdidi medidi inninjella 

pollapolle 
billbillbfl 



bin bin piiibiii 

ngungulülü 

didiärc 



Dinrua 



attwida 



218 



B&aedow; 









Arunndtfl 




Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


(Herrinda) 


Lerche (Citiclo- 








ramphus cruralis) 


dordilabere 


dordilabere 


jillgöllä 


Schwalbe (Birundo 






pörraititche 


neoxena) . . . 


konngillga 


konngillga 


ulltölläyndengen- 


Waldschwalbe (Ar- 






denä 


tamus personatuä) 


dallpundi 


dallpunje 


illborrä paiya 


„Greeny* (Ptilotü 








pencillatd) . . . 


— 


— 


ünndönua 


Zebratink (Taenio- 






tarpurrek 


pygia castanotix) 


ngeui 


ngenga 


tchibia 


Emu-Fährte . . 


kaleyadjinna 


kaleya djinna 


ullieinga 


Feder (Daune,) . . 


dungü 


dungü 


unndutta 


Parenthie ( Varanus 








giganteus) . . . 


inindäke 


väülabye 


tchunba 


Eidechse (unbe- 








kauute Spezies . 


angodä 


angodä 


anngöda 


Monitor ( Varanus 








varius) .... 


kürrekädl 


körrekade 


altoäitcherra 
arremoya 


Tilüjua occipitalis . 


madurere 


midä 


inndorrada 


Mountain devil 








(Moloch horrido») 


minürj 


mineri 


indogobmä 


Schlange .... 


würmi 


würmi 


apmoä 


Diemeniu iextUU . 


karlegalltcherre 


karlegalltchcrre 


pürra luältcherra 


Schlaugenfährte 


würmi wallga 


— 


— 


Frosch .... 


ngangni 


— 


mballje 


Krebs 


urramürra 


arramunv 


— 


Fisch 


öünnda 


öünta 


finndabotna 


Skorpion .... 


pedigadöle 


pedigadole 


üttnädtate 


Tausendfuss, 








Ceutipede . . . 


^anbarrekna 


wannagedi 


nnnberraka 


Assel, Cockroach 








( Psendepüampa 








punctata . - . 


kommburrum- 
burn 


— 


— ■ 


Seidespinnende 








Spinue (Nephila) 


enbugonngonn 


enbugonngonn 


yuwiipa 


Grille 


jerering 


jerering oder 


ilknörra 


Bull-dog-Amei8e 




mening 




(Myrrnecia nigri- 








c*P*) 


kalldugje 
(kalellje) 


kalellje 


tekönnbanube 


Weisse Ameise 


menga (poolä) 


menga (arkolÖ) 


inderruka 


Schwarze Ameise . 


allgerrokä 
(minga) 


allgerrokä (minga 


yern (üllgörrelc 



Zentralauötmlieche Vokabularien. 



229 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


(Herrinda) 


Honig-Ameise 








(Melopkoru») . 


winuddtharrä 


winuddtharrä 


yerümmbä 


Termitenhügel . 


putü 


pudlö(ü) 


inngubla 


Heuschrecke 


jinndillge 


jinndillga 


enndilljä 


Gotteeanbeter 








(Mantia) . . 


willjillji 


— 


elljuelljü 


Callosona . . . 


kalugalü 


kalugalü 


ürrunngallgorra- 
meguä 


Wespe . . . 


elil 


elil 


önndenn 


Mosquito . . . 


— 


— 


iwinyä 


Brummer . . . 


pübülero 


pübülerü 


mulgemörrä 


Fliege ..... 


bonbunn 


(?) ammonga 


ammonga 


Raupe . . . . 


udnamarrc 


üdnamürrä 


albäiera 


Schmetterling . 


binnta-binnta 


pinnda-pinnda 


undap balyebalye 


Schmetterling 








(Danais sp.) . 


— 


— 


arrillyabelläbbr 


Larve (Cossus) . 


iljaletr 


unngorödanna 


ingwünninga 


Larve .... 


ilguärf' 


ilguär« 1 


— 


Schnecke {Helir. 








perinflata) . . 


pira 


pira 


-<- 


Unio .... 


äkodalauge 


akodalange 


— 


Ungeziefer . . 


— 


korlo 


arrömma 


Flamme, Licht . 


gfille 


gällc 


ilgnunntä 


Obsidian-Bomben 


panndölle 


kaleya korru 


— 


Felsen, Gestein 


gatü pulka 


gatü pundü 


apultä aluä 


Stein .... 


tchallerö 


lelillcii 


aputtallderra 


Fett .... 


ngedi 


ngedi 


ünnderra 


Speichel . . . 


dällje 


dalljo 


böllä 


Gabelzweig . . 


beutchelerre 


benteholcnv 


ndallgoa 




ugädt": 


ngädo 


allgürrä 


Loch .... 


arelä 


wingangne 


alldurra 




iuni 


iuni 


aretnä 


Schlaf .... 


angü 


— 


unngua indömma 




gändorne 


gundorno 


ündömma 


Schatten (indivi- 








duell) . . . 


bällgally< ; 


ballgallye 


ndollya 


Schatten (schattigei 








Platz) . . . 


ganngu 


ganngu 


ulliya 


Echo .... 


t-ilyc 


Gllye 


ärräruä 


Gestank . . . 


önä 


ouna 


unnduda 


Exkremente . . 


kunna 


kunna 


üttnä 


Schweiss . . . 


kulgari 


tfinngull 


annyä 


Honig .... 


— 


— 


urrungallgörra 


Gummibaum {Euca 


tr 






lyptu* roBtrata) 


aparrä 


aparrä 


apürra 



220 



Basedow 



Aluridja Aluridja (Itaarre) 



Mulga (Acacia 
aneura) . . . 

Mulga-Samen . . 

Caüitris verrucosa . 

Miraosa . . . . 

Titree (Melaleuca) 

Korkbaum (Hakea 
lorea) .... 

C'assta desolata . . 

Hakea 

Eremophila longi- 
foliaf . . . . 

Teeoma austräte 

Eucalyptus ganio- 
phylla .... 

Bloodwood {Euca- 
lyptus terminalis) 

DeaertOak (Casua- 
rina Decaisneana) 

Kurrejong (Brachy- 
cfiiUm Gregorii) . 

Quondong {Santa- 
lum ucuminatum) 

Stachelschweingras 

( Triodia irisans) l ) 

Schilf 

Roley poley 

(Salsola kali) 
Munyeroo 

(Portulaca sp.) . 
Native Tobacco 
(Duboisia Hopwoodi) 
Mitchell-Gras 
(Astrebla pectinata) 
Solanum sp. . . . 
Känguru-Gras (A n- 

thistiria australfo) 
Native parsuip . . 
Milchbusch (Sarcos- 

temma austräte) . 
Cyperus rotundus . 



korruku 

windullge 

kurrle 

utann 

yilbilli 

witchinndi 

pundl 

kurärä 

döllbull 
oritanä 



bonn-bonn 

tänpi 
illindjl 

tillgälln 

wäkete 

mingul 

alduvolldä 
winya-winya 

ikallbörra 

epl-epl 

dünnmördta 



korruku 

windullge 

kurrle 

urrepi 

yilbilli 

witchinndi 

bundl 

kurare 

dollbärre 
orityanä 

aramberra 

? itarre 

irrekoppa 



bonn-bonn 

taüpl 
illindja 

tjillgollä 

wöikete 

warrakinna 

alldarollda 
winya-winya 

ikallbörra 



öpi-epi 
dünnmördta 



Aränndta 
(Herrinda) 

aditche 

aditchandarnge 

ilynkka 

attönga 

yilbullä 

undjia 

ingutta (punna) 

üllgudchirrä 

üdngorringa 
winnbarrä 

alelbä 

urükalle 

irrekoppa 
apponga 



ayuia 
ingwingwa 

allgolla 

ingwitegä 

engulba 

illboranj 
ilintchä 

irriakurre 



1) Wird auch unrichtigerweise Spinifex genannt; letsterer (S. hirtutus) ist anf den 
australischen Küstendänen allgemein verbreitet, wird aber niemals im Innern des Konti- 
nents gefanden. 



Zentnlanstraliiche Vokabularien- 



221 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre 


. Arünndta 
(Herrinda) 


Capparüf $p. . . 


— 


— 


ragia 


Ptdlotu» incanus 


ünngadnnngörda ünngadunngörda 


unngalatche 


Wicke 








(Svxiimonia sp.) . 


undunnda 


undunnda 


— 


Melothrxa . . . . 


ilgoddä 


ilgodda 


ilgaddu 


Native Traffle 








(ScUrodenna sp.) 


widida 


widida 


urreküngna 


Kitella 


kapi kuwl 


kapi kuwi 


kwa(i)tche äyäiye 


Stachel von Echino- 








spermitm (Three- 








cornered Jack) . 


jilga 


jen 


'lyükke 


Stachel . . . . 


minnyerreka 


minnyerreka 


thunngarre 


Riesen-SalzbuBch 








(AtripUxnummu- 








lartum) . . . 


irrie 


irriä 


irria 


Eucalyptus - Samen 


alliyä 


alliyä 


ndarngälliya 


Acacien-Samen . . 


olluppa 


olluppa 


illuppa 


Wohlriechendes 








Gras {Andropogon 








ejaltatut) . . . 


kordäne 


küdane 


— 




adönnga 


adönga 


villaitchia 


Yam würzet . . . 


allabidarre 


allabidarre 


ullaitchiakama 


ArisHda arenaria . 


ipere 


algarench 


indorrekurra 


Acacia sp. ... 


palbä 


imarre 


imarre 


Dodonaea 9p. . . 


jining 


jining 


iturr. r i 


Dodonaea 9p. . . 


wortörre 


wortörre 


kulgardta 


RJiazodia spinescens 


yerria 


yerria 


yerria 


Erogrostis eriopoda . 


wangunna 


wangunna 


njerra 


(Jhoretrum exocarpus 


yilüllta 


ilbiya 


— 


Wattle-Busch 








(Acacia 9p.) . . 


wädarreke 


wädarreke 


terrukkä 


Eremophila Clarkei 


minyinka 


minyinka 


uttnylinga 


Alyoporum sp. . . 


arreknalc 


arreknale 


yelurlta 


Cypervs sp. . . . 


pudda-putte 


pudda-putte 


taitche-taitche 


Eremopkila Brow- 








nü (?) .... 


— 


arado 


— 


Hakea sp. . . . 


beri-beri 


beri-beri 


ulptinngä 


Eremophila sp. . . 


wadarrc 


wadarre 


arrutta 


Jieltpterum sp. . . 


— 


— 


waduä 


Helickrysum sp. 


— 


— 


awurrawurrf* 


Gen us unbestimmb. 


kallewarre 


kallewarre 


awunnda 


» » 


— 


akemba 


akemba 


v y, 


yewadiwarda 


yewardiwarda 


yewuttiwutta 


Abgestorben. Baum 


— 


pildl 


ulldtha itcheputta 


lachen 


ingani 


inganyO 


anderreboma 
aTTeVuxrtve\o\v\fc 



•222 




Baaadow: 










Arünndta 




Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


(Herrinda) 


weinen, heulen 


ulanyl 


orlanye 


üttstatniä 


sich übergeben 


tunndörra 


tunndörra 


■w 






goundöllToyanje" 
wangany* 


eEfrnxrma 


sprechen 


. 


wanganyü 


ngunma 


schlagen 


. . 


bonganye 


bonganye 


attömma 


töten 1 ) 


. 


bunganye 


bonganye 


um tarn a 


kneifen 


. 


menndönye 


menndonnye 


ngettoma 


kratzen 


. 


berenne 


berenne 


i) gell omni a 






nginanje 


nginanje 


annömma 








pfeifen 


. 


winnbirananyc 


urdinnmanenye 


ullbunnelemma 


kitzeln 


• 


kötchekötchini 


kötchekötche 


tchiketchik 


beissen 


. 


partonne 


partonne 


ökkallgnmraa 


schneiden . . . 


gunndorno 


gunndorne 


alletche 


spiessen, Speeren . 


warganne 


warganne 


ndönnoma 


werfen .... 


ngailwannö 


ngailwannö 


tewünnä 


Boomerang werfen 


rongäne 


ronganc 


woomä 


Steinwerfen . . . 


attorne 


attorne 


yewooma 


treten 


kanndornö 


kaundorne 


ettanndomu 


essen 


ngallgorne 


ngallgorne 


ellgomma 


trinken .... 


tchikim - 


— 


ünngomma 


kauen 


moldjc 


karboddä 


pordta 




itaregadenn(ch) 
anndorne 


itaregadeun(ch) 
unndorne 


itarrenai 


stossen .... 


pewöa 


stöhnen . . . . 


pegannye 


pegannye 


uttnömma 


blasen, pusten . . 


porenö 


porene 


puelemmä 


atmen 


ngailmannen(ch) ngaümannen(ch) 


areen gemma 


springen . . . . 


warrarakartin(ch) warrarakartin(ch) 


atnömmbumma 


fliegen . 


wijaborganne 


wijaborganne 


larkelemma 


kochen, rösten . . 


parrene 


parrene 


mbongnä 


spielen . . . . 


ingonndöggu 


ingonndöggu 


arrekeneriai 


verstecken . . . 


gommbene 


gommbene 


allöngawilloma 


auf lieben . . . . 


märil 


märä 


kudjai 




ngaradenang- 


ngaradenang- 


ngawarenna 




angwa 


angwa 






ngarde korbeni 


korleningarade 


awümmä 


krankheitshalber 








hiulegen . . . 


iuditangarennye 


inditangarennye 


unnditchäindoma 


Nahrung suchen . 


gollbanye langna gollbanye iangna 


aleta allböma 


durstig sein . . . 


yelü 


mannjigötarre 


ingödäkwa 


hungrig sein . . 


ainmäderra 


ainmäderra 


onnöngagwä 


•eifersüchtig sein . 


wila koraron- 


wila koraronganye ünngelierrema 




ganye 






säugen . . . . 


(epi) ngallgorne 


ngallgorne 


ünngüma 



1) Auch bei den Larrekiyas (Nordterritorium) 
Übersetzung von „töten" und „schlagen". 



Zeafnümiftrelische Vokabularien. 



223 





Aluridja 


Aluridja (Ituarre) 


Arünndta 
(Herrinda) 


tragen .... 


kadl 


kadt 


ngai 


amstoasen . . 


wilarrekunn- 
dorne 


wilarrekunndorne 


^~ 




— 


? unn dorne 


arrangumü 


schneiden . . . 


gunndanndö 


gunndanndö 


allitcha 


schwimmen . . . 


tarrepanyo 


tarrepanye 


yuenndoma 


schlucken . . . 


korlgardinye 


errepini 


kunnemma 




dulltungäranye 


dulltungäranye 


umburremitin- 
garre 


warten . . . . 


wiinnepädalle 


wannepädalle 


orregöannai 


klettern . . . . 


kallbanye 


kallbanye 


önngdoma 


fallen 


partöngarangye 


partöngarangye 


eknomma 


kriechen . . . . 


maranm 


maroyiänanyc 


iittnörrakomä 


Armofalten . . . 


yariammbulli 


yeriammbulll 


— 


Händeklatschen 


marra böngänye* 


marra bonganye 


illjatulÖmma 


zusammenbinden . 


garebpille 


garebpille 


arrünnai 


zerbrechen . . . 


kartönndärre 


kartönndärre 


ultakai 


Arme hinter den 








Rücken falten . 


tarnangunbare 


tarnangunbare 


ngunganjäre 


Hände hinter den 








Nacken falten 


marra ballgarh 


marra ballgarle 


karmioyare 


geboren werden 


pilldöre 


pillyere 


irrekunna 




kapin gatarre- 


kapinga tarre- 


kwa(i)tchekerö- 




panye 


panye 


pumma 


herunterrutschen 








(an einer schräger 








Gesteinsfläche) 


kartonnga wirill 


kartonnga wirill 


puttanga kurritcha 




waranne 


waranne 


löllä akÖlloma 


sich steif fahlen 


dewilarennye 


dewilarennye 


ulltmunnderroma 


hinken . . . 


dungarne 


tanndigardennye 


inyorra 


sich aufspielen . 


n gen dorne 


ngenderne 


immönelemma 


gähnen . . . 


targadigne 


targadigne 


arralgomä 


urinieren . . . 


kommborananye 


kommborananye 


unnborlemma 


Defacation machet 


konöranganye 


kunöranganye 


uttnorlemma 


Flatus lassen . 


ninjirremanench 


kornapornma- 
nench 


uttnatomma 


auf dem Bauche 








liegen . . . 


wardon garennye wardon garennyC 


ullbarenndoma 


auf der Seite liegei 


1 nokupiti 


unnorde 


ullgaletnömma 


auf dem Rücken 








liegen . . . 


. ganngara nga- 


ganngara nga- 


uttnötta imball - 




rennyö 


rennye 


gutta yendoma 


zu liegen in eine 


r 






Stellung, die häufi 


5 






bei kaltem Wet 









224 



Basedow: 



Aluridja Aluridja (Ituarre) 



ter eingenommen 

wird, indem der 
Schwarze sich 

halb knieend und 

halb liegend Aber 

ein kleines Feuer 

stützt, daa Gesicht 

in den Händen auf 

der Erde bergend bubannye 

lieiss Onunn 

kalt - 

heisser Tag . . . wä onunn 

kalter Tag . . . wä arre 

weiss . . . lelil 

rot ngalldä 

schwarz .... märrü 

gelb ünndäna 

grün okeri 

blau okeydkerl 

ärgerlich, mürrisch merepa ngäring 

gut pallä 

links tambü 

rechts wakü 

gross - wallorda 

klein murellch 

scharf lerl 

stumpf .... bunnde 

hoch würnmonga 

niedrig .... oügnga 

gerade tchürüggoll 

krumm .... tdorgü 

taub warl 

stumm .... karnmare 

blind panba 

schnell .... barrebordä 

langsam .... pooring 

fröhlich .... iungabullga 
traurig .... — 

reif gammbonnde 

unreif wiinnge 

stark ganndillyo 

schwach .... tulä 

schwer .... bullga 

leicht aräbaun 

süss worme 



Arünndta 
(Herrinda) 



buban(ä)nye 


ittobannömma 


önnon 


ütöuna 


— 


allurrippä 


wälerungä 


otünna illboma 


? wondä 


— 


lelil 


riibulljerra 


hgalldä 


titchika 


märrfl 


urrepalla 


finndänä 


ünndäna 


okeri 


ättflrreka 


okeyoken 


— 


merepa ngäring 


ünngullia 


indudä 


allyerremäüya 


tambü 


— 


wakü 


__ 


wallorda 


öllbönga 


murellch 


urtitoha 


Tori 


arrennba 


bunnde 


mitte ha 


wttrnmonga 


akkiidna 


öngnga 


kgunnä 


tchürüggoll 


arraitch* ; 


torgü 


unngudunngüddä 


warla 


arröta 


kurdte 


ikönnga 


pauba 


killja 


barrebörda 


iparrepe 


pooring 


üuniyä 


inngabunndü 


arrekunnaaknorra 


merrepannpunndu ünngillya aknörrä 


gammbönnde 


mbunga 


wunnge 


aluitche 


ganndillye 


ölltmunda 


tulä 


allyöppallyöppa 


punndu 


fmnburra 


aräbann 


arrökkarregä 


worme 


ngwalc 



Zentral*Q«tralS8Cbe Vokabularion. 



225 



Aluritlja 

«auer mayokniya 

möde bigonyc" 

hübsch, schön . . parle 

haaslich, schlecht . kuiya 

wild — 

verrückt .... kuiye waal 

gut, ruhig . . . tämi 

jang torgn torgu 

alt (= schwer, 

schwerfällig) . . pullgä 

leer yulldo 

dünn wärabä 

dick ünnangü pullgä 

träge orinngannye 

unrerschämt? . . barngän 

tief ngardte 

seicht daretä 

glatt winndorr 

rauh, uneben . . ngilljitüda 

zäh itchirr 

zart tula 

faul, verwest . . unna 

eins goitugudda 

zwei goitarra 

drei mirnngorrä 

vier goitarra goitopa 

eine Anzahl . . . tuadä 

eine grosse Anzahl worropmolda 

weit weg .... würnma 

dicht bei .... i IIa 

lang abwesend . . yarnngc 

drinnen .... ungno 

draussen .... pela 

Ja oohwa; ö 

nein wlya 

Coo-ee! .... merannye 

Hallo! yargü! 

wo? welchen Weg? yaal 

komm her! ... — 

bleib da! . . . . nginnä 

geh weg! .... gollba 

sag mir .... wäitallä 

sei ruhig .... gannmarinnyennä 

Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1006. Heft 2, 



Arünndta 



Aluridja (Ituarre) 


(Herrind a) 


mayokniya 


ikwakinne 


bigonye 


unnderma 


induda 


illyerreraäüa 


kuiya 


akonnga 


? patapunnde 


arrangörre 


kuiye waal 


akufiga arütte 


tämi 


ärrä ärrangua 


wimuggittä 


attuitcha 


punnde 


aknörre pädä 


yullde 


üllduä 


wambä 


ootchewä 


ünnpörrapunndü 


unnda aknorra 


orinngannye 


akönngamböä 


margonn 


ünngiaknorre 


ngardte 


iputta 


darete 


fmndana 


gärälye 


elyüllkä 


ngilljt tfula 


unngörrä äknörre 


kanndc 


iturra 


tula 


ntellä 


unna 


unndütta 


goitarada 


ngtnnda 


goitarra 


thärämma 


münngorra 


urupidjaina 


goitarra goitopa 


tharamma 




thramma 


tuadä 


aknfrrra 


warropmolda 


atnengä 


würnma 


ollonnga 


illa 


arrerrö 


yarnngö 


allüttä 


ungngä 


künna 


pela 


aküttuhga 


oohwa; ö; mädo 


— 


wiya 


— 


merannye 


päM 


yargät 


yergä! 


yaal 


tenäl 


— 


pitchai 


nginnä 


unnäl 


gollba 


allbai 


wäitallä 


yilläl 


gürdiuyinna 


ikönngannai 




\b 



226 



Basedow: 



Arünndta 





Aluridja 


Aluridja (Itnarre) 


(Herrinda) 


wie viele? . . . 


yaljenna 


yaljenna 


iknanjenna 


wie weit? . . . 


yaalwörda 


yaalwörda 


tunga attinye 


wie heisst? . . . 


ngargudda 


ngargodda 


illigonnai 

(illukkai) 


was ist dies? . . 


ngarngunngitte 


ngarngunngittö 


— 




ngär 


ngar 


tarkoningomäi 


diesen Weg . . . 


ngüngunga 


ngüngunga 


ngüngunga 


mach schnell . . 


mäpällgü 


parrepädä 


parrepa 


höre! 


wanükolelle 


wanükolelle 


ürrekäwai 


wir wissen . . . 


nganö ngäninndi 


nganö ngäninndi 


nganndthörre 
kalljö 


was tust du? . . 


yaal jerennye 


yaal jerennye 


tarkengeromai 


ich glaube . . . 


ohwäpüttä 


ohwapattä 


yartega 


tue das nicht! . . 


wanndi 


wanndi 


imbai 


dies ist mein . . 


ngunngitta 


nguungitU 


nunnatchinna 




nayukü 


nayuka 




tue ihm nichts . . 


wand! 


wandi 


ibmai 


komm mit mir . . 


nayulä yungü 


nayule yfmdägü 


atchinga litchigai 




üdägü 






zeig mir wo 








Wasser ist . . 


käpi nindinn- 


kapi nindinndägü 


kwa(i)tchi ima- 




dägü 




nitchigai 


armer Kerl! . . 


ngalldü jerrä 


wilunga 


kunuya önä 


wie weit ab ist der 








Berg? .... 


kardtu yaal 


kardtu yaal 


äpudtha tunga 




wördta 


wördta 


tinnyä 


zwei Tage mar- 








schieren . . . 


— 


jinnda kütarre 


onukka thurra- 






yarnanne 


norra lingna 


ich tue dir nichts 








zu Leide . . . 


wainalöringanye 


wainuloringanyö 


nrrangua attürre- 




wiya 


wiya 


rijalle 


gibt es nichts zu 








essen? .... 


mäti wiya 


mäli wiya 


muuai itchä 


was ist dein Name? 


innl ngüng 


inne ngung 


arßdnä unngünnai 




ngünne 


ngünne 




die Lehmpfütze 








(Clay pan) ist 








ausgetrocknet 


orell pilldi 


agküddä pilldi 


allderropa arra- 


du hast mich bei- 






ritche 


nahe verbrannt . 


ngörra nuwann- 


ngorra nüwann- 


undä innguai 




barenne 


barennö 


tcherrömä 


morgon machen wir 








Halt .... 


mungalörre 


mungalörre 


lugungda iljering 




paküälinne 


purrekalinye 


nya 



ZcntralaoBtralischo YokibuUrien. 



Ameisenhonig (süss) 
ist gut (d. h. ich 

mag Ameisen- 
honig) .... 

Fleisch mag ich 
nicht (Fleisch 
nicht gut). . . 

wir sind auf der 

Suche nach 

Mineral . . . 
was gibt es zu 

essen? .... 
sieh hier! . . . 
gib mir .... 
ich gehe schlafen . 



wohin gehst du? . 

woher kommst du? 

ich weiss nicht 
ich habe Wasser . 

mein Fusa tut weh 
ich habe genug 
Wasser ■ . . 

bist du mflde? . . 



Aluridja Aluridja (Ituarre) 



wörmü pällä wörmü pällä 

winudtharre winudtharra 



küka küiye kuka küiye 



Arünndta 
(Herrinda) 



ngwälä alyerra 
yerummba 



eyinga kürrka 
ilgalitchaona 



kartukfi ürinye aputte gunndomä 



ngawa 
yüwä 



yaal guddingora 
nganye ngüra 
ngora yaal ngurre 

wambabuda 
nayule kapi tarre 



ngawa 
yüwä 



yaal guddingora 
nganye ngora 
ngora yaal ngurre 

wambabuda 
nayule kapi tarre 



jinnapikanayulo jinna pika nayulo 



kapi pullka tarre 

nayulo 
ngora pakürin- 

ganye 



kapi punndu tarre 

nayule 
ngora purekarin- 

ganyö 



ngarngalgunna 

arröai 

undai 

einga unnguä 

inditchika 

allbumma 
tulangelemmai 

akmörra tunna 

pitchikai 
yardekö 
kwaitche einga 

aknörra? 
inngö mama einga 

kwaitche aknörra 

akudta einga 
ngambu eroma 



Wörter, die seit der Besiedlung von Weissen 



Pfeife, rauchen 

Strasse, Pfad . 
Kopfkissen . 

Zucker . . . 

Beinkleider . . 



entstanden sind, 
goinmanenye goinmanenyö 



waddayabba 
kadedavall 
warmetchuka 
yarobpullda 



waddayabba 
kadedavall 
warmetchuka 
yarobpullda 



unngomma 

(cf. trinken) 
waddayabba 
kuttemalle 
ingualetchuka 
yarapullta 



228 



Basodow: Zentralanstnlische Vokabularien. 



Arunndta 



Ozean . . 
Adelaide . 
Pferd . . 
Ochse . . 
Windhund 
Gewehr 
Patronen . 
Katze . . 



Alnridja 


Aluridja (Itaarre) 


(Herrinda^ 


kaledi 


kaledi 


ulümbaälaiye 
kalede 


nanndu 


nannde 


nanndüa 


peloge 


pelogä 


pelegwä 


müggedl 

muggedigüllga 

mollgü 


porinnya 
muggede 
muggedlgnllgä 
putte putto 


porinnya 
mageda 
mägedangna 
püt pudthä 



Über zwei nieht-malayische Stamme von Ost-Sumatra. ') 

Von 

M. Moszkowski-Berlin- 

Währeud die noch heidnische, nieht-malayische Urbevölkerung der 
Halbinsel Malakka nach allen Richtungen — namentlich durch Martin — 
gut erforscht ist, weiss man verhältnismässig wenig Ober die Urrassen 
der Inseln dtt niederländisch-indischen Archipels. Bei meiner Durch- 
<iuerung des Sultanats Sink in Ost-Sumatra fand ich zwei verschiedene 

rne 9 von deren Existenz man wissenschaftlich bis jetzt wenig oder 
gar nichts gewusst hat: die Aketts und die Snkeis, welch letztere mou 
bisher nur iu Malakka können gelernt hatte. 






Die (»rang Akett. 

Die Uraug Akett sind eine aussterbende Kasse. Es existieron noch 
100 Mann in drei Dörfern: Prawung am Sink, Pnrnasar au der 
Mündung des gleichnamigen Flusses in dieMnndau, einen linken Nebon- 
im *iaks, und Selet-Morung (Seiet = Meerenge) bei Bengkalis 
an de? Küste der Mnlakkastrasae. Sie sind ursprünglich Wasaerbewohner 
und lebten früher aar auf Flossen im der Kflste und auf *\i}\\ Flüssen. 
In den letzten Jalirzehuten sind sie zwar gezwungen worden, feste 
\\ ohnsilze einzunehmen, doch bauen sie ihre Hütten auch heute noch 
auf Flössen aus riesigen Baumstämmen, die mittels Uottaugtaueu am 
nikert sind. Die Hütten sind mit Palmenblättern (Koppnu- 
paltnc) gedeckt, die Wände sind aus Baumrinde. Der Herd besteht aus 
einem mit Lehm gefüllten Holzrahmen, in dem drei Steine Btehen, auf 
diese wird der Kessel gesetzt. Ein Rauchfang existiert nicht. Weiter im 
Innern kommen auch Pfahlbauten vor. Das Dach fällt bei diesen von vorn 
nach hinten schräg herab, so dass eine Hinterwnnd nicht vorhanden ist. Diese 
Pfahlbauten sind das Elendeste, was ich je gesehen habe; Bie sind so 
niedrig und wenig geräumig, dass man sie zuerst für Hühnerställe halten 
mochte. Ich konnte z. B. nicht aufrecht darin stehen. Die Vordenvand 
fehlt meistenteils oder ist doch sehr defekt. 

Die Aketts haben einen grossen Mangel an Frauen. Sic heiraten daher 
sehr ofr Sakeifrauen, dicKinder — es herrscht ja dort reines Maternat — kehren 
«1 "i oft in die Vaterdörfer zurück. Die Rassencharaktere sind infolgedessen 
stark verwischt, wenn auch die Akettcharaktere ganz merkwürdig stark durch- 
schlagen, wie denn Oberhaupt die Charaktere primitiverer Rassen meist bei 
Kreuzungen stark in den Vordergrund treten. Der Schädel- und Oesichts- 
index, sowie die Körpergrüsse schwanken innerhalb sehr weiter Grenzen. 



1) Vorgelegt in der Sitzung rom 10. Oktober 1907. 




•230 



Moaitoviki; 



Dn die Leute aohr scheu und ängstlich sind, konnte ich leider nur drei- 
zehn Männer messen. Aus deu Messungen (siehe Tabelle *) gebt her- 
vor, dass es sich um eine brachycephale Rasse handelt, der Index 
schwankt zwischen 79,67 und 91,02, der Durchschnitt ist 34,83. Das 
Gesicht ist breit, der Index schwankt zwischen B4,61 und ISO, der DttrcL- 
schnitt ist, 107,54. Der Körptiwm hs ist sehr klein, offenbar sind die 
Aketts eine Zwergrasse. Ein einziger Mann mint 1-7 «m. Dessen 
Mutter ist aber Bakei und der ganze Typus des Mannes ist der eines 
Sakeis. Bei den übrigen schwankt die Grosso des ausicewar), 
Mannes zwischen 144 und 158. Die Durchschnittsgrösso ist 151 
wenn mau den offenbar abnorm grossen Gintal aus der Berechnung lägst, 
nur 150,60. Die Haan' sind meist schlicht, doch kommt (wohl infolge 
der Sakeibeimischung) auch wolliges, gelocktes Haar vor. Die Ham 
ist gelblich-braun, die Stirn nicht fliehend, massige Prognathie (h. Eil* IV 
gut ausgefragtes Kinn. Gestalt kräftig und gedrungen, die Rein 
hültnis zum Oberkörper kurz, die Arme lang. Bartwuchs sein 

Ober ihre Ergologie ist wenig zu sagen, Ihre llauptbeschäfti r 
ist der Fischfang. Sie bauen aus Zweigen Reusen quer durch die 
und befestigen am oberen Hand derselben dicht auf dem Woss 
Körbe aus Rotang, die an der vorderen Öffnung noch hinten geri« 
Widerhaken tragen. Die Bearbeitung von Eisen verstehen sie 
Angelhaken und Messer kaufen sie gegen Fische und Rotang von 
chinesischen Händlern, desgleichen ihre Kleider (meist nur eine I enden- 
hose). Aus Rotang flechten sie Körbe, die sie mittels Bastschnuren 

der Rinde des Toropbaumes) mit Schultern und Stirn tragen. AI* 
einzige autochthone Waffe führen sie das Blasrohr, aus dem sie Holten 
echiessen, die mit dem bekannteu Ipohgifte vergiftet sind. Wahrend 
nun bei don Uajaks von Borneo das Blasrohr meist eine eiserne Lancen- 
spitze tragt und auch als Lanze benutzt wird, besitzt ein von mir er- 
worbenes Akettblasrohr eine hölzorno LanzonsprUo und ein Holzkorn, 
auch eiu Beweis für die ausserordentlich primitive Kulturstufe i 
Stammes. Das Blasrohr ist aus Eisenholz aus einem Stück gefertigt, dn 
Bolzenköcher aus Bambus. Ihr Hauptwild sind Affen, deren Fleisch sie 
gern verzehren. (Dasselbe wird von den Sakeis von Malakka berichtet.} 
Feuer sollen sie früher mit zwei Hölzern bereitet haben, heute ben 
sie Stahl, Stein und Schwamm, vor Streichhölzern haben sie grosse Furcht 
(Dasselbe ist mir bei den Weddas in Ceylon aufgefallen.) Von sonstigem 
Hausgerät habe ich nur noch Matten aus den Blätteru eiuer fast stnuun- 
losen Pnndanacec, Kürbisflaschcn und Äxte gesehen. Der Stiel der 
letzteren wird aus dem Holz des Bassungbaumes (AUtonia costata) ge- 
fertigt, die eiserne Klinge gekauft. 

Das Temperament der Aketts ist gutmütig, doch sind sie ängstlich 
und scheu. Die Behandlung der Frauen ist — ihrer geringen Anzahl 
entsprechend — gut, Scheidung und Ehebruch sehr selten. Cber ihre 
Religion habe ich wenig erfahren können, ich glaube auch, es ist da nicht 
viel vorhanden; das ätiologische Bedürfnis dieser Urvölker ist eben noch 
ein sehr geringes. Bei Krankheiten üben sie einen Gebrauch, der über 




Dar Zauberet Bohl uxh den Antu (maiuhnia! mit einem Mesaer i 
mit einem Holzachwert), gibt im Trance prophetische Ausspruoln* und 
produziert dann endlich ein Armband, das als Medizin umgelegt wird. 
Der Akett auf der Photographie trflgt i in solches Medizinal -mhand. Den 
werden auch Opfer gebracht Überall au den Flössen sieht mau 
Baamea dieee Opfergaben — geflochtene .Schalen aus Itoton^ und 
Pandanusbl&ttern mit Gewürzen darauf hängen. 



I 



232 



Minkowski; 



Die Orang Sakei. 

Die Snkeis von Sumatra zählen etwa 3000 Mann. Auf den hollän- 
dischen Spezinlkarten ist ihnen ein Gebiet zugewiesen, «Ins etwa einem 
Zwanzigstel «les von ihnen wirklich bewohnten Gebietes entsprieht. Sie 
Hitzen am Oborlauf der Mandau und ihren Nebenflüssen und dehnen lieh 
westlich bie zum Rökan hin aus. Sie teilen sich in zwei gros-.' St mime: 
die Batin selapan, die aus acht (selapan = acht) Clans bestehen, und 
die Batin lima (lima = fünf), fünf Clans Wlfarend si«- von den 
Malayen Sakeis oder Orang utan (Wald menschen) genannt werdet 
sehen sie selbst diese Benennung als Beleidigung an und nennen Biet 
"rang Batin, dass heisst Untertanen der Batius. Batin, zu deut-il 
der Alt<\ i.-st der Naine ihrer Häuptlinge. Der gleiche Name wird Sl 
iu Malakka gehraucht. Die Batin selapan sitzen im Westen, die Batin 
lima im Osten ihres Gebietes. Dass die Sakeis bis jetzt nicht bekannt 
li&d, liegt an den ungeheuren Schwierigkeiten, dio überwunden werden 
müssen, um sich ihnen zu nähern. Ihre Eampongt liegen mitten iu ua- 
ztigAnglicheu Urwählern. Nur dem Umstand, das* wir unter der Führung 
des obersten Polixeibeamten des Sultans von Sink reisten, dem alle diese 
Stämme tributfir sind« beben wir es zu dnnken, dass wir überhaupt m 
die Dörfer der Sakeis kamen, und dann war noch alles Volk in die 
Wälder verschwunden! Erst auf Befehl unsere;- ihnen gut bekannten 
und befreundeten Führer« tarnen sie dann hervor. Alle Sakeidörf« t 
von einem fast unübersehreitbaren Wall von umgeschlagenen und kreuz 
und quor übereinander gelegten Baumstämmen umgeben. Es geschieht 
dies zum Schutz gegen Elefanten und Tiger. Aber auch für Menschen 
gehört schon eine grndezu hoclitouristisehe Klettergewandthait dazu, am 
hier herüber zu kommen. Die Häuser eines Karaponga liegen «reit, oft 
stundenweit zerstreut. Es sind Pfahlbauten etwa 27* »n über der Erde. 
Die Leiter wird nachts heraufgezogen. Das Haus hat vier Wäude au* 
Baumrinde oder Koppaublattern, «las Dach, in der Mitte spitz zulaufend. 
ist gleichfalls aus Koppuuhlättcrn. Der Fussboden besteht aus IIolz- 
st&ben, die etwa im Abstand von 2 cm nebeneinander liegen. Das Haus 
besteht meistens aus einem Raum und einer Vorgalerie. Nur ab und zu 
ist der grosse Kaum durch Wände aus Koppauhlättern abgeteilt, einmal 
fanden wir sogar ein richtiges NebenziinTuer mit Tür. Die Schlafstelle 
ist gewöhnlich etwas erhöht. Der Herd liegt graduber von der Tür. Dor 
Boden ist mit Matten aus l'auduiiaceeiiblatlern belegt. Ein Rauelifang 
fehlt auch hier. Der Herd ist von derselben Art wie bei den Aketts, 
etwa 1,5 m über ihm befindet sieh ein von vier Pfählen getragenes Blätter- 
dach. Dies ist die Speisekammer der Sakeia, wo sie durch den Rauch 
vor Ungeziefer geschützt ihre Vorräte bewahren. Nachts entzünden sie 
auch unter ihren Häusern grosse Feuer. Dies hat wohl einen dreifachen 
Zweck: erstens Schutz vor Kälte — es ist nachts im Urwald oft recht 
kühl — , Schutz vor Mrisipiitos und Schutz vor wilden Tieren. Solch ein 
Dorf mit zahlreichen Feuern unter den Hausern gewährt einen höchst 
phantastischen Anblick. 



Stämme von Ost-Sumatra 



838 



ÜttQt im Gegensatz zu <ien Aketts haben die Sakeis einen grossen 
I berechne! an Frauen. Aus diesem (iruude liegt kein Anläse bei iliiun 
vor, sich mit anderen Völkern zu vermischen. Die Malaiinnen wurden 
sich auch energisch weigern, mit den schmutzigen, heidnischen, von ihnen 
im höchsten Maasse verachteten (Drang utans eine Ehe einzugehen. Um- 
kehrt freilich heiratet mancher Malaye ein Sakeimädchen, die oft recht 
hiibsch sind. Doch Kinder aus solcher Ehe worden immer Mohamedauer, 
nnen sich Malayen und halten sieh ängstlich von den Sakeis fern, wie 
mrli europäische Half-casts die Inläuder am meisten verachten! So 
kommt es, dass die Bakeis sich ausserordentlich rein erhalten haben. Ich 

Ihabe fünf weit auseinander wohnende Clane untersucht und überall kon- 
stant dieselben Verhältnisse gefunden. Es ist eine typisch dolicho- 
• »pfaale Rasse. Tabelle I gibt die Verhältnisse im K«m)M»0g Pingger. 
Etebfidelindex vnriiert von 71,77—78,74, der Durchschnitt ißt 75,45. 
Wie regelmässig die Zahlen um diesen Durchschnitt variieren, zeigt die 
liier fahrende Kurve: 



Wff. 2- 




mn 



rr* m m m m rrs reo rat tu /» /5+ reo m ?87 m res /so w /S2 



" ( iesiclifsindex lehrt, dass es sich um eine breitgesichtige Hasse 

Ir. Variationsbreite 92,48— 117,31, Durchschnitt 1(13,50- Die 

oqiergrösse variiert zwischen I4".. r > und lft5 cm, der Durchschnitt ist 

56,16 cm. Tabelle II zeigt, dass auch in deu anderen Knmpoiigs die- 

lelbcn Verhältnisse herrschen. Icli wiederhole, dass die in Frage kommeu- 

len Kampongs verschiedenen Clans angehören, die durch meilenweite 

rwälder von einander getrennt sind. Vier von fünf Dörfern haben einen 

lurchschuittlichen Schädelindex von 75 — 76, eins von 73,80. Etwas 

lesere Schwankungen zeigt der Gesichtsindex, wahrend die Körpergrösse 

wieder sehr konstante Durchschnittszahlen aufweist. Die Hautfarbe ist 

oliv und heller als die der Malayen. Die Haare sind langlockig (siehe 

dh Augen klein, dunkelbraun bis schwarz. Lidspnlte hori- 

intaL Siirn sehr hoch, mehr oder weniger fliehend, Arcus supraorbitales 




2S4 



MosiVowski; 



sehr stark. Nase platt wulstig. Lippen wulstig aufgeworfen 
Prognathie. Kinn sehr schwach entwickelt Körperbau kräftig uuil 
muskulös. Nach der Mnrtinsehen Beschreibung der Sakeis von Mnlakka 
ist an der Identität dieser mit den Sukeis von Sumatra wohl ttlOnl u 
zwriiVlu. Auch weisen die Sagen der Sumatraner auf Malakka als ihr 
StJiiiunland hin. Nur scheint es, als ob die Sumatraner infolge ihrer 
grösseren Abgeschiedenheit — die Sakeis von Malakka vermischen sich 
offenbar gern mit den benachbarten Somnngs und heidnischen Malayeii 
— ihre Rasaencharaktero treuer bewahrt haben. Sie sind z.B. viel UU- 
gesprochener dolichouephal als die Sakeis von Malakka. Damit 
wäre also auch für Sumatra das Vorhandensein von Angehörigen dar 
papunniseken Rasse nachgewiesen, als deren letzte Ausläufer wir din 
Weddas von Oeylon zu betrachten hüben. Die Ähnlichkeit Ewiiotkes 
Weddas und Sakeis ist auch rein Susserlich schon ganz frappant. AI- 
Fritz Sarasiu das erste Snkeibild von Malakka sah, rief er aus; das ist 
ja ein Wedda! Der Sakei von Abbildung '2 hat schon eine ganz kolossale 
Weddaähuliehkeit. Grndezu verblüffend war aber das Aussehen eines 
Mannes von Ajer gumai namens Akel, der bei einem Schadelindex 
von 75 eine Grösse von nur 144 cm hatte, das Haar nach Weddaart trug 
und ebenso den kümmerlichen Schnurr- und Zwickelbart der Weddas 
besass. Leider ist mir die Platte verdorben. Ich möchte nur ganz kurz 
hier die Frage streifen, ob nicht die Weddas doch nur Sekundörzwerge 
sind. Ich weiss wohl, dass ich mich damit mit den berufensten Kennern 
der Weddas, den Snrasins, in Widerspruch setze. Wenn man aber sieht, 
dass unter einer mittelgrossen Rasse wie den Sakeis plötzlich Zwerge 
auftauchen, die so ausgesprochene Weddaähuliehkeit haben, so kommt 
einem der Gedanke an Degeneration ganz von selbst. Und die Gründe 
zur Degeneration sind ja auch vorhanden: Inzucht und Krankheit. Wie 
aus Tabelle II horvorgoht, sind etwa 50 pCt. der Bevölkerung von dar 
schrecklichen, furchtbar juckenden und das Leben verbitternden Haut- 
krankheit, der Kurnb, befallen (s. Fig. 3), eiue der Krätze ähnliche 
Krankheit, die Ober ganz Malakka und den Arehipid verbreitet ist. Doch 
dies nur nebenbei! 

Die Krgologie der Sakeis. 

Die Sakois sind noch nicht eigentliche Ackerbauer, sondern ganz 
wie die Weddas nur Prflchtebnuer. Ein Stück Wald wird ausgerodet, 
einige Hütten gebaut und ohne weitere Bearbeitung des Bodens einige 
Kr flehte angepflanzt. Es sind dies Reis (aber nur wenig), Tapiokfl 
(Hauptnahniiigsmittel), Zuckerrohr (wird aber nur gegessen), Ananas. 
Solanum melongenn (eine säuerliche, gelbe Beere), etwas Tabak. 
Bananen, Mais, einige Sorgheumarten, Lagenaria angnlata 
(Kürbis) 1 ), süsse Kartoffeln (Jatropha multifida), verschiedene Gewürze 
wie Capsicum annuum (eine rote, scharfschmeckende Schote), Colo- 
casia? (eine grüno Schote), Vigna sinensis, Cucurbita pepo, Cucu- 
mis melo (Melone). Nur in einer Niederlassung (Bansol) habe ich 



1) der ihnen die Wasserbehälter liefert. 



Stammt* von Ost-Sumatra. 285 

reka und Coeospalmen gesehen, was auf feste Wohnsitze sehliessen 
Hin und wieder habe icfc Nangko und Jambu (Rosenflpfel) ge- 
troffen. ÜLeral] aber um die Kampongs wuchert wild eine alte Bekannte 
vjii du eerlooofflBches Weddadürferu her, die ßuah bulu (Federfrucht, 
Passiflora ioetida), eine Kletterpflanze, deren Blume der Passions- 
blume gleicht und deren gelbe Frucht sehr süss und erfrischend schmeckt. 
Gedeihes <!;>■ Früchte nicht mehr recht 1 ), oder mehren sich die Todesfälle, 
oder wird die Zahl der Ansiedler zu gross, so wandert man einfach aus, 
rodol ein neues Stück Wahl aus und baut Bin neues Kumpong, ganz wie 
es auch die Weddas in ihren Reservaten an dar Grenze der l'va und 
der l'a-iern Proviuce tun. Der Frflchtebau Ut ihnen eigentlich doch 
mir 'in notgedrungenes Übel. Die llauptnahruugsquelle bildet der Wahl. 

leben von jagdbaren Tieren, wie Hirsch, Reh, Kautjil, Wildschwein, 
Stachelschwein, Quastenstachler, Varan, Schildkröten, liefert der Wald 
ihnen ihre Baupttausehmittel Rotang und Kdutschuck. Rotang kommt 

ire 32 Arten vor, von Gummi sind zwei Arten besonders geschützt: 
Palaquium guttar, der nach Haberland im wilden Zustand ausgestorben 
sein soll, den ich aber selbst noch in vielen starken Exemplnren gesehen 
habe, und der eigentliche Kautschuckbaum Payena Leerii. Der 
Toropbaum (Artoenrpus Blumii) und Antoii. eine noch unbekannt«» 
Ficusart, liefert ihnen Bast für Stricke, früher — noch vor ze hu .laliron — 
trugen sie auch Kleider aus geklopftem Bast. Aus Eisenholz (Muaea 
ferrea) machen sie ihre Lanzen im 1 den Fussboden ihrer Häuser. Fin- 
bäume fertigen sie aus Mranti (Sborea serophulosn) und Giain (?). 
Die Stengel einer parasitischen Phanerogome (Cassytn filiformis), 
&t l'Otang genannt, werden zu Riemen geflochten, die Lederriemen weder 
au Geschmeidigkeit noch an Festigkeit nachstehen. Die Stiele und Qriffe 
ihrer Äxte bestehen aus Bassungholz (Alstonia costata), verschiedene 
Pandanaceen liefern Materini zum Flechten von Matten und Körben. 
Früchte liefern verschiedene Cerberaarten (Corbera Odollan und 
andere sp.), Komoian (Styrnx benzoin) liefert Medizin und Parfüm. 
Auch die Früchte von Scorodocarpus Bomeensis (ein für Sumatra 
neuer Baum), sowie von drei Wasserpflanzen: Amonium rubrum, 
Nicolaiasp.? uud Takalu (uoch nicht bestimmt) werden gegessen. 
/-um Decken ihrer Häuser verwenden sie die Blätter der Koppanpalme, 
aus dem Bast der jungen Blattknospen dieser Palme bereiten sie sich 
ZigBfi ttt-npapier. Die Lippaypulmonblattcr werden -su Tellern und zur 
Umhüllung von Fackeln verwendet. Die Fackeln selbst werden aus 
Da mar harz bereitet. Als Klebstoff dient das Harz eines rankenden 
parasitischen Ficus (noch unbestimmt). Man sieht es sind wahre Orang 
l'tan (Waldmenschen), denen der Wald alles liefert, was sie brauchen! 
Feuer machen sie am liebsteu mit Stahl und Stein, das sie von Chinesen 
kaufen. Hin und wieder benutzen sie auch Streichholzer. Von Waffen 
eigener Fabrikation führen sie nur die 2V S m lange Lanze. Sie wissen 



1) Länger wie ciu, höchst* na ivci Jahre hintereinander lägst sieb derselbe Acker 
nicht bestellen. 






236 



Moäzkuwski; 



Eisen zu schmieden. Der Blasebalg besteht aus zwei Bambusrohren, der 
Stempel aus Lumpen. Am Grunde der beiden Rohre befinden sich zwei 
Öffnungen, in die zwei dünne Ansntzrohre gesteckt sind. Diese kon- 
vergieren auf die Öffnung eines durchbohrten Steines, hinter vrolcfceni das 
Feuer sieh befindet, Hammer und Amboss müssen sie kaufen, ebenso 
Kleider (meistens Sarongs und Kopftflcher. manchmal auch eine Jacke), 
sowie die Klingen für ihre kjeinen (Uolok) und grossen Messer (Parang). 
Die Griffe schnitzen sie selbst. Ihr Haupthandwerkszeug ist der Uolok. 
mit dem sie sehr geschickt zu arbeiten verstehen. Das Blasrohr ist ihnen 
merkwürdigerweise absolut unbekannt. Wahrscheinlich haben also auch 
die Sakcis von Malakka das Blasrohr, das in ihren Sagen eine solch 
grosse Rolle spielt, erst sekundär von ihren Kachbarn erhalten. Dr-i 
Farben können sie herstellen: schwarz mit Holzkohle, weiss mit Kalk 
und gelb mit einer Wurzel Kuniet (sp.?) 

Von ihrer Religion konnte ich nichts erfahren, doch herrscht auch 
bei ihnen der Antuglaube. Stirbt ein Mann, so bleibt die Leiche einen 
Tag und eine Nacht im Hause, daun kommen die Verwandten mit Toten- 
geschenken und die Ältesten (falls der Batin unter den Verwandten ist, 
der Batin) schneiden sich quer in den Kopf und bespritzen mit ihrem 
Blut die Leiche. Inzwischen wird ein Grab gegraben, der Tote mit einer 
Flasche Wasser, einem Huhn, etwas Tapioca oder Reis, seinem PaMUg 
bei Frauen auch ihrem Schmuck, hineingelegt; dann wird das Grab ge- 
schlossen, ein oder mehrere Terrassen von Holzrahmen herumgelegt nnd 
ein Atapdach darüber auf vier bis sechs Pfflhle gestellt Nun werden 
grosse Feuer entzündet und die Familie schläft imil lebt drei Tage lang 
(falls es ein Batin ist. sieben Tage) am Grabe. Dabei werden grosse 
Totenschmau.se mit offener Tafel gehalten. So lange glauben sie nämlich 
dauert es, bis der Tote wirklich tot ist und während dieser Zeit miissteu 
sie ihm Gesellschaft leisten. Irgend weitere Totenteste kennen sie imhr. 
Nach drei bzw. sieben Tagen ist der Tote wirklich tot uud man kümmert 
sich nicht mehr um ihn. 

Hochzeitsfeierlichkeiten kennen sie nicht. Wenn ein Paar sich ge- 
fallt, so schlaft der Jüugling einfach hei dem Mädchen so lange, bis die 
Kitern es merken. Dann wird er zum Batin geführt, der ihn verurteilt 1 ), 
das Brautkaufgeld von 10 (lorin zu zahlen und damit ist alles erledigt. 
Scheidung ist sehr häutig und muss auf Verlangen eines Teils vom Batin 
ausgesprochen werden. Das Haus und die Kinder verbleiben der Frau, 
die aber eventuell das Kaufgeld wiedererstatten muss. 

Grosse Festlichkeiten werden aus Anlnss der Beschneidung ver- 
anstaltet. Die Kinder werden um das Alter der Mannbarkeit, also etwa 
mit 15 .Jahren, beschnitten, und zwar wird nicht circumeidiort. Es wird 
vielmehr zwischen Eichel und Vorhaut eiu Stück Holz gelegt und dann 
mit einem scharfen Bambus die Vorhaut längs gespalten. Die Operation 
wird von dem Zauberer uud zwar au allen mannbaren Jünglingen dei 



1) Nach heute geltenden) Eccbt. Früher genügte das Einverständnis der Vetter 
Brantkaufgeld gnb os nicht. 



Stimme von Ost-Sumatra. 



237 



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5 



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Stimme von Ost-Sumatra. 239 

Dorfes auf einmal vorgenommen. Die Beschneidungsfestlicbkeiten, bei 
Jenen auch Hahnen kämpfe nicht fehlen dürfen, dauern oft so lange, als 
m Dorf noch etwas zu essen ist 

Die Geburt vollzieht sich unter Hilfe einer Bidan (weise Frau). Die 
Kreissende liegt dabei auf dem Rücken. Ist das Kind geboren, so erhält 
38 sofort seinen Namen von der Mntter. Dann wird das Blut aus der 
Nabelschnur seltsamerweise zur Mutter hingestrichen, die Nabelschnur dicht 
im Kinde abgebunden und mit einem scharfen Bambus durchschnitten. 
Die Nachgeburt wird durch Streichen des Leibes entfernt, ins Wasser 
geworfen oder begraben. Nun darf sich die Wöchnerin 44 Tage nicht 
legen, sondern muss sitzen, ein geschlechtlicher Verkehr darf während 
dieser Zeit nicht stattfinden, auch darf sie sich nur mit äusserster Vor- 
sicht bewegen, denn wenn sie während dieser Zeit fällt oder sich stösst, 
ao bedeutet das Unheil oder Krankheit. 

Das Temperament der Sakeis ist heiter, sie sind sehr dienstbereit 
and helfen gern. So hat mir einmal ein ganzes Dorf eine Nacht lang 
geholfen, einen Tapir abzuhäuten, ohne je die gute Laune zu verlieren. 
Ausserordentlich dankbar sind sie für kleine ärztliche Hilfeleistungen. 
Ihre Frauen behandeln sie gut, sind aber sehr eifersüchtig. Gegen 
Fremde sind sie zuerst recht scheu und zurückhaltend, werden aber bei 
freundlicher Behandlung rasch sehr zutraulich. Von eigenen Musik- 
instrumenten haben sie nur die grossen Zaubertrommeln und Maultrommeln. 
Lieder besitzen sie wenig, ich habe mit Mühe drei Liebeslieder und ein 
Zauberlied herausbekommen. Schmuck habe ich sehr wenig gesehen, 
höchstens einige Ringe aus Silber, doch haben die Frauen oft lang aus- 
gezogene Löcher in den Ohrläppchen und mögen wohl auch Ohrringe 
tragen, gesehen habe ich keine. 

Siak, August 1907. 



II. Verhandlungen. 



Sitzung vom 15. Februnr 1908. 
Vorsitzender: Hr. Karl von den Steinen. 

(1) Die Gesellschaft betrauert den Verlust zweier Mitglieder. Am 
30. Januar starb im 81. Lebensjahre der akademische Künstler Albert 
Schütze, Mitglied seit 1879. Am 3. Februar verschied in Deutsch- 
Ostafrika der Hauptmann der Schutztruppe Moritz Merker. Er trat im 
Jahre 1902 unserer Gesellschaft bei. Damals kam er nach Europa zurück, 
ganz erfüllt von den merkwürdigen bibelähnlichen Traditionen, die er 
aus dem Mund alter Masai erhalten hatte und die ihm als eine selb- 
ständige Variaute des uralten Sagenstoffes erschienen. Sein Werk über 
die Masai, das er 1904 veröffentlichte und in dem er ein überaus lebens- 
volles Bild des mächtigen Stammes brachte, hat in der Tat durch jene 
Hypothese in der Bibel-Babelzeit die allgemeine Aufmerksamkeit in An- 
spruch genommen und ist in unserer Zeitschrift (1904, S. 735) ausführlich 
besprochen worden. 

(2) Neue Mitglieder: 

Hr. Dr. M. Mozkowski, Grunewald. 
„ Regierungsrat Dr. Victor Leo, Mitglied des Kaiserlichen 
Statistischen Amts, Grunewald. 
Das Provinzial-Museum in Hannover. 
Hr. N. H. Witt, Grosskaufmann (früher iu Manaos, Brasilien), 
Grunewald. 

(3) Hr. v. Kaufmann, der zurzeit leider schwer erkrankt ist, hat 
die Wiederwahl als Obmann des Ausschusses angenommen. 

(4) Hr. v. Laschan teilt mit, dass im März im Lichthof des Kunst- 
gewerbe-Museums eine Ausstellung veranstaltet werden soll, die die Aus- 
beute Hrn. Augustin Kraemors aus den Karolinen, darunter ein ge- 
schnitztes Haus von Palau, Sammlungen von S. M. S. „Planet" und der 
Expedition Thurnwald, Neuerwerbungen aus Kamerun sowie prä- 
historische Funde aus der Dordogne und Eolithen aus Belgien vereinigen 
soll. Es wird eine besondere Führung durch die Ausstellung in Aussicht 
genommen. 



Erfinder der Eigentechnik. 241 

(5) Hr. Waldemar Belck übersendet eine Erwiderung auf die 
Ausführungen von Hrn. Prof. Dr. A. Bertholet in Heft VI, 1907, S. 945, 
die diesem vor dem Druck zur Gegenäusserung übermittelt worden ist. 

Diu Erfinder der Eisontechnik. 
I. Hr. Belck an Hrn. Bertholet. 

Hr. Bertholet macht in den Verh. 1907, S. 945/46, einige Be- 
merkungen und Einwendungen gegen meine Ausführungen ib. S. 334ff., 
zu denen ich hier nur kurz bemerken will, dass es mir natürlich nicht 
eingefallen ist, Hrn. Bertholet verantwortlich zu machen für die zahl- 
reichen Verdrehungen und Entstellungen, welche sein ursprünglich doch 
wohl fehlerloser Aufsatz über den Siloah-Tunnel auf seiner Wanderung 
durch zahllose Zeitungen sich hat gefallen lassen müssen. 

Dass es sich im übrigen nicht um eine Originalabhandlung des 
Hrn. Bertholet bei jenem, im September 1905 in der Danziger Zeitung 
abgedruckten Bericht handelt, sondern um einen aus irgend einer anderen 
Zeitung übernommenen Artikel, beweist deutlich der Wortlaut jenes 
Referates und die Art und Weise, wie ich der ursprünglichen Autorschaft 
des Hrn. Bertholet erwähne. 

Ober die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der verschiedenen Bibel- 
übersetzungen kann ich mich aber mit Hrn. Bertholet um so weniger 
in eine Diskussion einlassen, als seine Behauptung, ich wäre nicht imstande, 
ein hebräisches Origiual zu lesen, leider den Nagel auf den Kopf trifft. 
Ich kann auch für diesen Mangel als Entschuldigung nur anführen, dass 
auf dem Realgymnasium, das ich seinerzeit absolviert habe, bedauerlicher- 
weise hebräischer Unterricht nicht erteilt wurde, und dass mir anderer- 
seits bei meinem späteren Studium und der praktischen Betätigung als 
Elektrochemiker derartige Sprachstudien etwas fern lagen. 

Doch sei dem, wie ihm sei, und selbst, zur Vereinfachung der Dis- 
kussion, zugegeben, dass die eine oder die andere, ja selbst alle beide 
der bezüglich der Richtigkeit ihrer Obersetzung von Hrn. Bertholet 
angefochtenen Bibelstellen Sirach 48, 17 und II. Mose 27, 19 tatsächlich 
falsch Übersetzt worden seien, bzw. von mir in einer falschen Übersetzuug 
für meine Untersuchungen verwendet worden seien, so ändert das an dem 
tatsächlichen Endergebnis meiner Arbeiten nicht das Geringste. Denn 
allseitig, ohne irgend eine Ausnahme, ist bisher von den Forschern 
mir zugegeben worden, dass an eine eigene Eisenfabrikation der Juden 
zu jenen Zeiten absolut nicht zu denken sei, dass mithin die Juden un- 
bedingt aus der Reihe der für die Erfinder der Eisentechnik in Frage 
kommenden Völker ein für alle Mal auszuscheiden haben. 

An dieser These rüttelt selbst Hr. Bertholet, wenn anders ich seine 
leider nur sehr kurzen Bemerkungen richtig auffasse, absolut nicht. Und 
dieser erfreulichen allseitigen Zustimmung gegenüber will ich die ge- 
nannten beiden Stellen als Beweismittel ruhig preisgeben. Aber auf eins 
möchte ich dabei doch noch aufmerksam machen: Ist sich Hr. Bertholet 
auch der vollen Konsequenzen bewusst, die seine Behauptung, der 

Zeitschrift für Ettanalogl«. Jahrg. 1906. Heft 2. 16 



242 



Hckk und Bertholct: 



SilöJih- Ttinnol sei mit Werkzeugen au« „Bronze" hergestellt, nach sich 
rieht? 

Da feststellt, dass nicht nur zur Zeit das Propheten ESlfaa eisern« 

(also natürlich stählerne) Beile /.um Holzfällen benutzt wurden, sondern 
auch schon zu Saula Zeiten Schwerter usw. aus Stahl — denn «las weiche 
Schmiedeeisen kommt für die Anfertigung von Hieb- und Stichwaffen 
gegenüber der an Härte weit überlegenen Bronze gar nicht in Betracht — 
angefertigt wurden, und dass schon zu Josuas Zeiten die mit Stahl- 
sicheln bewehrten Schlachtwagon der Philister usw. den Juden viel zu 
schaffen machten, so ist damit für jeden, der von der Technik de* Ö*> 
steinsarheiten und -bohrungen auch nur etwas versteht, ohne weiteres 
gegeben, dass ein lVlseiitunnel von mehr als einem halben Kilo- 
meter Länge, der mit ßrunzeiiistrumeuttm gebohrt wurde, älter sein 
muss als David, Saul und Joaua! Es wäre also der Siloah-Tunnel älter 
wie diese Zeit, also vor der Einwanderung der Juden angelegt, und 
zwar dann natürlich von den Kanaanitcrn, wie ich das schon in d. \ Vrli. 
1907, S. 339/340 angefahrt habe. 

Das wäro nach Hrn. Bertholots Meinung vielleicht nicht w> 
schlimm; ja aber was machen wir dann mit der iu die Wnndfläche den 
Siloah-Tunnels eingehnuenen, auf den Bau eben dieses Tunnels bezüg- 
lichen nlthebrftischen Inschrift? Dann hätten ja die Kanaaniter eben- 
falls hebräisch gesprochen! Ein schönes Dilemma, in das wir uns abf] 
nicht weiter vertiefen wollen. 

Um so mehr muss ich mich aber mit der Deutung befassen, welche 
Hr. Bertholet der für unsere ganze Untersuchung ursprünglich 1 ) so sehr 
wichtig gewesenen Stolle I. Sam. 13, 17 — 22 zu goben versucht. Seine 
Ansicht über sie ist übrigens nicht etwa eine besondere, ihm eigentüm- 
liche, sondern dit* bis jetzt von allen Interpreten jener Stelle beliebt» 
urnl dem ersten, der sie vor langen, langen Jahren in Vorschlag brachte, 
seitdem ohne Abänderung bis heute nachgebetete (vgl die von Hrn 
Hertholet selbst angeführten neuzeitlichen Autoren). Mir ist natürlich 
diese, wie es scheint, allen Bibelforschern in Fleisch und Blut üImt- 
gegangene Erklärung jener Stelle nicht unbekannt geblieben, sie bat aber 
bei mir dadurch, dass sie seit langen Jahrzehuten in der Tretmühle der 
Gewohnheit immer unverändert wiederholt worden ist, keineswegs an 
innerer Wahrscheinlichkeit gewonnen. Feh setzo zunächst jene landläufige 
Interpretation hierher und zwar wörtlich so, wie Hr. Bertholet sie S M6 
angeführt hat: 

„Jene Stelle will nur in drastischer Weise schildern, wie weit die 
Israeliten unter philistäisclu* Botmässigkeit geraten sind. Es ist einfach 
das charakteristische Zeichen der siegreichen Herrschaft der Philister 
über Israel, dass sie Israel aller Schmiede beraubt haben. Der Bieget 
liebt es nämlich, dieses Mittel dein Besiegten gegenüber anzuwenden, um 
ihn in Unterwürfigkeit zu behalten und unter Kontrolle zu haben, Be 



I Denn jetzt ist die Sachlage gum verschoben, und jono Stelle hat den weitaus 
gröabtcD Teil ihr» r lind ntuDg langst eiugebQsst. 



Krtiwlor der Kiseritechnik. 



243 



. 



führt nach der eigenen Angabe des Alten Testaments Nebukadrezar alle 
Schmiede und Schlosser aus Judn. nach Babylonien (IL Kon.' 24, 14, 10; 
Jer. "24. 1 j 29, 2). Ebenso erFahren wir aus dem sogenannten Kassam- 
Cr lind er Assurbanipala, dass der König u. a. alle „AVaffeiikünstler" fort- 
lülut, und ein Gleiches tut Asarhaddon (vgl. Buddos Snmuclkonimontar 

s '.' in Martis Kurzem Handkommentar zum Alten Testament 1902).* 
S<> viele Sätze, so viele Fehler, so viele gänzlich unhaltbare, auf 
issverkenuiing der offen daliegenden Tatsachen beruhende Behaup- 
tungen 1 

Dia ganze Interpretation stritt und füllt mit dein begründenden und 
erklärenden Satze: »Der Sieger liebt es »nämlich", den Besiegten durch 
Wegffihnutg aller Schmiede, Schlosser, Waffeukfinstler in Unterwürfigkeit 
und unter Kontrolle zu haiton. * 

Wenn das stimmt, wenn diese Behauptung richtig ist, dann ist auch 

_en die übliche Erklärung dor Samuelstelle wohl nur schwer etwas 

Stichhaltiges einzuwenden. Aber ist sie auch wirklich richtig? An- 

aiflend ja, denn Hr. Bertholet und seine Vorgänger lassen ja sofort 
»•ine ganze Anzahl von „Beweinen" für deren Richtigkeit aufmarschieren. 
Alter leider sind diese so gewichtigen Beweise nur scheinbare, die sich 
1 Bi kritischer Untersuchung; sofort in nichts auflösen. 

Zunächst bestreite ich durchaus die allgemeine Giltigkeit jener 
Behauptung und überlasse es Hrn. bertholet und denen, die der alten 
Interpretation huldigen» Beweise dafür herbeizubringen, dass und wann 

jenigen zwei Volker des Altertums, deren Goschichto wir am genauesten 
kennen, also die Griechen und Römer, jemals, geschweige denn regel- 
mässig und immer, die Sehmiede, Schlosser und Wnftenkflnstler der 
unterworfenen Feinde hinweggeführt hnben! leh glaube, meine Gegner 
werden mir diesen Beweis schuldig bleiben (die vorübergehende „Ent- 
waffnung* vereinzelter Stämme durch die Römer ist etwas ganz 
anderes!) und damit bekommt die Beweisführung schon einen argen 
Stoss. 

Vielleicht schränken die Gegner nun aber den Umfang ihrer Be- 
hauptung etwas ein, vielleicht dahin, dass nur bei morgenlandischen 

lkern die Sieger dos so zu machen pflegten. Ich lasse auch das Dient 
_ •■ 1 r ■ . ii _ sondern erbitte mir Beweise z.B. für die Ägypter, die ja oft 
_• uu^ im Besitze Palästinas waren, so z. B. im 5. Jahre Rehabeams sogar 
Jerusalem eroberten. Unerfindlich, dass sie damals nicht auch sämtliche 

miede usw. mit fortschleppten, wenn das ein so sehr geeignetes Mittel 
war, die unterworfenen Juden unter Botmäösigkeit und Kontrolle zu er- 
halteu. Es geschieht nichts dergleichen, einfach weil es absurd ist, weil 
der angeblich erstrebte Zweck damit niemals erreicht werden würde, da 
die Befliegten sich ja von den umwohnenden Völkern mit Leichtigkeit 
Wftff«9 ■Wfc wieder beschaffen könnton, wie ja denn auch bekanntlich 
jedes „entwaffnete* Volk trotz Anwendung auch der schärfsten Kontrolle 
doch immer noch im Besitze zahlreicher Waffen bleibt Also die Ägypter 
z. B haben ebensowenig wie die Griechen und Römer die Schmiede der 
unterworfenen Völker in die Gefangenschaft geführt; und ein gleiches 



L'44 



Belck und Bertholet: 



hat auch, bis zum Beweise des Gegenteils, von den Völkern Anatolim- 
bd gelten. 

Bleibt noch übrig für meine Gegner, daas sie ihre ursprünglich gans 
allgemeine Behauptung jetzt lediglich auf die Assyrer und Babjtotüer 
beschränken; ich bin aber unerbittlich und gelte nicht einmal für diese 
V^lfcet jenen Satz als allgemein gflltige Regel zu. Im Gegenteil, ich 
hnupte. dass ausser den Ton Hrn. Bertholet angeführten Fällen derart 
Wegführungen der Schmiede und WaffeokfljiBtler unterworfener Völker 
;iiicli bei den Babyloniern und Assyrern kaum sonst noch vorgekommen 
seien, l'ud ich erwarte von Hrn. Bertholet und allen Anhängern der 
alten Interpretation sehr gerne den Beweis dafür, dass jene beiden Völker 
bei ihren zahllosen Kriegen jemals einander selbst die Schmiede usw. 
weggeführt hüben, also z. B. dass Assyrien 1270 v. Chr. auter Tuklnt 
Niuih I. das besiegte und sieben Jahre von ihm beherrschte Babylon in 
dieser Weise zu schwachen suchte, oder später Adndnirari und seine 
.Nachfolger von £'J0 v. Chr. ab. Ebenso wenig hat Elam Babylon gegen- 
über so gehandelt oder Assyrien Klaui gegenüber, oder gegenüber den 
Namri. Lnllu, Meilern, Pnrsua, Mniinuern, ('haldern und wie alle die vielen 
Volker und Stumme heissen mögen, die Assyrien im Laufe der Jahr- 
hunderte im Osten, Norden und Nordwesten seines Gebietes sich tml 
Wirf. Nur Syrien, das West.land „Mat Aliarri". macht hiervon ei 
Ausnuhme, inabesondere der südliche Teil, aber auch dieses erst tu 
späterer Zeit, denn bei Tiglatpiloser I., der um 1100 v.Chr. bis \r: 
•vordrang, verlautet noch nichts davon, dase er die Schmiede der um« r- 
worfeueii syrisch-phönizischen Völkerschaften gefangen mit sich geführt 
habe. Ebensowenig wird derartiges von Salmanasser II. (860— X3U v. Chr.) 
berichtet. 

Wir scheu also, dass seihst bei den Assyrern jener l'nndamen tatest« 
der bisherigen Interpreten für die ältere Zeit völlig und auf allen G 
bieten rexsagJ und für den Osten, Norden und Nordwesten such fQi eile 
späteren Zeiten! 

Sonacli bleibt also eigentlich, wie gleich zu Anfang (S. 248) gesagt, 
nichts weiter besteben, als dass Asurlia*l»n und Assurbanipol und später- 
hin dann noch Nebukadreaar in der Tat Waffenkflastler und Schm:- 
aus dem südlichen Syrien, resp. Jndftfl fortgeführt haben. Damit aber - 
auch zugleich gesagt, dass fflr die Wegfohrung von Schmieden un<l Wntteh- 
künstleru durch diese drei Herreeher gana andere (irfluiie massgeblich 
gewesen sein müssen, als wie die bisherige Interpretation angenommen 
hat. Diese (iriinde aber liegen klar auf der Hand, denn wie tob schon 
früher ausgeführt und eingehend nachgewiesen habe (vgl. d. Verh. 1!H>7. 
B. 351— 353, sowie ü" 1 *, B. 17), stellt es fest, einerseits dssfl die Aneyret 
erst etwa yOO v.Chr. Stahl und Eisen im vi .leren Bearbeitung in Nord- 
syrion kennen gelernt haben. Andererseits aber auch, dasa die Philister- 
PhoirisleT und durch sie späterhin dann auch die Juden und andere im 
Südlichen Syrien und den benachbarten Gebieten wohnende Y'dl 
hervorragende Arbeiter auf dem Gebiete des MetallweBens gewetea sind, 
während die Assyrer und Ilabylonier in dieser Beziehung, zumal im 



Erfind« der EUontectaiiit. 



MS 



EUenacbniied.dwmdwerk, minder vorgeschritten waren. Datei diesen Um- 
n iaf es durchaus begreiflich, dass die assyrischen, wie die babylo- 
nischen Herrscher aus dorn eroberten Judäu die besseren Schmiede und 
auch die Schwertfeger in ihre Residenzen fortführten. Davon, 
Ifl die Geaamthelt dieser Handwerker gefangen mitweggeführt 
worden Mi, kann gar keine Bede sein, denn abgesehen dav« n. daai sieh 
bei dem Herannahen ZfebnkadAesara wer immer konnte von Juden sieh 
und nein« Habe tot dem beutegierigen Eroberer in Sicherheit brachte, 
bo ieJ :iinli bei Jerem. 24, i und 29, 2 gar keine Rede davon, daai 
Xi bukaduezar alle Schmiede aus Judüa fortgeführt habe. Vielmehr heisat 
es hier doch an beiden Stellen augenscheinlich nur, dass er die (Zimmer* 
!• ni" U)d die) Schmiede von Jerusalem fortgeführt habe; dass dabei an 
Hiebe i" .lerueniein ansässig gewesenen llnndw erkor in Holz und 
m denken »ei, iaf unwahrscheinlich. Denn in Jerem. .VJ, 'js pfird 
leaamtoabl der bei dieser Öelegenheit fortgeführten Qefangenfffl auf 
3083 angegeben. während II K.. ;i ji \i diese Zahl auf 1000O Mann 
inid darunter alle Zunmerleute und all« Schmiede (nach H. Kto. 14, 16 
latnl I « H »0 Mann), beziffert wird. Data hier mit runden Zahlen, und 
zwar sehr stark nach oben ab gel tmdet c u Zahlen, operiert wird, gehl 
au-s dt in ganzen Text-' klar hervor, denn nach Vers 13 schleppt Nebu- 
kadnaac auch alle goldenen tiefässe Salomos mit weg, wobei der 
Obfoaiel geas v< lass schon dw Ägypter ftisak im 5. Jahre Reha? 

bj uns .l«ruv.al.Mn erobert, den Tempel plündert und die von Snlomo un- 
igtea goldenen Uerüte wegschleppt! Danaeli zu urteilen, däftftOD 
wohl die von Jeremies gegebenen Zahlen die richtigeren sein; aber seibal 
Vau Bau die andere Ziffer von 1000 Zimmerlenten und BettmiedeO 
tan Laaaon will, na ist kaum anzunehmen, dass in der damals so sehr 
stark lii'Vnlki-i Ti-n i npitale des gesamten Judentums nicht mehr wie 1000 
ehe Handwerker ansässig gewesen aein sollten! Dass im übrigen 
Nebttkadretar nicht nur Schmiede, sondern anch Zimmerleute mit fort- 
führt bat ebenfalls seinen triftigen CJrttnd. Demi daai in dem waldlosen, 
bolaarmcn Babylonien diese Sorte Handwerker 1 «« ■ i weitem weniger ge- 

(tiokl und künstlerisch geübt wai wie die in dem an Ccdern so reichen 
tyrien wohnenden Holzarbeiter Liegt auf der Hand. 
Beuch liefert die Bibel selbst uns den Beweis für die Unrichtigkeit 
<■ Behauptung der Interpreten, Nebnkadre&ar habe alle Be hm lade ans 
.lud. in fortgeführt. Davon kann gar keine Rede sein, nicht einmal 
. »ii dass er alle in Jerusalem antä«*igen Schmiede mit hinweg- 
geffthrt habe. Wie denk! sieh denn übrigens die bisherige Interpretation 
dai leben der jüdischen Bevölkerung unter dem von Nebukadrezar ein- 
ten neuen Könige Zedekia nach dem Abzüge des Babyloniers, wenn 
Lieh allo Schmiede und nlle Zimmorleuto aus dem Lande fort- 
Bhrt worden waren? Wir meinen, dass dann doch 'las gesamte kom- 
iim r/i.dle und gewerbliche Leben alsbald hätte zum Stillstand kommen 
iiiii-"< n da es kaum ein Gewerbe, von Ackerbau ganz zu schweigen, gibt, 
das für längere Zeil ahne die Hilfe des Holz- und des Metallarbeiters 
trieben werden kann. Und /.war würde die Lahmlegung des btirger- 




246 Belck und Bortholot: 

liehen Lebens schon gleich bei der versuchten Wiederherstellung der 
durch das Eroberungsheer zerstörten Wohnstätten begonnen haben, denn 
ohne Zimmermann und Schmied läset sich wohl kaum ein Haus bauen. 

Und so wie Nebukadrezar nur einen kleinen Teil (natürlich den ge- 
schicktesten) der Handwerker gefangen fortführt, so unzweifelhaft auch 
Asarhaddon und Assurbanipal. 

Wir glauben durch unsere Ausfahrungen das Unhaltbare der bis- 
herigen Bibelinterpretation nachgewiesen zu habe». Eine Fortführung 
sämtlicher Schmiede eines Landes ist nicht allein für den Sieger fast 
unausführbar, sondern sie würde auch das gesamte gewerbliche Leben 
des besiegten Volkes zum Stillstand bringen. Ausserdem aber wäre auch 
der bis jetzt einer solchen angeblichen Handlungsweise der Assyrer und 
Babylonier untergeschobene Beweggrund ein sehr törichter, da es nach- 
weislich kaum durchführbar ist, die Grenzen eines Landes derart gegen 
die Nachbarvölker abzuschließen, dass nicht fortgesetzt ein lebhafter 
Waffenschmuggel betrieben werden könnte und natürlich auch betrieben 
werden würde. Das sehen wir deutlich an den armenischen Provinzen 
der Türkei, deren Bewohner trotz der schärfsten Aufsicht mit Gewehren 
und Munition in überreichlichem Maasse über die russische und persische 
Grenze hinweg seit fast 20 Jahren ununterbrochen versorgt werden. 

Damit halte ich also die von Hrn. Bertholet und der bisherigen 
Interpretation für die wichtige Stelle I. Sam. 13, 17—22 gegebene Er- 
klärung für mit den realen Verhältnissen unvereinbar und deshalb un- 
möglich. Ich bin gewiss sehr gerne bereit, eine andere logische Er- 
klärung derselben anzunehmen; bis aber eine solche beigebracht werden 
wird, glaube ich darauf beharren zu müssen, dass es zu der in jener 
ßibelstelle behandelten Zeit bei den Juden lediglich deshalb keine Eisen- 
resp. Stahl-Schmiede gab, weil eben die Juden diese Kunstfertigkeit 
damals noch nicht verstanden. Dieser Mangel an Kenntnis herrschte aber 
nicht nur bei ihnen, sondern auch augenscheinlich bei ihren Nachbarn, 
den Moabitern, Ammonitern usw., denn sonst wäre es absolut unverständ- 
lich, warum sie sich nicht von letzteren StahlwafFen zum Kampfe gegen 
die eisengewaltigen Philister holten. Und ebenso wäre es dann völlig 
unbegreiflich, wie der Chronist behaupten kann, dass die Juden gezwungen 
waren, gerade und ausschliesslich den Philistern, ihren ständigen 
Feinden, ihre Geräte zum Schärfen hinzubringen. Alles das erklärt sich 
aber leicht, wenn die Philister nicht nur die Erzeugung des Stahls, 
sondern auch die Herstellung, Schärfung nsw. von Stahlwaffen und 
-geraten als Geheimnis bewahrten, ihren Nachbarn eben nur die fertigen 
Gegenstände lieferten resp. vorkommendenfalls reparierten. 

Hr. Bertholet, der auf S. 946 meinte, mit leichter Mühe „die 
Aureole, mit der Belck die Philister glanbte schmücken zu können", 
allsogleich wieder zum Verschwinden bringen zu können, wird also einst- 
weilen diese Aureole noch an ihrem Platze lassen und etwas stichhaltigere 
Gründe beibringen müssen, wenn er mit seinem Bemühen Erfolg haben 
will. Mein Herz hängt übrigens durchaus nicht an den verachteten 
„Philistern", zumal ich mich mit meiner Annahme, dass wir die Stätte 



Erfinder der Eiseuttdiuik 



247 



der ältesten Eisen- und Stahlfahrikntion wohl auf der Insel Cretn Ba 
suchen haben dürften, augenscheinlich auf dem richtigen Wege bofinde, 
wofür Biofa mir fortgesetzt neue Beweismittel nnfdrängeo. Doch darüber 
deninfichst mehr 

II. Hrn. Bartholets Entgegnung. 

Ich bin mit Hrn. Belck in der Ansicht, dass die Juden aus der 
Reihe der für die Erfindung der Eisentechnik in Prajre kommeuden 
Völker ein für allemal auszuscheiden haben, durchaus einig. Bei Ein- 
seodong meiner Entgegnung in Heft 6, 1^07 (8. 945), lag mir nur daran, 
BUS&obat festzustellen, dass der nachdrückliche Protest dos Hrn. Belck 
liegen meine Fassung der Jesus Sirachstelle 48, 17 schlechterdings un- 
begründet sei; denn daran, dass Jesus Siraeh den König Hiskiu seinen 
Tunnel mit Bronze-, nicht Eisenwerkzeugen graben lflsst, ist, nachdem 
wir uns wieder im Besitz des hebrftischen Urtextes der betreffenden Stelle 
befiadtOi nun einmal nicht zu rütteln. Aber freilich, ich denke nicht 
daran und habe auch nie daran gedacjit, dnBS Jesus Sirach mit dieser 
Angabe unbedingt das Richtige getroffen haben müsse. Und ich bedaure, 
dass meine Entgegnung infolge ihrer Kürze Hrn. Belck über diesen 
Punkt im Zwoifel gelassen hat, hätte ihm doch eine Erklärung nach dieser 
Seite hin die Mühe eines ganzen Teiles seiner obigen Ausführungen er- 
spart. Man bedenke ja doch nur, dass den Jesus Sirach über ein halbes 
Jahrlausend von Konig Hiskia trennt! Hiskias Tunnelbau gehört für ihn 
also schon einer fernen grauen Vergangenheit im. Was Wunder, wenn 
BT ihn darum mit Werkzeugen ausgeführt sein läsBt, die er als die eines 
früheren Zeitalters keunt, — gleichviel ob er damit faktisch im Rechte 
sei oder nicht. Also habe ich nichts einzuwenden, wenn mir bewiesen 
wird, dass andere Gründe die Verwendung Ton Eisenwerkzougcn wahr- 
scheinlicher oder gar sicher machen. 

Dagegen »luubo ich auch nach den obigen Darlegungen des Hrn. 
Belck an der in meiner Entgegnung mitgeteilten Auffassung der Stelle 
I. Sam. 13, 17 — 2&, in der ich mich mit der Mehrzahl meiner Fach- 
genossen im Einklang weiss, festhalten zu sollen, und zwar habe ich auf 
• licsr Darlegungen folgendes zu erwidern. 

[ch habe mir nie einfallen lassen zu glauben, und schwerlich hat das 
einer meiner „Vorgänger" getau, die Sitte der Deportation vou Schmieden 
und Schlossern sei jemals eine allgemein gütige oder auch nur eine bei 
einem und demselben Volke immer wiederkehrende gewesen. Und doch 
scheint Hr. Belck das zu verlangen, wenn die von mir und schon hinget 
900 anderen vertretene Interpretation der besagten Samuelstello annehm- 
bar sein soll. Aber ich bestreite Hrn. Belck durchaus, dass es zu ihrer 
Annehmbarkeit dieser Allgemeingiltigkeit überhaupt bedarf. Vielmehr 
meine ich, die in meiner Entgegnung mitgeteilten Belege genügten voll- 
kommen zum Beweis, dass die Deportation der Schmiede usw. oft «cenug 
vorgekommen sei, um in der Tat ein beliebtes Mittel der Sieger genannt 
werden BQ dürfen, durch das sie sich der Unterwürfigkeit der Besiegten 
EU versichern suchten, „ne ferro nisi in agricultura uterentur", wie Plinius 



2-48 



Dfllok und Ocrtholct; 



(hist mit. 34, 89) sagt, vom Etruskerkönig Porsenna sprechend, di 
Keinem im Qobwwch dar Waffen rarbaten haben soll. Dieser Iptxte 
Fall mag ja, wie Hugo Wim-kler ((iesehichie Israels II 165 A'2) will, in 
«las Gebiet der (jeschichtslegende gehören; ich legi* auf Hin auch keinerlei 
< !t wicht. Wenn aber Ilr. Belck «Jon ausführlichen Beweis anentreten 
«ragt) dass für die historisch festbeglaubigte Wegfükrung der 
uhw. durch einen LnaEhaddoB, Aea&rbanipal und Ncbukadrezar . 
andere Gründe massgebend gewesen 1 - seien, nämlich das Verlangen, da6 
WB8BBC auf dl€ eigono Mühle zu leiten, bo iet dieser Beweis m. E. ver- 
unglückt. Zunächst ist von „Zimmerleuten" neben Schmieden hei d*r 
Wegfflhraog durch Nebukudrezar siebt die Rede; Hr. Belck ver- 
diesen Ausdruck, der allerdings seine abweichende Auflassung begünstigen 
könnte, um wieder einer unzulänglichen Übersetzung (oh Lntl 
Wenn er weiter sagt: davon, dnss damals die Gesamtheit dieser Sand 
werker oder auch nur alle in Jerusalem anBaeeigen Schmiede 
mit fortgeführt worden seien, kann gar keine Kode sein, Nebuku» 
führt nur einen kleinen Teil (natürlich den l:<'m hicktosten der Hand- 
werker) fort. — so widerspricht das einfach dein klaren Befiehl unserer 
Quellen, nicht blofl der ausdrücklichen Aussage II. Kön. i'4. 14, wo n 
heisst: „alle Schmiede 1 * usw., sondern auch den andern Stelle*, wo d*»r 
blosse Artikel mit dem kollektiven Singular zur Zusammenfassung des 
ganzen Standes der betreffenden sieht. Wenn endlich Hr. Belck ihr»» 
1000-Zahl, in der Tat eine runde Zahl, für zu klein hält, um alle zu be- 
zeichnen, so macht er sich völlig falsche Vorstellungen von der Be> 
völkerungszahl des damaligen Judu und Jerusalem. Er vergisst, was alles 
für Stürme in den letzten vOEaadliftofaeu Jahrhunderten über das Land 
hingegangen waren, dfiSfl zu .lesajas Zeiten Jerusalem vereinsamt »WM 
eine Hütte im Weinberg 1 * oder „eine Hangematte im Gurkenfehle" übrig 
geblieben war. nachdem Sanherib in Juda (nach seiner eigenen Angabe) 
:c feste Studie samt kleineren ohne Zahl erobert und '„'00 1Ö0(?) Meusohefl 
vuii ihnen herausgeführt und als Heute gerechnet, hatte! 

Dass durch eine \\ egfflhrung der gesamten Schmiede&anft einer Stadt 
oder eines Landes für die Folgezeit das ganze kommerzielle und gewerb- 
liche Leben darin lahm gelegt ist, ist wohl wahr. Aber es war nach 
Nebukadrezars Auftreten tatsächlich auch nicht anders. Man muss nur 
die letzten Kapitel des Jeremiabuchcs lesen, um zu sehen, wie kümmer- 
lich die Überreste der Bevölkerung im Lande waren. Man 
bloss, und die aus dem Exil Zurückkehrenden fanden trostlose Verhältnisse 
vor. — Ist aber für die Deportation der Schmied«» durch die Babylonier 
zuzugeben, dass sie durch politische Gründe veranlasst war, bo sehe ich 
nicht ein, warum sich dal Kehlen der Schmiede. TOB dem 1. Sam. 13 die 
Bede ist, nicht am einfachsten auf ganz entsprechende Weise sollte er- 
klären lassen, da sich diese Notiz ja doch auf eine Zeit bezieht, wo 
Israel von den Philistern in der Tat aufs tiefste gedomütigt war, wo 
beispielsweise mitten im benjaminitischen Lande ein philistaischer Frohn- 
vogt sass ! 

Nun muss ioh allerdings hinzufügen, was ich in meiner letzten Er- 



Erfinder der Ebentcchnifc. 



249 



widrrun. >hnt gelassen habe, dass mau kritischersoits so ziemlich 

ig darin ist, die in Kode stehenden Verse I. Sani. IM. 11' '21 über- 

i nur all Einschub zu betrachten; denn es ist kein» Frage, dass 

n 29 die unmittelbare Fortsetzung von Vor» 18 bildet. Man braucht 

dia dasviaefeea stehende, an dieser Stelle also sekundäre Notiz darum 

über noch mehr, wie Öfter gAacbehen ist, als historisch völlig wertlos bei 

■ i was freilich den von Um. Ilelck darauf gebauten 

Bohlflt» ■■cht allen Hoden entziehen würde. Sie kann alte«, zu- 

wrlässiges Material enthalten, aber auch dann beweist sie, wie eben 

I p fuhrt, nicht das mindeste für eine Erfindung oder auch nur 

»rtation dei Eieeataeb&ik durah die Philister. 

Damit könnte ich schliesson, wenn mich nicht -ein weiterer Punkt 
in .len Ausführungen des Hrn. Belek noch zu einigen Bemerkungen ver- 
onlaaete, welche dar Sache vielleicht zugute kommen llr. Belck sprich ( 
ii itnlirli immer wieder von Philistern- Phöniziern, als wären beide Völker 
oboa weiteres in einem Stämmig /-u nennen, ja sogar „nächste Stainiu- 
ite" (11)07. S. 359). Dem gegenüber betone ich über mit allein 
Nachdruck, daM dieea beiden Völker ethnographisch durchaus von ein- 
• • n sind Um es kurz zu sagen, so sind die Philister me h 
der beotoatage vorwiegenden Annahm«- niohl Semiten sondern [ndogenoaiien, 
die von Klainaaien und den igÜfcohen Inseln, oder vielleicht von Kreta 1 ) 
Imt na.- t Palästina gekommen sind, wo eie tief in semitische Kultur hinein- 
wuchsen; dia Pbdniüer dagegen Semiten und zwar Kamuinitor, nur durch 
ihre abweichende geschichtlich« Entwicklung, d. h. den Unterschied der 
nnii'N Lebensvei 'hftltniaae, wie diese durch ihre Küstenwohnsitze be- 
ding! waren, ran ibnen Btammgenoaaen im Enaarn des Landes ><» Mark 
unterschieden Das erste Aui'tivreu der [diötiizi.sch-kninianäischen Volker* 
groppe, ah deren Beimet, wie die der Semiten überhaupt. Arabien an- 
zusehen ut, also „di«- Einwanderung der ersten Völker derjenigen 'i ■•- 
■untlnit, deren leiste Schicht die Hebräer bilden*, setzt Winckler 
'..•..•;. l-r. I 1JS) J.voü- -_'ii(M» :m; diese Bewegung dauert nach ihm 
| fibe? 1000 Jahro, so dass sie ICtiO ihren Abschlüge noch nicht ge- 
faoden hat. wahrend dann um 1300 schon die uramai»che Einwanderung 
in vollem Gange ist. Wie es sieh :iueli mit dem von Josephus uns über- 
lieferten genauen Örflndungadatnm von Tyrus (vgl. Beft 1, S. 58), auf 
doch wohl schwerlich viel zu geben ist, verhalten möge, jedenfalls 
bea dia PhOuizier ihre Wohnsitze viel früher bezogen uls die Philister, 
die nicht allzu lange vor der Zeit Sauls, also rund etwa 1100 eingewandert 
zu sein scheinen. 1 ) 

Damit erhobt sich nun aber die Präge, oh nicht schon vor dieser 
PhUieteremwoadenuig die Kannaniter den Gebrauch bzw. die Fabrikatimi 
des Eisen*: kannten. Die neueren Ausgrabungen in Palästina geben uns, 
wenn ich recht sehe, in dieser Beziehung noch nicht genügende Auskunft. 






lj So i. B. A. Noordtxij, De Filistijnan. bun aikomil cu geschiedenis 
Kump«*a I 

4l ?gl z. li. M. Müller, Allen und Europa S. 388. 



200 



Belek und hVrtholct: 



In Teil el-IIasi B. B. reichen die Eiecnfunde gerade bis zu etwa 11 
(faxet ist in der Zeit vor Salomo (Mitte des 10. Jahrh.) Eisen selteo, in 
Teil el-Mutesellini wurden Eieengoräte aus der israelitischen K 
wohl schon aus den Zeiten Saloruos, ausgo»rahf?n (Mitteilungen und Nach- 
richten des deutschen Palästinavereins 1906, S. 27, 29, 45. 47 vgl. 68).") 
Nun ist '/war bei der Eroberung von Jericho (etwa 1*280) von ei« 
Gerfiten die Rede, welche die Israeliten in der Stadt gefanden huU-u 
sollen (Jos. 6, lih '24 vgL "22, 8); aber die Stellen sind wesentlich jünger. 
Dagegen werden bekanntlich wiederholt eiserne Kriegswagen der Kanfl 
erwähnt, welche den Einziehenden (im 13. Jahrhundert!) besonders viel 
zu schaffen gemacht hätten. Die ältesten Notizen darüber (Jos. 17, 16 [IS] 
bzw. Jud- 1» 19) geÜOrei) allerdings der sogenannten juhwistisehen 8* 
Schichtsdarstellung an und sind in ihrer schriftlichen Fassung also viol- 
leicht nicht alter als das 9. Jahrhundert, und darüber kommen wir auch 
mit der Notiz Jud. 4, 3, 13 im Prosubericht von der Siserascblacht nicht 
hinaus; der entsprechende poetische, der den Ereignissen gleichseitig zu 
sein scheint, d. h. das Deboralied (Jud. 5), wohl das älteste Stück im 
Alten Testament, erwähnt nur das Starupfeu der Rosse (Vers 22) und den 
Wagen Siseras (Vers 28). 

Aber hier wird vielleicht eine Ergänzung wichtig, die wir igjptiei 
Urkunden verdanken, und damit habe ich nicht im Auge, daas der grosie 
Eroberer Dhutmose III. (etwa läOO oder etwas später) nach seinem Bieg* 
von Megiddo 924 Wagen unter der Beute aufzählt, sondern diKs in >}•■' 
fingierten Briefen des Papyrus Anastasi IV.. der ans dem Jahre 1 di>$ Koni-- 
Setys II. (Mitte des 18. Jahrh.) stammt'), drei nahe beieinander lie 
Städte in der Gegend der Kisonebene, nämlich O-pa, P»-hu-7ru und 
Ra-hu-bij, als Exportationsstatten von Kriegswageu bzw. trefflichen Wagen- 
teilen genannt werden. Mas Müller (Asien und Europa, S. 153) legt 
auf den Wert dieser Notiz allen Nachdruck, weil in solchen Übungs- 
stücken (das bedeuten jene fingierten Briefe) nur auf allbekannte and 
jedem Ägypter geläufige Fabrikationsplätze verwiesen werde. Di** liegend, 
in der die genannten Städte liegen, ist aber gerade die, die auch im A. T. 
an den angeführten Stellen als wegen ihrer Wagen, und zwar eiserner 
(d. li eisenbeselilagener) Wagen, berühmt oder richtiger gesagt: für die 
Israeliten berüchtigt erscheint. Ist es danach zu kühn, den Schluss zu 
ziehen, die schon den Ägyptern bekannte Spezialität dieser kauaanitix ihen 
Wagen habe — in der Verwendung von Eisen bestanden? Denn warum 
sonst hätten dio Ägypter Wagenteile von so weither bezogen, wenn es 
sich dabei nicht um etwas gehandelt hätte, was sie selber nicht oder 
jedenfalls nicht in gleicher Vollendung besessen? und damit konnte 1 sogar 
die in lieft 1 begründete Behauptung, dass die Ägypter jener Zeit keine 
eigene Eiaentechnik kannten, noch eine Bestätigung erfahren. 

Immerhin, ich wage nicht, diesen Schluss mit Bestimmtheit zu ziehen, 



1) Von der dritten Schicht an (also seit etwa l.'KM»), sagt K. Steoernagel sogar 
CChristlicho Welt 1906, S. 375). 

B) Vgl. A. Erraan, Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum, I, S. 103 AI. 




Erfinder der Eisontochnik. g$J 

ich wollte ?eine Möglichkeit nur zur Diskussion gestellt hüben. Ich weiss 
elswowe nicht, ob J. Benzinger bestimmte Uründe hat, »iass er in 
der kurz!i<-]i crschiene-nm N-tmullage seiner hebräischen Archäologie iu 
Jer Vorstellung, die Kriegswagon «1er Knuaaniter seien mit Eisen be- 
schlagen gewesen, blos eine Zurucktragung der Verhältnisse aus der Zeit 
dsi Verfassers sieht, und hehiiuptet, in Wirklichkeit sei Bronze dazu ver- 
wendet worden (S. 14*). Mau darf aber doch wohl annehmen, dusg die 
Israeliten schon geraume Zeit, ehe Hie Eisenwerkzeuge im eigenen Ge- 
brauche hatten, wussten, was Eisen sei, und es, auch wo es Ihnen bri ihren 
Feinden begegnete, wohl von Bronze zu unterscheiden vermochten. Und 
Eisenwerkzeuge gab es bei den Israeliten nach der uns wohlbekannten 
Stelle 1. Sani. 13, 19— SS schon zu Sauls Zeiten, uacli 11. Sain. 1*2, 31 
unter David und ganz sicher jedenfalls im 9. Jahrhundert (I. Kon. 22, 11, 
vgl. II 6, Di*.) 1 ) Ich halte es darum nicht für unmöglich, Jass die Er- 
innerung an die eisernen Kriegswagen der Kanaaniter, die den Einziehen- 
den wohl einen nachhaltigen Eindruck zu machen geeignet waren, 
authentisch sei. 

Ute es damit also doch suiue Richtigkeit haben, dass die Kanaaniter 
des 18. Jahrhunderts den Gebrauch des Eisens kannten, so scheiden die 
Philister, <li< erat uach dieser Zeit in Palästina eingewandert sind, als 
Erfinder oder erste Vertreter der Eisontechnik auf palästinensischem 
Boden erst rocht aus 1 ), und höchstens an der Nennung der Phönizier, die 
Hr. Belck unmittelbar neben die Philister stellt, könnte noch etwas 
nichtiges sein. Man mag beachten, dass auch später noch das Roh- 
material vom Libanon"), d.h., wie Jeremiu in einer übrigens bis zur Ver- 
zweiflung verderbten Stelle sagt, vom Norden herkommt; somit waren die 
Phönizier au der Quelle, und am Grundsatz, den Hr. Blanckenhorn 

.S. 364) ausgesprochen hat, ist unbedingt festzuhalteu: „Zur Er- 
tindung der künstlichen Darstellung des metallischen Eisens gehört vor 
allem ein reichliches Vorhandensein und leichte Zngäuglichkeit der nötigen 
Robmaterialien im Lande selbst". Dass tatsächlich die Phönizier sich 
schon früh auf Metallguss verstanden, lehrt aus Salomos Zeit das von 
Hrn. Belck mit Recht angeführte Beispiel des Churara Abi, des Giessers 
der Tempelgeräte, dessen lyrische Abstammung spätere israelitische 
Tradition aus leicht begreiflichen Gründen mehr uud mehr zu verwischeu 



«1) Für Venrondung des Eisens bei deo Israeliten des X. Jahrhunderts zeugt 
□. 33, 25, eine Stelle, die wahrscheinlich der Zeit Jerobeama II. (783-743) entstammt. 
Tgl. Am. 1, 3; dagegen sind Jen. 10, M und Micha 4, 13 vermutlich sekundär. Die in 
der Folgezeit wiederholte Verwendung dos Bildes vom eisernen Schmchofen (Deut. -i f 20, 
Jer. 11, 4, I. Kön. 9, ~>l) zeigt, dass die spateren Israeliten das Schmelzen des Kl 
diirh w«hl aus der Nähe kannten. 

Eh iniisste denn schon die Frige aufgeworfen werden, die zu beantworten ich 
nuaserstanrie bin. ob die Philister bei ihrem Einzug; in Palästina vielleicht ihrerseits schon 
die Kenntnis der Eisentechnik auch besoasen und aus ihren früheren Wohnsitzen mit- 
brachten: denn nirgends steht geschrieben, dass die Erfindung der Eisentechnik mir von 
Einern Ort ausgegangen sein muss. Aber das wäre nach dem oben Gesagten für die 
palästinensischen Verhältnisse gänzlich bedeutungslos, 

. £] die liemerkung des Hrn. Blanckenhorn, 11*07, S. 3tö. 




252 



Bt-k-k und Bertlmlct: 



taehte 1 ); die von ihm ^eachuHvnen Kunstwerke siuJ sogar derart, da« 
sie auf eine so tief eingewurzelt' und horhentwickelte Metallgiwaterhniit 
der Phiinizier schliesaen lassen, wie sie nur im Laufe langer, sehr hnj.r 
Zeiten rnvirht werden kann. 

Oder sollte es vielleicht möglich sein, die Spuren der Eisontechnik 
bis zur arabischen Heimat der Kanaaniter bzw. der Phönizier surik-k- 
BUYexfolgeifc? Nach Hes. 'J7, 1!) kommt gerade auf den lyrischen Markt 
KifR'ii nicht bloe aus T&vtaMBfl (—Spanien) (V 1*J), sondern auch am 
Uzal, und /war kunstvoll gearbeitetes oder geglättetes (geaabmiedi 
die Bddevt<U)g des Wortes ist unsicher). Uzal aber ist der alte Natu« 
der Uauptstndt von Y einen, die spater San'ä biess, wann es nicht mi< 
Glaser (Skizze II 810, 4Ä7, 434) in die Nähe von Medina zu verlegen 
im. Ich verhehle mir allerdings keineswegs, duss lies. 27 eine spüle 
Quelle ist, und die in diesem Kapital des G. Jahrhunderts enthaltet^ 
für die alte Kulturgeschichte unschätzbar wichtige, .liier rein prosaisch« 
Schilderung des tyrischen Handelsinarktes (V. Üb— 25a) ist vielleicht 
seiher nur ein Minschub darin.') Aber iu Dingen des Karawanenhun 1< H 
pflegt eia merkwürdiger KooaervatiBiniia zu herrschen, so dass nuch eine 
sp;ifi« tjuoll«' die \ i'i':i;ilt!)i-s.' sehr viel früherer Zeiten Bpiagela kaiia. 
Und nun ist nicht zu übersehen, dass die nlte Notiz (Jen. I. 22 das Eiaen* 
schmiodlmndwerk auf einen kainitisehen Patriaroben, Tubul-kain"), tm 
fahrt Die Kannten - Keniter aber sind ein arabischer Nomadenftfaunofc, 
und zwar, da sein Niiuie ihn all Srhiniedestainin kennzrielniet (Kain - 
Schmied), wahrscheinlich ein Numudeustamm zweiten Ranges. 4 ) Ur steht 
in ursprünglicher Beziehung zum Sinai (und seinem Gott); da ist es aber 
wohl nicht zufallig, dass, wie Uff, ßlauckenhorn (KM»7, S. :U'«7) aus- 
geführt hat. auf d^v Sinaihalbinsel die uralton Bergwerke von Wadi 
VV'adi Chalig und Serabit el-Chadm gefunden worden sind. Efi fctehl in 
der Tat zu hoffen, dass die von Flinders Petrie neuerdings dort unter- 
nommenen gründlichen Untersuchungen sowie «ler im Druck befindliche 
Bericht Ober die Geologie des Sinai seitens des Geologien! Survev »f 
Egjpt auch über die Frage, ob, wann und von wem neben dem dortigen 
Türkis und den Kupfererzen zum ersten Male auch die Binnen» aus- 
gebeutet wurden, genaueren Aufschluss erteilen werden. Vom Sinai 
wanderten, mich der Tradition, die Keniter mit den Israeliten nordwärts; 



1) VgL moino Bemerkungen tu Sitten Punkte in meinem Buche: Die Stellung der 
Israeliten und der Juden tu den Fremden, S. 641 A. 
t] S. meinen Kommentar au Hesckiel S. 1"'*8 ff. 

3) Der lusainineiigesetite Name Tubal-kain neben dein einfachen Jafal und Jobal 
ist auffällig: man erwartet, ihnen kenform, blosses Tubal (so I-XX), was man dann wohl 
mit Tubal Ei. '27, 18 in Zusammenhang bringt, wo ea die südöstlich vom Sthwanen 
Meer wohnenden Tibarener bezeichnet, die für ihren Handel mit Erigerfiteu berühmt er- 
scheinen. Am wahrscheinlichsten ist mir die Annahme Gunkels (im Gcncsiskommentari, 
dass der Doppelname auf der Identifizierung iweier Gestalten beruhe, eines Tubal und 
eines Kain, der vielleicht, ehe er der mouschliche Patron der Schmiede wurde, einst ein 
Gott gewesen war (s, üben im weiteren 'i '< 

4) So B. Stade in der Zeitschrift für alt tost ament liehe Wissenschaft, XIV (1894), 
287, 



Buchholz: Schädel von Soldip. 






wie kamen wenigstem Ms in den Bilden in palästinensischen Landes; 
versprengt finden wir im 13. Jahrhundert aber auch im Norden, d li. in 
den Oegendeu der Ebene Jesrecl, nomadisierende Keniter (Jud. .*». 2I\ 
Ob sii' ii'K'li nördlicher drangen? Es könnte immerhin 7.11 denken geben, 
Tubal-kains Schwester Nnama denselben Nomen trügt wie eine phö- 
ie I iottlu'it. Hon tat denn auch in Tubalkuin-N.'iuma eine Zusammen- 
stellung Vis I Kj-hästos oder Ares und Aphrodite sehen wollen. Erwähnt 
sei wenigstens, dass ein Gort der Sabiler (in Arabien) Kaiuan heieat, was 
vi.'liti« ht ebenso wie Kain deu Sehmied bedeutet. 1 ) Dagegen will ich 
kein li.-uii-lit darauf legen, das« Xiim. 31, 22 Eisen untnv dir Bellte Bf* 
scheint, die den Midiauitern, den nüeh-ti 11 Stammverwandten der Keniter, 
abgenommen worden ist; denn die Stelle ist zu jung, um weitergehende 
;'.u erlauben. Auch so Bchon sind vielleicht Spuren genug auf- 
gedeckt, die auf das Vorhandensein cisentechniacher Kenntnisse im frühen 
arabischen Altertum hinweisen können, und zugleich die Verbindungswege 
augedeutet, auf denen sie nordwärts bis PhÖnizion gedrungen sein dürften. 
Deu für die Herkunft der Eisentechnik Babel nicht in Frage kommt, 
scheint nur Hr. Belek überzeugend nachgewiesen zu haben. Was es 
dauiii auf lieh hat, daas barsei bsw. parollh = Eisen aus einem sume- 
rischen bar-gal in der ueasnmeriseben Ausspräche har-jnl stammen soll, 
wie lloininel') will, weiss ich nicht; dann liarzel lässt sieh als rein 
semitische Bildung (aus einer Wurzel buraz, im Aramäischen = stechen, 
mit dem Aftbrmntiv 1) sehr wohl verstehen. Nicht einmal, dasfl das 
he sein Wort banse 1 aus dem Babylonischen erhalten habe, wir 
H. Zimmern") behauptet, holte ich nach den obigen Ausführungen für 
tnlich. Dem phönizisch-hebraiBcheo barzel « aramäisch parzel 
- 'syrisch parzillu = in südarabischen Inschriften prznm entspricht in 
Iit arabischen Schriftsprache firzil in der speziellen Bedeutung der Bisen- 
einer grossen Schniiedeschere zum Schneiden lies Eigene. 
Im Berberisebei] haissJ das Bisen heute noch »uzzäl 4 ). 
III. SchlusBwort von Hrn. Bolck S. 27.'. 
(6) lli Kustos Buchbolz demonstriert einen 
Schädel von Soldin. 
In der Käba von SoMiu (Neumark), in der Feldmark liehnit*/, wurden 
kürzlich auf der Spitze des dortigen höchsten Berges mehrere metrsob- 
1 i che Skelette ausgegraben, von denen man dort anuahm, dass sie von 
im Jahre 1806 auf «lein Durchmarsch gestorbenen Franzosen hn rühren. 
Der Amtsvorsteher hatte von den ziemlich zerfallenen Gebeinen einen 
noch gana gebliebenen Schädel gerettet und aufbewahrt, den icli hier zur 
Begutachtung seitens der Kraniologon vorlege. 

1 . Virl. Schrader, Die Keiliuscbriftcii und das Alte Töataiueut 1 , bearbeitet voa 
Zimmern und Wincklor, 8. WO. 

Zeitschrift der Doutsch-inoigculSndischen Gesellschaft, XI A* (1901), S. 340. 
.. Die K-ilirschriftt'n und das Alte Testament, S. G4Sf. A. 
1 W. [«stein in Delitzsch' Hiobkommentar', S. 




254 



H. Virchow: 



Äusserlieh fällt besonders 'ins ziemlich seltene Längenbreitcnverhn; 
auf, das bei 18 cm Länge und 12,5 <?m Breite einem Index von 70 ent- 
spricht, so ilass es sich um einen in hohem Grade doliehooephftlen Bi 
handelt. Ausserdem scheint auch der Auslaugungs und Korrosionszustand 
auf eine viel höhere Lngernngszeil in der Erde hinzuweisen, als 100 Jahre, 
und dürfte deshalb an die Franzosenceit nicht */u denken sein. Man bitte 
auch wohl schwerlich in jener Zeit sich die Mühe gegeben, Leioben nach 
der weit abgelegenen höchsten Bergspitze zur Bestattung zu befördern. 

Es ist deshalb angezeigt, die Fundstelle noch einer weiteren Fest- 
stellung zu unterziehen, da die Möglichkeit roiüegt, daas es sich im 
ältere, vielleicht prähistorische Bestattungen handelt. 

(7) Hr. Hans Virchow spricht über 

Einsetzen der Zulun- nach Form. 

Ich möchte anregen, eine kleine Krgfmzung der kraniologischen 
Methodik in Betracht zu ziehen: das Einsetzen der Zahne nach Form 

Natürlich kann es sich nur um solche Schade] handeln, welche nun 
mit den Weichteileu erhalt, wahrend man die schon uu 
Schädel so nehmen muss, wie man sie bekommt. Bei den ersteren 
man vor dein Macerieren in geeigneter Weise Formen von dem i 
und den Kiefern und benutze diese, um nach dem Macerieren die 
in exakter Weise einzusetzen und den Unterkiefer anzufügen. 

Es kommt dabei zweierlei in Betracht: die Stelluni» der Zäl 
dem Kieler und die Stellung des Unterkiefers zum Oberkiefer. 

Was letztere angeht, so ist zu bedenken, dass der L'nterkieferkopf 

sowie die (ielenkuriilie am Schädel von je einem Knorpelttberzuge bedeckt 
sind, und duss /.wischen beiden eine Bandscheibe liegt. Da diese ( -•■- 
bilde beim Macerieren fortfallen, so steht in Wahrheit an jedem Boh&del 
der Unterkiefer falsch. Man muss also in solchen Fällen, in welchen um 
auf die genaue Stellung des Unterkiefers Wert legt, unter Benutzung einer 
Form zwischen Unterkiefer und Golenkgrube eine Schicht einschieben, 
etwa ein Korkplüttchon, dessen Dicke dem Abstände der beiden Knochen 
entspricht ■ 

Was das Gebiss anbetrifft, so drängte sieh mir bei den Unter- 
suchungen, die ich für meinen in der Aprilsitzung des vorigen Jahres ge- 
haltenen (angedruckt gebliebenen) Vortrag verwertet habe, mit grosser 
Schärfe die apriori selbstverständliche Tatsache auf, dass das Uebiss ein 
feinmechanischer Apparat ist. Belege hierfür zu bringen, ist überflüssig, 
da alle Bezahnuugon von Saugetieren diese Tatsache in immer neuen 
Varianten Ichren-, nur treten die eiuzclnou Fälle je nach <lon üesichts- 
piinkten, welche den Beobachter gerade beschäftigen, mehr oder wei 
stark hervor. Wenn z. B. bei den altweltlichen Affen die oberen und 
unteren Molaren vierhügelig sind und die vier Hügel im Rechteck stehen, 
_<'ii bei Anthropoiden und zum Teil auch beim Menschen die unteren 
ren fünfhügelig; sind und wenn bei Anthropoiden und beim Menschen 
*"e vier Hügel der oberen Molaren in Rautenform stehen, so ist nicht zu 



i« r.aeh tonn. 

aweifeln, dasi /.wisduMi der Fünfhftgeligkeit der unteren Molaren uud der 
Rautentitelluu;: au dm uliereu Molaren ein Zusammenhang besteht. Es 
sich auch ziemlich deutlicli erkennen, wie beides zu einander gehört. 
Aber wir müssen doch auf der andern Seite gestehen, dass — obwohl hier 
HÜBT oigenefl ^cbiss mit in Pptgfl kommt, uns also die Selbstbeobachtung 
tu Hülfe kommen müssto — eine derartige Kenntnis von den Bc- 
uutzungsarten dieser verschiedenen (iobissformon nicht existiert, dass 
wir daraus ein Verständnis ihrer Verschiedenheiten gewinnen könnten. 
Man kann daraus erkennen, duss die funktionellen Probleme, welche in 
Betracht kommen, von solcher Feinheit sind, da3s sie sich noch gar nicht 
als solche, d. h. als Probleme, formulieren lassen, geschweige denn, dftM 
an ihre Lösung vor der Hand zu denken wäre. Die Art, wie von Ge- 
bissfragen in der Literatur gesprochen wird, ist denn aucli häufig eine 



Fig. 1, 



Fig. 2. 




solche, dnss man nur zu deutlich merkt, dass die Autoren in die Schwierig- 
keit und Fülle der sich gegenseitig beeinflussenden morphologischen und 
funktionellen Einzelfi'ngen keine klare Einsicht haben. 

Hiii mIm-iiii mir nun, dass ein Tatsachenmaterial mit solcher Sorg- 
falt und Genauigkeit gesammelt werden inuss, wie es durch die Natur der 
Probleme gefordert wird, und ich hoffe, dass die vorgeschlagene Ver- 
»endang des Formverfnhreus nicht als eine Spitzfindigkeit, sondern als 
eine wertvolle und für manche Einzelfragen notwendige Ergänzung «1er 
kraniclogischcn Methodik angesehen werden wird. 

Nun zeigt sich, wenn raon die Zähne unter Anlegung der vorher ge- 
nommenen Form in den ausinaceriertexi Schädel einsetzt, duss sie im all- 
gemainen dann gerade so tief in die Alveolen eingedruckt werden müssen, 
als es eben geht, als sie also auch ohne Form kommen würden. Das 
lieifist die Anwendung des Formverfahrens erweist in dieser Hinsicht seine 
eigene Überflüssigkeit. Aber es zeigt sich auch bei vielen Zahnen, dass 
ein gewisser Spielraum der Bewegung nach aussen oder innen, ein ge- 
wisses Wackeln in horizontaler Richtung am macerierten Schädel vor- 
hiiuden ist, und da es sich bei den Uebissproblemen um Bruchteile von 



■j.v; 



H. Virchow: 



Millimetern handelt, so isi fiir diese Seilt' der Aufgabe die Form, weicht» 
allein 'las exakte Einsetzen ermöglicht, nicht gleichgültig. 
Ich möchte nun einige Einzelfragen empfehlen: 

a) Unregelmässigkeiten der Zahnstellung. 

Bei solchen ist man versucht, die ungewöhnlich stehenden Zahn.' 
„jsurechtxiirueken". sie durch Drücken und Drehen mögliehst in dt-- Reibe 
der übrigen hineinzuzwingen. In Wahrheit ist aber ein Gebiss nur 
verwertbar, wenn jeder Zahn zuverlässig die Stellung hat, welche Bl 
Lebeaden hatte, und für Fragen der regressiven und degeneratWee Vor- 
gänge am Gebiss und am Kiefer sind solche Gebisse mit uinegelmäs*i^ 
■teilenden Zähnen von grosser Bedeutung. 

b) Milchgebisse und in noch höherem Masse <i<-l.isse 
im Zahn Wechsel. 

An diese Gebisse knüpft sich eiuo Fülle von Fragen morphol 
und funktioneller Natur, Fragen der Zähne selbst und des Knochen« 
tume. Ha diese Zähne je nach dem Alter zum Teil noch keine \\ 
beben, zum Teil >i«' bereit! verloren halten, so fehlt ihnen der Halt im 
Kiefer, und es ist ganz: unmöglich, ihnen die richtige Stellang KD 
wenn nicht Perm genommen wurde. 

c) Gewisse tierische Gebisse oder Teile von solchen. 

In dieser Hin.siclit vordienen besonders die Schneidezahne im I | 
kiefer der \\ iederkiiuor Beachtung, welche auch im frischen Prl 
nicht absolut feststehen, sondern ziemlich stark vor- und surOckbi 
werden können, und zu deren Fixation nicht die Ahcoleii allein, sondern 
das derbe hinter den Zähnen gelegene Unterkieferpolater zu dienen 
scheint. 

d) Vergleich der Aufbisssi.el I iiiij und Vorbi isatellang der 

Sc li n B i de /.ü li e. 

Es käme hierbei nicht nur auf die Stellung der Ziihne, HOndera auf 
die dos Unterkiefers an. Yorbiss ist boi der moderuen einheimischen Be- 
völkerung die Keü»d. und es wird daher vielfach der AufliiKg, wenn auch 
nicht eli eine abnorme, so doch als eine ungewöhnliche Btellang \>- - 
zeielmet Dies darf auch, soweit es sich um eine Frage der Praxis 
handelt, genügen; aber es genagt nicht für die morphologische und ri 
Buetomisohe Seit»' des l'ml th*uii'si. Die altvreltlicben Allen und die 
Anthropoiden haben Aufldssstellmu : l»ei L!vwi>sen Kassen, die die * •■ - 
bisse stark benutzen, bzw. auf einem niedrigen Kulturzustaud 
kvMunir sie laseGhHeeslioh oder vorwiegend vor, bei Grönländern, 1' 
Itinderu, Australien]; die neusteinzeitlicheu Röeaenor Schädel dos hie 
Museums für Völkerkunde zeigen sie zwar nicht ausschliesslich aber doek 
in einer ZeM vun Fallen. Es genflgl aber in dieser Frage nicht. 
statistische Seite ins Auge zu fassen, sondern man muss au ob eine Reibe 
von funktionellen und morphologischen Gesichtspunkten berüoksiohti 



MfcnttriMrg! EjuIIubs Westasiens auf ostasiutisehe Kunst. 






Bein Aufbitt werden die Zahnbogen in CesainireihetiaVhen verwandelt 
und darch die QsgeneiQanderlageni&g der Schneidezahne werden die Mo- 
lar, te v, r KD grossem Drucke geschützt. \'on morphologischen Plagen 
■pftejl hier hinein die dos Alternicrens, welches bei den Saugetieren bis 
zu den Affen einschliesslich in so strenger Weise die Gebisse beherrscht. 
El wäre zu prüfen, ob das Gesetz des Altornierens, welches beim Menschen 
nicht mehr mit voller Strenge durchgeführt ist. genauer glK beim Auf- 
bin oiicr beim Vorbiss-8ebin. Dies lftsst sieh aber in exaktes 
Weise nur erreioheu bei zuwrlässigpr Aufstellung der Kiefer und der 
Zahne. 

B Ilr. Oscar Münsterberg hält einen Vortrag über den 

Hin Aus- tVesljtsinis auf ostasitttische Kunst In vorchristlicher Zeit. 

(Es i etwa 30 Lichtbilder vorgeführt und unter die Anwesenden 

'(fi'ln Perteilt, die zahlreiche Abbildungen in folgender Anordnung; 
enthielten: l. Prtmykenischer Einfluss. Drittes Jahrtausend v. Chr. 
m/.eit- Aiims . 2. MvkiMii-selier I'inlliiss. Zweites Jahrtausend v. Chr. 
Nordchina). 3. Kvprischer Einfluss. Sechstes Jahrbuuderl 
v. t'lir. (Südwestjapan — Bronzezeit). 4. Criechisch-baktrischer Ein Hubs. 
Zweites Jahrhundert v. Chr. (Mittel- und Südchina). 5. Chinesisch- 
japecieoher Bttl. Um Christi Geburt (Eisenzeit, Mitteljapan). Diese Ab- 
bildungen waren der „Japanischen Kunstgeschichte* des Vortragenden 
(Qeorgc Wcsterniann, Brnunschwoig) entnommen. Da ihre Wiedergabe 
an dieser Stelle ausgeschlossen ist, muss sich auch die Wiedergabe des 
\ ortragi auf das hier folgende Autorreferat beschranken. I\s gel ausser* 
dem mif einen demnächst in der Wiener ^Zeitschrift für Kunst und 
U nnethandwerk erscheinenden illustrierten Aufsatz verwiesen). 

Die ostesiatisobe Kunst hat nicht eine einheitliehe, aus sich selbst 
heran« entstandene Kntwicklung, sondern sie ist durch verschiedene 
Strömungen beeinflußt worden, die von besonderem Interesse sind, da 
■ Verbindung mit unseren] eigenen Kulturboden, mit den Ländern am 
mittel landiscben Meere, zu erkennen ist. Aus denselben Wurzeln hat die 
europäische und ostasiatiMdie Kunst ihre Kräfte gesogen. Die Kulturen 
der nachchristlichen Zeit stehen sich gegenüber wie zwei fremde Männor, 

denen jeder sich in einem eigenen Milieu zur Persönlichkeit ent- 
«iekel! hat, ohne die Ahnung, dass einst ihre Wiegen in dem gemeinsamen 
Matterhanee standen. 

In Japan können wir an der Sprache, an den Sitten und an den 
erhaltenen Resten drei Völkerstämme erkennen, die mit verschiedenen 
Kulturen und Sprachen nacheinander arf dem Inselreich eingewandert 
und ras deren Vormischung die heutigon Japaner entstanden sind. 

1. Die ältesten Funde weisen auf steinzeitliche Velkcrstarnme, deren 
eigenartige reiche Ornamentik, Brettidole und Topfformen Gleichnisse in 
den Funden auf Cypern und Präinykene haben. Wir wissen, dass einst 
dos japanische Insolreich das Land der Ainos war, die noch heute ihre 
kaukasoide Abstammung erkennen lassen. Wir können daher annehmen, 

-hrlt tiir ythiu>)o^,,K Jahrg. 1906 Haft % \~\ 






Miin>terbprg: 



dose ciue westasiatischo Einwanderung aus dorn pr&mykonia* 

K u 1 1 urUr»'ie>e stattgefunden hat. 

Bin« Verbindung swiaoben Japan and daa Rgftuohen Meere in 
Steinzeit i-tt heute nicht mähr nachweisbar, aber wir können annel 
dnas in der i'ru I j »*sti ii Zeit anob auf dem Pestlande Völker mit gieioha 
Sitten uii! Gewohnheiten gelebi liu.hcu, die durch nachdringende Volker, 
die heutigen Chinesen, teilweise aufgesogen, teilweise auf die Bchwei KU* 
■j.iii-lii'iii'u I iincln Japans MTtriebuii wurden. 

2. Die BJteeten Nachrichten aus China stamm' n aus «l'-r Zeit nn 
Wende des dritten zum zweiton Jahrtausend. Fs sind nur üterai 
Quellen erhalten and wir dürfen vielleicht aoa daa in dei biatoriaobn 
Zeil bestehenden Bitton den Küksehluss sieben, dnes die von den 
zeitlichen Völkern abweichende Art von den einwandernden Bn 
Völkern mitgebracht worden ist 

In dem 11. Jahrhundert n Ohr. Iit daa Werk Pokntulu gedruckt 
welches die ältesten Brausen aas kaiserlichen Bmnmlangen in Abbildu 
enthält. Wir finden doTehgehendfl Produkt" einer hochent 1 
Technik, Die Formen sind elegant und vollendet an den Senkeln sin»! 
plastische Tierköpfe, die ein hochstehendes Vorbild aufweisen, und die 
eigenartige Ornamentik Unat gewisse Eigentümlichkeiten deutlich er- 
kennen, Die Füllung der Fläche zwischen den Unstern mir Spiralen ia 
daa verschiedensten Gestaltungen, die auch eckig ausgeführt werdet , 
und zwar noch nicht das Mäanderhand, aber ein Mfianderciustaf 
bilden, der Ochsenkopf, der »ich schliesslich zu einem Augen- und 
Nasen -Ornament entwickelt, und das Schuppen-Ornament sind charak- 
teristisch. 

Diese Ornamente weisen auf die hohe mykenische Kanal im 
zweiten Jahrtausend v, Chr. hin. Die Anuahme von einer der a rtigen Be- 
ziehung wird durch eine Fülle von weiteren Momenten bestätigt. Bei 
rnykeniaeben .Steinreliefs schon wir das gerade zweischneidig- Srliwert, 
die lange Lanze mit kleiner Spitze, die Wurfgeschosse und Schlei] 
wie sie auch bei den Chinesen iu Anwendung waren. Auch finden wir 
eine gewisse formale Ähnlichkeit Ewiscbandec rnykeniaeben Steininachriftan 
und denen von China. 

Vor allem finden wir ein Ornament, das vielleicht das eSgenarti 
der ohinesi.st lien Kunst ist: das Wolken-Ornament In späterer /.»dt ent- 
wickelt es sich zum Wolkenhand, das im 13. Jahrhundert von den Mon- 
golen nach Fersion gebracht wurde und dann nach Europa gelangte. 
Dieses Wolken-Muster finden wir auf einer Dijkenisoben Dolchklinge 
dem '2. Jahrtausend v. Chr. in völlig gleicher Gestalt. Mir linden es 
aber auch im Westen noch in seiner Crfiu-iu als Darstellung des Terrains 
oder iler Erde, zugleich mit dem durch plastische Reliefs bedingtes B#« 
'liehen, die leeren Stelhm einer. Hildes zu füllen. In dn Haler« Kretas 
wurde -'s aaunFlockeogebildd, als Füllung der Zwischenräume, and in dar 
Metallteclinik dar Golddr&hteinlagen in Mjkena zum abgerundeten Wolken- 
Ornament gestaltete 

Auf Steinreliefs aus «lein Jahre 147 u. Chr. ist eine Hallo abgebildet, 






259 

die (Muteten auf steinernem Dntorbn seigt Dieselbe Bauart ftndel 
in Japan, und KWar in den Teilen, die Korea am nächsten ge- 
■ iiiil iiii-l die Brücke Einsehen koreaniaca-cIihfteeiaeheT und japanischer 
Kulrur bildeten. Das Haus auf steinerner Unterlage finden vir auch im 
i ttykoulL, wo rielleichl die Ausführung in Anlehiiun^ an die jiicyp- 
■ li ' I 'oten -!;,'!:. die wegen der ' )b< rs.chwemmun^en des >"ils auf einer 
LH Ferrasss BUfgebaal wurde, entstanden int. Auch der 
Orundriei des Schlosse- und dos ' I * •_ r 1 1 j ■ < - ! - mit einem Aus-eiibote und den 
der Mitte des Hauptgebäudes gegenüberstehenden Eingangstoren mitTn ppen- 
. 1 1 1 1 ■„- ; i : i ir ^«'i'-'t die Beziehungen zur westlichen Bauart Wahrend die 
iseyrisehen Völker ihre Abstammung aus der HomadenseH dadurch be- 
wahrten, dass sie in der Mitte den Hof für dal Vieh hatten und ihre 
.■iL wis ursprünglich die Wagenbarg, zum Schutz von aussen 
wurde hier im Mittelpunkt die Ansiedlung des Palastes oder 
Pompels vorgenommen und /.um Schutz ein Aaseenhof hereingelegt. 
i» e mykenieebe Bronzekultur bekam oino neue ajQreguyjg, sj& in 
def /-eir der Hnii-1 Knautie, etwa im *i. Jahrhundert v. «In., die 
nur im nördlichen China angesiedelten Yölkerstftmmo cr- 
id bis aber den Faagteekiang nach dem Sielen vordrangen. Im 
Innre 1 TH r. Girr, erhielten sie von dem Fürsten der ffiungnn, der durch 
■eine Broberungsinge der Nachbar des chinesischen Reiches geworden 
war, einen noch heute erhaltenen lirief. Damals erfuhren die chinesischen 
Vdlket der Hanseifl iom ersten Kaie, dass es im Westen andere Yölker- 
f.iniMh -ab. Seit Jahrtausenden war ofteubar der \ 'erkehl' mit der L r- 
imal de« Westens durch die anbewohnten Steppen Sibirien* gelöst, und 
••rst jatat wurde ein neuer südlicher Verbindungsweg mit den alten Kul- 
i! des Werten- befanden. 

Reste griechischer Kultur drangen in Cliina ein, BteinTeUeft und 

Ketallanlega! sind als Kilndor dieses neuen griecli iseh- hak frisch en 

18 erhalten. Wir linden Tier- und vor allein Mem-chru- 

daniellungen, Löwen. Weintrauben und dos geflügelte Pferd, die in 

China rollig unhekannt sind, neben Insekten und Schmetterlingen dar- 

Llt Aus den deQ Chinesen damals unbekunnten Vögeln, vielleicht 

oder Hähnen mit langen Schweifen, entstand in geistloser Cber- 

rng ullmählich der Phönix und in ähnlicher Übertragung andere 

Phautasiegeslalten. Wae /uorsi realistisch ausgeführt wnr, wurde in 

teu Wiederholung nach Wiederholungen, da die natürlichen 

orbüder unbekannt blieben, zum Phantasiegebilde. 

Bei den Steinreliefli dieser /.-it finden wir zum ersten Male Menschen 

»teilt, gehfillt in weit wallende Gewfinder, die nur eine langsame 

gung gestatteten. Hatten die Griechen den nackten Körper in be- 

r Linie dargestellt und nur die bekleideten Figuren ib sinnende! 

neieeelt, *o drang jetzt diese ruhige Btellang in entsprechender 

Bekleidung nach Asien, und daraus entwickelte «ich jener abgerundete 

Liaiensti] in fein beobachteter undoutungavoller Bewegung des Menschen. 

Die kurzen, gedrungenen Pferde und der zweirädrige Wagen zeigen un- 

rkennbar dai griechische Vorbild. 



: 






•260 



Mün-terberg; 



4. Inzwischen halte sich in Japan ein anderer Einfluss geh--. I 
macht, indem Malaienvolker auf der südwestliehen Insel Jupiii.- . 1 

waren. 

Der malaiischen L'rheimat entsprechend, wird auch auf den 
die einräumi^ Hütte als Pfahlbau aus Holz ausgeführt und de 
unten gehende Dach mit Schilf oder Rohr belogt. Die Leichen *i 
mit Beigaben vergraben; Topfseherben und vor allen» zweiselun 
lanzettförmige, kurze Bronzeschwerter und Lnnzeuspitzeii 
Mit Technik und die Formen, die nicht vou den malaiischen, nocu 
unkultivierten Urvölkern herstammen kennen, zeigen den Einflus* 
höherstehenden Kultur. Während in China nur der klein- R 
der Mykeuäa und Persiena bekannt war, wurde hier im äuaaeratefl 0«« [ 
grosse Bogen Homers ausschliesslich bis zur modernen Zeit ongewi 

Keichere Schätze aus dieser frühen Zeit sind uns erat erholten 
dorn über den Gräbern der Kaiser und Fürsten gewaltige Grabhfigi 
richtet wurden, in denen man durch lange, steingestüt/.to GÖJ _■■ 
eigentlichen Steinkaiuineni mit gewaltigen Steinsarkophage] 
Diese Sitte, die aus dein Orient nach dem Norden in unsere Heim 
klimmen, wahrscheinlich aus der gleichen Quelle filier ganz China auil 
Korea verbreite! war und in Japan eine grosse Blute erlebte, dürfte 
viiii .hu Malaien mitgebracht, sondern erst durch die Berührung 
Korea in einer späteren Zeit eingedrungen sein. Zwar sind in 
kümmern nur die Schütze aus dieser späteren Zeit erhalten, aber an ofefl 
Reihe von Funden, die in China kein Gleichnis besitzen, können wir die 
der Einwanderer erkennen. 

Dass auch später ein reger Verkehr über die südlichen Teile Asien« 
stattgefunden halten muss, Beigen uns die zahlreich gefundenen Svtnbol« 
aus Steiuarteii, die es in Japan nicht gibt, sowie die zierlichen Glasperlen, 
Glasröhren und Ohrringe in Golddraht, die in China unbekannt und aucl 
in Japan nur solange gebraucht wurden, als der Verkehr mit den 
indischen Ländern stattfand. 

Die Töpfereien zeigen ganz andere Formen 
zeitlichen Ureinwohner, der Ainos. Die Ornamente 
auf Metall, einfacher und bestehen nur aus Kreis. 
Die reichste Verzierung sind Wellenlinien, die mit 
Kamm eingraviert sind. Die reiche Ornamentik der alteren pr&myke- 
nischen Steinzeit ist vergessen, alier die Gefiissformen sind in i]\-r Bronze- 
zeit reichhaltiger und eigentümlicher gestaltet. 

Die alte Tazzaform auf hohem Fuss kommt auch gleichzeitig n 
China vor, unbekannt sind aber auf dem Festlande Gefässe, die mit einer 
Reihe von Halsansätzen und vor allem mit kleinen Menschen- und rier- 
Bguren versohen sind. Ganz ähnliche Gefässe finden »ich in Cyporn 
zwischen dem 8. und 5. Jahrhondert und in Italien im 5. Jahrhundert. 
In Cyporn fiuden wir auch den japanischen ähnliche Schwerter und 
Lanzen, den grossen linken Homer«, den Lederhelm mit wagerechten 
Hriiu/jwtreifeii belegt und die Tonfignren. welche an Stelle der lebendigen 
Opfer den Fürsten beigesetzt wurden. Bei letzteren ist der rauhte Teil 



als die der stein- 
ßind, ebenen wi# 
Punkt und Linie, 
dem mehrzinJ 



Ke- 
in 





EinflüBS Westaaiens aaf ostasiatische Kunst. 261 

des Gewandes über den linken gelegt, aber als die chinesischen Sitten 
eindrangen, legte man, wie noch heute, den linken Teil über den 
rechten. 

Nachdem wir diese Verbindung mit dem cyprischen Kulturkreise 
einmal erkannt haben, sind noch eine Reihe weiterer Momente zu er- 
wähnen, die nicht an sich die Verbindung beweisen würden, jetzt aber 
zur Unterstützung unserer Vermutung herangezogen werden können. Da 
ist der Tanz zu Ehren Gottes, wie ihn die Priester im Alten Testament 
ror der Bundeslade tanzten. Schon die ältesten japanischen Tänze sollen 
in Masken mit komischem Ausdruck und offenem Munde ausgeführt 
sein. Bei den alten Masken kommen grosse, gebogene, unjapanische 
Nasen, runde grosse Augen, ein Buckel auf der Stirn und grosse Ohren 
vor. Alle diese Merkmale finden sich auch auf römischen Masken. In 
Bora stellte man den Narren dadurch dar, dass man in den Mundwinkeln 
rosettenförmige Verzierungen auflegte; ähnliche Masken finden sich 
auch in Japan. Japanische Dämonenmasken erinnern an griechische 
Löwenköpfe, und wie in Griechenland werden auch Blätter als Haare 
verwendet. Mit Vorliebe wurden in der alten Zeit lustige Karrikaturen- 
köpfe, ausschliesslich von Männern, geschnitzt, und auch hierfür finden 
wir eine Erklärung, wenn wir die Auswanderung, wie allgemein üblich, 
in das 6. Jahrhundert v. Chr. verlegen, zu einer Zeit, als in Griechenland 
das Trauerspiel noch nicht entstanden war und nur komische Dfonysus- 
und Komödienmasken bekannt waren. Schliesslich sei die Ähnlichkeit 
des ältesten japanischen Versmaasses, des Fünfzeilers, mit dem Distichon 
erwähnt; beide haben 31 Silben. 

Diese Momente zusammen können zeigen, dass der einwandernde 
Malayenhaufe, da die Malayen keine eigene Kultur besaasen, entweder 
ans einer frühgriechischen Kolonie in Indien entstammte, oder dass ein- 
zelne vielleicht geflohene Cyperer an der Spitze eines unkultivierten 
Malayenhaufens Japan eroberten und die Kultur des ägäischen Meeres 
nach Japan verpflanzten. 

5. Inzwischen war in China ein grosses neues Kulturmoment ge- 
schaffen, indem im ersten Jahrhundert n. Chr. der Buddhismus eingeführt 
wurde. Im Norden Indiens, in Gandhara. war Jahrhunderte nach dem 
Tode Buddhas aus der griechischen Apollofigur allmählich die Buddha- 
figur gestaltet, und diese traditionelle Form mit dem stilisierten Falten- 
wurf blieb bis zur modernen Zeit beibehalten. Auf den Trümmern der 
griechischen Kultur hatte sich in Turkestan ein Volk entwickelt, das im 
Osten mit China und im Westen mit Persien im geistigen Austausch stand 
und eine hohe Kultur, etwa vom 4.-8. Jahrhundert, erlebt hat. Die 
Kenntnis dieser turkestanischen Kunst, die seit tausend Jahren völlig ver- 
schollen und verschwunden war, ist uns erst durch die neuesten Aus- 
grabungen bekannt geworden. Gleichzeitig entwickelten sich in Persien 
und in China, unter den in jedem Lande verschiedenen Verhältnissen, 
eigenartige Kunstauffassungen. 

Nicht nur die buddhistische Skulptur, sondern auch die Malerei, be- 
sonders jene frühgriechische Malerei, die wir bisher nur aus dem Kunst- 



262 



Wt] i 



gewerbe dei Fasenbilder kannten, und die in Griechenland dord 
rpfitere Malerei der LicbtreÜexe völlig vordringt wurde, i-; ans Ln i 
Stile erhalteu. Während Europa auf den Behältern der sp&tgriechif 
Licht- und Selinttoii-.Miilor« i steht, inin. ir die japanische und ohini 
Kunet die all*' frfibgrieohiaohe Liaear-Maleroi bei. 

Diaec KiiiHiisso der Völker von «lern MittelliiudUclivu Meere, die zu 
ranehiejeoen Zeiten und auf -etivnni.'ii Wegen imcli China and Japan 
drangen* haben die noch heute gütigen Öruadlagen der oetai 
Kunst gflWI I« 

Di skueeion. 

Hr. Bhrenreiofa lehnt einen KiiUnreiiiNuss der Mal&jnn auf Japan 
ab, da sie selbst oral In später Zeit ihre Kultur von [adieu her erhielten, 
Keinesfalls können ihre Pfahlbauten als Prototypen der japanischen 
Häuser betrachtet Verden, die ebeaao gut selbständige Bilduni i 
■ !■■ ähnliche Bauten in zahlreichen andern Ländern. Im ^ 
richtete Pfahldörfer wie die malnyischen fehlen Aberhaupt in Japan. 
Ebensowenig beweiskräftig sind die Bogonformen. Eine gelegefiÜiehi 
Landung malayischer Schilfe an den japanischen Küsten ist für die vor- 
liegende Frage belungh»- 

Hr. KosHinna erhebt Widerspruch gegen eine Äusserung Ober dw 
Herkunft der Aiuos von den Ariern Südnisslands neelithiacher Zeit, Di« 
erwäliuien geringen arohftologieoheD Ähnlichkeiten erklären sich leichter 
durch Annahme TOH Konvergenzerscheinungcn, während die Berufung Bflf 
die Ähnlichkeit des Aiimtypus mit dem Äussern des (irafen Tolstoi in- 
sofern nichts beweist, nls dieser Repräsentant des südrussiachen Volks- 
typus eben einen ausgesucht nicht-indogermanischen Typus au sieh hat 

Hr. Nach od glaub! gegenüber dem räumlich und zeitlich au 
ordentlich grossen Bild der Entwicklung, da* dei Vortragende in i 1 1 r . 1 - 
rasanter Weise entworfen habe, auf die leider sehr baaoheJdenen wirklich 
geschichtlichen Urkunden aus dem alten OstMsien hinweisen zu 8> 
Die ersten schriftlichen Denkmäler Japans, die Chroniken von 712 tnel 
720, können nur mit der Xibelungensage und der Edda verglichen werden. 
China war vor *25<K) Jahren im Verhältnis /,u heute ziemlich klein, BUd 
wir haben, abgesehen von einigen Bronzen und Objekten, kein Material, 
jedenfalls keine Literatur, um un3 zu belehren, welche Völker in den 
damals noch nicht zu China gehörigen Gebieten gelebt und welche Kultur 
sie besessen haben. Er erachtet es jedoch für ein sehr erheblichen \.i- 
• lenal des Vortragenden, dass er aus schwer erreichbaren Quellen eine 
gewaltige Anzahl von Abbildungen einem grosseren Publikum zugänglich 
rneohe und der Kritik unterbreite. Nur müsse scharf unterschieden 
werden /.wischen Hypothesen und geschichtlichen Angaben. 

(ö). Hr. Waldeyer hält einen Vortrag über 

Gehirne menschlicher Zwillings- uud Drillingsfrüchte verschiedenen 

Geschlechtes. 
In den Sitzungsberichten der Königlich Preussiachen Akademie der 
Wissenschaften Nr. IV pom h Februar 1907 habe ioh über die Pru 



Qohiroe von ZwiUingBfrücliton ver-chi^len 



263 



liede bei den Gehirnen »ob Zwilling*- nnd Drillings* 
iedenen G-esohleehta bestellen, eine Mitteilung 
velofae der nachstehenden Veröflentliohong BOgrande liegt. Dieselbe 

:i eine v<>r zehn .1 ihr- n in der Berliner Gesellschaft für 
Ittoopologie, Kt liiiölo«rie nad I -^*?öcliichto gegebene kurze Mitteilung 
über einige wenige Falk- an. Mein Materia] ist inzwischen verdoppelt 
worden. 

Sekundäre Gesehleehtteharaktere kennt, n, ausser in den bekannten 
btarereohiedenlieiteD, in den Formverhfiltnisnen der Gehirne gelegen 
>ein, wieder rudere in den feineren Stnikturverliiiltnissen. Die Unter- 
suchung der let&teren 1n Hinsieht auf etwaige GescbleehtscharakteTC ist 
- \\ issens noch gar niohl in Angriff genommen worden, obwohl sie 
wire; die Angaben Aber Ver.scliietleiilieit.en in den 
Formen sind keineswegs allseitig anerkennt. 

Wälm-nd Küdinger, Fasset und Min^azzini, ebenso wie ihrerzeit 
GnJl und Huschkc. eine Anzahl Verschiedenheiten im Aufbau de 

uftthlWB, die nla positive und bedeutendere angesehen werden 
Dl Sinei der gründlichsten Kenner den menschlichen (lehirns, 
•i. Rats ins 1 ) zu dem Schlösse, dass zwar das Weiberhirn im grossen 
i. was die Ausbildung der Furchen und Windungen betrifft. 
-ich als da* mehr dein flaupttypus entsprechende, einfacher und regelmässiger 
taut) erweise aber alle Abweichungen und weiteren Form- 

^•-aialtuiiiren. die man beim Uftanergebirn antreffe, auch beim Weiber- 
_eliirn gefunden winden, wenn auch seltener. Bin typischer, für das eine 
oder das andere (ieechieoht charakteristischer Unterschied sei bei den 
n und Windungen des Menschentums nicht nachzuweisen. 
Auf die Augnben Küdingers und Passets komme ich später zu- 
rück: zunächst möchte ich aus Mingazzinis neuestem Werk") die von 
ihn nach eigenen und nach Rfldingers Untersuchungen zusammen- 
irlh-ri Pormeminterschiede, die rieh sämtlich auf die Oborflftohen- 
n liitfktmiik der (iresshiruheinisplmren beziehen, kurz anführen: 1. die 
! : der Zentralfurche beim Hanne; 9 (He schiefere Stellung 
Furche links als rechts beim Weibe; 3. die massigeren und 
Bbeareicbereu Btirnlappen beim Knune; 4. die grössere Tiefe der 
fissura |tnrietooccipitaliß beim Hanne; i>. die mehr nach vom gerückte 
Lagt dar Fiasura calcariua und deren mein uurem-dmiissige Km-m heim 
:. , i; die grössere Länge der „Iosala" in der Richtung von rorn 
nach hinten (nach Cunninghams Angaben bemessen) beim Manne: 
7. die grössere relative Hohe des Bogens des Suhms purietnoeeipitalis 
i die grossere relative Länge deB Bulcue iaterparietalia beim Weibe, 
lIingMsins") bat diese nach ihm t'(w das Gehirn der Erwachsenen 

I) O. Est »im, Um Mensrlieahirn. Stadien in dsr inskros konischen hforpsologia. 

t.i. Stockholm 18W. Folio. (S. litt I 
Ü H Dgsssinl, Laitan! dl Anatomis clinics «I« i oeubri nerrosi, DitB«ass5*k 
J. Miag&zftiui, Über diu Eatwickluug der Forchen und WimluDjccu 
mclilichpn Oobinis. Molescliotts Untersuchungen mr Naroriehr.fi. Rand XIII. 



264 



WaU.Mi 



geltenden Punkte auch in Bestätigung des meisten Radingersehen Ai; 
gaben an fötalen Gehirnen vom achten and neunten HoDftte n;i<l \ 
können. Nicht bestätigen konnte er die Angaben Rndingers (s. r 
unten) von der früheren besseren Ausbildung des Gjros ctngoli (forni- 
catus) und de« Ouneua beim männlichen (leschlechte. Über die stärkere 
Ausbildung des Stiruhirns beim Manne vergleiche iniin noch die Angaben 
Chiarugis') und über Ueschlechtsunterachiede am Bnlotu ««-ntmlU dk 
von C'outi"). 

Sind nun auch mehrere dieser „Yertsclih'ileiilioitcn' 1 nur kornpawi 
aus denen sieh bei Betrachtung eines einzelnen Gehirnes keine sicheren 
Schlüsse auf das Geschlecht ziehen lassen, so würde es doch unter der 
Voraussetzung, dass diese Angaben zutreffend sind, wenu man mit be- 
kannten Mittelwerten vergleicht, möglieh sein festzustellen, ob irgend ein 
Gehirn einem Hanne oder einem Weibe angehört hübe. Immerhin aber 
sieht es in dieser Beziehung mit dem Gehirn noch eherne wie mit Jen 
Geschlechtscharakteren seines Gehäuses, des Schädels Selten wird ein 
in dieser Beziehung erfahrener Anatom in Zweifel bleiben, ob ein ihm 
zur Untersuchung vorliegender Schädel der eines Mannes oder der eines 
Weiboa sei; ei» typisches positives Charakteristikum, auf welches die 
Entscheidung rundweg aufgebaut werden kann, vermag er aber nieht an- 
zugeben. 

Küdinger war der erste, der nach Ilusehkes Untersuchungen Üe 
Frage nach der ltestimmung der Geschlerhisrliuraklere des Gehirns in 
eingehender Bearbeitung wieder aufnahm; er ging dabei von den fetal«) 
EntwicklangesoBtAnden aus. In seiner ersten und BLauptmitteihung 
hierüber 3 ) gibt er zunächst an, dass man die sekundären Geschlecht— 
Charaktere am Gehirn erst deutlich mit dem Anfange des siebenten Fetnl- 
monute auftreten sehe. Dieselben zeigten sich 1. in einer grösseren 
Ausbildung der Stirnlappen beim ; diese Lappen wären massiger, höher 
und breiter als beim 2. Freilich gibt Küdinger mit Recht zu, dtatt 
diese Behauptung erst durch sorgfältige Messungeu von Sehadelaus- 
aus dieser Lebensperiode sicher gestellt werden könne. 2. Blieben 
während des siebenten und achten Fetalmonats die Windungen des ; ß - 
bims bedeutend einfacher. 3. Besonders verschieden sei in bezug auf 



1) O. L'hiarngi, J.« forma del ccrvallo amano e 1p vniiationi corrolatiYo del Crmnio. 
Siena 1880. 

2) A. Conti, Aleuui dati sullo sviluppo della scissura dl Rolando nello vita ci- 
trnuterina. Gaazotta delto Cliniclio. Torino 1886. 

3t N. RQdiuger, Vorläufige Mitteilungen Über die Unterschiede der Grnsshiru- 
wiudungen nach dem Geschlecht beim Fölus und Neugeborenen mit Berücksichtigung 
der angeborenen Bruchycephalic »ud ftolichoeephalic. Beitrage inr Anthropologie und 
l'rgeschicbte Bayern?. Bd. 1 München !877. 4. Siehe ferner: Derselbe, Über die. 
Hirne von Zvrillingrn. Verhandlungen der Anatomischen Gesellschaft auf der «cht 
Bkmmhtng in Strassburg i. E. 18. bis IG. Mai 1894. Jona 1*94. S. 177. — Eine aus- 
führlicher* Publikation Eüdingors, etwa als ErgÄnxung der „Vorläufigen Mitteilungen- 
eii.-lieri nuincs Wissens nicht, wta ich mit Rczug auf Mingazzinis Äusserung u. a. 0., 
Molcschotu Untersuchungen Bd. XIII, B, 'I > bemerken machte. Irrtum meinorseils 
idessen vorbehalten! 



Gehirne von Zirtllingüfrüchten verschied enrn Geschlechts. 






Ausbildung der Windungen der r<* vom £ Scheitelluppen. Währen«! 
- und lliuterlnppon noch mehr glatt erschienen, sei der cT Scheitel- 
;-< :i Im r, täta stark gefurcht, die die Intorpnrietalfurche begrenzenden 
Kurchen zeigten stärkere Schlängelungen, die Furche selbst f burbrückungen; 
Kamra parictooecipitnlis dringe tiefer ein als beim g, Rüdinger 
-riinint in dieser Beobachtung über den Scheitellappen Huschke bei. 
Frflharer Efohlnsfl der Svlvisrhen Spalte, so dass die Insel gedeeki 
wird, beim &» 5. Frühere Ausbildung der an der medialen Mantelfiai-hc 
wahrnehmbaren Teile rar iletinitiveu Gestaltung. Im grossen und ganzen 
kommt, wie vorhin bereits bemerkt wurde, Mingazzini a. a. <>. zu den- 
selben Ergebnislos wie Küdinger. 

Passen wir das von Kiidingor Gesagte zusammen, so kommt alles 
«Urauf hinaus, dass beim J Geschlecht eine raschere Ausbildung der 
rlirnoberrläi-heugestultuiig schon wahrend des fetalen Lebeus einsetze 
«nid dftll diese insbesondere mit dem Beginn des siebenten Monats 
nkt'iinltar verde. Auf den Schiossatz Rödingers, es ergebe sich die 
'.it>.hlie. dass ..ganz, veraebiedene Bildnngsgesetze für die Grossliini- 
iuduiigen bei beiden (ieselilechtern bestehen und schon im fetalen Leben 
zeltend machen*, komme ich zurück. 

Büdinger macht bereits auf die Wichtigkeit aufmerksam, welche 

[ie l iitersuchung von Gehirnen gleichgeschlechtlicher oder verschieden- 

isohlechtlichex Zwillinge für das in Redo stehende Problem haben 

Beae; dem kann man nur vollauf zustimmen. Selbstverständlich gilt 

ii ii für Drillingsgehirne, von denen ich mehrere zu untersuchen 

Gelegenheit hatte. 

Passet, 1 ) Schüler Rüdinger», hat dessen Untersuchungen fortgesetzt 

ml Rohon hal sie auf die Hörigen Primaten ausgedehnt.*) Beide 

lachten insbesondere <li" Zeiitralfurche und deren benachbarte Windungen 

in Gegenstand ihrer Arbeiten, Rohon auch die Interparietalfurche uud 

leren Bereich, die auch bereits von Rüdinger 9 ) in bezug auf Geschleciits- 

Tsciiicdenheiten untersucht worden war. Was die Zentntlfurcho anlangt, 

konnten weder Kbcrstaller') noch Cunniugham 1 ), deren Ergeb- 

ich nach eigenen Erfahrungen beipflichten muss. den Schlüssen, 

rekhe Passet und Rohon aus ihren Befuuden gezogen hnbeu, ins- 

lesondece, dass beim Manne mehr Hirnmasse vor der Zentralfurche ge- 

:■ n sei ;il- beim Weibe und dass dies« Furche beim £ relativ wie ab- 



1) Passet, Über einige Unterschiede Jos Grosshirns nach dem Geschlecht Aus 
'in anatomischen Institute in München unter Leitung Tun Prof. Dr. Rüdinger be- 
arbeitet. Archiv für Anthropologie 1883, Bd. XIV, S.89-1M. 

.!. V. Rohon, Zur Anatomie der Hirnwindungen bei den Primaten. Mönchen 
I, E. Stuhl. 

3) N Rftdlnger, Ei» Hai trag *ur Anatomie der AflenBpnUc und »1er Interparietid- 
irclie lieim Manschen nach Kasse, Uesclileeht und Individualität. Beitrage *ur Anatomie 

id Embryologie als Festgabe für Jakob Honle. Bonn IÖ8S, Quart, Fr. Toben. 

4) 0. Eberstaller, Das Stirnhirn Ein Beitrag »nr Anatomie der Oberfläche 
'$ Grosshirns. Wien und Leipzig, Urban und SchwnrEi-nburg IR'.M», Oktav. 

i U J. rimniiigliam, The fissuro of Itolandu. Jourml of Aoatouu/ und Phjsio- 
»gie. Vol. XXV (N\ S. Vol. Vi. p. I. London 1891. 




166 



Waldi-yi-r: 



solut langer sei, /.uMiiuineu, Mingn/.zini und Conti u. a. ('. 
stellen sich nuf Seite Pseeete. Des weiteren möehte Loh bis 
bemerken, dasa es mir sohr misslieh erscheint. Schlüsse aus l ater- 
suehungen zu ziehen, die auf wenige beobachtete Falle lieh aratri 
So hatte Rolion nur, soviel ich sehe, zwei BuUropafisimgBMnra rar \ « ■■■- 
flogong. Ich behaupte sogar, il.-iss .hin Material, was alle Beobachte! 
atanunraengeDoininen bis jetzt von Anthmpui dengelt irnen rotem 
konnten) noch nicht ausreicht Es wird die höchste Zeit, «lies so un- 
wichtige Material mit des groieten BoTgfelt BD sammeln und zu k 
vieren, denn die Tage der Anthropoiden sind leider gezählt eben- 
die der niederen, weniger widerstandsfähigen Menschenrassen! 

[ob hoffe noch Gelegenheit zu finden, dio von mir giiMMUUKilten 
Anthropoidengehirne nach dieser Richtung hin zu untersuchen uml zu 
verwerten; in dieser Mitteilung beschränke ich mich auf die Befunde an 
menschlichen Zwillings- und Drillingsgehirnen. Die Fraire nach dem Ein- 
flüsse der Erblichkeit auf die Oestaltong def Ilinioberllüche 1 ) lasse 
ich liierbei jedoch ausser acht, da Ecl glaube, daaa zu deren Ent- 
scheidung dir (iehfim in ihrer vollen Ausbildung mit hei. 
werden müssen. 

Karplus, a. n. O., spricht eich übrigens zu der iu dieser meiner 
-Mitteilung zu behandelnden Frage — und ich kann ihm durchaas bei- 
pflichten — mit aller Reserve aus. Es heiast bei ihm a. n. O. (b) S : - 
(a) S. f»G: »Bin besonders wertvolles Material sind meines Erachtens die 
Befunde au mehreren Mitgliedern einer Familie auch fiir die Emir.' mich 

den (loschleclitsun terschieden der (iehirue. Diese vielumsrritti 

Frage ist von ihrer Lösung noch weit entfernt So einfach, als man ea 
sich früher vorstellte, liegen die Verhältnisse nicht, die Unterschiede 
sind keine so groben und auffallenden, wie etwa Rüdinger meinte** 

Bei den von Karplus untersuchten Fallen, war bei den ungleich 
geschlechtlichen Zwillingen kein Vorauseilen des männlichen Fetus 
gegenüber dem weiblichen zu konstatieren. In dem Falle von a&gtotefa 
-•ein liehen Drillingen war aber der an (iewicht zwiaoben des 
beiden weiblichen Föten stehende männliche Fetus enteren in dal 
Furcbenentw ick lang voraus. „Zahlreiche weitere Beobachtungen" — 
fügt Karplus mit rollern Recht hinzu — „müssen abgewartet werden, 
ehe eine Verallgemeinerung EUltaig erscheint." Als Beisteuer an solchen 
reu Beidüiehiungen wolle man das Nachfolgend« bewerten. 

Zu eigener Untersuchung standen mir an Gebote die Gehirne dreier 
Zwillingsfeten von verschiedenem Alter und ebensorieler Drilltnge- 
foteu, gleichfalls von verschiedener Entwicklungsstufe. Ich verdanke 



l.i Vgl. hierüUr di<- roitr&fllieaea ArbdtSn \ f. I. Kurplus a) t'bcr FaniuVii- 

ülinlielikeiiii] au den QiBsshirufnruheo des Menschen. Arbeiten nus dem iieuroloeisrlirn 
Institut tat Wiens) Dahrerntst, Xil. iw., L9U6; b Zur kennt nü de Variabilität 

und Vercrbunu *m ZeBtralaSTTC BS ystaP des Menschen und einiger Baal 
LdpXfg und Hien Kranz DsaÜaltO, 1901 | Kenirr F.tiw. Anth Spitzks, Here<lit;m 
ihe hrsins of tlir«**' brotliers. Ainericun Anthrojtolopiar, Vol, 5, April to 

»■ IUI 




Qehirae von ZwilluigrfrfteBton renehlodenen Getchlaehtj 



267 



iat« der Freundlichkeit der Uli. Kollegen Weicbselbaiuu 

in Wiiii Mihi Thileniua in Hamburg, Ihn. Dr. Ha mmerschlag in 

Kon i_'~ lt.-r- und den Uli. l)l)r. Bruno Wolff, Konrnd Kiilieiimiin und 

"['mann in Berlin, denen allen ich für ihre freundliche Unterstützung 

■n Dank aussprech,-. 

1)ü- betreffenden fi>>hinj.' sind zumeist gut erhalten, so dass die 
Windungen und Forchen klar hervortreten uud mit Sicherheit bestimmt 

I« i! tonnen. Einige Präparat»« waren Freilich nicht so vollkommen 
koaaerviert, konnten Aber dir die 1 inorKuehuTigdoch noch verwertet werden. 

Die Gehirne sind in der Sammlung «1er Anatomischen Anstalt Eil 
im aufbewahrt Einige »lerselben habe ich bereits auf den \>-i- 
.-ammlungcu der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft uud in der 
Berliner Gesellschaft für Anthropologie. Ethnologie und Urgeschichte 
vorgezeigt and habe kurz darüber berichtet 1 ), jedoch ist, abgesehen \--u 
der zitierten Mitteilung in den S. B. der Berliner Akademie d. W. nichts 
Weitere« darüber im Druck veröfi'entlieht. 

[oh laeefl nun die einzelnen Ffille in kurzer Beschreibung folgen: 

I. 
Zwillingsgehirne vom Jahre 1898 (». Katalog der Berliner Anatomisch an 
Bammle*! - Vr - KK>a und 10i>b vom Jahre 1898). 
Diese beiden Gehirne gehören den jüngsten Früchten an. Dae Matt 
der nftadJicbeti Frucht betrug vom Scheitel hiz zur Sohle '2<U mm, sein 
Körpergewicht 362 ^, »las Gehirngewieht frisch 32 y. Die Körparlftnge 
iU's weiblichen Fetus betrug 256 mm, ielu Gewicht 380^, das Hiru- 

gen fehl 30 g. 

Bei der Vergleiehung beider Qehirae zeigte sich, dass ausgebildet 
lind der Gyrns cinguli und der Sulcus cinguli. jedoch fehlt an 
-em noch die Fars marginales. Deutlich ist entwickelt die Fissura 
parietooooipitalia and die Fissura calcnrinu. letztere jedoch nur in 
lehnu&g. Sowohl am männlichen Wie am woiblichoii 
Gehirn zeigen diese Teile fast völlig gleiche Ausbildung. Anders ver- 
IrfiU ,■- ijch mir der Furohtmg und Windung auf der konvexen Seite der 
Hemisphäre. Die Fissura Sylvii ist beim Knabengehirn erheblich 
langer und besser ausgebildet ah beim weihlichen Gehirn. Die Zentral- 
rarehe zeigt bei beiden noeh nehr unvollttAndige Entwicklung. Dagegen 
_r das Gehirn der männlichen Frucht schon eine deutliche Trennung 
dritten von der zweiten Sttruwindung, auch sind Andeutungen der 
Stirnfttrcbe bereits vorhanden sowie einige kleine Furchen nui 
Srtruju'l. Die Ausbildung des Sohläfenlappeas ist bei beiden Gehirnen 
noch sehr zurück und zeigt keine l>e;-<>udcreu lMVereiizcn. Daa Gehirn 
Knaben erscheint mit gross« rem Stirnlappen. Ich mag aber hierauf 
keinen "Wert legen, da ich nicht ganz sicher hin. inwieweit hier Ein- 
säe vor dem Harren und beim Hilrten mitgewirkt halten, sonst, mtissta 




1) Glebfl Kurrespondenzblilt tlor Deutschen Anthropologischen ( i »»sellsrJiaft, Jahr- 
B8, tMBL B. L3e, ferner: Zeitschrift für Ethnologie, J»hrgmip 1898, S :£U. 



Wftldeyor: 



man dal Gehirn des Knaben als ein längere! doliebocepbales u 

dei Mädchens als ein kürzeres braehycephalcs bezeichnen. Aber, wie 
gesagt, es ist hierbei ein Einfluss der genannten Paktoren nicht völlig 
nuszuschliessen. 

II 

Gehirne der Zwillingskinder Kössler. 

Der Knabe hatte eine Körperlänge von 4'2 cm vom Seheitel bifl SOI 
Sohle und Wog 1 3."iO ^, das Mädchen hatte «'ine Körporlftnge von 40 ew und 
wog 1223 y. Hie Lange beider Gehirne, vom Frontal- /.um Oocipttalpol« 
mit dem Zirkel gemessen, belauft sich auf etwa» über ~ > m. Wir finden 
bei dem weiblichen Gehirn lehr schön ausgebildet die Fissura ealcarina 
und pnrietooccipitalis uud den Sulcus cingiili. Vorn unter dem 
Balken sind bereits einige feine Furchen angedeutet (Sulci supraorbitah 
auch Gyn orbitales sind bereits erkennbar. — Alle drei Stirnwind 
Bind mit ihren Wurzeln iu der vorderen Zentralwiudung klar zu I 
lobeidea. Die zweite Windung zeigt in ihrer Mitte bereits einen seichten. 
aus zwei Stöcken bestehenden Sulcus medius (Eberstaller). Die zweite 
Stinifurehe erscheint hinten sehr stark vertieft- Die Sylvische Furche 
ist völlig mit allen ihren Teilen ausgebildet; man erkenn! deatlioh nlh 
drei BtÜeke der dritten Stirnwiutlung; die Insel liegt jedoch nock weh 
in dreieckiger Form zutage und zeigt keine Spur einer Gliederung Die 
Zcntralfurche ist sehr klar ausgebildet und verläuft fast senkrecht zur 
Mantelkante, die sie etwas inedianwärta überschreitet; sie verläuft fast 
rollig gestreckt ohne Ausbildung von Nebenfurchen oder Einkerbungen. 
.Auch die Interparietalfurcbe ist deutlich, wenn muh noch kurz. Die 
Fissiirno ealcarina und parietooeeipitalis sind gut ausgebildet, jedoch mit 
linearem Verlaufe, ohne jeden Nebenzweig. Im Praecnneus finden «ich 
/.uii kurze, t\or Pars marginal!« des Sulcus ringtili parallel verlaufende 
seichte Furchen, während die Vorliegenden Flachen des 4-tuieus und des 
Lobulus lingualis noch ganz glatt erscheinen. Der Lobulus pflD -arentralis 
i^r deutlich abgegrenzt. Die erste Schläfenwindung und. die obere 
Scldüfenfurche sinil deutlich, von der mittleren Schläfenfun dir sind nur 
drei winsige Vertiefungen angedeutet. Die untere Schläfenfurche Fehlt 
vollkommen. Deutlich tritt dagegen der Sulcus collateralis hervor. 
Beide Hemisphären de* Mädchengehirna sind in allen diesen Dingen fast 
völlig gleich. Die Hemisphären des dazugehörigen Zwillingsknabengehirns 
lassen klar folgende Unterschiede gegenüber dem der Zwillingssclivvcstc 
erkennen: 

1. Die mittlere Ettirnwindong zeigt eine deutliche reichere Glie- 
derung; 

2. es ist bereits ein Sulcus tcmporalis inferior deutlich vorhanden; 
8. ist der Sulcus interparietalis weiter in der Ausbildung fort- 
geschritten; 

4. liegt zwar die Insel gleichfalls noch frei in derselben Ausdehnung 
wie bei dem weiblichen Gehirn, aber es zeigt sich bei ihr bereits eine 
Andeutung von Furchung. Beide Hemisphären des Knabengehirns sind 



<-.- von Zuillint^frfulttcn verschiedenen Geschlecht*. 



269 



(Ben Punkte gleich, die linke /."i^l tussi r<l.-m noch eino weit I" 
liiefleriiBK der S, Stimwindung. 



III. 




tili 

Zwillingsgehirne von etwa siebenmonatigen Kindern. 

Der Knabe hatte eine Körperlänge Ton 4£cm bei 14b'0</ Gewicht, 
:,i.> Mädchen ••;in- K >\v\u-\ länge von 40 cm bei 1327 # Gewicht 

Das Gehirn des Knaben wiegt nach der Haftung in Alkohol und 
Formel ;.">./. diis de* Müdohens TU <j. Die Ausbildung der Furchen und 
Windungen Nt etwa so weit vorgeschritten wie an den eben beschriebenen 
Gehirnen; ich gebe daher keine eingehendere Beschreibung des Verhaltens 
inielnen Windungen Ußd Furchen, sondern liebe nur die Unterschiede 
lachen dem Kraben- und Uädcheogehim hervor. 
Es zeigt sieh beim Knabengehirn vor allem eine grössere Ausbildung 
sylvischen Furche und der sie umrahmenden Windungaatücko; da- 
ist es wohl bedingt, d&Sfl die Insel viel weniger weit zutage Liegt 
i dorn Mädcheniridiirn. Vuch ist eine etwas reichere Gliederung der 
induugen des Stirnlappons nicht zu vorkennen. Die Zentralfurche ver- 
beim Knaben mehr geschlängelt. Die Interparietal- und erste 
mfurche sind auch besser ausgebildet. Endlich zeigen sich deut- 
i-liere Furchen im Hinterhauptslappcn, während auf der medianen Seite 
ine Verschiedenheiten sich bemerkbar machen. 

IV 

eh i rite von Drillingen verschiedenen Geschlechts, % 2 Knaben 
'"!i ungleicher Grösse und ein Mädchen (s. Katalog der Borliuer Ana- 
tomischen Sammlung Nr. 22 vom Jahre 1U02). 

Dai Gehirn des grosseren Knaben A wog nach Alkohol- Fonnol- 
lärtung HOy, das des kleineren Knaben i>4 (/, das des Mädchens 100 </. 
In der Ausbildung der Furchen und Windungen am Grosshirn des 

tösseren Knaben und des .Mädchens zeigen sich keine nennenswerten 
aterachiede. Auch das Gehirn des kleinereu Knaben zeigt knuin einen 
hud, abgesehen von einer etwas reicheren Gliederung der mitt- 
ren Stirnfarefce. 
chirne von Drillingen verschiedenen Geschlechts — zwei 
HAdehen von ungleicher Grösse und ein Knabe (s. Katalog der Berliner 
Anatomischen Sammlung Nr. l'3 vom Jahre 1902). 

Dti Ausbildung der Gehirne nach würden dieselben in den 8. Fetal- 
monut zu veneteea] sein. Die Hirngewichte betragen uach Alkohol- 
Forniol-Hnrtun<c 140 g für das grössere Mädchen, 130 g für den Knaben 
und 130 g für das kleinere .Mädchen. 

Mi lege das Gehirn de* Knaben der genaueren Boschreibung zu- 

unde. L>n_' Kissura Sylvii ist an beiden Hemisphären gut ausgebildet, 

ist vollkommen geschlossen. Rechts ist sie bedeutend länger als links 

r einen wohlausgebildeten hinteren aufsteigenden Ast, der links 




. 



270 



WnM- 



fohlt. Hehrere Nebenfareheu dringen aber von beulen Saiten 
nnchbarten Windungen ein. Die Insel ist kaum mehr sichtbar und 
bereit« vollständige Gliederung* Die Rolandosche Forche i-i beid< 
gl<*ichmnsstg uui ausgebildet, verläuft noch ziemlich gestreckt mit wei . 
Einkerbungen. Eine gleich •j.wu- Vushihluug zeigt auch die [nierperictsl- 
rnrehe, und besondere gnl Gegliedert ist das Relief des auffallend 
entwickelten Bcfclfifonl&ppene. Alle « i i-*-i Btirnwindungen sind gut sa> 
gebildet, An der dritten sind die bekannten drei Teile deutlich i 

:;. Bohr regelml icheint die Fitaure parietooccrpitalia. Recht« 

tritt in ihr auf der konvexen Beile der Hemisphäre eint' Tiefenwinduni; 

Bemerkenswert ist die noch geringe Ausbildung des II 
Lappens; links namentlich ist der Cuneus zu einem grossen Teil 
ganz glatt, wenn auch auf der AuBeenflaohe eine tiefe Querfurche (8uloaa 
oeoipitatis tranaveraua) in sein Gebiet srfisohneidet. Rächte zeigt n 
etwas grösser als links und roil mehreren kleinen Forchen veroehen. Der 
Sulcus oingoli, der Lobus paracentralis und der Praecuncua sind gut 
mißgebildet. Im Gyrus cinguli findet sich vom eine mittle 
ParallelfuTcbe. 

Dae Gehirn des grösseren Mädchens, welches um \1}g noch nach 
H.irtung schwerer Miel» ala d&fl dM Knaben, ist mich etwas volumii 

zeigi aber rn allen Stöcken steh FoilkoratneD gleich ausgebildet, sc dam 

man, abgesehen von individuellen Schwankungen, kaum einen unterschied 
statuieren kann, nur i*t die erste Btirnwindung links noch ziemlich glail 
um) frei von Nrhciit'urclieii. Die sylvische Furche zeigt sich rechts 
kürzer h!s links. Der Gyrus cinguli ist vom schmaler als beim Knaben 
dagegen tat die Ausbildung des Cuneus und des Gyrus liognalie weiter 
• ibritten als beim Knaben. Krwähnt nag anoh werden, duss in dem 
uuf der konvexen Oberfläche sichtbares Teile dar fisauw parietöoooipitalie 
rechtsseits auch eine Tiefonwiudung sichtbur wird, genau so wie beim 
Knaben* Auch ist Links der Sulcus occipitalis trausversus tiei ein- 
schneidend und gruss im Gegensatz zu rechts, wie das auch beim Knaben- 
gehim der Fall ist 

Das zweite weiblich« 1 Gehirn ist. entsprechend seinem geringeren 
Gewichte, auch au Volumen kleiner. 1 [ar> orzuheben ist bezQgllch des 
M'iiidungsverhaltens, dass die Fissura Öylvii beiderseits gleich lau 
scheint. Her Gyrus ciuguli ist weniger entwickelt als in den beiden 
anderen Gehirnen, namentlich links. 

Der Praeounona ist links grösser nls rechts, dafür sind aber rechts 
Cuneus und Lobus lingunlis grosser. Auch die Furcliung des Sohlfifen- 
lappens erseheint weniger ausgebildet. Sehr regelmässig erscheinen 
beiderseits die Stirnwindungen in gutt-r Ausbildung und die Sulci prne- 
ct'iitralis und retroeentralis, letztere an beiden Seiten <cl i deutlich. Cuneus 
und Lobus Lingnalis /eigen sahon Sparen einer Gliederung. Die [nael 
ttegl in geringer Ausdehnung noch mehr frei als bei den beiden aa- 
gtdrörigen Gehirnen. Fusse ich alles ausammen, so ist aber zuzul 
.!..-- aiicl dlesee Gehirn in seiner Ausbildung, wenn mnn der gcrii 
Entwicklungsstufe Rechnung trägt, welche durch sein Gewicht und sein 



Gehirne toti ZwilÜngsfrUchtei] verschiedenen Gwchlacata. 



271 



s 



5 



Volumen hinr e i ch end klargestellt ist, keine wesentlichen Unterschiede vi 
mi i Lowe zugehörigen Gehirnen aufweist. 

VI. 

(iehi . i»n 1 1 1 n -- t'oton verschiedenen Geschlechts 

zwei männliche und ein weibliches. 

Die Gehirne siml tarnt vun völlig gleicher Grosse und gleichem Qe- 

leideo -;■' wiegen muli der tl&rtung 58 nnd 690, das 5 60y. 

entsprechen dem Entwiekluugsstadium des siebenten Monats <les 

IVtiWfn I,.Im-ik-. wnsi auch mit den anantnestischen Daten >tiiiiii!t. Wem 

ie klerfltv erscheinen) alt* es diesem Monate bei einer Einzelfrucht i 

tm Zwillingen zukommt, so liegt das dtran, dass Drillinge meist 
im Waohstum zurückbleiben. Da sie in fast allen Mucken eine gleiche 
niil gute Lusbildnog »1er Furchen und Windungen zeigen, so verzichte 
ich mui' eioc eingehendere Beschreibung, liebe jedoch hervor, dasa in 
ii IfftUe abweichend von den Verhältnissen bd den beiden vorigen 
DrilUngagehirneo, daa Gehirn den weiblichen Fetus -in zwei Stocken eine 
geringere Ansbilduii^ /.»'ut uN da» Oehirn seiner Drillingsbrüder. Zunächst 
sind die diei Btirawinduageu mehr glatt and Beigen nur geringe Xeben- 
funlhii und Windungen Dann ist die Insol beiderseits noch mehr frei 
bei dem weiblichen Fetus als bei beiden Männlichen, doch ist der Untor- 
■ohied liier nur gering. Man könnte versucht sein, auch dem Scheitel- 
Ifippen eine Btwaa reichere Gliederung bei dem Gehirn der männlichen 
i d zuzuschreiben, doch erscheint mir dies so unbedeutend, dass ich 
davon lieber absehen möchte. 

Ich habe derzeit, als ich einige der Gehirne auf den N ersammlun^en 
er Anthropologischen I leseUsobaft demonstrierte, von einer Veröffent- 
Uohung Abstand genommen, weil ich damals nur über wenige Gehirne 
verfugte. Ich glaube, dass die Zahl von nunmehr drei Zwillinge- und drei 
Drülingsgebirneu verschiedenen Geachlecbts jetzt wohl eine eingehendere 
■ rtfffentliehnng rechtfertigen weg In dieser schwierig zu entscheidenden 
rage — man vergleiche das vorhin aus der Abhandlung von Kurplus An- 
gefahrte — dürfte eben jedweder Beitrag willkommen sein. Von der 
Wiedergebe von Abbildungen glaube ich absehen zu können, da die Ge- 
Inrih' im Berliner Anatomischen Museum aufbewahrt werden und dort 
jedem Interessenten zur YitIul'uh^ stehen. Aus dem Mitgeteilten dürfte 
' Ii and schon ohne weiteres der Schluss ergeben, das« die hier vor- 
egenden männlichen Gehirne awar für die Mehrzahl der Fälle 
in-- atwfta weiter vorgeschrittene Gliederung bei den Furchen 
nd Windungen der Grosshirnhemisp hären erkennen lassen, 
aber auch in einzelnen Fällen dieses nicht der Fall war, 
ass wir noch keineswegs in der Lage sind, von einem 
„geaetzmassigen Verhalten", wie es Rfldinger tut, sprechen zu 
können Ich muss vielmehr in dieser Beziehung noch den Ansichten 
vun Karplua und Tietzius 1 ) zustimmen, welche zumlcln-t noch viel 





272 



Bold; 



weiter ausgedehnte Untersuchungen ;in möglichst verschiedenem M-\- 
— auch Rassen waren hier sehr zu berücksichtigen — vi I »ml 

meinen, «Insu man bei den grossen individuellen Schwankungen, denen 
die Ausbildung der Hirnwindungen und Kurchen unterliegt, sieh böten 
, selbst bei Zwillingen und Drillingen, von diesen individuellen 
Schwankungen gaui abzusehen und Verschiedenheiteu. die sich Ei 
als lediglich im verschiedenen Geschlecht begründet aufzufassen. 

Sollte ob sich nach vielen übereinstimmenden Brgebnianoil in 
Tat als richtig erweisen, dass das Gehirn der Männer in der Entwicklung 
dem der Weiber voraneilt, so erhebt sich die Frage, ob dies nicht v<>r- 
/ ausweise dnmit zusammenhangt, dass die Bntwioklungakvttfto es bei den 
<f Feten mit einer grösseren Masse zu tun hnheu: denn es kann doch 
nicht geleugnet werden, dass für die Gliederung einer grosseren Hai 
derselben Hauptzeit andere Formen in die Erscheinung treten können 
und andere Unterzeiten massgebend werden können als für die Bewältigung 
einer kleineren Mass-' demselben Ziele zu. Soviel ist aber sicher, und 
ich möchte dies ausdrücklich betonen mit Rücksicht auf die von den 
Akademien der Wissenschaften unterstützte Bewegung zugunsten der K 
rieh tu ng besonderer Hirnforschungsinsritute. das« alle derartigen Forschungen, 
wie die Fragen nach Russen-, (iesehlechts- und etwaigen Entelligens- 
difforetizen, am besten durch das Zusammenwirken solcher Institute gelost 
werden können. Denn es leuchtet ein, dass vor allem nach einem einheit- 
lichen l'lnue gearbeitet werden inuss, wenn wir zu vergleichbaren Er 
uissen kommen sollen. 

Schliesslich richte ich au alle diejenigen Institute uud Arzte, welche 
in der Lage sind, weiteres Materini der Untersuchung engfiogig zu m&ehefl, 
die Bitte, gegeben enfallcs solches mir unter der Adresse der Anatomischen 
Anstalt, Berlin NW. 6, Luisenstrasse 56, einsenden zu wollen. Bei den 
Fruchten wären frisch die Scheitel-Steisslünge, die .Scheitel-Fersenlänire 
und das Körpergewicht, sowie das Geschlecht zu bestimmen und mir 
diese Daten mitzuseudeu. Dann brauchten nur die Köpfe der Früchte 
mit, sicherer Angabe der für sie geltenden obengenannten Maas*- und 
Gewichtsbestiininunu'en gesendet zu werden. Die Köpfe seilten nach vor- 
sichtiger Eröffnung in der Mittellinie des Schädels, so dass die Erluirtim-s- 
Hüssigkeit Zutritt hat, in eine AhlfprOBentlgQ Lösung des käuflichen 
Fonnols auf 8 — 10 Tage eingelegt und nach öfterem Wechsel der Lage, 
in Watte, die mit der Formollösung durchträukt ist, eingepackt verschickt 
werden. 

Die Erfinder i\ev Elsentechnik. 

III. Hrn. Belcks Schlusswort. 1 ) 

Ich freue mich konstatieren zu dürfen, dass auch i'nv Hrn. Bertholet 
die Juden aus der Reihe der für die Erfindung der Eisenteclmik in Frage 
kommenden Yölker ein für alle Mal auszuscheiden haben. 

Was Jesus Sirach 48, 17 über die Erbauung dos Siloah-Tunnels e 
scheint mir, so lange die Bedeutung von n e chosehot nicht absolut feststeht, 



in. j«- 
geb- 



schickt 



1) Vgl. S ?ll -.'.vi. Eist bmra Äbscliluss 4w Hcftw Bwpfgangen K. v. d. St. 



Erlindcr der Eisontechnik. 



273 



aa /u aifelhaft zu Bern; konnte dieses Wort nicht etwa unserem Aus- 
draok »Metall" Batsprechen? 

Am wkfaiigitan und freilieh Hrn. Bertholets Ausführungen über die 

Begründung der bisherigen Interpretation der Stelle I. Sam. 18, 17 — _'_'. 

dio, so klar und überzeugend sie auf den ersten Blick erscheinen, doch 

(feil Kern der SftChe nicht treffen. Dena es steht, bis zum Beweise des 

enteile, fest: 

IL dass kein Volk des Altertums jemals daran gedacht hat. ein 
anderes von ihm besiegtes und unterworfenes Volk dndurch in 
Abhängigkeit von sich zu erhalten, dass es die einheimisch. *n 
Schmiede gefangen mit hin weg führte; 
2. ebenso auch, dass kein Volk des Mittelalter! noch auch der Neu- 
zeit zu diesem Mittel je gegriffen hat, um jenen Zweck zu er- 
reichen; und 
i;i - kr genannte Zweck — wie ich auf S. 21*1 ausgeführt und 
mit Beispielen belegt habe — , auch gar nicht auf diese Woiso 
zu erreichen ist, sonach also wohl auch schwerlich jemals ein 
vernünftiger Mensch auf die ganz unpraktische Idee kommen 
kannte, auf diesem Wege den gedachten Zweck zu erreichi'ii. 
Sonach muss auf das Nachdrücklichste bestritten werden, dass 
„die Deportation der Schmiede ein beliebtes Mittel der Sieger 
gewesen sei, um sich der Unterwürfigkeit der Besiegten zu ver- 
sichern.'* 
Und wenn die Assyrer unter Asarhnddon und Asurbnnipal die „Waffen- 
küustler" Nordsyriens nach Niuive deportieren, so ist für diese Massregel 
nicht jene gar nicht zu erreichende Absicht als Ursache zu vermuten, 
»' «ädern die viel näher liegende, ebenso gewichtige wie die Aesyrorkönige 
in ihren Entschlossen bestimmende Tatsache, dass leistungsfähige und er- 
f;ihrem> Waffenschmiede in Stahl unzweifelhaft damals in Assyrien 
it was recht Seltenes waren, dagegen sicherlich sehr zahlreich und von 
hervorragender Tüchtigkeit in Syrien angetroffen werden konnten (mau 

Knke z. B. nur an Damaskus und Damasceuer Stahl!) 
Wir bestreiten also auf das Nachdrücklichste, dass die Wegführuug 
n „Wuttenkünstleni* aus Syrien (und Palästina) irgendwelche rein 
politische L'rsnchen gehabt hat; wir haben auch gerade von Sanherib 

Ifgl, d. Verh. L908, S 17 — 60) nachgewiesen, wie sehr ob dieser Assyrer- 
EÖnig veiMpjden hat, die metalltechnischen Fertigkeiten der von ihm 
bhleppteo syrischen Gefangenen auszunutzen. 
Da indessen die von Ifru. Bertholet verteidigte Interpretation eine 
iteingewurzelte und deshalb um so schwerer wieder zu beseitigende ist, 
ii seien hier bei der Wichtigkeit der Sache noch ganz kurz einige 
.1 iiiii wesentliche Schwächen derselben angeführt. 
/. ]'. würde doch die von der bisherigen Interpretation vermutete 
poUtfeehe Mnssregel nur durchführbar sein bei einem völlig unter- 
jochten, vou fremdländischen Statthaltern regierten Volke, was 
aber auf die von Nebukadrczsr berichtete Wegführuug von Schmieden gar 
nebt zutntlt. denn .ludaa blieb damals als Tributairstaat unter seinen 
/.. ittehrlfl nr Ethnoloci« j-hwi«« Hart» V^ 





27-1 



Ostok; 



eigenen einheimischen Königen ruhig weiter bestehen. Dass Joj 

und Zedekia nichts dagegen machen konnten, wenn Nebukadrczar, dd 
(lei in seinem eigenen Lande herrschenden Not an Waffenschmied« 
Stall 1 abzuhelfen, ein paar Hundert solcher Leute zwangsweise zur 
Wanderung veranlasste, ist ja selbstverständlich. Geradezu widersinnig 
alter wäre es jn von Xcbukudrezar gewesen, wenn er durah WegfÜhraag 
«Her Waffenschmiede Judäa hätte wehrlos und damit zu einer mühelosen 
Beute de3 stets auf der Lauer liegenden Ägyptens machen wollen! Ganz 
im Gegenteil musste er vielmehr dafür Borgen, den Filrsten von JudäA 
einerseits an sich zu fesseln — das geschah durch Beseitigung 
tiineu Königs und Berufung der Seitenlinie (Zedekia) zur Herrschaft — . 
andererseits aber ihn stark und kräftig zu erhalten, um in ihm einen 
Prellbock gegen etwaige ägyptische Angriffsgel Qsto zu haben, etwa so wie 
bisher Afghanistan als Pufferstaat von England gegen Kussland erhalten 
worden ist. 

Und wie wenig trotz jener Wegführung einiger hundert Schmiede 
Wehrkraft und Waffenbereitschaft der Juden geschwächt worden war, be- 
weist nicht nur das wenige Jahre später zwischen Ägypten und Judäa ab- 
geschlossene Hündin» — wofür doch wohl nur leistn ugsfähige Parteien 
in Betracht kommeu — , sondern vielmehr noch der bald darauf voll- 
zogene Abfall Zedekias von Babylon. Und Nebukadrezar braucht 1 
nute, um das angeblich wehrlos gemachte Jerusalem zu erobern! 

Was Hr. Berthol ot über dio geringe Bevölkerung Judäas um 
(JOO v. Chr. mutmasst, trifft wohl kaum zu. Denn die Folgen von Stt- 
heribs Kriegszug — der iu seinen arg schön gefärbten Prunkinschriften 
stark aufsehneidet uud die Zahl der tatsächlich gemachten Gefai j 
wahrscheinlich mit 5 oder gar 10 multipliziert hat — waren längst ver- 
schmerzt, und seit 700 v. Öhr. hatten unter Sanheribs Nachfolgern und 
bis <U0 v. Chr. Syrien und Palästina sich dann im allgemeinen eines so- 
uriunnteu „Friedens" zu erfreuen, bei dem das Land im wesentlichen 
nur ab und zu von „friedlich" nach und von Ägypten durchzieh- m <1< l 
assyrischen Heeren beglückt wurde. Der kurze Kampf Joaias gegen 
.Wein» bei Megidda kommt ebenfalls kaum in Heimeln, eo dass man wohl 
imgrossen und ganzen um 000 v. Chr. mit einer recht l&hlraj 
Bevölkerung Judäas zu rechnen hat. Und für eine Zahl von mehreren 
Millionen Juden sind selbstverständlich nicht 3 — 400, auch nicht 1000. 
sondern wohl 5 — 10000 Schmied« Anzunehmen. Denn jedes grossen- hurf 
schon besitzt heute wie im Altertum zum mindesten einen, wenn niebl 
zwei Schmiede; in den Städten aber pflegen die Handwerker noch viel 
dichter zu sitzen. Ich glaube deshalb nach wie vor, dass unter den 
10 832 in Jerusalem befindlichen jungen Leuten und Handwerkern, 
welche Nebukadroznr nach Josephus X, Kap. 7.1 als Gefangene fortfülm i\ 
lies 9 * woül vi©le, aber bei weitem nicht alle in Jerusalem ansässige 
Schmiede sieh befunden haben werden, ganz zu schweigen davon, das* iu 
dieser lächerlich niedrigen Ziffer die Sohmiedezunft des gesamten Judan 
inbegriffen gewesen Beiu sollte. 

^ ie mau ulsu auch die Sache betrachten mag, immer »teilt sieh die 



Erfinder der EisenUchm'k, 



275 



»» 



»lieh »politische* Massregel als eint« unmögliche Unterstellung dar, 
ftls em offenbaret Widersinn, Jen mau »loch nicht gut Jen Fürsten Jos 
Altertums, die reebf gul wussten, was sie taten, io die Schuhe sclii» be& 
darf. 

bleibt also dabei, d&M die bisherige Interpretation der Bibclstcllen 
IL Könige *JI, 14, lti und Jorem. 24, I; *Ji>, 2 eine mit den realen Ver- 
hältnissen nicht [a Einklang zu bringende und deshalb gegen die von 
mir gegebene) völlig ungezwungene Erklärung aufzugeben ist. Damit 
abei — mi'l das hl dir die vorliegende Untersuchung die Hauptsache — 
ist auch die bisherige Interpretation unserer Sammelstelle aufzugeben, 
v»eil mit den t.iiMichlichen Verhältnissen ganz unvereinbar. Und bis zur 
Beibringung eiuer anderen befriedigenden Erklärung wird wohl die von 
mir gegebene Geltung behalten. dergemäss zu Sauls Zeiten 

die l'lulister für die Jaden die Lieferanton von Stahl- Werkzeu-en 

und -Waffen waren. 
Auf die anderen sehr interessanten Ausführungen des Hrn. Bertholet 
komme ich an anderer Stelle ausführlich zurück. liier sei nur knrz Folgendes 
bemerkt : 

1. Josephus hatte unzweifelhaft sehr genaue Annale« von Tyrus zu 
seiner Verfügung, die ganz ebenso wie die Annalen Roms nur mit viel 

rer Genauigkeit abgefasst und* nach den Jahren seit Gründung 
ron Tyrus (Inscltvras?) datiert gewesen sind, gerade so wie man in 
Rom und an anderen Orten nach „Jahron der Stadt* rechnete. Für die 
QeaaBigkeit de* lyrischen Aunalen sprechen die vielen von Josephus 
uns überlieferten einzelnen Daten, insbesondere der Regierungszeiten der 
tvrisehen Könige. Sonach hat man wohl alle Ursache als zutreffend an- 
Eunehmen, dass in der Tat 2411 Jahre vor Saloinos Tempelbnu Tyrus ge- 
LTündt-t 'ddir wii*dcrgegrflndet?) worden sei. Wir haben also nur noch 
das Datum des Tempelbanefl genau festzustellen, um auch sofort das 
genaue Gründungsdatum für Tyrus zu bekommen; leider aber klappt 
dieses Hechenexempel trotz aller historischen Daten der Bibel, zusammen- 
gehalten mit den Angaben der assyrischen Keilinschrift einstweilen ab- 
solut nicht. 

2. Dber die Zeit der Einwanderung der Philister lassen sich positive 
Beweise zur Zeit wohl noch kaum erbringeu; worauf sich die Ansicht 
gründet, sie seien erst kürz vor Saul eingewandert, weiss ich nicht In 

tibel werden jedenfalls die fünf philistiiischeu Fürstentümer schon 
rar Zeil Joeu&i, nach der gebräuchlichsten Annahme also 150— *2o0 Jahre 
vnr Saul, als eine grosse uud zu fürchtende Macht genannt, deren Nieder- 
werfung den Juden nicht gelang. Bei den Alten aber findet eich die 
einstge i'rauchbare Notiz über dieses merkwürdige Volk bei Justin XVIU. 
3, der uns mitteilt, dass die Sidonior, von dem Könige von Aekalou (eben 
dei fünf phiÜ8t4i80hen Fürstentümer) im Kampfe besiegt, bei Tyrus 
landeten, und diese Stadt ein Jahr vor Trojas Fall erbauten. 

Lässt man diese Angabe des als gewissenhaft gerühmten Trogus 
Pom pejus als richtig gelten — und es lieg! kein stichhaltiger Grund vor 
•ii- / . ifelu — sti rückt die Zeit der Einwanderung der Philister 

I8 # 



276 Belck: 

erheblich in die Höhe. Der Behauptung Hrn. Bertholets, die Philister 
könnten als Erfinder der Eisentechnik nicht in Frage kommen, weil sie 
angeblich erst um oder kurz vor 1100 v. Chr. und jedenfalls nach dem 
13. Jahrhundert v. Chr. (sonach also denn doch wohl im 12. Jahr- 
hundert t. Chr.) in Palaestina eingewandert seien, fehlt soweit also m. E. 
die Grundlage. 

Im übrigen zeigt sich immer deutlicher, das» je mehr positives 
Material zusammengetragen wird, mit um so grösserer Bestimmtheit auf 
jenen östlichsten Teil des Mittelländischen Meeres als dasjenige Gebiet 
hingewiesen wird, in dem wir vorderhand die meiste Förderung für die 
Lösung des uns beschäftigenden Problems zu finden hoffen dflifen. Jeden- 
falls ist die von mir unternommene Einkreisung der dem Kulturkreise 
des Altertums angehörenden Völker bis jetzt an keinem wesentlichen 
Punkte durchbrochen werden. 



I. Literarische Besprechungen. 






lelelfter (HB Danmarks Antropologi udgiret af den Antropologiske 
Konnte" red Dr. plil II- P. Steensby. I Bind. I. Afdflling. MCMVII. 
Forlngt af <i. E. 0. <Ja<l, Kobcnhovn. 8 9 . 



Im Jahre l'.OI wurde von den Herron Generalarzt Laub, Professor Westergaard 
und dem Polizeiarzt S*-rcn Hansen ein dänisches anthropologisches Komitee gegründet, 
midies es sich zur Aufgabe stellte, dun antliri>[imiietrinrhen und Rassencharakter der 
■länischen Bevölkerung zu untersuchen und die Ergebnisse cu voröffentlichen. Bisher 
&ind iro ganzen Messungen an 5000 Personen beiderlei Geschlechts aus den verschiedenen 
Altersklassen und all»n Teilen des Landes veranstaltet worden. Der vorliegende I. Toil 
■ ! Bandes bringt nun die folgenden drei interessanten Arbeiten. 

Dr. M ao kepraug, Polizeiarzt, veröffentlicht eingehende Untersuchungen ülier die 
Geisse der danischen Wehrpflichtigen. Durch Benutzung der dänischen Kon- 
■kriptioBaHaffm konnte nachgewiesen werden, dass in dou letzten 50 Jahren die durch- 
-■rhmttlieho Grösse der erwachsenen Dünen um 3,Üli cm zugenommen hat und zwar stetig 
fi em jährlich, dos ist von 105,24 cm in dein Zeitraum 1852-50 zu 109,11 0M in 
di'n Jahr<Mi lltul— 0.">, — Die durchschnittliche Grösse eines ganz erwachsenen Danen im 
Alter von 21 Jahren variiert heute zwischen 109 und UID^Ö c<«. — Diese Zunahme der 
Bevölkerung, wie ^ie ähnlich in Schweden, Norwegen uud Holland konstatiert ist uud 
wahrscheinlich auch sonst in Kuropa nachzuweisen sein dürfte, wird mit Recht als eine 
Folge der sozialen und wirtschaftlichen Fortscurittc im Lehen der Völker augea^ben. 

S»»ri»n Hannen untersuchte den Einfluss des Geschlechts auf die Grösse des 
Kopf Oft. Absolut genommen ist der Kopf des Mannes im Durchschnitt langer (198,5} 
lud brate 158,7}, als der des Weibes (184,0 und Ifi0,5)j relativ zur Körporgrüsse i-t du 
VethUtttil umgekehrt, denn die Kraa ist nur 159)23, ''er Mann 169^16 cm gross. Dies ist 
aber kein Gesehleohtscharakter, da die Breite des Kopfes mit der zunehmenden Grösse 
r Geschlechter abzunehmen seheint, — jedoch bedarf es noch weiterer 
Untersuchungen, um dieses Gesetz festzustellen. 

l»r. Steensby teilt vorlaufige Betrachtungen über diu Rassenfragc in 
der dlnischeu Bevölkerung mit 

Dt diu heutige Bevölkerung Europas durchweg gemischt ist, so fragt es sich nur, 
von welchen Urtjpon oder Rassen sie herstammt. Die Hasse, als erblicher Gosamtrypus, 
L .mii aber nicht nach einem Merkmal, auch nicht nach einer Generation, sondern nur 
nach vielen, bis in die prähistorische Zeit hineinreichenden Generntionen beslimmt worden, 
r neolitbischen Zeit hat sich die Bevölkerung in Skandinavien nicht geändert,. 
Damals schon stand sie auf der Stufe des Ackerbaues mittels Pfluga, welcher wahrschein- 
lich durch Einwanderer eingeführt worden, als die Ureinwohner noch Jagcrstämmo waren. 

ttbj fand nun bei seinen Untersuchungen lebcuder Danen uuf Fäuen» den Inselu 
in h'jttognt und in Jütland ausser Vertretern der alpinen brachycephalen und der teuto- 
nischen dolichoccphalcn Rasse, welche er mit dem Cro-Magnon-Typ für identisch hält, noch 
I DJti n fliitt.'n Typus, der am stärksten vertreten war und folgende Charaktere besitzt: blaue 
Augen, mittlere Haarfarbe zwischeu hell und dunkel, grosse Statur, schräg gewölbte Stirn, 
vorstellende arcus superciliares, ausgeprägte Schlafenlinien, kreisförmigen Horizontal umfang 
und Brnehycephalic, — d. i. der HoTrebytypns. Diese Ableitung ist schon etwas kühn. 



278 



Literarische Besprechungen. 



da wir den Borrebylvp nur ton prahistoriacbeu Schädeln her kennen und nicht wiaeu 
welche Farbe die Augen nnd die Haare zeigton. 

Wenn nun über der Borrebytvp gar auf den NcandertaltTp curückgefulut wird, ili 
neandertalofile Kopffonnen sich bis mif die Gegenwart in Kuropa vorfinden, so fit 
der Verf. ganz, dass Schwalbe durch die verschiedene Calottcnhöhe eine grosse Kluft 
zwischen dem Neandertaler und allen rezenten Menschen nachgewiesen hat. Nach 
Steenabv soll der Borrobytypus der älteste in Westeuropa aefco, dann folgt die tin- 
wanderuug des Cro-Maguontypus Ton Südwest-Europa und Südfrankreich und zuletzt da 
alpine Typus von Kleiuasicn her, der erst das Rind, den Pflug und das Koni mit- 
gebracht hat. — 

Diese letzte Annahme Iflsst sich schwer mit der Tatsache vereinigen, dl 
die laugschfidebgtm Neolitluker „de» Cro-Mugnontyp* die I'llugnirUehaft kannten unl 
ppiiter kein Wechsel mehr stattgefunden bat. 

Der Verf. sieht selbst diese ganze Arbeit als einen Versuch an, der eingehender 
Prüfung unterworfen werden mnss. Wir möchten indess derartige Konstruktionen (vir 
verfrüht halten, so lange die Voraussetzungen, auf welche sie sich stfitzen. nicht als Tat- 
sachen anerkannt sind. Lissuuer. 



Breysig, K. Die Geschichte der Menschheit. Bd. I. Die Völker ewiger 
Urzeit. Erster Band. Die Amerikaner des Nordwestens und des 
Nordens. Mit Karte. Berlin 11*07, Bomli. 

Die Darstellung einer Gesamtgeschichte der Menschheit mich ethnologischen Ge- 
sichtspunkten, die nicht Handlungen sondern Zustande, d. h. Handlungsweisen ent- 
wifklmigsgeBchfchtlich in inneren Einheiten zusammenfasst und somit auch bis zu den 
Anlangen der Kultur zurückgreift, ist ein so gewaltiges Unternehmen, dies achnn dir 
Versuch in hnhem Masse dankenswert ist. Wie sollten nicht aus inniger Ver- 
knüpfung von Geschichte und Völkerkunde neue Einrichten zu erwarten sein. 

Der etwas -»Mnlite Sprziultite] des ersten Teils des Breysigschcn Werk? tiu-Ui 
seine Erklärung in der Anscbaitung des Verfassers vom Stnfenbau der Weltgeschichte, 
die das Gewicht nicht auf die Zeitraums sondern auf die gleichläufigen Kulturpcriodcn 
legt, die jeder Teil der Menschheit für sieh ohne Rücksicht auf chronologische Folge 
durchlaufen hat. Urzeit — Altertum — Mittelalter nnd Neuzeit bilden solche S(N 
au denen jede VftMkergruppc für sich empor stieg. Es entstellen also parallele Ent- 
wicklungsreihen unabhängig von Zeit nnd Kaum. Wir gelangen zu einer Zusfornls- 
geschichte, die auch die fälschlich sogenannten .geschichtslosen* Völker, die Naturvolk- r 
mit umfassen, ja truuz besonders berücksichtigen mnss, da bei ihnen die. Keime der 
späteren Entwickelungen vorgebildet sind. Demgemäß betont der Verfasser .'In- RerM 
der Urzeit auf Geschichte" schon, weil in ihren Vertretern die Jugendzeit der asiatischen 
und europäischen Völker sich wioderspiegelt. Er widerlegt die Einwände, da*e solche 
Völker ohne Ein Aus* auf die Gesittung der Europäer geblieben seien durch den Hinweis, 
das* sieh schon jetzt eine Beeinflussung unserer Kunst durch die der prifnJrlVfifMI Völker 
voraussagen lasse nnd wahrscheinlich auch fär Ucligton und Gesollsehaftszustflnde solche 
Rückwirkungen erkennbar seien. Mit dieser Art der tiesehicht-hetrachtung, d r M 
erster Linie auf die Formen und Weg© der geschichtlichen Entwicklung ankommt. bM 
der Verfasser bisher zwar nicht ungeteilte Anerkennung bei seinen Fachgenossen p€- 
funden, wohl aber wird die Ktlimdngii- ihm beipflichten mQssen, da ihr als vWgJffolMtldef 
Wissenschaft die Theorie der Stufenfolge schon l&ogst vertraut ist Das Problem der 

unbedingten VflTglsiehbflrkett im (Marntgncheheu wird im vorliegende!] Werke zum 

erstenmal ernsthaft in Angriff genommen. Darin liegt das Hauptverdien^ dM V« 
fassen. Inwieweit n RelM alrd, lis*t sich nach dem ersten Bande noch nicht voran- 
tagen. Es itt sogar fraglich, oh der betreten« 1 Weg der richtige ist, Bezüglich ihr ill- 
lawcitun Ausdehnung des Begriffes .t'rzcitalter", das die Ycischiedcnartigatcn Kultur- 
stufen nnd Bildungen umfasst — eine weite Kluft trennt Australier und Ituschmain ron 
Irokesen oder I'ncbluindianer — hat der Verfasser selbst Bedenken und erkennt d 






Literarische Besprechungen 



•27* 



xot< 



Tiforiselio diese* Begriffs an: immerhin entsteht ans dieser unsicheren Definition 1 1'iir «las 
Werk Brejsig's der L'belstand, dasa sich gerade die als Typen gewühlten amerikani-iliou 
Volker im weitesten von urzoitlichen Verhältnissen im engeren Sinne entfernen. Sowohl 
>'nrdw' ';•! i rik;tn<T eis Eskimos sind eigenartig entwickelte Ableger, Sonderbildungcn 
rs amerikanischen Grundstocks, sekundäre Aiipasaiingifuniieu an bi'snndrre Natnr- 
ingungen Lag es aber im Plan de* Werks, die Nordwestamerikaner (Tliukit, Haida. 
KwakiutD in den Vordergrund in stellen, also mit den „Kolumbianern"' zu beginneu, so 

Itii Rteht die hochentwickelten Tlintit, Haida oder Kwakiutl, sondern die die primitive 
Stufe dieser Kultur darstellenden Selish dos Innern (die sogenannten Thompson River, 
Indianer und ihre Verwandten, ober die wir die trefflichen Mono^raphieeu von Teit 
besitzen, den Ausgangspunkt bilden müssen. Noch mehr. Es hatte, sicherlich der Theorie 
des Stufen bau* mehr entsprochen, zunächst die primitivsten Stamme Nordamerikas die 
I'im;i S.H. Mohäre, Culifornier (bes. Sbasta nnd Maida) zusammenfassend in behandeln. 
Auf diese uls unterste Schicht wurden die nördlichen Athapnsken und die Prikrieindiauer 
in folgen haben. Dann erst käme die Reihe an die Nordwestatflmme und weiterhin die 
Völker der NVuenglundstaatcn and des Südostgebietes. Ihnen gleichwertig, aber als be- 
sonder* Bildung gegenüberstehend würden dann die sogenannten Pueblostammu den t ber- 
gan £ fur mexikanischen Kultnrwelt vermitteln. Üb eine solche vollständige Darstellung 
der amerikanischen Völker überhaupt im Plane des Werks liegt, ist indessen nicht in cr- 
- -ti» n Zunächst wird nur die Besprechung der Irokesen in Aussicht gestellt. Ethno- 
logisch unzulässig ist die Zusammenfassung der Eskimo und Athapnsken iu einer Gruppe 
der Nordländer. Beide haben gar nichts miteinander zu tun, standen vielmehr von je Inr 
im schroffsten Gegensatz. Auch ihr gegenseitiger Kulturanstausch ist verhältnismässig 
ganz unbedentt-ji 1. 

I'iV Schildernng dor Kulturzust&ode und des geistigen [.ebens der bchaadelteu 
Völker ist mit Liebe und Sorgfalt durchgeführt, wobei die Darstellung sich rieht gelten 
au poeUadiem Schwünge erliebt. Es wirkt in der Tat wohltuend, den Historiker eich 
einmal der geschich'slosen Menschheit annehmen und dem Dunkel des Kulturmenschen 
manche Lehren erteilen zu schon. Tür die Kunst der Kolumbianer ist leider die grund- 
legende Abhandlung von Boas: The decurutive Art of tho Indiana. Bull. Am. Mus, New- 
Yurk l>-97, unberücksichtigt geblieben, ebenso vermisst mau für die EBkimokunsr, der 
der Verfasser Oberhaupt nicht gerecht wird, ein Eingehen auf die ausfübrlichen Arbeiten 

tu II 'ffmann (Graphic art* of tho Eskimo) und Holm (Ostgrönland). 
Die Darstellung der allerdings Äusserst schwierig in durchschauenden GeBcllscbnfta- 
ganiautiou und die daraus entwickelten allgemeinen Anschauungen über Clanbildung 
id Familie leidet an grosser l'nklarheit. Der Verfasser holt sieh dabei allzu streng an 
;< t/i in wesentlichen Punkten als veraltet geltende Morgan'schc Schema und übt 
luufig unberechtigte Kritik au den Angaben seiner Gewährsmänner Boas, Swnnton 
n, a) für die sein Rüstzeug entschieden unzureichend ist Probleme, wie die Entstehung 
der Sippen uud Altersklassen, sowie ihr Verhältnis zu den Geheimbünden lassen sich nur 
auf breitester Grundlage erörtern. Im vorliegenden Falle hiltte M einer vergleichenden Be- 
:rarhtung der analogen Erscheinungen bei den Präricindtanern und Pucbloatammen 
bedurft. In dem Absahfittl über Mjthnlogio und .Glauben* — nebenbei bemerkt ein 
u iruaHtrcAmdaZ Ausdruck — folgt der Verfasser den in seiner Schrift über den 
Gottesgedanlen und Heilbringer dargelegten Anschauungen über die Entwicklung des 
nÜxreiefaen Tiorwesons «um Heilhringer und Gott, äussert sie freilich in weniger schrotior 
Form als dort- Dass diu Sonnen- und Himnielsgöttcr einiger Stämme zu seiner Theorie 
-..'luegwegs passen, entgeht ihm nicht. Auch mit der Sednn der Eskimo weiss er 
nichts anzufangen. Yerpersönlichung von Sonne und Mond auf primitiver Stufe leugnet 
er Bfttn wii« roi allen ethnologischen Erfahrungen auf der ganzen Welt zum Trotz und 
ll der Kritik des Referenten in dieser Zeitschrift (1906) mehrfach Bemerkungen ent- 
gegen, die die Sache nicht fordern. Dio Entscheidung mosa der Zukunft und ein- 
Badcvra mythologischen Studien des Verfassers überlassen bleiben. In einer H< - 
i'Jnmg nähert sich Brevsig schon jetzt der Auffassung des Referenten, sofern er den 
[fkfmfl die V<rr)iT5önlichnng einer AUkraft, d. h eines [obegrlfli aller Zauberkräfte zu- 
vibt fa. 9, 148, J5S), wobei er sieh zugleich so sehr in Übereinstimmung mit 




280 



Literarische Besprechungen. 



Andrew I.angs Ansichten >etzt, »laus sein scharfer Ausfall gegen diesen Forscher 
(S. 458j recht unangebracht ist, abgesehen davon, dass dessen Theorie seither sich immer 
wieder aufs Neue bestätigt hat. 

Die Kapitel über geistige Kultur, Dichtkunst, Tan* und Gesang der PtWlTTT gel. 
zu den gelungensten des Buchs. Ebenso iat der die Definitionen der soziologischen uui 
anthropologischen Hilfsbegriffe zusammenstellende Anhang sehr verdienst voll. Nmi 
verdient hier dio richtige Deiinition des BoaaenbegrilTfi im Gegensatz zu den konfuse» 
Idnii mancher Fachleute volle Anerkennt in £ 

Einige [rrtüim r sind vielleicht nachträglich auszumerzen. So die Angab«, das» diö 
Eskimo au ihren Kavaks Walfischrippen verwenden, statt Fischbein (Winde booo) 
and dnss nztekieche Einflüsse auf die nordwestninerikijnische Kultur zu vermuten 
seien. Dieso Ansicht ist gänzlich unbegründet und wird mich von keinem Fachmann ver 
Irrten. Eino gewisse Willkür in der Nainengobutig tritt auch in dieser Arbeit hervor. 
Bo W dio Jlezoichimng Kolumbianer für die Nordwestam«rikancr unzulässig, seitdem man 
sich gewohnt hat, die Bewohner der südamerikanischen Republik Kolumbia so i 
Utohpen. Außerdem haben gerade die vom Verfasser speiicll behandelten Tlinkit ifo» 
mals zu Britiseh-Kolumbia gehört. Der allerdings wenig wohlklingende Nun 
Dlluious Bu/bakualanu^siwac, hat sich sogar eine Verstümmelung zum binare 
4'hsiwno gefallen lassen müssen! Auch die Signaturen der Karte sind wenig korrekt. 

Die Darstellung, obwohl sprachgewandt und schwungvoll, ist etwas allzu weit- 
sehweitig und vielfach schwer verständlieh. Referent gesteht, dass ihm grösser« fcb> 
schnitte ganx unklar geblieben sind. Doch wird sich riellfiiclit «I- r ßosiolog edel 
Historiker vun Fach leichter zurechtfinden. Die übertriebene Abneigung des VtrfiUNMH 
gegen Fremdwörter trugt nicht zur leichteren Lesbarkeit bei. Über dio Zwi'ckmassigk'it 
einer solchen Sprachreinheit io wissenschun liehen Werken lusst sich streiten. Wörter, 
wie „Aushegattuugsgebot- statt Eiogamio, sind schwerlich all Bereicherung des deutschen 
Sprachschatzes anzusehen, 1*. ährenreich. 



Peoliuf'l-Loesclie, E., Volkskunde von Loango 482 8., 4 Tafeln und 
Abbildungen. Stuttgart. Streoker 4 Bchroader. 

Als letzter Band, oder wie es der Buchhändler nennt, als zweite liSlftc d« dl 
Abteilung des Werkes der I.oangooxpedition erscheint das vorliegende ßueh. Ein Menschen- 
alter ist es her (18711- Td mildem di erafe grosse deutsche afrikanische Forsjchnpgl- 
oipedition hinausging und heimkehrte. Kaum wird die jüngere (ieneration, namentlich 
in unserer schnclllebigcn kolonialen Zeit etwas Genaueres von ihr wissen, und daher soll. 
unr knrz erwähnt werden, dass ihr Zustandekommen hauptsächlich der ungemein rührigen 
initiative unseres Alt meistens Bastian zu verdanken war. der auch dio Deutsche »ioselUrhaU 
zur Erforschung Ätjuatorial-Afrika'H, aus der spater die Afrikanische GeeeHeeaeft iu 
Deutschland wurde, gegründet hatte. Unter anscheinend sehr günstigen Auspizien, denn 
für damalige Ytrhiiltnisse waren grossere Summen zusammengebracht worden und nicht 
nur das Interesse der Fachkreise, sondern auch der allerhöchsten Stelle folgte ihnen, traten 
die Mitglieder die Heise au. Im ganzen haben der Expedition acht l'ersonen angeln V, 
davon allerdings einige nur kurze Zeit Die Namen Qüssfeldt, Falkensteiu, 
FechuM-Loesche sind noch honte in Erinnerung der 'Zeitgenossen, bei einigen auch die 
von Soyaux, sowie von Linduer und von Mcchow, namentlich, da die letzteren beiden 
später noch Reisen ihr die „Afrikanische Gesellschaft" unternahmen, wenn auch Mecfaow 
bei der Loangocipcditien kaum in Betracht kam. 

Die Expedition tollte U des l.onugoküste einu wissenschaftliche Station -i ■ 
und ferner von hier Vorstösse in das Innere unternehmen. Zu dem letzteren Punkte muss 
man sich vergegenn artigen, das» damals dio geographisch-wissenschaftliche Welt durch 
zwei Entdeckungen in Afrika aufgeregt war, die des Dßlla von Schweiufnith und des 
Lualaba von Livingstone. Wohin tiesson diese rätselhaften Sttöme? Das Geheimnis 
dej Ki.ngolaufes war noch nicht entschleiert. Nun, grosse Entdeckung:' Esel zu machen 
ist (Kr Expedition nicht vergönnt worden und daher mag es wohl gekommen sein, 
dass mau über deu Erfolg enttäuscht war und öfters von Misserfolgcn sprach, ohne zu 



Literarische Besprechungen. 281 

daran Schuld halte, Jedenfalls traf fliese nicht die wissenschaftlichen Leiter, 
oigOMrtigen Wrliiiltiii-se in »1er Heimat uurl unvurhergeseheae Zustande 
dmassen waren das Hindernis:; fii die Erfüllung der letzteren Aufgabe. 

Von MMT gut geleisteten Arbeit begabter Forschor im Sinne der ersten Aufgabe 
zeugen über die Veröffentlichungen der Loangocxpedition, nnd zwar stammt der erste 
Band (232 S.) von Di. Güa&fcldt, dem zuerst ■fHgnMilldtflP| wissenschaftlichen Leiter, 
einem erprobton KorsehuugBreiaendpn. sowio der zweite (18?» S.) von dem tüchtigen Medi- 
ziner Dr. Fnlkenatein, der etwas später hinaus ging, uud der dritte Band, 1. Teil 

■im l»r. Pechuil-Löfche. Die beiden ersten Bände sind 187!), der dritte I 
erschienen. 

Diese Inr eine Buchbesprechung etwas ungewöhnliche Vorrede mnsste mm Ver- 
sjttndni- Am folgenden gebricht werden. Von der afrikanischen Gesellschaft hatte 
;che bei ihrer Auflösung n»eh »'ine Summe für Veröffentlichungen erhalten, 
'iani zoftllig erfuhr der Schreiher dieser /-eilen vor 17 Jakren mal von einein generösen 
Verleger, dass er sehnsüchtig nuf das Manuskript des lefzten Teiles der I.oangoexpcdition 
aber W -tarn daiiibcr hin und als nun 1907 das Buch erschien, da mag bd 
manchem die Frajre aufgetaucht sein: hat es jetzt noch Zweck, ein Buch über die langet 
-■.ingene Expedition zu veröffentlichen, wird es nicht vieles Veraltetes bringen und 
ist m tticol Kboa durch die Verhältnisse bei den grossen Veränderungen in Wcstafrika 
rholl ? Ich erwartete Ton dem Autor gutes, indessen auch mich hosehlich anfangs ein 
Zweifel, ob die Heraujgabe des Werkes noch zeitgemäss gewesen ist, Aber 
B Zweifel wurde schon beim Eindringen in die ersten Abschnitte beseitigt und als 
das Buch ganz durchstudiert hotte, da trat bei mir ein Gefühl des Dankes für den 
YrrfoMer hervor, dara er doch noch die wissenschaftlich« Welt mit seinem Werke b#» 
ßlücfct ha«-? nnd ein Gefühl de« Bedauerns, dass der Autor, wie er in der Vorrede sagt, 
aus bucbtechaischcn Grüuden, damit dir Band nicht nus dem Rahmen des Werkes heraus- 
falle, nur die BAlft* seines Materials veröffentlicht hat und uns das übrige for- 
•:nthfllt<'n blieb. 

Ich fttUMi nicht an, die in dem vorliegenden Buche enthaltenen Beobachtungen mit 
als die besten nnd wertvollsten zn bezeichnen, die bis jetzt nuf diesem Gebiete geleistet 
). Die*e ftfogekendea Forschungen Gier das Seelenleben der Dulioti legen von dem 
Weise t BMJ & t I -ahigkeit des Verfassers ein ausgezeichnete* Zeugnis ab. Um so höher 
' tfeM Arbeiten zu schätzen, als die Ethnologie damals noch in deu Kinderschuhen 
lltckra und es kaum in Deutschland eine Stelle gab. wo man sich gründlich in die 
rteuentstandene Wissenschaft einarbeiten konnte. 

Wie unendlich viel leichter haben es jotzt diis jDugereu eth unlogischen Forscher! 
x V>» MM ICeiaen in Afrika ist gegen früher ein Kinderspiel, und heutzutage kann sich 
jeder in Deutschland genügend und vielseitig lür dieses Fach wissenschaftlich vor- 
bereiten. 

Freilich sollen auch hier gleich die Umstände erwihnt werden, welche Pechucl- 
Ii« die Anstellung solcher schönen Saminlnngen gestatteten nnd erleichterten. Als 
' aurlorscher alter Schule prädestiniert zum Beobachten hatte er. schon grössere Keisen 
uoter Naturvölkern in Amerika, Asien und Ozeauien hinter sich. Er hatte ferner bei 
dem mehrjährigen Aufenthalt anf der Station viel Ruhe und Gelegenheit zur Arbeit, er 
wurde mit den Eingeborenen genauer bekannt und konnte in ihr Innenleben eindringen. 
E* zeigt sich hier wieder der ungeheure Vorteil einer mehrjährigen Arbeit von einer 
Zentralstelle ans Wie der Zoologe zur genauen Erforschung einer Gegend, namentlich 
wo es sich um die niedrige Tierwelt handelt, nicht nur einige Monate, sondern mindestens 
»He Jahreszeiten ausharren musa, so braucht auch der Ethnologe ausgiebige Zeit. Ein 
1 orschnngsreisender auf Erpeditionen war friihpr mit den verschiedensten wissenschaftlichen, 
uud was oft am meisten Zeit nahm, auch roieelechnischen alltäglichen Arbeiten wahrend 
Hirsches belastet Er blieb nur Wochen, höchstens Monate uu einem interessanten 
Ort und hatte daher selten Müsse zu so eingehenden Studien. Dies trifft in diesem Fall 
nicht zu. 

Der Verfasser hatte sogar bei einer zweiten Heise nach Sfldweslafrika nicht nur 
•iegenheit bei den Hereros schönes Vergleichsmaterial zu sammeln, sondern er berührte 




382 



Literarische Besprechungen. 



audh Loango nach sechsjähriger Abwesenheit wieder nnd hat eine Anzahl 
<Jurch Mitarbeitern in Afrika, deren Namen er angibt, noch nachträglich klaren I 
vollster Uuhe hier alles noch nachprüfen und bearbeiten können. 

Volkskunde von Loango nennt Pcchuel-Lösche diese ausgesuchten nnd fr 
kl&rtun Beobachtungen. 

Wenn wir nun den Titel wörtlich nehmen, da mochte der aufmerksam.? Leser sag«i 
duss für eine Volkskunde im landesüblichen Sinne doch noch so manches fehlt. 

Wir vermissen die Schilderungen von so manchen wichtigen Vorgängen am -l.ni 
allt-figHchcn und epochalen Leben der Buiioti, dem Stamme des dunklen Menschen tun 
Gegensatz in Badnndu, den hellen), die sieher vom Autor beobachtet sind. 

Aber er bringt eben, wio er in der Vorrede sapt, einen Auszug und da bat er £e 
ihm wohl am interessantesten scheinenden und, wie hervorgehoben werden soll, die 
schwierigst zu beobachtenden Punkte aus dem übernatürlichen Denken und Fahlen dir 
Loaugonegcr herausgegriffen, so riass sein Buch nicht nur eiue Fundgrube ausgiebigst' r 
Art für den Afrikaforschor, sondern für jeden vergleichenden Ethnologen und Myi 
logen ist. 

Aus der Füll« der wichtigen Angaben nun etwas herauszugreifen, ist schwer uml 
kann nur den Charakter oinor Stichprobe haben. 

Wir linden über das Wesen der Outtln.it, der Fetische Uf. BO vieles, dass man es 
eben durchlesen muss. Die Buiioti haben keine Götzen, sondern nur Fetische. Dm 
Wesen derselben schildert der Verfasser ausführlich, wie so vieles. Geradem packend 
sind eine Anzahl von Kapiteln ober Vampyrglauben, Seelenleben qbw. Interessant ist es 
dasB bei den Bafioli, wio noch bei einigen wostafrikamschou Stummen eine MuimliiieronL' 
der Fürstenleichöii stattfand; die Art der Verpackung der Leichen erinnert beinahe u 
die der Inkas, sowie ein Staatsfeuor an das heiligo Feuor der Herero. Wir lernen die 
Gottespfnde und manches Neue kennen. 

Der Musik nnd den Musikinstrumenten sind aneh ein Abschnitt gewidmet. Bfolgi 
der Melodien, von denen die Noten gegeben sind, haben beinahe europäischen Anklang 
In der alten Literatur hat sich der Verfasser gut umgesehen und er lieht sie mt- 
schicdentlich xnm Vergleich heran. Um anthropologisch nur etwas herauszugreifen. totl 
bei dem Kapitel der Hautfärhung blos die beobachteten auftretenden indigoblanen 1 leafa 
in der Mundhöhle, nnd bei Erwähnung der hallen Flrbuog der Neugeborenen, die 
dunklen Stellen nm Kreuz und üesäss usw. genannt. IHc Herkunft der Loango ist na 
türlich nnch nicht, aufgeklart. Mit Benin, zu dessen Blütezeit, müssen sie in einem ge- 
wissen Zusammenhange- bzw. iu Beziehungen zu diesem Reiche gestunden haben 
Barbot schreibt ferner von den Handelsbeziehungen der Pombuiros nuch Osten and Süd- 
osten bis zum indischen Ozean. Bei den Auslassungen über Industrie, die übrigens leidi-r 
nicht eingehend behandelt, sondern nur gestreift wird, geht hervor, dass die Loango nicht 
nur die kunstvolle Bearbeitung der Metalle, wie einig.» Kongostfimme, sondern auch 
das Giessen über die verlorene Form kennen oder kannten. Die kunstvolle Mattenstoff- 
waberei zu Bukleidungszwecken findet mau bekanntlich auch im Kongogebiet (l, B. Im 
den Baiuhu). Aber diegrossen Wanderungen und Völkerschiebungcn, die in Afrika IM 
Norden reap. Osten nach Süden und Weateu und dann wieder nach Südosten usw. statt- 
gefunden haben, sind noch nicht genügend festgestellt, um endgültige ScMussfolgerun^en 
yuzula*scu, Von der bekannten Elfenbeinschnilzkunst der Loango gibt *r mehr 
hildungen. Kr erwlhat auch das in Elfenbein geschnitzte Madonna. Dabei darf mau über- 
haupt niflbt ▼ergossen, was auch FechuM-Lösche verschiedentlich anführt, das« so 
manches von den Europäern durch die Neger aufgenommen wurde. Im benachbarten I 

bestanden \ur Jahrhnnderten christliche Königreiche wann auch AU 
wieder zum IL'idcnt.ume zurückkehrten, so blieb doeh so manches zurück. Ob nun di" 
Btraü ttol Kreuzigung, sowie, des Verbrennens der \orhm* beim Oiftprozrss gn 
Hexen auf chrifltUohefl Einlluss zurückzuführen ist, wio dor Verfasser mfint, bltSbt 
dttMogUtoUt, doch auf alles kann nii gangen werden. Eine Fülle von Bcobaeh- 

tnngen bringt P. auch für den ethnologisch vergleichenden Kcchtswisseoschaftler i B 
daa Erdrecht und vieles mehr. 

Es soll nur nochmals dara*f hingewiesen werden, dass das Buch trotz vieler l'm- 



I Tische Besprechungen. 

indcrimgpn. die seit der Expedition an der Loangoknete vorgegangen sind, tiiclit an Wert 
verlorn), londerfl thn DOCli gewonnen hat und es auf das Wlrmsto als Qiudlenwerk ffir 
jfden Ethnologen empfohlen werden muss. P. Staudingor. 

Itchikawa, Dr. Dftiji, Lehrer am Orient. Seminar und Lehrer des Japa- 
nischen an der Königl. Kriegsakademie zu Berlin. Die Kultur Japans. 
1907. Verlag von Carl Curtius, Berliu. 

RalhpiMi, Prof. Dr. K. Staat und Kultur der Japaner. Mit einer Kutisi- 
beilngti nad 155 Abbildungen. 11*07. Bielefeld und Leipzig. Yelhagen 

Klasing. 

I. D*r Japaner Itchikawa loht seit nenn Jahren in Deutschland und bat sich 
offenbar ernstlich bemüht, in das Wesen des europäischen Lebens einzudringen, um 
dessen EiuUiivS auf das japanische richtig zu beurteilen. Es iat ihm dies aber nur bedingt 
gelungen. 

Mit Hecht hebt der Verfasser hervor, dass der Einlies der westlioheu Kultur auf 
die japanischen Erfolge im Kriego uod in der ökonomischen Entwicklung vielfach unt.r- 
schitzt wird. Gewiss waren die Erfolge ohne die Hilfsmittel der europäischen Zivilisation 
aicht denkbar. Doch sind diese Hilfsmittel fast ganz mcchanisch-militarer Natur, und 
das Wesentliche ist schliesslich der Geist und der Charakter der Menschen, die aieh dieser 
Hilfsmittel bedienen. Geist uud Charakter der heutigen Japaner aber wurzeln in dem 
altjapanischen Wesen. Namentlich gilt dies von dem (jei»t der Disziplin, der Selbst- 
'«pferung und der schwärmerischen Hingabe für und an alles, was die eigene Nation be- 
trifft. Es ht nur naturlich, dass ein Japaner dies* Volkscigenschaften in ein besonder-. 
helles Licht rückt, und es ist interessant, wie er sieh den gegenseitigen Einiluss leider 
Kultaren zurechtlegt. Ohne Chauvinismus geht es in solchen Fällen niß ab, und 
Itchikawa hat ein gut Teil daron. Er ist ein kluger, klarer Kopf and er verfügt für 
einen Ausländer über eine bemcrkeiisneit gute deutsche Diktion. Sein« Schild- mim der inneren 
und Süsseren Vorgänge, welche in der Mitte des vorigon Jahrhunderts zur Eröffnung des 
Landes und zur Itildung des modernen Japuu unter der tatsächlichen — nicht bloss wio 
früher nominellen — Herrschaft des Kaisers führten, ist gewandt und ansprechend. Er 
wird dem raass- und taktvollen Aiiftrotcn der Amerikaner unter Perrv gerecht. Aber 
ganz ungerecht ist er. wenn er immer wieder von den finsteren Eroberungspl&Dcn spricht, 
die das wirkliche Ziel christlicher Missionare zu Allen Zeiten seien. Man kann über den 
fatsca und die Opportunität der Missionare in Ostasien verschiedener Meinung sein, man 
ii, dass die Reihenfolge: „erst Missionen, dann Kanonen zum Schutz 
>rcncn Christen" sich in der Tat olt genug wiederholt hat; aber zu behaupten, 
luiten bei ihrer erste» Ankunft in Japan lfj-l'.l sofort die politische Eroberung 
im Auge hatten, ist lächerlich. [Jamals hat eine Haudvoll armer, oft in Not 
Li :l < -nsgefahr schwebender, vou der Heimat abgeschnittener Priester mehr Japaner 
tO | hrirten geroaeht, als in unseren Tagen die zwnnzigfache Zahl, hinter der «normo 
ImiUel standen. Wenn dünn im Anfang des 17. Jahrhunderts wirklieb eine politische 
Bfthr eintrat, so kam diese um dein Fanatismus der bekehrten Keudalfürsleii, web Im 
iir p'd auf grausame Weise zum Christentum zwingen wollten und die offen er- 

-ie dem Papst mehr gehorchen als dum eigenen Herrscher. Dass da dieser 
dio Geduld verlor, und dass um Endo die fremde Religion Jn der ersten Hälfte de3 
1 T. Jahrhunderte) mit denselben grausamen Mitteln ausgerottet wurde, welche in Europa 
len gegen Christen anwandten, darf richi. wundern. 

i bor dio „gelbe Gefahr* macht der Verfasser einige treffende Üornerkuogen: „dio- 
i'uiueu, welche vor dem russisch-japanischen Kriege .lupuu zu sehr untei schilt tt hattm, 
lühlten sieh unangenehm überrascht durch den unerwarteten Siog Japans. Und aus 
peinlichen Gefühl heraus reden rie von einer »gelben Gefahr". „Sollte in späterer 
Zukunft China stark genug worden, einen Krieg gegen irgend eine ausländische Macht 
zxx fihren, so wird nicht die weisse Kasse, sondern der gelbe liassengenossc Japan sein 






Literarische Besprechungen. 



nächstes Ziel sein". „Ferner dürfen die Verkündiger dor gelben Gefahr nicht Tri. 
dass ein Sieg Russlnnds eine Russengefahr heraufbeschworen hatte. Diese »her * 
illa europäischen Lander viel bedrohlicher gewesen, als die sog. gelbe ficfalir. wenn auch 
viele Lander au* politischen Gründen nicht allzuviel von der Russcngofahr reden" 

In den Abschnitten über Religion, Erziehung, Familie verleitet den Verfasser acia 
Patriotismus, die Hinge in zn rosigem Licht darzustellen. Fs ist zwar richtig, dass die 
meisten Kinder die Volksschule 8 Jahre lang besuchen, aber die obligate Schulzeit be- 
trügt nur 4 (aber neuesten« S) Jahre. — Der Shintoismus wird viel zu ideal geschildert. 
Kr ist, auch nach der Erklärung eines berufenen Vertreters im Parlament, überhaupt kein* 
Religion, sondern er ist ein Ahnenkultus und, in ganz geriugem Grade, ein ethisch'.*» 
System. Also hat es ki-inen Sinn, uns weis machen zu wollen, dass es im Shinto einen 
Gott lies Weltalls und cineu Teufel gebe. — Her Tempel der Sonncngöttin in Ite ist nicht 
mehrere tausend Jahr ult, lOBdeTD er wird alle zwanzig Jahr abgehrochrn :inl ii 
baut, allerdings stets in derselben Weise. — Das Christentum halt Itchikava wi 
seiner Landsleute für iinxereiuhar inil den nationalen Eigentümlichkeiten Japans. Da» 
mag «ein, rechtfertigt aber nicht den Minden Haas des Verfassers gegen alles L'hriftUel 
und den Verdacht, dass auch heute noch die christlichen Sendboten in Wahrheit nur den 
Roden für Eroberung vorbereiten. — Wenn Verfasser sagt: In Japan herrseht Oft 
Grundsatz: Lieber arm und ehrlich, als unehrlich und reich, so steht das in schroff« m 
Widerspruch mit dem Ruf, den dir japanischen Kaufleute geniesseu nnd mit den be- 
ständigen Klagen der japanischen Presse über die Bestechlichkeit der Volksvertreter und 
Beamten. — Auch das japanische Familienleben wird stark idealisiert. Die Stellung der 
Kran ist nicht so schlecht, wie sie von vielen Europäern geschildert wird, ibarflttflll nwlu 
s« günstig, wie sie Verfasser schildert. Noch heute [et Khcbrucli der Frnu Sehn 
grond, Ehebruch des Mannes nicht 

Alles in allem ist Itchiknwns Buch ein gnt«s Hcispiol ITir die Art, wie gebildete, 
mit dem Abendland vertraute Jupaner ihr eigenes Volkstum und seine Deuchungen zum 
enropiiUchen Wesen auffassen. 

IL Wenn in Itchikawas Buch wanne Begeisterung für die Sache die Feder führt, 
so gibt, uns Unthgen oino kühle, objektive Schilderung der japanischen Kultur und des 
japanischen Staats vom Standpunkt des europfiisehens Kenners. Als ..menschliches Do- 
kument", als Hinblick in die Werkstatt des japanischen freistes ist vielleicht ItchiLiiwa 
anziehender, aber bei Rathgen lindet man mehr nützliche Information, und man 'imi>i 
sie in angenehmer Form, Vun der Anthropologie und Ethnologie hat er aber oflvnbur 
eine ru geringe Meinung, denn es ist sicher wortvoll, festzustellen, welches di» Buh und 
die Ptainincsfaktoren des Volkes sind, das sich in so eigentümlicherweise entwickelt 
Und ao ganz unerfahren sind wir auf diesem Gebiet beule Hiebt. 

Wi« alle Schriftsteller über Ostasion betont auch lt. die trockene, methaphysisch 
uud psychologischer Forschung abgeneigt« GalBtewt dir Völker des chinesischen Kultur- 
kreises. Es ist aber fraglich, ob man in diesem Urteil nicht zu weit geht Denn die 
Chinesen besitzen in Lao-tsc, Cbuang rso, Ho Ti u a. schon lange vor Christus recht 
respektable Philosophen, und wer riio Entwicklung des modernen GefitealebeH in Japan 
verfolgt hat, weiss, dass die religiöse und philosophische Literatur erstaunlich zunimmt. 
Dem Skinto ist auch hier eine fast zu auslflhrliche Schilderung gewidmet. Denn obwohl 
derselbe sieh neuestens wieder offiziell sehr in den Vordergrund drängt, hat er auf dal 
tiefere religiöso Leben des Volkes keinen Einfluss. Er ist ja. wie schon erwähnt, über- 
haupt keine Religion in unserem Sinn, nicht einmal eine ernste Ethik, sondern ein 
ziemlich primitiver Ahnenkult. Verfasser ist arg im Unrecht, wenn er auf dem phan- 
tastischen, lu ernsten Fragen ganz unzuverlässigen Lcfcadio Hearn fassend angibt. 
dass nach dorn japanischen Ahnenkult olle grossen Naturereignisse sowie alle menschlichen 
Handlangen von den Toten bestimmt werden. Das glaubt kein Japaner. Viel eher trifft 
Iththgons Definition vom Einflnss der Toten für die Chinesen und Koreaner in. 

In trefflich klarer Weise stellt ltat-hgcn auf Grund der Florcuzschen Forschungen 
die Entwicklung des japanischen Kaiserstaats aus dem Geschlechterstaat dar. Er betont 
mit Rocht, dass diese Umwßhsung ganz unter dem EroÖnsa chinesischer Ideen cr.^t im 
ti.— 8. Jahrhundert u. Chr. (also mehr als lausend Jahre nach dem angeblichen Beginn 



II in; 

rher 



teramche Besprechungen. 

der Dynastie^ erfolgte. Sobald der chinesische Einfluss zurücktrat, kamen wieder einzelne 
mächtige Geschlechter anf, die die talsachliche Herrschaft an sich rissen, und der Kaiser 
wurde ein Schatten bis 1868. Noch mehr als es Verfasser tut, muss hervorgehoben werden, 
dass aneh das, was wir gerne als spezifisch japaniscli belrjehten, dio Liebe zur und das 
Verständnis für die Natur, sowie der das ganze Volksleben durchdringende künstlerische 
Sinn — das* diese erst mit der chinesischen Kultur erscheinen. Was die Japaner vurher 
in Kunst und Foesio geleistet haben, ist Äusserst primitiv und jeder höheren ästhetischen 
Empfindung: bar. — Alle Seiten des politischen, sozialen und ästhetischen religiösen 
Lebens linden bei Kathgen ihr*» klare Darstellung, nur die Geschichte der neuesten Mt t 
d«»eh besonders interessiert, wird etwas kurz abgetan. 

Das durch zahlreiche gute Bilder erläuterte populäre Ruch ist eine wertvolle Be- 
iehernng unserer Literatur über Japan. Baclz. 




ünsu-rlierg, Oskar. Japanische Kunstgeschichte, Teil III: 
Tftpfarai, Waffen, Holzschnitte, t iürtt-lhänger (Inro-Netzke). Bniun- 

Ksrhweig, (i. Wcsti*i maun, 1907, LYI, 30'J Seiten, 846 Ahhildungen, 
13 Tafeln 4'. Preis Sffi Mk. 
Der vorliegende stattliche dritte Bund bedeutet dio Vollendung eines KsflMa 
terkes, des ersten Versuches ia deutschor Sprache, eine zusammenfassende Geschichte. 
er japanischen Kunst zu liefern. Dem Inhalte nach gliedert er sich in vier grosse 
Zweige des Kunktsewerbes. Das erste Kapitel .Töpferei" behandelt die weitvenwei^ . n 
und über viclo Gebiete des Landes sich erstreckenden Betriebo der Porzellane und Suiu 
gutwaren, mit und ohne Malerei. Im zweiten Kapitel „Waffen" nehmen die bei 
Sammlern in Europa und Amerika zu so grosser Bedeutung gelangten, unendlich viel- 
artigen Schwertzieraten wie begreiflich einen weiten Raum ein. Das dritte Kapitel über 
Holzschnitte ist natürlich hauptsächlich dem ein ebenso stark umworbenes Ziel modernen 
Sammeleifers bildenden, in Japan selbst aber weniger und .später als bei uns geschätlten 
Farbenholzdruclc gewidmet, enthalt aber auch recht beachtenswerte Ausführungen aber 
und Rächer überhaupt. Daa letzte Kapitel „Gürtelliünger" behandelt die als inro 
in-Huehsehen) und „Netsnke* (sprich Netzke) bekannten, zierlichsten und so eigen* 
Schöpfungcn japanischer Kleinkunst und verbreitet sich auch über dio mit dem 
Hin dieser Gegenstände im engen Zusammenhange stehenden Siegel, über TubA 
sowie über Maaten. Berühren sich viele Gedankengänge dieses kunstgeKchichtlieben 
Werkes mit Aufgaben der Völkerkunde überhaupt, so dürften für die Leser dirser Zcit- 
rift die den beiden Kapiteln über Töpferei und über Waffen beigefügten Abschnitte 
über pra- und protohistorischo Gegenstände sowie bei den Holzschnitten unter .Stil- 
Entwicklung 1 * der Abschnitt •Griechischer Einlluss in China, Indien und Turkestaii" 
(S, 1 "• ■•- .'■•! insbesondere iubetmeht kommen. Vorausgeschickt ist wieder ein »Ver- 
zeichnis der heuutiten Bücher und Aufsätze" 1 . Dieser nicht weniger als 2*,' doppeis paltinc 
Seiten einnehmende Teil verdient, wenn er auch leider nicht ganz frei ist von kleinen 
Entstellungen, bibliographischen Lücken und Druckfehlern, wegen seines ausserordentlich 
raloben Inhaltes aas schwer zugänglichen Qaellen besonders rühmend hervorgehoben zu 
werden. Es sei s. B. hingewiesen auf die Wiedergaben von zahlreichen japanischen 
Werken nach den Katalogen des British und des South KeusingLon Museum sowie der 
Bibliotheuue Nationale, ferner auf die anderweit wohl nicht gedruckte Zusammenstellung 
der sehr beachtenswerten «Conferences au Museo Guimct^ von Deshayes (.1895 — 19Ü5). 
Wie bereits bei Besprechung des ersten Bandes (38. Jahrgang 19M. S. 285—296) 
erblickt Referent das Verdienst des Werkes hauptsächlich in dem mit emsigem Forschcr- 
eifer und Verständnis in reichster Fülle hier vereinten beweiskräftigen Abbildungsmaterial, 
■SB I.< i>, das für den wieder vornehm ausgestatteten, umfungreieberen dritten Band in 
Buch höherem Masse gilt als für s^iue Vorgänger; als besonders interessant sei dio Bildcr- 
rolle von Ku K'ai-chih, einem berühmten chinesischen Maler des viertpn Jahrhunderts, 
Britiili Museum hervorgehoben (8,265—271, Tafel V und Abbildung No. 206). 




286 



Literarische JJcsprccl mögen. 



Voll.- Zustimmung durfte dem Verfasser auch beschieden sein bei seinem Streben. 
immer die historische Entwicklung zu unt Brauchen, sov.h- di> ^usammenhiingo d.-r 
und Techniken aus deu Kunstwerken selbst abzuleiten und dieae zu würdigen nach ihrer 
us-thetisrhen Wirkung, aber ohne Rücksichtnahme auf die kfinst lerischen Anforderungen 
wenig entsprechenden Überlieferungen in der japanischen Literatur dar üb r, dcMfl Glaub- 
Würdigkeit einer ernsten Kritik meiat ebenso wenig Stand hält als diu oft recht nr< 
haften Signaturen und Datierungen. 

Den lebhaftesten Widerspruch werden, abgesehen von einzelnen kleinen FJuthti^:- 
kaiten, wohl solche Stellen hervorrufen, in denen der Verfasser, dar in hohem Grade die 
wertvolle Gabe besitzt, einen überraschenden, geistvollen Zusammenhang zwischen 
recht weit naseinanrierlicgonden Gedankenreihon aufzudecken, seiner feurigen Einbildungs- 
kraft allzusehr die Zügel schicssen lässt <z. B. S. 117—133). Gewiss ist es ein erstrebens- 
wertes und dankbares Ziel der Forschung, den Schleier über Fragen nach Wanderung von 
Kulturen und Völkern immer mehr zu lüften Auch erfolgt der allmähliche Fortschritt 
hierbei sicher vielfach auf dem Woge von anfangs stark bestrittenen Hypothesen; n 
glaubwürdigen Ergehnissen kann solches Streben aber doch nur auf Grund wirklich 
zwingender Bon-eisstücke und peinlichster Sorgfalt führen. Blosso Ähnlichkeiten ia 
Ornamenten bei Tonscherben der Ainu und Gegenständen aus Mykena alluiu erscheinen 
a. B. dem Referenten kaum schon ausreichend für die Begründung eines Zusammenhanges von 
Hasse und Kultur, besonders wenn die nötigen .Mittelglieder' nicht nachzuweisen sind. 
Wohin allzu kühne Reihen von Vprmntnngen führen können, zeigt wohl am besten, das« 
der Verfasser seibst vor einer kaum noch ernst zu nehmenden Hypothese nicht zurück- 
schreckt wie: -Vielleicht war Jimmu Tenno. der Ahnherr des Kaiserhauses, ein flüchtiger 
Agier oder Cjprer, der die hohe Kultur seines Volkes unter malaiischer Hilfe in den 
fernen Osten verpflanzte!" (S. 125.* 

Auf eine Reihe ihm irrig erseheinender tatsächlicher Einzelheiten geht Referent an 
anderer Stelle näher ein (Zeitschrift für Erdkunde, Berlin). 

Trotz solcher Einwinde wird nach seinem Dafürhalten aber dss Werk in seiner 
Gesamtheit jedenfalls im Rahmen der neueren Japnnlitcratur einen ehrenvollen Platt er- 
ringen und behaupten; ein abschliessendes Urteil über seinen wissenschaftlichen Wert 
steht allerdings nur den wenigen berufeneu Kennern der hier behandelten Einzelgebiete 
japanischer Kunst zu. N»eh«'d. 




IV. Eingänge für die Bibliothek.) 



1. Oppenheim, Sr., Die Sntnren des menschlichen Schadeis in ihrer anthropologischen 

Bedeutung. Brauuschweig: Fr. Vicweg 4 Sohn 1907. 4°. (Aus; Korrc- 
spondenzblatt der Deutsclien Anthropologischen Gesellschaft. XXXVIII. Jahr«:. 
Nr. 11/120 

2. Mollison, Th„ Die Maori in ihren Beziehungen zu verschiedenen benachbarten 

Etappen, Brauuschweig: Fr. Vieweg A Sohn 1907. 4°. (Aus: Korrespondenz- 

blatt der Deutschen Antropologischen Gesellschaft XXXVIII. Jahrgang. Nr 9/12.) 
'■'•. Schmidt, Hubert, Georg Grupp, Die Kultur der alten Kelten und Germanen . . . 

München: All-. Vorlags-Gesellschaft 1906. 4°. (Aus: Berliner Philologische 

Wochenschrift. -JS Jahr g. No. 2\ 
1. Lasch, Riehard, i'bpr Sondersprachen und ihre Entstehung. Wien: Anthro- 
pologische Gesellschaft 1907. Ä* (Aus; Mitteilungen der Anthrop. Ges. in 

Wien. Bd. XXXVII.) 

Dt, Kutot, A,, Un grave probleme. Une industrio humaine datant de l'öpoqne oli- 
ue. Comparaiaun des oulils aTec ceux des Taainanicus actuels. Bruielle») 

Hajos l'H*T. B # - (Ana: Bulletin de la Socio» Belgo de Geologie. TomeXXL) 
6 Seklix, Stratigraphie und Topographie der ncoliihischcn Niederlassungen im Neokar- 

gebiet. Braunschweig 1907. 4°. (Aus Korrespondenzblatt der Deutschen Ges 

für Anthrop, fcthnol. and Urgesch. XXXVIII. Jahrg.) 
7. Wateff, S., Taclies pigmentairea chez les cnfants Bulgare*. Paris o. J. 8°. (Aus 

Bulletins ot Memo, res du la Society d'Anthropologie de Paris) 

3. Speck, Frank, G., The Croek Indiana ot" Taakigi town. Lancastcr: New Era 
Printing Companj 19(17. 8°. (Aus: Memoire of the American Anthropological 
Associntion. Vol. II, 2.) 

9. Adachi, ßuntaro, MikoskopUchc Untersuchungen über die Augenlider der Affen und 
de» Manschen (insbesondere der Japaner). (Anatomisch-anthropologische Unter- 
suchungen an den Japanern XI.) Tokyo J'.Mj. 8". (Aus; Mitteil, der med. 
Fakultät d. Kai?. Jap. Univ. Bd. VIT, 2.) 
Giuffrida-Kuggeri, V., Prolusione dcl corao di antropologia. Roma 1!*07. 8 a . 

(Aus: Riviata rl'Ilalia.) 
Ziomann. \\"m erobert man Afrika für dio weisse und farbige Kusse? Leipzig: 
Job. Ambrosius Barth 1907« 8". (Aus: Beihilfe zum ArchiT für Schiffs- und 
TnipeDhvgiene . . . Bd. XL) 

No. l-ll vom Verfasser geschenkt. 
12. DAehfilette, Joseph, Lp Hradischt de Stradonic en Boheme et les fouilles de Bi- 
bracto. Mncon: Protat Freres 1901. 8*. (Aus; Congres aroheologiquo do 
IfAcon.) Angekauft. 



|ft 



11. 



I) Die Titel der eingesandten Bücher und Sonder-Abdrücko werden regelmässig hier 
veröffentlicht, Besprechungen der geeigneten Schriften vorbehalten. Rücksendung un- 
verlangter Schriften findet nicht btalt. 



288 Eingänge für die Bibliothek. 

13. Eckstein, Karl, Der Kampf »wischen Mensch und Tier. 2. Auflage. Leipzig: 

B. G. Teubner 1907. 8°. (Ans: Natur und Geistcswelt Bd. 18) Vom Ver- 
leger. 

14. Bericht ober die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin in den Verwaltungsjahr* n 

1901 bis 1905. 2. Teil. Berlin: C. Heymanu 1907. *•. Vom Magistrat 

15. Congreao cientifico latino americano, Primera Reuoiön del, . . . Vol. I— V. Buenos 

Aires 1898 - 1900. 8°. Von Herrn Ingenieur Hermann. 

16. Veth, P. J., Ja tr . . . Tweede druk Joh. P. Snelleman en J. F. Niermeyer 

Haarlem: de Erven F. Bohn 1907. 8°. Von Herrn Direktor Job. F. Snelleman 
in Rotterdam. 

17. Congres International des Araericanistei. XV. Session tenue a Quebec en 1906. 

Quebec: Dussault & Prouli 1907. 8°. Tome I und IL 

18. Führer durch die Sammlung für Deutsche Volkskunde . . . Berlin: O. Reimer 

1908. 8°. Von der Goneralvenraltung der KönigL Museen. 



I. Abhandlungen und Vorträge. 



M;iassr und Gewichte in Afrika. 

Vun 

D. Kürohhoff. 

In Afrika vollzog sich und vollzieht sich zum grössteu Teil der ge- 
Haudel als Tausch, d. h. Ware wird gegen Ware ohne feste 
Zwischenwerte umgetauscht. Ein derartiger reiner Tauschhandel ist in 
frühesten Zeiten zweifellos üblich gewesen. Cadamosto berichtet, dass 
BWUcbftD doli Bewohnern von Melli, einem jeuseit Timbuktu liegenden 
S .jrreiche und den südlich von ihnen wohnenden Negern ein stummer 
Handel derart stattfand, dass das Salz au dein Ufer des grossen Wassers, 

-cheinlich dem Unterlauf des Niger, bis wohin es mittels Träger 
gl ■< bftffl worden war, in Haufen geteilt, niedergelegt wurde, worauf sich 
die Händler zurückzogen. Nun näherten eich die Neger auf grossen 
Booten dorn Ufer, legten neben die Salzhaufen. die sie kaufon wollton, 
soviel Gold nieder, als ihnen der Haufe wert schien und zogen sieh dann 
/.nullit. Die nun wieder nach dem Ufer gehenden Händler nahmen, 
wenn ihnen die Menge des Goldes genügte, dieses mit, verlangten sie 
mehr, so zogen sie sieh, Gold und Salz liegen lassend noch einmal zurück, 
worauf dir Neger Bntweder noch Gold hinzulegten oder das ganze 
Gold wieder wegnehmen und nach Hause gingen. 1 ) In der gleichen Weise 
spielte sich der erste Handelsverkehr zwischen Europäern und Ein- 
geborenen an der We»tkftste Afrikas ab. Au9 diesem Verkehr entwickelte 
sich dann ein direktes Tauschvcrfnhren, bei dem der Negor Beiner 
Schaehersuckt in weitgehendstem Masse f rönnen konnte. Wenn in vielen 
Gegendon Afrikas dieser reine Tauschverkohr noch vielfach besteht. M 
gibt es doch andererseits weit ausgedehnte Gebiete, in denen infolge der 
ausserordentlich regen Handelsbewegung die Eingeborenen die Notwendig- 
keit vini Wertmessern schon vor der Zeit, in der die Europäer ihren Ein- 
flon geltend machten, erkannten. In erster Linie handelte es sich hierbei 
um Geld, sein- bald aber fanden auch Maasse und Gewichte Eingang. Wie 
das erstere zumeist aus Gebrauchsgegenständen gebildet wurde, 8 ) so waren 



li Deutache geographische BMtter, Bromon l&H S. 263. 

8 Küichh'tff, Die Goldverh&ltnissc im heutigen Afrika in Ihrer Entwicklung, in: 
Mittfilung^n der Geographischen Gesellschaft Hnmlnrg L907 Bii. 22 

Keilschrift, für BlklokMrJ». Jahrg. 1H» lioft 3. \\> 



•JIM» 



I>. Kfirrhhoff: 



Miui.-.-r und Gewichte solche, die sich ans der Natur, dem pi 
Lehen usw. ergaben. Datei -lern Einftasfl der Araber, dann der Europäer 
bürgerten eich allmülig auch deren Maaas- and Gewichtseinheiten wen 
auch zumeist in besond erat Verwendung ein. 

Die Maasse und (Gewichte waren von alters her in Ägypten starken 
Veränderungen unterlegen und waren in den einzelnen Provinzen v 
schieden, so fnsste z. B. das Hohlmaass ardeb in Kairo 179 - , Liti 
Alexandrien hingegen 271 Liter, woraus sich erhebliche Nachteile in 
Uundtd und Verkehr ergaben. Durch Verordnung vom I. aügwl 16T3 
wurden zwar die Behörden augewiesen, vom Beginne des folgenden Jahres 
ab, bei allen amtlichen Verhandlungen die Maasse und Gewichte Dach dem 
metrischen System anzugeben, doch wurden im Handel und Verkehr ur- 
alten Bezeichnungen ausschliesslich angewendet. Eine Verordnung das 
Ivhedive vom 24. April 18'Jl bestimmte, dass vom 1. Januar 1898 ab alle 
Staatsbehörden und Verwaltungen sowohl im eigenen Dienstbetriebe, wie 
im amtlichen Verkehr mit der Bevölkerung das metrische System " 
zuwenden lauten; doch wurde gestattet, neben diesem mich die ägyptischen 
Maasse und Gewichte anzugeben, für deren Umrechnung in das me( 
System der vorgenannten Verordnung eine besondere Anweisung beigefügt 
war. Ausgeschlossen von der Einführung des metrischen Systems, welches 
am Beginne des JahfM 1H!)9 nach einer später erlassenen Verordnung 
aucli im Handel uud Verkehr ausschliesslich angewendet werden »oll. 
wurden die Längen-, Flächen-, Hohlmuasse und Gewichte, welche bei der 
ländlichen Bevölkeruug im Gebrauche waren sowie die Berechnung <l - 
Tonnengehalts der Schiffe; hierfür blieben die alten ägyptischen Be«eiCB- 
nungen mich fernerhin in Geltung. Da der Orientale noch weit mehr 
als der Europäer am Hergebrachton festhält, so vollzieht sieh im Handel 
und Verkehr die Einführung der metrischen Maasse uud Gewichte nur 
sehr allmählich, und es wird geraumer Zeit bedürfen, bis der Fellall rieh 
der neuen Bezeichnungen anstatt clor altgewohnten bei Einkäufen mal 
Verkniffen bedient. 8 ) 

Fircks gibt 6 Lüngcnmnaase, 8 Flachen maasse, 'j Hnhlinaaasc. 
7 Gewichte im Vergleich mit dem metrischem System an.") Es sol 
hier nur die wichtigsten uud gebräuclilicbsten angegeben werden! 

I. Gewichte. Derbem oder dramm i<t die Einheit der Gewichte and 
ist gleich 3,0*8 </. lü Derbem sind gleich 1 Okieh (rkijih). 15 - 
bilden 1 rottol = 4-14,*;j ,</, 400 Derbem bilden die gewöhnliche oka gleich 
l._'".~i4<7, 36 oka oder 100 rottol bilden einen Kantur = 44,4'.' .'■/. 

Das gebräuchlichste Ltngenmaasi ist der dira oder dran = 0,75 >/', und 
die Kasaabe = 3,55 m. Das nbliche Plächenmaass, besonders aum Ib- 
measeu von Feldern bildet der feddan oder feddeoi = 4200,8 yw. als 
ELohlmaasa bedient man sich des Ardeb ii ii Quebehs h 1 Etalbes \ 12 Keles= 
197,75 Liter.*) 



.... 1 



8) Fireks, Ägypten isiu M EL22& 

i) Browne 1 « ttaiaon in Afrika IßOO ü. XXL Tho Btatoaman'a yearbeslt 1901 B 1576 
Fircks, Ägypten ISW 8, 239, Q< hea Handbuch tu Andreea Haadstlsa 1909 I 



[matte and Qtwlchtt is Afrika 



- befindet lieb seit 1551 unter tfirkiscbem Kiutiuss. »war werde 
ir iI.t wirklichen Herrschaft l'JO.lahre lan.Lr von 1714— 1835 dadurch 
unterbrochen, dass eine einheimische Dynastie die Kegieruug an sich 
ab« auf dir liin* vorliegenden Verhältnisse dürfte der Wechsel 
keinerlei BisBoea gehabt haben, so dass wir hier die türkischen Maasse 
Bnd Gewichte, wenn auch mit -••rln-iit Abweichungen wiederfinden. ) 
Ufl Gewicht dienen die Oka und das Rotöl von Tripolis. 1 Oka = 'J'/j Rotöl, 
100 KmhI - 1 (/antar (Uuintal) - 40 Oka - 48,8 kg. Das Kotol wird in 
L6 Okia oder Unzen eingeteilt. 87 ) In betreff des Längenmaasses berichtet 
Rolilf* aus den Anfang der siebziger Jahre, dasa man sich des 
türkischen Pie bediene.*) Pic ist die europaische Bezeichnung: dea 
Lflngenrnesaefl Hnui. 8 ) Dieser Pic ist gleich einer Brebantex Elle und 
r Pie« 1 in. und 1' 3 l*ie = 1 \ard.') Genau sind diese Liiiigenvergleirlio 
sieht, sondern nur ungefähr, denn das tÜrkiacbe draa ist gleich 0,671 m, 
und dasjetd ebenfalls in Tripolis gebräuchliche arabische draa=0,483 wi. 7fi ) 
/iimi KoiUBMaej bedient man sich der Marta, von denen 15 eine Ueba 8 ) 
bilden. Zwei Marta sind gleich einem türkischen Kilo und 
280 hj entsprechen 100// oder 83 ty= l Lust. ) Die heutige Ubu zerfällt 
in 4 Temen ä 4 Orbach - 107,3 Liter. Das Maass für Flilssigkeiton war 
zu RoMffl Zeiten die larre, welche ß*/, Cnrnffa hatte. Eine brre 
(sprach 10 7* Liter.'J 
tfanerdtagi sind BohJmaasfie: für Wein 1 Barileh 24 Bosse s» 64,38<> 1, 
i Arbags öl k B,5 Okan*?U,64 Liter, 1 Kaffis Datteln h *Kaoatir= 
4 Kai. 7 ) 

jSn Anfang des vorigen Jahrhunderte, zu welcher Zeit die in Tripolis 
laassL- und Jicwichtc wenig von den in Tunis gehraueh- 
ii -Ai li- n, tindot als lietreidemaass der Kafizo Erwähnung, von denen 
einer ungefähr gleich zwei englischen Quarters war. Der Matero Wein 
betlllg '-" , boIUadiache Gallone, das gleichnamige Mnass für öl war 
pptU ao gross. *J 

fber die (icwichisverhältuisse in lilmt äussert sieh Krause: „Ks ist 
leichl erklärlich, dass Gewichte und Mauste in ihrem Werte in einem 
Lande stvraa lobwaokead sind, wo jede Kontrolle fehlt, ebenso alle Hilfs- 
mittel, um die Genauigkeit derselben bis ins kleinste ku prüfen und neue 
jl Pi siffion herzustellen. So wird es mir auch nicht möglich sein, für 
du "i Ghat gebrauchten Gewichte den ganz genau entsprechenden Werl 
in Gramm und Kilogramm anzugeben, da seilet direkt von mir an- 
gestellte Messungen bisher eq keinem befriedigenden Resultat geführt 

In Tripolis rechnet man gewöhnlich nach Okka, von denen 40 einen 



* 






»io, Xutice statistique Kt commerciale sur la Uogcuco de Tripoli LS50 3. -1 
il gfiOSOOO Angaben der IlttNC I 

• Ki'ülfs. Von Tripolis Dach Alexandrien 1ÖT1 1 8.69 

• • -^graphisches Handbuch für Androes Hunclatl.is IflU'J S. i,;i7. 
- Konrersations-Loxikon 1906 Dd. 15 8. »78. 
■'( 1 k*rt, Voll-tündigps Humlbiicli der neuesten Erdbeschreibung 1898} VI. Abt, 

1* 



_ 



,.,.. 



V. Kürchhoff: 



Kuntar oder Zentner bilden. Kino Okka hat 10 Unzen oder I 
Ghatj zum Teil auch in Tripolis rechnet man nach Rotl oder Pfuml, loa 
denen 100 einen Kantar bilden. Ein Rotl hat 16 Unzen oder Ukia. Der 
Wert des Rotl ist annähernd 500 g. lfi Maria-TheresiataU-r sollen Ljeuan 
ein Rotl von Gliai wiegen, dies würde 488,88 g für ein Rotl eru- 
Dem widerspricht aber, dass ili-r hundertste Teil eineg Rotl ein mitkal 
ist, der dann 4,889 y sein mü^te. während in Tripoli der kripoKulM&f 
mitkal zu 4 7 ' g £==4*875), der gbadameeiaobe du 4*/« (4,375)';. gerechnet wirf 
Nach der letzteren Ziffer würde das Rotl also nur 437,5 g betrag) l 

Ich nehme vorläufig den mitkal von Ghat zu 4,882, das Rotl v..u 
Ghat daher zu 488. •> g an. Daraus ergibt sich folgende Tabelle: 

a) Gewöhnliches Gewicht: 

1 Kantar- 100 Rotl - 1600 Ukia - 48 SlO.Og 
1 „ = 16 „ = 488,2 , 
1 „ = 30,5, 

b) Gewicht für Silber, Zibeth und andere kostbare Sachen: 
1 Ukia =10 Dirhem =30,5«; 

i , = m§ 

1 ükia= IG < Imrrub = 30,5 $ 
1 . -1,9» 

c) Gewicht (Bv Gold: 
1 mitkal = 24 Kirati — 4,882 g 

1 „ =0/203 „!•) 

Im Handelsverkehr mit Kuropa werden in Tripolis fast ausschliesslich 
metrische Maasse und Gewichte benutzt, in geringem Verhältnis wird auch 
von englischen Maassen Gebrauch gomacht. ll ) 

In Eessan gelangen wir zum ersten mal in ein Gebiet, in dein der 
abgewogene Goldstaub in früherer Zeit (1790} die Werteinheit bildete, 
Das gewöhnliche Gewicht war zu dieser Zeit die Xarobe, die vier Gran be- 
trug, ferner der mitkal, dessen Gewicht 81 Gran war. Die Xarobe und 
der Mitkal hatten jedoch nur ideellen Wert. Es gab im Lande zwei 
Arten Beeren, welche zu den Erbsen gehören. Die erste htesa Babbat 
eil göret und wog vier Gran, die andere kam aus Nigritien. dieee hatte 
eine Scharlaclifarbe, und an dem einen Endo einen schwarzen Streif, wes- 
halb sie den Namon Eqnedeecko odor Halinenauge führte. Der Reisende 
Lucas ist der Ansicht, dass ihre Entdeckung vielleicht auf die Bestimmung 
dea Wortes der Xarobe Einfluss gehabt hat. Diese Beeren bildeten da» 
übliche Gewicht für den Goldstaub in Fesgan. Der genannte Reh 
fand, dass die Habbat eil göret genannte Erbse, die zu Feaaan fflr ein 
Gewicht von vier Granen gebraucht, wurde, genau soviel war wie vier 
englische Grane. Die Grane von Fessan hatten also das gleiche Gewicht. 
wie die von England, aber die Okaea oder Unze von Peseta war sehr 
verschieden, denn sie enthielt 040 Gran, während die englische nur 
480 Gran enthielt. 



10) Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. Her 1 in ISM!, S. i'*; 

11) Nachrichten für Handel und Industrie. VM>\ Nr. 17. S. J. 



HQäüC UU< 



tawichte in 



r 



Was die <uid.?ren Maitsse ;ui betrifft, ao wurden die Abgaben von 
stn aaab Mnmdc hineinkommenden Waren nach Knmeelladungen be- 
rechnet. 1 *) 

In Miii>uk wurde zur Zeit 1 hu minanns alles nach Koffas oder 
Körben gesohlte! und eingekauft. Diese Körbe hatten etwa drei Fuss in 
rlftfas und vier Fuss im Umfang. 11 ) 

Obec die Im Bilden von Tripolis und Tunis bei den Tibbu ablieben 
Holilimmsse fflt Getreide usw. berichtet Nachtigal von di»ni Saa und 
i Ke! (Plural: Kial). 8 Siaan (Plural von Saa) machen 1 Kel. 
l'4 Kial machen 1 Kafis. 6 Kafis wiegen 1 Ztr. 1 *) 

Au* Tonil) wird bereits in den sechziger Jahren berichtet, dass das 
LAngBBomasa der draa sei, der vom Eftlenbogengelenk bis zur spitze des 
Zeigefinger! berechnet wurde. Das HnuptgewuhtsmaasN war der Saa, der 
ungefähr 250 Pfand gleich kam. 1 *) Dazu kamen wohl auch schon damals 

i-twa vorhandenen Mehrfachen dieser .Alande. Der draa auch pik ge- 
nannt ist je nach den Stoffen, die gemessen werden eollea, verschieden 
und zwar werden im allgemeinen gebraucht: der ]>ik Arbi für Leineu = 
ti)2 yard, der pik Turki für Seide = 0,70. r >X ynrd und der pik Andoulsi 
für BatKQV ollenzeug = (',7094 yard. 1 *) Die piks waren früher und zwar 
itoeli bis in die achtziger Jahre hinein erheblieh kürzer. 17 ) Im Durch- 
schnitt liar der draa eine iJinge von 0,488 tw. 1 ** Das Gewicht ist die 
I nee = 31.4S7 tj. Die Vielfachen sind die verschiedenen Bezeichnungen 
des rottolo, der M— 42 Unzen enthält.") 1 Kantar=10<> rottolos 
;« 16 Unzen — 50,7 /y. 17 18 ) Das llohlrnaaas ist der Kafis = 16 whibas'* 17 ) 
(Huebu}'") n 12 9aa 17 '*') = 4% Liter. l * A ) 1 Ilucbu guter Weizen wog zu 
Anfang des vorigen Jahrhunderts 50 Kottoli. 181 ') Die französischen Maas so 
und Qevifibte haben fnst vollständig die tunesischen verdrängt, nur Korn 
wird noch naeli Kaftls und whibas gemessen. 10 ) Aus dem Anfang des 
vorigen Jahrhunderte wird als nl^emüss der Metal angegeben und wog 
dieaei 32 rottoli, jedoch war damals dies Maass nicht in allen Hafenorten 
Leb lit ' HeutP linden wir als Klüssigkeirsniaass 1 Metrar \Vein = iV/, bis 
[0 Liter. 1 Hettar öl »20,2 Liter. 

InheireH' der Maasa- und (iewichtsverhältnisse Algeriens wird aus der 
Mitte des 18. Jnhrhuuderts berichtet: Der algerische Zentner ist gleich 
LOG Pfänden. Das Pfund aber besteht aus 16 Unzen, nur einige Güter 
anegsi Daunen: Tee, Chokolude u. dergl., da das Pfund nur 14 Unzen 
Laif Hingegen hat * I .* ^ Pfund Datteln, Kosinen und andere Früchte 



ihn, Sammlung merkwürdiger Reisen in das Inwro von Afrika. 170011 

18. 218— 214 
18} BornemesBi Reise nach Uursuk. 17H7/98, S. 21 
II) Nachtigal, Zeitschritt der Gesellschaft für Erdkunde. U370, 8, 299. 
15) Ansland. 1867, 8. 874. 
10) Tbc statcaman'a Tearbook. I1H>7, 8.060. 
17 1 The gtatesman'a je&rbook. 1882, 8. «06; 1877, 8.606. 
I^a Geographisches Handbuch zu Awlreos Handatlas. UKW, S.68& 
l*b) l'ckort, Vollständiges Handbuch der neuesten Erdbeschreibung. 1884 

'i. AMh i. ßd, s. im. 

19 Hühners geognphucli-staüstiscbfl Tabcllcu 1907, 




L'M 



I). KürohholT 



27 Dosen. Leinewand und Tflober werden nach der türkischen Picke 
gemessen, die kaum drei Vierteil« von einer Elle von drei I'u>> betragt. 
<hdd- und Silberstoftc, wie auch seidene Zeu^e. werden ttacl Sil 
rischcn Picke verkauft, wovon drei nur zsvei türkische nii'i ein Drittel! 
ausmachen. Mohren und Juden mü.-sen liier auf Maasse und in-wn-ht- 
Acht haben, und wenn etwas daran fehlt, BO ist die ordettriohe Strafe 
Tod. oder wenn der Betrager auch mit dem Lehen davon k».nn 
kostet ihm leine Filzigkeit eine grosse Summe Geldes***) 

Ober die Verhältnisse tu Beginn des vnri^en Jahrhunderts wird 
richtet : Kiri eigenes Meihmmaass hat man nicht mau bestimm) die Bot- 
fernurigt'ii nach Tagereisen oder Htunden; jene beträgt etwa Rief bk 
'i'< ii^telialb deutsche Meilen; eine Distal./., die mau zu einer Stunde sohltet, 
,,;,,. gegen eine halbe deutgehe Meile betrogen. Ale Lftngenmsastf 
der türkische I'ieU, der 276 fraiizosiselir Linien long i>i. un< 
inaarische, gleich 207 französische Linien. Xn Korn und Getreide hei 
man ein Alans«, wofür inun dns französische Worl Mesure aiigetioraiMB, 
das einer dänischen Tonne «gleichkommt. Mau rechnet auch nach < Iflsaiaefl 
von denen eine 16 Terries enthalt, die einer Amsterdamer Las! gleich 
gaeah&tki werden. 

Flässin«' Ki'irpiT. als- <>1. 1\>m;j und dernl., weilen nach Che4 
Metalli gemessen. Eiu Metalli soll 36 l /i l'' |im ' Ameterdnoiet Handels- 
gewicht gleichkommen. Im Handel rechnet man auch nach ontalati 
Donnen und Erencönsjoben Bouteillen. 

Als Gewicht hat mon das Pfund, das man in P» Duzen teilt; 
Unzen sind aber nicht überall gleich. IO0 algerisch« Pfand nennt nuu 
Quinta!, Center oder Centner, gewöhnlich schätzt man einen solch. 
1 1 1 V_, vrnm) Bambnrger Gewicht") 

In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts linden wir sji 
Gewicht den onguych = 4 >j, als Maas* für Flüssigkeiten den ll'dlali - 
I6,ü6 engl. Liter oder 17 einten und als rlohlmaass für trockene Gegen- 
stände den Psa -^ 4S engl. Liter oder ungefähr 51 Va pinten *-) 7.u den 
ongegehenen Zeitpunkt waren bereits französische Maassc und < le- 
im Gebrauch, teha Jahre später kann berichtet werden, dftss dlees Kfaasss 
und Üewichto unter der sesshaften Bevölkerung fast ausschliesslich ga- 
hraucht wurden, und in diesem Jalirliundeit scheinen die nltei ttttSU 
und Gewichte vollständig von den französischen rerdrfingl worden 2u 
sein und letztere allein benutzt zu werden-**) 

In den im Süden \on Algerien liegenden Oasen verkauft man Getreide 
nach gnecVa oder nach Eeggueniya. die Datteln nach Kamelladangen 
(hnmel) oder nach gneca'ft. 

Die Ladung Datteln, eJ hamel, ist ein Maass, welches ungefähr dii 



•JO) l>ic Staaten «1er Kcci-iuiher, I7Ö8, S. »43. 

21) Ukcrt, Vollstäadigi's Handbuch der neuesten Erdbescbrsibmifr, 1834, VI. All. 
1 Bd, B .1.; 

Tim .-tetesmans jearbook 1SW3, 8.607 1876, S 612. — Batoior, GcograpH 
rnerrmle de 1' Algeric, 1S74, S. 78. 

' The etatcanW* ycarbook 1907, B. M9. 



riebt 



c in 



" 



Kamebi mittlerer Grösse aoamaoht Sowohl Ladung wie die 

.'i«'« .1 :i Rind in aon VI rscliiedetien Oasen nicht gleich. JnberrpflP der 

enteren unterscheidet man die Ladung von Timmi. dl« von Bodda und 
T.-saliit. die von Timlmoun, Tamentit und Zoos. Di« 1 Ladung von Timmi, 

;-• am meisten im Qebranoh ist, enthält. <> gneea'a. 

!>;«- ;iic«;i'ii i>r ein mir in ler Lonabma vorhandenes Mnnss, insofern 

als keine diesem Inhalt entsprechende Maassbehälter im Gebrauch vor- 

baaden Bind. Die goeea'a enthält W aegguea (Art Scheffel)? jodo 

eniya Singular von zegguen) enthält 8 mestemen, jede mestemoumi 

dar von mestemen) ist das Maass. das sechs ilando voll Getreide 

bei dieser „Handvoll - bedient man lieft nicht des Daumens. sondern 

Hein der vier anderen Finger der Hand 

Die Keggaenijä von Timmi kann auch dnreli Datteln dargeafceHfl 
rhu. Sie enthält 12 Handvoll Datteln, d.h. I2nml das, was man an 
Datteln auf das Sand zurückhalten kanu, wenn man diese in einen 
Raufen hineinschiebt und sie Hach, den Hucken nach nuten, hochhebt. 
Diene Art »Handvoll* heisst „lahona". 

Viiv die M"-.-'iiiu bedient man sich Gcfässe, welche der Käufer so 
weit als ihm möglich füllt, ohne die Früchte zu drücken und welche, auf 
i« Wem gefeilt, ungefähr die beaeJefafleten M nasse geben. 

In den Oasengruppen ww Bolldfl und Tesäbit setzt sich die Kautel- 
l.idinij ani ;i zusammen, jede der letzteren bestebl BOB 6 zegguen. 

I >.i die teggueuija die gleiehe ist wie in Tinuni, so ergibt, daai die 
Ladung in Bodda und Teaftbil um l / g kleiner ist als die von Tinuni. 

In den DaM-iigruppou von Tamentit und Zouä und in Timiimniu ■ tu- 
hält die Ladong öü gaeca'a Die letztere ist ein weniu .' als die 

jg von Timmi, diese enthalt 8 mestemen. 

Die gtieee'a von Timimoua hat somit l*) s a des rn^ungerermögen« 
der gueca'e von Timmi. In letzterem gibt man ~r> zeggueniya auf die 
Ladung, wählend man in Timimouu nur *i0 gibt. 

Ri ergib! rieb also, dau die Ladung vnn Timinunui und Tamentit 
ein wenig grösser ist als die von Timmi, und zwar ungefähr im Ver- 
bal tu i.^ -_M : 2 V 

Wal die Messung anderer Gegenstände anbetrifft, so bildet die 
Seej&ehtseinheit daa l'fund, das ungefähr gleich ist dem französischen. 
venigatens wiegl das Tuat-Pfund 0,460 kg. 

Die Pfimdgewiebte der Kauflouto sind gleich dem Gewicht von 
17 douro im media (die Bpanischen Säulenpiaster oder Colonuaten-Taler, 
arabisch Im madfa d. i Vater der Kanone, weil die Araber die auf diesem 
Geldsiflrk abgebildeten Säulen des Herkules für Kanonen hielten). Dieses 
Pfund enthielt 17 Unzen, welche man aoukq (im Singular ouqiya) nennt. 

■Der douro bu media stellt in seinem Geirieht die Unze dar (0,027045 kg). 
Der Verkauf von Flüssigkeiten findet vermittelst Oefässen statt, welche 
jeder Kaufmann sich selbst als Maass nimmt. Diese Flüssigkeiten sind 
< 'I and Honig. Essenzen verkauft man in Flacons oder nach dem Augon- 
mea I ta gleiche ist mit der Butter der Fall, die in Stücken oder nach 

Schätzung verkauft wird. 




J96 



T>, Kürt bhoff: 



Ä.lfl Muasseiuhoiten beim Messen von Längen dienen die EU. 
arm) oder dhern und die Spanne oder oheber 

Einige Kaufleute haben auch ein eingeteiltes Maans, walchei ntfl 
käla nennt (wahrscheinlich »las fran/üsiM du» Haan e-anue) und vrolcbtt 
von Karawanen aus Marokko gekauft worden ist. Di* ><> Mi." 
wenig länger als die Elle.") 

Inbctrcft' Marokkos berichtet Hohlfs. du -<■ und Gewichte 

fBr jede Stadt verschieden soien,") und in gleichem Sinne erklärt zehn 
Jahre später Oonring: -,So schwor es schon ist, eich in diese Mii: 
Verwirrung hineinzufinden, so unmöglich ißt es, auch nur ein annahurieU* 
HiM von den sonstigen Maassen, (Jewichten usw. 7.11 geben. Fnst in jetUr 
Stadt bedient man sich anderer Kinheiteu. wenn auch die Namen dieselben 
bleiben, was zur Verwirrung noch mehr beiträgt. " at ") Aach las in die 
neueste Zeit hinein bat sich in dieser Hinsicht wenig geändert, wen 
auch im Verkehr mit den Europäern allmählich eine grössere Einheitlich- 
keit sieb fühlbar zu machen beginnt. Besonders ist dieses bei Üb 
maassen der Fall, bei denen als Zeugmaass das englische yard und d.-r 
Meter dienen,* 1 ) im Verkehr der Mauren mit den Spaniern") und wohl 
auch nach dem Innern findet das alte Metenuanss dhra*') (Codo) Ver- 
wendung. Auch bei diesem ist die übliche Einheit nach europl 
Ansichten ein sehr unbestimmter Begriff," ) denn der Codo ist die Ent- 
fernung vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen,"*) also in seiner \i - 
debuung abhängig von den (Jrosseuvcrhaltnissen des zum Me.-s.-fri Yei- 
weiidetrn. Arabisch; Ikala* - *). 

1 dhra (dran, drah) - 8 tominis") "") (domin"). Tomin ")) - <V» 71 ».**)•■) 

. - ungo&hi 

22 inches"). 
•Ein anderes Laugenmauss ist die Calla — 0,5 w. 1 *) 

Das Oetreidemanss ist das Saab") («*)•••). 1 Sah") = 4 Muhd« 1 ) »J 
- 07,55 Liter.") 

Die letztangegebooe Zahl darf nur als Durchschnitt angesehen werden. 
wie bei allen anderen Einheiten ist auch bei dein Sab die <i rosse in den 
einzelnen Orten verschieden.") Der Tauger Mudd, nieist 8 tominis, iri 
gleich l n /io euglischer Bushel, 1 ') der Mazagan Mudd isr gleich i Fauegns 
(spanischer Scheffel).***) In bezug auf letztere müssen wir für Hai 
Unterscheiden: die gestrichenen Fanega, dio 55—56 und dio gehäuft» 
71 — 7-1 Liter fasst. 80 ) el Moude wird als Haas« für Körnerfrüchte bereite 
zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erwähnt.* b ) Die Sä = 3 1 /, JajTobQfl 
d. h. die Last, die ein Kamel tragen kunu."*) 

24) Bulletin de In «oeiüte de geo^raphic, Pari-; IS!»:;, Bd. 14, S. BS, 

25) Um Atuland, 1871, 3, 64». 

26 a) v. Conringr, Marokko, 1880, B. 299. 

_'«'.b) l'kert, Vollständiges Handbuch doi neuesten Erdbeschreibung, 1894, \ I. Abt . 
I IM, S. 601. 

27) Meyers KonVMMtions-LttSkOB, 1906, Bd. 13, B.889. 

ä8) Tho Btatcsmans jwbook 190?, B. 1823. 1 1 beb - 35,39 »«, 1 bushel = 86,35 Liter. 

Srobcl, Geographisches Handbuch zu Andreus Handatlas, 1902, S. 631. 
30) Meyer* Konversations-I.cxikon, 1904, Bd. 6, S. 310. 



Maasse und Gewicht»- iu Afrika 



297 



Gewicht kommt meist der Kiutar zur Verwendung. 

Ein gewöulieher Kiutar, neben dem noch andere Zeatnergewiohte 
vorkMiiim.Mi, - 100 Artal") (Rotais)") - 50,8 ty B, J") Auch diese letz- 
tere Zahl kann nur als Durchschnitt angesehen werden, denn der R'tal 
0(lfir Iv ;it 1 1 — - II lekim enthält in den südwesilirliou Hilfen 540 und in 
lifii nördlichen för Einfuhrartikel 50* g, fflr Landeserzeugnisse das 
i 1 t farlu'. ,: ) Nach anderen Mitteilungen ist der Kiutar, der zum Wiegen 
itä einheimischen Produkte gebraucht wird, im allgemeinen = IM lbs, 11 ) 
aber dl ist in den rarachiedeuen Distrikten verschieden") und der Kintar. 
mit dem Einftthrgegenstämle gewogen werden, ist gleich 112 Ib. engl.*') 
Zur genaueren Beurteilung der Gewichteverbaltnisso wird mnn nucli heute 
noch die Angaben v. Conrings aus dem Anfang der achtziger Jahre be- 
rücksichtigen müssen: „In Mazagan wird im allgemeinen nach Pfunden 
\w k;inf't: allein je nach der Ware gibt es grosse und kleine Pfunde. 
Durchschnittlich boD da* Gewicht von •!() I ein Pfund bilden« 

Eben deshalb gibt es auch grosse und kleine Zentner. 

El wird nun aber z. B. das Fleisch nach Pfunden von !>(> -- (oder 
"i-l": .i:m— Mücken, was jetzt dasselbe ist, wenn auch die Bezeichnung $ bei- 
behalten wird) verkauft. Für leichte Sachen bleibt das Pfund u -10 $. 
Dahingegen wird bei Kornunknufon, d. h. Weisen und Gerate] die so- 
aannte Jarroha = 1 40 Pfund benutzt; aber dieses wind wiederum kleine 
Pfände ii $ 20. Ein solches klein«! Pfund ist — 16 Ouzas."»). 

Von FltUaigkeiten, wie z. B. Ol, kauft und verkauft man sogenannte 
Ifedidaa, die aber auch überall verschieden sind. In Mazagan hatte 
Anfang der achtziger Jahre die Medida 32 Pfund ii 1 20 Gewicht.* 8 *) 

Nenerdingi seheint »ich als Flüssigkeitsmanss die Kula ziemlich all- 
gemein eingebürgert zu haben, aber auch deren Inhalt weist grosse Yer- 
acl iten auf, sie fasst iu Tanger 24,0-J, sonst lö,l(> Liter, 81 ) sie 

wie-r 28 rot als = 17 lbs engl, und ist ungefähr gleich 5"/, o imperial 

«llone.") 
Das Stroh wird in Marokko in sogenannten Noaben, Hütten, oder in 
iffre, d. i. unterirdische Kammer, untergebracht oder auch in Mieten. 
Man rechnet bei diesen nicht nach Kubikmetern, sondern nach sogenannten 
tiluuimas. und zwar ist glumma die Höhe eines Mannes. 2 glummas hoch, 
Jummas breit. Das» man sich beim Messen nicht die kleinsten Leute 
heraussucht, braucht wohl nicht besonders" hervorgehoben zu werden.") 

tlm Tafilelt werden schon seit längerer Zeit, wie Chavanno mit 
I bemerkt, merkwürdigerweise alle europüischcu Produkte nach 
lachen) Gewicht verkauft: 1 retal = 100 <f.*°) 

tlu Senegambien finden wir an allen alten Handelsplätzen des unteren 
negal die alten französischen Maasse, die von den ersten Kaufleuten 
eingeführt wurden, im Gebrauch In Medine bedient man sich noch heule 
zum Messen des Salzes eines zylindrischen, in Europa hergestellten 
Maasses aus Eisen mit einem Fassungsvermögen von X> Litern, das als 



■ 1 1 I 1b ;iroirdupoiB) = 453,f> g. 
(9) Bxperl 1U00, S. 100. 

bavaane, Die Sahara, 1879, S. 357. 




W8 



D, Kürchlmff: 



..huitieme" bezeichnet wird. Dasselbe Maaas findet anter der nl 

IJt.'in nimii'j „boisseau" Verwendung in Sine und Cuyor l>.i> J.uitii'i:i"- 

bat zwei Vielfache, dir dir eigentlichen Maasse sind: das „quarV 

Doppelte des Jitiirieme". und die „barrique- oder „bordelalae* I 

4 „quarts 14 oder 8 „huitieniea" enthält. Die lokalen (■evrobuhejl 

auf die Art der Verwendtin- dieser Maasse eingewirkt, denn BS isl ii 

Praxis allgemein üblich, ausser dem Mnnss einen v chnpeau u zu - 

Die Kinfiiliruii« von Gewichten durfte am ehesten auf Schwierigkeiten 
stossen, denn von soleheu macht der Eingeborene nur einen beecfcfäl 
Gebrauch. Jedoch wird der Gebrauch der Wage mit Billigen Vorsicht* 
nmsstvgeln ebenfalls eingeführt werden können, und dieses wüiV- 
Handels verkehr wesentlich erleichtern.") 

Daneben bediente man sieh und bedient »ich wohl zum T 
heute noch, besonder» beim Handel der Eingeborenen unter ein and« 
einheimischen Maasse, so wurde früher bei den am anterei] tta 
wohnenden Ouolofa die Hirse in moniej gekauft Die nionl« 1 iefl ein'.' 
k.ii..i.;i- ,.. die ".n wenig weniger als oinen Utei enthalt LOtnonles >i"' 1 
1 mataz, 4 matars = 1 barrique (Stttektos). Dis media aefftlll In ' nad 
l / t moule. Wie fast in ganz Afrika, sind «res*«« und kleine Ma.w-.i- vm- 
luiinlen: grosse, um eine gewisse Menge Getreide zu kaufen; kleine, an 
sie zu vn Kaufen. 1 *) 

Wir tiudeii in den achtziger Jahren ferner erwähnt: zehn Köpfe 
Tabak, als ein Kegermaass von etwa G— 7 Blättern Tabak, und 
Händler hatte als Abgabe zwei Vorderann längen Uoines EU tshlefl. 

Vis L&ngenioeasse scheinen zunächst, und zwar ziemlich frühzeitig, 
die englischen sich eingebärgert zu haben und kommt hierbei hl 
Linie die Elle (yard) in Betracht, deren Einführen:; wohl dem blauen 
Stoffe „guinee" zu danken int. Von diesem hatte jedes Stück 32 Ellen; 
EFnterabteünngen der Elle waren nicht bekannt.' 6 ) Noch ans dem B 
der achtziger Jahre wird berichtet, dass bei ^-h'issereii (Je*a:hiirren nach 
Stücken, bei kleineren nach BUen gerechnet werde.* 1 Bin stärk, uiece, 
Oninee hatte eine Länge vou 35 m. u ) 

im Jahre I&71 fahrten die Franzosen da« metrische System ein, and 
bereits seit dem Knde des vorigen Jahrhunderts i>r. dasselbe am Senegal 
überall im Gebrauch, man kennt gans genau den Meter und seine Unter- 
abteilungen, und auch die französischen Namen der Maasse sind dBO 
Ouoh»f klar: metar, santimetur, decimetar."J 

Die vorhin erwähnte „Moule* war bereits frQhzeitig raefa Senegal 
aufwärts im Gebrauch, denn sehou im zweiten Jahrzehnt des vorigen 
Jahrhunderts tut ihrer Mullien beim Einkauf von Hirse Ki wähnuii^ 41 ') 
und aus seiner Angabe von Preisen ersehen wir auch noch an h 



'S\) Montoil, Djeane, 1905, 9 256. 

35) Beftt« maritim«:, I8B5, Dil. D, S. 421. 

SB Robert, Afrika fit Haadelsgebiflt^ 1883, 8, 74. 

:'■: Kiport 1661, S. 393, 

38) Robert, Afrika als Hanrielsgchict, 1888, 9 -1 
»grilliere, Mission ou Senegal, 1887, ft. >' 

10) Mollicns Brise in das Innere vou Afrika 1820, S. ICO. 



s 



lach befindliche Mnasse in Hondu, lienn mmi zahlte i'ür «im Kfirbis 
• II WaAser ».'ine irloHschnur, für eine mottle Hirse swej Srhnüiv, 
Vir -'in Maass Milch eint» Schnur und ebenso "viel für einen Ann voll 



Ml ") Auch bei der moule finden wir hinsichtlich dir Faseungs- 
i. jmii, grosse Vereöhiedenheiterj, so berichte Kaffonel, aus Kamm, 
einem Dorf 3er WaJlo's jenseits der Sumpfe der Muriugouius. desfi die 
i Hofclmasfl bildende moule eine nngefthr 1,6 Liter tosende Knlebasss 

-•'i. I)i»'si'S Maas* sei aber nicht immer gleich und /.war niohl allein in 

ii verschiedenen Dörfern, sondern selbst nicht bei den Ih/widmern d.--- 

beti Dorfes, denn jeder Einzelne bat seine moule und die Feststellung 

das Faasangsvernrtgeiifl beruht lediglich auf Bchftteung. 41 ) Je mehr der 

Uldel zwischen Europäern und Eingeborenen zunahm, desto mehr machte 

iefc dei Hange! an gemeinsam gebrfiueblieheu Maasson fühlbar« Der 

Handel /wischen Franzosen und Haaren an den eaeeles longa de* Plattes 

rollzog »teli daher zunächst «ehr langsam. Die Mauren (nafiseen, in der 

Annahme, dass sie betrogen würden. Ehren <iummi, bevor sie ihn zum 

erkauf stellten, mit einem kleinen tfaaea, von den sie das Gewicht 

muten. Ei wurde dann das Gewicht Gommi festgesetzt, du für den 

«it eines Stückes Quinte geliefert werden sollte. Gewöhnlich waren 

ID Pfund (iuniini, u ) aber je nach der Ernte änderte sich dieset 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Gummi am Sei 

• ■in Quinta] gegossen, das ungefähr 1000 Pfund enthielt. 4 *} Ober die 

t- und Gewichtavorhältnis^e auf dem Markt von Koghe in KaartS 

»rt sieh Kaffenel Mitte des vorigen Jahrhunderts: 46 ) Daa Gewicht 

beint in Afrika. 9oW ausgenommen, unbekannt /.ti-sein. Zum AI» 

ler Stoffe dient der Vorderarm (von wo bis wo — Handgelenk, Finger- 

OBW. ist leider nicht angegeben d. V., 1 *) zum Messen des Ge- 

reides verwende! man die „moule**, die «las Imlhe Fassungsvermögen des 

gleichnamigen Gewichts in Fouta hat. Alle übrigen Gegenstände werden 

roh BtQcken, /.. B. Fleisch, bzw. noch der Zahl verkauft. 4 *) 
1 feaaaere Mitteilungen haben wir Ober die Hoaese in Djenne am Niger. 
Lftagemneastei 
Diese Mansse können beliebig sein, indessen eins unter ihnen hut 
aUgeneine Verwendung, es hl der „Kala", dessen Länge der eines mitt- 
leren Vorderarms gleich ist, ungefähr 0,5 m. 

»Dii'M-s Maass wird zum Messen der StotVe .; eh raucht und jeder knin 
mit seinem [Tnterann solange berichtigen bis er das hat. was er wünscht. 
Itei allem was auf der Erde sich befindet, stellt mau die Länge annähernd 
mit Hilfe der Fösse fest, indem man abwechselnd einen vor den anderen 
■!;■: abschreitet Zum Abmessen eines Feldes zählt man die Schritte. 

JMoIU.mib liefst in das [nosri toi» Afrika 3820, S. 19& 
I.' Baffoae], Voyape daua l'Afriqo« owädentalo 1846, 
13 «Inillii , Journal rl an vnyaga u Tembiiuctou 189J I. B. 303. 
AA) Cuhn. Sammlung merkwürdiger Reisen in das Innere tob Afrika. 1 17Ö0, S, IS 
45) ttaffiMiel, Ntuiveau vuyage, dans los pajs des ne^res 1866 r» B. 21 
16 ta französischen Original steht eoudec, was Snob Ello bedeuten kann. 
wir ei bicr nnler Umständen mit dem später su erwähnenden Uraa tu tun haben. Wrf. 




1 






D. Kürclihoff; 



Zum Messen der Höhe verwendet man die Hand. Um z. Ü. die 
Grösse ciuGfl Pferdes festzustellen sproizt man die Finger und es iti 
das Nun dann die Entfernung zwischen den Spitzen des Daumens uul 

• 1<'S ^I'OSSI.')! I'ill-01'P. 

Di© Maasse stehen also jedem zur Yt-rfügnn^, :il >.* sie ri u bei |edun 
verschieden . ]•■ nnrh der Lunge des Armes, des Füssen oder der Harnt. 
Es sind also keine Maasse im wahren Sinne des Wortes. 

IIuhlmaa>~' 

Die Linlndt ist der „sawal u . ein Ilolzmaass, dessen Dimensionen nicln 
genau feststehen, aber dessen Fax-ungsvertnÖgen ziemlich gleich 40 mitt- 
lere Handvoll Hirse, also ungefähr 3 Liter beträft. 

Pifl T'-i iinnasse des „suwul" sind: 

Der „moudd", "in Ilolzmaass, ohne feste Dimensionen, mit einem 
mittleren Fassungsvermögen von 10 Handvoll Hirse. Der „moudd" ist also 
ungefähr » ( sawal. 

Bin ..' . moudd*', weloher oft nur eine kleine Kalebasse um halb- 
sogrossenn Fassungsvermögen wie ein „moafld (t ist, ist nur in Djetn* eelbsl 
in (lebraucli. 

Der „tou u ist das einzige vorhandene vielfach».- Maass da? „sawal" 
und wird durch eine grosse Kalebasse, die ungefähr 24 .»sawal** fasst, 
gebildet Der „faddu" ist ein angenommenes Maass, welches 40 „snwal" 
enthalten soll. 

Di«' Maasse sind nicht vollständig feststehend, sondern sie sind in 
hohem Grade veränderlich und die Gewohnheit vergrössert noch die hierin 
liegende Unsicherheit. Es ist /.. B. Gebrauch, das Maass nicht oben ab- 
znstreieht'ii. sondern über die Höhe des oberen Qefissr&ndes eu hänfen. 

Andererseits i>t die Öffnung, welche die Basis des otTnangtkegelfl 
bildet, von ganz, willkürlicher Ausdehnung, das Volumen ist es auch and 
infolgedessen sind die sawuls nicht gleich, ebenso wie dieses auch niobl 
bei den vielfachen und den Teihnaassen der Fall ist. 

Man erhalt also stets nur ein Get'äss und nicht ein Maass voll. 

Diese Iloidinaasse gelten ausserdem nur für trockene Materialien, t'uv 
Flüssigkeiten oder weiche Gegenstande gibt es keine Maasse. Früher be- 
nutzte iiniii den >awal", tun die Baiter zu iinw^n. aber diese Gewohnheit 
ist fallen gelassen, seitdem die Herden durob die im Jahre 1891 Mair- 
gehabte H/.ijiootie vernichtet worden sind. 

Vom kommerziellen Standpunkt aus hat dir „sawal" eine grosse U<- 
deutung, die hervorgehoben werden rnnsc. 

Alle Cercalieu werden mit Hilfe des „sawal--, der im Westen un- 
genauer Weise „moudd" genannt wird, ge- und verkauft. Nun kauft dei 
eingeborene Handler im Westen nur selten gegen Austausch tler gleichen 
Ware, sondern fast immer gegen „guineo"' oder Leinwand ; um nun den 
Niitzfn, den er haben will, zu erlangen, fertigt er einen ,,nioudd- au. 
ih.'<<on l'iisMingsver mögen ihm genau die Krbmgung des gewollten Nutzens 
ermöglicht. Dieser liebrauch ist allgemein und wird von den Randen 
um su leichter angenommen, als dieser leicht, das „guinäe 11 oder die Lein- 
wand vor der Ernte, um die dringendsten Forderungen, wie z.B. die Ab- 



twwse und Gewichte in AI 



erhält. Da die Verwaltung nur Geld annimmt, so 
gibt der Borgende die Guinee, die er sehr teuer wird bezahlen müssen, 
.sehr wohlfeil ab, um die notwendige Münze zu erhalten. Bein MiHSgusohiok 
Ist über noch nicht beendet, denn wenn er nach der Ernte zorftekkommt, 
um sein Conto zu begleichen, so hat sich die Schuld ohne sein Wissen 
v.rni.lut iind der „moudd", den er mit dem Händler vereinbart hatte, 
liat sieh rergrössfirt. Der vereinbarte „inoudd" trug allerdings Zeichen, 
- ist richtig, aber die gleichen Zeichen finden sich auch auf dem neuen 
..moudd" und deshalb ist ein Streiten unnütz, es beiast: zahlen oder zum 
Etiebfcer gehen und das ist dasselbe. 

Wahrenil derartige Vorgänge im Westen von Djonne ausserordentlich 
bftnfig siml. leheJnt man sie in Djonne selbst nicht zu kennen. Hier setzt 
in in fest, wenn man in der Absicht leiht die Rückzahlung in Getreide 
erfolgen zu lassen, im Augenblick des Borgens, den Preis, mich welchem 
den Qetreide-eewa] bei der Rückzahlung, berechnet werden wird, so wird 
jeder Konflikt vermieden. 

In der Stadt misat auch auf dem Markt ein Eingeborener das Getreide 
mit einem Bitwal, dessen Fassungsvermögen genau festgesetzt ist. Cheikou 
Axnndou hm diese Massnahme eingeführt, wahrscheinlich um die au- 
gegebenen Betrügereien zu verhüten. Dieser messende Eingeborene er- 
halt von dem Verkäufer 4 Kauris für jeden gemessenen „snwal". 

Besuchte unterscheidet man drei Arten: 

1. Gewicht für Metalle. 

Gewicht „ , 

Bemerkungen 

Die charakteristischen Merkmale diäten 
( M-wichts bestehen in: je fünf Punkten 
auf der oberen und unteren Seite. Jeder 
Punkt soll ein „Wnkio" oder für den 
Kall, dass Gold gewogen wird, 7 Gros 
weniger 1 ,,djotö" bezeichnen. Dieses 
ist das einzige Gewicht, dessen Wert 
durch Punkte auf beiden Seiten be- 
zeichnet wird. 



N tanie des Gewichts 
Kariii von Djemie 







Grosser Kanii 
Dioulas. . . 



der 




n;i.o 



Die sechs Punkte, welche dieeea Gewicht 
bezeichnen, sind nur auf der oberen 
Flüche angebracht und sollen je ein 
„wnkie" markieren. Beim Wiegen Ton 
Gold ist dieses Gewicht gleich 10 Gros. 



Kleiner Kanii 
Djonne . . 



reo 

. . 133,5 




Di.-,..» ( \f\\ h'ht wird durch fünf Punkte 
au ihr Oliorllflehe kenntlich gemacht, 
es trägt auch fünf Paukte auf der ge- 
genüberliegenden Seite, jedoch nur die 
oben befindlichen sollen jeder 1 „w.ikie ■• 
bezeichnen. Für das Wiegen von Gell 



302 



D. Kürchhoff; 



Kleiner Karfli der 
Dioulas .... 81,5 



wakie 



moutoukhal 



68,5 



54,0 



42,5 



27.5 

21,0 

14,0 
9.0 
4,5 
3,0 
2,5 



bedeutet dies Gewicht 33 gros and 
1 „djote". 
Fügt man dieses Gewicht zu dem „karfli* 
von Djenne, so entsteht der grosse 
„Karfli" von Djenne, der gleich 
15 „wakies" ist. Für Gold hat der 
grosse „Karüi" von Djenne 100 gros. 

Kenntlich durch drei Punkte an der Ober- 
fläche, die bestimmt sind je ein „wakie" 
zu bezeichnen. Die auf der gegenüber- 
liegenden Seite angegebenen Punkte die- 
nen nur dem leichteren Erkennen. Bei 
Goldgewicht = 20 gros. 

Je drei Punkte oben und unten. Nur 
die einer Seite werden berücksichtigt. 
Jeder von einem Kreis umgebene Punkt 
bedeutet ein Wakie und der einfache 
Punkt V 2 „Wakie". Bei Goldgewicht- 
17 gros weniger ein „djote". 

Von den beiden Punkten je oben und 
unten stellen die ersteren je ein „wakie'* 
dar. Bei Goldgewicht = 13 gros + 
1 „djote". 

Je drei Punkte oben und unten, von denen 
jedoch nur die ersteren in Betracht 
kommen. Der von einem Kreis um- 
gebene Punkt bedeutet 1 wakie, der 
einfache Pnnkt */■ wakie. Bei Gold- 
gewicht = 10 jrros. 

Je ein Punkt oben und unten, nur der 
erstere kommt in Betracht. Bei Gold- 
gewicht = 7 gros weniger l djote. 

Fünf Punkte auf einer Reihe, jeder gleich 

1 gros, sodass dieses Gewicht also 
8 /i wakie ist. Bei Goldgewicht = 5 gros. 

Je ein Kreuz oben und unten. */• wakie. 

In Gold = 3 gros und 1 djote. 
Je zwei Punkte oben und unten. V* wakie + 

2 talis. In Gold = 2 gros. 

Je ein Punkt oben und unten. '/■ wakie -f- 

1 tali. 1 gros Gold. 
Ein Punkt. l /i« wakie + 2 Bouana = l /s g 1 " * 
' Gold. 
Zwei kleine Kreise auf eraer Seite. Ein 

Doppel-tali. Hat in Gold einen Wert 

von 3200 cauris. 



Mausso und tiewichte in Afrika. 









1,25 Ein Punkt in der Mitte eines Rechtecks. 
0,07 Qewicfai gleich dem von zwei Bouana- 

Körncrn. Guldgewicht — 800 cauris. 
0,0025 Gewicht gleich dem von einem BoOOOft- 

Korn. Goldtrewicht == 400 eauris. 



rvriehte lur Tabak 
uiul Weibraiofa . . '282 

138 



hir Bride 85 

IG: 1.7 5 
55 
BkM 27,5 
27 
13,:. 
roobou 7,125 
tonmou . . , . ."i 
tnoaetoanjou, , , . 2,5 



Dieses soll die 
Hälfte des vori- 
gen darstellen. 



Beide Gewi, hu« zu- 
s.iinintMi bilden den 
u;irt;il welcher = 14 
„wakies" ist. aber nur 

»in angenommenes Ge- 
wicht darstellt. 



urleicli 8 -Wiikiee" 

•) 



. 



1 w : i k i < ■ weniger ein ..moustomnoir- 

V, n 
V. - 

ll 



XII 



Alle die angegebenen Gewichte sind aus Blei und nach der Be- 
aupiunj- der Eingeborenen von den Marokkanern eingeführt Die Ge- 
wichte fttf Seide sind durch einen Eingeborenen von Djenne von Marokko 
ircbrartii worden und sind die ältesten, die in der Stadt in Gebrauch 
sind Prüft man die angegebenen Maasseinheiten genauer, so findet man. 
BS via nur annähernde Bestimmungen geben. Einzelne Gewichte sind 
eiwillig verändert und gestatten dem Verkäufer den Kaufer nach Belieben 
zu SborYerieilen. Z. B. der grosse KetOi der Dioulas, welcher 4'» gros 
eld, ttleo 1*0 y triegen soll, wiegt tatsächlich mir 161, Da früh« 
JM Itnvli die Dioulas mit Gold versehen norde, ist dieses wahrschein- 
lich der Grand der Fälschung dieses Gewichts. 

Au- den gemeobten Ausführungen ;*uht hervor, ilass es im allgemeinen 
uteresse liegt, metiUehe Maasse einzuführen. 

Du Beispiel des Cheikoa Amndou um Betrügereien beim Messendes 
streides in verhindern zeigt tl^n Weg. welcher in dieser Richtung erfolg- 
reich beschritten werden kann. 

Der Meter, der bereits von einigen europäischen Kaufleuteu an- 
wendet wird, erfreut sieii Bchon der Gunst der Eingeborenen, weil diese 
kaum haben, dnss er von unveränderlicher Lange ist. Man müssto aUo 
ii den eingeborenen Händlern den Gebraucli des Meters beim Verkauf 
m Stoffes verlangen und damit sie immer einen genauen Meter geben 
:onntea nttoete man dem erwähnten „Messer" einen Knüttel der in Dem- 
eter und Zentimeter eingeteilt wäre, übergebi-n. 

Demselben Mann könnte ein Dreilitermaasa übergeben werden, dessen 
naetingsferinögen dem „aawal" entspräche, an dessen Sielle es also ohne 



304 



1). KCrrlilmlT: 



Schwierigkeit gesetzt werden könnte. Dieses und noch an«! 
niüHston aus Metall sein, um ihnen diu Möglichkeit eines langen Gebroi 
zu sichern 47 ). 

In Sansandig verwendet man Htm Messen der Stoff«' den Uttto 
(eoudde),") in Segu wird das Salz von Tychitt in Mansseinheiten von 
empani camfe, deren Grösse nicht angegeben ist und deren Werl 
gros d'nr betrügt. verkauft. 10 ) In Handiagara Enden wir zum Mensen iits 
Qetreidea wieder die moule, und zwar wiegt die moule Beil 2 kg 4> ; ,/' 
zum Messen der Stoffe dient der Unterarm* 1 ) 18 ) und wird tue Länge Ton 
zwei Unterarmen auf 1/2 tu angegeben. 91 ) Zu Anfang der neunzig 
rinden wir d&e Hohlmaass „mottle" auch in Tirabuktu. und zwar wog hier 
die moule Dattelu % kg .»00 c/. 89 moules Hirse wogen 72 ky.**\ Burth 
i*ibt in der Mitte des Torigen Jahrhunderts in Timhukiu elfl Haan für 
die Datteln netfek ohne nähere Bezeichnung des Fassungsvermögens au 



und 

und 



als Maass fflr Reis und Korn die ssunie,") einen grossen Korb* 1 
dieser hatte gefüllt mehr ;ils 300 Pfund Gewicht.") 
Bevor ich auf die weiter im Innoru liegenden Gebiete genauer • in- 
gehe, möchte ich im Zusammenhang eines Maasses Erwähnung tun, du 
im südlichen Teil Nordwest-Afrikas weiteste Verbreitung gefunden li.it. u 
ist dieses der mitkal. Verschiedene Autoren behaupten, duss dieses \\< n 
eine Verderbung des Wortes niedical V'i, eines Ausdrucks, der gebraucht 
wird, um das zu medizinischen Zwecken benutzte kleine «Sewieht zu h 
zeielmen;") nach Barths Ansieht ist dieses Wort ein arabischer Au 
drurk, M ) und in gleich richtiger Weise erklärt Rolande de Bussy fa 
mitkal ursprünglich für ein arahisclies Maass fi'lr die Essenzen, t""iti 
Steine, wertvolle Metalle usw.") 

Dieses Gewicht ist nun, obwohl in den verschiedensten Geg 
gleich benannt, überall verschieden. Ebn Khaldoun sagt in seiner »u 
schichte der Berber, duss der mitkal l 1 /- Drachmen oder r /i üawn 
wiege.") Da eine Unze das (Jewicbt von VI g bat. bo müsste der mitkal 
also \g wiegen, tatsächlich bewegt sich sein Gericht aber nur in dei 
Nähe von 4 g herum, teils mehr, teils weniger. In diesem Sinne Aussei 
sich auch Barth:") „Es war augenscheinlich eine Folge des Kintlusst 
der Araber, duss das Gewicht des mitkal beim Goldhandel eingeftÜH 
wurde, aber dieses ist ein sehr allgemeiner Ausdruck, der eine lehr \w- 
ichiedene Menge bezeichnen kann, und so linden wir denn im Sudan ver- 
schiedene Arten von mitkal im Gebrauch, besonders diejenigen Ted 



IT) 
19) 

51] 

V', 
•Vi 

f.; 



Moni eil, Djonno 1903, 8,268. 

Oaron, De St. Louis au port de Torabouctou 1801, S. 816. 

Kaffenel, Nouveau voyage dnn* los pnya dM nAgres, lS5(i II. 

Oaron, De St. Louis au port de Tornbouctoa 1801, S. IM 

Barth, Reisen and Entdeckungen in Nnrü- and Zentral- Afrika. IV, S. Hl. 

Kbouda, S. 61& 

Ebenda, V, 8. TU. 

Ebenda, V. S. 10. % 

ebenda, v. s. j2. 

Binger, Du Niger au Sölft <!■■ fiuini>c, 1893, 1, 5. 109 





Munsae und Gewichte in Afrika. 

Ugades. Timbuktu timl Mungo, einem Mainlm^o-Dorf zwischen Fand] und 
fdam Niger, TOD diesen ist der mitkal von Agades der kleinste. "**) Be- 
Mhtffeigen »IT DU zunächst mit letzterem, so hatte Agadei rar Zeit seiner 
Blfltoseit, in der die Btadt einen Haupthundelsjdatz des Goldes bildete, 
den mitkal ab OlgODda <.k i wicht für Gold eingeführt. Seit langer Zeit 
schon kommt kein Gold mehr auf den Markt von Agndes, aber trotzdem 
gilt der mitkal noch als Einheit bei jeder Preisbestimmung.") Er hatte 
stets ein Gewicht von ungefähr 4 g.* 9 ) Für das Gros-Geßohäft wur ein 
grOaseras Gewicht im (gebrauch, immens Karrui, der kleinere Karrui ent- 
hielt 38 1 /, mithalte] oder mitlmkal und war gleich 2*/- rottl., während den 
Karrui lOo initlmkul enthielt uml gleich <>7. rottl. war.") 

In Timbuktu scheint das Gewiokt <ics mitkal erbeblichen ßohwan- 
kungen unterworfen gewesen zu sein, denn um die Mitte der fünfziger 
.fahre des vorigen Jahrhunderts hatte der mitkal Gold in Timbuktu") 5 g y 
jedoofa wieder 4 g (Genz). Nach Barth enthielt der mitkal von 
Timbuktu «las liewicht von 24 Körnern des Charubon-Baumes oder 
'.*>'■ >\ cnern. , °) 

Bei den weiter südlich gelegenen Gebieten spricht sich Binger, 

einer der wenigen F*orsehung!«reisenderi. der sich sehr eingehend mit den 

hier in Frage «tobenden (iegensiündiMi beaehfiftigt, über den mitkal wie 

aaa; B Dafl Gold wird in Kong nach mitkal gerechnet. La jedem 

-int es ein oder zwei Leute, die eine Woge besitzen. Mit 

dieser wiegen de für alle Anfordernden und erhalten dafür einige Knuris. 

FOD ihnen benutzten Gewichte Bind nur ihnen bekannt, sie bestehen 

aus Knpfergewiodeo, alten M'achspetschaftcn, Schlüsseln, Ocheenzähnen 

Jedea dieser alten Eisen füllt eine grosse Büchse.** Binger, der 

rt, den dieses System vieles zu wünschen übrig lasse, stellte fest, 
dass die Gewichte, deren sich der Wägemeister von Joimmkhiuui be- 
diente, waren: 4,125, 4,11.*», 4,100 g, je nachdem, ob er ein, zwei oder 
drei mitkal wog. Es würde sehr vorteilhaft gewesen sein, bei ihm mitkal 
auf mitkul su kaufen. Das Gewicht, das 8 mitkal darstellte, wog genau .JOy.") 

In Sah neu pich die Kaofleutc ebenfalls mehr oder minder 

genauer Gewichte, die hauptsächlich aus alten Eisen- odei Kupforstücken 
bestehen. Da< ETormalgewieht hierbei ist das barifari = 4 mitkal. Es Ut 
lohwer zu ermitteln, wieviel Dach Ansieht der Schwarzen dieser barifari 

ii soll. Rechnet man den mitkal zu 4,669 g, so würde der barifari, 
i li. i mitkal, 18,676 g wiegen. Nach Hingers Ansicht hat der barifari 

! wahrscheinlich dieses Gewicht gehabt, aber bei dein Mangel von 

^Wichten verlor der barifari allmählich au Gewicht und fiel auf 18 g 
und voriger.**) Binger faud in Sulugn barifaris von 17.5, 17,75 und 
auch 18 y Gewicht") 



68) fUrths Reiten durch Nord- and Zentral-Afriln, I, S. 612. 

59 Kffttn il Annalfls des voyagca. Polin 18Ö8. Bd. I, S. 849. 

60 Barth, i;. ison und Entdeckungen in Nord- und Zuntral-Afrika, V, 8. 82. 

61 BUgOT, Du Niger au Golfe de Gninee, I, S. 309. 
BS Bbenäi 1892, I. B. 103. 

ZeiWcbrifi Itir Ellwologio. Jolir*. 1906. Hofl 3. '5^ 



300 



D. KfiTChÜoff: 



Der niitknl Imt hier verschiedene Unterabteilungen. Um dit* kleinsten 
dieser zu wiegen, bedient, man sich kleiner Körner ?on korallan 
Fnrbe mit einem schwanen Flecken. Der Strauch, der diese K 
hervorbringt, ist eine Lianen, irt, BD «elcher die die Körner i i 
Hülsen ähnlich den Beeren der Weintraube wachten« Diese Liane 
sonders um Casamaooe sehr verbreitet, uml die Dic-las bedienen Neil ihrer, 
um Ihre Kriogsbfltc damit eq aoumäeken. M J Man nennt diese Ust 
damna.* 1 ) 

•_' damna sind gleich einen Com des Seidanwollbauniee, bamn-kiiL 
3 bau an oder bsBaa-naiii «erden dinppu-kili genannt. 

Uiappa ist ein wenig gebr&uchlidier Ausdruck. Man bedien: 

Mutiger der Bezeichnung limiau-n;mi, und man ist ubereingekomm iu 

IniiKiii bis 8 bäumt zu zählen und bezeichnet diese mit banan-segai odsj 
niaa-ktli. Dieses sa£an-kiü ©des safan ist genau gleich i / a mitkal 

3 satan «erden entweder mitkal-kili oder diappa-onoro genannt. 

1 mitkal -t- 1 Mifau wird teukoro genannt. 



diouussourou 



-f ' , mitkal .. 
, -f* Ü safan „ nanfessourou w 
, werden soussou genannt 
» » diouggou 

y, baritoi * 

Der Tlural Ton barifari ist manna. denn man sagt nicht barifari Ha, 
sabn usw. _'. '•), i barifari, sondern manna Ha, Bftba asw« Das Kornftl- 
gewicht des mitknl sind '24 Bnnancnkerne, aber bei mehr als 7 Bananen 
bedient man rieh nicht mehr der Körner. BOildem verschiedener Objekte 
aus Kupfer, Eisen, Hörn, Knochen usw."*) 

In Bondoukou, dem Mittelpunkt goldhaltiger Gegomh'ii. wo ebeni 
der mitkal Verwendung findet, besitzt jedermann eine Goldwage mit I 
Wichten (liirita)," 1 ) wahrend aber in Sahiga von den Unterteilen des mitkal 
die damna das kleinste Gewicht ist, hat man in nondouknu noch 1 nter- 
abteilungen dieses letzteren, und zwar in Form von V. damna. Db>< 
Menge wiegt man mit einem povsettba genannten Korn. Ist ein aolcheB 
nicht vorhanden, so bedient man sich Reiskörner von mittlerer Grfl 
die noch nicht abgescbfllt sind. Drei dieser Kömer sind gleich 1 donnu 
man schneide! "ins der Körner in zwei Hälften, und \ l L Reiskorn, i 
bilden die pouassaha oder kouassnba.**) 

Binger weist als ^th r bemerkenswert darauf hin, dass tue Gewicht« 
immer geringer werden, je mehr man aaöh Süden kommt**) Funsen wir 
iu dieser Hinsicht das Hauptgewicht, den mitkal, ins Auge, so Ps 
Binger zweimal, das» der barifari genau 17,6 g wog, also geringer war 
als zweimal der mitknl, welcher k d g wog. Die kleinereu (lewichte sind 
ausser!, in alle zu schwor, und Bingcr nimmt folgendes an: Die Li 
von Bondoukou verkaufen den Stadtbewohnern, welche Gobi -iab. n. kl. 



Biogoy, M. s. im. 
64) F.bcn-Ia, 1893, II, B. L€6, 
66) Ebenda, s. W L65. 



tfftftss« im il Gewicht« in Afrika. 



DaU&nde, irie Korallen, (,'alicot usw., deren Wert niemals ein oder 
EW6I mithal <iold überschreitet; si* kaufen dann Gold mit acliwi-ren Qe? 

ten und \ erkaufen es mit leichten an die Mnndingos und Asehantis. 04 ) 
MIOO vvio der mitlcal, sind auch uocli andere Maas^e. durch die 

nunedarriscaefi Kanflente Ober den grössten Teil von Xordal'rikn ver- 

: worden. In erster Linie ist biet du Langcnunnms. der draa, zu 

sannen, äba in iIU-ii bamedaniscbea Ländern Afrikas verwendet wird und 

den Europäern untai dem Namen Igyptieeha Hie, von vielen Reisenden 
kun BBe ^nannt, bekannt ist Dieses Muass soll im allgemeinen gleich 
der Lauge des t 'nterunnea vom Ellenbogen bis zur Spitze des Mittel- 
r.'°] jedoch ist dieses Maaas, ganz abgesehen von derdureh lio rer> 
leniedene Ü öasu des Messenden bedingten V ereelüedenhfiil m der Länge, 
auch in den einzelnen Gegenden* 1 ) und. wie es scheint, auch zu \--v- 
•ehiedeoan ZeUabsefarritten von einander abweichend. Beginnen wir im 
Oatan, 10 finden wir den dran bereits tu Beginn des vorigen Janrhnnderta 
in der angesehenen Länge unter der Benennung gudga in Abessinii'ii.") 
aoheSiri allmählich eine Änderung eingetreten zu sein, dann zu dem 
Beginn der zweiten Hallte des vorigen ilahrhunderts berichtet Bangliu 
da»» dm gewAmJiche Laugt nmaass die Elle (dra) »ei, gerechnet vom 
Ellenhohen bis tu den Fingerspitzen und zwar mit Hinzurechnun- VOS 
l«ei Fingerdieken. u ) Wir rinden dieses Maass ferner an der Kflafe dar 
N'-»ni;di-L:iud "»'.**) wo es die angegebene Normallänge hat, ') in Measana, 
wo die Lange auf (wahrscheinlich ungefähr D. V.) = 50 cm angegeben 
wird, und hier war auch ein Mehrfaches, nämlich der maadal = 11 dran 
im Gebrauch. 70 ) Weiter mich Westen benutzte mau den dran als Läugen- 
inuass in Seminar, iiml /war bildete er liier das einzige LäiiLTiniiaa-s. n ) 
er wurde vmh .1,-ui Ellenbogen bis eur Spitze des Mittelfingers gemessen; ;i » 
in Tunis. i*o die Läng-' des Ellenbogens bis zur Spitze des Zeigefingers 

bnei wird. T, j Das Maas» war in den ganzen Stauten der afrikanischen 

Nerdkflate im Gebrauch und auch in Wadai finden wir den draa bzw. ein 

von ihm als Einheit. Es ist dieses die tokta (pl. tokaki), die 

hu twni 3 Ellen breiten Kattnnstreifen, von denen jeder 18 draa lang 

iet, I- ■ 

In Kuka und Mandara findet ebenfalls der ilraa Verwendung mit! 

io in dem südlich Kuintagu gelegenen Kuka. wahrend er aber in 
Kuiuraga die eingangs angegebene X<<rm.dlänge hat, misst man ihn in 
Hand Kuka nur vom Ellenbogen bis zum Handgelenk. 14 ) Auch in 

diesen Gebieten finden wir sowohl Mehrfache als auch Teile des draa. 



XuurcUes Annalcs des v i :.'l, IM. |-_\ S. 337. 

-.; Rohifi, Quer durch Afrika, II. 8. 02. 

Haitmann. Abossiai«'ii. S, I 1 

I • t ermannt Mitteilungen, ErgftnsuDgslifft -IT, S. 8& 
anslaadi i*88, 8. 171. 
71) Cuhn, Sammlung merkwürdiger Reisfa io du« Innere, ron Afrika, III, S. 270, 
fJame« Bru< . I : » I - ■ • n.ieh Aliessinien.) 
Ta Ausland, 1867, S 61 L 

FanUtiohke, Die Budaidttnder 188ö, S. 2U6. 
it-. Qaet durch Afrika, II, S. 02. 



308 D- Kürchhoff: 

und zwar bilden nach Rohlfs in Kuintaga das Kleingeld die gobega, 
2 Zoll breite und 4 Ellen (draa) lange Streifen dea im Lande gefertigten 
Baumwollzeuges. 14 ) Diese gobegas sind aber in den verschiedenen 
Gegenden von verschiedener Länge, und zwar hat gobega in Kuka 3 Ellen 
(draa), in Mandara aber nur 1 draa.") In ähnlicher Weise äussert sich 
Barth, der über die Messverhältnisse in den Gebieten südlich Bornu 
folgende Angaben macht: „Das kleinste Maass Baumwolle in Ssarau (Nord- 
Adamaua, D. V.) ist die nanande, es enthält 10 dra (kurze Ellen) oder 
fondude (Plural von fonduki) = 4 Klaftern (kanel oder nandudi (Plural 
von nanduki). Dieses Wort nanudi bildet den Ursprung für das ange- 
gebene Wort nanande, denn es ist durch Zusammenziehung von nei nan- 
dudi (4 Klaftern) entstanden.'*) Sieben nanande bilden eine dora, d. h. 
ein kleines Hemd von sehr grober Arbeit und kaum als Kleiduug zu ge- 
brauchen; 2 — 5 dora machen eine Tobe (gaffa leul) von sehr verschiedener 
Grösse.") 

In Agades wurde der englische Kaliko in Stücken von 10 draa (hier 
auch kama genannt) verkauft.") Nach Barth war der ridjal ein Maas* 
von 8 dhira oder kurzen Ellen gabaga (Baumwollstreifen), ") 4 gabaga 
waren in Kuka gleich 32 kungana.™) Richardson nennt als Maass in. 
Bornu die gubga = 8 draas oder achtmal die Länge des unteren Armes- 
vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen. n ) Der draa hat ungefähr die 
Länge von 2 inches, 80 ) Denham nimmt ihn gleich 1 yard an, aber die 
oben angeführten 8 draas sind nur gleich 3 yards.* 9 ) Foureau gibt die 
Länge des draa in Agades auf 0,48—0,5 m an. 81 ) Auch in Bilma findet 
der draa Verwendung.") 

Ein in den ganzen Gebieten südlich der Sahara weit verbreitetes 
Maass ist das Hohlmaass „mudd", das seine Einführung und Verbreitung 
ebenfalls den Mohammedanern zu verdanken hat. Wir haben dieses Maass 
bereits an der Nordküste, sowie am oberen Niger bei Djenne gefunden. 
Wir finden dieses Maass ferner im Gebrauch in Hombori uud äussert sich 
Barth über diesen als Kornmaass verwendeten „mudd": aber der mudd 
von Kubo, 2 1 /, Tagereisen von Hombori, ist viel kleiner als derjenige von 
Tinge und erreicht nur etwa */• der Grösse; dieses Maass von Kubo hat 
die Gestalt einer flachen runden Schüssel, während der von Tinge mehr 
einem kleinen Eimer ähnlich ist.") Auch in Isse, westlich Hombori, fand 
Barth den „mudd" als Kornmaass.") Weiter nach Westen wird dea 
„mudds" als Getreidemaass noch Erwähnung getan in Wadui, wo das 



75) Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zcntral-Afrika, Bd. II, S. 536. 
76» Gumprecht, Barth und Ovorwegs Untersuchungsreise nach dem Tsad 185*5,. 
S. 90. 

77) Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentral-Afrika, I, S. ">23. 

78) Ebenda, II, S. 395. 

79) Richardson, Narrative of a Mission to Central Afrika, I, S. 308. 

80) Ebenda, S. 273. 

81) Foureau, D'Alger au Tsad, S. 213. 

82) Richardson, Narrative of a Mission to Central- Afrika, I, S. 312. 

83) Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zcntral-Afrika, Bd. IV, S. 327. 

84) Ebenda, S. 338 



[«aase und Gewichte iu Afrika. 



:m 



einen oberen Umfang von etwa vier Spnunen und ungefähr 15 cm 
llnli,. Iku. 1 ") dflflflelbe Kmm fand Nachtigal auch in Bir Tuil in Darfur."") 
In Niilii.-M «rar sn Beginn des vorigen .Jahrhunderts das gewöhnliche 
RetreldemaaBa dar umudd"), uud in der üegend von Air finden wir als 
rTohlrnaasB den zekkat, der auch moadda genannt wird, derjenige von 
Iferouane hat ungefähr */, Liter Inhalt, jedoch wechselt das Fassungs- 
BttgVB in jeder Gegend.") 

Kehren wir nach der Küste südlich des Senegal zurück, so war hier 
zu Ende des 18. Jahrhunderts des Xormalgewicht die Eselsladung, nach 
wurde an der Grenze von Bondu und Walli der Zoll gerechnet 
und auch alle Ahgaben wurden in Bondu nach diesem Maaes be- 
-rimnir. Im Gebiet dos Gambin wurde das Salz in 3 l ' t Fuss langen, 
14 Zoll breiten und 2 Zoll dicken Boneiben verkauft, vier derselben 
bildeten eine B&eJladoag, sechs eine Ochsenhulung. Fiir Gold war in 
<i._-ii l.ii «l;i> N'orn iahe wicht der rninkalli. Bei den Maudingos 
an-' heinend in der Gegend von Galan d. V.) hatte der rninkalli Gold 
etwa 1" Schilling Wert, am Gambia ungefähr einen Dukaten. Als Tcil- 
gowichte wurden Tilikissi verwendet, schwarze Bohnen, von denen sechs 
soviel wogen wie ein rninkalli. Nach Mitteilung Mungo Parks wiegen 
die > • : c du Gold auf kleinen Wagen, die sie immer bei sich führen. 
in GoldkOrnern und gearbeitetem Golde macht man keinen Unter» 
Beim Tauschhandel wiegt allemal derjenige, der das Gold 
empfangt, es mit seinen eigenen Tilikissis. Diese Bohnen werden bis- 
weilen in Batunbutter eingeweicht, um sie schwerer zu machen, Mungo 
Park sah einmal eineu Kieselstein, der ganz genau in die Form einer 
solchen Bohne gearbeitet war, doch waren dergleichen Betrögereien nicht 
»ehr häufig. 8 *) 

In PortDgiefiisoh-Guinea hat die Einheit Stück guinee eine Länge von 
fFaxda.**) 

Durili Kgl. Verordnung vom IS. IX. 190a ist. in den portugiesischen 
n iuKoeischen Besitzungen Guinea, Angola, Mosambik das metrische Mauss- 
hikI GewichtBByatem eingeführt worden. Zur vollständigen Durchführung 
dei Reuen System« ist eine Frist von 5 Jahren festgesetzt. 91 ) 

In l'Yanzösisch-Guinea verwendet man zum Messen des Getreides den 
Scheffel (boiaseau) und zwar unterscheidet man drei Arten: 

l-oisseau imperial, hoch: 0,36 wa; Durchmesser 0,37 wi, Fassungs- 
vermögen 37 'v Liter Wasser. 
den boieaeftU colonial gen. 1» pCt., hoch: 0,10 m; Durchmesser 0,50 m, 
FassOBgtverm^eii 44,3 Liter Wasser. 

66] Nachtigal, Sahara und Sudan, Bd. III, S. 2Ü9, 2i7. 
>«. Ebenda, B. 307. 
i Ukcrl, Vollständiges Handbuch dei neuesten Erdbeschreibung, 1S-J-1, VI. Abt. 
I. Rd.. B. 

88) Foaroan, D'Alger au Tsad, S. 21 l. 

Muugo Paik* Rciacu iu Afrika 1799, 8. »8, 48, -Jon, 378, -J85. 
Aspe, La Ginnte fran(;aise l'.KXi S. 391, 
91) Nachrichten für Handel und Induslrio 1!K» Nr. 104 S. 8. 



310 



D. Kfirchlioff. 



deil iiöisseau 2S j»t 'r , hech: 0,12 fi; Durchmesser <*,ö4 »'. Faaaungav» n 

17 Liter Wa 

Mim kauft Reis und Hirse vermittelst des boisseau \on 2."i pi i 

Palmenkerna vermittelst des von 18 pOL Der Verkauf von Reis uoil 
Hirse findet vermittelst des boiaaeau imperial statt. Der mit Palmen* 
kernen voll gehäufte boisscau 18 pC't. hat ein Gewicht tob vr*ni| 
30 kg (817* & wegen des Abgangs). Demnach orgeben 300 boise 
Palmcnkeruo 9,1000 boisscaux 30 Tonnen.") 

Der Kautaohqk wird malst nach englischem Pfund (Ib.) (1 Ib. - : 
u'ehandclt. jedoch bürgert «ich neuerdings allmählich auch daa Kilogramtn 
ein."") 

Palmöl vriid ein- und verkauft nach gallon imperial (4 Lltei 
Das Fassungsvermögen ■ l»»i Alkelndballona wird im allgemeinen aucl 
gallons berechnet. 

Als LängeumausHe benutzt man neben dem selten angewandten Meter 
den yard (0,01 ' t m) und den Zoll (0,1)2'/»). 

Die Bicgeborenen sind schon seit sehr langer Zeit an die onglischfl 
Längen- und Hohlenmaasse gewöhnt und es würde »ehr schwierig 
au dessen Stelle das metrische System einzuführen. Jedenfalls würde da 
Handel zunächst keine Vorteile und nach Ansicht mancher sogar V«! 
haben-") 

Samlerval erwähnt als ein Maasx mit dem in Finita Djalon du 
Rationen Reis ausgegeben wurden die caneque ohne Angabe >le> I 
Vermögens.") 

Wir kommen nunmehr in Gegenden, in denen sich aus den Handel 
mit dem wichtigsten Artikel, Palmöl, als Mnasseinheit das Kru (engL croo) 
entwickelt hat. 

Wenn dieses Mauer* auch längs der ganzen Küste als tfaneaeinoflil 
für Palmöl und Pnlmkerne von Liberia bis Kamerun Verwendung fainl 
und auch noch zum Teil findet, sn ist es trotz des gleichen Namen« Q*od 
hinsichtlich Heines Fassungsvermögens an allen Orten verschieden; es hatte 
z. B. ein mit Palmöl geffdltes Kru iu Liberia ein Gewicht ron L8 
Kamerun ein solches von 4'2 /-(?"), in Lalmu und .lack ein solch» ~ ron 
4*1 engl. Pfund. 94 ) Da die einzelnen Gegenstände von den Euro 
meist nach <i<s\irlir gekauft wurden, so war die Folge, dass das Kru bei 
verschiedenen Produkten verschiedene Mengen aufwies, so berielii.-t 
Bastian. 

1 Kru Öl = :i Kru Reis; 1 Kru Reis = 25— 30 engl. Pf.; 1 Km Mul.i- 
guetta-Pf effer = 18— 20 engl Pfund. 1 Kru Palmöl enthalt 4 Gallons and 
iniis-- ;i<> engl. Pfund wiegen,* 1 ) In Bestes wurde im allgemeinen an- 
genommen I Kru Palmöl = 3,1 Kru Malluguetta-Pfeffer = 2 Kru Vu 
Aus Kamerun berichtet Zöller aus der Mitte dor achtziger Jahre: 1 Kru 



U2 Aspe-Flcurimoiit. Li QoIoÄfl fiiiueai^e 190% S 257, 

y3) Aspe-Fleurimont, La Guinöe faocUM 1900, S 

M) Sandcrval, Kfthel 1898, B.216, 

93 IDttattnngen der goographischon U«sellschaR Hamburg 1881, B 

06) Bastian, Afrikanische Kciaen 18501, 8. 881 1. 

97» Bastian. Afrikanische Reisen i^ßl, S. -Jfri. 



Msusse und Gewichte iu Afrika. 



311 



n=l engl. Pfand, 1 Kru Pulmenöl = IU engl. Gallonen, 1 Km 
I itnti nkerno = 160 engl. Pfund. ") Ursprünglich scheint allgemein eine 
Einteilung des Krus in Ballonen (galloonsi üblich gewesen zu sein, selbet- 
-i.iniilirh ninaste entsprechend de» verschiedenem Gehalt des Kru auch 
]te Zahl dar ite bildenden Gallonen wrsehieden sein, in Liberia Betete 
- 1 i i - Kru aus ('» gulloons k 3 kg, und iu Kamerun aus 12 Imperial 
laHoom ä 8*/i ty twummm»™ In Wydah fand noch zu Beginn der 
anigav Jahre zum Messen von Palmöl die akrouba Verwendung:. Dieses 
rloblmaaafl i^r ein kleiner llolzkübel, welcher 18 Gallonen enthalten soll, 
tateftobliob aber nur 17 enthält. Dieser Unterschied wird wie folgt be- 
gründet: l>i»' akrenbe ist hinsichtlich ihres Fassungsvermögens von alters- 
her \on den Behörden des Landes kontrolliert worden. Infolge ein- 
et« aer Streitigkeiten Bwiaohen Eingeborenen und Faktoreien wurden, 
wie dieaei öfter vorkam, einmal die letzteren von den BebOrden des 
Lande« geeehloeaen und eine Öffnung wurde nicht eher in Aussicht ge- 
lt, bis die Europäer ein Gesehen k gezahlt und ihre akrouba nach der 
^ore. dem Versammlungsraum der obersten Behörden gebracht hätten. 
Die Boropfter erhielten später ihr akrouba zurück, jedooh war ihr Fassungs- 
vermögen um ein Gallono vermindert und den Europäern wurde aus- 
rekliöfa verboten eine Änderung mit dem Maass vorzunehmen. 
Bei ihrer Ankunft werden die von den Eingeborenen herangebrachten 
Qefasee ontersneht, oh sie niclit Wasser oder fremde Gegenstände ent- 
halt« ii. die schwerer lind als Ol, z. B. Sand. Diese Toraichtamassrege] 
ial nötig, da die Eingeborenen in jeder Weise Buchen, die Boropfter an 
betragen. Die oachgesofaenen GeGasse werden in die akrunlw i-mleert 
bis die* DM cum Hand gefüllt ist und das so gemessene Öl wird in ein 



pon< hon, ein etwa ">H0 Liter enthaltendes grosses üefäss 



ii 



Lb. in Wydah scheint unter dem Druck besonderer Verhältnisse, 

wozu auch die Marktvorholtnisso in Europa zu rechnen sind, überall < in< 
Hembseieong des Fassungsvermögens des Kru eingetreten zu sein, denn 
Btl ebner beriehtet aus dem Ende der achtziger Jahre, dass in Liberia 
Krn Palmöl ■■ 5 Gallonen, in Kamerun = 10 (ialloneu (ebenso /.oller 
I835J *dß^ Liter sei. 1 ") 

tln Liberia ist man \un der Verwendung des Kru anscheinend ab- 
kommt n. denn nach Büttikofer wird flüssiges Palmöl in den Faktoreien 
nach Gallonen gebändelt. 1 * 1 ) Es ist dies heute im allgemeinen die 
englische gulloon, enthaltend 10 Pfund avoirdupois destillierten Wassere 
veri '.-_'' F, wie überhaupt die verwendeten Maaese und Gewichte zumeist 
brittisob Bind- 10 *) Man hat ausserdem noch folgend«' tfaatse und Gewichte: 
Ab Goldgewicht dient die Unze, 1 Unze = 16 akis = 20,396 f. Langen- 
maasse sind der Piek = 1 vi, das Jacktau = 12 engl. Fuss, HoblmaflSBfi 



sind: 1 Ardeb = 10 Madega = 4.3:>;i:> Liier. 1 Kuba (FlfUmgkeitejnaaee) = 




98) Zöllcr, Kamerun II 188."», 8. UM». 

99J Maudouin, Troi6 mois de captivil<> an Paiioiiioy IS ' I . -S. »m u. XVJ. 
100) Büchner, Kamerun 1SS7. S. 9-1 n. 250. 

Ittikoftr, Röisßbildcr in Liberia II, S. 108. 
Ihc sUtcsmaiTs ycwbo«k 1907, S. HS». 



31S 



Ü, KürciiboIT: 



1,0159 Liter. 11 ") Allzu weite Verbreitimg dürften diese allerdings 
oioht habeu, denn Johuston erwähnt in seinem notierten Bu 
Liberia der Maasse und Gewichte überhaupt nicht und Buttikofer be- 
richtet daM Monrovia und einige andere Küsfeuplätze ausgenommen »let 
Taasohhandel fast ausschliesslich Anwendung finde, 11 *} bei diesem spidt 
Salz, eine grosse Holle und dieses wird ffir den Transport ins Innen.' ifl 
zierliche Korbe, die etwa 1 m lang und 1 dem breit sind, verpackt. Zftfai 
dieser Körbe haben den Wert eines Sklaven. 10 ') 

In der französischen Kolonie Elfenbeinkäste bedienen Bioh die Ein- 
geboronen bei ihren geschäftlichen Transaktionen im allgemeinen keinst 
liewichte. Nur für den Verkauf von Goldstaub und Goldklumpen ge- 
brauchen sie kleine europäische Wagen. Die Gewichtseinheit i 
Unze = ungefähr 32 £- In den goldreichen Gebieten findet man sehr be- 
merkenswerte kleine Figuren boj gepreastem Kupfer, die Gegenstände 
der heimischen Flora und Fauna darstellen und die dazu dienen, d 
die Oben als Tribut abzuliefernde Menge Goldstaub zu messen. Diese 
sehr hübschen „Gewichte 11 , beweisen bemerkenswerte künstlerische V*> 
suche und man findet bei ihnen soviel Einfachlieit und Naivität, die ibOSIl 
einen ^ri».-sen Wert geben. 

Bei der Handelsbewognng der Eingeborenen untereinander Gl 
keine Maasseinheit Verwendung. Man verkauft nach der Zahl und in dsi 
verschiedenen Gegenden nach Körben, nach ßündelu, nach Schalen usw. 
Der Palmwein wird in der Kalebasse gemessen. Die Europäer wenden 
gewöhnlich die metrischen Mause an.""*) 

Au der Goldküste ist da» Gold vou den Eingeborenen bereits lanp' 
vor Ankunft der Europäer gewogen worden und zwar bediente man steh 
hierzu der Taku und Damba, über die Müller, wie folgt berichtet; „Taku 
und Damba sind Hülsengewächse gleich den Erbsen oder kleinen Feld- 
bohnen, uur, dass sie länglich, rund und von roter, sehwar/er und v 
Farbe sind. Ein Takn ist noch einmal so gross als ein Damba. Diesei 
Gewachs wird anstatt des Gewichts gebraucht Die nächst höhere Qe- 
wichtseinheit war eine ineteba (jedoch Iflsst sieb nicht ersehen, aus 
wievielen Dambas diese bestand d. V.) So man des Kaufs einig geworden, 
wird alsbald eine Wage, welche sie selbst aus Blech mit langen Zwirn- 
faden machen und immer in einem aus Bast geflochtenen Säcklein mit 
»eh führen, zur Hand genommen und das Gold gewogen. Die Bauern 
wissen betrüblich genug mit der Uoldwage umzugehen, sonderlich \\« il 
sie nicht gestatten, dass der Käufer nach Belieben Gewichte auflege, 
sondern sie nehmen aus einem grossen Haufen Taku und Damba die 
grössten hervor. Häufig sind dieselben vorher angefeuchtet, damit si 
desto schwerer ins Gewicht fallen. 10 ') 

(her das Wiegen des Goldes berichtet in ähnlicher hinsichtlich 



108) Hühners geographisch- atatiatieebe Tabellen 180192—1907. 
104) Buttikofer, Reisebilder aus Liberia]!, S. 108, 
106] Globna Ud. IC B. 76 

106) La cöte d'Jbcirs I90Ö, 3.086. 

107) Muller, Hie afrikanische Landschaft Fetu iGib, S. i'.M 





Mause und Gewichte in Afrika. 



313 



>;iwi\> abweichender Weite in der lütte der achtziger Jahre von 
den i an der Goldküste Dr. lleichenow: Die Handelnden führen 

das Qold, daa die Btelle de« Geldes vertritt, in kleinen Lederbeutelu mit 
siel) und haben zum Abschätzen der Beträge kleine Wagen bei sich nebst 
•ehr /.ierlichen, häufig aus Qold gearbeiteten Gewichten, welche ver- 
fechiedens Gegenstände darstellen. Normalgewicht existiert natürlich njpnt 
Jedermann hat sein eigenes Gewicht, dessen Wort nur ihm bekannt ist. 

i Handel u;il;i der Käufer eine Qualität Goldstatib ab, welche er für 
«leu betreuenden Gegenstand zu /.ah Ion geneigt ist; der Verkäufer ppflfl 
hierauf die Menge auf Beiner Wage mit den eigeuen Gewichten, und auf 
solche ^ eise wird lange gewogen und sehr viel hin und hergestritten. 
bevor der Handel zum AK-chluss gelangt. l03 ) 

Bei dem Handelsverkehr der Europäer mit Eingeborenen bedienten 
>i<li ersten in >\<>r zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderte in der Ge- 
gend von Kiviiensborg als Goldgewicht des Troi-Gewiehts, das tcöBnieeb- 
Gewichl Bein sollte. Das dänische Goldgewicht verhielt sich ge 
an dar Koste gebräuchliche wie '.»:*. Das Gewicht, sagt Reiner, mnas 
auch auf Guinea schwerer sein, denn das Gold i.st alle/.eit mit einigen 
Sandkörnern vermischt, sodass wir im Schmelzen oder in Schcidewasser 
leiniglich ' , verlieren. lüB ) Hunden Jahre früher berichtet Müller 
üb» r den europäischen GoldhaodeL Es haben die Accraniachen Kau Heute 
guten Verstand von der Goldwage, welche die Christen bei ihrem Handel 
^•brauchen. Das Goldgewicht wissen sie uach einem jeglichen Stücke 
in iliior Spraohe mit seinem Namen zu zählen. Zwei Gulden holländisch 
nach dem Goldgewieht nennen sie metaba, vier Gulden eggraque, sechs 
Galdan eulauue, acht Golden oder ein Quenileln (Soldes eggwa tun, 
>erh/rlni (iulden »»der oi ii Lot egguba, 32 Gulden oder eine Unze Band 
Afau, C4 (iulden «der 2 Unzen Beiida, 4 Unzen Bend Abien, Ü Unzen 
Beml Abrieaeen, 8 Unzen Bend Anan, 16 Unzen oder ein Pfund Gold 
Bendarqui. Aus einem im Anhang befindlichen Vokabularium sind noch 
l -ii-le gebrauchte Gewichtseinheiten zu ersehen. Abbö-* 3 taku, 
essubirma — G taku, perre surre = [Y d. V.), asjan = (? d. V.) Bendafan 
wurde auch e--nl> abien genannt. 

Nach holländischer Auordnung durfte, um Streitigkeiten zu vermeiden, 
keine Wage in die Hand genommen werden, sondern die Wage musste 

frei an einem Querholz ober dem Tisch hängen. Die Eingeborei 

achteten auf genaues Einspielen und Hessen keinen Ausschlag zu. Andere 

«■•■inlieiten als solche für Gold waren nicht vorhanden. 11 *) 
Das Flüesigkettsmnoss Kru hat in diese Gebiete in nennenswerter 
oise Verwendung nicht gefunden, denn Palmöl wurde hier sehr wonig 
Biaeht, da dio Palme ein marschiges Land braucht, daa auch in der heissen 
Jahreszeit nass bleibt; der grösste Teil dieses Gebietes aber hochliegt. ul ) 

tLOQ Geographische UnirersalbiMiollii'k Höft 5, 3.22. 
109 EtOnSH Nachrichten von der Küste Guinea 1769 S. 28L. 
110) Müller, Die afrikanische Laudschuft Fetu 1075, 8.264 
Ml hui- r - >n, Priors Reisen lisch der Ost- und Westküste von Afrika 182* 
I IM. 




314 



I>. Kfirchhoff; 



Über das Wiegen des Goldes in der Gegend von Axim ftuasi 
zu Beginn des 18. Jahrhundert« Bossmnnn: Was dessen (di 
Gewicht Anbetrifft, isi zu merken, dass in;iii mit Pfunden, Marcken, lni/m 
und Esterlin rechne. In Europa gehen 20 H.-terlin auf eine Untze, aber 
hier zu Lande nicht mehr ala 16. Man reclmet auch mit Pesos, Wi 
4 Ksterleins. und mit Bendos. weiches '2 Unteen sind. Viflf 
Bendos machen ein S und zwei S machen ein lb und ein Ib. bellnft 
sieh ungefähr auf 660 Gulden. Zwar findet sich zuweilen ein Untor.-chied. 
Wenn nämlich alles Gold nicht gleich gut, dthor auch b Kuropa der 
Preis bald steigt halt abnimmt, dennoch aber rechnen wir durchgehend* 
H Mk. fein Sold auf tantend Gulden und also vom übrigen nach proportios. 

Ausser den jetzt gemeldeten Gewichten findet sich noch ein änderet, 

dessen man sich bedient bei Bezahlung geringer Suchen, es ist ein 
kleiner B'dinen. davon die kleinsten rot mit schwurt vermengt lind Und 
dambas heissen, davon "_'4 auf einen Esterlin gehen und folglich ein 
ungefälir "J BtflVOf wert ist, die anderen aber sind bisweilen aohwen 
weiss mit schwarz gezeichnet, bisweilen auch ganz schwarz, und h 
Tacoes, etwas mehr als 4 Stüver. welches aber von den gewöhnlichen 
Dambas und Tacoes zu verstehen ist, denn es gibt noch andere, dft ein 
raooe zuweilen 10, zuweilen "20 Sturer ausmacht, allein sie geboren nicht 
unter das gewöhnliche Gewicht, sondern werden nur benntst, wenn eioei 
den anderen betragen will. Es finden sieh auch Leute, welche dafür 
iiitlti'ii, es hätten die Mohren kein ander Gewicht als von Höh; aHein 
diese Leute irren, da alle ihre Gewichte entweder aus Erz oder SflB 
besteheu, die sie selbst gegosscu haben und wiewohl sie die bei DB 
"vöhnliclieu Abteilungen nielit m acht nehmen, kommt es nichts destowentgei 
auf eins aus und ist ihre Rechnung alleseh richtig. 11 ') 

Aus dem zwischen Elmina und Akkra liegenden Gebiet der Pantä be- 
richtet Robertson, dasa die Weiler auf dem Markte zum Wiegen von 
Gold aus Kalebassen verfertigte Wagen haben, die sehr genau sind. 
Kleinere Gcwichtsmongen scheint man mit diesen Wagen aber nicht l»c- 
atimmt haben zu können, denn „die Art, wie die Weiber auf dem Harkte 
da« (iold annehmen, igt ganz sonderbar; die K&rner sind faai durehg 
sehr klein, und oft zu klein, um gewogen werden zu können: das Gold 
wird demnach auf die Hache Hand gelegt, und mit dem Mittelfinger fühlen 
und bestimmen sie die Qualität desselben mit der grÖasten Genauig- 
keit. ut ) 

Cher das Wiegen des Goldes auf dem Markte von Kuuiassi. berii 
Bunderl aus dem Ende der sechziger .fahre: „Jeder führt seine Weg« 
bei sich, aber die des Verkäufers wird zu schwer, die des Käufer- ze 
leicht befanden, man zankt sich lange, bia endlich das richtige Gewicht 
'/mii Vorschein kommt Nun erst wird gewogen, die Goldschale soll riet 
dabei etwas unter die Gewichtaachale neigen. Neuea Streiten, dem erst 



119) Hossmonn, Rci.-o nach Guinea 1706, S. HS. 

113) Robertson, Priors l.vi»en ntuli der Ost- und Westküste von «Vfrik;i U59U 

Boitfl 173. 



Müsse und «iewichre in Afrika 



3L> 






noch die Dsttwanchung des Goldea folgt: jedes Körnchen wird umgedreht: 
i M lebleofatce Bold] sieh da ein Bteinehen! das muss gewechselt 
■ Neues Wiegen, neuer Zank, bis nach langer, langer Zeit i 
winzig« Beaoh&ftohen abgemaeht ist. 

( n?svi. lue. Löffel und Goldpfanuo führ! rn;in mit der Wage in piner 
Lederta^chfl ohne welche der Reiche nie ausgeht; sie wird Ihm von 
einein Sklaven auf dem Kopfe vorangetragen. Die (iewiehte sind BUe 
Broose sehr zierlieh gefertigt, indem die grösseren ein Men^/heu- «»der 
Tierbild, auch irgend eine Szene des Asantclebens darstellen. 
Die gewöhnlichen Goldgewichte sind: 

r. 1 dnniiii(i = -2 pesewn; 1 kokon — 4 pesewa; 1 taku = 6 pesowa; 

suru; jiaia; osua; 1 Unze = 7- bennu; benna: peredwano; 

I so.it. i - .. eoa = 6 taku; 1 finsofa = '/.» n'aso = «>'/, taku*. je 1 doinafa *» 7, 

borov oft ■ S talcn — 1 ackie-. agirnkwefa = ü; soansafa = 10; hodornmofa=1 1 ; 

in = 12; fiaso — 13* doma = 14; b0F0WS<=*16 tnku =■ 2 ackie: agirokwn = 

I'!' mi;i!ki = 20; hndminiio = 22; numaiin m 24 (aku = .'i ackie: nsaim 

26; droaaura = 28; uiiiuniitisiiru — 32 taku = 4 ackie; suru — .'Mi; pereeuru 

4* 1 taku = h aekie; takimaiisuu = 44; asia = 4b taku = G ftckie; dyoa 

56 taku - 7 aekie; nauifi = UO; nonaofl =64 taku = 8 ackie; vua-°72 taku 

8 ttkie; asuunu = 1 Unze 2 ackie; nsuasa = 1 Unze II nckie: peredwflne 

1= 9 Unzen t ackie: bemann = ■'• luxen acki<". iitauu = 4 Unzen * nckie; 
ntum — »'» Unzen 12 ackie. 
Die Unze Goldes wird von den Kaufleuten im der Küste in Iti ackie 
geteilt 
In X k 1*111 ist ugiratschefa = 1 ackie; agiratsehe = 2; bodomnm » 2 4 /ji 
dyoa vi 8 Ackie; auch doma, nsano, aah sind verschieden in beiden 
Ländern; sosi, suru, osua benne und peredwnne sind gleich. Das ganze 
»Idwagens und Berechuens bietet viel Gelegenheil zur Ol* t- 
vorteilung; je kleiner die Betrüge sind, desto mehr k,m ) 
Im Weiteren berichtet (Jundertnur, duss zum Abmessen den auf dem 
Maria von Kurnassi verkauften Branntweins ein PomodebÜohaobeii dem 

»Verkäufer ah Maass diente. 11 *) Oberländer teilt aus der Mitte der 
achtziger Jahre folgendes Verhältnis der Gewichte zueinander iu Asehinti 
ä tokus = 1 aek'u» Gold, 10 ackies= 1 Unze, 36 ackies = 1 Bernla.' 1 ") 
in den Detnufger .fahren hatte iu Asainie 1 Unze Gold Iß uckes, 1 acke 
— 12 tackous. 11 ') Die Königsgewichte in Aschauti waren V, schwerer als 
die gewöhnlichen Gewichte des Landes. ,,i ) In dem weiter nördlich 
liegenden Baoulö wird von den Agnis berichtet, dass diese sehr gut dll 
Bold zu wiegen verständen und es gebe in der ganzen liegend fest kein 
Dorf «las steht wenigstens eine Wage besässo 111 ) (Gewichte wahrsehoitt- 
lich mitkal, d. V.) 



iundert t Vier Jahre in Asanie 187.0, 8.273. 
115) Qundert, Vier Jahre in Asanto 1874, 8.271. 

'beilandor, Deutsch-Afrika 1885, S. 5u 
M7 DvUettD de la BOCiete de geographi* Paris 18M G 
U\ Oberländer, WoaUfrika 1874, S 200. 
L19 Annales d'Hvgiencs colonialca 1898, S. 335. 






IM 



D. Kflrdilioff: 



i 
I 

... 



In Togo werden bei »Ion Kwe.- die iJewebe nach „nbo u gemein 
Abo ist die Entfernung; von einer Handspitze zur anderen bei aus- 
gestreckten Armen. I,M ) Andere Mnass- und Gewichtseinheiten 
nirgends benannt Im Handel mit Europäern werden im pfeeten MI 
von Togo Palmkerne, Elfenbein, Kautschuk, Kakaobohnen, Mais und 
andere GetreidearterJ nach Oewicht, per Kilogramm gekauft und nur im 
Aneehobe/irk Palmkerue nach Maas» uehaudelt. Ein Maass Palmkeme 
enthält etwa 60 kg\ Palmöl wird noch iu ganz Tog;o nach Maass irehawMt. 
Ein Manss Palmol enthält 20 Liter = etwa 17 |jf.*«) 

licwielite und Wogen sind in Hnsari unbekannt) dagegen bedient man 
sich der Hohliuaasse, und zwar sind dieses Kalebassen. Für die wich' 
Lebensmittel wie Guineakorn, Bohuen, Bier gibt es verschiedene Maasse 
und zwar bleibt je nach Angebot und Nachfrage, besonders nach Ernte- 
anafall, nlohl das Uaaav, sondern der Preis konstant. So hatte man seiner 
Zell für Hier eine Einheit von 10 Kauris; das Maass dafür betrug daiiwd 
etwa 10 1. Für Üuineakoni entsprechend 1O0 Kauris, damals etw] 
I 1 . Lit-r. 

Kür Bohnen waren zwei Maasso, eins zu "20, das andere zu 100 Kauris, 
üblich. Boi Angabe der Preise für verschiedene tie-viiHtundo tiuden wir 
dann DOOh folgende Maasso: 1 Handvoll, 1 gehäufte Handvoll, 1 Prise, 
1 tili;' 111 ) weiter im Norden in Sansanne Mnngu dienen als Matal 
K dilcis-. ii von verschiedener Grösse. Gewichtsmaasse sind noch niel 
bekannt. Für europäische Stoffe iht der englische Yard das Maaati eil 
heimische, soweit sie iu der Form von breiten Bandrolleii iu den Hand« 
kommen, werden am Unterarm und au der Hand abgemessen. Bemerken: 
\> ri tat, das.s die Maasse in dei Regenzeit gegenüber der Trockenst 
verringert werden. 133 ) 

Wea die Verhftltoiaan in Dahomcy betriftt, so ist bereits dw akronl 
Rrwähnung getan. Brauet berichtet aus dem Jahre 1900 über die ' 
nnd Gewichtsverhaltnisse: Die Paltnenkerne werden gemessen, indem m; 
sie in ein an einer Wage befestigtes Fässchen schüttet. Dieses Fftaaohen 
bat ein FnssntiLi-wrinögeii von 100 kg und wird in '/a UIU ' V* geteilt 
Wird das Maass von der hörbeigebrarliteu Meu^e nicht vollständig gefüllt. 
so vervollständigt man das Maass, indem man dem Verkäufer eini 
Paliucukerne leiht« Diese werden mit einem kleinen Maass gen 
dos im Lande couillo genannt wird und es wird auf dem Bon, vermittele! 
dessen die Bezahlung erfolgt] hinzugefügt: Soll ein oder zwei couille; 
Nach dem Abmessen werden dio Palmenkerne in ponchons, die ein 
K.i — migsvermögen von ungefähr 500 Liter haben, geschüttet 124 ) Da* 
Haan ponchon scheint früher überhaupt die Maasseinheit gewesen zu 
sein, denn die Englander legten in den siebziger .Jahren dem Koniu vi 






ISO Bpidth, Die EwesTaimne 190$, B. 106 

191) <iüti:;o Zuschrift dcö KolonialwirtBchaftlicbea Koinn 

Beitrage zur Kolunialpolitik und Kuloaialwirtschaft l80f)/19(X>, Bd. I 3. ITU 
vr.'.j Deataehei Koloaurtblatt i9ui, S. HO. 

!J!i Dmcet et Giethlcn, Dahomcj et Dependanees L900, S. 45U. Mau.Uuin, TVoi 
mois de eapÜotU im Dahomey. 1891, S. HT. 



Müsse and Gewichte in Afrika. 317 

Dahomey eine Strafe von 300 ponchons Palmöl auf. Der Inhalt eine* 
damaligen ponchon wird auf 600 Liter angegeben, 126 ) später kam an- 
scheinend mehr die Gallone zur Verwendung."*) 

Die beim Handel mit Palmenöl früher verwendeten Hohlmaasse sind: 
die aklouba mit einem Fassungsvermögen von 70 Liter 117 ) 
der zen „ , 35 n 

der aladako „ n „ „ 17,5 Liter (oder 

Vi aklouba). 
der gallon mit einem Fassungsvermögen von 4 Liter 
der gan oder x / z gallon mit einem Fassungs- 
vermögen von 2 „ 20 lt4a ) 

Das mit diesen Maassen gemessene Öl wird in ponchons (500 Liter) 
gegossen."*) 

Nach einem Erlass von 17. September 1!K)5 ist das Gesetz vom 
5. Juli 1837 betreffend die Maasso und Gewichte auch für Dahomey 
massgebend: „alle Gewichte und Maasse ausser denjenigen des Dezimal- 
system sind bei Strafe nach Artikel 479 des Strafgesetzbuches (Code 
penal) verboten. 

Der Zollbehörde ist die Aufsicht über die Maasse und Gewichte über- 
tragen. 118 ) 

Was die anderen Maasse und Gewichte anbetrifft, so wird 1)0 pCt. 
Alkohol gewöhnlich in Fässern von 450 Liter Inhalt, die mit dem aus 
dem Portugiesischen übernommenen Ausdruck punchons bezeichnet werden, 
eingeführt, zuweilen auch in Kästen die aus je 2 je 17 Liter fassenden 
kupfernen Gefässen (estagnons) zusammengesetzt sind und die die Trage- 
last eines Mannes bilden. Der 60 pCt Alkohol kommt nur in punchons, 
die letzterwähnten estagnons finden keine Verwendung. 33 pCt. Alkohol, 
sowie 18 pCt. befindet sich in Flaschen enthaltend 50—100 Liter 
(50 centilitres), Genevre in Flaschen mit 70 centilitres Inhalt. Pulver 
wird in Fässern von 7,5, 3 und 1 kg Inhalt verkauft, Salz in Säcken 
von 20,40 und 25 kg (Seesalz) Gewicht. 

Bei dem Verkauf der Stoffe bedient man sich als Längenmaass de» 
yard = 0,9 m und zwar Hegen die Stoffe stets in Falten von 1 yard Länge. 
Die Eingeborenen können sich nicht an den Meter gewöhnen und bei 
Verkauf der Stoffe unter sich bedienen sie sich als Mass der Armlänge 
(une longueur de bras.) 129 ) 

Hohlmaasse für Flüssigkeiten sind im Handel der Eingeborenen unter 
sich Kalebassen, jedoch habe ich in betreff des Fassungsvermögens dieser 
Nichts feststellen können. 130 ) 

Das gleiche gilt von den Maassen und Gewichten in den brittischei» 

124*) Maudouin, Trois roois de captivitü au Dahomey 1891, S. 67. 

125) Foa, Dahomey 1895, S. 34. 

126) Foa, Dahomey 1895, S. 304. 

127) Die akeouba ist ein kleiner Holikübol mit einem Fassungsvermögen Ton un- 
gefähr 17 Gallonen, sie entspricht also der schon erwähnten akrouba. 

128) Lo Dahomay 1906, S. 295 

129) Brauet et Giethlen, Dahomey et Dependances 1900, S. 468. 

130) Dranet et Giethlen, Dahomey ot Dependances 1900, S. 281. 



318 



I). Kürchlioft; 






BeaÜZUDgen ;ii)i M^vr. K> wurde bi« noorj Ende der neunziger Jilfl 
darüber ^)'kl;i^i, <l;i-< sieh ili»r Mangel nn einheitlichem Maasi and Gewicbl 
sehr bemerkbar mache. 1 ") Bei den auf dem linken UfeT dei 
unterleufea bi< zum Oroaa bin wohnenden Ilios finden wir keine Maawp 
and * •••wirkte ausgenommen Säcke und Kalebassen (über die aber fluch 
keine Inhalts, m^uben gemacht werden d, V.) und als LailgenmeaM wird 
er Arm eine* mittleren Hannes verwendet und in dem nör<3 
Legenden Egbira finden wir nur Kalebeeeen (ogoni) zum Heuen von 
Getreide und Flüssigkeiten, sowie der Säcke zum Messen des Salz, m 
Sack Salz hat den Werl von fiinl 1 Schillings. ,M ) 

Wfthrend in den bisher nugegebeuoii tiefenden daa Kru als haupt- 
sächlich ji-lnauelites Hohlmaass immer mehr durch leine Teile» Gallonen 
b/.w. sein Hehrhohes, punoheon, in der Praxis rerdrftngl wurde, hat es in 
Kamerun seine Herrschaft im IlandelsTerkehr an der Kfiete behauptet 
Die Einteilung in Gallonen scheint sehr bald fallen gelassen zu sein, Bad 
die in den achtziger Jahren übliche Einteilung in 4 kegs (1 keg eil 
•■- Pftseohen^ oder 8 pigghia (1 piggin ein kleines Fässehon) 13 ") 1 * 4 ) 
scheint sieh nicht sehr eingebürgert zu haben, ke^ ist ein englisch«- 
Wort ,;w ) und piggin (pickon) ist wahrscheinlich von dem BpftaiBohafl 
peqneno = klein abgeleitet 11 *) 1 Keg Palmenkerne hatte 40—60 Pfund 

(engl.) Gewicht. 135 ) 

Nach der Beattsengreifuni: durch die heutschfu. zu welcher Keil 
Krn LOG&üoeen = 45,3 Liter gerechnet wurde, wurde am 10. Oktober 
1886 von der deutschen Verwaltung feM-o. r/.i, dass 1 Kru - 80 Liter 
Palmöl -■ 160 Liter Palmenkerne enthalten solle. Das neue Ujuum von 
80 Litern entspricht dem Unterschied zwischen dem wirklichen und di 
nominellen Wert eines Kru in Waren. Bei der alten Abmessung W 
der Kaufmann, falls er mir barem Golde hätte kaufen sollen, arg ge- 
■ehfidigt worden. 13 *) 

Das Kru war in Kameras aber nicht allein Hohlmaass, Modern am 
Oewicht, [uu\ zwar war Mitte der achtziger Jahre 1 Kru Elfenbein = 
1 engl. Pfund. 137 ) -2 1 /- Kru 1 > i 1 < i • ■ 1 1 n eine M.^eiunnte Trägerlast von 
60 Pfund. 138 ) "•) 

Nciindings seheint sich nlß Gewicht immer melir daa Kilogramm ein- 
aabQrgera und vollzieht eich der Einkauf der Produkte in Kamerun i 
derselben Weise, wie in Togo geschildert wurde- 1 * ) 

In Kamerun rechuet als Maasseinheit der Faden bei kleineren Ein- 
heilen, daa „stück" bei grCsseren Der Faden hatte, wie 'las anoh in 



= 



181) DeatBChei Kolonialblau 16!>S, S. I 

133) I'VrrjmftD, Up tho NiRor ISüS, S. 33, 138, I 

138) Miii.iliiiigrn dar gaegaphtialiaa QeieUseaaft Hamburg I8SQ/8J > s . IG 

134; Bnabvar, Kamerun, 1887, B. 94. 

186) Stada, s. 96. 

tSe Kbenda, S. 260, 

,■: Zell« r, Kamerun II, 186», B. 136. 

38 Scawirt, Kamerun, 1888, S 89/90. 

I bat Has Gewicht der Tu! b. l>catseho Kolouiahoituug L90G, E 

1 10) Zuschrift dal Kulonialwirtschaftlichcu Semit 



Maasse and Gewicht« in Afrika. 319 

dem Bwprflnglichen Worte (fathemklafter) liegt, eine Länge von 3 Ellen. 138 ) 
Zöller gibt die Länge eines Fadens Zeug auf 2 engl, yard, 137 ) und 
Morgen */« Faden in Jaunde auf */« an. 141 ) Von letzterem wird die 
Länge eines Stückes Zeug zu 4 Faden angegeben. 141 ) 

Was die Maasse der Eingeborenen anbetrifft, so gilt als Maass für 
Stoffe die Grösse eines Hüfttucbes oder die Armspannweite (beide Arme 
seitlich ausgestreckt von Finger zu Finger), für Perlen gilt als Maass eine 
Schnur um das Handgelenk oder um den Hals oder um die Hüften. Alles 
andere wird abgeschätzt und der Gegenwert danach bemessen. 142 ) Die 
Ngumba in Süd-Kamerun besitzen besondere Maasse und Gewichte 
nicht. 143 ) 

Nach Schwarz messen die Eingeborenen das Zeug mit ausgebreiteten 
Armen nach, 138 ) und gelegentlich der Besprechung der Preise in Baliburg 
finden wir von Hutter als Maasse ohne genaue Angaben des Fassungs- 
vermögens angegeben: bunch, ein grosser Korb, ein grosser Sack, eine 
Kalebasse, Tabak in Körben. 144 ) 

Betrachten wir die Maass- und Gewiclitsverhältnisse in den Hinter- 
ländern der eben beschriebenen Küstengebiete, so ist deren bei Be- 
sprechung des mitkal, des draa und des mudd bereits Erwähnung getan. 
Gehen wir von Djenne, dessen Maass und Gewicht bereits sehr eingehend 
Erwähnung gefunden hat, und von Timbuktu weiter ostwärts, so fand 
Barth in Bambara, halbwegs Hombori und Timbuktu, wo alles, was auf 
dem Markte verkauft wurde, *on einem Beamten nachgemessen wurde, 1 **) 
als Kornmaass das ssaa, dessen bereits in den nördlichen Gebieten Er- 
wähnung getan ist. 145 ) In der Landschaft Burrum, zehn Tagereisen öst- 
lich Libtako, war das übliche Geföss zum Verkauf des Reises die neffeka, 140 ) 
und in Sai fand Barth wieder die ssunie, die 24 Timbuktuer Maass 
hatte. 147 ) In dem "Wörterbuch der Aucclimmiden finden wir dann an- 
gegeben: yard, Elle = agel (aghel? Arm?); Faden « tihid, ein Maass von 
4 Faden akoss at-hid. 148 ) 

Das Getreidemaass in Agadcs ist der „sekka". Disser ist hier doppelt 
so gross als das gleichuahmige Maass in Tintellust 1 ") (30—40 Tagereisen 
von Ghat auf dem Wege nach Bilmaj. 110 ) Nach Foureau enthält der 
zekkat von Agades ungefähr "2200 g Hirse, jedoch wechselt das Volumen 
dieses Maasses in jedem Dorf 161 ) Bei dem Karawanenverkehr Ghat-Kano 
dient als Gewichtseinheit der cantar oder gontar, der ungefähr 54 k<j 

141) Morgen, Durch Kamerun von Süd nach Nord 1893, S. 73. 

142) Mitteilungen von Forschungsreisenden aus den deutschen Schutzgebieten, 1B03, 
S. 176. 

143) (iloboa, Bd. 81, 3 372. 

144) Deutsches Kolonialblatt 1803, S. 38. 

1-15) Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentral-Afrika, IV, S. 370/71. 

146) Ebenda, V, S. 9G. 

147) Ebenda, V, S. 29k. 

148) Ebenda, V, 8. 714. 

140) Gnmprecht, Barth und Ovcrwegs Untersuchungsreise nach dem Tsad 1852 
S. 06. — Barth, Keisen und Entdeckungen in Nord- und Zentral-Afrika, I, 8. 524. 

150) Richardaon, Narrativc of a Mission tu Central-Afrika II, 8. 2. 

151) Foureau, D'Alger aus Tsad, S. 410. 






D. Körchloff 



Legt, _' oanta bilden eine Kamelladung. 102 ) Nach diesen wird in A 
der Oktroi bemessen. 1Sa ) Bei den Tuareg wird der Qnintnl, rnntar, hd- 
gewendet, um die Karnelladung zu bestimmen, nutet Abweichung von den 
eben gemachten Angaben ist ein oantsr = ungefahi 50 kg t und ein R 
trägt deren drei. 1 * 1 ) Bei Besprechung: der Abgaben gibt Köhler auch 
ein Maass Datteln an, ohne näher die (irösse zu hezeichneu. 155 ) In Bilm* 
wird ai3 Längeumaass neben dem schon erwähnten dran, wenn auch er- 
heblieh seltener, (JOT Fadei», d. h. die Entfernung zwi-rhen den aus- 
gestreckten Armen, angewendet." 5 ) Ebenso wie in Agades, finden wir 
auch in Zimlei noefa des Maasses wada (? d. V.) erwähnt. 157 ) In Zi&dar 
war «»ine grosse zekka von ghaseb = 10 wadiis, eine kleine = 6 w;ei 
Wenn wenig Hegen gefallen ist, ist eine zekkn von ghaseb nur gleich 
zwei Hundevnll Korn, eine zekka Weinen ist gleich eine Handroll, eine 
zekka Reis = sechs Händevoll. 1SS ) 1 canto Salz ist in Zinder = V* cant.n Bt ] 
und das Natron wird an diesem Ort in Ladungen verkauft, deren 
75-100*0 wiegt. 1 ") 

In der bedeutenden Handelsstadt Kuka finden wir als BfattSfl die 
Ochscnladung und Nauhtigul berichtet, dass zu seiner Zeit die Markt- 
preise sehr hoho gewesen seien. Für einen Maria-Theresiataler gab es 
eine so kleine Oehsenladung Getreide, dass man eigentlich nur von einer 
halben sprechen konnte. 189 ) Barth unterscheidet zwei Arten der Ochsen- 
ladongen, und zwar entweder den gewaltigen -gern Im. einen nngebeoereD 
Ledersack, der quer über den Rücken der Lastochsen geworfen wird, 
oder den kleineren fallem, von denen ein Paar die Ochsenladnng bilden, 
ausserdem waren noch zur Aufnahme von Korn die kewa vorhaudrii. 1. I* 
grosse Ledersacke, von denen ein Paar eine Kamellust bilden. 181 ) Auch 
Rohlt's berichtet, dass die Getreidohnndler ihre Waren nach Kamellaatat, 
1 Last -« ungefähr 3 Zentner, verkaufen. 1 «) 

Inbetreff des aus Bilma kommenden Salzes berichtet Barth: l 
wird in flüssigem Zustand in Holzforniet» gegossen. Ein so entstehende] 
Hut — kante — einlullt fünf kleine Kuchen, welche asserim genannt 
wi-rden. Jeder asseritn zerfällt in vier kleinere Kucheu — fotu — . In; 
kaut:» enthält also 20 fotu." 3 ) 1 kantu ist gleich l /a Kamelladung. B k.mtn 
sind gleich 3 türkischen kantaren. 154 ) 1 kantar = 44,928 kg. lu ) 

I.VJ) Bulletin de U societe de gcojrraphie de Paris, Serie III, Bd. 11, 8. 106. — 
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, 1*82, S. 301, 31)3. 

158) Riehnrdaou, Narrativo of n Mission to Central Africa 11. B 

l'-h Fourcaa, D'Algar au Tsad, S. 966. 

1 V> Knhler, Dio Verfassung der Tuareg, 1WI, S. 51». 

106) Kichurdsou, Norrative of i Mission lo Central Afrika, I, S. :J1l'. 

UW) Ebenda, II, 6. L96, SI6. 
Ebenda, II, B.316, 

tfldj Foaratn, D'Aiger au Tsad, S 060 

160 Naoatigftl, Sahara und Sudan, III, S. 1. 

161) Itarth, Uuisen und Entdeckungen in Nord- und Zcutral-Airika, II, S. 

n'.j. Rohlfa, Quer durch Afrika. 1, S. : Mi. 

168) Barth, Um und Entdeckungen in Nord- oud Zentral- Afrika, I, S. .".71. 

ISA) Ebenda, S. 617. - Foureau, ITAlgar nu Tsad. B. 300 *ind derartige- Sali- 
atückc abgebildet, 

Lfiö) Handolsaroalt ISOB, II ? S. 651. 



Maasso und Gewichte in Afrika. 321 

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts finden wir als Längenmaaas für 
Stoffe in Kuka die gubka, die ungefähr die Länge eines yards hatte. 164 ) 
gubbuk sind Baamwollenzeoge von ungefähr 3 inch. Breite uud 1 yard 
Länge.» 7 ) 

Die Sklaven wurden wie überall, wo arabischer Einflues herrschte, 
vermittelst der Handspanne nach der Hohe gemessen, man spricht von 
vier-, fünf-, sechs-, siebenspann igen Knaben oder Mädchen. 168 ) 

In Yola wurden Mitte des vorigen Jahrhunderts für eine Eselsladung 
Salz 4 Sklaven bezahlt 1 * 9 ) und Flegel berichtet, dass auf dem Markt von 
Kororofa kleine, 9 cm hohe und 7 cm breite Körbchen voll den kleinsten 
Wertmesser bildeten. 10 ) 

In Wadai fand Barth als Getreidemaass die Ueba, welche den achten 
Teil einer Ochsenladung ausmacht, 170 ) und in Ngurra in Wadai verkauften 
die Frauen an Nachtigal Getreide nur Händevoll, weil sie glaubten, bei 
diesem Detailverkauf am meisten zu gewinnen. 171 ) 

In EI Fascher, der Hauptstadt von Kordofan, war Ende der achtziger 
Jahre das Hohlmaass ardeb = 180 Liter 172 ) und in El Obeid fand Marno 
die Burmah, ein grosses, kugelförmiges Thongefäss, für das, mit Wasser 
gefallt, während der trockenen Jahreszeit häufig l / a — 1 Taler bezahlt 
wurden. 17 *) 

In Nubien war neben dem schon erwähnten Mudd in der ersten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch ein kleineres Dhurramaass im Ge- 
brauch, dessen Fassungsvermögen nicht angegeben ist. 17 *) 

In Sennaar war am Ende des 18. Jahrhunderts zum Wiegen von Gold, 
Zibeth und wohlriechenden ölen die Wakea im Gebrauch. Diese bestand 
aus 10 Quentchen, und 10 wakeas bildeten 1 rotol. Diese wakea wurde 
für gleich mit den ebenso benannten Gewichten in Massauah und Cairo 
angesehen, sie war an Gewicht gleich 7 Quentchen 57 gran Apotheker- 
Gewicht 1 rotol = 10 wakeas, 1 wakea = 10 drams. Bei den Kauf- 
leuten war noch eine andere wakea im Gebrauch, atareys genannt. 
1_ rotol « 12 wakeas, 1 wakea = 12 Quentchen. 176 ) 

In den südlich Kamerun liegenden Gebieten bis zum Kuene hinab 
spielt im Handelsverkehr der „long", von den Portugiesen „cortado" ge- 
nannt, die Hauptrolle. Der long, ein Ausdruck, der zur Bezeichnung 

166) Denham, Travels in Afrika 182«, S. 70. 

167) Ebenda, S. 1!«, '283. 325. 

168) Rohlfs, Quer durch Afrika, I, S. 344. 

169) Gumprecht, Barth und Overwegs Cntersuchungsreise nach dem Tsa«l 
1862, S. 195. — Mitteilung der geographischen Gesellschaft Hamburg 1880/81, S. 3o. — 
Ebenda, 1878/7'J, Tafel 9 (Abbildung). 

170> Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- uud Zentral-Afrika, III. S. 533. 

171) Nachtigal, Sahara und Sudan, III, S. 31. 

172) Pfunds Reisebriefe aus Kordofau 1878, S. 1<!5. 

173) Marno, Reise in dio ägyptische Aquatorial-Provinz 1878, S. 1!H>. 

174) Ukort, Vollständiges Handbuch der neuesten Erdbeschreibung, 1824, VI. Abt.. 

I. Bd., 8. 273. 

170) Cuhn, 8ammlung merkwürdiger Reisen in das Innere von Afrika. (Bruce. 

Reise nacb Abeseinien.) III, S. 270. 

Zoitaclirift für Ktanolotfe. Jahr». I9U8. Heft 3. "2V 



32-2 



D. Kürchhoff: 



eines bestimmten Stückes Zeug benurzr wurde, hatte ursprünglich e*ine 
Länge von 6 yards, 17 *) auch von ungefähr 6 m. 177 ) Jedoch labehrf dlou 
Länge nach dem Innern zu abgenommen zu haben, denn Büttner Hirnen 
sich iiihetrofT' des Kongolandes wie folgt: Hin Faden ist die zwischen den 
Fingerspitzen der wagerecht gestreckten Arme gemessene Länge eines 
Stückes Zeug. 17 *) Ein long (eine Länge) ist eine Maasseinheit, die nicht 
ganx dem Kegriff des Fndons entspricht, ober am ersten damit verglicht] 
worden kann. 17 *) Pechuel-Loesche äussert sich über diosesMaass: Sau 
Stück Baumwollstoff von bestimmter Länge gilt als Wert oder Wertmaa** 
an der Küste. Dieses ist der cortado, auch long (Stück) genannt, welcher 
gleich \ Pannos oder 4 Fathoms ist. 1 panno = l 1 /, yards. Nach allem 
Übereinkommen soll der cortado 6 yards Lunge haben, da man jedoch 
denselben nicht nach yard ausmisst, sondern nach Lagen, in welche dt-r 
Bequemlichkeit halber die Stoffe schon in den Fabriken gelegt w< 
so hat mau es vorteilhafter gefunden, dieselben allmählich so knapp zu 
nehmen, dass die dem cortado entsprechende Anzahl gegenwärtig nicht 
mehr 6 yards, sondern nur noch 5 yards Stofflängo ergibt. 100 ) 17T ) Kadi 
Zöller kamen auf <i Falten sogar nur 3 oder 3 l / s yards. 181 ) Bei be* 
Sorten wurde eine Falte gleich einem Kortado gerechnet. 181 ) Auch 
Chavanne berichtet, dass der cortado entsprechend den verschieden« 
Stoffarten eine verschiedene Lange habe, so hatte in den achtziger Jahren 
der cortado am Kongo 3 yards 183 ) und in Kabinda 4 yards 183 ) und der 
genannte Reisende äussert sich über diese Verhältnisse am Kongo w 
lliiuptartikel ist der unter dem Namen AVhitebast (portugiesisch: AI 
bekannte Kattun schlechtester Qualität in Stflckeu von 27—30 yards jg 
3<» Falten (3 Falten = 1 cortado). 183 ) Bastiau nennt Ende der fürj 
Jahre als Längonmaass am Gabun noch don brasse — etwa 3 Kilon. 1 * 4 ) 

Was die Hohlmaasse anbetrifft, so treten die Gallonen südlich dw 
Campo an Stelle des Kru in den Vordergrund, und zwar dienen sie hier 
/iiineisi /.um Messen alkoholischer Getränke — Rum — . 

Alkoholische Flüssigkeiten haben an der ganzen westafrikanisrhrn 
Küste eine grosse Rolle gespielt, auch iu den schon weiter oben be- 
sprochenen Gebieten an der Küste des Golfes von Guinea. In bezug aal 
das beim Verkauf derartiger Flüssigkeiten angewendete Maass berichtet 
Labarthe aus don ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts: „Will raaa 
Aquavit vorteilhaft absetzen: so muss man das Fase in Eimer vou "25 Bou- 
teillen einteilen. Zwei Eimer oder 50 Bouteillen gelten zu Ahnioku eine 
Unze Gold. Der Eimer (aucre) ist eiue Art Maass, das an «1er Küilo 



176) Mitteilungen der geographischen Gesellschaft Hamburg 1880/31, S. T.7 
J77) Geographische Universalbibliothek, Heft 1, S. 27. 
178« Büttuer, Reiacu durch das Kongogebiet 1890, 8. 50. 

179) Ebenda, S. 170. 

180) Pcchucl-Locache, KongoUnd, 1887, S. 253. 

181) Zßller, Kamerun HI, S. 169. 

182) Wohl durchschnittlich, wie sieh aus dorn Spiitorcn ergibt. I>. V. 

183) CliavamiL\ Krisen und Forschungen im alleu und neuen K»ugustaat 
S. 444, 43fi. 

184) Bastian, Gin Besuch in Sun Salvador 1359, S. 281. 



HaasM und Gewichte in Afrika. 



allgemein bekannt und dessen Grfisse verschieden ist. Man macht Eimer 
von 10—12 Bouteillett, von den letzteren werden 6 auf eine Unze ge- 
reohnet. Mim tut alsu wohl, wenn man sich der Eimer von 2. r > Bouteillen 
bedient; man gewinnt IG Bouteillen dabei. Man kann sich einiger hallten 
Kimer zu kleinen Käufen bedienen. 185 ) Die erwähnten Krüge oder 
Bouteillen waren das in Frankreich für Flüssigkeiten gebräuchliche Maas* 
v. In , lw ) das Foflft Aquavit enthielt im ganzen 27 veltcs oder 216 Finten. 1 ") 
Da« Maass velte hat auch noch späterhin als Maass für Spirituosen das 
Feld behauptet, so wurde Ende der fünfziger Jahre an der Goldküsto der 
Branntwein nach veltes verkauft und zwar war velte damals ein Fliissigkeits- 
ntaaas, das En Bordeaux 37.% in "Roehelle 860 Par. Oub. /oll enthielt. 188 ) 
Bnde der achtziger Jahre wurde in Portonovo und Ronny der Rum in 
ponchou (pnncheons) gehandelt, deren jeder 1*20 veltes gleich ungefähr 
450 Liter enthielt. 189 ; In Lagos finden wir in den neunziger Jahren beim 
Handel mit Rum die Demes-jeannes (grosses Gefäss), deren jede einen 
Inhalt von 15 Liter hatte" ) und des gleichen Maaasca tut Mitte der acht- 
ziger Jahre Zöller in Bosua (Kamerun) unter der Bezeichnung Demijohn 
— 17 Liter beim Handel mit Rum Erwähnung. Wl ) Die zu der gleichen 
Ze'n in der Gegend von Loango verwendete deame jeanne wird mit einem 
Fassungsermogen von 50— HO Liter angegeben. 102 ) 

Fm Handel zwischen Europäern und Eingeborenen versuchten die 
ti'strii'ii häufig ihre Partner zu übervorteilen und so wird besonders aus 
• \> ii Hegenden am Gabun berichtet, dass mit den Maassen, die beim Ein- 
kauf von Produkten gebraucht wurden. Betrug getrieben werde. -Ein 

heu, für dessen Inhalt die Neger nach alter Gewohnheit eine gewisse 
Anzahl Longen bekommen, wird in dor Stille durch ein schoinbar gleiches 
K&atehen ersetzt, das ludet ein wenig grösser ist. In das Kästchen, das 
iVtr afetanng des Öls bestimmt ist, wird ein Däubchen mehr eingesetzt oder 
es findet sich unten an der Rückseite ein kleines Loch, durah welches 
lieim Füllen viel Öl in das Gefäss läuft, in dem es aufgestellt ist. 1 ") 

In Bezug auf diese Verhältnisse äussert sicli ('havanne: „Maass- 
nnd GewiehtsverhiiltuisBe der Handelseinheiten europäischer Tauschwaren 
QDd GenuMmittel sind seit Einleitung der Handelsbeziehungen mit den 
Eingeborenen des Freihandelsgebietes stets dieselben geblieben. Versuche 
der Handelsleute, aus der Art, die Stoffe zu falten, Vorteil zu ziehen, 
wurden von den Eingeborenen in kürzester Zeit bemerkt, und wiewohl 
dieselben noch houte die Falten des cortado zählen, so begnügen sie sich 
nicht damit, sondern messen an den ausgespannten Armen die Länge des 
Fardf und bestehen auf dem traditionellen Manss. Ebenso ist die Gallone 



ISO) Labarthe's Reisen nach der Kürte von Guinea 1006, S. 57. 

186) Lafaartho'a Rciacn Ducti der Küste von Guinea 18M, 8. 168, 

1H7) Labarthe'i Reiten nach der Koste von Gninea 1803, 8. 164. 

188» Baetiun. Ein Besuch in San Salvador 1850, S. 284. 

MB) Albica. Les etaMissemcntn francais du golfe de Benin 1889, S. 10G. 

190 Foa, Dahomey 18&5, 8.307. 

li)D ZOller, Kamerun II, S. 49. 

193) Robert, Afrika als Handelsgebiet 1883, 8.85 

198 DcuUcho geographiaene Blatter IP81, S. 300. 



324 D. Kfircbhoff: 

und Demijohn bei Spirituosen der minutiösesten Kontrolle unterworfen 
und das Abwägeu ihrer Produkte ein Gegenstand scharfer Beaufsichtigung. 
Die mis8lungenen gegenseitigen Übervorteilungaversuche in Maass und 
Gewicht gehören denn auch einer überwundenen Zeitepoche an. 1 * 4 ) 

In Französisch-Kongo ist das für den Verkauf von Branntwein an 
die Eingeborenen gebräuchlichste Maass die bouteille, die l / A Liter Inhalt 
hat. Ausserdem finden wir noch Glaskasten in cubischer Form, die 
12 bouteillen fassen lM ), und Hübbe-Schleiden nennt als Maass für Rum 
am Gabun die Gallone, ganze und halbe Flaschen Hamburger Mass, 1 *) 
Durch Dekret vom 27. 10. 1882 sind vom 1. 3. 1883 die metrischen Ge- 
wichte in Französisch-Kongo obligatorisch, und diese zunächst für die 
Gebiete am Gabun gültige Bestimmung ist durch Dekret vom August 1885 
vom 1. !. 1886 auch auf die Gebiete südlich des Cette Cama ausgedehnt 
worden. 197 ) Es fehlen Nachrichten, wieweit sich diese Massregeln haben 
durchführen lassen. Gehen wir weiter ins Innere so verlassen sich die 
Eingeborenen an der Alinia bei Feststellung des Gewichts des Elfenbeins 
auf Schätzungen, die jedoch wenig genau sind. Als Längenmass dient 
der Faden der eine Länge von fast 1,8 m hat. 198 ) Snoussi bezeichnet 
unter dem Namen „mekka" eine Gewichtseinheit, die ungefähr 450 g 
Kautschuk entspricht. Er besitzt eine Wage und wiegt die meisten seiner 
Käufe. 1 » 9 ) 

Im Gebiet des Kongostaates finden wir, in der Nähe der Küste die 
gleichen Maasse und Gewichte wie im nördlich gelegenen Französisch- 
Kongo und in dem im Süden liegenden Angola, ausserdem finden deutsche, 
französische und englische Maasse und Gewichte Verwendung. 200 ) 

Weiter nach dem Inneren haben die Bewohner in der Gegend von 
Bangasso keine Werte, die die Länge, das Gewichts- und das Fassungs- 
vermögen angeben. Die Stoffe werden mit dem Faden (h la brasse) ge- 
messen. 201 ) In der Gegend der Äquatorstation wird das viel gehandelte 
von Ruki kommende Rotholzpulver nkoula in kleinen Paketen ver- 
kauft. 202 ) 

Am oberen Kongo wird das Hauptnahrungsmittel Quauga in vier- 
eckigen von Blättern eingehüllten Päckchen verkauft. sos ) 

Bei dem Sultan Kafai am Mbomou werden die Elefantenzähne nach 
dem Gewicht verkauft und haben Wert nach der Einheit, als die das 
Gewehr* mit Hahn gilt. 

2 Damiri von 30—50 kg. 3 Biriugi 15—20, 5 Dahara-Baringi 5—10 kg. 

194) Chavanne. Rciscu und Forschungen im alten und nenen Kongostaat ISST, 
Seite 445. 

l'Jö) Dybowski, La routedu Tsad 1893. 

1%) Hübbe-Schleiden, Ethiopien 1879, S. 80. 

197) Bulletin officiel administratif du Gabun-Con^o Bd. II, S. 14«, 282. VI S. 12. 

198) Bulletin de la societe de geographie d'Aovers 1901, 8.387. ■ 

199) Rouget, L'Expansion coloniale au Congo fran^ais S. 82*. 
•2i»0) Hübners geographisch-statistische Tabellen 1891/1907. 
2<U) Le mouvomeut göographique 18%, S. K>2. 

202) Coquilhat, Lo Haut Cougo S. 160. 

203) Mitteilungen d*r geographischen Gesellschaft Wien 188G S. 048. 



1 «'» wklitc iu Afrika. 



321 



i 



'*> Bat 3 — ."> kg. 10 Kilingi i—Z kg. Diese (iewichto sind annähernd and 

■ UM Zwisehengewiefcte werden je nach der Qualität in die untere oder 

Kategorie einrangiert Unter umstanden können im Hinbück auf 

Gewi eilt und Wert 2 Damiri für den Kuroniier vielmehr wert sein als 

li I Kiliagi. Alier die Eliageborenen uml die Araber rechnen so bnd sie 

wollen ihre Methode niebl fadem* Allerdings sind, wenn man einen 

stock" Elfenbein kauft, Teile von allle« Kategorien in diesem „stock" ent- 

ilr.-ii So bilden die 26 angeführten Stücke, deren Gewicht 

-"■> '-.'/ beträgt, einen stock, für den man fünf Flinten bezahlt. 104 ) 

Die Bakubn$, die um linken Ufer des Sank um vom Lusmiilio bis zum 

/.u*.irnnienHiKä diese« mit den Ka9$ni wohnen und deren Gebiete sieb im 

Bfldex bis Lcebo ausdehne», kennen keine Einheit '/um Messen der 

Lange .''"": Wissmunn macht gelegentlich der Besprechung der Lehima- 

mittelpreise in Imluahurg folgende Angaben: 1 Fans Pulver »2 Tasten 

= i *j»-) 

In den |K>rtii;?ie&i»chen Besitzungen in Westafriku spielt.-, wie .schon 
OTWfthBt, seit langem der long, cortudo, au eh peea genannt, eine wichtige 
le alfl Münzeinheit, der im Vorkehr mit dem Innern stets Ver- 
wendung rindet Büchner äussert eich in bezug auf dieses Maass: Das 
Stfiek, portagieslscti Peca, ist die Einbeitsquantir&t, wie aie fflr die rer> 
Si biedenen Stoffe verschieden aus den Fabriken hervorgeht. Diejenige 
Uatflrliehe Elle, die jeder Mensch mit sich herumtrug, nämlich die l'nt- 
fernang Bwischen Mitte der Hins: und Spitze der Finger bei wngrerht 
ausgestrecktem Ann. dient auch dem Neger zum Abmessen des Zeuges. 
Freilieb ist dieser Maasetab individuell sehr elastisch und gibt auch immer 
allem möglichen Schwindel und Schacher Aid aas, doch entspricht er im 
Mittel giemlich genau 0,8 w.**) 1 cortad = X panno = 6 engl, yards 
Die Nager die an der Grenze des Küstengebietes und des Buschlandos 
wohnen, reehnen 2 pannos Zeug Bovfel als sie mit ausgestreckten Annen 
spannen können. 908 ) Weiter im Innern ist das Lftugenmaaas der yard, 
dessen Lange hier die Entfernung der Brusthöhle bis zu den anssersten 
Fingerspitzen des ausgestreckten Armes bei einem erwachsenen Mann 
beträgt**) 

Für PalmOl, das auf der ganzen Strasse von der Küste über Kimbundo 
bis Mnsstimla, der Hauptstadt von Gunda einen wichtigen Tauschartikel 
bildet, da Mangels Palmen kein Öl bereitet wird, ist ein besonderes 
BN vorhanden« Es ist dieses eine aus Ton gebrannte Kruke, die etwa 
2 — '_" , Fuss hoch ist, wobei ungefähr B , 4 — 1 Fuas auf den Hals kommen. 
Das GfofBM, das ungefähr 20 — 2.0 Pfund AI fasst, ist nicht ganz rund. 
sendet ii etwas oval, lodase es in eine kleine, in die Erde gemachte Höhlung 
elll werden mnaa, wenn es aufrecht stellen soll. 310 ) 

SW) Bulletin de In sooiete" tovhIc beige de giographic 18%, 8.686. 
ilK-tiu de la BOc!*5te rojale beige de geographie 1904, B.88J, 
WiBinSBB, Im Innern Afrikas 3, 19f>. 
! >as Ausland 1882, 8. 784. 

lü-.e.f. »ldt, Die Loango-Expedition I S. C2. 
909) Poggo, Im Reiche dea Huata Janmo 1880, 8. -'-. 
JIM. Pngge, Im Reiche *]*•> Muata Jimwn 1880, 8. 18*. 



326 



D. Kärchhoff: 



Dus Elfenbein wird au ilcr Ktist6 nach Gewicht (wahrscheioticl] 
portugiesischem dL V.) rerkauft, während es im Innern auch Qntdti 
eingekauft wir«!. 311 ) In den Dörfern westlich Melange finden wir als 
Hohlmauss für Matutiokamchl die tjuinta, einen geflochtenen bcnkellosen 
Korb ar -) in Trichtorform, wie ein solcher (quindn) von Serpa Pinto ab- 
gebildet worden iet. m . In Melanie wird das Pulver nach Lad) 
(cargas) gemessen, £Ws ) wiederholt hat auch Dr. Dogge auf seiner 
als Blaass für Pulver eine Tasse, deren Fassungsvermögen er nicht an 
gebraucht." 11 ) In Kimhnndo finden wir als Maass für (turnmi die arroli 
— 82 Pfand Gummi. 05 ) Dr. Pogge tut alu Huhlmaass für (ietreide am 
Luisafluss und in Mussumla der Dirunga Erwähnung, aM ) das Fassung» 
vermögen ist nicht angegeben, jedoch scheint dasselbe an beiden Orten 
das gleiche gewesen zu sein, denn der Preis war der gleiche (4 yard 
Zoug). 3U ) Im Loudoland fand Schutt als Lüngonumass den beirami: 
S beirami algoduo (Kattun) = C yards. 217 ) Alö Hoblmaass scheinen Kürbis- 
Haschen Verwendung gefunden zu haben, denn der Genannte zahlte tm 
eine solche mit Palmenwein 4 ynrds Kattun. a19 ) Das Salz wird von den 
Hollo in seinem natürlichen, gflnzlich ungereinigten Zustand in Stangen 
mucha genannt, in den Handel gebracht. Eine mucha ist etwa 1,1 m lang 
und wiegt uugefähr 1 kf/. il °) Pogge fand in derselben liegend, dass das 
Salz in Formen nicht unähnlich einem Trichter, eingewickelt in BlAtter, 
welche mit einem Strohgetteoht umgeheu wann, auf den Markt kam. Hin 
solches Salzpnckot hatte ungotUhr ein Gewicht von 1' — 4 Pfund. 

Das Kupfer wurde in Mussumbo' iu gediegenem Zustande in Form 
eines Kreuzes von 1 — 2 Pfund Schwere zum Kauf angeboten. 320 ) Dw 
Tabak wird in Angola von den E'mgelmrpneu in Form von kleinen 
0,5 - 1 dem hohen Kegeln verkauft. 2 * 1 ) 

In Bihn ist das Maass für Zeug die gewöhnliche Bändels- Yard, die 
hier jedoch panno genannt wird, zwei yards sind eine beca. vier 
eine lenool, acht yards ein quirana.* 32 ) 

Im Morpe-Kcich in Angola scheint mau, wenigstens grossei >. 
wiehto nicht gekannt zu haben, denn z. B. die Elefantenzähne wurden 
geschätzt «■) 

Je weiter wir nach Süden gehen, kommen wir besonders Jen 
des Kueii» 1 in Gebiete, in denen sich bis in die neueste Zeit der H 



211) Pogge, Im Reiche des Muata Jamwu l*8n, S.53. 

919] Schutt, Reisen in den südwestlichen Becken dos Kongo 3, fcft 

ilfl Öerpa Tinlos Wanderung quer durch Afrika I, S. 171. 

•211) Pogge, Im Reich des Muata Jamwo 18»», S. 7n. 

J[» Pogge, Im Reich des Haata Jamwo 1880, S.5I. 

216) Pogge, Im Reich des MuaU Jamwo 18*>. B. 190, 188 

217) Schutt, Reisen iu dem südwestlichen Becken des Kongo, S.53. 

218) Schritt, Reisen in dem südwestlichen Becken dus Kongo, S.6& 
21D) Schutt, Reisen in dem südwestlichen Becken des Kongo, S. 5 1 .'. 
990] Pogge, Im Reich des Muata Jamwo 1880, S. 161». 

221) Lax, Von Loanda nach Kimbun^a 1880; S. UU, 
222] Scrpa Pintos Wanderung <[ucr durch Afrika I S. 170. 
Oberländer, Westafrika, 8. 149, 



Maasse und Gewichte in Afrika. 



327 



:, 



ii <leii Kingeliori'iii'u und dieser unter einander in den einfachsten 
Formen des Tauschhandels vollzog, wobei zu berücksichtigen ist, dass die 
Handelsgegenstdude nur eine sehr geringe Zahl ausmachten. In der ersten 
Zeit, nachdem die Händler in das Land gekommen waren, handelte es 
sich darum, dass ein bestimmtes Landesprodukt gegen eine bestimmte 
Ware eingetauscht wurde. Dio Landesprodukte waren fast ausschliesslich 
Vieh und Strausseu federn, die Waren Flinten, Pulver, Eisen, für die die 
Händler soweit dies uotig die europäischen Maasse und Gewichte ver- 
endeten, während die Eingeborenen für solche keinerlei Verständnis 



atten. 2 * 4 ) Als allmählich die erste urwüchsige Art zu handeln einer 

rationelleren wich, wurden die Eingeborenen zwar mit Geld bekannt, abor 

•ie hatten wenig Hegriff von der eigentlichen Bedeutung der Geldstücke. 

kamen denn Szenen, me sie Büttner berichtet, oft genug vor: Der 

maqua bringt zu dem Händler einen Hammel. ,Was kostet er?" — 

„Zwölf Pfund Sterling. fc — -«Gut, ich kaufe den Hammel von dir für 

LS Pfund Sterling, was willst du nun für die zwölf Pfund Sterling 

haben? 1 **) „"Nun,"* sagt der andere, „ich will zuerst diese Hose und dann 

iv Tuch, und dann" — „Halt 4 * spricht der Händler, diese Hose kostet 

10 Pfund und das Tuch zwei, so ist dein Hammel bezahlt." Und der 

Mann ist e» zufrieden, denn er hat es auch sonst nicht anders gehört, 

als dflM man für eine Hose und ein Tuch einen Hammel zu geben 

pflegt." - ) Diese Art des Handels hat sich, wenigsten a im Innern bis in 

•lie neueste Zeit erhalten, wie sich aus ähnlichen Beschreibungen Schwanes 

■gibt,* 27 ) und noch aus dorn Jahre 1905 berichtet Amtsrichter Hauemann, 
dass das Handelsgeschäft der Eingeborenen zu 99 pCt. Tauschgeschäft sei, 
wobei die Tuuschmittel der Eingeborenen durchweg in Vieh beständen.* 2 *) 
Bfittner berichtet aus der ersten Hälfte der achtziger Jahre in Bezug auf 

Iiese Verhältnisse aus dem Hinterlande von Walfisehbui und südlich: 
he Herero wollten beim Pulver wie immer recht viel für ihr Geld 
Wenn das Pulver iu Säckou verkauft wurde, so musste der Sack jftdon- 
lls voll sein, dagegeu fehlte es ihnen lange an Verständnis, die ÖrOBM 
M Sackes zu taxieren, daher nahmen sie einen kleinen vollen Sack lieber 
einen zum grossen Teil leeren, wenn auch darin mehr Pulver war, 
i<i es kostete viel Mühe, ihnen den Begriff des Wiegens klar zu machen. 
Qai wurde teils in kleineren etwa 5 Pfund schweren Stäben, teils in 
Pfund schweren Barren verkauft. 32 *) Diese Verhältnisse machten es 
möglich, bereits jetzt das deutsche Maass- und Gewichtssystem oiiiKuffllm-u. 
da nicht wie in anders Kolonien bereit« eingebürgerte Maas»»' usw. 




lerücksichtigt zu werden brauchten. 



In: „Die GeldverhäUnisse im heutigen Afrika ia ihrer Entwicklung- Mitteilungen 
der Geographischen Gesellschaft in Hamburg Bd. XXII 1907 habe ich genauere An- 
gaben über diesen Handel gemacht 

>) Geld war und ist zum grossen Teil auch heute noch nur Rechnungsmürixe. Die 
Auszahlung erfolgt eteta für Waren. D. V. 

326) Bfittner, das Hinterland Ton Walfischbai und Augra Pcqueaa 1834, 8.296. 
337) Schwabe, Mit Schwort und Pflug durch Südwest-Afrika. 
±iS) Haneinann, Wirtschaftliche und politische Verhältnisse in Dcutsch-Südweat- 
frika 1905, 8,27. 

899) Büttner, Das Hinterland von Walüschbai und Angra Pcq^ucna 1884, S. 'J82. 




m 



L). Kur. 



In Deat»eh-8fldwwtafrika dürfen seit .lern 1. Juli 1900 fflr da« Zu- 
messen uuil Zuwiegan von Waren im Öffentlichen Verkehr nur h 
Hausse nml (iewiehre angewendet werden, welche unter Zugrnndel 
der metrischen Mnase and Gewichte gehörig: gestempelt worden rind.**) 

Die Ureinwohner Südafrikas i bis zum Zamhesi hinauf kehlt 

Mansse and Qewiehie gekeimt zu haben, denn z.B. bespricht Holub 
Ende der siebziger Jahn 1 sehr angehend alle Verhältnisse- des Marui-.- 
M unliunda-Keiches, 331 ) aber Mnasse und Gewicht«- linden keine Erwähnti 
ebensowenig wie bei Muller und Snellemann, sowie in zahlreichen 
anderen Büchern, die ich durehue^elh-n hnbe. Wie den Süden zunächst 
die Holländer, dann die Bngl&ndev hinsichtlich der Muusse und Gewiehni 
beeinflasBteii. su war dieses am Zamhesi durch die teils von Westen, in 
der Eauptsaohe aber von Osten kommenden Portugiesen der Fall. 

Am Zambeai ist die Maasseinheit für Baumwollstoff aus Bombay der 
braoo, die Entfernung von einem Daumen zum anderen, wenn die Am« 
ausgestreckt sind. Für Kupferdraht ist die Maasseinheit die Entfernung 
zwischen der Spitze dos kleinen Finders und des Daumens, wenn man dfo 
Hand spreizt. Man nininit kein«' Rücksicht auf die Grösse desjenigen, 
welcher iuisst. Als Hohlmanss für die landwirtschaftlichen Produkte ' 
dienl man nob der panja, welche in den portngieaiaehen Mittelpunkten 
27 Liter, ausserhalb derselben SO Liter enthalt. Eine panja Arachiden 
wiegt ungefähr 15 It/. 28 ' 

In Knnuingoula. etwas oberhalb der Victorin-Fälle des Zambesi M 
die Qeldeinheil die Elle weisser Onlioot Der Faden Twwee] weisaet 
Calicot oder setsibu wird im allgemeinen nach der Annlnuire von der 
Schultor nach dem Ende der Finder gemessen, 233 ) und bei den im Hinter- 
land von Laurenze Marquez bis zu der Lucia-Bai hinab wohnenden Bn 
Ronga misst man die Stoffe am Körper, mikotimba — 1 Ann. ukoumba 
oder bemba = 9 Arme, peea = 2 bemba.* M ) 

Im heutigen Knglisch-Sfidafrika lagen die Verhältnisse niehi anders 
wie sie für Deutach-Siidwestafrika geschildert wurden. Es ist ein Beweis 
für die damals herrschende Einfachheit, dass es, nachdem die ersteu An- 
finge der Handelsverbindungen fiberwunden waren, von den Kolonisten 
als eine unvernünftige Forderung bezeichnet wurde, dass die Hottentotten 
tnr «'in stirk Rindvieh ein Ende Tabak von den Hörnern bia tor Sehwanx* 
spitze des Tieres reichend, forderten.*") Das wenige, was sich in diesen 
Gegenden an Eisen und Schmuck befand, war von den portugiesischen 
Besitzungen im Norden in mehrfachem Zwischenhandel hierher gelangt 
uuil inii Vieh bezahlt worden.'"*) Es ist unter diesen Verhaltnissen wohl 

380} Deutsches KolonialbUlt 1900 S BÖ, Wortlaut der Verordnung. 
89 '■!; Solan, Kino Knlturskitzc dos Mnrutse-Mnmbundu-Rciches in: Mitteilungen der 
geographischen Gesellschaft Wian IST*», S. ;Mff. 

: '.) Maller et Snellcmunn, Notieo sur los mdig<*ner- da Sad Est de l'afi 

B 21. 

Bertram], An pays des Ita-Rotsi. 
i Xaaod, Los Ha Ronga 1898, 8. L'lä 

Marenskf, Reitr&ge rar Kenntnis Sfldafrikaa, S. 87. 
W6J Bmit IS«"- 1 . S. 333. 



Maaue und Gewichte in Afrika. 329 

erklärlich und selbstverständlich, dass die ersten Kolonisten, die Holländer, 
ihre eigenen, niederländischen Maasse usw. sofort einführten. Infolge der 
zahlreichen holländischen Bevölkerung vermochte das holländische Maass 
und Gewicht sich noch lange nach der englischen Besitzergreifung in der 
Kolonie zu behaupten. Erst in den achtziger Jahren vermochten englische 
Maasse und Gewichte allmählich das Übergewicht Ober das niederländische 
System zu gewinnen, so dass man jetzt das erstere als das allein ange- 
wendete bezeichnen kann. Aber noch heute sind die folgenden alten 
niederländischen Maasse im Gebrauch: Flüssigkeitsmaass: Leaguer = un- 
gefähr 128 imperial gallons; x /s Ohm = 15 s /i imperial gallons; anker — 
7Vi imperial gallons; Hohlmaass: muid = 3engl. Büschel. Das allgemein 
gebräuchliche Oberflächenmaass ist der alte Amsterdamer Morgen im all- 
gemeinen = 2 engl, acres gerechnet, genau aber = 2,11054 engl, acres. 
Einige Meinungsverschiedenheiten bestanden früher hinsichtlich des 
kürzesten Landmaassos. dem Fuss, und deshalb wurde 1858 amtlich fest- 
gesetzt, dass 1000 Kap - Fuss = 1,033 Britisch - Imperial - Fuss sein 
sollten.*") 

Im früheren Orange-Freistaat sind stets die im Kapland gebräuch- 
lichsten Maasse und Gewichte verwendet worden. 

Die nach Transvaal trekkenden Buren nahmen natürlich aus ihren 
alten Wohnsitzen die niederländischen Maasse und Gewichte mit, und 
wir finden heute noch in den Gebieten des früheren Transvaal folgende 
Maasse und Gewichte, an deren Stelle allerdings schon zum Teil die eng- 
lischen Einheiten getreten sind, im Gebrauch: 

I. Längenmaasse; l mijl = 1760 yard, 1 yard = 3 voet, 12 voet = 
1 wede, 1 voet = 12 duim, 1000 yard - 914,39 m, 1000 m 1003,62 yard. 

II. Flächenmaasse: 1 Vierkante mijl = 640 akker, 1 akker = 4 Vier- 
kante voeden, 1 Vierkante voede = 1210 Vierkante yard, 1 Vierkante yard 
= 9 vierkante voet. 

Dazu kommen die kapschen Flächenmaasse, die meist beim Land- 
messen gebraucht werden: 

1 Morgen = 60 vierk. voede, 1 vierk. voede = 144 vierk. voet, 

1 vierk. voet = 144 vierk. duim, 1 kapscher Morgen = ungefähr 8564 jm, 
1083 voet =* 1000 kapsche voet, 1000 kapsche Morgen = 21 16 1 /, akker. 

III. Hohlmaasse: 1 bushel ■= 4 peck, 1 peck = 2 gallon, 1 gallon = 
4 kwart, 1 kwart = 2 pint, 1 pint = 4 gill, 63 gallon = 1 okshoofd. 

2 okshoofd = 1 legger, 1 gallon = 4,54 Liter, 1 engl Transvaal = Gallone 
= 1,2666 holländische Gallonen. 

IV. Gewichte: 1 pond = 10 ons, 1 ons = 16 drams, 1000 Ins (Pfund) 
= 453,5 kg™) 

In bezug auf die Gewichtsverhältnisse in Ostafrika zur Zeit der ersten 
Herrschaft über jene Gebiete äussert eich Strandes: 239 ) „Auf geordnetere 



•237) The BUtesman's yearbook 1907, S. 211; 1879, S. 6-1). 

•238) Seidel, TransTaal 1900, :193. — Petermanns Mitteilungen, Ergämungaheft 24, 

1868, S. 12. 

•239) Strandes, Die Portugiesenzeit von Deutsch- und Englisch-Ostafrika 189*.), 

8. !»5. 



830 



D. Kürchhoff: 



Verhaltnisse im Handelsverkehr deuten auch die Gewichtaverhl 
Sogar ein Aufseher der Gewichte und Maasse, also ein Aiehbaamtar, winl 
von Kilwa in der arabischen Chronik dieser Stadt erwähnt. An der 
oatafrikiiiiischen Küste wurde nach Bahar, Frusila und Man da» Gewicht 
bemessen. Es gingen an den verschiedenen Plötzen verschieden !0 U» 
"25 Frasila auf ein Bahar und 10 — 1*J Man auf ein Frasiln. Xach den alt- 
portugiosiacheu Gewichten umgerechnet, ergeben sich folgende Vergleich» 
zahlen in metrischen Gewichten: 



in Sofala 

.. Mosambik 

„ Kilwa und 

.. Monfia 

„ Zanzibar. 

., Mombasau 

. Melindo . 



1 Bahar 

247,860 kg 

228,602 „ 

195,075 „ 

•235,008 „ 

235,00* „ 

243.370 . 



1 Frasila 

12,393 feg 

11,505 a 

9,75a - 

11,750 „ 

9,400 „ 

10.136 . 



1 Mao 

0,813 - 
0,910 

0,935 . 



Selbst nahe beieinander liegende Städte verstanden somit m 
gleichen Bezeichnungen verschiedene Mengen. Die Unterschiede dürfen 
aber nicht überraschen, da zusammen mit Gewichtsvergleieliungeii von 
bedeutenden, handelsüblichen Gewiclitsalischlfigeu bei einzelnen Wenn 
berichtet wird. Auch ist wahrscheinlich, dass für manche Artikel, wie 
Getreide, die Menge eigentlich nach einem Ilohlmaass zu ermitteln war. 
das aber der bequemeren Handhabung halber gewogen wurde und für 
Ilohlmaass zu Gewicht feststehende Satze angewendet wurden, die für <Ji< 
verschiedenen Artikel, entsprechend der Schwere des Stoffes, verschieden 
sein mussten. Oberflächliche Erkundigungen über das Uewicht könnt- n 
somit leicht zu Zahlen führen, die zwar für einen einzelnen Artikel richtig, 
aber für andere Artikel irrig sind. 

Ähnliche Zustünde hüben sich bis heute in Ostafrika erhalten 
gilt heute in Sansibar eine Djisla Salz ÜOO Pf. engl., eine Djislu Neger- 
hirse 360 Pf. engl und eine Djisla roher lteis 285 Pf. engl. D;»> Bahnr 
ist heute als Ucwichtsmessor unbekannt, dagegen hat sich für «ine ähn- 
liche Monge (700 Pf. engl.) das Kandi eingebürgert. Das Fraeila und 
das Man sind noch heutzutage überall in Ostafrikn die BeseiofarJOngefl tür 
(ü'wichtsemhoiten und für ahnliche Mengen wie vor 400 Jahren. 

Übrigens ist auch heute noch das Frasila in verschiedenen Gebieten 
verschieden schwer. Wahrend es in Zanzibar und Deutsch -Ostafriku 
35 Pf. engl. = 15,87'i gereolmet wird, gilt es im englischen und italienh 
Ostafrika 36 Pf. engl. = 16,330 kg. Vollends das Man ist eine unbe- 
stimmte Einheit; selbst au ein und demselben Orte wird es bald gleii I. 
3 Pf. engl. — 1,361 kg, bald gleich dem Gewichte vou 48 Maria-Thcre^n- 
Talern = 1,349 kg angenommen. Der Ursprung von Man und 1 
ist in Ornius, der derzeitigen Handelsköuigin dos arabischen Heer« 
suchen; Man, Frasila und Bahar waren auch im ganzen Westen Ostindiens 
im Wi'hrrtueh. 130 ) In Djibuti enthalt die Frasilah 37 1 /« engl. Pfund oder 
nalu'/.u 17 kg** } und von der Küste des Somalilandes wird über dieses 



240) Ücutiohcs KoltmiolblaU 1906, S. 414. 



Mause an*l Gewichte in Afrika. 



33] 



»wicht berichtet: Daa übliche Gewicbi ist die Feraaala, auch mit dem 

-i'iheu Wort Man bezeichnet, durchschnittlich = 28 rotol, der rotol 

453 ,7; für Myrrhen aber wird die Fersala zu '32, für IIa rar- Kaffee zu 

rotol im Somalilund und iu Aden genommen. 1 * 1 ) 

Über Maass- und Gewiehtsverhältnieso in den Gebieten von Portu- 

iesisch-Ostafrika habo ich bis auf das, was sich aus dem (iosa^U'ii ergibt. 

i< lits feststellen können. 

Je weiti-r wir nach Norden kommen, desto deutlicher macht sich der 
'ierige Einfloss der Araber geltend. Wenden wir uns zunächst nach 
dein wichtigen Handelsplatz Zauzihar, der Jahrhunderte lang den Handel 
an der ganzen Ostküste Afrikas beeinflusst hat und heute noch zum 
grössten Teil beeintlusst, so rnaassen zu Beginn der achtziger Jahre die 
DVtob dem Innern bestimmten Stoffe 10 doti, 1 doti = '2 choukas, 1 chouka 
= 4 Ellen (coudees), 1 Eile (coudee) = 45-47 cm. 2 «) 10 doti bilden 
eine gora, 5 gora eiue Trägerlast. 243 j 

Was die Hohlmaasse und Gewichte in Zanzibar anbetrifft, so finden 
wir hier schon seit langem im Gebrauch: 

f. Gewichte: 1 Frassila (Frasla) ä 12 Anmani (Mün) ii .'i Artal ä 16 
Wakiah = 16,16 kg. 1 Bazla = 15,525 hj. 

III. Längen- und Flächenmaasse: 1 Ohrn — 0,571 
Lt.i; \ 2 üurrah - 0,9114 m, 1 Schukkah - 2 War. 
III. Hohlmaasse: 1 Djezln - 257, 4 Liter. 
8,*i7 **.**; 
Vom 1. Juli 1898 dürfen nur gestempelte Maasse folgender Art ge- 
aucht werdou: 
1 Pishi oder Keila == 6Y| 'bs. avoir du potds frischen Walsers. 
1 Kibaha = 26 ozs. 
r 



m, 



1 War (engl. 



Als Gewicht = 



Pishi oder Keila = 
Kibaba = 

Il;.It-Kilmba = 

Quarter. Kibaba = 

Es sollen entsprechen: 
Pighi oder Keila = tf 1 /:- lba. Reis. 
Kibaba = J*/i » 



0% 



1 Half-Kibaba 



1 



- *u 

- 7 



«Ji ;<rter-Kibaba 
Alle anderen Maasse werden zerstört. Die neuen tfaaase in Assen 
jährlich neu gestempelt werden gegen 1 Rapie (!ebühr. MS ) 

Als Laugen- und Gewiohtsm&asae sind schon seit längerer Zeit im 
lebrauch: 1 engl Pfund - 0,454 !</. 1 yard - 0,91 mr w ) 

Wenden wir uns zur Küste, so war lange Zeit das HnupthandrU- 

auf heutigem deutschen Gebiet. 
Vau- im Jafare 1896 im Auftrage des Königlichen Museums für Yölker- 



•241) Eiport 1889, B. W5. 

Ö42) Bulletin de la loeiete de Geographie royale beige 1881, S. 5®, 

-243) Deaüches KolonialMatt 1894, S. 152. 

•244) Hübners Geo|*raphiseh-sUtisti3che Tabellen ltftt-1907. 

945 I Bauches Kolonialblatt 1898, S. 432. Für Sansibar und Pemba. 

946] Handelsarchiv 1901, S. 11GJ 



332 D. Kürchtaoff: 

künde in Berlin ausgegebene Instruktion für ethnographische Beobach- 
tungen in Deutsch-Ostafrika äussert sich über Maasse und Gewichte: 
Unter den Längenmaassen scheint der Spann (schibiri) und die Klafter 
(pima) über einen grossen Teil des Landes verbreitet zu sein. Wo, wie 
an der Küste, Handel mit Zeugen schon seit Jahrhunderten betrieben 
wird, besteht ein festes Verhältnis zwischen diesen Maassen, so das« acht 
Spann auf die Klafter gerechnet werden. Dazwischen liegen die Elle (dhraa) 
und die Doppelelle, zwei Klafter aber geben eia doti. Die absoluten Maasse 
(in Metern und Zentimetern) für diese Grössen sind an verschiedenen Orten 
verschieden und auch individuell, je nach Armlänge des Messenden. (Es 
wird hierbei darauf hingewiesen, dass so gut wie gar nichts über diese 
Dinge vorliege.) Besonders zu beachten ist dabei, dass es neben dem 
grossen Spnnn auch einen kleinen geben kann, und neben der grossen 
auch eine kleine Elle. Ein drittes System von Längenmaassen soll auf 
den Handel mit Perlen beschränkt sein. 

Hohlmaassc sind bisher aus Deutsch-Ostafrika so gut wie unbekannt, 
der Ausgangspunkt für die vorhandenen scheint die Doppelhohlhand zu 
sein. Als vorhandene werden genannt: pischi, kibaba, kigunda, fara usw. 
Auch für Hohlmaasse gilt, dass es grosse und kleine Maasse desselben 
Namens gibt. 

Gewichte und Wagen scheinen in Deutsch-Ostafrika ungemein selten 
zu sein; an der Küste hat sich ein System entwickelt, das vom Maria- 
Theresia-Taler ausgeht; genaue Angaben über das wahre Gewicht der 
wakijat, artal, amnan, farasila, kandi und gonje wären sehr erwünscht. 
In Uganda soll eine Wage für Elfenbein bestehen. 247 ) 

Aus dem Beginn der neunziger Jahre finden wir eine sehr eingehende 
Zusammenstellung der Maass- und Gewichtsverhältnisse in Dnressulam in 
der deutschen Kolonialzeitung: 

I. Gewichte. 

A. Wakia kommt aus dem Arabischen und bedeutet den 16. Teil 
eines ratiln (1 engl. Pfund). Da wakia der kleinste Teil der Gewichts- 
einheit ratila ist. so entspricht es ungefähr 28,2 g. Man kauft danach 
Opium, Haschisch u. dergl. ganz kleine Gewichtsmengen. 

B. Prazila = 35 Pfund (engl.) = 15,625 kg, besonders im Elfenbein- 
haudel. 

C. Djizla = 360 Pfund (engl.) = 160,713 kg. Darnach verkauft man 
nur mtama (Negerhirse), mawele (eine matama-Art mit kleineren Körnern). 
Kunde (Bohnen), Bazi (Erbsen), Chiroko und mhindi (Mais). 

1 , Djizla (nus = Djizla) - 180 Pfund (engl.) = 82,589 kg. Darnach 
verkauft man jugu (Erdnüsse). 

Dieses Djizla hat für eine andere Warengattung ein ganz anderes 
Gewicht: z. B. 1 Djizla puiiga (ungeschälter Reis) = 285 Pfund (engl.) = 
122,767 kg\ dagegen mshele (geschälter Reis) = 390Pfund(engl.) = 174,107 kg. 
Der Gewichtsunterschied zwischen geschältem und ungeschältem Reis 

247) Mitteilungen von Forschungsreisenden .... aus den deutschen Schutzgebieten, 
189fi, 8. 95. 



Maasso and Gewichte in Afrika. 33$ 

kommt daher, weil das Djizla ursprünglich ein Hohlmaass war, worin na- 
türlich mehr geschälte, also kleinere, als ungeschälte, also grössere, Körner 
geben; die mathematische Genauigkeit lässt natürlich viel zu wünschen 
übrig, da die Körner doch nicht alle gleich gross sind, ebensowenig 
gleich schwer. 

1 Djizla Kaurimuscheln (für Westafrika, wo sie als Held dieneu, 
bestimmt) und 1 Djizla Maskat- und Negersalz wiegt sogar 600 engl. Pfund 
oder 287,857 kg. 

1 Djizla Kauris hält 4 Fara; letzteres ist etwa die Menge, welche in 
eine hier übliche Kiste für Petroleumkannen hineingeht. So ein Ding 
soll also eigentlich 150 Pfund (engl.) wiegen, tuts aber natürlich nicht. 

D. Kandi = 700 Pfund (engl.) = 31-2,50 kg wird nur beim Handel mit 
Ebenholz angewendet. 

E. Pishi = 4 Kibaba = 4*/, Pfund (engl.) = 2,Ü52 kg bei punga und 
ufuta (Sesam); dagegen 1 pishi = ti>\ t Pfund (engl.) = 3,627 kg bei mshele 
und 1 pishi = 6 Pfund (engl.) = 3,393 kg bei allen anderen, so gehandelten 
Früchten. 

1 Kibaba ist = 0,75 Liter (vgl. UL Hohlmaasse). 

II. Längenmaasse. 

Einheit mkono (bedeutet „Hand" und ist die Entfernung vom Mittel- 
armgelenkwirbel bis zur äussersten Spitze des Mittelfingers). Natürlich 
ist dieses Maass bei allen Menschen verschieden. Die Verkäufer müssen 
daher möglichst klein, die Käufer dafür möglichst gross sein. 1 mkono 
soll sein 18" (engl.) =0,445 m. 2 Meter sind etwa 1 pima (eigentlich 
„Maass") auch upande (eigentlich „Teil"), reicht von der Mittelßngerspitze 
der einen bis zu der anderen Hand. Auch hier sind recht affenartige 
Neger beliebte Artikel. — Kipande bedeutet eigentlich jedes beliebige 
Stück z. B. Kipande mti „Stückchen Holz" oder „Klötzchen" usw. 

1 Doti = 2 pima— 8 mikono = 144" (engl.). — Der Neger fordert 
immer so und soviel doti merikaui (Baumwollenstoff). 

III. Hohlmaasse. 

Kibaba als Einheitsmaass = 0,75 Liter. 4 Kibaba = 1 pishi. Haupt- 
sächlich bei Körnerfrüchten angewendet (vgl. I. Gewichte). 

IV. Zählmaasse. 

Corja = 20 Stück. Eine Bezeichnung für 60 Stück würde dem Neger 
schwer fallen. Er behilft eich daher mit corja tat 11 = 3 corja. 
V. Raum- und VI. Flächenmaasse. 

Das sind hier eigentlich unbekannte Dinge. Der Neger hat keinen 
Ausdruck dafür. Er hilft sich mit den Dimensionen und beschreibt den 
Handelsgegenstand, so und soviel pima lang, breit und evtl. hoch. Der 
Inder und Araber kennt hier und da allerdings das AVort niaral, 
für 1 chm also vielleicht maral Ulis pima 1 vielleicht 1 row, in Wahrheit 
_'.,„„ „ „ mkono i kleiner. 

Auch verstehen einige Inder genug englisch und kennen squarefoot =■ 
ein Quadratfuss"*). 

248) Deutsche Kolonialzeitung, 180-J, S. 144. 



334 



D. Kürchhoff: 



Oameron gibt in der Einleitung seines Buche* Hb daa Ende dir 
siebsiger Jahre an der ostafrikauischen Küste folgendes an: 1 doto = 
( vards = 'V/_, //'. 1 Frasilah = 35 Pfund, die Kibabah ist ein eine Tages- 
r.iti« m fassendes Maass, 1 ahukkah — *l yarda"*) und Ende der achtziger 
Jahn war die Kibabah bei den Wnnyamwosi — I 1 . Pfand (Sei 
(Tagesration)" ). 

Im Innom rinden wir bei deu Waran gi ebenfalls «las mikono aU 
Grund-Läugenmaass, und zwar vom Ellbogen bis zu den Fingerspitzen 
geraessen. Das Vielmaass des mikono ist das tipnnde und dann folgt 
nieder das doti. 1 doti = 2 upande = 8 mikono. 

Gewichte sind unbekannt. Ilohlmaasse aus Holz sind kibuvu un«l 
kirindo" 1 ). Reichard macht folgende Angaben für die Koste: 1 doti = 
8 Yard, 1 upaude = 4 Yard, 1 kitainba = "i Yard. Im Innern wird statt 
der Yard der gestreckte Unterarm von der Zoigetingerspitze bis um 
inneren Gelenk dea Ellenbogens substituiert. Man muss also stets bedacht 
sein, daBS ein Mann mit kleinen Armeu zum Messen des Zeuges bestimmt 
wird. Im Innern wird die doti übrigens nur 7 Armlängen (kia. mkono, 
pl. mikono) gemessen ""). 

Betrachten wir /tmnrlist die in Frage kommenden Verhältnisse indem 
wichtigen Yerkehrsmittelpunkt Tabora, so war zu Beginn (hl vorigen 
Jahrzehnts die als Langenmaaa« beim Abmessen von Zotig benutzte gora = 
00 Längen des Unterarms bis zur Fiugerspitze, 1 upande = 4 Längen des 
Unterarms bis zur Fingerspitze, und als Hohlmaass finden wir die mbischi. 
die 2 Hände voll war, mit dem für dieses Maas» üblichen Holzgefäss ge- 
messen wiegt Salz 10 Pfund""). Nach anderen Angaben war die gora an 
der Koste = 30 engl. Ellen"*), in Kissanso waren 2 mani = 6 Pfund 
Perlen "*), in Kondeland hat die upande 4 Unterarmlangen. Für andert- 
halb Unterarmlängen Stoff bekommt man zwei Lasten (also auch als Maas« 
anzuseilen) Malesi-Hirse"*), der doti hat hier 8 Unterarmlängen* 11 ), ebonso 
am Warne"**) und in Usiga westlich Pangani 9 "), in den beiden letzt- 
genannten Gegenden hat die gora 30 Unterarmlängen tM *"), in Usiga hui 
auch die upande 4 Unterarmlängen ""). Bei den Wadoe finden wir ab 
Längenmaass die pimn = 1 m, womit das Flechtwcrk der Palmblattstreifen 
gemessen wird" 1 ), in Ufioine westlich Jrangi ist ein pisebi Friuhte — 



349) Camoron, Quer durch Afritu, 1877, I, S. 1. 
260J Baumgarton, Deutsch-Afrika, 1887, S. 3a 
86-1) Mitteilungen von Forschungsreiseuden und Gelehrten aus den deutschen Schutz- 
gebieten, 1000, ö. 53. 

2.V2) Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1SS9, S. M. 
368j Deutsches Kolonialhla», 1809, S. 165. 
■_' 54) Tnlten, Reiseschilderangen der Suaheli, 1001, S. 1. 
866 Kbenda, S. 30. 
Ebenda, S. 7(1, 
867) Ebenda, S. 79 
259) Ebenda, S. 144. 
899) Ebenda, 8. 109. 
I60J Ebenda, S. 196. 
261] übend*. S. 183 



Maassc unil Geiriebtfl in ATrik;«. 






etwa 4 / ,w ), und in Uschivombo hat die kibaba Fett etwa 1 /""). W«l 
die beiden lotztaiigoführten Mnasse anbetrifft, so äussert sich ßaumann 
Ober diese; als Hohlmaasse dienen das kleinere kibaba und der gröeaere 
pischi, die jedoch beide keine bestimmte Grösse haben, sondern fort- 
während wechseln. Naturlieh kauft der Inder mit grossen kibabas und 
verkauft mit kleinen, und Ändert überhaupt die Maasse ab, wie es ihm 
pasBt 144 ). Bei der Kilimandscharo-Bevölkerung wird das Zeug nach 
orderarmlängeii (niikono, Singular: mkono) gemessen"*). 

Am 1. Märt 1899 wurde bestimmt, desi für Maass und Gewicht in 
Deutsch-Ostafrika nebeneinander das deutsche Maass- und Gewichtssystem 
und das einheimische Maa98- und Gewiehtasystem in Anwendung kommen 
sollen. 

Bei Anwendung des einheimischen Maass- und Gewichtssystems sollen 
tsprechen: 

bei Lflngenmaassen : 

das Schibin 22,86 Zentimeter 

„ Mkono - 2 Schibiri « 45,72 
. Pirna - 4 Mikono - 1,829 
B Doti S Pirna - 3,658 

bei Hohlmaassen: 

das Kibaba = 0,8 Liter 
, Vi - -0,4 „ 

„ V* n = 0,2 _ 

„ Pischi = 3,26 _ 
bei Gewichten : 

das Wakia = 28,35 Gramm 

„ Kate! - 16 Wakia = 453,6 
„ Mau = 3 Ratel = 1,30 Kilogramm 
„ Frasila = 35 Katol = 15,876 
Dieso Verordnung trat in don Küstonbezirken am 1. April 1899 in 
Kraft. Di© Inkraftsetzung in anderen Bezirken oder Teilen von Bezirken 
blieb vorbehalten. 

Für Vergleichszwecke wurden den vorstehenden Bestimmungen ent- 
sprechende Maass- und Gewichtsstücke des einheimischen Systems in den 
Bezirksämtern aufgestellt und waren solche auch käuflich erhältlich"")* 
Neben der Frasila dient als Gewicht für sämtliche Getreidearten die 
iisla = 360 Pfund. 

Wanden wir uns von diesen arabischen MaasBen zu denen der Ein- 
-_''l»oroncn, so liegen über diose sehr wenige Mitteilungen vor. Das 
einzige den Masai eigentümliche Maass ist die Handspanne (endemnta), 
gemessen mit ausgespreizten Fingern von der Spitze des Daumens zu der 




2G2) Veiten, IUiseschildörungon der Suaheli, 1901, S. 200. 

Ebenda, 8. 208. 
964) Seemann, Usambiira, 1891, 8. 289. 

i'etcrmanns Mitt.iluii_-.-n, ErgSnaungshoft 129 (1899), S. 68, 

366) Deutsches Kolonialblatt, 189», 8. 229. 

367) Zniehrift dos Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees. 



336 D- Körchhoff: 

des Mittelfingers. Hptm. Merker sah nur, das« die Leute damit die Lange 
des Speerblattes, Speerschutzes und Schwertblattes maassen, und hörte. 
wie sie bei Bestellungen der erwähnten Teile dem Schmied die ge- 
wünschte Länge mit so und soviel Handspangen bezeichneten"**). Bei 
den Warangi wird beim Tembenbau nach der Höhe der Brustwarze ge- 
messen*"). 

Im Bezirk Bukoba (Uheia) bezeichnet man mit mguma die Übliche 
Länge der übermannshohen Gehstöcke. Man bedient sich dieses Maas*e& 
bei Anfertigung von Einfriedigungen 1 "). 

Feidmaasse sind: In Uheia für Bananen das mtara, d. h. ein Quadrat 
von 100 bis 150 vi Seitenlänge* 70 *"). Ein Feld ausserhalb der Bananen 
nennt der Uheia insiri, hat aber kein Flächenmaass dafür. Daa mtara ist 
auch in Usindja bekannt, gilt für Bananen nnd führt auch die Bezeichnung 
ntano. Für Felder ausserhalb der Bananen ist Flächenmaass das bulime, 
ein Quadrat von etwa 50 m Seite' 70 ). 

Feststehende Hohl- und Gewichtsmaasse gibt es nicht 170 ). Das Salz 
z. B. wird im Kleinhandel handvollweise verkauft* 70 ). 

Weiter nördlich an der Küste des heutigen Englisch-Ostafrika sind 
schon seit längerer Zeit die in Zanzibar verwendeten Maasse und Gewichte 
im Gebrauch, so z. B. bei den Wapokomo ""). 

Was dte im afrikanischen Osthorne gebräuchlichen Maasse anbetrifft, 
so sind sie arabischer (semitischer) Herkunft und von arabischen Händlern 
eingeführt worden. Das äthiopische Reich hat selbst zu Zeiten seiner 
Blüte anscheinend keine Originalinaasse hervorgebracht. In ganz Nordost- 
Afrika ist es indess Usus, dass jeder Verkäufer nach jenen Maassen und 
Gewichten messe und wiege, die in seinem Heimatlande gebräuchlich sind. 
Die annähernd deu arabischen Einheiten gleichen Maasse und Gewichte 
belegt man dann mit den arabischen Benennungen. 

Als Längenmaass steht die Spanne vom Daumeu bis zur Spitze des 
Mittelfingers (o. 273 > senzer, s. tuka), der Unterarm (s. bäh, a. hasul) und 
die Elle (s. dudün, o. dugdüina) = 0,40 m in Verwendung. Selbst- 
verständlich ist auch der reine arabische drä, schibr und fitr, die dsiräh 
und die qabdhe, der qadain und der qiräth, der feddän und die mdlaga, 
die chatwe u. a. m. häufig gebraucht oder doch gekannt. 8 Somali- Drähs 
= 9 drä von Harar. 8 Somali-Drähs nennt man auch marro, und diese 
ist fast gleich 5 englischen Yards (s. war). Ein solches Stück Zeug, das 
gewissermaassen auch als Maasseinheit dient, kostet 4 Frcs. 50 Centimes. 
Die Galla legen dem Längen- und Flächenmaasse gleichfalls die Elle und 
deren Multiplum zugrunde, rechnen aber auch gerne im grossen nach dem 

208) Merker, Die Masai, 1904, 

2Ü9) Mitteilungen von Forschungsreisenden .... aus deu deutschen Schuttgebieten, 
1900, S. 37. 

270) Mitteilungen von Forschungsreißenden und Gelehrten aus den deutschen Schutz- 
gebieten, UKJO, S. 6H./73. 

•>1\) Ebenda, 1899, S. ll>i. 

272) Mitteilungen der geographischen Gesellschaft Hamburg, 1878,79, S. 45. 

2781 o = Oromo oder Galla, s = Somal, a = Afar. 



Mitasse und Gewichte in Afrika. 



337 



5 



schoanischen Kodel (3 Ärmlingen) Schil (4 Armlängen), Deg-deg (T2 Arm- 
längen) und Bofet (28 Armlängon). Der abeßsinische Tnle, d. i. die Dauer 
einer Tagesarbeit, welche ein pflügender Ochse vollendet, oder nmharischo 
Stand und die Bololke sind auch bei den Oromo im Gebrauche. Der 
dianische Kend = 0.") m gilt als Maasseinheit fflr Tuch und Zeug. Die 
»fldliohen Galla bezeichnen eine Quantität von 5 Ellen Tuch nach 
Wakefield mit dem Namen doti. Im übrigen gilt die an den Gestaden 
des Roten Meeres typische Tabelle der Maasse: 

1 <iabbi oiler Schatnma = 2 Koroanna. 
1 Koroanna = 'J Gherbnh: 
1 Gherbab = 5 Kend; 
1 Kend = "2 Scnzer; 
1 Senzer = 3 Tat. 
Als Kleinmaasse gebraucht man: 
den Stamhul = 6(>7 mm; 
den Ägyptischen Lezri = (»70 mm: 
den Jindi = 027 tum. 
Bemerkenswert ist, dass das Elfenbein bei den Galla nicht gewogen 
wird. Man misst es nacli Kend, d. i. nach der Länge des Unterarms. 

■Dlltex den Hohlmaassen bildet die gebräuchlichste Einheit ein arabisches 
Maa&s = 176,3 LUir mit den Unterabteilungen der wnibe und rubha. 
In Schon misst man das Getreide nach erbuö, baden (daollä), kunna und 
leftia. 6 erbau = 7 kunna. Die kunna = '2 Liter bildet in Schoa und 
bei vielen Galla dos Einhcitsmaass fflr Korn, Mehl usw. Die Benadir- 
ial messen die Durra nach kilas. 

1 kila = 1,110 Liter = 2 men = Ü ky 262 g Gewicht. 

15 kila = 1 tobla, 30 kila = 1 msigo, 100 kila = 1 dschezela (an 
anderen Stellen nur tiO kila = 1 Dschezela). In Maqdischu ist mich 
Guillain 1 tobla = 15 kila, in Zanzibar die kila m 2 1 /» kibaba, noch- 
mals so gross als in Muinlischu. Die War Sani^li-Somal messen Reis 
und Darra nach der falea oder gurdi wie alle anderen Somal. 1 Gurdi 
= 1 Rethol Gewicht. Das gebräuchlichste kleine Maass unter den 
Bomaii-Hohlmaassen ist der madal = 1 Liter 70 Centiliter. Fett nrifltl 
man nach der rhudda = 14 Kethol oder der gedda ■■ 24 Kethol (1 Gcdda 
zerfallt in 4 uä Gewicht). Gummi nach gdnifl = 1 handar. Gallanische 
Getreiiemaasse sind noch der gondo, tschingö. liubbo und die safartu. 
welch letzterer Maassbehälter stets aus Hörn ist, so dass man damit auch 
den Honig bequem messen kann. Manchmal ersetzt diese Form die ein« 
n In- Kiirliisfliische (bukki). In der Stadt riarar und deren Umgebung 
mint man das Durra-Korn nach der karaw&na = 9 kg Gewicht, welche 
ungefähr 10 Liter fasst. Der abessinische Messie (P/a Liter) gilt alt 
Kl'-iiiniaass für Hydromele und Farscho bei den Galla, bei den Somal 
und Afar auch die schola für Flüssigkeiten und der knil für Trocken« - 
r Iferländer des Roten Meeres. 

Wia bei den Maasscn, so sind auch beim Gewichtasystem (s. miete, 
a. na tri, o. madali) arabische Grundzuge hilufig genug zu erkennen. 

Allein man kann von einem wahren Wirraal sprechen, das bei den 

Zaltucbrin für Ethnologe. Jafirg. 1908. Heft 3. 22 






h. Kfin:hhofr- 






Borna] besonders in den Gewichtseinheiten herrseht, ßa Bteht damit rie! 
si'liliiiniuM' wie mit den Manssen. denn beim Gebrauche der i :i n_r<jn- aod 
llohlmansse Bind die Billgeborenen, wie erwähnt, gewöhnt uml lassen siclu 
gefallen, das« jeder messe, wie in seiner Heimat gemessen wird. Allem 
beim Gewichte wßgt nicht nur Jeder Händler, wie in seiner Heimal . 
wogen wird, sondern er kann auch in jeder Stadt und jedem Orte, in 
Watehera er Geschäfte macht und zu wftgeu in die Lage kommt, Biet 
einer anderen Basis wigen, d. h. seinen Operationen eine verschied« 
Gewichtseinheit, und zwar bei Jedci W;ire. -/.umrunde legen. Dazu kouinr 
der überaus acblecbte Zustand der Wagen (b. und a. middän). zumal in 
sdion und in den Gulln-Gebieton, wo die Händler häufig einen] wahr- 
haftig anhangen, was immer sie wollen. In den Gnlla-Lündoru jen- 
des Iluwasch wird nur das Kupfer gewogen, alles andere nach dem Augen- 
iunnsse und nach der Elle gemessen. An der Nordkfiste und jener der 
Benadir haben Engländer und Franzosen dar grossen Willkör in etwas zu 
steuern vermocht. Der Hedanke lügst sich nicht unterdrücken, dass BJ 
ron europäischer, indischer und arabischer Seite aber gerade die Unord- 
nung gerne bevorzugte, weil der geistig überlegene dabei iu der Hegel 
-«iiii- gute Rechnung fand. 

Die Basis jeglichen Gewichtes bildet heutzutage in Nordostafrika 
Gewicht des Maria-Tlieresieu-Talers, die waqijja -= 12 Dirhem = 5T1 1 /, 
bis 570 englischen Gran — 2b.Q14 g. Vor dem Ende des 1£. Jahr- 
hunderts, bevor dar Muria-Theresien-Taler an derOstkflstc Afrikas bekannt 
und allgemein angenommen ward, musste eine andere Gewichtseinheit, 
wahrscheinlich die ägyptische. Qainha, Habbe oder derDirheni, seine Stell 
im Gewicbt sa jBt e m eingenommen babeu. Dos Pfund des Nord-Snn il 
und Afar :>f der Kathie oder Kothl (s. rothol, &. rateli) = 16 Waqqj 

I \^ </. de» Zentner oder das Grossgewicht die frasleh oder frasila 
33 EUthl = II kg 836 = dem Gewichte von 500 Talern. Der Som 
der Benädirkfiste raohBei nach Rathl und Nater, wobei 1 Nater = 1*2 bi 
18 WaqijjB, 1 Rathl - 44^ </. 3 Rathl - 1 Men, VI Men - 1 Fraak 
7 Frasleh — 1 kiss. Der (ialla nennt den Rathl mitschirra und ri 
gleichfalls nach demselben, wobei er ihn in 20 Dritn teilt. Das Pfand 
gibt bei den Soniiili ein Multipluin für ilie Rechnung im grossen, de 
Handax (20 Kathl = 5 Frasleh). '•> llandar sind wieder ein Bohar, d 
somit IS Frasleh repräsentiert und etwa 135—136 kg wiegt. L60,* 
1 Dschezela, dem Grossmausse fflt Getreide. 11 *) 

Dr. L'aulitschko bemerkt so diesen seinen Angaben: „Ks ist n 
leiobt tin den Forscher, wenn er sich übor den wahren Wert der Somali- 
und GallflrOewiohie ein Urteil verschaffen will, eines Normalgewichti 
stflekea leibhaft eq werden. lob gab mir lange Zeit hindurch iu Zeila, 
Marax Berbern aod Dscbaldessaa Muhe, richtige Gewichte aus Stein, deno 
nur solche gibt es, iu die Hände zu bekommen, und verglich daher gro 
Mengen ron Gewichten, die im Gebrauche standen, und mit Vorliebe 
nana oder noch wenig abgenützte Exemplare. Ich kam zu keinem prak- 

• u Resultate, d. i. nirgends fand Leb übereinstimmende Gewichte, n EM 
selbst solche waren es nicht) die ilie Eingeborenen fßr meine Zwecki 



Hause und 



Dt 



339 



etgeni mein batten. Dm beste war, blanke Taler» je fünf oder Beta 

zu wägen und sarat dem Beutelchen, in Uem sie rerwahrt worden* 

ah Qewtehfl zc benfitzen. 

ilgeude Tabelle mag eine kleine Übersicht über die grossen Differenzen 

im Gerichte an den einzelnen Punkten der Küste N'ordoHt-Afrik.-is «n« wahren : 



1 W.ilh 


in fieita eüai Berbers 


— 


1\ 




*•** 


i 


m Beodex Qasixn 




— 


26 




0) 


l 


in Ilarar 




- 


•27. 2« 


.in. i ■_»> (7*4— 84b" <;) 


1 


Ln Unis 




= 


92 




1 - 


in Lasgori 




^ 


11 






1 .. 


in Maaeana 




= 


13-18 






1 ■ 


in 'j:in/ Abessiuien 






L2 




1 


bei den Hidjertin 




B 


16 






! 


bei dt'ii BenAdir 




= 


tfl 




33 


I Fraeleh in Zeile 






= 


32 Rathl 




l 


in Ilarar oder Bonder Qftairn 


20— M „ 




l 


in MiM'uji 






= 


20 




1 


in H.iis 






ta 


i« 




1 


in Lasgori 






= 


8 




1 


in Mas.iaua 






B? 


18— -20 „ 




1 


l"*i den Midjertirj 









15 




1 


an dez BenadirkOi 


to 




= 


..-. 




In diese Tabelle konnten 


die 


in den 


Dromo-(iebieten südlich von 



III 



h boa und im ifldlichen GaUalande geltenden Werte des Hathl, des Nain 

und di r Praaleh nicht mit einbezogen wurden, weil ftbar deren Ver- 

i iidiin- keine sicheren Daten existieren. Bovis] lasst sich sngcu, dass 

;ew9hnliob das Zeilaner oder Berberaner-Gewiohl im riord-GaUolaade von 

den Kaofleatett, im 8Ud-GaJlalan.de des Zanziharer von Karawanen in 

aatim mttgefflnrt wird, oder dass man es nach der Kinheit des Rathl sich 

00 uiil Stelle zusammensetzt. Der Nnter wird in & ia-nater-ekul 

! i:i-nater-ekul in 2 nafer-riib eingeteilt Auch der Nnter hat. naturlieh 

ii Verschiedenen Orten versehieilenes Oewirht und differiert auch bei der 

KPlgung verschiedener Waren. \ Nater Gold bat U B. in Schon nur 21g 
(tvwiclit de> Taler* zur Grundlage, 1 Nater ist in den Landen der 
Oromo in der Begel gleich 1 Frosilah = 18 Talern. 800000 Nater 
wm ■ i --wohnlich L00000 kg gleicbgeaohtet. 150 Sater wieg! eine 
K.unellast Kaffee. Beim Kaffeebande] wiederum gilt 1 Rathl 17 Taler, 
-.iist vorwiegend 19 Taler, sc beim Verkaufe «los Kupfers. Die Waqijja 
wild ferner in die kleine und eine grosse Waqijja unterschieden, Die 
eratere dient beim Wagen deH Ztbets, 'Ii'* letztere bleich 4t» Rathl 

12 Taler ist die Kinheil heim Messen des l'di'enheiiis, wenn dasselbe 

wegen der unbedeutenden Länge der Stücke gewogen werden muss. Den 
i iaton Schwankungen unterliegt der Ratbl, denn er wiegt 400—448 g 

• ine kolossale Differenz bei teueren Stoffen, Datteln Wiegt man nach 
um-: 1 kns?nra — 1 haiuil oder 57 p. 174 ] 



• mliUchke, Ethnographie Nonl-Afrikan 1898, S. S 




:■: 




340 



P. Kürcl.hoff 



Ober die Maass- und Gewichtaverhälrnisse in Bcrbera wird berichte:; 
die fremden Kauflouto der Küste bedienen sieb der altarnbischen Gewititte. 
Das Gewicht für Perlon heisst mut^al, als Entfernungsangabe dieut <]. r 
mnrhalu, cl i. der Karawanenweg von * Stunden, rida worn ist die Ent- 
fernung eines LailKefiWflrfefl = 150 Schritt. 878 ) Des Draa ist schon Kr- 
wähnung getan. Flüssigkeiten werden stets gewogen. 17 ') 

Revni] macht aus dem Anfang der achtziger Jahre »Ihm die Qewicl 
Verhältnisse an den verschiedenen Orten des im Östlichen Teile Im 
afrikanischen Osthornes gelegenen Teiles von Darror uns folgende Angaben: 

In Merayn 1 rethol ^ 31 Taler, in Bender-Uasern = 26 Taler. in 
Meraya 1 frazella = 20 rethole, 1 handar = 5 frazellas, 1 bohar = 
3 handars, in Boder-Gasem 1 frnzella — 20 rethols, 1 handar = 4 frazellas, 
I bohar— 12 frazellas, in Hais bei den Haber-tel-Jelo 1 rethol = 32 Taler, 
1 irazella = 16 rethols, 1 handar = 4 frazellas, 1 bohar = 12 handar*; 
in Lasgore hei den Quarsangne, bis 1 rethol — 44 Taler. 1 fr.tzMl i 
= 8 rethols, 1 handar = 5 frazellas, 1 bohar = 3 handars. 378 ) 

Diese Gewichte wareu alle aus Stein, und im allgemeinen fand 3aa 
Wiegen öffentlich vor den Verkäufern statt, um jeden Streit zu vermeiden. 
Es muss aber bemerkt werden, dass aus dem einen oder anderen Grande 
die Wagen stets zu Gunsten dos arabischen oder banianischcn Klaffen 
ausschlägt. 

An Hohlmaasseu siod nur zwei vorhanden, für Reis, Mutanta und 
anderes Getreide: der goursi und die phalea. Bei den Medjonrhines finden 
wir als H üb 1 maass fflr Getreide uur das erstgenannte Maass, bei den 
Uaraangiielis wird zumeist die phalea, (Hfl gleicli 4 der Ortliehen goursis 
oder gleich drei der medjourtinischen gonrsia ist verwendet Fett wird 
bei den Medjourhines vermittelst rhouddlia — ungefähr 14 rätholfc, bei den 
Unrsanguelis vermittelst gueddn — 24 rethols verkauft. 1 guodda z< 
in 4 I B. 

Wenn der liumini nach der Koste kommt, befindet er sich in allen 
möglichen Behältnissen: Säcken, Körben., Hauten. Zur Ausfahr wird er 
verpackt in gouies aus Stroh, deren Gewicht gefüllt ungefähr ein handar 
betragt. 87 «) 

In Abessinien waren im Anfang dea vorigen •TahrhimdertK an Ge- 
wichten in Gebrauch; der ijuarrv, der drahm, die vocate, der nattle, die 
mit den damaligen französischen Gewichten: grain, gros, onoe, lirre ver- 
glichen werden konnten. 10 quarry — 1 drahm, 10 drabms «= 1 vocate, 
12 vocateu = 1 nattle. Nach Gewicht wurden nur Gold und Baumwolle 
verkauft. 278 )* 77 ) Das Einkommen dos Königs wurde nach vocaten Gold 
berechnet, 12 vocaten waren 1 Pfund, so -läse eine vocate ungefftltV 
= **/, Lot war. 276 ) 



•_\" ■ Petormanns Mitteilungen, ErgRnxungshoft 17, S. 38. 
376) EtevoU, La vn.ll.-e du Darror 1Ö82. S. ^80. 
•216) NouvpUps AnnalP« des voyages 1*21, Bd. iL'. 8. Sß7. 
i.'77 Jnurnal der Land- und Seereisen 1821, Bd. 38. 

sTQ Dkerfc, Vollständiges Handbuch d.-i neuesten Erdbeschreibung 1©4 TT, Abt 
II. Bd. B.3S0. 



Maasse und Gewichte in Afrika. 341 

In den vierziger Jahren werden in Tigre folgende Maasse und Gewichte 
angegeben: 20 Knnna Korn = 1 daule, IG Maass = 1 madega, 1 Maass ist 
kleiner als eine Kunna jn Schoa.* 79 ) 

Etwa zu derselben Zeit, also Ende der siebziger Jahre berichtet ein 
französischer Reisender nnter besonderer Berücksichtigung der in Schoa 
herrschenden Verhältnisse. Das Hohlmaas ist die daoula, welche ein 
Fassungsvermögen von ungefähr 200. Liter hat und in den verschiedenen 
Bezirken um 10 — 40 Liter über oder unter 200 Liter schwankt. Das von den 
Arabern in Äthiopien eingeführte Gewicht ist der rotoli; 10—12 rotolis, 
je nach dem Gebiet bilden eine ferossola; der rotoli wiegt in Schoa 450 g 
ist also gleich dem Nettogewicht von 18 Maria-Theresia-Talern, in 
Massauah ist der rotoli = dem Gewicht von 16 und in einzelnen Ge- 
genden sogar nur gleich dem von 14 Maria- Theresia-Talern. Der Kaffee 
wird auf dem Markt von Bogue mit doula verkauft, in Schoa mit rotolis 
und ebenso Wachs und Elfenbein allein wird nach okies (1 okie = 40 rotoli 
h 18 kg) gewogen. 180 ) Combes berichtet im Anschluss an diese Gewichte 
ebenfalls unter besonderer Berücksichtigung von Schoa wahrscheinlich 
ana einer zweiten von mir nicht eingesehenen Quelle 281 ) über noch andere 
Maasse: 

Der oukiet oder Unze (once) für Elfenbein stellt ein Gewicht von 
480 Talern dar und wiegt 13,383 kg, für Muskat und für Gold entspricht 
der oukiet an Gewicht nur einem Taler. Der Neter oder Pfund für Elfen- 
bein wiegt V2kg t für Kaffee 18 Taler. 

Das einzige in Äthiopien gebräuchliche Längenmaass ist die Elle 
(coudee) (Kaud) mit seinen Unterabteilungen die Spanne (sanjar), Hand- 
breite (gat), Fingerbreite (tat). 

Das Hohlmaass ist die daoula,. welche ungefähr 90 Liter fasst, aber 
die in den einzelnen Gegenden erheblich variiert. Der Komma hat ein 
Fassungsvermögen von ungefähr 4 l /i Liter. 28 °«) 

Ende der achtziger Jahre war das gewöhnliche Maass in Massaua der 
rotl = Vi Pfund. 1 Kantar = 100 rotl, der Farassla = 20 rotl. Der minu 
= 3 rotl. Der Bahar = 360 rotl. Eine Koba fasste l 1 /, Liter Flüssigkeit, 
1 matsene = 8 Kobas, 1 Koba Butter wog 2 3 / 4 rotl. Das Getreide wurde 
nach rubits gemessen. 4 rubits = 1 Kele, 110 rubits = 1 ägypt. Ardeb 
= 180 Liter. In Suakin hatte zu Beginn dieses Jahrhunderts 1 Ardeb 
1,98«. 

Jetzt dient in Abessinien als Längenmaass die Armlänge vom Ellen- 
bogengelenk bis zu den Fingerspitzen. Diese Einrichtung hat das Un- 
angenehme, dass kein Geschäft ohne Streit abläuft, der Käufer will stets 
die längste Elle anwenden und bringt gewöhnlich den längsten seiner 
Freunde als Maass mit. 
Als Gewichtsmaass dient der Nötter (Nattir) 882 ) = 12 Wokiett = 360 ?. 



279) Journal of the London geographical society 1841, S. 480. 

280a) Combes, L'Abyaainic en 189«, 18%, S. 16K. 

280b) Revue des Dem Mondes 18791, S.877. 

281) Manuel pratiqne de langne abvsBinie (amtiariqoe) 1891, 



342 D- Kürchhoff : Maasse und Gewichte in Afrika. 

1 Wokiett (Okiett)* 88 ) = dem Gewicht eines Maria-Theresia-Talers - 

(27,77*)««) 

für Gold teilt man die Wokiett in 8 derhera, 

14 Nötter = 1 Stein. * 

Als Hohlmaaas dient die MessiS = 3 Liter = 4 Dergo 

für (ietreide 16 Messie = 1 Madega, 

8Modega = 1 Tschan. 283 ) 

Neuerdings werden Aber die Maass- und Gewichtaverhaltnisse-^ 
Abessiniens andere Angaben gemacht. 184 ) Als einziges Gewicht, das all- — 
gemein als Grundlage für Wagemaasse dient, gilt in Abessinien das des — 
Mariatheresienthalers mit 27,77* unter dem Namen „Okiet", 12 Okiet - 
sind = 1 Natir und dieser demnach 333,24 g. 50 Nattir = 1 Frasila. 
Diese letztere, das hauptsächlich gebrauchte Gewicht, hat also 600 Taler- 
gewichte = lf>,66 kg. 

Als Maass wird, besonders im Getreidehaudel, die „Daula" und die 
kleinere Kunna gebraucht, der Kauminhalt beider ist verschieden. 

Längenmaass ist der Kint, das ist die Länge des Unterarms bis zur 
Daumenspitze = 50 cm, der eigene Unterarm dient dem Verkäufer und 
Käufer zum Abmessen der StofFe. Beim Messen von Baumwolle und 
Seide, aus denen die Hemden der Abessinier gefertigt werden, spielt die 
„Mndda" (d. h. Länge) — 5m eine Rolle. Ein Wegemaass (Meile oder 
Kilometer) besteht nicht, dies hängt wohl damit zusammen, dass in den 
meisten Landesteilen auch die Einteilung des Tages in Stunden un- 
bekannt ist. 

In neuerer Zeit findet das Metermaass Eingang. 28, ) 2M ) 

Noch immer aber sind Maasse und Gewichte in den einzelnen Landes- 
teilen Abessiniens verschieden und dieses selbst dann, wenn der Name des 
Maasses der gleiche ist. 282 ) 



282) Berichte über Handel und Industrie 1901», S. 31. Genaue Angaben. 

283) Deutsche geographische Blatter 1878, S. 150. 

284) Archiv für Post und Telegraphie 190*», S. 349. 




Über den Ursprung* der rumänischen liojarcnfsunilien. ') 

Von 

Dr. Emü Fischer (Bukarest). 
Kin. l ateBWMhnag ober den Ursprung dar at (rumänischen Hojuren- 

f'amilivM im schon ileshalli von Nutzen, weil sieh liier BD (Üeaef Kgstt 
dl4 Herkunft auch des ganzen Volkes, gleichsam „in nuce u , atif- 

Über den Ursprung des Hnjur t-n I u m s 9 ) selber sind wir nun wohl 
genau nntoiriohtet; nicht ko iiahai uibian bis noch vor kurzem und war 
Doob viel weniger allgemein bekannt: die Herkunft der alten Bojar OD- 

t';lin ili-ii. 

Hier aollen indess bloss die Familien ausführlich r tMHprpcheu 

ii. die BweifelloB slawischer Abstammung sind. 
Cber den Ursprung der verhältnismässig jungen und jftogetOC ^ r i f - 
ehischen Familien besteht nicht die geringste Meinungsverschiedenheit. 
Die HaTrokordMOfl') (ehemalige Seidennnndler) stammen von Chios, die 
lirali aus Rhodos. Georg Pnlamedes von Kreta, Sarandimi (Suruilirm ) 
icnfalls von Chios, Kirakols, Istmt.i, Mavrogheni, Kalojani, 2otu-figara 
nv, sind gleichfalls Grieohen.*) 



du 

kei 



1) Mit teilweiser Benutzung eines meiner Artikel im Bukarester Tagblntt .„AU.. 
hojarenfamiliL'u"). 11)06. 

9 I». Drigbieuen »Hin psichol. poporul. romin. - I, p,S87: r Die Rumänen baten 
in ihrem Schooss so viele fremde Volker, so viele fremde Sprachen aufgenommen, das 
rumänische Volkstum ist ho zusammengesetzt, BO mannigfaltig, so verschiedenartig, dass 
unser Luml und unser Volk tausend Jahro früher einen Vorgang in Europa vorweg- 
HOB0H ii haben, der sich jetzt in unseren Togen in Amerika vollzieht . . . Es gibt sonst 
da Volk ausser dem in den Vereinigten Staaten, das aus so buntscheckigen and un- 
gleichartigen ethnischen Elementen zusammengewürfelt *äie ^osälurj ctiik-ä atüt de j< 
at&t d* hutcroelit.i).* 

Vgl. J. Bogdau «Dcsprc cnojii romünt* 1003 und „Originea rotvodatului la 
romAni' 190Ä, — Radu RoseUi .Despre originea si transfonnärilo ciasei Ktüpänitoare 
din Moldova* 1906 and r Pjinüntul, säteni; sj stäpüuii in Moldova" I, liX)7. — Joau 
Njadajde „Diu dreptul vechiu roniAn" 1808. — I). Dräghicescu .Diu püicholugin poporului 
in" I. Uucuresti, 1907. 
4l Der Vater des Forsten Nicol. Mauro-Cordato war der Dr. phil. et med- Alex. 
auroeordatn. der zu Padua Medizin studiert und einige europaische Sprachen erlernt 
hatte. Dadurch machte er *icb als Dragoman bei der U. Pforte unentbehrlich. — Leon 
Voda war ein Grieche aus Epirus uud soll ehemals Austeruhäudltr gewesen -.ein, daher 

Iaein Spitznamen: Stridiagi oder Stridiabeg. — Voda Uli Uta (1674—78) war im Dort 
Kiuperli in Albanien geboren und Kaufmannsjunge in Jassj usw. 
5) Die «nhllosen griechisrhon Kaufleuto, Pächter, Unternehmer, Bankiers, Mönche. 
Popen, Handwerker, Schreiber. Kirchgänger, Lehrer, Arzte usw., die im Laufe der Jahr- 
bondtrte und nicht nur zur Phanariotenxeit) nach Rumänien eingewandert sind, und 



in 




:;|4 Emil Kiseher: 

Griechen aas dam Phannr Bind die KantaktiziiiosM \nsduutis 1 ) 
(ehemalige Hofkürschner der Pforte). die-Kastriotn usw. 

Interessant ist, was Prof. N. Jorga über den griechischen Binflou 
der Fürston*) und GroBshojaren zu sagen weiss („Gesch. d. rumän. Volke** 
II, 49): „Solche Leute f'flhlten siofa zwar als Erben eines rumänischen 
Thrones, aber keineswegs als Rumänen" S. 5L „In der Familie «1er 
Chiajna, der Witwe des AValachenfilrstou Mircea Ciobanul (bis 1559) 
wurde gewiss griechisch gesprochen, weil dies die Umgangssprache da 
grausamen Mircea war, der nus dem Morgenlande kam, wo er wohl whie 
ganze Jugend zugebracht liat. Jedenfalls schrieb Peter der Lahme das 
Rumänisch.' in einer geradezu lächerlichen UnYoIlkonimenheit; . PtM 

Kkaterina, Mihneas erlauchte Mutter, blieb immer eine Griechin und ihr 
Briefwechsel ... ist griechisch geschrieben . . .* (Der) Bagossjier Johann 
de" Muri in Poli . . . berichtet(e). das* in der Moldau unter Aron (15JM 9fr) 
„die höchsten Beamte Fremde sind und insbesondere perfide Griechen." 
.,. . . sein Vistier hieei Kalogera und war ein Grieche von Kreta 
Andronikos der Kant akuzene (war) bis zu seinem Tode in Bukarest 
oder in Konstantinopel ualuchUcher Vistier. Jani (ein naher Verwandte] 
von Michai Vitcn/ns Mutter Theodor;!) . . . amtierte in der Moldau als 
Vistier, während er in der Walachei als Ehren-Bau (von CraloT») an dal 
Spitze des Diwans stand. Auch Michael (Viteazu), der Walachenförst 
'1598— 1601), der seinen Thron dem Andronikos verdankte ... hatte 
beim Beginn seiner ungewöhnlichen Herrschaft den Griechen Theodoi 
Snitan als Bau, den Griechen Dimitraki als Später, den Griechen Pan- 
kratios als Vistier, den Griechen Manta als Paliarnic, den Griechen Kotzi 
als Postelnic an seiner Seite, ohne der Griechen Kantakuziiew*). Muhaltzi 
Kir.ilzas (Mihaleea bei den Rumänen) zu gedenken. „Alexander Nias, 
der nacheinander Ftlrsi der Walachei und der Moldau «rar. war der 
Schwiegersohn di-s llnus Janaki Katerdschi (eines ehemaligen Griechen 
mit türkischem Beinamen), des Urahnen der heutigen Familie Oatargi 



heut« *u don tonangebenden (romünisierten Familien des Laudes gehören» seien hier 
bloss gestreift. 

1) Der Postelnic Constandin Uanraeuiifto ist wahrscheinlich anno 1611 von Biambu) 
nach Bukarest gekommen. Die Knntukuzoncn gaben vor; vom Kaiser Johannes V. Kanta- 
kuzenog abiustammen, also Paleologcn y.u sein. 

2) Janachi Ypsilanti war Vorsteher dor Kürschner in Konstantinopel. 

3) Yon den walacliisclieu Fürsten waren Nichteinheimische: Sencslav Tihomir. Sir 
Movilö oder Moghilü (Bruder dei Jeremias Moghilä, der überdies eine Csomorüini hei- 
ratete), Gbica, Kautakuzino, Maurocordatos, Racovit.i, Giani-Rosctti, lpsilanti. Caragea. 
Mavroghoni, Sniio, Noruxi, Hangerli. Kallimaki. Von den moldauischen Fürsten waren 
Nichtoinbcimiscao: Sas, Janen Saaul (Halbblut), Barnowski, Tonika. Jnrij Knrvatowici 
iLithaucr), Johann Itasilikos Heraklides, Gaspar Gratiani, Kantakuzino.% Hosetti (Read , 
Duca, Cautcmir, Uacovi^a und dio Phanarioton Die Fürsten, die gleichzeitig auch den 
walachischcn Thron innehatten, sind nicht nochmals angefühlt — Die vielen unehelichen 
Söhne der Fürsten, von denen vielo (trot* der ganz unsicheren Herkunft) auf deu Thron 
gelangt sind, seien hier nnr beiläufig erwähnt. — Wohl die Übonahl der Fürstinnen 
waren fremde; gar mauche unter ihnen war Katholikin. 

4j Dor erste der „grossen Griechen* war Michael der Kantlkmene (hingeri 
1578 m Achialos), wogen seiner Kunstgriffe von den Türken Schaitanoglu (SnUnssohn, 
Isbrut] genannt; er war mit Maria, der Schwester Peters, vermählt gewesen. 



Ursprung der rumänischen Bojarenf*milien. 345 

(N. Jorga). — Eine Argyra war die Frau des Radu Mihnea, eines 
Enkels der Ekaterina Salvaresso und der Sohn beider erhielt 1625 
Raxandra, die Tochter des steinreichen und mächtigen griechischen 
Skarlati aus Stambul. des grossen Saidschi (türkischer Ochsenhändler) 
zur Frau. (N. Jorga). 

Die Duca sind Rumelioten; die Ghika, die Hals 1 ), Balaban sind 
Albanesen; die Farca^, Harvat, Sendrescu, Mogo^, Pan Mätaias usw. sind 
magyarischer Herkunft; die Cehani, Racovi^a, Cantemir , ) stammen von 
Tataren zwischen Dnjester und Don ab; die Graham (Caspar)') waren 
ursprünglich Croaten; die Rosettis Italiener; Halbzigeuner sind die 
Räzvan. 4 ) Die (namentlich in der Moldau und in der Bukowina) von 
altersber überaus zahlreichen Armenier 1 ) wollen wir nur beiläufig er- 
wähnen. 

Von den deutgehen und siebenbfirgisch-sächsischen Familien 
wollen wir ebenfalls nur kurz sprechen. Wie bekannt, hat es zwei 
Fürsten in der Moldau gegeben, die Halb- oder gar Vollblut-Sachsen ge- 
wesen sind: Sas (1360) und Jancu-Vodä Sasul (1570 — 82). 

Aus jüngerer Zeit seien die: Kemminger, Flechtenmacher, Steege, 
Salinen, Kehrenbach (Chernbach), Grünau, Fleischlein (Flaislen), Beller* 
Tel), Hartel, Jülich usw. erwähnt.*) 



1) Vgl. „Coloniile Romane din Bosoia" de Teodor Filipesca, Ed. Acad. Roman. 190G 
Die Stadt Harn befand sieb um 1.173 im Besitze der Familie Bai*? (Bal&a). — Anno 1379 
Familie Bals in Ragusa. Die Balsici waren mächtige Fürsten in Duklia, die sich von 
den serbischen Despoten freimachten. — Vgl auch Jirecek .Die Romanen in den Städten 
Dalmatiens." 

2) Ein Vetter des Fürsten Cantemir diente (nach Gebhardi .Gesch. d. Moldau" in der 
Aasgabe von Gutrv d. Gray, p. 319) noch als M unsebeg bei den Tataren. 

Ü) Gaspar Gratiani gilt den einen für einen Windischen (Slovenen) oder Croaten 
<len anderen für einen Griechen oder gar für einen Deutseben; er war vorher Herxog von 
Paros und Naxos gewesen (N. Jorga „Gesch. d. ruman. Volkes 11 ). Bei Petricius heisst 
es: „... Graecii in Stjria natas". 

4) E. v. Trau8chenfcU „Fundgruben i. Gesch. v. Siebenbürgen* 1 Kronstadt, 1800. 
„Die 27. Jnni (1595) überantwortet Komis Gaspar . . . den Standart n. Regiment über die 
Moldau von unserem Fürsten dem Stephan Vavda, welcher zuvor Resovan genannt wurde 
u. war gewiss nationis aegvptiacae." — N. Jorga „Istoria lui Mihal Viteazul pentro 
poporal fömänesc" 1901, p. •")'». „ . . . un fiü de Tiganca, vlästare i osii a nnui Domn, 
Rasvan HatmanuL" 

5) Einen Haaptanstoss zur Aaswanderung der Armenier gab schon die Zerstörung 
ihrer Hauptstadt Ani 12111 n. Chr. — Sie hatten schon nnno 1350 zu Botosani (also noch 
vor Ürag-os) und anno 13!fi zu Jassy eine Kirche. 

6) „Arhondologia Moldovei* de paharnicnl Constantin Sion. ' Cu o prßfata anal i tieft 
de Gh. Ghibänescn. Jast, 1892. S. III. Note: „Unter den 700 Familien des vorliegenden 
Manuskripts sind 400 rumänische („maxili si räse$i"), 200 griechische („de cea mai rea 
specie"), 60 balgarische und 40 anderen Geschlechtern angehörig: Armenier, Juden, 
Italiener, Deutsche, Amanten, Tataren, Lipovcner, Polen, Franzosen usw. Angesichts 
dieser Rechnung hat Eminpscu nur zu sehr Recht mit seinen Versen, dass die, die ans 
heute beherrschen, sind: 

Grecotet ca nas sup^ire 
Bulgäroi cu ceafa groasa ...* 
In dieser „Adelsliste'' finden sich die deutschen Bojarenfamilien: Lofler (1880, ehemal. 
Zahnarzt), Anglezi, Veisa (altmold. Familie, aber doch wohl deutschen Ursprungs), Brann, 



346 



Emil Flacher 



Vi (j)\. ühifofiaoeQu'»: »ßnrote »i izTÖde" I. Jfi$i 190 

(olnonde ittuhhuii-clit- Xamcn deutscher Herk-uufl anagagogen 1 ): 

Mennan (German) pärcalab (Burggraf, Castellan) Je I 

* Vukm All».i - Akermnn. Moiu/astn», Nvsterhurg 
17. Oktober 1479. 
.Miliul, pärcalab de Hotin; Pan Milml p&rcäl, de Novograd (B 

i:>. Mär* 152o\ 
Bas, pofttebÜQ, wird von Dieq Voda mir dem Dorf QiBrgai 

gabt, I. April 1549. 
$tafl|] pfiffe*!. P:m: 14 . . 
-■-riil Cpaharnio) boerul, 17. Hin 141)4. 
Mramau, |»an. l'f. März 1492. 
Märrnau boerul, 17. Mär« 1494, 

SiH-oava, 11. Junuur. Stefan 
\ "dtia b&at&tigt den Kauf dei 
Dorfes Bontesti. 
Margot (Herrgott?), Hirgot (1484)? paliarnio, Tänrovisti- ]i 
Kriatina 1494 (Ghibauoscu 1. 2Ö> 
Vcis;i, pfircXl da Naamt, 1554. 
Dolb, portar Bnoovei, 1478. 
Jupän Cristiau fo&t vornio, Tirgovi>tt\ 1491'. 
Carstian, Kristyan kommen häufig Tor. 
si.'Hm. jodet '' c Ränenic, 1500 Stadtareh. ▼, Kronstadt J. B 

„Hcla^ile terei roraän. c. Brnsovul si \ara uflgor.* 
.Tobannes Gatpar („nobilis viri Jolmiinia filii fiaaparis da Longo- 

••ampo" 1431. Stadtarch. von Kronstadt I. c ) 
Jacobus Oltli („Apothecae Magister Petro Ynjvoibie apprime aharoa, 
Kpiseopiun ßnjae egit . . .* Codex Ibiudinus. Anal. kcad< 
Roman. 8er. II Tont XVI. 1895). 
Magyar! soll er Herkunft sind (Gli GhibäaeBcn „Surate^i lavoada* I. 
Jtö, «06) f ); 



Biltii : ;P.il/.. Ilielz?), 1459 
Toader lTan»i> (Harnisch?), 145S 






Ostvalt (katholisch, visticr), Miler (rusniak. Foinilic aus der Bukowina), Uartiug („pa 
gnicwasca-?), Hüter (Griechen?), Bagcalfl ».uns Tecocia stammend, wohl ehemal. Daatache). 
— Uie älteren und alten r Bojaron-. deutscher Horkuuft, ttind (wie man sieht n] 
wttliiit; z. B dir Hcunan. Pradentlaa (Kluger), Roseuberger. diu .M&rckgroffeii ron 
Sucrara), usw. OM 

IJ Überbleibsel der ehemaligen deutschen Revölkernng in Cumpulung ^LangtfTiain 
sind die: Volf, Hantel. Tumoj, Orbau, Halint -Valentin, Blaj-Blaaius, oUrÜn-Uitttoa; 
Krincu-Franke (j" Tirguvir>te). — Viele firabgclirifftai mii deutschen Namen (aus C&npu- 
lung, Stadt Mold>, Cotnari usw.) haben ans Uül Chiaro, Bandini und Jörne} 
bowalirt. Darüber an auderem Orte mehr. — In den »Quellen i. Gesch. d. Staat L 
stadt* 1886 I. |>. 3:3 kommen anto 1608 „Schiissmann d* TliargoTislin", 1. c. p. c» 12 anno 
1503 ,Francol de. ThargoTistio" und L C. p. 881 anno 1521 ein JjwardiunuB Thargjf 
ata" (vielleicht ein deutscher Minorit) vor. 

2) Bei Stefan Nicolaescu „Documente alavo-romäiiL-* p. 219 linden wir v*- MÄj 
in eioar Vorlas$euschaft an das Kloster t'ozia als Zeugen unterschrieben: Japan 
inpan Ivanco . . ., Crästiau . . ., Ilanos (Hanes) purgaral . . ., Con^ (Kant) Hinail, -Inno 
. >>l'?fan al lui Hana David, Biilint, Matea ^alu Colani, Antonifl Lnngnl . . . 



Ursprung der rumänischen Bojarenfamilien. 347 

Craje Sandru (Sendrea, .Saudroscu, Kandroviei), 17. März 1494. 

Dämäciis Stetko, jupan, 5. Oktober 1461. 

Dienis, solul, 17. März 1491. 

Domo(n)cii^, stolnic, 22. September 1410. 

Hiurcä, Jurcä, 1526. 

Lasläu, globnicul, 1494. 

Micläu? fratele lui SoMan Petru, 22. September 1410. 

(Lazar si Gavril si aora lor) Ilca copii lui Jon Tunsul, 1545. 

Andriiai?, 1410. 

Balos Horjescul, 1453 (Balds, Blasius). 

Jurie (Gyuri?) spatar, 1545. 

Bälint (aus der Familie der Jumätäteni), XV. Jahrh. 

Mateias, diac, 1493. 

Mateia<, logofet, 1545. 

Mateias, pärcäl.