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Full text of "Centralblatt für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten"

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No. 

Boston 
Medical Library, 

Z9 BOYLSTON PLACE. 



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CENTRALBLATT 



fb 



Bakteriologie, Parasitenbinde u. Mektionskraiikheiteii. 



Erste Abteilung. XXIX. Band. 



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CMTMLBLATT 



für 



ilakteriologie, Parasitenkunde 

iii lifcktiiiskraikhcitci. 



l 



In Verbindung mit 
Geh« Med-Rat Professor Dr. Loeffler 

ia Oroifswald, 

Professor Dr. B. Pfeiffer 

in Königsberg 

ond 

Staatsrat Professor Dr. M. Braun 

in Königsberg 
herausgegeben von 

Dr. Oscar XJM-sjronn in Berlin. 



Erste Abtetlnng. XXIX. Band. 

lediziiilscyTiEieiiisclie Battepiolop! nnd tterisclie Pamiteiilninile. 

Mit 9 Tftfeln und 111 Abbildnngeii im Texte. 



^ >- 



Jena, 

Verlag von Gustav Fischer. 

1901. 



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.^i§CtKALßZ4r;> 



Bakteriologie, FnteD|^I^^MetöoDsla#IieiteD. 

aS Medicinisch-hVoie^^Qhe iR^kferiologie und 
^ \ tieriscfle Pacasitenkniide. 

In" 

ßeL lel-Bat Prof. Dr. Loeffler, Prot Dr. R. PfeilTer 

in Greiliwald )l]l|| in EOnigsbeig 

Staatsrat Prot Dr. i Brau 

in KönigBbeig 
herausgegeben von 

Dr. O. iriLlizsrorizi in CasseL 



Verlag von Gustav Fisoher in Jena. 



XXTX» Band# -«- Jen», den 13. Januar 1901. -«- No* 1» 

Frei! fOr Utk Band (S6 Vnmmani) 15 Hark. ~ Jihrlioli «rtelLdbitn iw«i Bind«. 

Frei! fBr tine einfkolie Bimim«r 75 P1|b., fttr «ina Bopp«biiimu«r 1 Xark .50 Ffg. 

Hummem mit Tafeln kosten fftr Jede Tafel 50 ^. mehr. 

Miersu aU regelmäftige Beilage die InhaUaübereiehten der 27. Jbteüung dee CenircMaUe». 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Part^sitenkundt^ 
richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wünsche um 
Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Aufsätxs entweder bei der Em' 
Sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben Mi 
wollen oder spätestens nach Empfang der ersten Korrekturabx/üge direkt an 
den Verleger, Ilerm Gustav Fischer in Jena^ gelangen »u lassen, 

Original-Mitteilungen. Naehdruek verboun^ 
Zur Eenntnis der Smegmabacilien. 

[Aus dem hygienischen Institute zu Halle a. S.] 
Von Prof. C. Fraenkel. 

Die besonders im Smegma präputiale und vulvare, aber auch auf 
der äußeren Haut, in der Umgebung des Anus, in der Schenkelbeuge, 
der Achselhöhle, zwischen den Zehen und auf der Mundschleimhaut vor- 
kommenden, nach Form und färberischen Eigentümlichkeiten den 
Tuberkelbacillen ähnelnden Mikroorganismen, die man nach ihrer wichtig- 
sten Fundstätte als Smegmabacilien zu bezeichnen pflegt, haben die 
Forschung schon oft und eindringlich beschäftigt. Meist ist freilich das 
tinktorielle Verhalten, die Möglichkeit, den Smegmabacillus trotz seiner 
Säurefestigkeit durch gewisse Feinheiten der Behandlungsweise auch im 
Ausstrichpräparat vom Tuberkelbacillus zu unterscheiden, Gegenstand 

Bnte Abt ZZIX. Bd. 1 



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2 C. Fraenkel, 

der UntersucbpDg gewesen, während die ebenso wichtige Frage der künst- 
lichen Züchtung nur eine seltene Bearbeitung erfahren hat Nach 
einer kurzen Mitteilung über positive Befunde von Doutrelepont^) 
aus dem Jahre 1887 berichten erst zehn Jahre später Laser ^) und 
Czaplewski^) wieder über gelungene Kulturen, die im Gegensatz zu 
den von Doutrelepont beschriebenen auch weiteren Uebertragungen 
zugänglich waren und also ein genaueres Studium des in Rede stehen- 
den Mikroorganismus erlaubten. Im übrigen hatten die beiden Königs- 
berger Forscher ohne Zweifel die nämliche Bakterienart in Händen; 
Laser hatte sie zuerst gewonnen und gezüchtet, Czaplewski dann 
in sicheren Reinkulturen isoliert, und an den letzteren hatte Laser 
wieder die volle Uebereinstimmung mit seinen eigenen früheren Stäb- 
chen festgestellt. 

So ist es auch ohne weiteres begreiflich, daß sich die Schilderungen 
der beiden Beobachter in allen wesentlichen Funkten decken. Laser 
hat auf Blutagar „ganz kleine Kolonieen bemerkt, die ähnlich aussahen 
wie die Kolonieen von Streptokokken resp. von Diphtheriebacillen". 
Dieselben Bacillen „wuchsen dann auch, wenn sie auf Blutserum und 
Glycerinagar übertragen wurden; längs des ganzen Impfstriches traten 
einzelne tautropfenähnliche Kolonieen auf. Die Bacillen färben sich 
übrigens auch mit Fuchsin und Methylenblau und nach Gram; man 
fand dann öfter Stäbchen, bei denen nur die beiden Enden gefärbt 
waren, während die Mitte ungefärbt blieb, so daß das Bild von Kokken 
vorgetäuscht wurde'*. 

Was das Verhalten auf anderen Nährböden betrifft, so konnte 
Laser wahrnehmen, daß das Wachstum auf Gelatine völlig, in Pepton- 
wasser und Fleischbouillon fast völlig ausblieb; auf gewöhnlichem Agar 
war die Entwickelung nur sehr kümmerlich, besser in Traubenzucker- 
bouillon und, wie schon erwähnt, auf Glycerinagar. Auf Kartoffeln 
kommt es nicht zur Entstehung eines sichtbaren Rasens; bei mikro- 
skopischer Prüfung findet man aber nach einigen Tagen Bacillen, die 
„nach der Färbung meistens eine Endanschwellung aufweisen**. 

Czaplewski hat die ersten Resultate auf Nutroseserumagar nach 
Wassermann erzielt, das er benutzte, weil er in dem eiterigen, mit 
Smegma vermischten Ausflusse aus einer an chronischem Tripper leiden- 
den Harnröhre die Gonokokken auf dem Wege der Kultur konstatieren 
wollte. Klatschpräparate von den Platten, die mit Sekret bestrichen 
worden waren, zeigten bei der Färbung nach Gram „zwischen Kolo- 
nieen von Kokken sehr schöne Kolonieen von ziemlich schlanken Ba- 
cillen, welche die Gram 'sehe Färbung vorzüglich angenommen hatten 
und an Diphtheriebacillen erinnerten". Bei der Doppelfärbung 
mit Karbolfuchsin , ö-proz. Schwefelsäure und Methylenblau waren „diese 
Bacillen, nicht nur die in Kolonieen, sondern auch die einzeln liegenden^ 
leuchtend rot bis dunkel kirschrot gefärbt geblieben". 

Von den kleinen, höchstens 1 mm großen Kolonieen der fraglichen 
Stäbchen wurde nun eine Uebertragung auf verschiedene andere Nähr- 
böden vorgenommen und ermittelt, daß bei Brutwärme viel besseres 
Wachstum statthatte, als bei gewöhnlicher Temperatur, daß aber auch 
bei letzterer und also auf Gelatine noch eine bescheidene Entwickelung 
erfolgte. Loeffler'sches Serum zeigte schon nach 24 — 48 Stunden 

1) Doutrelepont, Vierteljahreschr. f. Dermatol. u. Syphilis. Bd. XIV. p. 101. 

2) Laser, Münch. med. W^ochenschr. 1897. p. 1191. 

3) Czaplewski, Münch. med. Wochenschr. 1897. p. 1192. 



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Zur Kenntnis der Smegmabadllen. 3 

einen grangelblichen, ziemlich dicken Rasen, Glycerinagar einen zunächst 
schwachen, dann üppiger werdenden Belag, Bouillon wird getrfibt unter 
Bildung eines beim Aufschütteln fetzig sich ablösenden Bodensatzes, 
u. s. f. 

Der Bacillus ist unbeweglich, die Gestalt abhängig von der Art des 
Nährbodens, auf Nutroseserum und Kartoffeln besonders lang; auf Loeff- 
ler'schem Serum treten oft gekörnte und kurze Stäbchen, auf Gelatine 
geknöpfte, am Ende kurzkolbig angeschwollene, gebogene Stäbchen auf. 

Die Säurefestigkeit war eine ausgesprochene: „In Ausstrichen, 
namentlich aber in Klatschpräparaten von jungen 1 — 2-tägigen Kulturen 
behält er bei Färbung mit Anilinfuchsin die Farbe bei einer starken 
Entfärbung mit ö-proz. Schwefelsäure, mit 30-proz. Salpetersäure, mit 
Alkohol, mit Schwefelsäure und Alkohol und selbst mit salzsauerem 
Alkohol, ja sogar bei Nachfärbung mit Methylenblau." Im Hinblick auf 
die Herkunft der Bacillen und ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegen 
starke Entfärbung mit Mineralsäuren und Alkohol stand daher auch 
Czaplewski nicht an, diese Mikroorganismen als Smegmabadllen auf- 
zufassen. 

Weitere Arbeiten über den hier erörterten Gegenstand, besonders 
auch Nachprüfungen der von Laser und Czaplewski herrührenden 
Angaben sind meines Wissens nicht an die Oeffentlichkeit gekommen, 
und die ganze Frage könnte daher als erledigt erscheinen. Bei Gelegen- 
heit meiner Untersuchungen über die Brauchbarkeit verschiedener neuer 
Nährmittel für die Züchtung der Tuberkelbacillen und ihrer V^erwandten 
bin ich aber zu Resultaten gelangt, die mich an der Richtigkeit der von 
Laser und Czaplewski mitgeteilten Befunde oder vielmehr an ihrer 
Deutung zweifeln lassen und über die ich deshalb hier kurz berichten 
möchte. 

Streicht man Smegma auf einer mit Hey den -Agar oder einem 
ähnlichen Substrat (Nutrose-, Eucasin-, Somatoseagar) gefertigten Platte 
aas, stellt dann sofort ein Klatschpräparat her und behandelt letz- 
teres mit heißem Karbolfuchsin, salzsauerem Alkohol und Methylen- 
blau, so bemerkt man eine wechselnde, zuweilen sehr geringe, zuweilen 
aber auch recht große Zahl jener schlanken, an beiden Enden zu- 
gespitzten, nicht selten über die Längsachse etwas gekrümmten, häufig 
in und auf den Epithelzellen liegenden Stäbchen ^), die auf das lebhafteste 
an die Tuberkelbacillen erinnern, auch die hellrote, „arterielle" Färbung 
der letzteren nach Anwendung des gleichen Verfahrens zeigen und als 
die eigentlichen „Smegmabacillen" angesehen werden müssen, wie sie 
Matter stock*) und Alvarez und Tavel^) zuerst beschrieben,^ 
C. Fraenkel und R. Pfeiffer beispielsweise in ihrem Atlas, L Aufl. 
Fig. 74, abgebildet haben. Daneben tauchen im Präparat auch einige 
wenige plumpere, dickere, an den Enden geschwollene, den Diphtherie- 
bacillen ähnliche Stäbchen auf, die ebenfalls noch rot geblieben sind,, 
aber eine tiefere, etwa burgunderrote, „venöse" Abschattierung des Farb- 
tons besitzen, und endlich begegnet man stets noch einer mehr oder 
minder reichlichen Menge von blau gefärbten Kokken. 

Entnimmt man nun der gleichen Platte nach 24-stündigem Aufenthalt 
im Brütschrank ein neues Klatschpräparat, so bietet dasselbe die folgen- 

1) Vergl. Bitter, Virch. Arch. Bd. GVL p. 232. 

2) Matterstock, Sitzungsber. d. physik.-med. GeseUschaft zu Würzburg. X. Sitz. 
T. 6. Juni 1885. 

3) Alvarez u. Tavel, Arch. de phys. normale et patii. 1885. No. 7. 

1* 



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4 C. Fraenkel, 

den Verhältnisse dar: Die Zahl der eigentlichen Sniegmabacillen ist un- 
verändert, nirgends lassen sie Andeutungen einer beginnenden Ver- 
mehrung, also eine Verlängerung oder Verdoppelung u, s. w. erkennen, wie 
das beispielsweise bei den Tuberkelbacillen nach der gleichen Frist und 
unter den nämlichen Bedingungen schon der Fall sein würde ; zu ansehn- 
lichen Scharen haben sich die Kokken entwickelt, die meist als Diploko- 
kken, öfters auch als Tetraden nnd Sarcinen, seltener in Haufen oder 
Ketten angeordnet erscheinen; zwischen und mitten in den Kokken- 
kolonieen aber trifft man nun stets in Fülle die diphtheriebacillen- 
ähnlichen Stäbchen, die entweder in ihrer ganzen Aus- 
dehnung oder an den beiden Polen den roten Farbstoff 
bewahrt haben und auch bei wiederholter Behandlung mit salz- 
sauerem Alkohol nicht abgeben, also sicherlich in hohem Grade „säure- 
fest" sind. 

Im Laufe der nächsten Tage erfährt das Bild keine wesent- 
liche Veränderung; die Smegmabacillen verharren in ihrer unbeweg- 
lichen Ruhe und werden nur allmählich von den benachbarten und 
sich vergrößernden Kolonieen der anderen Mikroorganismen überwuchert 
und erdrückt. Auch auf Glycerinagar und gewöhnlichem Agar begegnet 
man etwa den gleichen Verhältnissen. Doch erreichen hier die Kokken- 
kolonieen von vornherein einen viel beträchtlicheren Umfang und er- 
schweren bezw. verdecken die Entwickelung namentlich jener säure- 
festen, plumpen Stäbchen, so daß ich also für eine genauere Beobach- 
tung der letzteren dem Heyden-Agar und seinen Schwestersubstraten 
den Vorzug geben möchte. 

Von solchen Ausgangsplatten lassen sich nun mit Leichtigkeit 
endgiltige Kulturen, z. B. auf Glycerinserum und Glycerinagar, ge- 
winnen, die sich in allen Stücken so vollständig mit den von Laser und 
Gzaplewski beschriebenen decken, daß ich deren Schilderung? wört- 
lich wiederholen könnte: Wie dort, so findet sich auch hier auf Serum 
der gelbliche, schmierige Rasen, auf Glycerinagar der zarte, thautropfen- 
ähnliche, an den der Streptokokken oder Diphtheriebacillen erinnernde 
Belag, in Bouillon das spärliche, krümelige Wachstum ohne Trübung 
der Flüssigkeit u. s. f. Auch das Aussehen, die Form, das morpho- 
logische Verhalten entspricht durchaus dem von den beiden genannten 
Forschern entworfenen Bild, und zur Gewißheit wurde die Vermutung 
der Identität endlich durch einen unmittelbaren Vergleich 
meiner mit jenen Kulturen. Die Herren Laser und Czaplewski 
waren freilich nicht mehr im Besitze von Ablegern ihrer Mikroorganis- 
men. W^ohl aber konnte mir Herr Kräl in Prag ein Röhrchen zur Ver- 
fügung stellen, das nach seiner Angabe von der ursprünglichen Czap- 
lewski 'sehen Stammkultur in ununterbrochener Linie herrührte und 
meinen Zöglingen in jedem Punkte entsprach. Nur die Säurefestigkeit 
war bis auf einen sehr bescheidenen Rest verschwunden, hier uod da 
zeigte ein Stäbchen noch rote Polkörner, aber im allgemeinen ver- 
schwand die erste Farbe unter dem Einflüsse der Behandlung mit salz- 
saurem Alkohol und machte dem Methylenblau Platz. 

Indessen sollte auch hierin die üebereinstimmung alsbald insofern her- 
vortreten, als meine Kulturen nach wenigen üebertragungen ihre anfäng- 
liche Säurefestigkeit ebenfalls mehr und mehr einbüßten und schließlich zwar 
längst nicht so weit verloren, wie die von Kräl bezogene, aber doch nur 
bei etwa einem Drittel der überhaupt vorhandenen Stäbchen zu bewahren 
vermochten. Ich habe mich vergebens bemüht, durch Züchtung der 



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Zur Kenntnis der Smegmabacillen. 5 

Bacillen auf fetthaltigen Nährböden u. s. f. diesen Prozeß rückgängig 
zn machen oder zu verzögern; am längsten bleibt die Widerstandskraft 
gegen die Säure nach meinen Erfahrungen noch bestehen, wenn man die 
Bakterien auf möglichst trockenen NUirböden zur Entwickelung bringt 

An sich muü ja der so rasche und gründliche Wechsel in den 
tinktoriellen Eigenschaften gewiß auffällig erscheinen. Doch ist das 
Ereignis nicht ganz ohne Beispiel und könnte namentlich den bekannten 
und jederzeit leicht zu bestätigenden Befunden von Escherich über 
das Vorkommen von coli-ähnlichen Stäbchen im Kot^) des gesunden 
Brustkindes an die Seite gestellt werden, die bei der Behandlung nach 
Gram-Weigert nicht entfärbt werden, diese Fähigkeit aber bei der 
üebertragung auf künstliche Nährböden sofort ablegen. 

Sind diese von Laser, Czaplewski und jetzt von mir be- 
schriebenen und gezüchteten Stäbchen in der That die echten 
Smegmabacillen? Ich glaube, diese Frage auf das bestimmteste 
verneinen zu können, sofern man eben den gewiß berechtigten Stand- 
punkt einnimmt, als Smegmabacillen eben nur diejenigen Mikroorganis- 
men zu bezeichnen und anzusehen, die der ursprünglichen Schilderung 
der ersten Beobachter entsprechen und durch ihre weitgehende Aehn- 
lichkeit mit den Tuberkelbacillen die Aufmerksamkeit auf sich 
gelenkt haben. 

Mit ihnen aber sind die hier in Rede stehenden Bakterien sicher- 
lich nicht identisch. Das lehrt uns einmal die schon erwähnte 'That- 
Sache, daß jene auf den von uns benutzten Nährböden keine Spur einer 
Vermehrung zeigen, während wir die letzteren von vornherein in üppiger. 
Entwickelung begriffen finden, das lehrt uns aber ferner auch der Um- 
stand, daß nicht die geringsten Beziehungen zwischen der Zahl der 
einen und der anderen vorhanden sind, daß z. B. aus einem Smegma, 
in dem die „echten^ Bacillen völlig oder nahezu völlig fehlen, massen- 
hafte Kolonieen von diphtheriebacillenähnlichen Stäbchen aufgehen und 
umgekehrt. Es kann daher kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß wir 
hier nicht einen Mikroorganismus aus der Gruppe der Tuberkelbacillen, 
sondern vielmehr der Diphtheriebacillen, einen Pseudodiphtherie- 
bacilius, vor uns haben, der fast stets im Smegma vorkommt, sich bei 
Brütwärme auf entsprechenden Nährböden vermehrt und eine anfangs 
sehr hohe, später abnehmende Säurefestigkeit besitzt. Mit dieser Auf- 
fassung stimmt die weitere Beobachtung überein, daß auch Pseudodiph- 
theriebacillen aus anderen Quellen, z. B. von der Mundschleimhaut oder 
aus tuberkulösem Sputum gewonnen, unter den gleichen Verhältnissen 
auf frischen Heyden- oder Glycerinagarplatten nicht gerade selten 
ebenfaJls eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen die entfärbende Ein- 
wirkung der Säure an den Tag legen und dadurch ihre Verwandtschaft 
mit ihren Genossen aus dem Smegma bezeugen. 

Die eigentlichen Smegmabacillen aber sind nach alledem bisher 
noch nicht zur künstlichen Entwickelung gebracht worden, 
und wenn es mir in letzter Zeit auch gelungen ist, der Lösung dieser 
Aufgabe näher zu kommen, so bedürfen meine Befunde doch noch der 
genaueren Prüfung und Vervollständigung, ehe ich sie der Oeffentlich- 
keit übergeben mag; nur das eine will ich heute schon hervorheben, 
daß sie der Annahme einer Gleichartigkeit der beiden hier besprochenen 
Gruppen von Bakterien den letzten Boden entziehen. 

1) Yerhandl. d. 17. Kongresses f. innere Medizin, p. 425. 

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Alfred Kreisel, 



Naehdniek verboten. 

Studien über Golibacillen. 

[Aus der pädiatrischen Universitätsklinik des 
Prof. Theodor Escherich in Graz.) 

Von Dr. Alfred Kreisel, 

Arzt der Klinik, derz. Kinderarzt, Reichenberg in Böhmen.) 

Nach den Versuchen Lee Smith's und deren positiven Ergeb- 
nissen an Coli-Stämmen aus kindlichen Stühlen wurden auf Anregung 
des Herrn Prof. Escherich — nach einer Nachprüfung der Resultate 
Smith's — dieselben Versuchsreihen auch an Coli -Stämmen aus dem 
Stuhle Erwachsener von mir angestellt. 

Es zeigte sich nun zunächst bei der Nachprüfung, zu der ich die 
Coli -Stämme Smith's verwendete, daß die Stämme von dem Falle 
Conrad, trotzdem sie vor 6 Monaten kultiviert worden waren, noch 
die gleichen positiven Resultate der Serumreaktion ergaben, und zwar 
so, daß aus den vorhandenen 14 Stämmen ein beliebiger ausgewählt 
wurde (No. 6) und zur Immunisierung eines Meerschweinchens ver- 
wendet wurde. Das Immunserum des getöteten Versuchstieres gab, auf alle 
13 übrigen Stämme geprüft, Agglutination in den Verdünnungen 1 : 10, 
1 : löO, 1 : 150 in 5, bezw. 15, bezw. 30 Minuten sowohl makroskopisch 
wie mikroskopisch. Derselbe Versuch wurde mit dem Immunserum 
eines zweiten Tieres, das mit dem Stamme No. 5 immunisiert worden 
war, wiederholt und ergab mit sämtlichen 13 Stämmen positives Re- 
sultat. Die Agglutinationsversuche mit den beiden benutzten Immun- 
seris No. 5, No. 6 auf 6 verschiedene Coli -Stämme aus anderen kind- 
lichen Stühlen blieben, wie zu erwarten stand, negativ. 

Anschließend wurden die 14 Coli -Stämme auf Stärkekleister ge- 
züchtet und an ihnen mit dem unterdessen im Eisschranke aufbewahrten 
Immunserum von No. 6 die Serumreaktion angestellt; auch hier blieb 
das positive Resultat bestehen. 

Durch diese Ergebnisse an kindlichen Stuhl- Coli -Stämmen ange- 
regt, schritt ich auf demselben Wege zur Beantwortung der Frage, wie 
sich die Coli-Stämme aus dem Stuhle Erwachsener wohl verhalten 
mögen. 

Ich untersuchte die Coli-Stämme aus dem normalen Stuhle eines 
anscheinend gesunden Erwachsenen in der gleichen Weise. Es wurden 
Agarplatten gegossen, 10 verschiedene Kolonieen isoliert (Identifizierungs- 
proben : Indol-, Gärungs-, Milchprobe), übergeimpft und mit 12-stündiger 
Bouillonkultur vom Coli -Stamme No. 5 ein Meerschweinchen injiziert 
Die ersten 2 Versuchstiere gingen nach einmaliger subkutaner Injektion 
von 1 ccm bezw. V2 cci» ^^^^ 24 Stunden zu Grunde, ohne daß die 
Sektionsbefunde auffallende gewesen wären; jedenfalls war die Intoxi- 
kationskraft dieser Coli-Stämme eine höhere als die bei den von 
Smith benutzten kindlichen Coli-Stämmen. Erst beim S.Tiere gelang 
die Immunisierung, mit Dosen von 0,1 ccm beginnend zu 1 ccm auf* 
steigend. Sämtliche 9 Stämme ergaben mit dem Immunserum No. 5 
typische Agglutinationen in den Verdünnungen 1 : 10, 1 : 100, 1 : 150 
innerhalb 5—15, 10—25, 30 Minuten bis 2 Stunden sowohl makro- 
skopisch wie mikroskopisch. Die Proben mit dem Immunserum No. 5 
an 3 Stämmen aus anderen Stählen blieben negativ (Kontrollversuch). 



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Studien über Colibacillen. 7 

Nach einer Pause von ca. 4 Wochen wurden abermals 10 Stämme aus 
dem Stuhle des gleichen Individuums gezüchtet, von dem Stamme 
No. 5 (IL) ein Immunserum hergestellt. Mit diesem Serum nun ergab 
die Probe auf die übrigen 9 Stämme der Reihe I positiven Ausfall. 

Zu gleicher Zeit hatte ich abermals ein Tier mit dem Coli -Stamme 
No. 5 (I) immunisiert und hatte nun beide Immunsera und beide Reihen 
von Coli -Stämmen aus dem Stuhle ^desselben "" Individuums, doch zu 
^verschiedenen" Zeiten gezüchtet. Nun stellte ich mit diesen Seris 
wechselweise an allen Coli-Stämmen der Reihe II bezw. I die Agglu- 
tinationsproben an. Serum I (No. 5) + Coli -Stamm IL Reihe (1, 2, 
3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10) ergab ein positives Resultat, desgleichen Serum II 
(No. 5) + Coli -Stamm L Reihe (1—10) bis zu Verdünnungen 1 : 150, 
nur war in den höheren Verdünnungen ein gewisser Zeitunterschied zu 
bemerken, so daß die Agglutination bei der Verdünnung 1 : 150 erst 
nach 2 Stunden begann und nach 24 Stunden beendet war. Als Kon- 
troUversuch machte ich die Probe an 3 fremden Coli-Stämmen aus 
dem Stuhle eines anderen Individuums mit dem Immunserum II (No. 5). 
Die Proben blieben, wie bei dem Serum I (No. 5), negativ, es trat 
selbst nach 48 Stunden keine Agglutination auf. 

Ein weiterer Versuch nach dieser Richtung an zwei lebensschwachen 
Säuglingen, Zwillingen, die, in der Couveuse gehalten, vom ersten 
Lebenstage an von derselben Amme genährt worden waren, angestellt, 
ergab negatives Resultat. Wie früher, wurden aus der Stuhlflora jedes 
der beiden Säuglinge mehrere Kolonieen ausgewählt, ein Tier-Immunserum 
von je einem Coli-Stamme hergestellt und wechselweise mit dem Serum 
des A an den Stämmen der Reihe B geprüft und umgekehrt Der Ver- 
such mit dem Serum A au der Reihe A war, wie zu erwarten stand, 
positiv. 

Es scheint durch diese Versuche festgestellt, daß die Coli-Stämme 
der Flora desselben Individuums — selbst zu verschiedenen Zeiten aus 
den Faeces gezüchtet, so weit es sich durch die G r u b e r 'sehe Reaktion 
beweisen läßt — einer Gattung angehören und in ihren biologischen 
Eigentümlichkeiten an das Individuum gebunden sind, so daß der Be- 
weis, den Smith für die Coli-Stämme aus kindlichen Stühlen er- 
brachte, auch für die aus dem Stuhle Erwachsener zu Recht 
besteht 

Da zur Zeit voranstehender Versuche ein Fall, Salz mann, 
2V> Jahre altes Mädchen, mit Cystitis und Anämie auf der Klinik lag, so 
wurde mir dieser zur Untersuchung auf Colicystitis übertragen. 

Es ließ sich — aus dem Harn durch Katheterismus gewonnen — 
kulturell B. coli kultivieren (Indol, Gärung, Milchprobe) +. Es wurde 
nun mit dem Serum Salzmann — durch Venae Sectio gewonnen — an 
mehreren aus den Harnagarkulturen isolierten Stämmen die Grub er- 
sehe Reaktion versucht und fiel jedesmal, wie zu erwarten war, positiv 
aus, bis zur Verdünnung 1 : 150 mit Fadenreaktion und Knäuel- 
bildung, nach 2 Stunden beginnend, nach 24 Stunden vollständig. 
Makroskopisch deutlicher Bodensatz und fast vollständige Aufhellung 
im Reagenzgläschen. Es waren schon in mehren Fällen an der Klinik 
mit Stuhl- Coli und Harn-Coli desselben Individuums und den ent- 
sprechenden Seris Versuche gemacht worden, mittels der Agglutinations- 
probe zu entscheiden, ob die Coli-Stämme aus dem Harn und die- 
jenigen aus dem Stuhle gleicher Abstammung seien, d. h. der Darmflora 
desselben Individuums entstammen, also durch Ueberwanderung in die 



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g Alfred Kreisel, Studien über Colibacillen. 

Harnblase gelangten; doch stets mit negativen Resultaten. Ich legte^ 
wie bei den früheren Versuchen, Kulturen der Harn- Coli auf Agar 
und solche der Stuhl- Coli (Salz mann) an; je 6 Stämme wurdea 
isoliert und die erwähnten Identifizierungsproben aufgestellt. Nach posi- 
tivem Ausfall derselben wurde die Serumreaktion mit dem Serum Salz* 
mann und den 6 Stuhl- Coli -Stämmen angestellt und ergab in allen 
6 Fällen positives Resultat und zwar so, daß die Verdünnungen: 

1 : 10 bereits in 10 Minuten 

1 : 50 in 30 „ 

1 : 100 nach V^ Stunden 

mikroskopisch deutliche Agglutination mit Faden- und Enäuelbildung 
(im Beginne) zeigten, makroskopisch Aufhellung nach 2 Stunden (be- 
ginnend), nach 24 Stunden in allen Proben mikroskopisch deutliche 
Faden- und Knäuelbildung vollendet war, makroskopisch dichter Boden- 
satz und Aufhellung bestand. 

Um nun die Agglutinationskraft des Serums Salzmann an anderen 
Coli -Stämmen zu erproben, wurden die Coli -Stämme der früheren 
Versuchsreihe (6 Stämme aus dem Stuhle Erwachsener) zur Serum- 
reaktion herangezogen, und es zeigte sich in allen Fällen, daß die Coli- 
Kulturen von dem Serum in den gleichen Verdünnungen wie oben nicht 
im geringsten alteriert wurden. Die Gegenprobe mit einem fremden 
Coli -Immunserum von einem Versuchstiere (Meerschweinchen) auf die 
Stuhl- und Harn-C 1 i-Kulturen (Salz mann) ergaben gleichfalls nega- 
tiven Ausfall, so daß die spezifische Eigenschaft des Serums Salz mann, 
die Stuhl- und Harn- Coli zu agglutinieren und die Fadenreaktion zu 
geben, festeht Es wurde nun ein Meerschweinchen mit einem Stamm 
No. 3 aus den Stuhl- Coli (Salz mann) 1 — 5 ccm immunisiert und nach 
3 Wochen abermals die Serumreaktion aufgestellt, und zwar diesmal mit 
folgenden Resultaten: Harn- Coli mit dem Immunserum (No. 3) in 
Verdünnungen 1 : 10, 1 : 50, 1 : 100 nach 10, 20 Minuten, 2 Stunden 
beginnende deutliche Agglutination, nach 24 Stunden vollendete Zu- 
sammenballung, jedoch ohneFadenbildung. Die übrigen 5 Stuhl- 
Coli-Stämme (Salz mann) ergaben mit dem Immunserum (No. 3) in 
sämtlichen Proben in den Verdünnungen bis 1 : 100 innerhalb 2 Stunden 
beginnende, nach 24 Stunden vollendete Agglutination (makroskopisch : 
Bodensatz, Aufhellung). 

Die kleine Patientin wurde unterdessen durch roborierende Diät 
und Behandlung der Coli-Cystitis mit Blasenspülungen (Argentamin 
1 : 1000) von der Cystitis geheilt — es ließen sich aus dem Harn keine 
Bacillen mehr züchten, der Harn war klar, reagierte schwach sauer — 
im Allgemeinbefinden gebessert entlassen und nach 4 Wochen wieder 
in die Anstalt bestellt. Die Stuhl- und Harn-C oli wurden aufbewahrt. 
Bei der Wiederaufnahme des Kindes wurde nach der Pfaundler 'sehen 
Methode mit dem Serum Salz mann die Serumreaktion angestellt und 
sie ergab mit den um gezüchteten, 4 Wochen alten Harn- Coli in den 
Verdünnungen 1 : 10,1 : 50, 1 : 100 die gleichen positiven Resultate mit 
Fadenreaktion wie vor einem Monate, nur trat die Agglutination 
etwas langsamer ein, wie das erste Mal. Mit den 6 Coli-Stämmen au& 
dem Stuhle fiel die Probe ebenfalls positiv aus, doch trat keine 
Fadenbildung ein. 

Es ergiebt sich aus diesen Versuchen und jedesmaligen Gegenproben 
— so weit es mit Hilfe der Serumreaktion möglich ist — der Beweis 
für diesen Fall von Colicystitis, daß die Coli -Bacillen durch lieber- 



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Fermiy Mikrobische Asche, yorzugsweise aus einem einzigen Metalle bestehend. 9 

Wanderung aus dem Darm in die Blase gelangten und sie demnach als 
Abkömmlinge derDarm-Coli desselben Individuums angesehen werden 
mfissen, ein Beweis, der bis jetzt noch in keinem Falle gelungen ist 

Zum Schlüsse sage ich Herrn Prof. Th. Escherich für die freund- 
liche Anregung und Kontrolle bei den Versuchen sowie für die Bei- 
stellung des Materiales meinen besten Dank. 



Nachdraek verboten. 

Mikrobische Asche, vorzugsweise ans einem einzigen 
Metalle bestehend. 

Von Claudio Ferml, 

Prof. an dem hygien. Institute der kgl. Universität Sassari. 

Die Beobachtung, daß einige Hyphomyceten im ascbenfreien Sub- 
strate sich noch entwickeln können, führte mich dazu, diese Thatsache 
näher zu studieren. Zu diesem Zweck bereitete ich Kulturen von 
Aspergillus niger in Substraten und in Behältern, welche frei von 
NaKPhG etc. waren, sodann analysierte ich die Asche. 

Die Versuche wurden folgenderweise ausgeführt: 

a) Ich benutzte sehr reines destilliertes Wasser. 

b) Ich brachte dasselbe sofort in den zur Kultur bestimmten Be- 
hälter, indem ich auf diese Weise die Uebertragung von Salz aus dem 
gläsernen Gefäße vermied. 

c) Ich gebrauchte als Substrat 2-proz. reines Ammonium lacticum, 
frei von mineralischen Salzen. 

d) Ich nahm hierzu rechteckige (20X30X4), eigens zu diesem Zwecke 
hergestellte Gefäße aus Eisen, Blei, Kupfer, Nickel, Zink, die vorher 
gründlich mit Dampf, destilliertem gesäuertem Wasser gereinigt waren. 

e) Sodann brachte ich wenige Sporen von Aspergillus niger 
hinein. 

f) Um die Kultur vor dem leichten Luftstaub zu schützen, schloß 
ich dieselbe in einen großen, luftdichten Zinkkasten, der vorher gut 
ausgewaschen worden war. 

Resultat: Die 20tägige Kultur zeigte eine kräftige Entwickelung 
im Eisen (0,5 g trockene Substanz auf jeden Behälter), im Blei (0,41), 
etwas weniger im Kupfer (0,33), im Nickel (0,08), während sie im Zink 
ganz fehlt Ob diese mangelnde Entwickelung den Zinksalzen oder den 
Sparen von Arsen, die im Zink enthalten sind, zuzuschreiben ist, ist 
noch zu entscheiden. 

Das Mycel des eisernen Gefäßes war von einer schön roten Fär- 
bung infolge der verbreiteten Niedersetzung des genannten Metalles in 
den mycelischen Zellen. Die Kulturen der anderen Gefäße zeigten nichts 
Bemerkenswertes außer einer schwachen Sporenbildung, besonders in 
den Nickelgefäßen. 

Diese Kulturen wurden mehrmals wiederholt, indem man die Sub- 
strate erneuerte. Beim Besäen des riten Substrates, selbst nach neuer 
Hinzufügung von Ammonium lacticum und anderer Nährstoffe, blieb die 
Entwickelung aus, was als Folge der inhibierenden Wirkung der Wechsel- 
produkte des Mikroorganismus selbst zu erklären ist. 

Chemische Analyse. Die untersuchte trockene Substanz 
schwankt zwischen 1—2 g ungefähr. Die Asche bestand verhältnismäßig 



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10 F er m i , Mikrobische Asche, vorzugsweise aus einem einzigen Metalle bestehend. 

aus blo£em Eisen, Blei, Kupfer oder Nickel. Nur beim Blei fanden 
sich auf 1,545 g Asche (2 — 190 trockene Substanz) fast unbemerkbare 
Spuren von NaK vor. 

Gemeinsam mit meinem Assistenten Dr. Cano wiederholte ich diese 
Versuche, indem ich Eulturgefäße aus Zinn, Aluminium, Silber, Gold, 
Platin anwendete. 

Das Substrat bestand aus Ammontartrat, Citronensäure (2 Proz.) 
und einem Drittel destillierten Wassers. 

Die erhaltenen Resultate waren folgende: 

Gold: sehr starke Entwickelung mit Sporenbildung. 

Aluminium: sehr starke Entwickelung mit Sporenbildung. 

Platin: mäßige Entwickelung. 

Zinn: sehr starke Entwickelung mit Sporenbildung, leichte grüne 
Färbung des Substrates. 

Nickel: mäßige Entwickelung mit Sporenbildung. 

Silber: keine Entwickelung, grüne Färbung des Substrates. 

Porzellan: starke Entwickelung mit Sporenbildung. 

Wir wiederholten die Versuche mit dem silbernen Kulturgefäß, in- 
dem wir dem beschriebenen Substrat 1 Proz. reine Saccharose und 
Glycerin beifügten. Das Resultat war in der That anders, dagegen fand 
sich, wie Raulin fand, auch in silbernen Gefäßen eine mäßige Ent- 
wickelung von Aspergillus niger mit leichter Sporenbildung. 

Da die goldenen, silbernen und Platingefäße, welche uns zur Ver- 
fügung standen, sehr wenige waren bei diesen ersten Versuchen und die 
erhaltenen Kulturreste zu spärlich, um eine vollkommene chemische 
Aschenanalyse durchführen zu können, so begnügten wir uns für dieses 
Mal mit der Untersuchung der NaK etc. auf trockenem Wege. 

Die erhaltenen Ergebnisse waren folgende: 

a) Goldene Gefäße: Kulturreste auf Platinplatte verascht, unsicht- 
bare Rückstandsspuren. An der Flamme leichte gelbe und violette 
Farbenspuren von NaK. 

b) Aluminiumgefäße: sehr sichtbarer Rückstand. Flamme = NaK- 
Spuren. 

c) Zinngefäße: merklicher gelblicher Rückstand. Flamme =» NaK- 
Spuren. 

d) Silbergefäße: nur sichtbare Rückstandspuren. Flamme grüne 
und bläuliche Farbe. NaK unsichtbar. 

e) Platingefäße: nur sichtbare Rückstandspuren, schwache NaK- 
Flamme. 

f) Porzellangefäße: sichtbarer Rückstand, verhältnismäßig aber nicht 
stärker als jene, erhalten aus anderen Kulturresten. Flamme = NaK 
deutlich. 

Diese Versuche sollen fortgesetzt werden. Ich werde die Entwicke- 
lung von obengenannten Mikroorganismen bei vollständigem Mangel an 
womöglich chemisch nachweisbaren Rückstandsporen im Substrat stu- 
dieren. 

Von der Aschenfreiheit des Substrats werde ich mich versichern 
a) bei Destillierung des Wassers durch Platinalambiken direkt in 
den Platinkulturgefäßen ; b) durch Bestimmung des elektrischen Leitungs- 
vermögens des vorher destillierten Wassers; c) durch die chemische 
Analyse des Substrates betreffs der Gegenwart mineralischer Salze. 



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Hugo Marx, üeber Sporenbildung und Sporenfftrbung. H 

Nachdruck veHH>ten. 

üeber Sporenbildung nnd Sporenfarbung. 

Von Dr. Hngo Marx, 

dirigierendem Arzte des Ereiskrankenhauses zu Lübbecke i. W. 

Mit einer Figur. 

Bunge ^) hat als erster bei sporenbildenden Bakterien kugelige, 
nach besonderer Methode färbbare Gebilde innerhalb des Bakterienleibes 
nachgewiesen, die er als Sporenvorstufen anspricht, im Gegensatz zu 
den Babes-Ernst'schen Körperchen der nicht sporenbildenden Arten, 
die keineswegs als Sporenvorstufen gedeutet werden können. Die Ab- 
lehnung der B ab es- Ernst 'sehen Eörperchen als ^sporogener Körn- 
chen*^') besteht nach Woithe's und meinen Untersuchungen (dieses 
Centralbl. Bd. XXVIII. 1900. p. 4) durchaus zu Recht, und heute bin 
ich in der Lage, auch die Resultate der Arbeit Bunge 's über die 
Sporenvorstufen bei Sporenbildnern auf Grund eigener Untersuchungen 
zu bestätigen bezw. sie zu erweitern. 

Zur Darstellung der in Frage kommenden Gebilde und der Sporen 
selbst habe ich mich eines eigenen, höchst einfachen Verfahrens bedient 
Aus der zu untersuchenden Kultur bringe ich reichliches Material, das 
ich möglichst aus dem Kondenswasser entnehme, mit der Platinöse auf 
das Deckglas, ohne es dann durch Reiben zu verteilen. Auf das so ge- 
fertigte Präparat bringe ich, bevor noch die geringste Eintrocknung 
statthaben kann, Ziehl'sches Karbolfuchsin und lasse möglichst schnell, 
etwa 4— 5maL hintereinander, aufkochen. Dann läßt man gleichfalls 
möglichst schnell den Rest der Farblösung verdampfen, bis das Präparat 
absolut trocken ist Anschließend folgt eine kurze Entfärbung in 25- 
proz. Salpetersäure und eine Nachfärbung mit Loeffler's Methylen- 
blau. Die Färbung der Sporen und der sogleich zu besprechenden Ge- 
bilde gelingt auf diese Weise immer ; Sporen bezw. Sporenvorstufen rot, 
der übrige Bakterienleib blau. 

Zum Studium der Sporenvorstufen eignen sich am besten 24 — 72- 
stündige Kulturen von Subtilis, Mesentericus und Mega- 
therium, die bei 37^ gewachsen sind. 

Meine Untersuchungen haben mich 3 Typen der Sporenvorstufen 
kennen gelehrt, welche die Figur schematisiert wiedergiebt In allen 
Fällen handelt es sich um kugelige Gebilde von schwierigster Färbbar- 
keit und schwierigster Entfärbung; sie sind zu deuten als das Pro- 
dukt der Kondensation und Lokalisation der ^hypo- 
chromatischen'' Substanz der Bakterienzelle ^) ; sie gehen unmittel- 
bar in die eigentliche Spore über; zahllose Uebergänge sind in jedem 
Präparate zu sehen. Es ist leicht einzusehen, wie durch den Konden- 
sationsprozeß, dem die Sporenvorstufe ihre Existenz verdankt, zugleich 
gewissermaßen eine Konzentration der Arteigenschaften in diesen kuge- 
Ugen Gebilden sich vollzieht, so daß die Spore dem jungen, ihr ent- 



1) lieber Sporenbildung bei Bakterien. (Fortschritte der Medizin. Bd. Xm.) 

2^ Ernst, üeber Kern- und Sporenbildung in Bakterien. (Zeitschr. f. Hygiene. 

Bd. V.) 

3) Cf. Marx und W^oithe, Centralbl. f. Bakter. etc. 1. Abt Bd. XXVm. 1900. 

p. 99.) 



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12 M. Braun. 



r\ f\ r\ sporogene Körperchen wie b( 

w w /A jii * von einer spindelförmigen . 

11 V y ^^^ Bakterienleibes umgeben, 

U " Hftlt. AS sich lim p.nriRt^TirlifirA. 



schlüpfenden Stäbchen getreulich und unverändert die Eigenschaften 
der Mutterzelle mit auf den Weg geben kann. 

Bei Typus I (cf. die Figur) ist das 
sporogene Körperchen wie bei Typus II 

Auftreibung 
bei I han- 
delt es sich um endständige, bei II um 
mittelständige Sporulation. Bei Typus III 
trägt jedes Stäbchen zwei Sporen Vorstufen ; so daß Vermehrung 
und Sporulation sich gleichzeitig vollziehen. 

Ich möchte noch einmal besonders hervorheben, daß ich, gemäß 
meinem oben beschriebenen Verfahren, die Bakterien in vivo färbe; 
in frischem lebendigen Zustande ist die Spore den Farblösungen erheb- 
lich viel leichter zugänglich, während zugleich die nachfolgende Ein- 
trocknung (durch die Verdampfung) es ihr ermöglicht, die Farbe der 
Säure gegenüber zu behaupten. 

Nakanishi hat in No. 6 der Münchener medizinischen Wochen- 
schrift. 1900 ein Verfahren der Bakterienfärbung angegeben, das gleich- 
falls eine Färbung in vivo vorstellt; auf die besondere Modifikation 
kommt es dabei nicht an; jedenfalls aber möchte ich, gleich Nakanishi, 
hier der Bakterienfärbung in vivo das Wort reden : Sie läßt uns Manches 
erkennen, was in dem erst getrockneten und dann gefärbten Deckglas- 
präparat verborgen bleibt oder durch die Eintrocknung längst zu Grunde 
gegangen ist. 

Lübbecke i. W., den 8. Dezember 1900. 



NcLchdnick verboten. 

Trematoden der Bursa Fabricü, des Eileiters und der Eier 

der Vögel. 

Von M. Braun, Königsberg Pr. 
(Mit 4 Textabbildungen.) 

Wenn wir Diesing's Systema helminthum (Vindob, 1850) oder 
von Linstow's Kompendium der Helminthologie (Hannov. 1878, Nachtr. 
1889) oder die noch jüngere Publikation von Stossich: I Distomi 
degli uccelli (Trieste 1892) nachschlagen, finden wir als Bewohner der 
Bursa Fabricii, des Eileiters und auch abgelegter Eier Distomum ovatum 
Rud. angeführt; im Laufe der Zeit sind 37 Vogelarten verschiedener 
Ordnungen als Wirte für den genannten Egel bekannt geworden, und 
wenn für ähnlich weite Verbreitung unter verschiedenen Wirten auch 
einige andere Fälle {Hemiurits- Arten bei Fischen, Holostamum-ATten bei 
Vögeln) angeführt werden können, so erreicht kaum einer die hohe Zahl 
des Bist, ovatum. Man scheint bisher die Thatsache, daß die Wirte des 
Bist ovatum eine sehr verschiedene Nahrung genießen, aus der sie diesen 
Parasiten acquirieren müssen, unbeachtet gelassen resp. stillschweigend 
angenommen zu haben, daß auch das die Infektion bedingende Zwischen- 
stadium ebenfalls in zahlreichen und verschiedenen Zwischenträgern 
vorkommen müsse. Hierüber ist jedoch nichts bekannt, das Zwischen- 
stadium harrt noch seines Entdeckers. 

Bei einer Nachprüfung der in den Sammlungen mit Bist ovatum 



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Trematoden deif Bursa Fabricii, des Eileiters und der Eier der Vögel. 13 

bezeichneten Trematoden hat sich mir nun das überraschende Resultat 
ergeben, daß mehrere nahe verwandte Arten an den angegebenen Orten 
leben und daß ferner das, was von den Autoren Dist ovatum genannt 
wird, einer anderen, ebenfalls schon von Rudolphi aufgestellten Art, 
Bist, cuneaium, angehört, die neuerdings, jedoch mit Unrecht, als synonym 
zu Dist ovatum eingezogen worden ist. Diese Irrtümer sind dadurch 
hervorgerufen worden, daß einmal Rudolphi seine beiden Arten nicht 
ausreichend charakterisiert hat und daß zweitens für Dist, ovatum die 
Bursa Fabricii, für Dist. cuneatum der Darm als Wohnsitz bekannt 
geworden war; das verführte dazu, alle in der Bursa Fabricii ange- 
troffenen Trematoden für Dist. ovatum zu halten, während andererseits 
die von Creplin herrührende Angabe, Gurlt hB.he Dist. cuneatum im 
Eileiter eines Pfaues gefunden, in welchem Organ gelegentlich bei Haus- 
hühnern das vermeintliche Dist. ovatum beobachtet war, zu der irrtüm- 
lichen Einziehung des Dist. cuneatum geführt hat. 

Glücklicherweise wird die reichhaltige Rudolphi' sehe Helminthen- 
sammlung, deren einzelne Stücke unersetzliche Dokumente darstellen, 
in dem Museum für Naturkunde in Berlin (zoologische Sammlung) 
sorgfältigst aufbewahrt ; der Direktor der genannten Anstalt, Herr Geh. 
Rat Prof. Dr. K. Moebius ermöglichte mir die Nachuntersuchung der 
gesamten Trematoden der Vögel, darunter auch der Typen für Dist. 
ovatum Rud. und Dist. cuneatum Rud. 

Bevor ich hierüber berichte, noch ein Wort für den Nichtein geweihten 
über die Benennung der Gattung: Im Jahre 1886 hat Poirier (1) für 
einen Trematoden einer afrikanischen Schildkröte die Gattung Cephalo- 
gonimus aufgestellt; charakteristisch für sie ist die Lage des Genital- 
porus, vorn vor dem Mundsaugnapf: da nun bei Dist, ovatum der 
Genitalporus ebenfalls weit nach vorn verlagert ist — hierauf hat 
Sonsino (2) hingewiesen — so stellte man Dist, ovatum in die 
Poirier 'sehe Gattung; ihr fügte endlich Monticelli (3) das hier 
ebenfalls interessierende Dist. pellucidum v. Lstw. noch hinzu. Neuer- 
dings haben nun aber gleichzeitig Luhe (4) und Looss (5) den 
Begriff Cephalogonimus auf die ursprüngliche, Poirier 'sehe Art be- 
schränkt und für Dist, ovatum (nebst Verwandten) eine besondere 
Gattung aufgestellt; Luhe nennt sie Prosthogonimus, Looss Prymno- 
prion; ein Name kann aber nur giltig sein, ich habe an anderer Stelle 
(6) mich aus bestimmtem Grunde für die Luhe 'sehe Bezeichnung ent- 
schieden. Looss hat (1. c.) noch eine neue Prymnoprion-Ari (Pr. anceps 
aus Machetes pugnax) beschrieben, auf die ich noch zu sprechen komme. 
Die Gattung Prosthogonimus umfaßt also bisher Dist. ovatum Rud., Dist. 
pellucidum v. Linst, und Prymnoprion anceps Lss. Uebrigens kennen 
wir durch Looss (1. c.) in der Gattung Leptalea noch eine Fasciolide, 
deren Genitalporus wie bei Cephalogonimus liegt; die betreffende Art 
lebt in einem Fische des Nils. 

Das wesentlichste Merkmal für Prosthogonimus ist die Lage der 
Hoden (rechts und links der Medianebene statt hintereinander wie bei 
Cephalogonimus) und die Lage des Genitalporus (vorn neben dem Mund- 
saugnapf statt wie bei Cephalogonimus vor ihm). Ich unterscheide nun 
folgende Arten: 

1. JProsthogonimtis ovattis (Rud.). 
Diese Art wurde bereits 1803 von Rudolphi (7) als Fasciola 
ovaia beschrieben und zwar nach Exemplaren, welche Meyer in der 



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14 



M. Braun, 



Bursa Fabricii eines Ccrvus frugüegus (Saatkrähe) gefanden hatte (No. 1425 
der Berliner Helminthensammlung); später fand Radolphi(8) dieselbe 
Art ebenfalls in der Bursa Fabridi bei Pica caudaia (Elster), Anas 
clypecüta (Löffelente) und FuUea aira (Bläßhuhn) ; hiervon sind noch vor- 
handen die Exemplare aus Anas (No. 1424) und FuUea (No. 1423). Die 
Untersuchung aller vorhandenen Exemplare ergab, daß die größere 




Ex.p 

Fig. 1. Prosthogonimus ovatus (Rud.). 15/1. Auf dem Bauche liegend. Typ. 
Exemplar aus der Rudolp hl 'sehen Sammlung. € Cirrusbeutel, Dst Dotterstock, Ex.p 
Exkretionsporus, H Hoden, K Keimstock, Ms Mundsaugnapf, Oes Oesophagus, üi Uterus. 

Mehrzahl (ca. 30) untereinander übereinstimmten, daß dagegen drei 
Exemplare aus Corvus frugüegus, die schon Rudolphi aufgefallen 
waren, und ein Exemplar aus Fulica atra in ihrem Bau abweichen und 
je eine besondere Art repräsentieren. Ich beschränke den Namen DisL 
ovatum Rud. auf die Mehrheit der vorhandenen Exemplare. 

Die Tiere sind ganz flach, von breit eiförmigem Umriß; Länge 
3 — 6 mm, Breite 1 — 2 mm. Körperoberfläche bestachelt und zwar vorn 
mit dreieckigen Schüppchen, die in der Nähe des Bauchsaugnapfes in 



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Trematoden der Bursa Fabricii, des Eileiters und der Eier der Vögel. 15 

ISngere, spitze Stacheln übergehen; am Hinterrande stehen letztere 
weniger dicht. 

Mnndsaugnapf 0,146— 0,167 mm breit, 0,167-0,208 mm lang, der 
um etwa Vs d^r Körperlänge vom Vorderrande entfernte Mundsaugnapf 
doppelt so groß (0,354—0,447 mm breit, 0,396 mm lang). 

Pr&pharynx kaum entwickelt, Pharynx ca. 0,1 mm breit; Oesophagus 
und Darmschenkel oft mit Blut gefüllt; letztere enden etwa in der Mitte 
der hinteren Körperhälfte; die Gabelstelle liegt in ziemlicher Entfernung 
vom Bauchsaugnapf. 

Genitalporus am Seitenrande, dicht neben dem Mundsaugnapf; 
Hoden symmetrisch am Beginn der hinteren Körperhälfte, langgestreckt, 
gewöhnlich am Außenrande gekerbt; Vasa efferentia vereinen sich vorn 
am Bauchsaugnapf zum Vas deferens, das an der Darmgabelstelle in den 
langgestreckten, die Vesicula seminalis einschließenden Girrusbeutel 
eintritt. Keimstock vielfach und tief gelappt, regelmäßig dorsal über 
dem Bauchsaugnapf gelegen, aber stets ein wenig von der Mittellinie 
nach der dem Genitalporus entgegengesetzten Seite abgerückt Dotter- 
stöcke in den breiten Seitenfeldern; ihr Vorderende stets vor dem 
Bauchsaugnapf, hinten bis zur Mitte der Hoden oder wenig darüber 
reichend. Uterus sehr lang; seine Schlingen liegen vor und zwischen 
den Hoden im Mittelfeld, hinter ihnen überschreiten sie die Darm- 
schenkel und sind eigentümlich radiär gerichtet; vorn sind sie auf der 
Genitalporusseite stärker ausgebreitet, sie besetzen auch den Raum zwischen 
den Anfangsteilen der Darmschenkel vor dem Bauchsaugnapf und endlich 
gelangt der Schlauch an den Girrusbeutel, an dessen Außenseite er zum 
Porus zieht Eier 0,0221—0,024 mm lang, 0,013 mm breit, gelblich- 
braun, elliptisch. 

Bist avatum liegt mir noch vor aus der Bursa Fabricii vzn Carvus 
camix (Nebelkrähe), wo sie Mühling untermischt mit Bist, cuneatum 
gefunden hat 

Ein Vergleich, der hier über Bist, ovaium Rud. gegebenen Be- 
schreibung mit den unter demselben Speciesnamen in der Litteratur 
vorhandenen Mitteilungen ergiebt, daß anscheinend kein Autor das 
typische Bist, ovtUum Rud. vor sich gehabt hat, sondern eine Art, deren 
Hmterende völlig von Uterusschlingen eingenommen ist, deren Keim- 
stock hinter (nicht über) dem Bauchsaugnapf liegt, deren Dotterstöcke 
etwas weiter hinten beginnen, deren Hoden mehr rundlich sind und 
deren Darmgabelstelle weit näher dem Bauchsaugnapf liegt, so daß der 
Raum zwischen diesen beiden Teilen zwar vom Uterus passiert, aber 
nicht von Schlingen desselben eingenommen wird. Das sind aber die 
Merkmale des 

2. JProsthogorUmus ouneattis (Rud.). 

Diese Art hat Rudolphi (8, p. 358) als Bistoma cuneatum nach 
3 Exemplaren aus dem Darm von Otis tarda (Trappe) beschrieben ; sie 
finden sich in der Berliner Sammlung unter No. 1426; die Art wird 
dann nochmals von Greplin (9) erwähnt als von Gurlt im Eileiter 
des Pavo eristatus (Pfau) gefunden; auch diese Exemplare sind in der 
Berliner Sammlung unter No. 2980 vorhanden. Sonst wird Bist ctme- 
aium Rud. in der Litteratur als Species inquirenda oder als synonym 
zu Bist, ovatum angeführt (Railliet [10]). 

Außer in den oben bereits angegebenen Punkten unterscheidet sich 
Prasth. cuneatus von Pr. ovatus durch gestrektere Körpergestalt, durch 



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16 



M. Braun, 



Ms 



Dst 



Ut 



Ut 



Fig. 2. Prostkogonimtu cuneaMu (Rud.)* 15/1. 
Auf dem Rücken liegend. Nach einem in Glycerin 
eingeschlossenen Präparat der v. L instow sehen 
^unmlung. Buchstahen wie in Fig. 1. 



größere Dicke des Körpers 
sowie durch bedeutendere 
Größe der Saugnäpfe (Mund- 
saugnapf 0,3 — 0,4, Bauch- 
saugnapf 0,6— 0,8mm groß). 
Die Eier sind 0,0228 bis 
0,0273 mm lang und weit 
0,013 mm breit. 

Zu dieser Art ziehe ich 
das von Wedl (11) abge- 
bildete und aus der Bursa 
Fabricii von Grus cinerea 
(Reiher) stammende y^Dist 
ovatum^, ferner das von 
V. Li n stow (12) beschrie- 
bene, der Bursa Fabricii 
von Corvus corone (Raben- 
krähe) entstammende „Dist. 
ovaturn^^, ferner den von 
L s s (5, p. 722) beschrie- 
benen Prymnoprion anceps 
(aus Maehetes pugncix^ 
Kampfhuhn) ; möglicher- 
weise gehört auch das 
Looss'sche Prymnoprion 
ovatus (aus dem Haussper- 
ling, Passer domesücus) 
hierher; ich kenne die Art 
ferner aus Corvus frugilegus 
(Saatkrähe) — es sind die 
3 oben erwähnten in Glas 
1425 der Berliner Samm- 
lung neben Dist, avatum 
befindlichen Exemplare — , 
aus Garrulus glandarius 
(Eichelhäher) , Berliner 
Sammlung No. 1668 und 
aus hiesigen Krähenarten; 
der Wohnsitz ist in allen 
Fällen die Bursa Fabricii, 
nur für Prymnoprion anceps 
steht dies nicht fest. 



3. JProathogonitnus pellticidus (v. Lstw.). 
Diese Art wurde von v. Linst ow (12) im Oesophagus des Haus- 
huhnes entdeckt, sie muß aber auch im Eileiter der Hennen leben, 
denn sie liegt mir in mehreren Objekten aus dem Eiweiß abgelegter 
Hühnereier vor. Sie ist die größte bis jetzt bekannte Prosthogonimus- 
Art und steht dem Prosth. cuneatus durch die Lage des Keimstockes 
(hinter dem Bauchsaugnapf) nahe; die Säugnäpfe sind noch größer 
(ca. 0,7 mm Durchmesser für den Mund-, ca. 1,0 mm für den Bauch- 
saugnapf). Die Dotterstöcke beginnen auf der Höhe des Hinterrandes 
des Bauchsaugnapfes oder noch etwas mehr nach hinten und über- 



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Trematoden der Bursa Fabricii. des Eileiters und der Eier der Vögel. 



17 



schreiten hinten die nicht gekerbten, ovalen oder kugeligen Hoden nur 
wenig. Der Uterus macht, wie v. Linstow mit Recht betont, zwar 
zahlreiche Windungen im Hinterende, doch liegen diese nie so dicht 
nebeneinander wie bei Frost, cuneatus; auch zwischen Darmgabelung 
und Bauchsaugnapf findet keine Ansammlung von Uterusschlingen statt. 
Die Eier sind dunkler braun und konstant ein wenig länger als bei 
den beiden anderen Arten (0,0273-0,029 mm, Breite 0,011— 0,013 mm). 

4. Broathoganimus japonicus n. sp. 

Auch diese Art schließt sich 
dem Prosth. cuneatus (Rud.) an ; die 

betreffenden Exemplare entstammen ' 

einem Hühnerei und sind in Yedo ü 

{Japan) gesammelt worden (Berliner 
Helminthensammlung No. 1128). c - 

Der 5 mm lange Körper ist ge- 
streckt, hinten wenig verbreitert. 
Die Saugnäpfe sind beinahe gleich 
groß (0,7— (),8 mm) und die Darm- 
schenkel reichen sehr weit nach 
hinten. Keimstock hinter dem 
Bauchsaugnapf gelegen, Uterus das 
Hinterende fast ganz erfüllend. 
Hoden rundlich. Dotterstöcke erst 
in der Höhe des Keimstockes, d. h. 
in der Mitte der Seitenränder be- 
ginnend und hinten ziemlich weit 
über die Hoden hinausragend. 
€irrusbeutel sehr lang. Eier 
0,024 mm lang, 0,012 mm breit. 



Bs 



K 



Dst 



Ui 



Fig. 3. Prosthogonimat japonicus n. sp. 
Auf dem Bauche liegend. Typ. 
Exemplar aus der Berliner Sammlung. 
Bs Bauchsaugnapf, die übrigen Buchstaben 
wie in Fig. 1. 



15/1 



5. I^osthogonitntis rarus n. sp. 

Das oben erwähnte eine Exem- 
plar aus Glas No. 1423 der Berliner 
Sammlung (Bursa Fabricii von Fu- 
Uca aira) ist der Vertreter dieser 
neuen Art, die sich auch in Glas 
1615 (Bursa Fabricii von Anas ho- 
schcLs) findet. 

Körper 4,2 mm lang, ganz ab- 
geplattet, Hinterende verbreitert; 
bestachelt. Mundsaugnapf ca. 
0,3 mm, Bauchsaugnapf ca. 0,5 mm im Durchmesser; Darmschenkel 
weit nach hinten reichend. Keimstock dorsal über dem Bauchsaugnapf, 
Hoden dicht dahinter, nebeneinander gelegen. Dotterstöcke in der 
Torderen Körperhälfte, vor dem Bauchsaugnapf beginnend und etwas 
hinter den Hoden endend. Der Uterus überschreitet im Hinterende die 
Darmschenkel nicht, was diese Art sofort schon mit dem bloßen Auge 
Ton den übrigen 4 Arten unterscheiden läßt, weil die breiten Seitenteile 
frei bleiben. Wie h^i Prostk ovati4S (Rud.) macht der Uterus auch vor 
^iem Bauchsaugnapf und hinter der Gabelstelle starke Windungen, in 
denen die Eier anscheinend durch eine glasige Zwischensubstanz von- 
^einander getrennt werden. Charakteristisch für diese Art ist ferner die 



Erste Abt. XX lA. bd. 



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18 



M. Braun, Trematoden der Bursa Fabricii etc. 



Ms 



Dsi- 



Thatsache, daß die beiden 
GescIilechtsöffnungeD räum- 
lich voneinander entfernt 
liegen, die männliche am 
Vorderrande neben dem 
Bauchsaugnapf, die weib* 
liehe fast 0,3 mm dahinter 
am Seitenrande. Eier bräun- 
lich, 0,024-0,0273 mm lang^ 
0,013 mm breit 

Hoffentlich tragen diese 
Mitteilungen, denen zu ge- 
gebener Zeit ausführliche 
folgen sollen, dazu bei, die 
Frasthogonimus- Arien bes- 
ser zu unterscheiden als 
bisher. Ihr normaler Wohn- 
sitz scheint die Bursa Fa- 
bricii zu sein; mit dem 
mehr oder weniger weit- 
gehenden Schwund dieses 
Organs, dessen Bedeutung 
noch vollkommen unbe- 
kannt ist, ist für seine Be- 
wohner die Notwendigkeit 
der Auswanderung gegeben^ 
die entweder zu einem Ver- 
lassen des Wirtes oder zur 
Ueberwanderung in den 
Darm resp. mit diesem in 
Verbindung stehende Ka- 
näle führt; bevorzugt ist 
hierbei der Eileiter, womit 
die Möglichkeit des Ein- 
schlusses in das Eiweiß 
von Eiern gegeben ist. Wenn wir derartige Fälle bisher nur von 
Hühnereiern kennen — hierbei scheint es sich in Mitteleuropa aus- 
schließlich um Prosthogonimus pellucidus zu handeln — so mag dies 
wohl damit zusammenhängen, daß die Eier anderer Vogelarten, wenn 
überhaupt, so nur in verschwindenden Mengen genossen werden. 

Uebrigens sind die Prosthogonimen nicht die einzigen Bewohner 
der Bursa Fabricii oder der Eier; mir liegen aus der Bursa einer 
Fulica atra zwei kleine Distomen vor, die in ihrem Bau sich an die 
Echinostomen anschließen, aber eines bestachelten Kragens entbehren ; 
ferner habe ich aus dem gekochten Eiweiß eines Hühnereies neben 
Prosthog. pellucidtis auch ein typisches, wohl erhaltenes Echinostomum 
herauspräpariert, dessen Bestimmung noch aussteht. Sodann beschreibt 
neuerdings Looss (5, p. (597) ein Echinostomum bursicola aus Müvu& 
parasiticus und Falco tinnunculus (Thurmfalke) und endlich existiert in 
der Litteratur ein Dist bursicola. das Creplin in der Bursa von Grus 
cinerea gefunden hat (9, p. 134); mir liegt eine so bezeichnete Form 
desselben Wirtes aus der Wiener (Bremser-Diesing'schen) Hel- 
minthensammlung (Glas No. 295) vor, das ebenfalls ein Echinosiomum 



Ex.p 



Fig. 4. Prosthogonimus rarus n. sp. 20/1. Auf 
dem Bauch liegend. Nach dem typischen Exemplar 
in der Berliner Sammlung. Buchstaoen wie in Fig. 1. 



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Loeffleru. ühlenhuth, Schutzimpfung gegen Maul- u. Klauenseuche etc. 19 

ist, jedoch von der Looss' sehen Art sich schon durch geringere Größe 
unterscheidet Ob damit das Creplin'sche Bist bursicola wieder ge- 
funden ist, bleibt einstweilen zweifelhaft, bis die GrepHn 'sehen 
Exemplare nachuntersucht sind; jedenfalls ist es verfrüht, Dist bursicola 
Crepl., wie dies von Stossich geschehen ist, als synonym zu Dist 
ootUum autt einzuziehen. 

Königsberg, den 8. Dezember 1900. 

Zdttaratvr. 

1) Poirier, J., Trömatnouv. ou peu connus. (Bull. soc. philom. Paris. 8^r. VII. T. X. 
1886. p. 21.^ 

2) Sonsino, P., TJn nuov. Dist del sottog. Polyorchis. (Proc. verb. soc. Tose. sc. nat 
Adun. del 6. Vn. 1890.) 

3) Monticelli, F. S., Btud. s. Trem. endop. Primo contrib. di osserv. sui Distom. 
(ZooL Jahrb. Suppl. HI. 1893. p. 157.) 

4) Luhe, M., Zur Kenntnis einiger Distom. (Zool. Anz. Bd. XXII. 1899. p. 539.) 

5) Looss, A., Weitere Beitrftge zur Kenntnis der Trematoden-Fauna Egyptens. (Zool. 
Jahrb. Syst. Abt Bd. XII. 1899. p. 628.) 

6) Braun, M., Referat über die vorstehende Looss'sche Arbeit (Zool. Centralbl. 
Bd. vn. 1900 p. 391 und Luhe im Centralbl. f. Bakt etc. Bd. XXVm. p. 463. 
Anm. 2.) 

7) Rudolph!, K. A., Neue Beobachtungen über die Eingeweidew. (Arch. f. Zool. und 
Zoot rWiedemannJ Bd. III. Stck. 2. 1803. p. 25.) 

8) Rudolphi, C. A., iSitoz. bist nat Vol. IL P. 1. 1809. p. 357. 

9) Creplin . . ., Nachtrag zu Gurlt's Verzeichnis der Tiere, bei denen Entoz. gef. 
(Arch. f. Natuiiresch. 1846. L p. 134.) 

10) Railliet, A., Traitö de Zool. m^d. et agric. IL 6d. 1895. p. 368. 

11) Wedl, C, Ajiatomische Beobachtungen über Trematoden. (Sitzgsber. der math.~nat 
KL K. Akad. der Wiss. Wien. Bd. XXVL iao8. p. 241. Taf. I. Fig. 1.) 

12) Linstow, v., Einige neue Distomen und Bemerkungen über die weiblichen Sexual - 
Organe der Trematoden. (Arch. f. Naturgesch. 1873. I. p. 96.) 



Abdruck ge^taUeL 

Ueber die SoMtzünpfiiiig gegen die Maul- und Klauen- 

seuclie, im besonderen über die praktisolie Anwendung 

eines Schutzserums zur Bekämpfimg der Seuche bei 

Schweinen und Schafen. 

[Aus dem hygienischen Institut zu Greifswald.] 
Von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. LoefDer und Stabsarzt Dr. UMenhath. 

Wie bereits auf dem internationalen tierärztlichen Kongresse zu 
Baden-Baden im August 1899 mitgeteilt worden ist^), haben die ünter- 
Buchungen der Kommission zur Erforschung der Maul- und Klauen- 
seuche in dem hygienischen Institute zu Greifswald zur Herstellung 
eines Semms geführt, dessen Wirksamkeit durch absolut beweisende 
Versuche an Ferkeln dargethan werden konnte. Wenn man die für 
ein Ferkel tödliche Dosis Lymphe mit steigenden Mengen des Serums 
vermischt und diese Gemische einer Reihe von Ferkeln einspritzt, so 
sieht man, daß von einer gewissen Dosis Serum an das Serum-Lymphe- 
gcmisch nicht nur nicht mehr tötet, sondern sogar nicht einmal mehr 
krank macht. Spritzt man einer Reihe von Ferkeln steigende Mengen des 



1) Deutsche tierärztliche Wochenschrift Jahrgang 1899. No. 36. 

2* 

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20 Loeffler und ühlenhuth, 

Serums ein und bringt dann die Ferkel in einen Stall, in welchem sich 
andauernd frischkranke Tiere befinden, d. h. setzt man dieselben einer 
intensiven natürlichen Infektion aus, so erkranken die Ferkel von einer 
bestimmten Dosis Serum an nicht. Dieser Serumschutz hält je nach der 
Menge des eingespritzten Serums verschieden lange Zeit an, bei kleinen 
Dosen, 0,1 ccm pro Kilo Ferkel, etwa 3 Wochen, bei größeren 0,2, 0,3, 
0,5 pro Kilo Ferkel 4—8 Wochen. Eine absolut genaue Proportionalität 
der Dauer des Serumschutzes und der Menge des eingespritzten Serums 
besteht indessen nicht, weil die einzelnen Tiere sich individuell etwas 
verschieden verhalten bezüglich der Schnelligkeit, mit welcher sie das 
Serum ausscheiden. 

Auch bei Rindern konnte die Wirksamkeit des Serums mit Sicher- 
heit nachgewiesen werden. Stellt man sich Gemische einer gewissen 
Menge, V5o"~Vi« ccm, einer wirksamen Lymphe mit steigenden Serum- 
mengen her und spritzt man diese Gemische Rindern in die Blutbahn 
ein, so zeigt es sich, daß wie bei den Ferkel versuchen schon kleine 
Mengen von Serum — einige Kubikcentimeter — genügen, um die 
krankmachende Wirkung der Lymphe aufzuheben. Spritzt man aber 
einer Reihe von Rindern steigende Serummengen ein und setzt dann 
die Rinder der natürlichen Infektion aus, so findet man, daß sehr große 
Serummengen erforderlich sind, um den Tieren einen Schutz zu gew^ären. 
Die Menge beträgt etwa 0,4 ccm pro Kilo. Handelt es sich darum, 
ausgewachsene schwere Tiere zu schützen, so sind daher die absoluten 
Serummengen pro Tier relativ sehr große. Für ein Rind von 600 Kilo 
würden z. B. 240 ccm Serum von der besten bisher erzielten Qualität 
erforderlich sein, um dasselbe gegen die natürliche Infektion zu schützen. 
Der durch das Serum erlangte Schutz ist nun aber ein sehr viel kürzere 
Zeit währender, wie bei den Ferkeln. Er erstreckt sich durchschnittlich 
nur auf etwa 14 Tage und wird auch nicht ein wesentlich längerer, 
wenn man die Serumdosis noch weiter auf 0,5, 0,6, 1,0 ccm pro Kilo 
erhöht. Diese Verhältnisse ließen es von vornherein als fraglich er- 
scheinen, ob eine Serumschutzimpfung bei Rindern in der Praxis an- 
gängig sein würde. 

Für die durch die großen Serummengen bedingten Kosten ist die 
nur für kurze Zeit reichende Dauer des Schutzes kein genügendes 
Aequivalent. Da bei dem Herrschen der Seuche in einem Bezirke die 
hochempfänglichen Rinder längere Zeit der Infektionsgefahr ausgesetzt 
zu sein pflegen, so müßte die Einspritzung der gleichen großen Serum- 
mengen in etwa 14tägigen Zwischenräumen wiederholt werden, bis die 
Infektionsgefahr vorüber wäre. Die Kosten der Schutzimpfung würden 
alsdann so hohe werden, daß dieselbe praktisch nicht durchführbar wäre. 
Die Kommission ist daher bestrebt gewesen, für die Schutzimpfung der 
Rinder ein Verfahren aufzufinden, welches denselben eine aktive, lang 
andauernde Immunität verleiht. 

Zahlreiche Methoden sind nach dieser Richtung hin an über 3000 
Rindern geprüft worden. Vielfach sind die Ergebnisse in den Versuchs- 
ställen und auch in den praktischen Versuchen sehr befriedigende gewesen. 
Die Methode ist indessen in allen ihren Einzelheiten noch nicht so 
sicher beherrschbar, daß sie in der Praxis empfohlen werden könnte. 
Die Kommission ist zur Zeit noch mit der weiteren Bearbeitung und 
Durcharbeitung derselben beschäftigt 

Sehr aussichtsvoll aber erschien nach den sehr 
günstigen Versuchsergebnissen an den Ferkeln eine 



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üeber die Schutzimpfung gegen die Maul- und Klauenseuche etc. 21 

praktische Durchführung der Serumschutzimpfung bei 
Schweinen und Schafen. Diese Tierspecies sind einmal weniger 
empfänglich für die Seuche wie die Rinder; dann kommen sie mehr 
abgeschlossen in ihren Ställen in weniger intensive Berührung mit dem 
Menschen wie jene. Ferner sind die zu ihrem Schutze notwendigen 
Serummengen wegen des geringen Körpergewichtes relativ gering, und 
endlich dauert der durch das Serum gewährte Schutz eine relativ lange Zeit. 

Der Nutzen, welcher aus einer Schutzimpfung dieser Tierspecies 
resultieren würde, ist nicht gering zu veranschlagen. Erfahrungsgemäß 
sterben, wenn die Seuche in Schweinezüchtereien ausbricht, sehr viele 
Ferkel an derselben, auch leiden die Zuchtsauen Schaden, so daß der 
regelmäßige Betrieb erheblich gestört oder sogar ganz lahm gelegt 
werden kann. Bricht die Seuche unter tragenden Schafen aus, so ver- 
lammen dieselben sehr häufig, auch gehen zahlreiche Lämmer, ebenso 
wie die Ferkel, infolge der Infektion zu Grunde. Als ein weiteres Moment, 
welches zu Gunsten einer Schutzimpfung der Schweine namentlich, 
spricht, ist der Umstand anzusehen, daß durch getriebene Schweine- 
herden erfahrungsgemäß die Seuche sehr häufig verschleppt wird. Sind 
die Tiere schutzgeimpft, so können sie nicht erkranken und werden 
deshalb nicht zur Verbreitung der Seuche beitragen. Aus allen diesen 
Gründen erschien es wünschenswert, zunächst ein Urteil darüber zu 
gewinnen, ob das an Ferkeln als wirksam erwiesene Serum sich praktisch 
verwendbar zur Schutzimpfung der Schweine und Schafe zeigen würde. 
An Gelegenheiten, diesbezügliche Versuche anzustellen, fehlte es nicht, 
da in Neu- Vorpommern, im besonderen in der Umgebung der Stadt 
Greifswald, die Seuche im Laufe des letzten Jahres in erheblichem Um- 
fange geherrscht hat. 

Diese praktischen Versuche haben nun ein durchweg 
günstiges Ergebnis gehabt. Zum Beweise einige Beispiele: In 
Str. bei Herrn v. H. L. war die Seuche unter einer Herde von 416 Schafen 
ausgebrochen. 2 Tage nach der Feststellung der Seuche wurden 28 Schafe, 
welche anscheinend noch gesund waren, mit Serum geimpft. Am Tage 
nach der Impfung erkrankten 4, am 2. Tage 3 von den geimpften 
Tieren. Diese Tiere befanden sich ohne Zweifel schon im Stadium der 
Inkubation, da die Dauer desselben erfahrungsgemäß mindestens 2 bis 
3 Tage beträgt. Die übrigen 21 sind nicht erkrankt, während alle 
nicht geimpften Tiere der Herde erkrankt sind. 

Von den Schafen getrennt fanden sich ebendort 22 Zuchtböcke, von 
diesen wurden 15 geimpft, 7 nicht Von den geimpften Tieren erkrankte 
kein einziges, von den 7 nicht geimpften aber 6. Vier in den nächsten 
Wochen eingetroffene sehr wertvolle Schafböcke wurden sofort geimpft 
und blieben gesund, wiewohl sie mit der kranken Herde zusammen- 
gebracht wurden. Auf dem betreffenden Gute breitete sich die Seuche 
auch auf die Rinder aus — alle Rinder erkrankten. Es lag daher die Ge- 
fahr nahe, daß auch der umfangreiche Schweinebestand erkranken würde. 
Um nun einen beweisenden Versuch zu haben, wurde mit der Schutz- 
impfung gewartet, bis ein Erkrankungsfall unter den Schweinen auf- 
getreten sein würde. Ein solcher ereignete sich dann auch nach einiger 
Zeit und es wurden nunmehr sämtliche Schweine, Ferkel, Pölke, Sauen 
und Eber der Serumimpfung unterzogen. Von den geimpften Tieren 
sind 2 am 2. Tagef nach der Impfung erkrankt — diese waren ohne 
Zweifel bereits infiziert vor der Impfung — sämtliche übrigen 
Tiere sind andauernd gesund geblieben. 



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22 Loeffler und ühlenhuth, 

In G. bei Herrn P. war die Seuche unter dessen großem Schweine- 
bestand ausgebrochen. Die Schweine waren in 2 getrennten Ställen 
untergebracht. In dem einen, welcher 40 Schweine enthielt, war noch 
kein Erkrankungsfall vorgekommen. Diese Tierö wurden mit Serum 
geimpft und sind andauernd gesund geblieben. Zwei von diesen Tieren 
wurden in eine Bucht des verseuchten Stalles gebracht, in welcher 
kranke Tiere lagen — auch diese haben widerstanden. In dem anderen 
Stalle lagen in verschiedenen Buchten gegen 100 Schweine, darunter 
eine Anzahl Sauen mit Ferkeln. Mehrere der letzteren waren bereits 
an der Seuche verendet, als die Impfung vorgenommen wurde. 15 Ferkel 
waren schwer krank, außerdem waren 10 kranke Sauen und Pölke in 
verschiedenen Buchten vorhanden. Geimpft wurden alle noch gesund 
erscheinenden Schweine bis auf 7, welche zur Kontrolle dienen sollten, 
sowie sämtliche Ferkel, auch die kranken. Eines dieser Tierchen starb 
beim Herausheben aus dem Stall. Die Sektion ergab die typische 
hochgradige fleckweise Fettmetamorphose des Herzmuskels. Von den 
geimpften anscheinend gesunden Schweinen und Pölken sind am nächsten 
Tage drei leicht erkrankt, ebenso 3 ganz junge Ferkel, von denen eins 
noch starb — diese Tiere sind sicher bereits infiziert gewesen. Alle 
anderen bei der Impfung gesunden Tiere sind dauernd 
gesund geblieben, hingegen sind die 7 zur Eontrolle 
nicht geimpften gesunden Schweine sämtlich schwer 
erkrankt Von den schwer kranken geimpften Saugferkeln, von 
welchen eins bei der Impfung bereits paraplegisch war, sind 4 gestorben, 
die übrigen haben sich schnell erholt. Das Ergebnis dieses Versuches 
ist mithin als ein geradezu glänzendes zu bezeichnen. Ineinemschwer 
verseuchten Bestände ist die Seuche durch die Serum- 
impfung mit einem Schlage coupiert worden. 

Die angeführten Beispiele mögen genügen, um die praktische 
Brauchbarkeit der Serumschutzimpfung zu illustrieren. Was die Mengen 
des eingespritzten Serums anlangt, so schwanken dieselben zwischen 
5 und 20 ccm, je nach der Größe der Tiere. Generell werden von einem 
Serum, wie es in der Praxis angewendet ist, genügen 6 ccm für Ferkel 
und Lämmer, 10 ccm für Pölke und 10—20 ccm für größere Schweine 
und Schafe, je nach ihrem Gewicht. Den Ferkeln, welche hoch empfäng- 
lich sind, wird man eine relativ größere Dosis geben, 0,3—0,5 ccm 
pro Kilo, als den größeren Schweinen, für welche Mengen von 0,1 — 
0,2 ccm pro Kilo ausreichen. 

Was nun die Gewinnung des Serums anlangt, so ist dieselbe nicht 
so leicht und einfach wie die Gewinnung anderer Serumarten, für deren 
Herstellung Reinkulturen der betreffenden pathogenen Erreger bezw. 
Gifte derselben in beliebigen Mengen zur Verfügung stehen. Da eine 
Kultur des präsumptiven Erregers der Maul- und Klauenseuche bisher 
noch nicht gelungen ist, muß man sich der in den Blasen kranker Tiere 
angesammelten Lymphe bedienen, welche die Erreger enthält. Diese 
Lymphe wird nur in kleinen Quantitäten von einem kranken Tiere 
erzeugt. Man gewinnt von einem gute Blasen bietenden Tiere nur 
einige Kubikcentimeter Lymphe. Um aber von einem großen Tier, 
einem Rinde oder einem Pferde, ein brauchbares Serum zu erzielen, 
muß dasselbe mit steigenden Mengen — bis zu 100 ccm — dieser Lymphe 
vorbehandelt werden. Es ist nun aber nicht allein^ ein großes Quantum 
Lymphe erforderlich. Diese Lymphe muß auch eine möglichst hohe Virulenz 
besitzen. Züchtet man die Lymphe im Körper von Rindern oder von 



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Ueber die Schutzimpfung gegen die Maul- und Klauenseuche etc. 23 

Schweinen weiter, so verliert sie, wie früher mitgeteilt worden ist, sehr 
schnell an Virulenz, so daß die Impfungen nur kleine, wenig Lymphe 
bergende Blasen erzeugen und nach 4 oder 5 Uebertragungen über- 
haupt nicht mehr krank machen. Die Erhaltung der Lymphe machte 
deshalb erhebliche Schwierigkeiten. Wir waren darauf angewiesen, 
immer wieder aus frischen Seucheausbrüchen frisches Infektionsmaterial 
zu beschaffen. Nach vielen Versuchen ist es endlich gelungen, den 
Lymphstamm zu erhalten, und zwar auch virulent zu erhalten. Durch 
Fortzüchtung des Virus im Körper der kleinen Ferkel wird seit über 
einem Jahre der Lymphstamm im hygienischen Institut zu Greifswald 
erhalten. Es kostet die Erhaltung der Lymphe naturgemäß eine große 
Zahl von Ferkeln. Aber da die Ferkel glücklicherweise das ganze Jahr 
hindurch zu mäßig hohen Preisen zu haben sind, so läßt sich die Weiter- 
führung des Lymphstammes ohne allzu hohe Kosten durchführen. Man 
muß freilich auch hierbei sehr aufmerksam sein, wenn nicht der Faden 
abreißen soll, da einerseits bisweilen auch im Körper der Ferkel eine 
Abschwächung der Lymphe sich vollzieht, und da andererseits bisweilen 
so starke Virulenzsteigerungen vorkommen, daß die Tiere nach kleinen 
Dosen Lymphe, ^/so— Vioo ccDi» so schnell zu Grunde gehen, daß es 
zur Blasenbildung überhaupt nicht kommt. 

Die zur Behandlung der Serumtiere notwendige Lymphe muß 
möglichst virulent sein. Es muß deshalb stets die Wirkung der jeweils 
eingespritzten Lymphe geprüft werden. Es geschieht dies, indem die 
für Ferkel von 4—5 Wochen tödliche Dosis festgestellt wird. Da das 
wirksame Serum durch die auf die Einspritzung der Lymphe folgende 
Reaktion des Serumtieres sich bildet, so muß dafür Sorge getragen 
werden, daß auf jede Injektion auch wirklich eine genügend starke 
Reaktion folgt. Hat man ein genügendes Quantum wirksamer Lymphe 
zur Verfügung, so kann man die Reaktion dadurch sichern, daß man 
ein entsprechend höheres Quantum Lymphe einspritzt, anderenfalls muß 
man die für die weitere Infektion bestimmte Lymphe von neuem auf 
ihre Virulenz prüfen. Würde man sich einfach damit begnügen, ein 
größeres Quantum einer frisch gewonnenen Lymphe einzuspritzen, so 
würde man eventuell durch das größere Quantum Lymphe doch keine 
Steigerung erzielen, weil das größere Quantum schwächer virulenter 
Lymphe weniger kräftig wirken könnte, wie das bei der vorhergehenden 
Einspritzung verwendete kleinere Quantum hochvirulenter Lymphe. 

Da bei der Gewinnung der Lymphe aus den Maul- und Klauen- 
blasen der kranken Tiere die Verunreinigung der Lymphe mit Schmutz- 
stoffen unvermeidlich ist, so würde man, wenn man größere Mengen 
solcher verunreinigter Lymphe einem Tiere einspritzte, jedesmal Gefahr 
laufen, das Tier septisch zu infizieren. Die gefahrlose Einspritzung 
größerer Lymphmengen war daher erst von dem Moment an möglich, 
als es gelungen war, den Nachweis zu führen, daß man die Lymphe 
von allen in ihr enthaltenen bakteriellen Verunreinigungen befreien kann 
— unbeschadet ihrer Wirksamkeit, indem man sie durch alle Bakterien 
zurückhaltende Filter filtriert. Der experimentelle Nachweis, 
daß die Erreger der Maul- und Klauenseuche so klein 
sind, daß sie durch Bakterien sicher zurückhaltende 
Filter hindurch gehen, war daher eine conditio sine qua 
non für die Gewinnung des Schutzserums. 

Aus dem Dargelegten erhellt, daß die Herstellung dieses Serums 
mit selten großen Schwierigkeiten verknüpft ist, und daß umfangreiche 



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24 Loeffler u. Uhlenhuth, Schutzimpfung gegen Maul- u. Klauenseuche etc. 

kostspielige Einrichtungen und ein sorgsam geschultes Personal dazu 
gehören, um ein den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendem 
Präparat für den praktischen Gebrauch herzustellen. Die Höchster 
Farbwerke Meister Lucius und Brüning haben es sich angelegen 
sein lassen, die Herstellung dieses Serums in ihren Betrieb, welcher ja^ 
wie bekannt, für die Serumgewinnung mustergiltig eingerichtet ist, auf- 
zunehmen. Nach eingehenden Versuchen sind dieselben jetzt dahin 
gelangt, ein Serum herzustellen, welches in der Praxis für die Schutz- 
impfung von Schweinen und Schafen verwendet werden soll. Alle in 
den Handel gebrachten Sera werden von dem staatlichen Institut für 
experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. auf ihre Unschädlichkeit 
einerseits und auf ihre Wirksamkeit andererseits geprüft Durch die 
staatliche Prüfung wird den die Sera anwendenden Aerzten und Tier- 
ärzten sowie auch den Konsumenten die Garantie dafür geboten, da& 
durch die Anwendung des Mittels keine Schädigungen bewirkt werden 
können und daß die erwartete Wirkung nach der Anwendung nicht 
ausbleibt. 

Die Höchster Farbwerke haben bei dem vorgesetzten Ministerium 
die staatliche Prüfung des von ihnen hergestellten Schutzserums gegen 
die Maul- und Klauenseuche beantragt. Da nun vor der Hand die Ein- 
richtungen, welche für eine solche Prüfung notwendig sind, in dem 
Institute für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. nicht vorhanden 
sind, so ist dieses Institut beauftragt worden, die Prüfung zunächst 
im hygienischen Institute zu Greifswald vorzunehmen. Die Herren 
Geheimrat Ehrlich und Stabsarzt Marx vom Institut für experimentelle 
Therapie haben unter Zuziehung des Kreistierarztes Herrn Brass in 
Greifswald als tierärztlichen Sachverständigen letzthin die Prüfung vor- 
genommen. 

Die Prüfung kann lin verschiedener Weise geschehen. Entweder 
wird eine AnzfÄl gesunder kräftiger Ferkel von 8—10 Kilo Gewicht 
mit steigenden Mengen (pro Kilo Ferkel berechnet) des Serums 
behandelt und mit frisch kranken Tieren zusammengebracht, oder aber 
es werden Gemische einer virulenten Lymphe mit steigenden Serum- 
mengen Ferkeln eingespritzt, oder endlich es wird eine bestimmte 
Dosis Lymphe, welche Kontrolltiere binnen 3 Tagen typisch krank machte 
einer Reihe von Ferkeln in die Muskulatur des einen Hinterschenkela 
eingespritzt und in die Muskulatur des anderen Hinterschenkels steigende 
Dosen des Serums. Widerstehen von den so geprüften Ferkeln die- 
jenigen, welche 0,3 ccm Serum pro Kilo erhalten haben, der Infektion^ 
so genügt nach den von der Kommission gemachten praktischen Er- 
fahrungen das Serum für die Bedürfnisse der Praxis. 

Es ist sehr bemerkenswert, daß der Wert des Serums sich so genau 
pro Kilo Ferkel ermitteln läßt, wiewohl doch die Prüfung mittels- 
lebender, vermehrungsfähiger Erreger vorgenommen wird und eine 
individuelle verschiedene Empfänglichkeit der Tiere nicht von der Hand 
zu weisen ist. Eine Vorbedingung muß indessen dabei erfüllt sein: 
die für die Prüfung zu verwendenden Ferkel müssen ganz gesund und 
kräftig sein und dürfen nicht an einer chronischen Krankheit leiden 
oder eine solche überstanden haben, und zwar aus folgendem Grunde» 
Das eingepritzte Serum muß erst durch das Prüfungstier aktiviert 
werden. Ist dasselbe irgendwie krank oder krank gewesen, so wird e» 
nicht imstande sein, das Serum mit gleicher Energie zu aktivieren wie 
ein gleichalteriges, gleichgroßes, stets gesund gewesenes Tier. Roux 



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Paul, Dauerpräparate von auf festen Nährboden gezüchteten Bakterienkulturen. 25 

hat darauf hingewiesen, daß die gleiche Dosis Diphtheriegift bei ge- 
sunden Meerschweinchen, welche aber zu anderen Versuchen gedient 
hatten, zu seiner Unschädlichmachung eine größere Menge Serum be- 
anspruchte als bei gesunden frischen ungebrauchten Tieren. Dieses 
Moment ist auch bei der Prüfung des Schutzserums gegen Maul- und 
Klauenseuche wohl zu berücksichtigen. 

Das von den Höchster Farbwerken zur Prüfung ge- 
stellte Serum hat die verlangte Wirksamkeit gezeigt. 
Dasselbe kann daher für den praktischen Gebrauch zur 
Ausgabe gelangen. 



Nachdrttck verboten* 

Ein YerfahreD, Dauerpräparate von Bakterienkulturen 
herzustelleD, die auf festen Nährböden in Fetri'schen Schalen 

gezüchtet worden. 

Von Dr. Theodor Paul, a. o. Prof. a. d. Universität Tübingen. 

Mit 3 Figuren. 

Bei bakteriologischen Untersuchungen und besonders für Demon- 
strationszwecke ist es oft sehr wünschenswert, Bakterienkulturen dauernd 
aufzubewahren. Wie zuerst Häuser^) angegeben hat, lassen sich 
Kulturen aller Art auf jeder Stufe ihrer Entwickelung mittels wässeriger 
Formaldehydlösung (Formaldehydum solutum des Deutschen Arznei- 
buches) jahrelang konservieren, ohne in ihrem Aussehen zu leiden, doch 
ist es unbedingt notwendig, die Objekte vor dem Eintrocknen 
zu schützen. Andernfalls schrumpfen die Nährböden zusammen, werden 
mehr oder weniger undurchsichtig und lassen die Kolonieen nicht deut- 
lich erkennen. So lange es sich um Reagensröhrchen handelt, läßt sich 
das Verdunsten des Wassers vollkommen sicher durch Zuschmelzen ^), 
aber auch schon für Jahre ausreichend durch Anbringung eines Paraffin- 
verschlusses nach Czaplewski verhindern. Hat man jedoch die 
Kulturen in den jetzt vielfach gebräuchlichen sogenannten Pe tri 'sehen 
Schalen angelegt, so läßt sich das Eintrocknen nach den bisher in An- 
wendung gebrachten Methoden auf die Dauer nur ungenügend vermeiden. 
Eines der verbreitetsten Verfahren besteht darin, den Raum zwischen 
den senkrechten Wänden der Schale und des Deckels mit geschmolzenem 
Paraffin auszugießen. Leider hat aber das Paraffin die unangenehme 
Eigenschaft, sich beim Erstarren ziemlich beträchtlich zusammenzuziehen, 
wodurch es leicht zu Rissen zwischen ihm und den Glaswandungen 
kommt. Diese kann man zwar nachträglich durch sanftes Erwärmen 
oder erneutes Zufügen von verflüssigtem Paraffin beseitigen, doch bilden 
sie sich nach einiger Zeit von neuem, da Glas und Paraffin sehr ver- 
schiedene Wärmeausdehnungskoefficienten haben. Auch eine andere 
Methode, welche von Th. Paul und 0. Sarwey^) zur Demonstration 
ihrer Experimentaluntersuchungen über Händedesinfektion angewendet 
wurde, erwies sich auf die Dauer als ungenügend. Nach dieser wurden 



1) Vrgl. Heim, L., Lehrbuch der Bakteriologie. 2. Aufl. Stuttgart 1898. p. 122. 

2) Kräl, Franz, Weitere Vorschläge und Anleitungen zur Anlegung von bakterio- 
logischen Museen. (Zeitschrift f. Hygiene. Bd. V. 1889. p. 497.) 

3) Vgl. MOnch. med. Wochenschrift 1899. No. 49. 



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26 



Theodor Paul, 



die Schalen nach Einwirkung des Formaldehyds zn übersichtlichen 
Tableaux angeordnet mit sogenanntem Marineleim auf große rechteckige 
Glasscheiben aufgekittet; aber schon nach einem halben Jahre war auch 
der glycerinhaltige Agarnährboden so weit eingetrocknet, daß sich die 
Kolonieen nur undeutlioh erkennen ließen, und nach ungefähr einem 
Jahre waren die Kulturen für Demonstrationszwecke unbrauchbar. 

Diese Mißerfolge veranlaßten mich, ein neues Verfahren auszuarbeiten, 
welches diese Uebelstände beseitigt. Vor allem kam es darauf an, einen 
vollkommen hermetisch schließenden Kitt zu finden, welcher sich vom 

Glas mit der Zeit nicht loslöst und für 
Wasserdampf undurchlässig ist. Als 
brauchbar erwies sich hierzu nicht zu 
spröder Siegellack, mit dem die vorher 
erhitzten Glasflächen verbunden wer- 
den. Zum Abschluß der offenen Schale 
wird nicht deren Deckel, sondern eine 
kreisrunde Glasplatte (Fig. 1) benutzt, 
deren Durchmesser ca. 3 cm größer ist, 
wie derjenige der Schale. In diese Glas- 
platte ist eine kreisrunde Rinne von ca. 
7 mm Breite und 3 mm Tiefe so ein- 
geschliffen oder zweckmäßiger mit dem 
Sandstrahlgebläse eingegraben, daß deren 
Wandungen möglichst steil sind. Die 
Breite der Rinne ist so gewählt, daß die 
Schalen trotz der bei der Fabrikation 
unvermeidlichen kleinen Abweichungen 
bequem hineinpassen. Die matte Ober- 
fläche der Rinne bedingt ein außerordent- 
lich zähes Festhalten des heiß darauf 
gebrachten Siegellacks. 

Die Kulturen in den Schalen werden 
in der Weise vorbereitet, daß man zwi- 
schen den Deckel der Schale und diese 
selbst eine kreisrunde Filtrierpapier- 
scheibe legt, welche mit so viel fri- 
schem und unzersetztem Formalin benetzt wird, als sie aufzu- 
saugen vermag, und hierauf die Schalen in einen Blechkasten mit gut 
schließendem Deckel bringt, in dem sich eine offene flache Schale mit 
Formalin befindet. Nach einigen Tagen sind nicht nur die Kulturen 
vollkommen abgetötet, sondern auch der Nährboden so gehärtet, daß er 
bei jeder Lage der Platte seine Form beibehält. Die Befestigung der 
Schalen auf den oben beschriebenen mit einer Rinne versehenen Glas- 
platten geschieht in folgender Weise. 

Man pulvert in einem Mörser oder in einer Forzellanreibschale 
den Siegellack — am besten eignet sich der sogenannte weiße Siegel- 
lack des Handels — , wobei Sorge zu tragen ist, daß Mörser und Siegel- 
lack einige Stunden vorher in einem kühlen Räume (Eisschrank) auf- 
bewahrt wurden, weil dann das Pulverisieren am leichtesten von statten 
geht. Mit dem Pulver füllt man die Rinne der sehr sorgflLltig ge- 
reinigten Glasplatte möglichst vollständig und erhitzt sodann die Platte 
im Heißluftsterilisator, bis der Siegellack in Fluß kommt Um ein 
Springen der Glasplatte zu verhindern, legt man sie auf eine Unter- 




Fig. 1. Glasplatte mit 
Rinne zum Yerscnließen der 
Petri' sehen Schalen. (Der obere 
Teil der Figur zeigt die horizontal 
liegende Platte mit der darauf sitzen- 
den Schale im senkrechten Durch- 
schnitt Das am Rande angebrachte 
Loch dient zum Aufhängen des 
Dauerpräparates auf einem Glas- 
tableau.) 



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Danerpr&parate von auf festen Nährböden gezüchteten Bakterienkultnren. 27 

läge aus einem die Wärme schlecht leitenden Material (Asbestpappe 
oder mehrfach zusammengelegtes Asbestpapier). Unterdessen setzt man 
eine Schale mit der mit Formalin behandelten Kultur mit der offenen 
Seite nach unten auf ein Eisenblech, welches durch einen kräftigen 
Bunsenbrenner in ganz dunkler Rotglut erhalten wird, und läßt den 
Band der Schale so heiß werden — in der Regel genügt hierzu eine 
Erhitzungsdauer von ungefähr 20 Sekunden — , daß der Siegellack, mit 
dem man unter sanftem Drücken einige Male darüber hinwegstreicht, 
schmilzt und einen dünnen Ueberzug bildet. Hierauf wird die Schale 
sofort in die mit geschmolzenem Siegellack zum größeren Teile 
erfüllte Rinne der Glasplatte unter drehender Bewegung eingedrückt, 
so daß sich der Lacküberzug des Schalenrandes mit dem Inhalt 
der Rinne möglichst innig vereinigt. Nach dem Erkalten sind 
Schale und Deckel sehr haltbar und vollkommen luftdicht miteinander 
verbunden. Die ganze Manipulation beansprucht nur wenige Minuten 
und kann von Jedermann leicht ausgeführt werden. Die Glasplatten 
werden von der Apparatenhandlung F. 0. R. Götze in Leipzig, 
Härtelstraße 4, welche sich deren Herstellung gesetzlich schützen ließ, 
in tadelloser Qualität geliefert Sie können in der oben beschriebenen 
Weise erhitzt werden, ohne Schaden zu leiden und auch die Pe tri 'sehen 
Schalen halten das schnelle Erhitzen, welches natürlich nicht mehr als 
notwendig ausgedehnt werden darf, sehr gut aus. Um ein unnötiges 
Erwärmen des Nährbodens, welches zu einer Verletzung der Kulturen 
Anlaß geben könnte, zu vermeiden, kann man eine kreisförmige Scheibe 
aus Asbestpappe, deren Durchmesser etwas kleiner als derjenige der 
Schale ist, auf das heiße Blech legen und die Schale darüber decken, 
so daß der Schaleninhalt vor der strahlenden Wärme geschützt wird. Es 
empfiehlt sich, mehrere solcher Scheiben vorrätig zu halten, weil sich 
auch der Asbest mit der Zeit stark erwärmt und ein Wechseln derselben 
aus diesem Grunde wünschenswert ist. Soll eine größere Anzahl von Dauer- ' 
platten angefertigt werden, ist es zweckmäßig, ein kleines Gasöfchen zu 
benutzen, dessen Konstruktion aus Fig. 2 ohne weiteres ersichtlich ist. 
Durch den Ringbrenner wird ein flacher Metallring erhitzt, auf den die 
Schalen mit der Oeffnung nach unten gesetzt werden. Die strahlende Wärme 
wird sehr wirksam 
durch einen oben 
offenen und unten 

geschlossenen 
Blechmantel abge- 
halten, der an der 
Innenseite des Rin- 
ges befestigt ist 
nnd bis auf die 
eiserne Bodenplatte 
herabreicht. Um 
ein seitliches Ueber- 
schlagen der Flam- 
men zu vermeiden, 
ist am äußeren 

Rande des Ringes 

Ain iintAi* Ainam Fig. 2. Gasöfchen zum Erhitzen des oberen 

«m, unier einem Randes der Petri'schen Schalen. (In der Figur ist 

TVmKel von 40 q^j^q ^uf dem Metallring mit der Oeffnung nach unten liegende 

stehendesjinnenmit Schale abgebildet) 



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28 Paul, Dauerpräparate von auf festen Nährböden gezüchteten Bakterienkulturen. 

Asbestpappe ausgekleidetes Schutzblech angebracht. {Mit Hilfe elnes^ 
solchen Oefchens können in einer Stunde 20—25 Dauerplatten angefertigt 
werden. 

Wie schon J. Soyka^) bei seinen Versuchen, Dauerpräparate von 
Reinkulturen auf festen Nährböden herzustellen, bemerkte, tritt bei 
den fertigen Präparaten insofern zuweilen ein kleiner Uebelstand auf^ 




Fig. 3. Tableau aus Glas zur Demonstration der eine Versuchs- 
reihe darstellenden Dauerplatten. (Der durch die Glasscheibe sichtbare Teil 
des zum Aufstellen dienenden Halters ist punktiert gezeichnet.) 

daß sich Wasser in Form kleiner Tröpfchen auf der Glasplatte niederschlägt 
und deren Durchsichtigkeit beeinträchtigt. Dieser Uebelstand läßt sich aber 
dadurch beseitigen, daß man die Schalen mit den durch Formalin ge- 
härteten Kulturen mit der Oeifnung nach unten 1 — 2 Tage in einem 
geheizten Zimmer auf mehrfach übereinander gelegte Bogen Filtrierpapier 
stellt, wodurch die überschüssige Feuchtigkeit rasch verdunstet. Da sich 



1) Centralblatt f. Bakteriologie und Parasitenkunde. Bd. I. 1887. p. 542. 



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Bizzozero, Ueber die Reinigung des Trinkwassers durch das Abkochen. 29 

die Nährböden hierbei verschieden verhalten, werden am besten einige 
Versuche angestellt. Bevor man die Schalen verschließt, giebt man 
noch einen Tropfen Formalin in dieselben. Sollte sich trotzdem einmal 
Kondenswasser an der Deckplatte niedergeschlagen haben, läßt sich das- 
selbe dnrch sanftes Erwärmen mittels einer aufgelegten Glas- oder 
Metallplatte (J. Soyka) leicht vertreiben. 

Die auf diese Weise hergestellten Dauerplatten haben ein sehr ge- 
fälliges Aussehen und können, so weit dies die Dicke der Schale bez. die 
des Nährbodens gestattet, mikroskopisch untersucht werden. Sie eignen 
sich besonders zur Demonstration von Versuchsreihen, zu welchem Zwecke 
eine Anzahl derselben tableauartig auf einer Glasscheibe von entsprechen- 
der Größe befestigt werden, wie dies in Fig. 3 abgebildet ist. Diese 
Glasscheibe wird mit vernickeltem Messingblech eingefaßt und mit 
einigen Querleisten versehen, an welchen Dauerpräparate mittels kleiner 
Stifte befestigt werden. Mit Hilfe eines verstellbaren Halters können 
diese Tableaux wie Photographierahmen aufgestellt werden. Die Deckel- 
platte jeder Schale trägt am Rande eine mit Nummer und kurzer Notiz 
versehene Etikette, während die den Versuch betreffenden Erläuterungen 
auf die Glasscheibe aufgeklebt sind. Diese Vorrichtung bietet noch den 
Vorteil, daß jede Schale bequem abgenommen und herumgereicht werden 
kann, was besonders für den Unterricht und Demonstrationen vor einem 
größeren Kreise von Zuhörern sehr zweckmäßig ist Die Dauerplatten 
halten sich am besten, wenn sie möglichst kühl aufbewahrt werden. 

Das zur Erhitzung des oberen Randes der Fe tri 'sehen Schalen 
dienende Gasöfchen, wie auch die zuletzt erwähnten Tableaux können 
in jeder gewünschten Größe ebenfalls von der obengenannten Firma 
bezogen werden. 

Die zur Ausarbeitung des vorstehenden Verfahrens erforderlichen 
Versuche wurden im bakteriologischen Laboratorium der Universitäts- 
frauenklinik zu Tübingen ausgeführt, und spreche ich dem Vorstande 
derselben, Herrn Prof. Dr. D öd er lein, für die Gewährung der Mittel 
meinen verbindlichsten Dank aus. 



Nachdruck verboten, 

üeber die Reinigung des Trinkwassers duroh das Abkochen« 

Von Prof. G. Bizzozero in Turin. 

Seitdem erkannt wurde, daß Wasser, welches in bakteriologischem 
Sinne nicht rein ist, für die Gesundheit höchst gefährlich werden kann, 
hat es nicht an Versuchen gefehlt, Methoden zu finden, durch welche 
leicht und sicher die im Wasser eventuell enthaltenen pathogenen Keime 
entweder entfernt oder getötet werden könnten. 

Da ich hier nur diejenigen Methoden in Erwägung zu ziehen be- 
absichtige, welche die verhältnismäßig kleine Menge von Wasser liefern, 
die für Familien, Kasernen, Kollegien, Hotels u. s. w. nötig ist, so 
haben wir es hier nur mit den drei folgenden zu thun, welche am 
meisten empfohlen wurden: Filtration durch besonderen Filter (z. B. 
Chamberland- und Berkefeld- Kerzen), Behandlung mit Chemi- 
kalien und Abkochung. 

Jede dieser Methoden kann keimfreies Wasser liefern. Welche von 
ihnen kann aber als die beste angesehen werden? Die Meinungen 



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30 ^' BizzozerOy 

gehen hierüber auseinander, und jede dieser Methoden hat für sich 
warme Verteidiger. So wird z. B. allgemein angenommen, daß 5 — 10 
Minuten langes Abkochen das einfachste und sicherste Reinigungsmittel 
ist, es wird aber andererseits auch behauptet, daß die durch Kochen 
hervorgebrachten Vorteile nicht wenig an Bedeutung einbüßen, wenn 
man die zahlreichen Uebelstände in Betracht zieht, welche jene Methode 
begleiten und daß sie daher nicht so empfehlenswert sei, wie die Fil- 
tration oder die chemische Reinigung. 

Vor einigen Jahren habe ich mich experimentell mit dieser Frage 
beschäftigt. Indem ich die drei Methoden untereinander verglich, kam 
ich zu dem Schlüsse, daß das Abkochen des Wassers nicht nur die ein- 
fachste und sicherste Reinigungsmethode ist, sondern daß sie auch 
keinen der Uebelstände darbietet, die ihr allgemein zugeschrieben werden. 
Diese Versuche wurden in einem Büchlein in italienischer Sprache ver- 
öffentlicht^) und im Auszuge in einem in der Wien. med. Presse er- 
schienenen Artikel (1897) mitgeteilt 

Da aber in den neuesten Publikationen ') gegen den Genuß des 
abgekochten Wassers der alte Einwurf wiederholt wird, daß dem Wasser 
durch die Abkochung ein unangenehmer Geschmack verliehen wird, ein 
Einwurf, den ich in den vorerwähnten Veröffentlichungen als grundlos 
zurückgewiesen habe, so muß ich annehmen, daß die Ergebnisse meiner 
Versuche auch den Fachmännern unbekannt geblieben sind. Ich halte 
es deswegen für angezeigt, die Schlußfolgerungen meiner durch neue 
Experimente bestätigten Versuche in einer so verbreiteten Zeitschrift 
wie das Centralblatt für Bakteriologie nochmals zu veröffentlichen und 
hoffe, so zur Verbreitung einer Methode beitragen zu können, die als 
Hausmethode meiner Meinung nach den beiden anderen weit über- 
legen ist. 

So viel ich weiß, sind die Vorwürfe, welche man gegen das abge- 
kochte Wasser erhebt, folgende: 1) das Wasser verliert durch das 
Kochen die Luft, die es naturgemäß enthält und wird dadurch weniger 
verdaulich; 2) durch das Kochen verliert das Wasser die freie Kohlen- 
säure, welche ihm einen frischen und pikanten Geschmack verleiht; 
3) durch das Abkochen geht das Wasser des kohlensauren Kalkes ver- 
lustig, der für die Erhaltung unseres Organismus notwendig ist; 4) das 
Kochen verleiht dem Wasser einen spezifisch-unangenehmen Geschmack ; 
5) das Kochen ist ein kostspieliges Verfahren. 

Gegen diese Vorwürfe kann ich erwidern: 

1) Vor allem könnte man fragen: Ist es wirklich für die Funktion 
des Magens nötig, daß das Wasser Luft enthält? Ist nicht vielmehr 
für das Individuum jene Luftmenge genügend, welche normalerweise 
durch den Schluckakt in den Magen gebracht wird? 

Wir wollen uns nicht weiter bei dieser Frage aufhalten und zu- 
geben, daß es nützlich sei, daß das Trinkwasser Luft enthält. Glaubt 
man aber, daß dieser Umstand allein genügt, um den Gebrauch des ge- 
kochten Wassers zu verurteilen? Sicherlich nicht, denn man weiß, daß 



1) La depurazione dell'acqua e i pregiudizi contro Tacqua bollita, Milano (Francesco 
Vallardi). 100 pp. 

2) Blücher, H., Das Wasser. Leipzig (Wigand) 1900. p. 347 u.351. — Rubner, M., 
Lehrbuch der Hygiene. Leipzig und Wien. 1899. p. 341. — Brestowski, A., Hygiene 
und gerichtliche Medizin. Wien und Leipzig (Prochaska) 1899. p. 1022. — Arnould, 
Nouveaux ölöments d'hygiöne. Paris 1900. p. 118. — Ghiraud, Manuel pratique 
d'hygi^ne. Paris (Steinheil) 1899. p. 422. 



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üeber die Reinigung des Trinkwassers durch das Abkochen. 31 

man die verloren gegangene Luft leicht ersetzen kann. Darüber sind 
alle einig. 

Gleichwohl hielt ich es nicht für unnötig, in dieser Beziehung Unter- 
snchungen anzustellen, um zu bestimmen, mit welcher Geschwindigkeit 
und mit welchem Verfahren man am besten in das Wasser jene Luft 
wieder einführen kann, welche es durch das Aufkochen verloren hat 
Hierbei habe ich gefunden, daß man diesen Zweck erreichen kann, 
wenn man entweder das Wasser in einem Recipienten hält, so daß es 
mit einer möglichst großen Oberfläche mit der Luft 24 Stunden lang 
in Berührung bleibt, oder indem man das Wasser in Kontakt mit der 
Luft lebhaft schüttelt So habe ich z. B. einen Versuch gemacht, bei 
welchem 10 Minuten lang ausgekochtes Wasser auf drei Arten behandelt 
wurde: 1) Man ließ das Wasser (welches ursprünglich ungefähr 16 ccm 
Luft pro Liter enthielt) in einem Glasgefäße mit breiter Oeffnung und 
mit einer Glasscheibe bedeckt 23 Stunden lang stehen. 2) Man ließ 
das Wasser 23 Stunden lang stehen und schüttelte es dann heftig während 
2 Minuten. 3) Man kühlte das Wasser sofort nach der Abkochung ab, 
indem man es '/4 Stunden hindurch in frischem Wasser hielt und von 
Zeit zu Zeit heftig schüttelte. Die Analyse zeigte, daß die wieder 
gewonnene Luft im ersten Falle 11,36 ccm, im zweiten Falle 14,66 ccm 
und im dritten Falle 15,30 ccm pro Liter betrug. Man sieht demnach, 
daß von Zeit zu Zeit geschütteltes Wasser in weniger als einer Stunde 
jenes Quantum von Luft wieder erlangt, welches es durch das Kochen 
verloren hatte. 

2) Daß die Kohlensäure ihre Anwesenheit im Wasser durch einen 
angenehmen und pikanten Geschmack verrät, ist eine hinlänglich be- 
kannte Thatsache, aber man hat noch kein Recht, anzunehmen, daß das 
gewöhnliche Trinkwasser seinen erfrischenden Geschmack der Kohlen- 
säure verdankt, denn das Quantum von Kohlensäure, welches es ent- 
halt, ist viel geringer, als dasjenige, welches notwendig wäre, um eine 
Geschmackssensation zu erzeugen. Ich habe nach dieser Richtung hin 
Untersuchungen angestellt, indem ich mehreren Proben eines und des- 
selben Wassers wechselnde Mengen von Selterswasser zusetzte. Das 
Resultat meiner Untersuchungen kann in wenigen Worten zusammen- 
gefaßt werden: Man bemerkte den pikanten Geschmack der Kohlen- 
säure nicht, wenn das Wasser 45 ccm pro Liter enthielt Das Urteil 
war noch immer sehr unsicher, wenn 51 ccm darin enthalten waren, 
und nur bei großer Aufmerksamkeit bemerkte man den pikanten Ge- 
schmack, wenn die Menge der Kohlensäure 55 ccm im Liter erreichte. — 
In dem gewöhnlichen Trinkwasser finden wir nun niemals eine so große 
Menge von Kohlensäure; in der großen Mehrzahl der Fälle sind nur 
einige Kubikcentimeter darin enthalten. Das Wasser der Turiner Wasser- 
leitung, das nur 1—2 ccm Kohlensäure im Liter enthält, ist gleichwohl 
sehr schmackhaft, wenn es nur frisch ist. 

3) Es ist wahr, daß durch das Kochen viel kohlensaurer Kalk zu 
Boden fällt und verloren geht; aber das kann unserem Organismus 
nicht schaden; ja es kann ihm manchmal nützlich sein. Es kann ihm 
nicht schaden, weil der Kalk, der für den wachsenden, als auch für den 
erwachsenen Menschen notwendig ist leicht durch die Nahrung allein 
(Brod, Milch u. s. w.), ohne Beihilfe des Trinkwassers geliefert werden 
kann, und weil außerdem im abgekochten Wasser immer noch ein nicht 
unbeträchtliches Quantum kohlensauren Kalkes in Lösung bleibt; es 
kann dem Organismus manchmal von Nutzen sein, weil, wenn das Wasser 



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32 Cr» Bizzozero, 

an Kalk zu reich ist, es durch das Kochen weicher und vom Magen 
besser vertragen wird. 

4) Das Kochen ist kein kostspieliges Verfahren. Die Kosten für 
das Abkochen von 1 Liter Wasser mittels Gas belaufen sich auf 
1—2 Centimes, mittels Buchenkohle auf 1 Centime. Nun muß man 
bedenken, daß es nicht notwendig ist, alles Bedarfswasser abzukochen. 
Man kann hiervon jene Wassermenge ausschließen, die man zum Waschen 
der Hände, des Gesichtes und des Körpers braucht, was gewiß nicht 
die kleinere Menge ist. Unbedingt rein muß aber jenes Wasser sein, 
dessen man sich zum Trinken, zur Reinigung der Zähne und des Mundes 
bedient. Hierfür genügt aber eine tägliche Menge von 1 — 2 Liter pro 
Person. Eine kleine Familie von 5 Personen kann sonach die Kosten 
seines täglichen Bedarfs an abgekochtem Wasser mit ungefähr 5 bis 
8 Centimes decken. Wenn man bedenkt, wieviel Geld die Arbeiter für 
Wein, Bier, Liqueurs und andere Getränke, die wahrlich mehr schaden als 
nützen, ausgeben, wird man die Summe von 5-8 Centimes, die der Arbeiter 
täglich für seine Gesundheit ausgiebt, und zwar zur Abwehr der Gefahr, 
welche unreines Wasser mit sich bringen kann, nicht zu hoch finden. 

Wenn die Abkochung im großen erfolgt, wie z. B. für Schulen, 
Spitäler, Kasernen, Gefängnisse etc., so werden die an sich geringen 
Kosten noch viel geringer, so daß sie fast zu vernachlässigen sind, weil 
man sich gewisser, in neuester Zeit in den Handel gebrachter Apparate 
(Apparat von W. von Siemens u. A.) bedienen kann, deren Vorteil 
darin liegt, daß das schon abgekochte Wasser, bevor es noch den 
Apparat verläßt, einen Teil seiner Wärme an das kalte Wasser abgiebt, 
welches eben zur Abkochung eingeführt wird. Man gewinnt dadurch 
einen doppelten Vorteil: Das eintretende Wasser erwärmt sich bis zu 
einer Temperatur, die 80—85^ erreichen kann, und es wird damit von 
vornherein Feuermaterial erspart ; und sodann kühlt sich das abgekochte 
Wasser bei seinem Austritte wiederum rasch ab, so daß nur wenig Zeit 
erforderlich ist, um es auf jenen Grad herabzubringen, bei welchem es 
den Geschmack der Frische erhält. Mit diesen Apparaten würden sich 
die Kosten der Abkochung von 100 Liter Wasser, welche Menge ungefähr 
dem täglichen Bedarf von ca. 50 Personen entspricht, auf nicht mehr 
als 10—12 Centimes stellen. 

5) Der wichtigste Vorwurf, welcher dem Gebrauche des abgekochten 
Wassers gemacht wird, ist der des unangenehmen Geschmacks, der dem- 
selben durch das Abkochen verliehen wird. Hierin steht das Urteil des 
Volkes in Uebereinstimmung mit dem der Wissenschaft, wie es sowohl 
bei alten, als auch bei neueren Schriftstellern zum Ausdruck gelangt. 

Gleichwohl wage ich es aber, diesem Urteile entgegenzutreten. 
Ich stütze mich hierbei nicht auf die Autorität von Schriftstellern, 
sondern auf die einfache Erfahrung. Es ist richtig, daß das ohne die 
nötigen Vorsichtsmaßregeln abgekochte und später abgekühlte Wasser 
einen unangenehmen Geschmack hat; aber es ist ebenso gewiß, daß 
Wasser, welches unter den nötigen Kautelen abgekocht 
und dann in entsprechender Weise abgekühlt wird, 
keinerlei unangenehmen Geschmack besitzt. Auf diese 
Weise richtig behandeltes Wasser kann man nicht einmal von dem der 
Wasserleitung frisch entnommenen unterscheiden. 

Bei meinen Versuchen ging ich auf folgende Weise vor: Es wurden 
zwei Proben frischen Wassers genommen. Von diesen wurde die eine 
so aufbewahrt, wie sie war, die andere wurde, nachdem sie 10 Minuten 
lang in einem Glasgefäß abgekocht worden war, entweder rasch in Eis- 



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üeber die Beinigung des Trinkwassers durch das Abkochen. 33 

Wasser unter zeitweisem Schütteln abgekühlt, oder sie wurde langsam 
abgekühlt und mit der anderen, nicht abgekochten in einem nicht be- 
wohnten und gut ventilierten Räume aufbewahrt. 

Im Momente des Probierens wurden beide Proben auf die gleiche 
Temperatur gebracht. Zunächst wurden die Proben bei einer Temperatur 
von 11 — 12^ C gekostet, um ihnen den Charakter der angenehmen 
Frische zu geben. Sodann wurde das Probieren bei einer höheren 
Temperatur an 16- 18^ C wiederholt, weil, wie man weiß, die Modi- 
fikationen des Geschmackes bei dieser Temperatur noch merkbarer sind. 

Das Wasser wurde zum Kosten in Gläsern von derselben Form 
nnd Größe dargereicht. Die Versuchsperson durfte mehrere Stunden 
vor dem Versuche weder gegessen noch getrunken, noch auch geraucht 
haben. Sie wurde in den betreffenden Raum geführt und angewiesen, 
die Augen bis zur Abgabe des Urteiles geschlossen zu halten. Ge- 
wöhnlich wurden nur 2 Gläser verabreicht, von denen das eine mit 
gekochtem, das andere mit nicht gekochtem Wasser gefüllt war. 

Bei solchen Vorsichtsmaßregeln habe ich eine große Anzahl von 
Versuchen sowohl mit mehreren Personen, als mit mehreren Wasserarten 
unternommen. So mit dem Wasser der Brunnen von Turin, Mailand, 
Tortona, Vercelli, Varese, mit dem Wasser der Leitungen von Mailand 
und Turin etc. Das Resultat der Versuche war immer das gleiche. 
Niemand war imstande, mit Sicherheit das abgekochte Wasser von dem 
nicht abgekochten zu unterscheiden, d. h. in keinem Falle ließ das abge- 
kochte Wasser jenen unangenehmen Geschmack erkennen, durch welchen 
es von dem der Quelle frisch entnommenen unterschieden sein soll. 

Wie läßt sich nun aber die allgemeine Meinung erklären, welche 
dem abgekochten Wasser einen unangenehmen Geschmack beimißt? 

Das Wasser kann beim Abkochen in der That einen unangenehmen 
Geschmack erhalten, aber dies ist nicht von der Abkochung an sich 
abhängig, sondern vielmehr von den Bedingungen, unter welchen die- 
selbe vor sich geht Die Bedingungen liegen in Folgendem : 1) In der 
Art der Abkochung. Bei meinen Versuchen bediente ich mich zum 
Kochen der Gasflamme, mit welcher ich, wie man sieht, gute Resultate 
erzielt habe. Man erhält ebenso ein gutes Resultat, wenn man sich der 
Holzkohle bedient. Wenn man aber Holzfeuer anwendet, so nimmt das 
Wasser einen ausgesprochen unangenehmen rauchigen Geschmack an. 
— 2) In der Beschalfenheit des Gefäßes, in welchem das Wasser ab- 
gekocht wird. Gewöhnlich bediente ich mich gläserner Gefäße; oft 
konnte ich mich aber auch überzeugen, daß das Wasser seine Güte 
anverändert beibehält, wenn die Abkochung in Porzellan- oder emaillierten 
Eisengefäßen vor sich geht. Gleichfalls gute Resultate erzielte ich bei 
Benutzung von verzinnten Kupfergeschirren. In diesem Falle kam es 
aber vor, daß Personen mit einem besonders feinen Geschmack einen 
leichten metallischen Beigeschmack bemerkten. Gänzlich zu verwerfen 
sind Gefäße, die aus gewöhnlichem Thon hergestellt sind. In diesen 
nimmt das Wasser einen sehr unangenehmen, erdigen Geschmack an. - 
Die für die Abkochung dienenden Gefäße sollen neu, oder auf das 
sorgfältigste gewaschen sein. — 3) In der Beschaifenheit der Luft der 
Eäüme, in welchen das Wasser abgekocht, abgekühlt und aufbewahrt 
wird. Die Luft soll ganz rein sein,* weil das Wasser bekanntlich mit 
größter Leichtigkeit den Geschmack von der Luft beigemengten flüchtigen 
Substanzen annimmt. 



Ente Abt. XXIX. bd. 3 

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34 Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen Instituten etc. 

Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen 
Instituten, Laboratorien etc. 

Naehäraeh vefboten, 

Aas dem hygienischen Laboratorlnm des KQnigL Wttrtt. Medizinal- 

kolleginms. 

Klett, A., Die Sporenbildung des Milzbrandes bei Anaero- 
biose*). 

Wie aus früheren Arbeiten ersichtlich, haben Scheurlen und 
Klett sich seit geraumer Zeit mit der Frage beschäftigt, ob es mGglich 
ist, eine Methode zu finden, um ebenso sicher wie im Tierkörper sporen- 
losen YoUvirulenten Milzbrand bei möglichst reichlichem Wachstum auf 
künstlichen Nährböden zu erzielen. Die Versuche mit der selenigen 
Säure hatten zu keinem Resultat geführt; es schien nun die anaßrobe 
Züchtung allein, bei welcher nach den Angaben in der Litteratur eine 
Sporenbildung nicht zu erwarten war, noch eine gewisse Aussicht auf 
Erfolg zu gewähren. 

Als bequemste und handlichste Form der anaöroben Züchtung 
wandte E. zunächst die in Bu ebner 'sehen Röhren an, wobei der in 
denselben enthaltene Sauerstoff durch eine Lösung von 1 g Pyrogallus- 
säure in 10 ccm heißer 10-proz. Kalilauge absorbiert wurde. Zum 
Impfen der Röhrchen wurde stets entweder das Herzblut oder der MUz- 
saft einer frisch an Milzbrand zu Grunde gegangenen Maus benutzt, so 
daß das zur Kultur verwendete Ausgangsmaterial mit Sicherheit sporen- 
frei war. Die Außerachtlassung dieser Vorsichtsmaßregel mag früher 
infolge des beweisbaren Hinüberschleppens nicht keimender Sporen in 
die folgenden Kulturen zu manchen abweichenden Resultaten Veranlas- 
sung gegeben haben. 

Wurden nun schräg erstarrte und mit Herzblut geimpfte Agarröhr- 
chen in Bu ebner 'sehe Röhren gebracht und nach 2-tägigem Verweilen 
im Brütschrank untersucht, so zeigte sich stets eine sehr reichliche Ent- 
wiekelung der Kultur, in der sich trotz des anagroben Wachs- 
tums massenhaft Sporen gebildet hatten. 

Der Nachweis der Sporen wurde hier wie in allen späteren Ver- 
suchen nicht allein durch das mikroskopische Präparat erbracht, in 
welchem unter Umständen der Befund zweifelhaft sein kann, sondern 
auch durch die biologische Methode, wonach das zu untersuchende Ma- 
terial, in sterilem Wasser aufgeschwemmt, 10 Minuten lang im Wasser- 
bad von 80^ gehalten und dann über Agar ausgegossen wurde; ent- 
wickelten sich dann Milzbrandkolonieen , so verdanken diese ihren 
Ursprung Sporen, da die vegetativen Formen sicher abgetötet sind. 

Da dieser Befund in einem direkten Widerspruch zu den Angaben 
früherer Untersucher stand, so lag zunächst der Gedanke nahe, einen 
Versuchsfehler anzunehmen, der in verschiedenen Richtungen gesucht 
werden konnte. Der Verschluß der Röhren mit dem Gummistopfen 
könnte undicht gewesen sein: also wurden angefeuchtete, mit Paraffin 
überzogene Pfropfen verwendet; die Menge der Pyrogallussäure könnte 
zur vollständigen Absorption des Sauerstoffes nicht genügt haben: also 
wurde sie auf 5—6 g und 30 g warme 10-proz. Kalilauge gesteigert; 
oder der Nährboden selbst könnte hinlänglich Sauerstoff absorbiert 
haben, um dadurch eine Sporenbildung zu ermöglichen : er wurde daher 
unmittelbar vor dem Gebrauch gekocht und dann rasch abgekühlt — 

1) Zeitschr. f. Hygiene u. Infektionskrankh. Bd. XXXV. 1900. p. 420—437. 



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Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen Instituten etc. 35 

stets war das Resultat, daß die Milzbrandkultor ein reichliches Wachs- 
tum und eine reichliche Sporenbildung zeigte. 

Zur Erklärung dieser Thatsache könnte man versucht sein daran 
zu denken, dafi durch die Pyrogallussäure der Sauerstoff entweder über- 
haupt nicht vollständig absorbiert wird oder daß während des länger 
dauernden Versuches durch Diffusion Sauerstoff von neuem eindringt: 
es läßt sich jedoch dieser Gedanke leicht als unrichtig nachweisen ; wenn 
man nach vorsichtigem Oeffnen der RGhre einen brennenden Holzspahn 
hineintaucht, so erlischt er in der Stickstoffatmosphäre, während er in 
derselben Röhre nach dem Ausgießen der Säure ruhig weiter brennt 
Ein etwaiger Einwand, daß die Sporenbildung schon vor sich gehe, ehe 
noch der Sauerstoff von der Pyrogallussäure vollständig absorbiert sei, 
läßt sich dadurch entkräften, daß man nach Beschickung der Buchner- 
schen Röhren dieselben nicht sofort in den Brfitschrank bringt, sondern 
sie vorher 10-~12 Stunden lang im Eisschrank bei 5^ G aufbewahrt, 
wodurch eine Sporenbildung der Milzbrandbacillen ausgeschlossen wird. 

Das Wachstum der in den Bu ebner 'sehen Röhren angelegten 
Milzbrandkulturen war in den meisten Fällen gegenüber den aärob an- 
gelegten Kulturen am ersten und zweiten Tage etwas langsam; vom 
dritten Tage ab aber ließ sich zwischen beiden kein wesentlicher Unter- 
schied mehr feststellen. Von den einzelnen Nährböden — es kamen 
Agar und Bouillon, je einfach und mit reduzierenden Substanzen, wie 
Traubenzucker, Na selenosum und snlfurosum, ferner starres Blutserum 
zur Anwendung — sind die festen dem Wachstum günstiger, als die 
flüssigen. In Bezug auf das Zustandekommen der Sporenbildung jedoch 
läßt sich ein Unterschied nicht erkennen, auch nicht bei den Nährböden 
mit reduzierenden Substanzen. Was den Zeitpunkt des Beginns der 
Sporenbildung betrifft, so erscheint die letztere, wie aus einer Tabelle 
hervorgeht, in den Buchner 'sehen Röhren etwas verlangsamt gegen- 
über der bei aörober Züchtung. 

Es wurde ferner festgestellt, daß selbst bei 3 — 5 Monate lang fort- 
gesetzter Züchtung in Buchner 'sehen Röhren eine Aenderung der 
Milzbrandkultur im Sinne einer Degeneration nicht eintritt: weder 
die Sporenbildung noch die Virulenz des Milzbrandstammes hat eine 
Abschwächung erlitten ; letztere schien im Gegenteil eher durch die fort- 
gesetzte Züchtung in der Stickstoffatmosphäre eine gewisse Zunahme 
zu erfahren. 

Auch auf Platten im Exsiccator, und zwar wiederum mit den 
verschiedenen Nährböden, wurde die Entwickelung der Milzbrandbacillen 
verfolgt: stets konnte die spätere Untersuchung die Bildung von Sporen 
nachweisen. 

Auf Grund dieser zahlreichen Untersuchungsbefunde kann kein 
Zweifel darüber bestehen, daß entgegen der allgemeinen Anschauung 
zum Zustandekommen der Sporenbildung beim Milzbrand 
nicht die Anwesenheit von Sauerstoff erforderlich ist, 
daß dieselbe vielmehr auch unter sogenannten anaeroben 
Verhältnissen in einer Stickstoffatmosphäre regelmäßig 
einzutreten pflegt. 

Als zweite praktisch durchführbare Methode der anaäroben Züch- 
tung wurde die Einleitung von Wasserstoff angewendet, und 
zwar sowohl in der Art, daß nach dem Einleiten desselben in die ge- 
impften Reagensgläschen die letzteren zugeschmolzen wurden, als auch 
mittels der Plattenkultur im Botkin 'sehen Apparat. Bei allen ein- 



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36 Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen Instituten etc. 

wandsfreien Versuchen zeigte sich hier im Gegensatz zu den Ergeb- 
nissen in den Buchner 'scheu Röhren ein verlangsamtes und außer- 
ordentlich schwaches Wachstum: kleine, durchsichtige, isoliert liegende 
Kolonieen, die auch bei wochenlangem Verweilen im Brütschrank nicht 
wesentlich größer werden und zusammenfließen, wie dies bei aerober 
Züchtung und bei Kulturen in Stickstoffatmosphäre stets zu beobachten 
ist. Tritt aber ein stärkeres Wachstum ein, so ist dies ein sicheres 
Zeichen dafür, daß ein Versuchsfehler, z. B. ein kleiner Riß an der 
Spitze des Reagenzglases vorliegt. 

Die Verhältnisse nun, die sich bei Milzbrandzüchtung in einer 
Wasserstoffatmosphäre auf den verschiedenen Nährsubstraten ergeben, 
zeigen 2 Tabellen. Aus diesen geht hervor, daß in der Wasserstoff- 
atmosphäre von den Milzbrandbacillen keine Sporen ge- 
bildet werden und daß bei fortgesetzter Züchtung in Wasserstoff 
auch bei einem reichlich sporenhaltigen Ausgangsmaterial die Kultur je 
nach der Wahl des Nährbodens bald früher bald später ihre Sporen 
verliert, meist in der zweiten oder dritten, keinenfalls in der ersten 
Generation. Das ausschlaggebende Moment in dem verschiedenen Ver- 
halten der einzelnen Nährböden muß nicht in der Zusammensetzung 
(Weil), sondern in der Konsistenz des Nährbodens gesucht werden, und 
zwar indirekt, insofern die Röhrchen mit festen Nährböden durch Um- 
stülpen eine viel vollständigere Verdrängung der Luft durch den leich- 
teren Wasserstoff gestatten als die Röhrchen mit flüssigen Nährböden. 

Eine Angewöhnung an die neuen Lebensbedingungen, ein besseres 
Wachstum und Sporen bildung, ließ sich durch eine 10 Generationen 
lange Fortzüchtung der Kultur nicht erzielen, ohne daß jedoch der 
Stamm die Fähigkeit zur Sporenbildung verloren hätte, wie die aerobe 
Weiterzüchtung zeigte, welche reichliche und voUresistente Sporen sofort 
bei der ersten Kultur entwickelte. Bei fortgesetztem Verweilen ein und 
derselben Kultur im Brütschrank treten etwa vom Beginn der dritten 
Woche ab Involutionsformen ohne Sporen auf; manchmal folgt das Er- 
löschen des Fortpflanzungsvermögens bald nach; die äußerste Grenze der 
Lebensfähigkeit sind anscheinend 8—10 Wochen. 

Es erhebt sich nun die Frage, ob der Wasserstoff für sich allein 
schon eine solche von der Norm abweichende Entwickelung der Milz- 
brandbacillen veranlaßt oder ob hierbei noch andere entwickelungshem- 
mende Einflüsse mit in Betracht kommen. Eine Erschöpfung des Nähr- 
bodens oder Anhäufung von Stoffwechselprodukten kann nicht schuld 
sein ; denn in einem am zehnten Tage geöffneten Röhrchen tritt nachträg- 
lich reichliches Wachstum und Sporenbildung ein. Um Sauerstoffmangel 
kann es sich ebenfalls nicht handeln; das zeigen die Bu ebner 'sehen 
Röhren und noch deutlicher die Thatsache, daß ein 15 Generationen 
hindurch in Stickstoffatmosphäre gezüchteter Milzbrandstamm, der stets 
reichlich Sporen bildete, diese Fähigkeit in der Wasserstoffkultur schon 
bei der zweiten Generation verlor. Es kann also der Grund des 
Unterbleibens der Sporenbildung nur in der wachstums- 
schädigenden Einwirkun g des Wasserstoffes selbst liegen. 

Zum Schlüsse seiner sehr exakten Untersuchungen hat Klett der 
Vollständigkeit halber noch eine Reihe von Plattenkulturen in dem mit 
Wasserstoff gefüllten Botk in 'sehen Apparat angelegt; die Platten 
standen ohne Deckel darin, so daß der Wasserstoff frei auf ihre Ober- 
fläche einwirken konnte, und wurden nach 7-tägigem Verweilen im Brüt- 
schrank untersucht. Die Befunde bestätigten vollkommen die Ergebnisse 
der Versuche in den Reagenzgläsern. 



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Lehrbücher. 37 

Auf GrnDd dieses ganz verschiedenen Verhaltens eines und desselben 
Bacillus je nach der Art seiner anagroben Züchtung erscheint es not- 
wendig, in Zukunft den unbestimmten Ausdruck Anaerobiose durch die 
bestimmte Angabe der Art der Züchtung zu ersetzen, da es sich heraus- 
gestellt hat, daß nicht das Vorhandensein oder Fehlen des Sauerstoffes 
allein maßgebend ist, daß vielmehr von den einzelnen zur Verwendung 
gelangenden Gasarten jede ihren spezifisch verschiedenen Einfluß auf 
die Entwickelung der Bakterien ausübt und daß namentlich der Wasser- 
stoff den Bakterien gegenüber nicht das indifferente Gas ist, für welches 
er bislang noch gehalten wird. Mühlschlegel (Stuttgart). 



Referate. 



Jess, Paul, Kompendium der Bakteriologie und Blutserum- 
therapie für Tierärzte und Studierende. 83 pp. Berlin 
(Richard Schötz) 1901. 

Der Name Jess ist nicht ganz unbekannt in der Bakteriologie. 
Nachdem der Verf. dieses Kompendiums vor einiger Zeit den Staupe- 
bacillus entdeckt hatte und damit zunächst an die Oeffentlichkeit ge- 
treten war, hat er sich späterhin angelegen sein lassen, auf dem Ge- 
biete der Immunisierungsmethoden zu arbeiten. Dabei hat er denn 
unter dem Uebelstande zu leiden gehabt, daß die für seine Zwecke not- 
wendigen Litteraturan gaben zum größten Teile in den periodischen 
Zeitschriften zerstreut, seinen Interessen nutzbar gemacht werden mußten, 
und diesem Bestreben haben wir das vorliegende Werkchen zu ver- 
danken. 

Dasselbe zerfällt in 8 Abschnitte, in denen nacheinander die all- 
gemeine und spezielle Bakteriologie, die diagnostischen Impfungen, die 
Lehre von der Immunität und den Schutzimpfungen und die Blutserum- 
therapie abgehandelt werden. 

In den ersten beiden Kapiteln giebt Verf. eine knappe Zusammen- 
stellung der für die bakteriologische Technik notwendigen Ausführungen 
und angewandten Methoden, nebst einer kurzen Beschreibung der wich- 
tigsten Bakterien, die, nach einem bestimmten Schema zusammengestellt, 
auch die historischen Daten berücksichtigt 

Die diagnostischen Impfungen sind zum ersten Mal in dieser um- 
fassenden übersichtlichen Form zusammengestellt, wobei alle Anwendungs- 
arten der Injektion und Inokulation in präziser Darstellung klargelegt 
werden und nebenher auch auf die zu beobachtenden Vorsichtsmaß- 
regeln Bedacht genommen wird. An dieses Kapitel schließt sich, neben 
Angaben über quantitative Verhältnisse bei der Verimpfung von festem 
und flüssigem Nährmaterial, eine schnell orientierende Tabelle über die, 
den wichtigsten Krankheiten je nach Art der Impfung und des Impf- 
stoffes erliegenden Tiere mit Angaben über die hierfür empirisch be- 
kannt gewordene Zeitdauer. 

In der nächsten Abteilung, der Lehre von der Immunität, gestattet 
die schematische Zusammenstellung gleichfalls eine rasche Orientierung 
über die Arten der Immunität (wobei erläuternde Beispiele angeführt 
werden) und die Immunitätstheorieen, welche in Kürze die bekannten 
Thesen von der Erschöpfungstheorie Pasteur's bis zur jüngsten 
Seitenkettentheorie Ehr lieh's bringen. 



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38 Tuberkulose. 

Auch bei den Schutzimpfungen werden sämtliche bisher bekannten 
Immunisierungsmethoden beschrieben. Ueberall ist die Technik der 
Ausführung kurz und faßlich skizziert und alles Wichtige berück- 
sichtigt. 

Den breitesten Raum nimmt naturgemäß die Blutserumtherapie ein. 
Eingehendes Interesse wird den Schutz- und Heilseris entgegengebracht 
und doch ist auch hier das Bestreben des Verf.'s nicht zu verkennen, 
die gebundene Form zu wahren und, ohne aus dem sich gestellten Rahmen 
herauszutreten, eine klare Uebersichtlichkeit zu bieten. 

Eine schnelle Orientierung auf allen Gebieten der Bakteriologie 
zu ermöglichen, die notwendige Folge davon, das Material auf engem 
Raum einem bequemen üeberblick zugänglich zu machen — das ist der 
Grundgedanke gewesen, der den Verf. geleitet hat, dem wohl auch ver- 
einzelte Flüchtigkeiten zuzuschreiben sind, die aber dem Ganzen durch- 
aus keinen Abbruch thun, und so möge denn das kleine Werkchen sich 
den verdienten Anhängerkreis werben. 

Bevor ich schließe, möchte ich noch eins erwähnen. Das Kom- 
pendium ist zunächst für Tierärzte bestimmt Nicht mit vollem Recht — 
denn die Fülle des Gebotenen, die geschickt gruppierte Uebersichtlich- 
keit und das unbestreitbare Gemeingut der bakteriologischen Hilfsmittel 
für Human- und Tierärzte machen es gleich lesenswert für alle Teile. 

Piorkowski (Berlin). 

R6thi, Die latente Tuberkulose der Rachenmandel. (Wiener 
klin. Rundschau. 1900. p. 509.) 
Die Untersuchungen des Verf.'s beschränken sich auf die primäre 
und latente Form der Tonsillartuberkulose, bei der also sonst im Körper, 
speziell in den Lungen, keine Tuberkulose nachgewiesen werden konnte 
und bei der an der Rachenmandel selbst keine Anzeichen einer tuber- 
kulösen Erkrankung vorhanden waren. Berücksichtigt wurden nur Fälle, 
welche mindestens 1 Jahr lang nach der Operation verfolgt werden 
konnten. Die Untersuchungen und die Kontrolle umfassen 100 Fälle, 
das jüngste Kind war IVs Jahre alt, zumeist standen die Operierten 
zwischen dem 4.— 16. Jahr, das größte Kontingent lieferte das Alter 
zwischen 7 — 10 Jahren. Die Rachenmandel war zumeist bedeutend ver- 
größert. Bei der histologischen Untersuchung der herausgeschnittenen 
hypertrophischen Mandeln fand R. 6mal Tuberkel, zweimal in Verkäsung. 
5mal lagen die Tuberkel nahe der Oberfläche unter dem Epithel und 
Imal in den tieferen Schichten. Riesenzellen und Tuberkelbacillen 
wurden in allen Fällen gefunden, Imal lagen die Bacillen auch im Epi- 
thel. Letzterer Befund ist bemerkenswert und gewinnt hierdurch die 
Annahme einen Untergrund, daß die Infektion von außen her erfolgt, 
daß die Bacillen in dem Epithel sich einnisten und dann in den hyper- 
trophischen Mandeln einen günstigen Boden vorfinden. 

Eine große Bedeutung kommt solchen, wenn auch latenten und 
viele Jahre latent bleibenden tnberkulösen Herden angesichts der Mög- 
lichkeit einer Verschleppung in andere Organe zu. Aus diesen Gründen 
ist der vergrößerten Rachenmandel erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden, 
und da wir von vornherein nicht wissen, ob in derselben Tuberkelherde 
vorhanden sind, so müssen wir, schon abgesehen von anderen Indikationen, 
auf Entfernung der hypertrophischen Tonsillen dringen. 

W. Kempner (Berlin). 



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TuberkiQose. 39 

Ledoax-Lebard, Le bacille pisciaire et la tuberculose de la 
Grenouille due ä ce bacille. (Annales de linst. Pasteur. 
1900. No. 8.) 
Nachdem bereits von D ubard ^) beobachtet wurde, daß Infektionen 
durch den Bacillus der Fischtuberkulose auch bei Fröschen, 
Kröten, Schildkröten, Vipern, Nattern, Eidechsen und Blindschleichen 
Yorkommen können, hat Verf. hauptsächlich das Verhalten des genannten 
Bacillus beim Frosche studiert. Nach Einimpfung des Bacillus in den 
Rücken-Lymphsack des Frosches behält letzterer einige Tage sein ge- 
sundes Aussehen, dann aber beginnt er progressiv abzumagern, es tritt 
Atrophie der hinteren Gliedmaßen ein, die Bewegungen des Frosches 
werden langsamer und schließlich geht er zu Grunde, hie und da werden 
im letzten Stadium Konvulsionen beobachtet, wie sie bei Strychnin- 
yergiftungen stets vorkommen. Der Tod kann nach verschieden langer 
Zeit eintreten, nach einigen Wochen, oder erst nach Monaten. Zu den 
Versuchen nahm Verf. den grünen Frosch (R. esculenta) und Rana 
temporana. Letztere Species ist bedeutend empfindlicher als erstere. 
Bei der Autopsie zeigte sich, daß der Bacillus der Fisch- und Frosch- 
tuberkulose im allgemeinen dieselben Verletzungen hervorrief, wie sie 
der Koch 'sehe Tuberkelbacillus bei den Säugetieren erzeugt. Stets 
konnte Nekrose, Knötchen bildung und Verkäsung in den Organen (nament- 
lich in der Leber) wahrgenommen werden. Während in der Leber die 
Bacillen einzeln und in kleineren und größeren Haufen vorkommen, 
sind sie in den Lungen nur in kleinen Gruppen vorzufinden, jedenfalls 
sind sie hier weniger zahlreich als in der Leber, der Milz und den Nieren. 
In den letzteren Organen liegen die Knötchen zwischen den Tubuli, es 
scheint, daß letztere dem Andrängen der Bacillen starken Widerstand 
leisten. 

In der Leber des Frosches kommen besondere Zellen zur „Vertei- 
digung" vor, Zellen die sich von den gewöhnlichen Wanderzellen unter- 
scheiden, es sind dies Zellen, deren Protoplasma mit Granulationen oder 
Pigmentkörperchen durchsetzt ist. Topographisch wären sie vergleichbar 
mit Endothelzellen. Verschiedene Autoren stellen sie den Kupffer- 
schen Leberzellen der Säugetiere gleich. Es ist Mesnil, der ihre 
wichtige RoUe als Phagocyten beobachtet hat. Schon ungefähr 10 Mi- 
Duten nach Einimpfung der Bacillen in den Rückenlymphsack hatten 
bei den von Verf. angestellten Versuchen diese Zellen einen Teil der 
Bacillen eingehüllt; nach 24 Stunden konnten in der Leber zahlreiche 
solcher Pigmentzellen beobachtet werden, die in großer Anzahl die Ba- 
cillen einzeln oder in Haufen angeordnet enthielten. 

Der Bacillus entwickelt sich am besten zwischen 22^ und 27® C, 
aber 34® hört die Entwickelung überhaupt auf oder wird zum mindesten 
sehr langsam. Kulturen in Glycerinbouillon zeigten allerdings noch 
Wachstum bei Temperaturen von 30—34®, während bei den Versuchs- 
tieren, die bei gleicher Temperatur gehalten wurden, die Krankheit sich 
nicht mehr weiter entwickelte. Es scheint, daß bei diesen Bedingungen 
im Tierkörper die oben genannten Pigmentzellen zahlreicher auftreten 
als bei niederen Temperaturen und gleichsam die Rolle von Verstär- 
knngszellen für die schon gebildeten Agglomerationen spielen. Sobald 
also die Krankheit in ihrer Entwickelung aufhört oder dieselbe sich 
Yerlangsamt, gewinnen diese Zellen die Oberhand. 
Thomann (Bern). 

1) La taberculose des animaux k sang froid. (Revue de la tuberculose. 1898. p. 13.) 

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40 Tetanus. — Maul- u. Klauenseuche. — üntersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Krey und Saranw, Tetanus traumaticus kompl. durch Darm- 
verschluß. (Laparotomie. Heilung ohne Seruminjek- 
tion.) (Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 35.) 
Bei einem 12-jähr. Knaben, der sich eine leichte Kopfverletzung 
zugezogen hatte und wenige Tage darauf an stürmischen Erscheinungen 
des Darmverschlusses erkrankt war, zeigten sich bei der sofortigen 
Krankenhausaufnahme außerdem noch deutliche tetaniscbe Anfälle. 
Durch Laparotomie wurde eine Dünndarmintussusception beseitigt und 
die Darmfunktion wieder hergestellt Dagegen nahmen die Krampf- 
Erscheinungen bis Ende der zweiten Woche andauernd in betrohlichster 
Weise zu. Von da an setzte eine langsame, aber ungestörte Rekonva- 
lescenz ein. Der unerwartet glückliche Ausgang war bemerkenswerter- 
weise ohne Serumeinspritzung erfolgt, da man Antitoxin zuerst nicht 
zur Hand hatte und von einer späteren Injektion bei den vorgerückten 
Erscheinungen und der schon so langen Krankheitszeit als aussichtslos 
absah. Schmidt (Berlin). 

Schnitze, Fn, Ein Fall von anscheinender Maul- und Klauen- 
seuche beim Menschen. [Aus der med. Klinik in Bonn.] (Münch. 
med. Wochenschr. 1900. No. 26.) 
Ein 275i-jähr. Kind zeigte zahlreiche aphthöse Stellen am Zahn- 
fleisch, an Mund- und Wangenschleimhaut, die schnell vorwärts schritten 
und für einige Tage hohes Fieber bedingten. Rachen und Nase blieben 
frei, dagegen traten pempbigusähnliche Ausschläge und furunkulöse Ge- 
schwüre an den Zehen und Händen, schließlich auch auf der Kopfhaut 
und am Oberschenkel hinzu. Syphilis, Tuberkulose, Diphtherie waren 
auszuschließen. Obwohl nun eine Ueberimpfung des schmierigen Mund- 
belages auf die Mund- und Zahnschleimhaut von Kalb und Kaninchen 
völlig erfolglos blieb und auch anamnestisch kein entsprechender Anhalt 
zu finden war, glaubt Verf. doch den Fall als Maul- und Klauenseuche 
aufl^assen zu müssen wegen der üebereinstimmung der Symptome mit 
der Beschreibung von Koranyi und Bircher, indem er den Miß- 
erfolg der Impfung damit erklärt, daß damals die eigentlichen Krank- 
heitskeime schon geschwunden waren. Er fordert deshalb erneute 
Nachforschungen nach dem Erreger der Seuche und möglichst frühzeitige 
Impf versuche bei jedem verdächtigen Fall. Schmidt (Berlin). 



Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Malkoff. Beitrag zur Frage der Agglutination der roten Blutkörperchen. 
(Dt^ch. med. Wocheuschr. 1900. No. 14.} 

Die Beobachtung Bord et'«, daß das Blutserum der gegen fremde rote Blut- 
körperchen immunisierten Tiere teils agglutinierend teils auflösend auf die Erythrocyten 
wirkt, diente dem Verf. als Ausgangspunkt zu Untersuchungen über die dabei sich 
Tollziehenden Vorgänge. Durch seine unter Wassermannes Leitung ausgeführten 
Versuche bestätigte er zunächst die schon von anderer Seite festgestellte Tnataache, 
daß Meerschweinchen und Tauben nach intraperitonealen subkutanen Einspritzungen 
von frischem oder lackfarben gemachtem defibriniertem Blut anderer Tiere ein Serum 
führen , welches die Fähigkeit besitzt, die roten Blutkörperchen dieser Tiere zu agglu- 
tinieren. Nach Fortsetzung der immunisierenden Behandlung zeigte das Serum auch 
auflösende Wirkungen. Diese Fähigkeit des Senmis war in der Kegel spezifisch, doch 
wurde einigemale beobachtet, daß die Agglutination sich auch auf die roten Blut- 
körperchen anderer Warmblüter erstreckte, als derjenigen, von denen das Blut zur 
Immunisierung entnommen war. 



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Untenuehangsmethoden, Instrumente etc. 41 

In weiteren Yersuehen Terwandte Verf. daf» ßlut solcher Tiere, die schon ohne 
Vorbehandlung ein gegen fremde Erythrocyten widerstandsfähiges Serum besafien. 
Dabei ergab sich, dafl das Blutserum einer Ziege, welches die roten Blutkörperchen von 
Tauben, Kaninchen und Menschen rasch agglutiniert, diese Fähigkeit für jede der 
3 Blutkörnerchenarten nach Zusatz entsprechender Men|!^en der betreffenden Blutsorten 
Terlor, jedoch für die beiden anderen behielt. Es schien daher der Schluß gerecht- 
fertigt, daß in dem Blutserum 3 verschiedene spezifische Aggiutinine enthalten waren. 
Die Speäfizitat ergab sich auch daraus, daß die verschiedenen Blutkörperchenarten sich 
niemals durcheinander, sondern jede für sich getrennt zu Häufchen vereinigte. Es ge- 
lang dem Verf. nicht, die Aggiutinine aus dem Saum nach dessen Wirkung wieder zu 
RwinneD ; er nimmt daher au , daß jene Substanzen sehr enge Verbindungen mit den 
Erythrocyten eingegangen waren, und beschließt seinen Aufsatz mit nachfolgenden 
3 Leitsätzen: 

1. „Die agglutinierende Eigenschaft des Serums rührt von einer bestimmten Sub- 
stanz, dem Aggmtinin, her." 

2. „Das Agglutinin hat zu dem morphologischen Element, welches es zur Agglu- 
tination bringt, eine spezifische Bindungsaffinität, indem es nur von diesem uncTvon 
nichts anderem gebunden wird." 

3. „In einem normalen Serum , das verschiedene Zellen gleichzeitig agglutiniert, 
existieren so viele verschiedene spezifische Aggiutinine, als das Serum verschiedene 
Spezies von Zdlen agglutiniert." Kühler (Berlin). 

Haho, M. und Trommsdorff, R», Ueber As^lutinine. [Aus dem hygiui. Institute 
der Universität München.] (Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 13.) 

Die Verff. bestätigen auf Grund eigener Versuche die Gruber 'sehen Angaben 
über den Verbrauch der Typhus- und Choleraagglutinine bei der BeaktiOD. Es gelang 
auf umgekehrtem Wege« deu Beaktionsobjekten die Agdutinine wieder zu entreißen, 
als spezifisch agglutinierte Typhusbacillen von spezifischem Serum befreit und mit 
Binderserum zusammengebracht wurden, wogten derselbe Versuch mit Kaninchen-, 
Houde-, Ziegen-, Pferaeserum und mit physiologischer Kochsalzlösung mißglückte. 
Wohl aber fand sich das gleiche positive Ergebnis sowohl bei Typhus- wie bei Cholera- 
kamoi, wenn V,oq Normalnatronlauge oder Vioo Normalschwefelsäure verwandt wurde, 
und zwar auch bei Neutralisation der Säure oder Lauge. Die von dieser „spezifischen 
Lauge"' agglutinierten Bakterien sahen, abermals gewaschen, an eine neue zweite und 
fidbst an eine dritte Lauge no<3imal8, wenn auch immer weniger, Aggiutinine ab. 
Auch aus menschlichem Typhusserum gelang die Extraktion. 

Die Verff. hoffen, aus diesen relativ reinen Lösungen von agglutinierender Sub- 
stanz die chemische Natur derselben feststellen und diese Vorgänge auf die Hämolyse 
übertragen zu können. Schmidt (Berlin). 

AfanaßJefC, N., Beiträge zur Serumdiagnose des Botzes. [Diss.J St. Peters- 
burg 1900. [Russisch.] 

Nachdem es erwiesen war, daß Botzbacillen durch Blutserum agglutiniert wurden, 
galt es. die Probe auf ihren Wert und ihre Empfindlichkeit an einem größeren Material 
zn prüfen. Wenn auch die Methode der direkten Vermischung des zu prüfenden 
8emms mit einer Aufschwemmung von auf festem Nährboden gewachsenen Kulturen 
oder mit Bouillon kulturen bestimmten Alters brauchbare Besultate giebt, so erwies 
sich doch eine andere Versuchsanordnune als zweckmäßiger. 

Zunächst wurden die betreffenden Verdünnungen des zu prüfenden Serums mit 
bestimmten Mengen Bouillon hergestellt und auf ihre Sterilität durch Einstdien in den 
Thermostaten geprüft. Erst dann erfolgt der Zusatz abgemessener Mengen Bouillon- 
knltur gewissen Alters (1 — 3-tägig). Dabei ergab sich, diä normales Pferaeserum noch 
bis zu einer Verdünnung von 1 : 400 agglutinierend wirkte, während Serum rotzkranker 
jPferde selbst bis zu einer Verdünnung von 1 : 1600 ein positives Besultat ergab. Es 
ist jedoch zu beachten, daß die Empfindlichkeit der Probe in hohem Grade abhängig 
ist von der Quantität der zur Aussaat verwendeten Bakterien: Die Konzentration des 
Sorum muß stets direkt proportional der Konzentration der Bakterienaufschwemmung 
sein. So gab dasselbe Serum mit viel Bouillon bei einer Verdünnung des Serums 
1 : 550, mit wenig Bouillon bei 1 : 1600 ein positives Resultat. Als Durchschnittswerte, 
die für die Botzdiagnose bindend sind, werden 1 : 450—850 hingestellt. 

Glyoerinzusatz verlangsamt die Agglutination. Ausgeführt wurden die Unter- 
snchunsen an 18 rotzkranken und 8 gesunden Pferden. 

Ais wünschenswert wird die L^ung der Frage hingestellt, ob Serum von mit 
loderen Krankheiten behafteten Tieren eine nc^tive Reaktion giebt? 

IJcke (St. Petersburg). 



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42 üntersnchungsmethoden etc. — Schutzimpfang etc. 

Walz, Ein einfacher Brütofen für den praktischen Arzt (Münch. med. 
Wochenßchr. 1900. No. 27.) 

Verf. empfiehlt einen nach seinen Angaben von der deutschen Theomophor-Gesdl- 
Bchaft hergestellten wenig umfangreichen, transportablen, stete gebrauchsfertigen und 
leicht zu [^handelnden Thermostaten an Stelle des bisher üblichen Brütofens, welch letz- 
terer außer seinem hohen Preise noch den Nachteü kostspieliger und schwer zu kon- 
trollierender Heizung hat. Ein Cylindereinsatz, den eine die Wärme schlecht leitende 
Hülle umgiebt, enthalt in seiner Wandung essigsaures Natron in geschmolzenem Zu- 
stande, das beim AuskrystaUisieren die Warme wieder abgiebt. Dieser Einsatz wird 
mdirere Minuten (je nach seiner Größe und nach der gewünschten Temperatur) in 
kochendes Wasser gesetzt und bewahrt alsdann in seinem Innenraum für 4-5 Stunden 
eine Brutwärme von 30—48®. Der Apparat kostet etwa 17 M.« vernickelt 22 M. und 
läßt sich auch zu Verdauungs- und Gärungsversuchen wie zum Aufbewahren von warmem 
Wasser benutzen. Schmidt (Berlin). 



Schutzimpfung, künstliche infeictionsicrankheiten, Entwickeiungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Harsden, B. W., Inoculatiou with typhoid Vaccine as a pre- 
ventive of typhoid fever. (British med. Journal. No. 2052. 
1900. p. 1017.) 
In dem von Mars den geleiteten Hospital, wo viele Typhuskranke 
gepflegt werden, kamen häufig Uebertragungen des Typhus auf das 
Wartepersonal vor. Nachdem der größte Teil des Personals, soweit es 
nicht vor kurzem Typhus überstanden hatte, mit abgetöteten Typhus- 
bacillen geimpft worden war, blieben Infektionen desselben aus. Aller- 
dings ist die seit den Impfungen verstrichene Zeit noch zu kurz, um 
Zufälligkeiten vollständig auszuschließen, — immerhin ist das Ergebnis 
ermutigend. 

Es wurden behandelt Typhuspatienten Zahl der Typhusfälie unter 

dem Wartepersonal. 

1895 229 3 

1896 238 3 

1897 302 4 

1898 426 8 

1899 bis Ende Sept. 163 5 
Sept. 1899 bis März 1900 146 

Im September 1899 fand die Impfung des Personals statt. 

R. Abel (Hamburg). 

Znpnik, L«, lieber subkutane Gehirninjektionen bei Te- 
tanus. [Aus der I. deutschen med. Klinik in Prag, Prof, Pfibram.] 
(Prager med. Wochenschr. Bd. XXIV. 1899. No. 24/25.) 
Im Jahre 1898 bis Anfang 1899 kamen in der Prager Gebäranstalt 
auffallend viele Fälle von Tetanus puerperalis mit tödlichem Aus- 
gange vor. 

Alle Maßnahmen, welche die moderne Forschung an die Hand giebt, 
blieben erfolglos, so auch die Injektionen mit Behring's Tetanus- 
antitoxin, obwohl solche sofort und teilweise mittels großer Quanta (bis 
400 cGjn) subkutan und intracerebral vorgenommen wurden. Dagegen 
waren früher die Resultate des Pf ibram 'sehen Verfahrens relativ gute 
gewesen und brachten 53 Proz. Heilung. Dasselbe besteht lediglich in 
Fernhaltung aller Reize, wie Licht- und Schalleinflüssen, ferner von 
Hautreizen, bei Darreichung mäßiger Gaben von Chloralhydrat und 
Bromsalzen. 



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Schntzimpfang, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmimg etc. 43 

Nachdem uuu Krokiewicz einen Fall von Tetanus traumaticus 
mittels subkutaner Injektion von Kalbshirn-Emulsion als alleiniges 
Mittel gerettet hatte, schien Z. die Nachprüfung dieser Therapie geboten. 
Sie war auch berechtigt, nachdem Wassermann und Takaki nach- 
gewiesen haben, daß das normale Centralnervensystem Tiere gegen Mehr- 
&ches einer minimalen tödlichen Dosis von Tetannsgift zu schützen vermag. 
1 com Hirnsubstanz-Emulsion (1 : 2 Teile Kochsalzlösung) neutralisiert 
vollkommen die 10-fache minimale tödliche Dosis des Tetanustoxins. 
Selbst bei 60-facher Toxindosis war noch eine Verzögerung des Todes 
zu bemerken. Wenn auch die Erklärung dieser Thatsachen heute keine 
eindeatige ist, so widersprach dies nicht der Berechtigung eines thera- 
peutischen Versuches. Derselbe wurde vorgenommen bei einem Falle 
schweren Tetanus puerperalis bei einer Wöchnerin, welche auf die dies- 
seitige Klinik gebracht worden war. Es trat jedoch am 7. Tage der 
Exitus ein; die Sektion ergab u. a. eine in Heilung begriffene Uterus- 
ruptur, eiterige Nephritis etc. Pat. hatte 20—21 g Kalbshirn in Emulsion 
subkutan einverleibt bekommen, wovon nach dem Ergebnisse der Sektion 
ca. 14 g resorbiert waren. 

Bei der ersten Injektion war das Verhältnis des Gehirns zum Koch- 
salz 1 : 20, bei der zweiten 1 : 12, bei der dritten 1 : 6, bei der vierten 
2:5. In keinem Falle zeigte die Injektionsstelle intra vitam eine 
Reaktion. 

Die hieran sich anschließenden Tierversuche gaben sodann wenig 
Hoffnung auf eine Heilmöglichkeit des Tetanus mittels Hirninjektionen. 
Dies erscheint um so ungünstiger, als im Gegensatze hierzu das beim 
Menschen so häufig versagende Antitoxin Behring 's, sich im Tier- 
^perimente, wenigstens unter gewissen Bedingungen, sehr wohl bewährte. 
Dies zeigten auch die seitens Z. vorgenommenen Parallelversuche. 

Schürmayer (Hannover). 

Brandt und O^meiner, Ein Beitrag zur Behandlung der Räude 
mit Epicarin. (Wochenschr. f. Tierheilkunde. 1900. No. 4. p. 29 
-30.) 
Das im vergangenen Jahre in den Handel gebrachte Epicarin, 
welches seiner Zusammensetzung nach ein Kondensationsprodukt von 
Phenolkarbonsäuren und Phenol ist, wurde von den beiden Autoren auf 
seine Wirksamkeit gegen Sarkoptes- und Acarusräude in der Konzen- 
tration von 1:10 Spiritus mit etwas Zusatz von Ricinusöl oder Seife 
geprüft. Nach lOmaligem, an jedem zweiten Tag erfolgtem Einreiben 
wurde bei Sarkoptesräude Heilung, bei schwerer Acarusräude Besserung 
beobachtet; Haarausfall trat nie ein, außerdem wurde das Mittel von 
den Tieren sehr gut vertragen. Auf Grund ihrer Untersuchungen 
kommen die Verff. zu dem Resultat, daß das Epicarin bei der Sarkop- 
tesräude der Hunde, besonders bei zarten, jungen oder schwächlichen 
Tieren, welche die anderen mehr heroisch wirkenden Mittel nicht ver- 
tragen, gute Dienste zu leisten vermag, vorausgesetzt, daß die Therapie 
längere Zeit fortgesetzt wird. Koske (Berlin). 



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44 Neue Litterator. 



Neue Litteratur, 

naainmeDgestent von 

San.-Rat Dr. Arthur Würzburo, 

BlbUothekar im KtlterL OMandheltMmto In BarHii. 



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Inhalt 



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Sclintiinipfking, kfLnstUclie Znfektions- 

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und Vemicbtnng der BaJkterien. 

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Znpnik, L., Ueber subkutane Gehirnii\jek- 
tionen bei Tetanus, p. 42. 



Nene Litteratnr, p. 44. 



Frommanntche Baehdruckerei (Hermaan Fohle) In Jena. 



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Mteriologie. Parasitenkifflie odiI bifeklioDSkraiiklieileD. 

Erste Abtellnng: 

Medicinisch-hygienische Bakteriologie und 
tierische Paras itenicunde. 

In Verbindung mit 

M. I6d.-Rat Prof. Dr Loeffler, Prot Dr. R. Pfeiffer 

in Greifswald |[][|[ in Königsbeig 

Staatsrat Prot Dr. IL firani 

in Königsberg 
herausgegeben von 

Dr. O. XTlilifirorin in Cassel. 
Verlag von Gustav Fisoher In Jena. 

XXIX« Band» -«- Jena, den 25. Januar 1901. -»- No. 2. 

Prtii Ar dm Band (96 Hummen) 16 Mark. — J&hrlloli «nehaln«! iwei Bind«. 

Fr«U Ittr «Ine eiolatth» Hummtr 76 Ff^., Ar tin» DoppalavmoMr 1 lUrk 60 9fg. 

Hunmern mit Tafeln koften Ar Jede Tafel 60 Ff^. mehr. 

ffianu als regßlmäjiige Beüage die InhalttUberHehien der 11. Abteilung des CentrtMlaUee. 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasitenkunde^' 
richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige WUnsche um 
Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Aufsätxe entweder bei der Ein^ 
undung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben %/u 
wollen oder spotesteni nach Empfang der ersten Korrekturabxdlge direkt an 
dm Verleger, uerm Gustav Fischer tn Jena, gelangen %u lassen. 

Original-Mitteilungen. Nachdruck verbot^. 
üeber Monostomum orbiculare. 

Von H. Lfihe, Königsberg L/Pr-» Zoolog. Museum. 

Mit 5 Figuren. 

Während seiner italienischen Reise fand Rudolph! in Neapel 
zweimal Monostomen im Darme von Box salpa, welche die Form einer 
annähernd kreisrunden Scheibe von ca. 1 Linie Durchmesser hatten, 
und welche er deshalb Monostamtm^ orbiculare nannte. Die ersten ge- 
naueren Angaben über den Bau dieser Art verdanken wir S 1 s s i c h (1883), 
welcher sie in Triest im gleichen Wirte wieder gefunden hatte. Hier- 
nach beträgt der Durchmesser des scheibenförmigen, unbestachelten 
Körpers 1,5—3,5 mm. Der Saugnapf ist subterminal, ein Pharynx fehlt, 

Ente AM. zuz. Bd. 4 

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50 M. Luhe, 

die beiden Darmschenkel umgreifen bogenförmig die Geschlechtsorgane 
Die beiden Hoden liegen zur Rechten und Linken in der hinteren Körper- 
hälfte. Es folgen noch kurze Angaben über die männlichen Lieitungs- 
wege und den Uterus, dagegen nicht über die weiblichen Keimdrüsen 
und die Lage der Genitalöffnung. 

Einige Jahre später hat Parona eine Arbeit über Monostomum 
arbicülare Rud. veröffentlicht, in welcher er namentlich das Wasser- 
gefäßsystem bespricht, welches netzförmig den ganzen Körper durch- 
zieht und anscheinend bereits von Rudolph! gesehen worden ist. Be- 
züglich der Genitalorgane macht Parona folgende Angaben: Hoden 
symmetrisch im hinteren Körperabschnitt ; Keimstock gelappt, zwischen den 
Hoden und, wie zwar im Text nicht ausdrücklich betont wird, aber aus der 
Abbildung hervorgeht, etwas mehr nach hinten gelegen ; die zahlreichen 
DotterstocksfoUikel dorsal gelegen und mehr als die Hälfte des Körpers 
bedeckend; Uterus zwischen den Hoden nach vorn verlaufend. Die 
Lage der Genitalöffnung ist in Parona's Abbildung ungefähr im Niveau 
der Darmgabelung gezeichnet, womit indessen die Beschreibung im Text 
in Widerspruch steht. Die beiden Darmschenkel sind nach Parona 
verhältnismäßig weit und kurz, siaHSUd^ü Jjusrtüts seitlich von den Hoden, 
im Niveau von deren Mitte. /^^^^ ^ _ ^ö/\ 

Seither hat nur noch B /^aS^a e s'IBMlos^ untersucht 

Er beschränkt sich jedoch oanluf, eine i^rtümHcn^^Annahme Parona's 
über die Lage des Exkretioi^opri&EAlberilRfigen. bieser liegt keines- 
wegs in der ventralen Media\mnie zwi^gl^^gp Saugmmf und GenitalöfihuDg, 
sondern ^ganz normal am hini^n^KQrperuplf, ejt^s nach dem Rücken 
zu verschoben". Kürzlich hat cteRq ggl A M jtfrin seiner Helminthen- 
Fauna Triest's (1898) noch einmal eine kurze Beschreibung der in Rede 
stehenden Art publiziert, anscheinend indessen ohne neue Untersuchungen 
angestellt zu haben. Zum Teil beruhen seine jetzigen Angaben offenbar 
auf der Arbeit Parona's; so wird z. B. die frühere Schilderum? der 
Darmschenkel, welche trotz ihrer Kürze sehr bezeichnend ist, ersetzt 
durch die Bemerkung, daß die Darmschenkel bis zur mittleren Höhe der 
Hoden reichten. 

Ich habe dank der Liberalität der Verwaltung des Berliner Museums 
für Naturkunde die in dessen zoologischer Sammlung aufbewahrten 
Exemplare von Monostomum orbicula/re einer Durchsicht unterziehen 
können. Es zeigte sich hierbei, daß unter diesem Namen zwei ver- 
schiedene Arten vereinigt waren, welche sich am auffälligsten durch die 
Länge der Darmschenkel unterscheiden. Ich glaube demnach, daß hier- 
durch die Differenz in den citierten Angaben von Stossich (1883) und 
Parona ihre Erklärung findet 

Rudolphi's Originalexemplare finden sich in zwei kleinen Tuben 
in Glas No. 1321 der Berliner Sammlung. Es sind 7 Stück, und wenn 
ich 2 Exemplare ausnehme, bei welchen ich ihres Erhaltungszustandes 
wegen die Speciesfrage nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden wage, 
so gehören alle sicher ein und derselben Art an und zwar offenbar 
derselben, welche Stossich vorgelegen hat. Sie ist gekennzeichnet 
durch bis fast an das Hinterende reichende und den central gelegenen 
Genitalkomplex bogenförmig umgreifende Darmschenkel. Ihr ist der 
Name Monostomum orhicuia/re Rud. zu reservieren. 

Zwei von Wagener in Nizza gesammelte Exemplare dieser selben 
Art finden sich ferner in Glas No. 3084 der Berliner Sammlung und 



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üeber Monostomum orbiculare. 51 

endlich liegen mir 4 Exemplare vor, welche Parona in Genna ge- 
sammelt und der Berliner Sammlung mit der Bestimmung ^Monostomum 
orbiculare Rud." geschenkt hat (Glas No. 3161). Von diesen bereits 
von Parona mit Karmin gefärbten Exemplaren gehören indessen nur 
zwei der genannten Art an; die beiden anderen sind die Original- 
exemplare der nachstehend beschriebenen neuen Art, deren kurze Darm- 
schenkel fast gerade verlaufen und bereits seitlich von den Hoden 
endigen. Die allgemeine Topographie der Organe, namentlich der Genital- 
organe, ist indessen bei dieser neuen Art dieselbe wie bei dem typischen 
Monosiamum orbiaUare Rud. Beide Arten sind mit anderen Worten 
Angehörige ein und derselben natürlichen Gattung, welche wegen der 
centralen Lage der Uterusschlingen Mesometra genannt sein mag. 
Typische Art der Gattung ist Mesometra orbicülaris (Rud.), die andere 
Art nenne ich Mesometra brachycoelia n. sp. (= Monostomum orbiculare 
Parona e. p.) 

L Mesometra orbicülaris (BudO* 

Fig. 1-3. 

Der Körper von Mesometra orbicülaris stellt eine flache, ovale bis 
fast kreisrunde Scheibe dar, deren Größe in erheblichen Grenzen 
schwankt. Die Ränder sind meist in mehr oder weniger großer Aus- 
dehnung ventral wärts umgeschlagen, so daß hierdurch eine genaue 
Messung erschwert wird. Die kleinsten mir vorliegenden Exemplare sind 
nur wenig über 1 mm lang und fast ebenso breit, das größte (Fig. 3) 
ungefähr 3 mm lang und 2,7 mm breit. Bei demjenigen Exemplar, 
dessen Umriß sich am weitesten von der Kreisform entfernt (Fig. 1), 
beträgt die Länge 2,25 mm und die Breite 1,65 mm. 

Die Haut ist unbestachelt. 

Der Mundsaugnapf liegt nicht ganz am vorderen Körperende und 
seine Achse ist sagittal gestellt, wie dies die beiden Abbildungen Fig. 1 
und 2 zeigen. Bei Ansicht von der Ventralfläche ist dem Beschauer 
die Oeffnung des Mundsaugnapfes zugekehrt, bei Ansicht von der Rücken- 
fläche der Eingang in den Oesophagus. Der Umriß des Mundsaugnapfes 
ist nicht kreisrund, sondern springt an beiden Seiten winkelig vor 
(vergl. Fig. 1). Querdurchmesser 0,17 —0,30 mm, Längsdurchmesser nur 
0,145— ca. 0,25 mm^). 

Der Oesophagus besitzt in seinem ganzen Verlaufe eine schwache 
Ringmuskulatur, welche sich unmittelbar vor der Gabelung des Darmes 
erheblich verdickt und einen scharf begrenzten, ungefähr kugeligen 
Pharyngeal-Bulbus bildet Dieser Pharyngeal-Bulbus, dessen Vorhanden- 
sein sowohl von Stossich wie auch von Parona geleugnet wurde, 
ist in Fig. 1 und 3 sichtbar, während er in Fig. 2 von den Dotter- 
stocksfoUikeln verdeckt wird. Der Durchmesser des Pharyngeal-Bulbus 
beträgt ca. 0,05—0,07 mm bei einem Durchmesser des Oesophagus von 
ca. 0,03 mm. 

Die Darmschenkel, deren Durchmesser an allen mir vorliegenden 
Exemplaren ein verhältnismäßig sehr großer ist, haben einen sehr 
charakteristischen Verlauf. Wenn Stossich (1883) von ihnen sagt, 

1) An dem größten Exemplar ließ sich der Einkrümmung des Yorderendes wegen 
der L&n^durchmesser nicht genau messen. Der gemessene, 0,250 mm betragende Durch- 
meeser hegt schräff in der Medianebene. An dem zweitgrößten Exemplar (Fig. 1) war 
der Mundsaugnapi 0,25 mm breit und 0,205 mm lang. 



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52 



M. Luhe, 



/ 




\ 



Fig. 2. 



Fig. 1. 



Fig. 3. 
(Rud.) Sämtliche 



Figuren bei gleicher Ver- 



Fig. 1 — 3. Mesometra orbicularis 
größerung (37 : 1). 

Fig. 1. Ein Exemplar, von der Bauchfläche gesehen. 

Fig. 2. Ein anderes Exemplar, von der Rückenfläche gesehen. 

Fig. 3. Teil eines Originalexemplares aus Ru d o 1 ph i 's Sammlung, von der Rücken- 
fläche f;esehen. Das Vorderende ist nicht mit zur Darstellung gebracht, weil ventral- 
wärts eingekrümmt C^OOöIp 



LjiyiLi/it!u uy ' 



Ueber Monostomum orbiculare« 53 

daß sie „a guisa di due grandi arche abbraciano gli organi genital!^, 
so ist dieser Ausdruck sehr bezeichnend. Jeder der beiden Darmschenkel 
beschreibt, wie aus Fig. 1 und 3 ersichtlich, einen einem Halbkreis mehr 
oder weniger nahe kommenden Kreisbogen derart, daß ihre am Hinterende 
des Tieres gelegenen blinden Enden einander wieder genähert sind 0- 

Der von den beiden Darmschenkeln umschlossene, ungefähr kreis- 
iSrmige Raum kann als Genitalfeld bezeichnet werden. In ihm liegen 
sämtliche Geschlechtsorgane mit Ausnahme der Dotterstocksfollikel 
und der Endabschnitte der Genitalleitungswege. 

Dort, wo die beiden Darmschenkel am weitesten voneinander ent- 
fernt sind, ungefähr im vierten Fünftel der Körperlänge, liegen ihrer 
Innenfläche die beiden Hoden fast unmittelbar an. Diese sind sym- 
metrisch gelegen, verhältnismäßig groß, annähernd kugelig (Längsdurch- 
messer 0,26—0,45 mm, Querdurchmesser 0,26— 0,S5 mm) und lassen 
zwischen sich einen Raum frei, in welchem der Uterus aufsteigt. Die 
männlichen Leitungswege habe ich mit Sicherheit nicht verfolgen können, 
ein Cirrhusbeutel ist nicht vorhanden, ebensowenig eine deutliche 
Samenblase. 

Der Keimstock liegt median, hinter den Hoden, am Hinterrande 
des Genitalfeldes. Nur bei dem in Fig. 3 abgebildeten Exemplar reichen 
die Darmschenkel noch nennenswert über ihn nach hinten hinaus. Seine 
Form ist bei den verschiedenen Individuen recht verschieden, infolge 
einer sehr wechselnden Ausbildung der Lappung; als allgemein gültig' 
kann jedoch festgestellt werden, daß der Querdurchmesser den Längs- 
dorchmesser übertrifft und daß die Lappung so gut wie vollkommen auf 
die Hinterfläche beschränkt ist 

Ein Receptaculum seminis scheint zu fehlen. Ein La ur er 'scher 
Kanal ist dagegen vorhanden. Seine Mündung liegt auf der Rücken- 
fläche ungefähr dem Vorderrande des Keimstockes entsprechend. Der 
Komplex der Schalendrüse (nur in Fig. 2 und 3 gezeichnet) liegt median 
in dem Räume zwischen den beiden Hoden und dem Keimstock, letzterem 
mehr genähert und ihn zum Teil noch von der Dorsalfläche ein wenig 
überlagernd. Von ihm aus verläuft der Uterus in schwachen Zickzack- 
windungen zwischen den beiden Hoden nach vorn, um in dem Räume 
zwischen der Vorderfläche der Hoden und der Hinterfläche der an- 
nähernd transversal verlaufenden Anfangsteile der beiden Darmschenkel 
seine stärkste Entwickelung zu finden. Von der Stelle der Darmgabelung 
ab verläuft dann der Uterus meist ziemlich gestreckt, median und ven- 
tral vom Oesophagus (vergl. Fig. 1). Die Genitalöffnung liegt in der 
Medianlinie und zwar ziemlich genau ventral von der Mitte des Oesophagus 
(vergl. Fig. 1). (Parona hatte im Text seiner Arbeit angegeben, daß 
das Genitalatrium „sta a breve distanza del margine inferiore della 
ventosa"^, in seiner Abbildung dagegen dasselbe unmittelbar vor der 
Darmgabelnng gezeichnet. Die Wahrheit liegt in der Mitte.) 

Die zahlreichen Dotterstocksfollikel liegen an der Dorsalfläche. Frei 
von ihnen ist das vordere Drittel des Wurmes, ferner an den Seiten 
and hinten ein schmaler Streifen des Körperrandes und ein Teil des 
Oenitalfeldes. Die beiden Darmschenkel werden im Gegensatz zu der 
unten zu besprechenden neuen Art vollkommen von ihnen überlagert 
und nach innen dringen sie noch etwas über dieselben hinaus in das 
Genitalfeld ein, um dort noch einen Teil der Hoden und die vordersten 

1) In Fig. 2 sind von den durch die Dotterstöcke verdeckten Darmschenkeln nur 
die blinden Enden (zu beiden Seiten des Keimstockes) sichtbar. 



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54 • M. Luhe, 

üterusschlingen zu fiberdecken (vergl. namentlich Fig. 2 und 3). Die 
Größe der DotterstocksfoUikel schwankt, wie ein Blick anf Fig. 1— 3- 
lehrt, innerhalb auffällig weiter Grenzen (Durchmesser 0,02—0,06 mm), 
scheint jedoch bis zu einem gewissen Grade in Korrelation zu der Größe 
der ganzen Tiere zu stehen. 

Die Eier sind verhältnismäßig sehr groß und meistens ziemlich lang 
gestreckt. So finde ich bei einem Exemplare ihre Länge schwankend 
zwischen 0,078 und 0,083 mm, ihre Breite dagegen zwischen 0,035 und 
0,040 mm. Von den gemessenen Eiern war das längste gleichzeitig das 
am wenigsten breite, und umgekehrt. Trotzdem besteht eine sicher 
nachweisbare Beziehung zwischen Länge und Breite nicht und noch 
weniger ist dies der Fall bei einem anderen Exemplar, bei welchem die 
zwischen den Darmschenkeln liegenden Eier 0,065—0,070 : 0,025— 0,030 mm 
messen. Von diesen Maßen fallen auch die Extreme nicht in der oben 
genannten Weise zusammen. Sind schon die bisher angeführten Maße 
recht verschieden, so kann eine derartige Variabilität doch noch nicht 
als etwas ganz Ungewöhnliches angesehen werden. Sehr viel auffälliger 
ist, daß ich mehrfach auch Eier beobachtet habe, welche von der Mehr- 
zahl durch eine verhältnismäßig erheblich größere Breite abweichen. Ich 
beschränkte oben bei dem einen Exemplar absichtlich die Maßangaben 
auf die zwischen den Darmschenkeln liegenden Eier. Diejenigen Eier, 
welche bei demselben Exemplar in dem Endabschnitt des Uterus liegen, 
nachdem derselbe die Darmschenkel überkreuzt hat, sind größtenteils 
stark geschrumpft. Auch unter ihnen jedoch finde ich einige, bei 
welchen keinerlei Faltung der Eischale auf postmortale Formveränderungen 
hinweist. Dieselben sind 0,075 mm lang und 0,048 mm breit. Die Lage 
dieser Eier könnte die Vermutung erwecken, daß die erhebliche Ver- 
breiterung im Vergleich zu der Mehrzahl der Eier desselben Exemplare» 
eine Reife-Erscheinung ist. Ist es doch von einer Reibe von Distomen- 
Arten namentlich von Phyllodistomum folium und Oorgodera cygnoide» 
bekannt, daß die Eier im Laufe ihrer intrauterinen Entwickelung größer 
werden. Trotzdem glaube ich nicht, daß diese Erklärung in unserem 
Falle zutrifft. Bei einem anderen Exemplar fand ich nämlich in dem 
Endabschnitt des Uterus, nicht weit von der Genitalöffhung ein einzelnes, 
offenbar dicht vor der Ablage stehendes und daher als reif anzusehendes 
Ei, welches, wie die meisten zur Beobachtung gelangten, langgestreckt 
war, 0,080 : 0,037 mm. Andererseits treten bei anderen Exemplaren ver- 
hältnismäßig breitere Eier auch gelegentlich im Anfangsteil des Uterus 
auf. So messe ich z. B. an einem dort liegenden Ei 0,062 : 0,035 mm» 
während dicht daneben ein langgestrecktes Ei von 0,065:0,030 mm 
liegt. Aufklärung über diese Formdifferenzen kann nur die Untersuchung 
lebenden Materials bringen. Ich neige zu der Vermutung, daß sie erst 
in Folge der Konservierung aufgetreten sind, trotzdem ich wohl kaum 
noch besonders zu betonen brauche, daß ich selbstverständlich nur Eier 
gemessen, deren Schale eine Form Veränderung nicht erkennen ließ, d. h. 
keinerlei Faltung oder Schrumpfung zeigte. 

Jedenfalls geht aus den vorstehenden Angaben hervor, daß Maße 
von Eiern nur dann einen Wert haben, wenn sie an zahlreichen 
Eiern genommen worden sind. Und wenn meine Vermutung, daß die 
großen von mir gefundenen Differenzen (Länge 0,062—0,083, Breite 
0,025—0,042), wenigstens zum Teil, die Folge postmortaler Veränderungen 
sind, so geht hieraus auch wiederum der vergleichsweise geringe Wert 
von Angaben über die Eier hervor, welche nur auf konserviertem 



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üeber Monostomum orbiculare. 55 

Materiale beruhen. Parona's Angaben über Länge und Breite der 
Eier von Monostomum orbiculare (0,005280 bez. 0,003360 mm, im Original 
in Mikron ausgedrückt) kann ich mir nur durch einen Druckfehler erklären, > 
ganz abgesehen davon, daß mir eine genaue Messung so vieler Decimalen 
Dicht möglich erscheint. 

Ein Filament am aboralen Pol der Eier, wie ein solches sich bei 
80 vielen Monostomiden findet, ist nicht vorhanden. 

Der Exkretionsporus liegt, wie Brandes bereits angegeben hat, 
auf der Dorsalfläche, und zwar entspricht seine Lage ungefähr dem Hinter- 
rande des Keimstockes. Er ist in Fig. 3 eingetragen. Weitere Angaben 
über das Exkretionssystem kann ich nicht machen. 

2. Mesametra hnichycoeUa n. ap. 

(Fig. 4-5.) 

Die Körperform dieser neuen Art, welche Parona gefunden, jedoch 
nicht von Monostomum orbiculare Rud. unterschieden hat, ist die gleiche 
wie die von Mesometra orbicülaris. Ob auch die durchschnittliche Größe 
dieselbe ist, wird sich nur auf Grund eines reichhaltigeren Materials 
entscheiden lassen. Die beiden mir vorliegenden Exemplare sind 1,35 
bez. 1,70 mm lang und 1,10 bez. 1,20 mm breit, so daß also ihre Maße 
zwar im Durchschnitt etwas geringer sind als diejenigen von Mesometra 
orbicülaris (Rud.), aber doch noch durchaus in die für letztere Art ge- 
fdndenen absoluten Grenzen hineinfallen. 

Die Haut ist unbestachelt. 

Die Lage des Mundsaugnapfes ist die gleiche, wie bei der vorstehend 
besprochenen Art, seine Form dagegen an den mir vorliegenden Objekten 
etwas anders. Sein Umriß ist gleichmäßiger rund und seine Achse mehr 
schräg gestellt, so daß seine Oeffnung etwas mehr nach vorn gewandt, 
der Ursprung des Oesophagus dagegen mehr nach hinten verlagert ist. 
Ob es sich freilich hierbei um Speciesmerkmale handelt und nicht etwa 
nur um Kontraktionserscheinungen, dürfte namentlich bezüglich des 
zweiten Punktes noch der Prüfung bedürfen an der Hand eines reichlicheren 
Materials, als mir zur Verfügung steht. 

Oesophagus und Pharyngeal-Bulbus wie bei Mesometra orbicülaris. 
Dagegen zeigen die Darmschenkel ein wesentlich anderes Verhalten. 
Sie sind nur etwa halb so lang und reichen, wie dies Parona irrtüm- 
lich für Mof^stomum orbiculare angegeben hatte, nicht bis an das Hinter- 
ende des Tieres, sondern enden bereits in der Höhe der Hoden. Doch 
ist ihr Verlauf an beiden mir vorliegenden Exemplaren etwas anders, als 
ihn Parona's Abbildung darstellt. Sie zeigen nämlich keine nennens- 
werte Krümmung, sondern verlaufen fast ganz gestreckt. Ihre äußere 
Begrenzung ist zwar bei Flächenansicht des Wurmes stark konvex, aber 
ihre innere Begrenzung zeigt keine entsprechende Konkavität, sondern 
weicht nicht erheblich von einer geraden Linie ab. In Folge dieses 
gestreckten Verlaufes des Darm schenkeis bei nicht sehr erheblicher 
Divergenz gelangen ihre blinden Enden zum Teil zur Deckung mit den 
Hoden, wie dies die Abbildungen der beiden mir vorliegenden Exem- 
plare in Fig. 4 und 5 zeigen. Anscheinend ist die Darstellung Parona's 
aus den Verhältnissen der beiden hier besprochenen Arten kombiniert. 

Die Lage von Hoden und Keimstock ist die gleiche wie bei 
Mesometra orbicülaris. Die Hoden sind an beiden Exemplaren oval, in 
der Längsrichtung des Tieres etwas gestreckt (Längsdurchmesser 0,250 
bez. 0,450 mm, Querdurchmesser 0,215 bez. 0,310 mm), wie dies auch 



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56 M. Luhe, 

bei der eben geDannten Art die Regel zu sein scheint. Der Eeimstock 
dagegen ist wie dort in der Querrichtung gestreckt An dem einen 
Exemplar ist er nur an seiner hinteren (in Fig. 5 durch die Dotterstöcke 
verdeckten) Cirkumferenz schwach eingekerbt, an dem anderen dagegen 
zerfällt er durch je einen von vorn bez. hinten eindringenden Einschnitt 
in zwei nicht ganz symmetrische Hälften (vergl. Fig. 4). 

Die Schalendrüse, deren Lage in beiden Abbildungen angedeutet ist, 
und die Genitalleitungswege zeigen keine wesentlichen Abweichungen 
von dem Verhalten bei Mesometra orbicularis, so daß hier auf das oben 
Gesagte verwiesen werden kann. Mit Rücksicht auf die bereits citierte 
Angabe Parona's sei nur noch ausdrücklich betont, daß auch bei 



Fig. 4. 

Fig. 5. 

Fig. 4—5. Mesometra brachycoelia n. ap, Vergr. wie in Fig. 1-3. 
Fig. 4. Das kleinere Exemplar von der Bauchfläche. 
Fig. 5. Das größere Exemplar von der Rückenfläche. 

Mesometra brachycoelia der Genitalporus in der Mitte zwischen Mund- 
säugnapf und Darmgabelung gelegen ist. 

Etwas abweichend ist dagegen, wie oben bereits angedeutet wurde, 
die Anordnung der Dotterstocksfollikel. Auch bei Mesometra brachy- 
coelia liegen dieselben freilich in großer Zahl an der Rücken fläche, auch 
hier bleibt ringsum ein sich am Vorderende erheblich verbreiternder 
Streifen des Körperrandes frei von ihnen und ebenso findet sich auch 
hier ein centrales dotterstocksfreies Feld. Indessen reichen einerseits 
die Dotterstöcke, wie ein Vergleich meiner Abbildungen ergiebt, weiter 
nach vorn als bei Mesometra orbicularis und andererseits ist das centrale 
dotterstocksfreie Feld verhältnismäßig größer wie bei letzterer Art. 
Während bei der eben genannten Art die vordere Begrenzung des von 
den Dotterstöcken bedeckten Raumes annähernd transversal verläuft, 
reichen bei Mesometra brachycoelia die Dotterstöcke an beiden Seiten 
nicht unwesentlich weiter nach vorn als in der Medianlinie, wie dies 



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lieber Monostomum orbiculare. 57 

Fig. 5 deutlich zeigt. Wenn es in Fig. 4 nicht hervortritt, so liegt dies 
nur daran, daß die auch bei dem in dieser Figur dargestellten Exemplar 
vorhandene Lücke zwischen den vordersten Dotterstocksfollikeln in der 
Abbildung verdeckt wird durch Oesophagus und Uterus. Für wichtiger 
halte ich jedoch den anderen Unterschied. Während nämlich bei Meso- 
nietra orbicularis die Dotterstöcke nicht nur die Darmschenkel völlig über- 
lagern, sondern auch noch nach innen zu über dieselben hinausragen, 
liegen bei Mesometra hrachycoelia die beiden Darmschenkel fast voll- 
kommen frei, nur ihr Außenrand wird eben noch von den am weitesten 
nach innen vordringenden Dotterstocksfollikeln verdeckt (vergl. die Ab- 
bildungen). Erst hinter den blinden Enden der Darmschenkel nähern 
sich die Dotterstöcke jederseits mehr der Medianlinie um einen kleinen 
Teil der Hoden und den Hinterrand des Keimstockes zu überlagern. 

Lage des Exkretionsporus wie bei Mesometra orbicularis. 

Die Eier sind wie bei Mesometra orbicularis sehr groß, doch finde 
ich nicht so erhebliche FormdifiFerenzen wie bei jener Art. Vielmehr 
erscheinen alle Eier langgestreckt: Längedurchmesser 0,078—0,080 mm, 
Querdurchmesser 0,035—0,040 mm. Diejenigen Eier, bei welchen der 
Querdurchmesser verhältnismäßig größer erscheint, zeigen Faltungen 
der Schale und können also Messungen und Formbestimmung nicht 
in Betracht kommen. Ein Filament ist ebensowenig vorhanden wie bei 
Mesometra orbicularis, 

S. Allgemeines Aber Mesometra nov. gen, Monoatomidarum. 

Daß die beiden vorstehend beschriebenen Monostomiden-Arten, 
welche beide im Darmkanale von Box salpa schmarotzen, bisher nicht 
auseinandergehalten worden sind, beruht augenscheinlich auf ihrer Ueber- 
einstimmung in der äußeren Körperform und in der Topographie der 
Genitalorgane. Diese selben Gründe, namentlich die Anordnung der 
Genitalorgane, weisen dann aber auch mit zwingender Notwendigkeit 
darauf hin, beide Arten als miteinander nächstverwandt, als Arten 
einer natürlichen Gattung im Sinne der neueren Trematoden-Systematik 
aufzufassen — trotz des auffälligen Unterschiedes in der Länge der 
Darmschenkel. Mir ist nur eine einzige natürliche Trematoden-Gattung 
bekannt, innerhalb deren sich eine ähnliche Differenz findet : die Distomen- 
Gattung neurogenes Lss. ^). Pleurogenes medians (Olss.) hat kurze, PI 
daviger (Rud.) dagegen verhältnismäßig lange Darmschenkel. Bei beiden 
aber ist die Lage der Hoden im Verhältnis zu den Darmschenkeln die 
gleiche (hinter den blinden Enden). Der Unterschied zwischen beiden 
Arten ist demnach noch nicht so tiefgreifend, wie bei den beiden hier 
behandelten Mesometra-Arten, Trotzdem würde ich es für eine zu weit 
gehende Zersplitterung des Systems halten müssen, wenn man für die 
beiden kleinen Monostomiden-Arten aus Box salpa des Verhaltens der 
Darmschenkel wegen 2 verschiedene Gattungen schaffen wollte, die 
dann natürlich nur je eine Art enthalten könnten. Das zoologische 
System hat doch nicht nur die Aufgabe, die natürlichen Verwandtschafts- 
beziehungen der Arten, soweit sie uns bekannt sind oder bekannt zu 
sein scheinen, zum zweckentsprechenden Ausdrucke zu bringen. Es hat 
außerdem auch noch die Aufgabe, die Uebersicht über die unendliche 

1) Daß die Gattung GymnophaUua Odhn. entgegen der Annahme von Odhner 
in diesem Zusammenhange nicht in I^Vage kommt, wird meine ausführliche Bearbeitung 
▼on G. micropharyngeus (Lhe.) zeigen, welche im Zusammenhange mit den Bearbeitungen 
anderer Distomen veröffentlicht werden soll. 



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58 M. Luhe, 

Fülle der in der Natur vorkommenden Formen zu erleichtern bez. über- 
haupt erst zu ermöglichen. Diese Uebersicht wird aber um so mehr er- 
schwert, je größer die Zahl der nur eine einzige Art umfassenden 
Gattungen ist. Derartige Gattungen sind allerdings unvermeidlich, und 
ich habe ja auch selbst in den letzten Jahren eine Reihe solcher Gattungen 
gebildet — aber sie bleiben deswegen doch ein, wenn auch notwendiges, 
üebel und sind nur dort gerechtfertigt, wo besonders wichtige Unter- 
schiede an den für die betreffende Tiergruppe -in Betracht kommenden 
systematischen Merkmalen oder die Konsequenz eines in sich völlig ge- 
schlossenen Systemes ihre Aufstellung erfordern. In dem hier vorliegenden 
Falle trifft meines Erachtens keine dieser beiden Voraussetzungen zu. 

Es fragt sich nun noch, ob Beziehungen der von mir neu aufgestell- 
ten Gattung zu anderen Monostomiden sich feststellen lassen. Von den 
von Looss in seiner großen systematischen Arbeit besprochenen bez. 
neu aufgestellten Monostomiden-Gattungen zeigt keine einzige eine 
nähere Verwandtschaft mit Mesometra, Zwei andere Formen dagegen, 
beide gleichfalls aus Box salpa stammend, zeigen eine weitgehende 
Aehnlichkeit mit den von mir untersuchten Arten : ich meine Manosiomum 
Stossichianum Mont. und Monostomum spinosissimum Stoss. Von beiden 
Formen hat Brandes Originalexemplare in Händen gehabt und „konnte 
mit absoluter Sicherheit konstatieren, daß die neue, kürzlich von 
Mo nti colli beschriebene Species nichts anderes vorstellt, als etwas 
stattliche Exemplare von Man. spinosissimum,"' Einer so positiven An- 
gabe gegenüber Zweifel zu äußern, mag vielleicht vorlaut erscheinen. 
Indessen hat Brandes den bereits vor 8 Jahren versprochenen Beweis 
für die Synonymie beider Arten bisher noch nicht veröffentlicht. Be- 
denkt man nun aber, daß eine Reihe von Arten, welche bisher als ein- 
heitlich aufgefaßt wurden, neuerdings in mehrere Arten zerlegt werden 
mußten (ich erinnere außer an den oben besprochenen Fall von Mono- 
stomum orbiculare hier namentlich an die von Looss vorgenommene 
Zerlegung von Distomum variegatum und cygnoides, sowie an Erfahrungen 
welche ich selbst an Apoblemen, namentlich an Distomum rufoviride ge- 
macht habe) ; bedenkt man weiter, daß speziell die Species Monostomum 
Proteus Brds. von Looss nicht nur in 2 Arten zerlegt, sondern sogar 
auf 2 Gattungen verteilt werden konnte, und daß Brandes das 
Monostomiden-Material des Berliner Museums, also wahrscheinlich auch 
das Glas No. 3161 in Händen gehabt hat, ohne darauf hinzuweisen, 
daß Parona unter dem Namen Monostomum orbiculare 2 leicht zu 
unterscheidende Arten zusammengefaßt hat — so wird es wohl kaum 
auf Widerspruch stoßen, wenn ich zum sicheren Nachweise der 
Synonymie zweier Arten genauere Angaben verlange und mich nicht bei 
einer kurzen Behauptung bescheide. So fern es mir auch liegt, gegen- 
über Brandes die Verschiedenheit beider Arten bestimmt behaupten 
zu wollen, so muß ich sie doch noch für möglieh halten, zumal auch 
St OS sich selbst in seiner 1898 erschienenen Helminthen-Fauna Triests 
beide Arten getrennt aufführt Speziell die Erfahrungen, welche ich an 
Monostomum orbiculare gemacht habe und welche zu der Unterscheidung 
der oben beschriebenen beiden Arten geführt haben, lassen es mir 
keineswegs ausgeschlossen erscheinen, daß sich Monostomum spinosissimum 
Stoss. und Monostomum Stossichianum in gewissem Sinne ähnlich zu 
einander verhalten, wie die beiden von mir unterschiedenen Mesometra- 
Arten. Wie dem auch sei, beiden Formen sind folgende Merkmale mit 
einander und mit den beiden Jf^som^^ra- Arten gemeinsam: 



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üeber Monostomum orbiculare. 59 

Der Mundsaugnapf liegt subterminal, vom Vorderende des Körpers 
noch durch einen Parenchymstreif getrennt. Der Oesophagus ist recht 
lang und zeigt (wenigstens von Monticelli bei Man, Stossichianum 
beobachtet) an seinem Ende eine Pharyngeal- Anschwellung. Der Keim- 
stock liegt median am Hinterende des Körpers, dicht vor ihm die längs- 
ovalen, symmetrischen Hoden. Der Uterus steigt zwischen den Hoden 
in der Medianlinie empor, um seine Hauptentwickelung in Zickzack- 
windungen erst vor denselben zu erreichen. Die Genitalöffnung liegt 
median, ventral vom Oesophagus. (Im einzelnen wird ihre Lage freilich 
verschieden angegeben: von Monticelli bei Mon. Stossichianum ventral 
vom Ende des Oesophagus, von S t o s si ch bei Mon, spinosissimum ventral 
vom Anfange desselben.) Ein Cirrhusbeutel scheint zu fehlen, obgleich 
eine direkte diesbezügliche Angabe fehlt — Die Angaben von S tos sich 
und Monticelli über die Dotterstöcke lassen einen erschöpfenden 
Vergleich noch nicht zu, wohl aber den Schluß, daß auch in dieser 
Hinsicht zwischen Monostomum spinosissimum- Stossichianum und den 
Mesometra-Arten kein prinzipieller Unterschied besteht. Angaben über 
das Wassergefäßsystem bat nur Stossich bei der von ihm als Monosto- 
mum spinosissimum bezeichneten Form gemacht. So wenig dieselben 
auch in das Detail gehen, so sehr drängen sie den Vergleich mit dem 
von Parona besprochenen netzförmigen Wassergefäßsystem von Mono- 
stomum orbiculare auf. 

Die von Stossich und Monticelli als Monostomum spinosissimum 
bez. Mon. Stossichianum beschriebenen Formen sind demnach mit Meso- 
metra orbieularis und Mesom. hrachycoelia nahe verwandt. Sie unter- 
scheiden sich von den beiden letzteren hauptsächlich durch die gestreckte 
Eörperform und die Bestachelung der Haut, sowie durch die langen 
Filamente der Eier ^). Diese Merkmale würden nach den systematischen 
Anschauungen von Looss ausreichen zur Schaffung einer besonderen 
Gattung, die dann mit Mesometra zu einer Unterfamilie zu vereinigen 
wäre. Ich würde entsprechend der Auffassung, welche ich in meinem 
im Centralbl. f. Bakter. erschienenen Referat über die L o o s s 'sehe Arbeit 
vertreten habe, es vorziehen, Monostomum spinosissimum auf Grund der 
Uebereinstimmung in den allgemeinen topographischen Verhältnissen in 
die Gattung Mesometra einzureihen und nur mit Rücksicht auf die Ab- 
weichung in den angeführten einzelnen Merkmalen eine besondere Unter- 
gattung, Centroderma mit Namen 2), zu schaffen. Ich gebe aber voll- 
kommen zu, daß es Geschmackssache ist, welchen von beiden Wegen man 
einschlagen will. Als Typus von Centroderma sehe ich Monost. spinosis- 
simum Stoss. an, trotzdem diese Form weniger genau beschrieben ist, 
als Monost. Stossichianum Mont. Es scheint mir dies jedoch zweckmäßig,, 
um der definitiven Entscheidung der Frage, ob es sich um eine einzige 
oder um 2 Arten handelt, nicht vorzugreifen, und ich halte mich dazu 
für berechtigt, da durch die Stellungnahme von Brandes sichergestellt 
ist, daß wichtige Unterschiede zwischen den beiden Formen keinesfalls 
bestehen können. 

Zum Schlüsse noch ein Wort über Monostomum capiiellatum Rud. 
Ich stimme mit Looss vollkommen darin überein, daß diese Art sich 



1) Stossich (1883) hatte die Eifilamente infolge eines Versehens nicht Monost. 
tpinoHssimumf sondern Monost. capitellatum zngesclinehen\ indessen hat Brandes durch 
Untersuchung der Originale diesen Irrtum berichtigt, und ihm hat sich später (1898) auch 
Stossich selbst angeschlossen. 

2) Yon To xevTpov der Stachel und to dip\i.aL die Haut. 



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gO M. Luhe, lieber Monostomum orbiculare. 

in keine der bisher geschaffenen natürlichen Monostomiden-Gattungen 
einreihen läßt und daß demnach für sie eine besondere Gattung wird 
geschaffen werden müssen. Dies meinerseits zu thun, habe ich ebenso- 
wenig Veranlassung wie Looss. Ich glaube jedoch nicht, daß die 
systematische Stellung, welche letzterer der betreffenden Gattung anzu- 
weisen geneigt ist, dem natürlichen Verwandtschaftsverhältnis entspricht 
Looss sieht Monost camtellatum als nächstverwandt mit Monost spinosts- 
stmum-Siossichianum an und will diese Formen zu einer Unterfamilie der 
Monostomiden zusammenfassen. Die Charaktere dieser Unterfamilie 
würden nach ihm sein : 1) die gestreckte Körperform, 2) die Bestachelung 
der Haut, 3) die Länge des Oesophagus und die Entwickelung des 
Fharyngealbulbus an dessen hinterem Ende, 4) die Lage der Genital- 
öffnung dicht unter diesem Bulbus, 5) das Fehlen oder wenigstens die 
geringe Entwickelung der Kopulationsorgane, 6) die Lage der Keim- 
drüsen im Hinterkörper und des Keimstockes hinter den Hoden und die 
ziemlich reichliche Entwickelung der Dotterstöcke. 

Ich glaube vorstehend den Nachweis erbracht zu haben, daß wir 
die nächsten Verwandten von Monost. spinosissimum-Stossichianum 
in Mesometra orbicularis und brachycoelia zu suchen haben. Monti- 
celli's Fig. 8 lehrt in überzeugender Weise die vollkommene Ueberein- 
stimmung in der Topographie der Genitalorgane. Unter diesen Umständen 
muß ich den diesbezüglichen Unterschieden zwischen Monost. spinosissimum-^ 
Stossichianufn und Monost, capiteUatum^ bei welch letzterem die Hoden 
median voreinander liegen und die Dotterstöcke netzförmig 
an der Körperoberfläche, speziell auch an der Ventralfläche an- 
geordnet sind (vergl. Monticelli's Fig. 1), ein größeres Gewicht bei- 
legen, als dies Looss thun zu wollen scheint. Andererseits gelten die 
oben unter 1, 2 und 4 angeführten Merkmale für die beiden von mir 
untersuchten Mesometra- AxtQn nicht. Der allgemeinen Topographie der 
Genitalorgane gegenüber scheinen mir jedoch diese Merkmale verhältnis- 
mäßig minderwertig zu sein und die von Looss angenommene nahe 
Verwandtschaft von Monost. capiteUatum mit Monost. spinosissimum- 
Stossichianum ebensowenig beweisen zu können wie die Ausbildung des 
Oesophagus und die Lage der Genitalöffnung. Jedenfalls kann Monost. 
capitellatum unter keinen Umständen in die Gattung Mesometra — und 
wenn man Centroderma nicht als Untergattung auffassen, sondern mit 
Mesometra zu einer Unterfamilie im Sinne von Looss vereinigen will, 
ebensowenig in diese Unterfamilie eingereiht werden. 

Königsberg i. Pr., im Dezember 1900. 

Littoraturrenolohnis. 

Brandes, G., Revision der Monostomiden. (Centralbl. f. Bakter. Bd. Xu. 1892. 

p. 504-511.) 
Looss, A., Weitere Beiträge zur Kenntnis der Trematoden-Fauna Aegyptens, zugleich 

Versuch einer natürlichen Gliederung des Genus Distomum Ketzius. (Zoolog. 

Jahrb., Syst, Bd. XII. 1899. p. 521—784, speziell p. 669 f.) 
Monti colli, Fr. Sav., Studii sui Trematodi endoparassiti. Dei Monostomum del Box 

aalpa. (Estr. d. Atti R. Accad. sc. Torino. Vol. XXVII. 1892.) 
Parona. G., Intomo al Monostomum orbiculare Rud. del Box scUpa, (Estr. d. R Aocad. 

d'agric. Torino. Vol. XXIX. 1886.) 
Rudolph i, C. A., Entozoorum Synopsis. Berolini 1819. p. 83 und 342. 
Stossich. AL, Brani di elmintologia Tergestina. I. (Estr. d. Boil. Soc adr. sc. nat 

Trieste. Vol. Vin. 1883. p. 1-2. Taf. II. Fig. 8 -9.) 
— — , Saggio di una fauna elmintologica di Trieste e provincie contermini. Trieste 

1898. p. 63-65. 



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James H. Wright, A method for the cultivation of anaSrobic bacteria. 61 

Nachdruck verboten, 

A method for the cultivation of anaerobic bacteria. 

[From the Clinico-Pathological Laboratory of the Massachusetts General 

Hospital, Boston, Mass. U. S. A.] 

By Dr. James H. Wright. 

With a figure. 

The method is applied in the usual test tube cultures and consists 
in soaking into the cotton Stopper, after it has been pnshed some dis- 
tance down into the test tube, a small 
amount of a Solution of pyrogallic acid 
and of a strong Solution of sodium hy- 
drate, after which the tube is immediately 
tightly closed with a rubber stopper and 
is set aside for growth. Usually it is 
desirable to cut oflF some of the projecting 
cotton of the stopper. The cotton should 
not be packed too hard into the tube. 

For a medium sized test tube, ap- 
proximately 0.5 c. c. of a Solution of 
pyrogallic acid (made by dissolving in a 
certain quantity of water about an equal 
bulk of pyrogallic acid) and approxi- 
mately 1 c. c. of a Solution of sodium 
hydrate (1 part of sodium hydrate to 
two parts of water) are sufficient. These 
quantities of the Solutions are run into 
the cotton stopper with the aid of a 
pipette, the Solution of pyrogallic acid 
before the Solution of alkali. The rubber 
stopper is to be inserted with as little 
delay as possible after the addition of 
the latter Solution. 

The quantity of pyrogallic acid and 
alkali Solutions absorbed by the cotton 
stopper is relatively so small, as com- 
pared with the bulk of the cotton, that 
there is no danger of the contamination 
of the culture media by the mixture 
running down the side of the tube. 

It is obvious that the method can 
be used for all forms of cultures in test 
tubes, including Esmarch roll cultures 
and also for cultures in flasks. It has 
been tested successfuUy on three examples 
of the tetanus bacillus isolated from 

cases of tetanus in the Massachusetts General Hospital and on three 
other obligate anaerobes. 

In applying this method care should be taken to be sure that the 
culture media be fresh and of a sufficient degree of alkalinity. Of 
course the usual precaution of boiling and cooling the medium before 
inoculation is to be observed. 

The photograph shows an anaerobic bouillon tube prepared in accord- 
ance with this method. 



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62 ' G. Gorini, Einige Bemerkungen zu Abba's Arbeit etc. 

Nachdruck verboten. 

Einige Bemerkangen zu Abba's Arbeit: ,,Weitere behufs 

DesmfektioD von Wohnräumen mit dem Flügge'schen und 

dem Schering'schen formogenen Apparat ausgefülute 

Versuche". 

Von Dr. C. G^orini, Privatdocent. 

In der genannten, in dem Centralbl. f. Bakt. etc. Bd. XXVIIL 
1900. No. 12/13 veröffentlichten Arbeit sagt Abba p. 381: „Sie (d. i. 
ich und andere Verff.) begnügten sich damit, aar „künstlich ge- 
züchtete Bakterien der Einwirkung der Formaldehyddämpfe auszu- 
setzen". Das entspricht nicht der Wirklichkeit, denn meine Arbeit*) 
enthält zwei ganz getrennte Reihen von Untersuchungen, von denen 
die erste mit künstlichen Kulturen von Staphylococcus pyogenes 
aureus und die zweite mit echten pneumonischen und tuber- 
kulösen Sputa ausgeführt wurde. 

Auch bezüglich meiner Schlußfolgerungen schreibt Abba manche 
Unrichtigkeiten; da aber das Wesentliche meiner Schlüsse schon in 
diesem Centralbl. Bd. XXVII. 1900. p. 476 von M. Deeleman klar- 
gelegt wurde, so will ich hier nicht in eine für den Fortschritt der Frage 
unnütze Polemik eintreten. Jedenfalls besteht die gründliche Ver- 
schiedenheit zwischen meinen Schlüssen und jenen von Abba darin, 
daß er gar keine Anwendung des Formols zur Wohnungsdesinfektion 
zulassen will, während ich eine eingeschränkte Anwendung des- 
selben, nach der Natur der Krankheit und nach den Verhältnissen des 
Raumes, gestatte. Nun scheint es mir, daß namentlich in Betreff von 
hygienischen Maßregeln der Absolutismus kein gutes System sei. Abba 
erkennt die großen Vorteile des Formaldehyds an; er erkennt ferner 
an, daß man, im Gegenteil zu seiner früheren Ansicht, bei der Ueber- 
sättigung des Raumes mit Wasserdampf noch bessere Resultate erhalten 
kann ; in Wahrheit hat er in der Turiner Desinfektionsanstalt einen be- 
sonderen, gut eingerichteten Raum für die Formaldehyddesinfektion von 
persönlichen Gebrauchsgegenständen herstellen lassen. Warum will er nun 
nicht zugeben, daß in einzelnen Fällen, die dem Urteile eines sachver- 
ständigen Technikers zu unterbreiten sind, das Formol von großem Nutzen 
sein könne? Natürlich muß man sich damit befriedigen, eine prak- 
tische Desinfektion, nicht eine Sterilisierung der Räume zu erhalten. 

Eine solche, nach meinem Sinne eingeschränkte Desinfektions- 
praxis mit Formaldehyd ist schon in mehreren Ortschaften offiziell und 
nait gutem Erfolge eingeführt worden; so in Breslau und Stettin 
{Flügge, Zeitschr. f. Hyg. Bd. XXIX. p. 276 u. Klin. Jahrbuch. Bd. VIL 
1900), in Köln (Czaplewski, Münch. med. Wochenschr. 1899. p, 1581 
u. Centralbl. f. allg. Gesundheitspfl. Bd. XIX. 1900), in Graz (Rositzky, 
Münch. med. Wochenschr. 1899. p. 1372), in Oesterreich, namentlich für 
die Desinfektion von Schulräumen, wie ich selbst geraten habe (Grub er, 
Das österr. Sanitätswesen. 1898. p. 352 u. 1899. p. 72) etc. 

Rom, November 1900. 



1) Gorini, Sulla disinfezione degli ambieuti mediante la formaldeide. (U Poli- 
clinico. Vol. VI. 1900. M.) 



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Original-Referate aas den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 63 



Original-Referate aus den Sitzungen gelelirter Gesellscliaften. 

IfaehdnLek verboten, 

Sitzung der Berliner med. Gtesellschaft Tom 19. Dezember 1900. 

Plorkowskl berichtet über eine Modifikation der Diph* 
theriebacillenfärbung. 

Nachdem P. die verschiedenen, bisher bekannten Verfahren be- 
leuchtet hat, kommt er auf die Neiße r 'sehe Methode zu sprechen, der- 
zufolge die bekannte Färbung nur nach Wachstum auf Serumkulturen 
bei einer Temperatur von 34—36® C und innerhalb von 9—20 Stunden 
gelingen sollte. 

P., der mit P ewsner gearbeitet, erkennt diese Methode an. Nach 
seiner Ansicht erreicht man aber gleichfalls gute Resultate, wenn das 
Wachstum auf Glycerinagar und bei 37® C erfolgt, wenngleich 
allerdings das Loe ff 1er 'sehe Serum der günstigste Nährboden ist und 
35® C das Temperaturoptimum. 

Seine Modifikation, durch die die Aufnahmefähigkeit der Diphtherie- 
bacillen für die Tinktion verschärft werden soll, besteht darin, daß von 
15—24 Stunden alten Kulturen, die bei 37 ® C auf Glycerinagar oder 
Loeffler'schem Serum gewachsen sind, Deckglaspräparate angefertigt 
werden, welche zunächst ^/2— 1 Minute mit alkalischer Methylenblau- 
lösung leicht erwärmt und 5 Sekunden lang mit 3-proz. Salzsäurealkohol 
entfärbt werden. Zur Nachfärbung, die ebenfalls 5 Sekunden lang währt, 
wird 1-proz. wässerige Eosinlösung benutzt 

Mittels dieser Färbung werden rötliche Bacillen erzielt mit blau- 
schwarz resp. blauviolett gefärbten Polkörnern, den Babes-Ernst- 
schen Körperchen. 

Diese Färbbarkeit konnte in obigen Kulturen teils bis zum 2., teils 
bis zum 7. Tage konstatiert werden. Danach blieb die Polfärbung aus. 
Bei neu erfolgter Ueberimpfung waren die Körner von neuem tinktoriell 
nachzuweisen. 

Nachdem die Brauchbarkeit dieser Modifikation gesichert war, be- 
merkte P., daß die Polkörper in Kanadabalsam ihre Formen nicht vor- 
schriftsmäßig genug zur Geltung brachten, daß der Balsam die Körner 
schrumpfen ließ und da zeigte sich denn, daß die Einschlüsse in Wasser 
auffallender und distinkter waren. Es fanden sich 1, meist 2 Körner an 
den Polen, mitunter noch ein drittes, das dann in der Mitte des Bak- 
teriums lag. Die Polkörner waren meist von scheinbar größerem Durch- 
messer als der Querdurchmesser des Zellleibes, wie N ei ß er 's Angaben 
lauten. 

Infolgedessen konnte das ganze Verfahren eingeschränkt werden 
und es genügte schon, wenn die Präparate ^/<— 1 Minute mit Loeff- 
ier'schem Methylenblau leicht erwärmt und 5 Sekunden lang mit 3-proz. 
Salzsäurealkohol entfärbt wurden, um sie nach der Abspülung mit Wasser 
darin zu untersuchen, wobei die Körner blau, der Plasmakörper ent- 
färbt sich präsentierten. 

Noch auffallender allerdings wurden die Präparate, wenn folgender- 
maßen verfahren wurde: Färbung mit Methylenblau, ^/^ — 1 Minute 
leicht erwärmt, 5 Sekunden mit 3-proz. Salzsäurealkohol entfärbt, mit 
Wasser abgespült und 5 Sekunden mit 1-proz. wässeriger Eosinlösung 
nachgefärbt. Darauf Abspülen mit Wasser, Auflegen des Deckgläschens 
auf den Objektträger und Aufnahme des überschüssigen Wasser mittels 



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54 Pigment der Bakterien. 

Fließpapier. Die Untersuchung geschieht mit Oelimmersion bei 1000- 
facher Vergrößerung. 

In der Untersuchung in Wasser sieht P. ein Hilfsmittel zur besseren 
Kenntlichmachung und die scharfe Abgrenzung der Polkörner hierbei 
wird es möglich machen, über das spätere Schicksal derselben weitere 
Aufschlüsse zu geben. 

Der Vortragende hält es für ausgeschlossen, daß es sich um sporo- 
gene Elemente handelt, was Bunge bereits nachgewiesen hat; dagegen 
unterstützt er die Ansicht von Marx, der in Gemeinschaft mit Woithe 
die Theorie aufgestellt hat, daß sich der Uebergang eines nicht infizie- 
renden Bakteriums zum infizierenden durch eine Kondensation und 
Lokalisation der euchromatischen Substanz vollzieht, die zur Bildung der 
Babes-Ern st 'sehen Körperchen führt. Ebenso verhält es sich nach 
Marx umgekehrt: Ein Bakterium verliert seine Virulenz mit der Ver- 
nichtung dieser Körperchen. 

Es steht noch nicht fest, ob mit der Zerstörung dieser Körperchen 
die Fähigkeit der Toxinproduktion aufhört. Die Lebensfähigkeit thut 
es jedenfalls nicht, denn es können Diphtheriebacillen noch nach Mo- 
naten fortgezüchtet und die Polkörner zur Darstellung gebracht werden* 

P. glaubt, daß es sich bei den sogenannten Pseudodiphtheriebacillen» 
bei denen Polkörner nicht nachgewiesen werden können, uni avirulente 
Arten derselben Species handelt. 

Bei längerem Aufenthalt im Brutschrank quellen die Pole der Diph- 
theriebacillen auf und nehmen teilweise recht erhebliche Kolbenforraen 
an. Die Polkörner der echten Diphtheriebacillen folgen dieser Aus- 
dehnung jedoch nicht, zerfallen vielmehr oder teilen sich in kleine Gra- 
nula und verschwinden endlich, scheinbar völlig, nach 2 Tagen, teils 
später. Wahrscheinlich werden sie in veränderter Gestalt innerhalb der 
Zellen reteniert. 

Die späteren Schicksale der Polkörner lassen sich besonders scharf 
beobachten durch Züchtung der Bakterien in mit Methylenblau versetzter 
Bouillon resp. in einem mit dieser Bouillon hergestellten hängenden 
Tropfen, wodurch man in der Lage ist, die Biologie der Polkörner 
längere Zeit hindurch zu beobachten. 

P. hat die Untersuchungen, die er über den regressiven oder pro- 
gressiven Charakter gewisser Formveränderungen angestellt hat, noch 
nicht abgeschlossen, hebt aber hervor, daß diese Methode der Bakterien- 
beobachtung zu außerordentlich interessanten Aufschlüssen führt und 
will späterhin darüber berichten. 



Referate. 

Legros, Action sur l'organisme des pigments microbien s- 

[Mitgeteilt in der Societ6 de biologie am 3. November 1900.] (La 

Semaine mödicale. 1900. No". 46.) 

L. brachte Meerschweinchen und Kaninchen auf verschiedenen 

Wegen Pyocyaninkrystalle bei. Trotz langdauernder Beobachtung der 

Tiere konnte er keinerlei Wirkung des Farbstoffes beobachten. Er 

glaubt daher, daß das Pigment im Vergleich mit den Toxinen des 

Pyocyaneus vollständig inaktiv ist, weil es in Dosen, die größer 



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Roseola typhosa. — Bacillus pyocyaneus. g5 

sind als aktive Toxindosen, weder Erkrankung noch Immunität be- 
wirkt. Victor E. Mertens (Königsberg i. Pr.). 

FrSnkel, E,, lieber Roseola typhosa. (Zeitschr. f. Hygiene. 
Bd. XXXIV. 1900. p. 482—495.) 

Der genaue mikroskopische Nachweis des Sitzes der Typhusbacillen 
innerhalb der Roseolaflecke der Haut ist wegen der geringen Zahl der 
Bacillen bisher nicht sicher zu erbringen gewesen. Hierfür hat Verf. 
nun das Anreicherungsverfahren angewendet. Bei 5 Typhusfällen, wo- 
selbst die Diagnose durch die Wi dal- Probe und die Züchtung der 
Typhusbacillen aus dem Roseolenblut (nach Neufeld 's Methode) und 
auch aus dem Stuhlgang festgestellt war, wurden Stückchen der Roseo- 
lenhaut noch lebenswarm in Bouillon geworfen und 18 Stunden bei 
37^ belassen, danach unter Entfernung der Bouillon in Wasser ge- 
waschen und in Formol fixiert. Nach Härtung in Alkohol und Celloidin- 
einbettung wurden Serienschnitte mit Unna 's polychromem Methylen- 
blau gefärbt. Es zeigten sich die nun an ihrem jeweiligen Sitz reich- 
lich gewucherten Bacillen schon bei schwacher Vergrößerung als dunkel- 
blaue Herde. Dieselben saßen 4mal in der Pars papillaris cutis 
und nur Imal in der Pars reticularis. Die Blutgefäße waren jedesmal 
frei, hingegen lagen die Bacillenwucherungen einigemal deutlich in Ka- 
nälchen, die Verf. als Lymphgefäße anspricht. Die von den Herd- 
affektionen betroffenen Papillen erwiesen sich deutlich angeschwollen, 
so daß sie den Umfang gesunder bis zum Dreifachen übertrafen; ihr 
Stroma erschien außergewöhnlich zellenreich, wobei ausschließlich die 
fixen Bindegewebszellen der einzelnen Papillen beteiligt waren. Zugleich 
war über den erkrankten Papillen der Zusammenhang mit der Oberhaut 
gelockert In 2 Fällen, wo die Bacillen besonders reichlich vorhanden 
waren, zeigte sich eine als Koagulationsnekrose aufzufassende Ver- 
änderung des Oberhautepithels und Papillenstromas. Es handelte sich 
hierbei in einem Falle um eine sicher frische, erst 2 Tage bestehende 
Roseole. 

Nach alledem können die Roseolen nicht als einfache Hauthyper- 
ämieen angesehen werden, sondern steilen eine echte Hauterkrankung 
dar. Was schließlich aus der Roseole und den darin enthaltenen Typhus- 
bacillen wird, müssen weitere Untersuchungen zeigen. 

5 mit bekannter Meisterschaft dargestellte Mikrophotogramme von 
Hautschnitten sind dem Text zur Erläuterung beigefügt 

Kurth (Bremen). 

Helman, D., Einige Bemerkungen über die Rolle des Ba- 
cillus pyocyaneus bei der Entstehung croupöser pri- 
märer Entzündung des äußeren Gehörganges und über 
die pathogenetischen Eigenschaften des Bacillus pyo- 
cyaneus im allgemeinen. [Kilka uwag o roli lasecznika 
zielonej ropy w -powstawaniu tzw. pierwotnego krupo- 
wego zapalenia przewodu sluchowego zewngtrznego 
i wlasnosciach patogenetycznych lasecznika zielonej 
ropy wogole.] (Medycyna. 1900. No. 47, 48, 49.) [Polnisch.] 
Bei der (überhaupt seltenen) primären croupösen Entzündung des 
äußeren Gehörganges wird (von dem Bau der sonstigen croupösen 
Pseudomembranen nicht abweichendes, aber nach Ansicht des Verf.'s 
durch Koagulation eines aus dem anfänglich entstehenden Bläschen ent- 

Xnto Abu XZIX. Bd. 5 



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66 Aktinomykose. — Krebs. 

leerten Inhaltes auf der Oberfläche der sonst intakten Epidermis ge- 
bildetes) häutiges Gebilde abgeschieden. Die Bildung derartiger Mem- 
branen wird nach Ansicht des Verf.'s durch den Pyocyaneus verur- 
sacht. Genauere bakteriologische Untersuchungen wurden bei der croupösen 
Entzündung des äußeren Gehörganges früher nicht angestellt; den bei 
dieser Erkrankung beobachteten, übrigens näher nicht bestimmten Bak- 
terien wurde von den Autoren bis heute keine pathogenetische Bedeutung 
zugeschrieben. Erst 1888 wurde von Guranowski (Gazeta lekarska und 
Monatsschr. f. Ohrenheilk.) auf den Pyocyaneus, welchen er in einem 
Falle in Reinkultur isolierte, hingewiesen. Verf. hat nun in 3 anderen 
Fällen von croupöser primärer Gehörgangsentzündung denselben Bacillus 
mikroskopisch und bakteriologisch in Reinkultur nachgewiesen. Die 
genannte Erkrankung ist demnach von den spezifisch-diphtheritischen, 
durch Loeffler'sche Bacillen verursachten Prozessen streng zu unter- 
scheiden. (Sonst Zusammenstellung des Bekannten.) 

Giechanowski (Erakau). 

B^rard, L. et Nicolas, J., Note sur la rösistance des spores 
de TActinomyces. (Compt. rend. hebd. de la Soc. de BioL 1900. 
Oct. 19.) 
VerfiF. fanden die Actinomyces- Sporen folgendermaßen resistent: 

1) 6 Jahre hindurch aufbewahrte Sporen gaben noch üppige Vege- 
tation. 

2) Sowohl trockene als auch feuchte Wärme tötete erst bei 80 ^ und 
1 5 Minuten langer Einwirkung die Actinomyces- Sporen ab, während 
15 Minuten währende Einwirkung von 75® die Sporen nicht alterierte. 

3) Die Resistenz gegen Sonnenlicht verhielt sich so, daß die in 
Bouillon suspendierten Sporen bei sehr starker Bestrahlung nach 
6V2 Stunden ungeschädigt waren, nach 14 V2 -stündiger starker Be- 
strahlung — freilich waren durch die Wärme die Sporen vorher aus- 
gekeimt — abgetötet. 

238-stündige Einwirkung der Sonnenstrahlen auf Sporen in trockenem 
Zustande hinterließ trotz starker Intensität keine Schädigung der Lebens- 
fähigkeit. R. Seh eil er (Berlin). 

Olt, Die Suche nach der Ursache des Krebses. (Deutsche 
tierärztliche Wochenschrift. 1900. No. 22 und 23.) 
In vorliegender Arbeit giebt 01t eine ausführliche Zusammenstellung 
über die in der Litteratur bis dahin erschienenen Abhandlungen betreffs 
der Aetiologie des Krebses. Verf. unterwirft verschiedene Arbeiten 
einer strengen Kritik und sucht an der Hand seiner Untersuchungs- 
resultate verschiedene Behauptungen und Ansichten in dieser Frage 
richtig zu stellen. 

Besonders italienische Forscher haben in den letzten Jahren zahl- 
reiche Arbeiten erscheinen lassen, in welchen sie die Ursache der bös- 
artigen Geschwülste in Coccidien oder in Sproßpilzen suchen. Busse ' 
und Sanfelice züchteten aus bösartigen Tumoren Hefen. Rivolta 
will schon 1873 für eine dem Rotz ähnliche Hauterkrankung eine Hefe 
als Ursache gefunden haben. E r und Miceleone nannten sie K r y p t o- 
coccus farciminosus. Piana und Galli- Valerie klassifizierten 
sie unter die Sporozoen, Claudio Fermi und E. Aruch unter die 
Blastomyceten. Letzteren gelang es sogar, diesen Blastomyceten auf 
Kartoffeln zu züchten und seine pathogenen Eigenschaften an Kaninchen 



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Krebs.' 67 

nachzuweisen. Lydia Rabinowitsch hat von 50 Hefearten 7 als 
pathogen gefunden. Sehr eingehend beschäftigte sich mit dieser Frage 
Sanfelice. Er machte Färbungen in Schnitten mit Ehrlich'schem 
Gentianaviolett und 1-proz. wässeriger Safraninlösung, worauf die frag- 
lichen Körperchen blau, das Gewebe rot wurde. Dieses tinktorielle Ver- 
halten ist nach Sanfelice ffir Blastomyceten charakteristisch. B i n a g h i 
will bei 53 untersuchten Epitheliomen 40 Fälle mit Blastomyceten gefunden 
haben. Als Gegner San felice's betrachten Borrel, Fahr e-Dom er gue, 
Thin, Duplay und Gozin, Török diese Erebskörperchen als bloße 
Gewebsdegenerationen ohne pathogene Bedeutung. Sanfelice stützte 
sich auf seine Resultate experimenteller Untersuchungen, die er mit 
Saccharomyces lithogenes, Sacch. granulomatosus und 
Sacch. neoformans vornahm. Er will mit diesen Arten pathologische 
Neubildungen erzeugt haben. Busse sagt: ^Daß die Hefen die Ur- 
sache der Geschwülste seien; es aber bisher noch nicht 
bewiesen, ebensowenig gelungen sei es, durch Injek- 
tionen von Hefen bei Tieren wirkliche Geschwülste her- 
Torzurufen". 

Ol t's Versuche beschränken sich auf Züchfungsversuche und mikro- 
skopische Beobachtungen in Schnitten von 4 Garcinomen beim Pferd, 
^ Garcinomen bei Hunden und 23 Mammaadenomen. Als Nährsubstrat 
wurde verwendet Kartoffel, erstarrtes Rinder- und Pferdeserum, Fleisch- 
wasserpeptonagar, Bouillon und Heuinfus. Das Ergebnis der Aussaaten 
war bei allen Tumoren ein negatives, insbesondere konnten durch 
Züchtungsversuche keine Blastomyceten ermittelt werden. Autor prüfte 
diese Krebskörperchen auf ihr Verhalten gegen Säuren und Alkalien, 
wie es Binaghi that. 01t fand, daß sie sich verschieden verhalten 
g^enüber dem anderen Gewebe, jedoch gleich wie die roten Blutzellen. 
Er prüfte sie deshalb auf ihren Eisengehalt und mußte auch hier kon- 
statieren, daß sich fragliche Krebskörperchen den roten Blutzellen analog 
verhielten. 01t sagt deshalb: Aus dieser Reaktion geht hervor, 
daß die vermeintlichen Parasiten eisenhaltige Gebilde 
sind, da ferner ihr optisches Verhalten große U.eberein- 
stimmung mit den roten Blu tkörperchen zeigt, liegt die 
Vermutung nahe, daß sich letztere bei der Bildung dieser 
rätselhaften Körperchen beteiligt haben. Es ist 01t über- 
haupt aufgefallen, daß die Krebskörperchen in größter Zahl da sind, wo 
kleine Blutungen ins Gewebe stattgefunden haben. Die Epithelzellen 
nehmen rote Blutkörperchen wie die korpuskularen Elemente der Ge- 
websdegenerationen in ihren Protoplasmaleib auf. Die roten Blutzellen 
verschmelzen zu einer plastischen Masse, die Kugelgestalt annimmt. In 
der Regel lagert sich diese mehr oder weniger homogene Substanz um 
Plasmaklümpchen oder um Kerne oder deren Fragmente, welch letztere 
in gleicher Weise von Krebszellen aufgefressen werden. Auch das 
eigenartige tinktorielle Verhalten der vermeintlichen Blastomyceten steht 
nicht im Widerspruch mit der Annahme, daß dieselben in der Haupt- 
sache Derivate roter Blutkörperchen sind. Ip der Fortsetzung seiner 
Arbeit giebt 01t vorerst eine genaue Beschreibung der pathologisch- 
. histologischen Verhältnisse bei Mammaadenomen der Hündin; und 
durch zahlreiche Untersuchungen an gefärbten und ungefärbten Schnitten 
beweist er, daß die vermeintlichen Krebskörperchen doch Blutzellen oder 
Ueberreste solcher sind. 

Eine neue Richtung schlägt Sjöbr in g ein, der alles bis dahin Ge- 



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68 Rinderpest 

sehene als Rhizopodien formen bezeichnet und dieselben aaf 
einer 8-proz. Nährgelatine mit Zusatz von 1,5 Proz. einer konzentrierten 
wässerigen Kaliseifenlösung aus Fett von Homo und 1 Proz. Rohr- oder 
Traubenzucker gezüchtet haben will. Eine Fixation der Gebilde durch Aus- 
trocknung oder Osmiumsäure gelang ihm nicht. Er sagt: Nach Einwirkung 
von Osmiumsäuredämpfen zerfallen sie unter zitternden und tanzenden 
Bewegungen in kleine Körner. Osmiumsäure wie Eserin bewirken bei 
allmählichem Eindringen in das Präparat ein blitzschnelles Einziehen 
aller Pseudopodien mit Abrundung der Amöben und sodann das oben- 
erwähnte Zerfallen. Wenn man Osmiumsäure in Lösung direkt mit dem 
Kulturtropfen mischt, verschwinden die Gebilde gänzlich und anstatt 
deren findet man Fettaugen-ähnliche, graugefärbte Massen im Präparate. 
1 1 hat diese Versuche nachgeprüft und ist zu der üeberzeugung gekommen, 
daß es sich bei den Versuchen von S. um Verwechslungen mit freiem 
Fette handelt. Dem Ganzen setzten aber S.' Impfversuche die Krone 
auf. Er will durch Uebertragung dieser Rhizopoden bei 8 weißen Mäusen 
typische Tumoren erzeugt haben. 01t kritisiert im ferneren die Arbeiten 
Behla's. Behla hat nämlich aus Mi esc her 'sehen Schläuchen Hefe- 
zellen gezüchtet. Dieser Blastomycet soll nach ihm mit dem Kartoffel- 
pilz, Phytophthora infestans, zusammenhängen. Die Sporen des- 
selben sollen im Magen hefeartig sprossen, in die Darmepithelien ein- 
dringen und mit der Blutbahn fortgetragen werden. 1 1 kritisiert mit Recht 
diese Anschauung und hält Behla vor, er werde wohl mit verunreinig- 
ten Nährsubstraten gearbeitet haben. Behla glaubt, daß ein endemische» 
Vorkommen des Krebses existiere und giebt darüber statistische Angaben^ 
die aber 1 1 nicht für haltbar hält Der Krebs soll auch durch fremde 
Organismen, wie die Malaria etc., weiterverbreitet werden, sowie durch 
Fressen von Pflanzen oder Saufen von Wasser, welche diese Parasiten 
enthalten, auf die Tiere übergehen. Casper aber sagt gerade, daß die 
Carcinomatose des Digestionsapparates bei den Tieren eine Seltenheit 
sei. Nach Behla wären nicht nur die Sacchoromyceten, sondern auch 
die Phyko-, Asko- und Basidiomyceten, welche hefeartige Sprossungen 
haben, als solche Parasiten zu betrachten. 01t verspricht sich wenig von 
der Theorie Behla's. 

A. Wilhelm! (Bern). 

Llgiii^res, Contribution k l'^tude de la Pasteurellose bo- 
vine, connue en Argentine sous les noms de „Diarrhöe"^ 
et d'„Entequ6". (Recueil de medecine vötörinaire. 1900. 30. D6c.) 
Verf. giebt in einer langen Abhandlung die Resultate seiner Unter- 
suchungen betreffs der argentinischen Rinderseuche, welche von einem 
feinen Bacillus verursacht wird. Dieser Bacillus gehört zu der Gruppe 
Pasteurella von Tr6visan und ist den Mikroorganismen der 
Hühnercholera resp. der hämorrhagischen Septikämie und auch jenem 
der Pferdestaupe nahe verwandt. 

Der Bacillus ist fein und kurz, in anderen Fällen länger und dicker. 
Bisweilen zeigt er sich als Coccus oder als kurzer Bacillus mit 
abgerundeten Enden. Er färbt sich ziemlich leicht mit Gentian- 
violett oder Fuchsin, weniger leicht mit anderen Farbstoffen, nicht nach 
Gram. Alkoholische Gentianviolettlösung macht ihn im Blut von 
Vögeln sichtbar als eine Bakterie mit ungefärbter Mitte; sie ist von 
jener der Geflügelcholera nicht zu unterscheiden. 



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Lombrez. 69 

Bouillon wird leicht getrübt, Milch nicht koaguliert, auf Agar werden 
transparente Kolonieen gebildet, auf und in Gelatine ist das Wachstum 
sparsam. Auf Kartoffeln findet unter keinen Umständen Wachstum 
statt. 

Der Mikroorganismus hat keine eigene Bewegung. Mäuse, Meer- 
schweinchen, Kaninchen sterben nach Impfung in wenigen Tagen, können 
aber unter Umständen sich wieder erholen, zumal nach subkutaner Impfung 
geringerer Dosen. Weiße Ratten und Hunde sind sehr resistent. Tauben 
sind resistent nach subkutaner oder intramuskulärer Impfung, sehr 
empfänglich bei intravenöser Einverleibung des Virus. Hühner sind 
sehr widerstandsfähig. Dasselbe gilt für Pferde und Esel; dieselben 
sterben nur nach intravenöser Einspritzung von 60 — 100 resp. 30 — 40 ccm 
Bouillonkultur. Schafe sind ziemlich resistent bei subkutaner Impfung; 
6—10 ccm Kultur intravenös tötet sie unter den Erscheinungen der 
hämorrhagischen Septikämie. Rinder sterben nicht nach subkutaner 
Impfung, ziemlich konstant aber nach intravenöser Injektion, wenn die 
Dosis 10 ccm übertrifft. Durch Einspritzung von kleineren Dosen in die 
Venen kann man die klinischen Symptome zum Vorschein bringen. 

Der Mikroorganismus der Pasteurellosis vom Rinde ist in seiner 
Virulenz abzuschwächen und in Vaccin umzuwandeln. Nicht nur Blut- 
serum von gesunden Rindern, sondern auch ein künstliches Serum, be- 
stehend aus Wasser 1000, Kochsalz 9, Natriumsuifat 4 Teilen, kann, 
intravenös eingespritzt, Heilung bringen. D. A. de Jong (Leiden). 

Llgnlires, Contribution äT^tude de la Pasteurellose ovine, 
connue en Argentine sous le nom de ^Lombrez**. (Recueil 
de m6decine v6t6rinaire. 1898. 30. D6c.). 

Die chronische Form der Lombriz kommt vor allem in den 
warmen Monaten vor bei Schafen jeden Alters, meistens aber bei jungen 
Tieren. Sie zeigen Diarrhöe, Schwachheit, Abmagerung, bisweilen 
Lähmung. Die Agonie dauert lange. Unter Umständen ist Pleuro- 
pneumonie zu konstatieren ; einzelne Tiere zeigen chronische Arthritis. 

Bei der Obduktion findet man wenig charakteristische Veränderungen. 
In dem Labmagen meistens Strongylus contortus. Pleura und 
Lungen sind in einem Viertel der Fälle entzündet. Vielmals Flüssig- 
keit in Pericardium und Peritoneum. Das Muskelgewebe ist sehr 
atrophisch. 

Bei der subakuten Form sterben die Tiere in 3— 4 Wochen und sind 
teils nur wenig abgemagert Oefters findet man keine Organveränderungen, 
in anderen Fällen Pneumonie, Pleuritis, Pericarditis und hämorrhagische 
Gastroenteritis. 

Bei der akuten Form gehen die Tiere in 3, 4—5 Tagen zu Grunde. 
Die Läsionen sind septikämischer Natur. 

Die im Labmagen gefundenen Strongyliden haben für die Krank- 
heit keine ätiologische Bedeutung. 

Die Ursache bildet ein Coccobacillus, nahe verwandt mit jenem 
der Pferdestaupe, welcher sich in Kokkenform, als Diplococcus und 
auch als wirklicher Bacillus zeigen kann. Ab und zu findet man Faden- 
formen und auch Streptobacillen. Sie haben niemals eigene Bewegung. 
Die Färbung geschieht leicht; Gram und Weigert werden jedoch 
nicht angenommen. Die Kultur aus den Organen ist erst schwer, 
leichter, wenn die Mikroben den Nährmedien angewöhnt sind. Bouillon 
wird leicht getrübt, später klar mit Bildung eines Niederschlages. Milch 



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70 Pferdestaupe. 

wird nicht koaguliert, auf Agar wird ein transparenter Belag gebildet, 
welcher später dicker wird. In und auf Gelatine sparsames Wachstum 
mit geringer Neigung zur Ausbreitung. Auf Kartoffel keine Kultur. Der 
Mikroorganismus ist ffir verschiedene Tiere pathogen, und unter den 
Haustieren ist kein einziges vollkommen refraktär. Die Kulturen nehmen 
schnell an Virulenz ab. 

Meerschweinchen sterben nach subkutaner Impfung in 2 — 3 Tagen. 
Wenn sie länger leben, zeigen sie fast immer Pleuritis, Pericarditis oder 
selbst Pneumonie. Intraperitoneal geimpft, sterben die Tierchen in 
10—20 Stunden. 

Kaninchen sind etwas weniger empfänglich, sterben jedoch schnell 
nach intravenöser Impfung. Mäuse, subkutan geimpft, sterben nach 
3 Tagen. Weiße Ratten sind ziemlich resistent, Tauben und Hühner 
noch weniger empfänglich. Ein Hund starb nach subkutaner Einver- 
leibung von 20 ccm Bouillonkultur innerhalb 3 Tagen. Pferde bekommen, 
wenn subkutan geimpft, große Schwellungen ; nach intravenöser Impfung 
können sie succumbieren. Rinder widerstehen großen Dosen subkutan 
eingespritzt, sterben aber nach intravenöser Injektion. 

Schafe sterben schnell nach intravenöser Impfung von 5 ccm Kultur 
für die erwachsenen, von 2 ccm für die jungen Tiere« Durch Impfung 
von Schafen in verschiedener Weise und mit verschiedenen Dosen kann 
man alle klinischen Formen von „Lombriz^ entstehen lassen. Auch mit 
dem Futter sind die Tiere zu. infizieren. 

Die Mikroben sind abzuschwächen und können als Vaccin dienen. 
Verf. hat experimentell auf diese Weise Immunität zum Vorschein ge- 
bracht. Eine specifische Therapie existiert noch nicht Einspritzung von 
künstlichem Serum in Dosen von 200—400 g kann nützlich wirken. Ein 
kuratives Serum wird vorbereitet 

Verf. zieht weiter die Untersuchungen von Galtier über Pneumo- 
enteritis der Schafe, von Liönaux über enzootische Pneumonie des 
Schafes, von C o n t e über hämorrhagische Sephtämie beim Schaf und 
von Besnoit und Cuill6 über denselben Gegenstand in Betracht^ 
und kommt zu der Schlußfolgerung, daß die von den genannten Forschern 
beschriebenen Schafkrankheiten zu der Pasteurellosis ovina ge- 
hören und letztere also auch in Frankreich vorkommt, indem zu ver- 
muten ist, daß, den Erscheinungen nach zu urteilen, auch Schafkrank- 
heiten in England, Schottland, Deutschland, Rußland, Belgien, Oesterreich^ 
Italien, Nordamerika etc. dazu gehören. D. A. de Jong (Leiden). 

Llgnl^res, Nouvelle contribution äTötude de la Pasteurel- 
lose 6quine (Fifevre typhoide, Pneumonie, etc.) (Recueil de 
mödecine v6t6rinaire. 1898. 30. D6c.) 

Verf. hat seine Untersuchungen über Pferdestaupe in Argentinien 
weiter verfolgt Experimentell läßt sich die Seuche durch Impfung des 
specifischen Goccobacillus an Pferden in ihren verschiedenen Formen 
erwecken. 

Aber Ligniferes meint auch, daß die Brustseuche der Pferde 
primitiv ihre Entstehung dem Mikroorganismus der Staupe verdankt. 
Früher hat er gezeigt, daß die Pneumoniebakterie von Schütz keine 
andere ist als der Druse-Streptococcus desselben Autors. Diese 
Mikroorganismen sind jedoch nicht die primäre Ursache der Pneumonie 
resp. Pleuritis. Der Staupebacillus ist der primäre Infektionserreger ; er 
präpariert das Terrain für den Strepto- resp. Druse- oder Pneumoniecoccus. 



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Rinderpest. — Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 71 

Ja, Verf. meint sogar, daß in Fällen von sogenannter spontaner Pneu- 
monie, wobei oft die Kälte als Ursache beschuldigt wird, doch der Staupe- 
bacillus, zum Geschlecht Pasteurella gehörig, die Ursache ist. 

Es gelang Ligniäres in einem Falle von Brustseuche aus der 
Lunge den Streptococcus von Schütz und nur diesen zu züchten; 
mit dem Blut wurden Meerschweinchen geimpft. Eins starb nach 7 Tagen, 
und daraus wurde der Goccobacillus der Staupe isoliert. 

In dieser Weise wird das Zusammengehen von Pferdestaupe und 
Brustseuche, wie dieses in vielen Enzootieen wahrnehmbar ist, leicht zu 
erklären sein. 

Die Impfung mittels abgeschwächten Virus hat Ligniöres vor- 
läufig gute Resultate ergeben. Die Serumtherapie wird wahrscheinlich 
dasselbe thun ; Verf. hat schon ein, wenn auch noch schwach wirkendes 
Serum bereitet. D. A. de Jong (Leiden). 

Tartakowsky, De la sensibilit^ des chameaux vis-ä-vis de 
la peste bovine. (Archives des sciences biologiques de St. P6ters- 
bourg. T. VIII. No. 1. p. 11—36.) 
Nachdem Tartakowsky an der Hand der Litteratur eingehend 
nachgewiesen hat, daß die Frage, ob Kamele für Rinderpest empfäng- 
lich sind, bisher noch nicht geklärt ist, berichtet er über einige von 
ihm ausgeführte Infektionsversuche an Kamelen. Als Impfmaterial 
diente Blut oder Milz von Rinderpest-infizierten Kälbern. Die Kamele, 
an Zahl im ganzen 6, wurden subkutan geimpft; zur Kontrolle wurden 
mit dem gleichen Materiale Kälber infiziert. Alle 6 Kamele reagierten, 
2 nur mit Temperatursteigerung, die anderen auch mit weiteren Sym- 
ptomen, als Hyperämie der Maulschleimhaut, Ausfluß von Schleim aus 
der Nase, Augenthränen und, was besonders wichtig ist, mit Erosionen 
der Schleimhaut auf Lippen, Wangen und Zunge, wobei sich ein käsiger 
Belag auf den Erosionen entwickelte. Trotz dieser Erscheinungen war 
das Allgemeinbefinden der Tiere nicht gestört, ihr Verhalten anscheinend 
das normale. Nur ein Tier erkrankte schwerer; bei ihm heilten die 
Erosionen nicht wie bei den anderen Kamelen schnell ab, vielmehr ent- 
wickelte sich Enteritis mit Diarrhöe und das Tier ging am 17. Tage 
nach der Infektion ein. Nach diesen Versuchsergebnissen sind die 
Kamele für Impfung mit Rinderpest empfänglich; ob sie unter natür- 
lichen Verhältnissen erkranken, ist natürlich damit nicht bewiesen. 
Während bei Rindern am 4. Tage nach der Infektion das Fieber be- 
ginnt, dauerte bei den Kamelen das Inkubationsstadium 6—7 Tage. 
Nach dem Ausbruch des Fiebers ihnen entzogenes Blut infizierte Kälber 
mit Rinderpest. R. Abel (Hamburg). 



Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Tietor-Sibing^a. J., Eene bijdrage tot het teilen der bakterien. [iDaug.-Diss.] 
Groniogen 1900. 

Fokker hatte festgestellt, daß, wenn man Milch durch Milchsäurebakterien ver- 
sauert, filtriert und in einer bestimmten Menge des Filtrats die Bakterien zählt, man 
dann stets weniger Bakterien findet, als wenn man Platten aus einer gleichen Menge des 
Filtrats anl^ und die Z&bl der Bakterien nach den Kolonieen bestimmt (Koch 'sehe 
Zahlmethodej. Wenn dies richtig ist, dann müßte eine Kolonie also auch aus etwas 
anderem als einer ganzen Bakterie sich bilden können. 



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72 Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Vietor-Sibinga wiederholte diese Versuche. Eine vergleichende Betrachtung 
der verschiedenen Zahimethoden ließ ihn auch die Koch 'sehe Zählmethode wählen, und 
zwar zählte er mit der Lupe alle Koionieen einer Platte (Pe tri -Schale). Zur Kon- 
trolle wurden dann die Bakterien in einem mikroskopischen Präparate gezählt. Zu 
beiden Methoden wurde eine Oese benutzt. Der Teil des Filtrats, welcher zum Zählen 
im Präparat benutzt wurde, wurde vorher neutralisiert, auf ein Gläschen ausgestrichen, 

Setrocknet, gefärbt und sehr vorsichtig ausgewaschen. Der Inhalt der Oese wurde 
urch viele Wägungen sehr genau bestimmt. 

Es wird nun mit großer Oenauigkeit beschrieben, in welcher Weise die Bacillen 
auf dem Deckglaspräparat gezählt wurden, mathematische Berechnungen gemacht, um 
deren Anzahl zu bestuumen, alles mit einer Präcision, die sich in einem Referat nicht 
wiedergeb^i läßt. Auch wurde genau bestimmt, in welcher Weise die Petri-Schalen 
gefüllt werden müssen, um die größte Anzahl Koionieen zu erhalten, wie man die Oese 
m die Flüssigkeit eintauchen soll, um immer gleiche Mengen Flüssigkeit zu erhalten, 
wie die Piatinöse abgestrichen werden muß, um keine Bacillen zu verlieren u. s. w. 

Fokker's kaum verständliche Resultate wurden anfangs vollständig bestätigt, 
später stellte sich aber heraus, daß es ein Fehler war, bei der einen Zählmethode von 
neutraler Lösung, bei der anderen von sauerer auszugehen, da die Oese ganz ver- 
schiedene Mengen faßt, je nach der Reaktion der Lösung. Brachte man diesen Fehler 
nun in Rechnung, dann wurden die erst so großen Unterschiede zwischen beiden Zähl- 
methoden viel geringer, ja verschwanden oft ganz. 

Wie erklären sich nun aber die Unterschiede zu Gunsten des Plattenverfahrens ? 
A priori wäre anzunehmen, daß gerade diese Methode geringere Werte ergeben müßte, 
weU nicht alle färbbaren Bakterien noch entwickelungsfähig smd. Eis liegt aie Annahme 
auf der Hand, daß bei dem Bereiten der gefärbten Präparate in irgend einer Weise 
Bakterien verschwinden müssen, wodurch diese geringere Zahlwerte ergeben. 

Leider hat der Autor nach diesem Fehler nicht geforscht, seine staunenswerte 
mathematische Genauigkeit und der angewendete Fleiß olieben darum leider weniger 
fruchtbringend. Wo der Fehler liegt, zeigt die fast gleichzeitig erschienene Arbeit 
Hehewerth's. Kohlbrugge (Utrecht). 

Hehewerth. F. H., De mikroskopische telmethode der bakterien van 
Alex. Klein en eenige van hare toepassingen. [Inaug.-Diss.J Amsterdam 
1900. 

Klein hat nachgewiesen (Centralbl. f. Bakt. etc. Bd. XXVII. 1900), daß Bak- 
terien in feuchten Aufschwemmungen viel leichter Farbstoff annehmen als in getrock- 
netem Zustande (Deckglastrockenpräparat). Die so gefärbten Bakterien bringt man auf 
ein Gläschen, streicht gut aus, laßt trocknen und fixiert, dann kann man gleich ein- 
scJbließen. Dadurch wird das Abspülen im Wasser vermieden, wobei, wie Hehewerth 
nachweist, viele Bakterien losgerissen werden, und so erklärt sich nun auch, warum 
Vietor-Sibinga, der wohl abspülte, zu wenig Bakterien in seinen Präparaten fand. 
Sonst ist Hehewerth aber weniger kritisch als Sibinga: Daß eine Oese als Maß- 
einheit zum Zählen der Bakterien anzuwenden sei, ist ohne weiteres nicht zuzugeben, 
auch hat das Mischen mit dem Farbstoff seine Schattenseite, denn auch nach dem Um- 
rühren können mehr Bakterien an der Schale haften, als zur gleichmäßigen Verteilung 
erwünscht ist. Jedenfalls darf man die Inhaltsmengen einer Oese nur so lange unter 
einander vergleichen, als man stets mit der gleichen Flüssigkeit experimentiert, denn 
aus verschiedenen Flüssigkeiten, also auch Farbstoffmischungen, nimmt die Oese ver- 
schiedene Mengen Flüssigkeit oder Bakterien auf, es hat ja die Reaktion schon Einfluß 
(Vietor-Sibinga). £^ultate verschiedener Autoren lassen sich also wohl nicht ver- 
gleichen. Für bäcterienarme Flüssigkeiten läßt sich die Methode nicht anwenden. Sie 
hat also auch ihre Schattenseiten, ganz wie das Plattenzählverfahren Koch's, eine ab- 
solut sichere Methode zum Zählen der Bakterien haben wir also noch nicht. 

Verglich Hehewerth die Resultate der Kl ein 'sehen Zählmethode mit dem Platten- 
verfahren Koch 's, dann erhielt er für letztere immer geringere Werte. Es nimmt an, 
daß dies dadurch verursacht werde, daß oft zwei oder mehr Bakterien eine Kolonie 
bilden, wofür er einige Beweise angiebt (tote, nicht entwickelungsfähige Bakterien seien 
in seinen frischen Kulturen nicht). Es ist zuzugeben, daß mdirere Bakterien eine 
Kolonie bilden können, aber Ref. bedauert, daß Vm. nicht angiebt, wieviel Tage nach 
der Aussaat er seine Bakterien zählte, denn das hat großen Einfluß auf die getundene 
Anzahl, viele entwickeln sich erst sehr spät. Schon darum und aus manchen anderen 
Gründen dürfte die Klein 'sehe Zähhnethode besser sein als die Plattenmethode; in der 
Praxis dürfte das Koch 'sehe Verfahren aber wohl den alten Wert behalten, da man meist 
mit ungefähren Schätzungen zufrieden ist. 

Mit der gleichen Zählmethode hat Hehewerth die G^nerationsdauer einiger Bak- 



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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 73 

terien beätimmt, ihre Zunahme in gewissen Zeitabschnitten auf verschiedenen Nährböden 
und bei verschiedener Temperatur. 

Bei Vmlachunffen der Resultate des Klein 'sehen Verfahrens mit dem K och- 
schen läßt sich auch leicht bestimmen, wieviel nicht mehr entwickelungsf^ige Bakterien 
in einer Kultur sind und deren Zunahme mit dem Alter der Kultur. 

Die Resultate stimmen mit denen von Gotschlich und Weigane überein. 
Auch der Einfluß chemischer Stoffe (Karbol) wurde in dieser Weise untersucht. 

Schließlich hat Verf. die Größe aer Bakterien gemessen, und fand, daß Lange und 
Breite auch in ^nz frischen Kulturen äußerst variabel sind. Diese Beobachtung verdankt 
«r aber wohl nicht seiner Färbemethode, wie er meint, denn ohne diese haben wohl alle 
Bakteriologen gleiche Beobachtungen gemacht, aber das genaue Messen versäumt. 

Kohlbrugge (Utrecht). 

Ginge, Zur Konservierung anatomischer Präparate. (Zeitschr. f. Fleisch- u. 
Milchh^g. Bd. X. Heft 4. p. 64.) 

Keiserl in g's Methode, Präparate tierischer Or^e unter möglichster Erhaltung 
der natürlichen Farben herzustellen, hat Glage in emer Weise variiert, die, wie Ref. 
ans eieener Anschauung bestätigen kann, außerordentlich schöne und dabei sehr hand- 
liche Demonstrationspräparate liefert. Die Möglichkeit, das Verfahren zur Anfertigung 
bakteriologisch-pathologischer Organpräparate zu verwenden, rechtfertigt ein Referat in 
diesem Centralblatt. 

1— l^ cm in maximo dicke Scheiben der Organe werden gehärtet für 24 — 48 Stunden 
in Formalin 750,0 

Aq. dest. 1000,0 

Kali nitr. 10,0 

Kali acet. 30,0 

dann in Alkohol von 80 Proz. übertragen, worin sie ihre natürliche Farbe wieder be- 
kommen. Nun kann man die Präparate entweder sogleich in der zu beschreibenden 
Wdse in Gelatine einbetten oder sie in einer Mischung von Glycerin und Wasser Sä 
+ 30 Proz. KaL acet. aufbewahren, bis man einen größä'en Poeten auf einmal in Gela- 
tine einlegt. 

Das Einbetten in Gelatine nimmt G 1 a ge in folgender Weiße vor : Die mit Wasser abge- 
spülten Orsanscheiben paßt man in cuvettenartiffe Gläser (mit rechtwinkliger, plan eeschüf- 
foier Ansidit8fläche)ein, fixiert sieiu anschaulidnerLage durch entfettete Watte und richtet 
sie so, daß sie von der dem Beschauer zugekehrten Glasfläche möglichst nur durdi 
einen kapillaren Raum getrennt sind. Nun wirft man in 200 ccm 80—90 ^ warmen 
Wassers 9 Blatt (6—7 ßroz.) beste weiße Gelatine und läßt sie sich lösen, ohne umzu- 
rühren. Es bilden sich in kürzester Zeit in der Lösung 2 Schichten, ein dicklicher 
Bodensatz und eine obere dünnere, leicht opalisierende. Letztere wird allein benutzt, 
filtriert und im Falle nicht genügender Durchsichtigkeit durch einige Tropfen Salpeter- 
saure geklärt. Man übergießt mit dieser G^latinelösunff die Präparate in den Gläsern, 
nachdem sie auf 50— 60** abgekühlt war, und giebt a]s£mn in die Gläser für je 10 ccm 
Gelatine noch etwa Ö— 8 Tropfen Formalin hinzu (bei farbenreichem Material die 
kleinere, bei blassen Objekten die größere Formalinmenge). Man läßt die Gelatine lang- 
sam erkalten und verschießt enalich das Gläschen vollkommen luftdicht nut 
Flaschenlack ; damit der heiß aufgegossene Lack die Gelatine nicht löst, bringt man auf 
deren Oberfläche ein'Stück (farblose!) Pappe oder Kork. Manche Präparate präsen- 
tieren sich besser, wenn die Rückwand des Glases mit schwarzem Lack iiberzog;en wird. 
— Die Haltbarkeit der Präparate scheint unbegrenzt zu sein; ihre Handlichkeit macht 
sie für Vorleeungszwecke vortrefflich geeignet. Rudolf Abel (Hamburg). 

Horeleka, Beitrag zur Serumdiagnose der Tuberkulose nach dem Ver- 
fahren von 8. Arloing und P. Courmont. (Hyg. Rundschau. 1900. p. 1073.) 

Verf. 's Untersuchungen beziehen sich auf: 

5 Kranke mit Tubeäelbacillen im Auswurf, bei denen die Reaktion in einer Ver- 
dünnung von 1 : 10 positiv ausfiel 2 Fälle befanden sich im Früh-, 2 in mittlerem 
und 1 in vorgerücktem Stadium der Tuberkulose. 

2 Kranke in vorgeschrittenem Stadium mit Bacillenbefund, Agglutination in Ver- 
dünnung von 1 : 5 ima 1 : 10 zweifelhaft. 

3 Kranke im Frühstadium mit Bacillenbefund, Reaktion vollkommen negativ. 
1 Kranker mit Hoden- und Knochentuberkulose, negative Reaktion. 

3 Kranke nut unzweifelhafter klinischer Diagnose „Tuberkulose'^ ohne Bacillen- 
befund, negative Reaktion. 

5 Kranke mit Lungenspitzenkatarrh, die sich höchst wahrscheinlich im Frühstadium 
der Tuberkulose befanden, negative Reaktion. 

H. kann nicht umhin, „sich dahin auszusprechen, daß das genannte Verfahren 



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74 Schutzimpfimg, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 

unsichere Beeultate lieferte, und daß er sich nicht trauen würde, bei negativem Ausfall 
der Serumreaktion das Vorhandensein der Tuberkulose auszuschließen^. Dieses Er- 
gebnis lautet also fast ebenso unffünsti^ für die Serumdiagnose der Tuberkulose, wie 
die Resultate C. Fraenkel's und der im Ehrlich'schen Institute angestellten dies- 
bezügHd^eu Untersuchungen (s. dieses Centralbl. Bd. XXXVIII. p. 468). Auch D i en- 
do nn^ sieht sich in einer soeben erschienenen Publikation (Dtsch. miUtarärztL Zeit- 
schr. 1900. No. 528) auf Grund seiner Versuche veranlaßt, „die Serumreaktion für die 
Frühdiagnose der Tuberkulose als nicht verwertbar zu erklären'^ 

Lydia Babinowitsch (Berlin). 



Schutzimpfung, kOnstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Iwanoff,.!.« Ueber die Behandlung der Malaria mit Anilin- 
blau. (Deutsche med. Wochenschr. 1900. Therap. Beil. No. 5.) 
Das zuerst von Ehrlich fQr die Malariabehandlung empfohlene 
Methylenblau, das etwa in 50 Proz. Heilung erzielt, aber häufig Blasen- 
reizung hervorbringt, wirkt nicht, wie Laveran nachwies, auf Grund 
seiner nahen Verwandtschaft zu den Malariaparasiten. Demgemäß er- 
zielte Verf. auch bei Verwendung eines anderen ähnlichen organischen 
Farbstoffes, des Anilinblaues (Triphenilrosanilin), bei 15 Kranken mit 
Malaria tropica in 7 Fällen (46 Proz.) und bei 20 Patienten mit ein- 
fachem Tertiärfieber lömal (75 Proz.) eine baldige lytische Entfieberung 
und Verschwinden der Plasmodien. Spontanheilung war dabei ausge- 
schlossen, da bei vorhergehender mehrtägiger abwartender Behandlung 
sich die Fieberanfälle verschlimmert und die Plasmodien vermehrt 
hatten. Es wurde etwa 1 Woche lang 3mal täglich 0,1—0,4 Anilinblau 
in Kapseln ohne jede andere Störung als zeitweiliges, schnell vorüber- 
gehendes Brennen in der Harnröhre verabreicht. Schmidt (Berlin). 

Sachs, fi«, Beitrag zur Behandlung der Skabies. [Aus der 
dermatol. Universitätsklinik Breslau.] (Deutsche med. Wochenschr. 
1900. No. 39.) 
Verf. hat Versuche augestellt, Krätzmilben durch die bisher ge- 
bräuchlichsten Gegenmittel abzutöten. Die kürzeste Einwirkungszeit 
(50--60 Minuten) fand sich bei Styrax, /^-Naphthol und Peruol, einem 
mit 3 Teilen Ricinusöl verdünnten Benzoösäurebenzylester, der in der 
Hauptsache Zimtsäure, den wirksamen Bestandteil des Perubalsams, ent- 
hält. Da das Peruol außerdem den Vorzug der Ungiftigkeit, der Reiz- 
losigkeit und Geruchlosigkeit hat, weder Haut noch Wäsche verfärbt und 
nach 3— 4-maliger Einreibung dauernde Heilung bringt, so wird es be- 
sonders für die Kinderpraxis und fär schwächliche Personen trotz seines 
hohen Preises empfohlen. Bei gesunder, nicht durch Ekzem oder 
Furunkulose bereits gereizter Haut hat sich auch die S h o r w e 11 ' sehe Me- 
thode der Einreibung mit 5-proz. Schwefelsalbe und Einstäubung von 
Schwefelpulver (Flor, sulfur.) in die Leib- und Bettwäsche bewährt. 

Schmidt (Berlin). 



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Neue Litteratur. 75 



Neue Litteratur, 



San.-Rat Dr. Arthur Würzburo, 

BlbUothekar im KalierL OetoadliflltMunte In BarUn. 



Allgemeines Aber Bakterien nnd Parasiten. 

CvrtUy H. J., Essentials of practical bacteriology. 8^ London (Longmans & Co.) 1900. 

9 sh. 

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rende. 8® X, 98 p. Berlin (Schoetz) 1900. 3 M. 

Vewmaa, Q., Bacteria. Especially as they are related to the eoonomy of nature, to industrial 
processes, and to the public health. 2nd ed., with additional matter, induding new ohapters 
on tropical diseases and the bacterial treatment of sewage. (Progressive Science Series.) 
8*. 414 p. London (J. Murray) 1900. 6 sh. 

Schmidt, J. og Weis, F., Bakterieme. Naturhistorisk grundlag for det bakteriologiske 
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Morphologie und Systematik. 

Looaa, A., Nachträgliche Bemerkungen zu den Namen der von mir yorgeschlagenen Bisto- 

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Bault E.y Beiträge zur Morphologie des Staphylococcus albus. (Berl. klin. Wchschr. 1900. 

No. 47. p. 1058—1060.) 
Sckvalbe, E., Ueber Variabilität und Fleomorphismus der Bakterien. (Münch. med. Wchschr. 

1900. No. 47. p. 1617—1621.) 

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(Gärung, Fäulnis, Stoffwechselprodukte u. s. w.) 

Ba«, A., Ist für die Spaltung der Melitriose in Melibiose und d-Fruktose durch Organismen 
ein besonderes Enzym anzunehmen? (Wchschr. f. Brauerei. 1900. No. 47. p. 698.) 

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p. 3307—3310.) 

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ftosgeprefites Hefezellplasma (Buchner's Zymase)". (Ibid. p. 3311—3315.) 

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76 Neue Litteratur. 

Beziehungen der Bakterien und Parasiten zur unbelebten Natur. 

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(Publ. health rep. 1900. No. 44. p. 2671—2675.) 
njamtiin, J. J., Weitere Untersuchungen über den Einfluß sterilisierter Luft auf Tiere. 

(Arch. f. pathol. Anat. etc. Bd. CLXH. 1900. Heft 3. p. 515—533.) 

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▲dametm, L., Sind Milchsäurebakterien oder Tyrothrix- Arten die Erreger von Reifung und 

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Sabcock, S. M. and Sniiell, K. L., Relation of the enzymes of rennet to ripening of 

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Saiar, E., Ueber Vorprüfung von Fleisch auf Formaldehyd. (Ztschr. f. Fleisch- u. Milch- 
hygiene. 1900/1. Heft 3. p. 70—73.) 
Baron, C, Ein Beitrag zur Frage der Milchregulative. (Hygien. Rundschau. 1900. No. 23. 

p. 1129—1144.) 
Bernstein, A., Prüfung der erhitzten Milch. (Ztschr. f. Fleisch- u. Milchhygiene. 1900/1. 

Heft 3. p. 80—81.) 
Bockelmaan, C, Beitrag zur Geschichte der Fleischbeschau in der Rheinprovinz. (Ztschr. 

f. Fleisch- u. Milchhygiene. 1900/1. Heft 3. p. 65—68.) 
Heim, L., Ueber die Bedeutung der Bakteriologie bei der Lebensmittelkontrolle. (Ztschr. f. 

Untersuch, d. Nahrungs- u. Genußmittel etc. 1900. Heft 11. p. 740—746.) 
Jensen, O., Studien über die Enzyme im Käse. (Centralbl. f. Bakteriol. etc. II. Abt. 

Bd. VI. 1900. No. 22—25. p. 734—739, 763—764, 791—795, 826—844.) 
Xoch, A., Ueber die Ursachen des Verschwindens der Säure bei Gärung und Lagerung des 

Weines. (Mitteil. üb. Weinbau u. Kellerwirtsch. 1900. No. 11. p. 161—166.) 
Iielunann, B., Ueber die Aetiologie der Fleischvergiftungen. [Diss.] gr. 8^. 39 p. Straß- 
burg (Josef Singer) 1900. 1 M. 
Aabinowitech, L., Ueber Tuberkelbacillen in Milch und Molkereiprodukten. (Ztschr. f. 

Untersuch, d. Nahrungs- u. Genußmittel etc. 1900. Heft 12. p. 801—809.) 
Teichert, K.,' Das Vorkommen und der Nachweis der Tuberkelbacillen in Marktbutter. 

(Landwirtschaft!. Centralbl. Org. d. Landwirtschaftskammer f. d. Prov. Posen. 1900. No. 51. 

p. 493—494.) 
Tieth, Pasteurisieren der Milch und Käserei. (Landwirtschaftl. Wohsehr. f. d. Prov. Sachsen. 

1900. No. 46, 47. p. 419—421, 427—428.) 
Wortmann , J., Untersuchungen über das Bitterwerden der Rotweine. (Landwirtschaftl. 

Jahrb. 1900. Heft 4/5. p. 629—746.) 
YoTOLg, A. ö., Formaldehyde as a milk preservative. (Med. age. Vol. XVIII. 1900. No. 19. 

p. 723—737.) 

Wohnungen, Abfallstoffe etc. 

Bissell, W. O., Incineration vs. earth sinks and chemical disinfection. (Med. Record. 
Vol. LVni. 1900. No. 18. p. 684—688.) 

Beziehungen der Bakterien and Parasiten zur belebten Natur. 
Krankheitserregrende Bakterien und Parasiten bei Menschen. 

A, Infektiöse Allgemeinkrankheiten, 

Bel^pine,* Sh., Inaugural address on bacteriological diagnosis of disease. (Lancet. Vol. II. 

1900. No. 18. p. 1258—1259.) 
HeBler, Witterung, Sonnenscheindauer und Infektionskrankheiten. (Berl. klin. Wchschr. 

1900. No. 43. p. 965—967.) 
Welch, W. K., Morbid conditions causcd by bacillus aerogenes capsulatus. (Boston med. 

and sui^. Joum. Vol. CXLIII. 1900. No. 4. p. 83—87.) 

Mal ar i akran kheiten . 

Chalmers, A. J., Unoomplicated aestivo-autumnal fever in Europeans in the Gold Coast 
Colony, West Africa. (Lancet. 1900. Vol. II. No. 18. p. 1262—1264.) 



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Neue Litteratur. 77 

XATenm, Paludisme et monstiques; quelques faits recueillis dans le Midi de la France et 
en Coree. (Compt. rcnd. de la soc. de biol. 1900. No.. 36. p. 987—989.) 

ExanthematiBche Krankheiten. 
(Pocken [Impfung], Flecktyphus, Masern, Bötein, Scharlach, Friesel, Windpocken.) 

Claif, W. J., The etiology of scarlatina. (Joum. of the Amer. med. assoc. Vol. XXXY.. 

1900. No. 13. p. 799—804.) 
Harding, J. J., Impetigo followiug vaocination. (Lancet. 1900. Vol. II. No. 18. p. 1271.) 
Venbiirger, M., Das 100jährige Jubiläum der ersten Impfung in Wien. (Ein halbes Jahr- 
tausend, Festschrift red. von H. Adler, p. 139—147.) gr. 8^ Wien 1899. 

Cholera, Typhus, Buhr, Gelbfieber, Pest. 

0«ntil, E. H., De la peste en Lorraine. [Th^se.] Nancy 1900. 

Xmse, Die Ruhrgef^r in Deutschland, insbesondere im niederrheinisch - westfälischen 

Industriebezirk. (Centralbl. f. allg. Gesundheitspfl. 1900. Heft 5/6. p. 189—224.) 
▼. Töply, S., Die Pest in Wien im 17. Jahrhundert. (Ein halbes Jahrtausend, Festschrift 

red, von H. Adler, p. 87—94.) gr. 8». Wien 1899. 
Wasdin, E., Yellow fever; its nature and cause. (Joum. of the Amer. med. assoc. 

Vol. XXXV. 1900. No. 14. p. 867—875.) 

Wundinfektionskrankheiten. 

(Eiterung, Phlegmone, Erysipel, akutes purulentes Oedem, Pyämie, Septikämie, Tetanus, 

Hospitalbrand, Puerpendkrankheiten, Wundfäulnis.) 

Binaghi, &., La teoria di Flügge e le sue applicazioni alla chirurgia. (Biforma med. 1900. 

No. 219—221. p. 818—822, 830—833, 843—848.) 
Keikioen, Zi. and Farkiiia, C. F., Refractory subcutaneous abscess caused by Sporothrix 

Schenckii. A new pathogenic fungus. (Joum. of experim. med. Vol. V. 1900. No. 1. 

p. 77-89.) 

Infektionsgeschwülste. 
(Lepra, Tuberkulose [Lupus, Skrofulöse], Syphilis [und dl« anderen venerischen Krankheiten].) 

Achazd« Ch. et lK>6per, M.» Les globules blancs dans la tuberculose. (Compt rend. de 

la soc de biol. 1900. No. 39. p. 1066—1067.) 
Ducaaae, M.» Diagnostic pr^coce de la tuberculose par Pinoculation exp^rimentale au cobaye. 

[Th^.] Nancy 1900. 
XoTsieheff, S. Q,, Contribution ä T^tnde de la tuberculose pulmonaire dans les arm^ea 

(Itade statistique, 6tiologique et prophylactique). [Thfese.] Nancy 1900. 
KoTaieheTa, TL., Blastomycfetes et tumeurs. [Thfese.] Nancy 1900. 
lieb«, Mein Schlußwort zu der Tuberkuloae- Angelegenheit. (Aerztl. Vereinsbl. 1900. No. 434. 

p. 522—524.) 
Xaaaion, I», ▲., Syphilis et tuberculose. [Th^e.] Nancy 1900. 
Fonfick, E., üeber die Beziehungen der Skrophulose zur Tuberkulose. (Allg. med. Central- 

Ztg. 1900. No. 103/104. p. 1211—1220.) 
Trier. Polizeiverordnung, betr. die Anzeigepflicht bei Lungen- oder Eehlkopftuberkulose 

(Schwindsucht). Vom 8. Juni 1900. (Veröffentl. d. kaiserl. Gesundh.-A. 1900. No. 52. 

p. 1267.) 

Diphtherie und Croup, Keuchhusten, Grippe, Pneumonie, epidemische Genickstarre, 
Mumps, Bück&llsfieber, Osteomyelitis. 

Boaxinif, K., lieber Infektion mit Influenzabacillen und mit Bact. protens. (Münch. med. 

Wehschr, 1900. No. 44. p. 1530—1531.) 
F«7fler, Stehen Polizei Verordnungen zur Verhütung der Verbreitung von* Diphtherie in 

Preußen auf gesetzlichem Boden? (Ztschr. f. Medizinalbeamte. 1900. No. 21. p. 684—686.) 

B, Ir^ektiöse Lokalkrankheiten» 

Haut, lliuskeln, Knochen. 

Johaimea, Ueber Pemphigus, insbesondere Pemphigus neonatorum. (Korrspdzbl. d. allg. 
irztl. Vereins v. Thüringen. 1900. No. 10. p. 505—513.) 



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78 Neue Litteratar. 

Uatienauer, &., Zur Frage der Identität des Pemphigus Deonatorum und der Impetigo 

contagiosa. (Wien. klin. Wchsohl-. 1900. No. 47. p. 1077—1084.) 
Mont^Tomery, D., A disease caused bjr a fungus: the protozoic dermatitis of Bixford and 

Gilchrist. (Brit. Joum. of dermatol. 1900. Oct.) 
Oehler, &., lieber Impetigo. (Allg. med. Central-Ztg. 1900. No. 89. p. 1043—1044.) 
Pascal, Erytheme scarlatiniforme desquamatif g6n6ralis6 d'origine parasitaire. (Annal. de 

dermatol. et de syphiligr. 1900. No. 8/9. p. 947—952.) 

Atmungsorgane. 

▼. Sittar, O.. lieber einen Fall von durch eine „Streptothrix" bedingter Pleuritis ulcerosa 
mit metastatischen Qehimabscessen. (Prag. med. Wchschr. 1900. No. 44. p. 525 — 528.) 

Verdauungsorgane. 

Dootoroif, Ch.., Etüde sur le chancre syphilitique des amygdales. [Th^.] Nancy 1900. 

HiclLolflon, W. &., Report of a case of melaena neonatorum due apparently to an infection 

bj the bacillus pyocyaneus. (Amer. Journ. of the med. scienc. 1900. Oct. p. 417 — 429.) 

Augen uDd Ohren. 

ConsalTO, O., Su di un' epidemia di congiuntivite pneumococcica ; ricerche cliniche, batterio- 
logiche e sperimentali. (Gazz. d. ospedall. 1900. 30, sett.) 

HunBche, K., Das Vorkommen des Demodex foUicnlorum am Augenlide und seine Be- 
ziehungen zu Liderkrankungen. (Manch, med. Wchschr. 1900. No. 45. p. 1563 — 1565.) 

C. Entozootüche Krankheiten, 
(Finnen, Bandwürmer, Trichinen, Echinokokken, Filaria, Oestruslarye, Ascaris« Ankj-lostomum, 

Trichocephalus, Oxyuris.) 

ABsenova, S., Etüde sur la provenance des entozoaires superficiels. [Th^se.] Nancy 1900. 
Campbell, S. H., Ankylostomiasis in the Andamans. (Indian med. Gaz. 1900. No. 10. 

p. 377—380.) 
Carj, Ch. and Lyon, J. F., Primary echinococcus cysts of the pleura. (Amer. Joum. of 

the med. scienc. 1900. Oct. p. 402—413.) 
reamside, C. J., Ankylostoma duodenale. (Indian med. Gaz. 1900. No. 10. p. 383 — 384.) 
Stein, L., lieber Echinococcus der Niere. (Wien. klin. Wchschr. 1900. No. 43. p. 993—995.) 

KrankheitBerregende Bakterien and Parasiten bei Tieren. 

Säugetiere. 

InfehUöie AUgemeinkrankheiten, 

Stand der Tierseuchen in Schweden im 3. Vierteljahre 1900. (Veröffentl. d. kaiserl. Ge- 
8undh.-A, 1900. No. 46. p. 1133.) 

Taberkulose (Perlsucht). 

BayeradOrfer, Ein Fall von ungewöhnlich stark ausgebreiteter Tuberkulose beim Kalb. 

(Ztschr. f. Fleisch- u. Milchhygiene. 1900/1. Heft 1. p. 15—16.) 
Uebersicht über die Ergebnisse der Untersuchungen der Rindviehbestände in den deutscheu Vieh- 

quarant&ne-Anstalten auf Tuberkulose und über das aus den Seequarantäne- Anstalten in 

öffentliche Schlachthäuser im 2. Vierteljahre 1900 übergeführte Bindvieh. (Veröffentl. d. 

kaiserl. Gesundh.-A. 1900. No. 41. p. 995—997.) 

Krankheiten der Wiederkäuer. 

(Rinderpest, Lungenseuche, Texasseuche, Genickstarre, Ruhr und Diphtherie der Kälber, 

Rauschbrand, entozootisches Verkalben.) 

Petera, Uebertragung der Lungenseuche des Rindes durch Personenverkehr. (Berl. tier&ntl. 

Wchschr. 1900. No. 44. p. 525—526.) 
SaJÖ, K., Neuere Daten über das Texasfieber, veiglichen mit menschlichen Krankheiten. 

(Prometheus. 1900. No. 575/576. p. 35—39, 49—51.) 



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Neue Litteratur. 79 

Krankheiten der Einhufer. 
(Typhus, Influenza, Beschälkrankheit, Septikftmie, Druse.) 

OttertaiT» Ueber die Bomasche Krankheit. (Berl. tierärztl. Wchschr. 1900. No. 37. p. 433 
—435.) 

Krankheiten der Hunde. 

"BÜtnicL, O.« Der kranke Hund. Ein gemeinyerstftndlicher Ratgeber für Hundebesitzer, 
insbesondere für Jäger. 2. Aufl. gr. 8^ 94 p. m. 26 Abbildgn. Neudamm 1900. 

2 M. 

Krankheiten der Fleischfresser. 

PhiaallT, C, R^istance du h^risson ä la tuberculose humaine. (Compt. rend. de la soo. 
de biol. 1900. No. 28. p. 776—778.) 

Nagetio-e. 

Qigllo-Toa, B., Un parasite intranucl6aire dans les reins du rat des ggoüts. (Arch. ital. 

de biol. T. XXXIV. 1900. Fase. 1. p. 36—42.) 
LaTeraa et Menill, De la longne oonservation li la glaci^re des tr^panosomes du rat et 

de Pagglom^ration de ces parasites. (Compt. rend. de la soc. de biol. 1900. No. 29. p. 816 

-819.) 

B. Infektiöse Lokalkrankheüen, 

Peanon, Ii. and SaTenal, M. P., A case of pneumonomyoosis due to the Aspergillus 
fomigatus. (From the UniTers. med. magaz. 1900. Aug. 14 p. gr. 8'.) 

C. EntozootUche Krankheiten, 
(Fmnen, Bandwürmer, Trichinen, Echinokokken, Filaria, Oestruslarve, Ascaris, Ankylostomum, 

Trichocephalus, Oxyuris.) 

Xorg'eii, B.. Beitrag zu der Pentastomatosis beim Rinde. (Ztschr. f. Fleisch- u. Miloh- 

hygiene. 1900/1. Heft 1. p. 14.) 
Biiso, A-, Ricerche sull' attacoo di alcune Uncinarie alla parete dell' intestino. (Atti d. 

soc. d. Accad. r. d. linoei. Rendiconti. Vol. IX. 1900. 2. sem. fasc. 3. p. 107—115.) 
TkLarxy, E., Uoestre du mouton. (Joum. d'agricult. prat. 1900. No. 33. p. 224—226.) 



Sehutzlmpfangen, kflnstliehe Infektionskrankheiten, Entwlekelnngs- 
kemmung und Yemichtnng der Bakterien. 

Allgemeines. 

Bme, Zur Beurteilung der Desinfektion mit den sog. Karbolformalglühblocks. (Münch. med. 

Wchschr. 1900. No. 48. p. 1666.) 
Founiior, B., Proc§d6 de d^infection par la formao^tone et outillage n^cessaire k son 

application. (Gaz. d. höpitaux. 1900. No. 111. p. 1223—1228.) 
Kammesfalir, A-, Ueber Prophylaxe in der Asepsis. (Centralbl. f. Chir. 1900. No. 47. 

p. 1169—1172.) 

Diphtherie. 

Broeckaort, La s§roth^rapie dans la dipht^rie. (Bullet, de la soc. beige d'otol. et de 

laryngol. T. V. 1900. No. 1.) 
Caporall, &., n baoUlo, la tossina e 1' antitossina della difterite nel cervello e nella rachide 

spinale. (Annali d' igiene sperim. Vol. X. 1900. Fasc 3. p. 260—288.) 
Vicolas, J., Cownnont, P. et Prat, &., La leuoocytose totale et polynucl^aire dans 

rimmunisation ezp^rimentale par la toxine dipht^rique. (Compt. rend. de la soc. de bioL 

1900. No. 34. p. 951—953.) 
SoUeBiiiifer, B., Die Leukocytose bei experimenteller Diphtherie. Festschrift anlJlßlich des 

lOjShrigen Bestehens des K.- u. K.-Friedrich-£änderkrankenhaiises zu Berlin. (Sonderabdr. 

a. Arch. f. Kinderheilk. Bd. XXX. 1900. p. 233—252.) gr. 8^ Stuttgart (Enke) 1900. 



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80 



Inhalt 



Andere Infektionskrankheiten. 

AbcM, E. Xi.f Deux obscrvations concemant l'action curative et Pacdon pr§yentiye du akrum 

antit^anique. (Rey. mM. de l'Est. 1900. 1. juio.) 
Bjeloiusow, A-, Ein Fall yon Tetanus mit Seram behandelt. (Djetsk. mediz. 1900. No. 3/4.) 

[Russisch.] 
Lncas-Chjunpioxmitee, Sur an memoire et une prisentation de malades de Mm. le» 

Drs. Wlaeff et Hotman de Villiers concemant le traitement da Cancer per l'injection d'un 

sferum anticellulaire. (Bullet, de Facad. de mW. 1900. No. 43. p. 601—613.) 
TLogvr, E. et Weil, E., Inoculabilit^ de la yariole humaine au lapin. (Compt. rend. de 

la soc. de biol. 1900. No. 34. p. 942—945.) 
Zaldmjuuiy &., Contribution k l'^tude ezp^rimentale du pouyoir pathog^ne des badlles 

d'Eberth et du colibacille. [Thfese.] Montpellier 1900. 
Znpnik, J»., Ueber experimentellen Tetanus descendens. (Dtsche med. Wchachr. 1900. No. 52. 

p. 837—841.) 



Inhalt. 



OriginalmitteUimgeii. 



Oorini, C, Einige Bemerkungen zu Abba's 
Arbeit: „Weitere behufs Desinfektion 
von Wohnräumen mit dem Flügge'schen 
und dem Schering'schen formogenen Ap- 
parat ausgeführte Versuche. (Orig.), 
p. 62. 

JMi9, M., Ueber Monostomum orbiculare. 
(Orig.), p. 49. 

Wriflrht, James E., A method for the 
cultivation of anagrobic bacteria. (Orig.), 
p. 61. 

Original-Seferste aus den Situmgen 
gelehrter OeseUsohaftan. 

Sitzung der Berliner med. Gesellschaft yom 

19. Dezember 1900. 
Piorkowski, Modifikation der Diphtherie- 
bacillenfärbung, p. 63. 

Befttrate. 

Bfoard, L. et Vieolas, J., Note sur la 
r^sistance des spores de TActinomyces, 
p. 66. 

Prftnkel, E., Ueber Roseola typhosa, p. 65. 

Eelmaii, D., Einige Bemerkungen Über 
die Rolle des Bacillus pyocyaneus bei 
der Entstehung croupOser primärer Ent- 
zündung des äuBeren Gehörganges und 
Über die pathogenetischen Eigenschaften 
des Bacillus pyocyaneus im allgemeinen. 
(Kilka uwag o roli laseczuika zielonej 
ropy w powstawaniu tzw. pierwotnego 
krupowego zapalenia przewodu sliicho- 
wego zewnctrznego i o wlasnosciach pato- 
genetycznych lasecznika zielonej ropy 
wogole), p. 65. 

l»9grom, Action sur Torganisme des pig- 
ments microbiens, p. 64. 



lAgiMrem, Contribution k T^tude de la 
Pasteurellose boyine, connue en Arsentine 
sous les noms de „Diarrhoe** et d ,,Ente- 
qu6e", p. 68. 

, Contribution ä T^tude de lä Pasteu- 
rellose ovine, connue en Argentine soua 
le nom de „Lombrez", p. 69. 

, Nouyelle contribution k T^tude de 

la Pasteurellose öquine (Fiövre typhoide^ 
Pneumonie, etc.), p. 70. 

Olt, Die Suche nach der Ursache des 
Krebses, p. 66. 

Tartakowji^, De la sensibilit^ des cha- 
meaux vis-ä-vis de la peste bovine, p. 71. 

Untersnohiixigsmetliodeii, Instm- 
mente etc. 

Olage, Zur Konservierung anatomischer 
Präparate, p. 73. 

Eehewerth, F. E., De mikroskopische 
telmethode der bakterien van Alex. Klein 
en eenige van hare toepassingen, p. 72. 

Eoroioka, Beitrag zur Serumdiaf^ose der 
Tuberkulose niush dem Verfahren von 
S. Arloing und P. Courmont, p. 73. 

▼ietor-Sibing'ay J., Eene b^drs^e tot het 
teilen der bakterien, p. 71. 

Sohutiimpfkinj^, kttnstliohe Xnfektioiui- 

krankheiten, Entwickelnngshemmnng' 

und ▼•mlohtoug der Bakterien. 

Iwanoir, A., Ueber die Behandlung der 
Malaria mit Anilin blau, p. 74. 

Sachs, &., Beitrag zur Behandlung der 
Skabies, p. 74. 

Vene Utteratnr, p, 75. 



Frommanntcho Buehdruckerei (Hermann Fohle) in Jena. 

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Bakteriologie, Pnilenkiile M InfeldloDskraüielteD. 

Erste Abteilung: 

Medicinisch-hyaienische Bakteriologie und 
tierische Parasitenicunde. 

In Verbindung mit 

ßelL let-Bat Prof. Dr. Loeffler, Prot Dr. B. Pfeiffer 

in GreiÄwald gid in KOnigsbeig 

Staatsrat Prot Dr. t Brann 

in Königsberg 
herausgegeben von 

Dr. O. Xnxl-ssrorni in Oassel. 
Verlag von Gustav Fischer in Jena. 

XXEL Band« -»- Jena» den 31. Januar 1901. -»- No. 8* 

Prell fftr dtn Bftnd (86 Hnmmem) 16 Hark. — JUirlloli «rtelioiBmi iw«i Binde. 

Fnii fttr «ine daÜMhe Hvauner 76 Pf^., ftr eine Ik^ppelaunmer 1 Mark 60 Tfg. 

VvmmeriL mit Tafeln koeten fAx Jede Tafel 60 Pfy. mekr. 

Oenu äU r^gtlmäfiiffe BeÜage die InhaUiübeniekien der II. Abteilung dee Oeniralblatiei, 



Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasitenkundel'* 
fichiet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wünsche um 
lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Aufsätze entweder bei der Ein^ 
Sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben »u 
wollen oder spätestens nach Empfang der ersten Korrekturawäge direkt an 
den Verleger, lierm Gustav Fischer m Jena^ gelangen xu Uusen, 

Original-Mitteilungen. Nachdruck verboten. 

üeber die Einwirkung leukocytenhaltiger Flüssigkeiten auf 

Streptokokken. 

[Aus dem Züricher Hygiene-Institut] 
Von Dr. P. B. Simon, Zürich. 

Die Versuchsreihe, über welche nachstehend berichtet werden soll, 
vnrde unternommen im Anschluß an die bekannten Arbeiten Buchner 's 
nnd seiner Schüler, welche die Einwirkung von Leukocyten in vitro auf 
Terschiedene Mikroben untersuchten. Da nach den Thatsachen der 
Pathologie ein schädigender Einfluß der Leukocyten auch auf Strepto- 
kokken vermutet werden konnte, und da überdies namhafte französische 
Autoren 
uid diese 

<nitAM.XZIX. Bd. 



bei Streptokokkeninfektion der Tiere Phagocytose beobachtet 
\ im Sinne der Theorie Metschnikoff^ als keimtötenden 

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82 F. B- Simon, 

Vorgang aufgefaßt haben, so drängte sich die Frage auf, ob außerhalb 
des Tierkörpers eine solche Einwirkung von Leukocyten auf Strepto- 
kokken wahrzunehmen sei. 

Zu dieser Frage lagen bereits Versuche vor von Bordet^), Denys 
und Le c lef '), welche in der von den Rundzellen befreiten Exsudatflüssig- 
keit des Kaninchens Streptokokken aussäten und fanden, daß diese 
darin zu Grunde gehen. Denys und Leclef erhielten das nämliche 
Resultat, wenn sie die Streptokokken in eine Mischung von gewöhnlichem 
Eaninchenserum, Eaninchenleukocyten und Antistreptokokkenserum 
brachten; doch konnte Bord et diese Angabe nicht bestätigen. 

Ich habe bei meinen Versuchen ausschließlich mit Eaninchenleuko- 
cyten gearbeitet. Ich gewann dieselben nach der von Buchner ange- 
gebenen Methode, indem ich 4 — 5 ccm sterilisierter Aleuronatauf- 
schwemmung in die rechte Pleura des Tieres injizierte und dasselbe 
nach 24 — 48 Stunden tötete, worauf das Exsudat mittels Fast eur 'scher 
Pipetten steril entnommen wurde. 

Um die Einwirkung isolierter Leukocyten zu prüfen, wurde nach 
dem Verfahren Schatten fr oh 's ^) das Exsudat sogleich nach der Ent- 
nahme centrifugiert und nach Abgießen der Exsudatflüssigkeit der Boden- 
satz in physiologischer Kochsalzlösung aufgeschüttelt. Dann wurde von 
neuem centrifugiert, nachher wieder abgegossen und so dieses Verfahren 
dreimal wiederholt. Nach dem letzten Centrifugieren wurde den aus- 
gewaschenen Leukocyten nochmals physiologische Kochsalzlösung zu- 
gesetzt, und dann wurden dieselben, ohne daß noch weitere Manipulationen 
mit ihnen vorgenommen wurden, zum Versuch verwendet 

Ich habe es absichtlich unterlassen, die Leukocyten vor dem Ver- 
such durch Einfrieren und Wiederauftauen oder durch Erhitzen abzu- 
töten, wie Hahn^) und Schattenfroh es gethan haben, weil mir in 
erster Linie daran lag, keine Kunstprodukte zu schaffen und die Zellen 
in möglichst unverändertem Zustande zu erhalten. Auch zeigte es sich 
bald, daß es nicht notwendig war, durch Abtötung der Leukocyten die 
Phagocytose auszuschließen, da diese so vereinzelt beobachtet wurde, 
daß sie auf das Resultat keinen nennenswerten Einfluß ausüben konnte. 
Man konnte oft Dutzende mikroskopischer Präparate durchmustern, ohne 
einer einzigen Phagocytose zu begegnen. 

Die Zusammensetzung des Aleuronatexsudats ist bekannt ; es besteht 
in der Hauptmasse aus kleinen polynukleären Rundzellen, denen eine 
geringe Anzahl mononukleärer Leukocyten mit großem runden Kern 
beigemengt ist. In der physiologischen Kochsalzlösung blieben die 
Zellen gut erhalten; selbst 48 Stunden nach der Entnahme aus dem 
Tierkörper und nach 24stündigem Aufenthalt im Brutschrank zeigte die 
Mehrzahl derselben noch deutliche Kernfärbung. 

Zur Keimzählung bediente ich mich wie üblich des K o c h 'sehen Platten- 
verfahrens. Meist wurden Gelatineplatten gegossen ; nur bei Versuchen 
mit solchen Streptokokken, die auf Gelatine schlecht wuchsen, wurden 
Agarplatten benutzt. 

Das Plattenverfahren wäre eine ideale Methode der Keimzählung, 
wenn die in der Kulturflüssigkeit suspendirten Mikroben stets von- 
einander isoliert blieben. Es ist jedoch bereits von verschiedenen Seiten, 

1) Bord et, Annales de Tlnstitut Pasteur. T. XI. 1897. 

2) Denys u. Leclef, La cellule. T. IX. 1895^ citdert bei Bordet 

3) Schattenfroh. Archiv f. Hygiene. Bd. XXXL 

4) Hahn, Archiv f. Hygiene. Bd. XXV. 



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Ueber die Einwirkung leukocyteiihaltiger Flüssigkeiten auf Streptokokken. 83 

neuerdings wieder von Moxter '), darauf hingewiesen worden, daß diese 
Voraussetzung keineswegs immer zutrifft, daß vielmehr die einzelnen 
Keime oft in Haufen zusammenliegen und daher die später auf der 
Platte sichtbaren Eolonieen nicht stets den Einzelindividuen der Kultur- 
flüssigkeit, sondern häufig ganzen Haufen solcher entsprechen. Diese 
Fehlerquelle besteht in der That, allerdings bei verschiedenen Mikroben 
in verschiedenem Maße. Es ist aber bisher von der Kritik — auch 
von Moxter — nicht beachtet worden, daß die Haufenbildung auf 
zweierlei Art entstehen kann und ihr je nachdem eine andere Bedeutung 
zukommt. 

Die Haufenbildung kann ein bloßes Wachstumsphänomen sein, in- 
dem die einem und demselben mütterlichen Individuum entstammenden 
Tochtergenerationen räumlich vereint bleiben, wie dies ja bei allen in 
Verbänden wachsenden Mikroben stets innerhalb gewisser Grenzen der 
Fall ist (Staphylokokken, Streptokokken). Ist aus irgendwelchen Gründen 
die räumliche Vereinigung der Tochtergenerationen von solcher Dauer, 
daß inzwischen mit der fortschreitenden Vermehrung die Größe des ge- 
wöhnlichen Verbandes, des Häufchens oder der Kette, weit über- 
schritten wird, so kommt es zur Haufenbildung. Es ist klar, daß durch 
diese Art der Haufenbildung eine Keimvermehrung in der Kultur- 
flüssigkeit bei dem Plattenverfahren teilweise verdeckt werden kann; 
es ist aber andererseits auch klar, daß auf diese Weise niemals eine 
scheinbare Verminderung der Keime im Verlauf des Versuchs auf der 
Platte entstehen kann. 

Eine solche scheinbare Verminderung der in der Kulturflüssigkeit 
ausgesäten Keime während des Versuchs kann aber beim Plattenver- 
fahren durch die zweite Art der Haufenbildung hervorgerufen werden, 
durch die Aneinanderlagerung vorher freier, isolierter Einzelindividuen 
zu Haufen. Diese Art der Haufenbildung hat ihren Typus in der 
Agglutination und dürfte daher hauptsächUch bei agglutinierenden Mi- 
kroben, Typhusbacillus, Choleravibrio etc. zu finden sein. 

Ich hatte mich, bevor ich an die hier beschriebenen Versuche ging, 
mit der Frage der Agglutination bei Streptokokken beschäftigt, dabei 
aber ausschließlich negative Resultate gehabt. Bord et, welcher 
Agglutination bei Streptokokken beobachtet hat, giebt selbst zu, daß die- 
selbe sehr geringfügig ist. Er sagt: „Les cultures de streptocoque 
faites dans le s^rum pr^ventif, ou dans des liquides qui en renferment 
nne forte dose (parties Egales de bouillon et de s^rum de cheval par 
exemple) ne pr^sentent qu'ä un faible degr^ la r^union en amas : parfois 
mSme on ne constate rien de semblable^. . . . M^me le pouvoir agglu- 
tinatif n'est dans le s6rum antistreptococcique d^velopp^ qu'ä un &ible 
degr^". 

Demgemäß dürfte die Haufenbildung durch Agglutination bei Strepto- 
kokken keine Rolle spielen, und dort, wo diese Haufenbildung zeigen, 
handelt es sich wohl ausschließlich um die erste Art derselben, welche 
durch Wachstumsvorgänge bedingt ist Daher dürfte in den Fällen, wo 
das Plattenverfahren hier eine Abnahme der Keime im Verlauf des Ver- 
suches anzeigt, die Gefahr einer Täuschung durch Haufenbildung infolge 
von Agglutination kaum in Frage kommen. 

Wie dem auch sein möge, jedenfalls ist der einzige Schutz gegen 
diese Fehlerquelle eine sorgfältige mikroskopische Kontrolle. Da die 

1) Moxter, Deutsche med. WochenBchrift. Bd. XXY. No. 42. 

6* 

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g4 F. B. Simon, 

Schwierigkeit, Haufenbildang mit dem Mikroskop aufzufinden, um so 
größer ist, je größer das FlOssigkeitsquantum ist, habe ich stets nur 
kleine Flüssigkeitsmengen (1 — 2 ccm) verwendet. Bei den Versuchen 
mit isolierten Leuköcyten wurde daher denselben schließlich nicht soviel 
physiologische Kochsalzlösung zugesetzt als der abcentrifugierten Exsudat- 
flüssigkeit entsprochen haben würde, sondern ganz bedeutend weniger, 
nur 1—2 ccm. Durch dieses Einengungsverfahren erhielt ich zugleich 
eine Flüssigkeit, die weit reicher an Leuköcyten war, als das ursprüng- 
liche Exsudat, von der man also eine entsprechend stärkere Wirkung 
erwarten konnte. 

Noch wichtiger aber und eine unerläßliche Vorsichtsmaßregel ist 
es, daß man solche Streptokokken, die schon in Bouillonkultur 
starke Neigung zu Haufenbildung zeigen, von diesen Versuchen ganz 
ausschließt. 

Außer der Haufenbildung ist bei dem Platten verfahren mit Strepto- 
kokken noch eine andere Fehlerquelle denkbar. Da bekanntlich die 
Länge der Ketten selbst bei einem und demselben Streptococcus auf 
verschiedenen Nährböden sehr variiert, und da in der gleichen Kultar- 
flüssigkeit der eine Streptokokkenstamm kurze, der andere lange Ketten 
bildet, so kann es leicht geschehen, daß bei einer gleich starken Ver- 
mehrung der einzelnen Kokken in beiden Röhrchen das Plattenver&hren 
im ersten Fall eine starke, im zweiten nur eine schwache Zunahme der 
Keimzahl anzeigt Die mikroskopische Kontrolle hat daher bei diesen 
Versuchen auch die verschiedene Länge der Ketten in Betracht zu ziehen, 
und Vergleiche zwischen Stämmen, deren Kettenlänge sehr voneinander 
differiert, sind überhaupt zu vermeiden. 

Ich habe bei meiner Untersuchung 12 verschiedene Streptokokken- 
stämme geprüft, und zwar 3 stärker virulente und 9 nicht virulente oder 
schwach virulente. Die stärker virulenten sind mit großen Buchstaben 
(B, P, M) bezeichnet, während die nicht und schwach virulenten wie 
üblich nach ihrer Provenienz benannt sind. Verschiedene Stämme 
gleichen Namens in der zweiten Gruppe sind voneinander durch eine 
angehängte römische Ziffer unterschieden (z. B. S t r. A n g i n a e 1, 1 1, 1 1 1 ; 
Str. pyog. I, II, III). 

Bekanntlich giebt es bei den Streptokokken keine absolute Virulenz, 
und wenn daher hier von stärker virulenten Streptokokken die Rede ist, 
so sind selbstverständlich nur solche gemeint, welche für Kaninchen 
stärker virulent sind, d. h. solche, die, subkutan ii^iziert, zu einer 
Allgemeininfektion und zum Tode des Tieres führen. 

Zu den ersten Versuchen benutzte ich einen nicht virulenten Str. 
puerperalis, welcher in Bouillonkultur die Flüssigkeit klar läßt und 
einen dicken Bodensatz bildet 

Versuch No. 2 : Das Exsudat des Tieres wird in zwei Hälften geteilt 
Die erste Hälfte wird zur Gewinnung isolierter Leuköcyten verarbeitet, 
also centrifugiert und darauf der Bodensatz in physiologischer Koch- 
salzlösung aufgeschüttelt, dann wieder centrifugiert u. s. f. Die zweite 
Hälfte des Exsudats wird unverändert zum Versuch verwendet Es 
werden 4 Röhrchen beschickt: eines mit den ausgewaschenen, in 
iphysiologischer Kochsalzlösung suspendierten Leuköcyten, eines mit der 
von diesen abcentrifugierten Exsudatflüssigkeit, eines mit dem unver- 
ilnderten £xsudat und eines mit dem Blutserum des Tieres. 



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üeber die Einwirkung leukocytenhaltiger Flüssigkeiten auf Streptokokken. 85 





Kochsalzlösung: 


Exsudtttflüitoigk. : Ganzes Exsudat 


: Blutserum: 


BofoTi nach 


ö 








da Aussaat: 


' 648 Kolcmieen 


214 Kolon. 396 Kolon. 


122 Kolon. 


nach 2 Std. :' 


409 


134 „ 224 


11 


16 „ 


nadi 7 „ 


70 : 


78 „ 595 


n 


15 000 „ 


nach 25 „ 


113 „ 


1 „ ca.20000 


„ ca. 32 000 „ 


Versuch No. 4: 










"KÄlcfuEgr E«nd.tflü«,igkeit: 


Blutserum : 


Sofort nach 










der Aussaat: 


232 Kolonieen 


107 Kolon. 




21 Kolon. 


Bach 2 Std.: 


26 „ 


183 „ 




25 „ 


nachS „ 


13 „ 


ca. 60000 „ 




4000 „ 


nach 25 „ 


„ 


ca. 20000 „ 


ca. 


20000 „ 


Versuch No. 6: 










Leukocyten in phys. 
Kochsalzlösung : 


Exsudatflussigk.: Ganzes Exsudat: 


Blutserum : 


Sofort nach 










der Aussaat: 


770 Kolonieen 


148 Kolon. 890 Kolon. 


2200 Kolon. 


nach 2 ßtd.: 


597 


174 „ 240 


)i 


1600 „ 


nachS „ 


11 „ 


15000 „ sehr viele 


1» 


sehr viele „ 


nach 24 „ 


1 Kolonie ca. 34000 „ ca. 32000 


i* 


*i tf tf 



In diesen Versuchen hat also das unveränderte Exsudat nicht 
hemmend auf die Vermehrung der Streptokokken gewirkt, es fand viel- 
mehr bei No. 2 wie bei No. 5 eine nicht unerhebliche Zunahme der Keim- 
zahl statt, die ungefähr ebenso stark war wie im Blutserum des Tieres. 
Auch die Exsudatflüssigkeit zeigte nur im ersten der 3 Versuche eine 
schädigende Wirkung auf die ausgesäten Kokken, in den beiden anderen 
edoch war die Keimvermehrung kaum geringer als im Blutserum, 
lonstant dagegen war in allen 3 Versuchen das Ver- 
lalten der Leukocyten-Kochsalzflüssigkeit, die nament- 
lich in den beiden letzten deutlich baktericide Eigen- 
schaften zeigt. Bei der gänzlichen Wirkungslosigkeit des unver- 
änderten Exsudats ist dieser Effekt der Leukocytenauf schwemmung um so 
auffälliger; besonders merkwürdig aber ist der Versuch No. 2, wo ein 
jedes der beiden Exsudatbestandteile für sich allein schädigend auf die 
Keimvermehrung wirkt, während das unveränderte Exsudat keine Spur 
einer solchen Wirkung erkennen läßt 

Diese Resultate deuten darauf hin, daß der die Streptokokken 
schädigende Einfluß der Leukocyten aufgehoben wird, wenn die letzteren 
mit der Exsudatflüssigkeit in vitro bei Bruttemperatur vereinigt bleiben, 
sei es nun, daß chemische Umsetzungen zwischen den Zellen und der 
Exsudatflüssigkeit erfolgen, sei es daß diese nicht imstande ist, so große 
Quantitäten baktericider Stoffe aus den Leukocyten zu extrahieren, wie die 
physiologische Kochsalzlösung. Versuch No. 2 wäre nur durch die erste 
dieser beiden Annahmen zu erklären, während die beiden folgenden Ver- 
suche auch die andere Deutung zulassen. 

Auch bei späteren Versuchen mit unverändertem Ex- 
sudat habe ich eine entwickelungshemmende Wirkung 
desselben auf Streptokokken nicht beobachten können. 
Ebensowenig zeigte weiterhin die zellfreie Exsudat- 
flüssigkeit noch irgendwelchen baktericiden Einfluß auf 
diese Mikroben, so daß ich also den oben erwähnten diesbezüglichen 
Angaben von Denys, Leclef und Bord et nicht beipflichten kann. 

Bevor ich noch andere Versuche in vitro unternahm, wollte ich 



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86 S. W. Eonstansoff, 

zunächst feststellen, ob im Tierkörper eine schädigende Einwirkung 
der Leukocyten auf die Proliferation der Streptokokken zu erkennen seL 

Zu diesen Versuchen wurden ausschließlich stärker virulente Strepto- 
kokken, die Stämme B und P, verwendet. Die Dosis letalis von Str. B 
betrug bei subkutaner Applikation anfangs 1,5 ccm, wurde dann aber bald 
durch wiederholte Tierpassagen bis auf 0,01 und 0,005 ccm erniedrigt ; 
die Dosis letalis von Str. P war 1,0—0,5 ccm. 

Es wurde durch Aleuronatinjektion bei dem Versuchstier ein Exsudat 
erzeugt und in dieses 24—48 Std. später die betreffende Streptokokken- 
kultur injiziert, während das Kontrolltier entweder überhaupt keine 
Aleuronatinjektion erhielt oder an einem anderen Körperteil, nicht am 
Ort des Aleuronatabscesses, mit Streptokokken geimpft wurde. Denn bei 
den späteren Versuchen injizierte ich auch dem Kontrolltier zu gleicher 
Zeit wie dem Versuchstier Aleuronat, um die Versuchsbedingungen bei 
beiden möglichst gleichartig zu gestalten. Von diesen Tierversuchen 
seien hier nur einige angeführt. 

Versuch No. 6. Von 2 Albinos im Gewicht von 2300 g und 
2350 g erhält das kleinere 5 ccm Aleuronat in die rechte Pleura. 
48 Stunden später wird ihm in das Pleuraexudat 1,5 ccm eintägiger 
Bouillonkultur vonStr. B und dem Kontrolltier, das kein Aleuronat er- 
halten, die gleiche Dosis ebenfalls in die rechte Pleura injiziert Nach 
2 Stunden, nach 5 Stunden und nach 24 Stunden wird beiden Tieren 
Blut aus der Randvene des Ohres entnommen und davon Agarkulturen 
angelegt. Das Kontrolltier wird 48 Stunden nach der Infektion tot auf- 
gefunden, während das Versuchstier jenes noch um 36 Stunden überlebt 
Die intra vitam aus dem Venenblut 24 Stunden nach der Impfung ange- 
legten Agarkulturen sind bei beiden Tieren gewachsen, die vorhergehen- 
den aber steril geblieben. (Schluß folgt.) 



^ Nachdav4ik verboten, 

üeber die Beziehungen der Bubonenpest zu anderen Formen 
der hämorrhagischen Septikämie. 

[Aus dem Institut für Experimentalmedizin in St. Petersburg, epizoot 
Abteilung, z. Z. Leiter A. Wladimir off.] 

Von Dr. S. W. Konstansoff. 

Die Bubonenpest ist vor nicht allzulanger Zeit als jüngstes Glied 
in die Gruppe der hämorrhagischen Septikämieen eingereiht worden. 
Ihre Zugehörigkeit zu dieser Gruppe kann wohl kaum noch in Frage 
gezogen werden, nachdem zur Genüge festgestellt worden ist, daß ihre 
Erreger sich in Form, Färbbarkeit, Wachstum auf künstlichen Nähr- 
böden u. dergl. den übrigen Vertretern der Gruppe zum Verwechseln 
ähnlich verhalten, und daß sogar zwischen den Veränderungen, welche 
im Organismus der Versuchstiere durch die einen wie die anderen her- 
vorgerufen werden, eine weitgehende Analogie besteht. Im wesent- 
lichen ist der Krankheitsprozeß dadurch charakterisiert, daß unter dem 
Einfluß der sich massenhaft in Blut und Geweben vermehrenden Bak- 
terien hämorrhagisch-entzündliche Herde in den verschiedenen Organen 
auftreten. Das pathologisch-anatomische Bild wechselt nur je nach der 
Lokalisation der Erreger und nach der Schnelligkeit oder Langsamkeit 



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Beziehungen der Bubonenpest zur hämorrhagischen Septikämie. 37 

des Erankheitsverlaufes ; selbst die für die Bubonenpest als charakte- 
ristisch angegebenen Lymphdrüsen Schwellungen können in geringerem 
oder höherem Maße auch von den übrigen Vertretern der hämor- 
rhagischen Septikämie hervorgerufen werden. 

Angesichts dieser Thatsachen ist jedes Merkmal um so wertvoller, 
welches es gestattet, die einzelnen Arten der uns hier interessierenden 
Oruppe Toneinander zu differenzieren ^). Es soll hier nicht meine 
Aufgabe sein, von gewissen morphologischen unterschieden zu reden, 
ebensowenig von der Pathogenität für verschiedene Tierarten ; der Zweck 
meiner Experimente war, die Wechselbeziehungen zu untersuchen, 
welche möglicherweise zwischen der Immunität gegen Bubonenpest und 
gegen andere Formen der hämorrhagischen Septikämie bestehen könnten. 
Auf Anregung und unter Leitung des Herrn Dr. A. Wladimir off 
habe ich es unternommen, an weißen Mäusen festzustellen, ob eine gegen 
Bubonenpest hervorgerufene Immunität auch gegen andere hämor- 
rhagische Septikämieen Schutz verleiht, und umgekehrt 

Bei den Versuchen, aktive Immunität zu erzeugen, bin ich auf 
große Schwierigkeiten gestoßen. Bekanntlich giebt es in dieser Be- 
ziehung noch keine feststehenden Methoden für die hämorrhagischen 
Septikämieen. Voges') kam nach einer großen Reihe von Versuchen, 
welche er in dieser Richtung angestellt hatte, zu dem Schluß, ^daß es 
mit den von uns angewandten Methoden nicht gelingt, eine echte an- 
dauernde Immunität mit den Bakterien der hämorrhagischen Septikämie 
bei den verschiedensten Tiergattungen hervorzurufen". Zweifellos ist 
dieser Schluß gegenwärtig nicht mehr vollgiltig. 

Theoretisch betrachtet müßte man die besten Resultate *bei An- 
wendung von lebenden, ungeschwächten Kulturen in nicht tödlichen 
Dosen erwarten. Indessen von den 3 Krankheitserregern, welche ich 
zu meinen Versuchen an Mäusen benutzt habe (Schweinepest, Schweine- 
seuche und Hühnercholera), konnte ich zu diesem Zwecke nur die Bak- 
terien der Schweinepest verwenden. Die Virulenz der mir zur Ver- 
fügung stehenden Schweinepestkultur 3) war nach mehrfacher Passage 
durch den Mäusekörper eine derartige, daß 0,2 ccm einer 1-tägigen 
Bouillonkultur weiße Mäuse von ca. 20 g Gewicht in 2Vä~-3 Tagen 
töteten. Für meine Kulturen von Schweineseuche und Hühnercholera 
konnte ich eine minimale tödliche Dosis überhaupt nicht feststellen, da 
selbst die Einspritzung von 0,0000001 ccm 1-tägiger Bouillonkulturen 
die Mäuse in 20 Stunden sterben machte. OflFenbar genügte hier zur 

1) Unter anderem ist es mir gelungen, folgenden Unterschied zwischen den Bak- 
teriea der Hühnercholem, der Schweineseuche und der Schweinepest festzustellen. Als 
ich Yenndite, die Virulenz der ffenannten Mikroben durch längeres Kultivieren bei 
^® C abzuschwächen, fand ich, daß bei dieser Temperatur die Erreger der Hühner- 
diolen meist nur 15—20 Stunden am Leben bleiben und nach 25 — 30 Stunden regei- 
^ig nicht mehr entwickelungsffthig sind; der Bac. suisepticus bleibt bei 45° G 
30-^ Standen lebensf^ig, in 45—50 Stunden zeigt er nur selten und dann auch nur 
«hr schwaches Wachstum, über 50 Stunden hinaus erweist er sich als abgetötet; der 
Bac. suipestifer wurde durch dieselbe Temperatur offenbar gar nicht angegriffen 
^ gab selbst nach 15-tägigem Verweilen bei 45 ® G die üppigsten Kulturen. 

2)Voge8, Kritische Studien und experimentelle Untersuchungen über die Bak- 
jwien der hämorrhagischen Septikämie und die durch sie bewirkten Krankheitsformen. 
(Zeitachr. f. Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. XXIII. p. 256.) 

3) Die Schweinepestkultur hat Dr. A. Wladimiroff im Januar 1899 aus dem 
Herzblut eines Schweines isoliert, welches ihm aus dem Gouvernement Poltawa zuge- 
J^t wurde; die Schweineseuchekultur verdanken wir Herrn Dr. Schreiber in Lands- 
°«g; die Hühnercholerakultur endlich ist im Jahre 1897 von Herrn Prof. Nocard er- 
oalten und seitdem in verschmolzenen Glaspipetten aufbewahrt worden. 



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gg S. W. Eonstansoff, 

tödlichen Infektion bereits ein einzelner Eeim^). Infolgedessen mußte 
ich bei den beiden letztgenannten Krankheitsformen zu anderen Im- 
munisierungsmethoden greifen. Eine Immunisierung mit Toxinen er- 
wies sich hierbei von vornherein als unausführbar. Wenn schon im 
allgemeinen die Bakterien der hämorrhagischen Septikämieen unter ge- 
wöhnlichen Züchtungsverhältnissen durch ihre geringe Toxicität ausge- 
zeichnet sind, so konnte ich in meinen Kulturen von Schweineseuche 
und Hühnercholera überhaupt keine Giftigkeit für weiße Mäuse finden. 
Kulturen, welche, wie oben erwähnt, schon in Dosen von 0,0000001 ccni 
weiße Mäuse töteten, wurden nach eintägigem Aufenthalt bei 45^ C 
selbst noch in Dosen von einem ganzen Kubikcentimeter ohne die ge- 
ringste sichtbare Reaktion von den Mäusen vertragen. Die Temperatur 
von 45 ^ C dürfte wohl kaum als toxinzerstörend gelten ; um aber auch 
diesem Einwände zu begegnen, habe ich das Filtrat unabgetöteter voll- 
virulenter Kulturen von Schweineseuche und Hühnercholera in Dosen 
von 1— IV« ccm Mäusen 3mal in kurzen Zwischenräumen subkutan in- 
jiziert, und zwar mit demselben negativen Erfolg. Wie wir wissen» 
liegen ja die Verhältnise bei der Bubonenpest ganz ähnlich, auch hier ist 
die Toxicität der unter gewöhnlichen Bedingungen kultivierten Bakterien 
eine so geringe, daß es besonderer Züchtungsverfahren bedarf, um 
einigermaßen toxische Produkte zu erzielen^). Von den sonst noch in 
Betracht kommenden aktiven Immunisierungsmethoden lieferten mir die 
Versuche mit abgeschwächten Kulturen und mit abgetöteten Bakterien- 
leibern bei der Schweineseuche und der Hühnercholera durchaus unbe- 
friedigepde Resultate. Als Illustration hierfür kann Tabelle I (p. 89) 
dienen, in welcher ein derartiger Versuch mit Hühnercholera wieder- 
gegeben ist 

Demnach sah ich mich veranlaßt, den von Beinarowitch') in 
seinen Pestexperimenten eingeschlagenen Weg zu betreten. Dieser 
Weg ist ein indirekter: Nach vorausgegangener Serum Injektion werden 
die Tiere mehrfach mit (für nicht vorbehandelte Tiere) tödlichen Dosen 
vollvirulenter Kulturen infiziert, und zwar mit der Berechnung, daß 
nach dem Verschwinden der verhältnismäßig kurzdauernden passiven 
Immunität^) eine reine aktive Immunität zurückbleibt 

Das Serum, dessen ich mich zu diesem Zwecke bediente, war uns 
in liebenswürdigerweise von Herrn Dr. Schreiber aus dem bak- 
teriologischen Institut der Rotlauf-Serum-Gesellschaft (Landsberg a. d* 
Warthe) zur Verfügung gestellt Nach den Versuchen von Dr. Schrei- 
ber^) ist dieses Serum nicht nur gegen Schweineseuche, sondern auch 
gegen Schweinepest und Hühnercholera wirksam; nach meinen eigenen 
Versuchen ist dieses auch in schwachem Grade gegen Mäusetyphus der 
Fall, wenigstens überlebten Mäuse, welche mit 0,4—0,5 ccm Serum vor- 

1) Wurden 0,000001—0,00001 ccm von l-tftgigen BouiUonkulturen mit Agar ge- 
mischt in Platten gegossen, • so kamen gewöhnlich 1(X) — 1000 Eolonieen zur Entwidcelung^ 
bisweilen traten aber auch nur einige wenige Eolonieen auf, was wahrscheinlich mit dem 
Alter der zur Beschickung der Bouillon verwandten Agarkultnr in Zusammenhang stand. 

2) cf. Metchnikoff, Sur la peste bubonique. (Ann. de Tlnst Pasteur. 1897. 
p. 737.) 

3) Beinarowitch, Sur la question de l'immunitö contre la peste bubonique. 
(Archives des sciences biologiques. T. VII. 1898.) 

4) Nach Beinarowitch dauert die passive Immunität gegen Bubonenpest bei 
Mäusen, denen V^oo ^^ Körpergewichts von einem Serum mit dem Schutzwert Vso ®i^" 
gespritzt worden ist, 2 Wochen an. 

5) Schreiber, Berl. tierärztl. Wochenschr. 1899. No. 10. — Die Bekämpfung der 
Geflügeldiolera mit Landsberger Serum. Serum-Gesellschaft. 1900. 



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Beziehungen der Bubonenpest zur hämorrhagischen Septikämie. 



89 



Tabelle I. 
Versuch aktiver Immunisierung gegen Hühnercholera. 






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0,001 ccm 



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0,000001 
0,000001 
0,000001 
0,000001 
0,000001 



„ 0,001 

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0,001 



0,001 
0,001 

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0,001 
0,001 

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0,01 



0,000 001 ccm 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 

0,000001 
0,000001 



Tod durch zu 
fäll. Ursache 

am Leben ge- 
blieben 

desgL 

Tod nach ^ 
Stunden 

am Leben ge- 
blieben 

Tod nach 15 
Stundoi 

Tod nach 30 
Stunden 

Tod nach 15 
Stunden 

Tod nach 20 
Stunden 

desgl. 

desgl. 



0,00001 ccm Tod nach 
8 Tagen 



0,00001 



0,00001 



am Leben 
geblieben 



Tod n. 27, 
Tagen 



0,00001 ccm 
0,00001 



Tod nach 
20Stdn. 

Tod nach 
12Stdn. 



behandelt waren, die Infektion um 10—27 Tage, während die Kontroll- 
mäase 15 Stunden bis 4 Tage nach der Infektion starben. Wie aus 
nachstehender Tabelle (p. 90) zu ersehen ist, ist die minimale Präventiv- 
dosis des Landsberger Serums für weiße Mäuse gegenüber der Hühner- 
cholera 0,1 ccm, gegen Schweineseuche 0,05 ccm, gegen Schweinepest 
0,3-0,5 ccm. 

Zar passiven Immunisierung der Mäuse gegen Bubonenpest 
habe ich mich eines im Institut für experimentelle Medizin dargestellten 
Serums (Ser. 53, geprüft 20. August 1899) bedient; zur Zeit der Be- 
nutzung ergab eine erneute Prüfung am 11. Juni 1900 den minimalen 
PriventiTwert von 0,1 — 0,2 ccm für weiße Mäuse, wie aus Tabelle III 
(p. 91) zu ersehen ist 

Nachdem ich mich in dieser Weise von dem Schutzwerte der beiden 
mir zu Gebote stehenden Serumarten (gegen Schweineseuche und gegen 
Bubonenpest) überzeugt hatte, konnte ich an die Ausführung meiner 
eigentlichen Aufgabe herantreten. 

Zunächst unternahm ich es, zu prüfen, ob das Bubonenpestserum 
imstande ist, weifie Mäuse gegen eine Infektion mit anderen Bakterien 
der hämorrhagischen Septikämieen zu schützen. Die Resultate dieser 
Versuche sind in den Tabellen IV— VI (p. 91 u. 92) zusammengestellt. 



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90 



S. W. Eonstansoff, 



Tabellen. 

Prüfung dee Schutzwertcs von Dr. Schreiber's Serum gegenül)er Hühnercholera, 

Schweineseuche und Schweinepest 



Journal- 
nununer 
der Mäuse 



Gewicht 
der Mäuse 



Quantum 

des injizierten 

Serums 



Quantum der in- 
jizierten') 1-tägigen 
Bouiilonkultur 



BesulUt*) 



Hühnercholera 



186 


22 


187 


17 


188 


22 


189 


21 


190 


17 


191 


21 


192 


17 


193 


21 


194 


17 


195 


19 


196 


17 


160 


•) 


161 


•) 


W 


•) 


197 


•) 


198 


•) 


163 


•) 


204 


22 


205 


19 


206 


21 


207 


17 


208 


21 


209 


17 


210 


21 


211 


17 


212 


19 


172 


•) 


173 


•) 


174 


•) 


213 




214 


■) 


175 


' 


164 A 


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164 B 


165 A 


») 


165 B 


•) 


166 B 


•) 


166 A 


•) 


167 B 


? 


168 B 



0,01 ccm 

0,01 „ 

0,02 „ 

0,02 „ 

0,02 „ 

0,05 „ , 

0,05 „ 

0,1 „ 

0,1 „ 

0^ „ 

0,2 „ 

0,2 „ 

o;^ „ 

0,4 „ 

nicht injiziert 

desgl. 

desgl. 



Schweineseuche 



0,01 ccm 

0,02 „ 

0,02 „ 

0,02 „ 

0,05 „ 

0,05 „ 

0,1 „ 

0,2 „ 
0,2 „ 
0,2 „ 
0,4 „ 
nicht injiziert 
desgL 



0,00001 ccm 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,0001 „ 

0,0001 „ 

0,0001 „ 

0,00001 „ 

0,00001 „ 

0,0001 „ 



Schweinepest 



0,2 ccm 
0,3 „ 
0,4 „ 
0,5 „ 
0,5 „ 
nicht injiziert 



desgl. 



0,5 ccm 

0,3 „ 

0,5 „ 

0,3 „ 

0,3 „ 

0,5 „ 

0,3 „ 

0,3 „ 



0,00001 i 


3cm 


Tod nach 33 Stunden 


0,00001 


„ 


I» 


„ 35 „ 


0,00001 


1» 


»» 


» 35 „ 


0,00001 


„ 


„ 


M 26 „ 


0,00001 


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„ 2'/, Tagen 


0,00001 


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0,00001 


„ 


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„ 3'/, „ 


0,00001 


,, 


am 


Leben geblieben 
desgl. 


0,00001 


„ 




0,00001 


„ 




desgl. 


0,00001 


„ 




desgl. 


0,0001 


„ 




desgl. 


0,0001 


„ 




desll. 


0,0001 


„ 




desgL 


0,00001 


„ 


Tod nach 2Ö Stunden 


0,00001 


>, 


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„ 22 „ 


0,0001 


„ 


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»j 15 „ 



Tod nach 9 Tagen 

„ »» ^ /i „ 

}i » " /i » 

,1 ,» 1^ ,» 

am Leben geblieben 

desgl. 
desgL 
desgl. 
desgl. 
desgl. 
desgl. 
Tod nach 14 Stunden 
„ »> 15 ,. 

I, M 1^ ,» 



Tod nach 5*/« Tagen 
am Leben geDlieTOn 
Tod nach 4V. Tagen 
am Leben geolieben 

desgL 
Tod nach oV« Tagen 

9»/ 

„ ii -^ /t *» 

„ „ »^ „ 



1) Die Infektion fand in allen Versuchen 24 Stunden nach der Serumein- 
8t)ritzung statt. 

2) Die gefallenen Versuchstiere wurden seciert, aus ihrem Herzblut, Milz. Leber, 
Peritonealflüssiffkeit Aussaaten angelegt und Ausstrichpräparate vom Blut und den par- 
ench3rmatOsen Organen mikroskopisch untersucht. 

3) Die Mäuse hatten ein Gewicht von nicht weniger als 17 und nicht mehr 
als 22 g. 



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Beziehungen der Bubonenpest zur hämorrhagischen Septikfimie. 



91 



Tabelle IIL 
Fröfang des Schutzwertee des Bubonenpesteenuns. 



Journal- 


Gewicht 
der Mäuse 


Quantum 


Quantum der injizierten 




niimmer 


des injizierten 


Bouillonkultur 


Effiultat 


derMänBe 


Serums 


von Bacillus pestis 


1 _ . 


231 


22 


0,5 ccm 


02 ccm, 1-tägige Kultur 


am Leben geblieben 
des^. 


232 


22 


0,5 „ 


desg^ 


233 


20 


0,5 „ 


desgl. 


desgL 


234 


18 


0,5 „ 


desgl. 


desgL 


235 


18 


0,5 „ 


desgl. 


desgl. 


236 


23 


0,2 „ 


. desgl. 


desgL 


237 


22 


0,2 „ 


desgL 


desgL 


238 


21 


0,2 „ 


desgl. 


desgL 


239 


19 


0,2 „ 


desgl. 


desgL 


240 


20 


0,2 „ 


0,1 ccm, 4-tägige Kultur 


desgL 


241 


22 


0,1 . 


0,2 „ 1- „ 


desgL 


242 


21 


0,1 „ 


desgl. 


desgL 


243 


18 


0,1 „ 


desgL 


Tod nach 7 Tagen 


244 


20 


0,1 „ 


0,1 ccm, 4-ta£ige Kultur 


am Leben geblieben 
Tod nach öy. Tagen 


245 


21 


0,1 „ 


246 


22 


0,05 „ 


0,2 ccm, 1-tagige Kultur 


247 


21 


0,05 „ 


desgl. 


f» »> ^ »» 


248 


20 


0.05 „ 


desgL 


» >» ^ /t »> 


249 
2ö0 


20 
18 


0,05 „ 
0,05 „ 


desgl. 
desgl. 


5V 
am Leben geblieben 
Tod nach 2% Tagen 


251 


23 


0,02 „ 


desgl. 


262 


22 


0,02 „ 


desgL 


91/ 

» >» ^ 19 » 


253 


21 


0,02 „ 


desgL 


1» »1 ** t1 


254 


20 


0,02 „ 


desgL 


» » ~ Ia »> 


255 


18 


0,02 „ 


desgL 


>» » ^ /t >» 


256 


18 


nicht injiziert 


0,1 ccm, 4-tägige Kultur 


4 
1» • >» * >» 


257 


19 


desgl. 


0,2 „ 1- „ 


11 >i ^ » 


258 


18 


desgl. 


desgL 


ij n ^ 1» 


350 


22 


desgL 


desgL 


» » 3 „ 


351 


21 


desgl. 


desgl. 


»» f» ^ M » 


352 


20 


desgl. 


desgL 





Einfluß der 



Tabelle IV. 
passiven Immunitat gegen Bubonenpest auf 
Schweinepest. 



die Infektion mit 



Joomal- 
nommer 
der Mäuse 


Gewicht 
der Mäuse 


Quantum des 

injizierten 

Bubonen- 

pestserums 


Quantum der injizierten 

Bouillonkultur von 

B. suipestifer 


Resultat 


262 


20 


Ofi ccm 


0,3 ccm 1-tägige Kultur To 


d nach 4 Tagen 


2ö3 


22 


0,4 „ 


desgl. 


»> >i 4 /4 „ 


264 


20 


0,4 „ 


desgL ai 


m Leben geblieben 
)d nach 37, Tagen 


265 


20 


03 


desgl. T( 


266 


20 


0,2 „ 


desgL 


j i> 4 /, „ 


267 


18 


0,2 „ 


desgl. 


» »1 4 „ 


268 


17 


0,2 „ 


desgl. 


r» 1» *^ /« tf 


269 


16 


0,2 „ 


desgL 


1 » *> /« »» 


270 


18 


0,1 „ 


desgl. 


> V ^ It l> 


271 


18 


0,1 „ 


desgl. 


1 >i *^ 'i . ji 


272 


17 


0,1 „ 


desgl. 


> »> *^ ft 


273 


17 


0,1 „ 


desgl. 


} 1} ^ u >* 


274 


20 


0,05 „ 


desgl. 


» »» ^*^ /• >» 


275 


18 


0,05 „ 


desgl. 


4 


276 


16 


0,05 „ 


desgl. 


1 11 ^ 1% 19 


277 


16 


0,05 „ 


desgl. 


1 >i »* /» 11 


278 


22 


nicht injiziert 


desgL 


1 11 ** U 19 


279 


18 


desgL 


desg. 


n 11 3 /^ „ 


280 


16 


desgL 


desgl. 


>» 11 3 /, „ 



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92 



S. W Eonstansoff, 



Tabelle V. 
Einfluß der passiven Immunität g^en Bubonenpest auf die Infektion mit 

Schweineseuche. 



Journal- 
nummer 
der Mäuse 


Gewicht 
der Mäuse 


Quantum des 

injizierten 

Bubonen- 

pestserums 


Quantum der injizierten 

BouiUonkultur von 

B. suisepticus 


Resultat 


281 


20 


0,8 ccm 


0,00001 ccm 1-täg. Kultur Tod nach 30 Stunden 


282 


22 


0,5 „ 


desgl. 


» » ^ j, 


283 


20 


0,4 „ 


desgL 


, „ oO „ 


284 


20 


0,4 „ 


desgl. 


, „ 4 Tagen 


285 


16 


0,4 „ 


desgl. 


, „ 16 Stunden 


286 


20 


0,2 „ 


desgl. 


. „ 22 „ 


287 


. 18 


0,2 „ 


desgl. 


, » 25 


288 


17 


0,2 „ 


desgl. 


1 >, 26 „ 


289 


16 


0,2 „ 


desgL 


> >i 30 „ 


290 


18 


0,1 „ 


desgL 


» » «0 „ 


291 


18 


0,1 „ 


desgL 


» »» ^5 „ 


292 


17 


0,1 „ 


desgl. 


» »» ^ 11 


293 


17 


0,1 „ 


desgL 


♦ »I ^1 »1 


294 


20 


0,05 „ 


desgL 


11 11 «*> 11 


295 


18 


0,05 „ 


desgL 


1 fi 16 „ 


296 


16 


0,05 „ 


desgl. 


» » ^1 11 


297 


16 


0,05 „ 


desgl. 


t »» 19 ,t 


298 


22 


nicht injiziert 


desgl. 


» ♦» 21 „ 


299 


18 


desgl. 


desgl. 


1 11 ^3 „ 


300 


16 


desgl. 


desgL 


1 11 26 „ 



Tabelle VI. 



Einfluß der passiven Immunität gegen Bubonenpest auf die Infektion mit 

Hünnercholera. 


Journal- 

nummer 

der Mäuse 


Gewicht 
der Mäuse 


Quantum des 

injizierten 

Bubonen- 

pestserums 


Quantum der injizierten 

Bouillonkultur von 

Hühnercholera 


Resultat 


301 


22 


0,4 ccm 


0,00001 ccm l-täg. Kultur T 


od nach 29 Stunden 


302 


20 


0,4 „ 


desgL* 


11 11 Ö6 „ 


303 


20 


0,4 „ 


desgl. 


, ., 20 


304 


16 


0,4 „ 


desgl. 


n 91 17 }, 


305 


20 


0,2 „ 


desgL 


» »> 28 „ 


306 


18 


0,2 „ 


desgl. 


r» 11 26 „ 


307 


17 


0,2 „ 


desgL 


n 11 26 „ 


308 


16 


0,2 „ 


desgl. 


» >1 ^" »> 


309 


18 


0,1 „ 


desgL 


n 11 ^4 „ 


310 


18 


0,1 „ 


desgL 


* „ 22 „ 


311 


17 


0,1 „ 


desgl. , 


. ., 22 


312 


17 


0,1 „ 


desgL 


, „ 28V. „ 


313 


20 


0,05 „ 


desgl. 


1 11 ^^ 11 


314 


18 


0,05 „ 


desgL 


, „ 24 


H15 


17 


0,05 „ 


desgl. 


j 11 28 „ 


316 


17 


0,05 „ 


desgl. , 


» 11 " 11 


BIT 


20 


nicht injiziert! desgl. | 


1 11 23 „ 


318 


17 


desgl. 1 desgl. i 


1 11 20 „ 


319 


17 


desgl. 1 desgl. j 


, n 17 


Aus 


diesen ' 


'abellen ist 


. ZU ersehen, daß da 


s Bubonenpest- 



serum keinen merklichen Schutz gegen eine nachfolgende 
Infektion mit anderen Bakterien der hämorrhagischen 
Septikämieen gewährt. Die mit Serum vorbehandelten Mäuse 
gehen ungefähr in derselben Zeit zu Grunde, wie die Kontrollmäuse. 



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Beziehungen der Bubonenpest 2ur hämorrhagischen Septikämie. 



93 



Dieser allgemeine Schluß kann durch einige Abweichungen, welche meine 
Versuche darbieten, nicht beeinträchtigt werden; Maus No. 264 ist nach 
langer und schwerer Erkrankung am Leben geblieben, Maus No. 274 
hat trotz der geringen Serumdosis die übrigen Mäuse desselben Ver- 
guches um etwa 10 Tage flberlebt, etwas Aehnliches sehen wir an den 
Mäusen No. 284 und No. 302; die Ursache für diese Ausnahmen ist 
offenbar in irgendwelchen besonderen individuellen Abweichungen zu 
suchen. 

Nachdem ich mich von der Unwirksamkeit des Bubonenpestserums 
gegen Schweinepest, Schweineseuche und Hühnercholera überzeugt hatte, 
kehrte ich den Versuch um und prüfte die Schutzkraft des Schweine- 
seucheserums gegenüber der Bubonenpest. Dieser Versuch ist in Ta- 
belle VII wiedergegeben. 

Tabelle VII. 



£infliifi der passiven Immunität gegen Schweineseuche auf die Infektion mit 

Bubonenpest. 


Joumal- 

mimmer 

der Mäuse 


Gewicht 
der Mause 


Quantum des 
injizierten 
Rciiweine- 

seucheserums 


Quantum der injizierten 

Bouillonkultur von 

Bac pestis 


Besultat 


320 
321 


23 
22 


1,0 ccm 
1,0 „ 


0,2 ccm 1-tagiger Kultur 


Tod nach 2'/, Tagen 
,1 ,» ^ » 


322 


21 


1,0 „ 


desgl. 


,1 „ ** ,1 


323 


20 


1,0 „ 


desgl. 


,1 ,« p u »» 


324 


18 


1,0 „ 


desgl. 


», ,1 ^ /i „ 


325 


22 


0,5 „ 


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326 


22 


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9 


327 


21 


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329 


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22 


nicht injiziert 


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19 


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258 


18 


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desgl. 


II ,1 2 „ 



20 Mause (No. 330—349) erhielten das Serum in Dosen von 0,2—0.1-0,05-0,02 ccm 
injiziert imd fielen gleichzeitig mit den Eontrollmäusen nach 2—3 Tagen. 

Aus diesen Versuchen sowie aus den vorhergehenden kann man den 
Schloß ziehen, daß keine Wechselbeziehung zwischen der 
passiven Immunität gegen Bubonenpest und der Infek- 
tion mit anderen Arten der hämorrhagischen Septikämie 
besteht und ebensowenig zwischen der passiven Immu- 
nität gegen Schweineseuche (Schweineseuche und 
Hühnercholera) und der Infektion mit Bubonenpest. 

Nunmehr war es meine Aufgabe, zu untersuchen, wie sich in dieser 
Beziehung die aktive Immunität verhält. 

Zu dUesem Zwecke habe ich zunächst einige weiße Mäuse gegen 
Schweinepest, Schweineseuche und Hühnercholera immunisiert 

Bei der Schweinepest konnte ich die direkte Methode anwenden. 
Die Mäuse erhielten zuerst die nicht tödliche Dosis von 0,01—0,05 ccm 
einer eintägen Bouillonkultur subkutan injiziert; wenn die Tiere diese 
Dosis fiberstanden hatten (bei einigen bildeten sich an der Injektions* 
stelle langsam verheilende Nekrosen), so wurde ihnen nach 10—15 Tagen 
0,05 — 0,1 ccm der Kultur eingespritzt; diese letztere Dosis wurde in 



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94 



S. W. Konstansoff, 



gleichen Zwischenräumen noch 2— 3mal wiederholt und endlich zu einer 
Infektion mit 0,2—0,3 ccm geschritten, welcher die KontroUmäuse in 
2^2—3 Tagen erlagen. So vorbehandelte Mäuse hielt ich für genügend 
aktiv immunisiert und unterwarf sie der Infektion mit Bubonenpest 

Um aktive Immunität gegen Schweineseuche und Hühnercholera zu 
erzielen, mußte ich, wie oben erwähnt, von der passiven Immunität ans^ 
gehen. Die Behandlung begann demnach mit der Einspritzung einer 
schützenden Dosis von Serum, d. i. 0,05— 0,1 ccm; nach 24 Stunden er- 
folgte die Infektion mit 0,00001— 0,000001 ccm eintägiger Bouillonkultor; 
nach weiteren 12 — 15 Tagen wurde diese Dosis wiederholt, von der die 
Kontrollmäuse in 15 — 20 Stunden starben. Die Tiere, welche diese 
zweitejnfektion überstanden hatten, betrachtete ich nach Beinaro witch 
für aktiv immun und prüfte sie auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen 
Bubonenpest. 

In nachstehender Tabelle sind die Resultate dieser Versuche wieder- 
gegeben. 

Tabelle VIIL 

Einfluß der aktiven Immunität ^ef^n Hühnercholera, Schweineseuche und 

{Schweinepest auf die Infektion mit Bubonenpest 



Joumal- 


Gewicht 


nummer 
der Mause 


der Mause 


160 


22 


161 


21 


162 


18 


172 


20 


173 


16 


174 


19 


37 


18 


124 


12 


125 


16^ 


142 


16 


143 


16,5 


144 


13 


181 


19 


182 


19 


183 


19 



Aktive Immunisierung 



I Immunisiert K^en Hühner- 
> Cholera. Infektion m. tödl. 
I Dosis am 28. V. überstanden 

1 Immunisiert ge^. Schweine- 
seuche; Infektion mit töd- 
licher Dosis am 28. V. über- 
standen 

[Immunisiert geg. Schweine- 
pest. Infektion mit töd- 
licher Dosis am 24. V. 
überstanden 

I KontroUmäuse nicht immu- 
1 nisiert 



Infektion 



Besultat 



Tod nach 6V. Tagen 

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Nach dieser Tabelle hat es den Anschein, als ob der Tod bei den- 
jenigen Mäusen verzögert eintritt, welche gegen Hühnercholera 
aktiv immunisiert sind; jedenfalls aber ist die Verzögerung eine unbe- 
deutende. Bei allen übrigen Mäusen ist von einem Einfluß der Vor- 
behandlung auf den Gang der Pesterkrankung nichts zu merken ge- 
wesen. 

Da es mir aus äußeren Gründen nicht möglich war, eine Serie von 
Mäusen gegen Bubonenpest aktiv zu immunisieren, so habe ich wenig- 
stens einige Versuche mit der sogenannten Haffkin 'sehen Lymphe an- 
gestellt, aber keinerlei Wirkung gegenüber den Bakterien der hämor- 
rhagischen Septikämieen (den Bac. pestis bubonicae nicht ausge- 
schlossen) an weißen Mäusen feststellen können. 

Wenn wir nunmehr ins Auge fassen, daß einerseits die Bubonenpest 
unzweifelhaft zu der Gruppe der hämorrhagischen Septikämieen gehört, 
und daß sich andererseits keinerlei Wechselbeziehungen zwischen der 
Immunität gegen Bubonenpest und der gegen andere Formen derselben 



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Beziehungen der Bubonenpest zur hämorrhagischen Septikämie. 95 

Krankheitsgruppe nachweisen lassen, so sind wir zu der Annahme be- 
rechtigt, daß die Bubonenpest eine Sonderstellung in der Gruppe ein- 
nimmt, zum wenigsten gegenüber den von uns untersuchten wichtigsten 
Vertretern derselben. 

Dieses negative Resultat meiner Versuche hat aber auch seine 
positive Seite ; denn wenn das Bubonenpestserum nicht imstande ist, den 
Gang der Infektion mit anderen Bakterien der hämorrhagischen Septi- 
kSroie zu beeinflussen, so kann dasselbe zu Zwecken der difPerentiellen 
Diagnose herangezogen werden. Bekanntlich wird eine bedeutende An- 
zahl der Erkrankungen von Haustieren und von Nagern (u. a. sind ja 
Epizootieen der Nagetiere gerade zur Zeit von Pestausbrüchen beob- 
achtet worden) durch Kokkobacillen verursacht, deren Identifizierung mit 
den größten Schwierigkeiten verbunden sein kann. Die differential- 
diagnostischen Unterschiede zwischen den einzelnen Eokkobacillenarten 
sind weder in morphologischer noch auch in biologischer Beziehung in 
genügender Weise festgestellt, so daß nach der Ansicht von Nocard 
und Leclainche^) sogar ^une diff^renciation des septic^mies h^mor- 
rhagiques bas^e sur les caractferes biologiques des bact^ries est im- 
possible". 

Nach meinen Versuchen kann nun in den Fällen, wo Verdacht auf 
Bnbonenpest vorliegt, die Frage mit Hilfe von Bubonenpestserum gelöst 
werden. Wenn ein solches Serum von bekanntem Schutzwert sich in 
entsprechenden Dosen als unfähig erweist, den Gang der Infektion mit 
den gegebenen Falles gefundenen Kokkobacillen bei den Versuchstieren 
zu beeinflussen, so ist man berechtigt, Bubonenpest auszuschließen. 
Wegen der praktischen Bedeutung, welche dieser Untersuchungsmethode 
eventuell — ich denke hierbei gerade an verdächtige Erkrankungen 
während einer Pestepidemie — zukommen kann, habe ich mich veran- 
laßt gesehen, die Wirkung des Bubonenpestserums noch gegenüber 
einigen anderen Kokkobacillen zu prüfen, welche mir gerade zur Ver- 
fügung standen. Es waren dieses: ein Kokkobacillus, der auf dem Mos- 
kauer Schlachthof aus der Leiche eines Schweines als Bac. suisepti- 
cns isoliert worden war, aber gewisse biologische Unterschiede gegen- 
über dem Schweineseuchebacillus aus Deutschland aufwies, mit welchem 
ich die oben beschriebenen Versuche ausgeführt habe; ferner Bac 
typhi muri um (Loeffler); endlich ein unbekannter, aus einem 
Mäns^adaver gezüchteter, beweglicher Kokkobacillus, von bedeutender 
Virulenz für weiße Mäuse und von eigenartigem Verhalten auf künst- 
lichen Nährböden (u. a. bildet er ein derbes Häutchen auf Bouillon und 
einen trockenen, matten, runzeligen Belag auf Agar). Alle Mäuse (in 
Summa 30), welche mit diesen Bakterienarten infiziert wurden, nachdem 
sie mit 0,1—1,0 ccm Bubonenpestserum (Schutzwert 0,1) vorbehandelt 
waren, gingen genau in der gleichen Zeit zu Grunde wie die entsprechen- 
den, nicht vorbehandelten Kontrolltiere. 

Mithin stehe ich nicht an, das Bubonenpestserum als 
wirkungslos gegenüber der Infektion mit anderen Kokko- 
bacillenarten und als diagnostisches Hilfsmittel bei der 
Feststellung von Bubonenpest anzusehen. 

Die Resultate dieser Arbeit können kurz in folgende Sätze zu- 
sammengefaßt werden: 



1) Nocard et Leclainche, Les maladies microbiennes des animaux. Paris 1896. 
p. 90. 



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96 Typhus. 

1) Die aktive und passive Immunisierung gegen Hühnercholera^ 
Schweineseuche und Schweinepest ist ohne Einfluß auf den Gang der 
Infektion mit Bubonenpest. 

2) Ebenso ist die passive Immunisierung gegen Bubonenpest ohn& 
Einfluß auf den Gang der Infektion mit den Erregern der eben genannten 
Krankheiten. 

3) Das Fehlen von Wechselbeziehungen zwischen den Immunitäten 
gegen Bubonenpest einerseits und den genannten Formen der hämor- 
rhagischen Septikämie andererseits spricht dafür, daß die Bubonenpest 
eine Sonderstellung in dieser Gruppe von Erkrankungen einnimmt. 

4) Das Bubonenpestserum kann als differentiell-diagnostisches Mittel 
zur Feststellung von Bubonenpest verwendet werden. 

ö) Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Erregern 
sehr nahe verwandter Formen der hämorrhagischen Septikämieen in ihrer 
Widerstandsfähigkeit gegen Erwärmung auf 45^ G. 

Als vorliegende Arbeit bereits zum Druck abgeschlossen war, ist 
mir das in Buenos- Aires 1900 erschienene Werk von J. Ligni&re& 
„Gontribution ä l'^tude et ä la Classification des septic^mies h^morrhagi- 
ques^ zu Gesicht gekommen. Daselbst heißt es auf p. 201 : „Enfin, le 
s^rum deRoux-Yersin si actifcontre le microbe pesteux, n'a absolu- 
ment aucune action contre la Pasteurella aviaire, par exemple.^ A1& 
Pasteurella aviaire bezeichnet Verf. die Bacillen der Hühnercholera. 



Referate. 



Schlegtendal, Die Bedeutung der Molkereien für die Ver^ 
breitung des Unterleibstyphus. (Deutsche Vierteljahrsschr. 
f. öffentl. Gesundheitspfl. 1900. Heft 2.) 

Verf. hat in der Litteratur 24 größere und kleinere Typhus 
epidemieen gefunden, die mit Sicherheit auf eine Molkerei als Aus* 
gangs- oder vielmehr als Ausstreuungspunkt zurückgeführt werdea 
mußten. In manch anderen genannten und ungenannten Epidemieea 
hat vermutlich dieselbe Ursache vorgelegen. 

Soweit die einzelnen Angaben erkennen lassen, betrafen nahezu 
alle Epidemieen das Gebiet von solchen Molkereien, welche die Milch 
annehmen, durch Gentrifugen entbuttern und als entfettete Magermilch 
an die Abnehmer wieder abgeben. Nur 4 Fälle scheinen sich auf 
solche Meiereien zu beziehen, welche Milch aufkaufen, um sie als solche 
einheitlich weiter zu vertreiben. Diese Minderzahl ist darauf zurück*^ 
zuführen, daß die Milchmeiereien mit der Zeit von den anderen Ge^ 
nossenschaftsmolkereien der Zahl nach überholt wurden, dann aber auch 
darauf, daß sie in ihrem eigenen Interesse gute und einwandsfrei» 
Milch zu liefern bestrebt sind, und deshalb häufig den Betrieb so ge- 
regelt haben, daß die eingelieferte Milch vor der Weitergabe einem 
Sterilisierungs - oder Pasteurisierungsverfahren unterworfen wird. E& 
ist hiernach erklärlich, warum sich die Mehrzahl der Epidemieen in 
ländlichen Kreisen abgespielt hat, und weiterhin begreiflich, wie sich, 
nur bei einem Teile derselben ein erschöpfend klares Bild hat fest- 
stellen lassen. 

Wie auf dem als Ausgangspunkt anzusprechenden Gehöfte die 



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Typhus. 97 

Infektion der Milch im Einzelfalle stattgefunden hat, ist zwar nicht 
überall festgestellt worden; aber es ist unverhältnismäßig oft so, daß 
die entlerten Milchkannen und Sanimelgefäße behufs Bereitstellung für 
die nächste MUchaufnahme in einem Wasser gespült worden sind, 
dessen Infizierung durch Typhusabgänge angenommen werden mußte. 
Ein Wasserzusatz zur Milch ist auszuschließen, da dem Lieferanten 
nicht die Menge der Milch, sondern nur der darin festgestellte Gehalt 
an Milchfett berechnet wird. Es kann sich demnach nur um kleine 
Mengen von Wasserspuren handeln, die beim Reinigen und nach dem 
Ausschütten des Spülwassers in den Gefäßen zurückgeblieben waren 
and sich nun mit der neuen Milchladung vermischen könnten. Selten 
nur ist angenommen worden, daß die melkende oder sonst in der Milch- 
wirtschaft beschäftigte Person entweder selbst einen Typhus hatte oder 
in der Zwischenzeit mit der Pflege erkrankter Angehöriger zu thun 
liatte und die Bacillen aus den Faeces mittels der ungenügend ge- 
reinigten Hand auf die Milch übertrug. Bei beiden Infizierungsarten 
kann die Menge der eingebrachten Typhuskeime an und für sich schon 
keine große sein. Werden sie, nach der ersten Verteilung in der Milch 
des Gefäßes, dann in der Molkerei in dem Meer des eingelieferten 
Milchquantums und weiterhin in die zahlreichen Gefäße der Magermilch- 
abnehmer zerstreut, so muß die Typhuskeimzahl in dem Quantum einzelner 
Magermilchtrinker auf ein Minimales gesunken sein. Man kann sich 
da der Annahme nicht erwehren, daß, wenn noch eine Infektion Zustande- 
kommen soll, die Bacillen unterwegs eine günstige Gelegenheit zu einer 
schnellen Vermehrung gefunden haben. 

Thatsächlich tragen die Epidemieen in ihrem Anfange einen leichten 
Charakter. So harmlos die ersten Fälle aber erscheinen, so zahlreich 
nsd so zerstreut pflegen sie aufzutreten ; und aus jedem einzelnen der*- 
gelben konnte nur allzuhäufig im weiteren Verlauf eine bösartige und 
ausgedehnte Haus- oder Ortschaftsepidemie sich gestalten. So zählt 
eine der aufgeführten Epidemieen 289 Typhöse. 

Den 24 der Litteratur entnommenen Beobachtungen schließt Verf. 
ausführlich noch 3 Epidemieen an, die in den Kreisen Malmedy und 
Montjoin auf der Eifel aufgetreten sind, und wovon 2 trotz der geringen 
Bevölkerung und trotz des höchst seltenen Gebrauchs der Magermilch 
als Trinkmittel doch 87 und 83 Fälle umfassen. Bei einer der Epi- 
demieen ist bemerkenswert, , 1) daß einerseits alle Ortschaften der 
Bürgermeisterei, die sich an der Molkereigenossenschaft beteiligt hatten, 
mit nur einer Ausnahme von der Seuche ergrifl^en wurden, und daß 
andererseits, wiederum nur mit einer Ausnahme, die Ortschaften, in 
denen keine Genossenschafter wohnten, davon freigeblieben sind, und 
2) daß in den Ortschaften der ersteren Art in der ersten Zeit die Er- 
krankungsfälle ausnahmslos bei den Molkereilieferanten aufgetreten sind. 

Es ist nicht zu bestreiten, daß es sich um eine ernste Frage handelt, 
zumal da die Bewegung, die zur Gründung von Sammelmolkereien ge- 
führt hat und ihre schnelle Einführung bedingt, wohl noch nicht abge- 
sehlossen ist. Mit jeder neuen Molkerei wird ein neues Centrum ge- 
schaffen, von dem aus eine derartige, früher offenbar ganz unbekannte 
Massenausstreuung von Typhuskeimen erfolgen kann, sobald nur in 
einem der angeschlossenen Milchwirtschaftsbetriebe die Infektion der 
abzuliefernden Milch erfolgt. So sieht denn Verf. hierin bei aller 
Würdigung der volkswirtschaftlichen und mancher hygienischer Vorzüge 

Eitto Abt ZXIX. Bd. 7 



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98 Pest 

der Molkereien eine ^überall und zu jeder Zeit zu befürchtende Ge- 
fährdung des öffentlichen Wohles". 

Zur Vorbereitung schlägt Verf. außer der strengen Beaufsichtigung 
des Nahrungsmittelverkehrs folgende besondere Forderungen vor: a) im 
Hause der Milchwirtschaft: Anzeigepflicht auch jedes verdächtigen Falles, 
Untersagung jeglicher Milchabgabe; b) in der Molkerei: 1) es wird aus 
keinem verdächtigen Hause Milch angenommen, 2) jede Molkerei muß 
die erforderlichen Apparate haben, um die Milch pasteurisieren oder 
sterilisieren zu können, 3) jede Molkerei muß ausnahmslos allemal das 
ganze Milchquantum dem Pasteurisierungs- u. s. w. Verfahren unter- 
werfen, 4) sämtliche Milchgefäße sind nach der Entleerung sicher keim- 
frei zu machen; c) im Hause des Abnehmers: Aufklärung, daß jede 
Milch vor dem Genuß gekocht werden muß. 

In der Praxis werden sich diese Maßnahmen nicht ohne weiteres 
durchführen lassen. Das Schwergewicht liegt entschieden in der ob- 
ligatorischen Sterilisierung der Milch in den Molkereien. Darauf möchte 
auch Verf. einen ganz besonderen Wert gelegt haben und empfiehlt 
diesen Punkt daher der Centralstelle zur baldmöglichen Untersuchung 
auf die technische Durchführbarkeit vom wirtschaftlichen Standpunkte 
aus, im Bejahungsfalle zur einheitlichen Entscheidung fürs ganze Reich. 

Mühl Schlegel (Stuttgart). 

Frosch u. Kossei, Ueber die Pest in Oporto. (Arbeiten aus dem 
kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. XVII. No. 1 und Klin. Jahrbuch. Bd. VII. 
No. 5.) 
Yagedes, Idem. (Ibid.) 

Von den geographischen, klimatischen und sanitären Verhältnissen 
Opportos sei Folgendes erwähnt: Die Stadt liegt an beiden Ufern des 
Douroflusses, ca. 3 Stunden von dessen Mündung in das Meer entfernt, 
zsUilt 150000 Einwohner, ist mit filtriertem Flußwasser versehen und 
mangelhaft kanalisiert. Zahlreiche enge Gassen boten zu Beginn der 
Epidemie das Bild der Armut und Unsauberkeit. 

Die Lufttemperatur sinkt im Winter selten unter 0^, im Sommer 
verzeichnet man Temperaturen von 30 — 40 ^ 

Die Sterblichkeit beträgt unter normalen Verhältnissen im Kern 
der Stadt (das Hafenviertel einschließend) 32,5 %o» in der Mittelzone 
26,6 Voo und an der Stadtperipherie 25,5 7qo- Die Dichtigkeit der Be- 
völkerung verhält sich in diesen 3 Zonen wie 310 : 86,8: 13,7.^ 

Offiziell wurde die Pest in Oporto Mitte August konstatiert, die 
ersten Erkrankungen datieren jedoch viel weiter zurück, bis Anfang 
Juni, ja vielleicht noch früher. Die ersten 11 Erkrankungen kamen 
bei Hafenarbeitern vor. Die bakteriologische Diagnose wurde erst 
einen Monat nach der ersten Erkrankung versucht, jedoch mit nega- 
tivem Erfolge. Dr. R. Jorge hegte schon am 6. Juli auf Grund der 
klinischen Symptome den Verdacht, es handle sich um die Pest, aber 
die Züchtung des Pestbacillus aus dem Buboneneiter mißlang wiederholt 
(vorgeschrittene Fälle bis 19 Tage) und fiel erst Ende Juli positiv aus. 

Hinsichtlich der Art der Einschleppung der Pest ist man auf Ver- 
mutungen angewiesen. Die Vermutung, die Epidemie sei durch das 
Gepäck des neuernannten Bischofs aus Indien eingeschleppt worden, ist 
hinfällig, weil die ersten Erkrankungen schon vor dem Eintreffen des 
Bischofs in Oporto sich ereigneten, und das bischöfliche Palais von der 
Pest verschont geblieben ist. 



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Gonokokken. 99 

Ferner wurde auf den Schiffsverkehr aus Indien und Aegypten hin- 
gewiesen. Aber Oporto steht mit diesen Ländern in keinem direkten 
Schiffsverkehr, die indische Fracht kommt über London und andere 
englische Häfen. Auch war keine direkte Beziehung der zuerst er- 
krankten Hafenarbeiter (Gallegos) zu einem wenn auch durch seine 
Ladung infizierten Schiffe zu ermitteln. Man vermutet daher, daß eine 
Battenpest im Hafengebiet vorausging, obwohl eine auffallende Ratten- 
sterblichkeit nicht beobachtet wurde. Allerdings soll es Dr. Jorge 
gelungen sein, in den in Pesthäusern gefangenen lebenden Ratten die 
Pestbacillen nachzuweisen. 

Vorwiegend wurden Leute aus den ärmeren Bevölkerungsschichten 
von der Krankheit befallen. Der Verlauf der Epidemie war viel milder 
als in Indien. Nach Vagedes kamen 324 Erkrankungen mit 112 Todes- 
fällen vor, was einer Mortalität von 34,6 Proz. entspricht. 

In Spitälern wurden 213 Pestkraibke behandelt, davon starben 37 
— 17,4 Proz. Bei 45 mit Serum behandelten Kranken war die Mor- 
talität 13,5 Proz. 

Interessant sind die Angaben Vagedes' über die Lebensfähigkeit 
<ies Pestbacillus im Körper; es gelang ihm noch nach 2^8 Monaten 
seit der Erkrankung, die Pestbacillen aus einem Beckenabsceß zu 
züchten. Im Sputum fand Vagedes die Pestbacillen noch 7 ViTochen 
nach der Erkrankung. Diese Beobachtung hat selbstverständlich eine 
große epidemiologische Bedeutung. Mar kl (Wien). 

Oantanl, A. jt., Beitrag zum Studium der Gonokokken. (Ri- 
forma medica. Vol. XV. 1899. No. 68, 69, 70.) 

Alle von den verschiedenen Autoren vorgeschlagenen Gonokokken- 
nährböden wurden in dieser Arbeit einer genaueren Prüfung unter- 
worfen, unter diesen erwiesen sich die mit Ascitesflüssigkeit ver- 
mischten Nährlösungen als die praktischsten. Nach der vom Ref. ge- 
machten Erfahrung aber ergaben noch bessere Resultate die an Hämo- 
globin reichen Exsudate. Durch diesen Befund ermutigt, bereitete Ref. 
zahlreiche mit Blut vermischte Nährböden (nach der Pfeiffer- Voges- 
schen Methode für die Influenzabacillen), welche sich als sehr vorteilhaft 
erwiesen. Die besten Ergebnisse wurden aber mit einem Gemische 
von Blut und Glycerin, welches den gewöhnlichen Nährlösungen zuge- 
setzt wurde, erhalten. 

Diese Methode erwies sich bei zahlreichen Versuchen als eine sehr 
praktische; das Blut wurde aus den Blutgefäßen direkt in steriles 
Glycerin fließen gelassen und durch Schütteln mit dem Glycerin gut 
vermischt. Man konnte auf diese Weise sehr leicht größere Mengen 
Blut steril auffangen und lange Zeit aufbewahren, um es je nach Be- 
darf zu gebrauchen. Der Glycerinzusatz erwies sich andererseits für 
die Entwickelung der Gonokokken sehr begünstigend. Wenn man dieses 
Gemisch von Blut und Glycerin den gewöhnlichen Ascitesflüssigkeiten 
zusetzte, waren die Resultate durchaus brillant betreffs des Wachstums 
der Gonokokken. 

Mit Kulturen, die auf diesem letztgenannten Nährboden erhalten 
worden waren, wurden zahlreiche Tierimpfungen versucht, nämlich bei 
Hunden, Kaninchen, Meerschweinchen und Tauben. Die Hunde und 
die Tauben erwiesen sich fast refraktär; auch waren die Meerschwein- 
chen sehr wenig empfindlich. Auf Kaninchen konnte man einige posi- 
tive Impfresultate erhalten. Es wurden bei diesen Tieren alle möglichen 

7* 



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100 Gonokokken. 

Impfbahnen versucht, nämlich die Harnröhre, das Auge, der Gonjunctival- 
sack, die Pleura, das Peritoneum, den Hodensack, die Hoden selbst^ 
die Blutbahn, das Gehirn. 

Positive Impfergebnisse ergaben die ins Auge gemachten Ein- 
spritzungen; man konnte bei den so behandelten Tieren ungeheuer 
große Entzündungserscheinungen mit purulentem Exsudate bemerken; 
in den ersten Tagen nach der Impfung konnte man im Sekrete aua 
dem Auge sehr leicht Gonokokken nachweisen. Sämtliche so behandelten 
Tiere genasen nach ziemlich kurzer Zeit (8—14 Tage). Auch Ent- 
zündungserscheinungen, obwohl in geringerem Maße, wurden bei den 
Einspritzungen in den Conjunctivalsack beobachtet; bei einem Tiere 
entwickelte sich ein kleiner Absceß, welcher nach 14 Tagen wieder in 
Heilung überging. 

Die in die Pleura und ins Peritoneum ausgeführten Einspritzungen 
waren nicht bei allen Tieren von positivem Erfolge begleitet; es waren 
ferner ziemlich große Mengen von Gonokokken notwendig (1 — 2 Agar- 
kulturen). Die nach 8 — 14 Tagen zu Grunde gegangenen Tiere waren 
stark abgemagert und zeigten die Reliquate von adhäsiver Pleuritis 
resp. Peritonitis, aber ohne Gonokokkennachwels weder mikroskopisdi 
noch kulturell. 

Bemerkenswerte Entzündungserscheinungen verursachten bei allen 
Tieren die Einspritzungen in den Hodensack von ziemlich großen 
Mengen von Gonokokken (V2~l Agarkultur). Man bemerkte bei solchen 
Tieren bläulich aussehendes Oedem an der Einspritzungsstelle, welches 
bald in Nekrose überging. Die Tiere gingen alle nach 6—8 Tagen zu 
Grunde; aus der Injektionsstelle konnte man aber die Gonokokken 
nicht weiterzüchten. 

Sehr ausgeprägte Resultate wurden durch die ins Gehirn direkt 
gemachten Einspritzungen erreicht. (Durch die vor Kurzem erschienene 
Arbeit von Christmas ^) haben gerade die Gehirneinspritzungen von 
Gonokokken an Wert gewonnen. Die von Christmas aber ein Jahr 
später veröffentlichte Arbeit, in welcher die Experimente vom Ref. gar nicht 
citiert worden sind, verdient bei den von demselben im Widerspruche 
mit Ref. geäußerten Schlußfolgerungen hier eine besondere Erwähnung.) 
Die von Ref. intracerebral behandelten Kaninchen bekamen schon kurze 
Zeit nach der Impfung allgemeine Krämpfe, Nackenstarre, Exophthalmus, 
Dyspnoö, allgemeine Paralysis etc. Der Tod erfolgte nach 12—24 Stun- 
den; bei der Autopsie waren die Gehirnhäute und das Gehirn selbst 
stark gerötet und enthielten kleine Mengen von blutig-serösem Exsudate. 
Der Gonokokkennachwels war mikroskopisch negativ; durch Züchtungs- 
versuche konnte man aber einige wenige isolierte Gonokokkenkolonieen 
erhalten. Vermutlich hatten sich die Gonokokken im Gehirn gar nicht 
entwickelt, die so mühsam durch die Züchtung isolierten Glieder waren 
dieselben, die man in relativ großer Menge vor 12—20 Stunden einge- 
spritzt hatte. In einer anderen Experimentreihe wurde mit filtrierten 
Kulturen (durch Cham b er 1 and 'sehe Filter) gearbeitet; die Erfolge 
waren bei diesen Experimenten immer negative. 

Bei den mit sterilisierten Kulturen angestellten Versuchen fielen 
dagegen die Einspritzungen in den Hodensack und ins Gehirn oft 
positiv aus, und zwar nur, wenn man große Mengen von Agarkulturen 
einspritzte. Man bemerkte bei diesen Experimenten dieselben hoch- 

1) Annales de Tinstitut Paateur. T. XIV. 1900. No. 5. Ref. in diesem Centralbl. 
Bd. XXVin. 1900. No. 17. 



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Carcinom. 101 

gradigen EntzündungserscheinungeB wie bei den Einspritzungen yod 
iieineren Mengen von lebendigen Kulturen. (Bei den vor kurzem ver* 
Mentliditen Cbristmas 'sehen Experimenten hielt es dieser Autor 
nicht fOr interessant, auch mit sterilisierten Agarkulturen seine Gehirn- 
einspritzungen auszuführen, er hätte auch den Gonokokkenleibern eine 
giftige Wirkung zuschreiben müssen.) 

Durch die vom Ref. in so übereinstimmender Weise schon lange 
vor Ghristmas ausgeführten Experimente kann man daher die Gegen- 
wart eines Gonotoxins, d. L eines Toxins, welches selbst aus den Bak- 
terien ausgeschieden wird und in die Knlturflüssigkeit übergeht, ab- 
solut nicht annehmen. Die von Christmas zu diesem Zwecke aus- 
geführten Experimente sind durchaus nicht beweiskräftig, da man mit 
einfach sterilisierten Agarkulturen bei intracerebraler Einspritzung die- 
selben Gehirnerscheinungen erhalten kann, wie bei den durch Talk fil- 
trierten Christmas 'sehen flüssigen Nährmedien. (Durch Chamber - 
land'sche Filter passiert das Christmas'sche Toxin nicht.) 

Wir sind daher nur dazu berechtigt, die Existenz einer Sub- 
stanz anzunehmen, welche in den Gonokokkenleibern selbst enthalten 
ist (Wassermann) und eine sehr hochgradige irritative Wirkung auf 
alle serösen Häute ausübt;, dieser Substanz selbst kann man eher ein 
lokales, aber sehr intensives Entzündungsvermögen als eine allgemeine 
toxische Wirkung zuschreiben. A. Cantani (Neapel). 

leliroiraky, A., Ueber die intracellulären Einschlüsse beim 
C a r e in m. (Arbeiten der Gesellschaft d. Naturforscher an d. kaiserl. 
Universität zu Kasan. Bd. XXX. Lief. 3.) [Russisch.] 

Die 190 Seiten umfassende Arbeit zerfällt in drei Teile. 

Der erste Abschnitt enthält eine eingehende Wiedergabe der 
im Laufe der Zeiten über die Histologie der Geschwülste geäußerten 
Anschauungen. Es wird ferner über die Versuche der Ueberpflanzung 
von Carcinompartikeln berichtet und über die Beobachtungen, aus denen 
eine Infektiosität des Carcinoms hervorgehen sollte. 

Der zweiteAbschnitt beschäftigt sich mit den bakteriologischen 
Versuchen, einen spezifischen Krebserreger zu finden^). 

Angeregt durch die Mitteilungen Scheurlen's, hat Kubassoff 
(Die Mikroorganismen krebsiger Neubildungen. Westnik Gigijeny. 1889. 
Bd. II) Carcinome bakteriologisch untersucht und einen 2 ^t langen, 
an den Enden zugespitzten, eiförmigen Bacillus gefunden, der häufig 
paarweis lag. Er wuchs gut auf Blutserum bei 37 <^. Kubassoff 
injizierte Versuchstieren Reinkulturen und fand bei der Sektion in der 
Leber, auf dem Pericard, im Netz und anderen Organen „krebsähnliche" 
Knoten. (Eine mikroskopische Untersuchung dieser Knoten scheint nicht 
gemacht zu sein. Ref.) Als für derartige Versuche am besten geeignet 
bezeichnet Kubassoff Kaninchen und Katzen. 

Rebrowsky hat in den Jahren 1889—1891 eine große Anzahl von 
Carcinomen bakteriologisch untersucht. Er wusch die Tumoren mit 
Sublimat (1 : 1000), entfernte die äußeren Schichten mit ausgeglühtem 
Messer und legte darauf mit ausgeglühtem Messer Schnitte mitten durch 
die Geschwulst. Von diesen Schnittflächen gewonnenen Saft und Tumor- 



1) Aus der großen Reihe der citierten üntersucher sollen nur diejenigen russischen 
Autoren berücksioitigt werden, über deren Arbeiten noch keine deutschen Referate 
existieren. 



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102 Carcinom. 

Stückchen benutzte er zar Anfertigung von Ausstrichpräparaten und An- 
legung von Kultaren. 

Die Deckgläser färbte er mit den gebräuchlichen Farblösungen und 
nach Gram und Kühne. In allen oberflächlich schon zerfallenen 
Tumoren fand er große und kleine einzeln liegende Kokken und häufig 
2 Arten von Stäbchen, welche sich nicht nach Gram färbten. Sehr oft 
wies er Staphylokokken und Streptokokken nach. 

Zu Kulturzwecken benutzte er Agar, Glycerinagar, Gelatine, Blut- 
serum, pleuritisches Exsudat und Kartoffeln, erzielte aber nur auf den 
drei erstgenannten Nährsubstraten Wachstum, und zwar in 50 von 
159 Kulturversuchen. Abgesehen von Kokken wuchsen in einigen Kul- 
turen weißliche Kolonieen, in denen die beiden erwähnten Stäbchenarten 
nachgewiesen wurden. Mit Hilfe des Plattenverfahrens wurden zwei 
Arten von Kolonieen unterschieden. Die einen waren gelblich, rund^ 
sie bestanden aus 1,5—2 fi langen und 0,5 la breiten, an den Enden 
leicht abgerundeten Stäbchen, welche zuweilen in der Mitte oder an 
einem Ende eine Spore aufwiesen. Die anderen Kolonieen waren gleich- 
falls rund, von grauer Farbe und granuliert. Sie bestanden aus 2,5—3 fi 
langen, 0,75 ^i breiten Stäbchen. Beide färbten sich leicht mit Anilin- 
farben. 

Tierversuche (Mäuse, Meerschweinchen)' blieben resultatlos, nur bei 
Kaninchen stellte sich eine schnell vorübergehende leichte Infiltration 
der Haut ein. 

Nach genauerem Studium der Stäbchen kommt Rebrowsky zu 
dem Schluß, daß die kurzen als Kartoffelbacillen, die langen höchst wahr- 
scheinlich als B. s u b t i 1 i s anzusprechen sind, jedenfalls nicht als spezifische 
Krebserreger. 

Der dritte Abschnitt der Rebrowsky 'sehen Arbeit berichtet 
über die Versuche, der Lösung des Problems auf histologischem Wege 
näher zu kommen. 

Iwanowsky (Wratsch. 1892. No. 17), welcher frische resp. mit 
Osmiumsäure behandelte Präparate von einem primären Carcinom der 
Lunge durchsah, fand Epithelzellen mit sehr großen Kernen. In dem 
Protoplasma der Zellen fanden sich außer dem Kern mehrere glanzlose 
körnige Körperchen, die sich schwach mit Anilinfarben, mit Osmium 
braun färbten. Sodann fand Iwanowsky in Vakuolen der Zellen 
liegend runde oder ovale Körperchen — die Sporocysten der Autoren. 
Der Kern der Zelle ist zur Seite geschoben und platt gedrückt Er und 
das Protoplasma atrophieren allmählich. ^Während die ersten Gebilde 
keinen parasitären Charakter tragen, verdienen letztere Beachtung.^ 

B r wi c z (Przglad lekarski. 1892. No. 29—38) untersuchte Carcinome 
verschiedener Herkunft in verschiedenen Altersstufen. Sporozoenähn- 
liche Bildungen fanden sich durchaus nicht überall, in Hautcarcinomen 
z. ß. sehr selten, in Carcinomen der Mamma, der Leber, der Nieren in sehr 
großer Zahl. Ferner kamen sie in jungen Zellen überhaupt nicht vor, 
waren dagegen in alten sehr zahlreich. Diese Körperchen ließen sich 
nachweisen in Knoten, die unter der Haut lagen und in Metastasen, 
welche für das unbewaffnete Auge eben sichtbar waren. Sie verhielten 
sich in ein und demselben Schnitt färberisch und morphologisch ganz 
verschieden. 

Da Browicz in tuberkulösen Lymphknoten und in phtisischen 
Lungen in jeder Beziehung ähnliche Gebilde gefunden hat, so spricht 
er ihnen jede Bedeutung für die Aetiologie des Krebses ab und meint, 



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Garcinom. 103 

daß es sich um Degenerationen von Epithelzellen und gelegentlich ein- 
gewanderten Leukocyten handelt. Er hält dafür, daß die vorliegende 
Frage auf rein histologischem Wege überhaupt nicht zu beantworten ist. 

Okuschko (Ueber die Mikroorganismen krebsiger Geschwülste. 
[Diss.] Petersburg 1893). studierte 40 Carcinome verschiedener Organe. 
Er fixierte in 1-proz. Osmiumsäure, in Müll er 'scher oder Flemming- 
scher Flüssigkeit, in gesättigter Sublimatlösung, in Alkohol und bediente 
sich einer ganzen Reihe der gebräuchlichen Färbemethoden. 

Neben den Produkten verschiedener Degenerationstypen fand er in 
den Zellen häufig Elemente, die auf den ersten Blick Cysten glichen, 
welche sichelförmige Eörperchen enthielten. Bei genauer Untersuchung 
stellte sich aber stets heraus, daß es sich nur um verschiedene Ent* 
Wickelungsstadien der Kernteilung handelte. 

In Hautkrebsen fanden sich an Parasiten erinnernde Figuren, deren 
Natur schon von Steinhaus und Ribbert erkannt worden ist: die 
centralen Zellen einzelner Alveolen schrumpfen unter dem Einfluß der 
degenerativen Prozesse und der Reagentien und kommen so gewisser- 
maßen in eine Vakuole zu liegen. Die eingeschlossenen Zellen waren 
zuweilen sehr groß und enthielten mehrere Kerne. Nicht selten waren 
zwischen der Zelle und der Wand des Hohlraumes eine Reihe Härchen 
ausgespannt, die ^präformierte Kittsubstanz^. 

Okuschko hält dafür, daß wir keine überzeugenden Beweise für 
die parasitäre Natur des Carcinoms haben, womit die Möglichkeit eines 
solchen Ursprungs nicht in Abrede gestellt werden soll. 

Nejelow (Zur Frage von den Parasiten des Uteruscarcinoms. 
Protokolle der Geburtshilfl.-gynäkolog. Gesellschaft in Kiew. Bd. VI, und 
Chirurgitscheskaja Ljetopissj. Bd. III. 1893) untersuchte 23 krebsige Neu- 
bildungen. In 7 frischen und 8 konservierten Tumoren fand er regel- 
mäßig rund gestaltete Gebilde, welche frei oder in Zellen lagen. Die 
Gebilde bestanden aus einer Vakuole, in welcher central oder excentrisch 
der ^^Parasif' lag, welcher aus einer protoplasmatischen Masse mit kleinem 
Kern bestand. 

Popoff (Intracelluläre Einschlüsse in epithelialen Neubildungen. 
[Vorläufige Mitteilung.] Medizinskoje obosrenije. 1895) fixierte Stückchen 
der Neubildungen in mit Sublimat gesättigter oder mit ö-proz. Lösung 
von doppelchromsaurem Kalium gemischter 2-proz. Kochsalzlösung. Nach 
24 Stunden entfernte er das Sublimat, härtete in Alkohol und bettete 
in Paraffin. Färbung mit den verschiedensten Agentien gab stets das 
gleiche Resultat. Er fand häufig in dem Gewebssaft wie in dem Ge- 
webe selbst Einschlüsse, besonders in schnellwachsenden resp. ulcerier- 
ten Carcinomen, und beobachtete daneben auch zweifellose Denegerations- 
produkte. Seine Untersuchungen führten ihn zu folgenden Schlüssen: 
,4) in den Epithelzelleu gutartiger epithelialer Neubildungen findet man 
Elemente, welche den als Parasiten beschriebenen analog sind. 2) Diese 
Elemente sind Degenerationsprodukte von Zellen und Leukocyten. 
3) Sie rufen das maligne Wachstum des Organes, in dem sie sich finden, 
nicht hervor." 

Rebrowsky verfuhr bei der Vorbereitung seines Materials nach 
längeren Versuchen mit den verschiedensten Methoden ausschließlich 
nach Kultschitzky-Meier: Unmittelbar nach der Operation werden 
kleine Stückchen des Tumors in ein Gemisch von konzentriertem Sublimat 
(herzustellen durch Erwärmen großer Mengen in destilliertem Wasser) 
und Eisessig (3 : 1) gethan. Mit der Flüssigkeit soll nicht gespart werden. 



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104 Carcinom. 

Nach 20—30 Minuten kommen die Stücke — auf 15—20 Minuten — 
in 30-proz. Alkohal, sodann auf eine Stunde in 50-proz. Alkohol und 
endlich zur Entfernung des Sublimats auf eine Stunde oder länger in 
80-proz. Alkohol, welcher mit Jodtinktur leicht gelb gefärbt ist Tritt 
nach wiederholter Erneuerung des Gemisches keine Entfärbung mehr 
ein, so wird das Jod durch 90-proz. Alkohol entfernt Zum Schlüsse 
Einbettung in Paraffin oder Photoxylin-Paraffin. 

Zur Färbung wurde eine sehr große Anzahl der verschiedenartigsten, 
auch sonst gebräuchlichen Methoden angewandt. 

Die Untersuchung des Erebssaftes in frischem und gefärbtem Zu- 
stande bot stets das gleiche Bild. Neben trüben Epithelzellen, welche 
durch Zusatz von Essigsäure sich aufhellen ließen, lagen Erythrocyten 
in Stechapfelform, zuweilen Fetttröpfchen. Leukocyten mit eosinophilen 
und neutrophilen Granulationen waren häufig vorhanden. Niemals fand 
Rebrowsky Elemente, die Sporozoen ähnlich sahen. 

Der auffallendste, weil häufigste Befund bei Durchsicht der Schnitte 
— zumal von exulcerierten Carcinomen — waren Zelldegenerationen, 
die besonders häufig vom Protoplasma, seltener vom Kern ausgingen. 
Es handelte sich um schleimige Degeneration, welche je nach dem Aus- 
gangspunkt und der Entwickelung des Prozesses vielfach Bilder zeitigte, 
die lebhaft an die Parasiten von Sudakewitsch resp. an Sporozoen 
erinnerten. (In Fällen fortgeschrittener Degeneration hat Rebrowsky 
nie irgendwelche an Einschlüsse erinnernde Elemente gesehen.) Auf 
Grund derartiger Bilder kommt Rebrowsky zu der Ueberzeugung, 
daß es sich bei allen derartigen Befunden um unvollkommene Degene- 
rationen von Bestandteilen der Krebszellen, von Leukocyten und 
Elementen des Bindegewebes gehandelt hat 

In gleicher Weise sind die in Cancroidperlen beschriebenen Parasiten 
nur vorgetäuscht durch ungleichmäßige Verhornung und ev. Ueberreste 
von Chromatin. Mitunter verhornen Ausläufer von Zellen und rufen den 
Eindruck hervor, als lägen in den Intercellularräumen glänzende Ein* 
Schlüsse. Im Gentrum und in der Nähe von Perlen fand Rebrowsky 
häufig granulierte, kernhaltige Zellen mit glänzendem Kontour und 
pseudopodienartigen Fortsätzen. Es waren dies nicht parasitierende 
Amöben, sondern Leukocyten. 

Auch die Kerne wiesen Veränderungen auf, sie waren bald sehr 
groß, bald sehr klein im Verhältnis zur Zelle. 

Durch den Beginn der Degeneration im Verlauf der Karyokinese 
entstehen vielfach Bilder, die zu Irrtümern Anlaß gegeben haben. Setzt 
z. B. eine teilweise Degeneration kurz vor Abschluß der Karyokinese 
ein, so erfolgt ein Zerfall in Chromatinkörner von sehr mannigfacher 
Gestalt, die, neben dem normalen Kern gefunden, als Zelleinschlüsse an- 
gesprochen wurden. Der Kern bekommt zuweilen lappige Ausläufer, 
zuletzt verschwindet er ganz und hinterläßt eine Menge Chromatinkörner, 
die gelegentlich von einem hellen Saum umgeben sind. 

In seltenen Fällen gelang es, den Austritt von Chromatinkörnchen 
des Kernes in das Protoplasma der Zelle zu beobachten. 

Endlich fand Rebrowsky in einem Medullarkrebs der Mamma ein 
Gebilde, für das er keine Erklärung hat Es handelte sich um eine 
spindelförmige Zelle mit grobkörnigem Protoplasma und undeutlich 
kontouriertem Kern. Die eine Hälfte der Kernsubstanz erschien homogen 
glänzend, während in der anderen sich ein merkwürdiges scharf um- 
schriebenes Gebilde fand, welches gewissermaßen Kopf, Hals und Schwanz 



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Schntzimpfang, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmmig etc. 105 

besaß. Im Centram des Eopfteils lag ein glänzendes homogenes 
Chromatinkörnchen. Der geschlängelte Schwanzteil wurde zarter und 
zarter und verschmolz mit dem Kontur des spindelförmigen Kernes 
der Zelle. 

Gelegentlich des Studiums von Schnitten ulcerierter Carcinome fand 
Rebrowsky Einschlüsse, die sich von den umgebenden Geschwulst^ 
Zeilen mehr oder weniger unterschieden, und zwar in 1,7 Proz. der 
27000 durchsuchten Schnitte. 

Die gewöhnlich kugeligen oder eiförmigen intracellulären Ein-* 
schlflsse waren zart granuliert und kernhaltig. Die Kerne waren von 
dem Protoplasma ihrer Zellen geschieden mittels eines durchsichtigen 
angefärbten Ringes, einer „Vakuole'*, um deren Peripherie sich ein 
Saum von „verdichtetem Protoplasma^ zog. In einigen Fällen erschienen 
die Kerne glänzend, strukturlos. 

Einschlüsse, die zwischen den Zellen lagen, erschienen als granulierte 
Elemente, welche sich f&rberisch von den benachbarten Zellen nicht 
nnterschieden. Sie hatten keine eigene Hülle und lagen stets in scharf 
konturierten Vakuolen, deren Wände durch verdichtete Schichten des 
Protoplasmas umliegender Zellen gebildet wurden. Der helle Ring, 
welcher den Einschluß umzog, enthielt stets Körnchen, von denen die 
größten am Rande lagen; je näher zum Einschluß, um so kleiner die 
Körnchen. In der Vakuole zwischen den Epithelzellen fanden sich 
granulierte, kugelförmige Gebilde, in denen ein Kern nicht nachzu« 
weisen war. 

Derartige Einschlüsse, welche die Autoren als Parasiten angesprochen 
haben, hält Rebrowskj für Leukocyten, und das umso mehr, da sie 
,4n befriedigender Weise den Gruppen sich einordnen lassen, welche 
M. Schnitze für die weißen Blutkörperchen aufstellt'*. 

Auch in nicht ulcerierten Garcinomen fand Rebrowsky keine 
Sporozoen und die erwähnten Einschlüsse viel seltener. 

Rebrowsky resümiert seine eigenen Untersuchungen, wie folgt: 
1) „In vier beginnenden Uteruscarcinomen und fünf Adenocarcinomen 
fanden sich keine Einschlüsse. 2) In nicht ulcerierten krebsigen Neu- 
bildungen und den dazu gehörigen Metastasen ist es mir nie gelungen, 
Einschlüsse zu finden, welche echten Sporozoen geglichen hätten. 3) Wo 
in Krebsgeschwülsten „Sporozoen'' gefunden werden, handelt es sich um 
eme sekundäre Erscheinung." 

Victor E. Hertens (Königsberg i. Pr.). 



Schutzimpfung, kOnstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Temi und Bandl, Bereitung der antipestösen Lymphe aus 
dem peritonealen Exsudat der infizierten Tiere. (Dtsche 
med. Wchschr. 1900. No. 29.) 
Zur Bereitung des Haffkine 'sehen Pestvaccins müssen ganz frische 
und sehr virulente Kulturen verwendet worden ; die vaccinierenden Sub- 
stanzen haften an den Bakterienleibem. Infolge dieser Umstände kann 
man in kurzer Zeit nur wenig Lymphe sammeln. Die Impfung mit dem 
Vaccin zieht nicht unerhebliche örtliche und allgemeine Krankheits- 



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10g Schutzimpfung! künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 

erscheinungen nach sich, kann bei bereits erfolgter Infektion mit Pest 
den Verlauf der Krankheit yerschlimmern , bewirkt erst nach 10 bis 
12 Tagen den Eintritt der Immunisierung und ist von wenig nach- 
haltiger, nur 2 — 3 Monate dauernder Wirkung. 

Die Verff. suchten einen Impfstoff zu gewinnen, welcher dieser Nach- 
teile entbehrt, in kürzerer Zeit in genügender Menge hergestellt werden 
kann und neben den die aktive Immunität erzeugenden Bakterienproteinen 
auch passiv immunisierende Schutzkörper enthält, um eine etwa bereits 
erfolgte Infektion günstig zu beeinflussen. Sie verwendeten in dieser Ab- 
sicht das Peritonealexsudat von Meerschweinchen und Kaninchen, welche 
mit geringen Mengen ßouillonaufschwemmungen hochvirulenter Pestagar- 
kulturen intraperitoneal infiziert worden waren. Nachdem die Tiere im 
Todeskampf getötet waren, wurde das Exsudat unter geeigneten, die Ver- 
unreinigung ausschließenden Vorsichtsmaßregeln entnommen, bei zu dicker 
Konsistenz mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt und zunächst in 
der Kälte aufbewahrt, bis angelegte Probekulturen die ausschließliche 
Anwesenheit von Pestbacillen ergeben hatten, sodann zur Vermehrung 
der letzteren im Brütschrank aufbewahrt und schließlich an zwei Tagen 
einer je 2 -stündigen Erwärmung von 50—52^ ausgesetzt, wodurch 
eine sichere Sterilisierung erreicht und eine Koagulierung der Serum- 
albumine vermieden wurde. Die hierauf mit 0,5-proz. Karbolsäure, 
0,25-proz. Natronkarbonat und 0,75-proz. Kochsalz versetzte Flüssigkeit 
bildete den Impfstoff, dessen Wirksamkeit für praktische Zwecke (Prä- 
ventivimpfungen in Brasilien) durch Hinzufügung der festen Teile von 
Pestbouillonkulturen und der Beläge von Agarpestkulturen (bis zu einem 
ProteYngehalt von 2 mg im Kubikcentimeter) noch erhöht wurde. 

Das Vaccin der Verff. bewirkte bei subkutaner Impfung von ^/^o 
bis */io ccm für Meerschweinchen im Gewicht von 300—400 g und für 
Ratten im Gewicht von 180—200 g nur geringe Störungen des Befindens 
und schnell wieder verschwindende Anschwellungen der Impfstelle. Die 
Immunität gegen die von den Verff. als sicher tödlich festgestellte Dosis 
Pestmaterial (Vio ccm frische Bouillonkultur von Bombay für Meer- 
schweinchen, von Oporto für Ratten) begann sich schon vom 4. Tage 
an einzustellen. Nach einem Monat bewirkte die 4fach tödliche Dosis 
nur eine umschriebene Infiltration an der Impfstelle. Bei bereits infi- 
zierten Tieren wurde mit Hilfe des Vaccins eine Verlängerung der 
Lebensdauer, jedenfalls also keine Verschlimmerung erreicht. 

Die Verff. heben die geringen Schwierigkeiten der Herstellung ihres 
Impfstoffs hervor. Von 350—500 g schweren Meerschweinchen konnten 
sie Quantitäten von 50—60 g gewinnen. Die Dauer der Schutzkraft 
überstieg den Zeitraum von 2 Monaten. Die Impfdose für Menschen 
berechnen die Verff. auf 272 <5cki für Erwachsene und 1—1 Vj ccm für 
Kinder. Nach Anwendung dieser Mengen . rief die Wiederholung der 
Impfung keinerlei Reaktion mehr hervor. Auch die Erscheinungen nach 
der Impfung waren weniger stürmisch, als bei Verwendung Haffkine- 
sehen Stoffes, welcher oft anhaltendes Fieber und schmerzhafte Infiltra- 
tionen hervorruft. Kubier (Berlin). 

Denys u. Tartakowsky, Proc6d6 d'inoculation augmentant 

Taction du s6rum antipesteux dansune proportion con* 

sid6rable. (Bull, de l'acad. royale de m^d. de Belgique. T. XIV. 

No. 6.) 

Bereits im Jahre 1895 hat Denys mit Leclef den Satz aufgestellt 



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Pest — Neue Ldtteratur. 107 

-daß die Immunität größtenteils auf der Phagocytose beruht und diese 
letztere wieder nicht von der Modifikation der Leukocyten, sondern 
von der Veränderung in der Zusammensetzung des Serums abhängig 
ist Ein Jahr später haben Denys und Marchand gezeigt, daß Anti- 
streptokokkenserum viel stärker wirkt, wenn es an der Stelle der In- 
fektion selbst, als wenn es von derselben distalwärts injiziert wird. 

In der vorliegenden Arbeit sind die Autoren bemüht, diese bei 
der Streptokokkeninfektion beobachtete Erscheinung auch bei der Pest 
zu beweiseu. 

Die Krankheitserscheinungen bei intraperitoneal mit Pestbacillen 
infizierten Meerschweinchen waren schwächer, wenn diese Tiere intra- 
peritoneal mit Pestserum behandelt wurden, als wenn sie das Serum 
subkutan erhielten. 

Desgleichen war bei subkutan infizierten Tieren der Krankheits- 
yerlauf milder, bezw. die Tiere genasen, wenn sie am Ort der Infektion 
Serumeinspritzungen erhielten, während die Serumwirkung viel schwächer 
war, falls das Serum von der Infektionsstelle entfernt einverleibt wurde. 

Die Verff. empfehlen auf Grund dieser Versuche auch bei Menschen 
das Pestserum unmittelbar in den Krankheitsherd einzuspritzen. 

Mar kl (Wien). 

Arr^t^s et Instructions concernantla peste. Bruxelles (Guyot) 
1899. 

Den vom Ackerbauministerium (Sanitätsabteilung) herausgegebenen 
gesetzlichen Bestimmungen ist Folgendes zu entnehmen: Die Anzeige- 
pflicht über Pest und verdächtige Fälle obliegt dem Arzte, den Ver- 
wandten des Kranken bezw. Krankenpflegern, auf Schiffen dem Kapitän 
bezw. Patron, in Laboratorien zu diagnostischen Zwecken dem Vor- 
stande. Die Verschickung der Krankheitsprodukte von Pestkranken per 
Bahn und Post ist verboten. Mit der bakteriologischen Diagnose der 
Pest wurden 6 Laboratorien beauftragt. Die Arbeiten mit der Pest 
(Darstellung von Serum, Vaccine, Forschung) sind nur in den vom 
Ackerbauministerium dazu ermächtigten und überwachten Laboratorien 
gestattet. Markl (Wien). 



Neue Utteratur, 

xnsammengflttellt Ton 

San.-Rat Dr. Arthur Würzburg, 

Bibliothekar im Kaiierl. OeaaodhdtMmte in BerUn. 



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Wundinfektionskraiikheiten. 

(Eiterung, Phlegmone, Erysipel, akutes pumlentea Oedem, Pyämie, Septikämie, Tetanus, 
Hospitalbrand, Puerperalkrankheiten, Wnndfäulnis.) 

UsAxdg, Bemerkungen su dem „offenen Briefe" des Geheimen Medizinalrats Professor 

Dr. Ahlfeld an den „Herrn Privatdooenten Dr. Krönig*'. (Centralbl. f. QynäkoL 1900. 

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"Wonnser, B., L'infection de la cvriik «t^rine peadant les suites de couches. (Semaine 

mM. 1900. No. 46. p. 383—386.) 

InfektionsgeschwülBte. 
(Lepra, Tuberkulose [Lupus, Skrofulöse], Syphilis [und die anderen venerischen Krankheiten].) 

IhiMmTielirli, J- F. B^ Syphilis in the Royal Navy. (Brit med. Joum. 1900. No. 2082. 

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Kopp, C^ Persönliche Prophylaxe und Abortivbehandlung des Trippers beim Manne. (Münoh. 

med. Wchschr. 1900. No. 48. p. 1662—1664.) 
SaMisoli Bey, Die venerischen Krankheiten in Egypten. (Wien. med. Wchschr. 1900. 

No. 36-44, 47, 48. p. 1711—1715, 1747—1750, 1795—1799, 1832—1836, 1897—1899, 

1935—1937, 1986—1990, 2025—2027, 2078—2081, 2230—2232, 2281—2283.) 

Diphtherie und Croup, KeachhosteDy Grippe, Pneomooiey epidemische Genickstaire, 
IMEumpe, Bückfallfieber, Osteomyelitie. 

BobUb, K. B., The diagnosis of diphtheria. (Brit. med. Joum. 1900. No. 2079. p. 1303.) 

4ioelU, F. e 81X011«^ €1.» Contributo alle studio della localizzazione e della morfologia 

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110 Neue Ldtteratnr. 



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Benschen, 8. E., Till fr&gan om Balantidii coli patogenetiska betydelse. (üpsala Ifikarefift. 

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Strauß, Zur Frage des diagnostischen Wertes der Untersuchung auf die Gämngsintensi^ 

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^houeeeart, E., Deuxi^me note sur l'Hisüogaster spermatious et sa prteenoe dans nn kyste 
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C, Eniotooiische Krankheiten, 
(Finnen, Bandwürmer, Trichinen, Echinokokken, Filaria, Oestrualarve, Ascaris, AnkylostonnuBt 

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Saltjkow, 8., Zur Kenntnis der Ascaridosis hepatis. (Ztschr. f. Heilkunde. 1900. Heft 10. 
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KranklieitBerregende Bakterien und Parasiten bei Mensehen nnd Heren. 

Milzbrand. 

de Martini, L., Carbonchio nel presame. (Riv. d' igiene e san. pubbl. 1900. No. 21. p. 738^ 
—739.) ■ 

Botz. 

Bnmo, L., Notes on a series of cases of glandulär fever occurring in epidemic form. (Brit 
med. Joum. 1900. No. 2080. p. 1373—1374.) 



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Neue Litteratur, Hl 

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Porter, Cli. ▲., Actinomycoetis« (Boston med. and surgb Joum. Vol. CXIHI. 1900. No. 11. 
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Maul- und Ellauenseuche. 

Thiele, O., Ein Fall von anscheinender Maul- und Klauenseuche beim Menschen. (Dtsche 
militäTÄTzti. Ztschr. 1900. Heft 11. p. 548—552.) 

Krankheitserregende Bakterien und Parasiten hei Tieren. 

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A. Infektiöse AUgemeinkrankheiten. 

Stand der Tierseuchen in Norwegen im 3. yiei*teljahre 1900. (Veröffentl. d. kaiserL Qe-^ 

simdh..A. 1900. No. 49. p. 1200.) 
Stand der Tierseuchen in Ungarn im 3. Vierteljahre 1900. (YeröffentU d. kaiserl. Gesundh.-A. 

1900. No. 45. p. 1103.) 

Tuberkulose (Perlsucht). 

Braggrut, &., Beiträge zur Kasuistik der generalisierten Tuberkulose. (Ztschr. f. Fleisch- 

u. Milchhygiene. 1900/1. Heft 3. p. 79.) 
ZUmiaer, M. u. Schxnidi, Ueber die diagnostische Bedeutung der Ehrlich'schen Diazo- 

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Bchroeder, C.» üeber einen Fall von fötaler Tuberkulose. (Ztschr. f. Fleisch- u. Milch- 

hygiene. 1900/1. Heft 3. p. 79—80.) 

Krankheiten der Wiederkäuer. 

(Rinderpest, Lungenseuche, Tezasseuche, Genickstarre, Buhr und Diphtherie der Kfilber, 

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Jensen, C. O., Om Sygdomme hos Spaedkalye. (Maanedskr. f. dyrlaeger. 1900. Haefte 8. 

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Bi^geir, P., Massenerkrankungen beim Bindvieh. (Wchschr. f. Tierheilk. u. Viehzucht. 1900. 

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Texasfieber, das. Gutachten der Techjiischen Deputation für das Veterinärwesen. (Arch. f. 

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Burggraf, &., Zur Häufigkeit der Botlauf- Endocarditis beim Schwein. (Ztschr. f. Fleisch- 
u. Milchhygiene. 1900/1. Heft 3. p. 80.) 

Krankheiten der Hunde. 

Kattel, F., Die Stuttgarter Hundeseuche. (Oesterr. Mtsschr. f. Tierheilk. 1900. No. 11. 

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Sichokke, E., Die Hundeseuche: Gastritis haemorrhagica, (Schweiz. Arch. f. Tierheilk. 

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(Finnen, Bandwurmer, Trichinen, Echinokokken, Filaiia, Oestruslarve, Asoaris, Ankylostomum 

Trichocephalus, Oxyuris.) 

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Vögel. 

Polowinkia, F., Beitrag zur pathologischen Anatomie der Taubenpocke. (Arch. f. wissenscha 
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112 



Inhalt. 



Sehutzlmpfongeii, kftnstliehe Infekttonskrankhelten, Entwiekelnngs- 
hemmnng und Yenüchtang der Bakterien. 

Allgemdnes. 

Paul, Th. u. Saxwoy, O. F., Ahlfeld und die Tübinger Händedesinfektionsyersnche. Eine 
letsste Entgegnung. (Centralbl. f. Gynäkol. 1900. No. 49. p. 1313—1316.) 

Diphtherie. 

Borohmaim , A. A. » Ueber die Nebenwirkungen des erwärmten Antidiphtherieserums. 

(Djetsk. mediz. 1900. No. 3/4.) [Russisch.] 
Broyer, W. J., Prädisposition zur Diphtherie und die Antidiphtherieschutzimpfnngen. 

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Aobin, A., The aetiology of diphtheria and the value of antitoxine. (New York med. Joum. 

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Andere Infektionskrankheiten. 

Barker, ▲. E., A case of tetanus ; subdural injection of antitetanic serum ; recovery. (Lanoet. 

1900. Vol. II. No. 20. p. 1420.) 
Cejatannl, B., n neuro-siero: siero distruttivo e siero protettivo pel sistema nervoeo. 

(Riforma med. 1900. No. CCLVU. p. 374—377.) 
Etienne, O., Le traitement s6roth6rapique du t^tanos. (Rev. mM. de TEst. 1900. 1. sept.) 
Chrnndmajuiy Zur Technik der Temperaturaufnahme bei Tuberkulinimpfungen in größer»! 

Rinderbeständen. (Dtsche tierarzü. Wohschr. 1900. No. 48. p. 429—431.) 
Kobbs et Benier, Etüde ezp6rimentale du rdle antiseptique des essences vis-k-yis du 

streptocoque. (Gaz. hebdom. d. scieno. mM. de Bordeaux. 1900. 10. Giugno.) 
JäOJkg, S. B., A case of acute (traumatic) tetanus successfully treated with antitetanus semm. 

(Brit. med. Joum. 1900. No. 2082. p. 1495—1496.) 
Rapport du Capitaine Stevenson J.-M.-S. sur les vaocinations par les Serums d'Haffkin et 

de Yersin. Trad. de Mfetin. (Annal. d'hyg. et de m6d. oolon. 1900. No. 4. p. 569 — ^572.) 
Rog'er, B. et Weil, B., Inoculabilit^ de la Vaccine au lapin. (Compt. rend. de la soc,. de 

biol. 1900. No. 34. p. 945—948.) 
Stewart, C. B., On the methods of making antitoxio and prevenüve fluids with special 

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Tend, C, A peste bubonica; vaccina9äo e aörotherapia. (BrazU med. 1900. 1. Mayo.) 
Tokieki^e, K., Immunisierungsversuche gegen Bradsot. (Mtsh. f. prakt. Tierheilk. Bd. XU. 

1900. Heft 1. p. 1—23.) 



Inhalt 



Origdnalmitteiluiflreu. 

Zonetaneofl; S. W., Ueber die Beziehun- 
ffen der Bubonenpest zu anderen Formen 
der hfimorrhagiscnen Septik^ie. (Orig.), 
p. 86. 

Simon, F. B., Ueber die Einwirkung leuko- 
cytenhaltiger Flüssigkeiten auf Strepto- 
kokken. (Orig.X p. 81. 



Referate. 

, Beitrag zum Studium der 

Ueber die Pest in 



Cantani, ▲. jr., 

Gonokokken, p. w 
Frosch u. Xoeeel 

Oporto, p. 98. 
Bebrowel^, A., Ueber die intracellulären 

Einschlüsse beim Carcinom, p. 101. 
Schlegtendal, Die Bedeutung der Molke- 



reien für die Verbreitung des Unterleibs- 
typhus, p. 96. 
▼afifedee, Ueber die Pest in Oporto, p. 98. 

Schutiimpfnnfif, HnetUche Znfektioiui- 

kraiücheiten, BntwickeliinflfeheBuiLiui^ 

und Vendclitimflr der Bakterien. 

ArrAt^e et instructions concemant la peste, 

p. 107. 
Denye n. Tartakoweky, Proc4d^ d*in- 

oculation augmentant Taction du sörum 

antipesteux dans une proportion con- 

sid^rable, p. 106. 
Temi u. Bandi, Bereitung der antipestOsen 

Lymphe aus dem peritonealen Exsudat 

der infizierten Tiere, p. 105. 

Heue Utteratur, p. 1P7. 



Frommanosche Bachdrackerei (Hennann Fohle) In Jena. 



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Ueriolojjiii, ParasiteiiUjii MeklioDskniiiUieileD. 

Erste Abteilimg: 

Medicinisch-hyaienische Bakteriologie und 
tierische Paras itenicunde. 

In Verbindung mit 

&e]L lel-Bat Prot Dr. Loemer, Prot Dr. l Pfeilfer 

in Qreifswald g|( in Kdnigpbeiy 

Staatsrat Prot Dr. H firani 

in Kl^nigsbeig 
herausgegeben von 

Dr. O. UM-srorin in CaaseL 
Verlag von Gustav Fischer in Jena. 

IXDL Band* -»- Jena, den 12. Februar 1901. -«- No. 4. 



Prrii ftr doi XMd (M Vuun«n) IS Mark. — JUirUeh «ndMiBai iw«i Binde. 

Pnla tkt dae 9/tafuihM Vunaer 7S Pfg., ftr «Im B«ppdBnmm«r 1 Mark 60 Ttg, 

VvflUMTB mit Tafela kott«n ftr Jede T^el 50 Tt$. aehr. 

Acrstt ab regeimafsige BeOage die InhaitiübeniehUn der II. AUeüung dn CmUraIMatie$. 

Die Redaktion des „Centraiblatts für B<»kter%ologie und Parasitenkundi^ 
vidUet an die Herren Mitarbeiter die ergd>ene Bitte, etwai£e Wünscßie um 
Ueferung van besonderen Abdrücken ihrer Aufiätxe entweder bei der Ekt^ 
undung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben *m 
wnüen oder spätestens nach Emffanf der ersten Korrekturabx^e direkt an 
den Verleger, Herrn Gustav Fischer %n Jena^ gelangen xu lassen. 

Original-Mitteilungen. Naehdruek vet^ten. 

Heber die Einwirkung leokocytenhaltiger Flüssigkeiten auf 

Streptokokken. 

[Aus dem Züricher Hygiene-Institut] 
Von Dr. F. B. Simon, Zürich. 

(Schluß.) 

Versuch No. 13 wird in der gleichen Weise ausgeführt wie der 
Versach N. 6; statt des Str. B wird diesmal Str. P benützt Die beiden 
Tiere vom gleichen Wurf und von gleichem Gewicht (2100 g) erhalten je 
0,5 ccm zweitägiger Bouillonkultur von Str. P in die rechte Pleura, in 
welche dem Versuchstier 48 Stunden vorher Aleuronat injiziert worden 
war. Nodi vor Ablauf von 48 Stunden ist das Versuchstier tot, das 
KontroUtier stirbt 6 Stunden später. Die 22 Stunden nach der Impfung 

kill AM, ZZIX. B4. 8 



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114 F. B. Simon, 

mit aspiriertem Ohrvenenblut beschickten Agarknlturen beider Tiere 
zeigen typische Streptokokkenkolonieen. 

Versuch No. 14. 2 Albinos im Gewicht von 1600 g und von 
1700 g erhalten gleichzeitig je 2 ccm Aleuronat unter die Haut des 
link<en Ohres. 24 Standen später wird dem kleineren, dem Versuchs- 
tier, 0,005 ccm einer eintägigen Bouillonkultur von S tr. B in den Aieuronat- 
absceß des linken Ohres gespritzt, dem größeren Eontrolltier wird die 
gleiche Dosis subkutan am rechten Ohr injiziert. Noch vor Ablauf 
von 48 Stunden wird das Eontrolltier tot im Stall gefunden. Das Ver- 
suchstier bleibt leben, hat aber 7 Tage nach der Impfung 100 g 
an Eörpergewicht verloren. Nach abermals einer Woche hat es das 
frühere Gewicht wieder erlangt Es wird nunmehr am rechten Ohr 
mit Str. B geimpft, zeigt sich jetzt aber immun gegenüber der ein- 
fachen tödlichen Dosis. 

Versuch No. 16. Dieser Versuch ist teilweise eine Wiederholung 
von No. 14. Es wurden 3 Tiere verwendet. Tier I wiegt 2500 g, II und 
III je 2800 g. Dem Versuchstier I sowie dem Eon troll tier II werden 
je 2 ccm Aleuronat subkutan am rechten Ohr injiziert. 24 Stunden 
später erhält auch das Eontrolltier III 2 ccm Aleuronat unter die Haut 
des rechten Ohres. Unmittelbar darauf wird sowohl dem Eontrolltier III 
wie dem Versuchstier I je 0,01 ccm eintägiger Bouillonkultur von Str. B 
in den Aleuronattumor des rechten Ohres gespritzt ; die gleiche Dosis 
wird dem Eontrolltier II subkutan am linken Ohr injiziert 5 Stunden 
und 24 Stunden nachher wird allen 3 Tieren Blut aus der Randvene 
des nicht geimpften Ohres entnommen und dasselbe auf Schrägagar 
ausgestrichen. -Das Versuchstier I wie das Eontrolltier III werden noch 
vor Ablauf von 48 Stunden nach der Infektion tot gefunden ; Eontroll- 
tier II stirbt einige Stunden später. Die 5 Stunden nach der Impfung 
mit dem Ohrvenenblut beschickten Agarknlturen sind sämtlich steril 
geblieben, ebenso die erst 24 Stunden nach derselben angelegte Blut- 
kultur von Eontrolltier II, während die gleichzeitigen Eulturen des Ver- 
sudistieres I und des Eontrolltieres III gewachsen sind. 

Diese 4 Beispiele dürften genügen, um zu zeigen, daß der Tier- 
versuch zu keinem konstanten Resultat führte. Ebenso 
verhielten sich die übrigen, hier nicht mitgeteilten Tierversuche. Die 
durch die Aleuronateinspritzung bei den Versuchstieren geschaffene 
Leukocytenansammlung am Ort der späteren Infektion war — von dem 
Versuch No. 14 abgesehen — in allen Fällen außer stände, die injizierten 
Streptokokken abzutöten, und ebensowenig vermochte sie immer deren 
Vermehrung so aufzuhalten, daß die Invasion in die Blutbahn und damit 
der Tod des Tieres im Vergleich zu dem des Eontrolltieres wesentlich 
verzögert worden wäre. Angesichts dieses Ergebnisses der übrigen 
Versuche bin ich geneigt, das Ueberleben des Versuchstieres im Versuch 
No. 14 nicht auf die baktericide Eraft der Leukocyten des Aleuronatab- 
scesses, sondern vielmehr auf die durch die Aleuronatmasse selbst ver- 
langsamte Resorption der Streptokokken zurückzuführen. 

Bei der hier befolgten Versuchsanordnung war also eine un- 
zweifelhafte entwickelungshemmende Einwirkung der 
Leukocyten auf stärker virulente Streptokokken im 
Tierkörper nicht nachzuweisen. Da nun aber die früheren 
Versuche in vitro eine deutliche und konstante schädigende Wirkung 
der Leukocyten-Eochsalzflüssigkeit auf den nicht virulenten Str. puer- 
peral, ergeben hatten, so entstand jetzt von selbst die Frage, ob etwa 



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Str. P + Leuko- 


Str. «ryB. -i- 




cyten 


Leukocyten 


Sofort nach der 






AuBsaat: 


55 Kolonieen 


217 Kolonieen 


Nach 2 Std.: 


25 


742 


»» 6 » 


435 „ 


11 „ 


M 25 „ 


4700 


„ 



Ueber die Einwirkung leukocytenhaltiger Flüssigkeiten auf Streptokokken. 115 

Stärker virulente Streptokokken gegenüber den Leukocyten anders rea- 
gieren als nicht virulente, oder ob die in der Leukocytenaufschwemmung 
beobachtete Schädigung der avirulenten Streptokokken nicht den Zellen 
als solchen, sondern entweder der Kochsalzlösung oder irgendwelchen 
Zerfallsprodukten der absterbenden Leukocyten zuzuschreiben sei. 

Ich prüfte zunächst die erste Eventualität und machte folgende 
Versuche. 

Versuch N o. 23. Das durch Aleuronatinjektion erzeugte Pleura- 
exsudat eines Kaninchens wird wie gewöhnlich verarbeitet, und dann 
werden die in der physiologischen Kochsalzlösung suspendierten Leuko- 
cyten auf 2 Röhrchen verteilt, ebenso die abcentrifugierte Exsudat- 
flüssigkeit. Von den beiden Röhrchen, welche die Leukocvtenauf- 
schwemmung enthalten, wird eines mit dem stärker virulenten 
Str. P, das andere mit dem nicht virulenten Str. erysipel. 
geimpft; das Gleiche geschieht mit den beiden Röhrchen, in denen sich 
die zellfreie Exsudatflüssigkeit befindet. Str. P trübt die Bouillon 
diffus, Str. erysip. läßt sie klar und bildet einen dicken Bodensatz. 

Str. P + Ex- Str. erys. + Ex- 
sudatflüssigkeit sudatnüssigkeit 

10 Kolonieen 283 Kolonieen 
15 „ 464 

183 „ 1600 

unzählige Kolon. 4200 ,, 

VersuchNo. 24 wird ausgeführt wie der vorhergehende, nur daß 
die KontroUröhrchen nicht mit der Exsudatflüssigkeit, sondern mit dem 
Blutserum des Tieres beschickt werden. 

Str. P -{- Leuko- Str. erys. -f Str. P + Str. erys. -i- 

cyten Leukocyten Serum Serum 
Sofort nach der 

Auflsaat: 1 940 Kolonieen 5500 Kolonieen 5900 Kolonieen 5500 Kolonieen 

Nach IV, Std.: 2150 „ 7320 „ 7000 „ 2500 

„6 „ 1380 „ 3540 „ sehr viele Kolon, ca. 40 000 Kolon. 

„ 24 „ 10000 „ 290 „ unzahUge „ ca. 12000 „ 

Während also in beiden Versuchen — im zweiten sogar bei starker 
Aussaat — der nicht virulente Str. erysipel. die gleiche schädigende 
Wirkung der Leukocytenaufschwemmung zeigt, wie sie vorher bei dem 
avirulenten Str. puerperal, zu beobachten war, ist dagegen bei dem 
stärker virulenten Str. P beide Male eine deutliche Vermehrung in der 
Leukocytenflüssigkeit eingetreten, die zwar nicht so stark ist, wie in der 
Exsudatflüssigkeit oder im Blutserum. Es würden daher diese beiden 
Versuche in der That dafür sprechen, daß die baktericiden Stoffe 
der Leukocyten unwirksam sind gegenüber stärker viru- 
lenten Streptokokken und nur die nicht virulenten zu 
schädigen vermögen. 

Gegen diese Deutung lassen sich aber noch zwei Einwände erheben. 
Erstens wäre es möglich, daß die verschiedenartige Wirkung der Leuko- 
cytenflüssigkeit auf die beiden hier verwendeten Streptokokkenstämme 
nicht durch deren verschiedenen Virulenzgrad, sondern vielmehr durch 
ihre verschiedene Wachstumsform in flüssigen Medien bedingt sei. Da 
nämlich die Zellen in der Leukocytenaufschwemmung einen dicken 
Bodensatz bilden, so konnte man vielleicht erwarten, daß sie auf solche 
Streptokokken, die ebenfalls einen Bodensatz bilden und die Kultur- 
flflssigkeit klar lassen, wie hier der Str. puerper. und der Str. ery- 

8* 



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116 F. B. Simon, 

sipel., stärker einwirken als anf solche, die, wie der Str. P, diffus in 
der ganzen Flüssigkeit verteilt sind. Denn im ersten Falle sind die 
Zellen am Boden des Röhrchens mit der Hauptmasse der Kokken innig 
vermischt, während sie im zweiten Falle von der großen Mehrzahl der- 
selben räumlich geschieden sind. 

Auserdem aber kann in modifizierter Form der bereits vorhin er- 
wähnte Einwurf geltend gemacht werden, daß bei diesen Versuchen 
nicht die Lenkocytenstoffe, sondern die physiologische Kochssdzlösung 
das wirksame Agens sei. Man hätte sich dann also vorzustellen, daß 
die 0,6-proz. Kochsalzlösung die nicht virulenten Streptokokken schädige, 
während die virulenten resistent gegen diese Salzlösung seien. 

Zur Prüfung dieser beiden Einwände wurden u. a. folgende Ver- 
suche ausgeführt: 

Versuch No. 30. Es werden 4 Röhrchen beschickt: 2 mit Leuko- 
cyten in physiologischer Kochsalzlösung, die aus dem Pleuraexsudat des- 
selben Tieres durch Auswaschen gewonnen wurden, und 2 Röhrchen mit 
physiologischer Kochsalzlösung ohne jeden weiteren Zusatz. Ein Röhr- 
chen der ersten und eines der zweiten Gruppe wird mit dem stärker 
virulenten Str. M geimpft (Dosis letal. 1,0—0,5), welcher die Bouillon 
diffus trübt. Die anderen beiden Röhrchen erhalten einen für Kanin- 
chen nicht virulenten Str. pvaem., der ebenfalls die Bouillon diffus 
trübt. 

Str.M + Leuko- Str. pyaem. + Str. M + Koch- Str. pyaem. + 

cyten Leukocyten salzlÖBung Eochsalzlösung 

Sofort nach der 

Aussaat: 174 Kolonieen 



Nach7V, Std.: 10 
„ 24 „ ca. 21 000 Kolon. 



96 Kolonieen 


319 Kolonieen 


60 Kolonieen 


4 


4 


5 


1 Kolonie 


2 „ 


„ 



Versuch No. 32 wird ebenso ausgeführt wie der vorhergehende, 
nur daß statt des Str. pyaem. ein anderer nicht virulenter Strepto- 
coccus, der Str. pyog. II, verwendet wird. Auch dieser trübt die 
Bouillon diffus. 

Str. M + Leu- Str. pyog. II + Str. M + Koch- Str. pyog. II -f 

kocyten Leukocyten Salzlösung Kochsalzlösung 
Sofort nach der 

Aussaat: 1060 Kolonieen 3000 Kolonieen 290 Kolonieen 2000 Kolonieen 

Nach 6 Std.: 88 „ 600 „ „ „ 

„ 24 „ ca. 20 000 Kolon. 117 „ „ „ 

Hieraus geht hervor, daß der stärker virulente Str. M sich in der 
Leukocytenauischwemmung ebenso verhält wie der zuvor geprüfte viru- 
lente Str. P. Auch sind die beiden nicht virulenten Str. pyaem. und 
Str. pyog. II in der Leukocytenflüssigkeit in gleichem Maße geschädigt 
worden wie die vorher untersuchten, nicht virulenten Str. puerp. und 
Str. erysipeL, trotzdem sie die Bouillon ebenso diffus trüben wie die 
stärker virulenten Stämme P und M. Damit ist der erste der oben er- 
wähnten beiden Einwürfe widerlegt und der Nachweis geleistet, daß 
nicht die verschiedene Wachstumsform der Streptokokken in flüssigen 
Medien es ist, wodurch die verschiedene Wirkung der Leukocytenflüssig- 
keit auf diese Mikroben bedingt wird. 

Endlich ergeben die zwei vorstehenden Versuche noch, daß in der 
0,6-proz. Kochsalzlösung ohne jeden Zusatz weder virulente noch aviru- 
lente Streptokokken fortkommen, daß also diese Lösung an und 
für sich in ihrer Wirkung keinen Unterschied zwischen 
diesen beiden Gruppen macht Der Untergang der virulenten 



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üeber die Einwirkung leukocytenhaltiger Flüssigkeiten auf StreptokoUceÄ. 117 

wie der nicht virulenten Streptokokken in der physiologischen Kochsalz- 
lösung ist offenbar nur dem Mangel an Nährstoffen zuzuschreiben. Denn 
in sterilisiertem Leitungswasser verhalten sich die Streptokokken 
genau ebenso wie in der physiologischen Kochsalzlösung, was folgender 
Kontrollversuch beweist 

In gewöhnlichem sterilisiertem Wasser werden der 
stärker virulente Str. P und der nicht virulente Str. erysipel. aus- 
gesät 

Str. P Str. erysip. 

Sofort nach d. Aussaat : 525 Koionieen 240 Kolonieen 
Nach 2 Stunden : „ 115 „ 

„ 8 „ ,, 1 Kolonie 

„ 24 „ y, Kolonieen 

Trotzdem also virulente wie avirulente Streptokokken ebensowenig 
in sterilisiertem Leitungswasser wie in physiologischer Kochsalzlösung 
gedeihen, wäre es immerhin noch denkbar, daß Mischungen dieser 
Lösung mit beliebigen Substanzen des Tierkörpers gerade so diffe- 
rent auf virulente und nicht virulente Streptokokken wirken könnten 
wie die Leukocytenaufschwemmung, die ja auch nur ein Gemenge von 
tierischen Zellen mit physiologischer Kochsalzlösung ist Wenn dies der 
Fall wäre, so würde selbstverständlich bei den hier beschriebenen Ver- 
suchen von einer spezifischen Leistung leukocytärer Stoffe keine Rede 
mehr sein können. 

Von den Versuchen, die zur Aufklärung dieser Frage ausgeführt 
wurden, seien hier He folgenden mitgeteilt. 

Versuch No. 40. Die aus dem Pleuraexsudat des Tieres ge- 
wonnenen Leukocyten werden, wie vorher, auf zwei Röhrchen verteilt 
Da das Exsudat außerordentlich reich an Rundzellen ist, die Leukocyten- 
aufschwemmung aber auf das bisher angewendete Maß von 2 ccm ein- 
geengt wird, ist dieselbe sehr dickflüssig und enthält ca. 1 Teil Leuko- 
cyten auf 2 Teile physiologischer Kochsalzlösung. Dementsprechend 
werden die beiden KontroUröhrchen mit einer Mischung von 1 Teil de- 
fibriniertem Blute und 2 Teilen physiologischer Kochsalzlösung be- 
schickt Je ein Röhrchen der ersten und je eines der zweiten Gruppe 
wird mit dem stark virulenten Str. B (Dos. letal. 0,01—0,005) geimpft, 
die anderen beiden Röhrcheu mit dem Str. Anginaell, der ebenso 
wie Str. B die Bouillon diffus trübt Str. Angin ae II ist an der 
Grenze von schwächerer zu stärkerer Virulenz, indem hohe Dosen, sub- 
kutan appliziert, schwächere Tiere töten, größere dagegen nur vorüber- 
gehend krank machen. 

Str. B + Leuko- Str. Ang. II + Str. B + Blut- Str. Ang. II + 





cyten 


Leukocyten 


Verdünnung 


Blutverdünnung 


Sofort nach der 


. 








Aussaat: 


52 Kolonieen 


45 Kolonieen 


37 Kolonieen 


2 Kolonieen 


Nach 7 btdn.: 


12 


24 


ca. 15000Kolon. 


74 


» 23 ., 


ca. 120000 Kolon. 


87 


ca. 250000 „ 


ca. 33 000 Kolon. 



Versuch No. 42 wird ähnlich ausgeführt wie der vorhergehende. 
Da die gewonnene Leukocytenaufschwemmung ungefähr 1 Teil Rund- 
zellen auf 4 Teile Kochsalzlösung enthält, werden die beiden KontroU- 
röhrchen mit einem Gemisch von 1 Teil Blutserum und 4 Teilen 
Kochsalzlösung beschickt Geimpft wird wieder Str. B und ein Str. 
Anginae III, der auch die Bouillon diffus trübt und ebenso wie 
Str. Anginae II in großen Dosen kleinere Tiere tötet, größere da- 
gegen nicht. 



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118 F. B. Simon, 

Str. B + Leuko- Str. Ang. III + Str. B + Serum- Str. Ang. III -h 

cyten Leukocyten Verdünnung Serumverdünng. 
Sofort nach der 

Aussaat: 830 Kolon ieen 167 Kolonieen 380 Eolonieen 34 Kolonieen 

Nach 6 Stdn.: 1200 „ 60 „ 1400 „ 670 

„ 23 „ ca. 100000 Kolon. 41 „ unzählige Kolon. ca.l20000KoloQ. 

Versuch No. 43. In der Leükocytenaafschwemmung kommt un- 
gejähr 1 Teil Rundzellen auf 5 Teile Kochsalzlösung. Es wird daher 
in die Kontrollröhrchen eine Mischung von 1 Teil defibriniertem 
Blut und 5 Teilen Kochsalzlösung gebracht. Ausgesät wird wieder 
Str. B und der nicht virulente Str. pyog. III, welcher die 
Bouillon leicht trübt und feinste Flöckchen in derselben bildet. Die 
beiden Blutröhrchen werden schwächer geimpft als die Leukocytenröhr- 
chen, um den Unterschied in der Wirkung der Leukocytenflüssigkeit und 
der Blutmischung auf den nicht virulenten Streptococcus schärfer her- 
vortreten zu lassen. 

Str. B + Leuko- Str. pyog. III 4- Str. B -f Blut- Str. pyog. III + 

cyten Leukocyten Verdünnung Blutverounnung 
Sofort nach der 

Aussaat: 840 Kolonieen 472 Kolonieen 73 Kolonieen 21 Kolonieen 

Nach 6 Stdn.: 670 „ 3 „ 4700 „ 5600 

„ 24 „ ca. 120000 Kolon. „ ca.200000Kolon. ca. 60 000 Kolon. 

Diese Versuche zeigen, daß der stark virulente Str. B. nicht nur 
ebenso resistent ist gegenüber der Leukocytenflüssigkeit, wie die zuvor 
untersuchten virulenten Str. P und Str. M, pudern daß er ent- 
sprechend dem höheren Grade seiner Virulenz sich be- 
deutend stärker in jener Flüssigkeit vermehrt als diese. 
Ferner geht aus diesen drei Versuchen hervor, daß die beiden an der 
Grenze von schwacher zu stärkerer Virulenz stehenden Str. Ang. II 
und Str. Ang. III durch die Leukocytenaufschwemmung nicht wesent- 
lich reduziert werden, sondern ungefähr ihre Keimzahl in derselben be- 
haupten — ebenfalls entsprechend ihrem Virulenzgrad — während da- 
gegen der nicht virulente Str. pyog. III ebenso wie die früher unter- 
suchten nicht virulenten Stämme erheblich geschädigt wird. 

Schließlich aber sehen wir, daß die Mischungen von defibriniertem 
Blut wie von Blutserum mit physiologischer Kochsalzlösung keineswegs 
einen schädigenden Einfluß auf schwach oder nicht virulente Strepto- 
kokken ausüben, sondern augenscheinlich ein indifferentes Medium 
für diese bilden, in welchem sie sich sehr gut vermehren. Es ist 
also die je nach dem Grade der Virulenz abgestufte Wir- 
kung der Leukocytenkochsalzflüssigkeit auf Strepto- 
kokken nicht jedem beliebigen Gemisch tierischer Sub- 
stanzen mit physiologischer Kochsalzlösung eigen, son- 
dern dieselbe muß vielmehr als eine spezifische Leistung 
leukocytärer Stoffe angesehen werden. 

Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch die Leukocyten- 
aufschwemmung eine verschiedene Beschaffenheit ge- 
winnt, je nachdem stark oder schwach bezwl nicht viru- 
lente Streptokokken in ihr ausgesät waren. Dieser Unter- 
schied in der Beschaffenheit der Leukocytenflüssigkeit 24 Stunden nach 
der Aussaat trat namentlich bei den Versuchen mit dem stark virulenten 
Str. B besonders deutlich hervor. 

Die frisch bereitete Leukocytenaufschwemmung in der hier ver- 
wendeten Konzentration hat, wenn sie umgerührt wird, den gelblich- 



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üeber die Einwirkang lenkocytenhaltiger Fl&ssigkeiten auf Streptokokken. 119 

weißen Farbenton der Milch und schleimige Konsistenz, so daß der 
Platindraht, der zum Umrühren benutzt wird, nachher mit einem lieber- 
zug von Schleim bedeckt ist. Bei dem Umrühren mit dem Platindraht 
bemerkt man, daß der von den Lenkocyten gebildete Bodensatz eine 
ziemliche Kohärenz besitzt und seiner Verteilung in der Flüssigkeit einen 
nicht unerheblichen Widerstand entgegensetzt 

Derjenige Teil der Leukocjrtenaufschwemmung, in welchen nicht 
Tirnlente oder schwach virulente Streptokokken ausgesät wurden, zeigt 
nach 24 Stunden in der Hauptsache dieselben Eigenschaften wie vorher, 
der Bodensau der Lenkocyten ist noch ebenso kohärent und wird erst nach 
wiederholtem Rühren in der Flüssigkeit verteilt, auch hat die verrührte 
Aufschwemmung dieselbe schleimige Beschaffenheit, infplgedessen der 
zum Umrühren verwendete Platindraht gerade wie vorher mit einer 
Schleimschicht überzogen wird. Immerhin fällt heim Ausstreichen 
dieser Flüssigkeit auf dem Deckglase eine Veränderung auf; während 
nämlich die frisch bereitete Leukocytenaufschwemmung eine dicke, aber 
gleichmäßige Schicht auf dem Deckglase bildet, bemerkt man, daß die 
24 Stunden vorher mit nicht oder schwach virulenten Streptokokken ge- 
impfte Leukocytenflüssigkeit im Deckglaspräparate auf durchsichtigerem 
Orunde eine große Zahl feinster weißer Pünktchen enthält, denen im 
mikroskopischen Bilde kleinere oder größere Klümpchen zusammenge- 
ballter Rundzellen entsprechen« 

Ganz anders verhält sich der Teil der Leukocytenaufschwemmung, 
in welchen 24 Stunden zuvor stark virulente Streptokokken ausgesät 
wurden. Hier läßt sich nunmehr der Leukocytenbodensatz leicht und 
ohne jeden Widerstand in der Flüssigkeit verrühren, dieselbe ist vor 
wie nach dem Umrühren durchaus dünnflüssig und haftet deshalb nicht 
mehr am Platindraht. Es ist also infolge der reichlichen 
Vermehrung der stark virulenten Streptokokken eine 
Verflüssigung des Nährbodens eingetreten, während der- 
selbe nach der Impfung mit schwach virulenten Streptokokken unver- 
ändert in seiner Konsistenz blieb, weil letztere in ihm nicht wachsen 
konnten. Dieser Unterschied ist so markant, daß man 
schon an der Beschaffenheit der Flüssigkeit erkennen 
kann, welches von zwei Leukocytenröhrchen 24 Stunden 
vorher mit stark virulenten und welches mit schwach 
virulenten Streptokokken geimpft wurde. 

Beim Ausstreichen des Deckglaspräparates gewahrt man hier nicht 
die feinen Pünktchen wie in der mit schwach virulenten Streptokokken 
geimpften Leukocytenflüssigkeit, sondern man erhält vielmehr dieselbe 
gleichmäßige, aber bedeutend dünnere Schicht wie bei der frisch be^ 
reiteten Aufschwemmung. Dementsprechend sieht man im mikroskopi- 
schen Bilde nur selten Rundzellenhaufen, namentlich aber niemals so 
große wie im anderen Falle. 

Die Resultate dieser Untersuchung sind demgemäß folgende: 

Die aus dem Pleuraexsudat des Kaninchens durch wiederholtes Aus- 
waschen gewonnene, auf wenige Kubikcentimeter eingeengte Aufschwem- 
mung von Lenkocyten in 0,6-proz. Kochsalzlösung wirkt keimvermindernd 
auf nicht virulente Streptokokken, die in ihr ausgesät werden, während 
zugleich ausgesäte stärker virulente Streptokokken sich in ihr vermehren 
und zwar um so reichlicher, je hochgradiger ihre Virulenz ist. Strepto- 
kokken, welche an der Grenze von schwächerer zu stärkerer Virulenz 
stehen, d. h. solche, welche, in größeren Dosen subkutan appliziert» 



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120 F. B. Simon, 

kleinere Tiere töten, größere Tiere aber nur vorübergehend krank 
machen, werden in der Leukocytenaufschwemmung zwar an Zahl ihrer 
Keime nicht reduziert, zeigen aber auch keine wesentliche Vermehrung 
in derselben. Daß es sich bei diesen Versuchen um eine spezifische 
Leistung leukocytärer Stoffe und nicht etwa um eine Wirkung der Koch- 
salzlösung handelt, beweisen sowohl die Kontrollversuche mit dieser 
Lösung ohne jeden Zusatz, als namentlich auch die mit Mischungen von 
defibriniertem Blut oder von Blutserum und physiologischer Kochsalz- 
lösung. Bei der Aussaat von stark virulenten Streptokokken ist die 
schleimige Leukocytenaufschwemmung infolge der reichlichen Prolifera- 
tion der Keime nach 24 Stunden verflüssigt, eine Veränderung, die bei 
schwach oder nicht virulenten Stämmen wegen des mangelnden Wachs- 
tums nicht beobachtet wird. 

Vorausgesetzt, daß das Ergebnis dieser Versuche für alle Strepto- 
kokkenstämme Geltung hat, so wäre damit eine Methode gegeben, ver- 
mittelst deren man außerhalb des Tierkörpers bestimmen könnte, 
ob ein beliebiger Streptokokkenstamm für Kaninchen virulent ist oder 
nicht Man hätte dann zugleich mit dem auf seine Virulenz zu prüfen- 
den Streptococcus einen solchen von bekannter starker Virulenz 
und einen zweiten nicht virulenten auszusäen, um dadurch einen 
doppelten Maßstab für die Schätzung zu gewinnen. 

Die Schädigung nicht oder schwach virulenter Streptokokken durch 
die Leukocytenaufschwemmung sowie die Vermehrung stärker virulenter 
Stämme in dieser läßt kaum eine andere Deutung zu als die, da& 
durch die physiologische Kochsalzlösung aus den Rund- 
zellen ein Stoff extrahiert wird, der auf Streptokokken 
geringer Virulenz baktericid wirkt, während stark viru- 
lente durchaus resistent gegen denselben sind. 

Es lag nicht im Plan dieser Arbeit, zu untersuchen, in welcher 
Weise diese Stoffe im tierischen Organismus gegenüber einer Infektion 
zur Wirkung kommen, ob extracellulär oder intracellulär oder 
ob eine extracelluläre und eine intracelluläre Beeinflussung 
der Keime stattfinden muß, um deren definitive Vernichtung im Tier- 
körper herbeizuführen. Diese Frage ist gegenwärtig wohl überhaupt 
noch nicht spruchreif. Immerhin muß darauf aufmerksam gemacht 
werden, daß sich selbst bei den Verfechtern der Phagocytosetheorie Be- 
obachtungen finden, welche zum mindesten für die dritte dieser drei 
Möglichkeiten, für die Kombination extra- und intracellulärer Einwirkung, 
sprechen. 

So hat Bordet bei der sogenannten „crise phagocytaire*" 
eine extracelluläre Einwirkung der Leukocyten auf Streptokokken beob- 
achtet, welcher dann erst die Phagocytose nachfolgt. Er giebt an, daß 
22 Stunden nach stattgehabter Injektion der Streptokokken in das Peri- 
toneum der Kaninchen die Phagocytose unvollständig geblieben ist, ob- 
gleich zahlreiche Leukocyten im Exsudat der Bauchhöhle vorhanden sind. 
Doch hat sich gegen vorher das Aussehen der nicht eingeschlossenen 
Streptokokken verändert; dieselben sind kleiner geworden und färben 
sich nur schwach, außerdem findet man deformierte Ketten „ä grains 
petits, parfois tr^s comprim^s et in^galement espacös, souvent aussi in- 
^galement color^s^. Daneben sieht man noch Ketten von normaler 
Form und guter Färbung. Bei der 6 Stunden später einsetzenden 
Phagocytose werden hauptsächlich die deformierten, schlecht färbbaren 
Kokken von den Leukocyten aufgenommen, während die anderen frei 



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Ueber die Einwirkung leukocytenhaltiger Flüssigkeiten auf Streptokokken. 121 

bleiben und nachher durch ihre Vermehrung den Tod des Tieres herbei- 
führen. 

Es ist also hier eine extracelluläre Beeinflussung der Strepto- 
kokken notwendig, um die Phagocytose derselben zu ermöglichen, und 
diejenigen Kokken, welche resistent sind gegen jene, entgehen auch der 
Phagocytose. 

Unter der Voraussetzung einer solchen extracellulären Einwirkung 
der Leukocyten auf die Streptokokken im Tierkörper durch Ausscheidung 
einer baktericiden Substanz seitens der Rundzellen können die mit- 
geteilten Resultate der vorliegenden Arbeit zu einer Erklärung des 
klinischen Verlaufs der Streptokokkeninfektion bei Kaninchen führen. 
Wenn man annimmt, daß die in vitro durch die physiologische Koch- 
salzlösung aus den Leukocyten extrahierten Stoffe in der Hauptsache 
identisch sind mit dem intra vitam bei der Infektion von den Rund- 
zellen secernierten antibakteriellen Agens, so wird ohne weiteres ver- 
ständlich, daß Infektionen mit nicht oder schwach virulenten Strepto- 
kokken lokalisiert bleiben und mit der Heilung des Tieres enden, weil 
eben die am Orte der Invasion angesammelten Leukocyten durch Se- 
kretion einer wirksamen Substanz imstande sind, die weitere Entwicke- 
lung der pathogenen Keime aufzuhalten und diese schließlich abzutöten. 
Ob dann im tierischen Organismus die definitive Vernichtung derselben 
nur innerhalb der Zellen erfolgen oder nicht auch, wie hier bei den 
Versuchen in vitro, außerhalb der Leukocyten stattfinden kann, muß vor- 
läufig noch unentschieden bleiben. 

Ebenso läßt sich auf Grund der vorliegenden Versuche der tödliche 
Ausgang der Streptokokkeninfektion bei Kaninchen begreifen, sobald 
stärker virulente Stämme verwendet werden. Dieselben haben sich hier 
in vitro resistent gegenüber den leukocytären Stoffen gezeigt, um so 
resistenter, je höher die Virulenz ist, und sie können daher trotz der 
von den Rundzellen an der Infektionsstelle secernierten baktericiden 
Substanzen daselbst mehr oder minder widerstandslos wuchern, per 
contiguitatem in die Nachbarschaft eindringen und endlich in die Blut- 
bahn einbrechen, um dann durch Allgemeininfektion den Tod des Tieres 
herbeizuführen. 

Schließlich sind die Ergebnisse dieser Untersuchung vielleicht ge- 
eignet, noch ein anderes Phänomen bis zu einem gewissen Grade ver- 
ständlich zu machen, nämlich die Virulenzsteigerung der 
Streptokokken durch wiederholte Tierpassagen. Wir kennen 
vorläufig kein anderes Mittel, die Virulenz eines Streptokokkenstammes 
für eine bestimmte Tierspecies zu erhöhen, als daß wir denselben 
successive durch einer Reihe von Tieren dieser Art hindurchschicken. 

Das Prinzip der Giftgewöhnung ist offenbar in der Lebewelt 
weit verbreitet, vielleicht sogar ein allgemeines biologisches Gesetz. 
Jedenfalls wissen wir schon lange, daß Tiere nicht nur gegenüber un- 
organischen Giften durch Gewöhnung bis zu einem gewissen Grade 
resistent werden können, wir wissen auch, daß die Immunisierung der 
Tiere gegen pathogene Mikroben durch wiederholte Impfungen mit den- 
selben zum großen Teil auf Giftgewöhnung beruht. Auch bei Mikro- 
organismen wurde eine Gewöhnung an verschiedene Gifte von Kossia- 
koff^), Trambusti und Galeotti^) beobachtet. So fand Kossia- 

1) Kossiakoff, Annales de l'Institut Pasteur. T. I. 1887. 

2) Trambusti e Galeotti, Lo Sperimentale. 1892. Gitiert bei Flügge, Die 
Mikroorganismen. 3. Aufl. Bd. I. p. 48o. 



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122 G. d'Arrigo, 

koff u. a., daß Milzbrandbacillen, welche sonst in einer Nährflüssigkeit 
mit einem Sublimatgehalt von 1 : 20000 nicht mehr fortkommen, noch 
in stärkeren Sublimatlösungen bis zu 1 : 14000 wachsen können, wenn 
man, von sehr verdünnten Lösungen dieses Giftes (1 : 40000) ausgehend, 
die Milzbrandbacillen allmählich in immer stärkere Lösungen über- 
impft 

Wenn nun avirulente und schwach virulente Streptokokken der 
Einwirkung der Leukocytenstoffe erliegen und deshalb bei dem Tiere 
höchstens eine lokale Entzündung hervorrufen können, dann aber durch 
wiederholte Tierpassagen — anfangs mittels intravenöser Injektion in 
hohen Dosen — allmählich stark virulent werden können und nunmehr 
refraktär sind gegenüber den baktericiden Substanzen der Rundzellen, 
so bleibt gar keine andere plausible Erklärung dafür übrig, als die, daß 
durch die Reihe der Tierpassagen die Kokken an das 
Leukocytengift der betreffenden Tierspecies gewöhnt 
und immun gegen dasselbe geworden sind. Die Virulenz- 
steigerung der Streptokokken durch fortgesetzte Ueber- 
impfung auf Tiere der gleichen Art wäre daher — zu einem 
Teile wenigstens — gleichbedeutend mit einer Immunisierung 
der Kokken gegenüber den baktericiden Leukocyten- 
stoffen desTieres. Daß dabei zugleich die Auslese der widerstands- 
fähigsten Keime unter diesen Mikroben eine Rolle spielt, ist wohl selbst- 
verständlich. 

Damit ist natürlich der dunkle Begriff der Streptokokkenvirulenz 
keineswegs erschöpft, da außerdem noch andere Komponenten derselben, 
namentlich die Toxinbildung, in Betracht kommen. 

Zürich, im Dezember 1900. 



Nachdruck verboten, 

üeber die Oegenwart und über die FhaseD des Eoch'schen 
Bacillus in den sogenannten skrofulösen Lymphdrüsen. 

[Aus dem Institute für pathologische Anatomie der kgh Universität zu 
Neapel. Direktor: Prof. Schrön.J 

Histo-bakteriologische Untersuchungen. 

Von Dr. ft. d^Arrfgo, Assistent. 

Nachtrag und Berichtigung. 

In der unter obigem Titel in No. 16 des vorigen Bandes dieses 
Centralblattes erschienenen Arbeit ist auf p. 482 Zeile 10—30 zu streichen 
und dafür Folgendes einzuschalten: 

Dank der Liebenswürdigkeit einiger Fachgenossen (u. a. der Herren 
Prof. de Gaetano und Prof. N. Furgiuele) habe ich 18 Fälle von 
Tuberkulose oder Skrofulöse der Drüsen studiert, die von den be- 
treffenden Chirurgen an Personen zwischen 4 und 28 Jahren operiert 
worden waren. — Bei keiner dieser Personen fanden sich andere 
Tuberkelherde, und nur bei 5 konnte man in der Anamnese Lungen- 
tuberkulose bei den Eltern nachweisen. 

Unter den mir zur Beobachtung gekommenen Fällen habe ich nur 
diejenigen der Prüfung unterzogen, bei welchen die Lymphadenitis 



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üeber die Gegenwart und über die Phasen des Eoch'schen Bacillus etc. 123 

scrophulosa vollkommen nach außen abgeschlossene Herde bildete 
und außerdem keine Neigung zur Eiterung vorhanden war. 

Man spricht noch heute von einer nichttuberkulösen Form der 
Skrofulöse. Was die Lymphdrüsen anbetriflFt, so hege ich die Meinung, 
daß man nicht berechtigt ist, eine solche anzunehmen. Einer der her- 
vorragendsten italienischen Forscher, Prof. Durante, sagt darüber 
Folgendes: Die Anschauung, daß die sogenannte Lymphadenitis 
Bcrophulosa eine tuberkulöse Erkrankung bildet, wurde von der 
anatomischen Schule in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts vertreten ; 
jeder Zweifel wurde doch behoben, nachdem es gelungen war, im skro- 
fulösen Gewebe Tuberkelbacillen nachzuweisen, daraus reinzuzüchten und 
durch Verimpfung derselben tuberkulöse Veränderung hervorzurufen. 

Die von Koch, Demme, Möller, Schuchard, Krause, 
Oornil und Babes, Albrecht, Arloing, Pellizzari, Ewe, 
Wyssokowitsch u. s. w. festgestellten Befunde sprechen unverkenn- 
bar für die tuberkulöse Natur der Drüsenskrofulose. 

Die Annahme einer nichttuberkulösen Form der Skrofulöse " ist — 
meinem Dafürhalten nach — dem Umstände zuzuschreiben, daß den 
betreffenden Forschern die diesbezüglichen Versuche negative Resultate 
ergaben. Aber auch abgesehen davon, daß man letzteren keine aus- 
schlaggebende Bedeutung beizumessen hat, möchte ich noch hervor- 
heben, daß nicht alle chronischen Drüsenhyperplasieen als skrofulös zu 
betrachten sind. 

Außerdem ist es wohl bekannt, daß die bisherigen Untersuchungs- 
methoden für den Nachweis der Tuberkelbacillen in den Geweben nicht 
immer zuverlässige Resultate liefern, und daß die Färbung dieser Ba- 
cillen in den Lymphdrüsen manchmal ungeheuere Schwierigkeiten bietet, 
insbesondere wenn dieselben mit anderen Mikroorganismen vergesell- 
schaftet sind oder wenn der Tuberkelbacillus nicht in seiner typischen 
Form, sondern als Sporen, S chronische Kapseln u. s. w. vorkommt, 
sowie auch wenn die Lymphdrüsen der Verkäsung verfallen sind und die 
Käsesubstanz weitere regressive Stadien (Verkreidung, Verkalkung u. s. w.) 
erfahren hat. 

Dem Ergebnis der Verimpfungen an Versuchstieren ist keine ent- 
scheidende Bedeutung beizumessen, und zwar weil aus unbekannten 
Gründen die Inokulation — wie ich mehrfach feststellte — auch dann 
erfolglos bleibt, wenn das verimpfte Material unzweifelhaft tuber- 
kulös war. 

In einem Falle verschied das Meerschweinchen erst 8 Monate nach 
der Verimpfung, und doch war das inokulierte Gewebe unverkennbar 
tuberkulös (spezifische Färbung der Tuberkelbacillen in den Schnitten 
des angewandten Materials!), welches aus einer mit Lymphadenitis 
affizierten Drüse herrührte. 

Die gemischte Form hingegen kommt häufiger bei der Drüsen- 
skrofulöse vor. Es handelt sich dabei um Drüsen, welche von Tuberkel- 
bacillen angegriffen worden sind und im Verlaufe der Erkrankung 
weitere verschiedenartige Mikroorganismen hinzukommen (Eiterkokken 
u. 8. w.) oder umgekehrt Diese Form habe ich noch nicht in den 
Kreis meiner Untersuchungen gezogen, behalte mir aber vor, sie ein- 
gehend zu prüfen. 

Einstweilen beschränke ich mich darauf, die wichtigsten Folgerungen 
mitzuteilen, zu denen ich infolge der ausgeführten Untersuchungen ge- 
langt bin. 



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124 G. d'Arrigo, Gegenwart und Phasen des Koch'schen Bacillus etc. 

p. 483 in Zeile 14, 15, 16, 17, 18, 20, 23, 26, 29, 31, 33, 40, 41 
und 45 sind die Figurenangaben zu streichen. 

Die Anmerkung 1) auf p. 483 muß lauten : 

1) Den größten Teil dieser Formen hat SchrOn in Kulturen des TuberkelbadUus^ 
bei der Miliartuberkulose des Affen, bei der experimentellen Tuberkulose des Kaninchens, 
und in den Wänden der Luneenkavemen Schwindsüchtiger angetroffen. (Akten der 
Kongresse von Magdeburg 1884, Berlin 1886 und 1891, Rom 1894 und Giomale deir 
Associazione dei medici e naturaJisti di Napoli 1891. Puntata 1.) 

Sporentragende, knospende und verzweigte Formen des TuberkelbaciJlus sind von 
Herrn Prof. Petrone im Exsudat der Leptomeningitis tuberculosa, von Maffucci, 
Nocard und Roux, Strauß, Metschnikoff, Babes, Klein in alten Kulturen 
des Tuberkelbacillus nachgewiesen worden. 

p. 484 hinter Zeile 47 ist nachstehendes Litteraturverzeichnis ein- 
zuschalten : 

Litteratnr. 

Schuchard und Krause, Das Vorkommen der Tuberkelbacillen bei fungOsen und 

skrofulösen Entzündungen. (Fortschr. d. Med. 1883. No. 9.) 
Koch, R.) Die Aetiologie der Tuberkulose. (Mitteil. a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte. 

Bd. II. 1884.) 
Demme, lieber die Häufigkeit der Tuberkulose und ihre hauptsächlichsten Lokali- 
sationen im Kindesalter. (Arch. f. Kinderheilk. Bd. V. 1884. p. 41-43.) 
Albrecht, Ueber das Wesen und die Behandlung der Skrofulöse, vom Standpunkte 

der neueren bacillären Forschungen aus betrachtet (Arch. f. Kinderheilk. Bd. Y. 

1884. p. 202-203.) 
Pellizzari, De la presence des bacilles de la tuberculose dans les gommes scrofu- 

loses. (Annal. du Dermat. 1884.) 
Müller, M., Ueber den Befund von Tuberkelbacillen bei fungösen Knochen- und Ge- 
lenkaffektionen. (Gentralbl. f. Ghir. 1884. No. 3.) 

, Zur Kenntnis der Kindertuberkulose. (Münch. med. Wochenschr. 1889.) 

Garr^, Ueber Drüsentuberkulose und die Wichtigkeit frühzeitiger Operation. (Zeitschr. 

f. Ghir. 1884.) 
Kanzler, Das Vorkommen der Tuberkelbacillen in skrofulösen Lokalerscheinungen. 

(Berl. klin. Wochenschr. 1884. No. 2—3.) 
Petrone, A., U bacillo di Koch neir essudato della leptomeningite tubercolare. (Atti 

deir Accad. Med. Ghir. di Napoli. 1884; Gazzetta degli Ospedaii. 1885. No. 8—9.) 
Gornil e Babes, Les bact^ries. Paris (F. AlcanJ 1885. 
Arloing, Essai sur la diff^renciation exp^rimentale de la scrofule et de la tuberculose 

humaines. (Revue de möd. T. VIL Paris 1887. p. 97.) 
£ve, The relation of strumous gland disease to tuDerculosis. (Brit med. Joum. 1887.) 
, Recherches exp^rimentales sur la relation de Paffection ganglionaire scrof. avec 

d'autres formes du tuberculose. (Brit med. Joum. 1888.) 
de Renzi , Sui rapporti tra la Bcrofolosi e la tubercolosi. (Rivista ciin. terap. 1887. No. 4.) 
Nocard e Roux, Sur la culture du bacille de la tuberculose. (Annal. de Past 1887.) 
de Rossi, La scrof ola, il bacillo di Koch etc. (Lo Sperimentale. 1888. Fase. 5.) 
Metschnikoff, Ueber die phagocytäre Rolle der Tuberkelriesenzellen. (Vir eh. Arch. 

Bd. GXIII. p. 63: Annal. de Past 1888.) 
Leloir, De la scrofule et de la tuberculose. (Bull. m4d. 1888.) 
Rabl, Aetiologie der Skrofulöse. (Jahrb. d. Kinderheilk. 1888.) 
Maffucci, Gontributo alla etiologia della tubercolosi. (Riforma med. 1890.) 
Wolgemuth, Zur Pathologe und Therapie der skrofulOs-tuberkulOsen Lymphdrüsen- 

geschwülste bei Kindern bis zu 10 Jahren. (Arch. f. Kinderheilk. Bd. XI. 1890.) 
Babes, Ann. de Tlnst de Path. et de Bact k Boucarest 1890. 
Klein, Zur Geschichte des Pleomorphismus des Tuberkuloseerregers. (GentralbL L 

Bakt etc. Bd. XII. 1890. p. 905.) 
Wyssokowitsch, Ueber das Verhältnis der Skrofulöse zur Tuberkulose. HL Kongr. 

russ. Aerzte in St Petersburg. (Arch. f. Kinderheilk. 1891.) 
Hamilton, Tuberkulose der Halslymphdrüsen. (Monatsh. f. Dermat Bd. XVI. 1893.) 
Schlenker, Untersuchungen über die Entstehung- der Tuberkulose der Halsdrüsen, 

besonders über ihre Bezienung zur Tuberkulose der Tonsillen. (Wiener med. Blätter. 

1893. p. 330.) 
Kruckmann, E., Ueber die Beziehungen der Tuberkulose der Halslymphdrüsen zu 

den Tonsillen. (Vir eh. Arch. Bd. GXXXVIH. 1894.) 
Strauß, La tuberculose et son bacille. Paris (Rueff & Go.) 1895. 



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Ascher, Der Einfluß der Gholeradosis auf die Immunisierung. 125 

Laser, H., üeber die Häufigkeit des Vorkommens von tuberkulösen Halsdrüsen bei 

Kindern. (Deutsche med. Wochenschr. 1896. No. 31.) 
Daran te, Trattato di patol. e terap. Ghir. Vol. IT. Roma 1896. p. 347. 
Rotholz, Neuere Ansäiauungen über Skrofulöse. (Therap. Monatsh. 1899.) 
Cornet, Die Tuberkulose. (NothnageTs spez. Pathol. Bd. XIV. Teil 3. Wien 1899.) 

p. 484 Zeile 1 von unten lies: Seitliche Enospungen. 

oben „ Efisiger Herd in einer subaxillaren Lymphdrüse. 

„ „ Schrfigschnitt 

„ „ Seitlidie Enospungen. 

„ „ Seitliche Knospungen. 

„ „ Supraclaviculftre Lymphdrüse. 

„ „ Seitliche Knospungen. 



n 


485 


9» 


1 


n 


99 


99 


19 


n 


99 


9» 


23 


9» 


99 


99 


30 


99 


99 


9? 


34 



Nachdruck verboten. 

Der Einflass der Gholeradosis auf die Immanisierong. 

[Aus dem hygienischen Institut der Universität Königsberg. 
(Direktor: Prof. Dr. R. Pfeiffer.)] 

Von Dr. Ascher, Königl. Stadtwundarzt in Königsberg i. Pr. 

Die Versuche der deutschen Pestkommission (1) hatten ergeben, daß 
bei der Pest zur Erzielung eines bestimmten Immunitätsgrades bei 
Ratten wie bei Affen eine bestimmte Dosis Pestkultur nötig war. Bei 
der in ihren immunisierenden Eigenschaften sonst so gut bekannten 
Cholera war diese Frage noch nicht untersucht worden, obgleich gerade 
hier die Versuchsbedingungen durch die früheren Arbeiten, speziell 
Pfeiffer 's und seiner Mitarbeiter, für eine quantitativ genaue Be- 
stimmung sehr günstige waren. 

Ich folgte daher gern der Anregung des Herrn Prof. Dr. Pfeif f er, 
eine üntersuchungsreäe über die immunisierende Wirkung abgestufter 
Gholeravaccindosen anzustellen. Es wurden junge Kaninchen von mög- 
lichst gleichem Gewicht gewählt; zur Immunisierung wurden 24-stflndige, 
bei 60^ im Trockenschrank abgetötete Choleraagarkulturen subkutan 
injiziert, am 8. Tage darauf wurde ihnen Blut entnommen, und das so 
gewonnene Serum auf Agglutinationsfähigkeit und spezifische Schutz- 
wirknng untersucht nach der von R. Pfeiffer ausgearbeiteten Be- 
dtimmungsmethode. Die hierzu benutzte Cholerakultur war so virulent, 
daß Vio Oese genügte, um Meerschweinchen von ca. 200 g in 
ca. 20 Stunden zu töten. Die Agglutination wurde näherungsweise in 
der Weise geprüft, daß von der Serummischung ein Tropfen auf ein 
Deckglas gebracht, und in diesem ein Minimum Cholera, das mit einer 
Platinnadel aus einer dünnen Kulturschicht entnommen und durch mehr- 
maliges Abstreifen an der Innenwand des Reagenzgläschens auf ein Ge- 
ring&giges reduziert war, sorgfältig verrieben wurde. Im hängenden 
Tropfen wurde sofort, dann nach 10 Minuten und, wenn noch keine Wir- 
kung zu sehen war, nach ^ j ^'^iHndXg'^m Aufenthalt im Brutschrank von 
37 <* untersucht (Die Schutzkraft wurde nach der bekannten Mischungs- 
methode von Pfeiffer in der Bauchhöhle eines ca. 200 g schweren 
Meerschweinchens geprüft.) 

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, daß das normale Kaninchenserum 
in einem Falle erst bei 300 mg, in zwei anderen noch nicht einmal bei 
dieser hohen Dosis eine Schutzwirkung — entsprechend den früheren An- 
gaben von R. Pfeiffer und Marx — ausübte. Die Vaccination auch 



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126 



Ascher, Der Einfluß der' Choleradosis auf die Immunisierung. 



mit der geringsten Choleradosis von ^/,o bezw. 7» Oese, entsprechend 
0,2—0,1 mg abgetöteter Choleramasse, reichte schon aus, um eine deut- 
liche, wenn auch sehr schwache spezifische Wirkung zu erzielen, einem 
Titre von 100 mg entsprechend. In diesen beiden Fällen, Tier 40 und 
39, war das Serurii vor der Injektion geprüft und wirkungslos befunden 



No. 


Gewicht 
in Grammen 


Dcöie 


Agglutination 


Titre in 
Milligramm 


16 


1550 


5 Agarröhren 


1:120 


unter 1 


15 


1400 


3 




200 


0,5 


33 


1640 


1 




170 


0,5 


13 


1300 


V, 




125 


3,0 


12 


1100 


v! 




100 


3,0 


22 


1200 


1 Oese 




100 


5,0 


11 


1410 


1 » 




120 


5,0 


37 


1310 


1 » 




:60 


3,0 


39 


1200 


Vs . 




:10 


100,0 


40 


1070 


Vx! „ 




:20 


100,0 



Normales Serum 



38 


2170 


39 


1200 


40 


1070 



unter V^o 
unter Vio 



300,0 
über 300,0 
über 300,0 



worden. Wesentlich höher steigt die Schutzkraft durch Injektion voa 
1 Oese und zwar auf 3-5 mg. Nimmt man — das Agarröhrchen zu 
15 Oesen oder 30 mg gerechnet — 3^/^ Oesen == V4 Agarröhrchen 
oder 7,5 Oese =7» Agarröhrchen, so erhält man keine höhere Schutz- 
kraft. Wohl aber stieg diese ganz wesentlich — 0,5 mg — wenn man 
1 Agarröhrchen injizierte, und erreichte hier eine Höhe, die auch durch 
3 Agarröhrchen (0,5 mg) nicht übertroflfen, durch 5 Agarröhrchen 
(1,0 mg) noch nicht erreicht wurde. Aus alledem ersieht man, daß,., 
wenn auch die Menge des injizierten Virus, also des gesetzten Reizes, 
eine Rolle spielt, die Individualität des Tieres von wesentlicher, leider 
noch nicht berechenbarer Bedeutung ist. Das zeigt sich schon in dem 
Umstände, daß, obgleich wir eine ebenso virulente Cholera hatten, wie 
Pfeiffer und Marx (1. c), wir doch so hohe Schutzwerte, wie die 
beiden Autoren beschrieben haben, niemals erreichten. Letztere hatten 
allerdings etwas stärkere Tiere, von etwa 2000 g; als wir hier aber 
auch einmal ein so starkes, allerdings wohl nicht mehr ganz junges. 
Tier, zur Immunisierung erhielten, versagte diese völlig, so daß wir es 
vorzogen, dieses Tier — es hatte eine Oese bekommen — aus der 
Tabelle wegzulassen. Möglicherweise ist auch das größere Alter unserer 
Kultur, die von der früher von Pfeiffer und Marx benutzten Kultur 
abstammt, an der geringeren immunisierenden Wirkung schuld. 

Wollte man aus dem Umstände, daß bei steigenden Virusdosen in 
unserer Untersuchungsreihe häufig ein höherer Immunitätsgrad erzielt 
wurde, einen Schluß zu Gunsten der von Buchner (3) geäußerten 
Theorie ziehen, daß die Schutzstoffe des Serums immunisierter Tiere 
^entgiftete^ Bakterienmassen seien, so müßte dem entgegengehalten 
werden, daß K olle (4) bei der Immunisierung von Menschen gegen 
Cholera gefunden hatte, daß eine einzige Oese abgetöteter Kultur zur 
Erzielung eines Titres von 0,00015 g genügte. Bei dem um so vieles. 



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Galli-Valerio, Les vapeurs de formaline contre la loque des abeilles. 127 

kleineren Kaninchen dagegen war durch eine Oese nur ein Titre von 
0,005 erzielt worden. Ebenso konnte die Pestkommission (1. c. p. 319) 
nachweisen, daß zur Erzielung desselben Immunitätsgrades beim Afifen 
nur die Hälfte der für die viel kleinere Ratte nötigen Virusmenge aus- 
reichte. Man kann die Immunität nicht anders auffassen, als daß sie 
der Effekt eines bestimmten Reizes auf den nach Rasse und auch Indi- 
viduum verschieden reagierenden Organismus ist. 

Was die Agglutination betrifft, so zeigt die Tabelle, daß ein 
Verhältnis zwischen injizierter Virusmenge und Agglutinationskraft oder 
zwischen letzterer und Schutzkraft sich kaum konstruieren läßt. 

Herrn Prof. Dr. Pfeiffer gestatte ich mir für Anregung und Hilfe 
bei dieser Untersuchung meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Utteratnr. 

1) Bericht über die Thätigkeit der zur Erforschung der Pest im Jahre 1897 nach Indien 
entsandten Kommission, erstattet von Gaff ky, Pf eif fer, Sticker, Dieudonn^. 
Berlin (Springer) 1899. 

2) Pfeiffer und Marx, Die Bildungsstätte der Choleraschutzstoffe. (Zeitschrift für 
Hygiene und Infekt Bd. XXVÜ. 1898.) 

3) Buchner, Ueber Immunität und Immunisierung. (Münchener med. Wochenschr. 
1894. No. 37.) 

4) Kolle, Experimentelle Untersuchungen zur Frage der Schutzimpfung des Menschen 
gegen Cholera asiatica. (Deutsche med. Wochenschr! 1897. No. 1.) • 



y achdruck verboten. 

Les vapeurs de formaline contre la loque des abeilles. 

[Laboratoire d'hygi^ue exp^rimentale et de parasitologie de Lausanne.] 
Par le Dr. Bruno ftalli-Valerio, 

Prof. k la Facult^ de m^decine de Lausanne. 
Avec 2 figures. 

La loque des abeilles (fool brood des Anglais; Faulbrut des 
AUemands) c'est une maladie bact^rienne due ä B. a 1 v e u Elle attaque 
surtout les larves qui succombent et se pr^sentent jaunes et flasques. 

En 1899, pri6 par Mr. Gross, apiculteur de Salvan (Ct. Valais, 
Suisse), de vouloir bien rechercher un remfede contre cette maladie 
qui faisait des ravages dans son rucher, j'ai eu Tidöe d'ötudier Taction 
des vapeurs de formaline. 

J'ai employ6 pour mes recherches, un rayon de miel fortement atteint 
par la loque. Dans les larves jaunaitres et flasques, on trouvait en effet 
de trfes nombreux bacilles ä bouts arrondis de 3,5—4—10X0,8 /t dont 
plusieurs renfl6s en fuseau et contenant une spore. Au point de vue 
morphologique et des cultures, ces bacilles presentaient tous les carac- 
täres du B. alvei. 

J'ai suspendu un morceau de ce rayon de la dimension de 
ccm 6X7X4 dans une cloche en verre de 5 lt. et je Tai expos6 aux d6- 
gagements des vapeurs des pastilles de formaline brül^es dans une 
lampe Hygiea, pendant V4 d'heure. Aprfes ce traitement, j'ai fait 
des cultures en plaques avec des larves contenues dans ce morceau en 
mSme temps que des cultures de contröle avec des larves prises dans 
le reste du rayon non expos^ aux vapeurs de formaline. 



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128 Gaili-Valerio, Los vapeurs de formaline contre la loque des abeilles. 

Tandis que les premiferes plaques sont rest^es steriles, les aatres 
ont donn£ de trfes nombreuses colonies. 

Cette expfirience r6p6t6e, m'a donn6 le möme rßsultat satisfaisant 

EncouragÄ par ces rfisultats, j'ai pri6 Mr. Gross de r6p6ter mes 
exp^riences directement sur une räche infectöe, surtout dans le bat de 
constater si les vapeurs de formaline, tout en ayant une action favorable 
contre la loque, n'en avaient pas une nuisible sur les abeilles et sur 
le miel. 

Les r^sultats obtenus par Mr. Gross ont 6t6 tout de suite trfes 
favorables, comme le d^montrent plusieurs lettres qu'il m'6crivit et 



Fig. 1. 

nn travaiP) dans lequel il affirmait: ^Je suis maintenant absolument 
convaincu, que la formaline est le vrai remfede et qu'en me le con- 
seillant, Mr. le Dr. Galli -Valerie a rendu un immense service k 
l'apiculture.'' 

II s'agissait alors de trouver une lampe ä la formaline facile i 
appliquer aux ruches. 

Avec la coUaboration de Mr. Pilet, m^canicien de TEcole de chimie 
de Lausanne, j'ai pu pr^parer la lampe dont je donne ici la description 
et la Photographie. 

1) Revue internationale d'agriculture. 31. Aoüt 1899. 

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Th. Paul, Die Anwendung des W. Ostwald'schen Thermoregulators etc. 129 

G'est nne lampe en laiton, cylindrique mesurant de la base au 
sommet 15 cm de haut, et Präsentant un diamfetre de 5 cm environ 

(fig. 1). 

Elle peut gtre däcomposße en 3 pi^ces, qui se reunissent entre elles 
par simple embottement. 

Une des pi&ces forme la base (a) et eile est r6pr6sent6e par une 
lampe k alcool de la capacit6 de 25 ccm. Sur cette lampe en b s'em- 
boite un cylindre perc6 k jour (6— c) dans lequel, en c, s'embolte la 
3e pi^ce: la chaudi&re {e-d). Cette chaudidre, de la capacit^ de ca. 65 
est ferm6e k la partie sup6rieure par un couvercle qui se visse (e^d). 
Ce couvercle est pourvu en d d'une soupape de suret^, et porte un 
trou dans lequel se visse un tube (/*— flf), coud6 k rextr6mit6 libre, dont 
la partie droite est longue de 9 cm et celle courb^e de 4 cm. 

Sur Textr^mit^ de ce tube, en g se visse une pomme d'arrosoir, de 
€m IVs de diam^tre. Le couvercle de la chaudifere, porte viss6 k la 
partie inf^rieure, un godet h—i (fig. 2) avec une couronne de trous 
«t qui peut recevoir 2 ou 3 pastilles de formaline. 

Voici comme cette lampe fonctionne: On remplit la lampe d'alcool, 
on place dans la chaudifere 10 g d'eau et 2 g de formaldehyde du com- 
merce k 40 %, on bien 15 g d'eau et une pastille de formaline dans 
le godet, on sdlume: apr^s 5 minutes les vapeurs de formaline se d^- 
gagent et le d^gagement dure 30 minutes. Dds que les vapeurs se d^- 
gagent, on introduit le tube f—g dans un trou postörieur de la ruche et 
on laisse fonctionner. II est inutile de remarquer, que la d^sinfection 
d'une ruche k la formaline, ne peut se faire que par des vaporisations 
snccessives, car une d^sinfection k fond, fermant toutes les ouvertures, 
tnerait les abeilles. 

Mr. Gross, qui a exp6riment6 cette lampe, m'6crivait qu'ä part quel- 
ques petites niodincations de detail, la lampe lui semblait parfaite. 

Des morceaux de rayons loqueux, provenant de ruches trait6es 
par la formaline et qui me furent envoySs par Mr. Gross, ne me 
donn&rent point de cultures. 

Mr. Gross, saus m'avertir, s'est pr^sent^ au concours international 
de la Soci6t6 d'agriculture de France, et il a obtenu, pour mon proc6d6 
de traitement de la loque par la formaline, la m^daille d'or. 

Lausanne, Janvier 1901. 



Nachdntek verboten. 

Die Anwendung des W. Ostwald'schen Thennoregalators 

für Brutschränke. 

Von Dr. Theodor Paul. 

a. 0. Professor a. d. Universitftt Tübingen. 
(Mit 1 Abbildung im Texte.) 

Vor einer Reihe von Jahren hat W. Ostwald^) einen Thermoregu- 
lator fOr Wasser- und Heißluftthermostaten beschrieben, der wegen seiner 



1) Ostwald, W., üeber Apparate zur Bestimmung der elektrischen Leitfähij^keit 
Ton Elektrolyten. (Zeitschrift für physikalische Chemie. Bd. IL 1888. p. 561.) — ^ eigl. 
auch Ostwaid, W., Hand- und Hilfsbuch zur Ausführung physiko-chemischer Messungen. 
Leipzig 1893. p. 66. 

EHt» Abt. XXIX. Bd. 9 



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130 Theodor Paul, 

großen Einfachheit und außerordentlichen Leistungsfähigkeit allgemein 
Eingang in die chemischen Laboratorien gefunden und die zahlreichen 
zu gleichem Zwecke konstruierten Apparate verdrängt hat. Leider 
werden die für bakteriologische Untersuchungen konstruierten Thermo- 
staten oder Brutschränke von den Fabrikanten in der Regel noch mit 
Tbermoregulatoren ausgerüstet, die, abgesehen von ihrem hohen Preise 
und komplizierten Bau, der sehr leicht zu Störungen Anlaß giebt, den 
Nachteil haben, daß die Absperrung der Gaszufuhr bei Erreichung der 
Maximaltemperatur nicht plötzlich, sondern ganz allmählich erfolgt, und 
infolgedessen die Empfindlichkeit sehr zu wünschen übrig läßt. Bei 
den meisten derartigen Apparaten ist ferner die Erneuerung des Queck- '. 
Silbers, welche wegen des Schwefelgehaltes des Leuchtgases von Zeit 
zu Zeit erfolgen muß, mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft. Alle 
diese Mängel kommen beim st wald 'sehen Regulator in WegfalL 
Ich habe denselben bei meinen in Gemeinschaft mit Herrn Privat- 
docenten Dr. B. Krön ig in Leipzig angestellten Untersuchungen über 
die Beziehungen der Konstitution gelöster Desinfektionsmittel zu deren 
bakterientötender Wirkung, welche sich über mehrere Jahre erstreckten, 
und auch bei den in der neueren Zeit mit Herrn Prof. Dr. 0. Sarwey 
in der hiesigen Universitätsfrauenklinik ausgeführten Experimentalunter* 
suchungen über Händedesinfektion benutzt und für sehr brauchbar be- 
funden, und ich glaube den Fachgenossen einen Dienst zu erweisen^ 
wenn ich den Apparat in der für Brutschränke geeigneten Form an 
dieser Stelle beschreibe. 

Beschreibung des Thermoregulators. Wie aus neben- 
stehender Abbildung hervorgeht, besteht der Apparat aus einem langen 
cylindrischen Gefäß, welches in den mit Wasser gefüllten Raum zwischen 
der äußeren Wand und dem Brutraum des Brutschrankes gebracht 
wird und dessen Länge und Durchmesser sich nach den Größenverhält- 
nissen desselben richtet. Bei einem großen ovalen Rohrb eck 'sehen 
Thermostaten, dessen innerer nutzbarer Raum 65 cm hoch, 60 cm breit 
und 30 cm tief ist, beträgt z. B. die Länge des Rohres ca. 1 m und die 
äußere Weite ca. 2—3 cm. Bei kleineren Brutschränken, deren Dimen- 
sionen die Anwendung eines so langen Rohres nicht gestatten, wählt 
man dasselbe etwas weiter. Dieses cylindrische Gefäß ist nicht, wie bei 
vielen Apparaten ähnlicher Konstruktion mit Luft oder Dampf, deren 
Volumen außer von der Temperatur auch noch vom jeweiligen Barometer- 
stand abhängt, sondern mit einer 10-proz. Chlorcalciumlösung (auf das 
wasserfreie Salz CaCIs berechnet) gefüllt, welche sich bei den hier in 
Betracht kommenden Temperaturen gleichförmiger und stärker wie 
Wasser ausdehnt Organische Flüssigkeiten, wie Alkohol, Aether, Toluol 
etc., haben zwar größere Ausdehnungskoeffizienten, eignen sich aber im 
vorliegenden Falle nicht, weil sie allmählich durch die Glasschliffe dringen 
und verdunsten. Die Anwendung des Ghlorcalciums bietet außerdem 
noch den Vorteil, daß die wässerige Lösung infolge der hygroskopischen 
Eigenschaften beim Eindunsten kein festes Salz ausscheidet und daß 
dadurch die Schliffe des Apparates nicht gelockert bezw. so fest ver- 
bunden werden, daß das Auseinandernehmen beim Reinigen erschwert 
wird. Dieses cylindrische Gefäß steht durch einen schwach konischen 
Schliff mit einem Aufsatz in Verbindung, der oben eine durch einen 
Glashahn verschließbare trichterförmige Erweiterung und seitlich ein 
U-förmiges^ teilweise mit Quecksilber gefülltes Rohr trägt In einer am 



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Die Anwendung des W. OstwaJd'schen Thermoregulatora für Brutschränke. 131 



aufsteigenden Schenkel dieses U-Rohres angebrachten Erweiterung ist 
das rechtwinkelig gebogene Gaszuleitungsrohr mittels eines Korkes be- 
festigt; der Abfluß des Gases nach dem Brenner findet durch eine seit- 
lich angeschmolzene Glasröhre statt. Die Wirkung des Regulators be- 
ruht darauf, daß die durch die Erwärmung des Brutschrankes hervor- 
gerufene Volumänderung, der Chlorcalciumlösung auf die Quecksilber- 
säule im U-Rohr übertragen wird, welche bei einer beliebig zu wählen- 
den Temperatur das Gaszuflußrohr 



verschließt „Das untere Ende des 



Leuchtgas 



I 

Zum 
Brenner 



ru 



Zuleitungsrohres ist bisher merkwür- 
digerweise so konstruiert worden, daß 
der Regulator recht unempfindlich, 
d. h. unbrauchbar wird, indem man es 
schräg abgeschnitten oder mit seit- 
lichen Schlitzen versehen hat, so daß 
eine beträchtliche Bewegung des 
Quecksilbers dazu gehört, um eine 
wesentliche Aenderung der zufließen- 
den Gasmenge hervorzurufen. Es ist 
offenbar am rationellsten, das Zufluß- 
rohr vollkommen eben abzu- 
schneiden, so daß es durch eine ganz 
geringe Hebung des Quecksilbers ver- 
schlossen, durch eine ebenso geringe 
Senkung wieder freigegeben wird/ 
Um das völlige Verlöschen der Heiz- 
flamme beim Absperren der unteren 
OeflFnung des Gaszuleitungsrohres zu 
vermeiden, ist einige Centimeter ober- 
halb derselben eine kleine seitliche 
Oeffnung angebracht, „die eben weit 
genug ist, um ein kleines Flämmchen 
zu speisen". Diese OeflFnung ist in 
der Abbildung durch einen schwarzen 
Punkt angedeutet. 

Gebrauchsanweisung. Man 
füllt das cylindrische Gefäß mittels 
eines Trichterrohres oder durch vor- 
sichtiges Eingießen mittels einer 
Schnabeltasse mit der lO-proz. wäs- 
serigen Chlorcalciumlösung (auf das 
wasserfreie Salz CaCl, berechnet) und 
setzt den sorgfältig gereinigten und 

gut getrockneten Aufsatz auf. Die beiderseitigen Schliflfe wie auch der 
Glashahn sind vorher mit Wachssalbe (Unguentum cerei) oder einem 
anderen geeigneten, nicht zu niedrig schmelzenden Material einzufetten. 
Dann bringt man mit Hilfe einer in der Flamme des Bunsenbrenners 
an einer Seite ausgezogenen Gasröhre so viel reines und trockenes 
Quecksilber in das Ü-Rohr, daß es in den Schenkeln ca. 2 — 3 cm hoch 
steht, führt dasselbe dünne Glasrohr durch die OeflFnung des Hahnes 
und füllt den Raum unterhalb desselben bis zum Niveau des Quecksilbers 
vollkommen mit der Chlorcalciumlösung an. Hierauf setzt man das 

9* 



W. Ostwald *B Thermoregulator für Brut- 
schränke eingerichtet. 



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132 Th. Paul, Die Anwendung des W. Ostwald'schen Thermoregulators etc. 

rechtwinkelig gebogene Gaszuleitungsrohr ein, verbindet das Abflußrohr 
mit dem Brenner, und läßt das Leuchtgas eintreten. Jetzt schiebt man 
das Gaszuleitungsrohr so weit herab, daß seine untere Oefifnung vom 
Quecksilber verschlossen wird, und sieht nach, ob die durch die Seiten- 
öfifnung ausströmende Gasmenge zur Unterhaltung der Flamme genügt 
Durch Verschließen dieser Notöfifnung mit Siegelack und Durchbohren 
des Verschlusses mit einem heißen dünnen Draht läßt sich die Flammen- 
größe beliebig regeln. Schließlich zieht man das Gaszuleitungsrohr 1 — 2 
mm über das Niveau des Quecksilbers empor, stellt die Maximalhöhe 
der Heizflamme ^) fest, bei welcher sie nicht rußt, und heizt den Brut- 
schrank an, wobei der Hahn des Thermoregulators zunächst offen bleibt 
Nachdem die gewünschte Temperatur bis auf einige Zehntelgrade er- 
reicht ist, schließt man denselben und bewerkstelligt die feinere Tempe- 
raturregulierung durch geringes Heben oder Senken des Gaszuleitungs- 
rohres. Der Thermoregulator funktioniert am besten, wenn bei der 
gewünschten Temperatur das Quecksilber in beiden Schenkeln ungefähr 
gleich hoch steht Die trichterförmige Erweiterung über dem Glashahn 
wird zur Hälfte mit etwas Chlorcalciumlösung oder Glycerin gefüllt 
Soll der Brutschrank auf eine niedrigere Temperatur eingestellt oder 
die Flamme ganz gelöscht werden, ist der Glashahn zu öffnen, weil 
sonst das Quecksilber in das cylindrische Chlorcalciumrohr übersteigt. 

Da die wässerige Chlorcalciumlösung bei der Herstellung und beim 
Aufbewahren immer Luft absorbiert, die bei der höheren Temperatur 
des Brutschrankes wieder abgegeben wird, sammeln sich in den ersten 
Tagen der Benutzung an den Wänden des cylindrischen Gefäßes und 
unterhalb des Glashahnes kleine Luftbläschen an, die durch die damit 
verbundene Volumvermehrung die Temperatur des Schrankes etwas 
herabsetzen. Es ist deshalb zweckmäßig, die Chlorcalciumlösung kurze 
Zeit zum Sieden zu erhitzen und noch warm in den Apparat einzufüllen. 
Anderenfalls kann man auch die an den Wänden des cylindrischen Ge- 
fäßes haftenden Luftbläschen durch sanftes Klopfen in die Höhe treiben 
und durch Nachfüllen von Chlorcalciumlösung gänzlich verdrängen. 
Der Raum unterhalb des Glashahnes muß gänzlich mit Flüssigkeit an- 
gefüllt sein, sonst funktioniert der Regulator nur ungenau. 

Schon oben wurde bemerkt, daß das Leuchtgas stets mehr oder 
weniger schwefelhaltig ist; infolgedessen bildet sich, wie bei jedem 
Thermoregulator mit Quecksilberverschluß, auf der Oberfläche des Queck- 
silbers eine dünne Schicht Schwefelquecksilber (HgS), welches in 
größeren Zeitabschnitten (alle 6 — 12 Monate je nach dem Schwefel- 
gehalt des Leuchtgases) beseitigt werden muß, so bald der Gang des 
Apparates dadurch gestört wird. Hierzu hebt man den oberen Teil des 
Apparates vom cylindrischen Gefäß ab, gießt das Quecksilber aus und 
reinigt das Ü-Rohr und den unteren Teil des Gaszuleitungsrohres, 
welches in der Regel ebenfalls geschwärzt ist, mit warmem Königswasser 
oder starker Salzsäure, der etwas chlorsaures Kalium zugesetzt wird. 

Die mit diesem Thermoregulator erzielte Temperaturkonstanz ist 

1) Zum Schutze vor Feuersgef&hr ist es zweckmäßig, zu den Gaszuleitungsröhren 
von der Hauptleitung zum Thermoregulator und von diesem zum Brenner nicht Gummi- 
oder Kautschukschläuche, sondern dünne Bleiröhren zu verwenden. Erstere werden mit 
der Zeit brüchig und bekommen oft ganz spontan Risse. Nur zu den kurzen Verbin- 
dungen zwischen Blei- und Glasrohr sind gute und dickwandige Kautschukschiäuche zu 
verwenden. 



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Original-Beferate aus den Sitzungen gelehrter Gefiellschaften. 133 

größer, als wie sie im allgemeinen für Bratschränke erforderlich ist, denn 
sie liegt noch innerhalb eines V20 Grades. Um die Temperatur des 
Brutraumes genügend konstant zu erhalten, muß sich aber das ihn um- 
gebende Wasser durch passende Vorrichtungen in beständiger Cirku- 
lation befinden; bei einem fehlerhaft konstruierten Brutschrank nützt 
auch der beste Thermoregulator nichts. Der oben beschriebene Apparat, 
bei welchem es vor allem auf die tadellose Ausführung der Glasschliffe 
ankommt, wird von der Fabrik bakteriologischer, chemischer und tech- 
nischer Apparate von Dr. Hermann Rohrbeck, Berlin NW., Karl- 
strafie 20a, zum Preise von 6 Mk. in den Handel gebracht. Bei der 
Bestellung ist die Länge und der Durchmesser des cylindrischen Chlor- 
calciumrohres anzugeben. 



Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

Nachdruck verboten» 

Die südafrikanische Fferdekrankheit. 
Fattiologie und Mettioden der Schntzimpfang. 

Von Alexander Edln^n, M.B., M.C., F.RS.E., 

Direktor des Golonial bacteriological institute, Cape Golony. 
Mitgeteilt durch Sir David Gill, F.R.S, 

Diese Krankheit ist, soweit bekannt, Südafrika eigentümlich. 

Während sie Transvaal und Rhodesia jedes Jahr befällt (sie beginnt 
gegen Ende Oktober und dauert bis zum folgenden Mai oder selbst 
länger), dringt sie in die Kapkolonie und nach Natal nur in epizootischer 
Form in gewissen Jahren ein, obgleich jährlich in gewissen Gegenden 
sporadische Fälle vorkommen. 

Betroffene Tiere. Sie ergreift Pferde, Esel, Maultiere, und man hat 
behauptet (obgleich ich solche Fälle niemals gesehen habe), daß auch 
Quaggas von ihr getötet worden sind. 

Eine Krankheit, die in beschränkter Ausdehnung unter dem Rind- 
vieh vorkommt, von den Eingeborenen Imapunga genannt, und eine 
andere, die als weitverbreitetes Uebel unter Schafen und Ziegen von 
feiner Zucht in der östlichen Provinz der Kapkolonie auftritt, sind beide 
nach ihrer Pathologie mit dieser Krankheit eng verwandt. 

Verseuchte Gegenden. Die gefährlichsten Gegenden sind die ver- 
hältnismäßig niedrig liegenden — abgesehen von der absoluten Höhe des 
Distrikts. 

Zeit der Infektion. Man hat allgemein beobachtet, daß da, wo man 
den Tieren während einer Trockenperiode nicht erlaubt, nach Sonnen- 
untergang und ehe die Sonne den Thau vom Grase abgetrocknet hat, 
auf die Weide zu gehen, diese nicht so häufig erkranken, als da, wo ein 
solches Verfahren nicht geübt wird. 

Im Stall gehaltene Pferde sind in der Regel sicher, aber im letzten 
Jahre starben 60 Proz. der im Stall gehaltenen Pferde in Eschowe (Zulu- 
land) an dieser Krankheit. Der Veterinärleutenant Coley, A.V.D., der 
freundlichst diese Beobachtungen für mich machte, stellte fest, daß 
diese Pferde hauptsächlich mit Guinea- und Übaaba-Gras gefüttert 



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134 Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

wurden, mit Mais gemischt Dieses Gras wurde gewöhnlich am Abend 
geschnitten und bis zum nächsten Tage in Bündeln gelassen. Sorgfältige 
Leute, die das Gras vor dem Gebrauch gut an der Sonne trockneten, 
verloren ihre Pferde nicht, während die Nachlässigen schwere Verluste 
hatten. 

Die Krankheit ist nun direkt ansteckend, denn während inokulierte 
Pferde in meinen Ställen unter gesunden Tieren gestorben sind, habe 
ich während mehr als 7-jähriger Beobachtungen niemals einen Fall von 
Infektion durch eine solche Ursache gefunden. 

Die jährliche Sterblichkeit in Rhodesia und den tiefliegenden Teilen 
von Transvaal beträgt über 90 Proz. 

Von der Krankheit genesene Tiere nennt man „gesalzen'^ und ihr 
Marktwert hat um das 6— 10-fache zugenommen. 

Sekundäres Fieber. 
„Gesalzene" Tiere sind späteren Fieberanfällen unterworfen, die mit 
frischer Infektion nicht in notwendiger Verbindung stehen. Ich habe 
zahlreiche Fälle dieser Art unter den „gesalzenen'' Tieren selbst beob- 
achtet, und zu Zeiten, wo die Krankheit unbekannt war. 

Symptome der Krankheit. 

Sie erscheint unter zwei Formen, der Dickopziekte (Holländisch, 
Dickkopfkrankheit), wobei der dicke Kopf am auffallendsten ist, und der 
Dunpaardeziekte (dünne Pferdekrankheit), bei der der Kopf wenig oder 
gar nicht geschwollen ist. Bei der ersteren schwellen Kopf und Hals 
enorm und zeigen so während des Lebens die Krankheit deutlich an. 
Bei der letzteren Form erscheinen in der Regel keine Symptome bis 
kurz vor dem Tode, wo das Tier schnell atmet und mit den Seiten 
schlägt. Im Augenblick des Todes wird bei beiden Formen eine große 
Wolke von weißem Schaum aus Maul und Nase ausgeworfen. Dieser 
Schaum wird durch freie Ausschwitzung von Blutplasma in die Luftwege 
hervorgebracht. 

Die Thatsache, daß die an Dunpaardeziekte leidenden Tiere bis 
gegen das Ende der Krankheit kein Symptom davon zeigen, hat die 
Meinung veranlaßt, daß der ganze Verlauf der Krankheit auf wenige 
Stünden beschränkt sei. 

Post mortem-Erscheinungen. 

Das Pericard ist fast immer mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, 
welche gewöhnlich klar, bisweilen aber blutig gefärbt ist. Geronnenes 
gelatinöses Exsudat findet sich oft am Anfang der Aorta. Die Pleura- 
höhle ist oft mit gelber Flüssigkeit gefüllt und auch die interlobulären 
und subpleuralen Gewebe werden häufig durch diese Substanz ausge- 
dehnt. Das interlobuläre Gewebe ist oft durch Exsudat so stark aus- 
gedehnt, daß das eigentliche Lungengewebe in allen Richtungen zer- 
schnitten ist. Die subkutanen Gewebe, besonders um die großen Gefäße 
am Halse, findet man gewöhnlich mit diesem Exsudat gefüllt, während 
bei der Dickopziekte die Geschwulst des Kopfes und Halses von diesem 
Ergüsse herrührt. 

Die gelbe Flüssigkeit des Pericards und der Pleura gerinnt von 
selbst bei Gegenwart der geringsten Spuren von Blut. 



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Ori^nal-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 135 

Dies sind die am meisten charakteristischen pathologischen Zu- 
stände, die man bei dieser Krankheit findet; das Fehlen von einem ist 
sehr auffallend, nämlich von entzündlichen Erscheinungen. Die patho- 
logischen Phänomene sind daher zum größten Teil der ungeheuren Ex- 
sudation von Blutplasma zuzuschreiben, welches man zwar auch mehr 
oder weniger in den serösen und subkutanen Geweben findet, aber am 
auffallendsten in der Brusthöhle. 

In meinem jährlichen Berichte als Direktor des Colonial Bacterio- 
iogical Institute habe ich die pathologische Anatomie eingehender be- 
handelt 

Inokulationsexperimente. 

Um auf gesunde Tiere die Infektion von schon erkrankten zu über- 
tragen, ist dreierlei Material benutzt worden, nämlich: 

1) die gelbe Flüssigkeit aus der Trachea infizierter Tiere, 

2) die gelbe Flüssigkeit aus dem Pericard infizierter Tiere, 

3) das Blut infizierter Tiere. 

Die Anwendung der beiden ersten Flüssigkeiten hat nicht immer die 
Krankheit hervorzubringen vermocht, aber frisches, virulentes Blut war 
immer erfolgreich. 

Anwendungsweisen dieses Materials. 

a) durch subkutane Einspritzung, 

b) durch Einziehen eines mit der Flüssigkeit getränkten Haarseils 
unter die Haut, 

c) durch Eingeben der Dosis im Getränk. 

Auswahl der Stellen. 

a) Einbringen unmittelbar in die Lunge mittels einer hypodermischen 
Nadel durch einen Intercostalraum, 

b) in das subkutane Gewebe des Halses, 

c) in das subkutane Gewebe der Seite, ' 

d) intravenös. 

Jede dieser Methoden ist gleich brauchbar, aber bei der intra- 
venösen Methode ist die Inkubationsperiode etwas kürzer. 

Inkubationsperiode. 

Wenn die Krankheit durch Inokulation von 2—3 ccm Blut von 
einem Tiere verursacht wurde, das an der Krankheit von selbst ge- 
storben ist, so vergeht eine mittlere Zeit von 8—9 Tagen, worauf die 
Temperatur zu steigen anfängt Das Steigen ist allmählich, mit Re- 
missionen während der Nacht, erreicht aber in der Regel 106® F 
(40,1 ^ C) vor dem Tode, der gewöhnlich nach 4- oder 5-tägigem Fieber 
eintritt. 

Aufbewahrung des Virus. 

Nachdem ich die Infektion auf eine Reihe von Tieren übertragen 
hatte, fand ich es möglich, das Virus ungeschwächt lange Zeit hindurch 
aufzubewahren. 

Ich sammelte das Blut der Tiere in Flaschen von 800 ccm Inhalt. 
Diese Flaschen wurden zubereitet, indem man in sie 50 ccm einer 10- 
proz. Lösung von neutralem, citronensaurem Kali einführt und den Hals 
mit Baumwolle verstopft. Diese Flaschen werden vor dem Gebrauche 



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136 Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

in dem Antoklaven sterilisiert Nachdem sie gefüllt sind, verhindert das 
Citrat die Gerinnung des Blutes, die körperlichen Teile fallen nieder 
und das mehr oder weniger klare Plasma bleibt darüber stehen. Von 
letzterem wird die Hälfte seines ursprünglichen Volumens abgegossen 
und durch eine 50-proz. Lösung von Glycerin in Wasser ersetzt, mit 
Zusatz von 0,25 Proz. reiner Karbolsäure. Diese Mischung erhält ihre 
Virulenz ganz unversehrt über 2 Jahre lang. 1 ccm von diesem Material 
bringt die Krankheit in ihrer charakteristischen Form hervor, aber wenn 
man die Dosis auf 3 oder 5 ccm erhöht, wird die Inokulationsperiode 
abgekürzt und die Erscheinungen nach dem Tode sind weniger charak- 
teristisch. 

Bei meinen Beobachtungen habe ich gefunden, daß die subkutane 
Injektion von frischem oder gut erhaltenem Pferdekrankheit-Blut wäh- 
rend des Lebens Symptome hervorbringt und nach dem Tode patho- 
logische Veränderungen verursacht, die von denen nicht zu unterscheiden 
sind, die man bei von selbst auftretenden Fällen der Lungenform der 
Krankheit antrifift. Es ist ziemlich auffallend, daß die einzigen Fälle^ 
in denen es mir gelang, die Dickkopfform hervorzubringen, diejenigen 
waren, in denen das von mir angewendete Virus etwas septisch war. 
Aber wenn ich virulentes, aufbewahrtes Blut in zum Teil geschützte 
Tiere injizierte, brachte ich in einer Anzahl von Fällen, wenn auch nicht 
in allen, diese Form hervor. Auch in 3 Fällen, wo das Virus so weit 
verdünnt war, daß es nicht den Tod, sondern eine längere Fieberperiode 
erzeugte, als in tödlichen Formen vorkommt, habe ich die Dickkopfform 
auftreten sehen. 

Wirkung der Austrocknung des Virus. 
In dicker Schicht getrocknetes, mit citronensaurem Salz versetztes 
Blut hatte seine Virulenz verloren. Wenn aber solches Blut auf Glas- 
platten in sehr dünner Schicht schnell getrocknet wurde, fand ich, 
daß, wenn 2 g davon in Salzlösung aufgenommen und Pferden ein- 
gespritzt wurden, diese Fieber bekamen, aber nicht in virulenter Form. 
Das so erzeugte Fieber gewährte keinen wesentlichen Schutz gegen eine 
später inokulierte Dosis von virulentem Blut. Schwache Anfälle von 
Pferdekrankheit gewähren keinen hinreichenden Schutz, um virulentem 
Blute widerstehen zu können. 

Experimente in Bezug auf Schutzimpfung. 

Die gelbe Flüssigkeit aus dem Pericard eines an der Krankheit ge- 
storbenen Tieres wurde durch ein Paste ur-Filtrum filtriert. 100 ccm 
des Filtrats wurden subkutan einem Pferde injiziert. 11 Tage später 
wurden ihm 3 ccm von dem präservierten Blute subkutan eingespritzt. 
Der Erfolg, welcher auf den Tod an der gewöhnlichen Pferdekrankheit 
hinauskam, bewies, daß die filtrierte Flüssigkeit keine Schutzwirkung aus- 
geübt hatte. 

Wirkung des Kalomels. Diese Droge, in der Dosis von 30 — 40 Gran 
täglich, hatte die Wirkung, den Tod zu verzögern, und das solchen 
Tieren später als zu der gewöhnlichen Todeszeit entzogene Blut hatte 
deutlich an Virulenz verloren. Solches Blut hat mehrmals, wenn auch 
nicht immer, Anfälle der Krankheit veranlaßt, von denen die Tiere nicht 
nur genasen, sondern wodurch sie auch Schutz gegen später injiziertes 
virulentes Blut erwarben. 



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Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 137 

üebertragung der Krankheit auf andere Tiere. 

a) Esel Auf subkutane oder intravenöse Injektion in Esel mit 
frischem, virulentem Blut folgt Fieber. Die Anfangsperiode ist unregel- 
mäßig und ungewiß, während die Dauer der Fieberperiode nach meiner 
Erfahrung zwischen einem oder zwei Tagen und einer Woche oder länger 
wechselt 

Die Menge des angewendeten Virus steht im Verhältnis zu der 
Schwere des Fiebers, aber die spezielle Empfänglichkeit des Tieres be- 
stimmt vorzugsweise dessen Grad und Dauer. 

2 Esel von gleichem Alter wurden mit je 1 ccm und bezw. 50 ccm 
desselben Blutes inokuliert. In beiden Fällen folgte mäßig starke Re- 
aktion, und obgleich das Tier, das 50 ccm erhalten hatte, etwas 
schwerer erkrankte als das andere, war doch der Unterschied im ganzen 
gering. 

Im ganzen habe ich 12 Esel inokuliert, und während einer davon 
starb, trat der Unterschied der Empfänglichkeit sehr deutlich hervor, 
indem einige überhaupt keine Reaktion zeigten. 

b) Rindvieh. Die Empfänglichkeit des Rindes für die inokulierte 
Krankheit ist äußerst verschieden. Ich habe 21 Rinder inokuliert In 
7 Fällen trat entschiedene febrile Reaktion ein und 4 starben. 

Bei einem davon, das starb, und bei dem die Symptome den bei 
Pferden beobachteten ganz gleich waren, folgte auf die Inokulation 
seines Blutes in ein gesundes Pferd die gewöhnliche Inokulationsperiode, 
der Ausbruch des Fiebers und der Tod an der gewöhnlichen Pferde- 
krankheit 

Die als Imapunga bekannte Krankheit, die in beschränkter Aus- 
dehnung unter Rindern vorkommt, bringt Symptome hervor, die in 
jeder Beziehung den bei empfänglichen Rindern durch Inokulation von 
virulentem Pferdekrankheit-Blut hervorgebrachten gleich sind. 

c) Ziegen. Angoraziegen sind ebenfalls in beschränktem Maße für 
die Infektion mit der Pferdekrankheit empfänglich. Unter 17 inoku- 
lierten trat bei 10 fieberhafte Reaktion ein; keine starb. Der einen 
davon wurde Blut eintnommen und einem Ochsen eingespritzt, dieser 
entwickelte Fieber und zeigte während des Lebens ganz ähnliche Sym- 
ptome und nach dem Tode denselben Zustand, wie der oben erwähnte 
Ochse, dessen Blut, einem Pferde inokuliert, die charakteristische Pferde- 
krankheit hervorbrachte. 

d) Schafe. Auch Schafe sind empfänglich. Von 10 inokulierten 
zeigten 6 deutliche Fieberreaktion, aber keines stark. 

. Es ist mir nicht gelungen, die Krankheit auf Kaninchen, Meer- 
schweinchen, Ratten oder Mäuse zu übertragen. 

Üebertragung der Krankheit zum Zweck der Schutz- 
impfung mittels der Inokulation von frischem Blut 
Die Inokulation von Pferden mit dem Blute von Eseln, die an dem 
durch die Impfung erzeugten Fieber litten, hat sehr verschiedene Re- 
sultate hervorgebracht. 

In einigen Fällen ist der Tod eingetreten, bei anderen folgte eine 
unregelmäßige Fieberperiode, während bei anderen kein wahrnehmbares 
Resultat folgte. Die Zeit des Anfangs des Fiebers war ebenfalls sehr 
verschieden. In einigen Fällen ist eine Reaktion eingetreten, der nor- 



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138 Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

malen Inkubationsperiode entsprechend, wie sie bei der Pferdekrankheit 
stattfindet, während in anderen Fällen die Reaktion sich 25 Tage und 
länger verzögerte. 

Einfluß der hervorgebrachten Reaktion. 

Wenn das Fieber ungefähr am 8. Tage begonnen hat, dem Grade 
und der Dauer nach mäßig stark gewesen ist und dann nachläßt, dann 
ist ein bestimmter Grad von Schutz eingetreten, oft selber stark genug, 
um so widerstandsfähig zu werden, daß der Tod vermieden wird, wenn 
das Tier in der Folge mit virulentem Blute inokuliert wird. 

Ein schlagender Beweis für die verschiedene Empfänglichkeit der 
Pferde wurde bei diesen Experimenten geliefert. Von drei Pferden und 
einem Maultier, welche gleichzeitig mit 5 ccm frischen Blutes inokuliert 
wurden, hatte das Maultier keine Reaktion, 2 Pferde kaum eine Reaktion, 
1 Pferd eine kräftige Reaktion. 

Als das letzte Pferd in der Folge mit virulentem Blute inokuliert 
wurde, litt es schwer und erholte sich mit Mühe. Die anderen hatten 
keinen merklichen Schutz erworben. Offenbar war also die Empfäng- 
lichkeit des letzteren Tieres derart gewesen, daß es durch das Blut des 
Esels infiziert werden konnte, so daß Reaktion entstand und Schutz ein- 
trat, während der höhere Grad von Unempfänglichkeit der anderen 
Tiere der Infektion widerstand und dadurch der Eintritt des Schutzes 
ausblieb. Diese Erscheinung bildet das größte Hindernis für die Schutz- 
impfung und hat mir ungeheure Mühe verursacht, um eine praktische 
Methode derselben zu finden. 

Das frisch infizierte Blut von Rindern, Schafen und Ziegen ist noch 
verschiedenartiger in seiner Wirkung als das des Esels. 

Zahlreiche andere Experimente derselben Art sind gemacht worden, 
und sie alle zeigen: 

a) daß Schafe, Ochsen, Esel und Ziegen eine sehr unregelmäßige 
Empfänglichkeit für die Krankheit besitzen; 

b) daß das Blut von Eseln, die nicht reagieren, meist unwirksam 
ist, wenn es einem Pferde inokuliert wird; 

c) daß das Blut von Eseln, die mäßige Reaktion gezeigt haben, in 
einigen Pferden starke Reaktion hervorbringen kann und in anderen so 
gut wie keine; 

d) daß eine milde Reaktion bei einem Esel keine bestimmte Sicher- 
heit bietet in Bezug auf die Reaktion, die sein Blut bei einem Pferde 
hervorbringen kann. 

Infolge der wechselnden Infektionskraft des frischen Blutes von in- 
fizierten Eseln versuchte ich es mit Blut von Ochsen und Eseln, 
das nach seiner Entnahme auf die oben angegebene Weise konserviert 
wurde. 

Auf diese Weise wurden zahlreiche Experimente ausgeführt, die fol- 
gende Resultate lieferten: 

1) Nur dann wurde Schutz hervorgebracht, wenn eine bestimmte 
Höhe des Fiebers mehrmals erzeugt worden war; aber wenn die Reak- 
tion nicht stark war, widerstand das Tier später nicht der Inokulation 
von 1 ccm konservierten virulenten Blutes. 

2) Die Empfänglichkeit der Pferde für ein solches abgeschwächtes 
Virus ist außerordentlich verschieden. Von 2 mit derselben Dose des- 
selben Virus direkt in die Jugularis inokulierten Tieren hatte das eine 



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Original-Referate aus den Sitzongen gelehrter Gesellachaften. 139 

•eine gute Reaktion, das andere eine sehr schwache. Keines von beiden 
erwies sich als geschützt, als es später mit virulentem Blut inokuliert 
wurde. 

Ein 2 Monate später mit derselben Menge des konservierten Blutes 
inokuliertes Pferd starb an der ersten Inokulation und zeigte so, daß 
auch das abgeschwächte Virus längere Zeit hindurch seine Wirksamkeit 
beibehielt. 

Bei einem anderen mit diesem Virus intravenös inokulierten Tiere 
trat keine Wirkung ein. 15 Tage später wurde dieselbe Inokulation 
wiederholt. Am 14. Tage begann die Temperatur zu steigen und 7 Tage 
später starb es an der Pferdekrankheit. In diesem Falle hatte die erste 
Inokulation nicht vermocht, die Krankheit hervorzubringen, aber offenbar 
die Empfänglichkeit erhöht, so daß ein frischer Reiz durch dasselbe 
Virus hinreichte, um den Widerstand ganz zu überwinden. 

Da ich beobachtet hatte, daß das Blut von Tieren, die die Zeit über- 
lebt hatten, nach der die Tiere gewöhnlich an der Pferdekrankheit sterben, 
von geringerer Virulenz war, beschloß ich, diese Veränderung in vitro 
hervorzubringen. 

Ich bereitete daher Flaschen mit Citratlösung vor, sterilisierte sie 
gründlich und machte den auserwählten Tieren einen Aderlaß unter den 
strengsten aseptischen Vorkehrungen. Nach Aufnahme des Blutes 
wurden die Flaschen wieder verstopft und 10 Tage lang bei 102^ F 
<39^ C) warm gestellt Bei einem solchen Experiment blieben 13 von 
14 Flaschen vollkommen frei von jedem fremden Organismus. Dieses 
Blut wurde nach der Erwärmung konserviert und probiert. 

Ich fand, daß es auf diese Weise möglich ist, ein abgeschwächtes 
Yirus zu erhalten, das ebensogut zur Inokulation brauchbar ist wie das 
vom Esel oder vom Ochsen. 

Während aber diese Experimente bewiesen, daß es möglich ist, 
Pferde durch wiederholte Inokulationen eines abgeschwächten Virus zu 
schützen, zeigten sie zugleich die Unregelmäßigkeit seiner Wirkung in- 
folge der verschiedenen Empfänglichkeit der Pferde gegen die Krankheit 
in ihrer abgeschwächten Form. 

Mehrere wichtige Thatsachen, die dabei ans Licht kamen, verdienen 
jedoch sorgfältige Betrachtung, nämlich: 

Der Tod kann bei der Pferdekrankheit nicht direkt der Hyper- 
pyrexie zugeschrieben werden, denn mehrere Pferde sind genesen, nach- 
dem sie Temperaturen von 107® F (41,7® C) aufgewiesen hatten, wäh- 
rend andere, bei denen charakteristische Läsionen nachgewiesen wurden, 
starben, obgleich ihre Temperatur nicht über 105® F (40,6® C) betragen 
hatte. 

Der Schutz kann erreicht werden, ohne daß sehr starke Reaktion 
vorausgegangen ist, vorausgesetzt, daß eine Anzahl von Inokulationen 
in das Tier gemacht worden sind, und daß diese so ausgeführt werden, 
daß man ganz allmählich zu dem höchsten Grade der Virulenz fort- 
schreitet 

3) Es ist äußerst schwierig, genau den Grad der Abschwächung in 
einer einzelnen Menge von abgeschwächtem Virus zu bestimmen. Ich 
habe dies gewöhnlich durch Inokulation des Virus in ein oder höch- 
stens zwei Pferde versucht; aber wenn die Empfänglichkeit dieser 
Tiere zufällig geringgradig ist, könnte die Reaktion bei anderen 
Pferden nicht eintreten, bei denen es später gebraucht werden kann* 



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140 Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

Mit anderen Worten, um die Stärke eines abgeschwächten Virus genau 
zu bestimmen, müßte man immer wenigstens an 5 Pferden die Probe- 
machen. 

4) So war es für künftiges Experimentieren angezeigt, nach einer 
Methode zu suchen, mittels deren ein Virus von fest bestimmtem Gehalt 
willkürlich auf jeden verlangten Grad von Virulenz herabgebracht werden 
könnte. 

Auch wurden Experimente gemacht, um zu untersuchen, ob da& 
Blut eines an „sekundärem** Fieber leidenden Tieres infektiöse Eigen- 
schaften besitzt. Zu diesem Zweck wurde Tieren mit „sekundärem" 
Fieber, mit Temperaturen bis zu 106 ® F (41,1 ® C) Blut entzogen und 
dieses gesunden Tieren eingespritzt, aber in keinem Falle wurde da— 
durch Reaktion erzeugt. Daher bin ich überzeugt, daß das Blut wäh- 
rend des „sekundären** Fiebers nicht infektiös ist. 

Experimente mit Serum und defibriniertem Blut von 
Tieren, die von der Pferdekrankheit genesen sind. 
Zu diesen Experimenten wurde Serum verwendet von 

1) früher „gesalzenen" Tieren; 

2) von früher „gesalzenen" und mit periodischen Injektionen von- 
gradweis von wachsenden Dosen virulenten Blutes wieder inokulierten 
Tieren; die Maximaldosis betrug 1000 ccm; 

3) von wie bei 2) behandelten, dann mehrere Monate lang in Ruhe 
gelassenen und dann wieder mit einer kleinen Dosis (5 ccm) virulenten 
Blutes inokulierten Tieren. 

Unter No. 1 wurde das Serum einem gut „gesalzenen" Tiere ent- 
nommen, das 12 Tage vor dem Aderlaß mit 5 ccm konservierten, viru- 
lenten Blutes inokuliert worden war. 

Tiere, denen 2 ccm virulenten Blutes eingespritzt worden waren, 
wurden in der Folge mit großen Dosen von Serum (100 ccm oder mehr)- 
inokuliert. In einigen Fällen begannen die Inokulationen an dem Tage, 
an dem virulentes Blut injiziert worden war ; in anderen wurden sie ver- 
schoben, bis die Temperatur zu steigen begann, aber obgleich die ge- 
gebenen Mengen im ganzen 1000 ccm überstiegen, war keine ent- 
schiedene Störung im Verlaufe der Krankheit bemerkbar. Unter No. 2 
wurden „gesalzene^* Tiere mit allmählich steigenden Dosen von virulentem 
Blut inokuliert. Wenn diese Tiere mit Dosen virulenten Blutes gleich 
1000 ccm inokuliert waren, ließ man sie 8—12 Tage in Ruhe, worauf 
man ihnen Blut entzog. 

Von diesem Serum wurden 500 ccm auf einmal einem Pferde ein- 
gespritzt, das während der folgenden Tage kein Zeichen von Krankheit 
infolge der Inokulation zeigte. Als diese Zeit vorüber war, wurde es 
mit virulentem Virus inokuliert und starb infolge davon an der charak- 
teristischen Pferdekrankheit. Man bemerkte kein Anzeichen, daß das 
Serum irgendwie die Wirkung beeinflußt hätte. Wenn aber dieses Serum 
dazu gebraucht wurde, schon infizierte Tiere zu inokulieren, trat eine 
sehr merkwürdige Veränderung in dem Charakter der Krankheit ein. 

Die Tiere wurden, gewöhnlich nach 36 Stunden, von Hämoglobinurie 
befallen, die später in Hämaturie überging und unfehlbar tödlich endete, 
wenn die Krankheit virulent war. In 2 Fällen jedoch, in denen die 
Krankheit durch abgeschwächtes Virus verursacht worden war, hörte 
die Hämaturie auf, zugleich mit dem Fieber. In allen 19 Fällen wurde 
dieser seltsame Zustand durch das Serum veranlaßt. 



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Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 141 

Wenn das Blut der Tiere in Citratlösung gebracht wird, ist das 
Serum von gelber Farbe, aber bei Tieren, die später an Hämaturie 
leiden sollten, bemerkte ich, daß das Plasma rot gefärbt war, wenn 
ihnen ungefähr 24 Stunden vor diesem Zufall Blut entzogen wurde. 
Offenbar hatte also die Hämaturie ihren Ursprung im Blute. 

In mehreren Fällen litten teilweis geschützte Tiere nur in geringem 
Grade an dieser Komplikation, wenn sie wieder mit virulentem Blut in- 
X)kuliert und nicht fähig waren, ihm zu widerstehen. 

Dieses Schwarzwasser könnte einige Beziehung zu dem Schwarz- 
wasserfieber des Menschen haben. In Rhodesia glaubt man allgemein, 
daß das Schwarzwasser nicht als primäre Krankheit auftritt, sondern 
nur bei Personen, die vorher an Malariafieber gelitten hatten. 

Es schien mir, daß dieses Serum irgendwie mit dem Reste einer 
Infektion in Verbindung stehen könnte. In dieser Absicht inokulierte 
ich einem „gesalzenen'* Pferde, das schon mehrere starke Injektionen von 
virulentem Blut erhalten hatte, 50 ccm frischen Blutes. 8 Tage später 
entzog ich ihm Blut und mit 5 ccm desselben inokulierte ich ein ge- 
sundes Pferd, welches dann 8 Tage nachher eine sehr geringe Tempe- 
raturerhöhung zeigte. 

Einem auf ähnliche Weise behandelten Tiere wurden endlich 300 ccm 
intravenös und 20 ccm subkutan injiziert, und 39 Tage darauf wurde 
ihm Blut entzogen. Das Blut wurde defibriniert und 100 ccm davon 
jedem von 6 Tieren injiziert. Dieses Blut brachte kein Zeichen von 
Infektion hervor. 

Ich beschloß nun, das Serum von Tieren zu benutzen, die nach 
No. 3 über einen Monat in Ruhe gelassen worden waren, ehe man ihr 
Serum sammelte. 

Dieses Serum ist es, das jetzt zum Zwecke der Schutzimpfung ge- 
braucht wird. 

In Bezug auf dasselbe habe ich festgestellt: 

1) Es besitzt keine Heilwirkung, die dazu dienen könnte, in der 
Praxis den Verlauf der Krankheit einzuschränken. 

2) Da eine Injektion von 100 ccm in ein Tier durchaus nicht die 
Wirkung von 1 ccm gewöhnlichen konservierten Virus, das subkutan 
in die andere Seite eingespritzt wurde, aufzuhalten vermag, besitzt es 
keine immunisierende Kraft, die von praktischem Wert wäre, um die 
Infektion zu verhindern. 

3) Seine keimtötende Kraft ist äußerst gering, wie aus folgenden 
Experimenten hervorgeht: 

a) 1 ccm von frischem, virulentem Blut wurde mit 100 ccm Serum 
gemischt und, nachdem es 24 Stunden lang in der Eiskammer gelegen 
hatte, einem gesunden Pferde inokuliert. Das Tier hatte eine starke 
febrile Reaktion. 

b) Ein anderes Tier wurde ebenso behandelt, aber Serum und Blut 
wurden unmittelbar nach ihrer Vermischung injiziert. Auch dieses Tier 
hatte eine Reaktion, aber weniger stark als das vorige. Natürlich muß man 
die verschiedene Empfänglichkeit berücksichtigen, und um einen sicheren 
Schluß aufstellen zu können, hätte man an einer großen Zahl von Tieren 
zugleich experimentieren müssen. 

c) Gleiche Mengen von Serum und konserviertem Blut wurden ge- 
mischt und bei Zimmerwärme 4 Tage lang aufbewahrt. Von dieser 
Mischung wurden 2,5 ccm subkutan einem gesunden Pferde eingespritzt 



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142 Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

Nach der gewöhnlichen Inkubationszeit trat Fieber ein, folgte seinem 
charakteristischen Verlaufe und das Tier starb unter den gewöhnlichen 
Umständen und zu der gewöhnlichen Zeit wie nach der Anwendung Ton 
reinem, virulentem Blut. 

Da 1 ccm virulenten Blutes, gemischt mit 100 ccm Serum, bei dem 
einen Tiere starke Reaktion und auf andere keine wesentliche Wirkung^ 
ausübte, und da 1 ccm Blut mit 200 ccm Serum bei einem anderen 
Tiere Reaktion erzeugte, so war es klar, daß ich es ai\ch bei dieser 
Methode mit der verschiedenen Empfänglichkeit der Tiere zu thun 
haben würde. 

Es war ein glücklicher Umstand, daß konserviertes virulentes Blut 
ebenso gut wirkte wie frisches, so daß ein Virus von beständiger Kraft 
leicht zu bereiten und zu erhalten war ; durch Vermischung des Serums 
einer großen Zahl von Tieren konnte ich die Kraft eines großen Vo- 
lumens von Serum festlegen. 

Ich beschloß daher, die Menge des Serums zu bestimmen, welches 
in Mischung mit einer bestimmten Menge Blutes fähig wäre, in Ver- 
bindung mit den im Körper eines durchschnittlichen Pferdes vorhandenen 
Schutzkörpern die Erzeugung einer modifizierten Krankheit sicherzu- 
stellen. 14 Tage nach der Inokulation wollte ich, wenn nicht eine starke 
Reaktion eingetreten wäre, wieder dieselbe Dosis virulenten Blutes 
einspritzen, aber mit einer viel geringeren Menge von Serum. Nach 
weiteren 14 Tagen sollte das Verfahren wiederholt werden, die Dosia 
virulenten Blutes soll dieselbe bleiben, aber die des Serums noch mehr 
vermindert werden. Zuletzt wollte ich virulentes Blut allein injizieren. 

Bei den ersten 3 Reihen von Experimenten wurden 16 Pferde be- 
nutzt und folgendermaßen inokuliert: 

1. Inokulation 1 ccm Virus und 100 ccm Serum (10 Tiere) 

1 „ „ „ 90 „ „ (4Tiere^ 

0,5 „ „ „ 50 „ „ (2 Tiere) 

9 (\fL QA I eme ^nnge Aenderung 

o' " n'? " ** " 1^ " " \ vö^ Fäflen kam in 

" ^'"^ " " '» ^ " " l mehreren Fällen vor 

4. „ 0,5 „ reines konserviertes virulentes Blut 

Das Folgende zeigt die erhaltenen Resultate, und wo ^gesalzen^ 
angegeben ist, bedeutet dies, daß das Tier später enormen Dosen voll- 
virulenten Blutes widerstanden hat. 

Tier 
1. 
2. 
3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 

Bei dem nächsten Experiment wurden 7 Tiere benutzt, die folgender- 
maßen inokuliert wurden: 



Reaktion 


Resultat 


Keine Reaktion 


Gesalzen 


Reaktion nur bei der 1. 


}} 


Keine Reaktion 


}} 


Geringe Reaktion nach allen vieren 


» 


Reaktion nach der 4. 


Gestorben 


Geringe Reaktion nach der 1. 


» 


Keine Reaktion 


Gesalzen 


Reaktion nach der 4. 


Gestorben 


Schwache Reaktion nach der 3.; nach der 5. 


}i 


Geringe Reaktion nach der 4* 


Gesalzen 


Geringe Reaktion nach der 4. 
Reaktion nach der 5. 


if 


Gestorben 


Keine Reaktion. 


Gesalzen 


Reaktion nach der 5. 


f$ 


Reaktion nach der 4. 


1? 


Reaktion nach der 4. 


»> 



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Original-Referate ans den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 



143 



1. 1 ccm Virus und 100 ccm Benun 
^ 0,5 „ „ „ 1\) „ „ 

4. 0,0 „ ,1 ;, 1,0 „ „ 



2 erhielten 0,5 ccm reinen Virus. 



Das Resultat war 


folgendes : 








Tier 




Eeaktion 






Beeultat 


1. Schwache Beaktion nach der 5. 




Gesalzen 


2. 


19 


11 


„ 3. 


und 5. 


11 


3. Keine 


» 


»» 


„ 4. 




Starb nach einer starken 
Dose V. reinem Virus 


4. Schwache 


» 


» 


„ 2. 




Gesalzen 


5. Keine 


7) 


it 


« 4. 




Starb wie No. 3 


6. Schwache 


r 


II 


» 1. 




Gesten 


7. 


91 


» 


Q 
„ o. 




II 



Bemerkung. Wo die 5. Inokulation genannt ist, bezieht sie sich auf eine Dose 
fOD rönem Tirtuoiten Blut 

Im ganzen wurden inokuliert 23 Tiere; gestorben 9, gesalzen 14 

Die Proben sind auf das strengste durchgeführt worden, und ob- 
gleich diese Experimente nur vorläufige Geltung haben, sind doch die 
Resultate sehr befriedigend. 

Ofifenbar sind Tiere geopfert worden, die nach anderen Methoden 
bitten gerettet werden können, denn der Erfolg dieser Inokulationen 
beweist, daß kein Tier sicher geschützt wird, wenn nicht nach den ersten 
Injektionen eine Reaktion stattgefunden hat. Aber es ist ebensowohl 
bewiesen, daß einige stark geschützt worden sind, ohne irgend eine 
Reaktion aufgewiesen zu haben. 

Es war also angezeigt, die Dosis des Virus bei den ersten Inoku- 
lationen zu vergrößern, selbst mit einiger Gefahr für empfänglichere 
Tiere. 

Bei einer späteren Reihe von Tieren ist dies folgendermaßen aus- 
geführt worden: 

1. Inokulation 2 ccm Virus und 50 ccm Serum 

12 Tiere wurden gleichzeitig auf diese Weise inokuliert; das Re- 
sultat war folgendes: 



Tier 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 



1. Inokulation 
Keine 
Schwach • 



Stark 
Schwach 
Keine 
Schwach 



2. Inokulation 
Keine 
Schwach 

Stark 
Keine 

Sdiwach 



Keine 

Stark 



Da ein Tier nach der 1. Inokulation eine starke Reaktion hatte, so 
ist es klar, daß die Grenze der Stärke, soweit es die Sicherheit erlaubt, 
erreicht worden war. Die Reaktionen waren in den 2 Fällen, nach dem 
zweiten, äußerst schwer und zeigten an, daß die Grenze der Stärke des 
Virus ein wenig überschritten worden wäi*e, wenn ein ausgebreiteter 
Operationsplan für Tiere im freien Feld beabsichtigt worden wäre. 

Diese Resultate scheinen zu beweisen, daß verstärktes Serum, d. h. 



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144 Tiere und Infektionskrankheiten. 

das von Tieren erhaltene, denen nach dem ^Gesalzensein^ wieder große 
Dosen von Virus inokuliert worden sind, eine bestimmte Wirkung auf 
das Virus ausübt. 

Während jedoch eine Mischung von 100 ccm Serum genügte, die 
Entstehung einer starken Temperaturerhöhung durch 1 ccm virulenten 
Serums zu verhindern, habe ich auch einen Fall erwähnt, in welchem 
eine starke Reaktion entstand. Da in einem anderen Falle 200 ccm 
desselben Serums mit einer gleichen Menge virulenten Blutes eine Re- 
aktion und einen bestimmten Grad von Schutz hervorbrachten, so ist es 
klar, daß der Unterschied der Empfänglichkeit zwischen letzterem Tier 
und denen, die nach 100 ccm Serum und 1 ccm virulenten Blutes nur 
schwach reagierten, gleich 100 ccm des verstärkten Serums ist Ferner, 
wie wir schon sahen, wenn das Virus durch seinen Durchgang durch 
weniger empfängliche Tiere abgeschwächt ist, wie Esel oder Kühe, 
wechselt seine Wirkung bedeutend bei verschiedenen Tieren, sowohl bei 
subkutaner als bei intravenöser Einspritzung. Bei einigen bringt es 
keine merkliche Reaktion, bei anderen einiges Fieber hervor und bei 
noch einigen anderen folgte auf seinen Gebrauch der Ausbruch der 
virulenten Krankheit und der Tod. 

Wenn also auf die Inokulation der Mischung von Serum mit viru- 
lentem Blut bloß eine Modifikation der Krankheit folgt, muß man 
schließen, daß dem Serum allein der Erfolg nicht zugeschrieben werden 
kann, sondern daß eine eigentümliche, dem tierischen Körper eigene 
Kraft, deren Stärke von Tier zu Tier wechselt, eine wichtige Rolle dabei 
spielen muß. Ob dies Prinzip ein einfacher Körper oder eine Kombi- 
nation von mehreren ist, läßt sich noch nicht entscheiden, aber der 
Zweckmäßigkeit wegen möchte ich ihm den Namen ^Antagones^ bei- 
legen. Dieser Ausdruck braucht keinen antitoxischen oder germicidalen 
Körper zu bedeuten, sondern soll nur die ^defensiven^ Eigenschaften 
bezeichnen, die mehr oder weniger in allen Tieren vorhanden sind und 
durch besondere Reize hervorgebracht oder verstärkt werden. 

Da vollkommen „gesalzene'^ Pferde und Esel wieder inokuliert 
werden können und die Infektion sich in ihrem Blut nachher wenigstens 
10 Tage lang nachweisen läßt, bin ich geneigt, den Schutz, der sich in 
„gesalzenen^ Tieren findet, als eine Art von „Toleranz'* zu betrachten 
und zu glauben, daß bei dieser Krankheit echte Immunität von Pferden 
niemals erworben wird. 



Referate. 



Braalt, J», Röle consid^rable de Tanimalitä dans Tätiologie 
et la pathogSnie des maladies dans les contr6es chaudes 
ettropicales. (Gazette des höpitaux. 1900. No. 112 u. 113.) 
Ausführliche Zusammenstellung der in den Tropen entweder durch 
Biß oder durch giftigen Stich, durch üebertragung oder Beherbergung 
von KranUieitskeimen, schließlich als Ursache von Fleischvergiftungen 
(durch faulende Massen oder durch toxische, von den Tieren schon bei 
Lebzeiten aufgenommene Stoffe) schädlichen Lebewesen. Bei den Blut- 
parasiten sind außer den Malariaplasmodien bemerkenswert die Filaria- 



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Malaria. 145 

arten (Ursache der Fadenwurmkrankheit) und das Schistosomum haema- 
tobium, der Erreger der menschlichen und in mehreren Abarten auch 
der tierischen Bilharzkrankheit Die Entwickelungsstufen des letzeren 
sind erst in den Phasen des Eies, des Embryonen und des heranwachsen- 
den Lebewesens bekannt, während der Weg der Uebertragung auf den 
Menschen und das geschlechtsreife Tier noch nicht erforscht sind. Die 
Erkrankung lokalisiert sich bekanntlich in den Venen des Urogenital- 
und des untersten Intestinalkanals (Pseudodysenterie). Als Parasiten 
der Eörperhöhlen treten die Larven der verschiedensten Insekten auf, 
von denen Lucüia mdceUaria interessant ist als wahrscheinliche Ursache 
der indischen ^pienash^ -Krankheit, ferner alle Arten Bandwürmer, 
Trematoden und Nematoden. Schmidt (Berlin). 

Koeh, R., Schlußbericht über die Thätigkeit der Malaria- 
expedition. (Deutsche med. Wochenschr. 1900. No. 46. — Vergl. 
Ref. in diesem Centralbl. Bd. XXVIII. p. 510.) 
Die Heimreise der Expedition führte von Herbertshöhe über die 
Karolinen und Marianen. Hier wurden auf den Inseln Ponape 79 und 
Saipan 24 Kinder untersucht, doch fand sich weder Wechselfieber, noch 
Lues, Lupus, Lepra oder Beri-Beri. Nur die Framboesiakrankheit war 
auf der letztgenannten Insel häufig. Ueber Hongkong ging die Fahrt 
weiter nach Aegypten, wo bei Kairo und in der Näie des Nildeltas 
endemische Malariaherde entdeckt wurden. Auf die geplante Wieder- 
holung des auch nach den neuesten Nachrichten in Neu-Guinea mit so 
viel Erfolg durchgeführten Versuches der Malariavorbeugung und Be- 
handlung auf deutschem Boden mußte verzichtet werden, da sich eine 
geeignete Gegend infolge des allgemeinen Rückganges des Wechselfiebers 
nicht auffinden Heß. Schmidt (Berlin). 

Koeh, R., Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse 
der Malariaexpedition. (Deutsche med. Wochenschrift. 1900. 
No. 49 u. 50.) 
Innerhalb der bisher untersuchten Erdbezirke giebt es außer den 
längst bekannten Malariaparasiten der Tertiana und Quartana nur 
noch eine Abart, das sind die Ringformen des „Aestivoautumnalfiebers^, 
der „malignen Tertiana^, die besser „Tropenfieberformen^ benannt 
werden. An Orten, wo die Krankheit sich ungestört entwickeln kann, 
beschränkt sie sich ausschließlich auf die Kinder (bis zu 5— 10 Jahren); 
ihre Untersuchung giebt daher über den örtlichen Malariastand stets 
den besten Aufschluß; Erwachsene bleiben, auch wenn sie andere ver- 
seuchte Gegenden aufsuchen, fieberfrei, auf Grund einer echten, natür- 
lichen, langsam erworbenen, durch keinen Chiningebrauch unterbrochenen 
Immunität Dagegen erkranken Neuankömmlinge aus malariafreien 
Orten sofort Die Immunität ist für jede Abart eine besondere ; Ter- 
tiana schützt nicht vor Quartana und umgekehrt Nach erlangter 
Seuchenfestigkeit schwinden alle Nebenerscheinungen (Milzschwellung, 
Blutarmut) von selbst, so in den größten Fieberherden schon bei den 
heranwachsenden Jünglingen. Das Malaria-Siechtum findet sich nur bei 
noch unvollständiger Immunität, wo Rückfälle und neue Ansteckung 
dauernd schädigend einwirken. Der langsame Rückgang der Empfäng- 
lickeit zeigt sich auch in der Abschwächung der Recidive. Aber die 
Parasiten, besonders die für die Weiterentwickelung in der Mücke 

Brtta AM. XZIZ. Hd, 10 



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146 Malaria. 

wichtigen sphärischen und Halbmondformen, sind auch später, so bei der 
sogenannten latenten Malaria, noch vorhanden. Gerade diese Fälle 
müssen daher bei der Bekämpfung ins Auge gefaßt werden. 

Auch Koch ist, gestützt auf vergebliche Uebertragungsversuche 
beim Affen und auf die Erfolge der nur den Menschen berücksichtigenden 
Therapie in Stephansort der Ansicht, daß allein in Mücke und Mensch 
die eigentlichen Malariaerreger, bei den anderen Lebewesen dagegen 
nur ähnliche Blutparasiten vorkommen. Demnach genügt zur wirksamen 
Bekämpfung die Aufsuchung jedes einzelnen Krankheitsfalles, seine Fest- 
stellung durch Blutproben und die Chininbehandlung, was ja durch die 
schnelle Abns^me der Seuche in Norddeutschland und Neu-Guinea be- 
wiesen wird. Erforderlich ist praktische Schulung der Aerzte in der 
Blutuntersuchung und unentgeltliche Chininverabreichung. Weniger 
Wert haben dagegen die gegen die Mücken und die Brutstätten ihrer 
Larven gerichteten Vernichtungsmaßregeln. Das Blut muß sofort und 
immer zwischen zwei Anfällen untersucht, die Körperwärme alle 3 
Stunden gemessen werden. Methylenblau ist nur in Fällen, wo Chinin 
nicht vertragen wird, und bei Neigung zu Schwarz Wasserfieber anzu- 
wenden. Chinin — als salzsaures Salz in bester Herstellung — wird 
nicht in Pillen- oder Tablettenform, wobei es leicht verdirbt, auch nicht 
in Gelatinekapseln wegen der oft ungenauen Abwägung, sondern in 
Oblaten oder noch besser in Lösung verabreicht (1,0 g morgens früh, 
4—6 Stunden vor dem Anfall). Auch Einspritzungen von Cbin. bimur. 
0,5 bewähren sich sehr, zumal bei bedrohlichen Zeichen. Bricht das 
Fieber am nächsten Tage wieder aus, so giebt man nochmals 1,5—2,0 g 
innerlich. Die wirksame Dosierung wird einige Tage beibehalten. 
Kinder unter 1 Jahr bekommen 1 ccm einer 10-prozentigen Lösung; 
man steigt mit jedem Jahre um 1 ccm. Rückfällen wird durch die 
regelmäßige Einnahme von je 1,0—1,5 g am 10. und 11. (in schweren 
Fällen am 8. und 9.) Tage vorgebeugt. Diese Nachbehandlung ist 
2 Monate lang ohne Rücksicht auf den Aufenthaltsort durchzuführen. 
Bei Verdacht auf Schwarzwasserfieber giebt man zunächst 0,1, am 
nächsten Tage 0,5 gr Chinin ; wenn sich Fieber, Urinverfärbung, Ikterus 
einstellen, geht man mit der Menge sofort herunter, um langsam wieder 
anzusteigen. 

Von anderen Krankheiten kommen, wenn auch selten, in Nea- 
Guinea vor: Typhus, Tuberkulose, Beri-Beri, Syphilis; häufiger sind 
Hautkrankheiten, so die Tinea imbricata (zu Unrecht „Ringwurm" 
genannt), Schuppenflechte, Framboesia, Krätze, Elephantiasis, Geschwüre 
durch Blutegel- und Milbenbisse, endlich die Ankylostomum-Krankheit 
^Da aber die Hautkrankheiten fast nur für die Eingeborenen Bedeutung 
haben und die Malaria sich mit Erfolg bekämpfen läßt, so muß man^ 
(von den vermutlich eingeschleppten Infektionskrankheiten abgesehen) 
„Neu-Guinea als ein relativ sehr gesundes Land bezeichnen^. 

Die Blutuntersuchung gestaltet sich in folgender Art: Die in Deck- 
glasschachteln eingelegten Trockenpräparate werden in weiten Flaschen 
aufbewahrt, die zur Verhinderung der Schimmelbildung Chlorcalcium 
enthalten, dann nach schwacher Erhitzung 20 Minuten lang in absolutem 
Alkohol fixiert, durch mehrmaliges Eintauchen in verdünnte wässerige 
Lösung von Borax (5 Proz.) und Methylenblau (2 Proz.) gefärbt, mit 
Wasser abgespült und in Cedernöl untersucht. Die Blutkörperchen 
sind hellgrünblau, die Leukocytenkerne dunkelblau, ebenso die sich gnt 
abhebenden Parasiten. Schmidt (Berlin). 



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Malaria. 147 

Zlemann, H., Zweiter Bericht über die Malaria und Moskitos 
an der Westkaste. (Deutsche med. Wochenschrift 1900. No. 47 
ü. 48.) 
Verf. fand 1899 und 1900 während seines Aufenthaltes in Kamerun 
und Togo (wo eine Jahressterblichkeit von 9,8 Proz. herrscht I) als Typus 
des Erstlingstropenfiebers wie der durch steile Kurven ausgezeichneten 
Rfickfälle die Tertiana maligna, doch auch, abweichend von Koch, 
continuirliche, irreguläre und intermittierende Formen mit allen mög- 
lichen Parasiten. ^ Resorptionsnachfieber ^ (Koch) hat er nie gesehen; 
immer waren dabei Parasiten zu finden, wenn auch häufig nur in geringer 
Zahl. Ueberhaupt standen die klinischen Erscheinungen oft in auf- 
&llendem Mißverhältnis zu der Zahl der Plasmodien im peripheren 
Blute, im Gegensatz zu dem Befund bei den europäischen Rezidiven, 
vielleicht auf Grund einer örtlich verschiedenen Virulenz. Von der 
italienischen Tertiana unterschied sich die Tropica durch die geringere 
Größe und Pigmentierung der Parasiten. Mehrere, meist anämische 
Weiße, häufiger Neger wiesen die Parasitenentwickelung ohne jede 
äußere Krankheitserscheinung und ohne Fieber auf. Oft blieben durch 
Chinin heilbare Anfälle allgemeiner Störung mit tiefem Depressions- 
gefühl, aber ohne Fieber und ohne aktive Parasiten (auch im punktierten 
Milzblut) zurück, deren Ursache vielleicht die lange resistenten geschlecht- 
lichen Formen waren. — In Kamerun herrschte auch bei den Negern 
fast ausschließlich die zwar stürmisch, aber bei zweckmäßiger Be- 
handlung günstig verlaufende Tropica (1,1 Proz. aller Kranken; nur 2 
Todesfälle). Fast alle daraufhin untersuchten Neger sowohl aus den 
Küstenstrichen wie aus den Bergländern im Innern zeigten die Spuren 
überstandener Malaria (Milz Vergrößerung, Pigmentgehalt des Blutes). 
Die Empfänglichkeit war am größten in den 5 ersten Lebensjahren und 
nahm mit dem Alter langsam ab, ohne je ganz zu erlöschen. Völlige 
Immunität erlangte der Eingeborene in der Jugend nicht, nur vermehrte 
Widerstandskraft; so kam bei geimpften Negern in 71,42 Proz. nach 
10 — 12 Tagen das Fieber zum Ausbruch. Während Spontanheilung bei 
den Weißen eine Ausnahme war, bildete sie bei den Negern die Regel, 
was vielleicht in Beziehung stand zu der bei den letzteren stark aus- 
geprägten Leukocytose mit Pigmentanhäufung. Indessen waren Recidive 
danach sehr gefahrvoll. Malariafreie Plätze wurden nicht aufgefunden. 
In der Behandlung haben sich Phenokoll und Methylenblau 
nicht bewährt. Chinin, bei empfindlichen Leuten Euchinin ist möglichst 
in der fieberfreien Zeit 5 Stunden vor dem neuen Anfall in größeren 
Mengen zu geben, bei Magenstörung in der Form der Einspritzungen 
in die Muskeln. Auch als vorbeugendes, obschon nicht unbedingt sicheres 
Mittel ist Chinin allgemein anzuwenden , und zwar in Kamerun , wo 
Hämoglobinurie häufig ist, in kleineren Gaben (jeden 4. Tag 0,5 g). 
Beim Ausbruch des Fiebers dagegen empfehlen sich schnell aufeinander- 
folgende große Chinindosen. 

Die Prophylaxe muß durch Wohnungs-, Kleidungs- und Er- 
nährungshygiene, durch sorgfältige Auswahl und Wechsel des Personals, 
sowie durch genaues Studium der Krankheitsübertragung unterstützt 
werden. In diesem Punkte gelang es dem Verf., den schon in Kamerun 
nachgewiesenen Entwickelungsgang der Tropica-Parasiten bei Mensch und 
ÄnopheleS'Milcke auch in Togo aufzudecken. Von praktischer Wichtig- 
keit ist femer, daß Anopheles und auch eine Culex-Art von der West- 

10* 



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148 Malaria. — Schwarz Wasserfieber. 

küste auch am Tage stechen, sowie daß ihre Larven sich in stagnierenden 
Wässern, besonders in dunklen Ecken aufhalten (daher Bodendrainage, 
heller Anstrich I) Das theoretische Allheilmittel, eine allgemeine Ghinin- 
verabreichung , läßt sich zwar bei der ständig wechselnden Neger- 
bevölkerung nicht durchführen, wohl aber beim schwarzen Hauspersonal 
und allen Europäern. Die übrigen Eingeborenen dürften sich dann nur 
in größerer Entfernung von den Pflanzungen ansiedeln. 

Schließlich hat Verf. noch zahlreiche Blutuntersuchungen bei den 
verschiedensten Tieren angestellt, kommt aber doch zu dem Schlüsse, 
daß ^möglicherweise der Mensch der einzige Zwischenwirt^ der Malaria- 
parasiten ist. Schmidt (Berlin). 

Choux, H., Des ruptures de la rate; deux cas nouveaux 

observ^s chez des palud6ens d'Alg^rie. (Archives de 

mödecine et de pharmacie mil. 1900. No. 4.) 

Zwei Fälle von Milzruptur bei chronischem Wechselfieber, das eine 

Mal verursacht durch Fußtritte gegen die linke Bauchseite, das andere 

Mal von selbst während eines 2-tägigen, mit Erbrechen verbundenen 

Magendarmkatarrhes entstanden. Hier fand man bei der Leichenöffnung 

außerdem eine alte Rißnarbe in der Milzkapsel. Beide Kranke starben 

in kürzester Frist durch innere Verblutung. Schmidt (Berlin). 

Ewald, C. A«, Ein weiterer Fall von Polyneuritis nach 
Malaria. (Berl. klin. Wochenschr. 1900. No. 38.) 
Verf. hat in der letzten Zeit wiederholt Kranke aus unseren tro- 
pischen Kolonieen gehabt und unter anderem 2 Fälle beobachtet, in 
denen nach Malaria schwere Polyneuritis eingetreten ist, eine Er- 
fahrung, die bei uns in Deutschland wohl noch nicht gemacht worden 
ist. Die Erkrankung ist bei uns, abgesehen vom Alkoholismus, bisher 
nur nach Typhus, Influenza, Pertussis, Peliosis rheum., gelegentlich auch 
nach Masern beobachtet worden. Verf. glaubt nach seinen Erfahrungen, 
daß selbst ein ganz kurz vorübergehender kleiner Anfall von Malaria 
tiefe und schwere Störungen geistiger und körperlicher Natur nach sich 
zu ziehen vermag. Deeleman (Dresden). 

Vincent, H.jContribution k T Ätiologie dela fiövre bilieuse 
h^moglobinurique. (Archives de m^decine et de pharmacie miL 
1900. No. 2.) 
Verf. stellt sich auf Grund seiner Untersuchungen an 7 Fällen von 
Schwarzwasserfieber, unter denen nur 2mal parasitäre Gebilde und 
Pigment in den Leukocyten gefunden wurden, sowie auf Grund von 2 
Leichenöffnungen, bei denen keine Leberveränderung und nur Imal 
eine alte Milzvergrößerung nach längst überstandener Malaria vorhanden 
war, auf die Seite derer, die jeden Zusammenhang zwischen beiden 
Krankheiten leugnen. Daß Malaria vorausgehen müsse, dagegen spricht 
ein Fall, wo urplötzlich Schwarzwasserfieber auftrat, ohne daß sich vor- 
her während eines längeren Tropenaufenthaltes noch nachher irgend 
eine Spur von Wechselfieber gezeigt hätte; das Blut war plasmodien- 
frei. Chinin ist wertlos, kann sogar schädlich sein, wie 2 Todesfälle 
infolge von zu großen Ghinineinspritzungen beweisen. Ganze Malaria- 
länder sind frei von Schwarzwasserfieber. Auch die Rassen sind für 
beide Infektionen trotz der angenommenen Identität derselben ver- 



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SchwarzwaBserfieber. 149 

schieden empfänglich. Voraufgehende Malaria wirkt nur begünstigend 
durch die Blutzerstörung. Auch Ghininvergiftung oder Erkältung sind 
als spezifische Ursache auszuschließen; so trat bei einem Kranken, der 
sich lange Zeit große Chininmengen hatte einspritzen lassen, erst viel 
später, bei der Rückkehr in die Heimat, Schwarzwasserfieber ein, als 
er nur noch verschwindend kleine Mengen gebrauchte; und ein anderer, 
der sich auf der Heimfahrt durch Erkältung einen starken Lungen- 
katarrh zugezogen hatte, erkrankte gleichwohl erst 4 Wochen später 
bei der Ankunft in Paris an Blutharnen u. s. w. 

Die Blut- und Urinuntersuchung auf Mikroben durch Präparat, 
Züchtung und Impfung war stets vergeblich; von letzterem Eingriff 
erholten sich Kaninchen und Meerschweinchen immer sehr schnell ohne 
irgendwelche Blut- oder Hamveränderung. Auch die PI eh n 'sehen 
Körperchen waren niemals zu finden. Trotz alledem muß man auf 
Grund des epidemischen Auftretens und des Krankheitsbildes (Schüttel- 
frost, hohes Fieber, Milzschwellung, Stuhlzersetzung, Parotischwelluug, 
Purpura) doch Infektion mit einem Parasiten annehmen, der durch 
Blutzerstörung Hämoglobinurie hervorruft, aber selbst mit etwaigen 
Toxinen in der Niere zurückgehalten wird. Schmidt (Berlin). 

Zlemann, H«, Ueber das Schwarzwasserfieber. (Deutsche med. 
Wochenschr. 1900. No. 40.) 
Verf., der bei seinen zahlreichen Untersuchungen in Kamerun einen 
spezifischen Krankheitserreger beim Schwarzwasserfieber niemals gefunden 
hat, kommt zu folgender Ansicht : In gewissen schweren Malariagegenden 
entsteht — vielleicht abhängig von der örtlich verschiedenen Virulenz 
der Parasiten — bei manchen Leuten, die Wechselfieber überstanden 
haben, auch bei ganz kräftigen Personen, eine Neigung zu Schwarz- 
wasserfieber, die begünstigt wird durch erbliche hämorrhagische Diathese, 
durch vorausgegangene körperliche Anstrengungen und frühere In- 
fektion mit den kleinen Parasiten der Tropika und Aestivo-Autumnalia. 
Auf Grund dieser Disposition kommt das Fieber zum Ausbruch seltener 
durch eine neue Malariaerkrankung allein, besonders wenn Erkältungen, 
Anstrengungen mitwirken, häufiger durch Chinindarreichung im Anfall, 
besonders auf der Höhe des Fiebers, ferner nur durch Chinin bei Dis- 
ponierten nach lange überstandener Malaria, endlich ohne Chinin bei 
Personen, die früher schon Wechsel- und Schwarzwasserfieber durch- 
gemacht haben. Dies Schema genügt zur Einreihung aller Abarten; 
das eigentliche Wesen der Krankheit bleibt ungeklärt. Bei einem 
Kranken mit Tropikafieber brachte bereits 0,01 g Chinin Hämoglobinurie 
und 0,004 g Eiweißausscheidung hervor. Auf Grund dieses und ähn- 
licher Fälle verwirft Verf. eine ^kritiklose Chinintherapie" bei disponierten 
Malarikern und besonders in Schwarzwasserfieberherden. In der Be- 
handlung sind Einspritzungen mit Kochsalzlösung und Chloroform bei 
unstillbarem Erbrechen erprobt worden, worüber noch berichtet werden 
soll. Die Prophylaxe deckt sich mit der der Malaria. 

Schmidt (Berlin). 



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150 Üntersuchungsmethoden etc. — Schutzimpfung etc. 



Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Hill, H. W«, A modification of the f ermentation tube for bacterioiogical 
w or k. (Journal of the Boston Soc. of Med. Sciences. Vol. IJI. 1899. p. 137—138. 1 figure.) 
Verf. halt es für vorteilhaft, die gewöhnlichen Fermentationsröhrchen da- 
durch zu modifizieren, daß an dem sonst geschlossenen Ende ein konisch verjüngter 
dünnwandiger Glasstöpsel angebradit wird. Siehe Abbildung im Original. 

Nut t all (Cambridge). 

Frost, W. D., A simple gasometer for fermentation tubes. (Journal of 
applied Microscopy. Vol. if. No. 2. Reprint 2 p.) 

Verf. beschreiot einen einfachen für nicht graduierte Fermentations- 
röhrchen bestimmten Gasometer. Derselbe bäteht aus einer etwa20cm langen 
Blechplatte von stumpf-dreieckiger Form, auf welcher konvergierende Linien gezognen 
9ind, die von vertikalen Linien gekreuzt werden. An dem oberen Ende befindet sich 
eine rechtwinkelig gebogene daran befestigte Platte welche auf die obere Spitze der 
Röhre gehalten wurd. Dadurch, daß die Fiatte, seiner Länge nach hin und h^ ge- 
schoben wird, und die vertikalen Linien darauf parallel zur Röhre gehalten werden, 
kann man Röhrchen von versdiiedenen Größen resp. das darin enthaltene Gras messen. 
An den beiden Enden der konvergierenden Linien sind Zahlen angebracht, welche das 
Volimiprozent angeben. Die polierte Plattenfläche dient als Spiegel, indem die Röhre 
zwischen die Platte und das Auge gehalten wird. Der Apparat wird durch eine ent- 
sprechende Abbildung erläutert. Nuttall (Cambridge). 



Schutzimpfung, künstliche Infeictionskranicheiten, Entwickeiungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Htrebel, Meine Erfahrungen mit der Lichttherapie. (Deutsche 
med. Wochenschr. 1900. No. 27 u. 28.) 
Gegenüber den übertriebenen Anpreisungen der sogenannten Licht- 
therapie, welche in letzterer Zeit nicht nur von den Unternehmern der 
„Lichtheilbäder" in der Tagespresse, sondern auch von ärztlichen An- 
hängern des Verfahrens in der wissenschaftlichen Litteratur verbreitet 
worden sind, zeichnen sich die Mitteilungen des Verf.'s, welcher eine 
Lichtheilanstalt in München leitet, durch eine wohlthuende, maßvolle 
Objektivität aus. Schon das Zugeständnis, daß Verf. in den meisten 
Fällen warme Lichtstrahlen verwendet, und daß die Schweißentwicke- 
lung bei den erreichten Erfolgen häufig eine hervorragende Rolle spielt 
(daß es sich im wesentlichen also nur um eine neue Art Schwitzkur 
handelt. Ref.) sticht angenehm ab von den Verkündigungen Anderer, 
welche in dem Licht ein neues Allheilmittel gefunden zu haben glauben. 
Uebrigens ist auch der Verf. von den günstigen Sonderwirkungen des 
Lichtes überzeugt, die er namentlich bei Herzkrankheiten, Diabetes, Fett- 
leibigkeit, Ulcus molle, Hautgeschwüren, Furunkulose und Lupus wahr- 
genommen haben will ; er hebt aber dabei selbst hervor, daß die Erfolge 
bei Rheumatismus, Gicht, Neuralgieen u. a. Krankheiten nicht sehr viel 
sicherer sind, als unter Anwendung anderer Behandlungsarten, und daß 
manche Fälle des sonst vom Licht gut beeinflußten Ulcus cruris sich 
gegen das neue Heilmittel sehr resistent zeigen. Es kann an dieser 
Stelle auf die Ausführungen des Verf.'s nicht näher eingegangen werden; 
seine Erklärungsversuche der therapeutischen Lichtwirkung beruhen 



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Schutzimpfong, künstliche InfektionBkrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 151 

vielfach auf spekulativen Schlußfolgerungen und sind durch Mitteilung 
eigener experimenteller Untersuchungen nicht gestützt Dies gilt beson- 
ders bezüglich der Behauptung, daß dabei eine rasche baktericide Wir- 
kung in Betracht kommt, und daß insbesondere die ultravioletten und 
blauen Strahlen innerhalb einiger Stunden den Tuberkelbacillus im 
lebenden Gewebe vollständig abtöten. Derartige Lichtwirkungen, 
welche mit den Ergebnissen der älteren Untersuchungen von Kruse, 
Buchner u. A. keineswegs im Einklang stehen, sind allerdings an- 
geblich auf Grund experimenteller Arbeiten von Anhängern des Licht- 
heilverfahrens in neuerer Zeit vielfach behauptet worden. Es dürfte an 
der Zeit sein, daß diese Angaben durch Nachprüfung von maßgebender 
bakteriologischer Seite auf das richtige Maß zurückgeführt werden. 

Kubier (Berlin). 

BMer, Zur Frage von der Heilkraft des Lichtes. (Arb. aus 
dem K. Ges.-Amt. Bd. XVII. 1900. Heft 1.) 
Die Strahlen des elektrischen Lichtes besitzen eine unmittelbar 
bakterientötende Kraft. Es ist möglich, daß diese Kraft zum Ausdruck 
kommt in dem Heilerfolge, welcher bei örtlich umschriebenen, in oder 
unter der Haut befindlichen bakteriellen Krankheitsvorgängen nach in- 
tensiver Bestrahlung mit Bogenlicht eintritt Diese unmittelbar bakterien- 
tötende Kraft hat einen irgend erkennbaren Einfluß auf den Verlauf 
von akuten wie chronischen Allgemeininfektionen nicht Die Belichtung 
bewirkt eine Anregung der Zellenthätigkeit und Erhöhung des Stoff- 
wechsels im menschlichen wie im tierischen Organismus, und kann in 
diesem Sinne von Einfluß sein auf den Verlauf der Infektion. Demnach 
wird es klinisch-physiologischen Untersuchungen vorbehalten sein zu 
erweisen, in wieweit die gebräuchlichen Lichtbäder bei gewissen, nament- 
lich auch bei chronischen Infektionskrankheiten mit Vorteil zu verwenden 
sind. Deeleman (Dresden). 

Tleente, Maison palud^ene. Du röle des plantes d'appar- 
tement (Archives gSn6rales de m^decine. 1900. Juillet.) 
2 Knaben erkranken im März und April an Malaria; ihr Blut 
enthält Plasmodien; auf Chinin tritt sofort Besserung ein. Schon seit 
4 Wochen litt der eine von den Brüdern an täglich paroxysmal auf- 
tretendem Husten („Malariabronchitis^), der andere an allgemeinen 
Krankheitszeichen. Da der jüngere dauernd, der ältere wenigstens vor- 
übergehend (im Januar) im Elternhaus gelebt hatte, dieses aber in ganz 
unverdächtiger Umgebung lag, mußte die Krankheitsursache im Hause 
selbst liegen. Mit Rücksicht auf die hohe Zimmertemperatur war dann 
auch die ungewöhnliche Infektionszeit — der kalte Januar — erklärlich. 
Als Quelle der Ansteckung sieht nun Verf. die Mutter an, die 1876 
in einer verseuchten Gegend Malaria und auch in der letzten Zeit noch 
mehrere FieberanfäUe gehabt hatte. Aus menschlichen Se- und Exkreten 
(Blut, Herpesbläschen, Stuhl) gelangten die Keime auf große, seit langer 
Zeit im Hausflur stehende Oleanderbäume, wo sie im Humus und bei 
Zimmerwärme üppig gediehen. Als weiterer Weg der Uebertragung 
wird eine Blattlausart angesehen, die sich auf den genannten Pflanzen, 
in der ganzen Umgebung, selbst auf Nahrungsmitteln und Kleidern, auf 
Haut und Haaren zu Tausenden fand und aus deren Blut Verf. nach 
der Ueberwinterung die Malariaplasmodien darzustellen hofft unter Zu- 



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152 Schutzimpfung, kflnstliche Infektionskrankheiten, Entwickeiungshemmung etc. 

hilfenahme des Tierexperimentes. 3 ältere, kurz nach dem ersten 
Wechselfieberanfall der Mutter geborene Kinder sowie der Vater blieben 
verschont; dagegen erkrankten nach einigen Monaten die Mutter sowie 
der jüngere Knabe, bei dem Chinin ausgesetzt worden war, von neuem, 
und fanden erst wieder durch dieses spezifische Mittel Heilung. 

Aehnliche Beobachtungen stammen von Taylor und Newton. 
Diese fanden Plasmodien bei Tertianafieberkranken in sumpffreier 
Gegend bei guten Wasserverhältnissen, wo erst die Räumung der mit 
Zimmerpflanzen vollgepfropften Wohnungen Genesung brachte, sowie bei 
lange Zeit unpäßlichen Gärtnern, die durch Chinin geheilt wurden. 

Schmidt (Berlin). 

Hahn, Johannes, Meine Methode der Händedesinfektion. 
(Centralbl. f. Chirurgie. 1900. No. 40.) 
Hahn hat seine Methode der Händedesinfektion 1897 in der 
Monatsschrift für Geburtshilfe und Gyn. Bd. V. p. 500 veröffentlicht und 
seitdem stets benutzt. Er glaubt, daß dieselbe das leistet, was sämt- 
liche bisher bekannt gewordenen Methoden nicht leisten, nämlich sichere 
Befreiung der Hände von pathogenen eitererregenden Keimen. Den 
Beweis sucht er nicht auf bakteriologischem Wege zu erbringen, sondern 
durch seine Operationsresultate ; er hat die Methode seit 4 Jahren bei 
136 Operationen hintereinander, bei welchen es sich nicht um eitrige 
Prozesse handelte und die Wunde, abgesehen von kurzdauernder Drai- 
nage (3 — 5 Tage) ganz genäht werden konnte, angewendet und keinen 
einzigen Fall operativer Infektion, sondern nur Primärheilungen erlebt. 
Die Methode besteht in folgendem : Hände und Vorderarme werden 
streng systematisch mit gewöhnlicher gelber Schmierseife, Leitungs- 
wasser von ca. 40^ C und gekochter Bürste 4mal durchgebürstet, wo- 
bei jedesmal frisches Waschwasser und soviel Seife benutzt wird, daß 
das Wasser schäumt. Nach dem zweiten Wasserwechsel werden die 
Händegereinigt und beschnitten. Hierauf werden die Hände in 1-promill. 
Sublimat-Alkohol (95—96 proz.) 4 Minuten lang gewaschen bezw. die 
Vorderarme permanent feucht damit erhalten. Dann werden die Hände 
in l~2-promill. Sublimatwasser abgespült, bis der Alkohol entfernt ist 
(1—2 Minuten), und zuletzt, bei und nach dem Anziehen der steri- 
lisierten Operationsmäntel, nochmals in dem Sublimat- Alkohol abgespült. 
Ohne die Hände abzutrocknen, höchstens nach oberflächlichem Abwischen 
mit einem sterilen Tupfer wird nun die Operation begonnen. 

Schill (Dresden). 

Panl u. Sarwey, Experimentaluntersuchungen über Hände- 
desinfektion. III. — V. Abhandlung. (Münch. med. Wochenschr. 
1900. No. 27—31.) 
In Verfolg ihrer hochinteressanten und unter großen Opfern an Zeit 
und Arbeitskraft durchgeführten Untersuchungen über Händedesinfektion, 
über deren I. und II. Teil in Bd. XXVII. No. 20—21 dieser Zeitschrift 
referiert wurde, stellen die Verff. als unerläßliche Vorbedingungen auf: 

1) Prüfung des primär vorhandenen, je nach Beschäftigung, Haut- 
pflege und -Beschaffenheit verschiedenen Keimgehaltes der Versuchs- 
hände. 

2) Probeentnahmen von der Gesamthaut, um nicht zufällig sterile 
Hautstellen zu treffen. 



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SdiutKimptttog, künsdicke Infekdonskraiikheiten, EatwickelangshraimiiQg eto. 153 

3) Zfihlung der aufigegangenen Kolonieen, deshalb gleichmäßige Ver* 
teilung (Aasschütteln der Schabehölzchen in sterilem Wasser, fester 
Nährboden). 

4) Gleichmäßige Zusammensetzung des Nährbodens (Agar) und 
Körpertemperatur. 

5) Beobachtungszeit von 8 Tagen bei Agar-, von 14 Tagen bei 
Geiatinekulturen. 

6) Keimentnahme mit sterilen Hölzchen (Für bringer), um alle 
Stellen prüfen, auch die tieferen Schichten untersuchen und die Keime 
gleichmäßig verteilen zu können. Die Keimentnahme mittels Finger- 
eindr uckes (Kümmell) oder Seidenfäden (Hägler) liefert nach mehr- 
fachen vergleichenden Versuchen an Zahl viel weniger Keime oder 
täuscht sogar Sterilität vor in Fällen, wo durch Schaben mit harten 
Hölzchen noch reichlich Kolonieen gewonnen werden konnten. 

Auf Grund dieser Vorbedingungen und mit Hilfe ihres ^sterilen 
Kastens^ wurde bei verschiedenen Versuchspersonen die v. Mikulicz- 
sche Seifenspiritus -Desinfektion der für gewöhnlich mit zahlreichen 
Keimen behafteten ^Tageshände^ geprüft und dabei allerdings keine 
Keim&eiheit, aber doch eine im Vergleich zu vorher erhebliche Keim- 
verminderung erzielt. Auch die Einfachheit der Methode und die Vor- 
teile der Geruchlosigkeit, Ungiftigkeit und Tiefenwirkung werden an- 
erkannt. Als Nachteil wird eine hin und wieder auftretende Haut- 
reizung an den Unterarmen erwähnt. Doch ließen sich unmittelbar 
nach dieser Manipulation bei längerem Aufenthalt der Hände in warmem 
Wasser und wiederholter mechanischer Bearbeitung stets mehr oder 
weniger zahlreiche Keime entnehmen. 

Weiter wandten sich die Vertf. der Prüfung der Hände nach vorauf- 
gegangener Waschung mit heißem Wasser, Bürste und Schmierseife zu. 
Letztere ist wegen ihres Gehaltes an freiem Alkali und der dadurch be- 
dingten Schädigung der Haut an und für sich wenig zu empfehlen. 
Bemerkenswerterweise waren die Bürsten nach Sterilisation im Dampf- 
apparat in kurzer Zeit völlig keimfrei zu machen. Es zeigte sich nun, 
daß die auf trockenen wie angefeuchteten Tageshänden zahlreich nach- 
zuweisenden Keime durch eine derartige, selbst bis zu 3ö Minuten Dauer 
ausgedehnte Waschung nicht vermindert, sondern eher vermehrt wurden. 

An Stelle der Schmierseife trat nun Schleich 's Marmorstaub- 
seife, die indessen nach der chemischen Berechnung nicht, wie ihr Er- 
finder infolge des Ammoniakzusatzes annimmt, eine alkalische Seife ist, 
sondern vielmehr eine überfettete (mit ö-fachem Ueberschuß an freier 
Stearinsäure 1). Dadurch erklärt sich auch ihre Reizlosigkeit. Die weitere 
Annahme Schi eich 's, daß sich durch Ausscheidung des in seinem 
Präparat enthaltenen Wachses eine schützende Decke auf der Haut 
bilde, halten die Verff. für nicht erwiesen, jedenfalls nicht für vorteil- 
haft, da diese Schicht dann auch noch Keime einschlösse und zurück- 
behielte und die weitere Einwirkung von Desinticientien verhindere. 
Da nun bei 12 ausführlichen, genau nach Schleich ausgeführten 
Versuchsreihen stets von den so „desinfizierten"^ Händen zahlreiche 
Mikroben entnommen werden konnten, so muß auch von dieser Art der 
bloß mechanischen Reinigung abgesehen werden (vergl. die ähnlichen 
Resultate von Sehen ck und Zaufal, ref. in Bd. XX VIII. p. 344 
dieses Blattes). S erbleich 's widersprechende Ergebnisse werden auf 
Grund einer vergleichenden Nachprüfung mit der Unzweckmäßigkeit 



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154 Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelung^emmung etc. 

seiner Keimen tnahme (Platinnadel statt Scbabehölzchen) und seines Nähr- 
bodens (Gelatine bei Ziromerwärme statt Agar bei 37,5 ^) erklärt. Schließ- 
lich ist die Marmorseife auch teuer, denn eine einzige Waschung kostet 
20, und selbst bei der doch sehr umständlichen und schwer durch- 
zuführenden Selbsbereitung noch 13 Pf. 

Die S aenger 'sehe Seife endlich ist im allgemeinen nach Schleich 
zubereitet, enthält aber an Stelle der Harzseife Natronseife und anstatt 
des Marmorstaubes Quarzsand, außerdem noch einen Sodazusatz. Sie 
besitzt demgemäß unzweckmäßigerweise soviel überschüssiges Alkali, 
daß bei längerem Gebrauch eine Reiz Wirkung auf der Haut unvermeid- 
lich ist. Eine Prüfung nach derselben Versuchsanordnung ergab nun, 
daß auch diese Art der bloß mechanischen Reinigung den Keimgehalt 
der Tageshände nicht zu vermindern vermochte. 

Mithinkann, wie alle diese Versuchsreihen unzwei- 
deutig lehren, eine Keimfreiheit der Haut nur erzielt 
werden, wenn auf die mechanische die chemische Des- 
infektion der Hände folgt. Schmidt (Berlin). 

Vollbrecht, Hände- und Hautdesinfektion mittels Seifen- 
spiritus. (Deutsche militärärztl. Zeitschr. Jahrg. XXIX. Heft 1.) 
Verf. teilt seine durchaus günstigen Resultate bei der Anwendung 
der Mikulicz 'sehen Desinfektion mit Seifenspiritus mit Um den 
Operateur möglichst unabhängig zu machen, hat Verf. einen Waschtisch 
konstruiert, der die Händedesinfektion sehr vereinfacht und erleichtert ; 
bezüglich der Konstruktion desselben muß auf das Original verwiesen 
werden. Appel (Charlottenburg). 

Decleman, Beiträge zur Händedesinfektion mit Dr. Schleich 's 
Mar morstaub seife. (Deutsche militärärztliche Zeitschrift. 1900. 
Heft 8 u. 9.) 

Verf. hat zunächst an 2 Versuchspersonen bakteriologische Nach- 
prüfungen des Keimgehaltes der vorher mit Erde bestrichenen Hände 
nach der Desinfektion nach Schleich 'scher Methode vorgenommen. 
Während hier indessen beide Male zahlreiche Kolonieen angingen, gelang 
es ihm, an sich selbst nach Infizierung der Hände mit Eiter-, Staphylo- 
coccus-, Pyocyaneus- und Prodigiosus -Kulturen und Kartoffel- 
erde in mehreren Versuchen Keimfreiheit wenigstens in der größeren Zahl 
der Fälle zu erzielen. Nur in einzelnen Nährböden wuchsen wenige 
Kolonieen. Die Züchtung geschah nach Abkratzen mit sterilem Messer 
durch Ueberimpfen meist in Gelatine oder auf Kartoflfelscheiben ; nur 
zweimal wurden Agarplatten verwandt, die beide bemerkenswerterweise 
nicht keimfrei blieben. Bei einer vergleichenden Reinigung der mit 
Bac. pyocyaneus bestrichenen Finger mittelst grüner Seife und der 
Schleich'schen Mischung wuchsen in den beiden ersten Fällen zahl- 
reiche, im letzten keine Keime (auf Gelationeplatten !). Vier weitere 
Versuche ergaben Sterilität der Hände, auch wenn der Marmorstaub 
durch Haidesand ersetzt wurde. Danach hält Verf. die Schleich 'sehe 
Seife für ein „ausgezeichnetes mechanisches Desinfektionsmittel für 
Hände und Vorderarme „bei guter Beherrschung der Methode" und 
wünscht ihre Verfertigung und Anwendung besonders auch in den 
Militärlazaretten. — Daß seine Versuche nicht ganz so günstige Er- 
gebnisse haben wie die Schleich 's, schiebt Verf. der von jenem 



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Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 155 

Autor verwandten Methode der Gelatinestichkultur zu. Ferner wider- 
rät er der Anwendung in bakteriologischen Laboratorien, da bei ihm 
und anderen im Gegensatz zu Schleich's Angaben Hauteinrisse durch 
den Marmorstaub in einzelnen Fällen hervorgebracht wurden. — Da 
die Schleich 'sehe Seife an der Luft und als Pulver leicht hart wird, 
wird schließlich ihre Aufbewahrung in Stückform und in gut schließenden 
Büchsen empfohlen, wo ihre Weichheit und Geschmeidigkeit sich lange 
erhält. Schmidt (Berlin). 

Erler, Antiseptische HarzkoUodiumlösungen und Impro- 
visieren der regelrechten Händedesinfektion. (Fort- 
schritte der Medizin. 1900. No. 23.) 

Die bisherigen Bestrebungen, Haut und Hände mit einem Deckstoff 
zu versehen, gehen von der Voraussetzung aus, daß eine Sterilisierung 
der Haut durch die nach gründlicher mechanischer Reinigung gegen- 
wärtig angewandten Desinfektionsmittel nicht möglich ist, daß Keim- 
freiheit aber wünschenswert sei, und bezwecken zunächst eine Vervoll- 
kommnung der Wundbehandlungsmethode. 

Es ist nun richtig, daß als sterilisiert anzusehende Hände nach 
einiger Zeit wieder Keime aufweisen, ohne daß diese von außen an die 
Haut gelangt sein können. Verf. selbst fand regelmäßig im Schweiß 
Keime, obwohl viele bei Impression der Hände vor dem Schwitzen auch 
nach mehrtägiger Beobachtung keine Keime zeigten. 

Wie die bisherigen DeckstoflFe, so haben auch die statt derselben 
angewandten Handschuhe ihre Mängel: erstere kleben meistens nicht 
genügend; die Zwirnhandschuhe sind durchlässig und die Gummihand- 
schuhe sind, wenn sie dünn genug sind, nicht haltbar genug. 

Untersuchungen, welche Evler seit Ende 1897 zusammen mit dem 
Apothekenbesitzer und Chemiker Dr. Ehrismann aus Straßburg in 
dessen Laboratorium anstellte, zeitigten schließlich eine Lösung, die 
ca. 10 Proz. Harzgemenge und 15—20 Proz. Kollodium in Aether mit 
geringem Zusatz von Alkohol enthält; das Harzgemenge besteht aus 
Sandarak, Gera japonica und Terebinth. commun. im Verhältnis von 
50 : 20 : 10 und wird für sich durch Zusammenschmelzen hergestellt 
Der Lack ist im Wasser unlöslich, bildet in wenigen Minuten einen 
festen und dabei nach außen nicht klebenden, mit der Unterlage innig 
zusammenhängenden einheitlichen Ueberzug; dieser hindert nicht bei 
Bewegungen, reizt die Haut nicht, beeinträchtigt nicht nennenswert das 
Gefühl und ist schließlich mit Aether oder Essigäther zu entfernen. Der 
Lack entspricht also soweit den Anforderungen an einen die Operations- 
technik möglichst wenig beeinträchtigenden Deckstoflf ganz gut; wie 
steht es nun mit seiner antiseptischen Fähigkeit? 

Gaze- oder Kambrikläppchen, welche mit sporenhaltiger Heu- 
bacillenkultur getränkt und getrocknet waren, verlieren durch Eintauchen 
in die sterile Harzkollodiumlösung die Fähigkeit, Keime in den Nähr- 
medien zu entwickeln. Durch den Lack sind die Keime vollkommen 
nach außen ab- und ähnlich wie in erstarrenden Nährböden einge- 
schlossen. Anders dagegen verhalten sich infizierte Haut-, Schleimhaut- 
oder Gewebsstückchen ; bei diesen kommt es zur Keimentwickelung: in 
ihrem Innern vermehren sich die Keime weiter und wachsen schließlich 
durch die dünne Lackhülle hindurch. Die durch ein-,höchstens'zweimaliges 
Eintauchen lackierten H ä n d e erwiesen sich nun, auch trotz vorheriger 



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156 Schutzimpfung, künstHohe Infektionskrankheiten, Entvrickelungsheinmung etc. 

Infektion mit sporenbaltiger Kartoffel- oder Henbabillenknltur. bei Ein- 
druck in Gelatineplatten keimfrei; aber nur für pjanz kurze Zeit; mit 
zunehmender Hautsekretion mehrten sich die Keime, sie wurden vom 
Schweiß aus den Poren herauspeschwemmt und dieser setzte OeflFnunffen 
in den Lack, durch welche z. B. Argent nitr.-Lösun^ bis auf die Haut 
drang. Auch der Keimgehalt des Schweißes regelrecht desinfizierter 
Hände wurde durch Lackieren derselben nicht geändert. 

Durch Znsatz verschiedener Antiseptika zu dem Lack suchte dann 
Verf. die hindurchtretenden Keime, ebenso wie die der Haut auflapjern- 
den, abzutöten. Am besten bewährte sich hierbei 2 Promille Sublimat- 
lack, welchem CitronensSure, 7,5 : 1,0 Sublimat, zugesetzt ist Die Er- 
gebnisse der mit dieser Lacklösung im hygienischen Institut der Univer- 
sität Straßburg angestellten Desinfektionsversuche sind niedergelegt. 
Sie lassen sich kurz dahin zusammenfassen : trotz der keimabschließenden 
und keimfixierenden Wirkung des Lackes, trotz der gewöhnlichen Eiter- 
erregern gegenüber vorhandenen Desinfektionskraft der sauren Sublimat- 
lacklösung, trotz des chemisch mit Filtrierpapier und Schwefelammonium- 
lösung nachzuweisenden üebergehens des Sublimats in den Schweiß 
blieben doch mit dem Schweiß durch die Lackhaut hindurchtretende 
Keime bei nicht desinfizierten, aber auch bei desinfizierten Händen 
lebensfihig. Da man mit sporenhaltigen pathogenen Bakterien auf der 
Hand nicht zu rechnen hat, der fixatorischen Eigenschaften des Lackes 
also nicht bedarf, so bieten antiseptische Harzkollodiumlösungen weder 
als Ersatz, noch als Ergänzung der Händedesinfektion Vorteil. 

Mühlschlegel (Stuttgart). 

Braatz, E«, lieber eine bisher unbeachtete Eigenschaft 
des Alkohols bei seiner Verwendung zur Händereini- 
gung. (Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 29.) 
Zur Erklärung der Wirkung des Alkohols in der Händedesinfektion 
nach Fürbringer betont Verf. weniger die fettlösende Eigenschaft — 
dieselbe ist nach chemischen Versuchen minimal — oder die baktericide 
Kraft, als vielmehr seine durch einfache physikalische Proben nachzu- 
weisende Fähigkeit, die in den Hautporen enthaltene und die Desin- 
fektion hemmende Luft schnell zu beseitigen. Aether bewirkt dasselbe, 
löst sich aber schwer in Wasser, während Alkohol sich ohne Schwierig- 
keiten an die vorhergehende Wasserseifenwaschung ansohließt-und sich 
leicht mit dem folgenden Antiseptikum verbindet 

(Nach des Ref. Ansicht müßte es sich demnach empfehlen, auch 
der Wasserseifenwaschung bereits eine Alkoholabreibung vorausgehen 
zu lassen, um hier schon die die tiefere Reinigung hindernde LuiPt aus 
den Hautporen zu vertreiben.) Schmidt (Berlin). 

KrSnlff u. Blnmberg, Beiträge zur Händedesinfektion. Leip- 
zig (Georgi) 1900. »39 p. 

— ~-, Vergleichende Untersuchungen über den Wert der 
mechanischen und Alkoholdesinfektion der Hände 
gegenüber der Desinfektion mit Quecksilbersalzen, 
speziell mit Quecksilberäthylendiamin. (Münch. med. 
Woöbenschr. 1900. No. 29 u. 30.) 
Die Verff. haben in der Leipziger Frauenklinik neue Versuche 

über Händedesinfektion angestellt und haben eine wesentlich andere 



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BohntzimpfuBg, künstliche Infektionskrankheiten, Entwiokelungshemmung etc. 157 

Anordnung eingehalten als Paul und Sarwey. Während diese die 
Tageshand auf die Keimabnahme nach verschiedenen Desinfektions- 
methoden prüften, haben Kr. und Bl. die Hände vorher mit be- 
stimmten Bakterienarten beschickt. Sie erachteten dies aus dem Grunde 
för notwendig, well man sonst bei der Entnahme von der desinfizierten 
Tageshand im Falle des Erscheinens von Kolonieen auf den künst- 
lichen Nährböden allerdings die Deutung machen kann, daß die Des- 
infektion ungenügend war, dagegen im Falle des Ausbleibens von 
Wachstum kein sicheres Urteil über die Wirksamkeit des Antiseptikums 
falleo kann. Zur Beschickung der Hautoberfläche wurde der Micro- 
coccus tetragonus herangezogen, der den großen Vorteil hat, für 
den Menschen nicht, für die weiße Maus hoch pathogen zu sein. Bei 
üebertragung von Hautabschabseln oder excidierten Hautstückchen 
nach der Desinfektion auf den Tierkörper erachten es VerflF. nicht für 
notwendig, das angewandte Desinfektionsmittel mechanisch vollständig 
zu entfernen oder chemisch unwirksam zu machen, weil das den na- 
türlichen Verhältnissen bei der Operation nicht entspricht ; es darf viel- 
mehr eine vorher infizierte Haut dann als genügend desinfiziert ange- 
sehen werden, wenn bei üebertragung von Hautabschabseln auf den 
empfänglichen Tierkörper dieser nicht mehr infiziert wird. Aus diesem 
Grunde sei der Tierversuch der üebertragung auf künst- 
liche Nährböden als Methode der Prüfung einer erfolgreichen Des- 
infektion der Hände weit vorzuziehen. 

Die Entnahme der Keime nach der Desinfektion wurde in der Weise 
vorgenommen, daß die Haut mit sterilem Marmorstaub abgerieben, 
dieser mit Bouillon abgespritzt und in sterilen Schalen aufgefangen 
wurde; davon bekommen dann die Tiere je 1 ccm subkutan. So starben 
von je 6 geimpften Mäusen nach 5 Minuten langer Händereinigung mit 
Leitungswasser, Schmierseife und Bürste alle (bei 5 tetragonus), nach 
12 Minuten langer Reinigung noch 3. Auffallend schlecht sind die 
Resultate, wenn statt der Schmierseife und Bürste die Schi eich 'sehe 
Marmorseife benutzt wurde: nach 10 Minuten langer Händereinigung 
starben von 13 Mäusen alle an der Tetragonus -Infektion. Bei der 
Ahlf eld'schen Desinfektion (5 Minuten mit Heißwasser und Schmier- 
seife und 5 Minuten mit Alkohol bürsten) starben von 12 Mäusen noch 8. 

Viel günstigere Resultate erhielten die üntersucher, wenn sie der 
mechanischen Desinfektion (5 Minuten mit Wasser und Schmierseife 
bürsten) eine chemische, und zwar 3 Minuten langes Bürsten mit 1- 
proz. Quecksilberäthylendiaminlösung folgen ließen: von 10 geimpften 
Mäfusen starb keine; bei einer gleichlangen Desinfektion mit einer 
1-proz. Sublimatlösung starb ebenfalls keine Maus an Tetragonus, 
wohl aber 8 Mäuse an Quecksilbervergiftung. Die Quecksilberäthylen- 
diaminlösung hat bei der praktischen Anwendung auf die Haut den 
großen Vorteil vor der Irproz. Sublimatlösung voraus, daß sie keine 
Reizwirkung ausübt und deswegen auch, wenn es sich um stärker in- 
fizierte Hände handelt, den Vorteil, daß sie in sehr hohen Konzentrationen 
angewendet werden kann. Mühlschlegel (Stuttgart). 

Iiaitinen, T., Alkoholeinfluß auf die Empfindlichkeit für 

Infektionsstoffe. (Zeitschr. f. Hyg. Bd. XXXIV. 1900. Heft 2.) 

Der Alkohol ruft unter allen umständen eine deutliche und meist 

recht erhebliche Steigerung der Empfänglichkeit, der Disposition des 



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158 Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 

tierischen Körpers für künstliche Infektionen hervor; sei es, daß er in 
wenigen großen oder in zahlreichen, über längere Zeit fortgesetzten 
kleineren Dosen verabfolgt wird, sei es, daß es sich um akute oder 
chronische Infektionen oder um reine Intoxikationen handelt Dieser 
begünstigende Einfluß des Alkohols auf den Verlauf der verschiedeDen 
krankhaften Prozesse giebt sich zu erkennen entweder darin , daß die 
Affektion bei den alkoholisierten Tieren den Tod herbeiführt, die Ver- 
gleichstiere dagegen unberührt läßt, oder darin, daß doch wenigstens 
der verhängnisvolle Ausgang dort eine mehr oder minder beträchtliche 
Beschleunigung erfährt. Wichtig sind die beträchtlichen Schwankungen 
und Differenzen der individuellen Empfindlichkeit, die die Angehörigen 
der gleichen Tierart, ja sogar des gleichen Wurfes, Stücke von ganz 
demselben Alter, Gewicht, Geschlecht und Ernährungszustand dem 
Alkohol gegenüber immer von neuem an den Tag legten. Mengen, die 
einige Tiere fast ohne jede erkennbare Reaktion ertrugen, riefen bei 
anderen schwere Trunkenheit und eine viele Stunden dauernde Be- 
täubung hervor, so daß man aus dem Vorrat ganze Gruppen von dieser 
oder jener Sorte zusammenstellen und in den Versuch einführen kann. 
Von nicht geringem Interesse ist ferner das Verhalten der von alkoholi- 
sierten Müttern stammenden Jungen in dieser Beziehung. Eine Anzahl 
Meerschweinchen wurde etwa vom Beginn der Schwangerschaft an 
längere Zeit mit größeren oder geringeren Dosen Alkohol behandelt 
Einige gebaren gegen Ende der Gravidität tote Früchte, andere aber 
brachten lebende Junge zur Welt. Die letzteren gingen meist zwar vor 
dem 10. Tage wieder zu Grunde, etliche wenige indessen, besonders 
solche, deren Mütter nur geringe Mengen Alkohol bekommen hatten, 
blieben länger am Leben und zeigten im Versuche nun eine deutliche 
Erhöhung der Empfindlichkeit gegen das Diphtherietoxin im Vergleich 
mit ebenso alten, aber von nicht behandelten Müttern herrührenden 
Tieren. Die alkoholisierten Muttertiere selbst starben übrigens in der 
Regel einige Tage nach der Geburt und zwar an Peritonitis; in 2 Fällen 
wurden aus dem Herzblut und dem Peritonealinhalt alsdann Strepto- 
kokken in Reinkultur gewonnen. Eine ungemein gesteigerte Empfind- 
lichkeit gegen den Alkohol legten ferner auch alle Tiere mit inter- 
kurrenten Leiden, namentlich die mit Coccidien und Cysticerken behafteten 
Kaninchen an den Tag. Mit besonderer Sorgfalt ist der Enfiufi des 
Alkohols auf die Temperatur der Tiere verfolgt worden. Die Körper- 
wärme wurde meist 2mal täglich (morgens und abends) gemessen. Ein 
Unterschied zwischen den alkoholisierten, aber noch nicht infizierten, 
und den Kontrolltieren trat dabei in der Regel nicht hervor. Nur wenn 
so große Mengen Alkohol gegeben worden waren, daß das Tier nahezu 
in Agonie verfiel, machte sich eine deutliche Herabsetzung bemerkbar. 
Nach der Einführung des InfektionsstoflFes schien die Temperatur bei 
den Alkoholtieren im allgemeinen länger über die Norm erhöht zu 
bleiben, als bei den nicht alkoholisierten. Es liegt nun nahe, aus allen 
diesen Befunden einen Rückschluß auf die Verhältnisse beim Menschen 
zu thun; zumal diejenigen Alkoholmengen, die bereits eine deutliche 
Steigerung der Empfänglichkeit zur Folge hatten, wie z. B. eine ein- 
malige Dosis von 10, oder tägliche Gaben von 5 ccm auf 1— IV« kg 
Tiergewicht, die auch beim Menschen unter Umständen vorkommenden 
keineswegs übertrefi^en, denn 5 ccm absoluten Alkohols entsprechen bei 
einem Menschen von 75 kg etwa 3 Liter Wein u. s. w. Indessen warnt 



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Scbntzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 159 

Verf. da vor solchen Verallgemeinerungen, wo es sich darum handelt, 
den Einfluß eines Giftes in bestimmter Richtung zu beurteilen, dessen 
sonstige Wirkungen erfahrungsgemäß den einzelnen Arten und In- 
dividuen gegenüber die größten Unterschiede zeigen. Immerhin glaubt 
Verf. angesichts der so klaren, eindeutigen und immer wiederholten Er- 
gebnisse behaupten zu dürfen, daß die Verwendung des Al- 
kohols;bei der Behandlung infektiöser Erkrankungen 
des Menschen in den berichteten Thatsachen mindestens 
keine Stütze findet. Deeleman (Dresden). 

Dtendonn^, Ueber die Desinfektion mit Karboformalglüh- 
blocks. (Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 42.) 
Verf. hat mit den Karboformalglühblocks zum Vergleich mit den 
anderen Formaldehyddesinfektionsmethoden Versuche angestellt. Dieselben 
wurden in einem Zimmer von 5 m Länge, 5 m Breite und 4,8 m Höhe, 
also insgesamt 120 cbm Rauminhalt, ausgeführt. Das Zimmer war sorg- 
fältig ausgedichtet Als Testobjekte wurden an Seidenfäden angetrock- 
nete Milzbrandsporen, ferner getrocknete Seidenfäden und Tuchläppchen 
mit Typhus-, Cholera- und Diphtheriebakterien, sowie mit Staphylo- 
coecns aureus verwendet; die Bakterienproben waren in der Weise 
hergestellt, daß 24 Stunden alte Agarkulturen in Bouillon aufgeschwemmt 
and damit sterile Seidenfäden und Läppchen getränkt wurden. Die 
Testobjekte wurden in verschiedenen Teilen des Zimmers (an der Decke, 
in der Mitte des Zimmers, auf dem Fußboden, am Fenster, auf dem 
Ofen u. s. w.) verteilt Die notwendige Befeuchtung des Zimmers wurde 
anfangs, dem Rate E noch 's folgend, durch das Ausgießen eines Eimers 
warmen Wassers auf den Fußboden zu erreichen gesucht, doch zeigte 
bereits der erste Versuch, daß diese Methode der Luftbefeuchtung un- 
genügend war. Trotz Verwendung von 6 Glühblocks, also von 2,5 g 
pro Kubikmeter, waren nur 40 Proz. der ausgelegten Testobjekte abge- 
tötet Auch durch Aufhängen von nassen Leintüchern wurden keine 
wesentlich besseren Resultate erzielt Dagegen gelang die Desinfektion 
vollständig, nachdem in einem Kochtopf vor dem An gl üben der Glüh- 
blocks 3 Liter Wasser mittels Spiritus verdampft worden waren. Das 
ungünstige Resultat der ersten Versuche war also offenbar nur durch 
den ungenügenden Feuchtigkeitsgehalt der Luft, den auch der Hygro- 
meter angezeigt hatte, bewirkt worden. Verf. meint, daß die günstigen 
Resultate, welche Enoch mit der von ihm als ungenügend befundenen 
Befenchtungsmethode erhalten hat dadurch erklärbar sein mögen, daß 
zur Zeit der Enoch 'sehen Versuche in Hamburg die Luft an sich einen 
sehr hohen Feuchtigkeitsgehalt hatte. 

Für die praktische Verwertbarkeit der Methode hängt also alles 
davon ab, daß man auf möglichst einfache Weise eine gründliclie Be- 
fenchtnng des zu desinfizierenden Raumes erzielt Am besten wird das 
erreicht durch Uebergießen von rotglühend gemachten Ziegelsteinen mit 
kochendem Wasser; man macht hierzu in dem Feuerraum eines 
Küchenherdes oder in einer sonstigen Feuerstelle einen in etwa 2—3 
Stücke zerschlagenen Ziegelstein rotglühend, wozu je nach Stärke des 
Feuers 15 — 30 Minuten notwendig sind. Dann gießt man in einen 
Eimer etwas kochendes Wasser und zwar nur so viel, daß der Boden 
des Gefißes bedeckt ist ; man legt hierauf die glühend gemachten Ziegel- 
steine mittels einer Kohlen schaufei hinein und begießt dieselben ganz 



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160 Schutzimpfung, künstliche Infekdonakrankheiten, Sntwickelungshenunuil^ e^ 

langsam mit kochendem Wasser. In wenig Minuten ist der Raum mit 
Wasserdampf und Nebel erfüllt. Ein Ziegelstein und 2 Liter Wasser 
genügen zur Befeuchtung eines Raumes bis zu 80 cbm, für größere 
Räume verwendet man entsprechend mehr glühende Steine und mehr 
kochendes Wasser. ' Auf diese Weise gelingt es, wie zahlreiche, durch 
den Hygrometer kontrollierte Versuche ergaben, mit Sicherheit einenge-' 
nügende Befeuchtung des zu desinfizierenden Raumes zu erzielen. 

In dem auf diese Weise vorher befeuchteten Zimmer ergab die 
Desinfektion mit den Karbolformalglühblocks nunmehr günstigere Resul- 
tate. Die aus den Glühblocks entwickelten Formaldehyddämpfe wurden 
stets 7 Stunden einwirken gelassen, hierauf Ammoniak eingeleitet und 
sodann die verschiedenen Testobjekte nach nochmaliger Abspülung in 
steriler Ammoniaklösung in Bouillonröhrchen übertragen. Bei Verwen- 
dung von 6 Glühblocks, also von 2,5 g Formaldehyd pro Kubikmeter, 
waren in sämtlichen 10 Versuchen alle vegetativen Bakterienarteu ab- 
getötet. Auch die Milzbrandsporen waren fast stets abgetötet; nur in 
zwei Versuchen zeigte sich bei den am Fensterbrett und am Ofen auf- 
gestellten Sporen nachträgliche Entwickelung. Bei Verwendung von 5 
Glühblocks, also etwa 2 g Formaldehyd pro Kubikmeter, waren gleich- 
falls die vegetativen Bakterien sämtlich abgetötet, die Sporen dagegen 
nur in 55 Proz. 

Weit ungünstiger wurden die Resultate dagegen, wenn man mit der 
Formaldehydmenge noch weiter herunterging und in dem betreffenden 
Zimmer nur 4 Glühblocks, d. h. 1,6 g Kubikmeter, vergasen lie£. Unter 
diesen Umständen waren höchstens ^ Proz. auch der vegetativen Bak- 
terienproben steril. 

Bei der Verwendung einer größeren Menge von 10 Glühblooks, 
also von 4^17 g pro Kubikmeter, konnte die Zeitdauer der Einwirkung 
auf S'/s Stunden reduziert werden; jedoch war das Resultat kein so 
sicheres, wie bei der Verwendung von 2,5 g unter Einwirkung von 
7 Stunden. 

Nach diesen Versuchen läßt sich mit den Karboformalglühblocks 
bei Verwendung von 2 — 2,5 g Formaldehyd pro Kubikmeter und vor- 
hergehender gründlicher Durchfeuchtung des Raumes eine wirksame 
Oberflächendesinfektion erzielen. Natürlich beschränkte sich die Ver- 
wendbarkeit auch dieser Methode, ebenso wie bei den anderen Formal- 
dehyddesinfektionen auf eine bestimmte Anzahl von Krankheiten, insbe- 
sondere Diphtherie, Scharlach, Tuberkulose, Masern und Influenza. Es 
sind dies aber, wie Flügge mit Recht hervorhebt, mindestens 90 Proz. 
aller Krankheiten, bei denen eine Desinfektion notwendig ist. 

Deeleman (Dresden); 

Saikowski, E., Ueber die antiseptische Wirkung von Salicyl- 
aldehyd und Benzoesäureanhydrid. (Virchow's Archiv. 
Bd. GLVII. p. 416.) 
S. weist Bokorny gegenüber daraufhin, daß er schon vor längerer 
Zeit darauf aufmerksam gemacht habe, daß das Salicylaldehyd stärker 
antiseptisch wirke als die Salicylsäure. Bei 0,1 Proz. wirkte es sicher 
entwickelungshemmend, aber nicht, wie Bokorny angiebt, sicher des- 
infizierend. Ueberhaupt sei es falsch, für die desinfizierende Kraft eines 
Mittels einen allgemein giltigen Judex aufzustellen, da man die Des- 
infektionswirkung nicht nur zur angewandten Konzentration des Mitteis, 



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Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. Igl 

sondern auch zur Natur der zu desinfizierenden Substanz in Beziehung 
zu setzen habe. So gelang es z. B. nicht, Blut (mit Rohrzuckerzusatz) 
durch PfeflFerminzöl (trotz des nicht oxydierenden Menthols, des wirk- 
samen Bestandteiles), durch Zimmtöl oder Salicylaldehyd (0,5 bezw. 
0,4 Proz.) dauernd zu desinfizieren; nach 1^/4 Jahr waren alle Proben 
gefault. S. macht dann noch auf die antiseptische Wirkung des Benzoö- 
säureanhydrids aufmerksam, das sich ganz wie das Salicylaldehyd ver- 
hält Diese Stoffe wurden auf ihre etwaige Fähigkeit, den Darm zu 
desinfizieren, geprüft; sie erwiesen sich aber als nicht zureichend. 

Mühisch legel (Stuttgart). 

Catteilna, 0^., Azione dei vapori di formaldeide sui centri 

nervosi dei conigli morti di rabbia sperimentale. (Atti 

Soc Veneto-Trent. di Sc. natur. Ser. II. Vol. IV. Padova 1900. 

8 pag.) 

Verf. stellt die Resultate zusammen, welche mit physikalischen und 

chemischen Mitteln über die Widerstandskraft des Wutvirus seit 

Pasteur (1885) erzielt wurden. Die nicht immer übereinstimmenden 

Resultate bei verschiedenen Autoren erklärt Verf. durch die verschiedene 

Provenienz des Virus, das eine' ganz verschiedene Wirksamkeit besitzt, 

je nachdem es einem Hunde oder dem Menschen entnommen ist. 

Die Untersuchungen des Verf.'s beziehen sich auf die Wirkung der 
Formaldehyddämpfe auf den in Rede stehenden Krankheitserreger. Er 
füllte in mehrere Erlenmayer 'sehe Flaschen je 4 g Formaldehyd ; in 
dieselben Flaschen wurde tags darauf ein Wattepfropfen gegeben, mit 
hängenden Wollfäden, die vollgesogen waren mit einer Emulsion aus 
Hirnsubstanz wutkranker Kaninchen. 5 Minuten nach Beginn des 
Versuches wurden die Wollfäden aus der ersten Flasche herausgenommen 
und in einem Mörser mit. Wasser wieder ausgezogen. Die Flüssigkeit 
wurde dann in den Schädel von Kaninchen geimpft. Derselbe Vorgang 
wurde mit den weiteren Flaschen, in einem Abstände von je 5 Minuten, 
wiederholt. Es starben an den Wirkungen der Wut die Kaninchen, 
welche mit Emulsionen geimpft wurden, die nur 5, bezw. 10 Min. 
lang den Formoldämpfen ausgesetzt gewesen waren; alle übrigen, die 
mit Emulsionen geimpft wurden, welche 15 bis 45 Minuten lang in die 
For moldämpfe getaucht gewesen waren, blieben erhalten. 

So IIa (Triest). 

Tayemarl, Le proprietä antibacteriche dei vinelli studiate 
rispetto alla diffusione dei colera e dei tifo. (Rivista 
dlgiene e Sanita pubblica. Anno XL 1900.) 
Verf. hat beobachtet, daß die sogenannten kleinen oder zweiten und 
dritten Weine (vinelli, vini sottili da famiglia) keine Gefahr 
für die Cholera- oder Typhusverbreitung bieten, selbst wenn sie mit 
infiziertem Wasser bereitet werden, denn der natürliche Verlauf ihrer 
Gärung ist hinreichend, um die Cholera- und Typhusbakterien zu zer- 
stören. Gorini (Rom). 

Klingmflller, Ueber Jodipin. [Aus der Universitätsklinik f. Haut- 
krankh. in Berlin.] (Deutsche med. Wochenschr. 1900. No. 26.) 
Das Jodipin, ein zuerst von Winternitz empfohlenes Fet.tpräparat, 
hat vor den Jodalkalien den Vorzug, daß es bei innerer Darreichung 

Ente Abt. ZX1Z. Bd. 11 



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162 Neae Litteratar. 

schneller resorbiert and langsamer wieder ausgeschieden wird, also 
nachhaltiger wirkt, ohne daß es dabei zu einer kumulativen Wirkung 
kommt Auf N eißer 's Klinik wird das 25-proz. Präparat zu subkutanen 
Injektionen in die Glutäalgegend verwendet. Vor der Einspritzung ist 
das Mittel anzuwärmen, wodurch es eine mehr flüssige Konsistenz er- 
hält. Mit Hilfe solcher Injektionen wurden namentlich bei tertiärer 
Lues, insbesondere Syphilis der visceralen Organe (Knochenmark, Mus- 
kel, Leber u. s. w.) und bei Aktinomykose gute Erfolge erzielt Jodis- 
mus oder andere ungünstige Nebenwirkungen wurden in keinem Falle 
beobachtet Kühler (Berlin). 



Conigendnm. 



In Abt L Bd. XXVm. 1900. p. 751 Zeile 26 von unten ist der in Klammem 
eingeschloBsene Satz zu streichen. NuttalL 



Neue Utteratur, 

«uammengeiteUt von 

San.-Rat Dr. Arthur WOrzburg, 

Bibliothekar Im Kaiwrl. üetoodheltnmto in Uerlln. 



Allgemeines Aber Bakterien und Parasiten. 

Chomienne, Le laboratoire d§partemental de bact^riologie de Constantlne. [Th^.] Mont- 
pellier 1900. 

ChurtU, K. J., The essentials of praotical bacteriology. An elementar^ laboratory book for 
stadents and practitioners. 8^ 308 p. London (Longmans) 1900. 9 ah. 

CMlletgr, Guerre ans mlcrobea. Pet. 8^ 30 p. Ma^on (Impr. Protat fr^res) 1900. 

Biologie. 
(Gärung, Fäulnis, Stoffweohselprodukte u. s. w.) 

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Ztschr. f. physioL Chemie. Bd. XXXI. 1900. Heft 1/2. p. 161—164.) 
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ein besonderes Enaym anzunehmen? (Ztschr. f. Spiritusindustrie. 1900. No. 51. p. 469.) 
Bokomy, Th.» Einiges über die Hefe als Fermentträger. (Naturwissensohaftl. Wohschr. 

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Nene litterator. 163 

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Weis, Tr„ Ueber das proteolytische und ein eiweißkoagulierendes Enzym in keimender 

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2,50 fr. 

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Behrens y J., Ueber die oxydierenden Bestandteile und die Fermentation des deutschen 
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Bnufl, H.y üeber Zimmerdesinfektion vermittelst des Formalins. (Arch. f. öffentl. Gesund- 
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Beziehungen der Bakterien und Parasiten zur belebten Natur. 

Harmlose Bakterien und FarasiteiL 

Hevfeld, L., Beitrag mr Kenntnis der Sm^gmabaciUen. (Arch. f. Hygiene. Bd. XXXIX. 
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Krankkeltserregende Bakterien und Parasiten bei Menschen. 

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Xodtinen, T., lieber den Einfluß des Alkohols auf die Empfindlichkeit des tierischen 

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11* 



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164 Neue Ldtteratur. 

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Shixlay» J.» Mosquitoes and malaria. (Proceed. of the Royal soc. of Queensland. Vol. XV. 

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(Pocken [Impfung], Flecktyphus, Masern, Röteln, Scharlach, Friesel, Windpocken.) 

Bviflt, J. B., The micro-organisms of yaccine materials. (Lanoet. 1900. VoL 11. No. 20. 

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Kanfinann, M., Bericht über die im Sommer 1900 beobachtete Blattemepidemie. (Münch. 

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a. u. f. Baden. 1900. No. 22. p. 243—249.) 
Sucher, Die Bedeutung der Scheidenkeime in der Geburtshilfe. (Ztschr. f. Qeburtsh. u. 

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Infektionsgesch Wülste. 
(Lepra, Tuberkulose [Lupus, Skrofulöse], Syphilis [und die anderen venerischen Krankheiten].) 

Oboanenko, F. S., Syphilis und andere Infektionskrankheiten in den polnischen Dörfern. 
(Westn. obschtschestw. gigieny, ssudebn. i praktitsch. med. 1900. No. 2/3.) [Russisch.] 



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Neue Litteratur. Ig5 

Vorkommen, gehäuftes, von Carcinomfällen in Thüringen. (Korrspdzbl. d. allg. ärztl. Ver. 
V. Thüringen. 1900. No. 11. p. 553—564.) 

Diphtherie und Croup, Keuchhusten, Grippe, Pneumonie, epidemische Genickstarre, 

Mumps, Bückfallsfieber, Osteomyelitis. 

SsolLorieh, Th., Diphtherie. Säkularartikel. (Berl. klin. Wchschr. 1901. No. 2. p. 33— 40.) 

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Vol. m. 1900. No. 28. p. 83—85.) 

BheumadsmuB. 

MaUlurd, J»., Bhnmatisme tubercnleuz ou pseudo-rhumatisme infectieux d'origine bacillaire. 
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Pellagra, Beri-beri. 

Vau dar Scheer, ▲., The etiology of beri-beri. (Joum. of tropical med. Vol. m. 1900. 
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Jamv^moL, Bapport sur un ouvrage de M. J. P. Cardamatis intituU: Traiti de la fi^vre 
bilieuse himoglobinurique observ^e en Gr^ce. (Bullet, de Facad. de m§d. 1900. No. 45. 
p. 648—655.) 

▼illaiii, Q., Süll' etiologia e patogenesi della febbre biliosa emoglobinurica. (Morgagni. 
1900. Nov.) 

B, Ir^ektiöse Lokalkrankheiten, 

Verdauungsorgane. 

Spiokenbaum, K., Ein Fall von Appendicitis actinomycotica. [Inaug.-Diss.] gr. 8^ 28 p. 
Kiel 1900. 

C, ErUozootüche Krankheiten. 
(Finnen, Bandwürmer, Trichmen, £>shinokokken, Filaria, Oestruslarye, Ascaris, Ank)^lo8tomum, 

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Fiorentiiii, ▲. e Garino, S., Un caiso dl echinococoo multiloculare. (Atti d. soc. ital. d. 

scienze natur. Vol. XXXIX. 1900. Fase. 2. p. 125—129.) 
Chrasfli, B. e Vod» Q., Pro]>agazione delle filarie del sangue esdusivamente per mezzo della 

puntnra di peculiari zanzare. (Atti d. r. Aocad. d. Lincei. Bendic. Vol. IX. 1900. Fase. 5. 

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Preritora, S.» Due casi probabili di Taenia leptocephala nei minatori delle zolfare. (Bollett. 

d. Aocad. Gioen. d. scienze natur. Catania 1900. N. S. Faac. 63. p. 9—11.) 

ErankheltseiTefende Bakterien und Parasiten bei Mensehen nnd Tieren. 

Tollwut 

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Columbia, (ü. S. Departm. of Agricult. Bureau of animal industry. Bullet. No. 25.) 8^ 
29 p. Washington 19001 

Maul- und Klauenseuche. 

Loeifler u. Dl&lenlLiitli, Ueber die Schutzimpfung gegen die Maul- und Klauenseuche, im 
Besonderen über die praktische Anwendung eines Schutzserums zur Bekämpfung der Seuche 



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Ißg Neue Litteratur. 

bei Schweinen und Schafen. (Beri. tierärzü. Wchsehr. 1900. No. 52. p. 613—616. — 
Dtsche med. Wchschr. 1901. No. 1. p. 7—9.) 

Krankheiteerregende Bakterien and Parasiten bei Tieren« 

Säugetiere. 
Infektiöse AUgemeinkrankheiten, 

Jahresbericht über die Yerbreitang von Tierseuchen im Deutiohen Beidi. Bearb. im kaiserl. 

Oesundheitsamte sn Berlin. 14. Jahr^. Das Jahr 1899. Mit 5 (färb.) Uebersichtakarten. 

Lex.-S*». VI, 172 u. 96 p. Berlin (Julius Springer) 1900. 10 M. 

Stand der Tierseuchen in Italien vom 2. April bis 1. Juli 1900. (Veröffentl. d. kaiserl. 

Ge8uudh.-A. 1900. No. 47. p. 1155—1156.) 

Tuberkulose (Perlsucht). 

Bermbaoh, Die Gefahren der Eutertuberknlose der Kühe vom national-<^konomischen und 

sanitären Standpunkte. (Landwirtschaftl. Centralbl. Organ der Landwirtsehaftskammer f. 

d. Prov. Posen. 1900. No. 49. p. 477—478.) 
Xaipaoheer, J. X., Gontribuci6n al estudio de la tuberoulosis del caballo. (Rev. veterin. 

Buenos Aires. 1900. No. 93. p. 233—237.) 
Preufien. Bundschreiben des Ministeriums für Landwirtschaft, betr. die Tuberkulinprobe bei 

Bindern. Vom 29. Oktober 1900. (Veröffentl. d. kaiserL Gesundh.-A. 1900. No. 48. 

p. 1163.) 

Krankheiten der Wiederkäuer. 

(Einderpest, Lungenseuche, Texasseuche, Grenickstarre, Ruhr und Diphtherie der Kalber, 

Bauschbrand, entozootisches Verkalben.) 

Idgnl^rea, La „Tristeza" dans la B^publique argentine. (Becueil de m6d. v^t^rin. 1900. 

No. 22. p. 735—774.) 
Schattenfroh, ▲. u. OraBbersfer, S., Die Beziehungen der unbeweglichen Buttersäure- 

bacillen zur Bauschbrandaffektion. (Münch. med. Wchschr. 1900. No. 50. p. 1733.) 

Krankheiten der Vielhuf er. 
(Botlauf, Schweineseuche, Wildseuche.) 

Dinwiddie, S. S., Gruber's reaction in bog cholera. (Joum. of oomparat. med. and 
veterin. arch. 1900. No. 9. p. 528—532.) 

Tliiarry, B., Le porc. 'Zoologie; anatomie et physiologie; raoes pordnes; produoUon; ex- 
ploitation; hygi^ne et maladics. (Libr. agric. de la Maison rustique.) 8". 71 p. Avec 
22 fig. et 5 planch. Paris 1900. 3,50 fr. 

Amphibien. 

Viokenon, W. S., 'Note on Distomum arcanum (n. sp.) in American frogs. (Amer. 
naturalist. Vol. XXXIV. 1900. Oct. p. 811—815.) 

Fische. 

CalkinB, Q. H., Lymphosporidium truttae nov. gen. nov. spec., the cause of recent brook 
trout epidemic. (Science. N. S. Vol. XII. 1900. No. 289. p. 64—65.) 

Wirbellose Tiere. 

Zelintner, L., Nieuwe parasiten der borders. (Arch. v. de Java-Sulkerind. 1900. Afley. 15. 
12 p.) 



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Neue Litteratur. 167 



Sehntzlmpfiingen, kfinstliche Infektionskrankheiten, Entwickelungs- 
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MflUor, O. J^ Zui Aaepsifl des Katheterismns. (Allg. med. Central-Ztg. 1900. No. 100. 

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▼. WnnwohlKriTn , O.* Beeinflafit Glyoerin als Lösungsmittel den Desinfektionswert von 

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Diphthene. 

Andz^p S. IL., Propriltte parasp^eifiques du s6nim antidipht^riqne. (Key. mM. de PEst. 

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▼ioU, Q., Sulle iniezioni profilattiehe nella difterite. (Pediatria. 1900. Gingno.) 

Andere Infektionskrankheiten. 

AjAotng, S. et Conrmont» F., Etüde de l'influence chez le ehien d'ane inoenlation de 

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1900. No. 101. p. 1209.) 
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rend. de la soc. de biol. 1900. No. 37. p. 1007—1009.) 
Sata, St., Ueber Fütterungspest und das Verhalten des Pestbacillus im tierischen Körper 

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Schweiz. Aerzte. 1900. No. 24. p. 771—775.) 
WlaeiF, Contribution k l'6tude du traitement des tumeurs malignes par le s6rum anticellu- 

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168 



Inhalt. 



Inhalt 



Originalmittoilimgen. 



d'Arrigo, Q., üeber die Gegenwart und 
über die Phasen des Koch'säen Bacillus 
in den sogenannten skrofulösen Lymph- 
drüsen. (Ori^.), p. 122. 

Ascher, Der Einfluß der Gholeradosis auf 
die Immunisierung. (Orig.). p. 125. 

Qalli- Valerie, Bnmo, Los vapeurs de 
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(Orig.), p. 127. 

Fanl, Theodor, Die Anwendung des 
W. Oswald'schen Thermoreflnüators für 
Brutschränke. (Orig.), p. 129. 

Simon, F. B., Ueber die Einwirkung leuko- 
cytenhaltiger Flüssigkeiten auf Strepto- 
kokken. (Orig.) [Schluß], p. 113. 

Originalreferate ane den Sitenngen 
gelehrter Qeeellechafben. 

Edington, Alexander, Die südafrikanische 
Pferdekrankheit. Pathologie und Me- 
thoden der Schutzimpfung. (Orig.), p. 133. 

Beferate. 

Branlt, J., R61e consid^rable de Tanimalit^ 

dans r^tioloffie et la pathog^nie des ma- 

ladies dans les contr^es chaudes et tropi- 

cales, p. 144. 
Chonx, X., Des ruptures de la rate ; deux 

cas nouveaux observ^s (diez des palud^ens 

d'Alg^rie, p. 148. 
Ewald, C. A., Ein weiterer Fall von 

Polyneuritis nach Malaria, p. 148. 
Koch, B., Schlußbericht über die Th&tig- 

keit der Malariaexpedition, p. 145. 
, Zusammenfassende Darstellung der 

Ergebnisse der Malariaexpedition, p. 145. 
Vincent, K., Contribution k Tötioiogie de 

la fi^vre bilieuse h^moglobinurique, p. 148. 
Ziemann, K., Zweiter Bericht über die 

Malaria und Moskitos an der Westküste, 

p. 147. 
— — , üeber das Schwarzwasserfieber, 

p. 149. 

Untennchimgemethoden, Inetm- 
mente etc. 

Froet, W. D., A simple gasometer for fer- 
mentation tubes, p. 150. 



Hill, K. W., A modification of the fer- 
mentation tube for bacteriological work, 
p. 150. 

Sohntaimpftang, Mnetliche Infektions- 
krankheiten, Entwickelnngahentmimg' 
und Vernichtung der Bakterien. 

BOder, Zur Frage von der Heilkraft dee 
Lichtes, p. 151. 

Braate, B., Ueber eine bisher unbeachtete 
Eigenschaft des Alkohols bei seiner Ver- 
wendung zur Hfindereinigung, p. 156. 

Catterina, Q., Azione dei vapori di formal- 
deide sui centri nervosi dei conigli morti 
di rabbia sperimentale, p. 161. 

Deeleman, Beiträge zur Hftndedesinfektion 
mit Dr. Schleich's Marmorstaubseife, 
p. 154. 

Diendonnd, Ueber die Desinfektion mit 
Karbolformalglühblocks, n. 159. 

Bvler, Antiseptische HarzkollodiumlOsun- 

S^n und Improvisieren der regelrechten 
ftndedesiniektion, p. 155. 

Kahn, Johannes, Meine Methode der 
Händedesinfektion, p. 152. 

XlingmÜller, Ueber Jedipin, p. 161. 

KrAnig u. Blnmberg, Beiträge zur Hände- 
desinfektion, p. 156. 

, Vergleichende Untersuchungen über 

den Wert der mechanischen und Alkohol- 
desinfektion der Hände gegenüber der 
Desinfektion mit Quecksilbersalzen, spe- 
ziell mit Quecksilberäthylendiamin, p. 156. 

Laitinen, J., Alkoholeinfluß auf die Em- 
pfindlidikeit für Infektionsstoffe, p. 157. 

Fanl u. Sarwey, Experimentaluntersuch- 
ungen über Handedesinfektion, p. 152. 

Salkowski, B., Ueber die antiseptische 
Wirkung von Salicylaldehyd und Benzod- 
säureanhydrid, p. 160. 

Strebel, Meine Erfahrungen mit der Licht- 
therapie, p. 150. 

Tavemari, Le proprietä antibacteriche dei 
vinelli studiate rispetto alla diffusione 
dei colera e dei tifo, p. 161. 

▼icente, Maison palud^ene. Du rftle des 
plantes d'appartement, p. 151. 

Vollbrecht, Hände- und Hautdesinfektion 
mittels Seifenspiritus, p. 154. 



Corrigendnm, p. 162. 



Nene Idtteratnr, p. 162. 



Frommannscho Buchdruckerei (HenDMin Fohle) in Jena. 



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fiaUeriologie, Pnteiimilejiii lofeldioiiskniiiJdieileQ. 

Erste Abteilung: 

Medicinisch-hyaienische Bakteriologie und 
tieriscne Paras itenkunde. 

In Verbindung mit 

ßelL Met-Rat Prof. Dr. Loeffler, Prot Dr. R Pfeiffer 

in Greifawald jjij in Königsberg 

Staatsrat Prof. Dr. E firaoo 

in Königsberg 
herausgegeben von 

Dr. O. XTlilTarorni in CasseL 
Verlag von Gustav Fischer in Jena. 

XXIX. Band« -«- Jena, den 21. Februar 1901. -»- No« 6« 

Preis fttr den Band (86 Nummeni) 15 Mark. — J&hrlieh erteheinen iwei B&nde. 

Preis fflr eine einfache Hummer 75 Pfg., f&r eine Doppelnammer 1 Kark 50 Fig. 

Vnmmem mit Tafeln koeten fOr jede Tafel 50 Pfg. mehr. 

Biertu ali regelmä/Hge Beilage die InhaUgüberHehten der II. Abteilung des OeninMlatiee, 

Die Redaktion des „Centralblatts für Bakteriologie und Parasitenkunde^* 
richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wünscfie um 
Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Aufsätxe entweder bei der Ein» 
Sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben Mi 
wollen oder spätestens nach Empfang der ersten Korrekturabx4lge direkt an 
den Verleger, Herrn Gustav Fischer tn Jena^ gelangen %u lassen. 

Original-Mitteilungen. Nachdruck verboten, 

üeber die Lebensdauer von Bacillus pestis hominis 
in Reinkulturen. 

[Aas dem Kaiserlichen Institute für experimentelle Medizin 
in St Petersburg.] 

Von N. K. Schultz. 

Im Laufe des Frühlings und des Sommers 1899 hatte ich Gelegen- 
heit, 4 alte Kulturen von Bacillus pestis hominis zu untersuchen 
und konnte mich damals überzeugen, daß das Leben und die Virulenz 
dieser Bakterien sich lange erhalten hatte ; in einem Falle sogar 4 Jahre. 

Die Röhrchen, welche diese alten Kulturen enthielten, waren zu- 
gelötet, vor Sonnenstrahlen geschützt und an einem kühlen Orte ver- 
wahrt. 

Brtte Abt. ZZIX. Bd. 12 

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170 N. K Schultz, 

Eine von den alten Kulturen, die jüngste, 1 Jahr, 8 Monate alt, be- 
stand aus einer geringen Anzahl von Eolonieen, in schräg erstarrter 
Nährgelatine eingelagert, welche der dritten Verdünnung einer Platten- 
kultur entsprach. Die oberflächlichen Kolonieen, in Bouillon übergeimpft, 
erzeugten kein Wachstum, aber nach Zugießen von etwas Bouillon in 
das Röhrchen selbst zeigte sich bald bei 37^ C eine Trübung, offenbar 
von den tiefliegenden Kolonieen ausgehend. 

Die 3 anderen Kulturen , in Bouillon Marmorek gezüchtet, hatten 
2 Jahre, 10 Monate, 3 Jahre, 3 Monate und 4 Jahre gestanden. Die 
Bouillon sah ganz klar aus, die Bakterien befanden sich am Boden des 
Röhrchens; Schleimklümpchen oder Fadenziehen der Flüssigkeit waren 
nicht vorhanden. 

Nach Eröffnung der zugelöteten Röhrchen wurden sofort 2 — 3 ccm 
auf frische Nährböden übergeimpft und Trockenpräparate sowie hängende 
Tropfen in großer Zahl hergestellt; letztere bestanden entweder nur aus 
den alten Kulturen oder bekamen je einen Tropfen frischer Bouillon 
zugefügt. Hierauf schloß ich die Röhrchen mit sterilen Wattepfropfen 
und stellte sie wiederum an einen kühlen, dunklen Ort, um sie zu 
weiteren Untersuchungen zu erhalten. 

Nach der Ueberimpfung zeigten die 4 alten Kulturen Wachstum 
schon nach 1, spätestens nach 2 Tagen, und in den aus diesen frischen 
Kulturen gemachten Präparaten konnte man Pestbacillen von gewöhn- 
lichem Aussehen wahrnehmen. 

Die Reinheit der 4 Kulturen wurde nachgeprüft und bewiesen. 

Um nachzuweisen, ob die Virulenz noch erhalten sei, wurden mit 
den frischen Kulturen aus jedem von unseren 4 Fällen 2 oder 3 Mäuse 
geimpft. Dazu diente eine eintägige Agarkultur mit 5—6 ccm Bouillon 
gemischt, von welcher 0,5—1,0 ccm unter die Haut gespritzt wurden. 

Die Mäuse starben alle an der Pest nach 1—5 Tagen. Die Diagnose 
wurde für jede Maus anatomisch, bakteriologisch und mikroskopisch 
festgestellt, Kulturen aus dem Blute angelegt und Trockenpräparate aus 
dem Blute und den Organsäften bereitet. 

Die Mäuse, welche nach 1 — 2 Tagen starben, zeigten zuweilen im 
Blute und in den Organen, ohne bedeutende anatomische Veränderungen, 
eine enorme Ueberschwemmung mit Bakterien, während bei denjenigen, 
welche später, am 3. — 5. Tage starben, die Menge der Bakterien viel 
kleiner war. In letzteren Fällen entstand aber eine blutigseröse Durch- 
tränkung des Unterhautzellgewebes, eine cirkumskripte graue Infiltration 
desselben an der Impfstelle, Vergrößerungen der Milz und einiger Lymph- 
drüsen. 

Ich erhielt Reinkulturen von Pestbacillen aus dem Blute in allen 
Fällen. 

Auf diese Weise wurde die Lebensfähigkeit und die Virulenz der 
alten Kulturen festgestellt; aber zu gleicher Zeit schien es ebenfalls 
wünschenswert, zu untersuchen, welche morphologischen Veränderungen 
in den Bakterien im Laufe der Zeit eintreten. 

Es zeigte sich, daß sowohl die trockenen Präparate, welche direkt 
aus den 3 alten Bouillonkulturen stammten, als auch die lebenden Prä- 
parate (hängende Tropfen) keine Sporen enthielten. Dieser Befund war 
der gleiche bei allen 3 Bouillon kulturen. 

Indessen konnte man doch bei den mikroskopischen Beobachtungen 
einzelne Sporen übersehen und, um diesen Zweifel zu beseitigen, wurde 
noch eine Prüfung durch Erhitzen auf folgende Weise vorgenommen : 



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lieber die Lebensdaner von Bacillus pestis hominis in Reinknlturen. 



171 



6 Bouillonröhrchen mit 2 — 3 ccm der alten Originalkulturen geimpft, 
und zwar sofort nach der Eröffnung der Originalröhrchen, und 6 andere 
mit einer gleichen Quantität einer frischen Bouillonkultur von Pest- 
bacillen beschickt, wurden alle zu gleicher Zeit in den Brutschrank bei 
ungefähr 50^ C gestellt und nach yerschiedenen Zeiträumen heraus- 
genommen und in den Brutschrank bei 37 o C. übergeführt 

Die alte Kultur von 2 Jahren, 10 Monaten zeigte im Vergleich mit der 
frischen Kultur ein verspätetes Wachstum ; und das Röhrchen, welches 
1^/4 Stunden bei 50® C gestanden hatte, blieb steril, während bei der 
entsprechenden frischen Cultur nur eine Verspätung des Wachstums 
eintrat 



Nach 

1 Tage 

2 Tagen 



+ < 
mehreren Tageni + 



15 Min. 



+ 
+ 



30 Min. 45 Min, 



+ 
+ 



F. 



+ 
+ 
+ 



+ 



F. 



1 St. 1 St. 15 M 1 St. 45 M 



F. 



+ 



- 1+ < 

+ + 



A. 



+ 



+ <1 
+ 



+ 

+ 



(A. steht für alte, F. für frische Cultur, < bedeutet schwaches Wachstum.) 



Dieser Versuch schließt ebenfalls das Vorhandensein von Sporen 
in den alten Kulturen aus. 

So weit war die Untersuchung nicht schwer auszuführen, aber ein 
richtiges Urteil über die Veränderungen, welche diese Bakterien im 
Laufe der Zeit erleiden und über die Form, welche sie annehmen, um ihr 
Leben und ihre Virulenz zu unterhalten, ließ sich nicht leicht gewinnen. 
In den Präparaten aus den Originalkulturen ist alles blaß und undeutlich. 
Anfänglich ist das Bild unklar; nur bei häufig wiederholten Unter- 
suchungen desselben und mit Hilfe von Bildern der progressiven Re- 
generation, welche im hängenden Tropfen und in anderen Präparaten 
zu beobachten sind, wurde es möglich, zu den hier unten beschriebenen 
Schlüssen zu gelangen. 

Solche Präparate zeigen bei schwacher Vergrößerung (Zeiss Objek- 
tiv A, Okular 3) lockere, zarte, blaßgefärbte Flöckchen, netzartig 
oder als Inseln angeordnet, und außerdem eine geringe Zahl von 
kleinen Klümpchen, welche sich etwas stärker färben. Mit Oelimmersion 
Vi 2 sieht man, daß letztere von nicht überall gleicher Dicke sind und 
eine unebene Fläche besitzen. Sie bestehen, wie auch die zarten 
Flöckchen, aus einer homogenen Substanz und enthalten körnige Ge- 
bilde. Weitere Untersuchungen zeigten, daß die Klümpchen und Flocken 
als Niederschläge aus der Bouillon Marmorek, die Körnchen als die 
veränderten Bakterien anzusehen sind. 

Manchmal befinden sich die Bakterienreste an den Rändern der 
Klümpchen freiliegend, und in solchen Fällen ist die genaue Betrachtung 
derselben sehr erleichtert. 

In den Präparaten von alten Kulturen sind die folgenden Formen 
zu beobachten gewesen: 

1) Sehr selten ziemlich gut erhaltene und gefärbte Stäbchen. 

2) Blasse, manchmal sehr blasse, gleichmäßig gefärbte Bakterien, 
bei welchen in einigen Fällen noch eben die Umrisse zu sehen sind. 

3) Sehr kleine, schwach oder ziemlich stark gefärbte Körnchen, 
einzeln, zu zweien, wie kleine Diplokokken, auch in kurzen Ketten an- 
geordnet. Bei den letzteren kann der Abstand zwischen den Körnchen 
gleich sein, oder es existieren Lücken, welche 1 — 2 Körnchen ent- 
sprechen. Diese Ketten machen den Eindruck, als ob wir es mit Resten 

12* 

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172 N. K. Schultz, 

von Bakterienketten zu thnn hätten, in welchen zuweilen eine oder 
mehrere Bakterien fehlen. Es ist klar, daß diese Körnchen durch irgend 
etwas in Zusammenhang gehalten werden müssen ; manchmal kann man 
sehen, daß die Ketten durch 2 ungefärbte parallele Linien umgrenzt 
sind, in anderen Fällen sind solche nicht zu unterscheiden. 

4) Es giebt auch Bakterien, welche sich besser erhalten haben; 
bei solchen sind die Umrisse der Stäbchen noch vorhanden und ihre 
Größe und Form entspricht denen der Pestbacillen. Was die Färbung 
anbelangt, so sieht man nur an einem oder an beiden Enden solcher 
Stäbchen ein gut gefärbtes kleines Körnchen oder eine Polarfärbung 
von minimaler Größe. Die Bakterien können auch rundlich sein, und 
in solchen Fällen sind die Körnchen wandständig. Sie sind häufig zu 
Ketten angeordnet. Die Gebilde scheinen gewissermaßen den Schatten 
zu gleichen, welche von der deutschen ^ und der österreichischen*) 
Pestkommission in Bombay beschrieben worden sind. 

Die hängenden Tropfen wurden zuerst im lebenden Zustand unter- 
sucht und nach verschiedenen Zeiträumen — 5 Stunden, 1 — 2—3 
Tagen — an der Luft getrocknet und dann gefärbt. Auf diese Weise 
erhielt ich fortlaufende Bilder der fortschreitenden Regeneration, welche 
sich in den hängenden Tropfen vollzieht. 

Es ist schon auf den ersten Blick zu bemerken, daß diese Prä- 
parate sich stärker färben lassen als diejenigen, welche direkt aus der 
Originalkultur stammen, und daß alle Einzelheiten deutlicher hervor- 
treten. Nach Ablauf von 5 Stunden ist zwar ein Unterschied kaum 
wahrnehmbar, aber nach ungefähr 22—24 Stunden ist er schon be- 
deutend. Zu dieser Zeit ist hauptsächlich eine Erneuerung, eine Re- 
generation der Zellen zu bemerken, erst nach 2—3 Tagen sieht man 
eine wirkliche Vermehrung der Bakterien, welche sehr bedeutend sein 
kann. 

In gefärbten Präparaten aus eintägigen hängenden Tropfen be- 
gegnet man wieder Flocken und Klümpchen, welche Körnchen enthalten, 
aber letztere sind schon größer geworden als in den Originalpräparaten. 
Bei der Regeneration werden die freien Körnchen ebenfalls größer, sie 
behalten anfänglich ihre runde Gestalt, welche nach und nach sich ver- 
längert, oval und endlich stäbchenförmig wird. Die Schatten sind auch 
deutlicher zu sehen, die endständigen Körnchen sind größer geworden. 
Letztere nehmen das Aussehen einer Polarfärbung an, oder verbreiten 
sich an den Wänden der Bakterien, wobei ein farbloser Mittelraum von 
länglicher Gestalt entsteht. Dieser ungefärbte Raum wird aber immer 
kleiner, bis endlich eine gleichmäßige, anfänglich blasse, später normale 
Färbung hervortritt. Die Färbung bei den runden Schatten verbreitet 
sich ebenfalls an der Wand herum; nach und nach wird die ganze 
Bakterie gleichmäßig gefärbt 

Zwischen den regenerierten Ketten begegnet man solchen, in welchen 
nur ein Teil der Bakterien normal aussieht; neben diesen befinden sich 
auch nicht vollständig normale; manchmal stehen einige Individuen so- 
gar auf ziemlich niedriger Stufe der Erneuerung. 

In gefärbten Präparaten aus 2--3-tägigen hängenden Tropfen ist 
häufig eine starke Vermehrung der Bakterien zu bemerken. Sie liegen 



1) Arbeiten aus dem Eaiserl. Gesundheitsamte. Bd. XVI. p. 256. 

2) H. Albrecht und A. Ghon, üeber die Beulenpest in Bombay im Jahre 1897. 
p. 506. 



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Ueber die Lebensdauer von Badllus pestis hominis in Reinkulturen. 173 

zerstreut oder in Häufchen, welche mikroskopischen oder etwas größeren 
Kolonieen sehr ähnlich sind. Solche Häufchen entwickeln sich wahr- 
scheinlich im Innern der Klümpchen. 

Hier und da sind Inyolutionsformen zu sehen, auch Fäden, welche 
wahrscheinlich als verspätete Teilung (Kruse^) anzusprechen sind. 

Der Zusatz frischer Bouillon zu hängenden Tropfen aus den alten 
Kulturen erweist keinen besonderen Einfluß, weil die Resultate in beiden 
Fällen ungefähr die gleichen sind. 

Es wurden noch aus den 3 Originalkulturen 2—6 Wochen nach 
dem Oeifnen der zugelöteten Röhrchen Präparate verfertigt, welche sich 
als sehr lehrreich erwiesen. Während dieser Zeit ist eine Vermehrung 
der Bakterien eingetreten, denn es sind normale Stäbchen vorhanden; 
außerdem sind verschiedene Stufen der Regeneration und auch fast un- 
veränderte Körnchen in diesen Präparaten sowie in den aus hängenden 
Tropfen gefärbten Präparaten zu sehen. Hier ist auch eine Vermehrung 
der Bakterien ohne Zusatz von irgend welchem Nährmaterial zustande 
gekommen. 

Ich muß aber bemerken, daß beim üeberimpfen von 2—3 ccm der 
alten Kulturen in frische Bouillon die Regeneration eine vollständigere, 
die Vermehrung in den meisten Fällen eine üppigere ist. 

Wie kann man sich die Thatsache erklären, daß in Kulturen, in 
welchen nichts mehr von normalen Bakterien zu sehen ist, in kurzer 
Zeit ein üppiger Wuchs von normalen Bakterien entsteht? 

Auf welche Weise wird das Leben und die Virulenz so lange unter- 
halten? 

Eine genaue und häufig wiederholte Untersuchung von zahlreichen 
Präparaten hat mich überzeugt, daß die weiter oben beschriebenen 
Körnchen für die Fortsetzung des Lebens von vorwiegender Bedeutung 
sind. 

Die Eigenschaft, sich verhältnismäßig gut zu färben , welche diese 
Körnchen besitzen, und die Betrachtung der Uebergangsformen vom 
minimalen Körnchen bis zu gut ausgebildeten Bakterien haben mich 
zu der Ansicht kommen lassen, daß diese Körnchen durch eine Zu- 
sammenziehung des Protoplasmas entstehen. Daß eine solche Zusammen- 
ziehung des Protoplasma ohne Sporenbildung erfolgen kann, ist von 
Rowland^) an lebenden Bakterien beobachtet worden. 

Er sah bei ganz normalen Bakterien, in welchen keine Spur von 
Teilung oder Sporenbildung nachzuweisen war, daß das Protoplasma 
sich mit der Zeit nach und nach zusammenballte, einschrumpfte und 
dabei von Flüssigkeit umgeben wurde ; bei diesem Vorgang kollabierten 
die Wände der Bakterien nicht. Die Anordnung seiner Beobachtungen 
erlaubt, wie er sagt, die Plasmolyse ganz auszuschließen. 

Diese Beobachtung stimmt nicht vollständig mit den meinigen über- 
ein, aber das Grundprinzip — eine Zusammenziehung des Protoplasmas 
— ist in beiden Fällen vorhanden. Das Maß der Zusammenziehung 
sowie die Stellung, welche das zusammengeballte Protoplasma im Bak- 
terienleibe annimmt, ist wohl von untergeordneter Bedeutung und von 
verschiedenen Umständen abhängig. 

Diese Beobachtungen erklären wohl die Entstehung der Körnchen 



1) Flügge, Die Mikroorganismen. 3. Ausgabe. Teil 1. p. 55. 

2) S. Rowland, Observations upon the stxucture of Bacteria. (Transactions of the 
Jernier Institute of Preventive Medicine. Second Series. p. 153.) 



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174 N. E. Schultz, lieber die Lebensdauer von Bacillus pestia hominis etc. 

im Inneren der Schatten, erklären aber nicht die Entstehung der freien 
Körnchen, d. h. derjenigen, bei welchen die Zellwand gar nicht zu unter- 
scheiden ist. Einige Erfahrung darüber gewann ich mit Hilfe folgenden 
Versuches, welcher zu einer Reihe von Versuchen gehört, die zur Er- 
klärung der Entstehung der Körnchen angestellt wurden. 

4 Röhrchen, Bouillon Marmorek enthaltend und mit Bac. pestis 
hominis geimpft, wurden alle zu gleicher Zeit in den Brutschrank bei 
37 ^ gestellt Nach Ablauf der 1., 2., 3. und 4. Woche nahm ich jedes- 
mal eines der Röhrchen heraus und verfertigte Präparate aus dem ent- 
standenen Niederschlage und verglich sie mit Präparaten aus 1-tägigen 
Bouillonkulturen. Es zeigte sich, daß schon nach einer Woche die 
reichlich vorhandenen Bakterien kleiner geworden waren und alle eine 
rundliche Gestalt angenommen hatten; nach 2 Wochen sahen sie un- 
gefähr wie Körnchen aus und lagen in dem Bouillonniederschlage ein- 
gebettet. 

Leider konnte ich diese Beobachtungen nicht weiterführen, doch 
erlauben mir die untersuchten Präparate festzustellen, daß der Bac. 
peqtis hominis unter gewissen Umständen eine starke Verkleinerung 
des gesamten rundlich gewordenen Leibes erleidet und daß er, wie 
meine alten Kulturen beweisen, auf diese Weise imstande ist, dem Tode 
lange zu widerstehen. Daß diese Körnchen als echte Sporen anzusehen 
sein sollten, ist nicht anzunehmen, sie ertragen nicht einmal eine geringe 
Erhöhung der Temperatur. 

Die Beobachtung, daß Bakterien imstande sind, eine solche Gestalt 
anzunehmen, ist bereits früher, schon in den 80er Jahren gemacht 
worden; für den Vibrio cholerae asiaticae zum Beispiel hat F. 
Hueppe^) schon damals diese Thatsache festgestellt. 

Warum in einigen Fällen die Bakterien ihre Form erhalten und 
das Protoplasma allein sich zusammenzieht und in anderen die gesamte 
Bakterie — Protoplasma und Hülle — sich verkleinert, kann ich nicht 
mit Sicherheit sagen. Die Beobachtung hat aber gezeigt, daß beide 
Formen imstande sind, sich zu erneuern, eine progressive Metamorphose 
zu erfahren. 

Es kann hier entschieden behauptet werden, daß die Vermehrung 
der Bakterien nicht aus einer Zelle hervorgeht ; zuerst entsteht die Re- 
generation der Körnchen und nachher tritt die Vermehrung ein. 

Ich komme demnach zu folgenden Ergebnissen: 

1) Der Bac. pestis hominis ist imstande, bei geeigneten Be- 
dingungen sein Leben und seine Virulenz während 4 Jahren zu erhalten. 

2) Endogene Sporen sind nicht dabei beteiligt. 

3) Die Erhaltung des Lebens wird, wie es scheint, durch eine Zu- 
sammenziehung, eine Einschrumpfung, eine Verdichtung des Protoplasmas 
begünstigt. 

Eine ausführliche Beschreibung der hier kurz mitgeteilten Resultate, 
sowie die genauere Angabe der Untersuchungsmethoden und Abbildungen 
der verschiedenen Degenerations- und Regenerationsformen wird dem- 
nächst in den von unserem Institute herausgegebenen „Archives des 
Sciences biologiques^ veröffentlicht werden. 

Januar 1901. 

1) F. Hueppe, lieber die Dauerform der sogenannten Eommabacillen. Fort- 
schritte der Medizin. 1885. p. 619. 



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Paul Müller, üeber Antihämolysine. 175 

Naohdruek verboten. 

üeber Antihämolysine. 

[Aus dem hygienischen Institut der Universität Graz.] 
Von Dr. Paul MUler, Assistenten am Institut. 

Alle Autoren, welche sich mit dem Studium der spezifisch hämo- 
lytischen Sera beschäftigt haben, stimmen darin überein, daß deren Effekt 
durch das Zusammenwirken zweier verschiedener Komponenten bedingt 
wird : Einer thermolabilen Komponente, welche schon im normalen Blut- 
serum nicht behandelter Tiere anzutreffen ist, und als Komplement, 
Addiment (Ehrlich und Morgenroth) oder auch als Alexin 
{Buchner, Borde t) bezeichnet wird — und aus einer thermostabileren 
Komponente, die den Namen Immunkörper, Zwischenkörper 
(Ehrlich und Morgenroth) oder sensibilisierende Substanz 
(Bord et) erhielt, und nur im Blutserum jener Tiere sich findet, die 
mit Injektionen der betreffenden Blutart behandelt wurden, gegen welche 
sich die hämolytische Wirkung ausschließlich oder doch fast ausschließ- 
lich richtet. 

Komplement und G o p u 1 a *— so könnte man vielleicht zweck- 
mäßig den Zwischenkörper mit einem kürzeren Namen bezeichnen, welcher 
zugleich die Funktion desselben, nämlich das Komplement an die Blut- 
körperchen zu binden, markanter hervorheben würde — bilden in ihrem 
Vereine ein Hämotoxin, dessen Injektion in die Blutbahn der empfäng- 
lichen Tierart fast momentanen Tod herbeiführt (Belfanti und Car- 
bone). Bringt man jedoch das hämolytische Serum in kleinen, all- 
mählich ansteigenden Mengen unter die Haut der betreffenden Tiere, 
so beantworten sie diesen Eingriff mit der Bildung von Antikörpern in 
ihrem Blute, welche die blutkörperchenlösenden Kräfte des Hämotoxins 
neutralisieren: Antihämotoxin. Wie Bord et (1) durch eine ein- 
gehende Analyse dieser antitoxischen Wirkungen zeigen konnte, richten 
sich dieselben gegen beide erwähnten Komponenten des Hämotoxins, 
gegen das Komplement (anti-alexine) wie gegen die Copula (anti- 
sensibilisatrice), und ist es außerordentlich wahrscheinlich, daß Anti- 
komplement und Anticopula zwei verschiedene Substanzen darstellen. 
Gleichzeitig und unabhängig hiervon haben auch Ehrlich und 
Morgenroth (2) die Existenz von Antikomplement nachweisen 
können. 

Nun besitzen auch manche normale Sera die Fähigkeit, die 
Erythrocyten anderer Species aufzulösen, wenn dieselben auch in ihrer 
Wirkung weit hinter den spezifisch hämolytischen Seren zurückstehen. 
Während man nun bisher diese hämolytischen wie die baktericiden 
Effekte normaler Sera einzig und allein auf die Anwesenheit der Alexine 
zurückgeführt hatte, welchen man den Charakter von Fermenten vindi- 
zierte und welche man direkt, ohne vermittelndes Zwischenglied, auf 
die roten Blutkörperchen bezw. Bakterien einwirken ließ, zeigten Ehr- 
lich und Morgenroth <3), daß man auch hier in vielen Fällen jene 
2 Komponenten zu unterscheiden habe, welche an der spezifischen 
Hämolyse beteiligt sind: nämlich Komplement und Zwischenkörper. 

So gelang es den Autoren, Meerschweinchenblut durch erwärmtes 
Hundeserum, dem frisches Meerschweinchenserum zugesetzt worden war, 
zur Auflösung zu bringen ; andere ähnliche Zusammenstellungen waren : 



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176 Pa«! Müller, 

Meerschweinchenblut — inaktives Kälberserum — Meerschweinchen- 
serum 
Hammelblut — inaktives Eaninchenserum — Hammelsernm 
Ziegenblut — inaktives Eaninchenserum — Ziegensernm 
Meerschweinchenblut — inaktives Hammelserum — Meerschweinchen- 
serum. 
Ferner fand sich eine große Anzahl von Zwischenk5rpern verschiedenen 
Ursprungs, die durch Komplemente des Pferdeserums reaktiviert wurden. 
Dabei konnten Ehrlich und Morgenroth darthun, daß in dem 
normalen Serum nicht nur ein einziges Komplement und ein ein- 
ziger Zwischenkörper enthalten ist, sondern eine ganze Reihe von 
derartigen Körpern mit etwas voneinander verschiedenen Eigen- 
schaften. 

Es ist daher streng genommen ungenau, wenn wir im Folgenden 
von Komplement und Copula eines Serums wie von einheitlichen Sub- 
stanzen sprechen ; da wir jedoch nicht die Absicht haben, auf die Viel- 
heit der Hämolysine normaler Sera in dieser Arbeit näher einzugehen,, 
so mag diese Ungenauigkeit im Interesse der sprachlichen Verein- 
fachung gestattet sein. 

Behandelt man nun die empfänglichen Tiere mit Injektionen solcher 
nicht spezifischer, hämolytisch wirkender Sera, so kommt es in deren 
Blute, genau wie bei Verwendung der spezifischen, zur Antitoxinbildung. 
So haben Camus und Gley, Kossei Tiere gegen Aalserum immuni- 
siert und Bord et (4) ein Antihämolysin dargestellt, welches die lösende 
Wirkung des Hühnerserums auf Kaninchenblut aufhebt. Ist also inso- 
fern die Analogie, welche zwischen den spezifischen und den nicht 
spezifischen Hämolysinen besteht, eine sehr weitgehende, so dürften 
doch weitere Untersuchungen darüber am Platze sein, ob sich diese 
Analogie auch auf die Wirksamkeit der resp. Antihämolysine erstreckt, 
mit anderen Worten, ob sich auch bei jenen Antihämolysinen, welche sich 
gegen die blutkörperchenlösende Kraft normaler Sera richten, Anti- 
komplement und Anticopula nachweisen lassen. Das Schwer- 
gewicht mußte dabei naturgemäß auf den Nachweis der Anticopula gelegt 
werden, da wohl mit Recht angenommen werden konnte, daß das Komple- 
ment, das ja, wie v. Dungern (5) gezeigt hat, von der Copula ziemlich 
unabhängig ist, im Tierkörper die Bildung von Antikomplement auslösen 
würde, gleichgiltig ob es mit spezischem oder mit nicht spezifischem 
Zwischenkörper zugleich einverleibt wird. 

Ich beabsichtigte daher zunächst, den Nachweis einer solchen nicht 
spezifischen Anticopula zu versuchen. 

Es war zu erwarten, daß diese Aufgabe auf folgendem Wege zu 
lösen sei. Das normale Blutserum einer Tierspecies A habe, in ge- 
eigneten Mengenverhältnissen mit den roten Blutkörperchen einer zweiten 
Species B zusammengebracht, die Fähigkeit, dieselben vollständig aufzu- 
lösen, und zwar sei dieser hämolytische Effekt durch das Zusammen- 
wirken zweier verschiedener Komponenten bedingt, welche sich durch 
ihre Resistenz gegenüber Temperaturen von 55 -60® voneinander unter- 
scheiden. Behandelt man nun Tiere der Species B mit Injektionen von 
inaktiviertem, etwa V2 Stunde auf 55 ® erwärmtem Serum A, in welchem 
also das Komplement zerstört wurde, während der thermostabilere 
Zwischenkörper (Copula) erhalten blieb, so durfte man hoffen, daß 
dieser Eingriff von dem tierischen Organismus mit der Bildung eines 
Antikörpers beantwortet werden würde, welcher sich nur gegen den 



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Ueber Antihämolysine. 177 

erwähnten Zwischenkörper richtet, das Komplement jedoch nicht tan- 
giert. 

Als Tierspecies B verwendete ich Kaninchen, deren rote Blut- 
körperchen, wie Bordet (6) gefunden hat, durch Hühnerserum energisch 
aufgelöst werden. Da nähere Angaben hierüber, soweit mir bekannt, 
nicht vorliegen, mußte zunächst festgestellt werden, ob in der That 
Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß das genannte Serum Komple- 
ment und Zwischenkörper enthält, oder ob dasselbe, wie Bordet an- 
zunehmen scheint, nur vermittelst einer einzigen, durch Wärme leicht 
zerstörbaren Substanz — Alexin — auf die Kaninchenerythrocyten 
einwirkt. 

Da es mir nicht gelang, durch das von Ehrlich in speziellen 
Fällen mit Erfolg angewendete Verfahren — Bindung des Zwischen- 
körpers an die Blutkörperchen in der Kälte und Einwirkung der so 
erhaltenen copulafreien und komplementhaltigen Flüssigkeit auf inakti- 
viertes Serum — die beiden Komponenten zu trennen, versuchte ich auf 
andere Weise zum Ziele zu gelangen. Ich suchte zu ermitteln, ob es 
gelingt, sehr kleine Mengen frischen Hühnerserums, welche an und für 
sich auf eine gegebene Menge Kaninchenerythrocyten keine lösende 
Wirkung ausüben, durch Zusatz erwärmten (inaktiven) Hühnerserums 
in ihrer hämolytischen Kraft so zu verstärken, daß nunmehr deutliche 
Auflösung der roten Blutkörperchen eintritt Wie ich gleich bemerken 
will, war auch hier zunächst das Resultat ein vollständig negatives. 
Dies spricht jedoch, wie eine einfache Ueberlegung lehrt, durchaus noch 
nicht gegen die Annahme zweier verschiedener an der Hämolyse be- 
teiligter Komponenten: denn ist im Hühnerserum nur relativ wenig 
Komplement vorhanden, so wenig, daß dasselbe nicht einmal ausreicht, 
um sämtliche im Serum befindliche Zwischenkörper zu aktivieren, dann 
kann auch jeder weitere Zusatz von Zwischenkörpern (resp. von er- 
wärmtem Serum) naturgemäß keinen Effekt haben, indem derselbe aus 
Mangel an entsprechendem Komplement gar nicht Gelegenheit hat, in 
Aktion zu treten. 

Gelänge es jedoch, den Komplementgehalt des Hühnerserums künst- 
lich so in die Höhe zu treiben, daß nicht nur alle in demselben ent- 
haltenen Zwischenkörper mit Komplement gesättigt, sondern sogar noch 
ein Ueberschuß an letzterem produziert würde (welcher imstande wäre, 
neu hinzugefügte Gopula zu aktivieren), dann müßte notwendigerweise 
durch Zusatz erwärmten Serums eine Steigerung des hämolytischen 
Effektes zu erzielen sein, wenn wirklich in demselben ein thermostabiler 
Zwischenkörper zugegen ist. 

Nun ist es seit langem bekannt, daß sich eine solche Vermehrung 
des Komplement(Alexin-)gehaltes des Serums relativ leicht hervorrufen 
läßt durch Injektion verschiedener indifferenter Flüssigkeiten, wie Pepton- 
wasser, Bouillon etc., ferner auch Aleuronatbrei, und es kam also nur 
darauf an, die erwähnten Versuche mit dem Serum derartig vorbe- 
handelter Hühner zu wiederholen. 

In der That ergab sich, wie aus Versuch I— VI^) hervorgeht, nun- 



1) Zu den Versuchen wurde stets defibriniertes Blut in 5-proz. Aufschwemmung 
(0,8-proz. NaGl-Lösunff) verwendet. Um die Blutkörperchen von den gelösten Bestand- 
teilen des Serums zu befreien, wurden dieselben vorher mit derselben Kochsalzlösung 
gewaschen. Je 1 ccm dieser Aufschwemmung wurde dann in kleinen Rea^enzröhrchen 
mit dem zu prüfenden Serum zusammengebracht und kam auf 2 Stunden in den Brüt- 



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178 Paul Müller, 

mehr ein vollständig eindeutiges positives Resultat: durch Zusatz einer 
geringen Menge frischen Hühnerserums, welche für sich 
allein kaum eine Spur von Hämolyse hervorruft, zu erwärmtem, 
auch in )Weit größerer Dosis volkommen inaktivem Serum 
läßt sich eine kräftige Auflösung der Kaninchenerythrocjten erzielen. 

Versuch I. 

Huhn VI erhält innerhalb 5 Tagen 20 ccm sterile BouUlon intraperitoneal injiziert; 

24 Stunden nach der letzten Injektion wird das Tier verbluten gelassen. 

(EBl = 20fach verdünntes Kaninchenblut; Hfr = ftisches Hühnerserum.) 

1) 1 ccm KBl -f 0,03 Hfr 0; FlÜ88ij;keit farblos 

1 » »I + 0,03 „ -f 0,3 Hw Flüssigkeit gefärbt starker Bodensatz 

2) 1 „ „ + 0,05 „ Flüssigkeit schwacn rosa 

I ») » + 0,05 „ + 0,3 „ starke Lösung, geringer Bodensatz 

3) 1 „ V + 0,06 „ Flüssigkeit säwach rosa 

1 » » + 0,06 „ + 0,3 „ Flüssigkeit stark rot, geringer Satz 

4) 1 „ „ + 0,07 „ Flüssigkeit schwach rosa 

Im 1} + 0,07 „ + 0,3 „ fast vollständige Lösung, Spur von Bodensatz 

5) 1 „ „ + 0,3 Hw 

6) 1 „ „ + 0,1 Hfr fast vollständige Lösung 
1 „ „ + 0,2 „ desgl. 

Versuch IL 
Huhn VII erhält innerhalb 3 Tasen 30 ccm Bouillon; Blutentnahme 24 Stunden nach 

der letzten Injektion. 

1) 1 ccm KBl + 0,03 Hfr 

1 » «4- 0,03 „ + 03 Hw Flüssigkeit stark rot, geringer Satz 

2) 1 „ „ + 0,05 „ Flüssigkeit schwach rosa 

I )) *» + 0,05 „ + 0,3 „ Flüssigkeit sehr stark rot, geringer Satz 

3) 1 „ yi + 0,07 „ Flüssigkeit schwach rosa, starker Satz 
1 „ „ + 0,07 „ + Oß „ voUstandige Lösung 



4) 1 „ „ + 0,3 Hw 

5) 1 „ „ + 0,6 „ 

6) 1 „ „ + 0,1 Hfr fast vollständige Lösung, geringer Satz 



5) 1 „ „ + 0,6 „ 

1 „ „ + 0,1 Hfr fai 

1 » „ + 0,2 „ desgl. 

Versuch III. 
Huhn VIII erhielt am Tag vor der Blutentnahme 12 ccm Peptonwasser intraperitoneaL 
1) 1 ccm KBl + 0,05 Hfr Flüssigkeit schwach rosa 

1 ». ,» 4- 0,05 „ + 0,3 Hw vollständige Lösung 
1 „ „ + 0,3 Hw 

Versuch IV. 
Huhn IX erhielt in 3 aufeinanderfolgenden Tagen je 15 ccm Bouillon intraperitoneal; 

12 Stunden nach der letzten Injektion Blutentnahme. 
1) 1 ccm KBl 4- 0,03 Hfr Spur von Bosafärbung 

I » )> + 0,03 „ + 0,2 Hw starke Botfärbung, Bodensatz 
+ 0,05 „ Flüssigkeit schwul rosa 

+ 0,05 „ +0,2 „ Flüssigkeit intensiv rot, fast vollständ. Lösung 
-1- 0,07 „ Flüssigkeit schwach rosa 

+ 0,07 „ + 0,2 „ fast vollständige Lösung 
0,1- _ „ vollständige Lösung 



2) 1 
1 

3,; 



1 



+ 0,3 Hw 

+ 0,5 



schrank (37^. Darauf wurden sie wieder in Zimmertemperatur gebracht und daselbst 
noch einige Stunden stehen gelassen. 

Bemerkt sei femer, daß manche Proben, die sehr energische Agglutination zeigten, 
während ihres Aufenthalts im Brütschrank wiederholt aufgeschüttelt wurden; um je- 
doch etwaige Fehler, die dadurch entstehen konnten, zu vermeiden, wurden alle anderen 
Proben derselben Versuchsreihe genau in der gleichen Weise behandelt Zum Vergleidi 
diente stets auch eine blinde Blutprobe ohne jeden Serumzusatz. 



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Ueber Antihämolysine. 179 

Versuch V. 
Henne X erhalt an 2 aufeinanderfolgenden Tagen Aleuronatbrei intraperitoneal injiziert ; 

am 3. Tage Blutentnahme. 

1) 1 com KBl + 0,005 Hfr 

1 „ ,, + 0,005 „ 4- 0,2 Hw stark rosarot gefärbt 

2) 1 „ „4- 0,01 „ 

1 „ „ + 0,01 „ + 0,2 „ starke Rotfärbung 

3) 1 „ „ + 0,02 „ schwach rosa, starker Bodensatz 

1 „ „ + 0,02 „ 4- 0,2 „ fast voUst. gelöst, geringer flockiger Bodensatz 

4) 1 „ „ + 0,03 „ starke Eotfarbung, Bodensatz 
1 „ „ + 0,03 „ -f 0,2 „ vollständige Lösung 

6) 1 „ „4- 030 Hw 

Versuch VI. 
Henne XI ; genau wie X. 

1) 1 ccm KBl 4- 0,02 Hfr 

1 „ „4- 0,02 „ 4- 0,2 Hw fast vollständige Lösung 

2) 1 „ », + 0,04 „ schwache Bosafärbung, Satz 
1 »> »j + 0,04 „ 4- 0,2 „ vollständige Lösung 

3) 1 „ „4- 0,1 „ desgl. 
1 „ „4- Oß Hw 

Damit ist wohl die Beteiligung zweier verschiedener 
gegen Erwärmung verschieden resistenter Komponenten 
an der Hämolyse auch in unserem Falle so gut wie er- 
wiesen. 

Nicht verschweigen will ich übrigens, daß man auch bei diesem 
Verfahren mitunter Mißerfolge aufzuweisen hat, was jedoch nicht ver- 
wundern kann, wenn man bedenkt, daß es hierbei auf das richtige Ver- 
hältnis von Komplement und Copula ankommt, und daß die Vorgänge 
im Tierleibe nicht mit der Sicherheit einfacher chemischer Reaktionen 
auszulösen sind. 

Ferner braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß solche Versuche 
mit dem Serum präparierter Tiere möglichst bald nach Entnahme des 
Blutes angestellt werden müssen, da sonst der Alexingehalt desselben 
allmählich abnimmt, und man sich so des Vorteiles wieder begiebt, den 
man durch die Vorbehandlung der Tiere eben herbeiführen wollte. Da 
wir das Serum nach einem Vorschlage von Delezenne (7) durch so- 
fortiges Centrifugieren des aufgefangenen Blutes von dem Coagulum 
trennten, waren wir in der Lage, schon ^I%—1 Stunde nach dem Ader- 
laß mit demselben unsere Versuche zu beginnen. 

Die eben festgestellte Thatsache erhält noch eine weitere sehr 
wesentliche Stütze dadurch, daß es gelingt, erwärmtes Hühner- 
serum auch durch Alexin einer anderen Tierspecies, 
nämlich durch frisches Taubenserum, zu aktivieren (Ver- 
such VII— IX), was zugleich einen weiteren Beweis für die schon von 
B erdet und dann von Kolf (9) hervorgehobene große Aehnlichkeit 
dieser beiden Serumarten darstellt. 

Versuch VI L 
Taubenserum I «= T. 

1) 1 ccm KBl 4- 0,05 Tfr 

1 „ ,. + 0,05 „ 4- 0,2 Hw mäßige Losung, starker Bodensatz 

2) 1 „ „4- 0,1 „ Flüssigkeit zeigt Spur von Rosafärbung 
1 „ „4-0,1 „4- 0,2 „ starke Lösung, gennger Bodensatz 

3) 1 „ „4- 0,15 „ Flüssigkeit schwach rosa 
1 » >> + 0,15 „ 4- 0,2 „ fast vollständige Lösung 

4) 1 „ „4- 0,2 „ mäßige Lösung 

1 „ „4- 0,3 „ starke Lösung, Bodensatz 

1 „ „4- 0,4 „ desgl. 

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180. Paul Müller, 

Versuch VIII. 
Taubenserum II. 

1) 1 ccm Kßl + 0,05 Tfr 

1 » » + 0,05 „ + 0,2 Hw rot. Bodensatz 

2) 1 „ „ + 0,07 ,. ' 

1 w „ + 0,07 „ + 0,2 „ stark rot, Bodensatz 

3) 1 „ » + 0,1 „ Spur von Rosafärbung 

1 „ „ + 0,1 ,. + 0,2 „ sehr stark rot, Bodensatz 

4) 1 „ „ + 0,2 ,i Öpur von Rosafärbung 

1 „ „ + 0,2 „ + 0,2 „ intensiv rot, geringer Bodensatz 

5) 1 „ n + 0,4 Tfr schwache Rotfärbung, starker Bodensatz 
1 „ „ + 0,3 Hw 

Versuch IX. 
Taubenserum III. 

1) 1 ccm KBl + 0,05 Tfr 

1 » j» + 0,05 „ + 0,2 Hw starke Lösung, Bodensatz 

2) 1 „ „ + 0,08 „ 

1 ., „ + 0,ÜÖ „ + 0,2 „ vollständige Lösung 

3) 1 „ „ + 0,1 „ minimale Kosafärbung 
1 „ „ + 0,1 „ + 0,2 „ • vollständige Lösung 

4) 1 „ «) + 0,2 „ stark rosa färben, Bodensatz 
1 „ „ + 0,2 „ + 0,2 „ vollständige Lösung 

5) 1 „ }) + 0,4 „ starke, aber unvollständige Lösung 
1 „ „ + 0,6 Hw 

Eine weitere Vorfrage, die erledigt werden mußte, ehe wir an 
unsere eigentlichen Versuche herantreten konnten, war die, ob nicht 
schon normales Kaninchenserum an und für sich hemmende Eigen- 
schaften gegenüber der hämolytischen Kraft des Hühnerserums besitzt. 
Es schien mir dies mit Rücksicht auf Erfahrungen von Glairmont 
und Kraus (10), welche Antihämolysine gegen bakterielle blutlösende 
Gifte in vielen normalen Seren nachweisen konnten, durchaus nicht un- 
wahrscheinlich, um so mehr als ich selbst bei Experimenten mit Kaninchen- 
serum, das bekanntlich Meerschweinchenerythrocyten in geeigneten Dosen 
auflöst, eine solche hemmende Wirkung des normalen Meer- 
schweinchenserums (erwärmt) kennen gelernt hatte. 

Die Versuchs X— XIII zeigten jedoch, daß in unserem speziellen 
Falle die eben geäußerte Vermutung nicht zutreffend ist. 

Versuch X. 
Hühnerserum I -« H. — Kaninchenserum I = K. 

1) 1 ccm KBl -f- 0,05 Hfr 

1 „ ,7 + 0,1 „ fast vollständig gelöst 

1 „ „ + 0,2 „ vollständig gelöst 

2) 1 „ „ + 0,2 „ + 0,5 Kw desgl. 

1 „ „4- 0,2 „ + 1,0 „ fast vollständig gelöst 

Versuch XL 
Hühnerserum II = H. -— Kaninchenserum II = K. 
1) 1 ccm KBl + 0,1 Hfr fast voUständig gelöst 



1 M ,. H- 0,2 

1 „ „ + 0,3 

2) 1 „ „ -f 0,2 

1 ,, ,, + 0,2 

1 ,, „ + 0,2 

1 n » + 0.2 

1 „ „ + 0,2 



vollständig gelöst 
desgl. 
+ 0,2 Kw \ 

X 05 " 1 vollständig gelöst 

+ o!? r, f 

+ 1)0 „ fast vollst, gelöst, einige kleine ungel. Flöckchen 



Pyocyaneus-Immunserum, Kaninchen == IE. 
3) 1 ccm KBl + 0,2 Hfr + 0,5 Ikw vollständig gelöst 

1 „ „ -h 0,2 „ +1,0 „ fast vollst, gdöst, einige ungel. kleine Flöckchen 



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lieber AntihÄmolysine. 181 

Kaninchenserum III. 
4) 1 ccm KBl + 0^ Hfr + 1,0 Nkw vollständig gelöst 

Versuch XII. 
HühnerBerum V ■■ H. — Kaninchenseruin IV = K. 
1) 1 ocm KBl + 0,05 Hfr unvollstäDdig gelöst 



, 1 

2) 1 

1 

3) 1 
1 



^ " " + 0*2 l } voUstfiiidig gelöst 



Toj :; tlio^f j vollständig gelöst 
Xol :; t?;0^,: } vollständig gelöst 



Versuch XIII. 
Hühnersernm VI »=> H. — Kaninchenserum V = K. 

1) 1 com KBl + 0,05 Hfr schwache Lösung 
In ti + 0,1 „ vollständige Lösung 

2) 1 „ „ + 0,1 „ j- 0,5 Kfr 1 yollständige Lösung 

Normales Kanin chenserum, gleichgilt ig ob in frischem 
Zustand oder auf 55® erwärmt, besitzt keine lösungs- 
widrigen Eigenschaften gegenüber dem Hühnersernm, 
wenigstens in den hier in Betracht kommenden und angewendeten 
Mengenverhältnissen. Daß übrigens der einfache Eingriff der subkutanen 
oder intraperitonealen Injektion, ausgeführt mit einer in dieser Hinsicht 
indifferenten Flüssigkeit, nicht genügt, um die Bildung von Antihämo- 
lysinen im Blutserum hervorzurufen, geht aus den Versuchen mit P j o - 
cyane US- Immunserum vom Kaninchen hervor, das sich nicht anders 
verhielt als das Serum normaler Tiere. 

Dagegen zeigt das Serum von Kaninchen, welchen auf 55® 
erwärmtes Hühnerserum in größerer Menge eingespritzt 
worden war, sehr deutliche antihämoljtische Wirkung 
(Versuch XIV-XVII). 

Versuch XIV. 
Kaninchen 1 erhalt innerhalb 3 Wochen 22 ccm erwärmten (55 ^ Hühnerserums intra- 
peritoneal injiziert Blutentnahme 12 Tage nach der letzten Injektion. 8er. = Anti-Hp 

Hühnerserum II. 

1) 1 ccm KBl + 0,1 Hfr fast vollständig gelöst 
1 1» » + 0)2 n » >» >» 

2) 1 „ « + 0^ „ + 0,1 AntiH,w vollständig gelöst 

1 „ + 0,2 ^ + 0,2 „ unvollständig gelöst, Bodensatz 

1 „ + 0,2 „ + 03 1, faBt ungelöst 

1 „ , + 0,2 ^ + 0,4 , 

3) 1 , „ + 0,2 ^ -h 0,3 AntiHjfr Spur von Lösung 
1 , „ + 0,2 „ + 0,4 , 

Hühnerserum III. 

1) 1 ccm KBl + 0,05 Hfr 

1 « n + 0,1 „ unvollständige Lösung 

1 « «4- 0,2 „ vollständig gelöst 

2) 1 ^ , + 0,2 „ + 0,1 AntiHw unvollständig gelöst, Bodensatz 
1 , „ + 0,2 „ + 0,3 y, 

Hühnerserum IV. 

1) 1 ccm KBl + 0,05 Hfr fast vollständig gelöst 
1 » „ + 0,07 „ vollständig gelöst 

1 i> >» "h 0,1 „ „ M 

2) 1 „ „ + 0,1 „ + 0,3 AntiHw 
1 „ „ + 0,1 „ -h 0,5 „ 
1 » „ + „4- 0,3 „ 



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182 I^aul Müller, 

Versuch XV. 

Kaninclien 2 erhalt innerhalb 3 Wochen 23 ccm erwärmten Hühnerserums intraperitODcil 

injiziert Blutentnahme 14 Tage nach der letzten Injektion. Serum «s Anti-H^ 

Hühnerserum IV. 

1) 1 ccm KBl + 0,05 Hfr fast yoÜBtändig gelöst 
1 I» «4- 0,07 „ YollBtandig gelöst 

1 »» >» T" ">1 >» n n 

2) 1 „ „ + 0,1 „ + 03 AntiHjW starker Bodensatz, geringe Lösung 
1 „ „ + 0,1 „ + 0,4 ^ 

Hühnerserum V. 
Hfr unvollständig gelöst 

„ vollständig gelöst 

„ + 0,3AntiH,w geringe Losung 
„ + 0,4 „ Ö 
„ + 0,3 „ YoÜBtändige Lösung 

Versuch XVL 

Kaninchen 1 erhält in den weiteren 3 Wochen nach der ersten Blutentnahme neuer- 

dings 25 ccm erwärmtes Hühnerserum injiziert. 10 Tage nach der letzten Injektion 

Aderlaß (« Anti-B^). 
Hühnerserum VII. 

1) 1 ccm KBl + 0,05 Hfr Flüssigkeit schwach rosa 

ti » » 

fast Yollständiee Lösung 
vollständige I&ung 

2) ' "" ■ " ■ 



1) 




ccm 


KBl + 0,05 






ii 


V 


+ 0,1 


2) 




ii 


}y 


+ 0,1 






jy 


}f 


+ 0,1 






i> 


» 


+ 0,3 



1 ccm KBl + 0,05 Hfr 


^ ii >J 


+ 0,07 


II 


^ 9f » 


+ 0,1 


n 


•*• » fi 


+ 0,2 


II 


^ >i »» 


+ 0,1 


„ + 0,1 Anti' 


■■■ f) » 


+ 0,1 


y, + 0,2 „ 


*■ » i> 


+ 0,1 


» + 0,3 „ 


* w w 


+ 0,15 


,1 + 0,1 „ 


*■ yy »> 


+ 0,2 


1, + 0,1 ,. 


■•• »» ii 


+ 0,1 


„ + 0,08 „ 


*• i) 1) 


+ 0,1 


„ + 0,05 „ 



schwache Botfärbung, stark. BodeneaU 



mäßige Lösung 

Versuch XVIL 

Kaninchen 2 erhält weitere 8 ccm injiziert. 14 Tage nach der letzten Injektion 

Blutentnahme (= Anti-S^), 

Hühnerserum. 

1) 1 ccm KBl + 0,08 Hfr fast vollständige Lösung, gering. Sit^ 
1 „ „ + 0,1 „ vollständige LSsuns 

2) 1 „ „ + 0,1 „ + 0,1 AntiH^ starke Lösung, Bodensatz 
1 „ „ + 0,1 „ + 0,2 „ 

Es könnte nun vielleicht auf den ersten Blick vollständig über- 
flüssig erscheinen, wenn wir im Anschluß an die eben festgestellte That- 
sache sofort die weitere Frage aufwerfen, wodurch denn eigentlich diese 
beobachtete lösungshemmende Wirkung bedingt ist: ob durch Anwesen- 
heit von Antikomplement oder von Anticopula. Denn da unser 
antihämolytisches Serum, wie erwähnt, durch Injektionen mit inaktivier- 
tem Hühnerserum gewonnen wurde, in welch letzterem man geneigt 
ist, das Komplement als vollständig zerstört anzusehen, so könnte 
man meinen, daß schon hierdurch die Entstehung von Antikomplement 
von vornherein ausgeschlossen sei, und nur Anticopula für die beob- 
achtete Wirkung verantwortlich gemacht werden könne. 

So einfach liegen aber die Verhältnisse denn doch nicht Unsere 
Kenntnisse über die Veränderungen, welche bei der Erwärmung auf 
55 ^ mit dem Komplement vor sich gehen, sind nur äußerst mangelhafte, 
und gestatten kaum mehr auszusagen, als daß es hierbei seine lösenden 
Eigenschaften einbüßt, „inaktiviert^ wird. Wie jedoch diese Iniüdivie- 
rung zustande kommt, darüber sind bei dem Fehlen präziser Vor- 
stellungen über den chemischen Bau und Charakter des Komplements 



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Ueber Antiliftmolysine. 183 

derzeit nur Vermutungen möglich. Acceptiert man die gewiß sehr ein- 
leuchtende Vorstellung Ehrliches (10), nach welcher auch den Kom- 
plementen wie anderen Toxinen eine zymotoxische und eine hapto- 
phore Molekülgruppe zukommt, so wären zwei Möglichkeiten denkbar, 
wie durch den Einfluß der Wärme die Inaktivierung herbeigeführt wird : 
nämlich einfach durch die Zerstörung der einen oder der anderen dieser 
beiden Molekülgruppen. Wäre es die haptophore Gruppe, welche bei 
55^ vernichtet wird, so wäre damit jede Bindung oder Verankerung des 
Komplements an irgendwelche Seitenketten, und damit auch jede Bildung 
von Antikomplement, ausgeschlossen. 

Bleibt jedoch die haptophore Gruppe intakt, und wird nur die zymo- 
toxische zerstört, so wird zwar das Komplement seine Wirksamkeit völlig 
eingebüßt haben, aber nach wie vor imstande sein, passende Molekül- 
gruppen zu verankern, und wird demnach dessen Einverleibung in den 
Tierkörper zur Bildung eines Antikomplements führen können. Das so 
inaktivierte Komplement würde sich dann zu dem aktiven 
ganz ähnlich verhalten, wie die ungiftigen Toxoide des Diphtherie- 
bacillus zu dem eigentlichen Toxin. Hier wie dort ginge die Ent- 
giftung, die Inaktivierung ohne Verlust von „bindenden 
Gruppen" vor sich. 

Aus dem Gesagten erhellt wohl zur Genüge die Berechtigung unserer 
Fragestellung, ob die lösungshemmende Wirkung unseres Antiserums 
auf die Anwesenheit von Antikomplement oder von Anticopula 
zurückzuführen ist, oder etwa durch beide Komponenten gleichzeitig 
bedingt wird. Setzt man nun zu dem Serum von Hühnern, welche in 
der geschilderten Weise vorbehandelt wurden, soviel unseres Antiserums 
hinzu, daß die Auflösung der Kaninchenerythrocyten verhindert wird, 
und fügt dann noch einen Ueberschuß von inaktiviertem Hühnerserum 
hinzu, so beobachtet man nunmehr meist eine starke Hämolyse. 
Ganz dieselbe Erfahrung kann man auch bei dem normalen Tauben- 
serum machen, welchem gegenüber unser Antiserum sehr wirksam ist^). 
(Versuch XVIII— XXVI.) 

Versuch XVIII. 
Henne X (Aleuronatinjektion). 

1) 1 ccm KBl + 0,4 Hfr + Oß AntiH,w schwache, aber deutliche Lösung 
1 „ „ + 0,4 „ + 0,35 „ 

1 „ „ + 0,4 „ + 0,4 „ 

2) 1 „ „ + 0,4 „ + 0,33 „ 

1 „ „ + 0j4 „ + 0,33 „ + 0,2 Hw starke, fast vollständige Lösung 

(Hw: Serum von Henne IX.) 
1 ccm EBl + 0,4 Hfr +0^33 AntiH,w + 0,2 Hw fast vollständige Lösung 

(Hw: Serum von Henne X.) 

Versuch XIX. 
Henne XI (Aleuronatinjektion). 

voUstandise Lösung 
AntiH^w schwache Itosaiärbg., Bodensatz 

„ Spur von Bosafärbung 


„ + 0,3 Hw vollständige Lösung 

+ 0,3 „ 



1) Kormales Eaninchenserum besitzt die Eigenschaft auch in großen Dosen nicht 

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1) 1 ocm EBl 


+ 0,1 Hfr 


1 „ ,, 


+ 0.1 „ + 0,2 


1 „ „ 


+ 0,1 „ + 0,25 


1 


+ 0,1 „ + 0,27 


2) 1 „ „ 


+ 0,1 „ + 0,25 


1 ., » 


+ 0,1 ,, + 0,27 
+ 0,4 Hw 


^ » » 



184 



2) 



i 




Paul Müller. 






Versuc 


;hXX. 




Henne XII (Aleuronatinjektion). 


1 ccm KRl 


-f 0,1 Hfr 




yoÜBtändige Lodons 


■^ » f> 


+ 0,1 „ + 0,25 


AntiH^w 





•^ 1i »1 


+ 0,1 „ + 0,25 


1» 


+ 03 Hw fast vollständige Losung 


1 '» »» 


+ 0,3 Hw 







-*■ »» »> 


+ 0,2 Hfr + 0,2 


ff 


fast vollständige Lösung 


-*■ 1» •> 


+ 0,2 „ + 0,3 


ff 


reringe Lösung 

5pur von Bosad^rbung 


-*■ »1 »» 


+ 0,2 „ + 035 


ff 


* Jl >l 


+ 0,2 „ + 0,4 


w 





-*■ »> >l 


4- 0,2 „ + 0,5 


f» 





^ » fl 


+ 0,2 „ -^ 0,3 


♦f 


+ 0,5 Hw ] 

+ 0,6 „ > vollständige Lösung 

+ 0,7 „ j 


^ i} » 


+ 0,2 „ 4- 0,4 


ff 


^ »1 »1 


+ 0,2 „ + 0,5 


ff 



2) 



3) 



Versuch XXI. 
TaubenBerom I. 

1) 1 ccm KBl + 0,4 Tfr 

1 „ „4- 0,4 „ + 0,2 AntiH.w 
1 „ „ + 0,4 „ + 0,3 „ 

2) 1 „ „ + 0,1 „ + 0,2 Hw + 0,2AntiH,¥ 
1 « „ + 0,1 „ + 0,2 „ 

Versuch XXII. 
Taabenserum II. 



1) 1 ccmKBl + 0,4 Tfr 



0,4 
0,4 
0,4 
0,4 
0,4 



+ 0,1 

+ 0,2 

+ 0,3 

+ 0.1 

+ 0,15 



Ai)tiH,w 



1) 1 ccm KBl 

1 f» ff 

1 ff ff 

2) 1 „ „ 
J- if 11 



+ 0,3 Hw 

+ 0,4 „ 

Versuch XXIIL 
Taubenserum III. 
+ 0,4 Tfr 

4- 0,4 „ 4- 0,1 AntiHjW 
4- 0,4 „ 4- .0,2 ff 
4- 0,4 „ 4- 0,1 „ 4- 0,3 Hw 

4- 0,4 „ 4- 0,2 „ 4- 0,4 „ 

Versuch XXIV. 
Taubenserum IV. 



starke Lösung 







starke Lösung 



starke, aber unvollstand. Lösg. 

1« 

(sehr starke Lösung, geringer 
Bodensatz 



starke, aber unvollstand. Losg. 

V 

> vollständige Lösung 



1) 1 ccm EBl 

1 ff »f 

1 f» ff 

-*■ ff ff 

2) 1 „ „ 

•*■ ff ff 

3) 1 ., „ 

I ff ff 



4- 0,3 Tfr 

+ 0,3 „ 

4- 0,3 „ 

+ 0,5 Hw 

4- 0,4 Tfr 

+ 0,4 „ 

+ 0,4 „ 

+ 0,4 „ 



starke, aber unvollstand. Losg. 



vollständige Losung 





vollständige Lösung 



fast vollständige Lösung 



1) 


1 ccm KBl 


2) 


1 11 II 

1 1» »I 


1) 


1 ccm KBl 


2) 


1 ff If 
1 ff ff 
1 ff ff 
■*■ »f ff 

1 » „ 



4- 0,4 Tfr 

4 0,4 „ 

4- 0,1 „ 

+ 0,1 „ 



0,1 Tfr 

0,1 ,. 

0,1 

0,1 

0,4 

0,4 



+ 0,1 AntiHgW 

4- 0,1 „ 4- 0,3 Hw 

4- 0,2 AntiH.w 

4- 0,2 ,. 4- 0,4 „ 

4- 0,2 AntiH.w 

4- 0,2 „ 4- 0,4 „ 

Versuch XXV. 

Taubenserum V. 
+ 0,2 AntiH^ 
^ 0,2 „ -f 0,3 Hw 
+ 0,2 „ 
+ 0,2 „ + 0,3 „ 

Versuch XXVI. 
Taubenserum VI. 

+ 0,4 AntiH^w 

4- 0,4 „ 4- 0,6 Hw fast vollständige Lösung 

+ 0,2 „ 

4- 0,2 „ 4- 03 ff intensive Lösg., schwach- Bodens. 

+ 0,2 „ 

4- 0,2 „ 4- 0,3 „ vollständige Lösung 



schwache Bosafärbung, Bodens, 
vollständige Lösung 

fast vollständige Lösung 



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lieber Antihäipolysine. 185 

Aus diesen Versuchen geht mit Sicherheit hervor, daß in der voll- 
ständig unwirksamen Mischung von aktivem Serum und Antiserum 
noch genügende Komplementmengen vorhanden waren, um das 
zugesetzte erwärmte Hühnerserum zu aktivieren; dann muß man aber 
wohl folgerichtig annehmen, daß die Unwirksamkeit oben er- 
wähnter Mischung nur von einer Neutralisierung der 
Copula herrührte, daß also unser Antiserum Anticopula 
enthält. 

Damit ist bewiesen, daß sich die große Analogie, die zwischen den 
spezifischen und den nicht spezifischen Hämolysinen besteht, auch auf 
•die Produktion und das Verhalten ihrer resp. Antihämolysine erstreckt, 
was nur ein Postulat der von Ehrlich ausgesprochenen Theorieen ist. 

Da meine weiteren Versuche, die gleichzeitige Anwesenheit von 
Antikomplement nachzuweisen, nicht zu einem klaren, eindeutigen 
Ergebnis führten, sehe ich von einer näheren Beschreibung derselben 
ab. Jedenfalls tritt dasselbe neben der Anticopula völlig in den Hinter- 
grund, wenn es überhaupt vorhanden ist. 

Unsere Ergebnisse zusammenfassend, können wir demnach die fol- 
genden Sätze aufstellen: 

1) Die hämolytische Wirkung des Hühnerserums gegen 
Eaninchenblut ist durch das Zusammenwirken zweier 
verschiedener, gegen Wärme verschieden resistenter 
Komponenten bedingt (Komplement, Copula). 

2) Normales Kaninchenserum hemmt diese Wirkung 
nicht 

3) Durch Behandlung von Kaninchen mit Injektionen 
Ton erwärmtem Hühnerserum läßt sich jedoch ein Anti- 
serum darstellen, welches die Wirkung des Hühner- 
serums auf Kaninchenblut aufhebt. 

4) Diese antihämolytische Fähigkeit beruht mindestens 
zum großen Teil auf der Anwesenheit von Anticopula (Anti- 
2wischenkörper). 

Ich möchte zum Schlüsse nur noch ganz kurz einer Reihe von 
Versuchen Erwähnung thun, welche ich in demselben Sinne mit zwei 
anderen Tierspecies angestellt habe. Ich behandelte nämlich Meerschwein- 
chen, deren Blut bekanntlich durch geeignete Mengen von Kaninchen- 
serum aufgelöst wird, mit inaktiviertem Kaninchenserum. Bei diesen Ver- 
suchen stellte sich jedoch bald heraus, daß trotz Injektion größerer Serum- 
mengen — die Tiere erhielten innerhalb 3 Wochen bis zu 25 ccm — 
die antihämolytische Wirkung ihres (erwärmten) Blutserums nicht wesent- 
lich stärker war, als die von nicht vorbehandelten Tieren. Es bildet 
diese Thatsache ein Analogen zu der von Bordet gefundenen, daß 
Kaninchenblut, Meerschweinchen injiziert, keine Bildung von 
präcipitierenden Substanzen in deren Serum auslöst, während dies beim 
Huhne leicht gelingt. 

Wodurch ist nun aber die erwähnte antihämolytische Wirkung des 
normalen Meerschweinchenserums gegenüber Kaninchenserum bedingt? 
Auch zur Entscheidung dieser Frage habe ich einige Versuche angestellt. 
Ich bediente mich bei denselben, außer dem normalen Kaninchenserum, 
noch eines spezifisch hämolytischen Serums, das durch Behandlung von 
Kaninchen mit Meerschweinchenblut gewonnen war. Eine geringe Menge 
dieses spezifischen Serums, erwärmt und mit einer an und für sich zur 
Lösung unzureichenden Menge normalen Kaninchenserums versetzt, 

Ente AM. XXIX. Ud. 13 



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186 Paul Müller, üeber AntiMmolysine. 

brachte starke Hämolyse hervor. Fügt man nun zu dieser aktiven 
Mischung eine passende Dosis erwärmten Meerschweinchenserums hinzu, 
so bleibt die Hämolyse aus. Um dieselbe wieder hervorzurufen, braucht 
man jedoch nur die Menge des inaktivierten, spezifischen Serums, d. i. 
die Menge der Gopula, zu vermehren, woraus man mit einiger 
Wahrscheinlichkeit folgern darf, daß sich das normale Meerschweinchen- 
serum nicht gegen das Komplement des Kaninchenserums wirksam er- 
wiesen haben kann, sondern nur gegen die, in dem gegenwärtigen Falle, 
spezifische Gopula. Diese Schlußfolgerung wird noch durch weitere 
Versuche wesentlich gestützt, bei welchen zur Aktivierung der spezifi- 
schen Gopula nicht Kaninchenserum, sondern frisches Meerschweinchen- 
serum verwendet würde, welchem gegenüber eine hemmende Wirkung 
des erwärmten Serums natürlich nicht in Betracht kommt Auch hier 
genügt es, die Gopula zu vermehren, um die antihämolytische Wirkung 
des erwärmten Meerschweinchenserums aufzuheben (Versuch XXVII bis 
XXIX). 

Versuch XXVII. 
Normal-Meerschweinchenserum II =a M. — Normal-Kaninchenserum IV = K. — 
Spezif. hamoiyt. Serum I = H. 
1) 1 ccm MBl + 0,1 Kfr Spur von Lösung 

-f 0,1 „ + 0,1 Hw vollständige Lösung 

+ 0,1 „ + 0,1 „ + 0,5 Mw 

4- 0,1 „ 4- 0,5 „ + 0,5 „ vollständige Lösung 

+ 0,5 Hw 

+ 0,1 „ i- 0,1 Mfr vollständige Lösung 

+ 0,1 „ -r 0,1 „ + 0,5 „ 



1 

2) 1 
1 
1 

3) 1 
1 



Versuch XXVIIL 
Normal-Meerschweinchenserum IIL — Spezif. hämolyt. Serum II. 

1) 1 ccm MBl + 0,05 Hw + 0,1 Mfr fast ungelöst 

1 „ „ + 0,05 „ + 0,2 „ vollständig gelöst 

2) 1 „ „ + 0,05 „ + 0,2 „ + 0,5 Mw 

1 „ „4- 0,2 „ + 0,2 „ + 0,5 „ vollständige Lösung 



1 „ » + 0,01 

1 » „ + 0,1 

2) 1 „ „ + 0,05 

1 » ,, + 0,05 

1 „ ,, + 0,1 

1 „ ,, + 0,2 

Freilich ist durch diese Versuche nicht ausgeschlossen, daß das 
Meerschweinchenserum nicht einen direkten konservierenden, resistenz- 
vermehrenden £influß auf die roten Blutkörperchen selbst nimmt, 
und sie vor der Einwirkung des Hämolysins schützt. 

Wie dem auch sei, jedenfalls ist es von Interesse, daß diese anti- 
hämolytischeWirkung nur demerwSrmten Meerschwein chen- 
serum zukommt, während bei dem frischen Serum nichts dergleichen 
zu beobachten ist. Worauf dieser Unterschied beruht, ob die lösungs- 
widrige Komponente vielleicht im frischen Serum an eine thermolabile 
Substanz gebunden ist, und erst durch deren Zerstörung bei der Er- 
wärmung frei wird, darüber vermag ich keinerlei Angabe zu machen, 
und muß mich daher darauf beschränken, die Thatsache einfach zu kon- 
statieren. 



Versuch XXIX. 




Nonnal-Meerschweinclienserum IV. 


w + 0,1 Kfr 

, + 0,1 „ -f- Op Mw 

, -f 0,1 „ + 0,5 „ 

, + 0,2 Mfr 

, + 0,2 „ 4- 0,5 „ 

, + 0,2 „ 4- 0,5 „ 

, + 0,2 „ + 0,5 „ 


vollständige Lösung 



vollständige Lösung 

" 

fast vollständige Lösung 

vollständige Lösung 



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Reinhold Rage, UnterBuchungen üher das deutsche Proteosoma. 187 

Uttorfttnr. 

1) Annal. de Tlnst Pasteur. 1900. 

2) Berl. klin. Wochenschr. 1900. No. 31. 

3) Ibid. 1899. No. 22. 

4) Annal. de linst. Pasteur. 1899. 

5) Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 20. 

6) Annal. de Tlnst Pasteur. 1898. 

7) Ibid. 1900. 

8) Ibid. 1900. 

9) Wien. klin. Wochenschr. 1900. No. 3. 
10) Berl. klin Wochenschr. 1900. No. 31. 



Nachdruck verboten, 

üntersachoDgen über das deatsche Proteosoma. 

[Aus dem Institut für Infektionskrankheiten in Berlin.] 

Von Dr. Relnhold Bage, Marine-Oberstabsarzt I. Kl. 

Mit 2 Abbildungen. 

Bei den von R. Koch geleiteten Untersuchungen über die Ent- 
wickelung der Malariaparasiten hatte Prof. Frosch festgestellt, daß 
das Proteosoma^ das bis dahin nur bei Vögeln in den Tropen und Sub- 
tropen gefunden worden war, auch in Deutschland, und zwar in der 
Nähe von Berlin, in Weißensee, bei Sperlingen vorkam. Die Ueber- 
impfung auf Kanarienvögel war aber nicht gelungen, weil die Infektion 
der Sperlinge zu schwach gewesen war. 

Als ich aber im Oktober 1899 einen Sperling^) fand, der etwas 
stärker mit Proteosoma infiziert war — es fanden sich 5 Parasiten in 
einem Präparat — gelang Herrn Prof. Frosch die Ueberimpfung auf 
3 Kanarienvögel. Um festzustellen, ob in dem biologischen Verhalten 
des deutschen Proteosoma sich in gewissen Beziehungen Abweichungen 
gegenüber dem Verhalten des italienischen Proteosoma, mit dem R. Koch 
experimentiert hatte, finden würden, machte ich Versuche mit der 
deutschen Art dieses Parasiten, und will die Ergebnisse meiner Unter- 
suchungen im Folgenden kurz mitteilen. 

I. Zeitliches Vorkommen. 

Die Tabelle (p. 188) giebt einen üeberblick über des zeitliche Vor- 
kommen des deutschen Proteosoma^s. 

Wenn man diese Tabelle graphisch darstellt, so erhält man eine 
Kurve, die in ihrem Verlaufe eine gewisse Aehnlichkeit mit der von 
Wenzel*) gegebenen Malariakurve für Wilhelmshaven hat. 

II. Morphologie und Biologie. 

a) Morphologisches. 

Morphologisch machte sich ein deutlicher Unterschied nur in zwei 
Punkten bemerkbar. Die im Mückenmagen {Culex pipiens van der 
Wulp) gebildeten Würmchen glichen weit mehr -HaWmcKMm-Würmchen 
als den Würmchen des italienischen Proteosoma und die Sichelkeime 
waren viel feiner als diejenigen des italienischen Proteosoma. 



1) Die mit Proteosoma infizierten Sperlinjze stammten alle aus Weißensee bei 
Berlin. Infiziert waren vorwiegend die jungen Tiere. 

2) Wenzel, Die Marschfieber, p. 9. u. Tafel I. 

13* 



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188 



Keinhold Rüge, 



Monat 


Proz. der infiziert 
gefundenen Sperlinge 


Starke der Infektion 


Oktober 


1899 


20 Proz 


Gewöhnlich 1- 


-5 Parasiten im Präparat 








Imal 5- 


-10 


11 11 tt 








2mal 10- 


-15 


11 11 11 


November 


)) 


16 „ 


1—5 Parasiten 


im Präparat 


Dezember 


t) 


M 






— 


Januar 


1900 


„ 






— 


Februar 


)) 


8 „ 


1-5 


»t 


11 11 


März 


»1 


keine Sperlinge zu be- 
kommen 








April 


IT 


27 Proz. 


1-5 


11 


11 11 


»> 


16 „ 


1-5 


»» 


11 11 


Juni 


J» 


5 „ 


1-5 


»1 


11 11 


Juli und 




j Keine Untersuchungen 
wegen Umbaus des In- 








August 


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b) Biologisches. 

Zunächst wurde die Entwickeiung 
des deutschen Proteosama in Culex pipiens 
(van der Wulp) bei hohen Tempera- 
turen (24— 30^ C) beobachtet. 

Die Entwickeiung ging genau so 
vor sich, wie sie R. Koch geschildert 
hat. Bemerkenswert ist, daß sich die 
Ro SS 'sehen Keime (black spores) unter 
bestimmten Voraussetzungen ziemlich 
häufig fanden. Es war dies immer der 
Fall, wenn Mücken an Sperlingen ge- 
sogen hatten, die an einer natürlichen 
Proieosoma-Infektion litten. Hatten die 
Mücken aber an künstlich infizierten 
Kanarienvögeln gesogen, so kamen die 
Ro SS 'sehen Körperchen (black spores) 
sehr selten, hatten sie an durch Mücken- 
stiche infizierten Kanarienvögeln gesogen, 
so kamen sie selten zur Beobachtung. 

Da ich ferner in den Cysten 
an der Magenwand braune Si- 
chelkeime fand und Formen, 
welche den Uebergang zwischen diesen braunen Sichel- 
keimen und den black spores vermittelten, so glaube ich, 
das bewiesen zu haben, was Ross von vornherein ver- 
mutet hatte, daß nämlich die black spores aus den 
Sichelkeimen hervorgehen. Ob sie aber eine Dauerform oder 
eine Degenerationserscheinung darstellen, habe ich nicht feststellen 
können, denn sie hielten sich bei Zimmertemperatur im hängenden 
Tropfen unverändert */4 Jahre lang, während sie sich bei Brut- 
temperatur bereits nach 14 Tagen in eiförmige Körperchen verwandelten. 
Fütterungsversuche an Mückenlarven führten zu keinem Resultate. 

Die gleichfalls bei hohen Temperaturen entwickelten Sichelkeime 



Gang der Malaria in Wilhelmshaven 
(nach Wenzel). 



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Untersuchungen über das deutsche Froteosoma. \QQ 

zeigten aber eine lebhafte Beweglichkeit, die am deutlichsten in Kanarien- 
serum hervortrat. Es wurden frei präparierte Speicheldrüsen, die zahl- 
reiche Sichelkeime enthielten, in eine Aufschwemmung von Eanarienblut 
in Eanarienserum gebracht, um den Uebergang der exogenen Form des 
Froteosoma zur endogenen zu beobachten. Wurde bei 41 ^ C im 
Wärmekasten beobachtet, so traten die Sichelkeime bei einem gelinden 
Druck auf das Deckglas rasch aus den Speicheldrüsen aus. Sie wirbelten 
lebhaft zwischen den roten Blutkörperchen herum , bohrten auch an 
ihnen herum, drangen aber weder ein, noch hefteten sie sich auch nur 
an die Oberfläche an. Sie nahmen bald die Form eines griechischen ^, 
bald die eines liegenden griechischen b an. Manchmal bildeten sie 
auch einen vollständigen Ring, der aussah, wie ein kleiner Tertianring, 
sodaß ich die gesuchte Uebergangsform bereits gefunden zu haben 
glaubte. Diese Ringe schnellten aber immer wieder auseinander und 
hatten außerdem den Fehler, daß das Chromatinkorn bei ihnen in der 
sichelförmig verdickten Stelle des Ringes lag, während es bei den be- 
kannten Ringformen der menschlichen Malariaparasiten der verdickten 
Partie des Ringes gegenüber liegt. 

Die lebhafte Beweglichkeit der Sichelkeime wurde nach 2—3 Stunden 
schwächer und hörte dann gänzlich auf. Die gut beweglichen Sichel- 
keime zeigten sich gegen vorübergehende Schädigungen ziemlich wider- 
standsfähig. Wenn sie bei 37 ® C eingetrocknet und erst nach 5 Minuten 
wieder aufgeschwemmt wurden, so waren sie noch beweglich. Sie ver- 
trugen selbst ein kurzes Eintrocknen bei 60^ C. Auch ein Zusatz von 
Vt Proz. Formalin hatte keinen EinfluiS auf ihre Beweglichkeit, und erst 
Beimengung von Glycerin brachte sie unmittelbar zum Stillstand. 

Nachdem festgestellt war, daß die Entwickelung des deutschen 
Froteosoma bei hohen Temperaturen ^) regelmäßig in der Mücke vor sich 
ging und sich unter Umständen schon am 7. Tage Sichelkeime in den 
Speicheldrüsen der Mücken fanden, wurde, dazu übergegangen, festzu- 
stellen, bis zu welchem Wärmegrad — nach abwärts gerechnet — noch 
eine Entwickelung des deutschen Froteosoma stattfand. Da stellte sich 
denn heraus, daß bereits bei einer Durchschnittstemperatur von 20^ C 

— vorausgesetzt, daß die Temperatur sich zwischen 16 und 24® C hielt 

— die Entwickelung der Cysten am Mückenmagen verlangsamt wurde. 
So waren z. B. die Cysten 6 Tage nach der Infektion erst doppelt so 
groß als ein rotes Blutkörperchen. Nur wenige waren größer. Tochter- 
kugeln waren aber auch in diesen nicht zu bemerken. Auch die weitere 
Entwickelung der Cysten verlief unregelmäßig, sobald die Temperatur 
vorübergehend zwischen 15 und 23® C schwankte. Da konnte man 
selbst 18, 28 und 35 Tage nach der Infektion noch Cysten an der 
Magenwand finden, die Sichelkeime enthielten, daneben leere Cysten- 
schalen. Häufig zeigten sich die Cysten, die bis zur Entwickelung von 
Tochterkugeln gekommen waren, von Vakuolen durchsetzt und degeneriert. 
Dabei waren die Mittellappen der Speicheldrüsen mit Sichelkeimen voll- 
gestopft. Die Sichelkeime waren teils gut beweglich (18 Tage nach der 
Infektion), teils mäßig beweglich (28 Tage nach der Infektion), teils gar 
nicht mehr beweglich (45 Tage nach der Infektion). 

Die zwischen 16 und 24^ C entwickelten Sichelkeime waren also 
anfangs normal und virulent, wie Uebertragungen auf Vögel zeigten. 

1) Durchschnittstemperatur 24,5** C, an 2 Tagen ein Minimum von 20° C. 

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190 



Reinhold Rüge, Untersuchungen über das deutsche Proteosoma. 



Wurden aber die infizierten Mücken weiterhin in Gefangenschaft ge- 
halten und 45 Tage nach der Infektion untersucht, so wurden die Sichel- 
keime bei einigen noch lebhaft beweglich, also lebend, bei anderen un- 
beweglich, also tot gefunden. Danach scheint es, daß sich nur ein Teil 
der Sichelkeime länger als IV2 Monat ^) lebend in den Speicheldrüsen 
der Mücken halten kann. Ob die Sichelkeime aber in den Speichel- 
drüsen überwintern können, läßt sich aus diesen Befunden nicht fest- 
stellen. 

^ In dieser Beziehung giebt zwar 

die Kurve der Profeösoma- Erkran- 
kungen einen Fingerzeig, aber auch 
noch keine bestimmte Antwort Vom 
Februar bis zum April steigt die 
Kurve rapide an. In dieser Zeit ver- 
lassen aber die Stechmücken {Culex 
pipiens, van derWulp) ihre Winter- 
quartiere, und zwar in steigender 
Menge, so daß Ende März in Mittel- 
deutschland keine Stechmücken mehr 
in ihren Winterquartieren zu finden 
sind. Diese Mücken stechen, weil sie 
Blut brauchen, um ihre bereits im 
Vorjahr befruchteten Eier zur Ent- 
wickelung zu bringen. Diese Winter- 
mücken müssen es also sein, die die 
Sperlinge infizieren. Denn Rückfälle 
können die vom Februar bis April 
beobachteten Proteosoma - Erkrankun- 
gen nicht sein, weil eine einmalige 
Erkrankung Immunität hinterläßt*). 
Es muß sich also um neue Erkran- 
kungen handeln. Außerdem finden in 
der Zeit vom Februar bis April die 
Mücken noch nicht die nötige Tem- 
peratur, um die Parasiten, die sie 
eventuell von Sperlingen beim Blut- 
saugen in sich aufgenommen haben könnten zu entwickeln. Denn 
schon bei einer Temperatur, die zwischen 16*^ C und 20^ C schwankt, 
kommt das Proteosoma im Mückenmagen nicht mehr zur Entwickc- 
lung. Wir müssen also annehmen, daß ein Teil der Sichel- 
keime des Proteosoma überwintert. Das scheint auch aus 
dem weiteren Verlauf der Kurve hervorzugehen. Die Zahl der Er- 
krankungen nimmt im Mai und Juni erheblich ab. In dieser Zeit 

1) Infizierte Mücken, die ich 2 Monate lang lebend in der Gefangenschaft gehalten 
hatte, konnte ich leider nicht untersuchen, da die Mückengläser durch einen unglück- 
lichen Zufall zerbrochen wurden. 

2) Aus diesem Grunde kann man auch nie vorher sagen, ob man einen wild ein- 
gefangenen Sperling durch Einspritzen von Proteosoma-Blut infizieren kann, weil man 
nicht wissen kann, ob das Tier nicht bereits eine natürliche Proteoaoma'Jnfeküon über- 
standen hat und daher immun ist — In Wirklichkeit stellten sich die Erfolge meiner 
Einspritzungen von iVoteo^orwa-haltigem Blut bei wild eingefangenen Sperlingen so, daß 
die alten Tiere so gut wie nie, die jungen selten infiziert wurden und dann auch — 
mit einer einzigen Ausnahme — nur ganz schwach. 







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Gang der Proteosoma-Infektion 
bei Sperlingen. 



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A. L0088, Natura doceri etc. 191 

entwickelt sich nämlich die neue Mückengeneration, und je nach den 
Temperaturverhältnissen erscheinen die geflügelten Insekten Ende April 
oder Mitte Mai. In dieser Zeit bis Ende Juni hin ist die Temperatur 
aber für gewöhnlich auch noch nicht hoch genug, um das Broteosoma 
in der Mücke zu entwickeln. Daher erfolgt der zweite Anstieg der 
Erkrankungen auch vermutlich erst im August. Strikte Schlüsse in 
dieser letzten Beziehung zu ziehen, verbietet leider die UnvoUständig- 
keit der Kurve. 

Zum Schlüsse will ich noch bemerken, daß die Erkrankungen der 
Kanarienvögel verschieden verliefen je nach der Art der Infektion. 
Wurde den Tieren Proteö5oma-haltiges Blut eingespritzt, so trat der von 
R Koch beschriebene typische Krankheitsverlauf von 12 Tagen ein. 
Worden die Tiere aber von infizierten Mücken {Culex pipiens, van der 
Wulp) gestochen — gleichgiltig ob von mehreren oder nur einer — 
so verlief die Krankheit chronisch und dauerte durchschnittlich vier 
Wochen. Obgleich auch hier zeitweise bis 60 Proz. der Blutkörperchen 
infiziert waren, starben die Tiere doch nicht, während die mit Blutein- 
spritzung behandelten Vögel häufig der Infektion erlagen. 



yaehdruek verboten. 

Natura doceri, 

eine Erklärung und Begründung einiger Grundsätze, 

welche mich bei meinem ^Versuche einer natürlichen 

Gliederung des Genus Distomum Retzius^ geleitet 

haben. 

Von A» Looss in Cairo. 

Die von mir jüngst versuchte „natürliche Gliederung des Genus 
Distomum R e t z i u s '^ hat in der letzten Zeit in der Litteratur verschiedent- 
lich Beurteilung gefunden, und mancherlei Bedenken und Einwürfe sind 
gegen einzelne der von mir vertretenen Anschauungen geltend gemacht 
worden. Einen Teil dieser Einwürfe muß ich als berechtigt anerkennen ; 
ein anderer Teil aber erscheint mir nicht genügend begründet resp. mit 
von mir beobachteten Thatsachen nicht im Einklänge zu stehen oder 
bewegt sich endlich in Redewendungen, auf die Einiges zu erwidern ich 
nicht ganz unterlassen kann. 

Zu den berechtigten Ausstellungen gehört u. a. die von Luhe ge- 
machte^), daß der von mir aus dem System Monticelli's*) über- 
nommene Familienname Distomidae nicht mehr gebraucht werden kann, 
sondern durch den 'Ssmen Fasdolidae Railliet 1895 zu ersetzen ist'). 



1) Ref. über meine Arbeit in: Centralbl. f.Bakt etc. Bd. XXVm. 1900. No. 14/15. 
p. 402. 

2) Mit einer Anzahl von Verbesserungen von Braun angenommen in Bronn's 
Klassen u. Ordnungen, Trematodes, p. 883 ff. 

3) Dies infolge der Bestimmungen des Prioritätsgesetzes, welche die Helminthologie 
zwingen, auf die zerfahrene Nomenklatur der vor-Ru dolphi'schen Zeit zurückzu- 
gehen und l&ngst vergessene Tode zu neuem Leben zu erwecken. Was Luhe zum Be- 
weise der Riditigkeit und praktischen ünentbehrlichkeit dieser Bestimmung an dem 
Beispiele von Distomum Retz. und Distomua Gärtner erörtert, achte ich als seine 
persönliche Meinung, ohne es aber als unbedingt zwingend finden zu können. Luhe 



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192 A. Looss, 

Was dagegen die weitere Bemerkung des Referenten anlangt, „daß ich 
auch mit meinem Monostomensystem nicht in völligem Einklänge mit 
den Nomenklaturgesetzen sei, da die FsLiniMe Monostomidae keine Gattung^ 
Monostomum enthält^), so kann ich dem zunächst nicht ohne weiterem 
beistimmen. Die Gattung Monostomum ist 1800 2) von Zeder gegründet 
worden, der ihr^) die Arten ocreatumj verrucosum, bombynae (= Mon, 
ellipticum R.) mutabüe und prismaticum unterstellte. Von diesen sind 
M. bombynae später als Dist. variegatum R. und M, ocreatum ebenfalls 
als eine Fasciolide {Bist lorum Mein.) erkannt worden, während M. 
verrucosum von Diesing als Repräsentant seines Genus Notocotyle^ M. 
mutabüe von Brandes als Typus des Genus Cydocoelum bestimmt 
wurden. Vom gesetzlichen Standpunkte aus ist gegen das Verfahren 
der beiden eben genannten Autoren nichts einzuwenden, da es Jedem 
freisteht, aus den Angehörigen einer Gattung, die als nicht natürlich 
erkannt wird, gewisse Formen herauszunehmen und in besondere Gen%ra 



begründet die Unannehmbarkeit meines Vorschlages, für die Helminthen Rudolphi 
als Ausgangspunkt für die Regelung der Nomenklatur festzusetzen, unter Hinweis auf 
die beiden genannten Gattungsnamen (die er als homonym betrachtet) mit folgenden 
Worten: .,Haben wir für 2 gleichlautende Gattungen einen und denselben prioritäts- 
rechtlichen Ausganflfspunkt (Linn^'s Syst. nat Ed. X,), dann entscheidet einfach der 
Zeitpunkt, an welchem die Gattungsnamen aufgestellt sind, und der jüngere Gattungs- 
name hat zu weichen. Gehören aber beide Gattungsnamen verschiedenen Tiergruppen 
an, für welche kein gemeinsamer prioritätsrechtlicher Ausgangspunkt besteht (hier 
Linn^, dort Rudolphi), wo ist dann der gemeinsame Maßstab oafür, welcher Name 
zu bleiben hat und welcher nicht?" (Centralbl. f. Bakt. etc. 1. c. p. 460. Anmerk.) Ich 
kann diese Schwierigkeit so unüberwindlich nicht finden, denn läBt man, wenn in 
2 Tiergruppen mit verschiedenem Ausgangspunkt für die Regelung der Nomenklatur 2 
wirklich gleichlautende Gattungsnamen vorkommen, für diese Fälle die einfache 
Priorität entscheiden, so ist die ganze Frage ohne weiteres erledigt Ich habe ja bei 
weitem nicht verlangt, daß etwa das ganze Prioritätsgesetz aufgehoben, sondern 
nur, daß innerhalb desselben für die eine oder die andere Tiergruppe ein anderer 
Ausgangspunkt für die Regelung der Benennung zugelassen werde — d. h. also : innerhalb 
ihrer Grenzen regeln die Parasiten z. B. ihre Namen nach Rudolphi; kollidieren aber 
einzelne ihrer Namen mit denen anderer Tiere, für die die Ausnahmebestimmung nicht 

filt, dann entscheidet hier ohne weiteres das über der Ausnahme stehende allgemeine 
*rioritätsgesetz. Wären also Distomm und Distomum wirklich gleichlautend, so würde, 
auch wenn für die Helminthen Rudolphi als prioritätsrechtliäier Ausgangspunkt fest- 
gesetzt wäre, hier Distomus Gärtner 1774 seine Giltigkeit behalten und Distomum 
Ketzius 1782 wäre zu ändern. Jedenfalls kann ich mit Luhe nidit finden, daß bei 
Annahme meines Vorschlages und selbst bei der Ausdehnung desselben auf andere 
Spezialdisciplinen, deren Entwickelung hauptsächlich in die nach-Linn^'sche Zeit ^It,, 
„die Einheit der zoologischen Nomenklatur, welche wir erstreben, nie erreicht werden 
könnte" (1. c. p. 460). Sie kann es ohne weiteres, wenn in kritischen Fällen, ähnlich 
dem von Luhe angezogenen, entschieden wird, wie ich es oben angedeutet und wie es^ 
glaube ich, selbstverständlich ist Ja, ich erlaube mir so^, zu behaupten, daß auf die 
von mir gedachte Weise die Einheit der Nomenklatur leichter und schneller, weil 
ohne tief einschneidende Umwälzungen, erreicht werden kann. Mein Vorschlag ist aua 
dem praktischen Grunde gemacht worden, das „notwendige Uebel" der Namensände- 
rungen und die durch dasselbe auf Jahre hinaus bedingte ünsidierheit und Verwirrung^ 
auf das Mindestmaß zu beschränken; es wird Niemand leugnen können, daß bei einer 
Annahme und selbst bei einer Ausdehnung des Vorschlages auf alle Spezialdisciplinen, deren 
Vertreter es für notwendig erachten, dieses Ziel erreicht worden wäre, ich füge hinzu,, 
ohne das Prinzip der Nomenklaturregelung selbst zu stören. Wird mein Vorschlag aus 
theoretischen Gründen nicht angenommen, kommt er zu spät, wohl, so mag er ad acta 
gelegt werden, bewiesen aber ist seine praktische Ündurchführbarkeit bia 
jetzt noch nicht! 

1) 1. c. p. 464. 

2) Erster Nachtrag etc. Leipzig 1800. 

3) Nach Rudolphi, Entoz. Hist nat p. 325—339. 



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Natura doceri etc. ]^93 

ZU Stellen. Bei einer völligen Aufteilung des Genus allerdings hätte 
einer der aus demselben gebildeten neuen Gattungen der ursprüngliche 
Name Monastomum erhalten bleiben müssen ; nachdem die oben ange- 
zogenen 4 Arten des Zeder 'sehen Genus aus demselben eliminiert 
waren, blieb jnur M. prismaticum als Repräsentant der Gattung übrig. 
Da ich diese Species nicht untersuchen konnte, so hatte ich audi 
keine Gelegenheit, die Gattung Monostomum zu erwähnen. Das war 
aber auch gar nicht nötig, da mit M. prismaticum der Name Mono- 
stomum erhalten und der Familienname Monostomidae berechtigt ge- 
blieben wäre. Nun weist Luhe auf die prioritätsrechtliche Bedeutung 
des „völlig verschollenen^ Gattungsnamens Festucaria Schrank 1788 
hin, ein Name, der aufgestellt wurde in einem „Verzeichnis (I) der bis- 
her hinlänglich bekannten Eingeweidewürmer etc.^. Ich habe mich bis- 
her nicht veranlaßt gefühlt, diesen auch mir bekannten, aber in der That 
gänzlich der Vergessenheit anheimgefallenen und praktisch absolut be- 
deutungslosen Namen wieder ins Leben zurückzurufen ; ich empfinde dafür 
auch heute noch keine Neigung und überlasse deshalb die Entscheidung 
der Frage mit Vergnügen denjenigen, die sich mehr dafür interessieren. 
Auch darin mag Luhe füglich Recht haben, daß er meint meine 
Arbeit wäre „vielleicht richtiger als ein Beitrag zu einer natürlichen 
Gliederung der Distomen und Monostomen^ zu bezeichnen gewesen. 
Es ist manchmal schwer, in einem kurzen Titel das präzis auszudrücken, 
was man auszudrücken wünscht und jede Mißdeutung auszuschließen. 
Jedenfalls habe ich absichtlich die Ausdrücke „natürliches System^ 
oder „natürliche Einteilung^ vermieden und die Worte „natürliche 
Gliederung'^ gewählt, um nicht eventuell schon durch den Titel den 
Anschein zu erwecken, als sei es mir um die „Aufstellung^ eines voll- 
ständigen und eines Fascioliden Systems zu thun. (In der Ein- 
leitung der Arbeit habe ich das, hoffe ich, klar genug betont.) Was 
ich gewollt habe, war, an der Hand eines größeren und systema- 
tisch durchgearbeiteten Materials zu zeigen, daß die Distomen 
sowohl als die Monostomen sich wie die anderen Tiere in natürliche 
Gattungen und Unterfamilien gruppieren, „gliedern^, lassen, daß sie 
kein unentwirrbares Chaos verschiedenster Arten darstellen, zu dessen 
systematischer Ordnung und Einteilung man zu künstlichen Mitteln 
greifen muß, wie es die früheren Klassifikatoren und in jüngster Zeit beson- 
ders Monticelli gethan haben. Speziell im Gegensatz zu Monti- 
celli, der- der Ansicht ist (1893), daß eine natürliche Einteilung des 
Genus Distomum zur Zeit noch unmöglich sei, weil nicht genügende 
Daten vorhanden wären, bin ich der Ansicht gewesen, daß doch genügend 
Daten vorhanden sind, um, wenn auch nicht alle, so doch eine größere 
Anzahl verschiedenster Arten in natürliche Gruppen zusammenzustellen. 
Ich habe aber, glaube ich, mit keinem Worte darauf hingedeutet, daß 
mir etwa die Entdeckung dieser Thatsache zukäme; denn daß das 
Monticelli'sche Trematodensystem, das modernste, welches wir be- 
sitzen, speziell in Bezug auf die Einteilung der Distomen im weiteren 
Sinne den wissenschaftlichen Bedürfnissen nicht entsprach, wußte Jeder- 
mann, ohne daß er nötig gehabt hätte, es noch besonders auszusprechen. 
Das beweisen nicht nur die gegen dasselbe direkt laut gewordenen 
Stimmen (Braun, Blanchard, Looss), sondern ebenso deutlich die 
geringe Zahl der Autoren, die seine heterogenen Gattungen angenommen, 
wie andererseits auch die immer wachsende Zahl neuer Genera, welche 



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194 A. LoosB, 

von den verschiedensten Forschern unter Nichtbeachtung der Gattungen 
Monticelli's, auf einzelne sich besonders auszeichnende Formen ge- 
gründet wurden. Dieser Gründung von Gattungen auf isoliert stehende 
Arten gegenüber tritt die Zusammenfassung evident natürlicher Gruppen 
von Fascioliden zu positiv als solchen angesprochenen Gattungen zu- 
nächst auffällig in den Hintergrund. Abgesehen von den beiden Ru- 
dolp hinsehen Gattungen Hemiurtis und Echinostomum^ die sich ziem- 
lich allgemeiner Anerkennung erfreuten, sind es in der Neuzeit in der 
Hauptsache nur Opisthorchis R. Blanchard 1895^), Lecithodendrium 
L s s. und Pleurogenes L s s. *) gewesen, welche, auf eine größere An- 
zahl von Arten neu gegründet, direkt als natürliche Genera bezeichnet 
wurden. Daneben waren aber noch zahlreiche Distomenformen bekannt, 
welche zu anderen in auffallend nahen verwandtschaftlichen Beziehungen 
standen und mit ihnen zusammen ebenso natürliche Gruppen bildeten, 
als die oben genannten, positiv in Gattungen zusammengefalJlen 
Formen. Ein großer Teil der sich mit dem Studium unserer Tiere be- 
schäftigenden Forscher hatte wohl auch bereits die volle Ueberzeugung, 
daß in diesen Gruppen die natürlichen Gattungen der Distomen vor- 
lagen, ohne daß wsie Gelegenheit genommen hätten, dieser ihrer Ueber- 
zeugung öffentlich Ausdruck zu geben. Ich selbst habe bei meinen 
Studien über die Distomen Aegyptens eine Anzahl neuer solcher Gruppen 
aufgefunden und darüber in meiner Arbeit gesagt®), es sei mir „öfter 
und immer öfter aufgefallen, daß unter den bis jetzt bekannten und be- 
schriebenen Formen größere oder kleinere Gruppen existieren, deren 
Angehörige sich auf den ersten Blick als ebenso sicher spezifisch ver- 
schieden erweisen, als sie auf der anderen Seiten in ihrem ganzen all- 
gemeinen Bauplan übereinstimmen". Um jeden Schein zu vermeiden, 
als schreibe ich mir — was ja auch vollkommen absurd gewesen wäre 
— die Entdeckung dieser Thatsache zu, habe ich obigen Worten so- 
fort hinzugefügt: „Diese Beobachtung ist nichts weniger als neu: die 
Litteratur, namentlich der letzten Jahre, enthält immer häufigere Hin- 
weise auf die Existenz solcher Gruppen und es sind besonders Braun, 
Blanchard, Mühling u. A. gewesen, denen wir solche Hinweise 
verdanken.^ Ich hätte hier weiter noch Bezug nehmen können auf das, 
was ich bereits 1896*) ausgesprochen: II est hors de doute qu'il existe 
parmi l'ensemble des Distomiens assez de groupes semblables et nous 
en connattrous encore plus tard. La Classification future devra chercher 
ces groupes et construire, ä leur aide, un systSme naturel de nos ani- 
maux qui r^pondra mieux aux exigences de la science que les classifica- 
tions propos6es jusqu'ici. 

Der Zustand, der beim Abschluß meiner Arbeit — und ich kann 
doch billigerweise nur für das verantwortlich gemacht werden, was Be- 



1) Maladies parasitaires. (Extrait du Trait^ de Pathologie g^nörale de M. Gh. Bou- 
chard. T. IL Paris 1895. p. 730.) Auf die Existenz dieser natüriichen Gruppe hatte 
Braun bereits 1893 (Ueber die Distomen in der Leber der Hauskatzen. ZooL Anz. 
No. 428. S.-A. p. 6) hingewiesen, während ich, ohne von Blanchard 's Vorgehen zu 
wissen — das Manuskript meiner betreffenden Arbeit war Ende 1894 an das Institut 
^gyptien eingeliefert und war zum größeren Teile schon fertig gedruckt, als die Arbeit 
Blanchard *s erschien — für dieselbe Gattung den Namen Proathometra vorschlug. 

2) Rech, sur la faune parasitaire de TEgypte. (M6m. Inst ^gyptien. T. III. 1896. 
p. 86 u. 97.) 

3) 1. c. p. 532. 

4) Faune parasitaire etc. p» 60. 



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Natura doceri etc. 195 

zag hat auf Thatsachen, die veröffentlicht sind bis zum Zeitpunkte 
des Abschlusses des Manuskriptes, in günstigen Fällen noch bis 
zur Erteilung des Imprimatur für die Druckbogen — herrschte, 
ist von Braun^) zutreffend dahin charakterisiert worden, daß eine Auf- 
teilung der alten Gattung Distomum Retzius „gewissermaßen in der 
Luft lag** «). - 

Es war mir deshalb zunächst unverständlich, daß Luhe in seinem 
Referat über meinen „Versuch^ in einer Anmerkung (p. 462) sagen konnte: 
„wenn übrigens Lqoss angiebt, daß die > Gattung ^is/omum Retzius« 
»bis jetzt« noch anerkannt worden wäre, und den Anschein erweckt, als 
wenn er erst mit dieser Anschauung bräche, so kann dies nicht unwider- 
sprochen bleiben.^ Die Anwendung der Anführungszeichen bei den 
Worten „bis jetzt^ und y^Distomufn Retzius^ ließen darauf schließen, 
daß der Referent eine bestimmte Stelle meiner Arbeit im Auge hatte; 
doch blieb mir vollkommen dunkel, welche Stelle das sein sollte. Auf 
briefliche Apfrage hat der Herr Referent die Freundlichkeit gehabt, mir 
mitzuteilen, daß seine Worte sich speziell auf die Schlußsätze von p. 546 
meiner Arbeit bezögen, welche ihm nicht recht vereinbar erschienen mit 
den Auffassungen, welche dem „Inventory" von Stiles zu Grunde 
liegen. In dem beanstandeten Absätze nun werden die älteren Ein- 
teilungsversuche, speziell derjenige Monticelli's und seine Mängel, 
besprochen; ich schließe dann mit der Angabe, „daß alle die älteren 
Versuche" (d. h. also die Versuche einer Aufteilung des Genus Disio- 
fnum) „festhalten an der Auffassung, daß der Gesamtheit der Distomen- 
formen der systematische Wert als Gattung zukomme; eine solche 
konnte aufgelöst werden in eine Anzahl koordinierter neuer Gattungen, 
aber sie konnte nach unten hin nicht weiter gegliedert werden als in 
Subgenera. Mit dem Festhalten an der Auffassung, daß Distomum eine 
Gattung sei, war einer weiteren Gliederung der Subgenera in Gruppen, 
wie sie sonst in der Systematik üblich sind, ein Riegel vorgeschoben, 
denn Formenkreise, die dem Subgenus noch untergeordnet sind, giebt 



4) Ref. über meine Arbeit in : Zool. Gentralbl. Bd. YII. 1900. p. 391. 

5) Eine Arbeit von 17 Bogen Text und 9 lithographischen Tafeln erfordert un- 
renneidlich zu ihrer Herstellung eine längere Zeit, Sis eine vorläufige Mitteilung von 
nicht einmal soviel Seiten; es ist deshalb nicht zu verwundern, daß sie die Litteratur 
der ihrem Ersdieinen unmittelbar voraufgehenden Zeit nicht mähr berücksichtigen kann. 
Sie hat auch unleugbar, wenn ich mich so ausdrücken darf, eine virtuelle Priorität vor 
der anderen, und deshalb kann ich mich, wie ich bereits an einem anderen Orte ^Zool. 
Anz. Bd. XXin. 1900. p. 601) auseinanderj^esetzt habe, nicht ohne weiteres damit einver* 
standen erklären, daß sie, wenn sie mit einer kurzen vorläufigen Mitteilung zufällig das 
ffleiche Publikationsdatum trägt, dieser gegenüber zurücktreten soll, nur weil sie aus 
leicht ersichtlichen Gründen etwas später versendet worden ist Ich habe mich bei der 
Verfechtung dieser meiner Ansicht gestellt auf den Boden des § 4 Absatz VIT der 
internationalen Regeln für die zoologische Nomenklatur, der gewisse Anweisungen giebt 
für den Fall, daß „mehrere Namen gleichzeitig aufgestellt worden sind, so daß 
es unmöglich ist, die Priorität festzustellen". iSoU dagegen in Zukunft das Versendungs- 
datum neben dem Ausgabedatum für die Entscheidung der Priorität eine Rolle mitspielen, 
dann scheint es mir unbedingt nOtig, bei der Festlegung gesetzlicher Normen auch folgenden 
Eventualitäten Rechnung zu tragen, die unschwer ebenfalls eintreten k nn e n. Angenommen, 
eine größere Arbeit wird um einen oder zwei Ti^e früher auss^egeben als eine vor- 
läufig Mitteilung, aber mit ihr an demselben Tage versendet, sind diese beiden 
Arbeiten dann gleichzeitig „publiziert" oder nicht ? Angenommen weiter, die um einen 
Tag früher ausgegebene größere Arbeit wird sogar um einen Tag später ver- 
sendet {ds die vorläufige Mitteilung, hat die letztere dann auf Grund ihrer früheren 
Versendung auch hier das Prioritätsrecht? 



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196 A. Looss, 

es nicht. Ein einziger Versuch, den Rang des ^Genus^ THstomum zq 
erhöhen, um den nach unten hin fehlenden Raum zu gewinnen, hätte 
hier leicht mit einem Schlage die ganze Situation verändert; dieser Ver- 
such aber ist bis jetzt nicht gemacht worden/ Ich weiß nicht, ob diese 
Worte so unklar sind, daß sie von einem vorurteilsfreien Leser auch 
auf etwas anderes bezogen werden können, als auf die in Rede stehen- 
den älteren Einteilungsversuche, deren jüngster meines Wissens auch 
heute noch derjenige von Monticelli ist. Bei Monticelli aber 
stehen in der Familie Distomidae nicht nur Distomwn mit seinen Unter- 
gattungen und den aus ihm abgetrennten koordinierten Gattungen nebst 
Eöllikeria und Büharzia in einer Unterfamilie Distomidae, sondern als 
zweite Unterfamilie auch die Gasterostominen. Diese letzteren werden 
später von Braun zur selbständigen Familie erhoben; Railliet änderte 
den Monticelli 'sehen Familiennamen in Fasciolidae um, und Stiles 
und Hassall schufen innerhalb dieser Faseiolidcte die beiden neuen 
Untergattungen FascioUnae und Schistosominae. Daß Railliet neben 
der Namensänderung eine neue Einteilung der Distomidae Mont. vor- 
genommen hätte, ist mir nicht bekannt, wogegen Stiles und Ha s sali 
sich ausdrücklich dagegen verwahren, mit ihrem Inventory eine neue 
Klassifikation der Familie beabsichtigt zu haben. Ich kann in derThat 
auch nicht finden, daß sie die Familie Fasciolidae Railliet in einem 
anderen als dem Monticelli 'sehen Sinne (d. h. als die Distomidae 
Mont. nach Abzug der Gasterostomidae Braun) aufgefaßt hätten. 
Ein großer Fortschritt liegt zweifellos in der Neuschaflfung der Unter- 
familien FascioUnae und Schistosominae, deren erstere alle zwitterigen 
Distomen umfaßt, denselben Formenkreis also, den ich, wie glaube als^ 
der erste, zur selbständigen Familie erhoben und in eine Anzahl von 
Unterfamilien und Gattungen gegliedert habe. Bilden so auch die dem 
Inventory von Stiles und Hassall zu Grunde liegenden Anschauungen 
einen Uebergang von denjenigen Monticelli 's zu den von mir ver- 
tretenen, so glaubte ich doch angesichts der nicht mißzuverstehenden 
Bemerkung der Autoren kein Recht zu haben, ihr Inventory als einen 
neuen Klassifikationsversuch zu betrachten und als solchen im Anschluß 
an die älteren von Monticelli, Duj ardin etc. in den Bereich meiner 
Erörterungen zu ziehen. Der Absatz meiner Arbeit, dessen oben wieder- 
gegebene Schlußsätze Luhe beanstandet, bezieht sich lediglich auf diese 
älteren Einteilungsversuche, in denen Distomum als Gattung behandelt 
wird. Man mag in dem Umstände, daß ich das Inventory von Stiles 
und Hassall dabei nicht berücksichtigt habe, einen Fehler erblicken: 
ich kann aber nicht zugeben, daß ich damit „angegeben^ hätte, das 
Genus Distomum sei ^bis jetzt" noch „anerkannt" worden; daß 
ich gar mit meinen Worten „den Anschein erweckt" hätte, als sei 
ich der Erste, der mit dieser Anschauung bräche, muß ich höflich, 
aber entschieden zurückweisen. Ich verstehe auch nicht, zu welchem 
Zwecke der Herr Referent dann fortfährt: „Ohne leugnen zu wollen» 
daß einzelne Gelehrte in der That jene Gattung wirklich noch an- 
erkannten, muß ich doch feststellen, daß diese Anerkennung keines- 
wegs allgemein war, daß von manchen Gelehrten der Gattungsname 
Distomum für viele Arten nur deswegen noch gebraucht wurde, weil 
für dieselben noch keine natürlichen Gattungsbegriffe existierten." Ich 
glaube kaum, daß dies in den letzten Jahren noch Jemand bezweifelt 
hat und ich am allerwenigsten; die nachdrückliche Feststellung dieser 



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Natura doceri etc. 197 

unbestrittenen Thatsache, sowie (der ganze, in dem Satze enthaltene 
Protest würden aber doch nur dann einen ersichtlichen Grund haben, 
wenn ich „angegeben^ hätte, die Gattung Distomum sei bis heute noch 
allgemein anerkannt worden — das aber dürfte doch von Niemand 
sus meinen Worten herausgelesen werden können I Hätte ich dagegen 
nur von einer Anerkennung im allgemeinen gesprochen, so würde Luhe 
mir, wie ans seinen Worten hervorgeht, nicht einmal haben Unrecht 
geben können, denn er will ja gar nicht leugnen, daß Einzelne die 
Gattung ^wirklich noch anerkannten^. Wenn dies letztere in der That 
der Fall war, so kann es sich aber, glaube ich, nur noch um recht 
wenige gehandelt haben, denn die Aufteilung „lag^, um mich der Worte 
Braun 's zu bedienen, bereits viel zu sehr „in der Luft". 

Ich habe mich in meinem Versuche einer natürlichen Gliederung 
des Genus Distomum vielfach veranlaßt gesehen, neue Gattungen zu 
gründen auf einzelne, bis jetzt isoliert stehende Arten hin. Ich habe 
aber dazu gleich vorwegnehmend bemerkt, daß dieses Verfahren seine 
prekäre Seite hat, da hier die persönliche Ansicht des Einzelnen, seine 
Auffassung der für die Gattungen wichtigen Charaktere und der Grenzen, 
in denen diese innerhalb der Gattungen schwanken können, eine große 
Rolle spielen. Die Gattungen, die ich auf eine einzelne Species hin 
vorgeschlagen habe, sind aber von mir mit vollem Bewußtsein aufgestellt 
worden; ich kann es deshalb nicht stillschweigend hinnehmen, wenn 
Luhe sich dahin ausspricht, daß seiner Ansicht nach „bei der Bildung 
von Gattungen, welche je nur eine einzige Art enthalten, mit etwas 
größerer Vorsicht vorgegangen werden muß, als dies jüngst Looss ge- 
than hat" ^). Eine solche Aeußerung wäre dann gewiß berechtigt, wenn 
sie auf Thatsachen fußte, d. h. wenn der Autor den positiven Beweis 
erbracht hätte, daß diese Gattungen, oder wenigstens ein größerer Teil 
von ihnen, von mir in Wirklichkeit ohne die nötige Kritik und Vorsicht 
aufgestellt worden wären. Einen solchen Beweis hat aber Luhe nicht 
versucht ; der einfache Umstand, daß er in der in Rede stehenden Frage 
anderer Ansicht ist, wie ich, schließt aber für sich allein doch noch nicht 
gleich die Berechtigung ein, die von mir gebildeten und je nur eine 
«inzige Art enthaltenden Gattungen schlechthin als übereilt resp. unvor- 
sichtig gebildet hinzustellen. 

Nur nebenbei sei der Autor hier nochmals auf das hingewiesen, 
was ich betreffs der Gründung von Gattungen auf isoliert stehende 
Formen hin in der Einleitung zu meiner Arbeit gesagt habe. Es heißt 
da p. 548: „Es ist dies zweifellos der schwächste Punkt der Arbeit, 
denn hier spielt die persönliche Ansicht über den Wert der einzelnen 
Charaktere eine hervorragende Rolle, und es bleibt immer möglich, daß 
Charaktere, die ich als Gattungsmerkmale aufgefaßt habe, nur Artunter- 
schiede sind, die in etwas weiteren Grenzen schwanken, als ich es an- 
genommen. Fehler dieser Art werden aber bei dem Anwachsen des 
Vergleichsmaterials mehr oder minder von selbst aufgeklärt und ver- 
bessert, und ich bin der Ansicht gewesen, daß ein Zuviel 
hier nützlicher war als ein Zuwenig, weil durch ein Zu- 
viel die Aufmerksamkeit mehr auf die betreffenden Cha- 
raktere, ihre Beachtung und die Abschätzung ihrer Be- 



1) üeber einige Distomen aus Schlangen und Eidechsen. (Centralbl. f. Bakt etc. 
Bd. XXVm. 1900. No. 17. p. 558.) 



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198 A. LoosB, 

deutung für Klassifikation hingelenkt wird als umge- 
kehrt" Ich weiß, daß ich für den Kollegen Luhe diese Worte zu 
schreiben nicht nötig gehabt hätte; es giebt aber außer ihm noch eine 
Anzahl anderer Forscher, die nicht an Universitäten leben, die aber 
trotzdem reges Interesse für unsere Wissenschaft besitzen und ihr 
manchen guten Beitrag geliefert haben und noch liefern werden. Aller- 
dings stehen die Arbeiten dieser Autoren nicht durchweg auf der Höhe 
der Zeit und für sie ist mein „Zuviel" in erster Linie berechnet ge- 
wesen. Wenn ich durch dasselbe die Anregung gebe und erreiche, daß 
die späteren Arbeiten auch nur eines Einzigen unter ihnen für die 
Allgemeinheit nutzbarer werden, als sie es bisher waren, dann hoffe ich 
der Wissenschaft mehr genützt zu haben, als ich ihr durch die Auf- 
stellung einiger später vielleicht als unhaltbar sich erweisender Gat- 
tungen geschadet. 

Endlich ist Luhe auch mit den von mir gegebenen Diagnosen der 
Gattungen nicht ganz einverstanden ; er hat^ „an einzelnen Stellen den 
Eindruck gewonnen, als wenn der Versuch, einen" — von mir bekannt- 
lich absichtlich nicht gegebenen — „Bestimmungsschlüssel herzustellen^ 
zu einer präziseren Fassung der Gattungsdiagnose geführt haben würde.^ 
Leider ist auch mit dieser Ausstellung nichts Greifbares gesagt; ich 
weiß selbst, daß die von mir gegebenen Diagnosen nicht allenthalben 
vollständig sind, da die vorhandenen und nutzbaren Daten nicht aus- 
reichten; ich habe auch, wiederum in der Einleitung zu der ganzen 
Arbeit, darauf hingewiesen, daß ich sie nicht als definitiv betrachte^ 
sondern voraussehe, daß sie mit der Vervollkommnung unserer Kennt- 
nisse mannigfache Aenderungen werden erleiden müssen. Unter solchen 
Umständen bedaure ich es lebhaft, daß der Referent es bis jetzt unter- 
lassen hat, zu zeigen, wie eine wirklich präzise Diagnose beschaffen sein 
muß; obwohl er bereits eine ganze Reihe neuer Fasciolidengenera ge- 
schaffen hat, so ist doch keine derselben durch eine Diagnose charak- 
terisiert und damit ein besseres Vorbild für künftige Fälle geschaffen,, 
als es die von mir gegebenen Diagnosen sind. 

Auch Braun 2) ist mit den von mir gegebenen Gattungsdiagnosen 
nicht allenthalben einverstanden, doch haben seine Einwendungen das 
Angenehme, daß sie positiv sind und klar angeben, was der Referent nicht 
billigen kann. Von den Ausstellungen B r a u n 's sind zwei wichtiger, als daß 
ich sie hier übergehen könnte. Die eine bezieht sich darauf, daß von 
mir „der Bestachelung manchmal ein erheblicher Wert beigelegt wird, 
obgleich sie in vielen Fällen recht hinfällig ist". Die vielfach sogar 
sehr große Hinfälligkeit des Stachelkleides der Distomen war natürlich 
auch mir bekannt; da wir aber in der Systematik der Tiere, wenn nur 
irgend möglich, die Diagnose einer Art oder einer Gattung auf den 
lebenden oder möglichst naturgetreu konservierten Zustand des Indivi- 
duums gründen, so habe ich nicht geglaubt, aus der Hinfälligkeit des 
Stachelkleides einen Grund ableiten zu können, die Bestachelung prin- 
zipiell ihres gelegentlichen Wertes als Gattungsmerkmal zu entkleiden, 
wenn zwei augenscheinlich natürliche und sonst nahe verwandte Gat- 
tungen sich auch in der Ausstattung ihrer Körperbedeckung auffallend 
unterscheiden. Allerdings kann, meines Erachtens, der Wert der Be- 



1) Referat über meine Arbeit 1. c. p. 465. 

2) Referat über meine Arbeit in: Zool. Centralbl. Bd. VII. 1900. p. 390 f. 



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Natura doceri etc. 199 

stachelang niemals so weit gehen, daß sie fQr sich allein das einzige 
Merkmal ist, welches eine Gattung von einer anderen trennt, und ich 
glaube auch nicht, daß ich sie in diesem Sinne verwendet habe. Kann 
sie ja, wenn auch nur in Ausnahmefällen, sogar innerhalb einer und 
derselben Gattung Verschiedenheiten aufweisen, wie es z. B. unter den 
Angehörigen des Genus Harmostomum Braun der Fall ist; auch habe 
ich p. 550 meiner Arbeit direkt ausgesprochen, daß u. a. die ^Aus- 
bildung und Ausstattung der Haut etc. Unterschiede sekundärer Natur 
sind^, die hinter den Hauptzügen des inneren Baues zurücktreten müssen. 
Dagegen habe ich, wie gesagt, andererseits kein Bedenken getragen, die 
Bestachelung der Haut in die Gattungsdiagnose aufzunehmen, wenn ich 
gesehen, daß von zwei sonst nahe verwandten und je mehrere Arten 
enthaltenden Gattungen die Angehörigen der einen durch eine nackte^ 
die der anderen insgesamt durch eine bestachelte Haut sich auszeichnen 
(z. B. Genera Lecithodendrium und Fycnoporus). Denn behält man den 
auffallend gleichartigen Bau im Auge, welchen die Haut innerhalb fast 
aller der mehrere Arten enthaltenden Gattungen (z. B. Opistharehis^ 
JEchinostomum, StephanochasmuSy Lecithodendrium, Ällocreadium^ Fasciola 
u. a.) erfahrungsgemäß aufweist, dann wird man in Fällen, wie 
dem eben angezogenen, fast unwillkürlich dazu geführt, auch Unter- 
schiede in ihrer Beschaffenheit mit unter die Gattungsmerkmale auf- 
zunehmen zur Ergänzung der entscheidenden, von der inneren Orga- 
nisation abgeleiteten. Denn eine Gattung erscheint, glaube ich, um so 
natürlicher, sie wird andererseits um so leichter kenntlich und um so 
eher zu unterscheiden, je mehr Züge es sind, in denen sie sich von den 
nächsten Verwandten unterscheidet. Sind von diesen Zügen manche 
auch leicht verwischbar und an mangelhaft erhaltenen Individuen nicht 
mehr zu erkennen: in praxi werden die wichtigeren, von der inneren 
Organisation hergeleiteten Charaktere eine Identifizierung immer noch 
ermöglichen. So habe ich, wie gesagt, verschiedentlich keinen Anstand 
genommen, die Ausstattung der Haut in der Gattungsdiagnose zu er- 
wähnen, wenn sie mir als charakteristisch für die betreffende Gattung 
erschien. 

Ein weiterer Einwurf Braun 's ist der, daß in meinen Diagnosen 
„nicht selten die Wendung: »Kopulationsorgane fehlend« wiederkehrt, 
obgleich die betreffenden Formen ein Vas deferens resp. Ductus ejacu- 
latorius und Vaginalteil des Uterus (Metraterm) besitzen, nur der Girrus- 
beutel ist nicht entwickelt". Ich will ganz offen bekennen, daß ich 
diesen Einwurf habe kommen sehen, da ich schon beim Lesen der Kor- 
rekturbogen meiner Arbeit hier und da die Empfindung hatte, daß der 
beanstandete Ausdruck nicht bestimmt genug sei und zu Mißdeutun- 
gen Anlaß geben könne; da es mir aber nicht mehr möglich war, ihn 
durchgängig zu ändern, so ließ ich ihn auch später stehen. Es ist eine 
bekannte Thatsache, daß bei der weitaus größten Mehrzahl der Distomen- 
arten die Endteile der männlichen und weiblichen Genitalleitungswege 
in ihrer Struktur eine ganz auffallende Analogie zur Schau tragen; ist 
der Penis lang resp. kurz und dick, so ist auch die Vagina (Metraterm) 
lang resp. geräumig; zeigt der Penis im eingestülpten Zustande auf 
seiner Innenfläche stachelartige Bildungen, so ist auch die Vagina mit 
solchen ausgestattet u. s. w. Da ferner, soweit wir bis heute positiv 
wissen, die Existenz eines vorstülpbaren Penis an das Vorhandenseia 
eines muskulösen Cirrusbeutels geknüpft ist, -so könnte in diesem Falle 



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200 A. LoosB, 

meines Erachtens, der Ausdruck „Kopulationsorgane" zu Mißverständ- 
nissen kaum Veranlassung geben, da hier diese Organe beide und in 
ihrer normalen Ausbildung vorhanden sind. Wo andererseits ein Cirrus- 
beutel fehlt, da fehlt in der Regel auch ein ausstülpbarer Penis und 
«ine entsprechend ausgestattete Vagina: Von der Pars prostatica aas 
führt ein kurzer, enger Gang nach dem Genitalsinus und ein eben- 
solcher Gang verbindet die weibliche Genitalöffnung mit dem Beginne 
<ies Uterus (z. B. Opisthorchis, Pyenoporus, Oyinnophaüus, Microscaphi- 
dium). In diesem Falle würde der Ausdruck: Kopulationsorgane fehlend 
ebenfalls kaum irreführen können. Nun existieren aber noch einzelne 
nicht uninteressante Fälle, in denen der Endteil des männlichen Leitungs- 
weges ebenso ausgebildet ist, wie es eben geschildert wurde, wohingegen 
der Endteil des Uterus durchaus das Aussehen einer deutlichen, mehr 
oder minder langen Vagina (Metraterm) zur Schau trägt {Lecithoden- 
drium und Änchiirema). Eine Kopulation im normalen Sinne des 
Wortes dürfte bei diesen Formen natürlicherweise nicht stattfinden 
können, da die männlichen Begattungsorgane fehlen und die weiblichen 
allein nichts nützen können, obwohl sie in äußerlich normaler Gestalt 
ausgebildet sind. In diesem Falle ist der von mir gebrauchte Ausdruck : 
Kopulationsorgane fehlend zweifellos nicht sachgemäß und bestimmt 
genug; es würde hier notwendig gewesen sein, zu sagen: Cirrusbeutel 
und Penis fehlend, Vagina vorhanden resp. männliche Kopulationsorgane 
fehlend, weibliche vorhanden. Will man dann den diagnostischen Satz 
für alle Genera gleichmäßig gestalten, dann würde auch dort besser 
gesagt werden : Männliche und weibliche Kopulationsorgane resp. Cirrus- 
beutel mit Penis und Vagina vorhanden oder fehlend. Diese Ausstellung 
Braun 's war demnach berechtigt 

Von Luhe ist mir fernerhin der Einwurf gemacht worden i), daß 
ich auf die Konfiguration der Begattungsorgane ein zu großes Gewicht 
lege. Auch sei ich gerade in diesem Punkte inkonsequent, indem die 
Gattung Echinosiomum bei mir Arten mit „kräftig entwickelten^^ und 
mit „fehlenden" Begattungsorganen enthalte. Wenn diese Extreme in 
einer so einheitlichen Gruppe sich fänden, wie in der Gattung Echino- 
stomum Rud. nee Duj., so sei das seiner Ansicht nach der beste Be- 
weis, daß die Ausbildung der Begattungsorgane auch überhaupt nicht 
die systematische Bedeutung habe, welche ich ihr zuschreibe. In allen 
den Fällen, in welchen wirklich einzelne, aber wichtige Merkmale eine 
Teilung von Arten verlangen, welche sonst in ihrem gesamten Bauplan 
völlig übereinstimmen, würde er die Bildung von Untergattungen vor- 
ziehen. 

Die Anschauungen, die ich in meinem Versuche einer natürlichen 
Gliederung des Genus Distomum Retzius vertreten habe, sind ge- 
wonnen auf Grund der Untersuchung resp. Vergleicbung — sei es in 
natura, sei es aus der Litteratur — von mehr als 215 verschiedenen 
Distomenarten. Die Untersuchung dieses Materials hat mich gelehrt, 
<laß — den Fall des Echinost Uliputanum einstweilen aus dem Spiele 
gelassen — in allen den mehrere Arten enthaltenden Genera, ja sogar 
in den meisten der von mir zu Unterfamilien zusammengefaßten Formen- 
kreise die Begattungsorgane einen so auffallend, so in die Augen 
springend gleichartigen Bau aufweisen, daß ich mich unmöglich der 



1) Referat im Centralbl. f: Bakt. etc. 1. c. p. 465. 



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Natura doceri etc. 201 

ITeberzeugang verschließen konnte, daß die Beschaffenheit dieser Or- 
gane in den Kreis der GattnDgscharaktere gehören müsse, wenn unter 
OattuDgscharakteren diejenigen Züge des inneren Baues zusammeugefafit 
werden, in welchen nächstverwandte Formen übereinstimmen. Man ver* 
gleiche uur einmal die Fasciolinen, die Opisthorchiinen , die Cönogoni- 
minen, die Urogonimineu, die Hemiurinen (i. e. die verschiedenen Gattun- 
gen, die, wie ich vorausgesagt, in der heutigen Gattung Hemiurus ent- 
halten sind), die Syncöliinen und wie sie alle heißen mögen: überall 
sind die Begattungsorgane nach einem außerordentlich einheitlichen, 
für den betreffenden Formenkreis charakteristischen Weise aufgebaut! 
Und ist es bei den übrigen Tieren anders? Tragen nicht auch bei 
diesen die Endapparate der Genitalorgane in den einzelnen Unterfamilien 
und Gattungen fast durchgängig ein ganz spezifisches Gepräge zur Schau, 
und verlieren sie ihre ganze systematische Bedeutung etwa deshalb, weil 
in einzelnen Fällen Abweichungen von der Regel vorkommen können? 
Ich glaube nicht, und so kann ich auch dem von Luhe als „besten 
Beweis'^ angeführten Beispiel nicht die durchschlagende Bedeutung 
zuerkennen, die Luhe ihm offenbar beimißt; mit anderen Worten: an- 
gesichts des in die Augen springend gleichförmigen Baues der Be- 
gattungsorgane in der überwiegenden Mehrzahl aller als natürlich an- 
erkannten Distomengruppen kann für mich der Fall des Eehinost. Uli' 
putanum nur als eine gelegentliche Ausnahme gelten^). Dieser Aus- 
nahmefall erscheint aber noch in einem viel milderen Lichte, wenn wir 
uns die Gattung Eehinostomum einmal etwas näher betrachten. Dieselbe 
enthält (auffallenderweise!) Formen von respektabler Größe {E.bilobum, 
echinatum, ramosum) bis herab zu solchen von sehr geringen Dimen- 
sionen. In dieser letzteren sind alle inneren Organe verkleinert resp. 
reduziert; Darmschenkel und Uterus sind kürzer, die Dotterstöcke, so 
reich entwickelt in den ersteren, zeigen nur eine beschränkte Anzahl 
von Follikeln, die Exkretionsblase, so vielfach verzweigt in den großen 
Formen, hat nur einige wenige Seitenäste — sollte es da nicht auch 
möglich, vielleicht sogar verständlich sein, wenn an den Endteilen 
der Genitalleitungswege, die den Typus des Baues, welchen sie bei 
den größeren besitzen, noch vollkommen deutlich zur Schau tragen, 
ebenfalls eine Reduktion Platz greift, die zum Verschwinden der Be- 
gattungsorgane führt? Meinem persönlichen Empfinden nach hätte ein 
solcher Vorgang nichts Ueberraschendes ; vor allem aber kann meines 
Erachtens das Fehlen des Girrusbeutels und Penis (inkl. Reduktion der 

1) Ich kann nicht verhehlen, daß mir angesichts dieser auf neueren und neuesten 
Erfahrungen beruhenden Erkenntnis direkt Zweifel an der Richtigkeit meiner eigenen 
Angabe über das Fehlen eines Girrusbeutels bei Eeh. liHputanum aufgestiegen sind. Als 
ich die Art vor 7 Jahren auffand und beschrieb, glaubte ich mich von der Abwesenheit 
der nämlichen Eopuladonsorgane überzeugt zu haben; jetzt erscheint es mir nicht 
undenkbar, daß idi sie bei der Kleinheit der Species doch übersehen haben kann. 
Leider habe ich zur Zeit kein gut konserviertes Material des Wurmes zur Hand; so 
muß ich die L(V8ung der Frage auf die nächste günstige Gelegenheit verschieben. Auch 
im ganzen erscheint mir die Gattung Eehinostomum heute nicht mehr so einheitlich wie 
früher. So lange z. B. Ecfi, büobum mit der eigentümlichen Ausbildung seines Kopf- 
kragens aliein stand, konnte diese Ausbildung aus eine spezielle Eigentümlichkeit der 
Art gelten. Seit ich aber gesehen, daß z. B. auch E, ramosum einen ganz SJinlichen 
Eopfkragen besitzt wie E. bilobum, bin ich, auf Grund meiner systematischen An- 
schauungen, geneigt, in diesem Charakter das Merkmal einer besonderen Gruppe inner- 
halb der heutigen Gattung Eehinostomum, d. h. einer Untergattung derselben, zu er- 
blicken. 

Ente Abt XXIZ. Bd. 14 

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202 A. L008S, 

Vagina) bei E. liliputanum, das durch geringere Ausbildung derselben 
Organe in den etwas größeren Formen vorbereitet wird, die Thatsache 
nicht entkräften, daß die Konfiguration der Genitalorgane in der bei 
weitem größten Mehrzahl der unbestritten natfirlichen Gattungen eine 
außerordentlich gleichförmige ist, und damit darauf hinweist, daß wir 
es in ihr mit einem Gattungsmerkmal zu thun haben. Im übrigen aber 
gebe ich Luhe vollkommen recht, wenn er für solche (zunächst aber 
auch nur für solche Fälle, in denen innerhalb einer sonst als natürlich 
sich dokumentierenden Gattung einzelne Abweichungen in der Struktur 
gewisser Organe vorkommen) die Bildung von Untergattungen empfiehlt: 
ich habe, was er vielleicht übersehen hat, diesen Vorschlag bereits 
selbst gemacht. 

Beobachtungen und Erwägungen wie die eben geschilderten, basiert 
allein auf den Grundsatz : natura doceri, haben mich auch dazu geführt, 
das Vorhandensein oder das Fehlen gewisser Organe unter Umständea 
als charakteristisch für einzelne Gattungen oder Unterfamilien zu er- 
klären, wenn es bei den Angehörigen derselben konstant sich beob- 
achten ließ. So ist es unter anderem der Fall mit dem Fehlen des 
Pharynx in der ünterfamilie Oargoderinae: dieselbe enthält die Gattungen 
Qorgodera Lss. mit 3 Arten {cygnoideSj ampUcava und simplex) und 
Phyllodistomum Braun mit 2 sicheren Arten {foliuvn und patellare)» 
Bei allen diesen 5 Formen, die offenkundig nahe miteinander verwandt 
sind und auch den gleichen Wohnort, die Harnblase, von Amphibiea 
und Fischen haben, fehlt der Pharynx. Bei der sonst so allgemeinen 
Verbreitung dieses Organes unter den Distomiden konnte ich unmög- 
lich in seinem Fehlen gerade bei diesen so nahe verwandten Formen 
einen Zufall erblicken. Nun hatte aber auch das D, cymbifonne R* 
aus der Harnblase von Seeschildkröten in der Topographie seiner Or- 
gane eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den Gorgoderinen, speziell 
Phyllodistomum; nach den übereinstimmenden Angaben von Stossich 
und Braun besaß es jedoch einen muskulösen Pharynx, aus dem die 
Darmschenkel direkt ihren Ursprung nehmen. Ich bitte Prof. Braun 
und Prof. Stossich, es mir nicht zu verargen, wenn ich im Anfange 
die Richtigkeit dieser Beobachtung in Zweifel zog; denn so sehr die 
Organisation des D. cymbiforme auf meine Gattung Spathidium^ oder wie 
sie jetzt gesetzmäßig heißt, Phyllodistomum hinzuweisen schien, so sehr 
widersprach, allen meinen bis dahin gemachten Erfahrungen nach, die 
Existenz eines muskulösen Pharynx einer direkten Einreihung der Art 
in die Gattung Phyllodistomum^ denn durch eine solche Einreihung wäre 
das anscheinend so gesetzmäßige Fehlen des Pharynx in allen anderen 
zweifellosen Angehörigen, des Genus nicht nur, sondern der ganzen 
Unterfamilie, auf den Wert eines zufälligen Momentes herabgedrückt 
worden. Eine solche Auffassung aber erschien mir unannehmar, spielt doch 
unseren heutigen Anschauungen nach der Zufall in der Organisation 
lebender Wesen keine Rolle mehr; es blieb also nichts übrig, das D. 
cymbiforme als den Repräsentanten eines eigenen, von Phyllodistomum 
verschiedenen Genus in Anspruch zu nehmen: nicht, weil es sich von 
Phyllodistomum nur durch den Besitz eines muskulösen Pharynx unter- 
schied, sondern weil, meiner innersten Ueberzeugung nach, die Gegen- 
wart dieser Pharynx auf die Existenz noch anderer, bis jetzt unbe- 
achteter Unterschiede hindeutete. 

Das war meine Ueberzeugung zur Zeit der Abfassung meiner Ar- 



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Natura doceri etc. 203 

beit, und sie ist es heute mehr denn je! Zunächst hat mich ein mehr- 
wöchiger Aufenthalt an der zoologischen Station in Triest in die glück- 
liche Lage versetzt, nach einer Richtung hin eine kleine Probe auf das 
Exempel zu machen. In der Harnblase verschiedener Labriden {Creni- 
labrus pavo und griseus) fand ich mehrere Male ein augenscheinlich neues 
Distomum^), welches durch seinen Wohnort, seine Farbe, seine Gestalt 
und seine Bewegungen ohne weiteres an Phyllodistomum erinnerte. Wenn 
es aber ein PhyUodistomum war, dann durfte es auch, wenn meine 
Rechnung richtig war, keinen Pharynx besitzen — es besitzt auch 
keinen I 

um so notwendiger, aber auch interessanter wurde es nun fQr 
mich, über die wirkliche systematische Stellung von D. cymbiforme wo- 
möglich einiges Licht zu verbreiten, d. h. nachzuforschen, ob zwischen 
ihm und PhyUodistomum nicht noch weitere anatomische Unterschiede 
existieren, und weiterhin, ob D. cymbiforme sich nicht eventuell auch zu 
anderen bekannten Fascioliden in Beziehung bringen ließ. Da ich kein 
Original der Art besaß, so hat Kollege Stossich die Opferwilligkeit 
gehabt, mir das vorletzte der in seinem Besitze befindlichen Exemplare zu 
schenken, wofür er hier nochmals meinen herzlichen Dank entgegen- 
nehme! Obwohl das Tier durch die Wirkung starken Alkoholes stark 
kontrahiert ist, so zeigt es doch deutlich genug eine Tendenz zur Ein- 
rollung der Seitenränder, weniger des Vorder- als besonders des Hinter- 
körpers, die ich bei den echten Gorgoderinen, wenigstens in diesem 
Maße, nicht bemerkt habe, ebenso sind Vorder- und Hinterkörper so 
scharf voneinander abgesetzt, wie es bei den letzteren nirgends der Fall 
ist. Eine Ausbreitung des aufgehellten Tieres erwies sich leider als 
unausführbar, doch konnte ich wenigstens soviel konstatieren, daß die 
von Stossich gegebene Abbildung und Beschreibung in allen Haupt- 
punkten richtig sind. Zieht man nun diese Beschreibung und Abbildung^) 
der Art zu Rate, dann ergiebt sich noch eine weitere Reihe von Einzel- 
heiten, welche D. cymbiforme in bemerkenswerter Weise von den Phyllo- 
distomen trennen. So sind die Hoden auffallend groß, tief eingeschnitten 
und viellappig (multilobati) ; sie liegen nicht schräg hintereinander 
und zwischen den Darmschenkeln, wie bei den Phyllodistomen, son- 
dern symmetrisch auf gleicher Höhe und unter den Darmschenkeln, 
fast zur Hälfte sogar außerhalb derselben. Das Gleiche gilt von den 
auffallend kleinen Dotterstöcken, wohingegen der Keimstock vor dem 
linken Hoden gelegen ist; Stossich berichtet weiterhin von dem Vor- 
handensein eines Receptaculum seminis, welches bei sämtlichen Gorgo- 
derinen übereinstimmend fehlt Rechnen wir hierzu die Existenz 
eines muskulösen Pharynx, so haben wir doch eine Reihe von Merk- 



1) PkyüodiBtomum aeeeptum n. sp. Länge des größten, aber augenscheinlich noch nicht 
yollreifen llxempiares 7, grOßte Breite des Hinterleibes reichlich 3 mm; Mundsaugnapf 



eine Kleinigkeit großer (0,6 mm) als der Bauchsaugnanf (0,58 mm); letzterer nicht weit 
Yor der EOrpermitte gelegen. Darmgabelung vor der Mitte zwischen den beiden Saug- 
nftpfen. Hoden unregelmäßig gestaltet, etwas in die Länge gezogen, aber ohne tiefe 
Einschnitte, Keimstode rundlich, mit leicht eingekerbten Kändem. Dotterstöcke ziem- 
lich tief gespalten, fingerförmig, die blinden Enden der Lobi keulenförmig angeschwollen 
(was eine kleine Veränderung meiner Grattungsdiagnose nötig machen wird). Genital- 
OfSuung in der Darmgabelung. Lagerung und Beschaffenheit der Organe genau der von 
mir gegebenen Diagnose der Unterfamiiie entsprechend. 

1) Notizie elmintologiche. (Estr. BoUett Soc Adriatica etc. Vol. XVI. Trieste 1895. 
p. 3a Tav. IV. Fig. 1.) 

14* 



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204 A. L0088, 

malen, dnrch die sich D. cymbiforme von den Gorgoderinen entfernt, 
Merkmale außerdem, darch die sich keine einzige echte Gorgoderine von 
irgend einer ihrer nächsten Verwandten unterscheidet Diese Unter- 
schiede würden auch, meiner Auffassung nach, vollkommen genügen, 
D. cymbiforme als den Repräsentanten einer selbständigen Gattung zu 
betrachten. 

Die zweite, nicht minder wichtige Frage ging dahin, ob D. 
cymbiforme resp. die durch dasselbe vertretene Gattung sich nicht zu 
anderen bereits bekannten Distomenformen in nähere Beziehung bringen 
ließ, und welche Formen dies eventuell sein könnten. Auch hier ist es 
ein glückliches Zusammentreffen, welches mich in den Stand setzt, die 
Frage in einer, wie ich überzeugt bin, befriedigenden Weise zu lösen. 
Vor wenigen Wochen erhielt ich durch die Freundlichkeit des Autors 
die Arbeit von E. von Ofenheim über das Genus Anaporrhutum^)^ 
gegründet auf das seit langer Zeit bekannte D. ricckiardii Lopez und 
eine neue, von Prof. Schauinsland aus der Leibeshöhle und dem 
Pericardium von Äetobatis narinari im „Pacific" gesammelten Art A. 
oMdum, Ich kann wohl sagen, daß ich vielleicht nicht so ohne weiteres 
auf den Gedanken gekommen wäre, D. cymbiforme mit A. ricckiardii 
in nähere Beziehungen zu bringen; mit der neuen Art Anaporrhutum 
aibidum aber teilt es so offensichtlich eine Anzahl von Eigentümlich- 
keiten, namentlich die gesamte Topographie der inneren Organe, daß 
nähere Beziehungen zwischen beiden, d. h. also zwischen ihm und dem 
Genus Attaporrhutum kaum von der Hand gewiesen werden können^). 
Auch bei Anaporrhutum ist der Vorderkörper stark (zapfenartig) von 
dem Hinterkörper abgesetzt, der letztere stark verbreitert und im 
konservierten Zustande meist nach der Bauchseite eingekrümmt. Der 
muskulöse Pharynx steht mit den Darmschenkeln nur durch einen sehr 
kurzen Oesophagus in Verbindung, die letzteren laufen, etwas nach aus- 
wärts gebogen, bis nahe an das Hinterende des Körpers. Besondere 
männUche, sowohl wie weibliche Kopulationsorgane (i. e. Cirrusbeutel 
mit Penis und Vagina) fehlen; ferner liegen bei A. aibidum die Hoden, 
in einzelne Bläschen aufgelöst, ventral teils außerhalb, teils unterhalb, 
teils innerhalb der Darmschenkel, auf beiden Seiten symmetrisch. Die 
Dotterstöcke, dendritisch verzweigt und ebenfalls symmetrisch, finden 
sich vor den Hoden, unterhalb und innerhalb der Darmschenkel, zwischen 
ihnen, nach der Körpermitte zu liegt der Keimstock mit dem großen 
Receptaculum seminis. A. ricckiardii unterscheidet sich von A. aibidum^ 
was die Topographie der Organe anlangt, nur dadurch, daß Dotterstöcke 
und Hoden zum größten Teile ganz außerhalb der Darmschenkel gerückt 
sind, während der Raum zwischen den letzteren durch die Schlingen 
des Uterus eingenommen wird. Vergleicht man nun diese Lagerung der 
Organe mit derjenigen, welche dieselben bei D. cymbiforme aufweisen, 
dann ergiebt sich eine fast vollkommene Uebereinstimmung, und diese 
Uebereinstimmung bezieht sich in gewiß bemerkenswerter Weise gerade 
auf jene Züge der Organisation, welche D. cymbiforme von den Gorgo- 
derinen, speziell Phyllodistomum^ trennen. Trotz alledem stimmt D. 

1) Ofenheim, E. von, Ueber eine neue Distomidengattung. (Zeitschr. f. Natur- 
wissensch. Bd. LXXIII. Stuttgart 1900.) 

2) Aus diesem Grunde möchte ich A. aibidum als tjrpischen Vertreter der Gattung 
Anaporrhutum vorschlagen, nachdem ein solcher yon deren Autor nicht bezeichnet 
worden ist 



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Natura doceij etc. 205 

cymbiforme mit Anaparrhutum doch auch nicht soweit flberein, daß man 
es ohne weiteres dieser Gattung einreihen könnte. Ein auffallender 
Unterschied ist z. B. der, daß bei ihm die Uterusschlingen noch mehr 
entwickelt sind und über die Darmschenkel seitlich hinausragen; es 
kommt dazu als zweite, nicht minder wichtige Differenz, daß bei D. 
Cjfmbifarme die Hoden und die Dotterstöcke nicht aufgelöst, sondern 
noch kompakt sind, wiewohl die Hoden durch ihre starke Lappung be- 
reits eine Tendenz zur Auflösung zeigen. 

Auf Grund dieser Thatsachen bin ich der Ueberzeugung, daß D. 
cymbiforme in den Angehörigen der Gattung Änaporrhutum v. Ofen- 
heim seine nächsten natürlichen Verwandten besitzt; da es auf Grund 
gewisser Eigentümlichkeiten in die Gattung selbst nicht eintreten kann, 
so betrachte ich es als den Repräsentanten einer eigenen Gattung 
PUsiochorus^X welche mit Änaporrhuium zu einer Unterfamilie Änapor^ 
rhutinae vereinigt werden kann. Diese Unterfamilie hat weiterhin ihre 
nächsten oder wenigsten ziemlich nahe Verwandte in den Gorgoderinen. 

Ich habe hier wiederum — ob ohne die nötige „Vorsicht", mag 
dahingestellt bleiben — eine neue Gattung auf eine bis jetzt allein 
stehende Art gegründet. Auch gegen dieses Verfahren, das ich, nicht 
als der erste, in meinem „Versuche" vielfach eingeschlagen habe, sind 
Bedenken geltend gemacht worden. Wenn es sich hierbei um eine 
wirklich voreilige und kritiklose Aufstellung neuer Genera gehandelt 
hätte, so würde ich diese Bedenken nur gutheißen können; prinzipiell 
aber kann ich gegen die Bildung selbst zahlreicherer Genera, die zu- 
nächst nur eine Art enthalten, nichts einwenden, vorausgesetzt nur, daß 
sie eben nicht ins Blaue hinein geübt wird. Ja, ich verspreche mir von 
dem Verfahren sogar den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß da- 
durch die Aufmerksamkeit mehr auf alle die verschiedenen Konstruk- 
tionstypen des äußerlich sonst so uniform erscheinenden Fascioliden- 
körpers hingelenkt wird, als wenn man eine größere Anzahl von Formen, 
die sich in ihrem Baue oberflächlich ähneln, in einem Genus vereinigen 
würde. Mit der Erzielung eines vollständigen, ^in sich geschlossenen^ 
Systems unserer Tiere hat es meines Erachtens bis auf weiteres noch 
gute Wege; zur Vorbereitung eines solchen Systems aber halte ich es 
für unbedingt notwendig, auch geringfügigere Unterschiede im Körper- 
baue zu fixieren, mögen diese Unterschiede zunächst auch nur von ein- 
zelnen Arten zur Schau getragen werden. Ich bin auch jetzt noch der 
Ansicht, daß ein Zuviel hier nicht schädlich sein kann. Zudem lehrt ja 
beinahe die tägliche Erfahrung, daß Arten, die eine mehr oder minder 
lange Zeit unter ihren Familien genossen scheinbar isoliert dagestanden 
haben und die man als Repräsentanten eigener Gattungen hätte be- 
trachten können, einmal Genossen erhalten, die sich als ihre Gattungs- 
genossen ohne weiteres zu erkennen geben und damit die Gattung selbst 
greifbarer gestalten. Von ägyptischen Formen brauche ich nur zu nennen 
CoenogonimtiLS fraternus, Ascocotyle minuta^ Philophihaimus palpehrarum, 
Pycnoparus acetäbulatus u. a., jene Formen, die es in letzter Instanz 
waren, welche in mir den Gedanken anregten, den Verwandtschaftsver- 
hältnissen der Fascioliden meinerseits etwas näher nachzuforschen. 
Und daß die Auffindung solcher Gattungsgenossen mitunter noch viel 
bedeutsamere Folgen haben kann, zeigt der oben angezogene Fall des 

1) 6 TiXiqaioxwpo?, der Grenznachbar. 



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206 A«L008B, 

Ä, albidum. Wohl Niemand, der einmal das eigentfimliche D. ricehiardii 
Lopez oder eine Abbildung desselben näher betrachtet hat, wird daran 
gezweifelt haben, daß dieses einen eigenen Konstraktionstypus, nach unseren 
heutigen Anschauungen eine selbständige Gattung darstelle, aber dieser 
Typus stand unter den übrigen Distomen anscheinend vollkommen iso- 
liert. Die Auffindung des Änaparrhutum albidum hat nicht nur diese 
isolierte Stellung des Ä ricehiardii beseitigt und die Gattung selbst 
greifbarer gemacht, sondern mit einem Schlage auch ihre verwandt- 
schaftlichen Beziehungen zu einer Anzahl anderer Fascioliden enthüllt. 
Ich will nun nicht behaupten, daß es mit allen anderen zur Zeit noch 
allein stehenden Formen ebenso gehen wird; solche isolierte Formen 
existieren noch heute vielfach in anderen Tierklassen, die bei weitem 
besser und vollständiger gekannt sind als die Distomen, aber die Wahr- 
scheinlichkeit ist doch wenigstens vorhanden, daß es in vielen Fällen 
noch gelingen wird, die heute zwischen den einzelnen Gattungen vor- 
handenen Lücken dereinst auszufüllen. 

Ich kann, wie gesagt, in der Gründung von Gattungen auf einzelne 
isoliert stehende Arten hin keinen Fehler erblicken, sofern hierbei nur 
mit der nötigen Kritik verfahren wird. Ich kann auch mit Luhe 
nicht finden, daß durch die Aufstellung einer größeren Zahl solcher 
Gattungen die Uebersichtlichkeit des Systemes beeinträchtigt wird, 
zumal ein solches System zur Zeit noch gar nicht existiert, sondern 
allmählich erst aufgebaut werden soll. Wenn er es ferner (Centralbl. 
f. Bakt. etc. Bd. XXVIII. 1900. p. 565) „nicht für zweckmäßig hält, 
auf Grund von Unterschieden, die schließlich doch nur mehr oder 
weniger Details betreflfen, ohne die gesamten topographischen Ver- 
hältnisse in Mitleidenschaft zu ziehen, die Zahl der nur eine einzige 
Art umfassenden Gattungen derart anschwellen zu lassen, wie dies zum 
Teil schon in dem systematischen „Versuch" von Looss geschehen ist 
und bei konsequenter Anwendung der Looss 'sehen Einteilungsprinzipien 
in noch höherem Maße geschehen müßte, je mehr wir neue oder bisher 
ungenügend bekannte Arten kennen lernen"^), so handelt Luhe 
jedenfalls seinen Worten nicht vollkommen entsprechend. Unter den 
von mir teils von früheren Autoren übernommeneu, teils neu aufge- 
stellten 70 Fascioliden gattungen befinden sich 32 mit nur einer einzigen 
Art; Luhe hat die Wissenschaft bis jetzt (d. h. zum Abschlüsse des 
gegenwärtigen Manuskriptes) um 10 neue Gattungen bereichert, von 
denen 5 nur eine Art enthalten; er hat also selbst relativ mehr solche 
Gattungen geschaffen, als ich neugebildet oder von älteren Autoren über- 
nommen. Doch kann fch ihm, wie schon hervorgehoben, daraus einen 
Vorwurf nicht machen, weder prinzipiell, noch speziell für den vorliegen- 
den Fall, da ich seine Genera Ityogonimtis^ Piychogonimus^ Opistho- 
äfommws, Derogenes und Anisocoelium als berechtigt, d. h. als gute Genera 
anerkenne. Es ist aber zur Klärung der Verhältnisse vielleicht nicht 
überflüssig, darauf hinzuweisen, daß die typischen Vertreter dieser 
Genera allem Anscheine nach unter einem größeren Material frei aus- 



1) Vielleicht sieht Luhe hier doch etwas zu schwarz; die Erfahrung hat ffelehrt 
und lehrt beinahe noch täglich, daß neu bekannt werdende Formen mit bis dahin 
isoliert stehenden zu sehr harmonischen und homogenen Gruppen sich zusammen- 
schließen. Daß daneben auch weitere alleinstehende Arten bekannt werden oder bereits 
bekannte allein stehen bleiben werden, habe ich als sehr leicht mOglich bereits früher 
zugegeben. 



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Natura doceri etc. 207 

gewählt sind und Formen betreffen, die einen eigenartigen Bauplan 
offenkundig zur Schau tragen. Wenn es sich dagegen, wie es bei mir 
<ier Fall war, um die systematische Durcharbeitung eines größeren 
Materiales handelt, dann kann man leicht genug auf Fälle stoßen, in 
denen die Beurteilung der systematischen Stellung einzeln stehender 
Formen Schwierigkeiten bereitet. Solche Schwierigkeiten boten mir vor 
allem die um meine Unterfamilie Lepodermatinae sich gruppierenden Formen, 
und ich hätte mir meine Aufgabe wesentlich leichter machen können, 
wenn ich diese Formen einfach mit Stillschweigen überging — dann 
aber wäre mein Versuch kein systematisch durchgeführter Versuch mehr 
gewesen! Wenn ich schließlich auf mehrere dieser Arten besondere 
Genera, zum Teil Genera provisoria, gründete, so geschah es mit vollem 
Bewußtsein und aus den weiter oben wiederholten Gründen; ich bin 
auch mit Braun und Luhe durchaus einverstanden, wenn sie fordern, 
•daß die Berechtigung dieser Genera in jedem einzelnen Falle noch 
weiter begründet werde. Das wird die Zukunft jedenfalls zeigen ; einen 
Erfolg aber hat mein Vorgehen bereits gehabt, insofern als die Auf- 
merksamkeit auch auf feinere Einzelheiten im Bau sonst mehr oder 
minder ähnlicher Formen in erhöhtem Maße hingelenkt worden ist, als 
es früher der Fall war. Diesen Einzelheiten ist z. B. in den von Luhe 
gleichzeitig mit mir aufgestellten Gattungen Plagiorchis und Telorchis 
noch nicht allenthalben Rechnung getragen, denn beide Gattungen ent- 
halten einzelne Arten, die den übrigen im allgemeinen wohl ähneln, in 
gewissen Einzelheiten aber mit ihnen nicht übereinstimmen. Wenn nun 
Luhe sich jetzt veranlaßt sieht (Centralbl. f. Bakt etc. 1. supr. cit. p. 566), 
seine Gattung Telorchis, wenn auch formell nur in Subgenera, so doch 
weiter zu teilen, den, sämtlichen anderen Angehörigen des Genus 
gegenüber Abweichungen zeigenden Telorchis clava auszuscheiden und 
als (einzigen) Vertreter einer eigenen Gruppe hinzustellen, damit also 
die Gattung Telorchis in dem ihr von mir vorgeschriebenen Umfange 
wiederherzustellen (daß er ihr dabei nur den Wert einer Untergattung 
zuerkennt, ist irrelevant), so kann das doch nicht direkt gegen die von 
mir angenommenen „Einteilungsprinzipien'' sprechen. Es sind dies 
dieselben Prinzipien, welche mich seiner Zeit bewogen, das D. cymbi- 
forme R. nicht in die Gattung Phyllodistomum einzureihen, sondern als 
Repräsentanten einer eigenen Gattung in Anspruch zu nehmen, welche 
in mir die Ueberzeugung wachriefen, daß Hemiurus in seinem heutigen 
Umfange keine natürliche Gattung, sondern aller Wahrscheinlichkeit 
nach eine Unterfamilie sei, u. s. w. Wenn sich jetzt herausstellt, daß 
FL cymbiformis zu anderen Distomenformen thatsächlich nähere Be- 
ziehungen hat als zu Phyllodistomum, wenn Luhe selbst und augen- 
scheinlich auf Grund eigener Untersuchungen bestätigt, daß in Hemiurus 
mehrere verschiedene Gattungen enthalten sind, wenn Odhner^) be- 
merkt, daß ich mir über die Verwandtschaftsbeziehungen der um D. 
somateriae L e v. und D. brachysomum C r e p 1. sich gruppierenden Formen 
aus der vorhandenen Litteratur „ein merkwürdig richtiges Urteil ge- 
bildet'', und zwar im Gegensatz zu Luhe, der diese Beziehungen nicht 
erkannt hat, dann können, glaube ich, die „Looss'schen Einteilungs- 
prinzipien" doch nicht so ganz unrecht sein. Sie sind allerdings Ge- 



1) Gymnopballus^ eine neue Gattung von Yogeidistomen« (Centralbl. f. Bakt etc. 
Bd. XXVm. 1900. p. 13.)J 



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A. L00B8, 

schmacks- resp. Ansichtssache, das gebe ich gerne zu, und die Zukunft 
wird lehren müssen^ inwieweit sie sich selbst haltbar erweisen. Was 
ich selbst über sie denke, habe ich in der Einleitung zu meiner Arbeit 
genügend auseinandergesetzt. 

Zum Schlüsse nun noch einige Bemerkungen über meine Gattung 
Syncoelium, deren Berechtigung von Braun in Zweifel gezogen worden ist 0«^ 
Syncoelium, die typische Gattung der Unterfamilie Syncoeliinae, hat mit 
den beiden anderen dieser Unterfamilie angehörenden Gattungen Progotius 
und Otiotrema die gesamte allgemeine Topographie der Organe, sowie 
das gemeinsam, daß die Darmschenkel im Hinterende bogenförmig in- 
einander übergehen. Die Unterschiede der 3 Gattungen können gleich- 
sam als 3 Stadien eines fortschreitenden Entwickelungsprozesses aufge- 
faßt werden: Bei Progonus der gesamte Körper noch einheitlich, kleln^ 
die Keimdrüsen und Dotterstöcke kompakt, der Darm einfach; bei 
Syncoelium der Körper vergrößert und deutlich in einen schmäleren 
Vorderleib und einen etwas verbreiterten Hinterleib geschieden; die 
Keimdrüsen je in eine kleine Anzahl von Teilstücken zerfallen, die 
Dotterstöcke mit einigen Follikeln, der Darm noch einfach; bei Otio- 
trema endlich der Körper bedeutend vergrößert, der Hinterleib stark 
verbreitert und von dem Yorderleibe abgesetzt, außerdem in eigentüm- 
licherweise zusammenziehbar; Keimdrüsen in eine ganz beträchtliche 
Anzahl kleiner Teilstückchen zerfallen, Dotterstöcke gleichfalls; Darm 
im Hinterkörper auf seiner Außenseite mit zahlreichen Seiteuästen» 
Dies in kurzem die gegenseitigen Beziehungen der 3 Gattungen, von 
denen jede bis jetzt nur durch ihre typische Art repräsentiert wird.. 
Braun ist nun der Ansicht: ^Syncoelium ist ein weniger stark aus- 
gebildetes Otiotrema und könnte ruhig hierzu gerechnet werden.^ 

Ich verstehe diese Ansicht recht gut, denn sie war anfänglich auch 
die meinige; was mich schließlich dazu veranlaßt hat, sie aufzugeben» 
ist das, was die anderen, im Verlaufe meiner Untersuchungen zum Ver- 
gleiche herangezogenen Gattungen und Arten mich gelehrt haben. Denn 
kurz gesagt, wenn Syncoelium und Otiotrema nicht verschiedene Gattungen 
wären, sondern zusammengehörten, dann müßte z. B. auch die jüngst 
von Braun wiederhergestellte Gattung Gampula C obbold (= Brachy^ 
cladium Lss.) gestrichen und ihre Angehörigen mit Fasciola vereinigt 
werden, da, wie ein einfacher Vergleich lehrt, Campula zu Fasciola in 
prinzipiell genau dem gleichen Verhältnis steht, wie Syncoelium zu Otio- 
trema. Die Spaltung der Keimdrüsen in ein System von reich ver- 
zweigten Schläuchen, die enorme Entwickelung der Dotterstöcke, die 
Verästelungen des Darmes, die Teilung des Körpers in einen kurzen 
zapfenförmigen Vorderleib und einen blattförmig verbreiterten Hinter- 
leib bei Fasciola ist bei Campula noch nicht vorhanden, wohl aber» 
wenigstens bei einigen Arten, angedeutet durch die mehr oder minder 
tiefen Einkerbungen der kompakten Hoden, durch die kurzen sack- 
förmigen Ausbuchtungen der Darmschenkel und durch die mittlere Ein- 
schnürung des Körpers, wie sie u. a. (7. palliata aufweist. Die allge- 
meine Topographie der Organe dagegen ist bei Fasciola und Campula 
durchaus die gleiche, ebenso wie sie es bei Syncoelium und Otiotrema 
ist. Daß aber Fasciola und Campula keinen Zweifel an ihrer Berech- 
tigung wachrufen, d. h. als natürliche Gattungen ohne weiteres dem 



1) Referat über meine Arbeit 1. c. p. 398 u. 399. 



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Natura doceri etc. 209 

Beschauer sich darbieten, hängt offensichtlich damit zusammen, daß beide 
je eine Anzahl von Arten enthalten, welche zeigen, daß die Verschieden- 
heiten in der Gestaltung der Keimdrüsen, des Darmes, des Körpers etc. 
nicht Artvariationen innerhalb einer Gattung, sondern Gattungs- 
kennzeichen selbst sind. Unter solchen Umständen hübe ich mich 
nicht nur berechtigt, sondern gezwungen gefühlt, Syncoelium und Otia- 
irema generisch zu trennen, ebenso wie ich es unter den Monostomen 
mit Pronocepludus und Oricoeephalus aus denselben Gründen gethan 
habe; soweit meine Erfahrung gegenwärtig reicht, bin ich sicher, daß 
die Zukunft diese Trennung rechtfertigen wird. Bis zu einem gewissen 
Grade ist meine Auffassung bereits bestätigt worden durch das Ver- 
halten des neu entdeckten Anaporrhutwn aJbidwm v. Of enh. Ehe man 
diese Form kannte, hätte Fl. cymbiformis auf die Topograpie seiner 
Organe hin vielleicht mit A. ricchiardii in eine Gattung vereinigt werden 
können, trotz der auffallend verschiedenen Gestaltung der Keim- 
drüsen. A. aUndum aber, welches sich auf den ersten Blick als echter 
Gattungsgenosse des JL. ricchiardii erweist, dürfte zeigen, daß für die 
Gattung Anaparrhutum nicht nur die Topographie der Organe, 
sondern auch ihre Gestaltung und speziell diejenige der Keimdrüsen 
von wesentlicher Bedeutung ist 

Zu einem ähnlichen Resultate kommt man bei Betrachtung der 
Sache von einer anderen Seite. Die Gattung Echinostomum z. B., deren 
Angehörige sich durch einen so bemerkenswert uniformen inneren Bau 
auszeichnen, daß in nicht seltenen Fällen sogar die Unterscheidung der 
Species mit Schwierigkeiten verknüpft ist, ist dadurch ausgezeichnet, 
daß diese Angehörigen in Bezug auf ihre Körpergröße in ungewöhnlich 
weiten Grenzen schwanken. Wäre die Gestaltung der Keimdrüsen, hier 
speziell der Hoden, wirklich nur ein Artcharakter, der innerhalb 
der Gattung mit der Körpergröße der einzelnen Species schwankt, d. h. 
also sich derselben entsprechend ändert, dann müßte man ohne Zweifel 
erwarten, daß in den größten Formen, wie E, echinatum, bilobum u. a., 
die Hoden eine ungleich kompliziertere Gestalt aufweisen, als in den 
kleinsten Arten vom Schlage des E. liliputanum Lss., magniovatum 
Stoss. u. a. Das ist aber thatsächlich nicht der Fall; die Hoden be- 
wahren überall ihre kompakte Gestalt und zeigen höchstens leichte, un- 
regelmäßige Einkerbung ihrer Ränder, in meinen Augen ein Indicium, 
daß diese kompakte Gestalt eine Eigentümlichkeit der Gattung Echino- 
stomum ist. 

Ich will nun nicht verschweigen, daß von der hier aufgestellten 
Regel auch einige bemerkenswerte, soweit es bis heute zu beurteilen ist, 
Ausnahmen existieren. So zeigt z. B. Opisfhorchis siner^ (Gobbold), 
in seinem ganzen übrigen Bau ein typischer Opisthorchis, eine Gestalt 
seiner Hoden, welche zwar den für die Gattung charakteristischen 4- 
resp. 5-lappigen Typus noch unverändert einhält, bei der aber die ein- 
zelnen Lappen doch wesentlich länger und zum Teil sogar ihrerseits 
wieder schwach gelappt sind. Noch interessanter ist der Fall der Gor- 
godera simplex, die, soweit bis jetzt bekannt, zwei einfache, kompakte 
Hoden besitzt, während die letzteren bei den beiden anderen Arten 
desselben Genus (cygnoides und amplicava) in zusammen 9 einzelne 
Teilstücke zerfallen sind. In diesem Falle aber, wie in dem des Opistor- 
chis sinensis, hält sich die Körpergestalt sowohl als auch die Lagerung 
und Ausbildung der übrigen Organe so vollkommen in den Grenzen 



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210 Schoneboom, Einfache Methode zur Herstellung sterilen Blutserums. 

der Gattungsmerkmale, daß das aberrante Verhalten der Hoden hier zur 
Zeit kaum anders als als Ausnahme betrachtet und systematisch eventuell 
durch Bildung von Untergattungen zum Ausdruck gebracht werden 
kann. Es erscheint mir jedoch andererseits auch nichts weniger als 
ausgeschlossen, daß weitere Entdeckungen und Erfahrungen eine Aende- 
rung dieser Auffassung notwendig machen werden.; sind wir doch, 
meiner Ueberzeugung nach, erst im Anfange unserer Kenntnis von 
den wirklichen verwandtschaftlichen Beziehungen der an Arten so un- 
gemein reichen Fasciolidengruppe. 

Wenn ich mich somit auf Grund der im Vorausgehenden ausge- 
führten Thatsachen der Auffassung Braun 's beim besten Willen nicht 
anschließen und in Syncoelium nur ein weniger ausgebildetes Otiotrema 
erblicken kann, so folge ich auch hier nur dem Grundsatze, der mich 
bei der ganzen von mir versuchten, natürlichen Gliederung des Genus 
Distomum Retzius geleitet hat: natura doceri. 

Cairo, 22. November 1900. 



Nachdruck verboten. 

Eine einfache Methode zar Herstellung sterilen Biutseroms. 

Von C. 0. Schoneboom, Arzt, 

Assistenten am Hygienischen Institut in Groningen (Niederlande). 

Zur Gewinnung von sterilem Serum bediene ich mich eines Ver- 
fahrens, wobei dasselbe durch Porzellankerzen filtriert wird, und zwar 
ohne künstlichen Druck. Das Verfahren hat sich seit 1^/2 Jahren im 

hiesigen Laboratorium durchaus be- 
währt. Man befestigt in einem gewöhn- 
^^^^ liehen Lampencylinder einen Kork, wo- 

rin mit dem Korkbohrer ein Loch von 
der Größe einer Filterkerze gemacht 
worden ist. Welche Kerzen man nimmt, 
Becherglas jg^ nebensächlich, nur soll das untere 
Ende nicht zu dick sein, damit es be- 
quem in ein Reagierröhrchen oder weit- 
Bongie halsigo Flasche paßt. 

Ich gebrauche immer die gewöhn- 
lichen Chamberland'schen Labora- 
torium-Bougies Sorte F (Länge 16 cm, 
^Tf"- Inhalt 4- 20 ccm, Wanddicke V/^ bis 

cylmder „ ^^\ — » / z 

J mm). 

Den Lampencylinder mit den darin 

befestigten Kerzen stellt man mit einem 

Becherglas Reagierröhrcheu (oder wenn man das 

Serum in größerer Quantität aufheben 

Flasche will, mit einer weithalsigen Flasche, 

SwTim ^' ^* Medizinflasche) in ein Becherglas 

^™°^ oder Trinkglas mit ebenem Boden und 

deckt ihn mit einem ähnlichen Glas zu. 

Von diesen Apparaten stellt man 

z. B. ein Dutzend her. Nachdem sie 



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Bakterien in Luft und Wasser des Oceans. 211 

«ine Stunde bei 160 ^ C im Heißlnftsterilisator verweilt haben, läßt man 
sie darin abkühlen und stellt sie in einem wenig betretenen Zimmer 
oder im Keller auf. 

Beim Einfüllen des Serums hat man darauf zu achten, daß die 
Kerzen nicht ganz voll werden, damit kein unfiltriertes Serum zwischen 
4em Kork und dem Bougie durchsickert. 

Man braucht jetzt nur 2 oder 3mal pro Tag Serum beizuschenken, 
-die Filtration geht sonst ohne Aufsicht ihren Gang. 

Nachdem alles Serum durchgelaufen ist, nimmt man die Bougies 
vorsichtig heraus und läßt sie einige Tage in mehrmals gewechseltem 
Wasser liegen, wodurch sie genügend rein werden. Nach dem Trocknen 
der Kerzen glüht man sie in einem Muffelofen aus, wonach sie wieder 
gebrauchsfertig sind. Wenn man die Bougies nach obigem Verfahren 
behandelt, bleiben sie jahrelang in gutem Zustande. 

Es verdient Empfehlung, sich in der kalten Jahreszeit einen Vorrat 
anzulegen, da man im Winter einen Apparat tagelang gebrauchen kann, 
ohne daß die Mikroben durch die Kerzen hindurchwachsen. 

Ueber den vorher sterilisierten Wattepropfen kommt dann noch eine 
kleine Glasglocke, wodurch einer Schimmelpilzinfektion vorgebeugt wird. 

Man kann sich am besten von der absoluten Zuverlässigkeit dieses 
oinfachen Apparates überzeugen, wenn man zur Probe verdorbenes oder 
absichtlich infiziertes Blutserum gebraucht und den Apparat in einem 
Zimmer aufstellt, wo fortwährend gelaufen und gearbeitet wird. Selbst 
anter diesen ungünstigen Bedingungen gewinnt man sicher steriles 
Serum. 



Referate. 



Hinervinl, B., Einige bakteriologische Untersuchungen über 
Luft und Wasser inmitten des Nordatlantischen Oceans. 
(Zeitschr. f. Hygiene und Infektionskrankheiten. Bd. XXXV. Heft 2. 
p. 166-192.) 
Nach vorausgegangener Mitteilung der Untersuchungen, welche vom 
Bord verschiedenartiger Seeschiffe bereits von früheren Forschern unter- 
nommen worden sind, schildert Verf. seine eigenen Arbeiter, die er ge- 
legentlich einer Reise auf dem „Fürst Bismarck'' der Hamburg- Amerika- 
linie von Genua nach New-York und zurück im Januar-Februar 1900 
begonnen und in Genua vollendet hat. 

Nach Besprechung aller diesbezüglichen Methoden beginnt er mit 
den Luftuntersuchungen. Naturgemäß mußte bei der Ausführung auf 
die lokalen Verhältnisse des Schiffes Rücksicht genommen werden, die 
auch nur eine begrenzte Zahl von Untersuchungen zuließen. Verf. be- 
diente sich zur Ermittelung des Keimgehaltes der Luft der Plattenkultur 
mit Gelatine und der Hesse 'sehen Röhren, entweder mit Gelatine oder 
Agar; die Utensilien waren vor der Abreise wohlsterilisiert in steriles 
Papier gehüllt und in einer vor Feuchtigkeit schützenden Kassette auf- 
bewahrt worden. Bei Verwendung der Hesse 'sehen Röhren wurde 
eine kleine Glaspumpe benutzt, welche in der Stunde etwa 54 1 saugte. 



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212 Bakterien in Luft und Wasser des Ooeans. 

auch kam die Kraft des Windes und die durch die rasche Fahrt des 
Schiffes erzeugte Luftströmung zur geeigneten Anwendung. 

Die Versuche selbst stellte Verf. an den verschiedensten geeigneten 
Stellen des Dampfers an, auf der Kommandobrücke, dem Oberprome- 
nadendeck, Boots- und Quarterdeck. Die Stelle des mangelnden Brut- 
ofens mußte ein Kabinenschrank mit einer zwischen + 13 und 18® schwan- 
kenden Temperatur vertreten; hier wurden die angelegten Kulturen 
hineingesetzt und deren Wachstum während der Reise nur makroskopisch 
verfolgt. Die ersten Untersuchungen fanden bei günstigem Wetter,, 
heiterem resp. wenig bewölktem Himmel und ruhiger See an zwei auf- 
einanderfolgenden Tagen statt, die geographische Lage war etwa die 
Mitte zwischen Genua und New-York. Es ergab sich hierbei, daß die 
Anzahl der in den Hesse 'sehen Röhren vom ersten Tage entwickelten 
Kolonien geringer als in den Petrischalen war, während das Verhältnis 
für den zweiten Untersuchungstag ein umgekehrtes war. Der Grund 
dürfte in dem Umstand zu suchen sein, daß am ersten Tage die Luft 
durch einen kurzen Gewitterregen gereinigt worden war. Die Platten 
waren für den Luftzutritt 30 Minuten, die Hesse'schen Röhren eine 
Stunde geöffnet. Die Keimentwickelung begann nie vor dem dritten 
Tage und stieg in ganz allmählicher Folge bis zum zehnten Tage. Auf- 
fallend bei dem Resultate dieser Aussaaten ist das häufige Vorkommen 
einer Rosahefe, welche beispielsweise bei den ersten Plattenkulturen 
unter 14 Kolonieen mit 6 resp. 12 Kolonieen mit 7 vertreten ist. 

Die während der Rückfahrt folgenden Entnahmen fanden bei ver- 
änderlichem Wetter, bewölktem Himmel und bewegtem Meer statt, Ent- 
fernung von der amerikanischen Küste 1149 Seemeilen, von der euro- 
päischen 1900. Diesmal waren die Hesse 'sehen Röhren zur Vermeidung 
allzurascher Verflüssigung mit Agar ausgegossen ; die Entnahme geschah 
auf der Hinterseite des Oberpromenadendeckes. Die Platten wurden 
wieder 30 Minuten und die beiden Hesse 'sehen Röhren eine Stunde 
offen gehalten. Weitere Entnahmen wurden auf dem Bootsdeck mit 
dem WassergefäUsaugapparat vorgenommen und die damit in Verbindung 
gebrachten Röhren, entweder mit Baumwolle oder Asbest geschlossen» 
je eine halbe Stunde ausgesetzt. Am folgenden Tage bei fast gleichen 
Witterungsverhältnissen wurden die Untersuchungen wie tags zuvor an 
der Vorderseite des Oberpromenadendeckes in gleicher Weise angestellt» 
Nachdem am gleichen Tage abends ein sehr starker Regen etwa eine 
Stunde gedauert hatte, setzte Verf. zwei sterile Erlenmeyerkölbehen 
mit Glastrichter auf der Windseite auf, sammelte ca. 4 ccm Regenwasser 
und verwahrte sie mit Baumwolle und Gummikappe geschlossen bis 
Genua. Als dann später wieder klarer Hinjmel war und an Bord voll- 
kommene Ruhe herrschte, wurden nochmals auf dem Bootsdeck Schalen 
und Röhren in gleicher Weise exponirt Am dritten folgenden Tage 
bei günstigsten Witterungsverhältnissen, 1745 Meilen von der amerika- 
nischen und 1100 von der europäischen Küste, entnahm Verf. abermals 
und zwar auf dem Oberpromenadendeck Luft. Auch das in den letzten 
3 Tagen gesammelte Material wurde sorgfältig verpackt und bezeichnet 
bis zur Ankunft in Genua im Vorzimmer der Eiskammer verwahrt und- 
dann daselbst sofort in den 24^ Thermostaten gegeben. 

Auf den Tabellen I und II ersehen wir zunächst die auf der Hin- 
und Rückreise erzielten Resultate mit der Angabe über die Zahl und 
Art der entwickelten Kolonien: auch bei II ist die große Anzahl von 



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Bakterien in Luft nnd Wasser des Oceans. 213 

rosa und grünen Pilzen auffallend. Aas dem erhaltenen Zahlenmaterial 
läßt sich jedoch kein auch nur annähernd richtiges Bild über den Rein- 
heitsgrad der Luft gewinnen, da ein bestimmter Anhaltspunkt über das 
<iuantum der Luft, welches mit den Nährböden in den Schalen und 
Bohren in Berührung kam, fehlt und die angestellten Luftmeßversuche 
resultatlos blieben. Größeren Wert und Genauigkeit haben die mit der 
künstlichen Luftaspiration gemachten Untersuchungen, da dann mit be- 
stimmten Größen zu rechnen ist. In Genua benutzte Verf. die verwen- 
deten Luftfilter in der Art, daß er die Asbest- und BaumwoUenverschlüsse 
aus den Hesse'schen Röhren zog und in je 10 cm geschmolzener Ge- 
latine untertauchte, dann mit sterilen Nadeln und Pincetten zerzupfte 
4ind mit den Resten des Filters in je eine sterile Petrischale goß. Die 
Ergebnisse dieser Untersuchung finden wir auf Tabelle III; hier tritt 
«ms der Einfluß des stattgehabten Regens deutlich entgegen, indem er 
<lie Reinigung der Luft von Keimen herbeiführte. Aus den drei ersten 
Tabellen ist ferner ersichtlich, daß die Atmosphäre des atlantischen 
Ozeans bei weitem weniger Keime als die des Festlandes enthält und 
45ei besonders auf p. 179—180 aufmerksam gemacht Noch größere 
Differenzen ergeben sich aus Fischer 's Untersuchungen, welcher bei 
«einen ausgedehnten Seefahrten noch geringere Zahlen als Mi nerv in i 
feststellte. 

Auch das auf Deck gesammelte Regenwasser wurde zu Plattenkul- 
turen benutzt, siebe Tabelle IV; durchschnittlich enthielt 1 cm 23 Keime. 
Bezüglich der Qualität der Keime fand Verf. etwa 70 Proz. aus Rosa- 
Jhefe bestehend, dann kam Penicillium glaucum etwa zu 25 Proz. 
vor und etwa zu 10 Proz. ein schneeweißer und verflüssigender Fadenpilz, 
welchen Verf. als Monilia Candida ansah, ferner noch vereinzelt 
Aspergillus glaucus und niger. Sehr häufig ermittelte er noch 
«eine weiß-graue Sarcine, weniger dagegen die Sarcina lutea. Im 
Ganzen fanden sich etwa zehn der geschilderten Keimarten und ist damit 
die geringe Mannigfaltigkeit der Luftflora des Ozeans an Bakterien be- 
wiesen. — ^ Wenn auch die Versuche mit allen Kautelen zum Abhalten 
der Keime, welche von dem großen Schiffe und dessen starker Bevöl- 
kerung (über 1000 Menschen) selbst stammen, ausgeführt wurden, so 
ist doch ganz gewiß eine Anzahl der ermittelten Keime diesen Begleit- 
umständen zuzuschreiben. 

Zur Untersuchung des Meerwassers entnahm Verf. die Proben 
«rst auf der Rückfahrt und verwahrte dieselben gleichfalls bei + 3^ 
bis zur Ankunft in Genua; er benutzte zur Entnahme dieselben Tage 
wie bei Anlage der letzten Plattenkulturen und verwendete zu den 
Kulturen je 1,5 und 20 Tropfen (Tabelle V). Das Minimum der ent- 
wickelten Kolonieen betrug unter Zugrundelegung von 1 cm Wasser 8 
und das Maximum 140. Unter den Fadenpilzen fand sich 6mal Peni- 
<^illium glaucum, 2mal Aspergillus fumigatus und ebenso- 
viel Aspergillus niger und Monil Candida. Spaltpilze fanden 
sich nur vereinzelt, am meisten ein noch unbestimmter Vibrio, ferner 
-öfters eine gelbe Sarcina. Im ganzen wurden 10 Bakterienarten, 
4 Faden- und 6 Spaltpilze, genau das Umgekehrte der Luftuntersuchungen, 
isoliert Entgegen den Fischer 'sehen Untersuchungen fand Verf. keine 
phosphorescierenden Bakterien; auch wurde nach der Methode von 
Sanfelice auf Anaörobien gefahndet, jedoch mit geringem Erfolg. 

Im allgemeinen hat Min er vi ni ähnliche Resultate wie Fischer 



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214 Diphtherie. 

auf seinen zahlreichen und weitausgedehnten Seefahrten gewonnen^ 
welch letzterer, nebenbei erwähnt, auch in besonders großen Tiefen, je- 
doch nur an vereinzelten Stellen des Ozeans, vollkommen keimfreies- 
Meerwasser fand. 

Als Endergebnis ist aufzustellen, daß die Luft inmitten des atlan- 
tischen Ozeans eine relativ geringere Keimzahl als auf dem Festlande 
enthält, ja sogar nicht selten keimfrei ist, daß ferner die Vielfältigkeit 
der Bakterienflora weit kleiner ist und die Pilze die eigentlichen Bak- 
terien an Zahl überragen; unter den letzten wurden keine pathogenen 
ermittelt. Ebenso ist der Keimgehalt der Luft nach Regen weit ge- 
ringer, wie auch das Regenwasser selbst keimärmer ist und in ihm die 
Zahl der Pilze überwiegt Auch das Meerwasser ist inmitten des Ozeans 
wesentlich keimärmer als an den Küsten, und die Wasserflora ist weniger 
vielfältig, doch überwiegt die Zahl der Bakterien die der Pilze. Der 
Gehalt an organischen Stoffen, welcher chemisch ermittelt wurde, ist ein 
geringer. 

Den Interessenten sei die genaue Durchsicht der beigegebenen 
6 Tabellen empfohlen. Rullmann (München). 

Lubowskl, Bobert, lieber einen atoxischen und avirulentea 
Diphtheriestamm und über die Agglutination derDiph- 
theriebacillen. [Aus dem Institute für experimentelle Therapie 
zu Frankfurt a. M.] (Zeitschr. f. Hyg. Bd. XXXV. p. 87-103.) 
E. Neisser fand in 5 Fällen eigenartiger Halserkrankungen bei 
Erwachsenen, worüber Näheres in der Deutschen med. Wochenschr. 
1900. No. 32 zu finden ist, im Rachen der Befallenen reichlich Diph- 
theriebacillen. Dieselben waren in 3 Fällen virulent, in den anderen 
avirulent. M. Neisser wies nach, daß das Blutserum der beiden 
Träger der avirulenten Bacillen gegen Diphtheriegift schützende Stoffe 
enthielt, und zwar das Blutserum des einen in ziemlicher, das des 
anderen in auffallend reichlicher Menge (etwa 2000 Immunisierungsein- 
heiten in der ganzen Blutmasse). 

Die avirulenten Bacillen glichen morphologisch und physiologisch 
echten Diphtheriebacillen ; den einzigen Unterschied bildete das Fehlen 
der Virulenz. Daß sie wirklich echte Diphtheriebacillen waren, konnte 
Lubowski erweisen, indem er feststellte, daß das Blutserum einer 
mit Injektionen riesiger Mengen der lebenden avirulenten Bacillen be- 
handelten Ziege die avirulenten Bacillen (beide Stämme) ebenso wie 
23 typische virulente Diphtheriebacillenstämme agglutinierte , dagegen 
nicht 3 Stämme von (Rachen- ?jPseudodiphtheriebacillen. 

Selbst stark antitoxinhaltiges Serum von diphtherieimmunisierten 
Pferden agglutiniert nachgewiesenermaßen Diphtheriebacillen nicht oder 
doch kaum nennenswert Aus theoretischen Gründen und nach bestimmten 
Erfahrungen kann man annehmen, daß die das Agglutinin im Organismus 
auslösende Seitenkette des Diphtheriebacillus diesem fest anhaftet, jeden- 
falls nicht so leicht wie etwa die Toxine in die ihn umgebende Kultur- 
flüssigkeit übergeht. Da nun die Immunisierung der für die Diph- 
therieantitoxingewinnung bestimmten Pferde (meist) mit bacillenfreiem 
Diphtherietoxin erfolgt, da andererseits auch beim diphtheriekranken 
Menschen nur relativ wenige von den infizierenden Bacillen in den 
Kreislauf und die inneren Organe gelangen, so ist es verständlich, daß 
sowohl im antitoxischen Pferdeserum wie im Blutserum von Diphtherie- 



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Pest 215 

rekonyalescenten agglutinierende Substanzen kaum zu finden sind. In- 
jektionen größerer Mengen von Leibern virulenter Diphtheriebacillen 
bei Pferden sind, auch wenn die Bacillen abgetötet appliziert wurden, 
schwer durchführbar, da die Einspritzungen große Infiltrate zur Folge 
haben. Die Beibringung selbst großer Mengen (bis zu 150 Serumpia tten- 
kulturbeläge) des einen der beiden atoxischen und avirulenten Diph- 
theriebacillenstämme wurde dagegen von einer Ziege vertragen und hatte 
den Erfolg, daß das Serum, wie berichtet, agglutinierende Kraft gegen- 
über Diphtheriebacillen erlangte. 

Um die Agglutination der Diphtheriebacillen, die ja an sich schon 
unbeweglich sind und die größte Neigung zur Bildung von Bacillen- 
konglomeraten zeigen, deutlich zu machen, war eine besondere Technik 
nötig. Bouillonkulturen eigneten sich schlecht, da ihre sauere Reaktion 
die Wirkung des Serums beeinträchtigte. Es wurden daher Bacilleu- 
beläge auf festen Medien verwendet. Ihre Aufschwemmung geschah, 
um die natürliche Neigung der Diphtheriebacillen zur Sedimentation, 
die störend auf die Beurteilung der Agglutinationswirkung Einfluß haben 
mußte, möglichst wett zu machen, in Bouillon mit Zusatz von 2,5 Proz. 
Glycerin, wodurch Kohärenz und spezifisches Gewicht der Aufschwem- 
mungsflüssigkeit erhöht wurden. Recht feine und gleichmäßige Ver- 
teilung der Bacillen, Zerreißung der ihnen eigenen Häuf chenbildun gen 
gelang durch Schütteln der Aufschwemmung mit Glasperlen. Endlich 
erfolgte die Beobachtung der Agglutination nach Zusatz des Serums in 
kleinen Petri-Schälchen mit bloßem Auge, Lupe und schwachem 
Trockensystem. 

Die Stärke der agglutinierenden Wirkung gegenüber den ver- 
schiedenen Diphtheriebacillenstämmen war ungleich. Nur wenige Kul- 
turen wurden durch Serumverdünnungen 1 : 160 agglutiniert, die Mehr- 
zahl durch 1 : 80, alle durch 1 : 40 ; in dieser Konzentration wirkte 
aber auch schon normales Ziegenserum auf manche Stämme aggluti- 
nierend, obwohl immerhin Unterschiede gegenüber dem Immunserum 
deutlich zu erkennen waren. Es gehört aber augenscheinlich sehr 
minutiöse Beobachtung dazu, um die Agglutination der Diphtherie- 
bacillen mit Sicherheit festzustellen. Lubowski hält daher selbst da- 
für, daß wegen der komplizierten Technik und der stark verschiedenen 
Wirkung des agglutinierenden Serums auf die einzelnen Stämme der 
Agglutinationsprüfung für Diphtheriebacillen eine allgemeine Be- 
deutung nicht zukommt. IR. Abel (Hamburg). 

CSritzmann, La peste. (Annales d'hygi^ne publique et de m^decine 
16gale. 1900. Janvier.) 

Verf. stellt auf Grund des Berichtes der deutschen Pestkommission 
und der bisherigen Erfahrungen in Indien und Europa die gegen die 
Seuche zu treffenden Maßnahmen folgendermaßen zusammen: Genaue 
Aufzeichnung der Todesfälle; Aufsuchung und Absonderung aller Kranken 
in hygienisch einwandsfreien Spitälern; Isolierung und ärztliche üeber- 
wachung der mit den Pestkranken in Berührung gekommenen oder im 
selben Hause wohnenden Personen in Barackenlagern nach Desinfektion 
ihrer Sachen und Wohnungen, allgemeine Wohnungshygiene (Reinlich- 
keit, Licht- und Luftzufuhr, nicht zu enge Belegung). 

Schmidt (Berlin). 



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216 Pest 

Sata, St.9 Ueber die Fütterungspest und das Verhalten 
des Pestbacillus im tierischen Körper nach dem Tode 
des Organismus. (Arch. f. Hyg. Bd. XXXIX. 1900. Heft 1.) 
Als Ausgangsmaterial diente eine stark virulente Pestkultur aus 
Porto. Gefüttert wurden Mäuse, Ratten und Meerschweinchen, ver- 
füttert Pestkulturen und Pestleichen. Diese Tiere gingen meistens in 
2 — ^5 Tagen unter schweren Symptomen zu Grunde, verschieden schnell, 
obwohl sie dasselbe Material in reichlicher Menge gefressen hatten. 
Milz, Leber und Muskeln von Pestleichen erzeugen sicherer die 
Fütterungspest als Reinkulturen. Die Erankheitsdauer bei der Fütterungs- 
pest ist immer länger als die bei der Injektionspest Im Darme bilden 
sich typische Pestherde, welche aus den markig angeschwollenen, zellig 
infiltrierten und auch ekchymosierten P eye r 'sehen Plaques bestehen. 
Schleimhäute, Milz, Nieren und gewöhnlich auch die Leber sind ge- 
schwollen, ebenso die Submaxillar- und Mesenterialdrüsen, die zugleich 
typische Bakterienherde zeigen. Die Bakterien finden sich im Blute des 
Herzens und in allen Organen, besonders reichlich jedoch in den Ka- 
pillaren der Leber. Die Bakteriämie tritt bei der Fütterungspest fast 
jedesmal und sogar in stärkerem Grade auf, während dieselbe bei der 
Injektionspest nur teilweise vorkommt; umgekehrt verhält sich die 
Metastasenbildung. 

In den Strichpräparaten des Gewebesaftes bemerkt man bei der 
Färbung nach Romanows ky immer außerhalb des Bakterienleibes eine 
helle Zone, welche für die Kapsel gehalten werden kann. Vom 2. Tage 
ab fangen die Pestbakterien an ihre Form zu verändern und am 4. 
zeigen sie schon sehr deutliche Umgestaltung, die charakteristischen In- 
volutionsformen, besonders in der Milz, am wenigsten in der Leber. 
Trotzdem zeigen . diese stark umgestalteten Bakterien, auf die Nähr- 
böden übertragen, ein lebhaftes Wachstum. Später gelang es wegen der 
Ueberwucherung durch fremde Bakterien nicht mehr, die Pesterreger 
aus der Leiche zu isolieren. Bis zu 24 Stunden sind alle Pestorgane 
nur von Pesterregern durchsetzt, wie direkt nach dem Tode. Nach 
einigen weiteren Tagen ist die Ueberwucherung durch fremde Bakterien 
noch gering, dann aber wird sie stark. Es scheint, daß die zahlreichen 
Pesterreger im Innern der Organe auf die fremden von der Oberfläche 
der Organe aus (Schnitte) einwandernden Bakterien einen gewissen 
Antagonismus ausüben. Die Pestbakterien in der längere Zeit (bis zu 
16 Tagen) aufbewahrten Leiche rufen eine weit typischere Pest mit 
hochgradiger Bakteriämie hervor als diejenigen, die bald nach dem Tode 
des Tieres entnommen werden; letztere verursachen oft nur eine ein- 
fache Lokalisationspest ohne Bakteriämie. 

Mühlschlegel (Stuttgart). 

Leyln, E., Bubonenpesten in Porto 1899. Reisebericht. Stock- 
holm 1900. 
Levin hat, von der schwedischen Regierung beauftragt, zu Paris 
und zu Porto die Bubonenpest im Jahre 1899 studiert. Im Anfang des 
ausführlichen Reiseberichtes wird die Verbreitungsgeschichte der Pest 
und die Morphologie und Biologie ihres Coccobacillus nach den in 
Paris im Pasteur -Institute von Metchnikoff gehaltenen Vor- 
lesungen geschildert, sowie die von Martin vorgetragenen hygienischen 
Vorschriften Frankreichs und die Desinfektionsanstalten von Paris. Die 



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Pest 217 

£linik, die Pathologie und die Sernmtherapie der Pest stellt Verf. nach 
•eigenen Erfahrungen dar, die, wie er betont, ganz mit denen von Cal- 
mette und Salimbeni übereinstimmen. 

In Porto übernahm L. nach letzterem die Leitung der vom Pasteur- 
Institute angeordneten Serumbehandlung im Pestkrankenhaus während 
•des Höhepunktes und dem Regreß der Epidemie. Von den 45 neu 
vorgekommenen Fällen wurden 29 (5 leichte und 24 schwere Fälle) mit 
Seruminjektionen behaqdelt, während 16 (8 leichte und 8 schwere Fälle) 
zn einer Zeit eintrafen, wo Antipestserum fehlte. Unter den Serum- 
behandelten Fällen war die Mortalität 10,3 Proz., unter den nichtbe- 
handelten 51,2 Proz. Sehr große Dosen von dem Serum konnten ohne 
Unannehmlichkeiten gegeben werden. Am besten schien eine Kombina- 
tion von subkutaner Einspritzung (gewöhnlich 40 ccm) mit intravenöser 
{gewöhnlich 20 ccm) zu wirken. Die subkutanen Injektionen wurden 
in der Regel täglich wiederholt, in einem Falle llmal (Summa 470 ccml) 
L. meint, man könne auch ganz gut die intravenösen Einspritzungen 
Imal täglich machen, so lange es noch Hoffnung gebe. Jeder Patient 
bekam im Mittel 200 ccm Serum im ganzen einverleibt. Die erste 
Wirkung einer Injektion war ein Temperaturfall. Eine Wiederholung, 
•ehe die Temperatur wieder zu steigen begann , konnte sie für immer 
Auf dem Normalen erhalten. 

Auf Grund eines Falles von später Meningitis warnt L. vor der 
Operation eines Bubons ohne gleichzeitige Vaccination mit Antipest- 
serum. 

In Eiterbildung übergegangene Bubonen zeigten sich in mehr als 
der Hälfte der bakteriologisch untersuchten Fälle steril. 

Stecks^n (Stockholm). 

Beiehe, Zur Klinik der 1899 in Oporto beobachteten 
Pesterkrankungen. (Münch. med. Wochenschr. 1900. No. 31.) 
Verf. hatte Ende September 1899 Gelegenheit, in Oporto über 
40 Pestkranke, sowie etwa 10 secierte Pestleichen zu sehen, und schil- 
dert auf Grund dieses Materials den Verlauf der Epidemie, den ty- 
pischen Pestanfall und seine Abweichungen, die Beteiligung der Ge- 
schlechter, die Symptome im einzelnen, die Therapie (Hygiene, Iso- 
lierung, Tonika und Darmantiseptika, Y er sin 'sehe Serumeinspritzungen 
bei einigen Fällen, die jedoch wegen ihrer geringen Zahl noch kein Ur- 
teil zuließen), Differentialdiagnose, Inkubation (2— -11 Tage), Prognose, 
Aetiologie und Infektionsart. In Bezug auf letztere ist bemerkens- 
wert, daß Verf. mehrere sichere Kontaktinfektionen (auch durch leicht 
Erkrankte), häufig Erkrankungen in benachbarten Häusern, überhaupt 
deutliche Tendenz zur Gruppenbildung, dagegen nie Umstände, die auf 
Uebertragung durch Ratten schließen ließen, beobachtet hat. Auffallend 
war die große Milde in der Weiterverbreitung der Seuche, sowie im 
Erankheitsverlauf (33,44 Proz. Gesamtmortalität), so daß die klinischen 
'^-^ymptome weit hinter dem von Sticker, Gerhardt und Pfeiffer 
gezeichneten klassischen Bilde zurückblieben, weshalb auch stets bak- 
teriologische Untersuchungen des durch Aspiration oder Drüsenexstirpation 
gewonnenen Bubonensaftes zu Hilfe genommen werden müssen. Da 
die an Ort und Stelle gezüchteten Y er sin-Kitasato' sehen Bacillen 
den indischen Pestkeimen an Virulenz im Tierversuch nicht nachstanden, 
so ist die Gutartigkeit der Oportoer Epidemie der verbesserten Hygiene, 

Erste Abt. XZIZ. Bd. 15 



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218 Tarbaganenpest. 

sowie einer verringerten Empfänglichkeit des Menschen zuzuschreiben. 
Als pathognomonisch bezeichnet Verf. eine starke Druckempfindlichkeit 
selbst noch kleiner Bubonen, sowie ein dieselben umgebendes, prall- 
elastisches Oedem. Schmidt (Berlin). 

Radenko, A., Die Pest derXarbaganen. (Militär-med. Journal« 
1900. p. 3567.) [Russisch.] 

Die Tarbaganen, ein mongolischer Namg, sind Nagetiere, welche 
in großen Massen im transbaikalischen Gebiete und in der Mongolei 
leben. Im russischen Gebiete nennt man sie Baibak, lateinisch 
Arctomys bobac Schreb., deutsch Bobak. Es sind schlanke, 
hübsche Tierchen, bis 14 Werschok (62 cm) Länge, von denen 4 Wersch, 
(18 cm) auf den Schwanz kommen. Das Fell ist ziemlich dicht, rost- 
gelb, auf dem Kücken etwas dunkler, im Gesicht, Scheitel, Lippen und 
um die Augen einfarbig, braungelb, die Schwanzspitze schwarzbraun. 
Die Tiere (also eine Art Murmeltiere, Arctomys marmota) graben 
lange Gänge unter der Erde mit Lager und vielen Kesseln, wo sie den 
Winterschlaf — etwa 7 Monate lang — verbringen (ziemlich genau vom 
14. September bis 15. März). Wenn sie im Frühling aus der Erde her- 
auskommen, sind sie besonders dick und fett, und da ihr Fleisch ganz 
außerordentlich gut schmeckt, so wird auf diese harmlosen Tierchen 
eine wütende Jagd gemacht. Namentlich gut bezahlt wird das Fett, da 
es sehr weich, von angenehmem Geschmack und leicht verdaulich ist 
Ein erwachsener Tarbagan giebt bis 5 Pfund (2 kg) Fett, und für 
1 Pud Fett (16 kg) werden gerne 3 Rubel (etwa öVg Mk.) in Nertschinsk 
gezahlt. In diese Stadt sowie nach Stretensk wird das Fett per 
40-eimerhaltige Tonnen geschickt. Es ist also aus all diesem leicht 
begreiflich, warum die ärmere Klasse sowie die Kosaken in Transbai- 
kalien sich besonders auf die Jagd dieser Tiere legen. Sogar im Winter 
wird die Erde überall aufgewühlt, bloß um einige Zehner von ihnen zu 
erhaschen. Die geographische Verbreitung dieser Tiere ist von Norden 
nach Süden ziemlich eng : Zwischen dem 50—54 ^ nördlicher Breite, da- 
gegen kommen sie von den Karpathen über Süd-Rußland und Süd- 
Sibirien bis nach Transbaikalien und der Mongolei hin vor. (Ref.) — 
Es giebt Jahre, wo die Tarbaganen durch epizootische Krankheiten 
massenhaft dahingerafft werden, was namentlich Ende des Sommers 
stattfindet. Kranke Tiere gehen nicht in ihre Gänge, sie sind schlaff, 
kriechen meist langsam vorwärts oder wackeln beim Laufen; unter der 
Schulter bemerkt man häufig eine rötliche pralle Geschwulst, und beim 
Einschnitt in die Fußsohlen stößt man auf dunkeles geronnenes Blut. 
Solche Tiere werden schadlos und gerne von den Hunden gefressen, 
jedoch die Burjaten, Kosaken und Mongolen fürchten solche kranken 
Tiere außerordentlich, da sie angeblich ihre Krankheit dem Menschen 
mitteilen und diese meistens rasch daran sterben. Da nun die kranken 
Tierchen leicht von ihren zahlreichen Feinden erreicht und verzehrt 
werden können, so kommt es, daß Uebertragungen auf den Menschen 
nur höchst selten vorkommen. Ein sehr alter Einheimischer aus Sok- 
tuewsk erzählt, daß im Verlauf von 30 Jahren im betreffenden Kosaken- 
dorf die Krankheit bloß einige Male vom Tarbaganen auf Menschen 
übertragen ward. 

Die nun folgenden aus dem Aufsatze ausgewählten Erzählungen 
werden den interessanten Sachverhalt am besten illustrieren. 



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Tarbaganenpest 219 

Im Oktober 1888 wurden in der Jurte (Zelt) des Ulussen ülsa, 
unweit des Ortes Kulussutai, 6 Leichen von Burjaten gefunden, deren 
Tod durch eine unbekannte Krankheit erfolgt war. Auf Forderung der 
Justiz wurde ein jüngerer ordinierender Arzt aus Akschu nebst Feld- 
scher dahingesandt, um die Leichen gerichtlich zu eröffnen und die 
Todesursache festzustellen. Bald darauif (einige Tage) erkrankten beide; 
der Arzt kommt krank in Akscha an, woselbst er sofort stirbt, während 
der Feldscher bereits unterwegs erliegt 

Ende August 1889 erkrankt in Soktuewsk in der Familie des Ko- 
saken Epoff die 16-jähr. Tochter und stirbt in 3 Tagen. Außerdem 
erkranken und sterben bald hierauf noch 2 Söhne (17 und 54 Jahre) 
und eine Tochter (54 Jahre). Am Leben bleiben 6 Söhne, die gar 
nicht erkrankten. Die Symptome der Krankheit waren hohe Temperatur, 
Kopfweh, Erbrechen, Diarrhöe oder Verstopfung, Schmerzen in der 
Axilla sowie den Leisten, woselbst geschwollene Drüsen bemerkt wurden. 
Eine Verwandte wäscht die Wäsche der verstorbenen 16-jähr. Tochter 
und stirbt nach einigen Tagen an derselben Krankheit Außer ihr selbst 
sterben in ihrer Familie noch 5 Glieder. Am Leben bleibt ein kleiner 
5-jähr. Sohn. Alle Erkrankten hatten die gleichen Symptome. In die 
letztere Familie kommt hin und wieder ein 10-jähr. Burjatenknabe zum 
Spielen; auch er erkrankt und stirbt Die Krankheit verbreitet sich 
nicht weiter in den Jurten der Burjaten. Es erweist sich, daß die oben- 
genannte Familie Epoff sich mit Abziehen der Felle sowie mit dem 
Ausschneiden des Fettes der Tarbaganen befaßt hatte. 

Ende September 1891 erkrankt an denselben Symptomen ebenfalls 
in Soktuewsk, jedoch in einer anderen Kosakenfamilie Epoff, der 16-jähr. 
Sohn und stirbt Es erweist sich, daß er vor der Krankheit einen vom 
Hund in den Hof gebrachten und krepierten Tarbagan häutete und 
das Fett ausschnitt. Auf die Todesnachricht kommt der Vater aus 
einem entfernten Orte, wo er diente angereist und führt die ganze Familie 
in diesen Ort über. Hier aber nehmen die Einwohner instinktiv die 
strengsten Quarantainemaßregeln vor, und es gelingt, außer einer Er- 
krankung mit* Todesfall des 5-jähr. Sohnes von Epoff, die Krankheit 
zu lokalisieren. 

Im Herbst 1891 erkranken und sterben in Akschu in der Familie 
des Kosaken Gurulew (13 Glieder) 6 Personen. Die Aetiologie ergab, 
daß ein Schwiegersohn des Gurulew in die Mongolei mit Rindern reiste 
und daselbst mit den Mongolen Tarbaganen aß. Nach Hause kehrte 
er nach 2 Tagen zurück und am darauflfolgenden 3. Tage war er tot 
Nach ihm erkrankten die übrigen Familienmitglieder, u. a. ein Sohn 
des Gurulew, den man ins Spital absenden wollte. Als jedoch das Spi- 
tal die Aufnahme aus Furcht vor Ansteckung verweigerte, brachte man 
ihn in das Haus des Kosaken Putinzeff, wo er bald starb. Hierauf 
erkrankten und starben Mann und Frau Putinzeff. Die Symptome 
immer dieselben. Außerdem erkrankten der behandelnde Arzt und Feld- 
scher, jedoch in leichter Weise. 

Im September 1894 erkrankt im Dorfe Soktuewsk in der Familie 
(9 Mitglieder) des Kosaken Mirsanoff zuerst er selbst, und stirbt nach 
3 Tagen. Da die Krankheit für Erkältung gehalten wird, werden keine 
Maßregeln genommen. Trotz volksreichem Begräbnis mit Beileidessen 
erkrankt niemand von den Gästen, aber 6 Tage später erkrankt einer 
der Söhne, und stirbt 2 Tage nach der Erkrankung. Es wurden nament- 

15* 



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220 Tarbaganenpest 

lieh DrüsenschwelluDgen in der Achsel- und Inguinalgegend beobachtet. 
Nun erkennt die f^amilie und die Umgebung die Gefahr; erstere werden 
in einem unbewohnten Hause scharf isoliert. Aber tags darauf, also 
den 15. September, gehen 2 von den Söhnen in den Wald nach Holz, 
um den 18. zurückzukehren, jedoch einer von ihnen wird tot hereinge- 
bracht, nachdem er dieselbe Krankheit gehabt. Eine weitere Tochter 
erkrankt den 17., stirbt den 21. Den 19. erkrankt noch ein Sohn und 
stirbt den 22. Weiter erkrankt den 20. die 80-jähr, Großmutter und 
stirbt am selben Tage. Am 23. erkrankt eine Tochter, wird wahnsinnig 
und stirbt den 3. Oktober. — Der Verkehr mit den übrigen Dorfbe- 
wohnern war die ganze Zeit so gut wie abgeschnitten, und Lebensmittel 
wurden nur von weitem in die vorher hingestellten Gefäße gegeben. 
Die Leichen, die getragenen Gegenstände sowie Wäsche wurden vergraben 
und mit Kalk begossen. Ueberhaupt ist es zu verwundern, wie dieses 
halb wilde Volk, sozusagen instinktiv, die richtigen Mittel zur Lokali- 
sierung der Seuche ergreift und sich willig von Aerzten und Feld- 
scheren leiten läßt. Es steht dieses völlig im Gegensatz zu den Aus- 
schreitungen des Pöbels gegen Aerzte während der Cholera 1892 in 
Astrachan und 1884 in Italien. 

Besonders interessant ist die Aetiologie dieser letzten Familien - 
epidemie: Der Vater Mirsanoff mußte aus seinem Dorfe nach Zagan- 
Olin zum Gericht fahren. Seinem nebenher trottenden Hund gelingt 
es, in ganz kurzer Zeit 6 Tarbaganen zu töten, welche Mirsanoff zu 
sich nimmt. Später versteckt er sie in einem Heuhaufen, um sie beim 
Heimweg mit nach Hause zu nehmen, was auch geschah. Nach Hause 
kam Mirsanoff mit den Tarbaganen am 31. August, am 2. September 
bereits erkrankt er und am 5. ist er tot. Der Umstand, daß ein Hund 
im Vorbeilaufen Tarbaganen fangen kann, spricht schon dafür, daß die- 
selben krank waren. Gesunde Tarbaganen fängt unter solchen Um- 
ständen ein Hund nie. 

Einer von den einheimischen erfahrenen Burjaten erklärte auf 
scharfes Befragen: 1) Die Tarbaganen erkranken periodisch, doch nicht 
alljährig, und um sich vor Ansteckung beim Fettausschneiden zu hüten, 
macht man einem jeden Tarbagan Einschnitte in die Haut der Fußsohlen. 
Tiere mit Blutextravasaten unter der Sohlenhaut werden weggeworfen. 
— 2) Es gab Jahre, wo ganze Ulusse (Dörfer) von dieser Krankheit 
ausstarben. — 3) Vor etwa 30 Jahren existierte eine Heilmethode der 
Krankheit, welche darin bestand, daß man die getrockneten Suprarenal- 
drüsen (?) von gesunden Tarbaganen den erkrankten im Thee zu trinken 
gab. Jedoch hat sich das Mittel nicht bewährt, die Krankheit ist un- 
heilbar und äußerst ansteckend. — 4) Im Falle von Erkrankungen 
werden die Jurten nebst Kranken von den Gesunden eiligst verlassen 
und man siedelt in einen anderen Ort über. Später kehrt man zurück 
und verbrennt die Jurten, die Leichen der Gestorbenen und das ganze 
Eigentum. 

Schließlich noch eine vollkommen glaubwürdige Beobachtung vom 
Arzte Talko-Grinzewitsch aus der nordwestlichen Mongolei: Im 
Choschun Michan-guna, unweit des Tumatuchanowskischen Aimaks, sollte 
sich an einer gewissen, genau vom örtlichen Mürgaän-Lama (Zauberer) 
bezeichneten Stelle ein Schatz unter der Erde befinden. 20 Menschen, 
7 Chinesen und 13 Mongolen, gruben die Erde ziemlich tief auf, und 
stießen schließlich in der Tfaat auf einen ansehnlichen Fund, an Wert 



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Pendehbeule. 221 

etwa 1000 Lan. Erfreut über den glücklichen Fund, lebten und praßten 
die Gräber 8 Tage lang; sie tranken Chanschin (chinesischen Branntwein), 
aßen Hammelfleisch, und nan^entlich die schmackhaften Tarbaganen, 
welche hier in Menge zu treifen waren. Ob damds diese Tiere gerade 
von der Krankheit heimgesucht waren, konnte der Berichterstatter nicht 
feststellen, aber so viel ist gewiß, daß alle Leute und noch 9 Ankömmlinge 
erkrankten und an einem Tage starben. Die Nachbarbevölkerung er- 
klärte, daß dieses das Werk des unterirdischen Gottes Gazarol-Burchan 
sei, welcher sich an den Menschen rächt, weil sie in sein Reich einge- 
drungen waren. Von dem gefundenen Silber wurden einige Barren 
dem Lama (Zauberer) aus Dankbarkeit gesandt; er erkrankte bald 
darauf und starb. Ein Chinese aus Tarma kommt zu den Gräbern, um 
seine Schuld einzukassieren; er erhält die Schuld in Silberbarren aus- 
gezahlt, kommt nach Hause, erkrankt und stirbt, infiziert aber niemand. 
Ein anderer Chinese aus Urga, bei den Ausgrabungen anwesend, erkrankt 
und verschleppt die Krankheit nach Mischin-gunowsk, wo er stirbt und 
andere Leute infiziert. Es verlautet, daß viel von dem gefundenen 
Silber wieder in die Erde vergraben wurde, um die erzürnte Gottheit 
zu versöhnen. Auch nach der Stadt ürga wurde die Krankheit von 
hier aus verschleppt. 

Derselbe Arzt Talko-Grinzewitsch behauptet, daß die Krank- 
heit, welche im Herbst 1899 in der nordöstlichen und nordwestlichen 
Mongolei grassierte, die echte asiatische Pest mit Lungenlokalisation, 
also Lungenpest gewesen sei. Mit Sicherheit lassen sich folgende Epi- 
demieen feststellen: 1887 starben am Flusse Iro in wenigen Jurten an 
30 Mongolen. 1889, etwa 250 Werst (ca. ebensoviele Kilometer) südlich 
von der Stadt Urga, im Dorf Schilin-Choduk, sterben in 4 Jurten auch 
an 30 Menschen. Die Lama erklärten einstimmig, die Krankheit sei von 
den Tarbaganen gekommen, die damals gerade krankten. Im Herbst 
1897 gab es in der Stadt ürga einige Erkrankungen unter den Mongolen, 
welche alle Symptome von foudroyanter Lungenpest aufwiesen. Hier 
wurde ein ätiologischer Zusammenhang festgestellt zwischen der Lungen- 
pest der Einwohner und den krankenden Tarbaganen. In der öst- 
lichen Mongolei wurde dieser Zusammenhang bereits früher erwiesen. 
Von 1888 bis 1894 gab es hier 48 Erkrankungen an der Bubonenpest, 
und giebt es gerade hier eine überaus große Menge von Tarbaganen, 
Ratten, Mäusen u. a. Nagern, weil hier in einigen heiligen Orten (z. B. 
dem Gebiete Bogdo-Ülja in ürga) die Jagd auf diese Tiere streng ver- 
boten ist L. Heydenreich (Wilna). 

liUbimoff, P. D., Vergleichende üebersicht zwischen der 

Pendehbeule und anderen endemischen Geschwüren. 

(Medizinisches Sammelwerk der Kaukasischen Med. Gesellsch. 1898. 

No. 61. p. 179—202.) [Medizinskii Sbornik Kawkasskawo Medizinskawo 

Odschtschestwa]. [Russisch.] 
Auf Grund ziemlich eingehenden Studiums der einschlägigen Litte- 
ratur, sowie Beobachtung von 22 unkomplizierten Fällen und bedeutend 
mehr komplizierten, d. h. mit anderen Krankheiten im Lazarett liegen- 
den und Beobachtung in der Praxis, kommt Verf. zu den weiter unten 
angeführten Schlüssen. L. verbrachte 10 Jahre in unserem central- 
asiatischen Gebiete in dem Garnisonsorte Serachs, hart an der Kara- 
Kum- Wüste und unweit der persischen Grenze am Tedschenflusse. 



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222 Gelbfieber. 

1) Trotz der scheinbaren Uebereinstimmung im Ausseben und 
Symptomen aller der endemischen Geschwüre, welche in den nördlichen 
Tropen meist an Wüstenrändern unter so verschiedenen Namen, ange- 
fangen von Algier, über Tunis, Aegypten, Syrien, Mesopotamien, Central- 
asien, Persien bis nach Indien hin zeitweise auftauchen, will L. doch 
gewisse Unterschiede zwischen ihnen aufrecht erhalten wissen (mit Un- 
recht. Ref.). 

2) Am besten ist es, den Verlauf der Beule, also der Pendehbeule 
in 3 Stadien zu teilen (also wie in der Monographie von Ref.) : Stadium 
eruptionis bis zum Beginn der Verschwärung — Stadium der Blüte: 
Verschwärung bis zum Beginn der Verheilung, das allerlängste Stadium 
und Stadium der Vernarbung. 

3) Die Pendehbeule kann nicht als von außen, durch Eintritt in die 
Haut entstanden gedacht werden. Vielmehr muß man eine Infektion 
des ganzen Organismus annehmen, deren Ausdruck dann unter anderen 
die Beulen, resp. Geschwüre sind. Also etwa wie bei Pocken, Typhus, 
Masern, Filaria medinensis. Als Eintrittsstelle ist vorwiegend der 
Magen-Darmkanal anzusehen, als Träger der Infektion namentlich das 
Trinkwasser, aber auch Obst, Grünzeug, rohe Viktualien. 

4) Es giebt kein Mittel, namentlich kein lokales, welches die Pendeh- 
beule wesentlich zur Ausheilung zu bringen imstande ist. L. operierte 
sogar eine Beule, die fungös als Blumenkohlgewächs über die Haut 
emporragte. Es erfolgte bald Recidiv; hierauf neue Excision, schein- 
bare Verheilung, darauf von neuem fungöse Excrescenzen, die erst dann 
und zwar allmählich unter linder Therapie verheilten — also wie immer. 
Als interne Kur rät L. Arsenik, da ja die Krankheit eine konstitutio- 
nelle ist. Aeußerlich schonende Antiseptica: Argentum nitricum (3 7oo)» 
Zincum sulfuricum (lO^oo) Zincum chloratum (10 %o), Sublimat (V* ^/oo)- 
Alles, was die Geschwüre reizt, ist fern zu halten. 

L. Heydenreich (Wilna). 

Sanarelli, G., Unsere letzten Kenntnisse über Pathogenese, 
Behandlung und Prophylaxis beim gelben Fieber. (Poli- 
clinico. Supplemento. 1900. No. 29.) 
Verf. giebt vor allem eine üebersicht über die Gelbfieberlitteratur 
der letzten Jahre. Der Bacillus icteroides wurde vonMendoza, 
Ramos, Mesa, Guntierrez, Pothier, Wasdin undGeddings 
und von zahlreichen anderen Forschern aus Leichen und aus Gelbfieber- 
kranken isoliert. Archinard und Woodson haben ihn in «0 Proz., 
Geddings in 79,93 Proz., Hoebeck in 70 Proz. der Fälle gefunden. 
Von der Marinekommission, welche am Mississippi und in Kuba 2 Jahre 
lang fortgesetzte Untersuchungen anstellte, wurde der Bacillus sogar 
in 100 Proz. der Fälle nachgewiesen. Bei anderen Kranken und aus 
Leichen, die nicht an Gelbfieber gestorben waren, wurde der Bacillus 
Sanarelli noch nie vorgefunden. 

Aus zahlreichen vom Verf. ausgeführten Tierversuchen ergiebt sich 
daß man nur bei Phosphorvergiftungen dieselbe intensive Verfettung 
der Leber beobachten kann. Mit verschiedenen Infektionen wurden zu 
diesem Zwecke Vergleichsuntersuchungen angestellt, bei denen das Fett 
der Leber chemisch quantitativ festgestellt wurde. Bei normalen Hunden 
wurde die Fettmenge auf 6,54 Proz. des trockenen Rückstandes be- 



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Purpura rheumatica und Angina. 223 

rechnet, bei Choleratieren auf 9,44, bei Coli auf 10,60 Proz,, bei Pyo- 
cyaneus auf 11,22, bei Diphtherie auf 14,65 Proz. Die Fettmenge bei 
Hunden, die mit dem Bacillus icteroides infiziert worden waren, 
betrug 22,69 Proz., bei einem Tiere sogar 77,8 Proz. des trockenen 
Rückstandes. Da bei allen Leichen von Gelbfieberkranken eine sehr 
bedeutende Lebersteatose bemerkt wurde, so ist kein Zweifel, daß auch 
die bei den Hunden bemerkte Fettdegeneration der Leber als eine 
spezifische Wirkung der Bacillen aufzufassen ist. 

Was die toxische Wirkung des Gelbfiebertoxins anbelangt, so kann 
man nicht leugnen, daß seine Wirkung eine spezifische ist; nach Ein- 
verleibung desselben zeigen alle Tiere bemerkenswerte Veränderungen 
in ihrem ganzen Organismus. 

Auch für die Serumdiagnose beim gelben Fieber liegen jetzt sichere 
Anhaltspunkte vor. Von Archinald und Woods on wurde die agglu- 
tinierende Reaktion bei 100 Fällen mit sehr gutem Erfolge angewendet; 
besonders bei der Differentialdiagnose zwischen Typhus und Gelbfieber 
erzielte man gute Resultate. Oft geschah es, daß bei Kranken, die als 
Typhöse diagnostiziert worden waren, durch die Serumreaktion Gelb- 
fieber entdeckt wurde und vice versa. Die Serumreaktion wurde ferner 
bei 20 Malariakranken 17mal mit negativem Erfolge ausgeführt; in 35 
Typhusfällen traf die Reaktion lOmal zu. Es handelte sich bei diesen 
letzten Fällen um Typhuskranke, die Gelbfieber schon vor Jahren durch- 
gemacht hatten. Bei diesen Fällen fiel auch die Agglutination auf 
Typhusbacillen positiv aus. Bei 74 Fällen von verschiedenen Krank- 
heiten und bei 20 gesunden Individuen hatte die Reaktion negative 
Erfolge. 

Ver£ bespricht weiter die Resultate der Serumtherapie, die als sehr 
günstige zu betrachten sind. 

Sehr wichtige Schlüsse kann man auch über die Prophylaxe des 
Gelbfiebers aussprechen. Die von Lac er da isolierten Hyphomyceten, 
welche als Aspergillus icteroides bezeichnet wurden, scheinen 
die Gelbfieberbacillen sehr zu begünstigen. Diese Hyphomyceten ent- 
wickeln sich mit Vorliebe auf den Fliegendejektionen. Diese Tiere 
können übrigens auch für die Uebertragung der Infektion verantwortlich 
gemacht werden. Desinfizierungsversuche sollen mit besonderer Rück- 
sicht auf die Hausverhältnisse der Stadtbewohner gemacht werden. 

A. Cantani (Neapel). 

Brück, A«, Purpura rheumatica und Angina. (Berl. klin. 
Wochenschr. 1900. No. 45.) 

Es finden sich bereits mancherlei Arbeiten, worin ausgesprochen 
"Wird, daß der akute Gelenkrheumatismus infektiösen Ursprung habe, und 
zwar soll es sich nicht sowohl um einen spezifischen Erreger, sondern 
um verschiedene, vorwiegend gewisse in ihrer Virulenz mehr oder 
weniger abgeschwächte Mikroben der Pyämie handeln, welche durch 
das adenoide Gewebe der Tonsillen die Eintrittspforte für den In- 
fektionsstöff (Staphylo- und Streptokokken) bilden. 

Von hier aus gelangen die Bakterien bezw. ihre Stoffwechselprodukte 
mit dem Blutstrom zu den Gelenken und verursachen daselbst die s]mo- 
vialen Ergüsse, die periartikulären Anschwellungen und die übrigen für 
Gelenkrheumatismus charakteristischen Erscheinungen. 



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224 Gonorrhöe. 

Dieselbe Auffassung wie für den akuten Gelenkrheumatismus wird 
— mutatis mutandis — auch für den akuten Muskelrheumatismus geltend 
gemacht, sowie für gewisse zum Rheumatismus in Beziehung gebrachte 
Hautafifektionen, das Erythema nodosum, das Erythema exsudativum mul- 
tiforme und die Purpura oder Peliosis rheumatica. Verf. glaubt, daß 
man bei schärferer Aufmerksamkeit öfter in die Lage kommen würde^ 
den erwähnten Zusammenhang — insbesondere zwischen Purpura rheu- 
matica und Angina — zu konstatieren. Er giebt dann 4 Kranken- 
geschichten, die gerade für die Beurteilung der Aetiologie der Purpura 
rheumatica wertvolle Anhaltspunkte bieten dürften. Es handelte sick 
bei allen unzweifelhaft um eine sogenannte Purpura rheumatica, deren 
Eintritt durch eine Angina gleichsam markiert war. In allen 4 Fällen 
schlössen sich die für Purpura rheumatica charakteristischen Er- 
scheinungen fast unmittelbar an eine Halsentzündung an, doch waren 
die Schluckbeschwerden in den letzten 3 der erwähnten Fälle so gering- 
fügig, daß die Kranken es nicht für notwendig erachteten, deshalb ärzt- 
liche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und daß es erst eines besonderen 
Hinweises von Verf.*s Seite bedurfte, um eine darauf bezügliche Angabe 
zu erhalten. Nur in dem ersten Falle beherrschte die Angina das 
Krankheitsbild der ersten Tage, und Verf. sah Gelenkergüsse und Haut- 
blutungen unter seinen Augen entstehen, als die Erscheinungen des 
Halses nahezu abgelaufen waren. Die anderen 3 Patienten kamen ia 
einem Falle wegen ausgesprochener TorticoUis rheumatica, in den beiden 
anderen wegen Purpura in Behandlung. Daß die Rachenorgane in diesen 
3 Fällen wirklich affiziert waren, ergab die Untersuchung in der un- 
zweideutigsten Weise. 

In 2 von diesen Fällen waren neben den für Purpura rheumatica 
bezeichnenden Gelenkschmerzen auch ausgesprochene, heftige Muskel- 
schmerzen vorhanden, besonders im Nacken, im Rücken und in den 
oberen Extremitäten. Diese Parallelität beider Erscheinungen enthält^ 
wie Verf. glaubt, schon einen Hinweis, akuten Gelenk- und Muskel- 
rheumatismus pathogenetisch zu einander in Beziehung zu bringen. 
Verf. meint, daß die schädliche Noxe, die von den Tonsillen aus in die 
Lymph- und Blutbahn eingedrungen ist, sich ebenso gut in den Ge- 
lenken wie in den Muskeln lokalisieren kann und ebenso gut für ihre 
Betrachtung müssen die Prinzipien der Lehre vom Zellenterritorium 
und vom Zellenstaat angewendet werden. Inwiefern die einzelnen 
Charaktere eine für den Staphylococcus albus spezifische Be- 
deutung haben, will Verf. durch weitere Untersuchungen zu entscheiden 
suchen. Deeleman (Dresden). 

Jnndell, J«, Experimentela och kliniska undersökningar 
öfver Gonococcus Neisser. [Experimentelle und kli- 
nische Untersuchungen über Gonococcus Neisser.] (Hy- 
giea. Bd. LXIL 1900. No. 6. p. 604-645.) 
Bei seinen nach verschiedenen Richtungen hin angestellten Studien 
über den Gonococcus hat J und eil zuerst versucht, diemenschlichen 
Eiweißflüssigkeiten als Nährsubstrate durch andere zu ersetzen, besonders 
durch Mischungen von Hühnereiweiß und Agar, hat aber nichts ge- 
funden, was sich z. B. mit dem Ascitesagar messen konnte, welch letzteres 
Medium nach J. immer, wenn überhaupt lebende Gonokokken da sind^ 
positive Resultate ergiebt. 



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Gonorrhoe. 225 

Hinsichtlich der Differentialdiagnose dem Meningococcus gegen- 
über hebt J. hervor, daß die Größe des Meningococcus bedeutend mehr 
wechselt und daß sie nicht selten intranukleär belegen sind, was er nur 
bei einzelnen frischen Gonokokkeninfektionen beobachtet hat. Die Me- 
ningokokken sollen auch leichter Ketten bilden. Keinen von den beiden 
hat J. mit Gram färben können. Selten konnte er aus dem Unter- 
suchungsmaterial direkt Kulturen von dem Meningococcus auf 
gewöhnlichem A^ar erhalten, was aber bei Ueberimpfung von Blutagar 
und dergl. besser gelang, in welchen Medien beliebig viele Generationen 
erhalten werden konnten. Die an den Gonokokkenkolonieen bekannten 
radiären Streifen hat J. auch an einigen Meningokokkenkulturen nach- 
gewiesen. Letztere sind aber nicht ganz so schleimig wie die Gono- 
kokkenkulturen. Weil J. beide in flüssigen Substraten viel länger lebend 
sah als an festen, hält er dafür, die Austrocknung spiele bei dem 
schnellen Absterben eine Rolle. In Ascitesbouillon ist die Meningo- 
kokkenkultur immer mehr diffus. Im allgemeinen, je älter die Generation 
war, desto leichter entwickelten sich beide bei höheren Temperaturen. 
Die Meningokokken vertrugen 40—41—44—47®. 

Betreffs der Identifizierung des Gonococcus durch Inokulation an 
Menschen bemerkt J., daß er mit einem während mehr als 2 Jahren 
auf Ascitesagar lebend gehaltenen Gonococcus-Stamm (die 198., 199. 
nnd 200. Generation!) negatives Resultat erhalten habe. 

Mit Serum von Patienten mit Gonokokkenmetastasen und mit 
Meningokokkenmeningitis hat er keine Agglutination mit den resp. 
Bakterien erhalten. Mit denselben konnte J. keine Pfeif fer'sche Im- 
munität sreaktion hervorrufen, ebensowenig wie mit Serum von resp. mit 
Bakterien eine Zeit lang behandelten Kaninchen. 

J. hat mit Gonokokken aus verschiedenen Stämmen an Meer- 
schweinchen, Kaninchen und Mäusen zahlreiche Einspritzungen gemacht 
Die Mäuse überlebten enorme subkutane Injektionen, starben aber nach 
intraperitonealer Einführung, oft ohne pathologisch-anatomische Ver- 
änderungen. 

An Kaninchen riefen die subkutanen Injektionen gewöhnlich eine 
anfängliche Temperatursteigerung hervor nebst Sinken des Körper- 
gewichts. Nach 1^/2— 4i Monaten starben sie ohne pathologisch-anato- 
mische Veränderungen. Wenn die Injektion intrapleural gemacht worden 
war, fanden sich einige käsige oder festere Belege in der Pleura und 
im Pericardium. — Die Meerschweinchen verhielten sich ungefähr 
so wie die Kaninchen. Doch fand sich nach intraperitonealer In- 
jektion ein schleimiges Exsudat, in welchem Gonokokken nachzuweisen 
waren, was oft auch im Blute gelang. Bei der Mehrzahl dieser 
Fälle kam eine Temperatursenkung (bis 10^ stark) vor. — Mit 
Kulturen, die in 2 Stunden bei 60^ getötet waren, konnte J. die- 
selben Wirkungen an Tieren hervorrufen, sowie auch mit sorgfältig 
gewaschenen lebenden oder toten Gonokokken. Direkt konnte in den 
Tieren eine Abnahme der Zahl, sowie eine Degeneration der Gono- 
kokken nachgewiesen werden, auch bei Tieren, deren Temperatur 
durch Abschneiden der Haare und Aufenthalt im Eisschranke eine 
Senkung bis zu 37® erlitten hatten. Uebrigens wuchs schließlich der 
in 2 Jahren gezüchtete Gonococcus-Stamm ebenso gut bei 39® und 
40 ^ Das Peritonealexsudat von einem Tiere konnte bei einem anderen 



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226 Tollwut 

den Tod nicht hervorrufen. — Die Wirkung der Gonokokken-„Proteide" 
stimmt nach J. mit der von dem Meningococcus überein. 

Versuche, Meerschweinchen und Kaninchen zu immunisieren, sind 
ganz mißlungen. 

J. hat eine Beobachtung von Lindblad bestätigen können, nämlich 
daß nur Epithelzellen oder wenigstens nur spärliche Leukocyten ent- 
haltendes Urethralsekret Gonokokken nicht beherbergt 

2mal hat J. aus Pyosalpinx Reinkulturen von Gonokokken darstellen 
können. 4mal hat er aus gonorrhoischen Metastasen im linken Knie 
Reinkulturen von Gonokokken bekommen, bei welchen Fällen das 
Genitalsekret keine gab. Auch aus einer Metastase in der linken Hand 
und aus einer Tendovaginitis M. tib. post. sin. hat er Gonokokken rein 
gezüchtet. Stecksön (Stockholm). 

Babes, Y«, DieLehrevonderHundswutzuEndedes 19. Jahr- 
hunderts. (Berl. klin. Wochenschr. 1900. No. 43.) 
In vorliegendem Säkularartikel hebt Verl am Schlüsse hervor, daß 
er selbst es war, der zuerst versuchte, ob die Säfte und namentlich das 
Blut der gegen Hundswut immunen Tiere vielleicht imstande sei, anderen 
Tieren oder Menschen einverleibt, die Immunität zu übertragen. Es 
war dies auch zugleich der erste, bewußt angestellte erfolgreiche Versuch 
einer Serotherapie gegen eine Infektionskrankheit (1889). In der That 
gelang es, Hunde selbst nach der Trepanation mit Straßenvirus mittels 
Injektion größerer Mengen Blutes stark immunisierter Hunde zu retten. 
Fast zu gleicher Zeit bemerkte Verf. auch, daß, indem durch die Hunds- 
wutimpfung größere Mengen von Nervensubstanz injiziert werden, auch 
die Nervensubstanz als solche einen Einfluß gegen das Wutgift besitzt. 
Indem er nun Hunde vor und nach der Wutinfektion mit normaler 
Nervensubstanz impfte, konnte ebenfalls ein Teil derselben gerettet 
werden. Kauterisation wenige Minuten nach dem Bisse fand auch er 
wirksam, indes machte er die Erfahrung, daß auch spätere Kauterisation 
imstande ist, das Inkubationsstadium zu verlängern und so der Schutz- 
impfung einen größeren Spielraum zu gewähren. Das Hundswutvirus 
ist offenbar ein fixes, welches durch Porzellanfilter zurückgehalten wird, 
obwohl man, ebenso wie de Blasi, nachweisen konnte, daß unter nicht 
näher bekannten Umständen toxische Substanzen durch das Filter hin- 
durchgehen. Aehnliche Substanzen können auch durch Zerstörung des 
Virus mittels Hitze gewonnen werden, und kommt denselben wohl eine 
wesentliche Rolle bei der Immunisierung gegen die Hundswut zn. 
Wenn man den Wutmikroben kennen würde und denselben züchten 
könnte, wäre allerdings viel für die Behandlung der Wut gewonnen, 
indem man dann namentlich die wirksamen Toxine leicht darstellen 
könnte. Trotz zahlreicher Publikationen aber über die Entdeckung der 
Wutmikroben muß derselbe noch als unbekannt betrachtet werden, 
obwohl man behaupten kann, daß er in den Wutknötchen des Central- 
nervensystems wohl auch in den Nervenzellen vorhanden sein muß, wo 
wohl manche der dort gefundenen rundlichen oder verschieden ge- 
formten Granulationen demselben angehören. Auch auf gehirnsubstanz- 
haltigem Nährboden konnte manchmal die virulente Substanz zur Ver- 
mehrung gebracht werden, ohne daß aber konstatiert werden konnte, 
welche unter den verschiedenen Granulationen den Mikroben darstellt, 
und ohne daß das Virus mehr als 2 Generationen hindurch fortgezüchtet 



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Schutzimpfung, ktknsüiche Infektionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 227 

werden konnte. Verf. glaubt, daß es sich wahrscheinlich um einen 
polymorphen und in seiner Form wenig charakteristischen Parasiten 
handelt, welcher vielleicht den von Pasteur beschriebenen, durch 
Anilin ftrbbaren Granulationen entspricht. Es müssen aber ofifenbar 
neue geeignete Methoden gefanden werden, um denselben sicher nach- 
zuweisen und zu kultivieren. Deeleman (Dresden). 



Schutzimpfung, kOnstiiche Infektionskrankheiten, Entwickelungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 

Telssler, N« P«, Recherches sur Taction bactöricide in vitro 
du glycogfene h^patique. (Comptes rendus de la Soc. de Biol. 
T. LH. 1900. No. 28.) 

Verf. prüft die Wirkung von aus Hundeleber dargestelltem Glykogen 
auf Mikroorganismen, und zwar Staphylococcus aureus, Bacillus 
coli, Bacillus typhi und Streptococcus. 0,5— 4-proz. wässerige 
Lösungen von Glykogen werden hergestellt, neutralisiert und sterilisiert. 
Die Versuche werden in 3 Reihen angestellt: 

a) Auf 5 ccm peptonisierter Bouillon werden die 4 Arten Bakterien 
geimpft unter gleichzeitigem Zusätze verschiedener Mengen der Gly- 
kogenlösungen. 0,1g Glykogen hemmt die Entwickelung von Staphylo- 
coccus aureus und Bac. coli und „unterdrückt*' die Streptokokken- 
und Typhuskulturen. 

ß) In je 5 ccm verschieden starker Glykogenlösungen werden die 
Mikroorganismen geimpft; nach verschiedenen Zeiträumen wird Pepton- 
bouillon zugesetzt. 0,025 g Glykogen mit 5 ccm Lösung tötet Staph. 
aureus nach 7 Tagen, Bac. coli nach 48 Stunden, Bac. typhi und 
Streptococcus nach 24 Stunden. 0,2 g Glykogen verhindert jede 
Vegetation, nur bei Staph. aureus brauchte es über 24 Stunden. 

/) Infizierte Seidenfäden wurden in Glykogenlösungen gebracht 
0,025:5 Glykogenlösung tötet Typhusbacillen innerhalb 3 Stunden, 
Bac. coli nach 6 Stunden; die beiden anderen blieben leben. 0,50:5 
Glykogenlösung läßt nach 6 Stunden alle angewandten Mikroorganismen 
zu Grunde gehen. 

Tei ssier glaubt, daß das Glykogen in der lebenden Leberzelle 
wohl noch größere baktericide Wirkung entfalte, und rollt die Frage auf, 
ob nicht damit die Sterilität einer großen Zahl von Lebewesen in Be- 
ziehung steht Scheller (Berlin). 

Orlowski, W.^ Ueber baktericide Wirkung des ürotropins 
und seine Verwendung bei Harnblasenkatarrhen. [0 
bakteryoböjczem dzialaniu urotropiny i jej zastösowaniu przy niezycie 
pecherza moczowego.] [Aus dem bakteriol. Laboratorium der internen 
Klinik der militärmediz. Akademie in St Petersburg. Direktor Prof. 
Pasternacki.] (Gazeta lekarska. 1900. No. 12u.l3.) [Polnisch.] 
Seine Experimente hat der Verf. in der Weise angestellt, daß er 

die Wasser- und BouUlonlösungen des Ürotropins mjt verschiedenen 



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238 ISene Litteratur. 

48 Stunden alten, nachgewiesenerweise virulenten Bakterienkulturen 
(konstant mit derselben Platinöse) infizierte und dann aus den infizierten 
und im Thermostaten bei 37,5 ® C aufbewahrten Lösungen in verschiedenen 
Zeitabschnitten Kontrollkulturen in Peptonfleischbrühe und auf Agar- 
nährboden anlegte. Gleichzeitig wurden mit denselben Bakterienstämmen 
(Cholera, Staphylococcus aureus, Bact coli, Anthraxsporen) 
Kontrolluntersuchungen vermittelst der Karbolsäure- und Sublimatlösung 
ausgeführt. In dieser Weise wurde festgestellt, daß gegenüber den 
Choleravibrionen, den Colibacillen und den Staphylokokken das Urotro- 
pin schwächer als die zwei genannten Antiseptika wirkt. Durch An- 
wesenheit von Albuminaten wird die baktericide Wirkung des Urotropina 
beeinträchtigt bezw. abgeschwächt. Außerdem hat Verf. das Urotropin 
bezüglich ihrer Wirkung gegenüber den Harnfermentationen studiert 
und nachgewiesen, daß es auf die alkalische, wie auch auf die saure 
Fermentation stark hemmend wirkt, und daß diese Wirkung viel stärker 
zu Tage tritt, wenn das urotropin den Organismus passiert hat (wobei 
es teilweise zur Formaldehydbildung kommt). Die antiseptische Wirkung 
des Urotropins bezüglich der Harnfermentationsbakterien ist stärker als 
die Salolwirkung. Ciechanowski (Krakau). 



Neue Litteratur, 

zusammengestellt ron 

San.-Rat Dr. Arthur Würzburo, 

BlbHothekar im Kalserl. GetondheitMmte in Berlin. 



Allgemeines über Bakterien und Parasiten. 

Felbaum, Ueber die Abgabe virulenter Kulturen an Laien. (Berl. tierärztl. Wchschr. 1900^ 

No. 47. p. 556.) 
Luton, S. M., A bacteriologiBt a necessity to a local board of Health. (Proceed. and 

addrrases of the 4. general confer. of the Health Officers in Michigan, 1899. p. 29 — 31.) 

gr. 8®. Lansing 1900. 
M* Clintock , Ch.. T., Bacteriology in its relatiomi to the public health. (Proceed. and 

addresses of the 4. general confer. of the Health Officers in Michigan, 1899. p. 24 — 29.) 

gr. 8°. Lanaing 1900. 
Moore, V. A., Laboratory directions for beginners in bacteriology. An introduction U> 

practical bacteriology for students and practitioners of comparative and human medicine. 

2. ed. 16". 143 p. Illustr. Boston (Ginn) 1900. 1,05 $. 

IToyy, 7. Q., Bacteriology in its relations to public health. (Proceed. and addresses of the 

4. general confer. of the Health Officers in Michigan, 1899. p. 17 — 24.) gr. 8^ Lansing 

1900. 

Untersuchungsmethoden, Instrumente u. s. w. 

Qu6clLOiF, La m^thode des sacs de collodion appliqu^e 2i P§tude du bacille d'Eberth et du 
bacille coli. [Th^se.] Montpellier 1900. 

Boton, Ja., Appareil 2i d^sinfection par Tald^hyde formique gazeuse. Appareil Hoton. 
(Mouvement hygifen. 1900. No. 8. p. 379—383.) 

Iiaveran et MeBnil, Sur l'agglutination des trypanosomes du rat par divers s^nuns. (Compt. 
rend. de la soc. de biol. 1900. No. 34. p. 939—942.) 

Springfeld, Die Improvisierung transportabler Formaldehydentwickler. (Ztschr. f. Medi- 
zinalbeamte. 1900. No. 24. p. 784—785.) 



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Neue Litteratur. 229 

Systematik, Morphologie und Biologie. 

CHiodat, S., Le noyau oellnläire dans quelques cas de parasitisnie ou de Symbiose intra- 

oellulaire. 8^ 6 p. Lons-le-Saunier (Impr. Dedume) 1900. 
Sysell, JL, üeber das Vorkommen von Anopheles in Deutschland. (Arch. f. Schiffs- u. 

Tropenhygiene. 1900. No. 6. p. 353—357.) 
flitnikoff, ▲. u. Rommel, W.» Vergleichende Untersuchungen über einige sogenannte 

Amylomyoes-Arten. (Wehschr. f. Brauerei. 1900. No. 42. p. 621—625.) 
Smitiif A. Irf>xrsi]L, Some new microscopic fungi. (Joum. of the Boyal miorosc soc. 1900. 

Part 4.) 

Beziehungen der Bakterien nnd Parasiten siir anbelebten Natur. 

Nahrungs- und Oenußmittel, Gebrauchsgegenstände. 

Hein n»1 mann, O., Schimmeliges Malz. (Ztschr. f. Spiritusindustrie. 1900. No. 43. p. 392 

—393.) 
Johnaoa, J. O., Milk supply. (Proceed. and addresses of the 4. general oonfer. of the 

Health Officers in Michigan, 1899. p. 124—128.) gr. 8^ Lansing 1900. 
Jnadallf J., Ny apparat för bakteriemas oskadliggörande i mjölk och dess hygieniska betydelse 

enlikt undersökning yid applikation tili 0. Salenii radiator. (Nord. med. ark. 1900. Haft 3. 

No. 14. p. 1—16.) 
Zooli, A., üeber die Ursachen des Verschwindens der Säure bei Qärung und Lagerung des 

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Mumps, Bückfallfieber, Osteomyelitis. 

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\ 
C Entotooiiiehe Krankheiten, 
(I^nnen, Bandwurmer, Trichinen, Echinokokken, Filaria, Oestruslarve, Ascaris, Ankylostomum, 

Trichocephalus, Oxyuris.) 

Hamatteia, P., Sui microrganismi intestinali degli ascaridi lombricoidi e loro azione pato- 

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lÄoilizop, K. ▲. and Pratt, J. K., A report of two cases of filariasis. (Amer. Joum. of 

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Pesrondto, E., Le larve della Sarcophila magnifica Schiner nell' intestino dell' uomo. (Giom. 

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Kranldieltserregende Bakterien nnd Parasiten bei Mensehen nnd Heren. 

Milzbrand. 



r, Feststellung des Milzbrandes und Beseitigung der Milzbrandkadaver. (Berl. tierärztl. 
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ViJcolaky, Charbon chez les animauz nourris avec leurs aliments habituels mdl6s de spores 
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Tollwut. 

Babos, V., La dottrina della rabbia alla fine dd 19. secolo. (Riforma med. 1900. No. 256. 
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Krankheitserregende Bakterien nnd Parasiten bei Heren« 

Säugetiere. 

Ir^fektiöse Aügemeinkrankheüen. 

Stand der Tierseuchen in der Schweiz im 3. Vierteljahr 1900. (Yeröffenü. d. kaiserl. Ge- 
8undh.-A. 1900. No. 48. p. 1177—1178.) 



Sehntzimpfiiiigen, künstlicfae IiifcktionskninkhcItcTi, Entwickclungs- 
hemmung und Yerniehtuiig der Bakterien. 

Allgemeines. 

Wormaer, E., De la dteinfection des malus. (Annal. de gjn^col. et d'obst^tr. 1900. Nov. 

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WriiflLt, ▲. E.y On a method of measuring the bactericidal power of the blood for dinical 

and ezperimental uses. (Lancet 1900. Vol. IL No. 22. p. 1556—1561.) 



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232 



Inhalt. 



Diphtherie. 

Hieolas, J., Conrmont, P. et Prat, &., Sar la leuoocytose totale et polyniicltoire dans 

PimmunisatioD exp^rimentale par la toxine dipht^rique. (Joum. de physiol. et de pathol. 

gto§r. T. n. 1900. No. 6. p. 973—984.) 
Saulin, Im., ün cas de dipht^rie hypertoxique, traitement prolong6 par les injections de 

f^TVLTD aDtidipht§rique : gu§rison. (Gaz. hehdom. d. soienc. mM. de Bordeaux. 1900. 29. juillet, 

5. aoüt.) 



Inhalt 



Originalmitteiliinifea. 



Iioofls, A., Natura doceri, eine Erklärung 
und Begründung einiger Grundsätze, 
welche mich hei meinem „Versuche einer 
natürlichen Gliederung des Genus Disto- 
mum Retzius'^ geleitet hahen. (Orig.), 
p. 191. 

Hüller, Paul, üeber Antihämolysine. 
(Orig.), p. 175. 

Buge, Bainliold, Untersuchungen über 
das deutsche Proteosoma. (Orig.), p. 187. 

Schoneboom, C. O., Eine einfache Me- 
thode zur Herstellung sterilen Blut- 
serums. (Orig.), p. 211. 

Schiilts, H. "EL, Ueber die Lebensdauer 
von Bacillus pestis hominis in Reinkul- 
turen. (Orig.), p. 169. 

Baferate. 

Babes, V., Die Lehre von der Hundswut 

zu Ende des 19. Jahrhunderts, p. 226. 
Bmok, ▲., Purpura rheumatica und Angina, 

p. 223. 
Critsmana., La peste, p. 215. 
Jundell, J., Experimentela och kliniska 

undersOkningar öfvar Gonococcus Neisser, 

p. 224. 

LeTin, E., Bubonenpesten in Porto 1899, 
p. 216. 

IiabimoiF, P. D., Verdeichende Uebersicht 
zwischen der Pendehbeule und anderen 
endemischen Geschwüren, p. 221. 



Iiubowflki, Bobert, Ueber einen atozischen 
und avirulenten Diphtheriestamm und 
über die Agglutination der Diphtherie- 
bacillen, p. 214. 

Minervini, B., Einige bakteriologische 
Untersuchungen über Luft und Wasser 
inmitten des Nordatlantischen Oceans, 
p. 211. 

Beiohe, Zur Klinik der 1899 in Oporto 
beobachteten Pesterkrankungen, p. 218. 

Budenko, A., Die Pest der Tarbaganen, 
p. 218. 

Sanarelll, O., Unsere letzten Kenntnisse 
über Pathogenese, Behandlung und Pro- 
phylaxis beim gelben Fieber, p. 222. 

Sata, St., Ueber die Fütterungspest and 
das Verhalten des Pestbacillus im tieri- 
schen Körper nach dem Tode des Orga- 
nismus, p. 216. 

SolLutiimpftang, künstliche Infektioaji- 

krankheiten, EntwlckslTUigslisinnin'ng' 

und VemiclLtnng der Bakterien. 

Orlowski, W., Ueber bactericide Wirkung 
des Urotropins und seine Verwendung 
bei Hamblasenkatarrhen, p. 227. 

Teissier, M. P., Recherches sur raction 
bactericide in vitro du glycog^ne höpa- 
tique, p. 227. 

Heue Utteratnr, p. 228. 



Frommumsche Bnohdrackenl (Hermann Fohle) In Jena, 



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ßalderioloilie. PmtiiiikoBile ml MektioDskraiiieiteiL 

Erste Abtoilang: 

Medicinisch-hyaienische Bakteriologie und 
tieriscne Paras itenkunde. ^ 

In Verbindung mit 

GelL iGiL-Bat Prot Or. LoefflBr, Prot Dr. l fum 

in OraUnrald |||| in EOnigibeis 

Staatsrat Prof. Dr. I Brau 

in KOnigsbei^ 
herausgegeben von 

Dr. O. iriil'ssroriii in CasseL 
Verlag von Gustav Fiaoher in Jena. 

XXIX« Band» -»- Jeiu^ den 25. Februar 1901. -«- No. 6. 

Prell fir den Band (M V«mtt«m) 16 Kurk. — JUurUeh «rMhebLen iwei Bftadto. 

Frei! ffbr eine eiiifMh« Vmauner 76 Pf^., ftr eine DoppeliinininT 1 Mark 60 Pfg. 

Svaaittn nit ttMa. kosten Ar Jede Tafel 60 Pf^. mehr. 

m&nu aü roffdmäfHg^ Bmloffe die If^uüitübeniefU&n der JOT. AhtoOung det CmtraUdaiUi. 

Die Redaktion des „Centralblatts für BaktertQlogie und Parasitenkunde!" 
richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wünsche um 
Lieferung van besonderen Abdrücken ihrer Aufsätze entweder bei der Ein- 
Sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf da» Manuskript schreiben %u 
woUsn oder spätestens nach Empfang der ersten Korrektura&büge direkt an 
den Verleger, lierm Gustav Fischer %n Jena^ gelangen %u lassen, 

Original-MHteiltiiigen. Naehorw* verboten. 

Histologische and bakteriologische üntersachungeD über 

einen Fall von Lepra tuberoso-anaesthetica mit besonderer 

Berücksichtigung des Nervensystems. 

[Aas dem Institut für Infektionskrankheiten (Direktor: Geh. Med.-Bat 

Prot Dr. B. Koch) und der psychiatrischen Klinik der Charit^ (Direktor: 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Jelly).] 

Von 

Dr. Uhlenliath, und Dr. A. Westphal, 

Stabsarzt, frOher Assistent am Institut Privatdocent, Assistent an der psychia- 

für Infektionskrankheiten. trischen EünUc der Charit^. 

Mit 2 Tafeln. 

Die ausführliche Bearbeitung dieses Falles von Lepra, den wir im 
Institut für Infektionskrankheiten zu beobachten Gelegenheit hatten, 

Bnto AM. ZZIX. Bd. 16 

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234 ühlenhuth und A. Westphal, 

haben wir im klinischen Jahrbuch (Bd. VIII) veröffentlicht and 
möchten, was den klinischen Teil und die aus unseren Befunden in Ver- 
bindung mit dem in der Litteratur niedergelegten Material sich ergeben- 
den Resultate betrifft, auf diese Arbeit hinweisen. An dieser Stelle sei es 
uns gestattet, in gedrängter Efirze eine Uebersicht zu geben über die 
wichtigsten bakteriologisch und histologisch interessanten Befunde. 

Die Haut von den verschiedensten Körperstellen untersucht, bot 
überall fast das gleiche Bild: Hornschicht und Rete Malpighi frei 
von Leprabacillen und ohne pathologische Veränderungen. Unter 
diesen Schichten schmale bacillenfreie Zone; dann folgt starke lepröse, 
zellige Infiltration der Cutis, besonders in der Umgegend der Geftße. 
Ueberall sieht man hier außerordentlich große Mengen von Leprabacillen, 
die die ganze Cutis völlig durchwuchert haben. 

Die Bacillen liegen meist in den bekannten Vircho waschen Lepra- 
zellen in Häufchen angeordnet. Bisweilen sind dieselben ganz vollge- 
pfropft mit Bacillen, so daß sie als fast homogene, rot gefbbte, runde, 
ovale oder polygonale Gebilde sich präsentieren, welche eine bacilläre 
Struktur nicht mehr erkenjien lassen. Man sieht deutlich Uebergänge 
der weniger mit Bacillen durchsetzten Zellen zu diesen typischen 
Globi oder Lepraschollen. Auch hat es den Anschein, als ob die 
Lymphspalten mit Bacillen ausgefüllt wären, denn anders lassen sich 
wohl die länglichen, wurstförmigen, roten Schollen nicht deuten. Be- 
sonders zahlreich fanden wir die Leprabacillen in den Endothelien der 
Kapillaren, aber auch in der Intima, Media und Adventitia der größeren 
Gefäße der Haut haben wir sie finden können. Frei im Lumen der 
Gefäße und auch in Leukocyten eingeschlossen waren Bacillen nach- 
weisbar. 

Die Haarbälge, Talgdrüsen und Schweißdrüsen waren 
frei von Bacillen und ohne irgendwelche Veränderungen. 

Ganz ähnliche Verhältnisse zeigen die Schleimhäute der oberen 
Luft- und Verdauungswege. Auch hier ist es besonders auf- 
fallend, daß die Epithelschicht ganz intakt ist und keine Bacillen 
enthält Die subepitheliale Schicht der Schleimhaut ist von starker 
Rundzelleninfiltration durchsetzt und enthält große Mengen von Lepra- 
bacillen. 

Die Schleimdrüsen waren stets intakt, ohne Bacillen. Die 
Tonsillen zeigten zellige Hyperplasie und reichlichen Bacillenbefund; 
besonders beachtenswert ist es, daß hier häufig Bacillen in Leukocyten 
eingeschlossen sich vorfanden. Es ist anzunehmen, daß mit diesen auf 
ihrer Wanderung in die Mundhöhle Bacillen nach außen transportiert 
werden. 

Ganz besonders stark ist die Zunge (siehe Fig.I) an dem leprösen 
Prozeß beteiligt. Epithelschicht auch hier frei. Die bacillen- 
haltigen Rundzelleninfiltrate dringen zwischen die Muskelbündel ein, diese 
gleichsam auseinander drängend. Die Muskelzellen selbst enthalten 
keine Bacillen. 

Für die Zungenbalgdrüsen trifft dasselbe wie für die Ton- 
sillen zu. 

Ganz besonders interessant ist der enorme Bacillenreichtum in der 
Nasenschleimhaut. Unsere Zeichnung giebt uns ein Bild von 
einem Leprom durch die linke obere Muschel (siehe Fig. II). Epithel 
zum Teil gut erhalten, zum Teil lädiert, an einzelnen Stellen fehlt es 
ganz. Zwischen gequollenen, schlecht färbbaren Epithelzellen liegen 



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Untersuchungen über einen Fall von Lepra tnberoso-anaesthetica. 235 

vereinzelte Leprabacillen, im Begriff, Dach außen ausgestoßen zu werden. 
An den von Epithel entblößten Stellen liegt das starke lepröse Rund- 
zelleninfiltrat frei zu Tage. Zahlreiche Globi- und Leprazellen. 

Die Septumschleimhaut ist ebenfalls von Bacillen durch- 
wuchert, doch nicht so stark, wie die Schleimhaut der Muscheln. Man 
sieht auf Schnitten durch die dort befindlichen flachen Ulcerationen 
Bacillen auf der Wanderung nach außen. Schleimdrüsen und ihre 
Ausführungsgänge völlig frei. 

Der Nasenschleim enthält große Bacillenmengen. Es ist anzu- 
nehmen, daß hier der Hauptausscheidungsort für die Bacillen 
zu suchen ist, wie hierauf von Koch und Sticker hingewiesen ist; 
auch ist es wahrscheinlich, daß in der Nase der Primäraffekt in 
unserem Falle anzunehmen ist, da sich hier wohl die ältesten leprösen 
Veränderungen vorfinden. 

Bei der hohen Bedeutung der Nasenschleimhaut für den Beginn 
der leprösen Erkrankung und ihre Diagnose sowie die Ausstreuung der 
Bacillen nach außen, sollte man bei Lepraverdächtigen nie unterlassen, 
die Nasenschleimhaut auf Schnitten zu untersuchen, falls der Nasen- 
schleim zu keinem positiven Resultate führt 

Wir empfehlen daher in solchen Fällen die Excision 
eines Stückchens Seh leimhaut behufsbakterioskopisc her 
Untersuchung. 

Das Leprom an der Epiglottis zeigt etwa dieselben Verhält- 
nisse wie das der Muschel ; unsere Zeichnung giebt uns ein prägnantes 
Bild dieser Veränderungen (siehe Fig. III). 

Auch die Stimmbänder und aryepiglottischen Falten sind 
von Bacillen durchsetzt, zeigen aber nur geringe Rundzellenwucherung. 

Die Schleimhaut der Trachea ist vom 2. Trachealring an nach 
abwärts ohne Veränderungen und enthält keine Bacillen. 

Die Lungen sind anatomisch nicht verändert, ganz vereinzelte 
Bacillen sind trotzdem in der Umgebung der Kapillaren und in den 
Kapillarendothelien nachzuweisen; offenbar handelt es sich hier um 
einzelne verschleppte Leprabacillen, die reaktionslos im Gewebe 
liegen. Ebenso liegen spärliche Bacillen reaktionslos in den sonst nicht 
veränderten Bronchialdrüsen, und zwar fast ausschließlich in der Peri- 
pherie zusammen mit dem Kohlepigment 

Die Leber zeigt starke interstitielle Bindegewebswucherung mit 
reichlichen Bacillenmengen ; nur ganz vereinzelt sind sie in den Leber- 
zellen zu finden. Die Kapsel war frei von Bacillen. 

Die Milz zeichnet sich durch starke Hyperplasie der Pulpazellen 
und enormen Bacillenreichtum aus. Die Bacillen liegen in und zwischen 
den Pulpazellen, besonders auch in den Malpighi'schen Körperchen ; ty- 
pische Leprazellen findet man in großen Mengen. Die stark verdickte 
Kapsel ist frei von Bacillen. 

Die Hoden sind stark verändert Sie sind von breiten Bindege- 
webszügen durchsetzt, wodurch die Samenkanälchen zum Teil vöUig 
verödet erscheinen. Nur wenige sind erhalten und diese völlig ausge- 
füllt mit Leprabacillen, so daß das Epithel derselben gar nicht mehr zu 
erkennen ist Auch das gewucherte Bindegewebe ist geradezu über- 
schwemmt von Bacillen. 

Aehnliche interstitielle Wucherung, aber in viel geringerem Grade, 
zeigen die Nebenhoden, auch sind hier nur geringe Mengen von 
Bacillen zu finden. 

16* 



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236 Uhlenhuth und A. Westphai, 

Die Samenblasen waren leer, die Wandungen nnyerftndert 
Sperma tozoen waren in unserem Falle nicht zu finden. 

Der Samenstrang ist nicht verändert. Die Prostata erweist 
sich anatomisch als völlig normal ; ganz vereinzelte Leprabacillen fanden 
wir jedoch in dem interstitiellen Gewebe. Das Drüsenepithel und die 
muskulären Elemente sind frei von Bacillen. 

Die Nieren zeigen das Bild einer schweren chronischen, parenchj- 
matösen und interstitiellen Nephritis. Bei dieser schweren Verändening 
mußte es besonders auffallen, daß erst bei sorgsamster Durchmasternng 
sehr zahlreicher Präparate vereinzelte Bacillen in dem gewucherten inter- 
stitiellen Grewebe zu finden waren. Im Epithel der Harnkanfilchen 
und in den Harnkanälchen selbst haben wir sie nicht nachweise 
können. 

Nebennieren: Histologisch unverändert; doch sind anch ver- 
einzelte typische Leprazellen sowohl in der Rinden- wie in der Mark- 
substanz nachzuweisen. 

Die Harnbase hat normale Wandungen, ohne Bacillen. 

Das Pankreas ist ebenfalls nicht verändert, doch sind spärliche 
Bacillen im bindegewebigen Stroma, aber niemals in den DrOsenzelles 
nachweisbar. 

Ganz ähnlich verhalten sich die submaxillaren Speichel- 
drüsen; auch hier ist das Drüsenepithel völlig frei, während einzelne 
Bacillen in dem Stroma nachzuweisen sind. 

Die subkutanen Lymphdrüsen sind alle durch zellige Hyper- 
plasie vergrößert In der Rindensubstanz auffallender Bacillenreichtnm 
im Vergleich zur Marksubstanz. Sie liegen hauptsächlich in der Peri- 
pherie der Follikel, zum Teil extracellulär, zum Teil in vakuolisierten 
Leprazellen. Die Follikelrundzellen selbst zeigen keine Bacilleninvasion. 

Die Lymphgefäße und Lymphspalten sind zum Teil völlig 
mit Bacillen ausgefüllt. 

Das Knochenmark enthielt große Mengen von Leprabadllen. 
Auch fanden wir dieselben, allerdings recht vereinzelt, zwischen den 
Muskelfasern des Herzens und im interstitiellen Gewebe des 
M. sartorius, gastrocnemius und den m. intercostales ; niemals waren sie 
in den Muskelzellen nachweisbar. 

Die großen Arterien und Venen (Aorta, Jugularis) erwiesen sich 
bis auf eine ganz geringe Wucherung der Intimazellen und bis auf ein 
geringes Rundzelleninfiltrat um die Vasa vasorum an einzelnen Stellen 
als normal. Wir fanden jedoch spärliche Bacillen in den Endoihelzellen 
der Intima. Die Media war frei. Auch in der Adventitia gelang es 
uns erst nach längerem Suchen einzelne Bacillen aufzufinden. 

Die Bacillen im Innern der Endothelien, die zum Teil frei ins 
Lumen hineinragen, stammen unserer Ansicht nach aus dem Blutkreis- 
lauf, zumal da wir frei im Lumen und auch in Leukocyten eingeschlossen 
dieselben auf Schnitten finden kontften (z. B. Schnitt durch die Hypo- 
physis cerebri und N. ulnaris). (Fig. IV u. VI 6). 

Die Gonjunctiva des Auges ist ohne deutliche Verändernngen, 
mit spärlichen Bacillen. Das Conjunctivalsekret enthielt keine Bacillen. 
Die Sclera ist von einem kleinzelligen, bacillenhaltigen Infiltrat 
durchsetzt 

Die Cornea ist anatomisch nicht verändert, bis auf geringe 
Kernwucherung an der Gorneo-scleralgrenze. Es liegen große Mengm 
von Bacillen in den Saftlücken zwischen den Gorneallamellen. Ebenso 



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Untersnchuiigen über einen Fall von Lepra tuberoso-anaesthecica. 237 

enthält die Iris und das Corpus ciliare (Fig. V) bei nur geringer 
Kernwucherung enorme Mengen von Bacillen, besonders in der Um- 
gebung der Giliargefäße. 

Glaskörper, Linse, Retina und N. opticus waren frei von 
Bacillen und ohne sonstige Veränderungen. 

Untersuchung des Nervensystems. (Färbung nach Wei- 
gert, Pal, van Gieson und nach Nissl). 

Es gelangten zur Untersuchung: N. ulnaris, peroneus 
und saphenus, das Rückenmark, die Spinalganglien und 
die zelligen Elemente der Gentralwindungen und des 
Kleinhirns. 

N. ulnaris. Das Perineurium ist stark verdickt, die einzelnen 
Nervenbündel sind durch breite Züge lamellenartig geschichteten Binde- 
gewebes (Fig VI a) getrennt Die in dem Perineurium liegenden Blutgefäße 
zeigen zum Teil bis fast zur Obliteration führende Wandverdickungen. 
In der Umgebung der Gefäßwandungen finden sich stärkere Kernan- 
häofungen. 

Die Vermehrung des Endoneuriums ist in den einzelnen Nerven- 
bündeln eine verschieden große ; während sie in manchen Nervenbündeln 
so erheblich ist, daß fast alle Nervenfasern zu Grunde gegangen sind, 
ist sie in anderen Bündeln eine mäßige, so daß die meisten Nervenfasern 
gnt erhalten sind. 

N. peroneus. Das Perineurium ist weniger stark verdickt, wie 
beim N. ulnaris, dagegen ist die Vermehrung des Endoneuriums eine 
erhebliche und hat an vielen Stellen zum Untergang von Nervenfasern 
geführt Die Degeneration ist bei Vergleich der einzelnen Bündel und 
an verschiedenen Stellen ein und desselben Bündels eine verschieden 
starke, wie ans Fig. VII hervorgeht 

N. saphenus bietet in allen Bündeln das Bild hochgradigster 
Degeneration. Die Nervenbündel sind in Bindegewebe umgewandelt 
Aaf W ei gert- Präparaten ist in den einzelnen Bündeln (Fig. Villa, 
h, e) hier und da noch ein schwarzes Strichelchen oder Pünktchen als 
Rest einer Nervenfaser sichtbar. Die einzelnen Bündel liegen von 
lamellenartig angeordneten, kernarmen, sehr erheblich schwartenartig 
verdickten Bindegewebszügen getrennt 

Die Bakterienpräparate dieser Nerven zeigen ganz 
Oberraschende Mengen von Leprabacillen in dem gewucherten 
Endo- und Perineurium, und zwar meist in Virchow 'sehen Leprazellen 
eingeschlossen (Fig. VI&), einzelne sieht man auch frei zwischen den 
Zellen liegend. Ganz besonders reichlich sind die Bacillen im Sa- 
phenus nachweisbar. 

Der N. v agus und sympathicus bieten keine von der Norm 
abweichende Verhältnisse dar und ergeben auch bei eingehendster Unter- 
suchung keinen Bacillenbefund. 

Das Rückenmark läßt in den GolTschen Strängen des Hals- und 
oberen Brustmarks eine leichte Gliawucherung erkennen. Nach unserer 
Auffassung stellt dieselbe keine spezifische, dem leprösen Prozeß zuge- 
hörige Veränderung dar, sondern es handelt sich um eine Gliawucherung, 
wie sie nach Weigert in den Goll'schen Strängen des Halsmarks beim 
Erwachsenen häufig, besonders bei chronischen Erkrankungen (Phthisis, 
Carcinom u. s. w.) vorkommt. 

In seinen zelligen Elementen, im Bau der grauen Substanz der 
Vorder- und Hinterhörner, weist das Rückenmark keine Veränderungen 



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238 Uhlenhuth u. Westphal, Untersuchungen über Lepra tuberoso-anaesth. 

auf. Obwohl nun die Vorderhornganglienzellen keine 
histologischen Veränderungen zeigen, ist doch der Ba- 
cillenbefund ein ziemlich reichlicher. Auf der beigefügten 
Zeichnung (Fig. IX) sieht man in dem Protoplasmafortsatz eine Beihe 
von Leprabacillen liegen. Auch im Innern der Zellen und in den 
Dendriten sind zahlreiche Bacillen nachweisbar. Außer in den Vorder- 
hornganglienzellen sind sonst im Rückenmark keine Bacillen zu finden. 

Was die Spinalganglien anbetrifft, so läßt eine Anzahl der Gang- 
lienzellen Veränderungen erkennen, die sich in erheblicher Schwellung 
und Vakuolosierung des Kerns (ä), mit Verlust des Kernkörpers, sowie 
in Verdickung der Kapsel (b) der betreffenden Zelle dokumentieren 
(Fig. Xa), so daß dieselben sich schon bei schwacher Vergrößerung 
deutlich von zahlreichen intakten, zelligen Elementen unterscheiden. 
Interessant ist, daß sich auch in diesen histologisch nicht ver- 
änderten Ganglienzellen sehr zahlreiche Bacillen finden, 
die in manchen Zellen besonders das Pigment zu bevorzugen scheinen 
(Fig. X6), in anderen Zellen aber auch regellos zerstreut liegen. 

Die vom Gehirn untersuchte Rinde der Central Windungen und des 
Kleinhirns zeigt keine Veränderungen an den zelligen Elementen. 
Trotzdem ist es uns gelungen, in vereinzelten Purkinje 'sehen Klein- 
hirnzellen (Fig. XI) Leprabacillen nachzuweisen. 

Das Gesamtresultat der Untersuchung ganz kurz zu- 
sammengefaßt ergiebt also: Starke Durchwucherung fast 
sämtlicher Gewebe mit Leprabacillen, ein Befund, dem 
nicht immer die Schwere der pathologisch-anatomischen 
Veränderungen entspricht. Was speziell das Nervensystem 
anbetrifft, so finden wir ausgedehnte interstitielle Neu- 
ritis und Perineuritis, sowie Veränderungen einer Anzahl 
von Spinalganglienzellen bei Intaktheit des centralen 
Nervensystems. Die Neuritis und Perineuritis ist wohl durch 
den enormen Bacillenreich tum bedingt, während anderer- 
seits hervorgehoben werden muß, daß zellige Elemente 
des Nervensystems trotz reichlichen Bacillengehaltes 
histologisch nicht verändert waren. Bei der Beurteilung 
der Bedeutung des Befundes am Nervensystem für die 
Auffassung des gesamten Krankheitsbildes tritt die im 
ganzen geringfügige Alteration der Spinalganglienzellen, 
gegen die erhebliche Affektion der peripherischen Ner- 
ven durchaus in den Hintergrund. 

ErUftnuig' der Abbildnni^en. 

Fig. I. Schnitt durch die Zunge. Zahlreiche Leprabacillen im gewucherten 
Bindegewebe. Epithel völlig frei von Bacillen. (Oelimmersion.) 

Fig. II. Schnitt durdi das Leprom der linken oberen Muschel. Zahlreiche Globi, 
Leprazellen, zum Teil freiliegende Leprabacillen im Rundzelleninfiltrat. (Oelimmersion.) 

Fig. III. Schnitt durdi das Leprom der Epiglottis. Zahlreiche Globi und 
Leprazellen, zum Teil außerhalb der Zellen liegende Bacillen im Rundzelleninfiltrat 
Epithelzellen frei. (Oelimmersion.) 

Fig. IV. Schnitt durch die Hypophysis cerebri. Leprabacillen in einem Leuko- 
cyten einer Kapillare liegend; ein Bacillus liegt frei einem roten Blutkörperchen auf. 
(Oelimmersion.) 

F i g. y . Schnitt durch die Iris. Typische Leprazellen mit bröckligen (im Zerfall 
begriffenen?) Bacillen. 

Fig. Via. (Färbung van Gieson. Vergrößerung 1:40.) Schnitt durch den N. 
ulnaris. Perineurium stark verdickt. Degeneration der Nervenbündel (interstitielle 
Neuritis). 



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A. Schott, Experimentelle und klinische Erfahrungen. 239 

Fig. VI &. Schnitt durch das bewucherte Bindegewebe des N. ulnaris. Bacillen- 
haufen zum Teil intercellulär. Kapillare mit Leprabacillen. 

Fig. VII. (Färbung vanGieson. Vergrößerung 1:120.) Schnitt durch den N. 
peroneus. Starke Degeneration des Nerven (interstitielle Neuritis). 

Fig. VIII. (Färbung Weigert Vergrößerung 1:30.) Schnitt durch den N. 
saphenus. Weitgehendste Degeneration, Nervenfasern m den Bündeln a, b, c fast völlig 
zu Grunde gegangen. 

Fig. IX. Große motorische, histologisch nicht veränderte pinnentreiche Vorder- 
ganglienzelle mit Bacillen im Innern, Dendriten und Adisencylinderfortsatz. 
(OelimmerBion.) 

Fig. X a. (Färbung van Gieson — Oelimmersion.) Schnitt durch veränderte Spinal- 
raiglienzelle. k geschwollener vakuolisierter Kern ohne Kemkörperchen^ b verdickte 
Kapsel. 

Fig. X 6. Normale Spinalgandienzelle mit zahlreichen Bacillen, besonders in 
Pigmenthaufen der Zelle liegend. (Oelimmersion.) 

Fig. XL Normale P u r k i n j e 'sehe Zelle des Kleinhirns mit vereinzelten Bacillen 
im Innern und in den Fortsätzen. (Oelimmersion.) 



Nachdruck verboten: 

Berechtigen experimentelle oder Mlnisclie Erfahrungen zu 
der Annahme, dass pathogene oder nicht pathogene Bak- 
terien die Wand des gesunden Magendarmkanals durch- 
wandern können? 

Von Dr. !• Schott, Tübingen, z. Zt. Assistent der psych. Klinik. 

Im Jahre 1877 hat Koch Untersuchungen über die Aetiologie des 
Milzbrandes angestellt und auch die Möglichkeit der Infektion von den 
Respirations- und Digestionsorganen aus ins Auge gefaßt. Zu diesem 
Zwecke fütterte er mehrere Tage hindurch Mäuse mit Milzen von Ka- 
ninchen und Schafen, welche an Milzbrand verendet waren. Obgleich 
von den Mäusen große Quantitäten infizierter Organe vertilgt worden 
waren, erkrankte keine von ihnen an Milzbrand. 

Verfütterung beträchtlicher Mengen frischen oder getrockneten 
Blutes mit zahlreichen Milzbrandsporen ist sowohl bei Mäusen als auch 
bei Kaninchen nicht von Erfolg begleitet gewesen. 

Daraus hat Koch damals den Schluß gezogen, daß die Infektion 
mit Milzbrand — wenigstens bei den genannten Tierarten — vom Darm- 
kanal aus unmöglich sei. 

Kurze Zeit darauf beschäftigten sich Pasteur und Toussaint 
mit derselben Frage und gelangten zu ziemlich gleichartigen Resultaten. 
Pasteur kam auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Ergebnis, 
daß Milzbrand durch bacillenhaltiges Futter übertragbar ist, aber nur, 
wenn Verwundungen der ersten Wege (Rachenschleimhaut) vorhanden 
sind. 

Dasselbe konnte Toussaint bei seinen Versuchen nachweisen. 

Die Ansichten von Pasteur und Toussaint stießen auf heftigen 
Widerspruch seitens Koch 's. Nach seiner Ansicht erfolgt bei spon- 
tanem Anthrax die Infektion überwiegend durch den Darmkanal; alle 
übrigen Infektionswege, wie Respirationsorgane und Verwundungen der 
Schleimhäute, sollen dagegen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die 
rein intestinale Form des Milzbrandes wird durch die Veränderungen 
des Darmkanales bewiesen, welche bei der Sektion von Tieren gefunden 
werden, die an spontanem Anthrax gestorben sind. 



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240 A. Schott, 

Später hat Koch im Verein mit Gaffky nnd Loeffler auch ex- 
perimentelle Thatsachen zur Verteidigung dieser Ansicht beigebracht 
Fütterungsversuche mit sporenfreien Kulturen an Hammeln unter mög- 
lichster Vermeidung von Verwundungen der Mundschleimhaut zeigen, 
daß die Milzbrandbacillen im Magen der benutzten Tiere zu Grunde 
gehen und keine Infektion zu verursachen imstande sind. Weitere Ver- 
suche mit Verfütterung großer Quantitäten Sporen ergaben, daß alle 5 
damit gefütterten Hammel an Milzbrand zu Grunde gingen. Die 
Sektion zeigte, daß die Lymphdrüsenschwellungen keine Anhaltspunkte 
zur Bestimmung des Eintrittsortes der Infektion gewähren können, da 
sie an sehr verschiedenen Stellen angetroffen werden. Fast in allen 
Kadavern werden Blutungen auf der Vorderseite des Halses, Oedem 
des Kehlkopfes und rötlicher Schleim in der Trachea gefunden, die Ver- 
änderungen des Darmkanals waren am deutlichsten im Duodenum, dessen 
Schleimhaut geschwollen, gerötet und ulceriert war. Im Dünndarm 
waren die Veränderungen in den Pey er 'sehen Plaques und den Solitär- 
foUikeln am meisten ausgeprägt ; das Epithel war meistens verloren ge- 
gangen und die Oberfläche mit dicken Bacillenmassen bedeckt, welche 
in das Gewebe und auch in die Blutgefäße eingedrungen waren. 

Aus diesen Befunden glaubten sich Koch, Gaffky und Loeffler 
zu dem Schlüsse berechtigt, daß Anthraxsporen im Magen der Hammel 
nicht zu Grunde gehen, vielmehr im Darmkanale zu Bacillen aus- 
wachsen, die Schleimhaut durchdringen und auf diese Weise eine All- 
gemeininfektion verursachen. 

Alle diese Untersuchungen' ergaben übereinstimmend, daß große 
Sporenmengen die Infektion ebenso schnell und sicher bei Verfütterung, 
wie bei subkutaner Impfung herbeiführen. 

In die Zwischenzeit zwischen den beiden Arbeiten Koch 's ftlltdie 
Untersuchung Buchner 's über die Durchgängigkeit des Darmkanals 
und der Lungen für Milzbrandbacillen. Seine Versuche wurden an 
weißen Mäusen angestellt. Bei ^1^—2 Stunden dauernden Einatmungen 
von Sporen mit indifferenten Substanzen vermischt (Kohle, Magnesia, 
Talk, pulvis Lycopodii, Stärke, gewöhnlichem Staub) gingen alle Tiere 
in 1—3 Tagen zu Grunde. 

Beim Verfüttern schwankte das Ergebnis sehr. Bei Fütterung von 
mit Kohle vermischten Sporen starben von 4 Mäusen 2 am 4. Tage, 
die 3. am 5. Tage, die 4. blieb am Leben. Von Mäusen, welche mit 
sporenhaltigem Weißbrot 3 Tage lang (3 davon erhielten auch Kohle) 
gefüttert wurden, starben 5 an Milzbrand im Laufe von 5 Tagen, die 
6. schien nur krank zu sein. 

Waren Sporen verfüttert, so riefen die Exkremente, anderen Tieren 
subkutan verimpft, leicht Milzbrand hervor; erhielten aber die Mäuse 
nur Bacillen, so waren die Faeces unschädlich. Um die Infektion vom 
Darmkanale aus herbeizuführen, waren viel größere Quantitäten er- 
forderlich als bei Einatmungen. 

Die negativen Ergebnisse der Fütterungsversuche mit Bacillen 
werden durch die Untersuchungen Falk 's genügend erklärt, wonach 
sporenfreie Bacillen durch die Einwirkung des Magensaftes unschädlich 
werden, Sporen dagegen vom Magensafte unbeeinflußt bleiben. 

Durch die Versuche Dyrmont's ist erwiesen, daß dabei nicht die 
Salzsäure allein die Bacillen tötet. Er hat die Bacillen selbst nach 
48-stündigem Verbleiben in 1-proz. Salzsäure vollkommen virulent ge- 
funden. 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 241 

Orloff studierte die Invasions weise der Mikroorganismen besonders 
in den Fällen, in welchen die Organe durch ihre anatomische Lage 
einer primären Infektion unzugänglich sind , z. B. bei Osteomyelitis 
acuta, Endocarditis ulcerosa u. s. w. Er hat auch eine Reihe von Ver- 
suchen mit Einführung von Staphy lococcus aureus durch die 
Atmungs- und Verdauungsorgane angestellt, und zwar im normalen Zu- 
stande sowohl wie auch bei lokalen Störungen. Nach obigem Verf. 
bietet das Epithel des Intestinaltraktus dem Organismus einen ge- 
nugenden Schutz gegen das Eindringen des Staphylococcus aureus. 
^Dieses Eindringen könne nur dann stattfinden, wenn eine Erkrankung 
des primären Kontaktortes des Mikroben mit dem Organismus vorliege ; 
nur in diesem Falle können die Infektionsträger in die einzelnen 
Organe auf dem Wege der Thrombose und Embolie gelangen, wobei 
der primäre Eintrittsort gar nicht zu erkennen sein könne.^ 

Nach Flügge, welcher sich auf die Untersuchungen Wysso- 
kowitsch's stützt, kann ein Uebergang der Bakterien in das Blut 
weder durch die Lungen noch durch den Darmkanal stattfinden, so 
lange die Schleimhaut unversehrt ist; sobald aber die letztere irgendwo 
verwundet ist, können die Bakterien bis zu den nächsten Lymphdrüsen 
gelangen. Wyssokowitsch stellte seine Versuche mit Staphylo- 
coccus aureus, Bacillus indicus und Sporen von Bacillus 
subtilis an, welche entweder mit dem Futter eingeführt oder in eine 
unterbuadene Darmschlinge eingespritzt wurden. Niemals gingen die 
genannten Bakterien in das Blut über. Nach den unvermeidlichen Ver- 
wundungen bei Einspritzungen drangen sie in mäßiger Anzahl nicht über 
die Mesenterialdrüsen hinaus. 

Was den Milzbrand speziell betrifft, so ist Flügge ein Anhänger 
Koch 's, daß nämlich die Bacillen keine Infektion vom Darmkanal aus 
herbeiführen können, daß dagegen die Sporen im Darmkanale keimen 
und durch die unversehrte Schleimhaut in das Blut gelangen können. 
Baumgarten neigt mehr der Annahme einer Infektion durch die 
Verdauungswege als durch die Lungen zu. Die häufigste Form des 
spontanen Milzbrandes bei Tieren ist nach seiner Ansicht die intestinale. 
Die Infektion durch die Lungen hält er für sehr zweifelhaft. Besondere 
Rücksicht nimmt er hierbei auf die Disposition bestimmter Tierarten 
für bestimmte Infektionsarten. 

So ist z. B. Rindvieh für die subkutane Impfung weniger empfind- 
lich, erliegt aber leicht der Infektion vom Darmkanale aus; Mäuse da- 
gegen ertragen sehr oft die Sporenfütterung ohne Schaden, während sie 
durch subkutane Impfung schnell getötet werden. Kaninchen und 
Meerschweinchen sind für die Fütterungsinfektion ebenso unempfindlich 
wie die Mäuse. Daher glaubt Baumgarten, daß bei diesen Tieren 
spontan Milzbrand überhaupt nicht vorkommt 

Für die Durchlässigkeit der Darmwand für Mikroorganismen 
schienen verschiedene klinische Beobachtungen zu sprechen. In erster 
Linie wurde dahin der Nachweis von Bakterien im Bruchsack wasser 
eingeklemmter Brüche gedeutet. Es liegen eine Reihe von Unter- 
suchungen mit widersprechenden Resultaten und divergenten Erklärungen 
vor. Nepveu schließt aus seinen Beobachtungen bei Darmstrikturen, 
^daß durch die infolge von Strikturierungen aufgetriebenen, verdünnten 
Darmwände Mikroorganismen aus dem Innern des Darmkanals in die 
Peritonealhöhle übertreten, und zwar um so mehr, wenn Schleimhaut- 
defekte, die in derartigen Fällen bekanntlich häufig auftreten, die 



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242 A. Schott, 

Passage erleichtern. Diese Mikroorganismen seien dann imstande, 
schwere Peritonitis zu erzeugen". Fr iedl ander ist mit dieser Ansicht 
Nepveu's nicht einverstanden: „Es fehlt bis jetzt jeder Anhalt, daß 
bei einfacher Aufblähung des Darmes intra vitam Mikroorganismen aus 
dem Innern nach außen gelangen. Die lebende Darmwand verhindere, 
auch wenn sie infolge von Ulcerationsprozessen aus einer ganz dünnen 
Schicht, vielleicht nur aus Serosa bestehe, jeden Durchtritt von 
Bakterien. Das sei durch Sektionen erwiesen." 

Grawitz gelangte auf Grund seiner Studien über die Peritonitis 
zu der Ansicht, daß keine Peritonitis ohne intensivere Erkrankung der 
Darmwand zustande kommen könne ; nur wenn Nekrose oder Ulceration 
der Darmwand, welche die Ansiedelung und Weiterverbreitung der 
Eitermikroben begünstigt, eingetreten war, sah er bei eingeklemmtem, 
mit pyogenen Bakterien versehenen Darm Peritonitis eintreten. 

Garr^ hat 8 Fälle von incarcerierten Hernien genau bakteriologisch 
untersucht, außerdem 3 nicht eingeklemmte Hernien. 

Bei einer überwiegend großen Zahl der untersuchten Fälle vermißt 
Verf. jedwede Mikroorganismen im Bruchwasser, und nur ausnahmsweise 
finden sich welche. Zwischen der Dauer der Einklemmung und der 
Farbe des Bruchwassers einerseits und dem Vorkommen von Bakterien 
andererseits ließ sich keine bestimmte Beziehung feststellen. 

Auch König macht in seinem Lehrbuche darauf aufmerksam : 
„Merkwürdigerweise findet man zuweilen bei der Operation stinkendes 
Bruch wasser, aber der Darm sieht doch nicht so bedenklich aus, daß 
man ihn nach gründlicher Desinfektion nicht reponieren könnte. In 
einer großen Anzahl solcher Fälle habe ich unter diesen Verhältnissen 
aseptische Heilung eintreten sehen.'' 

Nach Garr^ steht nur so viel fest, daß in den Fällen, in welchen 
durch die Einklemmung die Lebensfähigkeit der Darmwand beeinträchtigt 
ist, Darmgangrän eintritt, der Tod an Peritonitis bacteritica erfolgt. 

Die Bakterien durchwandern die Darm wand, die ihrem Vordringen 
kein Hindernis entgegensetzt, und, einmal auf die Serosa gelangt, finden 
sie im Peritoneum die günstigsten Bedingungen zur Weiterentwickelung. 

Auffallend ist nach Garr^, „daß trotz des enormen Ueberwiegens 
der Bacillenarten unter den Darmsaprophyten es zunächst Kokken sind, 
welche die Darmwand durchbrechen. Vielleicht hängt das mit ihrer 
geringen Größe und ihrer allgemeinen energischen Proliferation zu- 
sammen.'* 

Aus den obigen Resultaten, die im ganzen an 13 Herniotomieen 
gefunden wurden, geht nach Garrfe hervor, daß, solange das in- 
carcerierte Darmstück noch repositionsfähig ist, d. h. die Darmwand 
nicht irreparable Ernährungsstörungen zeigt, gewöhnlich keine Mikro- 
organismen vorhanden sind und deshalb jede Desinfektion unnötig ist, 
soweit sie nicht die von unseren Händen und Instrumenten hinein- 
geschleppten Keime zu vernichten hat. 

Spitta fand unter 23 Todesfällen bei Brucheinklemmungen 2 Fälle 
von Peritonitis. 

Rovsing untersuchte bei 5 menschlichen Hernien das Bruch- 
wasser bakteriologisch und fand dasselbe immer steril. Die Ergebnisse 
der bakteriologischen ßruchwasseruntersuchungen von Schi off er 
waren folgende: „Das Bruchwasser menschlicher Hernien war fast stets 
steril bei einer Einklemmungsdauer bis zu 5 Tagen. Beim Tierversuche 
fanden sich frühestens nach Ablauf einer 7-stündigen Incarceration 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 243 

Bakterien im Bruchwasser. Bei längerer Incarceration nimmt die 
Zahl der Fälle mit bakterienhaltigem Brnchwasser beständig zu.'* 
Aber selbst nach 2— 3-tägiger Einklemmung hat Sc hl off er in 
einzelnen Fällen noch steriles Bruchwasser bei Kaninchenhernien ge- 
fanden. Bakterienhaltiges Bruchwasser findet sich auch bei völlig 
funktionstüchtiger Darmschlinge, während andererseits auch bei schwerer 
Ernährungsstörung des Darmes noch steriles Bruchwasser beobachtet 
werden kann. Das Bruchwasser besitzt mitunter eine erhebliche bak- 
tericide Kraft. Diese erlischt aber nach einiger Zeit, dann finden die 
Bakterien im Bruchwasser meist einen guten Nährboden. Die baktericide 
Eigenschaft des Bruch wassers bedingt nach Schloffer eine Abtötung 
der ersten aus dem Darme übergehenden Keime und verdeckt bei bak- 
teriologischen Untersuchungen oft eine bereits eingetretene Durchlässig- 
keit der Darmwand für Bakterien. Schaltet man die Einwirkung des 
Bruchwassers auf die den Darm verlassenden Keime aus, so kann man 
sich überzeugen, daß schon früher Bakterien den Darm verlassen, als 
sie im Bruchwasser nachzuweisen sind. Es kann beim Menschen auch 
gelegentlich der Diplococc US pneumoniae Fraenke 1-Weichsel- 
baum aus dem Darme in das Bruchwasser übertreten. Es stellt dieser 
Befund den Zusammenhang her zwischen der Brucheinklemmung und 
den hierbei zu beobachtenden Pneumonieen, deren Entstehung sich 
Schloff er auf dem Wege einer embolisch-sep tischen Infektion im 
Sinne der Gussenbauer-Pietrziko wsky'schen Lehre denkt. 

Tietze formuliert die Ergebnisse seiner bakteriologischen Unter- 
suchungen des Bruchwassers folgendermaßen: „Es ist zuzugeben, daß 
sich im Bruchwasser zuweilen schon Bakterien finden zu einer Zeit, 
wo tiefergehende Strukturveränderungen am Darm fehlen , wo dieser 
jedenfalls klinisch als „unverdächtig'' gelten kann; aber dieser Befund 
ist weder konstant, noch treten die Bakterien in einer Menge auf, 
welche unsere therapeutischen Maßnahmen beeinflussen müßte. Das 
Bruchwasser kann in diesem Stadium der Einklemmung als steril in 
klinischem Sinne gelten. Auch nicht in jedem Falle von Darmgangrän 
enthält das Bruchwasser lebende und entwickelungsfähige Keime. Gegen 
gewisse Bakterienarten besitzt das Bruchwasser vom Menschen und Tier 
eine abtötende Wirkung." 

Scharfe hat 11 Fälle eingeklemmter Hernien bakteriologisch unter- 
sucht und 91' aus der Litteratur zusammengestellt. Verf. fand, daß das 
Bruchwasser eingeklemmter Hernien beim Menschen nur in 25 Proz. 
der Fälle Bakterien entiiält und daß die Stärke der Einklemmung in 
keinem regelmäßigen Verhältnis zum Bakteriengehalte des Bruchwassers 
steht. Femer stimmen die Bakterien im Bruch wasser eingeklemmter 
Hernien mit denen im Darmlumen überein. Verfasser konnte auch 
die Beobachtungen Bizzozero's und Ribbert's bestätigen, daß in 
der normalen Darmwandung des gesunden Kaninchens in den Follikeln 
(besonders zahlreich im Sacculus rotundus und Processus vermiformis) 
massenhaft Spaltpilze sitzen, die mit denen des Darmlumens überein- 
stimmen und deren postmortale Einwanderung auszuschließen ist, aber im 
menschlichen Darme sind bisher keine derartigen Bakterienfunde gemacht 
worden. Die Frage, auf welche Weise die Bakterien aus dem Darme 
in das Bruch wasser gelangen, ist nach Scharfe noch eine offene. „Für 
die Chirurgie haben die bisherigen Untersuchungen über Bruchwasser- 
bakterien (Wegner, Grawitz u. A.) einen praktischen Erfolg erzielt 
in der Erkenntnis, daß diese Bakterien an und für sich ungefährlich 



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244 ^ Schott, 

sind, indem weder sie noch die durch die Einklemmung verursachten 
Reize für sich eine eiterige Peritonitis hervorrufen können, daß dagegen 
eine infolge der Einklemmung hinzukommende Entzündung den ein^ 
wandernden Bakterien Gelegenheit giebt, eine eiterige Peritonitis zu 
erregen. Bei nicht eiteriger Peritonitis, die durch chemische Reize 
hervorgerufen war, war eine Durchwanderung von Bakterien durch die 
Darm wand nie nachzuweisen/* 

Bönnecken, auf dessen experimentelle Untersuchungen wir später 
zurückkommen werden, fand in allen Fällen von incarcerierten Hernien 
im Bruchwasserinhalt lebende und entwickelungsfähige Mikroorganismen. 

Ljunggren untersuchte 9 Fälle von eingeklemmten Brüchen; 
die Untersuchung geschah sowohl mittels Deckgläschenpräparaten, wie 
mittels aärober und anaärober Kultur. Im Gegensatz zu Bönnecken 
konnte Ljunggren im Bruchwasser von 6 Fällen keinerlei Bakterien 
nachweisen. Die Einklemmung hatte von 8 — 132 Stunden bestanden. 
Verf. weist nach, wie seine Beobachtungen im großen ganzen mit den- 
jenigen Garrfe's, Rovsing 's und Ziegler 's übereinstimmen und 
schließt, „daß bei Brüchen, die nicht nekrotisch sind, das Bruchwasser 
gewöhnlich keine Bakterien enthält; wenn aber solche im Bruch wasser 
vorkommen — was meistens ein übles Zeichen ist — sind das nur ganz 
wenige der vielen Bakterienspecies des Darminhaltes, die durch die 
Darmwand hindurchpassiert sind''. In dieser Beziehung stimmen die 
Schlüsse des Veri's auch mit den unten zu besprechenden Versuchen 
Ziegler 's an Kaninchen überein. 

Auf experimentellem Wege wurde vielfach versucht, der Frage 
betreffs der Durchgängigkeit der Darmwand für Bakterien näherzu- 
treten. Trotz der zahlreichen Versuchsanordnungen ist es bis jetzt 
noch nicht gelungen, ein übereinstimmendes Resultat zu erzielen. Bei 
der Schwierigkeit der Beurteilung, der Unmöglichkeit, alle Fehlerquellen 
mit absoluter Sicherheit auszuschließen und ganz dem Lebensvorgange 
entsprechende Bedingungen zu schaffen, ist allen diesen Versuchen nur 
ein bedingter Wert zuzuerkennen. An und für sich ist es naheliegend, 
anzunehmen, daß die Wand des gesunden Magen dar mkanales für Bak- 
terien irgendwelcher Art nicht durchgängig ist. Verf. hat sich vor der 
Durchsicht der einschlägigen Litteratur zu diesem Standpunkt bekannt 
und hat auf Grund der zahlreichen Versuche und Beobachtungen, welche 
über diese Frage angestellt wurden, keine andere Ueberzeugung ge- 
winnen können. Die Uebertragung des Ergebnisses von Tierexperi- 
menten auf den Menschen ist an und für sich etwas sehr Gewagtes 
und die künstliche Nachahmung eines natürlichen Vorganges bei dem 
komplizierten Mechanismus des menschlichen Organismus etwas überaus 
Schwieriges. Daß die Natur häufig nicht in so roher Weise vorgeht, 
wie es von selten vieler Experimentatoren geschehen ist, bedarf keines 
Beweises. Ob es jemals gelingen wird, absolut einwandsfreie Unter- 
suchungen anzustellen, ist Verf. zweifelhaft. Die Art und Weise, wie 
bis jetzt experimentiert wurde, kann Verf. nicht billigen und zwar aus 
dem Grunde, weil die Beziehungen zwischen Tier- und Bakterienspecies 
viel zu sehr außer Acht gelassen sind. Meines Erachtens bedarf es noch 
zahlreicher vorbereitender Untersuchungen, welche sich auf die Wirkung 
einer bestimmten Bakterienspecies auf eine bestimmte Tierspecies unter 
den einzelnen veränderten Lebensbedingungen zu beziehen hätten. In 
betreff des Menschen müßte an einer Reihe sehr frühzeitig vorgenom- 
mener Obduktionen versucht werden, den Nachweis zu liefern, daß ein 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 245 

nnd dieselbe Bakterien species im Darm und außerhalb desselben ge- 
funden wird. Wie viele Punkte bei einer derartigen Beurteilung berück- 
sichtigt werden müssen, und wie große Vorsicht in Aufstellung irgend 
einer allgemein giltigen diesbezüglichen Behauptung geboten ist, lehren 
die zahlreichen, häufig sehr gewagten Schlüsse der über dieses Thema 
gearbeitet habenden Autoren. Die Möglichkeit, aus Anlaß von Laparo- 
tomieen bakteriologische Untersuchungen des Abdominalinhaltes vorzu- 
nehmen, ist insofern von zweifelhaftem Wert, als eben in der überwie- 
genden Anzahl derartiger Fälle Verhältnisse vorliegen, welche in irgend 
einer Beziehung störend auf den Darmkanal wirken, also die Frage, ob 
durch die Wand des gesunden Magendarmkanales Bakterien irgend 
welcher Art hindurchgehen, offen lassen. Es würde sich noch erübrigen, 
eine Reihe von gesunden Tieren zu laparotomieren und den Inhalt des 
Abdomens ebenso wie den des gesunden Magendarmkanales bakterio- 
logisch zu untersuchen. Würde sich hierbei ergeben, daß sowohl im 
Darm als auch außerhalb desselben ein und dieselbe bakteriologisch 
vollständig identische Bakterienart sich nachweisen ließe, so wäre die 
Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß diese Bakterienart im- 
stande ist, die Darmwand zu durchwandern. Beweisend für diese An- 
nahme wäre der Nachweis von Bakterien in den verschiedenen Schichten 
der Darmwandung. 

Beim Menschen werden sich kaum jemals ähnliche Versuchsbedin- 
gungen schaffen lassen. 

Im Folgenden wollen wir auf die experimentellen Beiträge zu dieser 
Frage und ihren Ergebnissen näher eingehen. 

Die schon vor langer Zeit aufgeworfene Frage der Aufnahme kor- 
puskularer Elemente durch den Darm ist noch nicht gelöst Während 
Herbert zuerst auf eine solche hinwies und Oesterlein bei Katzen 
nach Fütterung von Kohlenstaub Spuren desselben in den Mesenterial- 
drüsen und im Herzblute fand, ebenso Villaret und Donders, der 
auch dasselbe Verhalten für Quecksilber, Marfels und Moleschott 
ffir Augenpigment und andere Farbstoffe nachwies, haben die neueren 
Untersuchungen eine derartige Resorption vollständig in Abrede gestellt, 
80 Arnold für die Aufnahme von Kohlenpartikeln. Eimer fand bei 
Verfütterung von Oel und Karmin nur ersteres in den Zellen. Hoff- 
mann sowie Hollander konnten die Angaben Donders und Meio- 
se h o 1 1 ' s nicht bestätigen. In neuerer Zeit wies MarieWassilieff- 
Kl ein mann beim Kaninchen verfüttertes Karmin und Tusche in den 
Pey er 'sehen Plaques nach, letztere spärlicher als ersteres. Die An- 
schauung von der Resorption korpuskularer Elemente durch den Darm 
wurde direkt auf Bakterien übertragen durch die Beobachtungen von 
Ribbert, Bizzozero, Manfredi und Ruffer, welche in den 
Lymphfollikeln des Processus vermiformis und des Sacculus rotundus 
beim Kaninchen normalerweise Bakterien (Gram 'sehe Färbung) nach- 
weisen konnten; dieselben finden sich nach den Einen in Zellen einge- 
schlossen, nach den Anderen frei im Gewebe, wobei Ribbert ein Ein- 
wandern durch die Epithelzellen, Bizzozero durch die Zwischenräume 
zwischen den Epithelzellen annehmen. Lundberg erklärt das Vor- 
kommen von Mikroben in der Submucosa für eine Seltenheit; wenn 
solche sich finden, seien sie immer in Zellen, gewöhnlich bilde die 
Cuticularmembran eine Wehre gegen das Eindringen von Bakterien. 

Oker-Blom dagegen findet im Gewebe an den freien Spitzen der 
Darmzotten Bakterien und macht Kotstauung dafür verantwortlich. Es 



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246 A. Schott, 

ist mithin die ganze Frage der Resorption korpuskularer Elemente von 
Seite der Darmwand, einschließlich auch der von Bakterien, darch die 
mikroskopische Untersuchung noch nicht gelöst 

Zu berücksichtigen wäre bei neuerlichen Untersuchungen noch das 
Vorkommen von Wanderzellen, welche nach Stoehr zahlreich das 
Darmepithel durchziehen, beim Resorptionsprozesse einen gewissen ak- 
tiven, aber vielleicht wechselnden Anteil nehmen können, wodurch die 
verschiedenen Befunde der Autoren erklärt würden. 

Für die Frage der infolge von Bakterienresorption auftretenden 
Bakterieninvasion in den Körper oder einzelne Organe erscheint der 
experimentelle Weg mit skrupulösester Berücksichtigung von Fehler- 
quellen in der Methode sowohl als in der bakteriologischen Untersuchung 
der zweckmäßigste. 

Boennecken legte bei Hunden eingeklemmte Hernien an und 
fand in allen Fällen von incarcerierten Hernien in allen Stadien der 
Einklemmung, im wasserklaren, geruchlosen Bruchwassen sowohl, wie 
im blutig gefärbten, übelriechenden Transsudat der nekrotischen Darm- 
schlinge lebende und entwickelungsfähige Mikroorganismen, meist in 
unzählbarer Menge. Die Identität dieser Mikroorganismen mit den 
Bakterien des Darminnern glaubt Boennecken auf das bestimmteste 
nachgewiesen zu haben. Auch in den 8 Fällen von eingeklemmter 
Hernie beim Menschen waren stets Mikroorganismen im Bruchwasser. 
In dem einen dieser Fälle war zwischen Einklemmung und Operation 
nur eine Zeit von 4 Stunden verflossen. Es fand sich eine kleine Menge 
wasserklaren Bruchwassers und in demselben zahlreiche Darmbakterien. 
Die Darmschlinge zeigte nur einen nicht sehr hohen Grad von venöser 
Hyperämie. Es geht nach Verf. aus diesem, sowie aus einigen anderen 
Fällen hervor, daß es keiner schwereren Veränderung in der Textur der 
Darm wand bedarf, um letztere durchgängig für Mikroorganismen zu 
machen, daß vielmehr eine stärkere venöse Stase, eine stärkere seröse 
Durchtränkung des Gewebes genügt, um das Eindringen von Bakterien 
in die Darmwand und den Durchtritt durch dieselbe zu ermöglichen. 

Boennecken stellt am Schlüsse seiner Arbeit folgende Thesen auf: 

1) Im Bruchwasser eingeklemmter Hernien sind bereits in einem 
frühen Stadium der Incarceration, lange bevor Nekrose der Darmwand 
eintritt, Mikroorganismen nachweisbar. 

2) Dieselben stammen aus dem Darminnern und zwar durchwan- 
dern sowohl Bacillen wie Kokken die Darmwand. 

3) Der Tod des Tieres, dem man eine Darmeinklemmung künstlich 
anlegt, erfolgt an peritonealer Sepsis, gewöhnlich ohne eitrige Peritonitis, 
doch kann eine solche hinzutreten. 

4) Bei der Herniotomie mit Eröffnung des Bruchsackes muß der 
Reposition der Darmschlinge eine exakte Desinfektion derselben sowie 
des Bruchsackes vorangehen. 

Ritter hat in 15 Fällen bei Kaninchen Darmunterbindungen in 
verschiedener Intensität und Dauer vorgenommen und gefunden, daß 
die Kaninchen eine mäßig starke Darmunterbindung wenigstens bis zor 
Dauer von 10 Stunden ganz gut vertragen, während sie gegen eine 
stärkere Umschnürung, auch wenn diese nicht so lange besteht, sehr 
empfindlich sind. Bei solch starker Umschnürung werden dann die 
Cirkulationsstörungen so heftig, daß die Tiere an ihnen meist eher za 
Grunde gehen, als es zur Nekrose und zur Durch Wanderung der Mikro- 
organismen durch die Darm wand kommt. In Fall 1—8 wurde eine 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 247 

Yerschieden starke Staphylokokkenlösung eingespritzt In allen diesen 
Fällen fand Verf. nur dort Mikroorganismen, wo wirklich Nekrose vor- 
handen war. Verf. tritt damit der Ansicht Boennecken's, daß eine 
stärkere venöse Stase, eine stärkere seröse Durch tränkung des Gewebes 
genüge, um das Eindringen von Bakterien in die Darmwand und den 
Durchtritt durch dieselbe zu ermöglichen, wenigstens was Kaninchen 
anbetrifft, entgegen. 

Ritter kann sich, falls nicht etwa Hunde sich ganz anders ver- 
halten wie Kaninchen, die Differenz nur so erklären, daß Boennecken, 
der nach seiner eigenen Angabe nur nach Gram gefärbt hat, somit 
eine Kernfärbung nicht erreichen konnte, die vorhandenen nekrotischen 
Partieen nicht erkannt hat. 

Mikroskopisch beginnende Nekrose einer Darmschlinge ist nach 
Ritter manchmal nicht leicht. Er glaubt den pathologisch-anatomischen 
Prozeß nach der Darmunterbindung folgendermaßen präcisieren zu 
können: „Durch die Darmunterbindung entstehen schwere Cirkulations- 
Störungen. Haben diese je nach Intensität der Unterbindung kürzere 
oder längere Zeit eingewirkt, so wird die Darm wand nekrotisch; dann 
dann erst können sich Mikroorganismen in ihr ansiedeln, durchwandern 
und septische Peritonitis bewirken.^ Die Cirkulationsstörungen sind 
entsprechend der Anordnung der Gefäße am stärksten in der Submucosa 
und in der Muscularis. Trotzdem setzt letztere dem Eintreten der 
I^ekrose und dem Eindringen der Organismen den größten Widerstand 
entgegen. Hier, glaubt Ritter auf Grund seiner Präparate, ist es 
möglich, daß die Mikroorganismen, die durch die nekrotische Mucosa und 
Submucosa hindurchgewandert sind, in das Blut oder in den Lymphstrom 
gelangen, sich wiederum an der Serosa, wo ja durch die Unterbindung 
ein Locus minoris resistentiae geschaffen ist, ansiedeln und sep- 
tische Peritonitis bewirken. Die Mikroorganismen findet man dort 
am zahlreichsten, wo erst die Nekrose beginnt, während sie häufig dort 
gänzlich verschwunden sind, wo schon längere Zeit Nekrose bestanden 
hat, wo sie also ihren Nährboden verloren haben. Versuch 9—15 ist 
ohne Injektion von Staphylococcusflüssigkeit durchgelührt 

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß die Kaninchen eine mäßig 
starke Darmunterbindung wenigstens bis zur Dauer von 10 Stunden 
ganz gut vertragen, während sie gegen eine stärkere Umschnürung, auch 
wenn diese nicht so lange besteht, sehr empfindlich sind. 

Ritter hat nur in 1 Fall Bakterien in der Darm wand nachweisen 
können und auch in diesem Falle war die Zahl der Organismen eine 
so spärliche und ihre Anordnung im Gewebe so verschieden von der 
in der ersten Versuchsreihe geschilderten, daß dadurch der Tod des 
Tieres unmöglich bedingt sein kann. Bei der ersten Reihe von Experi- 
menten ist eine, wenn auch sehr abgeschwächte, Wirkung der einge- 
spritzten Staphylokokken nicht auszuschließen. 

Alle diese Fälle beweisen, daß Mikroorganismen nur dann in die 
Darm wand gelangen und sie durchdringen können, wenn dieselbe ne- 
krotisch geworden ist. 

Verf. hat in jedem Falle, wo der Tod der Tiere durch die Durch - 
Wanderung der Mikroorganismen durch die Darmwand bedingt 
war, den Beginn einer eiterigen Peritonitis diagnostizieren 
können. 

Nach Ritter läßt sich, wenn weitere Untersuchungen seine Ansicht, 
daß nur die nekrotische Darmwand für die Mikroorganismen des Darmes 



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248 A. Schott, 

passierbar ist, bestätigen, für die Chirurgie folgender Schluß ziehen: 
^Ist man bei der Operation eingeklemmter Hernien zweifelhaft, ob der 
Darm nekrotisch ist, ob man also das Darmstück resecieren soll oder 
nicht, so mache man von dem peritonealen Exsudate Deckglastrocken- 
präparate; ergeben diese die Anwesenheit von Mikroorganismen, so ist 
Nekrose vorhanden; man muß also resecieren. Dieser Vorschlag ist in 
der Theorie jedenfalls richtig; er durfte in der Praxis allerdings wohl 
auf Schwierigkeiten stoßen.^ 

Waterhouse kam durch Versuche zu dem Resultat, ^daß selbst 
ein durch Umschnürung schwer geschädigter Darm für im Inhalt vor- 
handene Kokken undurchgängig ist, außer wenn Nekrose besteht^. 

Korkuno ff stellte Versuche an weißen Mäusen, Meerschweinchen 
und Kaninchen mit den Emmerich'schen Neapler Bacillen sowie mit 
Milzbrand- und Hühnercholerabacillen an. Die Kulturen werden ent- 
weder mittels der Magensonde eingeführt oder von den Tieren mit dem 
Futter (Zwieback, Weißbrot) aufgefressen. Einige Male wurde der 
Magensaft mit Soda neutralisiert. Bei diesen Versuchen wurden lä 
Meerschweinchen und 37 weiße Mäuse verwendet. Sämtliche Meer- 
schweinchen, welche den Neapler Bacillus verfüttert bekamen, blieben 
gesund und munter außer einigen zufällig gestorbenen. In diesen letz- 
teren Fällen wurden die Neapler Bacillen kein einziges Mal, weder in 
den Organen noch im Blute, weder auf Deckglaspräparaten noch in 
Kulturen gefunden. Sämtliche Kaninchen, welche die Mikroorganismen 
der Hühnercholera bekamen, gingen an zweifelloser Hühnercholera zu 
Grunde, Deckglaspräparate und Kulturen aus dem Blute und den Or- 
ganen der Tiere zeigten immer die charakteristischen Mikroben der 
Hühnercholera in großer Anzahl. Aus diesen Versuchen ist ersichtlich, 
daß nur die Fütterung mit Hühnercholerabacillen immer positive Resul- 
tate beim Kaninchen gab, sowie daß die Fütterung mit dem Emmerich- 
schen Bacillus neapolitanus immer negativ blieb. In keinem 
einzigen Präparat konnte Verf. einen in die Darmwand eingedrungenen 
Bacillus finden. Es scheint, daß nach Korkuno ff nur eines daraus 
gefolgert werden kann: „eine Infektion der von Verf. benutzten Ver- 
suchstiere durch die gesunde, unverletzte Darmwand ist bei Sporen- 
fütterung unmöglich". Korkuno ff glaubt sich auf Grund seiner Ver- 
suche zu folgendem Schlüsse berechtigt: „Diejenigen Mikroorganismen, 
welche keine primären Erkrankungen des Darmepithels hervorrufen» 
können die Darm wand nicht durchdringen; andere Bakterienarten 
können wohl in das Blut gelangen, nachdem sie das Darmepithel auf 
irgend eine Art ernstlich beschädigt haben.** Kraft hat in 2 Fällen 
künstlicher innerer Einklemmung, in welchen der Tod nach 3 Tagen 
eintrat, nur geringe Injektion des Bauchfelles und feine fibrinöse Beläge, 
aber keine Bakterien nachweisen können, ebensowenig in 1 Falle von 
durch Ileus bedingter Peritonitis universalis. 

Arnd erzeugte an Kaninchen mittels eines Condoms unter be- 
stimmten Verhältnissen elastische Einklemmungen von Darmschlingen 
ohne Gangrän des Darmes und untersuchte dann das gebildete Bruch- 
wasser auf seinen bakteriellen Inhalt, sowie ob bestimmte, vorher durch 
Fütterung oder Injektion in den Darm gebrachte Mikroorganismen im 
Bruchwasser auftraten, d. h. die unverletzte Darmwand passierten. Er 
kommt zu dem Schlüsse, daß der Kaninchendarm schon im Zustande 
einer leichten Cirkulationsstörung für die in ihm enthaltenen Bakterien 
durchgängig ist, ohne daß gröbere Läsionen oder gar Nekrose zu be- 



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Experimentelle and klinische Erfahrangen. 249 

stehen brauchen, und nimmt danach Aehnliches auch für den mensch* 
liehen Darm an. Außerdem ist Ar n d durch seine Versuche zu der üeber- 
zengung gekommen, daß zwischen dem Grade der Brucheinklemmung 
und der Menge des gebildeten Bruch wassers ein gewisses Verhältnis 
besteht. Da nach Ziegler gerade die Fälle von künstlichen Ein- 
klemmungen, bei denen er das Bacterium coli commune gefunden 
hatte, letal endigen, so lag es nahe, dasselbe in ätiologische Beziehung 
zum Tode der Tiere zu setzen. 

Nachdem Escherich zuerst diese Kurzstäbchen aus dem mensch- 
Kcheii Darm gezüchtet und sie morphologisch genauer beschrieben hatte, 
folgte bald eine ganze Reihe von Arbeiten, in denen das Bacterium 
coli behandelt wurde, und es scheint, als ob demselben eine gewisse 
übiquität zukomme; denn nicht nur im gesunden menschlichen Darm, 
auch im kranken, im Mund, im Magen, selbst bei den verschiedensten 
krankhaften Zuständen desselben wurde es gefunden. Schon Escherich 
hatte durch intravenöse und intraperitoneale Injektion rapiden Tod der 
Versuchstiere unter Erscheinungen heftigsten Darmkatarrhes eintreten 
sehen. Pawlowsky spritzte Darmsaft in die Bauchhöhle von Kanin- 
chen und erzeugte regelmäßig eine zu Tode führende Peritonitis. 
Wyss spritzte intraperitoneal Kaninchen und Meerschweinchen ein, die 
dann innerhalb 24 Stunden unter peritonitischen Erscheinungen zu Grunde 
gingen. Dagegen berichtet Waterhouse, daß 3 Oesen des Kaninchen- 
darmbacillus, in 5 ccm Wasser injiziert, keine Peritonitis erzeugt haben, 
i^dem die Tiere wohl blieben und, als sie nach 10 Tagen getötet wurden, 
keine Veränderung im Bauchfelle zeigten. Auch Boenn ecken konnte 
bei Injektion von Bact coli in die Bauchhöhle ebensowenig wie mit 
allen seinen anderen aus dem Bruchwasser gezüchteten Arten außer 
Temperaturerhöhung etwas Abnormes nachweisen. 

Böse berichtet auf Grund seiner mit Blan c zusammen angestellten 
Experimente über die anatomischen Veränderungen im abgeschwächten 
Darm, über den Befund von Mikroben im Gewebe und den Mechanis- 
mus des Ein- und Durchwanderns der Mikroben. Die erste mikro- 
skopische Schädigung dokumentiert sich durch Verfärbung des Darm- 
Stückes, die von rötlichem Ton zu einem schwärzlichen Braun übergeht 
Dann erscheinen Ekchymosen und größere Blutungen unter dem Peri- 
tonealüberzuge. Auf der Mucosa spielt sich zunächst derselbe Prozeß 
ab, dann kommt es über diesen Blutungen zu Epithelverlust und Ul- 
cerationen. Je mehr der Darm sich verfärbt, desto brüchiger wird er. 
Der Inhalt ist anfangs eine mit Gas gemischte bräunliche Flüssigkeit, 
später wird er blutig. Die histologischen Veränderungen sind In- 
filtration, Epithelverlust, schließlich Nekrose der Schleimhaut. Im engsten 
Zusammenhange stehen die Ekchymosen mit der Nekrose, zu welcher 
hauptsächlich die Thätigkeit des Bacterium coli und dessen Toxine 
beitragen. „So lange sich kein Epithelverlust zeigt, finden sich auch 
in der Darmwand keine Mikroben. Ist jedoch ein solcher vorhanden, 
so findet sich Bacterium coli in der Mucosa, Submucosa und dem 
Peritoneaiüberzug, den Gefäßen folgend, längs welchen die Baktierien 
von den Zotten ausgehend eindringen.** 

N ei SS er erwähnt nach kritischer Besprechung der gesamten 
Litteratur genauer die Versuche von Nocard und von Pore her und 
Desenbry, wonach der Chylus normaler Hunde reich an Bakterien 
sein sollte. Eine Wiederholung jener Versuche ergab dem Autor eine 
vollständige Keimfreiheit des Chylus. N e i s s e r fand ferner , daß der 

Ente AM. ZZIX. Bd. 17 



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250 A- Schott, 

Chylus irgendwelche baktericide Eigenschaften nicht besitzt Weder in 
den Lymphdrüsen noch in der Darmwand konnte Verf. Bakterien durch 
Färbung oder Kultur nachweisen. Es war somit nach Neisser er- 
wiesen, daß normalerweise keinerlei Bakterien in die Blut- oder 
Lymphbahn übergehen. Unter pathologischen Verhältnissen war der 
Darm ebenfalls fast stets undurchgängig für Bakterien, nur gewisse 
pathogene Arten treten durch die Darmwand über und bewirken Septi- 
kämieen. Aus einer Reihe von Versuchen Neisser 's geht hervor^ 
daß tagelang zahllose, unter anderen Bedingungen höchst pathogene 
Bakterien im Darm vorhanden sein können, ohne Allgemeininfektionen 
hervorzurufen. Auch an sich schwere Darmschädigungen (durch Glas- 
splitter u. s. w.) genügen nicht, ein Einwachsen der Saprophyten in die 
Cirkulation zu ermöglichen und auch pathogene Bakterien können unter 
diesen Bedingungen unschädlich sein. 

Nach Baum garten 's zahlreichen diesbezüglichen Untersuchungen 
dringen die verschiedensten Bakterien mit großer Leichtigkeit in die 
Darmwand ein. Das weitere Resultat ist nach ihm davon abhängig, ob 
die eingedrungenen Bakterien für die betreffenden Tierspecies infektiös 
sind oder nicht. Im letzteren Falle gehen sie bald und zwar bereits 
innerhalb der Darmwand zu Grunde, im ersteren Falle wachsen sie an 
der Darmwand aus und bewirken die für sie spezifische Darmerkrankung 
(Anthrax, Cholera, Tuberkulose, Typhus u. dgl. m.). 

Der Darm stellt nach Baumgarten „eine sehr viel wichtigere 
und häufiger betretenere Eingangspforte für Infektionen dar als die 
(unverletzte) Haut und serösen Schleimhäute". 

Maklezow sucht auf experimentellem Wege die Frage zu ent- 
scheiden, welcher Grad von Alteration der Darmwandung erforderlich 
ist, damit eine Auswanderung von Bakterien durch dieselbe stattfinden 
kann. Zu dem Zwecke hat Maklezow an Kaninchen, wie folgt, eine 
Reihe von Versuchen angestellt. 

1) Ein 8 — 10 cm langes Stück des unteren Dünndarmabschnittes 
wird mit dem Mesenterium in ein Gummikondom geschoben und mittels 
eines Gummiringes abgeklemmt. 

2) Die Unwegsamkeit des Darmes wird durch Anlegen von 2 Ligaturen 
um das Darmrohr, 6—7 cm voneinander entfernt, hervorgebracht, wo- 
bei das Mesenterium nicht leidet; Verletzungen von Gefäßen werden 
vermieden, die Ligaturen werden nicht stark angezogen, um nur Un- 
wegsamkeit und keine Nekrose herbeizuführen. 

3) Es wird der After zugenäht, um Unwegsamkeit des Darmrohres 
ohne Verletzung des Bauchfells zu erzielen. 

4) Der Einfluß der venösen Hyperämie wird durch Anlegen von 
Ligaturen an die Mesenterialgefäße geprüft, wobei nur eine Stauung in 
den Venen ohne Abschluß des arteriellen Zuflusses erstrebt wird. Nach 
einiger Zeit wird die Laparotomie ausgeführt und mit sterilen Watte- 
tampons die Peritonealflüssigkeit resp. die Eondomflüssigkeit aufge- 
sammelt und in Gelatine- und Bouillonröhrchen auf Anwesenheit von 
Mikroben geprüft, darauf wird das Kaninchen mit Chloroformdämpfen 
getötet und das Herzblut auf Gelatine und Bouillon verimpft. Außer- 
dem werden Versuche mit gleichzeitiger Anwendung von Opium und 
Ricinusöl ausgeführt 

Maklezow kommt zu folgendem Endresultat: 
1) Daß die Darmwand für Mikroben durchgängig wird, wenn sie 
makroskopisch nur die Zeichen einer venösen Hyperämie aufweist 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 251 

2) Daß im Mittel eine 22 -ständige Kotstauung für das Durch- 
wandern der Bakterien durch die Darmwand genügt. 

3) Opium verlangsamt bei künstlichem Darmverschluß das Durch- 
dringen der Bakterien durch die Darmwand um das 2 — 3-fache, Oleum 
ricini beschleunigt dasselbe um das Doppelte und mehr. 

4) Auch Störung in der Ernährung der Darmwand, wie sie durch 
Unterbindung der Mesenterialgefäße herbeigeführt wird, genügt, um 
Durchlässigkeit der Darmwand für Bakterien zu schaffen, doch tritt die- 
selbe langsamer ein als bei Darmocclusion. 

Oker-Blom hat experimentelle Untersuchungen über das Ver- 
mögen des Bacterium coli commune, in die Darmwand einzu- 
dringen, angestellt Seine Versuche zerfallen in 3 Abteilungen: 

1) Es wurde eine Doppelligatur des Darmes angelegt und so der 
freie Durchgang der Darmcontenta verhindert. 

2) Es wurde die Blutzirkulation in einem Darmstücke vollständig 
aufgehoben oder eine Blutstauung hervorgerufen. 

3) Es wurde künstlich die Incarceration einer Darmschlinge erzielt. 
Das Ergebnis dieser bei Kaninchen angestellten Versuche scheint 

dafür zu sprechen: 

1) Daß eine venöse Stase in der Dauer von 2—72 Stunden nicht 
hmreichend ist, um das Eindringen des Bacterium coli commune 
in die Darmwand, noch weniger den Durchtritt desselben in die Peri- 
tonealhöhle zu ermöglichen; 

2) daß ein vollständiges Hindernis des Durchganges der Darm- 
contenta eine Invasion des Bacterium coli commune in die Darm- 
wand hervorrufen kann; 

3) daß bei heftiger Incarceration das Bact. coli commune nach 
2—10 Stunden die Darmwand nicht durchdringt, nach dieser Zeit aber 
in großer Menge frei in sie gelangt und in der Submucosa auf dem 
Wege der Lymphbahnen in das Mesenterium wandert. 

Die Serosa scheint dem Durchtritt der Bakterien am längsten 
Widerstand zu leisten. 

Simon cini kommt auf Grund vielfacher Versuche zu folgenden 
Schlüssen : 

1) Die, wenn auch in großen Mengen, in den Darmkanal gesunder 
und für die betreffenden Infektionen sonst äußerst empfindlicher Tiere 
(Meerschweinchen, Kaninchen) eingeführten pathogenen Bakterien (Milz- 
brand, malignes Oedem, Typhuä, Staphylococcus pyogenes albus) 
üben keinerlei Einfluß aus. Eine Ausnahme hiervon machen die Milz- 
brandsporen, die, wenn in großen Mengen verschluckt, beständig all- 
gemeine Milzbrandinfektion bewirken. 

2) Das Resultat der Versuche erleidet keinerlei Einbuße auch bei 
Neutralisierung des Mageninhaltes der Versuchstiere während der Ver- 
schluckung der Bakterien ; in gewissen Fällen jedoch , wo man außer 
der Neutralisierung auch Opiumtinktur intraperitoneal injiziert, kommt 
es zu Milzbrandinfektion und Typhusintoxikation. 

3) In der bei weitem größten Anzahl der Fälle, wenn auch die 
physiologischen Funktionen des Organismus in hohem Grade gestört 
wurden, läßt die Darm wand die pathogenen Bakterien nicht durch. 

4) Eine Ausnahme hiervon machen folgende Fälle: 

a) Lang andauernde Einwirkung von feuchter Kälte überwindet die 
Widerstandsfähigkeit der Darmwand in allen Fällen für Milzbrand- 

17* 



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252 A. Schott, 

bacillen und für die in ziemlicher Menge eingeführten Sporen derselben, 
in V4 ^ör Fäl'ö für <*®^ Typhusbacillus. 

b) Langandauernde Einwirkung von trockener Kälte überwindet in 
einer ziemlich großen Anzahl (Vs ^^^ Fälle) die Widerstandsfähigkeit 
der Darmwand gegenüber den Milzbrandhacillen. 

c) Die endovenöse Injektion von Chloralhydrat in subletalen Gaben 
bewirkt bei Kaninchen stets Milzbrandinfektion vom Darm her sowohl 
durch die verschluckten Bacillen als die in ziemlicher Quantität ein- 
verleibten Sporen derselben. 

Auf Grund dieser Ergebnisse glaubt sich Simoncini zu dem 
Schlüsse berechtigt, daß, wenn auch die Darmwand als ein Schutz- und 
Trutzorgan von größter Wichtigkeit angesehen werden muß, es anderer- 
seits im klinischen Interesse und in jenem der Hygiene gelegen ist, zu 
bedenken, daß dieser Schutz in gewissen Fällen Abbruch erleiden kann^ 
vor allem unter dem Einflüsse der Kälte im allgemeinen und unter 
jenem der feuchten Kälte im besonderen, sowie in gewissen Fällen von 
funktionellen Störungen seitens des Nervensystems. 

Austerlitz und Landsteiner stellten Versuche über die Bak- 
teriendichtigkeit der Darmwand an erfrierenden Tieren und an mit 
arseniger Säure vergifteten Tieren an. Die Verff. können nach ihren 
Ergebnissen die Annahme, daß unter Bedingungen, die wenig von den 
normalen abweichen, der Darm für Bakterien leicht durchgängig 
wird, nicht für bewiesen oder wahrscheinlich ansehen, und 
deshalb auch die Schlüsse, die aus dieser These für die Frage der Ver- 
wertbarkeit von bakteriologischen Befunden an Leichen sich ergeben, 
nicht acceptieren. Bei der Untersuchung einer Anzahl (41) menschlicher 
Leichen konnten sie keineswegs ein häufiges Vorkommen von Bact. 
coli in den inneren Organen frischer Leichen, wie es den Angaben. 
von B^co entsprechen würde, nachweisen. Aus diesen Versuchen und 
den in der Litteratur vorliegenden Angaben ergiebt sich, daß es gelingt, 
die Darm wände weit, stärker zu schädigen, z. B. durch Gefäßunterbindung 
oder Darmabklemmung, als es den früheren Zuständen entspricht, ohne 
daß es zu einer Durchwanderung von Mikroben aus dem Darme in die 
Bauchhöhle käme. 

Tschistowitsch reizte das Peritoneum bei Kaninchen mit 
1 — 10-proz. AgNOg-Lösung oder mit Tinctura Jodi und infizierte die 
Tiere per os mit verschiedenen Mikroorganismen. Pyocyaneus (7), 
Tetragenus (7), Prodigiosus (3), Spirillum choler. asiat.(2), 
und Bac. indicus (1). 

In einigen Versuchen wurde das Peritoneum nicht gereizt, sondern 
auf einer kurzen Strecke abgelöst. 2 Tage später wurde der Inhalt der 
Peritonealhöhle sowohl als auch der Darminhalt auf Anwesenheit der 
eingeführten Mikroorganismen untersucht unter 20 Versuchen wurde 
nur 2mal der in den Darm eingeführte Mikroorganismus in der Peri- 
tonealhöhle gefunden. In einem von diesen Fällen war die Darm wand 
nekrotisch geworden, im anderen Falle war ein Versuchsfehler nicht 
ausgeschlossen. 

Binaghi ist der Ansicht, daß man bei der Prüfung der Durch- 
gängigkeit der Darmwand für Bakterien zu wenig Rücksicht genommen 
hat auf das Peritoneum, dessen Endothel einen wichtigen Schutzwall 
bietet, solange es intakt ist. Durch eine Reihe von Experimenten 
beweist Binaghi, daß das Peritoneum für die Organe, welche es um- 
hüllt« eine Widerstands- und Verteidigungsvorrichtung ist Hebt man 



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Experimentelle und klinisclie Erfahrungen. 263 

BAch Verf. die Wirkung des peritonealen Epithels aaf, so ist damit 
aach der Widerstand des intestinalen Epithels gegen Bakterien ge- 
brochen. 

Marcus hat in jüngster Zeit ober die Resorption von Bakterien 
aus dem Darme gearbeitet und Versuche an männlichen Kaninchen an- 
gestellt, bei denen er in allen Versuchen Harnstauung hervorrief. Im 
ganzen wurden 18 Versuche angestellt, immer waren Blut und die 
Organe, auch der Harn, selbst wenn er blutig war, steril. Die Harn- 
stauung für sich setzt nach Verf. beim Kaninchen keine Infektion der 
Harnwege. In einer zweiten Versuchsreihe (9 Fälle) wurde Abschluß 
von Urethra und Rectum bewerkstelligt. Das Blut blieb immer steril, 
der Harn erwies sich 6mal unter 9 Versuchen keimhaltig, im Peritoneum 
wurden 2mal Bakterien gefunden. 

Bei vorausgegangener Injektion von Bact. coli -Bouillon in das 
Bectum in 41 Versuchen blieb das Blut immer steril, der Harn ent* 
hielt 16mal, das Peritoneum 11 mal Keime. 

Bei Injection von Pyocyaneus- Bouillon in 13 Versuchen war das 
Blut Imal keimhaltig, der Harn 6mal, das Peritoneum 8mal. Bei In- 
jektion von V« Pyocyaneus-, V2 ßac. coli-Bouillon in 8 Ver- 
suchen war das Blut Imal, der Harn 5mal, das Peritoneum 3mal in- 
fiziert. Bei 84 Versuchen dieser Reihe fand sich also nur Smal eine 
Blutinfektion, 3ömal war der Harn, Slmal das Peritoneum infiziert. 

Es schienen beide Infektionen auf einen gemeinsamen Weg hin- 
zuweisen. 

Marcus stellt folgende Sätze auf: 

1) Die durch Kotstauung gesetzte Schädigung des Darmes genügt 
nicht, beim Kaninchen innerhalb der Zeit bis zu 24 und 26 Stunden 
eine Allgemeininfektion oder eine Infektion der Harnblase zu erzeugen. 
Selbst verhältnismäßig geringe Läsionen, wie die der Ligatur eines 
Analprolapses, können eine Infektion der Blase und des Peritoneums zur 
Folge haben. 

2) Bakterien, die sich bei derartigen Verletzungen des Enddarmes 
in der Blase finden, gelangen in den allermeisten Fällen auf lokalem 
(Lymph-) Wege dahin, ohne erst in den Kreislauf gelangt zu sein, so- 
daß in solchen Fällen keine Berechtigung besteht, von einer hämatogen^ 
Infektion zu sprechen. Nur in vereinzelten Fällen kann, wahrscheinlich 
nach der Art und dem Grade der Darraverletzung, die Möglichkeit be- 
stehen, daß ein Eindringen der Mikroorganismen in die Blutbahn statt- 
finde. 

Die mikroskopische Untersuchung der Mastdärme der Versuchs- 
tiere hat keine näheren Aufschlüsse gegeben. Nebst vielfachen Epithel- 
defekten fand Verf. dabei zuweilen Hyperämieen und Hämorrhagieen 
in der Submucosa der meist stark abgeplatteten und verdünnten Därme. 
Bakterien wurden in den meisten Fällen im Gewebe überhaupt vermißt. 
Nur in der Mitte von Lymphfollikeln, die beim Kaninchen etwa zu Vs 
über das übrige Gewebe hervorragen, und zwar in der oberen Hallte 
derselben, zeigten sich manchmal reichlich Bakterien. Dieselben er- 
schienen in das lockere Gewebe wie eingepreßt. 

Experimentelle Untersuchungen stellten ferner noch an: 

Wreden, welcher das Rectum durch Heißwasserirrigation oder 

Abschaben des Epithels mittels scharfen Löffels verletzte und das direkte 

Ueberwandern von Bakterien aus dem Darm in die Blase konstatierte, 

konnte selbst Oel und Vaseline so übertreten lassen. Verf. übertrug 



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254 A. Schott, 

diese experimentelle Beobachtung auf die Klinik und nahm für das 
Entstehen von Cystitiden bei obstipierten Prostatikern eine gleiche Ent- 
stehungsweise an. 

Aehnlich konstatierten Malvoz und v. Klecki das Durchtreten 
von Bac. coli schon bei den geringsten Epithelläsionen des Darmes, 
ja Sordoillet läßt es sogar ohne irgend eine Darmschädigung durch« 
treten und tödliche Peritonitis erzeugen. Es sei da nach seiner A.n- 
nahme nur Schwächung in der Ernährung der Schleimhaut nötig. 

Andere Experimentatoren wählten als Darmschädigung die Ab- 
kühlung sowie chemische Noxen. Die Aelteren (Bouchard, Wurtz, 
B^co, Chvostek, Egger) erhielten dabei reichliche, positive 
Zttchtungsresultate aus den Organen und deren Herzblut 

Ihnen gegenüber stehen die Angaben von Neisser, der Grotonöl 
und Fluornatrium, ein das Darmepithel exquisit schädigendes Mittel, 
verfütterte, oder subkutan und intravenös injizierte, sowie die oben an- 
geführten Befunde von Austerlitz und Landsteiner. 

Hatten alle diese Untersucher für das Zustandekommen des Durch- 
wanderns von Bakterien durch d^n Darm eine ausgesprochene Alteration 
der Darmwand als conditio sine qua non vorausgesetzt, so mußten um 
80 mehr die Angaben einiger französischer Forscher überraschen, nach 
welchen das Durchwandern physiologischerweise erfolgen sollte. 
Diesen Standpunkt vertraten P o r c h e r und Desoubry sowie N o c a r d. 

Neisser konnte, wie wir oben gesehen haben, die Resorption von 
Bakterien aus dem Darm durch die Lymphwege ausschließen. 

Posner und Lewin hatten die Absicht, nachzuweisen, daß vom 
Darm aus eine Infektion der Harnwege erfolgen könne, und den Weg 
festzustellen, auf dem die Mikroben überwandern (Harn- und Eot- 
stauung.) Sie gelangten zu dem Schlüsse, daß eine einfache Koprostase 
ohne gröbere anatomische Läsionen genüge, um Bakterien aus dem 
Darme austreten zu lassen, und daß der Weg, auf dem die Infektion 
der Harnwege vom Darm aus erfolge, die Blutbahn sei. 

Nach der Meinung von Markus sollen bei den von Posner und 
Lewin geübten Darmverschlüssen Verletzungen von Lymphgefäßen 
hervorgebracht worden sein und die Bakterieninvasion durch diese 
Wunden, nicht aber durch die Darm wand selbst ihren Weg genommen 
haben. 

Posner und Cohn haben in neuester Zeit die Versuche von 
Posner und Lewin nochmals unter allen nur denkbaren Kautelen 
wiederholt. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist folgendes: 

„lieber den Weg der Invasion ergeben unsere diesmaligen Ver- 
suche keine neuen Aufschlüsse. Wir glauben an der Annahme des 
Blutweges festhalten zu dürfen, gestützt auf die in der Arbeit von 
Posner und Lewin enthaltenen Experimente, in denen sich die eine 
Niere des Versuchstieres als steril erwies, wenn vorher die Nierenarterie 
unterbunden war. Der völlig gesunde Darm ist bakterien« 
fest; es kann sich immer nur um pathologische Verhältnisse handeln, 
bewirkt entweder durch mechanische Einflüsse oder durch patiiogene 
Bakterien. 

Was wir immer wieder betonen müssen ist nur, daß ganz reparable, 
innerhalb des Rahmens der grob anatomischen Unver- 
sehrtheit liegende Darmveränderungen bereits genügen, 
um jene pathologische Permeabilität zu erzeugen. Bei der 
Beurteilung der antochthonen, nicht durch Instrumente hervorgerufenen 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 255 

Infektion der Harnorgane muß an die Darmbakterien als Infektions- 
erreger gedacht werden ; mögen sie nun auf dem Girkulationswege oder 
durch direkte Kontiguität in die Harnwege gelangen/' 

In klinischer Hinsicht liegen Beobachtungen vorwiegend über Peri- 
tonitis und Enteritis vor und spielt bei diesen Krankheitsprozessen das 
Bact. coli commune eine hervorragende Rolle. 

Serestre macht für die bei Enteritiden von 1— 2-jährigen Kindern 
mitunter zu beobachtende Lobulärpneumonie den Darm als Eingangs- 
pforte verantwortlich. 

Rosi Doria findet bei einer kleinen Diarrhöenepidemie im Stuhl 
eine Reinkultur von Bact. coli und die sämtlichen Organe mit dem- 
selben Bacillus überschwemmt, der in Form von Häufchen, wie beim 
Typhus, in den Geweben angeordnet ist und schließt daraus, daß vom 
Darm aus eine Allgemeininfektion ausgehen könne. 

Marfan undMarot gelangen zu ähnlichen Ergebnissen. Sie be- 
gegnen dem Einwände einer etwaigen postmortalen Auswanderung da- 
durch, daß sie bei anderen Leichen das Bact coli in den Organen 
nicht nachweisen können. 

Gzerny und Moser haben verschiedene Bakterien (Staphylo- und 
Streptokokken, Coli, Pyocyaneus, ASrogenes) in den Organen 
nachgewiesen und die Allgemeininfektion von der Darminfektion ab- 
geleitet 

Heubner findet bei den schweren Darmerkrankungen der Säug- 
linge keine Bakterien in der Darmwand. 

Fi seh 1 läßt bei seiner Untersuchung über die septischen Infektionen 
der Säuglinge mit gastrointestinalen und pulmonalen Symptomen den 
Sitz der primären Affektion unentschieden. 

Kocher und Lex er betonen den Zusammenhang von akuter 
Osteomyelitis mit Darmaffektionen. 

T a*v e 1 findet in einem Falle von Strumitis im Anschluß an Störungen 
der Darmfunktion das Bact coli. Er leitet davon die Entstehung der 
Strumitis her, ebenso Brunn er, welcher bei akuter Strumitis das 
Bact coli nachgewisen hat 

Interessant ist auch eine Angabe von Engströem, der behauptet, 
daß Bakterien bei Darmlähmung, wie sie nach Laparotomieen eintritt, 
imstande wären, die Darm wand zu durchsetzen und den Tod durch 
akuteste Peritonitis herbeizuführen. 

Demgegenüber erklärt Jayle, daß „la septic6mie d'origine intestinale, 
provoqu6e par le passage des microorganismes k travers le parois de 
rintestine, simplement paralysä et dilat^, doit ötre fortement mise en 
doute.'* 

V. Klecki hat Versuche über Bakteriurie angestellt und gefunden, 
daß lediglich die Menge der im Blute cirkulierenden Keime für die 
Stärke der Bakteriurie maßgebend ist. 

(Schluß folgt) 



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256 Adolph Lutz, 



Ifaelidmek vef boten, 

üeber einen Befand von Eustrongylus gigas bei einem 

neuen Wirte. 

Von Dr. Adolph Latz, 

'Direktor des bakteriologfiscfaen Instituts in San Paulo. 

Am 9. Dezember erhielt ich durch Dr. Vital Brazil ein frisch 
geschossenes weibliches Exemplar von Gaiictis viUata zur Untersuchung, 
welchss 2 Stunden von San Paulo am waldigen Ufer des Rio Grande 
erlegt worden war. Das Tier ist hier zu Lande durchaus nicht häufig 
und war daher sowohl dem Jäger als dem Ueberbringer unbekannt ; ich 
selbst hatte sowohl lebende wie ausgestopfte Exemplare gesehen und 
hielt das vorliegende für völlig ausgewachsen. Dasselbe maß von der 
Schnauze bis zur Schwanzwurzel 36, bis zur Schwanzspitze 50,5 cm» 
wobei letztere von den Haaren noch um 5,5 cm überragt wurde. 

Da das Tier ausgestopft werden sollte, ließ ich die inneren Teile 
herausnehmen ; es zeigte sich, daß ein aus ziemlicher Nähe abgegebener 
Schrotschuß Bauch und Rücken durchbohrt und eine starke Blutung 
verursacht hatte. Neben dem Magen wurden weiße Fäden sichtbar, 
welche aus einem Darmstück zu stammen schienen und, wie eine ge^ 
nauere Untersuchung ergab, Eiröhren eines offenbar sehr großen 
Wurmes waren. Die in dem dickeren, dem Uterus entsprechenden Teile 
massenhaft angehäuften Eier erinnerten mich sofort an die mir wohl- 
bekannten Abbildungen des Eustrongylus gigas^ auf den ich schon lange 
umsonst gefahndet hatte. Ich machte mich daher daran, den Bauchinhalt 
90 genau zu untersuchen, als es unter den gegebenen Verhältnissen noch 
anging. 

Ich fand nun bald zwischen den Eingeweiden zahlreiche Fragmente 
schlauchförmiger Gebilde, welche sich nach ihrer Dicke in 2 verschiedene 
Gruppen ordnen ließen. Aus den gut erhaltenen Körperenden ging 
deutlich hervor, daß 2 Exemplare, ein weibliches und ein männliches, 
vorlagen, und es gelang mir ohne allzu große Schwierigkeit, die durch 
die Schrote zerrissenen Parasiten ziemlich vollständig wieder herzustellen, 
so daß annähernd genaue Messungen vorgenommen werden konnten. 
Ich erhielt dabei folgende Resultate: 

A. Weibchen. 8 Stücke, das größte mit Kopfende, nur wenig ver- 
letzt, 36, die anderen zusammen 22 cm lang ; Total 56 cm. Größte Breite des 
etwas abgeflachten Wurmes 8 mm, am Kopfende, wo mehr rund, nicht 
zusammengefallen, 5—6 mm. Aus dem vorgefallenen Uterus werden zu 
Kulturzwecken zahlreiche Eier entnommen. 

B. Männchen. 3 Fragmente. Totallänge 17 cm. Breite durchweg 
ca. 4,5 mm. Die endständige Bursa copulatrix ist sehr deutlich zu er«* 
kennen. 

Die Farbe der Stücke war bei beiden Würmern ein dunkles Siegel- 
lackrot und macht entschieden den Eindruck einer Eigenfärbung. Die 
sehr auffallenden Seitenlinien sind schwarz pigmentiert, ebenso der deut- 
lich durchschimmernde Darm. 

Die Untersuchung der Baucheingeweide ergab das vollständige 
Fehlen der einen Niere; offenbar war dieselbe von den Würmern, deren 
Volumen dasjenige der anderen weit übertraf, so vollständig desorgani- 
siert worden, daß nicht einmal die, wahrscheinlich stark geschrumpften, 






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Ueber einen Befund von. Eustrongylus gigas bei einem neuen Wirte^ 257 

Reste des geborstenen Sackes mit Sicherheit zu erkennen waren. Daß 
die Würmer schon lange frei in der Bauchhöhle lagen, schließe ich aus 
dem Befunde zahlreicher flacher Auflagerungen der Leberoberfläche. 
Dieselben waren fiber linsengroß, an Tuberkel erinnernd und enthielten 
in ihrem Inneren die Eier des Wurmes in großer Zahl. 

Die Lebensweise der Gallictis viitata, welche ein sehr zierliches und 
leicht zähmbares Geschöpf ist, dfirfte mit derjenigen der Marder über- 
einstimmen. Obwohl darüber nichts bekannt ist^ darf man wohl an- 
nehmen, daß sie gelegentlich auch Fische frißt, wenn sie dieselben, z. B. 
nach Ueberschwemmungen, erbeuten kann. 

San Paulo, den 11. Dezember 1900. 



Nachtrag. 



Durch einen merkwürdigen Zufall erhielt ich am 29. Dezember 
wieder Exemplare von Galietis vittata, und zwar 3, ein erwachsenes 
Weibchen und zwei fast erwachsene Junge. Dieselben waren ganz in 
der Nähe des Instituts von Straßenarbeitern mit Stöcken erlegt worden. 

Die Jungen enthielten keine Parasiten ; bei dem alten Tiere dagegen 
hatte ebenfalls eine Infektion mit Eustrongylus gigas stattgefunden. Die 
rechte Niere war wohlerhalten, dagegen war die linke in einen ungefähr 
ebenso großen dünnwandigen Sack umgewandelt, der zur Hälfte ver- 
knöchert war. Im Inneren fanden sich 2 schlauchförmige Gebilde^ 
welche unverkennbar das Integument zweier Exemplare von E. gigas 
darstellten, aus dem die übrigen Organe durch Maceration verschwunden 
waren. Dieselben maßen 46 und 24 cm, waren übrigens nicht ganz 
vollständig und so zerreißlich, daß ich dieselben den zu einer ganz ge- 
nauen Untersuchung nötigen Manipulationen nicht zu unterziehen wagte. 
Es wurden aber vollerhaltene Eier aufgefunden, ein Zeichen, daß wenig- 
stens ein erwachsenes Weibchen vorhanden war. 

Die Tiere waren diesmal etwa eine Meile entfernt von dem anderen 
Fundorte und dem nächsten größeren Gewässer erlegt worden. Doch 
schien der Befund einer Ligula-Lsirve bei dem erwachsenen Weibchen 
anzudeuten, daß dasselbe schon am Wasser gelebt hatte. 

Aus dieser neuen Beobachtung darf man wohl schließen, daß der 
Parasitismus von E. gigas bei Galietis vittata doch wohl öfters vor- 
kommt. 

San Paulo, den 31. Dezember 1900. 



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258 M. Braun, 

fNaehdmek verboUn, 

Ueber einige Trematoden der Oreplin'schen 
HelminthensammluDg. 

Von H. Brann in Königsberg i. Pr. 

Der Umstand, daß ein großer Teil der für Distomum ovatum autt 
angeführten Wirte auf Angaben Creplin's beruht, sowie die That- 
sache, daß der genannte Parasit gewöhnlich verkannt worden ist^), 
machen eine Nachuntersuchung der von Greplin gesammelten Exem- 
plare dringend notwendig. Dies ermöglichte mir in freundlichster Weise 
Herr Kollege Müller, Direktor des zoologischen Museums in Greifs- 
wald, wo die Greplin 'sehe Helminthensammlung aufbewahrt wird; 
gleichzeitig erhielt ich auf meinen Wunsch noch die Originale einiger 
von Greplin aufgestellten Trematodenarten zugesandt, über die idt 
hier ebenfalls berichten möchte. 

1. Distomum ovatum, autt. 

In dem Artikel über die Trematoden der Bursa Fabricii eta unter- 
scheide ich neben Prosthogonimus ovatus (»> ßisL ovatum Rud.), Prosihog. 
cuneatus (— Dist cuneatum Rud.), Prosthog. pellucidt^s (= Dist. pdbt 
cidum V, Lstw.) noch 2 Arten, von denen die eine (Pr. japonicus) bisher 
nur aus Japan bekannt geworden ist, die andere (iV. rarus) dagegen, 
wie die 3 zuerst genannten, in Vögeln Mitteleuropas vorkommt DiB 
Angaben, die ich über die Wirte dieser 4 meist nicht genügend ans- 
einandergehaltenen Arten machen konnte, beruhten auf den Objektei 
der Sammlungen zu Berlin, Wien, Königsberg und der Privatsammlang 
des Herrn Oberstabsarztes Dr. v. Li n stow in Göttingen. 

In der Litteratur werden aber noch zahlreiche andere Arten all 
Wirte für Dist, ovatum autt. angeführt, die meisten stammen aus des 
von Greplin verfaßten: Nachträge zu Gurlt's Verzeichnis der Tiens 
bei welchen Entozoön gefunden worden sind*); hier wird bei nidit 
weniger als 28 Vogelarten Dist, ovatum autt. als Parasit aufgezählt; 
freilich beruht ein Teil dieser Angaben nicht auf eigenen Fundai 
Greplin 's, sondern auf denen anderer Autoren, besonders von Mehlis 
und von v. Siebold^), die wohl brieflich ihre Erfahrungen an Grep- 
lin mitgeteilt hatten, doch bleiben noch 11 Arten übrig, in denen 
Greplin Dist ovatum gefunden haben will. 

In der Greifswalder Sammlung ist die genannte Art in 22 Glftsem 
vertreten; die betreffenden Wirte stammen aus Pommern und sind von 
Greplin selbst entweder in Greifs wald oder in Wolgast untersucht 
worden ; als Wohnsitz war fast stets die Bursa Fabricii angegeben. 

Die Revision ergab folgendes Resultat: 

A. JProsthogonl/mus ovatus (Rud.) ist vertreten aus Lari^ ca- 
nus (Sturmmöve), Anas glacialis (Eisente), Pica caudata (Elster), Conm 
comix (Nebelkrähe) und Sturnus vulgaris (Staar); 



1) VergL Braun, M., Trematoden der Bursa Fabricii, des Eileiters und der Eier 
der Vögel. (Centralbl. f. Bakt. etc. 1. Abt Bd. XXIX. 1901. p. 12—19.) 

2) Arch. f. Naturgesch. 1846. Bd. I. p. 129. 

3) Daß auch diese Angaben Irrtümer enthalten werden, ist von vornherein anzu- 
nehmen; Trematoden der Berliner Sammlung, welche v. Siebold in Gurrulut gland»- 
rius gefunden und als Dist, ovatum bestimmt hatte, sind sicher Diät, cuneatum Rud. 



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üeber einige Trematoden der Greplti^'schen Helminthensammlong. ^ 259 

B. Brosthoganitnus cuneatus (Rad.) aus Cygnus musicus 
{Schwan), Otis tarda (Trappe), Oru^ cinerea (Kranich), Cortms comix 
{Nebelkrähe), Corvus corone (Rabenkrähe), Pavo cristatus (Pfau; die 
Exemplare stammten aus dem Eileiter und waren richtig bestimmt), 
I\ilica atra (Bläßhuhn), Anas dangula (Schellente) und FringiUa coelÄs 
{Buchfink); 

C. ProsthogoniYntis pellucldvs (v. Lstw.) aus Numenius ar^ 
quatiis (großer Brachvogel) und dem Ei eines Haushuhns; 

D. I^rosthogonimtM rarus Brn. fand sich neben einem Mono- 
stomum sp. aus der Bursa von Anas clypeata (Löffelente) vor; 

E. Exemplare aus Oarrulus glandarius (Eichelheher), Anas marila 
{Bergente), Anas ferina (Tafelente) und VaneUtM erisiatt^s (Kibitz) 
konnten wegen ungenügender Erhaltung nicht mit Sicherheit bestimmt 
werden; es schien in den Distomiden der 3 zuerst genannten Arten 
Frosthog. cuneatus (Rud.)» bei Vanellus dagegen Pr, avatus (Rud.) vor- 
zuliegen. 

2. Distomum burHcola Grepl. =» Echinostomum cloadnum mihi 

Diese Art wird in den oben angeführten „Nachträge^ (p. 134) von 
Greplin aus der Bursa Fabrici des Fischreihers (Ardea cinerea) er- 
wähnt, jedoch nicht beschrieben. Die Typen sind noch in der Greifs- 
walder Sammlung vorhanden ; ich konnte feststellen, daß sie mit den in 
der Wiener Sammlung unter demselben Namen aufbewahrten, aus der- 
selben Wirtsart stammenden Trematoden übereinstimmen, die ich in 
meiner Mitteilung über die Trematoden der Bursa etc. am Schlüsse er- 
wähne. 

Es sind typische Echinostomen, welche mit Echinostomum bursicda 
Looss (1899) sehr nahe verwandt sind; mit dem Eintritt der Greplin - 
sehen Art in das Genus Echinostomum muß demnach ihr Name geändert 
werden, ich nenne sie Ech. cloacinum. 

Der langgestreckte, abgeflachte Körper ist 2,5 mm lang und in der 
Hohe des Bauchsaugnapfes, der breitesten Stelle, 0,6 mm breit Der 
Halskragen trägt in einer auf der Rückenfläche unterbrochenen Reihe 
20 gerade Stacheln von 0,0228—0,037 mm Länge. Mundsaugnapf 0,1 mm 
lang, 0,08 mm breit, Bauchsaugnapf 0,364 mm lang, 0,417 mm breit; 
dicht vor diesem der Girrusbeutel, dicht hinter ihm der Keimstock; 
im Hinterende die beiden verschieden großen Hoden; zu den Seiten 
des Körpers die großen Dotterstocksfollikel , vom Pharynx bis zum 
Hinterende reichend; Eier wenig zahlreich, 0,082 mm lang, 0,050 mm 
breit. 

Das nahe verwandte Echinostomum bursicola Lss. (aus Müvus para- 
siticus und Faleo tinnunculus) ist bedeutend größer, hat größere Stacheln 
und Eier, weist ein anderes Größenverhältnis der Saugnäpfe auf und 
zeigt das Hinterende erheblich weit über die Hoden hinaus entwickelt. 

3. IHstomum piriforme Crepl. 
Diese Art hat Schilling im Darme von Anas fusca^ Greplin 
im Dünndarme von Anas glacialis (im Dezember zu Wolgast) gefunden ; 
ich konnte ein Greplin 'sches Exemplar untersuchen und trotz der 
schlechten Erhaltung feststellen, daß es sich um dieselbe Form handelt, 
welche Mühling^) als Cyathocotyle prussica n. g. n. sp. beschrieben 

1) Beitr. z. Kenntn. d. Tremat (Ardi. f. Naturgesch. 1896. Bd. I. p. 270. Fig. 7 
15—17.) 



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260 Meyer, Pktinnadelii (Kappennadeln) für den bakteridogischen Gebranch. 

hat. Zu einer Namensänderung liegt kein Grund vor, da Disi. piriforme 
nie beschrieben worden ist. 

4. JMstotnum pictum Crepl. 

Diese Art wurde you Greplin in einem EKemplar in der Kloake 
eines Storches (Cieonia alba) entdeckt und in seinem Artikel: „Distoma'^ 
in Ersch und Gruber's Eneyklop. (Bd. XXIX. 1837.. p. 813 u. 316) 
des Näheren beschrieben. Die Untersuchung des noch vorhandeneD 
Originals ergab völlige üebereinstimmung mit Dist singvlare Molin M, 
das im Darme von Ibia faieindlus lebt. Dieselbe Art glaubt Looss') 
im Enddarme von Olareola praiineola (Brachschwalbe) wiedergefunden 
zu haben; sie ist jedoch spezifisch verschieden von Dist pietum aus dem 
Storch resp. Dist singulare aus dem Ibis; die Unterschiede liegen in 
der verschiedenen Größe des Körpers, der Saugnäpfe und besonders in 
dem Verhalten der Dotterstöcke; die Follikel dieser DrQsen liegen bei 
Dist pietum als bohnenförmige Gebilde in je einer Längsreihe an 
den Seiten des Körpers und ihre Zahl beträgt auf der Genitalporus- 
seite 7, auf der entgegengesetzten dagegen 9, was auch die Zeichnung 
bei Mol in ergiebt; die Looss 'sehe Art dagegen weist weit zahlreichere 
und kleinere Follikel von ovaler Gestalt auf. Ihr muß daher ein anderer 
Name zuteil werden. Zweifellos gehören aber beide Arten, Distpidwm 
Crepl., wozu Disi. singulnre Mol. synonym wird, und Siamylus singularis 
Lss. nee Dist singulare Mol, in dieselbe, nunmehr Stomylotretna^ 
]ieißende Gattung. 

Königsberg i. Pr., 21. Januar 1901. 



Flatmnadeln (Eappennadeln) für den bakteriologisohen 

Gebrauch. 

Von Prof. Arthur Heyer in Marburg. 

Mit 1 Figur. 

Platinnadeln, -Ösen und -spatel von der in der Figur (a, i, c) dar- 
gestellten Form habe ich seit 6 Jahren in Gebrauch, und bin ich damit 
wegen deren Haltbarkeit sehr zufrieden. Der Preis der Nadeln (6,ö0 M. 
fflr Platinnadel oder Platinöse, bei Paul Altmann in Berlin NW, 
Luisenstraße 47) ist nur scheinbar hoch, da die Platinkappe unzerstör- 



1) Molin, Nachtr. z. Prosp. beim. (Sitzber. d. k. Akad. d. Wiss. Wien. Madi.- 
nat Kl. Bd. XXXIII. 1858. p. 288.) — Prodrom, faun. beim. Venet (Denkscbr. d. k. 
Akad. d. Wiss. Wien. Matb.-nat Kl. Bd. XIX, 2. p. 200. Taf. IL Fig. 6. Taf. IE. Fig. 3.) 

2) Looss, A., Weit. Beitr. z, Kenntn. d. Tremat-Fauna Aegyptens. (Zool. Jahrb. 
Syst Bd. XII. 1899. p. 723.) 

3) Looss, A., Nacbtr. Bemerk, etc. (Zool. Anz. Bd. XXm. 1900. p. 602.) 



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Sü4>hylococcu8 albus. 261 

bar ist, und ein neuer Draht in der Fabrik leicht wieder eingefögt 
werden kann. Die Einrichtung der Nadeln ist die folgende: In eine 
Platinkappe ist oben ein Platiniridinmdraht fest eingefügt. Die erwärmte 
Kappe wird einem oben gerade abgebrochenen, durch Erhitzen in der 
Flamme nur eben von den scharfen Kanten befreiten, in der Dicke 
genau passenden Glasstabe aufgesetzt und sitzt dann ganz fest. Die 
passenden Glasstäbe bestellt man bei der Anschaffung der Kappennadeln 
gleich mit 



Referate. 



Saul, Beiträge zur Morphologie des Staphylococcus albus. 
(Berl. klin. Wochenschr. 1900. No. 47.) 

Die Strich- und Stichkulturen stellen Kunstprodukte dar, welche 
die Morphologie Ober grobe Unterscheidungen hinaus nicht fördern 
können. Das Plattenverfahren in der üblichen Form ausgeführt, ge* 
stattet nur eine Beobachtung von wenigen Tagen, weil die auftretenden 
Verunreinigungen und die Eintrocknung des Nährbodens sich sehr bald 
störend bemerkbar machen. Die Kolonieen bedürfen aber, ehe sie die 
Höhe ihrer Entwickelung erreichen, eines Zeitraumes von Wochen und 
Monaten. Daher wollte Verf. das Plattenverfahren dementsprechend' 
madifizieren und fand folgende» Verfahren %ls zweckmäßig. Als Aus- 
gangsmaterial diente eine 48-stündige Bouillonkultur des Staphylo- 
coccus albus. Von derselben wurde eine Oese auf geschmolzenes 
und auf 40® abgekühltes Agar verimpft. Dieses Agarglas diente zur 
Herstellung der Verdünnungen, für welche ebenfalls geschmolzenes und 
auf 40® abgekühltes Agar verwendet wurde. Die Verdünnungen ließ er 
im Reagenzglas schräg erstarren. In der zweiten oder dritten Ver- 
dünnung finden sich die Mikroorganismen gewöhnlich in so geringer 
Zahl, daß ihre ungehinderte Entwickelung gewährleistet ist. Der Watte- 
verschluB verhindert die Verunreinigungen; sorgt man nun für eine 
regelmäßige Ergänzung des Kondenswassers, so kann die Beobachtungs- 
dauer nach Belieben ausgedehnt werden. Verf. besitzt zahlreiche Kul- 
turen, die nunmehr ein Jahr alt sind und noch völlig intakt erscheinen. 

Während nun die Kolonieen, welche sich auf der freien Fläche des 
liährbodens entwickeln, eine außerordentliche Gleichförmigkeit zeigen, 
bieten die Tiefenkolonieen eine Reihe scharf ausgeprägter Charaktere 
•dar, welche die Unterscheidung mehrerer Typen ermöglichen. Verf. 
unterscheidet die Kugelform, die Scheibenform und die Form 
des Dreiblattes. Zwischen jedem dieser drei Typen finden sich 
zahlreiche Uebergänge. Verf. stellt auf Grund seiner Arbeiten folgende 
Schlußsätze auf: 

Für einen der Mikroorganismen aus der Klasse der Spaltpilze ist 
der Nachweis erbracht, daß er Pflanzenformen produzieren kann, wenn 
•er Zeit und Raum für seine Entwickelung findet. Wie mannigfaltig 
auch die Varietäten sein mögen, welche der Staphylococcus albus 
produziert, die Morphologie seiner Kolonieen ruht auf dem Prinzip der 
Dichotomie. Die Formen derselben werden lediglich bestimmt durch 
die Zahl der Centren, von denen die dichotomischen Theilungen ihren 
Ausgang nehmen und von der stärkeren oder geringeren Entwickelung 



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262 Pathogene Streptothrix. 

der Laubmassen. Die Kolonie ist kein regelloses Aggregat 
von Zellen. Sie stellt Tielmehr die Einheit der höchsten 
Ordnung dar, welche der Mikroorganismus hervorbringt» 

Deeleman (Dresden). 

Aoyama und Mlyamoto, Ueber die menschenpathogene Strep- 
tothrix. (Mitteil, aus der medizin. Fakultät der Eaiserl. Japanischen 
Universität zu Tokio. Bd. IV. No. 7. p. 231—276.) 
Bevor die Verff. den von ihnen untersuchten Fall einer Infektion 
mit menschenpathogener Streptothrix schildern, stellen sie zuerst die 
ihnen zur Kenntnis gekommenen Arbeiten anderer Autoren zusammen, 
die sämtlich in unseren deutschen einschlägigen Zeitschriften bereits 
angeführt sind. Da die vorliegende Arbeit der japanischen Forscher, 
wie überhaupt die „Mitteilungen^, in deutscher Sprache geschrieben 
ist, so muß bei vollkommenster Anerkennung der erlangten Sprach- 
kenntnisse doch konstatiert werden, daß einzelne, wenn auch geringe 
üngenauigkeiten unterlaufen sind, die u. a. bei Anführung der Arbeit 
des Ref. über dasselbe Thema (Münch. med. Wochenschr. 1898. No. 29) 
zu Tage treten. Uebergehend auf den von den Verff. behandelten Fall 
bringen sie zuerst die Krankengeschichte, dann den Sektionsbefund und 
zuletzt das morphologische und biologische Verhalten des von ihnen 
reingezüchteten Pilzes; 18 Zeichnungen und Photographieen dienen als 
wertvolle Beigabe. Aus der Krankengeschichte selbst dürfte am meisten 
interessieren, daß bei dem Patienten eigentlich erst 7 Tage vor dem 
Tode sich mäßiger Hustet mit geringem Auswurf bemerkbar machte 
und erst 3 Tage vor dem Ende bei gleichzeitiger Zunahme der Sputum- 
menge heftiger wurde. Die Untersuchung des Sputums ergab verzweigte^ 
fadenförmige Gebilde. Am letzten Tage war die Schwäche bei voll- 
kommen getrübtem Sensorium sehr bedeutend und erfolgte der Tod 
durch Herzlähmung. Die mikroskopische Untersuchung der eiterigen 
Lungenhöhle ergab gleichfalls reichliche Mengen verzweigter Fäden, wie 
solche sich schon bei der Sputumuntersuchung gefunden hatten. Die 
Fäden waren leicht färbbar und sind ebenso säurefest wie Tuberkel- 
bacillen. Das mikroskopische Bild konnte infolge der echten Ver- 
zweigungen nur als Streptothrix: gedeutet werden. 

Aus dem anatomischen Befunde der Lungen resümieren die Verff.,. 
daß die Streptothrix Krankheiten hervorruft, welche dem Bilde der 
käsigen Pneumonie sehr ähnlich sind; während aber bei tuberkulöser 
Affektion der Lunge die Wandung der Kaverne meist glatt ist, ist hier 
die Wandung der Absceßhöhle flottierend und zerrissen. Die Strepto- 
thrix fanden sie immer an den Stellen, die sich durch massenhafte 
Ansammlungen von Leukocyten auszeichneten, und um die Anhäufungen 
derselben waren fibrinöse Entzündungen vorhanden, in denen keine 
Streptothrix nachweisbar war. Wahrscheinlich produziert die 
Streptothrix das Gift, welches dann auf die Alveolen wände fibrinös 
oder serofibrinös entzündlich einwirkt, indem die Pilze selbst die leuko- 
cytäre Reaktion hervorbringen. Auch die Verff. sind der Ansicht, daß 
die Streptothrix durch die Atmungswege nach den Alveolen aspiriert 
worden ist. — Zu Kulturversuchen wurden Glycerinagarplatten mit 
Sputum und Eiter gegossen; bei ersteren überwucherten andere Bak- 
terien und die Isolierung der Streptothrix gelang nicht, während 
solches mühelos aus dem Eiter gelang. Die aus letzterem gezüchteten 
Kolonieen wurden zu weiteren Versuchen auf den verschiedenen Nfihr- 



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Kapselbacillen. 263 

böden verwendet, welche gleichmäßig die charakteristische Form und 
Wachstumsart der Streptothrix ergaben. Die mit Kavemeneiter 
und Reinkultur angestellten Tierversuche zeigten nach dem Tode der 
Meerschweinchen am Bande der Leber meist einige Knötchen, welche 
auf Deckgläsern, wenn auch mit Schwierigkeit, zerquetscht die ver- 
zweigten Fäden sichtbar werden ließen und aufs neue zur Darstellung 
einer Reinkultur verwendbar waren. Auch wurden Knötchen an den 
Lungen und in dem Pericardium des Herzens nachgewiesen, ebenso bei 
anderen Tieren in dem linken Hinterhauptlappen, welche alle Strepto- 
thrix in sich einschlössen. Das Resultat war, daß die Einspritzungen 
in die seröse Höhle Pseudotuberkeln und hämorrhagisch-fibrinöse Ent- 
zfindungen der serösen Häute verursachten; bei Einbringung in die 
Cirkulationswege wurden in mehreren Organen ebenfalls Pseudotuberkeln 
hervorgerufen, aber die fibrinös-hämorrhagischen Erscheinungen traten 
zurück. 

Die von den Verff. angestellten morphologischen und biologischen 
Studien bestätigen die bisherigen schon bekannten Arbeiten der ver- 
schiedenen Forscher auf diesem Gebiete und sind mit großem Fleiße 
durchgeführt Auch über die Widerstandsfähigkeit der Streptothrix 
gegenüber chemischen Agentien wurden Versuche angestellt — Bezüg- 
lich der Frage, ob die von den Verff. isolierte Streptothrix mit den 
bis jetzt bekannten und beschriebenen identisch sei, äußern sie sich 
dahin, daß sie am nächsten der von Eppinger isolierten stehe, aber 
doch nicht in allen Punkten mit ihr übereinstimme; vielleicht sei sie 
mit der von Buchholtz angeführten identisch, leider ist ja aber deren 
Reinkultur nicht gelungen. Mit den von Petruschky und Rull- 
mann beschriebenen und isolierten aber habe die ihre keine Aehn- 
lichkeit. 

Als Nachschrift teilt Aoyama mit, daß er August 1899 eine Leiche 
secierte, deren Diagnose während des Lebens als tuberkulös -hämor- 
rhagische Pleuritis und Kakke gestellt war. Auch hier fand sich in 
einem hepatisierten Lungenstück reichlich Streptothrix. 

Ganz besonders sei am Schlüsse auf die beigegebenen Tafeln mit 
Zeichnungen aufmerksam gemacht Rullmann (München). 

Streng, L. W., A study of the encapsulated bacilli. (Journal 
of ihe Boston Soc. of the Med. Sciences. Vol. III. 1899. p. 185— 
196.) 
Verf. untersuchte Kulturen des B. Friedländer, B. 
Wright und Mallory, B, Pfeiffer, B. ozaenae, B. rhino- 
scleromatis, B. sputigenus crassus, B. capsulatus septicus 
und B. lactis aerogenes, welche er aus verschiedenen Quellen er- 
hielt Zur Differentialdiagnose erwies sich die Gasproduktion als 
wertvoll. Das Verhältnis zwischen den erzeugten H- und GOg-Mengen 
bildet kein Unterschiedsmerkmal. Wenn man alle Eigenschaften der 
oben genannten Bakterien zusammenfaßt, so findet man, daß dieselben 
in 2 Gruppen untergebracht werden können, welche S. als die Fried- 
länder- und die Aerogenes-Gruppe bezeichnet Die Fried- 
länder*sche Gruppe enthält B. pneumoniae Friedl., B. ozaenae 
Fasching, B. capsulatus mucosus oder B. sputigenus crassus, 
B. Wright und Mallory, und möglicherweise B. rhinoscleroma- 
tis. Nach S. wäre diese Gruppe dadurch charakterisiert, daß die jugend- 
lichen Kolonieen farblos sind und die alten weiß; daß leicht färbbare 



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284 Hämorrhagische Septikämie. — Bacillus capsulatus. 

Kapseln nur innerhalb von Geweben nnd in Exsudaten gebildet werden, 
während Pseudokapseln auf künstlichen Nährböden zuweilen entstehen ; 
daß die größte Gasbildung in saceharosehaltigen Nährmedien stattfindet; 
während etwas weniger Gas in glukosehaltigen und wenig resp. gar kein 
Gas oder Säure in laktosehaltigen Nährböden gebildet wird, daß die Milch 
nicht zur Gerinnung gebracht wird. Bei der Aöro gen es- Gruppe, 
welche wahrscheinlich mehr Mitglieder enthält, sind die Kolonieen von 
Anfang an weißlich; die Kapseln sind schwer färbbar und treten nui' 
unregelmäßig auf; es werden keine Pseudokapseln auf künstlichen Nähr- 
böden gebildet; die Gasbildung ist eine reichlichere und konstantere auf 
allen 3 oben genannten Nährböden ; Milch gerinnt schnell ; gleiche Säure- 
mengen werden aus allen 3 Zuckerarten gebildet S. ist geneigt, daraus 
den Schluß zu ziehen, daß es sich nur um Varietäten ron 2 ver- 
schiedenen Bakterienspecies handelt. Nuttall (Cambridge). 

Howard, W. T. jr., Haemorrhagic septicemia in man due to 
capsulated bacilli. (Journal of Experimental Med. Vol. IV. 
1899. p. 149-168.) 
Verf. berichtet über 2 tödlich verlaufene Fälle von hämor- 
rhagischer Septikämie. Bei einem konnte er Kapselbacillen 
isolieren. Die erhaltenen Kulturen waren für Hunde, Kaninchen, Meer- 
schweinchen, weiße und graue Ratten und Hausmäuse pathogen, während 
Tauben sich als immun erwiesen. Der Bacillus wäre wohl unter die 
Gruppe zu ordnen, zu welchen der B. Friedländer gehört, obwohl 
er in manchen Beziehungen von den verschiedenen hierher gehörenden 
Bacillen abweicht Die Arbeit enthält eine eingehende Beschreibung 
der Kulturergebnisse, Pathologie etc. und berücksichtigt die einschlägige 
Litteratur. Nuttall (Cambridge). 

GuiTy^ J. J.9 Bacillus capsulatus (Bacillus pneumoniae of 
Friedländer?) with especial reference to its connection 
with acute lobar pneumonia. (Journal of Experimental Med. 
Vol. III. 1899. p. 169—180.) 
Verf. berichtet über 12 Fälle, bei welchen der Bacillus capsu- 
latus (B. pneumoniae von Friedländer?) gefunden wurde, und 
betont besonders dessen Beziehung zur akuten lobären 
Pneumonie. Er kommt nämlich auf Grund sorgfältiger Unter- 
suchung zu dem Schlüsse, daß der Micrococcus lanceolatns 
doch diese Affektion verursacht, dieser wird aber öfters übersehen bei 
Anwesenheit der Kapselbacillen. Nuttall (Cambridge). 

Love, W. J. and Cary, C. A«, Infection of gunshot wound of 
the leg with le Bacillus aerogenes capsulatus — ampu- 
tation — recovery. [Bacteriological report by C. A. Gary.] 
((New York] Medical Record. Vol. LV. 1899. p. 493-497.) 
Die Verff. berichten über einen Fall von Infektion einer 
Schußwunde des Beines mittels des B. aörogenes capsu- 
latus (Welch und Nuttall), welche mit Heilung endete, nachdem 
das Glied entfernt war. Der Patient, ein 32-jähriger Neger, wurde im 
betrunkenen Zustande mittels einer (44 Kaliber) Pistole geschossen. 
Die Kugel durchbohrte das Glied unterhalb des Kniees. Nach 48 Stun- 
den war das Glied enorm geschwollen und die Unterhaut emphysematös. 
Durch geringen Druck floß eine blutige schaumige Flüssigkeit aus der 



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Cerebrospinalmeningitis. 265 

Wunde und gurgelte so, daß man es hören konnte, -fin eigentümlicher 
fanler Geruch konnte auf einige Fuß Entfernung bemerkt werden. Der 
Patient litt an schweren Schmerzen und fieberte. Der Puls war 135 
and schwach, die Respirationen 28. Das erste Symptom wurde 24 Stun- 
den, nachdem er verwundet war, bemerkt, indem ein schwerer Schüttel- 
frost eintrat und darauf Schwellung des Gliedes. Bei der Amputation 
floß eine braungefärbte Flüssigkeit heraus und gurgelte derart, daß man 
es auf einige Fuß Entfernung hören konnte. Ein äußerst übler Geruch 
erfüllte den Operationssaal. Die unter der Haut gelegene Muskulatur 
war weich, maceriert und scheinbar nekrotisch. Das ganze um die 
Wunde gelegene Gewebe schien zerstört zu sein. Die Tibialarterie lag 
durchrissen in der Nähe der Ausgangsstelle der Kugel, war schwarz, 
auf eine Strecke von 2 Zoll gangränös und mit einer weichen Blut- 
masse erfüllt Kapselbacillen wurden in dem entnommenen Blute und 
dem entfernten Gewebe mikroskopisch beobachtet. Die eröffnete Wunde 
wurde irrigiert und mit steriler Jodoformgaze gefüllt; der Patient schien 
sich zu erholen. Nach weiteren 24 Stunden war der Zustand aber 
derart, daß eine hohe Amputation gemacht werden mußte, worauf der 
Patient allmählich genas. Nach Gary soll der Bacillus beweglich sein 
und in Kulturen sich zu einem Aärobier ändern. Dies wird wahrschein- 
lich auf verunreinigten Kulturen beruhen. L. und C. berücksichtigen 
die einschlägige Litteratur. Nuttall (Cambridge). 

ftradwohl, R. B. H., Epidemie cerebrospinal meningitis: 
report of thirty-four cases, with especial reference to 
the bacteriologic features of the disease. (Philadelphia 
Monthly Medical Journ. Vol. I. 1899. p. 361—369.) 
Verf. berichtet über 34 Fälle von Cerebrospinalmeningi- 
tis, welche er während der zu St. Louis, Mo. (Ver. Staaten), im Winter 
und Herbst 1898—99 vorkommenden Epidemie untersuchen konnte. Es 
gelang G., den Diplococcus intracellularis bei 33 dieser 
Fälle aus der durch Lumbalpunktion gewonnenen Flüssigkeit resp. aus 
den Meningen bei der Sektion zu gewinnen, während bei einem anderen 
Falle der Microcöccus lanceolatus isoliert wurde. Die erste 
Kultur wurde stets auf Blutserum angelegt. Die Gram 'sehe Methode 
erwies sich als unzuverlässig bei der Differentialdiagnose zwischen dem 
Micr. lanceolatus und dem Dipl. intracellularis, indem sich 
der letztere zuweilen ungleich verhielt. G. giebt eine ausführliche Be- 
schreibung der von ihm kultivierten Bakterien. Es wurden 6 Hunde, 
12 Katzen und 1 Kaninchen direkt vom Menschen resp. aus diesem ge- 
wonnenen Kulturen geimpft, und in den meisten Fällen konnte ein de- 
finitives Verhältnis zwischen der Virulenz für Tiere und der Schwere 
des Falles beim Menschen festgestellt werden. Bei einem Menschen, 
welcher 24 Stunden nach der Erkrankung gestorben war, befanden sich 
Diplokokken, welche den mit ihnen intracerebral geimpften Hund unter 
konvulsiven Erscheinungen innerhalb 6 Stunden tötete. Bei einem 
anderen Falle, in dem der Mensch nach 2 Wochen starb, ging der Hund 
erst am 10. Tage zu Grunde. Mit Material aus dem letzten Hunde 
wurde ein zweites Tier geimpft, welches erst nach 2 Wochen starb. Ein 
Hund wurde mit einer Reinkultur geimpft, welche von einer schwangeren 
Frau stammte, die am 2. Tage nach Anfang des akuten Anfalls gestorben 
war. Dieses Tier starb am 4. Tage unter konvulsiven Erscheinungen. 
Ein Hund, welcher mit Material aus dem Fötus (eine Reinkultur) resp. 

Ente Abt. X2IX. Bd.Jj 18 



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266 Cerebrospinalmemngitig. 

ein zweiter Hund, jvekher mit dem Ohreneiter dieser Frau geimpft war, 
starben nach 2 Tagen. Alle Hunde zeigten akute Krankheitserschei- 
nungen: Konvulsionen, Fieber etc. Aehnliche Resultate wurden bd 
Katzen erhalten, nur daß diese Tiere andere Symptome als die Hundt 
zeigten. 3 Katzen hatten Konvulsionen vor Eintritt des Todes, die 
anderen aber nicht. Nur eine Katze blieb am Leben und diese war 
eine, welche mit Kulturen geimpft, welche von einer Frau stammten,! 
die nach einem Krankenlager von 6 Wochen genas. Diese Katze schiei I 
sich nach einem Monat erholt zu haben und wurde getötet Die Unter- 
suchung des Tieres ergab etwas Verdickung der Meningen, die angelegte! | 
Kulturen blieben aber steril. Die pathologischen Befunde bei deaj 
Tieren waren denen beim Menschen ähnlich. 2 Katzen, welche intrapleural 
mit einer Beinkultur geimpft wurden, starben am 2. Tage und zeigtei 
typische croupöse Pneumonie, aber keine Zeichen einer Meningitis. Das 
Kaninchen, welches mit Kulturen geimpft war, die von einer 2 Wochei 
nach der Erkrankung verstorbenen Person stammten, verendete nad 
2 Tagen. Von den 34 Fällen beim Menschen verliefen 22 todlich (ca.; 
65 Proz.), von denen 21 zur Sektion kamen. G. betont besonders deii 
Wert der Lumbalpunktion für die Diagnose, sie wurde auch, mit ein« 
Ausnahme, bei allen berichteten Fällen vorgenommen, lieber den patho- 
logischen und symptomatologischen Teil der Arbeit siehe Weiteres ia 
Original. Nuttall (Cambridge). 

Holmes, B., Gerebrospinal Pneumococcus infection. (Journal 
of the American Medical Association. Vol. XXXII. 1899. p. 1360- 
1361.) 
Verf. beschreibt einen tödlich verlaufenen Fall von 
Cerebrospinalinfektion durch Pneumokokken bei einem 
15-jährigen Mädchen. Die bakteriologische Diagnose wurde mittds 
Lumbalpunktion zu Lebzeiten festgestellt, indem sämtliche Kulturen 
positiv ausfielen. Eine vorübergehende Besserung wurde durch Ein- 
spritzung von Serum erreicht, welches einem Mann entnommen war, 
welcher sich von Pneumokokkenpneumonie erholt hatte. Ueber die zu- 
letzt vergeblich unternommenen chirurgischen Eingriffe, sowie über den 
Sektionsbefund siehe Näheres im Original. Nuttall (Cambridge). 

Eyster, 0» L«, Gerebrospinal meningitis. (Journal of tlM 
American Medical Association. Vol. XXXIII. 1899. p. 187—188.) 
Verf. beschreibt 2 Fälle von Gerebrospinalmeningitis, 
bei welchen vor Auftreten der schwereren Symptome Coryza bestanden 
hatte. Der eine Fall verlief tödlich. Bei beiden wurden aus der am 
5. Krankheitstage durch Lumbalpunktion gewonnenen Flüssigkeit resp. 
aus dem Nasensekret des einen Falles typische Kulturen des Diplo- 
coccus intraceilularis meningitidis erhalten. 

Nuttall (Cambridge). 

Conner, L. A. A contribution to the study of cerebrospinal 
meningitis. ([New York] Medical News. Vol. LXXIV. 1899. p.685 
—691.) 
Verf. berichtet über Cerebrospinalmeningitis und die bakterio- 
logische Untersuchung von 10 Fällen. Bei 3 blieben die 
Kulturen steril; bei einem wurde eine Reinkultur von Streptokokken 
erhalten; bei einem wurden Pneumokokken und Streptokokken, bei 



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Gerebrospinalmeningitis. 267 

einem der Diplococcus intracellularis mikroskopisch gefunden, 
die Kulturen blieben aber steril. Bei den übrigen 4 Fällen wurde ein 
Micrococcus gefunden, welcher kulturell und mikroskopisch mit dem 
Pneumococcus identisch zu sein schien. Bei 2 weiteren Fällen von 
akuter Erkrankung, welche nicht zur Sektion kamen und bei welchen 
Lumbalpunktion vorgenommen wurde, ist einmal der Diplococcus 
intracellularis auf Deckglaspräparaten gefunden worden. Daß bei 3 
von den oben erwähnten 20 Fällen der Befund negativ war, ist wohl 
darauf zurückzuführen, daß nur die gewöhnlichen Kulturmedien bei 
diesen benutzt wurden. Die Arbeit enthält Verschiedenes über Pathologie, 
Krankheitsverlauf u. s. w. Nuttall (Cambridge). 

«relwe, J. E. and Fackler, U. A., Mitchell, E. W., Hellman, F. F., 

Cerebrospinal meningitis with the tetragenus micro- 
coccus as probable cause. (Philadelphia Monthly Medical Journ. 
Vol. I. 1899. p. 528-531. 2 fig.) 

Verff. beschreiben 5 Fälle von Gerebrospinalmeningitis. 
Bei dem von Fa ekler beschriebenen Fall wurden einige Diplokokken 
im Exsudat, welches mittels Lumbalpunktion gewonnen wurde, beob- 
achtet; die Kulturen blieben aber steril. Mitchell berichtet über 
2 Fälle, bei welchen eine bakteriologische Untersuchung unternommen 
und ein ^Tetracoccus^ gefunden wurde. Denselben Befund machte 
einmal Hellman. Greiwe konnte ebenfalls einen in Tetraden wach- 
senden Micrococcus aus einem Fall isolieren. Die auf Blutserum 
oder Blutagar angelegten Kulturen blieben sämtlich steril. Nach 
48 Stunden auf Agar zeigten sich stecknadelkopfgroße erhabene, scharf 
abgegrenzte Kolonieen von gelblich weißer Farbe auf der Oberfläche 
des Mediums. 2 schlechte Mikrophotographieen begleiten den Text. Es 
wurden keine Uebertragungsversuche an Tieren unternommen. Wie aus 
dem oben Gesagten hervorgeht, ist der in der Schrift enthaltene bak- 
teriologische Teil recht mangelhaft Nuttall (Cambridge). 

Etsenrath, D* N», The pathology of epidemic cerebrospinal 
meningitis. (Journal of the American Med. Association. Vol. XXXII. 
1899. p. 522—523.) 
Verf. berichtet über einen Fall von epidemischer Gerebrospinal- 
meningitis, welche in Chicago vorkam, bei dem es ihm gelang, den 
Diplococcus intracellularis aus den Meningen und Niere zu 
isolieren, während Kulturen aus anderen Organen steril blieben. Im 
übrigen giebt er eine kurze Uebersicht der einschlägigen Litteratur. 

Nuttall (Cambridge). 

Faber, Erik E», Bakteriologische Untersuchungen von 
Fällen epidemischer Gerebrospinalmeningitis in Kopen- 
hagen im Sommer 1898. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infektionskrankh. 
Bd. XXXIV. 1900. Heft 2. p. 253.) 
F. untersuchte während der genannten Epidemie, bei der im Blag- 
damshospital bei 34 Patienten die Lumbalpunktion ein flüssiges Exsudat 
entleerte (bei 17 Patienten kein positives Resultat), die Punktionsflüssig- 
keit und fand 27mal den Diplococcus intracellularis Weichsel- 
baum bei der direkten Untersuchung; in den übrigen 4 Fällen war 
das Resultat der Kulturversuche negativ oder zweifelhaft. Die Meningo- 
kokken entfärbten sich nach dem Gram 'sehen Verfahren stets sowohl 

18* 



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268 Diplococcus intracellularis meniogitis. — Harn Zersetzung. 

in Exsudat- als Kuiturpräparaten (5 M. Anilingentianviolett, 1 — 2 M* 
Jodjodkali, 15 M. absuluter Alkohol). Die auf Fleischwasserpeptonagar 
bitinen 1 — 2 Tagen zu stecknadelkopfgroßen, weißlichen, am Rand halb- 
durchsichtigen Kolonieen ausgewachsenen Meningokokken besaßen sehr 
kurze Lebensfähigkeit und waren ebenso wie das Cerebrospinalexsudat 
für Tiere (Mäuse und Meerschweinchen) wenig virulent, trotzdem die 
Krankheit eine hohe Mortalität hatte: von 60 Patienten starben 24 == 
40 Proz. Schill (Dresden). 

Haglund, P., Till förekomsten af Diplococcus intracbllu- 
laris meningitidis (Weichselbaum-Jäger) i ögat [Zum 
Vorkommen von Diplococcus intracellularis meningi- 
tidis (Weichselbaum-Jäger) im Auge.] (Ups. Läk.-För. Förh. 
N. F. Bd. V. 1900. Heft 5/6. p. 320-339.) 
Haglund beschreibt den Befund eines Bakteriums, welches er 
für den Diplococcus intracellularis meningitidis hält, bei 
einer Conjunctivitis, die er als von ihm verursacht ansieht. Bei einem 
Knaben von 5 Monaten fand sich besonders in der oberen Fornix der 
Bindehaut eine starke Anschwellung mit eiterähnlicher Absonderung^ 
sowie ein Ulcus corneae mit späterer Staphylombildung und Phthisis 
bulbi. In dem Sekret wurden Gruppen von gonokokkenähnlichen Diplo- 
kokken gefunden, die nicht in Epithelzellen eingeschlossen waren. Sie 
wurden zuerst nur auf nicht bluthaltigen Substraten gezüchtet (Bouillon, 
Agar, Glycerinagar) und zeigten dort sehr wechselnde Größe und Färb- 
barkeit, sowie Kettenbildung, oft mit längsgerichteten Teilungsebenen, 
im allgemeinen den Eindruck machend, als ob sie in ungünstigen Verhält- 
nissen lebten. Auf bluthaltige Medien übertragen, wurden sie regel- 
mäßiger, mehr typische Diplokokken, im allgemeinen etwas größer, welche 
Eigenschaften sie bei späterer Zurückzüchtung auf nicht bluthaltigen 
Nährmedien bewahrten. Das erste Aussehen wurde durch 1-monatliches 
Wachstum auf Agar bei 10® wieder hervorgebracht. Die Kulturen 
konnten noch nach 7 Wochen übergeimpft werden, sowie auch nach 
3-tägigem Aufenthalt in einer Temperatur von im Mittel - 10^ Milch 
wurde unter sauerer Reaktion koaguliert Der Coccus wuchs auf Kar- 
tofifeln nicht zuweilen auch nicht auf Gelatine. Er nahm den Gram in 
allen Modifikationen gut an. Kapseln ließen sich zuweilen mit der 
Geißelmethode von Loeffler färben. Einzelne Bouillonkulturen waren 
auffallend schleimig, während andere mehr körnig aussahen. — Intra- 
peritoneal Mäusen eingespritzt, erzeugte der Coccus ein mucopuru- 
lentes Sekret und baldigen Tod. Das Blut gab Reinkultur von dem 
Mikroorganismus. Einige Impfungen an Tierconjunctiven (1 Kaninchen, 
1 Maus, 1 Meerschweinchen) nach Scarifikationen gaben negatives Re- 
sultat. Stecks^n (Stockholm). 

Barchard, Beiträge zur Kenntnis des Ablaufs und der 

Größe der durch Micrococcus ureae liquefaciens be- 

wirktenHarnsto ff Zersetzung. (Archiv für Hygiene. Bd. XXXVI. 

Heft 3.) 

Die durch die neueren Untersuchungen festgestellte Thatsache, daß 

eine ganze Menge von Bakterien die Fähigkeit besitzen, Harnstoff in 

ammoniakalische Gärung zu versetzen, hat Verf. bestätigt gefunden bei 

Prüfung einer Anzahl von Keimen aus dem Rostocker Leitungswasser 

sowie aus Gartenerde. Die Intensität der Zersetzung ist aber eine sehr 



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Harnzersetzung. 269 

verschiedene und nur bei einer beschränkten Anzahl von Keimen, den 
eigentlichen Harnstofifspaltern, erheblicherer Natur. Ueber den zeit- 
lichen Verlauf und die quantitative Leistung bei diesem bakteriellen 
StoflFwechselvorgang geben Aufschluß eine Reihe von mit Micrococcus 
ureae liquefaciens (Flügge) angestellten Versuchen. Als Harn- 
stofflösung diente Harn in unverdünntem oder verdünntem Zustand 
(zunächst ohne, später mit gewissen Zusätzen). Nach Sterilisation im 
Erlenmey er- Kolben und Beimischung einer Aufschwemmung von 
Agarkultur wurden Proben steril entnommen und daraus der Harnstoff- 
gebalt (nach Mörner und Sjöquist) und durch Gelatine- und Lack- 
mushamgelatine-Platten die Keimzahl festgestellt. Es trat innerhalb 
von 3 Tagen eine starke Vermehrung der Mikrokokken mit meßbarer 
Harnstoffzersetzung ein, die aber sofort in den nächsten Tagen wieder 
faerabging, während gleichzeitig auch die Keimzahl sich verminderte. 
Nach 6 Tagen blieben die Platten steril; indessen setzte auf Zusatz 
von frischem Harn zum Sediment erneute HarnstoiTzerlegung ein, so 
daß die Mikroben wohl nur in ein Ruhestadium eingetreten waren. Es 
lag nahe, als dessen Ursache den zunehmenden Ammoniakgehalt anzu- 
sehen. Doch lehren weitere Versuche, daß bei größerer Wasserver- 
dünnung zwar die Keime sich stärker vermehren und länger entwicke- 
lungskräitig erhalten, daß aber ihre Lebensthätigkeit, gemessen durch 
die Größe der Harnstoffzersetzung, wesentlich herabgeht Dasselbe er- 
gab sich, wenn dem verdünnten Harn zur Bindung des Ammoniaks 
phosphorsaure Magnesia zugesetzt wurde. Einzig im unverdünnten 
Harn wurde durch diese Beimischung die Harnstoffspaltung erheblich 
gesteigert, in dem Maße, daß die Alkalescenz stark zunahm und bei 
weitem nicht alles Ammoniak durch den Magnesiazusatz gebunden wurde. 
Andererseits bewirkte Beigabe von Gips zur Neutralisation des Ammo- 
niaks zwar eine enorme Wachstumsförderung, dagegen keine ent- 
sprechend vermehrte HarnstoflFzerlegung. Ein Gift für die Harnstofi- 
spalter ist demnach das Ammoniak jedenfalls nicht, und es bleibt die 
Ursache des begünstigenden Einflusses der phosphorsauren Magnesia 
anf die Harnstoffzersetzung und des Gipses auf das Wachstum noch 
unklar. 

Die für die stoffliche Leistung des Mikroben und die Schnelligkeit 
seiner Vermehrung gefundenen Zahlen schwankten in weiten Grenzen, 
doch ergab sich der beachtenswerte Umstand, daß, je schneller die 
Teilung vor sich ging, desto weniger Harnstoff zerlegt wurde; eine That- 
sache, die bei weiterer Bestätigung auf die Lebensvorgänge im Spalt- 
pilzkörper ein neues Licht werfen würde. 

Endlich wird mit Zuhilfenahme der v, Nae gel i 'sehen Zahlen für 
den vorliegenden Fall berechnet, daß 1 g Körpermasse des Micrococcus 
in wasserhaltigem Zustand in der Stunde 180—1200 g Harnstoff zu zer- 
setzen imstande ist Schmidt (Berlin). 



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270 Untereuchungsmethoden, Instrumente etc. 

Untersuchungsmethoden, Instrumente ete. 



Paul, Theodor, Die Anwendung des Sandes zum schnellen Filtrieren des 
Nahragars. (Münch. med. Wochenschr. 1901. No. 3.) 

Das Filtrieren des Nähragars ist, wie jeder Bakterioloff weiß, eine langwierige 
Arbeit und, wenn größere Menden davon bereitet werden sollen, bedarf es on eines 
großen Aufwandes von Zeit und Mühe. Nach vergeblichen Versuchen mit verschiedenen 
Borten Filtrierpapier fand der Verf. im Sande ein vorzügliches Filtermateriai, mit welchem 
das Filtrieren des Agam&hrbodens in kurzer Zeit imof ohne Materialverlust ausgeführt 
werden kiann. 

Die Einrichtung der Filtriervorrichtung ist an der Hand nebenstehender Zeichnung 
leicht zu verstreu. 

Der Filtrierapparat besteht aus zwd cylindrischen Gefäßen aus emailliertem Eisen- 
blech, welche aufeinander passen, und von denen das obere mit einem Siebboden ver- 
sehene zur Aufnahme des Sandfilters dient, während sich im unt«:^ der filtri^te 
Nähragar ansammelt Die Dimensionen sind so gewählt, daß die übereinander stehen- 
den Grefäße beouem im Dampfkochtopf 
Platz finden. Das Filter wird in der 
Weise hergestellt, daß auf den Sieb- 
boden des oberen Gefäßes eine *Lage 
dünnen Gazestoffes gelegt wird, welche 
mit einer ca. 3 cm honen Schicht groben 
Kieses überdeckt wird, und nun folgen 
die übrigen Schichten, wie dies in dar 
Figur ang^eben ist, getrennt durch je 
eine Lage des gleicnen Gazestoffes. 
Besondere Sorgfalt ist darauf zu ver- 
wenden, daß dieser Gazestoff an der 
Wand des Gefäßes nicht höher liegt als 
in der Mitte oder ^r die folraide 
Schicht überragt; die Flüssigkeit dringt 
sonst besonders beim Sand nicht durdi 
diesen, sondern wählt den bequemeren 
Weg durch das Gewebe und läuft trübe 
durch das Filter. 

Zunächst giebt man auf das Filter 
so viel siedend neißes Wasser, bis das- 
selbe vollkommen klar abläuft und 
_ -,.- , „ ^, . , ,T 1 keine Sandteilchen mehr mitgerissen 

Sandfilter zum schnellen Filtneren des Nähr- werden, verdrängt das Wasserlötungs- 
agars nach Theodor Paul. wasser durch mehrmaliges Aufgie&i 

von siedend heißem destillierten Wasser 
und stellt den Apparat in den unterdessen angeheizten Dampfkochtopf. Ist kein 
solcher vorhanden, genügt auch ein gewöhnlicher emaillierter eiserner Topf, wdcher 
so hoch ist, daß der Filtrierapparat bequem darin Platz hat. Zweckmäßig ist es in 
diesem Falle, zwisdien den Boaen des Topfes und den Apparat einen ca. U) cm hohen 
Dreifuß zu stellen, damit der Apparat nur im Dampf und nicht im siedenden Wasser 
steht. Nachdem die Temperatur im Innern des Filters KW erreicht hat, was im 
strömenden Dampf je nach den Dimensionen des Apparates ca. 15—30 Minuten dauert, 
gießt man mittels eines Schöpfers den gut abgesetzten, siedend heißen Agamährboden 
auf das Filter. Um zu verhindern, daß der Flüssigkeitsstrahl in die obere Kiesla^e ein 
Loch wühlt, empfiehlt es sich, auf dieselbe eine Glasschale zu stellen und die Flüssig- 
keit zimächst in diese zu gießen. Nachdem eine geringe Menge filtriert ist, übeneugt 
man sich, daß das Filtrat klar abläuft und gießt eventuell den im Anfang etwas trüb 
durchgelaufenen Anteil wieder zurück. Dann giebt man ununterbrochen den übrigen 
Agamährboden auf das Filter, wobei man Sorge trägt, daß der Bodensatz nicht un- 
nötig aufgerührt wird. Zum Schluß schüttet man auch diesen auf und gießt, nachdem 
alles durchgelaufen ist, etwas siedend heißes destilliertes Wasser nach, um auch den 
AgarnährlxSen zu gewinnen, der im Filter zurückgehalten wurde. Haupt bedingung 
für ein schnelles und klares Filtrieren ist, daß der Agamährboden 
mit Hilfe von Phenolphtalein als Indikator gut neutralisiert wurde 
und die Flüssigkeit wie auch das Filter möglichst heiß sind. 

Die Zubereitung des Filtermaterials: Sand, feiner Kies und ^ber Eies ist in 
der Originalabhandlung eingehend beschrieben, es kann beliebig oft benutzt 



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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 271 

werden und wird durch den längeren Gebrauch zum Filtrieren immer geeigneter; um 
eine Verunreinigung durch Staub zu verhindern, empfiehlt es sich, dasseiDe in gut 
yerschloeeenen GefäSen aufzubewahren. Die Leistungsfähigkeit dieser Filtriereinrichtung, 
welche Verf. sdion über ein Jahr benutzt, wird am besten durch die Thatsache dar- 
eethan, daß in einem Apparat, dessen oberes Gefäß eine Höhe von 23 cm und einen 
l>iirchmei(8er von 40 cm besitzt, das Filtrieren von 30 1 Agamahrboden nur ca. 2 Stun- 
den in Anspruch nimmt, während es früher bei Benutzung von 3 geräumigen Dampf- 
trichtem ca. 3 Ta^e und 3 Nächte dauerte. Der Apparat, welcher durch Gtebraucns- 
muster geschützt ist, wird von der Firma Dr. Hermann Bohrbeck, Fabrik bak- 
teriologischer, chemischer und technischer Apparate, Berlin NW, Earlstraße 20a, in 
3 Größen angefertigt. Die Anordnung und Schichthöhe des Filtermaterials ist bei 
allen 3 Größen dieselbe. Die Firma liefert auf Wunsch auch präparierten Sand und 
Kies, sowie Dampfmäntel, wenn kein Dampfkochtopf vorhanden ist. 

(Autorreferat). 

Joehmann, O.f TJeber neuere Nährböden zur Züchtung des Tuberkulose- 
erregers, sowie über ein neues Anreicherungsverfahren bei der 
Untersuchung auf Tuberkelbacillen. (Hye. Rundschau. Bd.X. 1900. No.20.) 

Die Ansichten über Ansprüche des Tuberkelbacülus an Nährböden haben sich im 
Laufe der Zeit mehrfach geändert Es wurde zunächst nach Koch 's Angabe nur 
auf erstarrtem Blutserum gezüchtet, bis Nocard und Bouz Glvcerinagar, Fleisch- 
brühe und selbst Gelatine, Band er eiweißarmen Kartoffelsaft, Künne, rroskauer, 
Beck und 0. Fraenkel eiweißfreie Nährlösungen anwendeten. Zur Fortzfichtung 
von Beinkulturen erwiesen sich alkalisches Glycennserum, alkalischer Glycerinagar und 
alkalische Glycerinbouillon als sehr brauchbar, nicht aber zur Beinzüchtung des Tu- 
berkelbacülus aus Sputum oder Kavemeninhalt etc. Es wurde deshalb Hessens mit 
Hevden's Nährstoff bereiteter Agar, welcher die Entwickelung der Tuberkelbacillen 
föraern und die der Begleitbakterien hemmen sollte, freudig begrüßt Gleich F ick er, 
Boemer und C. Fraenkel erkennt auch Jochmann me große Brauchbarkeit des 
Hesse 'sehen Nährbodens an, doch gebühre dem Heyden-Agar nicht der Bang eines 
optimalen Nährbodens, wohl aber der eines elektiven Nährbodens. Nach längerem 
(mehrtägigen) Stehen der Platten kommen freilich die Begleitbakterien auch zur Ent- 
wickelung und setzen der weiteren Vermehrung der Tuberkelbacillen ein Ziel ; man thut 
deshalb gut, C. Fraenkel 's Kunstgriff anzuwenden, nach 3—4 Tagen die von ver- 
unreinigenden Keimen freigebliebenen Bezirke der benutzten Flocken auf Böhrchen- 
mit Heyden- oder Glycerin-Agar zu übertragen. Nach Erfahrungen von Jochmann 
empfiehlt es sich, bei Isolierungsversuchen von Tuberkelbacillen aus verdächtigem 
Material dem alkalischen Heyden-Agar einen saueren, d. h. einen solchen, dem der 
natürliche Säur^ad des Fleisch wassers belassen worden ist, eventuell auch einige 
Tropfen 1-proz. Milchsäure zugesetzt sind, vorzuziehen, doch leidet auf den saueren 
Nährböden vielleicht die Virulenz. 

Als günstigstes flüssig Nährsubetrat bezeichnet Jochmann Fleischwasser- 
bouillon mit 3 Aoz. Glycerm unter Beibehaltung des natürlichen Säur^ades. Nach 
14 Tagen war die Oberfläche solcher Bouillon mit einer dicken wulstigen Schicht von 
Tnberkelbaclllenreinkultur bedeckt. Die übrigen untersuchten Nährflüssigkeiten hatten 
diese Bangfolge: alkalische Glycerinbouillon, sauere Heyden-Bouillon, alkausche Heyden- 
Bouillon. 

Auf saueren festen wie flüssigen Nährböden gewachsene Tuberkelbacillen kulturen 
bieten als konstante Eigentümlichkeit die Bildung eines orangeroten Farbstoffes dar. ' 

Für diagnostische Zwecke versuchte Jochmann eine biologische An- 
reicherung der tuberkulösen Sputa bei möglichster Einschränkung der Begleitbakterien, 
kombiniert mit dem van Ketel sehen mechanischen Anreicherungsverfahren: In einem 
sterilen Spitzglas mit eingeschliffenem Deckel werden 10 ccm Sputum mit 20 ccm 
Heyden-Bouiflon übergössen und 24 Stunden in den Brütschrank gestellt; dann setzt 
man 3 ccm Ac. carboL li(}uefact. hinzu, schüttelt gut, bis die ganze Flüssigkeit nur 
noch eine milchige Emulsion bildet, läßt das Sediment absetzen und untersucht den 
Bodensatz. 

Die Verwendung eines Spitzglases mit eingeschliffenem Deckel hat den Vorzug, 
daß alle Manipulationen in demselben Gefäß vorgenommen werden können, (van Ketel 
schüttelt in einem weithalsigen Glase mit eingeechliffenem Deckel und gießt dann den 
Inhalt in ein Spitzglas.) 

J. hat 80 70 Sputa untersucht und jedesmal eine starke Vermehrung gegenüber 
dem direkten Ausstnchpräparat erkennen können. 

Dieselbe Methode wendete Jochmann bei Untersuchung tuberkelbacillen ver- 
dächtigen Urins an. Der Urin wurde in einem sterilen Centnfugengläschen centrit 
fugiert, dann der über dem Sediment stehende Harn abgegossen und das Sedimen- 



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272 Schutzimpfung, künstliche Infektionskrankheiten, Kntwickelungshemmung etc. 

mit Heyden-Bouillon überschichtet. Dann wurde da» Centrifugen^las mit einem 
Wattepfropf verschlossen und 24 Stunden bei 37 ** im Brutschrank genalten. Darauf 
wurde die über dem Bodensatz stehende Bouillon abgegossen und das Sediment unter- 
sucht. Dabei fand sich, daß der erhaltene Bodensatz ganz erstaunliche Mengen von 
Tuberkelbacillen enthielt, in großen Haufen und Nestern liegend, während die am Tage 
vorher vorgenommene Untersuchung des centrifugierten Seaiments vor der Bebrfitung 
keine oder nur vereinzelte Tuberkelbacillen zeigte. Einer Verwechselung mit Smegma- 
bacillen suchte J. durch differentialdiagnostisciie Färbungen, welche freilich alle nur 
einen relativen Wert haben, vorzubeugen. Schill (Dresden). 



Schutzimpfung, künstliche Infeictionsicranicheiten, Entwiclcelungs- 
hemmung und Vernichtung der Baicterien etc. 

Danysz, J«, Immunisation de la bact^ridie charbonneuse 
contre Taction du s6rum du rat. Formation et natura 
des „anticorps". (Annal. de l'Instit. Pasteur. T.XIV. 1900, No.lO. 
p. 641.) 
Durch Sawtschenko ist bereits bekannt, daß Milzbrand- 
bacillen sich an Rattenserum gewöhnen und in diesem schließ- 
lich sogar üppig zu wachsen vermögen. Eine Erklärung für diese Er- 
scheinung sucht Danysz zu finden, indem er zum Vergleich das analoge 
Verhalten der Bacillen in Arseniklösung heranzieht. 

Bezüglich der baktericiden Kraft des Rattenserums läßt sich zu- 
nächt feststellen, daß dieses' vermischt mit destilliertem Wasser stärker 
wirkt als mit physiologischer Kochsalzlösung und mit dieser wiederum 
intensiver als mit Bouillon. Das I. Vaccin ist gegen die baktericide 
Einwirkung empfindlicher als das II. Vaccin und dieses wieder in 
höherem Grade als die virulenten Bacillen. Geringe Serummengen be- 
günstigen das Wachstum der Bakterien, anstatt sie zu vernichten, ähn- 
lich wie manche Antiseptica, und zwar tritt diese Erscheinung besonders 
in nährstoflfarmen Medien zu Tage. 

Zum Studium der Gewöhnung an das Rattenserum bediente 
sich D. nur des I. Vaccin wegen seiner konstatierten größten Empfind- 
lichkeit und es gelang ihm, ausgehend von der das günstigste Wachs- 
tum ergebenden Serumbouillonmischung, leicht, die Bacillen allmählich 
auch in reinem Serum zu züchten. Ein solcher „immunisierter** Stamm 
verändert seine kulturellen Eigentümlichkeiten erheblich, wird viel milz- 
brandähnlicher, ohne an Virulenz zuzunehmen; durch vielfache Ueber- 
tragungen auf gewöhnlichen Nährböden gehen weder diese Eigenschaften 
noch seine Widerstandsfähigkeit gegen Rattenserum verloren. Die auf- 
fallendste Erscheinung an den immunisierten Bacillen ist aber die 
Bildung einer schleimigen Kapsel, die jedoch nicht bloß passiv 
das Eindringen der baktericiden Substanzen hindert, sondern diese 
direkt neutralisiert. Die baktericide Substanz des Rattenserums stellt 
kein bakterienlösendes und zerstörendes Ferment dar, 
sondern sie besteht gleichsam in einem Antisepticum, welches 
Assimilation und Wachstum des Bakteriums verhindert, andererseits 
wird aber dadurch die Ausscheidung und Wirksamkeit eines von den 
Bacillen selbst gebildeten v e r d a u e n d e n Fermentes, wie es ja auch 
Emmerich und Low beschreiben, begünstigt. Die Immunisierung 
der Bacillen besteht demnach nicht in einer Widerstandsfähigkeit gegen- 



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Schutzimpfung, künstliche Infek^tionskrankheiten, Entwickelungshemmung etc. 273 

Aber dem bakterienlösenden Ferment, sondern in dem Fernhalten der 
Wachstum und Ernährung hemmenden Substanzen, so daß eine Ver- 
mehrung eintreten kann, ehe die Selbstverdauung erfolgt. 

Ein ähnliches Verhalten zeigen die Bakterien in einer Lösung 
von arseniger Säure (in Bouillon). Je nach der Konzentration 
vermag diese entweder das Bakterien Wachstum anzuregen, wohl durch 
eine teilweise Koagulation der schleimigen Hülle und des Gerüstes des 
Bakterienleibes, oder sie verhindert bei tiefer greifender Koagulation 
das Wachstum ohne abzutöten und fördert dadurch die Vorgänge 
der Autodigestion, endlich fixieren stärkere Dosen die Bakterienzelle 
in einen unveränderlichen Zustand. Bei der allmählichen Gewöhnung 
reagieren die Bakterien mit einer Ueberproduktion des empfindlichsten 
Teiles, der schleimigen Hülle, so da£ die Kulturen auf festen Substraten 
schließlich schleimige Ballen darstellen und mikroskopisch die Bakterien 
oft wurstförmig gekrümmt und eingeengt in den Schleimmassen liegen. 
Diese in Flüssigkeiten löslichen Schleimhüllen enthalten einen 
die arsenige Säure bindenden Antikörper. Man sieht die 
auffallende Aehnlichkeit mit dem Verhalten der Bakterien im Ratten- 
serum, in beiden Fällen vermögen sie gegen die herantretenden Schädi- 
gungen der Ernährung und des Wachstums einen Antikörper zu bilden, 
der aber die autodigestiven Wirkungen in der Bakterienzelle nicht auf- 
hebt Gegen dieses Ferment vermag sich die Zelle nur durch Aenderung 
der Reaktion bis zu gewissem Grade selbst zu schützen, bis durch die 
gebildete Säure wiederum eine Wachstumsstörung eintreten würde. 

Für die Frage der Immunität im Tierkörper ergaben sich 
aus den angeführten Beobachtungen Hinweise darauf, daß aus ver- 
dauenden Wirkungen, welche man an Alexinen, Lysinen, Toxinen 
beobachtet, noch nicht geschlossen werden darf, daß diese Stoffe selbst 
proteolytische Fermente darstellen oder enthalten; denn die Auflösung 
kann eine autodigestive sein nach eingetretener Wachstumsbehinderung. 
Wenn aber die enzymatische und zerstörende Wirkung, welche diese 
Stoffe an Bakterien oder lebenden Gewebseleraenten hervorrufen, von 
letzteren selbst herrührt, so können auch die spezifischen Antikörper 
auf diese Prozesse keinen direkten Einfluß ausüben. 

Dietrich (Tübingen). 

Haegler, C, Händereinigung, Händedesinfektion und 
Händeschutz. Basel (B. Schwabe) 1900. 

In dieser experimentellen und kritischen Studie, welcher 4 Tafeln 
beigegeben sind, beleuchtet Verf. folgende Punkte: 

Die Methodik, Lokalisation der Mikroorganismen an den Händen, 
mechanische Reinigung der Hände, Reinigung der Hände mit Des- 
infektionsmitteln, die Bedeutung der antiseptischen Waschwässer für die 
Händedesinfektion, Keim gehalt der Handoberfläche während der opera- 
tiven Eingriffe, Operationshandschuhe und undurchlässige Ueberzüge der 
Hände, endlich die Prophylaxe. Hervorzuheben sind aus der umfang- 
reichen Arbeit folgende Ergebnisse: 

Die Keime finden sich an unseren Händen nur relativ selten und 
spärlich in Haarbälgen und hier auch nur in den peripheren Partieen. 
In Schweißdrüsen fehlen sie gewöhnlich und in alle diese natürlichen 
.Hautöffnungen wachsen sie nicht ein, sondern werden erst durch Reiben 
von außen hineingebracht. Einmal dort, vermehren sie sich unter nor- 
malen Verhältnissen nicht, sondern werden — wohl durch den Sekretion s- 



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274 ISeue Litieratar. 

Strom wieder ausgeschieden. In den accidentellen Hautöffnnngen lassen 
sich Keime regelmäßig nachweisen, und es ist anzunehmen, daß diese 
sich in der Tiefe vermehren, als auch von der Hautoberfläche aus gegen 
die Tiefe der kleinen Wundkanäle einwachsen können. 

Ein beständiger profuser Hautschweiß vermag ein Auskeimen der 
Bakterien zu ermöglichen. 

Der mechanischen Reinigung, d. h. der Entfernung des Keim- 
materials von der Hautoberfläche schreibt Verf. die wichtigste Rolle zu. 
Dabei muß das Fett der Hautoberfläche gelöst und entfernt werden, die 
obersten Epidermisschichten sind zu lockern, die ersten keimtragenden 
Epidermisschichten sind mit rauhen Medien zu entfernen. Verl fand, 
daß bei der Desinfektion das Ausreiben des Hautnagelraumes mit einem 
rauhen, aber geschmeidigen Medium viel wirksamer ist, als die Arbeit 
des Nagelreinigers. — Die Veränderungen, welche Alkohol auf der Haut 
hervorrief, lassen sich durch eine Wasser waschung von 5 Minuten nicht 
kompensieren. Seifenspiritus nfitzt zur Hautreinigung nicht mehr als 
Alkohol Waschung. Phenol läßt sich aus den Eiweißsubstanzen des 
Körpers weder durch Alkohol noch durch Wasser zu einer Zeit ent- 
fernen, die für die Desinfektionswirkungen bisher benutzt wurde. Nur 
bei Sublimatbehandlung vermag das Quecksilber von einer Zeit an, die 
fQr die Hautdesinfektion überhaupt in Frage kommt, nicht in die Tiefe 
zu dringen und liegt nur in den oberflächlichen Epidermisschichten. 
Alkoholvorbereitung bahnt den wässrigen Sublimatlösungen in auf- 
fallender Weise den Weg in die Zellen. — Eine gelungene Desinfektion 
braucht nicht identisch zu sein mit Sterilität Der Gummihandschuh ist 
dem Zwirnhandschuh vorzuziehen. Lederhandschuhe sichern zumal in 
der ersten Viertelstunde vor den Handkeimen, aber nicht absolut. 

Die Beschaffenheit der Handoberfläche ist der wichtigste Faktor in 
der Möglichkeit der Händereinigung und Händedesinfektion. 

Deeleman (Dresden). 



Neue Litteratur, 

zosammengetteUt toh 

San.-Rat Dr. Arthur Würzburg, 

BlbUothekar im Kaiierl. Getttodheitnmte in Berlin. 



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Augen und Ohren. 

Coiiolino , ▼., Ueber einen Fall von Pseudoaktinomykose der äußeren Ohrgegend , von 

einem neuen Fadenbakterium hervorgerufen. (Arch. f. Ohrenheilk. Bd. L. 1900. Heft 3/4. 

p. 199—206.) 
Stroesoo, P., Becherches baot^riologiques et th§rapeutiques sur les otites suppur6es f§tides. 

[Thfese.] Gen^ye 1900. 
Tossiva, A., Ein Beitrag zur Lehre von der Aetiologie, Pathologie und Therapie der 

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BirailU, P., Die Verhütung der Augeneitemng Neugeborener. (Centralbl. f. Gynäkol. 1900. 

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OÜTer, J. Ch., Report of a case of actinomycosis hominis. (Annais of surg. 1900. Nov. 
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Tollwut 
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278 Neue Litteratur. 

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Stand der Tierseuchen in den Niederlanden im 3. Vierteljahre 1900. (VerOffentL d. kaiserL 

Ge8undh.-A. 1900. No. 50. p. 1220.) 

Tuberkulose (Perisucht). 

Uebersioht über die Ergebnisse der Untersuchungen der Bindviehbestände in den deutschen 
Viehquarantäne- Anstalten auf Tuberkulose, Juni bis September 1900. (Veröffentl. d. kaiserl. 
Gesundh.-A. 1900. No. 5. p. 97.) — Desgl. über das aus den Seequarantäne-Anstalten in 
öffentliche Schlachthäuser übeigeführte Bindvieh und das Ergebnis der Fleischbeschau bei 
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Krankheiten der Einhufer. 
(Typhus, Influenza, Beschälkrankheit, Septikämie, Druse.) 

Edington, A., South African horse sickness; its pathology and methods of proteotive in- 
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B. Infektiöse Lokalkrankheüen. 

Brooherioii, H., S6roth6rapie et thoracent^se. Traitement de la pleur§sle aig^e ches le 
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Amphibien. 

Feamside, C. F., Besearches into the intra-corpuscular parasites found in the blood of 
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Wirbelloee Tiere. 

Von. mr Mfthlan, M., Ueber die Verbreitung der Krebspest in Livland. (Balt. Wchschr. 

f. Landwirtsch. etc. 1900. No. 48. p. 535—539.) 



Schntzlmpftingen, kfinstllche Iiifektionskniiikhelteii, Entifiekelnngs- 
hemmung und Yemlchtung der Bakterien. 

AllgemeineB. 

Ahlfeld, F., Prüfung des Lysoforms als Händedesinficiens. (Centralbl. f. Gynäkol. 1900. 
No. 51. p. 1380—1381.) 

Eisberg', C. A., Ein neues und einfaches Verfahren zur Sterilisation der Schwämme durch 
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EauneriolL, K. u. LAw, O.» Die künstliche Darstellung der immunisierenden Substanien 
(Nudeasen-Immunproteidine) und ihre Verwendung zur Therapie der Infektionskrankheiteil 
und zur Schutzimpfung an Stelle des Heilserums. (Ztschr. f. Hygiene etc. Bd. XXXYL 
1901. Heft 1. p. 9—28.) 

Müller, O. J., Zur Händedesinfektion. (Dtsche med. Wchschr. 1901. No. 4. p. 58.) 

Strebel, K., Untersuchungen über die baktericide Wirkung des Hochspannungsfunkenlichtes 
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Wiener, E., Sur Taction antimicrobienne du s§rum des aninuiux trait^s ayec Paraenio et la 
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Neue Litteratur. 279 

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]>or, £., S^mms cytolytiqnes pour la ga^riBon des Cancers. (Gaz. hebdom. de m6d. et de 

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CMmbert* L. et Legros, O., B. coli et B. typhiqne. (Compt. rend. de la soc. de bioL 

1900. No. 39. p. 1075—1077.) 
JäacsM'ChMBajfioiaii^v, La natore parasitaire dn Cancer et les vaccins du cancer. Snr un 

nofayean s^rum dn oanoer. (Joum. de mM. et de chir. prat. 1900. No. 24. p. 929 — 936.) 
llayet, O. F. et Bertrand, J., Note snr la phagooytose dn bacille d'Eberth. (Compt. 

r«nd. de la soc. de biol. 1900. No. 39. p. 1067—1068.) 
Keessan, Denx cas de tnberculose pnlmonaire trait^ par la tnbercnline de Denjs. (Presse 

mfed. beige. 1901. No. 2. p. 18—21.) 
Villig^r, E., Zur Kasuistik des Tetanns tranmaticns. Semmbehandlung. (Korrspdzbl. f. 

Schweiz. Aerzte. 1900. No. 24. p. 771—775.) 



Zoologisch-parasitologische Litteratur. 1901. 

ZasammeDfestellt von 

Dr. M, LUHE, Königsberg i. Pr. 



I. 
Allgemeines und Vermischtes. 

▼. Z^stow, Taenia horrida, Tetrabothrinm macrocephalum und Heterakis distans. (Arch. 

f. Natnigesch. Jahrg. LXVn. 1901. Bd. I. Heft 1. p. 1—10. Taf. I n. H.) 
ff4'wy^««Kti^ p., Bioerxihe snl veleno degli Elminti intestinali. (Estratto dalla Rassegna 

Intemazionale della Medidna Modema. Anno n. 1901. No. 6. 15. Qennaio.) 8^ 20 p. 
TUnanl, J. BL, Ueber die Parasiten der Laubkäfer. (Horae Soc. Entom. Boss. T. XXXIY. 

1900. p. XLIV— L.) [Russisch.] (Deutscher Auszug in Zool. CentralbL Jahrg. VIII. 1901. 

No. 2. p. 70—71.) 

ProtozoeD. 

iMikgt A., Protozoa. (Lehrb. d. vergl. Anatomie der wirbellosen Tiere. 2. umgearb. Aufl. 
2. Lfg. = Bd. I. 1. Abt.) Fortpflanzung der Sporozoen auf p. 213—241. 8^ VI -|- 311 p., 
259 Fig. Jena (G. Fischer) 1901. 10 M. 

Trematodeu. 

Braun, M., Vogel-Distomen (Gen. Prosthogonimus), (cf. No. 1. p. 12 — 19.) 
Luhe, M., Monostomum orbiddare. (cf. No. 2. p. 49 — 60.) 

Arthropoden. 

Speiser, P., Ueber die Nycteribiiden, Fledermausparasiten aus der Gruppe der pupiparen 
Dipteren. (Arch. f. Naturgesch. Jahrg. LXVI. 1901. Bd. H. Heft 1. p. 11—78. Taf. IH. 
— Auch als Inaug.-Diss. Königsberg i. Pr. 1901.) 



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280 



Inhalt. 



Inhalt. 



Originalmiiftolliiagen. 



BraiiB, M., üeber einige Trematoden 
der Greplin*schen Hebninthensammlung. 
(Orig.), p. 258. 

Luti, Adolph, lieber einen Befand von 
Eustrongylus gigas bei einem neuen 
Wirte. (Orig.), p. 256. 

Meyer, Arthur, Platinnadeln ^Kappen- 
nadelnd für den bakteriologiscnen Ge- 
brauch. (Orig.), p. 260. 

Sohott, A., Berechtigen experimentelle 
oder klinische Erfahrungen zu der An- 
nahme, daß pathogene oder nicht patho- 
gene Bakterien die Wand des gesunden 
Magendarmkanal« auswandern JcÖnnen? 
(Ong.), p. 239. 

TTUenhuth u. Westphal, A., Histologische 
und bakteriologische Untersuchungen über 
einen Fall von Lepra tuberoso-anaesthe- 
tica mit besonderer Berücksichtigung des 
Nervensystems. (Orig.), p. 233. 

Boferate. 

Aoyama u. Kiyamoto, lieber die men- 
schenpathogene Streptothrix, p. 262. 

Bnschurd, Beitrüge zur Kenntnis des Ab- 
laufs und der Größe der durch Micro- 
coccus ureae liquefaciens bewirkten Ham- 
stoffzersetzung, p. 268. 

Conner, Ik A., A contribution to the study 
of cerebrospinal meningitis, p. 266. 

Cnrry, J. J., Bacillus capsulatus (Bacillus 
pneumoniae ofFriedl ander?) with especial 
reference to its connection with acute 
lobar pneumonia, p. 264. 

Eisenrath, D. H., The pathology of epi- 
demic cerebrospinal meningitis, p. 267. 

Eyster, O. L., Cerebrospinal meningitis, 
p. 266. 

Faber, Erik E., Bakteriologische Unter- 
suchungen von Fällen epidemischer Gere- 
brospinalmeningitis in Kopenhagen im 
Sommer 1898, p. 267. 

Gradwohl, K. B. K., Epidemie cerebro- 
spinal meningitis: report of * thirty-four 
cases, with especial reference to the bac- 
teriologic features of the disease, p. 265. 



Orelwe, J. S. and PaoUnr, O. A^ 
mtolieU, E. W., KeUman, F. F^ 

Cerebrospinal meningitiB viih the teta- 

genus microcoGcus as probable cause, 

p. 267. 
Kairlnnd, P^ Till fürokomsten af Dipio- 

coocus intracellularis meningitidis (W«i€h- 

selbaum-Jüger) i ögat, p. 268. 
Holmes, B., Cerebrospinal Pneumoeocoufl 

infection, p. 266. 
Howard jr., W. T., Haemorrhagic septi- 

cemia in man due to capsulated bacilli, 

p. 264. 
Lot«, W. J. and Cary, C. A., Infection 

of gonshot wound of the leg with the 

Bacillus aSrogenee capsulatus — ampu- 

tation — recovery, p. 264. 
Sani, Beitrüge zur Morphologie des Sta- 

phylococcus albus, p. ^61. 
Strong, L. W., A study of the encapeu- 

lated bacilli, p. 263. 

TTntersaolLnng'ametlLoden, Znstra- 
mento eto. 

Jochin ann, O., lieber neuere Nährbüd«n 
zur Züchtung des Tuberkuloseerregors, 
sowie über ein neues AnreicherungBYer- 
fahren bei der Untersuchung auf Tuber- 
kelbacillen, p. 271. 

Panl, Theodor, Die Anwendung des San- 
des zum sdinellen Filtrieren des Nfthr- 
agars, p. 270. 

Sclintiimpfkui^, MnstliclLe Infekttona- 

krankheiten, Entwickelnngahoniinniig 

nnd Vemiclitiing der Bakterien. 

Danj«!, J., Immunisation de la bact^ridie 
cixarbonneuse contre Taction du s^mm 
du rat. Formation et nature des „anti- 
corps«, p. 272. 

HaefflMTf C, Handereinigung, Hftndedes- 
in^ktion und Handeschutz, p. 173. 

Hona Zdtteratnr, p. 274. 



Frommannscho Baehdrnckerei (Hormum Fohle) In Jena. 



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Mlfiriologie, ParasileiikiiDile omi InfeklioiiskriiiildiiiileD. 

Erste Abteilang: 

Medicinisch-hyoienische Bakteriologie und 
tierische Paras itenicunde. 

In Verbindung mit 

ßeH l6il.-Rat Prof. Dr. Loeffler, Prot Dr. R Pfeiffer 

in Oreifswald gn) In KSnigsbeig 

Staatsrat Prot Dr. E Brau 

in KOnigsbefg 
herausgegeben von 

Dr. O. niilworin in CasseL 
Verlag von Gustav Flsoher in Jena. 

XXEL Band. -o- Jen». den 28. Februar 1901. -o- No« 7. 

?r«ii Ar den Band (M Vnmmira) 1(1 Mark. — J&hrUeh arMhainan iwai Binda. 

PNlt Ar aina aiaflMha Vonunar 15 Pf^., fUr aina Dappalmunmar 1 Mark 50 Pfg. 

Vnmman mit Tafaln kaatan Ar Jada Tafal 50 Pf^. mahr. 

Sienu ah regehnä/Hge Beilage die Inhalteübeniehten der IT, AbteÜung des Cen^rdMaUee, 

Die Redaktion des „Centraiblatts für Bakteriologie und ParasitenkundeC' 
rkktet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wünsche um 
Lieferung von besonderen Abdrücken ihrer Aufiäixe entweder bei der Ein' 
Sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Manuskript schreiben xm 
woUen oder spätestens nach Empfang der ersten Korrekturahxdlge direkt an 
den Verleger, tierrn Gustav Fiscner tn Jena^ gelangen %u lassen. 

Original-Mitteilungen. Naehdruek veri>oien. 

üeber die Art der Yersendungtollwatverdächtigen Materials 
und die Besistenz des Wutvirus gegen räolnis« 

[Aus dem Institut fQr Infektionskrankheiten in Berlin. (Direktor: 
Geh. Med.-Rat Prof. Dr. R. Koch.)] 

Von Dr. W. Eempner, Assistenten am Institut. 

Von den in den Sommermonaten Juni— August des Jahres 1900 der 
Wutschutzstation des Instituts zur Untersuchung eingesandten Köpfen 
wutverdächtiger Tiere langten im Juni 25 Proz., im Juli und August 
ca. 50 Proz. der Köpfe so hochgradig verfault an, daß trotz eventueller 
Verreibung des Gehirns mit 1-proz. Karbollösung die Kaninchen auch 
nach intramuskulärer Impfung an akuter Vergiltung oder Sepsis ein- 
gingen. 

&«!• Abt XSX. Bd. 19 

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282 W. Kempner, 

Juni Juli August 

24 Köpfe 15 Köpfe 29 Köpfe 
6 verfault 7 verfault 15 verfai 

Die verfaulten Köpfe stammten aus den verschif 
Reiches, kein Kreis war besonders bevorzugt Tei 
Köpfe verfault an, auch wenn die Sektion des betrefl 
nach der Tötung des Tieres von dem beamteten Ti 
andererseits wiederum bei nicht zu heißer Tempera! 
zuweilen noch in gutem Zustande ein, auch wenn 
einige Tage nach dem Tode des Tieres vorgenomn 
Beobachtungen begründen wohl die Annahme, daß di 
vielmehr die während der heißen Jahreszeit geübte A 
der Köpfe für die Fäulnis derselben anzuschuldigen 

Bezüglich der Versendung der Köpfe sind folge 
getroffen worden: 

Ministerialerlaß vom 10. Juli 1899. „Nach erfolj 
Tieres ist das Gehirn einschließlich des verlängerten 
letztem oder von der Muskulatur befreiten Knocheng 
nebst Atlas) sofort von dem beamteten Tierarzt mit I 
thunlichst in Eis verpackt, einzusenden.^ 

Diese Vorschrift ist im letzten Jahr nach einer 
fektionskrankheiten abgehaltenen Konferenz vom 30. A] 
maßen abgeändert worden: 

„Den Kopf nach möglichster Ablösung der TV 
trennen, daß noch ein handbreiter Teil des Halses an 
Der abgetrennte Tierkopf ist in ein mit 1 promille £ 
Tuch einzuschlagen und noch mit einer Wärme ni 
ballage, wie Holzwolle, Torfstreu, Stroh oder Sägesj 

Nach meinen in den Sommermonaten auf der Wu 
Erfahrungen langte ein großer Teil der Köpfe nich 
geschriebenen Weise an, die Weichteile waren zum< 
nicht in gehöriger Weise vom Kopf abgetrennt. A 
Köpfen, die in vorschriftsmäßiger Weise behandelt 
heißen Zeit das Gehirn bereits dermaßen verfault, 
impften Tiere an Sepsis eingingen. Manche Kisten, 
sandten Köpfe enthielten, verbreiteten einen derart! 
ruch, daß ihre Weiterbeförderung durch die Post 
mußte. 

Die bisherige Art der Versendung der Tierköj 
Sommermonaten hat sich, wie zur Genüge aus den ( 
vorgeht, als unbrauchbar erwiesen In 50 Proz. d 
den Monaten Juli— August infolge Ausfalles des Ti 
Diagnose offen bleiben, ob die betreffenden Hunde 
waren. Es schien nicht ratsam, sich auf das tierS 
verlassen zu wollen, dessen Schlußtenor in letzter Zei 
lautet, „daß auf Grund der mitgeteilten Befunde der 
wut nicht von der Hand zu weisen sei'' oder noch kü 
verdacht vorliege''. Es scheiden somit im vergangen 
Proz. der Hundeköpfe aus der Statistik aus. Ferner 
auch die Statistik der von den betreffenden Tiere 
schutzgeimpften Patienten eine große Einbuße. 

Meines Dafür 3 K 

eines wutverdächt Bei 



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Ueber die Art der Versendung tollwntverd&ohtiigen Materials etc. 283 

wut darchaus nicht erforderlich. Es genügt vielmehr, die MeduUa 
oblongata des verdächtigen Tieres freizulegen und ein Stückchen der- 
selben in einem mit sterilem Wasser oder noch besser mit Glycerin 
gefüllten Flaschen, welches in einer Kiste verpackt wird, dem Institut 
einzusenden. Das Glycerin hat sich nach vielfachen Mitteilungen als 
gutes Konservierungsmittel für das Mark toller Tiere bewährt und ist 
bereits 1887 von Roux für diesen Zweck empfohlen worden. Daß die 
Virulenz des in Glycerin oder steriles Wasser eingelegten Markes bei 
einer Temperatur von 37^ C noch nach 8—10 Tagen erhalten bleibt, 
davon konnte ich mich durch einige wenige Versuche überzeugen. 
Einige Stückchen der Medulla oblongata eines an Strafien wut verstorbenen 
Kaninchens wurden in Glycerin und steriles Wasser eingelegt und nach 
8— 10-tägigem Verweilen im Brütschrank bei 37® C an Kaninchen so- 
wohl subdural als intramuskulär weiter verimpft Die Tiere er- 
krankten und starben nach 15—20 Tagen unter den Erscheinungen 
der Wut. Da£ das Wutgift genügend lange Zeit und bei hoher Tempe- 
ratur seine Virulenz beibehält, wenn Teile des Rückenmarks oder des 
Gehirns in steriles Wasser oder Glycerin eingelegt werden, ist neuer- 
dings wieder von Frantzius^ bewiesen worden. Das Rückenmark 
wn&anker Tiere wurde in genannten Flüssigkeiten und gut verkorkten 
Fläschchen einige Male per Post auf weite Strecken versandt und zeigte 
sich bei dieser Verpackung trotz hoher Sommertemperatur noch nach 
26 Tagen virulent Ich selbst habe dieses Experiment in der Weise 
wiederholt, daß ich ein Stück Medulla oblongata eines Passage-Kanin- 
chens in 2 mit Glycerin gefüllte, gut verschlossene Fläschchen verteilte 
und Ende August auf eine ca. 3-wöchentliche Reise mitnahm. Das eine 
Fläschchen wurde gänzlich vor Licht geschützt, während das zweite über 
2 Wochen Licht und Sonne ausgesetzt war. Nach meiner Rückkehr 
wurden mit beiderlei Material Kaninchen subdural geimpft. Die Tiere, 
welche mit dem vor Licht geschützten und in Glycerin aufbewahrten 
Mark geimpft wurden, gingen an Wut ein, während die anderen Kanin- 
chen am Leben blieben. Das Sonnenlicht (das Thermometer zeigte in 
der Sonne bis 30^ C) hatte die Wirksamkeit des Wutgiftes gänzlich 
vernichtet 

Daß Licht, ebenso wie Luft und Austrocknung einen sehr starken 
Yimlenzvermindemden Einfluß auf das Wutvirus ausüben, ist eine be- 
kannte, durch Experimente erhärtete Thatsache. Mein Versuch bezweckte 
nur, von neuem den Beweis zu erbringen, daß in der That das Glycerin 
ein Fäulnis hemmendes Mittel ist, ohne die Virulenz nur im mindesten 
abzuschwächen, und daß dasselbe gerade für die Einsendung wntver- 
dächtiger Hundeköpfe von praktischer Bedeutung ist So wird ferner 
von der Wutstation zu Tiflis berichtet, daß, falls das Gehirn nicht in 
Wasser oder Glycerin eingebettet, sondern ganze Köpfe oder Kadaver 
auch aus nahe gelegenen Ortschaften eingesandt wurden, das Gehirn 
meistens verfault anlangte, und nur dann noch die Impfung von Erfolg 
begleitet war, wenn der Fäulnisprozeß nicht zu stark entwickelt war. 
Dieselben Beobachtungen konnte ich während der heißen Sommertage 
auf der hiesigen Station machen. 

Nach den obigen Versuchen und Erfahrungen dürfte es sich auch 
bei uns empfehlen, ein Stückchen der Medulla oblongata wutverdächtiger 
Tiere in sterilem Wasser oder Glycerin einzusenden. Dieser Modus 



1) Wratsch. 1896. No. 3. 

19' 

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284 Kempner, Ueber die Ai:! der Versendung tollwutyerdächtigen Materials etc. 

dürfte für den beamteten Tierarzt, der ja ohnehin die Sektion auszu- 
führen hat, bequemer und einfacher sein, als erst die Weichteile von 
Kopf und Hals sauber zu entfernen, den Kopf in ein sublimatgetränktes 
Tuch einzuschlagen und ihn mit einem schlechten Wärmeleiter, wie 
Sägespäne etc., zu umgeben. Ein mit sterilem Wasser oder Glycerin 
gefülltes Fläschchen könnte der Tierarzt vorrätig halten oder sich jeder- 
zeit leicht beschaffen. Die beschriebene Art der Einsendung wutver- 
däehtigen Materials möchte ich nicht nur in den Sommermonaten, sondern 
auch während der kälteren Jahreszeit dem jetzt geübten vorziehen und 
für die Zukunft anempfehlen, da auch in den kälteren Monaten das 
Gehirn öfters in verfaultem Zustande im Institut eintrifft Dies darf 
nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß die verendeten Tiere 
zuweilen erst nach einiger Zeit aufgefunden werden, oder nach der 
Tötung tollwutverdächtiger Hunde noch einige Tage vergehen, ehe der 
Kreistierarzt die Sektion vornimmt. Mit welchen Schwierigkeiten der 
beamtete Tierarzt in dieser Beziehung zu kämpfen hat, davon habe ich 
mich während eines mehrwöchentlichen Aufenthaltes im tollwutverseuchten 
Kreise Memel überzeugen können. Je länger also nach dem Tode des 
Tieres das Gehirn in der Schädelhöhle zumal bei hoher Aufientempen- 
tur verbleibt, desto zahlreicher werden sich die Fäulnisbakterien einnisten, 
welche die Aussicht auf eine erfolgreiche Verimpfung vermindern. 
Wird daher aus irgend welchem Grunde die Sektion des toll wut ver- 
dächtigen Tieres verzögert, und zeigt der Kadaver bereits Spuren der 
Verwesung, so ist eine sofortige Herausnahme des Gehirns resp. der 
Medulla oblongata und Einlegen in Glycerin angezeigt. Wissen wir 
auch aus früheren Versuchen von Galtier, Russe Travali und 
Brancaleone, sowie neuerdings von v. Rätz^), daß die Virulenz 
der eingescharrten Wutkadaver trotz Fäulnis noch längere Zeit erhalten 
bleibt, so haben die Autoren andererseits gezeigt, daß Luft und Ans* 
trocknung die Virulenz bedeutend herabsetzen, so daß die an der freien 
Luft faulenden Kadaver viel eher das Resultat der Impfung verzögen 
oder ganz vereiteln. Bei der Einsendung der Hundeköpfe handelt es 
sich natürlich um letztere Kategorie, also nicht um eingescharrte Ka- 
daver, da ja nach Auffindung der an Wut verendeten Tiere wohl sofort 
die Anzeige erstattet wird. Betreffs der häufig sehr geringen Wider- 
standsfähigkeit des Wutvirus gegen Fäulnis möchte ich noch einige 
Versuche erwähnen, die ich mit dem Mark an Wut verendeter Kaninchen 
angestellt habe, welche einige Tage in der heißen Sommerszeit im Stall 
liegen geblieben waren. Schon nach 2 — 3 Tagen war in verschiedeneD 
Fällen die Fäulnis derartig vorgeschritten, daß nicht nur subdnral, 
sondern auch intramuskulär infizierte Kaninchen an Sepsis eingingeD. 

All diese Erwägungen, sowie meine auf der hiesigen Wutstation 
gemachten Erfahrungen veranlassen mich, die oben beschriebene Methode 
der Einsendung wutverdächtigen Materials ihrer Einfachheit und Zweck- 
mäßigkeit halber anzuraten. 

1) Dieses Gentralblatt Bd. XXVIL 1900. p. 825. 



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Piorkowski u. Jess, Bacterium coli als Ursache eines Pferdesterbens etc. 285 



Nachdruck verboten. 

Bacterium coli als Ursache eines seucbenartigen 
Fferdesterbens in Westpreussen. 

[Aus dem bakteriologischen Institut von Dr. Piorkowski.] 
Von Dr. Piorkowski (Berlin) und Dr. Jess (Charlottenburg). 

Ans der überaus reichhaltigen Ldtteratnr, die über die Morphologie, 
Biologie und Wirkungsweise des Bacterium coli erschienen ist, sei 
in Folgendem nur das für unseren weiter unten zu besprechenden Fall 
Wichtige kurz erwähnt: 

Bekanntlich wird der Name Coli als Kollektivum für eine ganze 
Gruppe von Bakterien gebraucht, welche entweder durch geringe Unter- 
schiede in kultureller oder morphologischer Hinsicht voneinander ab- 
weichen, pathognosüsch sich differenzieren oder durch andere kaum 
merkliche Variationen sich nuancieren. Besonders hervorstechend für 
die Unterscheidungsweise ist der Umstand, daß es nicht möglich ist, 
eine Tierspecies mittels einer Coli- Art gegen eine andere, noch so 
wenig variierende Art zu immunisieren (Levy-Klemperer). 

Es erübrigt sich, die vielen unter besonderen Namen beschriebenen 
Formen des Bact. coli anzuführen. Wir erinnern nur an den Bac. 
enteritidis Gärtner, den Bac. coli dysentericus (Celli), den 
Bac. equi intestinalis (Dyas und Keith), den Bacillus der Mar- 
seiller Schweineseuche (Jobert und Riet seh), den der Frettchen- 
seuche (Eberth) etc. Schließlich befinden sich auch noch in der 
Gruppe der Aero gen es- Bacillen viele, welche zahlreiche Eigenschaften 
mit den Coli- Bakterien gemein haben. 

Im allgemeinen zählt man den C o 1 i - Bakterien alle jene Arten zu, 
welche sich durch Vergärung von Traubenzucker, Indolbildung, Milch- 
koagulation und schwache Farbstoffbildung auf Kartoffel auszeichnen. 

Außerhalb des Organismus finden sie sich in Brunnen- und verun- 
reinigten Wässern, altem Obst, solcher Wurst etc., innerhalb desselben 
im gesamten Digestionstraktus des Menschen. 

Bei vielen Tieren sind sie ebenfalls als gewöhnliche Darmbewohner 
nachgewiesen worden, so bei Mäusen, Kaninchen, Katzen, Hunden. 

Nicht erwiesen ist ihr Vorkommen bei Meerschweinchen, Ratten, 
vor allem nicht bei Pferden. Der Bac. equi intestinalis, der nach 
Dyas und Keith das Bact. coli commune im Darme bei Pferden 
vertreten soll, ist keineswegs sichergestellt, wie er übrigens auch nach 
denselben Autoren überhaupt nicht bei niederer Temperatur wächst und 
kein Gas produziert 

Während Coli im Darm der Menschen im allgemeinen sich gut- 
artig verhält, kann es unter Umständen, so bei Darmverschluß, sehr 
pathogene Eigenschaften annehmen. Aetiologisch erwiesen ist sein Vor- 
kommen bei dysenterischen Darmaffektionen, Perforationsperitonitiden, 
purulenten Katarrhen der Gallengänge und Gallenblase, Pyelonephritiden 
und Cystitiden, Nephritis suppurativa, ferner bei Tonsillitis, Septikämie, 
Pneumonie und Pleuritis. 

Bei Tieren ist Coli nach Jensen gefunden worden: Bei Diar- 
rhöen der Haustiere, bei akuten eiterigen Peritonitiden, bei Cystitis der 



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286 Piorkowski und Jess, 

Hunde, ebenso bei Cystitis und Pyelonephritis suppurativa von Hand, 
Hirsch und Schwein, bei Mastitis catarrhalis purulenta des Rindes etc. etc. 

Für Versuchstiere ist Ba ct. coli in verschiedenem Grade pathogen. 
Mäuse sterben in 1—8 Tagen, wenn sie intraperitoneal 0,1—1,0 frisdier 
Bouillonkultur einverleibt erhalten. Die Vermehrung der Bacillen im 
Körper wird in den schnell verlaufenden Fällen durch die Häufdien- 
bildung innerhalb der Organe bewiesen. 

Meerschweinchen und Kaninchen erliegen bei intravenöser oder 
intraperitonealer Impfung gewöhnlich innerhalb der ersten 2 Tage anter 
starkem Temperaturabfall (Kruse). Der Effekt ist heftige Enteritis, 
Vergrößerung der Milz, fibrinös-eiterige Peritonitis, hervorgerufen (nach 
Bu ebner) durch die chemotaktisch wirkenden Stoffe der Bakterien- 
leiber. Die Virulenz wechselt nach dem Standort der Abzflchtung in 
verschiedenstem Grade; aus dem normalen Darm gewonnene Goli- 
Bakterien sollen weniger giftige Wirkungen äußern als solche aas 
Krankheitsprodukten isolierte. Nach Kellog sollen sie bei der Passage 
durch den Tierkörper die Eigenschaften des Bac. typhi abdominalis 
annehmen können, aus Kloaken gezüchtet sogar noch virulentere Pro- 
dukte liefern als jene (Schürmayer). 

Aus alledem erhellt die wechselnde Wirkungsweise der Colongattnng, 
und wir kommen nunmehr auf das in der Ueberschrift gekennzeichnete 
endemiologische Auftreten eines nach eingehender Untersuchung als 
Golibacterium charakterisierten Bacillus zu sprechen. 

Einem Gutsbesitzer in Westpreußen waren im Verlaufe zweier Jahre 
(Dezember 1898 bis Herbst 1900) 26 Pferde gestorben, während dem 
Nachbarn von L895— 1898 unter eigenartigen Krankheitserscheinungen 
50 Stück zu Grunde gegangen waren, über deren Ursache Dunkel 
herrschte und die sogar zu bedenklichen Schlußfolgerungen Anlaß ge- 
geben hatten, indem nämlich böser Wille eines Knechtes als ätiologisches 
Moment eingeflochten war. 

Der Gutsbesitzer besaß ursprünglich 28 Pferde warmblütigen 
Schlages inkl. 3 3-jähriger Füllen und 6 jüngerer Füllen. Als Futter 
erhielten die Tiere Hafer, in Wasser gequollene Erbsen, Möhren, Heu, 
ein Gemisch von Weizenkleie und Sonnenblumenkuchen, auch ein Ge- 
menge von Erbsenschrot und Weizenkleie. Diese Futtersorten wurden 
im Verlauf der Zeit gewechselt. Im Dezember 1898 erkrankte nun das 
erste Pferd unter folgenden Erscheinungen: 

Zunächst traten unter Temperaturerhöhung Fieber, später Kolik- 
anfälle ein. Die Krankheitsdauer variierte von 2 Stunden bis 8 Wochen. 
Vom Januar 1899 bis Mitte November 1899 ging das Pferdesterben 
gleichmäßig von statten, eine Pause trat Mitte November ein und währte 
bis zum 2. April 1900, dann fielen bis zum 23. November desselben 
Jahres 11 Pferde. 

Die Pferde erhielten vom Januar 1899 bis November 1899 Wasser, 
welches aus einem Drainsammeibassin stammte, dann wurde Brunnen- 
wasser verabreicht. Vom 2. April bis zum 4. Juli 1900 war in dem 
Sterben abermals eine Pause bemerkbar. Der Wechsel der Futterstoffe 
und des Wassers, was häufig geschah, hatte keinen Einfluß auf die 
Erkrankungen. 

Bei der Sektion fanden sich meist Darmulcerationen, welche per- 
foriert waren, namentlich war die Blinddarmspitze ergriffen ; bei längerer 
Krankheitsdauer war der Blinddarm in toto entzündet und zeigte peri- 
tonitische Verklebungen. Die Milz ist gesund gewesen (?). Die Leber 



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Bacterium coli als Ursache eines seuchenartigeii Pferdesterbens etc. 287 

zeigte vereinzelte kleine Abscesse, die Nieren waren stets vergrößert 
und häufig die eine derselben eiterig entzündet, in der Bauchhöhle 
jauchige Flüssigkeit. 

Eine Immunität nach einmaligem Ueberstehen konnte nicht beob- 
achtet werden. Wenigstens erkrankte ein Pferd am 24. Juli 1900, war 
am 1. Oktober anscheinend wieder geheilt und erkrankte am 13. No- 
vember von neuem, um nach 10 Tagen zu verenden. 

Von Erkrankungen anderer Tiere unter diesen Erscheinungen, auch 
von Füllen, ist nichts bekannt Es handelte sich also um eine Er- 
krankung, welche nur die ausgewachsenen Tiere befiel. Pferde, welche 
vorübergehend in dem Stall standen, erkrankten nicht; neu angekaufte 
erst nach 8—14 Tagen (Inkubationsdauer). 

Zur Untersuchung wurden uns am 21. November 1900 von einem 
Tiere, welches am 14. November erkrankt und am 19. desselben 
Monats eingegangen war, in einem sorgfältig verschlossenen Faß 
mehrere Organe zugesandt: Darm, Milz, Magen. Die Milz war ver- 
größert, der Darm zeigte peritonitische Erscheinungen, der Magen (mit 
Häcksel angefüllt) schien normal. Die von den verschiedenen Organen 
angefertigten Deckglaspräparate (teils im Schnitt, teils im Ausstrich) 
ließen Kokken und Bacillen erkennen; es prävalierten mittelgroße, 
plumpe, an den Enden abgerundete Stäbchen, meistens in Häufchen 
zasammengelagert. 

Mit dem Milzssit geimpfte Tiere blieben gesund. (Es sei gleich 
hier erwähnt, daß als Versuchstiere weiße Mäuse und Meerschweinchen 
zur Verwendung gelangten.) 

Nunmehr wurden von der Milz wie von der Magen- und Darm- 
schleimhaut herausgeschnittene Teilchen in Bouillon eingebettet und 
zur Entwickelung der Mikroorganismen dem Brutschrank (37^) über- 
geben. Nach 24 Stunden sowohl wie nach 48 wurden von den erhaltenen 
Bouillonkulturen einesteils Gelatineplatten gegossen, anderenteils Tiere 
geimpft Die subkutan infizierten Tiere gingen sämtlich innerhalb 
12 Stunden ein. Der Sektionsbefund ergab vergrößerte Milz, schwärz- 
lich verfärbte Leber, eiterige Peritonitis. Die Tiere waren in zusammen- 
gekrampfter Bauchlage verendet 

Inzwischen waren auf den Gelatineplatten reichliche Kolonieen an- 
gegangen, die infolge der Mannigfaltigkeit vorläufig nicht weiter be- 
achtet, späterhin, von neuem isoliert, zu Identitätsversuchen dienten. 

Aus den verschiedenen Organen der verendeten Tiere waren gleich- 
falls Gelatineplatten angelegt und daraus verschiedene Bakterienarten 
isoliert worden, namentlich Coli -ähnliche Bacillen. Weitere Ueber- 
tragungsversuche ergaben, daß nur die mit letzteren geimpften Mäuse 
und Meerschweinchen zu Grunde gingen, und zwar prompt nach 12— 
20 Stunden, während die anderen Kulturen einflußlos blieben. 

Mit dem Mageninhalt angestellte Versuche, welche den Zweck hatten, 
denselben auf metallische Gifte zu prüfen, namentlich auf Arsen, aus 
Gründen, welche oben schon angeführt sind, waren völlig negativ aus- 
gefjdlen und somit die Abwesenheit derselben konstatiert. 

Das in großer Menge gefundene Mikrobion, welches sich gemäß den 
verschiedentlich mit ihm angestellten Reaktionen und Versuchen als ein 
sehr virulent gewordenes Colibacterium erwies mit allen typischen 
Eigenschaften — ließ die Vermutung aufkommen, daß dasselbe vielleicht 
mit dem Trinkwasser oder den Futtermitteln den Tieren einverleibt sein 
könne, und wir erbaten uns daher diesbezügliches Material. Aus den 



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288 PiorkowBki und JeBS, 

uns daraufhiii gesandten Proben: Wasser, Pferderflben, Heu, Hafer — 
aach Stroh — konnte, mit Ausschluß des Hafers, ans dem sich nur 
Bact Zopfii herauszüchten ließ, einColibacterinm isoliert werden, 
das sich bei der Verimpfung auf Tiermaterial als stark virulent erwies. 
S&mtUche Tiere, welchen dasselbe inokuliert wurde, gingen innerhalb 
12—20 Stunden ein, meist mit fibrinös-eiteriger Peritonitis. 

Aus den Litteraturangaben ist bekannt, daß aus dem Darmkanal 
oder aus mit Fäkalien yerunreinigtem Wasser isolierte Coli -Arten 
sich im Tiere stets als pathogen erweisen, daß femer bei fortgesetzter 
Tierpassage die Virulenz eine außerordentliche Steigerung erfahren 
kann. Andererseits ist auch die Einführung besonders virulenter Keime 
durch Nahrungsmittel bestätigt (Kruse). 

In dem von uns untersuchten Wasser präsentierten sich bei 
100 Keimen im Kubikcentimeter 30 als Coli -Vertreter, ein außerordent- 
lich hoher Prozentsatz. Nächst dem Wasser waren es die Pferderflben, 
welche damit stark durchsetzt waren ; Stroh und Heu beherbergte sie 
in minderem Maße, Hafer gar nicht. Auf die von uns eingezogene Er- 
kundigung erhielten wir die Nachricht, daß die Rflben in Mieten auf 
dem Felde lagerten, das Heu über dem Pferdestall, daß aber der Hafer 
in einem entlegenen Wirtschaftsgebäude untergebracht war. Auch die 
Vermutung wurde bestätigt, daß der Brunnen sich in der N&he der 
Dunggrube befand. Ein gleichzeitig mitübersandtes Gutachten der Ver- 
suchsstation der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westpreußen 
vom 10. Oktober 1900 ergab 38,5 mg Chlor, 47,5 mg Salpetersäure im 
Liter Wasser, und also bestärkte uns auch dies in dem Verdacht, daß 
das letztere durch Zufluß aus einem Fäulnisherd verunreinigt war. Es 
hatte demnach den Anschein, als wenn von hier die Verseuchung aus- 
gegangen wäre resp. von dem Drainsammeibassin, aus welchem die 
Pferde vorher getränkt worden waren. 

Hatten wir erwiesen, daß nur die im Wasser wie in den Rflben und 
im Heu bezw. Stroh au^efundenen Coli -Bakterien es waren, welche 
auf Versuchstiere die tödliche Wirkung ausgeflbt hatten, so blieb noch 
der Beweis zu liefern flbrig, daß diese Mikroorganismen auch imstande 
seien, bei Pferden Krankheitserscheinungen hervorzurufen, die jenen in 
Westpreußen glichen und also den Tod herbeifuhren konnten. 

Zu diesem Zwecke wurde ein gesundes Pferd in einem Stalle ein- 
gestellt und diesem Tiere zum Futter und Trinkwasser am 1. Tage 1 1 
einer 24-stflndigen, inzwischen fortgezflchteten Coli- Kultur (Bouillon) 
verabreicht Am nächsten Tage die nämliche Menge einer 48-stflndigen 
Kultur. Es stellten sich hiernach in den nächsten Tagen verminderte 
Freßlust ein und subnormale Temperaturen. 

Um das Experiment nicht durch die Länge der etwa aufgewendeten 
Zeit zu verteuern, nahmen wir unbeschadet der geänderten Versuchs- 
anordnung die intravenöse Injektion einer 24-stündigen Bouillonkultur 
in einer Menge von 25 ccm vor. Zu bemerken wäre hier noch, daß 
die Kulturen inzwischen in 3 oder 4 Generationen fortgezflchtet waren 
und daß immerhin eine gewisse Abnahme der Virulenz stattgefunden 
haben konnte. 

Die letztere Injektion war am 7. Januar 1901 erfolgt. Am folgen- 
den Tage stieg die Temperatur auf 37,8 von 36,6 und das Pferd zeigte 
Kolikerscheinung; es schlug mit den Hinterfüßen gegen den Leib und 
hörte mit der Futteraufhahme auf; in den folgenden Tagen traten Tem- 
peraturen bis 38,8 auf. 



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Bacterium coli als Ursache eines seuchenartigen Pferdesterbens etc. 289 

Die Koliken, welche sich bis zum 14. Januar fortsetzten, nahmen 
teilweise einen so heftigen Charakter an, daß das Pferd die Krippe etc. 
demolierte. 

In den letzten Tagen vor dem 14. Januar waren die Temperataren 
wieder normal geworden and es war auch beginnende Freßlust zu ver- 
zeichnen. Wir entschlossen uns nun, teils um die Leiden des Tieres 
abzukürzen, teils um eine eventuell beginnende Immunisierung zu ver- 
hindern, zu größeren Gaben und injizierten dem Versuchspferd am 
14. Januar eine reichlichere Portion dieses in Bouillon verimpften 
Materials. 

In der Nacht vom 15. zum 16. Januar verendete das Tier. 

Es hätte übrigens dieser letzten Gabe, wie die Sektion zeigte, nicht 
bedurft. Das Pferd wäre infolge der Darm-, der eiterigen Nieren- und 
Nierenbeckenentzündung sicher in den nächsten Tagen zu Grunde ge- 
gangen. 

Die Sektion wurde am 17. Januar in der fiskalischen Abdeckerei 
vorgenommen und ergab im wesentlichen folgenden Befund. Wir teilen 
hier der Kürze halber nur die pathologisch-anatomischen Daten mit: 
Jauchige Bronchitis, Myocarditis parenchymatosa, Peritonitis suppurativa» 
im freien Raum der Bauchhöhle eine geringe Menge rötlich trüber, mit 
Flocken vermischter Flüssigkeit, Gastritis und Enteritis der gesamten 
Darmpartieen, Pyelonephritis suppurativa dextra, hügelige Beschaffenheit 
der wenig geschwollenen Milz, Hepatitis parenchymatosa, handteller- 
große, schwarzrote Verfärbung der Harnblasenschleimhaut. 

Wir hatten es also mit einer unter schweren septischen Erschei- 
nungen verlaufenden Entzündung des Magendarmkanals und einer 
schweren Affektion der Niere und Harnwege zu thun. Diese krank- 
haften Veränderungen, sowie die recht erhebliche Peritonitis sind ganz 
zweifellos teils ein Produkt der Golifütterung, teils durch die 
intravenöse Injektion der Colikultur beschleunigt, denn in der 
Zeit vom 14. Januar mittags bis zum 15. Januar nachts ist die Aus- 
bildung eines so hochgradigen Krankheitsbildes an Darm und Nieren 
unmöglich. — Vergleichen wir nun unser artificiell erzeugtes Krank- 
heitsbild mit demjenigen, welches die Tiere in Westpreußen zeigten, so 
finden wir völlige Uebereinstimmung. (Zu Abscedierungen konnte es 
wegen der Kürze der Versuchsdauer nicht kommen.) Wir konnten ge- 
meinsam konstatieren: Kolik, gesenkte Haltung des Kopfes, Fieber» 
schlechten Appetit und bei der Sektion schwere, ausgebreitete Darm- 
entzündung mit eiteriger Nierenbeckenentzündung rechts. Die aus dem 
Pferdekadaver isolierten Bakterien verhielten sich vollkommen identisch 
mit den bisher reingezüchteten Coli- Bacillen. Es erhellt hiernach also 
zweifellos, daß das Bact coli es war, welches diese verheerende 
Wirkung ausgeübt hat. 

Wodurch die allmähliche Penetration des Wassers und der Futter- 
mittel bezw. des Ackerlandes mit dem Colibacterium erfolgt ist, 
darüber lassen sich vor der Hand nur Kombinationen aufstellen. Das 
Einfachste wäre, die Verunreinigung durch die Düngergrube anzunehmen, 
and dies dürfte wohl am zutreffendsten sein. Die Ausscheidungen der 
Pferde, die dadurdi bedingte teilweise Verunreinigung des Futters, das 
Hinausschaffen des Düngers in die Grube und auf die Felder, die er- 
neute Infektion des Wassers und der Feldfrüchte bilden demgemäß 
einen circulus vitiosus, der verderblich werden mußte. Nun ist noch 
folgendes zu bedenken: Es ist bereits im Eingange dieses Berichtes 



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290 Piorkowski n. Jess, Bacterium coli alg Ursache eines Pferdesterbens etc. 

gesagt worden, daß ein Knecht des Gutes in den Verdacht gekommen 
war, durch irgendwelche Vornahmen die Tiere geschädigt zu haben. 
Wenigstens war der Beginn des Pferdesterbens zeitlich mit dem Dienst- 
antritt jenes Knechtes zusammengefallen. Dazu kam noch, daß dieser 
Knecht vorher auf dem Nachbargute beschäftigt war, wo gleichfalls 
innerhalb von 27« Jahren ca. 50 Pferde gefallen waren. Es war aber 
nicht wahrscheinlich, daß derselbe irgendwelche Manipulationen vor- 
genommen hatte; auch psychologisch nicht, denn er hätte doch Ent- 
deckung und mindestens fQr seine Stellung fürchten mfissen. Endlich 
waren, wie gesagt, auch die chemischen Untersuchungen auf giftige 
Stoffe ergebnislos ausgefallen. 

Nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit, 
daß dieser Knecht vielleicht die unschuldige Ursache jener Endemie 
gewesen ist, indem er als der Herbergsvater des so verhängnisvollen 
Bakteriums gelten könnte, vielleicht aber auch die trübe Quelle, in 
welcher infolge von Mangel an Sauberkeit der erste Grund für das 
Pferdesterben zu suchen wäre. Zur Eruierung dieser Thatsache sind 
die notwendigen Ermittelungen bereits eingeleitet, und so wird es viel- 
leicht möglich sein, der Aetiologie des Pferdesterbens auf die Spur zu 
kommen. 

Aus den Berichten des Gutsherrn ist zu entnehmen, daß im Jahre 
1898/99 sowohl im Winter wie im Sommer die Pferde gleichmäßig fielen : 
eine Pause war vom 11. November 1899 bis 2. April 1900 eingetreten. 
Dann fielen bis zum 23. November wiederum 11 Pferde. Diese That- 
sachen werden erklärlich, wenn man bedenkt, daß der Winter 1898/99 
sehr mild verlaufen ist, während derjenige von 1899/1900 bekanntlich 
streng war. Bereits bei — 5^ C findet ein Absterben der Coli- Keime 
statt, wobei nicht ausgeschlossen bleibt, daß einzelne besonders ge- 
schützte Individuen überleben (namentlich bei gleichzeitigem Schneefall) 
und bei Eintritt der wärmeren Jahreszeit im Tierkörper von neuem 
virulente Eigenschaften erlangen können. 

Bevor wir schließen, möchten wir noch auf einen Umstand hin- 
weisen, der zunächst eigenartig erscheint, nämlich den, warum der von 
uns isolierte Bacillus gerade für Pferde so sehr pathogen ist, während 
er für andere Haustiere, namentlich das auf dem Gute vorhandene 
Rindvieh, einflußlos geblieben ist 

Dafür haben wir nur eine Erklärung. Es ist, wie bereits hervor- 
gehoben, erwiesen, daß das Bact. coli ein steter Darmbewohner der 
Menschen wie der meisten Haustiere ist. Beim Pferde ist sein Vor- 
kommen zweifelhaft resp. überhaupt in Frage gestellt Es wäre also 
nichts einfacher, als anzunehmen, daß alle die steten Wirte des Goli- 
mikrobions diesem gegenüber sich im allgemeinen immun verhalten, 
während diejenigen Tiere, welche dasselbe im Darmtraktus absentieren, 
einem stark virulenten Auftreten desselben zum Opfer fallen müssen, 
wenn sie nicht künstlich dagegen immun gemacht werden. 

Daß eine Immunisierung vorgenommen werden kann, dafür spricht 
einmal das Faktum, daß alle Füllen auf dem Gute verschont geblieben 
sind (es ist anzunehmen durch die zunächst geringen Dosen mittels der 
Milchzufuhr), dann die bekannte Thatsache, daß eine solche durch vor- 
sichtige allmähliche Steigerung von Injektionsdosen leicht zu erreichen 
ist; Daß auf dem Gute die ausgewachsenen Tiere nicht immun geworden 
sind, ist zu verstehen durch die täglich immer wieder von neuem ein- 



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A. Schott, Experimentelle und klinische Erfahrungen. 291 

geführten großen Gaben mittels des Fntters etc., die durch die fort- 
"Währende Tierpassage natürlich nur virulenter geworden waren. 

Wollte man die Coli- Bakterien auf dem Acker zerstören, so wäre 
dies eine nahezu aussichtslose Arbeit Immerhin ist es möglich, daß 
iler diesjährige starke Janüarfrost bei wenig Schnee tief in den Boden 
gedrungen ist und baktericid gewirkt haben könnte. Anderenfalls 
müßte, wenn nicht die Immunisierung vorgezogen wird, eine völlige 
Aenderung mit den Futtergaben stattfinden, der Brunnen verlegt, die 
gesunde^ Tiere isoliert und der Dung mit Kalkmilch desinfiziert 
werden. ' 



Naehdrwih verboten. 

Berechtigen eiperimentelle oder klinische Erfahrungen zu 
der Annahme, dass pathogene oder nicht patiiogene Bak- 
terien die Wand des gesunden Magendannkanals durch- 
wandern können? 

Von Dr. !• Schott, Tübingen, z. Zt. Assistent der psych. Klinik. 

(Schluß.) 

Tavel und Lanz, welche über die Aetiologie der Peritonitis ge- 
arbeitet haben, stellten zu diesem Zwecke 72 intra vitam an Menschen 
bakteriologisch ausgeführte Untersuchungen bei Peritonitis und in- 
carcerirten Hernien aus der Kocher'schen Klinik an. Dazu gesellen 
sich die Resultate mehrerer interessanter, im TaveTschen Laboratorium 
ausgeführter Experimentalarbeiten. Nach dem Verf. kommen bei Ent- 
stehung einer Peritonitis verschiedene Faktoren in Frage. Es kann von 
einem Nachbarorgane aus in das Peritoneum 

1) ein Fortwachsen, 

2) ein Durchwandern von Bakterien, 

3) ein Durchtritt von chemischen Produkten stattfinden. 

In Fällen von Perforationsperitonitis wären noch in Betracht zu 
ziehen 

4) die Irruption von chemischen Produkten, z. B. Toxinen und 
Fermenten, 

5) die Irruption von Bakterien und 

6) die von festen Bestandteilen des Darminhältes. 

Keiner dieser Faktoren nun ist für sich allein imstande, experimentell 
eine Peritonitis zu erzeugen. Damit sich die Bakterien auf dem Peri- 
toneum ansiedeln können, muß schon eine Peritonitis da sein. Eine 
primäre bakterielle Peritonitis giebt es nicht; meist 
handelt es sich um Polyinfektionen; keine Bakterienart spielt 
eine spezifische ätiologische Rolle. Bact coli wird nur deshalb so 
häufig gefunden, weil es so leicht zu züchten ist Das Bact. coli 
ist keine ätiologische Einheit. 

E. d ' A n n a untersuchte die Peritoneumflüssigkeit von Kranken, die mit 
großen endoabdominalen Tumoren behaftet waren. Die bakteriologische 
Untersuchung (Agar-Agar) ergab stets positive Resultate (Bact. coli), 
Die Injektion dieser Kulturen in das Peritoneum von Meerschweinchen 
(die Bakterien wurden 20 Tage nach ihrer Isolierung eingespritzt) ergab 



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292 -A.. Schott, 

ein negatives Resultat Verf. schließt, indem er sagt, „daß der Ueber- 
gang des Bact. coli in die Bauchhöhle entweder unschädlich ist oder 
nur je nach den speziellen Verhältnissen des Individuums (Ernährungs- 
zustand, Alter u. s. w.) erfolgen kann. 

Nach Birch-Hirschfeld ist für eine Reihe von Erkrankungen 
der Darm als Eingangspforte von Mikroorganismen unzweifelhaft er- 
wiesen : Milzbrand und Tuberkulose, Aktinomykose und Typhus abdomi- 
nalis verursachen im Darm selbst deutlich nachweisbare Störungen, und 
ihre Erreger sind, wo die Krankheit zur Allgemeininfektion geführt hat, 
auf ihrem weiteren Wege in Lympb- und Blutbahn verfolgt Worden, so* 
daß kein Zweifel in dieser Richtung bestehen kann. 

Kocher denkt bei der Pathogenese der Osteomyelitis, wie schon 
oben angedeutet, an ein Eindringen der Staphylokokken vom Darm aus 
in die Blutbahn. 

Posner, Lewin und T a v e 1 nehmen für viele Fälle kryptogenetischer 
Sepsis eine Darminfektion an. Kam er sogar für einen Fall von Tetanus. 

Die meisten Arbeiten über eine Bakterieneinwanderung vom Darm 
aus beziehen sich auf das Bact coli commune. 

Für eine Reihe von Erkrankungen ist die Pathogenität des Bact. 
coli unzweifelhaft erwiesen, sowohl durch Züchtung des charakteristisdien 
Bakteriums in Reinzellen während des Lebens und die Erzeugung ana- 
loger Erkrankung durch Verimpfung auf Tiere. Das gilt für manche 
Formen von Enteritis, für Peritonitis, Angiocholitis und Nephritis. Un- 
zweifelhaft ist, daß in einer großen Zahl von Fällen Bact. coli com- 
mune teils vor, teils nach dem Tode in inneren Organen nachgewiesen 
worden ist, und die Annahme liegt nahe, daß es sich dabei wenigstens^ 
zum Teil um ein direktes Durchwandern durch die Darmwand handelt. 

Die Möglichkeit der Durchwanderung des Bact coli durch die 
normale Darmwand auf Grund eingehender Experimente wird be- 
stritten von Zahn, Rindfleisch, Meissner, Hauser, Neisser. 

Als Schutzwall, der im normalen Darm die Bakterien an der Durch- 
wanderung hindert, sehen die meisten Autoren die Epithelschicht an 
(Heubner, Böse und Blanc, Malvoz, Czerny, B^co u. A.)^ 
während, wie schon früher bemerkt, v. Klecki die Muscularis als Haupt- 
hindernis eines direkten Durchdringens bezeichnet und Wysso- 
kowitsch die Schutzvorrichtung in der Struktur der Gefäßwand, be- 
sonders den Endothelzellen der Capillarwandungen erblickt 

Nach demselben Autor sind zum Zustandekommen einer Peritonitis 
verschiedene Momente nötig: 

1) ein virulentes Bakterium, 

2) eine mechanische oder chemische Läsion des Peritoneums, wie 
sie allerdings in den meisten Fällen durch die perforierenden Kot- 
massen selbst gegeben sein wird. 

Nach Birch-Hirschfeld wird man nicht leugnen können, da& 
ein Eindringen von Bakterien in die Darmwand unter pathologischen 
Verhältnissen, besonders nach Läsion der Epithelschicht, stattfinden 
kann. 

Lamelle, fand bei 2 Perforationsperitonitiden beim Menschen 
Bact coli in Reinkultur und wies mit Nachdruck auf die letale 
Wirkung dieser Stäbchen im Bauchfell hin ; doch glaubte er auf Grund 
seiner Tierversuche, dem Bact. coli keine direkte tödlidie Virulenz 
zusprechen zu können; erst wenn das Endothel des Bauchfelles durch 
irgend einen Reiz, sei es durch direkte Läsion, sei es durch irgend ein^ 



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Experimentelle and klinisd&e Erfahningen. 293 

reizende Lösung wie Galle oder sterilen Darmsaft, in einen veränderten 
Znstand versetzt worden ist, kommt es zur tödlichen Peritonitis. 

Bald nach Lamelle gelang es Roux und Rodet, das Bact. coli 
ans dem Exsudat einer eiterigen Perforationsperitonitis zu züchten, und 
diesem Fund folgten bald andere von Vendrikx, Dupr6, Ooullioud, 
Avlenot, Barbacci, Welch, die das Bact. coli bei Perforationen 
infolge von Typbusgeschwflren oder von Perityphlitiden aus der Bruch- 
hShle rein züchteten. 

Fraenkel betont in seinen Untersuchungen über Mikroorganismen 
der menschlichen Peritonitis das auffällig häufige Vorkommen des Bact. 
«oli bei den intestinalen Formen und zwar in Reinkultur unter 31 
Fällen 9mal. Auch bei Abschnflrung des Darmes bei Hunden oder 
durch Darmverletzung konnte er das Bact. coli im Peritonealexsudat 
erhalten und mit demselben alle verschiedenen Grade der Peritonitis 
erzeugen. 

In demselben Jahre (1891) erklärte noch Malvoz das Bact. coli 
für den typischen pathogenen Mikroben nicht nur der Perforations- 
peritonitis, sondern auch aller intestinalen Formen der Peritonitis über- 
haupt, bei Einklemmungen, Stenosen u. s. w. ; in 7 Fällen fand er 6mal 
das Bact coli in Reinkultur und nur Imal bestand nebenbei 
Perforation. 

Auch Körte konstatierte auf dem Ghirurgenkongreß (1892) bei 
seinen Untersuchungen von 19 Fällen eiteriger Peritonitis das oftmalige 
Vorkommen von Kurzstäbchen. Macaigne, der in einer großen 
Monographie über das Bact coli die Verbreitung und Wirkungsweise 
desselben auseinandersetzt, konnte 32 Fälle von Perforationsperitonitiden 
4ins der Litteratur zusammenstellen, wo das Bact coli in Reinkultur 
gefunden wurde. Nach ihm ist das gewöhnliche Bact coli im gesunden 
Darm nicht virulent, dagegen in hohem Maße das aus den Stühlen bei 
Enteritis gezüchtete, üeber die Ausscheidung der Bakterien durch die 
Kiere hat von Klecki Untersuchungen angestellt und gefunden, daß 
lediglich die Menge der im Blute cirkulierenden Keime für die Stärke 
der Bakteriurie maßgebend ist 

War bürg schreibt über Bakteriurie und äußert sich betreffs der 
Aetiologie in seinem Falle, wie folgt: „Als Ursache der Bakteriurie ließ 
dch der Bacillus lactis aöro genes nachweisen, der häufig im 
Darme von Säuglingen, aber auch von Erwachsenen gefunden wird. Ein 
direktes Uebertreten desselben in die Blase konnte nicht angenommen 
werden, ebensowenig eine Einwanderung von der Urethra aus, jedoch 
ließ sich das ganze Krankheitsbild durch Uebertritt der Bakterien in 
das Blut und Ausscheidung durch die Nieren erklären. Als Eintritts- 
stelle ist mit größter Wahrscheinlichkeit der Darm anzusehen, da hier 
der Bacillus lactis aörogenes seinen hauptsächlichsten Sitz hat** 

E. Reymond glaubte, daß es sich bei den durch das Bacf. coli 
verursachten Blasenkatarrhen am wahrscheinlichsten um eine direkte 
Ueberwanderung dieser Bakterien durch die Mastdarm- und Blasenwand 
in das Blaseninnere handelt. 

Wreden stellte eine Reihe klinischer und experimenteller Unter- 
suchungen zur Erörterung der Aetiologie der Cystitis an, bei denen er 
fand, daß die Mehrzahl der Blasenentzündungen durch Darmbakterien 
resp. das Bact coli commune verursacht wird. Auch er nimmt 
eine direkte Infektion vom Mastdarm aus an. 

Rovsing kommt zu dem Ergebnis, daß das Bact coli auf dem 



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294 A, Schotte 

Blutwege, also metastatisch in die Urinwege hineinkomme. Predöhl 
formuliert seine Ansicht über die Entstehung der Bakteriurie, wie folgt : 
„Was nun die Frage betriflft, wie das Bact. coli in den Urin hinein- 
komme und sich da vermehre, so fehlt mir hierfür, selbstverständlich 
immer nur für die Fälle reiner Bakteriurie gesprochen, jede sichere 
Erklärung." 

Lyder Nicolaysen beschreibt einige Fälle von Enuresis dinraa 
bei Kindern, in denen er unklaren Urin fand und eine Bakteriurie 
nachwies. 

Der direkte Weg vom Darme in die Blase scheint Barlow der 
gewöhnliche zu sein; die Einwanderung erfolgt aus dem Mastdarme 
durch das periprostatische Zellgewebe. Diese Annahme wurde durch 
die anatomischen Beziehungen zwischen Rectum und Harnblase gestützt^ 
nicht minder durch die Resultate von Wreden's experimentellen Unter- 
suchungen. Jede Verletzung des Mastdarmepitheis an der Grenze der 
Prostata und höher hinauf hatte eine Gystitis zur Folge und im Harne 
traten Bakterien des Darmes oder solche auf, welche man in das Rec- 
tum eingebracht hatte. 

Nach Salus geht aus den von ihm und Anderen angestellten Ver- 
suchen hervor, „daß auch bei skeptischer Auffassung dem Bact. coli 
eine gewisse Bedeutung als Gystitiserreger nicht abgesprochen werden 
kann, daß die Mehrzahl der Forscher aber ihm die allererste Stelle 
anweist, wobei allerdings die Hilfsursachen nicht zu unterschätzen sind^V 

„Die Frage, auf welchem Wege die Bakterien in den Harn gelangen, 
ist nach Salus bis heute über das Stadium hypothetischer Beantwortung 
nicht hinausgekommen." 

Zum Schlüsse erübrigt es uns noch die Frage des agonalen und 
postmortalen Eindringens von Bakterien in die Darmwand in Kürze zu 
beleuchten. 

Nach Birch-Hirschfeld wird man nicht leugnen können, daß 
ein Eindringen von Bakterien in die Darmwand unter pathologischen 
Verhältnissen besonders nach Läsion der Epithelschicht stattfinden kann«. 
Die Frage des agonalen Eindringens befindet sich zur Zeit noch in leb- 
hafter Diskussion. Achard und Phulpin sprechen sich entschieden 
dafür aus. Sie entnahmen während der Agone durch Punktion Blut 
und Lebersaft und wiesen in demselben in vielen Fällen Bakterien, vor 
allem das Bact. coli, nach, ohne daß dieses zu der eigentlichen Er- 
krankung in irgendwelche Beziehung gebracht werden konnte und ohne 
daß eine bei der Sektion nachweisbare Veränderung des Darmes bestand. 

Wurtz stellte durch Experimente fest, wie groß der Einfluß, den 
die Art der Agone, ihre längere oder kürzere Dauer auf das Eindringen 
von Bakterien in innere Organe ausübt, ist, derselbe wies bei Tieren^ 
die er durch Kälte, Erstickung und Arsenik langsam tötete, die Gegen- 
wart von Darmbakterien, besonders des Bact coli im Peritonealraum 
und Herzblut sofort nach dem Tode nach, während nach Durchschnei- 
dung des Rückenmarks die Abimpfungen aus den gleichen Organen 
steril waren. Ueber die Ursache dieser agona^len Infektion ist wenig 
bekannt. 

Marfan erklärt sie als Folge ein^r hyperämischen Darmalteration^ 
ohne indessen diese Ansicht näher zu begründen. Nach Heidenhain 
findet während der letzten Lebensstunden und nach dem Tode eine 
muskuläre Kontraktion im Schleimhautgewebe statt Die Kontraktion der 
Zottenmuskulatur preßt dabei Flüssigkeit und Wanderzellen aus der 



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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 295 

Zottenspitze, es kommt dadarch zu einer bläschenförmigen Abhebung 
des Zottenepithels, und somit wäre schon dadurch die während des 
Lebens vorhandene Schranke des unverletzten Epithelwalles durchbrochen 
und ein Eindringen von Bakterien in die tieferen Schichten ermöglicht 
Forcierte Atmungsbewegungen können ebenfalls befördernd auf das Ein- 
dringen von Bakterien wirken. Ein agonales Eindringen von Bakterien 
in die Gewebe kann auch bei normalen Verhältnissen vom Darm aus 
eintreten. Aber auch nach dem Tode können Bakterien yom Darm aus 
in innere Organe einwandern, auch in Fällen, wo während des Lebens 
oder in der Agone keine Einwanderung nachweisbar war. Es scheinti 
daß schon unmittelbar, wenige Stunden nach dem Tode eine Bakterien- 
einwanderung vom Darm aus beginnt. Dafür spricht der Umstand, daß 
man die dem Darm benachbarten Bezirke (Leber, Niere etc.) zu einer 
Zeit in Fäulnis begriffen antrifft, wo entferntere Organe noch keine 
Fänlniserscheinungen darbieten. Doch handelt es sich keineswegs nur 
nm Wanderung von Fäulnisbakterien, die nach Hauser zum größten 
Teil der Proteus-Gruppe zugehören, auch andere Bakterienarten, die im 
Darm Gesunder vorkommen, durchdringen die Darm wand, vor allem 
wieder die zur Coli -Gruppe gehörigen Bakterien. Nach Achard und 
Phulpin, sowie Birch-Hirschfeld scheint es, als ob meist zuerst 
Kokken und Bact. coli und erst in späteren Stadien die eigentlichen 
Fänlnisbakterien auftreten. 

Birch-Hirschfeld hat Untersuchungen über das postmortale 
Vordringen des Bact coli angestellt und kommt zu folgenden Schluß- 
sätzen : 

„1) Ein Eindringen des Bact coli commune in innere 
Organe während des Lebens ist bei intaktem Darm un- 
wahrscheinlich. Doch ermöglichen anscheinend schon patho- 
logische Veränderungen geringen Grades, vor allem eine 
Läsion des Darmepithels, die Einwanderung von Coli- 
Bakterien in die tieferen Gewebslagen, selbst ein Durchdringen derselben 
durch die Darmwand. 

2) Eine agonale Einwanderung des Bact coli vom Darm aus ist 
zuzugeben, auch ohne nachweisbare Läsion des Darmepithels. 

3) Daneben findet eine postmortale Wanderung von Bakterien, 
speziell vom Bact coli vom Darm aus in innere Organe statt, und 
zwar tritt lezteres in der Mehrzahl der Fälle ca. 10 Stunden nach dem 
Tode in inneren Organen der Leiche, besonders häufig in der Leber, 
doch auch in Niere, Milz, Pfortader, Herzblut und Galle auf. 

4) Ein bestimmter Typus für die Reihenfolge der befallenen Or- 
gane und die Zeit des Auftretens in denselben läßt sich nicht fest- 
stellen. 

5) Die pathologischen Veränderungen des Darmes stehen zur Zeit 
des postmortalen Auftretens von Bact coli in inneren Organen in 
keiner direkten Beziehung, wenigstens trifft man dasselbe in manchen 
Fällen bei normaler Darmbeschaffenheit schon wenige Stunden post 
mortem in den Organen. 

6) Es ist anzunehmen, daß neben der aktiven Weiter Wanderung 
von Darmbakterien im Verlauf der Blut-, Lymph- und Gallenwege ein 
direktes Durchdringen derselben durch den Darm, also von der inneren 
Schleimhautoberfläche durch alle Lagen der Darm wand bis auf die 
Oberfläche der Serosa stattfinden kann. 

7) In mehreren Fällen wurde ein Bakterium aus den Organen der 



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296 A. Schott, 

Leiche gezüchtet, das in allen seinen Eigenschaften dem Bact coli 
entsprach, nur dessen Gasbildangsfähigkeit in Zuckeragar vermissen ließ. 

8) Bei Feststellung der pathogenen Bedeutung des Bact. coli ist 
zu berücksichtigen, daß die Möglichkeit des Eindringens dieser Bakterien- 
art vom Darme aus in der Agone und bald nach dem Tode die Beweis- 
kraft post mortem aus Leichenteilen entnommener Eulturproben beein- 
trächtigt. 

9) Aus der Virulenz des aus der Leiche gezüchteten Bact. coli 
läßt sich kein Schluß auf seine Pathogenität intra vitam machen, da 
auch die nachträglich vom Darm eingedrungenen Bakterien eine hoch- 
gradige Virulenz besitzen können.^ 

FraenkeTs Untersuchungen frischer und älterer Leichen ergaben, 
daß eine Durchwanderung der Organismen durch die Darm wand 
nicht stattfindet, daß vielmehr die Fäulnis nicht eher in der Bauchhöhle 
eintritt, als sonst in der Leiche und daß dann die gewöhnlichen Erreger 
stinkender Fäulnis gefunden wurden. Brachte der Verf. bei Tieren 
durch Darmocclusion oder Darmperforation eine Peritonitis zustande, 
so fand sich in der Bauchhöhle in Reinkultur das Bact. coli com- 
mune. Nach Verf. behält der alte Satz sein Recht, Darminhalt erzeuge 
Peritonitis. 

Wir sehen also auf Grund des angeführten reichhaltigen experimen- 
tellen und klinischen Materials uns nicht berechtigt zu der Annahme, 
daß pathogene oder nicht pathogene Bakterien die Wand des gesunden 
Magendarmkanals durchwandern können. 

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Experimentelle und klinische Erfahrungen. 297 

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Snte Abt XZIX. Bd. 20 

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298 ^' Lode, 



Ist die graae Hansmaus natürlich immnn gegenüber dem 
Micrococoas tetragenns (Gfaffky)? 

[Aus dem hygienischen Institute der k. k. Universität in Innsbruck.) 

Von Prof. A. Lode. 

Gelegentlich einer geplanten Versuchsreihe handelte es sich darum, 
2 Tierarten zu finden, die, möglichst nahe verwandt, sich irgend einem 
Krankheitserreger gegenüber verschieden widerstandsfähig erweisen. Ab- 
gesehen von anderen Beispielen, z. B. dem Verhalten des Bacillus des 
Schweinerotlaufes, welcher für weiße Mäuse pathogen, für Feldmäuse 
wirkungslos sein soll, findet sich auch die Angabe in den meisten bak- 
teriologischen Handbüchern, daß der von Koch^) zuerst beschriebene 
und von Gaffky^) studierte Micrococcus tetragenns sich weißen 
und ^auen Hausmäusen gegenüber hinsichtlich seiner Pathogenität 
verschieden verhalten solle. 

Um nur einige Belege hierfür zu bieten, sei Folgendes erwähnt. 
So schreibt G. Fraenkel (Grundriß der Bakterienkunde. 3. Anfl» 
p. 469): „Der Micrococcus tetragenns ist pathogen für weiße 
Mäuse . . ., während sich Haus- und Feldmäuse gewöhnlich unempfäng- 
lich erweisen.'* 

Günther (Einführung in das Studium der Bakterienkunde. 1898» 
p. 551) schreibt: Der Micrococcus tetragenns ist für weiße Mäuse 
und Meerschweinchen pathogen; graue Mäuse und Feldmäuse verbalten 
sich fast stets immun. 

Lehmann und Neumann (Atlas und Grundriß der Bakteriologie. 
2. Aufl. Text p. 159) erwähnt: Micr. tetragenns erregt bei weißen 
Mäusen eine rasch verlaufende Septikämie . . . Graue Ratten und graue 
Mäuse sollen sehr resistent, ja immun sein. 

Im bakteriologischen Leitfaden von Levy-Bruns, Straßburg 1901, 
findet sich p. 151 die Angabe: Micr. tetrag. pathogen für weiße 
Mäuse und Kaninchen, graue Mäuse und Hunde sind immun. 

Aehnlich ist die Aeußerung von Frosch und EoUe in Flügge's 
Handbuch der Mikroorganismen. II. Teil. p. 157: Kleinste Mengen der 
Kultur weißen Mäusen subkutan eingeimpft, erzeugen in allen Fällen 
eine tödliche Krankheit. Graue Hausmäuse sind fast ausnahmslos gegen 
den Microc. tetrag. immun. 

In Bd. I des gleichen Handbuches erwähnt Kruse gelegentlich der 
Besprechung der Differenzen hinsichtlich der natürlichen Immunität, die 
bei Tieren verschiedener Rassen beobachtet werden, als lange bekanntea 
Beispiel, die verschiedene Empfänglichkeit der weißen und grauen Mäuse 
gegenüber dem Micrococcus tetragenns. 

Befremdend war der Umstand, daß in den Arbeiten, die ich in der 
Litteratur fand, die sich speziell mit dem Studium der Eigenschaften 
des erwähnten Mikroorganismus befassen, von diesem Verhalten nicht 
die Rede ist. 



1) Mitteilungen des ReichsgeBimdheitsamtes. fid. n. p. 33. 

2) Langenbeck's Archiv. Bd. XXVÜI. p. 500. 

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Ist die graue Hausmaus immun gegenüber dem Micrococcus tetragenus? 299 

Gaffky^), der die pathogenen Eigenschaften hinsichtlich der Meer«- 
schweinchen und Mäuse (offenbar sind nur weiße versucht worden) fest- 
stellte, erwähnt nichts von diesem angeblichen differenten Verhalten. 

Boutron'), dem wir die ausführliche Monographie über den 
Mikroorganismus verdanken, erwähnt von der pathogenen Befähigung 
weißen Mäusen und Meerschweinchen gegenüber: „Graue Mäuse, 
die nach Angabe der Autoren immun sein sollen, standen 
nicht zur Verfügung. 

Auch Viquerat^) erwähnt gelegentlich eines Abscesses beim 
Menschen, der von unserem Mikroorganismus hervorgerufen wurde, 
nur die pathogene Befähigung weißen Mäusen und Meerschweinchen 



In Anbetracht des Umstandes, daß gerade in der Originallitteratur 
dieses eigentümliche Verhalten nicht erwähnt wird und nähere experi- 
mentelle Angaben nicht vorzuliegen scheinen, infizierte ich zunächst mit 
dem von uns bei den bakteriologischen Kursen verwendeten Stamme, den 
ich vor 3 Jahren der Sammlung des Wiener hygienischen Instituts ent- 
nommen hatte und der daselbst eine Reihe von Jahren, mehrmals jähr- 
lieh ein Tier passierend, gezüchtet wird, 2 Stück graue Hausmäuse, 
aus der Umgebung von Innsbruck stammend. 

Die Infektion wurde mit einer Oese Material subkutan in die Gegend 
der Schwanzwurzel ausgeführt. Weiße Mäuse erliegen mit dem Stamme 
und der annähernd gleichen Menge Impfmaterial seit 7 Jahren, solange 
kann ich den Stamm zurückverfolgen in einem Zeiträume von 2 — 6 Tagen 
nach der Infektion. 

Das Ergebnis war überraschend. Maus I stirbt am 4. Tage, Maus II 
am 5. Tage nach der Infektion. 

In beiden Fällen bot die Sektion das typische Bild einer verallge- 
meinerten Sepsis. In allen inneren Organen fanden sich, wie stets bei 
den weißen Mäußen, in bedeutender Anzahl die charakteristischen, in 
Reinkultur wachsenden Tetraden. Einige Tage später wurden abermals 
4 Stück Mäuse mit dem Laboratoriumstamme infiziert. 
Maus III stirbt nach 2 Tagen 

T9 IV „ „ 3 „ 

„ VI „ „ 6 „ 

Die Sektion der aus verschiedenen Gegenden der Umgebung 
Innsbrucks stammenden Tiere bot wieder das Bild einer ausgebreiteten 
Sepsis dar. Bemerkenswert war bei Maus VI, die 3 Tage vor ihrem 
Tode schon ein schweres Erankheitsbild bot, eine ausgebildete Perito- 
nitis mit einem fadenziehenden reichlichen (etwa 3 ccm) Exsudate und 
einer geradezu kolossalen Anhäufung von Tetraden, so daß man mikro- 
skopisch den Eindruck hatte, als seien einer Reinkultur einige Zellen 
beigemengt worden. 

Nach dem Ausfall dieser Versuche, die allerdings, nachdem alle 
Versuchstiere aus einem beschränkten Gebiete stammen, nicht Anspruch 
auf ein allgemein giltiges Gesetz haben können, fällt die apodiktisch 
ausgesprochene Immunität der Hausmäuse dem M. tetragenus gegen- 
über. Ich glaube aber doch, daß analoge Versuche auch in anderen 

1) loc cit 

2) Boutron, Augustin Francois Alexis, Reeherches 8ur le Microc. tetrag. 
sept Paris 1893. (Ref. im Gentralbl. f. Bakt. etc. Bd. XYI. p. 971.) 

3) Zeitschr. f. Hyg. Bd. XYIU. 

20* 



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300 A. Celli, 

Orten bei dem gleichartigen Ausfall meiner Versuchsreihe gleichmäßig 
ausfallen werden und daß wir es hier mit einer irrtümlichen An- 
gabe zu thun haben, die von Lehrbuch zu Lehrbuch 
wandert, solange nicht deren Richtigstellung erfolgt 
Auf ausgeführten exakten Versuchen scheint sie nach dem Ergebnisse 
der Durchsicht der Originallitteratur nicht zu beruhen. 
Innsbruck, den 28. Januar 1901. 



yaehdniek verboten. 

Nochmals über Immunität gegen Malariainfektion ^). 

[Aus dem hygienischen Institute der Universität Rom.] 
Von A. Celli. 

Verf. veröffentlichte im September 1899 (Centralbl. f. Bakt etc. 
Bd. XXVII. 1900) seine Studien über dieses bis dahin noch vollkommen 
im Dunkeln liegende Argument Er zeigte, daß einige Individuen eine 
natürliche Immunität gegen Malaria, auch gegen experimentelle Malaria, 
besitzen, andere durch überstandene Krankheit Den Mechanismus 
dieser Immunität konnte er bis jetzt nicht auf Grund der Serumtherapie 
erklären. Eine künstliche Immunität konnte er weder mit Erankheits- 
produkten anderer Tiere, noch mit Blutserum oder organischen 
Säften der gegen ihre Malariaart immunen Tiere erzeugen, noch mit 
Säften aus den verschiedenen infizierten oder nicht infizierten Stech- 
mücken (Änopheles, Culex), Lediglich war Verf. eine künstliche Immu- 
nität mit den chemischen Präparaten Euchinin und Methylenblau 
gegen experimentelle Malaria gelungen. In dem letzten Bericht über 
seine Malariaexpedition ^) verölfentlichte Koch, daß er in den Tropen 
nie ererbte Malariaimmunität gefunden hätte, sondern nur eine nach 
überstandener Krankheit erlangte Immunität Er bemerkt, daß daher 
meist in Malariagegenden die Kinder der Eingeborenen an Malaria 
leiden. Firket^) hingegen meint, daß diese Immunität durch die 
klimatischen Verhältnisse in den Tropen schwer zu erreichen sei. Zie- 
mann^) glaubt ebenfalls nicht, daß der Mensch eine vollkommene Im- 
munität durch im Kindesalter überstandene Malaria erlangt Die Dis- 
position verringert sich im Laufe der Jahre, aber hört nie ganz auf. 
7 sogenannten Immunen injizierte er Blut Malariakranker, von denen 
daraufhin 5 erkrankten. 

Verf. selbst hat im vorigen Jahre seine diesbezüglichen Studien 
fortgesetzt Von 9 Individuen, die er seit 4 Jahren Gelegenheit hatte, 
in den pontinischen Sümpfen zu beobachten, die alle natürliche Immu- 
nität gegen Malaria besaßen, erkrankten dieses Jahr 2, einer an einem 
leichten Fieberanfall, den er rasch überstand, der andere indessen an 
einem schweren Aestiv-Autumnalfieber, nachdem er 34 Jahre alt ge- 
worden war, ohne je Fieber zu haben. Die Lebensbedingungen dieser 
beiden hatten sich in keiner Weise geändert, es ließ sich auch sonst 
kein Grund feststellen, woher sie plötzlich erkrankten. Immerhin be- 



1) Annali d*igiene sperimentale. Vol. XI. Fase. 1. 

2) Dtsch. med. Wochenschr. 1900. No. 47, 48. 

3) Bull, de l'Acad. R. de M6d. de ßelgiques. T. XXX. 1900. 

4) Dtsch. med. Wochenschr. 1900. No. 47. 



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Nochmals über Immunität gegen Malariainfektion. 301 

weisen diese beiden Fälle, daß die natürliche Immunität, die sich über- 
haupt selten findet, nicht so dauerhaft ist, als Verf. erst annahm, hin- 
gegen blieben die nach überstandener Malaria immunen Individuen alle 
gesund, und hatte Verf. noch verschiedene Male Gelegenheit, besonders 
beim Eisenbahnpersonal, ähnliche Fälle zu beobachten. Er kommt des- 
halb zu der Ueberzeugung, daß diese Immunität weit stabiler ist als die 
natürliche. 

Er konnte in den schweren Malariagegenden, wo die Leute teils 
aus Armut, teils aus Vorurteil kein Chinin nehmen, die Beobachtungen 
R. Koch 's aus Neu Guinea nicht bestätigen, daß alle die in Malariaorten 
geborenen Kinder nach und nach durch überstandene, nicht mit Chinin 
bebandelte Fieber immun gegen dieselben werden. Hier im Gegenteil 
leiden sie .oft, trotzdem ihre Familien schon seit Generationen in den 
infizierten Gegenden wohnen, noch als Erwachsene daran und jeden 
Sommer sterben ja mehrere. Die größte Sterblichkeit an Malaria ist sta- 
tistisch bei uns zwischen dem 5. und 20. Lebensjahre. Trotzdem ist 
die nach Malariakrankheit entstandene Immunität häufiger und dauer- 
hafter als die natürliche. 

Nach den neuesten Forschungen Belfanti's, Carbone's, Bor- 
det's, Ehrlich 's etc. versuchte Verf. zusammen mit Dr. Panichi, 
ob es vielleicht ein spezifisches Malariahämolysin gäbe und ob sich 
eventuell nicht ein natürliches Antimalarialysin im Menschen (während 
der Apyrexie und in den Immunitätsfällen) bildete, oder ob man es 
künstlich beim Tiere erzeugen könne. 

Verf. und Dr. Panichi haben viele Experimente und Beobach- 
tungen in dieser Richtung hin gemacht, mit denen sie aber noch nicht 
zum Abschloß gekommen sind. Erwähnt seien hier folgende: 

Wenn sie einer Person kleine Quantitäten (20—50 ccm) normales 
Menschenblutserum injizierten, fand keine Veränderung des Hämoglobin- 
gehaltes oder der roten Blutkörperchenzahl statt; injizierten sie hin- 
gegen kleine oder große Quantitäten (50—120—150—250 ccm) Blutserum 
von an leichtem Tertiana- oder Aestiv-Autumnalfieber Erkrankten, so 
entstand immer eine Vermehrung des Hämoglobingehaltes und der 
Erythrocyten. Die Temperatur blieb bei den geringeren Dosen (50 bis 
120 ccm) unverändert, bei den größeren Dosen (150:— 250 ccm) stieg sie 
sofort auf 38,6® und blieb 1 — 2 Tage derart. Auch bei Injizierung ge- 
ringer Quantitäten (10—20 ccm) normalen Ochsenblutserums beobach- 
teten sie eine leichte Vermehrung des Hämoglobingehaltes und der 
roten Blutkörperchen, ebenfalls sofort nach der Einspritzung eine Tem- 
peraturerhöhung auf 38,6 ^ die 1-2 Tage anhielt. 

Einer Ziege injizierten sie große Quantitäten Blutes von leichtem 
Tertiana- und Aestiv-Autumnalfieber. Die Zahl der roten Blutkörper- 
chen stieg anfänglich, der Hämoglobingehalt blieb derselbe. Als sie die 
zu injizierenden Blutquantiäten erhöhten, nahm der Hämoglobingehalt ab, 
um nach kurzer Zeit wieder normal zu werden. Injizierten sie nun das 
Blut der so vorbehandelten Ziege einem Menschen, so konnten sie wohl 
eine Steigerung des Hämoglobingehaltes, aber keine Veränderung der 
roten Blutkörperchen wahrnehmen. Diese Experimente bestätigen vor- 
läufig Verf. in seiner Ueberzeugung, daß das Blutserum der Malaria- 
kranken, auch beim Eintritt des Schüttelfrostes entnommen, keine pyro- 
gene Wirkung ausübt, hatten doch 250 ccm desselben dieselbe Wirkung 
wie 5—20 ccm Ochsenblutserum. Ueber das Vorhandensein eines spe- 
zifischen Malariahämolysins setzt Verf. seine Versuche in dieser Richtung 



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302 A. Celli, Nochmals über Immanität gegen Malariainfektion. 

hin fort. Er bezweifelt aber sehr, ob diese für die Prophylaxis von 
großem Werte sein werden. 

Vielmehr hofft er vom Gebrauch einiger Chemikalien als Präventiv- 
mittel. Wie er bereits in seiner vorigen Arbeit erwähnte, mußte er 
das Methylenblau trotz des guten Erfolges, den er damit erzielt hatte, 
beiseite lassen, da es den Urin und das Sputum der Menschen blaa 
färbt, Grund genug für diese, es nicht zu nehmen. 

Da sich aber auch das Euchinin als Präventivmittel bei experimen- 
teller Malaria vorzüglich bewährt hatte, wollte er es auch gegen natOr- 
liche Infektion prüfen. Auf seine Veranlassung machte Dr. Gualdi 
folgendes Experiment^). Ein Individuum, das sich dazu bereit fand, 
nahm 8 Tage täglich ^ji g Euchinin, wurde dann von künstlich infizier- 
ten Änopheles gestochen, nahm dann noch 10 Tage dieselbe Dosis 
Euchinin und blieb gegen Fieber immun. Von den Änopheles wurden 
einige untersucht und wurden voller Malariaparasiten gefonden. 

Während der letzten Malariazeit hatte Verf. Gelegenheit, in den 
Maremmen Toskanas, pontinischen Sümpfen und in der Ebene Gatanias 
Euchinin bei den Bauern als Präventivmittel anzuwenden, ^/i g war 
für die Erwachsenen, 25 ctg für die Kinder die Durchschnittsdosis, die 
in den Morgenstunden, 25 ctg auf einmal, genommen wurden. Pro! 
Di Mattei, die Doktoren Bareon, Ficacci und Mori leiteten an 
den verschiedenen Orten diese Experimente genau. Die betreffenden 
Bauern nahmen das Euchinin 1 — ö Monate hintereinander, ohne Magen- 
beschwerden, Ohrensausen oder sonstige Störungen davon zu haben. 
Als Kontrolle dienten Personen derselben Familie oder in der Nachbar- 
schaft wohnende Bauern. Recidive konnten nie mit dem Euchinin ge- 
heilt werden. Hingegen von den 116 Behandelten, die nie früher an 
Malaria gelitten hatten, erkrankten 12, also 10,34 Proz., von den zur 
Kontrolle Gelassenen 271 1