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Full text of "Abhandlungen der Kniglich Preussischen Geologischen Landesanstalt."

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C CT. 1909 


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AbbandluDgen der Königiicb Preußischen Geologischen Landesanstalt 

Neue Folge, Heft 56 




Geologie und Paläontologie 


der 


Subhercynen Kreidemulde 

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Von 

Henry Schroeder und Johannes Boehm 

in Berlin 


Mit 16 Tafeln 




Herausgegeben 


von der 


Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt 


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BERLIN 

Im Vertrieb bei der Königiicb Preußischen Geologischen Landesanstalt 

Berlin N 4, Invalidenstraße 44 

1909 


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Preis 10 Mark 
















































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Abhandlungen 


der 

Königlich Preufsischen 

Geologischen Landesanstalt. 


IV e u e Folge, 

Heft 56. 



BERLIN. 

Im Vertrieb bei der Königlichen Geologischen Landesanstalt 
Berlin N. 4, Invalidenstr. 44. 


1909. 







Geologie und Paläontologie 

der 

Subhercynen Kreidemulde 


Von 


Henry Schroeder und Johannes Boehm 

* Ufa 

in Berlin 


Mit 16 Tafeln 


Herausgegeben 
von der 

Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt 


BERLIN 


Im Vertrieb bei der Königlichen Geologischen Landesanstalt 
Berlin N. 4, Invalidenstr. 44 

1909 







Vorwort. 

Die geologische Spezialkartierung der subhercynen Kreide¬ 
mulde ist von der Geologischen Landesanstalt in Angriff genommen 
und von dem damit beauftragten Landesgeologen Henry Schroeder 
soweit gefördert, daß der auf das Meßtischblatt Harzburg ent¬ 
fallende kleine Anteil bereits erschienen ist und die Meßtisch¬ 
blätter Ringelheim, Salzgitter, Lutter a. Bge. und Goslar im 
nächsten Winter zur Drucklegung kommen. Außerdem sind ge¬ 
legentlich von Bahnbegehungen und Begutachtungen zahlreiche 
Einzeluntersuchungen bis in das östliche Gebiet von Halberstadt, 
Quedlinburg und Thale hinein erfolgt. Herr Custos Johannes 
Boehm, der sich schon früher mit der Paläontologie der subher¬ 
cynen Oberen Kreide beschäftigte, hat sich mit erneuter Energie 
dem Studium der zahlreichen und interessanten Faunen des Ge¬ 
bietes gewidmet. 

Zur Verfügung stehen uns außer den Aufsammlungen während 
der Aufnahme die dem Geologischen Landesmuseum einverleibten 

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SCHLÖNBACH Sche, GRUMBRECHT’sche, DENCKMANN’sche, V. HaEN- 
lein sehe und einige kleinere Sammlungen. Die geologisch-paläon- 
tologischen Institute der Universitäten Berlin und Halle haben 
uns in entgegenkommendster Weise ihr betreffendes Material zur 
Bearbeitung bereitgestellt, wofür wir auch hier unsern verbind¬ 
lichsten Dank aussprechen. Auch hoffen wir, daß andere Institute 
und Sammlungen unsere Absicht, unter dem Titel: 

Geologie und Paläontologie der subhercynen Kreidemulde 

eine Reihe von kleineren und größeren Studien zu vereinigen und 
so im Laufe der Jahre ein möglichst vollständiges Bild der Tek¬ 
tonik, der Stratigraphie und der Faunenführung dieses interessanten 
Gebietes zu liefern, unterstützen werden. 

Berlin, den 16. Februar 1909. 


H. Schroeder. J. Boehm. 



Inhalt 


Seite 

1. Henry Schroeder: Übergreifende Lagerung des Oberen Emscher zwischen 

Oker und Harzburg. Hierzu Tafel 1—6.1 

2. Johannes Boehm und Henry Schroeder: Hercyne Gerolle im Senon des 

Austberges bei Benzingerode. Hierzu Tafel 7.19 

3. Henry Schroeder: Übergreifende Lagerung der Oberen Kreide über 

aufgerichtetem Oberem Muschelkalk bei Kloster Michaelstein. 
Hierzu Tafel 8...33 

4. Johannes Boehm: Über Inoceramus Cripsi auctorum. Hierzu Tafel 9 — 14 39 

5. Henry Schroeder: Unterer Emscher am Harzrande zwischen Blanken¬ 

burg und Thale, Hierzu Tafel 15 u. 16 


59 









1 . 

Henry Schroeder: 

Übergreifende Lagerung des Oberen Emscher 
zwischen Oker und Harzburg. 


Hierzu Tafel 1 — 6 



4 


1. Henry Schroeder, Ubergreifende Lagerung 


geschlossen. Aber bereits die Nordseite derselben Grube zeigt 
eine starke Beimengung sandigen und glaukonitischen Materials, 
das sonst dem Emscher der Innerste-Mulde völlig fremd ist. Die 
Gesteine des bekannten Eisenbahneinschnittes zwischen Goslar und 
Oker haben dann schon den konglomeratischen und sandig-mer¬ 
geligen Charakter; nach ihren Versteinerungen Actinocamax west- 
falicus Schlüt., Inoceramus digitatus Sow., /. percostatus G. Müll., 
/. transverse-plicatus v. Haenl. und Schloenbachia texana F. Roem., 
liegt hier, wie bekannt, zweifelloser Emscher vor 1 ). 

Aber bereits am Ostufer der Oker ändern sich die Verhältnisse 
noch viel mehr: die kalkig-tonige Facies des Emscher verschwindet. 
An der Stelle, wo die Eisenbahn Oker—Vienenburg nördlich der 
Okerer Hütte und nördlich des Rösekenbaches das Plateau an¬ 
schneidet, stehen Pläner, weiße typische Pläner des Turon, gegen 
sandig glaukonitische Mergel und darüber sehr bald rein glau- 
konitische Sande, denen nach Norden zu sandige und konglomera- 
tische Mergel folgen. 

Der folgende Aufschluß N des Langenberges östlich des 
Kalkwerkes Oker zeigt echten Sudmerberg-Sandstein lagernd an 
Flammenmergei; jede Spur von Turon und Cenoman fehlt. 


Der nächste Aufschluß ist der Hansa-Stollen südlich Harlinge¬ 
rode, der vom Mundloch ab folgende Schichten durchfahren hat: 

bei 1— 4 m gelblichgrauer Kalksandstein, 

5— 6 » Eisensteinkonglomerat bis konglomeratischer 

Kalksandstein mit zahlreichen Echinodermen- 
Fragmenten, . 

hellgrauer Kalksandstein mit einigen mehr 
oder weniger mürben, mergeligen Lagen, 

> Eisensteinkonglomerat bis eisenreicher Sand¬ 
stein, 

22— 30 » gelblichgrauer Mergel, 

31— 36 » gelblicher Sandstein, etwas mürbe, 


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20 


21 


! ) Stoleey : Über die Gliederung des norddeutschen und baltischen Senon, 
S. 21 (23G). — Über meine Fassung des Begriffes Emscher siehe Erläuterungen zu 
Blatt Harzburg, S. 109. 



Gault Emscher 


des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg 


5 


bei 37— 46 m 
47— 50 » 

1 51— 98 * 
99—118 » 
119—120 » 

121-130 » 

/ 

131 — 148 » 

1 

J 149-156 » 

157 » 

j 158 » 

] 159—162 » 

/ 163 » 

/ 164— 169 » 


graue sandige Mergel, 

fester Kalksandstein, 

grauer bis gelblichgrauer Mergel, 

grauer konglomeratischer Mergel, 

gelbe, schwachkonglomeratische, ziemlich feste 

Mergel, 

graue, konglomeratische Mergel mit Eisen¬ 
stein und Phosphoriten, 

sehr kalkiges Konglomerat mit wenig Eisen¬ 
stein, 

tonige Mergel bei 155 m mit einer Sandstein 
bank, 

Mergel mit zahlreichen Eisenstein- und Phos¬ 
phoritknollen und großen Gerollen eines glau- 
konitischen, schwach kalkigen, stark kiese- 
ligen Gesteins, 

hellgrauer, glaukonitischer, schwach kalkiger 
Sandstein, 

grauer, gelbgestreifter resp. geflammter Mergel, 
gelblicher, glaukonitischer, etwas dunkelge- 
flammter Sandstein, 

Sand, teilweise glaukonitisch (bei 165 Ton¬ 
lage 0,5 m mächtig), 


Die wichtigsten gefundenen Versteinerungen sind: 

Desmoceras clypeale Schlüt., 110—114 m, 70 m, 
Actinocamax westfalicus Schlüt., 93 m, 

Gryphaea vesiculciris Lam., 

Inoceramus cardüsoides Goldf., 

» cycloides Wegener, 110—114 m, 
Pecten septemplicatus Nilss., 

Janira quinquecostatci Sow., 

Cucullaea subglabra d’Orb., 

Trigonia vaelsiensis J. Böhm., 

Goniomya designatci Goldf., 

Rhynchonella vespertilio Brocchi, 

Spongien. 



6 


1. Henry Schroedre, TT bergreifende Lagerung 


Bei 157 m sind die groben Grundkonglomerate des Einscher 
getroffen und darunter Sandsteine und Mergel, die dem Gault an¬ 
gehören. 

Bis zum Ende des Langen Berges bei Schlewecke findet sich 
im Fortstreichen kein Aufschluß der Grenze von Emscher und 
seinem Liegenden. Erst die Sandsteinbrüche des Scharenberges 
östlich dieses Ortes zeigen die Phosphorit-Brauneisensteinkon¬ 
glomerate 1 ) in Anlagerung gegen Cenoman. Jenseits Bünd- 
heim legt sich der Emscher an flammenmergelähnliche Gesteine, 
am Kirchhof und Neuen Schützenhause grenzt er unmittelbar an 
Kimmeridge und bei Sophienhöhe an Tone, die nur dem Dogger 
oder gar dem Lias zugehören können. 

Es liegt also an der Basis des Emscher eine 
Schichtenlücke von sehr erheblichem Ausmaß 1 ). 

Der Lange Berg zwischen Oker und Schlewecke, dessen 
Kamm aus den massigen Kalken der Pteroceras-Schichten gebildet 
wird, ist in einer Entfernung von ca. 275 m nach Norden zu, be¬ 
gleitet von einem sehr viel niedrigeren und schmaleren, aber 
immer deutlichen Parallelrücken, bestehend aus dem Hauptsand¬ 
stein der Oberen Kreide. Die Schichten sind in ihm steil nach 
Norden geneigt oder stehen völlig saiger. Sehr bald nach Süden 
zu, wie der Hansa-Stollen gezeigt hat, stellt sich jedoch das 
widersinnige, für die Aufrichtungszone des Harzrandes normale 
Einfällen nach Süden ein. Die Senke zwischen diesem Hügelzug 
und dem Kamm des Langen Berges wird von den tieferen 
Schichten des Emscher und den leicht denudierbaren Gesteinen des 
Gault und Neocom eingenommen. Erst die Kalke des Neocom 
bilden den Fuß des Nordhanges des Berges und sind zum Teil 
als sehr schwache Geländekante hier verfolgbar. Darauf folgen 
die milden Gesteine des Oberen Kimmeridge und die festen Kalke 
des Mittleren Kimmeridge, die den Kamm des Berges bilden. 

Soweit wäre alles normal und den am Langen Berge üblichen 
stratigraphischen und tektonischen Verhältnissen entsprechend. 


1 ) Erläuterungen zu Blatt Harzburg, S. 110 ff. 



des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg 


7 


Aber bei näherer Betrachtung der großen Steinbrüche auf 
der östlichen Hälfte des Langen Berges östlich der Chaussee 
Harlingerode-Forsthaus Oker stellt sich heraus, daß hier auf dem 
Kamm mitten zwischen den Ablagerungen des Kimmeridge zweifel¬ 
lose Gesteine der Oberen Kreide erscheinen. Der erste Stein¬ 
bruch östlich obiger Straße zeigt nichts Auffallendes, aber be¬ 
reits der 

Zweite Steinbruch östlich der Straße Harlingerode—Forsthaus Oker 
auf dem Kamm des Langen Berges (Tafel 1) 

läßt eine höchst merkwürdige Verknüpfung von Kimmeridge und 
Emscher beobachten. 

Betritt man von Norden her die Grube, so fällt zunächst 
linker Hand des schmalen Einganges die eigentümlich flache 
Lagerung von wechsellagernden Konglomeraten und Mergeln auf; 
sie bilden eine schüsselartige Mulde, die ungefähr O—W streicht. 

Biegt man nach Osten in die eigentliche Grube ein, so sieht 
man die Konglomerate und Mergel die ganze Nordwand der Grube 
einnehmen. Die westliche Hälfte der Nordwand springt viel 
weiter nach Süden vor als die östliche Hälfte, entsprechend einer 
Verwerfung, die Jura und Kreide durchquert und die östliche 
Hälfte um ca. 30 m nach Norden versetzt. Die Gesteine der 
westlichen Hälfte dieser Nordwand, wie gesagt der Kreide angehörig, 
sind von steilen und flachen Verwerfungen durchsetzt, die mehr¬ 
fach Konglomerate gegen Mergel lagern und den einzelnen Ge¬ 
steinskeilen verschiedenes Fallen und Streichen geben. Die Be¬ 
ziehung dieser Kreidepartie zum Liegenden ist nicht klar, da die 
Grube hier nicht tief genug ins Liegende eingreift. 

Deutlich wird sie dagegen in der Osthälfte der Nordwand 
jenseits der Querverwerfung. Die tiefsten Lagen der Kreide und 
die Grenze von Kreide und Jura stehen saiger mit einer sehr 
minimalen Neigung nach Süden, während die Juraschichten mit 
40—45° nach Süden einfallen. Es ist also eine deutliche Dis¬ 
kordanz zwischen Jura und Kreide vorhanden. Man sieht an der 
im Streichen etwa 20 m lang aufgeschlossenen steilen Wand von 

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Kreide die Schichteuknöpfe einzelner festerer Jurabänke hängen, 


8 


1. Henry Schroeder, Ubergreifende Lagerung 


deren eine auf ihrer der Kreide zugekehrten Fläche die deutlichen 
Spuren von Bohrmuscheln genau in der gleichen Weise, wie in 
den weiter unten zu beschreibenden Aufschlüssen, zeigt. An¬ 
schließend an die nördliche Wand des Bruches ist neuerdings 
eine zweite flache Grube entstanden, in der die Sandsteine des 
Emscher abgebaut werden. Die Schichten neigen sich hier im 
südlichen Teil von 65 — 70° nach Norden, im nördlichen dagegen, 
wo eine Grenze zwischen Sandstein und Mergel aufgeschlossen ist, 
um den gleichen Betrag nach Süden. 

Die Ostwand der Grube (Tafel 1) besteht aus Oberem und 
Mittlerem Kimmeridge; ersterer nimmt an der Sohle der Grube 
gemessen vor dem Stoß ca. 20 m, letzterer 10 m ein. 

Da die folgenden Erscheinungen mit der Grenze von Oberem und 
Mittlerem Kimmeridge in Beziehung stehen, gebe ich im folgenden 
die Spezialgliederung des in Betracht kommenden Gesteinskomplexes: 


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1 . 


2 . 

3. 

4. 

5. 

6 . 

7. 

8 . 
9. 

10 . 

11 . 

12 . 

13. 

14. 

15. 

16. 


Wo die Nord wand auf den Boden der Grube stößt, steht 
ein in der Verwitterung gelber, unverwittert rötlichweißer 
Kalk an. Auf der Fläche, die dem Kreidekonglomerat 
zugewandt ist, sind Spuren von Corrosion und Bohr- 
muschellocher vorhanden (s. oben). 

1,25 m gelbgrünliche tonige Mergel 

0,30 » hellgrünliche, kalkige Mergel bis Kalke 

1,00 » gelbgrüne tonige Mergel 

0,30 » hellgraue Kalke und hellgrüne scherbige Mergel 
1,50 » grüngraue bis grüngelbe tonige Mergel 
0,40 » konglomeratischer Kalk 

2,00 » dunkelgraue, grüne und grünliche, tonige Mergel 

0,20 » grauer mergeliger Kalk 

0,32 » gelbe Mergel 

0,175» grauer mergeliger Kalk 

0,15 » gelbe Mergel 

0,03 » graue tonige Mergel 

0,20 » gelbe Mergel 

0,15 » dunkelgraue tonige Mergel 

0,60 » gelbe Mergel mit einer festen Mergelkalkbank 

von 0,25 m 




des Oberen Einscher zwischen Oker und Harzburg 


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26. 


27. 


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28. 


29. 

30. 

31. 


32. 

33. 

34. 

35. 

36. 


37. 


0,20 » dunkelgraue tonige Mergel 
0,02 » hellgrauer Mergelkalk 
0,14 » hellgrauer toniger Mergel 
0,25 » hellgrauer Mergelkalk 
0,20 » dunkelgrauer toniger Mergel 
0,80 » grünlichgrauer Knollenmergel 
0,20 m dichter grauweißer Kalk 

0,40 » » hellgrauer Kalk, etwas konglomeratisch 

0,15 » dunkelgrauer knolliger Mergel 
0,28 » grauweißer dichter Kalk, von Röhren eines dunkel¬ 
grauen tonigen Gesteins senkrecht durchzogen 
0,18 » grauweißer dichter Kalk, klein konglomeratisch 
mit knollig-krausen Absonderungsflächen. 

0,50 » dichter rötlichweißer Kalk, unten (Hangendes) 
allmählich in eine konglomeratische graue Lage 
übergehend 

0,30 » dichter rötlich weißer Kalk 
0,10 » dunkelgrauer Knollenmergel 

1,80 » dichter, rötlich weißer Kalk von Röhren eines 
konglomeratischen, dunkleren Gesteines durch¬ 
zogen 

1,50 » hellgrauer Kalk, kleinkonglomeratisch 
0,80 » » » groß » 

0,70 » dichter weißer Kalk 

0,35 » dunkelgrauer Kuollenmergel mit großen Knollen 
1,90 » weißer bis rötlichweißer Kalk mit zahllosen 
Konchylienfragmenten, z. T. oolithisch 
gelber Dolomit. 


Bereits die zahlreichen, vor dem Stoß herumliegenden Brocken 
von groben, mit Brauneisengeröllen durchsetzten Konglomeraten 
weisen auf das Vorhandensein der Kreide auch in dieser Wand 
hin. Ein Blick auf den oberen Teil (Tafel 1) zeigt dann auch 
einen oben breiten, unten zugeschärften Keil von Kreidegesteinen, 
dessen Höhe ca. 6 m beträgt und dessen Spitze sich ca. ebensoviel 
über der Sohle der Grube befindet. Seine südliche Wand, die 






10 


1. Henry Schroeder, Ubergreifende Lagerung 


die Schichten 21 bis wohl 23 des obigen Spezialprofiles, also die 
Grenze von Oberem und Mittlerem Kimmeridge durchschneidet, 
fällt sehr steil nach Süden. Die Spitze steht auf der Schicht 20 
und die ganz flach geneigte nördliche Wand durchschneidet die 
Schichten 19—15. Mehrfach, zuletzt noch im Mai 1908, habe ich 
die festen Bänke 9, 11, 16 und 20 des Oberen Kimmeridge von 
der Oberen Kante bis zur Sohle des Bruches verfolgen können, 
ohne irgend eine Verrückung der Schichten sowohl des Oberen 
wie Mittleren Kimmeridge, die etwa von dem Kreidekeil ausginge 
und mit ihm in Beziehung stände, beobachten zu können. 

Das Gestein des Keiles ist ein grobkonglomeratischer Mergel 
bis Sandstein mit einigen Brauneisenbohnen und zahlreichen Jura- 
geröllen; seine Schichtung folgt deutlich den Wänden des Keiles; 
an der Spitze gehen die Lagen gerundet ineinander über. 

Wo die höchste nördlichste Ecke des Keiles zutage ausgeht, 
setzte 1908 innerhalb der Region des Oberen Kimmeridge ein 
neuer Sack von konglomeratischem Kreidemergel ein, der die 
Schichten 12—7 durchschnitt und eine Tiefe von 2 m besaß. Bei 
weiterem Abbau dieses Teiles der östlichen Wand werden wahr¬ 
scheinlich bald die Emschermergel des großen Keiles, des oben 
erwähnten Sackes und der nördlichen Grubenwand in Eins Zu¬ 
sammengehen und den Oberen Kimmeridge auf den unteren Teil 
der östlichen Grubenwand beschränken oder völlig verdrängen, da 
sehr bald weiter östlich im Fortstreichen ein kleiner Steinbruch 
nur Kreidegesteine aufweist, die nur nach Süden, nicht nach der 
Tiefe zu an Kimmeridge grenzen. 

Der Abbau der Grube schreitet derartig fort, daß die festen 
Kalke des Mittleren Kimmeridge vorweg genommen werden und 
die Knollenmergel, Mergel und Kalke des Oberen Kimmeridge 
lange stehen bleiben, so daß die nach Süden einfallende Grenzfläche 
zwischen Oberem und Mittlerem Kimmeridge in größerer Aus¬ 
dehnung freigelegt wird. Im Jahre 1906 war sie bis auf die Sohle 
der Grube von einer Art Gang, von ca. 0,30 m Breite, durchsetzt, 
der vollständig mit sehr grobkonglomeratischen Kreidegesteinen 
oder vielmehr großen und kleinen, eckigen, durch glaukonitische 


des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg 


11 


Mergel und Brauneisenstücke verkitteten Weißjurabruchstücken er¬ 
füllt war; oben stand er mit dem Keil in Verbindung. Nach Süden 
in den Mittleren Kimmeridge hinein war er bis Schicht 31 zu ver¬ 
folgen; hier zertrümmerte er sich in mehrere kleinere Klüfte, die 
dann ganz verschwanden. Die mit Emscher-Material ausgefüllte 
Kluft durchquerte die Schicht 30, ohne irgend eine Verrückung 
zu bewirken und stand fast saiger mit einer nur sehr geringen 
Neigung nach Westen. 

Die völlige K onkordanz zwischen Mittlerem und 

O 

Oberem Kimmeridge, die Vollständigkeit der ganzen 
Schichtenserie an der Grenze von Mittlerem zu Oberem 
Kimmeridge und das Fehlen von streichenden Ver¬ 
würfen, die von der Spitze des Kreidekeiles ausgehend 
als Fortsetzung seiner südlichen oder nördlichen Be¬ 
grenzung in den Kimmeridge eindringen, beweisen, 
daß beide Grenzen des Kreidekeiles Schichtgrenzen zwischen 
Oberer Kreide und Jura und keine streichenden Verwer¬ 
fungen sind. Mit jüngeren Que rStörungen steht das Auf¬ 
treten der Kreide zwischen dem Jura ebenfalls nicht in Ver¬ 
bindung, da nichts davon in der östlichen Wand zu beobachten 
und da der Kreidekeil nicht querschlägig sondern auf eine strei¬ 
chende Erstreckung von wenigstens 600 m an der Grenze von 
Mittlerem und Oberem Kimmeridge nachweisbar ist. 

Direkt östlich an den eben beschriebenen Bruch grenzend 
findet man, wie bereits bemerkt, eine kleine Grube, in der Kreide¬ 
sandstein gegen Oberen Kimmeridge lagert; ferner kann man an 
Klippen, die aus dem Wiesenboden herausragen und durch Lese¬ 
steine das Fortstreiehen des Sandsteines verfolgen, bis von N. her 
ein Weg in den 

Dritten Steinbruch östlich der Straße Harlingerode-Forsthaus Oker 
auf dem Kamm des Langen Berges (Tafel 2) 

führt. Am Eingänge in 'den Bruch sind Neocomkalk und -Ton 
und dann nach S. zu die gelben Mergel des Mittleren Kimmeridge 
aufgeschlossen. Aber bereits die nördliche Wand der eigentlichen 
Grube zeigt von oben bis unten die graubraunen zum Teil konglo- 




12 


1. Henry Schroeder, Ubergreifende Lagerung 


Hieratischen Mergel des Einscher. Er grenzt in dem Winkel 
zwischen nördlicher und östlicher Wand in unregelmäßiger, aber 
im allgemeinen nach N. einfällender Linie an die tieferen Laoten 

o o 

des Mittleren Kimmeridge, der in gleicher Weise wie im vorigen 
Bruche gegliedert ist. 

Die östliche, 10 m hohe Wand (auf Tafel 2 abgebildet) 
zeigt die sehr auffallende Erscheinung, daß ihre beide Hälften 
verschiedenes Einfallen besitzen. Die nördliche Hälfte, aus den 
Mergeln und eingelagerten wenig mächtigen Kalken des Oberen 
Kimmeridge bestehend, fällt mit 70—80° und die südliche Hälfte 
— Pteroceras-Kalke des Mittleren Kimmeridge — mit 40° nach S. 
ein. Zwischen beide Jurahälften schiebt sich in der ganzen Höhe 
der Wand ein Kreidekeil, der sich bemerkenswerter Weise unten 
verbreitert, indem er an der Sohle des Bruches 2,50 m und an 
der Tagesoberfläche höchstens nur 0,70 m breit ist; infolgedessen 
fällt die südliche Grenze des Keils zwar steil, aber doch flacher 
als die nördliche, nach S. ein. 

Das Gestein des Keiles ist wesentlich ein normaler Kreide¬ 
sandstein mit etwas konglomeratischer Beimengung; an der Grenze 
zum Oberen Kimmeridge, dessen Schichten Nr. 17 des Spezial¬ 
profiles entsprechen, treten dagegen, unregelmäßig gelagert, konglo- 
meratische graubraune Mergel auf. 

Die südliche Grenze des Keiles durchschneidet die Schichten 
34 bis 31 des Spezialprofiles, die dem Mittleren Kimmeridge an¬ 
gehören, schräg, wie es namentlich än der an der Sohle des Stein* 
bruches aufgeschlossenen Kalkbank am deutlichsten sichtbar ist. 
Diese die Gesteinsbänke durchquerenden Schnittflächen sind dicht 
bedeckt mit zahllosen kleinen und kleinsten, unregelmäßig be¬ 
grenzten Grübchen, die scharfen Kämme zwischen sich stehen lassen 
und durch chemische Corrosion des Kalkes hervorgerufen sind. 
Dazwischen erscheinen aber größere Gruben, deren äußere Um¬ 
grenzung wohlgerundet und deren Boden völlig glatt ist. Sie sind 
am besten mit Eindrücken von Fingern — von der Größe eines 
kleinen Fingers bis zum kräftigen Daumen — vergleiehbar (s. Tafel 
5 und 6); sie dringen meist'nicht sehr tief in den Kalk ein. Nur 


des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg 


13 


einige zeigen die kolbige Erweiterung am Ende bis ca. 2 cm unter 
der Oberfläche und einzelne durchbohren selbst den dichtesten, 
härtesten Kalk bis 6 cm Tiefe; die Löcher sind mit Emscherge- 
stein erfüllt. Ihre Erscheinung ist nur auf die bohrende Tätigkeit 
von Muscheln des Emscher Meeres zurückzuführen. 

Hiernach muß man die südliche Begrenzung des Kreide¬ 
keiles als wahre Schiclitfläche zwischen Emscher und Jura an- 
sehen, während dagegen die nördliche Grenze ein jüngerer 
Verwurf ist, wie aus der total verworrenen Lagerung des Em¬ 
scher Mergels an dieser Stelle und dem verschiedenen Einfallen 
des Jura zu beiden Seiten des Kreidekeiles hervorgeht. 

In der Südwand des Bruches, die ein streichendes Profil des 
Mittleren Kimmeridge liefert, wurde in der Nähe der Sohle in 
meiner Gegenwart (1907) ein Riesen-Konglomerat der Kreide an¬ 
geschossen, das in der Schicht 34 endigt; Schicht 35 und 36 
gehen glatt darüber weg. Der Arbeiter, der das Abnorme dieses 
Gesteins in der Umgebung wohl erkannt hatte, erklärte, es käme 
vom Sandstein der Ostwand her, was für mich allerdings augen¬ 
blicklich nicht feststellbar war. Offenbar liegt hier die äußerste 
Partie einer Spaltenausfüllung wie in dem vorigen Bruch vor. 

In der westlichen Wand, die stark verrutscht war, ist der 
Kreidesandstein zwischen Oberem und Mittlerem Kimmeridge, im 
allgemeinen Streichen liegend, ebenfalls vorhanden. 

Die Entfernung bis zu dem nächsten Steinbruch, in dem ähn¬ 
liche Erscheinungen auf der Höhe des Langen Berges auftreten, 
beträgt 250 m: 

Vierter Steinbrucli östlich der Straße Harlingerode -Forsthaus Oker 
auf dem Kamm des Langen Berges (Tafel 3 und 4). 

Der Eingang erfolgt von S. her und liefert ein Querprofil 
eines Teiles des Unteren und den Mittleren Kimmeridge. Der Bruch 
erweitert sich streichend/wie üblich, in den höchsten Lagen, den 
plumpen Kalken des Mittleren Kimmeridge, während die nördliche 
Wand die mittlere und die obere Abteilung streichend bloßlegt. 
Das Einfallen des Jura beträgt ca. 60° nach S. Wie in den vor¬ 
beschriebenen Brüchen befindet sich zwischen Mittlerem und Obe- 


14 1. Henry Schroeder, Übergreifende Lagerung 

rem Kimmeridge ein Kreidekeil, der in der Querprofilansicht 
(Tafel 3) in der Mitte der nördlichen Wand aufgeschlossen ist. 
Seine Breite oben beträgt 2 m. Durch Schüsse, die in die untere 
Partie gesetzt wurden, ließ sich feststellen, daß er in einer Tiefe 
von 4 m eine gerundete Endigung besitzt und daß darunter grün¬ 
lichgelbe Mergel des Mittleren Kimmeridge anstehen. Die südliche 
Wand des Keiles, die fast senkrecht mit einer ganz geringen Neigung 
nach S. steht, durchschneidet die Schichten 27 — 22 des Spezialprofiles. 
Die nördliche Grenze des Keiles lagert gegen gelbe Mergel und fällt 
stärker geneigt nach S. Das Gestein des Keiles ist ein grober 
Sandstein, der nur wenig konglomeratisch wird und dessen Schich¬ 
tung, soweit erkennbar, steil, parallel der südlichen Grenze steht. 

Das Profil des Keiles (Tafel 3) ist in der Mitte der nördlichen 
Wand sichtbar, deren westliche Hälfte aus Mergeln des Oberen Kim¬ 
meridge besteht, während die östliche Hälfte (Tafel 4) einen strei¬ 
chenden Schnitt durch Oberen und Mittleren Kimmeridge ganz in 
der Nähe der südlichen Begrenzungsfläche des weiter nach O. fort¬ 
streichenden Kreidekeiles zeigt. Bei genauerer Betrachtung dieser 
Wand erhält man den Eindruck einer Wechsellagerung von Mitt¬ 
lerem Kimmeridge und — Emschergestein. Zwischen die einzelnen 
Kalkbänke ist der Sandstein lagen weise infiltriert. Dieser Vorgang 
kann nicht etwa später, sondern nur gleichzeitig mit Ablagerung 
des Sandsteins erfolgt sein, da die Schichtflächen des Kimmeridge- 
kalkes von zahlreichen Bohrmuschellöchern durchsetzt sind, die 
mit Emscher-Sandstein erfüllt sind und ziemlich tief senkrecht ein- 
dringen. Die Schichtfugen und Klüfte der an den Boden des 
Emscher Meeres reichenden Schichtenköpfe des Kimmeridge sind 
von zahlreichen Bohrmuscheln bevölkert gewesen und von Emscher- 
Schlamm ausgefüllt worden. 

Verfolgt man den Kreidekeil im Streichen nach W., so beob¬ 
achtet man am Nordende des westlichen Stoßes die Gegenlagerung 
seiner südlichen Grenze gegen die Schichten 30 und 29. 

Aus dieser Beschreibung des vierten Bruches geht hervor, daß 
wenigstens die südliche Grenze des Kreidekeiles eine richtige Sedi¬ 
mentationsfläche — Meeresboden — und keine Verwerfung ist; 
ich halte dies auch betreffs der nördlichen Grenze für wahrschein- 


Profil durch den Langen Berg bei Harlingerode zur Zeit des Oberen Emscher 

und in seinem jetzigen Zustande. 


des Oberen Emscher zwischen 


Oker und Harzburg 


15 







































16 


Henry Schroeder, Übergreifende Lagerung 

lieh, jedoch ist der Aufschluß nicht tief genug und reicht nicht 
weit genug nach N., als daß inan dies mit Sicherheit, wie in dem 
zweiten Bruch, durch Untersuchung der unter dem Kreidekeil an¬ 
stehenden Grenzschichten von Mittlerem zu Oberem Kimmeridge 
feststellen könnte. 

Die übergreifende Lagerung 1 ) von Oberem Emscher über 
Oberem Jura durch Auswaschungen, die von lokalen Meeresströ¬ 
mungen herrühreu, zu erklären, erscheint mir nicht angängig, da 
diese Auswaschung mit einer ganz außerordentlichen Tiefe durch 
Turon, Cenoman, Gault, Neocom bis auf den Malm, zum Teil sogar 
durch Malm und Dogger bis auf Unteren Lias hindurchgegriffen 
haben müßte, und zweitens weil die Schichtenlücke an der Basis 
des Oberen Emscher an mehreren Punkten des subhereynen Ge- 
birglandes zum Teil sogar in großer Flächenausdehnung beobachtet 
wird und daher keine lokale Erscheinung ist, sondern auf allgemeine 
Ursachen hindeutet. Auch legt der schnelle Wechsel des Liegenden 
der Emscher Konglomerate im querschlägigen Profil die Annahme 
nahe, daß bereits damals der Meeres-Boden resp. -Strand von 
tektonischen Vorgängen, einer bereits teil weisen Aufrichtung der 
Schichten der Unterkreide und des Jura usw. betroffen war. 

Bereits durch den Übergang der Plänerfacies des 
Oberen Turon in die Mergelfacies des Unteren Emscher 
langsam vorbereitet, setzt am Harzrande (und wohl auch 
im Harzvorlande) mit dem Oberen Emscher eine Ver¬ 
flachung des Meeres ein, die zur Bildung von Untiefen, 
eventuell zur Inselbildung, mit intensiver Konglome¬ 
ratbildung führte. Sie hält während des Absatzes der 
Granu laten schichten an und macht dann wieder einer 
Vertiefung des Meeres zurZeit der Quadratenschichten 

ß Ich gebrauche diesen Terminus, obgleich ich der Meinung bin. daß diese 
Erosionsdiskordanz eher aus einer Verflachung — einer regressiven Bewegung des 
Meeres, veranlaßt durch orogenetische Vorgänge seines Bodens, hervorgegangen 
ist. Der Terminus »Transgression« ist mehrfach — auch von mir in den Über¬ 
schriften der Tafeln dieser Abhandlung und z. T. in den Erläuterungen zu Bl. Harz¬ 
burg — mißbräuchlich dort angewendet, wo tatsächlich eine Regression vorliegt. 



des Oberen Erascher zwischen Oker und Harzburg 


17 


Platz. Auf die »cenomane« Transg res sie n der Oberen 
K reide folgt eine Regression des Oberen Ems eher sowie 
der Granulatenschichten und dann erneut eine Trans- 
gression der Quadratenschichten. Die regressive Be¬ 
wegung des Meeres dürfte auf orogenetische Vorgänge 
seines Bodens im Gebiet des jetzigen Harzes und seines 
Vorlandes zurückgeführt werden können. 

Ich behalte mir vor, obige Beobachtungen wesentlich zu ver¬ 
vollständigen und die daraus zu ziehenden allgemeineren Schlu߬ 
folgerungen unter Berücksichtigung der Literatur ausführlicher 
zu behandeln, wenn die kartographische Darstellung des Harz¬ 
randes zwischen Goslar und Harzburg fertiggestellt ist, was bisher 
wegen fehlender genauer topographischer Grundlage nicht erfolgen 
konnte 1 ). 

Als schematischen Ausdruck der anzunehmenden Lagerungs- 

D O 

Verhältnisse am Langen Berge zurzeit des Oberen Emscher ist das 
Profil auf S. 15 konstruiert und darunter ein zweites, das den 
jetzigen Zustand veranschaulicht, gesetzt. 

*) Vergl. Erläuterungen zu Bl. Harzburg, S. 109—116. 


Neue Folge. Heft 56. 


2 






2 . 

Johannes Boehm und Henry Schroeder: 

Hercyne Gerolle im Senon des Austberges 

bei Benzingerode. 

Hierzu Tafel 7 





































































































* 


















Die Frage, ob und wann im mesozoischen Zeitabschnitt das 
Harzkerngebirge durch seine Hülle von jüngerem Palaeozoicum 
und Mesozoicum an die Tages- oder Meeresoberfläche gereicht 
hat, ist nur durch eine Untersuchung der Gcröllführung der 
mesozoischen Gesteine der Umgebung des Harzes zu lösen. 

Trias und Jura besitzen hier keinerlei Konglomerate und Ge¬ 
steine, deren Komponenten mit Sicherheit aus dem Palaeozoicum 
des Harzes herzuleiten wären. Das gleiche gilt von Konglomeraten 
der Unteren und eines Teiles der Oberen Kreide. Zwar sind 
aus dem Neocom-Konglomerat am Nordhange des Langenberges 
zwischen Oker ünd Harzburg kleine Quarzgerölle bekannt, die 
nicht von Gesteinen der sonst durch die Transgression der Unteren 
Kreide aufgearbeiteten Schichten der Trias und des Jura stammen 
können. Ebenso werden in den Sudmerberg-Konglomeraten und 
den etwa gleichaltrigen Mergeln am Bahnhof Heudeber-Dannstedt 
Gerolle von Kieselschiefern und Quarziten gefunden. Aber diese 
besitzen stets eine ausgezeichnete Abrollung und lassen die An- 
nähme eines weiteren Transportes zu. 

Ganz abweichend davon sind die Tonschiefer-, Kieselschiefer¬ 
und Quarzit-Gerölle der in den Quadratenmergel (Ilsenburgmergel) 
des Harzrandes eingelagerten »Trümmerkalke« gestaltet, indem 
sie stets nur Kanten- und Eckenrundung, aber nur sehr selten 
eine völlige Abrollung aufweisen, und hierdurch und durch ihr 
Gebundensein an den nördlichen Harzrand ihre enge Beziehung 
zum Harz dokumentieren. 

Den Terminus »Trümmerkalkstein« führte Chr. Fr. Jasche 
1838 T ) für die Vorkommen am Burgberge bei Stapelburg und am 
Galgenberge bei Wernigerode ein. »Eine Menge von Trümmern 


b Mineralogische Studien S. 161, 



22 2. Johannes Boehm und Henry Schroeder, Hercyne Gerolle 

zerbrochener kleiner Mollusken und Konchiferen, von Dentalien, 
Dianchoren usw., unter denen wohlerhaltene Tierkörper selten sind, 
werden, nebst kleinen Schiefer- und Quarzstückchen, an 
welchen, wie beim Flußsande, die scharfen Kanten und 
Ecken abgerundet sind, durch eine Masse von dichtem Kalk¬ 
stein zusammengehalten.« Vom Galgenberge sagt er: »DasGestein ist 
hier aber zum Teil noch grobkörniger, als das am Burgberge, in¬ 
dem die KieseDeschiebe die Größe einer Feldbohne erreichen. 

O 

Faßt man aber das ganze Wesen desselben mit einem Blicke auf, 
so stellt sich darin das Bild des aus der Tiefe gehobenen See¬ 
grundes dar. Die zahllosen kleinen Stückchen von Quarz, 
Kiesel schiefer, welche keine Verschiedenheit von den sich in 
der Nähe befindlichen anstehenden Gesteinsarten zeigen, waren 
durch die, von den, vom Meere umspülten Bergen herabfließenden 
Bäche demselben zugeführt und bildeten einen Grus und Sand, 
zwischen welchem die Überreste bereits abgestorbener Schalthiere 
und auch noch lebende Mollusken sich befanden, wie es jetzt noch 
der Fall ist . . . Deshalb bestehen die Kieselstückchen aus wirk¬ 
lichen, mit abgerundeten Kanten und Ecken versehenen Ge¬ 
schieben.« Als ferneren Fundort des Gesteines gibt er das 
Klosterholz bei Ilsenburg, das er später genauer beschrieben hat, 
an. Ob auch die Ablagerungen vom Hahnberge bei Ilsenburg 1 ) 
hierher zu rechnen sind, erscheint mir zweifelhaft. In einer 
späteren (1858) Publikation 2 ) beschreibt Jasche außer dem 
Trümmerkalk noch Trümmersandstein und Trümmerkalk¬ 
konglomerat, sämtlich mit Fragmenten von Kiesel- und 
Tonschiefer. »Das ganze Gestein scheint aus zusammenge¬ 
schlemmten Trümmern älterer Bildungen zu bestehen.« Als Fund¬ 
orte finden wir an^e^eben: 

© © 

Galgenberg bei Wernigerode, 

Hahnberg » Drübeck, 

Burgberg » Wernigerode, 

Burgberg » Stapelburg, 

Wienberg » Ilsenburg, 

x ) Ebenda S. 166. 

2 ) Die Gebirgsformationen in der Grafschaft Wernigerode S. 86. 



im Senon des Austberges bei Benzingerode 


23 


Mainzhorn bei Usenburg, 

Wulfhorn » Stapelburg, 

Klosterholz » Usenburg. 

Vermittelst der in diesen Gesteinen und den sie begleitenden 
Mergeln gefundenen Versteinerungen bestimmt Jasche x ) das Alter 
als »die oberen Schichten der Kreideformation.« 

Auf der EwALü’schen Karte, die 1862 erschienen ist, finden 
wir mit zwei Signaturen »fl konglomeratische und f 2 sandsteinartige 
Bänke im System der Ilsenburgmergel« von Thale bis Harzburg 
zahlreiche Vorkommen eingetragen, die allerdings nur zum Teil 
mit den von Jasche bekannt gegebenen, paläozoische Schiefer 
führenden Trümmergesteinen zusammenfallen. Das Vorkommen 
der paläozoischen Gesteine als Gerolle im Senon wird von 
Ewald in seinem Aufsatze: »Die Lagerung der oberen Kreide¬ 
bildungen am Nordrande des Harzes« * 2 ) nicht erwähnt; es hatte 
für ihn wohl auch kaum etwas besonders bemerkenswertes, da er 
der Meinung war: »daß der Niederschlag der Senonbildungen 
noch fortgedauert habe, nachdem die Aufrichtung des Harzrand¬ 
profiles zwischen Ecker und Selke vollendet war, d. h. daß die 
Vollendung dieser Aufrichtung in die Senonperiode selbst hinein¬ 
fällt, nicht erst nach dem Ende desselben eingetreten ist.« 

Diese Beobachtungen und Schlußfolgerungen Jasciie’s und 
Ewalds gerieten in Vergessenheit, so daß noch im Jahre 1899 
YON Koenen 3 ) die Beziehungen der mesozoischen Formationen 
zum Harz als Gebirge in folgender Weise erörtern konnte: »Später 
erfolgte dann gleichmäßig die Ablagerung des ganzen Buntsand¬ 
steins, des Muschelkalkes und Keupers, der Kreideformation und 
von Schichten der Tertiär- oder Braunkohlenformation, ohne daß 
der Harz in dieser langen Zeit mit seiner jetzigen Oberfläche 
wesentlich aus dem Meere emporgeragt hätte. Wenn auch von 
allen diesen Schichtenfolgen nur das Rotliegende und der Zech¬ 
stein, welche sich an seinen Rändern ziemlich weit hinaufziehen, 
und vereinzelte Reste von Tertiär und auch Glazialbildungen auf 


9 a. a. 0. S. 110. 

2 ) Sitz.-Ber. d. Berliner Akademie 1862 S. 674. 

3 ) Der Harz von Hans Hoffmann S. 3, 



24 


2. Johannes Boehm und Henry Schroeder, Hercyne Gerolle 


dem Harz erhalten oder vielmehr bis jetzt aufgefunden worden 
sind, ja wenn alle die übrigen Schichten, namentlich der Trias, 
auf dem Harz überhaupt nicht zur Ablagerung gelangt wären, 
wie das ja möglich ist, so kann doch füglich der Harz in diesem 
ganzen, enorm langen Zeiträume nicht wohl jemals aus dem Meere 
hervorgeragt oder auch nur so hoch gelegen haben, daß er wesent¬ 
lich der Brandung ausgesetzt gewesen wäre. Es fehlen aber in 
allen diesen jüngeren Schichten Gerolle von Harzgesteinen, von 
Grauwacke, Kieselschiefer, Quarzit usw., wie solche heutzutage 
von jedem auch noch so geringfügigen Gewässer in Menge vom 
Harz herab in das Vorland mitgebracht werden und sicher auch 
in der Vorzeit mitgeführt worden wären, wenn der Harz eben 
ein Berg oder Gebirge gewesen wäre. Es fehlen aber solche Ge¬ 
rolle sogar in gröberen, jedenfalls in flachem Wasser abgelagerten 
Gesteinen, wie in der Unteren Kreide bei Langelsheim, Goslar 
usw., und vereinzelte Stückchen von Kieselschiefer usw., welche 
in den der Oberen Kreide angehörigen Konglomeraten des Sudmer- 
berges bei Oker in nächster Nähe des Harzes Vorkommen, können 
wohl auch aus dem Rotliegcnden herrühren, gleichen jedenfalls 
in keiner Weise den jetzt vom Harz herabgespülten Schuttmassen? 
so daß dieser nicht als Gebirge existiert haben kann. Außerdem 
sind aber alle Gesteine des Buntsandsteins, Muschelkalks, Keupers, 
der Juraformation und des größten Teiles der Kreideformation 
und selbst des Tertiärgebirges unmittelbar an dem jetzigen- Harz¬ 
rande ganz ebenso ausgebildet und zusammengesetzt wie auch 
sonst in Norddeutschland in größerer Entfernung vom Harz, also 
als Ablagerungen von flacherem oder tieferem Wasser, nicht aber 
als Strandbildungen. 

Zu Zeit der Unteren Kreide, des »Hilskonglomerates« und 
der Oberen Kreide, des »Sudmerbergkouglomerates« und des 
»Heimburggesteins« sind ja bedeutende Mengen von Gerollen vom 
Meere abgelagert, also vorher von anderen Stellen fortgespült 
worden, doch sind es fast ausschließlich Gerolle von mesozoischen 
Gesteinen, welche damals zerstört worden sind, und dies mag , 
wohl auch über der damaligen Oberfläche des Harzes geschehen 
sein, namentlich aber noch etwas später, zur älteren Tertiärzeit, 


im Senon des Austberges bei Benzingerode 


25 


von welcher Ablagerungen im mittleren und nördlichen Deutsch¬ 
land fast ganz fehlen.« 

Erst 1002 wurde in einer Sitzung der Deutschen Geologischen 
Gesellschaft von Brandes x ), der die in den Besitz des Museums 
für Naturkunde zu Berlin übergegangenen Belegstücke zur 
EwALD’schen Karte ordnete, der verloren gegangene Faden wieder 
aufgenommen und der EwALö’sche Standpunkt dahin näher prä¬ 
zisiert, »daß am jetzigen Harzrande am Ende des Untersenons die 
Schichten der, Trias und manche Schichten des Kerngebirges 
der Meeresbrandung ausgesetzt waren, die ihr Material zu 
Trümmergesteinen umarbeitete. Sehr wahrscheinlich ist es, 
daß diese Sandsteine, Mergel und Konglomerate auf bereits 
stärker aufgerichteten Schichtenköpfen zur Ablagerung gelangten. 
Demgemäß dürften an Stelle des heutigen Harzes eine nicht 
ganz unbeträchtliche Masse jüngerer Sedimente aus dem 
Wasser emporgeragt haben, deren Basis der heutige Harz bildete«. 

Seine Ausführungen basieren im wesentlichen auf Beobach¬ 
tungen Jasche ? s und Ewalds. Neu ist nur die genaue Be¬ 
schreibung der Trümmerablagerungen des Fohlenstalls bei Thale, 
deren spezielles Alter uns nicht völlig sicher erscheint. Man 
wird sie nach ihrem Gesteinscharakter und den wenigen darin 
gefundenen Fossilien für Obere Kreide (Emscher-Senon) halten 
müssen; die einzigen der Spezies nach bestimmbaren Reste — 
Janira quadricostaia und Serpula filiformis — sind indifferent. 
Stolley * 2 ) erwähnt von einer Lokalität westlich bei Thale 
einen Actinoccimax quadratus. Dieses im Museum für Natur¬ 
kunde zu Berlin aufbewahrte Stück ist von Beyrich gesammelt. 
Es wird von Brandes zwar nicht erwähnt, ist aber von ihm je¬ 
doch wohl nachträglich mit der Bemerkung Fohlenstall bei Thale 
versehen, was wohl zu Recht geschehen ist. Ein von Schroeder 
ebendort gefundenes Stück eines Belemniten zeigt die gleiche 

J ) Bemerkungen über Trümmergesteine im Mittleren und Oberen Untersenon 
der Aufrichtungszone des nördlichen Harzrandes. S. 19. 

2 ) Ueber die Gliederung des norddeutschen und baltischen Senon, sowie 
die dasselbe charakterisierenden Belemniten. Archiv f. Anthropol. u. Geol, 
Schleswig-Holsteins. 2. 1897. S. 224. 



26 


2. Johannes Boehm und Henry Schroeder, Hercyne Gerolle 


Beschädigung der Alveole wie das obige; jedoch mag wohl Act 
quaclratus vorliegen. Damit ist aber noch nicht bewiesen, daß die 
Konglomerate am Fohlenstall dem Niveau der Usenburgmergel im 
engeren Sinne angehören. Vielmehr könnten sie auch Äquivalente 
der in den Ziegeleien bei Blankenburg abgebauten Mergel sein, 
die ebenfalls Act. quadratus führen, aber offenbar eine tiefere 
Stufe als die eigentlichen Usenburgmergel repräsentieren. Be¬ 
merkenswert in dieser Hinsicht erscheint noch das Vorkommen 
von Buntsandsteingeröllen in gewissen Lagen des letzteren Fund¬ 
ortes 1 ). 

Die konglomeratischen Mergel vom Fohlenstall bei Thale 
enthielten ein einziges Gerolle, das aus älteren Schichten als 
Zechstein stammen muß. »Es ist ein äußerst festes, feinkörniges, 
dunkelrotes Quarzstück, annähernd von der Form eines Würfels, 
von 9 cm Länge, 8 cm Breite und 6 cm Höhe. Seine Kanten 
sind, wie die Abbildung zeigt, noch völlig scharf, nur an dreien 
macht sich eine beginnende Abrollung leise bemerkbar. Auch an 
den Ecken ist nur eine ganz geringe Abschleifung zu konstatieren. 
Über die Schicht, der das Geröll entstammt, läßt sich sicheres 
nicht sagen. Wie Herr Professor Beushausen mir liebenswürdiger¬ 
weise erklärte, läßt sich die Herkunft des Stückes nicht mit Sicher¬ 
heit feststellen. Am meisten erinnere der petrographische Charakter 
des Stückes an den Bruchbergquarzit 2 )«. 

Immerhin muß man zugeben, daß die BRANDEs’sche Be¬ 
schreibung des Vorkommens am Fohlenstall nicht gerade als sehr 
überzeugend für seine Anschauungen betreffs der Beziehungen des 
Harzkerngebirges zur Oberen Kreide angesehen werden kann. 
Anders sind jedoch die weiter östlich gelegenen Fundorte einzu¬ 
schätzen. Es werden wesentlich die von Jasche bereits bekannt 
gegebenen Fundorte: Klosterholz bei Drübeck, Hahnberg bei Drü- 
beck, Galgenberg bei Wernigerode, Burgberg bei Stapelburg, 

9 Im Jahre 1908 sind KreidekoDglomerate und Sandsteine mit zahlreichen 
Buntsandsteingeröllen am Fuße des Burgfelsens und an der Hauptkirche von 
Blankenburg in den Gräben der Kanalisation gefunden worden. 

H. Schroeder. 

2 ) Brandes, a. a. 0. S. 29, 



im Senon des Austberges bei Benzingerode 


27 


Nordhang des Austberges bei Benzingerode kurz besprochen und 
ihre Führung hercyner Gerolle — Kieselschiefer, Quarzite, Ton¬ 
schiefer — nochmals festgestellt, ohne daß unsere Kenntnis des 
Tatsächlichen wesentlich erweitert wird. Dem daraus gezogenen 
Schluß, daß das Harzkerngebirge zur Zeit der Ilsenburgmergel 
an Stellen bereits an den Meeresboden oder gar die Meeresober¬ 
fläche gereicht haben muß, möchten wir uns jedoch anschließen 
und zur Bekräftigung dessen hier den bei weitem ausgezeichnetsten 
Fundort dieser Trümmergesteine mit liercynen Gerollen spezieller 
beschreiben. 

Betreffs der, allgemeinen Verbreitung möchten wir voraus¬ 
schicken, daß Schroeder auf seinen mehrfachen Begehungen diese 
Gesteine auf eine Erstreckung von rund 20 km längs des nörd¬ 
lichen Harzrandes verfolgt hat. Der östlichste sichere Punkt *) 
liegt NO. Benzingerode, nördlich der Chaussee Benzingerode — 
Heimburg am Hellbach (Blatt Derenburg), und die westlichsten 
Punkte befinden sich westlich Eckerkrug in der Nähe der Hassel¬ 
burg (Blatt Harzburg). Sie werden gelegentlich der Spezial¬ 
kartierung eingehend untersucht und dann zusammenfassend be¬ 
schrieben werden. 

Der hier näher zu beschreibende Fundort wurde von J. Boehm 
im Jahre 1901 entdeckt und von uns beiden mehrfach besucht. 
Er liegt innerhalb der Feldmark Benzingerode am Nordhang des 
Austberges. Von der Straße Benzingerode—Silstedt führt bald 
nach Verlassen der Quertalung zwischen den Muschelkalkhöhen 
des Struven- und Austberges ein Feldweg westlich mit einigen 
Knicken in 2 Sandgruben, von denen die östliche völlig verfallen 
und die westliche nur noch in geringem Betriebe ist; auf letztere 
bezieht sich im wesentlichen die Beschreibung. Der Zugang er¬ 
folgt von Norden her. 

Der erste Eindruck ist entschieden der einer Grube diluvialen 
Sandes mit zahllosen hercynen Gerollen. Erst der hohe Kalk¬ 
gehalt des Sandes und die Fossilien beweisen, daß Kreide vorliegt. 

*) Das seinem Alter Dach noch nicht sicher gestellte Vorkommen am 
Fohlenstall bei Thale sowie ein fragliches Vorkommen an der Altenburg bei 
Heimburg sind nicht berücksichtigt. 



28 


2. Johannes Boehm und Henry Schuoeder, Hercjne Gerolle 


Die Schichtenfolge ist in ca. 12 m Mächtigkeit aufgeschlossen 
und fällt mit 15° nach dem Harze zu ein. Sie besteht aus einer 
Wechsellagerung von hellgefärbten Lagen lockeren Sandes und 
festen Sandsteinbänken; erstere überwiegen und werden bis 1 m 
mächtig; die festen Bänke sind 0,1 — 0,4 m dick; im Hangenden 
befindet sich eine von 1 m Mächtigkeit. Außerdem kommen in den 
lockeren Sanden einige knollig und geodenartig verfestigte Partieen 
vor. Einige feste Bänke zeigen eine deutliche Schrägschichtung. 

Der vorwiegende Gemengteil des Gesteins, von dem in 
Tafel 7 eine Abbildung vorliegt, ist ein lichtgelblich durchscheinen¬ 
der Quarz, wodurch sich das Gestein des Austberges vor allen 
gleichaltrigen und ähnlich zusammengesetzten Vorkommen als 
Trümmersandstein auszeichnet. Durch ihre dunkle Farbe springen 
die hereynen Gerolle sehr in die Augen und kommen den quarzigen 
Gemengteilen zuweilen an Masse wohl gleich. Nicht unwesentlich 
nehmen an der Zusammensetzung des Gesteins weiße Fragmente 
von Bryozoen und Foraminiferen sowie Echinodermenreste teil. Das 
Bindemittel ist ein kalkiges. 

Der hereyne Gemengteil besteht ganz wesentlich aus Ton¬ 
schiefern von verschiedener Struktur; ferner kommen, aber nur 
vereinzelt, Grauwacken, Grauwackenschiefer, Gangquarz und ein 
grobkrystalliner Kalk vor. Auffallenderweise fehlen Kieselschie¬ 
fer und Quarzite, ebenso Gerolle von Zechstein und Trias. Die 
Größe der Gerolle variiert vom kleinen Bröckchen bis Kindskopf¬ 
größe; so liegt ein Tonschieferstück von 0,13:0,07:0,07 m Durch¬ 
messer vor; ebenso finden sich zahlreiche Stücke, die diesem 
größten Stück nahekommen. Die hereynen Gerolle fehlen nirgends, 
aber sie wechseln sehr in der Dichtigkeit. In den hangenden 
Schichten überwiegt häufig der hereyne Gemengteil; das auf 
Tafel 7 abgebildete Stück zeigt die mittlere Dichtigkeit, ist aber 
durchaus keine Ausnahme; ferner finden sich Sandsteine, in denen 
wenige kleine Tonschieferbröckchen oder vereinzelt größere Brocken 
stecken. Eine völlige Abrollung zeigen nur ganz wenige Stücke, 
vielmehr ist eine Ecken- und Kantenrundung durchaus die ge- 

. O O 

wohnliche äußere Form; je größer die Stücke, desto weniger haben 
sie die volle Gerölleform, 


im Senon des Austberges bei Benzingerode 


29 


Das spezielle Alter und den genauen Herkunftsort der Ge¬ 
steine, die Herrn Erdmannsdörffer vorgelegt wurden, anzugeben, 
ist vorläufig nicht möglich 1 ), jedoch muß festgestellt werden, daß 
sie sämtlich aus dem Harz stammen können. 

An Versteinerungen haben sich in dem Trümmersandstein 

O 

folgende gefunden: 

? Rotalina sp., 

Coscinopora sp., 

? Coelosmilia sp., 

Porosphaera globularis Phill. sp., 

Gavaria ramosa v. IIag., 

Idmonea sp., 

Entalophora cf. variabilis v. IIag., 

Smittipora cfr. canalifera v. Hag., 

Eschara sp., 

Serpula macropus Sow., 

Serpula ampullacea Sow., 

Serpula filiformis Sow., 

Rhynchonella plicatilis Sow., 

Thecidea vermicularis v. Schloth., 

Cidaris royanensis SchlÜt., 

Phymosoma cfr. ornatissimum Ag., 

Ostrea semiplana Sow., 

Ostrea diluviana Lam. (?), 

Gryphaea vesicularis Lam., 

Exogyra laciniata Goldf., 

Exogyra sigmoidea ReüSS, 

Exogyra haliotoidea Sow., 

Pecten serratus Nilsson, 

Pecten cfr. cretosus Defr , 

Pecten cfr. septemplicatus Nilsson, 

Vola cfr. quinquecostata Sow., 

Lima ovata Nilsson, 

Radiolites pusillus Lundgren, 

b Ein Tonschiefer enthielt ? Dualina sp. Siehe Brandes a. a. 0. S. 43. 



30 


2. Johannes Boehm und Henry Schroeder, Hercyne Gerolle 


Actinocamax quadratus sp. Blv., 

Otodus appendiculatus Ag., 

Lithothamnium gosaviense Rothpletz. 

Es liegen also zweifellos Quadratenschichten und dem Schichten¬ 
verband nach deren höhere Stufe vor. Sowohl im Norden als im 
Süden schließen sich an die Trümmersandsteine hellgraue Mergel 
an. Den Hang des Austberges hinauf scheinen diese an Nodosen¬ 
schichten zu grenzen, während etwas weiter nach Westen noch 
rote Keupertone auftreten. Dies Verhalten ist für das Harzrand¬ 
gebiet zwischen Benzingerode bis zur Schimmerwaldecke (Blatt 
Harzburg) normal, indem hier Quadratenschichten an die ver¬ 
schiedenen Schichtenglieder des Zechsteins und der Trias stoßen, 
während sämtliche Glieder des Jura, der Unteren und der Oberen 
Kreide bis inklusive Granulatenschichten fehlen. 

Die Massenhaftigkeit des Vorkommens altpaläozo¬ 
ischer Gesteine im jüngeren Untersenon des Austberges 
und ihre verhältnismäßig geringe Abrollung widerlegt 
die Annahme einer Herkunft aus weiter Ferne oder gar 
aus Konglomeraten des Perm. Die Gerolle können nur 
aus der Nähe, vom Harz, dessen Nordrand jetzt 1400 m 
entfernt ist, herstammen. Das Paläozoicum des Harzes 
muß also zur Zeit des jüngeren Untersenon durch seine 
mesozoische Decke hindurch wenigstens stellenweise 
an den Meeresboden oder an die Tagesoberfläche heran¬ 
getreten sein. 

Es muß bereits ein Unterschied zwischen Harz- und Harz¬ 
vorland vorhanden gewesen sein; letzteres befand sich schon im 
Stadium der mehr oder minder großen Aufrichtung; über ersterem 
mußte die mesozoische Decke bereits stellenweise erodiert sein. 

Aus einer besondern Eigentümlichkeit der Austberger Trümmer¬ 
ablagerungen, nämlich dem Fehlen sämtlicher permischer und 
triadischer Gerolle in ihnen ist zu schließen, daß der Zufuhrweg 
vom Harz zu unserer Fundstelle nicht durch Zechstein und Trias, 
sondern nur durch Gesteine, die zu einer Geröllbildung nicht ge¬ 
eignet waren, erfolgte. Da nun, wie oben bemerkt, die Trümmer- 


im Senon des Austberges bei Benzingerode. 


31 


Sandsteine ein Lager innerhalb des Quadraten-Mergels bilden, so 
ist die Annahme naheliegend, daß diese Mergel die Schichten¬ 
köpfe des Perm und der Trias in größerer Mächtigkeit bedeckten 
und bis an das ältere Paläozoicum heranreichten, aus welchem dann 
eine Zufuhr von Harzmaterial in das Vorland ohne Berührung 
permiseher und triadischer Gesteine erfolgen konnte. 



3. 

Henry Schroeder: 

Ubergreifende Lagerung der Oberen Kreide 
über dein aufgerichteten Oberen Muschelkalk 

bei Kloster Michaelstein. 


Hierzu Tafel 8 







Im Jahre 1862 beschrieb Ewald 1 ) als eine derjenigen »Kreide¬ 
ablagerungen, welche, abgetrennt von der allgemeinen Kreidebe- 
deckung .... sich mitten in der Zone der älteren mit steil auf¬ 
gerichteten Bänken am Rande des Gebirges entlang laufenden 
Formationen befinden, an Stellen, wo man der regelmäßigen Aus¬ 
bildung der Profile nach durchaus nur diese älteren Formationen 
zu erwarten hat«, eine Ablagerung »zwischen dem Kloster 
Michaelstein und Heimburg und zwar auf der rechten Seite des 
Tales, welches den Namen des Teufelsbades führt. Sie ruht hier 
unmittelbar auf Muschelkalk und ist ganz von Muschelkalk um¬ 
geben, während die große subhercyniscbe Kreidebedeckung sich 
erst auf der linken Talseite mit der Felsmasse des Mönchs ein¬ 
stellt. Das Gestein der Kreideablagerung im Teufelsbade ist ein 
tonig-kalkiger Sandstein und hat mit manchen senonen Mergel¬ 
sandsteinen der weiteren Umgebung von Blankenburg Ähnlichkeit. 
Mit völliger Sicherheit wird aber ihre Zugehörigkeit zum Senon- 
gebirge durch einige darin Vorgefundene Versteinerungen bewiesen. 
Am häufigsten finden sich vegetabilische Reste und zwar zunächst 
von einer taxodiumartigen Pflanze, welche bereits an verschiedenen 
Stellen im subhercynischen Senongebirge angetroffen worden ist. 
Außerdem sind einzelne Reste von Dicotyledonenblättern vorge¬ 
kommen, welche, soweit ihr mangelhafter Erhaltungszustand es 
zu beurteilen erlaubt, zu Credneria gehören, jedenfalls aber den 
Gedanken, daß man es mit einer älteren Bildung zu tun haben 
könne, ausschließen. Einer solchen Vorstellung widersprechen 
auch die wenigen Vorgefundenen Conchylienspuren, welche haupt¬ 
sächlich aus Fragmenten von Ostraceen bestehen.« 

Diese von Ewald beschriebene Stelle habe ich bisher zwar 
nicht aufgefunden, dafür aber jedenfalls in unmittelbarer Nähe 
einen Aufschluß entdeckt, der nicht nur im Bereich des Muschel- 

i 

kalkes liegt, sondern aufs deutlichste die Beziehung der Kreide 


! ) Sitzungsber. d. Berl. Akad. 1862. S. 678. 


3* 



36 3. Henry Schroeder, Übergreifende Lagerung der Oberen Kreide 

zu seinem Liegenden erkennen läßt. Verfolgt man die Straße von 
Kloster Michaelstein nach Heimburg, so teilt sich sofort nach 
Überbrückung des Teufelsbaches der Weg in einen gebesserten 
Waldweg, der an der Süd Westseite der Muschelkalkketten des 
Horstberges, Ziegenberges und Struvenberges nach Benzigerode 
führt, und in eine Chaussee, die nach NO. in mehreren Windungen 
die Kreideketten des Hans und Hennig (Mönch) überschreitet. 
An ersterem Wege, kurz nach der Gabelung ist der auf Tafel 8 
abgebildete Aufschluß durch Abstechen des Berghauges gelegent¬ 
lich der Wegebesserung entstanden. 

Im Niveau des Weges steht Oberer Muschelkalk, und zwar 
Nodosenschichten an, kenntlich an der Wechsellagerung von Ton¬ 
platten und Kalkplatten; im Osten werden einzelne Kalkbänke 
stärker und haben bereits das Gefüge des Trochitenkalkes, der 
weiterhin ebenso wie Mittlerer und Unterer Muschelkalk deutlich 
festzustellen ist. Die Schichten sind bis 80° steil* aufgerichtet. 

Während nun im Osten und auch Westen des Aufschlusses 
die Bänke des Muschelkalkes bis zu Tage ausstreichen, erscheint 
auf eine Erstreckung von ca. 10 m Länge eine kleine Mulde eines 
völlig davon abweichenden Gesteines, das in der Mitte bis nur 
einige Dezimeter über dem Niveau des Weges liegt. Im Osten fällt 
die Muldengrenze steil ein, während sie im Westen flach ausstreicht. 

Das Gestein ist ein graubrauner sandiger Mergel, stellenweise 
mit vielen Pflanzenbröckchen und enthält im Osten eine ca. 0,15 m 
dicke feste Bank eines schwachgrünlich grauen, mürben, fast fein¬ 
körnigen Kalksandsteins, der dem Boden der Mulde parallel ver¬ 
läuft und nach der Mitte zu fast horizontal liegt. Fossilien 
sind keine darin gefunden, wodurch leider die genaue Be¬ 
stimmung des stratigraphischen Horizonts dieser Schichten vor¬ 
läufig ausgeschlossen ist. Daß aber Obere Kreide vorliegt, er¬ 
scheint nach dem Gesteinscharakter sicher. 

Untersucht man die Grenze dieses Gesteins zu dem es unter¬ 
teufenden Muschelkalk, so bemerkt man, daß die fast senkrecht 
auf die Grenze stoßenden festen Bänke der Nodosenschichten ge- 
rundet sind, soweit sie in Berührung mit dem Kreidegestein 
kommen. Beim Durchschlagen der abgerundeten Schichtenköpfe 


über dem aufgerichteten Oberen Muschelkalk bei Kloster Michaelstein 


37 


erscheinen napfartige Vertiefungen und fingerartig in den Muschel¬ 
kalk eindringende Gruben, die unten zuweilen keulenartig er¬ 
weitert sind. Die Gruben sind mit Kreide ausgefüllt und nur 
als Bohrlöcher von Bohrmuscheln des Kreidemeeres herrührend zu 
deuten, wie sie auf dem Liegenden von Konglomeraten der Unteren 
und Oberen Kreide namentlich im Salzgitterschen Höhenzuge und 
am Harzrande bei Oker—Harzburg bekannt und auch von mir 
beschrieben sind. 

Mehrere Muschelkalkstücke bis zu Kopfgröße sind völlig von 
ihrem Muttergestein 
gewisse Abnutzung der Kanten und Ecken, wenn auch keine 
völlige Abrollung auf. Das Kreidegestein haftet ihnen ringsum 
an und sie zeigen ebenso wie die gerundeten Schichtenköpfe zu¬ 
weilen die bewußten Bohrlöcher. 

Das Vorhandensein der Muschelkalkgerölle und namentlich 
die Abrundung der Schichtenköpfe des Muschelkalkes widerlegt 
auf das Entschiedenste einen durch die Lage des Aufschlusses 
an einem Abhange etwa möglichen Einwurf, daß die ganze 
»Kreidemulde« eine Rutschung sei. 

Der Aufschluß beweist: 

1. daß zur Zeit der Ablagerung dieser Kreide 
Muschelkalk an den Meeresboden trat und 

2. daß dieser Muschelkalk bereits steil aufgerichtet 
war. 

Leider ist, wie bereits gesagt, das Alter der Kreide hier nicht 
festzustellen. Da die auf den Muschelkalk des vorstehenden Profils 
nach N. zu folgenden Schichten — Keuper, dann tonige Mergel, 
eigentümliche Crinoidenführende Kalksandsteine ( ? Emscher) und 
Subhercynquader ( ? Granulatenschichten) — hier jedoch keinerlei 
Gerolle enthalten und Gerolle des Muschelkalkes erst in Konglo¬ 
meraten am Neuhauskopf bei Heimburg, die Actinocamax granu- 
latus führen, auftreten, so wird man betreffs des Alters der Kreide 
am Teufelsbach nur zwischen Granulaten- und Quadratenschichten 
schwanken können. 

Die B eobachtungen hier und an anderen Punkten 
namentlich bei Blankenburg, wo schwach geneigte 


losgelöst und weisen mehr oder minder eine 


38 


3. Henry Schroeder, Ubergreifende Lagerung usw. 


Schichten mit Konglomeratbildung in größter Nähe 
oder sogar innerhalb der Aufrichtungszone lagern, be¬ 
weisen, daß die Aufrichtung des Zechstein-Mesozoicum 
bis Granulatenschichten inkl. im wesentlichen vor Ab¬ 
lagerung der Quadratenschichte n vollendet war. Das 
Vorspiel der untersenonen (Oberer Emscher bis Gra¬ 
nulatenschichten) Aufrichtungsphase, die wohl alseine 
Hauptphase anzusehen ist, begann mit der Aussüßung 
des Jurameeres; das Nachspiel setzte ins Tertiär fort. 
Mit dieser Phase war eine Regressiv beweg ung des Meeres 
verbunden 1 ). 

Die Behauptung Ewald’s von 1862, »daß der Niederschlag 
der Senonbildungen noch fortgedauert habe, nachdem die Auf¬ 
richtung des Harzrandprofiles zwischen Ecker und Selke vollendet 
war, d. h., daß die Vollendung dieser Aufrichtung in die Senon- 
periode selbst hineinfällt, nicht erst nach dem Ende desselben ein¬ 
getreten ist«, findet hierdurch fast volle Bestätigung. 

Ich darf hier nicht verfehlen hervorzuheben, daß bereits 
11 Jahre früher v. Strombeck 2 ) ein praetertiäres Alter der Fal¬ 
tung des Harzvorlandes für wahrscheinlich hielt. Er sagt: In der 
Gegend von Schöppenstedt »dehnt sich der Höhenzug der Asse 
aus, welcher sich weiterhin verflacht, um sich dann am Haase- 
berg wieder ansehnlich zu erheben. In der Einsenkung zwischen 
beiden hat sich Braunkohle abgelagert, welche daselbst bunten 
Sandstein, Muschelkalk, Keuper, Lias, Hilskonglomerat und Hils¬ 
thon überdeckt. Hier ist es evident, daß sich die Braunkohle 
nach der Hebung jenes Höhenzuges ablagerte. Ebenso sieht man 
in der Gegend zwischen Helmstedt, Sommersdorf und zwischen 
Hütersleben und Hadersleben Braunkohlengebilde in übergreifen¬ 
der Lagerung über älteren Flözschichten. Die Hebung jener 
Höhenzüge fand daher aller Wahrscheinlichkeit nach vor Ablage¬ 
rung der Braunkohle statt.« 

0 Siehe Ewald: Sitz.-Ber. d. Berliner Akad. 1862, S. 674 und Weichsel: 
Ber. d. naturw. Yer. d. Harzes 1851, S. 30, ferner oben S. 16 und 26 und Er¬ 
läuterungen zu Blatt Harzburg S. 157. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. III, 1851, S. 361. 




4. 


Johannes Boehm: 

Inoceramus Cripsi anct. 


Hierzu Tafel 9 —14 




Th. W egner 1 ) leitet seine Besprechung von Inoceramus regularis 
d’Orb. mit folgenden Worten ein: »Es kann wohl keinem Zweifel 
unterliegen, daß von den Autoren unter In. Cripsi keine Art, 
sondern ein Inoceramentypus verstanden wird. Es scheint mir 
nach den vorliegenden westfälischen Stücken sicher zu sein, daß 
in diesem Formenkreise insbesondere auf Grund der Entwicklungs¬ 
geschichte verschiedene Arten auseinander zu halten sind 2 ).« Bereits 
1880 hat Whitfield 3 ) den an Inoceramus impressus d’Orb. sich 
anschließenden und bis dahin mit In. Cripsi auct. vereinigten For¬ 
menkreis als besondere Gattung: Endocostea von Inoceramus abge¬ 
trennt. Für eine dritte Gruppe, die In. flexuosus v. Haenl. ein¬ 
schließt, hat Verfasser 4 ) den Namen llaenleinia in Vorschlag ge¬ 
bracht. 

Inoceramus Crippsi Mantell. 

Taf. 9, Fig. 1, a. 

Mantell 5 ) hat 1822 den Speziesnamen Crippsi 6 ) einer Inoce¬ 
ramus- Art aus den FmVms-Schichten Englands beigelegt. 

*) Th. Wegner: Die Gramilatenkreide des westlichen Munsterlandes. Zeitschr. 
Deutsch. Geol. Ges. 57, 1905, S. 162. 

2 ) In gleichem Sinne äußert sich Petrascheck: »Ich betrachte darum das, 
was man schlechthin als Inoceramus Cripsi verstand, nur als ein Stadium kon¬ 
vergenter Entwicklung, zu dessen Ausbildung, wie ich schon früher zu betonen 
Gelegenheit hatte, es wiederholt gekommen ist.« (Über Inoceramen aus der Gosau 
und dem Flysch der Nordalpen. Jahrb. k. k. geol. R.-A. 56. 1906, S. 163.) 

3 ) K. P. Whitfield: Palaeontology of the Black Hills of Dakota in H. 
Newton and W. P. Jenney: Report of the geology and resources of the Black 
Hills of Dakota. U. S. Geograph, and Geol. Survey of the Rocky Mountains 
Region. 1880, S. 402. 

b Joh. Boehm: Über Haenleinia nov. subgen. Zeitschr. Deutsch. Geol. Ges. 
Mon.-Ber. 59, 1907, S. 317. 

5 ) G. Mantell: The fossils of the South Downs; or Illustrations of the 
Geology of Sussex. 1822, S. 113. 

6 ) Die allgemein übliche Schreibweise Cripsii , welche Mantell eingeführt 
hat, obwohl er angibt, daß er den Namen zu Ehren seines Freundes John 



42 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi aucl. 


GoldfüSS * 1 ) identifizierte 1836 mit ihr mehrere Exemplare aus 
dem Senon Westfalens und von Falkenberg, wobei er jedoch selbst 
auf Abweichungen, die seine Formen gegenüber der englischen 
zeigen, hinweist. So bemerkt er, daß Mantell »seine Exemplare 
als sehr niedergedrückt beschreibt, während die unserigen (Fig. c, d) 
so sehr gewölbt sind, daß der Querdurchmesser jenem der Höhe 
gleichkommt und ihn sogar übertrifft. Wir besitzen jedoch auch 
Schalen von sehr geringer Wölbung, und diese scheint demnach 
mit dem Alter, zugenommen zu haben und bei verschiedenen In¬ 
dividuen größer und geringer gewesen zu sein. Die höchste 
Wölbung, welche über die Schloßlinie emportritt, so daß diese 
zwischen beiden Schalen vertieft liegt, findet man nur bei Indi- 
viduen aus dem Grünsande, während jene aus der Kreide nicht 
nur flacher sind, sondern auch zahlreichere und wenig erhabene 
Rippen haben«. 

Gegen diese Identifizierung sprach sich d’Orbigny 2 ) aus. Es 
geschieht dies gelegentlich der Beschreibung seines In. Goldfussianm 
und zwar in der knappen Bemerkung: »M. GoldfüSS a figure 
cette coquille sous le nom d? I. Cripsi , mais coinme eile est tout- 
ä-fait distincte de VI. Cripsi de Mantell, je Fai dediee au savant 
professeur de Bonn.« Später (1850) beließ d’Orbigny 3 ) nur 
Goldfuss’ Fig. 4 d bei In. Goldfussianus und vereinigte die Gold- 
Füss’schen Figuren 4a—c mit seinem In. regularis. 


Martin Cripps gegeben habe, veranlaßte mich, in der Annahme, daß die Schrei¬ 
bung Cripps auf einem Schreibfehler beruhen könne, mich an Heren Dr. Bather 
mit der Bitte um Mitteilung der richtigen Schreibweise zu wenden. In liebens¬ 
würdigster Weise, wofür ihm mein Dank ausgesprochen sei, erwiderte mir Herr 
Dr. Bather: »The spelling Cripps is certainly correct for the name of the gent- 
leman in question. There is no such name as Crips. It is therefore obvious 
that Mantell should have written Crippsi. We now-adays in this country gene- 
rally write Crippsi. In foreign writings I have occasionally seen the name 
written Crispi, which of course is quite wrong.« Ich werde daher in meinem 
Aufsatze die Schreibweise Crippsi durchführen. 

Weiterhin spricht sich Herr Dr. Bather noch gegen die Ausdehuung des 
Namen Goldfussianus auf die Haldemer Art aus. 

l ) Goldfuss: Petrefacta Germaniae 2, 1834—1840, Taf. 112, Fig. 4a—d. 

3 ) A. d’Orbigny: Paläontologie fran<?aise. Terr. cret. 3. Lainellibranches. 
1843—1847, S. 518. 

3 ) A. d’Orbigny: Prodrome de Paleontologie 2, 1850, S. 250. 



4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


43 


In seinem Prodrome de Paleontologie führt d’Orbigny In. 
Crippsi Mant. selbst nicht auf. 

F. Römer 1 ) wandte sich 1852 gegen d’Orbigny’s »Behauptung, 
derzufolge der von GoldfüSS als In, Cripsi beschriebene Inoceramus 

von der MANTELü’schen Art dieses Namens verschieden sein soll. 

♦ 

Wäre jene Behauptung richtig, so würde dieselbe in gleicher Weise 
von dem Vorkommen des Inoceramus Cripsii in Deutschland über¬ 
haupt gelten, denn die an sehr verschiedenen Punkten vorge¬ 
kommenen Exemplare sind in der That mit der durch GoldfüSS 
beschriebenen Art identisch, von welcher die Abbildung t 112 f 4 
ein mir vorliegendes, als Steinkern erhaltenes großes Exemplar aus 
dem festen Kreidesandsteine von Dülmen 2 ) mit fast regelmäßigen, 
wellenförmigen Falten der Oberfläche darstellt. Allein nach Ver¬ 
gleichung der MANTELL'schen Beschreibung und Abbildung, sowie 
auch nach Ansicht Englischer Exemplare, sehe ich durchaus keinen 
Grund zu der Annahme, daß die von GoldfüSS und anderen Au¬ 
toren für den In. Cripsii Mantell gehaltene Deutsche Art von der 
Englischen dieses Namens verschieden sei. Ich halte daher Ino¬ 
ceramus Goldfussianus mit Inoceramus Cripsii Mantell für identisch.« 

Zwar äußert v. Strombeck 3 ) 1863 angesichts Mantell’ s An¬ 
gabe über das Alter des In. Crippsi Zweifel über die Identität 
dieser und der von GoldfüSS beschriebenen Art, fährt dann je¬ 
doch unter Hinweis auf Mantell’s Abbildung, die »wenig ent¬ 
scheidend sei«, fort: »Es kommt indessen darauf nicht weiter an, 
da die Spezies erst als durch GoldfüSS unterscheidend begründet 
angenommen werden muß.« 

An GoldfüSS und F. Römer haben sich alle Autoren, die 
sich mit dieser Art beschäftigten, angeschlossen. Doch während 
sie nach Zittel 4 ) vom Gault bis zum Senon hinaufgeht, bleibt 

Ö F. Römer: Die Kreidebildungen von Texas und ihre organischen Ein¬ 
schlüsse, 1852, S. 56. 

2 ) Vergl. hierzu auch F. Römer: Die Kreidebildungen Westfalens. Zeitschr. 
Deutsch. Geol. Ges. 6, 1854, S. 228, Fußnote 2. 

3 ) v. Strombeck: Über die Kreide am Zeltberg bei Lüneburg. Zeitschr. 
Deutsch. Geol. Ges. 15, 1863, S. 153. 

4 ) A. Zittel: Die Bivalven der Gosaugebilde in den nordöstlichen Alpen. 
Denkschr. k. Akad. Wiss., Wien. Math.-naturw. Kl. 25, 1866, S. 98. 



44 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


sie nach Schlüter 1 ) auf das Senon beschränkt, in dessen »sämmt- 
lichen Gliedern sie sich findet, und so dessen wichtigste Leit¬ 
muschel ist«. 

Das eingehende Studium der nordamerikanischen Inoceramen 
regte in Meek 2 ) erneut Zweifel über die Identität der von Mantell 
und GoldeüSS als In. Crippsi beschriebenen und der von späteren 
Autoren dazu gestellten Arten an. Insbesondere beschäftigte ihn 
an Mantell's Abbildung die Frage nach der Lage des Vorder- 
und Hinterrandes, ohne daß er jedoch zu einem abschließenden 
Ergebnis zu kommen vermochte. 

1904 haben E. T. Newton und A. J. Jukes-Browne 3 ) er¬ 
neut darauf hingewiesen, daß In. Crippsi »is distinctly by Mantell 
to be a Chalk-Marl form found at Ringmer, Hamsey and Offham«. 
Sie führen die Spezies mit einem Fragezeichen bei ln. latus 
Goldf. (non Mant.) an und fügen hinzu: »It is worthy of note 
that in a list of Sussex fossils drawn up by Mantell in 1828 
(Geol. Trans., Ser. 2., Vol. III, p. 201) he separated those of the 
»Chalk Marl« form those of the »Lower and Upper Chalk«, and 
in this list the only Inocerami mentioned as Chalk Marl species 
are I. Cripsi and I. tenuis. Further, some of the irregulär va- 
rieties of the Chalk Marl shall more closely resemble the 
figure of I. Cripsi in Mantell’s »Fossils of the South Downs« 
than that of I. latus in the same volume, and we think it very 
probable that the Cenomanian and Lower Chalk form, which has 
hitherto be known as I. latus , will prove to be really I. Cripsi«. 

Jukes-Browne, dem Petrascheck Exemplare der von 
Zittel 4 ) mit In. Crippsi vereinigten Spezies zusandte, kam bei 

9 Cl. Schlüter: Kreide-Bivalven. Zur Gattung Inoceramus. Palaeontogra- 
phica, 24, 1876/77, S. 278. 

2 ) F. B. Meek: A report of the Invertebrate Cretaceous and Tertiary fossils 
of the Upper Missouri Country. TJ. S. Geol. Survey Territories, 9, 1876, S. 48 u. 
S. 49, Fußnote. 

3 ) E. T. Newton and A. J. Jukes-Browne: Critical remarks on some species 
of fossils. Mem. Geol. Survey United Kingdom. The Cretaceous rocks of Bri- 
tain, 3. The Upper Chalk of England, Appendix I., Palaeontology. 1904, S. 
449, 450. 

4 ) A. Zittel: a. a. 0. 



4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


45 


ihrem Vergleich mit einem Gipsabguß des Originals von In. Crippsi 
Mant. zu der Überzeugung, daß sie von Mantell’s Typ ver¬ 
schieden seien. Petrascheck 1 ) bezeichnete sie daraufhin als In. 

cfr. regidaris d’Orb. 

So erschien es wünschenswert, sowohl hinsichtlich der Iden¬ 
tität der von Mantell und Goldfuss als In. Crippsi beschriebenen 
Exemplare als auch des Verhältnisses von In. latus Goldf. (non 
Mant.) zu dem englischen Typ die Originalstücke, wenn möglich, 
zu vergleichen. 

Auf Ersuchen der Direktion der Kgl. Geologischen Landes- 
atistalt hatte Herr A. Smith Woodward unter gütiger Vermitte¬ 
lung von Herrn Jukes-Browne die Güte, für die Untersuchung 
einen Gipsabguß nach dem im British Museum (Nat. Hist.), 
Geolog. Department, aufbewahrten Original von In. Crippsi her- 
stellen zu lassen und dem Geologischen Landesmuseum zu über¬ 
lassen. Ebenso konnte Verfasser infolge des liebenswürdigen Ent¬ 
gegenkommens der Herren Geheimrat Steinmann und Professor 
Rothpletz sowohl die beiden in der Universitätssammlung zu 
Bonn aufbewahrten Originale zu Goldfuss’ Beschreibung des In. 
Crippsi als auch das zu München befindliche von In. orbicularis 
Goldf. der Untersuchung unterziehen. Unter jenen ist dasjenige, 
welches Goldfuss seiner Fig. 4 b zugrunde gelegt hat, und auf 
das sich F. Römer, wie erwähnt, bei seinem Eintreten für die 
Identität der gemeinhin als In. Crippsi bezeichneten Form mit der 
englischen Art bezieht, von besonderer Wichtigkeit. 

Allen genannten Herren sei auch an dieser Stelle der ver¬ 
bindlichste Dank ausgedrückt. 

Hinsichtlich des englischen Typs ist zu bemerken, daß an 
dem Handstück eine rechte und eine linke Klappe erhalten sind, 
die zwar wie zwei zusammengehörige Klappen symmetrisch zuein¬ 
ander gelagert, jedoch derart gegeneinander verschoben sind, daß 
der Wirbel der rechten über den oberen Hinterrand der linken 
Klappe hinüberschaut (Taf. 9, Fig. la). Beide Valven weichen an¬ 
scheinend ein weniges in dem Grade der Wölbung ihrer Oberfläehe 


x ) W. Petrascheck: a. a. 0. Inoceramen Gösau, S. 156. 



46 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


wie dem Ausmaß der konzentrischen Berippung von einander ab. 
Zieht man jedoch den Umstand in Rücksicht, daß an der linken 
Klappe die Wirbelpartie und mit ihr ein Teil des Hinterrandes 
abgebrochen sind, so bleibt wohl kein Zweifel, daß beide Klappen 
derselben Art, wahrscheinlich sogar demselben Individuum an¬ 
gehört haben. 

Denselben Umriß, die gleiche Art des Wachstums der Höhe 
nach und die gleiche Skulptur wie In. Crippsi Mant. weist das 
Originalexemplar von In. latus Münst. (non Mant.) (Taf. 10, 
Fig. 2), übereinstimmende Bildung des Schloßapparats mit jenem 
ein anderes Exemplar vom Mahnerberge bei Salzgitter auf (Taf. 10, 
Fig. 1). Newton’s und Jukes-Browne’s Vermutung, daß In. 
Crippsi Mant. und In. latus Münst. zu vereinigen seien, findet 
somit ihre Bestätigung. 

Schlüter trat 1877 für die Identität des In. orbicularis 
Münst. (Taf. 11, Fig. 1) und In. latus Münst. mit Recht ein, so 
daß demnach diese beiden Artnamen fernerhin zu unterdrücken 
und in die Synonymie des In. Crippsi Mant. aufzunehmen sind. 

Wie das englische, so wurden auch die deutschen Vorkomm¬ 
nisse im Varianspläner gefunden. In. orbicularis ist aus diesem 
Horizont von Altenbeken, In. latus Münst. (non Mant.) von 
Büren beschrieben worden. Letzterer findet sich nicht hier, son¬ 
dern bei Weine, südlich von Büren, häufig zusammen mit Schlön- 
bachia varians , wie Herr Professor H. Stille und ich auf einer 
gemeinsamen Exkursion feststellen konnten. 

Newton und Jukes-Browne *) vermuten, daß d’Orbigny’s Ab¬ 
bildung von In. latus * 2 ) eine Copie der GoLDFUSS'schen Figur sei, 
und ziehen In. latus , var. reachensis Eth. in die Synonymie des 
In. latus Goldf. (non Mant.). 

Ein vergleichender Blick auf unsere Abbildungen des ceno- 
manen typischen In. Crippsi Mant. in üblicher Stellung (Taf. 9) 
und des bisher mit ihm vereinigten senonen Exemplares von 
Dülmen (Taf. 11, Fig. 2) läßt die nach jeder Richtung hin tief¬ 
gehenden Unterschiede zwischen ihnen erkennen. 

9 Newton und Jukes-Browne: a. a. 0., Cretac. rocks Britain 3, S. 449. 

2 ) d’Orbigny, a. a. 0., Paleont. fran<?. t. 408, fig. 1. 



4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


47 


Inoceramus balticus nov. sp. 

Taf. 11, Fig. 2 a, Taf. 12, Fig. la. 

1834—1840. Inoceramus Cripsi Mant. in Goldfuss: Petref. Germ. 2, S. 116, 

Taf. 112, Fig. 4b. 

1843—1847. » Goldfussianus d’Orbigny: Paleont. fran<?. Terr. cret. 3. 

S. 517 (Synonymenliste). 

1850. » regularis d’Orbigny: Prodrome 2, S. 250, N. 814, z. T. 

1907. » balticus Joh. Boehm: Inoceramus Cripsi Mant. S. 113. 

Auf dem von Dülmen stammenden Handstücke, das Goldfuss 
seiner Bearbeitung zugrunde gelegt hat, sind beide Schalen in 
aufgeklapptem Zustande und zwar derart gelegen, daß sie mit dem 
Schloßrande aneinander stoßen, wobei der Schloßrand der rechten 
Klappe unter den der linken verschoben und von ihr durch Ge¬ 
stein getrennt ist. Der Hinterrand ist zerbrochen; Goldeuss hat 
ihn ergänzt. Die Berippung ist bei Goldfuss mit geringen Ab¬ 
weichungen richtig wiedergegeben, jedoch tritt die Rückenwölbung 
nicht genügend hervor. Die konzentrischen Rippen sind scharf, 
oben abgerundet und durch breite Zwischenräume getrennt. 
Während die überwiegende Zahl derselben in gleichmäßigem 
Bogen über die Oberfläche hinwegzieht, setzen einzelne auf der 
Rückenwölbung an unter sich verschiedener Stelle ein, wobei sie 
sich mit ihrem Anfangs- oder Endpunkte an die nächst höhere an- 
legen, so daß eine Rippengabelung entsteht. Die Prismenschicht, 
die unter dem oben erwähnten Gestein auf der rechten Klappe 
hervorschaut, ist sehr dünn, noch nicht 0,5 mm dick. Die An- 
wachsstreifung verläuft, soweit sich das auf einem noch erhaltenen 
kleinen Schalstück der rechten Klappe beobachten läßt, parallel 
der Berippung. 

Dieses Exemplar erweist sich gegenüber einem zweiten, das 
von demselben Fundort im Geologischen Landesmuseum auf¬ 
bewahrt wird, als ein solches jugendlichen Stadiums. Mit zu¬ 
nehmender Größe streckt sich die Schale der Länge nach, so daß 
diese mit 14 cm die Höhe (8 cm) fast um das Doppelte übertrifft; 
ferner biegen der Unter- und Vorderrand sich um und wachsen 
senkrecht zur ursprünglichen Richtung fort und die anfangs mäßige 


48 


4. Johannes Bobhm, Inoceramus Cripsi auct. 


Wölbung von etwa 2,5 cm Dicke nimmt den zweifachen Betrag an. 
Zugleich hört jede Skulptur auf, die Schale wird ringsum glatt. 
Mit der Dickenzunahme kommt die Wirbelpartie in schwebende 

Lage. 

Von demselben Fundort beschrieb Wegner unter In. Crippsi 
ebenfalls »hochgewölbte Formen, deren Höhe gewöhnlich gleich der 
halben Länge ist. Die fast blattartig umgerollte Schale ist mit weit 
von einander abstehenden scharfen Rippen bedeckt, die nach dein 
Unterrande hin etwas ungleichmäßig werden«. Durch das Vor¬ 
handensein einer radialen Depression in der Krescenzachse er¬ 
weisen sich diese Formen als von In. balticus, dem jede Depression 
fehlt, verschieden. 

Von In. regularis d’Orb. weicht In. balticus durch Umriß und 
Verlauf der Berippung ab, insbesondere auch durch die Wölbung, 
welche sich bei der französischen Art gleichmäßig vom Schlo߬ 
rande bis zum Unterrande biegt. 

Die Gosauart In. aff. regularis d’Orb. hat abweichende Be¬ 
rippung und einen weit vor den Wirbel vorgestreckten Vorder¬ 
rand, während dieser bei In. balticus kurz gebogen ist. 

Auf die von Zittel und Schlüter in umfangreichen Syno- 
nymenlisten zu In. Crippsi vereinigten Arten werde ich an anderer 
Stelle ausführlich zurückkommen. 

Endocostea Whitfield. 

d’Orbigny 1 ) beschrieb 1845 aus dem französischen Senon in 
Inoceramus impressus eine Bivalve, welche auf der hinteren Schalen¬ 
hälfte eine diagonal verlaufende Hohlkehle trägt 2 ). 

Dasselbe Merkmal wurde von Kner 3 ) an Exemplaren aus dem 

*) A. d’Orbigny: a. a. 0. Paleont. fran<?., S. 515, Taf. 409, Fig. 1 — 3. 

2 ) Hierbei ist die diagonale furchenartige Einsenkung, wie sie z. B. bei In. 
Haenleini G. Müller vom Wirbel über die Schalenoberfläche zum hinteren Un¬ 
terrande hinzieht, von der diagonalen Hohlkehle, die von der Muskelleiste ver¬ 
ursacht wird, zu unterscheiden. 

3 ) R. Kner: Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner 
Umgebung. Haidinger: Naturwissenschaftliche Abhandlungen 3, S. 28. 



4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


49 


Senon von Lemberg und von Beyrich 1 ) an einem Stücke aus gleich¬ 
altriger Stufe von Tripolis beobachtet. 

F. Roemer 2 ) fand es an texanischen Vorkommnissen wieder, 
war jedoch nicht geneigt, dieser Furche einen spezifischen Wert 
beizumessen, sondern »nur als eine einzelnen Exemplaren des Ino¬ 
ceramus Cripsi zukommende Abnormität« anzusehen, indem er 
darauf hinwies, daß die Furche »durch eine schwielige Verdickung 
auf der inneren Fläche der Schale hervorgebracht« wurde, sowie 
»in Größe und Form keineswegs beständig sei«. In der Tafel- 
v erklärung wird die texanische Form als In. impressus var. sulcata 
aufgeführt. 

Zettel 3 ) und Schlüter 4 ) zogen mit F. Roemer In. impressus 
in die Synonymie von In. Crippsi Mant. 

Gegenüber dieser Auffassung von der klassifikatorischen Wert¬ 
losigkeit dieser Diagonalleiste nahm Whitfield 5 ) einen ab¬ 
weichenden Standpunkt ein. Da seine Ausführungen bisher nicht 
in der europäischen Literatur erwähnt werden, so seien sie an 
dieser Stelle ausführlicher wiedergegeben. 

Whitfield bemerkt über die Furche: »All individuals of spe° 
cies possessing this feature do not have it developed to the same 
degree, and offen it may not be developed until an advanced stage 
of growth, as in the case with the ridges bordering the muscular 
impressions of Cucullaea and allied forms; but this is no reason 
for considering it as an abnormal or accidental feature where it 
does exist, for in many cases its absence may have resulted from 
partial decay before final imbedding. This feature has long been 
known to exist in shells of this group, but has generally been 
considered as of accidental occurrence and of no specific value. 
Dr. F. Roemer, in his work on the Cretaceous formation of Texas, 

0 E. Beyrich: Bericht über die von Overweg auf der Reise von Tripolis 
nach Murzuk und von Murzuk nach Ghat gefundenen Versteinerungen. Zeitschr. 

Deutsch. Geol. Ges. 1852, 4, S. 151, Taf. 5, Fig. 1 a, b. 

3 ) F. Roemer: a. a. 0. Texas, S. 57. 

3 ) A. Zittel: a. a. 0. Gosau, S. 95. 

4 ) Cl. Schlüter: a. a. 0. Inoceramus , S. 278. 

5 ) Whitfield: a. a. 0. Black Hills, S. 401, 402, 

Nene Folge. Heft 56, 


4 



50 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


figures a form possessing it, which he regards as belonging to /. 
cripsii Mantell, and also refers others to the same, apparently 
regarding it as only an abnormal feature and not of specific value. 
Still in his description of the figure on Plate VII, he applies to 
the shell the varietal name sulcatu-s , descriptive of this very fea¬ 
ture. Mr. Meek also mentions its existence on specimens which 
he refers to I. cripsii var. barabini , but which are probably dis- 
tinct from that form and identical with one of those above re- 
ferred to. Some authors, liowever, have considered it of more im- 
portance. Mons. d’Oebigny founded his I. impressus on the 
existence of this feature in his types, and Dr. Morton’s 1. alveatus 
is another example. Considering the development of this feature 
to so great an extent, and in several species, not only in America 
but also in Europe and elsewhere, we deem it other than an ab¬ 
normal or accidental one, and not only of specific importance, but 
as marking a distinct generic group, and propose for it the generic 
name Endocostea, under the impression and belief that it marks 
the line of recession of the larger or posterior muscular scar, as 
in the forms of Inoceramus on which this scar has been detected 
it occupies the same relative position.« 

Whitfield charakterisiert seine Gattung in nachstehender 
Weise: 

Shell resembling Inoceramus, being bivalve, with both 
sides convex, but more or less unequal, and composed of 
two layers, an outer vertically fibrous coating and an inner 
nacreous or pearly lining; hinge line straight, edentulous, 
with a narrow linear external cartilage area on each valve. 
Valves provided with an oblique internal rib passing from 
behind the beaks, along the postero-cardinal slope, toward 
the postero-basal margin, marking the position of the 
posterior muscular imprint; other muscular markings un- 
known. Type, E. typica Whitf. 

We have not been able to detect the anterior muscular scar 
or pallial line, except the latter as au irregulär transverse line of 
small tubercles across the beak of internal casts in several cases, 
and a slight curving ridge, faintly marked on a smaller number 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


51 


«r 


of examples, passing from the apex along the anterior side for a 
short distance. The genus differs from Inoceramus so tar as yet 
known only in the existence of the internal rib. The species now 
known are E. alveatus — Inoceramus alveatus Morton; E. im- 
pressus d’Orb. = I. inipressus d’Orb.; E. sulcatus — I. cripsii var. 
sulcatus Roemer, and E. typica White.« 

Whiteield legte bei der Aufstellung seiner Gattung das 
Hauptgewicht auf das Vorhandensein einer Muskelleiste 1 ) und be¬ 
tonte dabei die weite Verbreitung der sie besitzenden Formen. 
Er 2 ) wies darauf hin, daß Wood ward In. impressus zu Thetis ge¬ 
stellt habe. Auf Steinkernen von Thetironia 3 ) (= Thetis) wird 
eine Furche beobachtet, die vom hinteren Schließmuskel zum Wirbel 
heraufzieht, hier kurz umbiegt und sich zum vorderen Adduktor 
erstreckt. Ihr entspricht auf der Schaleninnenseite eine Leiste, 
welche nach Woodward zur Verstärkung der Schale diente. 
Denselben Zweck dürfte auch die innerliche diagonale Verdickung 
bei den stets sehr dünnschaligen Vertretern der Gattung Endo - 
costea erfüllt haben. 

Wenn F. Roemer 4 ) bemerkt, daß »die Furche wie eine Hohl¬ 
kehle regelmäßig konkav und glatt ist, da weder die konzentrischen 
wellenförmigen Falten noch die konzentrischen Linien dieselbe 
kreuzen, sondern an ihren Rändern unterbrochen sind«, so trifft 
das für die europäischen Exemplare nicht in gleichem Umfange zu. 
Diese zeigen häufig sowohl in der Tiefe als auch an den Seiten 
der Hohlkehle Falten, die in der Fortsetzung der konzentrischen 
Rippen gelegen sind. Es beruht dies auf dem Prinzip der Sub¬ 
stanzersparnis, indem entsprechend den auf der Oberfläche der 
Schale über die Muskelleiste hinwegsetzenden konzentrischen Falten 
die Unterseite dieser diagonalen Verdickung ausgespart wird. 


b Ygl. 0. Reis: Über die Muskelleiste bei Zweischalern. Centralblatt für 
Min. 1906, S. 168. 

2 ) Whitfield: a. a 0. S. 402, Fußnote. This species ist referred to the 
genus Thetis b j Woodward. See Woodward’s Manual of recent and fossil shells. 

3 ) H. Woods: A monograph of the Cretaceous Lamellibranchia of England, 
2. The Palaeont. Soc. London 1907, S. 165. 

4 ) F. Roemer: a. a. 0. Texas, S. 57. 


4* 



52 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


Diese Aussparungen wurden alsdann durch die Versteinerungsmasse 
ausgefüllt und treten nunmehr nach Auflösung der Schale in Ge¬ 
stalt längerer oder kürzerer Falten in der Hohlkehle hervor. 

An der Hand entwickelungsgeschichtlicher Beobachtungeu an 
einem reichen Inoceramen-^/Laier'v&\ aus dem subhercynischen Em- 
scher und Senon kam C. v. Haenlein *) zu einer anderen Auf¬ 
fassung über die Entstehung der Hohlkehle: »Im Senonquader 
von Derenburg erscheinen mächtige und stark geblähte Formen 
der CWp<m-Gruppe, und neben ihnen der Inoc. inipressus d Orb., 
dessen charakteristische Furche wohl dem Anscheine nach von 
einer Falte zur Verkleinerung der Schale gedeutet werden dürfte. 
Wir beobachteten schon öfters, daß nach übermäßigem Schalen¬ 
wachstum der Inoceramen eine Reduktion eintritt, welche von neuen 
Merkmalen begleitet ist. ... So erscheint uns anschließend an den 
Inoc. impressus d'Orbigny und neben diesem im Heideiberge der 
Inoc. ftexuosus v. Haenlein, der seinen hinteren Schalenrand links¬ 
seitig einbiegt und gleichzeitig die Narbe der erwähnten Furche 
als Inoc. impressus trägt.« Auf diese Form komme ich in dem 
nächsten Abschnitt zurück. 

Als ein weiteres Merkmal der Gattung Enclocostea erwähnt 
Whitfield die Ungleichklappigkeit, deren Ausmaß schwankt. 
Bereits Meek hat es an In. Barabini erwähnt, und ich habe es 
an den mir bekannt gewordenen Exemplaren stets angetroffen. 
Dies scheint mir auf einen engen Zusammenhang mit den im 
Emscher auftretenden ungleichklappigen Formen, die der Gruppe 
des In. involutus angehören, hinzudeuten und trennt sie von den 
gleichklappigen, sonst in Umriß und Skulptur sehr ähnlichen 
Formen, die sich an In. balticus anschließen. In dem Falle, daß 
nur eine Klappe vorliegt, wird der Eindruck der Muskelleiste, 
ähnlich wie bei 6WW/aea-Steinkernen gegenüber den Arciden, 
das Mittel zur Unterscheidung der Gattung Endocostea von Inoce¬ 
ramus an die Hand geben. 

*) C. v. Haenlein: Über die Entwicklungsgeschichte des Inoceramus Cripsii 
Mantell und sein Vorkommen am Nordrande des Harzes. Schrift. Naturwiss. 
Ver. des Harzes in Wernigerode 7, 1892, S. 3 des S.-Abdr. 



4. Johannes Boehm, Inoceramüs Cripsi auct. 


53 


Halten wir an der Gattungsdiagnose fest, so bleiben die ein¬ 
gangs dieses Abschnittes angezogenen Arten noch kurz zu be¬ 
sprechen. 

Ein großes, bis auf den Hinterrand vollständiges Exemplar 
aus dem Obersenon von Lemberg, welches im Museum für Natur¬ 
kunde zu Berlin aufbewahrt wird, zeigt, daß die Schale gleichmäßig 
vom Wirbel bis zum Unterrande gewölbt ist und keine Umbiegung 
des Unterrandes erfährt. Die geringe Ungleichklappigkeit und der 
gleichmäßige Verlauf der Rippen trennen diese Form von dem fran¬ 
zösischen Typus, so daß ich sie als In. Kneri bezeichne. 

Derselben Art fällt auch wohl die von F. Roemer 1 ) aus dem 
Kalkmergel mit Belemnitella mucronata von Zarnowiec abgebildete 
Form zu. 

1852 wies Beyrich ein trefflich erhaltenes Exemplar, das 
Overweg im Wadi Tagidscha gefunden hatte, In. impressus zu. 
Er hob an diesem leider verloren gegangenen Exemplare Unter¬ 
schiede gegenüber der französischen Spezies hervor, zu welchen 
noch eine geringere Ungleichklappigkeit kommt. Für diese tripo- 
litanische Art bringe ich den Namen Beyrichi in Vorschlag. 

Der Gattung Enclocostea gehören demnach an: 

E. typica Whitf. 

E. alveata Morton sp. 

E. sulcata F. Roem. sp. 

E. impressa d’Orb. sp. 

E. Kneri n. sp. 

E. Beyrichi n. sp. 

E. Brooicsi Johnson 2 ). 

Haenleinia Joh. Boehm. 

Der Sandstein des Heideiberges bei Blankenburg am Harz 
birgt in seinen obersten Bänken eine ziemlich seltene Bivalve, 
welche C. v. Haenlein 1889 als Inoceramüs ßexuosus in die Lite¬ 
ratur eingeführt hat. Das charakteristische Kennzeichen für sie 

9 F. Roemer: Geologie von Oberschlesien, 1870, Taf. 89, Fig. 9. 

2 ) D. W. Johnson: The geology of the Cerrillos Hills, New Mexico. The 
School of Mines Quarterly, 24, 1903, S, 192, t. 5, f. 23 a, b. 



54 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


gegenüber Endocostea impressa d'Orb. sp. ist die Einbiegung des 
hinteren Scbalenrandes, die in der Art erfolgt, daß die linke Klappe 
einen Sattel, die rechte eine entsprechende Bucht bildet 1 ). Dieses 
Merkmal findet sich an einer zweiten Art aus Westfalen sowohl 
an Exemplaren aus sandigen als auch aus tonigen Schichten, ferner 
an einer dritten Spezies in Nord-Amerika wieder, ist demnach kein 
lokal beschränktes. Obschon diese Ausbiegung sonach an bisher 
nur einer in wenigen Formen bekannt gewordenen und anscheD 
nend kurzlebigen Gruppe erscheint, dürfte doch ihre Zusammen¬ 
fassung unter einem besonderen Namen nicht unberechtigt er¬ 
scheinen. 


Haeuleima flexuosa v. Haenlein sp. 

Taf. 13, Fig. 1, a, Fig. 3, a, b. Taf. 14. Fig. 14, Fig. 1, a—d. 

1889. Inoceramus flexuosus v. Haenlein: Inoceramen aus der mittleren Kreide 

des nördlichen Harzrandes. Zeitschr. f. Naturwiss. 
Halle. Novbr.-Sitzg., S. 466. 

1892. » » v. Haenlein: a. a. 0., Entwicklungsgeschichte Inoc. 

Cripsii Mant., S. 3. 

1895. » » : Über gefurchte Cripsii-Formen im subhercynischen 

Untersenon. Zeitschr. f. Naturw. d. Harzes in Wer¬ 
nigerode. 10, S. 120. 

» maculatus v. Haenlein: Ebenda. 

» rimosus v. Haenlein: Ebenda. 


x ) Aufbiegung des Unterrandes ist in vereinzelten Fällen in anderen Bival- 
ven-Gattungen beobachtet worden. Herr Dr Baron v. Rehbinder machte mich 
darauf aufmerksam, daß Thracia undulata Schlippe eine solche Buchtung, welche 
»durch unregelmäßige Falten, wovon zwei auf die Vorderseite und eine auf die 
Hinterseite kommen,« zeigt. (Schlippe: Die Fauna des Bathonien im oberrhei¬ 
nischen Tiefiande. Abhdl. geol. Spezialkarte v. Elsaß-Lothringen, 4, 1S88, S. 181, 
t. 3, fig. 7 a—d). — Desgleichen gibt Grewingk von Mytilus Middendorß an, daß 
»vom gekrümmten Rücken aus der Gegend der vorderen Muskeleindrücke zum 
unteren hinteren Rande auf einer Schalenhälfte eine Furche und eine sich an 
dieselbe anschließende Wulst auslaufen, welchen auf der anderen Schalenhälfte 
eine Wulst und dann eine Furche entsprechen, so daß dieselben am unteren 
Rande zwei tief ausgezogene Buchten bilden.« (Grewingk: Beitrag zur Kenntnis 
der orographischen und geognostischen Beschaffenheit der Nord-West-Küste Ame¬ 
rikas und der angrenzenden Inseln. Verhandl. Russ. Kais. Min. Ges. St. Peters¬ 
burg 1848/49. St. Petersburg 1S50, S. 360, t. 7, fig. 3a—c). 



4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


55 


Maaße: Länge 

Höhe 

Dicke 

78 

mm 

49 

mm 

44 

mm 

76 

» 

56 

» 

36 

» 

78 

» 

55 

» 

41 

» 

73 

» 

55 

» 

40 

» 

73 

» 

56 

» 

38 

» 

84 

» 

65 

» (unvollständig) 

58 

» 

84 

» 

67 

» 

48 

» 

Schale ungleichklappig, 

sehr un 

[gleichseitig, von trapezseitigem 


Umriß. Die rechte Klappe ist etwas stärker als die linke gewölbt. 
Die Wirbel stehen einander gegenüber und sind weit nach vorn 
gerückt. Der Yorderrand ist kurz abgerundet und verläuft mit 
scharfer Kurve in den schräg abwärts steigenden Unterrand, so 
daß die Höhe der Schale bis zu der gerundeten Ecke, in der 
Hinter- und Unterrand Zusammenstößen, stetig zunimmt. Der 
gerade Hinterrand stößt gegen den Schloßrand im rechten oder 
mit leichter Rückwärtsbiegung etwas kleinerem Winkel ab. Der 
gerade Schloßrand ist wenig kürzer als die Schalenlänge und im 
rückwärtigen Teil leicht nach rechts abgebogen. Ligamentfeld 
sehr niedrig. 

Die Achse der Rückenwölbung bildet mit dem Schloßrande 
einen Winkel von etwa 60°. Von ihr aus fällt die Wölbung gleich¬ 
mäßig nach hinten, rasch zum Vorderrande und kurz vor diesem 
steil ab. Während sie sich bei einigen Exemplaren gleich¬ 
mäßig vom Schloß- zum Unterrande spannt, erfährt sie bei an¬ 
deren dadurch eine Unterbrechung, daß der Unterrand, ähnlich 
wie bei Inoceramus balticus , stark umbiegt und kurz vor der 
Kommissur sich steil aufrichtet, so daß bei geschlossenen Klappen 
eine kielartige Erhebung derselben entsteht. Wie ein wuchtig 
ausladender Schiffsrumpf auf dem schmalen Kiel, so ruht die 
Muschel auf dem vorgestreckten Unterrande. Mehrfach sind beide 
Kielseiten von sehr ungleicher Höhe, es lag alsdann die Schale 
wohl seitwärts geneigt; in diesen Fällen tritt die Asymmetrie des 
Gehäuses noch kräftiger hervor. 

Die untere Hälfte des Hinterrandes ist linksseitig aufgebogen, 


56 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


so daß ein bis an die Rückenwölbung sich erstreckender Sattel 
von schwankender Höhe, die mit der mehr oder weniger größeren 
Stärke der Schalenwölbung im Zusammenhang steht, gebildet wird, 
dieser Sattel gibt zur Bildung einer entsprechenden Buchtung der 
rechten Klappe Anlaß. Die sichelartige Einbiegung des Hinter¬ 
randes veranlaßt einmal die erwähnte rechtsseitige Abbiegung des 
hinteren Schloßrandteiles wie auch eine gleichsinnig gerichtete 
Ablenkung der Unterrandkommissur. 

Die Oberfläche ist mit groben, gerundeten, konzentrischen 
Rippen bedeckt, welche in fast regelmäßigen Abständen von etwa 
der Breite der Rippen abstehen. Nach dem Unterrande hin und 
auf dem hinteren Schalenteile erlöschen sie. Die Anwachsstreifung 
nimmt auf letzterem mit wachsendem Abstande vom Wirbel eine 
immer steilere Stellung entsprechend dem Verlaufe des Hinter¬ 
randes ein, so daß sie mehr und mehr senkrecht gegen den 
Schloßrand zulaufen, während die Rippen in der Nähe des Wirbels 
spitz an diesen anstoßen. 

Die diagonale Hohlkehle ist verhältnismäßig kurz. In einem 
Falle ist sie durch Gestein ausgefüllt und hebt sich ihre Begren¬ 
zung durch eine feine Linie gegen die übrige Oberfläche ab; an 
einigen Exemplaren ist sie auf der einen Klappe erhalten, auf der 
anderen infolge von Vorgängen, wie sie Whitfield erörtert, be¬ 
reits verschwunden. 

Wie die Tabelle zeigt, schwankt die Dicke sonst gleich großer 
Exemplare. Mit stark gewölbten kommen flacher gewölbte vor, 
wie sie in je einem Stücke auf Taf. 13 u. 14 zur Darstellung ge¬ 
bracht worden sind. Zwischenformen leiten von der einen zur 
anderen über, so daß ich die von v. Haenlein unterschiedenen 
Typen als zu einem gehörig anzusehen geneigt bin. 

Haenleinia cymba nov. sp. 

Taf. 12, Fig. 2, Taf. 13, Fig. 2. 

1834 — 1840. Inoceramus Cripsi Mant. in Goldfuss: Petref. Germ., 2, S. 116, 
Taf. 112, Fig. 4d. 

1850. Inoceramus Goldfussianus d’Orbigny: Prodrome 2, S. 250, Nr. 815 
(Westphalie, Haldem). 


4. Johannes Bokhm, Inoceramus Cripsi auct. 


57 


Maße: Länge.ca. 80 mm 

Dicke.» 60 » 

Dicke der rechten Kl. . » 34 » 

Dicke der linken Kl. . » 30 » 

Länge des Schloßrandes » 45 » 

Der Skulptursteinkern, der GoldfüSS zum Original seiner 
Abbildung gedient hat, ist unter und hinter dem Wirbel der 
rechten Klappe defekt, ebenso die hintere und untere Ecke und 
im Zusammenhänge damit der angrenzende Teil des Unterrandes. 

Ungleichklappig, sehr ungleichseitig, von trapezseitigem Um¬ 
riß, bauchig gewölbt. Die Akme der Wölbung, deren Achse einen 
Winkel von ca. 30° mit dem Schloßrande bildet, ist etwa in der 
halben Höhe und Länge gelegen; von hier aus fällt die Schale 
allseitig rasch, fast steil ab, um sich längs der Unterrandkommissur 
nochmals schiffkielartig zu erheben. Die rechte Klappe ist etwas 
stärker als die entgegengesetzte gewölbt. Die Wirbelpartie ist 
flach niedergedrückt und liegt fast senkrecht zum Schloßrande. 
Die nahe zum Vorderrande gerückten Wirbel sind schräg nach 
innen und vorn gerichtet. Der Vorderrand ist sehr kurz und ver¬ 
läuft mit scharfer Kurve in den Unterrand, der schräge abwärts 
steigt wie bei H. flexuosa. 

Der in seinem obersten Teil erhaltene Hinterrand stößt mit 
stumpfem Winkel an den sehr niedrigen, etwas über die Hälfte 
der Gesamtlänge erreichenden Schloßrand. Auf der dünnen Leiste, 
die als ca. 1 mm hohe Ausfüllung zwischen den Ligamentfeldern 
beider Klappen noch erhalten ist, sind die Ausfüllungen der schmalen 
Gruben zum Teil noch sichtbar. 

Die Unterrandkommissur scheint, wie bei H. flexuosa , gebogen 
gewesen zu sein; der Sattel der linken Klappe war in ähnlicher 
Weise beschaffen. Zwischen dem Sattel und der Rückenwölbung 
erscheint auf der linken Klappe eine leichte Einsenkung. Von 
dem Sattel fällt die Schale sehr rasch zum Schloßrande ab. 

Die Skulptur besteht aus konzentrischen Rippen, die bis etwa 
zur halben Schalenhöhe kräftig ausgebildet sind, um auf der unteren 
Schalenhälfte zu erlöschen. 



58 


4. Johannes Boehm, Inoceramus Cripsi auct. 


Der Fundort ist nicht genau bekannt; doch dürfte das Exem¬ 
plar nach dem Gestein, einem feinkörnigen, hellbräunlichen Sand¬ 
stein mit gerundeten Körnern, die Zwischenräume lassen, wohl von 
der Haardt bei Haltern stammen. 

Von H. flexuosci v. Haenl. ist H. cymba durch die starke 
Blähung der Schale und die niedergedrückte Wirbelpartie gut 
unterschieden. 

Von den beiden norddeutschen Formen unterscheidet sich H. 
Cumminsi Cragin sp. ! ), abgesehen von der erheblichen Größe der 
amerikanischen Art, die 245 mm Länge, 137 mm Höhe und 103 mm 
Dicke erreicht, durch Umriß, Wölbung und Biegung des Hinter¬ 
randes. 


0 F. W. Cragin: A contribution to the invertebrate palaeontology of the 
Texas Cretaceous. Geol. Survey of Texas. 4 th Annual Eeport 1892. Austin 
1893, S. 192, Taf. 36, Fig. 1, 2 und Taf. 37. 






5. 

Henry Schröder: 

Unterer Emsclier am Harzrande zwischen 
Blankenburg und Thale. 


Hierzu Tafel 15 und 16 





Die eigentümliche facielle Entwicklung, die der Emscher im 
westlichen Teil der subhercynen Kreidemulde zwischen Goslar und 
Harzburg bei seinem Eintritt in die Aufrichtungszone annimmt 1 ), 
läßt die Frage nach seinem Verhalten im östlichen Teil natürlich 
um so wichtiger erscheinen. 

Die EwALü’sche Karte gibt im Liegenden (stratigraphisch) 
des Teufelsmauerquaders von Heimburg bis Ballenstedt »Untere 
kalkige Gesteine im subhercynischen Senon-Quader (Salzberg-Ge¬ 
steine)« an, die nur zum Teil an Pläner, bei Michaelstein sogar 
an Keuper grenzen. Es ist also auch hier die Möglichkeit einer 
Erosionsdiskordanz an der Basis des Emscher in Betracht zu ziehen. 

Im Gegensatz dazu gelang es mir, bei Timmenrode zwischen 
Blankenburg und Thale tiefen Emscher mit Fossilien zu beob¬ 
achten und seine kontinuierliche Entwicklung aus dem Turon wahr¬ 
scheinlich zu machen. 

Die neue Bahnlinie Blankenburg-Thale biegt am Kucksberg 
bei Timmenrode aus ihrer WNW-OSO-Richtung nach S um, 
durchquert infolgedessen die Schichtenfolge der Aufrichtungszone 
und schafft einen Einschnitt zwischen den beiden Chausseen, die 
von Timmenrode nach NO abgehen. Das Profil dieses Einschnittes, 
dessen Schichten 50° und auch noch ein wenig steiler nach Süden 
einfallen, ist von Norden her: 

1. 60 m Sand (Teufelsmauersandstein) 

2. 10 » Sand, grünlich (Färbung nicht durch Glaukonit veran¬ 

laßt) 

3. 0,3 » Sandstein-Bank (schwach kalkiges Bindemittel) 

4. 1,50» Sand, gelb (schwach kalkiges Bindemittel) 


! ) Siehe diese Abhandlung Nr. 1. 



62 


5. Henry Schroeder, Unterer Emscher am Harzrande 


5. 11,0 m Schwach glaukonitischer sandiger Mergel 

6. 1,25» Etwas stärker glaukonitischer Mergel 

7. 23,0 » Sehr schwach glaukonitischer Mergel (doppelklappige 

Inoceramen) 

8. 45,0 » Glaukonitische und sehr schwach glaukonitische Mergel 

in Bänken bis 4 m Mächtigkeit wechsellagernd. (8 m 
vom Südende dieser Schicht zahlreiche Volviceramen) 

9. 75,0 » Sehr schwach glaukonitische Mergel. 

Die Schichten 7 und 8 haben nun eine ziemlich reiche Fauna 
geliefert: 

Mortoniceras serrat.o-marginatum Redtenb. 

Gauthiericeras Margae SchlÜt. 

Actinocamax icestfalicus SchlÜt. 

Inoceramus subquaclratus SchlÜt. (sehr häufig) 

» subcardissoides SchlÜt. 

Inoceramus Kleini G. Müll, (sehr häufig) 

Inoceramus spp. aus der Gruppe des Koeneni G. Müll. 

und Winkholdi G. Müll. 

Janira quadricostata Sow. 

Cucullaea subglabra d’Orb. 

Ostrea semiplana Sow. 

Pecten spathulatus A. Roem. 

Lima Hoperi Mant. 

Cardium productum Sow. 

Rhynchonella plicatilis Sow. 

Die Fauna zeigt, daß tiefer Emscher, das Äquivalent der 
Schichten am Spiegelsberge bei Halberstadt und am Eöhofsberge 
bei Quedlinburg vorliegt. Die spezielle Durcharbeitung, nament¬ 
lich der Inoceramen, wird jedenfalls noch manche interessante 
Form ergeben, ist jedoch nur möglich bei weitgehendster Be¬ 
rücksichtigung der Formen obiger Fundorte. 

Inoceramus subquadratus Schlüter (Verhandl. Naturh. Ver. 
Rheinl. Westf. 1887, 44, S. 43) ist von dort nicht bekannt und dürfte 
vielleicht ein anderes Spezial-Niveau über oder unter den Koeneni- 


zwischen Blankenburg und Thale 


63 


Formen einnehmen. Ich gebe auf Tafel 15 und 16 Abbildungen 

dieser am Harzrande offenbar häufigen Form. Die von Schlüter ge- 

• _ 

gebene Beschreibung, die sich auf Exemplare aus Texas und West¬ 
falen bezieht, stimmt in so ausgezeichneter Weise mit den 
zahlreichen Exemplaren von Timmenrode überein, daß ich sie 
wörtlich hierher setzen kann. »Schale groß, gleichklappig, mä¬ 
ßig gewölbt; Umriß quadratisch mit abgerundeten Ecken, Wirbel 
vorn, Oberfläche mit regelmäßigen, dem Umrisse parallelen, kon¬ 
zentrischen, wellenförmigen Falten, deren Zwischenräume oft mit 
feinen Linien versehen sind. Einzelne Exemplare führen auf der 
Höhe der Wölbung zwischen Wirbel und hinterer Ecke des Un¬ 
terrandes radiale Striemen, durch welche dort die konzentrischen 
Formeln gerunzelt erscheinen. 

Die mehr oder weniger quadratische Gestalt der Schale kommt 
hauptsächlich dadurch zustande, daß der Hinterrand derselben 
und der diesem parallele Teil der konzentrischen Rippen mit dem 
langen geraden Schloßrande einen rechten Winkel bildet, der Vor¬ 
derrand mit leichter Krümmung ebenfalls fast rechtwinklig auf 
dem Schloßrande steht, und der Unterrand nur mehr oder minder 
konvex, in der Hauptrichtung dem Schloßrande parallel läuft. 

Der zum Schloßrande aufsteigende Teil der Rippen, welche, 
bevor sie diesen erreichen, scharf in der Richtung zum Wirbel 
umbiegen, — zeigt gerne eine flache, dem Wirbel zugekehrte 
Einbuchtung. Die beiden Klappen sind hier überhaupt flacher 
und sondert sich dadurch diese Partie flügelartig von dem gewölb¬ 
ten Teile der Schale ab. 

Bei einigen Exemplaren übertrifft die Entfernung zwischen 
Vorder- und Hinterrand diejenige zwischen Wirbel und Unterrand; 
bei andern Exemplaren ist umgekehrt die Länge geringer als die 
Höhe. Ob diese Schwankungen in den Dimensionen ursprünglich 
sind oder Folge von Verdrückung, ist nicht immer leicht zu ent¬ 
scheiden.« 

Als Fundort werden von Schlüter der Emscker von West¬ 
falen und Texas angegeben. Bei Timmenrode ist die Art sehr 
häufig, außerdem ist sie mir bekannt von Hohenrode bei Ringel- 


64 5. Henry Schroeder, Unterer Emscher am Harzrande usw. 

heim, Grauhof N. Goslar, Paradiesgrund b. Oker (von G. Müller 
bestimmt); sämtliche Fundorte am Harze weisen auf tiefen Em- 
scher hin. 

Der Sandgehalt der sehr schwach glaukonitischen Mergel der 
Schicht 9 nimmt nach Süden zu schnell ab und der Kalkgehalt 
zu, so daß sich sehr bald ohne scharfe Grenze ein sehr kalkiger 
Mergel einstellt, der am Ende des Einschnittes noch in einer 
Grube 19 m nördlich der Chaussee Timmenrode-Warnstedt aufge¬ 
schlossen war. Leider bedeckt Diluvium hier alle Schichten; je¬ 
doch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auf diese Kalkmergel 
Pläner folgt, der ja im Dorfe Timmenrode ansteht. 

Am Harzrande zwischen Blankenburg und Thale findet also 
eine kontinuierliche Entwicklung des Emschers aus dem 
Turon ähnlich wie bei Goslar und nordwestlich davon statt. 


23 0CT.1S09 




Taf. 1. 


2ter Steinbruch östlich der Strasse Harlingerode—Forsthaus Oker auf dem Kamm 

des Langen-ßerges. 



£ o ;i = Emscher. jw<yy = Oberer Kimnaeridge. jw,ß = Mittlerer Kimmeridge. 

Die Zahlen entsprechen Hem Spezialprolil des Textes Seite " unil 9. 








64 


5. Henry Schroeder, Unterer Emscher am Harzrande usw. 


heim, Grauhof N. Goslar, Paradiesgrund b. Oker (von G. Müller 
bestimmt); sämtliche Fundorte am Harze weisen auf tiefen Em¬ 
scher hin. 

Der Sandgehalt der sehr schwach glaukonitischen Mergel der 
Schicht 9 nimmt nach Süden zu schnell ab und der Kalkgehalt 
zu, so daß sich sehr bald ohne scharfe Grenze ein sehr kalkiger 
Mergel einstellt, der am Ende des Einschnittes noch in einer 
Grube 19 m nördlich der Chaussee Timmenrode-Warnstedt aufge¬ 
schlossen war. Leider bedeckt Diluvium hier alle Schichten; je¬ 
doch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auf diese Kalkmergel 
Pläner folgt, der ja im Dorfe Timmenrode ansteht. 

Am Harzrande zwischen Blankenburg und Thale findet also 
eine kontinuierliche Entwicklung des Emschers aus dem 
Turon ähnlich wie bei Goslar und nordwestlich davon statt. 


23 OCX 1909 






Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 56. 


Taf. 1 



Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg. 


Phot. Günther, GosI 


64 


5. Henry Schroeder, Unterer Emscher am Harzrande usw. 


heim, Grauhof N. Goslar, Paradiesgrund b. Oker (von G. Müller 
bestimmt); sämtliche Fundorte am Harze weisen auf tiefen Em¬ 
scher hin. 

Der Sandgehalt der sehr schwach glaukonitischen Mergel der 
Schicht 9 nimmt nach Süden zu schnell ab und der Kalkgehalt 
zu, so daß sich sehr bald ohne scharfe Greuze ein sehr kalkiger 
Mergel einstellt, der am Ende des Einschnittes noch in einer 
Grube 19 m nördlich der Chaussee Timmenrode-Warnstedt aufge¬ 
schlossen war. Leider bedeckt Diluvium hier alle Schichten; je¬ 
doch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auf diese Kalkmergel 
Pläner folgt, der ja im Dorfe Timmenrode ansteht. 

Am Harzrande zwischen Blankenburg und Thale findet also 
eine kontinuierliche Entwicklung des Emschers aus dem 
Turon ähnlich wie bei Goslar und nordwestlich davon statt. 


23 OCX 1909 






Abhandl <j K;l. Trcuß.Geol.Landesanstalt Neue Folge, Heft 56, T .. rx . c . T , 

äter Steinbrucn östlich der Strasse J ijirlingerode—rorsthaus Oker auf dem Ka um 

Geologie und PalaeÖfft< J |lfff 1 '<^F8 , f&bht r ,nen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression ■ i Oberen Kätscher zwischen Oker und I irzburg. 


Phot. Günther, Goslar. 


LkMdiuck von Allurt Frisfb. Berlin IV. 


co 9 = Emscher. jw % y — Oberer Kimmeridge. jw*ß = Mittlerer Kimmeridge. 

Die Zahlen entsprechen dem Spesialprofil des Textes Seite “ und 9. 


Tal. I 



































> 


















CO, = Emscher jw,y — Oberer Kinuneridgc. jw,ß — Mittlerer Kimmeridge. 

Die Zahlen entsprechen dem Sperialprotil des Textes Seite S un<! 9. 

Die Schichten de» Oberen Kimmeridge und des Kmscber sind teilweise unter der Tagesoherlläche durch Gehängedruck nach N umgebogen. 









Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Lieft 56. 


Taf. 2. 



Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg. 


Phot. Günther, Goslar. 








Tal. i. 



Taf. 






Ab dl. d.Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 50. 

3ter Steinbruch östlich der Strasse Harlingerode— Forsthaus Oker auf dem Kamm 

' Geologie und PalaetUftdiwseni^g^bhercynen Kivideinulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Einscher zwischen Oker und Harzburg. 


coj = Emscher. jw,y = Oberer Kimmeridge. jui,ß = Mittlerer Kimmeridge 

Die Zahlen entsprechen den» Spezialprofil des Textes Seite 8 und 9. 

Die Schichten de* Oberen Kimmeridge und des Emscher sind teilweise unter der Tagesoberfläche durch Gehängedruck nach N umgebogen. 


I'hot. Günther, Goslar. 


Lichtdruck von Alben Kriach, Merlin W. 


16 17 


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Emscher. /w,y = Oberer Kimmcridge. jw,p = Midierer Kimmeridgc 

Die Zahlen entsprechen .lern Spe«talpr»nl >le» Teiles Seile 8 unr| 0. 

















Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg. 



Phot. Günther, Goslar. Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W- 





4ter Steinbruck östlich der Strasse Harlingerode—Forsthaus Oker jtuf dem Kamin 
Geologie und Idsk ^angshsghrgcter QufefeSdmitt. KrcidcmuV, 

. Henry Schroetltr: Transgres-sion des Oberen Emscher zwischen Oker ur.d Harzburg. 































. 

# 





















' 
















4ter Steinbruch östlich der Strasse Harlingerode Forsthaus Oker; Kamm des Langen-1 Berges. 

Streichender Schnitt. 



co 4 = Emscher. /w 2 y = Ober« r Kimmeridge. jw t ß = Mittlerer Kimmeridge 






























Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 56. 


Taf. 4. 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Emscher zwischen Oker und Harzburg. 

















Ahhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 56. 

4ter Steinbruch östlich der Strasse Harlingerode—Forsthaus Oker; Kamm des Langen-Berges. 

Geologie und Palae&ftlwrtb^derlSrhBdtbhereynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Etnscher zwischen Oker und Harzburg. 



Tal'./. 4 


co A = Emscher. jiv t y = Oberer Kimmeridge. jw t ß — Mittlerer Kimmeridge 



































Tafel 5. 


Korrodierte und mit Bohrmuschellocliern besetzte 
Transgressionsflüche des Emscher auf Mittlerem Kimme- 
ridge. Verkleinerung: 7 /io- 

Fundort: Dritter Steinbruch östlich der Straße Har¬ 
lingerode-Forsthaus Oker auf dem Kamm des Langen 
Berges.. S. 12 

Original im Geologischen Landesmuseum zu Berlin. 





Phot. G. Hoffmann. 


Lichtdruck von Albert Frisch. Berlin W. 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des Oberen Emscher /.wischen Oker und Harzburg. 


Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 56. 


Taf. 6. 












\ 



































) 






















Tafel 6, 


ft 


Korrodierte und mit Bohrmuschellöchern besetzte 
Transgressionsfläche des Emscher auf Mittlerem Kimme- 
ridge. Verkleinerung: s /^. 

Fundort: Dritter Steinbruch östlich der Straße Har¬ 
lingerode-Forsthaus Oker auf dem Kamm des Langen 
Berges.SM 2 

Original im Geologischen Landesmuseum zu Berlin. 

<5 O 







Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

1. Henry Schroeder: Transgression des jOberen Emscher zwischen Oker und Harzburg. 

Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 5G. 


Taf. G. 


Phot. G. Hoffmann. 


Lichtdruck 


Albert Frisch, Berlin W. 




































































Tafel 7. 


Senoner Trümmersandstein mit hercyneu Gerollen. 1 / A . 
Fundort: Nord hang des Austberges bei Benzinge- 
ode (Bl. Derenburg).S 

Original im Geologischen Landesmuseum zu Berlin. 





Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

. Johannes Boehm und Henry Schroeder: Hercyne Gerolle im Senon des Austberges bei Benzingerode. 



Phot. G. HolTmann, Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W- 





















































' r äKZ[i<’* 




Taf «*. 



mo t = Oberer Muschelkalk. co = Kreide, darin x feste Bank. 




.8 





ts'tadU ^ vo*(v - 










Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. Neue Folge, Pleft BG. 


Taf. H. 



Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

3. Henry Schroeder: Transgression der Oberen Kreide über aufgerichteten Oberen Muschelkalk. 


Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W. 





Abhandl.il. Kgl. Prcuß.Gcol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft fiG. 


Tat& H. 


Geologie und PalaeontoUnje der subhereynen Kreidemulde. 

3. Henry Schroeder: Transgression der Ol». < n Kreide über aufgerichteten Oberen Muschelkalk. 



L> n (druck to« Alben Krisch. Berlin W. 


moj = Oberer Muschelkalk. co = Kreide, darin x feste Hank. 





































Tafel 9. 


Fig. 1,1a. Inoceramus Crippsi Mantell, 1 linke Klappe, 

la reckte Klappe.S. 45 

Nach einem Gipsabguß des Originals (Mantell: Sussex, 
Taf. 27, Fig. 11) im British Museum (Nat.-Hist.) zu London. 

Cenomanpläner. 






r\. 


Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. N. F. Heft 56 


Taf. 9 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

•• 

4. Johannes Boehm: Uber Inoceramus Cripsi auct. 



Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W35. 







■1 















Tafel 10. 


Fig. 1. Inoceramus Crippsi Mantell. Linke Klappe. 

Fundort: Mahnerberg bei Salzgitter, Cenoman¬ 
pläner. Geologisches Landesmuseum zu Berlin S. 46 
Fig. 2. Inoceramus Crippsi Mantell Rechte Klappe. 

Original zu Inoceramus latus Münster (non 
Mantell) (Goldfüss, Petref. Germaniae 2, 

Taf. 112, Fig. 5) im Paläontolog. Institut der Kgl. 
Bayrischen Staatssammlung zu München. Fund¬ 
ort: Weine bei Büren in Westfalen, Cenoman¬ 
pläner .S. 46 





Abhandl.d. Kgl.Preuß.Geol.Landesanstalt. N.F. Heft 56. 


Taf. 10. 


4. 



Geologie und Palaeontologie 
Johannes Boehm: Über 


der subhercynen Kreidemulde. 

Inoceramus Cripsi auct. 





























* 


Tafel 11. 


Fig. 1 . Inoceramus Crippsi Mantell. Original zu Ino¬ 
ceramus orbicularis Münster (Petref. Germaniae 2, 

Taf. 113, Fig. 2) im Paläontologischen Institut 
des Kgl. Bayrischen Staatsmuseums zu München. 
Fundort: Altenbeken, Cenomanpläner .... S. 46 
Fig. 2, 2a. Inoceramus balticus Joh. Boehm. 2 Seitenan¬ 
sicht, 2a Vorderansicht. Original zu Inoceramus 
Crippsi Goldfuss (non Mantell) (Petref. Germa¬ 
niae 2, Taf. 112, Fig. 4b) im Paläontolog. Institut 
der Universität Bonn. Fundort: Dülmen, Unt. 
Quadraten- Schichten . ..S. 46 






Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. N.F. Heft 56 


Taf. 11 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 
4. Johannes Boehm: Über Inoceramus Cripsi auct. 



Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W 35 






* 










-? 













Tafel 12. 


Fig. 1,1a. Inoceramus balticus Joh. Boehm. 1 Seitenan- 
ansicht, la Vorderansicht. Original im Geo¬ 
logischen Landesmuseum zu Berlin. Fundort: 

Dülmen, Unt. Quadraten-Schichten.S. 47 

Fig. 2. Haenleinia cymba Joh. Boehm. Schloßrand. Ori¬ 
ginal zu Inoceramus Crippsi Goldfuss (non 
Mantell) (Petref. Germ. 2, Taf. 112, Fig. 4d) 
im Paläontologischen Institut der Universität Bonn. 
Fundort: Haard (?).S. 56 





Abhandl.d. Kgl. Preuß.Geol. Landesanstalt. N. F. Hcft5G. Taf. 12. 

Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

4. Johannes Boehm: Über Inoceramus Cripsi auct. 




Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W 35 














4 


*7 















Tafel 13. 


-7 


Fig. 1, la. Haenleinia flexuosa v. Haenlein sp. 1 Seiten¬ 
ansicht, la Hinterseitenansicht. Fundort: Heidel¬ 
berg bei Blankenburg a. H., Unt. Quadraten- 

sckichten.S. 54 

Fig. 2. Haenleinia cymba Joh. Boehm. Vorderseitenan¬ 
sicht. Original zu Inoceramus Crippsi Goldf. 

(non Mantell) (Petref. Germaniae 2, Taf. 112, 

Fig. 4d). Fundort: Haard (?).S.-56 

Fig. 3, 3a, 3b. Haenleiniaflexnosa v. Haenlein sp. 3 Sei¬ 
tenansicht, 3a Vorderseitenansicht, 3b Schloßrand¬ 
ansicht. Fundort: Heidelberg bei Blankenburg 
a. H., Unt. Qu ad raten schichten.S. 54 

Die Originale zu Fig. 1, la und Fig. 3, 3a, 3b im Geo¬ 
logischen Landesmuseuni zu Berlin. 







Taf. 13 


Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. N.F. Heft 56. 

Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 
4. Johannes Boehm: Über Inoceramus Cripsi auct. 



Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W 35. 













>■» 


-n 



























































1 






















. 
































. 

. 

. 






























Tafel 14. 


Fig. 1, a—d Haenleinia jiexuosa v Haenlein sp. 1 Sei¬ 
tenansicht der rechten Klappe, la Seitenansicht 
der linken Klappe, 1b Hinterseitenansicht, lc Un¬ 
terseitenansicht, 1 d Schloßrandansicht. Fundort: 
Heidelberg bei Blankenburg a. H., Unt. Qua- 
dratenschiehten.S. 54 

Original im Geologischen Landesmuseum zu Berliu. 





Taf. 14 


Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. N. F. Heft 56. 

4t 

Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 
4. Johannes Boehm: Über Inoceramus Cripsi auct. 



Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W35 




































































Tafel 15. 


Fig. 1, la. Inoceramus subquadratus Schlüter 1 Wir- 
belansicht, la Vorderseitenansicht. Die Rippen 
zu der linken Klappe sind an der Vorderseite 
scharf gezeichnet; die starke Wölbung an der 
Unterseite dieser Klappe ist durch Druck veran¬ 
laßt. Original im Geologischen Landesmuseutn 
zu Berlin. Fundort: Eisenbahneinschnitt bei 
Timmenrode..S. 63 





Taf. 15 


Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. N. F. Heft 56. 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

5. Henry Schroeder: Unterer Emscher am Harzrande zwischen Blankenburg 

und Thale. 




Lichdruck von Albert Frisch, Berlin W 35 










































Tafel 16. 


Fig. 1 . Inoceramus subquadratus Schlüter. Rechte 

Klappe.S. 63 

Fig. 2. Inoceramus subquadratus Schlüter. Rechte 

Klappe.S.-63 

Fig. 3. Inoceramus subquadratus Schlüter. Wirbel¬ 
ansicht ..S. 63 

Originale im Geologischen Landesmusenm zu Berlin. 
Fundort: Eisenbahneinsclmitt bei Timmenrode. 







Abhandl. d. Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt. N.F. Heft 56 


Taf. 16 


Geologie und Palaeontologie der subhercynen Kreidemulde. 

5. Henry Schroeder: Unterer Emscher am Harzrande zwischen Blankenburg 

und Thale. 




Lichtdruck von Albert Frisch, Berlin W35 

































Buchdruckerei A. W. Schade, Berlin N., Schulzendorfer Straße 26