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Full text of "Archiv für die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen"

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ARCHIV 



FÜR DIE 

NATURWISSENSCHAFTLICHE 

LANDESDURCHFORSCHUNG 

VON BÖHMEN 

HERAUSGEGEBEN VON DEN 

BEIDEN COMITES FÜR DIE LANDESDURCHFORSCHUNG 

UNTER DER REDAKTION 

VON 

PROF. DR. C. KORISTKA UND PROF. DR. A. FRIC 



EILFTER BAND. 



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PRAG. 

KOMMISSIONS-VEPLAG VON FRANZ RIVNÄC. DRUCK VON DR. ED. GREGR A SYN. 

1901. 



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INHALT 

DES EILFTEN BANDES DES ARCHIVES. 



No. 1. Über die Bodenbeschaffenheit und das Nährstoffca- 
pital böhmischer Ackererden. Von Dr. Jos. Hau a- 

m a n n. 

No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformatioii. 

Von Prof. Dr. Ant. F r i c und Dr. Edwin Baye r. 

No. 3. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böh- 
mens. V. Untersuchung des Elbeflusses und seiner 
Altwässer. Durchgeführt auf der übertragbaren zoo- 
logischen Station. Von Prof. Dr. Ant. F r i c und Dr. 
V. Vävra. 

No. 4. Geologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dein 
böhmisch - mährischen Hochlande. Das Gebiet der 
Oberen Nezärka. Von JV N. W o 1 d f i c h. 

No. 5. Die Weichthiere des Böhmischen Plistocaen und lio- 
locaen. Verfasst von Dr. J. F, B ab o r. 

No. 6. Studien über die Permschichten Böhmens. L, IL, III 
Umgebung von Böhmisch-Brod, Wlaschim und Lom- 
nitz. Von Johann Jos. D a n e k. 



ÜBER 

DIE BODENBESCHAFFENHEIT 



UND 



VON 

DR. JOS. HÄNAMANN, 

DIRECTOR DER FÜRSTL. SCHIVARZENBERG'SCHEN LANDW. CHEMISCHEN VERSUCHSSTATION IN LOBOSITZ, 



ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN 
LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. (XI. BAND, Nro. 1.) 



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PRAG. 

KOMMISSIONSVERLAG VON FR. RIVNÄC. — DRUCK VON Dr. EDV. GREGR. 

1902. 



Obwohl es noch unmöglich ist, eine ziffermässige Grundlage für alle natürlichen 
wertvollen Eigenschaften des Bodens als Momente der Schätzung des Ertrages zu 
gewinnen nnd sich daher in vielen Fällen die Katasterbonität nicht mit der er- 
mittelten chemischen Bonität des Bodens deckt, so ist die chemisch-physika- 
lische Bodenuntersuchung doch höchst wertvoll, wenn es gilt die Bonität eines 
Bodens abzuschätzen, besonders aber den Nährstoffvorrat eines Ackers zu beur- 
teilen, weshalb sie für die Düngerpraxis die grösste Beachtung beansprucht. 

Über die Unentbehilichkeit der Bodenuntersuchungen für Bonitirungszwecke 
gehen die Anschauungen der Pedologen derzeit auseinander und es wird noch 
einige Zeit erfordern, ein System, das sich fast durchwegs auf naturwissenschaft- 
liche Discipliuen stützt, in die landwirtschaftliche Praxis einzuführen. Schon Thoms 
in Riga stellt als wichtiges Ergebnis seiner im grössten Massstabe durchgeführten 
Bodenuntersuchungen den Satz auf, dass es gelungen sei, den Nachweis von deutlich 
wahrnehmbaren Beziehungen zwischen dem analytisch ermittelten Gehalte an 
Pflanzennährstoffeu und der Bodenbonität zu erbringen, freilich nur bei einem gleich- 
wertig beschaffenen Schwemmland. 

In diesem untersuchten Gebiet übertrafen die Ackerkrummen und Unter- 
gründe der besten Böden durch einen im Mittel höheren Gehalt an Phosphor- 
säure, Kalk und Kali denjenigen der Mittelguten und letztere waren den schlech- 
testen Böden in demselben Sinne überlegen und so gestattet, sagt Thoms „die 
naturwissenschaftlich statistische Methode die Fruchtbarkeit (Ertragsfähigkeit), und 
demnach auch den Taxwert der in Frage kommenden Ackererde, falls nich gerade 
besonders ungünstige physikalische oder klimatische Verhältnisse obliegen, diese 
mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. 

Dagegen kommt "Wohltmann in seiner Schrift „das Nährstoffkapital west- 
deutscher Böden, mit besonderer Berücksichtigung ihrer geologischen Natur, ihrer 
Katasterbonität und ihres Düngebedürfnisses" zu dem Ergebnis: dass so wertvoll 
die chemische Untersuchung des Bodens ist, wenn es gilt, einen Acker zu beur- 
teilen, ob er reich, mittel oder arm an Pfianzennährstoffen ist, so wenig könne die 
prinzipielle Benützung der chemischen Bodenanalyse für Bonitirungen befürwortet 
werden, und noch weniger lassen sich aus der Abstammung des Bodens aus eiuer 
bestimmten geologischen Formation praktisch wertvolle Schlüsse ziehen, da ja die 

1* 



Bodenzusammensetzung aus den einzelnen geologischen Formationen nicht grund- 
sätzlich verschieden ist, weil jeder Boden als Verwitterungsprodukt von seinem 
Untergrunde und der Felsart, aus der er entstanden, abhängig ist, nicht aber von 
dem Zeitalter, in dem das Untergrundsmaterial gebildet wurde. 

Wohltmann hat in dieser Richtung aber über das Ziel geschossen. Wenn 
es auch zwischen Formationen einer Bodenart weit grössere Unterschiede gibt, als 
zwischen den Bodenarten verschiedener Formationen, so gibt es doch Schichten 
von Formationen, welche Verwitterungsprodukte nur solcher Gesteine enthalten, 
die in chemischer Hinsicht einzelne Bestandteile und Pflanzennährstoffe in geringster 
Menge enthalten, andere Bodenarten die als Verwitterungsprodukte bestimmter 
Gesteine beim Abschwemmungsprozess gewisse Bestandteile fast gänzlich verloren 
haben, andere, die sie in grösserer Menge durchwegs enthalten. 

Aus eigenen Untersuchungsergebnissen kann man anführen, dass gewisse 
Basalte in der Regel phosphorreiche Verwitterungsproducte liefern, während im 
Sande, Thone, Lehm und Moorboden der tertiären südböhmischen obersten Schichten 
der Kalk so stark zurücktritt, dass diese Bodenarten zu den kalkärmsten Böhmens 
gehören. 

Schon Knop wies darauf hin,' dass nur ein naturwissenschaftliches Boden- 
bonitirungssystem der Natur der Dinge entspricht, denn alle Fragen, die wir bei 
der Pflanzenproduktion stellen, sind entweder chemische, physikalische oder mine- 
ralogisch-geologische, in Bezug auf die Pflanze, physiologische und klimatische. 

Je mehr derartige Bodenuntersuchungen und einschlägige Arbeiten wir aber 
besitzen werden, desto mehr werden wir uns der Lösung dieser wichtigen agro- 
nomischen Fragen nähern und deshalb begrüssen wir auch alle neueren Boden- 
untersuchungen und lassen selbst auch nachstehende Beiträge folgen. 

Die wichtigsten Fingerzeige, welche den nordböhmischen fürstlich Schwarzen- 
bergischen Besitzungen aus der bisherigen Benützung der Bodenanalysen geflossen 
sind, veranlassten den Verfasser dieselben auch auf die südböhmischen Besitzungen 
desselben Herrn Besitzers, wie dies schon für die Herrschaften Wittingau und 
Nettolitz geschah, auf die übrigen grossen Herrschaften auszudehnen und wurden 
jetzt die Herrschaften Frauenberg und Protivin einer eingehenden Boden- 
untersuchuhg nach einheitlicher Methode unterzogen. 

Gegenwärtig handelt es sich besonders darum, bei Feldern, die seit Jahr- 
hunderten in Anspruch genommen wurden, zu wissen, was sich aus einem Boden 
noch weiter machen lässt, es genügt nicht die einfache Kenntnis der bisherigen 
Ernteerträge und dieses Ziel erreicht man nur durch fortgesetzte naturwissen- 
schaftliche Untersuchungen der Culturböden. 

Es sind 60 Jahre verflossen, seitdem Sprengel zuerst 180 Böden aus 
der ganzen Welt untersuchte und in Form von Bauschanalysen veröffentlichte, im 
humosen Boden die Bedeutung mineralischer Nährstoffe schon hervorhob und seit- 
dem S c h ü b 1 e r, dessen physikalische Bodenuntersuchungen bis zu dem Erscheinen 
der Wollnyschen Arbeiten mustergiltig waren, wirkte. 

Früher also als Lieb ig hat schon Sprengel den Nutzen der Bodenanalyse 
hervorgehoben und die Mineraldüngung empfohlen, welche durch Liebig als un- 



entbehrlicher Vermittler des organischen Lebens in ihrer vollen Bedeutung er- 
kannt wurde. 

Später hat das preussische Landesökonomie-Collegium durch die ersten 
deutschen Versuchsstationen verschiedene Bodenarten untersuchen lassen, die aber, 
weil jeder Chemiker nach einer anderen Methode analysirLe, als nicht vergleichbar 
und wertlos erkannt wurden. 

In Halle einigten sich im Jahre 1869 die Agriculturchemiker über eine 
entsprechende Uutersuchungsmethode, der Referent Wolf gab einen Gang der 
Bodenuntersuchung an, der in der Darstellung vieler sauerer Auszüge bestand und 
der, wo es sich um die Darstellung des Vorganges der Verwitterung der Gesteiue 
und des Bodens handelt, sehr angezeigt ist, aber sehr viel Zeit und Mühe ver- 
langt. Es wurde ein wässeriger, ein kalter und heisser salzsauerer, ein schwefel- 
sauerer und ein flusssauerer Bodenauszug und dessen vollständige Analyse verlangt. 
Nachdem man aber durch die vielen Bodenauszüge auch nicht über das momen- 
tane Nährstoffbedürfnis des Bodens und nur über die Zusammensetzung der zeoli- 
thischen und thonigen Bestandteile der Erden uufgeklärt wird, so haben später 
Kuop in Leipzig und seine Schüler ein Bodenbonitirungsverfahren ausgearbeitet, 
welches einfacher war und behufs Bodenvergleichs sehr gute Dienste leistet, aber 
auf die wichtigsten Nährstoffe der Pflanzen im Boden und ihren Verbindungs- 
zustand zu wenig Rücksicht nimmt, da die direkte Phosphorsäure, Kali, Stickstoff- 
bestimmung nicht mit einbezogen wurde. 

Immer mehr aber erwachte das Streben neben den geognostischen 
Karten auch noch agronomische Karten auszuarbeiten und die Beschaffenheit 
des Bodens zu erforschen. 

Risler, Grandeau in Frankreich, Thoms in Riga, Hilgard in Ame- 
rika, Lieben ber g, Märker, Wohltmann und die Station Lobositz haben 
eine grössere Zahl von Bodenanalysen geliefert und den Zusammenhang zwischen 
Klima, Bodenbeschaffenheit und Ertrag zum Ausdruck zu bringen gesucht. 

Die Bodenanalyse ist, abgesehen von jedem wissenschaftlichen Interesse, für 
den Landwirt von unschätzbarem und manigfaltigem Nutzen, da durch dieselbe 
Fragen, die durch die Erfahrungen der Landwirte allein nicht zu beantworten sind, 
entschieden werden können, obwohl wir uns Alle auch der Unvollkommenheiten 
der gegenwärtigen Methoden der Bodenuntersuchungen wohl bewusst sind, denn 
bevor nicht das Verhalten der boden bildenden Elemente zu den Lebens- 
agentien der Pflanze selbst völlig erforscht sein wird, kann man kaum an 
ein systematisches Studium des Bodens selbst gehen. Es handelt sich hier aber 
nicht allein darum, die genauesten, den wissenschaftlichen Anforderungen genü- 
genden Methoden der mechanischen und chemischen Bodenanalyse zu besprechen, 
sondern auch darum, eine recht expeditive, den praktischen Bedürfnissen gerecht, 
werdende, mit anderen Untersuchungen vergleichbare Basis festzuhalten, so lange 
nichts besseres und handlicheres vorliegt, solange das Verhalten zum Boden nicht 
gründlicher noch erforscht ist. 

Nachdem man früher die überschwenglichsten Hoffnungen auf die Boden- 
analyse gesetzt hatte, um sie später, nachdem man gesehen hatte, wie sehr com- 
plizirt die Lebensvorgänge der Pflanze im Boden sind und wie viele Factoren da 



gleichzeitig zusammenwirket], wieder als bedeutungslos fallen zu lassen, hat man 
sich mehr der Erforschung der gesetzlichen Grundlagen der Pflanzen- und 
Thierernährung und Züchtung zugewandt, freilich hierin sehr viel geleistet, 
aber den Forderungen des praktischen Landwirtes in agronomischer Richtung 
weniger Rechnung getragen. 

Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass die chemische Bodenanalyse, wenn 
sie gehörig ausgebildet sein wird, von der höchsten praktichen Bedeutung ist, aber 
auch so unvollkommen, wie sie jetzt ist, hat sie dem Landwirt grosse Dienste 
geleistet, wie ich aus eigener Erfahrung mitteilen kann. 

Da gab es z. B. auf unseren Herrschaften in Böhmen, in der Launer und 
Saazer Gegend, Dürrwieseii mit einem spärlichen Gras, aber reichlichen Melden 
und Unkrautwuchs, da gab es unfruchtbare Böden, wo nicht einmal letztere fort- 
kamen und die Gräben, welche die abschüssigen Böden durchzogen, zur Zeit der 
Trockene wasserleer standen, sich mit einer weissen Effluoreszenz bekleideten. 

Es waren ausgedehnte Flächen, die in der Nähe der Basalte im westlichen 
Böhmen häufig angetroffen werden, die unbenutzt dalagen. Die Aufgabe die Ursache 
der Unfruchtbarkeit zu ermitteln und abzuhelfen, wurde mit Hilfe der Bodenanalyse 
leicht gelöst und die zahlreichen Auswitterungen als Bittersalz und Glaubersalz 
erkannt, durch Anrathen der Drainage die Auslaugung des Obergrundes syste- 
matisch durchgeführt, durch forcirte Kalkungen die leichtlöslichen genannten 
schädlichen Sulfate in Gyps und Kohlensäure-Magnesia überführt und so gelang 
es, nach mehreren Jahren schön bestandene Fluren dorthin zu zaubern, wo vordem 
nur Unkraut oder gar nichts wuchs. Bei Wittingau kommen Böden vor, die mit 
Tiefwurzlern nicht angebaut werden konnten, trotz des drainirten trockenen Unter- 
grundes, während Flachwurzler gut fortkamen. Es war die Ursache festzustellen. 

Durch die Bodenanalyse konnte das Schwefeleisen im Untergrunde nach- 
gewiesen und durch Kalkung und Lüftung bald abgeholfen werden. Nachdem sich's 
in diesen "Fällen um die Ermittlung nur der, der Vegetation schädlichen 
Stoffe handelte, kann mann sagen, dass in dieser Richtung Niemand den Nutzen 
der Bodenanalyse angezweifelt hat, es traten aber später Fragen an mich heran, 
wie die, den Kleewuchs auf einer ganzen Herrschaft zu heben, nachdem es auf 
einer derselben feststand, dass der Klee stets missrieth. Dies konnte freilich in 
den klimatischen, in den bodeuphysikalischen Verhältnissen oder in der chemischen 
Beschaffenheit des Bodens liegen. Es wurden daher meteorologische Beobachtungen 
eingeführt und Bodenuntersuchungen in umfassender Art vorgenommen und die 
Gegend studirt und die Lodenproben selbst genommen. Nachdem aber drainirte und 
nichtdrainirte Felder derselben Gegend, nachdem die schwersten und leichtesten 
Bodenarten, welche sich dort in allen Bodenschattirungen vorfinden, dasselbe Ver- 
halten gegen die Kleepflanzen zeigten, so musste es eine allgemeine Ursache geben, 
die zu ergründen nur der chemischen Bodenanalyse gelingen konnte und nachdem 
ich die beispiellose Kalk- und Magnesiaarmut des Bodens festgestellt hatte und 
nachdem ich weiter durch die Analyse des Strohes des Getreides und des dürftigen 
Mischlings auch die seltene Kalkarmut im Stroh und den Futtergewächsen kon- 
statirt hatte, begann ich im Jahre 1869 mit der Einführung der Kalkungen, die 
bei der damaligen Leitung auf Widerstand stiessen, erst unter der späteren Di- 



rektion und nachdem die Eisenbahnen ausgebaut waren, zu einer systematischen 
und höchst lohnenden Durchführung der Kalkung auf der ganzen Domaine führten 
und den Kleebau sicherten. 

Die Phosphorsäurearmut anderer Bodenarten konnte leicht behoben werden, 
nachdem sie durch die Bodeuanalyse gefunden war usw., und so könnte ich eine 
Unzahl von Beispielen anführen, wo schon Resultate einzelner Untersuchungen 
des Bodens lohnende Massnahmen hervorriefen ; wie viel mehr konnte aber genützt 
werden, als man systematisch, die sämmtlichen Bodenarten eines so ausgedehnten 
und mit den verschiedenartigsten Bodenarten ausgestatteten Besitzes, wie es der 
Seh warz enberg'sche in Böhmen ist, der in den verschiedensten Formationen 
liegt, zu untersuchen und mit den Aschenanalysen der auf diesen Bodenarten ge- 
bauten Pflanzen und deren Erträgen zu vergleichen begann. 

Unter Berücksichtigung der klar erkannten Vegetationsbedingungen der 
höheren grünen Gewächse, sowie unter gleichzeitiger Berücksichtigung der klima- 
tischen Verhältnisse, der Ertragsfähigkeit der Ackererden, soll die Agriculturchemie 
eine wissenschaftliche Grundlage für die Wertschätzung ver- 
schiedener Böden durch die Bodenanalyse schaffen. 

Einer der wichtigsten Ziele dieser Forschung, ist aber durch irgendwelche 
Untersuchungsmethoden den Zustand des Bodens hinsichtlich der ver- 
fügbaren Pflanzennährstoffe festzustellen. 

Je nach den verschiedenen Gesichtspunkten von denen mau ausgeht, wird 
sich der Gang der Bodenanalyse verschieden gestalten. 

Die Untersuchungen des Bodens können in geogn ostischer und agro- 
nomischer Richtung ausgeführt werden. 

In geogn ostischer Hinsicht wird die Ermittlung der petrographischen 
Zusammensetzung des Bodens sowie die Feststellung seiner Beziehungen zum 
Muttergestein, der Verwitterungsvorgang Aufgabe der Bodenanalyse sein. 

In agronomischer Hinsicht wird man die Unterschiede in der Zusammen- 
setzung des Bodens, durch welche er nicht nur als Speisesammler, Vorratsbehälter, 
Bereiter und Sichter von Pflanzennährstoffen physikalisch-chemisch charakterisirt 
ist, sondern auch die Beziehungen feststellen, welche zwischen der Beschaf- 
fenheit des Bodens und dem Gedeihen der auf ihn gezogenen Nutzpflanzen 
bestehen. 

In das Bereich der Untersuchung fällt das gesammte Bodenprofil unter 
Berücksichtung der Mächtigkeit und des Wasserstandes. Soweit die constanten 
Faktoren des Bodenwertes von den Pflanzenwurzeln durchsetzt werden, unterscheidet 
man Ober- und Untergrund. 

Nachdem aber das Gedeihen der Pflanzen von der mechanischen Beschaf- 
fenheit des Ober- und Untergrundes und von der chemischen Beschaffenheit des 
Bodens abhängig ist, so verlangt die Erforschung derselben die mechanische 
und die chemische Bodenanalyse, so wie die Pflanzenanalyse der auf 
solchen Böden gewachsenen Culturpflanzen (namentlich des Strohes). 

Nachdem eine vollständige Bodenuntersuchung ausserordentlich langwierig 
und kostspielig wird, sucht man dieselbe abzukürzen und durch wenige wesent- 



8 

liehe Bestimmungen schuellereu Aufschluss über die Beschaffenheit und Güte eines 
Bodens zu gewinnen. 

Wir sind wohl noch weit entfernt, auf Grund der chemischen Bodenanalyse 
genaue Düngungsvorschriften zu geben, aber Anhaltspunkte zur Beurteilung der 
Menge der im Boden enthalteneu Pflanzennährstoffe, ihrer grösseren oder geringeren 
Lüslichkeit und der hieraus resnltirenden Fruchtbarkeit der Böden, lassen sich aus 
geeigneten Bodenanalysen ableiten und der wahrscheinliche Erfolg verschiedener 
angewandter Duuginittel annähernd voraussagen. 

Ausser den meteorologischen Faktoren übt die Mächtigkeit der 
Acker krumme einen ausserordentlichen Einfluss auf die Höhe der Erträge 
unserer Culturpflanzen aus. Versuche mit einem und demselben wohlgemischten 
Boden in einem Cubikmeterkasten ausgeführt, ergaben bei gleicher todter Unter- 
lage bei 7s m > 1 !i m u - 1 m eingestampfter Ackerkrumme Rübenerträge, die sich 
verhielten wie 298:371:564 bei gleichen Witterungsverhältuissen. Häufig steht 
die quantitative Rübenernte zu der im citronensaueren Auszug enthaltenen Phosphor- 
säuremenge in Proportion, wenn es nicht an löslichen Stickstoff, Kali und Kalk 
im Boden gemangelt hat. So ergaben die Versuchskästen nachbenannter Versuclis- 
boden im Mittel aus 4 Jahren: 





Tiefe Ackerkrumme 


Seichte 
Acker- 
krumme 


Obergrund 




Nro. 


Bodenart 


Blätter Rüben 


Ertrag an 

Rüben im 

Grossen. 

Zehnjähriger 

Durchschnitt 


Citratlösliche 
Phosphor- 
säure in 
Procenten 




meter Centner 
pr. Hectar 




1 

2 
3 
4 
5 

6 

7 
8 


Alluvialboden M 

Alluvialboden Seh. . . . 

Allluvialboden Lob. . . . 

Diluvialboden PI 

Quadermergelboden K. 
Plänersandboden R. . . . 


581 
539 
483 
447 
485 
493 
434 
405 


875 
855 
709 
599 
596 
588 
517 
514 


323 

380 
238 
266 
238 
246 
217 
100 


0048 
0056 
0-046 
0-042 
039 
030 
0-033 
0-021 



9 

Die Böden aber, welche den höchsten Rübenertrag geben, produziren nicht 
die höchsten Cerealieneruten. 

Die reichste Rübenernte nimmt aber nur von 1 m 2 etwa 10 g Phosphor- 
säure aus dem Boden auf, während auf 1% m Tiefe in phosphorsäureärmsten 
Böden 50 g, im reichsten Boden über 250 g citratlöslicher Phosphorsäure enthalten 
sind. Freilich durchsetzen die Pfianzenwurzeln nur einen Teil des bestandenen 
Bodens, dringen umso tiefer mit ihren Wurzeln je nährstoffärmer die Bodenschichten 
sind und diese Bodenanteile müssen ihnen die nothwendige Menge Phosphorsäure 
liefern. — 

Interessant ist das Verhältnis der cit ratlöslichen Phosphorsäure zur 
Gesammtphosphor säure im Boden, welches sich in manchen Bodenarten ge- 
wisser geologischer Abstammung in engeren Grenzen bewegt. So in der Wittingauer 
Tertiarformation: von 15—31% i m Mittel 22% in Gueisfomiation 12—52%, im 
Mittel 26%. In Kalkböden 21—53 im Mittel 37% in Basalten 20% in Alluvionen 
36% beträgt, doch stehen die absoluten citratlöslichen Mengen insofern zu den 
Gesammtmengen im Verhältnis, als in der Regel dem höchsten Phosphorsäuregehalt 
des Bodens auch eine höhere Citratlöslichkeit entspricht, wenn sich auch hier 
zahlreiche Ausnahmen ergeben, wie sich dies aus folgender Zusammenstellung 
ergibt. — 

Aus den kalkreichen Bodenarten zieht Citronensäure viel mehr Phosphor- 
säure aus, als aus den kalkarmen Böden, 24—50% der Gesammten, aus letzteren 
kaum 15 — 30%, weshalb die Kalkung der Böden auf das Löslich werden der Phosphor- 
säure grossen Einfluss nimmt. 

In 1000 Teilen auf Rohboden umgerechnet sind : 





Nro. 


In kalter 
Citronen- 
säure 
löslich 1% 


In Procenten 

derGesammt- 

phosphor- 

säure 


In 10% 
kalter 
Salpeter- 
säure 
löslich 10% 


In Procenten 

derGesammt- 

phosphor- 

säure 


In heisser 
concent. 
Salpeter- 
säure 
löslich 


Bodenart 




1 
2 
3 
4 

[5 
6 


o-io 
o-io 

0-17 
0-09 

047 


23 

16 
22 
21 

31 


044 
047 
016 
0-08 

046 


31 

26 
20 
18 
4 
29 


0-45 
0-65 
78 
0-44 
0-23 
0-54 


Im kalkarmen 
tertiären Boden 
von Wittingau 

i 
1 




Mittel 


042 


22 


044 


26 


0-52 





10 



Nro. 



In kalter 
Citronen- 

säure 
löslich 1% 



In Procenten 

derGesammt 

phospbor- 

säure 



In 10% 

halt er 

Salpeter 

säure 

löslich 



In Procenten 

derGesammt- 

phosphor- 

säure 



In heisser 
concent 
Salpeter- 
säure löslich 



Bodenart 



9 
10 
11 
31 



Mittel 



0-32 
0-11 
0-43 
0-16 
0-07 
0-29 



0-23 



33 

13 
23 
26 
17 
53 



094 
0-60 
1-72 
044 
045 



27 



0-77 



95 
68 
95 
70 
33 



0-98 
0-88 
1-80 
0-60 
0-45 



In den Gneis- 
böden von 
Nettolitz 
kalkarm 



82 



094 



12 
13 

14 

15 
16 



Mittel 



17 
18 
19 
20 
21 
30 



008 
048 
05 
0-07 

0-08 



0-08 



0-23 
0-39 
0-31 
036 
047 
0-33 



12 

14 

4 



0-30 
052 
0-20 
049 

0-27 



48 
42 
18 
22 
32 



0-62 
1-23 
0-06 
0-84 

0-84 



In schlecht 

aufgeschlossenem 

Granit und 

Gneisboden 



40 
52 
24 
37 
25 
53 



0-29 



31 



0-27 
0-26 
0-93 
042 
0'39 
0-51 



46 
34 
64 
42 
54 
82 



092 



0-58 
0-75 
1-45 
0-98 
0-72 
0-62 



Kreideformation 

Plänerkalkböden 

kalkreich 



Mittel 



029 



37 



0-46 



53 



085 



22 

23 
24 
25 

Mittel 



006 
0-15 

0-46 
0-22 



7 

17 
12 
40 

19 



0-08 
0-34 

0-08 
016 



10 
39 

93 
44 



0-78 
0-87 

146 
46 



Rothtodtliegen- 
des kalkarm 



11 



Nro. 


In kalter 
Citronen- 

sänre 
löslich l°/ 


In 10% 
In Procenten , ,, 

kalter 

derGesammt- Salpetei , 
Phosphor- 1 gäure 

saure l löslich 10% 


In Procenten 

derGesammt- 

phosphor- 

säure 


In heisser 
concent. 
Salpeter- 
säure löslich 


Bodenart 




26 
27 
33 
34 


0-42 
0-37 
0-30 
0-39 


27 
34 
31 
53 


0-69 
063 


44 
57 


1-55 

1-09 


Kalkreiche 
Diluvialböden 




f 

Mittel 0-37 


36 


0-62 


50 


1-32 






28 
32 


0-56 
0-48 


21 1-27 55 
27 


2-27 
T80 


Kalkreiche 
Alluvialböden 




Mittel 


0-52 


24 


1-27 


55 


2-03 






29 


0-26 


20 


0-28 


66 


1-28 


Kalkreicher 
Basaltboden 





Die Gesammtphosphorsäure eines Bodens ist mehr für die Nachhaltig- 
keit des Ertrages als für die momentane Erntemenge massgebend und insofern 
auch ihre Menge ein Bonitätsmesser des Bodens. 

Schon vor 20 Jahren wurden mit jenen Bodenarten, die nach der Analyse die 
geringsten zugänglichen Kalkmeugen zeigten und auf denen gewachsenes Stroh höchst 
kalkarm in normalen Jahren befunden wurde, weitere Versuche in Cylindern und 
Kästen vorgenommen, indem gekalkte und ungekalkte Parzellen wechselten. 
So wurde von verschiedeneu Kästen geerntet von 1 m 2 : 
Vom Kieselsandbodeu Wittingau: Gneisboden, Zirnau: 
Ungekalkt 161 Korn, 217 Stroh. 
Ungekalkt 158 Korn, 221 Stroh. 
Gekalkt 177 Korn, 263 Stroh. 
Gekalkt 167 Korn, 276 Stroh. 
Ungekalkt 205 Kleeheu, 295 Kleeheu. 
Ungekalkt 267 Kleeheu, 285 Kleeheu. 
Gekalkt 295 Kleeheu, 286 Kleeheu. 
Gekalkt 352 Kleeheu, 376 Kleeheu. 
Diese Analysen und Arbeiten waren entscheidend für eine systematische 
Kalkdüngung im Grossen im Tertiär- und Urgebirgsterrain und ergaben auch Kalk- 



12 

düugungsversuchen im Grossen so günstige Resultate, dass das Kalken fortan eine 
ständige lohnende Operation der Herrschaft blieb. 

Wittingau selbst bezeichnete die Erfolge der Kalkdüngung als hervor- 
ragende, den Klee und Zuckerrübenbau sichernde. 

Lange hat man in Deutschland die Wirkung des Kalkes verkannt. Der Kalk 
wirkt physikalisch und chemisch günstig auf den Boden selbst in kalkreicheren 
Bodenarten und um vieles mehr in kalkarmen und Moorbodenarten. 

Freilich setzt das Kalken auch reichlicheres Düngen voraus, weil der Kalk 
keine neue Pflanzennähruug erzeugt. 

Für die durchlässigeu mageren Bodenarten verdienen die dolomitischen 
Kalke den Vorzug vor reinen Kalksorten, weil Magnesia, sonst chemisch dem 
Kalke ähnlich wirkend, in physikalischer Beziehung sich dem Kalke gerade 
entgegengesetz verhält. Sie saugt nämlich noch mehr Wasser auf als der Humus 
und hält es gleich diesem fest, während der Kalk das Wasser wieder abgibt. — 

Hier möchte noch insbesondere einer Haudelpflanze, welche auf kalkreichem 
Boden ein reicheres und höher geschätztes Doldengut hervorbringt, als auf kalk- 
armen, nämlich des Hopfens gedacht werden. Der Hopfen ist nicht nur eine 
aussaugende Kalkpflanze, sondern liebt auch eine solche tiefe physikalische Boden- 
mischung, dass man im Rothtodtliegenden, wo der meiste Hopfenbau betrieben 
wird, durch starkes Kalken den Ertrag der Hopfenfelder nicht nur hebt, sondern 
auch eine der Saazer gleichkommende Qualität erreicht. 

Der meiste Hopfeubau wird in Bezirken betrieben, wo die durchschnittliche 
Regeumenge fast die kleinste Böhmens ist, so im Saazer und Auschaer 
Bezirke und wo die trockenen Jahre die Regel sind. Dort wird reiner Kalk 
nur in den schwersten Thonböden angezeigt sein. Dagegen Dolomit für die mageren 
Hopfenfelder, weil er den durchlässigen Sand wasserhaltender macht, empfehlens- 
werth sein. 

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass man Kalisalze sowie Stickstoff- 
dünger nur in von Natur oder durch Kuust gekalkten Äckern mit grösserer Aus 
sieht auf Erfolg verwenden kann. 

Deshalb war es das eifrige Bestreben der Versuchsstation Lobositz vor 
20 Jahren neben dem Boden diejenigen Organe der Planzen, welche am meisten 
von der Pflanze ausgesaugt werden, auf Kalk zu untersuchen. Es sind dies be- 
kanntlich die Wurzeln und das Stroh, weniger das Kraut. Die Strohanalyseu der 
Wittingauer Weizen-, Roggen- und Gerstenpflanzen von schweren, leichten, mittleren 
Böden ergaben damals gegenüber den Durchschnittszahlen und den selbst ermittelten 
Werten der kalkreichen nordböhmischen Güter eine so bedeutende Differenz, die 
sich mit den Ergebnissen der Bodenanalyse deckte, dass gar kein Zweifel bestand, 
welches Dungmittel zuerst in den genannten Bodeuarten zu verwenden war, in einer 
Zeit, wo man nur für Phosphate und Kalisalze schwärmte. *) 

Man kann sich leicht überzeugen, wie durch die Zufuhr grösserer Kalk- 
mengen in kalkarmen Bodenarten die Cohärenzverhältuisse des Bodens günstig 
beeintiusst werden. Seit der Entwicklung der Absorptionsgesetze aber wissen wir, 



*) Siehe in W o 1 ff s Sammlung der Aschenanalysen. Hanamanns Aschenanalysen 1889. 



13 

dass bei Kalkmangel im Boden auch die Auswaschung und Entführung des so 
wichtigen Pflanzennährstoffes Kali und in dessen Gefolge von Humusstoffen statt- 
finden könne, denn das Kali wird, wenn es sich in Lösung befindet, aus der Acker- 
erde nur dann absorbirt, wenn die zur Zeolithbildung erforderlichen alkalischen 
Erden, namentlich Kalk, vorhanden sind. Reiner Kaolin absorbirt kein Kali, jedoch 
sofort, wenn ihm Kreidepulver zugesetzt wird. 

Durch die Kalkdüngung wird dem Boden nicht nur ein unentbehrlicher 
Nährstoff zugeführt, sondern Kalk macht auch das Kali den Pflanzen wurzeln zu- 
gänglich, indem er selbst in die Verbindungen der wasserhaltigen Silicate ein- 
tretend, dasselbe aus dieser Verbindung verdrängt. Ausserdem enthalten die meisten 
Kalke 1 — 2°/ Kali. Bei den grossen Kalkmengen die dem Boden gegeben werden 
müssen, können diese als schwache Kalidüngung wirksam sein. Auch vermittelt 
der Kalk, wie wir gesehen haben, die Absorption der wasserlöslichen Phosphor- 
säure und beschützt diesen Nährstoff länger vor dem Übergang in die schwerer 
löslichen Verbindungen mit den Sesquioxiden. (Thonerde u. Eisenhydroxyd.) 

In dem gegenseitigen Bestreben, die wissenschaftliche Forschung zu unter- 
stützen und mit der praktischen Erfahrung in Einklang zu bringen, erblicke ich 
den einzigen Weg, der uns zu einem wahren Fortschritt in der Düngerlehre führen 
kann. Der Landwirt vermag als Empiriker die Qualität verschiedener Äcker mit 
einer für die gewöhnlichsten Bedürfnisse des landwirtschaftlichen Betriebes meistens 
zureichenden Sicherheit abzuschätzen, bemisst aber nach seiner Auffassung auch die 
Fruchtbarkeit seiner Culturböden nur nach den Erträgen gewisser Culturpflanzen, 
in denen man den kürzesten Ausdruck aller Fruchtbarkeitsbedingungen des 
Bodens gegeben findet. Die ökonomische Bodenclassification kann aber bekanntlich 
keine allgemeine Anwendbarkeit beanspruchen, weil sie nur von bestimmten Gruppen 
von Culturpflanzen ausgeht und gar nicht auf exact wissenschaftlicher Grundlage 
steht, weil die Qualitätsunterschiede, wie Weizen, Roggen, Gerste, Rübenboden etc. 
von dem mineralogisch-chemisch-physikalischen Grundcharakter innerhalb sehr weiter 
Grenzen unabhängig sind. 

Betreffend die Entnahme der Bodenproben, so wurde das Erdreich bis zur 
Pflugtiefe als Obergrund bezeichnet und vorläufig dieses Material zur Untersuchung 
verwendet. Die Böden wurden an einem vor Staub geschützten Orte luftgetrocknet 
und durch das entsprechende Sieb von Steinen befreit. 

Gleichzeitig wurden Notizen über den geognostischen Ursprung des Bodens, 
über die Tiefe der Ackerkrumme, die klimatischen Verhältnisse, Elevation, Meeres- 
höhe, Klassifikation, Fruchtfolge und Düngung gesammelt. 



Mechanische Bodenanalyse. 

Dieselbe bezweckt die quantitative Ermittlung der gröberen und fei- 
neren Bestandteile des Bodens, die Ermittlung der mineralogischen Beschaffenheit 
des Grusses und Sandes und des Verhältnisses der einzelnen Minerale zur Gesammt- 
menge desselben. 



14 

Die Körnung mit den Sieben. 

Der lufttrockene Boden 1 / 2 Kilo wurde abgewogen, im trockenen Zustande 
durch das 1 mm Sieb geschlagen und zerlegt in gröbere Gesteinstrüuiiner und in 
Feinerde, die Bezeichnung Kies gelte für Schwemmlandsböden, G r u s s für 
Primitivböden. 

Für das Absieben sind Rundlochsiebe den Drahtsieben vorzuziehen, von 
1, 2 u. 3 mm weiten Öffnungen. 

Jedenfalls soll die Bodenanalyse, wenn sie praktischen Zwecken dient, so 
ausgeführt werden, dass der ursprüngliche Agregatszustand des Bodens er- 
halten bleibt. 

Das trockene Absieben, wobei Metallpiusel und weiche Gumtnipistille 
oder die mit Kautschuk überzogenen Finger behilflich sind, ist dem nassen Absieben 
vorzuziehen. Ausser dem leichten Zerdrücken ist nur das Kochen mit Wasser 
zum Zwecke der Schlemmung des Bodens gestattet. 

Nachdem Verwitterungsböden häufig aus so tief verwitterten Brocken be- 
stehen, dass sie beim Waschen mit dem Pinsel über dem Siebe weiter zergehen 
und dadurch eine Änderung in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit erleiden, während 
an den vorhandenen Grössenverhältnisseu der Bodenteilchen nichts geändert werden 
soll, was aber beim Durchwaschen durch die feinsten Siebe nicht zu vermeiden ist, 
so wurde von der Nassbereitung abgestanden. Mit der mechanischen Analyse emp- 
fiehlt sich die mineralogische zu verbinden und nicht nur das Bodenskelet, 
sondern auch die Schlemprodukte optischmineralogisch auf ihren Gehalt an Quarz, 
Glimmer, Feldspath, Magneteisen etc. zu untersuchen. 

In Bezug auf Korngrössen wurde, um in Übereinstimmung mit anderen 
Nationen zu bleiben, die deutsche Bezeichnung beibehalten und bezeichnet, als : 
Stein oder grober Kies 5—3 mm Grösse, Grobsand 1 — 0'5 mm 
Steinkies oder feiner Kies 3—2 mm Grösse, Feinsand 0*5— 025 mm 
Grobkies oder feinster Kies 2 — 1 mm Grösse, feinster Sand 0'25— 0'2 mm 

Die Bodenaualyse verliert für Andere sehr au Wert, wenn sie nicht von 
bestimmten vergleichbaren Methoden ausgeht und es gehört in erster Lienie dazu 
die Feststellung des Begriffes der Feinerde als Ausgangspunkt für die 
Schlemm- und die chemische Analyse und die Art der Trennung 
der thonigen Anteile oder des Schlammes von den feinsten san- 
digen Staubteilchen. Früher untersuchte man chemisch den ganzen Boden, 
später trennte man den Boden in Skelet und Feinerde. Manche Bodeiianalytiker ver- 
langen sogar nur die chemische Untersuchung der allerfeiusten Theilchen des Bodens 
als Träger der hervorstehenden, charakteristischen und chemischen Eigenschaften des 
Bodens. 

Vegetationsversuche iu den gröberen abgetrennten Teilen der Bodens, haben 
aber dargethau, dass die Pflanze auch aus diesen ihre Nährstoffe zu entnehmen 
im Stande ist und je nach der Natur dieses Sandes, in ihm verschieden gedeiht, 
dass man also entweder eine getrennte chemische Untersuchung der feinsandingen 
und thonigen Teile des Bodens vornehmen oder lieber das, was durch ein etwas 
weiteres Sieb durchfällt, als Feinerde bezeichnen müsse. 



15 

Kühn und die deutsche agronomische Reichsanstalt haben aus diesem 
Grunde das 2 mm Sieb beibehalten, ich glaubte da beginnen zu müssen, wo die 
Absorptionsfähigkeit des Bodens anfängt und habe das 1 mm Sieb zur Trennung 
des Skeletes von der Feinerde benützt, welches auch später die amerikanischen 
Forscher wie H i 1 g a r d *) beibehielten, während die Franzosen und Belgier stets 
das 1 mm Sieb zur Grundlage der Feinerdenbestimmung wählten. 

Williams in Moskau geht noch weiter. Er will den Begriff Feinerde nur 
auf die feinsten Teilchen des Bodens angewendet wissen, die er S c h 1 a m m be- 
nennt und rechnet zum Skelet alles Andere, wie Staub, Sand, Kies. In dieser 
Beziehung geht er zu weit. Für praktische Zwecke, um die es sich hier vor- 
nehmlich handelt, dürfte es wohl am angemessensten sein, vorläufig des Vergleiches 
mit den agronomischen deutschen Karten das 1 mm Sieb als das Geeignetste an- 
zunehmen. 



d) Das Schlemmen. 

Da die physikalischen Verhältnisse des Bodens zum grossen Teile abhängig 
sind von dem Verhältniss der abschlemmbaren Teilchen zu dem Bodenskelet, so hat 
mau von jeher der Construktiou verschiedener Schlämmapparate Aufmerksamkeit 
geschenkt. Je staubartiger aber ein Bodenpulver wird, um so langsamer und schwie- 
riger gestaltet sich die mechanische Trennung und um so bequemer wird die che- 
mische Untersuchung. 

Anteile der zu untersuchenden Feinerden werden zum Zwecke des Schlem- 
mens so lange im bedeckten Gefässe gekocht, bis der Boden vollkommen zergangen 
ist. Zum Abschlemmen für saudige Böden eignet sich der Schön'sche Apparat, 
für thouige der Sedimentirapparat. Sehr humose, die stark verkitteten 
Erden, die man durch Aufkochen mit verdünnter Kalilauge zur Schlemmanalyse 
vorbereiten, oder wie die kalkreicheren Bodenarten, die man vorher durch 
Behandeln mit Säuren zum Abschlemmen geeigneter machen wollte, eignen sich 
unvorbereitet nicht zum Schlemmen. 

Diese Prozeduren sind aber deshalb nicht zulässig, weil der Boden in 
möglichst unveränderter Form mechanisch zerlegt werden soll. 

Mit welchem Schlemmapparat man auch schlemmt, so sind insbesondere die 
Grössenverhältnisse zu berücksichtigen, was für jeden Apparat festge- 
stellt werden muss, und die mineralogische Beschaffenheit des Sandes und des 
Staubes. 

Das Schlemmen muss mit d e s t i 1 1 i r t e m oder Regenwasser ge- 
schehen. Die gewonnenen Produkte sind bei 100° C anhaltend getrocknet und in 
lufttrockenem Zustande gewogen worden. 

Die durch Körnung und Schlemmung erhaltenen Produkte berechnet man 
prozentisch auf den Gesammtboden und erhält etwa folgendes Schema. 



*) H. behauptet, dass sogar bei einer 400mal kleineren Korngrösse als die von 2 mm ist, 
wesentlich die Löslichkeit der Salzsäure aufhört. 



16 

Sandiges Thoniges 

Über mm mm mm mm Staub Scblauiui 

2 mm 1—2, 1—0-5, 0-5-0-1, 0-2—0-1, 0'05— 0-01 unter 0-01 mm. 

Der in der Schlemmanalyse zurückbleibende Rückstand wird weiter durch 
Feinsiebe in lufttrockenem Zustaude getrennt in Produkte verschiedener Fein- 
körnung. 

Hiezu dienen Florsiebe No. 16 von Elnhard und Metzger in Darmstadt, 
seitlich 009 mm, diagonal gemessen 011 mm, das Messingdrahtsieb No. 100 von 
Kahl, Hamburg seitlich gemessen 0-14—017 mm, diagonal gemessen 0'22 — 0'24 mm 
und das Messingdrahtsieb No. 50 seitlich gemessen 35 — 039 mm diagonal ge- 
messen - 45 — 0'50 mm. 

Keiner der modernen Agronomen beabsichtigt die thonigen feinsten Theile 
durch einfaches Schlämmen gegenwärtig zu trennen, sondern nur die gleich grossen 
Sandteilchen bis zu 001 mm Grösse zu sortiren und aufzufangen, die unter dieser 
Kleinheit liegenden, aus der Differenz berechneten Teile wurden nicht weiter zer- 
legt, sondern in Ansatz gebracht. Man mus sich daher, nachdem diese Werte in 
Thonböden ziemlich hoch ausfallen, entweder der S c h 1 ö s i n g's c h e u oder 
W il 1 iam'sche n Trennungsmethode des thonigen vom feinstsandigen Staube 
bedienen und erhält noch zwei Werte von 001 mm bis - 001 mm Grösse als 
Staub und die darunter liegenden kleinsten thonigen oder Schlammtheile, denen 
eine Molecular-Bewegung unter dem Mikroskop, Lichtempfindlichkeit und Ballung 
eigen ist, die aber kein Gerinnen ist und die mau daher nicht als Colloidstoffe 
ansprechen kann. Die Ursache der Flockung unter dem Eiufluss der Säuren und 
des Chlorcalcium ist wohl noch nich erforscht. 

Wäre der Thon ein Colloid, das sich aus ammouiakalischer Lösung über- 
haupt nicht absetzen würde, so wäre diese Thonbestimmung eine rasche und vor- 
zügliche, es wäre die Höhe des Gefässes, aus dem sich der Thon absetzen würde, 
gleichgiltig. 

Es setzt sich aber bei der S c h 1 ö s i n g's c h e n Thonbestimmung mehr 
Thon ab aus niedrigen, als aus höheren Gefässen und es genügt nicht eine De- 
cantation, sondern man muss, je nach dem Thongehalt des Bodens deren mehrere 
bis 10 oder 12 Decantationen, was jedesmal 12 Stunden den beansprucht, was also 
5—6 Tage dauert, vornehmen, ehe mau eine gute Trennung erlangt. Die Bezeich- 
nung „Thon" möchte man aber, weil weder der Thon noch Sand von gleicher 
chemischer Zusammensetzung und nur dem Aussehen und der Gestalt nach cha- 
rakterisirt ist, besser Schlamm statt Thon nennen, da ja die verschiedenen 
Thone verschiedene Schlammmengen enthalten können. 

Wenn sich auch Schlamm (thonige Teile) vom Staub dadurch unterscheidet, 
dass er in physikalischer Beziehung eine hohe Cohärenz, Wasserfassung etc. in 
chemischer Beziehung ein hohes Absorptionsvermögen besitzt und wenn wir im 
Schlamm auch alle Produkte der chemischen Verwitterung concentrirt haben, die 
wasserhaltigen Zeolithe, den Humus etc., so stellt der Boden doch ein so inniges 
Gemenge aller Bodenconstituenten dar, dass die physikalischen und chemischen 
Eigenschaften sich individuell äussern. Bei Grössen von 5 mm des Bodens be- 
ginnt die Absorption, und auch der feinste Sand kann einen gewissen Grad von 



17 

Plastizität zeigen, wenn er sich auch nicht so ballen und kneten lässt und nicht so 
schwindet, wie die feinsten thonigen Theilchen, besonders wenn er humos ist. 

Williams will das Schlemm verfahren besonders für die staubartigen 
Theile des Bodens in Anwendung gebracht sehen. Die feinsten Teile kann allerdings 
kein Schlemmapparat infolge der so geringen Geschwindigkeiten des Wasserstromes 
im cylindrischen Theil des Apparates schwebend erhalten. 

Sie setzen sich in der Röhre ab, verstopfen sie oder versperren der Strömung 
den Weg. Der Apparat mit fliessendem Wasser, wird dann zum Apparat mit 
stehendem Wasser. Kein Apparat genügt, um Schlamm von S t a u b zu trennen. 
Hier muss die mechanich-chemische Analyse eintreten. 

Der Schön'sche und Hilgard'sche Apparat *) hat in der Secunde die einem 
Durchmesser der Theilchen von O'Ol mm den Dimensionen des mittleren 
Staubes nach Williams entspricht. Hilgard behauptet auch nicht dass sein Apparat 
die thonigen Theile trennt, sondern empfiehlt vielmehr selbst für diesen Zweck 
die Schlösing'sche Methode. Nach Williams soll aber auch in dem Hilgard'schen 
Apparat Flockung stattfinden, die Hilgard vermieden zu haben glaubt, so dass er 
nicht einmal die Vorzüge des Schön'schen Apparates, der Dank der Piezoineterröhre 
die Stromgeschwindigkeit mit Genauigkeit zu reguliren und die Trennung der 
Teilchen iu solche von ganz bestimmter Grösse erlaubt, besitzen soll. 

Sehr umständlich ist Williams Schalenverfahren. 

Der durch das 3 mm Sieb gegangene Boden (6 b ) wird so lange gekocht, 
bis der Sand frei von allen Staubtheilchen ist. Hierauf wird in emaillirten Eisen- 
schalen abgeschlemmt, immer wieder gekocht und abgeschlemmt und die Schlemm- 
produkte durch Siebe getrennt, bis man den aus Staub und Schlamm bestehenden 
feinsten, von allen Sand und Kies abgeschlemmten Bodensatz erhalten hat, den 
man abermals durch 42 Stunden mit Wasser in einer bedeckten Schale kocht. 

Hierauf giesst man in 2 Cylinder von 35 ccm D. und 17 ccm H. und 8 Liter 
Inhalt, setzt 20 ccm conc. Chlorcalcium zu, lösst vor direktem Licht geschützt 24 
Stunden bis 3 Tage stehen, je nach der Boden- und Thonart. 

Die mechanische Bodenanalyse dauert nach diesem Verfahren 14 — 16 Tage. 

Die Prozeduren müssen eine Person unablässig beschäftigen, es dürfte kaum 
ein Privatlaboratorium geben, das auf diese Operation so viel Zeit und Kraft 
verwenden könnte, wenn gleichgeitig viele Bodenproben zu untersuchen sind. 

Durch das viele Kochen und nasse Sieben wird aber der ursprüngliche 
Zustand des Bodens verändert und Theilchen abgetrennt, die vordem mitein- 
ander verkittet waren. Es gibt aber auch Böden, die man gar nicht schlemmen 
kann, wie die Humus- und reinen Kalkböden, wo mit der Schlemmanalyse gar nicht 
gedient ist. 

Nach Beobachtungen von Schöne ergibt sich beim Quarz folgendes Ver- 
hältnis zwischen dem Durchmesser der Körnchen und der Strömugsscbnelligkeit : 



*) Hilgard verwirft den Schön'schen Apparat und behauptet, dass die mechanische euro- 
päische Bodenanalyse fruchtlos für die Lösung der Frage, wie die physikalischen Eigenschaften 
eines Bodens sicher zu bestimmen sind, sei. 



18 

Sonderungsschnelligkeit: Durchmesser der Körnchen: 

0'2 mm unter mm O'Ol 

2 „ von 001 bis 005 

7 „ . 0-05 „ 0-10 

25 .. „ 0-10 „ (»20 

Um z. B. mit Apparat von Appiani vorstehende Scheiduug zu erreichen, 
ist es notwendig bei einer 20 cm hohen Wassersäule für eine 

Fallgeschwindigkeit pro Secunde eine Sonderungsdauer von Minuten: 

0-2 mm 16-40 

2-0 „ 1-40 

70 „ 029 

25'0 „ 08 anzuwenden. 

Für andere Füllungen berechnet man die Dauer der Sonderung nach der 

Formel t = — , wobei t — Zeit, s = die Länge des Raumes, v = Geschwindigkeit 
v 

bedeutet, s =<-. t. 

Beim Becherverfahren und 5 cm Höhe Füllung sind die Werte : 

Sonderungsdauer, Grösse, Minuten oder Secunden 

0-2 mm unter 01)1 4-20— 252 

2-0 „ 0-01—005 0-41-25 

7-0 „ 005-0-10 0-12— 7 

25-0 „ 0- 10— 020 0-03- 2 

Will mau bei einer Füllung von 20 cm mit noch geringeren Geschwindig- 
keiten wie diejenige von 02 m/m, Versuche anstellen, also mit 05, O'Ol, 0005 m m, 
so wird man im Durchschnitt folgende Zeiten ermitteln den Staub in beliebiger 
Feinheit absondern zu könuen: 

Sonderungsgeschwindigkeit Souderungsdauer 

0-05 mm 0-005—0010 1 Stunde 

0-0 1 „ 0-001—0005 6 Stunden 

0-005 „ unter 0001 12 Stunden. 

Die Schlammanalyse gibt nur den Feinheitsgrad der mechanischen Geuieng- 
teile des Bodens an, nicht aber die Natur derselben, und sind die Bodenconsti- 
tuenten Sand, Thon, Kalk, Humus besser auf andere Weise bestimmbar. 

Das Schlemmen soll nur mit Regen- oder destillirtem Wasser geschehen. 
Die gefundenen Gewichtsmengen von Kies oder Gruss, Sand, sind in Prozenten 
des steinfreien lufttrockenen Bodens auszudrücken. 

Aus der Differenz zwischen ihrem Gewicht und des zum Schlemmen ver- 
wendeten Bodens ergibt sich die Menge der abschlemmbaren Theilchen. 

Die Bestimmung des Thones durch Kochen des Bodens mit Schwefelsäure 
ist für die Praxis wegen des heftigen Eingriffes in die Constitution des Bodens 
wertlos und daher nur als beiläufiger Wertmesser des Thongehaltes des Bodens 
gleichzeitig mit der Stickstoffbestimmung des Bodens ausgeführt. 



19 

e) Die chemische Analyse. 

Selten wird man in die Lage kommen Bausch- und vollständige Boden- 
analysen machen zu müssen, da mau schon in den salzsaueren Auszügen alle wert- 
vollen Nährstoffe der Pflanzen findet. Die Analyse dieses und die Absorptions 
bestimmung, sowie die des pflanzeulöslichen Kalkes, Phosphors, Stickstoffs, 
Kalis werden in den meisten Fällen genügen, und es handelt sich nur um die 
Feststellung ihrer Bestimmungsart. 

Auch durch Cnlturen in Töpfen kann man das Düngebedürfnis der Äcker 
erforschen, und stimmen die erhaltenen Resultate mit den im Grossen angestellten 
Versuchen überein, wenn sie auch gegen diese gehalten geschmeichelte sind, weil 
ihnen die Lebensagentien der Pflanzen günstiger zur Verfügung stehen. 

Die Bestimmung des Düngerbedürfnisses der Böden namentlich der Acker- 
erden gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Agricultur und bis zu gewissem 
Grade kann man aus den Aschenanalysen normaler Jahre der Culturpflanzen 
selbst auf dasselbe zurückschliesseu. Die Düngungsversuche brauchen Jahre, ehe 
sie eine Antwort geben, und je nach dem Jahrgange fallen dieselben sehr verschieden 
aus, kosten viel Arbeit während der Ernte, wo sie nicht sorgsam gemacht werden 
können, auch werden sie vom Praktiker unrichtig ausgeführt. 

Wenn die Pflanzenwurzeln oder das Stroh einen hohen Gehalt an Nährstoffen 
aufweisen und der Boden gleichzeitig eine hohe absolute Menge Nährstoffe enthält, 
so braucht man mit dem Nährstoffersatz nicht so ängstlich zu sein ; zeigt der Boden 
einen hohen absoluten Gehalt an, die Pflanze einen geringeren, so hat man für 
Kalk, Salpeter und andere Aufschliessungsmittel des Bodens Sorge zu tragen (Stall- 
dünger oder entsprechende Cultur). Hat aber der Boden und die Pflanzen einen 
absolut geringeren Gehalt an Pflanzennährstoffen, in normalen Jahren unter- 
sucht, dann muss auf vollen starken Ersatz gedrungen oder mit geringerem Auf- 
wand (kleinerer Regie) extensiv gewirtschaftet werden. 

Was die Behandlung des Bodens mit schwachen Lösungsmitteln betrifft, so 
sind alle Phosphate in freier Citron ensäure wesentlich leichter löslich als in 
Ammoncitrat mit gleichem Gehalt an freier Citronensäuere. 

Ob sich nicht Oxalsäure mit oxalsauerem Kali (schon von Liebig empfohlen) 
zur Erforschung der bodenlöslichen Phosphorsäure besser eigne, müsste durch 
vegetative Versuche ermittelt werden. Die im Boden vorkommenden Phosphate 
haben bekanntlich mehr oder weniger hydratischen Charakter, und es dürfte 
ihre Wirksamkeit eine verschiedene von dem Gehalte an Hydratwasser abhän- 
gige sein, und nur deshalb findet man bei Düngungsversuchen, dass Ferri- und 
Alluminiumphosphate unter Umstämlen höhere Erträge liefern, als das wasserfreie 
Tricalciumphosphat. Gegen Lösungsmittel aber verhalten sie sich umgekehrt. Obwohl 
alle Superphosphate im Boden zurückgehen, findet man doch eine mehrjährige 
Nachwirkung der Superphosphate, weil bei Einwirkung von Monocalciumphosphat 
auf Kalk und Metallhydroxyde nicht nur Dicalciumphosphate, sondern auch Ferri- 
phosphathy d rat e entstehen und schliesslich alle Phosphorsäure an Alluminium 
und Eisen tritt. Förster hat gezeigt, dass l°/ Citronensäure das Alluminium- 
phosphats auch in Gegenwart von Thonerdehydrat vollständig in Lösung bringt, 
während sie aus Ferriphosphat nur etwa 3 j i der vorhandenen Menge löst, bei Ge- 



20 

genwart von Eisenoxidhydrat nur 1 /, tel; dass dagegen die Lrislic.hkeit aller Phosphate 
in l°/ Oxalsäure auch bei Gegenwart von Oxyhydrat eine nahezu vollständige ist. 
Da aber die Pflanzensäfte nicht frei Säure, sondern sauere Salze enthalten, so 
wäre das Verhalten der Oxalsäure in Verbindung mit Kali als saueres Kalioxalat 
zu studiren und durch Culturver suche mit verschiedenen Pflanzen zu lösen. 
Mit 1% Citronensäurelösung haben Märcker, H anamann und Dyer mit 
neutraler Aminoncitratlösuug Morse günstige Resultate erzielt, in dem zu der 
gelösten Phosphorsäuremenge der erzielte mittlere Körnerertrag sich proportional 
erwies. Verfehlt war das Verfahren mit alkalischer Ammoncitratlösung 
den Löslichkeitsgrad der Phosphate bestimmen zu wollen. Alle wasserlösliche 
Phosphorsäure geht im Boden schon nach dem ersten Regen in cit ratlösliche 
über. Die natürlichen mineralischen Phosphate sind als wasserfreie Salze in schwachen 
organischen Säuren so gut wie unlöslich, namentlich bei Gegenwart von über- 
schüssigen Oxyden oder Oxidhydraten. Die Assimilationsfähigkeit eines Phosphates 
hängt aber dermassen von der Bodenbeschaffenheit und der Pflanzen- 
species ab, dass die Vorausbestimmungen der Wirksamkeit mittelst Untersuchung 
auf Löslichkeit oft trügerisch ausfallen. 

Die Bestimmung des Kalkes und der aktiven oder wurzellöslichen Phos- 
phorsäure im Boden gehören zu den wichtigsten Aufgaben des Agricultur- 
chemikers, weil sie praktisch wichtige Fragen sofort zu beantworten gestatten. 
Auch Liebscher fand, dass die Extraktion des Bodens durch kochende Salzsäure 
und die Analyse dieses Auszuges viel wertvollere Aufschlüsse über die Eigen- 
schaften des Bodens als gewöhnlich angenommen wird, liefert, so dass sich das 
Düngebedürfnis aller zu Vegetationsversuchen in Göttingen benützten Boden 
a priori aus den Analysenergebnissen ableiten liess. 

Die Franzosen und Amerikaner legen grosses Gewicht auf die Bestimmung 
der „Matiere noir e," obwohl längst bewiesen ist, dass die Fruchtbarkeit des 
Bodens zum Phosphorkaligehalt des ammoniakalischen Extraktes nicht im Verhältnis 
steht, sondern eher zum Gehalt der Phosphorsäure und des Kalis der saueren 
Auszüge des Bodens. Aber einen weiteren Faktor zur Beurteilung der Beschaffenheit 
des Bodens gibt wohl auch die Analyse des ammoniakalischen Auszugs. 

Wenn sich die Bodenanalyse brauchbar in der Praxis erweisen soll, so muss 
sie zwei Bedingungen erfüllen. Es kommt auf eine schnelle und sichere 
Bestimmung und Ausführung derselben au und die Untersuchung muss so geschehen, 
dass wir nicht nur im allgemeinen die Zusammensetzu ng der Böden erkennen, 
sondern uns auch eine genaue Vorstellung von der Kon sti tuti on der 
einzelnen Bodenbestandteile bilden können. 

Man kann durch Knop's Methode über die nachhaltig wirkenden, gegebenen 
Fruchtbarkeitsbedingungen der Böden, nicht aber über den momentanen Düngungs- 
zustand des Bodens Aufschluss erhalten. Immerhin können wir aber durch unsere 
Methoden bestimmen, welche leicht löslichen assimilirbaren Pflanzennährstoffe in 
geringster Menge und welche im Überschuss vorhanden sind. 

Selbstverständlich muss man die genaueste Beachtung der physikalischen, geogno- 
stischen und Vegetationsverhältnisse des Bodens mit der chemischen Untersuchung 
gleichzeitig verfolgen. 



21 

Fragen, für welche Cultur ist dieser Boden am besten geeignet, wie nach- 
haltig werden seine Erträge, welche Dünger werden ihm zuerst zuzuführen sein, 
welche Meliorationen wären mit ihm durchzuführen, welche schädlichen Stoffe aus 
ihm zu entfernen oder zu neutralisiren etc., lassen sich jetzt schon durch geeignete 
Bodenanalysen beantworten. 

Nicht nur, wenn es sich um die mineralogische Bestimmung der Abschlemm- 
produkte handelt, ist die Untersuchung derselben unter dem Mikroskop von Wichtig- 
keit, sondern sie darf auch selbst dann nicht unterlasen werden, wenn es sich 
nur um die Grössenbestimmung und Reinheit der abgeschlemmten Produkte handelt, 
da diese keineswegs blos aus Thon bestehen, sondern mit mehr oder weniger 
Quarzstaub verunreinigt sind. Für die Charakteristik des Bodens ist es aber wichtig, 
dies zu beachten und namentlich, welche Differenzen in den verschiedenen stärkeren 
und feineren Körnchen bestehen. 

Wichtiger als die mechanische Analyse ist aber die chemiche. 

In Bezug auf die zur Bodenanalyse anzuwendenden Lösungsmittel bedarf 
es wohl kaum einer Erörterung, dass Kohlensäure und Essigsäure zur Bereitung der 
Extrakte weniger geeignet sind, dass Flussäure viel zu weit geht und dass wir das 
Maximum der Wirkung durch Digestion mit einer Salzsäure von TU 5 sp. G. wie 
dieselbe leicht und rein durch Dampfdestillation stärkerer oder schwächerer Säure 
zu erreichen ist, erhalten. Rücksichtlich der Dauer der Digestion gehen die Angaben 
weit auseinander. Während sonst zwei bis dreistündige Digestion im Wasser oder 
Sandbade empfohlen wurde, verlangt Hilgard sogar eine fünftägige Einwirkung 
eines Säureüberschusses im Dampfbade. 

Die Bestimmung der hygroskopischen Feuchtigkeit und des Glüh- 
verlustes geschah in üblicher Art und Weise. Bei humusreichen u. Moorböden 
geschah sie nach (Loges V. St. Bd. 28.). Enthält der Boden die Karbonate der 
alkalischen Erden in grösserer Menge, so lassen sich bekanntlich nach stärkerem 
Erhitzen beide Carbonate nicht wieder regenerieren, da sich Silicate gebildet haben. 
In solchen Fällen ist es besser den Boden im Gebläse zu glühen u. zu wägen und 
in einer besonderen Probe die Kohlensäure zu bestimmen. 

Der Humus wurde aus dem Kohlenstoffgehalt nach der Elementaranalyse 
mit Kupferoxyd und Silber etc. bestimmt. Die mit dem Faktor 0471 multiplizierte 
Kohlensäure, gist die Humusmenge. Die Chromsäuremethode gibt in Folge un- 
vollständiger Zersetzung und Oxydation u. in Folge der Bildung von Essigsäure zu 
niedrige Werthe. Die Kohlensäure des Bodens verdrängt man vorher durch Phos- 
phorsäure oder bestimmt sie separat und bringt sie von der gefundenen Gesammt- 
kohlensäure in Abzug. 

Zur Bestimmung des Absorptions-Coeffizienten des Bodens empfiehlt 
sich die Methode von Knop, die sich durch schnelle u. leichte Ausführbarkeit 
auszeichnet. Man verwendete die durch 1 mm. Sieb gewonnene Feinerde. Die Correctur 
für das vom Wasser absorbirte Stickgas muss für jeden Azotometer vorher fest- 
gestellt werden 

Als Absorptionsgrösse betrachtet man die Menge des absorbirten Stickstoffes 
in Volumtheilen auf 100 Gew. Boden bezogen. Die Kenntnis dieses Coeffizienten ist 
für die Beurtheilung der Fruchtbarkeit eines Bodens von hohem Werth. 



22 

Die Stickstoffbestimmung der Böden geschah entweder nach der 
Natronkalk- oder auch nach der Schwefelsäure-Methode. Im letzteren Fall unter 
Zusatz von Baumöl oder Phenol. 

Die Beschaffenheit des Humuses ergibt sich zum Theil aus dem 
Verhältnis, in dem der Kohlenstoff zum Stickstoff gefunden wird, je enger das 
Verhältnis bei mittlerem Humusgehalt ist, um so günstiger, aber auch aus der makro- 
skopischen Betrachtung und der Reaktion von neutralem Lakmus, wenn dieselbe 
bleibend sauer ist, was auf ungenügenden Luftzutritt im Boden oder ungünstige 
Lage des Bodens deutet. 

Bücksichtlich der Phosphor säurebestimm ung ist nur zu bemerken, 
dass die organische Substanz vorher zerstört u. die Kieselsäure gut abgeschieden 
werden muss. Nur bei Moorböden muss diese Entferung der organischen Materie 
durch Zusatz von Kali u. Schmelzen mit Salpeter duch Glühen überhaupt geschehen. 

Die Kalkbestimmung im salzsauren Auszug kann entweder unter Zusatz 
von Schwefelsäure, Eindampfen und duivh Alkoholzusatz als Gyps gescheheu oder 
wenn wenig Eisen und Kalk vorhanden ist, durch zweimaliges Fällen mit Ammoniak 
nacheinander und dann mit Ammonoxalat. Der Kalk wird im Gebläse geglüht, als 
Atzkalk oder als Gyps gewogen. Die Doppelfällung ist bei sehr wenig Kalk und 
viel Magnesia besonders angezeigt. 

Bei geringem Kohlensäuregehalt des Bodens bestimmt man die Kohlensäure 
in 5 G. im Wasser suspendirten Boden, indem man ihn mit titrirter Salpetersäure zum 
Sieden erhitzt und mit Lauge zurücktitrirt u. die gefundene Kohlensäure auf die 
äquivalente Kalkmenge umrechnet. Man findet so den an Kohlensäure gebundenen 
Kalk, aber nachdem, wie neuere Vegetationsversuche darthun, ein Zusammenhang 
zwischen dem Kohlensäuregehalt des Bodens und den von den Pflanzen aufge- 
nommenen Kalkmengen nicht besteht und neben dem Gyps, dem kohlensauren und 
dem humussauren Kalk-, besonders noch die leicht zersetzbaren, in Salzsäure 
löslichen Kalkmengen, die als zeolithische Kalksilicate im Boden enthalten sind, in 
Betracht kommen, so ist auch die Methode der Kohlensäurebestimmung zur Fest- 
stellung der wirksamen Kalkmengen des Bodens nicht mehr massgebend und kaun 
umgangen werden. 

Bestimmungen des spezifischen Gewichtes, des wasserfasseuden Vermögens, 
der Porosität u. Capillarität des Bodens haben, im Laboratorium bestimmt, für den 
Landwirt keinen grossen Nutzen. Es ist sehr schwer eine eingesandte Bodenprobe 
so zu prüfen, wie sie sich in natürlicher Lagerung verhält; auch ist der intelligente 
Ökonom über diese Beschaffenheit der Ackerkrume durch den täglichen Umgang mit 
ihr hinlänglich unterrichtet. 

Dagegen ist die Bestimmung der Absorptionsfähigkeit des Bodens werthvoll. 

Im Allgemeinen kaun man sagen, dass ein Boden um so besser und frucht- 
barer ist, je bedeutender seine Mächtigkeit ist, je günstiger die Mischungsverhält- 
nisse der Bodenkonstituenten sind, je mehr Feinerde und Pflanzennährstoffe er 
enthält, je höhere Absorptionskoeffizienteu er aufweist, je enger das Verhältnis von 
Stickstoff zu leicht löslicher Phosphorsäure, Kali und Kalk wird, je mehr aufge- 
schlossene Silicatbasen oder Zeolithe er enthält und je reicher die Bodenluft an 



23 

Kohlensäure ist. Auch soll der Boden frei sein von den, das Pflanzenwachsthuni 
benachteiligenden Stoffen und reich an assimilirbaren Pflanzennährstoffen. 

Düngkräftig gilt gegenwärtig ein Boden, wenn er 1 pro Mille Stickstoff 
enthält, nicht unter 1 pro Mille Phosphorsäure besitzt und 7 / l0 Mille leicht lösliches 
Kali enthält. Kalkreich anzusprechen sind Sandböden bei einem Gehalt von 10 pro 
Mille, Thonböden bei 20 und noch mehr pro Mille, indem sie erst dann üppigen 
Kleewuchs zeigen und keine merklichen Mengen Eisenoxydul im Obergrunde sich 
bilden lassen. 



Die Bodenbeschaffeiiheit der ackerbareii Felder der Herrschaft 

Frauenberg. 

Die Fideicommisherrschaft Frauenberg, der auch das Gut Zirnau 
einverleibt ist, liegt bekanntlich in Südböhmen in einer Seehöhe von 395 m (Bud- 
weiser Kreise) und grenzt im Norden an die Herrschaften Moldauthein und Bechin, 
im Osten an die Herrschaft Wittingau, im Süden an die Besitzungen der Stadt 
Budweis und die fürstlich Schwarzenberg'sche Herrschaft Krumau, im Westen 
an Netolitz und Protiwin. Sie liegt im südböhmischen ausgedehnten Tertiärgebiet, 
welches die durch den Forbeser flachen Gebirgsrücken von einander getrennten 
teichreichen Ebenen von Budweis und Witlingau einnimmt. 

Beide Ablagerungen besitzen nach Angabe böhmischer Geologen*) eine durch- 
aus einheitliche Entwicklung, aus der man schliesseu kann, dass die Ablagerungen 
dieses Gebietes Schichten derselben Gebilde eines ehemals zusammenhängenden 
Binnenseees seien, der sich weit über die heutigen Grenzen der Ablagerungen 
hinaus in Südböhmen und in Theilen der Nachbarländer ausgebreitet hat. 

Die Herrschaft Frauenberg liegt auf wellenförmigem, zum Theil auch bergigen 
Land, welches vom Norden, Westen und Osten her sanft gegen die Moldau abfällt. 
Die südöstliche Gegend gehört ganz zur Budweiser Ebene, in welcher das junge 
Flötzgebirge nur hie und da als lockerer Sandstein oder Thon zum Vorschein 
kommt, sonst aber vom aufgeschwemmten Land bedeckt ist. Besonders bergig ist 
der nördliche Theil der Herrschaft um Burgholz und im Osten in der Gegend 
von Adamstadt. 

Der grössere, zum Theil gebirgige Theil der Herrschaft hat Gneis zur 
Unterlage, dem sich bei "Fraueuberg dann nördlich von Kfesin an der Moldau und 
westlich von Tischau, Granit beigestellt. 

Nordwestlich von (Tischau) Podhrad findet sich ein mächtiges Quarzfels- 
lager, im Wähle Rachacka und im Dorfe Nemanic zwei mächtige Kalksteinbrüche, 
welche die Herrschaft ausreichend mit diesem nützlichen Mineral versehen können. 
Unweit Zliv findet mau Eisenocker und mächtige Lager feuerfesten Thones sowie 
Ablagerungen von Töpferthon. 

Die Schichtenfolge am westlichen Rande der Budweiser Tertiärablagerung 
ist am vollständigsten erkannt. Zu unterst liegt minder grober Sand, der sich 



*) Bodenanalysen von Wittingau siehe: „Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurch- 
forschung von Böhmen" All. Bd. No. 3 von Dr. J. Hanamann. 



24 

häufig zu weichem Sandstein befestigt und stellenweise sehr harte eisenschüssige 
Partien enthält. Mit dem Sand wechseln häufig lichtgraue oder bunte, zum Theil 
plastische Thone. An manchen Orten liegt Thoneisenstein, seltener Brauneisenstein. 
Stellenweise kommt Magnesit vor. Die oberen Schichten bestehen aus Sand mit 
eingelagertem Thon und darüber folgendem Schotter und führen hie und da Lignit- 
flötze von meistens beschränkter Ausdehnung und geringer Mächtigkeit; welche 
hauptsächlich am Rande der Budweiser Ablagerung und in der Nachbarschaft vom 
emporragenden Urgebirgsrücken berührt werden. Es sind Randbildungen des grossen 
miocaenen Binnensees. 

Der Boden ist im westlichen und südlichen Theile der Herrschaft links 
von der Moldau meistens von schwerer thoniger Beschaffenheit, vorzüglich zum 
Weizenbau geeignet, sehr fruchtbar, im nördlichen und östlichen Theile der Herr- 
schaft rechts von der Moldau weniger fruchtbar, zum Theil sandig und steinig mit 
einer seichteren Ackerkrumme, da sie an den Bergrücken durch Niederschläge 
leicht abgewaschen wird, daher nur in den Thalgründen und Niederungen mächtiger 
auftritt. 

Den steinigeren Boden bedecken ausgedehnte Waldungen, die in zehn Reviere 
eingetheilt s*ind und grösstentheils hochstämmiges Nadelholz, besonders aber im 
Thiergarten Buchen, Eichen und anderes Laubholz enthalten. 

Das Klima von Frauenberg ist feucht und mild. 

Rücksichtlich der Temperaturverhältnisse sind die Abweichungen in dieser 
Gegend im Vergleich mit anderen Gegenden Böhmens nicht sehr bedeutend, obwohl 
in den verschiedenen Theilen der Herrschaft nach Massgabe der Lage beträchtliche 
Verschiedenheiten eintreten. Während aber der wärmste Theil Böhmens bei 155 
Seehöhe eine durchschnittliche Jahreswärme von -f- 8"87° C besitzt, hat Frauenberg 
eine Jahreswärme von -f- 8"45° C. Doch hat es mehr ackerbare Fläche in der 
Ebene liegen und ist den Wind strichen von vielen Seiten ausgesetzt und von 
häufigen Nordost und Nordwinden heimgesucht. 

Nachteilig beeinflussen aber besonders die Spätfroste im Frühjahr und der 
mitunter grelle Temperaturwechsel das Pflanzenleben. Im letzten Jahrzehnt war die 
höchste Temperatur im Schatten -f- 32-5° C, die niedrigste — 25 - 5° C. Das Klima 
ist massig feucht, doch gehören zu den klimatischen und meteorischen Eigen- 
thümlichkeiten dieser Gegend die häufigen und meist sehr heftigen Gewitter, die 
sich nicht selten mit verheerenden Hagelschlägen entladen und deren Auftreten 
den vielen Sumpf, Moorgründen und Teichen zugeschrieben wird, aus welchen 
starke Dunstmassen emporsteigen, häufiger wie in anderen Laudesteilen und die 
sich zu Gewitterwolken ausbilden, die der hier eigenthümlichen Richtung der Ge- 
birgszüge folgen. 



1. Der Meierhof Woudrov. 

Der landwirtschaftliche Besitz ist in drei Sektionen geteilt. Der Meierhof 
W o n d r o v gehört zur ersten Sektion und besitzt ein musterhaftes Meiereigebäude, 



25 

bei dessen Herstellung sich der hohe Besitzer nicht ausschliesslich von wirt- 
schaftlichen Gründen leiten Hess, sondern dein vielbesuchten Prunkschlosse Frauenberg 
ein landwirtschaftliches Bauwerk einzuverleiben beabsichtigte, das in der malerisch 
schönen Gegend auch den ästhetischen Anforderungen entspricht, wie es anderseits 
auch den modernen Ansprüchen als Nutzgebäude volle Rechnung trägt. 

Zu Wondrov gehören 168'8 ha Ä.cker und 94 ha Wiesen. Das Verhältnis 
des Wiesenlandes zur ackerbaren Fläche ist somit ein recht günstiges. Nach Angabe 
des derzeitigen intelligenten Direktors Oswald ist der Schwerpunkt in der Bewirt- 
schaftung mit Berücksichtigung der klimatischen und örtlichen Verhältnisse, sowie 
um den modernen wirtschaftlichen Tendezen zu entsprechen, in die Viehproduktion 
gelegt worden, doch in der Art, dass zwischen diesem und der Pflanzenproduktion 
kein abnormes Verhältnis besteht. Der zum Ersatz der Bodeukraft nöthige Stalldünger 
wird in der Wirtschaft selbst gewonnen und ebenso das für eine ausreichende 
Ernährung des Viehstandes nötige Futter, das durch eine rationelle Thierhaltung die 
möglichst gute Verwertung findet. 

Wondrov besitzt Ackerböden von zweierlei Beschaffenheit, mehr leichte 
und recht gebundene. Die Felder sind zumeist drainirt, die Wiesen systemmässig 
bewässerbar. Leider sind unsere Drainanlagen noch sehr der Verbesserung bedürftig, 
da sie auf die Abschwemmung des Humuses keine Rücksicht nehmen. In dieser 
Hinsicht sind die neuesten, mit voluminösen Rohren ausgestatteten Schulzdrains- 
anlagen, wenn auch kostspieliger, so doch rationeller. 

In der Fruchtfolge herrscht der Grundsatz, dass zwischen zwei Halmfrüchten 
entweder Hülsen-, Hack- oder Futterpflanzen zu stehen kommen. 

Der derzeitige Fruchtfolgeturnus ist folgender: 

1. l jn genützte Brache, 1 / 2 Hackfrucht (bei. Rübe Düngung mit Superfosfat 
u. Chilisalpetr). 2. Winterung. (Kalkdüngung 20—30 Meterzentner pro Hektar) 
'■'<. Klee einjährig. 4. Klee zweijähriger (Raps) mit starker Superphosphatdüngung 
5. Winterung. 6. Hackfrucht. 7. Sommerung. 8. 7a Hackfrucht. l / 2 Futter (mit 
Kunstdünger.) 9. Sommerung. 

Die Bodenbearbeitung wird seit vielen Jahren mit dem Dampfpflug vor- 
genommen, somit ist die Bewirtschaftung das Hofes Wondrov eine sehr intensive. 
Um Frauenberg herum wächst noch saueres Futter, welches der Milchproduktion 
nicht besonders günstig ist. Cultur und Ernte besorgen jetzt nur noch Maschinen 
statt der immer theurer werdenden Handarbeit. 

In dieser Meierei wurden vier charakteristische Bodenproben ausgehoben, 
welche pr. Hektar ergaben im lOjähringen durchschnitt: Weicen 23'6 hl Korn 
23-0 hl Gerste 29-45 hl Hafer, 40'2 hl Rübe 150 q Kartoffeln? 

Die Tiefe der Ackerkrumme beträgt bei 1. = 26, bei 2. = 31 bei 3. = 23 
und bei No. 4 = 28 cm. Die Unterlage ist bei No. 1. Tegel bei 2. = Tegel und 
Sand, bei 3. = Sand und Gneis, bei 4 Thon, I, II, IV sind Weizenböden, No VII- 
Kornboden. 



26 



Ergebnisse der mechanischen und Schlämmanalyse. 

In 100 Gw. Rohboden waren enthalten: 



No. 



II. 



III. 



IV. 



Meierei Wondrov 



Skeletglieder 



pole 
u remisu 



u pösf 
cesty 



mehle 
zadnl 



za 

zahradou 



Grobe Steine {3 mm u. darüber 
Steinchen (über 2 mm) . . . . 
Grober Kies (über 1 mm) . . . 

Summe Steine 

Menge der Feinerde . . 



2-4 

2-0 
31 



75 

92-5 



46 

2-7 
2-4 



48 
T8 
4-0 



97 

no-3 



106 

89-4 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde waren enthalten: 



4-0 
1-2 
3.4 



8-6 
91-4 



Feinsand (0*50 mm) . . . 
Streusand (ö-25?mw) . . . 
Staubsand (0*10 mm). . . 
Feinster Staub (0"05 mm) . 
Thon (Schlamm) 



16-2 
185 
15-8 
18-2 
313 



19-2 
23-0 
19-4 
7-9 
305 



302 
255 

15-7 

7-9 

20-7 



100-0 1000 



1000 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde waren enthalten: 



Hygroskopisches Wasser 

Humusstoffe 

Hydratwasser 



3-850 
3-285 
2-740 



Glühverlust 



9-875 



2-010 
2-150 
1-590 



2-185 
2-025 
1-430 



5-750 



5-640 



25-0 
22-4 
19-5 

3-8 
29-3 



100-ü 



3-065 
3-452 
1-678 



8-195 



27 



In heisser concent. Salzsäure lösliche Stoffe. 



No. 



II. 



III. 



IV. 



Meierei Wondrov 



Bestandtheile 



pole 
u rem i su 



u pösf 
cesty 



inehle 
zadui 



za 
zahradou 



Eisenoxyd (Manganoxyd) . % l - 904 



Thonerde °/ n 



Summe der Sesquioxyde . 



1-832 



2-045 
1 -363 



1-650 
1-380 



3-736 



3-408 



3-030 



2-408' 
1-505 



3-913 



In conc. Schwefelsäure lösliche 
Stoffe % 

(Vorherrschend Thonerde) 
Gesammtstickstoff ... . % 



6-447 
0126 



6-305 
0-112 



4-037 
0-106 



5-092 
0-154 



In conc. Salzsäurelösliche Monoxyde in Prozenten- der Feinerde. 



Calciumoxyd . 
Magnesiumoxyd 
Kaliumoxyd 



1083 
0-210 
0-182 



0-760 
0121 
0163 



0235 
0-043 
0147 



1075 
0-218 
0-226 



In concent. Salpetersäure lösliche Säuren : 



Schwefelsäure , 
Chlor . . . . 
Kohlensäure . 
Phosphorsäure 



Spuren 
Spur 
0-402 

0-068 



Spuren 
Spur 
0235 
0-056 



In Salzsäure lösliche Stoffe 



5-578 



4-915 



Spur 
0-070 

0-044 



3-683 



Spuren 
Spur 
0355 

0081 



5-533 



Quarz, Kieselsäure und schwer lösliche Silicate 



Rückstand nach dem Auskochen j 
mit conc. Salzsäure und conc. 



Schwefelsäure in 



/o 



d. Erde] 



Absorption nach Knop 



78-100 
54 



83030 
43 



86-640 
32 



81-180 
46 



28 

Unter Feinerde ist also die durch ein 1 Millimetersieb durchgegangene 
Erde zu verstehen. 

Der Praktiker bezeichnet die Erden I, IT und IV als Weizen- III als Korn- 
böden. Die Analyse zeigt, dass die drei ersten Böden an thouigen Teilchen um 
10 °„ reicher sind als No III und gegen 30 7,, thonigen Schlamm besitzen, dass 
ihr Glühverlust grösser ist und der in Säuren lösliche Anteil an Thonerde und 
Eisenoxyd bedeutender ist als in No III. Dasselbe gilt von der Absorption. Der Weizen 
liebt einen sehr bindigen Boden. Aus der physikalisch-chemischen Aualyse erklärt, 
sich ungezwungen dieses Verhalten der vier untersuchten Böden dieser Meierei. 

Alle Erden enthalten neben Eisenoxyd, geringe Quantitäten von Eisenoxydul, 
das in grösseren Mengen in neutralen Böden schädlich auf die Vegetation wirken 
kann und gegen welches das „Kalken" des Bodens das beste Gegenmittel ist. 
Der Humusgehalt dieser Böden ist normal, nicht gering, der Stickstoffgehalt beim 
Boden IV am höchsten, bei III am niedrigsten. Aus der Betrachtung der Analysen 
ergibt sich weiter, dass der Kalkgehalt dieser Böden etwas grösser ist als derjenige 
aller anderen Böden dieser Formation. 

Es deutet dies auf die vor 25 Jahren bereits angelegentlichst empfohlenen, 
starken,- vieljährigen Kalkdüngungen hin, die besonders in dieser Meierei, die 
auch Saturationskalk aus der fürstlichen Budweiser Zuckerfabrik jährlich bezieht, 
durchgeführt wurden zum grössten Vorteil der Pflanzenproduktion. 

Nach dem „Kalken" bemerkte man eine auffallende physikalische Verbesserung 
des Bodens, derselbe wurde mürber und Hess sich besser bearbeiten wie früher, 
auch beförderte er bei nassen Lagen die Austrocknung der Ackerkrumme. Man 
machte auch die Erfahrung, dass in hiesiger Gegend überhaupt zu Klee uud 
Leguminosen gekalkt werden muss, wenn günstigere Erfolge erzielt werden sollen. 

Auf den Wiesen verliert sich die Säure, das Moos und bessere Gräser 
treten auf, indem viele Unkräuter verschwinden. So berichtet die Direktion selbst 
nach vieljähriger Benützung des Kalkes als Dungmittel und Verbesserungsmittel 
dieser Böden. 

Der kohlensaure und humussaure Kalk dieser Boden ist gering. Eine vor 
27 Jahren ausgeführte Analyse eines Wondrover Bodens aus der Meiereinähe 
gab folgende Resultate: 

Steine 4-41% des lufttrockkenen Rohbodens. 
Steinche n 7"50 

Sktelet 11-91% der Thongehalt betrug 20-75% 



Feinerd e 88-09 der Kalkgehalt == 0-06% 

100-00. 

Der Glühverlust betrug 960%. 

In 100 Gew. lufttr Feinboden waren enthalten: 



29 



Kalkcarbonat . 0'10% 

Kali . . . . - 16%Mn conc. Salzsäure löslich. 



Phosphorsäure 005% 
Durch Säuren aufgeschlossene 



Basen 7-12%. 



Absorption 78. 



Mit Flusssäure aufgeschlossen waren in der Feinerde enthalten nach Abschlag 
des Glühverlustes: 

Kieselsäure (als Quarz) . 45 , 52°o 

Kieselsäure (als Silicat) . 29-92% 

Thonerde 16"76% 

Eisenoxyd 4"74% (incl. Phosphorsäure) 

Kalciumoxyd 0-44% 

Magnesia 0-37% 

Natron 1-02% 

Kali 1-13% 

Summe der Bestandteile . 9990 

Der in Säuren leichter lösliche Kalianteil ist in diesen Böden durchwegs 
geringer, wie in den Löss-, Basalt, Gneis- und Kalkböden der nord böhmischen 
Besitzungen, höchstens 02% während er in den Genannten 0'4 — 0'6% beträgt. 
Der äusserst geringe Schwefelsäure- Chlor-, und Kalkgehalt beweist, dass diese Erden 
bei ihrer Bildung und ihrem späteren Absatz stark ausgelaugt und somit der lös- 
lichsten Bestandteile beraubt wurden. Eine Phosphorsäure und Kalidüngung wird 
daher in diesen Böden unentbehrlich sein, und sind besonders solche Verbindungen 
zu wählen, die den Acker auch mit Schwefelsäure und Chlor bereichern. Wir 
empfehlen Superphosphate und den Sylvin (Chlorkalium Stassfurths) neben weiterer 
starker Kalkung und Stallmistdüngung. 

Bei intensiver Bodenbearbeitung und Düngung sind wir überzeugt, dass 
diese Böden noch höhere Erträge abwerfen werden, dass sie namentlich der Zucker- 
rübe besser zusagen und ihre quantitative Ernte sichern werden. 

Namentlich ist auf den sehr bindigen Thonböden eine öftere starke Kalkung 
neben Düngung unerlässlich, weil dieser graue bindige Boden mit Wasser benetzt, 
zu einer festen, oft steinharten Masse eintrocknet. Die geringe Flockungsfähigkeit 
dieses Bodens wird aber durch Kalkwasser derart gehoben, dass beim Eintrocknen 
eine feinkrümmelige Masse zurückbleibt, die den Pflanzenwuchs weit besser fördert, 
wie das Vegetationsversuche mit diesem Boden in Mettalltöpfen beweisen, die an 
der Lobositzer Versuchsstation durchgeführt wurden. 

Wir gedenken hier auch der Thonabla gerungen von Frauenberg (bei 
Zahai u. Zliv), welche in der Versuchsstation zu verschiedenem Zeiten wiederholt 
untersucht wurden und deren Zusammensetzung wir hier übersichtlich wiedergeben. 



30 

Thone, die sich durch Feuerbeständigkeit auszeichnen und welche in Zliv im grössten 
Massstabe industriell verwertet werden. Die Fabrik ist mit den ueuesten Apparaten 
versehen und erzeugt gesuchte Artikel. 

Drei Thonproben hatten folgende Zusammensetzung : 

In Schwefelsäure und Salzsäure lösten sich . . 3040" u . . 29' 10" „ 

Entspricht Thon (Al 2 Si 2 7 ) 65'81% . . 63-00"» 

In Kalilauge unlöslicher Rückstand 19-65% . . 23-90% 

Kieselsäure in Kalilauge löslich 36-95",, . . 35 - 10" 

Reiner Quarz im Rückstande 4*27% . . 5'66% 

Die geglühten wasserfreien Thone von Frauenberg hatten verglichen mit 
dem von England zugeführteu, bei Dresden fabriksmässig auf schwefelsaure Thon- 
erde verarbeiteten Weissthon und mit dem Marienbader Porzellanthon (beide Thone 
in der Station untersucht) folgende Zusammensetzung. 



Bestandteile 



Frauenberger Frauenberger Englischer Marienbader 

Schieferthon Pfeit'enthon Weissthon Porzellanthon 



I II III IV 

Kieselsäure . . . 58'05 57-13 .... 5475 .... 6834 

Thonerde .... 38-13 38-50 .... 43"55 .... 2928 

Eiseuoxyd .... 2.36 2.42 .... (J-53 .... 0'42 

Die geglühten Thonproben in Druckflaschen eine Stunde bei 150° C mit 
conc. Schwefelsäure behandelt, lieferten : 

I II III IV 

Thonerde 3513 . . 2510 . . 3772 . . 28'27 

Eisenoxyd 2.22 . . 2'42 . . 0-52 . . 040 

Kieselsäurereichen Rückstände . . 61-33 . . 6069 . 6016 . . 6944 

Auf 100 Gewichtsteile aufgeschlossener Thonerde entfallen: 
Eisenoxyd 631 . . 629 . . 1-44 . . 142 

Für die Erzeugung von schwefelsaurer Thonerde ist der Zahajer Thon nicht 
brauchbar, da er zu viel Eisenoxyd enthält, dagegen zeichnet er sich durch unge- 
wöhnliche Feuerfestigkeit aus und wird zu Chamottewaren verarbeitet. 

Eine Magnesitprobe von Frauenberg enthielt in 100 Gewichtsteilen der 
lufttrockenen Steinprobe: 

Magnesia 4I - 01 

Kalk • . . 0-65 

Eisenoxydul 0.70 

Kieselsäure 3 - 50 

Kohlensäure 48 - 92 



31 



In 100 Gew. lufttrockenen Thones waren enthalten : 



Bestandteile 



Thonprobe Thonprobe Thonprobe 



IL 



III. 



Glüh, verlust 
Kieselsäure 
Thonerde . 
Eisenoxyd 
Magnesia . 
Kalk . . . 
Kali . . . 
Natron . . 



1592 

48 90 
30-02 
2-66 
0-57 
Spur 
1-45 
0-23 



99-75 



13-00 

49-50 

31-50 

1-90 

0-45 

Spur 

1-62 

058 



98 55 



Eine Verwertung findet der Magnesit in den Stahlgusswerken. 

Eine Braunsteinprobe aus der Umgebung von Zliv enthielt: 

Wasser 1-67 

Quarz u. Quarzart 5562 

Eisenoxyd . ; . . . 2*40 

Mangansuperoxyd 31'50 

Manganoxyd 4-32 

Alkalien u. Erden 4 - 49 

100-00 



11-90 

51-00 

32-78 

1-77 

0-22 

Spur 

2-55 



100-22 



2. Meierhof Kresin. 

Die Meierei Kresin verfügt durchweges über sogenannte Kornböden und be- 
sitzt folgende Fruchtfolge: 1. Mischling. 2. Winterung (Kalkdüngung) 3. Einjähr. 
Klee 4. Winterung (mit Superfosfat) 5. Hackfrucht ( Phosphat Jüngung) 6. Sommerung, 
7. Hackfrucht 8. Sommerung. (Zu Mischling und Hackfrucht starke Mistdüngungen.) 
Die Erträge sind im zehnjährigen Durchschnitt: Korn (24-82 1, Gerste (27*00), 
Hafer (40-20), Rübe (180), Kartoffel (220). 

Untersucht wurden Bodenproben von den Feldern: 



32 








Feldstelle : 


• 

za Bezpal- 


Eisne- 


Pod 




stodolou covske" 42d 


rovske" 


dfevnici 


Tiefe der Ackerkrumme . . . 


. 26 cm . . 22 cm . 


20 cm . 


. 27c>« 


Iu 100 Gew. des 


rohen lufttr. Bodens 


sind: 




Grobe Steine (3 mm darüber) . . 


. . . 34 . . . 14-5 


. . 31 


. . . 4-6 


Steiuchen (über 2 mm) 


1-2 . . 2-3 


. . 1-8 


. . . 0-8 


Grober "Kies (über 1 mm) . . . 


. 3-1 . . . 3-7 


. . 29 


. . . 2-1 


Skelet 


. . . 77 . . . 205 


. . 7-8 


. . . 7-5 



Feinerde (durch \mm Sieb) 



92-3 



79-5 



92-2 



92-5 



In 100 Gew. lufttrock. Feinerde waren enthalten: 

Feinsand (0'50 mm) 30'5 

Streusand (0-25) 246 

Staubsand (010) 13-9 

Feinster Staub (0 - 05 mm) ... 142 

Thon (Schlamm) 16'8 



Zusammen lOO'O 



Hygroskopisches Wasser .... P505 

Humusstoft'e 2380 

Hydratwasser T010 



. . 202 . . . 257 . . 


. 26-7 


. . 29-4 . . . 20-8 . . 


. 16-7 


. . 18.0 . . . 17-3 . . 


. 14-3 


. . 11-4 . . . 17-7 . . 


. 22-7 


. . 21-0 . . . 18-5 . . 


. 19-6 


100-0 . . . 100 . . 


. 100-0 


trock. Fe in er de waren: 




. . 2-950 . . . 2-145 . . 


. 2-680 


. . 3012 . . . 2071 . . 


. 3181 


. . 1-018 . . . 1874 . . 


. 2-919 



GlUhverlust 4895 



6 980 



6-090 



8-780 



In conc. Salzsäure lösliche Bestandteile: 
Eisenoxyd (.Mangan) .... 2108... 2'850 . . . 2-473 



Thonerde 1897 



2-490 



1-8(37 



Summe der Sesquioxyde 



4005 



Calciuinoxyd '. . . 0123 

Magnesiumoxyd 0'168 

Kaliumoxyd 0127 



5-340 

0230 
0101 
0-175 



4-340 

0-160 
0012 
0197 



In Salpetersäure lösliche (Säuren) Stoffe: 

I II III 

Schwefelsäure Spur ... — ... Spur . 

Cblor — . . . — ... Spur . 

Kohlensäure .- 0044 . . . 0-085 ... 0035 . 

Phosphorsäure 0062 . . . 0-072 . . 0095 . 

Kieselsäure und Natron sind nicht weiter angeführt. 



3-016 
3154 



6170 

0145 
0328 
0-296 



IV 

Spur 

Spur 

0050 

0102 



Summe der in Salzsäure löslichen Stoffe . 



4705 



6029 . 5025 



7141 



33 

Rückstand nach dem Auskochen der Erden mit conc. Salzsäure und conc. 
Schwefelsäure als Quarz, Kieselsäure und schwerzersetzbare Silicate : 

Rückstand 86060 . . . 82-280 . . . 85-580 . . . 79'720 

In conc, Schwefels, lösliche Stoffe (Thonerde) . 4-340 . 4-712 . 3-305 . 4.359 

Stickstoffgehalt der Erden 0119 . 0.127 . Olli . 0-126 

Absorption * 28 . 56 . 35 . 60 

Diese Ackererden sind charakterisirt durch eine ungewöhnliche Armut au 
Kalk, Schwefelsäure, Chlor, stehen im Kaligehalt den Wondrover Böden nicht nach, 
ebenso im Phosphorsäuregehalt, d agegen sind sie thonärmer, aber aufgeschlossener 
wie jene bei gleichem Stickstoffgehalt. Deshalb eignen sie sich besser zum Korn- 
als Weizenbau. Der Zuckerrübe sagen sie besser zu wie die Böden von Wondrov. 
Auch für diese Böden werden die, für die vorhingenannten Böden empfohlenen 
Dünger verwendet werden müssen; denn nach unseren experimentellen und prak- 
tischen Erfahrungen, sowie nach dem heutigen Stande der Forschung über die 
PflanzenuähruDg erkennen wir, dass durch einseitige Düngung mit den zwar wich- 
tigsten Pflanzennährstoffen, Phosphorsäure, Stickstoff und K ali, möglichst hohe Erträge 
nicht zu erzielen sind, wenn im Boden nicht auch die übrigen Nährstoffe, Schwefel- 
säure, Chlor, Kalk und Magnesia etc. vertreten sind. 

Unsere kalkarmen Böden verlieren im Laufe eines Ja hres 
mehr wie 500 kg. Calciumcarbonat p r. Hektar durch A u s 1 a u g u n g 
und Ausbau, während sich dieser Verlust bei kalkreichen Acker- 
böden auf das fünf- bis sechsfache steigern kann. Deshalb haben wil- 
der Kalkdüngung schon seit 30 Jahren das Wort gesprochen und wissen, dass bei 
unseren Feldern, die durch Jahrhunderte bebaut werden, die Verarmung sich 
nicht nur auf die Phosphorsäure, sonderen auch auf die anderen Pflanzennährstoffe 
und den humosen Teil des Bodens erstreckt, dass also von der Anwendung der 
Kunstdünger im Allgemeinen auch nur dann auf dauernden Erfolg gerechnet 
werden kann, wenn mau nicht einen einzigen Parzialdünger, sondern Gemenge 
verwendet oder mehrere Nährstoffe der Pflanzen nach einander folgen lässt, was 
wesentlich von der zu bauenden Culturpflanze abhängig ist. 

Die grösste Schwierigkeit macht noch die Düngung für mehrjährige Pflanzen, 
namentlich für solche, welche sehr tiefgehende Wurzeln haben, da man, ist die 
Fläche einmal damit bedeckt, nicht wieder tief mit den Ackerwerkzeugeu eindringen 
kann. Doch lässt sich bei der ersten Anlage etwas hiefür thun. Verwendet man 
Kalidünger, so ist eine Kalkdüngung auch deshalb notwendig, weil sich das Kali 
während der Absorption im Boden mit dem Kalk der Erde umsetzt und letzterer 
in Freiheit gesetzt und durch das kohlensaure Wasser der Niederschläge als Bicar- 
bonat ausgelaugt wird. 

Für Wintersaaten empfiehlt sich mit Vorteil das schwefelsaure Ammoniak neben 
Thomasschlacke und es kommt besonders in den kalkreicheren Böden zur Geltung. 

3. Meierhof Altthiergarten. 

Die Böden dieser Meierei bestehen aus Mischungen von Quarz, spärlich 
Glimmer und Feldspat nebst Sand und Thon in Tertiär- und Gneisgebiet. Die 

3 



34 



Praktiker bezeichnen sie als Kornböden, Weizen wird hier nicht gebaut. Die Erträge 
betragen pr 1 ha im zehnjährigen Durchschnitt: 2429 Koru, 24 - 00 Gerste, 40 - 59 
Hafer, 160 q Rübe, 200 Kartoffeln. Die Fruchtfolge besteht hier iu 1. Mischling 
mit reichlicher Stallinistdünguug, 2. in Winterung mit Phosphorsäuredünguug 
3. in Hackfrucht (Stallmist), 4. in Sommerung, 5., in Klee I, 6. Klee im 2. Jahr, 
7. Winterung, 8. Sommerung. 

I II III IV 

Tiefgrüudigkeit der Ackerkrumme . . . . 29 . . 28 . . 27 . . 27 cm. 



Resultate der Schlämmanalyse. 
In 100 Gew. lufttrockenen Rohbodens sind enthalten : 
I 



Bestandteile 

Grobes Gestein 
Steinchen . . . 
Grober Kies 



Hetzplatz, 
Boden 
22 . 
0-7 . 
19 . 



Skeletsumme 
Fein erde . . 



4-8 
95-2 



Summe 



1000 



II 

Zadni 
stranou 
18-7 . 
3-5 . 
4-5 . 



III 

podvo- 

leSnic. cestou 

6-6 . . 

68 . . 

42 . . 



26-7 
733 



176 
82-4 



IV 

za plotem 
u myslivny 
6-4 
1-9 
3-5 



11-8 
88-2 



1000 



100-0 



100-0 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde (1 mm Sieb) waren enthalten: 



Feinsand 


. . . 28-5 . 


. 24-5 . . 
. 29-5 . 
. 14-6 . 
. 104 . . 

. 21-0 . 


. 34-1 . . 
. 22-5 . 

. 121) . 
. 13-9 . . 

. 17-5 . 


35-5 


Staubsaud 

Mehlfein 


. , . 27-3 . 

. . 11-8 . 
. . . 12*4 


. 25-4 

. 13-3 

14-0 


Thoniges (Schlamm) 


. . . 20-0 . 


. 11-8 


Hygroskop. Wasser . . . 

Humusstoffe 

Hydratwasser 


. . . ioo-ii . 

. . . 2-720 . 
. . . 3-020 . 
. . . 2-855 . 


. 1000 • 

. . 4-210 . . 
. 3-582 . 

. . 1-268 . 


. 100-0 . 

. 2-160 . 
. 2-250 . 
. 0-765 . 


• 1000 

. 2-302 
. 2-071 
. 1-374 




. . . 8-595 . 


. 9060 . 


. 5-175 . 


. 5-747 



Ergebnisse der chemischen Analyse. 
100 Gew. Feinerde geben au conc. Salzsäure (digerirt) ab: 

I II III 

Eiseuoxyd (Mangan) 1-202 . . . 3-035 . . . 0842 



Thonerde 2-344 



3-650 



1-563 



IV 

1-461 
2652 



Summe der Sesquioxyde 



3-546 



6-685 



2-405 



4113 



II 


HI 


IV 


0-151 . 


. . 0-140 . 


. . 0-145 


0-277 . 


. . 0-061 . 


. . 0-328 


0-248 . 


. . 0-098 . , 


. . 0-091 


7-406 . . 


, . 2-832 . . 


, . 4-856 



35 

I 

Calciumoxyd 0-025 . . 

Magnesia 0-151 . . 

Kali 0-086 . . 

In Salzsäure lösliche Basen: . . 4-226 . . 

Bestand der in Salpetersäure löslichen Verbindungen, Chlor und Schwefel- 
säure in kaum nachweisbarer Menge: 

Kohlensäure 0-008 . . . 0-060 . . . 0-048 . . . 0057 

Phosphorsäure 0-096 . . . 0035 . . . 0-026 . . . 0-057 

Gesammtstickstoff 0-133 . . . 0-140 . . . 0-108 . . . 0-091 

In Schwefelsäure lösl. Stoffe 

(Thonerde) 6-429 . . . 5-174 . . . 4-723 . . . 3247 

Bückstand nach Salz- und 

Schwefelsäure 80-750 . . . 78360 . . . 87-270 . . . 86-150 

Absorption 39 ... 64 ... 24 ... 32 

Auch in diesen Böden finden wir ausgesprochene Kalkarmut und wechselnde, 
zum Teil unzureichende Vorräte an Phosphorsäure, ungleichen Gehalt au stickstoff- 
haltigen Stoffen, der am geringsten bei Boden No. IV ist, ungleich aufgeschlossen. 
Der Thougehalt ist bei allen Böden kleiner wie bei den Wondrover Böden, 
auch die in Säure lösliche Kalimenge. Besonders bei den Böden I u. III werden 
sich neben Stickstoff, Phosphorsäure auch Kalidüngungen empfehlen lassen. Die 
mit Kalisalzen gedüngten Knollenfrüchte, namentlich Kartoffeln geben nicht nur 
einen höheren Ertrag, sondern es besteht auch die Ernte aus einem höheren 
Prozentsatz grösserer Kartoffeln, was für Exportzwecke nicht zu unterschätzen ist. 

Was die zeolithische, in Natronlauge lösliche Kieselsäure betrifft, so ist 
dieselbe hier nicht ziffernlässig wiedergegeben, doch zeigen die kalkhaltigen und 
kalkreichen Erden Böhmens einen viel höheren Prozentgehalt an löslicher Kieselsäure 
und Thonerde als die nicht kalkigen. In den meisten Fällen laufen Kiesel- u. Thon- 
erde mit einander parallel. Was die Absorption betrifft, so steht sie in einem engen, 
bis zu einen gewissen Grade in Zahlen ausdrückbaren Verhältnis zu den aufge- 
schlosseneu Basen (Sesquioxyden und Monoxyden), doch spricht die Beschaffenheit 
des absorbirenden Materials mit, aber Erden von grosser Fruchtbarkeit besitzen 
immer hohe bis 100 und mehr aufsteigende Absorptionen, so der Malnitzer und 
Schelchowitzer Boden bei Postelberg und Lobositz. 

Die Kalibereicherung der Felder kann entweder mit Hilfe der Wiesen 
geschehen, dass man solche damit reichlich düngt und das Futter in der eigenen 
Wirtschaft verfüttert und als kalireichen Stallmist auf die Felder bringt, oder in 
der Art, dass man die schwefelsaure Kalimagnesia auf den Dünger aufstreut, 
vielleicht noch Torfmullm mit verwendet und so die Bindung des Ammoniaks be- 
wirkt, weil die Magnesia mit Phosphorsäure und Ammoniak ein im Wasser fast 
unlösliches Doppelsalz bildet u. so das flüchtige Ammoniak festlegt, endlich in direkter 
Weise, indem man die Kalisalze im Herbst vor dem Tiefpflügen des Rübenackers 



36 

unterpflügt und nur eine kleinere Menge im Frühjahre gibt weil die untersuchten 
Bilden, vermöge ihrer Eisenschüssigkeit grosse Neigung zur Krustenbildung besitzen 
und die Kalisalze dieselbe noch befördern, wenn sie nicht vorher im Boden eine 
Zersetzung erfahren und günstige Bindnngsverhältnisse angenommen haben. 

Nachdem die Sand- und Moorböden die kaliärmsten Bodenarten repräsentiren, 
so wird sich Kalidüngung vernehmlich auf diese Bodenarten zu erstrecken haben, 
denn nur in den seltensten Fallen werden die löslichen, für die intensive Cultur 
benötigten Kalimengen in ihnen enthalten sein. 

Auf den Feldern aber wird das Kali auch da wirken, wo eine intensive 
Fruchtfolge kalireich er Pflanzen stattfindet, und hat sich im Lössiehin z. B. 
von Lobositz Ka init zu Gerste und Rübe gleichzeitig mit Ammoniaksuperphosphat 
oder Salpeter und Thomasschlacke verwendet, schon im ersten Jahre bezahlt gemach - 
Auf der Zittoliber Domaine wurden wieder mit Kainit und Superphosphat zu Luzernt 
klee verabreicht, vorzügliche Ernten erzielt. Ähnliche günstige Erfolge erzielt Herr 
Verwalter Bezecny iu Kestfan zu Gerste und kommt zu dem Schlüsse auf Grund 
seiner Düngungsversuche, dass die Kalidüngung für Gerste sehr rentabel ist. 

Es bleibt noch zu erörtern, wann man den Boden bezeichnet als „kalireich." 
wann „mittelreich," wann „arm. 1 Nach unsern zahlreichen Untersuchungen böhmischer 
Ackererden ist der Boden sehr kalireich, wenn er an conc. Salzsäure bei 2stündigem 
Digeriren an Kali abgibt : 

Berechnet auf Feinerde : Auf Robboden : 

Sehr kalireich . . 0-7— 0-5% . . . . 0'6— 0-5% 

Kalireich 03 — 0-4% . . . .0-25—0-35% 

Kalibedürftig 0-25" 0-20% 

Sehr kalibedürftig . . . 0'15\ (>H>\ 

Die Versuchsstation Halle fmdet nach ihren Untersuchungen : 

Maximum U-464"," Kali 

Mittel 0-369% „ 

Minimum 0270", .. „ 

Viel geringer sind die Kaligehalte der Moorböden. 



4. Meierei Neuthiergarten. 

Die hier in Betracht kommenden Böden sind wieder Weizenböden, mit 
Ausnahme des Bodens No. III., der als Kornboden bezeichnet wird. Die Ackererde, 
„u remisu" ist aus verwittertem Gneis hervorgegangen, mehr thonig; der Boden 
„v lukäch" ist ein Flussalluvium, bindig, der „u senika" Alluvium mit Schotter 
untermischt, der „u pokutni hräze" ist recht thonig. Die Fruchtfolge auf diesen 
Feldern ist folgende: 1. l / 2 Mischling, y, Rübe gedüngt mit Phosphorsäure 2. Winte- 
rung mit Klee, mit starker Kalkdüngung 3. Klee 4. Klee 5. geduugte^Vinterung 6. 
Hackfrucht gedüngt mit Superphosphat. 



37 



Die Tiefe der Ackerkrumme beträgt bei : Boden : 

I II III IV 

29 cm 28 cm 26 cm 27 cm 

In 100 G. Roh bo den (Obergrüde) waren im lufttrockenen Zustande 
enthalten : 



S k e 1 e t " 1 i e d e r 



I II III IV 

u remisu v lukäch u velkeho u pokutnf 

II I senika hräze 



Steineben (über 3 mm) . . 
Grober Kies (über 2 mm) . . 
Kies (über 1 mm) 



3-1 
06 
1-8 



0.3 

o-i 

0-5 



0-4 

0-3 
0-8 



1-3 
0-3 
0-7 



Skeletsumme 
Feinerde . . 



94 5 



0-9 
99-1 



1-5 
98-5 



2-3 

97-7 



In 100 Gew. lufttrockner Feinerde waren enthalten 





I II 


III 


IV 




Feinsand (über 050 mm) . . . 20 3 12-8 
Streusand unter (0-25) .... 28-4 10-3 
Staubsand „ ((MO) .... 108 10'5 
.Meblfein „ (005) . . . . 110 36-9 
Thonige Tbeile (Schlamm) . . 29"5 29-5 


15-7 
27-3 
170 
18-5 
21-5 


139 
16-5 
132 

28-2 

28-2 




1000 100-0 


1000 


100-0 




Hygroskopisches Wasser . . . 
Hydratwasser (gebundenes) . . 


3-705 
2-31.") 
1-200 


3-724 
4035 
1401 


3-204 

2-857 
1-281 


4-71U 
3 450 ■ 
2-530 




Summe Glüliverlust 


7220 


9-160 


7-345 


10690 



38 



Bestand der in Salzsäure löslichen Stoffe: 



II 



III 



IV 



Eisenoxyduloxyd 
Thonerde . . , 



2-044 
3146 



2-900 
3-250 



2 735 
3240 



4-005 
3 650 



Sesquioxyde 



5-190 



6-150 



5-975 



Bestand der in Salzsäure lösliehen Monoxyde: 



'.655 



Kalk . . , . . I 0-341 
Magnesia 0'097 



Kali 



0-202 



0-108 
0036 
0-224 



0-124 
0347 
0-222 



0-312 
L 497 
0-250 



Summe der in Salzsäure lösl. 
Basen: I 6062 



6-789 



6-958 



9-038 



Rückstand nach der Salzsäure- 
und Schwefelsäure- behandlung : 80-460 



In Schwefelsäure lösl. Stoffe 
(Thonerde) 



6-258 



79-580 81-840 

I 

4-471 4-157 



79-580 
3-192 



Bestand in löslichen Säuren : 

Schwefelsäure und Chlor sind auch in diesen Böden nur spurenweise enthalten : 



Kohlensäure 0455 . . . 0-035 . . . 0-048 

Phosphorsäure 0-139 ... 0" 128 .. . 0089 

In 100 Gew. lufttrock. Feinerde sind enthalten: 

Gesammsticktoff '\ 0-133 ... Ol 75 .. . 0-147 

Absorption 38 ... 69 ... 69 



0-095 
0-077 



0-154 
68- 



39 

Die Erträge dieser Bodenarten sind im zehnjährigen Durchschnitt: Weizen 
25-11, Korn 26*34, Gerste 29-47, Hafer 4593, Rüben 150. Schon aus dem hohen 
Gehalt der in Salzsäure löslichen Stoffe, aus den hohen Absorptionen, hohen Thon- 
gehalten sieht man, dass man es mit Weizenböden zu thun hat. Der Phosphorsäure- 
gebalt dieser Böden erreicht nur ausnahmsweise O'l'/o wahrend die Löss- und Ba- 
saltböden weit höhere ^Phosphorsäureinengen enthalten. Gedüngt mit organischen 
Stoffen sind diese Böden gut, wie denn auch der Stickstoff- und Humusgehalt ein 
reicher ist. Kohlensauren und humussauren Kalk enthalten sie in geringster Menge. 
Der lösliche Kalianteil ist nicht sehr hoch. Das Stelet besteht aus Quarz, Feldspath 
etwas Glimmer, unzersetzbaren Gneispartikelchen und ist gegenüber der Feinerde 
sehr gering. Auch bei diesen Böden werden starke Kalkungen fortgesetzt werden 
müssen. Da auch die Schwefelsäure im Minimum vorhanden ist, so empfiehlt sich 
auf ihren Ersatz zu denken und die mit Schwefelsäure aufgeschlosseneu Super- 
phosphate statt Thomasschlacken zu verwenden, weil hiedurch ausser Phosphorsäure, 
auch Gyps also Kalk und Schwefelsäure gleichzeitig zugeführt werden. Die Erträge 
dieser Böden sind auch die höchsten von allen bisher betrachteten Böden, nur der 
Kartoffel nicht zusagend, da diese Frucht bekanntlich einen mehr sandigen Acker 
liebt. Die Kübenerträge sind halbsogross wie im nordböhmischen Lössboden, es 
fehlen Tiefgründigkeit und Värme. Die Rübe liebt vor allem einen tiefgründigen, 
warmen Boden. Erden, die nur OT'o löslichen Kalkes enthalten, können sich nicht 
erwärmen, denn diese Kalkmenge hat in physikalischer Beziehung keine Bedeutung, 
zu einer solchen Wirksamkeit gehört das Auftreten des Kalkes in bedeutend 
grösseren Massen, zu mehreren ganzen Prozenten. Ebenso ist der Magnesiagehalt 
in mauchen dieser Böden so gering, dass eine Dolomitdüngung oder Kalimagnesia- 
salzdüngung am Platze wäre. 

Wo es sich, wie in der Landwirtschaft, um die richtige Erkenntnis auf 
einem Gebiete handelt, wo so unendlich mannigfaltige Verhältnisse herrschen, eine 
so grosse Zahl verschiedener Faktoren mitspricht, durch deren Zusammenwirken 
das Endresultat bedingt wird, da besteht die exakte Methode darin, zunächst ein 
reiches Datenmaterial, mit Rücksicht auf die verschiedeneu Factoren und Verhält- 
nisse zu sammeln, um dadurch eine sichere Grundlage für darauf aufzubauende 
Folgerungen zu gewinnen; in ähnlicher Art, wie man in der Meteorologie durch 
Sammlung unzähliger Daten Licht in das scheinbare Wirrsal von Ursachen und 
Wirkungen gebracht hat und noch besser zu erkennen, bestrebt ist. 

Aus früherer. Arbeiten stehen dem Verfasser zahlreiche Daten zu Gebote, 
die in kalkarmen und kalkreichen Bodenarten 'die Löslichkeitsverhältuisse der 
zwei wichtigsten Pflanzennährstoffe der Phosphorsäure und des Kalis mäher be- 
leuchten. Aber auch aus den folgenden analytischen Ergebnissen lassen sich interes- 
sante Schhissfolgeruogen ableiten und mit früheren Ergebnissen in Beziehungen 
bringen. 

Betrachten wir die gefundene Gesammtphosphorsäure der Frauenberger 
Böden, setzen daneben die in 1% Citronensäure lösliche Phosphorsäuremenge und 
die aus der Kohlensäure berechnete Kalkmenge, die sich im löslichsten Zustande 
befindet, so ergibt sich ungezwungen, dass mit der Menge des kohlen- 



40 

sauren Kalkes in diesen Bö d e n a u c h d i e M e n g e d e r c i t rat löslichen 
P h o s p h o r s ä u r e wächst, wenn auch nicht im geraden Verhältnis 
Die vorbenannten Böden enthielten nämlich : 

1. Weizenböden von Womlrov. 



I 



Gesammtphosphorsäure 0'0680 

Citratlösliche P, 6 0-0140 

Calciumcarbonat . , 09130 



Von der Ges- 
Procente 



P, O s waren löslich 



20" o 



2. Kornböden von K 

Gesammtphosphorsäure 0*0620 . 

Citratlösliche P 2 O fi 0'0082 . 

Calciumcarbonat 01010 . 

Löslichkeits- % der P 2 O s .... 13% . 

3. Kornböden von A 1 1 1 li 

Gesamintphosphorsäure - 0960 . 

Citratlösliche P s .0„ 00018 . 

Calciumcarbonat 0"0180 . 

Löslichkeits- '/• der P„ 0, .... 2% . 



II 

00560 . . 

00162 . . 

0-5390 . . 

29% . . 

f e § i n . 

0-0720 . . 

0-0085 . . 

0-1930 . . 

11% . . 

e r g a r t e n 

00350 . . 

00034 . . 

0-1360 . . 

15% . . 



III 

0-0440 
0-0026 
0- 1600 

6% 



00950 
00036 

00790 
4% 



0-0260 

0045 

0- 1 090 

17% 



IV 
0-C810 

00157 
0-8070 

19°,, 



0-1020 
0059 
0-1140 



0570 
0-0028 

0-1390 



4. Weizen u, Korn- Böden von Neuthier garten 



Gesamintphosphorsäure 0039!» 

Citratlöslich P., O s 0075 

Calciumcarbonat (13520 

Löslichkeits % der P„ 0, .... 19".. 



01280 
0-0075 
0-0890 

4", 



00890 
00046 
0-1090 

5% 



0-077(1 

0-0085 

0-2160 

11% 



Am phosphorsäurebedürftigsten weiden jene Böden sein, die am wenigsten 
citratlösliche Phosphorsäure enthalten und das sind die Böden von: 

Altthiergarten, Hetzplatz. 

u myslivny 
Woudrov . . Mehle zadnf 
Kreäin . . . Eisnerovske" 
Neuthiergarten u senika velkeko 
Neuttaiergarten v lukäch 



So wie der Kalk das Kali des Bodens löslich und absorptionsfähig 
macht, so vermag er auch die Phospborsäure in löslichere Verbindungen zu bringen 
und den N i trif ica tionspro zess im Boden zu bescbleunigeu, woraus sich die 
Wichtigkeit der Kalkung der Felder ergibt, die aber noch durch die physikalischen 



41 

Wirkungen des Kalkes gesteigert wird. Die Citratlöslichkeit iu verschiedenen kalk- 
armen Böden betrug im Gegensatz zu den kalkreichen Böden des herrschaftlichen 
Besitzes : 



Bei den hier behandelten IG Böden : 



1. 


— 20% 


2. 


— 29% 


o 
0. 


- 6% 


4. 


— 19% 


5. 


— 13% 


G. 


— 11% 



7. 


- 4% 


8. 


5% 


9. 


— 2% 


10. 


— 15% 


11. 


— 17% 


12. 


— 5% 



13. - - 19% 

14. — 4% 

15. - 5% 



Im Gesammtdurchschnitt 



16. — 11% nur 11% Citratlöslichkeit. 



Bei den Tertiärböden von Wittingau betrug der Durchschnitt := 22% 

Bei den Gneisböden von Nettolitz = 27% 

Bei den kalkreichen Zittolieber Böden = 37% 

Bei der Lobositzer Diluvialböden = 36 — 40% 

Verfasser hat indessen gefunden, dass man in kalkreichen Böden besser 
thut, statt Citronensäure l%i kalte Salpetersäure zur Extraktion der Böden 
und zur Bestimmung des pflanzenlöslichen Phosphoranteiles des Bodens zu ver- 
wenden, die auch eine raschere Analyse des Bodenauszuges gestattet. 



Die Section Cejkovic. 

Das Klima ist im Allgemeinen rauh und die Gegend, weil zumeist eben 
und der Nähe der Berge entrückt, dem freien Windstrich ausgesetzt. 

Der Grundwasserspiegel liegt bei dem Meierhofe Cejkovitz verschieden 
tief unter der Erdoberfläche und ist grossen Schwankungen unterworfen. 

In niederschlagsreichen Jahren leiden alle Acker der vorgenannten Höfe 
an Grundnässe, deren Ableitung nur langsam erfolgen kann, weil die Entwässerungs- 
anlagen der ebenen Lage wegen, nur eine spärliche Vorflucht haben. 

Die herrschende Windrichtung ist West und Nordwest. Die Grundwässer 
sind stark£eisenoxydulhaltig und setzen Eisenocker ab. Ausserdem enthalten sie 
leichtes Sumpfgas, das auf tiefere Kohlenablagerungen^deuten möchte. 

Fruchtfolge 

No. I. 

1. Mischling, gedüngt mit Mist. 

2. Winterung mit Klee, gekalkt (Weizen.) 

3. Kleegras. 

4. Vj Kleegras, V* Winterraps, Animal-Düngung. 

5. Winterung (gedüngt mit Superfosfat). 

6. Hackfrucht (Zuckerrübe o. Kartoffel) animal gedüngt mit Mist, Chilisalpeter 
u. Phosphaten. 



42 

7. Sommerung (Gerste). 

8. 7j Mischling u. 7» Hackfrucht (Mist + Phosphor. 4" Chilisalpeter) 

9. Sommerung. 

No. II. 

1. Winterung, Mistdüngung (Weizen). 

2. Hackfrucht (Kartoffel u. Wickhafer). 

3. Sommerung mit Klee (Starke Kalkung). 

4. Klee im ersten Jahre. 

5. Klee im zweiten Jahre. 

Seit dem Jahre 1895 werden siimmtliche Äcker mit dem vierschärigen Fowler'- 
schen Dampfptlug tief geackert mit hervorragendem Erfolg. Die Bodenerträge sind 
höchst ungleich. Nasse Jahrgänge können eine totale Missernte herbeiführen. 

Am besten gedeiht auf diesen Äckern der Winterweizen (besonders „Schlan- 
stedter",) dann Gerste, minder der Hafer und der Roggen. Die Zuckerrübe ge- 
deiht nur in günstigen Jahren. Klee und Hülsenfrüchte erheischen bri der beispiellosen 
Kalk- und Phosphorsäurearmut der Böden der Secktion Cejkovic reichliche Kalk- 
düngung. 



5. Hof Cejkovic. 

I. Feldern der „Dasenskä cesta" I. dfl Tertiär 32 cm tiefe Ackerkrumme, 
Gerstenboden, ebene Lage — 395 m Seehöhe. 

II. Feld „Zadnf pffcina I. dfl" Sehotter u. Thon, Untergrund Thon. Tiefe 
der (Weizenboden) Ackerkrumme 25 cm Hang nach S. 398 Sechöhe. 

III. Feld „Vrbenskä cesta" 1. dll Ebenso Ackerkrumme 28 cm tief, Weizen- 
boden (387 m Seehöhe) ebene Lage. 

IV. Feld „Vysatov (v pravo na hofe)" Weizenboden. Ackerkr. 30 cm tief 
(388 m Seehöhe ebene Lage (nass.) 

V. Schlamm aus dem Teiche „Blatec". 

In diesen Schlamm waren in 100 Gew. der lufttrockenen Knie enthalten: 

Quarzsand 14-42% 

Feine Erde 85"58% 

100-00% 

Der Glühverlust des Schlammes betrug 16*70"/,, 

Die Menge der in conc. Salzsäure löslichen basischen 

Oxyde war 7"507o 

Der Stickstoffgehalt war ; . . . . 0-287% 

Der Fosforsäuregehalt war. 0141,, 

Der Kalkgehalt war • 0-151% 

Der Kaligehalt war 0-252% 



43 



Mechanische Zusammensetzung der vorgenannten vier 



B ö d en. 

I 
Skelet 

Steine — (2 — 4 mm gross) - 5 

Steinchen (über 2 mm) 1*1 

Kies (über 1 mm) 24 



Summe des Skelets . 4-0 

Menge der Feinerde 96"0 



100-0 



II 

2-5 
0-6 
2-5 



5-6 

94-4 



1000 



III 

4-7 
2-3 
3-1 



10-1 

89-9 



100-0 



IV 

1-5 
2-5 

2-3 



6-3 

93-7 



100-0 



In 100 Gew. 

Grobsand (1 — 0-5) mm 13-8 

Feinsand (0-3) mm 16'6 

Feinster Sand (0-02) mm 15'0 

Staubsand (0-05) mm 21"8 

Mehlige Masse (O'Ol) mm 13'4 

Thonige Substanz 19"4 



lufttrockener Feinerde sind enthalten: 

15 2 
13'4 
14-5 

18-9 
10-1 
27-9 



Summe 100-0 



100-0 



12-3 
145 
15-9 
10-3 

17-2 
23-8 



1000 



15-0 
16-4 
14-4 
16-2 
104 
27-6 



100 



Der Hauptmasse des Sandes besteht aus Quarz, verschiedenen Silicaten 
(Feldspaten), spärlich Glimmer. 

In 100 Gew. lufttrockener Feinerde sind: 

Hygroskopisches Wasser 1-44 . . 2 - 52 

Humus (nach dem Kohlenstoff) 



Chemisch geb. Wasser 



1-99 
1-75 



2-14 
1-85 



1-57 

2-48 
1-29 



Summe der lösl. Basen 3-81 

Summe der Schwefelsäure beim Kochen lösl. 

Basen 331 

Quarz u. Silicate 85 - 70 

Gesammtstickstoff ° 0-098 . . 

Gesammtfosforsäure 7o .... 0-031 . . 

Absorption (Knop) 45 

Feinerde des Untergrundes . . 97% . . 



6-31 

6-07 
31-10 



5-10 

85-00 



265 
2-66 

2-05 



Glühverlust 5' 18 . . 6-51 . . 5'34 . . 7-36 

Bestand der in conc. heisser Salzsäure löslichen Stoffe: 

Eisenoxyduloxyd 160 . . 3-23 . . 2-25 . . 2-05 

Thonerde 1"76 . . 223 . . 109 . . T25 

Calciumoxyd f .... 0-12 .. . 036 . . Q'26 . . 0*15 

Magnesiumoxyd 013 . . 0-15 . . 0-03 . . 017 

Kaliumoxyd 011 . . 0-21 . . 044 . . 0-15 

Natriumoxyd . . 01)9 . . 013 . . Q-Q3 . . Q-Q5 



3-82 

5-56 

82-20 



0105 . 


. 0-112 . 


. 0-140 


0055 . 


. 0062 . 


. 0-060 


53 . 


. 47 . 


. 48 


987» . 


. . 44% . 


. . 927, 



44 

Phosphorsäuregehalt des lufttrockenen Rohbodens im Untergründe. 

Prozente 0-030 . . . 0-047 . . . 0-020 . . . 0041 

Schwefelsäure % Spur ... — ... Spur . . . Spur 

Vorstehende Bodenarten klassifiziren unter die lehmigthonigen, strengen, 
höchst kalkarmen Quarzsandböden der tertiären südböhmischen Formation. 

Die geringe Verschiedenheit der beigemengten Mineralfragmente deutet auf 
einen gemeinsamen Ursprung; es scheint, dass zu seiner Bildung vorzüglich Urge- 
steine, meist wohl feldspathaltiger Mineralien beigetragen haben. 

Die verwitterten, wasserreichen zeolithischeu Bestandteile des Bodens, welche 
meistens auch die Höhe der Absorption der Nährstoffe der Pflanzen in einer Acker- 
erde bestimmen, überschreiten nirgends 6"/,, ausser im Schlamme von (Blatec) der 
sich auch durch hohen Stickstoff- u. Phosphorsäuregehalt auszeichnet. Die basischen 
Stoffe sind jedoch reich an Eisenoxydul, besonders aber an Eisenoxyd, obwohl die 
Farbe der trockenen Feinerden nur gelblichgrau, bräunlichgrau oder blassrötlich 
ist. No. I unterscheidet sich von den drei anderen Böden durch einen geringeren 
Thongehalt, weshalb ihn die Praxis mehr als Gerstenboden bezeichnet, durch 
schwächeren Absorptions- Coefizienten durch etwas kleineren Humiisgehalt, durch 
geringere wasserhaltende Kraft. Allen Böden gemeinsam ist der fabelhaft geringe 
Kalkgehalt, welcher selbst im stark sauren Bodenextrakt kaum einige Zehntel 
Prozente Kalk ausmacht, von denen aber nur ein sehr geringer Bruch theil 
als humussaurer und kohlensaurer Kalk vorhanden ist. 

Auch die Phosphorsäurequantität erhebt sich nicht über 0*06 % in der Fein- 
erde, sinkt im steinigen Acker weit unter diese Menge und ist im Untergründe kleiner 
noch als wie im Obergrunde. Dagegen tritt das Eisenoxydul störend im Untergründe 
auf und ist nur durch Kalkdüngung bei gleichzeitiger Tiefackerung und Lüftung 
des Bodens unschädlich zu machen, indem es höher oxydirt wird. 

Schon vom Gesichtspunkte der ungünstigen physikalischen Beschaffenheit 
weil in ebener und feuchter Lage gelegen, der Kalkarmut und der geringen Menge 
aufgeschlossener Basen (Sesquioxyde) empfiehlt sich eine reichliche Dotation dieser 
Acker mit kalkreichen und d ol o m i tischen Mineralien im gebrannten 
Zustande. 

Der Untergrund von No. III scheint sehr reich au Schotter zu sein, da er 
nur 44°/ Feinerde besitzt. 

Der Thonerdegehalt des conc. heissen Schwefelsäure-Auszuges übersteigt 
nicht 6 %. Die rötheren Schichten des Untergrundes backen sehr zusammen und 
sind fester als wie die grauen. Das bindige Gefüge beruht teils auf der Beschaffen- 
heit des thouigeu Bindemittels, teils auf dem Verhältnisse desselben zum todten 
Gestein. Dem hohen Eisengehalte des Bodens entsprechend, sind die Grün dwässer 
stark eisenoxydulhältig, welches sich au der Luft in Form von Rost (Eisenoxydhydrat) 
abscheidet. 

Aber auch der Kaligehalt dieser Böden, der in absorbirter und zeolithischer 
Bindungsweise vorhanden ist, lässt zu wünschen übrig und ist die Menge des in 
conc. Salzsäure löslichen Kalis in diesen Ackererden dreimal so gering als wie 



45 

in den nordböhmischen Lössböden, fünfmal geringer wie in den basaltischen und 
trachitischen Verwitterungsprodukten und in den Flussalluvien der Eger und Elbe. 

Es wird daher die Kalk- und Phosphorsäure-Düuguug auf die Dauer nicht 
zureichen, man wird auch geeiguete Kalisalze (Kainit, Sylvinit, conc. Salze) 
neben Holzasche heranziehen und zu Volldüngungen übergehen müssen, sollen 
entsprechende Vollernten in den Hackfrüchten und Kleeschlägen erzielt werden. 

Werden die hier betrachteten Böden (Obergründe) uiitKalk- 
wasser gekocht, so treten etwa 001% Kali aus, die also in blos 
absorbirtem Zustand in den Ackererden enthalte u sind. Daher 
ersetzt wohl eine Kalkdüngung eine Kalidüngung, aber auf — Kosten der zeolithisch- 
gebundenen Nährbestandteile des Bodens. Demonstrations und Düngungs- Versuche, 
namentlich mit Sylvinit zu Getreide und Hackfrüchten werden hier am Platze seiu. 

Gering ist die Menge der verwitterten Sesquioxyde, welche in reichen Erden 
12 — 14% betragen, während sie in diesen Fällen nicht einmal die Hälfte, auch 
wohl nur ein Drittel ausmachen. 

Begreiflich ist daher, dass die, warmen, trockenen, tiefgründigen und kalk- 
reichen Lehmböden liebende Zuckerrübe nur in günstigen Jahren höhere Erträge 
abwirft, Klee u. Hülsenfrüchte minder gut gedeihen. 

Der normale Stickstoffgehalt der Ackerkrumme deutet auf gute Stallmist- 
düngung, doch wird der Stickstoff erst in wannen kalkthätigen Ackerkrummen vermöge 
der Bakterient hätigke i t zu nutzbaren Verbindungen umgewandelt. 

Der Gehalt an thonigreichem Schlamm ist bei dem Boden No. I 19%, bei 
den anderen Bödeu 26 — 28%. Das Skelet besteht verwiegend aus Quarz (50 — 60)7o 
dem etwas Feldspat, wenig Glimmer beigemengt ist. Der Stickstoffgehalt dieser 
Böden ist normal, nur im ersten Boden geringer wie im zweiten und vierten Boden, 
Der Magnesia, und Schwefelsäuregehalt ist gering, eben so der Gehalt an Chlor- 
natrium, doch wird dieses Salz (Kochsalz oder Steinsalz) im Stalldünger zugeführt, 
freilich aber auch, wie die Untersuchungen der Drainagewässer lehren, am schnellsten 
aus den Ackererden ausgelaugt. 

Gering ist ausserdem die Menge der in Salzsäure löslichen, sogenannten 
zeolithischeu, leicht verwitterbaren Sesquioxyde und Mouoxyde, die bei reichen Erden 
bis 12 — 14% betragen, während sie in diesen Bödea nicht einmal die Hälfte der 
genannten Basen betragen. Begreiflich ist es daher, dass die Zuckerrübe nur in 
günstigen Jahren höhere Erträge abwirft und Klee und Hülsenfrüchte weniger gut 
gedeihen. 

Der Untergrund des dritten Bodens ist sehr steinreich, da über die Hälfte 
desselben aus groben Skeletgruss besteht, während die Ackerkrumme nur 10 % Skelet, 
dagegen 90% Feinerde enthält. 

Bei den anderen Erden sind die Untergründe ebenso reich an Feiuerde wie 
die Ackerkrummen und gestatten eine entsprechende Vertiefung mit dem Dampfpfluge. 

Die Phosphorsäuregesammt-Quantitäten sind im Untergrunde geringer als 
in der Ackerkrumme, so dass eine Bereicherung dieses Pflanzeunährstofftss aus deu 
Uutergrundschichten nicht möglich ist. 



46 

Diese Böden erwärmen sich nicht so leicht wie die dunkeln wasserarmen 
Böden, sie kühlen sich aber ebenfalls nicht so leicht ab; sie zeigen demnach ge- 
ringere Temperaturschwankungen, besitzen aber doch nicht die hohe mittlere Tempe- 
ratur wie jene. Wie haben ferner den Unterschied zwischen Feinerde und Bodenskelet 
stets scharf betont, weil erstere diejenigen Stoffe in sich einschliesst, welche die 
chemischen Vergänge im Boden vermitteln. Das Skelet enthält nur die schwer 
zersetzbaren Zeitrümmerungsprodukte der Gesteine, aus denen sich der Boden einst 
bildete und zwar mit solchen Bestandteilen, die in mancher Hinsicht den Charakter 
der Gesteine selbst zur Schau tragen. In den Zersetzungsprodukten der Feinerde 
begegnen wir zwar denselben Trümmerresten, aber in sehr abnehmenden Feinheits- 
zuständen, gemischt mit thonigen Massen und humoseu Stoffen. Die Bestimmung 
der Letzteren geschieht derzeit nur aus dem Kohlenstoffgehalt der Erde, doch ist 
zu erinnern, dass nichtnur die im Boden vorhandene Humusmenge, sondern auch die 
Qualität desselben von Einfluss ist; doch ruht die Unterscheidung verschiedener 
Humusarten und die Charakteristik der einzelnen Substanzen nicht auf wissenschaft- 
licher Unterlage, sondern ist der Ausdruck laugjähriger praktischer Erfahrungen. 
Häufig bezeichnet man Böden als saure. Reaktion des Bodens u. Säure gehen 
durchaus nicht Hand in Hand. Es kommen humusarme Sandböden vor, die sauer 
reagiren und auf der anderen Seite sehr humusreiche, an Nässe leidende Böden, 
die neutral oder gar alkalisch reagiren. Nur sehr geringer Humus- und Kalkgehalt 
können leicht zu einer sauren Beschaffenheit des Bodens führen, der bekanntlich 
der Vegetation sehr abträglich ist, aber nicht deshalb, weil er sauer reagirt, sondern 
aus ganz anderen Gründen. Der humusarme, wie der humusreiche (Moorboden) sind 
unseren Culturpflanzeu nicht besonders zuträglich. 

Von grösserem Einfluss auf die hier betrachteten Bodenarten wird auch die 
eingeführte Tiefkultur sein, welche in energischer Weise die Zersetzungsprodukte- 
der organischen Stoffe nicht allein in den oberen, sondern auch in den tieferen 
Schichten des Ackerlandes vorteilhaft beeinflussen wird. Der Luftzutritt verhindert die 
Fäulnisprozesse der organischen Materie und verwandelt sie in Verwesunsprozesse 
uuter Bildung von salpetersaurem Ammoniak und Kohlensäure, wodurch die der 
Vegetation nachteiligen Desoxydationsprozesse beseitigt werden. 

Von ungemein günstiger Wirkung auf diese Vorgänge ist die durch die 
Tiefkultur hervorgerufene gleichmässige Verteilung der Bodenfeuchtigkeit. 

Hand in Hand mit dieser Wirkung geht die günstig wirkende Lüftung 
des Bodens, die einen beschleunigten Gang des mineralischen Bodenbestandes, 
besonders auch der schwer durchlässigen Bodenarten bewirkt. Durch starke 
Kalkungen solcher Böden wird aber auch die Krümuielstruktur des Bodens befördert, 
durch welche einem schädlichen Stauen des Wassers in den Schollen vorgebeugt wird. 

Die Absorptions-Cöeffizieuten der hier zuletzt betrachteten Böden sind günstige 
und bewirken das Festhalten der Pflanzennährstoffe in den verabreichten Düngern. 

Die durch concentrirte Schwefelsäure zersetzten Bodenaiten bringen Thon- 
erdequantitäten in Lösung, die nahezu mit der doppelteu Kieselsäuremenge als 
Thon im Boden enthalten sind und mit der Menge des thonigen letzten Schleinm- 
produktes fast übereinstimmen, wenn auch in vielen anderen Fällen solche Über- 
einstimmung nicht besteht. 



4.7 

Addirt man die in couc. Salzsäure u. conc. Schwefelsäure gelösten Thouerde 
u. Eisenoxydrneugen zusammen, so erhält mau folgende Verhältniszahlen: 

No. I No. II No. III No. IV 

Sesquioxyde 6'67 . . . 1153 . . . 844 . . . 8-86 

Kieselerde 12-00 . . .2200 . . . 1600 . . . 18.00 

Wahrscheinlicher Thongehalt . . 1867 . . . 33'53 . . . 2444 ... 26:86 

Schlamm 1440 . . . 27-90 . . . 23-80 . . . 27-60 



Meierhof Kfenovic. 

Von den vier ausgehobenen Bodenproben dieses Meierhofes ist der Boden 
No. 3 steiniger wie die drei anderen Bodenarten. Der Thongehalt dieser Böden 
beträgt 24 — 30%. 

Es sind durchwegs Weizenböden, in ebener Lage. Die Analyse der Ober- 
gründe, welche bei I 23 cm, bei II 22 cm, III 28 cm, IV nur 21 cm Mächtigkeit 
der Ackerkrumme besitzen, lehrt, dass sie zwischen 93—99% Feinerde enthalten, sehr 
bindig und thonig sind und folgende mechanisch-chemische Zusammensetzung zeigen : 

In 100 Gew. lufttrock. Roherde (Obergrund) sind enthalten: 



No. I 



Bezeichnung des Feldes 



Zakupy 
Acker 



Steine über 3 mm 
Steine ., 2 mm 
Kies „ 1 mm 



2-50 
230 

2-40 



No. II 



Za buni- 
bu III 



1-25 



No. III 



za pfikopy 
I dil 



3-50 
2-10 

410 



Skelet . 
Feinerde 



7 20 

92-80 



1-25 
98-75 



9-70 
90-30 



No. IV 



In 100 Gew. lufttrock. Feinerde sind enthalten. 



Za vobfes- 

ska resta 

I. dil 



030 



0-03 
99'96 



- Feinerde über - 5 mm .... 


23-9 


15-0 


200 


17-6 


Streusand „ (0'25 mm) . . . 


146 


23-3 


20-0 


18-7 


Staubsand ,, 040 mm .... 


185 


16-0 


21-2 


20-2 


Mehlfein ,, 005 mm .... 


18-5 


15*5 


12-5 


164 


Thonige Teile (Schlamm) . . . 


24-5 


30-2 


26-3 


27-1 


Summe , . 


100 


ioo-o 


1000 


ioo-o 





48 



In 100 Gew. lufttrock. Feinere de sind weiter enthalten: 



No. I 



Bezeichnung des Feldes 



Hygroskopisches Wasser 

Humus 

Gebundenes Wasser . . 



Zakupy 

Acker 



No. II 



Za bum- 
bu III 



No III 



za pfikopy 
I dll 



273 
315 

3-80 



3 90 
3-46 

377 



2 07 
263 

2-53 



No. IV 



Za vobfes 
ska cesta 
I dil 



Eisenoxyduloxyd 
Thonerde . . . 



3350 

2-610 



Summme der Sesquioxyde 
Calciumoxyd ..... 
Magnesiuinoxyd . . 

Kaliumoxyd 

Natriuiuoxyd 



960 
161 
183 
156 
120 



2-270 
1401 



1-640 
1-680 



3 671 

021 1 
0139 
0098 
1 1 1 152 



3-320 

Ol 30 
0098 
0-108 
0075 



Summe der in Salzs. lösl. Basen 6 - 580 
In con. Schwefelsäure lösl. Stoffe 
(Thonerde) 5045 



I 
Rückstand nach der Schwefel- 
säure- Digestion 77 71 

Stickstoffgehalt der Boden" , . . 0126 
Phosphorsäure 0048 

Absorption (nach Kuop) .... 59 



4 171 
6-612 



3-731 
5-105 



46 



In 100 Gew. Roherde des Untergrundes waren: 

Skelet % 60 . . . 3-4 

Feinerde % 94-0 . . . 966 



48 



94-5 



2 20 
2-35 
253 



Glühverlust ; 9-68 1113 7-23 708 

Bestand der in con. Salzsäure löslichen Stoffe: 



1-630 
1441 



3-07 1 
0-268 
0105 
0068 

042 



3\554 
6-067 



II 


III 


IV 


77-d.i . 


. 83-05 . 


. 82-15 


0-182 . 


• 0121 . 


. 0-084 


0089 . 


. 042 . 


. 0-051 



In 100 Gew. der lufttrockenen Feinerde des Untergrundes: 
Phosphorsäure "., 048 .. . 0-074 . . . 0019 



47 



3 7 
963 



0-016 



Biese Erden geglüht, hinterlassen rostrote Feinböden. Der hohe Gehalt an 
gebundenem Wasser entspricht einem höheren Thongehalt dieser Böden. In solchen 



49 

eisenschüssigen Erden geht der braune Humus leicht unter dem Einfluss von humus- 
saurem Eisenoxyd, indem das Eisenoxyd vomhumussauremEisenoxyd reduzirt 
und durch die atmosphärische Luft immer wieder oxydirt wird, unter Wasserstoff- 
verlust in den schwarzen Humus über, wie man sich durch Ausziehen der Böden 
mit schwacher Natronlauge leicht überzeugeu kann. 

Die wasserhaltigen Silicate sind in diesen Böden in geringerer Menge ver- 
treten, lange nicht in solchen Quantitäten wie im Löss, Basalt oder im Boden des 
Rothliegenden enthalten, weshalb auch die gefundenen Absorptionen keineswegs 
hoch sind, wie nach den grossen Feinerdemengen dieser Böden hätte geschlossen 
werden können. 

Der reichste, an Stickstoff, Kali und Phosphorsäure von diesen vier Böden 
ist der Zweite, der aber physikalisch am wenigsten günstig zusammengesetzt ist. 
Da auch in diesen Bodenproben der kohlensaure Kalk auf ein Minimum reduzirt 
ist, so treten in nassen Jahren ungünstige physikalische Verhältnisse in den Erden 
ein. Hier ist eine reichliche öftere Kalkung der Böden am Platze, um den Thon 
lockerer, mürber und wärmer zu machen und die Nitriücation zu beschleunigen. 
Der Kalk fällt aus feinvertheilten Sesiiuioxydsilicaten Eisenoxydhydrat und Thouerde, 
überführt das den Pflanzenwurzeln schädliche Eisenoxydul in das unschädliche Eisen- 
hydroxyd, zerstört das Schwefeleisen der Thoneisensteine und bringt Kaliumsilicate 
in Lösung und Absorption. An aufgeschlossenen Kali sind diese Böden nicht reich, 
Allein "die Düngung darf nie einseitig nach dem Düngebedüifnis des Bodens 
bemessen werden, man muss auch stets dem speziellen Nährstoffbedarf der Pflanze 
Rechnung tragen. Man denke nur beispielsweise an die äusserst günstige Wirkung 
kleiner Salpetergaben, welche selbst auf sonst stickstoffreichen Böden oft so vorteilhaft 
wirken, falls sie zu einer Zeit gegeben werden, wo der Boden den Pflanzen noch 
keine genügende Menge aufnehmbaren Stickstoffes zu bieten vermag. 

Die geübte Fruchtfolge in diesen Böden besteht in : 

No. I. 

1. Mischling (ged. mit Stallmist). 

2. Winterung (Weizen) gekalkt. 

3. Kleegras. 

4. 7j Kleegras, 7* Winterraps mit animalischer Düngung. 

5. Winterung (gedüngt mit Phosphorsäure.) 

6. Hackfrucht (Rübe) animal. Dg. Phosphorsäure u. Chilisalpeter 

7. Sommerung (Gerste) 

8. '/ 2 Mischling, 1 /„ Hackfrucht (animal. Düngung u. Chilisalpeter) 

9. SommeruDg. 

No. II. 

1. Winterung (mit animal. Düngung) 

2. Hackfrucht, Kartoffel u. Wickhafer 

3. Sommerung mit Klee 

4. Klee 1. (gekalkt) 

5. Klee 2. Schlag. 



50 



Meierei Such 4. 



Der Boden von Jarov ist ein Kornboden oben gelegen in einer Seehölie von 
104 m, die drei folgenden Böden sind Weizenböden grösstenteils eben gelegen, nur 
der Boden III in sanftem Hang nach Osten. Sämmtliche Äcker werden seit 1895 
mit dem vierscharrigen Dampfpfiug tief bearbeitet. Die Bodenerträge sind sehr un- 
gleich, nasse Jahrgänge vermögen totale Missernten herbeizuführen. Am besten gedeiht 
Weizen und Gerste, weniger der Hafer und Roggen. Die Tiefe der Ackerkrumme ist 
bei diesen vier Bödeu sehr verschieden. 



Tiefe der Ackerkrumme 
bei den Bödeu 



Predni 

k bfehu 

30 cm 



II 



Medenice 
velka 
16 cm 



III 



Mezicesky 
k Piätina 
III 25 cm 



IV 



Jarov 
IV .111 
30 cm 



In 100 Gew. Rohboden (lufttrocken) sind enthalten: 



Steine (über 3 mm) . 
Steinchen (über 2 mm) 
Kies (über 1 mm) . . 

Skelet 

Feineide 



1-1 
2-0 
0-2 



2-0 
23 
1-6 



1-2 
31 
0-9 



33 

96-7 



5-9 

94-1 



52 

94-8 



22 

2 3 

03 



4-8 

95-2 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde sind enthalten: 



Feinsand 16 - 2 

Feiner Sand 121 

Staubsand ' 1 3-7 

Mehlfeinst . 27-1 

Schlamm | 30-9 



Summe . . • | 1000 



22-0 
20-5 
11-5 
19-4 
26-6 

ioo-o 



19-2 
163 
12-5 
252 

26-8 

1000 



21-0 
24-3 
193 
15-4 
20-0 

im in 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde sind enthalten: 



51 



Boden No. I II 

Hygroskop. Wasser 4-90 . . . 2'70 

Humusstoffe 3'08 . . . 2-42 

Hydratwasser 238 . . . 2-74 

Summe 1036 . . . 7-86 

Bestand der in Salzsäure löslichen Stoffe. 

Eisenoxyd 1-595 . . . 1670 . 

Aluminiumoxyd 2215 . . . 1-630 . 

Summe der Sesquioxyde .... 3810 . . . 3300 . 

Magnesiumoxyd 0'056 . . . 0016 . 

Kaliumoxyd 0154 . . . 0145 . 

Natriumoxyd 0-029 . . . 0-031 . 

Calciumoxyd 0-310 . . . 0312 . 

Summe der aufgeschlossenen Basen 4'359 . . . 3'804 . 
In conc. Schwefels, lösl. Stoffe 

vorherrschend (Thonerde) . . . 8-310 . . . 7 570 . 
Rückstand nach Extraktion mit 

C1H u. S0 3 75-678 . . . 80-062 . 

(Kieselsäure u Silicate) Gesammt- 

phosphorsäuregehalt % .... 0093 . . . 0062 . 

Stickstoffgehalt % 0-133 . . . 0-112 . 

Absorption (Knop) 58 ... 53 



III 



IV 



2-36 . 


. 1-38 


2-35 . 


. 2-85 


2-45 . . 


. 1-85 



7-16 



5-106 



83-104 



6:08 



1-802 . 


. . 0-960 


2-105 . 


. . 1-700 


3-907 . 


. 2-660 


0-142 . 


. 0-113 


0-181 . 


. 0-085 


0-014 . 


. 0-042 


0-250 . 


. 0-252 


4-494 . . 


. 3-152 



4-960 



S4-245 



0-089 . 


. 0-038 


0-119 . 


. 0126 


5& 


. 40 



In 100 g. des lufttrock. Rohbodens des Untergrundes: 

Skelet . . . . 3-8 .. . 37 . . . 2:2 .. . 2-0 

Feinerde 96-2 . . . 96-3 . . . 97'8 . . . 98-0 

In 100 Gew. lufttrock. Feinerde sind enthalten : 
Phosphorsäure °/ 0-058 . . . 0032 . . . 0058 . . . 0-031 

Von den vier Böden der Meierei S u c h ä zeichnet sich der Boden von 
J ar o v durch geringeren Thougehalt, kleineren Kali u. Phosphorsäuregehalt, so 
wie durch schwächere Absorption unvorteilhaft von den drei anderen Böden aus. 
Von der Landwirtschaft wird er zum Unterschied von den anderen Weizenböden, 
Kornboden genannt, doch steht er im Stickstoffgehalt den anderen Weizenböden 
nicht nach. Am humusreichsten ist der Boden No. 1, der auch' den höchsten Thon- 
gehalt aufweist. Bei der geringen Magnesiamenge dieses Bodens könnte hier eine 
Düngung mit gebranntem Dolomit versucht werden. 

4* 



Auch diese Erden verläugnen nicht hn Allgemeinen den Charakter der 
Bodenarten der Tertiärformation des südböhmischen Beckens. Im thonigen Untergrund 
macht sich die geringe Skeletmenge unvorteilhaft bemerkbar, denn das Skelet macht 
sehr bindige Böden locker und durchlässig. Es bildet die Zellenglieder, welche die 
Feinerde auszufüllen hat. Bei solcher Vertbeilung verliert die thouige Feinerde und 
der Humus die Eigenschaft, beim Durchnässen stark emporzuquellen und beim 
Eintrocknen sich gleich stark zusammenzuziehen und Sprünge und Risse zu be- 
kommen. 

Quarz herrscht im sandigen Teil der Feinerden vor, doch sind Feldspath, 
Trümmer von Thoneisensteiu mit Glimmer (Kali und Magnesiaglimmer) beigemengt. 
Die eisenreichen Thonerdesilicate absorbiren die Pflanzennährstoffe besser wie die 
eisenarmen oder eisenfreien, doch nimmt die Absorption entschieden ab mit der 
Dichte des Kornes. Da ausserdem iu fast allen diesen Erden das Chlor u. die 
Schwefelsäure in äussert geringen Mengen enthalten sind, so wird mit den Super- 
fosfaten und Kalisalzen gleichzeitig Chlor und Schwefelsäure, selbst Magnesia zuge- 
führt, wenn Kainite o. Karnallite zum Düngen verwendet werden. Gyps ist aber 
für das Gedeihen der Leguminosen unentbehrlich und die leichte Löslichkeit solcher 
Dünger iu den Niederschlägen befördert die schnelle und gleichförmige Verteilung 
der zugeführteu Nährstoffe im Boden, was von dem grössten Einfluss auf den Dün- 
gungseffekt ist. 

Deshalb sind auch in diesem Falle die Superfosfate den Thomasmehlen vorzu- 
ziehen, die Verwendung von Chilisalpeter für Cerealien und zurückgebliebene 
Wintersaaten unentbehrlich. 

Wir erinnern aber bei der Beurteilung der Bodenanalyse nochmals daran, 
dass ein Zusammenhang zwischen dem Kohlensäuregehalt des Bodens und den von 
den Pflanzen aufgenommenen Kallunengen nicht zu erkennen ist, wie es auch die 
Ye-etationsversuche von Dr. Meyer in einer eingehenden Arbeit nachgewiesen 
haben. Die Methode der Kohlensäurebestimmung zur Feststellung der wirksamen 
Kalkmeugeu im Boden ist daher zu verwerfen. Neben dein Gyps, dem kohlensauren 
Kalk kommen besonders die leicht zersetzbaren Kalksilicate, wie sie Salzsäure 
aus dem Boden auszieht, für die Ptlauzenernähruug in Betracht. Ferner erinnern 
wir daran, dass der Boden an Kalk „arm" ist, (bei einem Gehalt des kohlensauren 
humosen und Siücatkalkesj, wenn er enthält: 



Lehmboden" ,, Sandboden °/ 

arm an Kalk bei 0-10 — 025 OTO — 015 

massig au Kalk bei 0-25 — 0'50 015 — 020 

gut „ „ „ 0-50 — POO 020 — 0-30 

reich „ „ „ über POO über 0'50 

liier autwortet die Bodenaualyse klar u. bindig. 

Ebenso bei der Bestimmung des Kalis. Erden, die nur O'I - 2" ,, in couc. 
Salzsäure lösliches Kali enthalten, sind „arm" an Kali u. bei dem Anbau anspruchs- 



53 

voller Kalipflanzen bald erschöpft, weshalb auch hier auf entsprechenden Kaliersatz 
je nach der Bewirthschaftungsart Rücksicht genommen werden muss. 

Atterberg hat aus Boden- und Aschenanalysen der Haferpflanze nachge- 
wiesen, dass sich auf Kalkböden eine strenge Proportionalität zwischen dem 
Phosphorsäuregehalt im Boden und in den Körnern des Hafers feststellen lasse. 
Schon ein Gehalt von Ol % Phosphorsäure scheint in den Böden hinreichend zu 
sein, während Ol bis 0*12% Kali als wenig anzusehen sind. Verfasser hat ähnliche 
Zahlen für Gerste gefunden und in den „österr. Versuchsstationen" veröffentlicht. 
Sandböden mit 0-05 — 0'10° (0-09 % mittel.) geben nach Atterberg Ernten 
mit niedrigerem Kaligehalt im Stroh (l - 0°/ ). Bei 011% im Boden steigt indess 
der Kaligehalt im Stroh auf 1-21 bis l"49°/ . Der Phosphorsäuregehalt der auf 
diesen Böden (mit - 97 — - ll n / Phosphorsäure) geernteten Haferkörner war überall 
gleich gross, also genügend. 

Bei Lehmböden waren für die Entwicklung eines normalen Haferkornes 
0'07°/„ genügend. - l°/o Kali war wenig- Erst - 2° Kali gab guten Kaligehalt im 
Hafer. 

Bei der Phosphorsäure des Bodens ist in manchen Fällen weniger die Form 
und die Verbindung massgebend, in welcher sich die Phosphorsäure im Boden be- 
findet, als vielmehr die Verteilung dieses Nährstoffes, die eine bedeutende Rolle 
spielt. Rücksichtlich des Stickstoffes kann natürlich nur ein Theil der in den 
Humussubstanzen enthaltenen Verbindungen von der Pflanze ausgenützt werden 
und die Zersetzung der organischen Substanz wird natürlich zumeist durch die 
physikalische Bodenbeschaffenheit, das Klima und andere locale Verhältnisse stark 
beeinflusst. 



Seetion Zirnau. 

Die Sektion Zirnau verfügt über drei Höfe. Zirnau, V o 1 e § n i k und 
Chvaläovic. Sie liegen im Gneisgebiet. 



Der Hof Zirnau. 

Besitzt durchwegs Gersteuboden. 

Die Bodenproben sind nachbenanuten Feldern entnommen worden: 

I. Za hanusu hofejgi, II. Rejstlce hofejsi, III. Häjsy prostfednf IV. Za turinku 
dolejäi. .Die Bewirtschaftung dieser Felder erfolgt zu dieser Zeit 2 — 3mal mit 
animalischem Dünger, dreimal stark gekalkt, zu Winterung und Rübe mit Super- 
fosfat und Chilisalpeter gedüugt. Der Boden ist in den Tieflagen überall drainirt. 
Die Mächtigkeit der Ackerkrumme beträgt bei Boden I etwa 33 cm, der beiläufige 
Ertrag beträgt pr Uta bei Weizen 22 hl bei Gerste 25 hl, Zuckerrübe 160 g;. Bei 
Boden II ist die tiefte Ackerkrumme und beträgt 36 cm. Der Ertrag ist 55 hl Weizen, 



54 

27 hj Gerste 160 g Rübe. Bei Boden III ist die Mächtigkeit der Ackerkrumme 
25 cm, 20 hl Weizen, 80 Kartoffeln, 30 hl Hafer, 100 q Rühe. Bei Boden IV. 30 cm 
Mächtigkeit, Ertrag 22 Weizen, 25 Gerste und 160 q Rübe. 

In 100 Gew. lufttrockenen Rohbodens waren enthalten: 





I 


II 


III 


IV 


Steine über 3 mm D ... 


. . 11-27 . . 


. 10-92 . 


. 1328 . 


. 037 




. . 2-20 . . 


. 1-70 . . 


. T68 . . 


. 2-20 


Grobsaud ,,1 „ D . . 


. . 2-05 . . 


. 193 . 


. 252 . 


. 1-84 


Summe des Skelets 


. . 15-52 . . 


. 1455 . 


. 17-48 . 


. 10-41 








. 82-52 . 


. . 89-59 



In 100 Gew. lufttrockener Fe in erde sind 



B ö den: 



II 



III 



IV 



Streusand über 050 mm 



Feinsand 

Staubsand 

Mehlsand 

Schlamm 

Summe 



025 „ 
0-10 „ 
005 „ 
(darunter] 



293 
23-5 

14 S 
12-2 
20-2 



20-5 
223 
190 
16-7 
21-5 



30-5 
26-2 
154 
13-5 
14-4 



LOO-O 



100-0 



100-0 



Hygroskop. Wasser 
Humusstoffe . . . 
Gebundenes Wasser 

Glühverlust 



In 100 Gew. lufttrockener Feinerde sind enthalten : 
Bestand der in conc. Salzsäure loslichen Stoffe. 



242 
265 

16-7 

16-8 
15-8 



1000 




Eisenoxyd 
Thonerde 



4538 
4-612 



4-105 
4-426 



2-985 
2-992 



Summe der Sesquioxyde . . . 9152 

Calciumoxyd Ol 65 

Magnesiumoxyd 0-533 



8-531 

(»■145 
0252 



5-977 
0-315 
0-452 



2318 
2-853 



5-171 
0-130 
0-219 



B ö d e u: 



Kaliumoxyd 

Natriumoxyd 



0-898 
0-125 



II 



1-294 
0305 



III 



0-593 
0-142 



IV 



0-262 
0-125 



Phosphorsäure 
Schwefelsäure . 



0-109 
0031 



0-071 
0025 



0:065 
Spur 



0-071 
0011 



Salzsäureextrakt . . . 
Schwefelsäureextrakt 
Kieselsäure u. Silicate 
Quarzmenge .... 
Absorption (Knopp) . 



11-011 
2-569 

79-840 
58-2 
56 



9-023 

3-827 

79-490 

56-5 

42 



7-544 
2-597 
82-160 
60-03 
54 



5-989 
5-841 

82-790 

617 
43 



Stickstoffgekalt 0'098 



0-140 



0-168 



.0-142 



Welch' mächtigen Einfluss die Tiefe der Ackerkrumme auf den Ertrag übt, 
sehen wir wieder vortrefflich aus dem Vergleich des Bodens II und III. Der dritte 
Boden dieses Hofes ist der ungleich reichere Boden an sämmtliclien Nährstoffen. 
Er hat aber nur eine Tiefe der Ackerkfumme von 25 cm, der Boden II dagegen 
eine solche von 36 cm; dort sind 20, hier 25 hl W. gefechst worden. 

Böden I, II, IV sind sehr kalkarm. Dagegen I, II, III überaus kalireich. 

Der Phosphorsäuregehalt u. Stickstoffgehalt sind nicht gering. 



Hof Volesnik. 



Vier von den sechs nachfolgenden Boden sind Weizenböden, Zwei derselben 
Kornböden (IV und VI.) 

Die Bodenproben stammen von nachbenannten Feldern : I. Za planky 
II. Hübizny prostrednf, III. Janovite zadnf, IV. Velky kus, V. Nad vodoteci, I, VI. 
Pianiste prostfednl. Die Bewirtschaftung dieser Felder geschieht so, wie beim Hofe 
Zirnau. Die seichteste Ackerkrunnne hat der Boden V. mit 23 cm und Boden IV mit 
17 cm. Die Böden I, II III sind sehr nasse drainirte Felder in tiefer Lage. Ihre 



56 



Ackerkrummeiitiefe ist 24, 26 u. 23 cm die von No. VI 24 cm. Die mittleren 
Erträge beziffern sichbei Boden I auf 21 hl W.. 24 hl G., 150 q Z., bei Boden II 
auf 18 hl W., 25 hl G., 150 q Z. 

Bei IV auf 20 hl Korn, 30 hl Hafer, 130 g Kartoffeln; bei No. V 21 hl 
Weizen, 24 hl Gerste, 34 hl Hafer u. 130 q Kartoffeln. Bei No. VI 20 hl Korn, 
34 /(/ Hafer, 130 q Kartoffeln, an einer theilweise drainirten Berglehne gelegen. 

In 100 Gew. lufttrockenein Rohboden sind enthalten: 



Boden No. 



I. 



II. 



Steine über 3 mm 
Sternchen ,, 2 ,, 
Grobsand .. 1 „ 

Summe des Skelets . 



13 13 
400 
2-56 



1-79 

0-70 
T39 



III. 



G4S 
2-3H 
2-49 



IV 



V 



VI 



395 
210 
215 



326 
301 
204 



404 
242 
2-27 



1969 3-88 



11 27 


8-20 


831 


SS- 73 


91'80 


91-69 



Menge der Feinerde . . so 31 9612 



In 100 Gew. lufttrockenem Robb od eu sind enthalten 



873 
91-27 



Streusand (050 mm) . . 
Feinsand (0-25 „) . . . 
Staubsand (010 „) . . . 
Feinster Sand (005 mm) 
Schlamm darunter . . . 



Summe 



Hygroskop. Wasser 
Humusstoffe . . 



323 


10 5 


254 


lli-S 


13-6 


18-5 


14 2 


19-9 


145 


34-3 



1000 

1-518 
2-410 



100-0 

2522 
3565 



25-9 
237 

17-2 
15-2 
18-0 



253 
25 - 2 

160 
16-5 

170 



252 
27-4 

226 

10?, 
14-5 



100-0 

1187 
3 010 



100-0 

2-435 
3-402 



1000 

1-124 

2955 



25-8 
36-6 
170 
U-9 

8-7 



100 

1123 

2-683 



Hydratwasser 1-566 2-307 2083 1-923 1204 13 10 



Summe 5494 

Stickstoffgehalt 0-140 



8-394 
0182 



6-280 

0139 



7-760 

165 



5-284 

0-139 



5-116 
0164 



57 



Aus 100 g. lufttrock. Feinerde wurden durch Salzsäure ausgezogen grm: 



Boden No. 



1 



II 



III 



IV 



VI 



Eisenoxyd 
Thonerde 



2-255 
3-890 



3410 



1-802 
1-733 



3-919 
3-511 



2-015 
1-385 



Summe der Sesquioxyde 
Kalciumoxyd .... 
Magnesiumoxyd ... 

Kaliumoxyd 

Natriumoxyd 

Phosphorsäure .... 
Schwefelsäure . . . . 



Menge der in con. Salzsäure 
löslichen Stoffe ..... 

Schwefelsäureextrakt . 

Kieselsäure u. Silicate 

Quarzmenge . ^ . . . 

Absorption 



6145 
103 
309 
0-245 
0-104 
0073 

o-oio 

6-989 
1-587 

85-930 

632 

46 



1-815 
1-960 



7-015 


3535 


7-430 


3-430 


0234 


0-542 


0-220 


0-212 


0-434 


0-263 


0947 


0-155 


0-252 


0-279 


0-681 


0164 


0-164 


0-104 


0-250 


0-020 


0-115 


0-078 


1'1S3 


096 


0-015 


034 


0061 


081 


8-229 


4-869 


10-772 


4-108 


i 8-247 


5-931 


2-82S 


5-377 


74-130 


82-920 


78-640 


85-230 


537 


59-8 


54-8 


61-2 


84 


56 


62 


50 



3775 

0-152 
0-231 
0-194 
0-058 
0076 
0-018 

4-504 
4-080 

86-300 

67-3 

46 



Hof Chvalsovic. 

Dieser Hof besitzt fast durchwegs Weizenböden. Die Bodenproben sind fol- 
genden Ackern entnommen: Dem Felde „nad prülu.nem" I, dessen Ackerkrummentiefe 
27 cm beträgt, so wie die Zimauer Böden in neunschlägiger Rotation bewirtschaftet 
wird, jedoch noch weit mehr Kalk und Saturationskalk erhält. 

Es ist ein nasses und drainirtes Feld. Der zweite Boden „Novina u lesa" 
stellt einen leichteren Boden vor, dessen Kiummentiefe 26 cm beträgt, der dritte 
Boden „Maleäickö" hat nur 18 cm Krummenmächtigkeit. Der vierte Boden „pod 
prühonem" (3) hat 24 cm Mächtigkeit des Obergrundes, leidet an Nässe und ist 
drainirt. Die Erträge sind bei I, III und IV an Weizen 20 hl p. H, bei II bloss 
18 hl. An Gerste bei II 27 hl p. H. bei I und III = 24 hl p. h.j bei IV = 23 h p. h. 
An Zuckerrübe wird von allen Böden durchschnittlich nur 140 q geerntet, 



58 



In 100 Gew. lufttrock. Rohbodens waren enthalten: 



Steine über 3 mm I) 2'99 

Steinchen,, 2 „ D 3-55 

Grobsand über 1 mm D 2 26 



II 

2-50 
2-46 
1-75 



Skeletmenge 8'80 . . . (3-71 

Feinerdemenge 91-20 .. . 93-39 . 



III 

8-04 
3-52 
1-54 



. 13-70 
86-30 , 



IV 

574 
2-81 
1-50 



1005 
89-95 



In 100 Gew. lufttrock. Feinerde sind enthalten: 



Hygroskopisches Wasser .... T156 

Humusstpffe 2076 

Gebundenes Wasser 2'908 



Glüh verlust 6140 

Stickstoffgehalt .... • . . . 0-099 



1-635 
2-650 
1-673 



5958 

0-126 



In 100 Gew. lufttrock. Feineide sind enthalten : 



307 
770 
647 



724 
126 



2-005 
2-495 
1-168 



5-668 
0-084 



Feinsand 


. . 23-5 . 

. . 17-0 . 


. 245 . 

. 15-0 . 

20-2 . 

. 18-8 . 


. 261 . 
. 24-3 . 
. 20-5 . 
. 15-6 . 
. 13-5 . 


24 2 
. 223 


Staubsaud . . 


, . 14-6 . 


16-5 




. . 15-5 . 
. . 29-4 . 


. 20-6 
. 16-4 




. . 100-0 . 


. 100-0 . 


. 100-0 . 


. 1000 



Chemische Zusammensetzung. 



In 100 



lufttrock. Feinerde sind enthalten: 

2-857 . . . 1-880 . . . 2-051 
3-114 . . .2 000 . . . 2-110 



Eisenoxyd 25 10 

Thonerde 2512 



Summe der Sesquioxyde . 



5022 



Kalk 0-184 

Magnesia 0659 

Kali 0-445 

Natron 0097 

Phosphorsäure 0083 

Schwefelsäure - 021 

Salzsäureextrakt 6-511 

Schwefelsäureextrakt 8-199 

Kieselsäure u. Silicate 79' 155 

Quarzmenge 58 - 

Absorption (nach Knopp.j ... 57 



5-971 

0'102 

0-553 
0-452 
0-106 
0-075 
0-029 
7-288 
8-064 

73-690 

57 1 
48 



3-880 

Ol 12 
0-281 

0-285 
098 
0.093 
0020 
4-769 
4-417 

85-090 

60-5 
47 



4-125 

0155 
403 
0342 
0-145 
0058 
0-014 
5-282 
5-200 

82-970 

60-3 
46 



59 

Wir haben es auch hier wieder mit Böden zu thun, welche das Eisen in 
leicht zersetzbarer Form enthalten, die kalkarm, dagegen durchwegs reicher an 
Magnesia sind und bedeutende Kalimengen im zeolithischen Teile des Bodens ent- 
halten. Die Quarzmenge beträgt bis 60%. Der Humusgehalt übersteigt in keiner 
Erde die normalen Mengen. Die Böden II, III, IV von Chvaläovice sind mehr san- 
diger Natur, haben jedoch eine so ungleiche Ackerkrummentiefe u. so eine verschiedene 
Lage, dass diese allein schon die Differenzen in den Erträgen erklären könnten. 

Reicher au Humus sind die Böden von Volesnik, doch erreichen die Kali- 
mengen in dem verwitterten Tlieil des Bodens nur im Boden IV 0682 » während 
die fünf anderen Ackererden nur 02%, Kali enthalten. Dagegen ist der Maguesia- 
gehalt geringer wie in den Böden von ChvalSovic. Einen ganz abnormen, ja einzig 
dastehenden Fall eines grossen Phosphorreichthums seilen wie im Boden No. IV 
von Volesnik ( velky kus), der beinahe 2% beträgt, so dass eine wiederholte Unter- 
suchung durchgeführt wurde, die einen Reichtum des Bodens an Ferrophosphateu 
darlegte. 

Doch werden diese schwer löslichen, unvertheilten Phosphorsäurequantitäten 
erst durch wiederholtes starkes Kalken des Bodens zersetzt und den Kulturpflanzen 
nutzbar gemacht werden können. 

Wie schon Eingangs erwähnt wurde, stellen das Fra uenberger und 
das Wittingauer Tertiärbecken Ablagerungen gleichartiger Verwitterungsprodukte, 
die in Vertiefungen des nur flachen in Wellen aufragenden Gneisgruudgebirges nieder- 
gelegt wurden, dar und bilden gegenwärtig die teichreichen Ebenen von Budweis, 
Frauenberg und Wittingau. 

In physikalischer Hinsicht wechseln in diesen Ebenen sandige, lehmige u. 
streng thonige Schichten ackerbaren Landes mit einander ab, durchsetzt von Moor- 
böden und Torfablagerungen. Die sandigen und thonigen obersten Absätze waren 
einstens Ablagerungen eines ausgebreiteten Seees, dienen jetzt der Forst, Teich- u. 
Landwirtschaft und es ist zunächst von Interesse ein Element der Fruchtbarkeit 
der untersuchten Ackerböden aus dem angeführten Untersuchungsmaterial herauszu- 
greifen und zwar dir Phosporsäure und diese mit den gefundenen Phosphorsäure-mengen 
der herrschaftlichen, in früheren Jahren untersuchten Wittingauer Böden und denen 
anderer Ablagerungen Böhmens zu vergleichen. 

Die gefundenen Phosphorsäuremengen betrugen bei : 





M. Cejkovic. 






K. Sucha. 




Feld 


Obergrund 


Untergd. 


Feld 


Ober- u. 


Untergd 


Dasenskä 


. . . 0-031% 


0-030»/, 


K brehu . 


. • . 0-093% 


058 % 


Picina . 


. . . 0055 .. 


0-047 . 


Medenice . 


. . . O062 „ 


0-032 „ 


Vrbenska 


. . . 0062 „ 


0-038 „ 


Mezi cesty 


. . . 0089 „ 


058 „ 


Vysatov . 


. . . 0-060 „ 


0-045 . 




, , 0038,, 


031 „ 



t>v 





M. Kfenovic. 




Feld 


Obergrimd 


Untergrun 


Zäkupy . 


. . 0-048 "/u 


0-048 % 


Za bumbu 


. . . 0-089,, 


0-074 „ 


Pfikopy . 


. . . 0-042,, 


0019,, 


Zaborecku 


. . . 0051 ,, 


0-016,, 



Aus vorstehenden Zahlen folgt, dass in den Frauenberger Böden der Unter- 
grund stets an Phosphorsäure ärmer ist als wie der Obergrund, dass also aus den 
unteren Schichten von diesem Pflanzennährstoff nicht viel zu holen ist. Weiter 
linden wir die Phosphorsäuregehalte der Obergründe von Meierei Wondrov und 

Kfesin: 



Feld 



Wondrov 



In 

U reniisu 0068 

Pesi cestu 0-056 

Mehle 0-014 

Za zahradou 0'081 



Feld Kfesin 

lo 

Za stodolou 0062 

Bezpalovske' 0072 

Eisnerovske 0095 

Pod dievnief 0'102 



Feld Altthiergarten 

°l 

10 

Iletzplatz 0096 

Zadni stranu 0035 

Pod voleSnfk 0'026 

U myslivny 0-057 



Feld Neutliiergarteu 

10 

U remisu 0039 

V lukäch 128 

U velk. senfka 0089 

U pokutnf hraze 0-077 



Der Durchschnitt ergibt in allen diesen Böden einen Gehalt von 0066% 
Phosphorsäure. Die Extreme bewegen sich von 0'026 — 0128%. Betrachten wir 
die Phosphorsäuregehalte der Ackerböden des Wittingauer Tertiärbeckens, so 
erhalten wir folgende Werthe: 



Boden- 
nummer 

1. . 

2. . 

3. . 

4. . 

5. . 

6. . 



Phosphorsäure 



0-038 ° 
0-054 „ 
0036 „ 
0-128 „ 
0-109 „ 
0-035 „ 



No. 


Phosphorsäure 


No. 


Phosphorsäuie 


7. . 


. 0-109% 


13. . 


. . 0-057 % 


8. . 


. 0-093 „ 


14. . 


. . 0-077 „ 


9. . 


. . 0-086 „ 


15. . 


. . 0-083 , 


10. . 


. 0080 „ 


16. . 


. . 0-064 , 


11. . 


. 0-060 „ 


17. . 


. . 0070 , 


12. . 


. 0-064 „ 


18. . 


. . 0038 „ 






19. , 


. . 0127 . 



Der mittlere Phosphorsäuregehalt dieser Böden beträgt = 0074°/ t 
Extreme bewegen sich zwischen 0'038% — Olli. 



Die 



Im Phosphorsäuregehalt sind die Böden der zwei südböhmischen Tertiärbecken, 
wie die Zusammenstellung lehrt, ziemlich gleich, bei - 07°/ Q Phosphorsäure, in den 
seltensten Fällen erreichen sie 0'l°/„ uud darüber, während sie auf der Lobositzer 
Herrschaft im Lössgebiet durchschnittlich = 0-184%, im Minimum 125% im Maximum 
0'20% Phosphorsäure betragen. Auch die Urgebirgsböden von Netolic und Skocic 
enthalten im Mittel = - 129 / o Gesammtphosphorsäure, welche Zahl die Ackerböden 
der Kreideformation ebenfalls erreichen, die jedoch in den Verwitterungsprodukten 
der Basalte sich verdoppelt, zuweilen verdreifacht. 

Die oben mitgetheilten Gneisböden von Zirnau enthalten an Phosphorsäure : 



Xo. 



Z i r n a u 



1. 


. . .,0-109% 


8. 


. . . 0-183% 


2. 


. . . 0-071 „ 


9. 


. . . 081 „ 


o 
O. 


. . . 0-065 „ 


10. 


. . . 0018 „ 


4. 


. . . 0071 „ 










No. 


Chvaläovic 




V o 1 e § n i k 


11. 


. . . 0-083% 


5. 


. . . 0073% 


12. 


. . . 0075 „ 


6. 


. . . 0-115 „ 


13. 


. 093 „ 




. . . 0.078 „ 


14. 


. . . 0-058 „ 



No. Skocic Obergruud 

1 0-130 . 

2 0130 . 

3 0-160 . 

4 0-139 . 

5 0147 . 

6. . . . 0-160 . 

7 0-170 . 



Untergrund 

0-080 
0-077 
0-140 
0120 
0134 
0-147 
0-119 



Im Mittel erhält man einen Phosporsäuregehalt von 0143%. Die Extreme 
verlaufen von - 058 % bis zu 04 70%. Es sind Böden des Gneisgebietes, deren 
Gehalt au diesem wichtigen Pflauzennährstofi sehr wechselt, ausnahmsweise kommt 
einmal sogar 1-183% P 2 8 als Phosphorit vor. 

Die Nettolitzer Gneisböden enthielten an Gesammtphosphorsäure: 



No. P, 0- 

1 126% 

2 0171 „ 

3 0-150 „ 

4 0-131 „ 

5 0134 . 

6 0-121 „ 

7 0033 „ 

S 0077 „ 

9 0-038 „ 

10 0-125 , 

Im Mittel also 0-1106% 



Die Extreme sind: 
0-038% bis 0-171% 



62 



Im Lobositzer alluvialen Tafellande betrugen "die'Pbosphorsäurequantitäten 
des Ackerbodens: 

No. P, 0, 



No. 


P a O s 


1. 


0160° 


2. 


0-211 ., 


3. 


0-159 „ 


4. 


0-183 „ 


5. 


0188 „ 


6. 


0186 „ 



7. 


0-157° 


8. 


0-222 . 


9. 


0-213 „ 


10. 


0-165 „ 


11. 


0169 „ 


12. 


0-106 „ 



Im reinen Löss des Untergrundbodens wurden die Phosphorsäuremengen 
gefunden, zwischen 0'1250 ",„ bis 0-1795" „ des lufttrockenen Bodens. 

Im Obergrund bewegen sieb die Extreme zvisclien 0-157° bis 0*222° „ 
Phosphorsäure, zeigen daher geringe Schwankungen. Hiezu kommt aber noch, dass aus 
diesen gleichförmig-gemischten, sehr feinkörnigen Lehmen und Erden kalte 10°/ 
Salzsäure schon nach vierundzwanzigstündiger Berührung und Schütteln s / 4 der 
ganzen Phosphorsäuremenge des Bodens auflöst, was bei den wenigsten anderen 
Erden, namentlich bei denen der Urgebirgsformatiou nicht gefunden wurde. 

Betrachtet man das zweite, wichtige Element des Ackerbodens, das in warmer 
concentr Salzsäure lösliche Kali, so findet man auch hier, dass die Kalimengen in 
den Wittingauer und Frauenberger Ackererden übereinstimmen, wie der folgende 
Vergleich zeigt: 

Die gefundenen Quantitäten zcolithischen Kalis waren in Prozenten der 
lufttrockenen Feinerde : 

Boden No. Kali °/ n 



1. . . 


. . 0-082 


2. 


. . 0-170 


3. . . 


. . 0-175 


4. . . 


. . 0291 


5. . . 


. . 0-217 


6. . . 


. . 0-250 




. . 0-112 


8. . . 


. . 0-230 


9. . . 


. . 0114 


10. . . 


. . 0-270 


11. . . 


. . 0040 



Im Mittel also = 0-179" Kali. 

Die Kai im engen iu den Frauenberger Ackerböden betrugen in Prozenten : 



No Böden v. Cejkovic 


Böden v. 


Wondrov Böder 


v. Neuthi ergarten 


1. . . . 0110 




1. . . 


. 0182 1. 


. . 0-202 


2. . 0-210 




2. . . 


. 0163 2. 


0-224 


3. . . . O'IIO 




o. . . 


. 0147 


. . 0222 


4. . . . 0150 


4. 
Mittel . . 


0226 4. 


. . 0-250 


Mittel . . . 0-152 


. 0179 Im Mittel 


. . 0229 



63 



Böden v. Kfenovic 



Böden v. Kfesin 



1. . . 


. 0-156 


1. 


. . 0-127 




2. . . 


. 0-098 


2. 


. . 0-175 




3. . . 


. 0108 


3. 


. . 0-197 




4. . . 


. 0068 


4. 
Mittel 


0-296 




Mittel . . 


. 0-107 


. . 0-198 


Gesammtmittel 


Böden v. 


Suclni 


Böden v. Altthierg. 


0162 % Kali. 


1. . . 


. 0-154 


1. 


. . . 0-086 




2. . . 


. 0-145 


2. 


. . 0-248 




3. . . 


. 0181 


3. 


. . 0098 




4. . . 


. 0-085 


4. 

Mittel 


. . 0-091 




Mittel . . 


. 0141 


. . 0131 





Grössere zeolithische Kali mengen findet man schon in den Gneis- 
böden von Zirnau. wie die folgende Zusammenstellung zeigt: 



S'o. 


Zirnau 


No. Volesnik 


No. 


Chvalsovic 


1. . 


. . 0-898% 


1. . . . 0-245% 


1. . . 


. 0-097% 


2. . 


. . 1-294 „ 


2. . . . 0-252 „ 


2. . . 


. 0-106 „ 


3. . 


. . 0-593 „ 


3. . . . 0-279 „ 


3. . . 


. 0-098 „ 


4. . 


. . 0-262 „ 


4. . . . 0-681 . 


4. . . 


0-145 


5. 


— 


5. . . . 0-164 „ 


5. 


— 


6. 




6. . . . 0-194 , 
Section Skocic 


6. 




No. 


Kali 


No. Kali 


No. 


Kali 


1. 


. 0-521 ° „ 


7. . . 0-579% 


13. . 


. 0-573% 


2. 


. 0-299 - 


8. . . 0-291 „ 


14. . 


. 0-360 , 


3. 


392 „ 


9. . . 0808 „ 


15. . 


. 0-312 „ 


4. 


. 0-560 „ 


10. . . 0-605 „ 


16. . 


. 0315 , 


5. 


. 0-560 „ 


11. . . 0-328 „ 


17. . 


. 0-835 „ 


6. 


. 0691 „ 


12. . . 0-238 „ 


18. . 


. 0-851 „ 






Im Mittel 0-520 % 


Kali. 





Das sind bedeutende Unterschiede uud für die nach hal tige Fruchtbarkeit 
eines Bodens ist es nicht gleichgültig, mit welchem ursprünglichen Nährstoffkapital 
der Landwirt rechnen kann oder nicht. Auch die Lobositzer herrschaftlichen Böden 
enthalten weit mehr Kali als die Frauenberger Ackerböden, mehr wie doppelt so 
viel in zeolithischer Bindung. 

Das dritte Element der Bodenfruchtbarkeit, der Kalk, der in chemischer 
und namentlich auch physikalischer Beziehung von der grössten Wichtigkeit ist; 



Ol 

wurde iu den Frauenberuf Böden conform wie in Wittingauer Tertiärböden am un- 
zureichendsten und so wie dort als im Minimum vorhanden gefunden, weshalb 
man auch auf den Frauenberger Feldern und Wiesen der intensivsten Kalkdüngung 
das Wort reden muss. 

Das vierte und fünfte Element der Bodenfruchtbarkeit, der Stickstoff 
und der Humus, stellen sich wohl in den verschiedeneu Bodenarten verschieden 
heraus, doch erreichen die Werte die Mittelzahlen dieser Bestandteile von Acker- 
boden in den meisten Fallen, erheben sich aber nur in einzelnen Böden hoch über 
den Durchschnitt. 

Ackerböden sind an Salpetersäure überaus arm, auch an Ammoniak arm, 
weil erstere bekanntlich sofort von den Pflanzen aufgenommen, durch Regen in den 
Untergrand und in die Drainwasser gelaugt, wesshalb die Bestimmung dieses sehr 
beweglichen Pflanzennährstoffes sehr schwer und nutzlos wäre und das Ammoniak 
im thätigen Boden sehr rasch in Salpetersäure umgesetzt wird, so dass auch seine 
Bestimmung wertlos ist und die Hauptaufgabe des Landwirthes darin bestellt, den 
vorhandenen umwandelbaren Stickstoffvorrath so zur Zersetzung zu bringen, dass 
möglichst viel salpetersaures Ammoniak entsteht, wenn die für eine solche Düngung- 
dankbarsten Pflanzen, wie die Cerealien, zur üppigen Entwicklung gelangen sollen. 
Desshalb genügt der Stickstoff des Humuses, von dem im Jahre kaum l °/ nutzbar 
gemacht werden kann, deu Cerealien nicht, so dass mit Salpetersalzen im Frühjahr, und 
mit Ammoniaksalzeu im Herbst fast iu jeder Wirthschaft heutzutage nachgeholfen 
werden muss, wenu es sich um Massenproduktion handelt. Mau hat die Not- 
wendigkeit der Stickstoffdüngung in früheren Zeiten sehr unterschätzt, zur Zeit 
der Stickstöffler übertrieben, erst die Gegenwart lenkt in richtige Bahnen ein und 
berücksichtigt sämmtliche Elemente. 

Sehr wechselnd ergibt sich der Gehalt an aufgeschlossenen Sil icat base n, 
so wie an Eisenoxyd und Thonerde, wesshalb auch die Absorptiouszahlen grosse 
Schwankungen zeigen und je nach der Beschaffenheit des Untergrundes und der 
Lage eineu sehr verschiedenen Bodenwert bedingen. 

Durch all' diese Arbeiten wird aber der Feldversuch mit verschiedeneu 
Duuginittelu nicht überflüssig, weil wir den Einfluss des Staudortes und der äusseren 
Wachsthumsbedingungen uicht genügend mitberechnen können. Aber die vom Land- 
wirt gemachten Beobachtungen und die bei seinen Versuchen im Grossen gewonnenen 
Resultate hat die wissenschaftliche Forschung nach allen Richtungen hin zu prüfen 
uud sie in ihren Ursachen klarzustellen. Und wenn die Wissenschaft dem Praktiker 
Iiathschläge ertheilt, so ist des Praktikers Aufgabe diese Iiathschläge durch Feld- 
versuche zu prüfen, ob sie iu richtiger Weise gegeben siud, ob sie für seine speziellen 
Verhältnisse passen oder ob sie dieseu entsprechend abgeändert werden müssen. 
Neben der Bodenanalyse wird aber auch in küuftiger Zeit die Analyse der Ernteprodukte 
bei den Düngungsversuchen eine wichtige Rolle spielen, wie wir dies bei Wittingau 
und Atterberg bei seineu Versuchen, den Vorrath an assimilirbareu Nährstoffen 
des Bodens aus den Analysen der Haferpflanzen zu ergründen, gefunden haben, so 
dass wir seinen Worten beistimmen, dass die gefundenen Erntegewichte uud die 
analytisch gefundene Zusammensetzung der Ernten einander vorzüglich ergänzen 



65 

können. Haben die Düngungen die erwartete Wirkung nicht gehabt, dürfte die 
Analyse mindestens im Stande sein, die Ursache der ausgebliebenen Wirkung anzeigen 
zu können. Auch Langer findet, dass die Zahlen der Aschenanalysen die Boden- 
analyse zu ergänzen mithelfen, dass bei reichlichem Vorhandensein aller assimilirbaren 
Nährstoffe im Boden bei hohem Erntegewicht auch ein hoher Prozentsatz an Nährstoffen 
in der Ernte vorhanden ist, oder dass sich doch die Erhöhung des Erntegewichtes 
sehr geltend macht, wenn auch einmal der Prozentsatz in der Asche nicht erhöht 
worden sein sollte. 

Zum Schlüsse möchte noch hervorgehoben werden, dass, wenn schon die 
einfache Art der Bodenuntersuchung, die sich auf den Gebrauch der Sinne, Gesicht, 
Gefühl, Geruch etc. stützt, für die praktische Wertschätzung des Bodens die aller- 
grösste Bedeutung besitzt, dies um so mehr von einer physikalisch-chemischen 
Analyse des Bodens gelten wird, die sich nicht nur auf eine, sondern auf mehrere 
Bodenproben eines Meierhofes und auf viele Meierhöfe eines Gutes erstreckt, 
wenn auch nebenher die praktische Bodenprüfung desshalb festgehalten werden 
muss, weil man den Boden im Freien in seiner natürlichen Lagerung auf seinen 
physikalischen Zustand vollständiger und richtiger prüfen kann, die Gesammtheit 
aller obwaltenden Verhältnisse zu würdigen und abzuschätzen im Stande ist und 
die Gleichförmigkeit oder den Wechsel der Bodenbeschaffenheit und dessen Mächtig- 
keit erst auf weite Strecken festzustellen in der Lage ist. 



Anhang. 

Bodenuntersuchungen. 

Von I bis V Böden vom Meierhofe N. in Nordböhmen. 

Ergebnisse der mechanischen Analyse. 

In 100 Gewichtstheilen des luftiockenen rohen Bodens sind enthalten: 



Steine (Rückstand 5»»» Siebes i 
Grober Sand (2— 3mm Sieb) . 
Feinerde ( 1 mm Sieb) .... 



3 60 

4-90 

91-50 



Summe 100000 



II. 



III. 



IV. 



6-50 
13-00 
80-50 



100-00 



340 

5-10 

91-50 



320 
12-90 
83-90 



100-00 



100-00 



13 00 
1350 
73 50 



100 00 



In 100 Gewichtsth. der lufttrockenen Feinerde 
sind enthalten Gew. 



Sand in der Grösse vou (0*3— 0'4mm) 


15-60 


7-62 


10-22 


9-50 


21-06 


Feinsand „ „ (O'l — 02mm) 


21-91 


20-82 


10-49 


29-70 


21-68 


Staubsand „ „(005 -002mm) 16-93 


12-83 


33-51 


18-22 


1798 


Feinster Staub „ „ (wie 001mm) 


1698 


36-87 


23-30 


12-68 


15-98 


Abschlämmbare thonige Theile 


28-58 


21-86 


22-48 


29-90 


2330 


Summe 


100-00 


10000 


100-00 


100-00 


10000 





Die Drei ersteu Böden sind reicher an 
Am ärmsten an Feiuerde ist N V. mit 74% 
reichsten sind N I, III und IV. Die Steine und 
Quader und Plänermergel, denen Quarz, Basaltt 
und Augit beigemengt sind. Am steinreichsten 
schaffenkeit dieser Böden ist eine normale. An 
der Pflanzenuährstoffe günstig zusammengesetzt, 
chemische Zusammensetzung: 



Feinerde als wie die zwei letzten. 
. An thonigen Bestandteilen am 
der Sand bestehen aus verwittertem 
uff und Fragmente von Feldspaten 
ist No. V^ Die physikalische Be- 
Feinerde reich, für die Absorption 
besitzen diese Ackererden folgende 



07 



Ergebnisse der chemischen Analyse. 

In 100 Gew. lufttrock. Feinerde (1 mm Sieb) sind enthalten; 



Bestandteile 


I. 


II. 


III 


IV. 


V. 


Hygroskopisches Wasser 


8-23 





6-71 





4-90 





705 


1 


8-01 







399 


— 


356 


— 


305 


— 


3-13 


— 


3-89 


- 


Hydratwasser 


4-33 


— 


2-18 


— 


3-29 


— 


3-90 


— 


5-28 


— 




16-55 


— 


12-45 


— 


11-24 


— 


14-08 


— 


17-18 


- 


In den Humusstoffen 
Stickstoff 


— 


0-274 


— 


0137 





0-098 


_ 


0-142 


— 


0-134 


Schwefelsäure 


Spur 


— 


— 


— 


Spur 


— 


Spur 


— 


— — 


Kohlensaurer Kalk . . 


6-54 


— 


078 


— 


0-46 


— 


3-30 


— 


2-21 — 


■ Kohlensaure Magnesia . 


0-15 


— 


011 


— 


0-23 


— 


0-14 


— 


019 


Summe beider Karbonate 


5-69 


— 


089 


— 


0-69 


- 


3-44 


— 


2-40 


— 


Chlor (als Kochsalz) . . 


Spur 


- 


Spur 


— 


Spur 


- 


— 


— 


Spur 


— 


In 6% kalter Ameisen- 
säure lösliche Phos- 




0-072 




0-008 




007 


. 


0003 




0008 


In 2% kalter Citronen- 
Bäure lösliches Kali . 


— 


0-046 


— 


0-027 


— 


0-014 


— 


0014 


— 


028 


Eisenoxyd und Man- f 
ganoxyd 


4-69 


— 


5'35 


— 


336 


— 


5-50 


— 


ti-40 


— 




4 99 


— 


4- 16 


— 


4-39 


— 


340 


— 


4-89 


- 


Kalk I 


1-42 


- 


0-49 


— 


042 


— 


0-91 


— 


0-91 


— 


» 


012 


— 


0-05 


— 


0-74 


— 


0-15 


- 


051 


— 


Kali 1 


— 


0-305 


— 


0385 


— 


0-381 


— 


0-345 




0-642 




011 


— 


0-23 


— 


0.12 


— 


0-12 


— 


0-12 


— 


Phosphorsäure . . . 


— 


0-249 


— 


0093 


— 


0017 


— 


0-099 





0-122 


1 

In Lauge lösliche zeo- 
lith. Kieselsäure . . . 


7-67 




8-89 


_ 


6-90 




7-57 





10 77 


Die Summe der Zeolithe 


19-672 


19-683 


16-409 


18-111 


24-400 


Unlösliche Silicate und 
Quarz 


57-267 


66520 


71-260 


64-263 


55-841 


Summe der gefundenen 
Bestandteile .... 


99- 


L79 


99- 


543 

[ 


99- 


599 


99-1 


394 


99-8 


" 



68 



Aus 100 Kilogramm Boden lösten grins Phosphor säure: 







I. 


II. III. 


IV. 


V. 




5°/ kalte Aineiseusäure .... 
2° „ kalte Citronensäure .... 
Heisse Salzsäure v. 11 sp. G. 


72 
82 

321 


8 

18 

137 


7 

17 

84 


3 

13 

102 


H 

32 
130 




Absorption 


87 


76 


67 


73 


123 



Von VI bis X Erdproben vom Meierhofe 31. 

Ergebnisse der mechanischen Analyse. 
In 100 Gew. des lufttrockenen rohen Bodens sind enthalten: 



B e s t. a n d t h e i 1 e 



VI. 



vir. 



VIII. 



IX. 



Steine über iümm) ' 7'90 

Grober Sand (2-3/«)») 400 

Feinerde (1 mm Sieb) 8750 



11-80 
[9-20 
69-00 



17-Sd 
11-30 
70-90 



13-40 

4-40 
82-20 



litimO 10000 



10000 



100 00 



In luii Gew. rter luftroi-keneu Feinerde sind enthalten 



X. 



11-30 

10-70 
78-00 



100-00 



Saud von d. G. (0'3— 04 mm) 
Feinsand „ „ (0-1—0-2 mm) 
Staubsand „ „ (0"05— 002 mm) 
Feinster Staub (0 01»ww) . . 
Abschlämmbare thonige Theile 



21-96 
14-90 
1288 
25*26 



2005 

I 7 ( is 
18-03 
14-96 

29-85 



21-30 
1232 

17-26 
16-57 
3255 



17-58 
14 54 
23-85 
17-27 
26-76 



28 25 
1403 

17-50 
15-76 
24-46 



Summe 10000 



100-00 



100 00 



100-00 i 100-00 



Die Menge Feinerde ist in diesen Bodenarten geringer 



ls in denen vom 

Meierhofe N., doch beträgt sie immer noch 70-80",. des rohen Bodens und die 
Gesteine entstammen dem I'läuerkalke, von dem grössere und kleinere verwitterte 
Brocken mit Quarz und anderen Gesteiusfragmenten vermischt, das Skelet dieser 
feinerdigen Bödeu bilden. Die untersuchten Erdproben sind nicht arm an thonigen 
Bestandteilen, bei zwei Böden No. 7 und No. 12 sind noch grössere Mengen un- 
zersetzten Plänerkalkes der feinerdigen Masse beigemengt. 

Die Böden zeigen eine gute Absorption. Im feuchten Zustande bildet das 
erdige Bindemittel einen schmierigen Teig, welcher das Gesplitter des Bodens zu 
einer kompacten Masse verkleistert, die aber ausgetrocknet, wieder auseinanderfällt. 



69 



Ergebnisse der chemischen Analyse. 

In 100 Gew. der lufttrockenen F e i u e r d e sind enthalten: 



Bestandtheile 


VI. VII. 


vni. 


IX. X. 


Hygroskopisches Wasser 

Humusstoffe 

Hydratwasser ... 


5-68 

2-65 
4"29 


— 8-18 

- 3-26 
4-93 


— 


6-48 
3-44 
3-79 


— ! 6-78 

— , 3-72 

— 3-82 


— 


880 
2 98 
4-64 


— 


Glühverlust 

In den Humusstoffen 
Stickstoff 


' 12-62 

Spur 


0-196 


16-37 


0252 


13-71 
Spur 


— 14-32 
0-210 j — 


0217 


16-42 

Spur 


0-210 


Kohlensaurer Kalk . . . 
Kohlensaure Magnesia . 


1-30 
Spur 


- 


1274 

0-12 


— i 6-91 

1' o-io 


— 


1-75 

13 


— 


12-71 
0-15 


— 


Summe beider Karbonate 

Chlor (als Kochsalz) . . 

In 5" '„ kalter Ameisen- 
säure lösliche Phos- 

In 2% kalter C.tronen- 
säure lösliches Kali . 

Eisenoxyd und Man- ™ 
ganoxyd ~ 

Tlionerde : g 

Kalk cd 

Magoesia gl 

Kali | 

-Natron £ 

Phosphorsäure . . . "Z 

In Lauge lösl. Kieselsäure 


1-36 

3.90 
2-GO 
3-20 
0-4 1 

023 

6-34 


0009 
0014 

0480 
0-121 


12-86 

Spur 

314 
4-OG 
171 
0-63 

35 

■S-13 


0-016 

o-oos 

0-601 
0-240 


7 04 
Spur 

— 

303 
3-22 
3-64 
0-60 



0-25 

0-4H 


_ 

0-003 
0188 

612 
0-141 


1-88 
Spur 

4-34 
2-56 
1-56 
063 

0-21 

6-14 


0008 
0-187 

0-520 
131 


12-86 
Spur 

3 66 
2-02 
1-55 
0-61 

0-28 

4-85 


0-012 
0-015 

580 
0150 


Summe d. Zeolithe . . ' 17-304 1SS85 1S-089 
Unlösl. Silicate u'. Q'iai-Ä 1 68-120 51-020 61-130 


16 286 

6--.-S40 


14-327 
55-950 


Summe der Bestandtheile 99-404 99-135 99-969 


99-326 


99557 




7 


3 


8 


5 





7 


7 


8 


8; 





Die Boden von VI — X sind vom Chemiker H. Kourimsky analysirt. 



70 

Wie die angeführten Zahlen lehren, so setzen sich die Böden dieses Meierhofes 
vornehmlich aus verwittertem Plänermergel zusammen, dem Basalttuff und quarzreiche 
Gesteinsfragmente beigemengt sind. Eisenreiche Zeolithe wechseln mit kalkarmen 
und kalkreichen Thon so wie mit Silicaten ab. Im Allgemeinen sind deshalb diese 
Böden kalkreicher als diejenigen des Meierhofes N. ; doch schwankte der kohlensaure 
und humussaure, leichtlösliche Kalk in den fünf untersuchten Bodenarten von l'36°/ 
bis 12'90°/„. Am kalkreichsten sind die Ackererden No. 7 und Nu. 10, welche beide 
gleich hohe Kalkgehalte aufweisen. 

Die untersuchten fünf Bödeu des Meierhofes N. scheinen sich mehr aus ver- 
wittertem Quadermergel als aus Plänermergel der böhmischen Kreideformation ge- 
bildet zu haben. Der höchste (lehalt an kohlensaurem Kalk beträgt in den Böden 
dieser Meierei 5'96"/ n , der uidrigste - 69°/ und sind die Erdproben No. 2 und No. 3 
die an Kalk ärmsten der untersuchten Bodenarten. Bei diesen dürfte eine gelegen- 
heitliche Kalkdüngung von Nutzen sein. Magnesia ist in genügender Menge vorhanden. 
Auffallen muss zunächst die Schwefelsäure und Chlorarmut sämmtlicher untersuchten 
Böden, dagegen ist sowohl das in 2°/ kalter Citronensäure leicht lösliche Kali, als 
auch das in concentrirter heisser Salzsäure lösliche Kali in solchen Mengen vor- 
handen, wie es Ackererden nicht sehr häufig besitzen. 

Bringt man das leicht aufnehmbare Kali zu dem in Salzsäure löslichen, als 
zeolithischer Bestandteil vorhandenen, schwerlöslichen Kali in Proportion, so ent- 
fallen auf 100 Gewichtstheile zeolithisches Kali folgende Prozente an leichtlöslichem 
Kali in den nachbenannten zehn Ackererden: 



Boden No. 

I l-50 n /o 

II 7-0 „ 

III 3-7 „ 

IV 4-0 , 

V 4-3 „ 



Boden No. 

VI 2-9° 

VII 1-3, 

VIII 307 , 

XI 35-9 „ 

X 258 . 



Und in 100-000 Gew. oder 100 Kilogramm Boden sind au aufnehmbaren 
Kali Gramms enthalten: 



Boden No. gr. 

1 46 

II 27 

III 14 

IV 14 

V 21 



Boden No. gr. 

VI 14 

VII 8 

VIII 188 

IX 187 

X 15 



Hiernach wären die Böden 7, No. 3 und 4 an aufnehmbaren Kali die ärmsten, 
wenn sie auch ungewöhnlich reiche Kaliquantitäten in Reserve haben, die durch 
St,illdü.agung und Verwitterung löslich gemacht werden können. 



71 

Bezüglich der zugänglichen Phosphorsäure ist nur der Boden N I des 
Meierhofes N. reich, der No. 7 und No. 10 genügend mit diesem wichtigen Pflanzen- 
nährstoff versehen, alle anderen Bodenarten enthalten unter - 01°/ o an Phosphorsäure 
und nachdem ein Boden dann phosphorsäurebedürftig ist, wenn er nur - 01% in 
5°/ kalter Ameisensäure lösliche Phosphorsäure oder in 100 Kilogramm 10 grm. 
lösliche Phosphorsäure enthält, so wären so ziemlich alle Böden von No. 2— 10 für 
eine Phosphorsäuredüngung in Form von Superphosphat dankbar. 

An Gesammtphosphorsäure ist merkwürdigerweise der Boden No. I und 
No. 7 selten reich, wahrscheinlich in Folge eines grösseren Apatitgehalt.es. Die Böden 
des Meierhofes M. sind an dieser Säure von Natur aus reicher wie die Böden des 
Meierhofes N., im Allgemeinen sind sämmtliche Erdproben an diesen Pflanzennährstoff 
in gebundener Form, nicht arm. Man neunt einen Boden an Phosphorsäure sehr reich, 
wenn er in 100 Kilogramm enthält: 



200-500 gr. 


sehr reich, 


150—200 „ 


reich, 


80- 60 „ 


normal, 


50— 60 „ 


arm, 


10— 30 „ 


recht arm. 



Die untersuchten Erden enthalten an Phosphorsäure in 100 Kilogramm der 
Feiner de und des rohen lufttrockenen Bodens: 



In d 


;r Feinerde : 






Im Rohboden : 


1 


... 321 .... 293— sehr reich 


7 


... 356 






. 176 = reich 


10. 


... 162 






. 126 ^ 


8 


. .- . 149 






. 106 




9 


... 139 






. 114 


normaler 


6 


... 130 






. 114 


Gehalt 


5 


: . . 130 






95 


2. 


... 101 






. 110 


» 


4 


. . . 102 






. . 85 




3. . 


• ■ + 84 






• 77 


arm 



Von 100 Gewichtstheilen dieser Gesammtphosphorsäuren waren aber in 5 
kalter Ameisensäure formydlöslich nur: 



P/ 



Boden No. 

1. . , 

2. . 

3. . , 

4. . 

5. . 



Boden No. 

22-0°/ 6 6-9% 

7-9 „ 7 6-2 „ 

8-3 „ 8 5'6 „ 

2-9 „ 9 6-1 „ 

l'b n 10 , , . 8/0 „ 



72 



In 100 Kilogramm Feinerrle und in 100 Kilogr. Boden waren an ameisen- 
säurelöslicher Phosphorsäure eutlialten : 



F e i n e r 



No. 7. 
., 10. 
» 6. 
■ 8. 
. 9. 



le 

16 gr. 

12 „ 
9 „ 
8 „ 
8 „ 



Rohboden (sammt Skelet.) 



>l 



No. 



Feiner de 
. . . 72 gr. 
. . . 8 . 



o 
'3 



7, 
0. . 




, 11 -0 gr. 
• 9-3 , 


55 

4h 


6 . 
8. . 

8. . 




• 7-8 „ 
- 5-7 „ 

• 0-5 „ 


'S 

33 




R 


o h b o d e n 


1 




65-9 gr. 
■ • 6-4 „ 


55 


5, 
3 
4 




. . 5-9 „ 

. . 6-4 „ 
. . 2-5 „ 


'1 



N. 4 


N. 5 


N. Ü 


3 . 


. 8 . 


. 9 


13 . 


. 32 . 


. 2o 


02 . 


. 130 . 


. 130 



Bei den ersten sechs Erden wurde auch das Löslichkeitsverhältnis der Phos- 
phorsäure der untersuchten sechs Boden in 2" „ Citronensäure nach 24 stündigem Stehen 
und öfterem Unischütteln bestimmt und die Ci trat 1 iisl ichkeit mit der Ameiseu- 
säurelöslichkeit der Phosphor säure verglichen. Es ergaben sich folgende 
Verhältnisszahlen : 

Ans 100 Kilogramm, Feinerde Insten Gramm: 

N. 1 N. 2 N. 3 

5% kalte Ameisensäure = 72 . . 8 . . 7 . 

2°/ „ Citroneusäure = 82 . . 18 . . 17 . 

Heisse concentrirte Salzs. = 321 . . 137 . . 84 . 

Berechnet man dieses Verhältnis« auf Roherde, so kommen die Zahlen je 
nach der Menge der Feinerde des Bodens noch kleiner heraus, wie oben gezeigt 
wurde. Nachdem man gefunden hat, dass auch der Löslichkeitsgrad der Phosphor- 
saure von dem Verhältnis dieser Säure zu den im Boden vorhandenen Sesquioxyden 
(Eisenoxyd und Thonerde) abhängt, und als ein sehr günstiges Verhältnis ein solches 
bezeichnet wird, bei welchem auf 1 Theil Phosphorsäure weniger als 40 Theile 
Eisenoxyd und Thonerde entfallen, als noch günstig ein Verhältnis genannt werden 
kann, wo 1 Theil Phosphorsäure auf CO — 70 Theile, als wenig günstig ein solches, 
wo 1:90 und nochmehr entfällt, so wurde für die genannten Böden dieses Ver- 
hältnis ebenfalls berechnet, wie folgt : 

Auf 1 Theil Gesammtphosphorsäure in der Feinerde entfallen an Sesquioxyden ; 



Boden 
1. . 
2. 

3. . 

4. . 
Ö. ■ 



30 
95 

<1 

87 | 
86 J 



)5| 

»2 < 



i - 



Boden 
(5. 

7. 
j-;. 

9. 
10. 



50 
28 
42 
411 



41 J 






73 

Man sieht, dass ein weit günstigeres Verhältnis obwaltet bei den M. Böden, 
als wie bei den N. Böden. 

Bringt man den Stickstoffgehalt dieser Böden und Feinerden in eine Reihe 
und bedenkt, dass sich nur ein kleiner Theil desselben, höchstens 5% unter den 
günstigsten Temperatur, Düngungs- und Regenverhältnissen, jährlich zersetzt, zu 
Ammoniak und Salpetersäure verwest, so werden wahrscheinlich am verfügbaren, für 
die Culturpflanzen assimilirbaren Stickstoff in den untersuchten Böden und 
Feinerden etwa vorhanden sein, in 100 Kilog. Erde = Gramms: 



In den Böden des Meierli. N. 1 


2 


3 


4 


5 


In der Feinerde . . . 13'7 . 


6'8 


. . 4-9 


. . 74 . . 


67 


Im Boden (roher) . . . 125 . 


. 54 


. . 4'5 

No. 


. . 59 . . 


49 


In den Böden des Meierh. M. = 6 


7 


8 


9 


10 


In der Feinerde . • . 9'8 . . 


12-6 . . 


105 . 


. 10-8 . . 


105 


Im Rohboden .... 8"5 . . 


8-7 . . 


7-4 . 


. 8-8 . . 


8-2 


Da ein angestrengter, intensiv 


bewirtschafteter 


Culturboden 


wenig 



10 gr. Stickstoff pr. 100 Kilo Boden in verfügbarem Zustande enthalten soll, so 
werden bei den stickstoffärmeren Böden Düngungen mit ammoniakalisc hen 
Super phosphaten aus mehreren Gründen angezeigt sein. 

1. Werden die Böden durch das Ammouiaksuperphosphat die so nöthige, be- 
sonders für die Kleepflanze unentbehrliche, in ihnen in sehr geringen Mengen vor- 
handene Schwefelsäure (die für die Eiweissbildung in der Pflanze unentbehrlich ist) 
in Form von Gyps erhalten, weil die Superphosphate sehr viel Schwefelsäure zum 
Aufschliessen benöthigen, die als Gyps im Superphosphat verbleibt, und weil ausser 
der wasserlöslichen Phosphorsäure, auch der Kalk und das Ammoniak gleichzeitig 
mitwirken und besonders die Halmpflanzeu und Rübengewächse solchen gleichzeitig 
mit Phosphorsäiire beanspruchen, so wird erst hiedurch die Düngung vollständig. 

2. Durch das schwefelsaure Ammoniak des Ammonsuperphosphates wird 
wesentlich auch die Löslichkeit der unlöslichen oder schwerlöslichen Bodenphosphate, 
befördert, die Verwitterung und Löslichkeit der zeolithischen Bestandtheile be- 
schleunigt. 

3. Durch die Ammoniaksuperphosphatdüngung werden die jugendlichen 
Pflanzen rascher zur Entwickeluug gebracht, wodurch sie ein kräftigeres Wurzel- 
werk entfalten und hiedurch befähigt werden, die Bodennahrung im grösseren Um- 
kreis aufnehmen und verwerthen zu können und auf diese Art auch schneller den 
zahlreichen Feinden, die sie bedrohen, entgehen. 

Was eine Kalidüngung betrifft, so dürfte sie höchstens bei den Böden 7, 3 
und 4 wirksam sein, da es den Böden gerade an diesem Pflanzennährstoff am we- 
nigsten gebricht. Im Falle eines Versuchs wären aber nur die chlorhaltigen Stass- 
further Kalisalze, oder das Chlorkalium, weniger der Kainit anzurathen, da man eine 
gleichzeitige Chlordüngung erhält und Chlor, welches für die Überführung der Stärke 



74 

in der Pflanze unentbehrlich ist, nur spurenweise in den untersuchten Böden vor- 
handen ist. Denselben Zweck würde man sehr billig durch eine gewöhnliche Stein- 
salzdüugung erreichen, weil das Chlornatrium das IKali durch Absorption und 
Substitution im Boden in äquivalenten Mengen frei macht. Diese Düngung müsste 
aber stets mit einer Ammoniaksuperphosphatdüngung gleichzeitig erfolgen. 

In schweren Lehm- oder gar Thonböden kann der Kainit schon aus diesem 
Grunde nicht empfohlen werden, weil wiederholte Düngungen mit demselben solche 
Buden hart und undurchlässig machen, und wenn auch eine kräftige Kalkung hier- 
gegen angewendet werden kann, so wird doch nicht immer die nachtheilige Wirkung 
des Kainits, die durch Salpeterdüngungeu nur noch verstärkt wird, behoben. 

Thomasschlacke empfielt sich uach den vorliegenden analytischen Ergebnissen 
weniger, da es sich um eine schnellwirkende Ph ospho r säure handelt, an 
schwerlöslicher Phosphorsäure aber die Böden keinen Mangel haben. 

Die reichliche Stallmistdüngung genügt nicht allein, die Böden zur höchsten 
Ertragsentfaltung zu bringen, sie muss Hand in Hand gehen mit der gleichzeitigen 
Verwendung von Handelsdüngern, die in verschiedener Stärke, je nach der hier an- 
geführten Beschaffenheit der Böden, zu den jeweiligen Culturpflanzen zu ver- 
abreichen sind. 

Wie die Berechnung der Basen und der Kieselsäure des zeolithischen, in 
Salzsäure löslichen Bodenanteiles zeigt, so sind die Böden gut aufgeschlossen und 
enthalten keine, den Pflanzen schädlichen Salze, weder Schwefeleisen, noch grössere 
Mengen Eiseuoxyduls, noch Bittersalz oder Chlormagnesium, welche viele, sonst an 
Pflanzennährstoffen sehr reiche Böden unseres Vaterlandes unfruchtbar machen und 
die erst entfernt oder in anderen Verbindungen umgewandelt werden müssen, ehe 
diese Böden eine üppige Vegetation hervorbrigen können. 

Auch die mechanische Analyse der untersuchten Erden zeigt eine günstige 
physikalische Mischung der thonigen und sandigen Bestandteile der Böden, mit- 
unter mit hohen Feinerdegehalten. Die höchste Absorption für Nährstoffe zeigen 
die Böden I. und V. des Meierhofes N., dagegen die niedrigsten III. und VIII. In 
der Regel entspricht einer höheren Absorption der Erden auch ein höherer Frucht- 
barkeitsgrad der Böden. 

Die hohe Absorption der untersuchten Erden zeigt auch von der Feinheit 
ihres Kornes, da sie mit der Dichte des Kornes abnimmt. 



Boden beschaffen heit 



der ackerten Felder der Herrschaft Fraueiteg 



„Obergrund". 



76 



Bodenbeschaffenheit der ackerbare 



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In 100 Gewiclits teilen lufttrockene 



4. 

.-, 

6. 

7, 

8. 

9, 

10, 

11. 



Grobes Gestein über :i «im . . 
Steinchen über 2 mm . . . . 
(irober Kies über 1 mm . . . 
Feinsand über O'öO >»m . . . 
Streusand „ 0-25 „ . . . 
Staubsand „ 0-10 „ . . . 
Feinster Stauli unter 0ü »un 
Tbon. Teil Schlamm . . . . 

Hygroskop. Wasser 

Hydratwasser 

Humus 



2'40 

2 '00 

8-10 

14-98 

1711 

1461 

1683 

19-84 

3-66 

2-53 

3 04 



4-60 


i '.Sil 


2-70 


1-80 


2-40 


4-00 


17-33 


26 99 


2076 


•22-79 


17-41 


1403 


713 


7-06 


22-49 


13-51 


1-81 


1-95 


1-43 


1-27 


1 ".14 


1-80 



4-00 

1-20 

3-40 

23-85 

2(147 
17-82 
3-47 
1833 
279 
1-52 
3-15 



340 

1-2(1 

3-10 

28-15 

22-71 

12-82 

13-10 

[11-02 

1-38 

93 

2- Hl 



1450 

230 

3-70 

1 6-05 

2337 

14-31 

9-06 

11-31 

2-23 

0-80 

•2 37 



3-10 

1-80 

2 90 

•23 69 

19 17 

15-95 

16-31 

11-49 

1-97 

0-72 

1-90 



460 

0-80 

210 

•24-69 



lä-44'25 



1 3-22, 

20-99 

Kl 25 

•217 

2-60 

2-94 



20 

70 

90 

13 

98 

•23 

•80 

i-85 

1-63 

1-71 

!'S7 



18-70 

3-50 

4-50 

17-95 

21-62 

10-70 

762 

8-79 

3-08 

0-92 

-2-6-2 



6-60 

6-80 

4-20 

28-09 

18-54 

9-88 

11-44 

10-20 

1-77 

063 

1-85 



Sinnt 



10(111(1 



lOd-041: 100(10 



10000 100-00 100-00 



lllll-llll 



100-00 



Hihihi 



Stickstoff 



on 



(1-09 



(Jos II 13 (l'lli Ulli 



0-1(1 Uli 0-12 



0-09 0-08 



V o ii l(i(i Gewichtsteilen 1 u f tt.ro c k e n e 



Eiseuoxyd (Mangan) 1.76 

Thonerde 1-69 

Calciumoxyd 1-00 

Magnesiumoxyd Ol 9 

Kaliumoxyd o-10 

Natriumoxyd — 

Phosphorsäure 006 

Schwefelsäure Spur 

Kohlensäure 0-37 

Chlor . ... Spur 

In Salzsäure lösl. Stoße 

In conc. Schwefels, lösl. Stoffe 

Rückstand nach Salz- und Schwefel- 
Absorption 



1-81 
1-94 

068 
10 
014 

005 

Spur 
021 



1-96 
1-81 

0-2 1 
0-03 
13 

003 

Spur 
0-06 



Spurj Spur 



■2 Ml 
3-15 
1-00 
ii-IO 
0-20 



1 -9 1 
1-75 
011 
15 

0-11 






007 05 

Spur Spur 
32 04 
Spur Spur 



•26 2-28 2-78 1-14 2*22 
1-97 79 3 11 2-23 '2-57 
18 0-14 ii 13 002 011 
08 0-01 U 30 14 0-20 
0-13| 18 ( -27 008 0-18 
Sehr geringe Mengen! 
05 081 09; 091 02 

Spur Spur Spur Spur' Spur 
005 1 O-O.'ll o-05j| — i 0-04 

Spui'i Spur, Spur Spur Spur 



0-69 

1-28 
11 
0-05 

0-08 

002 

Spur 
03 

Spur 



5-23 


411 3 


4'22 


7-7:: 


4- 15 


4-72 


3 51 


6-73 


3-70 


534 


2-26 


5 96 


1-43 


1-27 


1-6.1 


4-00 


346 


304 


4-03! 


6- 12 


379 


4-29 


79-68 


88-46 


8!) 40 


83-18 87-35 


86-43 


8786 


81-3381-97 


8425 


89-20 


49 


40 


28 


42 


25 


43 


32 


55 


37 


46 


19 



eider der Herrschaft Frauenberg. 



rmnd". 



77 



Meie i-hof- 
uthicrgarten 



Meiern of- 
Kfenovic 



14 


15. 




33 
















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Meierhof- 
Z i r n a u 



Meierhof- 
Chvalsovic 



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28. 29. 





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31. 



32. 



loherde waren eut halten: 



0-30 

0-10 

050 

12-68 

10-20 

10-40 

36-07 

20-00 

3-69 

1 38 

3-99 



0-40 

030 

0-80 

15-46 

26-89 

16-74 

18-22 

13-98 

315 

1-25 

281 



1-30 

0-30 

0-70 

13-58 

16-22 

12-91 

76-62 

16-93 

4-60 

2-471 

3-37; 



2-50 

2-30 

2-40 

2-21 

1-35 

1716 

17-16 

4502 

3-46 

352 

2-92 



1-25 

1481 

23-00 

14 80 

15-40 

19-78 

3-85 

372 

3-39 



3-50 

2-10 

4-10 

18-06 

18-06 

19-14 

11-28 

17-25 

1-86 

2-28 

2-37 



0-03 

17-59 

18-69 

20-19 

16-39 

-2006 

219 

-2-5-21 

2-34 1 



110 

2 00 

0-20 

15-66 

11-70 

13-16 

26-20 

2003 

4-75 

2-29 

2-91 



2-00 

2-30 

1-60 

2070 

19-29 

10-8-2 

18-25 

17-69 

2-54 

2-54 

2-27 



1-20 

310 

0-90 

18-20 

1557 

11-85 

23-88 

1845 

2 23 

2-32 

2-30 



2 20 

2-30 

0-30 

19-99 

23-13 

18-29 

14-59 

13-45 

1-30 

1-75 

2-70! 



1127 

2-20 

2-05 

1985 

24 75 

1250 

10O8 

11 7« 

089 

211 

2-54 



1092 
1-70 
1-93 

19 05 

17-51 

16 23 

14-38 

12-26 

0-89 

2-08 

3-05 



13-28 

1-68 

2-52 

21-61 

25- 1 6 

12-71 

1114 

580 

1-20 

1-98 

2-92 



2-99 

3-55 

226 

15-50 

21-62 

14-53 

14-13 

20-73 

1-05 

1-76 

1-89 



2-50 

2-46 

1-75 

22-85 

19-65 

13-99 

18-81 

12-42 

1-51 

1-56 

2-47 



231 



574 
2-81 
1-50 

209 

21-58 

14-84 

1863 

8-77 

1-80 

114 

2'24 



liiiriin 



llio-im 



Um im 1 in 



Huri 



10000 



100-00 



|l„ MI 



lilii-dii 100-00 Kiii-iio 



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hu im um 



Hlil-iio 



100-t 



016 



014 



015 



012 



017 



010 



007 



012 



o-io 



0-10 



012 



0-08 



0-13 



014 



011 



009 008 010 



08 



loherde waren in Salzsäure löslich: 



2-S7 
3-22 

o-io 

003 
0-22 

012 

Spur 
0-03 
Spur 



2-69 
319 
011 
034 
0-21 

008 

Spur 
004 
Spur 



3-91 
3-57 
030 
0-48 

0-24 

(1(17 

Spur 
0-09, 
Spur! 



553 
242 
014 
016 
14 
011 
004 
Spur 



Spur 



2-24 
1-38 
0-20 
ll 13 
0-09 
005 

008 

Spur 



1-48 
1-51 
011 
0-08 
0-09 
0-06 

004 

Spur 



1-62 
1-44 
0-22! 
0-09J 
0-051 
0-04 
005 



1-44 
2-14 
0-29 
005 
014 
0-02 
008 



Spur Spur 



SpuijjSpur 



1-58 
1-56 
0-29 
0-01 
0-13 
0-03 
005 
Spur 



Spur,, Spur t Spur 



■70 
■99 
•23 
13 
•17 
01 
07 
Spur 



Spur 



0-9 lj 
1-811 
0-23 

o-io; 

0-06 
003 
003 

Spur 



Spur 



3-83 
3-89 
014 
0-45 
076 

o-io 
009 

003 



Spur 



3-46 
3-78 
0-12 
0-18 
110 
0-27 
007 
002 



•44 
•46 
■27 
•38 
•47 
13 
06 



Spur 



Spur 

Spur 



2-07| 
2-55 
012 
0-19, 
0-21. 
0-11 
007 

o-oi 



Spur 



2-28 
2-28 
0-16 
0-59 
0-39 
009 
008 

002 



Spur 



2-66 
2-90 
009 
034 
0-30 
0-08 
005 
0-02 



Spur 



1-64 
1-72 
009 
019 
019 
006 
008 
O02 



Spur 



1-81 

2-89 

01 

0-37 

0-29 

009 

003 

001 



Spur 



6-59 
4-43 
I 7992 
68 



6-46 

4-09 

82-24 

59 



866 
3-13 

77-77 7fi- 
66 5 



8-54 
4-68 



I 



417 

552 

79-35 

45 



337 

4-56 

85-56 

43 



4-51 416 

6-06 8'03 

82-38 77-86 

46 I 56 



305 

7 52 

11-48 

49 



530 

483 

83-02 

63 



297 9-29 

472 — 

80-5685-17 

38 47 



9-00 



84-98 
35 



6-21 533 5-89 644 399 561 



;7-69 
44 



89-87j|89-42 
37 51 



18-02 
44 



9116 
45 



8921 
41 



78 



Bodenbeschaffenheit der ackerbaren Felder der Herrschaft Frauenberg. 

„Ob ergrund. " 



Feldstelle 



1 


M 


eierhofVolesnik 


33. 


34. 


35. 


36. 


37. 


Za 
plouky 


Hubzui 

pro- 
stfedni 


Janovice 
zadni 


Velky 
kus 


Nad 

vodoteci 



I 



38. 



Pianiste 

pro- 
stfedni 



In 100 Gewichtsteilen lufttrockener Roherde waren enthalten: 



1. Grobes Gestein über 3 mm . 

2. Steineben über 2 mm ... 

3. Grober Kies über 1 mm . . 

4. Feinsand über 050 mm ... 

5. Streusand _ O'Oö „ . . . 

6. Staubsaud ., 0-10 „ . . . 

7. Feinster Staub unter 005 mm 

8. Thon. Teil.- Sehlamm .... 

9. Hygroskop. Wasser .... 

10. Hydratwasser 

11. Humus 



13' 

4' 



21 



1-79 

070 

1-39 

1(3-14 

10-09 

1776 

19-13 

24-95 

2-42 

2-21 

3-42 



6-48 

2-30 

2-49 

2102 

22-98 

15 26 

13-4S 

10-44 

1-05 

1-83 

267 



3-95 
210 

2-15 
23.13 
23-12 

1408 



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Kaliumoxyd 

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In 10.000 Gewiehtsteilen lufttrockener Tonerde waren enthalten 




STUDIEN 



im Gebiete der 



BÖHMISCHEN KREIDEFORMATION. 



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Perucer Schichten. 

(Ergänzung zu Band I. n, p. 186.) 
VON 

Prof. Dr. ANT. FRIC und Dr. EDWIN BAYER. 

Mit zahlreichen Textfiguren. 



fA_rchiv der naburwissenscriafblicrieri Landesdurohforsohung von I3öhrnen.) 

(Band XI. Nro. 2.) 



PRAG. 

DRUCK VON Dr. EDV. GREGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÄC. 

1900. 



VORWORT. 



,1h der ersten Publication des Coinitös für Landesdurchforschung i. J. 1870, 
wo ich die palaeontologische Untersuchung der einzelnen Schichten der böhmischen 
Krei deform ation in Angriff nahm, waren unsere Kenntnisse über deren tiefste 
Lagen „die Perucer Schichten" noch so spärlich, dass ich mit deren Zu- 
sammenfassung bloss 4 Seiten füllen konnte, auf denen von 22 Arten Pflauzen und 
7 Thierresten Erwähnung geschah. (Band I — II, p. 186.) Seit der Zeit war ich 
bemüht neues Material für die Museumssammlungen zu beschaffen und jüngere 
Kräfte zu dessen Verarbeitung anzueifern. Selbst widmete ich den spärlichen 
Thierresten die gehörige Aufmerksamkeit. 

Es gelang mir den Prof. Dr. Velenovsky für einige Jahre an die Bearbeitung 
der Kreidepfianzen zu fesseln, was zu einer Reihe von wichtigen Publicatiouen führte. 
Nachdem aber diesen Forscher die recente Botanik ganz occupirte, gelang es mir 
von ihm die Bewilligung zu erlangen, seine Resultate in eine zusammenfassende 
Arbeit für das Archiv der Landesdurchforschung benützen zu dürfen. Bei Durch- 
führung dieser Aufgabe war mir Dr. Edwin Bayer behilflich, dessen neuere For- 
schungen über die Kreideflora hier eingereiht erscheinen. 

Mit Rücksicht darauf, dass diese Studien auch die Popularisirung der ein- 
heimischen Palaeontologie zum Zwecke haben, waren wir bestrebt die Abbildungen 
der meisten Vertreter der Gattungen und Arten, die in verschiedenen schwer zu- 
gänglichen Abhandlungen zerstreut sind, wenigstens in verkleinerten, restaurirteu 
Skizzen zu bringen und einheimischen Sammlern die Bestimmung der Funde zu 
erleichtern und das Erkennen von neuen Vorkommnissen zu ermöglichen. 

Die Grundlage für den botanischen Theil dieser Arbeit sind die Arbeiten 
des Prof. Dr. J. Velenovsky namentlich die „Kvötena fceskßho cenomanu", 
die in den Abhandlungen der kön. böhm. Gelehrten Gesellschaft der Wissenschaften 
(1889, mit 6 Tafeln) erschien und aus der wir auch einige Partien in wörtlicher 
Übersetzung oder im Auszuge einfügen. Die übrige benützte Literatur führt Dr. 
Ed. Bayer weiter unten am Eingange zu dem kritischen illustrirten Verzeichnisse au. 

Bei der von mir in letzter Zeit durchgeführten Aufnahme vieler Profile 
versuchte ich auch die Seehöhe der Basis unserer Kreideformation sicherzustellen, 
soweit dies mit Hilfe eines Taschenaneroids möglich war; überzeugte mich aber, 

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dass bei der Unzuverlässigkeit dieser Instrumente die Resultate beschränkten Werth 
hätten und dass die Durchführung dieser Aufgabe in der Zukunft einem Geödeten 
(in Begleitung eines Geologen) zugewiesen werden muss. 

Im Einsammeln des Materiales wurde bis auf die jüngste Zeit fortgefahren, 
namentlich an dem ausgiebigen Fundorte Vy§erovic, dann bei Vydovle und Hlou- 
betfn. Von dem neuen Fundorte Votrub bei Schlan wurde eine Suitte von Herrn 
Dvofäk, Fotografen in Schlan, erworben. 

Das sämmtliche in dieser unserer Arbeit berücksichtigte Material ist genau 
geordnet im neuen Museum in einer Reihe von Schränken im Saale Nr. 5 ausge- 
stellt und bei jedem abgebildeten Originale die nötbigen Citate beigefügt. 

Bei dem Umstände, dass Reste der Landpflanzen aus der Kreideformation 
in der ganzen Welt nur an sehr wenigen Fundorten angetroffen werden, ist die 
vorliegende Bearbeitung von allgemeinerem als bloss localem Interesse und um 
Fachmännern und Museen die Acquisition dieser seltenen Funde zu erleichtern 
stellten wir Dublettensammlungen zusammen, um deren Erlangung man sicli an 
das Museum zu wenden hat. 

Wir hoffen, dass diese Studie zu weiterer Arbeit im Bereiche der Perucer 
Schichten aneifern wird. 

Prag, im April 1900. 

Prof. Dr. Ant. Fric. 



Charakteristik und Gliederung der Perucer Schichten. 



Die Perucer Schichten sind Süsswasserablagerungen, welche an der Basis 
unserer Kreideformation liegen. 

Prof. Reuss*) erwähnt derselben bloss als untergeordneten Einlagerungen 
im unteren Quader und führt graue, gliinuirigsandige Thone von Webfan und 
schwarzen Schieferthon mit unzähligen Resten von Landpflanzen aus Peruc an. 
Auch erwähnt derselbe schwache, nicht bauwürdige Flötze von „Braunkohle" an. 

In dem citirten Werke (IL p. 81) bearbeitete Corda die Pflanzenreste der 
böhmischen Kreideformation, von denen der grösste Theil den Perucer Schichten 
entstammt. 

Die Ablagerungen der Perucer Schichten bestehen aus Conglomeraten, groben 
Sandsteinen, feinen Sandsteinen und grauen Thonschiefern, aber es lässt sich keine 
Regelmässigkeit im Auftreten dieser verschiedenen Gesteinsarten constatiren. 

Conglomerate, wenn sie vorhanden sind, nehmen in der Regel die Basis 
ein z. B. bei Wamberg, wo sie zu Mühlsteinen verarbeitet wurden. 

Die Sandsteine zeichnen sich vor Allem dadurch aus, dass sie keinen 
Kalk als Bindemittel besitzen und dass sie keine marinen Petrefacten führen. 
Der Grad ihrer Körnung ist sehr verschieden und ihre Festigkeit auch. Fein- 
körnige feste Sandsteine liefern ausgezeichnetes Material für Bildhauerei, andere 
werden als Schleifsteine benutzt. 

Die Thonschiefer sind meist schwärzlich, glimmerreich und liegen bald 
an der Basis, bald zwischen die Sandsteinbänke eingelagert. 

Die Kohlenf lötze, die sie stellenweise einschliessen, sind meist linsen- 
förmige locale Uferablagerungen, die sehr geringe horizontale und verticale Aus- 
breitung besitzen. 

Diese Süsswasserablagerungen fehlen auch an manchen Stellen des ehema- 
ligen Seebeckens und die marinen korycaner Schichten liegen dann direkt auf dem 
Urgebirge oder anderen alten Formationen, die das Liegende der Kreideformation 
bilden. Dies ist dadurch zu erklären, dass das Niveau des Süsswasser-Sees ein 
niedrigeres war als das des später eingedrungenen Meeres. So sehen wir z. B. 
bei Elbeteinitz, Kainaik, Sbyslav Spondylen und Austern direkt an den Gneiss- 
scholleu angewachsen, woraus zu ersehen ist, dass dieselben als Riffe aus dem 



*) Reus: Versteinerungen der Böhm. Kreideformation. II. p. 116. 



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. . Melafyr. 


Hradek . . 


. . Basalt? 


Lipenc . . 


. . Perm. 


Dzbän . . 


. . Perm. 


Schlan . . 


. Kohlenformation 


Rynholec . . 


. Kohlenformation. 


Kuchelbad 


. . Obersilur. 




TT Silur. 



Süsswassersee, der die Perucer Schichten ablagerte, hervorragten und erst später 
unter das Niveau des Meeres kamen. 

Das Liegende der Perucer Schichten 

ist sehr verschieden je nach der Gegend, wo sie auftreten, Urgebirge, Silur, 
Kohlen und Pennformation trifft man als Grundlage derselben, wie man aus nach- 
folgender Übersicht der wichtigsten Localitäten ersieht. 

Prosik . . . . U. Silur Et. D 4 . 
Nehvizd .... Kieselschiefer. 
Kounic .... Permformation. 

Kolin Gneiss. 

Policka .... Urgebirge. 
Landsberg . . . Perm. 
Wamberg . . . Gneiss. 

Hofic Perm. 

Liebenau . . . Perm und Porfyr. 

Das Hangende sind bei ungestörter Lagerung ganz regelmässig die ma- 
rinen Korycaner Schichten. Sie verrathen sich schon von weitem durch grünliche 
Färbung, die stellenweise durch glauconitische Sande und Mergel noch deut- 
licher wird. 

Die Scheidegrenze zwischen den Perucer und Korycaner Schichten bildet an 
manchen Orten eine mürbe an Fucoiden reiche Schichte, welche das 
Resultat einer Mischung von Süss- und Salzwasser sein mag. In Kralup wurde 
diese Schichte von den Steinbrechern „drozdf" (Hefe) genannt, in Hofic „mökota" 
(Weichschicht). Unter dieser Schichte kommen keine marinen Petre- 
facten vor, in ihr und oberhalb derselben sind marine Arten häufig und sind 
denselben auch Pflanzenreste vom damaligen Kontinente: Coniferen und Cycadeen 
beigemischt. 

Unbedeckt erscheinen die Perucer Schichten selten, und das nur an den 
Rändern, wo das Hangende abgeschwemmt ist. 

Das Alter der Perucer Schichten wird als das der ceuomanen Periode be- 
trachtet, da diese Schichten concordant unter den marinen cenomaneu Korycaner 
Schichten liegen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die uns hier vorliegende 
Flora durch längere Zeit hindurch das Festland Böhmens deckte, zur Zeit, wo in 
den umgebenden Meeren sich allmählig die verschiedenen Schichten der älteren 
seeundären Formation ablagerten, namentlich die der unteren Kreide. Es ist dem- 
nach nur möglich mit Sicherheit anzunehmen, dass die Perucer Schichten älter 
siud, als die cenomanen marinen, aber wie lang die Zeit ihrer Ablagerung zurück 
reicht, lässt sich nicht constatiren. 



Beschreibung der im Bereiche der Ferucer Schichten 
untersuchten Localitäten. 

Den Charakter und die Lagerung der Perucer Schichten erkannte ich im 
Jahre 1865 in Peruc, wo es mir gelang zum erstenmale thierische Reste in den 
an Pflanzen reichen Thonschiefern zu entdecken und zwar eine Schecke (Tanalia) 
und mehrere Teichmuscheln (Unio). 

Seit der Zeit widmete ick während der Durchforschungsarbeiten immer 
auch diesen Schichten meine Aufmerksamkeit und ich will in nachstehendem nur 
die wichtigsten neuen Ergebnisse erwähnen. 

Im Jahre 1865 entdeckten wir den Fundort Bohdankov bei Liebenau, 
wo die pflanzenführenden Schichten wegen Contact mit Porfyr fest und schön 
röthlich gefärbt sind. 

Später liess ich längere Zeit in Kouuic bei Böhmischbrod und im nahen 
Vygerovic arbeiten, wodurch das Material zu den Arbeiten des Dr. Velenovsky 
gewonnen wurde. 

Zu dieser Zeit kam durch einen Herrn, den ich nicht nennen will, ein Theil 
von diesen Fundorten an Prof. Saporta in Frankreich, wodurch es geschah, dass 
böhmische Funde früher in Frankreich publicirt wurden, bevor wir bei uns das 
vorliegende grosse Material bewältigen konnten. 

Später unternahm Dr. Velenovsky im Auftrage des Durchforschungskomitös 
die Untersuchung von vielen Localitäten der Perucer Schichten, wobei er genaue 
Profile aufnahm und neues Material beschaffte. Gutes Material aus der Schlaner 
Gegend erhielten wir von dem eifrigen Sammler daselbst Herrn Photografen 
Dvofäk. 

Im Jahre 1898 begann ich von neuem die genaue Untersuchung mehrerer 
Localitäten und unternahm mehrere Ausflüge theils allein, theils mit Dr. Edwin 
Bayer und Dr. Perner die wichtigen Localitäten nochmals zu untersuchen, sie zu 
photografiren und ihre Lage zu precisiren. 

Im Ganzen wurden an 40 Localitäten untersucht und das eingesammelte 
Material über 200 Arten repräsentirend, ist nun im Museum deponirt. 

Bei der nun begonnenen Niederschreibung meiner Erfahrungen wurde in 
mir natürlicherweise der Wunsch rege, alle die Localitäten, die ich während der 



10 

verflossenen 40 Jahre besuchte von neuem und noch gründlicher zu untersuchen. 
Diess ist aus vielen Gründen nicht möglich und es mögen meine Schilderungen 
nur als Anregung zu neueren Forschungen betrachtet worden. 

Viele der Localitäten änderten mit der Zeit ihr Aussehen, einige kamen 
in Verfall, wurden undeutlich, andere bieten jetzt durch fortgesetzte Steinbruch- 
arbeiten oder durch Bahneinschnitte bessere Einsicht in das Auftreten der pflauzen- 
führenden Schichten. 

Diess alles möge man bei der Beurtheilung meiner Arbeit erwägen. 

1. Die Gegend östlich von Prag über Vysocan, Chvala und Pocernic. 

Wir beginnen die Schilderung der untersuchten Localitäten in derselben 
Reihenfolge, wie es bei den Korycaner und folgenden Schichten geschah, nämlich 
von Prag aus in östlicher Richtung bis an die mährische Grenze und daun den 
westlichen Rand von der Launer Gegend über Schlau, Rakonic nach den westlich 
von Prag liegenden Partien. 

Schliesslich werden wir noch einen Ausflug ins mittlere Böhmen in die 
Gegend von Kralup und Lobkovic machen. 

Nordöstlich von Prag liegt am Horizont oberhalb Vysocan, über den 
Schichten des Untersilurs ein Plateau der Ablagerungen der Kreideformation, 
dessen Basis die uns beschäftigenden Perucer Schichten bilden. (Fig. 1.) 



«■IIA 




Fig. 1. Profil nördlich von Hloubetln über die Alaunhütte, A. a Silui schichten mit 

Tiinucleus ornatus. 6 Eisenschüssiges Couglomerat. c Thonschiefer der Perucer Schichten. 

d Quadersand des Per. Seh. e Derselbe zerstört. / Grünliche Lageu der Korycaner Schichten 

in Prosik deutlich, h Weissenberger Plaener. g Diluviallehm. 



Ihr Anfang ist im Terrain durch einen deutlichen Absatz unweit des Ortes 
„Na ztracene' varte" markirt, wie man es gut von der Anhöhe des Zizkabtrges 
wahrnimmt. 

Steigt man von Lieben gegen die Anhöhe bei Prosik, so begegnet man die 
grauen Thonschiefer der Perucer Schichten bei dem Orte Dedina in den Gräben 
des Fahrweges, wo sich auch ihre Gegenwart durch Wasserführung und üppigen 
Baumwuchs kuudgiebt, den mau danu längs ihrer Lage über die Weingärten ober- 
halb Vysocan bei dem Orte Fleischinanka und au der ganzen Lehne bis Cliwala 
verfolgen kann. 



11 



Auf den Thonschiefern liegen Quadersande der Perucer Schichten und die 
höchsten Lagen lassen sich durch grünliche Färbung und stellenweise eingelagerten 
dunkelgrünen Letten als die marinen Korycaner Schichten erkennen. 

In nördlicher Richtung bei Korycan, Kojetitz und Lobkovic ruhen die Ko- 
rycaner Schichten direkt auf Silurschichten, und von den Perucer Schichten ist 
keine Spur vorhanden, woraus zu ersehen ist, dass die Perucer Schichten nur eine 
Uferablagerung des ehemaligen Süsswassersees darstellen. 

Wahrscheinlich ragten die Silurfelsen als Riffe aus dem Süsswassersee her- 
vor und kamen erst später nach Eindringen 
des Meeres unter den Wasserspiegel. 

Die Lagerung und Mächtigkeit er- 
sieht man aus dem Profil des Dr. Velenovsky. 
(Fig. 2.) 

Auf schwarzen silurischen Schiefern 
mit Trinucleus ornatus und Dalmanites so- 
cialis liegen Quadersande. (Fig. 2. i.) 

In dieselben sind mürbere Schichten 
mit kohlenführenden grauen Letten unregel- 
mässig eingelagert e, indem sie entweder 
direkt auf dem Silur oder höher zwischen 
den Quaderbänken auftreten. 

So sind sie z. B. oberhalb Hloubötin 
bei der verlassenen Alaunhütte, „v Hutich" 
direkt auf Silurschichten, Etage Dd 4 , liegend, 
während sie in Chwala ganz von Quader- 
sanden verdrängt werden, so dass diese di- 
rekt auf dem Silur liegen. 

(Die Alaunhütte benützte den Reich- 
thum an Schwefelkiesen der schwarzen Pe- 
rucer kohliger Schieferthöne zur Bereitung 
von Alaun.) 

Nördlich von Hloubetin sind die Quader 
in manchen Lagen sehr mürbe und werden 
seit vielen Jahren ausgebeutet um nach Prag 
als weisser Sand auf ärmlichen Einspänner- 
fuhren verführt zu werden. Dadurch ent- 
standen ausgedehnte Katakomben, die von 
Fledermäusen, Vesperugo noctula, Vespertilio 
murinus und anderen Arten bewohnt werden. 

Hier bei Hloubetin und auch ander- 
wärts wechselt die Mächtigkeit der Thon- 
schiefer und Quadersande stellenweise so, 
dass das eine auf Kosten des Anderen mächtig 
wird. Beide trugen dazu bei die zahlreichen 
Unebenheiten der Oberfläche der Silurfor- 




Fig. 2. Profil an dem Kohlenschurf 

östlich von Vysocan. (Vel.) 
a Ackerkrume, b Diluviallehm, c Sand 
mit Sandsteinbrocken, d Mürbe Thon- 
schiefer ohne Pflanzenreste, e Mürbe Thon- 
schiefer mit vielen verkohlten Pflanzen- 
resten. In diesen wurde der Stollen ge- 
trieben, f Feste schiefrige Thonschiefer 
mit Cunninghamia elegans, Laccopteris, 
Eucalyptus und Gervillea constans. i Thon- 
schiefer ohne Pflanzenreste. Je Russige 
kohlenführende Schichten. I Quadersand 
der auf Silurschichten mit Trinucleus or- 
natus liegt. 



12 



mation auszufüllen und die Fläche so zu plauireu, dass dann das obere Niveau 
der Quadersande eine ziemlich wagrechte Linie bildet, die nach Auflagerung der 
Korycauer und Weissenberger Schichten und etwas Diluviallehm noch vollkom- 
mener wurde. 

Verzeichniss der nördlich von Hloubetin, zwischen Vysocan und Chwala, 
aufgefundenen Petrefacten. 



Drynaria tumulosa Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 

Schenk. 
Gleichenia Zippei Corda sp. 
Gleichenia multinervosa Vel. 
Gleichenia crenata Vel. 
Gleichenia delicatula Heer. 
Podozamites obtusus Vel. 
Krannera mirabilis Cda in lit. 
Damuiara borealis Heer. 
Cuuuinghamia elegans Cda 
Cunuiughamia stenophylla Vel. 
Sequoia heterophylla Vel 
Sequoia major Vel. 
Sequoia crispa Vel. 
Ceratostrobus sequoiaephyllus Vel. 



Widdringtouia Reichii Ett. 
Echinostrobus minor Vel. 
Frenelopsis bohemica Vel. 
Myricophyllum Zenkeri Ett. 
Myricophyllum serratum Vel. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Dryandrophyllum cretaceum Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Cocculophyllum cinnamomeum Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum foruiosum Heer. 
Dewalquea coriacea Vel. 
Butomites cretaceus Vel. 
Corticites stigmarioides (Ettg. sp.) 
Engeln. 



Der Zug der Perucer Schichten können wir bis in den Ort Chwala 
verfolgen. Bevor wir noch zu dem genannten Orte gelangen, macht die nach Norden 
sich wendende Turnauer Bahn einen tiefen Einschnitt in die Quadersande. 

Von hier ab werden dieselben mächtiger und verdrängen ganz die schwärz- 
lichen Schieferthone. 

Oestlich von Chwala werden die Perucer Schichten unweit des Kirchhofes 
von typischen sandigen Korycanerschichten bedeckt. 

Vergl. Archiv. Band I. IL, p. 193. 

Zwischen Chwala und Ober-Pocernitz sah ich in den fünfziger Jahren einen 
Versuchsbau nach Kohlen und brachte fürs Museum Belegstücke mit, welche 
Eucalyptus Geinitzi Heer, Eucalyptus angustus Vel. enthielten, die be- 
weisen, dass hier die schwärzlichen Schieferthone ein gauz schwaches Kohlenflötz 
geführt haben. 

In südlicher Richtung sind noch im Pocernitzer Wald unweit des Jäger- 
hauses spärliche. Reste der Perucer Schichten zu bemerken, die eine Ansammlung 
von Schneewasser erklären, in dem in manchen Jahren der Branchipus Grubii im 
April vorkömmt. Auch unweit Jirna sind spärliche Reste vorhanden. Es sind dies 
die Andeutungen des südlichen Randes des ehemaligen Süsswassersees in dieser 
Gegend. 

In der Richtung gegen die Elbe hin fallen die Perucer Schichten nach 
Norden ein und die Wasseransammlung in der Tiefe bei Toushu, die für einige 



13 

Zeit die Erscheinung eines Artesischen Brunnens hervorrief, steht gewiss mit der 
Lagerung der wasserhaltigen schwarzen Schieferthone der Perucer Schichten in 
Verbindung. 

2. Die Gegeiid von Nehvizd, Vyserovic und Konnic. 

Die Steinbrüche südlich von Nehvizd gewähren einen guten Einblick in die 
Gliederung der Perucer Schichten. Es wurden hier lauge Jahre hindurch sehr 
gute Sandsteine zu Schleifsteinen und zu Steinmetzarbeiten gewonnen und sind 
die gothischen Ornamente des Prager Domes haupsächlich von da. 

Seitdem die Quadersande der Korycaner und Perucer Schichten- bei Hofic 
ausgebeutet werden, kamen die Nehvizder Werke in Verfall. 

Die guten Schichten wurden früher in der Tiefe gewonnen, welche sich immer 
mit Wasser füllt, das mit Mühe entfernt weiden muss. Gegenwärtig wird nur iu 
den oberen Schichten gearbeitet. 

Bei einem im Jahre 1866 gemachteu Besuche der Steinbrüche konnte ich 




Fig. 3. Steinbruch südlich von Nehvizd mit einer Lage schwärzlichen Sandsteins in der- 
selben Hohe, welche in Vyserovic die Pflanzenreichen Thonschiefer einnehmen. (Nach einer 

Photographie des Dr. J. Perner. 1898.) 



14 

eine vollständige Reihe der verschiedenen zu verschiedenen Zwecken verwendbaren 
Sandsteine sicherstellen und von allen Proben für unsere Sammlung nehmen. 

Die tiefsten Lagen liefern zuerst grobkörnige Sandsteine mit eisenschüssigen 
Adern und zahlreichen scharf begrenzten Hohlräumen nach Pflanzenresten. Diese 
liefern Schleifsteine für Eisengeschirr. Eine andere Lage ist weiss feinkörnig mit 
weissem Glimmer und findet Verwendung in der Marmorschleiferei. Die noch höhere 
Lage ist weisser, sehr feinkörniger Sandstein mit Blattabdrücken, der Schleifsteine 
uud Bildhauermaterial liefert. 

Verzeichniss der in den Sandsteinbrüchen von Nehvizd aufgefundenen 

Petrefacten. 

Dicksonia punctata Stnbg. Sequoia fastigiata Stnbg. sp. 

Podozamites obtusus Vel. Bombacophyllum argillaceum Vel. 

Kranner a mirabilis (Jda. Eucalyptus angustus Vel. 

Sequoia Reichenbachi Gein. sp. Araliphyllum Daphnoph} Uum Vel. 

Graue Thonschiefer mit Pflanzen treten hier nicht auf, aber eine Lage von 
schwärzlichen mürben Sandsteinen liegt in derselben Höhe wie in den nahen 
Steinbrüchen bei Vyserovic die pflanzenreichen Thonschiefer. (Fig. 3.) 

Yyserovic. 

Im Süden des Ortes ist eine Reihe von theils verlassenen, theils noch be- 
arbeiteten Steinbrüchen, in welchen die Quadersandbänke mit Lagen von grau- 
schwarzem Scbieferthon abwechseln. 

Die Einlagerungen des Thonschiefers wechseln in der Mächtigkeit und es 
sind nur gewisse wenig mächtige Partien, welche reich an Pflanzenresten sind. 

Im Steinbruche des Herrn Stupecky (Fig. 4. a) ist zu unterst eine 3 m 
mächtige Bank von Quadern entblösst, auf welcher eine 2 X / S m starke Lage von 
Thonschiefern liegt (Fig. 4. b). Nur die untersten 20— 30 cm derselben sind reich 
an Pflanzenabdrücken und aus dieser Schichte stammen fast alle in nebenstehendem 
Verzeichniss angeführten Arten. 

Es scheint, dass eine orkanartige Katastrofe die Pflanzentrümmer am dama- 
ligen Festlande dem Urwalde entraubte und eine Ueberschwemmung dieselben an 
die Ufer des damaligen Sees ablagerte. 

Ueber der Schichten b liegt eine 2 J / 2 »» Bank von Quader (c) dessen oberste 
Lage auffallend reich au Holzkohlen ähnlichen Trümmern ist, welche Erscheinung 
sich auch an anderen Localitäten wiederholt und gewiss eine Folge von ganz be- 
sonderen Erscheinungen am Rande des damaligen Urwaldes sein muss, vielleicht 
mit einem Waldbrande zusammenhängt. Die folgende etwa 1 m mächtige Thon- 
schieferbank (d) enthält nur sehr spaarsame Pflanzenreste und wird von 1 m zer- 
störtem plattigem Sandstein (e) überlagert. 

Prof. Velenovsky nahm vor Jahren ein Profil des letzten Steinbruches der 
Reihe auf (Fig. 5.) das andere Mächtigkeitsverhältnisse der einzelnen Bänke auf- 
weist und bei dem genau bei i die Fundschicht der Baumfarne präcisirt wurde. 

Im Orte Vyserovic selbst stehen] die Thonschiefer beim Gasthause an, wo sie 
ungemein reich an Coniferenresten sind. 



15 




Fig. 4. Steinbruch des Herrn Stupecky, südlich von Vyserovic mit zwei Lagen von 

pflanzenführeadeni Thonschiefer. (Photogr. Dr. Perner, 1898.) 

a Untere Quaderbank, b Pfianzenreicher Thonschiefer. c Obere Quaderbank, d Pflanzenarme 

Thonschiefer. e Zerstörter plattiger Quader von Ackerkrume bedeckt. 



Verzeichniss der in Vyserovic aufgefundenen Pflanzenpetrefacten. 



Cercospora coriococcum Bayer. 
Phacidium circumscriptum Bayer. 
Pucciniteä.cretaceus Vel. 
Acrostichum (Rhipidopteris) cretaceura 

Vel. 
Drynaria fascia Bayer. 
Drynaria tumulosa Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri Seh. 
Dipteriphylluin (Platycerium) cretaceum 

(Vel. sp.) Krasser. 
Onychiopsis (Thyrsopteris) capsulifera 

(Vel. sp.) Nath. 
Pteris frigida Heer. 



Pteris Albertsii (Dunk. sp.) Heer. 
Dicksonia punctata (Sternbg. sp.) Heer. 
Gleichenia Zippei Cda. sp. 
Gleichenia rotula Heer. 
Gleichenia crenata Vel. 
Kirchnera aretica Heer. 
Jeanpaulia carinata Vel. 
Marsilia (cretacea Vel.) perucen- 

sis Bayer. 
Selagiaella dichotoma Vel. 
Microzamia gibba Cda. 
Krannera mirabilis Cda. (Pinus 

spec. Engelhardt). 



16 













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Fig. 5. Profil des letzten grossen Stein- 
bruches des Herrn Noväk in Vyie- 

rovie. (Vel.) 
a Ackerkrume, b Grosse Saudsteinplatten. 
e, d Verschieden grosse Sandsteinbrocken 
in lettig sandigen Lagen, c Graue, weisse 
oder bunte fette Letten mit bröckliger nicht 
schiefriger Struktur, ohne Pflanzenreste. 
/Mächtige Quadersande, i Lager von Dick- 
sonia (Protopteris) punctata, k Plastische 
mürbe Letten wie Schicht e. I Schwärzliche 
spaltbare Thonschiefer mit viel Kohlen- 
substanz und zerbrochenen Pflanzenresten. 
m Mächtige Schichte von grauen Thon- 
schiefern mit viel weissem Glimmer, in 
grosse Platten spaltbar mit schön erhaltenen 
Pflanzenresten, unter denen Credneria bo- 
hemica, Hymenea primigenia, Hedera pri- 
mordialis etc. (s. Verzeichniss). n Quader- 
sand der auf Silurschichten lagert. 



Damrnara borealis Heer. 
Cuiininghainia elegans Cda. 
Cunninghamia steuophylla Vel. 
Pinus Quenstedti Heer. 
Pinus protopicea Vel. 
Pinus cretacea Vel. 
Plutonia cretacea Vel. 
Sequoia heterophylla Vel. 
Sequoia minor Vel. 
Ceratostrobus echinatus Vel. 
Widdringtonia R e i c h i i Ett. 
Chamaecyparites spec. 
Juniperus macilenta Heer. 
Echinostrobus squamosus Vel. 
Frenelopsis boheinica Vel. 
Myricophyllum Zenkeri Ett. 
Myricophyllum serratum Vel. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Ficus Peruni Vel. (Nach Engelhardt.) 
Ficus suspecta Vel. 
Proteopsis Proserpinae Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Banksiphyllum Saportanum Vel. 
Aristolochia tecomaecarpa Bayer. 
Magnolia amplifolia Heer. 
Pia tan us laevis Vel. 
Hymenaeophyllum p r i m i g e n i u m 

Sap. 
Ingophyllum latifolium Vel. 
S a p i n d o p h y 1 1 u m p e 1 a g i c u ni Vel. 
Sapindophyllum apiculatum Vel. 
Cissophyllum exulum Vel. 
Bombacophyllum argillaceum Vel. 
Ternstroemiphyllum crassipes Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Callistemon cretaceum Vel. 
Leptospermum cretaceum Vel. 
Araliphyllum trilobum Vel. 
A r a 1 i p h y 1 1 u m K o w a 1 e w s k i a n u m Sap. 
Araliphyllum minus Vel. 
Araliphyllum transitivum Vel. 
Araliphyllum propinquum Vel. 
Araliphyllum Daphnophy llum Vel. 
Araliphyllum furcatum Vel. 



17 

Araliphyllum decurrens Vel. Credueria arcuata Vel. 

Hederophylluin primordiale Dewalquea coriacea Vel. 

Sap. Diceras cenomanicus Vel. 

Hederophylluin credneriaefolium Vel. Butomites cretaceus Vel. 

Benthamiphylluin dubium Vel. Carpolithes vyserovicensis Bayer. 
Credneria bohemica Vel. 

Verzeichniss der in Vyserovic gefundenen thierischen Reste. 

Thierische Reste gehören hier zu den grössten Seltenheiten und nur zeit- 
weise stösst man auf häufigere Unionen, in deren Begleitung manche andere Arten 
vorkommen. Die Insectenreste wurden nur nach sorgfältiger Durchsicht der zahl- 
reichen Blattabdrücke gefunden. 

? Fischembryo. Brachinites truncatus. 

Unio regularis. Lamiites simillimus. 

Nematus lateralis. Velenovskya inornata. 

Tinea araliae. Chrysomelites simplex. 

Phryganaea micacea. Gomphus serialis. 
Chironomites lateralis. 

Koiinic. 

Nördlich von Böhmischbrod erheben sich über den permischen Schichten 
mächtige Quadersandsteine, die westlich vom Orte Kounic in einer Reihe von 
Steinbrüchen ausgebeutet werden. 

Von hier stammt der von Sternberg (Flora der Vorwelt) beschriebene und 
abgebildete Stamm der Protopteris punctata, von dem man damals dachte, dass 
derselbe der Steinkohlenformation angehört. 

In den 50ger Jahren erhielt unser Museum mehrere Stämme von Baum- 
farnen durch Herrn Nettwal und wurden dieselben von M. Dormitzer in der 
Zeitschrift „Ziva" 1853 beschrieben und abgebildet. 

Später stellten wir das Vorkommen von grauen Thonschiefern mit Pflanzen - 
resten und Unionen sicher und ich Hess längere Zeit daselbst meinen Petrefacten- 
sammler Jos. Stiaska arbeiten. Dadurch wurde Material für die Arbeiten des 
Dr. Velenovsky gewonnen. 

In dem gegenwärtig gut entblössten Steinbruche (Fig. 6.) liegen zu unterst 
Quader etwa in halber Mächtigkeit der hier entwickelten Perucer Schichten, in 
denen man grosse Höhlungen nach ßaumfarnen vorfindet. Eine solche Höhlung- 
Hess sich bei den fortschreitenden Steinbrucharbeiten in einer Länge von 22 m 
verfolgen. Vor Jahren entnahm ich aus einer solchen etwa 1 / 2 m messenden 
Höhlung den Stamm von Protopteris punctata, der nur a / 6 des Durchmessers der 
Höhle hatte und in einem mürben braunen Detritus lag, der als Rest der Luft- 
wurzeln des Baumfarnes zu betrachten ist. 

Oberhalb dieses Quaders liegen 2 m von weisslichgrauen sehr feinen Thon- 
schiefern, welche der Fundort der zahlreichen von hier bekannten Pflanzenreste 

2 



18 




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Fig. 6. Steinbruch östlich von Kounie hei Böhmisihhrod. a Qnadersand mit Höhlungen 
nach Stammen von Dicksonia punctata und Fundort von Oncoptcris Nettwalli und Kouniciana. 
b Weisslichgraue an Pflanzenresten und Unionen reiche Thonschiefer. c Quadersand. (Pbotogr. 

von Dr. Jar. Perner.) 

sind und in denen stellenweise die Unionenabdrücke angehäuft sind. Beim Gast- 
hause iu Kounie soll bei eiuem Brunnengraben die Mächtigkeit dieser Thonschiefer 
auf 8 m sicher gestellt worden sein. 



Verzeichniss der in Kounie aufgefundenen Petrefacten. 



A. Pflanzen. 
Cercospora coriococcum Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeii 

Schenk. 
Onychiopsis (Thyrsopteris Vel.) 

capsulifera (Vel.) Natu. 
Pteris frigida Heer. 
Pteris Albertsii (Dunk. sp.) Heer. 
Aspleniuni Foersteri Deb. et Ett. (Nach 

Engelhardt.) 



Dicksonia punctata (Sternbg. sp.) Heer. 
Gleichenia Zippei Cda. sp. 
Jeanpaulia carinata Vel. 
Kirchnera dentata Vel. 
Kirchnera aretica Heer. 
Oncopteris Nettwalli Dorm. 
Oncopteris Kauniciana (Dorm, sp.) Vel. 
Microzamia gibba Cda. 
Kranuera Mirabilis Cda. 
Dammara borealis Heer. 



19 



Widdringtonia Reichii Ettg. 
Plutonia cretacea Vel. 
Myricophyllum Zenkeri Ettg. 
Myricantkiuui amentaceum Vel. 
Ficus Penmi Vel. (Nach Engelhardt.) 
Ficus Krausiana Herr. (Nach Engelhargt.) 
Ficus stylosa Vel. 
Litsaea bohemica Eugelh. 
Laurus affinis Vel. (Nach Engelhardt.) 
Platanus laevis Vel. 
Hymenaeophylluni primige- 

nium Sap. 
Sapindophyllum p e 1 a g i c u in 

Vel. 
Bombacophyllura argillaceum Vel. 
Eucalyptus Genitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Callistemophyllum Bruderi Engelh. 
Terminal iphylluui rectinerve Vel. 



Araliphylluru Kowalewski- 

anum Sap. 
Araliphylluui transitivum. Vel. 
Araliphyllum propinquum Vel. 
A r a 1 i p h y 1 1 u in Daphnophyllum 

Vel. 
Hederophyllum primordiale Sap. 
Hederophyllum credneriaefolium Vel. 
Credneria bohemica Vel. 
Dewalquea coriacea Vel. 
Butomites cretaceus Vel. 
Corticites stigmarioides Ett. sp. 

B. Thiere. 
Unio regularis. 
Unio scrobicularioides. 
Chironomites unionis. 
Sylphites priscus. 
Kounicia bioculata. 



3. Gegend von Molitorov bei Kourini, Melnik an der Sazava und von 

Kolin. 



Südlich von Böhmisch-Brod findet man zerstreute Reste der Perucer 
Schichten, deren Thone zur Fabrication von Chamottwaare Verwendung finden. 
Pflanzenreste sind bei dieser Gelegenheit noch nicht nachgewiesen worden. Die 
Lagerung ist unweit Molitorov an der Localität Diblikov gut zu beobachten. 
Auf steil einfallendem Urgebirge mit Eisenerzlagern liegt horizontal der Quader- 
sand und oberhalb desselben der graue Thon. 

In Melnik oberhalb des Sazava - Flusses in der Richtung gegen Radvanic 
entdeckte mein Neffe, Jos. Fric, ein Lager von weisslichen Thonen, die reich an 
Blattabdrücken waren. Dieselben ähneln sehr denen von Kuchelbad bei Prag, 
sind von grauer oder weisslicher Farbe und stark plastisch. Dieselben wurden 
zur Anfertigung der Pfannen für die nahen Glasshütten benützt. 

Verzeichniss der in Melnik an der Sazava aufgefundenen Pflanzenreste. 



Cercospora coriococcum Bayer (auf Mag- 

nolia amplifolia Heer). 
Onychiopsis (Thyrsopteris Vel.) capsu- 

lifera (Vel.) Nath. 
Pteris frigida Heer. 
Asplenium Foersteri Deb. et Ett. 
Gleichenia delicatula Heer. 
Marattia cretacea Vel. 



Kirchnera arctica Heer. 
Podocarpus cretacea Vel. 
Myricophyllum Zenkeri Ett. 
Myricophyllum serratum Vel. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Salicipbyllum perucense Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Grevilleophyllum tenerum Vel. 

2* 



20 

Dryaudrophylluin cretaceuui Vel. 
Magnolia amplifolia Heer. 
Platanus laevis Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 



Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum Daphnophylluin Vel. 
Diospyrophyllum provectum Vel. 
Credueria boheuiica Vel. 



Während in Kolin und seiner unmittelbaren Umgebung die Korycauer 
Schichten direkt auf dem Urgebirge liegen, so findet man weiter südlich die Pe- 
rutzer Schichten in dem Thale bei Ctitar deutlich entwickelt. In der Thalsohle 




Fig. 7. Profil im Thale bei Ctitar umreit Kolin. p Perucer Schiebten mit einem 

Kohlenfiötz. e Korycauei- Schichten mit Exogyra columba. k, h Korycaner Schichten. 

Unten glaukonitischer Sandstein, oben welliger Kalk, o Scyphien Pläner. 

am Bache gaben sie vor Zeiten Veranlassung su einem Versuchsbau auf Kohle. 
(Fig. 7.) In der Mitte eines kaum 2 m mächtigen Quadersandes liegen graue 
nissige Pflanzenschiefer (p). 

Unmittelbar über diesem Quader liegt eine Exogirenbank (e) der Korycaner 
Schichten, auf welche dann glauconitischer Quader, welliger Kalkstein und endlich 
Scyphienplaener folgen. 

Dieses Auftreten der Perucer Schichten in der Nähe der Stadt Kolin ist 
für die Frage der Wasserversorgung von grosser Wichtigkeit. 



4. Gegend von Litomysl, Policka, Landsberg und Wamberg bis nach 

Mähren. 

Südlich von Policka treffen wir abermals den südlichen Rand der Perucer 
Schichten, und zwar bei der Localität „Ledkov", wo man vor Zeiten die stark 
kiesigen Russkohleu wahrscheinlich behufs Alaunbereitung ausbeutete, wovon noch 
ansehnliche Halden Zeuguiss geben. 



21 

Es liegen hier vorerst graue, glimmerreiche Thonschiefer (Fig. 8. a), an 
deren Basis eine rostige Quelle entspringt (w). Darüber liegen an 60 cm mächtige 
Russkohlen (b), die von glauconitischen Sanden der Korycaner Schichten 30 cm 
mächtig überlagert werden (c). Oben liegen zerstörte Plänermergel der Weissen- 
berger Schichten (Seinicer?) (d). 

Landsberg. 

In der Gegend von Wildenschwerdt findet man unweit der Ruine Lands- 
berg die Perucer Schichten unter den glauconitischen Sandsteinen der Korycaner 
Schichten, die hier die höchste Lage der uach Mähren sich hinziehenden Berg- 
rücken bilden. 



i^iii&i: 




Fig. 8. Profil der Lokalität „Ledkovna" bei Policka, a Perucer Schichten, 

an deren Basis eine eisenschüssige Quelle entspringt (n). b Lage von kiess- 

haltiger Russ-Kohle. c Sandstein der Korycaner Schichten, d Plänermergel der 

Weissenherger Schichten. 

In einer vom Fusse der Ruine Landsberg östlich führenden Schlucht findet 
man im Bachbette eine etwa 10 cm mächtige Lage festen, schweren, schlecht 
spaltbaren Thonschiefers, der reich an Pflanzenresten ist. Ich entdeckte diesen 
Fundort im Jahre 1866 und wurde derselbe später von Prof. Velenovsky genau 
studirt. Die Abdrücke erscheinen als schwarze noch mit einer abhebbaren Mem- 
bran versehene Reste und eignen sich ausgezeichnet zum Studium, da auch die 
mikroskopische Structur erhalten ist. Der Charakter der Flora ist sehr eigen- 
thümlich und namentlich ist es auffallend, dass die Farne Gleichenia delicatula 
und acutiloba fast allein die tiefsten Lagen oberhalb des Sandsteins decken. Über 
die Schichtenfolge belehrt uns das in Fig. 9. gegebene Profil des Prof. Velenovsky. 

Verzeichniss der bei Landsberg aufgefundenen Pflanzenreste. 



Cercospora coriococcum Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 
Schenk. 



Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Natb. 
Gleichenia delicatula Heer. 
Gleichenia acutiloba Heer. 



22 




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im. 



Fig. 9. Profil der Perucer Schichten in der Schlucht 

bei Landsberg (Wildenschwert) Vel. 
a Dünnplattiger Sandstein, b Quadersand. c Feste 
dunkle Thonschiefer ohne Pflanzenabdrücke, d Schichte 
von Thonschiefer mit Aralia anisoloba und Eucalyptus 
augustus. e Dünnblättriger Thonschiefer mit zahlreichen 
Pflanzenresten: Cunninghamia stenophylla, Pinus Quen- 
stedti, Sequoia sp., Aralia anisoloba. f Dünnblättriger 
glimmerreicher Sandstein mit zahlreichen Gleichenia 
acutiloba. i Schwache Lage mürben Sandes, k Quader- 
sand. 

dorf (Semauin) an der Mährischen Grenze auf die 
aufmerksam gemacht. (Fig. 11.) 



Dammara borealis Heer. 
Cunninghamia stenophylla 

Vel. 
Cunninghamia elegans Cda. 
Pinus Queustedti Heer. 
Cyparissidium minimum Vel. 
Sequoia heterophylla Vel. 
Widdringtonia Reich i Ett. 

spec. 
Myricophyllum Zenkeri Ett. 
Myricophyllum serratum Vel. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum anisolobum 

Vel. 
Dewalquea pentaphylla Vel. 
Corticites stigmarioides (Ettg. 

sp.) Engelh. 

Nördlich von dem Urgebirgs- 
zuge von Pottstein finden wir bei 
Wamberg am alten Wege nach 
Senftenberg einen Rest der Pe- 
rucer Schichten. Dieselben treten 
als Conglomerate auf, die in kleinen 
Steinbrüchen zu Mühlsteinen ver- 
arbeitet wurden. Auch wurde hier 
ein Versnchsbau auf Kohle ge- 
macht der nachdem er die Pläner 
der Weissenberger Schichten (Fig. 
10. o) und die Korycaner Schichten 
(k) durchteuft hat auf die Perucer 
Schichten stiess, die ein schwaches 
Kohlenflötz enthielten und direkt 
auf Urgebirge lagen. 

Durch einen ähnlichen Ver- 
suchsbau wird man bei Schirm- 
Gegenwart der Perucer Schichten 



Mähren. Letovic. 



In östlicher Richtung ziehen sich die Perucer Schichten von der Grenze 
Böhmens nach Mähren wo sie bei Moletein schon Vorjahren hübsche Pflanzen- 



23 




Fig. 10. Profil an dem alten Wege von Wainberg nach Senftenberg. 

r Gneiss. p Perucer Schichten mit einem schwachen Kohlenflötz. Je. Kory- 
caner Schichten, o Weissenberger Schichten. 

reste lieferten.*) — Ihnen gehören auch die schwefelkiesreichen Russkohlen von 
Letovic an. 

In neuerer Zeit wurden in Mähren die plastischen Thone an mehreren Orten 
zu technischen Zwecken gewonnen z. B. bei Opatovic unweit Gewitsch.**) 

Das Detail der ausserhalb Böhmens liegenden Partien zu bearbeiten wird 
Aufgabe der mährischen Geologen sein. 

5. Gegend vou Hofie, Belohrad bei Jicin, Kozäkov uud Bolidankov 

bei Liebenau. 

Von Konecchlum bei Jicin zieht sich ein Bergrücken in östlicher Richtung 
gegen Hofic hin. 

Bei Konecchlum besteht dieser an 60 m hohe Rücken bloss aus Quadersanden 




Fig. 11. Profil von Schirmdorf iVergl. Dieses Archiv. Band V. Iserschichten, 62). 

1. Perucer Schichten. 



*) Jiter 0.: „Flora von Moletein in Mähren. * (Beiträge zur Kreideflora. Neue 
Denkschr. der allgemeinen schweizerischen Gesellschaft f. d. gesammten Naturwissenschaften. 
Zürich 1869.). 

**) Krasser Fridolin : „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Kreideflora von 
Kunatadt in Mähren". (Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesteri eich Ungarns etc. 
von Dr. E. v. Mojsisovics und Prof. Dr. M. Neumayr. Mittheilungen des „Palaeont. Institutes 
der Univers. Wien". 1896. Bd. X. Heft III. pg. 113.). 



der Korycaner Schichten ; denn ich fand in einem verlassenen Steinbruche am Fusse 
der bewaldeten Berglehne zahlreiche Exogyra columba. 

In den weiter nach Osten geöffneten Steinbrüchen in Vojic und Podhornf 
Ujezd nehmen die Korycaner Schichten den höchsten Theil der entblössten Felsen- 
massen ein, an ihrer Basis sind aber die Perucer Quader oft zugänglich. Dieselben 
sind von einer mürben fucoiden reichen Schichte bedeckt, die hier „Mekota" ge- 




Fig. 12. Profil des Horicer Steinbruches, pr Rothe Schichten der Permfor- 
mation. p' Thonschiefer und Letten der Perucer Schichten, p Bildhauersandstein 
der Perucer Schichten, d Weiche Fucoidenschichte, ,M ekota" Grenzschichte 
zwischen den Perucer und Korycaner Schichten, mit Resten von Landpflanzen. 
k Quadcrsand der Korycaner Schichten mit Pecten aequicostatus, Pinna decussata, 
Pygurus lampas etc. a Ader von Brauneisenstein, darüber eine runde Kugel wahr- 
scheinlich von einem Schwamm (Geodia) herrührend, r Lage vou plattigem Sand- 
stein der Korycaner Schichten. 

naunt wird und die in ganz ähnlicher Art z. B. in Kralup am Hostibejk die Perucer 
Schichten von den Korycauer trennt und dort von den Arbeitern „Drozdi" (Hefe) 
genannt wird. 

Die Perucer Quader sind viel reiner und feinkörniger als die Korycaner 
und führen nie Meeresconchylien. Sie liefern den guten Bildhauersandstein, dessen 
beste Qualitäten am östlichen Ausgang bei Lukavec ausgebeutet werden. Dieser 
Sandstein wird hauptsächlich in der Bildhauersclnile in Hofic verwendet. Das Lie- 
gende der Perucer Schichten sind hier rothe Schichten der Permformation, die 
direct auf Gneiss liegen. 



25 















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26 



An Pflanzenpetrefacten sind sie arm 
und lieferten bisher bloss: 

Dicksonia punctata (Stubg. sp.) Heer. 
(Ein junges, nach unten keilförmig 
verjüngtes Stammstück mit ungewöhn- 
lich kleineu Blattnarben.) 
Dioonites cretosus (Reich, sp.) Schimp. 
Krannera mirabilis Cda. 
Cunnighamia elegans Cda. (Zwischen 
Doubrava und Bfezovice. „Vojtf- 
skova skäla"). 
Ficophyllum elongatum Vel. 

Sie enthalten an ihrer Basis stellen- 
weise graue Thonschiefer. 

Die Korycaner Quader werden hier 
hauptsächlich ausgebeutet. Dieselben sind 
eisenschüssig, enthalten viel marine Petre- 
facteu, die dort wo sie angehäuft sind die 
Qualität des Sandsteines bedeutend schä- 
digen. Oft findet man darin kopfgrosse 
Kugeln die durch eine feste Brauneisen- 
steinkruste abgegrenzt sind und weiss- 
lichen Sand enthalten. Zu ihrer Bildung 
dürften Geodien Veranlassung gegeben 
haben. 

Auch zahlreiche Fucoiden und Spon- 
giten durchziehen das Gestein und be- 
günstigen das Eindringen des Wassers, 
das dann durch Frost das Gestein schädigt. 

Von Petrefacteu sind hier Exogyra 
columba, Pecteu aequicostatus und Pinna 
decussata die häufigsten und erreichen die 
letzteren bis 30 cm an Länge. 

Ausserdem besitzen wir aus den ver- 
schiedenen Steinbrüchen noch Cardium 
pustulosum, und Pygurus lampas 

Diese Fauna ist ganz dieselbe wie in - 
\ den steil aufgerichteten Quadern von Pan- 
krac bei Reichenberg. 

Von Pflanzen findet man Coniferen- 
zweige die vom damaligen Festlande in's Meer gespült wurden. Ein solches Vor- 
kommen reicht aber nicht hin diese Quader als Perucer Schichten aufzufassen. 

Eine auffallende Erscheinung sind unregelmässige Adern in dem Quader 
(der au Pinna und Cardium reich ist), (Fig. 12. k, a) die mit einem festen Braun- 




27 

eisenstein erfüllt sind, der das angrenzende Gestein rostig färbt. — Bei Belohrad, 
unweit Jicfn. wurde auch vor Jahren in den Perucer Schichten auf Kohlen ge- 
graben und ;iui den Halden fand ich noch deutliche Belege, dass hier wirklich 
diese Schichten anstehen. 

Auch erhielt ich später einen verkiessten Stamm von Palmacites, jetzt 
Tempskya genannt. 

Von Nova Ves bei Belohrad besitzen wir auch Aralia formosa. 

Am westlichen Fusse des Kozakov Berges findet man die Perucer 
Schichten bei dem Orte ßadostoy nilyn (Fig. 13. 8) von Porfyr (q) steil gehoben. 




Fig. 14. Profil der Thallehne bei Bohdankov westlich vou Liebenau. (Vel.) 
a Permische rothe Schichten, b Porfyr. c Fester Quadersand, d Mürber Quadersand. 
e Feste rothe Thonschiefer mit Pflanzenabdrücken. / Plattiger Sandstein, i Mürber 
Sand, k Schwache Schichte weisser Thonschiefer mit Coussonia. I Sand mit Quader- 

brocken. m Ackerkrumme. 

Sie werden hier von Korycaner Schichten mit Pecten aequicostatus überlagert und 
gaben Anlas s zu Versuchsbaueu nach Kohle. Wir besitzen von hier ein Haudstück 
russigen Thonschiefers mit Resten von Araliphyllum formosum Heer, und Euca- 
lyptus Geinitzii. 



Bohdankov bei Liebenau (Hodkovice). 

Westlich von Liebenau trifft man am Wege zwischen Bohdankov und Rado- 
novic die Perucer Quader anstehen, welche am Contacte mit Porfyr steil ge- 
hoben sind. 

Dieselben führen eine etwa 20 cm mächtige Schichte von Thonschiefern, 



8 

die vom Porfyr ausgebrannt und blass röthlich gefärbt sind und schöne dunkel- 
rothbraune Abdrücke von Pflanzen enthalten. 

Die Sandsteinschichten, welche das Hangende dieser Thonschiefer bildeten, 
sind abgeschwemmt, so dass die letzteren an der schrägen Thallehne zu Tage liegen. 

Ich entdeckte diesen Fundort bereits im Jahre 1865 und später wurde 
derselbe von Dr. Velenovsky eingehend untersucht und das in Fig. 14. gegebene 
Profil aufgenommen. 

Verzeichniss der in Bohdankov bei Liebenau aufgefundenen Petrefacten. 



Cercospora coriococcum Bayer (auf Eu- 
calyptus angustus Vel.). 

Gymnogramme bohemica Bayer. 

Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 
Schenk. 

Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Natli. 

Gleichenia Zippei Cda. 

Podozamites latipennis Heer. 

Podozamites longipennis Vel. 

Podozamites lan Ceolat ns Heer. 

Podozamites pusillus Vel. 

Zamites bohemicus Vel. 

Krannera mirabilis Cda. 

Dnmmara borealis Heer. 

Dammarophyllum striatum Vel. 

Piuus Quenstedti Heer. 

Sequoia heterophylla Vel. 

(Sequoia rigid a Heer.) 

Ceratostrobus echinatus Vel. 

? Juniperus macilenta Heer. 



Widdringtonia Reichii (Ettg. sp.) 

Vel. 
Chamaecyparites Charonis Vel. 
Frenelopsis bohemica Vel. 
Myricophyllum Zeukeri Ett. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Banksiphyllum pusillum Vel. 
Proteophyilum productum Vel. 
? Proteophyilum cornutum Vel. 
? Grevillea Dvofäki Bayer. 
Magnolia amplifolia Heer. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum formosum Heer. 
Araliphyllum Daphnophyllum Vel. 
Hederophyllum primordiale Sap 
Cussoni phy llum partitum Vel. 
Diospyrophyllum provectum Vel. 
Dewalquea coriacea Vel. 
Butomites cretaceus Vel. 



Nematus cretaceus. 



G. Die Gegend von Laun, Peruc und Lipenz. 

Am Fusse des Erzgebirges und in der Teplitzer Gegend sind die Perucer 
Schichten nirgends nachgewiesen und auch bei Bodenbach und Leitmeritz liegen 
die Korycaner Schichten direkt auf dem Urgebirge. 

Erst in der Launer Gegend findet mau sie westlich vom Ranay-Berge bei 
Webfau anstehen, aber wenig charakteristisch und ohne Pflanzenreste. 

Am rechten Egerufer, wo die Schichten bis auf das Rothliegende durch 
Thaeler entblösst sind, sieht man die Lagerung der Perucer Schichten deutlich bei 
Lipenz und Touchovic, zu deren eingehenderer Schilderung wir schreiten. Es kann 
nicht Aufgabe dieser Studie sein, alle die Stellen aufzuzählen, au denen die Perucer 
Schichten zwischen dem Egerthale und der Gegend von Schlan zugänglich sind, 
und wir beschränken uns auf nachstehendes, das ein maasgebeudes Schema für die 
ganze genannte Gegend bietet. 



29 

Es ist diess für unsere übersichtliche Studie imi so mehr hinreichend als 
Prof. Zahälka*) jüngst eine Reihe von Detailprofilen der Perucen Schichten des 
Egerthales veröffentlicht hat. 

Bei Touchovic ist oberhalb der Mühle ein gutes Profil entblösst, das die 
ganze Schichtenfolge vom Rothliegenden bis zu den Weissenberger Schichten klar 
darstellt (Fig. 15). Auf rothen sandigen Thonschiefern der Permformation (E) liegen 
die Quader der Perucer Schichten direkt auf und enthalten zwei Lagen von Thon- 




Fig. 15. Profil der Thallehne oberhalb der Mühle bei Touchovic unweit laun. 

E Rothe Schichten der Permformation. P Perucer Schichten. Quader mit Thonschiefern ab- 
wechselnd, die unteren mit Ceratostrobus sequoiaphyllus. K Korycaner Schichten. Grüne Letten. 

W Weissenberger Schichten. 

schiefern, von denen die untere durch Ceratostrabus sequoiaepbyllus charakteri- 
stisch ist. Die Pflanzenreste dieser Schichten, in denen man hier nicht arbeiten 
kann, lieferten nur Frenelopsis bohemica, aber dieselben sind in der Fortsetzung 
an der nahe gelegenen Localität Lipenz genau nach Lagerung von mir im Jahre 
1870, später von Prof. Velenovsky studirt. 

Südlich vom Orte Lipenz an der Strasse nach Drahomyäel (Dreiamschel) 
biethet ein steiler Abhang oberhalb des Hasina-Baches günstige Gelegenheit, die 
Vertheilung der Pflanzenreste in den einzelnen Lagen der Thonschiefer und Sand- 

*) Sitzungsbericht der kön. böhm. Gesellsch. für Wissensch. 29. Jänner 1897. 




Fig. 16. Profil der Perucer Schichten am Hasina Bache 
bei Lipenz. (Laun.) Vel. a Ouadersand. b Fester Sand- 
stein, c Geschichteter Sandstein, d Schiefriger Sandstein 
mit zahlreichen zerstrümten Pflanzcnresten. c Mürbe Thon- 
schicfer mit häufigen Asterophyllites. f Desgleichen mit 
häufigen Ceratostrobus und Cuhninghamia nebst anderen 
Pflanzen, i l- Schwache Schichten russiger Kohle. I Schwarze 
Thonschiefer mit seltener Sequoia crispa. in Ouadersand. 
n Thonschiefer mit Eucalyptus Gcinitzii. o Ouadersand. 



steine zu pi'äcisiren. (Fig. 16.)- Na- 
lneutlich mache ich auf die dünneu 
Sandsteinschichten mit zahlreichen 
zertrümmerten zarten Pflanzenresten, 
(8) aufmerksam, da wir in denselben 
einen Insektenrest Feronites Ve- 
lenovskyi vorfanden und Local- 
sammler gewiss Gelegenheit finden 
werden ähnliche Funde zu machen. 
Hier ist das Liegende, die Perm- 
formation, nicht zu sehen, und die 
Perucer Quader stehen schou am 
Bachufer au. Die erste schwache 
Schichte von Thonschiefern (w) ist 
reich an Eucalyptus G e i n i t z i i, 
die höher gelegenen (i k) russig kohli- 
gen Schichten führen einen schwarzen 
Thonschiefer mit Sequoia crispa. 
In der Schichte der mürben Thon- 
schiefer (f) ist Ceratostrabus, Cun- 
ninghainia und andere Pflanzen häufig, 
in (e) einem höheren ist Asterophyl- 
lites häufig. Alles diess deutet dar- 
auf hin, dass die Ablagerung dieser 
Schichten lauge gedauert hat und 
Reste von verschiedenen in langen 
Perioden aufeinander folgenden Ve- 
getationsphaseu enthält. 



Verzeichniss der bei Lipenz aufge- 
fundenen Pflanzenreste. 

Acrostichum (Rhipidopteris) creta- 

ceum Velen. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 

Schenk. 
Osmundophyllum cretaceum Vel. 
Marsilia (cretacea Vel ) perucensis 

Bayer. 
Pseudo asterophyllites cre- 

taceus (0. Feistm.) Vel. 
Podozamites obtusus Vel. 
Dammara borealis Heer. 
Araucaria bohemica Vel. 



Cunuinghamia stenophylla Vel. 

(C. elegans Cda.) 
Sequoia crispa Vel. 
Sequoia major Vel. 
Ceratostrobus sequoia e- 

p h y 1 1 u s Vel. 
Microlepidium stiiatulum Vel. 
Widdringtonia Reichii Ettg. 
Juniperus macilenta Heer. 
Chamaecyparites Charonis Vel. 
Plutonia cretacea Vel. 
Frenelopsis bohemica Vel. 
Myricopln llum Zenkeri Ettg. 



31 



Myricanthium amentaceum Vel. 
Conosperinophyllum liakeae- 

folium Vel. 
Illicipbyllum deletum Vel. 
Cocculophyllum ciiinamomeum 

Vel. 
Laurophyllum plutonium Heer. 
Eucalyptus G e i n i t z i Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum formosum Heer. 
Araliphyllum Kowalewskianum Sap. 
Dewalquea coriacea Vel. 
Butoinites cretaceus Vel. 



Einen ähnlichen Ausbiss der pflanzenführenden Schichten findet man auch 
beim Dorfe Tuchofic südlich von Lipenz wo sie auf grünlichgrauen permischen 
Schichten lagernd in dieser Mächtigkeit von etwa 4 m unterhalb des Haideberges 
zu Tage treten aber bisher nicht ausgebeutet wurden. 

An der gegen das Egerthal einfallenden Leime sind im Orte Peruc selbst 
die Quadersande anstehend und die Quelle an die sich die Sage von Oldfich und 
Bozena knüpft hat ihren Ursprung eben in den Schichten, die wir nach der Auf- 
findung von bezeichnenden Pflanzen- und Thierversteinerungen im nahen Wäldchen 
als Peruc er Schichten bezeichneten. Reuss beschrieb schon die Profile von 
Peruc, führte aber keine Petrefacten an. 

Ich untersuchte den damals gut zugänglichen Steinbruch des Herrn Kostka im 
Jahre 1865 und 1866 und sammelte hier in den grauen Thonschieferu folgende Arten. 



Verzeichniss der im Jahre 1866 im Steinbruche des H. Krupka in Peruc 

gesammelten Petrefacten. 



«) Pflanzenreste. 

Microdictyon(LaccopterisDun- 

keri Schenk. 
Gleichenia Zippei Cda. 
Gleichenia multinervosa Vel. 
Dammara borealis Heer. 
Cunninghamia elegans Cda. 
Sequoia heterophylla Vel. 
Widdringtonia Reichii Ett. 
Myricophyllum Zenkeri Ett. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Proteoides Reussi Engelh. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
? Cocculus cinnamomeus Vel. 



B o m b a c o p h y 1 1 u in a r g i 1 1 a c e u m 

Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Araliphyllum formosum Heer. 
Araliphyllum Daphnophyllum 

Vel. 
Dewalquea coriacea Vel. 
Butomites cretaceus Vel. 

ß) Thierische Reste. 

Tanalia Pichleri Hörnes. 
Unio perucensis Fr. 



32 

Später wurde der Steinbruch des Herrn Krupka verlassen und die Petre- 
facten führenden Schichten unzugänglich; aber es wäre sehr wichtig, wenn man 
in Peruc bei gelegentlich vorkommender Entblössung dieser Schichten auf die 
Pflanzen und Thierreste aufpassen möchte. 

Man kann diese Schichten und ihre Auflagerung auf permischen rothen 
Schichten unten im Thale längs des Weges nach Stradonic verfolgen und wurden 
dieselben später von Dr. Velenovsky studiert und folgende Arten daselbst gefunden. 

Podozamites lanceolatus Heer. Cocculophyllum cinnamomeum Vel. 

Cunninghamia elegans Cda. Eucalyptus Geinitzi Heer. 

Sequoia heterophylla Vel. Eucalyptus augustus Vel. 
Widdringtonia Reichii Ettg. 

In den permischen Schichten liegen hier schwache Kalksteinlagen mit zahl- 
reichen Fischschuppen und Walchia piniformis. 



7. Die Gegend von Mseno, Zahaj und Charvatec. 

Die Umgebung von M§eno, einem kleinen Badeorte bei Budin, ist in Bezie- 
hung auf die Perucer Schichten von mehrfachem Interesse. 

Von hier stammen die ersten Pflanzenreste, die bereits Sternberg in seiner 
Flora der Vorwelt abbildet und die von Corda im Reussischen Werke beschrieben 
wurden. 

Aas dieser Gegend stammt auch die erste Nachricht über einen Versuchs- 
bau nach Kohlen in den Perucer Schichten und zwar aus den ersten Tagen der 
Gründung des Museums im Jahre 1825 und die Belege liegen in unserer Sammlung. 
Bei denselben lag ein Brief, der wohl das älteste Dokument eines Profiles der 
Perucer Schichten darstellt, wesshalb ich denselben hier wörtlich wiedergebe : 

»Hochwürdiger und hochzuverehrendster Herr Dechant! 

Der Zlonitzer Herr Director hat mich aufgefordert, Euer Hochwürden einige 
Notizen über den mineralischen Versuchsbau bei Zahaj mitzutheilen, um daraus als 
sammelndes Mitglied des vaterländischen Museums beurtheilen zu können, ob die 
daselbst vorgefundenen Fossilien einer Einsammlung werth sind. Diesemuach fühle 
ich mich verpflichtet, Euer Hochwürden folgendes mitzutheilen. 

Die Auflagerungen der Gebirgsart zeigten sich bei Absenkung der Versuchs- 
schachtes in folgender Gestalt. Nach Abdeckung der oberflächlichen Dammerde 
folgte gelber Thon untermischt mit Tufstein oder Thonmergel. :!: j Das Lager betrug 
ohngefähr 5 — 6 Klafter. 

Dieser Schicht folgte ein bläulicher Thonschiefer mit häufigen Glimmer- 
blättchen und einigen Gypskrystallen vermengt, 2 Klafter mächtig**) und überging 
in schwärzlichgrauen Thonschiefer, worin häufige Abdrücke von Pflanzen und 



*) Löss mit Lösskindeln. 

**) Vielleicht Semicer Mergel. 



33 

Blättern, dann petrifieirtes Holz in ganzen Stämmen vorkam. Unter diesen Thon- 
schiefern folgt Sandsteinschiefer, in welchem häufige Nieren, meist schon zu einem 
Ocher aufgelösten Schwefelkies enthalten sind. Die letzte Formation ist der 
Saudstein, welcher am mächtigsten erscheint, allein dessen Uebergang in eine 
angrenzende Gebirgsart kanu nicht erforscht werden, wegen des zu häufigen An- 
dranges von Wasser. 

In diesem Sandsteinfelseu befinden sich Steinkohlengänge zu 1 und 1 /„ Zoll 
an Mächtigkeit, auch Schichten von Holzkohlen, die ganz unverändert sind. Der 
Sandstein und der Thonschiefer ist in den Klüften ochergelb gefärbt. 

In dem niedrigsten Theil des Ortes Zahaj befindet sich eine starke Schichte 
schwarzgrauen Thon, welcher mit beträchtlichem Alaungehalt versetzt ist. 

Zur wahren Betrachtung einiger der beschriebenen Fossilien übersende ich 
Euer Hochwürden Holzsteine, worunter vorzüglich das astförmige, getheilte Stück 
ein Augenmerk verdient, dann Abdrücke von Pflanzen und Blättern, ein in Stein- 
kohle verwandeltes Holz, vermeintliche Gypskrystalle, Sandsteinschiefer mit aufge- 
lösten Schwefelkiesen zu Ocher, alaunhaltigen Thon, Alaunblüthe und ein Alaun- 
krystall, den ich auf irdene Geschirre zu fabriciren versucht habe. 

Sollten in der Folge noch andere Fossilien zu Tage kommen, so werde ich 
mir ein Vergnügen daraus machen, davon ungesäumt Euer Hochwürden mitzutheilen. 

Mit wahrer Hochachtung und Ergebenheit habe die Ehre zu sein 

Euer Hochwürden dienstwilliger 

Ant. Ign. Dandr. 
Mscheno, am 29. Januar 1825." 



Ich besuchte die Gegend von Mseno im Jahre 1866 und fand die Schichten 
mit Pflanzenresten wenig aufgeschlossen, doch besitzt gegenwärtig unsere Sammlung 
folgende Arten. 

Verzeichniss der in Mseno bei Budin an der Eger aufgefundenen Arten. 



Microdictyon (Laccopteris) Dunken 

Schenk. 
Pteris frigida Heer. 
Gleichenia Zippei Cda. 
Pecopteris lobifolia Corda. 
? Nilssonia bohemica Vel. 
Cunninghamia elegans Cda. 
Sequoia Reichenbacbi Geiu. sp. — 

(Mseno und Charv.) 
? Sequoia heterophylla Vel. 
Widdr ingtonia Reichi Ettg. 
Myricophyllum Zenkeri EU. 



Myricanthium amentaceum Vel. 
Ficophyllum stylosum Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Conospermophyllum hakeaefolium Vel. 
Bombacophyllum argillaceum 

Vel. — (Ms. und Charv.) 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Aralia Daphnophyllum Vel. 
Dewalquea coriacea Vel. — (Ms. 

und Charv.) 
Butomites cretaceus Vel. 

3 



n 



Fig. 17. Profil des nörd" 
liehen Abhanges des 
Plateaus „na llajich" 
oberhalb Sehlan. (Vel.) 
a Ackerkrume, b Weissen- 
berger PläDer. c Quader- 
sande. (Korycaner?) d Röth- 
liche feste Thonsehiefer mit 
Pflanzenresten der Perucer 
Schichten, e Quadersande. 
/ Schwache Schichte mit 
Sequoia minor, i Quader- 
sand. k Braune Pflanzen- 
schichten mit Sequoia eri- 
spa. I Fester Letten mit 
Credneria rhomboidea Vel. 
=z Plataims Vclenovskyana 
Krasser, m, Leere Thon- 
sehiefer. n Quadersand. 



In den nahen Quadersandbrüchen unterhalb Charvatec, 
die einst das Material zum Bau der Festung Theresienstadt 
lieferten, jetzt aber meist verlassen sind, sammelten wir: 

Krannera mirabilis Cda. 
Sequoia Reichenbachi Gein. sp. 
Ficus Peruni Vel. 
Bombax argillaceum Vel. 
Aralia (Dewalquea) coriacea Vel. 

8. Umgebung von Sehlan (Lidic, Otrub). 

Am nördlichen Abhang des Plateaus „NaHäjich" treten 
sowohl Quadersande als auch die Thonsehiefer der Perucer 
Schichten zu Tage. So sieht man an der Localität „Na 
Svatöm Vrchu" bei Lidic den Quader anstehen und tiefer 
im Thale die Thonsehiefer, die sich dann weiter gegen 
Votrub verfolgen lassen und durch Eisenbahneinschnitte 
stellenweise gut entblösst sind. 

Die Thonsehiefer sind in mehreren schwachen Lagen 
den Quadersanden eingelagert, ziemlich fest, von weiss- 
licher oder auch braunlicher Farbe und liefern sehr viele 
oft ausgezeichnet erhaltene Pflanzenreste. Jede der er- 
wähnten schwachen Lagen zeigt eine eigentümliche Flora. 

So liegt an dem Wege von Sehlan nach Lidic eine 
mächtige Schichte braunen Thonschiefers mit Sequoia 
crispa und 2 m höher liegt eine bloss 4 cm starke 
Schichte mit Proteaceen, dann Echinostrobus minor, Ce- 
ratostrobus sequoiaephyllus und häufigen Schuppen von 
Dammara borealis. 

An der Bahn sind wieder sandige Thonsehiefer mit 
zahlreichen Dicotyledonenblättern, Bresciphyllum, Proteo- 
phyllum, Myrsinophyllum und Eucalyptus. 

Daraus ersehen wir, dass die Perucer Schichten nicht 
das Bild bloss einer Vegetationsperiode einschliesen, son- 
dern einer ganzen Reihe von untereinander ungleichen 
Floren uns darbieten, deren Abwechslung wohl grosse 
Zeiträume erfordert hat. 

Die zahlreichen Bahneinschnitte in der Richtung über 
Zlonic, Klobuk bieten vielfache Gelegenheit Specialstudien 
über die Perucer Schichten zu machen. 



35 



Bei dem nahe gelegenen Orte Votrub sammelte Herr Dvorak aus Schlan : 



Gymnogramme boheniica Bayer. 
Drynaria astrostigmosa Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 

Schenk. 
Dipteriphylluin cretaceum (Vel. sp.) 

Krasser. 
Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Nath. 
Pteris frigida Heer. 
Gleichenia votrubensis Bayer. 
Kirchnera arctica Heer. 
Microzamia gibba Corda. 
Cimninghauiia elegans Cda, 
Sequoia major Vel. (Zapfen und 

Zapfenschuppen.) 



Echinostrobus minor Vel. 
Widdringtonia Reichii Ettg. sp. 
Myricophyllum Zenkeri Ett, 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Conospermophyllum hakeaefolium Ettg. 
Grevillea Dvoräki Bayer. 
Platanus (rhomboidea Vel.) V e 1 e- 

novskyana Krasser. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Aralia formosa Heer. 
Myrsino phyllum varians Vel. 
Bignonia pulcherrima Bayer. 
B r es ci phyllum cretaceum Vel. 



Verzeichniss der bei Lidic aufgefundenen Petrefacten. 



Drynaria dura (Vel.) Bayer. 
Drynaria tumulosa Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 

Schenk. 
Gleichenia Zippei Corda spec. 
Microzamia gibba Corda. 
? Podozamites obtusus Vel. 
Krannera mirabilis Cda. 
Dammara b o r e a 1 i s Heer. 
Cunninghamia elegans Cda. 
Sequoia crispa Vel. 
Sequoia minor Vel. 
? Glyptostrobus europaeus Heer creta- 

ceus Vel. 
Ceratostrobussequoiaephyllus 

Vel. 
? Libocedrus salicornioides (Ung. sp.) 

Heer var. cretacea Vel. 
Chamaecyparites Charonis Vel. 
Echinostrobus minor Vel. 
Myricophyllum Zeukeri Ett. 
Myricophyllum glandulosum Vel. 



Myricanthium amentaceum Vel. 
Proteophyllum laminarium Vel. 
Proteophyllum paucidentatum Vel. 
Proteophyllum productum Vel. 
Proteophyllum trifidum Vel. 
Proteophyllum coriaceum Vel. 
Proteophyllum de cor um Vel. 
Proteophyllum cornutum Vel. 
Proteophyllum (B a n k s i p h y 1- 

lum) Saportanum Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Dryandrophyllum cretaceum Vel. 
Magnolia amplifolia Heer. 
Platanus (rhomboidea Vel.) Velenov- 

skyana Krasser. 
Sterculiphyllum lim bat um Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Myrsinophyllum varians Vel. 
Bresciphyllum cretaceum Vel. 
Butomites cretaceus Vel. 



9. Das Dzbänplateau nördlich von Rakonic. 

Das Profil von der permischen Niederung nach dem Plateau des Dzban- 
berges hatte ich Gelegenheit in den Jahren 1898 und 1899 zu studiren und be- 

3* 



36 

richtete darunter in einem populären Aufsatze in der Zeitschrift „Vesuifr". 
(XXVIII., p. 25.) 

Nach einem Besuche des Kohlenwerkes in Hfedl, von wo schon Reuss eine 
Erwähnung der reichen Fischreste in der Schwarte that, steigt man einer serpen- 
tinartig sich windenden Strasse entlaug über rothe Schichten der Permfoimation, 
bis man bei der letzten Biegung am Fusse der Kreideformation anlangt, wo über 
dem Quadersande der Perucer Schichten eine etwa 1 m mächtige Lage von grünen 
Letten der Korycauer Schichten sichtbar ist. Weiter nach oben ist alles von dem 
Schutte der in einer langen Reihe von Steinbrüchen geöffneten Pliiner der Weissen- 
berger Schichten verdeckt. 

Der auffallend leichte Pläner zeigt grosse unregelmässige Höhlungen, in deren 



b 1 





Fig. 18. Profil au der Serpentin-Strasse bei Hfedl. (Nach einer Foto- 
grafie des Dr. Sykora iu Krusovic.) a Quadersand der Perucer Schichten. 
b Grüner Letten der Korycaner Schichten, c Pläner der Weisseuherger Schichten. 

Inhalt Geodieuuadelu nachgewiesen wurden. Von Petrefacten fand ich: Ammonites 
Woolgari, A. peramplus, Pinna decussata und mehrere andere. 

Eine genaue Einsicht in die Schichteufolge gewährt das Profil, das bei der 
Anlage eines Luftschachtes beim Fürst Schwarzenbergischen Kohlenwerke in Krout- 
schovä gewonnen wurde und das mir der Herr Berg Verwalter Fr. Rost gütigst 
sammt Belegstücken für die Museuinsammlung einsandte, wofür ich ihm im Namen 
des Museums und der Wissenschaft den besten Dank ausspreche. 

Ich wurde dadurch in den Stand gesetzt die einzelnen genau gemessenen 
Schichten petrografisch und dem Alter nach genau zu bestimmen und gelte das 
so verarbeitete Profil in nachstehendem. 



37 



Profil des neuen Luftschachtes am Jos. Adolf Sehwarzenbergischen Kohlenwerke. 

in Kroutschovä am Dzbanberge. 

Mitgetheilt von Herrn Fr. Rost, Bergverwalter in Kroutschovä. — (Die Belegstücke befinden sich 

in der Sammlung des Museums.) 





3 


i. 


Gelber Pläner der Weissenberger Schichten (Wehlo- 


m 


cm 


20 


80 




CD <U 

=5 n 


2.-4. 


Graue Pläner mit Nautilus sublaevigatus ..... 


1 


40 




CO r* 




(Wahrscheinlich den Dfinover Knollen entsprechend.) 










5. 
6. 7. 


Okeriger Pläner 


4 
6 


50 
80 


Grauer mergliger Pläner mit Gypscrystallen .... 


ö 






(Semitzer Mergel.) 








(vi ä 


8. 


Weisslichgrauer rauher Pläner mit rostigen Spongien- 






CS 


S^ 




streifen 





4? 


a 

s-, 


o a 


9-18. 


Sandsteine der Korycauer Schichten 1 


1 


40 


o 


t^QQ 


18. c 


Lage der Weichschichten (Drozdi) J 


CD 




19. 


Grobkörniger, dunkel rostiger Sandstein 


1 


80 


^3 




20. 


Graue Thonschiefer mit Pflanzen- und Kohlenresten 






CD 








2 


10 


W 


_o 


21. 




— 


80 




Cß 


22. 


Sehr grobkörniger Sandstein mit Pflanzenstämmen . . 


— 


85 




o 


23. 


Dunkelgelber Sandstein mit zahlreichen Kohlenbrocken 


— 


65 




03 


24, 


Sandigthonige Lage mit zahlreichen kleinen Pflanzen- 








P4 


25. 




4 


25 
50 








26. 

27. 


Grobkörniger, scharfer, rostrother Sandstein .... 


2 
2 


45 

11 










28. 




1 


62 






29. 


Fester schwerer, glimmerreicher Sandstein mit rothen 








30. 




2 


16 

49 






Feinkörniger, glimmeriger, grauer Sandstein .... 






31. 


Schwerer glimmriger, roth geäderter Sandstein . . . 


— 


10 


Ö 




32. 


Grauer Thon von muschligem Bruch, fein glimmrig . 


1 


05 


O 




33. 


Sehr schwerer feinkörniger, grauer Sandstein .... 


— 


35 


+3 




34 


Grauer Thonschiefer mit Schichten von Kohlen und 






a 








— 


98 




35. 


Schwere Concretiou mit Pflanzenresten ...... 


— 


03 


o 




36. 




— 


45 


3 




37. 




— 


50 


CD 




38. 


Feiner grauer Thon mit muschligem Bruch .... 


2 


94 


P-l 




39. 




— 


05 






40. 


Grauer Letten mit kohligen Cordaiten 


— 


07 






41. 




— 


45 






42 




— 


05 






43. 


Weisser Thonschiefer 


— 


08 






44. 


Geschichtete bröcklige Kohle . 


— 


18 



38 




Fig. 19. Profil des Südabhanges des Dzbanberges an der Serpentine ober- 
halb Hi'edl. a Ackerkrume. I Oberste gestörte Schichten des Planers, c Schichte 
von Höhlungen nach Geodion. d Planer (Wehlovicer) Weissenberger Schichten der 
mit unrcgelmässigen Höhlungen nach Geodien Schwämmen, deren Nadeln im inneren 
nachgewiesen wurden, e Verdeckte tiefere Lagen der Weissenberger Schichten. 
/ Grüne Letten der Korycaner Schichten mit Foraminiferen. g Perucer Quader. 
h Kothe Schichten der Permformation. 



10. Die Gegend von Rynliolec, Liboc, Veleslavin, Stresovic und Prag. 



Unterhalb Rynholec bei Lana ist unweit des verlasseneu Kohlenwerkes eine 
abschüssige L< hne von verwitterten Quadersanden, an welcher ich im Jahre 1873 
eine grosse Menge von verkiessten Resten der Tempskya (Palmacites) einsammelte 
und ein Quantum von etwa 20 Centnern ins Museum förderte. Es sind dies bloss 
die Luftwurzeln der Baumfarne, die sich erhalten haben, und es gelang nicht den 
Stamm selbst aufzufinden. Die Luftwurzeln mögen irgendwo in feuchtem Humus 
gelagert günstige Gelegenheit zur Verkieselung gefunden haben und sind wahr- 
scheinlich später durch Anschwemmung auf den jetzigen Fundort gekommen; denn 
dass sie auf dem groben Sandboden der Quader vegetii t hätten, ist sehr unwahr- 
scheinlich. 

(In Kounic finden wir das umgekehrte Verhältnias; dort haben sich die 



39 

Stämme erhalten und die Luftwurzeln zerfielen in modrige Masse, die man in den 
Höhlungen, wo die Baumfarrenstämme liegen, findet.) 

Die Lagerung der Perucer Schichten fand ich im Jahre 1866 sehr deutlich 
am westlichen Eingang in den Tunell, und nahm damals ein genaues Profil auf. 
(Fig. 20.) Seit der Zeit ist diese instructive Stelle ganz dicht mit Akatien ver- 
wachsen. Auf den Halden, welche das aus dem Tunell gewonnene Gestein ent- 
halten, findet man auch Stämme der Tempskya. 

Weiter nach Osten findet man im Thiergarten bei Rene hie und da kleinere 
Reste von Quadersanden der Perucer Schichten, ebenso beim Bahnhofe von Neu- 
straschitz und auch die Linie über Jentsch und Hostivic schneidet in diese 
Schichten ein. Thonschiefer sind aber nirgends wahrzunehmen. 




i.; 






Fig. 20. Profil am östl. Eingang in den Tunell bei Rynholec, aufgenommen im Jahre 

1874. p Perucer Thonschiefer. k Perucer Quader. s v s. 2 Semicer Mergel, e Dünne Schichte von 
Brauneisenstein, d DJinover Knollen, iv Weissenberger Pläner. m Maasstab in Metern. 



Erst im Sternthiergarten treffen wir unterhalb des Jagdschlosses unten im 
Thale einen Brunnen, der die Basis der Perucer Thonschiefer andeutet. Sie werden 
von Quadern der Perucer und Koiycaner Schichten bedeckt, auf welche die Weis- 
senberger Pläner folgen, auf denen das Jagdschloss steht. 

Der ganze Rücken, der sich von Liboc bis nach Stfeäovic hinzieht, zeigt 
dieselbe Zusammensetzung, die am deutlichsten in den Steinbrüchen bei Veleslavin 
studirt werden kann. Auf untersilurischen Schichten liegen schwache Lagen von 
Thonschiefern der Perucer Schichten, welche selten aufgeschlossen werden. 

Diese Thonschiefer wurden schon in den vierziger Jahren auf dem Wein- 
garten meines Onkels Abund Bachofen von Echt „Panenskä" zu Chamottziegeln 
verarbeitet. Denselben entlang wurde die einst wichtige Trinkwasserleitung in das 
königliche Schloss am Hradschin von Liboc ab geleitet. 

Auf diesem Rücken sowie auf demjenigen, der sich von dem Orte Ladronka 
bei Bfevnov bis nach dem Laurenziberg hinzieht, wurden in den eisten Decen- 
nien des 19. Jahrhunderts viele Versuchsbaue nach Kohle unternommen, welche 
zum Ruin ihrer Unternehmer führten, da sich das nur linsenförmig auftretende 
schwache Kohlenflötz als unbauwürdig erwies und das Teufen von Schächten in 
die tieferliegeuden Silurschichten ein kostspieliges und zweckloses Verfahren war. 



40 



Auf beiden Seiten dieses Rückens treten die Thonschiefer der Perucer 
Schichten an manchen Stellen zu Tage. 

So oberhalb der Kolonie Beranek und im Orte Teinka. 

Meist sind die Thonschiefer von den Quadern ganz verdrängt oder von dem 
Schutte der Steinbrüche verdeckt. 

Der steile Abhang des Laurenziberges in Prag, auf den gegenwärtig die 
Zahuradbahn führt, bietet trotz seiner parkartigen Herrichtung dennoch Gelegenheit 
die Schichtenfolge zu studiren. Wer den Fussweg gegen die Hasenburg, der sich 
serpentinartig hinauf windet, aufmerksam verfolgt wird die wichtigsten Puncte des 
beiliegenden Profils (Fig. 21) erkennen. 

i 




Fig 21. Profil des Laurenziberges in Prag. 1. Untere Station der Dratbseilbabn 

2. Deren obere Station. S Untersilur. Zaliofaner Schichten Dd 4 . p Perucer Thon- 
schiefer mit einem schwachen Kohlenflötz. p l Perucer Quader, k Grünlicher 
Quader der Korycaner Schichten mit Exogyra columba. // Weissenherger Planer. 

r Aussichtsthurm. 

Mehr als die Hälfte des Weges schreitet man über die untersilurischen 
Grauwacken der Etage Dd 4 . (Derselben, welche an den Lehnen des Belveders 
entblösst ist und dort durch Dalmanites socialis, Trinueleus ornatus und Acidaspis 
Buchi characterisirt ist.) (s.) An der Windung unter der Restauration stösst man 
auf dunkle Thonschiefer der Perucer Schichten (p), in denen Eucalyptus 
Geinitzii nachgewiesen wurde. 

Dieselben führen ein schwaches Kohlenflötz, das in den vierziger Jahren 
abgebaut wurde. Die Halde der schwefelkiesreichen Kohle geriethe durch Zer- 
setzung desselben in einer Nacht in Brand, den ich als lOjähr. Knabe gesehen habe 

Oberhalb dieser Thonschiefer liegen Quadersande der Perucer Schichten (p) 
und auf ihnen eisenschüssige Quader der Korycaner Schichten mit Exogyra columba (k). 



41 

Längs des Weges von der Eestauration zum Aussichtsturme sieht man die 
Weissenberger Pläner (bj, deren weitere Gliederung durch Schutt und Vegetation 
verdeckt ist. Auf diesen steht der Aussichtsthurm (r). 

11. Die Gegend von Jinonic und Kuchelbad. 

Der Bergrücken zwischen dem im KoSiftüale gelegenen Orte Cibulka und 
dem Orte Jinonic bietet einen guten Einblick in die Schichtenfolge und stimmt 
dieselbe ganz mit der, welche an dem Profil des Laurenziberges in Prag dar- 
gestellt ist. 

Auf den untersilurischen Schichten der Etage Dd 4 liegen die schwarzbraunen 
Thonschiefer der Perucer Schichten und in einer der tiefsten Lagen sind Coniferen 
sehr häufig. Hier ist auch eine 1 — -3 cm mächtige Schichte von Kohle zu be- 
merken. Weiter nach oben wechseln Lagen die bald reich, bald arm an Pflauzen- 
resten sind. 

Die höchste Lage des Quadersandes etwa 1 m lässt sich durch grünliche 
Färbung als marine Ablagerung der Korycaner Schichten erkennen und ich fand 
in derselben Negativabdrücke von Trigonia sulcataria. Über denselben liegen 
dann Weissenberger Pläner. 

Verzeichniss der auf dem Berge Vidovle bei Jinonic aufgefundenen Petrefacten. 

Cercospora coriococcum Bayer. Myricophyllum Zenker i Ett. 

Gymnogramme bohemica Bayer. Myricophyllum serratum Vel. 

Drynaria tumulosa Bayer. Myricanthium amentaceum Vel. 

Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri Grevilleophyllum constans Vel. 

Schk. Conospermites hakeaefolius 

Gleichenia Zippei Cda. sp. Ett. 

Gleichenia niultinervosa Vel. Platanus laevis Vel. 

Gleichenia delicatula Heer. Cissophyllum vitifolium Vel. 

Microzamia gibba Corda. Eucalyptus Geinitzi Heer. 

Podocarpus cretacea Vel. Eucalyptus angustus Vel. 

Cunninghamia stenophylla Vel. Araliphyllum forinosum Heer. 

(C. elegans Cda.) Araliphyllum Daphnophyllum Vel. 

Sequoia crispa Vel. ? Araliphyllum propinquum Vel. 

? Echinostrobus minor Vel. (Doppel- Dewalquea coriacea Vel. 

Zäpfchen). Butomites cretaceus Vel. 

Frenelopsis bohemica Vel. 

Diese Localität ist auch in mancher anderer Beziehung interessant, denn 
an der Basis der Thonschiefer entspringt eine Quelle, welche durch Röhrenleitung 
in das Bräuhaus in Jinonic geleitet wurde, und zu dem ehemaligen guten Rufe 
des Jinonicer Bieres beigetragen hat. 

Die Quadersande wurden früher am südlichen Rande in einem Steinbruche 
gewonnen und darin gemachte Höhlungen als Wohnungen für Menschen und Thiere 
benutzt, was auch von Landschaftsmalern seinerzeit verewigt wurde. 



42 

Es ist Vidovle der südlichste Rand der Perucer Schichten, wo mau die 
Lagerung gut verfolgen kann, denn was man noch südlicher oberhalb Kuchelbad 
davon wahrnimmt, ist sehr verworren und stellt nur spärliche Reste der ehema- 
ligen Ablagerungen dar. 

Kuchelbad. 

Der südlichste aber sehr zerstörte Rand der Perucer Ablagerungen ist am 
Plateau oberhalb Kuchelbad von Zeit zu Zeit sichtbar. 

Eisenschüssige Sandsteine und auch plattige Eisenerze mit Spuren von 
Pflanzenresten liegen zerstreut im Kuchelbader Walde und auch unten im Tbale. 
Die Letten und Thonschiefer treten hier in sehr variabler Ablagerung als Kluft- 
ausfüllungen auf und jeder behufs des zur Fabrication von Chamottwaare ge- 
eigneten Lettens angelegte Bau gibt ein anderes Bild. 

Die von mir, Dr. Velenovsky und Dr. E. Bayer aufgenommenen Profile 
lassen nur beiläufig folgende Schichtenfolge erkennen. 

Auf einer Lage von Quadersanden liegen mächtige fette Chamottletten ohne 
Pflanzenreste und nur in ibren unteren Lagen treten drei einige Centimeter 
mächtige kohlige Thonschiefer auf, welche Eucalyptus Geinitzii, Laccopteris Dun 
leeri und viele andere Reste enthalten. Das Hangende besteht aus einer Reihe 
von Saudschichten, die durch schwache Lettenschichten von einander getrennt sind. 

Alle diese Schichten sind selten horizontal, meist stark geneigt und verworfen- 



Verzeichniss der oberhalb Kuchelbad aufgefundenen Petrefacten. 



Sphaerococcites Laubei Engelb. 
Acrostichum tristaniaephyllum Bayer. 
Microdictyon (Laccopteris) Dunkeri 

Schenk. 
Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Nath. 
Pteris Albertsii Dunk. sp. 
Pteris frigida Heer. 
Kirchnera arctica Vel 
Pecopteris minor Vel. 
Jeanpaulia carinata Vel. 
Sagen opte ris variabilis Vel. 
Nilssonia bohemica Vel. 
Podozamites latipennis Heer. 
Podozamites Eichwaldi Heer. 
Podozamites lanceolatus Heer. 
Podozamites pusillus Vel. 
K r a n n e r a mirabilis Cda. (Blätter ?) 
Dammarophyllum striatum Vel. 
Cunninghamia elegans Cda. 
Piuus Quenstedti Heer. 



Pluto nia cretacea Vel. 

Abies chuchlensis Vel. 

? Sequoia Reichenbachi Gein sp. 

(Fruchtzapfen nach Engeln.) 
Myricophyllum Zenkeri Ect. 
Myricophy 11 um s errat um Vel. 
Myricanthium amentaceum Vel. 
Ficus suspecta Vel. (nach Engeln.) 
Proteoides acuta Heer (nach Engelh.) 
Proteoides Reussi Engelhdt. (n. Engelh.) 
Grevilleophyllum coustans Vel. 
Grevillea Dvofäki Bayer. 
Conospermophyllum hakeaefolium Vel. 
Banksiphyllum pusillum Vel. 
Dryandrophyllum cretaceum 

Vel. 
Dryandrophyllum cretaceum Vel. var. 

paucinerve Engelh. (nach Engelhdt.) 
Magnolia Capellini Heer. 
Maguolia amplifolia Heer. 



43 



Magnoliphylluui alternans Heer. 
Menisperniophylluui Celakovskii Vel. 
Laurophyllum plutonium Heer. 
Sassafrophyllum acutilobum Lesqx. 
PlatanusVelenovskyana Krasser. 
Hymenaeophyllum inaequale Vel. 
Hymenaeophyllum elongatum Vel. 
Eucalyptus Geinitzi Heer. 
Eucalyptus angustus Vel. 
Callisteuiopliylluui Bruderi Engelh. 
Araliphyllum trilobuin Vel. 



Araliphyllum propinquum Vel. (Nach 

Engelhdt.) 
Araliphyllum Daphnophylluni Vel. 
Araliphyllum dentiferum Vel. 
Sapotophyllum obovatum Vel. 
Diospyrophyllum pro rectum 

Vel. 
Bignoniphyllum cordatum Vel. 
Bignonia pulcherrima Bayer. 
Dewalquea pentaphylla Vel. 
Dewalquea coriacea Vel. 



12. Gegend von Kralup und Lobkovic. 

Nördlich von Kralup erhebt sich der Berg Hostibejk, der in seinem unteren 
Theile aus Steinkohlen -Sandstein, dem Ausbisse des Kladnoer Beckens besteht. 
(Fig. 22 u.) Auf den Arkosen, die hier Araucariten führen und in den höchsten 
Lagen stellenweise aus Conglomeraten bestehen, liegen direkt die Perucer Schichten, 
meist in Form von Quadersandeo, (p) die nur an wenigen Puncten graue Thon- 
schiefer mit Pfianzenresten an der Basis aufweisen. So trifft man sie am Hostibejk 
im Fahrwege, der westlich zur Strasse herunterführt und dann bei Lobec, wo Prof. 
Velenovsky Eucalyptus angustus, Ceratostrobus sequoiaephyllus, WidringtoniaReichi, 
Aralia Daphnophylluni, Dewalquea coriacea, zahlreiche Zapfen von Sequoia major 
und auch Kr an n er a mirabilis nachwies, zum erstenmale in Thonschiefern ! 

Die höchste Lage der Perucer Quader bilden mürbe an Fucoiden reiche 




Fig. 22. Profil des Berges Hostibejk iu Kralup. m Kohlensand- 
stein mit Ansbiss der Kladnoer Ablagerungen, p Quader der Perucer 
Schichten, d Mürbe Grenzschicht mit Fucoiden? „Dvozdi" (Hefe) ge- 
nannt. Fundort der Piuns longissima. Vel. k Korycaner Schichten. Plattiger 
Sandstein mit zahllosen mariner Petrefacten, die an der Decke der 
Höhlen beobachtet werden können. (Protocardia Hillana. Turitella. 
Nerinea longissima Trigonia sulcataria.) 



44 

Schichten, welche die Grenzschichte von den Steinbrechern „Drozdi" (d) genannt, 
zwischen der Perucer und Korycaiier Schichten bilden und der Fundort des 30 cm 
langen Zapfen der Pinus longissiina sind. Gleich darüber folgen plattige Sandsteine 
mit einer Unzahl von für die Korveaner Schichten bezeichnenden Arten (Je). 

Diese marinen Schichten wurden früher in einer Mühle in Kralup gemahlen 
und in Glasfabriken verführt. Als die Mühle abbrannte, hörte diese Industrie 
auf und auch die Steinbrucharbeit am Hostibejk, die oberhalb des nahen Lobec 
noch betrieben wird und wo ein gleiches Profil, wie am Hostibejk zu beobachten ist. 

Zum Schlüsse erwähnen wir noch das Vorkommen von Kohle in den Perucer 
Schichten in L o b k o v i c. 

Bei der Mühle des Herrn Kasper fand man unter 2 bis 3 m von blaulichen 
kalkigen Sandstein, der an Petrefacten reichen Korycauer Schichten, eine Lage 
von schwarzgrauem Thouschiefer mit Eucalyptus, 1*5 mächtig, in welchem ein 
Kohlenflötz von 2 — 5 cm Mächtigkeit eingelagert war. Es waren Coniferenstämme, 
welche zur Bildung dieser glänzenden Kohle beitrugen. Dieser Thonschiefer lagert 
direct auf silurischem Kieselschiefer (Et. B.) 

Das Vorkommen von Kohlen in den Perucer Schichten und das 
Schürfen auf dieselben. 

Diese Frage schlägt sehr gewichtig in das praktische Leben ein, und hat in 
früheren Jahren zu vielen verunglückten Schürfversuchen Veranlassung gegeben, 
die zum Ruin der Unternehmer führten. Es ist daher angezeigt, hier näher auf 
die Ursachen einzugehen, welche zum Suchen nach Kohle Veranlassung geben, 
und die Gründe zu erläutern, warum das gewünschte nicht erreicht wurde. 

Fragmente schön schwarzer glänzender Kohle, die an Berglehnen und 
Hohlwegen am Ausgange der Perucer Schichten oder bei Keller und Brunneu- 
graben zufällig gefunden wurden, waren Veranlassung, dass die Lust zum Kohlen- 
suchen erwachte und ein Bergmann engagiert wurde, um weiter in der Tiefe nach 
mächtigeren Lagern zu suchen. 

So wurde in Prag selbst auf der Hasenburg in den vierziger Jahren ein 
Stollen getrieben, aus welchem kiesreiche Kohlen gefördert wurden. 

Auf der ganzen Hochebene westlich von Prag bis zum Sternthiergarten 
wurden viele Schächte geteuft. Man begütigte sich aber nicht das schwache werth- 
lose Flötz in den Perucer Schichten zu coustatiren, sondern teufte dann in die 
darunter liegenden Schichten des Untersilur, welche durch ihre schwärzliche 
Farbe die Hoffnung auf in der Tiefe lagernde Kohlenlager erweckten. 

Die Bergleute aus der Schlaner Gegend brachten von dort die Erfahrung 
mit, dass unter dem schwachen Flötz der Perucer Schichten dann erst das reiche 
Kohlenflötz der Steiukohlenformation liege. Diese Formation fehlt aber in der 
Gegend von Prag und unter den Perucer Schichten liegt direkt das Silur, wie 
man dies an den Abhängen der Thäler hat vielfach ersehen können, ohne dieselbe 
Erfahrung durch Teufen von kostspieligen Schächten zu erwerben. 

Diese Bemerkungen mögen hinreichen um vor dem Schürfen nach Kohle 
im Bereiche der Perucer Schichten zu warnen. 



45 



Tabellarische Uebersicht 

der in den Perucer Schichten vorgefundenen Petrefakten. 

A) Pflanzen. 

Das Auftreten einer bestimmten Pflanzenspeeies ist in der correspondierenden verticalen Rubrik 

des betreffenden Fundortes durch zwei dem Namen der Loealität entsprechende Buchstaben 

verkürzt angedeutet (um die sofortige Orientierung des Lesers zu ermöglichen) und zwar bei 

den daselbst sehr häufig vorkommenden Pflanzen ist dieses Zeichen fettgedruckt. 





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Sphaerococcites Laubei Engelh 
Cercospora coriococcum Bayer . 
Phacidiuni circumscriptum Bayer 

Acroätichuni cretaceum Vel. . . 
Acrostichum tristaniaephylluni 

Gymnosramme bohemica Bayer 
Drynaria astrostigmosa Bayer 

Drynaria dura (Vel. sp.) Bayer 
Drynaria tumulosa Bayer . . . 
Microdictyon (Laccopteris) Dun- 

keri Schenk 

Dipteriphyllum cretaceum (Vel. 

Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) 
Nath 


Hb 
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Pteris Albertini Vel 




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Dicksonia punctata (Stnbg. sp.) 




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Gleichenia rnultinervosa Vel. . . 
Gleichenia delicatula Heer . . 

Gleichenia crenata Vel .... 


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Osmundophylluiu cretaceuiu Vel 
Kirchnera arctica Heer sp. . . 

Pecopteris lobifolia Cda .... 

Oncopteris Nettwalli Dorm. . . 

Oncopteris Kauniciana Dorm. sp. 
Marsilia peruceusis (Vel.) Bayer 
Sagenopteris variabilis Vel. . . 

Pseudoasterophyllites cretaceus 

(0. F. sp.) Vel 

Nilssonia boliemica Vel. . . . 
Dioonites cretosus (Reich sp.) 

Podozamites obtusus Vel. . . . 

Podozamites longipennis Vel. . , 
Podozamites latipennis Heer 
Podozamites Eichwaldi (Schimp.) 

Podozamites lanceolatus (L. et H. 

Podozamites pusillus Vel. . . 

Zamites bohemicus Vel 

Microzamia gibba Cda .... 

Krannera mirabilis Cda in lit. . 

Podocarpus cretacea Vel. . . . 
Dammara borealis Heer .... 
Dammarophyllum striatum Vel. . 

Cunningbamia elegans Corda . . 

Cunuinghamia stenophylla Vel. . 
Araucaria bohemica Vel. . 
Pinus longissima Vel. . . . , 
Pinus Quenstedti Heer .... 
Pinus protopicea Vel 


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Sequoia heterophylla Vel. . . . 
Sequoia major Vel 


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| Charvatec 

1 Hospozin, 
J Nehvizd 

Strddonic 
Kralup 

Kralup 

1 Kralup, 
| Strädonic 

Touchovic 

1 Oujezd bei 
| Jicin 


Glyptostrobus europaeus Heer . 

Ceratostrobus sequoiaephyllus 
Vel 

Ceratostrobus echinatus Vel. . . 

Cyparissidium minimum Vel. . . 

Widdringtonia Eeichii (Ett. sp.) 

Vel 


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Hb 
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Hb 


Libocedrus salicornioides (Ung. 

Chamaecyparites Charonis Vel. 

Juniperus macilenta Heer . . . 
Frenelopsis bohemica Vel. . . . 
Myrica Zenkeri (Ett. sp.) Vel. 

Myrica serrata Vel 

Myricanthium amentaceum Vel. 
Myricophyllum glandulosum Vel. 
Saliciphyllum perucense Vel. . . 
Ficus suspecta Vel 


Ficus stylosa Vel 

Ficus Peruni Vel 




Proteophyllum laminarium Vel. 
Proteophyllum paucidentatum Vel. 
Proteophyllum productum Vel. 





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Proteophylluui cornutuni Vel. . . 

Conospermites hakeaefolius Ettg. 

Grevilleophylluni tenerum Vel. 
Grevilleophyllum constans Vel. 
Banksiphyllum pusillum Vel. . . 
Banksipbyllum Saportanum Vel. 
Dryandropbyllum cretaceum Vel. 
Aristolochia tecomaecarpa Bayer 
Magnolia amplifolia Heer . . . 

Menispermophyllum Celakovski- 

Cocculus cinnamomeus Vel. . . 
Illiciphylluni deletuiD Vel. . . . 

Platanus Velenovskyana Krasser 
Platanus laevis Vel 


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| Nelivizd, 

1 Cbarvatec 


Credneria bobemica Vel. . . . 

Hymenaea primigenia Sap. . . 
Hymenaeopbyllum iiiaequale Vel 
Hyinenaeopliyllum elongatum Vel 
Crotonopbylluiri cretaceum Vel 
Sapindopbylhiui apiculatum Vel. 
Sapindophyllum pelagicum Ung. 




Bombacopbyllum argillaceum Vel. 

Stercullpbylhiui liuibatum Vel 
Ternstroemiphyllum crassipes Vel 
Leptosperimim cretaceum Vel. . 


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Callistemophyllum Bruderi Eng. 

Eucalyptus Geinitzi Heer . . . 

Eucalyptus angusta Vel. . . . 
Terminaliphyllum rectinerve Vel. 

Araliphyllum formosum (Heer) 
Vel 

Araliphyllum trilobum Vel. . . 
Araliphyllum Kowalewskianum 
(S. et M.) Vel 


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| Cibulka, 
1 Laui'enzbg. 
1 Kozäkov, 
| Motol, 

Kralup, 
) Strädonic 
1 Strädonic, 
(Motol, Nehvizd 

| Radostn^ 

mlyn 
) b. Kozäkov: 

Trubejov 
) bei Nächod 

Nehvizd, Kralup 

1 Kralup, 
1 Charvatec 


Araliphyllum transitivum Vel. . 
Araliphyllum propinquum Vel. 
Araliphyllum Daphnophyllum Vel. 

Hedera primordialis Sap. . . . 

Hederophyllum credneriaefolium 

Vel 


• 


Diospyrophyllum provectum Vel. 

Butomites cretaceus Vel. ... 

Dewalquea coriacea Vel. . . . 

Carpolithes vySerovicensis Bayer 

Corticites stigniarioides (Ett. sp.) 

Engelh 


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50 



B) Thierische Reste. 



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Vertcbraten. 

V Fischembryo 

? Faehrteii 

Mollusken. 

Tanalia Pichleri. Hörnes . . . . 

Uuio Peruceusis Fr 

Unio regularis Fr 

Unio scrobicularioides Fr. . . . 

Inseeten. 

Neniatus cretaceus Fr 

Neinatus lateralis Fr 

Nematus ellypticus 

Tinea araliae Fr 

Phryganaea micacea Fr 

Chironomites lateralis Fr. . . . 
Chironomites adhaerens Fr. . . 
Chironomites unionis Fr. . . . 

Sylpbites priscus Fr 

Otiorhynchites constans Fr. . . 

Blaptoides dubius Fr 

Pimeliodes Edvinii Fr 

Feronites Velenovskyi Fr. . 
Brachinites truncatus Fr. . . . 

Lamiites simillimus Fr 

Velenovskya inornata Fr. . . . 
Chrysomelites simplex Fr. . . . 

Kounicia bioculata Fr 

Gomphus serialis Fr 

Gomphus? duplex Fr 

Coccodes adhaerens Fr 

Variolina segmentata Fr. . . . 

Dubia. 

Ovodes crucifer 

Plumatellites proliferus Fr. . . 



VySerovic. 



Peruc. 

Peruc. 

Kounice, VySerovice. 

Kouuice. 



Bohdänkov, Vyserovice. 

Vyserovice. 

Lidic. 

Vyserovice. 

Vyserovice, Kounice. 

Vyäerovice. 

Kounice. 

VySerovice. 

Kounice. 

Mseuo. 

Kuchelbad. 

Lipenc. 

Vyäerovice. 

Vyserovice. 

Vyäerovice. 

Kounice. 

Kounice. 

Kounice. 

Vyäerovice. 

Kounice. 

Vyserovice. 



Vyserovice. 
VySerovice. 



Vorwort 

zu dem die fossilen Pflanzen systematisch behandelnden Theile. 



Die vorliegende Zusammenstellung der gesanimten Flora der Perucer 
Schichten in Böhmen, insoweit sie überhaupt bis jetzt bearbeitet worden ist, 
habe ich auf Grund des schon lange gehegten Wunsches des Herrn Prof. Dr. 
Anton Fric bei der Revision der im Museum des Königreichs Böh- 
men aufbewahrten Kreidepflanzen angefangen und Ende des Jahres 1899 ge- 
schlossen. 

Dass die Arbeit schon zu dieser Zeit in dem vorliegenden Umfange beendigt 
werden konnte, haben wir dem genannten Herrn zu verdanken, der mir eben die 
Möglichkeit verschafft hat, dass ich dieses letzte Jahr meine Aufmerksamkeit aus- 
schliesslich nur den Perucer Pflanzen zuwenden, und das gesammte Material, 
welches in einigen Tausenden von Stücken bei der Hand war, einer einheitli- 
chen Sichtung unterziehen konnte. Dadurch war es mir möglich die Zusammen- 
fassung des schon bearbeiteten und des noch brach liegenden Materials wenigstens 
in der Weise durchzuführen, dass ich, auf Grund eines ununterbrochenen Studiums 
und in einigen Fällen durch neue Funde besser belehrt, schon jetzt insoweit der 
schweren Aufgabe gerecht werden konnte, um dort, wo es wirklich wünschenswerth 
oder aber nothwendig war, nicht nur die Resultate der zusammengefassten früheren 
Forschungen, sondern auch die daran angeknüpften neuen Studien kurz anzu- 
deuten, auch meinerseits wenigstens hie und da eine mehr kritische Besprechung 
der angeführten Fossilien der Öffentlichkeit vorzulegen. 

Ich brauche nicht hervorzuheben, was schon Velenovsky in seiner 
Kvetena betont hatte, dass noch manche von den fossilen Resten einer neuen 
Prüfung harren, die aber erst auf Grund glücklicher, neuer Funde wird eingeleitet 
werden können. 

Soweit es das vorliegende Material schon jetzt erlaubte, wurden bei der 
betreffenden Species meine eigenen Beobachtungen immer kurz angedeutet oder 
schon in der Diagnose berücksichtigt. Sonst habe ich an den Diagnosen, die hie 
und da nach Möglichkeit passend verkürzt wurden oder notwendigerweise etwas 
umgeändert werden mussten, nicht viel gerüttelt, so dass sie grösstenteils wörtlich 



52 

oder beinahe nicht verändert den früheren Arbeiten Velenovsky's entnommen 
sind. Dadurch wird das Buch eine, wie ich hoffe, brauchbare und ziemlich voll- 
ständige Übersicht der bis jetzt durchforschten Per ucer-Flora Böhmens bieten. 

Die Gesammtzahl der aufgestellten Arten ist 172. 

Was die Literatur anbelangt, habe ich eine Übersicht der wichtigsten 
einschlägigen Arbeiten und AVeike mit einigen Bemerkungen vorne zusammen- 
gestellt, und bei den einzelnen Pflanzenarten im Texte dann nur diejenigen Arbeiten 
verkürzt oben angeführt, die zu dem behandelten Objekte nur mehr dir ect eine 
Beziehung haben. Nur in einzelnen wichtigeren Fällen habe ich mir eine Aus- 
nahme von dieser Regel erlaubt. 

Die F u n d o r t e sind nach vorsichtiger und mehrmaliger Prüfung bei einer 
jeden Art unten angeführt. Nebst dem sind in dem geologischen Theile 
bei der Besprechung der einzelnen Fundorte seitens des Herrn Prof. Dr. A. Fric 
alle die daselbst vorkommenden Pflanzenarten systematisch zusammengestellt und 
die dort am häufigsten erscheinenden fetter gedruckt. 

Endlich habe ich noch eine übersichtliche Tabelle der iu den Perucer 
Schichten bisjetzt entdeckten und in dieser Arbeit angeführten Pflanzenarten 
mit ihren Standortsangaben und ihrem daselbst häufigeren oder seltenen 
Vorkommen beigeschlossen, um eine schnelle Orientierung der Interessenten zu 
ermöglichen. Diejenigen verkürzten Standortszeichen (zwei Buchstaben), die 
fetter gedruckt siud, bedeuten, dass die Pflanzenart entweder daselbst sehr 
häufig vorkommt, oder au dieser Localität, wenn auch nicht gerade sehr häufig, 
dennoch öfters und das ausschliesslich nur dort zu finden ist (z. B. die Sa- 
ge nopteris variabilis Vel. bei Kuchelbad, ja selbst auch die Nilssonia 
bohemica Vel., bei Kuchelbad, von der bei Mäeno nur ein kleines Stückchen 
von mir entdeckt wurde, die Proteopsis Proser pinae Vel. bei Vyserovic). 
Was hier noch die Verkürzung der Fundorte betrifft, so habe ich mich 
nicht an eine einheitliche Regel gebunden, und zwar dies aus dem Grunde, weil 
es nothwendig war, die einzelnen Verkürzungen in der Weise zu wählen, um 
dadurch das Zeichen so viel als möglich vor den anderen ähnlichen zu prä- 
cisieren, und somit alle sofort leicht unterscheiden zu können. 

Das Anhängsel „phyllum", bei einem provisorischen oder wenigstens 
vermuthlich richtigsten Gattungsnamen blosser Blattabdrücke, habe ich im 
Texte nur dann angewendet, wo es schon von Anfang an gebraucht worden war; 
sonst aber habe ich dieses meiner Meinung nach gänzlich überflüssige, und oft 
sehr unbequeme Wortverlängerung herbeiführende Anhängsel ausgelassen, um mit 
den citierten ersteren Arbeiten, z. B. Velenovsky's, der erst nachher in der 
letzten Abhandlung „Kvetena" viele seiuer früheren Gattungen ähnlich umge- 
tauft hat, in Einklang zu bleiben. 

Dagegen habe ich mich bei der übersichtlichen Zusammenstellung der Arten 
nach den Localitäten dieser Ausdrucksweise bedient, um wieder mit der 
tabellarischen Übersicht, wie sie Velenovsky nachher in seiner Kvetena ge- 
liefert hat, zu harmonieren. 

Ich betrachte diese Ausdrucksweise mit der Anwendung des Zusatzes 
„phyllum" insoweit für überflüssig, weil sie, wenn sie durchwegs bei blossen 



53 

Blattabdrücken, die in Mehrzahl vorhanden sind, durchgeführt werden sollte, und 
zwar in einer palaeophytologischen Arbeit, aus demselben Grunde wegfallen 
kann, denn dadurch wird an der Bestimmung weder das verniuthlich Richtige 
gebessert noch das Irrige behoben. Dieses Anhängsel kann bei der Bespre- 
chung der Gattungen in einer Botanik und dergl. und dann wohl ohne Schwie- 
rigkeit seinen Platz finden. Es gibt ja eine Reihe von fossilen Blattresten, deren 
Namen man auf Grund verschiedener Früchte etc. gerne ohne den Zusatz „phyl- 
lum" gebraucht und dennoch ist dadurch die Richtigkeit der Bestimmung durchaus 
nicht sanetioniert. 

Wie ich schon oben bemerkt habe, erachte ich es für meine angenehme 
Pflicht, in erster Reihe dem Herrn Professor Dr. Anton Fric, Director der 
palaeontologischen und zoologischen Abtheilung des Museums des Königreichs 
Böhmen, an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank auszudrücken. 

Für die sehr freundliche Erlaubniss, die Originale Engelh ardt's, die in 
dem „Geologischen Institute der deutschen Universität in Prag" 
aufbewahrt sind, näher studieren zu dürfen, bin ich dem Herrn Professor Dr. 
Gustav Karl Laube zum grossen Danke verpflichtet, desgleichen seinem 
Assistenten, dem Herrn Ad albert Liebus für das sehr freundliche Ent- 
gegenkommen. 



Prag, am 14. Mai 1900. 

Dr. Edwin Bayer. 






Uebersicht der wichtigsten Literatur. 



Sternberg Caspar Graf von: „Versuch einer geognostisch-botanischeu 
Darstellung der Flora der V o r w e 1 1. " Leipzig und Prag. 1820 bis 
1838. Nebst dem Anhang von 

Corda August Josef: „Skizzen zur vergleichenden Phytotomie vor- 
und jetzt weltlich er P f 1 a n z e n s t ä in in e. " 

In diesem merkwürdigen Werke, in welchem insbesondere die Stein- 
kohlenpflanzen berücksichtigt worden sind, wurden auch einige inter- 
essante Kreide pflanzen aus Böhmen beschrieben und abgebildet; es 
sind: Protopteris (Dicksonia) punctata Presl, von Kounic in Böhmen 
(incl. Prot. Cottaeaua Presl, von Grossenhein in Sachsen und Prot. Sin- 
geri Presl, von Giersdorf in Schlesien), Dammarites albens Presl = 
Kranner a mirabilis Cda., von Neu-Bydzov in Böhmen, Cunningha- 
mites oxycedrus Presl von Schoena in Sachsen, Thuites alienus 
Stnbg. von Smecno in Böhmen, Thuites gramineus Stnbg. von Peruc 
in Böhmen und Steinhaue ra minuta Presl von Peruc in Böhmen, von 
denen die jetzige Dicksonia punctata (Sternbg. sp.) Heer und die 
Kr an n er a mirabilis Cda. in der Flora unserer Kreideablageruugeu 
einen besonders hervorragenden Platz einnehmen. Namentlich die letztere 
hat ihre ganze Historie, und man muss sich nur wundern, dass trotz der 
eingehenden Studien Velenovsky's (siehe „Die Gymnospermen") 
diese Petrefakten als Dammarites albens Presl und D. crassipes 
Goepp. noch bei den Araucarieen erwähnt werden, obzwar schon 
Goeppert (Quadersandstein von Schlesien p. 122) darauf hingewiesen hat, 
dass dieselben von den Früchten der Dammara sehr abweichen. Was die 
erstere anbelangt (Dicksonia punctata), die früher für ein Steinkohle n- 
petrefakt gehalten wurde, hat schon Prof. Johann Krejcf im J. 1853 
in der böhmischen Zeitschrift „Ziva" in dem Aufsatze: „Kounicka 
skäla" darauf hingewiesen, dass die Ablagerungen Böhmens, in welchen 
diese Farnstammabdrücke vorkommen, nicht als Steinkohlen- sondern 
als Kreide-Sandsteine aufzufassen seien. Hiermit war auch die 
Goeppert'sche Angabe der Protopteris Singe ri in dem Quader- 
sandstein von Giersdorf bestättigt, umsomehr, als dann später Goep- 



55 

pert selbst die Speciesgleichheit der beiden Pflanzen erkannte. (Siehe: 
Neues Jahrbuch 1865) In dieser Hinsicht sind aus dem J. 1866 in der 
böhmischen Zeitschrift „Ziva" zwei sehr hübsche und eingehende Arbeiten 
zu erwähnen: 

Renger Karl: „Stromovite" kapradiny v kfidovöm utvaru cesköm." 
(Die Baumfarne in der Kreideformation Böhmens.) Ziva 1866. XIII. Jhg. und 

Derselbe: „Pfedveke" rostlinstvo kfldovöho utvaru cesköho" (Die 
vorweltliche Flora der böhmischen Kreideformation). Ziva 1866. Xllr. Jhg. — 
In dieser letzteren Arbeit ist auch die Krannera unter dem Namen 
Palaeostrobus mirabilis (Corda sp.) Renger und Palaeostrob us 
crassipes fGoepp.) Kenger als Coniferenzapfen aus der Familie der Abietineen 
behandelt und in 4 schönen Abbildungen auf einer Tafel wiedergegeben. 

Derselbe Autor verfasste auch einen Aufsatz : „Ovyvinu palaeontologie 
jmenovitö palaeontologie botanickö." (Ueber die Entwickelung 
der Palaeontologie, insbesondere der Phytopalaeontologie.) Ziva 1863. 
— Später hat eine hier zu nennende Arbeit 

Rodr Eduard geliefert: „0 nekterych kmeuech z Ceskdho utvaru kfi- 
dovöho" (Ueber einige Stämme aus der böhm. Kreideformation.) Vesmtr 
VII. Jhg. 1878. 

Corda August Josef: „Beiträge zur Flora der Vorwelt", Prag 1845. Auf 
diese allbekannte, mit bewunderungswürdigem Fleisse und grosser Sach- 
kenntniss verfasste Arbeit, die auch einige von den Kreide pflanzen 
(Protopteris und Tempskya-Stämme) behandelt, brauche ich wohl nicht be- 
sonders aufmerksam zu machen. 

Eine andere mit schönen colorirten Tafeln ausgestattete Arbeit 
desselben Forschers, welche nebst der für uns so bedeutungsvollen 
Krannera mirabilis noch viele andere Pflanzen- und Thier-Ver- 
steinerungen behandelt, ist leider nur als Handschrift brach liegen 
geblieben — verschollen — wie die verunglückte emsige Hand, die sie 
geschrieben — und erst später wieder an's Licht gebracht; — sie führt 
den Tittel (insoweit man den Tafeln mit Pflanzenversteinerungen entnehmen 
kann) : 

Corda August Josef: „Zur Flora der Vor weit." Nebst den Kreidepflan- 
zen ist hier besonders auch den Stein kohlenpflanzen, und zwar 
einigen sehr interessanten Abdrücken eine grössere Aufmerksamkeit 
geschenkt. Renger, Feistmantel und Velenovsky haben dieses 
Werk (Jorda's bei ihren eigenen Arbeiten berücksichtigt und das Ein- 
schlägige erwähnt. 

Derselbe : in Reuss :„DieVersteinerungender böhm. Kreideformation", 
Pflanzen, pag. 81—96. Tab. XLVI— LI. Stuttgart. 1845—46. 

Reuss August Em.: „Die Kreidegebilde des westlichen Böhmens." 
Prag, 1844. 

Krejti Johann : „Kounickä skäla" (Kounicer Steinbruch). In der Zeitschrift 
Ziva, 1853, Jhg. I., p. 28. mit zwei schönen Abbildungen der Alsophi- 



56 

lina (Oncopteris) Kauniciana Dorm, und Oncopteris Nettwalli 
Dorm. 

Derselbe: „0 kanienngin a hnedöni uhli, z vi äste v Cechäch." (Über die 
Stein- und Braun-Kohlen, insbesondere über die in Böhmen.) Ziva 1853. 
Jhg. I., wo darauf mit Nachdruck hingewiesen wird, pag. 172, dass sich 
der Verfasser überzeugt habe, dass der Sandstein bei Kounic Krei- 
desandstein ist. 

Derselbe: „Über die Verbreitung der Kreideformation am obersilu- 
rischen Plateau zwischen Prag und Beraun." Sitzungsb. d. k. 
böhm. Gesell, d. Wiss. 1875, pag. 186. Dieser Mittheilung entnehme ich 
folgende Zeilen: „Purkyue Prof. Dr. Emanuel fand zuerst etwa um 
das Jahr 1852 in den plastischen Thonen bei Kuchelbad, welche für die 
Thonwaarenfabriken in Königsaal und Prag gewonnen werden, grosse Blatt- 
abdrücke, die er für alttertiaer hielt. Nachdem Prof. Dr. Ant. Fric 
in den Jahren 1868 — 70 eine grössere Partie dieser Blattabdrücke einge- 
sammelt und Herrn Dr. Otakar Feist mantel zur Untersuchung über- 
geben hatte, erkannte der letztere in ihnen eine höchst interessante Kreide- 
flora mit verschiedenen Crednerien etc." — „Prof. Krejci hatte unter- 
dessen bei verschiedeneu Excursionen die grosse Verbreitung ähnlicher 
plastischer Thone und Schuttablagerungen nicht bloss auf dem obersiluri- 
schen Terrain, sondern auch weit von der südlichen Grenze der Kreide- 
formation kennen gelernt, . . . . , welche offenbar Überreste einer früher 
vielverbreiteten Schichte der Kreideformation sind und der Perucer Stufe 
angehören." 

Derselbe: „Ueber ein neues Vorkommen des Bernsteins in der böh- 
mischen Kreideformation." Sitzb. d. königl. böhm. Gesell, d. Wiss. 
1875. pag. 148. Der Vortragende erwähnt neben dem von ihm selbst schon 
im J. 1850 für die Museumssammlungen acquirirten ansehnlichen Stücke 
gelbbraunen Bernsteines aus der Kreidekohle der Perucer Schichten bei 
Skutlcko unweit Skuc, noch eine Partie von Bernstein, die er durch die 
Vermittlung des Herrn J. R. Vilfmek aus dem Liegenden des festen 
Quadersandsteines der Perucer Stufe an den Gehängen des Li tic er Thaies 
bei dem Orte Pekelec unweit Wamberg erhalten hat. Nachher zählt 
er einige bereits bekannte Coniferenar ten auf, von denen dieses fossile 
Harz wahrscheinlich abstammen könnte. 

Derselbe: „Geologie cili nauka o ütvarech zemskych se zvlästnfm 
oh ledern na krajiny ceskoslovanskeV' (Die Geologie oder die Lehre 
von den Formationen der Erde mit besonderer Berücksichtigung der böhmisch- 
slavischen Länder.) Prag. 1877. Ein sehr inhaltsreiches Werk, wo auch 
die Perucer Schichten besprochen und ein Verzeichniss der bis zu dieser 
Zeit daselbst entdeckten fossilen Pflanzen zusammengestellt ist, pag. 776-(-777. 
Auch zwei Abbildungen der Protopteris und Credneria (Platanus) 
sind pag. 739. beigeschlossen. 

Derselbe: „Studien im Gebiete der böhmischen Kre ide -Format ion." 
Archiv für die naturw. Laudesdurchforschung von Böhmen. Prag. 1869—1870. 



57 

I. Th.: „Allgemeine und orographische Verhältnisse, sowie 
Gliederung der böhmischen Kreide formation. „Perucer 
Schichten." An einigen Stellen werden hier Pflanzenversteinerungen 
erwähnt. 

Fric Anton: „Studien im Gebiete der böhmischen Krei de-For mation". 
Archiv für naturw. Landesdurchforschung von Böhmen, Bd. I. Prag. 1869: 

II. Th. „Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen 
Schichten in der böhmischen Kreideformation." „Perucer 
Schichten." In dieser Abhandlung wurden auch die damals bekannten 
Perucer Pflanzen Böhmens von Prof. Dr. A. Fric und Dr. 0. Feist- 
raantel in einem Verzeichniss zusammengestellt. 

Derselbe: „Ovrstväch küry zemske" a zkamenelych tvorech v nich obsaze- 
nych." (Ueber die Schichten der Erdrinde und die in denselben enthaltenen 
versteinerten Geschöpfe.) Prag, 1869 (Matice lidu, Jhg. III, Nr. 4). 

Derselbe: „Mala geologie" öili nauka o vrstväch küry zemske". („Kleine Geolo- 
gie" oder die Lehre von den Schichten der Erdrinde.) Prag. 1875. — wo 
alle Formationen nebst den wichtigsten Versteinerungen mit besonderer 
Rücksicht auf die erforschten geologischen Verhältnisse Böhmens übersicht- 
lich besprochen und mit vielen Abbildungen begleitet werden. 

Derselbe: „Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Kreide- 
formation Böhmens." (Beiträge zur Palaeontologie Oesterreich-Ung. 
Wien 1882.) 

Feistmantel Otakar : „Ueber die Reste der Kreideformation bei Ku- 
chelbad." Sitzungsber. d. königl. böhm. Gesell, d. Wiss. 1870. pag. 73. 
Der Verfasser führt etwa 6 Pflanzenspecies von Kuchelbad und noch 
anderen Perucer Fundorten an. 

Derselbe: „Ueber Baumfarrenreste der böhmischen Steinkohlen-, 
Perm- und Kreideformation." Abhandl. d. königl. böhm. Gesell, d. 
Wissensch. Vi. Folge 5. Band. Prag. 1872. 

Saporta Gaston Graf von: „Le monde des plantes avant l'apparition de 
l'homme." 1879, Paris. In diesem al'gemein gewürdigten Buche hat der 
berühmte Forscher nebst anderem auch drei Kreidepflanzen aus un- 
seren Perucer Schichten (und zwar von Vyserovic) abgebildet und 
erwähnt. Siehe IV. Epoque crötacöe a partir du cönomauien, pag. 199. etc. 
Fig. 28. 1. Aralia Kowalewskiana Sap. et Mar. — 2. Hymenaea primigenia 
Sap. pag. 200. Fig. 29. — 1, 2, Hedera primordialis Sap. 

Derselbe: „La v6g6tation du sud-est de la France al'öpoque ter- 
tiaire." Annales des sciences naturelles. Partie botanique. S6r. IV. tom. 
XIX. XX. 1863. — S6r. V. tom. III. IV. 1865. (Von Velenovsky öfter citiert.) 

Velenovsky Josef: „Vorläufiger Bericht über die di cotyle donen Pflan- 
zen der böhmischen^ Kreideformation." Sitzungsb. der königl. 
böhm. Gesellsch. d. Wissensch. in Prag. 1881, pag. 212—219. 

Derselbe: „Die Flora der böhmischen Kreideformation." IV Theile. 
Beiträge zur Palaeontologie von Oesterreich-Ungarn, herausgeg. von Edm. 
v. Mojsisovics und M. Naumayr. Bd. II.— V. 1881—1885. 



58 

Derselbe : „Die Gymnospermen d e r b ö h in. K r e i d e f o r in a t i o n. " Prag, 1 885' 

Derselbe: „Neue Beiträge zur Kenntniss der Pflanzen des böhmi- 
schen Cenomans." Sitzungsb. der königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 
1886, Prag. 

Derselbe: „Ueber einige neue Pflanzenformen der böhmischen Krei- 
deformation." Sitzungsb. cit. 1887, Prag. 

Derselbe: „Die Farne der böhmischen Kreideformation." Abhandlungen 
der königl. böhm. Gesellsch. der Wissensch. VII. Folge, 2. Bd. Prag, 1888. 

Derselbe: „Kvetena cesköko cenomanu" (Die Flora des böhmischen Ceno- 
mans). Abhandlungen, cit. 1889, Prag. 

Derselbe bespricht die Hauptresultate seiner Arbeiten in folgenden Aufsätzen: 
„Pfispevek ku poznäul kridove" kveteny ceskö" (Beitrag zur 
Kenntniss der Kreideflora Böhmens), Vesmir, illustrierte Zeitschrift zur 
Verbreitung der Naturwiss. (Prag), Jhg. XI, pg. 135—137, 160-161. — 
Jhg. XII. — Jhg. XIII, pg. 196—198, 224—225, 259-261. — Jhg. XV, 
pag. 6—8, 30—31, 55—57,78-80. — Jhg. XVII, : „V loinech VySero- 
vickych" (In den Steinbrüchen von Vyserovic), pag. 51 — 55 mit einem 
idealen Vegetationsbilde der geschilderten Localität. 

Bause Gottlieb; referiert in der Zeitschrift Vesmir, Jhg. XIX, pg. 45. über Ve- 
lenovsky's „Flora des böhm. Cenomans" (Kvetena ceskelio cenomanu). 

Bayer Edwin, setzt die Auszüge aus den Arbeiten Velenovsky's fort; in der 
Zeitschrift Vesmir (Prag). Jhg. XXI: „Kapradiny cesköho ütvaru 
kf Idoveho" (Die Farne der böhm. Kreideformation), pag. 31, 54, 78, und: 
„Dodatky ku ceske" kvetene ki-1 dovö" (Nachträge zur Kreideflora 
Böhmens), pag. 197, 210, 235. - Jhg. XXII, pag. 7, 30, 56, 79. 

Derselbe: „Einige neue PH a uzen der Perucer Kreideschichten in 
Böhmen." Sitzb. d. königl. böhm. Gesell, d. Wissensch. 1899. Prag. 

Heer Oswald: Referat desselben über Velenovsky's „Flora der böhm. Kreide- 
formation" im Botanischen Centralblatte 1882, Bd. IX, pag. 273. — 
1883, Bd. XIV, pag. 175. 

Derselbe: „Die Urwelt der Schweiz", V. Cap. „Die Zeit der Kreidebildung'', 
pag. 167—220. Zürich 1865. 

Derselbe: „Sur les plantes fossiles du Nebraska" („Les phyllites eröta- 
c6es du Nebraska" par M. M. les prof. J. Capellini et 0. Heer) 1863. 

Derselbe : „Flora fossilis a r c t i c a. " (Die fossile Flora der P o 1 a r 1 ä n d e r), 
und zwar: 

1. Bd. I. Fossile Flora von Nordgrönland. 1868. Zürich. 

2. Bd. III. Beiträge zur SteinkohlenfloraderarctischenZone 
(siehe das V o r w o r t). 1874. Stockholm. 

3. Bd. III. Die Kreideflora der aretischen Zone. 1874. Stockholm. 

4. Bd. IV. Beiträge zur foss. Flora Spitzbergens. 1877. Zürich. 

5. Bd. IV. Beiträge z ur J ura-Flora Ostsibiriens und des Amur- 
landes, 1877. Zürich. 

6. Bd. V. Beiträge zur fo ssilen Flor aSibirien sunddesAmu r- 
1 an des. 1878. Zürich. 



59 

7. Bd. VI/j. Nachträge zur fossilen Flora Grönlands, (Kreide- 
pflanzen von Pattorfik). 1880. Zürich. 

8. Bd. VI/ 2 . Flora fossilis Grönladica. (D ie fossile Flora Grön- 
lands.) 1882. Zürich. — Bd. VII. Die Flora der Patootschichten. 
1883. Zürich. 

Derselbe: „Beiträge zur Kreide-Flora. (Neue Denkschr. der allgem. schwei- 
zerischen Gesellschaft f. d. gesanmiten Naturwissenschaften. 1869. Zürich.) 

1. Flora von Moletein in Mähren. 

2. Zur Kreide-Flora von Quedlinburg. 

Zenker J. K.: „Beiträge zur Naturgeschichte der Urwelt." Jena, 1833. 

Göppert H. R.: „Systema filicum fossilium." Breslau und Bonn 1836. 
„Nova Acta Acad. Caesar. Leopoldino-Carolinae." Vol. XVII. suppl. 

Derselbe: „Ueber die fossile Flora der Quadersandsteinformation 
in Schlesien" (1841) 1842. Nova Acta etc. Vol. XIX. pars IL 

Derselbe: „Zur Flora des Quadersandsteins in Schlesien." Als Nach- 
trag. Nova Acta etc. Vol. XXII. pars I. 

Derselbe: „Monographie der fossilen Coniferen." Preisschrift. Leiden 1850. 

Geinitz Johann Bruno: „Charakteristik der Schichten und Petrefacten 
des sächsisch -böhmischen Kreidegebirges." Dresden, 1839 — 
— 1842. Neue Ausgabe mit Suppl. 1850. Leipzig. 

Derselbe: „Das Q uad ersandsteingebirge oder Kreidegebirge in 
Deutschland." Freiberg 1849—1850. 

Derselbe: „Das Eibthalgebirge in Sachsen." I. Th. „Der untere Quader", 
Cassel. 1871 — 75. „Pflanzenreste des unteren Quaders", pag. 304 — 310, 
Tab. 66, 67. 

Dunker Wilhelm: „Monographie de r norddeutschen Wealdenbil düng." 
Eiu Beitrag "zur Geognosie und Naturgeschichte der Vorwelt. Braun- 
schweig 1846. 

Unger F.: „Genera et species plantarum fossilium." Vindobonae, 1850. 

Derselbe: „Kreidepflanzen aus Oesterreich." Sitzb. der kais. Akad. der 
Wisseusch., Wien 1867. 

Roemer Ferdinand, in Bronn's „Lethaea geognostica", 3. Aufl., 1850—56, 
Stuttgart. Atlas: III. Bd. Tab. XXVIII. Fig. 2—6. Text V. Bd. pag. 50, 51. 

Eichwald Eduard: „Lethaea rossica ou pal aeontologie de la Russie 
decrite et figur<5e." Stuttgart 1853—68. 

Stiehler Aug. Wilh. : „Beiträge zur KenntnissdervorweltlichenFlora 
des Kreidegebirges im Harze, I, II. (Palaeontographica, Beiträge zur 
Naturgeschichte der Vorwelt, von Wilh. Dunker und Herrn, von Meyer. 
Bd. V. Cassel. 1857. 

Debey und Ettingshausen : „Die urweltlichen Acrobryen des Kreidege- 
birges von Aachen und Mae stricht." (Denkschriften d. kais. Akad. 
Wien. Bd. XVII, 1859.) 

Schenk A.: „Die fossilen Pflanzen der Wernsdorfer Schichten in 
den Nordkar pathen." Beiträge zur Flora der Vorwelt, III., Palaeonto- 
graphica XIX. 1869. Cassel. 



60 

Derselbe: „Die Flora der nord westdeutsch en Wealdenforniation." 
Beiträge zur Flora der Vorwelt IV, Palaeontogr. XIX. 1871. Cassel. 

Derselbe: „Zur Flora der nordwestdeutschen Weald enf orma tion." 
Beitg. z. FI. d. Vorwelt V., Palaeontogr. XXIII. 1875. Cassel. 

Trautschold: „Der Klin'sche Sandstein." Nouveaux Memoires de la Sociöte" 
imperiale de naturalistes de Moscou. Tom. XIII. 1871. 

Hosius und von der Marck: „Die Flora der westfälischen Kreidefor- 
mation. " Palaeontographica. Bd. XXVI. 1880. 

Lesquereux Leo: „The Cretaceous flora", Contributions to the fossil flora of 
the westeru territories. Part I. (Report of the United States geological 
survey of the territories. Vol. VI. 1874.) Part IL The Tertiary flora. 
1878. Part. III. The Cretaceous and Tertiary floras. Ibid. 
Vol. VIII. 1883. 

Schimper W. Ph.: „Trait6 de paleon tologie vögetale." III Bde. Paris 
1869—1874. 

Hauer Franz Ritter von: „Die Geologie und ihre Anwendung auf die 
Kennt n iss der Bodenbeschaffenheit der Oesterr. - Ungar- 
Monarchie. Wien 1875. „Kreideformation in Böhmen und Mähren." 
pag. 452, 453. 

Ettingshausen Const. Freih. v.: „Die Kreideflora vonNiederschoenain 
Sachsen", ein Beitrag zur Kenntniss der ältesten Dicotyledonengewächse. 
(Sitzungsberichte d. math. naturw. Classe der kais. Akad. d. Wissensch. in 
Wien. LV. Bd. I. Abth. 1867.) 

Derselbe: „Beitg. z. Kenntniss der Kreideflora Australiens." (Denk- 
schriften d. k. Akad. d. Wiss. in Wien. Bd. LXII. 1895.) 

Derselbe: „Beitrag zur Wealdenflora", Abh. der k. k. geolog. Reichsan- 
stalt, Bd. I. Abth. III. 

Engelhardt Hermann: „Die Crednerien im unteren Quader Sachsens." 
(Festschrift der naturw. Gesellsch. Isis in Dresden, 1885.) 

Derselbe: „Ueber Kreidepflanzen von Niederschöna." Abhandl. der 
naturw. Gesellschaft Isis in Dresden, 1801. pag. 79 — 105. 

Derselbe: „Ueber böhmische Kreidepflanzen", aus dem Geolog. Institute 
der deutschen Universität Prag. — Mitteilungen aus dem Osterlande. 
Neue Folge. V. Bd. 1892. Altenburg. 

Nathorst A. G.: „Beiträge zur mesozoischen Flora Japans." (Denkschr. 
der kais. Akademie der Wissensch. Bd. LVII. 1890. Wien.) 

Zittel A. Karl: „Handbuch der Palaeontologie", II. Abth. „Phalaeo- 
phytologie" begonnen von W. Ph. Schimper, fortgesetzt und vollendet 
von A. Schenk. 1890. München und Leipzig. 

White D.: „Cretaceous plants from Martha's Vi neyard." (The America u 
Journal of sciences. Vol. XXXIX. 1890.) 

Katzer Friedrich: „Geologie von Böhmen." Prag 1892. 2. „Das Kreide- 
System", pag. 1236 — 1346. In diesem äusserst reichhaltigen Buche ist 
eine ziemlich grosse Auswahl von den häufigeren Peruc«r Thier- und 



61 

Pflanzen- Versteinerungen abgebildet und pag. 1273 nach Vele- 
novsky aufgezählt. 

Krasser Fridolin: „Ueber die fossilen Pflanzen reste der Kreideform, 
in Mähren." (Sitzungsber. d. k. k. zoolog.-bot. Gesellschaft in Wien, 1889. 
Bd. XXXIX.) 

Derselbe: „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Kreideflora von 
Kun stadt in Mähren." (Beiträge zur Palaeontologie und Geologie 
Oesterreich-Ungarns und des Orients von E. v. Mojsisovics und M. Neu- 
mayr. Wien und Leipzig 1896.) 

Zahdlka Vincenc: „Päsino I. — Peruckö kffdoveho ütvaru v Poohff." 
(I. Perucer Etage der Kreideformation in dem Eger-Gebiete) 1897. 

Pocta Philipp: „Geologickö vylety po okolf prazsköm." (Geologische 
Ausflüge in die Umgebung von Prag.) Prag, 1897. 

Derselbe: „0 tvorstvu pfedvekem." (Ueber die Geschöpfe der Vorwelt.) 
Prag 1900. Ein sehr reichlich illustriertes, aber nur die thierischen 
Versteinerungen besprechendes Werk. Insecta, pag. 264, 267. Mollusca 
pag. 331. 

Potonie Henry: „Lehrbuch der Pflanzenpal aeontologie" mit besonderer 
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Geologen. Berlin 1899. 

Wbldfich J. N.: „Geologicko-palaeontologicke" pfispevky z kfido- 
v6ho ütvaru u Ostromefe." (Geologisch-palaeontologische Beiträge zur 
Kenntniss der Kreideschichten in der Umgebung von Ostromöf.) Sitzb. der 
königl. böhm. Gesell, d. Wiss., Prag 1899, mit einer Abbildung eines Farn- 
stammes (Oncopteris Nettwalli Dorm.) von Podhornl Ujezd. 



Aus dem die Perucer Schichten allgemein besprechenden IL Theile der 
„Kvetena" Velenovsky's wollen wir an dieser Stelle noch einige wichtigere 
Entdeckungen und Schlüsse, zu denen Velenovsky nach mehrjähriger und em- 
siger Arbeit gelangt ist, in Kürze anführen. Er sagt etwa Folgendes (1. c. p. 31 — 36): 

Die grösste Masse der Perucer Schichten bilden die Sandsteine und 
Schieferthone von verschiedener Qualität; die letzteren übergehen nicht selten 
in fette Letten. Diese formlosen Letten bergen gewöhnlich keine, oder 
nur selten brauchbare, oft klein zerstückelte Pflanzenreste. Die wahre Fundgrube 
von Pflanzen treffen wir aber in den Schiefert honen an, welche, was deren 
Farbe und Festigkeit anbelangt, oft sehr abwechselnd sind; man kann die- 
selben von rein weiss- bis tief schwarz verfärbt antreffen, indem man eine ganze 
Reihe von Farbenstufen, die für manche Localitäten charakteristisch erscheinen, 
verfolgen kann. Oft sind sie durch die Farbe „des Liegenden" ausgezeichnet, 
aus dessen Schlamm sie sich wohl abgelagert haben. In dieser Hinsicht sind be- 
sonders die Schieferthone von J i n o n i c bemerkenswert!), die bräunlic h-r o s t i g 
sind, also dieselbe Farbe wie die sie unterlagernden Silur schiefer tragen. 



62 

Besonders auffallend durch die röth liehe (beinahe rosenrothe) Farbe 
ist der pfianzenführende Schieferthon von Bohdänkov bei Li eben au, welcher 
wieder aus der rothen Porphyrunterlage gebildet wurde. 

In den Sandsteinen sind Pflanzenabdrücke seltener zu finden, nur hie 
und da kann man Blätter und andere Pflauzenreste, oft sehr unregelmässig und 
bunt durcheinander, wie z. B. bei Nehvizd, verworren liegend antreffen; sie 
kommen auch mehr zerbrochen und zerfetzt vor als diejenigen in den Schiefer- 
thonen, woraus man ganz klar ersehen kann, dass die Substanz dieses Sandsteines 
durch starke Wasserströme, durch Wellenschlag grosser Seen oder gar 
Meeresbraudung angeschwemmt worden ist. 

Ganz anders sind die Pflanzen in den Schieferthouen erhalten. Hier 
liegen alle Blätter meistens horizontal ausgebreitet, oft in dünnen Schichten 
aneinander gepresst, und sind grösstentheils vollständig (natürlich oft nur als blosse 
Abdrücke), also ohne Beschädigung erhalten. Hier ist zu sehen, dass die Pflan- 
zenreste sich langsam abgesetzt haben, ohne durch ein bewegtes Wasser weiter 
geschleppt und erst anderorts aufgespeichert zu werden. 

Wir können ganz gut beobachten, dass an vielen Orten die eine oder andere 
Pflanzen-Art die Oberhand gewinnt und wir müssen annehmen, dass in diesen 
Fällen die Masse der Blätter der betreffenden Art auf derselben kleineu Stelle von 
einem oder einigen wenigen Bäumen herrührt, von deren Kronen das Laub direkt 
in's Wasser abgefallen ist, denn mit Blättern findet man oft noch auch Früchte 
und zwar nicht selten noch an ganzen, beblätterten Zweigen hängend, und hie und 
da auch Blüthenreste, beisammen. Mit Coniferenzweigen wurden auch zugleich 
ihre Fruchtzapfen an derselben Stelle begraben. Weiter ist zu bemerken, dass 
manche Localitäten, wenn auch nahe aneinanderliegend, demselben Horizonte an- 
gehörend und von derselben Beschaffenheit des Schieferthons begleitet, ausser 
einigen gleichen Arten oft noch auch ganz verschiedene, ganz anderen Klassen 
angehörende Arten bergen. 

Gerade auffallend in dieser Beziehung ist der Unterschied zwischen der 
Flora des ersten und der Flora des letzten Steinbruches bei VySerovic. 
Obzwar die Schieferthone in derselben Höhe liegen und von derselben Beschaf- 
fenheit sind, treffen wir dennoch in dem ersten Steinbruche eine ganz andere 
Flora an, als in dem letzten. In dem ersten dominieren lauter Nadel bäume, 
wogegen Blätter dicotyledoner Gewächse hier nur spärlich beigemischt sind. In 
dem letzten Steinbruche dagegen sind die Dicotylen, und zwar: Aralien-> 
Crednerien- uud Magnolien-Arten nebst noch anderen Dicotylen haupt- 
sächlich vertreten, und umgekehrt wieder nur spärliche Coniferenreste 
aufzufinden ; und die beiden Steinbrüche sind von einander kaum 10 Minuten weit 
entfernt. Aehnlich gestalten sich die Umstände bei L i d i c e (vergl. Velenovsky 
1. c, pg. 41, 42). 

Diese Erscheinung kann man sich nicht anders erklären, als dass die fossi- 
len Reste in den einzelnen Schi eferthonuestern nur Localfloren im 
strengsten Sinne des Wortes darstellen, da sie nur Ueberbleibsel derjenigen Bäume 
und Sträucher aufweisen, die auf derselben Stelle aufgewachsen sind. Dafür spricht 



63 

ja eben auch die Tkatsache, dass die Schiefe rthone eigentlich nirgends eine 
einheitliche, zusammenhängende, grössere Schichte bilden, sondern sie kommen 
immer nur in kleineren, mehr weniger isolierten, oder nur hie und da auch wellig 
verbundenen, in die Sandstein-Quader eingeschlossenen Nestern vor, die oft, nach- 
dem sie nur einige Meter Länge und Breite erreicht haben, gleich wieder im 
Sandsteine verschwinden und mit ihnen oft auch eine bestimmte Pflanzenspe- 
cies, die man nicht so bald wieder findet, denn es ist höchst interessant, dass oft 
einzelne Nester ihre eigene Flora haben. Bei Vy sero v ic wurde z. B. die 
elegante Aralia furcata in einem glimmerigen Neste des ersten Steinbruches 
gefunden, und in den anderen Nestern der Vyserovicer Steinbrüche überhaupt hat 
man seitdem keine Spur von dieser Pflanze beobachtet. In einem solchen Neste, 
in den höchsten Sandsteinschichten, war auch der alleinige Sitz der schönen Ce- 
ratostrobus echinatus -Zweige in Gemeinschaft von unzähligen S ü s s- 
wasser-M uscheln (Unio). Dass sich die Pflanzen in diesen Schieferthonnestern 
unter sehr ruhigen Umständen aus der nächsten Umgebung abgelagert haben, ist 
daraus zu ersehen, dass von unten nach oben stufenweise entweder andere 
oder vorwiegend andere Pflanzenarten auftreten, je nachdem sich die Vege- 
tation an den betreffenden Stellen im Laufe der Zeiten verändert hat. Beinahe 
überall trifft man zuunterst grosse Mengen von Myrtaceen- insbesondere von 
Eucalypt us-Blättern an, die dann, wie z. B. bei Vy§erovic, langsam den 
Crednerien, Aralien und s. w. Platz machen. 

Velenovsky schätzt darnach den Zeitraum, in dem sich die einzelnen 
Nester etwa in der Dicke von 1 Meter bilden konnten, auf nur einige wenige 
Jahrtausende ab, indem er mit Recht betont, dass die Grundflora überall die- 
selbe bleibt; nur einzelne von den Arten wechseln auffallend ab, hie und da 
dominierend, weiter an derselben Stelle verschwindend, um erst an einer ganz 
anderen Localität spärlich wieder aufzutreten. 

Aus alledem folgt also, dass die Schiefe rthonnester Schlammnieder- 
schläge einstiger, kleiner Süsswasser- Seen und "Wassertümpel inmitten 
der Perucer Urwälder vorstellen; es konnten wohl auch blinde Flussarme 
und stille Buchten derselben sein, in welche die Pflanzeustücke hinein gerathen 
sind und gleich an der Stelle begraben wurden. 

Wenn wir in einem Fundorte verschiedenartige Reste von Blättern, 
Zweigen, Früchten, Blüthen etc., von vielen Pflanzenarten herrührend, bei- 
sammen finden, so ist oft schwer zu entscheiden, welche von den Fragmenten zu 
einander gehören. Nun die oben angeführten Thatsachen erlauben uns aber, aus 
dem Umstände, dass man hie und da an einem anderen Fundorte, z. B. dieselben 
Früchte etc. in der Gesellschaft derselben Blätter, die wir an dem 
ersteren beobachtet haben, wiederfindet, zu urtheilen, dass diese Fragmente (Früchte 
und Blätter) wirklich zusammengehören, dass sie nicht zufälligerweise zusammen- 
gehäuft wurden, woraus eben Velenovsky seine interessanten Studien und 
Combinationen, z. B. an der Krannera mirabilis, Frenelopsis bohemi ca, 
Cunninghamia elegaus etc. ableiten konnte, deren Richtigkeit noch durch 
neue Belege immer mehr und mehr bekräftigt wird. 



64 

Es ist also nicht zu bezweifeln, dass die Peru c er Schiefe rthone und 
SandsteineSüsswasserablagerungeu sind, denn nebst anderen Gründen 
ist auch schon die Tbatsache entscheidend, dass man hier von Thieren überhaupt 
nur Süsswasseibürger, und das noch äusserst selten, nur hie und da vor- 
findet. Dass sich in den Schieferthonen nur so wenige Insectenreste erhalten 
haben (ich selbst habe oft emsig nachgesucht), hängt wahrscheinlich mit dem 
ruhigen Absetzen des Schlammes zusammen, denn es ist kaum glaublich, dass 
damals nur so wenige Insecteu die üppige Perucer Flora begleitet haben 
sollen. 









Algae. 



Spliaerococcites Laubei Engelh. 

(Engelhardt: Ueber böhni. Kreidepfi. p. 91. Tab. I. Fig. 1.) 

Der Thallus ist häutig, gestreckt, beinahe fadenförmig, mehrfach dichotom 
verzweigt. Diese Alge soll ihrem Habitus nach dem jetztweltlichen Sphaero- 
coccus multipartitus Ag. (= Gracilaria multipartita Ag. sp.) und zwar der 
Form angustissimus ganz gleich sein. (Nach Engelhardt.) 

Die Bestimmung dieses Abdruckes ist sehr fraglich, umsomehr, da er in 
dem Thone gefunden war, der einer ziemlich ruhigen Süsswasserablagerung ent- 
spricht, wie alle die Perucer Thone und Schieferthone in Böhmen darauf hinweisen. 
In dieser Hinsicht sind die Auseinandersetzungen Velenovsky's in seiner 
„Kvetena" pag. 33, 34, 35 zu beachten. (Siehe auch die beinahe wörtliche 
Uebersetzung derselben Absätze in diesem Buche.) 

Fundort: Kuchelbad. Gelblich-weisser Thon. 



Fungi. 



Puccinites cretaceus Vel. 

(Velen.: Kvetena pag. 26. Tab. III. Fig. 14. pag. 48, 52. Uredinites cretaceus Velen. 
Kvetena pag. 29.) Fig. 1. a — b. 

(Dieses Gebilde ist meiner Meinung nach aus der Pilzreihe zu streichen, und als Gallbildung zu 

den Dryop ha ata- Arten zu stellen.) 

Kreisrunde, erbsengrosse, schwielenförmige, ziemlich erhabene, beziehungs- 
weise vertiefte Gebilde, die an einigen Blattstücken, welche sehr wahrscheinlich 
den Eucalyptus-Blättern angehören, in die Blattspreite fest eingedrückt sind, als 
wären sie in dieselbe eingewachsen. 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer: „Perucer Schichten". 5 



66 



Das hühneraugenartige Ge- 
bilde (Fig. a) hat in der gewölbten 
Mitte eine rundliche Vertiefung, 
die an dem Gegendruck als ein 
kleiner Höcker im Centrum her- 
vorragt. Diese Gegenabdrücke 
(Fig. b) erinnern sehr an die ring- 
förmigen Gebirge der Mondland- 
schaft durch den etwas gehobenen 
Rand der ganzen Vertiefung, in 
deren Mitte der Höcker sich be- 
findet. 

Diesen Höcker halte ich für 
den Anheftungspunkt einer 
kugeligen Galle, die gepresst 
und folglich in die Spreite des 
Blattes eingedrückt ist. 

Dieser Meinung schliesst sich 
auch der Herr Prof. Dr. A. Fric 
an. Aehnliche und auch so grosse, kugelige Gallen findet man oft an den Quercus- 
blättern. Ob solche auch an den Myrtaceenblättern vorzukommen pflegen, war mir 
bisjetzt nicht möglich zu erfahren. 

Fundort: Vyserovic. Schieferthon. In einigen Exemplaren. 




Fig. I. Pucciniies cretaceus Vcl. — Von VySerovic. 
Blattstücke von Eucalyptus Geinitzi mit dem ver- 
meintlichen Pilze, a) Abdruck der Blattunterseite 
sammt der unteren Epidermis, b) Abdruck der Blatt- 
oberseite sammt der oberen Epidermis. — Nach 
meiner Vorstellung. Originalzeichnung. 



Cereospora coriococcum Bayer. 

(Bayer: „Einige neue Ffl. d. Perucer Kreidesch. in Böhm." pag. 3, 4. Textf. 1, \a, 2.) 

Fig. 2. a, b, c. 

Der Pilz bildet scheibenförmige, meistens schön kreisförmige, getrennte, hie 
und da gehäufte, seltener zusammeufliessende, gewöhnlich scharf berandete, ein 
wenig narbenartig hervortretende, 2—5 mm breite bis linsengrosse Flecken, deren 
Oberfläche besonders gegen den Rand hin oft sehr deutlich concentrisch gerunzelt 
oder seicht wellig gefaltet ist und hie und da im Centrum eine kaum wahrnehm- 
bare Vertiefung zeigt. 

Dieser schöne, auffällige Pilz bedeckt zumeist die Blättchen der Dewalquea 
coriacea und nistet nicht nur allein auf dem Blattgewebe selbst, sondern auch 
mit Vorliebe auf den grösseren Nerven ja selbst auf den Blattstielen. An den von 
diesem Pilze befallenen Stellen ist die dunkle Spreite gewöhnlich abgerieben, also 
schön hell geäugelt, und selbst an blossen Abdrücken heben sich diese Blattflecken 
von der Grundsubstanz oft als lichtere Scheiben ab. 

Ausser auf der Dewalquea coriacea Vel. kommt dieser Pilz auch auf 
den Blättern der folgenden Arten vor: Aralia Daphnophyllum Vel., A. pro- 
p in qua Vel., A. Kowalewskiana Sap. und Mar., Hedera primordialis 



67 

Sap., Eucalyptus Geinitzi Heer, Euc. angustus Vel., Sapindophy llura 
pelagicum Vel, Hymenaea primigenia Sap., Platanus laevis Vel., 
Credneria bohernica Vel., Magnolia amplifolia Heer. 






Fig. 2. Cercospora coriococcum Bayer. — Von Vyserovic. a—b Blättchen von Dewalquea 

coriacea mit dem Pilze reichlich besetzt, «) Natürl. Grösse, 5) Spitze desselben Blättchens 2mal 

vergrössert. c) Blattausschnitt von Hedera primo r dialis, unten mit der typischen, oben etwas 

anders aussehenden Form desselben Pilzes. Nat. Grösse. — Originalzeichnung. 

Fundorte: Vyserovic und Kounic sehr häufig. Jinonic (Vidovle), Melnik, 
Landsberg, BohddnJcov bei Liebenau, seltener. 



Phacidiiim circumscriptum Bayer. 

Bayer: „Einige neue Pfl. der Perucer Kreidesch. in Böhm." pag. 6, 7. Textfig. 3.) Fig. 3. a—b. 

Apothecien zerstreut oder zu 2 — 3 gesellig, meist rundlich oder schwach 
eckig im auffallend regelmässig vorkommenden nackten Saume von abgeriebener 
Spreite eingefasst und aus demselben etwas hervortretend, ziemlich glatt oder schwach 
runzelig, hie und da mit einer Centralen, eingedrückten Mündung, von der einige 
undeutliche Spalten oder Falten zum Rande hin verlaufen. (Fig. b.) 

Dieser Pilz gehört wahrscheinlich zu den Euphacideen, in die Verwandt- 
schaft des Coccomyces De Not 

Fundort: Vyserovic. Auf den Blättern von Aralia Daphnophyllum die 
Spreite reichlich bedeckend. Selten. 

5* 



63 






Fig. 3. Phacidium circumscriptum Bayer. — Von VySerovie. o) Blatt von Aralia Daphnophjllum 
Vel. mit dem Pilze in natürl. Grösse, b) Blattausschnitt von der linken Seite, etwa 3mal ver- 

grössert. — Originalzeichnung. 



Pteridophyta. 



Acrosticlmui cretaceum Velen. 

{Velen. Kvetena pag. 5. Tab. II. Fig. 22, 23. Vesmir XXI. Jhg. pag. 56. Fig. 4.) Fig. 4. 

Rhipidopteris cretacea (Vel.) in. 
„Blätter und Blatt-Bruchstücke bandförmig bis un- 
regelinässig in schmal-lineale Lappen getheilt, Haupt- 
segmente in einen langen, dünnen Stiel herablaufend. 
Die Blattabschnitte waren ziemlich fest, nicht leder- 
artig, und der Mittelnerv schwach, nicht deutlich 
ausgepraegt. Die Blattabdrücke erinnern sehr lebhaft 
an die Blätter einiger exotischen Acrostichum — 
Arten. Die recente Art A. peltatum Sw. = Rhi- 
pidopteris peltata (Sw.) F6e besitzt Blätter, die 
sich von diesen Kreide- Abdrücken durch gar nichts 
unterscheiden lassen." (Veleno v sky.) 
Fundorte: Vyserovic. Im Crednerien- und Aralien-Bett, nur in einem Thon- 
schiefer- Stücke, hier aber ziemlich reichlich vertreten. Lippens ein kleines Stückchen. 




Fig. 4. Acrostichum cre- 
taceum Vel. — Von Vyse- 
rovic. Blatt in nat. Grösse. 
Copie nach Velenovsky. 



69 



Acrostichuin tristaniaephyllum Bayer. 

(Bayer: Ein. neue Pfl. der Perucer Kreidesch. in Böhmen, pag. 42. Fig. 13, 13«.) Fig. 5. a—b. 

Blätter wahrscheinlich gefiedert. Fiedern elliptisch lanzettlich, ganzrandig, 
unten keulig, kurz gestielt, oben wahrscheinlich kurz zugerundet, fest lederig mit 
einem dünnen, aber sehr gut ausgepraegten Hauptnerven und weit feineren, aber 
scharf gezeichneten, dicht stehenden Secundaernerven, welche anfangs sehr schief 
nach oben gerichtet, bald aber ausbiegend in weit stumpferen Winkeln und regel- 
mässigen, nicht grossen Abständen gegen den Eand hin und ziemlich parallel oder 

ganz wenig gebrochen bis in einen feinen Saumnerven 
hinein laufen und untereinander durch nicht zahl- 
reiche, schief auslaufende, oft anastomosierende Ter- 
tiaerzweige hie und da verbunden, beziehungsweise 
gabelig gespalten sind. 





Fig. 5. Acrostichum tristaniaephyllum Bayer. — Von Kuchelbad. a) Zwei Blättchen an einer 
geraden Rhachis. 6) Blattausschnitt mit besser erhaltener Nervatur, 4mal vergrössert. Original- 
zeichnung. 

Eine ähnliche Pflanze habe ich bisjetzt in der ganzen Kreideformation 
Böhmens noch nicht gesehen. Ich halte dafür, dass dieser Abdruck von einem Acro- 
stichum aus der Verwandtschaft der Olfersia herrührt, obzwar seine Form und 
Nervatur an die Blätter einiger Myrtaceen erinnert, besonders an die Blätter der 
recenten Trist ania obovata R. Br. ; dennoch aber stehen die Secundaernerven 
bei unserer Kreidepflanze weit dichter beisammen als bei der erwähnten Art. 
Eucalyptus Geiuitzi Heer und die nächstver wandten Arten sind besonders 



70 

durch ihren dicken Hauptnerven und durch den ebenfalls sehr dicken und ziemlich 
langen Blattstiel auf den ersten Blick von der Kuchelbader Pflanze verschieden. 
Fundort: Kuchelbad. Röthlichgelber Tbon. Ein einziges Exemplar. (Druck 
und Gegendruck.) 



Gymnograinme bobemica Bayer. 

(Bayer: „Einige neue Pfl. d. Perucer Kreidcsch. in Bühuien", pag. 45, 40. Textfig. 14, 14a. 
Tab. II. Fig. 2.) Fig. 6 a—h. 

Blätter wenigstens doppelt gefiedert, Fiedern verlängert, alternierend, fast 
wagerecht abstehend, Fiederchen deltoid, 2 — 2 1 / 2 cm lang, fast wagerecbt abstehend, 
mit wellenförmig hin- und hergebo- 
gener Mittelrippe, gelappt mit stumpfen, 
oval-dreieckigen, alternierenden Seg- 
meuten oder kaum eingeschnitten. Nerven 
fächerig, wiederholt spitzwinkelig gabel- 
theilig mit convexbogigeu beinahe pa- 
rallel verlaufenden, stumpf am Bande 
zwischen kleinen, niedrig stumpfen 
Kerbzähnchen endigenden Zweigen, die 
oft aus der convexen in eine concave 
Biegung übergehen. 

Die Nervatur stimmt noch am be- 
sten mit der Nervatur einer Gymno- 
g r a in m e überein. Spneuopteris 
(Gymnogramme) Blomstrandi Heer 
(Miocene Fl. von Spitzbergen) ist diesem 
Kreide-Farne etwas ähnlich. 

Fundorte : Otruby bei Schlau. Schieferthon. Nicht häufig. Liebenau, Vidoiie 
bei Jinonic. Schieferthon. Selten. 




Fig. 6. 
Otruby. 



Gymnogramme bohemica Bayer. — Von 
a) Fiederfragment in natürl. Grösse. 
b) Ein Fiederchen desselben, 2mal vergrössert. — 
Originalzeichnung. 



Drynaria astrostigmosa Bayer. 

Bayer: „Einige neue Pfl. der Perucer Kreidesch. in Böhmen", p! 

Fig. 5, 6.) Fig. 7 a—b. 



». 9. Textfig. 4, 4n. Tab. I 



Blatt wahrscheinlich gefiedert. Fertile Fiedern breit-lineal-lantzettlich, andert- 
halb bis 2 cm breit, (soweit sie erhalten sind) 5 — 7 cm laug mit glatten, nicht 
gezähnten Bändern. Hauptrippe der Fieder gleichmässig dick, zu beiden Seiten etwas 
gesäumt und dadurch weit dicker erscheinend. Secundaeinerveu fein, zahlreich, 
2 — 3 m»» von einander eutfernt, beinahe unter einem rechten Winkel auslaufend, 
in -; 3 ihres Verlaufes sich einigemal gabelig verzweigend und anastomosirend. 
Tertiaernerveu etwas feiner zu unregelmässig rhombischen Felderchen verflochten, 
die ziemlich dicht in (>^7 nicht ganz parallelen Reihen das Feld bis nahe an den 






71 

Rand erfüllen. — Zwischen je 2 Secundaernerven der Fieder sitzt ein einziger 
Sorus, l a / 2 — 2 mm weit von dem Hauptnerven entfernt. Das punktförmige, etwas 
gewölbte Receptaculum in einer runden, seichten Vertiefung in der Mitte stern- 
förmig geordneter, nicht zahlreicher Netzfelderchen sitzend. 





Fig. 7. Drynaria astrostigmosa Bayer. — Von Otruby bei Schiern, a) Fertiles Fiederfragment in 
nat. Grösse, b) Blattausschnitt 6 mal vergrössert. — Originalzeichnuug. 

Fundort : Otruby bei Schlan, in einigen Bruchstücken. 



Drynaria fascia Bayer. 

(Bayer: „Ein. neue Pfl. der Perucer Kreidesch. in Böhmen", pag. 10. Textfig. 5, 5a) Fig. 8 a — b. 

Fertiles Blatt wahrscheinlich eimal gefiedert. Fiedern fest lederartig breit- 
lineal-lanzettlich. 1'2 cm breit, das vorliegende Stück über 6 cm lang, gegen die 

Spitze hin langsam aber deutlich sich verschmälernd, 
mit glatten, nicht gezähnten Bändern. Hauptrippe der 
Fieder etwa l 1 /, mm dick. Secundaernerven fein, zahl- 
reich, 2 mm von einander entfernt, grösstenteils ge- 
genständig, unter einem rechten 
Winkel entspringend, etwa in 2 / 3 
ihres Verlaufes gabelig verzweigt 
und anastomosirend. Tertiaerner- 
ven wenig deutlich, hie und da 
nach dem Drynaria-Typus ent- 
wickelt. Zwischen je 2 Secundaer- 
nerven der Fieder sitz ein ein- 
ziger Sorus, dicht an der rinnen- 
iörmigen Hauptrippe und so gross, 

dass die einzelnen Sori, die Se- 
Fig. 8. Drynaria fascia Bayer. — Von Vylerovic. , , . , , , , 

\ i? i-i t" i c i. ■ * n •• ,, t>, t , eundaernerven beinahe verdeckend 

a) Jertues Fiederfragment in nat. Grosse, b) Blatt- 
ausschnitt, etwa 3mal vergrössert. Originalzeichnung. S1CÜ gegenseitig berühren. Das 





72 

gewölbte, punktförmige Receptaculum in der Mitte sternförmig geordneter,' nicht 
zahlreicher Netzfelderchen sitzend, Fig. 8 b. 

Dieser Abdruck steht der D. astrostigmosa und der D. dura am nächsten. 
Vorläufig kann ich aber denselben mit den beiden genannten nicht vereinigen. 

Fundort: Yyserovic. Etwas sandiger Schieferthon. Ein Exemplar. 



Dryuaria dura (Vel. spec.) Bayer. 

(Lambertia dura .Velen. Flora II. Jbg. pag. 5. Tab. II. Fig. 16. L amb e rtiph y llu m 
dar um Velen. Kvetena, pag. 50, 53. Drynaria dura (Vel. spec.) Bayer: „Einige 
neue PH. d. Perucer Kreidesch. in Böhm.", pag. 15—19. Textfig. 6, 6a). Fig. 9. a—b. 

Blätter wahrscheinlich gefiedert. Fertile Fiedern 
schmal-lineal, ganzrandig, fest und dick lederartig. 
Primaernerv gerade, stark, die ganze Länge hin- 
durch gleich dick bleibend. Secundaernerven unter 
rechten Winkeln entspringend, weit feiner, aber 
scharf hervortretend, in der Hälfte zweigig aufgelöst 
mit schwacher Tendenz nach vorne sich zu beugen, 
wodurch in zwei Dritteln des ganzen Feldes eine 
grössere Masche entsteht, die einen beinahe bis zum 
Hauptnerven hin reichenden Sorus einschliesst, dessen 
Receptaculum durch eine kreisförmig polygonale 
Schlinge angedeutet mit ringsherum astroid grup- 
pierten Felderchen deutlich hervortritt. Tertiaer- 
nerveu von dem Hauptnerven an bis zu dem scharf 
ausgeprägten Rande hin ein geschlossenes Netzwerk 
bildend. 

Fundort: Lidic bei Schlan, selten. 




Fig. 9. Drynaria dura (Vel.) Bayer. 
— Von Lidic. a) Fertiles Fieder- 
fragment in nat. Grösse, b) Blatt- 
ausschuitt, etwa 4mal vergrössert. 
Originalzeichnung. 



Drynaria tumiilosa Bayer. 

(Bayer: „Einige neue Pfl. d. Perucer Kreidesch. in Böhm.", pag. 19. Tab. I. Fig. 1, la, 2, 2a, 3, 4.) 

Blatt wahrscheinlich gefiedert nach Art des Microdictyon Dunker i 
Schenk. Fertile Fiedern 5 — 14 mm breit, lineal-lanzettlich, vorn verschmälert, 
schön rundlich gekerbt, von äusserst lederig fester Consistenz, mit ziemlich starker 
Rippe und etwas feineren Secundaernerven, welche beinahe unter einem rechten 
Winkel entspringend in einen jeden Kerbzahn etwas schief concav-bogig auslaufen 
und unterwegs wieder sich regelmässig verzweigende und anastomosirende Gabeläste 
treiben, welche ein sehr zierliches, dichtes und geschlossenes Maschenwerk aus 
kleinen, sechseckigen Feldercheu zusammeugesetz nach Art der Lonchopteris 
rugosa der Steinkohle oder etwas ähnlich der L. recentior Schenk bilden. 
In die Kerbzähne selbst gelangen weniger anastomosierende und mehr parallel- 
verlaufende Gabelzweige und reichen bis in den Rand hinein, der durch die Eu- 



73 

digungen der Gabeläste fein gezähnelt erscheint. S ori zwischen je zwei Secundaer- 
nerven einzeln sitzend, etwa 1 / i bis a / 3 des Feldes nahe aber nicht unmittelbar an 
der Hauptrippe bedeckend. Das Receptaculum befindet sich in der Mitte stern- 
förmig geordneter Felderchen, welche den Sorus trichterförmig einfassen. Die Soren 
sind gewöhnlich trichterförmig vertieft oder umgekehrt kuppelartig ge- 
hoben. Die Fiedern sind gewöhnlich noch mit einer sehr dicken Kohlenkruste 
bedeckt. 

Fundorte: Vyserovie. Schieferthon. Ziemlich häufig. — Lidic. Schieferthon. 
Nicht häufig. — Vidovle. Bröckliger Thon. Selten. — Hloubetin. Schieferthon. Selten. 



Microdictyon Dunkeri Schenk. 

(Schenk: Zur Fl. der nordwestd. Wealdenformation, Palaeontogr. XXIII. Bd. 
pag. 161. Tab. XXVII. Fig. 10., Tab. XXVIII. 11, IIa, 6, c, d. — Phlebopteris Dun- 
keri Schenk ibid. Tafelerklärung. — Laccopteris Dunkeri Schenk : Die Fl. d e r 
norwestd. Wealdenf. Paiaeontogr. XIX. Bd. pag. 210. Tab. XXIX. Fig. 3.-5. — 
Velen.: Farne pag. 12. Tab. U. Fig. 3.-7.; Kvetena pag. 48, 52,56,07.; Vesmir XXI. 
Jhg., pag. 32. Fig. 9.) Fig. 10. a—h 

b ü 

„Blattfiedern länglich mit einer sehr starken 
Centralrippe. Segmente lineal, gegen die Spitze 
hin schwach verschmälert, stumpflich, ganzrandig, 
mit umgerollten Rändern, am Grunde am brei- 
testen und herablaufend. Die Seitennerven ge- 
rade, stark. Die Secundaernerven der Segmente 
senkrecht abstehend, dünn, etwa in dem oberen 
Drittel mehrfach gabelig getheilt und durch ein 
polygonales Maschennetz untereinander verbun- 
den. Soren einzeln, zwischen den Secundaer- 
nerven beiderseits des Mittelnerven in einem 
tiefen, mit erhabener Anheftungsstelle der Sporangien versehenen Grübchen sitzend." 
(Velen o vsky). 

Fundorte: Vyserovie, Peruc, häufig. Kuclielbad, Hloubetin, Lidic, Otruby, 
Kounic, Lippenz, Landsberg, Vidovle, Liebenau, Mseno, nicht häufig. Schieferthon. 




Fig. 10. Microdictyon (Laccopteris) Dun- 
keri Schenk. — Von Peruc. a) Fieder- 
fragment. Nat. Grösse, b) Segment- 
bruchstück, vergrössert. Copie nach 
V e 1 e n o v s k y. 



Dipteriphylliun cretaceuin (Velen. sp.) Krasser. 

(„Kreiden 1 , von Kuustadt", pag. 11. Tab. V. Fig. 7. Platycerium cretaceum Velen. Kvetena, 
pag. 5. Tab. V. Fig. 16., pag. 48, 52., Platycer iphyllum cretaceum Velen. ibid. 
pag. 29., Vesmir XXI. Jhg. pag. 56. Fig. 6.) Fig. 11. 



Blätter gabeltheilig-lappig, kaum lederartig, mit einem, mehrmals gabelig 
getheilten, überall gleich dicken Hauptnerven. Die übrige Nervatur besteht aus sehr 
feinen, quergestellten Adern, die iusgesammt wieder gleich dick sind und ein aus 
regelmässigen, beinahe durchwegs viereckigen Felderchen bestehendes, weitmaschiges 
Netz bilden. Platycerium biforme Hook, von Luzon hat mit unserem Fossil 



74 



ganz gleiche Blätter, nur die Nebennerven scheinen bei der lebenden Art etwas 
dichter gestellt und in schäferen Winkeln getheilt zu sein". (Velenovsky). 

Krasser in seinen: „Btg. zur K e n n t n. der 
foss. Kreidepfl. von Kunstadt in Mähren" (Beiträge 
von Mojsisovics und Neuinayr Bd. X. Heft III. "Wien 1896.) 
hat darauf hingewiesen pag. 122 (10.) „Dass die Wahrschein- 
lichkeit, dass in dein Abdruck von VySerovic „Platycerium" 
vorliegt, von vornherein nicht bestritten werden könne. Es 
ist indess durchaus die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, 
dass die von Velenovsky als Platyceriphyllum be- 
schriebenen Reste mit Platycerium nichts zu thun liaben. Ich 
möchte dies (sagt Krasser weiter), sogar als ziemlich sicher 
hinstellen, denn unter den recenten Farnen lässt sich eiue 
ebenso zutreffende Analogie auch bei der Gattung Di pteris, 
speciel bei Dipteris Wallichii R. Br. finden." Nachdem 
Krasser die habituelle Aehnlichkeit, welche zwischen den beiden 
besteht, hervorgehoben und eingehender besprochen hatte, 
stellte er unsere Pflanze in die Verwandtschaft zu Dipteris 
hin unter dem Namen Dipteriphyllum cretaceum 
(Velen.) Krasser pag. 123 (11.). 
Fundorte : Vyserovic. Ein einziges Exemplar. Thonschiefer des letzten Stein- 
bruches. Otruby. öchieferthon. 




Fig. II. Dipteriphyllum 
(Platycerium) cretaceum 
Vel. sp. Von Vyserovic. 
Blattfragment, n. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Nath. 

{Nathorst: „Btge. z. mesozoischen Flora Japans" (Denkschr. Wien LVII. Bd. 1890. pag. 55. 
— Krasser: „Kreidefl. v. Kunstadt", pag. 9. — Thyrsopteris capsulifera 
Velen.: Farne pag. 10- Tai). I. Fig. 6—12. — KvStena pag. 48, 52, 56, 67,72. — Ve smir 
XXI. Jhg. pag. 32. Fig. 8. Engelhardt: „Ueber böhm. Kreidepfl." p.ig. 02.) Fig. 12. 



„Blätter dreimal gefiedert. Fiedern lang, lineal, gegen die Spitze hin all- 
mälig verschmälert. Fiederchen unsymetrisch-rhombisch bis lanzettlich, ungleich 
gekerbt-eingeschnitten bis ganzranding, durch zahlreiche, 
dichte, strahlförnig auseinanderlaufende Nerven ge- 
streift. Sporangien in kapseiförmig umgebildeten Fie- 
derchen am Ende der Fiedern eingeschlossen. Die 
Fruchtkapseln sind gewölbt, am äusseren Rande mit 
einem starken Kiele versehen, auf der Oberfläche ge- 
wöhnlich glatt. — Die Pflanze erinnert nicht wenig an 
die Gattung Thyrsopteris; selbst wenn sie einer 
selbständigen Gattuug angehört, muss diese jedenfalls 
in die nächste Verwandtschaft der Gattung Thyrsopteris 
gestellt werden". (Velenovsky.) 

Nathorst hat diese Pflanze, die, wie Vele- 
novsky selbst hervorhebt, der Thyrsopteris elongata Geyl. = Ony- 




Fig. 12. Onychiopsis (Thyrso- 
pteris) capsulifera (Vel.) Von 
Kounic. Wedelfragment, nat. 
Grösse. Nach Velenovsky. 



75 

chiopsis elegonta (Geyl. sp). Yokoyama aus dein Jura Japans auffallend ähnlich 
und sicher verwaudt ist, zu dieser Gattung gestellt. 

Fundorte: Konnte, sehr häufig. Vyserovic, Kuchelbad, nicht selten. Liebenan, 
Otruby, Landsberg, Melnik, selten. 



Pteris frigida Heer. 

(Heer: FL foss. aret. VI., p. 3, 25, VII. 51. — Velen.: Farne, pag. 14. Tab. IV. Fig. 1.— 4 
Kvetena, pag. 48, 52, 58, 72. Vesmir XXI. Jhg. pag. 56. Fig. 1. — Engelhardt 
„Ueber böhm. Kreidepil." pag. 93.) Fig. 13. 

„Blätter mit einer sehr starken Mittelspindel. 
Blattfiedern gross, länglich, im unteren Theile am brei- 
testen, vorn scharf zugespitzt, am Rande fein gezähnt 
dicht nebeneinander stehend, untereinander frei oder 
nur unbedeutend verwachsen. Der Mittelnerv der Fie- 
derchen gerade, dünn, die seitlichen Nerven unter spitzen 
Winkeln entspringend, fein, gegabelt. — Es lässt sich 
kaum zweifeln, dass dieser Farn mit der Pteris fri- 
gida Heer, welche in den Kreideschichten Grönlands 
sehr verbreitet ist (Heer: Die foss. Flora Grönlands 
I. Th. S. 25.), identisch ist." (Velenovsky.) 

Da eine Fructification dieses und des nachfolgenden 
Farnes nicht zu finden war, hält Velenovsky die ge- 
nerische Bestimmung der beiden für fraglich. (Kvetena 
pag. 58.) 

Fundorte: Vyserovic, Kounic; sehr häufig. Kuchelbad, Melnik, Mseno, 
Otruby; selten. 




Fig. 13. Pteris frigida Heer. — 

Von Kounic. Fiederfragment, 

nat. Grösse. 

Copie nach Velenovsky. 




Fig. 14. Pieris Albertini 

Velen. Von Vyserovic. 
Fiederfragment, natürl. 

Grösse. 
Nach Velenovsky. 



Pteris Albertini Vel. 

(Velen.: Farne, pag. 15. Tab. IV. Fig. 5. — 10. — Kvetena, pag. 
48. 52, 58. Ves mir XXI. Jhg. pag. 66. Fig. 2. Pte ris (?) AI b e r t- 
sii (Dunk sp.) Heer, Fl. foss. aret. VI. Bd. Ataneschichten 
pag 29. Pecopteris bohemica Corda in Reuss „Verstei- 
nerungen", pag. 95. Tab. XL1X. Fig. 1.) Fig 14. 

„Blattfiedern lineal, vom breiten Grunde gegen die Spitze 
hin allmälig verschmälert, mit einer nicht starken Mittel- 
rippe. Fiederchen am Grunde am breitesten, vorn kurz zu- 
gespitzt oder beinahe stumpf, ganzranding, nach vorn ge- 
richtet und nicht selten vorwärts gekrümmt. Der Mittelnerv 
dünn, die Nervillen zahlreich, regelmässig gegabelt. — Die 
Fiederchen der Pteris Albertini sind viel kürzer als bei der 
Pteris frigida, sie sind immer ganzrandig, zumeist mit den 
Spitzen vorwärts gebogen viel höher untereinander verwachsen 



76 

und niemals so scharf zugespitzt." (Velenovsky.) Pteris Albert sii (Dunk. 
spec.) Heer aus Grönland stimmt mit unserer Pflanze überein. 

Fundorte: Vyserovic, liounic; sehr häufig. Kuchelbad, seltener. 



Asplenium Foersteri Deb. et Ett. 
„Die urweltl. Acrobryen" pag. 193. — Heer: Fl. foss. arct. 



Debey u. Ettinysh 

pag. 33. 
Veten. : Farne, pag. 15. Tab. I. Fig. 14 

Jlig. pag. 5G. Fig. 3. 
Engelhardt: „Ueber böhni. Kreidepfl." pag. 94.) Fig. 15. 



K v e t e n a, pag. 48, 52, 58. 



III. pag. 93. VI./3 
- Vesmir, XXI. 



„Blätter mit länglichen in längliche und ungleich 
gezähnte Abschnitte getheilten Blattfiedern. Nervation 
fein aus dünnen, verzweigten Nerven zusammengesetzt. 
— Die Blattfiedern sind am Grunde am breitesten und 
auf der Hauptrippe tief herablaufend. Die Segmente der 
Blattfiedern sind nur am Grunde untereinander frei, 
grösstentheils aber untereinander verwachsen." (Vele- 
novsky). 

Stimmt auffallend mit der Abbildung Heer's, we- 
niger aber mit derjenigen Ettingshausen's überein. 

Fundort: Melnik an der Sazava. In den Perucer 
Schieferthonen, ein einziges Exemplar. 

Die von Engelhardt 1. c. beschriebenen Stücke 
von Kounic halte ich nur für Wedelbruchstücke der Onychiopsis capsuli- 
fera (Vef. sp.) Nath. 




Fig. 15. Asplenium Foersteri 

Deb. et Ett. — Von Milnik. 

Wedelfragment, nat. Grösse. 

Nach Velenovsky. 



Dicksonia punctata (Sternbg. sp.) Heer. 

(Lepidodendron punctatum Sternbg. F 1 o r a d e r V o r w e 1 1, I. Tb. Fase. IV. pag. XII. 
Tab. IV.+VIII. Fig. 2/1. — Protopteris punctata Presl. £%., Fl. d. Vorw. 
II. Tb. pag. 170. Tab. LXV., Fig. 1, 2, 3. — Protopteris Cottaeaua Presl. ibid. 
Fig. 4 — 6. — Protopteris Singe ri (Goepp. sp.) Presl. ibid. Fig. 7. (Siehe auch 
Feistmantel: „B a u mf a r r e n r e s t e.) Goeppert: Flora des Quarders. in S c h 1 e s. 
(Nov. Act. 1842. Vol. XIX. pars. II. pag. 119. Tab. LIII. Fig. 1, 2A — Filicites p u n- 
etatus Marti us, De planus nonnullis antediluv. Denkschr. d. k. Regensb. 
Gesell. 2. pag. 130. 182:2. — Sigillaria punctata Ad. Brongniart : Histoire des 
vege'taux fossiles 1823. pag. 4-21. Tab. CXLI. Fig 1. — Caulopteris p u n- 
ctataGoeppert und Caulopteris SingeriGoeppert:Systema filicum 
fossilium 1836. pag. 449. Tab. XLI. Fig. 1, 2. 

Protopteris Sternbergi Corda : B t g e. z. Flora d. Vorw. 1845. pag. 77. Tab. XLVIII. 
Fig. 1. — KrejH: Kounickä skäla (Kounicer Steinbruch) Ziva 1853. Jhg. I, pag. 28. 
Verseile: Okainennem a hnedöm uhli, zvläste v Cechach. (Ueber die Stein- u. Braun' 
Kohlen, insbesondere über die in Böhmen.) Ziva 1853. pag. 172, wo darauf hingewiesen wird ) 
dass der Baumfarn aus dem Kounicer Steinbruche offenbar ein Kreidepetrefakt ist, 
da der Sandstein daselbst K r ei d e s an d s t e i n ist. — Renger: Stromovite" k a- 
pradiny (Die Baumfarne etc.) Ziva 1866. pag. 37 — 43. — Feistmantel 0.: Ueber 
Baumfarrenreste, Abbandig. 1872. pag. 26—29. Tal). II. Fig. 5—6. — Protopteris 



77 



punctata (Stebg. sp.) Presl bei Heer: Flora fosB. arct. Bd. III. 1875. pag. 8. 
Tab. V. Fig. 1, 2. Tab. VI. und „Vorwort." — Hosius u. v. der Marek: Die Flora d. 
westfäl. Kreide f. 1880, pag. 205. Tab. XLIII. Fig. 1S5, 186. — Schenk im Zittel's 
Handbuch pag. 146. Fig. 115. — Protopteris Witteana Schenk: Die Flora 
d. norwe stde utschen Wealdenform. 1871. IV. Beitg. pag. 226. Tab. XXX- 
Fig. 6, 6a. — Dicksonia punctata (Sternbg. sp.) Heer : Flora foss. arct. VI./2. 
pag. 24. Tab. XL VII. — Velen.: Farne pag. 20. Tab. V. Fig. 2—4, Vesmir XXI. Jhg. 
pag. 80. Fig. 1. Kvetena pag. 48, 52, 56, 68, 72.) Fig. 16 

Cylindrische hohe Stämme, mit elliptischen, in 
dichten, regelmässigen Parastichen angeordneten Blatt- 
narben. Der Gefässbündelring schafscheerenartig, oben 
offen, beiderseits einwärts gebogen und auf der unteren 
Seite geschlossen. Die punktförmigen, kleinen Gefäss- 
bündelreste in verschiedener Anzahl auf dein unteren 
Rande der Blattnarben gestellt. Diese könnten wohl 
die Spuren der vereinzelten Gefässstränge sein, 
die in die Blattstiele eintreten, die Warzen dagegen, 
welche auserhalb der Blattnarben liegen, entsprechen 
den hier entspringenden Wurzelfasern. Diese Baum- 
Farnart ist für die Cenoman-Schichten in ganz Europa 
eine höchst charakteristische Pflanze. Heer vergleicht 
diese Farnart mit den Stämmen einiger lebenden Dick- 
sonien. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte : Vyserovic, Kounic, Nehvigd, Hofic, 
Nicht sehr häufig. 




Fig. 16. Dicksonia punctata. 

/Sterubg. sp.) Heer. — Von 
Kounic. Stammstück mit Blatt- 
narben. Nat. Grösse. Nach 
Velenovsky. 

Vojic. Perucer Sandstein. 



Tempskya varians (Corda sp.) Vel. 

(Tempskya pulchra, T. macrocaulis, T. mierorrhiza, T. Schimperi Corda . 
Btge. zur Fl. d. Vorwelt. pag. 81—83. Tab. LVHI., LIX. Fig. 1, 2. Palmacites va- 
rians Corda in Eevss : Versteinerungen pag. 87. Fasciculites varians 
Unger. Gen. et spec. pl. foss. pag. 339. Tempskya varians (Corda sp.) Velen.: 
Farne pag. 23. Tab. V. Fig. 5. Tab. VI. Fig. 1—7. Vesmir XXI. Jhg. pag. 80. Fig. 4. 
Kvetena pag. 48, 52, 56. Siehe auch 0. Feistmantel : Baumfarrenreste 1872. pag. 27, 29. 
Karl Benger (Ziva 1866). Eduard Rodr (Vesmir 1878J. Vergl. auch Schenk; Die F 1. d e r 
nordwestd. Wealdenform. pag. 259. Tab. XLII. Fig. 4.). Fig. 17. 

„Kegelförmige, verkieselte Stämme, welche im Querscbnitte 
fast immer kreisrund, sehr selten auch zusammengedrückt 
sind, von 20— 85 cm Höhe und 6 -50 cm Dicke, die ganz 
aus einer Masse dünner, verkieselter Würzelchen bestehen, 
welche unregelmässig in stärkere Wurzeln sich vereinigen. 
Auf der Oberfläche der Stämme gewahrt man häufig mehr 
oder weniger vertiefte Löcher von verschiedener Grösse und 
Form, die den Löchern entsprechen, welche bei den jetzt- 
lebenden Baumfarnen im Wurzelgeflechte durch herausgefallene 
Steine etc. verursacht werden. Nach Feistmantel und Ve- 
lenovsky gehören diese Stämme als verkieselter Luftwurzel- 




,„J$r 

Flg. 17. Tempskya va- 
rians Cda. Von Eynholec. 
Wurzerlast, nat. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



78 



complex zuProtopteris Sternbergi = Dicksonia punctata. Velenovsky 
liält sie für die unterste Stammpartie des Baumfarns, welche im Boden steckte, 
die beinahe nur aus Wurzeln besteht. 

Fundorte: HynhoJec.Verwzer Quadersandstein. Sehr häufig. Brdloh: Nach 
V. Zahälka. 1. c. 1897. pag. 33, selten. 

Gleiclienia Zippei (Corda spec.) Heer. 

(Pecopteris Zippei Corda in Reuss: „Versteinerungen", pag. 95. Tab. 49. Fig. 2. ünger: 
„Genera et species pl. foss. pag. 188. — Vers., „Kreidepfl. aus Oesterr." pag. 649. Tab. II- 
Fig. 1,1*. 
Gleichenia Zippei (Corda sp.) Hf.tr: Fl. foss. arct. I. Bd., pag. 79. Tab: XLIII. Fig. 4 
III. Bd. pag. 44, 97. VI./2. Bd. pag. 7., VII. Bd. pag. 7. Fl. v. Quedlinburg, pag. 4. Tab. I 
Fig. 1. — Schimptr: Paläont. veget. I. pag. 672. — Vtlenovskj : Farne, pag. 6. Tab. III 
Fig. 3—7. — Kvötena pag. 48, 52, 56. — Vesmir (Ref. Bayer) XXI. Jhg. pag. 32. Fig. 1. 
Mertensia Zippei (Corda sp.) Heer bei Engtlh.: „Kreidepfl. v. Niederschoena" pag 83. (5.)' 
— „Ueber böhm. Kreidepfl." pag. 91. — Sehimper-Schenk im Zittel's „Handbuch" pag. 85. 
Fig. 62.) Fig. 18. 

„Blattfragmente zweimal gefiedert, mit je einer starken 
Mittelrippe und zahlreichen, beinahe senkrecht abstehenden, 
langen, allmälig nach vorn sich verschmälernden Fiedern. 
Fiederchen dicht beisammenstehend, stumpf abgerundet, nach 
vorn gerichtet. Der Mitteluerv des Fiedereben fein, die seit- 
lichen schief abstehend, spärlich, gegabelt oder einfach. Die 
kreisrunden Sori zu 3 — 4 beiderseits des Mittelnerven. — 
Auf einigen Soren siud scharfe Furchen wahrzunehmen, welche 
den Sorus in 2 — 3 radiale Segmente theilen. — Die Be- 
schreibung und Abbildungen der Gl. Zippei Heer's stimmen 
vollständig mit unserer Art überein. " (Velenovsky.) 

Fundorte: Ferne, sehr häufig. Vidovle, häufig. Mseno, 
Bohddnkov (Liebenau) nicht häufig. Vyserovic, Kounic, seltener. 
In den Schieferthonschichten und Sandsteinen. 

Zwei Fiedern von Kounic, die Engelhard t hieher gestellt bat, sind 
nach meiner Ueberzeugung nur Fiedern von Kirchner a aretica Heer. 

Gleiclienia imiltinervosa Vel. 




Fig. 18. Gleichenia Zip- 
pei Corda sp. — Von 
Penic. — Fiederblatt- 
fragment 2mal vegrös. 
Copie nach Velenov- 
sky. Fig. 7. 



(Veltn.; Farne, pag. 8. Tab. III. Fig. 1,2. 
pag. 32. Fig. 5.) Fig. 19. 



Kvetena pag. 48, 52, 56. — Vesmir XXI. Jhg 
b a 



„Blattfiedein ziemlich lang, lineal, dicht beisammen 
stehend. Fiederchen länger als breit, nach vorn gerichtet, 
stumpf abgerundet, an der Spitze verschmälert, unter- 
einander frei, mit mehreren gabeligen oder einfachen, 
feinen Nerven. Von der Gl. delicatula ist diese Art 
sicher verschieden — steht aber der Gl. gracilisund 
Gl. micromera Heer's. (Die Kreidf. der arct. Zone) 
ziemlich nahe. — Von der Gl. Zippei ist die Gl. 
multi nervosa durch kürzere und schmälere Fiederu 




Fig. 19. Gleichenia multi 
nervosa Vel. — Von Peruc. 

a) Wedelstück in nat. Grösse. 

b) Fiederfragment 2 mal ver- 
grössert. Copie nach Vele. 

novsky. Fig. 1. — 2. 



79 

und die zur Spitze verschmälerten und bedeutend kleineren Fiedereben verschieden." 
(Velenovsky.) 

Fundorte: Vidovle, (Jinonid), Hloiibetin und Ferne, in den Schieferthon- 
schichten, selten. 



Gleichenia delicatiila Heer. 

{Heer: Fl. fo-s.s. aretica Bd. III. pag. 54. Tab. XI. Fig. 11. Tab. X. Fig. 16, 17. 
Velen.: Farne, pag. 7. Tab. III. Fig. 12—14. — Kvetena, pag. 48, 52, 56. — Vesmir 
XXI. Jbg. pag. 32. Fig. 2.) Fig. 20. a—b. 

„Blätter gabelig getheilt mit Knospen in einzelnen 
Gabelwinkeln, Gabeläste ziemlich dünn, lang, mit dicht 
stehenden, kurzen, schmal-linealen Fiedern. Fiederchen 
dicht, so lang als breit, stumpf abgerundet, bis zum 
Fiedernerven untereinander frei, senkrecht abstehend. 
Alle Merkmale dieser zierlichen Art, besonders aber die 
Winkelknospen, weisen deutlich auf die Verwandtschaft 
mit der Gattung Gleichenia hin, obwohl die Fructi- 
fication nicht vorhanden ist." (Velenovsky). 

Fundorte: Hloubetin, Vidovle, Schieferthon, nicht 
häufig. Landsberg, Melnik, Schieferthon, seltener. 




Fig. 20 
Heer. 



Gleichenia delicatiila 
Von Landsberg. — 
b) Wedelstück in nat. Grösse. 
a) Fiederblattfragment 3mal 
vergrössert. Copie nach Vele- 
novsky. Fig. 12, 14. 



Fig. 21. Gleichenia rotula 

Heer. — Von Vyserovic. 

Blattflederfragment in nat. 

Grösse. Copie nach Velen. 

Fig. 11. 



Gleichenia rotula Heer. 

(Heer: Fl. foss. aret. Bd. III. pag. 48. Tab. VIII. Fig. 4, 5. Tab. 

IX. Fig. 1—4. 
Velen. : Farne, pag. 8. Tab. III. Fig. 11. — Kvetena, pag. 48, 
52, 56. — Vesmir XXI. Jhg. pag. 32. Fig. 4.) Fig. 21. 

„Das einzige abgebildete Blattflederfragment ist sicher 
von allen böhm. Glechenia-Arten speeifisch verschieden, 
da die Fiederchen beinahe rundlich, am Grunde herzförmig 
sind und der Mittelrippe senkrecht aufsitzen. Die Ner- 
vation ist nur durch einen tiefen Mittelnerv am Grunde der Fiederchen angedeutet." 
(Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Ein einziges Blattflederfragment. 



Gleichenia acutiloba Heer. 

Heer: Fl. von Quedl. pag. 5. Tab. I. Fig. 2. etc. 
Veten.: Farne, pag. 7. Tab. III. Fig. 8—10. — Kvetena, pag- 
48, 52, 56. — Vesmir XXI. Jhg. pag. 32. Fig. 3.) Fig. 22' 

„Gabeläste mit ziemlich langeu, schmal-linealen 
Fiedern. Fiederchen aus breitem Grunde in eine scharfe 
Spitze ausgezogen, untereinander frei, klein. Dadurch 
ist auch diese Art von allen anderen Arten leicht zu 




Fig. 22. Gleichenia acutiloba 

Heer. — Von Landsberg. — 
Fiederblattfragment ömal ver- 
grössert. Copie nach Velen- 
Fig. 10. 



80 

unterscheiden. Die' Form der Blattfiedern und Fiederchen stimmt mit jener der 
Gl. acutiloba Heer aus Grönland und von Quedlinburg gut überein." (Vele- 
no vsky.) 

Fundort: Landsberg. In den sandigen Perucer Schieferthonschichten, selten. 



Gleicb.euia votrubensis Bayer. 

(Bayer: Ein. n. Pfl. d. Perucer Kreidesch. in Böhm. pag. 23. Textf. 7, 7«. Tab. II. Fig. 1.) Fig. 23. 

Gabeläste zweimal gefiedert. An der starken Spindel stehen alternierende Fie- 
dern, immer etwa um die eigene Breite von einander getrennt, nur ganz wenig über 
der Basis breiter erscheinend und nach oben mit beinahe parallelen Rändern nur 
sehr langsam sich verschmälernd 5 — 6 cm lang, 4 mm breit. Die alternierenden 

Fiederchen sind tief, aber nicht bis an die 
Spindel getrennt, an dieselbe mit der ganzen 
Breite befestigt, kurz, stark nach vorn ge- 
richtet und in eine scharfe Spitze auslaufend- 
Der untere Rand bildet eine sehr starke 
Bogenlinie, während der t obere im seichten 
Bogen zur Bucht lauft. Untere Secundaer- 
nerven gegabelt, der der Hauptspindel nächste 
lauft mit seinen Gabelspitzen gerade zum 
Ende der Bucht hin. Sori wie bei der Gl. 
comptoniaefolia (Deb. et Ett) Heer. 
Mit dieser Art ist unsere Pflanze sehr ver- 
wandt, hat aber scharf zugespitzte Fiederchen 
nach Art der Gl. acutiloba Heer, von 
der sie sich wieder durch die unten ver- 
bundenen Fiederchen unterscheidet. Durch 
dasselbe Merkmal und durch gegabelte Nerven 
ist unsere Pflanze auch von der Gl. gra- 
cilis Heer verschieden. Es war also noth- 
wendig die Pflanze separat zu stellen, da sie zu den anderen verwandten Arten 
umsoweniger hingestellt werden kann. 

Der Fundort heisst eigentlich Otruby und nicht Votruby, wie man oft 
im gemeinen Sprachgebrauche zu sagen pflegt. Das Wort = im Deutschen dem 
Worte „die Kleien". 

Fundort : Otruby bei Schlan. Schieferthon. 




Fig. 23. Gleichenia votrubensis Bayer. — 
Von Otruby. — a) Blattausschnitt der 
Fiederspitze, b) Blattausschnitt mit einigen 
Fiedernbasen. Beides 3mal vergrössert. 
Originalzeichnung. 



In einigen guten Exemplaren". 



Gleichenia crenata Vel. 

(Veten.: Farne, pag. 9. Tab. III. Fig. 15—17. — Kvetena, pag. 48, 52, 56. - Vesmfr XXI. 

Jhg. pag. 32. Fig. C. 
Gleichenites crenatus (Vel.; Engelhardt: Kreidepfl. v. Niederschoeua pag. 82.) Fig. 24. 



81 



„Blattfiedern schmal-lineal, mit parallelen 
Räudern; Fiederblättchen bis in die Hälfte ver- 
wachsen, so dass die Fiedern nur tief gekerbt 
erscheinen. Die Nervation tritt überall deutlich 
hervor und zeigt dieselbe Zusammensetzung wie 
die Gleichenien, nämlich feine Mittel- und Secun- 
daer-Nerven, welche regelmässig gegabelt sind." 
(Velen o vsky.) 

Fundorte : Vyserovic. In den Perucer Schiefer- 
thonschichten, nicht selten. Hloubetin, selten. 




Fig. 24. Glelchenia crenata Velen. — 

Von VySerovic. Fiederfragment 4mal 

vergr. Copie nach Velenovsky, 

Fig. 17. 



Marattia cretacea Vel. 



Velen. : Farne, pag. 9. Tab. I. Fig. 13. 



— Kveten 
pag. 32. Fig. 



i, pag. 48, 52, 
10.) Fig. 25. 



58. 



Vesmir XXI. Jhg., 




Fig. 25. Marattia cretacea Velen. — 
Von Milnik. Blattfragment, nat. Grösse. 
Copie nach Velenovsky, Fig. 13. 



„Das Blatt flach, gross, länglich, am Rande 
fein gezähnt, mit einem nicht starken Mittel- 
nerven und zahlreichen Seitennerren, welche 
sich mehrmals gabelig verzweigen. Der vor- 
handene Abdruck ist nur ein Fragment eines 
ganzen Blattes oder eines Fiederblättchens. 
Eine sichere Deutung dieses Farnes ist wegen 
seiner Unvollkommenheit absolut unmöglich. 
Die Gattung Marattia weist jedoch bei einigen 
Arten die ähnlichsten Blätter auf." (Vele- 
novsky.) 

Fundort: Melnik an der Säzava. Ein ein- 
ziges Exemplar, in den Perucer Schieferthon- 
schichten. 



Osmimdophylliim cretaceum Vel. 



( Velen. : Kvetena, pag. 
Vesmir, XXI. Jhg. 



6. Tab. II. Fig. 21. pag. 72. 
pag. 33. Fig. 7.) Fig. 26. 



Blattfiederfragment mit länglichen, unten 
herzförmigen, an ihrer Spitze nicht selten etwas 
ausgerandeten Fiederchen. Die Nervatur ist 
schwach ausgeprägt, besteht aber aus gabel- 
theiligen Adern. Dieses Wedelfragment erin- 
nert, was die Form und die Nervatur der Fie- 
derchen anbelangt, ziemlich viel an die Fiedern 
der jetzt lebenden üsmunda regalis L. 
(Nach Velenovsky.) 




Fig. 26. Osmundophyllum cretaceum Vel. 

— Von Lippenz. Wedelfragment, nat. 
Grösse. Nach Velenovsky. 



Fundort: Lippenz. Zwei Fiederfragmente in den Perucer Schieferthonen. 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer: »Perucer Schichten«. ° 



82 



Kirchnera arctica (Heer, sp.) Vel. 

Fl. f o s s. a rot. Bd. III. pag. 1-23. Tab. XXXV. Fig. 11—16. 



(T b i n n f e 1 d i a arctica Heei 

Tab. XXXVI. Fig. 10&. 
Kirchnera arctica (Heer sp.) Veten.: Farne, pag. 16. Tab. II. Fig. 12 — 16. 

tena, pag. 48. 52, 56. 67. — Vesmfr XXI. Jhg., pag. 66. Fig. 7.) Fig. 27. 



Kve- 




Fig. 27. Kirchnera arctica 

(Heer) Vel. — Von Vyhrovic. 

Fiederfragment, nat. Grösse. 

Nach V e 1 e n o v s k y. 



„Blätter zweimal gefiedert. Fiedern länglich, 
am Grunde am breitesten, gegen die Spitze hin allrnällig 
verschmäleit. Fiederblättchen länglich, am Grunde am 
breitesten, vorn kurz zugespitzt oder stumpf, mit ihren 
Spitzen vorwärts gestreckt, am Aussenrande mit einem 
Zahne versehen, oder ganzraudig; sie stehen dicht bei- 
sammen, sind untereinander frei, nur auf der Spitze der 
Fiedern untereinander verwachsen. Höchst ausgezeichnet 
ist die Nervation der Fiederchen; mau sieht hier keinen 
deutlichen Mittelnerv, sondern nur sehr feine Nerven, 
welche aus der Basis der Fiederchen strahlförmig aus- 
einanderlaufen und einfach oder wenig gegabelt sind. 
— Unsere Kirchnera arctica ist vielleicht ein letzter 
Nachkomme der Odontopteris- und Neuro pteris- 
Arten aus der Steinkohlenformation." (Veleno vsky.) 

Fundorte : Vyäerovic, Kounic gemein, Kuchel- 
bad, Otruby, seltener. Melnik, selten. 



Kirchnera dentata Velen. 

(Vifen.: Farne, pag. 18. Tab. II. Fig. 1, 2. - K v e t e n a, pag. 48, 52, 56, 67. 
XXI. Jhg., pag. 56. Fig. 8.) Fig. 28. 

„Blätter dreimal gefiedert. Fiederblättchen rhom- 
bisch, am Grunde verschmälert und herablaufend, unter- 
einander frei, vorwärts gerichtet, rhombisch, vorn mit 
2 — 4 Zähnen versehen. Die Nerven zahlreich, fein, einfach 
oder gegabelt, in einen Mittelnerv zusammenlaufend, 
schwach hervortretend. Die Form der Fiederchen weicht 
übrigens von jener der Kirch, arctica nur dadurch ab, 
dass die Fiederblättchen immer am Grunde bedeutend 
verschmälert und auf der Spitze zu beiden Seiten ge- 
zähnt sind. — Eine definitive Stellung in der Syste- 
matik bleibt für diese sowie für die vorhergehende 
Art noch unentschieden." (Veleno vsky.) 

Fundort: Kounic. In den Perucer Schieferthonschichten, selten 



Vesmfr 




Fig. 28. Kirchnera dentata Vel. 

Von Kounic. Fiederfragment, 
nat. Grösse. Nach Velen. 



83 



Pecopteris minor Vel. 

(Velen.: Farne, pag. 19. Tab. III. Fig. 18. — Kvetena, pag. 48, 52, 58. 
Bayer: V e s m i r XXI 3hg., pag. 56. Fig. 10.) Fig. 29. 

„Blatt zweimal gefiedert, Blattfiedern mit läng- 
lichen, mit einem stumpfen Zahne versehenen oder 
ganzrandigen Fiederblättchen, am Grund« tief und breit 
herablaufend. Die Aehnlichkeit unserer Pflanze mit der 
tertiaeren Art Pecopteris Torellii Heer ist so 
gross, dass man mit Recht urtheilen kann, dass sie der- 
selben Gattung angehört. Beide müssen die provisorische 
Benennung Pecopteris so lange behalten, bis bessere 
Exemplare über ihre systematische Stellung entscheiden. 
Die Seitennerven treten sehr schwach hervor und die Secundaernerven auf den 
Fiederblättchen sind verwischt." (Velenovsky.) 

Fundort: Ktwhelbad. Nur in dem abgebildeten Exemplare, in den Perucer 
Schieferthonschichten. 




Fig. 29. Pecopteris minor Vel. 
— Von Kuchelbad. Wedel- 
fragment, nat. Grösse. Nach 
Velenovsky. 



Pecopteris lobifolia Corda. 

(Corda in Keuss, Versteinerungen d. böhm. Kreide f., pag. 95. Tab XLIX. Fig. 4, 5. 
Eningshausen, Kreidet!, v. N i e d e r s ch o e n a, pag. 245. (11). 
Engelhardt, Ueber Kreidepfl. von Niederschoena, pag. 87.) 

Blätter gefiedert. Fiederchen dreieckig, 3 cm lang, 1 cm breit, am Rande 
wellenförmig eingeschnitten. Nerven dicht, nach aussen bogenförmig gekrümmt. 
Ob diese Pflanze zu der Gymnog ramme bohemica Bayer in irgendwelcher 
verwandtschaftlicher Beziehung steht, ist derzeit nicht möglich zu entscheiden. 

Fundort: Mseno. 




Fig. 30. Jeanpaulia carinata 
Vel. — Von Kounic. Blatt- 
fragment, nat. Grösse. Nach 
Velenovsky. 



Jeanpaulia carinata Vel. 

{Velen. : Farne, pag. 18. Tab, I. Fig. 1—5. — Kvetena, 
pag. 48, 52. — Vesmir XXI. Jhg., pag. 56. Fig. 9. 

Krasser: Btge z. Kreidet!, v. Kunstadt, pag. 125. Tab. IV. Fig. 
7, 7a.) Fig. 30. 

„Blätter derb lederartig, unregelmässig iu lineale, 
stumpfe, mit einem Mittelkiele versehene oder kiellose, 
fein längsgestreifte Abschnitte getheillt — Ich zweifle 
nicht, dass die Jeanpaulia borealis et lepida 
Heer's und die J. Brauniana Schenk's zu derselben 
Gattung wie unsere Pflanze gehört. Der äusseren 
Form nach ähneln unsere Blätter auch den Baiera- 
Blättern, die starke, untere Spindel spricht aber mehr 
für einen Stengel einer ganzen Pflanze als für den 

6* 



84 

schlanken Stiel eines ziemlich einfachen Blattes einer Baiera- Art." (Velenovsky.) 
Krasser hat diese Art (Kreidefl. von Kun Stadt pag. 125.) zu den Salis- 
buriaeeen hingestellt. 

Fuudorte: Vyscrovic, Kounic, heäufig. Kuchelbad, selten. 



Oncopteris Nettwalli Dorm. 

(ErejH: Kounicka s k ä 1 a, 2iva I. Jkg. 1853, pag. 28. Tab. II. 
Feistmantel: Ueber Baumfarrenreste, Prag 1872, pag. 28. Tab. II. Fig. 3. 
Velenovskf) : Farne, pag. 23. Tab. V. Fig. 6. — Vesmlr, XXI. Jhg., pag. 80. Fig 3. — 
Kvetena, pag. 48.) Fig. 31. 

Cylimlrische Stämme mit grossen, kissenartig 
gewölbten, kreisrunden, oben ein wenig ausgeran- 
deteu, oder auch elliptischen Blattpolstern, die 
beinahe senkrechte Reihen bilden. Zwischen den 
Blattpolstern sieht man deutliche Zwischenräume, 
welche als tiefe Furchen die senkrechten Polster- 
reihen trennen, oder als seichtere aber breitere 
Rinnen sich zwischen den Blattpolstern winden, 
längsgestreift sind und hie und da auch warzen- 
förmige Gefnssstrangendigungen der Wurzelfasern 
tragen. Die oberste Partie des Blattpolsters ist 
mit 2 herz- oder V-förmigen Gefässringen versehen, 
unterhalb welchen, etwa in der Mitte des Blatt- 
polsters, ein Kranz warzenförmiger Gefässbündel 
die eigentliche, rundliche Blattnarbe begrenzt. 
Fundort: Kounic. Sandstein. In einigen schön erhaltenen Staiumstücken. 
Podhorni Ujezd bei Ostromef. 




Fig. 31. Oncopteris Nettvalli Dorm 

— Von Kounic Blattpolster in nat 

Grösse. Nach Velenovsky. 



Oncopteris Kauniciaua (Dorm, sp.) Vel. 

Alsophilina Kaunicinna Dormitzer in Krejei's Abb. in „2iva" 1853. Jhg. I. pag. 28. 

Tab. I. 
Feislmantel 0. : Ueber Baumfarrenreste, Prag 1872, pag. 28. Tab. II. Fig. 4. 
Veten.: Farne, pag. 22. Tab. V. Fig. 1. — Kvetena, pag. 48. 52, 56. - Vesmir XXI Jhg., 

pag. 80. Fig. 2.) Fig. 32. 

„Cylindrische Stämme mit 12 senkrechten Blattpolsterreihen, auf welchen 
sich, in ihrem oberen Drittel, ein oben und unten offener Geiässbündelring, und 
unter demselben, etwa in der Mitte des Blattpolsters, ein Kranz warzenförmiger 
Gefässstränge befindet, der die eigentliche Blattnarbe von der unteren Blattpolster- 
partie scheidet. Diese Farnart ist durch Stellung der Gefässbündelstränge der fol- 
genden Art = 0. Nettwalli sehr ähnlich und durch die orthostichische Anordnung 
der Blätter sicher verwandt." (Velenovsky.) 



85 



Krejcf und Feistmantel erwähnen nur einfache, kreis- 
runde, punktförmige Gefässstränge, welche sich auf den 
Blattnarben vorfinden; Velenovsky aber hat ganz 
richtig auf die hier deutlichen zwei mond förmigen 
Gefässringe aufmerksam gemacht und den Stamm zu 
der Gattung Oncopteris gestellt. Mir scheint es aber, 
dass 0. Kauniciana mit der 0. Xettwalli nicht 
nur verwandt, sondern sogar identisch ist, indem sie 
uns nur ein Erhaltungsstadium derselben und zwar 
wahrscheinlich das der jüngeren Stammstücke vorstellt. 

Fundort: Kounic. Sandstein. Selten. 



Folia fllicnm iuvoluta. 




Fig, 32. Oncopteris Kauniciana 

Dorm. — Von Kounic. Stamm- 
stück mit Blattpolstern. Nat. 
Grösse. Nach Velenovsky. 



Fig. 33. 




j(9 



Eingerollte Farnblattspitzen wurden auch in unseren Perucer 
Schichten gefunden und zwar das abgebildete Exemplar, dass einem Planorbis 
nicht unähnlich erscheint, stammt von Hloubetin her. Unlängst haben wir ähn- 
liche, aber noch besser erhaltene und auch ziemlich 
laug gestielte Exemplare bei Hloubetin und bei 
Jinonic entdeckt, und zwar in Schichten, wo 
viele Gleichenienreste zu finden waren, so 
dass man auch mit der grössten Wahrscheinlich- 
keit diese eingerollten Stücke für sehr junge Wedel- 
reste eben dieser Gleichenien halten kann. 
Zu welcher Art sie gehören, konnte noch nicht 
ermittelt werden. — Aehnliche, bildlich sehr 
gut wiedergegebene, Farnblattabdrücke beschreibt 
Schenk in seinen „Beiträgen zur Flora der 
Vor weit" (Die Flora der nordwestd. 
Wealdenform. IV. Th. pag. 226. Tab. XXX. 
Fig. 4, 5. und 1. r. V. Th. Tab. XXVI. Fig. 2.) 
Schenk betont, dass man diese eingerollten Blätter mit gleichem Kechte auch der 
Familie der Cycadeen zutheilen würde, da es der Wealdenformation an 
Arten aus dieser Familie ebensowenig fehlt, wie an grossblätterigen Farnen. In un- 
seren Fällen glaube ich aber schliessen zu dürfen, dass die genannten Perucer 
Reste nur zu den Farnkräutern gehören und sehr wahrscheinlich ein- 
gerollte Gleichenienblätter sind. 

Aehnliche, eingerollte Wedelstücke können natürlich auch von vielen an- 
deren Farnkräutern herstammen. Vergleiche auch z. B. in Goeppert's „System a 
filicum fossilium" Tab. XXXIV. Fig. la. ähnliche spiralförmige 
fossile Wedel, oder bei Heer (Patootschichten) p. 2. Tab. XLVIII, Fig. 6, 18. 
Fundorte: Hloubetin und Vidovle (bei Jinonic), selten. Schieferthon. 



Fig. 33. Folium filicis involutum. — 

— Von HloubUin. 5mal vergrössert. 

Eingerollte Farnblattspitze. 

CNach Prof. Dr. A. Fric.) 



86 



(Marsilia? sp. Velen 

Fig. 11—13. 
Marsilia cretacea Velen. Kvetena, pag. 48, 52 



Marsilia perucensis (Vel.) m. 

Ueber e. n. Pflanzenf. d. b ö h m. Kr., Sitzb. 1887., pag. 697. 



56, 67.) Fig. 31. 




Das Gebilde hat annähernd eiförmig viereckige 
Form, ist von beiden Seiten ein wenig zusammengedrückt 
und sitzt auf einem dünnen, geraden Stiele. Vele- 
novsky führt uebst der Form, die an die Form der 
Sporangienfrucht der recenten Marsilien in 
Australien sehr erinnert, zur Bekräftigung dieser An- 
nahme noch den stichhaltigen Grund au, dass auf einer 
von diesen Früchten eine fadenförmige, in der Mitte 
etwas verdickte Spirale wahrzunehmen ist, die einem 
matt abgedrückten, ausgewuudenen Sporangien- 
t rag er einer solchen Sporangienfrucht entsprechen 
dürfte. (Nach Veleno vsky.) 

Velenovsky führt in seiner Kvötena diese 
Früchte unter dem Namen M. cretacea Vel. an. Da aber schon Heer in seiner 
„Flora der Ataneschichten" im J. 1882. pag. 39. Tab. XVI. Fig. 11. eine Frucht unter 
dem Namen M. cretacea Heer beschrieben und abgebildet hat, und die beiden 
Früchte vorläufig nicht zu einer und derselben Art gezogen wurden, wird es wohl 
vortheilhaft sein, den Namen M. cretacea Vel. in M. perucensis umzuändern. 
Fundorte: Vykrovic. Scbieferthon. Einige Exemplare. Lippenz. Sehieferthon. 
1 Exemplar. 



Fig. 34. Marsilia perucensis 

(Vel.) Bayer. — Von VySero- 
vic. — Sporangienfrucht in 
nat. Grösse. (Nach Velenov- 
sky.) 



Sagenopteris variabilis Vel. 

(Thinnfeldia variabilis Velen. : Gymnospermen, pag. 6. Tab. II. Fig. 1 — 5. Tab 

III. Fig. 12. Velen.: Vesmir XV. Jhg., pag. 8. Fig. 5. 
Sagenopteris variabilis Velen. : K v 6 1 e n a pag. 40, 48, 52, 56, 57.) Fig. 35. 

Blättcheu stark ungleichseitig, dreieckig bis rund- 
lich, ganzrandig, vorne abgerundet, am Gründe in einen 
kurzen, dicken Stiel verschmälert. Die zahlreichen, dün- 
nen, strahlförmigeu Nerven laufen in eine gemeinschaft- 
liche Linie zusammen, welche bald in der Mitte liegt, 
bald rechts oder links in der Btattspreite gerückt ist. 
Die Nerven sind reichlich, netzadrig verzweigt. 

Bisher sind nur einzelne Blättchen gefunden worden, 
die unsymmetrische Form derselben aber scheint darauf 
hinzuweisen, dass es nur Glieder eines grösseren, zu- 
sammengesetzten Blattes sind, die, nach Allem zu schlies- 
sen, Blättcheu einer Sagenopteris darstellen, deren FJB 3g , 
Blatter nach Art derjenigen von Sagenopteris r h o i- VoL _ Von Kuchdbad. Blatt, 
folia Presl, also in zwei Paare bandförmig ausgesprei- eben. */« natürl. Grösse. 




87 

teter Fiederblättchen, getheilt waren. — Diese K r e i d e ■ Pflanze, als letzter Re- 
praesentant der im Rhaet und Oolith am üppigsten gedeihenden Gattung, ist 
wie die Nilssonia für die Kuchelbader Schichten sehr charakteristisch. Ob 
sie mit den Früchten der Marsilia perucensis (M. cretacea Vel.) in Ver- 
bindung gebracht wer.len soll, ist bisjetzt unentschieden. 

Fundort : Kuchelbad. Gelblichweisser und bräunl ichgrauer Thon. Nicht selten. 



Selaginella dichotoina Vel. 

Velen.: Farne, pag. 29. Tab. VI. Fig. 8—11. idem: Kvetena, pag. 48, 52, 56, 73.) Fig. 36. 

„Aestchen dünnstengelig, regelmässig wiederholt 
dichotomisch verzweigt, zweireihig mit dünnhäutigen, 
zugespitzten, vorwärts gekrümmten Blättchen besetzt. 
Die Abdrücke treten aus der Steinplatte nur matt hervor, 
die Blättchen sehen sehr subtil aus, nur die dünnen 
und überall gleich dicken Stengelchen sind etwas deut- 
licher. Aus dem ganzen Habitus, aus der regelmässigen 
Verzweigung der dünnen Stengel, sowie aus den zwei- 
reihigen Blättchen lässt sich schliessen, dass die Bruch- 
stücke, welche uns von dieser Pflanzenart vorliegen, 
gewiss zu der lebenden Gattung Selaginella angehören. 
Selaginella arctica Heer (Die foss. Fl. Grönl. I.), 
ist von unserer Pflanze specifisch verschieden, indem sie viel grösser und nicht 
wiederholt dichotomisch verzweigt ist. Die Blättchen sind auch anders gestaltet." 
(Nach Velen ovsky.) 

Fundort: Vyserovic, nicht häufig. 




Fig 36. Selaginella dichotoma 

Vel. — Von Vyserovic. — 
Zweigstück in natür. Grösse. 
(Copie nach V e 1 e n o v s k y.) 



Pseudoasterophyllites cretaeeus (Ot. Feistm. sp.) Vel. 

(Asterophyllites cretaeeus 0. Feistmantel. 
Pseudoasterophyllites cretaeeus (0. Feistm. sp.) 

Velen.: „Neue Beiträge". Sitzb. 1886, pag. 643. Fig. 

19—25. 
Idem: Kvetena pag. 44, 48, 52.) Fig. 37. 

Stengel in regelmässigen Entfernungen gegliedert, 
ästig. Auf dickeren Theilen sind matte Andeutungen 
von Blättern oder Wurzeln, welche von den Knoten 
wirtelartig abstehen. Hier beginnen auch die gabeligen 
Verzweigungen, die sich mehrmals wiederholen und an 
den Knotenstellen regelmässige Blattquirle von 6 Blät- 
tern tragen. Blätter schmal-lineal, kurz zugespitzt, ganz- 
randig und neiveulos. Unter dem Mikroskope zeigt die 
Epidermis läugs-gezogene hexagonale, ziemlich dick- 
wandige, überall gleich geformte Zellen und hie und da 
rundliche, aus zwei einfachen Schliesszellen gebildete 




Fig. 37. Pseudoasterophyllites 
cretaeeus (0. Feistm.) Velen. 
— Von LÄppem. Zweigstück 
in natfirl. Grösse. (Copie nach 
Velenovsky.) 



88 

Spaltöffnungen. — Fruchtstände stellen längliche Zäpfchen dar (etwa 13 mm lang, 
3 mm breit), welche aus mehreren, breiten, ganzrandigen und kurz zugespitzten, 
spiralig geordneten Schuppen zusammengesetzt sind. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es eine cry ptogamische Wasser- 
pflanze. Eine Conifere kann es nicht sein. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Lippens. Aschgrauer, bröckeliger Schieferthon, hie und da sehr 
reichlich. 



Gymnospermae. 







IVilssonia boheinica Vel. 

(Velenovsky': Gymnosp. pag. 11. Tab. II. Fig. 25—28. V e s- 
mir XV. Jbg., pag. 8. Fig. 4. K v e t e n a, pag. 49, 53, 67.) 
Fig. 38. 

Blätter lang-lineal, bis über 15 cm lang und 25 mm 
breit, mit parallelen Rändern, vorne stumpf abgerundet, 
an der Basis verschmälert, ganzrandig oder seicht ein- 
geschnitten bis lappig getheilt, derb, lederartig. Mittel- 
nerv gerade, sehr dick, stark hervortretend, in der Blatt- 
spitze merklich verdünnt, kurz auslaufend. Secundaer- 
nerven einfach, parallel, sehr dicht, im fast rechten 
oder sehr stumpfen Winkel auslaufend. Diese schönen 
Blattreste sind für die Schichten von K u che lb ad cha- 
rakteristisch. 

Nilssonia Johnstrupi Heer aus der Kreide 
Grönlands ist unserer Art am nächsten verwandt, doch 
die Blätter von K u c h e 1 b a d sind viel länger und schmäler. 

Die mesozoisch e Nilssonia polymorpha 
Schenk, die häufiger in segmentierten Formen vorkommt, 
scheint Velenovsky von der böhm. Kreide-Nil s- 
s o n i a specifisch nicht verschieden zu sein. Er betrachtet 
jene für einen direkten Vorgänger der böhm. 
Kreide Art. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Kuchelbad. Häufig im weissgelblichen 
und graubraunen Perucer Thon. Mseno? — / 



Fig. 38. Nilssonia bohemica 

Vel. — Von Kuchelbad. — 
Die Hälfte der nat. Grösse. 
Die Secundaernerven 
sind bier zu schief angedeutet. 



Dioonites cretosus (Reich, sp.) Schimp. 

(Pterophyllum cretosum Reiche in Cotta, geogn. Wanderungen 1,. pag. 58. — Gaea sa- 
xnnica p. 134. - Goeppert : Zur Fl. d. Quaders, in Schlesien, pag. 9, 10. Tab. XXXVIII. 
Fig. 14. — Dioonites cretosus (Reich, sp.) Schimper : Traite de palöont. ve'geH IL, 
pag. 211. — Bayer: „Einige neue Pfl. der Perucer Kreidesch. in Böhmen", pag. 26. Fig. 8.) 
Fig. 39. 



39 

Blatt einmal gefiedert, mit festen, dicken 15 cm breiten, linealeu, dicht 
nebeneinander stehenden, aber vollständig getrennten, dicken Fiedern, welche an 
der kaum erkennbaren Rhachis mit der ganzen Breite sich berührend angeheftet 
und in unserem Falle beinahe gegenständig sind. Nerven dick, sehr markiert, 
einfach, mit den parallelen Räudern der Fieder parallel verlaufend, etwa 11 — 13 
an der Zahl auf jeder Fieder. 




Fig. 39. Oioonites cretosus (Reich sp.) Schimp. — Von Sofie — Blattbruchstück nach einem Gyps 
abguss photographiert. <T>ie Rhachis ist an dem Originale durch die Fiedern verdeckt.) — Etwas 

verkleinert, beinahe iu natürl. Grösse. 



Der Abdruck stimmt mit demjenigen von Niederschön a, welchen 
Goepppert in seiner „Flora des Quadersandsteins in Schlesien" 
abgebildet und sehr gut geschildert hat, vollständig überein, nur sind die Fiedern 
an dem mir vorliegenden Exemplare nicht alternierend. 

Fundort: Dieses schöne Bruchstück des Blattes wurde dem Landes-Museum 
auf mein Ansuchen nebst noch anderen interessanten Pflanzenabdrücken aus dem 
Quadersandstein von Hofic, von der Direction der k. k. Bildhauer- und Steinmetzer- 
Fachschule in Hofic und zwar von dem k. k. Director Herrn Wilhelm Do- 
koupil, Ritter des k. k. oesterr. Franz-Josef-Ordens etc. bereitwilligst geschenkt. 



90 

Podozamites obtusus Vel. 

(Velen.: Gyninosp. pag. 9. Tab. I. Fig. 8, 0. — Kvetena, pag. 39, 48, 52.) 

Blätter ( Blattfiedeni ?) aus verkehrt eiförmiger Spitze allmälig in einen 
langen Stiel verschmälert, ganzrandig, derb lederartig, 10cm lang, im oberen 
Drittel 23 mm breit, der Stiel 3- 4 mm breit. Blattspreite grob und ziemlich locker 
genervt. Nerven (etwa 19 an der Zahl) untereinander beinahe parallel verlaufend, 
unten also feiner, oben dicker werdend, münden im Runde der Blattspitze ohne sich 
zu biegen; im Blattstiele verwandeln sie sich in feine, scharfe Längsrunzeln. Die 
ganze Blattniiche ist (unter der Loupe) sehr fein längsgestreift. (Nach Vele- 
u o v s k y.) 

Bisjetzt ist es noch fraglich, ob diese schönen Blattreste ganze Blätter oder 
nur Blattfiedern darstellen. 

Fundorte: Nehvizd. Perucer Sandstein, in 3 Exemplaren. — Hloubetin (Vy- 
socan). Poröser Schieferthon. Nicht selten. • - ? Lidic. — Lippem. Selten, aber 
schön erhalten. 



Podozamites loiigipennis Vel. 

{Velen.: Gymnosp. pag. 10. Tab. IL Fig. 7. — Kvetena, pag. 6, 48, 52. Tab. III. Fig. 9.) 

Blatt wahrscheinlich gefiedert, Blattfiedern lineal, bis über 10 cm lang, Vj. 2 cm 
breit, mit parallelen Rändern, am Grunde massig verschmälert, jedoch nicht mit 
einem deutlichen Stiele beendet, lederartig. Blattfiederfläche mit groben, seicht 
hervortretenden, lockeren Nerven gestreift. 

Durch die lang verschmälerte Basis der Blattfiedern, durch die groben und 
locker stehenden Nerven ist diese Art von Pod. latipennis und auch von 
anderen ähnlichen Arten zu unterscheiden, von denen sie noch durch ihre bedeu- 
tende Grösse abweicht. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Bohdänkov bei Liebenau. Perucer Schieferthon. Nicht häufig. 



Podozamites latipennis Heer. 

{Beer: Flora der Atanesch. (Fl. foss. aret. VI. Bd. II. Abth. pag. 42.) 

Velen. ; Gymnospermen, pag. 10. Tab. II. Fig. G. — Vesmir XV. Jhg. pag. 8. Fig. 3. — 

K v 6 1 e n a, pag. 48, 52. 
Bayer: „Einige n. Pfl. d. Perucer Kreidesch. in B. u pag. 26. Tab. II. Fig. 3.) 

Fig. 40. 

Blätter gefiedert, gross; Blattfiedern alternierend, doch zu 2 etwas genähert, 
länglich, 10 cm bis noch weit darüber lang und 12 — \&mm breit, gegen die Basis 
verschmälert, aber immerhin noch mit 5 — 10 mm breiter Basis an den Rand der Ober- 
seite der Spindel befestigt. Die Blattfiedern erreichen vom Grunde aus bald ihre 
volle Breite, die Seiten sind dann ein Stück parallel, dann aber verschmälert sich 
die Fieder und lauft in eine Spitze aus. Nerven sehr zart und dicht beisammen 
(etwa l j i mm von einander entfernt) stehend, nur am Grunde gabelig getheilt, 



91 



dann schön parallel und bis in die Spitze, wo sie wieder 
zasanimenneigen, hinein laufend, 23 bis 31 an der Zahl. 
(Nach Heer, Velenovsky und nach meiner Be- 
obachtung.) 

Fundorte: Bohddnkov (Liebenau). Rother Sckiefer- 
thon ; nicht häufig. Kuchelbad. Grau-brauner und gelb- 
röthlicher Thon; nicht bäufig. 




Fig. 40. Podozamites latipennis 

Heer. — Von Liebenau. — 

Der untere Theil einer Blatt- 

fieder mit der verschmälerten 

Basis, -J s der natürl. Grösse. 



Podozamites Eichwaldi (Schimp.) Heer. 

(Podozamites Eichwaldi Schimper Traite de p a- 

leont. ve"get. II. pag. 160. — Heer: Fl. foss. arct> 

IV. Bd. pag. 37. Var. b. pinnis latioribus, ovato-oblongis. Tab. VIII. Fig. 1 —4, 
Velen.: Gymnosp. pag. 11. Tab. II: Fig. 9, 10, 23. — Kvetena pag. 49, 52.) 

Blattfiedern lanzettlich, in der Mitte am breitesten, vorne stumpf, am Grunde 
in einen dicken, kurzen Stiel verschmälert, lederartig. Die Blattfiedei fläche fein, 
dicht und gleichmässig genervt. 

Die Blattfiedern sind denjenigen von P. lanceolatus Heer der ganzen 
Tracht nach ziemlich ähnlich, sie sind aber viel grösser und in der Mitte sehr breit. 
Oh sie als selbständige Species, oder nur als Abart des P. lanceolatus angesehen 
werden sollen, lässt sich aus unserem Materiale nicht se leicht ermitteln. (Nach 
Velenovsky). 

Fundort: Kuchelbad. Weisslicher Thon Ziemlich häufig. 



Podozamites lanceolatus (Lindl. et Hutt. sp.) Heer. 

{Heer: Flora foss. arct. IV. Th. pag. 35. Tab. VII. Fig. 1—7. c, d. 

Velen.: Gymnosp. pag. 11. Tab. DZ. Fig. 11—19, 24. — Neue Beitraege, Sitzb. 1886. 
pag. 642. Fig. 18. — Vesmir XV. Jhg. pag. 8. Fig. 1. — Kvetena. pag. 49, 52. 67. 
Krasser: „Kreiden, v. Kunstadt", pag. 144. Tab. VII. Fig. 13.) Fig. 41. 

Blätter gefiedert; Blattfiedern lineal, vorne 
und an der Basis allmälig verschmälert und hier 
in einen kurzen, geraden Blattstiel abgetheilt, 
stumpflich, ganzrandig, lederartig. Nerven parallel, 
dicht, fein und gleichmässig dick. 

Diese schöne Pflanze, die in den verschie- 
densten Ländern vom Jura bis in die Kreide ver- 
breitet ist, hat sich in den Ablagerungen von 
Liebenau nicht nur in einzelnen, häufig vorkom- 
menden Fiederblättchen, sondern auch in einem 
schön gefiederten Blattstücke erhalten. (Nach Ve- 

* lenovsky.) 
Fig. 41. Podozamites lanceolatus \ 

(Lindl. et Hutt. sp.j Heer. - Von Fundorte : Kuchelbad. Grauer Perucer Thon. 

Kuchelbad. — Blattfieder, etwa '/ Sehr häufig. Bohddnkov (Liebenau). Röthlicher 

der nat. Grösse. Schieferthon. Sehr häufig. Strddonic. 



92 



Podozamites pnsillus Vel. 

(Velen.: Gymnospermen, pag. 11. Tab. II. Fig. 20—22, 24a. Idem: Kvetena, pag. 49, 52. 
Vesmir, XV. Jhg. pag. 8. Fig. 2.) Fig. 42. 

„Blätter gefiedert; Bl attf iedern klein, 
rund lieh- elliptisch, vorne und unten abgerundet, 
mit einem kurzen, aber deutlichen Stiele, gleichmässig 
parallel fein genervt." 

Ebenso wie Pod. Eichwaldi, kann auch diese 
Art als eine Form bezw. Abart des Pod. lanceolatus 




Fig. 42. Podozamites pnsillus 

Vel. — Von Kurheibad. — 

Blattstück in natürl. Grösse. 
(Nach Velenovsky.) 



angesehen werden; vorläufig ist sie aber noch getrennt 



zu halten. Sie repräsentirt die kleinste Art unter 
allen bisjetzt bekannten Arten von ihrer Verwandschaft, 

denn sie bat noch kleinere Blätichen als die ähnlichste jurassische Art Podoz. 

R e i n i i Geyler. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Kuchelbad. In den loeisslichen Perucer Thonen, ziemlich häufig. 



Zaniites bohemicus Vel. 

(C y !■ a s s p. Velen. : Sitzb. 1S8C pag. 642. — Zamites bohemicus Velen, : Kvetena, pag. 
iL Tab. III. Fig. 7, 8. pag. 49, 53. — Vesmir XXI. Jhg. pag. 212. Fig. 1.) Fig. 43. 

Das Blattfragment zeigt eine 
ungewöhnlich starke Mittelrippe 
von welcher beiderseits in glei- 
chen Entfernungen lineale, derb 
lederartige Blättchen abspringen. 
Die Blättchen sind nervenlos und 
kommen in den Schiefern auch 
vereinzelt vor. Daraus ist zu 
sehen, dass die Blättchen wie bei 
Podozamites von der Mittel - 
rippe abfielen. Die in diesen 
Schiefertbonen häufig vorkommen- 
den Blättchen von Podozamites lanceolatus sind aber verschieden und leicht zu 
unterscheiden. (Velenovsky). 

Fundort: Bohdänkov bei Idebenau. Häufig. 




Fig. 43. Zamites bohemicus Vel. — Von Liebenau. — 

Gefiedertes Blattfragment. Natürl. Grösse. (Nach Ve- 
lenovsky.) 



Mierozamia gibba Cda. 



(Corda, in Reuss: „Versteinerungen der böhm. Kreidef." pag. 85. Tab. XLVI. Fig. 1 — 10. 

Conites gibbus Reuss, Geogn. Skizz. 2. pag. 169. 

Microzamia gibba Cda, Velenovsky : Gymnosp. pag. 6. Tab. III. Fig. 5 — 16; Tab. IV. 

Fig 6. ; Tab. V. Fig. 8. — Vesmir, XV. Jhg. pag. 8. Fig. 6—8. - Kvetena pag. 48» 

56.) Fig. 44. 



93 



Diese Pflanze ist uns bisher nur in Zapfen 
und abgefallenen Schuppen und Samen be- 
kannt, 

Fruchtzapfen länglich, cylindrisch, bis über 
10 cm lang und 2 x / 2 cm breit, vorne kurz zuge- 
spitzt, am Grunde verschmälert, auf langen, dicken, 
verzweigten Stielen. Fruchtschuppen dünn, flach, 
am Ende in ein sechseckiges, in der Mitte mit 
zwei Höckerchen versehenes Schildchen verbreitert, 
das mit einer Schicht grober, senkrecht stehender 
Haare überzogen ist, so dass man an den Ab- 
drücken der Oberfläche der Schildchen ein sechs- 
eckiges Feld sieht, welches überall dicht und scharf 
punktiert ist und in der Mitte zwei tiefe Grübchen 
trägt. Schlippen zweisamig. Samen ellipsoidisch, 
aus einer äusseren, fleischigen Testa und einem 
körnig punktierten, hornartigen Kerne bestehend. 
Früchte sammt der Schuppe ab- 
fallend. 

Alle wesentlichen Merkmale 
sprechen für die Verwandtschaft 
dieser Zapfenabdrücke mit den 
jetzt lebenden Z a m i e e n und den 
nächst stehenden Typen. (Nach 
Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic, sehr 
häufig. Perucer Schieferthon. Kon- 
nte, selten; Lidic und Otruby! 
selten; Vidovle, selten. Perucer 
Schieferthon. 




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Fig. 44. Microzamia gibba Corda. — Von Vyserovic 
a) Zapfen. Etwa die Hälfte der nat. Grösse. Ein 
wenig restauriert. — b) Zapfenschuppe mit 2 Samen 
von der Seite abgedrückt, in nat. Grösse. — c) Same , 
in nat. Grösse. (Nach Velenovsky.) 



Krannera mirabilis Corda in lit. 

(Dammarites albens Presl. Stnbg. Flora d. Vorw. IL pag. 203. Tab. LH. Fig. 11, 12. — 

Schenk im Zittel's Handbuch pag. 279. 
Dammarites crassipes Goepp. Fl. d. Quad. in Schi. undMonogr. d. foss. 

C o n i f. — K v e t y, Jhg. 1871, pag. 268. 
Corda in lit. „Zur Flora der Vorwelt" pag. 56. Tab. XIII. Fig. 1. sub Krannera mir a- 

bilis Cda. Idem: sub Pinus papyracea, pag. 37. 1. c. Tab. XIII. Fig. 2. 
Velen.: Gymnospermen, pag. 1. Tab. I. Fig. 1—7, 10—13. Tab. IV. Fig. 1, 2, 4, 7, 8, 9. — 

Vesmir, XV. Jhg., pag. 32. Fig. 10—13. — Ueber einige ueue Pflanzen f. 

d. böhm. Kreidef. (Sitzb. 1887. pag. 596. — Kvetena, pag. 49, 53. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl., pag. 116. (Früchte.) Idem: sub. Pinus s p e c> 

pag. 98. Tab. I. Fig. 2.) Fig. 45. 

Cylindrische V/.,cm dicke, mit breiten Blattnarben bedeckte Stengel, mit 
einem zapfenförmigen Gebilde endigend, welches aus dicht stehenden, spiralig an- 



94 





—5 



geordneten, dicken Schuppen zusammengesetzt ist. Diese zapfenförm. Gebilde 
Läufig vom Stengel abgebrochen vorkommend, kugelig, 4—6«» im Durchmesser, 
sind nur vegetative Axenenden. Die Schuppen dieser scheinbaren Zapfen sind nur 
Blattbasen von den eigentlichen vegetativen Blättern, die selbst meistens schon 
abgefallen oder abgebrochen, an manchen Exemplaren aber noch theilweise und in 

Verbindung mit der in Rede ste- 
henden Blattbasis gut erhalten sind. 
Diese Blattreste, die noch einem 
solchen scheinbaren Zapfen aufsitzen, 
sind ebenso fest lederig und ähnlich 
gestreift, wie die grossen, riemen- 
förmigen, überall im Sandstein zer- 
streuten Blätter (Fig. b), welche 
früher schlechtweg als Fetzen von 
Flaberallia cliamaeropifolia Göpp. be- 
stimmt wurden und die nun Vele- 
novsky mit der Krannera in Ver- 
bindung bringt. Diese Blätter, bis 
4k) cm lang und 3 cm breit, sind den 
Cordaiten-Blättern sehr ähnlich, wa- 
ren ebenso derb lederartig, ja viel- 
leicht noch derber, da sie gewöhnlich 
platt abgedrückt und ausserordentlich 
selten nur ganz wenig an den Rän- 
dern der Spitze umgerollt zu finden 
sind. Die Nervation derselben be- 
steht aus vielen parallelen, nicht star- 
ken Nerven. Die Fläche zwischen den 
einzelnen Nerven ist etwas gewölbt 
und mit anderen 2—4 höchst feinen 
Nerven durchzogen. Die Blattbasis 
ist seicht bogenförmig abgestuzt und 
entspricht vollkommen der rinnen- 
förmigen Blattnarbe auf den Schuppen 
der oben erwähnten zapfenartigen 
Axenenden. 

Velenovsky fand bei Kralup diese 
Axenenden in solchem Zustande, dass hier nach ihm schon kein Zweifel sein kann, 
dass es keine Zapfen, sondern nur vegetative Achsen sind. Aus dem Grunde kann 
man schon an eine nahe Verwandtschaft der Pflanze mit den Cordaiten scldiessen, 
umsomehr als in demselben Sandstein, besonders bei Nehvizd und Vyserovie, sehr 
oft wallnussgrosse, kugelige, mehr weniger zusammengedrückte Gebilde vorkommen, 
die an Cordaiten-Früchte viel erinnern und sehr wahrscheinlich zu unserer Kran- 
nera gehören, so dass aus allem die Zugehörigkeit, der Pflanze zu den Gymno- 
spermen ausser Zweifel steht. (Nach Velenovsky.) 







Fig. 45. Krannera mirabilis Borda. — Von Nehvizd. 
a) Stengel mit einem scheinbaren Zapfen, an welchem 
nebst den Schlippen noch einige Blattstücke erhalten 
sind. Etwa die Hälfte der nat. Grösse, b) Blatt. 
7 4 der nat. Grösse, c) Frucht, \ der nat. Grösse, 
d) Dieselbe im Durchschnitt. (Nach Velenovsky.) 



95 

Fundorte: Vyserovic, Kounic, Nehvi&ü, Vojice bei Jiöin, Horic, 
Sandstein. Sehr häufig. — Mseno (Charvatec), Sandstein. Kralup, Hloubetin, Liebenau, 
Schieferthon. Kuchelbad? 

Unter dem Namen: Pinus spec. 
hat Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 98. Tab. I. Fig. 2. einen Krannera-Stamm 
als einen Pinuszapfen beschrieben und abgebildet. 

Dieser Zapfen, den ich in beiden Exemplaren gesehen habe, ist nur ein 
einziger Krannera-Stamm, und zwar im Druck und Gegendruck vorliegend. 
Die von Engelhardt gelieferte Figur 2. nach einem Papierabklatsch gezeichnet, 
(diesen habe ich nicht gesehen), entspricht dem Hohldruck des Stammes und ist, 
wie ich glaube, umgekehrt dargestellt, da die untere Partie der Figur noch einen 
Blatt-Rest zeigt, der an dem wirklichen Hohl druck die Spitze des ganzen Ge- 
bildes krönt, auf die Weise, wie es noch weit besser an einem Exemplare (auch 
nur einem Krannera-Stamme) zu sehen ist, das Cor da in seinem Manuscript: 
„Zur Flora der Vor weit" Tab. III. Fig. 2. abgebildet und als Pinus pa- 
pyracea beschrieben hat (pag. 37.). 

Fundort: Vyserovic. Perucer-Sandstein. 

Podocarpus cretacea Vel. 

(Veten.: Gymnosp. pag. 13. Tab. XII.. Fig. 5 — 11. — Kvetena, pag. 49. 
Podocarpus spec. Vel. Sitzb. 1887. pag. 596. Fig. 9.) Fig. 46. 

Blätter flach, lineal, am Grunde und an 
der Spitze kurz verschmälert, lederartig, aus- 
ser dem starken, nicht hervortretenden Mittel- 
nerven keine Nervatiou mehr zeigend, an 
Zweigen spiralig (nicht zweireihig^ angeordnet. 
Bei der Zweigspitze stehen die Blattpolster, 
folglich auch die Blätter dichter beisammen. 
(Weder Blüthen noch Früchte.) (Vele- 
novsky.) Fig. 46. Podooarpus cretacea Vel. Zweig- 
Fundorte: Melnik. Hellgrauer Perucer stück; von Yidovle in nat. Grösse. (Nach 
Schieferthon. Einzelne Blätter, Vidovle. San- Velenovsky). 
diger Thon. Ein Zweigfragment mit Blättern. 

Dammara borealis Heer. 

{Velen.: Kvetena, pag. 7. Tab. I. Fig. 28, 29. pag. 21, 37, 49, 53, 57, 73. — Vesmfr XIII. Jhg. 
pag. 197. Fig. 7. — Vesmir XXI. Jhg. pag. 212. Fig. 2, 3.) Fig. 47. 

Einzelne Zapfenschuppen, die in der Grösse etwas variabel dennoch aber 
kleiner sind als die Zapfenschuppen, die Heer abbildet. Die Schuppen, welche 
Velenovsky beschreibt, sind „vorne bedeutend verbreitert, kurz geschnäbelt, nach 
unten dann stielförmig schnell verschmälert. Die breite obere Partie der Schuppen 
ist steil gewölbt und vorne in einen nach hinten gerichteten Schnabel zusammen- 
gezogen. Die untere, verschmälerte Partie der Schuppe ist schwach längsgestreift und 




£^£ 



96 





in der Mitte ein wenig gekielt. Gegenabdrücke dieser Zapfenschuppen haben oben eine 
breite, schwach concave Querrinne und sind der ganzen Länge nach durch bogenförmige 
Runzeln gestreift. Die Schuppen gehören gewiss einer Dammara an, obzwar wir bei 
ihnen die flügelartige Berandung der unteren, keilförmigen Partie, wie sie bei den 

Zapfenschuppen der lebenden Arten vorkommt, 
nicht finden. (Nach Velenovsky 1 .) 

In seiner Kveteua spricht sich Ve- 
lenovsky pag. 21 in dem Sinne aus, dass 
die von ihm in der Flora IV. Th. Tab. II. 
Fig. 8 — lt. abgebildeten, vermeintlichen Eu- 
calyptus -Fruchtbecher (nicht Fruchtdol- 
den!) nur Fruchtschuppen der D. bore- 
alis seien, also hierher gehören. Ich selbst 
trete dieser Anschauung bei, insoweit es sich 
da überhaupt um D a m mar a-Sc huppen 
handelt. Schon Heer: Florader Atane schichten in der Fl. foss. arct. VI. 
Bd. II. Abth. zeichnet pag. 93. Tab. XLVI. Fig. 12 d ein becherförmiges Körperchen, 
das er zu dem Eucalyptus Geiuit/ri als Blüthenknospe rechnet, welcher Abdruck den 
unseren Danima rase huppen sehr ähnlich ist. Dasselbe gilt von den Frucht 
beeher- Abdrücken, welche Krasser in seinen „Btg. zur Kenn tniss d. Kreide- 
flora von Kunstadt" pag. 136. Tab. XVI. Fig 3, 6 abgebildet und zu Euca- 
lyptus tieinitzi hingestellt hat. Die entsprechen vollkommen den Dainmara-Schuppen, 
welche Velenovsky in der Kvetena 1. c. zeichnet. (Vergl. unsere Figur 1, 2.) 

Fundorte: Vyäerovic, Konnte, Lulle, Landsberg, Sehieferthou, sehr 
häufig, llloubetin, Lippenz, Bohdänkov bei Liebcnau und Peruc, Schieferthon, seltener. 



Fig. 47. Dammara borealis Heer. — Von 

Vyierovic. — Zapfenschuppen, mit. Grösse. 

1. Treues Schuppenbild. — 2. Kestaurirte 

Zapfensclmppe, — 3. Zapienschuppe. 

(Copie uaeh Velenovsky.) 



Dammarophyllum striatum Vel. 

(Podozamites striatus Velen. Gymnospermen pag. 

10. Tab. II. Fig. 8. — Neue Beitge. Sitzb. 1886. pag. 

641. Fig. 17. 
Dammarophyllum striatum Velen. Kvetena pag. 7, 

49, 53. 
Dammarophyllum bohemicum Vel. Kvötena pag. 56, 

71, 73.) Fig. 48. 

Blätter elliptisch, vorne und an der Basis abge- 
rundet, mit einem sehr k urze n, undeutlichen, 
dicken Stiele. Dieses Blatt unterscheidet sich von allen 
böhmischen Cycadeen-Arteu durch mehrere Merkmale. 
Es zeigt wohl dieselbe fest lederartige Beschaffenheit, 
lässt aber auf der Oberfläche ziemlich feine parallele 
Längsstreifen und zwischen diesen noch andere, stellen- 
weise verwischte Mittellinien unterscheiden Die 
Nervation der meisten Podozamites- Arten be- 
steht dagegen aus ziemlich starken, parallelen Nerven 
derselben Art. Eine verwandte Nervation wie das 




Fig. 48. Dammarophyllum striatum 

Velen. — Von Llebenait. — - Blatt 

in nat. Grösse. (Copie nach V e- 

leno vsk^.) 



97 

Liebenauer Blatt zeigen höchstens die Krannera-Blätter, obwohl die letztere 
viel regelmässiger ist und überall deutlich hervortritt. Velenovsky glaubt also 
(Neue Beiträge 1886. pag. 642.), dass diese schönen Blattabdrücke von einer 
Dammara-Art herrühren, da nicht nur ihre Form, sondern auch die Nervation 
derjenigen der Dammara-Blätter, insbesondere der lebenden D. Binoti entspricht. 
(Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Bohddnkov bei Liebenau. Röthl. Schieferthon, selten. Kuchelbad. 
Bräunlich-grauer Thon, sehr selten. — ! 



Cunningliamia elegans Corda. 

(Cunninghamites oxycedrus Presl, Sternberg: Fl. d. Vorw. IL pag. 203. Tab. 48. Fig. 3. 

Tab. 49. Fig. 1. — Goeppert: Mon. d. foss. Conif. pag. 240. Tab. 47. Fig. 2. 
Cunninghamia planifolia Corda in Keuss, Verstein. d. b. Kreidef. pag. 93. Tab. L. 

Fig 1—3. 
Cunninghamia elegans Corda ibid. pag. 93. Tab. XLIX. Fig. 29 — 31. — Velen.: Gymnosp. 

pag. 14. Tab. IV. Fig. 5. Tab. V. Fig. 1, 7. Tab. VI. Fig. 5. Idem: Sitzb. 1886. „Neue 

Beiträge" pag. 634. Fig. 1—5. — Kvetena: pag. 38. etc. pag. 49, 53, 57, 68, 72, 73. 

— Vesmir: XV. Jbg. pag. 32. Fig. 15.) Fig. 49. 

Dicke, gerade, einfache oder wenig verzweigte Aeste mit schief abstehenden, 
liuealen, an der Basis kurz, gegen die Spitze allmälig und fein verschmälerten, 
ganzrandigen, flachen, lederartigen Blättern, die an manchen Exemplaren 5 deutliche, 
parallele Nerven zeigen. Blattpolster der jüngeren 
Zweige länglich oder rundlich-rhombisch, vorne 
stumpf abgerundet, oben mit einem Grübchen, 
unterhalb dessen durch die Mitte des Polsters 
eine Rinne herabläuft. 

Fruchtzapfen 4 — 6 cm lang und etwa 2 cm 
breit. Schuppen etwa 15 mm lang, 8 mm breit, 
flach, geschnäbelt und längs gerunzelt. In der 
Mitte der Schuppe erhebt sich ein querverlaufender 
Kiel, von welchem ein flacher, breiter Schnabel 
über eine Querrinne emporsteigt. 

Die beblätterten Aeste sind von denjenigen 
der lebenden Cunninghamia sinensis nur 
wenig verschieden. Die Schuppen der fossilen 
Fruchtzapfen entsprechen aber in auffallender Weise 
den Zapfenschuppen von der Dammara austra- 
lis, so dass die Cunningh. elegans einen 
Uebergang von der Gattung Cunninghamia 
zu der Gattung Dammara zu bilden scheint. 
(Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic, Peruc, Mseno, 
Kralup, Schieferthon, sehr häufig. Kuchelbad, 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer: »Perucer Schichten». 




Fig. 49. Cunninghamia elegans Cda. 
a) Zweig, etwa um ein Drittel ver- 
kleinert. 6) Blatt in nat. Grösse. 

7 



98 

eine riesige, etwas abweichende Form, sehr häufig. — ! Horic Sandstein! Vidovle, 
Hhubetin, Lidic, Otruby, Lippene, Landsberg, Strddonice, nicht sehr häufig. 
Schieferthon. 



Cunniiigliainia stenophylla Vel. 

(Veten.: Gymnosp. pag. 15. Tal). V. Fig. 2,4,10,16. Cunn inghamia el egau s Corda, Velen. : 
Neue Beitgez. Kennt n. d. Pf], d. böhm. Cenomans 1886. pag. 636. und Kvetena.) 

Velenovsky stellt diese Pflanzenüberreste zu der Cunninghamia, da die 
Blattpolster und Blätter denjenigen von Cunninghamia elegans Cda. gleich- 
gestaltet sind, nur sind die Blätter der C. stenophylla viel schmäler und zweimal 
ja noch mehr kürzer als sie bei der erste ren gewöhnlich sind, so dass der be- 
blätterte Zweig ein anderes Äussere hat als bei C. elegans. Es ist möglich, dass 
die Cunninghamia stenophylla nur eine gracile, kleinblättrige Form der 
vorhergehenden Art ist, umsomehr, da bei Landsberg in ihrer Gesellschaft 
dieselbe Zapfenform gefunden wurde, die derjenigen von Vyserovic entspricht, 
welche zu der C. elegans gebracht wird. (Nach Velenovsky.) 

Deswegen zieht Velenovsky in seiner Kvetena (siehe auch Sitzb. 1. c. 
pag. 636.) die beiden Arten unter dem Namen Cunninghamia elegans Corda 
zusammen. 

Fundorte: Vidovle, Landsberg, Lippen». Schieferthon. Häufig, bis sehr 
häufig. Vyserovic, JJloubetin, Kralup. Schieferthon. Spärlich. 




Araucaria bohemica Vel. 

(Veten.: Kvetena, pag. 8. Tab. I. Fig. 20—24. — V es mir, XXI. Jhg. pag. 212. Fig 4, 5.) Fig. 50- 

„Zapfenschuppen keilförmig, unten 
scharf zugespitzt, dick, vorne wulstförmig 
gedunsen, auf der Oberfläche mit Runzel- 
streifen versehen, die gegen den oberen Rand 
hin zusammenlaufen. Nur an zwei Schuppen 
ist eine kurze Spitze wahrnehmbar, au eini- 
gen ist aber noch die kielartige Anschwel- 
lung in der Mitte der unteren, keilförmigen 
Partie, in deren Höhlung der Same sass, gut 
zu sehen. Zapfen kugelförmig, aus vielen, 
spiralig gestellten Schuppen zusammengesetzt, 
die den Fruchtschuppen von der recenten 
Ar. brasiliana Lanib. ähnlich sind. Die 
Ligula ist an den Abdrücken nicht zu sehen. Beblätterte Zweige hat Ve- 
lenovsky für die A. bohemica in den Kreide-Ablagerungen bisjetzt nicht 
entdeckt. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Lippenz. Schieferthon. Nicht häutig. 



1 2 

Fig. 50. Araucaria bohemica Velen. — Von 
Lippenz. — Zapfenschuppen nach Vele- 
novsky. — 1. Schuppenabilruck, uatürl. 
Grösse. 2. Restaurirte Zapfenschuppe. (Nach 
Velenovsky.) 



99 



Piims longissima Vel. 

(Veten.: G y m n o s p. pag. 29, Tab. I. Fig. 14 — 17. — Vesmir XV. Jhg. pag. 80. Fig. 29, 30, 31, 
Kvetena pag. 49, 53, 57, 73.) Fig. 51. 

Zapfen 31 cm lang, 3 cm im Durchmesser, beinahe der ganzen 
Länge nach gleichmässig dick, cylindrisch, am Grunde abgerundet 
mit einem starken etwa 3 cm langen Stiele. Schuppen mehr als 
2 cm lang, unterhalb des Schildchens etwa 8 mm breit und von 
hier gegen die Basis hin allmälig verschmälert, holzig. Schuppen- 
schildchen rhombisch, ein wenig gewölbt, mit einem undeutlichen 
Grübchen in der Mitte. Samen ellipsoidisch, zu zweien der 
Schuppenbasis aufsitzend. (Veienovsky.) 

Fundort: Kralup. Vom H. Prof. Dr. A. Fric in einer Schichte 
gefunden, welche über den Peracer Sandsteinen liegt und aus einem 
grobkörnigen, mit grösseren Quarzstücken gemischten Sandsteine 
(Drosdi genannt) besteht. Perucer Schichten. 



Pimis Quenstedti Heer. 

(Heer: Kreidefl. von Moletein pag. 13. Tab. IL Fig. 5-9. Tab. III. 
Velen.: Gymnosp. pag. 32. Tab. VI. Fig. 4. Tab. VII. Fig. 7, 8. Tab. VIII. 

Fig. 10. — Vesmir XV. Jhg. pag. 80. Fig. 33. — Kvetena, pag. 49, 

53, 57, 73.) Fig. 52. 

Sehr lange, dünne, dreikantige, feste Nadeln, je zu 5 in 
Büscheln verbunden. Die jungen Zweige mit erhabenen, vorne ab- 
gerundeten, mit einem Närbchen versehenen, langen Blattpolstern. 
In allen Merkmalen gleicht diese Conifere der von 
Heer beschriebenen Art von Moletein. (Nach Vele- 
no vsky.) 

Fundorte: Vyserovic. Grau- 
er Schieferthon. Stellenweise 
massenhaft. Sonst selten. 
Landsberg. Schwarzgrauer 
Schieferthon. Einzelne schön 
erhaltene Nadeln und Zweige. 
Häufig. Kuchelbad: gelblich- 
weisser Thon. Nicht häufig! 
^ BohddnJcov bei Liebenau. 

Fig. 52. Pinus Quenstedti Selten. — ! 
Heer. — Von Vyserovic. — 
Kurztrieb, etwa 1 / s der nat. 

Gr. Nach Veienovsky. Pimis cretacea Corda. 

(CWain Reuss, Versteinerungen pag. 91. Tab. XLVII. Fig. 1—6.) 

Ein beiläufig 70 mm dickes und fast 100 mm langes Stammstück mit kohlen- 
saurem Kalke durchdrungen, entrindet. Die Markröhre ist 8—10 strahlig, klein 




Fig. 51. Pinus longissima Vel. — 
Von Kralup. — a) Zapfen 2 '/„mal 
verkleinert,restauriert dargestellt. 
6) Zapfenschnppe (Aussenseite). 
c) (Innenseite derselben.) (Nach 
Veienovsky.) 



100 

und rostroth gefärbt. Ihre Zellen sind gross, dickwandig und dunkel-rostroth, gleich 
der Markröhre der Juniperus bermudiana oder J. virginiana. Nach 
den Holzzellen scheint die Pflanze einen Übergang von den Abietineen zu den 
Araucarieen zu bilden. (Nach Cor da.) 

Ob dieses Holz wirklich ein Kreidefossil ist, kann man derzeit nicht 
entscheiden. 

Fundort: Am Schäferhügel bei Weberschan unweit Postelberg, in einem kal- 
kigen, zwischen Plaenerkalk und Basalt gelegenen Konglomerate. 



Pinus protopicea Vel. 

(Velen.: Gymnosp. pag. 31. Tab. VII. Fig. 1, 4, 6. Tab. III. Fig. 
SO. Fig. 34. - Kvetena, pag. 40, 53, 57, 73.) Fig. 53. 



— Vesmir XV. Jhg. pag. 




Fig. 53. Pinus protopicea Vel. 
— Von VySeiovie. — Zapfen, 



Zapfen 16 cm lang, cylindrisch, durchschnittlich 
etwa 5'/ 2 cot breit, in dem unteren Drittel etwas breiter, 
am Grunde und an der Spitze abgerundet. Schuppen 
holzig, in dem oberen Drittel am breitesten, vorn in 
eine stumpfe Spitze kurz verschmälert, gegen die Basis 
keilförmig herablaufend, gewölbt. (Nach Velenovsky.) 

Zwei neben einander liegende, wohl einem Aste 
ansitzende und der Länge nach schön durchbrochene 
Zapfen. Das grössere, bei Velenovsky abgebildete 
Exemplar erinnert sehr an einen recenten Fichten- 
zapfen, nur ist das Fossil im Ganzen und Grossen 
etwas robuster als der Zapfen von Picea excelsa. 
Velenovsky meint, dass seine P. protopicea jeden- 
falls in die nächste Verwandtschaft der P. excelsa an- 
gehört. 

Fundort: Vyserovic. In dem Perucer Sandsteine, 
gesammelt von Prof. Dr. A. Fric. 



Picea eretacea Vel. 



riert. (Nach Velenovsky.) 



(Velen.: Kvetena, pag. 14. Tab. 
I. Fig. 4, 5. pag. 49, 53. _ 
Vesmir XXI. Jhg. pag. 236. Fig. G) Fig. 54. 

„Ein kleines, aber dickes Zweiglein, welches unten 
mit vielen erhabenen Blattpolstern bedeckt ist, die vorne 
eine viereckige Narbe mit einem centralen Gefässstrange, 
nach dem abgefallenen Nadelblatte, tragen. Oben sind 
noch die Blätter an dem Zweige erhalten; sie sind lineal, 
vierkantig, ein wenig gekrümrat und stumpflich. Der Rest 
ist so charakteristisch, dass man auf den ersten Blick 
in demselben einen Fichtenzweig erkennen muss." (Vel.) 




Fig. 54. Picea cretacea Vel. 

— Von Vyserovic. — a) Blatt- 
zweig, b) Blatt. Nat. Grösse. 
(Nach Velenovsky.) 



101 

Fundort: Vyserovic. In dem Perucer Schieferthone in Gemeinschaft mit 
Unio-Abdvücken, nur in dem einzigen Exemplare. 



Abies chucMensis Vel. 

(Yelen.: Gymnosp. pag. 34. Tab. V. Fig. 11 — 13. — Kvetena pag. 49, 53.) 

Die meisten Merkmale dieser Blattnadeln sprechen für die Verwandtschaft 
mit den Blattnadeln der Tanne, allein die zu beideu Seiten des Hauptnerven pa- 
rallel verlaufenden Nerven sind an den fossilen Blättern etwas Befremdendes und 
deswegen die Deutung der Pflanze immerhin verdächtig. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Kttchelbad. Perucer Thon (zwei Exemplare). 



Plutonia cretacea Vel. 

{Velen.: Kvötena pag. 11. Tab. II. Fig. 11—20. Tab. III. Fig. 1, 2. Vergl. auch Schimper-Schenk 

Zittel's „Handbuch" pag. 805. — Vesmir, XXI. Jhg. pag. 236. Fig. 1, 2. 
Plutonia abietina Vel. Kvetena pag. 57.) Fig. 55. 

Zweige mehrmals ruthenförmig getheilt, 
nicht stark, aber mit ziemlich grossen, 
schmal-linealen, flachen, stark lederartigen, 
festen Blättern, welche an ihrer Spitze stumpf, 
unter dem Rande mit einem Höckerchen 
(bezieh, einer Vertiefung) versehen sind, ge- 
gen die Basis hin langsam sich verschmälern 
und von einer viereckigen Narbe abgliedern. 

Es scheint also, dass die Blätter unten 
vierkantig oder cylindrisck waren. Jedes 
Blatt besitzt 5 Nerven, die Mittelrippe ist 
die stärkste derselben. Von den Narben kann 
man an den Zweigen scharf gekielte Blatt- 
spuren nach unten verfolgen. An einigen 
Zweigen mit solchen Blattnarben wurden von 
Velenovsky auch Zapfen gefunden, welche 
eiförmig und aus Fruchtschuppen zusammen- 
gesetzt sind, die keilförmig und oben zuge- 
rundet unterhalb ihres Scheitels einen scharfen Ansatz tragen. In der unteren Hälfte 
sind sie gekielt, zweisamig. 

Diese Conifere scheint eiuer ganz fremden Gymnospermen-Gattung anzuge- 
hören, die schon ausgestorben ist. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic, ziemlich häufig, Kuchelbad nicht häufig; Kounic uud 
Lippens selten. 




Fig. 55. Plutonia cretacea Velen. — Von 
Kuclielhad. — 1. Restaur. beblätt. Zweig- 
stuck. 2. Restaur. Fruchtzapfen. — Nat. 
Grösse. — Copie nach Velenovsky. 



Loa 



Seqnoia Reiclienbachi Geinitz sp. 



(Araucarites Reiclienbachi Geinitz, Charact. pag. 98, Tab. 24. Fig. 4. 

Geinitzia cretacea Endl. Synopsis Conif. pag. 281 . 

Cryptomeria primaeva Corda in R e u s s : V e r s t e i n. pag. 89. Tab. XLVIEL Fig. 1 — 11. 

V Zamites familiaris Corda I. c. pag. 86. Tab. XLIX. Fig. 10, 11. 

= Conites familiaris Stnbg. Flora d. Vorw. I. Tent. pag. XXXIX. Tab. XLVI. Fig. 2. 

Araucarites adpressus v. d. Marck Palaeontogr. XI. pag. 80. Tab. XIII. Fig. 10. 

Seqnoia Reichenbachi (Gein. sp.) Heer: Flora von Moletein pag. 7. Tab. I. 

Fig. 1 — 9. — Flora v. Quedlinburg pag. 9. Tab. I. Fig. 2. — Kreidef'l. der 

arct. Zone (Fl. foss. arct. III.) pag. 77, 101, 126 etc. — Flora foss. arct. VI. Bd. II. 

Abth. pag. 16, 52. 
Vehnovslcy: G y m n o s p. pag. 19. Tab. IX. Fig. 12a etc. — Vesmir XV. Jhg. pag. 31. — 

K v 6 t e n a pag. 49, 53. 
Engdhardt: Ueber Kreidepfl. v. Niederschöna pag. 91. — Idem: Ueber bolim. KreidepH. pag. 

95—97. 
Krasser: Kreiden, v. Kunstadt. pag. 124. Tab. XVII. Fig. 14.) 

Blätter lang, zur Spitze allmälig verschmälert, sichelförmig gekrümmt, 
schief vom Zweige absteheutl und von einem tiefen Mittelnerven durchzogen, kurz 
herablaufend. Blatt polster länglich-elliptisch bis rhombisch mit einer deutlichen 
Mittelrinne. 

Eine für die böhmische wie die ausländ i.sche Kreideformation sehr cha- 
rakteristische Pflanze, welche von den ältesten Perucer Schichten bis in die 
jüngsten, Chlomeker Ablagerungen überall verbreitet ist. Grössere Stücke (pag. 20.) 
von dieser Conifere kommen aber äusserst selten vor. Die Zapfen dieser Art, 
die auch nicht häufig zu finden sind, siud ziemlich gross und stimmen mit den- 
jenigen, welche Heer in seiuer Flora von Moletein beschreibt, in jeder Hin- 
sicht überein. Die Schildchen sind denjenigen von der Sequoia crispa 
ähnlich. 

Von der Geinitzia cretacea Ung. siud die vegetativen Zweige durch 
die mehr länglich-elliptischen mit einer deutlichen Mittel-Rinne versehenen Blatt- 
polster und die mehr schief (nicht rechtwinkelig) vom Zweige abstehenden und 
schärfer zugespitzten Blätter verschieden. (Nach Veleuovsky.) 

Fundorte: Mseno. (Nicht häufig.) Nehvisd. (Selten.) Charvatec. 

Der von Engelhard t 1. c. angeführte Zapfen, (Kuchelbader gelb-weiss- 
licher Thon), den ich besichtigt habe, ist sehr fraglich, umsomehr, da bei Kuchelbad 
bisjetzt nicht einmal veget. Zweige von d. Art gefunden worden sind. 



Sequoia fastigiata Sternbg. sp. (non Heer.) 

(T h u it e s aliemis Sternbg. Flora d. Y o r w e 1 1 I- Th. 4. II. pag. XXXVIII. Tab. XLV. 

Fig. 1. 
Caulerpites fastigiatus Sternbg. ibid. IL Th. pag. 23. 
Veten.: G y in n o s p. pag. 21. Tab. XI. Fig. 1. etc. -- Vesmir XV. Jhg. pag. 32. Fig. 17, 18. 

— K v e t e n a pag. 49, 53.) Fig. 50. 

Zweige unregelmässig verzweigt, dick, nicht schlank. Blätter kurz herab- 
laufend, mit einer kurzen, wenig abstehenden, kaum gekrümmten, sehr breiten 



103 



und stumpf abgerundeten Spitze. In der Mitte des 
Blattes eine deutliche Furche. Fruchtzapfen 
länger als breit. Zapfenschuppen wenig länger 
als die grösste Breite der Schildchen. 

Diese Art ist durch die dicken Zweige und 
die breiten, stumpfen, kurz herablaufenden und 
wenig abstehenden Blätter sehr ausgezeichnet und 
leicht von anderen Sequoien zu unterscheiden. 

Die Zapfen dieser Sternbergischen Sequoia 
fastigiata sind zweimal so gross und mehr ver- 
längert als diejenigen, welche Heer für S. fasti- 
giata (Flora v. Molet.) angibt. 

In den Perucer Schichten ist sie eine Selten- 
heit, in den Weissenberger Plänerschichten eine 
verbreitete Pflanze. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Hosposin (Perucer Saudstein). Ein 
einziges Exemplar. Schöner Zweig mit einigen 
Fruchtzapfen, (Leg. Herr Stodola). — Nehvisd. 
Zwei Fruchtzapfen. 




Sequoia crispa Vel. 



Fig. 56. Sequoia fastigiata Sternbg. 
sp. — Von Hospozin. — 17. Zweig 
mit theilweise durchbrochenem Za- 
pfen. 18. Zapfenschuppe in natürl. 
Grösse. Ein wenig restauriert von 
Velenovsky. 

(Veten. : Gymnosp. pag. 22. Tab. X. Fig. 5—7, 9, 14, 

10. — Kvetena pag. 41, 42, 44, 49, 53. — Vesmi'r XV. Jhg. pag. 32. Fig. 19.) Fig. 57. 

Die Blätter stehen an den Zweiglein 
sehr dicht beisammen und sind lederartig fest, 
sonst aber ziemlich dünn (kurz) und auffallend 
sichelförmig einwärtsgebogen, so dass sie wie ge- 
kraust und die schlanken Zweiglein dadurch uhr- 
kettenförmig erscheinen. Fruchtzapfen rundlich, 
etwa 3 cm im Durchmesser. 

Schuppenschil denen rhombisch, mit 
einer Querfurche. Von dem erhabenen Nabel 
in der Mitte zahlreiche, narbige Strahlen zum 
Rande hin radial auslaufend. 

Die Fruchtzapfen sind im Schieferthone 
bei Lidic eine gewöhnliche Erscheinung und dies 
zwar oft auch noch in Verbindung mit ziemlich 
langen Zweigstücken. 
Diese Sequoia- Art ist von allen bekannten Sequoia-Arten speeifisch ver- 
schieden; man kann sie an den krausig aussehenden, festen Blättern, den dünnen, 
langen Aesten und grossen, rundlichen Zapfen leicht erkennen. (Nach Velen.) 
Fundorte: Lidic bei Schlan. Häufig. Schieferthon. Lippenz Schieferthou. 
Jinonic (Vidovle) Schieferthon. Hloubetin Schieferthon. 




Fig. 57. Sequoia crispa. Vel. — Von 

Lippem. — Zapfen mit Zweigstück. 

2 / 3 der natürl. Grösse. Restauriert 

von Velenovsky. 



104 



Sequoia heterophylla Vel. 

S t e i 11 h a u e r a minuta Presl, Sternberg: Ve rsuchll. pag. 203. Tab. LVII. Fig. 7 — 15. 
Sequoia heterophylla Vel. Velen. : Gyainosp. p. 22. Tab. XII. Fig. 12. Tab. XIII. 

Fig. 2—4, 6—9. — Ideni: U e b e r e. P. d. b. K., Sitzb. 1887. p. 593. Fig. 7, 8. — Idem: 

Kvetena pag. 39, 43, 49, 53. — Vesmir XV. Jhg. pag. 31. 
Engelhardt : Kreidepfl. v. Niederschöna pag. 104.) Fig. 58. 

Zweige ruthenfönnig, unter 
spitzen Winkeln getheilt, ziemlich 
düuu und schlank. Blätter zweierlei : 
die schuppenförinigen verlängert, mit 
stumpfen, nicht abstehenden Spitzen, 
locker dem Zweige aufsitzend ; die 
der jüngeren Sprosse blattartig, zwei- 
reihig am Zweige geordnet, lineal, 
breit, dick lederartig, vorne stumpf 
abgerundet, am Grunde merklich ver- 
schmälert, einnervig, aber von mehre- 
ren Längsstreifen durchzogen. 

Zapfen im Umrisse elliptisch, 
ziemlich klein, Zapfenschuppen 
mit sehr kleinen rhombischen, in der 
Mitte vertieften Schildchen, die mit einer Querfurche versehen sind. (Nach V e- 
leno vsky). 

Fundorte : llloubetin, Ferne, Strüdonie, sehr häufig. Bohldnkov, Lands- 
berg, Vy§erovic, Mseno? — Schieferthon. 





Fig. 58. Sequoia heterophylla Vel. — Von HloubUin. 
a) Zapfen in nat. Grösse, etwas restauriert, b) Zweig- 
stück mit beiderlei Bliittern, etwas restaur. (Copien 
nach Veleno vsky.) 



Sequoia rigida Heer. 

{Heer: Fl. foss. arot. Bd. III., VI./2., VII. 

Velen. : Gymnos p. pag. 23. Tab. IX. Fig. 8. Tab. X. Fig. 10. Tab. XI. Fig. 5. Tab. XIII. 
Fig. 10.) 

Die Möglichkeit, dass diese Aestchen nur der S. heterophylla (Velen.) 
angehören, von der sie nur durch bedeutend längere Blätter verschieden sind, 
hat Veleno vsky 1. c. ausdrücklich hervorgehoben, und in seiner „Kvetena" 
zog er auch beide Arten unter dem Namen S. heterophylla Vel. zusammen. 

Fundort: Bohddnkov. Nicht häufig. 



Sequoia major Vel. 



{Velen.: Ueber e. neue Pflanzenf. d. böbm. K r e i d e f . Sitzb. 1887. pag. 594. 
4—6. — Kvetena, pag. 39, 46, 49, 53.) Fig. 59. 



Fig. 



Zweige sehr stark mit spiralig geordneten, sichelförmig gekrümmten, sehr 
grossen, stumpfen Schuppen dicht besetzt. Jede Schuppe hat einen Rückeukiel. 
Zapfen gross, im Umrisse elliptisch, Zapfeuschuppen gross mit grossen breit-quer- 



105 

rhombischen Schildchen ; diese haben eine scharfe Querfurche und eine centrale 
Vertiefung, aus welcher ein kurzer Nabel hervortritt. Von der Querfurche und von 
dem Ceutralnabel laufen zum Rande hin stiahlförmige Streifen und Narben aus- 
einander. Der untere Schuppentheil ist sehr breit, zum Grunde keilförmig ver- 
schmälert und narbig längsgestreift. 




W aK 7 

mJih 





Fig. 59. Sequoia major Yel. — Von Lobec (Kralup). — a) Fruchtzapfen in nat. Grösse, b) Frucht- 
zapfen restauriert, r) Zweigstück von ffloubetm in natürl. Grösse. (Copien nach Velenovsky.) 

Die Zweigfragmente, die Velenovsky mit diesen Zapfen in Verbindung 
bringt, stammen alle aus derselben Stelle und aus derselben Schicht bei Hloubetfn 
her wie die Zapfen der Sequoia major. (Nach Velenovsky.) 

Nach meiner eigenen Wahrnehmung an den Zapfenabdrücken von Otruby 
mussten die Zapfen der S. major etwa 2mal so lang sein, als sie Velenovsky 
zeichnet, beinahe bei derselben Breite der Fig. b). Somit muss ich die Fig. a) nur 
als einen theil weise erhaltenen Zapfen ansehen. 

Fundorte: Lobec bei Kralup. Zapfeuabdrücke, sehr häufig. Otruby bei 
Schlan. Zapfen- und Schuppenabdrücke, häufig. Hloubetin. Zweige und Zapfen, 
nicht häufig. Lippenz. Zapfenschuppeu, selten. 



Sequoia minor Vel. 

{Veten.: TJ e b e r e. n. Pflanzenformen d. b. K. pag. 63S. Fig. 11—1-2. Sitzb. 1887. 
Idem: Gymnospermen, p. 24. — Kvetena, pag. 49, 53.) 

Aeste reichlich verzweigt, schlank, dünn, den Zweigen der Widdriugtonia 
Reichii auf den ersten Blick nicht unähnlich; Schuppenblätter sehr kurz, breit 
und wenig herablaufend. — Fruchtzapfen haselnussgross, kugelig, am Grunde 
ein wenig verschmälert. Fruchtschuppen sehr klein, mit einem rhombischen Scbildchen 
und einem centralen Nabel auf demselben. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vysevovlc. Sehr häufig; 1. Steinbruch, grauer Schieferthon. 
Lidic. Sehr häufig in einer ziemlich schwachen Schichte. 



106 



Glyptostrobus europaeus Heer, cretaceus Vel. 

(Glyptostrobus üngeri Heer. Fl. t e r t. H e 1 v e t i a e I., pag. 52. Tab. XVIII. Tab. XXI. 

Fig. 1. 
Glyptostrobus europaeus Heer. Daselbst pag. 51. Tab. XIX., Tab. XX. Fig. 1. 
Veten.: G y m n o s p. pag. 26. Tab. VI. Fig. 2. Tab. VII. Fig. 2, 3, 9, 10. — Kvetena pag. 58. 

— V e s m i r XV. Jhg. pag. 56. Fig. 22.) Fig. 60. 

Aestchen mit. spiraligen, schuppenförmigen, rhombisch-lanzettlichen, kurz zu- 
gespitzten und mit einem Rückenkiele versehenen Blättern. Blätter der jüngeren 
Aestchen lineal-verlängert, steif und schief zweireihig abstehend, an den Spitzen 

ein wenig gekrümmt, am Grunde in gleicher Breite 
herablaufend, scharf gestreift. (Nach Velen.) 

Der tertiaere Glyptostrobus europaeus 
Heer (=: Glyptostrobus Ungeri Heer) ist mit dieser 
Pflanze so übereinstimmend, dass Velenovsky die 
Benennung auch für die letztere behielt. Ob auch 
der G. grönlandicus Heer (Flora foss. 
arct. III. pag. 76.) von Pattorfik und Ekkorfat 
hieher gehört, ist aus den Fragmenten schwer zu 
entscheiden. (Nach Velenovsky.) 

In seiner Kvetena, pag. 58. stellt Vele- 
novsky diese Abdrücke zu den der näheren 
systematischen Stellung nach fraglichen Conifereu, 
und iu der Uebersicht der Arteu hat er sie über- 
haupt nicht mehr angeführt. 

Fundort: Lidic bei Schiern. Grauer Perucer 
Schieferthon. 




Fig. 60. Glyptostrobus europaeus 
Heer, cretaceus Vel. — Von Lidic 
Zweigstück mit beiderlei Blättern 
2mal vergrössert. (Nach Velen. 



Ecbinostrobus squamosus Vel. 



( Velen. : Gjmnosp., pag. 1 6. Tab. VI. Fig. 3, 6-8. - 
14, 16-19. Tab. II. Fig. 1, 2. pag. 49, 53, 57, 68, 
Fig. 6, 7) Fig. 61. 



Kvetena, pag. 9. Tab. 1. Fig. 13, 
73. — Vesmir XXI Jhg., pag. 212. 



Zweige mit wechselständigen, stumpf endigenden Seiteuzweigen. Die schup- 
pigen Blätter dicht angedrückt, rhombisch mit einer aus der rhombischen Basis 
sich erhebenden, kegelförmigen, nach vorne geneigten, kurzen Spitze, sich deckend, 
auf der Oberseite fein gestreift, auf dünnen Zweigen decussirt, auf den dickeren 
spiralig geordnet. 

Mit. diesen sterilen Zweigen bringt Velenovsky sogenannte Doppelzäpfchen 
in Verbindung, welche daselbst isoliert sehr häutig zu finden sind, und in zwei 
Fällen auch noch in länglichen, zusammengesetzten Fruchtähren sich erhalten 
haben. In der unteren Hälfte sind diese Doppelzäpfchen aus mehreren, kurzen und 
breiten Schuppen zusammengesetzt, in der oberen Hälfte ist die Oberfläche ziemlich 
glatt, nur iu ganz regelmässigen Abständen höckerig. Diese Höcker tragen eine 
starke aber kurze Spitze, so dass das ganze Gebilde etwas lappig beinahe t atzen- 



107 

oder in us che I-förmig erscheint und sehr -wahrscheinlich waren alle die Schuppen 
zusammengewachsen, da man sie nie frei findet. (Nach Velenovsky.) 
Velenovsky vergleicht die vegetativen Zweige der in Rede stehenden 
Pflanze mit Brachy phyllum Brongn., Palaeocyparis Sap. und besonders 
mit dem im oberen Jura vorkommenden Echinostrobus Stern bergi 
Schimp. 





Fig. 61. Echinostrobus squamosus Vel. — Von Vyserovic. — 1.— 2. Zweigstücke in natürl. Grösse. 
3. Restauriertes Doppelzäpfchen, etwa um die Hälfte vergrössert. (Nach Velenovsky.) 

Die Doppelzäpfcheu, wie sie Velenovsky benannt hat, sassen aber 
dicht unmittelbar au einer dicken Spindel in spiraliger Anordnung und bildeten 
somit einen ähren förmigen, etwa 1 dm langen und 2 1 j. 2 cm breiten Frucht- 
stand, dessen feste, glatte Achse beinahe b mm breit ist, und, falls die soge- 
nannten Doppelzäpfchen schon abgefallen sind, schöne, ovale, grosse und spiralig 
gestellte Narben zeigt. 

Aus dem Grunde muss man sich bei der alten Figur 61. No. 3 den be- 
schuppten Stiel unter dem Doppelzäpfchen wegdenken. Es ist überhaupt 
fraglich, ob die vegetativen Abdrücke zu diesen Frucht ab drücken hin 
gehören, denn das Exemplar, wonach diese beiden Reste zusammengezogen wurden, 
zeigt wohl richtig den Fruchtstand, keineswegs aber die vegetativen Zweige derart 
erhalten, dass man die als Echinostrobus früher von Velenovsky beschrie- 
bene vegetative Pflanze mit diesem Frucht stau de in Verbindung bringen 
dürfte. 

Fundorte: Vyserovic. Schieferthon. Früchte (Doppelzäpfchen) häufig. 
Vegetative Zweige seltener. Aehrenförmige Fruchtstände sehr selten. 



Echinostrobus minor Vel. 

iVelen.: K v e t e n a, pag. 10. Tab. I. Fig. 11, 12, 15. pag. 49, 53, 57. 08, 73.) 

Die ganze Pflanze gleicht in ihren vegetativen als auch den Frucht-Frag- 
menten dem Ech. squamosus Vel., nur ist sie weit kleiner als die VySe- 
rovicer Art, weshalb Velenovsky konstant beide Arten von einander getrennt hat. 

Fundorte : Lidic bei Schlan. Nicht häufig. Schieferthon. Hloiibetin, Otruby, 
Vidovle? Selten. Schieferthon. 



108 



Ceratostrobus sequoiaephyllus Vel. 



(Veten.: Gymnosp., pag. 24. Tab. XII. Fig. 16, 15, 14. Idera: Neue Btg. z. K. d. Pflanzen 
d. böhm. Cenomans. Sitzb. 1886. pag. 637. Fig. 7—10. — KvStena, pag. 49, 53. 
Vergl. auch Schimper-Schenk, Zittel's „Handbuch", pag. 805.) 

„Aeste unregelinässig verzweigt, nicht stark. Blätter pfrienalich, sichelförmig 
gekrümmt, allmälig verschmälert, fein zugespitzt, fest lederartig, kurz herablaufend) 
von einem Mittelnerven durchzogen. Blattpolster länglich-elliptisch, mit einer Mittel- 
furche. Zapfen kugelig, einzeln, Fruchtschuppen keilförmig, längs-gestreift, 
oben mit einem rhombischen Schildchen, welches allmälig in einen viereckigen, ein 
wenig aufwärts gekrümmten, festen Schnabel übergeht". (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Lippens. Zweige mit Zapfen. Sehr häufig. Lidic. Sehr häufig. 
Kralup. Sehr häufig. Schieferthon. 



( Veten. : Gymnosp. pag. 
Sitzb. 1886. pag. 637 
47, 49, 53.) Fig. 62. 




Fig. 62. Ceratostrobus echinatus Vel. 
— Von VySevooic. — Zweigspitze 
mit Zapfen in nat. Grösse. Ein wenig 
restauriert (Nach Velenovsky.) 



Ceratostrobus echinatus Vel. 

25. Tab. XI. Fig. 7—15. Tab. XIII. Fig. 5. — Neue Beiträge' 
— Vesmir XV. Jhg. pag. 56. Fig. 20, 21. — Kvetena, pag. 38 



Aeste dünn, unregelmässig verzweigt. Blätter 
pfriemlich, aus breiter Basis gegen die Spitze hin 
allmälig verschmälert, fein zugespitzt, beinahe in 
senkrechter Richtung abstehend, sichelförmig ge- 
krümmt, von eiuem Mittelnerven durchzogen. 

Fruchtzapfen kugelig, höchstens l 1 /, cm im 
Durchmesser. Das rhombische Schildcheu iu einen 
langen, aufwärts gekrümmten, kaum zusammen- 
gedrückten Schnabel verlängert. 

M ännliche Zapfen elliptisch, aus breit- 
lanzettlichen, kurz zugespitzten Schuppen zusam- 
mengesetzt. (Velenovsky.) 

Fundorte: ] r yserovic. Schieferthon. Nicht häufig. 
Liebenau (Bohdänkov). Schieferthon. Häufig. 



Microlepidium striatulum Vel. 



(Veten.: Kvetena, pag. 11. Tab. I. Fig. 25—27. pag. 49, 53, 57 
Zittel's „Handbuch", pag. 805. — V es mir XXI. Jhg. pa ; 



68. Vergl. auch Schimper-Schenk 

. 212. Fig. 8.) Fig. 63. 

Zapfen ellipsoidisch ; Fruchtschuppen klein, halbkreisförmig-keulig, unten 
in einen kurzen Stiel zusammengezogen, dessen Oberfläche scharf gefurcht ist. 
Diese Furchen setzen sich als schwache Strahlen weiter hinauf in die Schuppe 
bis zu dem verdickten und schön crenulirten oberen Saume derselben fort. Eine 
Aehnlichkeit mit diesem neuen Genus kann man bei den Fruchtschuppen des jetzt 
lebenden T a x o d i u m oder bei dem ausgestorbenen S p h e n o 1 e p i d i u m wahrnehmen. 
Beblätterte Zweige hat man bisjetzt nicht entdeckt. (Nach Velenovsky.) 
Fundort: Lippenz. Einige Zäpfchen (nicht häutig); Schieferthon. 






109 
Cyparissidiuin minimuru Vel. 

(Velen.: Gymnosp. pag. 19. Tab. IX. Fig. 6, 7. Tab. X. Fig. 4. — Kvetena, pag. 47, 49, 53, 
57, 68.) Fig. 64. 

Zweige dünn, reichlich getheilt. Schuppenblätter schmal-länglich, in der 
Mitte am breitesten, zugespitzt, schwach gewölbt, mit einem dünneu Mittelnerv, 
spiralig geordnet. Zapfen kugelig, zur Basis verschmälert, kaum 1cm im Durch- 
messer breit. Zapfenschuppen breit- eiförmig, vorn in eine kurze Spitze verschmälert, 
von derber Consistenz, gewölbt und grob längsgestreift, spiralig geordnet. (Ve- 
lenovsky.) 




Fig 63. Microlepidium striatulum Vel. — Von 

Lippenz. — 1. Zapfenschuppe, nat. Grösse. 

2. Restaurierter Zapfen. Copie nach Vele- 

DOVSkf. 




Fig. 64. Cyparissidium minimum Vel. -- Von 

Landsberg. — Zweigstück mit Zapfen, 3mal 

vergrössert. Copie nach Velenovsky. 



Die genauere Stellung dieser Conifere ist noch fraglich. Velenovsky hat 
diese Conifere der Gattung Cyparissidium nur auf Grund der gleich ge- 
stalteten Zapfen eingereiht, denn die Beblätterung der dünnen, reich getheilten 
Zweige stimmt mit derjenigen des C. gracile Heer, das auch bei uns im Weissen- 
berger Pläner vorkommt, nicht viel überein. 

Fundort: Landsberg. Schwarzgrauer Schieferthon. Nicht häufig. 



Widdringtonia Reicliii (Ettg. sp.) Vel. 

(Lycopodium strobilifernm Rossmässler in Cotta Geogn. Beschreibung der Gegend 

v. Tharand. 1836. 
Lycopodites insignis Reich in Gaea v. Sachsen, pag. 133. 

Frenelites Reichii Ettingsh. Kreidefl. v. Niederschön a, pag. 246. Tab. I. Fig. 10- 
Glyptost r ob us gracillimus Lesquereux Cretaceous Flora (Report 1874.), pag. 

52. Tab. I. Fig. 8, 11. 



110 



Widdringtonites Reichii (Ettg. sp.) Heer Flora f o s s. Grönl. I. Th. pag. 51. 

Tab. XXVIII. Fig. 5. — II. Th. pag. 13. Tab. LH. Fig. 4, 5. 
Widdringtonia Reichii (Ettg. sp.) Velen. Gjmnns p. pag. 27. Tab. VIII. Fig. 4—6. 

16. Tab. X. Fig. 1, 11, 12. — Neue Beitge., Sitzb. 1886. pag. 639. Fig. 14—16. — 

Vesmir XV. Jhg. pag. 56. Fig. 27, 28. — Kvetena, pag. 38, 39, 43, 45, 47, 49, 57 

59. 68. 73. 
Emjelhardt : Ueber Kreiilepfl. v. N i e d er s c h ö na pag. 92. — Idem: Ueber böbm. 

K r e i d e p 1 1. pag. 97. 
Krasser: Kreidepfl. v. Kunst ad t pag. 126. Tab. XIV. Fig. 6. Tab. XVII. Fig. 4, 7, 8.) 

Fig. 65. 

Zweigein sehr zahlreiche, sehr dünne, ruthenförmige Aestchen getheilt. Schup- 
penblätter schmal, fest, nur mit einer kurzen Spitze schwach vom Aestchen abstehend, 
immer mit einer deutlichen Mittelrippe, spiralig und locker dem Aestchen auf- 
sitzend. Fruchtzapfen in geschlossenem Zustande 
1 : / 2 cm breit und ebenso lang, birnförmig ; ge- 
öffnet 3 cm breit aus 4 kreuzweise gestellten, 
vorne abgerundeten oder beinahe ausgerandeteD, 
unten kurz verschmälerten, dicken, holzigen 
Schuppen gebildet, welche inwendig mit einem 
hohen Kiele zusainmenstossen und auf der ent- 
sprechenden Rückseite mit einer vertieften Furche 
versehen sind. Männliche Zapfen länglich- 
walzenförmig, mit zahlreichen kleinen Schup- 
pen in Parastichen besetzt. Die verdickten 
rundlichen Enden der Zweige sind nur als End- 
knospen aufzufassen. 

Aus Allem ergibt sich, dass W. Reichii 
mit W. helvetica und W. cupressoides 
verwandt ist, obwohl sie einen fremden Typus 
vorstellt, der den Uebergang von der Gattung 
Widdringtonia und Callitris zu den 
Taxodiueen bildet. (Nach Velenovsky. ) 

Fundorte: Vysevovic, Konnte, Hloiibetin, Landsberg. Perucer 
Schieferthon, sehr häufig. Mseno, Peruc, Liebenau, Kralup, nicht selten. Otruby, 
Lippenz, Strädonic, seltener. Schieferthon. 




Fig. 65. Widdringtonia Reichii (Ettg. 
sp.) Velen. — a) Zweig mit Endknospen, 
1 2 der nat. Grösse. — Von Vyierovic. 
b) Zweigstück mit einem nicht gehörig 
entwickelten Fruchtzapfen in nat. Grösse, 
Von Liebenau. 



Libocedrus salicornioides (Ung. sp.) Heer, cretacea Vel. 

(Velen.: Gymnosperm. pag. 28. Tab. VIII. Fig. 2. — Vesmir XV. Jhg. pag. 78, 79. — 
Kvetena pag. 58.) 

Zweige aus kurzen, keilförmigen etwa 3 — 7 mm breiten, 4 — 10 mm langen 
Gliederstücken zusammengesetzt. Blätter sehr klein, schuppenförmig, stumpf zu- 
gerundet, am Stengel herablaufeud, vierzeilig gestellt. 



111 

Velenovsky fand nur ein kleines Fragment von dieser Conifere in dem Pe- 
rucer Schieferthone bei L i d i c, welches aber noch sehr fraglich ist, da man bisjetzt 
nirgend in den Perucer Ablagerungen etwas Aehnliches entdecken konnte. Vele- 
novsky selbst stellt in seiner Kvetena pag. 58. diese Pflanzenreste zu den 
der genaueren Stellung nach sehr fraglichen Abdrücken. 

Fundort: Lidic. Perucer Schieferthon. Ein kleines Fragmenl. 



Chamaecyparites Charouis Vel. 

(Veten.: Kvetena, pag. 12. Tab. II. Fig. 9. Tab. III. Fig. 3—6. pag. 49, 53, 57. 
XXI. Jhg. pag. 236. Fig. 3, 4.) Fig. 66. 



— Vesinir 




„Zweige gabeltheilig, ziemlich kurz uud überall 
gleich dick, an einigen Stellen noch mit gut erkenn- 
baren Schuppenblättern besetzt, welche in wechselnden 
zweizähligen Wirtein an die Zweige eng angepresst sind. 
Aehnlich beblätterte Zweige kommen vor bei den Gat- 
tungen : Chamaecyparis, Thuja, Cupressus. 

Zapfen im Umrisse elliptisch mit 3 — 4 alternirenden 
Paaren kleiner, rhombischer Schildchen, welche in der 
Mitte einen Umbo tragen, von dem aus zum Rande des 
Schildchens hin Runzeln auslaufen. Weil man die Zahl 
der Samen nicht feststellen kann, ist est nicht möglich 
diese Conifere mit Sicherheit einer der genannten Gat- 
tungen einzureihen. Die äussere Frucht erinnert an die Gattung Chamaecyparis." 
(Velenovsky.) 

Fundorte : Bohddnkov bei Liebenau, nicht häutig, Schieferthon. Lippens und 
Lidic selten, Schieferthon. 



Fig. 66. Chamaecyparites Cha- 
ronis Vel. — Von Liebenau. 
1. Zweig. 2. Zweig mit Zapfen. 
Nat. Grösse. Nach Vele- 
novsky. 



l'hainaecyparites spec. Vel. 

(Vekn.: Kvetena, pag. 13. Tab. II. Fig. 8.) 

Ruthenförmiges Zweiglein, das sich von den Zweigen des Ch. Charonis 
dadurch unterscheidet, dass es weit feiner ist und dem entsprechend auch viel 
kleinere zweizählige Blatt- Wirtel trägt. (Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Nur in einem einzigen Exemplare. Schieferthon. 



Juniperus macilenta Heer. 



(Heer: Fl. foss. Grönl. I. Th. pag. 47. Tab. XXXV. Fig. 10, 11. 
Velen.: Gymnosp. pag. 29. Tab. XI. Fig. 3, 4, 6. Tab. XIII. Fig. 1. - 
pag. 79. — Kvetena, pag. 49, 53, 57.) Fig. G7. 



Vesniir XV. Jhg. 



112 




Fig. 67. Juniperus maci'enta 
Heer. — Von Lippenz. Zweig- 
stück in uat. Grösse. (Copie 
nach Velenovsky.) 



Aestchen dünn, reichlich unregelmässig verzweigt, 
nicht schlank, moosartig, mit dichten, scharf abgedrückten, 
geraden, fein zugespitzten, einnervigen, schief abstehenden, 
gegenständigen Blättern. 

Eine subtile Pflanze, welche auf den ersten Blick 
mehr einem Moose als einer Conifere ähnelt. Trotz- 
dem hat aber Velenovsky erkannt, dass es eine Holz- 
pflanze und zwar mit der J. macileuta Heer sehr 
verwandt, ja wahrscheinlich identisch ist. (Nach Ve- 
lenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic, Perucer Schieferthon, selten. 
Lippem, Perucer Schieferthon, selten. 



Frenelopsis bohemica Vel. 



pag. 590. 
V e s m i r 



(Velen. : „U e b e r einige neue Pflanzen f. der böhm. Kr eid ef o r m. u 
Fig. 1 — 3, 10. — Kvetena, pag. 13. Tab. II. Fig. 3, 4. pag. 49, 53, 57, 68. - 
XXI. Jhg. pag. 23«. Fig. 5.) Fig. GS. 

Lange, riemenartige Bäuder, welche zumeist parallel untereinander verlaufen 
und nur hie und da zu zweien in eine scheinbare Dichotomie sich verbinden. 

Auf stärkeren Exemplaren sind die Aestchen mehr 
verzweigt. Die Seitenäste entspringen aus der Haupt- 
achse regelmässig abwechselnd. Die letzten Zweige sind 
gerade, sehr lang und nicht mehr getheilt. Zäpfchen, au 
den Enden der Zweige sitzend, kurz gestielt, kugelig bis 
wenig ellipsoidisch. Schuppen breit eiförmig, stumpf ab- 
gerundet, gewölbt und nervenlos, paarweise decussiert 
und zwar am meisten in 4 Paaren. 

Alle Aeste sind oft noch mit einer wohlerhaltenen, 
papierartigen, braunen Epidermisschicht überzogen, 
welche unter dem Mikroskope polygonale, dickwandige 
Zellen und etwas reihenförmig angeordnete, reichliche 
Spaltöffnungen zeigt. (Nach Velenovsky) 

Aus allem, was Velenovsky über diese fraglichen 
Pflanzenreste veröffentlichte, geht hervor, dass diese 
Pflauze wahrscheinlich eine wohl mit Ephedra ver- 
wandte, allein sonst gänzlich fremde Erscheinung ist, die wahrscheinlich eine 
schon ausgestorbene Gattung aus der Ordnung „Gnetaceae" darstellt. 

Fuudorte: Lippenz und Touchovic bei Laun, sehr häufig, Hloubetin, 
Liebenau häufig, Vyserovic und Vidovle selten. Perucer Schieferthon. 




Fig. 68. Frenelopsis bohemica 
Vel. — Von Liebenau. Zweig- 
stück mit Zapfen in nat. Gr. 
(Nach Velenovsky.) 



113 



Anglospermae. 



Myrica Zenkeri (Ett. sp.) Vel. 

(Salix fragilif ormis Zenker: Naturg. d. Urwelt, pag. 22. Tab. III. H. 

Dryandroides Zenkeri Ettingsh. Kreidefl. v. Niederscho ena, pag. 257. Tab. III. 

Fig. 1, 3, 11. 
Dryandroides latifolius Ettingsh. I. c. Tab. III. Fig. 10. 
Celastrophyllum lanceolatum Ettingsh. 1. c. pag. 260. Tab. III. Fig. 9. 
Myrica Zenkeri (Ett. sp.) Velen. Flora II. pag. 13. Tab. III. Fig. 1—9. 
Myricophyllum Zenkeri (Ettg. sp.) Velen. Kvötena pag. 16, 37, 50, 53, 58. 
Vesmir XII. Jhg. pag. 149. Fig. 4. — Myrica fragiliformis (Zeiik. sp.) Engeln. Ereidepfl. 

v. Niederschöna pag. 93. — Idem. „Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 98.) Fig. 69. 

Blätter länglich lanzettlich 9 — 17 cm lang, l x / 2 bis 
4 cm breit, zur Spitze sowie zum Stiele kurz verschmälert, 
in der Mitte am breitesten, am Rande grob, dicht ge- 
kerbt, gesägt. Der Primaernerv gerade, am Grunde 
sehr stark, zur Spitze hin allmälig verdünnt. Die 
Secuudaernerven unter ziemlich stumpfen Winkeln ent- 
springend, bogenförmig gekrümmt, weit vom Rande 
untereinander durch Bogen anastomosirend. Das Blatt 
fest, lederartig. 

Eine in den Perucer Schichten sehr verbreitete 
Pflanzenart. — Die Blätter lassen sich mit den Blättern 
der Myricineen noch besser vergleichen als die der 
zweiten Art (M. serrata Vel.). Velenovsky führt 
1. c. eine Reihe fossiler aus der Kreide und dem Ter- 
tiaer beschriebener Pflanzen an, die mit dieser Species 
entweder übereinstimmen oder identisch sind, und glaubt, 
dass die Myrica Zenkeri zur Kreidezeit überall 
verbreitet war. (Nach Velenovsky). 

Fundorte: Vyserovie, Konnte, Vtdovle sehr 
häufig. Kuchelbad, Hloubetin, Lidic, Lippenz, Landsberg, 
Melnih, Mseno. Nicbt häufig. Otrubyf Bohdänkov (Lie- 
benau). Selten. Peruc, Sandstein, selten 1 






Flg. 69. Myrica Zenkeri (Ett. 

sp.) Vel. Von VySerovic. Blatt. 

'/ 3 der natürl. Grösse. Nach 

Velenovsky. 



Myrica serrata Vel. 

(Velenovsky, „Flora" II. pag. 9. Tab. II. Fig. 1—8. — V es mir XII. Jhg. pag. 173. Fig. 5. 
Myricophyllum serratum Vel., „Kvetena" pag. 16, 50, 53, 58. 

Myrica fragiliformis (Zenk. sp.) Engelh. „Kreidepfl. v. Niederschöna" pag. 93. und „Ueber 
böhm. Kreidepfl." pag. 98.) Fig. 70. 

Blätter alle lineal, allmälig verschmälert, 8 — 18 mm breit, 8 — 15 cm lang; 
Zähne am Rande fein, dicht, scharf, gleich gross; Primaernerv nicht zu stark, 
Secundaernerven zahlreich, unter beinahe rechten Winkeln entspringend, dicht 
am Rande durch unkenntliche Bogen unter einander verbunden. Netzwerk fein. 
Blattstiel gerade, mehr als 1 cm lang. Das Blatt fest, lederartig. 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer: »Perucer Schichten«, 8 



114 



Diese Blätter stimmen, was die Nervatur anbelangt, 
ausgesprochen mehr mit den Blättern der Myriceen als 
mit denjenigen der Proteaceen überein, trotzdem kann 
man die Aehnlichkeit dieser Blätter mit einigen Protea- 
ceen nicht leugnen. Wir können ziemlich bemerkeuswerthe 
Analogien sowohl bei der Myrica als auch bei den Pro- 
teaceen findi-n, und so bleibt die Wahl über die Verwandt- 
schaft unserer Fossilien noch unentschieden. Die Blätter 
der Banksia longifolia Heer (Fl. d. Schw. II. Th.) 
entsprechen unseren Blättern in demselben Grade, wie 
diejenigen, welche Saporta unter dem Namen Myrico- 
phyllum bituminös um, M. zachariense etc. (Le 
sud-est de la France 1863. Tom. XIX.) aus dem unteren 
Tertiaer Frankreichs anführt. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte : Vyserovie, Kuchelbad, Melnik, sehr 
häufig. Hloubetin, Vidovle, Landsberg, nicht häufig. Schie- 
ferthon. 



Fig. 70. Myrica serrata 

Vel. — Von VySerovic. 
Blatt, etwa die Hälfte der 
nat. Grösse. (Nach Vele- 
novsky.) 



MYricantlriuni amentaceuni Vel. 



Tab. V. Fig. 9-12. Kvetena, pag. 16. 
pag. 50, 53. Vesmfr, XXII. Jhg. pag. 8. 



(Velen. Flora, II. pag. 11 

Tab. II, Fig. 21—26 

Fig. 2, 3. 
Engelh.: „Ueb. böhm. Kreidepfl." pg. 99 unten.) Fig. 71. 

Blüthen- und Frucht-Zweige. Die Hauptachse ist kahl, ohne Schuppen, 
ohne Blätter. Die Blüthenkätzchen, welche an der Hauptachse ziemlich dicht 
sassen und leicht abfällig waren, sind zweierlei Art; die oberen Kätzchen sind 

mit kleinen, runden Körnchen oder Grübchen, zwischen 
welchen mau kaum irgendwelche Schuppen wahrnimmt, 
dicht besäet und entsprechen mehr den männlichen Aehren, 
die uuteren, sehr wahrscheinlich weiblichen Kätzchen be- 
stehen aus nicht sehr dicht sitzenden, eiförmigen, stumpfen 
und häutigen Schuppen, in deren Achseln, einzelne, elli- 
psoidische, fein zugespitzte Körperchen sich befinden, 
welche sehr wahrscheinlich die Früchte (Nüsschen) reprae- 
sentiren. Man kann annehmen, dass diese zusammen- 
gesetzten Blüthenstände wohl einer anderen Pflanzen- 
gattung als der Myrica, dennoch aber einer in der 
Ordnung der Myriceen Platz findenden Gattung an- 
gehört haben, und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie 
mit den Myriceeu-Blättern unserer Kreideformation wohl 
in naher Beziehung stehen. (Velenovsky). 
Fundorte: Vyserovie, Kounic, Kuchelbad, Hloubetin, Melnik, 
Yidovle, sehr häufig. Otruby, Lidic, Lippenz, Landsbery, Bohdätikov (Liebenau), 
Perm, Mseno, seltener. 




1 2 

Fig. 71. Myricanthium amen 
taceum Vel. — Von Vyse- 

7-o«i c. — 1. Spitze des 
männlich. Blüthenstandes. 
2. Weibliche Aehre, sche- 
matisirt. (Nach Vele- 
novsky.) 



115 



Myricophylliim glaudiilosuni Vel. 



{Veten. Kvetena, pag. 15. Tab. VI. Fig. 6—8. pag. 50, 53. 
Vesmir XXI. Jhg. pag. 236; XXII. Jhg. pag. 8. 
Fig. 1.) Fig. 72. 



Fig. 72. Myricophyllum glandulosum 

Vel. Von Lidic. a) Bl.tt. b) vermuth- 

liche Fruchtähre. Nat. Grösse, nach 

Velenovsky. 



„Blätter länglich-lanzettlich, in kurze Spitze 
ganzrandig, etwas lederartig mit dün- 
nem, ziemlich kurzem Stiele. Mittelrippe nicht 
stark, die übrigen Nerven ein sehr feines Netz 
bildend, welches in der drüsig rauhen Ober- 
fläche der Spreite beinahe verschwindet. Ganz 
ähnliche Blätter kommen bei der Gattung Myrica 
vor. (M. coriacea R. Br.) 

Unter diesen Resten liegt auf einer Schiefer- 
platte ein Stückchen Zweig mit Früchten, 
welches die Myriceennatur der Blätter nur 
noch wahrscheinlicher macht." 

Die Früchte sind in der Schieferplatte tief 
eingedrückt, waren also fest und hart; ihre Ober- 
fläche ist deutlich netzadrig geziert. (Velenov.) 

Fundort : Lidic. Schieferthon. Ziemlich selten. 



Salix perucensis Vel. 

(Velen. Flora IV. Th. pag. 10. Tab. V. Fig. 1-3. Vesmir XIII. 
Jhg. pag. 197. Fig. 5. Saliciphyllum perucense Vel. Kvetena, 
pag. 68.) Fig. 73. 

Dieser Typus der Nervation. den wir auf diesen 
Abdrücken finden, ist, wie Velenovsky betont, in den 
kleinsten Details auch auf den lebenden Weidenblättern 
zu sehen. Es kann in dieser Hinsicht eine ganze Reihe 
nicht nur von lebenden, sondern auch von tertiaeren 
Arten dieser Gattung zum Vergleiche aufgezählt werden. 
(Velenovsky.) Das Vorkommen einer Weidenart in 
der Kreideflora, speciell in den Perucer Schich- 
ten, wäre ein sehr bemerkenswerther Fund, wenn 
nur Velenovsky selbst diese Pflanze in seiner Kvetena 
1. c. nicht zu den der genaueren Stellung nach 
in jeder Hinsicht fraglichen Pflanzenab- 
drücken zugezählt hätte. 

Fundorte: Melnik an der Säzava und Vyserovk, 
selten. 



Fig. 73. Salix perucensis 

Vel. — Von MSlnik. Blatt. 
7s der natürl. Grösse. 
Nach Velenovsky. 
8* 



116 



Ficus suspecta Velen. 



(Veten.: Flora, IV. Th. pag. 10. Tab. V. Fig. 6, 9. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 101.) 

Blätter breit lanzettlich, in der Mitte am breitesten (etwa 3 - 5 — 5 - 5 cm 
breit bei 11—14 cm Länge), zur Spitze sowie zur Basis verschmälert, ganzraudig, 
derblederartig. Primaernerv stark, in der Spitze merklich verdünnt. Secundaer- 
nerven zahlreich, unter spitzen Winkeln entspringend, untereinander parallel, 
gerade, am Blattrande durch bogenförmige Anastomosen verbunden. Blattstiel 
gerade, etwa 1 cm lang, sehr stark. (Nach Velenovsky.) 

Diese Art führt Velenovsky in seiner Kvetena nicht mehr an. 

Fundorte: Vyserovic. Schieferthou, selten; Kuchelbad (nach Engelhardt, nur 
ein halbes Blatt). 




Flg. 74. Ficus stylosa Vel. — 

Von MSeno. Blatt, die Hälfte 

der natürl. Grösse. (Nach 

Velenovsky). 



Ficus stylosa Vel. 

(Velen.: Flora II. Th. pag. 14. Tab. IV. Fig. 5. Vesmir XII. 
Jhg. pag. 173. Fig. 8. Ficophyllum stylosuin Vel. 
Kvetena, pag. 49, 53, 58.) Fig. 74. 

Das Blatt aus der eiförmigen Basis nach vorne 
verlängert, am Rande gezähnt (etwa zweimal dichter 
als es in der Figur 74. angedeutet ist), an der Basis 
ganzrandig. Der Primaernerv gerade, stark, in der 
Spitze verdünnt. Die Secundaernerven unter spitzen 
Winkeln entspringend. Der Blattstiel länger als die 
Blattspreite, gerade, stark. Man kann zwischen zwei 
Gattungen, nämlich der Gattung Ficus und der Gat- 
tung Populus bei der Bestimmung dieses Blattrestes 
wählen. Ehe man besser erhaltene Blätter von dieser 
Art findet, muss mau die Bestimmung der Ficus 
stylosa nur für eine provisorische halten. (Vele- 
n o v s k y.) 

Fundort: Mscno unweit ßudin. Perucer Schiefer- 
thou. In einem einzigen Exemplare. Kounic, Schieferthou ? 



Ficus elongata Vel. 

(Veten.: Flora II. Th. pag. 15. Tab. IV. Fig. 4. Vesmir XII. Jhg. pag. 174. Ficophyllum 
elongatum Velen. Kvetena pag. 49, 53, 58.) 

Das Blatt länglich, in der Mitte am breitesten, am Grunde abgerundet, 
vorne allmälig verschmälert, ganzrandig, fest lederartig, 13 cm lang, 3'/ 2 cm breit. 
Primaernerv gerade, stark, zur Spitze verdünnt. Secundaernerven abwechselnd, 
ziemlich spärlich, aber deutlich hervortretend, unter spitzen Winkeln entspringend, 






117 

schwach gekrümmt, am Rande durch regelmässige Bogen unter einander anasto- 
mosirend. Zwischen den Secundaernerven lassen sich noch andere parallele 
Secundaernerven bemerken, welche aber weit feiner sind. 

Unter den Tertiaerpflanzen befinden sich viele analoge Arten, von welchen 
sowie von allen aus der Kreideperiode herrührenden Arten unsere Blätter sogleich 
durch die abgerundete Basis unterschieden werden können. (Nach Velenov.) 

Fundort: Oujesd unweit Jicin. Perucer Sandstein. Leg. Herr Vincenc 
S a n d e r a. 

Ficus Krausiana Heer. 

(Beer: „Die Kreiden, v. Moletein in Mähren" pag. 16. Tab. V. Fig. 3—6. 
Engelhardt: „TJeber böhm. Kreidepfl." p. 100.) 

Blätter lanzettförmig, ganzraudig, beiderseits verschmälert, etwa 3V a — 4% cm 
in der Mitte breit und 15 — 20 cm lang, Mittelnerv stark, Secundaernerven zahl- 
reich, bogenläufig, sehr zart. (Nach Heer.) 

Die drei von Engelhardt bestimmten Blätter von Kounic, die ich gesehen 
habe, halte ich nur für Blätter von Eucalyptus Geinitzi Heer, umsomehr, 
da die Nervatur ziemlich gut zu sehen ist. 

Es ist überhaupt eine Frage, ob auch nicht die Blätter, die Heer unter dem 
Namen F. Kr a u s i a n a beschrieben und abgebildet hat, nur breitere Blätter 
seines Myrtophylluni (Eucalyptus?) Geinitzi darstellen, was ich, nach 
unserem sehr reichen Material von VySerovic und Kounic zu urtheilen, 
annehmen muss. Ebenso kann darüber kein Zweifel bestehen, dass Heer's 
Myrtopkyllum Schübler i zu dem E u c. Geinitzi gehört, was schon Heer 
pg. 23 1. c. selbst für möglich ansieht. 

Fundort: Kounic (nach Engelhardt I). 

Ficus Peruni Vel. 

(Vehn.: Flora, EI. Th. pag. 16. Tab. IV. Fig. 1 -3. — Vesmfr. XII. Jhg. p. 173. Fig. 7. 
Engelhardt: „TJeber böhm. Kreidepfl. pag. 100.) 

Blätter lang, etwa in der Mitte am breitesten (etwa 4— 4'5 cm breit bei 
23 cm Länge), vorne und an der Basis verschmälert, am Grunde nicht abgerundet, 
an der Spitze stumpf, kurz beendet, ganzrandig, fest lederig. Primaernerv sehr 
stark, gegen die Spitze massig verdünnt. Secundaernerven unter ziemlich stumpfen 
Winkeln entspringend, zahlreich, in gerader Richtung bis zum Rande verlaufend 
und hier durch regelmässige Bogen untereinander anastomosierend. Zwischen 
denselben laufen noch andere parallele Nerven, welche sich mit den vorigen 
durch feinere Quernerven verbinden. Blattstiel stark, gerade, nicht lang. (Nach 
Velenovsky.) 

Fundort: Kounic, Yyserovic. (Nach Engelhardt!) 

Ich halte diese Bestimmung, wenigstens die des einen, grösseren Blattes, 
das Engelhardt anführt, für fraglich. Dieses Blatt Engelhardt's scheint nur 
zu dem Eucal. Geinitzi zu gehören. 



118 

Proteopsis Proserpinae Vel. 

{Veten.: Kvetena, pag. 19. Tab. I. Fig. 6-9. Vesmir, XXII. Jhg. pag. 66. Fig. 1—2.) Fig. 75, 




Fruchtköpfchen von 4 — 5 cm Breite, welche, wenn sie von der Innen- 
seite abgedrückt sind, in der Form kreisförmiger, in der Mitte mit einem Nabel 
versehenen Gebilde erscheinen. Von dem Nabel aus ziehen sich, in schön gebo- 
genen, (lichten Parastichen, rhombische Felderchen strahlenförmig gegen den 
Band hin, von denen ein jedes einen centralen Punkt trägt. Den Rand des 

Fruchtköpfchens umkränzen zahlreiche, li- 
neale, in ihrer Mitte mit einem Kiele ver- 
sehene Blättchen, die in spiraliger Anordnung 
gestellt ebenfalls dichte Parastiche bilden. 
Von der Aussenseite abgedrückt erscheinen 
die Fruchtköpfchen im Ganzen dicht be- 
schuppt und auch der Stiel im Centrum 
ist wahrzunehmen. Die 
Schuppenblätter 
waren dick lederig, ein- 
ander dachig deckend. 
Diese Fruchtgebilde 
haben eine über- 
raschende Aehnlichkeit 
mit den Blüthenköpfcheu einiger Proteaceen. Manche 
Compositen haben wohl auch ähnliche Köpfchen, sind 
aber nie so holzig und würden sich kaum so scharf abge 
drückt erhalten haben. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic, Perucer Schieferthon. In einigen 
schönen Exemplaren. Ziemlich häufig. 



Proteopliylluin laininarium Vel. 

Tab. IV. Fig. 7. Vesmfr XXII. Jhg. pag. 



Fig. 75. Proteopsis Proserpinae Vel. — 

Vnn Y>/Sei-ovic. — o) Fruchtköpfchen von 

der Innenseite abgedrückt. — l>) Dasselbe 

von der Seite — restauriert. Die Hälfte der 

nat. Grösse. (Nach Velenovsky.) 



[Velen.i Kvetena, pag. IS 
82. Fig. 3.) Fig. 76. 



Blätter lineal länglich, ganzrandig, kurz gestielt, sehr 
lederartig mit ausgeprägter Nervatur. Aehulichen Typus 
von Blättern findet man bei vielen Gattungen der Protea- 
ceen : Protea laurifolia, glabra, lepidocarpa, Leucodendrou 
etc. Dieser Typus erinnert auch an die Blätter von Cono- 
s per m um. (Velenovsky.) 

Fundort : Lhlic. Sehr häufig in den Perucer Schiefer- 



jhonen. 



Fig. 76. Proteophyllum 

laminarium Vel. — Von 

Lidir. Blatt, nat. Grösse. 

Copie nach Velenovsky. 



119 



Proteophyllum paucidentatnm Vel. 

{Veten.: Kvetena, pag. 18. Tab. VI. Fig. 12. 13. pag. 
Vesmir XXII. Jhg. pag. 32. Fig. 1.) Fig. 77. 



Fig. 77. Proteophyllum 
paucidentatum Vel. — Von 
Lidic. Blatt, nat. Grösse. 
Copie nach Velenovsky. 



50, 53. 



„Diese Art ist charakterisirt durch den sehr kurzen 
Blattstiel und nur einige grosse Zähne am vorderen Ende 
der Spreite, die ausser dem Mittelnerven keine Nervatur 
mehr zeigt und ungewöhnlich stark lederartig sein 
musste." (Velenovsky.) 

Fundort: Lidic. Schieferthon. Seltener. 



Proteophyllum productum Vel. 



(Vehn.: Kvetena, pag. 18. Tab. IV. 
Fig. 10, 11. Vesmir XXII. Jhg. 
pag. 32. Fig. 5.) Fig. 78. 



Blätter immer lang-lineal, 
am Rande scharf und grob ge- 
zähnt. Die Nervatur tritt nur 
wenig hervor. Aehnliche Blätter 
haben einige Arten der Gattung 
Lomatia. L. linearis hat 
täuschend ähnliche Blätter. (Ve- 
lenovsky.) 

Fundort: Lidic. Ueberall in 
dem Schieferthon. Liebenati ; Schie- 
ferthon, selten. — ! 




Fig. 79. Proteophyllum tri- 

fidum Vel. — Von Lidic. 

Blatt, nat. Grösse. Copie 

nach Velenovsky. 



Proteophyllum trifidum Vel. 

{Velen.: Kvötena, pag. 18. Tab. V. 
Fig. 15. Tab. VI. Fig. 14. Vesmtr 
XXII. Jhg. pag. 32. Fig. 6.) Fig. 79. 

Blätter unten lineal, gegen 
die Spitze hin schnell keilförmig 
verbreitert und hier diei-tlieilig 
od. -lappig. Lappen lineal, stumpf- 
lich; Spreite sehr lederartig, fei- 
nere Nervatur geschwunden, kaum 
mehr zu ermitteln. 

Dieser Blatttypus wiederholt sich bei manchen 
Proteaceen, besonders bei der Gattung Banksia. (Nach 
Velenovsky.) 

Fundort: Lidic. Schieferthon. Nur in zwei Exemplaren. 



Fig. 78. Proteophyllum pro- 
ductum Vel. — Von Lidic. 
Blatt, nat. Grösse. Copie 
nach Velenovsky. 



120 




Fig. 80. Proteophyllum coria- 
ceum Vel. — Vou lAdic. 

Blattstück, nat. Grösse. Copie 
nach V eleno vsky. 



Proteophyllum coriaceum Vel. 

(Veten.. Kvetena, pag. 18. Tab. IV. Fig. 13. Tab. VI. Fig. 15. 
Vesmir XXII. Jhg. pag. 32. Fig. 7.) Fig. 80. 



Blätter fiederig eingeschnitten, Lappen aus brei- 
terer Basis schief nach oben in leichter Krümmung 
auslaufend, ungemein fest, lederartig, da die Ränder 
derselben in den Schieferthon hineiugepresst sind. 
Eine ähnliche Nervatur finden wir bei manchen Arten 
der Gattung Dryandra. Die recente D. pteri- 
folia R. Br. z. B. ist die ähnlichste. (Nach Vele- 
novsky. i 

Fundort: Lidic. Schieferthon. Nur in 2 Exem- 
plaren. 



Proteophyllum decorum Vel. 

V. Fig. 13. Vesmir XX. Jhg. 



[Veten.: Kvetena, pag. 18. Tab 
pag. 32. Fig. 8.) Fig. 81. 



„Blätter fiederig eingeschnitten, Lappen an der 
Basis etwas breiter, ziemlich dicht stehend und schief 
nach oben auslaufend, kurz, lederartig fest. Nervatur 
nicht kenntlich. Das Blattfragment entspricht mehr den 
Blättern einer Proteacee als einer Farnkrautfieder. Aehn- 
liche Blätter sind bei Grevillea Calleyi R. Br. zu 
finden." (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Lidic. Ein einziges Exemplar. 




Flg. 81. Proteophyllum de- 
corum Vel. — Von Lidic. 
Blattstück, nat. Grösse. 
Copie nach Velenovsky. 




Flg. 82. Proteophyllum cornu- 
tum Vel. — Von Lidic. 

Blattstück, nat. Grösse. Copie 
nach Velenovsky. 



Proteophyllum coruutum Vel. 

(Velen.: Kvetena, pag. 18. Tab. IV. Fig. 12. Vesmir XXII. 
Jhg. pag. 32. Fig. 4.) Fig. 82. 

Dieser Blattabdruck ist in dem Schieferthon tief 
eingedrückt, so dass man annehmen kann, dass das 
Blatt sehr fest von kornartiger Cousistenz war. Ein 
Mittelnerv ist nicht zu sehen, eher scheint es, als ob 
die Oberfläche des Blattes längs gerunzelt gewesen 
wäre. — Die Blätter der lebenden Gattung Petro- 
phila haben mit diesem Kreidereste eine über- 
raschende Aehnlichkeit. (Velenovsky.) 

Fundort: Lidic. Schiefeithon. Ein einziges Exem- 
plar. Liebenau? Schieferthon, ein Blattfragment. — ! 



121 



Proteoides Reussi Engelh. 



(Salix macrophylla Reuss „Die Kreidegebilde des westl. Böhmens", p. 169. — Protea 

spec. C o r d a in Reuss: „Verstein. d. böhm. Kreidef." p. 96. Tab. L. Fig. 6—9. 
Proteoides Reussi. Engelhardt: „Ueber böhm. Kreidepfl." p. 105.) 

„Blätter lederig, lang, linealisch, beiderseits verschmälert, zugespitzt, ganz- 
randig; Mittelnerv stark. Die Seitennerveu hat Engelhardt nicht näher besprochen 
indem er nur angibt, dass sie verwischt sind. (Nach Engelhardt.) 

Die systematische Stellung dieser Blätter ist also noch sehr fraglich, und 
es kann sein, dass es nur Blätter sind, die derselben Species angehören, welche 
man unter dem Namen Eucalyptus angusta Vel. anführt. Sonst könnten die 
Blätter auch mit Proteophyllum laminarium Vel. verwandt oder gar 
identisch sein. 

Fundorte: Kuchelbad. Mehrere Blätter und Blattstücke. Peruc. Scbieferthon. 

Proteoides acuta Heer. 

(J. Capellini et 0. Heer: „Les phyllites crätacfies du Nebraska" pag. 17. Tab. IV. Plg. 7, 8. 
Engelhardt: „Ueber böhm. Kreidepfl." p. 105.) 

Die Blätter sind lederig, beiderseits verschmälert, lanzettförmig, zugespitzt, 
ganzrandig; der Mittelnerv ist stark, die Seitennerven fehlen. Dass die systema- 
tische Stellung dieser Blätter noch sehr unsicher ist, hat Heer selbst in Kreide- 
pflanzen d. arkt. Zone, S. 110, betont, wo die Art Pr. acutus genannt 
wird. (Engelhardt.) 

Fundort: Kuchelbad. (Nach Engelhardt.) 



Conosperinites hakeaefolius Ettg. 

(Ettingsh. : Die Kreidef 1. vonNiederschoena, pag. 254. 
Tab. III. Fig. 4, 12. 

Velen. : Flora, II. pag. 5. Tab. I. Fig. 11—13. 

Engelhardt : Ueber Kreidepfl. v. Niederschöna, pag. 97. 

Conospermopbyllum hakeaefolium (Ettg.) Vel. K v fi- 
te n a, pag. 50, 53. 

Vesmfr XII. Jhg. pag. 149. Fig. 3.) Fig. 83. 

Blätter länglich keilförmig bis lanzettlich, bis 10 cm 
lang, vorne kurz zugespitzt oder stumpf beendet, zum 
Stiele allmälig verschmälert bis herab laufend, ganzrandig, 
fest, derb lederartig. Primaernerv gerade, ziemlich stark, 
in der Blattspitze verdünnt; die seitlichen Basalnerven 
bis in die Blattspitze hinein und mit dem Rande parallel 
laufend, ebenso am Ende fein verdünnt. Zwischen diesen 
und dem Primaernerven verlauft noch je ein paralleler 
Nerv, der nicht überall so scharf ausgeprägt ist. Dicht 
am Rande ist noch ein feiner mit demselben paralleler 
Sauinneiv erkennbar. Die Basaluerven und der Primaer- 



ßf 



Fig. 83. Conospermites ha- 
keaefolius Ett. — Von 

Kuchelbad. Nat. Grösse. — 
Nach Velenovsky. 



122 

nerv sind durch etwas feinere unter spitzen Winkeln entspringende Secundaer- 
nerven untereinander verbunden. Tertiaernerven spitzwinkelig oder längsläufig 
mit ihren Quaternaerzweigen ein schönes, länglich-maschiges Netz bildend. Diese 
Blätter scheinen mit Conospermum- und Hakea-Blättern nahe verwandt zu 
sein. Velenovsky meint, dass das von Ettingsliausen abgebildete Blatt 1. c. 
sicher derselben Pflanze angehört, wie die in Böhmen entdeckten Fragmente. 

Fundorte : Llppenz, Viäovle. Perucer Schieferthon. Nicht selten und 
schön abgedrückt. Kuchelbad, Mseno, Otruby. Perucer Schieferthon. Seltener. 



Grevillea Dvofaki Bayer. 

(Bayer: „Ein. n. Pfl. d. Perucer Kreidesch. in B." pag. 28. Textfig. 9, 9a. Tab. I. Fig. 15.) 
Fig. 8 t a, b. 






Flg. 84. Grevillea Dvoräki Bayer, o) Obere und untere Blatthälfte in nat. Grösse. — Von Olruhy. 

b) Blattspitze etwa 3mal vergrössert und an dem Endlappen etwas aufgerichtet, um die Nervatur 

anschaulicher zu machen. Originalzeichnung. 



Blätter im Ganzen länglich-elliptisch, gefiedert. Fiedern breit-lineal, ziemlich 
kurz, zur Spitze hin kurz verschmälert, stumpflich, zum Grunde hin wenig ver- 
schmälert, regelmässig alternirend, bis zum Grunde hin frei oder nur sehr schmal 
hinunterlaufend. Das Blatt fest lederig mit ziemlich schmaler, aber tief abge- 
drückter Hauptrippe und ebensolche n bis 2 cm langen Blattstiele versehen. 



123 

Secundaernerven fein, zu 3 bis 5 in einen jeden Abschnitt eintretend und bis zur 
Spitze, wo sie sich verbinden, verfolgbar, durch schief auslaufende, beinahe gleich 
starke Tertiaernerven reichlich verbunden, oder in ihre längsläufigen Verbindungen 
hinüberlaufend. 

Sowohl die Form des Blattes als auch die Nervatur der Fiedern entsprechen 
am besten derjenigen, welche die Blätter der recenten Art Grevillea helio- 
sperma R. Brown aus Neu-Holland charakterisiert. 

Ich habe dieses Fossil, dem glücklichen Finder, Herrn Dvofäk, (Photo- 
graph und nicht Lehrer, wie ich irrthümlicherweise augegeben habe) zu Ehren, 
G. Dvofäki benannt. 

Fundorte: Otruby und Kl. Kuchelbad, selten. 

Grevillea tenera Vel. 

{Velen.: Flora IV. Th. pag. 11. Tab. VII. Fig. 9, 14, 16.) 

Blätter rhombisch, gefiedert, Blattfieder breit lanzettlich, noch einmal getheilt, 
Abschnitte lineal, mit herablaufenden Rändern. Hauptnerven nicht stark, überall 
ziemlich gleich dick. Seiteunerven fein, unter spitzen Winkeln entspringend, 
netzartig verzweigt, mit randständigen Bogen und Schlingen. Die Blattspreite war 
von fester, beinahe lederartiger Natur. Die Form der Abdrücke erinnert stark 
an einige Farne, die Nervation spricht aber entschieden für eine dicotyledone 
Pflanze. (Veleno vsky.) 

Fundort: Melnik an der Säzava. (In den grauen Perucer Thonen, selten.) 



Grevillea constans Vel. 

(Velen.: „Flora" II. pag. 3. Tab. I. Fig. G— 10. 
Vesmir XII. Jhg. pag 149. Fig. 2. 
Grevilleophyllum constans Vel. Velen. : 
50, 53.) Fig. 85. 



,K ve t e n a", pag. 



Blätter lineal, zum Stiele sowie zur Spitze verschmä- 
lert, gewöhnlich 8 — 10 cm lang, 7 mm breit, ganzrandig, fest, 
derb lederartig. Primaernerv gerade, nicht stark ; Secuudaer- 
nerven fein, unter sehr spitzen Winkeln entspringend, am 
Rande durch einen mit dem Rande parallelen Saumnerven 
unter einander verbunden. Stärkere Nerven des Netzwerkes 
unter sehr spitzigen Winkeln entspringend, fein, durch 
schwache Queradern untereinander verbunden. Blattstiel 
kaum 1 cm lang, ziemlich stark. 

Mit der grössten Sicherheit können wir annehmen, 
dass die vorliegenden Blätter in die nächste Verwandtschaft 
der Gattungen Grevillea, Persoonia, Leucodendron 
oder P r o t e a gehören. 

Unsere Grevillea-Blätter haben wenige Secundaernerven, 
welche immer unter sehr spitzigen Winkeln entspringen und 



Fig. 85. Grevillea con- 
stans Vel. — Von Lip- 
penz. Blatt. 2 /s der nat. 
Grösse. 



124 

untereinander parallel nach vorne verlaufen, bis sie sich am Rande mit dem 
Saumnerven verbinden. 

Fundorte: Vyserovic, Kuchelbad, Hloubetin, Lidic, Melnik, Vidovle, Peruc, 
Lippenz, M'seno. Perucer Schieferthon. Nicht häufig. 

Banksia pusilla Vel. 

(Velen.: Flora II. pag. 7. Tab. I. Fig. U— 17. 
Banksiphyllum pusillum Vel. — Kvötena, pag. 60, 53.) 

Blätter länglich, lineal, 6 cm lang, 8 mm breit, vorne kurz abgestutzt oder 
abgerundet, an der Spitze etwas ausgerandet, an der Basis verschmälert, nur bei 
der Spitze scharf und fein gezähnt, unten ganzrandig, in der vorderen Hälfte am 
breitesten, fest, lederartig. Primaernerv ziemlich dick, in gleicher Dicke bis in 
die Spitze auslaufend. Weitere Nervation nicht erkennbar. Blattstiel 5 mm lang, 
dick. Alle diese Merkmale als auch die Form findet man bei mehreren Arten 
der Gattung Banksia. 

Von den fossilen Arten können wir nur eine tertiaere Art zum Vergleiche 
anführen, die Banksia helvetica Heer, welche der B. pusilla noch einiger- 
massen ähnelt. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte : Kuchelbad. Weisse Thonschichten. Zwei Exemplare, welche Vele- 
novsky selbst 1. c. pag. 7 zu den der näheren systematischen Stellung nach noch 
sehr fraglichen Resten hinstellt. Bohdänkov (Liebenuu). Rotb.licb.er Schieferthon. 
In einigen Exemplaren. 



Banksites Saportanus Vel. 



Fig. 86. Froteophyllum Sa 

portanum Vel. — Von Lidic. 

Blatt. Nat. Grösse. Copie 

nach Velenovsky. 



( Ve Im 



.: Flora IL pag. 7. Tab. I. Fig. 18-20. — Kvetena, 
Banksiphyllum Saportanum Vel. pag. 50. — Ibid. 
Proteophyllum Saportanum Vel. pag. 18, 29. Tab. V. 
Fig. 14. — V e s m i r XXII. Jbg. pag. 32. Fig. 2.) Fig. 86. 

„Blätter lanzettlich, in der Mitte am breitesten, zur 
Spitze sowie zur Basis ziemlich allmälig verschmälert, am 
Rande dicht gekerbt, gesägt, nur am Grunde ganzrandig. 
Primaernerv stark, in der Spitze verdünnt. Secundaer- 
nerven sehr zahlreich, fein, scharf hervortre- 
tend, unter spitzen Winkeln entspringend, bei dem Rande 
in ein polygonales Netzwerk sich auflösend. Das Nerven- 
netz hervortretend aus einer Menge polygonaler Felderchen 
zusammengesetzt. Das Blatt von fester, derb lederartiger 
Natur. In der Familie der Proteaceen findet man 
wirklich bei mehreren Gattungen sehr analoge Blätter. 
Unter den Kreidepflanzen sind uns keine ähnlichen 
Blätter bekannt. Aus der Tertiaerperiode ist Sa- 
porta's Banksites pseudodrymej a unseren Blättern 
sehr ähnlich." (Velenovsky.) — Nach Heer's Dafür- 



125 

halten gehören die Blätter dieser Art zu Myrsine (vergl. Heer's Refer. im Bot. 
Centbt. 1883. Bd. XIV. pag. 176). 

Fundorte : Vyserovic. Selten. Schieferthon. Lidic bei Schlan. Ziemlich häufig. 
Schieferthon. 



Dryandra cretacea Vel. 

(Veten.: Flora II. pag. 1. Tab. I. Fig. 1-5. — ibid. IV. Th. Nachträge pag. 12. — Vesmir 
XII. Jhg. pag. 149. Fig. 1. Vergl. Heer's Refer. im Bot. Centbt. 1883. Bd. 14. p. 175. 

Engelhardt : TJeber böhm. K r e i d e p fl. pag. 103—105. 

Krasser: Kreiden, von Kimstadt, pag. 130. Tab. III. Fig. 1. — Dryandrophyllum ereta- 
ceum Veleu. Kvetena, pag. 50, 53.) Fig. 87. 

Blätter lang, lineal, zum Stiele allmälig verschmälert, 
vorne kurz zugespitzt, fiederspaltig. Lappen meistens ab- 
wechselnd, dreieckig, scharf zugespitzt, entweder einfach 
oder gespalten oder zweizähnig. Blattstiel 1 / 2 — 1 cm lang, 
nicht stark, mit langen borstigen Wimpern besetzt. Primaer- 
nerv die ganze Länge hindurch gleich dick, in der Spitze 
verfeinert. In die einzelnen Lappen laufen stets zwei stär- 
kere Secundaernerven, von denen der obere in den oberen, 
der untere in den unteren, kleineren Zahn endet oder am 
Rande verschwindet. Das Nervennetz selten hervortretend; 
die stärkeren Rippen desselben stehen senkrecht auf den 
Secundaernerven. (Nach Velenovsky.) 

Velenovsky hat diese Pflanze nach sorgfältiger Prüfung 
und Vergleichung mit der Gattung Dryandra, Compto- 
nia, Myrica ja selbst Aralia als eine mit der lebenden 
Dryandra formosa R. Br. und der D. Brongniarti 
Ett. übereinstimmende Art anerkannt, die also nur zu den 
Proteaceen zu rechnen wäre, was er 1. c. IV. Th. pag. 12 
noch einmal hervorhebt. Er betrachtet sie für eine für die 
Kreide besonders charakteristische Proteacee. Dryandra 
cretacea gehört zu jenem Typus, welcher sich von der 
Kreideperiode bis zur jetzigen Zeit in Form der leben- 
den Dryandra formosa erhält. 

Fundorte: Kuchelbad. Weisse, gelbliche und graue 
Thonschichten. Häufig. Melnik. Perucer Thon. Ein gut er- 
haltenes Blattfragment. Lidic. Ein kleines Blattfragment. 
Hloubetin. Perucer Schieferthon, selten. 

Dr. cretacea Vel. var. pau einer vis Engeln., die 
Engelhardt 1. c pag. 104. auf Grund eines wohlerhalte- 
neu Blattstückes aufgestellt hat, unterscheidet sich dadurch, 
dass sie durchgängig nur je einen Nerv in allen Lappen erkennen lässt. 

Fundort : Kuchelbad. 



Fig. 87. Dryandra cre 

tacea Vel. — Von Ku- 
chelbad. Blatt. V 3 der 

nat. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



126 



Aristolochia tecoinaecarpa Bayer. 

(Bayer: Ein. neue Pfl. der Perucer Kreidesch. iu Böhmen, pag. 29—33. Fig. 10, 10 a. Tab. I. 
Fig. 7, 8.) Fig. 88. 

Frucht scheinbar hülsenförmig, etwas gekrümmt, stumpf zugespitzt, 1*3 bis 
15 cm dick, 5'/ 2 cm lang, in einen ziemlich dicken, 2 — 3 mm breiten, 1 — 1-5 cm 
langen Stiel kurz verschmälert, von unserem Standpunkte eine Kapsel darstellend, 

welche ein wenig gewölbt der 
Länge nach wulstig gefaltet 
und dadurch auch regelmässig 
gefurcht ist, so dass auf jedem 
Abdrucke entweder 4 oder 5 gut 
erkennbare, regelmässig neben 
einander liegende Wülste und 
ebensoviel Furchen sich zeigen. 
Nebstdem umrahmt den Frucht- 
abdruck zu beiden Seiten der 
etwas gewölbten Kapsel am Rande 
noch ein schmälerer und niedri- 
ger, aussen scharf begrenzter, bis 
zur Spitze hin reichender Saum. 
Die ganze Frucht mit Ausnahme 
des Stieles und der niedrig leisten- 
förmigen Berandung derselben, 
die hie und da punktiert er- 
scheint, ist sehr fein quergestreift. 
Diese Früchte sind denjeni- 
gen von einigen Aristolochien 
am meisten ähnlich. Die Form der Abdrücke erinnert zwar sehr an die Form 
mancher Leguminosen-, Bignonien- ja selbst Proteaceen-Früchte, die 
Sculplur derselben erlaubt es aber vorläufig nicht, sie mit irgend einer Art der 
zuletzt genannten Familien in Verbindung zu bringen. 

Fundort: Vyserovic. Schieferthon. Zwei Exemplare. 





Fig. 88. Aristolochia tecomaecarpa Bayer. — Von Vyse- 
rovic. a) Frucht in nat. Grösse. 6) Die Spitze derselben 
2mal vergrössert. Originalzeichnung. 



Magnolia amplifolia Heer. 

(Heer: Flora von Mol et ein. pag. 21. Tab. VIII. Fig. 1, 2. Tab. IX. Fig. 1. 

Velen.: F 1 o r a II. p. 1. Tab. VI. Fig. 3, 4; Tab. VII. Fig. 7, 10, 11. - Ve sin fr XII. Jhg. 

pag. 212. Fig. 9. — K veten a, p. 61, 64, 59. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. p. 111.) Fig. 89. 

„Blätter breit, lanzettförmig, vorne und an der Basis kurz gleichmässig 
verschmälert, ganzraudig, fest, nicht lederartig. Primaernerv gerade, am Grunde 
sehr stark, in der Spitze bedeutend verdünnt. Secundaernerven unter spitzen 



127 



AVinkeln entspringend, gerade, nicht zahlreich, 
am Ende bogenförmig gekrümmt und in 2—3 
Tertiaeräste verzweigt. 

Die ganze Erscheinung dieser Blätter erin- 
nert an viele Arten der Gattung Magnolia. 
M. acuminata und M. Ynlan lässt sich mit ihnen 
am besten vergleichen." (Velenovsky.) 

Engelhardt 1. c. p. 112. beschreibt und 
bildet zwei Blüthenstände ab, die er hieher 
rechnet. Ich habe sie gesehen und muss sie als 
sehr fraglich bezeichnen. Es scheint mir nach 
allem, dass diese Blüthenstände zu den ähren- 
förmigen Fruchtständen gehören, die wir bei 
Echinostrobus squamosus besprochen 
haben. 

Fundorte: Vyserovic. Schieferthou. Sehr 
häufig. Kuchelbad. Nicht häufig. Lidic, Melnik, 
Bohdänkov. Schieferthon. Selten. 




Fig. 89. Magnolia amplifolla Heer. — 

Von Vyserovic. Blatt, '/s der natürl. 

Grösse. Nach Velenovsky. 



Magnolia alternans Heer. 

(Heer et Capellini : Phyllites er 6 t. du Nebraska, pag. 20. Tab. III. Fig. 2—4. Tab. IV. 

Fig. 1, 2. 
Velen.: Flora II. pag. 19. Tab. VI. Fig. 5. Tab. VII. Fig. 6. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 111. 
Magnoliphyllum alternans Vel. — Kvetena, pag. 51, 54.) 

„Der vorigen Art ähnlich, die Secundaernerven aber meist abwechselnd, 
nicht stark, mit anderen parallelen, feineren Nerven gemischt, nach vorne bogen- 
förmig gekrümmt, am Ende keine grösseren Tertiaeräste abzweigend." 

Fundort: Kuchelbad. In den grauen Perucer Thonen. 



Magnolia Capellinii Heer. 

(Heer et Capellini : Phyllites erötac. du Nebraska, pag. 20. Tab. III. Fig. 5, 6. 
Velen.: Flora IL pg. 20. Tab. VII. Fig. 8, 9. — Kvetena, pag. 51, 54.) 

Blätter eiförmig, 6—7 cm breit, 8 — 11 cm lang, im unteren Drittel am 
breitesten, am Grunde kurz, vorne länger verschmälert, ganzrandig. Secundaer- 
nerven unter ziemlich stumpfen Winkeln entspringend. 

Durch die Form unterscheiden sich diese Blattreste auffallend von den 
beiden vorigen Arten, und da sich zwischen denselben keine Uebergangsformen 
bemerken lassen, so scheint mir die Selbstständigkeit dieser Art um so wahr- 
scheinlicher. (Velenovsky.) 

Fundort: Kuchelbad. Perucer Thon. Nur einige Fragmente. 



128 



Memspermophylluiii f'elakovskii Vel. 

(Liriodendron Celakovskii Velen. Florall. pag. 18, Tab. VI. Fig. 2. — idid. IV. 
Nachträge, pag. 13. — Vesmir XII. Jhg. pag. 212. Fig. 10. Vergl. II e e r's Refer. im 
Bot.Centbt. 1883. Bd. 14. p. 176. — Schimper Schenk, Zittel's „Handbuch" pag. 504. 

Menisperinophyllum Celakovskianum Velen. Kvetena, pag. 61, 54.) Fig. 90. 

Blatt im Umrisse rundlich, seicht drei- 
lappig, der Mittellappen nicht viel länger als 
die seitlichen, vorne seicht ausgerandet, die 
seitlichen ebenfalls ausgerandet oder beinahe 
abgerundet. Primaernerv gerade, nicht zu 
stark, zur Spitze hin merklich verdünnt. 
Beiderseits entspringen von ihm am Gruude 
2 Basalnerven, von denen der obere etwa in 
der Mitte seiner Länge noch ein langes Se- 
cundaerästchen abzweigt. In der oberen Hälfte 
des Mittelnerven entspringen noch 2 — 3 Paare 
von stärkeren Secundaernerven. Die feinere 
Nervation ist unkeuntlich. Blattstiel am Grunde 
stark. (Nach Velenovsky.) 

Das einzige von Velenovsky entdeckte 
Blatt kann die Richtigkeit der Bestimmung 
nicht sichern, und die systematische Stellung 

dieses Restes ist nach Velenovsky selbst (Kvetena pag. 58) derzeit noch 

fraglich. 

Fundort: Kuchclbad. Perucer Thou. Ein einziges Exemplar im Druck und 

Gegendruck. 




Flg. 90. Menisperniophyllum (Liriodeu- 
drou) Celakovskii Vel. — Von Kuchel- 
bad. Blatt, natürl. Grösse. Nach 
Vel eno vsky. 



Cocculus cinnainouieus Vel. 

(Velen.: Flora IV. Th. pag. 4. Tab. VIII. Fig. 16—21. — Coccu- 
lophyllum cinnamomeum Vel. K v 6 t e n a, pag. 51.) 
Fig. 91. 

„Blätter länglich lanzettlich, ganzrandig, allmälig 
zugespitzt, von fester, beinahe lederartiger Beschaffen- 
heit. Der Primaernerv scharf hervortretend. Die zwei 
seitlichen Basalnerven mit dem Blattrande parallel ver- 
laufend, nicht weit vor der Blattspitze im Netzwerke 
sich auflösend. Die Seitennerven sind mit dem Blatt- 
rande und dem Hauptnerven durch zahlreiche, feine, 
scharf hervortretende Queruerven verbunden. Das Nerven- 
netz aus polygonalen Feldcheu zusammengesetzt. Der 
Blattrand verdickt und nicht selten mit einem feinen 
Saumnerven. Der Blattstiel bis lern lang, nicht stark." 
Eine auffallende Analogie ist in den Blättern der jetzt- 




Fijj . 91. Cocculus cinna- 
tnomeus Vel. — Von Lip- 
penz. Blatt in nat. Grösse. 

(Copie nach Vel eno v.) 



129 

lebenden Art, C. laurifolius, gegeben. Die Zusammensetzung der Xervation 
stimmt gänzlich überein. (Veleno vsky.) 

Fundorte : Lippenz. Perucer Schieferthon. Sehr häufig. Hloubetin. Strddonic. 
Schieferthon. Nicht häufig. Peruc? Sandstein. Ein einziges Exemplar. 



Illiciuin deletum Vel. 

(Velen.: Flora III. pag. -1. Tab. III. Fig. 5. — llliciphyllum 
deletum Vel. Kvetena, pg. 51.) Fig. 92. 

Das vorliegende Blatt zeichnet sich durch die 
lang verschmälerte Basis aus ; es zeigt eine feste leder- 
artige Beschaffenheit, die Bänder waren scharf und um- 
gerollt. Eine auffalende Aehnlichkeit findet Veleno vsky 
bei den Blättern der Gattungen Illicium und Drimys. 

Vorläufig ist es schwierig, das einzige Blattfragment 
mit Bestimmtheit einer Gattung zuzuzählen, und es wird 
auch (Kvetena, pg. 58) zu den der näheren systemat. 
Stellung nach fraglichen Besten gestellt. (Nach Vele- 
no vsky.) 

Fundort: Lippen» bei Laun. Ein einziges Exemplar. 



Litsaea bohemica Eugelh. 

(Engelhardt: Heber böhm. KreidepQ. p. 101. Tab. 1. Fig. 8.) 




Fig. 92. Illicium deletum 

Vel. — Von Lippenz. Blatt 

in nat. Grösse. (Copie nach 

Veleno vsky.) 



Blatt ei -lanzettförmig, nach Spitze und Grund verschmälert, ganz- 
randig; Mittelnerv am Grunde stark, nach der Spitze hin sehr verdünnt. Die 
beiden über dem Grunde entspringenden Seitennerven sind lang und laufen dem 
Rande beinahe parallel, die übrigen alternieren, sind gebogen und durch Schlingen 
untereinander verbunden. Die Nervillen entspringen unter wenig spitzen Winkeln 
und sind gebrochen. (Nach Engelhardt.) 

Fundort: Kounic. Schieferthon. 



Sassafras acutilobum Lesqx. 

(Lesrjueveuo: : The cretaceous Flora 1874. pag. 79. Tab. XIV. 

Velen.: Flora, III. Th. pag. 2. Tab. II. Fig. 1. — Sas s af rop hy 11 um acutilobum 
(Lesqx.) Velen. Kvetena, pag. 50, 53, 58.) Fig. 93. 

Das Blatt rhombisch, in der Mitte am breitesten, dreilappig, am Grunde 
keulig verschmälert; der Mittellappen viel länger und grösser als die beiden seit- 
lichen; alle ganzrandig, allmälig in eine feine Spitze ausgezogen. Der Primaernerv 
gerade, stark, in der Spitze fein, dünn. Die seitlichen Basalnerven entspringen 
hoch über der Basis und siud beinahe gegenständig. Die Secundaernerven bogen- 

Dr. A. Friö u. Edv. Bayer: »Perucer Schichten». 9 



130 




Fi g- 93 Sassafras acutilobum Lesqx. — Von Evchelbad. 
Blatt, ! /a der natürl. Grösse. (Copie nach Velenov.) 



förmig, sehr fein, unterein ander 
durch aderige Nerven verbunden. 
Der Blattstiel gerade, nicht zu 
stark, lang. Die Nervation ent- 
spricht recht gut der Nervation 
der Gattung Sassafras. Aehnliche 
Blattform haben auch einige Ara- 
lien, die Nervation hat aber einen 
anderen Charakter und tritt nie- 
mals so scharf hervor. (Vele- 
novsky.) 

In seiner Kvetena stellt 
Velenovsky diesen Blattrest 
zu den der näheren systemati- 
schen Stellung nach fraglichen 
Abdrücken, pag. 58. 

Fundort: Kuchelbad. Perucer 
Thou. 1 Exemplar. 



Lauras plutoiiia Heer. 

(Veten.: Flora, III. pag. 1. Tab. IV. 

Fig. 2—4. Vesmir, XIII. Jhg. 

pag. 26o. Fig. 6. 
Laurophy lln in plutonium Heer. 

K vetena pag. 50, 53, 58.) Fig. 94 



Blätter lineal- lanzettlich, 8 — 9 cm lang, beinahe bis 
2 cm breit, gegen die Spitze sowie zur Basis verschmä- 
lert, ganzrandig, wahrscheinlich lederartig. Primaernerv 
stark, zur Spitze verdünnt. Secundaernerven zahlreich, 
unter ziemlich spitzen Winkeln entspringend, bogenförmig 
gekrümmt, am Rande durch Bogen und Schlingen unter- 
einander verbunden. Die Fläche zwischen den Secundaer- 



nerven mit dichtem Netzwerke ausgefüllt. 



Blattstiel ge- 



rade, nicht stark, ziemlich kurz. 

Die Form des Blattes, die Art der Secundaer- 
nerven und vor Allem das dichte Maschennetz entsprechen 
gut diesem Typus. Unsere Blätter unterscheiden sich 
nicht von jenen, welche Heer aus Grönland als L. plu- 
toiiia beschrieben hat. 

Die unseren scheinen aber nicht so dicht stehende 
Secundaernerven zu haben, wodurch sie dem tertiaeren 
L. primigenia Ung. noch ähnlicher werden, als Heer's 
Blätter von Grönland. (Nach Velenovsky.) 






■ i 



Fig. 94. Laurus plutonia 

Heer. — Von Lippenz, 

Blatt, % der nat. Grösse. 



131 



In seiner „Kvötena" stellt Yelenovsky diese Pflanzenabdrücke noch zu 
den der näheren systematischen Stellung nach fraglichen Resten; 1. c. p. 58. 

Fundorte: Klein Kuchelbaä. Perucer Thon. 1 Exemplar. Lippenz. Perucer 
Thon. 2 Exemplare. 



Lanrus affinis Vel. 

(Veten. : Flora, IV. Th. pag. 9 Tab. V. Fig. 4. 5, 7, 8. 
Engelhardl : Ueber b ö h m. Kreidepfl. pag. 102.) 

Blätter länglich lanzettlich, ganzrandig, 7—11 cm lang, 15 — 22 mm breit, 
zur Basis kurz verschmälert, vorne in eine Spitze ausgezogen, derb lederartig; 
Primaernerv gerade, besonders am Grunde stark; Secundaernerven nicht 
zahlreich, bogenförmig, untereinander am Rande durch Schlingen anastomosierend. 
Blattstiel gerade, mittelmässig stark. (Nach Yelenovsky.) 

Diese Art wurde von uns bisjetzt nur in den Chlomeker-(Senon)-Schichten 
beobachtet. Engelhardt glaubt dieselbe auch in den Perucer Schichten ent- 
deckt zu haben. 

Fundort: Kounic (nach Engelhardt). 



Platanus Velenovskyana Krasser. 

(Credneria rhomboidea, V e I e n. : F 1 n r a I. pag. 4. Tab. I. Fig. 2, 3. Tab. IL Fig. 1. 
ibid. IV. Nachträge pag. 13. 

Pia tan us rhomboidea, V e 1 e n. non Lesqx. : Kvetena, pag. 49, 53. — V es mir' 
XXII. Jhg. pag. 8. Fig. 5. 

Credneria rhomboidea, V e 1 e n. : Vesmir, XI. Jhg. p. 1 37. Fig. 4. Vergl. Credneria 
subrhomboidea Schimp. Schenk, Zittel's .,Ha n d b u c h" p. 627. 

Platanus Velenovskyana Krasser: Beiträge z. K. d. foss. Flora von Kun- 
st a d t, pag. 26. Tab. V. Fig. 2.) Fig. 95, 96. 

„Blätter gross, bis 18 cm lang (ohne Stiel), rhombisch viereckig bis rundlich, 
in der Mitte am breitesten, vorne scharf, nicht buchtig gezähnt, die Spitze kurz, 
aber scharf endigend. Blattränder am Grunde lang am Stiele herablaufend. 
Primaernerv stark. Secundaernerven von einander nur wenig verschieden. Die 
tertiaeren Querrippen gut kenntlich. Blattstiel so lang oder länger als der 
Primaernerv, stark. Das Blatt von einer festen, derbhäutigen Natur." (Vele- 
novsky.) 

Krasser hat 1. c. darauf hingewiesen, dass schon Lesquereux (Aunual. 
Report. 1873, pag. 400 und in seiner: „Tertiary Flora", Washington 1878, pag. 186) 
den gleichen Artnamen, wie Velenovsky, für bestimmte Platanusreste 
gebraucht hat, denen sich jedoch die von Velenovsky beschriebene Art nicht 
subsummiren lässt. Krasser hat daher den Namen dem Entdecker dieser Art 
zu Ehren in Platanus Velenovskyana umgeändert. 

9* 



132 




Fig. 96. Platanus Velenovskyana Krasser 
Fig. 95. Platanus Velenovskyana Krasser (rhomboidea (Credneria rhomboidea Vel.) — Von 
Vel ) — Von Lidic. Blatt, etwas verkleinert. Nach Kuchelbad. Blatt, '/ 3 der nat. Grösse. 

Velenovsky. Nach Velenovsky. 

Fundorte : Kuchelbad, Graubräunlicher und weissgelblicher Thon. Otruby, 
Sehr häufig.. Lidic. In einigen Exemplaren. Schieferthon. 



Platanus laevis Vel. 

(Credneria laevisVele ii. : Flora I. ]). <>. Tab. I. Fig. 4. Tab. II. Fig. i - 6. 
Platanus laevis Velen. : Kvötena, p. 16. Tab. I. Fig. 1. 2. p. 49. — V e s m i r. XXII. 

Jbg. pag. 8. Fig. 4. 
Credneria laevis Velen.: Vesmir, X. Jbg. p. 137. Fig. 3.) Fig. 97, 98. 



Blätter 5 — 12 cm lang (ohne Stiel), immer länger als breiter, im Umrisse 
rhombisch, lanzettförmig, in der Mitte am breitesten, dreilappig bis einfach 
lanzettförmig und ganzrandig, zum Stiele hin verschmälert, aber nie merklich 
herablaufend. Der Mittellappen am grössten. — Die Blätter sind ihrer Form 
nach im höchsten Grade veränderlich, allein die ungewöhnliche Glätte der Spreiten- 
Oberfläche, die scharf hervortretenden Secundaernerven, das Fehlen des Nerven- 
netzes, der stets rhombisch-längliche Umriss sind für diese Art ausschliesslich 
bezeichnend. Es scheint, dass diese Pflanzenart in den Perucer-Schichten in 
Böhmen allgemein verbreitet ist. (Nach Velenovsky.) 



133 




In derselben" Schiefer- 
thonschichte von Vysero- 
v i c, wo diese Blätter vor- 
kommen, entdeckte später 
Velenovsky einige schön er- 
haltene kugelige Frucht- 
köpfchen und auch isolirte 
Nüsschen , welche sicher 
einer Platanus- Art und sehr 
wahrscheinlich der a n- 
geführten Species ange- 
hören. Von den ähnlichen 
Fruchtköpfchen der Euca- 
lyptus- Arten unterscheiden 
sich diese Platanus-Köpfchen leicht durch den 
centralen, festen, kugeligen Blüthenboden und die 
strahlenförmige Anordnung der spindelförmigen 
Nüsschen. 

Fundorte: Yyserovic und Kounic, sehr 
häufig. Melnik, hie und da. Vidovle, selten. 



Fig. 97. Platanus laevis 

Vel. — Von VySerovic. 

1. Fruchtköpfchen. 

2. Frucht. Nat. Grösse. 

Nach Velenovsky. 





Fig. 98. Credneria laevis Vel. — Von 

MSlnik. Blatt, 2 /3 der natürl. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



Credneria bohemica Vel. 

( Velen. : Flora, I. Th. pag. 2. Tab. I. Fig. 1. Tab. II. 
Fig. 10, 11. 

Idem: Kvetenap. 51. 
I d e m : Vesmir, XL Jhg. p. 137. Fig. 5. 
Enyelhardt: Ueber böhm. Kreidepfi. pag. 109 — 111.) 
Fig. 99. 

„Blätter gross, bis 25 cm lang (ohne 
Stiel) und 20 cm breit, rhombisch, in der 
Mitte oder in der vorderen Hälfte am brei- 
testen, dreilappig; die Lappen kurz, [breit, 
stumpf endigend, die seitlichen kleiner. Nur 
die obere Hälfte des Blattrandes seicht 
buchtig gezähnt. 



allmälig 



Fig. 99. Credneria bohemica Vel — Von 
VySerovic. Blatt, 3mal verkleinert. (Velen.) 



Primaernerv sehr stark, zur Spitze 
verdünnt.] Die seitlichen Basal- 
nerven ziemlich gegenständig, hoch über der 
Basis unter spitzen Winkeln entspringend, 
in die Spitze der Seitenlappen auslaufend. 



134 

Secundaernerven wechselständig, bis zum Runde auslaufend, wo sie durch 
Schlingen untereinander anastoraosiren. Nervennetz scharf hervortretend, aus 
grossen, starken Querrippen und polygonalen Felderehen zusammengesetzt. Blatt- 
stiel heinahe von der Länge der Primaernerven, gerade, stark, ziemlich hoch 
über dem Blattgiunde in die Blattspreite eindringend, so dass der Blattrand am 
Grunde einen breiten, öhrchenförmigen Saum bildet. Das Blatt von fester, 
derber Natur. 

Die Zugehörigkeit der vorliegenden Blätter zu der fossilen Gattung Cred- 
ueria steht ausser Zweifel. Durch die abgerundete, nicht herablaufende Basis 
der Spreite unterscheidet sie sich von allen ihr ähnlichen Arten, besonders von 
den Platanenblättern der Kreideformation." (Nach Velenovsky.) 

Diese Blätter gehören zu den schönsten und grössten Blattabdrücken unserer 
Kreideformation. 

Diese, oft sehr grossen, Blätter gehören wahrscheinlich auch in die nächste 
Verwandtschaft der Kreide -Platanen, denn vor kurzer Zeit haben wir von 
VySerovic einige grosse Platten erhalten, die beinahe nur aus Lagen von diesen 
Crednriia- Blättern bestehen und mit schönen, kräftig entwickelten Platanus- 
Iuflorescenzen bedeckt sind. Dadurch wird, wie ich hoffe, der Zweifel, den 
z. B. noch Potonie in seiner Pflanzen palaeontologie pag. 328 betreffs 
der Richtigkeit einer ähnlichen Meinung hegt, sehr abgeschwächt, höchstens, 
dass man im Stande wäre zu beweisen, dass die Credneria -Früchtchen 
nicht den Platanen- Gary o psen entsprechen, sondern auf eine andere Pflanzen- 
familie hindeuten. *) 

Fundorte: Vyserovic. Grauer und schwarzgrauer Schieferthon. Sehr häufig. 
Kounic. Weisslicher Schieferthon. Seltene]-. Melnik. Grauer Schieferthon. Nicht 
selten. 



Credneria arcuata Vel. 

(Velen.: Flora I. p. 7. Tab. VI. Fig. 9.) 

„Blätter etwa 10 cm lang, rhombisch lanzettförmig, ganzrandig, zur Basis 
sowie zur Spitze allmälig verschmälert, in der Mitte am breitesten. Primaernerv 
gerade, sehr stark, an jeder Seite desselben 3—4 starke, bogenförmig gekrümmte 
Secundaernerven, die untersten viel länger als die übrigen ; auf der äusseren Seite 
derselben wenig bogenförmige Tertiaeräste. Aus dem Nervenuetze nur spärliche 



*/ In seinem ain 28. October 1900, XV. Bd., Nr. 4.3. in der „Naturwissenschaft 
liehen Wochenschrift" veröffentlichten Aufsätze: Pa la e p h y t o 1 o gi s ch e Notizen 
gelaugt II. Potonie selbst zu der Annahme, dass unter der Voraussetzung, dass die C r e d- 
nerien wirklich die Vorfahren der heutigen Platanen sind) die Zugehörigkeit der C r e d- 
u e r i a Blatter zu dem Typus der Pia t an n s blattet' sich sehr leicht ergiebt und zwar nach 
einer Studie, die er an einigen Blättern von den Stockausschlägen eines recenten Platanen- 
b a u m e s gemacht hat. 



135 

Querrippen bemerkbar. Blattstiel sehr stark, etwa von der halben Länge des 
Primaernerven. Es müssen noch weitere Exemplare gefunden werden, um zu 
beweisen, dass dieses Blatt, welches dem Platanus laevis Vel. sehr nahe steht, 
eine neue Platanus- beziehungsweise Credneria-Art repräsentirt. (Nach 
Velenovsky.) 

Fundort: Yyserovxc. Ein einziges Exemplar, letzter Steinbruch, schwarzgrauer 
Schieferthon. 



Inga latifolia Vel. 



( Velen. : Flora III. pag. 8. Tab. V. Fig 
K v e t e n a, pag. 51, 54, 57.; 



6, 7. 



Ingopliyllu.m latifolinm Velen. 



Blätter fest lederig, eiförmig bis elliptisch, ganzrandig, 4 — 5 cm breit, 
7 — iO cm lang, am Grunde unsymmetrisch, vorne kurz zugespitzt. Der Priraaer- 
nerv ziemlich stark, die Secundaernerven unter spitzen Winkeln entspringend, 
nicht zahlreich, etwas bogenförmig gekrümmt. 

Velenovsky vergleicht diese Blattreste 
Hymenaea, Cassia, Bauhinia und Inga, 
weist die Gattung Inga auf. 

Fundort : Vyserovic. Nur in 2 Exemplaren. 



mit den Blättern der Gattungen 
Die ähnlichsten Repräsentanten 

Schieferthon. 



Hymenaea primigenia Sap. 

{Saporla: Le monde des plantes, pag. 199. Fig. 28 (2). 

Velen.: Flora III. pag. 9. Tab. V. Fig. 4. Tab. VI. Fig. 1—4. — V e s m fr, XIII. Jag. 

pag. 197. Fig. 1. — Hymenaeophyllum primigenium Sap. Kvötena, pag. 

51, 54, 57.) Fig. 100. 



Sehr charakteristische Blätter durch ihre 
2 auf einem Blattstiele sitzenden, für sich selbst 
kurz gestielten Blattspreiten, die lanzettlich, 
unten ungleichartig, am Rande (oft nur vorne) 
entfernt grob kerbig gezähnt, selten ganzrandig 
sind. Die Secundaernerven, nur wenige an der 
Zahl, sind stark, bogenförmig, unter sehr spitzen 
Winkeln entspringend. „Saporta's Blatt (Le 
monde des plantes, pag. 199. Fig. 2.) ist ganz- 
randig, stammt aber auch von Vyäerovic, so 
dass die specifische Identität mit unseren 
Blättern nicht zweifelhaft ist. Ettingshausen's 
Inga Cottai steht der H. primigenia 
sehr nahe. 




Fig. 100. Hymenaea primigenia Sap. — 

Von Vylerovic. Doppclblatt. 1 / 2 der nat. 

Grösse. Nach Velenovsky. 



Fundorte: Vt/serovic, Koanic. Perucer Schieferthon. Sehr häufig. 



136 

Hymenaea inaequalis Vel. 

( Veten. : Flora III. pag. 9. Tab. VI. Fig. 2, 5. — Hymenaeophyllum inaequale Vel. 
Kvötena, pag. 51, 54, 58.) 

Blattspreiten länglich lanzettlich, 2—3 cm breit, etwa 8 cm lang, ganzrandig 
oder grob ungleich eingeschnitten, vorne allmälig in eine Spitze verschmälert, am 
Grunde stark ungleichseitig; Blattspreite auf der einen Seite zum Stiele ver- 
schmälert, auf der anderen beinahe abgerundet. Primaernerv ziemlich stark, zur 
Spitze allmälig verdünnt, gerade. Secuudaernerven zahlreich, unter fast rechten 
Winkeln entspringend, am Rande durch undeutliche Bogen untereinander ver- 
bunden. Blattspreite fest, lederartig. 

Velenovsky zählt die Blattfragmente zu der Gattung Hymenaea, obzwar 
die längliche Form und der auffallend lange Blattstiel keiner lebenden Art ent- 
sprechen. Die Javanische Caesalpinee Jonesia Aroca Roxb. hat Blätter von der- 
selben Grösse und derselben Nervation. (Nach Velenovsky.) 

Velenovsky in seiner Kveteua, pag. 58, stellt diese Blattreste zu den der 
näheren systematischen Stellung nach fraglichen Resten. 

Fundort: Kuchelbad. In dem gelblichen Perucer Thone (2 Blattreste). 



Hymenaea elongata Vel. 

( Veten. : Flora III. pag. 10. Tab. V. Fig. 3, 5. — H y in a naeophyllum clongatum Vel. 
K v e t e n a, pag. 51, 54, 58.) 



Blattspreiten zu zweien mit längeren Stielen in einen gemeinschaftlichen 
Stiel verbunden, läuglich lanzettlich, zur Spitze sowie zur Basis allmälig ver- 
schmälert, ganzrandig, gleichseitig, etwa 6 cm lang und 15 mm breit; Stiele 
etwa 1 cm lang, gemeinschaftlicher Blattstiel 2*5 cm lang. Primaernerv ziemlich 
stark, zur Spitze verdünnt, gerade, Secundaernerveu kaum bemerkbar, Blattspreite 
fest, lederartig. 

Von dem Typus der Blätter einer Hymenaea weicht H. elongata sehr 
viel ab. Etwas ähnliche Blätter sind diejenigen, welche Heer in seiner Flora 
groenlandica als Dewalquea bezeichnet. (Velenovsky.) 

In der Kvetena pag. 58 sind diese Blattreste nach Velenovsky selbst 
der näheren systematischen Stellung nach noch fraglich. 

Fundort: Kuchelbad. Ein einziges Exemplar. 



137 



Crotonophyllum cretaceum Vel. 

(Veten.: Kvetena, pag. 20. Tab. V. Fig. 4—11. pag. 49, 53. — 
Vesmir, XXII. Jhg. pag. 56. Fig. 3.) Fig. 101. 



ganzrandig 



Blätter länglich lanzettlich, allinälig zugespitzt, 
oder tief und unregehnässig ausgeschnitten, 
an der Basis ungleichseitig, kurz gestielt. 

Spreite fest lederig, glatt. Nervatur gewöhnlich 
deutlich. Secundaernerven sehr zahlreich, am Rande zu 
Reihen polygonaler Felderchen zusaniinenfliessend. Nerven- 
netz sehr dicht. Ganz ähnliche Blätter finden wir bei 
der Gattung Cr o ton." (Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Nicht sehr häufig. Schieferthon. 



Sapludiis apiculatus Vel. 

(Velen.: Flora, III. pag. G. Tab. VII. Fig. 1-8. - Vesmir, XIII. 

Jhg. pag. 224. Fig. 4. 
Krasser: Kreidefl. y. Kunstadt, pag. 131. Tab. II. Fig. 4. ? 
Sapindophylluni apiculatum Vel. Kvetena pag. 51, 

54, 57.) Fig. 102. 




Fig. 101. Crotonophyllum 
cretaceum Vel. — Von Vy- 
serovic. — Blatt 1 '/»mal 
verkleinert. Nach Vele- 
novsky. 



Blätter gefiedert, Blättchen Uneal-lanzettlick, 5 bis 

9 cm lang, 15 — 24 mm breit, vorne in eine lange Spitze 

verschmälert, am Grunde abgerundet oder verschmälert, 

ganzrandig, kürzer oder länger gestielt. Pri- 
maernerv gerade, scharf hervortretend, nicht 
stark, in der Spitze verdünnt Secundaer- 
nerven zahlreich unter beinahe rechten Win- 
keln entspringend, bogenförmig gekrümmt, am 
Rande durch Bogen untereinander verbunden. 
Zwischen den Secundaernerven sind noch feinere 
Nerven zweiten Grades bemerkbar. Nervennetz 
deutlich. Tertiaernerveu in schiefer Richtung 
auf die Secundaernerven. Das Blättchen von 
fester, wenn nicht lederartiger Natur. Die 
Blättchen sind unter anderen Abdrücken selbst 
in kleineren Blattfetzen sofort durch ihre scharf 
hervortretende Nervation erkennbar. (Nach 
Velenovsky.) 

Velenovsky reiht diese Pflanze mit der 
grössten Wahrscheinlichkeit in die Gattung 
Sapindus ein. 
r eL _ Fundorte: Kounic. Schieferthon. Sehr 

Von Kounic. Restauriites Blatt. Etwa 0lt in Menge beisammen. Vyserovic. Schiefer- 

7s der natürl. Grösse. Nach Velenov. thon. Nicht häufig. 




138 



Sapindophyllmn pelagicum Ung. sp. 



(Phyllites pelagicus Unger. (Kreidepfl. aus Oesterreich, Taf. II. Fig. 13. pag. 053.) — 

Gen. et spe •. pl. foss. pag. 503. 
Sapindophyllum pelagicum (Unger spec.) V e 1 e n. Flora, III. pag. 7. Tab. VII. Fig. 9. 

Tab. VIII. Fig. 6-9. — Kvetena pag. 51, 54, 68.) 

Blätter gross, bis 7 cm breit und 15 cm lang (ohne Blattstiel) aus breitem 
Grunde länglich, vorne massig verschmälert, stumpf endigend, unten eiförmig 
oder verschmälert, ganzrandig. Primaernerv im unteren Theile sehr stark, gegen 
die Spitze hin verdünnt, ziemlich gerade. Secuudaernerven wechselständig, unter 
halbrechten Winkeln entspringend, im Verhältnisse zum Piimaernerven dünn, nicht 
gerade, a n Rande durch grosse Schlingen untereinander verbunden. Aus dem 
Nervennetze sind nur grössere Queruerven hie und da bemerkbar. Blattstiel etwa 
2 cm laug, gerade, sehr stark. 

Die Gattungen Cupania und Sapindus weisen ähnliche Typen auf. 
Nichtsdestoweniger sind diese Blattreste nach Velenovsky selbst (Kvetena 
pag. 58) der näheren systematischen Stellung nach fraglich. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: VySerovic, und Kounic, Schieferthon, sehr häufig. 



Cissus vitifolia Vel. 

(Velen: Flora, III. Th. pag. 8. Tab. II. Fig. 6. Tab. III. Fig. 1. — Cissophyllum viti- 
folium Vel. Kvetena pag. 51. - Vesmfr XIII. Jhg. pag. 224. Fig. 9.) Fig. 103. 




„Blätter hundförmig, 3 — 71appig, 
die Lappen grob gekerbt oder noch 
2 — 3mal in kleinere Läppchen ge- 
theilt. Die Hauptnerven nicht stark, 
aber scharf hervortretend. Die Se- 
cundaernerven unter spitzen Win- 
keln entspringend, fein, nicht zahl- 
reich. Blattstiel stark. 

Velenovsky findet unter den 
lebenden Pflanzen die ähnlichsten 
Blätter bei den Gattungen Cissus 
und Vitis, betont aber, dass er 
keine Species nennen könne, welche 
in allen Merkmalen der Kreideart 
entspräche." 
Cissites insignis Heer ist von den ausgestorbenen Arten der unseren 
am nächsten verwandt. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Vidovle bei Jinonic. Bröckliger Perucer Sandstein. In zwei 
Exemplaren. 



Fig. 103 

Jinonic. 



Cissus vitifolia Vel. — Von Vidovle bei 
Restaur. Blatt, nach Velenovsky; etwa 
die Hälfte der natürl. Grösse. 



1?9 



Cissophylluin exulum Vel. 



(Premnophyllum trigoniim Velen. Flora III. pag 
Cissophyllum exulum Vel. K v 6 t e n a, pag. 24. 

XXII. Jhg. pag 80. Fig. 1. pag. HO, 51, 54. 
Premnophyllum exulum Vel. K v e t e n a pag. 24.) Fig. 104. 



Blätter dreieckig bis länglich dreieckig 
unten seicht nierenförmig oder abgestutzt, am 
Rande grob und ungleich gekerbt - gesägt. 
Primaernerv deutlich, nicht zu stark, zu beiden 
Seiten desselben entspringt unten je eiu Paar 
feiner, bogenförmig gekraulter Basalnerven. 
Secundaernerven fein unter spitzen Winkeln 
entspringend uud bald in dem Netzwerke sich 
auflösend. Blattstiel ziemlich lang und dick. 

Bis jetzt haben wir keine verlässlichen 
Abdrücke, um die systematische Stellung 
dieser Blätter näher begründen zu können. 

Die ganze Tracht und die Nervatur der 
Blätter erinnern eher an irgend eine Art der 
Gattung Cissus als an die Gattung P rem na. 
(Nach Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Schieferthon. Nicht 
häufig. 



4. Tab. III. Fig. 2. 
Tab. VI. Fig. 4, 5. 



V e s m i r, 




Fig. 104. Cissophyllum exulum Vel. — 

Von VySei-ovic. Blatt, 2 / 3 d. nat. Grösse. 

Nach Velenovsky. 



Bombax argillaceum Vel. 



Vesmir XII. Jhg. 



(Veten.: Flora II. pag. 20. Tab. II. Fig. 17-19. Tab. IV. Fig. 6—9. 
pag. 212. Fig. 12. — Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. p. 112. 
Krasser: Kreiden, v. Kunstadt, p. 132. Tab. IL Fig. 9. 
„Bombacophyllum argillaceum" Vel. K v ö t e n a. pag. 39, 51, 54, 58.) Fig. 105. 




Fig. 105. Bombax argilla- 
ceum Vel. — Von MSeno. 
Blatt. 7s der nat. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



„Blätter lanzettlieh bis elliptisch, sehr fest. Mittel- 
nerv sehr stark, in der Spitze massig verdünnt, gerade. 
Secundaernerven selten kenntlich, unter spitzen "Winkeln 
entspringend, am Rande durch schwache Bogen unter 
einander anastomosirend. 

Ueberall, wo ich die Perucer Sandsteine zu unter- 
suchen Gelegenheit hatte, fand ich mehr oder weniger 
deutliche Spuren dieser Blattart. — In dem jetzigen 
Pflanzenreiche finde ich die ähnlichsten Blätter in der 
Familie der Bombaceae. Die meisten Arten der 
Gattung Bombax sind durch dieselbe charakteri- 
stische Nervation ausgezeichnet. Die von 
Ettings hausen Fl. v. Bilin beschriebene Art Bom- 
bax oblongifolium Ett. kann einigermasseu" mit 



140 

unseren Blättern verglichen werden ; der Typus dieser Blätter ist wenigstens der- 
selbe." (Velenovsky.) 

In seiner Kvetena stellt Velenovsky diese Blätter zu den der näheren 
systematischen Stellung nach noch fraglichen Resten. 

Fundorte: Nchv-izd, Ferne, Mseno. Perucer Sandstein. Sehr häufig. 
Vyserovic und Kounic, Charvatec. Sandstein. Einzelne Exemplare. 



Sterculia limbata Vel. 

{Veten.: Flora II. pag. 81. Tab. V. Fig. 2—5. Tab. VI. Fig. 1. — Ibid. IV. Nachträge 
pag. 13. — V e s m i r, XII. Jhg. pag. 212. Fig. 11. — Sterculiphyllum lim bat um 
Velen. Kvetena.) Fig. 106. 

Blätter im Umrisse rundlich, eiför- 
mig bis rhombisch, drei- oder fünflappig, 
ganzrandig, fest, kaum lederartig. Das 
ganze Blatt unsymmetrisch, am Grunde 
mit einem Blattsaume beendet, so dass 
der Blattstiel auf der Rückseite desselben 
entspringt. Basalnerven besonders am 
Grunde stark. 

Auf den ersten Blick sind diese 
Blätter, besonders die mehrlappigen den 
Blättern von Aralia Kowalewskiana Sap. 
ähnlich, aber durch die Basis sowie die 
Tracht der Nervation sind sie von dieser 
Art gleich zu unterscheiden. In dem jetzigen Pflanzenreiche haben sehr ähnliche 
Blätter einige Arten der Gattung Sterculia und wenn man auch in der Tertiaer- 
epoche analoge Formen dieser Gattung vorfindet, so ist die Wahrscheinlichkeit 
dieser Verwandtschaft unserer Blattreste noch grösser. Die Blätter von Ster- 
culia platanifolia L. sind denen von Sterc. limbata am ähnlichsten. (Nach 
Velenovsky.) 

Fundort : Lidic nächst Schlau, häufig. Schieferthon. 




Fig. 106. Sterculia limbata Vel. Von Schlan. 
Blatt, '/ s der natürl. Grösse; nach Vele- 
novsky. 



Ternstroeinia crassipes Vel. 

(Veten.: Flora III. Th. pag. 7. Tab. III. Fig. 3, 4. — Vesmir XIII. Jhg. pag. 197. Fig. 3. 
Temstroemiphyllum crassipes Velen. K v 6 t e n a pag. 51, 54, 58.) Fig. 107. 

Blätter gross, breit lanzettlich, bis 10—11 cm breit und sainint dem 
Blattstiel bis 25 cm (und noch darüber) lang, an der Basis keilförmig verschmä- 
lert, ■•orne kurz zugespitzt, am Rande mit grossen, stumpfen, etwas unregel- 



141 



massigen Zähnen. Primaernerv sehr stark und 
dick, in der Blattspitze fein verdünnt, unten 
in einen sehr dicken, etwa 4 cm langen, Blatt- 
stiel auslaufend. Secundaernerven unter spitzen 
Winkeln entspringend, zahlreich, fein, vor dem 
Blattrande in ein Adernetz sich auflösend. 
Auch kleine Blätter sind zu finden, die den 
Blättern der allgemein cultivierten Camellia 
japonica sehr ähnlich sind. 

Ternstroemia dentata Sw. aus 
Guiana hat so ähnliche Blätter, dass hier 
Velenovsky nicht im Stande war einen 
wesentlichen Unterschied von der fossilen 
böhmischen Art zu finden. (Nach Velenov.) 

Fundort: Vyserovic. Schieferthon. Ziemlich 
häufig. 




Fig. 107. Ternstroemia crassipes Vel. — 

Von Vyserovic. Blatt, 1 / i der nat. Grösse. 

Nach Velenovsky. 



Leptospermum cretaceum Vel. 

(Velen.: K v e t e n a, pag. 21. Tab. I. Fig. 10. pag. 51, 54, 58, 74. — L. m acr o car p u m Vel. 
pag. 27. - Idem: Vesmir XXII. Jhg. p. 56. Fig. 5.) Fig. 108. 



Ziemlich dicke Fruchtzweiglein mit spiralig ge- 
stellten, elliptischen, holzig festen Früchten, die aus 
einem unterständigen Fruchtbecher bestehen, auf welchem 
5 eilanzettliche Kelchzipfel sassen und wahrscheinlich 
leicht abfielen, da sie nicht überall in voller Zahl er- 
halten sind. Kelchzipfel mit einem Miltelnerven. Der 
eigentliche Fruchtbecher ist dreifächerig', der Deckel 
oben mit 3 Leisten, welche in der Mitte in einem er- 
habenen Höcker zusammenlaufen. — 

Die ähnlichsten Früchte finden wir bei der Gattung 
Leptospermum, wo sie auch lange an den Zweigen 
sitzen bleiben. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Perucer Schieferthon, häufig. 




Fig. 108. Leptospermum 
cretaceum Vel. — Von 
VySerovic. Fruchttragendes 
Aestchen, nat. Grösse. 
Nach Velenovsky. 



l'allistemon cretaceum Vel. 

(• Veten.: Kvetena, pag. 22. Tab. I. Fig. 3. pag. 51, 54, 58, 74. — V e s in i r XXII. Jhg. pag. 56. 
Fig. 6.) Fig. 109. 

Feste Zweige, welche theilweise mit rundlichen, holzigen, dicht sitzenden 
Früchten oder mit kreisförmigen Vertiefungen besetzt sind. Diese letzteren sind 
Narben nach den abgefallenen Früchten und man kann in der Mitte derselben 



142 




Fig. 109. Callistemon creta 

oeum Vel. — Von Vyserovic. 

Fruchttragendes Aestchen, nat. 

Grösse. Etwas restauriit. 

Nach Velenovsky. 

Fundort : Vyserovic. 



noch das Ende des Central-Stranges wahrnehmen. Die 
Früchte sind häufig zerquetscht, man kann aber den- 
noch au einigen, seitlich stehenden, die Zähne an 
ihrem Rande und ein kugeliges Körperchen, das heisst 
den eigentlichen Fruchtknoten in der Cupula einge- 
senkt, in der Höhlung der Früchte wahrnehmen. Nur 
bei einer einzigen Frucht konnte auch Velenovsky 
an dem inneren Fruchtknoten drei getrennte Theile 
entdecken, die den drei Fächern eines solchen ent- 
sprechen, und uns also in der That zur Einreibung 
des Fragmentes, schon der äusseren Aehnlichkeit 
wegen, in die Gattung Callistemon berechtigen. 
(Nach Velenovsky.) 

Meiner Meinung nach ist dieser Rest, was die 
Bestimmung anbelangt, noch fraglich. 
Schieferthon. Selten. 



Callistemophylluin Brmleri Engelh. 

(Engelhardt: „Ueber böhmische Kreidepfl." pag. 115. Tab. I. Fig. 6, 7.) 

Blätter lederig, ungestielt (?), lanzettförmig, ganzrandig. Mittelnerv stark, 
erst in der Nähe der Spitze verschmälert, Seitennerven fein, unter spitzen "Winkeln 
ausgehend, bis zu dem Saumnerv parallel verlaufend und durch Nervillen unter- 
einander verbunden. (Nach Engel hardt) 

Engelhardt sagt 1. c p. 115: „Die Blätter haben ungemein viel Aehn- 
lichkeit in Gestalt und Nervatur mit solchen des Callistemon glaucum 
H. B. S., weniger mit solchen von C. lanceolatum Swt. Doch lässt sich nicht 
leugnen, dass es auch solche aus anderen Gattungen giebt, wie z. B. Trist ania, 
mit welchen man sie in Zusammenhang bringen könnte, weshalb ich es für das 
Beste hielt, sie der von Ettingshausen gegründeten provisorischen Gattung Calli- 
stemophylluin zuzuweisen." 

Fundorte: Kounic, Kuchelbad. Selten. 



Eucalyptus Geiuitzi Heer. 

(M y r t o p h y 1 1 u m (Eucalyptus?) Geiuitzi Heer, Fl. v. M o 1 e t e i u pag. 22. Tab. XI. 
Fig. 3, 4. 

Myrtophyllum Geinitzi Heer Fl. foss. arct. III. pag. 1 16. etc. (Velenovsky, K Ve- 
ten a pag. 37.) 

Eucalyptus Geinitzi Heer : Flora fossilisGroe 
Velen.: Flora, IV. pag. 1. Tab I, II. Tab. III. Fig 
XIII. Jhg. pag. 197. Fig. 6. Kvetena, pag. 41, 51 

.Handbuch" pag. 638. Fig. 348. — Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. p. 113. 
Kreideflora von Kunstadt, pag. 134. Tab. I. Fig. 3. Tab. III. Fig. 
Fig. 16—18. Tab. VU. Fig. 6.) Fig. lio. 



1 1 a n di c a I Th. pag. 
t. Tab. IV. Fig. 1, 13 
54, 59. 



Schenk in 



13. etc. — 
V e s m i r 

Z ittel's 
— Krasser ; 
5. Tab. VI. 



143 

Blätter länglich lanzettlich bis ziemlich breit lanzettlich, 12 — 2öcm lang, 
2— 3'5cw breit, in eine lange, schmale Spitze verschmälert, zum Stiele kurz ver- 
schmälert, in der Mitte oder in der unteren Hälfte am breitesten, ganzrandig, 
fest lederartig. Primaernerv gerade, stark, zur Spitze hin verdünnt. Secundaer- 
nerven sehr zahlreich, dünn, unter spitzen Wi ukelu entspringend, dicht am Blatt- 
rande in einem Saumnerven endi- 
gend. Nervennetz fein aus länglichen 
Felderchen zusammengesetzt. Blatt 
stiel stark, 1 — 3 cm lang. 

Das gemeinschaftliche Merkmal 
für alle Exemplare bildet die sehr 
lang und fein verzogene Blattspitze. 
Die Blattspreite war fest, derb le 
derartig, mit glatter Oberseite. — 
Sehr häufig findet man in den 
Schieferthonen bei Vyserovic rund- 
liche, etwas vertiefte Abdrücke von 
1 — 2 cm im Durchmesser d.h. ganze 
kugelige Dolden mit mehreren 
Blüthen, wie man sie bei leben- 
den Eucalyptus-Arten findet. Da 
man diese blühenden oder schon 
abgeblühten Dolden öfter an beblät- 
terten Zweigen vorfand, die sicher 
zu Eucal. Geinitzi gehören, so 
ist der Gedanke nahe, dass diese 
Blüthen bezw. Frachtdolden sammt 
den Blättern wirklich nur der Gat- 
tung Eucalyptus angehören können, denn die verwandten Gattungen Calli- 
stemon, Tristania etc. haben, wie Velenovsky hervorhebt, zwar ähnliche 
Blätter, ihre Früchte- und Blüthenstände sind aber anders gestaltet. 

Die vermeintlichen becherförmigen Abdrücke, die Velenovsky früher 
(Flora) mit den reifen Fr u chtbechern von Eucalyptus verglich, haben sich 
nun nach seinen eigenen Studien (Kvetena pag. 21) nur als Zapfensch uppen- 
abdrücke von Dammara (wahrscheinlich von der D. borealis Heer) erwiesen. 
Diese Eucalyptus-Art war zur Zeit des Cenomans in Böhmen allgemein ver- 
breitet; an einigen Fundorten kommt sie sogar massenhaft vor. (Nach 
Velenovsky.) 




Fig. MO. Eucalyptus Geinitzi Heer. — Von Vyserovic 

Zweig mit Fruchtdolden. '/ 2 der natürl. GröBse. 

(Velenovsky.) 



Fundorte: Vysevovic, Kounic, liuchelbatl, Hloubetin, Lidic, Lip- 
penz, Melnik, Vidovle, Cibulka, Nebozizek ( Laurenziberg), Bofidän- 
koo (Liebenati), Peruc, Mseno, Kozäkov, JSLotol. Schieferthon, sehr 
häufig. Otruby, Kralivp, Strädonic. Schieferthon, nicht häufig. 



14t 



Eucalyptus angusta Vel. 



(Velen.: Flora, IV. pag. 3 Tab. III. Fig. 2—12. — V e s m i r, XIII. .1hg. pag. 197. Fig. 4. — 
Krasser: . B e i t r. z Kenntn, d. f o s s. K r e i d e f 1. v. K u n s t a d t", pag. 135. Tab. II. 
Fig. 7, 8. Tab. V. Fig. 4, 5. 

Eucalyptus angustus Vel. Kvetena pag. 21. Tab. VI. Fig. l. — Vesmir XXII. Jhg. 
pag. 56. Fig. 4. — Engelhardt : Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 114, 115.) Fig. 111, 112. 



# 



Fig. III. Eucalyptus angusta Vel. — 

Von Vytlerovir. Blatt. '/„ ( ' er natürl. 

Grösse. (Nach Velenovsky.) 



Blätter lineal, schmal lineallanzettlich, in 
der Mitte oder in der unteren Hälfte am brei- 
testen, ganzrandig, vorne in eine sehr lange 
Spitze vorgezogen und mit einem harten Dorn 
beendet. Primaernerv ziemlich stark, zur Spitze 
hin verdünnt. Secundaernerveu zahlreich, unter 
spitzen Winkeln entspringend, am Rande durch 
einen Saumnerv untereinander verbunden. Blatt- 
stiel gerade, stark, etwa 1 cm lang. Das Blatt 
derb. Die schmale Form der Blätter, welche die 
Blattränder parallel erscheinen lässt, kommt bei 
dem Euc. Geinitzi nie vor, erreichen aber 
die Blätter von dem Euc. angustus eine bedeu- 
tendere Breite, so ähneln sie nicht wenig denje- 
nigen der vorigen Art. Bisjetzt also ist noch 
nicht festgestellt, ob die besprochenen Blätter 
wirklich einer neuen Art angehören, umsomehr 
da Blätter von den beiden Arten häufig zusam- 
men vorkommen. (Nach Velenovsky.) 

Velenovsky betont mit Recht, dass die 
hellgraue mit Unionen gefüllte Thonschichte bei 
Yyäerovic nur diese Art und das in]]Menge^von 



lauter charakteristischen Exemplaren ent- 
halte. Engelhardt 1. c. p. 115. sagt, 
dass er sich der Meinung Veleno vsky's, 
die beiden Blattformen als zwei verschie- 
denen Arten angehörig zu betrachten, 
nicht anschliesseu könne auf Grund der 
von ihm in Niederschöna entdeckten 
Uebergangsformen ; dennoch war ihm 
aber bei seinem Materiale von Kouuic, 
Weissem Berge und Kuchelbad auch auf- 
fällig, dass er trotz der grossen Zahl der 
Blätter keine Uebergangsformen von dem 
Euc. Geinitzi zu dem Euc. angusta nach- 
weisen konnte. — Ich halte bisjetzt die 
Sache für unentschieden, obzwar ich der 




Fig. 112. Eucalyptus angustus Vel. — Von 

Vyserovic. Fruchtzweig, etwas lvstaurirt. Nat. 

Grösse. Nach Velenovsky. 



145 



Lösung der Frage seit einigen Jahren meine volle Aufmerksamkeit gewidmet habe. 
Vielleicht werden uns die Fruchtzweige hierüber einen Aufschluss einmal 
geben können. Soweit ich beobachten konnte, sind die Frucht- bezw. Blüthen- 
Doldenbei Euc. angusta kleiner. Die Blätter die Grösse der Fig. 111 oft 
nicht überschreitend. 

Fundorte: Vyäerovic, Konnte, Wachelbad, Hloubetin, Lidic, 
Landsberg, Liebenau {Bohdänkov), Peruc. — Schieferthon. Sehr häufig. 
Otruhy, Lippenz, MelniJc, Yidovle, Mseno, Stfädonic, Motol — Schieferthon. Nicht 
häufig. Nehvizd. Sandstein, nicht häufig. 

Terminalia reetinei'vis Vel. 

(Veten.: Flora, III. Th. pag. 5. Tab. V. Fig. 1, 2. — 

Terminaliphyllum rectinerve Velen. Kvetena, pag. 51, 54, 58.) Fig. 113. 

Blätter lanzettförmig, zur Spitze sowie 
zur Basis allmälig verschmälert, ganzrandig. 
Primaernerv gerade, besonders am Grunde 
stark, zur Spitze hin fadenförmig verdünnt. 
Secundaernerven beiderseits 6 — 10, nicht stark, 
gerade, unter spitzen Winkeln entspringend, 
dicht am Rande sich verlierend. Blattstiel 
gerade, etwa ein Drittel der Spreitenlänge 
erreichend. 

Zwei von Velenovsky in seiner Kve- 
tena zu den nicht sicher bestimmbaren Resten 
zugezählte Blätter. Die grösste Aehnlichkeit 
mit diesen Blättern in dem lebenden Pflanzen- 
reiche lässt sich in der Familie der Combre- 
taeeen und der Cinchonaceen verfolgen. 
Velenovsky findet eine grössere Verwandt- 
schaft bei den erstereu und zwar bei der Gat- 
tung Terminalia. Die tertiäre Art T. Ra- 
dobojana Ung. ist, was die Tracht der 
Nervation und annähernd auch die Form 
betrifft, unseren Blättern sehr ähnlich. (Nach 

Velenovsky.) ^'0- "3- Terminalia rectinervls Vel. — 

Von Kounic. Blatt, 2 /s der nat. Grösse. 

Fundort: Kounic, Schieferthon, selten. (Copie nach Velenovsky.) 




(u&sonia partita Vel. 

(Veten.: Fl ora, I. Th. p. 13. Tab. V. Fig. 1. — Vesmfr, XI. Jhg. pag. 136. 161. Fig. 6. 
Cussouiphyllum partitum Velen. Kvetena, pag. 22. Tab. V. Fig. 1. pag. 50, 54, 57. 
— Vesmir, XXII. Jhg. pg. 56. Fig. 7.) Fig. 114, 115. 

Blatt dreizählig gefiedert; seitliche gestielte Blättchen noch einmal in 
kleinere, lanzettförmige, am Grunde stark ungleichseitige, zur Basis sowie zur 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer : »Perucer Schichten«. 10 



146 

Spitze allmälig verschmälerte Blättchen getheilt. Blättchen am Rande besonders 
zur Spitze gezähnt. Mittelnerven der Blättchen stark, gerade, bis in die Spitzen 
derselben auslaufend. Secundaernerven nur hie und da sichtbar. 





Fig. 114. Cussonia partita Vel. — Von Liebenau. 

Blattfragmeut etwas verkleinert. Nach Velenovsky 

(Flora). 



Fig. 115. Cussoniphyllum partitum 

Vel. — Von Liebenau. Blattspitze, 
nat. Grösse. Nach Ve 1 e n. (Kveteua). 



Dieser Blattrest lässt sich mit der jetztlebenden Aralien-Art Cussonia spicata 
Thunb. noch am besten vergleichen. Unter den bisjetzt beschriebenen fossilen 
Arten aus der Familie der Araliaceeu nicht nur aus der Kreide, sondern auch 
aus dem Tertiaer ist nirgends etwas ähnliches zu finden. (Nach Velenovsky.) 

Fundort: Bohrfänkov bei Liebenau. Röthlicher Schieferthon. Häufig, 
besonders einzelne Blättchen. 



Aralia deeurrens Vel. 



(Veten.: Flora, III. Th. pag. 11. Tab. IV. Fig. 5—7. 
Krasser: Kreidefl. v. Kunstadt, pag. 136. Tab. I. 
r e n s Vel. K v e t e n a, pg. 50, 54.) 



Fig. n„. — Aralipkyllum d e c u r- 



Blätter dreilappig, Lappen gleich gross oder die seitlichen kleiner, lineal, 
gegen die Spitze sowie zur Basis verschmälert, am Rande mit grossen, scharfen, 
entfernten, seitwärts abstehenden Zähnen. Die Blattränder laufen auf dem Stiele 
lang herab. 



147 

Velenovsky vergleicht die Pflanze mit der lebenden A. trifoliata Mayer und 
der tertiären ungezähnten Aralia Jörgenseni Heer. 

A. formosa Heer ist dieser Pflanze sehr ähnlich, hat aber nicht so lange, 
schmale Lappen, nicht so grosse und scharfe Zähne und der Blattrand läuft am 
Stiele nicht herab. (Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. In einigen Exemplaren. 

Aralia formosa Heer. 

(Aralia formosa Heer, Flora v. Mol et ein in M. pag. 18. Tab. VIII. Fig. 3. — Veten.-. 

Flora I. p. H. Tb. III. Fig. 2. Tb. IV. Fig. 7. Tb. V. Fig. 2, 3, 4. — Vesmfr, 

XI. Jhg. p. 136. Fig. 1. 
Araliphyllum formosum (Heer) Velen. K v ö t e n a p. 50, 54, 59.) Fig. 116. 




„Blätter dreilappig, im Um- 
riss rhombisch bis verkehrt drei- 
eckig, zum Stiele verschmälert, 
aber nie merklich herablaufend, 
Lappen lanzettförmig, in der 
Mitte am breitesten, oder lineal, 
vorne immer kurz zugespitzt, 
ziemlich stumpf, am Rande dicht, 
klein, scharf gezähnt nur am 
Grunde ganzrandig. Die 2 Basal- 
nerven gerade, dem Hauptnerv 
an Länge und Dicke fast gleich, 
aus dem Blattstiele oder wenig 
höher entspringend. Secundaer- 
nerven unter spitzen Winkeln 
entspringend, bogenförmig, durch 
unregelmässige Schlingen am 
Rande untereinander verbunden. 

Nervennetz aus scharf hervortretenden Felderchen zusammengesetzt. Blattstiel 
über 1 cm lang. — Es kann für sicher gehalten werden, dass Heer's A. formosa 
(Fl. v. Moletein, Tab. VIII. Fig. 3.) mit den böhmischen Blättern specifisch über- 
einstimmt, da an dem Fundorte von Bohdänkov bei Hodkovic (Liebenau) auch 
ganz ähnliche, breitlappige, grosse Blätter von dieser Art vorkommen. 

Diese schöne Aralienart ist in den Perucer-Schichten von Böhmen allgemein 
verbreitet. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Bohdänkov bei Liebenau, in dem röthl. Schieferthone. In der 
grössten Auswahl. Radostny mlyn bei Kozäkov, in den schwärzlichen Schichten. 
Sehr häufig. Tnibejov unweit von Ndcliod, im grauen Thone. Lippeng nächst Laun, 
Eloubetin und Otrubt/, Schieferthon. Peruc, Sandstein. Vidovle bei Jinonic; ein 
Blättchen (sandige Perucerschichten). 

10* 



. 116. Aralia formosa Heer. — Von Liebenau. Blatt, 
etwas verkleinert. (Blätter in derselben Grösse 
kommen aber auch vor.) 



148 



Aralia anisoloba Vel. 



(Aralia anisoloba Velen. Flora, I. p. 15. Tab. III. Fig. 4— 6. — V e s m l r, XI. Jhg. 

p. 136. Fig. 2. 
Araliphyllum anisolobum Velen. K v6 te n a, pag. 47, 50, 54) Fig. 117. 



„Blätter dreilappig, im Um- 
risse gleichseitig dreieckig. Lap- 
pen breit, vorne rasch in eine 
feine Spitze verschmälert, die 
seitlichen zweimal grösser als der 
mittlere, am Rande nur bei der 
Spitze mit wenigen ungleich gros- 
sen Zähnen ; alle Lappen von 
halber Länge der Basalnerven. 
Secuudaernerven sowie das Ner- 
vennetz sehr fein, selten deutlich 
hervortretend. Blattstiel über 
2 cm lang. Blatt von fester, 
lederartiger Natur. — Von allen 
böhmischen , sowie von allen 
fossilen, bisher beschriebenen Arten ist sie durch den auffallend kleinen Mittel- 
lappen und die Länge der Lappen überhaupt, leicht zu unterscheiden. Alle 
Merkmale dieser Blätter stimmen mit den Aralienblättern gut überein; unter den 
jetztlebenden Pflanzen finden wir aber keine Art, mit welcher A. anisoloba ver- 
glichen werden könnte." (Velenovsky). 

Fundort: Landsberg. Schwarzgrauer Schieferthon. Sehr häufig. 




Fig. 117. Aralia anisoloba Vel. — Von Landsberg. 

Blatt, 7» der natürl. Grösse. Nach Velenovsky. 



Aralia triloba Vel. 

( Velen. : Flora I. p. 16. Tab. III. Fig. 7, 8. — Araliphyllum trilobuni Vel. K v e t e n a, 
p. 50, 54.) 



„Blätter drei lappig, im Umrisse rhombisch, Lappen gleich gross, breit 
lanzettförmig, zur Spitze allmälig verschmälert, am Rande fein und spärlich 
bezahnt; die Zähne reichen bis an die Basis hinab. Basalnerven entspringen 
ziemlich hoch über der Blattbasis. Nervennetz nicht erhalten. — Diese Art ist 
der Aralia formosa, A. anisoloba, besonders aber den dreilappigen Formen 
vou A. Kowalewskiana so ähnlich, dass immer noch eine weitere Betrachtung 
dieser Art nöthig sein wird, um die Bestimmung der beiden Fragmeute zu recht- 
fertigen." (Velenovsky.) 

Fundorte: Kuchelbad. Weisser Thon. Ein Blattfragment. Vyherovic. Schwarz- 
grauer Schieferthon. Ein Blatt. 



149 



Aralia Kowalewskiana Sap. et Mar. 



(Saporta: Le monde des plantes, pag. 199. Fig. !. 

feien. : Fl o r a I. p 17. Tab. III. Fig. 1. Tab IV. Fig. 1—6. - Vesmir, XI. Jhg. p. 161. Fig. i. 

Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 106. 

Araliphyllum Kowalewskianum Velen. Kvetena, p. 50, 54, 57.) Fig. 118. 

„Blätter im Unirisse rundlich, rundlich eiförmig bis rhombisch, 9 — 31appig, 
am Grunde zugerundet, herzförmig oder verschmälert. Lappen lanzettförmig, 
allmälig zur Spitze verschmälert, entweder am Grunde oder in der Mitte am 
breitesten, g.uizrandig, von halber Länge der Hauptnerven, die mittleren die 
grössten, die seitlichen die kleinsten. Basalnerven immer aus der Basis entsprin- 
gend, stark, zur Spitze verdünnt. Secundaernerven unter ziemlich stumpfen 
Winkeln entspringend, bogenförmig, selten deutlich hervortretend. Nervennetz 
nicht kenntlich. Blattstiel dick, länger als die grössten Basalnerven. 




Fig. 118. Aralia Kowalewskiana Sap. et Mar. — Von Vyserovic. Blatt, '/ 3 der natürl. Grösse. 

Nach Velenovsky. 



Diese Blätter sind denjenigen der allgemein kultivirten A. Sieboldi auffallend 
ähnlich, nur die ungezähnten Lappen bilden bei der fossilen Pflanze einen stich- 
haltigen Unterschied. Die Zahl der Lappen variirt sehr stark, denn man hat 
bisjetzt 9- bis 31appige Formen vorgefunden, die letzteren besonders reichlich bei 
Kounic, wo auch solche Uebergangsformen entdeck wurden, die darauf hinweisen, 
dass alle diese Blätter zu einer und derselben Art gehören. Die böhmische 



150 

Kreidepflanze steht mit der tertiaereu Art Aralia Hercules Sap. in nächster 
Verwandtschaft." (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic. Perucer Schieferthon. Sehr häufig. Konnte. Perucer 
Schieferthon. Sehr häufig (besonders in dreilappiger Form). Lippenz. Selten. 

Aralia minor Vel. 



— Araliphyllum minus Vel. Kvetena, 



(Veten.: Flora I. pag. 18. Tab. III. Fig. 9. 
pag. 50, 64.) 

Blatt bandförmig, 3 — ölappig, im Umrisse rundlich eiförmig. Der Mittel- 
lappen am grössteu, lanzettförmig, vorne allmälig in eine lange Spitze verschmälert, 
in der vorderen Hälfte grob, gross, ungleich gekerbt, gezähnt, nur wenig kürzer 
als sein Mittelnerv. Die Seitenlappen von ähnlicher Form, die untersten aber 
nur von der halben Länge ihrer Mittelnerven. Das Blatt am Grunde herzförmig 
ausgerandet, hier am breitesten. Die Basalneiveu gerade, nicht stark. Die seit- 
lichen zweigen über der Basis noch zwei andere Basalnerven ab, welche in die 
untersten Lappen auslaufen. Die Secundaeruerven entspringen unter ziemlich 
stumpfen Winkeln, sind sehr fein, bogenförmig. Durch die grobe Bezahnung der 
Lappen unterscheidet sich diese Art von allen ähnlichen Arten. Sie lässt sich 
mit der amerikanischen Kreide- Art Aralia concreta Lesqx. vergleichen und 
steht der tertiären A. Zaddachi Heer und A. primigenia De la Harpe sehr 
nahe. (Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Grauer Schieferthon. Ein einziges Exemplar. 



Aralia transitiva Vel. 

{Veten.: Flora I. pag. 21. Tab. IV. Fig. 8—10. - Vesmir, XI. Jhg. pag. 1G0. Fig. 2. 
A ral i p h y 1 1 um transitiv um Vel. K v e t e n a, pag. 60, 54.) Fig. 119. 

Blätter von fester, derber Natur, rundlich, 
zum Stiele verschmälert oder sogar herab- 
laufend, vorne abgerundet, in der Spitze aus- 
geraudet , ganzrandig. Primaernerv gerade, 
nicht stark, in der Spitze verdünnt. Aus dem 
Blattgrunde oder ziemlich hoch über demselben 
entspringen unter spitzen Winkeln zwei gegen- 
ständige Basalnerven, welche sich bogenförmig 
krümmen oder iu einer geraden Richtung 
bis zum Rande hin auslaufen. Blattstiel etwa 
37 2 cm lang, nicht stark. (Nach Velenovsky.) 

Diese Blätter sind denjenigen von A. 
D aph nophy 1 lum und A. propinqua sehr 
verwandt, worauf schon Velenovsky selbst 
in seiner Flora hingewiesen hat. 
Fundorte: Kounic. Weisslicher Schieferthon, selten. Vyserovic. Schwarzgrauer 
Schieferthon, selten. 




Fig. 119. Aralia transitiva Vel. — Von 

Vyserovic. Blatt, etwas verkleinert. 

Nach Velenovsky. 



151 



Aralia propinqua Vei. 



(Veten.: Flora I. pag. 22. Tab. V. Fig. 9, 11, 12. Tab. VI. Fig. 6. Tab. IX. Fig. 1—3, 6. 

Tab. X. Fig. 1. — 
Engelhardt: Ueber böhm. Ereidepfl. p. 108. 
Araliphyllum propinquum Velen. Kvetena, pag. 37, 50, 54.) 

Blätter 5 - 13 cm lang, 3—5 cm breit, von fester, derber Natur, lanzettlich, 
ei-lanzettlich bis rhombisch, entweder in der Mitte oder am Grunde am breitesten, 
vorne allmälig in eine lange Spitze verschmälert, symmetrisch, ganzrandig. Blatt- 
ränder am Grunde zum Stiele herablaufend. Mittelnerv gerade, nicht stark. 
Secundaer nerven fein, unter spitzen Winkeln entspringend, gerade, selten 
bogenförmig gekrümmt, die untersten gegenständig, stärker und länger als die 
übrigen, immer hoch über der Basis unter spitzen Winkeln entspringend. 
Blattstiel über 2cm lang, nicht stark. Diese Art steht den Arten Hedera 
credneriaefolia Vel., Aralia Daphnophyllum Vel. und A. transitiv a 
Vel. sehr nahe. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic und Konnte. Perucer Schieferthon. Sehr häufig. 
Yidovle, sehr selten. Kuchelbad (Engelhardt). 



Aralia Daphnophyllum Vel. 

Fig. 



1—5. 



(Veten.: Flora I. pag. 23. Tab. V. Fig. 5— S, 10. Tab. VI 

pag. 160. Fig. 3. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 107. 
Aralipkyllam Daphnophyllum Vel. Kvetena, pag. 37, 50, 54.) Fig. 120 



Vesmir, XI. Jhg. 



Blätter ei-lanzettlich, meist am Grunde am breitesten, gewöhnlich ungleich- 
seitig, vorne allmälig in eine lange Spitze verschmälert, ganzrandig, bis zweimal 
so gross wie das hier abgebildete Exemplar. 
Primaernerv gerade, nicht stark, in der Blatt- 
spitze verdünnt. Aus der Basis desselben ent- 
springen beiderseits unter sehr spitzen Winkeln 
zwei bogenförmig gekrümmte , mit. den Enden 
weiter nach vorne laufende Basalnerven. Secun- 
daerneiven fein, oft undeutlich, unter ziemlich 
stumpfen Winkeln entspringend. Blattstiel kaum 
2 cm lang, stark. Das Blatt von fester, derber 
Natur. (Nach Velenovsky.) 

Von den jetztlebenden Pflanzen findet Vele- 
novsky bei der Hedera acutifolia DC und 
der Hedera capitata Smith die der Aralia 
Daphnophyllum ähnlichsten Blätter. 

Fundorte: Vyserovic, Kounic, Pernc, 
Schieferthon, sehr häufig. Melnik, Yidovle, Liebe- 
nau (BohdänUv), Schieferthon, nicht häufig. Ne- Fjg |20 Ara|ja Daphnophyllum Vel . 
hvizdy, Sandstein, nicht häufig. Kuchelbad, Kralup, _ y n Kounic Blatt, ein wenig 
selten. verkleinert. Nach Velenovsky. 




152 



Aralia (Panax) deutifera Vel. 

(Velen. : Flora III. pag. ]3. Tab. II. Fig. 3—5. — Araliphyllum dentiferum Vel. Kve- 
tena, pag. 50, 54.) 

Blättchen lineal-lanzettüch. 4 — 6 cm» lang, 10 — 13 mm breit, an der Basis 
sowie zur Spitze verschmälert, am Grunde fast ungleichseitig, am Rande gekerbt, 
gezäbnt, mit einwärts gerichteten Zähnen, am Gruude ganzrandig. Primaernerv 
nicht stark, in der Spitze fein verdünnt. Secundaernerven unter spitzen Winkeln 
entspringend, zahlreich, etwas bogenförmig nach vorne verlaufend, am Räude sich 
in feine Schlingen auflösend. Nervennetz aus 
Felderchen zusammengesetzt. Von der Aralia 
länger vorgezogenen Blättchen und die tiefer 
Bezahnung verschieden. (Nach Velenovsky.) 

Velenovsky glaubt, dass diese Blättchen zu der Gattung Aralia resp. Panax 
gehören und zwar in die nächste Verwandtschalt der Aralia coriacea Vel. 

Fundort: Kuchelbad, selten. 



feinen, schwach hervortretenden 
coriacea durch die schmäleren 
zur Basis hinreichende kerbige 



Aralia furcata Vel. spec. mut. 

(Aralia elegans Velen. III. Th. pag. 13. Tab. IV. Fig. 1. — Ibid. IV. Th. „Machträge", pg. 14. 

— Vesmir, XIII. Jhg. pg. 2-24. Fig. 5. 
EngeVtanlt: Kreidepfl. v. Nieder schön a, pag. 80 sub. Delesseria Reichii Stnbg. sp. 
Araliphyllum lurcatum Vel. Kvetena, pag. 50, 54.) Fig 121. 

Blätter bandförmig gefiedert, Abschnitte noch 2— 3mal gabelig getbeilt, 
lineal, ganzrandig. Hauptnerven nicht stark, ziemlich gerade. Blattränder au den 

Nerven sehr unregelmässig herablaufend. 
Secundaernerven und Nervennetz nicht er- 
kennbar. 

Velen. sagt pg. 14.: „Annähernd ähn- 
liche Blätter fiudet man zwar in der 
Gattung Iatropha (Euphorbiaceae) und 
Vit ex (Verbenaceae), doch scheint es 
mir, dass die nächsten Verwandten der 
fossileu Art in der Familie der Aralia- 
ceen zu suchen seien." (Velenovsky.) 

Engelhardt's Annahme, dass hier 
eine Meeresalge vorliegt, 1. c. p. 81, 
kann mau, nach dem von Velenovsky 
über den Ursprung der Perucer Schiefer- 
thone gesagten zu urtheilen, nicht bei- 
stimmen. 




Fig. 121. Aralia furcata Vel. — Von VySe- 

rovic. Blatt, 7a der natürl. Grösse. 

Restaurirt nach Velenovsky. 



Fundort: Vyserovic. In dem mergeligen 
Schieferthou. Eiu Blattfragment = Druck 
und Gegendruck. 



153 



Hedera primordialis Sap. 

(De Saporta: Le monde des plante s, pag. 190. Fig. 1. 

Velenov3ty: Flora I. pag. 19. Tab. VI. Fig. 7. Tab. VII. Fig. 4, 5. Tab. VIII. Fig. 3, 4. — 

Vesmfr, XI. Jhg., pag. 161. Fig. 1. 
Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. p. 109. 
Hederopbyllum (Hederaephyllum) primordiale Sap. Velen. Kvetena, pag. 50, 

54, 57.) Fig. 122. 

Blätter nieren- oder herz- 
förmig, dreieckig bis eiförmig, 
zumeist in dem untersten Theile 
am breitesten, am Grunde mehr 
oder weniger tief ausgerandet bis 
gerade abgestutzt, vorne kurz 
verschmälert, abgerundet oder in 
der Spitze ausgerandet, ganz- 
randig, fest, glatt. Aus dem 
Stiele laufen 3 — 7 Basalnerven 
aus, die sich in der Mitte gabel- 
förmig theilen und mehrmals ver- 
ästeln; die letzten Zweige ver- 
lieren sich in dem Nervennetze. 
Die Blattränder laufen nie deut- 
lich zum Stiel hinab. Die Zusammensetzung der Nervation stimmt sehr gut mit 
derjenigen der Epheu-Blätter , besonders mit der grossblälterigen Varietät 
chrysocarpa Tenore, überein. Nur die Form des Blattes ist verschieden. 
(Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vyserovic, Schieferthon, sehr häufig. Kounic, Schieferthon, nicht 
häufig. Bohddnkov b. Liebenau? Ein destruiertes Exemplar. 




Fig. 122. Hedera primordialis Sap. — Von VySerovk. 
Blatt, '/s der nat. Grösse. Nach Velenovsky. 



Hedera credneriaefolia Vel. 

(Velen.: Flora I. pag. 20. Tab. VI. Fig. 8. Tab. VIII. Fig. 2. 
Hederopbyllum credne ri aefolium Velen. Kvetena, pag. 50, 54.) 



Blätter dreieckig bis rhombisch, am Grunde zum Stiel hinab kurz ver- 
schmälert, in dem unteren Drittel oder in dem untersten Theil am breitesten, 
zur Spitze hin rasch verschmälert, ganzrandig, glatt, fest, 6 — 10 cm breit, 8 — 13 cm 
lang. Primaernerv gerade, am Grunde stark, zur Spitze verdünnt; am Grunde 
desselben entspringen zwei gegenständige starke Secundaernerven, welche sich 
bogenförmig krümmen und mehrere Tertiaeräste unter spitzen Winkeln abzweigen; 
höher über diesen Basalnerven entspringen noch mehrere schwächere Secundaer- 
nerven, die sich ähnlich wie das untere Paar verzweigen. Die sämmtlicheu Nerven 
treten schwach hervor. Blattstiel über 2 cm lang, nicht zu stark. 



154 

Der vordere Theil ist bei diesen Blättern immer in eine verlängerte, ein- 
lache Spitze verschmälert, nie aber abgerundet oder ausgerandet, wie bei der 
Hed. primordialis. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Yyserovic und Kounic, Schieferthon, selten. 



Beiithamia dubia Vel. 

[Veten.: Flora, IV. Th. pag. 11. Tab. VIT. Fig. 4, 6. — Kvetena: Benthamiphy llum d o- 
bium Vel. pag. 58.) 

„Das Blatt lanzettlich, in der Mitte am breitesten, zur Spitze sowie zur 
Basis verschmälert, ganzrandig. Secundaernerveu spärlich, unter spitzen Winkeln 
entspringend, bogenförmig vorwärts gebogen. Nervennetz nicht erkennbar. Blatt- 
stiel gerade, mittelmässig stark, etwa 1 cm lang. Der näheren Stellung im Systeme 
nach ist die Pflanze noch fraglich." (Velenovsky.) 

Fundort: Vyserovic. Nur in 2 Exemplaren. 



Myrsinophyllum varians Vel. 

{Veten.. Kvetena, pag. 25. Tab. IV. Fig. 8, f>. Tab. V. Fig. 12. Tab. VI. Fig. 10, 11. pag. 50, 63. 
— Vesmlr, XXII. Jbg. p. 80. Fig. 3, 4.) Fig. 123. 




Fig. 123. Myrsinophyllum varians Vel. — 

Von Lidic. Blätter, nat. Grösse. (Copien 

nacb Velenovsky.) 



„Blätter lineal bis eilanzettlich, ziem- 
lich variabel, vorne zusammengezogen und 
stumpflich oder ausgerandet. Mittelnerv 
ziemlich fein, gerade, gegen die Spitze be- 
deutend verdünnt. Secundaernerven schwäch- 
lich, zahlreich, in scharfen Winkeln ent- 
vor dem Rande im Geäder 
Nervennetz wenig hervor- 



springend und 
sich verlieren« 
tretend. 



Ganz ähnliche Typen von Blättern 
finden wir bei Myrsineen, Sapotaceen und 
Diospyreen. Myrsine ferruginea z. B. 
hat sehr ähnliche Blätter." (Nach Vele- 
n o v s k y.) 

Die Blättchen der Bignonia pul- 
cherrima Bayer von Kuchelbad scheinen 
diesen Blättern verwandt zu sein. 

Fundorte: Lidic, Otrüby ! Schiefer- 

thon, sehr häufig. 






155 



Sapotacites obovata Vel. 

(Veten.: Flora, III. Th. pag. 3. Tab. in. Fig. 6. 
Sapotophyllum obovatum Vel. Kvetena, pag. 50, 54, 68. ■ 
Fig. 124. 

Das Blatt verkehrt eiförmig, vorne abge- 
rundet und schwach ausgerandet, zur Basis 
verschmälert, ganzrandig. Primaernerv nicht 
zu stark, in der Spitze verdünnt. Secundaer- 
nerven unter spitzen Winkeln entspringend, 
etwas bogenförmig gekrümmt, am Rande durch 
regelmässige Schlingen und Bogen untereinan- 
der verbunden, sehr fein hervortretend. Ner- 
vennet/, schwach kennbar. In allen Merkmalen 
stimmt das vorliegende Blatt mit den Blättern 
aus der Verwandtschaft der Gattung Bumelia 
und Sapota in der Familie der Sapoteen über- 
ein. (Nach Velen ovsky.) 

Trotzdem niuss man diesen Blattabdruck 
nach Velenovsky selbst (Kvetena p. 58) 
zu den der näheren systematischen Stellung 
nach fraglichen Resten rechnen. 



Vesmir, XIII. Jbg. pag. 259.) 




Fundort: Kuchelbad. In dem grauen Pe- 
rucer Thone. 1 Exemplar. 



Fig. 124. Sapotacites obovata Vel. — 

Von Kuchelbad. Blatt in nat. Grösse. 

(Copie nach Velenovsky.) 



Fig. 125. Diospyros pro 
vecta Vel. — Von Kuchel- 
bad. Die Hälfte der nat. 
Grösse. 



Diospyros provecta Vel. 

(Velen.: Flora, III. Th. pag. 2. Tab. VIII. Fig. 1—6, 10. - Ves- 
mir, XIII. Jhg. pag. 260. Fig. 8. 

Engelhardt: Kreidepfl. v. Medersch. p. 99. 

Diospyrophyllum provectum Vel. Kvetena, pag. 50, 53.) 
Fig. 125. 

Blätter lanzettlich bis länglich lanzettlich, vorne 
kurz zugespitzt, am Grunde allmälig herablaufend, ganz- 
randig. Primaernerv nicht stark, in der Spitze fein ver- 
dünnt. Secundaernerven unter ziemlich spitzen Winkeln 
entspringend, durch ein polygonales Netzwerk unter 
einander verbunden. Blattstiel nicht stark, ziemlich laug. 
In jeder Hinsicht stimmen diese Blätter mit denjenigen 
der lebenden Arten Diospyros Lotus L. und D. vir- 
giniana L. aus Amerika überein. Die Form des Blat- 
tes, die so charakteristische Nervation, besonders aber 
der schlanke Blattstiel und die schmal herablaufende 



156 

Basis machen die vorweltliche Art diesen lebenden Pflanzen auffallend ähnlich. Ich 
halte demnach die Bestimmung dieser Fossilien für sehr wahrscheinlich. Die 
Kreideblätter D. primaeva Heer, D. prodromus Heer und das Tertiaerblatt 
I). brachysepala A. Br. sind mit unserer Pflanze sehr verwandt. (Nach Ve- 
1 e n o v s k y.) 

Fundorte: KucJiclbart. Nicht selten. Perucer Thon. Melnik. Nicht häufig. 
Perucer Thon. Bohdänkov bei Liebenau. Selten. Perucer Thon. 



Biguonia pnlcherrima Bayer. 

(Rayer: Ein. neue Pfl. d. Perucer Kreidesch. in Böhmen, pag. 33. Fig. 11, 12. Tab. I. Fig. 9 — 14. 
Tab. II. Fig. 4—10.) Fig. 12G. 

Blätter unpaarig gefiedert, die drei oberen Blättchen an langen, dünnen 
Stielen eine dreizählige Gruppe bildend mit gelenkartig verdickten Stielbasen. 
Der gemeinsame Blattstiel ebenfalls dünn und laug. Blättchen sehr polymorph, 





Fig. 126. Bignonia pulcherrima Bayer. — Von Kurheibad. a) Ein unpaarig gefiedertes Blatt mit 

dreizähliger Spitze. Nat. Grösse, b) Ein Blättchen mit sehr schön erhaltener Nervatur. 1 ' „mal 

vergiössert. Es kommen aber Blättchen in der abgebildeten Grösse sehr häufig vor. — Der 

Blattstiel ist nicht vollständig erhalten, müsste wenigstens noch etwa 2 cm länger sein. 

Original Zeichnung. 



157 

aber insgesainuit verkehrt herzförmig oder verkehrt eiförmig bis elliptisch, oben 
immer ausgerandet mit immer mehr oder weniger abgerundeten Ecken 
und hie und da am Ende des Hauptnerven aus der Bucht hervortretender, kurzer 
Spitze der Hauptrippe, unten entweder kurz keilförmig zusammengezogen oder 
beinahe abgerundet, nie am Blattstiel hinunterlaufend. Primaernerv fest, aber 
nicht dick. Secundaernerven zahlreich, weit feiner, nicht regelmässig wechsel- 
ständig, entspringen in spitzen Winkeln aus der Hauptader und laufen beinahe 
gerade oder wenig bogig oder etwas gebrochen zum Rande hin, um sich vor 
demselben gabelig zu theilen. Die Gabeläste anastomosieren mit den Gabelästen 
der nächstliegenden unteren und oberen Seitermerven und am Rande hinauflaufend 
bilden sie durch tertiäre Aeste quer verbundene Schlingenbogen. Zwischen je 
zwei Secundaernerven vt-rlauft oft noch ein feinerer Mittelnerv eine Strecke weit, 
der etwas geschlängelt die schief verlaufenden, wenig feineren Tertiaernerven 
auffängt, um sich weiter in den Schlingen der Gabeläste zu verlieren. Tertiaer- 
Derven zahlreich, länglich rhombische bis unregelmässige Netzfeldercheu bildend. 

Die Blättchen dieser Pflanze sind den Blättern des Liriodendron 
Meekii Heer auffallend ähnlich, und es ist wohl möglich, dass die beiden 
Pflanzen identisch sind. Vorläufig ist es aber nicht möglich die beiden Pflanzen 
als identisch anzusehen, umsomehr, da die unseren Abdrücke meiner Ansicht 
nach eher einer Bignonia-Art entsprechen. Wir müssen die beiden Pflanzen 
noch getrennt halten, bis das Auffinden der zu ihnen wirklich gehörenden Früchte 
oder Samen die systematische Stellung der beiden Pflanzen vollständig klar- 
legen wird. 

Fundorte: Klein-Kxichelbad. Perucer Thon. Sehr häufig. Otruby. 
Schieferthon. Häufig. 



Bignouia cordata Vel. 

(Veten.: Flora IV. pag. 9. Tab. VI. Fig. 5. 
Bignouiphyllum cordatum Vel. Kvetena, pag. 54, 58.) 

Fiederblätter länglich lanzettlich, ganzrandig, am Grunde herzförmig, un- 
gleichseitig. Primaernerv gerade, nicht stark. Secundaernerven nicht zahlreich, 
bogenförmig, am Rande durch Schlingen untereinander verbunden Fiederblatt- 
stiel etwa 1 cm lang, dünn. Der Rest ist den Blättchen der recenten Bignonia 
capreolata L. ähnlich. (Nach Velenovsky.) 

In seiner Flora und Kvötena stellt Velenovsky diese Art zu den der 
näheren System. Stellung nach fraglichen Pflanzenresten. 

Fundort: Kuchdbad. Grauer Perucer Thon; nur ein Blättchenfragment. 



158 



(Vehn.: Kveteua, pag. 25 
Fig. 127. 




OT 



Fig. 127. Butomites cretaceus Vel. — 
Von Vidovh bei Jinonic. o) Restaurirte 
Pflanze, verkleinert. 6) Schieferthon mit 
Blattresten, nat. Gr. <•) Blüthenrest, 
nat. Grösse. (Nach Velenovsky.) 



Butomites cretaceus Vel. 

Tab. III. Fig. 10—13, 15. — V es mir, XXII. Jhg. pag. 80. Fig. 5.) 

Blätter lineal, grasartig, bis 70 cm lang, 
mit einem ziemlich starken Mittelnerven und 
zahlreichen, mit ihm ganz parallel verlaufen- 
den, Secundaernerven, die alle nur schwach 
hervortreten und nirgends durch irgendwelche 
Quernerven miteinander in Verbindung stehen. 
Die Blätter gehörten einer krautigen, wahr- 
scheinlich einer Sumpf-Pflanze, da Velenovsky 
auch Stücke von ihrem fingerdicken Wurzel- 
stock entdecken konnte. Aus diesem Wurzel- 
stock erheben sich die Blätter senkrecht empor 
und sind dicht zweizeilig gestellt. Ein sehr 
ähnliches Bild kann man bei Butomus um- 
bellatus finden, nur dass hier der Mittel- 
nerv der Blätter durch einen starken Kiel 
vertreten ist. Neben dem Wurzelstock fand 
Velenovsky auch Blüten und Samen, 
ob sie aber zu der Pflanze gehören, ist schwer 
zu sagen. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vidovle b. Jinonic, sehr häufig, 
eine etwa einige Centhneter starke Schicht 
Schieferthon allein erfüllend. Tdppen», häufig. 
Hloubetin, Vyserovic, Kounic, Bohddnkov, Peruc, 
Mscno, Lidic, nicht häufig, bis selten. 



Incertae sedis. 



Dewalquea peutaphjlla Vel. 

[Velm.: Flora III. pag. 14. Tab. VIII. Fig. 11. 12. 
— Vesmir, XIII. Jhg. pag. 224. Fig. 3. — 
Kvetena, pag. 51, 54.) Fig. 128. 

Blätter fussförmig, özählig, Blättrhen 
länglich, am Grunde verschmälert oder bei- 
nahe abgerundet, kurz gestielt, ganzrandig. 
In der Zusammensetzung der Blättchen, be- 
sonders aber in der Nervation stimmen diese 
Blätter mit der Gattung Dewalquea überein. 
Dewalquea haldemiana Sap. et Mar. steht 
uuserer Art sehr nahe, hat aber viel schmä- 
lere und längere Blättchen. (Velenovsky.) 

Fundorte: Kuchelbad und Landsberg. 
Zwei Exemplare. Schieferthon. 




Fig. 128 Dewalquea pentaphylla 

Von Kuchelbail 

(Nach Velenovsky. 



159 



Dewalquea coriacea Vel. 



(Aralia coriacea Vel. Flora III. pag. 11. Tab. I. Fig. 1—9. Tab. II. Fig. 2. — Vesmir' 

XIII. Jhg. pag. 224. Fig. 7. 
Engelhavdt : „Ueber Kreidepfl. y. Niederschöna", p. 99. — Idem: Ueber böhm. Kreidepfl. p. 107- 
Dewalquea coriacea Vel. Kvetena, pag. 23, 29. Tab. IV. Fig. 1—6. pag. 40, 41, 43, 45, 

47, 51, 54. — Vesmir, XXII. Jhg. pag. 80. Fig. 6. 
Araliophyllum coriaceum Vel. Kvetena, pag. 37.) Fig. 129, 130. 

Blätter zweimal f ussförmig (nicht bandförmig), gefiedert oder zusammen- 
gesetzt. Blättchen lanzettförmig, 6 — 12 cm lang, Vb—2'7 cm breit, gegen die 
Spitze sowie zur Basis verschmälert, am Grunde oft ungleichseitig, in der oberen 
Hälfte grob gekerbt-gezähnt, in der unteren ganzrandig. Primaernerv gerade, 
ziemlich stark. Secundaemerven zahlreich unter sehr spitzen Winkeln entsprin- 
gend, am Rande durch feine Schlingen untereinander verbunden. 

Ob man diese Pflanze zu den Araliaceen oder zu den Hellebor een 
rechnen soll, ist bisjetzt nicht sicher entschieden. 





Flg. 129. Aralia coriacea Vel. — Von Vjße- Fig. 130. Dewalquea coriacea Vel. — Von Vy- 

rovic. Spitze eines 2rual fussförmig zusam- serovic. Blattspitze mit einigen Blätteben, 

mengesetzten Blattes, y s der natürl. Grösse. V» der natürl. Grösse. 

(Die fussförmige Verbindung der Blättchen ist hier aus Versehen nicht angedeutet.) 

Velenovsky ist der Meinung, dass die Merkmale dieser fossilen Reste 
mehr auf die Verwandtschaft mit den Araliaceen hinweisen. 

Die Pflanze musste zur Zeit der Bildung der Perucer Schichten allgemein 
verbreitet sein. Sie bildete vielleicht den grössten Theil der Vegetation an den 
Ufern der Gewässer, weil man ihre Blätter immer in grosser Zahl und Menge 
zwischen anderen Arten beisammen findet. (Nach Velenovsky.) 

Fundorte: Vy.serovic, Konnte, JPerue, Mseno. Schieferthon. — Sehr 
häufig, hie und da gemein. Hloubetin, Lippeng, Vidovle, Kralupy, Bohdänhov (Lie- 
benau). Nicht häufig. Kuchelbad. Seltener. Charvatec. Sandstein, selten. 



IfiO 




Bresciphyllum cretaceum Vel. 

(Veten.: Kvetena, pag. 25. Tab. V. Fig. 2, 3. pag. 51, 54. 
— Vesmir, XXII. Jlig. p. 80. Fig. 2.) Fig. 131. 

„Blätter keilförmig' elliptisch bis länglich 
eiförmig, vorne kurz beeudet und bis zur Hälfte 
des Randes dicht und scharf gezähnt; der untere 
keilförmige Theil ganzrandig, in den dicken und 
ziemlich kurzen Blattstiel herablaufend. Haupt- 
rippe in die Spitze allmälig verschmälert, Secun- 
daernerven zahlreich , ein wenig geschlängelt 
und bald vor dem Rande in ein Adernetz sich 
auflösend. Die feinere Nervatur kaum hie und 
da deutlich ausgeprägt. Mit Sicherheit kann 
man die generische Verwandtschaft der Blätter 
nicht näher begründen." (Nach Velenovsky.) 



Fig. 131. Bresciphyllum cretaceum Vel. 

— Von Lidic. Blatt, >/a d. nat Gr. 

(Copie nach Velenovsky) 



Fundorte : Lidic, Otruby, 

Schieferthon. 



sehr 



häufig. 



Carpolitbes vyseroviceusis Bayer. 

(Bayer: „Ein. neue Pfl. der Perucer Kreideseh. in Böhmen", pag. 48. Textfig. 15.) Fig. 132. 



Das Gebilde, bei Lebzeiten wahrscheinlich kugelig und unten etwas abge- 
plattet, ist kreisförmig platt abgedrückt, an einer Seite gestutzt mit ein wenig 
gewölbter Mitte und etwas flacherem, beiläufig 2»»»» breitem, aber nicht scharf 
abgesetztem Saume. Die ganze Oberfläche bis in den Saum und zum Rande hin 
ziemlich regelmässig höckerig, mit einer sehr gut erkennbaren, dicken, achsen- 
artig durchpressten Spindel, die von der Mitte der abgestutzten untereu Partie 

in sanftem Bogen in dem Gebilde hiuauflaufend mit ihrem 
breiteren Ende schief nach rechts eingekeilt ist. 

Es gelang mir bisjetzt nicht zu entscheiden, ob 
hier ein Same oder eine Frucht vorliegt. Sehr wahr- 
scheinlich ist es eine feste Theilfrucht einer Sapin- 
dacee. In der Abtheilung Nephelieae kommen Theil- 
früchte vor, die einen ähnlichen Abdruck liefern könnten. 
Inwieweit hier ein Abdruck eines kahlen Köpfchens von 
einer Platan us -Sammelf nicht vermuthet werden 
könnte, siehe: Bayer 1. c. p. 48, 49. 




Flg. 132. Carpollthes vyse 

rovicensis Bayer. — Von 

Vyserovir. Natürl. Grösse. 

(Originalzeichming.) 



Fundort: Vyserovic. Grauer Schieferthon. In einigen gleich grossen 



Exemplaren. 



161 



Corticites stigniarioides (Ett. sp.) Engelh. 



{Engelhardt: Ueber böhm. Kreidepfl. pag. 116. 

Caulinite s stigniarioides Ettingsb. Kreidef I. v. Nieders chö na, pag. 14. Tab. II. Fig. 1.) 

Die Rinde ist breit, leicht gestreift, mit sehr zahlreichen, einander sehr 
genäherten, linealischen, wagerechten Lenticellen besetzt. (Engelhardt.) 

Fundort: Kounic. 

Es ist kein Zweifel, dass wir es in diesem Falle und in vielen anderen 
ähnlichen Fällen nur mit Rindenabdrücken fester, holziger Zweige und Aeste zu 
thun haben. Ich habe eine lange Reihe von solchen Abdrücken gesehen, die in 
dem Landes-Museum von Böhmen von verschiedenen Perucer Standorten 
aufbewahrt werden. Sie bieten oft ein sehr mannigfaltiges Aeussere dar. Die 
kurzen oder etwas verlängerten, linealen, in ihrer Mitte gewöhnlich ein wenig 
breiteren Quer-Streifen, -Grübchen oder -Runzeln rühren gewiss, wie schon 
Rossmässler: „Verst. d. Braunkohlensandst. " 1840. p. 41, Fig. 56 und dann 
auch Engelhardt 1. c. hervorhebt, nur von Lenticellen her; es konnten 
aber wohl und wahrscheinlich sehr oft verschiedene, harte Pilze zu der Sculptur 
der Abdrücke beigetragen haben. Ich habe in der freien Natur in dieser Hin- 
sicht den abgefallenen und faulenden recenten Aesten und Zweigen viel Aufmerk- 
samkeit geschenkt, und eben die sonderbaren, geraden, in ziemlich weiten, oft 
regelmässigen Abständen sich wiederholenden Querfurchen oder Querleisten, die 
die volle Breite der fossilen Stücke schneiden, kaun man sich durch die auf dem 
recenten Material häufig schön auftretenden Bogen- oder Ringel-Risse in der 
Rinde leicht erklären. Aehnliche, auffallend gerade Quertheilungen habe ich 
auch in ziemlich weiten Abständen auf fingerbreiten, ganz glatten Abdrücken von 
Farn-Wedel-Stielen auch in unserer Kreideformation (sehr schön in dem Schiefer- 
thon von Vidovle) beobachtet, die ich mir durch den Abdruck der Stellen 
herbeigeführt erkläre, wo die festen Stiele zuerst eingeknickt und dann wieder 
gestreckt wurden. Solange man in einzelnen Fällen die Zugehörigkeit solcher 
Zweig- oder Rhachis-Stücke zu einer bestimmten Pflanzenspecies zu erkennen 
nicht im Stande sein wird, ist ihre Beschreibung nutzlos, und sie können nur 
eine rein locale Bedeutung haben. 

Fundorte: Kounic (nach Engelhardt). Ich habe von einigen Perucer Fund- 
orten, z. B. von Landsberg, Hloubetin ähnliche, doch aber gewiss sehr verschie- 
denen Pflanzen-Gattungen angehörende Zweige gesehen. 

Diceras cenomanicus Vel. 

(Velen.: Kvetena, pag. 14. Tab. IL Fig. 5—7. — Yesmir, XXI. Jhg. pag. 236. Fig. 7—9.— 
Vergl. auch Schimper-Scherik in Zittel's „Handbuch", pag. 805.) Fig. 133. 

„Zweige dünn und lang, mit spiralig gestellten, etwas entfernt stehenden, 
dornartigen Schuppen besetzt, die, beinahe senkrecht, abstehend, kegelförmig 
erscheinen und in einer erhabenen Blattspur an dem Zweige herablaufen. 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer: »Perucer Schichten». 11 



162 




1 2 3 

Fig. 133. Diceras cenomanicus Vel. — 
Von Vyserovic. 1. Fruchtender Zweig 

2. Blattzweig. 3. Blattloser Zweig. 

Nat. Grösse, nach Velenovsk^. 



Wo schon diese Schuppenblätter abgefallen 
siud, sind die ßlattpolster mit rundlichen 
Narben beendigt. An einigen von den Zweigen 
wurden Früchte gefunden, welche am Ende 
des Zweiges entweder paarig an kurzen Gabel- 
zweigen oder einzeln sitzen, und die in der 
unteren Hälfte mit einer Art Hüllkelch aus 
ziemlich zahlreichen, gekielten und eine etwas 
abstehende Spitze tragenden Schuppen versehen 
Bind. Die Frucht selbst besteht aus zwei 
sehr festen (vielleicht holzigen) Klappen, welche 
unten rundlich, oben in einen langen, derben 
Schnabel ausgezogen waren. Ob hier eine 
Conifere, oder eine Angiosperme vor- 
liegt, lässt sich vorläufig aus dem Materiale 



nicht enträthseln." (Velenovsky.) 
Fundort: Vyserovic. Schieferthon. In einigen Exemplaren. 



Die thierischen Reste 

der 

Perucer Schichten 

von Dr. A. Fric. 



Die während 40 Jahren gesammelten thierischen Reste aus unserer Kreide- 
formation sind so mangelhaft erhalten, dass sie ganz unberücksichtigt bleiben 
könnten wenn sie aus jüngeren Schichten, z. B. aus dem Tertiaer stammen würden, 
von wo man genug gut erhaltene Formen kennt. Der Umstand aber, dass 
aus der Kreideformation aus anderen Ländern fast gar nichts bekannt ist, legt 
doch die Pflicht auf das Gefundene genau zu untersuchen und abzubilden. 

Von den Insecten konuten nur die Flügeldecken der Käfer direkt beobachtet 
werden, bei den meisten anderen schliessen wir auf ihre Existenz nur nach den 
gelegten Eiern oder nach den von ihnen verfertigten Gehäusen und Bohrgängen. 
Die Untersuchung der auf einem weichen Thone meist im Negativabdrucke vor- 
kommenden Reste ist sehr schwierig, denn ein Waschen oder Benetzen ist ohne 
Gefahr der Vernichtung nicht zulässig. Es wurde nur eine vorsichtige Anfeuchtung 
mit schwachen Alcoholsolution von weissem Schellak angewandt, wodurch die 
Objecte etwas dauerhafter und deutlicher wurden. 

Es mag daher das gebotene wohlwollend beurtheilt werden. 



Prorhodeus unionis Fr. (Fig. 1.) 

Auf dem Steinkern eines Unio gewahrt man einen Abdruck, der möglicherweise 
dem eines jungen Fisches angehört. Die zwei runden Körper zur rechten Seite 
mögen den Linsen des Auges entsprechen, der der Länge nach verlaufende 
Streifen der Chorda; die Streifung aber und unter derselben kann der Muskel- 
schichtung entsprechen. Die runden Scheiben unter dem Bauche erinnern an 
Schuppen. Der Umstand, dass der bei uns häufige Fisch, Rhodeus amarus, seine 

11* 



164 







Fig. I. Fraglicher Fischembryo. Prorhodeus unionis Kr. auf einem Abdrucke von Unio regularis 
von Kounic. (Vcrgr. Craal. Nr. d. Org. 19.) 

Eier in Anodonten legt, wo dann die Fischchen sich entwickeln, unterstützt die 
Annahme, dass so etwas zur Zeit der Ablagerung der Perucer Schichten hat vor- 
kommen können. Schon lange vor der Entdeckung dieses Restes gewahrte ich an 
Unionen runde Abdrücke die eventuell Fischeiern angehören könnten. (Vergl. 
Fig. 12.) 



Fragliche Spuren einer Landschildkröte? 

(Archiv für Landesdurchforschung. Band I. Sect. II. p. 1S9. Tat'. III. Fig. fS.) 

Von diesem ganz fraglichen Reste ist in neuerer Zeit nichts besseres gefun- 
den worden und die Auffassung des Faerhtenaitigen Eindrücke als zu einer 
Schildkröte gehörig ist ganz fallen zu lassen. 



Tanalia Pichleri Hörness. (Fig. 2.) 

(Archiv. Hand I. Sect. II. p. 188. Tat. III. Fig. 5.) 




Fig. 2. Tanalia Pichleri Hörne s Nr. des 
Org. Kr. 28. von Peruc. Naturl. Grösse. 



Diese Süsswasserschnecke wurde zuerst aus 
den Süsswasserablagerungen der Gosau be- 
schrieben. Unser Exemplar, das ich in den 
Pflanzenschiefern von Peruc in Gesellschaft von 
Unio Perucensis fand, zeigt nur die zwei letzten 
Gewinde, die ganz deutlich die für diese Art 
charakteristischen mit Knoten gezierten Wülste 
zeigen. Der rechte Mundsaum ist nach aussen 
umgestülpt und gekerbt. Die vorletzte Win- 
dung ist 10 mm breit, 3 mm hoch, die letzte 
14 mm breit, 12 mm hoch. 



Unio Peruceusis Fr. (Fig. 3) 

(Archiv. Band I. Sfct. II. p. 187. Taf. HI. Fig. 1.) 



165 



Von dieser Art liegen 6 gauz gleiche 
zweischälige Exemplare als Steinkerne von 
Peruc vor. Die Länge beträgt 33 mm, die 
Höhe 13 mm. Die Schale ist vorne sehr 
kurz, hinten stumpf zugespitzt, der untere 
Rand etwas für eine Unio auffallend stark 
ausgebuchtet. Das starke Ligament 6 mm 
lang. Von Schlosszähnen und Muskelab- 
drücken konnte nichts nachgewiesen werden, 
weshalb die Zugehörigkeit zur Gattung 



Unio fraglich ist. 









liS 



!b 



Fig. 3. Unio Perucensis Fr. Aus den 

Pflanzenschiefern von Peruc. Nat. Grösse. 
Nr. d. Org. 27. 




Fig. 4. Unio regularis Fr. 

Schlosszähne 6mal vergrössert. 
Kounic. Nr. d. Org. 22. 



Unio regularis Fr. (Fig. 4, 12, 13.) 

(Archiv. Band I. Sect. II. p. 187. Taf. III. Fig. 2, 3.) 

Diese grosse Art ist in einer gewissen Lage 
der Pflanzenschiefer von Kounic und VySerovic häufig. 

Die einer gewöhnlichen Unio ähnelnden Schalen 
sind 80 mm lang, 40 mm breit. 

Dass wir es mit einem Unio zu thun haben, 
beweisen Schlosszähne, die in Fig. 4 dargestellt 
sind, die aber eine gute Schilderung des Schlosses 
nicht gestatten. 



Unio scrobicularioides Fr. (Fig. 5. 



c.'''"-' 



(Archiv. Band I. 
Sect. II. p. 188. 
Taf. III. Fig. 4.) 



Schale fast kreisrund 37 mm lang, 31mm 
hoch; an der linken Schale bemerkt man zwei 
schmale der Länge nach gestellte Zähnchen. 

Sehr selten unter den anderen Unionen 
in Kounic bei Böhm. Brod. 




Fig. 5. Unio scrobicularioides Fr. 
Nr. d. Org. Kr. 29. 



166 



Nematus cretaceus Fr. (Fig. 6.) 



(Fossile Arthropoden aus der Steinkohl, und Kreideforni. Böhm. Von Dr. A. Fric. p. 6. 
Tab. II. Fig. 4—6. — Vesmir, Jhg. XIII. Nr. 18. p. 4-5. 







Fig. 6. Nematus cretaceus Fr. von Bohdänkov bei Liebenau. 

a) Blatt von Eucalyptus mit einer Reihe von Eiern' längs des Mittelnerves. Nr. d. Orig. Kr. 30. 

— //) Ein Ei schwach vergrössert. — e) Ein Ei vergrössert. — d) Ein anderes Blatt mit Eiern 

von derselben Localität. Nat. Grösse. (Nr. d. Org. 18.) 

Auf einem Blatt von Euca- 
lyptus Geiuitzii fanden sich in 
Bohdänkov bei Liebenau längs 
dem Hauptnerven die Eier von 
einer Blattwespe. Ursprünglich 
wurden diese Eier von Renger 
als Fructificationen eines Crypto- 
gamen aufgefasst und unter dem 
Namen Pteridophyllites sor- 
rigerrus erwähnt. (Ziva 1866). 
Ich wies später auf die Mög- 
lichkeit hin, dass dies Eier von 
Blattwespen seien und meine 
Vermuthung wurde dadurch zur 
Sicherheit, dass Dr. Ed. Bayer an 
einem anderen Blatte von der- 
selben Localität die Reste der 
Blattwespe selbst neben den ge- 
legten Eiern vorfand. 
Man sieht daran die 3 Ocellen der Scheitelaugen, dann Brustsegmente, Füsse 
und den gezähnten Legestachel. (Fig. 7.) 




Fig. 7. Nematus cretaceus Fr. von Bohdänkov bei 
Liebenau. Vergr. Nr. d. Org. 31. 



167 



Auch von Vygerovic besitzen wir ein Blatt von Dewalquea coriacea, an 
dessen Mittelnerven eine Reihe von Nematuseiern liegt. 



Nematus? lateralis Fr. (Fig. 8.) 

Ein seitlich deformirtes Blatt von Dewalquea? zeigt eine ovale Verdickung, 
welche im Inneren einen länglichen Körper enthält, welcher einer Insecten-Larve 





Fig. 8. Nematus lateralis Fr. von Vyserovic. 
a) Ein Blatt von Dewalquea mit seitlicher Verunstaltung durch einen Insectenstich. 
b) Die Stelle, wo das Ei liegt. 6mal vergrössert. ISr. d. Org. Kr. 14. „ 



angehören dürfte. Da auch jetzt an Blättern von Weiden Nematus Salicis ähn- 
liche Defoi 
zu stellen. 



liehe Deformitäten hervorbringt, so zögere ich nicht diesen Fund zu Nematus 



Atta praecursor Fr. (Fig. 9.) 

An einem Blatte von Vyserovic gewahrte ich runde Einschnitte, welche den- 
jenigen gleichen, welche die Ameisengattung Atta auf Blättern tropischer Pflanzen 
macht, wodurch der Beweis geliefert wird, dass die Gattung Atta bereits die 
Wälder unserer Kreideformation belebte. Ich gebe neben dem Blatte von Vy§e- 
rovic ein ausgebisseues Blatt aus Brasilien, das mir zu diesem Zwecke von meinem 
Bruder geliehen wurde. 



168 






Fig. 8. Atta praecursor Fr. a) Ausbisse einer Ameise au einem Blatte von Vyserovic, l /i nat - 
Grösse. Nr. d. Orig. 33. b) Ausbisse von Atta an einem Blatte ans Brasilien. 





i - 



Fig. 9. Tinea Araliae Fr. von Lipenz. — o) Ein Blatt mit Minirgaug und Larve, h) Der 
vordere Theil desselben Gmal vergrössert mit dem Puppengehäuse. Nr. d. Org. Kr. 37. 



169 



Tinea Araliae Fr. (Fig. 9.) 



Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Kreideformat. Böhmens von Dr. A. Frie, 
p. 6. Tab. II. Fig. 7. — Vesmir XIII. Nr. 18. Fig. 17. 

Auf den Blättern von Aralien und auch anderen Gattungen sieht man 
Minirgänge, die einer Tinea angehören dürften. In neuerer Zeit fand ich am Ende 
eines solchen Ganges noch das Larvengehäuse des Insects, das sich verpuppt 
hat. (Fig. 9 6.) 



Phryganaea micacea Fr. (Fig. 10.) 

Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Ivreideform. Böhmens v. Dr. A. Fric, p. 7. 
Tab. IL Fig. 8. — Archiv (Arbeiten d. geolog. Sect. 1864—68), p. 188. Tab. III. Fig. 6. — 
Vesmir XIII. Nr. 18. 





Fig. 10. Phryganaea micacea Fr. aus Kounic. 

a) Ein Larvengehäuse -2mal vergrössert. — b) 13 Larvengehäuse in der Umgebung eines Blattes 

von Eucalyptus. Nat. Grösse. (Nr. d. Org. Kr. 34.) 



170 

Die aus Gliininerblättchen und Pflanzentrümuiern gebauten Phryganaeengehäuse 
fanden sich in neuerer Zeit in grösserer Menge in Vyserovic. Die Länge der 
Köcher beträgt 10 — 15 m»», die Breite 3— 5 mm. Die Form ist schwach conisch. 

Das Gehäuse erinnert an die der jetztlebenden Gattung Chatopteryx. 




Fig. II. Chironomites adhaerens Fr. von 

Vyierovic. Nat. Grosse. Nr. d. Org. Kr. 1/ 



Chironomites? adhaerens Fr. 

(Fig. 11.) 

Längs des Hauptnerven eines Blattes 
liegt ein langes schmales Larvengehäuse, 
das aus weissen Gliinmerblättchen gebaut 
ist. Es erinnert dies an die Bauten von 
Chironomus mehr als an die von Phryga- 
naeen, denn es ist viel länger als die letzte- 
ren zu seiu pflegen. Es kann dies eventuell 
auch einem Wurme aus der Verwandtschaft 
der Naiden angehören. 



Chironomites nnionis Fr. (Fig. 12. 13.) 

(V es mir, Band 18. p. 258.) 

Auf den Steinkernen von Unio regularis von Vyserovic rinden sich öfters aus 
Sand gebaute Gänge, meist am vorderen Ende unter dem Ligamente, die ich auf 
Grund gleichen Vorkommens auf den leeren Schalen der recenten Teichmuscheln 
als die Wohnstätte der Chironomuslarven betrachte. Am Ende sind sie verdickt, 
abgerundet und haben eine unregelmässig gekrümmte Form. Es ist dies der 
einzige Nachweis vom Vorkommen der Dipteren in der Kreideformation. 




Fig. 12. Chironomites unionis Fr. von Vyüerovic und Kounic. Nat. Grösse. Nr. d. Orig. Kr. :)9. 
Ch) Eine Chironomusrolue. - L) Muthmassliche Eier von Prorhodeus. Vergl. Fig. 1. 



171 




Fig. 13. Unio regularis mit Chironomusröhren von Vyserovic? a) Prorhodeno 3 /i nat - Grösse. 
b) Vermuthliche Eier von Prorhodeus. — c) Bryozoe? 




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Silphites priscus Fr. 

(Fig. 14) 

Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- u. Kreide- 
form. Böhm, von Dr. A. Fric, p. 4. Tab. II. Fig. 1. 
— Archiv (1864-68), Tab. III. Fig. 7. pag. 188. — 
Vesmir XIII. Nr. 18. 

Dieser Fund wurde von mir im Archiv 1. c. 
zuerst nur als Flügeldecke bezeichnet, später 
aber als der Gattung Silpha nahe stehend er- 
kannt. 

Es ist dies eine rechte Flügeldecke von 
Kounic die 20 mm Länge und 7 mm Breite 
besitzt. 

Der flache Randsaum zeigt nach innen eine 
Doppelreihe kleiner Grübchen, am Aussenrande 
eine verdickte Leiste. Der gewölbte Theil der 
Flügeldecke trägt 4 schwache Längsrippen und 
zwischen denselben je zwei Reihen seichter 

Grübchen. 

Fig. 14. Silphites priscus Fr. von Kounic bei 
Böh.-Brod. 4mal vergröss. Nr. d. Orig. Kr. 38. 




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172 



Otiorhynchites costans Fr. (Fig. 15.) 

Fossile Arthropoden ans der Steinkohlen und Kreideform. Böhm, von Dr. A. Friß, 
p. 5. Tab. II. Fig. 2. — Vesmir XIII. Nr. 18. Fig. 2. 



Das Fragment der linken Flügeldecke ist 45 mm 
lang, 2'7 mm breit und trägt 11 Längsreihen sehr deut- 
lich ausgeprägten Grübchen, wodurch es an einen Rüssel- 
käfer der Galtung Otiorhynchus errinnert. 

Dieser Rest stammt aus der schwarzgrauen Pflanzen- 
schiefem der Perucer Schichten von Mseno bei Budin 
und wurde von Prof. Dr. Velenovsky beim Studium 
der Pflauzenreste dieses schon Corda bekannten Fundortes 
entdeckt. 







Fig. 15. Otiorhynchites con 

stans Fr. Von Mseno hei 

Budin (Schlan). Verg. 6mal. 

Nr. d. Orig. Kr. 40. 



Blaptoides dubius Fr. (Fig. 16.) 

Die rechte Flügeldecke aus den Pflanzen- 
schiefern von Kuchelbad errinnert durch die 
nach hinten zugespitzte Form sowie durch die 
Verzierung an die Gattung Blaps. Der Rand- 
saum ist glatt, der gewölbte Theil trägt an 
10 Längsfurchen, welche an einer Stelle sich 
als Reihen von Puncten erkennen lassen. 

Die Länge beträgt 5 mm, die Breite 
2 1 /-.- mm. 

Die geschwungene Form des Innenrandes 
lässt sich durch Verdrückung der ursprünglich 
stark gewölbten Flügeldecke erklären. 




V ; 



Fig. 17. Pimeliodes parvus Fr. 

Flügeldecke von Lidic. 
Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 41 . 




Fig. 16. Blaptoides dubius Fr. von Ku- 
chelbad. Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 4. 



Pimeliodes parvus Fr. (Fig. 17.) 

Eine sehr kleine Flügeldecke eines Käfers von 
bloss 3 mm Länge liegt im Negativ vor und zeigt 
Reihen von grossen Gruben, welche den Höckern der 
Oberfläche entsprechen. 

Solche Verzierung findet man bei manchen Arten 
der Gattung Pimelia worauf bei Benennung dieses 
Restes Rücksicht genommen wurde. 



173 
Feronites Velenovskyi Fr. (Fig. 18.) 

Vesmir XIII. Nr. 18. Tab. 79. Fig. 8. 

Das Negativ der rechten Flügeldecke entdeckte Prof. Velenovsky in den 
feinblätterigen glimmerreichen Pflanzenschiefern von Lippenz bei Laun. Dasselbe 
ist 5 mm lang, 2 mm breit. Der Randsaum zeigt eine Reihe von Grübchen 
die in viereckigen Feldern stehen. Der gewölbte Theil trägt 9 Längsippen von 
denen zwei der äussersten uach innen umbiegen, die 3. — 7. Rippe vereinigen sich 
nach hinten. Diese Verzierung errinnert an die Gattung Feronia und specielle 
Entomologen werden vielleicht in der Lage sein, die Verwandtschaft zu jetzt- 
lebenden Formen zu präcisiren. 




Fig. 18. Feronites Velenovskyi Fr. 
von Lippenz bei Laun. Negativ der rechten 
Flügeldecke. Vergr. lOmal. Nr. d. Org. Kr. 42» 




Fig. 19. Brachinites truncatus Fr. von 

Vyserovic. — a) Fragment einer Flügeldecke. 
V) Fragment stark vergr. Nr. d. Org. Kr. 43. 



Brachinites truncatus Fr. (Fig. 19.) 

Fossile Arthropoden aus der Steink. und Kreideform. Böhm, von Dr. A. Fric. p. 5. 
Tab. II. Fig. 3. — Vesmir XIII. Nr. 18. 



Eine ganze Flügeldecke von 6 mm Länge und 2 mm Breite ist hinten gleich- 
massig abgerundet und mit 8 schwach winkelig vorspringenden Längsrippen 
geziert Diese Rippen tragen jede drei Punctreihen. 

Die Rippen erreichen nicht den hinteren Rand, der einen glatten Falz bildet. 
Jedenfalls haben wir es mit einem Laufkäfer zu thun, etwa aus der Verwandt- 
schaft von Brachinus. Dieser Rest stammt aus den an Unionen reichen Pflanzen- 
schiefem von VySerovic. 



174 

Lamiites simillinius Fr. (Fig. 20.) 

Vesmir, Jhg. 1889. pag. 8. Fig. 5 A. 

Diese stattliche Flügeldecke eines Bockkäfers wurde auf einem Ausfluge 
den der naturkistorische Club nach Vyserovic machte vou Herrn Dr. Mräzek 
gefunden und dem Museum gewidmet. 

Es ist die rechte Flügeldecke von 9 mm Länge, 3 mm Breite, ist vorne 
gerade, hinten abgerundet, zeigt einen ganz schmalen Randsaum und ist über die 
ganze Oberfläche gleichmässig fein granulirt. Die Zugehörigkeit zur Gattung 
Lamia ist sehr wahrscheinlich. 





Fig. 20. Lamiites siniillimus Fr. 

von Vyserovic. Rechte Flügeldecke. 

Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 44. 



Fig. 21. Velenovskya inornata Fr. 

von Vyserovic. Rechte Flügeldecke. 
Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 45. 



Velenovskya inornata Fr. (Fig. 21.) 

Vesmir 1889. pag. 8. Fig. 5 B. 

Die rechte Flügeldecke von Vyserovic ist 8 mm lang, 4 mm breit, nach 
hinten verschmälert und am Ende abgerundet. 

Die Oberfläche ist sehr wenig verziert, so dass die Eruirung der Ver- 
wandtschaft sehr schwierig ist. Man gewahrt nur etwa 5 Längsfurchen, welche 
den Hinterrand nicht erreichen und Anwachslinien sehr ähnlich umbiegen. 

Ich benenne diesen Rest nach seinem Entdecker dem Herrn Professor 
Velenovsky. 



175 



Chrysonielites siniplex Fr. (Fig. 22.) 



Beide Flügeldecken, einander theilweise deckend, liegen auf einem Stück 
Pflanzenschiefer von Kounic. Jede Flügeldecke hat 7 mm Länge, 3 1 /. 2 mm Breite. 
Der Randsaum ist schmal und die gewölbte Fläche ganz glatt. 





Fig. 22. Chrysomelites Simplex Fr. 

von Kounic. Beide Flügeldecken. Vergr. 6mal. 
Nr d. Org. Kr. 9. 



Fig. 23. Kounicia bioculata Fr. 

auf einem Steinkern des Unio regularis von 

[Kounic. Vergl. Fig. 1. Vergr. 6mal. 

Nr. d. Org. Kr. 13. 



Kounicia bioculata Fr. (Fig. 23.) 

Auf einem Steinkern von Unio regularis aus Kounic ist der Abdruck eines 
Gliederthieres wahrzunehmen der ein grosses Kopfbruststück mit zwei Augen- 
puncten und zwei kurze abgerundete Flügeldecken zeigt. Zur linken Seite liegen 
Reste einiger kurzen Füsse. Eine genauere Deutung ist bei dem Erhaltungs- 
zustande nicht möglich. 



Gomphus serialis Fr. (Fig. 24.) 

Auf einem Blatte von Myricophyllum aus Kounic gewahrte ich ovale nach 
vorne zugespitzte Körper, die in Querreiben stehen und auf die Eier von 
Gomphus erinnern, wie wir sie öfters bei der Untersuchung der Elbe in dem 
Altwasser Skupice vorfanden. Aehulich fandeu wir sie auch neben der folgenden 
An auf einem ähnlichen Blatte. 



176 



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Fig. 24. Eier von Gomphus serialis Fr. 
auf einem Blatte von Kounic. Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 5. 

Man erkennt durch dieses Vorkommen, dass die Blätter im Wasser lagen 
zur Zeit wo die damaligen Gradflügler ihre Eier darauf depouirten. 




Fig. 25. Eier von Gomphus serialis und dupplex Fr. 

auf einem Bkütfragmente von Vyserovic. Vergr. 6mal. Nr. d. Org. Kr. 21. 

(«omphus? dupplex Fr. (Fig. 25.) 

Paarweise stehende Eier fanden sich neben dem G. serialis auf einem Blatte, 
aber es ist weniger sicher ob sie von der Gattung Gomphus herrühren. In einer 
gemeinschaftlichen Hülle stehen immer zwei runde Ei< j r neben einander, alle der 
Quere nach zur Blattachse. Ihre Grösse ist bedeutender als die von G. serialis 
und auch viel ungleicher. Die Länge 1 mm, die Breite beider nebeneinander- 
liegender Eier 1*5 mm- — Es wird ein Studiuni der auf den australischen Euca- 
lypten vorkommenden Eierablagerungeu nöthig sein bevor man mehr Sicherheit 
über die Zugehörigkeit dieses Fundes erlangen wird. 



177 



Coccodes adliaerens Fr. (Fig. 26.) 




Fig. 26. Blatt von Eucalyptus, a) Blatt mit verschiedenen Parasiten. Kat. Gr. Kr. d. Org. Kr. 8. 
— a) Coccodes adhaerens Fr. ß) Eiu fragliches Insect. y) Cercospora coriococcum Bayer. — 
b) Coccodes adhaerens Fr. — c) Ein Insect mit 2 Antennen. — d) Cercospora coriococcum Bayer- 
Alles fimal vercrössert. 



Auf Blätteru von Eucaiypten, die 
reichlich mit Cercospora coriococcum 
besetzt sind, gewahrte ich auch den er- 
wähnten Gebilden sehr ähnliche Ab- 
drücke, an denen man aber die Zuge- 
hörigkeit zu den Arthropoden sicher- 
stellen kann. 

An einem Stücke bj sieht mau einen 
Rüssel, zu jeder Seite desselben zwei 
Fussansätze und am Hinterrande auch 
Spuren von wahrscheinlich 4 Füssen. 
Bei ii) liegt ein Insect mit 2 Extre- 
mitäten c). 

Ncmatus? elliptieus Fr. 

(Fig. 27.) 



Auf einem Blatte von Lidic bei 
Schlau liegt ein ovales, hinten zuge- 
spitztes Ei, in dessen vorderem Drittel 
zwei 6gliedrige Fühler darauf hin- 
weisen, dass wir es mit einem Stadium 

Dr. A. Fric u. Edv. Bayer :ö-Perucer Schichten«. 




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Fig. 27. Nematus? elliptieus Fr. von Lidic hei 
Schlan. Vergr. Omal. Kr. d. Org, Kr. 2. 

12 



178 

der Entwickelung eiaes Anteunaten zu thun haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass diess etwas ähnliches ist wie die Eier von Tenthrediuiden, die wir weiter 
oben als Neinatus beschrieben haben. 



Varioliiia segmcntata Fr. (Fig. 28 a—c.) 






Flg. 28. Variolina segmentata l'ric, von Yyserovic 
Varioliiia iu natürl. Grosse. Nr. d. Org. Kr. 11. - 

de» Mittclaabel nud den Randwulst zu zeigen. — c) Zwei Variolinen, wo mau Spuren von Scg» 

menten wahrnimmt, stark vergrössert. 



— a) Blatt von Eucalyptus angustus mit 
b) Einige davon sechsmal vergrössert , um 



An den schmalen Blättern von Eucalyptus sehen wir kleine l —2 mm grosse 
Warzen, die meist in Reihen längs des Randes stehen. (Fig. a). Bei stärkerer Ver- 
grösserung (b) sieht man den Rand wallartig verdickt und in der Mitte der Scheibe 
einen Nabel. Es blieb lange ungewiss ob diess nicht ein Pilz sei. Bei starker 
Vergrösserung und vorsichtiger Anfeuchtung mit schwacher Schellaklösung gewahrte. 
ich braune Segmente, die in 2 Reihen stehend darauf hindeuten, dass diese Ge- 
bilde eine Iusectenlarve enthalten, die eingerollt ihrer weitereu Entwickelung 
harrte. 



Plumatellites proliferus Fr. (Fig. 29 a—b). 

Auf dem Steiukerne einer Unio regularis fand ich ein verzweigtes Aestchen^ 

das an Pluniatella repeus erinnert. Bei Vergrösserung sieht man, dass die Aeste 
aus unregelmässigen eckig ovalen Körnern bestehen, die entweder den einzelnen 
Gehäusen entsprechen oder den Statoblasten, die bei den recenten Arten in ähnlicher 
Wei^e die absterbenden Colonieu füllen. 



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Flg. 29. Plumatellites proliferus Fr., von Kounic. — «) Ein Theil des Zweiges 6mal vergrössert. 
— b) Ein Fragment desselben 20mal vergrössert. Nr. d. Org. Kr. 12. 




Fig. 30. Ovodes crucifer Fr. Von Vyserovic. 
[Vergrössert 6mal. Nr. d. Org. Kr. 7. 



Ovodes crucifer Fr. (Fig. 30). 

Zu ganz räthselhaften Gebilden gehört 
eine runde umrahmte Seheibe, in deren Mitte 
vier Falten in kreutzförmiger Stellung sich be- 
finden. Vielleicht ist diess ein Saamen oder 
eine durch Insectenstich entstandene Wuche- 
rung. 




Fig. 31. Ein sonderbarer Abdruck 
einem Blatte aus Vyserovic. 



auf 



12* 



1SM 

Ein seltsamer Abdruck zeigt die Umrisse eines Rüsselegels und vorne zwei 
kieferähnliche Spitzen. An der Basis des Rüssels gewahrt man eine runde Oeffnung, 
die eventuell dem Ende entsprechen dürfte. Bei Beurtheilung von solchen Vor- 
kommnissen läuft man Gefahr sich von der Fantasie hinreissen zu lassen, weshalb 
wir von weiterer Beschreibung abstehen und nur die Aufmerksamkeit auf ähnliche 
Funde leiten. 



Alphabetisches Verzeichniss der untersuchten Fundorte. 



Seite 

Belohrad 23 

Bohdänkov 23, 27 

Budin . 32 

Dzbän 35 

Hasenburg 40 (44) 

Hloubetin 11 

Hodkovice 27 

Hofic 23 

Hostibejk 43 

Hfedl 36 

Charvatec 32 

Chvala 10 

Jicin 23 

Jinonie . . 41 

Kolin 19 

Kounic 13, 17 

Kozäkov 23 

Kralup • 43 

Kachelbad 41, 42 

Landsberg " 20, 21 

Laun 28 

Laurenziberg 40 

Letovic 22 

Lobkovic • • • 43, 44 

Liboc . 38 

Lidic 34 

Liebenau 23, 27 



Seite 

Lipenz 28 

Litomysl . _ . 20 

Lobec 43 

Melnik an der Säzava 19 

Moletein 22 

Molitorov bei Koui'im 19 

Mseno 32 

IVehvizd . . • 13 

Opatovic 23 

Otruby (Votrub) 34 

Peruc 28 

Pocernic 10 

Policka 20 

Prag • 38 

Rakonic 35 

Rynholec 38 

Schlan 34 

Stfesovic 38 

Toucbovic 29 

Veleslavin 38 

Vidovle 41 

(Votrub) Otruby 34 

Vysocan 10 

Vyserovic 13, 14 

Wamberg 20 

Zahaj . 32 



Alphabetisches Verzeich niss der Perucer Pflanzen arten. 



Seite 

Abies chuchlensis Vel 101 

Acrostichum cretaceum Veten. ... 68 
trisUniaepbyllum Bayer 69 

Algae 65 

Angiospermae 113 

Aralia anisoloba Vel 148 

„ coriacea Vel 159 

„ Daphnophyllum Vel 151 

„ decurrens Vel 146 

„ (Panax) deutifera Vel. . . . 152 

„ elegans Vel 152 

„ formosa Heer 147 

„ furcata Vel. spee. taut. . . 152 
„ Kowalewskiana Sap. et Mar. 149 

„ minor Vel 150 

„ propinqua Vel 151 

„ transitiva Vel 150 

triloba Vel 148 

Araucaria bohemica Vel 99 

Aristolocliia tecotnaecarpa Bayer . 126 
Asplenium Foersteri Deh. et Ett. 76 

Banksia pusilla Vel 124 

Banksites Saportanus Vel 124 

Benthamia dubia Vel 154 

Bignonia cordata Vel 157 

Biguouia pulcherrima Bayer . . . 156 

Bombax argillaceum Vel 139 

Bresciphyllura cretaceum Vel. . . . 160 

Butomites cretaceus Vel 158 

Callistemon cretaceum 141 

Callistemophyllum Bruderi Engelh. . 112 
Carpolithes vyseroviceusis Bayer . . 160 
Ceratostrobus echinatus Vel. . . . 108 
„ sequoiaepliyllus Vel. . 108 

Cercospora coriococcum Bayer . . 66 

Cissophyllum exulum Vel 139 

Cissus vitifolia Vel. . ,- 138 



Seite 

Cocculns cinnamomeus Vel 128 

Conospermites hakeaefolius Etty. . .121 
Corticites stigmarioides(£M..sp.) Eny. 161 
Crotonopbyllum eretaceum Vel. . . 137 

Credneria arcuata Vel 134 

„ bohemica Vel 133 

laevis Vel 132 

„ rhomboidea Vel 131 

Cunningbamia elegans Corda ... 97 
stenophylla Vel. ... 98 

Cussonia partita, Vel 145 

Cyparissidium minimum Vel. . . . 109 

Dammara borealis, Heer 95 

Dammarophyllum striatum Vel. . . 9G 

Dewalquea coriacea Vel 159 

Dewalquea pentaphylla Vel 158 

Diceras ceuoinanicus Vel 161 

Dicksonia punctata (Stnbg. i ?p.) Heer IG 
Dioonites cretosus (Reich, xp.) 

Schimp 88 

Diospyros provecta Vel 155 

Dipteripliyllum cretaceum Vel. (sp.) 

Krasser • '. 73 

Drynaria astrostigmnsa Bayer ... 70 
„ dura (Vel. sp.) Bayer . .72 

„ fascia Bayer 71 

„ tumulosa Bayer 72 

Dryandra cretacea Vel 125 

„ „ var. paucinervis Eng. 125 

Ecliinostrobus minor Vel 107 

„ squamosus Vel. . . . 106 

Eucalyptus angusta Vel. 144 

„ Geinitzi Heer 142 

Ficus elongata Vel 116 

„ Krausiana Heer 117 

„ Peruni Vel 117 

„ stylosa Vel 116 



.;.- . Seite 

Ficus suspecta Vel. ....... 116 

Folia filicum iuvolota . . . . . .85 

Frenelopsis bohemica Vel 112 

Fungi 65 

Gleicheuia acutüoba Heer .... 79 

„ creuata Vel 80 

„ delicatula Heer .... 79 

„ uiultinervosa Vel. ... 78 

„ rotula Heer 79 

„ votrubensis Bayer ... 80 

„ Zippei (Corda spec.) Heer 78 

Glyptostrobus europaeus Heer, cre- 

taceus Vel 106 

Grevillea constans Vel 123 

„ Dvofäki Bayer . . . . .122 

teuera Vel 123 

Gymnogramme boheniica Bayer . . 70 

Gyrnnosperniae 88 

Hedera credueriaefolia Vel 153 

',, primordialis Sap, . . . .153 
Hymeuaea elongata Vel. ..... 136 

_ inaequalis Vel 136 

„ primigeiiia Sap 135 

CÜainaecyparites Charonis Vel. . .111 

„ spec, Vel 111 

Illicium deletum Vel 129 

Inga latifolia Vel 135 

Jeanpaulia carinata Vel 83 

.luuiperus macilenta Heer .... 111 
Kirehnera arctica (Heer sp.) Vel. . S2 

Kircbuera dentata Vel 82 

Kramiera mirabilis Corda in lit. . 93 
Laccopteris Dunkeri Schenk ... 73 

Laurus aftinis Vel. 131 

„ plutonia Heer 130 

Leptospermum cretaceum Vel. . . . 141 
Libocedrus salicornioides (üng sp.) 

Heer var. cretacea Vel 110 

Liriodeudron Celakovskii Vel. . . . 128 

Litsaea bohemica Engelh 129 

Magnolia alternans Heer 127 

.„ amplifolia Heer .... 126 
Capelliuii Heer .... 127 

Marattia cretacea Vel 81 

Marsilia perueensis (cretacea Vel.) 

Bayer 86 

Menispermophyllum Celakovskii Vel. 128 
Microdictyon Dunkeri Schenk ... 73 
ilicrolepidium stiiatulum Vel. . . . 108 

Microzaruia gibba Corda 92 

Myrica serrata Vel 113 

Myrica fragiliformis (Zenk sp.) Engelh. 113 



Seite 
Myrica Zenkeri (EU. sp.) Vel. . . 113 
Myricauthium ameutaceum Vel. . .114 
Myricophyllum glaudulosuin Vel. . .115 
Myrsinopbyllum variaus Vel. . . . .154 

Xilssouia bohemica Vel 88 

Oncopteris Kauuiciana (Dorm, sp.) 

Vel 84 

Oncopteris Neltwalli Dorm 84 

Onychiopsis capsulifera (Vel. sp.) Nath. 74 
Osmundopbyllum cretacenin Vel. . . 81 
Pecopteris lobifolia Corda .... 83 

„ minor Vel 83 

Picea cretacea Vel 100 

Piuus cretacea Corda 99 

„ longissima Vel 99 

„ papyracea" Corda ... 93, 95 

„ protopicea Vel 100 

„ Quenstedti Heer 99 

„ spec. Engelhardt 95 

Phacidium circumscriptum Bayer . 67 

Platanus laevis Vel 132 

„ rhomboidea Vel. non Lesqx. 131 
„ Velenovskyaua Krasser . . 131 

Platycerium cretaceum Vel 73 

Plutonia cretacea Vel 101 

Podocarpus cretacea Vel 95 

Podozamites Eiehwaldi (Schimpf Heer 91 
Podozamites lauceolatus (Lindl. et 

Hutt sp.) Heer . 91 

Podozamites latipenuis Heer ... 90 
longipennis Vel. ... 90 

„ obtusus Vel 90 

pusillus Vel 92 

Premnoplivllum trigonum Vel. . . . 139 

Proteoides acuta Heer 121 

„ Reussi Engelhardt . . . 121 

Proteophyllum coriaceum Vel, . . .120 
„ cornutum Vel, . . .120 

decorum Vel. . . . 120 
„ lamiuarium Vel. . .118 

„ paucidentatum Vel. . 119 

„ productum Vel. . . .119 

trifidum Vel 119 

Proteopsis Proserpiuae Vel 118 

Pteridopbyta 68 

Pteris Albertini Veten 75 

„ Albertsii (Duk. sp.) Heer . 75 

Pteris frigida Heer 75 

Pseudoasterophyllites cretaceus (0. 

Feistm. sp.) Vel 87 

Puccinites cretaceus Vel 65 

Sagenopteris variabilis Vel 86 

Salix macropbylla Reuss 121 



Seite 

Salix perucensis VW 115 

Sapindophyllum pelagicum Ung. sp. 138 

Sapindus apiculatus Vel 137 

Sapntac.it es obovala Vel 155 

Sassafras acutilobum Lesqx. . . . 129 

Selaginella dichotoma Vel 87 

Sequoia crispa Vcl 103 

l'astigiata Stnbg. sp. . . . 102 

heterophylla Vcl lo4 

major Vcl I * "• t 

minor Vcl 105 



Seite 
Sequoia Keicbeubacbi Qein. sp. . .104 

rigida Heer 104 

Sphaerococcites Lauhei Engelh. . . 65 
Sterculia limbata Vcl 140 

Tempskya varians (Corda sp.) Vcl. 77 

Termiualia rectiuervis Vel 145 

Terustroemia crassipes Ve\ 140 

Tbinufeldia variabilis Vel 86 

Thyrsopteris capsulifera Vel. ... 74 

Widdringtouia Ileichii (Ett.sp.) Vcl. 109 



Alphabetisches Verzeichniss 

der Thierreste der Ferucer Schichten. 



Seite 

Atta praecursor tV 167 

Blaptoidea dubius Fr 172 

Brachinites truncatus Fr 17."> 

Coccudos adhaerens l'r 177 

Feronites Veleuovskyi Fr 17.". 

Gompbae ? dupplex Fr 176 

Gompbus serialis Fr 1 7-"> 

Chirouomites adhaereus Fr. . . .170 

„ uuionis Fr 1 10 

Cbrysomelites simples Fr 17."> 

Kouuicia bioculata Fr 17.'> 

Lamiites simillimaa Fr 171 

Landschildkröte ? 164 

Nematus cretaceus Fr ltiii 

» \ J ellipticus Fr 177 



Seite 

Nematus? lateralis Fr 167 

Otiorhyuchites constans Fr 172 

Ovodes crueifer Fr 179 

Phryganaea inicacea Fr 169 

Pimeloides parvus Fr 172 

riumatellites proliferua Fr 178 

Prorhodeus uniouis Fr 163 

Silphites priscus Fr 171 

Taualia l'ichleri Hörness 164 

Tinea Araliae Fr 169 

Dnio Peruceusis Fr 165 

„ regularis Fr 1 65, 171 

„ scrobicularioides Fr 165 

Variolina seguieutata Fr 178 

Velenovskya iuoruata Fr 174 



Zusätze und Berichtigungen. 

in dem Literaturverzeichnisse sind aus Verseheu folgende Arbeiten ausge- 
lassen worden: 

Brongituirt Adolphe: „Histoire des vegetans fossiles". A Paris 1828. Mit der 
Abbilduug des Lepidodeudron puuetatum Sternberg's; PI. 141. Fig. 1. sub 
Sigillaria punctata Ad. ürogu. pag. 421. 

/■'//(• Anton: „0 hmysech v eeskem atvaru kridovein". (Ueber die Iusecten 
der böhmischen Kreideformation.) Vesmir 1884. XIII. Jlig. pag. 205. Fig. 79 (1 — 8). 

Pag. 172 oben: Statt Otiorhyuchites costans Fr. lese 0. constans Fr. 



UNTERSUCHUNGEN 



ÜBER DIE 



FAUNA DER GEWASSER BÖHMENS 



V. 

Untersuchung 



de3 



Elbeflusses und seiner Altwässer 

durchgeführt 

auf der übertragbaren zoologischen Station 

von 

Prof. Dr. Ant. Fric und Dr. V. Vävra. 



(Mit vielen Abbildungen im Texte.) 



ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. 

XI. BAND. Nro. 3. 



PRAG 1901. 
IN COMMISSION BEI FR. RIVNÄC. — DRUCK VON Dr. EDV. GREGR. 



I. Einleitung. 



Die fliegende Station des Comites für Landesdurchforschung von Böhmen 
löste seit ihrer Gründung im Jahre 1888 mehrere Aufgaben. Es wurde ein 
Teich des Flachlandes mit Leptodora und ein Gebirgsteich mit Holopediuni *), 
dann zwei der Böhmerwaldseen untersucht **) und es blieb noch die Auf- 
gabe die Fauna eines grossen Stromes und seiner Altwässer zu studiren. Zu 
diesem Zwecke wurde eine sehr günstige Localität an der mittleren Elbe 
gewählt, wo sowohl der fliessende Hauptstrom sowie zahlreiche Altwässer zu- 
gänglich waren. 

Hier bot sich eine lange Reihe von Fragen und Aufgaben, zu deren Lösung 
viel mehr Kräfte und Mittel zur Disposition stehen sollten, als über die wir 
verfügten. 

Man unterschätzte bisher die Bedeutung der Untersuchung des Süsswassers, 
wo je weiter man arbeitet, desto mehr es sich zeigt, was für ein umfangreiches 
Wissen eine solche Arbeit erfordert, das man bei einem einzelnen, der nicht seit 
Jahren sich ausschliesslich der Aufgabe widmet, nicht erwarten und auch nicht 
fordern kann. 

Jeder, der eine solche Localfauna bearbeiten will, ist bald gezwungen bei 
Specialisten Hilfe zu suchen. In Amerika sind neuerer Zeit ähnliche Anstalten in 
Verbindung mit Universitäten und eine ganze Reihe Fachmänner betheiligt sich 
an den Arbeiten und zieht zahlreiche jüngere Kräfte heran. 

Die Universität in Wisconsin steht am Ufer des Mendota-Sees, wo Prof. 
Birge wichtige lacustrische Studien unternommen hat. 

Es wurden auch „die Grossen Seen" als St. Clair und Erie von Prof. Reig- 
hard, und Michigan von Prof. Wood, mit Unterstützung der Fischerei-Commission 
der Verein. Staaten untersucht. 

Bei diesen Studien trat die Nothwendigkeit einer biologischen Station in 
Vordergrund und es wurden einige provisorische Sommerlaboratorien in den Sta- 
tionen zur künstlichen Fischzucht der Fischerei-Comm. errichtet, wie in Michigan 
und Ohio. 



*) Die Thierwelt des Unterpoöernitzer und Gatterschlager Teiches Archiv für Landes- 
durchforschung IX. Band. Nr. 2. 

**) Untersuchung zweier Böhmerwaldseen. Archiv für Landesdurchf. Band X. Nr. 3. 



Im Jahre 1895 wurden zwei selbstständige biologische Süsswasser-Stationen 
errichtet. Die Universität von Indiana hat durch die Anregung des prof. Eigen- 
mann eine Station am Ufer des Turkey-Sees ins Leben gerufen und für das erste 
Jahr eine Subvention von 1000 Kronen, für das zweite Jahr von 1500 Kr. bewilligt. 
Im ersten Jahre haben da 19, im zweitem 42, im dritten 63 und im vierten Jahre, 
als zwei grosse Gebäude errichtet wurden, 103 Theilnehmer gearbeitet. 

Die langjährigen Untersuchungen der Seen und Flüssen in Illinois führten 
ebenfalls zur Gründung einer biologischen Station, die mit glänzenden Mitteln 
ausgerüstet wurde. 

Die biologische Station ist hier als schwimmendes Boot von 60 Fuss Länge 
und 20 Fuss Breite errichtet worden, mit dem Arbeitsraume für 16 Personen. Das 
Staats-Laboratorium für Naturkunde und die Universität von Illinois haben auf die 
Errichtung und die dreijährige Erhaltung der Station 51.500 Kronen bewilligt, 
wovon sich die Auslagen der Errichtung auf 12.500 Kronen und die laufenden 
Auslagen in den drei Jahren auf 30.000 Kronen beliefen. 

Von den europäischen Süsswasser-Stationen geuiesst die Station in Plön 
eine Unterstützung seitens des Minist, f. Landwirtschaft und Unterricht von 
11.400 Kronen, die Mügelsee-Station eine Subvention von 7.400 Kronen. Die Sta- 
tion in Trachenberg wurde vom Fischereivereine mit 1200 Kronen unterstützt. 

In den letzten Jahren ist in Dänemark eine Süsswasser-Station bei Fridriksdal, 
in Schweden bei Finspong und in Russland bei Nikolaev und Saratow errichtet worden. 

Wir haben eine Subvention von 400 Kronen auf Baarauslagen und 400 Kronen 
als Remuneration dem Assistenten. 

Der Laudeskulturrath von Böhmen unterstützte im vorigen Jahre die Arbeiten 
an der stabilen Station in Biechowitz mit 400 Kronen. 

Ausser unseren Anstalten besteht in Oesterreich bisher weder eine fliegende 
noch eine ständige Station für das Studium der Süsswasserfauna, deshalb mag man 
das Gebotene mit Wohlwollen annehmen und bedenken, dass bei den geringen 
Mitteln, die kaum zur Bestreitung der Baarauslagen hinreichen, von den Betheiligten 
nur aus Liebe zur Wissenschaft und aus Patriotismus gearbeitet wird, und zwar 
nur in den wenigen Tagen, die ihnen von anderen Berufsarbeiten übrig bleiben. 

Und doch brechen diese Arbeiten Bahn zur Vervollständigung der Kenntniss 
unseres Vaterlandes und haben Bedeutung sowohl für die Wissenschaft, als auch 
für die Praxis und man muss sich mit denselben begnügen, solange man an maas- 
gebenden Stellen sich nicht entscheiden wird dieses Streben ausgiebig zu unter- 
stützten. 



II. Uebersiedelung uiid Aufstellung der fliegenden Station. 

Als die Arbeiten an den Böhmerwaldseen ihrem Abschluss nahten, machten 
wir Vorbereitungen zur Uebersiedelung der Station an die Elbe bei Podiebrad. 
Zuerst besuchte Dr. Vävra zweimal Podiebrad, um gemeinschaftlich mit Herrn 
Apotheker J. Hellich, derzeit Bürgermeister daselbst, eine Stelle auszufinden, die 
sich zur Aufstellung der Station eignen würde. 



Diess war mit Rücksicht auf die sich oft wiederholenden Inundationen der 
ganzen Umgebung von Podiebrad eine sehr schwierige Aufgabe, wie man an dem 
beigefügten Bilde (Abbild. 1.) ersehen kann. Endlich wurde ein Platz in unmittel- 
barer Nähe der Fischerswohnung unweit des Flusses als am besten geeignet ge- 
funden und ein kleiner Garten beim Fischerhause zu dem Zwecke gepachtet. 

Aber auch da war es nöthig einen Unterbau bis zum Niveau des höchsten 
Wasserstandes aufzuführen und oft mussten wir mittels Kahn zur Thüre der Sta- 
tion fahren. 

Bei Zerlegung der Station am Schwarzen See machten wir die Erfahrung, 
llass der Grundrahmen von den Ameisen (Formica ligniperda) stellenweise so zer- 




Fig. 1. 
Die fliegende zoologische Station in Podiebrad während des Hochwassers. 



fressen war, dass man durch den Balken einen Stock stossen konnte. Derselbe 
musste durch einen neuen Rahmen von Eichenholz ersetzt uud das Dach mit 
Kautschukleinwand überzogen werden. 

Am 12. September wurde die Station am Schwarzen See zerlegt und per 
Achse in 2 Stunden nach der Station Spitzberg geschafft, von wo dieselbe am 
19. September in Podiebrad anlangte. 

Nach der definitiven Fixirung der Bau-Stelle durch prof. Dr. A. Fri6 schritt 
man zur Aufstellung der Station. 

Am 18. October war der Unterbau fertig und das Dach reparirt. 

2. November brachten wir im Inneren alles in Ordnung und machten den 
ersten Fangversuch. Hiemit war alles für die Arbeiten im nächsten Frühjahre 
vorbereitet. 



III. Auszug; aus dem Tagebuche. 

(1896—1901.) 

Um den interessirten Kreisen einen Ueberblick unserer Thätigkeit zu geben, 
lassen wir hier einen kurzen Auszug aus dem Tagebuche folgen, aus dem zu er- 
sehen ist, wie gering die Zahl der Tage ist, die wir dieser wichtigen Arbeit widmen 
konnten. Im ganzen wurde in vier Jahren von 6 Arbeitern an circa 130 Tage ge- 
arbeitet, etwa 500 Protokolle über die gemachten Fänge und über die anatomirten 
Fische verfasst. 

Das erlangte Material wurde conservirt und vom Herrn Verwalter Ein. Pecka 
120 mikroskopische Praeparate der Fänge augefertigt, welche eine Controlle der 
Bestimmungen ermöglichen und auch zur Demonstration und zum fortgesetzten 
Studium dienen werden. Für die Museumssammlungen wurden viele Schaustücke 
gesammelt. Mehrere Skizzen der Fauna der Skupice wurden von Prof. Fric 
entworfen und für die Museumssammlung von H. K. Thon in Aquarell durch- 
geführt. 

1896. Dr. V. Vävra hat im August mit Hilfe des Herrn J. Hellich die als ge- 
eignetste Stelle zur Aufstellung der Station neben der Fischerswohnung ge- 
funden und später hat Dr. Fric und Dr. Vävra genau die Baustelle be- 
zeichnet. 

August 12. Absendung der Station von Spitzberg nach Podiebrad. 

October 18. Der Unterbau wurde beendet, ein eichener Grundramen angebracht 
und die Station durch Herrn Baumeister Fiala aufgestellt. Das Dach wurde 
mit neuer Kautschukleinwand überzogen. 

November 2. Die innere Einrichtung wurde in Ordnung gebracht und der erste 
Versuch mit dem Fang des Planctons auf der Skupice mit Hilfe eines schwer- 
fälligen Fischerbootes durchgeführt. 

1897. Mars 2. Hochwasser reicht bis zu den Stufen der Station. Besuch der Apus- 
localität „Prachärna" beim Fasangarten. 

3. Zeichnen und Conserviren der gemachten Fänge. 

25, 26. Es wurden 5 Fische nach Nahrung uud Parasiten untersucht; die Apus- 

localität abgefischt und die inundirte Gegend von Dr. Vävra photographirt. 
April 14. Dr. Vävra und Assistent F. Svec. Untersuchung der Apuslocalität. 

Infusorien, Räderthieie und Turbellarien untersucht uud conservirt. 
Mai 1, 2. Dr. Fric und Dr. Vävra. Plancton der Skupice, drei Fische nach Nahrung 

und Parasiten untersucht. 
Juni 8, 9. Dr. Friü uud Dr. Vävra. Auf der Skupice das Plauctou der Oberfläche 

und in 1 m Tiefe untersucht, so auch das Litorale. Nupharblätter abgesucht. 

Das Plancton der fliessenden Elbe. Zwei Aale auatomirt. 
24, 26, 27. Dr. Fric und Dr. Vävra. Das Plancton der Skupice und Bastarde 

(Abramidopsis Leuckarti) untersucht. 
Juli 13, 14. Dr. Fric a Dr. Vävra. Plancton der Skupice, Litorale, 9 Fische 

untersucht. Ein Prachtexemplar des Schied für die Museumssammlung con- 
servirt. 



August 11, 12. Dr. Vävra. Assistent K. Thon. Inundirte Gegend. Oberfläche und 
1 m untersucht. Viele Räderthiere. Hydrachnen und Würmer untersucht. 

September 3, 4, 5. Dr. Friö, Dr. Vävra, K. Thon. Skupice Oberfläche, 1 m und 
Litorale untersucht. Fliessende Elbe untersucht. Albia stationis entdeckt. 
Glugeaen an Fischen studirt. 

October 1, 2, 3. Dr. Fric und Dr. Vävra. Plancton der Skupice. Sammeln von 
Spongillen und deren Parasiten. Drei Fische wurden anatomirt. 

16, 17. Dr. Vävra, Assistent Smyöka. Plancton der Skupice, Oberfläche und 1 m. 
Auch wurde Rhynchelmis und Trochospongilla erinaceus gesammelt. 

November 19, 20, 21. Dr. Vävra, Assistent Smyöka. Plancton der Skupice Ober- 
fläche, Litorale 1 m und Spongilla fluviatilis gesammelt. 

1898. Jänner 5, 6, 7, 8. Dr. Vävra, Assistent Smyöka. In der Eisdecke der Skupice 
wurde eine 100 m lange, 1 m breite Strasse ausgehauen, das Plancton» der 
Oberfläche mit Cyclops insignis gefischt. Rhynchelmis gesammelt und eine 
Reihe von Fischen conservirt. 

Mars 1, 2, 3. Dr. Vävra und Assistent Srämek. Bei Hochwasser wurde Ober- 
flächenplancton, 1 m und Grundfauna gefischt. Sieben Fische anatomirt. 

April 2, 3. Dr. Vävra und Dr. Babor. Es wurden die Apuslocalitäten untersucht 
und Mollusken gesammelt. 

Mai. 17, 18, 19, 20. Dr. Friö u. Dr. Vävra. Skupice, Plancton der Oberfläche, 
1 m gefischt. Sechs Fische anatomirt und die Apuslocalitaeten besucht. 

Juni. 17, 18, 19. Dr. Friö, Assistent Srämek. Oberflächenplancton der Skupice mit 
sehr vielen Asplanchna, in 1 »i Leptodora. Bryozoen des Labice-Armes ge- 
zeichnet, 8 Fische anatomirt. 

August. 2, 3, 4, 5. Dr. Fric u. Dr. Vävra. Photografische Aufnahmen. Plancton 
gefischt; 4 Fische anatomirt. 

24, 25, 26, 27. Dr. Friö u. Dr. Vävra. Bodenfauna untersucht und Plancton 
der fliesenden Elbe gefischt. 

September. 18, 19, 20. Dr. Vävra, Assistent Srämek. Najas marina aufgefunden 
und photografirt, Plancton der Skupice, Oberfläche, 1 m und Litorale gefischt 
und untersucht. 

October. 3, 4, 5. Dr. Fric u. Dr. Vävra, (Besuch des Iv." Nico]. Arnold aus St. 

Petersburg). Oberfläche, 1 m und Litorale gefischt. Im Sande der fliessenden Elbe 

Dr. Vävra Limnicythere inopinata entdeckt. 
November. 18, 19, 20. Dr. Friö u. Dr. Vävra Plancton der Oberfläche, 1 m Litorale 

und Grundes untersucht. 8 Fische anatomirt. 

1899. Jänner. 9, 10, 11, 12. Dr. Vävra, Assistent Srämek. Die Skupice bei Hoch- 
wasser eingefroren. Die Stellen, die behufs Eisgewinnung entblösst waren, 
wurden befischt. Oberfläche, 1 m Litorale (an einer geflissentlich vom Eis be- 
freiten Stelle) 2 Fische anatomirt. Rhynchelmis-Cocone auf den Wurzeln von 
Wasserpflanzen gefunden. Bodenschlamm untersucht. 

Feber 26, 27. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Eis auf der Skupice 2 cm dick, Fischen 
des Planctons unmöglich. Drei Fische anatomirt. Verschiedene Larven con- 
servirt. Partien photographirt. 



8 

April 22. 23. (Dr. Vävra, Herr Verwalter Emnnuel Pecka). Hochwasser-Plancton 
gefischt. 7 Fische anatoiuirt. Bei Sturmwind wurde Litorale mit sehr vielen 
Diatomeaen gefischt. 

Mai 22, 23. Dr. Friö a Dr. Vävra. Plancton der Skupice gefischt und auch in 
der fliessenden Elbe. 2 Fische anatomirt. 

T ,. v '« o r (Dr. Fric, Ass. Srämek, Besuch des CentraUlirektors Jaroska aus 
Juli 1, 2, 3 i 

Chlumec.) Skupice-Plancton, Oberfläche, 1 m, 2 m und Litorale gefischt. Sturm 

und Regen erschweren die Arbeit. 

Juli 18, 19, 20. Dr. Fric, Dr. Vävra. Plancton gefischt und untersucht. 

August 21, 22, 23. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Plancton gefischt. Nymphaeen-Blätter 
abgesucht. 

September 14, 15. Dr. Vävra. Hochwasser. Plancton untersucht. Die Station neu 
im Inneren angestrichen, das Dach reparirt 

21. Besuch des Wirtschaftsdirektors Jifecka aus Jicinoves. Dr. Fric erklärte die 
Einrichtung der Station und zeigte das Fischen des Planctons. 

October 10, 11, 12. Dr. Fric, Dr. Vävra. Hochwasser, Skupice-Plancton untersucht. 
Das Altwasser „Dekanskd tun" untersucht. 

November 17, 1$, 19, 20. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Skupice-Plancton mit häufigen 
Räderthieren auf der Oberfläche, Dekanskä tun befischt. 

1900. Jänner 25, 26. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Hochwasser steigend, das Eis über- 
gössen. Arbeit unmöglich. 

März 20, 21, 22. Dr. Fric, Dr. Vävra. Skupice-Plancton untersucht. Sieben Fische 
anatomirt. 

April 11. Dr. Vävra. Hochwasser. 

19, 20, 21. Dr. Fric, Dr. Vävra. Hochwasser, Skupice-Plancton, Oberfläche, 1 m, 
12 Fische anatomirt. 

Mai 7, 8. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Mehrere kleinere Tümpel am linken Elbeufer 
wurden untersucht und das Material conservirt. 

Juni 6, 7, 8. Dr. Friö, Dr. Vävra. Plancton-Untersuchung, Litorale der fliessenden 
Elbe. Glugeaenstudien in Asplanchna. Nympheaen Blätter abgesucht. Vier 
Fische anatomirt. 

26, 27, 28, 29. Dr. Friö, Dr. Vävra. Skupice und Labice-Plancton untersucht. Der 
Tümpl „Marena" untersucht. Zettelcatalog der Flora angelegt. 

Juli 15, 16, 17. Dr. Friö, Ass. Srämek, Ass. Thon. Plancton gefischt und studirt. 
Mus. Ass. Tocl untersuchte mit Herrn Apotheker Hellich die Flora der Sku- 
pice. Herr Thon widmete seine Aufmerksamkeit den Hydrachnen und deren 
Brut. Zwei Fische anatomirt. 

August 17, 18, 19. Skupice-Plancton und Litorale untersucht dann die Fauna der 
Lehmufer der fliessenden Elbe studirt Spongillen conservirt und Anoudonten 
und Unionen anatomirt. 

September 13, 14, 15. Dr. Vävra, Ass. Srämek. Plancton der Labice: Oberfläche ) 
1 m und Litorale untersucht und Spongillen gesammelt. Sehr niedriger Wasser- 
stand. Mehrere kleine Tümpel und die Apuslocalitäten werden revidirt. 



9 



October 28, 24, 25. Dr. Vävra und Ass. Srämek unternahmen einen Ausflug zur 

Abfischung des Zehuuer Teiches. Nach Rückkehr forschten sie Skupice-Plancton, 

Oberfläche und 1 m. 
November 9, 10, 11. Dr. Friö, Dr. Vävra Plancton untersucht und 7 Fische 

anatomirt. 
December 14, 15, 16. Plancton untersucht. Fünfzehn Fische anatomirt. (Besuch des 

Schuldirektors H. Krauskopf aus Lissa). 

IV. Chemische und physikalische Beschaffenheit des Wassers. 

Die chemische Beschaffenheit des Elbewassers ist gewiss grossen Schwan- 
kungen unterworfen in Folge der starken Verunreinigungen durch Industrie- 
etablissements, unter denen die Zuckerfabriken den ersten Rang einnehmen. Mehrere 
derselben lassen ihre Abwässer in todte Arme der Elbe und verwandeln sie in 
stinkige Lachen, in denen alles thierische Leben verschwunden ist. 

Dies geschieht regelmässig im Herbste und wirkt um so intensiver, je 
niedriger der Wasserstand ist. 

Sehr bedenklich gestaltete sich in neuerer Zeit die Wirkung der Petroleum- 
raffinerien in Pardubic, deren Schmutzreste sich an den Wehren und Wasserbauten 
bis über Elbeteinitz, Kolin und weiter stromabwärts bemerkbar machen. 

Die dünne Petroleum-Schichte, die sich bei niedrigem Wasserstande besonders 
an stillen Stromstellen bildet, vernichtet die niedere Thierwelt, welche die Basis 
der Nahrung der Fische darstellt 

Auch hat die im grossen Maasstabe angewendete Düngung mit verschiedenen 
Chemiealien, die namentlich durch die Drenageanlageu allmählig in den Fluss ge- 
langen, grossen Einfluss auf die chemische Beschaffenheit des Elbewassers. 

Trotzdem geben wir hier ein Beispiel der Zusammensetzung von normalem 
Elbewasser aus dem Werke des Dr. Hanamann. *) 



In 



jmische Zusauimei 


setzimg der 


Elbe oberhalb Celakowitz 




im November 


1892. 




1000 cc Wasser sind 


enthalten Grammes : 




Chlornatrium . . 


. . 001197 


Na,0 . 


. 01178 


Natriumsulfat . . 


. . 0-01243 


K 2 Ö . 


. 0-00655 


Kaliumsulfat . . 


. . 001211 


CaO . 


. 008202 


Calciumsulfat . . 


. . 0-00675 


MgO 


. 0-01188 


Calciumcarbonat 


. . 0-13991 


so, . 


. 0-01653 


Magnesiumcarbonat .0 02495 


Cl . . 


. 000726 


Kieselsäure . . 


. . 00907 


CO, . 


. 0-07463 


Eisenoxyd 1 
Thonerde j 
Calciuinnitrat 


. . 0-00204 
. . 000261 


SiO a . 
A1 2 3 \ 
Fe 2 0, ( 


. 000907 
. 0-00204 




0-22184 


N 2 6 . 


. 0-00172 
022349 




Sauerstoff ab für C 


1. . 0-00164 



022184 



*) Dr Hanamann, Archiv für Landesdurchforach. Band X. No. 5. 



10 

Glühverlust (V024 Mgm p. Liter. 
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten : 

Na.,0 5-31% 

K 2 Ö 295 „ 

CaO 36-98 , 

MgO 535 „ 

S0 3 746 „ 

CO, 33-65 , 

Cl 3-27 „ 

Si0 2 4-09 „ 

AL0 3 ) " 

N a 6 77 n 

100 74°/ 
Sauerstoff ab für Cl . . . Q-74 „ 

ioo-oo°/ 

Gesammthärte des Wassers 9 - 85. 

Auf der linken Seite empfängt die Elbe die Klabavka bei Alt-Kolin, die 
Planianka mit dein Schwojschitzer Bach bei Dobfichov, den Schemboabach bei 
Sadska, den Auiraler Bach, der bei Prczan in 2 Arme getheilt einmündet, dann 
noch einige Bäche von geringer Bedeutung. 

Bei Tauzim ergiesst sich die wasserreiche Iser in die Elbe uud fliesst nord- 
westlich über Braudeis gegen Obfistvi. 

Eine ebene, sandige, bewaldete Landschaft debnt sich auf dem rechten Ufer 
der Elbe aus, auf dem linken erheben sich höhere Gehänge, welche sanft gegen 
das Flussthal abdachen und dem dünngeschichteten, petrefactenreichen Quader- 
sandstein der cenomanen Kreidescbichte angehören und mit Löss und Gerolle in 
der Tbalsohle bedeckt sind. Das Hochwasser befruchtet die ausgedehnten Wiesen- 
gründe. Als letzte Spuren des angrenzenden Gebirges zeigen sich Klippen von 
Kieselschiefer. 

Der niedrige Höhenzug, der sich bei DfiS gegenüber von Elbekosteletz aus 
dem Alluvium erhebt und in nördlicher Richtung über Väetat bis Melnik ausdehnt, 
gehört zum Gebiet des Weissenberger Pläner, der gegen Nordosten an Mächtigkeit 
zunimmt und bei Melnik steil gegen die Thalsohle der Elbe abfällt. 

Zwischen Weltrus und bei Obfistvi breitet sich an der linken Stromseite 
das Elbthal stark aus, indem es das Delta zwischen Moldau und Elbe bildet und 
durch das Zusammenwirken der zwei grössten Flüsse Böhmens auf beträchtliche 
Tiefen angeschwemmten Boden absetzte, unter welchem sich die Schiefermassen 
des Grauwackengebirges verbergen. 

Der Boden dieses Deltas besteht aus Flussschutt und lehmigen Flussalluvien. 
Bei Tfebosnice mündet der Bysicer, dem Kalkgebirge entquellende, unweit Melnik 
bei Schopka der mit dem Forellenbach vereinigte Goldenbach in die Elbe. Auf den 
nahe an die rechte Seite der Elbe vordringenden, mit Weingärten durchsetzten 
Höhen folgt die Stadt Melnik, vor der die Elbe sich mit der Moldau vereinigt. 



11 

Dieses Beispiel reicht gewiss nicht hin einen guten Begriff über chemische 
Beschaffenheit zu geben, denn dazu wäre eine öftere periodisch wiederholte Unter- 
suchung bei verschiedenem Wasserstande und verschiedener Trübung und momen- 
taner Verunreinigung nöthig, und sollte diess als Aufgabe einem an der Elbe ständig 
wohnenden Chemiker zugewiesen werden. 



V. Die Flora der Umgegend von Podiebrad. 

Zusammengestellt von Ass. K. Tocl. 

Ein hervorragender böhmischer Fachmann bezeichnete die Elbeniederung 
von Kolin bis Melnik als den botanischen Garten Böhmens. Er hatte dabei im 
Sinne die Torfwiesen der Eibniederung o. Schwarzböden („cernavy"), welche in 
der Mitte des Juni von herrlichen Orchideen geziert sind, und die herrlichen Wiesen, 
die dem Botaniker reiche Ausbeute geben. Diese Wiesen sind aber grösstentheils 
als „sauere" Wiesen bei den Landwirthen wenig beliebt und werden vielfach um- 
gebaut und zur Pflanzung von Rüben, Zwiebeln und Gurken verwendet, und man 
sucht nun vergebens nach Arten, die hier Tausch und Opiz fanden. 

Die Wiesen längs der beiden Elbeufern haben eine manigfache Flora und 
wir werden in nachstehendem besonders denen der Umgebung der Skupice unsere 
Aufmerksamkeit widmen. Es ist das nicht eine eigenthümliche Flora in biolo- 
gischem Sinne, sondern nur eine interessante Association gewisser Arten. 

Prof. L. Celakovsky bezeichnet die Vegetation von Podiebrad (die Formation 
I. des Prodroms) als eine Wärme liebende, während die Ufer- und Wasserflora 
die wir hauptsächlich darstellen wollen, in die Formation II. fällt. 

Von den Algen wollen wir zuerst diejenigen erwähnen, welche sich an den 
Gehäusen der Mollusken Planorbis, Limnaeus und Anodonta ansetzen und diess 
sind: Trentepohlia De Baryana Wolle und Aphanocapsa anodontae 
Hansgirg. Auch lebt hier eine Art des Chlorocliytrium eingeschlossen im Gewebe 
der verschiedenen Arten der Wasserlinsen. 

Die Algenflora der Elbeniederung gehört nach Hansgirg zu der niedrigsten 
Region und wir führen nach demselben Autor nachstehende bezeichnende Arten an. 
Chrysomonas flavicans Stein. Chaetophora elegans Ktz. 

Coleochaete pulvinata A. Br. Conferva tenerrima Ktz. 

— orbicularis Pringsh. ■ — bombycina Wolle 
Aphanochaete repens Ktz. Rhizoclonium hieroglyphicum Ktz. ampl. 
Oedogonium crispum Wittz. Cladophora fracta Ktz. ampl. 

— Vaucheri A. Br. — glomerata Ktz. 

— cappilare Ktz. — canalicularis Ktz. 

— Pringsheimii Cram. Vaucheria sessilis DC. 

— teuuissimum Hansg. Volvox globator Ehrb. 
Bulbochaete setigera Ag. Paniorina morum Bory. 
Cylindrocapsa geminella Wolle. Chlamydomonas pulvisculus Ehrb. 
Stigeoclonium tenue Ktz. ampl. Hydrodictyon reticulatum Lagrh. 

— longipilum Ktz. Pediastrum Boryanum Menegh. 



12 



Raphidium polymorphum Fres. 
Characium subulatum A. Br. 
Oecystis Naegelii A. Br. 
Protococcus botryoides Krch. 
Mongeotia parvula Hass. anipl. 
Spirogyra gracilis Kotz. ampl. 

— polymorpha Krch. 

— porticalis Cleve ampl. 

— crassa Ktz. ampl. 

— inflata Rbh. ampl. 
Cosmaridium Ralfsii Hansg. 
Cosmarium granatum Breb. 

— nitidulum De Not. 

— margaritiferum Menegh. 
Hapalesiphon pumilis Krch, 
Tolypothrix lanata Wartm. 
Gloecystis Gigas Lagrh. 

Die Pilze und Lebermoose 
wurden in der Gegend von Podie- 
brad bisher nicht näher unter- 
sucht. Von den letzteren erwäh- 
nen wir die Riccia fluitans 
(Fig. 2.) welche in Gesellschaft 
der Lemna trisulca in seichten 
Gewässern dichte Rasen bildet 
und vielen niederen Pflanzen An- 
haltspunkte gewährt. 

Von Laubmoosen verdient 
bloss das Hypnum Erwähnung, 
welches in Massen besonders in 
den Wiesengräben vorkommt. 
Ganz besonders interessant ist das 



Gloeotrichia pisum Thr. 

— - natans Rbh. 

Rivularia minutela Bor. & Flah. 

Nostoc piscinale Ktz. 

— carneura Ag. 
Anabaena variabilis Ktz. 

— flos aque Bröb. 

— Ralfsii Hansg. 

— licheniformis Bory. 
Lyngbya Mertensiana Menegh. 

— lyugbyacea Hansg. 

— paludinae Hansg. 

— phormidium Ktz, 

— anguina Hansg. 

— chalybaea Hansg. B. turfacea Hg. 
Clastidium setigeium Krch. 




Fig. 2. 
Riccia fluitans. 



Moos Octodi ceras Juli an um Bried (Fig. 3.), welches in einem Brunnen in 
Podiebrad im Jahre 1890 vom Prof.MatouSek gesammelt wurde. 

Für die Arbeit über die Elbe ist besonders 
die Wasser- und Uferflora, die aus höheren Pflanzen 
besteht, einer Betrachtung werth. 

Von Phanerogamen sind es vor allem die 
Wasserlinsen, die in 4 Arten auftreten (Lemna 
trisulca L., minor L., gibba L. und polyrrhiza L.) 
ganz unabhängig vom Boden. 

Viele audere Wasserpflanzen haben ihre 
Wurzeln im Schlamme des Bodens und dann sind 
(Fig. 3.) Octodi ceras Juli au um, Bried. Nat. Grösse. 




13 



es Arten, die untertaucht sind, oder nun ihre Blätter bis zum Wasserspiegel 
erheben (Hydrocharis, Nymphaea, Nuphar). 

Wichtig sind neben dem 
die Ufer-Pflanzen tiefer Tümpel, 
die die Vegetation am besten 
charakterisieren und in der 
Richtung nützlich sind, dass 
sie den Wasserspiegel vor 
Wind schützen, es sind Scirpus, 
Phragmites und Sparganium, 
welche durch zahlreiche Aus- 
läufer des Wurzelstocks vege- 
tativ sich vormehren und dichte 
Bestände bilden. 

Unter den hier vorkom- 
menden untertauchten Pflanzen 
ist am merkwürdigsten Najas 
major Roth., welche ein 
interessantes Beispiel von der 
Wanderung einer Art strom- 
aufwärts giebt. Dieselbe war 
ursprünglich in Böhmen nur 
aus der Elbe bei Leitmeritz 
bekannt, dann erschien sie 
zwischen Raudnitz u. Brandeis, 
und in der Gegend von Podie- 
brad wurde sie zuerst im Jahre 
1887 constatiert, worauf sie 
wieder verschwand und erst 
1899 von uns wieder gefunden 
wurde und zwar im breiten 
Arme der Skupice und beim 
Oppelt. 

Es wurde dieser Fund 
von Dr. Vävra zur Fotografie 
zweier Habitusbilder benützt, 
welche um so werthvoller sind, 
als die getrocknete Pflanze ein 
sehr erbärmliches Bild dieser 
interessanten Art giebt. (Fig. 
4, 5.) 

Die ruhigeren aber tiefen 
Buchten der Altwässer der Elbe 

Fig. 4. 

Najas major Roth. Habitusbild in 1 j 6 nat. Grösse. 




14 

zieren die prachtvollen Wasserlilien: Nymphaea Candida Presl (Fig. 6.) (diese Art 
überhaupt in der Skupice ansässig), N. alba L. (z. B. bei Libice) und die gelb- 
blühende Seeblume. (Nuphar luteum L.) 




Fig. 5. 
Najas major, Roth. Natürl. Grösse. 



Die erstere Art unterscheidet sich von der nahe verwandten Art N. alba L. 
(welche zwar in Böhmen ziemlich selten vorkommt, aber in Nord- u. Mittel-Europa 



15 



ganz gemein ist) hauptsächlich durch die geringere Zahl der Narbenstrahlen (ge- 
wöhnlich nur 6 — 10), die der Länge nach rinnig sind, durch den Fruchtknoten, der 
unter der Narbenscheibe verschmälert und dort frei von Staubfäden ist, und durch 
die stark vierkantige Kelchbasis. 

N. alba bildet auf 
den ganz abgeschlossenen 

Altwässern der Umge- , ? ,• 

bung von Podiebrad ab- u . .'- v <- " ° ' 

geschlossene runde 
Gruppen, die im kurzen 
Wurzelstock ihren Ur- 
sprung haben. Diesen 
Wachsthumsunterschied 
von N. Candida Presl (die 

ganz unregelmässig 
wächst, indem sie längere 
Ausläufer unter Wasser 
treibt) finden wir in der 
Literatur nie besprochen. 
Zwischen den Blatt- 
stengeln der Nymphaeen 
wächst C e r a t o p h y 1- 
lum demersum L. Au 
weiten vom Ufer entfernten 
seichteren Stellen trifft 
man Potamogeton na- 
tans L. und perfoliatus 
L., sowie die Abart P. 
fluitans (Roth sp.), 
welche Mitte Juli 1900 
auf der Skupice häufig 
blühte. 

Ausserdem trifft man 
Pot. crispusL., pectinatus, 
sowie P. mucronatus Schrad., den hier zuerst in Böhmen Prof. Velenovsky sammelte. 

In Gesellschaft der genannten Arten kommen hier nachfolgende vor: 

Elodea canadensis Rieh. 
Hydrocharis morsus ranae L. 
Utricularia vulgaris L. 
Hottonia palustris L. 
Myriophyllum verticillatum L. 
— spicatum L. 

In der fliessenden Elbe bildet längs der Ufer Ranunculus fluitans 
Lamk. grosse Polster. 





Fig. 



6. 



Nymphaea Candida. Presl. 



16 



Trapa natans L. Die Wassernuss ist gegenwärtig von hier verschwunden, 
aber ihre ornamentale Frucht fand man abgestorben im Schlamme der Skupice. 

Von den Uferpflanzen nimmt die erste Stelle Scirpus lacustris L. mit 
seinen oft 3 M. langen Halmen ein und man trifft diese Art auch weit vom Ufer 
an. Ausserdem wächst hier Equisetuui limosum L. und nachstehende Pflanzen : 

Sparganium ramosum (Huds) Beeby. 

Acorus calamus L. 

Butomus umbellatus L. 

Iris pseudacorus L. 

Phragmites communis Trin. 

Glyceria aquatica Vahl. 

Auffallend ist, dass hier Typha fehlt, 
denn nach Angabe des Herrn Apothekers 
Hellich ist sie nirgends in der Gegend von 
Podiebrad zu treffen. 

Neben den Gruppen genannter Pflanzen 
wachsen an seichteren Stellen meist nur 
vereinzeint folgende. 

Alisma plantago L. 

Rumex hydrolapathum Huds. 

— maximus Schreb. (selten) 
Ranunculus sceleratus L. 

— lingua L. 

Sium latifolium L. typica. 

Cicuta virosa L. 

Berula angustifolia Koch. 

Durch seine Grösse überrascht Ra- 
nunculus lingua L., der schon einer 
wärmeren Lage angehört und von dem wir 
in Fig. 7. ein Habitusbild bringen. 

Die Vegetation des Festlandes, nament- 
lich der oft inundierten Wiesen soll nun in 
nachfolgendem kurz geschildert werden. 

Weiden sind folgende : 

Salix alba L. 

— fragilis-alba (viridis Fr). 

— viminalis L. 

— viminalis X purpurea (L. rubra 
Huds). 

— purpurea. 

— amygdaliua L. «) concolor. 

(t) discolor. 

— amygdalina X viminalis. (S. hippo- 
phaifolia Thaill.) 




Fig. 7. 
Ranunculus lingua in '/» n at. Grösse. 



17 



In Gesellschaft der Weiden finden wir Euphorbia palustris L., Senecio fluvia- 
tilis Wallr., Spirea ulmaria L. ß) denudata Presl, salicifolia L., welche Arten hier 
eine typische Weidenformation bilden. 

Zur Ufervegetation gehören noch diese Pflanzenarten, die man nicht in 
auffälligen Bestäuden antrifft: 



Equisetum palustre L. 
Carex vulpina L. 

— elongata L. 

— acuta L. 

— stricta Good. 

— flava L. 

— paludosa Good. 

— vesicaria L. 

— ampullacea Good. 

— riparia Curt. 

— hirta L. 
Scirpus silvaticus L. 

— acicularis L. 

— palustris Link. 

— ovatus Roth. 

Zu den wärmeliebenden 
Pflanzen der Ufervegetation ge- 
hören : 

Senecio paludosus L. «. 

Veronica anagallis L. y. 
pallidiflora Cel. 

Gratiola officinalis L. 

Roripa amphibia Bess. ct. 
riparia Tausch. 

Barbarea stricta Andr. 

Lathyrus palustris L. 

Galega officinalis L. 

Unter den Wiesenpflanzen 
findet man unter den gewöhnlichen 
Gräsern diese Arten der I. For- 
mation: 

Sesleria coerulea Ard. ß. 
uligfnosa Opiz, dann Al- 
lium acutangulum Schrad. 

Symphytum officinale L. ß. 
bohemicum (Schm.). 

Veronica longifolia L. 

Scutellaria hastifolia L. 

Lavatera thuringiaca L 

Silaus pratensis Bess. 



Juncus conglomeratus L. 

— effusus L. 

— glaucns Ehrh. 

— lamprocarpus Ehrh. 

— compressus Jacq. 

— bufonius L. 

Rumex hydrolapathum Hudß. durch 
ihre Grösse auffallend. 

— maritimus L. 

— sanguineus L., R. maximus 
Schreb., R. aquaticus Schieb. 




Fig. 8. 
Fruchtende Pflanzen von Colchicum autumnale L. 
Vi nat. Grösse. 



18 

Das massenhafte Auftreten der fruchtenden Pflanzen der Herbstzeitlose (Col- 
chicum autumnale L.) wird zur Zeit der Heuernte auffalend und für den Land- 
wirth lästig. Dieses Unkraut muss aus dem Heu entfernt werden und wird auf 
grosse Haufen gesammelt und in die Fahrwege zur Vernichtung gelegt. Da dieses 
Sommerstadium den meisten unbekannt ist und seine Zugehörigkeit zur Herbstzeit- 
lose nicht geahnt wird, so geben wir ein Habitusbild. (Fig. 8.) 

Ein buntes Bild liefert die Vegetation der Waldungen der Elbeniederung, 
die aus Laubbäumen, sandigen Kiefenväldern und gemischten Hainen bestehen. 

Unter den Nadelhölzern nimmt auf allen nicht allzutrockenen Sandböden die 
Kiefer (Pinus silvestris L.) eine hervorragende Stelle. Die Sandfluren der hiesigen 
Kieferwaldungen bewohnt unter den Gräsern hauptsächlich: Festuca glauca L. v. 
psammophila Hack., Corynephorus canescens P. B., Koeleria glauca D C. und Nardus 
stricta L. Bunter sehen die Laubwalduugen des Elbthales aus. Bestände setzen 
sich meist aus folgenden Baumarten zusammen: 

Quercus pedunculata Ehrh. (Sommereiche.) 
Carpinus betulus L. (Hainbuche.) 

Eingesprengt oder auch augepflanzt unter diesen Waldbäumen, aber ziemlich 
zahlreich kommen dort vor : 

Ulmus campestris L. (Rüster.) 
Alnus glutinosa Gärtn. (Schwarzerle.) 
Populus tremula L. (Espe.) 
Tilia ulmifolia Scop. (Winterlinde.) 
Betula verrucosa Ehr. (Birke.) 
Acer cauipestre L. (Feldahorn.) 
Evonymus europaeus L. (Spindelbaum.) 

Der nördlich von Podiebrad sich erhebende Wolfsberg besitzt manche 
wärmeliebende Pflanzen und die Bifora radians M. B. ist ein Repraesentant der 
Steppenflora. 

Man findet am Wollsberg unter anderen : 

Carex Michelii Host. 

Scorzonera hispanica L. 

— laciuiata L. 

Lithospermum purpureo — coeruleum L. 

Linaria spuria Mill. 

Orobanche coerulea Vill. 

Thlaspi perfoliatum L. 

Erucastium Pollichii Schimp. Sp. 

Hesperis runcinata W. K. 

Linum flavum L. 

Caucalis daucoides L. 

Bei Besprechung der Verhältnisse der Pflanzenwelt wollen wir auf mehren' 
Erscheinungen hinweisen, welche dem Forscher bei der Untersuchung des Planctous 
begegnen. 



19 

Es sind diess vor allen die Sternzellen aus den Stielen der Nymphäenblätter. 
(Fig. 9.) Wie aus der Anatomie bekannt ist, sind es cuticularisierte Zellen, die in 
Winkeln der Intercellularräume der Blattstiele von Nympheaen sich entwickeln. 





Fig. 10. 

Pollen einer Coniferae. 
Vergr. 60mal. 



Fig. 9. 
Steruzelle einer Nymphea. Vergr. 50mal. 

Dann ist der Pollen (Fig. 10.) der Coniferen, welcher deu Anfänger in ver- 
schiedener Lage erscheinend leicht täuscht und Rhizopoden vorspiegelt. 



VI. Die Fauna der Elbeniederung iu der Umgebung von Poiliebrad. 

Die nun folgende Schilderung der Fauna der Umgebung von Podiebrad hat 
Giltigkeit für die ganze Elbeniederung von Pardubic bis Memik. Es ist das ein 
Typus des fruchtbaren oft inundirten Gebietes. 

Für die Beurtheilung der jetzigen Thierwelt ist es interessant, Daten über 
diejenige aus früheren Zeiten zu verzeichnen, und verdanke ich dieselben dem 
eifrigen Forscher der Vorzeiten dieser Gegend, Herrn Apotheker J. Hellich, und be- 
nutze auch den Artikel des Herreu Otakar G. Paroubek über die Thierwelt der 
Herrschaft Podiebrad. (Vesmir, 1894, p. 243.) 



Säugethiere. 



Zur Beobachtung der Säugethiere fanden wir wenig Gelegenheit, denn die 
oft wiederkehrenden Überschwemmungen gestatten nicht, die im Böhmerwalde 
geübte Fangmethode für kleine Säugethiere *) anzuwenden. 



*) Untersuchung zweier Böhmerwaldseen, p. 7. 



20 

Im "Flussgerölle der Elbe werden von Zeit zu Zeit Reste von diluvialen 
Säugethieren gefunden. Grosse, braun gefärbte Mamuthknochen in der Gegend von 
Lissa, dann Zähne vom Main uth, Rhinoceros und Pferd im Gerolle von Klavar, 
das behufs Strassenschotterung gewonnen und in Podiebrad gelandet wird. 

In vorhistorischen Gräbern und Aschenhaufen fand Herr Hei lieh Hirsch- 
geweihe, Wolf-, Hund- und Bieber-Reste (bei Bylan), Wildschweiuhauer und Kiefer 
und auch aus diesen Thierknochen verfertigte Geräihe. Ein Kiefer des Biebers 
wurde auch am Elbeufer bei Lissa gefunden und unserem Museum übergeben. 
Der Bieber war noch 1642 häufig, aber in einem Berichte vom Jahre 1745 ge- 
schieht vom Bieber keine Erwähnung mehr. Von aussterbenden und für die Elbe- 
niederung ausgestorbenen Säugethieren erwähnen wir den Wolf, auf dennoch die 
betreffenden Schussgelder aus den vorletzten 3 Jahrhunderten in beigefügter 
Liste verzeichnet sind. Derselbe wurde im vorletzten Jahrhundert in einem eigenen 
Wolfsgehege gehalten, mit Pferdefleisch gefüttert und von einem eigenen Wärter 
mit dem Gehalte von 233 Meissner Schock gepflegt. 

Von den übrigen Säugethieren wollen wir nur nachstehendes verzeichnen. 
Fledermäuse sind im ganzen selten. Vesper ugo noctula wurde in der Regel 
bei Eintritt der Dämmerung beobachtet. Am 21. April wurde bei vollem Sonnen- 
schein um 3 U. 30 m. diese Art beim Fangen der Chironomuslarven an der Wasser- 
oberfläche beobachtet. 

Bei der Restaurirung der Pfarrkirche wurden viele Fledermäuse gefunden. 
Eine Revision der Dachböden des Schlosses ergab 10 Exemplare von Vespertilio 
murin us, deren Embryone am 15. Mai die Grösse einer Erbse hatten. 

Der Maulwurf ist in den Wiesen der Elbeniederung häufig, und es ist 
sehr wunderbar, wie derselbe die häufigen Inundationen übersteht, denn kaum ist 
das Wasser abgefallen so beginnt er seine wühlerische Thätigkeit. Beim Steigen 
des Wassers flüchten sich viele auf nahe Erdhügel oder klettern auf Gesträuche 
und Bäume, aber das reicht nicht hin die Sache zu erklären. 

Von Spitzmäusen wurde bloss die Wasserspitzmaus in einem frischen 
Exemplar ohne Kopf auf einem Wege vorgefunden und zwar am 20. März bei Hochwasser. 

Beim Igel überrascht die grosse Anzahl, ia welcher derselbe wegen des 
grossen Schadens, den er an der Fasanenbrut anrichtet, vertilgt wird ; so im Jahre 
1888-89 377 Stück! Das Schussgeld beträgt 12 Heller. Bloss im Fasangarten 
werden jährlich an 50 Stück vertilgt. 

Der Dachs wurde in den letzten 15 Jahren bloss 3mal erlegt. 

Der Fuchs verirrt sich bloss zuweilen als Gast und wird in den Schuss- 
listen der letzten 16 Jahre gar nicht angeführt. Noch im Jahre 1745 war ein 
Schussgeld von 20 kr. für den Alten und 10 kr. für den Jungen ausgesetzt. 

Die Marder werden jährlich in circa 30 Stücken erlegt. Das Schussgeld 
beträgt jetzt 2 Kronen. 

Die Iltisse werden in 200 bis 300 Exemplaren jährlich abgeliefert. (Schuss- 
geld 80 Heller.) 

Die Fischotter ist vorhanden, aber das Legen von Eisen ist in der 
Gegend sehr gefährlich, da leicht Menschen hinein gerathen könnten. In den letzten 
10 Jahren wurden 5 Exemplare der Fischotter abgeliefert. 



21 

Von den kleinen Nagern stellte sich oft die Hausmaus in die Station 
ein, in deren Lebern regelmässig die Bandwurmlarve Cysticercus fasciolaris bis von 
10 cm. Länge aufgefunden wurde. Auch die Waldmaus (Mus sylvaticus) wurde 
einmal gefangen. 

Die Wanderratte (Mus decumanus) machte sich nicht bemerkbar, aber 
haust in der Stadt und war namentlich sehr häufig, so lange die alten Kasernen 
besetzt waren. 

Die Wasserratte (Arvicola amphibius) wurde nur einmal an der Primator- 
insel beobachtet. 

Der Haase ist in dieser fruchtbaren Gegend äusserst häufig. Die Zahl 
der jährlich erlegten schwankt zwischen 2—7 Tausend Stücken. 

Wilde Kaninchen werden jährlich im Fasangarten circa 50 Stück erlegt. 

Der Bieber. Ein Kiefer des Biebers wurde in einem neolitischen Cultur- 
haufen bei Pofiöan am Cernavka-Bache gefunden, ein anderer am Elbeufer bei 
Lissa. In alten Registern (z. B. dem vom Georg Refigius Kleefeld aus dem Jahre 
1642) wird der Bieter unter den Fischen angeführt und dort bemerkt, dass von 
jedem erlegten Bieber der Schwanz und die Pratzen auf das Schloss abzuliefern 
seien, wofür die Fischer einen Meissner Groschen erhielten, für den zweiten 
einen Krug Bier. 

Abschussliste des Wildes der Herrschaft Podiebrad in den Jahren 1884 — 1900. 



Jahr 



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1884—1885 
1885—1886 
1886—1887 
1887—1888 
1888—1889 
1889—1890 
1890—1891 
1891—1892 
1892—1893 
1893—1894 
1894 1895 
1895—1896 
1896—1897 
1897—1898 
1898—1899 
1899—1900 



4 

5 

8 

11 



12 

6 

7 

14 

20 



97 

29 

58 

54 

59 

78 

105 

46 

69 

195 

156 

102 

65 

117 

128 

110 



1987 
1882 
1212 
2092 
1805 
2100 
2840 
2334 
4149 
7061 
4256 
2079 
1932 
2201 
2519 
2650 



3304 


1948 


12 


50 




2761 


3539 


10 


20 


— 


1651 


640 


5 


43 


— 


5116 


2350 


11 


16 


— 


2162 


1571 


— 


48 


7 


2784 


2272 


4 


20 


20 


1696 


1832 


8 


17 


29 


3032 


1813 


6 


12 


106 


4709 


3331 


3 


19 


217 


6868 


6039 


6 


13 


896 


3743 


3443 


5 


13 


215 


4267 


980 


2 


10 


109 


2819 


1396 


1 


14 


94 


2638 


2100 


9 


31 


64 


2350 


2047 


6 


17 


93 


2219 


3218 


5 


8 


41 



7398 
8241 
3609 
9639 
5652 
7278 
6518 
7349 
12497 
21080 
11839 
7561 
6331 
7172 
7162 
8282 



22 



Belehrend über den Stand des Schädlichen sind die Premien aus älteren und 

jüngeren Zeiten. 



1651 



Schock 



Gr. 



Hell. 



1714 



Gld, 



Kr. 



1745 



Gld. 



Kr. 



I9u0 



K 



Alter Wolf . . . 
Junger Wolf . . 
Alter Fuchs . . 
Junger Fuchs . . 
Alte Wildkatze . 
Alte Hauskatze . 
Alter Hauskater . 
Junger Hauskater 
Alter Marder . . 

Iltis 

Altes Wiesel . . 

Dachs 

Wildschwein . . 
Fischotter . . . 

Hund 

Eichkatze . . . 

I^el 

Alter Adler . . 

Junger Adler . . 

Alter Fischadler? (Pochop) 

Uhu 

Hühnerhabicht etc 

Eulen 

Sperber .... 
Thurmfalken . . 
Elstern und Krähe 
Alter Fischreiher 
Junger Fischreihe 
Wasserrabe (Larus?) 
Rohrdrommel . . . 



30 

11 

5 



02 
04 

04 
02 



17 

8 
17 



03 
03 



4> 
04 
02 
03 



30 

45 

5 

2 

2 



03 



30 
08 
4 
3 
3 
3 
6 



20 

10 

15 

6 



20 

20 

3 

20 

30 

7 



12 

12 
3 
3 
3 
2 



14 



40 
20 
45 

45 

14 

6 

6 



36 
14 
14 



Der Edelhirsch wird jetzt in einem kleinen Thiergarten gehegt. 

Der Dammhirsch wurde schon 1651 in die Thiergarten eingeführt. Jetzt 
werden daselbst circa 20 jährlich abgeschossen. 

Das Reh liebt sehr die feuchten Waldungen der Elbeniederung, besonders 
Stellen, wo viele Brombeeren zu finden sind. Die Zahl der jährlich erlegten Rehe 
beträgt 50—110 Stücke. 

Das Wildschwein war im 18. Jahrhunderte häufig und ein Schussgeld 
auf dasselbe war 1 Gulden, für junge 18 — 45 kr. ausgesetzt. 

Später wurden dieselben auf Befehl des Kaisers Josef II. bloss in Thiergarten 
gehalten, weil sie der Landwirthschaft grossen Schaden verursachten. 



23 



Der Wildstand in hiesiger Gegend ist aus älteren und neueren Abschusstabellen 

ersichtlich: 



Hochwild . . . . 
Dammwild . . . 

Rehwild 

Wildschwein . . 

Hasen 

Kaninchen . . . . 
Fasanen . . . . 
Rebhühner . . . 
Wachteln . . . . 
Birkhühner . . . 
Waldschnepfen . . 
Wildenten . . . 
Wilde Truthühner 



1748 *) 


1750**) 


1848 


1849 


1894***) 










1 










6 


4 


20 
2 


95 


100 


115 


1648 


2716 


3200 


480 


3772 

824 


1708 


1306 


800 


450 


4600 


2714 


3898 
113 


2400 


480 


3247 

4 

10 

78 
5 



Abschussliste des 


Schädlichen in 


der . 


Fahren 1884—1900. 












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1884—1885 . . 






12 


143 


259 


58 


169 


670 






39 


139 


433 




1919 


1885—1886 . . 


1 


— 


20 


230 


593 


65 


213 


536 


39 





33 


198 


744 


— 


2671 


1886—1887 . . 


— 


— 


10 


185 


260 


59 


177 


485 


48 





22 


120 


637 


— 


2003 


1887—1888 . . 


— 


l 


17 


191 


369 


79 


307 


579 


143 





44 


139 


621 


— 


2489 


1888—1889 . : 


— 


— 


14 


215 


487 


98 


288 


663 


102 


I 1 ) 


35 


182 


503 


— 


2607 


1889—1890 . . 


— 


1 


10 


274 


611 


117 


341 


996 


126 




61 


138 


690 


1 


3365 


1890-1891 . . 


— 


— 


24 


361 


388 


154 


323 


530 


110 


2 2 ) 


41 


168 


653 


— 


2726 


1891—1892 . . 


— 


— 


26 


441 


585 


162 


476 


702 


111 


— ■ 


64 


228 


809 


— 


3604 


1892—1893 . . 


1 


— 


32 


607 


628 


121 


397 


658 


69 


— 


63 


186 


695 


— 


3457 


1893-1894 . . 


— 


— 


11 


309 


376 


110 


453 


908 


110 


— 


31 


247 


888 


— 


3443 


1894—1895 . . 


— 


— 


21 


295 


590 


128 


501 


524 


182 


— 


55 


241 


731 


— 


3268 


1895—1896 . . 


1 


— 


38 


308 


492 


159 


373 


495 


210 


— 


68 


232 


959 


— 


3335 


1896—1897 . . 


— 


l 


16 


126 


268 


120 


273 


310 


163 


I 1 ) 


27 


110 


354 


— 


1768 


1897—1898 . . 


— 


— 


26 


146 


316 


124 


382 


312 


177 


l 3 ) 


44 


167 


348 


— 


2042 


1898—1899 . . 


— 


2 


22 


264 


499 


175 


402 


353 


377 




5 


143 


485 


— 


2725 


1899—1900 . . 







34 


219 


403 


131 


302 


326 


158 


2 2 ) 


3 


151 


501 




2230 



*) Abschuss von 9 Schützen in 3 Tagen, bei der Paradiessjagd. (Rajskä honba). 
**) Kaiserjagd in 4 Tagen yon 9 Schützen. 
***) Nach Durchschnitt der letzten 5 Jahre. 
*) Steinadler. '') Flussadler. ') Schreiadler. 



24 



Vögel. 



Die Daten über die intressanten Vorkommnisse ans der Vogelwelt stützen 
sich vor allem auf die Sammlung des Herrn Hoffmann, welche ich in Podiebrad 
im Jahre 1871 zu revidiren Gelegenheit hatte. 

Ausserdem notirte ich die beobachteten Arten während der kurzen Besuche 
auf der Station, welche freilich nur lückenhaft sind. 

Bezüglich der Nomenclatur richte ich mich nach der im Artikel Wirbelthiere 
Böhmens, Archiv II. 2 angenommenen. 

Von Raubvögeln wurde hier der Flussadler in 16 Jahren 3mal erlegt 
uud der schwarze Milann einmal. In den Elbeniederungen namentlich bei Pardubic 
wird öfters ein junger Seeadler geschossen. 

Einmal der Schreiadler. 

Der Wespenbusard und der gemeine Miiusebusard sind normale Be- 
wohner der hiesigen Wälder. Noch im 17. Jahrhundert wurde hier die Falken- 
jagd gepflegt, und das Dorf Sokolöi war der Sitz der Falkoniere und im 18. Jahrh. 
wird noch in Podiebrad ein Falkenhaus erwähnt. 

Die Schneeeule wurde bei Sadskä im Jahre 1864 erlegt. 

Der Grünspecht und der grosse Buntspecht lassen sich öfters hören, 
ebenso der Wendehals und der Kukuk. 

Die Mauersegler nisten am Schlosse. 

Der Wiedehopf lässt sich an Waldrändern des „Bor" häufig hören. 

Der Zaunkönig ist Standvogel in der Nä,he der Station. 

Ausser den gewöhnlichen Meisen sahen wir auch Parus coeruleus und 
Parus major einen Schwärm von Schwanzmeisen und nisten Ulieselben bei 
Elbeteinitz im Walde Boucina. 

Der Baumpieper lässt sich an Waldblössen hören. 

Die gelbe Bachstelze nistet an den die Skupice umgebenden Wiesen, 
die weisse Bachstelze belebt die Elbeufer. 

Die Wachholderdrossel nistete im Jahre 1898 auf der Primator-Insel 
in dem Gabelast einer Erle etwa 10 m. über dem Boden und beobachteten wir 
die flüggen Jungen am 2. August. 

Die Schwarzamsel ist häufig auf den Elbeinseln. 

Von den Rohrsängern ist der Teichrohrsänger der häufigste und nisten 
viele Paare im Schilfe der Skupice; auch ein Paar des Drosselrohrsängers 
sammt Jungen wurde am 15. Juli an der Skupice gesehen. 

In den 'Weidenpflanzungen vor der Station nistete der Sumpfroh rsänger 
und Hess im Jahre 1898 den ganzen Sommer sein Lied erschallen. 

Von den Grassmückeu hielt sich die Zaungrasmücke (Sylvia curruca) 
in der Nähe der Station auf, und der Sprachmeister ist in den Stadtgärten im 
Sommer häufig. 






25 

Die früher sehr häufigen Nachtigallen sind jetzt selten geworden, und 
nur im Fasangarten nisten mehrere Paare. 

Die Blaukehlchen werden alljährlich zur Frühjahrs-Zugzeit aus der 
Elbeniederung auf den Prager Vogelmarkt gebracht. 

Das Hausrothschwänzchen nistet auf der nahen Kirche. 
Der braunkehlige Wiesensch metzer findet sich regelmässig auf dem 
Gestrüpp an den Ufern der Skupice. 

Der graue Fliegenschnapper nistet auf der Primatorinsel in der Nähe 
der Badehäuser. Ein Sturm warf im Juni ein Nest herab, in dem wir ein 
todtes Junge in einem interessanten Dunnenkleide vorfanden. 

Die Dorfschwalbe ist nach den letzten sehr ungünstigen Jahren, wo 
die Brut massenhaft wegen Nahrungsmangel abstarb, sehr spärlich vorhanden. Ein 
verspätetes Pärchen sahen wir am 10. November 1899, oberhalb eines Gartens 
unweit der Kirche. 

Ebenso ist die Stadtschwalbe jetzt sehr sparsam vorhanden. 

Die Uferschwalbe nistete im Jahre 1898 sehr häufig, in den lehmigen 
Ufern des Elbeflusses, verschwand aber gänzlich in diesem Jahre nach der Cata- 
strophe, wo nach viele Tage anhaltendem Regen alle Insecten aus der Luft 
verschwanden. 

Der rothrückige Würger hielt sich an den Ufern der Skupice im 
Sommer auf. 

Die Dohle ist selten, aber grosse vorüberziehende Schaaren wurden be- 
obachtet. 

Die Nebelkrähe, graue Winterkrähe, kommt einzeln vor. 

I ie Saatkrähe zieht öfters aus der grossen Brutkolonie bei Weltrus auf 
die leider der Elbeniederung. 

Die Pirol nistet auf den Elbeinseln und seinen Laut hört man im Sommer 
den ganzen Tag. 

Die Staare litten auch in den letzten 2 Jahren, aber im Jahre 1890 
fielen schon wieder im Herbste grössere Schaaren in die Schilfpartie der Sku- 
pice ein. 

Die Grauammer nistet in der Elbeniederung und vom Rohrammer 
wurden zahlreiche Junge nach der Herbstheuernte auf den Kuppen beobachtet. 

Der Schneespornammer wurde im Jahre 1869 bei Podiebrad erlegt 
und sah ich Exemplare in der Sammlung des Herrn Hoffmann. 

Den H o r t o 1 a n findet man zwischen Kolin und Elbeteinitz an der 
Strassenallee. 

Der Buchfink und der Stieglitz nisten häufig auf der Elbeinsel, so 
auch der Grünling. 

Der Goldammer wurde spärlich beobachtet. 

Vom Haussperling hielten sich sehr wenige in der Nähe der Elbe auf. 
Die Vögel wurden im achtzehnten Jahrhundert hier stark verfolgt und musste im 



J. 1750. jedes Stadt-Haus 6 Spatzenköpfe abliefern. Jedes Haus in der Vorstadt und 
jeder Bauerngrund lieferte 12, jeder Häusler 2 Köpfe ab. 

Seit 1762. zahlte man 1 Kreuzer für den Kopf und so wurden bis zum 
Jahre 1782. 330.000 Stück abgeliefert. 

Der Feldsperling nistet auf den hohen Pappeln der Inseln und der 
Girlitz in den Gärten der Stadt. 

Mit Tauben kamen wir nicht viel in Berührung und sahen nur Turtel- 
tauben im Fasangarten. Von Hühnervögeln hörten wir bloss den Ruf der 
Wachtel auf den Wiesen am linken Elbeufer und hatten Gelegenheit die häufigen 
Rebhühner zu beobachten, von denen jährlich bis tiOOO Stück erlegt werden. 

Die Wiesenralle Hess dort auch ihre monotone rauhe Stimme hören. 

Das Blasshuhn erscheint im Zuge, aber sein Nisten auf der Skupice 
konnten wir nicht sicherstellen. 

Fasanen werden in massiger Zahl gezüchtet, aber neuerlich Versuche mit 
Einbürgerung von Ph. Reevesi gemacht. 

Der Kiebitz nistet spärlich in der Richtung gegen den Bor- Wald, wurde 
am Frühjahre 1899 durch rauhe Witterung gezwungen wegzuziehen und kehrte 
nicht wieder zurück. Von den schnepfenartigen Vögeln ist hier an der Skupice 
bloss der Flussuferläufer im Sommer regelmässig vorhanden und wird hier 
wohl brüten. 

Auf den Sandbänken der Elbe trifft man im Frühjahre öfters den hellfar- 
bigen Wasser lauf er (Glottis canescens.) 

Der Zwergreiher nistet auf der Skupice beim „Oppelt". 

Der Nachtreiher wurde bei Podiebrad erlegt und befand sich in der 
Sammlung des H. Hoffmann. Auch weiter stromabwärts bis bei Melnik wurden 
Exemplare erlegt. 

Der Storch nistet in den letzten Jahren in Podiebrad auf einer Strassen- 
Pappel. Im Mai 1899 sammelten sich auf einer Wiese östlich von Podiebrad 148 
Störche. Er wird immer häufiger, was wohl mit den vielen nassen Jahren und den 
häufigen Inundationen zusammenhängen mag. 

Enten erschienen selten und nur auf kurze Zeit auf der Skupice. 

Wildgänse waren früher Gegenstand der Jagd (wahrscheinlich die Grau- 
gans). Am 19. April beobachteten wir 6 Gänse im Zuge nach Norden. Am 5. Mai 
1897 erschien auf der Skupice ein Pärchen der schwarzen Seeschwalbe. Das 
erlegte Weibchen hatte im Magen 12 Perla-Larven. 

Die Fluss meerschwalbe zeigte sich am 2. März in einem Exemplare. 

Die Lachmöwe erscheint in grösserer Zahl zur Zeit der Frühjahrs- 
hochwässer, hat aber in der Nähe von Podiebrad keine ständigen Brutplätze. 

Von den Tauchern erscheint der grosse Haubentaucher nur im Zuge auf 
kurze Zeit auf der Skupice. 

Es existirt gegenwärtig kein Lokal-Oruithologe in hiesiger Gegend und dess- 
halb ist diese Übersicht noch sehr lückenhaft. 






27 

Reptilien und Amphibien. 

Von Reptilien beobachten wir die Ringelnatter beim Überschwimmen 
der Elbe. Die Kreutzotter ist sehr selten, die Blindschleiche und die ge- 
meine Eidechse häufig. 

Der Grasfrosch ist häufig auf den Elbeinseln und in Färbung ganz dem 
trockenen Laube der Pappeln und Erlen angepasst. Es ist zu verwundern, dass 
denselben die Hochwässer nicht von den Inseln vertreiben. 

Der Wasserfrosch hält sich in den stilleren Buchten der fliessenden 
Elbe ganz regelmässig auf, ebenso häufig in allen nach der Inundation zurückge- 
bliebenen Lachen. 

Von Kröten hörten wir nur die Unke und die geraeine Kröte. 

VII. Die Fische der Elbe und ihrer Altwässer bei Podiebrad. 

Zum Studium der Fische war hier, bei dem Umstände, dass wir bei der 
Fischerwohnung knapp am Elbeufer unsere Station postirt hatten, eine ausgezeich- 
nete Gelegenheit. 

Es wurden mehrere Aufgaben dabei gelöst. Vor allem ihr Vorkommen nach 
Zeit und Ort zu fixiren und wir fügen mit Bezug auf die Vertheilung im fliessenden 
Strome oder in den Altwässern eine Tabelle bei. 

Ferner wurde dem Bastarde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. 

Im ganzen wurden an 200 Fische untersucht. Das Wachsthum wurde nach 
Messung der Brut und nach den Anwachsstreifen der Schuppen controlirt. 

Die Nahrung und die inneren und äusseren Parasiten wurden an ganz frisch 
gefangenen Exemplaren studirt und werden die Resultate in eigenen Abschnitten 
behandelt werden. 

In dieser Übersicht werden wir nur die einzelnen Arten besonders in Rück- 
sicht auf ihre Lebensweise besprechen. 

Es wurden im ganzen 30 Arten Fische constatirt, von denen bloss 4, die 
Barbe, die Zährte, der Lachs und das Neunauge ausschliesslich der fliessenden 
Elbe angehören (Vergl. beifolgende Tabelle). Für das Flussgebiet der Elbe ganz 
eigen ist der Gängling (Idus melanotus — böhm. Jesen oder Jezüve), der in 
keinem anderen Flusse Böhmens vorkommt. Für die Altwässer ist die Karausche, 
die Sumpfkarausche (Carassius oblongu3 H. u. Kn.), dann der Schlammbeisser (Co- 
bitis fossilis) und der Steinbeisser (Cobitis taenia) bezeichnend. 
Die fliessende Elbe hat . . 20 Arten 

die Altwässer 14 Arten 

die Skupice 17 Arten. 

Zweifelhaft blieb das Vorkommen der gestreiften Laube (Alburnus bipun- 
etatus), das Moderliesschen (Leucaspius abruptus), der Bartgrundel (Cobitis barba- 
tula) und der Groppe (Cottus gobio). 

Der Stör wird im Jahre 1587 noch unter den Fischen der Elbe angeführt. 

Wir wolleu nun bei den constatirten Arten die gemachten Beobachtungen 
anführen. 



28 



Übersicht der Vertheilung der Fische im Elbegebiete bei Podiebrad. 






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1. Der Barsch (Perca fluviatilis L 

2. Der Schiel (Lucioperca sandra Cuv.) .... 

3. Der Kaulbarsch (Aeeriua vulgaris Cuv.) . . . 

4. Die Aalrute (Lota vulgaris) 

5. Der Wels (Silurus glanis L) 

6. Die Karausche (Carassius vulgaris) .... 

7. Die Suuipkarausche (Carassius oblongus H. . 
et Kn.) 

8. Die Schleie (Tinea vulgaris Cuv.) 

9. Die Barbe (Barbus fluvialitis Ag.) 

10. Der Gressling (Gobio vulgaris Cuv.) .... 

11. Der Bitterling (Rhodeus amarus Agass) . . . 

12. Der Blei (Abramis brama Cuv.) 

13. Der Bleibastard (Abramidopsis Leucarti) . . 

14. Die Zährte (Abramis vimba Cuv.) 

15. Die Blicke (Blicca argyroleuca Heck) .... 
IG. Die Laube (Alburnus lucidus Heck) .... 

17. Der Schied (Aspius rapax Agass) , 

18. Der Giingling. (Idus melanotus Heck) .... 

19. Das Rothauge (Scardinius erythrophthalmus B.) 

20. Die Plötze (Leuciscus rutilus Heck) . . . . , 

21. Der Diebliug (Squalius dobula Heck) .... 

22. Der Hesling (Squalius leuciscus Siebald) . . , 

23. Der Lachs (Trutta salar. Sieb.) 

24. Der Hecht (Esox lucius L,) 

25. Der Schlammbeiser (Cobitis fossilis L.) . . . 

26. Der Steiubeisser (Cobitis tenia) 

27. Der Aal (Anguilla vulgaris Flan.) 

28. Das Flussneunauge (Petromyzon fluviatilis L.) , 



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+ 
+ 

+ 



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+ 

+ 

+ 

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4- 

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+ 

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+ 



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+ 



+ 
+ 

+ 
+ 



Der Barsch (Perca fluviatilis L., Okoun) kömmt in der fliessenden Elbe 
und auch in den Altwässern. 

Sein Wachstuutn ist langsam und wir versuchten dasselbe nach den Schuppeu- 
ringen zu constatiren sowie aus der Differenz der Individuen, die zu gleicher Zeit 
vorkommen. 

Im Alter von 1. Jahr war das Gewicht von 12 gm bei lo cm Länge. 

Bei einem Vierjährigen die Länge von 23 cm und von 102 ym Gewicht. Weiter 
fanden wir bei der Länge von 19 cm 80 gm, bei 21 cm 150 gm und bei 25 cm 
Länge 200 gm Gewicht. 

Der Darin bei 19 cm Körperlänge ist 19 cm lang. 



29 

Die Nahrung wurde bei 15 Individuen untersucht. Der Darm war oft leer, 
häufig enthielt er viel Lumbriciden, dann Notonecta, Argyroneta. Selten Fischreste. 
Der Eierstock ist einfach. 

Aeussere Parasiten: 

Von Myxosporidien laterale Cysten auf den Kiemen bis 1 mm Grösse mit 
Henneguya psorospermica Kohn. 

Innere Parasiten : Cuculanus elegans Zed. Filaria conoura v Linstov. Echino- 
rhynchus globulosus Kud. Distomum nodulosum Zed. Ichthyotaenia torrulosa Batsch. 

Der Schiel (Lucioperca sandra Cuv., böhm. Candät) kommt sparsam im 
Hauptstrome der Elbe vor. 

Nach Hochwässern wird er zufällig auch in den Altwassern gefunden. Eine 
Besetzung der Elbe mit Schielbrut wäre angezeigt, denn ein Versuch der bei Elbe- 
teinitz durchgeführt wurde, hatte deutliche Resultate. 

Es wurde bloss 1 Ex. von 48 cm Länge untersucht bei dem im Magen 
2 Plötzen, von 8 und 1 1 cm Länge, vorgefunden wurden. Keine Parasiten. 

Den Kaulbarsch (Acerina vulgaris. Cuv. Val. Jezdik.) trifft man im 
Strome, in der Skupice, sowie in Altwassern an. 

7 Exemplare von 14—19 cm Länge wurden untersucht. 

Die Nahrung bestand meist aus Asellus aquaticus und aus Chironomus 
larven. 

Parasiten der Kiemen: Blutrothe Cysten in Sporulation in grosser 
Menge im April 1900. Ergasilus Sieboldi häufig auf den Kiemen im April. 
Glochidien (Junge Flussmuschein) erzeugten häufig Entzündungen der Kiemen- 
strahlen. 

Darmparasiten: Echinorhynchus globulosus Rud. häufig. Distomum 
nodulosum Rud. 

Die Aalrute (Lota vulgaris, Cuv. Mnik) lebt im Strome der Elbe, in der 
Skupice und in den Altwässern, besonders in denen von Kluk. Es wurden 3 Ex. 
untersucht. 

Ein Weibchen von den inundirten Wiesen hatte 29 cm Länge und wog 
200 gr, war am 22. März ausgelaicht. 

Die Nahrung bestand aus 23 Gramm Wasserasseln (Asellus aquaticus) 
10 Regenwürmern zwei Insectenlarven und 2 Fischen. Im Darme Echinorhynchus 
globulosus. Rud. 

Der Wels (Silurus glanis L. Sumec) ist ein Bewohner des Elbestromes und 
wird nur zufällig verirt in Altwässern angetroffen. 

Es wurden 4 kleine Exemplare untersucht. 

Das Alter ist schwer zu bestimmen. Das kleinste Exemplar, das das Museum 
von Elbeteinitz besitzt, ist 5 cm laug und ist einjährig. 

Das eine untersuchte Exemplar hatte z B. bei einer Länge won 42 cm 
425 gm Gewicht. 

Im Magen wurden drei Fische und wiederholt Ephemerenlarven gefunden. 



30 

An den Kiemen wurden Ergasilus Sieboldi Nordm. vorgefunden. 

Von den inneren Parasiten im Dannrohre Echinor nvui;HU s globulosus Rud. 

An der Stelle, wo bei Elbeteiuitz das Eisengebirge von der Elbe durchsetzt 
wird, ist das Hauptquartier der grossen Welse, die bis zum Gewichte bis über 50 kg 
gefangen werden. 

Die Karausche (Carassius vulgaris Nils. Karas obecuy.) lebt in den Alt- 
wassern und in der Skupice, erreicht aber nur eine geringe Grösse. Es wurden 
9 Ex. untersucht. 

Ein Exemplar von 28 cm Länge und 100 gr Gewicht war nach den Anwachs- 
ringen der Schuppen zu urtheilen zweijährig. 

Im Magen fanden wir von kleinen Krebsen: Cypris reticulata, Candona 
Candida und Chydorus sphäricus. 

An den Kiemen waren Glochidien angehaftet und zweimal auch Dactylogyrus 
sp. und Ergasilus Sieboldi. 

Im Darme fanden wir während des ganzen Jahres Echinorhynchus globulosus 
Rud. von 20 — 25 mm Länge. 

Die Sumpf karausche (Carassius oblougus H. a Kn. Karas baheuni). 

Hält sich in Menge in gewissen Altwässern auf, so z. B. bei Kluk und im 
sogenannten „Chroustovo Jezero". 

Die Gestalt und die glänzend goldbraune Farbe lässt den Fisch als jungen 
Karpfen ähnlich erscheinen. 

Da der Fang dieses Fisches nur selten meist zufällig geschieht, so hatten 
wir nicht Gelegenheit denselben zu untersuchen. 

Die Schleihe (Tinea vulgaris Cuv. Lin). 

Lebt in der Skupice und den Altwässern und erreicht eine Länge von 37 cm. 

Es wurden 8 Exemplare untersucht. 

Darmkanal bei allen Exemplaren leer, obwohl die Fische aus den Monaten 
Jänner, März, April, Mai und Juni stammten. Diess deutet auf eine sehr rasche 
Verdauung hin. 

An den Kiemen fanden sich ovale Säcke von Myxosporidien (Myxobolus ellip- 
soides Telohan). Äusserlich kam Argulus foliaceus, Ergasilus Sieboldi und Glo- 
chidien vor. 

Im Darme häufig Caryophylleus mutabilis Rud. und bis 15 Stück Echinorhynchus 
globulosus Rud. 

Die Barbe (Barbus fluviatilis Ag. Parma). 

Ist ein Fisch der fliessenden Elbe, von dem 3 Exemplare untersucht wurden. 
Ein Exemplar von 47 cm Länge wiess nach den Anwachsringen der Schuppen 
auf ein Alter von 5 Jahren hin. 

Die Nahrung bestand aus Chironomuslarven. 

An den Kiemen kamen seitlich weisse runde Cysten mit Myxobolus Pfeifferi 
Thel vor. 

Im Darme fanden wir 2 Bothriocephalus rectangulus Rud. und 3 grosse 
von Galle gefärbte Echinorhynchus globulosus Rud. und Filaria Hellichi Sräinek. 

Der Gressling (Gobio vulgaris Cuv. Rizek). 



31 

Gehört dem Elbestroine an und steigt nur im Frühjahre in die stille Skupice 
um daselbst zu laicheu. 

Da er in den gewöhnlichen Zugnetzen nicht gefangen wird, hatten wir selten 
Gelegenheit ihn zu untersuchen und erhielten die hier angeführten Exemplare beim 
Köderfischfang. 

Die eiujährigen hatten 4 cm Länge uud 1 gm Gewicht, die zweijährigen 
5 bis 6 cm Läge und von 2 bis 2 - 5 gm Gewicht. Ein vierjähriger war von 8 - 5 cm 
Länge und von 5'5 gm Gevicht. 

Der Bitterling (Rhodeus amarus Ag. Hofavka). Wird gelegentlich beim 
Fang des Gresslings am Eingänge der Skupice „Hrdlo" gefangen. 

Die zweijährigen erreichen 4 cm, die vierjährigen 6 cm Länge. 

Der Blei (Abramis brama Cuv. Cejn velky). 

Ist einer der häufigsten Fische sowohl in der fliessenden Elbe als auch 
in der Skupice und den Altwässern. Es wurden 20 Ex. untersucht. Er erreicht 
regelmässig eine Länge von 47 cm. Bei 46 cm Länge zeigten die Schuppen 9 Ringe, 
bei 12 cm 2 Ringe, bei 6 - 8 cm 1 Ring. Darmlänge 47 cm. Bei 45 cm Körperlänge 
wog der Fisch 1400 gr. 

Die Nahrung war vorwiegend animalisch. Eine Alona-Art, Insectenlarven 
Hydrachnen, Tubificiden, Bythinia tentaculata, ausserdem sehr viel Diatomeen. 

An den Kiemen kamen regelmässig das x-förmige Doppelthier Dipplozoon 
paradoxum vor, von dem wir in keinem Monate des Jahres ein einzelnes Indivi- 
duum vorfanden. 

Ausser Glochidien kommt auf d«n Kiemen noch Ergasilus Sieboldi vor. 

Im Darme ist der häufigste Parasit Caryophylleus mutabilis Rud., von dem 
bis 50 Stück in einem Individuum gefunden wurden. Dann kam Distoraa globiporum 
Rud. und Echiuorh. globulosus Rud. vor. 

Im Auge eines Exemplars wurde das Distomum retroconstrictum em. Srämek 
angetroffen. 

Die Zährte (Abramis vimba Cuv. Paroustev). Lebt bloss in der fliessenden 
Elbe und wurden davon 10 Exemplare untersucht. 

Ein Exemplar von 25 cm Länge und 350 gr Gewicht wiess nach den Schuppen- 
ringen ein Alter von 7 Jahren aus. 

Die Nahrung bestand aus Larven von Phryganeen, Chironomen, Corethra, 
grossen Fliegenlarven und Regenwürmern. 

Auf den Kiemen kommt von Myxosporidien Myxobolus ellipsoideus, dann 
Dipplozoon und Ergasilus Sieboldi vor. 

Im Magen und Darme wurden Echinorhynchus globulosus Rud. gefunden 
sowie Distomum globiporum Rud. 

Im Abdomen wurde ein Exemplar der Ichthyoneraa sanguineum Rud. 
ertappt. 

Der Bleibastard. (Abramidopsis Leucarti Heck. Polocejn). 

Die Fischer kennen gut diesen Fisch, der sowohl in der fliessenden Elbe 
als auch in der Skupice ziemlich häufig vorkommt. 



32 



Derselbe ist ein von einer Blicke und von einer Plötze erzeugter Bastard, 
(Fig. 11,) 




Fig. 11. 
Der Bleibastard (Abramidopsis Leuckarti, Heck.) 2 / 3 nat. Grösse. 

Der Mund ist endständig, der Körper wenig hoch, die Afterflosse enthält 
grösstenteils 17 weiche Strahlen und beginnt dicht unter dem Ende der Rücken- 
flosse. Die Schlundknochen (Fig. 12.) sind denen der Zärthe ähnlich, die beiden 
vorderen Fortsätze verlaufen von ihrer Basis aus an ihrem äussern Rande gerade. 
Die Zähne mit seitlich zusammengedrückten Kronen, mit schmaler Käufliche und 
mit einem Kerb vor der Spitze. Die Zahl der Zähne stimmt mit den Angaben von 
Knauthe*) gänzlich überein. Wir fanden dreimal links G, rechts 5, zweimal 
1.5 — 5.1, bei den übrigen 5—5 Zähne. 

Es wurden etwa 20 Ex. untersucht, 
von denen das grösste 33 cm Länge hatte. 

Parasiten: Echinorhynchus globulosus 
und häufig Caryophylleus mutabilis 

Die Blicke. (Blicca argyroleuca H. 
et. K. Cejn maly.) 

Dieser dem Blei sehr ähnliche Fisch, 
der sich von demselben durch die doppelten 
Reihen der Schlundzähue unterscheidet, ist 
viel seltener als der Blei, kömmt im Elbe- 
strome, in der Skupice und verschiedenen 
Altwässern vor. 





Fig. 12. 

Die Schlundzähne vom Abramidopsis 
Leuckarti. 



*) R. Knauthe, Ueber Weissfischbastarde aus den Gewässern in der Nähe von Berlin. 
(Forsehb. d, b. Stat. Plön. Theil 4. 1896.) 



33 

Die grössten Exemplare hatten eine Länge von 28 bis 32 cm und ein Gewicht 
etwa 350 gr und waren nach den Schuppenringen zu urtheilen 4jährig. 

Die Nahrung bestand aus vielen Regenwürmern, Chironomuslarven, Tubifex- 
resten u. von Mollusken wurden Limnaeus und Planorbis vorgefunden. 

An den Kiemen waren Myxobolus ellipsoides Th61, und im April und Mai 
Ergasilus Sieboldi und Dactylogyrus. 

Im Darme fanden wir bis 40 Exemplare vor Caryophyleus, dann Echino- 
rhynchus globulosus Rud. und Distomum globiporum Rud. 

Die Laube (Alburnus lucidus Heck. Ouklej). 

In der Elbe wird dieser kleine Fisch selten gefangen und das nur im 
Frühjahre. 

Wir hatten aber Gelegenheit eine grosse Anzahl dieser Art aus dem nahen 
Zehuner Teiche zu uutersuchen. 

Deren Länge betrug 17 cm. Das Gewicht 38 gm. 

Das Alter lässt sich nach den Anwachsringen auf drei Jahre abschätzen. 

Die zweijährigen von 11 cm Länge wogen 11 gm. 

Die Lauben waren bei der Abfischung am 24. October 1900 massenhaft 
vorhanden. 

Der Schied (Aspius rapax Ag. Bolen). 

Lebt hauptsächlich im fliessenden Strome, wo er bei Tage oft Jagd macht, 
die gut zu beobachten ist. Zuweilen verirrt er sich in die Skupice. 

Exemplare von 40 cm Länge und von 450 gm Gewicht sind dreijährig. 

Das grosse Exemplar, das am 14. Juli 1897 in der Elbe vor der Station 
gefangen und für die Museumssammluug praeparirt wurde, hat eine Länge von 
70 cm, sein Alter ist nach den Schuppenringen auf fünf Jahre abzuschätzen. 

Auf den Kiemen fanden wir im November Lamproglaena pulchella. 

Im Darme war Filaria conoura v. Linst. 

Der Gängling (Idus melanotus Heck. Jesen). 

Kommt in Böhmen bloss in der Elbe vor. Er liebt die ruhigeren Stellen des 
fliessenden Stromes und kommt auch in der Skupice vor. Wir fanden eine Länge 
von 23 bis 30 cw, der Darm hat die gleiche Länge. 

Es wurden 5 Exemplare untersucht. Im Magen fanden wir Phryganeenlarven. 

Auf den Kiemen Dactylogyrus und Ergasilus Sieboldi. Im Darme Echino- 
rhynchus globulosus Rud. und Caryophyllaeus mutabilis. Rud. 

Das Rothauge. (Scardinius erythrophthalmus Bon. Perlin.) 

Ist häufig in der Skupice ; es wurden 19 Exemplare untersucht. 

Ein Exemplar von 20 cm Länge hatte den Darm 19 cm lang. Die Ovarien 
grünlich. 

Auf den Kiemen fanden wir im März Myxosporidien, die in den Cysten ver- 
zweigte Stränge bildeten und der Myxosoma dujardini Tliel. angehören. 

Auf den Kiemen waren Glochidien, Ergasilus Sieboldi und Dactylogyrus. 

Im Darme: Echinorhynchus globulosus Rud. und Caryophylleus mutabilis. Rud. 

Die Nahrung war vorwiegend vegetabilisch, aber auch Larven von Ephemeren 
und Käfer. 



34 

Die Ploetze (Leuciscus rutilus Heck. Plotice). 

Häufig in der fliessenden Elbe, in der Skupice sowie in den Altwassern und 
bildet die Hauptnahrung der Raubfische. Es wurden 16 Exemplare und eine 
Reihe von ganz kleiner Brut untersucht. 

Die einjährigen sind von 6 cm Lauge und 25 gm Gewicht, die zweijährigen 
sind von 10 cm Länge und 11 cm Gewicht. 

Die Nahrung war theils vegetabilisch (Detritus und Diatomaeeni, theils 
animalisch : Daphnien, Cypris, Regenwürmer, Valvata und Bythinia. 

Auf den Kiemen Cysten von Myxosouia Thel., Glochidien, und Ergasilus 
Sieboldi. 

Im Darme Distomum globiporum Rud., Echinorhynchus globulosus Rud. und 
Caryophylaeus mutabilis Rud. 

Der Diebling. (Squalius dobula Heck. Tloust KleneY) 

Ist häufig iu allen drei Kategorien der hier behandelten Gewässer und ein 
beliebter Sportfisch. Es wurden 20 Exemplare untersucht. 

Die Grösse von 26 cm bis 40 cm, Gewicht von 350 bis 750 gm. 

Die einjährigen sind von 5 cm Länge, von 1 gm Gewicht, die zweijährigen 
von 8 cm Länge und 5 gm Gewicht. 

Der Darm hatte bei 40 cm langen Exemplaren 50 cm. 

Die Nahrung war vorzüglich vegetabilisch (Saamen, Iriswurzeln. Knospen) 
Bei einem Exemplar bestand die Nahrung ganz aus Diatomaceen. 

Bei vielen Exemplaren war auch thierische Kost vorhanden. 

Ganze Frösche und Mäuse wurden am Anfang des Winters im Darme 
gefunden. Dann fanden wir Insectenlarven, Maikaefer, Fischschuppen und kleine 
Fischcheu, Phryganeaenlarven, Regenwürmer. Vou 8 au einem Tage untersuchten Fischen 
hatte jeder andere Nahrung im Darmo. 

Von äusseren Parasiten trifft man auf den Kiemen häufig Lamproglaena 
pulchella und Glochidien. 

Myxosporidien (Myxobolus Mülleri Thöl.) kamen auf der Schwanzflosse vor. 

Im Darme Ascaris dentata Rud., Ichthyonema ovatum Dies, Filaria Hellich ii 
Srämek, Echinorhynchus globulosus Rud., Distomum globiporum Rud. und Caryo- 
phylleus mutabilis Li. 

Der Häsling (Squalius Leuciscus Siebold. Proudnlki. 

Hält sich bloss an den stark strömenden Stellen der Elbe auf. Es wurden 
10 Ex. untersucht. Ein öjähriges Exemplar war 19 cm laug und wog 75 gr. 

Nahrung bestand aus Diatomeen, Phryganeaen-, Fliegen und Agrion-Lnrwn. 

Auf den Kiemen trafen wir die verzweigten Myxosporidienschlauche, Myxo 
soma dujardini Thöl. 

Im März junge Lamproglaenen, im April grosse, sehr bewegliche Exemplare. 

Der Darm euthielt Filaria conoura, Linst. Echinoihynchus globulosus, Rud. 
Distomum globiporum Rud., Ichthyotaenia torrulosa, Batsch, Caryophylleus muta- 
bilis Rud. (bis 50 Exemplure). 



35 

Der Lachs (Trutta salar. Lososi. 

Bezüglich des Lebens des Lachses in der Elbe verweise ich auf das Buch 
„Der Elbelachs. "*) 

Im freien Strome wird von den Fischern sehr selten gefangen, regelmässig 
aber in den Lachsfallen an den Mühlen in Nimburg, Podebrad und Elbeteinitz. 

Der Hecht. (Esox lucius L. Stika.) 

Der häufigste Raub- und Sportfisch. Es wurden 24 Stück untersucht. 

Die einjährigen Exemplare sind von 7 cm Länge und von 3 gm Gewicht. 
Die zweijährigen 13 cm Länge und 8 gm Gewicht. Durchschnittliche Grösse der 
in der Elbe gefischten Exemplare beträgt 45 cm Länge und etwa 500 gm Gewicht. 

Die grössten Exemplare stammen aus den Altwässern und Tümpeln, wo 
dieselben eine Länge bis 75 cm erreichen. 

Die Nahrung ist bekannt. Wir fertigten ein Präparat für die Museums- 
sammlung, an dem man bei einem Hecht von 36 cm Länge im Magen drei Fische 
von 12 cm Länge sieht. 

Ein anderes Exemplar hatte im Magen 6 heurige uud 2 vorjährige Plötzen, 
ein drittes 40 Regenwürmer. 

An den Kiemen kommen regelmässig Cysten mit Henneguya psorospermica 
vor (vergl. Abbildung weiter unten). Von Infusorien Trichodina. Von Crustaceaen 
Ergasilus Sieboldi und Argulus foliaceus. In der Kiemenhöhle im März Lerneocera 
esocina. Die Stellen wo die Lerneocera eingebohrt ist, stellen entzündete Ge- 
schwüre dar. 

Im Darme Ascaris cristata, v. Linst., Cucullanus elegans, Zed., Echinorhynchus 
globulosus Rud., Distomum terreticole Rud., Triaenophorus nodulosus Rud. 

Der Schlammbeisser (Cobitis fossilis. L. Plskof). 

Wird gelegentlich in Menge in gewissen Altwassern gefangen, so z. B. bei 
Kluk. Wir erhielten aber während unseres Aufenthaltes auf der Station kein Unter- 
suchungsmaterial. 

Der Steinbeisser (Cobitis taenia. Sekavec). 

Hält sich an strömenden Stellen der kleineren Zuflüsse oder an der unteren 
Mündung der Skupice, dann in den Drainagegräben auf den Wiesen auf. 

Der Aal (Anguilla fluviatilis Flem. Uhof). 

Der in der Skupice vorkommende Aal unterscheidet sich durch dunklere 
Farbe von demjenigen aus der fliessenden Elbe. 

Es gelang nicht die Jungen im Moutöstadium zu fangen oder zu beobachten 
trotz ausgesetzter hoher Prämie. 

Nahrung: In Elbeteinitz wurde vor Jahren im Magen eines Aales ein Eis- 
vogel gefunden (Müller Janovsky i. Wir fanden Reste von Sphaerium, Cyclas, Bythinia, 
Phryganeen- und Agrionlarven und viele Asselus aquaticus. Bei einem Exemplare 
fanden wir im Magen 24 grosse Pferdeegel. 

Von Parasiten fanden wir auf den Kiemen bloss Glochidien. 

Im Darme Filaria conoura v Linst., Cuculanus elegans Zed., kleine Echino- 
rhynchus globulosus Rud. und Bothriocephalus claviceps Rud. 



Dr. Ä. Friö, Der Elbelachs. Eine biologische Studie. Prag 1894. F. Rivnäc. 



36 

Das kleine Neunauge (Petromyzon Planeri BI. Mihule menSi). (Fig. 13). 

Ein erwachsenes Exemplar gelang es nicht zu beobachten. d:ifür aber wurden 
die Larvenstadien, die als Querder (Minoha) (Ammocoetes branchialis) bezeichnet 
wurden, in mehreren Exemplaren zu erlangen. 





Fig. 13. Die Querder. Drei Larven-Stadien des kleinen Neunauges. Nat. Grösse. 

Dieselben wurden beim Ausheben des Sandes im messenden Strome gefunden 
und wir erhielten zu verschiedenen Zeiten verschieden grosse Exemplare. 

Die kleinsten Exemplare von 23 bis 4 cm Länge erhielten wir im März 
und dieselben dürften ein Jahr alt sein. 

Die meisten grösseren messen 15 cm, das grösste Exemplar 19 cm. 

VIII. Die niedere Fauna des Elbestronies. 

Die Constatiruug der Fauna des Hauptstromes der Elbe war mit grossen 
Schwierigkeiten verbunden. 




Fig. 14. Die Primator-Inseln bei Podiebrad und die Elbeufer zur Zeit von 2 M. 
Hochwasser. Phot. am 26. März 1897 von Dr. V. Vävra. 



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38 

Vor Allem hinderten die oft wiederkehrenden Hochwasser derartige Arbeit, 
und auch bei normalem Wasserstande hatten wir Noth, genügend und gut erhaltenes 
Material zu erhalten. 

Von den Verhältnissen bei Hochwasser erhält man bei Betrachtung des bei- 
liegenden Bildes (Fig. 14) guten Begriff und muss durch die Nachricht überrascht 
sein, dass auch in diesen weit ergossenen Wassermassen reichliches Leben herrscht, 
denn das Plauctonnetz lieferte Massen von Räderthieren. (Siehe Protokolle.) 

Auch später im Sommer sieht man Spuren vom Eisgang an den starken 
Stämmen der Erlen, Weiden und Espen, an deren Verletzungen mau erkennt, wie 
hoch das Wasser stand, als die Eisblöcke an die Bäume stiessen. (Vergl. Bild 
Fig. 15.) 

Zuerst versuchten wir behufs Erlangung der pellagischen Thierwelt strom- 
aufwärts rudernd das Netz auf mehrere Hundert Meter zu ziehen, was aber sehr 
beschwerlich war und wenig und schlechtes Material lieferte. 

Dann befestigten wir das Planktonnetz an massig rasch fliessenden Stellen 
auf einem Pfahle und Hessen es daselbst längere Zeit, 1 } l — */a Stuude flottiren. 

Es enthielt dann meist Exuvien kleiner Thiere, todte Thiere. aber regel- 
mässig sich wiederholend gewisse lebende Wesen, Infusorien, Räderthiere, Insecten- 
larven, Entoinastraken etc., die weiter unten aufgezählt weiden. 

Die Untersuchung des Ufers und des Bodens war weniger beschwerlich. 

Auf den Weidengestrüppen verfängt sich bei Hochwassern verschiedenes 
Zeug an den in den Wasserspiegel hineinragenden Zweigen. In diese legt im Mai 
die interessante Fliege Atherix Ibis ihre Eier. (Siehe weiter unten.) 

Zuerst wollen wir die Ufer betrachten und nach der Ursache fahnden, die 
ihr immerwährendes Zerstören verursachen. 

Auf den lehmigen, steil auf 2 — 3 m abfallenden Ufern gewahrt man Löcher, 
die von kräftigen Wurzeln der Weiden herrühren, dem Wasser Zugang erleichtern 
und das Abrutschen grösserer Partien begünstigen. Ausserdem sind es stellenweise 
die Löcher der Nistcolonien der Uferschwalbe, die den Hochwässern das Abtragen 
grösserer Uferpartien erleichtern. 

Betrachtet man im Sommer die Lehinwände genau, so sieht man darin eine 
Menge kleiner runder Oeffnungen wie vom groben Schrott. Diese führen in sich 
umbiegende Gänge, die. von den Larven der Eintagsfliege (Polymytarcis virgo) her- 
rühren und auch den Zerfall der Fluasufer herbeiführen. (Abbildung siehe witere 
unten im illustrirten Verzeichnisse 

Wo die Ufer durch Arbeiten der Navigation gegen Abschwemmen befestigt 
sind, siedelt sich bald eine eigentümliche Fauna an. Auf der unteren Fläche der 
aufgeschichteten Gneisplatten (von Kolin) findet man Massen von Bythinia 
tentaculata, und ihre Eier bedecken im Sommer ganze Flächen der Steine. Hier 
trifft man auch den Ancyllus fluviatilis, Planarien, Clepsine und Nephelis an. 

Die grossen Rasen von Ranunculus fluitans Lam. bergen eine Menge von 
Simulienlarven. 

Interessante Thiere fanden sich in dem Schaume, der sich in stilleren 
Buchten auf dem Stauwasser angesammelt hat und nebst vielen todten Thieren 



39 

auch viele lebende Infusorien und Räderthiere enthielt. Hier wurde auch die 
neue Wassermilbe Albia stationis gefangen. 

Im Litorale an den Wurzeln der Weiden und Eschen, die aus der Erde 
ausgewaschen im Wasser frei fiotterteu, befestigten sich die in Köhren lebenden 
Eäderthiere Melicerta, und Gruppen bildend die Lacinularien und verschiedene 
Phrvganeaenlarveu. 

Der Boden ist meist mit Sand bedeckt, bei dessen Ausheben häufig die ver- 
schiedenen Entwicklungsstadien des kleinen Neunauges (Petromyzon Planeri) 
zum Vorschein kommen. Unio und Anodonta-Arten wühlen im Sande und die 
letzteren enthielten an ihren Kiemenblättern zahlreiche Wassermilben. 

Bei niedrigem Wasserstande und ruhigem Wasser fischten wir vorsichtig 
die Oberfläche des Sandes ab und fangen bei dieser Gelegenheit den Schalenkrebs 
Limnicythere inopinata Brady. 

1. Plankton des Elbestromes. 

Das Plankton des Elbestromes ist quantitativ und qualitativ als ein armes 
zu bezeichnen. 

Wir fanden: 
Clathrocystis aeruginosa (häufig), Bosmina cornuta, 

Anuraea aculeata, Alona lineata, 

Anuraea stipitata, Chydorus sphaericus, 

Cypria compressa (jung), Sida crystallina (jung), 

Cyclops oithonoides var. hyalina. Ilyocryptus sordidus (J un g)- 

Diaptomus gracilis, Junge Larven von Chironoraus, Baetis 

Simocephalus vetulus (jung), und Simulium. 

Es sind also nur wenige eigentliche pellagische Thiere vorhanden. Die 
meisten sind Ufer- oder Bodenbewohner, die passiv durch den schnellen Strom von 
ihrem eigentlichen Wohnsitze hingerissen werden und in das Plankton gelangten. 

2. Ufer- und Boden-Fauna des Elbestromes. 

Viel mannigfaltiger ist die Uferfauna gestaltet. Die Steine am Ufer, die 
Uferflora und dichte Wurzeln bieten den Thieren vorzüglichen Anhaltspunkt. 

Wir fanden: 

Arcella vulgaris, Stylonychia pustulata, 

Difflugia globulosa, Stentor Roesselii, sehr häufig im Herbste, 

„ pyriformis, Spirostomum ambiguum, 

Stylonychia mytilus, Epistylis umbellaria L. 

Hydra fusca. 



40 

Epbydatia fluviatilis. 

Planaria gonocephala, 
Vortex truncatus, 
Clepsine bioculata, 
Nephelis vulgaris, 

Melicerta ringens, 
Laciuularia socialis, 
Synchaeta tremula, 
Taphrocampa annulosa, 
Notominata lacinulata, 
Pleurotrocha leptura, 
Proales sordida. 



Nais elinguis, 

Rhynchehnis limosella. Am 7. Juni 1900 
fanden wir noch einen Eiercocon. 



Eosphora aurita, 
Diglena catellina, 
Dinocharis tetractis, 
Diaschiza exigua, 
Euehlanis macrura, 
Pterodioa patina. 



Sida crystallina, 
Simocephalus vetulus, 
Scapholeberis mucronata, 
Ceriodapbnia pulchella, 
Bosmina cornuta, 
Macrothrix laticornis, 
Uyocryptus sordidus, 



Cypridopsis vidua, 
Cypria oplitbalmica, 

Cyclops serrulatus, 
Cyclops strenuus, 

Astacus fluviatilis. 

Atractides ovalis, 
Atractides spinipes. 

Argyroneta aquatica. 

Cloe diptera (larva), 
Ephemera vulgaris (larva), 



Eurycercus lamellatus, 
Acroperus leucocephalu», 
Alona lineata, 
Alona affinis, 
Pleuroxus persoyiatus, 
Pleuroxus truucatus, 
Chydorus sphaericus. 



Liiuuicytbere inopiuata. 



Cyclops albidus. 



Hygrobates reticularis. 
Albia staüonis. 



Ephemerella ignita (larva), 
Polymytarcis virgo (larva). 



41 



Agrion sp. (larva), 

Laivae : 
Limnophilus fuscicornis, 
Anabolia laevis, 
Brachycentrus subnubilus, 
Triaenodes bicolor, 

Microcoriza coleopterata, 
Nepa cinerea (larva), 

Chirononius sp. (larva), 
Simulium sp. (larva), 

Ancylus fluviatilis, 
Bythinia tentaculata, 
Unio pictorum, 
Unio tumidus, 
Unio batavus, 
Anodonta cygnea, 
Anodonta cellensis, 



Baetie sp. (larva). 



Hydropsyche saxonica, 
Polycentropus flavomaculatus, 
Oligoneuria rhenana, 
Ithytrichia lainellaris. 



Naucoris cimicoides (larva). 



Atherix ibis. 



Anodonta piscinalis, 
Anodonta anatina, 
Spbaeriuni corneum, 
Sphaerium rivicolum, 
Pisidium foutinale, 
Pisidium obtusale, 
Pisidium subtruncatum. 



IX. Die Lage und die Tiefen des Altwassers Skiipice. 

Die Sknpice ist ein altes Flussbett, dessen unteres Ende in steter Verbindung 
mit dem Hauptstrome stellt. 

Sein oestlicber Theil ist ein ganz isolirter Tümpel, der Dekauskä Tun 6 
genannt wird. 

Die eigentliche Skupice zieht sich in massig geschwungenem Verlaufe in 
einer Länge von 1 Jcm. (Fig. 16.) 

Man unterscheidet mehrere Partien, deren Bezeichnung behufs Fixirung 
der Fundstellen seltener Vorkommnisse nöthig ist. 

Der oberste Theil, in den ein Drainagegraben mündet (Fig. 16, No. 13), heisst 
Cäpelna (12). 

Nach Süden hin ist eine ähnlich grosse Bucht, Zadnl Kout (Fig. 16, 10). 

Der ganzen übrigen Länge nach hat die Skupice fast eine gleichmässige Breite 
von etwa 60 m und nur in halber Länge bildet sie noch eine rückwärts gekrümmte 
Bucht „U Oppelta" (Fig. 16, No. 9). 

Die Mündung in den Hauptstrom wird durch eine Insel in einen schmalen 
„Üzkö Hrdlo" (Fig. 6), und einen breiten Arm „Siroke Hrdlo" (Fig. 7) 
getheilt. Dazwischen liegen die Primator-Inseln. (Fig. 16. No. 6 — 7.) 



42 




Fig. 16. Karte des Alt 
wassers Skupice. 



1 . Fischerwohnung. 

2. Fliegende Station. 

3. Elbestrom. 

4. Navigationsstrasse. 

5. Das Altwasser Labice. 

6. Der schmale Ann („Üzke' 
lndlo.") 

7. Der breite Arm („Siroke 
hrdlo.") 

Dazwischen die Pri- 
mator-Insel. 

8. Das Altwasser „Skupice". 

9. Die Bucht „Oppelta". 

10. Die Bucht „Zadui kout". 

11. Die Bucht „Maly kout". 

12. Die Bucht „Capeina". 
13 — l(j. Die Drainagegräben. 

Die Zahlen iu Klammern 
geben die Tiefe an diesbe- 
züglichen Stelleu in M. an. 



43 

Längs des nördlichen Ufers der Skupice münden in dieselbe mehrere Drai- 
nagegräben (Fig. 16. No. 14, 15, 16) als Fortsetzung der Apusgräben, von denen an 
einem anderen Orte Erwähnung geschehen wird. 

Die grösste Tiefe beträgt an mehreren Stellen 30 m bis 3'90 m, die mittlere 
Tiefe 2-0 m bis 25 m. 

In der Nähe der Mündung der Skupice in den Hauptstrom der Elbe (3) 
liegt die Fischerwohnung (1) und neben derselben die fliegende Station (2). Bis 
zur ersteren reicht ein früher todter Arm Labice (Fig. 16. No. 5), der erstjüugst 
mit der Elbe verbunden wurde. 

X. Die niedere Fauna des Altwassers Skupice. 

1. Untersuchungsmethoden. 

Es wurde in allen Monaten des Jahres das Plancton der Oberfläche und in 
1 m Tiefe untersucht und zwar in Horizontalzügen des 20 cm im Durchmesser 




Fig. 17. Wägung des Planctons Auf der rechten Schale das abgeseihte Plancton, 
das im Juli auf der Strecke von 200 m in der Skupice gefischt wurde. 
Gewicht 30 - 15 gm Volumen 35 cm". Hauptsächlich aus Bosmina bestehend. 



44 

besitzenden pellagischen Netzes, das auf '200 m im mittleren Theile der Skupice 
gezogen wurde. 

Zu gewissen Zeiten war der Fang ein minimaler, unmessbar und unwiegbar. 

In der warmen Saison lieferte das Netz oft Massen von Thieren, die Material 
zur Wägung gaben. So wurde z. B. im Juli auf '200 m 30" 15 gm Bosiniueu 
gefangen, die ein Volumen von 35 cm' besasseu. (Fig. 17.) 

Der Fang wurde zuerst im Glase, das auf einen chemischen Tisch gestellt 
wurde (Fig. 18) mit der Lupe revidirt und die leicht kenntlichen Arten ins Pro- 











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Fig. 18. 
Beobachtung des lebenden, frisch eingefangenen Planctons. 



tokoll diktirt Dabei wurden viele interessante Beobachtungen gemacht und Arteu, 
die zuweilen nur in einem oder zwei Exemplaren vorhanden waren, mit der Pipette 
herausgefischt. 

Dadurch erhielten wir einen besseren Einblick in die Zusammensetzung 
des Fanges als es bei einer Probe des abgeseihten Bräues möglich gewesen wäre. 

Bald bemerkt man im Glase eine Sonderung der einzelnen Arten; die einen 
halten sich am Boden, andere auf der Oberfläche oder in der Mitte auf, während 
Würmer später an den Wänden des Glasen emporklettern. 

Dann wurden Proben aus verschiedenen Regionen des Glases mikroskopisch 
untersucht und ein Theil des Fanges auf eine flache Schale zur weiteren Be- 
obachtung gesondert. 



45 

Hier gewahrte man Sonderung der Lichtfreunde und Lichtfeinde, und erst 
am zweiten und dritten Tag machten wir neue Funde. 

Die Hauptmasse des Fanges wurde mittelst Formalin getödtet, aufbewahrt 
und dann in Prag von jedem Fange ein ständiges Praeparat gemacht. (Vom Herrn 
Verwalter E. Pecka.) 

Verticalfänge waren bei der geringen Tiefe des Wassers wenig angezeigt 
und eine Zählung der Individuen fanden wir nicht zweckmässig bei der steten Ver- 




Fig. 19. 
Die Bucht „Cäpelna" und das südliche Ufer des Altwassers Skupice. 



änderlichkeit des Planctons, das sich nicht nur nach Monaten oder Wochen, aber 

auch nach einigen Tagen und nach Tageszeiten änderte. Mit einer solchen 

zeitraubenden Methode könnte sich nur eine ständige, wohldotirte Anstalt 
befassen. 

Ausser der Litoralfauna und der Untersuchung des Bodenschlammes widmeten 
wir auch den Vorkommnissen auf den Nuphar- und Nymphaeenblättern unsere Auf- 
merksamkeit, verzeichneten die Zeit des Erscheinens der Thiere, deren Larven, 
der Frasstücke, der Eierklumpen, der Bryozoen, Spongillen etc. 

Auch wurden Schilf- und Binsenstöcke ausgerissen und Würmer, Larven 
und Mollusken, die an den Wurzeln lebten, gesammelt. 



46 



2. Planktou der Skupiee. 



1897. 

Juni 8. 



Oberfläche 
Hohes Wasser 



1 M. Tiefe 



24 —27. 



2 M. Tiefe 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



2 M. Tiefe 



Cyclops oith. v. hyalina 
Canthocamptus staphylinus 
Niiuplius 

Bosinina cornuta mit Sommer- 
eiern. Viele junge ex.) 
Acroperus leucocephalus 
Asplauchila priodonta 
Anuraea aculeata 

Diaptomus gracilis 
Cyclops o. v. hyalina 
„ strenuus 

Bosmina cornuta 
Ceriodaphnia pulchella 
Aloua testudinaria 
Pleuroxus truncatus 
Chydorus globosus 
Cypria ophthalmica 
Anuraea aculeata 

Ceriodaphnia pulchella 
Daphnia pennata 
Cyclops o. v. hyalina 

Golenkinia sp. 
Dinobryon sertullaria 
Codonella lacustris 
Bosmina cornuta 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 
Anuraea sti])itata 
Monostyla lunaris 
Eudorina elegans 

Diaptomus gracilis 
Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia pennata mit Sommereiern 
Daphnella brachyura 
Ceriodaphnia pulchella 

Cyclops o. v. hyalina 
strenuus 



Zahlreich 



Zahlreich 



Sehr zahlreich 
Sparsam 



47 



Juli 
13.-16. 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



2 M. Tiefe 



August 
10.-12. 



Oberfläche 



Cyclops serrulatu« 
Daphnia pennata 
Ceriodaphnia pulchella 
Bosmina cornuta 
Eudorina elegans 
Corethra plumicornis, Larve 

Cyclops o. v. hyalina 
Bosmina cornuta 
Moina inicrura 
Daphnella brachyura 
Ceriodaphnia pulchella 
Asplanchna priodonta 
Polyartlira platyptera 
Anuraea stipitata 
„ aculeata 
Codonella lacustris 
Difflugia globulosa 

Bosmina cornuta 
Cyclops o. v. hyalina 
Moina micrura mit Embryonen 
Ceriodaphnia pulchella 
Daphnella brachyura 
Daphnia pennata 
Leptodora hyalina 
Difflugia globulosa 

Bosmina cornuta 
Ceriodaphnia pulchella 
Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia pennata 
Moina micrura 
Daphnia micrura 
Leptodora hyalina 
Asplanchna priodonta 
Corethra plumicornis 

Synchaeta treinula 
Brachionus angularis 

„ polyacanthus 

Anuraea stipitata 
„ aculeata 
Asplanchna priodonta 



Sehr zahlreich 



Sehr zahlreich 



Sehr zahlreich 

Zahlreich 
Vereinzelt 

Sehr zahlreich 

n 
n 

Vereinzelt 
1 Ex. 

Armer Fang 



48 



1 M. Tiefe 



September 
3.-6. 



Oberfläche 
4 35 gm. 



October 
1.— 4. 



1 M. Tiefe 
0-35 gm. 

Oberfläche 



Dinocharis pocillum 
Volvox minor 
Eudorina elegans 
Golenkinia sp. 
Arcella vulgaris 
, angulosa 
Aphanizomenon ttos aquae 



Bosmina cornuta 
Alona rostrata 
Canthocamptus staphylinus 
Conochilus volvox 
Volvox minor 
Eudorina elegans 

Dinobryon sertullaria 
Bosmina cornuta 
Daphnella brachyura 
Cyclops o. v. hyalina 
Anuraea stipitata 
„ aculeata 
Synchaeta tremula 
Asplanchna priodonta 
Polyarthra platyptera 
Triarthra longiseta 
Ceratium macroceros 
Codouella lacustris 
Difflugia globulosa 
Golenlunia sp. 
Asterionella gracillinia 

Bosmiua cornuta 

Dinobryon sertullaria 
(einige mit Cysten) 
Bosmina cornuta mit Sommereiern 
Anuraea stipitata 
„ aculeata 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 
Asplanchnopus myrmeleo 
Codonella lacustris 



Armer Fang 



Sehr zahlreich 



Sehr zahlreich 



Sehr zahlreich 



49 




Fig. 20. Plancton der Oberfläche 
am 4. 8. 1898. Vergr. 45./1. Mikrophotogramra v. Dr. V. Vävra.*[,Praep. v. E. Pecka. 




Fig. 21. 
Plancton in 1 Meter Tiefe am 20.,9. 1898. Vergr. 45./1. Mikrophotogramm v. Dr. V. Vävra. Praep. 

4 



50 



1 M. Tiefe 



15.— 18. 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



November 
19.— 22. 



Oberfläche 
unter der Eis- 
decke 



M. 1 Tiefe 



Cyclops o. v. hyalina 
Anuraea stipitata 
n aculeata 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 

Nauplius 

Dinobryon sertullaria 
Polyarthra platyptera 
Euchlanis triquetra 
Anuraea slipitata 
„ aculeata 
Asplanchna priodonta 
Synchaeta tremula 
Asplanchnopus uiyrmeleo 
Ceratiuiu macroceros 
Codonella lacustria 
Eudorina elegans 

Cyclops o. v. hyalina und Nauplien 
Daplinia pennata 
ltosmina coruuta 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
Dinobryon sertullaria 

Cyclops insignis 
Bosmina cornuta 
Anuraea stipitata 
aculeata 
Synchaeta tremula 
Asplanchnopus myrnieleo 
Nassula elegans 
Dinobryon sertullaria 
Eudorina elegans 
Asterionella gracillima 

Dinobryon sertullaria 
Synchaeta tremula 
Anuraea stipitata 
Canthocamptus staphylinus 
Chydorus sphaericus 
Mallomonas acaroidea 



Sehr artner 
Fang 



Zahlreich 

Vereinzelt 

Räderthiere 

zahlreich 



Sehr armer 
Fang 



Spärlich 
Vereinzelt 



Vereinzelt 



Sehr armer 
Fang 



51 



1898. 
Jänner 5. — 8. 



Oberfläche 

Unter der Eis- 
decke 



l M. Tiefe 



März 1.— 5. 



Oberfläche 
Hohes Wasser 



1 M. Tiefe 



April 2.-4. 



Oberfläche 



Mai 16.— 20. 



Oberfläche 

Hohes Wasser 

T. des Wassers 

16° C 



Cyclops o. v. hyalina 
Eudorina elegans 
Ein Fischchen mit vielen Glo- 
chidien. 

Chydorus sphaericus mit Sommer- 
eiern 

Epistylis, abgerissene Köpfe. 

Glochidium 

Peridinium 

Bursaria 

Stentor Roesselii in einer Exuvie 
von Chironomus-Larve. 

Cyclops v. hyalina u. viele Nauplien 

Algen 

Canthocamptus staphylinus 

Bosmina cornuta 

Chydorus sphaericus 

Cyclops v. hyalina (Metanauplien) 
Bosmina cornuta mit Sommereiern 
Chydorus sphaericus 
Cyclocypris ovum 

Cyclops o. v. hyalina 

Viele Nauplien und Metanauplien 

Bosmina cornuta 

Canthocamptus staphylinus 

Nais elinguis 

Synchaeta tremula 

Brachionus urceolaris 

Euchlanis triquetra 

Fragillaria virescens 

Asterionella gracillima 

Prorodon teres 

Dinobryon sertullaria 
Nauplius 
Bosmina cornuta 
Chydorus sphaericus 
Anuraea stipitata 
aculeata 



Sehr armer 
Fang. 3 Ex. 



Sehr armer 
Fan« 



Armer Fang 
Zahlreich 

Auch rj 



Viele junge Ex. 



Reicher Fang 

Zahlreich 

Selten 



02 



17.- 20. Juni 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



2. — 5. August 



Oberfläche 



Synchaeta treinula 
Brachioniis urceolaris 
„ angularis 

Triarthra longiseta 
Asplanchna priodonta 
Conochilus volvox 
Fragillaria virescena 
Asterionella gracillima 



Bosmina cornuta 
Daphnia niicrura 
Cyclops o v. hyalina 
Chydorus sphaericus 
Daphnia longispina 
Leptodora hyalina 
Anuraea aculeata 
,, stipitata 
Asplanchna priodonta 
Diuobryon sertullaria 
Fragillaria virescens 

Nauplien 

Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Synchaeta tremula 



Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis 
Leptodora hyalina 
Asplanchna priodonta 
Triarthra longiseta 



Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis 
Daphnia longispina 
Daphnella brachyura 
Asplanchna priodonta 
Anuraea stipitata 
Polyarthra platyptera 
Eudorina elegans 



Zahlreiche 



1 junges Exempl. 



Zahlreich 

Zahlreich 



Selten 



Reicher Fang 



53 



1 M. Tiefe 



August 
24.-28. 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



September 
18.— 21. 



Oberfläche 



Cyclops o. v. hyalina 
Bosmina cornuta 
Daphnella brachyura 
Daphnia micrura 
Asplanchna priodonta 

Eudorina elegans 

(bildet die Wasserblüthe) 
Bosmina cornuta 
Daphnia Kahlbergensis 
Daphnia Iongispina 
Daphnella brachyura 
Cyclops o. v. hyalina und viele 

Nauplien 
Diaptomus gracilis 
Asplanchna priodonta 
Anuraea stipitata 
Polyarthra platyptera 
Mastigocerca bicornis 
Epistylis rotans 
Asterionella gracillima 

Cyclops v. hyalina. Viele <$ 
Daphnia Iongispina 
Leptodora hyalina 
Bosmina cornuta 
Daphnella brachyura 
Ceriodaphnia pulchella 
Moina micrura 
Diaptomus gracilis 

Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 
Monocerca ratulus 
Mastigocerca bicornis 
Nauplius, v. Cyclops o. v. hyalina 
Pleuroxus truncatus 
Eudorina elegans 
Fragillaria virescens 
Asterionella gracillima 
Pediastrum rotula 



Sehr reicher 



Fang 



Sehr reicher 
Fang 

Selten 



Reicher Fang. 
Zahlreich 
Zahlreich 



Rotatoren 
bilden 90% des 

Planctons, 
Nauplius 10°/ 



Selten 



54 



1 M. 



October 3—6 \ Oberfläche 



1 M. Tiefe 



November 
18.— 21. 



Oberfläche 



Bosmina cornuta 


Zahlreich 


Daplmia micrura 


Häufig 


Ceriodaphnia pulchella 




Moina micrura 


Mit Enhippien 




und auch <$ 


Cyclops o. v. hyalina 


Spärlich 


Diaptomus gracilis 


Häufig 


Asplanchna priodonta 


Spärlich 


Anuraea aculeata 




Asplanchna priodonta 


Armer Faug 


Anuraea stipitata 


30% Hotatorien 



„ aculeata 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 
Monocerca rattulus 
Cyclops o. v. hyalina und viele 

Nauplien 
Bosmina cornuta 
Codonella lacustris 
Asterionella gracillima 
Eudorina elegaus 

Cyclops o. v. hyalina 
Diaptomus gracilis 
Bosmina cornuta 
Daphnella brachyura 
Ceriodaphnia pulchella 
Moina micrura 
Daphnia micrura 
Leptodora hyalina 
Pleuroxus truncatus 
Asplanchna priodonta 
Difflugia Corona 
Pediastrum rotula 

Cyclops o. v. hyalina und viele 

Nauplien 
Diaptomus gracilis 
Bosmina cornuta 
Daphnia micrura 
Asplanchna priodonta 
Synchaeta tremula 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 



Häufig 



Armer Fang 



Häutu 



Auner Faug. 
Häufig 



55 



1899. 

Jänner 
9.— 12. 



M. Tiefe 



Oberfläche 
unter der Eis- 
decke 



1 M Tiefe 



Feber 26. 



20.-24. 
April 



Oberfläche 



Oberfläche 
Hohes Wasser 



Braehionus angularis 
Stentor Roesselii 
Glochidium 

Biaptomus gracilis 
Daphnia micrura 
Pleuroxus truncatus 

Cyclops o. v. hyalina 
Braehionus pala 
Codonella lacustris 
Dinobryon sertullaria 
Eudorina elegans 
Glochidium 
Fragillaria virescens 

Biaptomus gi - acilis 
Chydorus sphaerius 
Synchaeta tremula 
Rattulus tigris 
Stentor Roesselii 
Glochidium 

Nauplius von Cyclops hyalina 

Bursaria 

Stentor Roesselii 

Zoothamnium 

Meridion circulare 

Synedra ulna 

Cyclops o. v. hyalina 
Baphnia micrura 
Chydorus sphaericus 
Biaptomus gracilis 
Canthocamptus staphylinus 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Triarthra lougiseta 
Synchaeta tremula 
Stentor Roesselii 
Codonella lacustris 
Eudorina elegans 
Phacus longicaudus 
Synedra ulna 

Macrobiotus, Exuvien mit Eiern 
Fngillaria virescens 



Sehr armer 
Fang- 
Selten 



Sehr armer 
Fang 



Armer Fang 



56 





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57 



Mai 
22.-24. 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 



Juni 29.-2. 
Juli 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



Bosmina longirostris 
Diaptomus gracilis 
Daphnia niicrura 
Chydonis sphaericus 
Eudorina elegans 

Bosmina cornuta 
Cyclops o. v. hyalina, Nauplien 
Daphnia micrura 
Chydorus sphaericus 
Asplanchna priodouta 
Auuraea aculeata 
„ stipitata 
Dinocharis pocilluin 

Bosmina cornuta 

Cyclops o. v. hyalina und viele 

Nauplien 
Daphnia micrura 
Diaptomus gracilis 
Asplanchna 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Conochilus volvox 
Volvox minor 

Dinobryon sertullaria 
Cyclops o. v. hyalina, Nauplien 
Bosmina cornuta 
Anuraea stipitata 
„ aculeata 
Synchaeta tremula 
Triarthra longiseta 
Polyartbra platyptera 
Brachionus angularis 
Golenkinia 

Clathrocystis aeruginosa 
Fragillaria virescens 

Cyclops o. v. hyalina 
Bosmina cornuta 
Leptodora hyalina 
Asplanchna priodonta 



Reicher Fang 
Häufig 



Häufig 



Sehr häufig 



Häufig 
Selten 
Häufig 



Selten 
Ziemlich häufig 



58 



Juli 
18.— 21. 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



August 
21.— 24. 



Oberfläche 



1 M. Tieft 



Dinobryon sertnllaria 
Synura uvella 
Cyclops o. v. hyalina 
Daphnella brachyura 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Triarthra longiseta 
Polyarthra platyptera 
Synchaeta tremula 
Codonella lacustris 
Peridinium 
l'hacus longicaudus 
Asterionella gracillima 

Cyclops o. v. hyalina 
Diaptomus gracilis 
Daphnia longispina 

„ Kahlbergensia 

„ raicrura 
Ceriodaphnia pulchella 
Leptodora hyalina 
Conochilus volvox 



Cyclops o. v. hyalina 
Nauplien 
Bosmina cornuta 
Daphnia Eablbergensis 

Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Synchaeta tremula 
Brachionus angularis 
Eudorina elegans 
Phacus longicaudus 
Asterionella gracillima 

Cyclops v. hyalina 
Bosmina cornuta 
Daphnella brachyura 
Ceriodaphnia pulchella 
Daphnia micrura 
Asplanchna priodonta 



Häutig 



Sehr häutig 



Reicher Fang 

Selten 
Häufig 

Selten 

Häutig 



Reicher Fang 

Häutig 



Häutig 
Häutig 









59 


September 


Oberfläche 


Cyclops o. v. hyalina 


Hohes AVasser 


14.— 16. 




Nauplien 

Bosmina cornuta 

Daphnia micrura 

Moiua micrura 

Asplauchna priodonta 

Anuraea aculeata 
„ stipitata 

Polyarthra platyptera 

Triarthra longiseta 

Brachionus Bakeri 
„ pala 
„ angulatus 

Schizocerca diversicoruis 

Salpina mucronata 

Pterodina patina 

Volvox minor 

Eudorina elegans 

Synura uvella 

Ceratium hirundinella 

Asterionella gracillima 




et ober. 


Oberfläche 


Golenkinia 




10.— 13. 




Nauplius 


Sehr häufig 






Dinobryon sertullaria 


Häufig 






Asplanchna priodonta 








Anuraea aculeata 








„ stipitata 








Synchaeta tremula 








Polyarthra platyptera 








Eudorina elegans 








Synura uvella 
Asterionella gracillima 






1 M. Tiefe 


Cyclops o. v. hyalina 








Bosmina cornuta 


Sehr zahlreich 






Daphnia micrura 








Diaptomus gracilis 








Asplanchna priodonta 








Polyarthra platyptera 








Synchaeta tremula 








Anuraea aculeata 








„ stipitata 








Volvox minor 








Eudorina elegans 





60 



November 
17.-21. 



1900. 

März 
20.— 23. 



April 
19.— 21. 



Oberflüche 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 



Hohes Wasser 
Oberfläche 
T. 7° C. 



Juni 6.-9. 



Oberfläche 
'. des Wassers 

21° C. 
Luft 22° C. 



Naupliua 

Dinobryon sertullaria 

Bosniina cornuta 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Brachiouus augulatus 
Synchaeta tremula 
Glochidium 
Synura uvella 
Stentor Roesselii 

Metanauplien 
Bosniina cornuta 
Diaptomus gracilis 
Asplanchna priodonta 
Synchaeta tremula 

Nauplius o. v. Cyclops v. hyalina 
Diaptomus gracilis 
Synchaeta tremula 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Stentor Roesselii 
Actinosphaerium Ehhhorni 
Nassula elegans 
Eudorina elegans 
Synura uvella 

Auuraea aculeata 
Salpiua mucrouata 
Brachiouus pala 
Synchaeta tremula 
Polyarthra platyptera 
Stentor Roesselii 
Eudorina elegans 
Synura uvella 
Pseudoprorodon niveus 
Glochidium 

Dinobryon sertullaria 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 



Reicher Fang 
Häufig 



Armer Fan'' 



Armer Fang 
Häutig 



Sehr armer 
Fang 



Armer Fang 



61 



1 M. Tiefe 



Juni 
26.-29. 



Oberfläche 
T. des Wassers 
17°, Luft 16° C. 



1 M. Tiefe 



Synchaeta tremula 
Brachionus angularis 
Codonella lacustris 
Fragillaria virescens 
Asterionella gracillima 

Cyclops v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis 

„ longispina 
Leptodora hyalina 
Bosmina cornuta 
Chydorus sphaeiius 
Anuraea aculeata 

„ stipitata 
Schizocerca diversicornis 
Asplauchna priodonta 
Couochilus volvox 

Cyclops v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis 
Daphnella brachyura 
Asplanchna priodonta 
Auuraea stipitata 
„ aculeata 
Brachionus angularis 

„ Bakeri 

Schizocerca diversicornis 
Polyarthra platyptera 
Triarthra longiseta 
Actinosphaerium Eichhorni 
Dinobryon sertullaria 
Trachelius ovum 
Tintinidium semiciliatum 
Codonella lacustris 
Synura uvella 
Uroglena volvox 
Difflugia pyriformis 
Asterionella gracillima 
Fragillaria virescens 
Eudorina elegans 

Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis 
Bosmina cornuta 



Reicher Fang 
Häufig 

Häufig 



Häufig 



62 






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Juli 
15.— 18. 



Oberfläche 



August 
17.— 19. 



Oberfläche 



1 M. Tiefe 



September 
13.— 16. 



Oberfläche 



Ceriudapuuia pulchella Häufig 

Leptodora hyalina 
Diaptouius giacilis 
Asplauchna priodonta 
Volvox minor 



Cyclops o. v. hyalina u. Nauplien 
Daphnia Kahlbergensis 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Synchaeta tremula 
Dinobryon sertullaria 
Trachelius ovum 
Eudorina elegans 

Cyclops o. v. hyalina und viele 

Nauplien 
Daphnella brachyura 
Asplanchna [iriodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyarthra platyptera 
Synchaeta tremula 
Codonella lacustris 
Epistylis rotans 
Eudorina elegans 

Cyclops v. o. hyalina 
Daphnia micrura 
Daphnella brachyura 
Moina micrura 
Bosmiua cornuta 
Diaptomus gracilis 
Asplauchna priodonta 



Häufig 



Sehr häufif 



Häufig 



Häufig 



Nauplius v. Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia Kahlbergensis (junge) 
Bosmina cornuta (junge) j Etwa 80% Ro- 

Asplanchna priodonta tatoren 

Polyarthra platyptera 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Synchaeta tremula 



(54 



October 
23.-26. 



November 
9.— 11. 



December 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 
Wasser T. 6-5° 
C, Luft 11° C. 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 
Wasser T. 6(5 n 
C, Luft 9-5° C. 



1 M. Tiefe 



Oberfläche 

Vor einem Taue 

zugefroren 

1 M. Tiefe 



Epistylis rotans 
Asterionella gracillinia 
Eiuloriua elegans 

Bosmina cornuta mit Sommereiern 
Daphnia micrura mit Sommereiern 

und Epliippien 
Moina micrura 
Cyclops o. v. hyalina 
Diaptomus gracilis 

Diaptomus gracilis und 
Nauplien 

Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Synchaeta tremula 
Polyartlira platyptera 
Codonella lacustris 
Synura uvella 

Diaptomus gracilis 
Cyclops o. v. hyalina 
Daphnia micrura 

Diaptomus gracilis mit Nauplien 
Bosmina cornuta 
Asplanchna priodonta 
Anuraea aculeata 
„ stipitata 
Polyartlira platyptera 
Synchaeta tremula 
Codonella lacustris 
Nassula elegans 

Diaptomus gracilis 
Cyclops o. v. hyalina 
Bosmina cornuta 

Daphnia micrura mit Sommereiern 
und Epliippien 

I Ex. Cyclops hyalinus 
Stentor Roesselii 

Diaptomus gracilis 
Cyclops o. v. hyalina 
Bosmina cornuta 
Pleuroxus truncatus 



Ziemlich häufig 



«<>",. 



Niedriges 

Wasser 

Armer Fang 



Sehr viel 



Armer Fang 



Reicher Fang 



Minimaler Fang 






65 

Das Minimum des Planctous erscheint unter der Eisdecke im December 
und Jänner. Der Fang ist in diesen Monaten ein sehr armer. Man findet nur 
in einigen Exemplaren Cyclops o. v. hyaliua, Diaptomus gracilis, Bosmina longi- 
spina, Chydorus sphaericus, Stentor Roesselii und Eudorina elegans. Im Fe her 
erscheinen die Nauplien der Cyclops-Arten. Im März, nach dem Eisgange stellt 
sich regelmässig das Hochwasser ein. Bei einem Wasserstande von 150 cm über 
dem Normale, wird doch das charakteristische Plancton über dein Bette der Sku- 
pice gefunden und auch in der weit ausgegossenen Wassermasse. Die arme, in den 
Wintermonaten beobachtete Thierwelt wird durch viele Rotatoren -Arten vermehrt, 
als Synchaeta tremula, Anuraea aculeata und stipitata, dann finden sich viele Algen 
und zahlreiche Synura uvella. Der hohe Wasserstand dauert oft bis zum April- 
Das Plancton wird durch viele Diatomeen, zahlreiche Rotatoren, und Daphnia 
micrura vermehrt. Im Mai stellt sich oft nochmals Hochwasser ein, das aber bald 
abfällt. Das Plancton ist von jetzt an ein sehr reiches. Es erscheint Dino- 
bryon sertullaria in grosser Menge an der Oberfläche mit zahlreichen Fragillaria- 
Fäden und Asterionella- Colonien. Bosmina und Nauplien werden sehr häufig. In einem 
Meter Tiefe erscheint zum erstenmale Leptodora hyalina mit Daphnia micrura und 
longispina. Die Rotatoren nehmen in der Arten-Zahl bedeutend zu. 

Im Juni, Juli und August herrschen gewöhnlich die normalen Verhält- 
nisse, nur manchmal stellt sich im Juni nochmals das hohe Wasser ein. Das Plancton 
erreicht sein Optimum, indem die Fänge sehr reich sind. 

Im Juni und Juli wird Cyclops o. v. hyalina vorherrschend und erscheinen 
auch zahlreiche Nauplien. Ebenfalls Bosmina mit vielen Jungen. Dinobryon erscheint 
an der Oberfläche in grosser Menge mit Fragillaria, Asterionella und vielen Ro- 
tatoren. In einem Meter Tiefe finden wir Leptodora und Daphnia Kahlbergensis und 
zuweilen auch longispina. Auch Bosmina kommt zahlreich vor. 

Im August verschwindet Dinobryon aus dem Plancton vollkommen und wird 
durch zahlreiche Eudorina elegans ersetzt, die von den Rotatoren, und zahlreichen* 
Cyclops-Nauplien begleitet wird. In der Fig. 20. (Seite 49) legen wir ein Mikro- 
photogramm des Oberfläche-Planctons im August vor. Man sieht da viele Asplanchna 
priodonta mit Eiern, Synchaeta tremula, Anuraea aculeata und stipitata, zahlreiche 
Cyclops-Nauplien und zerfallene Colonien von Eudorina elegans. Im einem Meter 
Tiefe ist Daphnia Kahlbergensis, longispina und microcephala, dann Moina micrura 
in Menge vorhanden. 

Fig. 22. (Seite 56) gibt das Bild des Planctons im August, wie wir es im 
J. 189) fanden. Lebhaft grüne kugelige Colonien von Eudorina elegans bildeten 
damals eine Art von Wasserblüthe, indem sie in grosser Menge an der Oberfläche 
erscheinen. Sie wurden von kleineren gelblich grünen Paudorina morum und hüb- 
schen, regelmässigen Sternchen-Colonien der Diatomee Asterionella gracillima be- 
gleitet. Zahlreiche Rotatoren, wie Asplanchna priodonta, Anuraea aculeata und 
stipitata bewegen sich dazwischen in rastlosem Wirbel. In den unteren Schichten des 
Wassers, etwa in einem Meter Tiefe finden wir ein ganz verschiedenes Bild, an 
dem die Wasserflöhe, wie Bosminen, Daphnien und die stabförmige Leptodora theil- 
nehmen. Zwischen diesen bewegen sich in Sprüngen die Hüpferlinge und dazwischen 
schweben die eleganten Diaptomus gracilis. 



66 

Im September bekommt das Plancton allmäblig ein anderes Aussehen' 
Eudorina erscheint an der Oberfläche nur vereinzelt und Diuobryon erscheint in 
grosser Menge zum zweitenmal im Jahre. Daneben erscheinen die Rotatoren in 
ausserordentlicher Anzahl, so dass dieselben 9ü°/ des Plancton der Oberfläche 
bilden. Daneben finden wir wieder zahlreiche Nauplien. In einem Meter Tiefe ist 
dagegen Bosmina vorherrschend, mit vielen Moina micrura, von denen auch die 
Männchen jetzt erscheinen und Daphnia micrura mit Cyclops o. v. Inalina und 
Diaptomus gracilis. In der Fig. 21. (Seite 49) ist ein Mikrophotogramm des 
Planctons im September aus einem Meter Tiefe wiedergegeben. 

Im October (Fig. 23. Seite 62) ist Dinobryon noch zahlreich vorhanden. 
Dasselbe findet man häufig mit Cysten. Die Rotatoren bilden nunmehr nur 30°/ 
des Oberflächen-Fanges. In diesem Monate wurde auch die schwellende, interes- 
sante Alge Goleukinia beobachtet. In einem Meter Tiefe herrscht die Bosmina vor. 
Der Fang wird immer ärmer, und bald verringert sich die Artenzahl der Orga- 
nismen auf diejenige, welche für die Wiutermonate Regel ist. 

Im November hängt das Bild des Planctons von äusseren Verhältnissen 
ah. Mit dem Einfrieren der Oberfläche fängt auch das Minimum des I'lanctons an, 
der Fang ist sehr arm, wesentlich nur von Bosmina und Nauplius an der Ober- 
fläche und von Diaptomus in einem Meter Tiefe gebildet. 



3. Uferfauna des Altwassers Skupice 

Die Uferfauna des Altwassers Skupice stellt ein charakteristisches Bild für 
alle ähnliche Altwässer und Tümpel des mittleren Elbegebietes dar. Die Ufer sind 
in der Regel mit üppiger Vegetation bedeckt. AVeiden, Pappeln und Schwarzerlen 
senden ihre Wurzeln bis in das Wasser hinein, wo dieselben frei flottieren un I 
zahlreichen Moosthierchen und Süsswasserschwiimmen einen geeigneten Wohnsitz 
bieten. Hier treffen wir im Winter regelmässig viele Rhynchelmis liinosella ein. 

Am Ufer bildet grosse und dichte Bestände der Schachtelhalm (Scirpus 
lacustris) (Siehe Fig. 6. Seite 15) oder der Kalmus. (Fig. 24. i 

Die Stengel derselben beherbergen Insectenlarven, Würmer, Mollusken, und 
zahlreiche Kolonien von Lacinularia. 

Vor diesen Besiänden bis zu einer Tiefe von 1 Meter findet man eine Zone 
von eigentlichen Wasserpflanzen. Eine wahre Zierde und ein Stilleben bilden die 
schwimmenden Blätter und Blüthen der gelben Teichrose (Nuphar luteum) und der 
weissen Nixenblume (Nymphaea Candida) Zu diesen gesellt sich das Laichkraut 
(Potamogeton), Glyceria, das Hornkraut (Ceratophylluin), und die durch das Vor- 
kommen in der „Skupice" interessante Najas major (Fig. 4. und 5. Seite 13. u. 14 ) 
Frei flottierend trifft man am Ufer die Wasserlinse (Lemna) und den Froschbiss 
(Hydrocharis morsus ranae). 

Die schwimmenden Blätter beherbergen eine grosse Gesellschaft von Thieren. 
Auf der Unterseite der Blätter findet man zahlreiche Wurzelfüssler namentlich 
Centropyxis aculeata, Difflugia urceolaris, während Arcella vulgaris manchmal in 



67 

solcher Menge die Unterseite der Blätter bedeckt, so dass mit blossem Auge ge- 
sehen dieselbe sehr fein braun puuctiert erscheint. 

Stentor Roesselii hält sich ebenfalls häufig im schlammigen Filze der Unter- 
seite der Blätter auf. Von Diatomeen ist da die in Gallertröhren eingeschlossene 
Encyonema prostratum häufig. Mau trifft da Hydra fusca, im Sommer erscheinen 
dann viele junge, polsterförmige Süsswasserschwäniine, die aber nie wegen un- 
geeigneter Unterlage zu voller Entwickeluag gelangen und später gänzlich ver- 
schwinden. Von Rotatorien findet man da die festsitzende Melicerta ringens, 




Fig. 24. 

Vegetationsbild am Ufer des Altwassers Skupice (u Oplta). An der Oberfläche des Wassers die 

schwimmenden Blätter der gelben Teichrose (Nuphar) und der weissen Nixenblume (Nymphaea). 

Im Hintergrunde der Kalmus-Bestand (Acorus calamus), auf der Iusel die Pappeln. 



pilula und Lacinularia socialis. Planaria lactea und Nephelis vulgaris heften da 
ihre Eiercocone, während zahlreiche Clepsine bioculata und Hemiclepsis tesselata 
ihre Brut mit dem Leibe bedecken. Vom Laich der Wassermilben erscheint manchmal 
die ganze Unterseite rothgefärbt. Die Unterseite der Blätter bedeckt ein schlam- 
miger Filz, der von den in Röhren lebenden Insecten-Larven herrührt. Es sind 
hauptsächlich die Chironomus-Larven- Die Blätter sind häufig durch zierliche 
Miniergänge bedeckt, die ebenfalls von Chironomus-Larven verursacht sind. Im 
Sommer erscheinen dann die Blätter von kleinen Löchern durchbohrt, durch welche 
die Schilfkäfer (Donacia) ihre Eierhaufen auf die Unterseite der Blätter befestigt. 
Auf der Unterseite sind auch viele Puppengehäuse der Hydroptiliden, als Oxyethira 
costalis, Orthotrichia Tetensii und Hydroptila sparsa befestigt. An den Rändern 

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der Blätter bmnerkeu wir häutig ovale, abgenagte Stücke, die von den Larven der 
Hydrocampa nyniphaeata herrühren, die sich aus denselben Larven — und später 
auch Puppengehäuse zusammenspinnen. 

An der Unterseite der Blätter leben auch viele Weichthiere, als Veletia 
lacustris, Physa fontinalis, Bythinia tentaculata, Lymuaea auricularia und ovata, die 
auch ihren Laich auf die Blätter legen. 

Im Spätsommer erscheinen dann die Moosthierchen, als Cristatella und 
Plumatella, die dann manchmal die ganze Unterseite der Blätter bedecken. Da g 
Leben am Ufer ist an dem Bilde (Fig. 25.) dargestellt. 

Im Herbste bildet Epistylis umbellaria grosse Flocken an den Stengeln dicht 
unter der Oberfläche des Wassers. 

Frei im Wasser lebt auch eine eigentliche Thierwelt. Es sind vorwiegend 
die Krustenthiere, als Sida crystallina Ceriodaphnia, Simocephalus und Bosmina, 
die manchmal in sehr grosser Menge hier umhertummeln, mit einer stattlicher 
Reihe von Wassermilben. 

Im folgenden geben wir eine Übersicht der Ufer-Thierwelt iu dem Altwasser 
„Skupice". 



Die Ufer-Thierwelt des Altwassers „Skupice". 



Arcella vulgaris. 
Centropyxis aculeata. 
Difflugia acuminata. 

„ urceolaris. 

„ pyriformis. 

„ Corona. 
Hyalosphenia lata. 
Clathrulina elegans. 
Anthophysa vegetans. 
Phacus longicaudus. 
Volvox minor. 
Coleps hirtus. 
Loxophyllum meleagris. 
Stentor Roesselii. 

„ viridis. 
Spirostomum ambiguum. 
Zooothamnium arbuscula. 
Vorticella nebulifera. 
Epistilis umbellaria. 
Opercularia nutans. 
Euspongilla lacustris. 
Spongilla fragilis. 



Ephydatia fluviatilis. 

„ Mülleri. 

Trochospongilla erinaceus. 
Hydra vulgaris. 
Planaria torva. 

„ lactea. 
Mermis albicans. 
Dorylaimus stagnalis 
Aeolosoma Ehrenbergi. 
Nais elinguis. 
Stylaria lacustris. 
Chaetogaster diaphamis 
Tubifex rivulorum. 
Limnodrillus Hoffmeisteri. 
Lumbriculus variegatus 
Rhyneholinis limosella. 
Piscicola geometra. 
Clepsine bioculata. 
Hemiclepsis tesselata. 
Nephelis vulgaris. 
Rotifer vulgaris. 
Actinurus neptunius. 
Brachionus Bakeri. 



71 



Conochilus volvox. 
Melicerta ringens. 
„ pilula. 

Lacinularia socialis. 
Sida crystallina. 
Ceriodapbnia reticulata. 
„ pulchella 

Simocephalus vetulus. 
Scapholeberis mucronata. 
Bosmina cornuta. 
Acroperus leucocephalus. 
Macrothrix laticornis. 
Streblocerus serricaudatus. 
Ilyocryptus sordidus. 
Eurycercus lamellatus. 
Alona tenuicaudis. 
testudinaria. 
„ lineata. 
„ affin is. 
Pleiiroxus personatus. 
„ trigonellus. 
„ aduncus. 
„ truncatus. 
Chydorus sphaericus. 

„ globosus. 
Candona Candida. 

„ jiubescens. 
Cypria ophtbalmica. 
Cyclocypris laevis. 
Cypridopsis vidua. 
Cypris reptans. 
„ Jurinii. 
Cyclops semilatus. 
„ fuscus. 
„ strenuus. 
„ albidus. 
„ insignis. 
Canthocauiptus minutus. 
Argulus foliaceus 
Asellus aquaticus. 
Atax crassipes. 
Neumania spinipes. 
Hydrochoreutes ungulatus. 
Curvipes rotundus. 
nodatus. 



Curvipes rufus. 

„ conglobatus. 

„ longipalpis. 
Limnesia histrionica. 

„ maculata. 
Frontipoda musculus. 
Brachypoda verdcolor. 
Arrenurus globator. 

„ maximus. 

„ tricuspidator. 

„ neumani. 

„ affin is. 

„ maculator. 

„ bruzelii. 

Diplodontus despiciens. 
Limnochares holosericea. 
Eylais hamata. 
„ tenera. 
Hydrachna globosa. 
Macrobiotus macronyx. 
Argyroneta aquatica. 
Pcdura aquatica.- 
Physopus vulgatissimus. 
Perla (larva.) 
Chloroperk (larva). 
Ephemera (larva). 
Boetis (larva.) 
Polymytarcis virgo (larva.) 
Cloe (larva.) 
Caenis (larva.) 
Agrion (larva.) 
Sisyra fuscata (larva.) 
Sialis lutaria (larva.) 
Limnophilus fuscicornis. 
Triaenodes bicolor. 
Hydropsyche saxonica. 
Hydroptila sparsa. 
Orthotrichia Tetensii. 
Oxyetbira costalis. 
Corisa lineata. 
Microcorisa culeopterata. 
Notonecta glauca. 
Naucoris cimicoides. 
Ranatra linearis. 
Hydrometra lacustris. 



72 



Ceratopogon (larva). 
Stratiomys (larva). 
Corethra (larva.) 
Culex (larva.) 
Chironomus (larva.) 
Simulium (larva.) 
Cloe diptera (larva.) 
Hydrocampa nympheata. 
Hydrous caraboides. 
Donacia crassipes. 
„ seinicupraea. 

„ sagittariae. 
Hyphydrus ovatus. 
Succinea putris. 
Limnaea auipla. 

„ auricularia. 

„ ovata. 

„ peregra. 

„ stagnalis. 

„ palustris. 

„ truucatula. 
Araphipeplea glutinosa 
Physa fontinalis. 
Planorbis corneus. 



Planorbis umbillicatus. 
„ carinatus. 

„ vortex. 

Velletia lacustris. 
Bythinia tentaculata. 
Valvata piscinalis. 

„ cristata. 
Unio pictorum. 
Anodonta cygnea. 

„ piscinalis. 

„ anatina. 
Spbaerium rivicolum. 

„ corneum. 

Pisidium fontinale. 
Plumatella fungnsa. 

„ punctata. 

(— Hyalinella vitrea.) 
Plumatella repens. 

„ fruticosa. 

„ emarginata. 

Fredericella sultana. 
Lophopus crystallinus. 
Cristatella mucedo. 
Paludicella Ehrenbergi. 



4. Das Leben am Grunde des Altwassers „Skupice". 

Wegen der geringen Tiefe ist in der Skupice keine eigentliche Grundfauna 
entwickelt. Dieselbe ist grösstentheils aus den Uferbewolinern zusammengesetzt, 
doch nach wiederholten Beobachtungen haben wir dennoch die Gesellschaft der 
Grundbewohner zusammengestellt. Der Unterschied zwischen den Verhältnissen, die 
am Ufer und am Boden herrschen, beruht hauptsächlich in der konstanten Tem- 
peratur und in der grossen Ruhe, die da herrscht, während am Ufer besonders 
rasche Veränderungen der Temperatur, des Niveau, des Wassers und die Unruhe 
der Oberfläche häufige Veränderungen in der Zusammensetzung der Uferbewohner 
herforrufen. Für das weitere Publikum führt die Figur 26. das Leben am Boden 
des erwähnten Altwassers vor. 

Die Wurzelfüssler sind da sehr häufig. Die Wurzeln bieten der Hydra fusca, 
dann den Würmern Nais elinguis, Stylaria lacustris, Lumbriculus und Chaetogaster 
diaphanus einen geeigneten Aufenthalt. Im freien Wasser bewegen sich nur einige 
Arten von Krustenthieren, die aber sämmtlich auch am Ufer zu treffen sind. Es sind 
Daphnella brachyura, Simocephalus vetulus, Daphnia longispina, Cyclops serrulatus, 
strenuus und Canthocamptus minutus, während Alona affinis und Ilyocryptus 
sordidus sich nur im Schlamme mit den Ostracoden Cypria ophthalmica, Cyclocypris 
laevis, Cypris reptans und Candona Candida aufhallt. 



73 

Im Schlamme selbst tummelt sich eine Menge von Asellus aquaticus umher 
und regelmässig trifft man da auch das Bärtierchen (Macrobiotus macronyx Duj.), 
das häufig die Eier in der abgestreiften Haut herumschleppt. (Fig. 26. No 23). 
Von den Wassermilben lebt am Boden Brachypoda versicolor und Arrhenurus glo- 
bator. Die Insectenlarven sind am Boden weit seltener, da sie die eigentliche Ufer- 
zone bevorzugen. Häufig ist da die Larve von Limnophilus fuscicornis, Corethra 
plumicornis. Im Schlamme sind dann die Teichmuscheln eingewühlt. Der Grund- 
schlamm besteht im pflanzlichen Detritus, in dem man eine grosse Menge von 
Krustenthierschalen, vorwiegend der Muschelkrebse und der Wasserflöhe findet. 
Sehr häufig sind da auch die Trichome von Nuphar und Nymphaea (Fig. 9.). Auch 
die walzenförmigen Excremente von Tubificiden, Insectenlarven und Crustaceen sind 
sehr resistant, und man findet sie regelmässig in den Grundproben. 



XL Fauna der abgeschlossenen Altwässer und Tümpel. 
1. Das Aliwasser „Dekanskä tünö". 

Da die Skupice ein Altwasser ist, das an seinem unteren Ende in steter 
Verbindung mit dem Hauptstrome steht und daher eigentlich kein todter Arm ist, 
so suchten wir einen nahe gelegenen, ganz abgeschlossenen Arm aus, der den 
grössten Theil des Jahres vom Hauptstrom isolirt ist und nur zur Zeit der Hoch- 
wässer mit demselben in Verbindung steht. 

Wir wählten einen grösseren Tümpel „Dökanska" tüne", der etwa eine halbe 
Stunde östlich von unserer Station gelegen ist, und einen Typus solcher isolirter, 
alter Flussbette darstellt, deren es in der Elbeniederung eine grosse Menge gibt. 

Die Ufer sind von grossen Beständen von Schilf geschützt. Am Ufer fanden 
wir Elodea canadensis, Batrachospermum moniliforme uud Riccia fluitans. (Siehe 
Seite 12., Fig. 2.). Auch die gelbe Teichrose (Nuphar) ist hier in Menge ent- 
wickelt. 

Wir haben eine ganz ähnliche Thierwelt wie in der Skupice gefunden. So 
fanden, wir am 13. October 1899 Plankton der Oberfläche: 

Synura uvella. Litorale: 

Dinobryon sertullaria. Euspongilla lacustris. 

Anuraea aculeata. Hydra fusca. 

Anuraea stipitata. Styllaria proboscidea. 

Polyarthra platyptera. Cypridopsis vidua. 

Asplanchna priodonta. Cyclops albidus. 

Synchaeta tremula. Cyclops serrulatus. 

Cyclops oith. v. hyalina und Simocephalus vetulus. 

viele Nauplien. Pleuroxus truncatus. 

Bosmina cornuta. Eurycercus lamellatus. 



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76 

Planorbis corneus. Paludina contecta. 

Bythinia tentaculata. Plumatella repens. 

Dieser Tümpel ist regelmässig von vielen Hechten belebt, die beim Hoch- 
wasser mit vielen Weissfischen hierher gelangen und da zur ansehnlichen Grösse 
heranwachsen. 



2. Labice. 

L abice nennt n au ein Altwasser, das mit der Elbe in der Nähe der Pri- 
matorinselu zusammenhängt. (Fig. 16., No 5.). Früher war dasselbe abgeschlossen, 
und wurde erst jüngst mit der Elbe mittelst eines Kanals verbunden. Die Ufer 
sind von Kalmus bewachsen, die Tiefe ist gering, etwa einen halben Meter. Die 
Blätter der Weiden und Pappeln, die das Wasser in grosser Menge erfüllen, 
erzeugen im Sommer, dass das Wasser gänzlich verdirbt und stagnant wird. 

Im Hochsommer „blüht" das Wasser regelmässig. Die grüne Farbe rührt 
aber von verschiedenen Organismen her. Am häufigsten' sind das Euglena viridis, 
acus, deses und Phacus longicaudus. Manchmal tritt Endorina elegans, Syuura 
uvella und Clathrocystis aeruginosa in grosser Menge auf. Im Juni 1899 war das 
Wasser ganz grün von der interessanten Alge Richteriella botryoides (siehe weiter 
unten) gefärbt, die dann gänzlich verschwand. Weiter fanden wir da folgende Arten: 



Actinosphaerium Eichhornii. 
Coleps hirtus. 
Mesostomum lingua. 
Planaria torva 
Planaria lactea. 
Planaria polychroa. 
Polycelis nigra. 
Polycelis tenuis. 
Nais proboscidea. 
Tubifex rivulorum. 
Rhynchelmis limosella. 
Synchaeta tremula. 
Anuraea aculeata. 
Polyarthra platyptera. 
Cypris reticulata. 
Cypridopsis vidua. 
Cyclocypris laevis. 
Cyclops fuscus. 
Cyclops albidus. 
Cyclops strenuus. 
Canthocamptus staphylinus. 



Diaptomus gracilis. 
Daphnia pennata. 
Simocephalus vetulus. 
Scapholeberis mucronata. 
Ceriodaphnia reticulata. 
Ilyocryptus sordidus. 
Macrothrix laticornis. 
Alona Leydigii. 
Asselus aquaticus. 
Corethra plumicornis. 
Cloeon dipterum. 
Agrion (larvae). 
Notonecta glauca. 
Limnophilus Stigma. 
Limnophilus flavicoruis. 
Limnopliilus decipiens. 
Chloroperla sp. 
Siphlurus sp. 
Limuaea palustris. 
Plumatella fungosa. 



77 



3. Dralnage-Gräben. 



Am rechten Elbeufer dehnen sich in unabsehbare Weite fruchtbare Felder 
mit schwerem, schwarzen Boden aus, von denen das Grundwasser mittels vielen 
Drainagegräben abgeleitet wird. In der Umgebung von Podiebrad sind sie dadurch 
interessant, dass in denselben, im Frühjahre jahrelang regelmässig Apus productus 
erschien. Die Gräben sind üppig mit Sagittaria und Butomus bewachsen. 

Im Frühjahre entwickeln sich in grosser Menge die Fadenalgen und eine 
Fülle von Mollusken und Insectenlarven. Die Gräben waren ziemlich seicht und 
die meisten trockneten im Sommer regelmässig aus, was für die Entwicklung der 
Eier von Apus die Hauptbedingung ist. In der letzten Zeit, wurden aber die er- 
wähnten Drainagegräben regulirt, vertieft und in einen grossen Sammelgrabeu 
zusammengeführt. In Folge dessen trocknen jetzt die meisten Gräben nicht vollkom- 
men aus, und aus diesem Grunde erscheint Apus nicht mehr so regelmässig wie 
fiüher, und wir fanden ihn in der letzten Periode erst nach fünf Jahren wieder. 
Es ist auch eine interessante Thatsache, dass nach Beobachtungen des Herrn 
Apotheker J. Hellich Apus in der Umgebuug von Podöbrad nur am rechten Ufer 
erscheint, während am linken Ufer wieder nur Branchipus Grubei vorkommt. Im 
Folgenden geben wir ein Verzeichntss der in den Drainage-Gräben mit Apus pro- 
ductus beobachteten Arten. 



Amoeba proteus. 
Dileptus anser. 
Prorodon teres. 
Lionotus fasciola. 
Vorticella nebulifera. 
Chaetonotus maximus. 
Notholca striata. 
Planaria lactea. 
Planaria torva. 
Planaria gonocephala. 
Mesostomum lingua. 
Polycelis nigra. 
Lumbriculus variegatns. 
Rhyuchelmis limosella. 
Nephelis vulgaris. 
Aulacostonia gulo. 
Clepsine bioculata. 
Apus productus. 
Daphnia pennata. 
Simocephalus vetulus. 
Simocephalus exspinosus. 
Scapholeberis mucronata. 
Ceriodaphnia quadrangula. 
Acroperus leucocephalus. 



Chydorus sphaericus. 
Notodromas monacha. 
Candona Candida, 
Cyclocypris laevis. 
Cypridopsis vidua. 
Cypris reticulata. 
Cypris virens. 
Cypris pubera. 
Cyclops fuscus. 
Cyclops strenuus. 
Diaptomus gracilis. 
Canthocamptus minutus. 
Asellus aquaticus. 
Arrhenurus globator. 
Hydryphantes ruber. 
Curvipes fuscatus. 
Hydrous caraboides (larva). 
Corethra plumicornis (larva). 
Ceratopogon (larva). 
Culex (larva). 
Chironomus (larva). 
Stratiomys (larva). 
Cloe diptera (larva). 
Limnophilus Stigma. 



78 



Liuinophilus rhombicus. Bythinia tentaculata. 

Notoneeta glauca. Paludiua contecta. 

Nepa cinerea. Physa hypnorum. 

Pianoibis umbilicalis. Physa fontinalis. 

Pianoibis comeus. Pisidiuin fontinale. 

Liinnaea stagnalis. Spbaeriuiu lacustre. 
Limnaea peregra. 



4. Tümpel, Gräben und Altwässer am linken Elbeufer bei Podiebrad. 

Das linke Elbeufer bei Podiebrad ist flach und in grosser Ausdehnung von 
einer Wiese gebildet. Die alten Anne, von deneu die Wiese an einigen Stellen 
durchsetzt ist, sind heutzutage seicht und verwachsen. Im Sommer trocknen alle 
Tümpel regelmässig aus und werden dann nach den Hochwässern im Frühjahre 
wieder gefüllt Etwa im April und Mai findet man hier den interessanten Kiemenfuss 
B rauch ip us Grub ei, meist in Gesellschaft von Diaptomus castor. Hertwig 
betont auch die Thatsache, dass Diaptomus castor auch nur in den im Sommer 
austrocknenden Gewässern vorkommt. Auf dem linken Ufer wurde nach der Mit- 
theilung des Herrn Apothekers J. Hellich noch nie Apus productus beobachtet, der 
vorzugsweise nur am rechten Elbeufer erscheint. 

Wegen der sehr geringen Tiefe dieser Tümpel wird das Wasser im Frühjahre 
rasch durchwärmt und die Thierwelt, erscheint dann im Kurzen in grosser Menge. 
Es sind hauptsächlich Insectenlarven, Mollusken und gewisse Kruster, die fast allen 
diesen Tümpeln gemeinschaftlich sind. Im Frühjahre dienen dieselben zum Brut- 
platz des grünen Frosches, der Unke und der Kröte, deren Laich und später deren 
Kaulquappen in grosser Menge in den Tümpeln vorhanden sind. 

Der grösste Tümpel liegt südlich von der „Skupice" und wird „Mafena" 
genannt. Im Frühjahre ist derselbe zugänglich, bald aber erscheinen die Wasserpflanzen, 
und das Wasser wird vollkommen von Myriophyllum, Hottonia, Potamogeton, Elodea, 
Ceratophylluui, Sagittaria, Alisma, Hydrocharis und Nuphar erfüllt. Bald sind dann 
auch die Ufer dicht von Scirpus, Phragmites und Rumex hydrolapathum voll- 
kommen verwachsen, so dass man später zum Wasser nicht durchdringen kann. 
Wir haben folgende Thierwelt beobachtet: 
Mesostomum lingua in grosser Menge. 
Daphnia pennata. Cyclops strenuus. 

Simocephalus vetulus. „ vernalis. 

Simocephalus exspinosus. „ viridis. 

Scapholeberis mucronata. „ oithonoides. 

Ceriodaphnia reticulata. „ serrulatus. 

Chydorus sphaericus. Diaptomus castor. 

Cypris reticulata. Canthocamptus staphylinus. 

„ pubera. Asellus aquaticus. 

Cypris reptans. Limnophilus stigma. 



79 

Linmophilus rhombicus. Succinea Pfeifferi. 

„ fuscicoruis. Liranaea stagnalis. 

„ flavicornis. „ palustris v. corvus. 

extricatus. Physa hypnorum. 

Gramotaulius nitidus. „ fontinalis. 

Stenophylax rotundipennis. Planorbis corneus. 

Siphlurus sp. „ umbillicatus. 

Isopteryx sp. „ albu«. 

Agrion sp. „ contortus. 

Cordulia sp. „ vortex. 

Ephemera 1. Paludiua contecta. 

Corethra plumicromis. Bythinia tentaculata. 

Cloe diptera. Valvata cristata. 

Succinea putris. „ piscinalis. 

In einem kleinen Tümpel unweit von dein letztgenannten, in dem eine grosse 
Menge aus der Wiese ausgeworfener Knollen der Herbstzeitlose macerirte, 
wurde eine grosse Zahl von Moina brachiata in der Gesellschaft von Brachionus 
rubens gefunden, die sich an ihren Schalen festhielten. 

In einigen weiter östlich liegenden Tümpeln mit spärlicher Vegetation und 
klarem Wasser wurde im April, wie schon erwähnt, Branchipus Grubei in der 
Gesellschaft von Diaptomus castor und Daphuia penna'a gefunden. 

An der östlichen Grenze der Wiese längs des Waldes sind einige beschattete 
von vielen herabfallenden Blättern erfüllte Tümpel mit kälterem Wasser. Diese 
sind von grossen Massen von Cypris pubera bewohnt, und hier wurde auch der 
seltene und winzige Cyclops diaph;.nus gefunden. 

In der nordöstlichen Ecke der Wiese au der Grenze des Waldes liegt ein 
Tümpel „Studene Jezero" (Kalter See) genannt, in den ein Waldbächlein 
mündet, weshalb das Wasser hier bedeutend kälter wird als in den benachbarten 
Tümpeln. Die Fauna ist hier in Folge dessen auch etwas abweichend. Am Ufer 
fanden wir im Mai Cyclops viridis und oithonoides, Simocephalus vetulus und Sida 
crystallina, die sonst in den übrigen Tümpeln nicht vorkommt. Pelagisch waren 
viele Jungen von Diaptomus gracilis, Cyclops strenuus und albidus vorhanden. 

Alle Tümpel werden bei Hochwässern von vielen Fischen besetzt, die hier 
auch ihren Laich absetzen. Die jungen Fischchen wachsen bei der reichen Nahrung 
und dem durchwärmten Wasser sehr rasch. Sind Hechte anwesend, so mästen sich 
dieselben an den Weissfischen zu ansehnlichem' Grösse. 

Gelangt aber die Fischbrut bei den späteren Hochwassern wieder in den 
Strom hinein, so zieht dieselbe stromaufwärts und gelaugt in den nahe gelegenen 
Zurluss Cidlina, der im Herbste von den Zuckerfabriksabfallwässern verunreinigt 
wird, so dass die Fischbrut sämmtlich zu Grunde geht. 

In solchen Fällen bedecken oft die todten Fische, wie die Fischer in Podiebrad 
wiederholt beobachtet haben, manchmal stundenlang die ganze Oberfläche der Elbe. 

Auch viele nahe dem Strome liegende Tümpel werden von den Abfall- 
wässern so verunreinigt, dass sie gänzlich todt ohne jedes organische Leben da 
stehen und penetranten Geruch verbreiten. 



80 



XII. Illustrirtes Verzeichuiss der im Elbegebiete bei Podicbrad 
beobachteten niederen Tbierwelt. 



Wurzelfüssler (Rhizopoda). 

Aredia vulgaris, Ehbg. (Arch. IX. 2. p. 41. Fig. 11.)*) Regelmässig in der 
Uferzone, besonders häufig auf der Unterseite der Teichrose-Blätter. Passiv auch 
pellagisch in der Skupice und auch an der Oberfläche in der Elbe gefunden. Vom 
März bis September. 

Aredia angulosa, Leidy. Einmal auf der Oberfläche im August freischwim- 
mend gefischt. 

Centropyxis aculeata, Stein. (Arch. IX. 2. p. 98. Fig. (30.) Ziemlich häufig 
iu der Uferzone, auf den Blättern der Teichrose und der Wasserlinse (Lern na 
gibbosa.) 

Difflugia piriformis, Perty. (Arch. IX. 2. p. 41. Fig. 12.) Häufig das ganze 
Jahr hindurch in der Uferzone und am Grunde. Ziemlich häufig freischwimmend 
au der Oberfläche in der Skupice und auch in der Elbe. 

Difflugia acuminata, Ehbg. (Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 13.) Vereinzelt am 
Ufer und am Grunde. 

Difflugia globulosa, Dnj. 
(Arch. IX. 2. p. 98. Fig. 58.) 
Nicht häufig, aberdas ganze Jahr 
hindurch am Ufer, am Grunde, 
aber auch an der Oberfläche und 
in 1 Meter Tiefe freischwimmend. 

Difflugia urceolata, Car- 
ter. (Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 14.) 
Sehr häufig am Grunde und am 
Ufer das ganze Jahr hindurch. 
Auch an den Blättern der 
Teichrose. 

Difflugia corona, Wall. 
(Arch. IX. 2. Fig. 15. u. 57.) 
Ziemlich häufig am Ufer und am 
Grunde, auch im Winter. 

Actinosphaerium Eichhorn*, 
Ehbg. (Fig. 27.) Im März und Juni 
an der Oberfläche in der „Skupice" 
und in der „Labice". 

Clathrulina elegans, Cienk. 
Einmal im April am Ufer. 







Fig. 27. Actinosphaerium Eichhorn i, 
Ehg. Nach Taräuek, Rhiz. Verg. 300/1. 



*) Fric u. Vavra, Die Tbierwelt des Uuterpoczernitzer und Gattenschl.iger Teiches als 
Resultat der Arbeiten an der übertragbaren zoologischen Station. Archiv der naturw. Landes- 
durchforschung von Böhmen. Bd. IX. Nro 2. — Untersuchung zweier Böhnierwaldseen, des Schwarzen 
und Teufelsees. Arch. der naturw. Landesdurchf. Bd. X. Nro 3. 



81 



Geisselthierchen. ( Mastigophora.) 



Anthophysa vegetans, 0. F. Müll. Einzeln in der Uferzone. 

Euglena viridis, Ehbg. lui Sommer bildet dieselbe in der „Labice" eine Art 
von Wasserblüthe. 

Euglena deses, Ehbg. Häufig in der „Labice". 

Colacium vesiculosum, Ehbg. Häufig auf den Cyclops- und Cladoceren-Arten 
festsitzend. 

Phacus longicaudus, Ehbg. Ziemlich häufig an der Oberfläche. Vereinzelt 
in der Uferzone und in derf „Labice". 




Fig. 28. Oberfläche-Plancton im Mai mit Dinobryon-Colonien, Anuraea aculeata und Fragillaria- 
Fädencolonien. Mikrophotogramm von Dr. V. Vävra. Vergr. 8 %. 



Stylochrysalis parasita, Stein. (Fig. 22. Nro 4.) Häufig auf Colonien von Eudo- 
i'ina aufgewachsen. 

Dinobryon sertularia, Ehbg. (Fig. 28.) (Ärch. IX. 2. p. 43, Fig. 17.) Bildet 
in der „Skupice" einen bedeutenden Theil des Planctons und zwar zum erstenmale 
im Mai und dann wieder in Unmenge im September und October. In dem letzt- 
genannten Monate haben wir auch Colonien mit Cysten gefunden. Noch im No- 
vember und einmal auch im Jänner unter der Eisdecke fanden wir vereinzelte 
Colonien. Dann kommt sie wieder erst im Mai zum Vorschein. 

Mallomonas acaroides, Perty. Selten uud vereinzelt an der Oberfläche. 

6 



Synwa uvella, Ehbg. Sehr häutig an der Oberflüche in den Sommermonaten. 

Im Juli massenhaft vorhanden. Auch in der Labice und in dem Tümpel „De- 
kanskä tön." 

Uroglena volvox, Ehbg. Selten im Oberflächen-Fange. 

Pandorina morum, Ehbg. (Fig. 22. Nro. 2. ) Nicht häufig an der Oberfläche. 

Eudorina elegans, Ehbg. (Fig. 22. Nro 1.) Erscheint regelmässig vom Juni 
bis October, im August so massenhaft, dass sie die „Wasserblüthe" bildet. 

Volvox aureus, Ehbg. {= minor Stein.) Kommt vereinzelt vom Mai bis 
October vor an der Oberflüche und in 1 Meter Tiefe. 

Ceratium hirundindla, 0. F. Müll. (Fig. 23. Nro 4.) In dem Oberflächen- 
Fange vereinzelt. 



Peridinium tabulatum, Ehbj 



Vereinzelt zwischen den Algen und im Ober- 



flächen-Fange. 



Sporenthierchen (Sporozoa). 







Myxosporidia. 

Myxosporidia sind sehr kleine, mikroskopische Feinde der Fische, die tbeila 
als äussere, theils als innere Parasiten leben. Am häufigsten findet mau die Cysten 
als kreideweisse Kugelchen, oder ovale Korpeichen auf den Kiemen, wo sie schon 

mit blossem Auge auf den rothen Kiemeu- 
strahlen wahrnehmbar sind. Auch auf den 
Flossen und auf der Haut finden sich pocken- 
artige Anschwellungen, die durch die Mvxo- 
sporidien verursacht sind. Auf den Kiemen 
setzen sie sich mit Vorliebe an der Basis 
der Kiemen längs der Arterie an, und 
ebenfalls auf den einzelnen Kieinenstrahlen. 
Die Cyste enthüt im reifen Zustande die 
Sporen, die hauptsächlich gewöhnlich durch 
zwei sogenannte Polkapseln mit ausschnell- 
baren Nesselfäden ausgezeichnet sind. 

Leptotheca perl'ata, Gurl. (Fig. 29. a—e. ) 
Im April fanden wir bei einem Kaulbarsche 
dunkelrothe Cysten auf den Kiemen (Fig. 
29. a), die an den einzelnen Kieinenstrahlen 
(b) dicht hinter einander lagen. Die einzelnen 
Cysten (c) waren in der Sporeubildung be- 
griffen. 

Fig. 21». Leptotheca perlata, Gurl. a) Kiemen , r _ . ,. . _., ,. _. „_ 

v u u •. n / t i } uxmoma Ihimrdim, The. (Iig .30. u, b. ) 

vom Kaulbarsch mit Cysten. Zweimal ver- J •' ' ' ° ' 

grössert. b) Einzelne Kiemenstrahlen mit Die Cysten sind weisslicll oval oder uim-el- 
Cysten, r) Die Cyste mit den Sporoblasten. massig, bis 2 mm. lang und enthalten mehrere 




83 




Fig. 30. a) Myxosoma Dujardini Thel. Ein 

Stück der Cyste. 40mal vergr. /;) Eine Spore. 

400 mal vergr. 



uuregelmässig verzweigte Stränge vou Myxo- 
sporidien. (Fig. 30 a.) Die Sporen sind birn- 
föruiig, vorne verschmälert (b). Wir haben 
die Cysten im März und im November an 
den Kiemen des Rothauges (Scardinius ery- 
throphthalmus), der Plötze (Leuciscus rutilus) 
und des Häslings (Squalius leuciscus) ge- 
funden. 

Myxobolus ellipsoides, Thel. (Fig. 31.) 
Bildet bis 2 mm. lange weissliche oder graue 
ovale Cysten an den Kiemen. Beim Gängling 
haben wir dieselben am Ende der Kiemen- 
strahlen gefunden. Bei einer Schleihe waren 
die Cysten in den Kiemenstrahlen eingebettet 
und von den transversalen Kapillaren um- 
sponnen. Die ovalen Sporen sind am Hinterrande nicht gezackt. Wir haben die 
Cysten im August, November, April und Juni mehrmals bei der Schleihe (Tinea 

vulgaris), ausserdem bei dem Gäng- 
liDg (Idus melanotus), dem Rothauge 
(Scardinius erythrophthalmus), der 
Zärthe (Abramis vimba) und bei 
der Blicke (Blicca argyroleuca) ge- 
funden. 

Myxobolus Mütteri. Die ovalen 

Sporen haben zwischen den Polkapseln 

einen kleinen dreieckigen Anhang. 

Einmal im Juni eine Cyste am 

a Schwänze des Dieblings (Squalius 

Fig. 31. Myxobolus ellipsoides Thel. Zwei Cysten (c) dobllla). 

auf den Kiemenstrahlen des Gängliiigs. lOmal vergr. 



Henneguya psorospermica, 
Thel. (Fig. 32.) Eine der häu- 
figsten Myxosporidien. Fast 
jedes Exemplar des Hechtes 
hatte im Herbste und im Früh- 
jahre an den Kiemenplättchen 
fast immer an der Basis der 
Kiemenstrahlen weissliche Cy- 
sten bis a /, mm. Länge. Die 
Sporen sind geschwänzt. Wir 
fanden dieselbe bei dem Barsche 
und dem Hechte vom August 
bis April. 

b 
6* 






Fig. 32. Henneguya psorospermicaThel. ä) Ein 

Kiemenplättchen vom Hechte mit Cysten. Nat. 

Grösse, b) Spore. 



84 



Microsporidien 



Plistophora crassa n. sp. (Fig. 33.) Im September 1807 wurden viele Exem- 
plare von Synchaeta tremula an der Oberfläche mit dieser Infection gefunden. 
Viele angegriffene Exemplare waren auch bereits abgestorben und der ganze Inhalt 
des Thieres davon zerstört. Die Cysten sind bei auffallendem Lichte kreideweiss, 
sackförmig, enthalten eine grosse Anzahl von kugelförmigen Vesikeln. Diese waren 
sämmtlich in Sporulation begriffen, so dass wir nicht die reifen Sporen fanden. 



Aufgussthierchen (Infusoria). 



Pseudoprorodon niveus, Ehbg. Einmal im April pelagisch an der Oberfläche. 
Das Thier war sehr gross, 04 mm. laug und vollgefressen, sehr bunt, mit rothen 
und blauen Kugelchen erfüllt. 

Prorodon teres, Ehbg. Ver- 
^..^j^" , einzelt an der Oberfläche. Nicht 

\ selten in den Drainage-Gräben. 

Coleps hirtus, 0. F. M. Häutig 
in der Labice zwischen den Algen 
und auf den Blättern. 

Lionotus/asciola, Ehbg. In den 
Drainage-Gräben. 

Loxophyllum mdeagris, 0. F. 
Müll. In der Uferzone zwischen 
Algen und Blättern. 

Trachelius ovum, Ehbg. Nicht 
selten an der Oberfläche, zuweilen 
auch am Ufer. 

Dileptus unser, 0. F. Müll. 
Vereinzelt in den Drainage-Gräben. 
Nasstda elcr/ans, Ehbg. Ver- 
einzelt an der Oberfläche in den 
Wintermonaten und im Frühjahre. 
Paramaecium aurelia, 0. F. M. 
Vereinzelt in den Draiuage-Gräben. 
Spirostomum ambiguum, Ehbg. Grosse Exemplare in der Uferzone in der 
„Skupice" und auch in der Elbe. Auch im Winter unter der Eisdecke. 

Bursaria truncatella, 0. F. M. Vereinzelt an der Oberfläche und in ] Meter 
Tiefe. Auch in den Wintermonaten im Jänner und Feber. 

Stentor polymorphus, Ehbg. (Fig. 25. Nro 2.) Vereinzelt am Ufer, haupt- 
sächlich in den Wintermonaten. 

Stentor Roeseli, Ehbg. (Fig. 25. Nro 4.) Während die vorige Art durch 
Zoochlorellen grün gefärbt ist, erscheint diese Art stets farblos. Sie lebt in grosser 
Menge festsitzend in röhrenförmigen Gallerthülleu am Boden, man trifft sie aber 




Fig. 33. Plistophora crassa. o) Sync-haeta tremula mit 
Cysten, b) Isolirte Cyste. 



85 



häufig auch freischwimmend au der Oberfläche. Sie erscheint erst im November, 
ist im Winter massenhaft vorhanden, und spätestens im April ist sie nur sehr selten 
vorhanden. Im November 1899 wurde das Ceratophyllum von solchen Mengen von 
Stentoren umhüllt, dass dasselbe weisslich wie von Schimmel umhüllt aussah. 

Tintinnidium semiciliatum, Stk. Selten an der Ober- 
fläche. Die Hülse mit Fremdkörpern incrustirt. 

Codonella lacustris, Entz. (Arch. IX. 2. p. 43. Fig. 
18.) Regelmässig an der Oberfläche, in den Sommer- 
monaten häufig, sonst vereinzelt. 

Stylonychia mytilus, 0. F. Müll, und S. pustulata, 
0. F- M. am Ufer in der Elbe. 

Trichodina pediculus, Ehbg. Dieser häufiger Parasit 
der Hydra und der Bryozoen, kommt auch nicht selten 
freischwimend am Ufer und an der Oberfläche vor. Auch 
auf den Kiemen eines Hechtes wurden einige Exemplare 
gefunden. 

Vorticella nebulifera, Ehbg. Sehr häufig in der 
Uferzone. 

Zoothamnium arbuscida, Ehbg. Grosse Colonien 
an Uferpflanzen. Besonders häufig im Herbst, mit zahl- 
reichen sog. grossen Individuen (Makrogonidien). 

Epistylis umbellaria, L. (= flavicans Ehbg. = 
grandis Ehbg.) (Fig. 34.) Bildet regelmässig in den 
Herbstmonaten bis 10 cm. grosse Flocken an den Ufer- 
pflanzen. Die älteren Colonien mit langen schlaffen Ästen werden als E. grandis 
bezeichnet. Die jüngeren Colonien mit kurzen und steifen Ästen sind gelblich gefärbt. 

Epistylis rotans, Svec. (Fig. 22. Nro 5.) Diese von 
Prof. Fric im Unter-Poczernitzer Teiche an der zoologischen 
Station entdeckte und von Prof. J. Svec beschriebene Art wurde 
seitdem auch in den holsteinischen Seen gefunden. In der 
Skupice in den Sommermonaten ziemlich häufig. 

Opercularia nutans, Ehbg. Nicht selten auf den Schalen 
von Cyclas angeheftet. 




Fig. 34. Eine Colonie von 

Epistylis umbellaria in der 

natürlichen Grösse. 



_ 







Fig. 35. Cothurnia 

affinis, Kent. Vergr. 

450mal. 





Cothurnia affinis, Kent. 
(Fig. 35.) Bewohnt eine 
chitinige, braungefärbte 
Hülse, die auf einem kur- 
zen Stiel sitzt. Das Thier 
hat unter dem Peristom 
einen runden Deckel, wo- 
mit die Hülse beim Zurück- 
ziehen des Thieres geschlossen wird. Nicht selten auf den Wurzeln von Lemna 
gibbosa. 



Fig. 36. Vaginicola longicolis Kent. 
Vergr. 400mal. 



86 

Vaginicola longicollis, Kent. (Fig. 36.) Das Thier ist der Cotliurnia ähnlich, 

die Hülse ist aber ungestielt und der ganzen Länge nach den Wasserpflanzen an- 
geheftet. Hals ziemlich lang und von der Unterlage gehoben. Ebenfalls an Lenma 
gibbosa gefunden. 

Metacineta mystacina, Ehbg. Vereinzelt auf den Algen. 



Schwämme (Spongiae). 

Die Süsswasserschwämme sind in der „Skupice" in der Uferzone in fünf 
Arten vertreten. Im Frühjahre findet man zahlreiche junge Schwämme auf der Unter- 
seite der See- und Teichrosenblätter. Diese gelangen aber nicht zur vollen Ent- 
wicklung wegen der ungeeigneten Unterlage. Diese finden sie am besten an den 
Stengeln der Uferpflanzen, wo sie bald in üppiger Vegetation gedeihen. Euspongilla 
lacustris bildet hier ganze Complexe von mächtigen korallenförmigen Stöcken. Am 
nördlichen Ufer in den dichten Rohrbeständen siedelt sich mit Vorliebe Spongilla 
fragilis an. Hier findet man nur noch Ephydatia Mülleri und fluviatilis, Euspon- 
gilla lacustris ist da nur ganz vereinzelt vorhanden. Am südlichen Ufer in der 
oberen Hälfte der Skupice, wo dicht am Ufer eine Reihe von Schwarzerlen steht 
und zahlreiche, frei flottierende Wurzelenden in das Wasser einsendet, bieten diese 
einen vortrefflichen Anhaltspunkt der Ephydatia fluviatilis und Mülleri. Diese er- 
reichen, weil sie von allen Seiten ganz frei sind, sehr oft ansehnliche Dimensionen, 
indem sie spindelförmige, oft auch ganz kugelige Massen bilden. Die letzte Art, 
Trochospongilla erinaceus kommt vorwiegend auf den Wurzelstöcken des Kalmus 
am Ufer bei Oplt vor. 

An den Süsswasserschwämmen fanden wir häufig parasitische Trichopteren- 
larven (Leptocerus), die den Schwamm zerfressen. • Einmal fanden wir eine junge 
Tripopterenlarve, deren Gehäuse aus den quer liegenden Skelettnadeln des Schwam- 
mes gebaut war. Auch die Neuropterenlarve Sisyra fuscata ist in den Schwämmen 
sehr häufig und an der Oberfläche derselben trifft man oft die Hydrachnide 
Arrenurus affinis, Koen. 

Euspongilla lacustris, L. Gemeiner Süsswasserschwaunn. (Fig. 37.) Bildet 
grosse bauinförmig verzweigte grüne Stöcke mit langen fingerförmigen Ästen. In 
der grösseren Tiefe sind dieselben weniger verzweigt und ziemlich dick, näher am 
Ufer, wo das Wasser unruhig ist, sind sie dünn und reich verzweigt. Nur aus- 
nahmsweise bildet er dicke Krusten, indem er fremde Gegenstände, oft auch ab- 
gestorbene Massen von Ephydatia fluviatilis überzieht. 

Die Nadeln sind ziemlich dick und glatt (Fig. 37. b.) und durch sehr stark 
entwickelte Spongiolinsubstanz verbunden, wodurch diese Art viel fester ist als die 
übrigen. Die Dauerkeime sog. Geinmulae sind entweder nackt oder von kleinen, 
gekrümmten und bedornten Fleischnadeln belegt. (Fig. 37. c.) 

Spongilla fragilis, Leidy. (Fig. 38.) Der Schwamm bildet immer nur dünne 
Überzüge an den Rohrstängeln. Die Oberfläche ist glatt, die Kloakenöffnung mit 
sternförmigen Kanälen. Die Farbe izt fast immer grau. Die Nadeln (Fig. 38. t.) 
sind gerade oder leicht gebogen, schaff zugespitzt und glatt. Gemmulae (c) bilden 



87 

an der Basis des Schwammes eine pflasterartige Kruste und sind in einer zelligen 
Luftkammerschicht eingebettet. Die kleinen Gemmulae tragen ein etwas gebogenes 
Porusrohr und sind dicht von den kleinen stacheligen Belegsnadeln bedeckt. 






% A 



&& 3 



Kl 




Fig. 37. a) Kuspongilla laeustvis L. Ein Ast- 
Ende in nat. Gr. nach den Leben phot. b) Ein- 
zelne Nadeln, e) Gemmulla. 



Fig. 38. a) Spongilla fragilis, Leidy an einem 
Sehlif^tengel. Oben Gemmulae-Pfiaäter. b) Na- 
deln, c) Zwei Gemmullae in der Luftkammer- 
schicht. 



Ephydatia fluviatilis, L. (Fig. 39.) Bildet in der Regel klumpige, spindel- 
förmige Massen. Wie schon oben erwähnt bildet sie an den freien Enden der Erlen- 
Wurzeln oft ganz regelmässige Kugeln von kindskopfgrösse. Die Farbe ist oft grün, 



gewöhnlich aber nur an der belichteten Seite, indem die im Schatten liegende Seite 
blassgrün oder grau ist. Zuweilen ist sie auch ganz braun, grau oder weisslich ge- 
färbt. Der Schwamm ist ziemlich brüchig. Die Nadeln (b) sind glatt und ziemlich 




a 



^ c d 



faß 



X 9 



Fig. 39. a) Ephydatia fluvialilie.h. in nat. Gr. 
nach dem Leben phrt. b) Eine Nadel. <.i Ein 
Stückchen der (iemmula - Rinde mit den 
Amphidisken in der I.uftkammerscbieht. 
d) Ainphidisk von der Seite und von oben. 



Fig. 40. o) Trochospongilla erinaceus, E3b.bg, 
n ii '1 1 dem Lehen in nat. Ur. phot. 6) Eine 
Nadel, c) Abgestorbenes Stückchen mit 

Geninmlen. d) Ainphidisk von der Seite 
und von oben. 



M" 
t«*- 

/F 



89 

schlank. Die Gemmulae sind mit einer Luftkammerschicht umgeben, in der die 
Amphidisken ganz eingeschlossen sind (c). Der Schaft derselben ist dünn und länger, 
als der Durchmesser der Scheibe beträgt. Diese (d) ist durch zahlreiche, aber nicht 
tiefe Einschnitte sternförmig gezackt. 

Ephydatia (Meyenia) Müller i, Lieb. (Fig. 41.) In der äusseren Form der 
Ephydatia fluviatilis ähnlich. Sie bildet klumpige Massen oder Krusten mit glatter 
Oberfläche. Kloakenöffnungen gross. Farbe grau oder 
gelblich. Neben den glatten Skelettnadeln auch rauhe, Ä 
mit kleinen Höckern. (Fig. 41. a.) Die Amphidisken 
haben einen kurzen Schaft, die Endscheiben sind tief 
eingeschnitten. (Fig. 41. c.) Die Luftkammerschicht 
ist gewöhnlich gering. Besonders bezeichnend für 
diese Art sind eigenthümliche Blasenzellen. Diese Art 
wird häufig mit E. fluviatilis verwechselt. In der 
Skupice ziemlich häufig. 

Trochospongilla erinaceus, Ehbg. (Fig. 40.) 

Dieser Schwamm überzieht als eine glatte, graue, Fig. 41. Ephydatia Mulleri Lieb. 

lederartige Kruste fremde Körper. In der „Skupice" a Zwei Nadeln ' b Ein Stückchen 

• , , ... ,. , ,. Tr , n , , t-.. ,-., der Gemmula - Rinde mit den 

sind das gewohnlich die Kalmus-Stengeln. Die Ober- .,..., . . -j- , 

° ° Amphidisken. c Amphidisk von 

fläche ist glatt, mit kleinen Kloakenöffnungen. Die der Seite und von oben 

Skelettnadeln sind scharfspitzig, dicht und stark be- 
dornt. (Fig. 40. ö.) Die Amphidisken haben einen kurzen Schaft, die Endscheibe 
ist rund und ganzrandig. Dieser Schwamm stirbt sehr bald ab, im October findet 
man gewöhnlich nur Reste mit vielen, grossen Dauerkeimen. (Fig. 40. c.) 



Hohlthiere (Coelenterata). 

Hydra vulgaris, Pall. {= fusca L.) [Arch. IX. 2. p. 44. fig. 20] (Fig. 25. 
Nro 6. Fig. 26. Nro 5.). Sehr häufig am Ufer an den Stengeln und Blättern. Auch 
am Grunde trafen wir sie sehr oft. Sie erscheint etwa im Mai, im Juli ist sie in 
grosser Menge vorhanden und erst im December verschwindet sie. Auch findet 
man sie in der fliessenden Elbe uud in der „Dekanskä tünö". An dem Körper der 
Hydra findet man regelmässig parasitisch Trichodina pediculus. 



Würmer (Vermes). 

Gastrotricha. 
Chaetonotus maximus, Ehbg. Vereinzelt in den Drainage-Gräben. 

Räderthiere (Rotatoria). 

Melieerta ringens, Ehbg. Sehr häufig an den Pflanzenstengeln in der „Skupice" 
und auch am Ufer der fliessenden Elbe. 



90 



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7. 



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Fig. 42. Asplanohua priodonta. Weibchen. Vergr. 12raal. 




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Fig. 4.;. 

Asplanchna priodonta. Männchen. 

Verirr. 120mal. 







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. 11^ 



Fig. 44. Polyarthra platyptera. Vergr. 250mal. 




Fig. l'>. 
Synchaota tremula. Vergr. 260mal. 



91 

Oecistes pilida, Wills. Nur vereinzelt. 

Conochüus volvox, Ehbg. (Arch. IX. 2. p. 101. Fig. 67.) Kommt in der 
Skujiice unregelmässig vor und nie in grösseren Massen vom Mai bis Juli, aber 
in einigen Exemplaren auch im October und November. Er hält sich in 1 Meter 
Tiefe und auch in der Uferzone auf. 

Lacinularia socialis, Ehbg. (Fig. 25. Nro 5.) Ziemlich häufig am Ufer in der 
Skupice und an den Wurzeln in der Elbe. 

Potifer vulgaris, Ehbg. Nicht häufig am Ufer. 

Actinurus neptunius, Ehbg. Am Ufer und am Grunde vereinzelt. 

Asplanchva priodonta, Gosse. (Fig. 42. u. 43.) Bildet in den Sommermonaten 
vom Juni bis August den Hauptbestandtheil des Planctous an der Oberfläche und 
in 1 M. Tiefe. Im Juli ist sie am häufigsten. Im October und November ist die- 
selbe nur vereinzelt vorhanden und es erscheinen in diesen Monaten auch die 
Männchen. 

Asplanchnopus myrmeleo, Ehbg. (Fig. 23. Nro 10.) Nur im October und No- 
vember gefunden. 

Synchaeta tremula, Ehbg. (Fig. 45. u. 46.) Das ganze 
Jahr hindurch an der Oberfläche, auch im Winter unter dem 
Eise gefischt. In den Sommermonaten sehr häufig. Im August 
haben wir ihre Eier gefischt. 

Polyarthra platyptera, Ehbg. (Fig. 44.) Sehr häufig an 
der Oberfläche vom Juni bis September, dann nur vereinzelt. 

Triarfhra longiseta, Ehbg. (Arch. IX. 2. p. 47. fig 24. 
Fig. 23. Nro 12.) Nicht häufig auf der Oberfläche. 

° Ja ^ F . g . 4g _ 

Taphrocampa annulosa, Gosse. Am Ufer in der Elbe. E ; vom gynchaeta 

Notomata lacinulata, Ehbg. In der Elbe am Ufer. tremula. 

Pleurotrocha leptura, Ehbg., Proales sordida, Gosse, 
Eosplwra aurita, Ehbg. und Biglena catellina, Ehbg. Nur vereinzelt am Ufer in 
der fliessenden Elbe. 

Mastigocerca rattus, Ehbg. und bicomis Ehbg. An der Oberfläche in den 
Herbstmouaten vereinzelt. 

Pattulus tigris, Müll. Einmal im Jänner unter der Eisdecke. 

Dinocharis pocillum, Ehbg. Selten an der Oberfläche. 

Dinocharis tetradis, Ehbg. Am Ufer in der Elbe. 

Salpina mucronata, Ehbg. Selten auf der Oberfläche. 

Diaschiza exigua, Gosse. Selten am Ufer in der Elbe. 

Enchlanis triquetra, Ehbg. Vereinzelt auf der Oberfläche. 

Euchlanis macrura, Ehbg. Selten am Ufer in der Elbe. 

Monostyla lunaris, Ehbg. Selten im Plancton. 

Pterodina patina, Ehbg. Vereinzelt an der Oberfläche im Plancton. Auch in 
der fliessenden Elbe. 

Bracliionus pala, Ehbg. (Arch. IX. 2. pag. 47. Fig. 25.) Nicht häufig an der 
Oberfläche. Auch im Winter unter dem Eise. 

Brachionus urceolaris, Ehbg. Im Frühjahre auf der Oberfläche nicht häufig. 




92 



Brachionus rubens, Elibg. In einem kleinen Tümpel am linken Elbeufer 
massenhaft in der Gesellschaft von Moiua brachiata, an deren Schalen sich derselbe 
mit den Fusszeheu festhielt. 

Brachionus Baken, Ehbg. (Fig. 47.) Nicht häutig an der Oberfläche und 
auch am Ufer. 





Fig. 47. Brachionus Backen', Ehbg. 



Fig. 48. Notkolea striata, 0. F. M. 



Brachionus angularis, Gosse. Sehr häutig in den Sommermonaten an der 
Oberfläche. 

Schisocerca diversicomis, Dad. (Arch. IX. 2. flg. 26.) Nur selten an der 
Oberfläche und in 1 Meter Tiefe. 

Anuraea aculeata, Ehbg. und stipitata, Ehbg. (Arch. IX. 2. fig. 27. Fig. 22. 
Nro 5 a.) Gehören zu den häufigsten Erscheinungen au der Oberfläche im Plancton. 
In den Sommermonaten sind sie in grossen Massen vorhanden, in den übrigen Mo- 
naten vereinzelt, aber das ganze Jahr hindurch. 

Notholca striata, Müll. (Fig. 48.) Selten in den Drainage-Gräben. 



Strudelwürmer (Turbellaria). 

Microstoma lineare, Oe. Häufig am Ufer. 
Mesostoma lingua, 0. Seh. Massenhaft in der „Labice". 
Mesostoma viridatum, M. Seh. Nicht häufig am Ufer. 
Vortex truncatus, Ehbg. Häufig am Ufer. 

Planaria gonoeephala, Dug. lactea, Oe., polychroa 0. Seh., torva M. Seh. 
und Polycelis nigra Ehbg. häufig in der Labice und in den Drainage-Gräben. 



93 



Rundwürmer (Nemathelminthes). 



Mermis albicans, v. Sieb, bis 8 cm lange Exemplare an den Wurzeln und 
Wurzelstöcken von Kalmus ziemlich häufig. 

Dorylaimus stagnalis, Duj. Sehr häufig im Schlamme am Ufer und am Grunde. 







~=S T !5.' 



Oliyochaeten (Oligochaeta). 

Aeolosoma Ehrenbergi, Oerst. Ziemlich häufig am Ufer. 
Nais elinguis, 0. F. Müll, und Stylaria lacustris L., sehr häufig am Ufer. 
Chaetogaster diastrophus, Gr. Nicht häufig j 

am Ufer. 

Tubifex rivulorum, Lam. und Limnodrilus 
Hoffmeisteri, Clap. regelmässig, aber nicht in grossen 
Mengen im Bodenschlamme. 

Lumbricidus variegatus, 0. F. Müll. Sehr ge- 
mein in der Skupice und in allen Drainage-Gräben. 

Rhynchelmis limosella, Hoffm. (Fig. 49.) Er- 
reicht eine Länge bis 12 cm (Fig. 49a). Der Körper 
ist rosenroth, mit etwa 150 Segmenten, vorderes 
Körperende mit einem Rüssel versehen, die mittleren 
Segmente sind deutlich vierkanntig, die letzten deutlich 
abgeplattet, mit ungetheilten Borsten in vier Doppel- 
reihen. In den Sommermonaten ist dieser interessante 
Wurm nur vereinzelt vorhanden. In den Wintermonaten, 
bei der beginnenden Geschlechtsreife, kriechen die 
Thiere zusammen und man findet sie dann im Ufer- 
schlamme, am häufigsten an den Wurzeln umgewickelt 
gewöhnlich in mehreren Exemplaren beisammen. Man 
findet dann im December bis März geschlechtsreife 
Thiere, die ihre Eier in chitinige, mit einer eiweiss- 
artigen Masse gefüllte Kapseln (Fig. 49c d). ablegen. 
Man findet dann dieselben an den Wasserpflanzen 
oder Wurzeln befestigt. Sie enthalten 3 bis 10 Eier. 
Wir haben diesen Wurm in der Skupice, in der 
Labice und auch in den Drainage-Gräben gefunden. 




Fig. 49. Rhynchelmis limosella 
Hoffm. a In natürl. Grösse. 
b Kopfende mit dem Rüssel, 
lOfach vergr. c Eikapsel in nat. 
Grösse, d 4m al vergr. 



Blutegel (Hirudinei). 

Fischegel (Piscicola geometra L.) kommt nur vereinzelt vor. Häufig sind die 
Schneckenegel Glossiphonia sexoculata, Brm, Helobdella bioculata Brm und die 
grosse, schleimige Hemiclepsis tesselata, 0. F. Müll. Auch Nephelis vulgaris M. F. 
und Aulastomum gulo M. T. kommt in der Skupice, in der fliessenden Elbe und 
in den Drainagegräben regelmässig vor. 



94 



Helminthen der an der zoologischen Station in Podiebrad (Böhmen) 

untersuchten Fische. 

Von A. Srämek, Assistent am Museum zu Prag. 



Das von Prof. Dr. A. Fri6 und Dr. V. Vävra au der zoologischen Station 
des Comitös für die naturw. Landesdurchforschung von Böhmen in Podiebrad ge- 
sammelte Material von Helminthen der Fische wurde mir gütigst von den genannten 
Herrn zur Bearbeitung übergeben. Die Protokolle schliesseu Notizen über 220 Stücke 
von Fischen ein, die in den Jahren 1897 bis 1901 untersucht wurden. Das Hel- 
minthen-Material wurde grösstentheils in 5% Formalin, theils in Alcohol conserviert. 
Es enthält 20 Species von Parasiten, von denen eine neu ist. 

Von den untersuchten Fischen erwiesen sich 102 Exemplare als parasitenfrei, 
in den übrigen 118 Exemplaren wurden Parasiten angetroffen. Es wurden nach- 
stehende Fische untersucht: 



Der Barsch (Perca fluviatilis L.) 

der Schiel (Lucioperca Sandra C. V.) 

der Kaulbarsch (Acerina cernua L.) 

die Karausche (Carassius vulgaris L. ) 

die Schleihe (Tinea vulgaris Cuv.) 

die Barbe (Barbus fluviatilis Ag.) 

der Blei (Abramis brama Cuv.) 

die Zährte (Abramis vimba L.) 

der Bastard (Abramidopsis Leuckarti) 

die Blicke (Blicca björkna L.) 

der Schied (Aspius rapax Ag.) 

der Gängling (Idus melanotus Li 

das Rothauge (Scardinius erythrophthalmus Bonap.) 

die Plötze (Leusciscus rutilus Kord.) 

der Diebling (Squalius dobula Heck.) 

der Häsling (Squalius lepusculus Heck.) 

der Hecht (Esox lucius L.) <. . . 

der Wels (Silurus glanis L.) 

die Aalrute (Lota vulgaris Cuv.) 

der Aal (Auguilla fluviatilis Ag.) 

der Querder (Ainocoetes branchialis Cuv.) . . . . 



Zahl der 
Exempl. 


Davon | 
Parasiten- 
frei 


' 20 


7 


1 


1 


9 


3 


10 


6 


11 


3 


3 


1 


17 


4 


12 


9 


8 


7 


17 


9 


2 


1 


5 





18 
14 


13 

10 


19 


12 


11 


3 


24 


10 


4 


2 


3 


1 


9 


4 


2 


2 



220 



102 



Die genannten 
gesucht. 



Fischarten wurden von folgenden Schmarotzern heim- 



95 



Der Barsch (Perca fluviatilis L. 



Der Kaulbarsch (Acerina cernua L.) 



Die Karausche (Carassius vul- 
garis L.) 

Die Schleifte (Tinea vulgaris Cuv.) 



Die Barbe (Barbus fluviatilis Ag.) 



Der Blei (Abramis brama Cuv.) 



Die Zährtc (Abramis vimba C. V.) 



Der Bastard (Abramidopsis Leu- 
chart i.) 

Die Blicke (Blicca björkna L.) 



Der Schied (Aspius rapax Ag.) 
Der Gängling (Idus melanotus L.) 



Cuculanus elegans Zed. Intest. 
Filaria conoura v Linstow. 
Echinorbynchus globulosus Rud. 
Distomuni nodulosum Zed. 
Ichthyotaenia torrulosa Batsch. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 
Distouium nodulosum Zed. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 

Dactylogyrus sp. Brancbiae. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 
Caryophyllaeus mutabilis Rud. 

Filaria Hellichi n. sp. lotest. 
Echinorbynchus globulosus Rud. 

Dactylogyrus malleus Linst. Brancbiae. 

Bothriocephalus rectangulus Rud. Intest. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 

Distouium retrocoustrictuui u. n. Oculus. 

Distomuin globiporum Rud. Intest. 

Gyrodactylus elegans v Nordm. Branchiae. 
Diplozoon paradoxum v Nordin. 

Caryophyllaeus mutabilis Rud. Intest. 

Ichtbyonema sanguineum Rud. Abdomen. 

Echinorhynchus globulosus Rud. Intest. 
Distouium globiporum Rud. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 
Caryophyllaeus mutabilis Rud. 

Echinorhynchus globulosus Rud. Iutest. 
Distouium globiporum Rud. 

Dactylogyrus sp. Branchiae. 

Caryophyllaeus mutabilis Rud. Iutest. 

Filaria conoura v Linstow. Intest. 

Echinorbynchus globulosus Rud. Intest. 

Dactylogyrus sp. Branchiae. 

Caryophyllaeus mutabilis Rud. Iutest. 



96 



Das Rothauge {Scardinius ery- 
thropthalmus lionap.) 



Die Plötze (Leaciscus Rutilus 
Kord.) 

Der Diebling (Squalius dobida 
Heck.) 



Der Häsling (Squalius lepuscidus 
Heck.) 



Der Hecht (Esox lucius L.) 



Der Wels (Silurus glanis L.) 
Die Aalrute (Lota vulgaris Cuv.) 
Der Aal (Anguilla fluviatilis Ag.) 



Echinorhynchus globulosus Rud. 
Dactylogyrus sp. 
Caryoi>hyllaeus uiutabilis Rud. 

Echinorhynchus globulosus Rud. 
Distonium globiporuni Rud. 

Ascaris dentata Rud. 
Ichthyonema ovatum Dies. 
Filaria Hellichi n. sp. 
Echinorhynchus globulosus Rud. 
Distomum globiporuni Rud. 
Caryophyllaeus mutabilis Rud. 

Filaria conoura v Linst. 
Echinorhynchus globulosus Rud. 
Distomum globiporuni Rud. 
Ichthyotaenia torrulosa Batsch. 
Caryophyllaeus mutabilis Rud. 

Ascaris cristata v Linstow. 
Cuculanus elegans Zed. 
Echinorhynchus globulosus Rud. 
Distomum tereticolle Rud. 
Triaenophorus nodulosus Rud. 

Echinorhynchus globulosus Rud. 

Echinorhynchus globulosu3 Rud. 

Cuculanus elegans Zed. 
Filaria conoura v Linstow. 
Echinorhynchus globulosus Rud. 
Bothriocephalus clavieeps Rud. 



Intest. 

Branchiae. 

Intest. 

Intest. 



Intest. 

Abdom. 

Intest. 

n 
l) 
11 

Intest. 



Intest. 

* 

Ventric. 

Intest. 

Intest. 

Intest. 

Intest. 



In der folgenden Artenbeschreibung sind die wichtigsten Merkmale berück- 
sichtigt und durch die, theils nach meinen bkizzen, theils nach anderen Arbeiten 
verfertigten Abbildungen ergänzt. Dies wird am besten derjenige zu würdigen wissen, 
der es nach den älteren Schriften von Diesing und Rudolphi oder nach drr so 
zerstreuten und schwer zugänglichen Literatur die Helminthen zu bestimmen 
versucht hat. 



I. Nematodes (Spulwürmer). 



1. Ascaris cristata v. Liustow 

(Fig. 50.) 
16.*) p. 148—155. Taf. VI., 23. p, 44. 36 p. 49. Nro LX. 

Das erwachsene Weibchen erreicht eine Länge von 50 mm, das Männchen 
32 mm. Geschlechtlich nicht reife Würmer können eine Länge blos von 6 mm 
besitzen. (2 Exempl. des ersten Da- 
tums.) Breite bis 3 mm. Lippen ohne 
Zahnleisten mit Aurikeln und Zwi- 
schenlippen. Oberlippe mit einer 
Pulpa, die 2 Papillen trägt und fast 
parallel mit dem Rande verlauft. Die 
grösste Breite der Oberlippe verhält 
sich zu ihrer Länge wie P/a : ' ■ Unter- 
lippen unsymmetrisch. Die Seiten- 
membranen verlaufen der ganzen 
Körperlänge nach. Der rund abge- 
stumpfte Darm übergeht in das be- 
deutend dünnere Rectum, in welches 
drei unsere Art gut charakterisierende 
Drüsen endigen. 

Zweimal im Hechte. (2. III. 
4 Ex. u. 3. IV. 5 Ex. 1898.) Im Hechte leben noch zwei Ascaris-Arten, nämlich 
A. acus und A. mucronata, welche in den Fischen der Skupice bis jetzt nicht ge- 
funden wurden. 

2. Ascaris dentata Rud. 

(Fig. 51.) 

3. T. V. f. 1-4., 8. II. p. 165, 166. 10. p. 185, 27. p. 45 et 281. 28 II. 
p. 160. 36. p. 85 Nro. CLXXXIV. 

Ein Weibchen im Diebling gefunden (3. IV. 1898.). 

*) Die fettgedruckten Nummern beziehen sich zu dem Literaturverzeichnisse weiter unten. 

7 





Fig. 50. a Ascaris cristata v. Linstow. a Die 

Oberlippe. 6 Das Hinterende (nach Linstow) 

120mal vergr. 




98 

Lippen ohne Zahnleisten mit Aurikelu und Zwischenlippen. Die Oberlippe 
besitzt einen breiten Löffel. Die Pulpa trägt an ihrer grössten breite zwei Papillen ; 
sie geht vorne in ein vierspitziges Kröuchen über, aus weichein die starken Lobuli 

auslaufen. Die Unterlippen unsymmetrich. 
Vulva 1 mm vom Kopfende entfernt. 

Ich besitze nur die vordere Hälfte 
des Wurmes. Die Beschreibungen dieser 
Art von Rudolphi i28. IL 160, 27. 45 et 
281.), Diesing (8. IL 165, 166.) und 
Dujardin (10. 185.) sind so unvollständig 
und mangelhaft, dass sich darnach nicht 
mit absoluter Sicherheit an die Identität 
mit der Species Rudolphi's schliessen 
Oberlippe von A. dentata. 350mal ve.gr. ßsst. Doch zwingt mich hauptsächlich der 

Umstand, weil ich nur eine Hälfte des 
Spulwurmes besitze, den für eine Ascaris aus dem Diebling bereits bestehenden 
Namen beizubehalten. Ich hoffe, dass es während den künftigen Arbeiten an der 
zoologischen Station gelingen wird genügendes Material zu sammeln, wodurch die 
Möglichkeit, die Beschreibung zu ergänzen, sich bieten wird. 



3. Filaria oonoura v. Linstow. 

(Fig. 52.) 

17. p. 242—243. Fig. 16., 35 p. 44. Nro. 63. 

Dieser Schmarotzer wurde von Linstow ausschliesslich in dem Aale ge- 
sammelt. In Podiebrad wurde im Aale nur ein Weibchen (8. V. 1900) ertappt, da- 
gegen wurden drei neue Wirte entdeckt, nämlich der Barsch (19. VII. 1899 
2 </ 2 9) der Schied (10. XL 1900 4 Ex.) und der Häsling (26. VIII. 1898, 
21. IV. 1900, 23. III. 1900.) 

Um den Mund herum stehen seitlich zwei Lippen, die nicht bis zum Vorder- 
raude reichen. Vorne sind zwei kleine kegelförmige Zapfen (Papillen?) sichtbar. Zwei 
ähnliche sind mehr nach hinten in den Mundbecher verschoben. Die Seiten- 
membranen beginnen am Kopfe und gehen allmälich hinter der Endblase des 
Oesophagus in die Cutis über. 

Das Männchen misst 9 - 9 mm, das Weibchen 8'5 — 11-5 mm. Breite 02 mm. 
d" : Zwei ungleiche Spicula, 5 prae-, 6 postanale Papillen. Die Papillen .'! und 4 

(vom Schwanzende gerechnet) sind zu den Seiten verschoben, die übrigen 

an konischen Pulpen. 
Q : Vulva (Geschlechtsöffnung) liegt 32 mm vom Hinterende entfernt. Eier mit 

einer recht dünnen Schale, siud fast kugelig, - 07 >( 0'06 »im gross. 



99 



4. Filaria Hellichi u. sp. 

(Fig. 53.) 
In dem Diebling (2. V. 1897. 5 2,3. IV. 1898. 1 2, 21. III. 1900. 
und in der Barbe (15. XII. 1900. viele noch nicht geschlechtsreife 2 , und 5. 
1901. auch einige <f). 



i 9) 
VII. 






\ 



Fig. 52. Filaria conoura v. Linstow. a Weibchen. lOmal vergr. b Schwänzende des Männchens 
(nach Linstow.) c Kopfende. 500mal vergr. 

Benannt zu Ehren des Apothekers Herrn J. Hellich aus Podebrad, der sich 
um die wissenschaftliche Durchforschung der Podiebrader Gegend grosse Verdienste 
erworben hat. Diese Art steht der Filaria conoura Linst, nahe. 

d" : Körperlänge 7*6 mm, Breite 0'15mm. Das Schwanzende (Fig. 53c) trägt 
13 Papillen, 8 prae-, 5 postanale, alle mit starken, stumpf konischen Pulpen. Von 

7* 



100 

den letzten steht die fünfte einsam, die übrigen vier sind dicht an einander 
gedrückt. Die Intervalen der praeanalen Papillen sind fast gleich, nur die letzte 






P'ig. 53. Filaiia Hellicht, 



Srämek. a Weibchen, lOnial vergr. 6 Kopfende, c Schwänzende des 
Männchens. 120mal vergr. 



ist wieder etwas weiter gestellt. Die 2 gleich lange Spicula messen 059 mm in 
der Länge, wobei sie an ihrer Basis 0*02 mm breit sind. Sie sind verwachsen und 
die Spitzen sind noch mit einer Membran verbunden. Die 0* 1 7 mm lange und 
- 05 mm breite Scheide ist mit einem starken Zahn bewaffnet. 

9 : (Fig. 53 a b.) Körperlänge 13— 15 - 5«M», Breite 25— 035 mm. Auf die 
Mundöffnung folgt ein trichterförmiges Vestibulum von 0025 «m» Län^e und 01)1 mm 
Breite, in welchem 4 kegelartige Zapfen (vielleicht Papillen?), in einem Quadrate 
stehend, sichtbar sind. Die Seitenmembranen sind nicht vorhanden. Der in vorderer 
Hälfte sehr dünne Oesophagus nimmt in seinem Verlaufe so gewaltig an Breite zu, 
dass er am Ende das ganze Lumen des Körpers einnimmt. Das Leibesende ver- 
schmälert sich allmälich in eine stumpfe Spitze, ist aber viel dicker als das Kopf- 
ende. Die Vulva, die nur eine unbedeutende Erhöhung bildet, liegt in der Mitte 
des Leibes. Eier länglich oval, 01)34 mm lang und 017 mm breit, mit einer 
- 002 mm dicken Schale 



101 



5. Cnculanus elegans Zed. 

(Fig. 54 a—d.) 

Synon. Ascaris velocissinia Dies (Embryo) C. truncatus Rud. C. Luciopercae 
Goeze, C. Percae Goeze, C. armatus, coronatus, papillosus Zed. 

11. p. 130. Taf. IX. a Fig. 1—2; Taf. IX. B. Fig. a, B, 4-9; p. 132 
Taf. IX. A. Fig. 3; 28. II. p. 102, 107, 108, 113. Taf. III. 1—3, 5—7; 27. p. 19 





Fig. 54. Cuculanus elegans. a Männchen. 50mal vergr. b Mundbecher von der Seite. 350mal 
vergr. c Schwänzende vom Männchen. 380 vergr. d Schwanzende vom Weibchen 

et 230. 3. Taf. II. 10—14, 10. p. 247. 8. p. 238—239; 13. II. p. 109-112; 
Fig. 31, 73, 82-84; 30 p. 111. Taf. IV. Fig. 6-7; 6. p. 103-112 Taf. V. , 
17. p. 239; 40. p. 78—80; 23. p. 52. 

Cuculanus ist in Podiebrad im Vergleiche mit anderen Localitäteu ein ziemlich 
seltener Parasit. Bis jetzt wurde sein Vorkommen : im Barsche (27. 1. 1900. 7 Stück)* 
im Hechte (4. IX. 1897) und im Aale (8. V. 1900 L Ex., 18. VII. 1900) festgestellt). 
Diese Gattung ist auf den ersten Blick nach der eigenthümlichen Chitinmundkapsel 
zu erkennen. (Fig. 54 b.) Dieselbe ist innen mit verdickten Rippen versehen, 
aussen sitzen an ihren Seiten zwei dreispitzige Gabeln. Bei unserer Art sind 
die Spitzen tief eingeschnitten, fast gleich lang und leicht nach innen gebogen. 
Körperlänge beim <f 8 mm, 2 13 mm, Breite 6 mm. Die Farbe der lebenden 
Würmer gewöhnlich roth. 

<f : (Fig. 54 a.) Zwei gleiche Spicula, 12 Papillen, von denen 7 prae- und 
5 postanal sind. Erste Papille ohne, die anderen mit Pulpen, Papillen 4 — 7 stehen 
nahe bei einander um den After, zwischen Papillen 7 und 8, dann 10 und 12 grössere 
Intervalle als zwischen den übrigen. 

2 . Vulva 7 mm vom Kopfende. Das Schwanzende (Fig. 54 d) lauft in drei 
stumpfe Kegelzapfen aus. 





102 

t». Ichthyoneina sanguiiieum Rud. (v Linstow. det.) 

(Fig. 55 a— b.) 

Syn. : Filaria sanguinea Rud. 

27. p. 5 et 211. T. I. Fig. 1.; 10. p. Gl.; 8. II. p. 285.; 19. 1874. I. 
p. 122—134. Taf. IV. Fig. 1-9; 23. p. 49. 

Aus der Leibeshöhle der Zährte ein uoch nicht geschlechtsreifes Weibchen. 
(Abramis vimba Cuv. 28. I. 1901.) Bis jetzt wurde diese Nematodenart nur aus 
Carassius vulgaris, Leuciscus rutilus, Abramis braina und Galaxias scriba ange- 
führt, so dass Abramis vimba als neu in die Zahl der Wirte einzureiben ist. 

Unser Exemplar beträgt eine Länge von 24'4 mm und ist 0"37 mm breit. 
Der Darm ist nur von Zellen gebildet, hat also keine Muskeln. Genitalöffnung 
fehlt, so wie auch der After. Die 
Farbe des lebenden Exemplares 
war blutroth. Der Kopf trägt vier 
kugelförmige Anschwellungen (nur 
im Leben bei auffallendem Lichte 
gut sichtbar), in welche sich der 
kurze Oesophagus ausbreitet. Das 
Hinterende mit zwei kegelartigen <* * 

Auswüchsen au beiden Seiten. m & »• Ichthyonema sanguineum Bud. a Kopfende, I76mal 

verar. '/ HmterMde (nachLmstow). 175mal vergr. 
(Fig. 55 6.) 

Von Linstow erwähnt, dass die erwachsenen Weibchen, die mit Embryonen 
gefüllt sind, sich mit dem Vordertheile an die Ausseuwand des Darmes in der Leibes- 
höhle befestigen, was wahrscheinlich vor dem Absterben geschieht, denn dann ist 
den Embryonen möglich die Haut der Mutter leichter zu sprengen und heraus- 
zuschlüpfen. — Dasselbe konnte auch ich bei meinem Exemplare beobachten. Bei 
der Befestigung scheint der breite Oesophagus als Saugnapf zu fungiren, denu er 
wurde bei dem Lospraepariren des Wurmes mit der inneren Seite herausgezogen, 
so fest hielt sich der noch lebende Wurm augesaugt. 

Die nur 2*3 mm langen Männchen fanden wir bisjetzt in den Fischen der 
Elbe nicht. 

7. Ichthyouema ovatuin Die§. 

Syn : Agamonema ovatum Dies, Gordius Goeze, Ascaris u. Filaria gobionis 
Gmel u. Schrank, Filaria ovata Zed. 

Liter. 11. p. 126. T. VIII. Fig. 1—3.; 28. II. p CO.; 27. p. 5 et 213., 
10. p. 61., 8. II. 117-118. 18. p. 333—334. 

Aus der Leibeshöhle des Döblings (1. V. 1897, 21. III. 1900). Unterscheidet 
sich von der vorigen nur durch die gelblich weisse Farbe und viel bedeutendere 
Grösse. Das erwachsene Weibchen hat eine Länge bis 125 mm (18. p. 333.). 
Unsere beide Exemplare sind nicht erwachsen, sie messen etwa 40 mm in der 
Länge und etwa 1 mm in der Breite. 

d" unbekannt. 



IL Acanthocephali (Kratzer). 

8. Ecliiiiorhynchus globulosus Rud. 

(Fig. 56 und 57.) 

Syn: E. anguillae Müll. 

Liter.: 24. IL p. 38. Taf. LXIX. Fig. 4—6.; 7. p. 29.; 10. p. 532.; 8. II. 
p. 29.; 23. p. 55, 110. T. I. Fig. 2. 



** 





Fig. 56. Echinorhynchus globulosus Rud. a Weibchen mit anhaftender Bursa des Männchens. 
5mal vergr. b Hinterende des Weibchens mit der männl. Bursa 40mal yergr. c Männchen. 8mal 
vergr. d Rüssel, e Uterusglocke. (?g Ligament s. Seitenrand vo Eier, vs Stützzellen 500mal vergr.) 



104 



Echinorhynchus globulosus Rud. ist der am häufigsten vorkommende Schma- 
rotzer der Podiebrader Fische. 

Der Rüssel hat eine stumpf keulenförmige Gestalt und trägt 11 Querreihen 
von Hacken, zu 6 in jeder Reihe, manchmal noch einige Hacken der 12teu Reihe. 
Die Hiickeu sind nach drei Typen gebaut, welche allmiilich ineinander übergehen. 
Die erste Reihe enthält Hacken, die nur wenig gebogen 
sind und eine breite Basis zeigen. Die folgenden Reihen 
sind durch längere und mehr gebogene Hacken mit einer 
in zwei Lappen getheilten Basis ausgezeichnet. Von der 
neunten Reihe an verschmälert sich die Basis und die 
Hacken nehmen an Grösse ab, so dass wir in der letzten 
Reihe geringe und unregelmässig gebogene Hacken finden, 
deren Basis zu einem kleineu Höcker verkrüppelt ist. 

Die Länge des Rüssels 078, die Breite 04 mm, 
die Länge der grössten Hacken 018 mm (in der 5. Reihe). 
Lemnisken kurz. 

d" : Hoden oval. Bursa mit einem fleischigen Rande. 

Q : Die Uterusglocke ist der des Ech. angustatus 
sehr ähnlich. (Siehe Fig. 56 e.) 

Dieser Kratzer wurde fast in allen bis jetzt unter- 
suchten Fischarten aufgefunden. Einige von ihnen sind als 
neue Wirte zu bezeichnen. Es sind : der Barsch, die Kar- 
ausche, der Blei, das Rothauge, der Häsling und der Hecht. 

Eine andere Art von Kratzern kommt in den Fischen 
der Skupice, so wie auch in den Fischen aus der Elbe 
der Umgegend von Podiebrad nicht vor. 

Um zu zeigen, in wie grosser Anzahl dieser Wurm hier verbreitet ist, führe 
ich nur ein Beispiel an, nämlich einen 19 cm langen Kaulbarsch, der 54 Stücke 
dieses Kratzers beherbergte (3. IV. 189d.). 

Ich muss zu Ende noch eine eigenthümliche Beobachtung kurz besprechen: 
In dem Materiale fand man hie und da ein Weibchen, das an seinem Schwanzende 
die festhaftende Glocke (Bursa) des Männchens trug. (Fig. 56 a, b.) 25. III ls'.i? 
in einem Barsche, 1. V. 1897 und 3. IV, 1898 in dem Kaulbarsche, 18. V. 1898. 
zwei aus dem Blei. Mann kann diese Erscheinung so erklären, dass die Männchen 
nach der Beendigung der Paarung ihre Bursa seihst abwerfen, oder — und das 
scheint mir natürlicher zu sein - wurde dieses Organ durch mechanischen Druck 
bei dem Abstreifen des Darminhaltes abgerissen, und zwar von einem Männchen, 
das sich eben in der Paarung befand Bei dieser Deutung sind dann die ange- 
führten Data — da sie die Zeit der Paarung augeben — von gewissem Werthe. 




Fig. 57. Ein Stückchen des 
Darmes der Barbe mit an- 
haftenden Kratzern (Echi- 
norhynchus globulosus 
Und ) In nat. Grösse. 



III. Trematodes (Saugwürmer). 



9. Distomum tereticolle Rud. 

(Fig. 58 und 59.) 

Syn. : Fasciola Lucii Müll., F. longicollis Bloch, F. Tereticollis Rud , Pla- 

naria Lucii Goeze, Distoma Lucii Zed. 

Lit.: 24 I. p. 33. Taf. XXX. F. 7.; 11. p. 172. Taf. XIV. F. 3. ; 28. 2. p. 380.; 

27. p. 102 et 386. Taf. II. F. 5.; 3. Taf. IX. F. 5-6.; 10. p. 419.; 8. p. 358.; 

40. p. 47-49.; 22. p. 5-18. Taf. I. Fig. 1-3, T. III. Fig. 53-63, T. IV. 
I Fig. 64-71, T. IV. Fig. 121.; 23. p. 30.; 32. p. 15.; 33. p. 25. 

Aus dein Hechte. Ist der grösste Tre- 
matode unserer Fische. Er erreicht eine 
Länge über 4 cm, wobei die grösste Breite 
2 bis 3 mm misst. Die Farbe im Leben 
röthlichweiss. Der Mundsaugnapf grösser als 
der Bauchsaugnapf. Auf den Mundsaugnapf 
folgt der stark lichtbrechende, musculöse 
Pharynx, der eine kurz cylindrische Form 
zeigt ; weiter verlauft ein kurzer und starker 
Oesophagus, welcher dann in die zwei 
Darmschenkel übergeht, die sich nicht gleich 
nach unten biegen, wie es gewöhnlich der 
Fall ist, sondern sie verlaufen zuerst hori- 
zontal oder auch etwas schräg nach vorne, 
dann biegen sie sich in einem fast rechten 
Winkel um, und reichen an den Seiten 
herunterführend bis fast zu dein Hinterende. 
Die sehr kleine Genitalöffnung mündet vor 
dem Bauchsaugnapfe. Die kleinen, fast 

kugeligen Hoden liegen hintereinander in der Mittellnre. Der Uterus verlauft in 

bandförmigen Schlingen. Das Ovarium, ein wenig kleiner als die Hoden, liegt vor 

denselben. Die Eier messen 0'03X0"01 mm. 

Wenn wir das lebende Thier mit schwacher Vergrösserung betrachten, sehen 

wir oft, wie es bei den raschen Bewegungen die Haut an den Seiten in eine breite 




Fig. 58. Geöffneter Magen des Hecbtes 
mit Distomum tereticole. Nat. Grösse. 



IOC 



flossenartige Randkante ausbreitet, was schon den älteren Autoren aufgefallen ist 
und sie zu der Meinung verführte, es wäre eine von der Haut differenzirte Flosse. 
Dass dies falsch ist, hat Loos in seinem vorzüglichen Werke (22) nachgewiesen. 

D. tereticolle bewohnt hauptsächlich den vorderen 
Theil der Speiseröhre und den Magen, wovon es nach 
dem Absterben seines Wirtes oft durch den Schlund 
herauskriecht und so in die Mund- oder auch 
Kiemenhöhle gelangt, so dass wir bei manchen 
Autoren die Kiemenhöhle als den Aufenthaltsort 
dieses Schmarotzers angegeben finden. Dieses Über- 
siedeln beobachtete ich an 2 Exemplaren, die ich, 
das eine im Munde, das andere an den Kiemen 
7'- eines Hechtes gefunden, der etwa 8 Stunden nach 

seiner Tödtung untersucht wurde. 

In den Hechten von Podiebrad ist dieser 
Parasite ungemein häufig. Die Hälfte der unter- 
suchten Hechte lieferte das D. tereticolle in 1 bis 
41 Exemplaren. (Ein weiblicher Hecht 57 cm lang 
3. IV. 98.) 





er 



10. Distomum nodnlosum. Zed. 



(Fig. 60.) 



Fig 59. Distomum tereticole Rud. 
nach v. Reneden pjj. Mundsangnapf, 
zp. Bauchsaugnapf. I Pharynx, z 



Syn. : Fasciola luciopercae Müll., F. Percae 
cernuae Müll., Distoma Luciopercae Zed. 

Liter. : 24. 1. p. 32. Taf. XXX. Fig. 2, 3. ; 28. 
p. 410.; 27. p. 113.; 3. Taf. X. F. 1-3.; 8. I. 
p. 380.; 20. Bd. 39. I. 1873. p. 1. Taf. I.; 40. 
p. 41. Taf.X. F. 10.; 22. p. 33-41. T. I. F. 8— 10., 
T. V. Fig. 92-94.; 33. p. 18.; 23. p. 22 

Länge 1 — 3»»». Saugnäpfe fast gleich. Herum 
Darm -Schenkel, ov. Oyarium zi. den Mundsaugnapf stehe 6 konische Lappen (noduli). 
Dotterstöcke, z. Uterus, v. Hoden j) er Mund liegt an der Bauchseite. Pharynx misst 

l / g des Mundsaugnapfes; beiderseits neben ihm sind 
kleine Pigmentpünktchen angehäuft. Reste der Cercarienaugen.) Der Oesophagus 
ist in der Nähe des Bauchsaugnapfes in zwei Darmäste gespalten, welche fast 
bis zum Ende des Körpers reichen. Die Hoden sind oval und ziemlich gross: 
0-4 in der Länge, 033 mm in der Breite. Ich gab hier die Masse der Hoden aus 
dem Grunde an, weil Loos in seiner Arbeit (22.) bei dieser Species die Hoden 
klein zeichnet, wobei er bemerkt, dass sich dieselben im Verlaufe der Reifung 
der Grösse nach nicht ändern. Diese Angabe kann ich nicht bestätigen, denn ich 
besitze ein zahlreiches Material von dem genannten Saugwurm (aus dem Barsche 
27. I. 1900) und zwar in einem Alter, wo der Uterus noch unentwickelt, die 



107 



männlichen Organe dagegen an der Höhe der Entwicklung stehen; Loos war ein 
solches Stadium, wie er selbst bemerkt, nicht zu Gesichte gekommen. Von solchen 
Exemplaren wurden die angegebenen Maase entnommen. Doch 
habe ich auch die mit Eier gefüllten Individuen in dieser Hin- 
sich tuntersucht und mich überzeugt, dass bei solchen die Hoden 
viel kleiner sind und dann mit der Zeichnung Loos' überein- 
stimmen. Daraus kann man also schliessen, dass die Hoden, 
nachdem sie ihren Inhalt entleeren, degeneriren und an Grösse 
abnehmen. Das Ovarium liegt quer hinter dem Bauchsaugnapfe 
und bildet einen länglichen Sack. Die Dottersäck'-s bilden an 
den Seiten reichlich verästelte Stämme. Der Uterus ist ein 
sehr breiter Sack, der mit Eiern gefüllt alle Organe vollständig 
zurückdrängt. 

D. nodulosum lebt in barschartigen Fischen. Es wurde 
in Podiebrad im Barsche (2. III. 1898. 14 Ex., 23. IV. 1898., 
12 Ex. und 27. I. 1900 eine ungemein grosse Zahl, über 200 
Exemplare) und im Kaulbarsche gefunden. (1. V. 1897.) 



11. Distoiniim globiporum Riid. 



>' 



(Fig. 61.) 



Syn. : Fasciola bramae Müll. 

Lit.: 24. I. p. 33. Taf. XXX. F. 6.; 28. II. p. 364.; 27. 
Fig. 60. Distomum p. 96.; 5. p. 187. T. IL; 31. p. 217. T. VII.; 10. p. 417.; 8. 
nodulosum, Zed. j p 341 • 40 p 44 . 33, p 2 9. ; 23. p. 28. 
350mal vergr. Die Länge 2-5— 3-5 wm, Breite 0- 75 mm. Der Bauch 

saugnapf zweimal so gross wie der Mundsaugnapf. Der runde Pharynx übergeht in 
einen langen schmalen Oesophagus, der dicht bei dem Bauchsaugnapfe in die 
Darmäste sich theilt, die selben reichen nicht bis an das Ende des Leibes. Die 
Hoden sind lappenförmig, der obere ist ein wenig zur Linken verstellt, der untere 
liegt in der Mitte oder etwas rechts. Das Ovarium liegt zwischen den Hoden und 
ist in der Regel an den unteren dicht angedrückt, so dass es in den Praeparaten 
schwer sichtbar ist. Echter Cirrusbeutel, stark musculös, scheint unter dem Bauch- 
saugnapfe durch und misst 6 X 0"2 mm. Penis protraktil, fleischig. Loos lässt 
die Frage des protraktilen Penis, des wenigen Materiales wegen, unbeantwortet. 
Ich habe das Ausstülpen des Penis an lebenden Thieren mehrmals gesehen und 
habe eine grössere Zahl von conservirten Distomen mit ausgestrecktem Penis, die 
ohne allem Drucke getödtet wurden. 

Uterus verlauft in zahlreichen Schlingen, ist immer schlauchartig, nicht wie 
bei voriger Art sackförmig. Die Dottersäcke sind in dem vorderen und hintere 
Theile auffallend stark entwickelt und mehr zur Rückenseite verschoben. Nach der 
Meinung Loos' strecken sich die Dotterstöcke durch die ganze Körperläuge 
aus, welche Ansicht mir zwar sehr wahrscheinlich vorkommt, doch kann ich 



108 



sie nicht bestätigen, denn ich finde bei meinen Exemplaren die Dotterstöcke haupt- 
sächlich ini Vorderende angehäuft, weniger schon am Hinterende, in der Mitte konnte 
ich aber bei der grössten Aufmerksamkeit nicht eine Spur 
von denselben nachweisen. Eben so wenig kann ich vier 
Gruppen, wie sie v. Siebold gesehen, unterscheiden. Die 
grosse der Eier 3 - 08 X O05 mm. Diese Masse sind von 
Exemplaren von 3 mm Grösse entnommen, und weichen 
ein wenig von den Loos'schen (0 - 076 X O06 mm) ab. 

D. globiporum wurde in Podiebrad in dem Döbling 
(3. IV. 1898 - 22 Stücke, 1. V. 1897 — 53 Exempl.) dem 
Brachsen (22. IV. 1899, 2. III. 1898) der Zährte (3. IV. 
1898, 21. IV. 1900), der Blicke (8. V. 1900, 21. III. 
1900), der Plötze (26. II. 1899, 19. VII. 1899) und in 
dem Häsling (21. III. 1900, 22. III. 1900 und in zwei 
Exemplaren von 21. IV. 1900) gefunden. 



12. Distommn retrocoiistrietiim, noin. einend. 



(Fig. 62.) 




Fig. 61. Distomum globi 
porum, Rud. 350mal vergr. 



Syn.: Monostomum constrictum Dies. 

Lit .: 9. p. 62. Taf. II. Fig. 3-5. 

In 1 Exemplare im Auge des Blei (28. I. 1901) gefunden. Diesing, der 
diese Species zuerst beschrieben hat, stellte sie zu der Gattung Monostomum und 
zeichnet auch nur den Mundsaugnapf. Seine Zeichnungen sind nach einem lebenden 
Individuum entworfen, wo der Bauchsauguapf iu der Wirklichkeit schwer sichtbar 
ist; dagegen werden seine Umrisse nach der Färbung (Picrocarmin) so scharf abge- 
grenzt, dass dann in den Praeparaten der Bauchsaugnapf viel besser differenzirt 
erscheint als der zweimal so grosse Mundsaugnapf. Auch dieser ist in der Abbil- 
dung Diesing's nicht der Wirklichkeit entsprechend gezeichnet, denn es wurde 
vermuthlich nur das innere Lumen berücksichtigt, der strahlenförmige Muskelring 
ist aber dem Zeichner entgangen. Dass es sich in unserem Falle dennoch um die 
Diesing*sche Species handelt, beweist die charakteristische Körperform, die am Ende 
mit einer tiefen Einschnürung versehen ist, so dass sich der Hintertheil von dem 
Vordertheile deutlich abtrennt. Unser Exemplar ist ein vollständig junges Individuum 
und ich kann von seiner inneren Organisation keine bedeutendere Anmerkungen 
zufügen. Iudem es mir jetzt gelungen ist, die Angehörigkeit dieser Species zu der 
Gattung Distomum festzustellen, sollte die-elbe den Namen Distomum constrictum 
Diesing tragen, was aber nicht zulässig ist, da in dieser Gattung der Speciesnamen_ 
constrictum bereits zwe, mal vergeben ist. (D. constrictum Mehlis [1846] aus Somateria 
mollissima und D. constrictum Leared [1861 J aus Chelone mvdas (Vergleiche 14. 
pag. X.) weshalb ich den Namen retroconstrictum vorgeschlagen habe. Die Merk- 
male, die ich feststellen konnte, sind : die Grösse beträgt - 28 mm in der Länge, 
- 2 mm in der Breite im Stillstande, bei der Bewegung verlängert sich der 



109 



Körper in einer wunderbaren Weise, so dass es der Diesingschen Figur ganz 
entspricht. Diesing besass erwachsene Exemplare und gibt ihre Grösse s / 4 "' 

(= 1*8 mm) in der Länge an. Der Mundsaugnapf ist fast 
zweimal so gross wie der Bauchsaugnapf; sie liegen beide 
ziemlich nahe bei einander. Die Speiseröhre war an dem 
lebenden Thiere nur an den Seiten in der Gegend des 
Mundsaugnapfes zu sehen, im Praeparate. ragte dagegen 
der über demselben liegende, geschlingelte Anfang deutlich 
hervor. An dem Hinterleibende war im Leben ein ziemlich 
grosses Excretionsgefäss sichtbar, das 2 sehr starke Äste 
nach vorne aussendet. Das Innere des Leibes ist mit 
zahlreichen Fetttropfen gefüllt. 




13. Diplozoon paradoxum v. Nonlm. 



Fig. 62. D. retroconstrictum 
Orig. 350mal vergr. 



(Fig. 63.) 

Lit. : 25. I. 56. T. V. .F. 1—6.; 31. p 105.; 10. p. 
315, 316.; 8. I. p. 422, 423; 1. p. 38. Taf. IV.; 23. p. 18. Diporpa Dujardini 
(Larve) ; 10. p. 316, Taf. VIII. F. c. ; 8. I. p. 420. 

Dieser interessante Trematode wird in Podiebrad ziemlich häufig an den 
Kiemen der Bleie gesammelt (19. V. 1898 zwei Fische je mit 1 Ex., 20. XL 
1898, 16 Exemp., 8. VI. 1900, 1 Exemp., 28. I. 1901. Zwei Fische mit 7 und 5 
Exemplaren.) 

Die entwickelte Form ist gekreuzt und zwar dadurch, dass sich zwei Indivi- 
duen aneinander mit dem kleinen B mchsaugiiapfe — mit dem ein kleines Höcker- 
chen an der Rückenseite des anderen Indi- 
viduum correspondirt — festsaugen. Jedes 
Einzelnthier ist am Vordertheile mit zwei 
kleinen Saugnäpfen, die nebeneinander stehen, 
versehen. Zwischen denselben erstreckt sich 
der Oesophagus, welcher ober den Saugnäpfen 
mit einem trichterförmigen Munde endet, unter 
ihnen aber in einen fleischigen Bulbus ansch- 
willt. Der darauf folgende Darm besteht aus 
einer reichlich verästelten Röhre, die den 
ganzen Körper des Individuum durchschreitet. 
Die zweite Hälfte eines jeden Einzeluthieres 
ist geringer abgeplattet als die vordere und 
trägt am Ende zwei Haft-Schnallen, welche 
aus 4 Paaren musculösen, mit je einem 
Hacken an der Aussenseite versehenen Ring 
bestehen. Die Fortpflanzungsorgane sind 
derartig vertheilt, dass sich in der vorderen, blattförmig sich ausbreitenden 
Hälfte hauptsächlich die Dotterstöcke erstrecken, die Ovarien und die männlichen 




Fig. 63. Diplozoon paradoxum von Nordm 

8mal vergrüssert. 

(Nach dem Leben, ohne Deckglass). 



110 



) 




Fig. 64. Dactylogyrus malleus Linst, 
nach Linatow. 



Drüsen dagegen nahe des Kreuzungsortes gestellt sind. Die Eier sind mit einem 
langen Anhangsfaden ausgerüstet. 

Die jungen Einzelnthiere wurden früher unter dem Namen Diporpa be- 
schrieben, sie haben die Geschlechtsorgane nicht entwickelt. An der zoologischen 
Station sind wir bisjetzt einer Diporpa nicht habhaft geworden. 

14. Dactylogyrus malleus v. Linstow. 

(Fig. 64.) 
Lit. : 20« p. 182. T. XII. F. 12-13. 

Das Thier ist 05— 06 www lang, 012mm breit. Der Kopf mit 4 beweglichen 
Lappen und Ocellen. Die Schwanzscheibe trägt 
2 grosse Hacken (a) die sich durch den langen 
Vorsatz auszeichnen (006 mm lang) und 14 
kleine Hacken (d), die einen stark aufgeblasenen 
Stiel besitzen und etwa 003 mm lang sind. 
Das Verbindungsglied ist wenig gebogen, in der 
Mitte breiter als an den Seiten. An der Rücken- 
seite liegt das eigenthümliche Chitinstück, das 
Linstow als Muskelansatz deutet, (c) Es misst 
0"035 mm, das Verbindungsglied (b) ist etwas 
grösser (004 mm). 

Diese Species wurde an den Kiemen der Barbe gefunden. 

Es wurden noch einige nicht näher bestimmbare Species der Gattung Dacty- 
logyrus an den Kiemen der Karausche dem Brachsen, der Blicke, des Gänglinges 
und des Rothauges beobachtet. 

15. Gyrodactylus elegans v Nordm 

(Fig. 65.) 

Lit.: 25. p. 106. T. X. F. 1-3.; 8. I. p. 432,; 1. 
p. 63—66, 67, 210. Taf. VII. F. XII. 

Ist uns nur an den Kiemen des Blei ziemlich selten begegnet. 
Die Körperlänge wie bei der vorigen Art. Kopf trägt nur 2 Lappen 
und keine Ocellen Die zwei grossen Hacken der Schwanzscheibe 
missen 0*06 mm in der Länge, und werden von einem 025 mm 
breiten Verbindungsglied gestützt. Die randständigen kleinen 
Hacken, deren die Haftscheibe 16 besitzt, sind 003 mm lang. 

Gyrodactylus elegans ist lebendig gebärend. Das Mutter- 
thier enthält im Inneren ein Tochterthier, welches noch ein Enkel- 
und diese wieder noch ein Urenkelthier einschliessen kann. — 

Uns kamen die Thiere im Juli zu Gesicht und da konnten 

wir nur das Tochterthier, in verschiedenen Entwicklungsstufen 

konstatieren. Es war entweder nur als lichtbrechender unregelmäs- 

siger Körper sichtbar, oder es war ein entwickeltes Thier, das der Fig. 66. Gyrodactylus 

Mutter ganz ähnlich sah und auch die Hacken bereits besass, f le "'?" s . TOn t s ,°. 1 ' < ) m , 
p ' (nachWagener^lüOmal 

das Enkelkiud habe ich dennoch in dieser Tochter nicht gesehen. vergmssert. 




— fc 









IV. Cestodes. (Bandwürmer.) 



16. Ichthyotaenia torrulosa Batsch. 

(Fig. 66.) 

Syn. : Taenia orbicularis Schrank, Rhythelminthus Cyprini Zed. Halysis 
torrulosa Zed. 

Lit.: 10. p. 584.: 8. I. p. 514; 1. p. 162 u. 371. Taf. XXII. Fig. 1-3.; 
40. p. 20.; 12. p. 697. T. XXVIII. Fig. 33—38. 

In Podiebrad im Häsling und im Barsche 
gefunden. Beide diese Fische sind für unseren 
Cestoden neue Wirte und dies ist bei dem letzteren 
um so merkwürdiger, als I. torrulosa bis jetzt 
aus keinem barschar i igen Fische gesammelt wurde, 
obzwar schon 9 ihrer Wirte bekannt sind. (12. 
p. 697.) Im ganzen enthält das Material der zoolo- 
gischen Station 11 Exemplare, die aus zwei Bar- 
schen (25. III. 1897 — 3 Stücke, 22. IV. 1899 
ein Exemplar) und einem Häsling (22. III. 1900 
— 7 kleine Exempl.) stammen. 

Die Länge unserer Bandwürmer beträgt 
6 — 53 mm, die grösste Breite 1*5 bis 2 mm. Die 
Exemplare aus dem Barsche sind trotz ihrer ge- 
ringen Grösse (stark entwickelte Stücke können 
bis 600 mm messen) geschlechtsreif, die anderen 
nicht. Diese Species ist von der im Barsche oft 
vorkommenden I. filicollis Rud. (= I. ocellata 
Rud.) leicht nach der Form der Glieder, die stets mehr breit als lang sind, zu 
unterscheiden, denn bei der letztgenannten Art findet man es bei den ältesten 
Gliedern umgekehrt, die jüngeren sind aber quadratförmig. 

Der Kopf ziemlich gross, rhombisch und trägt 4 flache, deutlich gestreifte 
Sauguäpfe - 08— 0'09 mm im Durchmesser. Rostellum fehlt. Der mittellange Hals 
geht allmählig in die Strobila über, deren einzelne Glieder nicht einmal 1 mm 
Länge bei 2 mm ihrer grössten Breite erreichen. Sie sind sehr fleischig, mit abge- 




Fig. 66. Ichthyotaenia torrulosa Batsch. 
a In natürl. Grösse, h Kopf 250mal 
vergr. 



112 

rundeten Raudkannten und mit einander fest verwachsen, so dass sich die reifen 
Glieder (wie es auch bei allen anderen Fischtaeuien der Fall ist) nicht abtrennen, 
sondern bis zum Absterben beisammen halten und immer mit einem schön abge- 
rundeten Endgliede die Strobila schliessen. Das Endglied ist in der Mitte durch 
eine gut sichtbare Vei tiefung, in der der Excrecionsbulbus endet, seicht gespalten. 
Die Geschlechtsöffnungen wechseln unregelmässig links und rechts in der Mitte der 
Randkannten ab. Die männliche Öffnung mündet getrennt von der weiblichen gleich 
unterhalb derselben. 



17. Bothriocephalus rectan^ulus Rud. 

(Fig. 67.) 

Syn. : Taenia rectangulus Bloch, Taenia sagittiformis Schrank, Rhytis rect- 
angulum Zed. Dibothrium rect. Rud. 

Lit. : 28. III. p. 49.; 27. p. 138 u. 474.; 3. Taf. XIII. F. 3 -8.; 10. p. 615.; 
8. I. p. 592.; 39. Taf. XVII. Fig. 9. 

Aus der Speiseröhre der Barbe (15. XII. 1900 — zwei junge Exemplare). 
Länge des ganzen Wurmes 18 mm. 

Kopf etwas triangulär lanzettförmig mit 
zwei tiefen lateralständigen Saugwarzen, welche 
fast parallel mit dem Kopfrande verlaufen. Die 
Länge des Kopfes beträgt D3 mm, die Breite 
0*8 mm bei den in Formol konservirteu Exem- 
plaren. Im Leben sind die Proportionen, dei 
starken Kontractionsfähigkeit wegen, schwankend. 
Die Glieder des Leibes sind immer breiter als 
lang, geruuzel, oft stark eingeschnürt und messen 
die grössten 0'3 mm in der Länge und - 52 mm 
in der Breite. Die Genitalöffnungen, die nach 
Rudolphi in der Mitte der Proglottisfläche aus- 
münden, konnte ich an meinem konservirten Mate- 
riale nicht auffinden, gleich wie die getrennten 
Öffnungen des Fruchthalters, welche vor den 
ersteren liegen sollen. Unsere Exemplare sind noch ncht mit Eiern gefüllt, so 
dass ich auch das Ei, wie es v. Willemoes Suhm (39. Taf. XVII. Fig. 9) ge- 
zeichnet, aus eigener Anschauung nicht kenne. 





Fig. 67. Bothriocephalus rectangulus 
Rud. a Kopf von oben. 6 von der 
Seite. 350mal vergr. . 



18. Bothriocephalus claviceps Kud. 

(Fig. 68.) 

Syn.: Taenia claviceps Goeze, Rhythelminthus anguillac Zeder, Taenia an- 
guillae Müller, Rhytis claviceps Zeder. 

Lit.: 11. p. 414. Taf. XXXIII. F. 6—8.; 28. III. p. 37.; 27. p. 136 et 472.; 
10. p. 618.; 8. I. p. 589—590.; 23. p. 35. 



113 

Ein 313 mm laiiges Exemplar in der Speiseröhre eines Aales 19. V. 1898 
augetroffen. Die grösste Breite des Thier.es beträgt 2 mm. Der Kopf hat die Form 
einer sehr abgestumpften Pyramide mit einem verdickten Vorsatze an der oberen 
Fläche. Die untere Basis ist - 55 X 027 mm, die obere O44X0 - 15»mw gross. Der 
Vorsatz ist eine wulstige Ausdehnung, die 

über den Rand der oberen Basis überragt. -tj| 

Die Länge des Kopfes beträgt 092 mm. Alle J 

diese Masse sind dem konservierten Thiere \ Üi 

entnommen. Die Sauggruben sind vorne tiefer • 

als hinten, schmal und lang. 

Die Glieder sind immer breiter als ll 

laog, doch sind manchmal zweie von ihnen ; ,"■ 

fest miteinander verwachsen, so dass dann 

die Länge des Doppelgliedes seine Breite .--— -^_-~;^ 

übertrifft. Die Ausmündungen der Uteri 

sind in der Medianlinie des Gliedes gelegen, jj* 

aber sehr nahe zu dem Vorderrande des- 
selben verschoben. Sie sind mit einem lichten a 

Höfiein umgeben und wechseln nicht ab. Den Fig. 68. BothHocephalus davkeps Rud. 
anderen Porus für die Vagina und das Vas » Kopf von der Seite, b von oben, 35omal 
defereus vermuthe ich an der gegenliegenden vergrössert. 

breiten Flüche des Gliedes gesehen zu haben, 

also auf der Rückenseite, wenn wir die erstere als Bauchseite annehmen, und 
zwar gerade in der Mitte des Gliedes, doch konnte ich diese meiue Annahme mit 
absoluter Sicherheit nicht beweisen, weil ich das einzige Exemplar des Schmarotzers 
nicht in Schnitte zerlegen durfte, was für diesen Zweck nothwendig gewesen wäre. 



19. Triaenophorus nodulus Rud. 

(Fig. 69 und 70.) 

Syn.: Cysticerus Lucii Zed., C. Gadi Lotae Rud., C. Percae Rud., C. 
Salvelini Rud., C. Salmonum Rud., Taenia nodulosa Pall., Tricuspidaria nodu- 
losa Rud. 

Lit: 18. III. p. 241, 237, 238, 240, 32. Taf. IX. F. 6—11.; 27. p. 135, 
467.; 11. p. 418. Taf. XXXIV. Fig. 3-6.; 4. p. 73.; 3. Taf. XII. Fig. 4-16.; 
10. p. 625.; 8. I. p. 604.; 38. p. 95—96. Taf. X. F. 2-4.; 40. p. 29—35. pl. IX. 
F. 4—7.; 2!). p. 179.; 32. p. 7.; 23. p. 35. 

Der Kopf durch vier dreispitzige, nach unten gekrümmte Hacken ausge- 
zeichnet. Der Körper äuserlich ungegliedert, oft aber durch Verziehung der Muskel 
tief gerunzelt, manchmal sogar an einigen Stellen so eng kontrahirt, dass da- 
zwischen kugelige Anschwellungen (nodulosus) entstehen. 

Die Länge unserer Exemplare beträgt 80—120 mm, die Breite 25—4 mm. 
Dreierlei Genitalöffnungen : Die Uteri münden in der Mitte der Fläche, die Vaginae 



114 

und die Vasa defferentia mit einander in den Randkanten der Proglotideu. Die Eier 
sind 0*07 mm lang und 0055 mm breit. In einem Hechte (3. IV. 1898) 6 Exempl. 
Dieser Schmarotzer scheint in Podiebrad selten vorkommen. 





ig. 70. Kopf von Triacnopliorus 
uoilulosus. 'Journal rergr. 



Fig. 69. Eiu Darmstück des Hechtes mit drei Exemplaren des Triaenophorus nodulosus. Photogr. 

in natürl. Grösse. 



20. Caryophyllaeus mutabilis Kud. 
(Fig. 71.) 



Syn.: Taenia laticeps Pall., Fasciolaria fimbriata Goeze, Caryophyllaeus com- 
munis Schrank, piscium Gmel, cyprinorum Zed., appendiculatus Katzel (larva). 

Lit: 11. p. 180. Taf. XV. F. 4-5.; 28. III. p. 9. Taf. VIII. F. 16-18.; 
27. p. 127-441.; 4. p. 65.; 3. T. XI. F. 1-8.; 7. p. 60.; 10. p. 630.; 8. I. 
p. 577-578.; 2. p. 324. T. XII. F. 1, 2.; 20. p. 138. T. IV. F. 1-7.; 40. p. -10 
bis 41.; 23. p. 32.; 37. p. 1—39. T. I., II. Text. Fig. 1, 2. 



115 

Ein ungegliederter Bandwurm. Die Genitalorgane wiederholen sich nicht. 
Länge 6 — 25 mm. Der Kopf flach, ist mit einer ausgezeichneten Kontractilität be- 
gabt, so dass er bald in viele Lappen (Nelkenwurm) ausgedehnt, bald eingezogen — 
kugelförmig erscheint. Der kurze Hals übergeht in den Kopf so wie in den Rumpf 
ganz allmählich, es ist also keine scharfe Abgrenzung vorhan- 
den. Der Rumpf ist am Ende breiter. In dem letzten Drittel 
liegt in einer kleiner Vertiefung die einzige Genitalöffnung- ". ' 

Der Innenraum ist mit zahlreichen Hoden und Dottersäcken 
gefüllt. Die Excretionsgefässe leuchten durch die Haut des 
lebenden Thieres wie ein lichtes Geflecht hindurch, das, aus 
zarten Kanälchen bestehend, in 10 Hauptästen sich vereinigt, 
die am Ende des Rumpfes in einer Endblase endigen, die 
durch den Excretionsporus nach aussen mündet. 

Der Nelkenwurm ist nach dem Echinorhynchus der 
häufigste Helminthe der Podiebrader Fische. Er wurde bis 
jetzt in nachstehenden Fischarten gefunden: Tinea vulgaris, 
Abramis brama (Umal, darunter zweimal bis 50 Stücke in 
einem Fische), Abramidopsis Leuckarti (einmal, 40 Stücke), 
Blicca björkna (5mal), Idus melanotus (einmaL, Scardinius 
erythrophtalmus (nur 1 Stück), Squalius cephalus (2mal) 
und Squalius lepusculus (lmal gegen 50) Exemplaren). 



In der folgenden Tabelle (siehe Seite 116) sind der 
leichteren Übersicht wegen die eben besprochenen Helminthen 
zusammengestellt. Die römischen Ziffern geben die Monate, 
in denen sie gefunden wurden, an. Bei den Nematoden be- 
deutet O geschlechtlich unreife Thiere, tf geschlechtsreife 
Männchen, Q geschlechtsreife Weibchen, bei den Cestoden 
sind geschlechtsreife Thiere durch O gekennzeichnet. 

Indem ich noch im kurzen auf die aus der Tabelle 
ersichtliche Thatsache aufmerksam mache, dass die Frühjahrs- 
monate den Eingeweidewürmern überhaupt am meisten günstig sind, die Herbst- 
monate viele von ihnen vollständig verschwinden lassen, will ich meinen Aufsatz 
beendigen mit der Bemerkung, man solle denselben nur für ein vorläufiges 
Verzeicbniss der Helminthenfaune der Fische der Elbe ansehen. 



Fig. 71. Caryophyllaeus 

nmtabilis. Kud. (nach v. 

Beneden) Umal vergr. 



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117 

Yerzeichniss der wichtigsten Litteratiir. 

1. van Beneden, Memoire sur les intestinaux. Suppl. Comptes Rendus. 
T. IV. 1861. 

2. Elanchard, Sur l'organisation des Vers, in: Annal. Scienc. Nat. 3 Ser. 
Paris, 1848. 

3. Bremser, Icones Helminthum Systema Rudolphii Entozoologicum illu- 
strantes. Viennae 1824. 

4. Bremser, Lebende Würmer in lebenden Menschen. Wien 1819. 

5. Burmeister, Distomum globiporum Rud., in Arch. für Naturg. II. 1835. 

6. Bütschli, Zur Entwickelungsgeschichte des Cuculanus elegans Zed. Zeitchr. 
f. wiss. Zool. XXVI. p. 100. 

7. Creplin, Observationes de Entozois, Grypbiswald. 1825. 

8. Diesing, Systema Helminthum, Vindob. 1850, 1851. 

9. „ Neunzehn Arten von Trematoden ; Denkschr. d. k. k. Akad. 
der Wiss. Wien X. 1855 p. 59-70. 3 Taf. 

10. Dujardin, Histoire naturelle des Helminthes, Paris 1845 et Atlas. 

11. Goeze, Versuch einer Naturgeschichte der Eingeweidewürmer thierischer 
Körper, Blankenburg. 1782. ' 

12. Kraemer, Beiträge zur Anat. u. Histol. der Cestoden der Süsswasser- 
fische. Zeitschr. f. wiss. Zool. 53 Bd., p. 647. 2 Taf. 

13. Leuckart, Die menschlichen Parasiten etc. Leipzig 1863, 1867. 

14. von Linstow, Compendium der Helminthologie. Hannover 1878. 

15. „ Compendium der Helminthologie Nachtrag. Hannover 1889. 

16. „ Über Ascaris cristata nov. spec. in Arch. f. Naturg. Jhg. 38. 
I. p. 148. Taf. VI. 

17. von Linstow, Beobachtungen an bekannten und neuen Nematoden und 
Trematoden, in Arch. f. Nat. Jhg. 51. I. p. 235. Tf. XIII-XV. 

18. von Linstow, Helminthologische Untersuchungen. Jahreshefte des Ver. 
f. vaterl. Naturkunde in Wiirtemberg 35 Jhg. Stuttgart 1879. p. 313—342. Taf. V. 

19. von LJnstow, Über Ichthyonema sanguineum, Archiv f. Naturg. Jhg. 40. I. 
1874. p. 122. T. IV. 

20. von LJnstow, Über die Entwickelungsgeschichte des Distomum nodulosum 
Zed. Arch. f. Naturg. 39. I. 1873. p. 1-7. Taf. I. 

20. a von Linstoiv, Enthelminthologica. Arch. f. Naturg. 1877. I. p. 173. 
Taf. XII.— XIV. 

21. Linton, Notes on Cestode Parasites of Fishes. Proc. of the United States 
Nat, Museum Vol. XX. 1898. 

22. Loos, Die Distomen unserer Fische und Frösche. Bibliotheca zoologica. 
Hejt XVI. 1894. 

23. Mühling, Die Helminthenfauua der Wirbelthiere Ostpreussens. Archiv 
f. Naturg. Jhg. LXIV. I Heft. 



118 

24. Müller, Zoologiae Danicae Prodromus, Havniae 177G u. Atlas. 

25. v. Nordmann, Mikiographische Beiträge zur Naturgeschichte der wirbel- 
losen Thiere, Berlin 1832. 

20. Ratgel, Zur Entwicklungsgeschichte der Gestoden in Arch. f. Naturg- 
1868. p. 138. Taf. IV. 

27. Rudolphi, Entozoorum Synopsis, Berolini 1819. 

28. „ Entozoorum Historia Naturalis, Amstel. 1808. 

39. Schmidt, Beiträge zur Kenntniss der Entwickelang der Geschlechtsorgane 
einiger Cestoden : Z. f. w. Z. 46. Bd. 1888. p. 155. Taf. XVI-XVII. 

30. Schneider, Monographie der Nematoden, Berlin 1366. 

31. v. Siebold, Helminthologische Beiträge, Arch. f. Nat. 1836. I. p. 217. 
Taf. VI. 

32. Stossich, Elminti Veneti etc. Trieste 1890. 

33. „ I. Distomi dei Pesci Marini e d'Aqua Dolce. Trieste 1886. 

34. „ Appendice al Distomi dei Pesci etc. Trieste 1888. 

35. „ Filarie e Spiroptere. Boll. di Scienze Natur, in Trieste Vol. 
XVIII. 1898. p. 13—62. 

30. Stossich, II. Genere Ascaris. Bol. d. Sc. Nat. Trieste Vol. XVII. 
1896. p. 9. 

37. Will, Anatomie von Caryophyleus mutabilis Rud. Z. f. w. Zool. 1893 
T. 56. p. 1—39. Taf. I, II. u. 2 Txtfigg. 

38. v. Willemoes Sühnt, Helminthologische Notizen II. Z. f. w. Zool. 
XX. 1896. 

39. v. Willemoes Suhm, Helminthologische Notizen III. Z. f. w. Zool. 
XXIII. 1871. 

40. Zschokke, Recherches sur l'orgauisation et la distribution zool. des vers 
parasites d'eau douce. Archiv biolog. V. Gand. 1884. pag. 1. pl. IX, X. 

Krustenthiere (( rustacea). 

K i e m e n f ü s s er (ß r a n c h i o p o d a. ) 

Apus produetus, L. Kommt, wie schon oben erwähnt, beiPodiebrad vor- 
zugsweise am rechten Elbeufer vor. Einige Jahre im April und Mai massenhaft 
in den Dreinagegräben. Siehe Seite 77. 

Branchipus Grubei, Dyb* Bei Podiebrad nur am linken Elbeufer in 
den kleinen Tümpeln und Gräben. Siehe Seite 78. Im April und Mai. 

W a ss er flöhe. (Glad ocera. ) 

Sida crystallina 0. F. Müll. (Arch. IX. 2. Fig. 28.) Vom Mai bis 
September sehr häufig am Ufer, an den Prlanzenstengeln und au der Unterseite 
der Blätter. 

Daphnella braehyura, Liev. (Arch IX. 2. Fig. 29.) Sehr häufig in den 
Sommermonaten an der Oberfläche und in 1 M. Tiefe. 

Daphuia pennata, 0. F. Müll. In der Skupice in 1 . M. Tiefe vereinzelt, in 
Labice und in den Drainage-Uräben sehr häutig. 



119 



Daphnia longispina, Leyd. (Arch IX. 2. Fig. 30.) In den Sommer- 
monaten häufig an der Oberfläche und in 1 M. Tiefe, zuweilen auch am Boden. 

Daphnia microcephala, Sars (Fig. 72). Diese Art gehört zu den 
kleinsten seiner Gattung, ist nur 075 mm lang. Das Nebenauge ist, wie Sars 
richtig in seiner Diagnose anführt, als ein winziger 
Punkt vorhanden, während Hellich dasselbe übersehen 
hat. Das Postabdomen mit 7 winzigen Zähnchen. 
Diese Art ist im Plankton in 1 m. Tiefe und auch 
au der Oberfläche häufig vorhanden, und zwar vom 
April bis November. Im September treten die 
Männchen auf und die Weibchen fangen an die 
Ephippien zu bilden. 

Daphnia Kahlbergensis, Schoedl. (Arch. 
IX. 2. Fig. 32). Erscheint in der Skupice an der 
Oberfläche und in 1. M Tiefe nicht in grosser Menge. 

Simocephalus vetulus, 0. F. M. Sehr 
häufig am Ufer in der Skupice, während in den Drai- 
nage-Gräben derselbe durch S. exspinosus, Koch 
vertreten ist. 

Scapholeberis mucronata, 0. F. M. 
(Arch. IX. 2. Fig. 33). Sehr häufig am Ufer in der 
Skupice, Labice, in der Elbe und in den Drainage- 
Gräben. 

Ceriodaphnia pulchella, G. 0. S. Im 
Juni in grosser Menge im Plankton in 1 u. 2 M. 
Tiefe, auch am Ufer. Im October auch die Männchen. 
C. reticulata, Jur. in den Drainage-Gräben und 
in der Labice. 

Moina micrura, Kurz. (Fig. 73.) Post- 
abdomen sehr kurz, mit, 5— 6 kleinen, zart gefiederten Zähnchen. Der Doppelzahn ziem- 
lich lang. Bisher nur bei Kuttenberg und in der „Skupice" bei Podiebrad gefunden. 
Vom Juli bis September an der Oberfläche und in 1 M. Tiefe. Im September 
erscheinen auch die Männchen. 

Bosmina cornuta, Jur. In den Sommermonaten in grosser Menge an der 
Oberfläche und in 1 M. Tiefe. B. longirostris, 0. F. M. (Arch. IX. 2. Fig. 34.) 
Vereinzelt am Ufer. 

Von den Lyncodaphniden ist Macrothrix laticornis Jur. und Ilyocryptus 
sordidus Liöv. (Arch. IX. 2. Fig. 35.) häufig am Ufer und am Boden. Streblo- 
cerus serricaudatus Fisch, wurde einmal bei dem Hochwasser gefischt, 
vermuthlich verschleppt. 

Eurycercus lamellatus, 0. F. M., Acroperus leucocephalus, 
Koch, Alona affin is, Leydig sind regelmässig am Ufer vorhanden. Alona 
teuuicaudis. Sars, A. lineata, Fisch. A. testudinaria Fisch und A. rostrata 
Koch (Arch. IX. 2. Fig. 37.) nur vereinzelt. 




Fig. 



72. Daphnia microcephala 
Sars. Vergr. 80 mal. 



120 



Pleuroxus truncatus 0. F. Müll. Sehr häutig am 
auch im Plankton in 1 M. Tiefe. P. personatus Leyd., t 

F. Müll, und P. a dun cn 8, Ind. nur vereinzelt. 

Chydorus s p h a e r i c u s 0. F. Müll. 
Sehr häufig und in grosser Menge am Ufer. 
Ch. globosus, Baird, vereinzelt. 

Leptodora kindtii Focke (hyalina 
Lilj. (Arch. IX. 2. Fig. 40.) Erscheint unre- 
gelmiissig in der Skupice, bald in grösserer 
oder geringerer Menge in 1 M. Tiefe. Im 
Jänner 1898 wurden einige Exemplare auch 
unter der Eisdecke gefischt. 



Ufer, 
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zuweilen 
llus, 0. 



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Ostracoda (Museheikrebse.) 

N o t o d r o m a s m o n a c h a 0. F. Müll. 
(Arch. VIII. 3. Fig. 7.) Häufig in den Drainage - 
Gräben. ^W 

Candona compressa, Brady \-H ."_*■•-"'' 

(:= pubescens Br. und Norm) (Arch. VIII. 
3. Fig. 11.) In der Skupice am Ufer und am 
Boden vom April bis Juli. Dieselbe ist 
eine Frühjahrsform. 

Candona hyalina, Br. & Norm. In Fig. 73. Moina micrura, Kurz. Vergr. SOmal 
der Skupice am Ufer vom November bis 
März ziemlich häufig. Dieselbe ist also eine 

Cyclocypris laevis, 0. F. Müll 
ophthalmi ca, Jur. (Arch VIII. 3. Fig. 19. 
Müll. (Arch VIII. 3. Fig. 23.) überall in 




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74. Li mnicy tb e re saneti-patrieii B. u. 
n von der Seite, b von oben. V*erg. 53 mal. 
o Fnrka Vergr. 300 mal. 



Winterform. 

. (Arch. VIII. 3. Fig. 21.. Cypria 

) und Cypridopsis v i d u a, 0. F. 

der Skupice, in der Elbe, in den 
Drainage - Gräben und in allen 
Tümpeln sehr zahlreich. 

Cypria reptans, Baird. 
(Arch. VIII. 3. Fig. 28.) Sie 
kommt fast das ganze Jahr hin- 
durch in der Skupice am Ufer 
und am Bodem vor, aber niemals 
in grösser Anzahl. 

Cypris pubera, 0. F. 
Müll., reticulata, Zadd und 
virens, Jur kommen in grosser 
Menge in den Drainage -Gräben 
und in der Labice vor. 

Limn icythere saneti- 
p a I, ricj i. Hr. a Hub (Fig. 74.). 



I 



121 

Ein Weibchen wurde am 4. October 1898 in einer Grundprobe im Sande aus der 
Elbe gefunden. Die Schale ist 07 mm lang (a b) weisslich und mit einer feinen 
Felderung geziert. Die Furka (c) ist deutlich entwickelt, mit einer stärkeren Borste 
am Ende und einer kürzeren am Hinterrande. Das Abdominalende trägt eine Borste, 
und am Bücken einige Beihen von kleinen Börstchen. 

Diese Art wurde bisher in Grossbritanien, in der Schweiz, im Mondsee 
und Wolfgangsee gefunden. 



Spaltfüsser (C'opepoda). 

Kauende Ruder füsser (Gnathostomata). 

Cyclops strenuus Fisch. (Arch. IX. 2 Fig. 44). In der Skupice nicht 
häufig in 1 M. Tiefe und am Ufer. Auch in der Elbe, in der Labice und in den 
Diainage-Gräben. 

Cyclops insignis Cls. (Fr. Krust. Fig. 17). Diese Art steht der vorigen 
sehr nahe, die ersten Antennen sind aber nur vierzehngliederig. Man findet die 
Art nur in den Wintermonaten, in der Skupice haben wir sie im November, December 
und Jänner am Ufer gefunden. Hartwig hat eine Zwischenform zwischen C. strenuus 
und C. insignis gefunden und hält deshalb C. insignis nur für eine Winterform von 
C. strenuus. 

Cyclops oithonoides var. hyalina Rehb. (Fig. 20. p. 49.) Betheiligt sich 
in der Sku pice an der Zusammensetzung des Planktons. An der Oberfläche und in 1 M. 
Tiefe ist derselbe fast stets, in den Wintermonaten nur in geringer Anzahl, in den 
Sommermonaten, im Juli und August in grossen Mengen vorhanden. Im August 
sind die Männchen sehr häufig. 

Cyclops fuscus Jur. (Fr. Kr. Fig. 11.) albidus Jur. (Arch. IX. 2. 
Fig. 45) und C. serrulatus Fisch. (Arch. IX. 2. pag. 59) sind fast das ganze 
Jahr hindurch regelmässige Uferbewohner. 

Canthocamptus minutus Cls. Am Grunde, dem Ufer, und auch an der 
Oberfläche das ganze Jahr hindurch ziemlich häufig. 

Diaptomus gracilis Sars. (Arch. IX. 2. Fig. 76.) In der Skupice das 
ganze Jahr hindurch, auch unter dem Eise in 1 M. Tiefe, gelegentlich auch au der 
Oberfläche vorhanden. Die grösste Menge desselben erscheint im August und 
September. 

Diaptomus castor Jur. (Fr. Kr. Fig. 22). Diese grosse Art lebt in 
grosser Menge nur in kleinen, im Sommer austrocknenden Tümpeln, in denen auch 
Branchipus Grubei und Apus productus vorkommt. 

Saugende Ruderfüsser oder Schmarotzerkrebse (Siphonostomata). 

Lernaeoeera esocina Herrn. (Fig. 75). Lebt meistens in der Kiemen- 
hohle mit dem Kopfe eingebohrt, wodurch daselbst eine entzündete Wunde erzeugt 



122 



wird. Wir haben dieselbe im März und August aus den Hechten, die in den Tümpeln 
getischt wurden, bekommen. 

Lamproglaena pulchella Nordm. (Fig 76.) Setzt sich an den Kiemen 
der Fische fest, wo er direct die Capillaren ansaugt. Im März und April fanden 



J - 



Fig. 75. Lernaeocera eso- 
eina Herrn, 5mal vergr. 





Fig. 77. Krgasilua Sielioldi Nordm. an 
den Kiemen der Schleihe. lninal vergr. 



l''ig. 76. Lamproglaena pulcbella Nordm. Mit Eiers&kchen. 
lömal vergr. 

wir junge Exemplare, im Mai bis August mit Eier- 
säcken, im November waren die Exemplare wieder 
ohne Eiersäcken. Wir fanden diese Art an den 
Kiemen des Schieds (Aspius rapax), des Rothau- 
ges,' des Dieblings und des Häslings (Squalius 
leuciscus). 

Ergasilus Sieboldi Nordm. (Fig. 77. u. 
78.) Diese zierlichen Schmarotzerkrebse erscheinen 
an den Kiemen der Fische als kleine, kreideweisse 
Punkte. Sie sitzen mit Vorliebe am Grunde der 
Kiemen plätchen. Unter dem Mikroskope sind sie 
im Leben schön blau marmoriert. Sie sind blos 
l'bmm laug und erscheinen manchmal in grösserer 



s*» 



.. \ 



V.— - 




Fig. 78. Krgasilns Sielioldi Nordm. 
Weibchen mit Eiersackchen. GOuial 
vergr. 



123 

Anzahl. Wir fanden denselben vom December bis August, vom September bis 
November wurde die Art gänzlich vermisst. Vom April bis Juli findet man die 
Weibchen mit Eiersäcken. Als Wirthe desselben erwiesen sich die folgenden 13 
Fischarten: der Barsch, der Kaulbarsch, der Wels, die Karausche, die Schleihe, 
der Blei, der Bastard, die Zährte, die Blicke, der Gängling, das Rothauge, die 
Plötze und der Hecht. 

Kiemenschwänze (Branchiura). 

Argulus foliaceus L. Karpfenlaus. (Arch. IX. 2. Fig. 47.) Auf den 
Fischen festsitzend, auch an den Kiemen gelegentlich gefunden. Wird hie und da 
auch freischwimmend im Litorale, und zuweilen auch im Plankton angetroffen. 

Asseln (Isopoda). 

Asellus aquaticus, Geoffr. Wasserassel. Das ganze Jahr hindurch am 
Ufer gemein. Sie bildet eine wichtige Fischnahrung. 

Schalenkrebse (Decapoda). 

Astacus fluviatilis L. Den Flusskrebs haben wir bei Podiebrad nur 
einmal aus der Elbe bekommen, und zwar haben die Fischer beim Ausheben des 
Sandes im August 1900 ein junges Exemplar von 3 cm Länge gefunden. 



Spinnenthiere (Arachnoidea). 

Von Spinnen sind Argyroneta aquatica L.., die ihre Luftsäckchen 
am Ufer an die Wasserpflanzen befestigt und Tetragnatha extensa F., die 
ihre Netze über dem Wasser aufspannt, zu erwähnen. 

Von den Bärenthierchen (Tardigrada) ist am Grunde Macrobiotus 
macronyx Duj. (Fig. 26. no. 23.) eine häufige Erscheinung. Man findet oft das 
Weibchen, die die abgestreifte Haut bis mit 20 Eiern mitschleppt. 



Hydrachnidae (Wassermilbeii) der Umgebung; von Podiebrad. 

Vom Uni v.-Assistenten Karl Thon. 

Das Hydrachnidenmaterial aus der Elbebucht „Skupice", die mir von 
Prof. Dr. A. Fric und Dr. V. Vävra zur Bearbeitung übergeben wurde, besitzt den- 
selben Charakter, wie alle übrigen Tümpel der mittleren Elbegegend, ist aber hier 
nur auf die litorale Zone und auf die von üppiger Vegetation bedeckten Buchten 
beschränkt. 

Die Hydrachnidenfauna ist in allen Elbe-Tümpeln gleich; zuerst im März 
und April erscheinen einige zeitlichen Formen der Gattung Curvipes Koenike 
(= Piona Koch) und Hydryphantes Koch; im Juli und August erreicht die 
Menge ihre höchste Entwicklung. Die Hydrachnidenfauna dieser Lokalitäten ist 



124 

meistens cbarakterisirt durch eine bedeutende Menge von Vertretern der Gattung 
Arrhenurus Duges mit folgenden Arten: Air. maximus Piersig, Arr. 
tri cuspidator Müller, Arr. maculator Müller, Arr. globator Müller, 
ferner durch nachstehende Formen: Curv. rot und us Krämer, Curv. longi- 
pal p i s Krend. L i m n e s i a m a c u 1 a t a Müller, L i m. li i s t r i o nica 
Hermann, Brachypoda versicolor Müller, Atax crassipes Müller, 
Diplodontus despiciens Müller, Hydrachna globosa de Geer und 
in den Sommermonaten durch einige Arten der Gattung Eulais Latr. und 
die Form L i m noch a res aquaticus L. Im Herbst, wenn schon der 
grössere Theil der übrigen Formen verschwunden ist, bleiben nocb verschiedene 
Formen der Gattung Arrenurus "in bedeutenderer Anzahl zurück. Über den 
Winter halten sich grösstentheils nur die Nymphen und von erwachsenen Thieren 
Arrh enur us globator Müll., Brachypoda versicolor Müll. 9, Atax 
crassipes Müll., sowie die in Anodonten lebenden Formen. Wo die Vegetation 
des Ceratophyllum und der Seerose am stärksten entwickelt ist, concentrirt sich 
die litorale Thierwelt, besonders die Wassermilben. Hier erscheint im Juli zahl- 
reich die Gattung Eulais, um in ungeheueren Massen ihren Laich abzulegen, hier 
ist der Aufenthaltsort der Art L i m n o c h a r e s aquaticus. — Nebstdem halten 
sich die Hydrachniden in grösserer Anzahl an jenen Stellen auf, wo die Seerose, 
Ceratophyllum, Potamogeton zusammen Vegetationsinseln bilden. Sie weichen der 
Vegetation des Schilfes und Scirpus aus. 

Nur wenige Hydrachniden finden wir in dem s. g. schmalen Arme der Skupice, 
trotzdem er dicht von Potamogeton, Ceratophyllum, Nuphar etc. verwachsen ist. Die 
Ursache davon muss man darin suchen, dass der Arm im directen Contact mit der 
fiiessenden Elbe steht, und vom Hochwasser in erster Reiche ausgeschwemmt wird. 

Die Hydrachniden fangen ihre Eier im Anfang Mai abzulegen. Die Mehrzahl 
von ihnen legt ihren Laich an die untere Fläche der Seerose-Blätter. 

öfters finden wir Platter, deren untere Fläche grösstentheils von einer grossen 
Anzahl von Eiern bedeckt ist, welche verschiedenen Arten angehören. Die Färbung 
der Eier, welche im Dotter ihren Grund hat, entspricht der Farbe des Thieres. 
Die Gattung Curvipes hat vveissliche Eier, die Gattung Limnesia hat einen 
orangefarbenen Laich, Arrenurus einen gelblichen oder rüth liehen etc. Ein jedes 
Ei ist von einer starken Chitinschichte umgeben; alle sind knapp nebeneinander 
abgelegt und durch eine ^Gallerte verbunden, welche im Wasser sofort zu einer 
wachsartigen, durchsichtigen, und durchaus resistenten Masse verhärtet. I >i<- Genesis 
dieser Schutzgallerte beleuchtete eine zufällige Beobachtung. Es war räthselhaft, 
woher diese Gallerte stammt, 

Als ich unter dem Microscope das Ablegen der Eier bei einigen Formen 
der Gattuug^Eulais untersuchte, fand ich, dass die frisch gelegten Eier gänzlich 
ohne (lauerte sind und eng neben einander liegen. Gleichzeitig laufen einigt 
Weibchen langsam über die Oberfläche der frischgelegten Eier, indem sie den hinteren 
Körpertheil gehoben tragen und das Maxillarorgan mit der Mundöffnung knapp zur 
überdache der Eierjanlegen. Aus der Mundöffnung fliesst ein Secret aus, welches 
im Wasser sofort erhaltet, die Eier verbindet und schützt. Dieses Secret nimmt seinen 
Ursprung wahrscheinlich in den mächtigen Speicheldrüsen, die in der ersten Körper- 



125 



hälfte über dem Oesophagus liegen. Die keilförmigen Zellen, aus denen die 
Drüse zusammengesetzt ist, münden in einen kleinen Acinus ein, aus dem eine 
röhrenförmige Ausführung hervorgeht. Wohin diese Ausführung einmündet, ob in den 
Pharynx, oder iu die Mandibeln, oder iu die Mundöffnung, war bisher nicht möglich 
festzustellen. Diese Drüsen unterliegen im Verlaufe des Alters und in verschiedenen 
Jahreszeiten verschiedenen Aenderungen. 

Die Gattung Eulais legt ihren Laich hauptsächlich auf das Ceratophyllum 
und wickelt die Ästchen desselben mit ihren Eiern um. Es sind gewöhnlich ganze 
Pflanzen stocke der ganze Länge nach umwickelt und da der Laich rothfarbig ist, sieht 
die ganze Pflanze wie eine rothe Koralle aus (Fig. 77. flg. 1. u. 2.). Bie Weibehen 
sind vor der Ablegung mit Eiern vollge- 
stopft, deren Zahl bei einzelnen Individuen 
je nach der Grösse in die Hunderte reicht, 
der Eierstock drückt und überwuchert alle 
übrigen Organe. 

Die Gattung Eulais ist relativ rar 
und tritt nie in grösserer Menge auf. Nebst- 
dem sind die erwachsenen Thiere, und auch 
die Nymphen wegen ihrer Weichheit eine 
willkommene Beute anderer Süsswasserthiere. 

Die Larven der Gattung Eylais ver- 
lassen die Gallerthülle zu Anfang August. 
Neuman*) und Piers ig**) geben an, 
dass ein Theil der Eier über den Winter 
unentwickelt bleibt und erst im Frühjahr 
sich aus ihnen Larven entwickeln ; ich 
konnte jedoch diese Ansicht nicht bestätigen. 
Aus allen Eiern, die ich fand, sind zu An- 
fang August Larven ausgeschlüpft. Die rothge- 
färbtenjLarven (Siehe Abb. 80. Nr. 1.) steigen 
sofort zur Oberfläche des Wassers empor 
und hier laufen nach Art der Hydrometriden 
herum und kriechen sogar auf das Festland, 
fangen sich dann an den Flügeln der aus 
Puppen herauskriechenden Odonaten und 
diese tragen sie an andere Lokalitäten. An 
den Flügeln der Libellen geht unter der Lar- 
ven — Cuticula die weitere Metamorphose in 

Nymphen vor sich. Diese Verbreitung mit Hülfe der Libellen geschieht regelmässig 
und ist gewiss ein Mittel ihrer raschen Verbreitung. — Nebstdem fangen sich die 
Larven an den Kiemenlamellen der Fische oder an schwimmenden Pflanzen und 




Fig. 79. 1. Laich der Gatt. Eulais etwas 
verkleinert. 2. Derselbe vergrossert. 3. 
Laich der Gatt. Curvipes in natürl. 
Grösse. 4. Ein Theil desselben vergrossert. 



*) Neuman C. Sur le developpement des Hydrachnides. Entomol. Tidskrift. Bd. I. 
Stockholm 1880. 

**) Piersig R. : Deutschlands Hydrachniden (Zoologica) p. 423. 



126 



Wurzeln, gelangen in den Strom und werden so weiter getragen. Bis jetzt konnte 
ich in der Skupice nachstehende Hydrachnideu Formen constatiren. 





3. 



Fig. 80. 1. Larve von Eulais von der Bauchseite, 2. Endkralle des dritten Kusses derselben. 
3. Deutovum-Stadium von Diplodontus despiciens. a. I'rotosligma. n. Urotrachea. 



Atax ypsilophorus Bonz. ('Fig. 81.) 
Der Körper gross, länglich eiförmig, dunkel ge- 
färbt, mit schwefelgelbem Excretionsorgane, die 
Maxillartaster kurz, sehr dick. Area genitalis 
liegt am hintersten Körperrande. Die Genital- 
platten halbmondförmig, breit, mit grosser An- 
zahl der Sinneskörperchen. Die mächtigen 
chitinösen Schamlippen bedecken eine bieite 
Genitalöffnung. 

Atax bouzi Claparede. Der Körper 
kleiner, fast kugelig, durchsichtig. Das äussere 
i ienitalorgan liegt am hinteren Rande des Kör- 
pers. Jede Genitalplatte trägt nur 5 grosse 
Sinnes-Körperchen. Beide diese Formen leben 
nie frei, sondern sie parasitiren in den Kiemen 
von Anodonten. Es wird gewöhnlich angegeben, 
dass die erste Art regelmässig nur die Ano- 
donten aussucht, während Atax bonzi mit 




«4« 



Fig. 81. Atax ypsilophorus Ho uz. 
1. Genitalfeld des Männchens, 2, des 
Weihchens, o.g. Genitalöffnung, ;>,, ;>, 
Schamlippen, cht vorderes, rhs hinteres 
Chitinstück. IS mittlere ( liitinleiste. 



127 



Vorliebe die Unioniden wählt. In zahllosen Fällen habe ich beide Formen beisammen 
gefunden, wie in Anodonten, so in Unioniden. 




Fig. 82. Atax crassipes Müller. Das Weibchen von der Bauchseite. 



Gewöhnlich sitzen die Milben in dem Kiemen-Schleim, mit Vorliebe aber 
sammeln sich bei den Siphonen. Die Thiere leben blos in dem Schleime des Mantels 



128 



und der Kiemen, ohue sich an 
seinem Körper zu nehmen. 

Im freien Wasser halten 
sie sich sehr lange, indem 
sie am Boden lebhaft krie- 
chen, wozu ihnen die Bor- 
sten dienen, velche sich aus 
den Schwimmborsten zu einer 
Art von Schleppborsten um- 
wandelten. In der Skupice 
kommen die beiden Formen 
sehr zahlreich und regel- 
mässig vor. 

Atax crassipes 
Müller. (Fig. 82. und 84. 
No. 2.) Der Körper klein, 
dursichtig, am hinteren 
Rande wie abgeschnit- 
ten. An beiden Ecken des 
hinteren Körperrandes sitzt 
je ein Höcker, welcher die 
Ausführung einer mächtigen 
Hautdrüse darstellt. Füsse 
sehr dünn und lang, das 
erste Paar bedeutend kürzer 
und dicker, am zweiten 
Gliede mit einem laugen, 
starken, beweglichen Stachel 
bewaffnet. Jede Genitalplatte 
in zwei Hälften getheilt. Auf 
diese Weise entstandene vier 
Plättchen sind in der Mitte 
an der Genitalöffhung verbun- 
den und jede trägt drei Sin- 
neskörperchen. (Fig. 84. No. 
2.) Diese Wassermilbe ist 
sehr häufig in der ganzen 
Litoral-Zone, von den ersten 
Frühjahrsmonaten bis zum 
November. In diesem Monate 
steigen die Thiere zum Boden, 
wo sie allem Anscheine nach 
überwintern. Wegen des 
Mangels an Schwimmborsten, 
kriecht das Thier am Boden, 



dem Körper des Wirthes zu halten und Nahrung aus 




I -in ■.*:>. Neumania apiuipes Müller. 1. Larve. 2. Nymphe« 



129 



oder unter den Wasserpflanzen ; seine Bewegungen sind langsam, schaukelnd, der 
Körper erhebt sich an den hohen Füssen wie bei den Opilioniden. 

Neumania spinipes Müller (Fig. 83. No 1. 2., 84. No. 1., 85. No. 2.) 
Der Körper klein; an den Füssen zahlreiche gefiederte und spiralförmig gerollte 



cliv 




Fig. 84. Area genitalis des Weibchens von 1. Neumania spinipes. 2. Attax crassipes. 

Borsten. (Area genitalis des 9 Fig- 84. No. 1.) Beim Männchen liegt das äussere 
Genitalhof am hintersten Körperrande (Fig. 85. No. 2.) In der ganzen Litoral-Zone 
vom Frühjahr bis zum November. In den Sommermonaten kommen die Larven 
und Nymphen vor. (Fig. 83.) 

Hydrochoreutes ungu- 
latus (Koch) Piersig. Der 
Körper klein, fast kugelig, mit 
ungemein langen, sehr dünnen 
Füssen und Palpen. Die Genital- 
platen sichelförmig mit je drei 
Sinneskörperchen und zahlreichen 
langen, dünnen Borsten. Beim 
Männchen trägt der hintere Körper- 
rand einen stabartigen Petiolus, 
das vierte Glied am letzten Fusse 
ist bedeutend umgebildet. — Diese 
charakteristische Art habe ich nur 
in wenigen, weiblichen Exemplaren 
im Litorale eingetroffen. Die Männ- 
chen sind sehr selten ; in Böhmen 
habe ich sie nur in zwei Lokali- 
täten ausgefischt. Fig- 85 - Genitalhof 1. Des Weibchens von Curvipes 

_ . j TT- rotundus, 2. des Männchens von Neumannia spinipes 

CurvipesrotundusKra- , „ '.. ,..„ „, ,. , F A v 

K . (o.g. Gemtaloflnung, p,, p, Schamlippen, chv. vorderes, 

mer (Fig. 85. No. 1. Fig. 86.) ch , m hinteres, chp. mittleres Chitinstück, e. Epimeren, 
Sämmtliche Arten der Gattung z.fc. Ausführung der Hautdrüse.) 




130 



Curvipes Koeuike sind dadurch charakterisirt, dass die 
Männchen das letzte Glied des dritten Fusses und das vierte 
Glied am letzten Fusse zu den Copulations-Zwecken umge- 
bildet haben. (Fig. 86.) Die breite Genitalör&ung ist beim 
männlichen Geschlechte gänzlich von den breiten Genital- 
platten umgeben; hinter der Genitalöffnung befindet sich ein 
chitinöser Sack, die s. g. Sarnentasche. Die Männchen tragen 
den dritten Fuss mittels Endkrallen des letzten Gliedes stets 
in der Samentasche eingeklammert. — Diese Art besitzt 
einen grünlichen, fast kugeligen Körper. Die Genitalplatten 
des Weibchens (Fig. 85. No. 1.) sind sichelförmig, eng, mit 
grosser Anzahl der Sinneskörperchen bedeckt. Diese Form 
kommt schon im März zum Vorschein und wir können sie 
in dem ganzen Litorale, auch am Boden bis zum November 
auffinden. 

Curvipes nodatus Müller var. typicusThon. 
(Fig. 87.) Der Körper gross, braun gefärbt, mit gelblicher oder 





\ ! 



Fig. 87. Larve von Curvipes nodatus Müller von der 
Bauchseite. 



Fig. 8G. Der letzte Fuss 
eines Männchens der Gat- 
tung Curvipes Koenike. 

orangefarbiger Excretions- 
röhre, bis 2-5 mm lang. Die 
Genitalplatten beim q halb- 
kreisförmig, mit zahlreichen 
Sinneskörperchen. Sie er- 
scheinen schon Ende März, 
die Männchen treten erst 
Anfang Juni in grösserer 
Menge hervor. Einige am 
Boden gefundenen Exemplare 
waren dunkel gefärbt, und 
stimmten mit Individuen, 
welche ich am Boden anderer 
Localitäten (Teich in Unter- 
Poiernitz, Teich I'felejvac 
bei Goltsch-Jenikov etc.) ge- 
funden habe. Es scheint, dass 
dieselbe eine constante Spiel- 
art ist. — Die Larven finden 
wir durch den ganzen Sommer 
im Litorale, hie und da aucli 
in der pelagischen Zone. 






131 

Curvipes nodatus var. coccineus Bruz. Eine etwas grössere 
Form, als die vorhergehende Varietät, prächtig roth gefärbt mit gelbem Stirnrande. 
Sie kommt unter der litoralen Vegetation in Sommermonaten vor. 

Curvipes rufus Koch. (Fig. 88. No. 1.) Diese Art ähnelt sehr dein 
Curvipes rotundus Kramer. Der Körper länglich, vorne abgeschnitten, hinten etwas 




r H /IH7 



Fig. 88. Genitalhof 1. von Curvipes rufus Koch <?. 2. von Curvipes conglobatus Koch §. 



verengt. Area genitalis: Fig. 88. No. 1. Diese Form lebt von den ersten Frühjahrs- 
monaten in der ganzen Uferzone. Die Männchen sind sehi klein und kommen 
hauptsächlich im April vor. 

Curvipes conglobatus Koch. (Fig. 88. No. 2.) Der Körper klein, beim 
Weibchen 1 mm lang, kugelig, beim <$ eng, viel kleiner. Die Genital-Sinneskör- 
perchen liegen beim Weibchen frei in der Haut bogenartig um die Genitalöffnung 
beim Männchen auf zwei engen, quer ausgezogenen Genitalplatten. 

Diese überall gewöhnliche 
Art ist auch in der Skupice sehr /( y 

häufig von Frühling bis zum 
Winter im ganzen Litorale. 

Curvipes longipalpis 
Krendowskij. (Fig. 89.) Der 
Körper sehr gross, bis 3 mm lang, 
rostfarben, mit mächtigen Extre- 
mitäten, welche mit den Epime- 
ralschildern und Genitalplatten 
schwarz gefärbt sind. Die Genital- 
platten sind mit grosser Anzahl Heimchens. 8 Genitalöffnung, k durchscheinende Samen- 
von kleinen Sinneskörperchen be- tasche, v Ausführungen der Hautdrüse, 

deckt, von denen zwei in der 

Mitte liegenden Sinneskörperchen etwas grösser sind. Die Genitalöffnung beim 
Männchen ist sehr klein, spaltförmig. (Fig. 89.) Diese schöne, grosse, für die 
Elbetümpel charakteristische Hydrachnide treffen wir vom Mai bis zum September 

9* 




Fig. 89. Curvipes longipalpis Krend. Genitalhof des 



132 



hauptsächlich iu den Buchtea im Ceratophyllum ein. — Von allen angeführten 
Curvipes-Arten finden wir durch das ganze Jahr zahlreiche Nymphen, welche beim 
ersten Anblick dadurch erkennbar sind, dass sie auf jeder kleiuen Genital platte 
nur je 2 grosse Sinneskörpercheu besitzen. 

Limnesia histrionica Her- 
mann. (Fig. 90. No. 1.). Der Körper 
eiförmig, bis 2'5 mm lang, roth, mit 
schwarzen Extremitäten. Das letzte 
Glied des vierten Fusses trägt statt 
zwei kleinen Endkrallen einen langen, 
dolchartigen Stachel. Das zweite Pal- 
penglied läuft auf seiner Beugseite in 
eiuen Höcker aus, auf welchem ein 
kurzer, stumpfer Stachel sitzt. Auf der 
Beugseite des vorletzten Palpengliedes 
finden wir nur zwei Borstchen nahe 
dem distalen Ende. 

Limnesia macu lata Müller. Fig. 90. Genitalhof 1. von Limnesia histrionica 
(Fig. 90. No 2.). Der Körper ähnlich wie Herrn. y, 2. yoq Limnesia maculata Müll. y. 





Fig. 91. Frontipoda musjculus jMüller, von der Bauchseite. 



133 

bei der vorigen Form roth, auch die Extremitäten. Das vierte Palpenglied kürzer 
als bei Limn. histrionica, trägt eine grössere Anzahl von Borstchen auf der Beug- 
seite. Genitalhof des Weibchens: Fig. 90. No 2. Beide diese Formen sind sehr 
häufig und erscheinen erst etwa Mitte Mai. Die Nymphen kommen schon zeitlich 
im Frühling, auch im Sommer und im Winter vor, die Larven finden sich häufig 
in der pelagischen und litoralen Zone. 

Frontipoda musculus Müller. (Fig. 91.) Der Körper 1 mm lang, tief 
grün gefärbt, mit hartem Panzer bedeckt, länglich oval, von den Seiten sehr stark 
zusammengedrückt und hoch gewölbt, sodass die Höhe viel grösser ist, als die 
Breite. Die Epimeren sind in einen Schild zusammengewachsen, der die ganze 




Fig. 92. Brachypoda versicolor Müller. Männchen von der Bauchseite. 



Bauchseite bedeckt und in der Mitte die Area genitalis umgibt. Auf jeder Seite 
der Genitalöffnung am inneren Rande der Genitalplatten sind je 3 längliche Sinnes- 
körperchen frei in die Haut gelegt. Die Extremitäten kurz, zum vorderen Körper- 
rande verschoben. (Fig. 91.) Diese schöne Hydrachnide finden wir selten von Mai 
bis zum Oktober in der litoralen Vegetation. 

Brachypoda versicolor Müller. (Fig. 92.) Der Körper sehr winzig, 
bunt gefärbt, von oben ganz abgeplattet, am hinteren Ende beim Männchen verengt 
und abgerundet, beim Weibchen breiter und in der Mitte des hinteren Randes 
mit einem bedeutenden Einschnitt versehen. Die Haut panzerartig. Die Epimeren- 



134 

glieder bilden einen gemeinsamnien Schild, welcher mit der Haut der Bauchseite 
verschmilzt. 

Der Genitalhof liegt beim Weibchen am hinteren Korperrande. Jede kleine 
rundliche Geuitalplatte trägt je 3 grosse Sinneskörperchen. Die Küsse sehr kurz. 
Der Körper des Mannchens schmäler, das vierte Glied des letzten Fusses sehr 
dick, gebogen, mit 2 starken, flachen Stacheln verschiedener Länge bewaffnet. 

Diese winzige Wassermilbe ist in der ganzen Skupice sehr häufig im Litorale, 
auch am Boden, besonders in Sommermonaten. Die Weibchen halten sich über 




Fig. 93. Arrhenurus globator Müller. Männchen. 

Winter, die Männchen erscheinen im Juli, Ende August und Anfang September 
sind sehr zahlreich. Im Frühjahr und Sommer finden wir öfters die sehr kleinen 
Nymphen. 

Arrhenurus globator Müller. (Fig. 93.) Sämtliche Arten der Gattung 
Arrhenurus Duges besitzen eine harte, panzerartige Haut, welche dichte, grosse, 
kreisförmige Geschwülste trägt, welche den Poren ähneln. Die Palpen sehr kurz, 
dick, ihr letztes Glied scheerenartig. 

Ein sehr auffallender Geschlechtsdimorphismus. Die Weibchen besitzen eine 
mehr oder minder rundliche Gestalt, hinten sind gewöhnlich abgestutzt, die 
Männchen sind in die Länge gezogen, in einigen Fällen am hinteren Körperende 






135 

mit besonderen, seitlichen Ausläufern, welche die grossen accessorischen Genitaldrüsen 
bewahren, dann mit langen Borsten und mit einem stabförmigen, chitinösen Gebilde, 
dem s. g. Petiolus versehen. (Untergatt. Petiolurus Thon.) Die Genitalöffnung beim 
Männchen klein, die Genitalplatten sehr eng, in die Breite ausgezogen, rückgebildet, 
die Weibchen besitzen eine breite Vulva, welche mit einem chitinösen Ringe um- 
geben ist, und breite Genitalplatten. Die Extremitäten dünn, mit grosser Anzahl Sta- 
cheln und Ruderborsten versehen, auch mit harter Haut bedeckt; der letzte Fuss 




Fig. 94. Nymphe vom Arrhenurus tricuspidator Müller. 

beim Mäunchen trägt in meisten Fällen am distalen Ende des vierten Gliedes 
einen Ausläufer, welcher bei Copulation zu Hilfe steht. — Die Nymphen haben 
eine weiche Haut, eine besonders gebildete Area genitalis und wurden früher als 
ein selbständiges Genus Anurania geführt. (Fig. 94.) 

Die erwähnte Art (Subgenus Megalurus Thon) ist klein, grün gefärbt. Das 
Männchen ohne Petiolus, der Körper in die Länge gezogen. Das Weibchen klein, 
rundlich. (Fig. 93.) 

Die überall häufige Art kommt auch in der ganzen Skupice durch das ganze 
Jahr vor. 

Arrhenurus maximusPiersig. (Fig. 95. Untergattung Petiolurus Thon. ) 
Der Körper gross, roth, beim Weibchen rundlich, mit abgestutztem hinteren Rande 






136 




Fig. 90. Arrhenurus maximus Piersig, Männchen 
von der Seite. 



beim Männchen länglich, trägt am Rücken 2 grosse, spitzige, nach vorne ragende 
Höcker. Die Seitenausläufer des Körperanhanges kurz, der Petiolus klein. (Fig. 95.) 

Diese schöne, für Elbelokali- 
täten charakteristiche Art kommt 
ziemlich zahlreich besonders in 
der hinteren Seerosen-Bucht erst 
in den Sommermonaten bis zum 
November vor. 

Arrhenurus t r i c u s p i d a- 
tor Müller. (Fig. 96.) (- Arr. 
bicuspidator Berlese.) Der vorigen 
Art ähnlich, etwas kleiner, präch- 
tig zinnoberroth gefärbt. (Fig. 96.) 
Auch dieses Thier ist für die 
Elbegegend Charakter isti eh. Es 
kommt in ziemlich grosser Menge mit der vorhergehenden Form in den Sommer- 
monaten vor. 

Arrhenurus neumani Piersig. Eine ähnliche Art, aber der Körper 
breiter, kürzer und höher, besitzt einen am distalen Ende ausgebreiteten und ab- 
gerundeten Petiolus, Die Farbe 
ist dunkelroth. Sie kommt ziem- 
lich selten in der Gesellschaft bei- 
der letzteren Species, besonders 
im Potamogeton, dann in den 
verwachsenen Buchten von Mai 
bis zum Oktober vor. 

Arrhenurus af f inis 
Koenike. Von dieser seltenen 
Form habe ich nur einige Weib- 
chen auf den Süsswasserschwäm- 
men im Sommer erbeutet. 

Arrhenurus maculator 
Müller. Eine kleinere, grünge- 
färbte, petiolustragende Art. Am 
Rückeu des (J 1 grosse Höcker. 
Die Nymphen sind gelb gefärbt. 
Diese Art finden wir in grösserer 
Anzahl von Juni bis Oktober in 
der Uferzone; die Nymphen vom 
Frühjahr bis zum Winter. 

Arrhenurus b r u z e 1 i i 

tr ., T , , . . Fig. 9ii. Arrhenurus tricuspidator Müller .7 1. Bauchseite. 

Koenike. Ist der letztgenannten „ „ ., .... . • , .. , 

2. voll der Seite, A. Petiolus von der Rflctenseite. 

Art ähnlich und unterscheidet sich (v Ausführungen der grossen acceasorischon Genital- 
durch die Form des Petiolus, drüsen, * hyalines, mittleres Chitinstttck ) 




137 

welcher am distalen Ende kurze, zahnartige, seitliche Ansläufer trägt. Sie ist viel 
seltener und lebt in der Gesellschaft der vorigen Form in den Sommermonaten. 

Diplodontus despiciens Müller. Eine grosse, weichhäutige, prächtig 
roth gefärbte Hydrachnide, deren Haut zahlreiche, dichte, schuppenartige Papillen 
trägt. Die Füsse sehr dünn, mit zahlreichen Schwimmborsten versehen. Das Maxil- 
larorgan hat die Form eines kurzen, saugartigen Rüssels. Das letzte Glied der dünnen 
Palpen ist scheerenförmig, mit grosser Menge kleiner, dichten Sinneskörpercheu. 

Diese Wassermilbe ist in allen Lokalitäten der Elbegegend ungemein häufig. 
Sie kommt im Mai zum Vorschein und im August erreicht das Maximum ihrer 
Entwicklung. Zu dieser Zeit können wir sämtliche Entwickluugsstadien auffinden. 




Fig. 97. Limnochares aquaticus L. 

Das Thier wählt mit Vorliebe die Myriophyllum- und Ceratophyllum- Vegetation 
aus und' setzt sich in Häufen in den Wirtein dieser Pflanzen. Die Weibchen legen 
eine grosse Anzahl von kleinen rothen Eiern Ende Mai an die unteren Seiten der 
Nymphaea- und Nuphar-Blättern. Die Larven sind zeitlich unter der Eihaut und 
der s. g. Deutovum-Haut bemerkbar. 

Limnochares aquaticus L. (Fig. 97.) Ein grosses, zinnoberroth 
gefärbtes Thier, von unfesten Körperkonturen. Die Augen auf einem engen, 
länglichen Schildchen, welcher in der Körpermediane nahe dem Stirnrande liegt, 
verbunden. Das Maxillarorgau ragt über den vorderen Körperrand hervor, hat die 
Form eines breiten, saugartigen Rüssels. Die Maxillartaster sehr dünn und kurz. 
Die Füsse entbehren absolut der Schwimmborsten. Die Geuitalplatten fehlen, die Um- 
gebung der Genitalöffnung mit grosser Anzahl kleiner, s. g. birnförmigen Organe 
(Sinneskörperchen) und kleinen Hautdrüschen bedeckt. 






138 

Diese interessante Form kommt selten vor, besonders im Juli und August. 
Sie lebt zwischen den Seerosen und Ceratophylluin, besonders in der lauteren 
Seerosen-Bucht, oder am Boden nahe den Ufern, an dem sie sehr langsam und 
unbeholfen kriecht. 




Fig. 98. Augenschildchen von 1. Eulais meridionalis Thon. 2. Kulais soari Piersig. 

3. Eulais hamata Koenike. 4. Eulais tenera Thon. (c Frontale Sinnesorgane, s Tu- 

bero'sität zur Befestigung der Körpermuskeln, a,, a., Augen. i 

Eulais hamata Koenike. (Fig. 98. No. 3.) Alle Formen, welche zu 
dieser Gattung angehören, besitzen einen eiförmigen, weichen, rothfarbigen, bis 
5 mm langen Körper. Das Chitin, welches die Extremitäten und Epimeralglieder 
deckt, ist netzartig durchbrochen. Die drei ersten Fuss-Paare tragen eine reiche 




Fig. 99. Eulais meridii 



l'hon. Epimeralschild ilrs Weibrliens mit dem MundiirgaiR'. 



139 



Anzahl von Ruderborsten, das letzte]Paar [ist ganz 
ohne solche Borsten und wenn das Thier schwimmt, 
wird dasselbe bewegungslos und horizontal hinter 
dem Körper getragen. Das Maxillarorgan platt- 
förmig, mit kreisförmiger Mundöffnung und mit 
einem Pseudocapitulum. Die Augen sind am Stirn- 
rande mit einem kleinen, chitinösen Schildchen 
verbunden. Nach seiner Form sind die einzelnen 





Fig. 100. Palpen von Eulais 
tenera Thon. 



Arten erkennbar. Eulais hamata besiizt 
ein auffallend enges und langes Schild- 
chen. (Fig. 98. No. 3.) Pharynx trägt 
am distalen Ende an jeder Seite einen 
hackeförmigen Processus. Das Thier 
ist bis 5 mm. lang. 

Eulais soari Piersig. Der 
Körper bis 3 - 5 mm. lang, das Augen- 
schildcheu breit ausgeschnitten. (Fig. 
98. No. 2.) 

Eulais meridionalis Thon. 
Der Augenschild läuft am vorderen 
Rande in einen mächtigen, langen Pro- 
cessus aus. (Fig. 98. No. 1. Fig. 99.) 
Eulais tenera Thon. (Fig. 
98. No. 4. Fig. 100.) Eine kleine, dunkel 
gefärbte, Form. Das Maxillarorgan klein, 
sehr eng, seine hinteren Ausläufer un- 
gemein kurz. Das enge Augenschildchen besitzt in der Mitte einen engen, tiefen 
Einschnitt. (Fig. 98. No. 4.) Die Palpen dünn und kurz. 

Sämmtliche genannten Arten kommen nur sporadisch vor, besonders Eulais 
tenera ist sehr selten. (Nur einmal im August gefunden.) Die ersten Exemplare 
und Nymphen kommen hie und da im Mai zum Vorschein. Erst im Juli finden 



Fig. 101. Hydraohna g 1 o b o s a de G e e r. 
1. Rückenschild, 2. Das Maxillarorgan mit der 
rechten Palpe, 3. Genitalplatte einer Nymphe. 



140 

wir beim linken Ufer eine grössere Anzahl mit Eiern vollgestopfter Weibchen, 
besonders aber in der hinteren Seerosen-Bucht zwischen Ceratophyllum, wo sie 
ihren Laich auf oben erwähnte Weise ablegen. (Fig. 77. No. 1., 2.) Später ver- 
schwinden sie vollständig. Das Männchen ist mir unbekannt. 

Hydrachna globosa de Geer. (Fig. 101. und 102.) Der Körper 
gross, kugelig, röthlich gefärbt. Das Maxillarorgan hat Form eines langen, engen 
Rüssels, in welchen zwei lange, dünne, eingliedrige, spitzige Mandibeln liegen. 
Mächtige Füsse tragen sehr grosse Menge von dichten Schwimmborsten. Die 
Genital platten in eine rundliche Platte zusammengewachsen, welche die Genital- 
öffnung deckt und grosse Anzahl von kleinen Sinnes-Körperchen trägt. Bei den 
Nymphen sind die Genitalplatten von einander getrennt. (Fig. 101. No. 3.) Am 
Rücken nahe dem Stirnrande befinden sich zwei grosse chitinöse Schilder; zwischen 
ihnen liegt frei in der Haut ein unpaares Auge. Die lateralen Augen in dicke, 
chitinöse Rapsein eingeschlossen. 






Fig. 102. Hydrachna globoaa de Geer. 1. Larve von oben gesehen. 2. Puppe ans dem 
Fusse von Notouecta. 3. Eine aus dieser Puppe ausgenommene Nymphe. 



Die Larven besitzen ein grosses, fast viereckiges Pseudocapitulum, welches 
beiuahe so gross ist, wie der ganze Körper; sie tragen es zur Bauchseite gebogen. 

Die Larven fangen sich au Füssen von Dytisciden, Notonecten usw., ver- 
puppen sich und machen hier die weitere Metamorphose durch. Im Frühjahr 
finden wir in ziemlich grosser Menge die Hydrachna- Puppen an den Extremitäten 
von genannten Thieren. Die Form erscheint sporadisch in den Sommermonaten 
zwischen der Ufervegetation. 



141 



Tabellarische Übersicht der festgestellten Formen. 





Art 


I. 


n. 


in. 


IV. 


V. 


VI. 


VII. 


VIII. 


IX. 


X. 


XI. 


XII. 


1 


Atax ypsilophorus 
Bonz 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


„ Atax bonzi 
Claparede 


+ 


+ 


+ 


+ 


1- 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


3 


Atax crassipes 
Müller 






-t- 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 




4 


Neumania spinipes 
Müller 








+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






5 


Hydrochoreutea 
ungulatus Piersig 














+ 


+ 










6 


Curvipes rotundus 
Krämer 






+ 


T 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






7 


Curvipes nodatus 
typicus Thon 






+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+■ 


+ 








8 


Curvipes nodatus 
coccineus Bruzelius 












+ 


+ 


+ 










9 


Curvipes rufus 
Koch 






+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 








10 


Curvipes conglo- 
batus Koch 






+ 


+ 


+ 


+ 


4 


+ 


+ 


4- 






11 


Curvipes longipalpis 
Krendowskij 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






12 


Limnesia histrionica 
Hermann 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






13 


Limnesia maculata 
Müller 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 




* 


U 


Frontipoda mus- 
culus Müller 










+ 


+ 


+ 


+ 


4- 


_L 






16 


Brachypoda versi- 
color Müller 


+ 


+ 


+ 


+ 


4- 


+ 


+ 


1- 


+ 


+ 


+ 


+ 


16 


Arrhenurus globator 
Müller 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


17 


Arrhenurus maxi- 
mus Piersig 












+ 


+ 


1 
T" 


+ 


+ 


+ 





142 





Art 


I. 


II. 1 III. 

1 


IV. 


V. 


VI. 


VII. 


VIII. 


IX. 


X. | XI. ' XII. 

1 


18 


Arrenurus tricuspi 
dator Müller 












+ 


+ 


+ 


+ 


r 


+ 




19 


Arrenurus neumaui 
l'iersig 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






20 


Arrenurus affinis 
Koenike 
















+ 










21 


Arrenurus macu- 
lator Müller 












+ 


+ 


+ 


i 


+ 






22 


Arrenurus bruzelii 
Koenike 












+ 


1 


+ 


+ 








23 


Diplodontus despi- 
ciens Müller 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 






24 


Limnocliares 
aquaticus L. 














+ 


+ 










25 


Eulais hamata 
Koenike 










+ 


+ 


+ 


+ 


+ 








26 


Eulais soari Piersig 










+ 


+ 


+ 


+ 


- : - 








27 


Eulais meridionalis 
Thon 














+ 


f- 










28 


Eulais tenera Thon 
















+ 










29 


Hydrachna globosa 
de Geer 












+ 


+ 


+ 


+ 1 


1 







In der fliessenden Elbe sind die Wassormilben sehr selten. Von 
den hier festgestellten Formen ist keine ein typisches „Kaltwasserthier" im Sinne 
Zschokkes.*) 

Die Art Atractides spinipes Koch fand ich auch in anderen 
Lokalitäten vor, z. B. in den Tümpeln unterhalb Kokorfn. Obzwar diese Lokalitiit 
ein strömendes Wasser durchmesst, haben sie schon ein Gepräge von stehenden 
Gewässern. 



*) F. Zschokke: Die Tbierwelt der Gebirgsbäche. (hur. 19u0. Idem: Die Tliierwelt der 
Hochgebirgsseen. Denkschr. der Schweiz. Naturf. Ges. Bd. XXXVII. 1900. 



143 

Die Art Hygrobates reticulatus Krämer constatirte ich in 
gänzlich stehenden Bassins. 

Die Gattung A 1 b i a kann ihrem ganzen Habitus nacli nicht zu den ty- 
pischen Bewohnern der kalten, strömenden Wässer gezählt werden und ist in die 
Elbe wahrscheinlich durch Hochwasser aus anderen höher gelegenen Lokalitäten 
gelangt. Die ganze Hydrachnideu- Fauna der fliessenden Elbe weist den Charakter 
vieler Bäche des Flachlandes auf. Die Wassemiilben des Elbestroms, sowie auch 
anderer fliessenden Gewässer, leben in der Uferzone am Boden, im Wurzelgeflecht, 




Fig. 103. Albia stationis Thon. 1. Das Weibchen von der Bauchseite. 2. Maxillarorgan mit 
den Palpen. (m 1( m 2 Mandibeln, und Mundöffnung, v„ v, Luftsäcke, ph. Pharynx, p. hinterer 

Maxillarprocessus.) 



in Pflanzenstöcken von Ranunculus aquatilis, oder kriechen unter den Steinen, weil 
sie grösstentheils vollständig der Ruderborsten entbehren. 

Im Elbe ström bei Podiebrad wurden bisher nachstehende Hydrachniden- 
Arten aufgefunden: 

Atractides (=Megapus) spinipes Koch. Die zwei vorderen 
Epimeren-Paare mit dem Maxillarorgane in einen gemeinsamen Schild zusammen- 
gewachsen. Der erste Fuss länger als die übrigen. Sein vorletztes Glied am distalen 
Ende verbreitet, mit zwei breiten, dolchartigen Stacheln bewaffnet, das letzte Glied 
gekrümmt. Die Genitalplatten klein, eng, sichelförmig, jede mit 3 Sinneskörperchen. 
Diese Form findet sich regelmässig bei den Ufern; sie wurde in Mai, August und 



144 

September gefischt. Die anderen Atractides- Arten sind ausschliesslich Bergwasser- 
Bewohner. *) 

Hygrobates reticu latus Krämer. Die Euimeralglieder der 
ersten zwei Paare mit dem Maxillarorgane in einen gemeinschaftlichen Schild ver- 
bunden. . Füsse dünn, ohne Schwimmborsten. Die Genital platten sind dreieckig, 
mit je drei grossen Sinneskörperchen. Die Haut fein netzartig. Das zweite Palpen- 
Glied auf seiner Beugseite trägt einen langen, spitzigeu Ausläufer, das vierte Glied 
auf der Beugseite mit zwei Borstchen versehen, welche voneinander ziemlich ent- 
fernt sind. Diese Hydrachnide kommt in der fliessenden Elbe regelmässig vor; sie ist 
für unsere flachländischen Bäche charakteristisch, wo sie sich an der unteren Fläche 
von Steinen aufhält. 

Albia stationis Thon. **) (Fig. 103.) Der Körper klein, ganz flachgedrückt, 
mit Hautpanzer bedeckt, welchen in zwei Theile zerfällt: einen ventralen , und einen 
dorsalen. Das Maxillarorgan von gewöhnlicher Form, die kleinen Maxillartaster mit 
weicher Haut bedeckt, das zweite Glied ist das stärkste, das vierte wird gegen 
das distale Ende enger, ist schwach gebogen und trägt auf der Beugseite zwei feine, 
längere Borsten. 

Sämmtliche Epimeralglieder in einen gemeinsamen Schild verbunden, welcher 
mit dem Bauchpanzer verschmilzt. Am hinteren Körpereude liegt die Area geni- 
talis, welche von dem Epimeralschilde abgetrennt ist. Die grosse Genitalöffnung 
wird von zwei runzeligen Klappen bedeckt. Die Genitalplatten sind dreieckig, auf 
jeder sind etwa 30 kleine Sinneskörperchen vorhanden. Füsse kurz, stark, mit spär- 
lichen Stacheln bewaffnet, die zwei letzten Fusspaare tragen wenige Ruderborsten. 

Diese interessante Form wurde einmal 4. IX. 1897. von den Herren Prof. 
Dr. A. Fric und Dr. V. Vävra im Litorale der Elbe gefischt. 



Insecten (Hexapoda). 

Die Larven der Wasserjungfern, Agrion und Baetis (Fig. 104a) sind am 
Ufer häutig, diese auch in der fliessenden Elbe. 

Die Larven der Eintagsfliegen leben am Ufer oft in grossen Mengen. 
In dem gesammelten Materiale hat Prof. F. Klapälek Cloe diptera L. (Fig. 101b) 
Caenis sp. im April und Ecdyurus sp. im Juli gefunden. 

Sehr interessaut ist das Vorkommen der Larven von Polymytarcis 
v i r g o Ol. (Fig. 105. und 106.) Die lehmigen Ufer des schmalen Kanals und der 
Elbe sind von unzähligen Oeffnungen, die immer zu zwei nebeneinander liegen, durch- 
bohrt. Die Oeffnung führt in einen horizontalen Gang, der sich bald umbiegt, der 
zweite Schenkel desselben führt parallel längs des ersteren und mündet knapp 
neben der Eingangsöffnung. 



*) Im Wildbache „Vydra" bei Mader im Böhmerwalde habe ich gefunden : Atractide« 
tener Thon, Atractides Gabretae Thon und Atractides spiuipes Koch. 

**) Ein neue» Hydrachnideogenus aus Böhmen. Zool. Anz. Band XXII. 



145 




lal 






Fig. 104.*) Larve von Baetis o, Cloö b und Perla 



In der Eingangsröhre lauert 
die Larve auf ihr Opfer, die 
Kiemenplätchen sind in fortwäh- 
render Bewegung und erhalten 
damit das Wasser in dem Gange 
in frischer Strömung. (Fig. 105.) 
Wenn das Wasser abfällt, so ver- 
lassen die Larven die alten Gänge 
und graben rasch mittels der vor- 
deren Grabfüsse neue Gänge im 
Wasserniveau. 

Die Larven sind sehr stattlich. 
(Fig. 106.) Die Mundwerkzeuge 
kräftig, ' die Oberkiefer mit einem 
grossen, 1 sichelförmigen Hornfort- 
satz. Die Fühler lang, borsten- 
förmig, die Augen klein. Die Vor- 
derfüsse zum Graben eingerichtet. 
Jeder Hinterleibsring trägt zwei 
bewimperte Kiemenblättchen. Der 
Körper endet mit drei langen ge- 
fiederten Borsten. 




Fig. 105. Die Gänge der Larve von Polymytarcis virgo 
in nat. Gr. 



*) Aus. Dr. A. Fric, Biologie des Elbe- Lachses. Prag 1894. 



10 



146 



Die Larveu von Frühlings flie gen 
(Perlida, Plecoptera) sind nicht sehr häutig 
am Ufer. (Perla bieaudata L.) Fig. 104c. 

Von den Netzflüglern (Neuro- 
ptera) kommt am Schilf die Wasserflorfliege 
(Sialis lutaria) vor, die hier schwarzen Eier- 
haufen an Schilf befestigt. Die charakteri- 
stische Larve (Arch. X. 3. Fig. J4. No. 11.) 
findet man hie und da im Schlamme. 

Eine interessante Larve ist die von 
Sisyra fuscata (Fab. Fig. 107.) Sie lebt 
als Schmarotzer au den Süsswasserschwämmen, 
wo sie in den Kloakenhöhlungen oder in 
Löchern, mit dem Kopfe nach aussen ge- 
richtet, sitzt. Die Larve ist kurz und breit, 
grün gefärbt, mit langen und feinen Saug- 
zangen. 

Das Verzeichuiss der in der Skupice, 
Labice, in den Drainage- Gräben und iu den 
Tümpeln vorkommenden Larven der K ei- 
che r fliegen siehe Seite 60 bis 79. 

Die Wasserwanzen (Hydrocores) 
sind am Ufer zahlreich vorhanden. Es sind 





Fig. 107. Larve von Sisyra 
tiiscata Fab. 8mal verer. 



Fig. 100. Larve von l'olymytarcis virgo Ol. 4mal vergr. 

Corisa striata L., Cymatia coleopterata Fab., Nepa 
cinerea L., Naucoris eimieoides L , und Ranatra 
linearis Fab. (Nadel - Scorpionwanze). Sie befestigt 
ihre grossen Eier (Fig. 108.) an die schwimmenden 
Blätter der Wasserpflanzen iu der Weise, dass 
durch ein Locli das Ei an die Unterseite der Blätter 
geschoben wird, das sich dann mit zwei fadenförmigen 
Anhängen, die auf der Oberfläche des Blattes hervor- 
ragen, festhält, im August fanden wir die 1 cm. langen 
Jungen. 



147 




\ 




Fig. 108. Eier von Ranatra 

linearis an einem Potamoge- 

ton-Blatte. 




Die Zweiflügler (D i p t e r a). Die Larven 
von Chironomus (Fig. 109c) sind am Ufer und am 
Boden im Schlamme häufig. An den Blättern von Nym- 
phaea und Nuphar erzeugen verschiedene Chironomus- 
Larven grosse Minirgänge. 

Simulium (Fig. 109b) Larven und Puppen sind 
im Litorale in der Skupice und auch in der fliessenden 
Elbe an den Wasserpflanzen in grossen Mengen vor- 
handen. 

Die Larven von Ce ratopogon, (Fig.- 109d) 
Stratiomys, Corethra und Culex sind regel- 
mässige Bewohner der Uferzone. 

Eine interessante Erscheinuug war das Vor- 
kommen von Äther ix ibis Fab. (Fig. 110b) Sie 
"gehört zu den räuberischen Schnepfenfliegen (Leptidae). 

Sie suchen Klumpen von Blättern und Pflanzen- 
resten auf, die sich beim Hochwasser an die Weiden- 
zweige am Ufer aufhängen. Die Weibchen legen ihre 
Eier auf diese Klumpen, sterben an dieser Stelle und man 
findet dann einen grossen, todten Schwann. (Fig. 110a). 

Die Larven haben zwei kurze Athemröhren, ge- 
langen dann in die feuchte Erde, wo sie von thieri- 
scher Nahrung leben. 

Unter den Schmetterlingen (Lepido- 
ptera) sind wenige interes- 
sante Arten bekannt, bei 






a b c d 

Fig. 109.*) Larve von Rhyacophyla a, Simulium 6, Chironomus c u. Gerat opogon rf 



♦) Aus. Dr. A. Fric, Biologie des Elbe-Lachses. Prag 1894. 



10* 



148 

denen die Raupen das Wasser bewohnen. Eine solche Art kommt auch in der 
„Skupice" vor. Es ist Hydrocampa nymphaeata L. (Fig. 111 u. 112.) 




Fig. 110. Athens ibis. a Ein todter Schwann der 
Weibchen mit Eiern, b die Fliege, in nat. Grösse 

Dieser kleine Zünsler lebt manchmal 
in grossen Massen am Ufer der Gewässer 
und legt seine Eier an die schwimmenden 
Blätter der Wasserpflanzen, mit Vorliebe an 
die von Potamogeton. Die ausgeschlüpften 
Raupen beissen vom Blattrande ovale Stückchen 
aus, die sie mit Gespinnstfäden an die Unter- 
seite des Blattes anheften, und fressen das Blatt 
aus. Die Raupe athmet durch die Körper- 
oberfläche und sinkt bei herannahendem 
Winter zu Boden, wo sie überwintert. Das 
nächste Jahr im Frühjahr nach widerholten 
Häutungen kriecht die Raupe wieder an die 
schwimmenden Blätter, wo sie wieder vom 
Blattrande zwei ovale Plättchen ausbeisst, die 
sie mit feinem Gespinnste zusammenheftet. 



I 






Fig. 111. Eiu Blatt von Potamogeton mit 
dem Fraas der Hydrocampa-ltaupe. 



149 



Die Athmung geschieht jetzt aber durch Stigmen und Tracheen, die Luft 
wird aus den Lufträumen der Nährpfianze geschöpft, so dass das Larvengehäuse 




b a c 

Fig. 112. Hydrocampa nymphaeata L. a 2mal vergr., b Raupe, o Futteral der Puppe von 

Blattstücken. 










A >■ 



Fig. 113. Donacia crassipes. «Ein Stückcheu des Seerosenblattes mit Eiern, b Larve, c geöffnetes 
Puppentönnchen, d entwickelter Käfer, e Ein Rohrstück mit Puppentönncken. Phot. in nat. Grösse. 



150 



jetzt mit Luft erfüllt ist. Die ganze Oberfläche ist mit kleinen Warzen bedeckt, 
mittelst denen die ganze Körperfläche unter dem Wasser mit einer Luftschicht 
umhüllt ist. Im Sommer kriecht die Raupe längs dein Blattstengel zum Boden, kleidet 
die Hülle mit dem Gespinst wasserdicht aus, beisst in den Stengel eine Oeffnuug, 
mit der die Hülle fest angeheftet wird und so der Raupe, die sich jetzt in die Puppe 
verwandelt, die Athmung ermöglicht. Etwa im September schlüpft dann der 
Kleinschmetterling aus. 

Etwas ähnliches spielt sich auch bei den Schilfkäfern (Donacia) ab. 
(Fig. 113.) Der Käfer beisst in das Seerosenblatt eine runde Oeffnung durch die 
er die Eier an die Unterseite des Blattes gewöhnlich iu zwei Bogenreihen legt. Die aus- 
geschlüpfte Larve kriecht an dem Stengel herab und nährt sich von demselben. 
Daneben bohrt sie den Stengel mit zwei Dornen, mit denen sie am vorletzten 
Bauchring ausgerüstet ist an und erhält dadurch aus den Lufträumen der Pflanze 
die zum Athmen nöthige Luft. Die Larve puppt sich dann in einem ovalen, braunen 
Gehäuse ein, das an die Wurzel des Schilfes ist befestigt ist und das mit einer Öffnung 
mit den Luftgängen der Pflanze in Verbindung steht. Im Frühjahre beisst sich der 
Käfer aus der Hülle durch und mit anhaftender Luft an der fein behaarten Unter- 
seite steigt er zur Oberfläche empor. 

Das Verzeichniss der M o 1 1 u s k e n siehe Seite 
72 und 79. Auf der Wiese am rechten Elbeufer erschien 
Succinea putris im J. 1899 in einer ungewöhnlichen 
Menge. In der „Skupice" haben wir im November 
1899 ein junges Exemplar von Amphipeplea glu- 
tinosa Müll. (Fig. 114.) gefuuden. 

Die Embryonen der Anodouta und Unio. sog. Glochidien (Fig. 115.) haben 
wir an der Haut, an den Flossen und sehr häufig an den Kiemen der Fische ge- 
funden, wo sie blutige Wunden 
verursachen. Die Embryonen haben 
eine dreiseitige, fein gelöcherte 
Schale mit zwei starken Zähnen 
und einem Byssus, mit Hilfe dessen 
sie sich an den Fischen festhalten 
und hier etwa in drei Monaten 
die weitere Entwickeluug durch- 
machen und dann den Wirth ver- 
lassen. Sie sind zuweilen den Jungen 
Brutfischen schädlich. (Fig. 115.) 

Die Moosthierchen 
(Bryozoa)*) erscheinen im Sommer 
in grosser Menge. Plumatella 
fungosa bildet grosse Klumpen 
und kommt öfters mit dem Süss- 




Fig. 114. Amphipeplea gluti- 
nös a Müll. 





a b 

Fig. 115. Glochidien (Anodonta-Embryonen) a von oben 
an einem Kiemenstrahlen, b von der Seite, mit Byssus. 
Vergr. 50mal. 



*) Vergl.: J. Kafka, Die Süäswasserbryozoen Böhmens. Arcli. d. naturwiss. Landes 
durchforsch, v. Böhmen 1886. VI. Bd. No. 5. 



151 

wasserschwamm (Ephydatia fluviatilis zusammen. Interessant ist das Vorkommen 
von Hyalinella vitrea Hyath (Nach Kafka. Sie soll mit Plumatella punctata, Haue, 
identisch sein), die mit ihren hyaline Röhren hie und da an der Unterseite der 
Blätter sich ansiedelt. Plumatella repens, fruticosa, emarginata und Fredericella 
sultana siedeln sich in der Nähe des Bodens an den Stengeln und Wurzeln an. 
Lophopus crystallinus ist an der Unterseite der Seerosenblätter sehr selten. Die 
gallertigen Colonien von Cristatella mucedo Cuv. erscheinen aber in einigen Jahren 
in grossen Mengen, und überziehen dann alle Stengel und die Unterseite der schwim- 
menden Blätter, welche dann gelb werden und absterben. 



Anhang. 

Im Folgenden werden wir einige interessante Algen erwähnen. 
Richte riella botryoides (Schmidle) Lemm. *) (Golenkinia fenestrata 
Sehr.) (Fig. 116). 





Fig. 116. 

Fig. 116. Ricbteriella botryoides Lern. 
350mal vergr. 



Fig. 117. 

Fig. 117. Golenkinia solitaria. 
400mal vergr. 



Im Juni und Juli manchmal massenhaft in der „Labice". Sie bildet hellgrüne, 
traubige Kolonien, die meistens aus 6 bis 8 kugeligen Zellen bestehen. Jede 
Zelle ist mit nadeiförmigen, sehr feinen, durchsichtigen Fortsätzen ausgestattet. 

Golenkinia solitaria n. sp. (Fig. 117.) Zellen kugelig, grün, nie zu 
Familien vereinigt, einzeln lebend am Rande mit zahlreichen feinen Stacheln. 

Von der ähnlichen G. radiata Chod. unterscheidet sich G. solitaria durch den 
Mangel der Gallerthülle. 

Im Plankton vom Juni bis September vereinzelt. 



*) E. Lemmermann, Beiträge zur Kenutniss der Planktonilgen. iBer. d. deut. bot. 
Gess. XVIII. 1901. p. 90.) 



152 



S^taurogenia qu ad rata Kg. (Fig. 2G. No. 7.) 
zellige Familien. Ziemlich regelmässig :iin Boden. 

Clathrocystis 



Bildet tafelförmige viel- 



mää 





*-■ 



aeruginosa 
und Aphanizomenon flos-aquae kom- 
men in der „Skupice" auf der Obei-fläche 
nur sporadisch vor, wo aber dieselben nie 
„die Wasserblüthe" bilden. Dieselbe wird 
aber von ihnen in der „Labice" verursacht. 
Ein massenhaflies Eicheinen der 
Diatomaceen haben wir im April 1900 
beobachtet. Bei einem Wasserstande etwa 
von 1 M. üb. d. Normal wurden am Ufer 
an der Mündung der Labice alle dünne Gras- 
Stengel und frei flottierende feine Wurzeln 
etwa 10 cm unter der Oberfläche mit oliven- 
grünen, gallertigen Klumpen bedeckt i Fig. 
118), die eine etwa 10 cm breiten Saum bil- 
deten. Diese Masse setz sich aus gestielten 
Diatomaceen zusammen und zwar haupt- 
sächlich aus Cocconema lanceolatum 





Fig. 119. 



Cocconema lanceolatum. Eng. 
3O0mal vergr. 



Fig. 118. Gallertige Klumpen von Diatoma- 
ceen an Grassstengeln. Phot. in nat. Grösse. 

Ebb. (Fig. 119), deren gekrümmte, unsym- 
metrische Schalen auf verzweigten Gallert- 
stielen festsitzen. Auch einige Gomphonema- 
Arten sind an dieser Koloniebildung be- 
theiligt. 

Fragillaria virescens Ralfs (Fi 
gemeinsam mit Diuobryon das Oberflächen-Plankton zusammen. Sie bildet sehr 
lange, flache Bänder. 

Asterionella gracillima Heib. (Fig. 23. No. 9.) Sie bildet zierliche 
sternförmige Kolonien. Auf der Oberfläche ist sie vom Mai bis October ziemlich häutig. 

Ein Verzeichniss der bei Dresden in der Elbe beobachteten Diatomceen hat 
Hr. Dr. J. Thallwitz in der „Isis" 1899 gegeben. 



28.) Setzt vorwiegend im Frühjahr 



Schlusswort. 



Die hier vorliegende Arbeit über die Thierwelt der Elbe bildet den allge- 
meinen orientirenden Abschnitt, welchen abzuschliessen uns zeitliche und finanzielle 
Rücksichten nöthigten. Die genauere Verarbeitung des eingesammelten und conservierten 
Materiales wird noch eine Reihe von Jahren beanspruchen und es wäre wünschens- 
wert!], dass diese Aufgabe einer Kraft zugewiesen werden möchte, die sich der 
Lösung derselben ganz widmen könnte. Namentlich sind noch viele biologische 
Beobachtungen gemacht worden, . deren bildliche Darstellung die zu Gebote ste- 
henden Mittel überschritten hätte. 

Die im vorliegenden gebrachten Illustrationen wurden zum Theil mit Unter- 
stützung des löbl. Landesculturrathes von Böhmen beschafft. 

Hoffentlich werden wir mit der Zeit noch weiter über unsere Arbeiten 
berichten können und an vergleichende Erwägungen der Beziehungen der Elbefauna 
zu anderen Gewässern schreiten können. 

Die Arbeiten an der zoologischen Station hatten in mehrfacher Beziehung 
gute Erfolge für die Hebung des Interesses für naturwissenschaftliche Forschung. 

Vor allem regte es die Zuhörer der Naturwissenschaften, die zukünftigen 
Lehrer der Mittelschulen an, sich mit dem Studium der Süsswasser-Biologie zu 
befassen und sich einen kleineren Zweig der Forschung zu wählen, den sie auch 
später neben ihrem Lehrerberufe in einer kleineren Stadt weiter verfolgen könnten. 

So widmete sich Herr Prof. F. Svec dem Studium der Räderthiere und 
Infusorien,*) Univ. Assist. K. Thon den Hydrachniden und Museums-Assist. A. 
Srämek dem Studium der Entozoen. 

Als erstes Muster einer übertragbaren Station wurde dieselbe auch von 
Fachmännern aus dem Auslande besucht, und zwar von Herrn J. N. Arnold aus dem 
ichthyologischen Laboratorium d. k. Ministerium d. Landwirtschaft in St. Petersburg, 
Dr. P. Mazurek von dem Dzieduszyski'schen Naturhistorischen Museum in Lemberg 
und von Herrn Dr. A. Steuer aus Triest. 



*) F. Svec, Die ciliaten Infusorien des Unter-Pocernitzer Teiches. (Bull, intern, de l'Acad. 
des sc. de Boheme. 1897.) 



154 

Die vollste Anerkennung erfuhr unsere Anstalt von der ausländischen 
Fachpresse 1 ). So wies Herr D. J. Scourrield 2 ) wiederholt darauf hin, wie nöthig es 
wäre in England eine ähnliche Anstalt ins Leben zu rufen. 

In Amerika erfasste man den Gegenstand, durch unser Vorgehen angeregt, mit 
grosser Energie, wobei man nicht unterliess, uns als die ersten Pioniere der Süss- 
wasserbiologie zu bezeichnen. 

Mit der vorliegenden Arbeit ist nicht die von uns aufgestellte Aufgabe der 
Untersuchung der Elbe gänzlich erschöpft, wir wollen nur die bisher gewonnenen 
Resultate damit abschliessen. Es bleiben noch viele interessante specielle Aufgaben 
für die Zukunft vorbehalten. 



') H. B. Ward. The fresh- walher biological Stat. i Science IX. 1 899'. 

'-) D. J. Scourfleld. Wanted a biological Station. J. Quek. Micr Cl. Ib97. J. Hrunnthaler. 
Die geplante biologische Süsswasserstation. ('. Mitth. d. <>. Fisch. Ver. 1898). Dr. Lauterborn, Über den 
Werth und die Aufgaben einer schwimmenden biolog. Stat. auf dem Ober-Rhein fAllg. Fisch- 
Zeit. XXV.) 



BERICHTIGUNG. 

Nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn C. F. Roussellet soll der, Seite 84. als 
Plistophora crassa n. sp. angeführte Parasit mit Ascomorpha Blochmanni Zach. (Forschber. der 
biol. Stat. in Plön. Th. 6. II. 1898) identisch sein. 

— Pag. 102. Fig. 55. Statt a Hess 5, statt b Hess a. 



NHALT. 



Seite 
I. Einleitung 3 

II. Uebersiedelung und Aufstellung der Wiegenden Station 1 

III. Auszug aus dem Tagebuche fi 

IV. Chemische und physikalische Beschaffenheit de» Wassers 9 

V. Die Flora der Umgegend von Podiebrad. Zusammengestellt vom Musenms-Assisteuten 

K. Tocl 11 

VI. Die Fauna der Elbeuiederung in der Umgebung von Podiebrad. 

Säugethiere 19 

Vögel -J4 

Reptilien und Amphibien -J7 

VII. Die Fische der Elbe uud ihrer Altwässer bei Podiebrad •-'" 

VIII. D,e niedere Fauna des Elbestrommts 36 

IX. Die Lage und die Tiefen des Altwassers „Skupice" 41 

X. Die niedere Fauna der Altwassers ..Skupice", 

1. Untersuchungsmethoden 43 

•2. Plankton der „Skupice" 46 

:;. Uferfauna des Altwassers „Skupice" 6ö 

4. Das Leben am Grunde 7-_> 

XI. Fauna der abgeschlossenen Altwässer uud Tümpel. 

1. Das Altwasser „Dekanska tun" 73 

2. Labice 76 

3. Drainage-Gräben 77 

4. Tümpel und Altwasser am linken Elbeufer bei Podiebrad 7« 

XII. Illustrirtes Verzeichnissder imElbegebiete bei Podiebrad beobachteten niederen Tierwelt: 

Rhizopoda, Mastigophora, Sporozoa, Infusoria, Spongiae, (Joelenterata, Vermes SO— 93 
Helminthen der an der zoologischen Station in Podiebrad untersuchten Fische. Vou 

Museums-Assist. A. Srämek 94 

Cru8tacea, Arachnoidea 118 — 122 

Hydrachuidae i Wassermilben) der Umgebung von Podiebrad. Vom Univ.-Assist. K. Thon 123 

Insecta, Molluska, Bryozoa 144 

Anhang. Algen und Diatumeen 151 

Schlusswort 153 



GEOLOGISCHE 



STUDIEN AUS SÜDBÖHMEN. 



AUS DEM BOHMISCH-MAHRISCHEN HOCHLANDE, 



DAS GEBIET DER OBEREN NEZARKA. 



VON 



J. N. WOLDRICH. 






(Mit zwei Karten, einer Tafel und 24 Illustrationen im Texte.) 






(Archiv der naturwissenschaftlichen. Landesdurchforschung von Böhmen.) 

(Band XI. Hro. 4.) 



PRAG. 

DRUCK VON Dr. EDV. GREGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÄC. 

1898. 



VORWORT. 



Indem ich über die Ergebnisse meiner geologischen Studien, die ich während 
der Ferien der Jahre 1894, 1895 und 1897 im böhmisch-mährischen Hochlande, 
hauptsächlich in dem Gebiete der Oberen NeMrka gemacht, Bericht erstatte*) 
bemerke ich, dass über dieses letztere Gebiet bis jetzt keine geologische Literatur 
existiert. Allgemeine Bemerkungen Zippe's ausgenommen, gab nur die „k. k. geo- 
logische Reichsanstalt" in Wien auf Grund der im Jahre 1853 vom Herrn v. Lidl 
durchgeführten geologischen Aufnahme eine allgemeine geologische Karte heraus, 
welche die Grundlage für mein Kärtchen bildete: ein schriftlicher Bericht darüber 
liegt nicht vor. Die allgemeine Begrenzung der in dem obenerwähnten Gebiete 
vertretenen Formationen ist auf der Karte der geol. Anstalt mit grossem Fleiss 
durchgeführt, was auf eine bedeutende Genauigkeit in der allgemeinen Durch- 
forschung hinweist; es ist somit zu bedauern, dass der Karte keine Beschreibung 
gefolgt ist. An verschiedenen Stellen des Gebietes konnte ich noch die Hammer- 
spuren des Geologen der Reichsanstalt verfolgen. Wenn diese Karte im Ver- 
gleiche mit dem von mir verfertigten Kärtchen hauptsächlich eine bedeutendere 
Verbreitung des Granits auf Kosten des Gneisses aufweist, so liegt der Grund hievon 
in dem damaligen Mangel an Aufschlüssen, die freilich auch heute noch nicht 
allzuhäufig sind, sowie ferner in dem Umstand, dass der Gneiss dieses Gebietes 
häufig von zahlreichen Granitapophysen und Gängen durchsetzt wird, und dass Blöcke 
dieses Gesteins über die längst verwitterte Oberfläche des Gneisses hin zerstreut 
liegen ; da an solchen Stellen Aufschlüsse fehlten, wurden dieselben mit dem Granit- 
gebiete verbunden. Heute bieten einige neue Steinbrüche und hauptsächlich die 
Durchschnitte der Eisenbahnstrecke zur Durchforschung der geologischen Verhält- 
nisse etwas mehr Gelegenheit. 

Die weitere Umgebung des von mir geschilderten Gebietes der Oberen 
Nezärka im südlichen Theile des Böhmisch-mährischen Hochlandes behandelten : 
Zippe: in Sommers „Königreich Böhmen" 1837 bis 1844; Czizek: „Bericht der 
zweiten Section über die geolog. Aufnahme im südlichen Böhmen im J. 1853". 
Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanst. Wien 1854; Jokely : Beiträge zur Kenntnis 



*) Die vorliegende Abhandlung ist bereits in böhmischer Sprache im „Archiv" erschienen. 

1* 



der Erzlagerstätten bei Adamstadt und Rudolfstadt im südl. Böhmen", ebendaselbst 
1854; Stur: „Die Umgebung von Tabor" ebendaselbst 1858; r. Andrian: „Beiträge 
zur Geologie des Kaufimer- und Taborer-Kreises in Böhmen", ebendaselbst 1N6:"> ; 
„Bericht über die im südlichen Theile Böhmens während des Sommers 1862 aus- 
geführten Aufnahmen", ebend. 1863; /'. Scrfränek: „Über den Beresit-ähnlichen 
Fels von Tabor", Vest. kr. ces. Spol. nauk Praha 1881; „0 granätove skalc 
u Täbora", ebend. 1882. „0 kersantitu cili slidnatera dioritu augitokremenneni 
z Täbora", ebend. 1883. 

In den oben angeführten Jahren habe ich im Ganzen gegen dreihundert 
Gesteinsfundstücke aus dem Gebiete der Oberen Nezarka gesammelt, die ich am 
geolog. Institut der k. k. böhmischen Universität einer mikroskopischen Unter- 
suchung unterworfen habe und zwar theils in Dünnschliffen, welche im Labora- 
torium für praktische Übungen angefertigt wurden, theils durch Pulverisieren. 
Dass diese Arbeit in Hinsicht auf das so grosse Material und wegen des gänzlichen 
Mangels an diesbezüglichen Vorarbeiten nur langsam fortschreiten konnte, ist klar. 

Die vorgelegte Abhandlung ist somit durchwegs eine eigene Original- 
Arbeit und eine grundlegende wirkliche Durchforschung, zu deren Durchführung 
das „Comite für die naturwissenschaftliche Durchforschung des Königreiches Böhmen* 
zum Theile materiell beitrug. 

Mit Dank sei erwähnt, dass bei den Arbeiten in meinem Laboratorium 
hauptsächlich der Assistent der geolog. Anstalt Herr Karl Bahnt mitgeholfen hat. 

Prag, geologisches Institut der k. k. böhmischen Karl-Fei'diuands-Universit&t, 

im Juni 189«. 



WOLDRICH. 



EINLEITUNG. 

Orographische und hydrographische Verhältnisse im Gebiete 

der Oberen Nezärka. 

Das hügelig-wellige Gebiet der Oberen Nezärka erreicht eine mittlere Höhe 
von 450 m über dem Meeresniveau, und steigt allmählig von Westeu gegen Osten an. 

Längskämme ziehen sich im Ganzen von Südwest gegen Nordwest hin. 
Im Bereiche des beigelegten geologischen Kärtchens erreichen die im Westen auf- 
steigenden Gipfel folgende Höhen über dem Meeresniveau : Stolcinskä hora in 
Böhmen 652 m, Macküv kopec in Mähren 671 m, Kalcüv kopee in Mähren 662 m, 
Vysoky in Böhmen 542 m ; nahe der Westseite unserer Karte in Mähren : Skalni 
vrch 786 m, Kfemenä 759 m, Babi hora 708 m, Pivnik 758 m. 

Von den bedeutenderen Orten liegt Poöätek in einer Höhe von 615 m, 
Popelin 579 m. Seerowitz (Zirovnice) 567 m, Tretnies (Strmilov) 558 m, Jaroschau 
482 m, Neuhaus (südwestliches Ufer des Bajgar (Vajgan) 464 m. 

Die Gegend ist grösstentheils mit Wäldern und zahlreichen Teichen bedeckt, 
welche stellenweise eine bedeutende Ausdehnung besitzen. Von diesen Teichen 
ist nur ein Theil künstlicher Entstehung, die Mehrzahl hat einen natürlichen und 
zwar einen sehr alten, bis in die Eiszeit, bei einigen bis in die känozoische Ära zurück- 
reichenden Ursprung. Zwischen den Längsrücken schlängeln sich zahlreiche Wasser- 
läufe, unter denen die in Jaroschau aus den Bächen Kameniöka und Zirovniöka ent- 
stehende Nezärka hervorragt. Die Quellen der Kameniöka liegen nördlich von 
Kamenitz a. d. Linde in der Gneissformation ; von dieser Stadt fliesst die Kamenicka 
in südlicher Richtung gegen Neu-Ötting in einer schmalen Gneisszone, welche tlieil- 
weise mit känozoischen Schichten bedeckt ist, fliesst dann in einem sehr gewun- 
denen Thale im Ganzen in derselben Richtung bis gegen Jaroschau, wobei sie 
zuerst der Grenze des Gneisses und Granits, respective der känozoischen Schichten 
bis hinter Vcelnice folgt; bei Nekrasin durchbricht sie den Gneiss und folgt 
wiederum der Grenze zwischen Granit und Gneiss ; in einem grossen Bogen fliesst 
sie dann durch Granit zwischen verhältnismässig hohen Wänden. Die Kamenicka 
nimmt mehrere Zuflüsse auf, unter denen am linken Ufer der Lhotsky potok und 
und am rechten Üosiöka als die bedeutenderen zu erwähnen sind. 



6 

Die Zirovnicka entspringt über Cästrov gleichfalls im Gneissgebiet, fliesst 
unter dem Namen Strouha zuerst längs der Granit- und Gneissgrenze und hierauf 
in einem engen Tliale mit steilen Ufern, sich in südlicher Richtung durch Granit 
Hahn brechend, bis nach Seerowitz; hierauf folgt sie der gewundenen Grenze des 
Granits und des Gneisses über Vlcetfn in südwestlicher Richtung nach Kfivoklät, 
wo sie diese Grenze verlässt und weiterfliesst in einem nach Süden gehenden 
Bogen in Granit bis nach Klein - Bernharz (Pernarecky) und von da Dach 
Steinmotiken in känozoischer Formation; hier folgt sie danu in nordwestlicher 
Richtung einer höchstwahrscheinlich alten Spalte im Granit, durchbricht hierauf 
den Gneiss und wendet sich in südlicher Richtung zwischen hohen Ufern bis nach 
Hosterschlagles (Hostejovee) , macht dann in einem engen steilen Thale einen 
Bogen nach Westen, durchläuft den Gneiss, an dessen Grenze sie dann nach 
Süden gegen Jaroschau tiiesst, wo sie eine kleine Insel bildet und sich mit der 
Kamenicka vereinigt. Der Lauf der Zirovnicka ist etwas länger als jener der Ka- 
menicka und ist zuerst gegen Süden und dann von Seerowitz (Zirovnice) an bis 
gegen Jaroschau im Ganzen gegen Südwesten gewendet; es ist dies somit der 
verlängerte Lauf der Oberen Nezärka. Die Zirovnicka nimmt mehrere Randbäche 
auf, unter denen der Pocdtecky potok am linken Ufer und Brodek am rechten die 
bedeutendsten sind. 

Der weitere Wasseilauf der Zirovnicka und Kamenicka führt von Jaroschau 
an den Namen Nezärka. Diese fliesst nach einer grossen Krümmung gegen Westen 
und dann gegen Süden in einem überwiegend ziemlich breiten und mit känozoischen 
Schichten bedeckten Thale, zwischen hohen Uiern längs des Granitrandes bis gegen 
Budweis (Podviuov) ; von da an bewahrt sie eine südwestliche Richtung bis hinter 
die Einschichte Malff, wendet sich längs der Grenze von Granit gegen Westen bis 
gegen Nieder Grischau ebenfalls in einem verhältnismässig ziemlich breiten Thale; 
hierauf fliesst sie gegen Süden läugs des Granits zur Eisenbahnstation von Neuhaus, 
durchläuft in westlicher Richtung den Gneiss und fliesst in einem känozoischen Thale 
bis gegen Neuhaus, wobei sie bei der Svoboda-Mühle den Holzmühlbach und seinen 
Zufluss den Zensky potok am rechten Ufer und in der Stadt selbst den in den Bajgar 
(Vajgan)-Teich mündenden Hammerbach am linken Ufer aufnimmt; in den Hammer - 
bach mündet in der Nähe von Höfling der Popelinerbach, der hauptsächlich aus 
einer Reihe grösserer Teiche bei Popelin, Böhmisch- und Deutsch-Oleäna und 
Muttaschlag besteht und grössteutheils durch Granit theils in südwestlicher, theils 
in südlicher Richtung tiiesst. 

Von Neuhaus an messt die Nezärka an der Grenze von Granit, zuerst den 
Gneiss und dann diesen selbst durchbrechend, in südlicher Richtung und nimmt 
am linken Ufer den Otinsky potok und am rechten den kleinen Rudolfovbach auf; 
sie gelangt dann in einem känozoischen Thale gegen Ober-Zdär, wo sie in einem 
engen Graben den Granit durchläuft und am linken Ufer den PSnsky potok auf- 
nimmt; ferner durchläuft sie das känozoische Thal in südwestlicher Richtung 
über Unter-Zdär gegen Lasenic zu und fliesst von da in westlicher Richtung über 
Niederschlages (üolni Lhota) gegen Platz. Hierauf fliesst sie nach Nordwesten 
durch eine känozoische Mulde und mündet schliesslich bei Veseli in die Luznic. 



Die Nezärka und ihr verlängerter Wasserlauf, die Zirovniöka, fliessen im 
archaischen Gebirge hauptsächlich in der Richtung des Erzgebirges, d. i. von Nord- 
west gegen Südwest, bis gegen Budweis, von da gegen Neuhaus in der Richtung 
von Ost nach West und hierauf beinahe in der Moldaurichtung, nämlich gegen 
Südsüdwest, bis Lasenitz, die Nezärka folgt hierauf wieder in einer Granitschlucht 
der westlichen Richtung bis zu der känozoischen Mulde, welche sie in der Richtung 
des Böhmerwaldes gegen Nordwesten bis zur Einmündung in die Luznic durch- 
fliesst. Die Zirovniöka und Obere Nezärka folgen somit dem hier herrschenden 
Streichen der Gneisschichten NO-SW, indem sie zum Theile längs alter Thäler 
der Gneiss-Falten fliessen, oft jedoch auch den Granit durchbrechen und stellen- 
weise wilde nnd malerische Felsen, wie z. B. bei Steinmotiken bilden. 

Die Kamenicka und der Holsmühlbach folgen im Ganzen der Moldau- 
richtung, nämlich von Norden nach Süden, in gleicher Weise der Borekbach, ein 
Zufluss der Zirovnicka, und die Nezärka selbst von Neuhaus an bis gegen Lasenitz. 
Diese Wasseradern verlaufen grösstenteils im Granitgebiet oder längs dessen Grenze; 
die ersteren sind allem Anscheine nach jünger. In der Richtung von Osten nach 
Westen, höchstwahrscheinlich einer Modifikation der Richtung des Böhmerwaldes, 
verlaufen der Hammerbach von Blauenschlag (Blazejov) an, der Oünsky- und Penskij- 
Bach, sowie auch ein Theil der Nezärka von Lasenitz an bis über Platz, und 
zwar theilweise in der Gueissformation, an der Grenze zwischen Gneiss uud Granit 




Fig. l. Die Richtung und Strecke der Wasserläufe im Gebiete der Oberen Nezärka. 



oder in känozoischen Thälern ; theilweise durchbrechen sie den Granit ; auch hier 
bilden sie stellenweise höhere Felsgehänge, wie z. B. der Hammerbach bei Hein- 
richschlag, u. a. 

Die beigefügte Figur 1. versinnlicht die Gesammtrichtung, die proportio- 
nierte Länge und Mächtigkeit der Wasserläufe im Gebiete der Nezärka. 

a) Die Obere Nezärka mit der Zirovnicka; die untere Nezärka; 

b) die Kamenicka, der Holzmühlbach, Brodele, Untere Nezärka; 






8 

c) die mittlere Nezärka, der Hamuoerbach, Otinsky- und Pensky-Bach ; 

d) der grössere Theil kleinerer Zuflüsse der Nezärka, des Holzmühl- 
baches, der Kamenicka und Zirovnieka, grösstenteils an ihren rechten 
Ufer; 

e) einige kleinere Zuflüsse der in </) angeführten Gewässer, grösstenteils 
am linken Ufer mündend. 

Aus dieser Übersicht geht klar hervor, dass hier den längsten und mäch- 
tigsten Hauptwasserlauf die Nezarka mit ihrer Verlängerung, der Zirovniöka, bildet, 
denen alsdann die Kamenicka, der Holsmühl- und Hammerbach folgen, ferner, 
dass die kleinen Zuflüsse am rechten Ufer länger sind als die am linken Ufer, 
was mit der Tektonik dieses Gebietes zusammenhängt. Die Hauptiichtung der 
Wasserläufe geht von Nordosten gegen Südtvesten (Erzgebirgrichtung) entsprechend 
dem hier herrschenden Streichen des Gneisses; hierauf folgt die untergeordnetere 
Richtung der Wasserläufe von Norden gegen Süden (Moldaurichtung) und die unter- 
geordneteste Richtung ist die der kleineren Zuflüsse von Nordwesten gegen Süd- 
Osten und die entgegengesetzte Flussrichtung (Böhmerwaldrichtung). 

Es ist eine teutonisch interessante Erscheinung, dass in derselben Heihtn- 
folge, in der hier die Wasserlaufrichtungen aufeinanderfolgen, dieselben Streich- 
richtungen der Schichten im weiteren Gebiete des Böhmisch-mährischen Hochlandes 
vertreten sind. 

Auch die Form und die Lage grösserer Teiche, sowie die Gruppen kleinerer 
Teiche erinnern meistens an die hier vorherrschende Richtung des Erzgebirges 
ivou Südwest gegen Nordost), an zweiter Stelle erinnern sie an die Moldaurichtung 
(von Süden gegen Norden). 



Das Gefälle der Hauptwasserläufe. 

Die Zirovnieka weist von (Castrov) (607 m) an bis gegen Seerowitz (Ziro- 
vnice) (bei der Mühle 545 m). durchschnittlich ein Gefälle von 62 im auf, somit 
auf Ihm des (geraden) Wasserlaufes LP57 m\ von Seerowitz bis liegen Jaroschau 
(482 in) ein Gefälle von 63»», somit auf 1 hm 5*82 m. Die NeSärha weist hierauf 
von Jaroschau bis gegen Neubaus (4Ü4 m am Ufer des Bajgar-Teiches) ein Gefälle 
von 18 »/, oder auf 1 hm nur 2"61 in ; von Neuhaus l>is Lasenitz (445 m) ein 
Gefälle von lit m, somit auf 1 km 2'26 in; (von Lasenitz zur Mulde Yanek's) 
(440 m), westlich von Platz beträgt das auffallend kleine Gefälle in der Gneiss- 
und Granitformation nur beiläufig 5 m, somit auf 1 hm nicht mehr als ca 1 in ; 
von Lasenitz bis Weseli (408 m) ein Gefälle von 37 in, oder auf Ihm nur 1/76»». 

Die Kamenicka weist von Kamenitzer Bammer (558 m) bis Jaroschau 
(482 »») ein Gefälle von 76 m auf, oder auf 1 km 5(17 m ; ihr Gefälle ist somit 
etwas kleiner als das der Zirovnieka, aus welchem Grunde sich das Wasser der 
Kamenicka bei Jaroschau vor seiner Vereinigung mit der Zirovnieka aufstaut, dabei 
ein breiteres Flussbett bildend. 

Es muss bemerkt werden, dass das 1 hm entsprechende Gefälle in Wirk- 
lichkeit etwas geringer ist, weil hei der Berechnung der angeführten Ziffern nur 



auf die direkte Entfernung der betreffenden Punkte und nicht auf die die Wasser- 
lauflänge vergrössernden Krümmungen Rücksicht genommen worden ist. 



Allgemeine geologische Bemerkungen aus der weiteren 
Umgebung des beschriebenen Gebietes. 

Es mögen neben dem in Detail beschriebenen engeren Gebiete noch fol- 
gende allgemeine Bemerkungen aus meinen verschiedenen Orientiruugsausflügen der 
Jahre 1894, 1895 und 1897 in die weitere Umgebung desselben angeführt werden. 

In dem Gebiete des Granitstockes, der östlich von Gmünd aus dem nieder 
österreichischen Massiv ausläuft und sich in einem bis 36 hm breiten Streifen in 
nordöstlicher Richtung längs der böhmisch-mährischen Gränze bis gegen Windig 
Jenikau hinzieht, ist grösstentheils Zweigt immer- Granit und Biotitgranit verbreitet, 
welche hypidiomorph und allotriomorph körnig, mittel- bis grobkörnig ausgebildet sind. 
Da der Granit meist mit Wäldern bedeckt ist, bietet er nur wenig offene Stellen. 
Die abgerissene Gneisscholle, welche sich um Königseck (Kunzak) herum im Granit- 
gebiete ausbreitet, scheint weiter nach Süden zu reichen, als dies auf der Karte der 
k. k. geologischen Reichsanstalt eingezeichnet ist; denn es erscheinen auf den 
Feldern südlich von Königseck neben der Strasse, die zum Markelstein (Vysoky 
Kämen) führt, auch beim i\ reuze noch scharfkantige faustgrosse Bruchstücke reinen 
weissen Quarzes, sowie eckige Kernstücke eines dunkelgrünlichgrauen Gesteines 
von sehr feinkörniger bis aphanitischer Zusammensetzung, die der Gneiss an ver- 
schiedenen Stellen dieses Gebietes einschliesst und von denen im Weiteren die 
Rede sein wird. Es scheint nicht wahrscheinlich zu sein, dass diese Quarzbruch- 
stücke von grösseren Kieselgeschieben herrühren könnten und dass diese wie auch 
die erwähnten Feldstücke känozoischen oder gar vielleicht diluvialen Alters sein 
könnten, da diese Gegend anderer solcher deutlichen Ablagerungen entbehrt. Wahr- 
scheinlicher ist es, dass sie aus dem unter dem Ackerboden bis hieher ausgebrei- 
teten Gneiss herrühren. 

Östlich von dieser Strasse tauchen dann weiter in den Feldern wie auch 
im Königsecker Walde ziemlich grosse Blöcke eines Zweiglimmergranites mit allo • 
triomorpher, sehr grobkörniger Ausbildung aus der Ackererde empor; derselbe 
besteht aus weissem Orthoklas, grauem Quarz, aus reichlichem dunkelgrauen Biotit 
und aus Muscovit. Es sind dies Überreste festerer, der Verwitterung mehr 
trotzender Granitkerne, auf deren oberen Flächen sich die durch Verwitterung 
entstandenen, rundlichen, länglichen und unregelmässigen sogenannten Schüsseln und 
Schüss&lchen vorfinden, die nach einem Regen mit Wasser angefüllt sind. Von diesen 
Schüsseln verlauft häufig eine ebenfalls durch Wasser und Verwitterung in wei- 
cheren Partien des Granites entstandene Rinne an den Rand des Blockes. Manche 
Archäologen hielten solche Blöcke und ähnliche Granitplatten mit solchen auf na- 
türlichem Wege entstandenen Vertiefungen und Rinnen für Opfersteine und die 
auf ihnen befindlichen Schüsseln für künstlich, und schreiben sie den Kelten zu. 
Diesen natürlichen Erscheinungen begegnete ich nicht nur in dem böhmisch-mährischen 



10 

Hochlande, sondern auch in der Granitformation des Böhmerwaldes, s'e finden s'uli 
auch im Fichtel- und Riesengebirge, in Russland, ja in ganz Europa vor. Genauer 
behandelte ich diese und ähnliche Erscheinungen in meiner Abhandlung „Über 
prähistorische Forschungen im südlichen Böhmen."*) 

Neben den angeführten Blöcken liegen hie und da auf Feldern eckige 
Glaubsteine eines Biotitgranits mit graubraunem Biotit und kleinkörniger Struktur, 
der wahrscheinlich jüngeren Adern angehört. 

Interessant ist der Felsen Markelstein (böhmisch richtig „Vvsoky kämen", 
der deutsche Name rührt vielleicht von dem Worte „Markstein" her, weil sich 
hier früher der Grenzstein zwischen Böhmen und Mähren befand), der in einer 
Seehöhe von 731 m westlich von der Strasse aufsteigt. Er besteht aus demselben 
grobkörnigen Zweiglimmergranit, wie die Blöcke oberhalb Königseck, nur dass die 
Körner etwas kleiner sind und dass derselbe mehr Biotit enthält; vereinzelte Ortho- 
klase sind in Krystallen, die bis 20mm lang und 8m»! breit sind, ausgeschieden. 









Fig. 2. Eine Gruppe von Granitblöeken am Fig. 3. Natürlicher Waekelstein 

„Vysoky kämen" (Markelstein) bei Kt'migseck. aus Granit mit Sehüsselchen vom 

„Vysoky kämen" bei Königseck. 

Dieser Granit zerfällt in eine Menge von Blöcken und Bänken, die theil- 
weise in natürlicher Lage über einander ruhen, theilweise zusammengestürzt sind. 
Inmitten der Blöcke steigt, der centrale, aus plattenförmigen Bänken sich zusam- 
mensetzende Felsen auf, auf den Seiten verlauten über die Blatten Hinnen, die 
durch Regenwasser gebildet worden sind. Eine andere niedrigere Gruppe stellt 
uus die Figur 2 dar; neben grösseren Granitblöcken {i) steht eine aufgerichtete 
Blatte, mit kammartigen Rinnen versehen (a) , welche ursprünglich über den 
Blöcken ruhte und später zusammenstürzte. Eine andere Gruppe stellt die Figur.'! 
dar, wo die auf der Oberfläche Schüsseln aufweisende Blatte in ursprünglicher 
Lage auf einem rundlichen Blocke ruht; es ist dies ein natürlicher Wackelstein 
und hat nichts gemeinschaftliches mit der prähistorischen Thätigkeit des Menschen. 
Manche Blöcke weisen eine flach schüsseliörinige Ablösung auf, nach welcher die 
Blöcke zerfallen. 

Derselbe Granit zieht sich weiter nach Süden hin und tritt nördlich von 
Leinbaum (Klenovä) bei der Strasse in mächtigen Blöcken zu Tage; hier ist er 



*) Z archaeulogiikehn vyzkmmi krälovstvi CeskÖio. 7. l'amatky arch., Prag 189(5. 



11 

weniger verwittert und wird von Steinmetzern verarbeitet. In der Umgebung von 
Lnndstein und des ehemals bedeutenden Dörfleins Markel ragt eine Masse von 
Granitblöcken, Bänken uud Platten zu Tage. Beiläufig 523 m südöstlich von der 
Burg Landstein steigt ein mit künstlichem Walle umzogener Felsen mit einer 
Kapelle empor, hinter welcher gewaltige Blöcke uud Platten sehr grobkörnigen 
Zaeiglimmergranites, fast pegmatischer Natur gelagert sind; derselbe ist haupt- 
sächlich aus grossen, theilweise idiomorph ausgebildeten, bis 35 mm langen und 
Ibmm breiten Orthoklasen zusammengesetzt, zwischen denen untergeordnet kleinere 
unregelmässige Körner hell- bis dunkelbraunen Quarzes und Gruppen Muscovits 




Fig. 4. Eine natürliche Granit-Tischplatte mit Schüsseln und Rinnen 

(sog. Opferstein) von Landstein. 

und etwas wenig Biotit eingestreut sind. Circa 500 m von hier erhebt sich auf 
dem südöstlich sich hinziehenden Kamme ein anderer interessanter Felsen, welcher 
aus Blöcken und Platten desselben überaus grobkörnigen Zweiglimmergranits besteht, 
den wir südlich von Königseck gefunden. Eine blockförmige, 12'5 m lange und 
35 m breite Platte ruht hier in der Gestalt einer Tischplatte über kleineren 
Resten ursprünglicher Platten, in der Form von Stützpfeilern, in ursprünglicher 
natürlicher Lage, entstanden in Folge der ungleichen Verwitterung der Granitmasse ; 
vergl. Figur 4. Die Oberfläche dieser tischförmigen Platte ist mit acht, mehr oder 
weniger rundlichen Schüsseln bedeckt, von denen die grösste einen Durchschnitt 
\on 065 m und in der Nähe der Mitte eine Tiefe von Ol 8 m aufweist; die 
Wände dieser Schüsseln sind durchwegs rauh, und durch Verwitterung entstanden; 
von den Randschüsseln aus hat das Regenwasser durch Abfliessen über den Rand 
hinab Rinnen gebildet. Auch diese tischförmige Platte wurde für einen Opfer- 
stein gehalten , obwohl weder sie selbst noch die Umgebung Spuren mensch- 
licher Thätigkeit aufweist. Eine solche lehrreiche und interessante Erscheinung 
bildet auch die in einer Menge von Granitblöcken liegende Platte grobkörnigen 
Granites bei Kunashofe, deren Aussehen uns die Figur 5 nach J. Richlij wieder- 
gibt. Sie ist mit zehn Schüsseln verschiedener Gestalt und Grösse (im Durch- 
schnitt 0'2— 04 m lang, der grosse unregelmässige Trog ist 2 m lang) bedeckt, 
deren natürliche Entstehung auf den ersten Blick klar ist. besonders wenn wir den 
in Figur 5 dargestellten Durchschnitt a vergleichen. 



12 



Die natürlichen Erscheinungen der obenerwähnten Schüsseln, Tröge und 
Grübchen hängen streng mit der inneren Zusammensetzung der Granitmasse zu- 
sammen. Der Granit ist nähmlicli nicht seiner ganzen Masse nach vollständig 
homogen, weder in Hinsicht auf die Gruppierung der Mineralbestandtheile noch 
auch in Hinsicht auf die Grösse der Körner, sondern derselbe ist an verschiedenen 

Stellen dichter, an Stellen, die mehr Quarz ent- 
halten, ist er härter, anderwärts weicher und der 
Verwitterung weniger trotzend. Dazu gesellt sich 
die eigentümliche Art der Ablösung der Granit- 
masse. Die Ablösung der Granitgesteine ist ge- 
wöhnlich platten- oder tafelförmig mit mehr oder 
weniger geraden Flächen, manchmal auch ausge- 
rundet, halbkugelförmig; es ist dies die Folge 
des Unterschiedes in der Spannung der Eruptions- 
masse, die senkrecht auf die Fläche der ursprüng- 
lichen Abkühlung wirkt und mit der sich ändernden 
Dichte verbunden ist. Längs solcher Dichteunter- 
schiede lösen sich alsdann bei der Verwitterung 
oder beim Brechen des Granits einzelne Theile 
in Platten und Blöcken ab. Die Verwitterung der 
Gesteine, somit auch des Granits, ist die zer- 
störende Folge des Meteorwassers (des Regens, des 
Nebels, des Thaues, des Schnees uud des Eises i. 
des Windes, der Wärme sowie auch der Orga- 
nismen, die an der Oberfläche und längs der Spalten 
des Gesteines leben. Dieser ununterbrochenen, zer- 
störenden Thätigkeit unterliegen nicht nur Felsen, 
sondern auch ganze Thäler, die mit dieser Hilfe 
entstanden sind. Das atmosphärische. Kohlensäure 
enthaltende Wasser verdrängt im Granit zunächst die Kieselsäure des 1'eldspaths 
aus ihrer Verbindung mit den Alkalien und mit dem t'alciumoxyd, führt sie ebenso 
ab wie die Carbonate und dadurch verliert der Feldspath seinen Glanz, wird matt, 
weiss, kaolinartig, zerfällt und das Wasser führt seine Theilchen mit sich fort; 
die anderen Bestandteile des Granites, der Glimmer und der Quarz verlieren den 
Zusammenhang und der Glimmer unterliegt dann auch einer um so schnei leren 
Zersetzung; die übrig bleibenden Quarzkörnchen schwemmt «las Wasser fort. Je 
grobkörniger der Granit ist, umso ungleicher ist seine Dichte, und umso schneller 
unterliegt er an den wenigen dichten Stellen, die mehr Feldspath und weniger 
Quarz enthalten, der Verwitterung. 

Wenn der Granit in Folge der Verwitterung längs der Ablösung in Platten 
oder in plattförmige Blöcke mit nicht vollständig ebenen Flächen zerfällt, und wenn 
die oberen verwitterten Theile im Laufe der Zeit vom liegen fortgetragen werden, 
erscheint an der Oberfläche eine Fläche mit rauhen kleinen Vertiefungen (Fig. 6. o), in 
denen das Regenwasser aufgefangen wird und zur schnelleren Verwitterung dieser 
Stellen beiträgt; dadurch entstehen rundliche (b), längliche oder unregelmässige 




Fig. 5. a) Eiuc Granitplatte mit 

nat. Schüssel vom Kunashofe, 

'») Durchschnitt. 



13 

Schüsseln von verschiedener Tiefe, der Dichte und der Gruppierung der Mineral- 
bestandtheile des Granites an diesen Stellen entsprechend, bis sich hierauf ver- 
schiedene Vertiefungen entweder untereinander oder mit dem Rand vereinigen, 
wie es die Fig. 6, c zeigt. 

Ein solcher Process kann sich auch auf einer verhältnismässig ebenen 
Fläche der Platte an Stellen geringerer Dichte vollziehen, weil hier die Verwitte- 
rung schneller als in der dichteren Umgebung fortschreitet. Auf diese Weise ist 
der grösste Theil der Schüsseln und Vertiefungen, die oben aus dem Granitge- 
biete an der böhmisch-mährischen Grenze angeführt worden sind, enstanden ; lehr- 
reich in dieser Beziehung ist die oben abgebildete Platte von Kunashof (Fig. 5.) 




Fig. 6. Entwicklung der Schüsseln auf der Oberfläche einer Granitplatte. 

Wenn die Ablösung des Granits längs ausgerundeter oder halbkugelförmiger 
Flächen vor sich geht, und solche Anzeichen haben wir am Felsen Markelstein ge- 
funden, so können durch Zerfallen oder Zusammenstürzen der oberen Theile natür- 
liche tiefe rundliche Schüsseln entstehen, die sich somit als Opfersteine sehr gut 
eignen würden, ohne dass die Menschenhand dazu beigetragen hätte. Aber solche 
gibt es in unserem Gebirge nicht. Gümbel bildet eine solche Schüssel aus dem 
Fichtelgebirge ab (Geognotische Beschreibung des Fichtelgebirges 1879); ich selbst 
habe eine ähnliche auf einem Granitblock in der Nähe von Konopice bei Gross 
Zdikau und bei Zuzlawitz im Böhmenwalde, sowie in Thale der Volynka oberhalb 
Strakonic gefunden; Spuren ihrer Benützung habe ich nicht vorgefunden. 

Kleine Schüsseln und Grübchen mit rundlichem, meist tieferen Boden ent- 
standen gewöhnlich dort, wohin das Regenwasser ununterbrochen aus einer Schüssel 
abfloss, gemäss dem alten Sprichwort „gutta cavat lapidem." Auf einen solchen 
Process wies H. Grüner* für zahlreiche Schüsseln aus dem Fichtelgebirge sehr 
überzeugend hin. Es ist kein Zweifel, dass manche der angeführten Grübchen auch 
im böhmisch-mährischen Hochlande auf eine ähnliche Weise entstanden sind; der 
grössere Theil jener solcher kleineren, tiefen, rundlichen Vertiefungen, sowie auch 
hauptsächlich jene mit senkrechten, oder gar nach innen geneigten, somit hohlen 
Wänden, ist auf eine andere Weise entstanden. Es ist nämlich bekannt, dass der 
Granit stellenweise rundliche, längliche auch unregelmässige Gneisskerne, öfters 
jedoch in dieser Weise ausgebildete Concretionen enthält, die hauptsächlich aus 
Glimmer undFeldspath zusammengesetzt sind; man kann dieselben leicht an der dun- 
kleren Farbe in verschiedener Grösse an der Granitoberrläche, besonders nach einein 
Regen, in gleicher Weise an Pflastersteinen und auf Stiegen beobachten. Wenn 



*) Die Opferßteine Deutschlands, Leipzig 1891. 



14 

sich ein solcher Kern in Folge der Verwitterung ausbröckelt, ist die Schüssel bald 
fertig; anderseits verwittert eine solche Concretion viel schneller als die umliegende 
normale Granitmasse. Diese Erscheinung lässt sich auf einige Jahre alten Granit- 
Stiegen verfolgen, wo man schon heute auf solchen, am nicht betretenen Hände 
der Stiegen gelegenen Kernen Wasserreste nach einem Regen bemerkt, zum Beweise 
dessen, dass die Kenn 1 in einer verhältnismässig kurzen Zeit etwas mehr ver- 
wittert sind als die umliegende Masse. Verwittert ein solcher Kern vollständig 
und schwemmt Regenwasser seine übrigbleibenden Hestandtheile weg, so entsteht 
eine Schüssel oder eine Grube mit nahe senkrechten oder nach innen geneigten 
Wänden. 

Man könnte jedoch eiuweuden, dass die auf natürlichem Wege entstandenen 
grösseren und dazu geeigneten Schüsseln selbst zu religiösen Zwecken benützt 
wurden. Aber es gibt auch hiefür nicht den geringsten Beweis. 

Ich habe auf keiner einzigen der von mir untersuchten Schüsseln des 
böhmisch-mährischen Hochlandes irgend welche Spuren der Menschenband und 
auch in ihrer nächsten Umgebung nicht eine einzige Spur ehemaliger menschlicher 
Anwesenheit gefunden, die sich doch sonst in der Umgebung vorfinden müssten ; 
dasselbe bestätigen Eichly und Beringer. 

Dass der Charakter des böhmisch-mährischen Granitstockes nicht durch- 
wegs gleichartig ist, sondern dass er an verschiedenen Stellen bedeutende Varianten 
aufweist, die nicht nur am Rande oder in der Mitte desselben entstanden sind, 
sondern auch mit dem Alter des Granits zusammenhängen) beweisen die bisher 
angeführten Bemerkungen, hauptsächlich jene, die sich auf die zwischen Deutsch-Baum- 
garten und Konrads östlich von Neu Bystritz auftretenden Erscheinungen beziehen; 
leider herrscht hier ein Mangel an Aufbrüchen. Zwischen den angeführten Orten 
finden sich auf Feldern und in Haufen von Glaubsteinen sehr interessante Granit- 
varietäten vor, unter denen ein besonderer dunkler Biotitgranit mittelgrossen Korns 
hervorragt, der zu zwei Dritteln aus dunklem, graubraunen, unter dem Mikro- 
skop rothbraunen, gelblichen bis farblosen Biotit tnuscovitischer Natur zusammen- 
gesetzt ist, zwischen den unregelmässige Körnchen von Feldspath mit untergeordneten 
Körnchen dunkelgrauen, gewöhnlich von Feldspath umgebenen Quarzes eingestreut 
sind. Diesem dunklen Granit verleiht der Feldspath ein uuregelmässig fleckiges 
Aussehen. Verbreiteter ist hier ein sehr feinkörniger aplitischer Granit mit Muscovit 
und ein kleinkörniger aplitischer Granit ohne Glimmer: beide Abarten gehören ohne 
Zweifel Adern an. 

Bei Burgstall nordwestlich von N. Bystritz nimmt der Granit den allge- 
meinen Charakter des böhmisch mährischen Granitstockes an. Es ist dies der hypi- 
diomorphe Zweiglimmergranit mittleren, gleichmässigen Kornes, welcher aus weissem 
Orthoklas, grauem Quarz und reichlichem, dunkelbraunen Biotit zusammengesetzt 
ist; der Muscovit erscheint allerdings nur sehr untergeordnet; aus dem gleich- 
körnigen Gemenge treten stellenweise grössere bis 15 mm lange Körner eines nur 
theilweise idiomorphen Feldspathes hervor, ohne dass das Gestein ein porphyrisches 
Aussehen annehmen würde. Dieser lichtgraue Granit wird hier in mächtigen zusam- 
menhängenden Platten gebrochen und in neuerer Zeit bis nach Neuhaus zu Stein- 
metzarbeiten verfrachtet. Derselbe Granit tritt in einem Felsen südöstlich von 



15 

Schamers zu Tage; während ein Handstück von hier neben Biotit nur unbedeutende 
Spuren von Muscovit aufweist, ist derselbe in einem anderen Handstücke etwas 
reichlicher als im Granit von Burgstall vertreten. 

Wiewohl die den Stockgranit durchdringenden Granitadern gewöhnlich fein- 
körniger sind, findet man dennoch, freilich nicht oft, auch das umgekehrte Ver- 
hältnis und dies scheint bei den eben beschriebenen grobkörnigeren Graniten der Fall 
zu sein. Es scheint nämlich, dass durch den Granitstock, der aus Zweiglimmergranit, 
wie z. B. bei Burgstall und anderwärts, besteht, eine mächtige Gangader, welche 
Naumann sonst gleich oder bald nach der Erstarrung des umgebenden Granites 
entstehen lässt, von Südsüdost gegen Nordnordwest über Landstein, Leinbaum, 
Markelstein gegen Königseck sich hinzieht, deren Mitte der gröbste Granit bei Land- 
stein entsprechen würde, während seinem westlichen Rande die feinkörnigen Granite 
angehören dürften, die wir zwischen Deutsch-Baumgarten und Konrads gefunden haben. 

Hypidiomorpher mittelkörniger Biotitgranit ist an der östlichen Grenze in 
der Umgebung von Vilimec in Mähren verbreitet, wo er das Liegende känozoi'scher 
Schichten bildet; derselbe ist den vorbesprochenen Graniten sehr ähnlich, nur dass 
er den Muscovit entbehrt und dass grössere Feldspathkörner in seinem gleich- 
massigen Gemenge nicht auftreten. Derselbe Granit ist in zahllosen Blöcken rings um 
Kathariuenbad bei Pocätek verbreitet. 

An der Nordwestseite bei Pocätek reicht ein über Gneiss gelagerter Sand 
von Süden bis zu der nach Cästrov führenden Strasse, und ist höchstwahrscheinlich 
ein Ausläufer des känozoi'schen Sandes, der sich südwestlich von Pocätek ausbreitet. 

Nordwestlich von Pocätek ist ein lichter, kleinkörniger Zweiglimmergranit 
mit überwiegendem Feldspath verbreitet; eckige Stücke und grössere eckige Blöcke 
sind auch im Lehm bei der Ziegelei in nordwestlicher Richtung von Sträziry Kopec 
gelagert; der diluviale Lehm zieht sich hier iu einer Mächtigkeit von 2 — 25 m 
direct über die Ziegelei und die Strasse von Südost gegen Nordwest hin und besteht 
aus feinen Zersetzungsprodukten der Feldspathe, aus zahlreichen scharfkantigen, 
bis 5 mm grossen Quarzkörnchen und Glimmerschuppen. Dieser Lehm ist elwvialen 
Ursprungs, durch Zersetzung des Granites an Ort und Stelle enstanden. Unter 
demselben folgt scharfkantiger Sand, der aus Körnchen von Quarz und Feldspath 
und aus Glimmerblättchen des zerfallenen Granites zusammengesetzt ist. Auf der 
Karte der geologischen Reichsanstalt ist obiger Lehm nicht verzeichnet. Westlich 
von Cästrov verläuft über dem Gneiss längs eines Grabens känozoi'scher Sand ; 
ebenso auch nordwestlich längs des Bächleins, sich von dem Kreuze bei Pelec 
nach Osten bis zur Mühle und weiter gegen Cästrov ausbreitend; derselbe ist 
gleichfalls auf der Karte der geologischen Reichsanstalt nicht verzeichnet. 

Interessant erscheint eine Granitzunge westlich von Pelec, die von 
Lasenic bei Pravikov vorbei gegen Norden im Gneiss verläuft. Gleich am östlichen 
Rande derselben liegen im Wäldchen gewaltige rundliche Granitblöcke, von denen- 
einer ausgewitterte, ansehnliche Schüsseln aufweist. Es ist dies ein hellgrauer, hypidio- 
morpher, kleinkörniger Biotitgranit, in welchem das Gemenge von Feldspath und 
Quarz überwiegt und dunkelbrauner Biotit untergeordnet eingestreut ist. 

Ein Handstück aus einem kleineren Block enthält pyroxenen Biotitgranit, 
der im Dünnschliff unter dem Mikroskop grösstentheils unregelmässige Körnchen 



16 

stellenweise ziemlich vertrübten Feldspaths und zwar Orthoklas, und untergeordnet 
Plagioklas aufweist; manche Orthoklaskörner zeigen eine mikroperthitische Zusam- 
mensetzung ; die unregelmässigen, meist kleineren Quarzkörnchen, enthalten flüssige 

und gasförmige Einschlüsse und zeigen bunte Farben; der sehr untergeordnete 
Riotit tritt nur in kleineren unregelmässigen Blättchen von gelblichbrauner (im Durch- 
schnitt lichtgrauer) Farbe und enthält feine dunkle Körnchen ; vereinzelt erscheinen 
kurze Pyroxensäuleu mit unregel massigen länglichen kleinen Spalten; die Färbung 
ist im einfachen Lichte innen blassroth, im Polarisationslicht gelb- und gelblich- 
grün, in zersetzteren Theilen graugrün; die Auslöschung von 25 — 30" entspricht 
dem Akmit oder dem Ägerin. 

Ein Handstück von dem grossen, etwas grobkörnigeren Block mit reichli- 
chem Biotit enthält Biotitgranit hypidiomorpher Zusammensetzung; in das vorwie- 
gende Gemenge von Quarz und Feldspath, dessen Körner manchmal eine Länge 
von 5 mm erreichen, sind Lamellen und vereinzelte, bis 5 mm grosse Gruppen 
dunkelbraunen Biotits eingestreut. 

Im Dünnschliffe erscheint vor allem unter dem Mikroskop Orthoklas in 
kleineren und grösseren länglichen, meistens getrübten Körnern; Plagioklas ist Hin- 
durch ein einziges unbedeutendes Korn, dafür der Mikropertb.it in mehreren grösse- 
ren Körnern vertreten; Pyroxen mit dem Charakter des vorbesprochenen Dünn- 
schliffes ist auch nur in einem einzigen länglichen Körnchen vorhanden. Die un- 
regelmässigen Quarzkörner sind ziemlich unrein, da sie viele flüssige und gasförmige 
Einschlüsse enthalten ; die unregelmässigen Biotitblättchen haben eine dunkelgelb- 
braune Farbe und enthalten wenig feine dunkle Körnchen. 

Westlich von Antoninov tritt in Gruben känozoischer Sand auf, der sich 
von der Strasse in nördlischer Richtung höchstwahrscheinlich bis zum Teiche bei der 
Dvojhräzi-Mühle hinzieht, wo er sich allem Anscheine nach dem auf der Karte der 
geolog. Reichsanstalt verzeichneten Sande von Pravikov auschliesst. 

In der Umgebung von Sobeslav überwiegt ein feinkörniger, ausgezeichnet 
schiefenger Biotitgneiss, der aus Feldspath (Orthoklas, untergeordnet Plagioklas) 
und Quarz und feinen Flasern dunklen Biotits bestellt. In einen Steinbruche am 
Wege westlich von Sobeslau, unmittelbar vor der Granitinsel „Na Svdkove" geht 
er in einen glimmerschieferartigen Biotitgneiss über, der daselbst „Svakover Gneiss" 
genannt wird; er besteht aus sehr feinen Körnchen von Qnarz und untergeordnetem 
Orthoklas, zwischen welche unregelmässige Blättchen ausgebleichten, hell gelblich- 
weissen bis grauweissen, unter dem Mikroskop farblosen und nur stellenweise noch 
braunen Biotites eingelagert sind; dieser ausgebleichte Biotit überzieht die Spalt- 
flächen in zusammenhängenden Flasern. Das Gesteiu bricht in dünnen Platten, 
die durch Verwitterung iu feine gleichlaufende Flasern zerfallen. Zwischen die 
Schichten dieses Gneisses sind schwache Schichten kleinkörnigen Quarzitschiefers 
eingelagert, deren Spaltflächen mit reichlichem, ausgebleichtem Biotit bedeckt sind- 

Südlich von Soböslau treten bei der kleinen Grauitinsel in der Nähe von 
Drachov, wie mir Prof. J. John mitgetheilt, Granitblöcke interessanter Zusammen- 
setzung auf. Das mir überlassene Handstück ist Turmalin-Muscovitgranit pegma- 
tischer Zusammensetzung. In den gröberen und kleineren Körnern des weissen 
Feldspathes sind kleine Körnchen grauen Quarzes vertheilt, welche auch selbst- 



17 



ständig in grösseren Exemplaren zwischen 
Feldspath vorkommen, untergeordneter tritt 
der Muscovit in Blättchen und grösseren La- 
mellen auf; sehr häufig ist der Turmalin, 
der in kleinen länglichen Säulen und in Körn- 
chen in dem Gemenge von Feldspath und 
Quarz und im Quarze selbst eingestreut ist; 
accessorisch ausgeschieden sind Krystalle dun- 
kelbraunen Granates von der Grösse bis 12mm 
im Durchmesser. Dieses Gestein gehört ohne 
Zweifel einer Ader oder einem Gange an. 

Grössere Krystalle des von Friedrich 
Katzer*) beschriebenen, aus dem Gneiss ver- 
witterten Rutils findet man heute noch in 
der Umgebung von Sobeslau in grosser Menge ; 
hauptsächlich in den Anschwemmungen am 
Bache rechts von der Strasse, die nach 
Bechyn führt. Prof. John hat mir aus seiner 
reichen Sammlung mehrere Stücke dieses 
Minerals überlassen, sowie auch einen mit 
Fichtelit bedeckten Ast weichen Holzes aus 
dem Torflager von Mazic, die ich dem Mu- 
seum des Königreiches Böhmen geschenkt 
habe. 

Ostlich von Veseli befindet sich südlich 
bei der Eisenbahnstation, gerade an der 
Strecke, ein Bruch hellen zersetzten Gneisses 
granitischen Aussehens. Das Gestein ist 
schuppigkörnig, mittlerer Korngrösse und be- 
steht aus weissem Feldspath, dunkelgrauem 
Quarz, zwischen welche Blättchen von Mus- 
covit eingestreut sind, die vereinzelt auch 
die Grösse von 10 mm in Durchmesser er- 
reichen ; accessorisch eingestreut ist ziemlich 
reichlich der Turmalin in feinen Säulen und 
Körnchen und nur spärlicher Biotit. Wiewohl 
wegen der vorgeschrittenen Zersetzung des 
Feldspathes nicht festgestellt werden konnte, 
ob auch Plagioklas vertreten ist, bin ich der 
Ansicht, dass dies der typische „weisse Gneiss" 
ist, den A. Rosiwal**) aus dem krystalli- 



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*) Tsckerraak's Mineral. Mith. N. F. IX. p. 405 
**) „Aus dem krystallinischen Gebiete zwischen 
der Schwarzawa und Zwittava". Verh. d. k. k. geolog. 
Reichsanst. 1892— 9-1, 1890. 



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irischen Gebiete zwiehen der Sehwarzawa und Zwittava in Mähren beschreibt, 
welcher dem „rothen Gneiss" entspricht, von dein auch Fr. E. Suess*) (Sohn) aus 
dem südlicheren Theile Mährens bei Gross-Meseritsch berichtet. 

Unmittelbar im Osten von Weseli breitet sich neben der Strasse zum 
Bahnhof bei der Ziegelei ein thoniger Lehm höchstwahrscheinlich känozoischen 
Alters aus, unter welchem känozoischer Sand in bedeutender Ausdehnung folgt; 
derselbe besteht beinahe ausschliesslich aus sehr feinen rundlichen Körnchen weissen 
gelblichen und etwas dunklen Quarzes. Feine, im Wasser sich suspendierende 
Beimengungen enthält er beinahe keine. 

Einen allgemeinen Durchschnitt des böhmisch-mährischen Hochlandes haben 
wir in der Richtung von Westen nach Osten vom känozoischen Becken bei Wodnan 
über Bukovsko, Neuhaus bis gegen Tele in Mähreu entworfen und in B'ig. 7 dar- 
gestellt. 



Die geologischen Verhältnisse des Gebietes der Oberen Nezärka, 

Indem wir an die Detail -Beschreibung des auf unserem geologischen 
Kärtchen enthaltenen Gebietes, dem eigentlichen Ziele der vorliegenden Absendung, 
herantreten, wollen wir mit der archäischen Formation beginnen. 

Die archäische Formation. 

Die Auseinandersetzungen mögen mit dem Ghieiss eröffnet werden, und 
zwar nach folgenden drei topographischen Gruppen: der Gruppe bei Neuhaus und 
der Umgebung gegen Norden, der Gruppe bei Jaroschau und der Umgebung gegen 
Norden und Nordosten und der südöstlichen, die sich über Ottenschlag, Ullrichschlag, 
Böhurisch-Vole§na, Stolcin und Pocatek hinzieht. 

Allgemeine Verbreitung des Gneisses. 

Eine ca 7 hm breite Gneisszoue zieht sich von Chlumec in nördlicher 
Richtung bis gegen Platz hin, wo sie vom Granit durchbrochen wird; dieser zieht 
sich in einem engen Streifen zu beiden Seiten der Nezärka bis gegen Neuhaus hin 
und theilt hier die Gneisszone in zwei Äste; der westliche Ast geht au Poliken vorbei 
gegen Neuhaus, während der östliche weit in das Granitgebiet in nordöstlicher 
Richtung bis zu dem östlich von Jaroschau liegenden Teiche (Ilolub) hineinreicht. 
In derselben Richtung zieht sich ein anderer Gneisstreifen von den südlich bei 
Deutsck-VoleSna gelegenen Teichen angefangen über Böhmisch-Volesna bis hinter 
den mährischen Berg-Gipfel „Tuma" (619»») hin. Nördlich von Neuhaus setzt sich 
der westliche Gneissast am rechten Ufer der Nezärka gegen Klein-Radaunles (Ra- 
dounka) fort und seine Spuren treten in nördlicher Richtung an verschiedenen 
Stellen längs des Holzmühlbaches bis gegen Wenkerschlag (Radaun) auf; in nord- 

*) Verliandl. d. k. k. geolog. Reichsaustalt 1896 Nr. 5. 



19 

östlicher Richtung zieht sich ein Gneisstreifen vom Bahnhof von Neuhaus am 
linken Ufer der Nezärka gegen Jaroschau; von da setzt er sich theils in einem 
breiten Streifen längs der Kamenicka nach Norden fort, wo er sich westlich von 
Neu-Ötting gemeinsam mit dem Granulit bedeutend erweitert, theils in einem 
nordöstlichen Streifen über Gross-Bernharz. ZdeSov gegen Letkovic, und in einigen 
nordöstlichen Ausläufern gegen Serowitz und von Stolcfn gegen Pocätek. 

Der Gneiss ist somit in dem beschriebenen Gebiete verbreiteter als es die 
Karte der k. k. geologischen Anstalt anzeigt. Dieser Umstand lässt sich durch 
den früheren Mangel an Aufschlüssen erklären, wie schon oben angedeutet worden ist 

Beinahe der gesammte, im Gebiete unserer Karte vertretene Gneiss ist 
wesentlich der sogenannte graue Gneiss oder Biotitgneiss . In keinem von den an 
verschiedenen Orten gesammelten ca 100 Fundstücken dieses Gesteines fand sich 
Muscovit als wesentlicher Bestandtheil des Gneisses vor. Dieser Umstand, sowie 
die im Allgemeinen gleichmässige petrographische Beschaffenheit des Gneisses, der 
stellenweise in Dünnschliffen auftretende •Sillimanit, die Seltenheit von Einlage- 
rungen fremder Gesteine und der vollständige Mangel an Urkalkstein in diesem 
Gebiete weisen darauf hin, dass die bis heute erhaltenen Schollenreste dieses 
Gneisses am meisten der Gneisstufe entsprechen, welche Becke*) im niederösterrei- 
chischen Gföhl-Gebiete „Centralen Gneiss" genannt hat; Becke hält diese Stufe für 
die jüngste in der niederösterreichischen Gneissformation, der allerdings die älteste 
Stufe des grauen Gneisses ähnlich ist. 

Was die Gneisse anbelangt, welche A. Rosiwal**\ im nordöstlichen Böhmen 
und in Mähren in dem Gebiete zwischen der Zwittava und Schwarzawa unter- 
scheidet, entspricht der Gneiss unseres Gebietes dem „Grauen Gneiss" dieses Autors, 
während die ältere Stufe desselben, nämlich der „Weisse und rothe Gneiss" in 
unserem Gebiete allem Anscheine nach fehlt. Schon Andrian (1863i weist darauf 
hin, dass rother Gneiss in dem südböhmischen krystallinischen Becken - nur in ver- 
einzelten Partien auftritt. Weiter entspricht unser Gneiss zumeist der zweiten 
Stufe des Gneissgebietes bei Gross-Meseritsch in Mähren, welche hier F. E. Suess ***) 
unterscheidet. 

Obwohl die Struktur und Zusammensetzung des Gneisses in unserem engeren 
Gebiete im allgemeinen ziemlich einfach und gleichmässig erscheint (Feldspath, 
Quarz, Biotit) und nur in der nördlichen Gegend (bei Zdär) zu den normalen Be- 
standtheilen auch Pyroxen hinzutritt, zeigt derselbe doch im Einzelnen genug struk- 
turelle Verschiedenheiten, von deren Beschaffenheit wir am zweckentsprechendsten 
bei den nachfolgend zu besprechenden Aufschlüssen in den oben angeführten topo- 
graphischen Gruppen abhandeln wollen. 



*) „Die Gneissf'orm.ition des niederöster. Waldviertels. Tschermak's Mineral, petrograph. 
Mittheil. IV. "Wien 1881. 

**) Aus dem krystallin. Gebiete zwischen der Schwarzawa und Zwittava" II. Verhand- 
lungen der k. k. geol. Reichsanst. 1892. Nro 11. 

***) „Das Gneiss- u. Granitgebiet von Gross-Meseritsch in Mähren". Verhandl. d. k. k. 
geol. Reichsanst. Wien 1898, Nro 6. 

■2* 






20 

Der Gneiss bei Neuliaus und in dessen Umgebung. 

In der Umgebung von Neuhaus und des Holzmühlbaches ist der Gneiss 
folgendermassen verbreitet : 

Vom westlichen Ufer des seeartigen Teiches Bajgar (Vajgan) erstreckt 
sich eine Gneisszone längs des linken Ufers der Nezärka und längs der Strasse 
bis zu den letzten Häusern südwärts, ebenso längs des rechten Ufers 'des Flusses 
gegen Rudolfov, über die Papiermühle und weiter in südlicher Richtung; Gneiss 
verbreitet sich über die westliche Anhöhe von Neuhaus, wo er nördlich von Buk 
zwei Granitinseln einschliesst ; nach Nordwesten zieht sich der Gneiss von Neuhaus 
bis zum Fischer-Teiche hin, wo aus demselben eine Granitinsel hervortritt. Der 
nördlich von Neuhaus mit känozoischen Schichten bedeckte Gneiss tritt am linken 
Ufer der Nezärka abermals zu Tage und zieht sich bis gegen Riedweis; er tritt 
auch am rechten Ufer des Hammerbaches unterhalb der Militärschiesstätte zu"Tage. 
Weiter nordwärts von Neuhaus ist der Gneiss mit känozoischen Schichten bedeckt, 
aus denen er in Form einer grösseren Insel östlich von der Fasanerie hervortritt: 
er zieht sich ferner längs des Holzmühlbaches nördlich von Radounka in einigen 
kleineren Inseln bei der Holemühle, vor WenkerscMag und am nördlichen Ende 
dieses Dorfes hin. Eine grössere Ausbreitung besitzt er südöstlich vom Dorfe 
Scheiben-Radaun, wo er in Granulit übergeht. 

Die Stadt Neuhaus selbst liegt grösstenteils auf Gneiss; auf einem her- 
vorragenden Gneissfelsen steht am linken Ufer der Nezärka ein [altes Schloss. 
Der graue liiotitgneiss ist hier mittel- bis grobkörnig, körnig-flaserig, infolge des 
dunklen Biotits etwas fleckig, und besteht aus Feldspath, Quarz und Biotit. Der 
Feldspath ist meist zersetzter Orthoklas von weisser Farbe und unregelmässigen 
Umrissen; mit ihm wechseln Körner grauen Quarzes; der stark vertretene dunkel- 
braune, unter dem Mikroskop rothbraune, dabei reine Biotit ist in dem Gemenge 
von Feldspath und Quarz in Form von unregelmässigen Flasern vertheilt oder in 
einzelnen Lamellen verstreut; Fibrolith weist dieses Gestein nicht auf. 

Ein ähnlicher Biotitgneiss tritt in einem kleinen Felsen west-nord-west- 
wärts von Rudolfov am linken Ufer des kleinen Baches im oberflächlichen Stein- 
bruche zu Tage; er ist hier stark verwittert, sein Biotit ist gelblich verfärbt; 
zwischen die von Adern lichten aplitischen Granits durchsetzten Gi;eissschichteu 
sind seeuudäre Quarzstreifen eingelagert. Denselben Gneiss kann man von da 
läugs des Feldweges bis hart an Neuhaus beobachten, wo er im Ganzen von NNO 
nach SSW streicht. 

Ein ähnlicher Gneiss tritt südlich von Klein-Radeinles im Felde, rechts bei 
dem von Neuhaus führenden Wege zu Tage. Links hinter Svoboda's Mühle kommt in 
einem kleineu Aufschlüsse ein lichtgrauer Biotitgneiss von feinkömig-flaseriger 
Structur zum Vorschein; zwischen dein Gemenge von Quarz und Feldspath ziehen 
sich in demselben zarte Flasern duukelgraueu, verwitterten, unter dein Mikroskop 
graubraunen Biotits. Hart an Klein Radeinles sind am südlichen Ufer des Teiches 
Bänke lichten biotitischen Gneissgranulits eingelagert, der aus Quarz, Feldspath 
und untergeordnetem, verwitterten Biotit besteht. Am linken Ufer des Grabens, 
der nördlich von Svoboda's Mühle aus dem Teiche hervorgeht, befindet sich ein 



21 

unbedeutender Bruch, in dessen Liegendem derselbe biotitreicJie Gneiss ruht ; über 
diesem lagern Bänke gneissartigen, feinkörnigen, biotitischen Granits, der aus Quarz, 
Feldspath und verwitteiteni, graubraunen Biotit besteht. Ein dunklerer körnig- 
flast-rigei' Biotitgneiss, der jedoch einiger inassen Ha seriger, stark verwittert und 
von aplitischen Adern durchzogen ist, kommt weiter nordwärts im Thale des Holz- 
mühlbaches am linken Ufer in einer Grube und gegenüber in einem kleinen 
Felsen zum Vorschein. Bei der Holzmühle wird dieser graue Gneiss wieder körniger 
und tritt daselbst in Blöcken längs des linken Bachufers, wie auch am rechten 
Ufer längs des Fahrweges auf, w<> er von SW nach NO streicht und gegen NW 
einfällt. 




Fig. 8. Durchschnitt eines Felsens nördlich von Wenkerschlag (Sem. Radouä). 

1 grauer Gneiss, 2 Gneissgranulit, bis 2 m mächtig. 

Ein ähnlicher grauer Gneiss tritt ferner weiter nordwärts vor Wenkerschlag 
in einem kleinen Felsen am linken und rechten Ufer des Baches und des Teiches 
zu Tage und zieht sich westwärts bis zum Teiche Roh hin. 

Am nordlichen Ende vor Wenkerschlag befindet sich oberhalb des Teiches 
ein kleiner Felsen mit demselben anstehenden Biotitgneiss ; derselbe ist auch hier 
etwas flaseriger, und wechsellagert mit Schichten lichten Gneissgran nlits, wie Fig. 8 
zeigt. Die Schichten streichen daselbst au NNO nach SSW und verflachen unter 
85" gegen NNW. Weiter nordwärts ist der graue Biotbgneiss in einer breiten 
Zone ausgebreitet, die sich rings um Scheibenradaun westlich zum Granulitgebiet 
bei Neu-Ötting hinzieht. 




i f 

Fig. 9. Durchschnitt der Felswand am Bahnhofe von Neuhaus. 

1 grauer Biotitgneiss, 2 Zweiglimmer-Granit, 3 eine Apophyse feinkörnigen Granits. 



A.m rechten, östlichen Ende der Bahnstation von Neuhaus wurde eine 
Felswand augeschnitten, welche grauen, äusserst verwitterten uud zersetzten Biotit- 
gneiss aufweist, ähnlich dem Gestein unterhalb des Neuhuiser Schlosses, jedoch 
etwas schiefriger und dünn geschichtet, mit zahlreichem, graugelben Biotit auf 



22 

den Schichtung^flächen. Die Gneisschichten werden hier von einem mächtigen Gange 
feinkörnigen Zweiglimmergranits durchsetzt, der aus Quarz, Peldspath und grau- 
brauneni, unter dem Mikroskope grünlichem Bio'it und untergeordnetem Muscovit 
zusammengesetzt ist. Dieser Gang streicht von NO nach S\Y. neigt gegen und 
sendet eine schwache Ader feinkörnigen und etwas an Glimmer ärmeren Granits 
aus. Vergleiche Fig. 9. 

Derselbe zersetzte Biotitgneiss tritt weiter westwärts gegenüber der Mo 
ravec-Fabrik in einer ungefähr 4 m hohen Felswand am linken Ufer der Nezärka 
auf und zwar am Wege, der von der Fabrik zur Strasse führt. Den Gneiss durch- 
zieht hier ein äusserst mächtiger bankartiger Gang desselben Zweiglimmergranits 
wie der vorbesprochene, ferner ziehen hier unregelmässige 0-2 bis l m mächtige 
Adern mit Apoph\sen feinkörnigen Granits in derselben und in entgegengesetzter 
Richtung Infolge der bedeutenden Zerstückelung des Gneisses ist sein Streichen 
nicht deutlich erkennbar; es scheint jedoch, dass er von NNO nach SSW mit, 
einem bedeutenden Fallen ach WNW streicht. Am Fusse der Wand ruhte im 
Schutt ein umfangreicher Block (Fig. 10. 4) quarzitischen, fast dichten grauen 
Gesteins, bestehend hauptsächlich aus Quarz und Feldspath mit Spuren von wahr- 
scheinlich infolge der Zersetzung des Biotits entstandenen Limonits. 




Fig. 10) Gneisswand gegenüber der Moravee-Fabrik bei Xeiibaus. 

/ Gneiss, 2 bankartiger Granitgang, S unregelmässige Granitadern, 4 quarzitischer Block. 



Der Dünnschliff dieses Gesteins weist unier dem Mikroskop vollständig 
kaoliuisierte unregelmässige Orthoklaskörner auf, die hie und da Quarzkörnchen 
einschliessen und stellenweise gelblich gefärbt sind; die Quarzkörner zeigen einen 
bunten, körnigen Farbenwechsel und euthalteu eine grosse Menge von Flüssigkeits- 
und Gaseinschlüssen. Der Ursprung dieses Blockes Hess sich nicht bestimmen; er 
stammt jedoch wahrscheinlich aus einer zwischen dem Gneisse gelagerten Schichte. 

Ein ähnlicher, jedoch frischerer, schieferig-flaseriger Biotitgneiss tritt weiter 
gegen Nord-Osten auf der rechten Seite des Bahngeleises in einer sehr hohen 
Felswand auf, vor der Stelle, wo sich das Geleise mit der Strasse kreuzt; er ist 
hier äusserst fest, dunkelgrau, von schwachen Adern durchzogen, und stimmt, voll- 
ständig mit dem festen, frischen (ineisse aus dem l'rolile von Riedweis überein. 

Südlich gegenüber dem Malerhofe tritt rechts in der Nähe des Bahnge- 
leises ein kleiner Felsen hervor, welcher im Hangenden, Hellten, feinkörnigen, listen 
Granitgneiss in bankähnlichen o.l — l m mächtigen Schichten aufweist, der aus 



23 

Feldspath, Quarz und graul ichbraunem Biotit mit Spuren accessorischen Granats 
zusammengesetzt ist; im Liegenden geht derselbe in grauen Biotitgneiss über, der 
aus Feldspath- und Quarzflasern besteht, zwischen welche Flasern schwarzgrauen, 
unter dem Mikroskope rothbraunen, grünlichbraunen bis grünen Biotits, ohne Gra- 
naten, eingelagert sind ; die Schichtflächen bedeckt ein chloritischer Überzug. (Vergl. 
Fig. 11.) Weiter ostwärts herrscht wieder der graue, flaserig- schieferige Biotit- 
gneiss auf der linken Seite des Geleises vor; über diesem ruhen östlich vom Maler- 
hofe etwa 7 m mächtige känozoische Schichten. 

Hierauf folgt ein etwa 00 m langer, ziemlich interessanter Durchschnitt 
vor Riedweis (Rodvinov) (siehe Fig. 12). Die Felswand des sich von Osten nach 
Westen hinziehenden Durchschnittes weist auf der linken Seite folgende allgemeine 
Zusammensetzung auf: 




Fig. 11. Profil eines kleinen Felsens auf der linken Seite der Bahnstrecke, 
südlich gegenüber dem Malerhofe. 

1 Chloritischer Biotitgneiss, 2 Granitgneiss mit Granaten, 3 diluvialer Lehm. 



Gegen Westen des Profils tritt rin stark verwitterter grauer, fein flaserig- 
schieferiger Biotitgneiss hervor, der in dünne Platten mit unregelmässigen, durch 
Limonit gefärbten Flächen zerfällt (Fig. 12, 1) ; zwischen den Gneisschichten ist 
secundärer Quarz eingelagert, der den Gneiss auch in schwächeren, ebenfalls aus- 
geschiedenen Adern durchläuft (d). Die übrigen Adern, welche den Gneiss durch- 
ziehen, sind von zweierlei Beschaffenheit und Alter. Die Einen, bis 06 m mächtig 
(Fig. 12. c), sind mit grobkörnigem Biotitgranit ausgefüllt, in dessen Gemenge von 
Feldspath und Quarz einerseits vereinzelte Lamellen und Gruppen dunklen Biotits, 
andererseits auch 3 bis 30 mm lange Biotitausscheidungen eingestreut sind, die 
sich aus parallelen, zur Breite senkrecht stehenden, 3 mm breiten, unter dem 
Mihroskope lichtbraunen und äusserst reinen Lamellen zusammensetzen. Während 
die Gneisschichten von NNO gegen SSW streichen und unter 50 bis 60° gegen 
WNW fallen, streichen die Adern (c) von WNW nach OSO und verflachen unter 
70 — 80° gegen SSW. Eine andere 0'3 m mächtige Ader (6) durchsetzt den Gneiss 
unregelmässig und besteht aus aplitischem, äusserst feinkörnigem Granit mit unter- 
geordnetem Biotit. Dieselbe Ader durchkreuzt eine querlaufende etwa - 05 m 
mächtige Quarzader d, welche sich nach Osten auskeilt. Diese Quarzader ist offen- 
kundig eine jüngere secundäre Ausscheidung in einer Gneisspalte und die sie 
kreuzende aplitische Ader ist noch jünger. 

Im Liegenden folgt darauf eine etwa 2 m mächtige Einlagerung äusserst ver- 
witterten, zerbröckelten und zersetzten Biotitgneisses, in dem sich bloss Reste von Quarz, 



24 




Feldspath und Biotil konstatieren liessen (2). 
Weiter im Liegenden folgt dann ein 0'5 Ins 
1 m mächtiger Schichtencomplex frischen 
und festen dunkelgrauen Biotitgneisses (3), 
der makroskopisch mit de m bereits ange- 
führten Gneisse aus dem Anschnitte vor der 
Kreuzungsstelle zwischen der Bahnstrecke 
und der Strasse übereinstimmt. Der Gneiss 
ist äusserst fein flaserig-schiefei'ig ; ein fein- 
körniges Gemenge weissen Feldspaths und 
grauen Quarzes zieht sich in dünnen. 1—2 mm 
mächtigen, parallelen Flaserchen hin, zwi- 
schen welche zahlreich noch feinere flaser- 
chen dunkelgrauen Biotits eingelagert sind ; 
letzterer bedeckt auch reichlich die Spaltungs- 
flächen. 

Unter dein Mikroskop zeigt der Dünn- 
schliff folgende Zusammensetzung : Plagioklas, 
der äusserst helle Polarisationslamellen auf- 
weist und stellenweise Biotitblättchen und 
kleine Körnchen anders orientierten Feld- 
spaths (Orthoklas?) einschliesst; Orthoklas, 
welcher in Form von unregelmässigen, theils 
reinen, theils trüben Körnchen erscheint; ver- 
einzelt kommt Mikroperthit vor: die Quarz- 
kömer sind durchsichtig, die kleineren rein, 
die grösseren voll von Flüssigkeit*- und Gas- 
Einschlüssen; hie und da sind in den Quarz 
Giimmerblättchen eingelegt; der Biotit ist 
rothbraun (Im Querschnitt graubraun) und 
enthält stellenweise dunkle Körnchen. 

Im Liegenden dieses (Ineisses folgen 
abermals im Ganzen etwa 2 m mächtige 
Schichten (4) desselben stark verwitterten, 
zersetzten (ineisses, wie wir denselben früher 
bei i Ziffer) 2 vorfanden; unter diesem folgen 
abermals mächtige Schichten (5) des früheren. 
festen dunkelgrauen (ineisses (wie 3), dann 
wieder im Ganzen über 1 >n mächtige Schich- 
ten weniger verwitterten Gneisses (G); < l i < ser 
Gneiss befindet sich sozusagen im ersten 
Stadium der Verwitterung, hat. eine graue 
Farbe und stimmt in Bezug auf seine Struktur 
fast vollständig mit dem vorher beschriebenen. 
Irischen Gneisse überein, nur dasser wi 



25 




Quarz enthält; diese letztere Eigentümlichkeit dürfte die Ursache der beginnen- 
den Zersetzung sein gegenüber dem frischen Gneisse im Hangenden, welcher den- 
selben atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt ist; in einem vorgeschrittenen Stadium 
der Verwitterung ist der Gneiss über Ziffer 4, in einem noch vorgeschritteneren 
der Gneiss über Ziffer 1, im vorgeschrittensten der Gneiss über Ziffer 2. 

Es folgen hierauf im Liegenden 0-05 0-1 m starke Schichten (7) dunkel- 
grauen, frischen Gneisses, welchen quer eine 3 — 4 cm starke, unregelmässige Ader 
äusserst feinkörnigen, aplitischen Granits (a) durchläuft, der noch weniger Biotit- 
blättchen als der Aplit der Ader b enthält; die geraden Ränder dieser in 
einem Haudstücke vorhandenen Ader sind eng verbunden mit dem anliegenden 
dunklen Gneiss; der Aplit zeigt im Contacte keine Änderung, dafür ist hier der 
anliegende dunkelgraue Gneiss äusserst feinkörnig 
und feinschieferig, wie Fig. 13. zeigt. Ein anderes 
Handstück aus dieser Ader, das etwas mehr Biotit 
enthält, hat im Dünnschliffe unter dem Mikroskope 
folgende Beschaffenheit : unregelmässige Körnchen 
grauen Quarzes enthalten meist zahlreiche Flüssig- 
keits- und Gaseinschlüsse ; die allotriomorphen Ortho- 
klaskörner sind ziemlich trüb und schliessen Quarz- 
körnchen ein, wie solche auch im vorhandenen scharf 
feingestreiften Plagioklas vorkommen; untergeordnet 
ist der lichtbraune, makroskopisch dunkelbraune, 
ziemlich reine Biotit. Diese am Handstücke 4 cm 
breite Ader, verengt sich gegen die Mitte auf 2 cm 

und zeigt eine längs ihrer Mitte laufende Spalte mit glatten, gefurchten, auf die 
Richtung der Ader senkrecht stehenden Wänden; diese gefurchte Spalte geht 
auch in den benachbarten Gneiss über. Die Friction konnte nur infolge der 
Bewegung beider Theile erst n.ich dem Erstarren der Ader erfolgen; nach der 
Beschaffenheit des der Ader anliegenden Gneisses zu urtheilen, hatte die Ader 
eine mehr oder weniger senkrechte Lage und die Bewegung geschah wahrschein- 
lich längs des verticalen Risses in horizontaler Richtung. Diese Erscheinung 
beweist, dass sich die Schichten noch nach der Entstehung der den Gneiss durch- 
laufenden, aplitischen Adern infolge eines tangentialen Seitendruckes bewegten. 

Weiter ostwärts durchzieht den dunkelbraunen Gneiss eine etwa 15 m 
starke Ader Biotit Granits mit einem Fallen nach Osten (Fig. 12. e). In der 
Nähe des Contactes enthielt, der Gneiss im Liegenden des Granits eine Concretion 
von der Grösse einer Faust; der dünn schieferige Gneiss wird in der Umhüllung 
des Kernes äusserst reich an Biotit uud enthält bis 1 cm dicke Einlagen braun- 
grauen Quarzes; er nimmt allmählich eine granitische Beschaffenheit an und geht 
in eine äusserst feinkörnige, bis fast dichte amphibolitische, graue und bläulich- 
grünliche Masse über, die mit ähnlichen, auf der Oberfläche am Felde südlich bei 
Böhmisch- Voleschna sich befindlichen Kernen, von denen weiter unten gesprochen 
ist, übereinstimmt. 

Der Biotit-Qrauü dieses mächtigen Ganges löst sich in dicke Bänke ab, 
die seiner Richtung entsprechen; derselbe ist mittelkörnig und von lichtgrauer 



Fig 13. Eine Ader aplitischen 

Granits (2) in dunkelgi-auein 

düunscliieferigen Gneiss (1) bei 

Riedweis. 



26 

Farbe. In das dichtgedrängte Gemenge der allotriomorphen Corner weissen Ortho- 
klases und grauen Quarzes sind untergeordnet Blättchen und Gruppen dunkeln 
Biotits eingestreut; die Beschaffenheit des Gesteins ist im Ganzen die eines Gang- 
granits. 

Ina Hangenden des Granitganges folgt in gleicher Richtung abermals dun- 
kelgrauer Biotit Gneiss, der offenbar infolge der Einwirkung des Granits dünn 
schieferig geworden ist (8). 

Interessant ist die Wand eines Anschnittes auf der rechten Seite der 
Strecke im Osten des eben beschriebenen Profils; hier uinschliessen Granitapo- 
physen die an der Oberfläche sich befindlichen Gneisschollen, Überreste dieses 
einst hier stark entwickelten Gesteins (vergl. Fig. 14.); der Biotit Gneiss ist dunkel- 
grau, feinkörnig; die Schichten sind zwar bei allen drei Bruchstücken so wie .tut 



w 




Fig. 14. Verschieden geneigte Schichten eines Biotit-Gneisses in drei Brnchschollen 
zwischen den Apophysen von Biotit-Granit bei Riedweis. 

1, 2, 3 Gneisschollen, 4 Granit, "> diluvialer Lehm. 



der gegenüberliegenden Wand nach Westen geneigt, doch ist der Neigungswinke] 
bei jeder Scholle ein anderer. Eine interessante Erscheinung, welche zeigt, wie 
intensiv die Granitmasse mit ihren Apophysen nicht nur den Gneiss zerriss, son- 
dern neben der Umänderung derselben auch auf die Neigung der Schichten ein- 
wirkte, indem sie dieselben auf mannigfache Weise emporhob. 

In Neuhaus zieht am linken Ufer der Nezarka bei der Mühle und weiter 
in südlicher Richtung eine Wand hin. bestehend aus einem festen, dunkelgrauen, 
feinkörnigen, äusserst dünn flaserig schieferigen und äusserst biotitr eichen Gneiss, 
ähnlich dem Aussehen nach dem Irischen Gneisse bei Riedweis. 

Dieser glimmerchieferartige Biotit-Gnetsx weicht jedoch im Dünnschliffe 
unter dem Mikroskope wesentlich vom Riedweiser Gneisse ab : 

Die allotriomorphen Felds pathkörner bestehen nur aus hellen und reinen 
Orthoklasen, die stellenweise Biotitblättchen enthalten; etwas untergeordneter sind 
unregelmässige Körner hellen nur selten unreinen Quarzes, stellenweise ist Fibro- 
lith stark vertreten; den vorherrschenden Bestandteil bildet der Biotit in unregel- 
mässigen, zersetzten aschbraunen bis gelblichbraunen Lamellen, die im Querschnitte 
in zarte Fasern mit energischem Pleochlorismus zwischen den Sillimanit ansein- 



27 



anderlaufeu ; Apatit ist im Biotit äusserst sparsam vertreten. In dem Gemenge 
von Feldspath und Quarz kann man auch ein derartiges Verwachsen beobachten, 
dass einzelne Feldspathkörner von länglichen Quarzkörnchen durchzogen sind, 
ähnlich wie dies F. Bedke im „Centralgneisse" Niederösterreichs beobachtete.*) 
Dieses Verwachsen der allotriomorpheu Feldspath- und Quarzkörner möchte dem- 
nach etwa dem 3. Grade der Ver- 
wachsung Kalkowskfs entsprechen. Ver- ' 
gleiche die beigefügte Fig. 15. 

Unter den zahlreichen den 
Gneiss hier durchsetzenden Aderu be- 
findet sich auch eine schwache Ader 
eines Peymatit-Granits, der aus Feld- 
spath. Quarz, Biotit und Tut malin in 
bis fingerdicken Krystallen zusammen- 
gesetzt ist. 

Beim Wege, der aus Neuhaus 
nach Heiurichsschlag führt, ziehen sich 
auf der linken Seite vor der Schiess- 
stätte mächtige Schichten grobkörn ig- 
flaserigen, rothgrauen, etwas verwitter- 
ten Biotit-Gneisses hin, welcher aus 
vorherrschenden unregelmässigen Kör- 
nern von röthlich gefärbtem Quarz, der 

auch sekundär in Flasern ausgeschieden ist, ferner aus weissem Feldspath und 
äusserst zahlreich vertretenem dunkelbraunen, unter dem Mikroskope lichtbraunen, 
sehr hellen und auch zersetzten Biotit zusammengesetzt ist; der Quarz ist wahr- 
scheinlich infolge dieser Zersetzung verfärbt. Dieser graue Biotit-Gneiss hat jedoch 
mit dem sogenannten „rothen Gneisse" im bairischen Walde und im nördlichen 
Theile des böhmisch mährischen Hochlandes nichts gemeinschaftliches. 

Herr J. Richly zeigte mir ein Handstück eines lichtgrauen, feinkörnigen 
schieferigen Gesteins, welches vom östlichen Ende des Bajgarteiches herrühren 
soll, wo ich selbst keinen Aufschluss vorfand. Da dieses Gestein aus Feldspath, 
Quarz und vereinzelten feinen Granatkörnchen zusammengesetzt ist und sich in 
dünnen Tafeln ablöst, dürfte dasselbe wahrscheinlich einem schiefrigen Granulit- 
gneiss angehören, der vielleicht im Contacte mit dem Granit entstanden ist. 




Fig. 15. Mikroskopische Zusammenset- 
zung des glimmerschieferartigen Biotit- 
Gneisses unterhalb d. Mühle in IVeuhaus. 

Vergr. : Ocul. I., Obj. 0, o Orthoklas, Je Quarz, 
,/' Fibrolith, b Biotit. 



Der Gneiss bei Jaroschau und in seiner Umgebung. 

Nordwestlich von Riedweis (Rodvinov) tritt im Bahnausschnitte unter der 
Anhöhe Pihal ein grauer Biotitgneiss von ähnlicher Beschaffenheit zu Tage, wie 
der im Profile vor Riedweis; in der unreinen, verwitterten Felswand kann man 
zwischen den Gneisschichten schwache Lagen feinkörnigen, biotitischen Gneiss- 



*) Tschermak's: Mineral, petrogr. Miltbeil. IV. 1882, pag. 201. 



28 

granidits beobachten, der aus Quarz Feldspath und untergeordnetem dunklen 
Biotit zusammengesetzt ist. Biotitgneiss tritt weiter längs der Bahnstrecke in ein- 
zelnen Blöcken hervor, die stellenweise auch aus dem Untergründe der Strecke 
hervorragen. Hart vor der Station Jaroschau erscheint dieser Gneiss iu einer 
längeren Wand längs der linken Seite der Strecke. Hier wechseln Schichten dunkel- 
grauen, schieferigen Gneisses, der zahlreichen dunkeln lüotit enthält und dem 
Irischen Gueisse vor Riedweis ähnlich ist, mit Schichten lichteren, flaserig-schiefe- 
rigen, mittelkörnigen, zerstreut grossere Quarzkörner und mehr Feldspath enthal- 
tenden Biotitgneisses. Dieser enthält eine längliche Linse eingeschlossen, die aus einer 
doppelten, cooeentrischen Umhüllung äusserst feinkörnigen, granitischen Biotit- 
gneisses und aus einem lichtgraueu Kerne eines kleinkörnigen Gemenge; von Quarz, 
Feldspath mit nur wenig Biotit zusammengesetzt ist. Die Gneisschichten streichen 
hier von NO nach SW und verflechten unter sich änderdem Winkel gegen NW. 

Vor dem Gasthause bei der Bahnstation tritt in einer grossen Grube unter 
der lehmartigeu Decke ein verwitterter und zersetzter, in kleine Stücke zerfallender 
Biotitgneiss hervor, der iu einer Tiefe von Do m in denselben lichtgrauen, flaserig- 
schieterigen, sich hier iu grosse Platten spaltenden Gneiss übergeht, wie wir ihn 
eben vor der Station längs der Strecke gefunden haben. Den Gneiss durchzieht 
hier von Nordwesten nach Sudeten ein etwa 2m starker Gang feinkörnigen, apU- 
tisclint Granits. 

Auf der Anhöhe (cote 504) westlich vom Bahnhofe Jaroschau tritt aus 
dem Gneisse eine 0*5 — 1 in starke Ader feinkörnigen Biotitgranits zu Tage, der 
aus weissem Feldspath, grauem Quarz und kleinen Blättchen einigermassen unter- 
geordneten Biotits zusammenleset/t ist. Diese Ader steht beinahe vertical um. 
scheint von SSW nach NNO zu streichen. An die-elbe legt sich ein raetamorphi- 
siertes, weisses, feinfla'eriges, stark zusammengedrücktes Gestein an. von bröck- 
liger, grauulitischer Beschaffenheit in einer Mächtigkeit eines Meters; es besteht 
aus unregelmässigen Flasem einer kaolinischen Feldspathmasse, in welche zer- 
malmte Körnchen grauen Quarzes eingestreut sind. 

Unter dem Mikroskope zeigt dieselbe im Dünnschliffe eine mikrogranitische 
Structur mit durchsichtigem Quarz, mit Feldspath und Spuren von Biotit, darneben 
eine zersetzte, feldspathartige, undurchsichtige Masse. Das Verhältnis dieses (ü 
steius zum Gneisse liess sich nicht bestimmen, da auf dem Felde in nordwestlicher 
Richtung nur Stücke verwitterten Gneisses bis zum Walde hervortreten, wo aber- 
mals der lichte Granit vorherrscht. Es scheint demnach, dass das betreffende 
(Testein im Contacte des Granits mit dem Gueisse entstanden ist. und zwar unter 
Einwirkung eines äusserst grossen Druckes, worauf nicht nur die Zusammensetzung, 
sondern auch zahlreiche, ungleichmässig längliche Furchen auf den Schichtungs- 
und Spaltungsflächeu hinweisen. 

Nördlich von Riedweis ragt längs des rechten Ufers der Nezärka neben 
der Strasse unter Schotter und Lehm iu östlicher Richtung gegen Jaroschau bis 
zur Strassenbiegung verwitterter Gneiss empor. Verwitterter Gneiss erscheint 
gleichfalls im Liegenden der känozoischen Schichten bei der neuen Ziegelhütte an 
der linken Seite der Strasse nordwestlich von Riedweis und hängt wahrscheinlich 
mit dem vorhergehenden Gneisse zusammen. 



29 

In Jaroschau selbst besteht der Hügel, auf welchem die Kirche mit der 
Pfarrei ruht aus Gueiss. Die Schichten dieses äusserst verwitterten Biotitgneisses 
streicheu hier von NNO nach SSW und fallen unter etwa 60° gegen WNW ; 
zwischen den Gneiss sind Schichten gneissartigen Biotitgranulits eingelagert. 
Längs des linken Ufers der Kamenicka tritt im Wege hinter der Post ein licht- 
grauer, flaserig-schieferiger Biotitgneiss zu Tage, welcher von ONO gegen WSW 
streicht und unter 60° gegen NNW fällt. Denselben durchzieht eine mächtige 
Ader Biotitgranits giöbertn Kornes beinahe von N nach S. Unweit davon tritt 
derselbe kleinkörnige Gneiss in einem kleinen Steinbruche am Abhänge des 
Ufers mit demselben Streichen und Verflachen zu Tage; zwischen die Flasern 
des Feldspath- und Quarzgemenges sind hier längere Flasern von Blättchen dunkel- 
grauen, unter dem Mikroskope lichtröthlichen Biotits eingelagert; vereinzelt er- 
scheinen Spuren kleiner Körnchen zersetzten Granats. Weiter ragt am Uferabhang 
grobkörniger, körnig -flaseriger Biotitgneiss hervor. In der Umbiegung des Baches 
ragt ein kleiner Felsen hervor, in welchem in den Gneiss eingelagerte, einige 
Meter mächtige Schichten eines klein- bis feinkörnigen gneissartigen Biotitgranulits 
mit untergeordnetem dunklen Biotit neben weissen, stellenweise röthlichen Feld- 
spath und grauen Quarz hervorragen ; das Gestein bricht in dünne, bis 10 cm 
starke Platten und zerfällt quer in kleine, längliche, kimtige Stückchen. Die 
Schichten streichen von NNO nach SSW und fallen unter etwa 80° gegen NW. 
Dasselbe Gestein, einem feinkörnigen Granit äusserst ähnlich, tritt auch weiter 
nordwärts auf der Anhöhe vor der Spinufabrik hervor; in dem kleinen Felsen 
an der Umbiegimg des Baches wird derselbe von einer V2 cm starken Ader eines 
mikroskopisch dem Granulit äusserst ähnlichen, feinkörnigen Zweiglimmergranits 
in der Richtung von Nordwesten nach Südosten durchsetzt. 

Auch am rechten Ufer der Kamenicka tritt westlich bei Jaroschau der- 
selbe lichtgraue flaserig-schieferige Biotitgneiss mit demselben Streichen wie auf 
dem linken Ufer zu Tage; in dem Bachbuge setzen sich auch hier die im Ganzen 
bis 2 m mächtigen Schichten feinkörnigen gneissartigen Biotitgranulits mit demselben 
Streichen und Fallen fort. 

In südwestlicher Richtung von hier kann man die Fortsetzung des Granulits 
in einem oberflächlichen Steinbruche an der Anhöhe neben dem vereinzelten Hause 
beobachten; derselbe ist hier stark verwittert uud zerbröckelt; seine feinkörnige 
Zusammensetzung ist untergeordnet, die klein- bis mittelkörnige vorwiegend, die 
Färbung ist infolge des reichlicher zersetzten Feldspathes grauweiss: zwischen 
den Feldspath sind Körnchen grauen Quarzes und untergeordnete Lamellen dunklen 
Biotits eingestreut. 

Nordwestlich von diesem Orte tritt in zwei Felsen längs des Wassergrabens 
oberhalb des Hanauer Teiches grauer, körnig-flaseriger, grobkörniger, stark quarz- 
haltiger Biotitgneiss zu Tage; zwischen den Flasern des Quarz- uud Feldspaths- 
gemenges ziehen sich Flasern dunkeln Biotits, der zahlreich die stellenweise stark 
verfärbten Spaltungsflächen bedeckt; die grauen Quarzcinlagen erreichen eine Dicke 
von 2 cm. Das Gestein ist beinahe identisch mit dem Gneiss vom Schlossberge 
in Neuhaus; die Schichten streichen von NO nach SW und fallen unter etwa 45" 
gegen NW. Auf dem Feldwege, der von da nach Jaroschau führt, erscheinen 



30 

Stücke lichtgrauen, feinkörnigen, feinschieferigen, äusserst quarzhaltigen Biotii- 
gneisses, den ich aufgeschlossen nicht vorfand; derselbe stammt wahrscheinlich 

aus einem Contacto mit dem Granit Am Wege fand ich auch auf einem Feldstein- 
haufen Stücke einer grünlich grauen, äus-erst feinkörnigen bis dichten amphiboli- 
tischen Goncretion, ähnlich jener bei Bühmisch-Volesna. Der beschriebene Gneiss 
tritt weiter nordwärts toii Lovetfn zu Tage und zieht sich bis zur Karaenicka hin. 
Beim Übergang über den Feldweg, der von Jaroschau nach Lovötin führt, ragen 
am Fusse des Abhangs am rechten Ufer des Baches grauer, grobkörniger, körnig- 
fla-eriger Biotitgneiss und weiter Blöcke gneissartigen Biotitgrantdits, der jenem 
von dem Einzelnhause westlich von Jaroschau ähnlich i-t. hervor 

Am Abhänge kommen hier Felsen festen, dunkelgrauen, mittel- bis grob- 
körnig-flaserigen Biotägneisses zu Tage. 

Im Dünnschliffe weist derselbe unter dem Mikroskope uuregelmässige 
Quarzkörner auf, die zahlreich von Sillimanit durchzogen sind: ferner nnregel- 
mässige Körnchen weissen Orthoklases, der stellenweise auf eine Zwillingszusam- 
mensetzung hinweist, und Quarz- und Biotitkörnchen einschliesst, ferner zahlreiche 
unregelmässige Blättchen röthlu hbraunen und wenig hellen Biotits. 

Bei dem Dorfe Zdar, nördlich von Neu-Ötting kommt ein graubrauner, 
flaserig-schieferiger (pyroxenhältiger) Biotitgneiss zum Vorschein; zwischen den 
Flasern des klein- und fei .körnigen Gemenges weis en Feldspaths und lichtgrauen 
Quarzes ziehen sich längliche parallele Flasern feinblätterigen, graubraunen Biotits 
hindurch, der auf den Spaltungsflächen einen dünnen Überzug bildet, aus welchem 
lichte Feldspath- und Quarzgruppen hervortreten, so dass «las Gestein einiger- 
massen an den Augengneiss erinnert. 

Im Dünnschliffe erscheiut er unter dem Mikroskope folgendennassen : Der 
Feldspath ist meist Orthoklas in unregelmässigen Körnchen , stellenweise mit 
Zwillingsbildung und lebhafte Polarisationsfarben zeigend ; äusserst untergeordnet 
ist der Plagioklas, der Biotitblättchen einschliesst ; zahlreicher als letzterer ist 
der Mikroperthit in Längs- und in Querschnitten, wie ihn F. Bedke*) be- 
schreibt; (vergleiche Figur 1. auf unserer beigefügten Tafel). Die Quarzkönier 
sind entweder sehr rein oder getrübt; einige grössere Körner sind gleichfarbig 
oder bestehen aus verschieden orientierten Körucheu. Der Biotit ist gelblichbraun 
und ziemlich rein. Accessorisch erscheinen spärlich unregelmässige, längliche 
Körnchen stark pleochroistischen, quer zersprungenen Pyroxeus (Hypersthens ?). 

In Jaioschau steht am linken Ufer der Zirovnicka hart am Wege die 
letzte Hütte auf einem vorragenden Felsen grauen, äusserst verwitterten, von nord- 
wärts hierher reichenden Biotit gneisses] derselbe Gneiss ragt theilweise bei Kru- 
plov hart an Cejna's Mühle hervor, wo er von NO nach SW streicht uud nach 
NW einfällt. 

Auf dem Wege von Jaroschau nach Gross-Beruhar/. gleich hinter dem 
rechts führenden Feldwege, ragen die Schichtenköpfe dünnschichtigen . grauen 
Biotitgneisses hervor, der dem am Abhänge der Kamenicka westlich bei Jaroschau 



*) -Die Gneissformation des niederösterr. Waldviertels-. Tachermak's Mineralogisch pe- 
tiograph. Mitth. IV. L881. 



31 

hervortretenden Gneisse ähnlich ist, ebenso ein mächtiger Schichtenkopf eines 
gneissartigen Biotitgranulits. Weiter rechts vom Fahrwege am Abhänge nord- 
östlich unter der Cote 502, ist eine Grube geöffnet, in welcher frischer, grauer, 
flaserigschieferiger, in grossen Platten sich ablösender Biotitgneiss gelagert ist; 
in dem feinkörnigen Gemenge desselben, bestehend aus weissem Orthoklas und 
Quarz ziehen beinahe parallel dünne Flasern graubraunen, unter dem Mikroskop 
gelblichbraunen und ziemlich reinen Biotits, der zahlreich auch die Schichtungsflächen 
bedeckt. Aus der nördlich von hier gelegenen Gegend unweit der Strasse soll 
aus einer Grube, die ich jedoch nicht vorgefunden habe, ein äusserst reiner Quarz, 
der nach Jaroschau zu Bauzwecken geführt wurde, herstammen. Dieser Quarz 
hat eine lichtgraue bis weisse Farbe, ist krystallinisch-körnig, ohne Spuren einer 
fremden Beimengung; er zerfällt in grössere, eckige Stücke und stimmt mit dem 
bekannten Quarze von Pläne bei Gross-Zdikau im Böhinerwalde überein; ich glaube, 
dass er, wie dieser, secundären Ursprungs, uud im Gneisse in Form einer Linse 
als Ausscheidung dieses zersetzten Gesteines enthalten ist. 

Ein dem vorhergehenden ähnlicher Gneiss kommt am gegenüberliegenden 
Abhänge oberhalb des Teiches neben dem Granitfelsen und ferner in einem kleinen 
oberflächlichen Bruche vor dem Kreuze, westlich bei Klein-Bernharz zu Tage, wo 
er sich gleichfalls in grosse Platten spalten lässt, (die am Feldraine in Klein-Bernharz 
angebracht sind). Hinter Klein-Bernharz ragen beim Fahrwege, der nach Stein- 
Moliken führt, neben dem Kreuze Gneissblöcke hervor, zwischen welchen auch 
einzelne Blöcke feinkörnigen, wahrscheinlich einer Ader angehörigen Biotitgranits 
sich befinden. Dieser dunkelgraue Biotitgneiss ist grobkörnig-flaserig, ähnlich jenem 
oberhalb des Teiches nordwestlich von Jaroschau : doch ist er reicher au Glimmer. 




W 



7 Z / 

Fig. 1«. Profil des Felsens bei Stein-Moliken (Kamen. Malikov). 

1 grauer Biotitgneiss, der in der Nähe des Contactes feinschieferig wird, 2 aplitischer 

Biotitgranit. 



Bei Stein-Moliken (Kam. Malikov) tritt am linken Ufer der Zirovnicka ein 
hoher Gneissfelsen hervor, der von einem mächtigen Granitgang durchsetzt ist. 



32 

Der lichtgraue Biotitgneiss ist feinkörnig-flaserig und gleicht jenen von der C6te 
502 nordöstlich von Jaroschau ; stellenweise ist er verfärbt; in der Richtung gegen 
den Granitgang wird er flaserig-schiefrig und noch feinkörniger und nimmt an 
Biotit und dunkelgrauer Farbe zu, weiterhin zeigt er eine feinschieferige Struktur 
und stimmt da seinem Aussehen nach rollständig mit dem schieferigen Gneisse 
unterhalb der Mühle südlich von Neuhaus überein; schliesslich geht er hart am 
Contacte mit dem Granit in einen äusserst festen, feinkörnigen Biotitgneiss über. 
Die Gneisschichten streichen hier von NO nach SW und fallen unten etwa 4">" 
nach SW ein. 

Der lagerartige Granitgang ist etwa 5 m mächtig und zwischen die Gneis- 
schichten eingelagert; es ist ein klein- bis feinkörniger allotriomorpher Biotitgianit, 
der überwiegend aus Feldspathkörnchen, ferner aus grauen Quarzkörnern und unter- 
geordnet aus Blättchen oder kleinen Gruppen dunkeln, graubraunen Biotits be- 
steht; im Ganzen hat er ein aplitisches Aussehen, namentlich in der Nähe des 
Contactes. (Vergl. Fig. Ki.i. Auf der gegenüberliegenden hohen Wand tritt ein 
Felsen mit einer Menge von vorwiegenden Grauitblöilcou hervor, die wahrschein- 
lich auf den Namen des Ortes hinweisen. Am Wege, der vom südlichen Ende des 
Ortes gegen Klein-Bernharz führt, ragen gleich hinter dem Dorfe -rosse Blöcke 
klein- bis feinkörnigen granitischen Biotitgneisses hervor, der ohne Zweifel aus dem 
Contacte herrührt. In dem klein- bis feinkörnigen Gemenge überwiegt Quarz, 
dessen Körner pegmatitisch mit Fehlspath .durchwachsen sind, Blättchen dunkel- 
braunen Biotits sind stellenweise eingestreut: hie und da sind auch grössere 
Biotitlamellen und grössere Körner grauen Quarzes ausgeschieden, vereinzelt auch 
grössere Körner zersetzten Feldspaths, in welchen ein 1*5 mm grosser, lichter 
Granat eingebettet war. 

In der von Stein-Moliken aus sich hinziehenden Gneisszone tritt gegen Nord- 
osten vor Zdesov beim Wege links im Felsen derselbe grobkörnig-flaserige Biotit 
gneiss hervor, wie hinter Klein-Banharz und bei Jaroschau, nur dasa er einige 
grössere Biotitconcretionen aufweist; derselbe streicht hier von NNO nach SSW 

und fällt gegen WNW ein 

Ein ähnlicher Gneiss ragt ferner zu Tage in kleinen Felsen oder aus der 
Ackererde hervor neben der Strasse vor Vlcetfn an beiden Ufern des Haches Brodek 
bis zum Wege, der von der Strasse nach rechts gegen Vlcetfn führt: in einem 
kleinen Felsen durchsetzt den Gneiss eine Ader feinkörnigen, granitischen Quarz- 
und Feldspathgemenges und untergeordneten Bi-itits. 

Der dunkelgraue Biotitgneiss von dem südöstlichen Abhänge oberhalb Vl&etin 
ist flaserig-schieferig und äusserst reich an dunkelbraunem Biotit, namentlich an 
den Ablösuugsflächen ; infolge einiger, grösserer unregelmässiger Feldspathkörner 
erhält er ein einigermassen fleckiges, keineswegs jedoch augengneissartiges Aussehen. 

Unter dem Mikroskope zei^t der Dünnschliff unregelmässige, meist trübe 
Orthoklaskörner und vereinzelte gleichfalls getrübte Mikroperthitkörner ; die 
Quarzköruer enthalten eine grosse Menge von Sillimanit in Garben und Strängen; 
der Biotit ist rothbraun bis gelblichroth ; Orthoklas und Mikroperthit enthalten 
kurze und längliche Apatitkrystalle. Vergl. Figur 2. auf der beigelegten Tafel. 



33 

Aus der von Vlcetfn sich fortsetzenden Gneisszoue, die in nordöstlicher 
Richtung sich gegen Serowitz hinzieht, tritt eine längliche Granitinsel hervor. 
Gneissblöcke kommen nordöstlich von Serowitz links an der Strasse nach Pocätek, 
östlich unter dem Hügel „Vrch" hart am känozoischen Thone zu Tage; dann weiter 
an der Strasse rechts vor dein Kreuze (Cöte 606) gleichfalls am Rande des käno- 
zoischen Sandes ; es scheint, dass sich hier eine Gneiss- und keineswegs eine Granit- 
zone, wie sie auf der Karte der geologischen Reichsanstalt verzeichnet ist, bis 
nach Pocätek hinzieht. 

Östlich von Jaroschau ragt längs der Bahnstrecke gleich hinter dem ersten 
Wächterhaus gegen Bernharz stellenweise grauer Biotitgneiss hervor, der sich nach 
Norden unter die känozoischen Schichten bei der Ziegelei hinzieht; hier treten 
unter dem Thone schwache Gneisschichten hervor, zwischen welche Schichten 
gneissartigen Biotitgranulits in der Richtung von NO nach SW mit einem Einfallen 
gegen NW eingelagert sind. Dieser Gneiss setzt sich dann zu beiden Seiten der 
Bahnstrecke hinter Gross-Bernharz fort, tritt ferner zur rechten Seite derselben 
hinter dem Wächterhause und schliesslich hinter den känozoischen Schichten öst- 
lich von Cöte 545 ziemlich häufig hervor; weiter erscheint er vor dem folgenden 
Wächterhause rechts in einem grossen Blocke und namentlich in einem Ausschnitt 
der Bahnstrecke. Dieser dunkelgraue Biotitgneiss ist grobkörnig-flaserig und er- 
innert an den Gneiss aus Zdeäov; er ist reich an dunklem Biotit, stark quarz- 
haltig und streicht von NO nach SW mit einem Einfallen von 50° — 60° gegen NW. 
Am Fusse dieses niedrigen Ausschnittes ruhte ein Block grobkörnigen, peginatiti- 
schen Granits, dessen Lagerung sich nicht bestimmen Hess; wahrscheinlich gehört 
er einem den Gneiss durchsetzenden Granitgange an. 

Ein ähnlicher grobkörnig-flaseriger, quarziger, jedoch lichterer und zersetz- 
tem' Gneiss, identisch mit dem Gneisse westlich von Jaroschau beim Teiche, tritt 
nördlich von diesem Wächterhause in einem kleinen Felsen der Anhöhe sowie auf 
dem Hügel der Cöte 570, nordöstlich vom Wächterhause auf. Östlich von dieser 
Cöte befindet sich ein kleiner Anschnitt links bei der Bahnstrecke, wo den völlig 
zersetzten körnigen Gneiss eine schwache Granitader unter einem Winkel von etwa 
40" durchsetzt; es ist dies ein klein- bis grobkörniger, grauweisser Pegmatitgranit, 
der aus weissem Feldspath und grauem Qaurze zusammengesetzt ist; die Körner 
des letzteren sind hie und da in den Feldspath eingewachsen; accessorisch tritt 
dunkelbrauner Biotit in grösseren Lamellen und in Gruppen auf. 

Der Dünnschliff zeigt unter dem Mikroskope allotriomorphe Orthoklaskörner 
und beinahe in gleich grosser Menge Plagiuklas; der Orthoklas weist unregelmäs- 
sige am Rande getrübte Risse auf, oder es durchziehen ihn zahlreiche längliche, 
getrübte Streifen; er schliesst auch Quarzkörner ein; der Plagioklas ist gleichfalls 
häufig unregelmässig getrübt; weiter erscheint Mikroperthit; Quarz tritt in grösseren 
hellen, von Rissen durchzogenen Körnern auf; ausserdem tritt, namentlich rings 
um den Mikroperthit, ein äusserst feinkörniges Gemenge von Feldspath und Quarz 
auf, welch letzterer zahlreiche Flüssigkeits- und Gaseinschlüsse führt; die unregel- 
mässigen Lamellen nithlichbraunen Biotits sind am Rande infolge der Zersetzung 
grünlich. Vergl. Fig. 3. auf der Tafel. 

Weiter nach Nordosten kommen zu beiden Seiten der Bahnstrecke nur 






34 

Blöcke feinkörnigen Biotitgranits mit theilweise verblasstem Biotit bis zum Wächter 

hause von Kleiu-Bernharz vor. Hinter diesem erscheinen längs der rechten Seite 
der Bahnstrecke Blöcke mittelkörnigen Biotitgranits; in diesem Gesteine ist nur 
wenig dunkelbraunen Biotits in grösseren Lamellen und Gruppen ausgeschieden 
aus einem Gemenge weissen Feldspaths und in diesen pegmatitisch eingewachsenen 
dunkelgrauen Quarzes. Dasselbe gehört ohne Zweifel einer den Gneiss durchzie- 
henden Ader an, welche gleich darauf am Ende des Wäldchens rechts in mehreren 
Blöcken zu Tage tritt, ebenso auch weiter bei der Unibiegung der Bahnstrecke vor 
dem letzten Wächterhause vor der Station Popelin. Hinter diesem Wächterhause 
befindet sich zur rechten Seite der Bahnstrecke noch auf dem Boden des König- 
reiches Böhmen ein kleiner Bruch im Biotitgranit. Hinter der Station Popelin, 
und zwar hinter dem zweiten Wächterhause, treten Biotitgneisshlöcke links im 
Budinerwalde auf; es liegt hier der Rand der auslaufenden Gneisszone, die sich 
von Osteu in westlicher Richtung über Stolcin und die Bahnstation Serowitz-Po- 
cätky hinzieht. 

Am Fahrwege, der von der Jaroschauer Station gegen „Kopce" führt, rag) 
im Walde Gneiss hervor. Blöcke desselben sind hier einzeln zerstreut; sie ge- 
hören einem grobkörnig flaserigen Biotitgneisse an; ein ähnlicher Gneiss erscheint 
gleichfalls in Blöcken bei Mottaschlag; es streicht hier ohne Zweifel eine Scholle 
eines Gneisstreifens in nordwestlicher Richtung von „Kopce" (Cote ö'.i8). wo beim 
Wege abermals dessen Blöcke hervortreten. Zum östlichen und südöstlichen Ah 
hange des „Kopec" reicht derselbe lichtgraue Biotitgnciss von der Zone bei Ullrichs- 
schlag, während am nördlichen und südlichen Abhänge der Anhöhe der in der Um- 
gebung vorherrschende mittelkörnige Granit verbreitet ist. 



Der (ineiss des südöstlichen Gebietes. 

In der Gneisszone, die sich östlich von Ottenschlag über Heinrichsschlag und 

Ullrichsschlag in nordöstlicher Richtung hinzieht, tritt ein Gneissgehänge am 
rechten Ufer des Hammerbaches, gleich südostlich beim Dorfe Heinrichsschlag her- 
vor. Der verwitterte gra.\ieBiotitgnciss ist hier grobkörnig-flaserig, reich an Biotit 
und dem Gneisse hinter Gross-Bernharz und von Zdesov sehr ähnlich; zwi- 
schen Flasern des Feldspath-, Quarz- und Biotitgemenges ziehen sich vereinzelt 
bis 1 cm dicke, sich ausbreitende Flasern lichtgrauen Quarzes hin; in frischem 
Zustande ist dieser Gneiss braungrau und äusserst fest. Zwischen den Gueiss ist 
gneissartiger Biotitgrantdit eingelagert. Die Gneisschichten scheinen hier von SW 
nach NO mit einem Einfallen nach NW zu streichen. Ein ähnlicher (ineiss tritt 
in einem unansehnlichen Aufschlüsse am rechten Ufer des Hammerbaches, nordöst- 
lich unterhalb Blauenschlag, zu Tage; hinter Höfling (Dvofecek) erscheint gegen- 
über der Holzmühle in einem kleinen Aufschlüsse an der Strasse stark verwitterter 
flaserig-schieferiger Biotitgneiss, welcher aus bis '6 mm dicken Flasern zusammen 
gesetzt ist, die kleine Quarz- und Feldspathkörner enthalten, zwischen welche zu- 
sammenhängende Membranen braungrauen Biotits. der auch zusammenhängend 
die flachen Spaltflächen bedeckt, eingelagert sind; das Gestein lässt sich schiefer- 



35 

artig in dünne Plättchen zerbrechen. Weiter erscheint wieder grauer, groh- 
körnig-flaseriger Gneiss, wie wir ihn am östlichen Abhänge des „Kopec" ge- 
funden haben. 

Bestimmtere Grenzen zwischen Gneiss und Granit in nordöstlicher Rich- 
tung lassen sich infolge des Mangels an Aufschlüssen und infolge des bewaldeten 
Terrains nicht genauer bestimmen und sind bereits auch auf der Karte der geolo- 
gischen Reichsanstalt nur hypothetisch verzeichnet; wahrscheinlich ruht nicht nur 
der Muttaschlager- sondern auch der Teich Holub auf Gneiss. Der westliche Rand 
der Gneisszone reicht hier, wie bereits erwäbnt, bis zum östlichen und südöstlichen 
Abhänge des „Kopec". Der hier verbreitete lichtgraue Biotitgneiss ist kleinkörnig- 
flaserig und einigermassen dem Gneisse vom Neuhauser Schlosse ähnlich ; in dem 
Feldspath- und Quarzgemenge ziehen sich schwache Flasern dunklen, unter dem 
Mikroskope gelblichbraunen, äusserst reinen Biotits hin ; diese Flasern weisen stellen- 
weise auf eine bedeutende Zusammenfaltung des Gesteins hin. 

Bei Böhm. Voleschna, namentlich südöstlich rechts am Wege nicht weit 
hinter dem Dorfe, sind Gneissblöcke verbreitet ; Bruchstücke befinden sich auch auf 
den Feldern und Feldsteinhaufen. Dieser dunkelgraue Biotitgneiss ist klein- bis grob- 
körnig-flaserig, im Bruche frisch und hart, und erinnert an den frischen Gneiss aus 
dem Profile bei Riedweis ; er besteht überwiegend aus Quarz und aus dunkelbrau- 
nem bis röthlichen Biotit, während Feldspath untergeordneter ist; infolge des Reich- 
thums an Biotit erhält das Gestein ein glimmerschieferartiges Aussehen. 

Im Dünnschliffe zeigt dasselbe unter dem Mikroskope: Unregelmässige 
Orthoklaskörner, von welchen die kleineren rein, die grösseren einigermassen ge- 
strichelt getrübt sind (Mikroperthit ?) ; ferner untergeordnete grössere Körner äusserst 
hellen Plagioklases, der Quarzkörnchen und Biotitblättchen einschliesst ; die grös- 
seren Quarzkörner zeigen eine verschiedene Orientierung und sind stellenweise 
von Sillimanitgarben durchwachsen, die kleineren sind ziemlich rein und besitzen 
nur wenig Einschlüsse; der rothbraune Biotit erscheint in zerrissenen, unreinen 
Lamellen und Blättchen; ziemlich häufig, namentlich an den Rändern des Biotits, 
ist in feinkörnigen unregelmässigen Gruppen Pyrit vertreten. Neben dem Gemenge 
grösserer Körner tritt auch noch ein äusserst feinkörniges Gemenge mikrograniti- 
scher Struktur auf, welches auf einen starken Druck von aussen hinweist. In 
einem zweiten Dünnschliffe fand sich ein Körnchen deutlichen Mikroperthits vor. 

Links von der Strasse führt an diesen Stellen ein Feldweg zum Walde, 
längs welchen in Rainen und Steinhaufen derselbe eben beschriebene Gneiss ver- 
treten ist. Hier erscheint auf der Karte der geologischen Reichsanstalt eine kleine 
Serpentinpartie verzeichnet. Aufschlüsse sind hier nicht vorhanden, auf dem Felde 
und weiter südlich auf dem Weideplatze liegen Bruchstücke desselben eben be- 
schriebenen Gneisses zerstreut; zwischen diesen findet man zahlreich faustgrosse, 
eckige Stücke und Knollen eines besonderen Gesteins. Diese Stücke zeigen 
eine verwitterte, gelblichgraue Oberfläche und im Inneren eine dunkelgraue Farbe 
mit einem Stich ins Gelblichgrüne; da sie makroskopisch compact, an den Ecken 
durchscheinend und im Bruche splitterig sind, demnach ein serpentinartiges äusseres 
Aussehen besitzen, gaben sie wohl den Aulass zur oben erwähnten Einzeichnung des 
Serpentins. Doch schon der Härtegrad 7 beweist, dass es kein Serpentin ist. 



36 

Im "Dünnschliffe zeigt das Gestein eine lichte weissliche Mass.' mit dun- 
kleren, grünlichgelben Flecken; unter dem Mikroskope offenbart es eine undeutlich 
mikrogranitische Structur folgender Bestandtheile : Quarz, Orthoklas, Plagioklas, 
zersetzter Augit und Amphibol, so wie aucli Spuren in Limonit umsetzten Biotits; 
ferner vereinzelt schwarze Erzkörner. Dieses augitisch-amphibolitische Gestein 
stimmt vollständig mit dem Gestein des Knollens, den wir in der Gneisschichte 
in der Nähe des Contactes mit dem Granit im Profile bei Riedweis eingeschlossen 
gefunden haben, überein und wird wahrscheinlich desselben Ursprungs sein, somit 
von Knollen herrühren, die im Gneisse in der Nähe des Contactes mit dem Granit 
enthalten sind. Ein ähnliches Gestein, seinem äusseren Aussehen nach dasselbe 
wie das eben beschriebene, erscheint in Knollen östlich von Jaroschau beim Wege, 
der gegen den „Kopec" führt; es hat eine mikrogranitische Struktur mit über- 
wiegendem Quarz, untergeordnetem Orthoklas, mit etwas Biotit und sehr zahl- 
reichen Magnetitkörnern; von Augit und Amphibol ist jedoch in 2 Dünnschliffen 
keine Spur vorhanden. 

Bei der Bahnstation Serowitz-Pocätek liegen auf der rechten Seite der 
Bahnstrecke mächtige Blöcke dunkelgrauen , grobkömig-flaserigen Biotitgneissas 
herum, der aus einem Geinenge von groben Quarzkörnern besteht, zwischen welche 
fiaserige Concretionen dunkelbraunen, unter dem Mikroskope gelblichbraunen und 
ziemlich reinen Biotits eingestreut sind; der Feldspath ist dagegen äusserst unter- 
geordnet. Ausserdem fand ich hier zwischen dem Schotter eines Steinhaufens der 
Strasse geröllartige Stücke eines besonderen lichten, granitischen Biotitgneisses ; 
dieser enthält zwischen kleinen Körnern weissen, zersetzten Feld-paths grössere 
Körner grauen Quarzes und grössere wie kleinere längliche Gruppen dunkelgrauen, 
unter dem Mikroskope graubraunen, unreinen Biotits, der auch in Blättchen und 
Lamellen vereinzelt zerstreut erscheint. I>ie Stelle, woher dieser fremde (Ineiss 
herrührt, Hess sich nicht sicherstellen; ich glaube, dass er vielleicht aus dem 
unweit liegenden känozoischen Schotter stammt, der seiner Zeit aus einer grösseren 
Entfernung herbei verschwemmt wurde. 

o Eine interessante Stellung nahm gegen- 

über der Station eine grosse blockförmige Gneiss- 
platte in ihrer ursprünglichen, sonderbaren La- 
gerung ein (vergl. Fig. 17.). 

Diese blockformige Platte ruhte auf 
eineiu Kegel diluvialen Lehms, in welchem 
kleine scharfkantige Bruchsteine eingelagert 
waren. Zweifellos würde dieselbe von einem 
_<^ unerfahrenen Archäologen als ein von mensch- 

licher Hand verfertigter Wackelstein oder als 
Fig. 17. Ein (»neissblock bei der ein bedeutungsvoller vorhistorischer Tisch : ) be- 
ISnlmstation Sei-owitz-Poeätok, in sc i ir i ebe „ werden. Diese Erscheinung stimmt 
natürlicher Lage eines Wackelsteins . , , „ ... ,. .. . ,, , . . , . 

, p ai „.„ rl, jji •„, t i jedoch vollständig mit den Erdpyramiden bei 

aut einem Kegel alluvialen Lehms J ' J 

ruhend (Erdpyramide), Botzen in Tirol überrein, die infolge der Ein- 




*) Vergleiche meine Abhandlung: I'reilliisturicky vyzkiim v jihovychodnfch Cechach. 
l'auiaiky arcliaeol. lS'.m. 



37 

Wirkung des Regens auf natürliche Weise entstanden sind ; das Regenwasser spült 
nämlich den ursprünglich ringsum den Block und unter ihm gelagerten Lehm ab, 
bis schliesslich Formen entstehen, wie eine solche in unserer Figur dargestellt ist. 
Östlich hinter Stolcin durchquert die Bahnstrecke ein Gneissrücken, der 
auf der Karte der geologischen Reichsanstalt als Granit verzeichnet ist. Im Aus- 
schnitte tritt hier jechch zu beiden Seiten desselben dunkelgrauer, flaserig-körniger 
Biotitgneiss auf, der jenem aus Böhm.-Volesclma gleichkommt. Er ist, namentlich 
im Inneren der Felswand, äusserst hart und sehr reich an dunkelgrauem Biotit; 
manche Schichten sind lichter und stark quarzhaltig und erinnern an den Gneiss 
von Heinrichsschlag. Die Schichten sind stark gefaltet und streichen von SW nach 
NO mit einem Einfallen unter 45° gegen NW. 

Granulit. 

Schon bei der Beschreibung des Gneisses wurde darauf hingewiesen, dass 
stellenweise zwischen Gneisschichten Lagen gneissartigen Biotitgranulits eingeschoben 
sind, wie dies auch nach dem Berichte A, Rosiwals*) im krystallinischen Gebiete 
zwischen der Schwarzawa und Zwittava vorkommt. 

Übergänge des Gneisses in Granulit als Granulit-Gneisse erscheinen in 
unserem Gebiete stellenweise häufig. 

Verbreiteter ist hier ausser dem typischen Granatgranulit einigermassen der 
gneissartige Biotitgranulit. 

Der Granatgranulit ist namentlich südwestlich von Neu-Ötting ringsum 
den Karlshof und um die Koväf-Mühle verbreitet. Leider herrscht hier ein Mangel 
an Aufschlüssen; auf die Anwesenheit dieses Gesteines deuten hauptsächlich nur 
zerstreute Feldsteine hin, weshalb sich die Grenze zwischen Granulit und Gneiss 
nicht sicher feststellen lässt. Auf den Feldern und an den Feldrainen sowie auf 
Steinhaufen erscheinen hier meist Bruchstücke 1 — 3 cm dicker Platten, die makro 
skopisch mit den Handstücken dunkelgrauen Granulits von Holubov im Böhmer- 
walde, welche ich bei einem geologischen Ausfluge mit meinen Hörern im Jahre 
1894 gesammelt habe, übereinstimmen. Der Granulit von Neu-Ötting ist dunkel- 
grau, und makroskopisch ein schieferiges Gemenge äusserst feinkörnigen Feldspaths 
und Quarzes, in welchem feine Körnchen rothen Granats von der Grösse eines 
Hirsekorns und nur ausnahmsweise im Durchmesser von 2 mm eingestreut sind ; 
längs der Spaltungsflächen ziehen sich Streifen äusserst feiner Biotitblättchen ; 
zwischen die weissen Feldspathe sind parallele Lamellen grauen Quarzes einge- 
lagert, welche die feinschieferige Struktur des Gesteins bedingen. Andere Stücke 
weisen noch parallele biutitreiche Streifen auf. Es erscheinen hier auch grössere, 
plattenförmige, körnig-streifige, biotitreiche Stücke, deren parallele Struktur quer 
zur Schichtungsfläche läuft, wie dies auch Hochstetter beim Granulit von Krumau **) 
konstatierte. 



*) Aus dem krystall. Gebiete zwischen der Scbwarzava und Zwittava. Verhandl. der 
k. k. geolog. Reichsanstalt 18!)-.', IV. 

**) Granulit der Gegend von Bndweis, Böhmen; Jahrb. der k. k geolog. Reichsanstalt, 
Wien V. 1854. 



38 



Im Dünnschliffe weist'unter dem Mikroskope dieser d unkelgraue, schiefe- 
rige Granulit alkalischen Feldspat!) auf, der sich als Orthoklas erweist; iMikroklin 
liess sich nicht konstatieren ; der Feldspath erscheint in Form von unregelmässigen, 
häufig im Inneren fast ganz trüben Körnern; die Trübung dringt auch längs der 
Spaltungsrisse des Minerals von aussen ins Innere der Körner ein ; manche Körner 
sind in undeutliche Biotitgruppen umgewandelt; andere schliessen Quarzkörner und 
Biotitblättchen ein. Eine interessante Erscheinung ist die, dass ein grösseres IVld- 
spathkorn des Düuschliffes, 3 mm im Durchmesser, von einer sich wiederholenden 
concentrischcn, zwischen das Feldspath- und Quarzgemenge eingelagerten Biotit- 

umrandung umschlossen ist, wie es die 
beigefügte wenig vergrösserte Fig. 18 



mm^mmm- 



£4 hi -rk'. 






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zeigt. Die Quarzkörner sind verhältnis- 
mässig rein, einige enthalten jedoch 
zahlreiche Flüssigkeits- und Gasein- 
schlüsse; grössere Körner sind nicht 
einheitlich, sondern aus kleineren zu- 
sammengesetzt, zwischen welche Glini- 
merblättchen eingelagert sind ; dieselben 
sind von einer Biotitumrandung um- 
schlossen. Die uuregehnässigen Biotit- 
blättchen sind lichtgelb bis rothbraun 
und nur vereinzelt von Apatitnadeln 
durchsetzt. Der helle Granat weist zahl- 
reiche Risse auf und schlichst stellen- 
weise Feldspathkörnchen ein. Ausser- 
dem sind untergeordnet noch Eisenerz-. 
namentlich Magnetit- und Magnetkies- 
körnchen vertreten. 

Mikroskopisch unterscheidet sich 
der Granulit der Umgebung von Neu-Ötting vom Grauulite bei Holubov durch 
seine Zusammensetzung ; während der graue Holubover Granulit, wie ./. Barmr I 
angibt, neben accessorischem Biotit auch l'yroxen enthält, fehlt letzterer Bestand- 
teil unserem Gesteine. 

Auf den Feldern unseres Grauulitgebietes kommen auch unregelmässig- 
eckige Granulitstücke von der Grösse einer Faust vor, welche eine einigermassen 
gröbere Struktur aufweisen; sie besitzen eine lichtgraue bis weisse Farbe und sind 
nur auf den Querflächen etwas äusserst fein gestrichelt. Makroskopisch li 
nämlich im weissen Feldspath äusserst feine parallele Streifen grauen (Quarzes, 
längere und kürzere, von der Dicke eines Schreibpapiers; in diesem Gemenge ist 
eine grosse Menge duukelrother Granaten enthalten, welche die Grösse eines Hirse- 
korns und nur selten einen Durchmesser von 3 mm erreichen; Glimmer fehlt 
gänzlich. 

In dem längs der Querfläche geführten Dünnschliffe zeigt das Gestein 



Fig. 18. ftlikroskopisohe Zusammensetzung 
des ßranatgranulits bei Neu-Öttiug (Ocul I, 
obj. 0, 1 /„), o Quarz einschliessender Orthoklas, mg 
ein äusserst feinkörniges Feldspath- und Quarz- 
gemenge mit einigen grösseren Feldspath- und 
Quarzkörnern, l> Blättchen kreisförmig gelagerten 
Biotits, g Granit, int Magnetit. 



Zrli'iiavy pyriixenicky granulit od Adulfova". Kral, spol. n:iuk 1897, 111., pag. 6. 



39 

unter dein Mikroskope Streifen, die aus sehr feinen Körnern alkalischen Feldspaths 
(OrthoklasJ und Quarz bestehen und zwischen welchen schwächere Streifen äusserst 
buntfarbigen und zahlreiche Flüssigkeitseinschlüsse enthaltenden Quarzes liegen. 
Während die aus Feldspath und Quarz bestehenden Streifen von parallelen trüben, 
querlaufenden, in die Quarzstreifen nicht hineinragenden und hinter diesen in der- 
selben Richtung sich fortsetzenden Bändern durchzogen sind, durchsetzen die hellen 
Quarzstreifen nur .Querrisse in verschiedener Richtung. Grössere von Feldspath- 
(Orthoklas-)körnern umschlossene Granaten ruhen allgemein nur in den aus Feld- 
spath uud Quarz bestehenden Streifen keineswegs in den Quarzstreifen; um- 
randete Granaten kommen nicht vor. Accessorisch treten in den aus Feldspath 
und Quarz bestehenden Streifen kurze Säulen dunklen bis röthlichbraunen und 
gelblichen Rutils auf. 

Auch diese lichte Abart des Granatgranulits erinnert ihrem äusseren 
Aussehen nach an den lichtgrauen Granulit von Holubov, unterscheidet sich von 
diesem jedoch durch den Mangel an Pyroxen und Biotit. 



Ampliibolitische Gesteine. 

Nördlich von Vcelnic fand ich an der Strasse auf Steinhaufen, die nach 
der Aussage des Strassenräumers aus den nahen Feldern des Granulitgebietes zum 
Schottern herbeigeschafft wurden, neben Stücken beider beschriebenen Granulite 
auch Stücke eines dunklen Gesteins von zweierlei Zusammensetzung, die auf 
schmälere amphibolitische Einlagerungen in den Granulit hinweisen. Es ist dies 
zunächst ein feinkörniges, grünlich-dunkelgraues, amphibolitisches Gestein, das für 
das blosse Auge nur aus Ampbibolkörnern zu bestehen scheint. Der Dünnschliff 
zeigt unter dem Mikroskope stark überwiegende, unregelmässige Körner theil- 
weise frischen Amphibols, der sich jedoch meist in verschiedenen Stadien der 
Zersetzung befindet und stellenweise Feldspathkörner einschliesst ; die unregel- 
mässigen Orthoklaskörner sind nur theilweise unrein, die grösseren schliessen mehr 
kleinere Feldspathkörnchen ein und weisen scharfe längliche Spaltungsrisse auf; 
der Plagioklas ist untergeordnet und ziemlich rein ; von Quarz sind uur Spuren vor- 
handen, zahlreich sind Magnetitgruppen vertreten 

Ein anderes solches Gestein ist ein dunkler äusserst feinkörniger, grünlich- 
dunkelbrauner Amphibolgranulit, in dessen feinkörnigem Gemenge man mit freiem 
Auge grössere Körner rothen Granats unterscheiden kann. 

Der Dünnschliff weist eine theilweise streifige Struktur auf und zwar einen 
breiteren grünlichen Streifen, einen schwächeren 2 mm breiten braunen, abermals 
einen etwa 2 mm breiten gl unlieben und wieder einen 2 mm breiten braunen 
Streifen, hierauf einen breiten, unregelmässigen, grünlichbraunen Streifen, der na- 
mentlich grössere Granate bis 4 mm im Durchmesser enthält. Unter dem Mikro- 
skope zeigt der grünliche Streifen ein äusserst fein- und gleichkörniges Gemenge, 
bestehend aus Orthoklas mit untergeordnetem Mikroperthit, aus grünem, reinen 
Biotit und aus lichtgrauem Amphibol; accessorisch treten Gruppen von Magnetit- 
körnein auf. Der braune Streifen besteht aus einem etwas grobkörnigeren Ge- 



40 

menge von reinem, lichtbraunen Biotit, Mikroperthit, untergeordnetem Quarz und 

Plagioklas und accessorisehem Pyrit; der folgende grünliche Streiten weist die- 
selbe Zusammensetzung auf, ebenso der weitere braune Streifen, nur dass er acces- 
sorischen Magnetit enthält; es folgt darauf ein breiter grünlich-brauner Streifen, 
der aus der Vereinigung beider beschriebenen Streifen zusammengesetzt ist; hier 
überwiegt der Feldspath (Orthoklas, Mikroperthit und theilweise Plagioklas), nach 
ihm folgt reiner, braungrüner Glimmer undAmphibol; Quarz ist spärlich vertreten; 
aus diesem Gemenge treten grosse, lichte zersprungene Granaten ohne Umran- 
dung hervor, welche Körner lamellierten Feldspaths einschliessen; die breiteren 
Lamellen weisen abermals senkrechte Querlammellen auf; andere Granatkörner 
schliessen ein Gemenge grünen Biotits, Ampliibols und Gruppen dunkeln Erzes 
sowie zerstreute einzelne dunkle Körnchen ein. In der Übergangszone des braunen 
Streifens in den lichtgrünlichen erscheinen neben grösseren Körnern von .Mikro- 
perthit und braunem Biotit umrandete Granatkörner, deren Umrandung aus strahlen- 
förmig von 3 Seiten anliegendem, zersetzten Amphibol besteht. 

Auch in Nieder-Üsterreich sind nach Becke amphibolitische Gesteine zwi- 
schen den Granulit eingelagert. 

Es scheint, dass beide eben beschriebene Gesteine, von welchen letztens 
sehr an die sächsischen Pyroxen-Granulite erinnert und mit den dunklen Amphibol- 
Granuliten Lapplands übereinstimmt, gegeuüber den typischen Granulitschichten 
eine ähnliche Stellung (Lagerung) einnehmen, wie die sächsischen Pyroxen Granu - 
lite, dass nämlich die Schichten beider beschriebenen Aniphibol-Gesteine wahr- 
scheinlich zwischen die typischen Granulitschichten eingelagert sind. 

Infolge des Mangels an grösseren Aufschlüssen lässt sich aus unserem 
Granulit-Gebiete nichts zur Frage beitragen, ob der lichte Granulit desselben 
Ursprungs ist, wie der Gneiss, wie Hochstetter und Credner annehmen, oder ob 
derselbe metamorpliischer Natur ist, wie Stelzner artheilt, oder ob er eruptiven 
Ursprungs ist, welche Ansicht namentlich Naumann vertritt. Auf Grund meiner 
im Granulitgebiete des Böhmerwaldes erlangten Erfahrung, neige ich mich eher der 
ersten Annahme zu. Barvif*) gibt an, dass der Pyroxen-Grauulit von Adolfov, 
unweit Krems in Südböhmen, den er in einem mit Schichten des weissen Gra- 
nulits concordant verlaufenden Streifen vorfand, den sächsischen PyroxenGranuliten 
ähnlich ist, dass er sich wahrscheinlich aus einem* einheitlichen Magma entwickelte 
und dass seine Bestaudtheile sich beinahe gleichzeitig ausgebildet haben. 

Im Thale des Baches Rosicka unseres Granulitgebietes erscheinen noch 
geröllartige Stücke eines dunkeln Gesteins, von denen sich allerdings nicht urtheilen 
lässt, ob sie aus diesem, oder aus dem nördlichen Gneissgebiete stammen. Ks ist 
dies vor allem ein feinkörniges, beinahe dichtes, grünlich-graues (lest ein, das seinem 
Aussehen nach an die Knollen aus Böhmisch-Voleschna erinnert, jedoch keinen 
splitterigen Bruch autweist. 

Der grünlich braungraue Dünnschliff zeigt unter dem Mikroskope ein bei- 
nahe gleichförmiges Gemenge von unregelmässigen Plagioklas- und Amphibolkörnern 
mit untergeordnetem Quarz und Orthoklas. Der Plagioklas ist sehr hell, ebenso 



> „Zelenavy pyroxenicky granulit od Adolfova". Kr. -pul. näuk 1897, ili. pag. 5. 






41 

die Quer- und Längsrisse aufweisenden Orthoklaskörner; dafür ist der Amphibol 
ganz zersetzt, meist zersprungen, hat eine braungrüne, stellenweise intensiv grüne 
Farbe und schliesst vereinzelt Magnetitkörnchen ein; über dieses Gemenge ziehen 
sich schwache Streifen einer zersetzten weissen, schwammartigen Masse mit aus- 
geschiedenem Pyrit hin. 

Ein ähnliches, wahrscheinlich identisches dunkelbraunes, äusserst feinkör- 
niges Gestein stammt aus einem Felde des Granulitgebietes her; bei einem sehr 
vorgeschrittenen Stadium der Zersetzung besteht d isselbe aus einem Gemenge von 
Amphibol und Feldspath mit ausgeschiedenen Streifen und Adern weissen Quarzes. 



Gneissartiger Biotitgranulit 

Der typische, feinkörnige und feinschiefeiige Granat-Granulit erscheint 
nicht weiter in unserem Gebiete, dafür aber häufiger ein klein- bis mittelkörniger, 
gneissartiger Biotitgranulit. So zum Beispiel gleich östlich von Vcelnic unter dem 
„Vrsek" am Wege, der zur Cöte 514 führt, wo in einem geöffneten Steinbruche 
beinahe vertical stehende, dünne Platten gneissartigen mittelkörnigen Granulits her- 
vortreten, welcher aus Feldspath, Quarz und untergeordnetem, zersetzten Biotit 
zusammengesetzt ist; die Schichten scheinen nach NNW zu streichen. 

Ein ähnliches Gestein erscheint zahlreicher in der Umgebung von Jaro- 
schau; so auf einer Anhöhe links am Wege, der nach Gross-Bernharz führt, hinter 
der letzten Jaroschauer Hütte; das Gestein ist grauweiss, kleinkörnig und erinnert 
einigermassen an weissen Sandstein oder an eine Arkose; es ist aus überwiegen- 
dem grauen Quarz, aus stark zersetztem, weissen Feldspath und nur wenig einge- 
streuten Blättchen grüulichbraunen, unter dem Mikroskope lichtgrünen Biotits 
zusammengesetzt: es zerfällt hier auf der Oberfläche in kaolinartigen Sand. Ohne 
Zweifel gehört es einer grösseren Einlagerung im Gneisse an. Nahe in östlicher 
Pachtung befinden sich auf der Anhöhe der Cöte 502 drei geöffnete kleine Gruben, 
von welchen in der östlichen, beim Wege zum Walde liegenden und in der nord- 
westlichen Grube derselbe Granulit erscheint, nur dass er etwas grobkörniger ist 
und mehr Biotit enthält, während in der südlichen Grube und weiter zum Fahr- 
wege dasselbe aber festere und weniger zersetzte Gestein auftritt mit graubraunem, 
ebenfalls spärlichem Biotit; kleine Höhlungen auf den Ablösungsflächen dürften auf 
verwitterten Granat hinweisen. 

Der angeführte gneissartige Biotitgranulit, geht hier vielfach, hauptsächlich 
in der Richtung zum Wege, der nach Gross-Bernharz führt, einerseits in feinkör- 
nigen grauweissen Granat granulit über, der jedoch weder schieferig noch gestreift 
ist und nur in unregelmässige plattenartige Stücke zerfällt; er besteht aus einem 
Feldspath- und Quarzgemenge, in welchem einzelne Feldspath- (Orthoklas-)körner 
eine Länge von 5 mm erreichen; accessorisch treten kleine, dunkelbraune Granaten, 
namentlich auf den rüthlichbrannen Ablösungsflächen, und nur unbedeutende Biotit- 
spuren auf. Einen andern Übergang bildet ein feinkörniger Granatgranulit, der aus 
einem Gemenge von Feldspath, Quarz und wenig Biotit, jedoch mit zahlreichen bis 
3 mm grossen zersetzten braunröthlichen Granaten besteht; linsenartige 1 mm dicke 



42 

Streifen ziehen sich vereinzelt durch das Gestein; einen weiteren Übergang bildet 
ein feinkörniger grüner Granatgramdit, in dessen Feldspath- und Quarzgemenge 
der Biotit fehlt ; dafür treten zahlreicher grössere braunrothe Granaten und ver- 
witterte, durchschnittlich bis 5 mm grosse Turmalme undeutlichen Umrisses auf. 

In den angeführten unbedeutenden Aufschlüssen Hess sich die Lagerung 
der oben genannten Granulite nicht genauer bestimmen; es ist nur wahrscheinlich, 
dass sie einer mächtigen Einlagerung im Gneisse angehören. 

Dasselbe Gestein, das wir bei Vcelnic und bei der Cöte 502 aufgefunden 
haben, mit untergeordnetem zersetzten Biotit, zieht sich längs der neuen Strasse 
von Jaroschau gegen die Bahnstation hin; es bricht hier in dünne Platten und geht 
stellenweise in Gneiss über. In der Nähe der Bahnstation wird es fast feinkörnig und 
äusserst fest. Es ist dasselbe Gestein, welches bereits aus dem Felsen bei der Umbie- 
gung am linken Ufer der Kameuicka und bei der Spinnfabrik westlich bei Jaro- 
schau, wo es dem Gneiss eingelagert ist, sowie auch vom gegenüberliegenden Ufer, 
oben beschrieben wurde. Derselbe feinkörnige und feste, in dünne Platten sich 
ablösende, gneissartige Biotitgrmudit ist concordant zwischen die Gneisschichten 
längs der Bahnstrecke in einem tiefen Ausschnitte nordöstlich von Riedweis ein- 
gelagert; nordöstlich bei Riedweis erscheint der Granulit in einem kleinen Stein- 
bruche oberhalb des Dorfes, doch ist er hier mittelkörnig und identisch mit dem 
Granulite von Vcelnic und östlich von Jaroschau; er tritt hier in 0.5-3 dm starken 
Schichten auf, die von SW nach NO mit einem Einfallen von 40—5')" gegen SO 
streichen. 

Östlich von Riedweis tritt über der Bahnstrecke unter der Cöte 486 ein 
offener Felsen hervor, in dessen Liegendem eine etwa 1 "5 m starke Granitbank — 
wahrscheinlich ein lagerartiger Gang — ruht, über welcher unmittelbar grobkörnig- 
flaseriger bis fast schieferiger, etwa 0'5 m mächtiger granulit ischer Biotitgneiss ge- 
lagert ist; derselbe besteht aus concordant gelegenen, schwachen, vielfach ausein- 
andertretenden Schichten, von denen sich die stärkeren längs der Schichtung aber- 
mals in schwächere, 1 — 2 cm dicke, etwas unregelmässige Platten ablösen. Das 
Gestein ist grau, feinkörnig und aus einem Gemenge von Feldspath, Quarz und 
untergeordnetem, dunklen Biotit in feinen Blättchen oder in kleineren Gruppen 
zusammengesetzt ; aus diesem Gemenge ragen vereinzelte, grössere, bis 1 cm lange 
und 0'5 cm breite Orthoklaszwillinge hervor, welche schon makroskopisch sichtbare 
Biotitblättchen einschliessen. Die Ablösungsflächen weisen längliche, zusammen- 
hängende, gleichgerichtete Furchen auf, welche darauf hinweisen, dass das Gestein 
nicht nur in Folge eines starken Druckes zusammengepresst, sondern auch längs 
der Schichtungs- und Ablösungsflächen verschoben wurde. Das Streichen geht von 
SW nach NO mit einem Einfalle unter etwa 15° gegen SO. 

In Gruben ringsum den Hügel „Kederbusch" (Chochol) Cöte 539, südwest- 
lich von Ottaschlag (Otin), tritt bei der Strasse feinkörniger, lichtgrauer granit- 
artiger Biotitgranulit hervor, der aus unregelmässigen Feldspath- und Quarzkörnern 
und aus untergeordnetem dunklen Biotit zusammengesetzt ist ; das Gestein ist 
äusserst fest und erinnert seiner Struktur und seinem Aussehen nach an Granit; 
in der Nähe des Contactes mit dem Granite erlangt es eine gneissartige Struktur 
und bricht in plattenförmige Stärke mit anregelmässigen Flächen, die ähnlich ge- 



4.3 

furcht sind, wie wir dies beim eben beschriebenen Granulit-Gneiss von Riedweis 
gefunden haben. 

Im Granulitgebiete von Neu-Ötting tritt beim Bache vor dem Walde 
nordwestlich von Vcelnic ein kleiner, etwa 5 m hoher, offener Felsen zu Tage, in 
dessen Liegendem Bänke festen mittelkörnigen, granitischkörnig struierten Biotit- 
gramdits von grauer Farbe gelagert sind; das Gestein besteht aus weissem Feld- 
spath, dunkelgrauem Quarz und untergeordnetem, dunkelbraunen Biotit; im Han- 
genden zerfällt dasselbe in dünne plattenartige Stücke; es scheint gegen NW ein- 
zufallen. 

Interessant ist ein Gestein, welches auf der Anhöhe nordöstlich von Ne- 
krasin hinter dem Kreuze im einem oberflächlichen Bruche hervortritt und zum 
Schottern der Strasse dient; es ist dies ein feinkörniger röthlicher Granulit, der 
aus einem Gemenge von unregelmässigen, röthlichen, zersetzten Feldspath- und aus 
Quarzkörnern besteht; aus diesem Gemenge treten vereinzelt grössere Gruppen 
dunkler Quarzkörner, sowie kleine linsenförmige Quarzflasern hervor ; auch erschei- 
nen unbedeutende Spuren zersetzten, braungelben Biotits in demselben. 



Serpentin. *) 

Auf der Karte der k. k. geologischen Reichsanstalt ist südwestlich von 
Neu-Ötting ein länglicher Serpentinstreifen verzeichnet, der sich längs des Feld- 
weges hinzieht, welcher aus Ötting über den Bach Rosicka zum Karlshofe am Rande 
des Granulitgebietes führt. Diesen Serpentin erwähnt weder Zippe in Soinmer's 
Topographie des Taborer Kreises, noch von Zepharovich in seinem mineralogischen 
Verzeichnis. Czizek**) führt nur an, „dass Serpentin an der Grenze des Granulits 
bei Neu-Ötting erscheint." 

Die ganze Fläche, die auf der geologischen Karte als Serpentin verzeichnet 
ist, bedecken Felder und Wiesen. Auf dem Felde und in den Steinhaufen fand 
ich keine Serpentinreste, sondern nur Granulitgestein. Ein Landmann theilte mir 
mit, dass vor Jahren beim Kreuze neben dem Wege in unbedeutender Tiefe Platten 
eines grünen Steins aufgefunden wurden. 

Im Thal des Baches Rosicka fand ich oberhalb der Brücke am rechten 
Ufer neben dem Pfade, der nach Vcelnic führt, einen neben dem Wege eben aus- 
gehobenen Graben, in welchem unter der Ackererde eine Menge über faustgiosser 
Knollen auf den ersten Anblick dunkelbraunen Opals vorkamen, die sich als 
opalisiertet- Serpentin erwiesen. Das Gestein besitzt einen unregelmässig musche- 
ligen Bruch, einen glasartigen Wachsglanz, die Härte 6 und ist auch an den 
Kanten undurchsichtig. Einige Stücke sind von 1 bis 2 mm starken Adern wachs- 
farbigen Opals durchzogen, andere 4 bis 5 mm dicke Adern umschliessen längliche 

*) Vergl. meine Abhandlung: „Geologicke" pfispevky z prahornibo ütvaru jiznich Cecb." 
Rozpr. Ceskö akad. eis. Frant. Jos. Praba, roft. VT., 1897, eis. 20. 

**) Geolog. Aufnahme im südl. Böhmen. Jahrb. der k. k. genlogischen Reichsanstalt. 
Wien 1854, pag. 205. 



44 

Linsen einer braunen opalisierten Masse und bestehen aus dunkelgrünem Serpentin 

von der Härte etwas über 3, der in strahlige grobe, kurze, graugelbe Fäden übergeht. 

Der Dünnschliff der braunen opalisierten Masse weist unter dem Mikroskop 

eine netzförmige Struktur auf und neben braunen Opalkörnern über ein Drittel 




Fig. 19. mikroskopische Zusammensetzung: des opalisierten Serpentins 

von Neu-Ötting. Ocul. I., Obj. III. 

1 Opal, 2 Serpentin, 3 Magnetit. 

lichtgrüne Serpentinkörner, in denen keine Spuren von Olivin, Amphibol oder Auglt 
aufgefunden wurden (vergl. Fig. 1!).). Die durchsichtigen Opalkörner mit einem 
graugelblichen Ton sind fein gekörnelt (1 ) ; die Körner des licht gelbgrünen Ser- 
pentins (2) sind unregelmässig blätterig und gehen allmählich in die Opalmasse 
über; ein bedeutender Magnetitgehalt (3). etwa der vierte Theil der ganzen Masse, 
entspricht einer stark vorgeschrittenen Umwandlung: von letzterem Minerale rührt 
die dunkle makroskopische Färbung der Masse her; Magnetitkörnchen durchsetzen 
die Masse in etwa 1 mm starken Äderchen, oder sie sind einigermassen netzförmig 
und maschenartig vertheilt, was an einen Olivinserpentin mahnt; doch treten sie 
auch in Gruppen und regelmässen Netzschlingen oder Gittern auf, was an einen 
Amphibol Serpentin deuten würde. Auf letzteren möchte die Anwesenheit der oben 
beim Granulit angeführten Amphibolgesteine hinweisen. Der Besitzer eines Feldes 
im Granulitgebiete, nordwestlich von Vcelnic, erzählte mir, dass sich daselbst in 
der Tiefe ein dunkler harter Stein gegen Norden hinzieht. 

Neben den opalisierten Serpentinstücken wurden in demselben Graben auch 
grössere Stücke eines in der Zersetzung und Umwandlung weiter vorgeschrittenen 
Gemenges aufgefunden, welches hauptsächlich aus einer erdigen talkartigen Masse 
besteht, in welcher Einschlüsse eines dunkelbraunen, am Rande der Risse allmäh- 
lich in dunkelgrünen Serpentin übergehenden Opals, ferner Gruppen schuppigkör- 
nigen, berggrünen ( hlorits, in deren Nachbarschaft bis 2 oh mächtige Aggregate 
weissen, seidenartig glänzenden Asbestes auftreten, der aus groben, parallelwelligen 
Fasern zusammengesetzt ist, und dem Aussehen nach jedoch in keiner Weise auf 
Chrysotil erinnert. 



45 
Granit. 

Im beschriebenen Gebiete ist Granit am verbreitetsten ; derselbe gehört 
dem westlichen Theile der breiten, vom grossen österreichischen Granitmassiv 
bei Gmünd gegen Nordosten unter der Bezeichnung „Böhmisch-mährisch öster- 
reichisches Granitgebirge" reichenden Granitzone an. Dieses Gebirge zieht sich 
längs der Landesgrenzen von Neu-Bistritz über Adamsfreiheit, Königseck, Tremles 
(Strmilov) und Serowitz nach Pocätek, von da in einer engeren Zone gegen Windig- 
Jenikau hin. Nördlich von Neuhaus ist der Granit bis gegen Destnä, Kamenitz a. d- 
Linde und Pocätek verbreitet mit kleineren Ausläufern in den im Norden sich aus- 
breitenden Gneiss. Von Neuhaus zieht sich der Granit südwärts zu beiden Ufern 
der Nezärka bis gegen Platz, wo in einem Querthale der Nezärka eine breite von 
Chlurnec sich herziehende Gneisszone hindurchzieht. In dieser Gneisszone tritt 
westl'ch von Poliken eine Granitinsel, südlicher eine zweite und nördlich von 
Buchen (südwestlich bei Neuhaus) eine dritte etwas grössere Granitinsel hervor, 
welch 1 letztere in unsere Karte hineinreicht. 

Im nordwestlichen Theile unserer Karte theilt sich der Granit in seiner Aus- 
breitung mit dem Gneisse und den känozoischen Schichten, im nordöstlichen und 
südöstlichen Theile überwiegt er, während er im südwestlichen Theile untergeord- 
neter auftritt. 

Obwohl auch der Granit unseres Gebietes, nämlich des südlichen Theiles 
des böhmisch-mährischen Hochlandes, örtlich eine im Detail genug verschieden- 
artige petrographische Entwickelung aufweist, so überwiegt hier doch und ist am 
verbreitetsten der mittel- bis grobkörnige Biotitgranit., wie wir ihn zum Beispiel 
in der Mitte unseres Granitgebietes um Klein-Bernharz und Popelin vorfinden. 

Der Granit beherrscht in unserem Gebiete hauptsächlich die Höhenzüge 
und flachhügeligen Bergrücken, während der Gneiss mehr in den Niederungen und 
meist auch im Liegenden der känozoischen Ablagerungen verbreitet ist. Da der 
Gneiss der Verwitteruug und Zerstörung mehr unterliegt als der Granit, so zerfällt 
letzterer nur langsamer und allmählig in Sand. Der Granit tritt hier gewöhnlich 
in verschieden mächtigen Bänken, in unregelmässigen, zerrissenen Felsen und in 
abgerundeten Blöcken auf. Der oben angeführte Biotitgranit ist nordwestlich von 
Klein-Bernharz gelagert, gleich hinter dem letzten Wächterhause vor der Station 
Popelin und tritt an der Bahnstrecke rechts in einem Steinbruche zu Tage; er 
zerfällt hier in - 5 — 2 m starke Bänke, welche von SO nach NW streichen und 
unter 70 — 80° gegen NO einfallen ; das Streichen der Bänke steht demnach senkrecht 
auf der hier herrschenden Streichrichtung des Gneisses. 

Das Gestein ist hypidiomorph aus Feldspath, Quarz und Biotit zusammen- 
gesetzt, besitzt eine lichtgraue Färbung, ist infolge von Biotitgruppen etwas fleckig 
und erinnert dem Aussehen nach sehr an den vorne beschriebenen Zweiglimmer- 
granit von Burgstall bei Neubistritz, nur dass es etwas grobkörniger ist, etwas 
weniger Glimmer enthält und weniger grössere ausgeschiedene Feldspathe aufweist. 
Der Feldspath ist weiss, undurchsichtig und auf den Spaltungsflächen perlmutter- 
glänzend ; 8 mm lange und 5 mm breite Krystalle sind selten ; derselbe überwiegt 
etwas über die lichtgrauen Quarzkörner; der sehr dunkelgraue Glimmer ist ver- 



46 

hältnismässig zahlreich vertreten und gleichmässig zwischen das Feldspath- und 
Quarzgenienge in Blättchen und Gruppen eingestreut. 

Der Dünnschliff weist unter dem 31ikr<>sb>)ir folgende Zusammensetzung 
auf: der Orthoklas ist fast durchwegs in verschiedenem Grade trüb bis völlig un- 
durchsichtig; einige längliche, weniger trübe Körner weisen eine lichte, lamellen- 
artige Zwillingsbildung auf, andere eine mikroperthitische Zusammensetzung. Be- 
achtenswerth ist die Erscheinung, dass am Rande einiger Orthoklase unregelmässige 
feine Risse ins Innere des Krystalles eindringen, was auf einen späteren Druck oder 
eine spätere Zusammenquetschung des Gesteins um so mehr hinweist, als solche 
Körner ein unduloses Auslöschen besitzen. Ein 8 nun langer und <> nun breiter 
Orthoklas und ein zweiter kleinerer sind vollständig in kleine, grünlichweisse, unter 
dem Mikroskope äusserst helle Muscovitblättchen umgewandelt. Eine ähnliche 
Erscheinung fand Blum an den Orthoklasen des Granits aus Warm-Steinaeh im 
Fichtelgebirge: sonst weist unser Granit selbst mikroskopisch keine Spuren Mus- 
covits auf. Die grösseren Körner des ziemlich unreinen Quarzes zeigen bei starker 
Vergrösserung zahlreiche Klüssigkeits- und Gaseinschlüsse, sowie kurze Säulen und 
runde Körnchen von lichtgelber Farbe mit scharfer dunkler Umrandung, welche 
eine intensive grünliche Interferenzfärbung aufweisen und dem Zirkon angehören; 
einige undeutliche, röthliche Säulchen weisen auf Rutil hin. Die unregelmässigen, 
dunklen Biotitblättchen sind an den dünnsten Stellen gelblichbrauu, am Rande 
gehen sie infolge der Zersetzung in einen grünlichen, chloritischen Saum über: 
kleine dunkle Körnchen im Biotit weisen auf Magnetit hin. Die zersetzte, licht- 
braune Biotitmasse dringt in die Risse des Orthoklases ein. Ausserdem kommt 
zwischen grösseren Körnern des Gemenges auch eine mikrogranitische Struktur vor, 
welche gleichfalls auf einen später auf das Gestein ausgeübten Druck hinweist. 
Vergl. Figur 4 auf unserer Tafel. 

Derselbe Granit mit etwas weniger Biotit tritt in einem oberflächlichen 
Steinbruche bei dem ersten Wächterhause hinter der Station Popelin in Bänken 
auf, ferner in Blocken gleich hinter der Station Popelin links bei der Bahnstrecke. 

Auf den mittelkörnigen Biotitgranit pegmatitischen Charakters, der in 
Blöcken nordöstlich beim Klein-Bernharzer Wächterhause neben der Bahnstrecke 
hervortritt und wahrscheinlich einer den Gueiss durchsetzenden Bank angehört, 
wurde bereits hingewiesen. Südlich von dem Wächterhause Klein-Bernharz tritt in 
Blöcken äusserst feinkörniger Biotitgranit mit theilweise erblasstem Biotit hervor, 
auf den gleichfalls bereits hingewiesen wurde. 

Oberhalb des Teiches, der nordlich von der Station Jaroschau gelegen ist, 
tritt, ein Felsen mittelkörnigen Biotitgranits hervor, welcher mit dem Granite aus 

dem Steinbruche hinter Popelin identisch ist. 

Hieher gehört auch der lichtgraue Granit vom Jägerhause auf dem nörd- 
lichen Abhänge des „Kopec" östlich von Jaroschau ; derselbe ist gleichförmig mittel- 
kömig, eher feinkörnig; in dem allotriomorphen Gemenge weissen Feldspaths und 
grauen Quarzes sind einigermassen untergeordnete Biotitblättchen und kleine Gruppen 
dunkeln Biotits zerstreut; stellenweise erhält das Gestein infolge langgestreckter 
Biotitgruppen sowie einiger länglicher, feiner Quarzstreifen das Aussehen e iaes 



47 

Gneiss-Granits. Einige Blöcte besitzen auf der Oberfläche durch Verwitterung ent- 
standene Schüsselchen. 

Der Dünnschliff zeigt unter dem Mikroskope trübe Orthoklaskörner über- 
wiegend mit zerrissenem Rande, von denen einige eine Zwillingsbildung aufweisen ; die 
Orthoklaskörner schliessen vereinzelt Biotitblättchen, Quarzkörnchen und Körner 
anders orientierten Feldspaths ein; die grösseren Körner des hellen Quarzes sind 
meist aus kleineren, verschieden orientierten Körnchen zusammengesetzt und ent- 
halten kurze Apatitsäulen und mikrolithische, wahrscheinlich dem Rutil angehörige 
Nadeln; Flüssigkeitseinschlüsse sind selten: einige grössere Quarzkörner, die ein 
gleiches Auslöschen aufweisen, sind in der Mitte zerrissen. Biotit tritt nur in 
unregelmässigen, zerrissenen Blättchen von dunkelbrauner Farbe auf, meist ist je- 
doch der Biotit zersetzt, gelbbraun, grüngelb bis lichtgrün ; in letzteren Blättchen 
erscheinen zahlreiche Mikrolithe in Gestalt langer, unregelmässig vertheilter, bis- 
weilen am Ende pinselartig sich erweitender oder in Bündeln strahlförmig auslau- 
fender Nadeln, die ohne Zweifel dem Rutil angehören. Da diese Nadeln sich bei 
genauer Messung unter einem Winkel von 58° 40' und 121° 20' kreuzen, könnten 
sie nach Cathreins*) Ansicht primären Ursprungs sein, für welchen dieser Gelehrte 
die Winkel 30°, 60° oder ihre Vielfachen angibt; für diese Ansicht möchte auch ihre 
Anwesenheit im Quarze zeugen : doch erscheinen diese angeführten Mikrolithe nicht 
in den reinen Biotitblättchen, ja nicht einmal in Lamellen mit beginnender Zer- 
setzimg, nämlich in den gelblichbraunen Blättchen; infolge dieses bedeutsamen Urn- 
standes, halte ich sie für secundären Ursprungs und glaube in Übereinstimmung mit 
W. Solomon **), dass sie bei der Zersetzung des Biotits aus dem Titangehalte und 
vielleicht auch aus der Zersetzung des Eisenerzes entstanden sind, dessen in den 
Biotitblättchen vertheilte Körner auch in unserem Gesteine vorhanden sind. 

Weiter gegen Nordost vom Jägerhause auf dem „Kopec" erscheint gewöhn- 
licher, lichtgrauer, feinkörniger Biotitgranit, welcher am „Kopec" in der Nähe des 
Gneisses in den oben beschriebenen biotitischen Gneissgranit zu übergehen scheint. 

Derselbe Biotitgranit mittleren bis kleinen Korns erscheint in einem Stein- 
bruche über dem letzten Hause bei Heinrichsschlag': er besteht aus Feldspath, 
Quarz und zahlreichem graubraunen Biotit mit nur vereinzelten, etwas grösseren 
Orthoklaskörnern. Derselbe Granit ist um Vilimec in Mähren westlich von Pocätek, 
sowie in einer grossen Menge von Blöcken im Walde bei Katharinenbad verbreitet. 

Ein grobkörnigerer, mit dem von Popelin beschriebenen übereinstimmender 
Granit tritt in einem Aufschlüsse bei Köpferschlag (Hospfiz) und bei Böhmisch- 
Voleschna neben der nach Tremles führenden Strasse in Blöcken, desgleichen bei 
Kruplov und Riedweis auf. Ein ähnlicher, grobkörnigerer Granit mit etwas unter- 
geordneterem Biotit ist in Blöcken südlich von der Bahnstation Jaroschau verbreitet; 
beim Hanauer Teiche nordwestlich von Jaroschau kommt ein ähnlicher Biotitgranit 
vor wie um Köpferschlag, Vilimec u. s. w. 

Ein etwas feinkörnigerer, wenig Biotit enthaltender, mit dem Gesteine hinter 
Popelin übereinstimmender Granit ist nördlich hinter Svoboda's Mühle bei Neuhaus 



*) Neues Jahrb. f. Mineralogie 1888, II. 151. 
**) Zeitscb. der geolog. Ges. XLII., 1890, 540. 



48 

und nordwestlich von Unter-Gri schau ausgebreitet; in einem grösseren Bruche tritt 
er hier im Walde in 3—4 m starken Bänken auf. 

Mit dem Granit hinter Popelin stimmt der etwas feinkörnigere Biotitgranit 
von Lovetin überein; auch hier erreichen einige glänzende Orthoklassäulen mit 
Zwillingsbildung eine Länge von 8 mm. Stellenweise enthält hier der Granit ■> bii 
Wem grosse dunkle Knollen äusserst foiukörnigen Gneisses mit überwiegendem 
Biotit. Dieser äusserst feste Granit wird zu Säulen für Bauten gebrochen. 

Alle im vorhergehenden angeführten und beschriebenen Granite lassen sich 
als „lichtgrauer Biotitgranit" bezeichnen, der gleichförmig grob-, mittel- bis feinkör- 

nig ist, und aus Orthoklas, stellenweise Mikroperthit, Quarz und dunklem Biotit zu- 
sammengesetzt ist. Dieser Granit herrscht im beschriebenen und auf unserer Karte 
verzeichneten Gebiete vor; mit ihm stimmt mehr oder weniger, ausserhalb unserer 
Karte, der grobkörnigere Biotitgranit von Leinbaum und Burgstall überein ; in der 
weiteren Umgebung unseres Gebietes überwiegt jedoch Zweiglimmer-Granit. 

Ein gleichkörniger, allotriomorpher, grauer, klein- bis feinkörniger Biotit- 
granit tritt in einem früher bereits angeführten Felsen östlich von Riedweis im 
Liegenden in 1 — 1/5 m starken, beinahe vertical stehenden Bänken zu Taue; der- 
selbe besteht aus unregelmässigen Feldspathkörnero (5 mm lange Orthoklassäulen 

sind selten), aus grauem Quarz und aus feinen Lamellen oder kleinen Gruppen 
dunkelbraunen Biotits (grössere Gruppen sind vereinzelt). 

Der Dünnschliff zeigt unter dem Mikroskope: fast überwiegenden Quarz, 
dessen grössere Körner meist entweder aus kleinen zusammengesetzt oder sonst 
ziemlich verunreinigt sind, und neben Apatitkrystallen zahlreichen Flüssigkoits- und 
Gaseinschlüsse, sowie feine, wahrscheinlich dem Rutil angehörige Säulchen ent- 
halten: die Orthoklaskölner sind vollständig oder grösstenteils trüb und weisen 
Risse, einige längliche Körner auch eine mikroperthitische Zusammensetzung auf; 
der Biotit ist am Rande sehr zerrissen und hat eine gelblichbraune bis dunkel- 
braune Farbe: manche ins Grüne zersetzte Blättchen weisen /ahlreiche dunkle 
Erzkörner auf. Dieser Granit gehört ohne Zweifel einem mächtigen Gange an. 

Derselbe graue, beinahe feinkörnige Granit tritt westlich von hier neben 
der aus Neuhaus nach Jaroschau führenden Strasse nordöstlich vom Maler gleich 
rechts hinter dem Teiche in einem offenen kleinen Bruche in 1—2 m starken, 
von NNW nach SSO streichenden und um etwa 45° gegen ONO einfallenden 
Hauken hervor; er kommt feiner weiter westlich von hier beim Wege gegen Ober 
Grischau, sowie auf der nördlich von diesem Orte gelegenen Anhöhe zum Vor- 
schein. Fs scheint demnach, dass hier eine ziemlich breite Zone feinkörnigen 
Biotitgranits, welcher vielleicht einem mächtigen Gange angehölt, von Cöte 497 
in östlicher Richtung über Riedweis streicht. Es ist dies um so wahrscheinlicher, 
als ein etwa 5 m mächtiger offenbarer Gang klein- bis feinkörnigen Biotitgranits, 
ilesseu wir bei Stein-Moliken erwähnten, mit diesem Granite in Bezii"- auf seine 
Zusammensetzung übereinstimmt. In der Nähe des Contactes mit dem (iueisse 
wird der Granit am letzten Orte aplitisch, weil in seinem feinkörnigen Gemenge 
weissen Feldsp ths und lichtgrauen Quarzes der dunkelbraune Biotit sehr unter- 
geordnet auftritt. 



49 

Ein ähnlicher feinkörniger Biofitgranit wie bei Riedweis, nur etwas weniger 
Biotit führend, ist in Blöcken östlich knapp bei Vöelnic neben der Hütte an der 
der Strasse vertreten. 

Da der kleinkörnige Biotitgranit, der südlich von Gross-Bernharz in Blöcken 
auftritt, inbezug auf seine Zusammensetzung mit dem eben beschriebenen Granite 
von Riedweis übereinstimmt, dürfte derselbe wahrscheinlich auch einem mächtigen 
Gange angehören. 

Ein lichtgrauer kleinkörniger Biotitgranit ist auch nördlich von Neuhaus 
rechts hinter der Eisenbahnbrücke am rechten Ufer der Nezärka unter känozoi- 
schen Schichten in einem Steinbruche in 05 - 1 m mächtigen, um etwa 40° gegen 
OSO einfallenden Bänken gelagert; derselbe besteht aus unregelmässigen Körnern 
weissen Feldspaths, grauen Quarzes und aus untergeordnetem dunkelbraunen Biotit; 
auf einer der Ablösungsflächen weist er grössere Quarzkörner und pegmatitisch aus- 
geschiedene, bis 2 cm lange, schmale Lamellen, sowie sechseckige Tafeln dunkel- 
braunen Biotits auf. 

Ein ähnlicher feinkörniger Biotitgranit granulitischen Aussehens mit blossen 
Spuren zersetzten, grauen, unter dem Mikroskope fast farblosen Biotits tritt bei 
dem Pulvermagazin östlich von Neuhaus beim Wege nach Ottenschlag hervor. 

Amphibol- Granit wurde im Jahre 1^95 auf dem Hauptplatze von Neuhaus 
beim Graben eines Schachtes für einen Brunnen aufgebrochen. Das dunkelgraue 
Gestein, welches angefeuchtet einen grünlichen Stich erhält und schon dadurch 
auf die Anwesenheit des Amphibols hinweist, ruht gleich unter der oberen Schutt- 
lage; in einer Tiefe von 21 m erzielte man Quellwasser in demselben, welches im 
Monate September des Jahres 1897. wie mir Herr T T Rezek aus Neuhaus zuvor- 
kommend nach seinen Messungen mittheilte, eine Temperatur von 10 - 6° C. hatte, 
während das Wasser im alten Schlossbrunnen, der im Gneisse in eine Tiefe von 
30 - ö m reicht, zu gleicher Zeit 7 - X°C. zeigte. Dieser AmphibolgranH gehört offenbar 
einem mächtigen Gange an, dessen Richtung sich allerdings bei dem beschränkten 
Aufschlüsse nicht bestimmen Hess ; doch scheint es. dass sich derselbe gegen Unter- 
Grischau hinzieht; ohne Zweifel strömt längs seiner Wand Quellwasser, das in der 
angeführten Tiefe erreicht wurde. Das Gestein ist f< inkörnig und besteht aus 
einem Gemenge allotriomorphen r eldspaths, Quarzes und etwas untergeordneteren, 
dunkelgrauen Amphibols. 

Im grau gefärbten Dünnschliffe treten namentlich weisse Körner zersetzten, 
weissen Feldspaths hervor. Unter dem Mikroskope zeigt er vollständig trübe Orthoklas- 
körner, vereinzelt mit mikroperthitischer Zusammensetzung und in Orthoklas hie 
und da eingeschlossene Quarzkörnchen : die hellen Quarzkörner zeigen eine bunte, 
körnige Färbung und enthalten nur wenig Einschlüsse ; die unregelmässigen Körner 
und Lamellen des Amphibols siud dunkelgrünlich bis ganz dunkel; dunkle, unregel- 
mässige Streifen zersetzten Amphibols umschliessen adernähnlich stellenweise die 
Feldspathkörner; accessorisch erscheinen seltene Spuren einer auf Biotit hinwei- 
senden Zersetzung. Vergl. Fig. 5 auf der Tafel. 

Dasselbe feinkörnige Gestein, nur stark verwittert und demnach von gelb- 
lichgrauer Farbe, tritt im Steinbruche hart bei Unter-Grischau am rechten Ufer der 
Nezärka auf; der Dünnschliff zeigt unter dem Mikroskope dieselben Bestandteile 

i 



50 

in derse'ben Vertheilung, nur dass die Orthoklase ausnahmslos kaolinisiert sind; 
accessorisch treten hier auch spärliche, vereinzelte, reine Biotitblättchen ;>uf, unter 
dem Mikroskope von dunkel-rothbrauner Farbe. Das Gestein zerfällt hier in mäch- 
tige Bänke, deren vorherrschendes Streifen von NNO nach SSW mit einem Ein- 
fallen unter etwa 15° gegen OSO gerichtet ist. Da der Neuhauser Gang in süd- 
südwestlicber Richtung von hier gelegen ist, muss ein mächtiger Amphibolgranit- 
Gang, welcher den normalen Biotitgranit von Neuhaus und Unter-Grischau in der 
augeführten Richtung durchsetzt, vorausgesetzt werden. 

Amphibolgranit kommt auch rechts im Walde hei Hadravovä Rosicka 
neben dem lichten, feinkörnigen, hier in Säulen zu Rauten gebrochenen Biotit- 
granit zum Vorsclieiu. Dieser Amphibolgranit enthält neben weissem Feldspatb 
und sehr untergeordnetem Quarz eine grosse Menge dunkelgrünlichen Amphibols 
in verschiedenen Stadien der Zersetzung so zahlreich, dass das Gestein einen 
syenitischen Habitus erlangt. 

In der Urogebuug von Wenkerschlag ist in Blöcken ein lichtgrauer, mittel- 
köruiger Biotitgranit verbreitet; in der Mitte des Dorfes tritt ein Felsen hervor, 
welcher lichten, feinkörnigen, aplitischen Granit enthält, der aus einem Gemenge 
unregelmässiger Feldspatb- und Quarzkörner besteht, in welche untergeordnet 
feine Körner zersetzten, braunen Grauats eingestreut sind. Derselbe gehört ohne 
Zweifel einer den mittelkörnigen Biotitgranit durchsetzenden Ader an. 

Dunkelgrauer, mittel- bis klein-körniger, biotitischer Porphyrgranit. Auf 
eine andere Beschaffenheit weist ein ohne Zweifel einer Ader angehöriger Granit hin. 
welcher in Blöcken um Kirchen-Radaun hervortritt. Während nördlich von Wen- 
kerschlag beim „deutschen Berge" lichter Biotitgranit verbreitet ist, zieht sich 
eine Reihe von Granitblöcken vom Wege hart vor Kirchen-Radaun in westlicher 
Richtung gegen das Dorf hin. Auf der Oberfläche einiger solcher Rlöcke befinden 
sich durch Verwitterung entstandene, längliche, grössere und kleinere Schüsseln, 
wie wir solche am Vysoky kämen (Markelstein) und bei Landstein gefunden haben. 
Der Granit dieser Blöcke, deren in die Länge gezogene Vertheilung auf einen 
Gang hinweist, stimmt mit dem dunklen Porphyrgranit aus Kirchen-Radaun über- 
ein ; hier sind übrigens auch mächtige Blöcke eines lichten Granits verbreitet ; 
unterhalb der Kirche ruhen einige Porphyrgranitblöcke und beim Bache eine 
Menge ausgegrabener Blöcke desselben letzten Gesteins. 

Dieser hypidiomorphe Granit besteht aus weissein bis urauweisseni Feld- 
spatb, aus dunkelgrauem Quarz und äusserst zahlreichem, dunkelbraunen Biotit. 
der meist in Gruppen zerstreut ist; grössere, porphyrartig ausgeschiedene Feld- 
spath säulen erreichen eine Länge von 1— 2 cm, vereinzelt werden sie 3 c/« lang 
und 1*3 cm breit; sowohl die grösseren als auch die kleineren von ihnen schliessen 
zahlreiche, schon mit blossem Auge wahrnehmbare, dunkle Biotitblättchen ein; hie 
und da sind ans der Masse auch grössere, längliche Körner weissen Quarzes und 
grössere Biotitgruppen ausgeschieden. Dieses Gestein erinnert seinem Aussehen 
nach einigenuassen an den Forphyrgranit aus dem Böhmerwalde nur dass es 
weniger ausgeschiedene Feldspathkrystalle und keinen Amphibol enthält. 

Der Dünnschliff des Gesteins erweist sich unter dein Mikroskope fol- 
gendennassen: Der Orthoklas ist ineist trüb und in unregelmässigen Körnern 



51 

häufig zersprungen; die länglichen Körner weisen stellenweise eine Zwillingsbil- 
dung, die grösseren auch mikroperthitische Zusammensetzung auf; alle schliessen 
Biotitblättchen und Quarzkörnchen ein; der untergeordnete Plagioklas tritt in 
kleineren Körnern auf und ist meist rein: die Quarzkörner sind hell, gleichfarbig, 
und enthalten wenig Gas- und Flüssigkeitseinschlüsse mit Libellen, wie dies bei 
den Porphyrgraniten zu sein pflegt; stellenweise treten bei starker Vergrösserung 
bündelartig auseinanderlaufende Gruppen langer und dünner, rhombischer, am 
Ende abgerundeter Prismen auf, welche wahrscheinlich dem Andalusit angehören ; 
zwischen dieselben sind Quarzkörnchen eingestreut; die unregelmässigen und zer- 
rissenen Biotitblättchen sind rothbraun (auf dem Querschnitte dunkelgrau), einige 
besitzen einen theilweisen Krystallrand, andere infolge der Zersetzung eine licht- 
grüne Farbe; an den Biotit schliessen sieb hie und da Magnetitgruppen an; kurze 
Apatitkrystalle sind namentlich im Felds path nicht selten. Die grösseren Quarz- 
körner sind von unregelmässigen Rissen durchzogen, ihre einzelnen Theile weisen 
jedoch ein gleiches Auslöschen auf; andere enthalten Gruppen kleinerer, verschie- 
den orientierter Körnchen; auch einige grössere Feldspathe besitzen Risse am 
Rande: dies alles spricht für eine Kataklase. Vergl. Fig. 6. auf der Tafel. 

Derselbe Porphyrgranit tritt längs des Weges nach Scheiben -Radaun beim 
Kreuze in Blöcken auf, ferner südöstlich von hier am Wege nordwestlich von der 
Cote 532 zwischen Blöcken lichten Granits, welches Vorkommen gleichfalls auf 
einen Gang hinweist. Die Richtung dieser Gänge Hess sich nicht bestimmen, doch 
scheinen dieselben, nach der Verbreitung der Blöcke zu schliessen, von SO nach 
NW zu streichen. 

Ein seinem Aussehem und seiner Zusammensetzung nach ähnlicher biotiti- 
scher Porphyr granit ist am Rande des lichten Granits zwischen Teichen östlich 
von Muttaschlag und südlich von Deutsch-Voleüna im Walde neben dem Wege 
in Blöcken verbreitet, nur sind seine ausgeschiedenen Feldspathkrystalle etwas kleiner. 

Südlich von Neubaus tritt in einem kleinen Steinbruche oberhalb der Um- 
biegung des linken Ufers der Nezärka gegenüber von Rudolfov ein interessanter 
Granit zu Tage. Dieses lichtgraue Gestein ist feinkörnig und besteht aus einem 
gleichkörnigen Gemenge unregelmässiger Körner zersetzten, weissen Feldspaths und 
grauen Quarzes; auf den Ablösungsflächen, sowie auch im Inneren des Gesteines 
erscheinen vereinzelt kleine, rothbraun gefärbte Grübchen, in welchen Granat ge- 
wesen sein dürfte, der sich übrigens in einigen kleinen Körnchen erhalten hat. 
Das Gestein besitzt demnach, besonders in Handstücken, granulitischen Habitus; 
doch weist die etwa 3 m hohe offene Wand eine massige Lagerung wie ein Granit 
und keine Schichten auf; sie zerfällt in einige unregelmässige, auf der einen Seite 
schwächere, auf der anderen mächtigere Bänke, die im Innern eine schalige Ab- 
sonderung zeigen; das Gestein ist demnach eruptiven Ursprungs. Dieser Granit 
gehört ohne Zweifel einem Muscovitgranit an, in dem sich stellenweise der Mu- 
skovit verliert; dafür spricht nicht nur die grosse Menge von Quarz, sondern auch 
die Anwesenheit des Granats; das Gestein dürfte einem mächtigen Gange angehören, 
wie dies gewöhnlich beim Muscovitgranit zu sein pflegt, könnte jedoch auch einer 
kleinern in den grobkörnigeren, benachbarten Granit eingelagerten Concretion ent- 



52 

sprechen, wie es zum Beispiel bei Zehren unweit von Meissen der Fall ist.*) Diese 
Ansicht wird durch den Umstand unterstützt, dnss in einem Steinbruche an der 
Bahnstrecke bei Gross-Rammerschlag (Ratmtrov velky) nordwestlich von Neuhaus 
dasselbe Gestein vorkommt, das jedoch im Feldspath- und Quarzgemenge that- 
sächlich auch Muscovit führt. 

Känozoische Formation. 

Die känozoischen (tertiären) Ablagerungen des Budweis- Wittingauer Beckens 
werden einem umfangreichen miocenen SüsswasserSee zugeschrieben. Die tieferen 
Ablagerungen dieser Formation sind in beiden diesen Theilen des Beckens im 
Bildweiser sowie im Wittingauer, die oberen jedoch nur im Budweiser Gebiete 
entwickelt. In diesem erreichen die Nengenschichten eine ziemlich bedeutende 
Mächtigkeit. In Böhm. -Budweis wurde behufs Gewinnung von Wasser bei der 
städt. Bierbrauerei ein Brunnenloch in eine Tiefe von 114'5 m abgeteuft, ohne 
dass das Liegende der Formation erreicht wurde **) 

Allgemein ruht hier in tieferen Lagen Sand, der stellenweise zu Sandstein 
verfestigt ist, mit Zwischenlauen von Thon ; darauf folgt verschiedenfarbiger und 
bunter Thon mit Zwischenlagen von Sand. Dieses Schichtensystem gehört dem 
unteren Theile des hiesigen Miocen an; die oberen Glieder, welche aus Sand- und 
Thonschichten mit Flötzen von Braunkohle (Lignit) bestehen, sind namentlich am 
westlichen und nördlichen Rande des Budweiser Beckens verbreitet, während sie 
im Wittingauer Becken fehlen. Beide Gruppen sind gewöhnlich von einer mäch- 
tigen Schichte groben, von Sand oder Lehm durchsetzten Schotters bedeckt. Ob- 
wohl das Alter dieses Schotters stellenweise offenbar ein diluviales ist. läset sich 
dasselbe meist mit Bestimmtheit nicht festsetzen: häufig ist nämlich die Schotter- 
schichte känozoischen, ihre Oberfläche jedoch diluvialen Alters ohne deutliche 
Abtrennung. 

Die Erstreckung des Wittingauer känozoischen Beckens nach Osten wird 
gewöhnlich bis Neuhaus angegeben, doch reichen seine Ausläufer bis zur böhmisch- 
mährischen Grenze und über dieselbe hinaus. 

Im Gebiete unserer Karte treffen wir die ziemlich umfangreiche känozo- 
ische Formation gleich bei Neuhaus an; leider gibt es auch hier nur wenige und 
nur oberflächliche Aufschlüsse. Während der im Liegenden ruhende Sand des 
Budweiser Beckens gewöhnlich grobkörnig ist. treffen wir hier mehr auf klein- bis 
feinkörnigen Sand, wie wir ilTn schon aus der Umgebung von Vesell kennen lernten. 

In der Umgebung von Neuhaus ist Sand. Thon und namentlich sandiger 
Schotter verbreitet. Geich im Norden, rechts hinter der Eisenbahiibrücke, ruhen 
am rechten Ufer der Nezärka in einer Grube über Granitbänken beinahe wagrechte, 
känozoische Schichten, die im Ganzen über i> /// stark sind; der graue und gelb- 
liche Sand im Liegenden enthält einige Geschiebe, darüber folgt reiner Sand und 



Vergl. Zirkel: Lehrb der Petrngraphie IT. pag. tu. 
'i Vergleiche meine AI handlang: „Pnspevek kn seznäui Budejovicke pänvc permskd 
a tfetihornf." Kr. spoleö. näuk, 1893. 



53 

über diesem ruht eine Schotterschichte mit geglätteten, abgerundeten Quarzge- 
schieben und gelblichbraunem Sand, darauf folgt eine schwache Schichte Acker- 
erde. Gegenüber diesem Aufschlüsse ist bei der Hütte bis in einer Tiefe von Vbm 
äusserst feiner, graugelber Sand aufgedeckt, der jenem von Veseli beinahe gleich- 
kommt, nur dass er noch feinkörniger ist; seine Körner erreichen einen Durch- 
messer bis 5 mm, während Körner im Durchmesser von 4 mm selten sind; er 
besteht gleichfalls aus abgerundeten, durchsichtigen und gelblichen Quarzkörnern 
mit untergeordneten, dunklen Körnchen, die auch aus Quarz bestehen, zu welchem 
sich Theilchen dunklen, zersetzten Biotits anschmiegen; untergeordnet treten Mus- 
covitblättchen auf. Über diesem Sande ruht grauer, Gerolle (Schotter) enthaltender, 
5 m mächtiger, thoniger Sand, worauf eine 03 — 0'4 m mächtige Schichte grauen, 
sandigen, diluvialen Lehms folgt, der nur wenig Gerolle enthält, und über diesem 
eine schwache Schichte Ackererde. 

Von hier ziehen sich die känozoischen Schichten längs des hohen rechten 
Abhanges der Nezärka in östlicher Richtung bis zum Malerhause hin; vor diesem ist 
auf einem Ausläufer des Abhanges im Liegenden Sand gelagert und über ihm eine 
mächtige Schichte sandigen Schotters, dessen Geschiebe namentlich aus weissem, 
gelblichen und röthlichen Quarz, untergeordnet aus hartem Granit uud dunklen, 
harten Gneissconcretionen bestehen. 

Auf der Oberfläche dieser Schichte erscheinen vereinzelt Kantengeschiebe 
aus Quarz, unter denen namentlich ein einseitiges Kantengeschiebe mit drei ge- 
glätteten Flächen bemerkenswert ist. Die Geschiebe der Oberfläche dieses känozo- 
ischen Schotters wurden hier zur Steppenzeit der diluvialen Ära durch von Win. 
den gepeitschten Sand geglättet, ähnlich wie anderwo in Böhmen *) und ausserhalb 
unseres Landes. 

Nordöstlich von der früher genannten Brücke erscheinen beim „Fisch- 
meister" oberhalb des Gebäudes gleichfalls Kantengeschiebe auf der Oberfläche 
des Schotters, unter denen namentlich ein doppelseitiges Musterstück eines Drei- 
hanters hervorragt. Ähnliche Kantengeschiebe kommen auch weiter nordwärts im 
Schotter bei der Holzmühle vor. 

Die nördlich gelegenen Häuser von Neuhaus ruhen auf känozoischem Sand 
der sich an beiden Ufern der Nezärka ausbreitet und sich dann im Thale des 




— / 



Fig. 20. Durchschnitt der inioeenen Schichten in der Probst-Ziegelei 
nordöstlich von Neuhaus. 

1 grauer, heller Thon, 2 lehmiger Sand, 3 sandiger Schotter. 



*) Vergl. ineine Abhandlung: „Nektere' geologicke zjevy aerodynamicke' v okoli Prazsköm.' 
Vest. kräl. spolec. näuk. Praha i 895. 



54 

Flusses bis zum Malerhause hinzieht; nordwestlich vou diesem ist Schotter weit 
verbreitet. 

In der Probst-Ziegelei, nordöstlich von Neubaus, ruht im Liegenden grauer, 
fetter, 2—3 m mächtiger Tbou, über ibm lehmiger, 2 m mächtiger Saud, und im 
Hangen