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Full text of "Archiv für klinische Chirurgie"

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ARCHIV 



FÜB 



KLINISCHE CHIRURGIE. 



HERAUSGBGBBEN 



▼OH 



Db. B. von langenbeck, 

q^l^ OI>«^ Ifs^lleinaMUth vBd ProfeMor d«r Cblrnrgle, DtrMtor dM ehinv|toe^ 
ophtlftalnMl«gtteh«B Kllalkuu d«r UttWtriiat «te. «te. 



REDIGIRT 



D«. BILLROTH, und Jh. GÜRLT, 

«M* ClUrarste IB Wira. Prof. d«r CUrwgl« in BwUa. 



NEUNTER BAND. 

Mit 6 TftfelB ▲bbUdvngto and 1 HolMchnitt. 



BERLIN, 1868. 
VK R I^AG VpK A,IJGiJj8T ELI.RS^CdFI.WrALD. 



ÜBiM des Uaden No^ «6. 



ARCHIV 



FÜB 



mmSCHE CHIRURGIE. 



HERAUSGEGEBEN 



▼OK 



D«. B. TOH LANGENBECK, 

G«h. Ob«r lledleliMMUUi nnd Prof«t«or der Cbirargle, Diraetor dM ehinirglaeli- 
ophÜiAlBologttehM Kllnlknmt der UaiTeriiat eto. eto. 



REDIGIRT 



D». BILLROTH, und Du. GÜRLT, 

Prof. der Chirurgie ta Wien. Prof. der Chirurgie in Berlin. 



NEUNTER BAND. 

Mit 6 Tafeln AbbUdnngen oiid 1 HoUschnitt. 



BERLIN, 1868. 
VERLAG; V^5J,A,ÜGIJ,8T ELLRSCJtH.WrALD. 



Unter den Uaden Ko« 68. 



Inhalt 

8«lte 

1. Bearooele. Von Dr G. W. F. Uhde. (Hienn Tat !•) . • 1 
H« Zur Kritik nnd CftsniBtik der sogenannten Chopar fachen 

RiLSkTticiilation. Von H. Fremmert 21 

HL BeobmclitaiigB-Stadien Aber Wnndfieber nnd aceidentelle Wnnd- 
krmnlLbeiten. Von Dr. Th. Billroth. (Dritte Abhandlang. 

Scblasa.) 52 

IV . Deber gevaltsame Streckung von Contractnren, insbesondere 
des KniegelenkeB. Von Prot Hermann Meyer. (Biersa 

Taf. II. Fig. 1-6.) 169 

V. BeitriLge znr Resection des Kniegelenkes. Von Dr. König. 

(Hiemi Tafel U. Fig. 7-11.) 177 

TL. Mittheilangen ans der chimrgiachen Casnistik und kleinere 
Hittbeilnngen. 

1. Ein Fall von Dnterkiefergeschwnlst, bedingt durch De« 
generation eines Zahnsackes. V6n Prof. £. Neu mann« 
(Hieno Taf. II. Fig. 12. 13.) 221 

2. Zar operativen Behandlang der narbigen Kieferklemme. 

Von Dr. G. Jäsche 226 

3. Ein Fall von halbseitiger Gesichtsatrophie, in Folge 
▼on Verbrennung. Mittheilnng ans der Bonner chimr- 
gischen Klinik. Von Dr. Hering. (Hierzu Taf. III) 280 

4. Zwei Fälle von Ovariotomie mit glücklichem Ausgange. 
Von Dr. SklifosBoffsky 284 

5. Zcfr Ovariotomie. Von Dr. Dan sei 244 

6. Ein günstiger Fall von Haffcaaslöaiing bei eiteriger Pe- 
riostitis und Osteomjelitis des Schenkelbeines. Von 

• Dr. P. Pelechin 260 

VIL Zur Ligatur der Arteria Carotis comniunis, nebst einer Sta- 
tistik dieser Operation. Von Dr. C. Pü* 267 

1. Lif^ator bei Blotungen 260 

2. Ligator bei Aneurysmen ^^ 

3. Ligatur bei Tamoreu ^26 

4. Ligatar vor und bei der Exstirpation von Geschwttlsten. 368 

6. Ligatar wegen Nervenkrankheiten 872 

6. Ligatar nach Brasdor - Wardrop. • • 8*'® 

YUI. Beiträge zur Resection des Kniegelenkes. (Fortsetzung zu 

Seite 220.) Von Dr. König. ....••••.•. *4<^ 
IX. Deber Herniotomie ohne Eröffnung des Bruchsackes. Von 

Dr. Doutrelepont - • ; ' ' * ' 

X Oeber die durch Verwachsung entstandenen LaryM- Steno- 
sen nnd^ihre operative Beseitigung- (Hierzu Tafel IV. 
Fig. 1-3.) Von Dr. J. M. RoBsbach- . - *»^ 

1970 



II. 



i 



XL Mittbeibnßen ans der chirurgischen Gasnistik nnd kleinere 
Mjtibeilungen. 

1. Ein neues Lithotom, welches von der Steinsonde 
oicbt abgleiten kann. (Zapfensteinmesser.) (Hierzu 
Tjif, IV. Fig. 4-7) Von Dr. Max. LeudesdorC. Ö07 

2. Strirtnr des Mastdarmes mit Mastdarm - Scheiden- 
Fistel. - Excitfion des unterenr Mastdarmeodes. ~ 
Zweire Strictur am oberen Mastdarmeode — ver- 
gebliche Erweiterungsversuche. — Drohender Ileus. — 
Bildung eines Anus artificialis. — Heilung. Von Dr. 

J. Ä. Gläser 509 

3. IftoUrte Luxation des Astragalns. Von Dr. Fr. G. 
LaDgguth 523 

4. V4.^n4ftrirende Bauchwande — Vorfall des Pancreas. — 
Abtragung desselben. - Heilung. Von Dr. Bern- 
hard G. Kleberg 523 

b* Eistirpation beider Ovarien, mit einem kurzen Be- 
rit bte Ober die Geschichte der Ovariotomie in Russ- 
knd. (Hierzu Taf. V) Von Dr. J. Maslowsky. . 527 

6 ?m domo. Von Dr. Danzel 541 

XIL Carl Otto Weber, Nekrolog. Von Dr. Th. Billroth. 545 

Xlir NÄchruf. 569 

XiV, Die Wunden des Herzens nnd des Herzbeutels. Von Dr. 

Georg Fischer 671 

Caauiatik 800 

flacht rag zu den Beobachtungen an Thieren S95 

Literatur .- 906 

K am e f) - Register fQr die Gasuistik der Verletzungen bei 

Menschen 908 

XV. Zar Re^f^aeration der Knochen nach snbperiostaler Gelenks- 

Rt^eectioD. (Hierzu Tafel VL) Von Dr. Doatrelepont. . 911 
XVL Eid Beitrag snr organischen Plastik behufs Heilung von Dn- 

terechenkelgeschwfiren. Von Dr. R. Schneider. . . . 919 
XVII. Natizen aus der Praxis der chirurgischen Poliklinik. (Mit 

1 Abbildung in Holzschnitt) Von Prof.. Dr. C. Hneter. . 926 

1* Zur Extraction fremder Körper 926 

% Zur Lehre von den Luxationen 933 

3. Ceber eine neue Methode zur Fixirung der Extremi- 

tlten bei Anlegung der Gontentivverbäude. ... 954 
XVni. Mittheiluugen aus der chirurgischen Gasuistik nnd kleinere 
Mittbeiluugen. 

Fall von Arterienunterbindung bei Elephantiasis. (Vor- 
läufige Mittheilung.) Von Professor Dr. G. Hueter. 967 
XIX. Julius V. Szymanowskj. Nekrolog. Von Professor Dr. 

A. Walther 970 

I « 

Gedruckt bei JoUua Sittenfeld in Berlin. 



I. 
Hedrocele. 



Von 

Dr. C. ir. F. IJfeide 

ra Branaaeliwtls. 

(Hierzu Tafel I.) 



Mastdarmbruch, Hedrocele (*?} ed^a der Hintere, das 
Gesftss), Archocele {6 d^oq der Vorderste, Hinterste, 
After), Fettdarmbrach, AfterdarmbraclL, Brach am 
GesäsB, Gesässbrach, Hernia intestini recti, H. recti 
H. rectalis, H. in recto. 

Die ersten Bezeichnungen sind von Schreger nach dem gleich- 
kommeoden Verhältnisse des Mutterscheidenbruches gewählt. 

Seiler' s Meinung (Rust's.theor.-pr. Handb. d. Ghir. B. 8. 
S. 608.)9 dass der in den Philosoph. Transactions. V. 49., P. 238. 
XXVII. ^on J. Nedham mitgetheilte Krankheitsfall einen Mast- 
darmbruch andeute, mnss wegen des ümstandes, dass die bei 
John, dem 13jährigen Sohn des Tagelöhners Lancelot Watts, 
vorgelagerte Darmpartie ?on einer Wand des Mastdannrohres nicht 
umhüllt gewesen ist, vielmehr dahin ausgelegt werden, dass der 
durch die Operation und Genesung merkwürdige Erankheitszu- 
stand des Knaben in nichts Anderem, als in einem Eingeweide- 
vorfalle durch eine Oeffnung in der Wand des Rectum bestan- 
den habe. Eben so wenig ist es für zntreflfend zu halten, den 

^. l^iKB«««!'««^« ^^^^ '• Clünirgte. IX. 1 



2 Dr. ühde, 

von Brodie (London Med. and Phys. Journal 1827) beschrie- 
benen Vorfall aus dem After mit dem Namen Hemia zu bezeich- 
nen, weil das 2 yards lange Stück Dünndarm nebst dem eat- 
sprechenden Mesenterium durch einen Querriss im vorderen Tbeile 
des Mastdarmes hervorgefallen war. . 

Dahingegen ist dem Dresdener Arzte beizustimmen, wenn 
er von Portal behauptet, dass dieser (Precis de Chir. prat 
IL P. Paris 1768. 8. part. ffl. c. III. p. 661) jenen Bruch in 
den Worten: „Les intestina ont tant de facilit^ k glisser et ä se 
deplacer, qu'on a vu sortir un sac herniaire par Tanus^ aofahrt 
Wenn auch aus Port aTs Angabe nicht klar ersichtlich ist, welche 
Art des Mastdarmbruches er zu schildern die Absicht gehabt hat, 
so ist nichts desto weniger dessen richtiges Verständniss tod 
dem fraglichen Bruche desshalb nicht anzuzweifeln, weil er in 
demselben Werke (c. XI. pag. 668, 669) den Vorfall von dem 
Bruche ausdrücklich und in der heute noch gebräuchlichen Be- 
deutung unterscheidet. 

Schreger war der erste Chirurg, welcher den Mastdarm- 
bruch diagnosirt und in classischer Weise in seinen „Chirurgische 
Versuche« B. 2. Nürnberg 1818, S. 186 — 208 beschrieben hat 

In der pathologisch- anatomischen Sammlung des h. Celle- 
gium anatomico-chirurgicum zu Braunschweig findet sich unter 
Nr. 5. des von mir aufgestellten Catalogs (Braunsch. 1854 S. 24) 
aus dem Jahre 1821 ein von Pockels aufbewahrtes Präparat 
mit Mastdarmbruch, wo ein zwischen die vorgefallenen Mast- 
darmhäute vorgelagertes Ovarium den Bruch bildet. 

Herr Geheimer Rath vonBrunn in Köthen hat in Ca sp er ^s 
Wochenschrift f. d. ges. Heilkunde. Jahrg. 1833, B. 2. Nr. 40. 
S. 934 einen Fall von Mastdarmbruch veröffentlicht. 

Herr Ober-Medicinalrath Baum hat die Güte gehabt, mir 
über den Mastdarmbruch, welcher von ihm etwa 1835 in Danzig 
beobachtet ist, briefliche Mittheilung zu ertheilen. 

Dieffenbach redet in seinem Werke „Operative Chirurgie** 
B. 2. Leipzig 1848. S. 631 von mehreren Fällen des Mastdarm* 
bruches, die ihm vorgekommen sind. 



Hedrocele. 3 

Mir hat sich ein solcher Brach im Jahre 1859 zur Beob- 
achtung gestellt. 

Ans dieser historischen Skizze wird ersichtlich, dass der 
Hastdarmbrach nicht nur vor Schreger, sondern auch noch zur 
Zeit sehr selten beobachtet worden ist. 

Das Intestinum rectum, nach Krause (Handbuch d. m. Ana- 
tomie. B. 1. Hannover 1833, S. 501, 504), beginnt an der vor- 
deren und linken Seite des Promontorium, steigt anfänglich ein 
wenig nach rechts, dann aber vor der Mitte des Kreuzbeines 
herab, genau der Biegung der Vorderfläche des Kreuz- und Steiss- 
beines folgend; hinter den im kleinen Becken liegenden Win- 
dungen des Ileum; hinter der Harnblase im männlichen 6e- 
sehlechte — hinter der Gebärmutter und Scheide im weiblichen 
Geschlechte; und endigt vor der Spitze des Os coccygis, unter- 
halb des Fundus der Harnblase beim Manne, unterhalb der hin- 
teren Wand der Scheide beim Weibe, indem es durch den After, 
bioter dem Perinaeum sich öfiiiet 

Der Mastdarm ist in seiner vorderen Wand nur bis zur 
Hälfte der Länge, an den Seitenwänden nur in einer Strecke von 
2" von seröser Haut überzogen, die eine Ausbreitung des schma- 
len nnd kurzen Mastdarmgekröses ist, welches von dem Pro- 
montorium bis zur Höhe des zweiten Kreuzbeinwirbels herab'- 
steigt, und oberwärts mit den unteren Enden des Mesenterium 
und des Mesocolon descendens zusammenhängt. Die hintere 
Wand der oberen Hälfte des Mastdarmes, so wie die ganze un- 
tere, nicht in dem Saccus peritonaei eingeschlossene Hälfte des- 
selben sind nicht von seröser Haut bekleidet 

Sowohl bei der anatomischen Lage, als auch bei der serö- 
sen Bekleidung des Mastdarmes muss es ffir kaum möglich er- 
achtet werden, dass an einer seitlichen, oder der hinteren Wand 
des Rectum ein Mastdarmbruch entstehen könne. Fasst man 
aber die in dem Gavum des kleinen Beckens hervorragende vor- 
dere Wand des Intestinum rectum, so wie die im Beckengrunde 
zwischen der Harnblase oder der Gebärmutter und dem Mast- 
darme durch den Saccus peritonaei gebildete, tiefe, weite Grube, 

1* 



4 Dr. Ohde, 

Excavatio recto-vesicalis peritonaei, respective Excayatio recto- 
uterina peritonaei, in's Auge, so lässt sich auf viererlei Weise 
die Möglichkeit der Entstehung eines Mastdarmbruches denken: 

1. Irgend ein Baucheingeweide drängt sich von der vorde- 
ren Wand des Mastdarmes aus, etwa im Niveau des Ansatzes des 
Bauchfelles an das Rectum, in das Mastdarmrohr hinein, so dass 
der Bruch entweder innerhalb dieses wahrzunehmen, oder ausser- 
halb der Mastdarmöffnung zu sehen wäre. 

2. Ein Eingeweide schiebt sich in den Prolapsus des Rec- 
tum, weicher von sämmtlichen Häuten, aber nur aus dessen vor- 
derer Wand, gebildet ist. 

Von diesen beiden Formen ist mir in der chirurgischen Li- 
teratur kein Fall begegnet. 

3. Ein Theil der vorderen Mastdarmwand lagert sich in der 
hinteren Wand der Scheide in die Vagina hinein, respective aas 
dieser hervor. 

Diese von Malgaigne genannte Rectocele vaginalis ist 
nicht selten, und findet sich insbesondere bei Frauen, welche 
während der Geburt einen Dammriss erlitten haben. 

Ich habe diesen Bruch erst im October 1865 an der 23jährigen H. K. 
aus L. gesehen. Sie hatte vor anderthalb Jahren einen Knaben geboren, 
wobei ihr der Damm bis etwa V ▼on der Afteröffnung eingerissen war. 
Während der Schwangerschaft will sie einen sehr starken Hängebanch ge- 
habt haben, so dass ihr das Gehen in den letzten zwei Monaten gar nicht 
mehr möglich gewesen sein soll.. Seit dieser Geburt will sie im unteren 
Theile der Scheide eine Hervorragung bemerkt haben, die ihr jedoch oie 
Beschwerden yerursachte. Die erwähnte Hervorragung wird beim Auseio- 
anderziehen der kleinen Schamlippen sichtbar, und stellte eine fingerhntför- 
mige, dunkelrothe, weiche Gesehwulst dar, welche an der hinteren Scheiden* 
wand sitzt und mit einem auf diese geführten Finger leicht znrückzubrin 
gen ist. Brachte man einen mit der Volarseite nach dem Perinaeum hin 
gerichteten Finger in das Rectnm, so war man im Stande, oberhalb des 
Sphincter ani internus in eine nach der Mutterscheide hin befindliche Höhl« 
mit der Spitze des flectirten Fingers zu dringen, und damit den Bruch aus 
der Schamspalte zu bringen, so dass man beim Druck auf den Maatdarm- 
scheidenbruch die darin steckende Fingerspitze durchfühlen konnte. 

4. Ein Baucheingeweide legt sich in das vordere Segment 



Hedrocele. 5 

aTis allen Bauten des Rectum und im ganzen Umfange be- 
^^^4ea Makstdarmvorfalles. 

y^ Es beruht da« TVesen dieses Bruches darauf, dass eine Ein- 

^nng yoa !Ba.iiclieiDgeweide in dem vorderen, dem Perinaeum 

.Wirandten Abschnitte des aus allen Mastdarmhäuten gebilde- 

liaYorbUes stattfindet, welche die innere Fläche des Theiles 

^ ^^^m fmtonaeum berührt, der im normalen anatomischen Zn- 

N^ sUade dea 13 eberzag einerseits für die Excavatio recto-vesicalis, 

ifisp^eä^e recto- uterina, andererseits für die vordere Wand des 

I liach S ehre g er gehört eine Summe prädisponirender, in 

f der Organisation begründeter Momente zur Entstehung dieses 

E BmcVi^. Er rechnet dahin: rückwärtige Inclination des Beckens, 

r langes Keseateriam, fast gänzliche Einlagerung des Dünndarm- 

i eonvolntes ia die Beckenhöhle, schrägen Verlauf des Colon durch 

die Baacbhöhle, and glaubt, auf Grund einer einschlägigen See- 

tioiiy einen geringen Vorsprung des Promontorium, sowie geringe 

Biegong des Steissbeines noch als ganz besonders begünstigende 

TTmstSLnde für das Hinabsinken des Darmes in die Tiefe annehmen 

sa müssen, indem dadurch eine grössere Weite des Einganges 

vnd Aasganges des Beckens entsteht. Schreger erklärt aus- 

dr&ckhcb, diese tiefe Lagerung des Dünndarmes dfirfe keines- 

ireges etwa als Folge des Vorfalles oder des Bruches angesehen 

irerdea, sondern sei ein angeborenes und als solches vielmehr 

' ein begünstigendes Moment der letztgenannten Zustände. Der- 

\ selbe meint, erst jene doppelseitige organische Prädisposition 

könne die Möglichkeit zulassen, dass sich zu dem Vorfalle des 

Hastdarmes eine Eingeweidevorlagerung, ein Bruch, geselle, weil, 

wenn die Därme bei normaler Stellung oder Vorwärtsneigung 

des Beckens auch die bedingte tiefe Lage haben, jeder von oben 

wirkende Druck dieselben nach vorne und nicht nach dem Mast- 

darme drängen würde, und, wenn das Becken bei normaler La- 

getung der Eingeweide rückwärts geneigt ist, eben so wenig ein 

Jfastdarmbmch xa* Stande kommen könne. 

Die Sectionen, welche Pockels, von Brunn und der Ver- 



6 Dr. Dhde, 

fasser an den Kindern vorgenommen haben, die mit einem Mast- 
darmbrache behaftet waren, sind weniger geeignet, jene von 
Schreger dargestellte .Prädisposition zu constatiren, als viel- 
mehr dazu angethan, die von dem Erlanger Chirurgen für un- 
statthaft ausgegebene Meinung, die tiefe Lagerung des Dünndar- 
mes als Folge des Vorfalles oder des Bruches zu betrachten, als 
die vorzuglichere erscheinen zu lassen. Denn in diesen Leichea 
fand sich weder die rückwärtige Neigung des Beckens, noch eia 
geringerer Vorsprung des Promontorium. Und was die Deutung 
des schrägen Verlaufes des Colon, so wie der tiefen Lage des Ein- 
geweides, nebst Verlängerung dessen Bauchfellduplicatur anlangt) 
so dürften sich diese Abweichungen deshalb weit natürlicher und 
einfacher als Wirkungen des Vorfalles hinstellen lassen, weil bei 
dem längeren Bestehen eines Mastdarmvorfalles, wie solches bei 
allen Individuen mit Mastdarmbruch immer stattgefunden hat, das 
Colon transversum dadurch, dass das Colon descendens und das 
S romanum wegen ihres Einfallens in das nach aussen umge- 
stülpte Rectum verkürzt, respective hinabgezogen werden, aus 
seiner gueren Lage in eine die Bauchhöhle von oben nach unten 
hin schräg durchgehende Richtung gebracht werden muss. Durch 
diese schräge Lagerung des Colon möchte wohl in den meisten 
Fällen erst der Dünndarm mehr nach dem Becken hin getrieben, 
und zugleich dessen Mensenterium gezerrt, respective verlängert 
werden. Erwäge man noch dabei, dass in Folge des Mastdarm- 
vorfalles die Excavatio recto-vesicalis, respective recto - uterina 
sich gleichsam in den Vorfall verliert, und dann als etwaiger 
Stützpunkt für andrängende Eingeweide fehlt, so lässt sich un- 
schwer die Schreger'sche Prädisposition erklären, wie bei einem 
langwierigen Mastdarm vorfalle durch Drängen und dergl. m. ein 
Eingeweide zwischen die vordere Wand des Mastdarmvorfalles 
gerathen, und so einen Mastdarmbruch bilden kann. Auch spricht 
für diese Annahme die Art des Mastdarmbruches, in welcher der 
Bruch nicht aus Darm, sondern aus anderen Eine^eweiden z. B« 
aus einem Ovarium, wie in der Pockels'schen Beobachtung, be- 
steht. In einem solchen Falle existirt' auch die Schieflage oder 



Hedroeele. 7 

Herabgesogenheit des Colon transyersam, weil es beim VorfalleQ 
und ümatfilpea des Rectum diesen folgen und dabei schief zu 
stehen kommen mass; aber hier wird in Folge des Hinabglei- 
tens des die Excavation bildenden Peritonaeum, respective in 
Folge des damit veranlassten Yerschwindens der Excavatio recto- 
cterina in dem Prolapsas recti, der Peritonaealüberzng des Ova- 
riam (Ligamentum latam) allm&lig nach dem After hin gezerrt 
and dadorch so Torkfirzt, dass endlich, bei Vergrösserong des 
Mastdarmvorfalles, das Ovarium zwischen die vordere Wand des- 
selben gleitet, and anf diese Weise einen Mastdarmbrach bildet. 
Der Hastdarmbrnch kann entweder durch Pressen der Ge- 
dänne gegen die aasgewichene, zam Brachsacke gewordene Ex- 
cavatio recto - vesiealis (recto- uterina) in der vorderen Wand des 
Mastdarmvorfalles, oder durch Herabziehen eines Eingeweides, 
mit welchem der Hastdarmvorfall in irgend einem Zusammen- 
hange steht, veranlasst werden. Der zur Aufnahme einer Ein- 
geweidevorlagerang geeignete Mastdarmvorfall muss mit einer vor- 
deren Wand versehen, relativ lang, oft wiedergekehrt oder schon 
längere Zeit bestanden sein, wenn damit, abgesehen von der da- 
bei immer vorkommenden Schieflage des Colon transversum, eine 
Verlängerung des Mesenterium, oder eine Verkürzung des Liga-, 
meütam latam an dem vorzufallenden Eingeweide vor sich gehen 
soll Der in Bede stehende Bruch kann in jedem Lebensjahre 
auftreten. 

Der Hastdannvorfall, in welchem sich eine Eingeweidevor- 
lagerung befindet» erscheint in verschiedenen Formen, als eine 
rundliche, cylindriscbe, kolbige oder gewundene Geschwulst. l)iese 
faUt sich prall an, und bietet dem untersuchenden Finger unter- 
halb des Spbincter ani vor Allem an dem vorderen Theile einen 
besonderen Widerstand dar. Ihr trockenes, oder wenig feuchtes 
ond stark gerötbetes Aussehen Iftsst bei näherer Betrachtung 
Folliculi mucosi and erweiterte Venen erkennen. Besteht der 
Mastdarmbruch lange Zeit, dann treten die ausgedehnten Yenen- 
geilechte in der Mastdarmschleimhaut deutlich hervor, oder es 
wird in der unteren Partie des Prolap^us eine Odematöse An- 



8 Dr. ühde, 

schwellnng bemerkbar. In Folge von Stockung in dem Örtlichen 
Blntumlauf , oder nach Druck bei wiederholten vergeblichen Re- 
positionBversnchen kommt wohl stellenweise Brand in das äussere 
Darmblatt, der dieses durchlöchert, und befindet sich die durch 
Gangrän veranlasste Oeffnung an der vorderen Partie des Vor- 
falles, so communicirt sie in der Excavatio recto - vesicalis oder 
uterina mit dem Inneren des Bauchfellsackes, üebrigens wird 
das Drängen des Bruchkranken auf den Mastdarm itnmer stärker 
und anhaltender, wobei sich der Darmkanal nur sehr spärlich 
oder gar nicht entleert, zumal wenn die Hedrocele erst seit kur- 
zer Zeit und heftig aufgetreten ist 

Die Unmöglichkeit der Taxis einer nicht eingeklemmten He- 
drocele wird durch Peritonitis, Eothanhäufung, Verwachsung and 
dergl. m. im Bruche veranlasst. 

Bei einzelnen Fällen ist auch die Einklemmung dieses Bra- 
ches beobachtet. Ein Mal war sie durch Entzündung des Darmes, 
welche sich auf den Bruchsackinhalt erstreckt hatte, ein anderes 
Mal durch den Sphincter ani, noch mehr aber, wie es schien, 
durch die Levatores intestini recti bewirkt. Nach einigen Chir- 
urgen soll die Incarceration durch den Sphincter ani extemus, 
^och mehr durch den internus, hervorgebracht werden. 

Die Erscheinungen der Einklemmung bei diesem Bruche 
sind denen der incarcerirten Hernien im Allgemeinen analog* 
Die Geschwulst des Mastdarmbruches lässt sich hart anfassen, 
ist nicht zu reponiren, verursacht bei Berührung Schmerzen; die 
Dnterbauchgegend wird empfindlich und aufgetrieben; den Kran- 
ken überfällt Unruhe und Schwächegefühl, und wird derselbe *von 
Durst, Aufstossen, Würgen, Erbrechen geplagt. Alle diese Symp- 
tome werden von einem fost nicht aussetzenden zusammenschnü- 
renden Gefühle auf die Aftermündung, von dem fruchtlosen Drän- 
gen auf den After und der hartnäckigsten Verstopfung begleitet. 
Dieffenbach fasst die Gruppe von Erscheinungen, woran ein 
von ihm beobachtetes Kind, welches mit einem „inneren^ Mast- 
darmbruche behaftet war, in den Worten zusammen, jenes habe 
„an den Erscheinungen des Yolvulus^ gelitten. 



Hedrocele. 9 

Verbleibt die Incarceration, so entsteht in dem Theile des 
vorgelagerten Darmes, welcher der Einschnürung oder dem Drucke 
besonders ausgesetzt gewesen ist, brandige Zerstörung mit Durch- 
brach von Fäcalmassen in den Bruchsack, die vorgefallene, respec- 
tive aasgestülpte Mastdarmhaut. Auf den Erguss von Darmgas 
und Roth in den Sack erfolgt dann unverzüglich dessen Entzün- 
dung mit Abscessbildung, und schliesslich eine Eothfistel oder ein 
widernatürlicher After; oder der Patient geht bald an Peritoni- 
tis, ohne oder mit Eotherguss in die Bauchhöhle, bald an Ent- 
kriftung zu Grunde. 

Behufs der Diagnose ist der Synjptomencomplex und die 
Erankheitsdauer einer besonderen Beachtung zu unterwerfen. 
Vor Allem das Drängen des Patienten auf den Ailer, die un- 
gewöhnliche Grösse oder die fortschreitende Vergrösserung des 
Hastdarmvorfalles , das Fühlen und Hinaufschieben der vorgela- 
gerten Eingeweide, deren Wiedervorfall beim Husten oder Drän- 
gen auf den After, die besondere Anschwellung eines Theiles des 
Vorfalles, die schwierige oder gar nicht zu erreichende Reposi- 
tion des Vorfalles, sowie das längere Bestehen oder mehrmalige 
Auftreten des Hastdarmvorfalles. Sind bei einem solchen Vor- 
falle Erscheinungen von einer Brucheinklemmung zugegen, so ist 
wohl kaum, falls nicht ein anderer incarcerirter Bruch existirt, 
das Vorhandensein einer Hedrocele zu bezweifeln. 

Eine Verwechselung kann nur mit dem Mastdarmvorfalle 
stattfinden. Dieser ist ohne Vorlagerung von Eingeweiden, in 
der Regel nur von geringer Länge, leicht zu reponiren, an kei- 
ner Stelle der Circumferenz ungewöhnlich gewulstet, und besteht 
eine Wnlstung, so wird sie augenscheinlich und, wie die Palpation 
'«hrt, durch Oedem verursacht. 

Dieffenbach spricht von einem inneren Mastdarmbruche. 
Was derselbe darunter verstanden hat, ist mir unbekannt. 

Die Prognose ist von dem Alter des Patienten, der Grösse, 
dem Zeitbestande, der Fähigkeit der Wiedereinrichtung, der Un- 
möglichkeit der Reposition der Hedrocele abhängig. Bislang sind 
^e grossen oder incarcerirten Mastdarmbrüche bei jüngeren In- 



10 Dr. Ohde, 

dividaen tSdtlich abgelaufen. Dagegen haben ältliche Personen 
allerlei Beschwerden, selbst Incarceration des Mastdarmbraches 
mit darauf folgendem widernatfirlichen After längere Zeit ertragen. 

Da kein Fall der bekannt gewordenen Mastdarmbruche eine 
chirurgische Behandlung erfahren hat, kann weder über diese 
selbst, noch über deren Erfolg geurtheUt werden. Es bleibt also 
nichts weiter übrig, als, den anatomischen Verhältnissen der Mast- 
darmgegend entsprechend, die Behandlung unseres Bruches vor- 
zuschlagen. 

Ist die Hedrocele reponibel, werde, nachdem znr Erschlafinng 
des Sphincter ani und zur Aufhebung des weiteren Vordringens 
der Vorlagerung, der Patient mit niedrig gelegtem Kopfe und 
etwas erhöhtem Becken in die Bauch- oder Rückenlage gebracht 
ist, und derselbe seine Beine auseinander gebreitet hat, ein beöl- 
ter Zeigefinger, mit der Volarseite dem Damme zugekehrt, in die 
Oeffnung des Prolapsus geführt, das vorgelagerte Eingeweide 
wieder in die Excavatio recto-vesicalis oder uterina geschoben) 
und endlich der Vorfall durch ümroUen nach innen mittelst zweieF 
Finger, bei gehöriger Feststellung des oberen Theiles desselben 
durch ein paar Finger der anderen Hand, oder durch diese selbst 
zurückgebracht. Zur weiteren Behandlung mögen dann, je nach 
Erfordern, empfohlen sein : ruhige Rücken - oder Seitenlage mit 
erhöhtem Becken, kräftigende und leicht verdauliche Nahrung, 
kalte Bäder, kalte Elystiere, subcutane Injectionen aus Strycbni- 
num sulphuricum in der Nähe der Aftermündung, Einfahrung ^oa 
pessariumartigen Apparaten in den Mastdarm, Anwendung des 
Ferrum candens, das D u p u y t r e n ' sehe Operationsverfahren. ^ 
bedünkt mich, dass bei einem reponibelen Mastdarmvorfalle die 
Operationsverfahren : Entfernung des Prolapsus mittelst der Liga- 
tur, nach der galvanocaustischen Methode, durch scharfe Instm- 
mente und dergl. m., theils wegen der vielleicht nicht ausführ- 
baren vollständigen Zurückhaltung der vorgelagerten Eingeweide, 
theils wegen der Gefahr der Wiedervorlagerung, oder des Wie- 
dervorfalles nicht wohl rathsam seien. Die von Pockels 
(weiter unten besprochene) entworfene, aber schon früher ohne 



Hedrocele. 11 

dessen Wissen von Bünger bei einem Vorfalle mit Erfolg aus* 
gefahrte Operation der ErOffnnng der BanchhGble, mit Hinauf- 
ziehen und Befestigung des S romanum, dürfte auch nur far ver- 
zweifelte Fälle bei nicht ganz heruntergekommenen Personen auf- 
zosparen sein. 

Bei dem nicht reponibelen aber eingeklemmten Mastdarm- 
brach ist, am möglicherweise die Reposition desselben zu errei- 
chen und das Leben des Patienten zu retten, eine chirurgische 
Operation erforderlich. Diese, als Incision, auf der Höhe oder 
dem änssersten Theile der Geschwulst zu beginnen, würde nicht 
sowohl wegen der Entfernung von der Einklemmungsstelle un- 
praktisch, als vielmehr wegen des hohen Standes der Verletzung 
im Darme bei dessen nachheriger Reposition durch Austritt von 
Darminhalt in die Bauchfellhöhle gefährlich sein. Dieffenbach 
meinte: „man wurde am passendsten einen Einschnitt durch die 
Baot an der änsseren Basis der Geschwulst macfien , welcher die 
Richtung nacb dem Orificium ani hätte, und bis auf die Ge- 
schwulst hinauf dilatiren. Nachdem von hier aus die spannen- 
dea Theile durchschnitten, und die Darmschlinge blossgelegt wor-' 
deo, würde sie sich zurückbringen lassen.^ In diesen Worten 
ist der richtige Anfangspunkt für die Operation verzeichnet. Es 
fragt sich nur, ob diese Herniotomie an jedem Punkte der Gir- 
comferenz gleich zweckmässig ausgeführt werden könne? Bei 
dem cylinderförmigen Mastdarmbruche ist man im Stande, von 
allen Seiten an die Umgegend des Afters zu gelangen ; bei dem 
warstf&rmigen dagegen kann durch die Darmwindungen die Af- 
tergegend dermassen und so fest verdeckt sein, dass es nicht 
möglich ist, sich durch gehöriges Abheben derselben Zugang zu 
der hinteren, oder einer seitlichen Partie der Gegend des Afters 
zo verschaffen. Für einen solchen Fall ist nur über die vordere, 
dem Perinaeum zugewandte Seite des Mastdarmbruches zu einer 
Operation zu verfügen.. Aber auch abgesehen von jeder Form 
dieser Hernie, die vordere Aftergegend wurde aus verschiedenen 
Granden immer das empfehlenswertheste Operationsfeld darbie- 
^^i weil daselbst, und zwar in und nahe der Medianlinie, die 



12 Dr. ühde, 

Aa. transversae perinaei weder verlaufen, noch erhebliche Zweige 
abgeben , hier ein operativer Eingriff wohl kaum Blatungen oder 
ein sonstiges übeles Ereigniss besorgen lässt; an dieser Stelle 
nach der Operation der Zugang zur Vorlagerung des Eingewei- 
des unschwer zu bewerkstelligen ist, und an diesem Orte etwaige 
Einklemmung in Folge von Gontraction des M. sphincter ani oder 
des M. levator ani am sichersten auf operativem Wege aufgehe- 
ben werden kann; Yortbeile, welche eine Operation entweder 
an der Seite wegen Blutungen aus den Verzweigungen der Aa. 
pudenda communis und transversa perinaei, oder in der Nähe 
des Os coccygis wegen zu weiter Entfernung von dem vorgela- 
gerten Eingeweide, und wegen des daselbst hinter dem Darmrohre 
befindlichen, somit der Bruchzurückbringung hinderlichen Meso- 
rectum oder anderen Gekröses, gar nicht zu bieten im Stande ist. 
Demnach würde die Operation behufs Reposition einer an- 
beweglichen oder incarcerirten Hedrocele am zweckmSssigsten 
auf folgende Weise zu erreichen sein: Nachdem der Patient in 
die RückeQlage gebracht ist, werden, bei niedrig gelagertem Kopfe 
und etwas erhöhtem Steisse, dessen Beine gespreizt gehalten. In 
der vorderen Aftergegend, dicht vor dem Schliessmuskel, ist als- 
dann, etwa 1 — 2 Linien neben der Medianlinie, ein Längsschnitt 
von etwa 1 Zoll durch die Haut zu machen^ ein solcher in der- 
selben Richtung, ungefähr von derselben Länge auf die Brachge- 
schwulst, respective durch die Schleimhaut des Rectum fortzu- 
führen, und durch die Fascia superficialis des Darmes und die 
Muskelhaut des Rectum zu dringen. Besteht nun die seröse 
Haut aus der Excavatio recto-vesicalis oder uterina noch frei 
und mit der unteren Partie der Muskelhaut des Rectum (hier mii 
der oberen Partie der Muskelhaut des Prolapsus) unverwachsen, 
so ist auf einer Hohlsonde oder einer Fingerspitze ein Bruch- 
messer zwischen der serösen Haut (dem herabgedrängten Peri- 
tonaeum), und der inneren Fläche des Sphincter ani einzufüh- 
ren, die Messerschneide nach dem Perinaeum hin zu richten, und 
der Sphincter ani, je nach dem Grade der Einschnürung, ein- oder 
mehrfach einzukerben, worauf dann die Taxis der Vorlagerung 



Hedroeele. 18 

bei nicht geOffheter seröser Haut erfolgen mnss. Ist hingegen 
der Peritonaealtheil der Excavatio recto-vesicalis oder uterina 
io Folge irgend welcher Ursache, z. B. durch Entzündung , an 
die entsprechende Muskelwand des Rectum angewachsen, so kann 
der oben angegebene Bruchschnitt vor dem Einschneiden der se- 
rösen Haut an der dem Schnitte in der Schleimhaut des ausge- 
stülpten Mastdarmes entsprechenden Stelle nicht ausgeführt wer- 
den, sondern es muss alsdann erst in der bereits erwähnten 
Richtung, dicht unterhalb des Sphincter ani, oder mit anderen 
Worten hoch oben an der Geschwulst und in der schon beste- 
henden Incision, die seröse Haut frei präparirt, mit der Pincette 
gefasst, mit einer Scheere oder einem Messer aufs Vorsichtigste 
eingeschnitten, und von der inneren Seite der serösen Haut her 
der Sphincter ani mittelst eines Bruchmessers auf der Hohlsonde 
oder Fingerspitze eingekerbt werden. Die Zurückbringung der 
Torgelagerten Eingeweide ist endlich, hier freilich bei Eröffnung 
der serösen Haut, zu bewerkstelligen. Ob zuletzt noch die Ope- 
ration mit dem in Rede stehenden Bünger sehen Verfahren zu 
beendigen sei, wird vielleicht demnächst ein einschlägiger Fall 
entscheiden. 

Schliesslich erlaube ich mir folgende drei noch unbekannte, 
vonPoekels, Baum und mir beobachtete Fälle der Hedroeele 
hierunter mitzutheilen. 

Pockels hat seine einschlägige Krankengeschichte bezeich- 
net „Prolapsns intestini recti. Rhachitis'^. Die betreffenden Prä- 
parate sind in dem von mir aufgestellten Gataloge der patholo- 
gisch-anatomischen Sammlung des h. Coli. anat.-chir. hieselbst, 
auf S. 24 Nr. .5. und auf S. 66 Nr. 8. eingetragen. Von diesem, 
welches ein Skelet mit ausserordentlich vielen Fracturen dar- 
stellt, habe ich bereits in der „Deutsche Klinik** Nr. 42. 1857 
S. 412 berichtet, und gehört nur jenes (Taf. I. Fig. 1.) hierher. 
R..., ein durch und darch scropbulöses , höchst rhacbitisches Mädchen 
von 6 Jahren — etwa so gross wie ein einjähriges lünd — bekommt, wahr- 
scheinlich in Folge von Warmreiz, am 12. Novemcer 1821 einen Frolapsug 
ani, der am folgenden Tage schon, zu einem fingerlangen Prolapsus recti 
wird. leh sah sie auf Hrn. G.'s Veranlassung den 15. November Morgens, 



U Dr. Dhde, 

der Prolapsas des Mastdarmes war etwa 8 Zoll lang , dankelrotb , sehr ge- 
schwollen, so dass diese einer dicken Blutwurst ähnliche Partie an 3 Zoll 
im Diameter hatte. Der flQssige Koth ging ohne Beschwerde ab — sie 
hatte in den vergangenen Tagen einige Male gebrochen, heute aber nicht- 
der Sphincter ani war durch den Prolapsus sehr erweitert, so dass man mit 
dem kleinen Finger an dem umgekehrten Darm in ihn hineingehen konnte.- 
Repositionsversuche blieben fruchtlos, wahrscheinlich wegen zu starker Ge- 
schwulst des umgestülpten vorliegenden Mastdarmes. Es wurden Dmscbige 
von eiskaltem Wasser um die vorliegenden Theile verordnet — 16. Not. 
Wenn heute der seit 4 Tagen vorliegende umgestülpte Darm nicht zo repo- 
niren ist, so will ich einen Einschnitt in die Bauchhöhle machen, fiber den 
linken Seitenbeine, parallel mit den Fibern des M. obliqnus internus, 3 
Zoll lang — eingehen mit dem bellten Daumen und Zeigefinger der recb- 
ten Hand, das S romanum des Recti fassen und heraufziehen, und dann mit- 
telst zweier Fäden in der Wunde befestigen, damit es hier anwachsen qb^ 
nicht wieder herabsteigen könne. Diesen Operationsplan theilte ich Hrs. 
G. und H. mit, die ihn beide billigten; G. sagte mir, dass Prof. BQngef 
schon ein Mal eine solche Operation mit Glfick an einer Frau gemicbt 
habe. — Dm 2 Uhr Nachmittags gingen wir zusammen zu dem Rinde, das- 
selbe wurde auf einen Tisch gelegt, es fand sich, dass der Sphincter keine 
Einklemmung verursachte, mithin eine Einschneidnng desselben nicht erfor- 
derlich war. Repositionsversuche wurden gemacht, aber fruchtlos, dabei 
zeigte sich aber zugleich, dass die Theile der mncösen Haut des dicken 
Darmes, welcher auf dem Bette gelegen hatte, deutliche Flecken von Braüd 
an sich trug — und diese bestimmten uns denn, obige Operation nicht zb 
machen. Dagegen wurden die Versuche der Repostion des Darmes erneuert 
-— mit mehr Vorsicht und Umsicht ~ und sie gelang. G. nahm den Dam 
i} beide (Qbereinander gestellte) Hände; während ich mit dem Zeigefiogei 
in den Darm bis hoch hinauf einging, mit dem Daumen ihn nach iooeo 
umroUte, hielt G. den Darm so fest, dass er nicht nachgeben konnte, soo 
dern immer in derselben Richtung hineingehen musste. Das Drängen de« 
Kindes war sehr stark, und während des Drängens hielt ich meinen Fingei 
im Darme ruhig, so dass das eingebrachte Stück nicht wieder zurfikrollte- 
bei jeder, wenn auch noch so kleinen Pause rollte ich mit dem Danmei 
den Rand des Darmes wieder nach innen, und schob ihn mit dem Zeig» 
finger durch den Sphincter hinauf. Auf diese Weise gehing es uns binnei 
einigen Minuten den vorgefallenen Darm vollkommen wieder zu reponireo 
ich ging mit dem Zeigefinger hinterher, und fand die Beckenhöhle ungemeii 
verengt. Um das Vorfallen zu verhindern, wurde eine Tbiode, mit eine 
kleinen Oeffnung am After, angelegt, und wurden Klystiere aus kalten 
Wasser, sehr leichte Kost u. dergl. m. verordnet. 



Hedzocele. 15 

Dieser Fall gab mir mehrere Erfahmagen: 1) stellte ich mir die Re- 
doetioD eines so grossen Stückes vorgefallenen umgestülpten Rectum viel 
schwieriger vor, als sie wirklich ist, wenn man sie mit einem Assistenten vor- 
nimmt; 2) der Assistent ist hier von Noth wendigkeit, weil der Operateur 
mit der linken Hand allein den vorgefallenen Darm nicht in der steten 
Lage halten, ihn nicht seiner ganzen Länge nach umfassen, gegen den 
SphJDcter hindrücken kann — dies mnss durch zwei beölte Hände des 
Ajfiistenten geschehen. — Ehe 6. dies that, war es mir allein unmöglich, 
deo Darm zurückzubringen; als aber der Darm festgehalten und während 
der Repositions versuche immer gelinde comprimirt wurde, durch die beiden 
Dutereinander nm ihn gelegten Hände, da gelang es. Die Lage auf dem 
Buche, mit angezogenen Beinen , aufgehobenem Steisse, niedrigem Kopfe 
seheint mir ebenfalls dabei von Wichtigkeit; 3) dieser Fall sei mir zur 
Waroong, nicht gleich zu einer lebensgefahrlichen Operation zu schreiten, 
veDD nicht vorher mit gehöriger Ansicht und Umsicht die Versuche verge- 
beoa gemacht wurden, das Uebel ohne eine solche Operation zu heben. 
Nach dem ersten, schlecht gemachten, misslungenen Versuche der Reduction 
worden einzelne schwarze Flecke auf dem Darme bemerkt, für Brand gehalten, 
Qod zum Glück für das Rind darin eine Gontraindication gegen die Opera- 
ratioQ gefunden, und ich war sehr geneigt, den Fall als unheilbar zu erklä- 
ren, den Tod, ohne etwas Weiteres zu thun, abzuwarten. — Ein solcher, 
S Zoll langer Prolapsus intestini recti sieht viel schlimmer aus, als er wirk- 
li'^h ist, er war schon 4 Tage alt, die Entzündung der Geschwulst war durch 
die kalten Umschläge gemindert, das Kind litt nicht sehr, hätte wahrscheinlich 
noch lange so leben können, wenn der Darm nicht reponirt worden wäre. 

Ich kann mir jetzt, bei gehöriger Ueberlegung, keinen Fall denken, wo 
das Aufschneiden der Bauchhöhle und Zurückziehen des S romannm in den 
den Bauch wirklieb nöthig würde. Ist es eüi Prolapsus in Folge von Schlaff- 
fa^'it, ohne Einklemmung durch den Sphincter, so wird er nach Anwendung 
▼on kalten Umschlägen, vielleicht auch Blutegeln, sich auf obige Weise zu- 
rückbringen lassen; ist der Sphincter ani ein Hinderniss der Reposition, 
dadurch dass er zusammengeschnürt ist, so muss dieser eingeschnitten 
werden, gelingen dann die Repositionsversuche, mit Vorsicht erneuert, nicht, 
^ ist zu erwarten , dass sich Adhäsionen gebildet haben an der incarcerir- 
ten Stelle. Nur in einem solchen Falle könnte dann versucht werden, den 
Bauchschnitt zu machen, um durch Anziehen des Colon descendens diese 
Adhäsionen zu trennen. 

17. Nov. Gestern — 6 Stunden nach der Reduction fiel das Rectum 
nieder vor, wurde wieder zurückgebracht, — heute liegt es abermals eben 
80 lang vor, als gestern, ehe ich es reducirte ! ~ 10. Decbr. Der Prolapsus 
r^i blieb so, wie er war. Man machte den Plan, ihn abzubinden, führte ihn 



16 Dr. Dhde, 

aber nicht aus. ^ Das Rind starb gestern, den 9. Decbr. Abends, an Ent- 
kräftnng. — Section des Unterleibes.* Eingeweide der Bauchhöhle TöUig 
normal. Kein Symptom von EntsQndang, keine Wflrmer, keine scrophulö- 
sen Tuberkeln im ünterleibe. Becken überaus Terkrfippelt, sehr eng. Colon 
transversnm ganz herabgezogen durch das Rectum, das sich umgestfilpt 
hatte, und aussen, einer 5 Zoll langen, dicken \?urst gleich, vorlag; die 
mncöse Haut des vorliegenden Intestinum rectum war an mehreren Stellen 
oberflächlich exulcerirt, und an einer Stelle war ein Loch durch alle Wände 
des Darmes — ich habe ein Bougie vom Unterleib aus zwischen Mastdarm 
und Ovarium im Peritonaeo hinabgeschoben; hieraus sieht man, dass das 
Peritonaeum ganz und gar hinabgeht, und dass am Sphincter ani keine 
Adhäsionen stattgefunden haben. Das Ende des umgestfllpten Becti ist 
wulstig hart. — Das linke Ovarium ist ebenfalb mit dem Peritonaeo ein 
wenig herabgezogen in den Sphincter ani. 

Baum hat mir seinen Fall von Hedrocele aus dem Gedächt- 
niss, etwa in folgenden Worten, gegeben: 

In Danzig -- etwa 1835 — wurde ein, ungefähr ein Jahr altes, sehr 
schwächliches Kind mit seiner Mutter in das Stadtlazareth aufgenommen, 
welches an einem gegen 3 Zoll langen Aftervorfalle von ungewöhnlicher 
Dicke litt. Der in die untere OefiTnung eingeführte Finger zeigte einen be- 
deutenden Abstand von der vorderen Mastdannwand, legte ich auf diese 
einen Finger, so konnte ich zwischen beiden Fingern Därme fühlen, die in 
die Donglasschen Falten eingedrungen waren. Die Reposition sowohl des 
Bruches als des Prolapsus recti waren trotz der allergrössesten Mühe unmög- 
lich. Das Kind übergab sich anhaltend, war sehr jämmerlich und so schwach, 
dass ich eine Operation für nicht mehr gerechtfertigt hielt Das Kind starb ^ 
noch an demselben Tage, und die Mutter nahm sofort die Leiche mit sich, 
so dass die Section nicht gemacht werden konnte. 

Meine Beobachtung über einen Mastdarmbruch verfehle ich 
nicht, in Nachstehendem zu liefern: 

Johannes Br., 1 Jahr 4 Wochen, gehörig entwickelt, von stets blassem 
Aussehen, soll schon zu wiederholten Malen am Mastdarmvorfalle gelitten 
haben. Unter dem 25. März 1859 bekommt der Knabe, nachdem er in der letz- 
ten Zeit oft an Verstopfung des Leibes gelitten, unter heftigem Dr&ngen, 
aber ohne sich übergeben und geschrieen zu haben, einen Vorfall aus dem 
After. Dieser wurde aus 4 wurstförmigen Wülsten gebildet, deren Gesammt- 
l&nge 50 Gentimeter, etwa 20 Zoll, betrug. Das Ende war fest auf eine 
Hinterbacke gelagert, und so gestellt, dass eine Geffnung daran nicht wahr- 
genommen werden konnte. Der Vorfall zeigte Windungen, wie der Dünn- 



Hedrocele. 17 

dann, schien von Gas angemeia stark ansgedehat zu sein, hatte sehr Tiel 
FoIIicDÜ masosi, erschien etwas feucht und glänzend, »war tief geröthet» sehr 
pnll, gar nicht zasammendrQckbar, und besass dicht unter dem After meh- 
rere Qnerfalten. Der After war sehr erweitert, und zwischen dem Peri- 
oaeam, respective der benachbarten Ges&sshaut, und dem Vorfalle konnte 
loan keine Rinne gewahr werden. Das Kind hatte kurz Tor der Zeit, in 
welcher ich es sah, ein wenig Blut mit härtlichen Kothbröckeln aus dem 
Prolapsus verloren. Des Knaben Arteria radialis hatte Qber 140 Schläge, 
die von grosser Schwäche zeugten. Er schrie kläglich, und drängte fast be« 
ständig auf den After. 

An der Geschwulst bestand kein Zeichen, zufolge dessen man eine be- 
stimmte Diagnose auf das Vorhandensein eines Mastdarmbrnches hätte stel- 
len mfissen. 

Alle möglichen Repositionsversuche blieben ohne jeden Erfolg. Es wur- 
den zur Erschlaffung des Vorfalles einzelne Functionen mittelst einer Nadel 
vorgenommen ; es entleerte sich auch aus den kleinen Oeffnungen Luft und 
etwas wässerige Flflssigkeit, nichts desto weniger verblieb dje Geschwulst 
pnll und von der oben geschilderten Beschaffenheit Wegen des sehr elen- 
den Zustandes wurde von einer Ohloroformirung des Kindes abgestanden. 
Es ward daran gedacht, den Vorfall dicht unterhalb des Afters und 
zwar an dessen freier, vorderer Perinäalseite von einer gewissen Länge, 
mittelst eines Bistouris zu spalten, eine etwaige Vorlagerung zu reponiren, 
den Prolapsns abzuschneiden, und die dadurch entstandene Querwunde mit- 
telst blutiger Näthe zu vereinigen. Indessen wollten sich die Angehörigen 
des kleinen Patienten auf eine Operation des Vorfalles nicht einlassen. 

Gegen Abend waren bereits starke Ecchymosen und Brandflecken von 
grossen Dimensionen an verschiedenen Stellen der äusseren Schleimhaut des 
Prolapsns sichtbar geworden, und in der folgenden Nacht 1 Uhr verschied 
das Kind. 

26. März. Section, Nachmittags 4 Ohr. Es konnte nur die Bauchhöhle 
eröffnet werden. Die Lage der Leber, Milz, des Magens normal. Der Ma- 
gen, durch Fäulniss etwas erweicht, enthielt wenig flassigen Speisebrei. 
Der Darm lufthaltig. Nach \?egnahme der vorderen Beckenwand wurde die 
ürinblase entfernt. Eine Darmschlinge, der untere Theil des Ileum, ver- 
lief an der rechten Seite in die Tiefe des kleinen Beckens. Der Dickdarm 
senkte sich von links her in das kleine Becken. Das Mesenterium des 
llenm lag auf der rechten Seite des Dickdarmes, und das eigentliche Rohr 
des Darmes nach vorne, dem Perinaenm zugewandt. Bei sorgfältiger Unter- 
duchnng zeigte sich, dass der Mastdarm vorgefallen war, das Ileum von der 
vorderen und rechten Seite her in das Lumen des Mastdannvorfalles, in der 
Gegend, wo im normalen Znstande die Douglassche Falte, die Exdavatio 

▼. Laageobceli, ▲rehir f. CJürorgi«. IJL. ^ 



18 Dr. Uhde, 

recto-Tesicalis sich befindet, wie hineiogedrftDgt I»g, nnddie angreDzeodi 
Dfiondarmtheile yollstäadig herabgezogen waren. Es ergab sich ferner, di 
das Orificinm ani sehr geräumig nnd weit war; die grosse, ausserhalb di 
Afters lang herabhängende, mehrfach gewundene, allerdings ziemlich colb 
birte Geschwulst auf ihrer Oberfläche alle Zeichen der Dickdarmschleio 
haut an sich trug, und diese Schleimhaut in die umliegende äussere allg( 
meine Haut des Dammes u. s. w. fiberging. Alle diese Umstände macht« 
es klar, dass der yorgefallene , ausgestfilpte Mastdarm die äusserste HfiU 
der Geschwulst bildete. An dieser zeigte sich nach liuks zu eia herroi 
gestülptes stumpfes Ende, und auf dessen äusserster Kuppe, nach oben bii 
schlug sich die Schleimhaut des Darmes in ein Darmrohr um, in welch« 
man den Finger einffihren konnte. Dieses Darmrohr setzte sieb in d» 
Flexura sigmoidea und das Colon fort, welche sich von oben her in ds 
Rectum eingeschoben hatten. Das Colon transversnm und descendes vsrei 
nach der linken oberen und hinteren Partie des Beckens venogen, do^ 
nach dem Mastdarme hin herabgesenkt. Die Flexura sigmoidea, ebenso wie 
das Rectum hatten ein sehr langes Gekröse. Die Windungen des Proiap^t»* 
respectiTe der Hedrocele, wurden dadurch veranlasst, dass tbeils die Gf 
Uis5e des Mastdarmes, theils das Gekröse für den gegenwäKigen Znsuo^ 
nicht weiter ausdehnbar gewesen waren. Zugleich wird daraus erklSft 
daas die vordere Wand des Vorfalles, respective Bruchsackes, sich ^orzüz- 
ticb nur hat ausweiten können. i 

Da das Rind schon frfiher oft an einem Prolapsus ani gelitten hittt'j 
lieas sich eine Erschlaffung des Sphincter ani voraussetzen. Bei dem \i^\ 
tigen Drängen auf den After war neben der Flexura sigmoidea. t^io'] 
Schlinge des DQnndarmes in den ausgebuchteten Theile des MastdaroM r<}3 
einer Längenausdehnung vorgedrungen, die fast auf den dritten Tbeil ^^ 
DQnndarmes veranschlagt werden konnte. Die eine ging von dem ant< 
i'heile des Ileum, die andere von dessen Anfangstheil aus. Die Schlei 
haut des Vorfalles war dunkel geröthet, und an einzelnen Stellen in I 
ginnender Gangrän. Nachdem die Hfille der Vorlagcrung (der Mastdsj 
an dem unten convexen Theile der Geschwulst mittelst eines Messers a^f[ 
ptvir Zoll geöffnet worden, floss etwas Bruch wasser ab, und zeigte sieb sol 
der eingeschobene Dickdarm, als auch der eingetretene, respectiTe ror| 
^Qtte Dünndarm. Am Bruchsacke waren die Gefässe injicirt. Man Voi 
wenn man von der in dem Vorfalle gemachten Oeffnung ans ^^^^^ ' 
Spbincter ani zu den einen Finger, und neben dem eingescbobeoen Col 
von der Baqchhöhle her, den anderen Finger gleichfalls gegen den knsi 
d^ Mastdarmes efinffihrte, ohne Hindemiss beide Fingerspitzen zosanif 
briDgen. Ebenso vermochte man von der Bauchhöhle her, wenn o^ 
vorgefallenen Schlingen durch den After verfolgte, den Finger in den T 



j^.^ Maubtd^xmeB einzufaliTen, gUichfaWs ohne Verletzung 
^ \^uiieVifQeii ; Motnente znr Oenüge, welche in dem voi 
^^^iaadenseln einer Hedrocele bekundeten. An der 
^ndannes war etwas frisches Exsudat und Peritoniti 
^ ^fter keineswegea aaf das Obrige Periionaeum verbrdi 
^ weder Röthe noch Bxsndat vorhanden waren. 

Der Grand yron dem Misslingen der Taxis lag bi 
Brochsaokes, so wie in der fibermässig grossen Voi 
j2 ifl dem Bmchsacke. 

Das PrSpATStt der hiesigen pathologisch -aoatomisc] 
Nr. 33, und ist in Fig. 2. abgebildet. 



Erklürang* der Abbildungen auf 

Fig. la. Ansicht der Hedrocele, respective der Voj 

"linni sioistram in der Exc&vatio recto - uterina, von 

1- Drin blase 2. Uterus, 3, Colon deaceüdens, 4. Orariu 

f'uba. 5. Ovarium dextrum nebat Taba,, 6, innere Fifichc 

Fig. 15- Ansiebt der Hedrocole, reapective der Vor 

^imn ainistmm in der Excavatio recto- uterina, iooerhj 

i, so wie zwiachen der vorderen umgeatülpten Mastd 

nde, reapective der vorderen Fläche des eiogescbobenei 

Seite. 1. CJriDbiase, 2. üterua, 3. Coion desceodens ii( 

Aste der ArterisL colica ainiatr^, 4. OFarinm sinist 

des umgestülpten Mastdarmes, des Proiaj)8ns, 6. ein 

ntömng eatstandene Oeffauog in der yorderen umgest 

i, in welcher eine Sonde steckt, die in der Excavat 

len dem Ovskrium sinistram and der vorderen Seite 

Dickdarmes, nnd in dem Prolapsas, zwischen der vorde 

tdarmwand — an dessen serösem Ueberzog — und ; 

des eingeschobenen Dickdarmes sich befindet; 7. G 

pnd intestini recti, wo sich der eingeschobene Darm nac 

zur Vergrösaerang des Vorfalles weiter beiträgt, t 

ch welche man des Oyatium Bimstrum, die Sonde, und 

eingeschobenen Dickdarmes erblicken kann, 9. Sehn 

he man das Gekröse dea ptolabirten und eingeschot 



nehmen kann. 

ta. o VnsicbLt der u^ato<ie\e ^on der Seite. 1. 



üi 



20 Dr. Uhde, Hedrocele. 

deecendens, 3. Excavatio recto-vesicalis, 4. Processas ▼ermlfoimis, 5. Dfian- 
darm (d) in der Excayatio recto-vesicalis, 6. Sphincter ani, 7. Prolapsos, 
an welchem auf der linken Seite die Wand entfernt ist, am Einblick über 
den Inhalt desselben zu gewinnen, 8. Aenssere, bei dem Vorfalle des In- 
testinum rectum nach innen verlegte — seröse - Mastdarmhant, respecÜTe 
die innei;,e — seröse— Fl&che des aus der Schleimhaut, Muskelhaot und 8e< 
rösen Haut bestehenden Bruchsackes, 9. eine doppelte Reihe von vorgela- 
gertem Dflnndarm (d), respective Brnchsackinhalt, 10. das Mesenterium 
des vorgelagerten DQnndarmes, 11. der eingeschobene Dickdarm, 12. Ge- 
krOse dea prolabirten Mastdarmes und eingeschobenen Dickdarmes, 13. Oeff- 
nung de<] ProUpsus, an welcher sich derselbe durch weiteres Umlegen des 
eingeschobenen Dickdarmes nach aussen verlängern kann. 



n. 



Zur Kritik und Casuistik der sogenannten 
Chopart'schen Exartieulation. 



Von 

Ordijutor am Obnchow- Hospital la 6t. Petersbozs. 



Zu vorliegender Arbeit wurde ich durch eine von mir im 
Mai 1864 an beiden Fassen eines jungen M&dchens vollzogene 
GVioparfsche Operation veranlasst. Diese Doppelexarticalation 
ist insofern eine rara avis, als die eine GliedablAsung in tarso 
indicirenden, traumatischen Yerletsungen, organischen Leiden etc. 
natürlich nur ausnahmsweise dermaassen gleiche Gr&nzen haben, 
dass sowohl an der rechten, als an der linken Extremität eines 
Individuums absolut dieselbe Amputationsstelle (deren es bekannt- 
lich an der kurzen Fusswurzel mehrere, dicht neben einander, 
in der Ck)ntinnit&t und Contiguit&t gelegene, giebt) gewählt wer- 
den muss. — So sind denn auch in der That, was den uns 
hier speciell interessirenden beiderseitigen Ghop arischen Schnitt 
aiibetrifiiy meines Wissens, nur zwei Fälle desselben durch Teztor 
bekannt geworden.^ 



«; Joarnal d. Chir. n. Aagenheilk. t. Walther undY. Ammon. 1846, 



22 H- Fremmert, 

Zur VeröflFentlichung meiner Operation bewog mich übrigens 
nicht die Seltenheit, sondern das. Resultat derselben; das von 
mir seit zwei Jahren beobachtete Verhalten der Amputations- 
stümpfe unserer Patientin, welche letztere beim Gehen und Ste- 
hen nicht den Vortheil der nur an einem Fusse Operirten, das 
Körpergewicht mehr auf der gesunden Extremität ruhen zu las- 
sen, geniesst, verdient nicht allein Beachtung, sondern gewinnt 
für die Fersenretroversionsfrage eine, wie mir scheint, fast zwie- 
fache Bedeutung. — Dass schon früher jahrelange Observationen 
der consecutiven Zustände einer beiderseitigen Chopart 'sehen 
E^articulation stattgefunden haben, ist zu bezweifeln, da Tex- 
tor' h Kranke leider bereits dem traumatischen Fieber erlagen. 

Obgleich ich anfänglich nur das einfache Factum mitzuthei- 
len beabsichtigte, rissen mich doch die Discussionen , welche, 
wie aus den Annalen der Chirurgie bekannt, seit Decennien 
wegen der Dignität des Ghopart'schen Schnittes geführt wor- 
den j fast unwillkürlich mit sich fort, veranlassten gewisse Stu- 
dien, und bewogen mich endlich dazu, meiner kleinen Abhand- 
lung?: die Form zu geben, in welcher sie jetzt vorliegt. Ich habe 
nach besten Kräften das zerstreute Material zu sammeki ver- 
sucht, und finden sich trotzdem noch Lücken genug, so sind 
diese nur der totalen Ünzugänglichkeit gewisser Quellen etc. zQ- 
zuBchreiben. 

Was zahlreichen besseren Federn, als der meinigen, bisher 
mi gelungen ist (nämlich die Einigung der Ansichten über i^ 
Bürgerrecht der C hepar tischen Operation), vermesse auch ich 
mich nicht, in endgültig entscheidender Weise erzielen zu wol- 
len; gelingt es mir nur, die ganze Angelegenheit zu fördern, 
und ihrem Abschlüsse um einige Schritte näher zu bringen, so 
Bind meine kühnsten Hoffnungen erf&llt. 

Amputationen in der Gontiguität waren bereits zu Hipp^^' 
krates Zeiten bekannt; ob aber eine partielle Fussablösaog> 
mit alleiniger Zurücklassung des Sprung- und Fersenbeines, vor 
dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts ausgeführt wurde, 
lä&gt sich nicht historisch nachweisen. Trotzdem ist diese Ope- 



'^^txk XVX1.Ä C^^iÄ^l»*^^ der sog. Chopart sehen Ex^rticulation. 23 



»\^^ WH ^^T^\«ve.\i. »tt der Pirogoff-Syme'schen, Textor- 

k w^Ti%*^e\i.^ia. lOL. s» w. eine alte, und jedenfalls die erste 

^^^\^^^ ^^^\» \n. articulis tarsi. Wird also kurzweg von einer 

^^V^ioVd&o Tn^^io-tarsea, tarso-tarsea, intertarsea, oder in tarso 

l!^^TK>^^ii^ 1&0 ist^ darunter immer diese zu verstehen, nicht 

^^^r etwa die IPussabsetzung sub astragalo oder die Laborie- 

/ ^b er tische d^sarticiilation antä-scaphoidienne etc., die ja auch 

X "/eselben Bezieidmungen beanspruchen dfirften. 

Sehen ^^\t von den unwahrscheinlichen geschichtlichen An- 
gäben gewisser Autoren ab, so ist nach Alphons Robert, wohl 
^ns^^^ ^^^ Abbeville der Erste, der die Möglichkeit un- 
^^erer Operation im Jahre 1746 nachwies. In Deutschland er- 
^^^-iwähiite sie zwar Heister bereits 1750*), aber F&lle wirklicher 
^^nsführang ^wurden erst drei Jahrzehnte später, durch Hun- 
^dtf^so^wsky *), bekannt. Als dieser nämlich im Jahre 1780 oder 
^(3^er 1781 nach Rochefort kam, zeigte ihm der dortige erste 
^^\iiraTgu8, du Vivier, einen scrophulösen 8jährigen Knaben, 
dessen Beine des Mittelfiisses, und die meisten Gelenkknochen 
A^ Yorderfiisses kariös waren, und dem er, mit Zurficklassung 

V^s&s, Sprang- und Fersenbeines, die er beide gesund fand, den 
Fuss im Gelenke abgenommen hatte; Patient fing zwei Monate 
später bequem aufzutreten an. Einem Galeerensclaven war die- 
selbe Operation gemacht worden, aber ohne dass nach sechs 
Soeben ein Anschein von Heilung vorhanden war.«* Nach die- 
sen beiden durch Zufall zur allgemeinen Eenntniss gekommenen 
"--Ampatationen, die, in Ermangelung früherer Veröffentlichungen, als 
^^^ ersten ihrer Art angesehen werden müssen, scheint das ganze 
^^r&hren wieder in Vergessenheit gekommen zu sein, und Cho- 
^^^n musste es, wahrscheinlich unabhängig von du Vivier»), 



ther G. B., Lehre von den blut Oper, am menscbl. Körper. 
^W Schäfer 1853, B. n. S. 19. 

^T ff ncaowsky's med.-chir. Beob. auf Beinen Reisen. Wien, 
•>!li t783 S. 244—246. 
'^f ' -«« ' FroC B., Handbuch d. Akinrgie. Halle, Anton, 1848, 



24 H. Premmert, 

gleichsam neu erfinden. Pariset und Petit*), Mal{;aigne*)| 
Ghelius, S6dillot u. A. nennen ihn daher kurzweg den Eat-T 
decker, oder ersten Terrichter der Fussablösung in tarso. ErJ 
d. h. Ghopart, operirte, wie der Augenzeuge Lafiteaa 
richtet, am 12. August 1791, und beschrieb den Fall im 
folgenden Jahre') (nicht aber, wie es z. B. bei Vocke heisst*)! 
im Jahre 1787); zugleich gab er einzelne, theilweise noch 
gültige, Verhaltungsmassregeln för sein Verfahren ^n, und mal 
nennt dasselbe seitdem mit Recht den C hepar tischen Schnill| 
Seinem Beispiele folgte Lafiteau bereits 1792'), und sieb 
Jahre später Marc-Antoine Petit. Von den Franzosen da 
auf häufig unternommen, wurde die neue Exarticulation va 
Roux auch in England, im Jahre 1814*), eingeführt Sei 
oft übte man sie in Deutschland; Ph. v. Walther machte sil| 
zuerst 1809, und stellte bestimmtere Regeln f&r sie auf^). Ibd 
folgten Langenbeck'), Klein, Ghelius u. And.; Texto^ 
allein führte sie 19 Mal aus. 

Vor du Vivier und Chopart hatte man in allen F§IleD| 
wo die Erhaltung einzelner Tarsnsknochen sehr wohl möglicK 
gewesen, doch immer die allein bekannte ünterschenkelampotai 
tion unternommen; die grössere Gefahrlosigkeit, und die Ver^ 
meidung einer, künstliche Füsse erfordernden, Beinverkürzang 
waren so bedeutende Vorzüge der neuen Methode, dass diese 
sich überall Bahn brechen, und warme Anhänger erwerben 
musste. — Die Reaction blieb jedoch nicht aus; — Klagen, welche 



I) Dictionaire des sciences m^dicales. Paris, 1812, B. 1. p. 496. 

«) Malgaigne, Operat Chir. Russ. üebers. d. Dr. Tschistowitscb. 
St Petersb. 1851, pag. 346. 

•) Emmert, C, Lebrb. der Chirargie. 1864, 4. B., 2. Lief., p. H^ 
(Foarcroj, Jourual des decoav. rel. IV. Paris 1792). 

*) Vocke, F , Die Leicheu-Operatt. Berlin, Hempel 1854, p. IH- 

•) Ghelius, M. J., Handbuch d. Chir., pag. 802. (Richter's cbir. 
Bibliothek, B. XIV., S. 471.) 

•) Emmert etc. (ParaU. etc., pag. 247). 

*) Ghelius etc. (Abhandl. ans d. Geb. d. p. Med. pag. 143). 

•) Ebendaselbst (Bibliothek f. Ghir. 1810, B. 3., pag. 746, Taf. 1.) 



Zur Kritik nnd Gasnistik der sog. Cbopari'schen Exarticnlation. 25 

TOD Jahr zn Jahr an Zahl und bestimmterer Form zunahmen, 
tauchten allmalig. gegen die Operation, nebst ihren Folgen auf, 
nad riefen, da es auch nicht an Vertheidigem fehlte, die leb- 
haftesten Debatten hervor. Im Gegensatze zu Aerzten, welche, 
wie s. B. F. Blandin, den Ghopar tischen Schnitt selbst der 
Exarticalatio metatarso-tarsea vorzogen, gab und giebt es Viele, 
die ihn, als unstatthaft und schädlich, sogar aus den Lehrbüchern 
gestrichen wissen wollen. — Soll der Chirurg, bei so verschie- 
dener Meinung der renommirtesten Autoren, im concreten Falle 
richtige, vorurtheilsfreie Schlüsse ziehen, muss er alle vorge- 
brachten Beschwerden einer speciellen Untersuchung unterwer- 
fen, und das Pro et Contra streng prüfend gegen einander ab- 
wägen. — In Folgendem will ich versuchen, dieser Forderung 
nachzukommen. 

In der ersten Zeit machte man der Chop arischen Ampu- 
tation s(^ar die Schwierigkeit der Ausführung zum Vor- 
wwf. Velpeau erzählt (s. Günther), dass 1799 einer der ge- 
schicktesten Wundärzte von Paris % Stunde zu ihrer Vollendung 
brauchte; Richerand 1823, dass die Wundärzte lange nach 
dem Gelenke suchten, obgleich sie einen Wachsfuss neben sich 
batten, nnd Adelmann >) sagt, dass Pelletan einen skeletir- 
ten FusB neben den Kranken legte, um bei der Operation Osteo- 
logie zu Studiren. Dass solche Beispiele eher ein schlimmes 
Licht auf die anatomischen Kenntnisse der ausübenden Chirurgen, 
als auf die Operation, welche in der Jetztzeit naturlich zu den 
leichteren gezählt wird, werfen, bedarf keiner weiteren Erklärung. 

Ferner wurde Langsamkeit oder völliges Ausblei- 
ben der normalen Vernarbung besonders hervorgehob'en ; 
schon in duVivier's Falle, vom Galeerensträfling, soll sich 
noch nach sechs Wochen kein Anschein von Heilung gezeigt 
baben, und Foucher^) führt einen im 9. Lebensjahre von 



■) Beiträge zur Heilkunde. Riga 1853, B. 2., Lief. 3. »Ueber Amput. 
d- Fnsses in den Taraalknochen. * 

') Canstatt's Jahresbericht über d. Fortsch. d. ges. Medicin fQr 1858, 
B. V., p. 355 (Monii des Höp. Nr. 120; nach Emmert: Gav. des Hop. 123). 



26 H« Fremmert, 

Job ort Operirten an, dessen Amputationswunde, bei der naeb 
4 Monaten erfolgenden Entlassung aus dem Hospital, noch nidil 
vernarbt war, auch nie zum vollkommenen Schlüsse kam, und 
endlich nach 20 Jahren, die Fussablösung über den Enöcbek 
erheischte, (üeberhaupt sollen nach Prof. Weber inHeidelbeig 
die schlechten Heilungen 23 pCt. bilden.*)) In wie weit Um 
und spätere, nicht näher beschriebene Falle von Verzögeraog 
des Sanationsprocesses, oder völligem Misslingen, einer zufrie- 
denstellenden Wundschliessung, verfrühten Gehversuchen, ge- 
wissen Krankheitscomplicationen und besonderen Heilmethodea 
zuzuschreiben sind , muss unermittelt bleiben ; heute findet wobl 
kaum Jemand, bei Anwendung der nothwendigen Yorsichtsmass- 
regeln, in dem Vemarbungs vorgange nach dem Chopartkhea 
Schnitte etwas, von dem nach anderen ähnlichen Exarticolätio- 
nen Stattfindenden, Abweichendes. 

Von Whatton's Befürchtung, der Plantarlappen sterbe 
ab, sagt Blas ins trocken, dass sie mit zahlreichen Beobacb 
tungen im Widerspruche stehe, und einer fehlerhaften Operations- 
weise etc. zuzuschreiben sei. 

Auch der Sehnen- und Synovialscheidenentzüo 
düng wurde nach dem C hepar t'schen Schnitte, bei welchem 
freilich sehr zahlreiche Säcke dieser Art geöfihet werden, eino 
übertriebene Bedeutung vindicirt. — Wir wissen wohl, wie pc- 
netrirende Stichwunden, oder eine vernachlässigte, und schnei 
in die Tiefe dringende Phlegmone etc. durch das üebergreifei 
auf obige Scheiden zu den bedenklichsten Erscheinungen fuhren 
glauben aber nicht, dass diese Entzündung nach Amputatiooea 
bei aufmerksam geleiteter Behandlung, Dimensionen anniionit 
welche A. Robert's maskirte Aufforderung zu einem Bück 
schritt in der conservativen Chirurgie rechtfertigen könnten'] 
(die von ihm angegebene Sterblichkeit, nach den durch Traumei 



') Canstatt's Jahresb. für 1860, B. V., pag. 264. 
*) Canstatt's Jahresb. für 1850, B. V., pag. 231. (üeber die p*n 
Amput. am Fasse, übers, v. Händel, Weimar 1851.) 



Zar Kritik and Gasuistik der sog» Chopart'schen Exarticulation. 27 

e:ebot6neD FassablSsungen, zeigt sich in Verhältnissen ^ welche 
Stellen, wo weniger Sehnen durchschnitten werden, in einem auf- 
fallenden Grade begünstigen, und annehmen lassen, dass er allen 
Exarticulationen in tarso die ünterschenkelamputation über den 
Knöcheln vorzieht). Welcher Werth der Entstehungserklä- 
ning pyämiscber Symptome nach Amputationen von Melchior 
Robert'), der den Eiter durch die Sehnenstümpfe pumpen- 
artig hoch in die Scheiden befördern, und aus diesen, in natura, 
Ton den Venen resorbiren liess, beizulegen ist, bedarf, in Hin- 
blick auf die neueren Entdeckungen, keiner weiteren Ausein- 
andersetzungen. 

Exulcerationen (wie 1815 bei Villerme^s 20 Pa- 
tienten*) n. A.), Wiederaufbruch der gut geschlossenen 
Narbe und Fistelbidungen [s. z. B. Schmidt^)] siüd, 
wenn sie in einer Garies, Abscessen u. dergl. ihren Ursprung 
verdanken, wohl am C hepar tischen Stumpfe nicht häufiger, wie 
oaeh anderen ähnlichen Amputationen; als Folgezustände der so- 
gleich zu besprechenden Retraction, werden sie aber noch bei 
dieser erwähnt werden. 

Letzterer Kategorie der Anfeindungs-Motive reihen sich die, 
ebenfalls von Villermö (s. Blasius) ausserordentlich betonten 
Schmerzen in der Narbe an. Sieht man jedoch von den 
Fällen ab, in denen durch Talusluxation Zerrung der kaum ge- 
heilten Wunde stattfindet, so hat man wohl wenig Grund, ein 
besonderes Excelliren so trauriger Art bei der nach dem Cho- 
part'schen Schnitte entstandenen Cicatrix vorauszusetzen. — 
Hntin«) giebt an, dass fast alle von ihm in sechs Jahren un- 
tersachten, wohl nie im Chopart'schen Gelenke amputirten 
Inyalideh über Narbenschmerz klagten (von 522 derselben waren 



') Gezette medic. de Paris, XVII. Annöe, T. IL, Nr. 33., 1847. 

*) S^dillot, Gh., Traite de M^d. oper., band, et app. 1853, 2. ödit., 
T. 1., p. 423. 

') A.rchiT f. kÜD. Chir. yod v. Langenbeck etc. 1862 (Amp. und 
Exart in d. Tüb. Klin. v. 1843-62), 

*) Ganst Jahresb. f. 1851, B. V., pag. 138. (Gaz. des Uöp. Nr. 129.) . 



28 H. Fremmert, 

nur 24 ganz, 36 theilweise frei) und ist also dieser auch nacl 
GliedablAsongen an anderen Stellen eines der constantesten Lei- 
den. Da Zarücklassang scharfer Knochenprominenzen (die Hat in 
so häufig bei seinen 74 Sectionen von Amputationsstümpfen als 
Ursache der Empfindlichkeit entdeckte) bei den Exarticulationen 
nicht vorkommen kann (s. auch Soul6 ^))y und die Ghopart'- 
sehe Cicatrix ausserdem beim Gehen gewöhnlich kaum gedrückt 
wird, so muss in ihr der Schmerz (immer mit Ausschluss der 
durch Retroversion complicirten Fälle) sogar massiger sein, als 
z. B. in der Narbe der am Unterschenkel Amputirten. 

Nach Erledigung dieser, wie ersichtlich, absolut haltlosen, 
und wohl auch nie einer allgemeinen Aufmerksamkeit gewürdig- 
ten Anklagen zweiten Grades, müssen wir uns ausfuhrlicher zur 
wichtigsten Ursache der Anfeindungen, zum wahren Stichblatte 
aller in dieser Angelegenheit stattgehabten Discussionen, mit einem 
Worte, zu jenem unglücklichen Folgezustande wenden, der ge- 
wöhnlich 

die Fersenretraction 
genannt wird. Schon 1799 machte Marc-Antoine Petit ^) 
einen Fall bekannt, wo bei einem vierjährigen Knaben nach der 
Operation eine derartige Verschiebung der beiden übrig geblie- 
benen Tarsalknochen stattfand, dass das Gehen völlig unmöglich 
wurde. Auch Andere theilten bald Beispiele so trauriger Folgen 
mit, und die Zahl dieser Beobachtungen wurde im Laufe der Zeit 
sogar eine so bedeutende, dass es jetzt in der That unmöglich 
wäre, alle hierher gehörenden Fälle gesammelt vorzufELhren. Ich 
beschranke mich, weil leider eine ausführlichere Zusammenstel- 
lung, .wegen erwähnter Unzugänglichkeit gewisser Quellen miss- 
lang, darauf, nur einige Chirurgen der Neuzeit, welche wohlcon- 
statirte Fälle von Fersenerhebung aufweisen, zu nennen; — es 



') Canst Jabresb. f. 1803» B. V., pag. 173. (Jonm. de Mtfd. de Bor- 
deaux.) 

*) Södillot, Trait^ etc. und Emmert, Lehrb.. etc (Med. da coeur 
1799, pag. 364.) 



Zur Kritik and Gasnistik der sog. Chopart'schen Exarticnlation. 29 

nnd: Larrey 1841 ^) (MittheiluDg an die Academie vom 9. No- 
vember), Laborie 1843*) (einige Fälle von Robert und 
Jobert), Stansky 1844'), Foucher 1858 (ein, wie oben ge- 
zeigt, nicht allein darcb die Retroversion bemerkenswerther Fall), 
Verneuil 1856^) (ein Fall, dessen nähere Beschreibung unten 
folgt), Watson 1859') (zwei Fälle), Huguier 1860«), Ross 
in Altona (ein Fall), Paul in Breslau (4 FälUe), Fleury, Mi- 
ranlt (s. Günther), Sabatier, Richerand, Roux, Vel- 
peau, Ndlaton, und selbst Blandin (s. S^dillot). Ausser- 
dem lassen die Andeutungen fast der meisten grösseren und be- 
kannteren Operateure vermuthen, dass diese selbst zahlreiche 
Retroversionen beobachtet haben; eine Anführung ihrer Namen 
schien mir, da ich nicht einzelne bestimmte Fälle hervorgehoben 
fand, unnütz. 

Natfirlich richtete sich, um dem üebelstande vorzubeugen, 
oder nachträglich abzuhelfen, die allgemeine Aufmerksamkeit so- 
gleich auf die causalen Momente; eh^ wir jedoch zu diesen über- 
gehen, glaube ich, den Begriff der sogenannten Retraction fest- 
stellen, und das Wesen derselben überhaupt erläutern zu müssen. 
— Leider ist eine solche Abschweifung schon dadurch geboten, 
dass nns bisher' ein kurzer, von Allen acceptirter, den ganzen 
Zustand richtig und erschöpfend bezeichnender Name für die 
zuweilen eintretende, eigenthflmliche Dislocation des Sprung- und 
Fersenbeines, nach dem C hepar tischen Schnitte fehlt. — Viele 
Autoren (Blasius, Günther u. s. w.) brauchen den Ausdruck 
, Retraction^; ebenso spricht Chelius von der „nach hinten 
gezogenen Ferse^, und Erichsen, von einer „Auf^ärtszie- 
bung der Hacke^. Alle diese Bezeichnungen räumen aber einer 



>) Ganst. Jahresb. f. 1841, B V. (Annales de 1a cbir. Nr. 12.). 
>) Ganst. Jahresb. f. 1843, B. V. (Annales de la chir, Novemb.) 
■) Emmert, Lehrb. etc. (Gax. m^d. de Paris, pag. 528). 
Ganst Jahresb. für 1858, B. V, pag. 218. (Gazette des Hop. 

Nr 20.) 

«) Ganst. Jahresb. ffir 1859, B. V., pag. 244. (Lancet, 11. Juni.) 
*) Emmert, Lehrbach d. Ghir. etc. (s. hierüber Bon vier, Gaz. des 

Höpit ISeO, 74.). 



30 H. Fremmert, _ 

untergeordneten Entetehungsursache unserer Tarsalknochenver 
Schiebung, nämlich dem Muskelzuge, viel zu viel Bedeutung ein. 
um als richtige allgemein angewandt zu werden. C. 0. Weber, 
Ravoth und Vocke ') sagen: ,, Luxation, oder Subluxatioo 
des Talas^, und Szymanowski ,, Retroversion der Ferse 
solche Nominationen verletzen nicht die Wahrheit, richten aber 
die Aufmerksamkeit zu sehr auf einen einzigen Knochen, gebeo 
kein Bild de^ Verhaltens sämmtlicher participirenden Stumpf- 
tboile, und sind also zu wenig erschöpfend. £in gleicher Vor- 
wurf trifft wohl auch die Redensarten: „Luxation des Fussge- 
lenkes nach vome^ (Dieffenbach), und „permanente Extension 
des Sprunggelenkes^ (M. Frank^). Die Ausdrücke: „derFuss- 
Btummel steht wie ein Pferdefuss** (Bardeleben), oder „Er- 
hebung zu einem Pes epuinus^ (Emciert),- liefern immerhio 
noch die klarste Vorstellung vom ganzen Sachverhalt, und wäre 
wohl die Bezeichnung „pferdefussartiger Stumpf nach dem C he- 
par tischen Schnitte'^ vorläufig als die treffendste anzaseheo 
(Nur der Kürze halber werde ich zuweilen die Worte: Retrac- 
ttan, Retroversion, Fersenerhebung u. s. w. anwenden.) — Kommt 
I es also nach unserer Operation zu einer das Gehen erschweren 

I den, oder unmöglich machenden Dislocation der Stumpfknocbeo, 

' so ist der vordere Fortsatz des Calcaneus nicht mehr nach auf- 

^ wärts gerichtet, wie es die Bildung des Fussgewölbes erheischte 

t^ondern hat sich dermassen gesenkt, dass sein unterer, vorderer 
Rand, oder sogar seine vordere, früher an das Würfelbeiu 
^tossende Gelenkfläche nach unten gerichtet ist; der Fersenhöcker 
sieht dabei natürlich nach oben, und dient nicht mehr zum Stütz 
f punkt für die Körperlast. . Der Astragalus muss bei solchem Ver 

I halten seines Nachbars nach vorne, unten und innen gedraogl 

werden, lässt also das Gewicht des Körpers mittelst des ScbieD- 
beines j^zt nur noch auf den hinteren, schmäleren Abschnitt sei- 



» 



') Chir. Klinik v. Dr. F. Ravoth n. Dr. F. Vocke, Berlin, flenipel 
1852, pag. 784. 

•) System. Lehrb. der g. Chir. von Dr. M. Frank, Erlangen, Eoi^^ 
2. B., pag. 906. 



Zar Kritik und Gasnistik der BOg. Ohopart'schen ExarticolatioD. 31 

^er Bolld einwirken , und kann die Bänder bis znm Zerreissen 
^:li8paonen. Zu deutlicherer Veranschaulichung dieser Zustände 
^^be ich hier noch das Protokoll einer der wenigen Sectio nen, 
^^ie an pferdefussartigen Chopart 'sehen Stümpfen gemacht, wor- 
Jan sind. — Ein wegen Caries des Vorfiisses operirter Rauch- 
(»iigfeger ging, nachdem er bereits seit mehr als zwei Jahren an 
f ersenerhebung gelitten hatte, durch Tuberculosis zu Grunde, und 
die Ton Yerneuil >) angestellte, nähere anatomische Untersu- 
chung des Fasses ergab folgende vollständige Lagenveränderung 
der beiden übriggebliebenen Tarsalknochen : ,,Der Calcaneus 
war der Tibia, hinter welche er sich geschoben hatte, fast pa- 
nQel gelagert, denn seine Axe bildete mit der des Unterschen- 
kels einen nach oben offenen Winkel von circa 25 °. Die ehe- 
malige hintere Fläche sah nun fast direct nach oben, das Wür- 
felbeinende ruhte auf dem Boden auf. Die obere, ehemals hori- 
zontale Fläche war mit ihrer vorderen Partie in Contat mit 
dem hinteren Rande der Gelenkfläche der Tibia, und es bildete 
sieh hierdurch ein künstliches Gelenk von 2 Cm. Breite und 1 
Cnu LAnge. Die obere Fersenbeinfläche und die hintere Portion 
der Tibia sind einander zwar sehr genähert, lassen jedoch einen 
Sinus zwischen sich, welcher mit einem fibrösen Gewebe erfüllt 
ist, analog demjenigen, welches man um chronisch entzündete 
Gelenke vorfindet. Anch der Astragalus hatte eine ähnliche De- 
viation erlitten, indem seine obere Gelenkfläche die correspondi- 
r^ide Gelenkflache der Tibia nur in sehr geringer Ausdehnung, 
gana nach hinten, berührte. Nach vorne waren die Knochen nicht 
ludir mit einander in Gontact, und die Tibio-astrag.-Articulation 
xauA Tome weithin offen. Die dadurch entstehende Lacune war 
mit Bündeln neuen, fibrösen Gewebes, in verticaler Richtung ge- 
lagert, ausgefüllt. Der weitaus grösste Antbeil der Bänder 
der ArtJcnlatio-peroneo tibialis, sowie das untere Ende der Tibia, 
weiches vergrOssert war, waren mit Osteophyten überzogen. 
Guz aoffiillend vear die Verringerung der Länge des Fersenbeines, 



•) Canst Jahreab. t 1856, B. V., pag. 218. (Qaz. des Hop. Nr. 20.) 



32 H. Fremmert, 

Bowie die des Volums des AstragalttS, von welchem weder Kopl 
noch Hals mehr zu finden war, und dessen Vertical-Dorchmesser, 
statt 3 Gm. , kaum die Hälfte mehr mass. Das Fersenbein da- 
gegen hatte l\ Gm. an seiner Länge verloren, d. h. fast die 
ganze Tuberositas cuboida. £s.existirte ferner bloss noch eine Cal- 
caneo-Astragalus-Articulation, welche sehr mobil war, wihreiul 
die vordere, mit den zwei entsprechenden Knochenpartieea gäoz- 
lieb verschwunden war. Der Fuss ruhte demnach auf dem spon- 
giösen Gewebe dieser zwei Knochen, deren Areolen erOfihet wa- 
ren, als wenn sie abgefeilt worden wären. Die hintere Partie 
des Fersenbeines war erweicht, und mit Fett durchsetzt. Sämmt- 
liehe Muskeln blass, athropisch, verfettet. Die vorderen Moskelo 
und Sehnen des Fusses in eine Art Membran verschmokeD, 
welche vor der Articulation herabsteigt, und nicht mit der Narbe, 
sondern mit der vorderen Partie des Astragalus sich vereinigt. 
Die Sehnen der Tibiales, der Flexoren und der Peronei retra- 
hirt; keiner scheint sich in dem Lappen zu inseriren. Sie setzen 
sich alle an dem vorderen Ende des Calcaneus fest. Kurz, statt 
wie dies unter Anderen vorzüglich von Blandin beobachtet 
wurde, mit den Extensoren in Verbindung zu treten, waren die 
Flexoren retrahirt, wahrscheinlich in Folge einer chronischen Ent- 
zündung des Stumpfes. Die Achillessebne dagegen ^befand sich 
in einer completen Erschlaffung; sie bildete eine deutliche Corve, 
die Concavität nach rückwärts. Die Entzündung schien sich niclii 
so weit erstreckt zu haben, und die Gastrocnemii niemals retra- 
hirt gewesen zu sein. Was die Nerven anbetraf^ so waren aucl 
hier die Verzweigungen des N. tibialis posticus wenig gegen dec 
Druck geschützt, indem sie zwischen Knochen und Plantarlappen 
welcher sehr atrophisch war, hinliefen, womit vielleicht ein ana 
loger Zustand des Nerven ursächlich zusammenhing.'' •— ^^^ 
Sectionsberichte von Stansky 1843»)? und Foucher 1858') 
enthalten Aehnliches; Beide untersuchten Füsse, an denen ecboi 



OaoBt. Jahresb. fQr 1850, B. V., pag. 238. 
*) GaoBt. Jahresb. fQr 1858, B. Y., pag. 2^5. 



Zur Kritik and Casnistik der sog. Ghopart'schen Extriicolation. 33 

Tor Jahren Knochendislocation eingetreten war, und die scliIiesB- 
lieh die Unterschenkelamputation erforderten. Das Vorhergehende 
wird zur Erklärung dessen, was unter Fersenerhebung nach dem 
Ghopart'schen Schnitte zu verstehen ist, genfigen, und wir 
können uns zur Aetiologie dieses Leidens wenden. 

Die Ursachen, welche zu einer Abweichung des Fussstum- 
mels fuhren können, sind, was übrigens die Mehrzahl der Au- 
toren nicht zugeben will, ziemlich zahlreich, und müssen, da sie 
nicht von gleicher Wichtigkeit sind, in mittelbare und unmittel- 
bare eingetheilt werden. Man hat bisher, meist einseitig, den 
Entstehnngsgmnd bald in physiologischen oder pathologischen, 
bald in anatomischen oder mechanischen Momenten gesucht, und 
musste nicht allein manchen Fall für räthselhaft erklären, son- 
dera wurde sogar zu nutzlosen und gefährlichen Massnahmen 
verleitet. Am Allgemeinsten ist die Ansicht verbreitet, dass die 
Erhebung des Fersenhöckers, mit nachfolgender Luxation des 
Talus, durch Retraction oder Gontractur der zum Extensor pedis 
vereinigten, und in die Achillessehne auslaufenden, oberflächli- 
chen Wadenmuskeln hervorgebracht werde, und dass diese Wir- 
kung in der aufgehobenen Thätigkeit der die Dorsalflexion ver- 
mittelnden Antagonisten ihre wesentlichste Unterstützung fände. 
H. A. Petit, Larrey, Ghelius, Stromeyer, Dieffenbach, 
Vocke, Bardeleben, Hyrtl, Erichsen'u. s. w., waren und 
sind die Hauptvertreter dieser Anschauung, aus welcher leider 
Naehoperationeo entstanden, die ihren Zweck wohl selten er- 
füllen, nicht gefahrlos sind, und später noch ausfuhrlicher erwähnt 
werden. Freilich ist es einleuchtend, dass eine Muskelgruppe, 
wenn sie das üebergewicht gewonnen hat (was beim Extensor 
pedis sogar nach gelungener Verwachsung der Flexoren durch 
die veränderten Verhältnisse der Fusshebelstange zu Stande 
kommt), Einfluss auf ihren Insertionspunkt, hier also anhalten- 
den Zug auf den Fersenhöcker, ausübt, aber dieser wird immer- 
hin, so lange keine directe Muskelreizung stattfindet, ein massi- 
ger bleiben. Fälle, in denen Fersenerhebung bei völlig scblafier 
Achillessehne vorkam, werden nicht selten erwähnt (Verneuil,* 

V. Laag«nb«6k, AridÜT U Chinirgi«. IX. 3 



34 H. Fremmert, 

Pouch er n. s. w.); sie sind es, welche den Muskelwirknngen 
beim Zastandekommen der Fussabweichung eine nur untergeord- 
nete Stellung einräumen, und nach anderen Entstehungsarsachen 
suchen lassen. — Zuerst S6dillot, dann Szymanowski, 
Weber, Emmert u. A., glaubten diese denn auch in gewis- 
sen anatomischen Eigenthümlichkeiten des Tibiotarsalgeleokea, 
welche nach Hinwegnahme des vorderen Bogens der Fussarcade 
zur Geltung kämen, und durch die Körperschwere u. s. w. onter- 
stfitzt würden, gefunden zu haben, und verdient diese AuBicht in 
der That eine nähere Würdigung. Der Fuss bildet, wie PaoT) 
sagt, ein,' sich auf den Ballen der grossen Zehe, auf den Ballen 
und hinteren Höcker des fünften Metatarsus, und auf den Fer- 
senfortsatz stützendes, an der inneren Seite weiter offen stehen- 
des Nischengewölbe (Szymanowski), oder vielmehr ein ei- 
förmiges Dach, dessen Gipfel oder Schlussstein (der Talus, auf 
den ausschliesslich die Eörperlast in der Richtung der Längsaxe 
des Unterschenkels drückt) nicht genau in der Mitte liegt, son- 
dern der Ferse zugerückt ist, und also den hinteren Theil des 
^Bogens steiler erscheinen lässt. Wird nun die vordere Hälfte 
dieses Gewölbes entfernt, indem man die Enucleation im höchst- 
gelegenen Gelenke, d. h. im Ghopart^schen, vornimmt, so ruht 
der Eörper mit seiner ganzen Schwere auf dem in die Höhe 
starrenden hinteren Arcadenreste, und wird, was Malgaigne 
übrigens kurzweg für einen stets gelingenden Vorgang hält, den 
ehemaligen Gipfelstein, d. h. das Sprungbein, niederzubeugen 
versuchen. Die Vorwärtsdrängung des Astragalus muss übrigens 
noch durch gewisse Verhältnisse seiner oberen convexen (etwa 
120® Spannung haltenden) Gelenkfläche begünstigt werden. Es 
stellt nämlich beim Stehen und Gehen diese obere Rolle nicht 
so bereitwiUig ihren vorderen, breiteren, der Gelenkgrube völlig 
congruenten, als vielmehr ihren hinteren, um 2— 3,5''^ schmale- 
ren, die Articulatio pedis zu einer beschränkten Arthrodie erbe- 



■) H. J. Paal, Chir. Krankh. des Bewegungs - Apparates. Lahr, 1&61, 
pag. 385. 



Zur Kritik and Gasnistik der sog. Ghoparfschen ExarticnJatioo. ^5 

benden Theil ein, nnd wird dadurch eine andauernde Senkung 
des Taluskopfeä zu erzielen suchen. Szymanowski glaubt 
ausserdem, dass die Rolle des Astragalus zur Einnahme dieser 
Stellung durch die ünterschenkelknochen , sogar ohne Gehver- 
suche des Patienten, gezwungen werde, indem die VerAdung des 
ausser Function gesetzten Fussgelenkes, mit dem Schwinden der 
SyooTialflüssigkeit, auch Unbeweglicbkeit der Malleolen (die frü- 
her um eine Linie auseinanderweichen, und das breitere Ende 
der Rolle, auch bei starker Dorsalflexion, aufnehmen konnten) 
mit sich bringe. — Diese, die Fersenerhebung auf anatomisch- 
mechanische Quellen, zu .denen man ja auch das von hinten 
nach vorne ab- und einwärts verlaufende Planum subtalicum 
(Paul) rechnen kann, zurückführenden Argumentationen dürfen 
uns aber nicht genügen, wenn wir mehr, als nur prädisponirende 
und unterstützende Causalmomente kennen lernen wollen. Da 
Dislocation der Stumpfknochen nur in der Minderzahl der Fälle 
vorkommt, müssen die ungünstigen architektonischen Verhältnisse 
des verstummelten Fussskelets, und die Körperschwere doch 
durch irgend einen umstand unschädlich gemacht, paralysirt wer- 
den, oder, mit anderen Worten, es bedarf erst gewisser Beding- 
ungen, um jene unglücklichen Momente zur Geltung zu bringen. 
Mit diesen Bedingungen, d. h. mit den wahren, hervorrufenden 
Ursachen, muss man sich bekannt machen, um die räthselhaften 
Widersprüche in den Operationsresultaten aufzuklären, und eine 
rationelle, überall gültige Behandlung anzubahnen. In dem Mo- 
dus operandi, d. h. in der Lappenbildung etc., auf den wir noch 
zurückkommen, glaube ich, obgleich es von mehreren Seiten ge- 
schehen ist, diese unmittelbaren Entstehungsgründe der Fersen- 
erhebung nicht suchen zu müssen; absolute Absurditäten ausge- 
i^chlosKen , hat jedes Verfahren , wie sich nachweisen lässt, Fälle 
aulzuweiBen, die einen glücklichen Ausgang nahmen, und auch 
ans meiner Krankengeschichte w^ird man hierher bezügliche, nicht 
uninteressante Schlüsse ziehen können. Das Lebensalter und Ge- 
schlecht üben ebenfalls keinen directen Einfluss auf das Zustande- 
kommen des Lfeidens aus, und den Beruf kann man, wenn er 

3* 



36 H. Fremmert, 

Gehen und Stehen mit sich bringt, auch nur zu den pradispo- 
nirenden Ursachen zählen. — Somit verspricht, wenn wir zu den 
eigenthümlichen , durch das Körpergewicht in ihren missliehen 
Folgen unterstützten, anatomischen Verhältnissen der Stampf- 
knochen zurückkehren, und nochmals die Frage, durch welchen 
Umstand diese ungünstigen Momente paralysirt werden, yentili- 
ren, nur noch der Bandapparat des Fusses einige Aufklftmng för 
unsere Angelegenheit. — In der That halte ich denn auch die 
zahlreichen, meist straffen Ligamente des Taurus, und speciell 
des oberen Spranggelenkes für fest genug, um dem Eiastarse 
des Fussbogenrestes vorzubeugen; manche GingljrmusarticnlatioD 
scheint in gewissen Stellungen auch unfehlbar luxiren zu mflssen, 
und doch werden die schlüpferigen, abgerandeten Flächen durch 
ihren Bandapparat in der normalen Lage erhalten. Erst wenn 
dieser, die schrägen Gewölbsteine kräftig mit einander verbin- 
dende Mörtel zerbröckelt, fallt die Ruine zusammen. — Entsteht 
also eine Dislocation der Tarsalknochen nach der Ghopart'- 
sehen Operation, vor, oder sogar auch nach Gehversuchen, so 
sehe ich nicht ein, warum man den Vorgang anders, als bei son- 
stigen spontanen Verrenkungen erklären soll. Einige wenige 
Autoren haben zwar auf die von mir gemeinten Gausalmomeote 
aufmerksam gemacht, aber es ist in so unvollkommener Weise 
geschehen (z. B. Weber fahrt nur kurz anter Anderem Ent- 
zündung des Fussgelenkes an, und Robert spricht von seiner 
Sehnenscheidenentzündung), dass eine nähere Betrachtung der- 
selben wohl motivirt ist. — Sehen wir von der Garies, die, na- 
türlich durch Zerstörung der Articulationsflächen , auch zn Ge- 
lenkverschiebungen f&hrt, und von der parenchymatösen Mnskel- 
entzündung (s. Paul, „myopathische Luxation^ pag. 410) ab, 
so sind es bekanntlich die Krankheiten des Bandapparates, welche 
zu consecutiven, pathologischen Verrenkungen führen. Hierher 
gehören: 1) die destructive Entzündung der Kapsel, und 2) die 
Ausdehnung des Gelenkcavums durch seröse Ergüsse. Die erstere 
wird, wenn wir sogar die Erschlaffung und Zerstörung der fibrö- 
sen Theile aus dem Spiele lassen, schon durch die blosse An- 



Zar Kritik nnd Ga^niatik der sog. Chopart'scheD Ezarticoktion. 37 

foUiing des Gelenkes mit der pathologischen Zottenwachening 
der Synovialis Diastase erzeugen, und dann durch einen suftlli- 
gen äusseren Anlass, eine unwillkürliche oder willkflrliche Be- 
wegung u. 8. w. die vollkommene oder unvollkommene Ausren» 
roikung erfolgen. Ebenso kommen, nach Roser, durch enorme 
Ergösse, die, ohne eiterige Zerstörung, den Bandapparat ausein- 
andertreiben, gpontane Gelenkabweichungen zu Stande. Dass die 
Sprunggelenke in unserem Falle solchen Leiden, besonders dem 
ersteren, sehr ausgesetzt sind, ist einleuchtend; und müssen also 
wohl, so lange uns andere, stichhaltigere Entstehungstheorieen 
fehlen, gewisse pathologische Vorg&nge (vorzüglich die Arthro- 
phlogosis in allen ihren Formen), als einzige unmittelbare Ur- 
sache des pferdefhssartigen Stumpfes angesehen werden. Die 
Yerhütnng und Bekämpfung dieser Processe wird, wenn sie ge- 
lingt, wahrscheinlich auch die Fersenerhebung verhindern, und 
gedenke ich bei der Therapie noch auf diesen wichtigsten Punkt 
aosfahrlich zurückzukommen. 

Die Häufigkeit des pferdefussartigen Stumpfes, oder viel- 
mehr das Verh&ltniss der misslungenen Oh opart' sehen Opera- 
tionen zu den erfolgreichen, lässt sich schwer mit Genauigkeit 
bestimmen , da wohl nur über die Minderzahl der einzelnen Fälle 
Berichte vorliegen , und diese wiederum sich entweder nicht im- 
mer über die Folgezustände auslassen, oder häufig durch zu kurze 
Beobachtung des Kranken etc. unzuverlässig werden. Die mei- 
sten Autoren schlüpfen daher auch, indem sie sich der, mannich- 
äche Deutung zulassenden Ausdrücke „zuweilen, nicht selten, 
oftmals, besonders häufig, etc.^ bedienen, über die ganze Ange- 
legenheit eilig hinweg, und findet man auch wirklich bei einzel- 
nen, über ihre eigenen Erfolge berichtenden Operateuren directe 
Zahlenangaben, so setzt der vOllige Mangel an Uebereinstimmung 
in Erstannen. Es hatte z. B. Paul unter fünf Operirten vier, 
bei denen Fersenerhebung stattfand, Robert unter dreien einen, 
Blandin unter eilfauch nur einen, Yelpeau 1839 unter fftn- 
fen keinen, nnd Textor unter siebzehn keinen einzigen, um 
daher annähernd sichere Zifiem f&r die Häufigkeit der Stumpf- 



38 H. Fremmert, 

abweicbung im Allgemeinen zu erhalten, darf man nicht den An- 
gaben des Einzelnen folgen, sondern muss aus allen bekannteren 
Fällen eine Durchschnittszahl zu gewinnen suchen. MicheP) 
sagt, dass von acht Operationen nach Ghopart nur f&nf mit 
Erfolg gekrönt seien (also Fersenerhebung bei 37,5 pCt.) und 
Weber'), dass unter den 82 Stampfen, die man näher kennt, 
50 brauchbare waren (Fersenerhebung daher bei etwa 39 pGt.). 
Meine aus den Berichten von mehr als 40 Operateuren znsam- 
mengestellte Statistik liefert etwas günstigere Verhältnisse, was 
übrigens davon abhängen kann, dass mir die Details zahlreicher 
Fälle, die vielleicht anderen Sammlern zugänglich waren, unbe- 
kannt blieben (von 123 Operationen, die ich mit Bestimmtheit 
nachweißen kann, fehlt mir für 47 jede nähere Angabe; in der 
Klinik zu Halle wurden z. B. von 1831 ~ 1856 nicht weniger 
als 14 Exarticulationen in tarso gemacht, und doch ist kein ein- 
ziger Fall näher beschrieben worden'). Nach meiner Zusam- 
menstellung fand unter 76 Operirten nur bei 25 derselben Fer- 
senerhebung statt, und giebt das also etwa 33 pGt. 

Was jetzt die Symptome und den Verlauf unserer Stumpf- 
abweicbung anbetrifft, so bleibt, nach dem Gesagten, nur noch 
wenig zu erwähnen übrig. Sie kann früher oder später, schneller 
oder langsamer, vollkommener oder unvollkommener zu Stande 
kommen; den Fällen, in welchen sie schon bald nach der Ope- 
ration, vor völliger Yernarbung, und während der Patient noch 
im Bette liegt, auftrat, stehen andere gegenüber, in denen sie 
erst nach Jahr und Tag (bei Verneuirs Rauchfangkehrer nach 
18 Monaten) zum Vorschein kam. Halten wir die, von uns als 
unmittelbare Ursachen angeführten pathologischen Processe fest, 
so lässt sich der verschiedene Zeitpunkt des Entstehens^ die un- 
gleiche Schnelligkeit der Zunahme, und der höhere oder niedri- 
gere Grad der Entwickelung einer Fersenerhebung direct aus 



') J. Hjrtl, Handb. der topogr, Ant, 4. Aufl. 1860, B. IL, pa^. 619. 
>) ▼. Laageobeck'B Archiv. B. 4., Heft 2., 1863. 
') Beiträge z. prakt. Ghir. ▼. £. Blasius, Berlin 1848, und Neue Bei- 
träge etc.« Leipzig 1857. 



Zur Kritik und Casiiistik der sog. Chopart'scheo Ezarticnlatioo. S9 

diesen ableiten. Tritt eine Gelenkcaries, parenchymatöse Mos- 
kelentzündung, Arthrophlogose, oder Eapselausdehnang durch Er- 
güsse gleich nach der Amputation ein, so wird sich auch eine 
RetroTersion früh einstellen; nimmt die primäre Krankheit einen 
schleichenden Yerlauf, so wird auch die Dislocation der Stumpf- 
kßochen nur langsam ihre höchsten Grade erreichen u. s. w. — 
Gesellt sich am dem Grundleiden Fersenerhebung, so wird das 
Gehen und Stehen, wenn es nicht schon früher beeinträchtigt 
war, jetzt mehr oder weniger unmöglich, und der Stumpf nimmt 
eine unnatürliche Form an. Die Sohle ist nicht mehr genau nach 
unten gerichtet, die Haut fast überall, besonders aber auf der 
herrorgetretenen TalusroUe, gespannt, die Hacke meist nach hin- 
ten, unten and oben, der Sprungbeinkopf nach vorne, unten und 
iunen verschoben, die Extremität verkürzt. Die etwaige Mobili- 
tät des Stampfes ist beschränkter, als früher, oder wird völlig 
aufgehoben, der Fuss verharrt in der Extension, und allmälig ge- 
sellt sich daza Abmagerung der Wade. NatürUch erleidet die 
Narbe oder die noch angeheilte Wunde Zerrungen, und es kön- 
nen sich Exulcerationen , Abscesse und Fisteln bilden. Schmer- 
zen sollen nicht immer vorhanden sein. 

Die Diagnose stützt sich auf obige Symptome, und brauche 
ich' wohl nichts in Bezug auf sie hinzuzufügen. 

Die Prognose ist, obgleich das lange, schmerzvolle Siech- 
tbum immerhin, durch Gonsumption der Kräfte, zum Tode fahren 
kann, doch im Allgemeinen quoad vitam gerade nicht absolut 
ongünstig; im concreten Falle wird sie sich nach dem Grade der 
zu Grunde liegenden Ursache, und nach dem üuiversalzustande 
des Kranken richten müssen. — Völlige Genesung kommt bei 
einmal eingetretener Fersenerhebung höheren Grades wohl nur 
selten vor; Patient bleibt gewöhnlich mehr oder weniger hin- 
kend, benutzt später Krücken oder einen Stelzfnss, und bittet 
zuweilen schliesslich sogar um die Amputation über den Knöcheln. 

Therapie. Das älteste gegen die Retraction empfohlene 
Mittel ist die Tenotomie, die nicht allein nach bereits eingetrete- 
ner Fersenerhebung, sondern auch häufig, als präservatives Re- 



40 H. Fremmert, 

medium, gleichzeitig mit der Exarticulation vorgenommen wurde. 
— Bereits M. A. Petit schritt in seinem oben erwähnten FaUe 
zur Durchschneidung der Achillessehne; H. Larrey nahm sie 
subcutan vor; Huguier, Wilms^) und Bitot') führten sieza* 
gleich mit der Fussablösung aus, Robert wandte sie mehrmals j 
in veralteten Fällen an, und auch Fleury (s. Blasius), Vel- , 
peau, Jobert, N61aton, Stansky und Stromeyer') übten 
sie aus. — Einige Lehrbucher empfehlen sie noch heute (z. B. 
im Erichsen-Thamhayn'schen^) heisst es: „bei aufwärts ge- 
zogener Hacke hilft nur Durchschneidung der Achillessehne''), 
aber die Mehrzahl der neueren Chirurgen findet in ihr nicht mehr 
ein sicheres Abhülfemittel. Da die Sehne, wie wir bereits ge- 
sehen haben, nicht nothwendig gespannt ist, die Durchschnei- 
dung nicht ganz ungefährlich, und auch die Erfolge der obenge- 
nannten Operateure häufig unbefriedigend waren, (Larrey er- 
zielte, wie Malgaigne sagt, keine Heilung, und ebenso ging es 
Huguier, Yelpeau, Jobert, Nölaton undStansky; Stro- 
meyer hatte mit vielen Mühsäligkeiten zu kämpfen, und bei 
Robert kehrte, trotz dreimaliger Dissection, die Fersenerhebong 
immer wieder zurück), so kann man jetzt mit Recht wohl im 
Allgemeinen von der Tenotomie abrathen. Versucht werden 
könnte sie allenfalls in denjenigen verzweifelten Fällen, wo die 
bereits existirende Arthrophlogose oder GelenkbändererschlaffuDg 
von einer deutlich nachweisbaren, anderen Mitteln absolut trotzen- 
den Gontraction der oberflächlichen Wadenmuskeln (bei der frei- 
lich zu untersuchen ist, ob sie eine durch Reflex hervorgebrachte, 
entzündliche, paralytische oder habituelle ist) hartnäckig beglei- 
tet, und in ihren schlimmen Folgen unterstützt wird. Ob es aber 
in solchen Fällen genügt, nur den Tendo Achillis zu durchschnei- 



>) Ganst Jahresb. für 1862. B. V., pag. 224. (Deutsche Klinik Nr. 4) 

') Oanst Jabresb. fQr 1858, B. V., pag. 254. Jonrn. de M^d. de 
Bord. April) 

>) Oanst. Jahresb. für 1844. 

*) Prakt Handb. der Ghir. v. John E. Erichsen. Freie Uebers. ton 
Dr. 0. Thamhayn 1864, B. 1., p. 87, Berlin. 



Zur Kritik und CMoistik der sog. Chopart'acben Eiarticulation. 41 

den, wird von Bobert nicht ohne Grund bezweifelt« — Durch- 
aas za verwerfen ist jedenfalls die mit der YorfiiBsablOsang 
gleichzeitig vollzogene Tenotomie. Von vielen Seiten ist ferner 
ein grosses Gewicht auf die Exarticulationsmethode gelegt wor- 
den, und obgleich man dabei nicht immer die Prophylaxis der 
Fersenerhebung, sondern auch Yerschwärungen der Narbe u. s« w. 
im Auge gehabt bat, so findet doch die Besprechung etwaiger, 
aas dem Modus operandi entspringender Vor- oder Nachtheile 
hier ihren geeignetsten Platz. Indem ich natürlich f&r das Spe- 
ciellere der chimrgischen Handgriffe auf die Lehrbücher verweise, 
führe idi hier, um dem Leser die Unzahl der iiLr unsere Opera- 
tion gemachten Vorschläge wieder in's Ged&chtniss zu rufen, nur 
karz die einzelnen Methoden an : 1) Ursprüngliche Methode von 
Chopart (Seitenschnitte, oberer Querschnitt, Ablösung des kür- 
zeren Dorsallappens, Exarticulation, Bildung des Plantarlappens), 
von Rnst and Textor geübt, und nach Letzterem der Quer- 
schnitt in 2 Momenten zu machen. 2) Doppelter Lappenschnitt 
Ton Walther (gleich grosse Lappen). 3) Ovalärmethode von 
Scoutetten. 4) Schräg&chnitt von Blasius (1838). 5) Riche- 
raod, Lisfranc, Langenbeck und Klein machten gar keinen 
Doraall^pen. 6) S^dillot empfahl einen inneren Lappen, 7) 
Banden 8 einen sehr grossen Dorsallappen, und versuchte, wie 
aaeh Blandin, Chelius und Södillot, die Sehnen recht lang 
abzuschneiden. 8) Maingault bildete zuerst den Plantarlappen, 
und nahm dann einen eingehen Dorsalschnitt vor. 9) Syme 
machte es umgekehrt; 10) Günther bildete drei Lappen, 11) 
PouUain (Pätrequin) schlug zwei seitliche, halbmondförmige 
Lappen vor, und 12) Guthrie spaltet den Plantarlappen. — Zu 
diesen Vorschriften ffir das Hauptverfahren kamen noch ergän- 
zende Yorschläge hinzu; z. B. Malgaigne proponirte die Besec« 
tioD des unteren vorderen Fersenbeinwinkels, der die Kranken 
genire und Schmerzen errege (?I), Huguier wollte den Talus auf 
eeiae hintere Fläche versetzen (II), und Baudensu.s. w. empfah- 
len die Sehnennaht Die zwölf Operationsmethoden entsprangen, 
wttin sie nicht sufUlig durch den Zustand der Weichtheile dictirt 



42 H. Fremmert, 

wurden, aus sehr verschiedenen Motiven; Einige wollten schoell 
operiren, Andere die Schmerzhaftigkeit des Verfahrens mildern, 
der Narbe eiue gute Lage geben, oder endlich der Fersenerhe- 
bung entgegenwirken. Alle unnützen Spielereien zurückweisend, 
möchte ich, wenn die ümst&nde es erlauben, denjenigen Metho- 
den, nach welchen die Sehnen des Fussrückens etwas länger ab- 
geschnitten werden, und der Dorsallappen also nicht zu klein 
ist, den Vorzug geben (welcher Meinung übrigens, wenn wir nur 
die neueren Chirurgen berücksichtigen, Szymanowski nicht si 
sein scheint). Kein Anhänger der Baudens 'sehen üebertiei- 
bung, glaube ich jedoch, dass man, obwohl Textor dabei stets 
Fistelbildung beobachtete, unter umständen beide Lappen sogar 
gleich gross machen kann; in keinem Falle wurde ich durch den 
Zustand der Weich theile dazu gezwungen, und hatte später keinen 
Grund, es zu bedauern. Die Vortheile eines dicht an den Knochen 
abpräparirten, also nicht allein aus der Haut zusammengesetzten, 
massig langen Rückenlappens, bestehen in der, ziemlich bestinuDt 
vorauszusehenden , Verwachsung der Sehnenenden mit den tof- 
deren Gelenkflächen des Sprung- und Fersenbeines. Blandin's 
Untersuchungen (s. S^dillot), das oben angeführte Yerneair- 
sche SectionsprotokoU, und andere Erfahrungen beweisen die 
Möglichkeit des Zustandekommens solcher AnlOthungen. Ist, im 
Gegentheil, den Sehnenstümpfen diese Chance von Hause aas ge- 
nommen, wie z. B. bei dem Richerand'schen Verfahren, so 
müssen sie mit den Weichtheilen verschmelzen, üben keinen, 
selbst nicht den beschränktesten Einfluss auf die Bewegung der 
Knochen aus, und können unangenehme Zerrungen hervorrufen. 
Das sind die einzigen Gründe, welche mir die Bildung eines nicht 
zu kleinen Dorsallappens empfehlenswerth erscheinen lassen; h^ 
deutend genug sind sie jedenfalls nicht, um, wenn der Zustand 
der Weichtheile dieses Verfahren verhindert, auch auf aUe an- 
deren Methoden der Mediotarsalexarticulation zu verzichten. Als 
prophylactisches Mittel der Fersenerhebung hat, selbst wenn mdi 
annimmt, dass diese immer durch Muskelzug entsteht, auch ein^ 
die Verwachsung der Sehnen mit den Gelenk&chen onterstfitzedf 



Zur Kritik und Casniatik der aog. Ghopart'schen Exarticnlation. 43 

der Operationsmodns keine Bedentang, denn die, glücklichen 
Falles, am Knochen neu inserirten Dorsalflexoren werden, wenn 
man sie sogar für normal actionsfthig hält, doch durch das Nä- 
herrücken ihrer Anschlagsstelle zum Stützpunkt des Fusshebels, 
an Kraft verlieren, und keine vollkommen genügenden Antago- 
nisten für den Extensor pedis abgeben. — Die Sehnennaht, welche 
schliesslich von Einigen, z. B. Wattmann (s. Blasius) und 
Baudens (s. Günther), empfohlen wurde, um die gewünschte 
Vereinigung angeblich ganz sicher (??) zu erzielen, ist kaum 
rtatthaft; — obgleich diese Naht im Allgemeinen nicht völlig zu 
verwerfen ist (s. z. B. Chassaignac's glückliche Zusammen- 
heftungen der Sehne des Ext. poll. long.') und Roux's Erfah- 
mngen*)), bleibt sie doch für unseren Fall, wo die nöthige Ver- 
schmelzung ohne Eunsthülfe wohl eben so häufig, als mit dieser 
zu Stande kommt, eine unnütze und nicht ungefährliche Erschwe- 
rung der Operation. — Die auf Erhaltung der normalen Huskel- 
iüsertionspunkte, durch Auswahl näher zur Fassspitze gelegener 
Operationstellen, hinzielenden Verbesserangs vorschlage des Gho- 
part'schen Schnittes bedürfen, da man, ganz abgesehen von 
der gefärchteten Fersenerhebung, schon aus anderen Gründen 
immer so fem wie möglich vom Rumpfe amputiren wird, kaum 
der Erwähnung. Gestatten es die Weichtheile, so wird man im- 
mer, schon um dem Fusse eine grössere Plantarfläche zu gewin- 
Den, nicht allein die Ansatzpunkte der Mm. tibiales et perooaei 
(das Kahnbein, erste Keilbein, Stücke vom 1. und 5. Metatarsal- 
knochen), sondern auch ihre Nachbaren schonen, und also nach 
den Vorschriften und dem Vorgange von G. Hayward (1816), 
Mayor (1834), Schuh (Prager Viertel). 1845, B. L), Laborie 
nndJobert»), Paul (1851)*), Adelmann (1853)«), Ver- 

>) Oansi. Jahresb. f. 1856, B. V., p. 273. (Gaz. des Hop. Nr. 98). 

*) Ganat. Jabreab. f. 1845, B. lU., p. 20. (Gaz. des Hop. 27. Mars). 

') Elements de Ghir. op^r. par A. Gn^rin, 2. ödit, 1858, pag. 166. 

•) Ganat. Jahresber. für 1851, B. V., pag. 138. (Günsbnrg's Zeit- 
Khrift 1851). 

*) Beiträge zar Heilkande. Riga 1858, B. 2., Lief. 3. »Ueber Ampat 
te Fnaaes in den Taraalknochea.* 



44 H. Fremmert, 

neuil (1854)^), Demarquay (1858)*) operiren. — JedenMa 
bat F. Bland! n Unrecht, wenn er die Ghopart^sche Opera- 
tion der, sammtliche Fusswurzelknochen conservirenden, Exar- 
ticulatio metatarso-tarsea vorzieht, and sagt Lisfranc') von 
seiner Argamentation mit vollem Rechte , dass sie npfile et trop 
&ible^ sei. Andererseits darf man, wenn genügend viel Weich* 
theile far den Mediotarsalschnitt vorhanden sind, ihm auch nicht 
höher gelegene Ampatationstypen, den Textor-Malgaigne'- 
sehen, Syme-Pirogoff sehen, Jäger-Syme'schen, oder sogar 
Leno irischen vorziehen, denn diese bringen erst eigentliche 
Verkürzung der Extremität, nebst allen ihren Folgen, mit sich; 
Unterschiede im Mortalitätsverhältnisse existiren kaum bei diesen 
Gliedabsetangen ^). — Um der Fersenerhebung vorzabeugeo, siiul 



») Canst. Jahresb. för 1865., B. V., pag. 220. (Revue »ei-cbir. 
D^cemb. 1854). 

*) Canst. Jahresb. f. 1858, B. V., pag^. 254. (Gas. möd. de Paris. 
Nr. 33.). 

') Fr^cis de M^dec. op^rat. Paris 1846, T. 2., pag. 306. 
*) Obgleich das Gefährliche des Nftherrflckens zum Stamm im Allg^ 
meinen feststeht, und am Deutlichsten aus PauTs grossen statistisclieB 
Tabellen (Die conservative Chirurgie der Glieder, 2. Ausg, 1859) herrorgebt, 
(von 194 in tarso Amputirten starben 49 ^ 25,189^, während bei 1242 
Unterschenkelablösungen der Tod 480 Mal es 38,714 unter 100 eintrat], so 
scheint doch die Sterblichkeii bei den Amputationen fiber den Knebele, 
im Fuss- und im Mediotarsalgelenke ziemlich gleich zu sein. Die ADgabeo 
der einzjslnen Autoren sind freilich durchaus nicht fibereinstimmend, Hefen 
aber immerhin einen Beweis für das Gesagte. Weber giebt an, dass ^oo 
97 nach Ghopart Operirten 14 starben, und zwar kommen auf die in 
Kriege amputirten 29 Personen allein zehn Todesfälle ; die fibrigeo 68 li^ 
ferten eine Mortalität von kaum 6^, während die Ablösung über deo Knö- 
cheln nach Michel in Summe auch nur JL0,3^ Todte aufau weisen btt- 
Robert stellt folgende Tabelle auf: 

durch Traumen geboten: 
Amputationen oberhalb der Knöchel lieferten 12 % Todte 
„ im Tibiotarsalgelenke „ 33% „ 

„ nach Chopart „ 50 ü „ 

wegen organ. Leiden vollzogene: 
Amputationen oberhalb der Knöchel lieferten 20 % Todte 
„ im Tibiotarsalgelenke „ 17 % „ 

^, nach Chopart „ US „ 



Zur Kritik und Oasoistik der sog. Ghopart'schen Exarticolation. 45 

ferner manniehfache Bandagen, orthopädische Apparate, und eigen- 
thämliche Schuhe vorgeschlagen. Verbände die den Fnssstum- 
mel beständig in leichter Flexion erhalten, und wie sie z. B. 
Boyer und Dieffenbach^) empfehlen, werden nicht viel lei- 
sten, können aber immerhin angewandt werden; Szymano- 
wski's gefensterte Gypskapsel, welche die Malleolen nicht zusam- 
mendrücken soll, erweckt in dieser Hinsicht das meiste Yer- 
traaen. Textor wandte ausser den Binden nur noch Seitwärts- 
lagemng der Kranken an, und hat in der That keinen einzigen 
Fall von Fersenerhebung beobachtet. 

Unter den orthopädischen Apparaten verdienen nur die 
künstlichen Füsse von Gornish*) Beachtung; — wellenförmig 
gebogene Hetallfedem bilden einen neuen Pfeiler, und halten 
den vorderen Theil des Stumpfes nach oben gerichtet, leider 
aber ist der Apparat schwer und kostspielig. Auf eine passende 
Fussbekleiduug für die nach Chopart Operirten [legen Laborie 
Sädillot, Erichsen u. A. mit Recht das grösste Gewicht, und 
Ersterer empfahl schon 1843 Stiefel, die eine Vertiefung fBr die 
Ferse, nnd Planum inclinatum mit vorderem höchsten Punkt von 
2 Gm. für das WQrfelbeinende des Galcanens hatten. Södillot 
bUt ein kleines, dickes und resistentes Kissen, welches unter den 
Stumpf placirt wird, und mit den vorderen zwei Dritteln des 
Fersenbeineis und dem Kopfe des Astragalus zusammenpasst, ge- 
radezu für das einzige Hülfemittel gegen die schlimmen Folgen 
der Chopart'schen Operation; ein Kranker Malgaigne's war 
instinktmässig selbst auf diese sinnreiche Ansetzung (ingenieuse 
protbtee) gekommen, indem er einen festen Tampon in den vor- 
deren Theil seines gewöhnlichen Stiefels stopfte, und ausser- 
ordentlich gut marschirte. Das Nützliche des auf so billigem 
Wege ergänzten Schuhwerkes ist zu einleuchtend, um weiterer 
Erklärungen zu bedürfen. — Ankylose des Fussgelenkes (die 



► 



>) Die operative Ohinirgie von J. F. Dieffenbach, Leipsig, Brock 
baoB 1848, pag. 863. 

>) Ganst Jahresb. f. 1858, B. V. , pag. 801. (Lancet U. Nr. 11. und 
15., 1857 und anch Schnfidt's Jahrbb. 1858, Nr. 10.). 



46 H. Fremmert, 

nach Szymanowski Tielleicfat von einer durch Acuponctar 
oder leichte Scarificationen eingeleiteten Entzündung angebahnt 
werden konnte), wurde freilich jede Abweichung der Stampf- 
knochen unmöglich machen, bleibt aber, selbst wenn sie auf 
künstlichem Wege sicher und gefahrlos gelänge (?), immer nur 
ein relativ günstiger Ausgang. Besser wäre es wohl, gerade 
Alles, was zur Zerstörung oder Erschlaffung des Bandapparates 
führen kann, zu vermeiden, oder zu bekämpfen, und erst, wenn 
die Arthrophlogose unabweisbar, eine Zertheilung und Restitutio 
in integrum aber nicht mehr möglich ist, die Gelenkversteifnng an- 
zubahnen. Trägt man überhaupt der Indicatio causalis in unse- 
rem Sinne Rechnung, so wird man, um der Fersenerhebung 
vorzubeugen, den gewöhnlichen therapeutischen Vorschriften für 
die resp Arthrophlogose, das Hydrarthron, die Arthrocace und 
jene zur myopathischen Luxation fuhrende Muskelentzündung 
folgen. 

In kurzer Wiederholung sind also für die Prophylaxis und 
überhaupt für die Behandlung unserer Stumpfabweichung im All- 
gemeinen folgende Sätze aufzustellen: Bei der Operation ver- 
suche man, einen massig grossen und möglichst dicken Dorsal- 
lappen, mit nicht zu kurz abgeschnittenen Sehnen, zu gewinnen, 
verbinde aber nie mit der Exarticulation auch die Durcbschnei- 
dung des Tendo Achillis, oder die Naht der Flexorenstümpfe. 
Zusammenheftung, erster Verband und Nachbehandluug bleiben 
im Allgemeinen die gewöhnlichen. Der Stumpf werde so früh, 
wie möglich, durch Binden (vielleicht durch eine Gypskapsel) 
fixirt, etwas gebeugt, und der Patient selbst auf die Seite gelegt 
Bei heftigen entzündlichen Vorgängen, welche die Sprunggelenke 
in Mitleidenschaft zu ziehen droben, oder in diesen bereits ihren 
Hauptsitz aufgeschlagen haben, verfahre man energisch, empfehle 
die äusserste Ruhe, gebe dem Gliede die richtige Stellung, und 
wende nach Umständen Blutentziehungen, Kälte, (später feuchte 
Wärme), Derivantia, Gompressivverbände und Narcotica an. Ge- 
lenkempyem, Ostitis articularis, Hydrarthron und idiopathische 
Huskelleiden werden nach den allgemeinen Regeln behandelt. 



^ Kn^ land Cjunistik der sog. Ghopart'schen Exartievlation. 47 

Jfr^x^^n ^wexd.e jeder zo frühe Gehversuch verhindert, und 
# ^^ %^l«T noch mit dem entsprechenden Schuhwerk (etwa nftch 
^^tWtY^") eestattet. Tritt trotzdem Dislocation der Stumpf- 
^^ocben ein, so hoffen Dieffenbach, Robert und Andere viel 
^00 orthopl.diBchen Apparaten. Die Achillessehnen-Dnrchschnei- 
>ADg w&re ^oUeicht nur in den verzweifeltsten Fällen zu versu- 
nken, und muBS man zur ultima ratio chirurgorum, zu einer neuen 
f90lieren Amputation schreiten, so ist genau zu erwägen, ob die 
^arch die Fersenerhebung gesetzten Inconvenienzen bedeutend 
^enng sind, einen lebensgefährlichen Eingriff bei dem bereits ge- 
schwächten Patienten zu rechtfertigen. 

Werfen wir jetzt einen Rückblick auf Alles, was im Vor- 
t heri^efaenden über die Retraction gesagt worden, so ist ersicht- 
[ lieh , dass dieser letzteren freilich nicht die untergeordnete Be- 
Identung der übrigen, gegen die Ghopart'sche Operation vor* 
gebrachten Beschwerden gebührt, ihr aber andererseits auch keine 
TIebersch&tzung zu Theil werden darf. Dass nach dem Gho- 
par tischen Schnitte eine pferdefussartige Erhebung des Stumpfes, 
nne das Gehen unmöglich machende Dislocation der beiden 
abrisgebliebenen Fnsswurzelknochen vorkommen kann, steht fest; 
dass die schlimmeren Grade aber im Allgemeinen nicht zu häufig 
smd , and bei rationeller Behandlung wohl auch meist ganz ver- 
mieden werden können, ist ebenso ausgemacht. Die Fersenerhe- 
bung tritt, mit anderen Worten, zu selten auf, und ihre Prophy- 
laxis bietet zu viel Aussicht auf völlige Verhütung des üebels, 
m die Aufopferung aller Vortheile der G hepar tischen Operation 
"(JLMngB des Gliedes, Vermeidung künstlicher Füsse etc.) zu recht- 
hsrtigen. — Sind, kurz gesagt, gerade genug Weichtheile für die 
llediotarBalexarticttlation vorhanden, so darf auch nur sie, nicht 
aber eine höhere Amputation ausgeübt werden. — Ich schliesse mich, 
obc^eich freilich mehrere renommirte Chirurgen, z. BEmmert^), 



i 



*) Lehrb. d. Chir. etc., B. IV., pag. 175: „Wir mfissen diese Exarticu- 
ktion als eine solche, welche einen darchatis nageeigneten Stampf für den 
ttJcdgcbranch zniSflst, verwerfen. Die gfinstigen Erfolge Mancher mögen 
"^ I Gmod in zu kazer Beobachtnngszeit der Operirten haben, oder dar- 



48 H. Premmert, 

Malgaigne^), Nilaton'), Legoaest'), gerade der entge- 
gengesetzten Meinung sind, unbedingt Chelius*), Blasias'), 
Textor*), Weber'), Szymanowski') etc. an, welche, fem 



auf berahen, dass man sich bezflglich der Braachbarkeit des Passes tloscht, 
in deren Beurtheilang die Ansichten sehr Terschieden sein kSnoeo." — 

■) Bardeleben (Lehrb. d. Ghir. etc. B. IV., pag. 873) sagt vod Mal- 
gaigne*8 hartem Urtheil („die Resultate der Ghopart'schen Openticn 
sind überhaupt sehr schlecht"), dass es das des Erfinders der Ampo- 
tation soQs-astragalienne ist. 

*) Nölaton rath , wie Vacqnes (siehe Ganst. Jahresb. f. 1859, 
B. V. pag. 239) in seiner Inangaraldissertation sagt, die Ver&buDg dfr 
Ghopart*8chen Operation nur bei Greisen ond solches Kranken, weich« 
ein sendentftres Leben f&hren. 

*) Legoaest, Prof. am Val-de-Gräce, sagt in seinen „Studien über 
das definitive Resultat der partiellen Pussampntationen, nach den Erfahnis- 
gen des orientalischen Krieges" (siehe Ganst. Jabresb. f. 1856, B. V. 
pag. 214), dass „die Ghopart'sche Operation nnr unter gewissen, onmög- 
lieh Yorauszusehenden, schwer zu erreichenden Bedingungen renssire. Trotx 
mancher glQcklicher Beispiele scheinen die Erfahrungen über sie ebenso ob* 
gOnstig SU lauten, als die Theorie veraussagt. Sie dfirfte deshalb ao3 
der Praxis zu verbannen sein.'* 

*) Handb. der Ghirurgie etc. 1829. „Die Erfahrung hat mich über- 
zeugt, dass bei Walther 's Verfahren die Ferse nicht nach hinten geiogeo 
wird. Die Vorzfige der Lisfranc 'sehen Operation erscheinen weniger be- 
deutend, wenn man die grossere Schwierigkeit der AusfÜhrniig nnd die 
Umn<Sglichkeit einer genauen Lappenbildnng bedenkt/* 

«) Blasius, Handb. der Akiurgie, 3. B., 2. Theil, pag. 9%: „Msg dob 
eine^ Heraufziehnng der Ferse, die von manchen Ghirurgen gar nicht, yob 
anderen in sehr geringem Grade beobachtet worden, immerhin eintreten, so 
haben nichts desto weniger bedeutende V ortheile der Amputatio cmris gH 
genfiber Statt, und Larrey giebt der letzteren ganz mit Unrecht den Vortag' 

•) Textor (Journ. der Ghirurgie u. Augenheilk. von Walther QQ^ 
Ammon 1846, S. 302) glaubt die Retraction immer vermeiden zn i^^^^j 
nen, und findet es beklagenswerth, wenn diese heilsame und flberaos 
vortheilhafte Operation in Misscredit und Vergessenheit käme. 

') Weber (Deutsche Klinik fflr 1855, Nr. 2., 3.u. 4.) meint, „dass sQj 
Beibehaltung der werth vollen Ghopart 'sehen Methode ermonteri 
werden mtlsse; der allerdings oft beobachteten Retraction und dem Aal 
treten auf die Narbe, lässt sich theils vorbauen, theils nachträglich abhelfen 

•) Szymanowski (Ganst, Jahresb. f. 1861, B. V., S. 283 n. v. Laij 
genbeck's Archiv B. I., Heft 2.) hält sich in seiner Kritik der L| 
gou est' sehen Mittheilungen für berechtigt, beim Befolgen gewisser F 
schlfige, auf einen günstigen Ausgang rechnen zu können» 



Zur Kritik und Gasuistik der sog. Ghopart^Bcben Exarticulation. 49 

Ton Blandin^s Hyperlob, entschieden zur Beibehaltung der 
Ghopart* sehen Operation ermuntern. 

Um zu zeigen, wie wesentlich diese, aus obiger Untersuchung 
der Arbeiten Anderer resultirende Ansicht in mir durch die Er- 
folge meiner eigenen Doppeloperation befestigt und gekräftigt wer- 
den moßste, gebe ich hier zum Schlüsse die Details dieses Fal- 
les in kurzen Umrissen; — wodurch mein casuistischer Beitrag 
eio grösseres Recht auf Veröffentlichung beanspruchen kann, als 
2. B. diejenigen von Listen^? Fergusson') und Verneuil'), 
habe ich bereits in der Einleitung gesagt. 

Afimja Iwanowna, Dieostmagd, 22 Jahre alt, anverehelicht, hatte 
am 24. Mfirz 1864 die Stadt plötzlich verlassen, und Tag nnd Nacht, ohne 
Spei&e nnd Trank, wandernd, den Ladogasee erreicht Auf diesem, der 
aoe\i mit Eis bedeckt war, fand man sie einige Tage später in kläglichem 
Zofttande, lieferte sie am 29. desselben Monats im Petersbarger Alexander- 
Hospital ab, und daselbst stellte sich sogleich heraas, dass die UnglOckliche 
beide Fflase von der Spitze bis etwa zur Articalatio metatarso - tarsea er- 
frorea habe. 2^hen und Mittelfoss waren geschwollen, dankelblaa, nnd so- 
rohl an ihrer Dorsal-, als an der Plantarfl&che mit grossen Blasen be- 
deckt. Das Allgemeinbefinden war zufriedenstellend, der Puls nur wenig 
bescUeuiiigt (90 in d. M.), die K^rpertemperatnr nicht erhöht, Schlaf und 
Appetit gut, die Schmerzen unbedentend. — Die erfrorenen Theile wnrden 
ba.ld 1>randig, und machten tlberhaapt in den folgenden sechs Wochen die ge- 
«-ähnlichen Verändernngen durch. Während sich an beiden FQssen, etwas 
^or dem Tarso-Metatarsalgelenke eine regelmässig gezeichnete, stark eiternde 
lind t;iefe Demarcationslinie bildete, mamificirten die Zehen; vom Mittel- 
fosae fielen grosse Fetzen der Weichtheile ab, and die Knochen waren au 
oiefareren Stellen entblösst. Der Universalzastand blieb in der ganzen Zeit 
ein nngetrfibter. — An beiden Extremitäten masste endlich zur Ablösung 
des Vorfnases geschritten werden, nnd zwar konnte man sich, da das All- 
gemeinbefinden eine regelrechte Operation gestattete, nicht mit einer ein- 
fachen Absägung der Knochen an der Demarcationslinie begnügen. Als vom 
Rumpfe entfernteste Ampatationsstelle wies sich, wenn man genflgende Lappen 
gewinnen wollte , das zwischen Galcaneas and Astragalns einerseits , und 
Oa oavicnlare und cuboideam andererseits befindliche Gelenk aas; genaue 



') Ganst. Jahresb. f. 1842 (Lancet B. 2 , Nr. 13.). 
') Canst Jahreab. f. 1843 (Lancet Vol. L, Nr. 20.) 
'} Gazette des flöpitaax 1858, Nr. 22. 

▼. Laig«Bbeclc, Arcblr f. CJUtorgie. IX. 



50 H- Fremmert, 

MessoDgen der yorhandenen gesanden Weichtheile Tersprachen an beiden 
FQssen nnr dann völlige Schliessung der Operationswunde, wenn man die 
Mediotarsaiezarticulation vornahm. 

Am 11. Mai schritt ich denn auch, in Gegenwart der Herren Doc- 
toren Person, Hejfelder, Lapnschinsky, Haberrettel, Büttig, 
Linsse etc., zn dieser Absetzung des linken Vorfnsses, und am 21. zu der 
des rechten. Die Weichtheile des inneren Fussrandes wurden ducch einen 
einfi&chen geraden Schnitt vom Hdcker des Kahnbeins bis zur Demarca- 
tionslinie gespalten und auch die des äusseren durch eine ähnliche, fast 
1" hinter der Basis des fünften Mittelfussknochens beginnende und eben- 
falls an der Qränze der gesunden Theile endigende Incision getheilt Der 
so entstandene Dorsallappen wurde jetzt (von der Demarcationslinie ans) 
dicht von den Knochen abpräparirt und zurückgeschlagen , darauf die Ex- 
articulation vorgenommen, sofort der Plantarlappen abgelöst, und die Artt. 
dorsalis pedis, plantaris externa et interna unterbunden, oder torquirt — 
Da die Gränzlinie der brandigen Theile scharf wie ein Zirkelschnitt am 
beide Füsse herumlief, so hatten wir zwei völlig gleich grosse Lappen, die 
nur einer unbedeutenden Abrundung bedurften; sie wurden durch Knopf- 
nähte zusammengeheftet, und reichten gerade nur zur Bedeckung der Ge- 
lenkflächen aus. Bei gewöhnlicher Behandlung der Stümpfe (Verband, Eis- 
blase, später permanente warme Fussbäder etc.), nahm das traumatische 
Fieber seinen normalen Verlauf; nur am 1. Juni, als sich am linken Fasse 
ein Erysipel zeigte, erreichten die Erscheinungen eine lebensgefährliche 
Höhe (Temp. in der Axilla 41,4 <» C., Puls 120—140), und forderten energi- 
schere Behandlung. Als ich Patientin am 15. d. M. verliess, um eine Reise 
in^s Ausland anzutreten, war sie bereits völlig fieberfrei, und empfand durch- 
aus keine Schmerzen; die Stumpfknochen zeigten nicht die geringste Ten- 
denz zur Verschiebung, und die Vernarbung der Wunden war fast vollendet. 
Am 29. Juli scheinen die ersten Gehversuche gemacht^ bald aber wieder auf 
einige Zeit aufgegeben worden zu sein, da noch keine passende Fussbeklei- 
dung vorhanden war. Ich fand die Operirte nach meiner Rückkehr, im Spät- 
herbst, in vortrefflichem Zustande, das Gehen war freilich noch nicht sicher, 
aber der Stumpf konnte nach Wunsch gebeugt und gestreckt werden, und 
liess keinen Gedanken an Abweichung aufkommen. Da sich das arme 
Mädchen noch scheute, einen, beständiges Laufen und Stehen erfordernden 
Dienst, wie sie ihn früher gehabt hatte, anzutreten, und sich leider augen- 
blicklich auch kein passenderes Unterkommnn fand, so wünschte sie in einer 
Verpflegungsanstalt placirt zu werden. Am 4. Januar 1865 trat sie denn 
auch in das städtische Armenhaus bei Smolna ein, und erst im Juli dessel- 
ben Jahres konnte ich sie in Gesellschaft des Herrn Dr. Hein rieh sen 
wieder besuchen. Patientin tummelte sich munter umher, und wir erstaunten 



Zar Kritik and Casnistik der sog. Ohopart^schen Exarticnlation. 51 

über die Sicherheit ihres Ganges. Dieser zeigte freilich nicht die gewöhn- 
liche filasticitäty and hatte etwas Stampfendes, konnte aber durchaus nicht 
mit dem Gehen anf Stelzfüssen verglichen werden. In der besten Laune 
enablte sie uns, dass sie sogar tanzen künne, nnd ihr Oberhaupt beim Ste- 
hen nur eine zu grosse Beugung des Oberkörpers nach vorne unmöglich sei. 
Die Fussbekleidnng bestand ans kleinen, mit sehr kurzen Schnäbeln ver- 
sehenen Lederstiefeln, welche an der Spitze mit Baumwolle, die sich unter 
den emporsteheoden vorderen Stumpftheil schob, ausgestopft waren. — 
Patientin konnte die Tarsusreste wilikörlich bewegen, und namentlich fiel 
die kräftige Flexion auf. Die länglich -runden Plantarflächen waren vorne 
schmaler als hinten, und massen in der Länge 11 Cm., in der Breite 5,5-> 
(>,') Cm. Auf den Narben zeigten sich kleine callusartige Haut verdickungen; 
Sparen von Knochendislocation waren nicht vorhanden. In demselben er- 
freulichen Znstande fand ich die Amputirte auch bei meinem letzten Be- 
sache am 18. Mai 1866, d. h. gerade 2 Jahre nach der Operation. Sie be- 
schäftigte sich viel mit Näharbeiten, macht aber häufig weite Geschäfts- 
gänge, ohne die geringsten Beschwerden, und behauptet, gerne einen passen- 
den Dienst annehmen zn wollen. 



HL 

Beobachtimgs-StudieD über Wundfieber und 
accidentelle Wundkrankheiten. 

Voo 

Dr. Th. Blllroth. 

(Dritte Abhandlung. Scblass.) 
(Hierzu Tabelle L bis VI.) 



Rfickblick. 
Die beiden unter obigem Titel von mir in diesem Archiv 
(Band IL pag. 324 und Band VI. pag. 372) veröffentlichten Ar- 
beiten greifen das Object der Untersuchung in verschiedener Wei^e 
an. Der erste Artikel ist ein Referat über eine Reihe von kli- 
nischen Beobachtungen, ein Versuch, die Resultate der thermo- 
metrischen Messungen an fiebernden chirurgischen Kranken ge- 
ordnet zusammenzustellen; es blickt dabei das Bestreben de> 
Verfassers durch, einen Typus, eine Regel zu finden, unter vtrelche 
sich die Erscheinungen etwa bringen Hessen, — ein Bestreben, da< 
im Ganzen v^enig Erfolg hatte, lieber den physiologischen Zu- 
sammenhang von Fieberursachen und Fiebererscheinungen wurde 
damals nicht discutirt, sondern stillschweigend angenommen, das 
Fieber, zumal die erhöhte Temperatur des Blutes, sei die Folge 
einer Erregung gewisser, die Körperwärme regulirender Herde 
in den nervösen Centralorganen ; beim Wundfieber erfolge die.«^e 
Erregung von den peripherischen Nerven her, welche ihrerseits 
wieder durch den Act der Verletzung^ selbst, so wie durch die 



Ueber Wundfieber not] accideotelle Wundkrankheiten. 53 

nachfolgende £ntzundnng gereizt werden. Bei dieser AufFassung 
fehlte es an jeder theoretischen Vermittelung zwischen dem Wund- 
fieber und den Infectionsfiebem (Pyämie, Septicaemie u. s. w.); 
letztere mussten damals anter allen Umständen als etwas neu 
Hinzukommendes, etwas ^Accidentelles** erscheinen. Die Beob- 
achtung lehrte freilich bald, dass Wundfieber, wie Infectionsfieber 
in innigem Zusammenhange mit der Wunde und ihren Metamor- 
phosen stehen; so lange aber die Wärmequelle des Organismus 
nur durch die peripherischen Nerven mit der Wun^le vermittelt 
war, blieb der Zusammenhang aller der in Rede stehenden Krank- 
heiten ein lockerer, ein äusserlicher. Ich veröiTentlichte die Re- 
sultate meiner Beobachtungen ohne rechte innere Befriedigung. 

Der zweite Artikel (Bd. VI. pag. 372.) ging von experi- 
mentellen Studien über die Folgen der Jaucheinfection aus. Es 
wurde bewiesen, dass nach Injection von Jauche in's Blut, oder 
in^s ünterhautzellgewebe Fieber eintritt; das gleiche geschieht 
nach Injection von schlechtem Eiter, ja auch nach Injection 
Ton gewöhnlichem frischen Abscess- und Wundeiter. 
Für Thiere, zumal für Hunde, sind Jauche (animalische und ve- 
getabilifsehe putride Stofie, in Flüssigkeiten aufgelöst oder sus- 
pendirt), und die verschiedensten frisch gebildeten Eiterarten 
gleich fiebererregend, sei es, dass sie direct oder indirect 
(vom ünterhautzellgewebe aus) in's Blut gelangen. — Folgende 
Schlüsse aus diesen Experimenten scheinen gerechtfertigt: Es ist 
erwiesen, dass ein frisches Entzündungsproduct (Eiter), Thieren 
in*3 Blot eingebracht, Fieber erregt; es ist statthaft, anzunehmen, 
dass dies beim Menschen ebenso sein wird; wenn also beim 
Menschen Producte der Entzündung aus den entzündeten Gewe- 
ben in^8 Blut gelangen, was höchst wahrscheinlich durch die 
Lymphgefässe und Venen nicht selten geschieht, so wird dadurch 
die Entstehung des Fiebers vermittelt; oder anders und kürzer 
ausgedrückt: das einer Entzündung folgende Fieber, 
und zumal das Wundfieber, ist die Folge einer Blnt- 
intoxiesLtiony einer, wenn auch gewöhnlich leichteren 
(phhgistißcben^ Infection. 



; 



54 Dr. Tb. Billroth, 

Icli habe dann versucht, die verschiedenen Möglichkeiten zu 
sichten, welche man über die Art, wie der in's Blut eingetretene 
Stofif die Fiebererscheinungen vermittelt, aufstellen kann; dies 
fuhrt zu höchst schwierigen und verwickelten, bis jetzt, wie es 
scheint, unlösbaren Problemen, auf die ich nicht mehr zurück- 
komme. — Es ist ferner in jener Arbeit nachgewiesen, dass auch 
getrocknete, staubförmige putride Stoffe und Eiter pyrogen wir- 
ken, und es wurde gezeigt, wie diese Stoffe möglicherweise in 
den Organismus eindringen können. — Endlich ergab sich bei 
diesen Beobachtungen, dass Eiter und Jauche nicht nur sehr stark 
wirkende pyrogene Körper seien, sondern auch am Orte der In- 
fection Entzündung erregen, also auch phlogogen wirken, eine 
übrigens früher schon durch zufallige Beobachtungen genügend 
bekannte Erscheinung. 

Es giebt, wie aus einer anderen Experimentenreihe weiter 
hervorgeht, eine grössere Anzahl pyrogener Stofie; einige im Eiter 
und in Jauche enthaltene einfachere chemische Körper besitzen 
in besonders hohem Maasse pyrogene und phlogogene Eigen- 
schaften. Es fand sich bei diesen Untersuchungen, dass andere, 
auch gelegentlich im Organismus entstehenden Stoffe (z. B. koh- 
lensaueres Ammoniak) in's Blut injicirt, die Körpertemperatur be- 
deutend herabzusetzen vermögen. Da es indessen für jetzt kei- 
nen besonderen Werth zu haben scheint, erschöpfende Versuchs- 
reihen über die pyrogene Wirkung aller möglicherweise am Thier- 
körper vorkommenden, einfachen und zusammengesetzten Stoffe 
anzustellen, so wurden diese Experimente nicht weiter fortge- 
führt. — Dies der wesentlichste Inhalt meiner zweiten Fieberarbeit. 

Gleichzeitig, und unabhängig von meinen experimentellen 
Studien arbeitete 0. Weber in gleicher Richtung; die Resultate 
seiner Experimente stimmen mit den meinen fast vollkommen 
überein; auch zog er dieselben Schlüsse daraus,, wie ich. Weber 
hat zunächst vor mir in kleinen Mittheilungen, die nicht zu mei- 
ner Kenntniss kamen, dann in seinen höchst interessanten und 
wichtigen Arbeiten i^ der „Deutschen Klinik*^ (1864) seine Beob- 
achtungen niedergelegt. Er hat einige wichtige Punkte noch 



Deber Wundfieber und accideatelle Wundkrankheiteo. 55 

weiter gefuhrt, als ich; über diese muss ich hier einige Bemer- 
kuBgea einschalten. 

Weber hat in einer besonderen Abhandlung seine thermo- 
electriscben Untersuchungen fiber die Temperatur entzündeter 
Körpertheile niedergelegt, und gefunden, dass die Temperatur 
entzündeter Theile immer höher ist, als die des arteriellen Blu- 
tet«; er sucht dies auch noch dadurch zu beweisen, dass er das 
venOse Blut, welches aus einem Entzündungsherd kommt, wär- 
mer bnd, als das zuströmende arterielle. Der Schluss hieraus ist: 
es wird Wärme beim Entzündungsprocess producirt. Wenn man 
diese äusserst subtilen Experimente nicht nachmachen kann, (es 
fehlen mir dazu Apparate), so ist die Mittheilung vorläufig ein- 
lach als richtig anzunehmen, da sie an sich nichts Unwahr- 
scheinliches enthält. Wie bedeutend die Wärmeentwickelung 
in einer gegebenen Entzündungsfläche sein müsste, um in einer 
gegebenen Zeit eine gegebene Masse Blut etwa um 1 Grad höher 
zu erwärmen, das zu berechnen, liegt nicht in meiner Macht. 
Ob es möglich ist, hierüber exacte Berechnungen anzustellen, 
weiss ich nicht Meine thermometrischen Messungen über die 
Temperatur entzündeter Theile, im Verhältniss zur Temperatur 
des Blutes, haben Resultate ergeben, die mir eher gegen die An- 
nahme einer Wärmeentwickelung in den entzündeten Theilen zu 
sprechen schienen; doch meine Schlüsse sind vielfach angegriffen; 
es scheint, dass thermometrische Messungen zur Lösung der Frage 
über die Wärmebildung in entzündeten Theilen nicht ausreichen. 
Ich möchte indess an einen Versuch erinnern, den ich zu anderen 
Zwecken früher anstellte und mittheilte; man lege einen gesun- 
den Menschen einen Tag lang in's Bett, belege ihm einen Arm 
mit 2 bis 3 Eisblasen, und messe in der anderen Achselhöhle 
die Temperatur; man wird finden, dass die starke Wärmeentzie- 
hung am Arme keinen merkbaren Einfluss auf die gesammte Kör- 
pertemperatur hat Das Umgekehrte wird mutatis mutandis Statt 
haben, wenn man einen Arm mit heissen Kataplasmen stunden- 
lang belegt hält, d. h. die Bluttemperatur wird dadurch nicht er- 
höht, obgleich einem Körpertheile künstlich Wärme zflfceffihrt 



56 ör. Tb. ßillroth, 

wird. — So wenig ich an der Richtigkeit der TV eher 'sehen Un- 
tersachuogen zweifeln möchte y so wenig möchte ich darauf eine 
Fiebertheorie stützen. Dies ist auch der Eindruck, den Weber 
selbst von diesen Versuchen hatte; er lässt das eventuell in den 
entzündeten Theilen entwickelte Wärmequantum ganz ausser Be- 
rücksichtigung in seiner etwas später folgenden ausführlichen Fie- 
berarbeit 

Während ich bei meinen Experimenten schwaches Schwefel- 
wasserstofiwasser als einen ziemlich indifferenten Stoff für Hunde 
erfand, zeigen einige Experimente von Weber, dass nach In- 
jection von starkem Schwefelwasserstoffwasser Anfangs Tempe- 
ratur emiedrigung, dann aber Temperaturerhöhung und Diarrhoe 
folgte; in dem einen Experimente fiel die höchste Fieberhöhe aof 
den ersten (Taf. V. Exp. III), im zweiten Experiment (Tat V. 
Exp. II.) auf den dritten Tag der Vergiftung. Weber fand fer- 
ner, dass Buttersäure ein höchst giftiger, die Temperatur sehr 
herabsetzender Körper sei. 

Während ich nach meinen Experimenten annehmen zu mnmn 
glaubte , dass im Eiter die zelligen Elemente hauptsächlich als 
die fiebererregenden zu betrachten seien, hat Weber nachgewie- 
sen, dass auch Eiterserum, von Zellen möglichst befreit, Fieber 
erzeugt. — Das Experiment über die pyrogene Wirkung von 
Flüssigkeit, welche entzündete Gewebe durchtränkt, (Taf. !• 
Exp. IV.) kann ich nicht als ganz beweisend zugeben, da die 
Flüssigkeit aus einer Leiche stammt. — Sehr wichtig ist die er- 
folgreiche Infection eines Thieres mit seinem eigenen Wnndeiter 
(Taf. I. Exp. in). 

Ganz neu und bedeutend sind die höchst interessanten und 
erfolgreichen Experimente über die fiebererregende Wirkung 
des transfundirten Blutes fiebernder Thiere auf gesunde Thiere 
(Taf. IV). Es wird durch diese Versuche direct bewiesen, dass 
das Fieberblut einen auch auf andere Thiere übertragbaren Fer- 
mentstoff enthält. Die Versuche bieten noch besonderes Inte- 
resse durch die grosse Verschiedenheit in der Schnelligkeit der 
Wirkung des eingespritzten Blutes, indem in manchen Fallen 



Oeber Wundfieber and accideo teile Wuudkrankheiten. 57 

die höchste Fieberhöbe auf den dritten, in anderen erst auf den 
sechston Tag der Vergiftung f&Ut. 

Auf die wichtigen Experimente Weber's über die Entste- 
hung der metastatischen Abscesse komme ich bei Gelegenheit der 
Pjäfflie zuTuck. 

Eine in Kurzem zusammengestellte Uebersicht der betreffen- ^ 
den, von Weber und mir angestellten Fieberexperimente wird 
manchem Leser willkommen sein. (S. Taf. I. bis V.) 

Man hat bis jetzt weder gegen die von Weber und mir 
eingeschlagene Methode des Experimentirens , noch gegen die 
daraus gezogenen Schlüsse Widerspruch erhoben; ob das Fieber 
immer als phlogistische, pumlente, septische Intoxication auEzu- 
iassen ist, ob es nicht doch noch möglich sei, durch directe &r- 
regang der betreffenden, freilich auch noch unbekannten Nerven- 
Zentren Fieber zu erzeugen, das steht dahin; dass organische 
Sifte, JTyphusgift, Scharlachgift u. s. w., wenn sie in den Körper, 
respeetive in's Blut eintreten, pyrogen wirken, wird nicht bezwei- 
lelt; diese Infectionsstoffe sind in Betreif ihrer pyrogenen Wir- 
kung dem Eiter, den putriden Steifen u. s. w. vollkommen gleich- 
zusetzen. Mothwendig erscheint es mir freilich nicht, weder aus 
theoretiBchen, noch aus practischen Grflnden, eine weitere Fie- 
berarsache anzunehmen; man wird indess abwarten müssen, bis 
fich diese neuen Anschauungen nicht nur bei den Chirurgen, son- 
dern auch bei den Pathologen mehr Bahn gebrochen haben, ehe 
man über die Fieberursachen im Ganzen ein ürtheil feststellt. 



Wenn ich nun von dem neuen Standpunkte aus meine erste 
Fieberarfoeit überblicke, so treffe ich auf so mancherlei Aeusse- 
ntngen, theoretische Bemerkungen, Deutungen, die ich jetzt nicht 
i&ehr Tertheidigen möchte. Die Beobachtungsfacta stehen selbst 
*abei starr da ; sie bedürfen nur einer anderen Interpretation, um 
fie besser zn verstehen; interessant ist es mir, dass die Resul- 
^t^: selbst die numerischen, die damals aus einer, wie mir jetzt 
^tinty ziemlich kleinen Anzahl von Beobachtungen kühn zusam- 



58 Dr. Th. Billroth. 

mengestellt sind^ sich in nichts Wesentlichem ge&odert haben; id 
habe jetzt fiber das vier- bis sechsfache Material zu gebieten^ und 
die Resultate sind, die Temperaturbeobachtongen betreffend, so 
ziemlich dieselben. 

Es scheint mir nun nicht der Mühe werth, eine YergleichuDg 
zwischen meinen beiden Fieberarbeiten durchzufahren, am za zei* 
gen, wo sich die darin ausgesprochenen Ansichten widersprecbeo, 
wie dies bei so ganz yerschieden theoretischen Ausgaoggpaoktefl 
der Fall sein musste; ich wusste nicht, wen eine solche Aogeiii- 
andersetzung interessiren sollte. 

Die Aufgabe, welche ich mir für dies Mal gestellt habe, ist, 
noch ein Mal mein gesammtes Material an Beoback« 
tungen, zumal Temperaturniessungen über Wond- 
fieber und accidentelle Wundkrankheiten, zasammeo' 
zustellen, die klinischen und experimentellen Beob- 
achtungsresultate zu vergleichen, und zu untersufbeO) 
wie weit beide mit einander übereinstimmen. 

Ich bin weit entfernt, Alles über diesen Gegenstand wiedei- 
holen zu wollen, was ich früher bereits erwähnt habe; nur uf 
die Hauptpunkte möchte ich die Aufmerksamkeit der Leser nodi 
ein Mal lenken, und einige neue Gesichtspunkte dabei berabrea. 

Um sich über das Wesen einer Krankheit eine AnBchauoiig 
zu bilden, dazu gehört vor Allem die möglichst genaue Aoaljäe 
der wichtigsten Symptome, des anatomischen Befundes, der ätio- 
logischen Momente etc. bei einer möglichst grossen Zahl genau be- 
obachteter Fälle. Dieser klinische Weg der Forschung ist freiliti} 
im Vergleich mit demjenigen der directen anatomischen nnd ex* 
perimentellen Untersuchung, ein sehr mühsamer, nnd wird es 
immer mehr, je skeptischer das Publicum gegen allgemeio aus* 
gesprochene Ansichten wird, von denen man nicht weiss, wu 
stark ihre factische Unterlage ist. Die Beobachtungen, weicht 
hier zusammengestellt sind, konnten natürlich nicht von mir alleit 
gesammelt werden ; um in einer grossen chirurgischen Abtbeiluot 
dauernd über jeden Kranken Journale zu fuhren, dazu bedarf e 
einer systematischen Vereinigung von Arbeitskräften ; von Osten 



Ueber Wundfieber ond accidentelle Wu udk rank bei ten. 59 

lä60 bis Herbst 1866 sind mehrere Taugende von Krankenge- 
scbichten auf meiner Abtheilung geschrieben, wie ich hoffe, nicht 
vergeblich; ich habe alle diese Beobachtungen geordnet, und 
hoffe, einen Theil derselben bald der Oeffentlichkeit übergeben 
zu können. Ueber tausend Fiebercurven von chirurgischen Kran- 
ken sind gezogen, und zu dieser Arbeit verwendet. Die Zahl 
der Herren Assistenzärzte und Assistenten, welche mir durch 
ihren regelmässigen Fleiss die Möglichkeit gaben, diese Arbeit 
lü machen, an der sie den wesentlichsten Amheil haben, ist be- 
reits so gross, dass ich hier nicht alle namentlich aufführen kann ; 
fVh sage ihnen hiermit meinerseits den besten Dank für ihre thä- 
^ige Mitarbeiterschaft. 



Capitd XVUL 

Von dem einfachen Wundfieber. 
Leichtere Formen von septischer und phlogistiächer Infection. 
Septische und purulente Infectionsfebricula. 
§. 1. Es giebt eine sehr grosse Anzahl, zum Theil 
schwerer Verletzungen, bei welchen überhaupt gar 
tein Fieber auftritt, oder bei welchen erst nach meh- 
reren Tagen sich Fieber zeigt, während die ersten 
Tage nach der Verletzung fieberfrei waren. 

Diese Beobachtung, welche ich auch früher schon voran- 
stellte, ist theoretisch von sehr grosser Wichtigkeit; sie spricht 
im meisten gegen die Theorie, dass das Fieber durch die Rei- 
ung der verletzten peripherischen Nerven vermittelt werde, denn 
^ ißt kaam denkbar, dass die nervöse Reizbarkeit bei zwei go- 
lden, gleicbalterigen, in allen äusseren Erscheinungen ähnlichen, 
■Hier gleichen Verhältnissen verletzten und behandelten Indivi- 
■len sich so verschieden äussert, wie es wirklich der Fall ist; 
ftb will es allenfalls noch gelten lassen, dass die Intensität des 
r!«bers von einer solchen nervösen Reizbarkeit abhängig sein 
r^no, doch dass das Fieber unter gleichen Bedingungen bald am 
^teo, bald am dritten, oder gar erst am siebenten oder zwanzig- 



ßf) Dr. Th. Billroth, 

t^ten Tage anfangen soll, das ist doch bei dieser Theorie kaoi 
zu hegreifen, obgleich ich mir freilich frfiher auch in diesei 
Punkte nicht anders zu helfen wusste, als durch die Sappositii 
einer verschiedenen Reizbarkeit auch in Betreff der Zeit, in we 
eher die Wirkung des Nervenreizes als Wärme zum Vorschel 
kommt. 

Was lässt sich jetzt über das erv^&hnte Factum vorbringen 
ÄUB den Infectionsexperimenten geht hervor, dass die pyrogei 
Wirkung des beigebrachten Giftes fast unmittelbar nach derll 
fection beginnt, und im Verlaufe von 2 — 4 Stunden schon i 
hö€hBten Wirkung kommt. Wir dürfen also auch wohl fnr di 
Menschen annehmen, dass einer Fiebertemperatur die pyrogei 
Into^ication nur wenige Stunden vorhergegangen ist; dies i 
auch practisch für die Beurtheilung von Ursacheu von Nachfiebei 
sehr wichtig. Welches mögen nun die Stoffe an der Wunde sei 
die das Wundfieber erzeugen: wahrscheinlich Blut, welches iv 
sehen Wundrändern, in Taschen, in aufgelegter Gharpie etc. 6i< 
aüBummelt und zersetzt, Gewebsdetritus mortificirter Partikel d| 
Wündränder, zersetztes Serum, welches diese mortificirten G^ 
webe noch durchtränkt, Umsetzungsstoffe in dem noch lebendige 
doch von ec tatischen Gefassen und Millionen junger, neag 
deter Zellen durchsetzten Gewebe. Alle diese Dinge sind ab4 
freilieh mehr oder weniger an jeder Wunde vorhanden, sie müssel 
doch erst in's Blut gelangen, wenn sie Fieber erzeugen solla 
Eh Igt unzweifelhaft möglich, selbst bei complicirteren Wandel 
da^s sich die gesetzte KreislaufsstOrung durch GoUateralen 
schnell, so vollständig ausgleicht, dass femer alle Thromben 
Blut- und Lvmphgefässen so fest geronnen sind, sich ancb a 
rasrli zu Bindegewebe organisiren, — so dass weder von d< 
Wundfläche, noch aus den Wundrändern etwas resorbirt win 
Dies wäre der absolut normale, man möchte sag« 
ideale Fall; er ist bei kleineren einfachen Wunden die Re«f 
bei grösseren die Ausnahme. 

Weit gewöhnlicher ist es, dass Resorption erfolgt, dasg ^< 
nig^tens bei complicirteren Wunden Fieber eintritt, und «war 



Eeber Wandfieber and accidentelle Wundkrankheiten. 61 

^eti der Zeit, in welcher die Resoiiptipii' erfolgt, früher oder spä- 

^r, in Bezug darauf können die Yerhältnisse der Wunden vieler- 

\4ei Verschiedenheiten bieten und danach der Fieberanfang schwan- 

^eo, wenngleich diese Schwankungen nicht so ganz willkürlich 

siad, wie sich bald ergeben wird, weil sie von anatomischen 

Vorgängen abh&ngig sind. 

Noch ein anderer Gedanke ist hier einzuschalten: es ist 
bekannt, dass viele Infectionskrankheiten den Menschen nur ein 
Mal hefidlen. Sollte Jemand, der früher ein Wundfieber, sei es 
ein leichtes oder schweres, gehabt hat, später dagegen geschützt 
sein? giebt es eine erworbene oder angeborene Immunität ge- 
gen septische Infection? Die Experimente an Hunden zeigen 
dies nicht an: wenn ein Hund ein septisches Infectionsfieber über- 
standen hat, 80 schätzt ihn dies keinesweges dagegen, dass er 
bei nener Infection schwer erkrankt. Ich möchte indess in die- 
ser Beziehung nicht endgültig urtheilen: die Beobachtung lehrt 
z. B. in Betreff der Leicheninfectionen, so wie auch in Betreff 
febriler Folgen bei grossen Jauchungen, dass es manche Individuen 
giebt, die bei geringster Veranlassung häufig, andere, die trotz 
häufiger Veranlassung selten erkranken. Vielleicht hat dies rein 
Örtliche Gründe: beim Einen geht die Resorption leicht, beim An- 
deren schwer von Statten; vielleicht liegt es auch in einer grösse- 
ren chemischen Resistenz des Blutes: was das Blut des Einen 
io die lebhafteste chemische Action versetzt, lässt dasjenige eines 
Anderen vielleicht ganz in Ruhe; in dieser Beziehung ist man- 
ci^erlei möglich; vrir wissen über die hier in Frage kommenden 
Momente nichts ; der Phantasie ist hier freier Spielraum gelassen ! 
§. 2. Das Wundfieber beginnt am häufigsten inner- 
halb der ersten 48 Stunden (in 87,7 pGt. aller Fälle). 

Hierzu habe ich Folgendes zu bemerken: ich nenne Wund- 
äeber dasjenige Fieber, welches der Verwundung zunächst folgt; 
ein Fieber, welches erst mit dem Beginn der Eiterung am 5ten 
Tage, und später, beginnt, bezeichne ich nicht mehr einfach als 
Wandfieber, sondern als Eiterfieber, oder allgemeiner, als Nach- 
feier. Ferner habe ich bei den statistischen Zusammenstellun- 



62 Dr. Th. Billroth, 

gen der Fiebercurren an dem früheren Princip festgehalten, nur 
da Fieber anzunehmen, wo die Temperatur (wenn auch nur ein 
Mal) über 37,9** hinausging, weil dies nach meinen früheren 
Messungen als das normale Maximum zu betrachten ist; da ich 
sehr rigoros in dieser Beziehung verfuhr, so ist eine Anzahl 
sehr geringer Temperaturerhebungen gar nicht in Rechnung ge- 
zogen, weil sie unter dem normalen Maximum blieben. Die 
Zahl der als einfaches ' Wundfieber bezeichneten Curven ver- 
ringert sich ferner, und zwar erheblich dadurch, dass ich nur 
ganz vollständige Beobachtungen verwerthet habe, endlich nur 
Fälle, in welchen die erste Temperaturmessung noch am Tage 
der Verletzung selbst (am ersten Erankheitstage) gemacht wer- 
den konnte, während keine Fälle gezählt sind, in welchen die 
Kranken erst zwei oder mehrere Tage nach der Verletzung m 
Spital gebracht wurden. Es sind ferner alle Fälle eliminirt, ia 
welchen sich das Wundfieber in ein tödtliches, septisches, oder 
Eiterfieber fortsetzte, dagegen diejenigen Fälle benutzt, in weIcheD| 
der Kranke nach dem Wundfieber schon wieder fieberfrei war, 
bevor ein Nachfieber in ein tödliches Infectionsfieber überging. 
Bei strenger Wahrung aller dieser Rücksichten bleiben mir 273 
Curven von einfachen Wundfiebem übrig, aus welchen sich er- 
giebt, dass das Fieber anfing: 

am 1. Tage in 103 FäUen (37,7 pCt.) 
am 2. „ „ 137 „ (50,0 pCt.) 
am 3. „ „ 19 „ (6,9 pCt) 
am 4. „ „ U „ (5,1 pCt) 
273 Fälle. 
Hiernach fängt das Wundfieber am häufigsten am zwei- 
ten Tage der Krankheit, d. h. am Tage nach der Ver- 
letzung, an. Die Rechnung ist so gemacht, dass der Tag der 
Verletzung als der erste Krankheitstag bezeichnet ist, und so fort; 
im ist in so fem nicht genau, als eigentlich die ersten 24 Stan- 
den, von dem Momente der Verletzung au gerechnet, den ersten 
Eraokheitstag bilden; es war nicht möglich, in dieser Weise die 
Ctirven durchgehends zu berechnen, denn wenn auch die Opera- 



I 



Ueber Wandfieber and accidentelld Wundkrankheiten. 63 

tioneo meistens am Yormittage in der Klinik gemacht sind, so 
sind doch nicht alle ausserhalb des Spitales Verletzten gerade 
am Vormittage yemnglückt. Es wäre immerhin möglich, dass, 
bei einer vollkommen genau nach 24 stündigen Perioden berech- 
neten grossen Anzahl von Fällen, sich die Häufigkeit des Fieber- 
anfangs fnr das Ende der ersten 24 stündigen Periode etwas höher 
stellte, als bei unserer Zusammenstellung. Jedenfalls aber ist 
der an die Spitze dieser Paragraphen gestellte Satz richtig. 

Ich möchte aus dem so häufigen, frühen Auftreten des Wund- 
fiebers schliessen, dass dasselbe als septische Febricula au&u- 
hssen ist; jedenfalls kann hier von Eiter resorption noch nicht 
die Rede sein; nur die Resorption rasch foulender Stoffe, oder 
die durch den Entzundungsprocess in den verletzten Geweben 
rasch entstandenen ümsetzungsproducte („phlogistisches Gift^ — ob 
man diese Stoffe septisch nennt, oder nicht, ist in chemischer 
Beziehung wohl gleichgültig) können die Ursache dieses Fiebers 
bilden. 

Bei Fractnren könnte man auch daran denken, dass das aus 
der Markhöhle in's Blut tretende Fett (man sehe hierüber die 
vortreffliche Arbeit von F. Busch aus Königsberg „über Fett- 
ernboÜe'' in Virchow's Archiv. Band 35. Seite 325) auch eine 
Pyrogene Wirkung haben könnte; da aber bei subcutanen Frac- 
turen selten Fieber Statt hat, so dürfte die Besorption des un- 
tersetzten Fettes eben so wenig Fieber, als metastatische Ab- 
seesse erzeugen. (Vergl. darüber auch die Arbeit von 0. Weber 
I.e.) 

Wenn die Verletzten aber erst am 3ten, oder gar erst am 
4t6n Tage zu fiebern beginnen, woran liegt das? Kann das nur 
^iüen Grund darin haben, dass der pyrogene Stoff später ein- 
dringt? Das möchte ich nach den Experimenten doch nicht'ganz 
sicher behaupten; freilich fehlt die Temperaturerhöhung nach 
wirksamer Intoxication fast nie, doch kann sie in den folgenden 
^ageu noch höher werden, als am Anfange, wie einige von We- 
ber's Experimenten beweisen; das Gift kann, auch wenn es di- 
reet in^a Blut gespritzt wird, nachwirken; ich deute dies hier nur 



64 I>r. Th. Billroth, 

an, da ich auf diesen Punkt bei Besprechung der Fieberhöhe lu- 
rückkomme. 

Alter und Geschlecht scheinen keinen Einfluss auf den Be- 
ginn und die sonstigen Verhältnisse des Wundfiebers zu habea^ 
wohl aber schien es mir, als wenn das Wundfieber bei solchen 
Individuen besonders früh begänne, die bereits längere Zeit an 
chronischen Eiteraugen litten, zumal wenn man hauptsächlich 
innerhalb chronisch - entzündlich infiltrirter Theile operirte, wie 
bei Resectionen, Knochenexstirpationen, und ähnlichen Operatio- 
nen, die man wegen Garies und Necrose macht. Ich hatte hier- 
von einen so bestimmten Eindruck, dass ich nicht zweifelte. di«s 
sich eine Zusammenstellung dieser Fälle anders in Betreff der 
Zeit des Wundfieberbeginnes gestalten würde. Nehme ich nar 
diese Fälle (es sind 57; nur solche Patienten sind hier berück- 
sichtigt, die zur Zeit der Operation fieberfrei waren) aus obiger 
Anzahl von Curven heraus, so ergiebt sich, dass das Fieber anfing: 
am 1. Tage in 33 Fällen (57,8 pCt.) 
am 2. „ „17 „ (29,8 pCt.) 
am 3. „ ,, 5 „ (8,7 pCt.; 

am 4. „ „_ 2 ^, (5,1 pCt.) 

57 Fälle. 
Ein Vergleich mit der obigen Zusammenstellung ergiebt, dass 
die meisten dieser Individuen schon am ersten Eraak- 
heitstage zu fiebern begannen; iür die ersten 48 Standen 
stellen sich die Verhältnisse wieder vollkommen gleich ^r beide 
Combinationen : früher 87,7 pCt., hier 87,6 pCt. — Die er- 
wähnte Differenz ist wohl nichts sehr Wesentliches, muss aber 
doch ihren Grund haben; sollte von den infiltrirten Theilen 
schneller resorbirt werden ? sollte mehr auf ein Mal , als sonst, 
resorbirt werden, da in diesen kranken Geweben Venen- und 
Lymphgefässstämmchen dilatirt sind? möglich; sollten diese In- 
dividuen schneller, wenn auch weniger gefährlich, durch den pv- 
rogenen Stoff ins Fieber kommen, als andere? nicht unm5glicb. 
§. 3. Das Wundfieber dauert 1 bis 7 Tage, nnd 
darüber, ohne dass es an einem der ersten 7 Tagebau- 



Deber Wundfieber ond accidentelle Wandkraokheiten. 65 

figer aafhörte, als an einem anderen; es dauert häufig 
aber 7 Tage, indem es direct in Nachfieber übergeht, 
welche durch accidentelle Entzündungen und Eite- 
rungen bedingt sind. 

Dass die Dauer des Wundfiebers wesentlich von Vorgängen 
an der Wunde abhängig ist, haben wir in unserer ersten Fieber- 
arbeit genugsam hervorgehoben. Von den Experimenten kom- 
men diejenigen den Vorgängen beim Menschen am nächsten, in 
welchen Eiter oder Jauche (bei Hunden zeigte sich in dieser Be- 
ziehaog kein Unterschied) in's ünterhautzellengewebe injicirt wird : 
hier entsteht dann eine sich zuweilen protrahirende Entzündung, 
mit fortwährend sich aus sich selbst neubildendem phlogogenem 
und pyrogenem Stoffe; dem ersten direct erzeugten Infections- 
fieber folgt ein neues Fieber, entstanden durch Resorption von 
pyrogenen Stoffen, aus dem sich verbreitenden Entzündungsheerde; 
als sehr interessante Beispiele hierfür betrachte man Taf. II. 
Exp. IIL, VI., VII., VIII., X., XIII.; ferner die Experimente 
mit Sehwefelammonium Taf. V. Exp. V., mit kohlensauerem Am- 
moniak Taf. y. Exp. XI. und XII., in welchen ebenfalls auf die 
sabeatane Injection ausgedehnte Entzündung an der injicirten 
Stelle folgte. In diesen Experimenten dauerte das Fieber 3, 3, 
3, 5, 6, 6, 7, 8, Tage, immer, wie es scheint, im Verhältnisse 
zur localen Wirkung des injictrten Stoffes stehend, denn, betrach- 
ten wir Fälle , in welchen der injicirte Stoff local keine erheb- 
liche Entzfindung erregte, doch aber direct pyrogen wirkte, so 
sehen wir das Fieber nur kurze Zeit dauern, wie in folgenden 
Fallen: Taf. IL Exp. IV., Jaucheinjection , die Jauche war aus 
der Stichöffoung wieder ausgeflossen, daher keine Abscessbildung, 
nur 24 Stunden Fieber; ähnlich in Taf. IL Exp. XIV., XV., 
XVIIL, Infection mit trockenem Eiter und putridem Pulver; 
ferner Taf. V. Exp. VUL, IX., X. , subcutane Injection von Leu- 
cinlösung u. s. w. 

Doch die Experimente zeigen auch auf der anderen Seite, 
dass es keines Falles immer nothwendig ist, anzunehmen, 
dass bei andauerndem Fieber dem Blute immer neue Infections- 

T.LaagttBbeek, ArcIüT t Chimxgle. IX. 5 



66 Dr. Th. Billrotb, 

Stoffe zugeführt werden müssen, sondern, der ein Mal direct in's 
Blut eingeführte Stoff kann durch seine fermentirende Wirkung 
das Fieber längere Zeit unterhalten. Es ist freilich nicht so sel- 
ten, dass innerhalb 24 Stunden die Infection zur Genesung, oder, 
wenn die Dosis zu stark war, zum Tode führte (siehe Taf. I 
Exp. II., V. bis Vni., XL bis XVII.) , doch kommt es aueli 
Tor^ dass eine einmalige Injection infectiöser Flüssigkeiten (denen 
keine Körper beigemengt sind, welche Embolie veranlassen kön- 
nen) ein länger dauerndes Fieber unterhält, z. B. ein Fieber 
während 4 Tagen nach Injection Ton filtrirtem Serum aas einer 
Leiche (Taf. L Exp. IV.), Fieber von 5 bis 7 Tagen, nach Injec- 
tion von Fieberblut (Taf. IV. Exp. IIL bis VIL), von 5 und 
6 Tagen nach Injection von Schwefelwasserstoffwasser (Taf. V. 
Exp. IL und IIL). Wie lange diese Fieber erregende Wirkung 
eines beliebigen pyrogenen Stoffes bei einmaliger Infection dauern 
kann, wie viel die Dauer dieser Wirkung von dem inficirendeo 
Stoffe, wie viel von Race, Alter, Geschlecht u. s. w. des infieir- 
ten thierischen Organismus abhängt, darüber vermag ich nichts 
zu sagen; doch wäre Einiges darüber wohl noch experimentell 
zu ermitteln. 

Zum Beweise des an die Spitze dieses Parapraphen gestell- 
ten Satzes setze ich die Zahlen her, aus welchen ich ihn fonno- 
lirt habe, wobei die in §. 2 angeführten Principien über die Gren- 
zen des einfachen Wundfiebers, wie auch im folgenden Paragra- 
phen, beibehalten sind. Das Wundfieber dauerte: 
in 33 Fällen 1 Tag, 
Tage, 



in 


.36 


'> 


•2 


in 


30 


»? 


3 


in 


29 


J> 


4 


in 


32 


»1 


5 


in 


29 


y 


6 


in 


29- 


» 


7 


in 


55 


9» 


m 



77 

mehr als 7 Tage. 
273 Fälle. 
§. 4. Die höchste Fieberhöhe fällt beim Wnndfie- 



Ueber Wandfieber and accideotelle Wnndkrankbeiten. 67 

ber meist auf den ersten, demn&cbst anf den zweiten 
weit seltener auf den dritten, vierten, fünften, am 
allerseltensten später, als auf den ffinften Tag. 

Die hierüber notirten Zahlen sind folgende. Höchste Fieber- 



höhe am 1. Tage 


in 


110 I 


i'ällei 


1 (41,3 pCt.) 


am 2. „ 


97 


69 


» 


(25,2 pCt.) 


am 3, „ 


9? 


39 


?» 


(14,2 pCt) 


am 4. „ 


w 


22 


5> 


(8,0 pCt.) 


am 5. „ 


91 


19 


ti 


(6,9 pCt.) 


am 6. „ 


15 


5 


'» 


(1,8 pCt.) 


am 7. „ 


51 


6 


5> 


(2,1 pCt.) 


später als am 7. „ 


55 


3 


n 


(1,0 pCt.) 



273 Fälle. 
Nach Injection pyrogener Stoffe direct in's Blut pflegt die 
höchste Fieberhöhe sehr bald, meist in 2 bis 4 Standen, erreicht 
zu werden; doch giebt es Ausnahmen von dieser Regel: nach 
Injection von Schwefelwasserstoffwasser in die Vena cruralis er- 
reichte eine Katze am ersten Tage nur 39,9°, am dritten Tage 
aber 41,1° (Taf, V. Exp. II.); nach Injection von Fieberblut 
wurde die höchste Fieberhöhe von den inficirten Hunden erst 
am 4ten, 3ten, 6ten, 2ten, 3ten Tage erreicht (Taf. IV. Exp. 
III. bis VII.). Wenn ein solcher Erfolg eintritt, nach subcuta- 
ner Injection phlogogener Stoffe, so wird man sagen: dies durch 
die infeetiöse Entzündung erregte Fieber ist höher, als das direct 
durch Resorption des injicirten Infectionsstoffes erzeugte Fieber. 
Wenn aber bei directer Injection in's Blut die höchste Fieberhöhe 
erst nach Tagen eintritt, so dürften die gleichen Reflexionen darü- 
ber zu machen sein, wie im vorigen Paragraphen über die Dauer 
md eigenthümliche Wirkungsart der betreffenden Fermentwirkung, 
wobei jedoch eines nicht vergessen werden darf, nämlich die 
Fieber erregende Wirkung der Enteritis, welche in den meisten 
Fällen auftritt, in welchen man pyrogene Stoffe direct in's Blut 
iojicirt. Diese hämorrhagische Enteritis kann gewiss das durch 
die Injection erregte Fieber eine Zeit lang unterhalten und stei- 
gern, wenngleich die dabei eintretenden Dianhoeen und Blutun- 

5' 



68 I>r- Th. Billroth, 

gen bei längerer Dauer unzweifelhaft einen deprimirenden Eiofluss 
auf die Temperatur haben. 

§. 5. Wir haben uns hier doch gewiss nur auf die allereio- 
fachsten Fragen über Beginn, Dauer und Zeit der höchsten Höbe 
des Wundfiebers beschränkt, und wenn wir eines der beobachte- 
ten Dinge erklären wollen, stossen wir immer bald auf eine Reihe 
von nicht zu entscheidenden Möglichkeiten. Ich habe froher die 
Fragestellungen in Betreff des Wundfiebers noch sehr vermehit 
ich habe nach Zeit und Art der Defervescenz, nach Erisis und 
Lysis geforscht; die Resultate waren sehr wenig befriedigeod; 
mögen die letzterwähnten Verhältnisse eine wichtigere Bedeutoog 
bei den typischen Infectionskrankheiten haben oder nichts icb 
wage darüber kein Urtheil — für das Wundfieber haben sie oacli 
meinen Beobachtungen keinen Werth. 

§. 6. In Betreff der Nachfieber weiss ich nichts Neues 
zu dem in meiner ersten Fieberarbeit Gesagten hinzuzufugeo. 
dass dieselben durch neue Entzündungen bedingt sind, Iäi*st sich 
meist bestätigen, es giebt aber auch Fälle, in welchen man der 
Ursache eines Nachfiebers durchaus nicht auf die Spur kommen 
kann. Nachfieber sind im Ganzen häufig; da man die meisten 
Fieber, welche sich länger als 7 Tage nach der Verletzung bin- 
aiehen, wohl als solche Wundfieber bezeichnen darf, welche di- 
rect in Nachfieber übergegangen sind , so lassen sich von den , 
oben erwähnten 273 Fällen 55 als solche mit Nachfiebera bet 
zeichnen; dies kann aber nicht als statistische Zahl für die Nach< 
Heber überhaupt gelten: es wäre viel zu gering gerechnet, i 
es sind dabei weder die Fälle berücksichtigt, in welchen nack 
völlig abgelaufenem Wundfieber auf einen und mehrere fiebeD 
freie Tage ein Nachfieber folgte, noch diejenigen Fälle, in wei 
eben gar kein Wundfieber eintrat, doch ein Nachfieber sieb spi 
ter in Folge einer accidentellen Wundentzündung entwickeln 
Nach einer ungefähren Schätzung mögen etwa in einem Dritthei 
vielleicht in der Hälfte von Fällen (jede Art von Verletzung ei« 
gerechnet) Nachfieber eintreten. Dass die Temperatur dabei 



Ueber Wandfieber and accidentelle Wundkrankheiten. 69 

höher steigt, als beim Wundfieber des gleichen Patienten, 
ist auch schon früher erwähnt. 



Capitel XIX. 

Von den schi^v^eren, meist tödtlich endigenden, Infec- 

tionsfiebern. 
Septisches Infectionsfieber, Faulfieber. — Purulentes Infec- 
üonsfieber , Eiterfieber. — Purulentes Infectionsfieber mit Throm- 
bose und Embolie, Pyämie. 

§. 1. Die jetzt ziemlich verbreitete Trennung von Septicä- 
mie und Pyämie grfindet sich einerseits darauf, dass man den 
örtUcben Zustand der Wunde, mit dem Allgemeinzustand com- 
binirt, andererseits auf die Unterscheidung der Symptomgruppen. 
Wenn man einen Kranken mit jauchender Wunde, mit jauchen- 
dem Geschwür, mit brandigem Glied etc. vor sich hat, und dies 
Indiiridaam zugleich fieberhaft, oder sonst überhaupt schwer krank 
ist, so leitet man diesen Zustand von der Infection mit Jauche 
ab 9 und nennt ihn Septicämie oder septisches Infectionsfieber, 
oder Fanlfieber, oder typhöses Fieber etc. So trivial es erscheinen 
mag, hierüber noch ein Wort zu verlieren, so ist es doch nöthig, 
sich dies immer wieder klar zu machen: die Septicämie ist 
ein ^wesentlich ätiologisch constrnirter Erankheitsbe- 
?r if f. Die Symptome dieser Krankheit sind freilich in einer sehr 
grossen Reihe von Fällen sehr gleichartig, das früher aufgestellte 
Bild vfrird meist zutreffen; doch hat mich eine sorgfältige, fort- 
Se^^etzte Beobachtung belehrt, dass man doch die Differenzirung 
ier Septicämie von der Eiterinfection nicht zu weit treiben darf. 
\ ^ ist gerade in Betreff des Fiebers bei Septicämie zu sagen, 
dass die Temperaturen anfangs meist sehr hoch, später sehr 
niedrig werden ; doch es giebt auch Fälle, in welchen die Tem- 
penttaren gfleich Anfangs niedrig sind, nie sehr in die Höhe gehen, 
Ja, es sind nxir tödtiich endigende Fälle begegnet, in welchen die 
"^^öperahir nie über die normale stieg, während die trockene 



70 I>r- Th. Billroth, 

Zunge, die Benommenheit des Sensoriams u. s. w. die Schwere 
der Infection genugsam bezeichneten. Einige der Patienten star- 
ben mit ansteigender hoher, andere mit tief unter die Normale 
sinkender Temperatur. Wie soll man sich diese Dinge erklären? 
Die Experimente geben darüber einigen Aufschluss; der Fieber- 
verlauf bei einer experimentell erzengten Septicämie ist der: 
rasches Atisteigen der Temperatur 2 bis 6 Stunden nach der In- 
toxication, dann allmäliges Sinken, oft bis unter die Normale, 
gewöhnlich mit gleichzeitigen Darmentleerungen. Zu jeder 
Zeit innerhalb dieser Temperaturbewegung kann der 
Tod eintreten, sowohl bei noch ansteigender Temperatur (TaU. 
Exp. XV., Tat II. Exp. II., V., XVII.), als bei sinkender oder 
tief gesunkener (Taf. I. Exp. I., IL, III., Taf. II. Exp. XIIL, 
XX.). Dies dürfen wir wohl auch auf den Menschen übertragen: 
das Yerhältniss der Quantität und Qualität des resorbirten Stoffes 
zur Widerstandsfähigkeit des betreffenden Individuums wird hier 
entscheidend sein ; ob ein septisch inficirtes Individuum, bei wel- 
chem nach bedeutender Fieberhöhe die Temperatur sinkt, genesen 
oder sterben wird, lässt sich nicht sogleich ersehen; wie auch 
sonst, ist das Fallen der Temperatur nur von günstiger Bedentimg, 
wenn auch die Pulsfrequenz sinkt, und der Allgemeinzustand sich 
bessert; verschlechtert sich letzterer, steigt die Pulsfrequenz, wäh- 
rend die Temperatur immer mehr sinkt, selbst bis unter das Mi- 
nimum des Normalen, so ist der Tod fast sicher 

Der vollständige Mangel des Fiebers bei septischer Intoxi- 
cation ist nicht so leicht zu erklären, oder lässt wenigstens mehr- 
fache Erklärungen zu: wenn man zugeben darf, dass die, sub 
finem vitae, unter die normale sinkende Temperatur ein Zeichen 
des höchsten (alle Lebensthätigkeiten gewissermassen paralysi- 
renden) Grades der septischen Infection ist, so wäre daran zu 
denken, dass die Aufnahme einer grossen Menge oder eines sehr 
intensiven Giftes sofort diese höchste Wirkung hervorbrachte, 
ohne dass es vorher zur •Temperaturerhöhung kommt; ■— oder 
man könnte supponiren, dass die betreffende resorbirte Jauche 
einen oder mehrere von solchen Stoffen in grösserer Menge ent- 



Deber Wnadfieber ond accidentelle Wandkrankheiten. 71 

bSlt, welche erfahmngsgemftss die Temperatur hernnterbringen, 
z. B. Battersänre (Weber) Schwefelwasserstoff (nach dessen In- 
jection iVs Blut eine, wenn auch in den von Weber angeführ- 
len Experimentea sehr vorfibergehende Temperaturerniedrigung 
erfolgte) 9 kohlensaaeres Ammoniak; gewiss liesse sich die Zahl 
dieser Körper noch durch experimentelles Suchen vergrössem. 

Wenn ich früher ausgesprochen habe, die jauchige Infiltra- 
tion und Septicämie entwickele sich nie später, als am 4ten Tage 
nach der Verletzung, so ist dies natürlich cum grano saiis zu ver- 
stehen, und soll nur bedeuten, dass an einer frischen Wunde die 
jauchige Zellgewebsentzundung nicht später aufeutreten pflegt. 
Wenn aber eine ganze Extremität gangränös wird, sei es in Folge 
von Quetschung, Verbrennung, Erfrierung, Arterienerkrankung, 
Embolie u. s. w., wenn sich brandiger Decubitus entwickelt, 
wenn eine bereits eiternde Wunde in späterer Zeit aus irgend 
welchem Grande zerstört und jauchig wird, so kann natürlich 
immer noch Jaucheresorption auftreten, so lange eben die Be- 
dingungen dazu vorhanden sind. Eiterresorption kann der Jauche* 
reäorption folgen, und umgekehrt; so können sich Gombinationen 
Terschiedener Art bilden. 

Dass bei reiner Septicämie Schüttelfröste nur äusserst selten 
vorkommen, muss ich auch jetzt noch behaupten. 

§. 2. Was die Eiterinfection, das Eiterinfectionsfieber, 
betrifft, so ist das ebenfalls ein lediglich ätiologisch construirter 
Begriff, wie Septicämie; wir können jedes mit einer eiternden 
Wände zusammenhängende Fieber ein Eiterfieber nennen. — 
Unter den Symptomen desselben sind die jeweilig auftretenden 
Schüttelfröste das auffallendste; sie nehmen vorwiegend die Auf- 
merksamkeit in Anspruch, wenn sie sich wiederholen, und sich 
ein intermittirender Typus der Fieber herausstellt. 

Vergeblich appelliren wir hier an das Experiment; wir in- 
jiciren Eiter von verschiedenster Qualität, von den verschieden- 
sten Kranken, verschiedenen Thieren in's Blut, in^s Unterhaut- 
zellgewebe; wir erzengen Entzündung und Fieber, wie bei den 
gleichen Experimenten mit Jauche, doch wir bringen keine 



72 Dr. Th. Billroth, 

Schüttelfröste, überhaupt keinen intermittirenden Fiebertypos zu 
Stande; wohl kommen, je nach der EntzündungsaaBbreitnng, bei 
den subcutanen Injectionen, und auch bei der Injectioo in^s Blat, 
Schwankungen des Fiebers auf und ab vor, doch sind keine in- 
termittirenden Fieberanf&lle ermittelt. Was dürfen wir daraus 
schliessen? Sollte sich der Mensch so ganz anders gegen die 
Eiterintoxication yerhalten, als die Versuchsthiere? wie weit geht 
hier der Beweis durch Analogie? 

Zunächst die Bedingungen des Schüttelfrostes: auf diejenigen 
von Seiten des inficirten Individuums will ich nicht wieder zu- 
-^ rückkommen, sie sind zu bekannt; doch man kann es sich 
nicht verhehlen, dass manche toxische Stoffe leichter einen Schüt- 
telfrost hervorrufen, als andere: das Intermittensgift, die Stoffe, 
welche beim Beginne der Pneumonie, des Erysipelas entstehen, 
bringen leichter Schüttelfrost hervor, als z. B. Typhbsgift; Schat- 
telfröste kommen häufiger bei eiternden, als bei jauchenden Wan- 
den vor, das weiss jeder Chirurg; oft genug fehlen sie freilich 
auch ganz bei sehr schweren, tödtlich verlaufenden, pamlenten 
Infectionsfiebern. Die Bedingungen fär die Entstehung der Schat- 
telfröste beim Eiterfieber liegen wohl theils im Individuum, theils 
wohl auch im resorbirten Eiter. Individuen, welche zu Fieber- 
frösten disponirt sind, bieten manchmal Erscheinungen hoher ner- 
vöser Reizbarkeit dar, sind somit zuweilen kenntlich, doch lässt 
sich darüber nichts Sicheres sagen. Der Fieberfrost ist beim Eiter- 
fieber gewiss nichts ganz Zufälliges, doch kann man auch nicht 
beweisen, dass er der Eiterresorption folgen muss. 

Das durch Jauche oder Blut intoxirte Blut wirkt auf manche 
Organe, entzündungserregend. Hunde bekommen fast immer En- 
teritis, Katzen auch wohl Pleuritis oder Pneumonie, Nephritis. 
Beim Menschen dürfen wir Darmcatarrh, Icterus, Milzschwelluog, 
Nierenhyperämie, Gelenkentzündungen, diffuse Pneumonie, diflfase 
Zellgewebsentzündung, Parotitis, als Processe bezeichnen, welche 
wahrscheinlich durch das intoxirte Blut angeregt werden; der 
Mensch ist in dieser Beziehung, wie es scheint; irritabler, als die 



Ueber Wundfieber ond aceideatell Wimdkrankheiten. 73 

meisten Thiere; er neigt bei Jaache- and Eiterintoxication mehr 
als letztere, zu difiiisen metastatischen Entzüadnngen. 

Wie steht es aber mit dem intermittirenden Typus des Fie- 
bers bei der Eiterinfection ? sollte dies mit der Art der Intoxi- 
cation durch den Eiter etwas zu thun haben ? man sollte meinen, 
dass eine so seltsame Eigenschaft der Eiterwirkung auch auf 
Thiere zu übertragen sei: dies ist nicht der Fall, wir können 
den intermittirenden Typus nicht experimentell durch eine 
einmalige Intoxication hervorrufen. 

Wir wissen über die Ursachen der rhythmischen Bewegun- 
gen im gesunden und kranken Organismus so gut wie nichts; 
wir kennen z. B. nicht einmal die Ursachen der regelmässigen 
täglichen, Ton der Verdauung unabhängigen Schwankungen der 
Körpertemperatur. Für die Febris intermittens hat man etwa zwei 
Theorieen: nach der einen häuft sich innerhalb einer gewissen 
Zeit im Blute ein Stoff an, der erst, wenn er in einer gewissen 
Dosis augesammelt ist, den Fieberanfall erzeugt; mit diesem wird 
das Gift ausgeschieden, bildet sich aber sofort neu: nach einer 
anderen Vorstellung erfolgt eine Anhäufung krankhaften Stoffes 
in der Milz, wird hier zeitweise abgekapselt, und kommt von 
Zeit zu Zeit bei heftigerer Blutbewegung (mit ihrem Entladungs- 
stofie) in's Blut, und erzeugt dann sofort den Fieberanfall. Beide 
Aaffassungen, von denen die letztere nicht so ganz in der Luft 
pcbwebt, wie die erstere, sind auch für die Fieberintermissionen 
bei der Eiterinfection zulässig. Mir scheint die Annahme plau- 
sibler, nach welcher jeder Fieberanfall durch eine neue Entzün- 
dung, sei es an der Wunde, oder anderswo am oder im Körper 
erzengt wird; wir können das nicht immer, aber doch leidlich 
häufig nachweisen, auch können wir den intermittirenden Fieber- 
typus willkürlich durch rasch nach einander wiederholte Injec- 
tionen künstlich erzeugen; endlich spricht die klinische Beob- 
achtung dafür, wie wir später sehen werden, indem wir in den- 
jenigen Fällen weitaus am häufigsten Schüttelfröste beobachten, 
in welchen sich metastatische Processe entwickeln. (Vergleiche 
hierzu §. 7.) 



74 Dn Th. Billroth, 

Ich muss hier noch einen bis jetzt wenig herTorgehobeneD 
Punkt erwähnen: man würde sehr irren, wenn man nur 
da einen intermittirenden Fiebertypus annähme, wo 
sich Schüttelfröste zeigen. Es kommen beim Eiter- 
fieber häufig Fieberanfälle vor ohne Fröste. Dies kann 
nur ermittelt werden , wenn man continuirlich den ganzea Tag 
lang die Temperatur beobachten und etwa alle halbe Standen 
notiren lässt; eine solche mühsame Untersuchung hat za wenig 
practische Bedeutung, als dass man sie oft ausfuhren liesse; ich habe 
es nur einige Male für die Klinik thun lassen: man hat derartige 
intermittirende Fieberanfälle bei Mangel an Frost zu yermathett) 
wenn die Morgen- und Abendtemperaturen sehr unregelmäs&ig 
springend sind. Ein 15 jähriger Bursche mit gequetschter pene- 
trirender Kniegelenkwunde hatte höchst unregelmässige Tempe- 
raturen, zuweilen Morgens sehr hoch und Abends niedrig, oder 
Morgens und Abends niedrig, oder Morgens und Abends hoch; 
Patient kam dabei sehr herunter, hatte aber keine Fröste; eine 
fortgesetzte Messung ergab, dass er bald am Mittag, bald am 
Abend bei fortschreitender Phlegmone an Ober- und ünterseben- 
kein Fieberanfalle mit sehr hoher Temperatur hatte; unter solchen 
Umständen gaben natürlich die Morgen- und Abendmessimgen 
kein richtiges Bild der Fieberverhältnisse. Ich schloss aas die- 
sen und ähnlichen Fällen, dass eine Diagnose auf intermittiren- 
des Fieber durch das Auftreten oder Ausbleiben der Fröste nicht 
gemacht werden kann.*) 

§. 3. Wenn ich die Gombination von Eiterinfection mit 
Thrombose der Venen und mit Embolien als Pyämie bezeichne, 
so werden hoffentlich die meisten Chirurgen damit überein- 
stimmen. Dass man Thrombose und Embolie an und ^ 



*) Man wolle mich hier nicht so verstehen , als yerlange ich in praxi 
für solche Fälle eine continairliche Plebermessnng ; über die practische Seit« 
der Thermometrie in der Ghimrgie behalte ich mir für später noch einige kurze 
Bemerkungen Tor. Der erwähnte Patient ging zu Grande; ich hatte Beiou 
Jogendkraft zu yiel Resistenz gegen die Eiterinfection zogetrant, sonst bitte 
ich ihn amputirt. 



Deber Wandfieber and accidentelle Wandkrankheiten. 75 

sich nicht wohl Py&mie nennen könne, ist, denke ich, allgemein 
angenommen; Niemand wird wohl einen Fall von Herzklappen- 
vegetation mit nachfolgender Embolie der Art. fossae Sylvii als 
Pyämie beseichnen. Will man auf der anderen Seite jede Ei- 
teriofection Pyämie nennen, so müsste dann nach unserer 
Auffassung über Entstehung und Wesen des Fiebers, jedes Fie- 
ber bei Eiterungsprocessen pyämisch genannt werden, ein Sprach- 
gebrauch, der, wenn auch vielleicht nicht sehr praktisch, doch 
wissenschaftlich eher zulässig wäre. Für die Combination von 
Eiterfieber mit Thrombose und Embolie den Namen „Pyämie* bei- 
zabehalten, scheint zweckmässig, und ich weiss in der That die. 
Sache nicht praktisch brauchbarer zu wenden. Man irrt freilich, 
wenn man glaubt, das Wesen der Krankheit damit tiefer gefasst 
zu haben; man irrt, wenn man glaubt nach diesem Recepte in 
allen Fallen die Pyämie diagnosticiren zu können.*) üeber die 
Schwierigkeit der Diagnose innerer metastatischer Processe habe 
ich mich bereits früher ausgesprochen; dass es auch selten mög- 
lich ist, die Thrombose der Hauptvenen der Extremitäten sicher 
zu diagnosticiren, davon habe ich mich leider im Lauf der Zeit 
überzeugen müssen; ich habe Irrthümer in der verschiedensten 
Ricbtoog begangen: wenn man z B. bei einer complicirten Un- 
terschenkelfraktur am 6. oder 8. Tag die Vena saphena als har- 
ten Strang fühlt, und den ganzen Schenkel ödematös findet, so 
seheint es kaum gewagt, eine Diagnose auf Thrombose der er- 
wähnten Vene und vielleicht auch der V. femoralis zu stellen; 
Pat. stirbt nach einigen Tagen, und die Venen erscheinen leer 
oder mit dünnflüssigem Blut gefüllt, dagegen ist' das Zellgewebe 
m die Vene fest infiltrirt; die Periphlebitis hat eine 
Thrombose vorgetäuscht Leben solche Patienten länger, 
schwillt das Bein ab, sterben die Kranken ohne Fröste in der 



*) Vielleicht vSre es möglich, dass sieb auf einem Congress oder 
''ioer Natnrforachergesellschaft die dentschen Chirurgen und pathoiog. Ana- 
tomen über die specielle Nomenclatnr auf diesem Gebiet, so wie anf dem 
'««biet der Geschwülste einigten; es wäre in der That im Interesse des 
l'aterhchts sehr zu wünschen. 



Dr. Th. Billroth, 76 

dritten oder vierten Woche, wie es scheint an ErschOpfang ~ so 
wird man gar keine Ursache haben, noch an Thrombosen za 
denken, und findet doch vielleicht alle Venen des verletzten 
Schenkels voll Eiter, vielleicht auch Abscesse in den Lungen, 
pleuritische Ergüsse, ohne Spur von vorangegangener Dyspnoe, 
und andere unerwartete Dinge. Bei solchen Beobachtungen wird 
man scheu im Diagnosticiren, und hundert sichere Diagno- 
sen in andern Fällen vermögen kaum den früheren unangeneh- 
men Eindruck über die ünvollkommenheit der Diagnostik auf 
diesem Felde zu verwischen. Es wäre thöricht, aus den erwähn- 
.ten Irrthümern schliessen zu wollen, man könne Thrombosen und 
Embolien überhaupt gar nicht diagnosticiren, doch das moss man 
sich gestehen , dass die Entscheidung, ob kleine embolische Me- 
tastasen, etwa ein erbsengrosser Herd in Lunge oder Milz, vor- 
handen sind, nur am Leichentisch geschehen kann. So kleine 
embolische Herde bringen gewiss keine Lebensgefahr mit sich; 
an ihnen würde der Kranke nicht sterben; dennoch muss, scheint 
mir, festgehalten werden, dass der Krankheitsfall mit dem em- 
bolischen Process gewissermassen in eine neue Phase tritt, und 
dass man wohl ein besonderes Gewicht auf die Embolien bei 
der Eiterinfection legen darf. - Warum erst auf die Embolien, 
warum nicht schon auf die Thrombosen? diese müssen doch 
den Embolien voraus gehen. Wollten wir die Combination von 
Thrombose mit Eiterinfection schon Pyämie heissen, so kämen 
wir in diagnostischer Hinsicht nicht weiter, wie oben be- 
merkt; selbst an der Leiche ist die Diagnose von Thrombosen 
kleiner Venen in der Nähe der Entzündungs- und Eiterherde 
sehr schwer, ja selbst unmöglich. 

Es ist a priori klar, dass in allen Fällen, in welchen eine 
acute Vereiterung gefässhaltiger Gewebe erfolgt, auch Venen 
thrombirt werden und vereitern; diese Thromben können seht 
klein, und doch zum Zerfall und zu Embolien sehr geeignet sein 
auf diese Thromben in den kleinsten Venen und ihre Bedentnng 
far die Embolie habe ich früher gar kein Gewicht gelegt, weil 
ich noch kein Verständniss dafar hatte* Wenn man von Venen 



Ueber Wnndfieber and acciden teile Wandkrankheiten. 77 

tbrombosen als Sectionsbefand spricht, so hat man dabei ge- 
wöhnlich nor die grossen Hauptstimme des betreffenden Glie* 
desim Aage; die feinsten kleinen Venen werden meist gar nicht 
berücksichtigt; die mit jauchigen, halb zerbröckelten Thromben 
gefüllten Venen, z. B. in der Nähe eines jauchenden Decubitus 
wären Tielleicht nur mit Aufwand von stundenlanger anatomi- 
scher Präparation frei zu präpariren. Es ist nicht nothwendig, 
dass sich die Thrombose in die grösseren Geßisse erstreckt, um 
zor Embolia zu fahren; ja es wäre denkbar, dass ein Ent- 
zandangsherd zur Zeit der Section bereits ganz 
zu Eiter oder Jauche zerflossen wäre, aus dessen 
thrombirten Venen in frfiherer Periode Emboli losge- 
rissen waren, deren Effecte man in den Lungen findet. Diese 
aprioristischen Reflexionen werden durch sorgfältige anatomische 
Dotersuchungen, zu denen ich freilich nicht oft die Zeit aufwen- 
den konnte, yoUkommen bestätigt; auch empfehle ich, eitrig in- 
filtrirte Gewebe zn erhärten und mikroskopische feine Abschnitte 
davon zu nntersnchen, man findet da oft aufs Schönste die mit 
£iter gefüllten kleinsten Venen. Aus dem Gesagten ergiebt sich, 
dass die Venenthrombose viel zu häufig bei entzündlichen Pro- 
cessen ist^ als dass man daran die besondere Bezeichnung „Py- 
ämie' knüpfen dürfte, wenn man diese Bezeichnung nicht so 
sehr yerallgemeinern will, dass sie dann nichts mehr als Ent- 
zändoDg mit Fieber bedeutet. 

Es ist mir aber klar geworden , dass ich früher die Quellen 
der emboliscben Proces^e ihrer Häufigkeit nach bedeutend un- 
terschätzt habe,, und dass ich mir auch die Emboli selbst stets 
i^Qr als grossse präparirbare Pfropfe dachte, weil ich nur auf die 
fe in grössere Venen fortgeleiteten Thrombosen meine Aufmerk- 
samkeit gelenkt hatte. Wenn schon dieser Umstand mich zwei- 
felhaft machen musste, ob die bekannten metastatischen Abscesse, 
Jamal in Langen und Milz, je andere Ursachen haben, als die 
Embolie feinster Geßsse (s. g. Capillarembolie) , so haben end- 
lich die Versnche von Weber und eigene Experimente diese 
frage für mich jetzt entschieden. 



78 Dr. Th. Billroth, 

In meiner ersten Fieberarbeit habe ich mich dahin ausge- 
sprochen, dass die Entstehung so vieler Lungen- und Milzin- 
farcte durch Embolien kleinster Gefässe (Capillarembolie) min- 
destens nicht für jeden Einzelfall bewiesen werden kGnne; dies 
muss man auch jetzt noch zugeben. Ein Hauptargument gegen 
die zu grosse Verallgemeinerung der Capillarembolie als Ursache 
der metastatischen Abscesse war: wenn man auch mgeben 
möchte, dass yielleicht alle Lungeninfarcte von Embolie herrühr- 
ten, so sind damit doch die freilich seltener, doch auch ohne 
Lungenembolien vorkommenden Infarcte der Milz (vergl. §. U 
dieses Kapitels) und Leber nicht erklärt, denn es ist nicht wahr- 
scheinlich, dass Körper, welche die Gapillaren der Lunge passirt 
haben, noch anderswo im Capillarsystem stecken bleiben. Diese 
Reflexion ist bis vor kurzerZeitnicht durchThatsachen 
widerlegt. Ich habe einem Hunde Saft aus einem Brustkrebs in die 
V. jugularis injicirt, den ich durch Zerhacken und Durchpressen 
der weichen Geschwulstmasse durch ein Tuch gewonnen hatte: 
der Hund starb nach einigen Tagen: ich fand bei der Section die 
Lungen ganz frei von Infarcten, doch mehrere embolische 
Herde in der Milz. Dies Experiment beweist also, 
dass Körper durch die Lungencapillaren pasßiren, 
und doch noch in den Milzcapillaren stecken bleiben 
können. Das Gleiche beweisen für mich auch 0. Weber's Ex- 
perimente 4—8, obgleich in allen diesen Fällen zugleich neben 
den Embolien in Milz, Leber, Augen ,^ auch Embolien in den 
Lungen waren ; da aber alle embolischen Herde iü gleichem Sta- 
dium gefunden wurden, so ist nicht daran zu zweifeln, dass sie 
auch zugleich entstanden. A priori muss freilich auch dieMög: 
lichkeit zugegeben werden, dass sich um die Lungenabscesse 
zerfallende Thromben in den Lungen venen bilden, die natürlich 
gelegentlich in's linke Herz, und von hier in's Aortensystem g^ 
langen können; in einem solchen Falle müssten aber die Herde 
in der Milz viel frischere Stadien der embolischen Erkrankung 
darbieten, als die Lungen. — Es scheint mir somit der 



Ueber Wandfieber und accidentelle Wnndkrankheiteii. 79 

Hanpteinwarf gegen die Embolien als Ursachen der 
metastatischen Abscesse bei Py&mie gehoben zu sein. 
§. 4 Man kennt eine ganze Menge von Ursachen für die 
Entstehung und den Zerfall ausgedehnter Venenthromben, doch 
pam abgeklärt ist die Sache nicht; beobachtet man unbefangen, 
so kann man es sich doch nicht verhehlen, dass es zuweilen 
den Anschein hat, als sei die Thrombose, oder — nennen 
wir es mit dem alten Namen — die Phlebitis schon ein 
Effect der Infection. Ich glaube, der Gedankengang bei 
diesem Eindruck ist folgender: man sieht eine Menge umfang- 
reicher Wunden, bei denen ausgedehnte Kreislaufstörung vorhan- 
den war; man sieht Wunden mit freigelegten, selbst mit unter- 
bundenen grossen Yenenstämmen ohne Gefahr, ohne irgend welche 
Zufalle heilen; nun kommt ein Fall, in welchem sich ausgedehnte 
EntzSndung nm die Wunde entwickelt (mag diese Entzündung 
dareh mechanischen Insult, durch Infection oder sonst wie be- 
dingt sein), es treten Schüttelfröste auf, der Kranke stirbt, man 
findet eiterige Thrombose, Lungenabscesse. Man raisonnirt jetzt 
so: in dem letzten Falle müssen die Entzündung an der Wunde, 
die Thrombose, die Embolie^ die Schüttelfröste wohl im Zu- 
sammenhang stehen , von einander abhängig sein ; ausge- 
dehnte Thrombose ist nicht nothwendig die Folge vorliegender 
Verletzung, sie muss eine besondere Ursache haben: der Kranke 
ist pyimisch inficirt, das ist der Grund der ganzen Geschichte. 
leh glaube, dass hierbei falsche und richtige Schlüsse aus der 
Beobachtung gesogen sind. Für richtig halte ich den Satz, dass 
die Verletzung selbst nicht, oder nur äusserst selten 
Grund ausgedehnter Thrombosen ist. Ich habe früher die 
Ausdehnung der traumatischen Thrombosen, z. B. bei Quetsch- 
WQiiden,. bedeutend überschätzt; es ist ganz erstaunlich, wie 
schnell sich der Kreislauf selbst bei starken Zerschmetterungen 
der Extremitäten um eine Wunde herum regnlirt, ohne dass da- 
^ ein gar zu grosses Geftssgebiet durch Gerinnung ausser Thä- 
^keit kommt. Diese Ueberzeugung habe ich gewonnen, seitdem 
ich die Gef&sse von Extremitäten öfter untersucht habe, die ich 



80 Th. Billroth, 

wegen Zerschmetterung amputiren musste.^ So lange die Haapt- 
arterien an verletzt sind, und das Herz kräftig wirksam arbeitet, 
ist keine Gefahr, dass ausgedehnte Thrombose entsteht. So wie 
aber die Hauptarterie zerrissen ist, dann wird es bedenklich; da< 
langsam circulirende Blut stockt hier und da, die bald folgende 
entzündliche Schwellung der Weichtheile genügt, das Blat ia den 
Yenen vollends zum Stillstand zu bringen, es folgt Gangrän. 
Zwei Mal sah ich bei Oberscheukelfracturen, zwei Mal bei Unter- 
schenkelfracturon, die bei der Untersuchung den Gedanken äo 
eine Primär -Amputation gar nicht aufkommen liessen, Gaogrio 
der betroffenen Extremitäten eintreten ; die Diagnose auf Zerqnet- 
schung der Arterien bestätigte sich in allen 4 Fällen, nur einer 
kam nach der Amputation durch. Es ist bekannt, und mir bei 
den hier häufig vorkommenden Fällen von Gangraena senilis oft 
vorgekommen, dass bei Störung der arteriellen Circulatioii ein 
kleiner traumatischer Reiz genügt, Stase und Gangrän hervorzu- 
rufen. Wir sehen nun aber doch häufig bei Verletzten ausge- 
dehnte Stasen in den Venen, wenn auch nicht so oft Gangräo 
auftreten in Fällen, wo die Hauptarterie nicht zerrissen oder ge- 
quetscht ist; da also das Trauma in diesen Fällen nicht die Ur- 
sache der ausgedehnteren Girculationsstörung ist, was ist es denn? 
ich glaube, es ist vorzüglich die CombinatiOQ too 
Gompression der Venen durch das schwellende nnd 
entzündlich infiltrirte Gewebe mit Abschwächnog der 
Herzcontraction in Folge der Blutintoxication, oder 
wenn man will, in Folge des Fiebers. Beobachtnag am 
Krankenbett und anatomische Untersuchung haben mich in fol- 
gender Weise zu diesen Schlüssen gefuhrt: Es sind mir keine 
Fälle vorgekommen, in welchen nicht der Thrombose eine Ent- 
zündung an der Wunde vorherging; diese Entzündungen stehen 
also wahrscheinlich in bestimmtem Zusammenhang mit der Throni' 
böse. In manchen Fällen beobachtet man ganz deutlich, dass 
di6 Entzündung vorwiegend den Venen (besonders gerne der V. sa- 
phena) nachgeht; das die Venen umgebende Zellgewebe wird be 
sonders früh infiltrirt; sollte dies darauf beruhen, dass das Blnt, 



hr. 



Ueber Wundfieber und aecidentelle Wnndkrankheiten. gl 

welches von der stark entzündeten Wunde kommt, besonders 
irritirend ist, und durch die Venen wand in's perivendse Zell- 
gewebe dringt, wie die giftige Lymphe durch die Lymphgefiss- 
wandungen? oder ist diese Periphlebitis vielleicht eine Perilym- 
phangoitis, von den Lymphgefässstämmen ausgehend, welche die 
V. saphena begleiten? ich habe das noch nicht untersuchen 
können. Das steht aber fest, dass zur Zeit der Entwickelung 
der Periphlebitis, in einer Zeit, wo die Vene durch das anliegende, 
stark durch zellige Infiltration gespannte Gewebe schon erheblich 
comprimirt wird, noch keine Thrombose erfolgt zu sein pflegt, 
wie sich ergiebt, wenn der Kranke in diesem Stadium stirbt, 
oder wenn man in diesem Stadium amputirt. — Wenn nun aber 
der Kranke durch andauerndes Fieber immer mehr herunter 
kommt, wenn die periphlebitische Infiltration zur diffusen Phleg- 
mone wird, wenn sie in Eiterung übergeht, und wenn der Kranke 
stirbt oder amputirt wird, dann findet man in der Regel Yenen- 
thrombose. Es scheint also, dass der dauernde Fieberzustand, 
und damit die Herzschwäche hinzukommen muss, um in der durch 
das geschwollene Gewebe comprimirten Vene das Blut zur Ge- 
rinnung zu bringen. Man wird hier fragen : warum soll es von 
den verschiedenen Symptomen des Fiebers gerade die Herz- 
schwäche sein, welche die Thrombose fertig macht? Ich wähle 
diese heraus, als das einfachste, durch den immer schwächer 
werdenden Puls und sonstige Inanitionserscheinungen am ent- 
schiedensten wahrnehmbare Symptom. Ob der dem Blute bei- 
gemischte Eiter, oder Jauche, oder andere Stoffe die Gerinn- 
barkeit des Blutes erhöhen, das ist bald bejaht, bald verneint, 
jedenfalls wissen wir darüber nichts Sicheres. — So scheint also 
in der That die Eiterinfection die Thrombose zu begünstigen, 
wenn auch nicht so ganz direct Man sollte meinen, dass sich 
die Richtigkeit der aufgestellten Behauptung experimentell prüfen 
lassen müsse. Die Herzschwäche muss durch Infection hergestellt, 
Qnd dann ein Girculationshinderniss in den Venen gesetzt werden, 
so muss die ausgedehnte Thrombose kommen; vielleicht erzeugen 
wir sogar noch embolische Lungenabscesse dazu, dann haben 

V. Laagftabeek, ArehiT f. Chirurgie. IX. Q 



82 I>r- Tb. Billroth, 

wir die ganze Py&mie anf natfirlichste Weise hergestellt! Alles 
ist beisammen I Fangen wir an! 

Ezp. 1. Einem starken Dachshunde warde am 17. April (alle Experi- 
mente sind 1866 gemacht) die V. femoral, in der Schenkelbeoge anterbondeo, 
und dann central ein Scrnpel filtrirte Jauche in die Vene injicirt; die gleiche 
Operation mit Injection wurde am 20. April an der anderen Seite, am 23. April 
an der Y . jogul. links, am 5. Mai an der V. jugul. rechts gemacht, das letzte 
Mal aber eine Unze Jauche iiyicirt, wonach der Hund bald starb. Ich ober- 
gehe die Schilderung des gewöhnlichen Erfolges dieser Iigectionen, and er- 
wähne nur, dass der Hund vom 26. bis 29. April apathisch dalag, nichts 
frass, enorm abmagerte; dann fing er an, sich zu erholen, bis ich ihn io 
erwähnter Weise am 19. Tage nach der ersten Operation tödtete; die Tem- 
peratur stieg nach der ersten Injection auf 40,5, nach der zweiten auf 41,0, 
hielt sich später eine Zeit lang zwischen 40,0 und 40,5, fiel dann aufs Nor- 
male, stieg nach der letzten Injection wieder; der Hund starb mit steigender 
Temperatur. Bei der Section fand sich in allen unterbnodeneo 
Venen flfissiges Blut, die bekannten Veränderungen im Darm, soost 
nichts Abnormes. 

Ezp. 2. Mittelgrosser, schwarzer, rauhhaariger Hund; 6. Mai OnterblB- 
düng von A. und V. femoralis links in der Schenkeibenge, dann Injection 
von Jauche in das benachbarte Zellgewebe. — Das operirte Bein schvoU 
enorm an, war sehr schmerzhaft, der Hund wurde immer elender, iri&i 
nichts, wurde am II. Mai (am 6. Tage nach der Operation) todt gefunden. 
Bei der Section fand sich das operirte Bein total gangränös, von Janche 
ganz infiltrirt; diese Infiltration erstreckt sich hoch hinauf in die Baocb- 
decken. In der unterbundenen Vena femoralis, die oberhalb der 
Ligatur stark erweitert ist, flfissiges Blut; kleiner, fester Throm- 
bus ober- und unterhalb der ünterbindungsstelle an der Arterie; alleranereo 
Organe normal. 

Ezp. 3. Schwarz und weisser, kleiner, zottiger Hund; am 4. April In- 
jection von 1 Unze Jauche in die V. jugularis. Ampntatio femoris links. 
Tod nach 18 Stunden. Keine Thron^ben in derV. femoralis sinistr» 
und der unterbundenen V. jugularis. Enteritis, sonst nichta Ab- 
normes. 

Exp. 4. Kleiner, brauner, kurzhaariger Hund. Amp. femoris rechts 
subcutane Injectionen von Jauche am RQcken am 11. April, neue subcutane 
Injectionen am 12. April am Kopf; am 13. April wurde der Hund todt ge- 
funden. Section: in der V. femoralis re-chts flüssiges Blut; nicbtä 
Abnormes im Körper, ausser jauchigen Abscessen an den Stellen der In- 
jection. 



Ueber Wandfieber nnd accidentelle Wandkninkheiten. g3 

Exp. 5. Grosser, weisser Padol; am 21. Mftrz Amp. femoris rechts, zu- 
gleich 1 Drachme Janche sabcatao iDJicirt; der Hand warde Tom 21. bis 
29. darch tägliche subcntane Injectionen in einer Fiebortemperatar tod 40,0 
bis 40,5 erhalten ; dann Hess man ihn in Rnhe; er erholte sich, nnd wurde 
&m 2. April (am 12. Tage nach der ersten Operation) getödtet. Section: 
Sberall jancbige Abseesse, wo die Injectionen gemacht sind, flfissiges 
Blnt in der V. ferner, des ampatirten Schenkels. 

Exp. 6. Kleiner weisser Hand; am 4. Mai 1866 Ampnt femoris links; 
die frische Ampntationswnnde wird mit Jauche begossen, 
Charpie, mit Janche getränkt, wird auf die Wände gelegt, und 
die Haut darüber vernäht Heftiges Fieber, Schwellung des Stumpfes 
in den nächsten 3 Tagen; der Hund hat die Charpie schon nach 24 Stun- 
den Ton der Wunde abgeleckt; bald granulirt die Wunde vortrefflich, der 
Hund erholt sich vollständig: er wird am 11. Mai (8 Tage nach der Opera- 
tion) getödtet. Section: Flfissiges Blut in der Y. femoralis des 
ampntirten Beines. 

Das Fieber war bei diesem Hunde nicht stärker und nicht anders ver- 
laufen, als bei einem Hunde, dem ich die Amputation des Oberschenkels 
machte, ohne ihn zu inficiren. In beiden Fällen erfolgte sweitägiges Wund- 
fieber (bis 40,2) nnd am 5. nnd 6. Tage ein Nachfieber (auch bis 40,2), dann 
Pieberlosigkeit. In allen Fällen bei diesen Amputationen retrahirten sich 
die Mnskeln stark, so dass der Knochenstumpf etwas vorstand. In keinem 
Falle war progressive Eiterung am Stumpf, in keinem Falle Osteomyelitis. 

Iq keinem dieser Experimente ist es gelungen, 
eine progressive Venenthrombose za erzeugen, ob- 
gleich die Experimente in der verschiedensten Weise modificirt 
sind; die Hunde warden theils direct durch Injectionen in's Blut, 
theils indirect durch Injectionen in's Zellgewebe inficirt; der 
febrile Effect blieb nie aus, doch es erfolgte keine Thrombose, 
selbst nicht ^« wenn die Thiere durch wiederholte Injectionen in 
zunehmenden Marasmus versetzt, 12 und 19 Tage lang lebten; 
ich unterband einen Venenstamm allein, ich unterband Venen 
und Arterien des gleichen Schenkels, ich machte Amputationen, 
nie war Thrombose zu erzeugen*). 



*) Professor Breslau machte mich aufmerksam, dass ähnliche Experi- 
mente von P. W. Mackenzie (The pathology and treatment of Phlegmasia 
dolens. London, 1863.) gemacht seien, und zwar mit Injection tou Milch- 

6* 



84 Dr. Th. Billroth, 

Was soll man aus diesen Tbatsachen scbliessen? 

Zunächst raÜHsen wir die Frage stellen, wie weit sind diese 
Experimente für den Menschen verwerthbar? Ich habe schon 
früher darauf aufmerksam gemacht, dass beim Menschen gewisse, 
wenn audi nicht constante Verschiedenheiten bemerkbar sind, 
je nachdem er durch Eiter oder durch Jauche intoxirt ist, dass 
dagegen bei Hunden nichts der Art wahrnehmbar sei. Dass ver- 
schiedene Thiere äusserst verschieden reizbar gegen Infectionen 
sind, ist ebenfalls Thatsache; manche neigen sehr zu jaochigen 
Entzündungen, andere nicht etc. Hunde, Katzen, Kaninchen 
sind schon sehr verschieden vom Menschen in diesen Punkten; 
die phlogogene und pyrogene Wirkung ist bei allen genannten 
Thieren da, und darum sind in dieser Hinsicht auch die Resul- 
tate der Experimente für den Menschen brauchbar; wo es sich 
nun aber um die Art der Entzündung handelt, um die Kreislaufs- 
und Blutdruckverhältnisse in bestimmten Gefässgebieten, um die 
Herzkraft und die Gerinnbarkeit des Blutes, da lässt uns das 
Experiment vielfach im Stich, und die Analogieschlüsse, welche 
aus den experimentellen Thatsachen gezogen werden sollten, 
werden bedenklich zweifelhaft. Wer möchte eine Procedur wie 
in Experiment 6. bei einem Menschen wagen! einen frischen 
Amputationsstumpf mit Macerationswasser begiessen und mit 
darin getränkter Gharpie verbinden! Der Hund bekam wohl 
Fieber, doch die Jauche veranlasst bei Hunden nur dann pro- 
gressive Zellgewebsentzündungen, wenn sie in's Gewebe mit der 
Spritze hineingetrieben wird; dieser amputirte Hund befand sich 
bald ganz wohl, und die Wunde granulirte nach wenigen Tagen 
vortrefflich. Impft man einen Hund mit Jauche am Ohre, so 



säure, weil Macke nzie Ton der VoranssetzuDg ausgeht, dass die Milch- 
säure das giftige Agens bei der pyämischen und puerperalen Infection sei. 
Diese Voraussetzung scheint mir zn gewagt, um darauf hin zu experimen- 
tiren; Mackenzie unterband bei Thieren die Vena femoralis nnd injicirte 
Milchsäure; er stellt die Erfolge so dar, als sei wirklich danach ausge- 
dehnte Thrombose entstanden, doch seine Schilderung hat mir wenig Zu- 
trauen erweckt. 



Deber Wandfieber und accidentelle Wandkrankheiten g5 

hat dies meist eine geringe locale Entzflndung zur Folge, ein 
Kaninchen stirbt gewöhnlich davon. Dass Eiter von Pyämischen 
und Nichtpyämischen bei Thieren gleich wirkt, ist schon früher 
gezeigt. Kurz, es scheint nicht gelingen zu wollen, eine ans- 
gedehnte Thrombose, wie man sie beim Menschen leider so oft 
findet, bei Thieren zu erzeugen, weil eben bei den Thieren die 
dazu nöthigen Bedingungen des Kreislaufes und der Blutgerinnung 
oicht haben hergestellt werden können. Ich halte daher dai^r, 
dass die negativen Resultate dieser Experimente nichts gegen die 
oben aufgestellte Hypothese beweisen, wonach Compression der 
Venen in einem entzündeten Theile, verbunden mit einer durch 
Eiter- oder Jaucheintoxication bedingten Herzschwäche, die Ent- 
wickelung ausgedehnter Thrombosen begünstigt. 

Wenn man aus diesem Raisonnement herauslesen will: die 
Pyämie, (speciell die Gombination von Eiterinfection mit Throm- 
bose und Embolie) ist eine dem Menschen, wenn auch 
nicht ausschliesslich, so doch sehr vorwiegend eigen- 
thfimliche Erkrankungsform, so habe ich nichts dagegen 
einzuwenden. 

Diejenigen aber, welche «0* dem Dogma festhalten, „die 
Pyämie ist eine specifische Krankheit unter den Krankheiten des 
Menschen^ (d. b. es giebt nur einen Stoff, welcher die Pyämie 
erzeugen kann, wie es nur einen Stoff giebt, welcher Typhus, 
Cholera, Masern etc. erzeugt) werden mir jetzt vorwerfen, dass 
ich die angefahrten Experimente nicht gelten lassen will, weil 
^le oicht bestätigen, was ich mir darüber gedacht habe; - sie 
werden sagen: diese Experimente und alle früheren dieser Ar- 
beitereihe zeigen ja gerade recht schlagend, dass man die wahre 
Pyämie nicht erzeugen kann, folglich muss sie doch etwas ganz 
Besonderes sein. Diesen letzten Schluss halte ich nur für halb 
richtig; ich lasse ihn, wie schon oben bemerkt, gelten, wenn 
man sagt: folglich ist die Pyämie wahrschemlich eine dem Men- 
sehen sehr eigenthümliche Krankheit. Auf die Lehre von der 
Specifit&t der traumatischen bfectionskrankheiten will ich später 
zurückkommen. 



',/ 



sc Dr. Th. Billroth, 

§. D. Nachdem wir ans so vielfach mit dea Wirkangen von 
Eiter und Blut beschäftigt haben, müssen wir noch ein Mal aof 
die Fnige zurückgreifen: wie kann denn der Eiter in's Blut ge- 
langen? Ist es nicht durch Virchow's vielfache Arbeiten be- 
wiesen worden, dass durch die Venenmündungen kein Eiter von 
der Wunde resorbirt werden kann? Ist es nicht von ihm nach- 
gewiesen, dass die dicke, gelbe, dem Eiter völlig gleiche Flüssig- 
keit Detritus der zerfallenen Thromben, puriforme Substanz, kein 
eigentlicher Eiter sei? 

Die erste Frage anlangend, nämlich, ob.es möglich sei, dass 
Eiter von den Wunden durch die Venen in^s Blut gelange, käon 
nac^h dem heutigen Stande unserer Kenntnisse durchaus nicht 
geleugnet werden, v. Recklingshausen hat nachgewiesen, 
dasä Eiterkörperchen, welche sich im Zellgewebe um die Vene 
bilden, durch die Venenwandung in das Innere der Vene ein- 
dringen können. Dies ist auf folgende Weise von ihm dargetban: 
Er legte bei einem Thiere eine Vene frei, unterband sie erst 
ctiQtralf dann peripherisch, so dass ein Stück von etwa 1 Zoll 
Läug6 unterbunden und mit Blut gefüllt war; nun streute er 
Carmin in die Wunde und nähte dann die Hautwunde za. E^ 
bilden sich nun Eiterzellen um die Venen, diese nehmen begie- 
rig da^ Carmin in sich auf; findet man carminhaltige Eitenelleo 
nach einigen Tagen in dem unterbundenen Veoenstück, ^o 
mü^äcn sie von aussen ^eingewandert sein; es ist wie gesagt, der 
IQ dem unterbundenen Venenstück gebildete Thrombus steckt 
voller carminhaltiger Eiterzellen! 

Dass von frischen Wunden aus durch die Venen Substani 
£en iiufgenommen werden können, zeigen die schönen Vei^ucU 
von F, Busch (1. c.) über Resorption von zinnoberhaltigem Fej 
aus der Markhöhle von Knochen. Dieses Eindringen von Su 
stanzen, welche auf der Wunde sind, in die blutenden Vene 
müiulungen wird im höchsten Maasse befördert durch ein 
Druck, welcher auf die Wundflächen ausgeübt wird. Die B 
pcrimente von Busch sind höchst lehrreich und interessant, i 
dem sie Manches a priori fast als unzweifelhaft Festgestellte widi 



Deber Wandfieber und accidentelje Wuodkraokheiten. g7 

legen (Eindringen von fremden Körpern in Venenwunden), und für 
die Behandlung der Wunden eehr wichtige Fingerzeige ertheilen. 
Sie zeigen experimentell, wie gef&hrlich Blntangen in schlecht 
eiternden oder jauchenden sinuösen Wanden sind, was jeder 
pnictische Chirurg oft genug erfahren hat. 

Dass aas dem Thrombus nur puriforme Masse und nichC 
wahrer Eiter werden kOnne, habe ich nur so lange geglaubt, als 
ich nicht selbst Studien über die Metamorphosen des Thrombus 
aof erhärteten Querschnitten gemacht hatte. Ich will gern Zwei- 
fel d^uun gestatten, dass alle Zellen, die man später im Throm- 
bus findet, ans den weissen Blutzellen des Thrombus entstehen, 
— es kann nämlich ein grosser Theil eingewandert sein — doch 
dass der Thrombus sich ebenso gut zu wahrem Eiter, wie zu 
Bindegewebe umbilden könne, davon bin ich fest überzeugt. Da 
es nun feststeht, dass ein centrales Thrombusende durch das 
noch fliessende Blut eines GoUateralastes losgerissen werden, und 
in^s rechte Herz gelangen kann, so kann das gleiche Geschick 
aach einen £u Eiter zerflossenen Thrombus treffen; es kann ein 
Schub Thrombuseiter in's Blut gelangen, es wird dadurch gleich- 
zeitig eine Eiterinfection, und das nöthige Material zu Embolien 
beigebracht; wenn der Patient bis dahin noch nicht pyämisch war, 
so wird er es jetzt 

Man sieht aus dem Gesagten, dass die Eiteraufnahme in^s 
Blut durch die Venen theilweise wieder in ihre Rechte eingesetzt 
werden mnss. 

Daneben spielt aber die Eiteraufnahme durch die Lymph- 
gefasse in meinen Augen doch die grossere Rolle; ich habe 
früher meine Gründe daf&r beigebracht; eine neue Stütze finde 
ich auch in der erwfthnten Arbeit von F. Busch: es &nd sich 
constant zinnoberhaltiges Fett in den entsprechenden Lymph- 
drösen, wenn solches in's Knochenmark gespritzt war, während 
CR in dem Venenblut doch Öfter fehlte. 

Da die molukularen BrOckel, zu welchen die feinsten Lymph- 
gefässthromben unzweifelhaft auch zerfallen kOnnen, in den näch- 
sten Lymphdrüsen stecken bleiben, so kann wohl Lymphangoi- 



88 Dr. Th. Billroth, 

tis, Lymphadenitis und Eiterinfection entstehen, doch auf diesem 
Wege keine embolischen Abscesse (ausser in den Lymphdrüsen^. 
Die Lymphangoitis, die man übrigens bei aurmerksamer Beob- 
achtung unendlich viel häufiger findet, als man gewöhnlich an- 
nimmt, führt aber dadurch, dass sie nach und nach zur diffusen 
Phlegmone wird, die sich mit Venenthrombose combiniren kann, 
auch nicht* so selten zur Pyämie, obgleich dies zum Glück nicht 
so sehr häufig ist. Auf alle Fälle disponirt das Yerhältniss der 
feinsten Lymphgefässnetze zum Gewebe, wie wir es aus den 
neuee^ten Arbeiten kennen, in hohem Maasse zur Aufnahme von 
Stoffen flüssiger und molekularer Art; eine zellige Infiltration 
eines Gewebes wird bei einiger Ausdehnung wohl immer in 
einige Lymphbahnen einbrechen, sie hier erfüllen, dort compri- 
roiren und so fort, während die Blutcapillaren, wenn sie auch 
aus Zellenplatten zusammengesetzt sind, doch eine viel res^sten- 
tere Wandung haben, die wahrscheinlich keinen molecularen Kör- 
per durchlässt. 

Analyse von 180 tödtlich verlaufenen Fällen von 

septischen und purulenten Infectionsfiebern 

und Pyämie.*) 

§. 6. Nachdem ich in den vorigen Paragraphen dieses Ka- 
pitels eine Reihe wichtiger Punkte berührt, und zugleich die 
Trennbarkeit und Zusammengehörigkeit der septischen, purulenten 
Infection und der Pyämie erörtert habe, beabsichtige ich nun, an 
der Hand klinischer Beobachtung auf Aetiologie, Symptome 
Sectionsbefund und Therapie einzugehen, und zugleich zu ver- 
suchen, ob sich aus den statistischen Verhältnissen, welche sich 
bei dieser Analyse ergeben, auch Schlüsse auf das Wesen der 
Krankheit nach der einen oder andern Richtung machen lassen. 
Dies mag Manchem eine überflüssige Mühe zu sein scheinen, je- 
der Chirurg glaubt die Pyämie genau genug zu kennen! der 



*) Unter diesen 180 Fällen sind die in der ersten Abhandlang ange- 
führten mit eingeschlossen. 



Ueber Wandfieber und accidentelle Wandkrankheiteo 89 

Eine versichert ans, bei ihm komrae sie wenig, oft Monate 
oder Jahre lang nicht vor; der Andere sagt uns, dass viele 
seiner Kranken pyfimisch werden. Jeder hat 8o seine Ein- 
drücke von den Fällen zurückbehalten, die ihn besonders inte- 
ressirten ; diese Eindrficke basiren aber auf unendlich vielen Zq- 
Eiligkeiten. Wenn man nan fragt: wie viel Procent der von 
ihnen behandelten complieirten Unterschenkelfracturen, oder Ver- 
letzungen an den unteren Eictremitaten überhaupt, starben an 
aa Pyämie? oder: wie ist bei ihnen das Verhältniss der Ver- 
wundeten und Operirten zu anderen chirurgischen Kranken? so 
wird man selten sichere Antworten erhalten. Ich kenne keine 
Arbeit fiber Pyämie, die auf einer Reihe von genauer beobachte- 
ten Fällen, mit Nachweis für jede ausgesprochene Behauptung, 
basirt wäre; in Folgendem will ich versuchen, die statistische 
Methode auch auf die chirurgischen Infectionskrankheiten zu ver- 
wenden. 

Jede statistische Zusammenstellung muss von 
bestimmten Principien ausgehen, und kann nur von 
diesen aifs beurtheilt werden. Wir müssen daher zunächst 
die befolgten Principien entwickeln. 

Was ich unter Infectionsfieber als generellen Krankheits- 
begriff verstehe, geht aus dem Früheren hervor; iodess der 
Begriff ist doch sehr elastisch: wenn z. B. ein älterer Mann 
am 3ten Tage, oder etwas später nach Operation, oder zu- 
fälliger Verletzung, unter massigen Fiebererscheinungen, rasch 
coUabirt und stirbt, ohne Fröste gehabt zu haben, ohne dass 
man bei der Section metastatische Processe findet, so kann er 
alg am Blutverlust, oder am Marasmus in Folge des operativen 
Eingriffs, oder am Wundfieber, oder an Septicämie gestorben 
DOtirt werden, denn in solchen Fällen ist die Beschaffenheit der 
Wanden selten eine gute. Hat ein Patient mit complicirter Frac- 
tar in der 3. oder 4. Woche wiederholte Nachblutungen, wird 
er nach und nach schwächer, sieht die Wunde schlecht aus, fie- 
bert Patient, blutet wiederholt und stirbt, so kann er als an Nach- 
bktang, oder als an Eiterfieber gestorben notirt werden etc. 



90 Dr. Th. Billroth, 

Alle solche F&lle, ia welchen die Infection, wenn 
auch nur mittelbar mit am Tode betheiligt war, siB4 
hier mitgerechnet; die Zahl von 180 Fällen ist eher zu hoch, 
als zn niedrig gegrilFen. 

In einiger Verlegenheit befand ich mich mit den Patienten, 
welche an chronischen Eiterungen, doch unter zunehmendem Fie- 
ber starben; auch bei diesen spielt die continuirliche Infection, 
welche die Kranken immer kachektischer macht, eine grosse 
RoUe, und der Tod kann durch eine acute Exacerbation des Ent- 
zündungsprocesses, durch einen kleinen Grad von acuterer purolen- 
ter Infection hervorgebracht werden, den ein gesundes Individnum 
überwunden haben würde. Von diesen Patienten, die eine im 
Ganzen kleine Gategorie auf meiner Abtheilung bilden, habe ich 
nur diejenigen Fälle mit in Rechnung gebracht, in welchen, bei 
sonst leidlichem, fieberlosen Allgemeinzustand, ganz acut, in Folge 
von Abscessöffnungen, Sondirungen etc. ein heftiges Eiterfiober, 
mit tödtlichem Ausgang auftrat. — Diejenigen Fälle, in welchen 
sich Jaucheintoxication mit ürinintoxication mischt (ürininiiltra- 
tionen mit Folgen), habe ich ausgeschieden,' da sie eben keine 
reine Eiter- oder Jaucheinfection sind. 

Da wir von der Hypothese ausgehen, dass jedes Wandfieber 
und Eiterfieber auf Intoxication beruht, und die Combination die- 
.ser Infection mit embolischen Processen als Pyämie bezeichne- 
ten, — da ferner die embolischen Processe, und somit auch die 
Pyämie nicht immer diagnosticirbar ist, — da femer weder die 
Schüttelfröste, noch andere Symptome als Beweise für Pyämie 
gelten können: — so liegt es auf der Hand, dass wir nur dann 
in unseren statistischen Erhebungen ganz sicher gehen konnten 
wenn wir die Sectionsberichte mit zu Grunde legten, also nui 
die tödtlich abgelaufenen Fälle berücksichtigten. 

Die Unterscheidung von Wundfieber und Eiterfieber, vor 
Septicämie und Pyämie, ist meist nur eine graduelle; wir be 
sitzen keine objectiven, statistisch verwendbaren An 
haltspunkte, um hierbei etwa gewisse leichtere und schwe- 
rere Infectionen zu unterscheiden; diese ist immer nur relativ 



Ueb«r Wnndfieber und aceidentelle Wondkrankheiten. 91 

^wer oder leicht, je nach der Wideretandafthigkeit des er- 
li. rankten Individuams; weder die Höhe der Temperatur, noch die 
piil8hreqaena&, noch die Trockenheit der Zange, der Hant etc. ist ent- 
tcheidead. Für sichere allgemeinste statistische Erhebungen w&re es 
ndthig gewesen, alle Fälle vom leichtesten Wundfieber bis zur tödt- 
lich endenden Py&mie zu analysiren und zu vergleichen, wie man 
bei der Typhußstatistik auch alle schweren und leichten F&lle 
berücksichtigt; dann würde man z. B. sicher ermitteln können, 
in wie yiel Procent von Wundfieber und Eiterfiebem überhaupt, 
Fröste vorkommen, wie viele von denen, die Fröste gehabt ha- 
ben genesen, wie viele gestorben sind etc. Dies ist jedenfalls 
nach anzoBtreben; es gehört dazu aber ein noch gleichmtasi- 
ger vollständiges Material an genauen Krankengeschichten, Cur- 
ven etc., als ich es besitze. Wenn auf meiner Abtheilung auch 
von den schweren Fillen genügende Notizen über den Fieber- 
verla^if vorhanden sind, so fehlt doch Genaueres über die leich- 
leren Fälle, und eine grosse Anzahl von diesen leichteren Fäl- 
len , welche auf der chirurgischen Secundarabtheilung behandelt 
i^ind, konnte ich gar nicht berücksichtigen; die Grundlage einer 
solchen Statistik wäre also nach verschiedenen Seiten eine un- 
Lmrerlättsige gewesen. 

Dorch diesen Mangel geht mir besonders das Material ab 
zar Aufstellung einer statistisch begründeten Prognostik, worauf 
ich daher verzichten muss; ich kann auch nicht sagen, wie gross 
die Todes-Procentzahl aller nach Verletzungen oder Operationen 
fiebernden Patienten ist, d. h. mit andciren Worten, wie viel Pro- 
cent TOD den infieirten Individuen starben; wir mfissen uns mit 
dem Verhältnisse der an Infectionsfieber Gestorbenen zur Zahl 
der Verwnndeten begnügen. 

Bei unserer Auffassung kann selbstverständlich die Heilbar- 
keit der septischen und eiterigen Infection nicht mehr in Frage 
kommen. Beispiele von geheilten Fällen von Infectionsfiebern 
mit Embolie (von Pyämie) habe ich früher beigebracht. Eine 
Kategonsirang der Fälle in septische und punilente Infection 
bibe ich nicbt vorgenommen, weil hierbei zu viel Willkür hätte 



92 Dr. Th. fiillroth, 

angewendet werden müssen, denn wie die Beschaffenheit des Se- 
cretes zur Zeit der Infection war, darüber geben die Krankenge- 
schichten nicht immer ganz genauen Aufschluss : Jauche nnd Eiter 
sind ja oft so gemischt/ dass man nur yon jauchigem Eiter, oder 
eiteriger Jauche sprechen Icann. In solchen Fällen iSsgt sich wohl 
klinisch deduciren, dass mehr die Symptome der JaucheresorptioD, 
oder mehr diejenigen der Eiterresorption vorliegen, doch das 
sind Dinge, die sich bei statistischer Verarbeitung von Kranken- 
geschichten nur dann verwenden lassen , wenn diese von voroe 
herein nach ganz bestimmten Schablonen geschrieben werden, 
was bei den meinigen nicht der Fall war. Ich werde in der 
Folge den Ausdruck „Pyämie* nur für diejenigen FiUe verwen- 
den, welche durch die Section als mit Embolie combinirte Jauche- 
oder Eiterinfectionen constatirt sind. 

Von den 180 erw&hnten Fallen ist in 16 die Section nickt 
gemacht, theils auf besonderen, dringenden Wunsch der Verstor- 
benen selbst, oder deren Angehörigen, theils weil diese Personen 
kurz vor ihrem Tode sich in ihre Heimath bringen liessen. Diese 
16 F&lle fallen also für die folgende Berechnung aus, nach welcher 
von 164 F&llen 81 den einfachen Infectionsfiebern, 83 
der Pyämie angehörten; man sieht, dass die Zahlen Dahez4i 
gleich sind. 

VITas die Zahlenberechnungon in Folgendem betrifft, so habe 
ich nur solche angestellt, aus denen sich möglicherweise ein 
Schlnss ziehen lässt; denn Zahlen Verhältnisse auizustellen, die, 
wenn sie auch in sich irgend eine Wahrheit enthalten, für kei- 
nen denkenden Menschen fSr jetzt eine Beziehung zu dem haben, 
was mit Hülfe der Zahlen ermittelt werden sollte, ist eine Car- 
rikirung der Statistik, denn die Statistik ist sich doch nicht selbst 
Zweck, sondern eben nur eine Methode unter anderen, wr Er- 
forschung der Wahrheit. 

Symptomatologisches. 
§. 7. Von allen Symptomen der tranmatischen Infections- 
fieber haben die intennittirenden FieberanfiUle mit Frost stets 



Deber WnDdfieber und accidentelle Wandkrankheiten. 93 

am meisten imponirt; da wir natürlich nicht bei allen diesen 
i Kranken continuirliche Messungen der Temperatur machen konn- 
ten, um den intermittirenden Fiebertypus zu ermitteln, so müssen 
wir oos an das Symptom halten, welches die heftigeren Fieber- 
aoialle so oft einleitet, an die Schüttelfröste. 

Von den erwähnten 180 Fällen fehlt nur in zwei ganz de- 
fetten Journalen jede Notiz über Fröste. Unter 178 Fällen yer- 
tiefen 95 mit Frösten, 83 ohne Fröste: es traten also in etwas 
mehr, als der Hälfte der tödtlich verlaufenen Fälle von Infec- 
! tioQsfiebern Fröste auf (wobei die Notiz „starkes Frösteln^, und 
Aehnliches, auch als Frost gezählt ist). 

I Von 83 Fällen von Pyämie verliefen 62 (74,7 pCt.) mit 
Frösten, 21 ohne Fröste. 

Von 81 Fällen von einfachen septischen, oder eiterigen In- 
fectionsfiebem verliefen 24 (29,6 pGt.) mit Frösten, 57 ohne 
Fröste. 

Die Fröste kommen also bedeutend häufiger bei 
<ier Pyämie vor, als bei den einfachen Infectionsfie- 
bern. Diese Thatsache ist mir von Wichtigkeit, denn sie scheint 
»1 beweisen, dass die Thrombose und Embolie die Veranlassung 
a Frösten bedeutend steigert, was wiederum dafür spricht, dass 
iie intermittirend auftretenden Fieberanfälle stets durch neue 
^ize, durch neue, wiederholte Infectionen bedingt werden. 

Die Zahl der Fröste, welche im Verlaufe der Krankheit 
^i einem Individuum vorkommt, hängt wohl von sehr verschie- 
<ieaen Ursachen ab; ich habe nicht finden können, dass das Alter 
Gnen entscheidenden Einfluss darauf hat; ob das Geschlecht von 
Einwirkung ist, kann ich nicht sagen, da die Zahl der weiblichen 
Kranken zu gering ist (auf 148 Männer 32 Weiber). Die Dauer 
hx Krankheit hat wohl Einfluss, doch giebt es lange verlau- 
fcoJe Fälle mit einem, und kurz verlaufende Fälle mit vielen 
Frösten. Wie viele Fröste wohl durchschnittlich am häufigsten 
'B) Verlaufe dieser Infectionsfieber vorkommen, zeigt folgende 
Zosammenstellung der mit Frösten verlaufenen 95 Fälle: 



94 







Dr. 


Th. 


Billroth, 


1 


FroBt bei 19 Individaen, 


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95 Indi^daen. 

In den meiBten Fällen haben die Kranken also nar 2, und 
1 Frost, seltener 4, 3, 5, 6, ziemlich selten 9, 8, 7 Fröste, 
äusserst selten mehr als 9 Fröste. Die Zahl von 14 Frösten ist 
nicht die grösste, die ich beobachtete; ein Mädchen von etwa 
15 Jahren, welches von einer acuten Periostitis der Tibia befal- 
len wurde, hatte in 3 Wochen 16 ausgebildete Schüttelfröste, 
und noch oft aaBserdem Frösteln; es bildeten sich nach einander 
viele Abscesse am Unterschenkel, fast jede Abscessbildung, und 
viele nothwendige Incisionen waren vou Schuttelfrösten gefolgt; 
Patient genas vollkommen. Dass ein Initialfrost bei einem bis 
dahin gesunden Individuum keine prognostische, schlimme Be- 
deutung hat, ist bekannt; von ernsterer Bedeutung ist es, wenn 
ein bereits längere Zeit eiternder, and fiebernder Kranker einen 
Frost bekommt; sehr gross ist die Gefahr, wenn sich unter die- 
sen Verhältnissen die Fröste wiederholen, — das ist ja bekannt 
Man kann nicht sagen, das Auftreten von Schüttelfrösten sei 
prognostisch entscheidend; ein wichtiges, schweres Symptom blei- 
ben sie immerhin. 

Es ist nicht so gar häufig, dass ein Kranker in 24 Stan- 
den mehr, als einen Schfittelfrost bekommt; ich finde no- 
tirt, dass bei 16 Kranken je 2 Fröste an einem Tage, bei 6 
Kranken je 3 Fröste an einem Tage auftraten. Es ist eine all- 



üeber Wondfieber und accidentelle Wandkrankheiten. 95 

geraeine Annahme, dass die pyftmischen FrSste häufiger am 
Tage, als in der Nacht sind, sonst aber h&ehst anregel- 
mässig aaftreten. Bei 287notirten Schüttelfrösten ist die Zeit 
uDgefthr angegeben; prflfen wir, ob die genauere Untersuchung 
den allgemeinen Eindruck bestätigt*): 

Von 12—2 Uhr M. kamen 11 Schfittelfrftste vor, 



2—4 


- 


- 


- 


6 


- 


4—6 


• 


- 


• 


7 


• 


6—8 


• 


- 


- 


19 


• 


8—10 


- 


• 


- 


40 


- 


10—12 


- 


- 


- 


28 


- 


12—2 


- 


A. 


- 


27 


- 


2—4 


- 


- 


- 


35 


• 


4—6 


- 


- 


•■ 


46 


- 


6—8 


- 


. 


- 


44 


- 


8—10 


- 


- 


. 


13 


- 


10—12 


- 


- 


- 


11 


- 



287 Schüttelfröste. 
Aus dieser Tabelle ergiebt sich mit Evidenz, dass die Schfit- 
teirröste in der Zeit von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends bei 
weitem häufiger vorkommen, als in der Zeit von 8 Uhr Abends 
bis 8 Uhr Morgens; auf den Tagesabschnitt kommen nämlich 
22U Fröste, auf den Nachtabschnitt 67. Dies kann verschiedene 
Ursachen haben: es ist möglich, dass die täglichen, normalen 
Temperaturscbvrankungen, die sich ja auch in fieberhaften Krank- 
heiten durch höhere Abendtemperaturen geltend machen, auch 
inf die Disposition zur Entstehung von Schüttelfrösten Einfluss 
haben. Die Zahl der Fröste ist zwar zwischen 8 und 10 Uhr 
Morgens schon ziemlich hoch, steigt aber am höchsten gegen 
Abend, zwischen 6 und 8 Uhr. Ferner können eine grosse An- 
uhl von Reisen, welche den Tag über auf den Krauken wirken, 
zar Entstehung von Frösten Veranlassung geben, z. B. das Yer- 



*) In folgender Znaammenstellang bedeutet M. von 12 Dhr Mittomacht 
bis 12 Uhr Mittags; A. ron 12 Dhr llittags bis 12 Uhr Mitternacht 



96 Dr. Th. Billroth, 

binden der Wunden mit nicht immer tn vermeidenden Bewegun- 
gen und Irritationen der verwundeten Theile, Incisionen snr Ent* 
leening von Nebeneiteningen, Sondirungen etc. etc. 

Nicht immer folgt derartigen Irritationen ein Frost, oft nur 
heftigeres Fieber, das sich vielleicht gar nicht, oder erst später 
za Frösten combinirt. Wollte man einen statistischen Beweis 
führen, dass die Fröste durch solche Irritationen der Wanden 
häufig angeregt werden, so müssten die Journale von Anfang an 
mit besondeior Rücksicht auf diesen Punkt geführt sein; dies ist 
nicht der Fall gewesen, so dass ich daher nur folgende Facta 
aus den Journalen entnehmen konnte: 3 Mal folgten Fröstenach 
Sondirungen, 20 Mal nach AbscesseröfTnungen und Anlegung von 
GegenöiShungen, 1 Mal nach Extraction eines Knochenstückes, 
3 Mal nach späten Nachblutungen, 3 Mal nach secundären Am- 
putationen oder Resectioncn, 2 Mal bei Lageänderungen mit Ge- 
raderichtung der Fragmente bei complicirten Fractaren; in allen 
diesen Fällen fieberten die Patienten bereits eine Zeit lang. In 
wie Weit hierbei die Frage der Infection von Aussen zu berück- 
sichtigen ist, davon später. In den angeführten Fällen folgte der 
Frost 2 — 6 Stunden nach der Reizung. 

üeber die Zeit, welche von der ersten Verletsang 
an bis zum ersten Froste verlief, kann ich von 70 Fällen 
Auskunft geben:*) 

14 Mal trat der erste Frost in der 1. Woche ein, 

19 2. . . 

15 3. 

9 4. 

4 6. . - 

3 6. - . 

2 7. 

4 - - - später als in der 8. Woche ein. 

70 M ai. 
*) Die Zahl dieser Fälle kann nicht mit derjenigen Btimmen, in welcher 
fiberhanpt Fröste Torkamen , weil hier nur von Verletzungen die Rede iaU 
während die Fälle, in welchen die Kranken von Decnbitus, spontan aufge- 
tretener Phlegmone elc. inficirt wurden , nicht mitgerechnet werden konnteB* 



i 



Ueber Wundfieber and accidentelle Wundkrmnkheiten. 97 

Es wftre ans Grfioden, die sieh aas der frfiheren Darstellung 
Ton selbst ergeben, entschieden falsch, den Zeitpunkt der inten- 
Biveren, geAhrlieheren Infection vom» ersten Schfitttelfroste an su 
datiren, (dies ist nur in wenigen Fällen anzunehmen, nftmlich in 
denjenigen, in welchen der Frost einer Infection von Aussen 
folgt), dennoch aber giebt die Zeit, in welcher die SchfittelfrOste 
am häufigsten auftreten, ein relatives Mass f&r die Zeit, in wel- 
cher die Patienten am meisten in Gefahr sind, schwer zu er- 
kranken; dies ist also in den ersten 3 Wochen der Fall, und 
nimmt von der 6ten Woche an schnell ab. — Die Zahl der in 
der ersten Woche von Schfittelfrösten Befallenen würde viel klei- 
ner sein, wenn man nur die frisch verletzten, sonst gesunden 
bdividuen ber&cksichtigte; diese fangen wohl selten vor dem 
7ten Tsge an zu sch&tteln. Die Patienten aber, welche schon 
^or der Operation fieberten, wenn auch m&ssig, haben zuweilen 
schon am 1., mehrfach am 3. Tage Fröste bekommen, z. B. ein 
Knabe, dem ich die Resection der Hüfte wegen Caries machte, 
ein Mann, dem ich das Knie wegen Caries mehrere Monate vor- 
her reseeirte, und nun den Oberschenkel amputirte, eine Frau, 
der ich den Oberschenkel wegen acuter Gonitis amputirte, ein 
Knabe, dem ich einen cariösen Talus extrahirte, eine Frau mit 
nlcerirtem Carcinoma mammae, die kurz vorher ein Erysipel 
durchgemacht hatte etc. 

In F&llen von complicirten Fracturen, in welchen noch am 
66., 75., 85. Tage nach der Verletzung FrOste auftraten, nachdem 
bereits vollständige Reconvalescenz eingetreten war, ist sehr wahr- 
Bchemlich Infection von Aussen im Spiele. 

§. 8. Berücksichtigen vrir jetzt einige andere, mehr oder 
minder vrichtige Symptome, welche bei den erw&huten 180 Kran- 
ken beobachtet und notirt wurden. 

Yerdauungsorgane. 

Diarrhoe (in F&llen, wo keine Abführmittel gegeben vmrden) 
ist 32 Hai notirt, und hat jedes Mal mehrere Tage bestanden Nach 
den Erfahrungen, die man anThieren macht, denen direct in^s Blut 
janchige Stofie injicirt sind, sollte man auch beimMeaschen viel 

V. LftBitBbtek, Ax«hiT f. Chlnrgt«. IX. 7 



98 Dr* Th. Billroth, 

häufiger Diarrhoe erwarten; indesB schon die Experimente, bei 
welchen man Eiter^^in^s Zellgewebe spritzte, zeigen ancb bei Hun- 
den weit seltener Diarrhoe, «o dass vielleicht ansonehmen ist, dass 
den infectiösen Flüssigkeiten auf dem Wege durch die Gewebe und 
dttrch's Lymphgef&sssystem die Bestandtheile abhanden kommen, 
welche die Enteritis erzengen. — Erbrechen, auch ein bei jau- 
chig intoxirten Hunden unmittelbar nach der Operation hHafig 
vorkommendes Symptom, kam in 5 Fällen beim Menschen vor 
(unabhängig von Chloroform). — Singultus ist 6 Mal, als 
lange andauernd, notirt. — Icterus wurde 29 Mal beobachtet, 
eine ziemlich grosse Anzahl, wenn man sie mit den SectioDS- 
befunden vergleicht, woraus sich ergiebt, dass nur 8 MalLeber- 
abscesse, und 3 Mal diffuse Schwellung mit Erweichung der Le- 
ber notirt ist. Dass der Icterus bei Infectionskrankheiten nicht 
von Leberabscessen abhängt, ist freilich längst bekannt. 
Respirations Organe. 

Pneumonische Sputa wurden 9 Mal, Pneumothorax 
1 Mal beobachtet; dies sind sehr kleine Zahlen, in Riicksicht aaf 
die Sectionsbefunde (75 Mal Lungeninfarcte, oder Abscesse, 16 
Mal diffuse Pneumonie). 

Gefässsystem: 9 Mal kamen frühe, 13 Mal späte Nach- 
blutungen vor; 2 Mal wurde spontanes Nasenbluten beobachtet 

Harnorgane: 4 Mal ist Albuminurie, ausserdem 3 Mal 
Hämaturie mit Epithelial- und Fibrincylindem beobachtet; von 
den letzteren Fällen endigte einer (complicirte Fractur der Un- 
terschenkel) , bei vollkommener Anurie , mit Urämie. — Eiweiss 
ist unzweifelhaft viel häufiger im Harne gewesen, als es notirt 
war; es kommt eben sehr viel darauf an, in welchem Stadium 
der Krankheit, und wie oft die Untersuchung gemacht wird. 

Haut Exantheme sind sehr selten beobachtet; 1 Mal Blas- 1 
eben im Gesichte, 1 Mal ein Urticaria- ähnlicher Ausschlag, l' 
Mal ein Herpes an der Lippe, 1 Mal Petechien. — Langwierige 
Eczeme an Unterschenkeln, die wegen offener Fracturen lange geei- 
tert hatten, sind einige Male vorgekommen, doch wohl kaum als 
metastatische Processe aufzufassen. -^Wahres Erysipel com- 



üeber Wundfieber und accidentelle Wondkrankheiten, 99 

binirte sich 5 Mal mit Pyftmiey doch nicht als metastatische Ent- 
sfindong, an einer der Wunde entfernten Stelle des KOrpers, son- 
dern als erser Ausdruck örtlicher Infection; ans dem scharf ab- 
gegrenzten, täglich in rundlichen Figuren vorschreitenden , wah- 
ren Erysipel entwickelte sich dann eine Phlegmone, mit der sich 
L;pnphangoiti8, oder direct Yenenthrombose etc. verband. — 
Decubitus kam 54 Mal vor, und war nicht selten Ansgangs- 
ponkt der Infection. Am auffallendsten sind die Fälle, wo schon 
am 4ten Tage bei Septicämischen brandiger Decubitus gefunden 
wird. Ich kann auch dafir keine andere Erklärung finden, als 
man sie f&r die frühe Entstehung des Decubitus beim Typhus 
giebt: Stasis, in Folge von einer, »durch septische Intoxication 
bedingten Herzschwäche, bei einem unverhältnissmässig kleinen 
Circulationswiderstande. 

Eine Reihe von metastatisohen Processen, die schon an Le- 
benden zu erkennen waren, wie Parotitis, Gelenkentzündungen 
u. A. finden sich bei den Sectionsbefunden untergebracht. 

§. 9. üeber die Dauer der septischen und purulenten In- 
fection und Pyämie lässt sich nichts Bestimmtes angeben. Je 
nach der Intensität des Giftes, je nach der Quantität desselben, 
je nach Widerstandsfähigkeit des Individuums etc. wird der 
Kranke firüher oder später genesen, früher oder später sterben. 
Da man selten genau weiss, wann die vielleicht tödtlich werdende 
Infection beginnt, so kaon man nie sagen, wie lange die Krank- 
heit "dauert; nur in der Zahl von Tagen, die zwischen einer Ver- 
letzung und dem Todestage liegen, haben wir ein ungefähres 
Maass f&r die Daner der Krankheit. Für die lange verlaufenden 
Fälle ist dieses Haass freilich ganz unsicher, da ein Patient, der 
in der 6. oder 10. Woche nach einer Verletzung stirbt, keines- 
weges von Anfang an pyämisch zu sein braucht, sondern vielleicht 
nicht lange vor dem Tode erst schwer inficirt ist. Die folgende 
Zusammenstellung bestätigt in Zahlen die ziemlich bekannte Er- 
Urung, dass die meisten Patienten, welche Infectionsfiebern 
nnterliegen, innerhalb der ersten 4 Wochen zu Grunde gehen. 

• *** •• * .»•« •J» t *t * • '4** 



100 Dr. Th. Billroth, 

Es starben in der 

1. Woche nach der Verletzang 28 Individuen, 

2. . - . . 22 - 

3. - . - . 24 - 

4. . . . - - 18 

5. - - - - 11 . 

6. . . - - 7 - 

7. . - . - 4 

8. . - . . 8 - 

9. . . . . 2 . . 
10.^18. ... . 10 

129 Individuen. 
Ich habe in der ursprünglich auf Tage berechneten Tabelle 
die einfachen Infectionsfieber von der Py&mie getrennt; es er- 
giebt sich dabei, dass in den ersten Wochen bedeutend mehr 
Individuen ohne Embolien (meist an Septicämie) starben, wäh- 
rend später die Zahl der an Pyämie Gestorbenen bedeutend zq- 
nimmt. In der 1 . Woche sind nur 3, in der 2. Woche ebenfalls 
nur 3 Individuen als an Pyämie gestorben notirt, neben 28 oad 
22 an einfachen Infectionsfiebem Gestorbenen. — Später kehrt 
sich das Verhältniss fast um; es gebt daraus als wahrscheio- 
liches Resultat hervor, dass die Thromben in der Vene wahr- 
scheinlich sich erst in der zweiten Woche bilden, und dann in 
der 3. und 4. Woche nach der Verletzung durch Erweichung am 
gefährlichsten werden. 

Sectionsbefunde. 

§. 10. Da in 16 Fällen, wie bemerkt, die Sectron nicht 
gemacht ist, so liegen von den 180 beobachteten Fällen nur 164 
Sectionsberichte vor. Aus diesen ergiebt sich, dass 51 Hai gar 
keine metastatischen Entzfindungen gefunden wurden; 31,0 pCt 
der Fälle sind also sicher nur an der Blutvergiftung, ohne alle 
Complicationen, gestorben, und zwar sind dies nicht nur Fälle 
von acuten Septic&mien, sondern zum Tbeil Fälle, die sich 
Wochen lan^rbingezogen haben; ' ' ~ 



Deber Wandfieber and accidentelle Woodkrankheiien 101 

§. 11. Berficksitbiigen wir nnn zunächst die F&Ile Ton 
embolifichen Processen, so zeigt sich Folgendes: Es finden 
sieh Äbscesse und In&rcte 

in den Langen ... 75, 

in der Milz .... 17, 

in der Leber .... 8, 

in den Nieren ... 4. 
Die Leber- und Nierenabscesse sind nur an Individuen be- 
obachtet, die zugleich Lnogenabscesse hatten, ebenso 12 Fälle 
von Milzinfarcten; doch in 5 Fällen, in welchen sich Milzabscesse 
fanden, fehlten Lungenabscesse. Wir haben uns Aber diesen 
Pankt schon frfiher (§. 3. dieses Kapitels) ausgesprochen. Dass 
sich unter 83 Fällen wahrer Pyämie 75 Fälle von Lungenembo- 
lien und nnr 5 Fälle alleiniger Milzembolien finden, ist doch 
gewiss ein wichtiges Factum für die Annahme, dass die Infarcte 
and metaBtatischen Äbscesse der Lungen unter den gegebenen 
umständen stets von Venenthrombosen abstammen. Warum 
nächst den Lungen die Milz am meisten betroffen ist, ergiebt 
sich daran«, dass ein im^ Blute kreisender Körper, der die Lun- 
gen passirt hat, und in's linke Herz gedrungen ist, aus mecha- 
nischen Gründen am leichtesten von der Aorta aus in die Milz- 
arterie dringt; dies zeigt sich auch bei Experimenten. Prevost 
und Co Card (Etudes physiologiques et pathologiques sur le 
ramoUissement cerebral. Paris, 1866. p. 43.) sahen bei einem 
Hunde, dem sie den Bauch eröffnet, und dann TabackkOmchen 
mit Wasser in das centrale Ende der Art. cruralis injicirt hatten, 
zuerst gleich unter ihren Augen Milzinfarcte entstehen. 

Was die Befunde von Thrombosen der Hauptvenen- 
stämme der verletzt oder entzfindet geveesenen Theile betrifft, 
80^ sind deren in den 164 SectionsprotokoUen 38 erwähnt, und 
von diesen kommen 10 auf solche Fälle, in denen keine em- 
bolischen Processe gefunden wurden; wir können also nur 28 Be- 
funde Yon Venenthrombosen 83 Fällen von Embolien an die Seite 
stellen. Ffir dies grelle und auf den ersten Blick das Wesen 
der Sache scheinbar sehr beeinträchtigende Verhältniss (§. 3. dieses 



102 D'- Th. Billroth, 

Kapitels) ist bereits die Erklärung gegeben, wozu ich nur noch hin- 
zufüge, dass die Untersuchung der Extremitäten venen wohl nie Ter- 
s&umt ist, während sich freilich an anderen Körpertheilen dem Auf- 
finden der thrombirten Venen oft schwer zu überwindende Schwie- 
rigkeiten entgegenstellten, und sa die Untersuchung nicht immer 
gemacht ist. Etwas vermehrt wird die Zahl der Thrombosen durch 
3 Fälle, in welchen im rechten Herzohr bröckelige Gerinnsel 
gefunden wurden; es waren dies aber Fälle, in welchen die be- 
treffenden Individuen längere Zeit marantisch waren, und lange 
agonisirt hatten, so dass die Beziehung dieser Herzohrgerinnsel 
zu ausgebildeten Lungenabscessen immerhin zweifelhaft wird. 

Ich will gleich hier zwei sonderbare Befunde im Bereich des 
Gef&sssystems anfuhren, die ich nur als metastatische Throm- 
bosen bezeichnen kann; es fand sich nämlich ein Mal bei einem 
18jährigen Mädchen, welches an ausgedehnter Phlegmone des 
Beines gestorben war, eine eiterige Thrombose des Sinus caver- 
nosus mit sehr geringer secundärer Meningitis (Patientin war 
bis 2 Tage vor dem Tode bei Bewusstsein). Ein anderes Hai 
fand sich bei einem jungen Burschen, mit Handzerquetschong, 
der pyämisch wurde, eine eiterige Thrombose der Venen des 
Blasenhalses und der Prostata, die während des Lebens zu Harn- 
verhaltung geffihrt und wiederholt den Gatheterismus nOthig ge- 
macht hatte, der jedoch nie auf Schwierigkeiten gestossen war. 

Um gleich den Befund im Bereich des Gefässsystems hier 
abzuschliessen, muss ich noch dreier Fälle erwähnen, in welchen 
sich mehrere kleine Abscesse im Herz fleisch vorfanden, von 
denen es freilich dahingestellt bleiben muss, ob sie embolischer 
Natur sind, oder nicht. 

Was die Lymphdrüsen an den verletzten Extremitäten 
betrifit, so wurden dieselben stets stark vergrössert, und meist 
sehr blutreich gefunden, doch Hessen sich nur selten Abscesse 
darin erkennen. 

Die Beschaffenheit des Herzblutes hängt sosehr von 
der Art und Dauer der Agonie ab, dass es mir werthlos erschien, 
darfiber besondere Erhebungen aus den Protokollen zu machen. 



Deber Wnndfieber und accideotelle Wandkrankheiten. 103 

§. 12. Was die fibrigen Befunde bei den 164 Sectionen 
betrifft, welche sich, nicht auf Embolie zu beziehen scheinen, so 
sind es folgende: 

a) filutextrayasate: Es sind 7 Hai punktförmige Extra- 
vasate der Pleura, 2 Mal des Pericardiums notirt; 8 Hai wird 
das Pleuraexsudat, 5 Mal die Flüssigkeit im Pericardium als 
bktig bezeichnet Fast alle diese Befunde gehören der Septic- 
ämie an« 

b) Metastatische Entzündungen seröser Häute. Ich 
schliesse hier die Fälle von Pleuritis und Peritonitis ans, welche 
sieh zu Erkrankungen der Lunge, Milz, Leber hinzugesellen, und 
erwähne nur die ganz isolirt aufgetretenen Erkrankungen. Hier- 
nach Bind zu erwähnen 5 Fälle von plenritischem , 2 Fälle von 
periearditisehem Erguss mit Faserstoffflocken oder oberflächlichem 
Faserstoffbelag; 13 Fälle von metastatischen Gelenkentzündungen 
(bei welchen diejenigen Gelenkeiterungen ausgeschlossen sind, 
welche sich durch Weiterverbreitung der Entzündung von eitern- 
den Fracturen her erklären lassen). — In 4 Fällen erkrankte 
das Sehultergelenk, 1 Mal doppelseitig (also 5 Mal bei 4 Indi- 
viduen); 2 Mal entwickelten sich Eiterungen im Sternoclavicular- 
gelenk, 2 Mal im Handgelenk. In 2 Fällen trat metastatische 
Vereiterung des Hüftgelenkes, in 2 Fällen des Kniegelenkes (in 
einem dieser Fälle doppelseitig), in 1 Falle des Fussgelenkes 
aof. In 7 von diesen 13 Fällen bestanden neben den Gelenk- 
eitenmgen Thrombosen und Lungenembolien, in den 6 anderen 
Fällen lagen reine Infectionsfieber vor. 

c) Von den Schleimhäuten fanden sich am häufigsten die 
Broncbialschleimhaut geröthet und geschwollen, mit vielem Secret 
bedeckt; acuter Bronchialcatarrh, wenn auch oft nur mit wenig 
Hustenreiz, ist der selten fehlende Begleiter vielfacher metasta- 
tischer Abscesse, kann sich aber bei Infectionsfiebem auch ohne 
Longenabscesse entvnckeln, so dass ein copiOser, schaumig-schlei- 
miger oder eiteriger Auswurf nur bedingt bei der Diagnose der 
l^geninfarcte benutzt werden kann.« 

In den Fällen, in welchen sich Diarrhöen während des Le- 



104 Dr. Th. Billroth, 

bens fanden, ist bei der Section der Darm erOffiiet worden; 
m&ssige Schwellang der solitären Follikel und Peyer'sdiea 
Plaques ist der einzige leidlich constante Befund gewesen, der 
sich nur selten von Hyperämie begleitet fand (so weit dies ans 
der Leiche erschlossen werden kann). 

d) Diffase Entzfindungen drüsiger Organe fanden 
sich mehrfach vor: 16 Mal diffase Pneumonie, zumal der 
unteren Lappen. (Lungenödem war sehr häufig, ich habe darüber 
keine Statistik erhoben, da mir dies wenig Werth zu haben 
schien.) 

In 66 Fällen ist die Milz als geschwollen, Tei^rOssert no- 
tirt, und zwar in 41 F&llen von Pyämie (bei denen die FiUe 
mit Infarcten und Abscessen der Milz ausgeschlossen sind), und 
in 25 Fällen reiner Infectionsfieber. — Da die betreffenden Se^ 
tionsprotokoUe theils von Prof. Rindfleisch, theils Yon Pro- 
fessor Eberth, theils von mir dictirt sind, so schwanken die 
Bezeichnungen der Milzconsistenz im Ausdruck sehr; die Coo- 
sistenz der Milz hängt so sehr von dem Znstand und der Menge 
des darin enthaltenen Blutes, von der Spannung und Starrheit 
der Kapseln und Trabekeln (deren Muskeln wahrscheinlich auch 
eine Todtenstarre haben), und dann erst von der Beschaflenheit 
des Parenchyms, endlich von dem Grade der Leichenzeraetzung ab, 
dass nur die minutiöseste Berücksichtigung aller dieser Verhllt- 
nisse einen sicheren Schluss auf die wahre Consistenz der Pulpa, 
die man doch eigentlich bezeichnen will, erlaubt. 

Diffuse Schwellung und abnorme Weichheit des Leber- 
parenchyms, welche durch einen akuten parenchymatSsea 
Process bedingt schien, ist 3 Mal notirt. 

2 Mal ist diffuse metastatische Parotitis beobachtet. 

In 30 Fällen sind die Nieren als stark hyperämisch, die 
Kapsel als leicht lOsbar notirt; ich will darauf kein zu grosses 
Gewicht legen, doch d&rfte, wie schon früher bei der Albnmi- 
nurie bemerkt, ein leichterer Grad difiuser Nephritis, der so 
schwer anatomisch zu erkennen ist, häufiger bei den Infections- 
fiebem vorkommen, als man ihn beachtet. 



I3eb«r Waodfieber ond accidentelle Wandkraakheiten. 105 

e) Wir kommen endlich zu den metastatischen Zell- 
gewebsabseessen. Da haben wir 1 Abscess in der Kopf- 
sehwarte, mit nachfolgender eiteriger Meningitis, 2 kleine Abscesse 
im Gesicht (Stirn, Angenbranengegend), 1 an der Vorderseite des 
Iborax, 2 hinten an der Scapnla, 2 um das Schultergelenk, 2 am 
Eieoxbein, 1 am Fnss (Gegend des Malleolus): im Ganzen 
II Fälle. — In manchen dieser Fälle kann man die Entstehung 
der Abscesse dadurch vermittelt erklären, dass ein Druck ein- 
gewirkt hat: am Bficken, am Kreuzbein; bei vorhandener Dispg- 
sition zur Eiterung mag ein geringer Reiz genügen, um eiterige 
Entzündung hervorzubringen. Wenn man noch nicht überzeugt 
ist, wie sehr die eiterige oder jauchige Infection den ganzen 
Körper durchdringt, und zur Eiterung an sonst gereizten Stellen 
disponirt, so mögen folgende Beobachtungen noch dazu dienen, 
diese Ansieht zu stützen. Es ist bekannt, dass einfache, sub- 
cutane Fracturen ohne irgend welche Complication nie spontan 
eitern; wenn nun Individuen mehrere Fracturen haben, leichtere 
sabcntane und vielleicht eine schwere offene ünterschenkelfractur, 
Ton der aus sie inficirt worden, so findet man, wenn diese In- 
dividuen nach einigen oder mehreren Wochen sterben, auch die 
Bubeatanen Fracturen bei der Section eiternd; ja, es ist mir so 
▼oigekommen, als wenn in manchen Fällen ein bereits ziemlich 
fester, tiieilweise knöcherner Callus unter Einfluss der Infection 
la Eiter zerschmolzen sei. Es sind in meinen Proto-v ollen 
4 solche Fälle notirt, andere sind mir aus früherer Zeit wohl im 
Gedächtniss. 

Man hat bei den pyämischen Infectionen die jauchige und 
eiterige Osteomyelitis, die nach offenen Fracturen und Am- 
putationen zuweilen eintritt, als ein ziemlich häufiges Vorkomm- 
niss bezeichnet, und ihr deshalb einen besonderen ätiologischen 
Werth zuertheilt; ich stelle denselben nicht in Abrede, doch ist 
diese Krankheit unendlich viel seltener Ausgang pyämischer Infec- 
tion, als manche Autoren anzunehmen scheinen. Ich habe mir 
die Mühe nicht yerdriessen lassen, in allen Fällen, in welchen 
Qv eine Spur von Verdacht auf Erkrankung des Knochenmarkes 



106 Dr- Th. Billroth, 

war, die betreffenden Knochen an&ttsftgen; doch nur 5 Mal haben 
wir Osteomyelitis gefunden; man erkennt ihre Existenz an der 
Leiche leicht dadurch, dass sich das Periost von der Knochen- 
oberfl&che besonders leicht abziehen l&sst, wobei man meist «leb 
subperipstale Abscesse findet. 

Aetiologisches. 

§. 13. Ob das Geschlecht einen Einflnss auf die Inficir- 
barkeit hat, darüber habe ich nicht der Mflhe werth erachtet, 
besondere Zahlenreihen zu erheben, weil die Zahl der weiblichen 
Individuen zu gering ist, um aus einem Verhältnisse der an In- 
fection gestorbenen zu den verwundeten Frauen einen besonderen 
Schlnss ziehen zu kOnnen: unter den erw&hnten 180 sind nim- 
lieh nur 32 Weiber, gegenüber 148 Männern. Dies nngleiehe 
Yerhältniss liegt daran, dass 1) überhaupt die Zahl der weiblichen 
Individuen, welche hier jährlich auf die chimrg^che Abtheilong 
aufgenommen werden, kaum die Hälfte, oft nur ein Drittbeil Ton 
derjenigen der aufgenommenen Männer beträgt, und dass 2) die 
schweren Verletzungen, welche nahezu in Dreiviertheil der F&Ile 
Veranlassung zu den tödtlichen Infectionsfiebem geben, beiden 
Weibern nicht vorkommen, weil die Weiber wenig schwere und 
gefährliche Arbeit thun; es kommen hier die gleichen Ursachen 
in Betracht, wie bej der Statistik der Fractnren. 

Das Gleiche muss berücksichtigt werden, wenn von der Be- 
ziehung des Alters zur Infection gesprochen vrird; ich will in- 
dess die das Alter betreffenden, von mir angestellten Erhebon- 
gen mittheilen: 

Es erkrankten und starben im Alter von 



Jahren 


an 


einfachen 


an 


Py&mie 


nnsecirt blieben 


SnnuBi 




Infectionsfiebem 










0-5 


















6—10 




1 




1 





2 


11—15 




2 




1 


1 


i. 


16—20 




3 




9 





12! 



Latus 6 11 1 18 1 



Ueber Wandfieber und accidentelle Wnndkrankheiten. 107 



Jahrw 


an 


einfachen 


an Py&mie 


nnseeirt blieben 


Snnuna 




lofectionsfiebem 








Transport 


6 • 


11 


1 


18 


21-25 




8 


14 


1 


23 


26-30 




3 


12 


2 


17 


31-35 




5 


9 


1 


15 


36-40 




6 


•8 


1 


15 


41-45 




11 


9 


2 


22 


46-50 




7 


3 


3 


13 


51-55 




11 


6 





17 


56-60 




11 


6 


2 


19 


61-65 




7 


2 


2 


11 


66-70 




3 


3 





6 


71-75 
















76-80 




1 








1 


81-85 




1 





1 


2 


86-90 




1 








1 



81 83 16 180 

Es ergiebt sich bierans, dass tod den 180 Individuen 170 
im Alter von 16 — 65 Jahren gestorben sind; es wäre aber ganz 
f&lseb, hieraus schliessen su wollen, dass die Infectionsf&higkeit 
vor 16, und nach 65 Jabren besonders gering sei; denn die Men- 
schen haben in zarter Jagend und bohem Alter selten Gelegenheit, 
sieh schwer zn verletzen, und daher auch wenig Gelegenheit, pyä- 
misch zu werden. 

Innerhalb der Reihe von Fällen, welche zwischen dem 16ten 
und 65sten Jahre vorkaipen, sind die Schwankungen nicht so 
gross, dasB man ein Gewicht darauf legen konnte; auch sind die 
eii»elnen Zahlen zu gering, um etwas Weiteres damit anfangen 
zu können. — Betrachten wir die einzelnen Reihen von Zahlen 
fiir sieh, so ergiebt sich, dass die reinen Infectionsfieber häufiger 
in den Jahren von 21—65, die Pyämie häufiger in den Jahren 
von 16 — 60 vorgekommen sind; darf man daraus den Schluss 
ziehen, dass die wahre Pyämie häufiger in jflngeren Jahren sei? 
ieh glaube kaum; die Zahlen sind doch wohl, f&r eine solche 



108 I>r. Th. Billroth, 

Berechnung auf ftnf]&hrige Altersperioden, nicht gross genug, 
um Zufälligkeiten auszuschliessen. 

§. 14. Ein besonderes Interesse yerdient die Berücksich- 
tigung der verletzten Körpertheile, mit welchen die bfee- 
tionsfieber, respective die Inficirbarkeit in besonderem Verh&Unisse 
zu stehen scheinen, denn schon eine kleine Zahl \on Beobachtan- 
gen lehrt, dass Handverletzungen vreniger gefährlich f&r Infectioa 
sind, als Knie Verletzungen u. s. w. Ich kann nach meinen Be- 
rechnungen hierüber Folgendes aussagen. Ich bemerke znoäcbst, 
dass im Ganzen, vom 1. Januar 1860 bis 1. October 1866, auf 
die klinisch -chirurgische Abtheilung aufgenommen sind: 3843 
Kranke, von denen also 180 (4,6 pGt.) an Infectionsfiebern ge- 
storben sind; ob diese Todtenzahl verhältnissm&ssig hoch oder 
niedrig ist, l&sst sich aus diesen Zahlen kaum ann^emd sagen, 
denn es kommt darauf an, zu v«rissen, welche chirurgischen Krank- 
heiten vorwiegend waren; die Zahl von pyämischen Erkrankan- 
gen, welche sich zu subcutanen Entzündungen hinzugesellen, oder 
zu subcutanen Verletzungen (Quetschungen ohne Wunde, subcu- 
tanen Fracturen etc.) ist so gering, dass sie kaum in die WaagBcbale 
fällt. Es käme also auf die Zahl der Verwundeten (indasive der 
Operirten , exclusive der subcutanen Verletzungen) an. Um nao 
zu wissen, wie viele von meinen Verwundeten an InfectioDS- 
fiebern gestorben sind, müsste ich zunächst die Zahl der Ver- 
wundeten und Operirten überhaupt berechnen: es sind 1394, wo- 
bei natürlich die operirten Verwundeten nur ein Mal gezählt sind 
(im Ganzen waren also 36,2 pCt. aller meiner Kranken Ver- 
wundete oder Operirte). Von den 180 an Infectionsfiebern 
Gestorbenen müsste ich dann aber diejenigen abziehen, welche 
von nicht traumatischen Entzündungen inficirt sind: es sind 36| 
(24,3 pGt der an Infectionsfiebern überhaupt Gestorbenen 180)j 
Hiemach ist nun festzustellen, dass von 1394 Verletzten an<I 
Operirten 144 (10,3 pCt.) an Infectionsfiebern gestern 
ben sind. Diese Zahl ist, als allgemein gültige, immer noch 
auf alle Fälle hoch, weil es sich vorwiegend um schwere Ver- 
letzungen handelte, indem die leichteren Fälle gewöhnlich ad 



^ \3eber Yfandfieber und accidentelle Wandkrankheiten. 109 

die Secnndarabtheilang verlegt sind, so dass sich auf meiner Ab- 
tlieiluDg h&ufig eine Gumulation schwerster chirurgischer FäQe 
befindet 

Es ist bekannt, dass Infectionsfieber Yorwiegend bei offenen 
Verletzungen der Knochen auftreten; hierSber kann ich 
folgende Zahlen angeben: unter den 144 Verletzungen, welche 
fiir Entwickelang ton tOdtlichen Infectionsfiebern Veranlassung 
gaben, sind 113 Knochenverletzungen, nur 31 Verletzungen der 
Weichtheile allein (worunter die Gelenkverletznngen wiederum 
die grösste Bolle spielen). So eclatant diese Zahlen sind, würde 
tö doch wohl ein unrichtiger Schluss sein, wenn man daraus 
entnehmen wollte, dass die Producte der traumatischen Ostitis, 
Periostitis und Osteomyelitis besonders infectiös sind; die 
Knochenverletzungen werden vielmehr gerade durch die ausge- 
dehnten, tiefen Eiterungen der Weichtheile erst recht gefährlich; 
wahrscheinlich ist eben die Tiefe der Eiterungen, und die dadurch 
bedingte Gelegenheit zur Vorhaltung und Zersetzung des extra vasir- 
ten Blutes und der Secrete die Ursache der erwähnten Thatsachen. 
Was die Beziehung der Localität der Verletzung zur Infection be- 
trifft, so genügt es begreiflicher Weise nicht, zu wissen, me viele 
von den 144 an traumatischer Infection Verstorbenen am Arme, 
wie viele am Kopfe etc. verletzt waren, sondern es muss die 
Zahl der Gestorbenen im Verhältnisse zu den an bestimmten 
Körpertheilen überhaupt Verletzten in Beziehung gesetzt werden, 
Bm mit Recht zu sagen, Verletzung dieses oder jenes Körper- 
didles disponire am meisten zur Infection. 

Hiernach ist folgende Tabelle I. aufgestellt: 
Von 
116 am Kopfe Verwundeten sind 4 an Infection gest. = 3,4 pGt. 



208 am Gesichte - 


6 - 


- = 2,8 pCt. 


115 am Halse 


9 - 


- = 7,8 pCt 


65 an Brost and Bücken - 


8 - 


- =12,3pCt. 


40 am Banche 


1 - 


- = 2,5 pCt. 


89 in der Beckengegend - 


6 - 


- = 6,7 pCt. 



633 Latus 34 



110 Dr. Th. Billroth, 

Transport 
633 34 

303 an Hand und Vorderann 9 an Infection gest. = 2,0 pGt. 

80 am£lleDbog.biszarSchalt6r28 ... =:35,OpCt 

293 am Fasse tt. Unterschenkel 46 - - - = 15^pGi 

85 vom Knie bis »ur Hüfte 28 - - - = 32,9 pCt 

1394 144 

Zur einfacheren üebersicht fuge ich noch eine Tabelle II. 
hinzu: 

auf Kopf und Hals zusammen kommen 4,3 pCt. 
auf den Rumpf - 7,7 pCt 

auf die oberen Extremitäten - 9,3 pCt 

auf die unteren Extremitäten - 19,3 pCt. 
Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass die Verletzim- 
gen vom Ellenbogen an bis zur Schulter häufiger zur InfectioQ 
fähren, als die Verletzungen vom Knie bis zur Hüfte, femer die 
Verletzung von Fuss und Unterschenkel weit häufiger, als die 
von Hand und Vorderarm (Tabelle I.^, während sonst im Allge- 
meinen die Verletzungen der unteren Extremitäten mehr zur 
Infection disponiren, als die der oberen (Tabelle II). Ob diese 
Zahlen gross genug sind, um unzweifelhafte Wahrheiten zu bezeu- 
gen, muss ich freilich dahingestellt sein lassen. 

Worin die so grosse Difierenz in der Infectionsdispositiou 
der Verletzungen, betreffs der Localität, liegt, ist sehr schwierig 
zu sagen. Die Disposition der verschiedenen Theile zur Eite- 
rung, und namentlich zu diffusen Eiterungen, die Entfernung vom 
Centrum des Rumpfes, ganz specielle Circulationsverhältnisse, An- 
ordnung der Lymphbahnen, Intercalirung von mehr oder weniger 
Drüsen etc. etc. mögen hier von Einfluss sein. Mag es sein, was es 
wolle, es scheint mir durch obige Zahlen unumstösslich bewieseoJ 
dass die Localität der Verletzung wirklich bedeuten^ 
den Einfluss auf die Disposition zur Infection hat| 
dies ist ein sehr wichtiges Factum, denn es stellt die inficirea^ 
den Einflüsse, welche nicht mit der Wunde direct zusammen] 
hängen, (Infectionen durch Respirations- , Verdauungsschleiml 



Heber Wandfieber nnd accidentelle Wandknnkheiien. Hl 

b&ate etc.)» mindestens erheblich zurück , und stellt die Bezie- 
bung der Yerwundong zur Infectgion in den Vordergrund. 

Was die 36 Fille betrifft, bei welchen der Ausgangspunkt 
der Infection in nicht direct traumatisch entstandenen Entzündun- 
gen zu suchen 'war, so bemerke ich nur, dass davon 7 auf jau- 
chigen Decubitus bei Wirbelfracturen, mit Ruckenmarkszerreissun- 
gen, 5 auf Gangraena spontanea kommen, mehrere auf acute 
Gelenkfereiteningen und Phlegmone bei alten Leuten, einige 
aaf direct von Aussen gekommene Infection auf Individuen mit 
chronischen Eiterungen. In 2 Fällen gingen Patienten an 
Infectionsfiebern zu Grunde, ohne dass die Entzfin- 
dnngsberde mit der Luft je communicirt hätten, näm- 
lich in einem Falle von unreponirbarer Luxation des Oberschenkel- 
kopfes mit gleichzeitiger mehrfacher Beckenfactur, und in einem 
Falle von subcutaner Fractnr des Oberschenkels bei einem alten 
Manne. Beide Individuen starben nach mehreren Schüttelfrösten acut 
marastisch unter dauerndem Fieber in der 5. und 6. Woche nach der 
Verletzung; bei beiden trat indessen erst sub finem vitae Decubitus 
aof, was ganzgenau constatirt ist; in beiden Fällen fand sich wenig 
CaUus, doch Eiter um die Fragmente, keine Thrombosen, keine 
metastatischen Abscesse. — In einem Falle entwickelte sich bei 
einem alten Manne, der sich durch Fall eine Luxation der Schul- 
ter zugezogen hatte, die nicht reponirt war, eine colossale Masse 
Gas ans dem Blntextravasat, ohne eine Spur von Hautverletzung, 
ohoe Bippen- und Pleuraverletzung; es trat acute Sepsis ein, 
ieh spaltete den Sack, entleerte eine grosse Menge stinkenden 
Gases und stinkender Jauche; Patient starb bald darauf. Hier hatte 
die so fiberans selten subcutan eintretende, spontane Zersetzung 
des Blutextravasates den Kranken schon tödtlich inficirt, ehe ich 
die Jauebehöble eröffnete. 

§. 15. Wir kommen jetzt zur Untersuchung, ob die Jah- 
reszeit einen Einfluss auf das geringere oder häufi- 
gere Vorkommen von traumatischen Infectionsfiebern 
hat 

Ich habe, um dies zu constatiren, die erwähnten 180 Fälle 



112 Dr. Th. Billroth, 

SO in eine Tabelle angeordnet (s. den unteren Theil von Tab. 
VI. und Tab. VI a.) , dass man iientlich die Reihenfolge der Fälle 
sehen kann, welche auf meiner Abtheilnng vorkamen. Die Tabelle 
ist nach folgender Anordnung zusammengesetzt: das Jahr ist durch 
die verticalen starken Linien in 12 gleiche Abschnitte getheilt, ent- 
sprechend den 12 Monaten; jeder Monat ist wiederum durch 
Verticallinien in 4 gleiche Abschnitte getheilt, entsprechend den 
4 Wochen des Monats; diese Abtheilungen von je 7 Tagen ent- 
sprechen freilich nicht ganz der Monatseintheilung indem in den 
lezten der 4 Abschnitte (mit Ausnahme des Februar) immer mehr 
als 7 Tage eingetragen sind; diese kleine üngleichmissigkeit 
bringt indess keinen wesentlichen Schaden flir die üebersieht- 
lichkeit der Tabelle. In dies System von verticalen Strichen 
sind nun dicke, horizontale Striche von verschiedener Länge 
eingetragen, welche die einzelnen Fälle repr&sentiren; die Striche 
beginnen und enden an denjenigen verticalen Strichen, welche 
der Anfangs- und Endzeit der Erkrankung entsprechen; bei 
dieser Art der Einzeichnung sind wir freilich oft in die zwei- 
felhafte Lage gekommen, wann wir das tödtliche Infectionsfieber 
bei dem betreffenden Falle beginnen lassen sollten, und mussten 
uns hierbei von den Krankengeschichten leiten lassen; bei den 
ganz acut verlaufenen Fällen haben wir meist nur 2 bis 3 Tage 
nach der Verletzung an dem zu machenden Strich in Abzug ge- 
bracht; bei den länger verlaufenden Fällen haben wir uns meist 
nach den Fiebercurven richten können, und die Infection da an- 
fangen lassen, wo das Fieber durch schnelles Aufsteigen, oder 
durch üebergang in steile Curven einen besonderen Charakter 
anzunehmen schien, bei gleichzeitig anderen schweren Sympto- 
men. Die Anfangs- und Endtermine wurden in dem Linien- 
Systeme nach Augenmass abgeschätzt, falls sie nicht zufUlig aof 
Anfang oder Ende einer Woche fielen, z. B. der allererste Strich 
zeigt einen Fall an, welcher vom 10. bis 19. Februar verlief*) 



*) Da ich die Abtheilnng erst am 1. Mai 1860 Übernahm, und tot mii 
keine Journale geführt wurden, so kann ich für die Zeit Tom 1. Januar biä 
1. Mai nicht garantiren. 



Ueber Wandfieber oDd aecidentelle Wundkninkheiten. 113 

Was die Form der Striche anlangt, bo bedeutet die 

Fälle, in welchen bei der Section keine embolischen Processe 
gefunden wurden, ■ Fälle von. wahrer Pyämie, -.--.— an- 

secirte Fälle. Wenn mehrere Fälle zagleich auf der Abtheilung 
waren, so sind die betreffenden Striche über einander gezeichnet. 
Man übersieht nnn leicht auf dieser Tabelle, wie sich die Fälle 
folgten, und wie sie sich anhäuften; wir werden dieselbe nach 
verschiedenen Richtungen hin benutzen. 

Betrachten wir die einzelnen Jahre, so finden sich: 
im Jahre 1860 13 FäUe. 



1861 


25 


- 




1862 


23 


- 




1863 


39 


- 




1864 


31 


- 




1865 


32 


- 




1866 


17 


- 


big 1. October. •) 



180 Fälle. 

Hiemach wären die Jahre 1860 und 1866, selbst abgesehen 
von ihrer ünvoUständigkeit, die besten gewesen, das Jahr 1863 
das schlimmste. Greifen wir die 12 Monate heraus, in welchen 
die traumatische Infection am mörderischsten war, so ist es die 
Zeit Tom 1. Juni 1863 bis 1. Juni 1864: sie umfasst 5 3 Fälle; 
dagegen enthält das Jahr vom 1. Juni 1862 bis 1. Juni 1863 
wohl die geringste Anzahl, die sich bisher auf 12 Monate ver- 
theilt hat, nftmlich: 17 Fälle. 

Die Anhäufung der Fälle je nach den Jahreszeiten stellt sich 
so, dass die meisten Fälle vorkamen: 

1861 im Febraar, Mai, Joni, Jali. 

1862 im April, Mai, Joni, Jali. 

1863 im JqdI, Juli, Aagast, Norember, December. 

1864 im Janaar, Febraar, April, Mai. 

1865 im Februar, Mai, Jani, December. 

1866 im M&rz, April 

^) Zn welchen noch 2 hinzakommen, welche vom 1. October bis 81. 
December beobachtet, doch in diesen Ende September 1866 abgeschloBsenen 
Ibaehaitt nicht mehr aufgenommen werden konnten. 

V. I«ABgeobeck, ArehW f. Chinirgfe. IX. g 



114 Dr. Th. Billroth, 

Im Jahre 1860 lässt sich eine Aohfiofung überhaupt nicht 
<^on8tatiren; wir finden somit vertreten: 



Januar 


. . 1 Mal 


Februar 


. . 8 - 


Mftrz . . 


. . 1 - 


April . . 


. . 8 - 


Mai . . . 


. . 4 - 


Juni . . 


. . 4 - 


Juli . . . 


. . 8 - 


AnguBt . . 


. . 1 - 


September 


. . - 


October . 


. . - 


November . 


. . 1 - 


December . 


. . 2 - 



Hieraus ergiebt sich, dass die gefährlichsten Zeiten sind: 
Februar bis Juli, darunter Mai, Juni am schlimmsten; am besteo 
die Zeiten von August bis Januar, darunter September und Oc- 
tober am gfinstigsten. Im Frühling und Sommer ist die tran- 
matische Infection also gefährlicher, als im Herbst und Winter: 
hat dies einen directen Zusammenhang? ist die Disposition m 
Eiterung in dieser Zeit am grossesten ? sind die Bedingfingen für 
die Zersetzung der Secrete inf dieser Zeit am gfinstigsten? mög- 
lich I möglich! — doch man muss sich in der Statistik sehr 
hfiten vor solchen Schlüssen, die nur auf der CoincidenK beruhen. 
Dass die traumatische Infection im Frühling und Herbst beson- 
ders gefährlich ist, das geht aus den angeführten Beobachtungen 
hervor; warum dies aber so ist, das kann sehr verwickelte 
Gründe haben. Je mehr gefährliche Fälle, die zur Infection dispo- 
niren, auf der Abtheilung sind, um so mehr werden wahrschein- 
lich sterben; es ist nun aber statistisch nachgewiesen, dass der 
Zudrang zum hiesigen Gantonspitale am stärksten in den Mona- 
ten Mai und Juni, am geringsten im September und November 
ist; diese Krankenzahl Verhältnisse haben gewiss indirecten Ein- 
fluss auf die Zahl und Zeit der Todesfälle. Es kommt hinsn, 
dafis viele schwere Arbeiten, die im Frühjahr von neuen, tum 
Theil noch ungeübten Arbeitern begonnen werden, und im Win- 
ter ruhen, Veranlassung zu schweren Verletzungen geben. Man 



üeber Wondfieber und accidentelle WoDdkrankheiten. 115 

könnte femer hervorheben, dass gerade im Mai, im Beginne des 
Sommersemesters, die meisten Operationen, und deshalb auch die 
meisten Infectionsfieber vorkommen; dieser Einwand wird indess 
dadurch entkräftet, dass in gleicher Weise der November ein ge- 
fahrlicher Monat sein musste, was nicht der Fall ist. Die Zeit 
der üniversitätsferien: März, September, October ist freilich unter 
den weniger gefährlichen Monaten; doch kann ich versichern, 
dass die Üniversitätsferien, wenn auch auf die Zahl der ver- 
schiebbaren Operationen einigen Einfluss, so doch auf die Zahl 
der Kranken auf meiner Abtheilung wenig oder gar keinen £in- 
floss hat; das Spital ist Gantonspital, und die Zahl der Aufnah- 
men wird nur wenig durch die Lehrzwecke modificirt . — End- 
lich muss ich noch an etwas erinnern: im Sommer werden die 
chirurgischen Operationscurse gehalten; wenn sich nun auch alle 
Personen, welche auf der Anatomie, und dann wieder in den 
Krankensälen zu thun haben, stets der grössten Reinlichkeit be- 
fleissigten, und ich immer auf die grosse Verantwortlichkeit in 
dieser Beziehung: aufmerksam machte, so wäre eine Uebertragung 
Yon septischen molecularen Stoffen, die an den Kleidern haften 
können, doch nicht undenkbar, uad ich habe in den letzten Jah- 
ren nicht mehr gestattet, dass diejenigen Herren, welche als As- 
sistenten oder Assistentengehülfen fungirten, und fast allein den Ver- 
band der Kranken zu besorgen hatten, an den OperationscurbCM 
Theil nahmen; auch die Sectionen, von denen her eine Infection 
aaf die Wunden geleitet werden könnte, werden schon seit meh- 
rere Jahren vom Professor der pathologischen Anatomie ge- 
macht. Ich selbst habe für die Anatomie stets besondere Röcke, 
and beschäftige mich mit anatomischen Arbeiten immer erst, nach- 
dem ich auf den Krankensälen die Visite gemacht habe. 

§. 16. Ein besonderes Gewicht hat man stets darauf gelegt, 
dass nicht zu viel eiternde Wunden in einem Hause, oder in 
einem Räume angehäuft werden, denn, sagt man, dadurch ent- 
steht ein besonderes (specifisches) Miasma, welches die Pyämie 
erzeugt: ist diese Entstehungsart des Miasma bewiesen? — Es 
wire hierbei zunächst das Factum zu beweisen, dass bei Anhäu- 

8* 



116 Dr Th Billrotb, 

fimg von eiternden Kranken in einem Raame auch Kranke mit 
leichten Verwundungen, auch Kranke ohne Wunden inficirt werden; 
femer w&re zu beweisen, dass gerade der Eiterdunst das an- 
steckende sei. 

Was die Anhäufung von eiternden Kranken in einem Zimmmer 
betrifft, ein unter gewöhnlichen Spitalverhältnissen leicht m be- 
seitigender Uebelstand, so kann man darüber wohl nur im ein- 
zelnen Falle mit der Nase urtheilen, wenn man spät Abends oder 
Morgens früh in einen solchen Saal kommt. Ich bin ausser 
Stande, über diesen Punkt Auskunft zu geben, ob Infectionsfieber 
häufiger in diesem, oder jenem Saale vorkommen, denn schon 
seit dem Sommer 1864 herrscht eine später zu besprechende 
Methode der Krankendislocation auf meiner Abtheilung, die es 
unmöglich macht, die einzelnen Zimmer nachträglich nach den 
Journalen zu controliren, weil der Kranke nie lange in dem Zim- 
mer bleibt, in welches er aufgenommen wurde. — Möglieb ist 
es aber, die Zahl von eiternden Kranken anzugeben, welche la- 
gleich auf meiner Abtheilung in jeder Woche gelegen haben; sie 
erleidet nicht unwesentliche Schwankungen. Wenn man nämlich 
jeden Fall mit eiternder, resp. jauchender Wunde in gleicher 
Weise in eine Tabelle einträgt, wie wir es mit den Infectionsfie- 
bern gethan haben , was man natürlich nur mit jeder Kranken- 
geschichte in der Hand thun kann, so muss man durch Zäblong 
der übereinander fallenden Linien heraui^bringen können, wie viel 
eiternde Kranke in einem Zeitabschnitte (wir haben dazu die 
Woche gewählt) auf der Abtheilung waren; man würde hiernach 
eine Durchschnittszahl, ein Maximum und ein Minimum aofstel- 
len können für die Anzahl eiternder Wunden, welche je per 
Woche in einem Jahre auf der Abtheilung lagen; es wären dann 
die Beziehungen dieser Kesultate zu den Anhäufungen von Infec- 
tionsfiebern zu untersuchen, und so festzustellen, ob jedes Mal 
die grösste Anhäufung von Todesfällen an Infectionsfiebem mit 
der grössten Zahl gleichzeitig auf der Abtheilung angehäufter 
eiternder Kranken zusammenfällt. Ich habe nun eine solche Ta- 
belle für die Jahre 1860—1863 ausgearbeitet; sie ist zu umfang- 



Deber Wondfieber and accidentelle WundkrankheiieD. 117 

reiche am mitgetheilt za werden , doch sind die daraus erhobenen 
Zahlen zwischen die beiden Hanptreihen auf der Tabelle VI. und 
VI a. eingeschaltet Eine Yergleichung der so gewonnenen Zahlen 
ergiebt Folgendes: 

Im Jabre 1860 fand keine Anh&ufung von Pyämief&Uen 
Statt — 1861 haben wir in den 3 letzten Wochen des Februar 
5 Fälle von tAdtlichen Infectionsfiebem bei 34, 35, 36 Kranken 
mit eiternden Wunden per Woche, Zahlen, welche die Durch- 
schnittszahl 36 für das Jahr 1861 nicht äberschreiten, vom Maxi- 
mum 47 jedenfalls erheblich entfernt sind. In der letzten 
Woche des Mai, und in den 3 ersten Wochen des Juni haben 
wir 8 Fälle von tödtlicher Infection, bei 39, 37, 38, 40 eitern- 
den Kranken per Woche. In den beiden letzten Wochen des 
Juli finden wir 4 tOdtliche Infectionen, bei 46 und 47 eiternden 
Kranken per Woche: hier haben wir allerdings eine Congruenz, 
wie sie a priori verlangt wurde. — Nehmen wir das Jahr 1862. 
Hier ist im April, Mai, Juni, Juli eine Anhäufung von 13 rasch 
nach einander folgenden tödtlichen Infectionen bei dem sehr 
wechselnden Bestände von 32—42 eiternden Kranken per Woche, 
einer Zahl, die sich mehr der Durchschnittszahl pro 1862 : 39, 
alä dem Maximum : 46 nähert — Im Jahre 1863 haben wir in 
der letzten Woche des Juni, und in den 2 ersten Wochen des 
Juli die bedeutendste Anhäufung von Todesfällen durch Infec« 
tion, die je so gehäuft vorkam: 13; diese fällt zusammen mit 
dem Bestände von 53, 48, 48 eiternden Kranken per Woche, 
Zi^en, welche das Maximum (53) des Jahres 1863 in sich 
schliessen. — Weniger stimmte dagegen wieder die Anhäufung 
von Infectionsfällen mit der Zahl der eiternden im November 1863. 
Ich habe im Ganzen von dieser Untersuchung den Eindruck 
erhalten, dass eine consequente £!ongruem, die eine nothwendige 
Bedingung in sich schlösse, in dem besprochenen Verhältnisse 
nicht liegt. Und wenn dies der Fall gewesen wäre? müsste 
es beweisen, dass der Eiterdunst die krankmachende Potenz sei ? 
wird man nicht sagen mfissen : je grösser die Zahl der eiternden 
Kranken auf einer Abtheilung, die vorwiegend die acuten chirur- 



118 Dr. Th. Billroth, 

gischen Fälle beherbergt, um 80 grOsser wabrBcheinlich die Zahl 
derTodescandidaten! — um so grösser die Gelegenheit für An- 
steckung! werden die Contagionisten sagen. Man beseitige die 
schlechten Dünste aus den Krankensälen durch gute Ventilation, 
und man wird die Pyämie verschwinden sehen! rufen die Mias- 
matiker. Man treibt die Ventilation aufs Aeusserste, man be- 
handelte die Kranken in Zelten! unter freiem Himmel! — sie 
bleiben doch nicht von Pyämie verschont! Wo ist hier Wahr- 
heit? Wäre ich ein Nathan, so würde ich den Fragem antwor- 
ten, wie der weise Jude dem Sultan: „was will der Sultan? 
Wahrheit! Wahrheit! und will sie so — so baar, so blank, — 
als ob die Wahrheit Münze wäre! — Ja, wenn noch uralte 
Münze, die gewogen ward! — das ginge noch! Allein so neue 
Münze, die nur der Stempel macht, die man aufs Brot nur zah- 
len darf, das ist sie doch nun nicht! Wie Gold in Sack, so 
streiche man in Kopf auch Wahrheit ein?'' — Wenn ich nun auch 
nicht mit einem Gleichnisse antworten kann, so muss ich mir 
doch in Folgendem vielfach mit Analogieen helfen, um etwas U" 
sammenhängend auszudrücken, was ich nach meinen Beobahton- 
gen von der Sache halte. 

§. 17. Ich bin Von der Ansicht ausgegangen, dass Wand- 
fieber und Entzündungsfieber durch Resorption pyrogener, anf 
oder in der Wunde erzeugter, oder auf dieselbe übertragener 
Substanzen entsteht. Diese pyrogenen Substanzen sind organi- 
sche Verbindungen verschiedener Art, verschieden gefthrlich 
je nach Qualität und je nach der aufgenommenen Quantität, ver- 
schieden gefährlich ferner für verschiedene Individuen; die mei- 
sten dieser pyrogenen Substanzen sind zugleich phlogogen. Die 
Intermission des traumatischen Fiebers hängt vorzüglich von der 
intermittirenden, d. h. schubweisen Aufnahme der Inficirenden 
Körper in's Blut ab, doch disponirt die Aufnahme eiteriger Sub- 
stanzen mehr zu Schüttelfrösten, als die jauchiger Substanzen; 
das Phänomen der Schüttelfröste genügt nicht, eine besondere 
Art von Infectionsfieber aufzustellen. Die Entstehung ausgedehn- 
ter Venenthrombosen ist selten die directe Folge eines Trauma, 



Deber Wandfieber nod accidenielle Wundkrankheiten. I19 

sondern bei weitem am häufigsten das Resultat von Kreislanfs- 
stönmgen, die in progressiven Entzündungen und auch in dem In- 
fectionsfieber selbst ihre Ursachen zu haben seheinen. Man kann f&r 
die FUle von traumatischer und phlogistischer Infection, die sich 
mit Thrombose und Embolie verbinden, den Namen ,,Py&mie^ 
sehr wohl beibehalten, doch liegt keine zwingende Nothwendig- 
keit vor, diese Krankheit nach Wesen und Entstehungsart von 
anderen Formen septischer oder purulenter Infection zu trennen, 
obgleich die Gomplication durch Embolien eine wichtige und fflr 
das betreffende Individuum oft folgenschwere ist; denn es werden 
dadurch die Infectionsherde vermehrt, und wichtige Organe in 
ihrer Function beeinträchtigt. Ob die Yenenthromben zu Jauche, 
Eiter zerfallen, ob sie schadlos resorbirt, ob sie organisirt wer- 
den können, h&ngt hauptsächlich von dem Zustande der Wunde 
oder des Entzftndungsherdes ab, von welchem die Thrombose 
aosgiog. 

Jeder acut gebildete Eiter enthält infectiOse (phlogogene 
und pyrogene) Stoffe, die nach Art von FermentkOrpern wirken, 
wenn sie in's Gewebe des Körpers und von da in's Blut ein- 
dringen; es ist möglich, dass der Eiter von Kranken, welche an 
schweren Infectionsfiebem' leiden, bei Debertragung in die Ge- 
webe eines anderen Menschen st&rker wirkt, als der Eiter eines 
Dicht fiebernden, sonst gesunden Menschen, doch ist dies nicht 
bewiesen, noch weniger, dass diese Wirkung eine qualitativ von 
der Wirkung anderer Eiterarten verschiedene sei. 

Die Bedingungen fDr die Entstehung besonders intensiv wir- 
kender infectiöser Körper sind sehr mannichfaltig, Fäulniss von 
Blat, von abgestorbenen Gewebstheilen, von zurfickgehaltenem 
Eiter erzeugt die mannichfaltigsten Stoffe in bis jetzt nicht ge- 
naoer chemisch bestimmbarer Folge von Umsetzungen mit den 
verschiedensten Durchgangsstufen. Zurfickhaltung solcher fauler 
Secrete in hoch temperirten, entzündeten Theilen befördert ihre 
Weiterentwickelnng, znmal ihre fermentirende Kraft. Gfinstige 
Bedingungen f&r die Aufnahme dieser in der Wunde erzeugten 
Infeetionsstoffe in's Gewebe und in's Blut sind: Verbände auf fri- 



120 I>r. Th. Billroth, 

sehen Wanden, welche der Yerhaltung von Blut und Secreten Vor- 
schub leisten, und so die Zersetzung der letzteren und ihre Auf- 
nahme in die klaffenden Venen und Lymphgef&ssmündungen be- 
sonders befördern, Unruhe, durch welche der Kreislauf in den 
verletzten Tbeilen erheblich yerstfirkt wird, Zerstörung der 
Wundgranulationen durch ätzende, zum Zerfall disponirende Se- 
crete und mechanische Reize, durch Blutungen und die zur 
Stillung der Blutungen nöthigen Manipulationen etc. 

Die infectiösen Stoffe wirken nicht nur in flüssigem, sondern 
auch in trockenem Zustande; dies ist f&r die phlogogene und 
pyrogene Wirkung eingetrockneter fauliger Stoffe und eingetrock- 
neten Eiters bewiesen. Es liegt also nahe, anzunehmen, dass 
diese Stoffe an Gharpie, Verbandzeug, Instrumenten, Schwämmen 
haftend, unter geeigneten Umständ^en infectiOs wirken ; sie können 
in Staubform an Wänden, Betten, an den Händen, Haaren, Röcken 
von Aerzten und Krankenwärtern hängen, ja sie können sich in 
der Luft eines schlecht ventilirten, schlecht gereinigten Zimmers 
suspendirt befinden. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die 
betreffenden inficirenden Körper in der Regel nur durch die 
Wunden aufgenommen werden; denn wenn diese Stoffe anch 
durch die Haut und Schleimhäute in die Gewebe dringen könnten, 
so wäre es nicht wohl erklärbar, dass nur Verwundete erkran- 
ken. Ich bin überzeugt, dass man eine gut eiternde, gut gra- 
nulirende Wunde in vielen Fällen ohne Gefahr einer Luft expo- 
niren kann, die infectiöse Körper enthält, denn es gehören immer- 
hin noch, wie die Beobachtung zu lehren scheint, besondere 
Bedingungen dazu, um die Infection wirklich auf diese Weise zu 
Stande zu bringen. Es handelt sich wahrscheinlich um Infection 
mit einem Stoff, der von einem Kranken mit eiternder oder 
jauchender Wunde stammt; ja, es liesse sich folgender Fall 
denken: ein Kranker wird durch seine eigenen, an der Wunde 
gebildeten Secrete Intoxirt, er fiebert heftig, erholt sich aber; 
eine Sonde, die an seiner jauchenden Wunde gebraucht ist, wird, 
nicht gehörig gereinigt, in die Verbandtascbe gesteckt; Pak wird 
nach und nach fast gesund, seine Wunde heilt, wird etwa in 



Oeber Wundfieber ood accidentelle Wundkrankheiten. 121 

<ler 8. Woche mit der erwähnten Sonde untersucht, die Wunde 
Watet etwas; Pat hat nach 2—4 Stunden einen Schüttelfrost, es 
entwickelt sich eine neuA Entzündung an der Wunde, die sich 
iinaofliörlich ausbreitet, die Schüttelfröste wiederholen sich, Pat 
i'tirbi Was ihm begegnete mit der bei ihm gebrauchten unge- 
reinigten Sonde, konnte bei Anwendung des gleichen Instrumentes 
bei einem zweiten Patienten sich ebensowohl ereignen. Dass 
die 80 Inficirten immer sterben müssen, soll keinesweges hiermit 
gesagt sein;, sie können auch mit einer Lymphangitis oder einem 
Erysipel davon kommen. Ich nenne ''das: Infection, Andere 
aenneo es: Gontagion. Die Sache bleibt dieselbe, denn der 
Effect jeder Ck)ntagion, jeder Impfung kann nur durch Analogie 
der Fermentwirkang — was man so nennt — verstanden werden. 
Vielleicht war die angewandte Sonde rein, doch die Charpie, mit 
welcher die Wunde bedeckt ward, enthielt vielleicht einen be- 
sonders stark inficirenden Körper. Bei gehöriger Vorsicht sollte 
eine solche lofectionsart nicht vorkommen, doch wie wenig 
achtet man noch darauf! Wie ist es möglich, jedes Stück Lein- 
wand, welches im Spital meist von den Kranken selbst zu 
Charpie zerzapft, im Krankenzimmer oft aufbewahrt wird, zu 
controtiren! — Die geschilderte Art der Auffassung unterschei- 
det sieh sehr wohl von derjenigen, welche früher allgemein 
f(alt; wir glauben die infectiOsen Stoffe und ihre Träger in 
trockenen putriden und eiterigen Stoffen und ihren Um* 
setiangsprodacten erblicken zu müssen. Nach der frührren Auf- 
JassoDg war das durch Anh&nfang von eiternden Kranken erzeugte 
Miasma ein besonderes X, ein neuer, immer gleicher, aus dem 
Eiterdanst sich erzeugender, sich gevnssermaassen präcipitirender, 
blonderer, unbekannter Körper, ein chemisches X, welches man 
bis jetzt vergeblich gesucht hat. Meine Auffassung hat darin 
ihre Hauptstütze, dass auch trockene putride und eiterige Stoffe 
phlogogen nad pyrogen auf Thiere wirken, wenn sie gleich der 
Massigen Jauche oder frischem Eiter in's Unterhautzellgewebe 
oder in's Blut gebracht werden, wie ich früher nachgewiesen 
habe. Es scheint unbedenklich, diese experimentelle Erfah- 



122 Dr. Th. Billroth, 

rang auf den Menschen zu übertragen, doch fehlt ihr dasselbe, 
wie den anderen Experimenten dieser Reihe, und wir können 
keine Differenz in der Wirkung der verschiedenen putriden and 
eiterigen trockenen Körper nachweisen; es ist jedoch sehr mög- 
lich , dass eine quantitative und qualitative Differenz besteht. 
Ich kann übrigens unbedingt zugeben, dass es möglicher Weise 
nicht der trockene Eiterstaub als solcher ist, der schädlich wirkt, 
sondern Wesen, die sich in dem eintrockenendem Eiter entwickeln, 
wie man es für die Entwicklung des Cholera- oder Typbusgiftes 
aus den Dejectionen abnimmt. Jeder Theorie über Infection 
werden schliesslich Schranken gesetzt durch folgende, bis dahin 
unwiderlegbare Sätze: Jeder Infectionsstoff ist je ntich Zeit and 
Umständen mehr oder weniger intensiv ; die Bedingongen für die 
Infection sind zuweilen sehr complicirt, zum*Theil rein mecha- 
nischer Art; die Inficirbarkeit der Individuen ist eine verschie- 
dene. — Wenn man behauptet, die Infection müsse nach meiner 
Auffassung noch viel häufiger sein, als sie ist, so kann ich einem 
solchen Einwurf freilich nichts weiter, als die eben aufjgestellten 
Sätze entgegenhalten. 

Bei mehrfachen Gesprächen über diese Gegenstände mit 
Fachgenossen habe ich gefunden, dass es leidenschaftliche An- 
hänger giebt für die Annahme eines specifischen, den Kranken 
immer nur von aussen treffenden Pyämie- Miasmas oder Gonta- 
giums oder miasmatischen Contagiums, welches man sich bald 
fix, bald flüchtig vorstellt — und auf der anderen Seite leiden- 
schaftliche Anhänger für die Annahme, dass nur durch Selbfit- 
infection, nie durch Infection von aussen Pyämie entsteht. Es 
scheint mir nicht fruchtbar, ein Expose zu geben über das, was 
diese oder jene Autoritäten unter Miastna, Gontagium, Infection 
verstehen, die Ausdrücke werden eben verschieden gebraucht; 
wie ich mir für die in Frage kommenden Fälle die Debertra- 
gung denke, habe ich auseinandergesetzt. Dass der sich an den 
Wunden bildende resorbirte giftige Stoff, und der anf Wun- 
den eventuell übertragene Infectionsstoff immer der gleiche für 
septische Entzündung, immer der gleiche für purulente Entzfln- 



üeber Wandfieber aod accidentelle Wondkrankheiten. 123 

doDg mit Pyämie, immer der gleiche für Lympbangitis nein 
masse — kurz, dass er ein speciiischer sein müsse, dafür liegt, 
wie mir seheint, keine zwingende Noth wendigkeit vor, ja es 
scheiat mir diese Proposition a priori höchst unwahrscheinlich. 
Eine gewisse Verwandtschaft mögen alle diese Infcctiont^stofle unter 
einander haben; es mag, wie schon bemerkt, das Secret eines 
Kranken giftiger sein, wie das eines anderen; dafür scheint manche 
Beobachtung zn sprechen; das Experiment lässt uns in diesem 
Ponkt im Stich. Einmal in die Gewebe eingedrungen, wirken 
die fraglichen Gifte wie Fermente; nicht durch das eine Staub- 
eben Infectionsstoff wird der inficirte Mensch so schwer krank, 
sondern weil dieses Atom Gifk eine Entzündung erzeugt mit 
böchst giftigen Producten; diese intoxiren das Blut wiederholt 
So lehren mich meine Beobachtungen; mir ist, seit ich mich in 
der schweren Kunst zu beobachten, wie ich hoffe, mit etwas Erfolg 
geübt habe, kein Fall begegnet, in welchem sich nicht an der 
Inficirten Wunde Entzündungen zeigten, vor oder zugleich mit 
der Allgemeininfection; mit anderen Worten, die hier in Be- 
tracht kommenden Infectionsstoffe wirken alle zunächst phlogogen. 
Mir sind nur wenige Fälle vorgekommen, in welchen ich mit 
Recht eine Infection von aussen annehmen zu müssen glaube; 
ich will zwei mittheilen, die mir besonders eclatant erscheinen. 

Johannes K., 37 Jahre alt, wurde am 3. September 1364 dnrch einen 
Erdratsch bei Bisenbahnarbeiten verschüttet; seine Hanptverletzung war 
«in« sehr schwere, complicirte Fractnr des rechten Unterschenkels; mit 
^Osster Sorgfalt gelang es, Extremität nnd Leben zu erhalten, doch war 
^t sehr schwer krank. In der 11. Woche waren die Wunden bis auf eine 
kleine Fistel geheilt, die Fractur fast vollkommen consolidirt Pat. war 
schon lange fieberfrei; da die Fistel nicht heilen wollte, sondirte ich am 
U. NoTember, f&hlte einen kleinen losen Knochensplitter, cxtrahirte ihn mit 
^bonnng, bei nor geringer Grannlationsblutnng. Schon am Abend des 
^- Nov. fieberte Pat. heftig, am 27. Mov. hatte er einen heftigen Schüttel- 
frost, dann mehrere in den folgenden Tagen; am 3. December starb der 
I'atieDt, mit dessen Herstellnng ich mir Wochen lang die grösste Mühe ge- 
geben hatte. • 

Jacob £., 20 Jahre alt, litt seit 3 Jahren an Garies des rechten Ellen- 
bogeogelenkes; am 11. Pebrnar 1861 sondirte ich die Fisteln in der Klinik, 



124 Dr. Th. Billroth, 

gelangte mit der Sonde in den morschen Knochen, geringe Biotang; Pat. 
war fieberloB. Am Tage darauf war die Secretion stärker, das Gelenk mehr 
geschwollen und schmerzhaft, Pat fiebert; am 13. Februar Schfittelfrost. 
Pj&mie, Tod am 33. Febrnar. 

Mir ist es bis zur Gewissheit wahrscheinlich, dass in diesen 
Fällen die betreffenden Sonden unrein waren, und ich richte 
seit diesen Erfahrungen mein Augenmerk ernstlich auf die Rein- 
heit der Untersuchungs- Instrumente. Will man die Scepsis anfs 
Aensserste treiben, so könnte man sagen, in beiden Fällen war 
Blutung vorhanden, wenn auch gering, das Blut zersetzte sich 
•in den Fisteln, wurde resorbirt, so entstand die locale, dann die 
allgemeine Infection. Ich kann dieser Auffassung natärlich nicht 
das Wort: unmöglich! entgegen halten, doch sie ist im höchsten 
Grade unwahrscheinlich! So unzählige Male sondiren wir mit 
mehr oder weniger Blutung alte Knocheniisteln , und es macht 
keine so schwere Erscheinungen; wenn diese nun doch ein- 
treten, wie in den erwähnten Fällen, worin sollen wir das Be- 
sondere suchen? Ich glaube, es ist nicht zu weit gegangen, 
wenn wir in solchen und ähnlichen Fällen Infection ?on aussen 
annehmen. 

Noch ein Gesichtspunkt wäre in Betreff der Specifitätsfrage 
zu berühren, nämlich der, ob die traumatische Infection in Epi- 
demien auftritt oder nicht; ich will diesen Punkt bei Besprechung 
des Erysipels erörtern, wo uns die gleiche Frage entgegentritt 

Therapeutisches. 

§. 18. Man ist so gewohnt, die Pyämie als eine unheilbare 
Krankheit anzusehen, dass wohl viele Aerzte meinen, es lohne 
sich nicht der Mühe, diese Krankheit zu behandeln. Nach den 
von mir auseinandergesetzten Ansichten ist es klar, dass ich die 
Frage über die Heilbarheit oder Nichtheilbarkeit der Pyämie gar 
nicht discutiren kann , weil das, was man früher Pyämie nannte, 
bei genauerer Analyse sich als ein Gomplex verschiedener Arten 
von Infectionsfiebern ergeben hat, deren Intensität die grOssten 
Verschiedenheiten bietet. Ob die Gruppe von Fällen, fBr die ich 



lieber Wandfieber nnd accidentelle Wandkrankheiten. 125 

schliesslich die Bezeichnnog PySmie beibehalten habe: Eiterinfec- 
tion in Combination mit Thrombose und Embolie, noch heilbar 
i$t, anch darüber möchte ich nicht discatiren, weil ich auch in 
dieser begrenzten Fassung die Pyämie nicht zu diagnosticiren, 
Docb ihren Beginn zu cons^tatiren vermag. Eine Discussion über 
Heflbarkeit nnd Unheilbarkeit der Pyämie erscheint mir in der 
That ausserordentlich unfruchtbar. Als Fragen, welche zu stellen 
and zu beantworten sind, bezeichne ich folgende : L Wie können 
wir die Infection eines Verwundeten verhüten? II. Weiche 
Mittel sind geeignet, den Kranken zu unterstützen, um die er- 
folgte Infection za überwindet!? 

Ad I. Wie können wir die Infection eines Verwundeten ver- 
bäten? Dies wieder und wieder hier auslührlich zu erörtern, 
ist nicht meine Absicht; Vieles ergiebt sich aus dem früher Ge- 
sagten von selbst, Vieles lüsst sich nur recht deutlich in praxi 
zeigen. Je mehr sich die Erfahrungen über die Behandlung von 
Verletzungen b&afen, um so mehr lernt man die wichtigsten 
Pankte erkennen; ich hoffe, in dieser Richtung noch recht viele 
Fortschritte zu machen. Mit dem Wunsche, Anderen traurige 
Eifahmngen zu ersparen, hebe ich Einiges besonders hervor; 
^^ erwarte nichts Neues, man erwarte von mir keine Univer- 
salmittel gegen Pyämie! nur wenige Rathschläge, die durch die 
Er&brong geprüft sind. 

Die Prophylaxis gegen Infection beginnt unmittelbar nach 
i^r Verwundung; ich habe schon früher darauf aufmerksam ge- 
Bi^ht, dass schon die Frage, ob primär amputirt werden soll 
oder nicht, entscheidet, ob ein Fall mehr oder weniger zuV In- 
fektion disponirt ist Es handelt sich besonders um offene Frac- 
^ren; hier wird viel gefehlt, durch zu vieles ünter- 
SQchen; man führe nur da den Finger in die Wunde ein, 
^0 man Verdacht auf Gomplication mit Gelenk Verletzung, oder 
^f bedeutende Splitterung hat; bei den meisten offenen Frac- 
^ren ist es unnöthig, den Finger in die Wunde zu bringen; 
^0 wenig in dieser Richtung thun, ist in der Regel weniger 
sc'lildlich, als das zu viel thun. Starke arterielle Blutungen er- 



126 Dr. Th. Billroth, 

heischen natfirlich besondere Haassregeln. Vielleicht geht Pi- 
rogoff zu weit, wenn er räth, von den prim&ren Kngelextrac- 
tionen ganz abzusehen, doch ist diese scheinbar extravagante 
Ansicht idines so erfahrenen Chirurgen für mich von höchBter 
Bedeutung. 

Die offenen Fracturen mfissen möglichst frfth festgestellt 
werden; man lege also einen Gypsverband an, und schneide 
wenige Stunden später ein grosses Fenster, entsprechend der 
Wunde, aus; man lasse dann die Wunden unbedeckt, und hindere 
das Aussickern von Blut nicht. 

Um mit den Gypsverbänden ' nützlich wirken zu können, 
bedarf es langer Studien. Viele Collegen meinten im letzten 
Kriege, der Gyps allein müsse es thun, und hatten es vers&umt, 
zu lernen, wie man mit Gyps verbinden muss! Das Verbinden 
der Schussfracturen mit Gypsbinden macht es nicht allein! Da- 
durch wird man nicht zum conservativen Chirurgen 1 Ich arbeite 
seit mehr als 10 Jahren mit Gypsverbänden, und erst seit etwa 
3 Jahren glaube ich in der Handhabung des Gypsverbandes zu 
sicheren Principien gekommen zu sein. Die Technik dieser Ver- 
bände ist zumal unter den Händen meines früheren Assistenten, 
des Herrn Dr. Ris, zu einem hohen Grade von VoUkonmieDbeit 
gediehen; Herr Dr. Ris wird in der von v. Pitha und mir redi- 
girten Chirurgie ausfabrlich darüber schreiben; er hat die wich- 
tigsten Verbesserungen in seiner Dissertation „Zur Anlegung des 
Gypsverbandes, Zürich, 1865^ beschrieben. 

Auf einen Punkt lege ich ein besonderes Gewicht, wenn ein 
Gypsverband bei offener Fractur angelegt wird: man forcire die 
Extension nicht. Kein Verband ist im Stande, eine starke Dis- 
locatio ad longitudinem vollkommen auszugleichen; man zerre 
daher die Knochen nicht in eine Lage, in der man sie doch 
nicht erhalten kann; man richte den Fuss in die normale Lage, 
doch wenn der unter- oder Oberschenkel nach einer offenen 
Fractur auch um 1 — 2 — 2\ Zoll verkürzt ist, und mit dieser Ver- 
kürzung consolidirt, so hat dies gar keine Bedeutung im Verhält- 
niss zu den Folgen von Zerrungen, die an solchen fractaririen 



Ueber Wnndfieber and accidentelle Wondkrankhelten. 127 

GÜedern Statt haben, zumal wena diese in den ersten Wochen 
aosgefohrt werden. Reductionen Yon Dislocationen kann man 
bei offenen Fractnren, die lange eitern, noch sehr spät machen, 
da der Gallns sich dabei nur langsam bildet und langsam con- 
solidirt, man nbereile sich also damit nicht, um den Patienten 
Dicht durch mechanische Irritation an den Bmchenden in neue 
Lebensgefahr zu bringen. 

Was sonst die Anlegung des ersten Verbandes bei den mei- 
sten Operations wunden betriSt, so ist für alle reinen Flächen- 
wunden die einfache Bedeckung mit trockener ^ oder, im Spital 
»elierer, mit einem yerdünnten Antisepticum leicht angefeuchteter 
Leinwand oder Watte meist unschädlich; man kann sie antrocknen 
lassen, und braucht sie, wenn sie nicht übel riecht, erst nach 
mehreren Tagen zu entfernen. Nicht so darf man bei Hohl- 
wonden Yerfahren, wohin die weitaus meisten Operationswunden 
(naeh Geschwulstexstirpationen , Resectionen, Amputationen) ge- 
liören; es ist gans ungemein selten, dass grössere Hohl wunden 
vollständig per primam heilen; gewöhnlich sammelt sich, selbst 
wenn man sorgfältigst die Blutung gestillt zu haben glaubt, nach 
im yerband, zumal nach vollständigem Schluss der Wunden 
dareh Nähte, Blut unter der zusammengezogenen oder leicht an- 
gedrfiekten Haat; schon nach 24 Stunden ist dies Blut zersetzt, 
es wird resorbirt, Patient fangt an zu fiebern ; wird das Blut 
dach jetzt nicht entfernt, so kommt um die Wunde jene gefthr- 
li<be, hell - bräunliche Verfärbung der Haut mit Schmerz und 
Sehwellong, jene septiäch-phlegmonOse Entzündung (s. g. puru- 
lentes Oedem, Pirogoff), welche, einmal in Ausbreitung be- 
gi'iffen, sich, zumal den Venen und Lymphgefässstämmea nach- 
gehend, mit einer Rapidität verbreitet, die wahrhaft erschreckend 
i4 Ich halte es immer fQr ein Glück, wenn diese Erkrankungs- 
fonn noch im ersten Keime erstickt werden kann, denn einmal 
gebreitet, ist sie -meist unheilbar, indem sie entweder direct 
doreh Septicämie, oder indirect durch colossal ausgebreitete Ver- 
eiterang des Zellgewebes und Pyämie zum Tode führt., — Hat 
i&an diese Quelle grOssten Uebels glücklich umgangen, so ist für 



128 D»"- Th. Billroth, 

den Verletzten oder Operirten schon unendlich viel gewonnen. — 
Mu86 man HOhlenwnnden verbinden, muss man sie wenigstens 
theilweise n&hen, so lasse man solche Verbände wenigstens nie 
länger, als höchstens 24 Stunden liegen, und verfolge das Aus- 
sehen der Umgebung der Wunden in den folgenden Tagen mit 
Argusaugen, um sofort verhaltenem zersetztem Blut nnd Secret 
einen Ausweg zu verschaffen. In Betreff der Amputationsätfimpfe 
folge ich jetzt dem wiederholten Rathe Burow's, den Stampf 
ganz frei zu lassen^ und bin sehr zufrieden mit den Erfolgen, 
nicht nur für die Amputirten, sondern noch mehr Ifor die reine 
Luft in den Krankenzimmern. 

Es ist eine bekannte Thatsache, dass Blut, und sumal Eiter, 
bei gewöhnlicher Zimmertemperatur, der Fäulniss lange wider- 
steht, während Verbandstücke, die man nach 12 Stunden, ja oft 
nach 6 Stunden selbst von einer gut eiternden Wunde entfernt, 
meist fibel, jedenfalls eiterig, moderig, wenn auch nicht faulig 
riechen. Da es nicht wünschenswerth ist, den Verband gar £o 
oft; zu wechseln, so habe ich mit antiseptischen Mitteln aUer Art 
diesem Uebelstande abzuhelfen gesucht,, und bin schliesslich beim 
Ghlorkalkwasser stehen geblieben, als einem einfachen und billigen 
Mittel. Statt der Charpie brauche ich Wattestücke, welche darch 
längeres Kochen in Lauge tauglicher zum Einsaugen von Flüssigkeiten 
gemacht sind. Diese Verbandmethode wird auch jetzt vorwiegend 
auf meiner, Abtheilung gebraucht. Seit einiger Zeit behandele ich 
in der ersten Zeit wenigstens die Amputationsstümpfe so, dass 
ich sie auf ein Kissen lege ohne allen Verband (bis jetzt aocl^ 
ohne Suturen), so da^s das Ende des Stumpfes mit Manehette 
oder Lappen das Kissen etwas überragt; vom Stumpfe tropft An- 
fangs Blut und Serum ab, dann wird letzteres immer dicker, end< 
lieh fliesst Eiter ab, der theilweis in Form von Krusten an de] 
Wundfläche des Stumpfes antrocknet. Zur Aufnahme des ab' 
tropfenden Secrets setzt man eine Metall- oder Porzellanschal< 
unter den das Lagerungskissen überragenden Stumpf. Das voll^ 
kommen« Freiliegen des Stumpfes ist dem Patienten nicht nnan^ 
genehm ; eine breite Longuette über den Stumpf genügt zur Fixaj 



Ueber Wuadfieber und accidentelle Wondkrankbeiteo. 129 

tioa desselben, falls der Kranke etwas unruhig liegen sollte. 
Wenn die Wunde yoUkommen granulirt, und keine Spur von 
Infiltration sich am Stumpfe zeigt, kann man mit Heftpflastern 
die Wundränder zusammenziehen, und einen Verband wie ge- 
wöhnlich anlegen. — Es hat mich nicht wenig überrascht, zu 
beobachten, dass das 24 Stunden lang in's Gefäss abgelaufene 
Secret durchaus gar keinen Geruch hat, weder in den 
ersten Tagen, noch später, es zersetzt sich auch bei Zimmer- 
temperatur in 24 Stunden nicht. Hieraus geht also hervor, dass 
die Wundsecrete und das Blut eiset durch die Berührung mit den 
Verbandstücken, vor Allem wahrscheinlich durch die Körpertem- 
peratur in Fäulniss gerathen; denn wenn ein Verband dick ist, 
so wird die Temperatur der Verbandstücke unmittelbar an der 
Wunde nicht sehr von der Bluttemperatur differiren. Es ist aus 
den Untersuchungen von Lücke bekannt, dass es blaue Infu- 
sorien giebt, welche sich nur bilden, wenn frischer Eiter in Gom- 
pressen oder in erweichte Epidermis eindringt. Der so entstehende 
blaue Eiter hat nichts Gefährliches an sich; es liesse sich aber 
wohl denken, dass unter analogen Verhältnissen sich andere In- 
fusorien entwickeln, die als Gährungserreger wirken, oder zur 
besonders raschen Fäulniss der Secrete beitragen. — Dass frische, 
kühle Zugluft organische Körper (z. B. aufzubewahrendes Fleisch) 
coDservirt, ist bekannt, während eingeschlossene, nicht wech- 
selnde, wenn auch sehr kalte Luft die Entwickelung von Fäulniss 
beüBrdert. 

Die Methode, Wunden ohne allen Verband zu lassen, öfter 
schon empfohlen, nie, so viel mir bekannt, mit Consequenz in 
grosser Ausdehnung verfolgt, scheint mir, nach dem, was ich 
bis dahin davon gesehen, einer genaueren Prüfung sehr werth. 
Für viele Fälle bieten sich freilich enorme Schwierigkeiten, um 
mit dem Abfliessen des Secretes vollkommene Reinlichkeit des 
Bettzeuges zu verbinden, auch kann nicht an allen Wunden 
durch Austrockenen und Abfliessen des Secretes der üble Ge- 
rach vermieden werden. Stromeyer gab schon vor langer 
Zeit den Batb, man solle die Epidermis von gangränösen Theilen 

V. Laagenbeck, Arcbiy f. Clünirgi«. IX. 9 



ISO Dr. Th. Billroth, 

abziehen, am sie eintrocknen zn machen; dies hat aber nicht 

immer Erfolg, und lässt bei Gangrän ganzer Finger schon im 

i' Stieb, noch mehr bei Gangrän ganzer Hände, Füsse, Unter- 

echenkel. In solchen Fällen muss man freilich zu den Aoti- 
f 

septicis greifen; ich habe Chlorwasser, Creosotwasser, essig- 

^ nauere Thonerde abwechselnd gebraucht; alle diese Mittel sind 

f wobl brauchbar, nehmen den Geruch und trockenen das Gewebe 

^ mehr oder weniger aus, doch müssen sie alle öfter am Tage ap- 

plicirt worden, wenn sie dauernd wirken sollen. — Tiefe, höhlige, 

^ jauchendo Wunden müssen öftei am Tage ausgespritzt, und der 

Abflusa des Secretes mechanisch möglichst begünstigt werden. 

^ Cober die Wasserbehandlung habe ich mich schon früher 

^ wiederholt ausgesprochen. 

Die Eisbehandlung frischer Wunden schadet nichts, ist frei- 
lich oft machtlos gegen septisch-phlegmonöse Entzündung, wenn 
Blut und Secrete in der Tiefe der Wunden verhalten sind, hat aber 
oft vortföfHiche Wirkung bei Entzündungen der Haut und allen- 
falls auch des ünterhautzellgewebes; ob die Kältewirkung viel 
tiefer geht? — Im Felde ist die Eisbehandlung nur selten zu 
verwerthen; das Eis, welches in die in kleinen, elenden Dörfern 
aufgesctilagenen Feldlazarethe wirklich noch hingelangte, ohne 
zu schmelzen, konnte dort nicht conservirt werden. So hatte 
man denn heute Eis, morgen nicht, und so fort. Es dürfte da- 
her zweckmässig sein, sich für die Behandlung der Verwundeten 
im Felde nicht zu sehr auf das Eis zu verlassen. 

In Betreff der weiteren Nachbehandlung kann man auch 
nicht oft genug wiederholen: man thue, was nothwendig 
ist, an den Wunden, doch nicht zu viel, nichts Ueber- 
flüssiges. Bei allen Höhleneiterungen ist es freilich nöthig, 
den AtiBÜuss möglichst frei zu machen, doch man verhüte mög- 
lichst, dass Blutungen in solchen Höhlen Statt haben; wohl 
müsBen Gegenöffnungen gemacht werden, doch nicht 
I durch zu dicke Weichtbeile hindurch; denn die Schwel- 

lung der dicken Wundränder verhindert den Ausfluss, und die 
Blutungen, welche bei diesen Incisionen gewöhnlich unvermeidlich 



üeber Wundfleber und accidentelle Wundkrankheiten. 131 

sind, bringen Gefahr; durch Einlegen von DrainagerOhren kann 
man die Gegenöffnungen durch tiefe Weichtheile wohl klaffend 
erhalten, doch man übertreibe die Anlegung solcher Oeffnungen 
nicht. — Ich habe besonderen Grund, hierauf Gewicht xu legen, 
denn die allerdings tbeilweise richtige Behauptung, dass nach 
Eröflhung eines heissen Abscesses das Fieber nachzulassen pflegt, 
könnte dazu veranlassen , zu kühn mit den AbscesserOffnungen 
Torzogehen. Um die Thermometrie nicht in übelen Verdacht zu 
bringen, muss ich über diesen Gegenstand einige Worte bemer- 
ken. Wenn ein Abscess bereits ziemlich abgegrenzt ist, keine 
Neigung zur Weiterverbreitung besteht, die Haut bereits sehr ver- 
dünnt ist, und man macht nun eine Incision an der verdünnten 
Hantstelle, so wird sich d^r Eiter leicht und vollständig entlee- 
ren, das plastisch infiltrirte Gewebe (die sogenannte Abscesskap- 
sel) in dem Eiterherde wird sich vermöge seiner Elasticit&t con- 
trahiren, die Lymph- und Blutgefässe in diesen Wandungen 
werden sich zusammenziehen, und so wird keine weitere Resorp- 
tion pyrogener Substanzen aus dem Abscesse stattfinden. Wenn 
man aber einen Eiterherd einschneidet, der tief liegt, dessen 
Wandungen noch ziemlich starr sind, und daher nicht zusammen- 
fallen, wenn bei diesen Incisionen Blut in die Abscesshöhle dringt, 
ond dort, mit dem Eiter vermengt, sich zersetzt, weil der Aus- 
finss durch die Oeffnung nicht frei genug ist, dann wird das Fie- 
ber nicht nur nicht aufhören, sondern sich steigern, ja, der Zu- 
stand kann durch diese hier jedenfalls zu frühzeitig gemachte 
Indsion bedeutend verschlimmert, selbst höchst gefährlich ge- 
macht werden. 

Deber ungeschickte, onnöthige Extractionen , oder vielmehr 
Losreissnngen noch halb adhärenter Knochensplitter, über nnvor- 
siehtiges Manipuliren bei Extraction von fremden Körpern ist von 
Stromeyer und Pirogoff so eindringlich gesprochen, dass ich 
oiehts mehr darüber zu sagen brauche. 

Man behandele die Granulationsflächen, zumal in Höhlen, 
mit der änssersten Zartheit, bei jeder Manipulation an der 

9» 



138 Dr. Th. Billroth, 

Wunde, bei jedem Verbände ; gesunde, kräftige Granulätionsflächen 
sind der kräftigste Schutz gegen Infection. 

Wenn ich auf die erwähnten umstände bei der örtlichen Be- 
handlung vor allem Anderen Gewicht lege, und dabei nar das 
hervorgehoben habe, worin man, wie es mir scheint, am meisten 
fehlt, wenn man anfangt, Chirurgie zu treiben, nnd worin ich 
selbst aoi meiisten gefehlt habe, als ich die Pyämie noch für einen 
Luftgeist hielt, so muss ich mir doch auch über die AUgemeinbe- 
haadlung, zumal über die Luftdiät, noch ein Wort erlauben. 

Ventilation, Zeltbehandlung, Barackenbau I das sind die Ta- 
gQßparoIen. Man hat prächtige Ventilationsmethoden in neuen Spi- 
tälern eingeführt, und doch die Pyämie dadurch nicht ausgerottet; 
man bat die Kranken in Zelten behandelt, und sie auch da pyä- 
migch werden sehen; auch in den russischen und amerikanischen 
Baracken hat es nicht an Pyämie gefehlt; Officiere in Einiel- 
wobnungen behandelt sind pyämisch geworden; jeder Arzt, der 
ausgedebiite Privatpraxis hat, sieht jährlich Septicämie und Pyä- 
mie; iüb bin schon wiederholt zu Pyämischen auf dem Lande, 
bei wohlhabenden Bauern und Fabrikherren, und armen BUin- 
Wärtern consultirt worden. Das Spital allein macht die Pyä- 
mieen doch nicht! darüber, denke ich, ist man einig. — Gate 
VentihtioQ ist durchaus noth wendig, denn reine Luft ist das 
nothwenJigste Lebensbedürfniss; eine häufige Lufterneuerung ver- 
mag die molecularen, trockenen Infectionsstoffe zu entfernen, und 
tjomit wirkt sie beihelfend zur Verhinderung der Infection; doch 
die inficirendeu Stoffe haften auch an rauhen Wänden, am Bett- 
zeuge, Verbandzeuge etc.; diese Dinge müssen daher aufs Aeusser- 
läte sauber gehalten werden, Zimmer und Betten müssen oft gründ- 
lich gereinigt werden: dies ist nur möglich, wenn ein und das- 
selbe Ziiumer nie lange hinter einander gebraucht wird. Ich habe 
auf meiner Abtheilung für Männer jetzt 5 Zimmer zu je 10 Bet- 
ten f ton diesen dürfen nur 4 Zimmer belegt sein, ein Zimmer 
wird immer gereinigt, und steht dann eine Woche bei offenen 
Thüren und Fenstern leer; Thüren, Wände, Fenster, Fussböden 
mit Oelfarbe angestrichen, werden dann gewascheoi die Decke 



Udber Wandfieber and accidentelle Wnndkrankheiten. 133 

neu geweisst, die Strohsäcke neu gefüllt, die Matratzen gelüftet, 
geklopft- etc. 

In das gesäuberte Zimmer kommen die neu aufgenommenen 
Kranken; es ist der Wechsel bei regelmässigem Turnus so ein- 
gerichtet, dass kein Zimmer länger, als 4 — 5 Wochen belegt ist. 
Dies Verfahren ist mühsam, ich muss oft mit Zwang Kranke 
halb geheilt entlassen, im Interesse der nachkommenden frisch 
Verletzten, doch nur eine eiserne Consequenz und Energie kann 
hier zum Ziele fuhren, der Reconvalescent muss seine Behaglich- 
keit nicht selten opfern, zu Gunsten eines anderen Schwerver- 
letzten. 

Mit meinem Yentilationssysteme bin ich zufrieden, es ist na- 
türliche Ventilation, die darin besteht, dass oben und unten in 
dem grossen Mittelfenster statt einer grossen Fensterscheibe 
grosse, durchbrochene Rosetten angebracht sind; über der gegen- 
überliegenden Thüre und unten in derselben sind Quadratstücke 
von dem Durchmesser grosser Scheiben ausgesägt, und in diese 
Löcher Drahtgitter eingesetzt, das gegenüberliegende Fenster des 
Corridor hat ebenfalls Ventilationsrosetten. Der Zugwind, denn 
daa heisst doch Ventilation, geht durch die Mitte des Zimmers, 
und berührt die Krankenbetten nicht. Bei strenger Kälte muss 
wobl reichlich eingeheizt werden, doch die Ventilatoren werden 
nur h%\m Schneesturme geschlossen. Im Sommer stehen Thüren 
and Fenster immer offen. Wenn die Wärter einmal auf Rein- 
haltung der Luft in ihren Sälen dressirt sind dadurch, dass As- 
sistenten und Director nicht müde werden, zu rügen, wenn es 
übel riecht, und zu loben, wenn es gute, reine Luft ist, trotz 
Kranker mit sehr übel riechenden Wunden, so lässt sich doch 
nach und nach viel Gutes erreichen. — Mehr Werth, als auf die 
Ventilation, lege ich auf den Wechsel und die häufige, gründ- 
liche Reinigung der Zimmer. Auch in einem Krankenzelte, in 
einer Baracke fehlt es nicht an InfectionsmOglichkeiten : sie sind 
natürlich weit besser, als Kirchen, Schulhäuser, Tanzsäle; wenn 
nian einmal diese Räume benutzen will oder muss, dann muss 
man auch die nOthigen LOcher da in die Wände schlagen lassen, 



134 Dn Th. Billroth, 

wo man sie braucht, am zweckmässigen Zug hennsteilen; doch 
das geschieht leider nicht, oder nur äusserst selten Wie sich 
der Weihrauchdunst lange Zeit in den Kirchen erhält, weil kein 
Luftzag in ihnen ist, so geht es auch mit dem Eitergeruche, dem 
Tabackdunste, dem Eothgernche und anderen Dünsten, die sich 
in Räumen, wo verwundete Soldaten liegen, unvermeidlich ent- 
wickeln. 

§. 19. Ad 2. Welche Mittel besitzen wir, um einen Kran- 
ken zu unterstfitzen, eine schwere traumatische Infection zu fiber- 
winden? Wenn man denkt: dieser Kranke ist nun sicher septi- 
cämisch, oder pyämisch, er ist verloren, wozu ihn noch beban- 
deln? so ist das doch ein Eingeständniss therapeutischer Macht- 
losigkeit, zu dem man sich erst so spät als möglich entschliessen 
sollte, und bis der Kranke so weit gekommen ist, dass jeder er- 
fahrene Chirurg die Prognose bei einem Kranken so schlecht 
stellt, sollte doch vorher etwas geschehen sein. 

Jeder therapeutische Standpunkt, der auf einem vernünftigen^ 
auf richtige Prämissen basirten Raisonnement steht, bat so lange 
seine Berechtigung, als er nicht durch eine mit Kritik geübte Er- 
fahrung widerlegt ist. 

Da wir uns an die Symptome halten müssen, weil wirkeia 
Messinstrument f&r die Schwere der Infection haben, so wird zu- 
nächst festzustellen sein, wann die allgemeine Behandlung ein- 
greifen soll; wenn ich kurz sage, wir sollten dann stärker ein- 
greifeU) wenn der Verlauf ein bedenklicher wird, so wäre damit 
f&r die Belehrung nicht viel gewonnen. Nehmen wir einen Fall 
von complicirter Unterschenkelfractur; wir haben uns nach 
der üntersuchang entschlossen, das Bein zu erhalten, und 
behandeln es in besprochener Weise; doch die Entzündung 
um die Wunde erstreckt sich am Ende des zweiten oder 
dritten Tages bereits über einen grossen Theil des Unter- 
schenkels, die Wunde ist immer noch blutig jauchig, Patient 
fiebert stark, ist sehr unruhig, hat sehr trockene Zunge, delirirt. 
Wir haben unter diesen Umständen zweierlei Angriffspunkte 
für die Behandlung: 1) die jauchige Entzündung, die sich von 



Ueber Wondfieber and accidentelle Wandkrankheiten. 135 

der verletzten Stelle aus entwickelt, ist Ursache der septischen 
Intoxication, sie wird vielleicht Todesursache. Beseitigen wir 
diese septische Entzündung! doch wie? durch örtliche Behandlung 
oder dorch Amputation? a) Die örtliche Behandlung verspricht 
noch so lange möglicherweise gute Wirkung, als bei üntersohen- 
kelfractoren der Oberschenkel, bei Hand und Vorderarm der 
Oberarm noch frei von Infiltrat ist, und wird nach meinen Er- 
fahrungen in Folgendem bestehen müssen: möglichste Entleerung 
des zurückgehaltenen faulen Blutes durch Ausspritzen mit Ghlor- 
wasser, durch Incision spannender flautbrücken, oder Fascien- 
rander — oft erneuerte Application antiseptischer Mittel, wenn 
die Wunde stark stinkt, sonst vollkommenes Freiliegen dersel- 
ben, und Auslaufenlassen des Secretes; — Application von meh- 
reren Eisblasen auf den ganzen Unterschenkel unterlasse ich sel- 
ten, gestehe aber, wie früher bemerkt, dass bei reicherer Erfahrung 
mein Vertrauen auf die Eältewirkung bei septischen Entzündun- 
gen sehr geschwächt ist. — Blutentziehungen, Vesicantien, Jod- 
anstrich habe ich völlig unnütz, sehr tiefe, grosse Incisionen meist 
schädlich gefunden, b) Ist die Infiltration bereits zum Ober- 
gchenkel, eventuell Oberarm vorgedrungen, so bietet sich die 
Frage: kann die Amputation den Kranken retten? Ich habe 
früher oft unter solchen Verhältnissen amputirt und Andere am- 
putiren sehen, danach kann ich Folgendes sagen: die Oberschen- 
kelamputation unter diesen Umständen, selbst ganz an Gesunden 
(dann meist hoch oben) ausgeführt, habe ich nie lebensrettend 
wirken sehen; von den unter solchen Verhältnissen ausgeführten 
Exarticulationen in der Schulter *habe ich zwei durchkommen 
sehen. Alle übrigen Patienten, bei welchen ich wegen acut jau- 
chiger Zellgewebsinfiltration am 3ten bis etwa lOten Tage (inter- 
mediär) Amputationen grösserer Gliedmassen ausgeführt habe, 
oder habe ausführen sehen, sind gestorben. Man wird also auch 
bei progressiver acuter Infiltration obige örtliche Behandlung in 
der Regel der Amputation vorziehen. Eine nicht so unbedeu- 
tende Zahl von jungen, starken Patienten übersteht die septische 
bfiltration des Zellgewebes und Septicämie; es kommt dann über 



136 I>r. Tb. Billroth, 

allj wo die Infiltration war, zur Eiterung, zur massenhaften Aus- 
stOBBung von Zellgewebspfröpfen, Fascienfetzen und Fett Man 
macht, wo es nöthig ist, Zoll lange Incisionen, reichlich, doch 
mit üiöglichßt wenig Blutung, durch dünne Haut. Während aber 
der Uebergang der Entzündung in Eiterung erfolgt, bilden sich 
gewöbulich Venen thrombosen, sie zerfallen bald mit dem rapiden 
Eiteraog^tprocesse; das bereits gesunkene Fieber steigt wieder, 
es kommen Schüttelfröste, und der gerettet erschienene Patient 
geht an Pyämie mit Lungenembolien zu Grunde, etwa in der 
4teD oder 5ten Woche nach der Verletzung; dasselbe erfolgt ge- 
wöhnlich, wenn er intermediär amputirt war, und sich dann am 
Stumpfe lafiltrationen gebildet hatten. Nicht bei Allen kam es 
so weit; war die Infiltration nicht zu mächtig ausgedehnt, so 
übersteht der Patient die Infection, und wird wieder vOllig ge- 
sund. Immerhin hüte man sich, die Prognose zu günstig zu 
Btellen, wenn auch die Patienten den Jauchungsprocess an der 
Wunde und die Septicämie überstanden haben, und die infiltrir- 
ten Theile in Eiterung übergehen. Es ist mir oft dabei vorge- 
kommen, als wenn gerade mit der vollkommenen Entleerung des 
Eiters, und der Abschwellung der infiltrirten Extremität die Haupt- 
gefahr verbunden wäre; vielleicht ist gerade das Stadium, wo der 
Kreislauf in den entzündet gewesenen Tbeilen wieder in vollen 
Gang tritt, und die Lymphgefässthromben flüssig werden, ein 
höcbbt günstiges für die Resorption von Eiter. 

3) Neben der örtlichen Behandlung ist aber auch die Allge- 
meinbehandlung nicht zu vernachlässigen. Die sogenannten Anti- 
septica: Mineralsäuren, Chlor, die unterschwefligbauren Salze, die 
Febrifuga: Chinin, Veratrin, Digitalis, nützen nach meinen Er- 
fahrungen nichts, ebensowenig die Venaesection ; diese Dinge habe 
ich bei der Septicämie schon längst bei Seite gestellt. Wenn ein 
Patient eioen heftigen Fieberanfall hat, so schwitzt er danach, 
dann wird ihm leicht; beruht das Fieber auf Blutintoxication, 
wie wir annehmen, so wird der pyrogene Stoff, in welcher Form 
e» auch eei, wahrscheinlich mit dem Schweisse ausgeschieden. 
Bei septisch intoxirten Hunden, die übrigens nie schwitzen, wird, 



Ueber Wundfieber und accidentelle Wandkrankheiten. 137 

« 
wie es seheiat, die Materia peccans, falls sie direct in's Blut in- 

jidrt ist, mit dem eintretenden Durchfalle ausgeschieden. Es 
scheint daher rationell, einen dieser Wege zu benutzen, um den 
Organismus zu unterstützen, sich des Giftes zu entledigen. Auch 
septisch intoxirte Menschen bekommen zuweilen Diarrhoe (wie 
wir früher gesehen haben, unter 180 an Infectionsfieber Gestor- 
beoen hatten 32 Diarrhoe), doch sie schwitzen immer, wenig- 
stens in gewissen Perioden der Krankheit. Ich habe daher im 
Laufe der letzten Jahre mit Vorliebe Schwitzcuren bei Septicä- 
mischen angewendet, wie ich glaube, mit zum Theil eclatantem 
Erfolge; die Wirkung derartiger Mittel muss man selbst wieder- 
holt beobachten, um sich eine üeberzengung darüber zu verschaf- 
fea; ich habe mehrmals Patienten durchkommen sehen, die be- 
reits den grössten Theil des Tages somnolent waren, oder furi- 
bunde Delirien hatten, unter sich gehen Hessen, und eine braune, 
bolzige Zunge hatten; das Mittel wirkt keinesweges immer gleich, 
muss wiederholt werden, und wirkt natürlich um so rascher, je 
früher es angewendet wird. Es ist nicht immer leicht, einen 
Septicämischen in Schweiss zu bringen: gewöhnlich lasse ich zu- 
erst eine kalte, nasse Einwickelung des ganzen Körpers (wie 
bei Typhus) machen, dann die Kranken warm bedecken, und bis 
3 Standen liegen. Zuweilen wirkt dies gar nicht, dann lasse ich 
das Einwiekelungstuch in warmes Wasser tauchen, und die Pro- 
c«diir wiederholen; wirkt auch das nicht, so setze ich die Pa- 
tienten in ein warmes Bad von 28® R., das ich nach und nach 
bis aaf 32 — 35 ® R. erwärmen lasse, dann folgt die warme Ein- 
wickelang. Diese Procednren erfordern bei Patienten mit com- 
plicirten Fracturen grosse Vorsicht und Geschicklichkeit von Sei- 
ten der Wärter, und ich hätte daher schon längst gerne ein 
Schwitzzimmer (ein Sudatorium und Tepidarium, wie in den rö- 
mischen Bädern), in welches ich die Patienten, auf einer Bahre 
liegend, ohne Weiteres könnte hineinsetzen, und bei 32° R., mit 
Federkissen bedeckt, schwitzen lassen. Ich verspreche mir von 
diesen, in kurzer Zeit erzwungenen colossalen Schweissabsonde- 
ningen nach dem, was ich davon bis jetzt gesehen habe, viel, 



188 I>r- Th. Billroth, 

und möchte die Collegen, welche viel schwer Verletzte zu be* 
handeln haben, dringend auffordern, diese Behandlungsweise za 
versuchen, sie aber schon früh in den betreffenden Fällen ein- 
treten zu lassen. — Die Anwendung von Laxantien, um rasche, 
profuse Diarrhoeen zu erzeugen, wandte Breslau mit grossem 
Erfolge bei Puerperalfieber an. In den Fällen, in welchen ich 
dies heroische Mittel bei Pyämischen anordnete, fand ich die 
Wirkung zu schwer zu berechnen, und es schien mir, dass sehr 
rasch danach zu starker GoUapsus eintreten kann; auch hat für 
chirurgische Kranke das häufige Unterschieben der Bettschassel 
etwas sehr Unbequemes. Auch nach den Schweissen sind die 
Patienten oft ziemlich matt, doch ist das keine so unangenehme 
und nicht mit Tenesmus verbundene Mattigkeit; man vergleiche 
an sich selbst die Mattigkeit nach einem reichlichen Abf&hrmit- 
tel mit der Mattigkeit nach einem römischen Bade, und urtheile 
selbst 

Die Narcotica scheue ich bei der Septicäniie nicht; ich lasse 
die Patienten in der Regel Abends Morphium nehmen, zumal 
wenn sie sehr unruhig sind. 

Weit weniger, als in der oben beschriebenen frühen Zeit 
nach der Verletzung vermögen wir gegen die in der Sten Woche 
und später eintretenden Infectionen. Dies kommt daher, dass 
wir jetzt durch septisches Fieber und reichliche Eiterung er- 
schöpfte Individuen vor uns haben, bei denen sich in Folge von 
Embolien auch die Iniectionsherde hänfen; zu alle dem kommt 
dann vielleicht noch Pneumonie, Pleuritis, auch wohl Pericardi- 
tis, Hepatitis, Pleuritis, Nephritis, Enteritis, Parotitis, Decubitus etc. 
etc. hinzu. Da ist freilich die Kunst zu Ende. Die Amputation 
nützt da selten etwas, nie, wenn es sich um Oberschenkelampa- 
tationen handelt. 

Chinin und Opium dämpfen, lindern die Fieberanfälle, Wein, 
Kampher excitiren die Nervencentren; junge, kräftige Menschen 
ringen unter solchen Verhältnissen lange mit dem Tode, doch 
meint erfolglos. Sind einmal die metastatischen Entzündungen 
im Gange, fliegen die eiterigen Emboli im Blute herum, dann 



üeber Wandfieber und AcddeDtelle Wandkrankheiten 139 

k/^onen wir nichts mehr machen; wenige Gumnlatios von Ent- 
ländangsherden, einige neue Fieberanfälle genügen, den ge- 
schwächten Organismus niederzuwerfen. Für diese Fälle nützen 
aach die Schwitzenren nichts. Hier sind wir am unvermeidlichen 
Ende. 



Capitel IX. 

Erjsipelas, Lymphangoitis, Trismus und Tetanus. 



1. Vom Erysipelas. 

§. 20. Seit der Veröffentlichung meiner ersten Arbeit über 
Wandfieber etc.^ in welcher ich auch das Eryt^ipel besprach, haben 
die dort ausgesprochenen, sich meist an überkommene Auffassun- 
gen anschliessenden Ideen über diese Krankheit freilich auch 
manehe Veränderungen erleiden müssen, da mich eine ausgedehn- 
tere kritische Beobachtung mehr und mehr auch über diese Krank- 
heit belehrte. 

Was zunächst die Abgränzung des Erysipelas gegen die dif- 
fuse Dermatitis überhaupt, und gegen die Entzündung des ünter- 
haotzellgewebes betrifft, so brauche ich Niemand zu versichern, 
dass man in. sehr, sehr vielen Fällen durch die scharfe Abgrän- 
zang der Röthe, durch die Art des Fortschrittes dieser Röthe, 
durch die Intensität des begleitenden Fiebers u. s. w. das Ery- 
^ipela8 als eine besondere, wohl charakterisirte Form der Haut- 
entzündung erkennen kann; dennoch muss ich auch hervorheben, 
dass es immerhin Fälle giebt; in welchen die Kategorisirung recht 
schwierig, ja unmöglich sein kann; zumal kann die Hautentzün- 
dung, welche an frischen Wunden durch Verhaltung von Secret 
und lüfection der Haut mit diesem Secrete, Tage lang hier unbe- 
stimmt, dort bestimmt begränzt sein, bald mit starkem Oedem, 
bald mit Lymphangoitis einhergehen, endlich in Phlegmone mit 
Veaenthrombosen etc. übergehen, so dass man gar nicht mehr 
weiss, in welche specielle Kategorie der Infectionskrankheiten 
ein solcher Fall zu bringen ist. Ueber die auch vorkommende 



140 Dr. Th. Billroth, 

Gombination mit Wnnddiphtberitis, mit Hospitalbrand kana ich 
gar nichts aussagen, da ich hier in Zflricb gar keinen Fall von 
Nosocomialgangrän sah; so viel ich mich aber von Berlin her 
erinnere, ist die ROthung beim Spitalbrande doch meist diffus, 
wenn auch nicht selten mit Lymphangoitis der Stämme combi- 
nirt; dass beide Processe : Wunddiphtheritis und Erysipelas ganz 
verschiedene Erankeiten sind, lässt sich wohl daraus mit Sicher- 
heit nachweisen, dass man nie beim entwickeltsten Erysipelas 
eine Beschaffenheit der Grannlationsfläche sieht, die auch nur die 
geringste Aehnlichkeit mit Nosocomialgangrän gehabt hätte. 

Was die 137 vom 1. April 1860 bis 1. October 1866 im 
hiesigen Spitale auf meiner Abtheilung beobachteten Fälle von 
Erysipelas betrifft*), so ist bei ihrer Auswahl jedenfalls eher zu 
viel, als zu wenig gethan; ich wollte die Anzahl nicht verklei- 
nern, und habe daher alle etwa zweifelhaften Fälle mitgerechnet; 
auch die wenigen Fälle sind hier mit eingerechnet, in welchen 
sich aus dem Erysipel Phlegmone und Pyämie entwickelte, so 
dass diese in den Tabellen also zwei Mal figuriren, früher als 
Pyämie, jetzt als Erysipele. 

Ich habe aus später zu entwickelnden Gründen die 137 
Fälle von Erysipelas in zwei Kategorieen getheilt, nämlich in 
solche, welche sehr bald nach einer frischen Verletzung meist in 
Folge von Retention von fauligen Secreten entstanden (septische 
Erysipele 52), und in solche, welche zu bereits gut granaUren- 
den Wunden, Geschwüren, Fisteln hinzukamen (Infectionserysi- 
pele 85). Ich will nicht alle früheren Bemerkungen über Erysipel 
noch einmal kritisch durchgehen, sondern nur das hervorheben, 
was mir von besonderer Wichtigkeit erscheint. 

§. 2. üeber 130 Fälle besitze ich Notizen in Betreff des Be- 
ginnes mit oder ohne Frost: hiernach stellt sich heraus, dass von 
52 septischen Erysipelen nur 7 (13,4 pGt) mit Frost begannen, 
von den 78 Infectionserysipelen 30 (38,4 pCt.) mit Frost, im 



*) Es sind die in der früheren Arbeit bereits erwähnten Fälle mitge- 
gerechnet 



üeber Wondfieber and accidentelle Wnn dkrankheiten. 141 

Ganzen Ton 130 Fällen 37 028,4 pCt.) mit Frost. Es zeigt sich 
hiernacii wiederum, dass rein septische Infection nicht oft Frost 
erzeagt; dass bei den Infectionsfällen nicht noch weit mehr Fröste 
Dotirt sied, hat mich ftberrascht, da ich nach der Erinnerung die 
loidalfröste bei Erysipel viel häufiger gehalten hätte; abgesehen 
TOB den Fällen, welche später pyämisch wurden, haben sich bei 2 In- 
diridaeii, die dann genasen, die Fröste noch 1 Mal, in einem Falle 2 
Mal wiederholt, eine im Ganzen höchst seltene Erscheinung. 

Was die Dauer der einzelnen Fälle anlangt, so lässt sich 
darüber Folgendes sagen: Es dauerten 

VCD den septischen Erysipelen ; von den Infec- Summa 

tionserysipelen; 



llTag 


OFall 


2 Tage 


- 


3 - 


7 FSUe 


4 - 


3 - 


5 - 


1 FaU 


6 - 


9 FftUe 


7 - 


6 - 


8 - 


6 - 


9 - 


5 - 


10 - 


3 - 


11 - 


2 - 


12 - 


2 - 


13 - 


1 FaU 


U - 


2 Fälle 


15 - 


OFaU 


16 - 


1 - 


17 - 


2 F&Ue 


18 - 


OFaU 


20 - 


1 - 


21 - 


- 


23 - 


1 . 


32 - 


- 



52 F&Ue. 



aiFfiUe 


3 ] 


F&Ue 


8 - 


8 


" • 


7 - 


14 


- 


5 - 


8 


- 


10 - 


11 


- 


6 - 


15 


- 


6 - 


11 


- 


8 - 


14 


- 


5 - 


10 


- 


6 - 


9 


- 


2 - 


4 


- 


2 - 


4 


- 


6 - 


7 


- 


2 - 


4 


- 


2 - 


2 


- 


1 - 


2 


- 


1 - 


3 


- 


2 - 


2 


- 


2 - 


8 


- 


1 FaU 


1 FaU 


- 


1 


- 


1 - 


1 


- 


85 F&Ue. 


137 FaUe. 



?f 



142 Dr. Th. Billroth, 

Hieraas ergiebt sich, dass die septischen Erysipele meist 
3 — 10 Tage, die Infectionserysipele meist 1 — 10 — 13 Tage dauern; 
gross ist der unterschied, wie man sieht, nicht. Von allen 
beobachteten Erysipelen dauerten die meisten 2 — 10 
Tage, die Dauer über 14 Tage ist eine grosse Seltenheit. 

Was das Fieber anlangt, so habe ich darauf früher beson- 
deres Stadium verwandt. Je mehr sich die Zahl meiner Gurren 
gehäuft hat, um so weniger ist ein bestimmter Typus des Fiebers za 
constatiren, so dass es mir sehr zweifelhaft geworden ist, ob man 
mit Recht das Erysipel den Krankheiten mit typischem Fieberver- 
laafe an die Seite stellen kann. Das Fieber beginnt fast immer 
mit sehr raschem Ansteigen bei Individuen, die bis dahin fieber- 
frei waren; selten werden später höhere Temperaturen erreicht, 
als am ersten Tage. Bei leichteren Fällen beginnt schon am Er- 
krankungstage die Defervescenz, und zieht sich mit Abendsteige- 
rungen mehrere Tage hin. Bei schweren Fällen dauert die hohe 
Temperatur anfangs mehrere Tage mit wenig Morgenremission an. 
oder (was eigentlich noch häufiger ist) verläuft mit sehr starken 
Differenzen der Morgen- und Abendtemperataren Tage oder 
Wochen lang; — endlich giebt es auch solche Fälle, die 24 Stun- 
den und länger fieberfrei sind, dann wieder von Neuem anfangen 
zu fiebern, so dass sich eigentlich 2, 3, 4 Erysipele mit kor- 
zen Intervallen wiederholen. Ich habe dies früher Erysipele 
mit discontinuirlichem Verlaufe genannt. Septische Erysipele Ter 
laufen gerne mit warziger, quaddeliger Hautschwellung und stei- 
len Fiebercurven. Die Dauer schliesst übrigens die Gefahr nur bei 
schwachen und alten Leuten ein ; es giebt sehr kurz verlaufende 
tOdtliche Erysipele, und ungefärhliche, lange dauernde Fälle. 

Von dem Glauben an die Defervescenz des Fiebers bei Ery- 
sipels an den ungeraden (kritischen) Tagen bin ich ganz abge- 
gekommen; der Beginn der Krankheit ist oft sehr schwierig zu 
constatiren, und da hiernach nur die Abtheilung in 24 stundige 
Abschnitte als Erankheitstage gemacht werden könnte, so kommt 
bei den Berechnungen nach den Curven gar zu viel Willkür in's 
Spiel. 



Ceber Wiuidfieber und accIdeBtelle Wundkrankheiten. 143 

Es giebt Individaen, welche besonders zu Erysipelas dispo- 
nirt siad, oder man sollte wohl besser sagen, bei denen der In- 
fectionsstoff besonders leicht haftet; das ist längst bekannt; ich 
kann folgende Beispiele dafür beibringen: 4 Männer bekamen 
vihrend ihres Ajafenthaltes im Spitale je 2 Mal, 1 Mann and 1 
Frao je 3 Mal vollkommen charakteristisch ausgeprägte Erysi- 
pele, mit Intervallen von mindestens 4—6 Wochen. 

Erkrankt sind 51 Weiber (37,9 pCt), 86 Männer (62,1 pCt.); 
dieser absolute Ueberschuss zu Gunsten der Männer bedeutet aber 
keioesweges, dass die Männer leichter inficirt werden ; man könnte 
sogar das Gegentheil deduciren: die Gesammtzahl der kranken 
Männer ist auf meiner Abtheilung etwa die dreifache von derje- 
nigen der Frauen; es müsste also bei gleicher Erkrankungsdis- 
position beider Geschlechter die Zahl der an Erysipel erkrankten 
Männer die dreifache der Frauen sein; da dies aber durchaus 
nicht der Fall ist, so ist die relative Zahl der an Erysipel er- 
krankten Weiber bedeutend grösser, als die der Männer. Man hat 
hier wiederum ein Beispiel, wie trügerisch einzelne statistische Zah- 
b ohne specielle Berücksichtigung aller Verhältnisse sind. — Die 
gleichen Bemerkungen gelten in Betreff des Alters; es erkrankten 
im Alter von 

— 10 Jahren 6, davon starben 
11_20 . 27 - - 

21—30 - 19 - - 2 = (10,5 pCt.) 

31^40 - 50 - - 

41_50 . 22 . . 3 = (13,6 pCt.) 

61_60 - 21 - - 4 = (19,0 pCt.) 

61—70 . 18 - . 6 = (33,3 pCt.) 

71—80 - 4 - - 2 = (50,0 pCt.) 

137, davon starben 17. 
Es geht hieraus hervor, dass im Alter von 11 — 60 Jahren 
^ meisten Erkrankungen vorgekommen sind, doch beweist dies 
Diebt etwa, dass in diesem Alter die Erkrankungsdisposition für 
Erysipel am grOssten ist; um dies festzustellen, müsste man wis- 
^^n, wie viel Individuen der einzelnen Decennien sich unter allen 



144 ^^' Th. Billroth, 

mit Wunden, Excoriationen, Geschwüren etc. behafteten Kranken 
befanden, und im Vergleiche zu diesen Gruppen wäre die Zahl 
der Erkrankungsfälle procentisch zu berechnen. Ich^ gestehe auf- 
richtig, dasB ich den Werth einer auf diese Weise mit enormer 
Mühe zusammengebrachten, vielleicht mathematischen, also abso- 
luten Wahrheit nicht zu begreifen im Stande bin. Je mehr ich 
mich mit diesen statistischen Berechnungen befasst habe, um so 
mehr sehe ich ein, wie doch in allen diesen Berechnungen so 
mancherlei Willkür mit einlaufen muss, um ein Resultat heraus- 
zubringen. So sind denn von den 51 an Erysipelas erkrankten 
Weibern 7 (13,7 pCt.) gestorben, von den 86 Männern 10 (10,4 
pCt.), im Ganzen von 137 Erkrankten 17; dies scheint doch 
einfach genug, und doch ändern sich diese Zahlen sehr, je nach- 
dem wir die 7 Fälle, in welchen sich bei der Section metastati- 
sche Processe fanden, mitzählen oder nicht; lassen wir diese bei 
Erysipel aus, weil sie schon bei der Pyämie in Rechnung kamen, 
so haben wir auf 137 Fälle nur 10 Todte, also nur 7,3 pCt. 
Das Alter scheint am meisten Einfluss auf die Gefährlichkeit des 
Erysipelas zu haben, abgesehen von den Fällen, in welchen sieb 
aus eclatantem Erysipel Phlegmone mit Yenenthrombose etc. 
herausbildete. — In denjenigen Fällen, in welchen das Erysipel 
tödtlich verlief (1 Mal am 3., 4., 6., 9., 11., 13., 15. Tage, je 
2 Mal am 7., 8., 10., 18., 20. Tage), konnten, wie erwähnt, 
einige Male metastatische Processe nachgewiesen werden, in denen, 
wie schon an den Lebenden zu diagnosticiren, der gesammte Krank- 
heitsverlauf in das Bild der Pyämie überging. In 10 Fällen wurde 
bei der Section so viel wie nichts gefunden; in keinem Falle 
Meningitis, von der man doch früher behauptete, sie trete so 
leicht zu Erysipelas capitis; man schloss dies trüber fälscbUcb 
aus den Symptomen; durch die Section ist darüber nichts be- 
stätigt. 

Es ist eine herrschende Ansicht, dass von Wunden am Kopfe 
und Gesichte besonders häufig Erysipelas ausgeht. Ist dies 
richtig? 



Ueber Wandiieber nnd accidenielle Wandkrankheiten. I45 

Das Erynpel begann: 

am Kopfe 15 Mali 

am Gesiebte 34 - | 58 

am Halse 7 - ) 

an Brust und Racken ... 16 Mal] 

am Bauche 2 - [ 28 

in der Beckengegend ... 10 - ) 

an den oberen Extremitäten . 16 Mal) ^^ 

51 



1 



an den unteren Eitremitftten . 35 

1377 137. 

Diese Zusammenstellnng zeigt, daf^s das Erysipel am hftufig- 
sten Yon Wunden der unteren Extremit&ten, dann des Gesich- 
tes etc. aasgegangen ist. Diese absoluten Zahlen mflssten aber, 
am etwa die besonders leichte Haftbarkeit der Infection an einem 
I>e8tiinmten Körpertheile zu zeigen, durch procentische Berech- 
Hangen corrigirt werden , welche ans der Anzahl von z. B. allen 
vorgekommenen Verletzungen, Fisteln, Geschwüren, Excoriatio- 
neo ete. am Kopfe, im Verh&ltnisse zu den Erysipelerkrankungen 
iun Kopfe berechnet werden müs8ten. Da mir das eventuelle 
ResQJtat kein besonderes practisches oder theoretisches Interesse 
zu kaben scheint, so habe ich eine solche Berechnung nicht an« 
gestellt. Es bleiben so vielerlei wichtige Momente, welche auf 
die Entstehung der Erysipele Einfluss haben, bei den sta- 
tistigcben Berechnungen unverwendbar, dass man sich fast hüten 
nusB, gleich den Stab über die ganze statistische Methode zu 
brechen; z. B. im Gesichte kommen so viele Operationen vor, 
bei welchen durch Verschiebung von Haut oder Lappenbildungen 
Höhlen entstehen, in denen sich Secret sammelt; dass dies allein 
^hon einen nicht unerheblichen Ueberschuss von Erkrankungen 
Uefern muss, ist für mich wenigstens klar. 

§. 3. Das Erysipel ist eine sowohl anatomisch schwer fass- 
bare, als in Betreff der Entstehung und Verbreitung nicht immer 
leicht verständliche Krankheit. 

Wir sind wohl über die Zeiten hinaus, in welchen man die 

v.LftB|««b9ek, ArehiT f. Ghtnirgl«. IX. IQ 



146 Dr. Tb. Billroth, 

Rose als eine möglicherweise mit SchwaDknngen der Laftelectri- 
cität zasammenbängende Krankheit bezeichnete, oder sie als Folge 
eines verdorbenen Magens betrachtete, — doch wenn wir sagen, 
die Rose ist eine acute Dermatitis, so ist damit auch noch nicht 
gar viel gesagt, denn von Masern, Scharlach, Erythem, Urticaria 
können wir dasselbe sagen. Dass die Form von Dermatitis, 
welche man „Rose^ nennt, anatomisch durch starke Rosenröthe, 
durch eine ziemlich scharfe ümgränzung ausgezeichnet ist, eine 
Umgrenzung, welche durch abgerundete Linien kenntlich ist, und 
sich aus Anfangs ganz getrennt stehenden grossen, rothen, run- 
den, allm&lig confluirenden Flecken zusammensetzt, ist bekannt; 
dass diese Dermatitis zur runzeligen Erhebung der Haut, zor 
Qnaddelbildung, zur Blasenbildung gelegentlich fUiren kann, dass 
sie allm&lig fortzuwandern liebt, und nach und nach den ganzen 
KOrper fiberziehen kann, ist nicht minder bekannt. Und doch 
vermögen wir nicht, die anatomischen Ursachen genau anzuge- 
ben, welche diesen einfachsten Erscheinungen zu Grunde liegen. 
Versuchen wir, auf Umwegen dem Wesen der Krankheit zunächst 
in Betreff der anatomischen Verhältnisse etwas näher zu kommen, 
denn die directen Untersuchungen der an Erysipel erkrankten 
Haut mit dem Mikroskop liefern keine brauchbaren Resultate. 

Es ist wohl als constant zu betrachten, dass immer ein An- 
fangs kleiner Theil der Haut zuerst erkrankt, und dass sich von 
diesem Theile nur im Verlaufe von Tagen und Wochen die Krank- 
heit vorwärts bewegt. Diese triviale Bemerkung setzt sofort eine 
tiefe Kluft zwischen Masern, Scharlach, Pocken einerseits, und 
Erysipel andererseits, denn bei ersteren wird immer ein grosser 
Theil des KOrpers in kurzer Zeit übergössen ; Masern und Schar- 
lach und Pocken brechen massenhaft hervor am Halse, an der Brust, 
im Gesichte, die Eruption über den KOrper pflegt aber in 24 Stunden 
vollendet zu sein, der Process ist auf seiner Hohe, er sinkt bald 
wieder. Man hat aus dieser Beobachtung den Schluss gezogen^ 
dass das Gift, in's Blut aufgenommen, gleichgiltig ob durch Haut, 
Lungen, Darm, erst vom Blute aus wirksam wird, die Eruption 
der genannten Krankheiten erfolgt nach Analogie einer Urticaria, 



üeber Wnndfieber and aceidentelle Wandkrankheiten. 147 

wie sie bei maochen Menschen nach Gennss Ton Erdbeeren oder 
Krebsen erfolgt. Die Masern-, Scharlach-, Pocken-Dermatitis ent- 
steht oieht nur da, wo etwa das Gift in die Haut eingetreten sein 
kiSDDle (also fßr gewöhnlich an Gesicht and Händen, als den ge- 
wöblich unbedeckten Körpertheilen), sondern überall am KOrper. 
Anders Terhält es sich mit der Wundrose; sie entsteht nur an der 
Wände, an dem Geschwüre, au der Escoriation. — Giebt es ein 
Erysipclas capitis spontaneum, welches in gleicher Weise entsteht, 
vie Masern und Scharlach? Ich muss das nach meinen Erfah- 
rungen bestreiten, und habe noch keinen Kliniker gefunden, der 
<Us Eryeipelas spontaneum ernstlich vertheidigt hätte. Ich stehe 
•laher nicht an, zu behaupten, ein wahres Erysipel entsteht nur 
fOQ einer Wunde, einem Geschwüre, einer Excoriation aus, viel- 
leieht auch von einem bestehenden, vollständig subcutanen Entzün- 
iQQgsherde ans; es giebt nur eine Art Erysipel, das Erysipelas 
traumaticom, phlogisticum, septicum im weitesten Sinne des Wor- 
t^. Da nun von der verwundeten Stelle aus sich die Rosen-Der- 
Ostitis langsam bald dahin, bald dorthin weiter bewegt, so ist 
e$ als sehr wahrscheinlich anzusehen, dass ein irritirender Stoff 
iQÜ phlogogenen Eigenschaften in der Haut fortgeschoben wird; 
dies wird so lange fortgehen, bis sich dem vorgeschobenen Gifte 
Qnübersteigliche Hindernisse in den Weg legen, oder das Gift selbst 
zerstört (verbrannt) wird. Das Erysipelas erzeugende Gift wirkt aber 
Qiebt nur phlogogen, sondern auch pyrogen; die pyrogene Wir- 
kung kann sogar in seltenen Fällen der phlogogenen um kurze 
Zeit vorausgehen; letztere Erscheinung, dass nämlich die Pa- 
tenten zuweilen fiebern, bevor sie selbst oder der Arzt 
etwa8 ^on Rose bemerken, scheint mir kein Beweis gegen 
die Annahme zu sein, dass das betreffende Gift seinen Lauf 
m der Wunde ans beginnt. — Welche Bahnen durchläuft 
^ Gift in der Haut? Da die Haut kein trockener Körper 
^^) in welchen das Serum, welches den giftigen Stoff enthält, 
^adringen könnte, wie eine Flüssigkeit in Fliesspapier, sondern 
i&ehr einem drainirten, wasserreichen Erdboden gleicht, durch 
Welchen das Wasser nach den Gesetzen der Schwere, der Druck- 

10 • 



148 ^r Th. Bi)lroth, 

(lifferenzen, mit Widerständen verschiedenster Art, schliesslich 
durch vorgeschriebene Bahnen abfliessen muss, so wird es am 
natürlichsten sein, anzunehmen, dass der sich dem strömenden 
Ernährungssafte in den Geweben beimischende giftige Stoff die- 
selben Bahnen läuft, welche die Ernährungssäfte laufen; diese aber 
laufen aus dem Gewebe, in welches sie durch die Arterien und Ca- 
pillaren hineingedrückt sind, in die Venen und Lymphgefasse zurück, 
wobei wir uns wohl die Venen als das grössere, schnellere Haupt- 
stromgebiet zu denken haben, während die Bewegung in den 
Lymphgefässen weit langsamer zu denken ist. Das Serum, wel- 
chem das Erysipelasgifi; beigemengt wird, geht also theils, und 
zwar so weit, als es ganz gelöst ist, durch die Venenwandungen 
in's Blut, theils durch die Lymphgefasse; in letztere, welche 
durchlöcherten Drainageröhren entsprechen, könnten auch mole- 
kulare, im Serum unlösliche Elemente eintreten. Andere Bah- 
nen, als die genannten, giebt es nicht für die Bewegung von 
Flüssigkeiten in der Haut; doch könnte das Bindegewebe ver- 
möge seines starken Quellungsvermögens violleicht doch auch 
nach und nach bei abnorm hohem Blut- und Lymphdruck 
von dem vergifteten Serum in sich aufnehmen; dies würde aber 
wieder schnell abfliessen, sowie der Druck sinkt, und zwar durch 
die genannten Bahnen, falls es nicht durch den Schweiss und 
durch Verdunstung mit ausgeschieden wird. — Wir haben nun 
unter diesen verschiedenen Möglichkeiten der Ausbreitung des 
Giftes in der Cutis zu wählen, und ich stehe nicht an, es für 
wahrscheinlich zu halten, dass das Gift den capillaren Lymph- 
bahnen, den Netzen feinster Lymphgef&sse folgt; das Auftreten 
runder Flecken an den Grenzen des Erysipels deutet offenbar 
darauf hin, dass der irritirende Stoff, welcher die Blutgefässe zur 
fluxionären Dilatation zwingt, immer gewisse umgrenzte Gebiete 
von Blutgefässen auf einmal afficirt; da nun die Lympbbahnen 
im Allgemeinen den Venenbahnen folgen, so wird das Einschiessen 
des Giftes in ein mit wenig seitlichen Abfuhrungsgefassen ver- 
sehenes Lymphgefässnetz auch zugleich das diesem Lymphgefäss- 
netz entsprechende Blutgefässnetz in fluxionäre Reiznng versetzen; 



Deber Wuodfieber ond accidentelle Wundkrankheiten. {49 

30 entsteht ein rother Fleck auf der Hant, der nach und nach 
mit dem bereits früher erkrankten Herde confloirt; auch kleinen 
Lymphgefässst&mmcben in der Cutis läuft das Gift nach, so giebt 
es aaeh rothe Streifen und Netze an der Grenze der erysipela- 
' t5sen Entzündung. Diese Erscheinungen sind bald mehr, bald 
weniger deutlich sichtbar, sie werden einem aufmerksamen Be- 
obachter nicht entgangen sein. So wie die Venen der Cutis 
sich zunächst zu netzartig verbundenen, dicht unter, zum Theil 
Qoch in der Cutis selbst liegenden Stämmchen sammeln (Venen- 
oetze, die man am besten an halbfaulen Leichen sieht), und ans 
diesen Netzen sich die subcutanen, in der Längsachse der Ex- 
tremitäten verlaufenden Yenen^tämroe bilden, so ist es auch mit 
den Lymphgefässen ; aus dem capillaren Lymphgefässnetze geht 
der irritirende Stoff in die Lymphgef&ssstämme, von diesen in 
die Lymphdrüsen; es sollte also, wenn Erysipelas in der That 
einer capillaren Lymphangoitis entspricht, sich dazu auch Lym- 
pbangoitis der subcutanen Stämme und Lymphadenitis der näch- 
sten Lymphdrüsen gesellen. Ich kann nach meinen auf diesen 
Puakt besonders gerichteten Beobachtungen behaupten, dass 
Schwellung und (wenn auch oft nur geringe) Schmerzhaftigkeit 
der nichsten Lymphdrüsen bei Erysipel nie fehlt, und dass rothe 
Streifen, der Längsachse der Extremitäten nachziehend, sich auch 
sehr oft bei Erysipel nachweisen liessen. Dass der einmal in 
die stärkeren Lymphgefässe eingetretene Stoff nicht wieder rück- 
Wirts zu den Capillaren geht, und somit die gewöhnlich so- 
genannte Lymphangoitis kein Erysipel (wohl aber Phlegmone) 
mr Folge haben kann, ergiebt sich aus den physiologischen Ver- 
liiltnissen ohne Commentar. 

Ich habe mich in die hier auseinandergesetzten Yorstellun- 
gea fiber die Entstehung und Ausbreitung des Erysipels so bin- 
eingelebt, dass mir die dagegen zu erhebenden Einwände nicht 
mehr imponiren. Doch muss ich die Berechtigung einiger der- 
selben anerkennen; ich kann sie nicht alle widerlegen. Vor 
Allem wird man sagen mflssen: warum verläuft denn nicht jede 
I^noatitis in der geschilderten Weise? Warum wird nicht ans 



150 Dr. Tb, Bi!)roth, 

leichten Masern, leichtem Scharlach, leichten Pocken erysipela- 
töse Dermatitis, capillare Catis-Lymphangoitis, wenn das phlogo- 
gene Gift sich so mit dem Lymphstrome fortbewegt. Ich kann 
diesen Einwand nicht ganz widerlegen, doch Hesse sich mit 
gleichem Rechte wohl fragen: warum wird nicht aas jeder trau- 
matischen HautentKundung Erysipelas ? warum kommt es nicht zu 
jeder Qaetschwonde hinzu? Man wird hierauf erwidern müssen, dai$ä 
in diesen Fällen eben angenommen werden müsse, dass die ca- 
pillaren Lympbbahnen an der Wunde sehr schnell, z. B. durch 
Faserstoffgerinnungen oder Exsudationen verlegt werden, und da- 
durch den giftigen Secreten der Eintritt in's Gewebe verhindert 
wird; wir kommen hier auf dieselben Momente zurück, die wir 
bei der Frage fiber Entstehung und Ausbleiben des Wnndfiebers 
erörtert haben. Es giebt eben eine Reihe von Entzfindungspro- 
Zossen, die früher vollkommen localisirt werden, als von ihnen, 
aus etwas in die Lymphbahn eindringen konnte, während in an- 
deren Fällen diese Abgrenzung der Entzündungsherde gestört 
wird, oder die abgrenzende Schicht durch besondere Umstände 
wieder zerstört wird. 

§. 4. Ich komme nun auf den wichtigsten Punkt, näm- 
lich auf den irritirenden Stoff, welcher die Rose erzeugt. Wo 
kommt er her? wie entsteht er? ist es immer derselbe, oder 
giebt es mehr Stoffe, welche Erysipel erzeugen können ? was wird 
aus ihm? 

Wir können dies wiederum nicht direct beantworten, sondern 
müssen das Ziel auf zum Theil ziemlich weiten Umwegen zu er- 
streben suchen. Woher kommt das Erysipelasgift? wie entsteht 
es? Diese Fragen legen wir uns folgendermaassen zurecht, 
um sie beantworten zu können: Unter welchen Verhältnissen 
beobachten wir die Entwickelung des Erysipels? — Hieranf 
lässt sich Folgendes erwidern: 1) Wenn nach einer Operation 
in einer geschlossenen Höhle Blut verhalten war und sich dies 
zersetzt; also unter gleichen Bedingungen, wie wir auch septi- 
sche Phlegmone entstehen sehen; 2) bei frischen Wunden ohne 
nachweisbare besondere Entzündung oder Secretverbaltung; 3) an 



üeber Wandfieber und accideotelle Wuod krank heilen. 15] 

gat gnmalirenden Wanden, selbst wenn keine Rdzang irgend 
welcher Art vorangegangen ist; 4) an Excoriationen der Haut, 
zuweilen ohne alle bekannte Veranlassung, zuweilen nach genau 
oachweisbarer Erkältung des excoriirten , oder sonst schon ge- 
reizten Körpertheils. 

Dass im ersten Falle das Erysipelasgift sich in dem zer- 
setzten Blnt und ans diesem entwickelt, ist wohl Jedem plau- 
sibel, der solche Fälle sab, und zumal auch den oft ausser- 
ordentlich raschen, günstigen Erfolg der Entfernung des zer- 
setzten Blutes je beobachtete. Haben keine Secretverhaltungen 
statt, und es kommt doch sehr bald zu einer Wunde, vielleicht 
schon nach wenigen Stunden Erysipel, so ist es hOchst wahr- 
Bcheinheh, dass bei der Operation das Gift dem verletzten Ge- 
webe applieirt ist durch Schwämme, Gompressen, Instrumente. 
Aach das Auftreten von Erysipel an einer ganz normal granu- 
lirenden, gut aussehenden Wunde kann wohl kaum anders, als 
daroh Infection von aussen erzeugt, gedacht werden, während 
dagegen die Fälle, in welchen nach Erkältung in einem gereiz- 
ten Theile Erysipel entsteht, das Erysipelasgift im Gewebe (durch 
^e abnorme Umsetzung der Säfte) entstanden gedacht werden 
kann; dieser letzte Process ist der am schwierigsten zu begrei- 
fende, doch ist das Factum wohl nicht zu leugnen, und es hiesse, 
glaube ich, den Thatsachen Gewalt anthun, wollte man auch in 
diesen Fällen Infection von aussen annehmen. 

Das Erysipelasgift entsteht also theils aus Stoffen des mensch- 
lichen Oj^anismus selbst, theils wird es ihm von aussen durch 
eine Wunde, eine von Epidermis entblösste Stelle beigebracht. 
Können diese beiden, auf so verschiedenem Wege der Wunde 
zakommendea Gifte identisch sein? Dies wäre nicht unmöglich; 
man denke sich einen Kranken, bei welchem ein Erysipel sich 
am 3. Tage in Folge von Verhaltung von &ulem Blut und Secret 
entwickelt hat, und denke sich femer die Schwämme, mit welchen 
das faule Secret etwa abgewischt wird, werden nicht genfigend 
gereinigt, das Secret trocknet in den Schwämmen; die Schwämme 
werden vielleicht erst nach Wochen wieder gebraucht an einer 



152 Dn Th. Billroth, 

anderen frischen oder grannlirenden Wunde; es ist kein Grand, 
anzanehmen, dass. das trockene Secret nicht mehr wirke, folg- 
lich kann das in den Schwämmen eingetrocknete Secret wiederum 
angefeuchtet und auf eine Wunde gebracht, jetzt gewiss wiederum 
ein Erysipel erzeugen. Cebertragen wir diese Vorstellung auf 
Gompressen, Charpie, Bettzeug, Instrumente, auf den Staub an 
den Wänden; überall können Spuren eines eingetrockneten, viel- 
leicht sehr giftigen Secretes Torhanden sein! Wir sind hier 
wieder bei Dingen angekommen, die geradezu durch einen Ver- 
such am Menschen zu prüfen etwas gefährlich wäre, doch spricht 
manche Detailbeobachtung daf&r. Vor längerer Zeit kam es vor, 
dass, nachdem lange kein Fall von Erysipel auf meiner Abtbei- 
lung sich gezeigt hatte, plötzlich an einem Tage 8 Individuen 
daran erkrankten , welche in den verschiedensten Theilen meiner 
Abtheilung weit auseinander zerstreut waren; diese 3 Individuen 
hatten nichts miteinander gemein, als dass sie 2 Tage zuvor alle 
3 in demselben Operationssaale hintereinander operirt waren; 
liegt es nicht sehr nahe, anzunehmen, dass alle 3 Individuen im 
Operationssaal inficirt waren? Ich brauchte damals noch immer 
zu viel und zu häufig Schwämme bei den Operationen, und habe 
diese als Infectionsträger angesehen. Eine solche Beobaehtung 
erscheint mir für das Verständniss der Erysipelasverbreitung viel 
wichtiger, als die immer zweifelhafte Deutung einer mit grdsster 
Mühe zusammengebrachten Statistik. — So viel, um zu zeigen, 
dass das von aussen eine Wunde inficirende Erysipelasgift mög- 
licherweise dasselbe sein kann, wie das im Körper ohne Infection 
von aussen entstandene. 

Die durch specifische Gifte erzeugten Krankheiten : Cholera, 
Pocken, Masern, Scharlach, Fleckfieber etc. zeichnen sich auch 
besonders dadurch aus, dass sie epidemisch auftreten. Könnte 
man eigentliche Epidemien von Erysipelas nachweisen, so würde 
das sehr f5r das specifische We-^en der Rose sprechen. Diese 
Frage habe ich bereits früher berührt und erledigt, so weit es 
mir möglich war. Meine frühere Arbeit: „Ein kleiner Beitrag 
zur Frage, ob gewisse chirurgische Krankheiten epidemiscb vor- 



Ueber Wandfieber and accidentelle Wnndkrankheiten. 153 

kommen* (dieses Archiv, Bd. IV. S. 537) ging besonders daraaf 
aos, festzustellen, ob eine Anh&ufiing von Erysipelasfällen im 
Spital mit Anhäufung von Erysipelasfällen in Stadt und Land zu- 
sammenfalle, oder nicht. Das Ergebniss war negativ; die Ery- 
»pelasflLlie auf dem Lande halten vollkommen gleichen Schritt 
mit dem häufigen Vorkommen von Absces^sen, Panaritien, Phleg- 
monen, Carbunkeln und Furunkeln; alle diese acuten Haut- und 
Unterhaatzellgewebsentzündungen sind im Winter und Frühjahr 
hiofiger wie im Sommer und Herbst; eine Epidemie, welche 
diese, die acuten Krankheiten Oberhaupt begünstigenden Jahres- 
zeitea dnrchschneidet, oder eine Anhäufung von Erysipelasfällen, 
fand sich in den Jahren 1860 und 1861 im Ganton Zürich nicht. 
Betrachten wir nun die Zusammenstellung sämmtlicher auf meiner 
Abth^ang vorgekommenen ErysipelasfäUe , die nach den früher 
(S. 11*2) auseinandergesetzten Principien angeordnet sind (Taf. VL 
obere Reihe), so komme ich in einige Verlegenheit, ob daraus ein 
Epidemisiren des Erysipels im strengeren Sinne des Wortes hervor- 
geht. Die jetzt gewählte Art der Darstellung giebt uns ein weit 
besseres Bild über die Verhältnisse der einzelnen ErysipelasfäUe 
za einander, als dies bei der früher gewählten Anordnung der 
Füle zu Gurven mOglich war. Wir haben 
im Jahre: septische, Infections-Erysipele ; zusammen: 

13 22 

17 n 

20 26 

14 27 
11 22 

8 11 

2 8_^ 

52 85 137 

Die in meiner früheren Arbeit als Epidemie im Spital be- 
^ichnete Gruppe von Fällen, die vom Mai 1860 bis April 1861 
^icht, erweist sich doch als sehr vielfach unterbrochen; es tritt 
keine sehr bedeutende Gumulation hervor. Es folgen vom Fe- 
bruar 1863 bis August 1862 fast nur sporadische Fälle, während 



1860: 


9 


1861: 


4 


1862: 


6 


1863: 


18 


1864: 


11 


1866: 


3 


1866 bis l.Oct. 


: 6 



154 Dr. Th. Billroth, 

dagegen vom October 1862 bis Februar 1863 eine starke Aa- 
h&ufung mit Gumulation von 9 F&llen im December 1863 auf- 
fallend ist; doch ist diese Reihe auch durch freie Wochen im 
November 1862 und Februar 1863 stark unterbrochen. In ähn- 
licher Weise folgen von Mai bis October 1863 viele Fälle rasch 
auf einander. Die letzte Gumulation ist endlich von Man bis 
Juni 1864 zu bemerken; von da ab nimmt die Zahl der Fälle 
enorm ab, und nur sporadische Fälle kommen noch vor. In den 
27 Monaten vom Juli 1864 bis September 1866 finden sich nnr 
22 Fälle verzeichnet, von denen wohl noch 3 als in's Spital ein- 
geführt abgezogen werden können. 

Ich bekenne offen, dass es mir gewagt scheint, eigentliche 
Epidemien aus diesen Daten deduciren zu wollen, obgleich auf- 
fallende Anhäufungen, unabhängig von der Jahreszeit, von gleich- 
zeitigen anderen Infectionsfiebern , von der Zahl der per Woche 
auf meiner Abtheilung vorhandenen eiternden Wanden, nicht in 
Abrede gestellt werden können. 

Kurz, ich glaube, man kann behaupten, es hat hier keine 
eigentlichen Erysipelasepidemien gegeben, wie es Scharlach-, 
Masern-, Pockenepidemien gegeben hat, and zwar einfach aus 
dem Grunde, weil die Entwickelung eines Erysipels vorwiegend 
an Wunden geknüpft ist, also somit schon eine relativ kleine 
Anzahl Menschen Oberhaupt inficirbar ist. In einem Spital, wo 
viele Verwundete sind, wo also mehr inficirbare als nicht inficir- 
bare Individuen vereinigt sind, können anter Umständen bei 
mangelnder Vorsicht viele Infectionen vorkommen; je mehr infi- 
cirt sind, je mehr steigert sich die Infectionswahrscheinlichkeit 
auch f&r Andere, wenn wir annehmen, dass gewisse zersetzte 
Secrete, gewisse faulige Stoffe direct als Erysipelas erzeugendes 
Gift wirken, wenn sie auf Wunden übertragen werden; ob aber 
der Eiter eines Kranken mit Erysipelas, oder die abgeschuppte 
Epidermis, auf die Wunde eines anderen Kranken gebracht, noth- 
wendiger Weise Erysipelas erzeugt, wenn die Wunde des Zwei- 
ten nicht ausserdem noch gereizt oder verletzt wird, möchte ich 
so lange bezweifeln, bis es bewiesen ist. Ich neigte auch früher 



Oeber Wandfieber and xecidentelte Wnndkrankheiten. 155 

sar Annahme, dass bei Anhäufung von Erysipelas-Kranken sich 
ein Sichtiges Gontaginm möchte entwickeln können ; nach meiner 
jetzigen Auffassung scheint mir dies unwahrscheinlich. — Sollte 
ein Kranker, bei welchem sich in Folge von Vorhaltung von 
Seereten Erysipel entwickelt, ansteckend auf andere wirken, so 
rnftssten ia meiner Tabelle auf einen . markirten Fall (septi- 
sches Erysipel) eine Anzahl •^— markirter folgen ; dies ist nicht 
der FaU, wie man sich bei genauerer Betrachtung leicht über- 
zeugen wird. 

Ist nun nach allem Gesagten anzunehmen, dass es ein spe- 
cifisches Erysipelasgift giebt? Muss angenommen werden, dass 
es aar einen Stoff giebt, der in oder an eine Wunde gebracht, 
nur Erysipel erzengen kann? Beweisen lässt sich hier wohl 
nichts. Ich glaube kaum, dass man durch die bisher beobach- 
teten Thatsachen gezwungen ist, dies anzunehmen; es ist nicht 
recht begreiflich, dass es einen Stoff geben sollte, der immer 
eine capillare Lymphangoitis, einen anderen, der immer nur eine 
Phlegmone, einen anderen, der eine Lymphangoitis, einen anderen, 
der eine Phlebitis erzeugen muss, sondern es ist viel wahrschein- 
Ueher, dass es daraof ankommt, in welches Gewebe der infici- 
reode Körper vorwiegend eindringt, in welchem er sich durch 
Fenaentirung potenzirt, so dass es also, wenn auch nicht ganz, 
doch naheza dem Zufall der Impfung oder Selbstinfection mit 
einem putriden, pumlenten oder sonstigem phlogistischem Gifte 
aoheim gestellt ist, welche der genannten Erkrankungsformen sich 
entwickelt. 

2. Von der Lymphangoitis. 

Es sind mir bei der Durchsicht der Journale nur 15 Fälle 
von Lymphangoitis anfgestossen , von denen 11 an den oberen, 
^ an den unteren Extremitäten verlaufen sind. Diese Zahl ist 
sicherlich viel zu klein, denn ich habe gerade bei genauerer 
nnterguchung in neuerer Zeit unendlich viel häufiger die be- 
kannten rothen Lymphangoitisstreifen als früher gesehen, doch 
ist es gewiss oft vergessen, es in den Journalen zu notiren, 



156 Dr. Th. Billroth, 

weil es neben bereits bestehenden phlegmonösen Entzündungen 
keine Bedeutung hat — Klar ist, dass die rothen Streifen in 
der Cutis, welche man als entzündete Lymphgef&sse zu bezeich- 
nen pflegt, nichts Anderes sind, als entzündetes Zellgewebe am 
die subcutanen grösseren Lymphgeßssstämme; das Gift fliesst 
langsam durch die Stamme den Lymphdrüsen zu, dringt dabei 
durch die enorm dünne Wandung der Lymphgefässe hindurch, 
und reizt das perilymphangitische Zellgewebe zur Entzündung; 
diese Entzündung geht meist nicht sehr weit, doch wenn der 
Stoff sehr giftig ist, wenn sehr viel resorbirt wird, wenn durch 
mehrere LymphgeAsse nebeneinander phlogogener Stoff fliesst, 
dann giebt es eine conflnirende Zellgewebsentzündung. Ich habe 
gefunden, dass sehr viel diffuse Phlegmonen als Lymphangoitis 
beginnen, und dass sich zu bestehenden Phlegmonen auch sehr 
oft Lymphangoitis hinzugesellt. 

Der inficirende Stoff wirkt meist auf die S&fte, mit denen 
er sich zunächst mischt, fermentirend, so vermehrt er sich co- 
lossal schnell und verbreitet sich rasch ; aus einem Atom Leichen- 
gift geht auf diese Weise eine grosse Menge höchst giftigen 
Eiters hervor. Ich habe mich hierüber anderswo ungeschickt 
ausgedrückt, und das ist mit Recht gerügt worden; ich sweifele 
keinen Augenblick daran ^ dass die von Leichen kommenden 
Stoffe von sehr verschiedener phlogogener und pyrogener Inten- 
sität sind; es ist mir auch höchst wahrscheinlich, dass Säfte aus 
der Leiche eines an Blutzersetzungskrankheiten, wie Py&mie, 
Puerperalfieber etc. gestorbenen Individuums viel giftiger wirken, 
als die Säfte anderer Leichen. Diese intensivere Wirkung als 
Folge einer wahren Contagion in solchen Fällen zu bezeichnen, 
scheint mir nicht praktisch, wenn wir überhaupt dem Worte 
Contagion eine speciellere Bedeutung beilegen wollen, als dem 
allgemeinen Worte Infection. Die speciellere Fassung der jedem 
einzelnen Mediciner von seinem Lehrer überkommenen Begriffe 
von Contagium, Miasma, Infection etc. sind jetzt so verschieden, 
dass man sich immer erst über diese Worte verständigen muss, 
ehe man anfangt, zu discutiren. 



üeber Wundfieber uud accidentelle V^ondkrankheiten. I57 

Die Lymphaogoitifl kann bis znm n&chsten Lymphdrfisen- 
paket fortkrieebend sein wie ein Erysipel; sie breitet sich aber 
nie dem Lymphstrome entgegen aus. Da aber der Weg bis zu 
dem nächsten Lymphdrusenpaket selten weit ist, so dauert eine 
einfache Lympbangoitis nie sehr lange, es sei denn, dass eine 
diffiise Phlegmone daraus wird. Die Fieberverh&Itnisse bieten 
bei der Lympbangoitis nicht viel Besonderes dar; der erste Er- 
goss der giftigen Lymphe in's Blut ist meist mit hohem Initial- 
fieber, auch wohl mit Frost verbunden; der weitere Verlauf 
hängt ganz von den Ortlichen Verhältnissen ab. 



Ueber Hospitalbrand habe ich hier in Zürich gar keine 
Erfahrnngen sammeln kennen; dic^e Lflcke ist vollkommen aus- 
gefällt dureh die kfirzlich erschienene vortreffliche Arbeit von 
Fischer in den Charit^-Annalen, auf die ich verweise; obgleich 
die entafindlichen Erscheinungen um die diphtberitischen Wunden 
und das damit zusammenhängende Fieber sich nicht von anderen 
septischen Entzündungen und Fiebern zu unterscheiden scheint, 
80 ist doch wohl der Krankheitsstoff, welcher die Diphtheritis 
erzeogt, ein ganz besonderer, denn weder bei Erysipelas, noch bei 
Lympbangoitis, noch bei Phlegmone, noch bei Phlebitis habe ich 
irgendwie ähnliche Veränderungen an den Wunden gesehen, wie 
sie sieh bei dem Hospitalbrand finden. 

3. Trismus und Tetanus. 

§. 5. üeber diese Krankheit habe ich nicht viele neue Be« 
otMichtnngen gemacht, kann es mir aber doch nicht versagen, 
noch einige Bemerkungen Aber dieselbe niederzuschreiben. 

Im Spital sind auf meiner Abtbeihing vom L Januar 1860 
bis 1. Oetober 1866 beobachtet 11 Fälle; von diesen sind 9 sehr 
aent tßdtlich verlaofen, 2 chronische Fälle geheilt, nämlich ein 
janger Mann mit Handquetschung, und ein Mann von 52 Jahren 
mit Erfrierung der Hände; bei den 9 Gestorbenen war 5 Mal 
die Hand zerrissen oder gequetscht, 1 Mal ging die Krankheit 
von spontaner Gangrän aller Fingerspitzen beider Hände aus, 



158 Dr. Th. Billroth, 

1 Mal von einer Kopfwunde ohne Knochenverleteung, 1 Mal von 
einer Brandwunde am Oberschenkel, 1 Mal von einer Operations- 
wunde der Achselhöhle; die Individuen standen im Alter von 
5—70 Jahren; alle erkrankten Individuen, mit Ausnahme von 
einem, waren m&nnlich. Ein Mann von 19 Jahren verliess am 
24. August 1866 mit einer gut grannlirenden Wunde an einem 
Finger das Spital; 2 Tage später wurde er von Trismus und 
Tetanus befallen, und starb nach 48 Stunden. Das war der 12^ 
freilich nicht im Spital selbst vorgekommene Fall; von diesen 
12 Fällen entwickelten sich nur 10 im Spital selbst. 

Die vielfachen negativen Resultate meiner Untersuchungen 
der verletzten Nerven und des Rückenmarkes bei Tetanischen, 
haben mich von der Idee, dass es sich dabei um eine ascen- 
dirende Neuritis handle, ganz abkommen lassen. Ob der Teta- 
nus eine Blut- oder Nervenkrankheit sei, ist eine oft ventiKrte 
Frage, sie ist bald so, bald so beantwortet. Durch folgende 
Reflexion bin ich dazu gekommen, mich vorläufig fär die An* 
nähme zu entscheiden: Trismus und Tetanus ist eine Blut- 
krankheit. Durch den Eintritt eines pyrogenen Stoffes in's 
Blut entstehen die Erscheinungen des Fiebers; diese sind sehr 
mannichfaltig: hohe Temperatur, Stillstand und Rückschritt der 
Ernährung als Zeichen von Seiten der trophischen Nerven; ab- 
norme Sensationen in der Haut, zumal am Rücken, von Seiten 
der sensiblen Nerven; psychische Erregung, Delirien, Hailucina- 
tioneq, auch wohl Stupor, Sopor von Seiten der psychischen und 
sensitiven Nerven; Gänsehaut, Zähneklappern, Muskelzittern von 
Seiten der motorischen Nerven. Je nach der individuellen Be- 
schaffenheit des fiebernden Menschen, mehr aber noch je nach 
der verschiedenen Beschafienheit und Menge des Fiebergifkes tritt 
bald der eine, bald der andere Theil der Störungen mehr her- 
vor. Fieber mit Delirien und Stupor nennen wir nervöse Fieber, 
Fieber mit dauernden oder wenigstens auffallend häufigen Gon- 
tractionen der Kicfermuskeln nennt man Trismus, eventuell Te- 
tanus, wenn sich diese abnorm heftigen Contractionen in vielen 
Muskelzweigen zeigen. Jedes Gift, welches Fieber erzeugt, ist 



ücber \7andfiebcr und acoidentelle Wncdkrankheiten. 159 

wieder aus einer Anzahl auf die TerBcbiedenen Nervenarten be- 
sonders wirkender Stoffe zosammengesetzt; ist der Stoff vor- 
berrsebend, welcher aaf die motorigcben Nerven Ähnlich wie 
Strychnin wirkt, so entsteht eben Tetanus (motorisches Deliriam) ; 
dieser, Tetanus erzengende, Stoff kann sich aus den Producten 
acnter EntzOindnngen bilden, unter freilich bisher unbekannten 
DmsOnden; es giebt aber wahrscheinlich ganz bestimmte Ver- 
bälhiisse {%. B. der Temperatnr, des Fenchtigkeitsgrades der Atmo- 
spblre etc.), welche die Erzeugung dieses Stoffes begfinstigen, 
der dann auch möglicher Weise übertragbar ist. — Es sollte 
mich freuen, wenn sich diese Ideen als nicht ganz unfruchtbar 
erweisen sollten; sie sind experimentell zu verificiren. Man 
sollte Eiter von Tetanischen auf Hunde fibertragen, auch Blut 
TOD lebenden tetanischen Menschen in Hunde transfundiren etc. 
Die letzten F&Ue von Tetanus, die hier vorkamen, kamen von 
aussen her; sie verliefen so enorm schnell (in 18, 20 Stunden), 
dass ich sie kaum sah; ich beschäftigte mich bei ihnen mit 
therapeutischen Versuchen, indem ich versuchte, sie mit Hülfe 
von Chloroforminhalation und Morphiuminjection in dauernder 
Narcose zu erhalten (nach Nussbaum); beide Patienten erwach- 
ten indees bald aus der Narcose, und das Morphium kam bei 
ibnen gar nicht zur Wirkung. 

Die bei Tetanus beobachteten auffallend hohen Temperaturen 
haben mit Recht die Aufinerksamkeit aller derjenigen, welche 
sich mit Thermometrie beschäftigen, auf sich gezogen. Die Ar- 
beit von Leyden über hohe Temperaturen bei künstlich er- 
teogtem Tetanus schien diese auffallenden Beobachtungen voll- 
sländig aufzuklären, und die von A. Fick und mir angestellten 
ControUversuche bestätigten, dass bei den häufigen tetanischen 
Muskelcontractionen eine enorme Menge Wärme in den Muskeln 
gebildet wird. Ich muss die Ulnsion fiber die experimentell ge- 
fundene Erklärung der hohen Temperaturen bei Tetanus leider zer- 
stören, denn gerade der letzte Fall, den ich beobachtete, verlief 
in 18 Stunden mit heftigem Opisthotonus tödtlich, bei ganz nor- 
malen Temperaturen, ohne eine Spur von Fieber. — Es giebt also 



160 I>r. Tb. Billroth, 

Tetanas mit und ohne Fieber, wenigstens ohne TemperatarerbShong: 
eine alte Gescbiehte! Mir kommt das vor als eine Analogie mit 
einigen von mir beobachteten, h&chst bösartigen Fällen von Sep- 
tic&mie mit niederen Temperataren, ohne alles Fieber! — Auch 
die Temperatarsteigerung, vrelche man bei Tetanisohen noch nach 
dem Tode beobachtet, hatte etwas Imponirendes. Ich habe seit- 
her bei manchen Individuen die Temperatur wahrend des Todes 
und unmittelbar nachher untersuchen hissen, und g^nden, dass 
eine postmortale Steigerung der Temperatur in geringerem oder 
gr&sserem Grade fast bei allen Individuen Statt hat, die mit stei- 
gender Temperatur sterben, so dass es also nichts Besonderes 
für den Tetanus ist. üeber die muthmaassliche Ursache dieser 
postmortalen Temperatursteigerung siehe die Arbeit von A. Ficic 
und mir* 



üeber Delirium potatorum traumaticum kann ich 
nichts Neues sagen, da es hier zu selten vorkommt, als dass ich 
reichliche Erfahrungen darfiber sammeln könnte. Nur so viel 
will ich bemerken, dass diese Delirien nach Form und Inhalt 
den septicftmischen Delirien und auch dem Delirium nervosum 
(das ich bis jetzt ers$t ein Mal , bei einem gans jungen Manne 
sah, der sicher kein Säufer war) sehr ähnlich sind; es kann unter 
Umständen sehr schwer sein, zu entscheiden, ob inan einen vor- 
liegenden Fall als Delirium potatorum oder als septicimisches 
Delirium bezeichnen soll. 



Anhang« 

Von einigen besonderen Temperatur Verhältnissen bei verschie- 
denen Krankheiten. 

Temperaturen bei Verletzungen des Rückenmarkes. 

§. 7. Ich habe bereits in meiner frfiheren Arbeit erwähnt, 
dass bei Verletzungen des Rückenmarkes im oberen Halstheile, 



Deber Wondfieber nnd «ccidentelle Wandknuikheiten. 161 

dicht unter dem verUngerten Mark, sich abnorm hohe Tempe- 
rataren zeigten, w&hrend bei Verletzung des Rückenmarkes tiefer 
unten dies nicht beobachtet wurde. Ich habe dies in der Folge 
wiederiiolt beobachtet, und stehe daher nicht an, es als einen 
weiteren Wahrscheinlichkeitsbeweis für eine Beziehung des oberen 
Theiles des Rückenmarkes zu der Wärmeentwickelung zu be- 
trachten. Man ziehe z. B. folgende Beobachtung in Betracht: ein 
starker, kr&ftiger Mann von 39 Jahren stürzt hoch herunter, und 
bricht den 4. und 5. Halswirbel, mit Zerreissung des Rücken- 
markes am Mittag des 12. August 1862; er zeigte 

am 12. August Abends 4 Uhr eine Temperat von 34,5®, 

- 12. - • 8 - - - - 86,5% . 

- 13. - Morg. 7 - . - - 41,6% 

- 13. - Mittags 1 - - - - 42,4*. 

Um 2 Uhr 5 Minuten erfolgt der Tod; postmortale Steige- 
rung der Temperatur bis 2 Uhr 15 Minuten auf 42,9 ®, dann all- 
m&Iiges Sinken. Die Erscheinungen boten nichts Aussergew&hn- 
liches dar, totale Paralyse sofort nach dem Falle, Tod durch 
Respirationsparalyse und Lungenoedem, wie in fast allen diesen 
F&llen. Nicht immer waren die Temperaturen so hoch wie hier, 
doch meist schon in den ersten 24 Stunden über 40,0% während 
die Patienten mit tieferer Rückenmarksverletzung gar keine Fie- 
beriemperaturen in den ersten Tagen zeigten. Ich kann nach 
meinen Erfahrungen über Temperaturmessungen versicLern, dass 
solche Temperaturen, wie in dem eben citirten Falle, bei einfachen 
Wundfiebern gar nicht vorkommen, es steckt etwas Besonderes 
dahinter, was? weiss ich freilich night. — Gewiss wäre es eine 
daokenswerthe Arbeit, wenn man diese Frage experimentell 
weiter in Angriff nähme. 

In einem Falle liess ich bei Zerreissung des Rückenmarkes 
im Rückentheil wiederholte Vergleichsmessungen anstellen in der 
rechten Achselhöhle und in der rechten (paralytischen) Schenkel- 
beuge; die Temperatur war am letzten Orte um 0,3 — 0,4^ höher 
als am ersten; es seheint dies auf eine Gefässparalyse hinzudeuten, 
nach Analogie des Bernard'schen Versuches am Eaninchenohr. 

T. Lt»g«Ab«ck, AxekiT f. ChiraisU. IX. IX 



162 Dr. Th. Billroth, 

Es sind ähnliche Beobachtungen von Levier (Dissertation Aber 
Rückenmarksapoplexie, Bern, 1863) gemacht; sie stimmen auch zn 
dem betreffenden Versuche von Schiff. Die Temperaturtopographie 
und ihre Abhängigkeit von der Weite und Enge der Gefltose ist 
übrigens ein so complicirtes Kapitel, dass man mit jedem 
Schluss aus dieser oder jener Beobachtung nicht vorsichtig genug 
sein kann. 



Die Temperaturen bei schweren Kopfverletzungen mit 
Hirnerscheinungen sind am ersten Tage in der Regel nicht 
aussergewöhnlich; am 2», 3., 4. Tage finden sich aber oft hohe 
Temperaturen bei diesen Kranken; ich finde, dass solche Pa- 
tienten 40,1®, ^)3^9 ^1)2^9 in einem Falle ein Moribundus am 
4. Tage 43,3® hatten. Wie viel dabei die entzündliche Reizung 
gewisser Hirnpartien, wie viel die paralytische Wirkung man- 
cherlei Körperfunctionen , wie viel die Meningitis und septische 
Infection mitwirken, darüber wage ich kein Urtheil. 3 Fälle von 
Meningitis tuberculosa acuta bei chronischen Eiterungen verliefen 
fast fieberlos. 

Dass ein Schüttelfrost zuweilen als Zeichen traumatischer 
eiteriger Meningitis betrachtet werden kann, ist bekannt. Viel- 
leicht lässt sich der Satz aufrecht halten, dass der Mangel von 
Fieber bei Individuen, die unter Erscheinungen des Hirndmckes 
starben, auch auf Mangel von Meningitis hindeutet, und dass in 
^diesen Fällen der Hirndruck nur von filutextravasat, Schädel- 
depression oder Hirnödem ohne Entzündung herrührt 

Temperaturen bei Peritonitis. 

§. 8. Die Bemerkungen über die so oft auffallend niederen 
Temperaturen, welche ich in meiner ersten Arbeit machte, haben 
sich bei fortgesetzter Beobachtung immer mehr bestätigt, doch 
nicht in der Weise, dass die niedere Temperatur etwas (3od- 
Staates bei Peritonitis wäre, sondern nur etwas sehr Häufiges; 
sehr hohe Temperaturen beobachtete ich nie bei Peritonitis, wohl 
aber mittlere Temperaturen, ohne bekannte Ursachen auf- and 



Ueber Wandfieber and aocidentelle Wnndkraokheiten. 163 

abschwankend, so dass also die Temperaturen bei Peritonitis 
überhaupt nicht für die Prognose branchbar sind; im Ganzen ist 
eine Peritonitis mit etwas Fieber besser , als eine Peritonitis mit 
anderen schweren Symptomen und niederen Temperaturen dazu, 
doch das kann man auch Ton anderen Eranklieiten ebenso sagen. 

Es scheint mir, dass sowohl vom retroperitonealen Zell- 
gewebe, als von der Fläche des Peritoneums septische Stoffe 
and septisch inficirte Exsudate enorm schnell und massenhaft 
in's Blut eindringen, denn der rasche Tod nach Operationen mit 
Verletzungen des Peritoneums macht mir immer den Eindruck 
einer sehr intensiven septischen Intoxication ; beweisen lässt sich 
das freilich bis jetzt nicht, obgleich der grosse Reichthum an 
Lymphgefassen und die Er&ffnung derselben in die Peritoneal« 
höhle (v. Recklinghausen) diese Absichten plausibel machen. 

Temperaturen bei acuten Nierenkrankheiten. 

§. 9. fiei Nierenkrankheiten, welche eine mangelhafte Ab- 
sonderung des Harnes zur Folge haben, bei denen entweder der 
Harnstoff nicht gehörig ausgeschieden wird, oder Bestandtheile 
zersetzten Harnes resorbirt werden, beobachtet man häufig ab- 
norm niedere Temperaturen. Man hat freilich nur selten Gele- 
genheit, solche Fälle rein zu beobachten; ich habe Fälle von 
Carcinoma vesicae mit Tod, durch Urämie bedingt, von Blasen* 
diphtheritis, von acuter diffuser Nephritis gesehen, die mich zur 
Aufstellung obigen Satzes veranlassen, den ich auch schon in 
meiner ersten Arbeit angedeutet habe. Ganz eclatant war ein 
Fall von ganz acuter diffuser metastatischer Nephritis bei einem 
starken jungen Manne von etwa 30 Jahren mit offener Fractur 
des Unterschenkels; Patient hatte bis dahin hohe Temperaturen, 
zumal v?ährend der Schüttelfröste gehabt, mit dem Auftreten des 
blutigen, dicken (an Gylindern und Epithelien sehr reichen) spar- 
samen Urins fiel die Temperatur unter 36% und obgleich noch 
einige Schüttelfröste folgten^ stieg die Temperatur während der- 
selben nicht über 37®. 

Ich glaube, dass die Experimente, durch welche ich nach- 
gewiesen habe, dass Anhäufung von kohlensauerem Ammoniak 

11* 



164 Dr. Th. Billroth, 

im Blate die Temperatur herabsetzt, mit den erw&hnten Beobach- 
tuDgen in Zusammenhang gebracht werden können. 

Wenn Patienten mit Stricturen Harnröhrenruptur und Urin- 
infiltration bekommen , und dadurch sich eine brandige Entzün- 
dung rasch ausbreitet, so entsteht ein solches Gemisch Ton Wir- 
kungen auf die Temperatur durch Aufnahme von Urin-, Jauche- 
und Eiterbestandtheiien, dass man nichts mehr aus derselben er- 
schliessen kann. 

Die Schüttelfröste nach Catheterismus 

§. 19. haben von jeher die Aufmerksamkeit der Chirurgen 
auf sich gezogen ; ich habe dieselben früher, der allgemeinen An- 
nahme nachgehend, als die Folge einer besonderen Empfindlich- 
keit betrachtet, stehe indessen jetzt nicht an, sie als einen An- 
fall von Infectionsfieber zu bezeichnen. Dass es sich dabei nicht 
um ein einfaches Zittern (wie etwa zuweilen unmittelbar nach 
einer grossen Operation, nach starkem Blutverluste etc.), sondern 
um einen wirklichen Fieberanfall handelt, habe ich schon früher 
nachgewiesen. Ein solcher Fieberanfall pflegt 2—4 — 6 Stunden 
nach dem betreffenden Catheterismus zu entstehen, und ist immer 
die Folge einer Urethritis; die Urethra ist meist etwas verletzt, 
oft nur oberflächlich, oder es ist ein zu starker Catheter in die 
Urethra oder durch eine Strictur durchgebracht. Die Producte 
der Urethritis, so wie überhaupt der Entzündung der Hamwege, 
vielleicht der ganzen Beckengegend, scheinen ganz besonders 
leicht das Phänomen des Schüttelfrostes hervorzurufen, wenig- 
stens beobachtet man verhältnissmässig auffallend häufig bei 
nicht complicirten, subcutanen Beckenfracturen Schüttelfröste. Die 
Schüttelfröste bei leichter Urethritis sind meist ungefährlich, doch 
muss man die Urethra 3—4 Tage, zuweilen noch länger, unbe- 
rührt lassen. Häufige Wiederholung solcher Fieberanfälle beinoi 
vorsichtigsten Bougiren kann zu operativem Einschreiten nOthi- 
gen, weil man sonst den Patienten zu häufig in Gefahr bringt, 
und in der Behandlung nicht vorwärts kommt. In einem Falle 
trat nach Einflihrung der Bougies in eine Strictur ein sehr hefti- 
ger Frost mit dauerndem Fieber auf, mit schweren nervösen 



Ueber Wandfieber und accidentelle Wandkrankheiten. 165 

Symptomen, Urticaria auf dem ganzen Körper, colossal aus- 
gebrütetem Herpes labialis. Die Erscheinangen waren so schwer 
gewesen, dass ich später, nachdem Patient von diesem Anfalle ge- 
nesen war, nicht mehr wagte, Bongies durch die vollkommen per- 
meable Strictor zu bringen. Ich heilte dann den Patienten dnrch 
die inssere ürethrotomie. 



Schlttssbemerkung. 

§. 10. Wenngleich ich nicht sicher versprechen mOchte, 
niemals wieder aof die besprochenen Gegenstande znrfickzakom- 
men, so scheint es mir doch nicht nnnöthig, diese Arbeitsreihe 
mit einigen aaf Zweck und Tendenz derselben hindeutenden Be- 
merkungen abzuschliessen. 

Die imponirenden Resultate der in der inneren Hedicin so 
ausgedehnt angewandten Thermometrie hatten mich in hohem 
Maasse angeregt; die Idee, diese Untersuchungsmethode auch bei 
chirurgischen Kranken anzuwenden, lag nahe; ich führte sie aus, 
und ging an die Erklärung des Beobachteten von dem mir fiber- 
kommenen Standpunkte aus. Der Gedanke, die septischen Fie- 
ber experimentell zu stndiren, wurde der Ausgangspunkt einer 
neuen Reihe von Untersuchungen und darauf gebauter neuer Theo- 
rieen über das Wesen des Fiebers fiberhanpt. Die Haltbarkeit 
dieser Theorie am Krankenbette zu prüfen, und zu untersuchen, 
in vrie weit Experiment und klinische Beobachtung mit den Hy- 
pothesen stimmt, führte zu einer Revision meiner sämmtlichen 
einschlägigen Beobachtungen, und führte mich zu einem vorläufi- 
gen Abschlüsse. Die Thermometrie trat allmälig zurück in die 
ihr gebührende Stelle einer wichtigen üntersuchungsmethode, 
deren Handhabung und Verständniss ebenso durch Erfahrung 
erlernt werden muss, wie jede andere Untersuchungsmethode; ich 
lege der Thermometrie nicht mehr Werth bei, als ihr gebührt, 
ich überschätze ihren Werth nicht, wenn sie sich auch m^ ein 
rother Faden durch diese Arbeiten zieht; die Temperatur eines 



166 Dr. Th. Billroth, 

. Kranken ist ein Symptom, wie es manche andere giebt, es spricht 
nur verständlich zu dem Arzte, der die Sprache erlernt hsL 

Es wäre vielleicht nicht unmöglich, die Resultate meiner Ar- 
beiten in eine Anzahl von Aphorismen zusammenzufassen, wie man 
es in unserer Zeit des allgemeinen Zeitmangels liebt. Für diejenigen 
Leser, welche diesem System huldigen, klmn ich nicht schreiben ; 
ich mache die altmodische Prätension, dass mir der Leser be- 
haglich folgt, dass er sich in seinem Ideengange von mir leiten 
lässt; ich will nicht dadurch wirken, dass ich dem Leser einige 
Sätze zum Auswendiglernen hinschreibe, denn das hat keine nach- 
I haltige Wirkung; die besten Gedanken finde ich bei anderen 

Schriftstellern immer zwischen den Zeilen ; was ich lese, interes- 
sirt mich fast nur deshalb, weil der Stoff selbst, oder die Art, 
wie er behandelt ist, in mir neue Gedanken hervorbringt; ich 
kann nicht begreifen, wie man nur receptiv lesen kann; möchte 
meine Arbeit ihre Leser recht productiv machen 1 Objective 
Beobachtungen streng von den Hypothesen zu sondern, und so 
eine wissenschaftliche Arbeit kritisch zu er&ssen, ist eine ange- 
nehme geistige Thätigkeit beim Lesen, um die man durch eine 
geschäftsmässige Behandlung des Stoffes durch den Autor in neue- 
rer i^eit auch vielfach gebracht wird. Rein objective Arbeiten in 
die Form von unurastösslichen Orakelsprüchen gehOllt, kahl bis an's 
Herz hinan, trocken vom Wirbel bis zur Zehe, tauchen in solchen 
Massen auf allen Gebieten der Medicin auf, dass es danach schei- 
nen möchte, als ständen wir bald der vollen, nackten, absoluten 
Wahrheit gegenüber! Die meisten dieser Orakelsprüche gleichen 
todt geborenen Kindern. Ich möchte ihre Zahl nicht vermehren, 
sondern wünschte von Herzen, dass diese Arbeitsreihe sich als 
lebensfähig und keimfähig erweisen möchte I 
Zürich, den 5. December 1866. 

Zu den Tafeln: 
Die Erklärung von Taf. L— Y. ergieht eich aus den Uebenchriften. 
Die Erklärung zu Taf. VI. findet sich S. 112. 



Dtber Wandfieber und »ceideiitelle Wandkrankheiteo. iQi 



lAalt. 

6«iM. 

Rückblick 62 

Reenm^ des Gedankengaoges io den fifiberen Fieberarbeiten. — > 
0. Weber 'b Arbeiten fiber Fieber. — Aufgabe and Zweck der 
Torliegenden Arbeit 
Gapitel XVUI. 

Von dem einfachen Wandfieber 69 

§. 1. FieberloB Terlaufende Fälle, ihre wichtige Bedentung für • 
die Theorie des Fiebers« — §. 2. Beginn des Fiebers. — 
§. 3. Dauer des Fiebers. — $. 4. Zeit der höchsten Fie- 
berhOhe. — §. 5. Mangel eines bestimmbaren Typus. — 
§. 6. Nachfieber. 
GapitelXIX. 

Von den schweren, meist tOdtlich endigenden Infec- 

tionsfiebern 69 

§. 1. Septic&mie ist ein ätiologisches Krankheitsbild. Erklft- 
rangsversuche fOr die grossen Verschiedenheiten des Fie- 
bers bei der Septicämie. — §. 2. Eiteriofection. Die Sehfit- 
telfröste in ibrer Bexiehnng zum Eitergifte. Ursachen der 
Intermission der FieberanfiUIe. Die Fröste sind kein siche- 
rer Anhaltspunkt für die Entscheidung, ob der Fieberty- 
pas intermittirend ist. — §. 3. Eiterinfection mit Venen- 
thrombose und embolbchen Processen. Pjftmie. Schwie- 
rigkeiten der Diagnostik. Schwierigkeit beim anatomischen 
Nachweise der Thrombosen. Die metastatischen Abscesse 
der Lungen, Leber, Mils sind immer embolischen ür- 
Bprunges. — §. 4. Zusammenhang Ton Infection und 
Thrombose; Experimente. ^ §. 5. Wie kann Jauche und 
Eiter in's Blut gelangen? 
Analyse von 180 tödtlich Tcrlaufenen Fällen Ton sep- 
tischen, purulenten Infectionsfiebtfrn und Pyämie . 88 
§. 6. Principien, nach welchen die folgenden statistischen Be- 
rechnungen aufgestellt sind. 

Symptomatologisches 92 

§. 7. Die Schüttelfröste. — Bei Pyämie sind sie häufiger, als 
bei anderen Infectionsfiebem. Zahl der Fröste bei einem 
Indiriduum. Mehr als 1 Frost in 24 Stunden. — Tages- 
zeit, in der die Fröste am häufigsten vorkommen. — Wie 
bald nach der Verletzung tritt der erste Frost ein? — 
§. 8. Diarrhoe, Brechen, Singultus, Icterus. Pneumonische 
Sputa, Pneumothorax. Blutungen. Albuminurie, Hämatu- 
rie. Exantheme. Decubitus. 



168 ^^' Th. Billroth, Ober Wandfieber u. accid. WundkrankheiteB. 

Dauer. Verlauf. * 9S 

§. 9. Wie bald nach der Verletznog erfolgte der Tod? 

Sectionsbefnnde 100 

§. 10. Häufigkeit der Metastasen Oberhaupt §. 11. Bmbolisohe 
Processe. Yenenthrombosen in den yerletzten oder ent- 
zflndeten Theilen ; metastatische Thrombosen, Abscesse im 
Herzfleische. Lymphdrüsen. — §. 12. a) Blntextravasate; 
b) metastatische Entzflndungen Server HInte; c) Schleim- 
hauterkrankungen; d) diffuse Entzflndungen drflsiger Or- 
gane; e) metastatische Zellgewebsabscesse; f) Osteomye- 
litis. 

•Aetiologisches 106 

§. 13^Ge8chlecbt, Alter. §. 14. Beziehung der verletzten KOr- 
pertheile zar Infectioit §. 15. Jahreszeit. §. 16. AnhSn- 
fuDg von eiternden Wunden im Spitale. §. 17. Ansichten 
über die Entstehung der Infectionsfieber. 

Therapeutisches 134 

§. 18. Prophylaxis. Primäre Operation oder Conserrirung. Gyps- 
▼erbände. Erster Verband. Behandlung der Wunden ohne 
alle Bedeckung. Gegenöffnungen. Ventilation. §. 19. Inter- 
mediäre und secundäre Amputation. Schwitzkuren. 
Capitel XX. 

Erysipelas, Ljmphangoitis, Trismus und Tetanus. 

Erysipelas «... 189 

§. 1. Zur Diagnose. Statistisches. Septische und Infections- 
Erysipele. §. 2. Häufigkeit des Initialfrostes. Dauer. 
Geschlecht. Alter. Todesfälle. Häufigkeit des Vorkom- 
mens an bestimmten KOrpergegenden. §. 3. Anatomisches. 
§. 4. Aetiologisches. 

§. 5. Lymphangoitis 155 

§. 6. Trismus und Tetanus 157 

Anhang. Von einigen besonderen Temperaturverhältnissen bei ver- 
schiedenen Krankheiten 160 

§. 7. Temperaturen bei Verletzungen der Nervehcentren; §. 8. bei 
Peritonitis; §. 9. bei acuten Nierenkrankheiten. §. 10. Die 
Schüttelfröste nach Oatheterismus. 
§. lO.Schlussbemerkungen 165 



/. 



1},fJ. 



Fuxp.X. Exp.M. Ejqj.Xff. Eoqim. ExjiTOi: E^qhJJ: Krp.Xn. E.iqxXy//. 
Juni, JiinC. Jxtfii, Juni. .Juli. Juli . Jitli. Juli. 




Eittr aus 
mrKJFSL 



tnii-Fiotktn- 

aasi 

Aks.idV, 



HMttid. fuyulEamd. gal. 



'düruan lÜdaOr&n tZgthmkm Z^ptintkm tMiniji 



ttJojudw^ 



kauern ta^dott ßi^ ffdasaf 



(mti.dKJa^ 
.Band. 



Ur Eiter m^ dte 



ns. Uuiid 



i d.V 
finwr. 
Hiuul. 



ßiUr. KXKiC BOlr KJVUi BiUrKjyiJ. BüirKXmL Bä/r lÜSWi BUA-AJISWa 



Gtooekneut 
ehr Ld.V Ikaftuukcn' 
Jugnl Bunt jitttoetmU 

tiWasteri. 



Tod narh 

Ul Stunde. d.VJafiBtmAdrfwf,Bi 



OrirxKkneim 

pulorrrnit 
h ' Waetserü 



BiUrXJtTLS. 



: .^i^\A^^^ v^ ^)/-*Ayv y.'-\< 



IV. 



Ueber gewaltsame Streckung von Contrac- 
turen , insbesondere des Kniegelenkes. 



Von 

Prilfi Hermann Meyer 

in ZOrich. 
(Hierzu Taf. IL Fig. 1-6.) 



ll?e<m ich mir erlaube, in dem Folgenden einige Worte über 

die ^e^valtsame Streckung von Goniracturen zu reden, so kann 

Q& liallöLTlich oicht meine Meinung sein, die Zweckmässigkeit oder 

die ln^icatiooen eines solchen Verfahrens kritisch zu wfirdigen; 

deaik diese Untersuchung gehört nicht in meine Competenz. 

leli. ^wfko&che nur, auf einen, wie mir scheint, nicht genügend 

beacbteten Punkt in der Methode der Streckung aufmerksam zu 

machen, sei die Streckung ein einmaliger Act oder ein l&nger 

hingesogener. 

Ich nehme sogleich das Kniegelenk als Beispiel. 
Ist eine Contractur im Kniegelenke vorhanden, so befindet 
rieh die Tibia in einem stärkeren Beugungsgrade gegen das Fe- 
mnr, and ist in diesem festgehalten. Die Frage über den primä- 
ren Sitz der Contractur, ob derselbe in den Bändern oder in den 
Muskeln zu suchen sei, kann ich füglich unberücksichtigt lassen. 
Kb genügt für den Gegenstand, den ich zu besprechen wünsche, 



170 Dr. IL Meyer, 

zu wissen, ditös die Tibia io dem hinteren Rand^ ihrer Gelenk- 
fläche festgehalten ist. Versuchen wir, an der Leiche eine solche 
Gontractur gewaltsam in der Weise zu strecken, dass wir den 
Oberschenkel und den Unterschenkel anfassen, und das Knie aus 
der Beugelage in die Strecklage bringen, dann gelingt dieses als- 
bald unter einem hörbaren Krachen oder Knirschen. Das Bein 
ist dann gerade, aber die Gestalt der Kniegegend ist doch kei- 
nesweges die normale. Untersucht man nun durch Präparation, 
worin der Gestaltfehler besteht, so findet man eine Einknicknng 
der vorderen Wand der Tibia zwischen der Tuberosltas und dem 
vorderen Rande der Gelenkfläche, also an der von dem soge- 
nanten Ligamentum patollae mit unterliegendem Gelenkfette be- 
deckten Stelle; einmal fand ich auch bei einem solchen Versuche 
statt einer solchen Einknickung der Tibia eine ähnliche Ein- 
knicknng in der vorderen Wand des Femur, gerade über der 
Gelenkfläche für die Patella. 

Wie diese Einknickung der Tibia entsteht, ist unschwer zu 
erkennen. Es sei in Fig. 1 (Tafel IL) eine Seitenansicht der 
beiden Knochen, Femur und Tibia, gegeben. Wärde diese Stel' 
lung in einem gesunden Knie eingenommen sein, und durch 
Anwendung äusserer Gewalt in die Strecklage verändert werden, 
so würde eine Bewegung der Tibia, um die in den Condylen des 
Femur gelegene Axe des Kniegelenkes (L) stattfinden. (Ich 
nehme der Einfachheit wegen hier nur eine Kniegelenksaxe an, 
obgleich deren eigentlich zwei vorhanden sind, die beide in der 
Zeichnung mit I. bezeichnet sind.) Der hintere Punkt a des 
Durchschnittes der Tibia-Gelenkfläche würde dabei in der Rich- 
tung gegen vorne auf dem Gondylus des Femur verschoben. — 
Nun ist aber bei der Gontractur der Punkt a festgehalten und 
kann nicht nach vorne rutschen; er wird vielmehr wegen keiner 
fixirten Lage zum Hypomochlion, um welches die Tibia gedreht 
wird. Die Gelenkfläche der Tibia mass dann an den Condylos 
des Femur angedrückt werden, so weit die Elasticität der Ge- 
lenkknorpel etc. dies gestattet. Ist die Grenze der elastischeo 
Compressionsfähigkeit erreicht, dann ist momentane Ruhe da. 



Ueber gewalts. Streckung too GontractareD, iosbes. d. Kniegelenkes. 171 

Wirkt die Gewalt weiter, so mfissen die Verhältnisse auftreten, 
die wir bei dem gewaltsamen Biegen eines Stockes wahrnehmen, 
nimlich Dehnung auf der einen Seite , oder Gontraction auf der 
anderen Seite, oder beides zugleich. Die Dehnung hätte hier 
in der hinteren Seite des Gelenkes (bei a) zu geschehen. Han- 
gelhafte DehnoDgsf&higkeit dieser Stelle des Gelenkes ist aber 
gerade der Gegenstand der Behandlung, und es könnte eine Deh- 
Bang nur dann eintreten, wenn die Knochensubstanz der beiden 
Geleakenden eine entsprechend grosse Widerstandsfähigkeit be- 
ätzen wurde. Bekanntlieh ist aber die Widerstandsfähigkeit der 
Knochensubstanz beträchtlich geringer, als die der fibrösen Sub- 
stanz, namentlidi wenn diese noch sklerosirt ist. Wir werden 
demnach die Debnungsmöglichkeit der Weichtheile an der hin- 
teren Seite des Gelenkes als gar nicht yorhanden ansehen dürfen, 
nnd fftr den durch den Punkt a bezeichneten hinteren Rand der 
Tibia-Gelenkfläche eine unveränderliche Fixirung annehmen kön- 
nen. Geschieht dies, dann ist auch für die Weiterbewegung der 
Punkt a Hypomochlion, um welches die Tibia bewegt wird. Ein 
beliebiger Punkt c der Tibia wird dann in der durch den Pfeil 
angedeutetea Richtung gegen das Femur gedrängt, und ihm stellt 
sich der aas dem Femur kommende Gegendruck (für c aus b 
kommend) entgegen. Eine Weiterbewegung kann unter diesen 
Verhältnissen nur stattfinden, wenn eine der beiden gegen ein- 
ander wirkenden Druckkräfte überwunden wird, und in Folge 
dessen der entsprechende Knochen eingeknickt wird. Dass diese 
Einknickong vorzugsweise die oben bezeichnete Stelle der Tibia 
trifft, erklärt sich aus der Schwäche der Substantia dura an die- 
ser Stelle. 

Würde diese Operation in gleicher Weise am Lebenden aus- 
gefEihrt, so würde damit allerdings der Erfolg erreicht sein, dass 
das Bein dann wieder gerade wäre; eine gewisse Hissgestaltung 
der Eniegegend wäre damit allerdings verbunden, indessen wäre 
diese, so lange nicht andere üebelstände dabei sind, an und für 
sieh ziemlich gleichgültig. Dagegen wird aber der Erfolg doch 
nicht befriedigen können, weil eine Beweglichkeit in dem Knie- 



172 Dr. fl. Meyer, 

geleake gar nicht, oder doch höchst ungeaägead vorhanden wäre. 
Die Gelenkfläche der Tibia ist ja in ihrer früheren falschen Lage 
und Fixirung an dem Femur liegen geblieben, und die Gerade- 
richtang des Beines ist nur durch eine compensatorische Erfim- 
muDg in der Tibia selbst erreicht worden (vgl. Fig. 2). Die Be- 
handlung einer Eniecontractur hat aber nicht allein darauf zu 
gehen, das Bein in ein lebendes Stelzbein zu verwandeln, son- 
dern sie soll auch, so weit möglich, dem Kniegelenke die nor- 
male Beweglichkeit verschaffen. Würde es nun therapeutischer 
und mechanischer Behandlung gelingen, in einem in oben be- 
zeichneter Weise gestreckten Kniegelenke eine grössere Beweg- 
lichkeit wieder herzustellen, dann würde es für den Patienten 
ein wahres Unglück sein; denn, wenn die missgestaltete Tibia 
bei der zur Zeit der Operation zurückgebliebenen Beugestelluog 
ihrer Gelenkfläche eine Streckstellung hat, so muss sie bei einer 
Strekstellung ihrer Gelenkfl&che eine Dorsalflexionsstellung zeigen. 
Die möglichen Bewegungen fällten demnach statt des Raumes 
zwischen hinterer (plantarer) Flexion und Streckstellung den 
Raum aus zwischen Streckstellung und vorderer (dorsaler) Flexion; 
das Kniegelenk wäre dann gewissermassen einem Ellenbogenge- 
lenke zu vergleichen, wobei das Olecranon, in der Kniekehle ge- 
legen zu denken wäre. 

Es ist mir nun auffallend gewesen in Berichten über ortho- 
pädische Anstalten, in den Abbildungen von gerade gestreckten 
Kniecontracturen gewöhnlich jene oben erwähnte Missgestaltung 
der Kniegegend zu finden, welche der Hauptsache nach darin be- 
steht, dass der Unterschenkel mit einer Art von Hohlkehle in 
den Oberschenkel übergeht. Die vordere Profillinie des Beinen 
weicht nämlich unter der Kniescheibe stark rückwärts, und geht 
vrieder längs der Tibia gerade abwärts. Auch ist stets die Mög- 
lichkeit der Bewegungen des Kniegelenkes als eine mehr oder 
weniger beschränkte bezeichnet. 

Dieser umstand erlaubt einen Schluss darauf^ dass die Streck- 
operation in solchen Fällen stets in der oben beschriebenen Weise 
ausgeführt worden sei. Ich erinnere mich auch vor Jahren in 



Deber gewalts. Streckang von Contractnren, insbes. d. Kniegelenkes. 173 

einem angesehenen Spitale einer solchen Streckung beigewohnt 
zuhaben, nnd erinnere mich, dass in einem gewissen Stadium 
der Gewaltanwendung ein sehr vernehmbares Krachen sich hOren 
lie^s, mit welchem zugleich die ,, Geradestreckung ^ des Beines 
beendet war; die Anwesenden sahen das Krachen als ein will- 
kommenes Zeichen der Sprengung der ,,contrahirten^ Bänder an, 
und erkannten einen Beweis für die Richtigkeit ihrer Auffassung 
in der plötzlich und gleichzeitig eingetretenen Streckung des Bei- 
nes. Ich habe jetzt alle Ursache, zu glauben, dass jenes Krachen 
^on der Einknickung der Tibia herrührte. 

Da die Geradestreckungen durch Maschinen erzeugt werden, 
deren verschiedene f&r diesen Zweck angegeben worden sind, 
so darf die Frage entstehen, ob der fehlerhafte Erfolg etwa in 
der C!onstruction oder der Anwendungsweise des Apparates be- 
gründet sei; — und allerdings lässt sich der Apparat nicht frei- 
spreclien, wenn seine Construction oder seine An wendungs weise 
sieht die richtige ist. 

Die f&r die Kniestreckung construirten Apparate pflegen aus 
zwei Schienen zu bestehen, welche an dem einen Ende mit ein- 
ander articuliren; diese Schienen werden die eine an den Ober- 
sehenkel, die andere an den Unterschenkel befestigt, so dass die 
ärtt'cuh'rende Stelle an dem Kniegelenke liegt, und dann wird 
durch irgend eine Vorrichtung der Winkel zwischen den beiden 
Schienen vergrössert. Damit die Schienen keinen verletzenden' 
Druck auf die Theile üben , mit welchen sie in Berührung kom- 
nien, werden sie gefüttert und gepolstert. 

Sind nnn die Schienen ebene Brettchen, so ergiebt es sich 
^on selbst, dass die sie verbindende Articulation hinter die Haut 
der Kniekehle zu liegen kommen, und dass ihre Entfernung von 
dieser um so bedeutender werden muss, je höher die untergeleg- 
ten Polster sind. 

Wird nun mit einem solchen Apparate die Streckung aus- 
S^luhrt, so wird eine gegenseitige Bewegung der beiden im Knie- 
gelenk verbundenen Knochen ausgeführt, und zwar um die durch 
die ArticulatioD der Schienen gegebene Axe. Aus dem früher 



174 Dr. H. Hejer, 

Gesagten geht nun aber hervor, dass dabei die beiden Gelenk- 
enden stark aufeinander gedrückt werden müssen, und zwar 
um so mehr, je weiter diese Axe hinter (d. h. in der Rücken- 
lage unter) der Kniegelenksaxe gelegen ist. Gewaltsame und 
rasche Ausübung der Streckung muss demnach mit Nothwendig- 
keit zertrümmernd auf die Gelenkenden einwirken. — Die Fig. 3. 
wird dieses erläutern. Es seien die beiden Schienen d e und e f 
in e articulirend, gh und ik seien senkrecht zu den Schienen 
gestellte Befestigungsbänder; es ist nun klar, dass, wenn yoU- 
kommene Streckung bis zur Continuität der beiden Schienen er- 
reicht ist, die beiden Bänder parallel stehen müssen, und zwar 
in der durch punktirte Linien gegebenen Lage; es ist aber auch 
ebenso klar, dass dieses, wenn der Apparat wirklich gut schliesst, 
und kein Rutschen der Gliedtbeile in demselben möglich ist, nur 
unter Zerquetscbung der Gelenkenden zu Stande kommen kai\n. 
In der Fig. 4 ist die Streckung der beiden Schienen mit den 
in gleicher Lage zu ihnen beharrenden Knochen ausgeführt, und 
aus derselben ersichtlich, wie weit die beiden Knochen inein- 
anderschlüpfän oder sich gegenseitig vernichten müssten, um eine 
solche Streckung möglich zu machen. Zum Glück schliessen die 
Apparate nicht so gar zu fest, namentlich nicht an den Knochen, 
so dass durch Verschiebung diese letzteren wenigstens etwas 
ausweichen können. 

Der Fehler, welcher die Ursache für die missgestaltende 
Geraderichtung wird, liegt also allerdings in dem Apparate, wenn 
dessen Drehaxe durch seine Construction oder darch die Polste- 
rung hinter die Drehaxe des Kniegelenkes, oder gar hinter die 
Kniekehle zu liegen kommt. 

Aus diesem geht nun aber auch hervor, auf welche Weise 
der Fehler zu vermeiden ist. Der Apparat müsste nämlich so 
eingerichtet sein, dass seine Drehaxe mit der Drehaxe des Knie- 
gelenkes zusammenfiele. Diese Bedingung zu erfüllen, würde 
aber eine Unmöglichkeit sein, schon allein aus dem Grunde, 
weil das Kniegelenk zwei Drehaxen hat. Einen Fehler wird 
man also nothwendig machen müssen, man muss ihn aber dann 



Ueb. gewtltssme Streckung von Gontracturen, iosbes. d. Koiegeleokes. 175 

nach der Seite bin machen, auf welcher er nichts schadet, son- 
dern eher noch Nutzen bringen kann. 

Dieses geschieht, indem man die Drehaxe der Schiene 
vor (in der Rückenlage über) die Drehaxe des Kniegelenkes 
bringt. Man wird dann, wie die Fignren 5. und 6. zeigen, 
während der Operation die beiden Gelenkenden von einander 
zerren, und damit dehnend auf die umgebenden Weichtheile ein- 
wirken, namentlich auch auf diejenigen an der hinteren Seite 
des Gelenkes (Punkt a.), wo die Dehnung, als der Contractur 
am direetesten entgegen wirkend, am meisten Interesse hat. 

Ich habe bisher in den die Contractur bedingenden Weich- 
Aeilen vollständige ünnachgiebigkeit angenommen. Nehmen wir 
onn einmal vollständige Widerstandsfähigkeit der Knochen und 
eine gewisse Nachgiebigkeit der betreffenden Weichtheile an. 
Führen wir unter diesen Bedingungen die Streckung nur mit 
den Händen ans, so wird die Stelle, an welcher sich die beiden 
Gelenkenden aneinander stemmen, zum Hypomochlion werden 
müssen, und in fortgesetzter Gewaltwirkung eine Dehnung der 
Weichtheile in der Kniekehle erfolgen müssen. Führen wir die 
gleiche Operation durch Maschinen aus, welche ihre Drehaxe 
hinter dem Kniegelenke haben, so wird dieses nicht geschehen 
l^^nnen, wenn nicht, was freilich immer anzanehmen ist, die 
Knoehen in dem Apparate etwas ausweichen. Wenn dagegen 
die Drehaxe des Apparates vor dem Kniegelenke liegt, dann 
f^eht die Wirkung des Apparates direct auf die Dehnung dieser 
Theile (vgl. Fig. 5. a.). 

Da nun in Wirklichkeit gewöhnlich eine gewisse Dehnbar- 
keit der Weichtheile vorhanden ist, und die Knochen jedenfalls 
«ine gewisse Widerstandsfähigkeit besitzen, so wird doch bei den 
Strecknngen durch unzweckmässige Apparate die Geraderichtung 
nicht allein durch die Einknickung der Tibia, sondern auch durch 
Dehnung der Bänder und der Muskeln zu Stande kommen 
können, namentlich wenn therapeutische Behandlung (Bäder, 
Fetteinreibungen etc.) bereits auf Erweichung hingearbeitet hat; 
^od es kann vielleicht damit auch einzelne Male ohne Läsion 



176 Dr. H. Meyer, fiber gewaltsame Streckung Ton Contncturen etc. 

der Knochen eine mehr oder weniger befriedigende Heilang er- 
zielt werden. Immer aber muss dabei ein nngenaaer Scbloss des 
Apparates vorausgesetzt werden. 

Der einzige Apparat indessen , welcher, wenn es in dem 
speciellen Falle überhaupt mOglich ist, eine Streckung des Knie^s 
ohne Gefährdung der Knochen und mit directer Dehnung der 
contrahirten Weichtheile erzielen muss, ist derjenige, dessen Dreh- 
axe etwas vor der Drehaxe des Knie's gelegen ist. Natürlich 
darf dieses nicht übertrieben werden ; es muss bei der Anpassung 
der Axe des Apparates vielmehr die Meinung vorhanden sein, 
sie in die Knieaxe zu legen, jedoch mit einem kleinen Fehler 
gegen vorne. In den Figuren 5. und 6. ist es übertrieben dar- 
gestellt, um das Princip scharf auszusprechen. 

Die ausgesprochenen Sätze müssen Gültigkeit haben sowohl 
für Anwendung der gewaltsamen einmaligen Streckung, als .far 
die allmälige, durch Wochen hingezogene Dehnung, üeber den 
Werth der einen oder der anderen dieser beiden Methoden zo 
entscheiden, kann natürlich meine Sache nicht sein. 

Die Grundsätze, welche ich hier an dem Beispiele des Knie- 
gelenkes als gültig nachgewiesen habe, müssen auch für alle 
anderen Ck)ntracturen Gültigkeit haben, und es ist bei der An- 
wendung von Streckapparaten oder Beugungsapparaten stets Rück- 
sicht zu nehmen, dass die Axe derselben, da sie nie genau in 
die Axe des Gelenkes gelegt werden kann, so angebracht werde, 
dass das Gelenk leicht auseinandergezerrt, keinenfalls aber die 
Gelenkflächen auf einander gedrückt werden. 

Wenn man diesen Grundsatz durchzuführen sucht, so wird 
man in Bezug auf diejenige Gontractur, welche neben der Con- 
tractur des Kniegelenkes am häufigsten durch Maschinen behan- 
delt wird, in Bezug auf den Klumpfuss nämlich, leicht erkennen, 
dass ein Apparat, welcher die Drehaxe an der Ferse hat, nur 
Nachtheil bringen kann, und dass die Axe des Apparates etwas 
vor der Spitze der Knöchel gelegen sein muss. 



Beiträge zur Eesection des Kniegelenkes. 

Von 

Dr. HSnls 

in Hanaa. 
(Hierw Taf. L Fig. 7-11.) 



I. Me EeMctUn des KniegeleBkes bei itn Celenkerkrankugei der Uider« 

Die Frage aber die Zul&ssigkeit der Resection bei den Er- 
krankungen des Kniegelenkes im Kindesalter ist in der letzten 
Zeit sehr verschieden beantwortet worden. Während die franzö- 
sische Chirurgie die Operation fast gar nicht geübt hat, — wir 
werden sehen, dass sich nur sehr wenige Fälle von französischen 
Chirurgen verzeichnet finden — , wurde dieselbe von den GoUegen 
in England mit einer gewissen Vorliebe geübt, und auch in Nord- 
Amerika scheint dieselbe ziemlich fleissig ausgeführt worden zu 
sein. In Deutschland nahm man eine mehr abwartende Stellung 
eJD. Ein Theil der GoUegen, vielleicht nach traurigen Erfah- 
rungen, welche sie mit der Operation gemacht hatten, wollte die- 
selbe auf eine sehr geringe Anzahl von Fällen beschränkt wissen, 
ein anderer Theil hielt zwar mit den Engländern ihre Berechti- 
gung aufrecht, war aber doch durch die verschiedenen erhobenen 
Bedenken auf der einen Seite vorsichtig geworden, während sie 
auf der anderen Seite durch die von Jahr zu Jahr vervollkomm- 
Bete Behandlung der Gelenkkrankheiten eich in der Lage sahen, 
Gelenke zu heilen, welche früher unbedingt der Operation — sei 

f. Langonb«ck, AxehiT f« Chlrnrgi«. IX. 12 



178 Dr. König, 

es der Amputation oder der Resection — verfallen waren. Hatte 
doch insbesondere die Behandlung der Krankheiten des Knie- 
gelenkes bedeutende Fortschritte gemacht, seit man hatte ein- 
sehen lernen, dass nicht an den Blutentziehungen, den Pflastern 
und Salben, sondern vor Allem in der Ruhe und guten Fixirung 
der Gelenke das Heil der kleinen Patienten zu suchen sei. 
Waren doch die Resultate der nach diesem Principe behandelten 
Gelenke so erstaunliche, dass man Glieder heilen sah, welche 
früher entweder der Amputation verfielen, oder in so verkrnmm- 
ter und verdrehter Stellung nach vielen Gefahren zur Heilang 
kamen, dass sie nur sehr unvollkommen gebrauchsfähig wurden. 
War es diesen Resultaten gegenüber zu verwundem, wenn sich 
eine entschiedene Reaction gegen operative Eingriffe erhob, wenn 
man zu dem Glauben kam, dass man mit den jetzigen Mitteln 
wenn nicht alle, so doch fast alle erkrankten Gelenke heilen 
könne? Gewiss war das um so weniger auffallend, als sich sehr 
bald noch ein Feind gegen die Resectionen im Kindesalter er- 
hob, welcher erst Jahre nach der Operation zum Vorschein kam, 
und die Brauchbarkeit der operirten Extremität f&r sp&tere Jahre 
in Zweifel stellte. Es wurden zunächst von England aus Erfah- 
rungen mitgetheilt, welche bewiesen, dass in einzelnen Fällen 
die Glieder der im Kindesalter Resecirten sehr bedeutend im 
Wachsthum zurfickgeblieben waren. Man fand, dass dies fast 
nur Fälle waren, in welchen die Resection beträchtliche Knochen- 
stflcke entfernt hatte, in welchen wahrscheinlich die Epiphysen- 
linie mit entfernt worden war. Immerhin liess sich dies nicht 
für alle Fälle nachweisen, und es blieb der Vermuthung Raum, 
dass der Eingriff als solcher, auch wenn er nur in der Nähe der 
Epiphysenlinie stattfand, einen ungünstigen Einfluss auf das Wachs- 
thum des Gliedes üben würde. 

Wenn man die Thatsachen reden lässt, so muss man wohl 
unbedingt zugestehen, dass eben doch nicht alle Fälle, auch 
wenn sie nach den jetzigen Principien sachgemäss behandelt 
v^urden, zur Heilung kommen; man muss zugestehen, dass man 
auf der einen Seite mit dem zu weit getriebenen Gonserviren 



Beiträge zur Reseetion des Kniegelenkes. 1 79 

den kleioen Kranken in betrichtliche, dorch eine zeitgemässe 
Reeection abzuscbneidende Lebensgefahr bringt, während man 
andererseits schliesslich doch nur verkrüppelte, mehr oder weniger 
ODbranehbare Glieder erzielt. Vor Allem aber soll man nicht 
veigessen, dass eben nicht alle Kniegelenke der richtigen Be- 
handlong unterworfen werden. Das Volk auf dem Lande ist, 
wie jeder beschäftigte Arzt weiss, dem neuen Princip noch sehr 
wenig hold, und auch bei den Collegen ist es noch nicht so 
atterwftrts in Fleisch und Blut gegangen, dass man nicht Ver- 
flUtase dagegen täglich zu sehen Gelegenheit hätte. Was soll 
mit diesen Gelenken geschehen, welche in total vernachlässigtem, 
jeder conservativen Behandlung spottenden Zustande in unsere 
Binde kommen? Warum *soll man die Heilung derselben nicht 
gerade so gut auf dem Wege der Ausschneidung der kranken 
Enochentheile versuchen, wie man andere Gelenke durch diese 
Operation zur Heilung bringt? Gar mancher College würde mit 
demselben Vertrauen zu dieser Operation greifen, wenn eben 
aoBser den oben erwähnten Bedenken der Brauchbarkeit des 
operirten Gliedes im Allgemeinen, sowie der Brauchbarkeit der bei 
Kindern operirten Glieder im späteren Lebensalter insbesondere, 
die Operation in ihren Folgen für das Leben des Kindes als eine 
meist sehr gefährliche sich darstellte, wenn durch Thatsachen 
bewiesen werden könnte, dass durch dieselbe nicht mehr Kinder 
üft* Leben verlieren, als ohne die Operation durch das Leiden 
des Gelenkes an sich. 

So sehr ich mir bewusst bin, dass, wenn ich einige Bei- 
trage zur Lösung dieser Fragen bringe, meine Hittheilungen 
keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, so mag ich doch 
nicht länger mit dem, was ich beibringen kann, zurfickhalten, 
wenn ich auch nur dadurch vielleicht Anregung gebe, die Frage 
der Enieresection beim Kinde in der angegebenen Richtung weiter 
SQ verfolgen. Sollte daher hier oder da Lückenhaftigkeit, be* 
sonders auch in Beziehung auf Benutzung von Literatur bemerk- 
b^ lein, so bitte ich, diese damit zu entschuldigen, dass ich den 
Wttsek hatte, die Aufmerksamkeit der Fachgenossen von Neuem 

12* 



180 Dr. König, 

auf eine Operation zn richten, die bei richtiger Ansi&hrang den 
besten Leistungen der Chirurgie auf operativem Gebiete beiza- 
z&hlen ist. 

Es handelt sich nach dem so eben kurz Angedeuteten zu- 
nächst darum, zu constatiren, welche Fälle von Tumur albus oder 
Arthrocace der Kinder zu Vornahme der Resection geeignet sind 
Wir wiesen schon darauf hin, dass nicht nur die vernachlässigtea 
Fälle es sind, welche der Heilung so grosse Hindemisse bieten, 
dass sie f&r die Resection geeignet werden, sondern dass auch 
manches Gelenk nicht heilen will, welches von Anfang an zweck- 
mässig behandelt wurde. Wir müssen also festzustellen suchen, 
welches die Hindernisse der Heilung sind, und ob dieselben der- 
art localer Natur erscheinen, dass man von der Entfernung des 
pathologisch veränderten Gelenkes die Heilung erwarten darf. 
Zugleich müssen wir das Allgemeinbefinden des kleinen Patien- 
ten einer strengen Kritik unterziehen, wir müssen feststellen, ob 
nicht ein allgemeines Leiden der Nutrition besteht, welches auch 
bei günstigen localen Verhältnissen die Erhaltung des kindlichen 
Lebens so in Frage stellt, dass ein jeder grossere operative Ein- 
griff als zweifelhaft erscheint. 

Betrachten wir zunächst die localen Verhältnisse des er- 
krankten Gelenkes, welche die schwere Heilbarkeit bedingen, 
und unter Umständen die Resection nöthig machen können. In 
dem späteren Stadium des Tumor albus finden sich in den om 
das Gelenk herum gelegenen, durch Bindegewebsneubildung ge- 
schwollenen Weich th eilen Fistelgänge, welche meist nicht direct, 
sondern durch gewundene Gänge mit dem vielbuchtigen Gelenke 
oommnniciren. Dieselben zeigen sich nicht geeignet, um eine 
freie Entleerung des Eiters zu vermitteln. So kommt es, dass 
der Eiter sich an immer mehr und mehr Stellen Wege bahnt, 
es entstehen vielfache Fistelöffnungen, welche trotzdem nicht 
hinreichen, um den Inhalt des Gelenkes frei ausfliessen zu lassen. 
Parallel mit der Stockung des Eiters geht die Entartung des 
Gelenkes selbst Die Kapsel bekommt ülcerationen, die Bänder 
erweichen, verlängern sich, werden schliesslich in Granulationen 



Beitrftge zur Resection des Kniegelenkes. 181 

nmgewandelt, und das Gelenk, welches seinen Halt verliert, er- 
leidet Yerechiedene, unter dem Namen der Spontanluxation be- 
kannte Verschiebungen. Weitaus die wichtigsten Veränderungen 
f&r unsere Frage sind aber die, welche den Knorpel und den 
Enoehen selbst betrefien. Am Knorpel bilden sich grössere und 
kleinere ulcerirte Stellen, welche in die Tiefe gehen , und auf den 
Knochen übergreifen. Es scheint, dass wir f&r die F&lle, in 
welchen die Kapsel und nicht die Knochenenden selbst der pri- 
märe Sitz der Entzündung war, nach unserem jetzigen Wissen 
zwei Formen \on Erkrankung der Knochensubstanz annehmen 
mfissen. Die eine Form scheint die zu sein, dass von der Sy- 
noviahs aus der Entzündungs- und ülcerationsprocess auf den 
Knorpel, und von diesem auf den Knochen übergeht, dass sich 
dann in dem Knochen selbst durch die Entzündung weitere Er- 
oährangsstörungen bilden, welche Ausbreitung der Erkrankung 
bedingen, und welche bei ungünstigen allgemeinen und örtlichen 
Verhältnissen die Ausheilung des Defectes erschweren. Die andere 
Form, welche sich möglicherweise auch mit der ersten compli- 
ciren kann, scheint sich auf abnorme Druck Verhältnisse, sowie 
auf Resorption der Knochensubstanz durch in sie hineinwachsende 
pathologische Neubildungen reduciren zu lassen. Es gehört hier- 
her zunächst die Form von Entartung der Knochenoberfl&che, 
welche sich an den gegenüberliegenden Gelenkenden des in Folge 
der Gelenkentzündung fehlerhaft gelagerten Gelenkes einstellt. 
Durch die fehlerhafte Stellung des Gelenkes werden einzelne 
Stellen der Gelenkoberfläche abnorm gedrückt. Sind nun bereits 
die Knorpel in Folge der abnormen Exsudation im Gelenk er- 
weicht, oder hat sich bereits ein Knorpeldefect in der oben an- 
gegebenen Art ausgebildet, so bildet sich in Folge des gegen- 
Beitigeo Druckes der Gelenkenden (meist der hintere Theil der 
Oberscheukelcondylen und eine oder die andere Seite der Ober- 
fläche der Tibia) ein zunächst oberflächlicher, aber allmälig sich 
ausbreitender Defect am Knochen aus. Sodann gehört dahin die 
l^rption des Knochens, welche in Folge von Granulationsbil- 
dtmg von der Synovialis und den degenerirten Bändern aus ein- 



182 D^ König, 

tritt. Die Granulationen wachsen gleichsam von aussen in den 
Knochen hinein, und bedingen so allmäJigen Schwund desselben. 

Aber der Knochen kann auch in einzelnen Fällen zunächst 
der erkrankte Theil sein, es bilden sich bei zunächst noch massig 
betheiligtem Gelenk Abscesse innerhalb der Epiphyse, oder es 
bilden sich Granulationen mit Zerfall der Knochensubstanz, oder 
ein circumscripter, in Verkäsung übergehender Herd. 

Alle diese Processe können sich mit Ablösung grösserer 
oder kleinerer Trümmer des Knochengewebes Terbinden, und 
auch dadurch ein beträchtliches Hinderniss för dfe Heilang des 
erkrankten Gelenkes bilden. 

Wir wissen nun, dass sämmtliche destructive Processe an 
der Oberfläche oder im Inneren der Epiphyse allmiälig auch an 
entfernteren Stellen des Knochens Ernährungsstörungen bewirken. 
Wir können also annehmen, dass bei längerer Dauer derselben 
die Ernährungsstörungen die Epiphysenlinie erreichen und über- 
schreiten werden, und dass sie also hierdurch selbst bei end- 
licher Heilung die Ursache zu verkrüppelten, im Wachsthum 
zurückgebliebenen Gliedern abgeben können. Abgesehen davon, 
fehlen selten Erscheinungen im Allgemeinbefinden des kleinen 
Kranken, welcher allmälig anämisch wird und abmagert — 
Wie stellen sich nun die so eben kurz zusammengestellten patho- 
logisch-anatomischen Verhältnisse des erkrankten Gelenkes kli- 
nisch dar. Mit Ausnahme weniger Fälle haben alle diese Er- 
krankungen des Kniegelenkes einen chronischen Verlauf. Wir 
schliessen also auf die angefahrten Veränderungen des Gelenk- 
apparates, wenn das erkrankte Glied nach längerer zweckmässiger 
Behandlung nicht heilen will, wenn sich an demselben beträcht* 
liehe Schwellung, vielfache Fistelbildung mit zunehmender Eite- 
rung, und sonstigen, direct nachweisbaren Symptomen von Garies 
der Gelenkenden constatiren lassen, oder wenn sich Dislocationen 
an demselben zeigen, die nur in Folge "von Veränderungen in 
der angegebenen Richtung eingeleitet sein können. Was zunächst 
die Fistelbildung betrifft, so ist es gerade die Vielfältigkeit der- 
selben und ihre Wiederkehr an bestimmten Stellen, (welche die 



Beitrige zur. Resection des Kniegelenkes. 183 

bdie Wahrscheinlichkeit, dass dieselben Verftnderungen inner- 
halb des Gelenkes entsj^echen, begrOnden. Im Oberschenkel 
finden wir die Fisteln meist der oberen Ansdehnong des Ge- 
lenkes entsprechend, aaf der vorderen Fliehe, einen bis swei 
Zoll oberhalb der Patella, zu den Seiten der Strecksehne, in der 
Kniekehle an der inneren Seite der Flexoren. Seltener sind die 
Fisteb anssen und innen an den Condylen selbst Am unter- 
sehenkel ist eine wesentlich hftufig fistnlOse Stelle, die obere 
imiere Partie der Tibia. Seltener ist die äussere Seite der Tibia, 
niher und femer vom Gelenk, der Sits von Oefihnngen. Die 
Gelenklinie selbst ist ebenfalls ziemlich häufig betroffen, und 
zwar besonders links und rechts vom Lig. patellae, sowie die 
lonenseite des Gelenkes. Sind an allen diesen Stellen lange be- 
stehende Fisteln, so kann man mit ziemlicher Sicherheit anneh- 
men, dass sie zu einem Gelenk führen, dessen Knochenoberfläche 
krank ist. Das Sondiren derselben ist ziemlich unsicher. Der 
gewundene Verlauf lässt nicht immer in das Gelenk dringen, 
und wenn auch dies, so doch nicht immer die kranke Stelle 
treffen. Ein sehr wichtiges Symptom, welches keinen Zweifel 
Itet über ein tiefes Ergriffensein des Gelenkes, ist das Reiben. 
Kann man die beiden Gelenkenden mit Crepitation gegenein- 
ander bewegen, so folgt daraus einmal, dass der Bandapparat 
total gelockert, wahrscheinlich zum Theil zerstört sein muss, und 
dasB die Oberfläche der Knochen rauh ist. Beträchtliche Dislo- 
cationen, wie starkes Ruckwärtssinken der Tibia, beträchtliche 
Verdrehung nach aussen, Genu-valgumstellung in einem fistulösen 
Gelenke lassen auf Aehnliches schliessen. In Beziehung auf die 
Wdchheit der Knochen ist die Nadel ebenfalls noch als ünter- 
Bttchnngsmittel festzuhalten. 

Wir haben also entweder ein erkranktes Gelenk von Anfiang 
ui tweckmässig behandelt und finden zuletzt ein klinisches Bild, 
welehes uns wahrscheinlich macht, dass ein Theil der oben ge- 
sehilderten anatomischen Läsionen bestehe, oder wir bekommen 
^ Glied erst in Behandlung, nachdem es in einen total ver- 
n^U&Bsigten Zustand gekommen ist. In dem einen Falle haben 



184 !>'• König, 

wir die gebräachliche Therapie versacht, wir haben theils mit 
sicherer Lagerung und KMte, theils mit Gyps- und Kleisterver- 
band unser Heil versucht, in dem anderen leiten wir die Kor zu- 
nächst auf zweckmässig conservativem Wege, wir suchen das 
Glied allmälig in richtige Lage zu bringen, und es in derselben 
durch erhärtende Verbände zu fixiren, wir erweitern die Fisteln, 
und sorgen für besseren Äusfluss des Eiters. Trotzdem will das 
Knie nicht heilen. Zuweilen sind wir nicht im Stande, einen 
freien Äusfluss des Eiters zu erzwingen, oder auch, wir schaflen 
durch unsere Lagerungsversuche, durch eine andere Stellung des 
deformen Gliedes und der schon deformen Gelenhoberflftchen 
neue Druckverhältnisse, welche ein Weiterschreiten der Garies be* 
dingen, oder es sind Herderkrankungen innerhalb der Epiphysen 
vorhanden, welche erst jetzt zum Durchbruch kommen, ganz ab- 
gesehen davon, dass partielle Necrosirung in den Gelenkenden, 
dass vollständig abgelöste Knochenstücke innerhalb des Gelenkes 
vorhanden sein können, welche jeden Heilversuch auf conserva- 
tivem Wege vereiteln können. Gar oft aber will ein derartiges 
Gelenk bei der zweckmässigsten Behandlung nicht heilen, ohne 
dass wir uns so ganz bestimmte Vorstellungen machen könnten, 
warum es nicht heilt Wir wissen eben nur, dass besonders 
dann, wenn der Knochen ergriffen ist, gerade das Knochenge- 
schwür der Heilung widersteht. Versuchen wir dann noch me- 
dicamentöse Einspritzungen in die Gelenkhöhle, so finden wir, 
dass auch diese uns oft im Stich lassen, gerade so gut, wie auch 
öfter die locale Application von Medicamenten auf leicht zugäng- 
liche Knocheogeschwüre ohne Erfolg bleibt, und erst die ober- 
flächliche Entfernung des erkrankten Knochens die Heilung ein- 
leitet. Die Ausschneidung der erkrankten Gelenke ist in der 
letzten Zeit so vielfach geübt worden, dass man wohl annehmen 
muss, die Resection hat sich eine bleibende Stellung far die zweck- 
mässige Kur der schwer oder gar nicht heilenden anderen Ge- 
lenke erworben. Sind die Principien, auf welche die Ausflbong 
der Resection bei anderen Gelenken sich stützt, die richtigen, so 
müssen sie auch für das Kningelenk des Kindes Geltung haben, 



Beitrige cor Resection des Kniegelenkes. 185 

es sei denn, dass sich gewichtige Bedenken erheben liessen, 
welche nur die Resection dieses Gelenkes betreffen. Wir haben 
bereits wiederholt angei&brt, dass wirklich in der Richtung ver- 
sehiedene Bedenken erhoben worden sind, und woUen dieselben 
jetzt prüfen, ob sie in der Tbat bestehen. Was zan&chst den 
Einwurf der Unnöthigkeit der Operation betrifft, so habe ich 
meinen Standpunkt zu diesem Vorwurfe bereits in den vorstehen* 
den Zeflen dargelegt, und brauche qur Weniges hinzuzufügen. 
Der Fortschritt, welchen die Chirurgie in der Behandlung der 
erkrankten Gelenke gemacht hat, hat wohl den Änlass gegeben, 
dass man glaubte, alle Gelenke jetzt auf conservativem Wege 
heilen xn können, und mag dieser Glaube wohl deshalb bei dem 
Kniegelenke am meisten Stätze gefunden haben, weil dieses ge* 
rade der neuen Art der Behandlung zugänglicher war, als andere 
Gelenke, und weil man. Gelenke damit zur Heilung brachte, 
welche früher der Ämpnlation anheimfielen. Wenn nun aber 
aueh einige Gelenke, welche man resecirt, nach jahrelangem Ab- 
warten noch geheilt wären, so fragt es sich sehr, welchen Nutzen 
man dem kleinen Patienten damit verschafil. Man muss zunächst 
nach den neueren Erfahrungen annehmen, dass die Heilung eines 
resecirten Kniegelenkes bei zweckmässiger Nachbehandlung ziem* 
lieh rasch geht, dass sie also den kleinen Patienten in möglichst 
korter Zeit wieder dem Verkehr zurückgiebt, und muss weiter 
annehmen, dass die Operation eine Reihe von Gefabren abschnei- 
det, welche das Leben des Kranken bei längerer Dauer bedrohen. 
Dazu kommt, dass die Resection gewiss — wie wir unten noch 
weiter ausfahren wollen — in einer Anzahl von Fällen das Fort- 
schreiten der Erkrankung der Gelenkenden abschneidet, und so- 
mit der Epiphysengrenze das Wachsthum der kranken Extremi- 
tät Gonservirt Man wird es daher bei zu langem Abwarten 
ßchlieaslich dahin bringen können, dass man weder das Gelenk 
noeh das Glied conserviren kann, und dass man, falls der Kranke 
nickt zu Grunde gehen soll^ nach der Amputation als ^letztem 
^ttel greifen muss. 

Gewiss aber kann die Operation nur dann gerechtfertigt er- 



186 Dr. König, 

scheinen, wenn »ie auch nützlich ist, d. h. wenn durch dieselbe 
ein brauchbares Glied erzielt wird. Und dies können wir schon 
jstzt für die Mehrzahl der Fälle versichern. Freilich würde nur 
in den wenigsten Fällen ein bewegliches Gelenk erzielt, was ge- 
wiss vom ideelen Standpunkte aus das Streben des Ghinugen 
sein müsste (siehe unten), aber wir erhalten durch die Operation 
ein Glied, welches zum Gehen sehr wohl brauchbar ist, nicht 
minder brauchbar, als dasselbe bei spontaner Ausheilong eines 
schwer erkrankten Gelenkes zu werden pflegt. Dies kann ich 
wenigstens in den drei von mir geheilten Fällen versichern. Ein 
erwachsener Mann, welchen ich vor mehreren Jahren resecirte, 
arbeitet an der Landstrasse und geht den 3 Stunden weiten Weg 
von seinem Orte bis hierher und zurück in einem Tage, ohne 
sehr ermüdet zu werden; ein vor mehreren Jahren resecirter 
Knabe giebt seinen Commilitonen weder in der Schnelligkeit noch 
in der Ausdauer der Bewegungen viel nach, und das zuletzt vor 
Jahresfrist operirte kleine Mädchen ist ebenfalls den gsmzen Tag 
auf den Beinen. Ein Gleiches scheint doch auch aus den unten 
angefahrten Beobachtungen hervorzugehen. Es ist nun aber ge- 
wiss nicht genug, wenn wir wissen, dass die Extremität in der 
ersten Zeit nach der Operation brauchbar war, das Wesentlicbe 
ist, dass wir auch die spätere Brauchbarkeit im vorgerückten Alter 
constatiren. Wir wissen, dass Zerstörung der ganzen Epipfayse 
das Wachsthum des Knochens in der Längsrichtung nach der 
entsprechenden Seite hin vernichtet. Es ist also im höchsten 
Grade wahrscheinlich, dass eine Operation, welche die ganze 
Epiphysenlinie oder einen grossen Theil derselben entfernt, auch 
das Wachsthum des Gliedes, insofern es von diesen Theilen ab- 
hängig war, vernichten wird. Es wurden denn auch schon bald, 
nachdem die Operation Eingang gefunden hatte, in England ein- 
schlägige Beobachtungen gemacht. Es war zunächst ein von 
Syme operirtes Kind, bei welchem das zurückgebliebene Wachs- 
thum in der operirten Extremität constatirt wurde. Bald kamen 
neue Beobachtungen hinzu, sie wurden zusammengestellt, und es 
scheint daraus hervorzugehen, dass mit der Grösse der resecirten 



Beitrlge xnr Reseciion des KniegelenkeB. 187 

Stteke die Gefahr des ZurückbleibeuB im Wachsthom zunimmt. 
Ueber diesen Gegenstand hat George Murray Humphxy zu * 
Cambridge (Medice -chimrg. Transactions. Vol. 45. 1862. p. 
283 etc.; siehe Gurlt, Jahresbericht ftr 1862 in y. Langen- 
beck's Archiv Bd. 5. Seite 77.) Dntersachangen angestellt. Es 
finden sich daselbst .18 Beobachtungen tabellarisch zusammenge- 
stellt. In 8 FUlen wuchs die operirte Extremität mit. Bei die- 
sen 8 Operirten waren 2 bereits im Alter von 17 Jahren. In 
allrn diesen Fällen wurde nur wenig resecirt, und zwar vom 
Oberschenkel 4 Mal nur eine dünne Scheibe, 1 Mal '4 Zoll, 1 
Mal 1 Zoll; von der Tibia wurde 1 Mal überhaupt nichts ent- 
femty 4 Mal nur dfinne Scheiben, 1 Mal ^ Zoll. In den 2 fibri- 
gen Fällen wurde von den zwei Knochen zusammen 1 Mal 1^ 
und 1 Mal 2i Zoll entfernt. Der letztere Fall, 2i Zoll, war bei 
einem 17jährigen, es wurde also möglicherweise auch hier die 
ganze, oder wenigstens ein Theil der Epiphysenlinie erhalten; 
das Wachethum in den übrigen Fällen war gestört. 

Analymren wir diese Fälle, so ist es bei fast allen wahr- 
scheinlich, dass entweder an beiden, oder wenigstens an einem 
Koochen die Epiphysenlinie mit entfernt wurde. So wurden bei 
einem 9jährigen und bei einem 12jährigen grosse Portionen bei- 
der Knochen entfernt (Fall 12 und 13), bei einem 9-, bei einem 
12- und bei einem 6jährigen wurden im Ganzen 2'\ 3^'' und 
gut 2'' entfernt (Fall 9, 10, 11). Im 15ten Fall wurden die 
Gelenkflächen resecirt — also wahrscheinlich so weit der Knor- 
pel reicht, and somit wohl auch die Epiphysenlinie, ebenso im 
Uten Fall, wo bei einem 12jährigen vom Oberschenkel das Ge- 
lenkende, von der Tibia 4'', also wohl sicher ein Theil der Epi- 
physenlinie mit resecirt wurde. Im 16ten Fall wurde bei einem 
15jabrigen vom Oberschenkel 1'', von der Tibia Y entfernt, also 
sicher die Epiphysenlinie der Tibia mit resecirt, und im 18ten 
Fall bei einem 3jährigen Kinde Fem. V'i Tibia 4'^. Es bleibt 
dann noch der 14te Fall mit 1^' von beiden Gelenkenden bei 
einem ISjfthrigen Knaben, wo sich später 34" Verkürzung her- 
ausstellte. Von dieser Verkürzung kamen 2 Zoll auf die Tibia, 



188 Dr. K«nig, 

also war auch hier wahrscheinlich von der Tibia der grftsBere 
Theil der Epiphysenlinie resecirt worden. 

So ganz sichere Schlüsse Hessen sich indessen auch aas die- 
sen Angaben nicht ziehen. Einmal ist, wie wir sehen, die Be- 
zeichnung nicht ganz sicher — (Entfernung der Gelenkenden, 
Entfernung von so und so viel von beiden Enochenenden) —, 
abgesehen davon, dass man nicht weiss, von welchen Stellen der 
Knochen aus die entfernten Stücke gemessen wurden, ob von der 
Spitze der Condylen aus, oder von der Fossa intercondyloidea etc. 
Immerhin geht aus der Tabelle im Ganzen hervor, dass die Ge- 
fahr des Zurückbleibens im Wachsthum mit der Grösse der ent- 
fernten Stucke, also mit der Entfernung der EpiphysenflSche oder 
der dieser benachbarten Partieen wächst. Die einseinen F&lle, 
in welchen, trotzdem dass wenig resecirt wurde, das Wachsthom 
doch zurückbleibt, lassen sich aber wohl mit Wahrscheinlichkeit 
darauf zurückfahren, dass schon krankhafte, die Epiphysenh'nie 
beeinträchtigende Processe der Resection vorausgegangen waren, 
dass die Epiphysenlinie selbst durch Ossification, durch Atrophie 
und Bindegewebsneubildung so entartet war, dass das Wachsthum 
von diesem entarteten Gewebe nicht mehr vermittelt werden 
konnte. Da sich diese letzteren Fälle jedoch nach der einen 
Seite jeder Berechnung entziehen, andererseits aber in ihren Fol- 
gen nicht der Resection zur Last fallen, so können wir dieselben 
zunächst unbeachtet lassen. Dahingegen ergiebt sich ftr die an- 
deren die Nothwendigkeit, genau zu bestimmen, wie viel wir in 
Jedem Falle von den beiden Gelenkenden entfernen dürfen, ohne 
in Gefahr zu kommen, dass wir die Epiphysenlinie berühren. 

Ich suchte mich in dieser Richtung zu belehren, indem ich 
eine Anzahl von Kniegelenken jugendlicher Individuen mit beson- 
derer Berücksichtigung der Epiphysenlinie untersuchte. Leider 
gelang es mir nicht, gerade aus dem 3ten bis 8ten Jahre Ge- 
lenke zu erhalten. Ich untersuchte 4 Gelenke, und zwar eines 
von einem Neugeborenen, von einem 11jährigen, 16 jährigen und 
18jährigen Individuum. Die Zeichnung ist von dem 11jährigen 
Mädchen entnommen. 




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Dr. KOnif , 



vex erscheint. Nach ÄblOsang der Epiphyse erscheint die Epi- 
physenebene als eine von den Seitentheilen nach der Mitte missig 
gewölbte, Yon hinten nach yorne ebenfalls bis über die Mitte bin 
flach nach oben gewölbte, dann aber nach nnten der Spina tibiae 
entsprechend steil abfallende Ebene. 

Nach dieser kurzen Angabe des Verlaufes der Epiphysen- 
fläche bei beiden Knochen gebe ich in der folgenden Tabelle 
QKÖglichst genaue Messungen der in den Figuren punktirt ange- 
gebenen Linien an : 





ISjähriger 


lej&hriges 


lljihriges 


Neuge- 


1. Oberschenkel. 


Mann. 


Mftdchen. 


Mftdchen. 


borener. 


a. Fossa intercondyloidea 


2.4 Gtm. 


2, Gtm. 


1,6 Gtm. 


0,8 Ctm. 


anterior 










ß. SeiteDhöhe (Condylus 

intern.) 
^. Seitenhöhe (Gondylns 

extern.) 
3, Fossa intercondyloidea 


3,5 Gtm. 


3,2 Gtm. 


2,4 Ctm. 


1,6 Ctm. 


3,2 Gtm. 


3,0 Gtm. 


2,1 Ctm. 


1,3 Ctm. 


1,9 Gtm. 


1,8 Gtm. 


1,4 Gtm. 


0,6 Ctm. 




a. Höheind.Fossaintercond. 


2,1 Ctm. 


2, Ctm. 


1,9 Gtm. 


0,9 Ctm. 


gS 


b. Mitte d. Gond. internus 


3,2 Gtm. 


3, Gtm. 


2,4 Gtm. 


1,5 Ctm. 


r^. 


c. Mitte des Gond. ezternus 


3, Gtm. 


2,8 Gtm. 


2,1 Gtm. 


1,2 Ctm. 


2. Tibia. 










a. Vordere Höhe. 


4,4 Gtm. 


4,2 Gtm. 


3,8 Gtm. 




ß, Hintere Höhe 


2.2 Gtm. 


1,8 Ctm. 


1,5 am. 




y. Innere Seitenhöhe 


2,1 Gtm. 


1,9 Gtm. 


1,5 Gtm. 


1, Ctm. 


(f. Aeussere Seitenhöhe 


2, Gtm. 


1,9 Gtm. 


1,4 Gtm. 


1, Ctm. 


||1 


a. Mitte 


2, Gtm. 


1,7 Gtm. 


1,5 Ctm. 


0,8 Ctm. 


b. Aeussere Seitenhöhe 


1,6 Gtm. 


1,3 Gtm. 


1,2 Ctm. 


0,8 Ctm. 


f*?"! 


c. Innere Seitenhöhe 


1,6 Gtm. 


1,3 Gtm. 


1,2 Ctm. 


0,8 Ctm. 



Aus diesen Zahlen ergiebt sich ein ungefthres Wachsthum 
der Epiphyse um \ bis 1 Mm. f&r das Jahr. Man wird gnt 
thnn, überall nicht mehr als ^ Mm. Ar jedes Lebensalter ansn- 
nehmen, um nach den gegebenen Zahlen der Tabelle die Höhe 
der Epiphysen an Oberschenkel und Tibia zu bestimmen. 

Es handelt sich nun darum, practisch nach dem so eben 
Auseinandergesetzten festzusetzen, auf welche Art man dei Säge- 
schnitt an den Gelenkenden der Kinder yoU&hren sell^ um in 



Beiträge snr Resection des Kniegelenkes. 191 

einem giegebeoeii Falle mögliehst viel von der Epiphyse za ent- 
feniea, olme in die Ge&br tu kommen, die Epiphysenlinie oder 
-ilkhe zu zerstOrea* Wir sehen, dass diese Fläche im Ganzen 
eineo gewissen Parallelismus mit den freien Gontouren der über- 
kQorpelten Gelenkenden behauptet. Daraus folgt, dass der pas- 
sendste Schnitt ein derartiger Parallelschnitt sein würde. Selbst- 
Btändig ist ein solcher bogenförmiger Schnitt nicht zu machen, 
wir müssen also, um die Steigungen und Senkungen der Epiphy- 
senlinie zn yermeiden, den Schnitt allenthalben so anlegen, dass 
er bei Erhaltung des Parallelismus im Ganzen so fem von der 
Linie selbst angelegt wird, dass er die Steigungen nirgends er- 
reicht Haben wir den Oberschenkel so weit entblösst, dass der 
Kopf mit der Insertion der Kapsel am Rande des Gelenkknorpels 
ZDm Yorschein kommt, so scheint es mir geeignet , an dem Ge- 
lenkkopfe 4 Punkte zu bemerken, durch welche die Sägeschnitts- 
ebene zu legen ist, wenn sie die Epiphysenlinie erhalten soll. 

Nimmt man auf der Vorderfl&che der Condylen die Stelle, 
an welcher der Enorpelrand der Epiphyse aus den seitlich fast 
^ertical verlaufenden Linien in die horizontale übergeht, und misst 
von diesen Punkten aus längs des verticalen Randes etwa 1 Ctm. 
ab, bezeichnet man sich auf ähnliche Weise lauf der Hinterfläche 
der Coodylen in der Fossa poplitea das Ende der beiden inneren, 
bogenförmig verlaufenden knorpeligen Linien an der Befestigungs- 
stelle der Kapsel, und misst von hier aus auf dieser Linie bei- 
derseits am inneren und äusseren Condylus ebenfalls etwa 1 Ctm. 
ab, 80 kann man durch diese 4 Punkte (ich habe dieselben, so 
weit es möglich , in der Abbildung Fig. 7 a. und 7 b. mit * bezeich- 
net) einen Säg^schnitt legen, welcher bei dem 11jährigen Kinde 
überall nngefUhr die Grenze des Entfernbaren angiebt. Dieser 
Schnitt erhält allerdings etwas mehr vom inneren Condylus, als 
n5thig ist, es ist dies aber nicht zu ändern, da es nur so mög- 
Heh ist, den Schnitt in eine Ebene zu legen. Würde man am 
inneren Condylus die Punkte tiefer annehmen, so würden am 
^i^reu und in der Mitte einzelne Theile der Epiphysenlinie 
entfernt werden. Das auf diese Art entfernte Stück hat in der 



192 Dr. ICönig, 

Mitte ungefähr die Höhe von 1,2 Ctni. (Fossa intercondyloidea), 
an den Gondylen ist es 1,8 bis 1,9 Ctm. hoch. Am Condylos 
internus lässt sich dann noch eine keilförmig nach der Mitte 
verlaufende Scheibe entfernen, bei welcher die Basis etwa 0,8 bis 
0,9 Ctm. Breite hat. Nimmt man diese Maasse beim lOjahrigen 
Kinde an, so kann man durch Zu- und Abzählen von ^ Mm. fiir 
das Jahr sich die einseinen Lebensalter ergänzen. 

Das, was ich von dem Femur des 16 jährigen Mädchens ent- 
fernen konnte, betrug 1,4 Ctm. in der Mitte, 2,1 Ctm. an den 
Condylen. 

Für die Tibia bestimmt man die Grenzen des Sägschnittea, 
indem man von dem peripherischen freien Rande des Gelenk- 
knorpels beim U jährigen Kinde überall ungefähr 0,5 Ctm. ent- 
fernt bleibt. An den beiden vorderen Seitentheilen ist dieser 
Rand am schärfsten ausgeprägt, sie eignen sich also am besten 
zur Bestimmung der Höhe des Schnittes. Dieser Schnitt l&sst 
auf beiden Seitentheilen kleine keilförmige Stücke stehen, and 
ebenso bleibt die vordere Ecke bis zur Tuberos, tibiae stehen. 
Sie kann von da aus keilförmig nach der Mitte hin mit einer 
ungefähr 0,5 Ctm. breiten Basis an der Tuberositas abgetragen 
werden. 

Das bei dem angegebenen Sägschnitte entfernte Stück ist in 
der Mitte etwa 1,5 Ctm. hoch und flacht sich allmälig nach den 
Seiten bis zu 0,5 Ctm. ab. 

Bei dem* 16jährigen kann man 8— 9 Ctm. wegnehmen. Die 
Mitte hat dann eine Höhe von 2 Ctm. 

Setzt man die Stücke des Gelenkes, welche abgenommen 
wurden, zusammen, so erhält man bei dem Gelenke des 11 jäh- 
rigen Kindes nicht ganz 2,7 Ctm., bei dem des 16 jährigen 3,4 Ctm. 

Wir erhalten durch diese Messungen Resultate, welche wir 
noch später bei Besprechung der Knochenschnitte im operativen 
Theile der Arbeit verwerthen wollen, aus denen wir aber schon 
jetzt den Schluss ziehen müssen, dass wir in dem Opfern von 
Theilen der Epiphyse sehr sparsam sein sollen. Haben vrir aber 
einmal das Terrain in der angegebenen Art blossgelegt, so bleibt 



Beiträge zur Resectton des Kniegelenkes. 193 

uns eine weitere Entfernung von einzelnen kranken Enochen- 
theilen, welche die Epiphysenlinie zum Theil in sich fassen, un- 
benommen. Abgesehen davon, dass wir mit dem Opfern solcher 
kranken Theile keinen Schaden thun, denn der entsprechende 
TheiL der Epiphysenlinie war ja schon durch Krankheit vernich- 
tet, ehe wir denselben hinwegnehmen, und. wir thun mit dem 
Wegnehmen des kranken Theiles der Weiterverbreitung auf die 
noch gesunden Theile der Epiphysenlinie Einhalt, abgesen davon, 
meine ich, dass es doch a priori wahrscheinlich ist, dass das 
Wachsthum im Ganzen nicht wesentlich gestört sein wird, wenn 
ein kleiner Theil der Epiphysenlinie geopfert wird. Das ist aber 
ganz gewiss, dass die Erkrankung des Knochens ebensowohl das 
Wachsthum des Gliedes aufhebt, wie die Resection. Ein Jeder 
hat leicht Gelegenheit zur Untersuchung von deformen Kniege- 
lenken, welche als Resultat von lange dauernder, mit Eiterung 
verbundener Entzündung aus jugendlichem Alter zurückgeblieben 
sind. Fast alle diese Glieder zeigen grössere oder geringere 
Grade von Verkürzung. Zum Theil kommt diese Verkürzung 
allerdings auf Rechnung der durch Verschiebung der Gelenkenden 
bewirkten Deformität (Luxation der Tibia nach hinten), zum 
grösseren Theil aber auf Rechnung des zurückgebliebenen Wach^- 
thnmes. Kach forcirter Streckung dieser Glieder erhalten wir 
fast immer ein stark verkürztes Bein, mit grösserer oder gerin- 
gerer Luxation der Tibia nach hinten, welches dann meist doch 
nnr mit einem festen Verbände oder mit einer Kniemaschine als 
Stutze brauchbar, und noch dazu häufig sehr schmerzhaft ist, und 
leicht ermüdet. Alle diese Glieder, welche in der Art deform 
waren, sind meiner Erfahrung nach unbrauchbarer, als ein recht- 
zeitig resecirtes Glied. Es erscheint mir wenigstens für viele 
Fille nicht richtig, das Zurückbleiben dieser Glieder aaf Rech- 
nung des Nichtgebrauches zu setzen, denn ein Theil derselben ist 
in stumpfwinkeliger Stellung geheilt und gebraucht worden , sie 
können activ, wenn auch nur in beschränktem Maasse, gebeugt 
vnd gestreckt werden, und sie sind trotzdem im Wachsthum zu- 
rSckgeblieben. Wendet man den Begriff des Zurückbleibens aus 

T.LaB{aBb«ok, AreUr f. Ohtrwgi«. tl. ]^3 



194 Ör. König, ^ 

Nichtgebrauch auf alle diese Glieder an, 80 wird er gewiss nur 
angewandt, um pathologisch unbekannte, oder schwer erklärbare 
Thatsachen zuzudecken. Dies mögen nun einmal primär Yom 
Nervensystem ausgebende pathologische Zustände sein, es sind 
aber gewiss in den eben besprochenen Fällen weit häufiger Stö- 
rungen pathologischer Art in der Ernährung der der Epiphysen- 
liuie benachbarten Theile, unabhängig vom Nervensystem. Die 
Zellenproduction und das Wachsthum in dieser Gegend kann 
aber, wie allerwärts sonst, durch pathologische Processe gestört 
sein, durch Entzündung und deren Ausgänge, durch Granulations- 
bildung, durch fettige Degeneration, durch Sklerose resp. früh- 
zeitige Verknöcherung. Dafür, dass Knochenschwund und alle 
die am Knochen vorgehenden Processe, welche man unter dem 
Namen Caries zusammenfasst, häufig die Ursache für das Zurück- 
bleiben der Beine im Wachsthum nach lange dauernder fistulöser 
Gelenkentzündung sind, spricht neben der länger dauernden 
Fistelbildung mit Eiterung noch ein umstand. Es scheint näm- 
lich nach meinen Messungen, dass die Tibia besonders stark im 
Wachsthum zurückbleibt. Bedenkt man, dass im Ganzen die 
Epiphysenlinie der Tibia der Oberfläche näher liegt, als die des 
Oberschenkels, und dass bei gebogenem Knie die ganze Gelenk- 
fläche derselben weit mehr dem Drucke ausgesetzt ist, als die 
des Oberschenkels, von welchem nur der hintere kleinere Theil 
mit der allmälig rückwärts sinkenden Fläche der Tibia in Berüh- 
rung kommt, so erscheint es wahrscheinlich, dass die Oberfläche 
der letzteren und die an den meisten Stellen nahe liegende Epi- 
physenlinie auch mehr der Zerstörung ausgesetzt ist Selbstver- 
ständlich gilt dies wesentlich nur für den Druckschwand, und 
nicht für die Erkrankung der knöchernen Gelenkenden aus ande- 
ren Ursachen. 

Ich führe hier kurz die Krankengeschichten mit einigen Mes- 
sungen an den Gliedern von 3 Kranken auf, welche in den letz- 
ten Jahren in meiner Behandlung waren, mit der Bemerkung, 
dass es nicht etwa ausgesuchte Fälle sind, sondern dass ich die 



Beiträge zur Resection des Kniegelenkes. 195 

sor Beobachtung nahm , welche mir gerade in der letzten Zeit 
zu Gebote standen. 

1. M., ein jetzt 30 Jahre alter, sonst gesunder und kräftiger Mensch, er- 
krankte im 9ten Jahre angeblich kurz nach einem Falle auf das rechte 
Knie an Gelenkentzündung. Er ging 6 Wochen mit leicht gekrümmtem 
Knie herum, bekam dann ein acutes Exanthem. Während dieser Krankheit 
Terschlimmerte sich die Krankheit des Kniegelenkes; da nichts für das Knie 
gethan wurde, so krümmte sich dasselbe zu einem rechten Winkel, schwoll 
beträchtlich an, und wurde nach etwa i Jahre ans verschiedenen Einschnit- 
ten Eiter entleert Nachdem Pat fast 1^ Jahr zu Bett gelegen, fing er wie- 
der an, auf Krücken herumzugehen. Es hatten sich indessen noch viele 
Fisteln gebildet, welche bis zum Uten Jahre eiterten. Von der durch eine 
Maschine im 28ten Jahre allmälig bewirkten Streckung fand sich ein recht- 
winkelig gebogenes Gelenk, welches noch etwas weiter gebeugt, aber nicht 
gestreckt werden konnte. An demselben war die Patella auf dem Oondy- 
ias ezternus fixirt, die Tibia nach hinten Inzirt und nach aussen verdreht 
Viele Narben und ziemlich beträchtliche Verkürzung zeugten von der lange 
daaemden, schweren AfFection des Gelenkes. . 

Die Messungen des mit Hülfe einer Kniemaschine gestreckten, jetzt mit 
einem Stützapparate und hohem Absätze leidlich brauchbaren Gliedes erge- 
ben die in der Tabelle angegebene Verkürzung. 

2. F., 20 Jahre altes, sonst gesundes Mädchen, erkrankte im lOten 
Jahre an Entzündung des rechten Kniegelenkes. Das Knie schwoll an, und 
sehr bald entstanden Fisteln in der Kniekehle. Indessen ging Patientin mit 
leicht gekrümmtem Gliede umher. Im 14ten Jahre entstand Exacerbation 
nach einem Falle auf das Knie, es bildeten sich noch mehr Fisteln, welche 
im 16ten Jahre zuheilten. Das in einem Winkel von 145^ stehende Glied 
wurde faat fortwährend mit Hülfe eines Stockes gebraucht. Es liess noch 
eine Beugung von etwa 20°, aber keine Streckung zu, dabei war die Tibia 
leicht nach hinten luxirt, und eine ziemlich beträchtliche Genu-valgum-Stel- 
Inng vorhanden. Der Fuss war nach aussen verdreht. Vielfache Narben 
fanden sich an dem deformen Gelenke. Nach der Streckung durch eine 
Maschine ist dasselbe mit Hülfe eines Stützapparates leidlich brauchbar. 
Die Patientin klagt noch stets über Schmerz in der vorderen Gelenkge- 
gend und ermüdet leicht (Siehe unten die Messungen.) 

3. B., skrophulöser Mann von 25 Jahren. Kniegelenkentzündung, an- 
geblich im 12 ten Jahre. Eröffnung verschiedener Abscesse nach etwa einem 
Jahre. Die Eiterung dauerte dann etwa 1^ Jahre, also fast bis zum löten 
Jahre. Schon etwa 1 Jahr früher benutzte der Kranke das in einem Win- 
kel Ton 145* stehende Glied, welches noch um einige Grade gebeugt, aber 
flieht gestreckt werden konnte. 

13* 



196 Dr. König, 

Viel£uhe Fistelnarben, stark nach ansäen Terdrebte, nach hinten Inxirte 
Tibia. 

Verkfirznng im Ganzen. Oberschenkel. Tibia. Verkfirenog auf 

Rechnnng der 
Verschiebung. 

1. (M.) 8,5 Gtm. 3 Otm. 4 Gtm 1^ Gtm. 

2. (F.) 7 Otm. 2 Gtm. 4 Gtm. 1 Gtm. 

3. (B.) 9 Gtm. 2t Gtm. 4 Gtm. 2,5 Gtm. 

Wir erbaltea im Ganzen ziemlich gleichm&ssige Zahlen, 
welche daffir sprechen, dass die Tibia am meisten im Wachs- 
thum zurückgeblieben ist, während ein kleinerer Theil dem Wachs- 
tham des Oberschenkels, und ein ziemlich wechselnder der Dis* 
location des Gelenkes zur Last f&IIt. Aus der Grösse der Ver* 
kürzung können wir ebensowohl, wie nach der Zeit, in welcher 
die Gelenkeiterang stattfand, schliessen, dass das Wachsthnm des 
Gliedes etwa in der Zeit vom lOten bis 14ten Jahre zarfick- 
bliebi und wir sehen, dass wir trotzdem nach der Streckung noch 
Glieder bekommen, welche der Länge nach zum Gehen recht 
wohl brauchbar sind. Dies berechtigt uns zu dem Schlüsse, dass 
wir auch durch die Resection brauchbare Glieder erzielen, wenn 
wir gezwungen wären, nach dem Uten Jahre mit dem Knochen- 
schnitte die Grenze der Epiphysenlinijd zu überschreiten. Das 
Wachsthum würde dann nicht mehr zurückbleiben, als bei den 
spontan deform geheilten Gliedern, und die Festigkeit des Glie- 
des wird in den meisten Fällen bei der Resection grösser sein, 
als bei den eben beschriebenen künstlich gestreckten. 

Dies leitet uns auf die Amputationsfrage. Die Entscheidung, 
in sofern sie durch die Beschaffenheit des Knochens an sich ge- 
geben wird, scheint mir in folgender Weise beantwortet werden 
zu müssen. Absolut indicirt erscheint die Amputation nur bei 
so weit reichender Erkrankung des Knochens im Kindesalter, 
dass man Stücke von grosser Ausdehnung (4 Zoll und mehr) 
reseciren müsste. Für die Knochenerkrankung geringerer Aus- 
dehnung, welche jedoch die Epiphysenlinie überschreitet, müssen 
wir, falls wir durch bestimmte Indicationen zum Operiren ge- 
zwungen werden, einen Unterschied nach dem Alter des Kindes 



Beftriige zur Resectioo des Kniegelenkes. 197 

macben. Kinder bis za 10 Jahren wird man, falls die ganze 
Epipbysenlinie geopfert werden mass, so dasR ein darch die 6p&- 
tere Yerkfireung doch nur wenig brauchbares Glied erreicht würde, 
lieber ampntiren, während man auch bei diesen reseciren wird, 
wenn man einen grösseren Theil der Epiphysenlinie erhalten 
kann. Kinder vom Uten Jahre an sollte man, wenn nicht die 
oben bezeichneten sehr bedeutenden Stücke vom Gelenke entfernt 
werden müssen, immer reseciren, auch wenn man die ganze Epi- 
pbysenlinie opfern muss. Die zu erwartende Verkürzung Iftsst 
immer noch ein leidlich brauchbares Glied. 

Wir müssen hier noch mit einigen Worten den allgemeinen 
Zofitand der kleinen Kranken berücksichtigen. Viele kleine Pa- 
tienten sind durch die lange Eiterung, durch Fieber und Appe- 
titlosigkeit in einem an&mischen, sehr geschwächten Znstande, 
leb kann diesen Zustand von An&mie nicht als Contraindication 
far die Resection gelten lassen. Die kleinen Patienten erholen 
sich nach Entfernung des kranken Gelenkes sehr rasch, wie ich 
selbst in einem Falle zu sehen Gelegenheit hatte. Eben so wenig 
kann man allgemeine Skrophulose als Contraindication gelten 
lassen, denn auch bei dieser pflegt eine Entfernung des erkrank- 
ten Gelenkes häufig gerade einen guten Erfolg auf das Allge- 
meinbefinden zu haben. So beobachtete ich rasche Heilung einer 
EUenbogenresection, gleichzeitig mit der Heilung vielfacher, bis 
dahin unvertilgbarer Haut- und Drüsengeschwüre bei einein Kna- 
ben. Sind in Folge des Gelenkleidens, oder anderweitiger allge- 
gemeiner Ursachen bereits amyloide Organdegenerationen ein- 
getreten, so soll man jede Operation unterlassen. Ebenso 
giebt hochgradige Tuberculose Contraindication gegen die opera- 
tiven Eingriffe , während man bei deutlich nachweisbarer Tuber- 
cdose, aber bei gutem Allgemeinbefinden, wenn man überhaupt 
eine Operation Ar angezeigt hält, eher zur Amputation schreiten 
wird. 

Georg H. Humphry a. a. 0. hat den obigen ähnliche 
Zuammenstellungen in Beziehung auf zurückgebliebenes Wachs- 
tham gemacht. Er schreibt das Zurückbleiben im Wachsthum 



198 Dr. König, 

der erkrankten Gelenke zumeist dem Nichtgebrauche zu, was 
allerdings für einzelne Fälle, in welchen auch der Fuss im Wachs- 
thum zurückblieb, zugestanden werden mnss. Für viele Fälle, 
besonders lur die, in welchen das Glied, wenn auch unvollkom- 
men, gebraucht wurde, ist die Erkrankung der Gegend der Epi- 
physenlinie gewiss die wahrscheinliche Ursache der Verkürzung 
des Gliedes. 

Was noch schliesslich für die Brauchbarkeit des Gliedes im 
Allgemeinen in^s Gewicht fallt, das ist, dass nach der neneren 
Nachbehandlung mit Gipsverband die Heilungszeit sehr abgekürzt 
erscheint, so dass man in der Lage ist, recht bald brauchbare 
Glieder zu erreichen. Der von mir resecirte Knabe begann in 
der 8. Woche mit dem Gipsverbande zu gehen, das kleine 
Mädchen nach Verlauf eines Vierteljahres. 

Nachdem wir in den vorigen Blättern nachgewiesen haben, 
dass die Resection brauchbare Glieder liefert, bleibt uns jetzt 
noch die Mortalitätsfrage zu erledigen. Gewiss würde man nicht 
zu der Ausübung der Operation rathen können, wenn nach Ver- 
richtung derselben der Tod aussergewöhnlich oft einträte. Um 
diese Frage zu beantworten, müssen wir zur Statistik greifen, 
aber wir gestehen gleich zu, dass durch dieselbe nur Unvoll- 
kommenes geleistet werden kann. Wenn wir auch annähernd 
richtige Zahlen für die Resection des Kniegelenkes bei Kindern 
zu erwarten hätten, und dies steht zu bezweifeln, so gehen uns 
doch vollständig die Zahlen ab, welche als Hauptvergleichmoment 
dienen müssten — ich meine eine Mortalitätsstatistik der ohne 
Operation behandelten schweren Kniegelenkseiterung der Kinder. 
Wir können also die Statistik der Kinderresectionen nur ver- 
gleichen mit der Amputation des Oberschenkels und mit der 
Knieresection bei Erwachsenen. Und dieser Vergleich scheint 
im Ganzen nach der Zusammenstellung von Kinderresectionen, 
welche ich aus der Literatur versucht habe, für das kindliche 
Alter nicht ungünstig auszufallen. Das Kind scheint aber einen 
so beträchtlichen EingrilBf im Ganzen leichter zu ertragen, wie 
der Erwachsene, üebrigens glaube ich, dass auch für Erwach- 



Beiträge aar Resection des Kniegelenkes. 



199 



sene der Erfolg der Knieresection beträchtlich besser sein wird, 
je mehr in die Nachbehandlung das Princip der absoluten Ruhe 
aufgenommen wird. Eine consequente Anwendung des Gipsver- 
bandes alsbald nach der Operation würde gewiss bessere Zahlen 
geben, denn nur durch den Gipsverband ist eine Feststellung 
der resecirten Theile, und mit dieser Feststellung eine möglichst 
geringe Eiterung und beträchtlich verminderte Disposition zur 
Jauchung gegeben, abgesehen davon, dass der Gipsverband viel 
mehr Aussicht für Erreichung einer festen Verwachsung giebt, 
als jeder andere Verband. Freilich schliesst keine Verband- 
methode die localen ungünstigen Verhältnisse, welche in einem 
Hospital mehr herrschen, als in einem anderen, aus, allein die 
Pyämie trifft die Knieresection nicht mehr, als die anderen 
grösseren Operationen. 

Wenn ich nun eine zusammenstellende Statistik der kind- 
lichen Knieresectionen gebe, so brauche ich nicht zu bemerken, 
dass dieselbe an allen allgemeinen Fehlern solcher Zusammen- 
stellungen leidet. Es ist möglich, dass ich eine grössere Anzahl 
hätte zusammenbringen können, wenn mir die Literatur besser 
zugänglich gewesen wäre. Die grössere Zahl der Fälle ist der 
englischen Chirurgie entliehen, ein kleinerer Theil kommt auf 
Deutschland , der kleinste auf Frankreich. Indem ich bemerke, 
dass ich die 48 ersten Fälle der Hey fei der 'sehen Statistik ent- 
nommen habe, werde ich bei den übrigen Fällen die Quellen, 
aus welchen ich dieselben auszog, bemerken. Bemerken will ich 
noch, dass ich nur die Fälle bis zum 16. Lebensjahre in die 
Tabelle aufnahm. ^__ 




1. 
2. 
3. 



Sjme. 

derselbe. 
Frieke. 

Heusser. 



18 Jabre. 
17 Jahre. 
{8 Jahre. 

16 Jahre. 



1829 
1829 
1832 

1849 



lodicirende Krank- 1 
heit 



Erfolg der Operation. 



Caries des Geleokes. Lebt Guter Erfolg 
Cariea des Gelenkes. Starb »f l^^*" J?gf-. 
Caries des Gelenkes Leb. .«ut ^fi^^^ 

Gonarthrocace. U^btjo^^^^^^^^ 



200 



Dr. König, 









Jabr- 


Indicirende Krank- 




No. 


Operateur. 


Alter. 


gM>g. 


heit 


Erfolg der Operation. 


5. 


Jones. 


11 Jahre. 


1851 


Garies. 


Lebt Vollkommener Er- 
folg. 


6. 


derdelbe. 


7 Jahre. 


1852 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


7. 


Paget 


14 Jahre. 


1852 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


8. 


HeuBser. 


10 Jahre. 


1852 


Gonarthrocace. 


Tod nach wiederholter 
Resection an Erschöpf. 


9. 


Thomas. 


12 Jahre. 


1858 


Garies. 


Lebt. Vollkommener Er- 
folg. 


10. 


Jones. 


9 Jahre. 


1853 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


11. 


Cotton. 


9\ Jahre. 


1853 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


12. 


Gore. 


14 Jahre. 


1853 


Garies. 


Lebt. Vollkommen. 


13. 


Thomas. 


16 Jahre. 


1853 


Garies. 


Lebt. Vollkommener Er- 
folg 
Lebt Vollkommen. 


14. 


Keith. 


9 Jahre. 


1853 


Garies. 


15. 


Adelmann. 


16 Jahre. 


1853 


Garies. 


Tod am 10. Tage. PjS- 


16. 


Pirrie. 


10 Jahre. 


1854 


Garies. 


mie. 
Nachträgliche AmpuU- 
tion mit gutem Erfolge. 












17. 


Brotherton. 


10 Jahre. 


1854 


Garies. 


Vollkommener Erfolg. 


18. 


Fergnsson. 


10 Jahre. 


1854 


Garies. 


Tod in Folge der Ope- 
ration. 


19. 


Landsdown. 


12 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


20. 


Pirrie. 


14 Jahre. 


1854 


Garies. 


Nachträgliche Amputa- 
tion mit gutem Erfolge. 


21. 


Fergnsson. 


4 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


22. 


Holt. 


8 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt. Gut 


23. 


Erichsen. 


7 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


24. 


Pemberton. 


12 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


25. 


Mackenzie 


12 Jahre. 


1854 


Garies. 


Tod. Phthisis. 


26. 


Fergnssen. 


Kind. 


1854 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


27. 


Smith. 


6 Jahre. 


1854 


Garies. 


Lebt Gut. 


28. 


Brotherton. 


11 Jahre. 


1855 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


29. 


Jones. 


9 Jahre. 


1855 


Garies. 


Lebt Gut 


80. 


Goe. 


6 Jahre. 


1855 


Garies. 


Lebt Gut 


31. 


Stanley. 


15 Jahre. 


1856 


Garies. 


Nachträgliche Amputa- 
tion mit gutem Erfolge. 


32. 


Price. 


15 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Gut. 


33. 


Erichson. 


.9 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Vollkommen. 


It 


Price. 


9 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Anscheinend gut 


35. 


Goe. 


4^ Jahre. 


18.56 


Garies. 


Lebt Gut 


36. 


Humphrej. 


12 Jahre. 


1856 


Ankylose nach Garies 


Lebt Vollkommen. 


37. 


Square. 


11 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Gut Noch in 
Behandlung. 


38. 


Page. 


12 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Gut Noch io 
Behandlung. 


39. 


Bowman. 


16 Jahre. 


1856 


Garies. 


Lebt Gut 


40. 


Jones. 


7 Jahre. 


1856 


Garies. 


Nachträgliche Amputf 

tion mit gutem Erfolge. 

Lebt. Ungewisser Zn- 












41. 


Bowman. 


16 Jahre. 


1856 


Garies. 












stand. 



Beiträge snr Resection de« Kniegeleokes. 



201 









Jahr- 


Indicirende Krank- 




No. 


Opentear. 


Alter. 


gMf. 


heit. 


Erfolg der Operation. 


42. 


Hey. 


11 Jahre. 


1856 


Gonarthrocace. 


Lebt. Scheinbar gut 


43. 


Brans. 


13 Jahre. 


1856 


Garies. 


Nachträgliche Amputa- 
tion mit gutem Erfolge. 












44. 


FergDsson. 


<> Jahre. 


1856 


Gonarthrocace. 


Tod in der Nacht nach 
der Operation an Blut- 
verlost 


45. 


Homphrej. 


2 Jahre. 


1857 


AcDte Gelenkeite- 
rang. 


Tod. 


46. 


derselbe. 


5 Jahre. 


1858 


Garies. 


Lebt Gut 


47 


derselbe. 


10 Jahre. 


1858 


Garies. 


Lebt Gut 


48. 


Bowman. 


U Jahre 


1858 


Garies- 


Lebt. Gut 


49. 


TOD Langen- 


4 Jahre. 


1857 


Ghroniscbe Entzün- 


Nach fast vollendeter 




beck. 1) 






dnng, Streckung, 
Gelenkeitening. 


Heilung Tod an Tuber- 
culose ond Wirbelver- 
eiterong. 


50. 


derselbe, i) 


U Jahre. 


1859 


Bis in das Gelenk 
reichende Nekrose 
des Femar. 


Heilung. 


51. 


derselbe, i) 


9 Jahre. 


1861 


Garies des Gelenkes, 
spontane Fractür 
der Epiphyse. 


Heilung mit Beweglich- 
keit und sehr vollkom- 
menem Gebrauche. 
Gipsverband. 


52. 


derselbe, i) 


9 Jahre. 


1861 


Garies. 


Heilung mit Ankylose* 
Gipsverband. 


53. 


derselbe, t) 


8 Jahre. 


1864 


Garies. 


Tod. 


54. 


Boteher. 3) 


15 Jahre. 


1858 


Garies. 


Glied mitgewachsen. 
Heilung. 


55. 


Bauer. *) 


14 Jahre. 


1860 


Deformität des 
Kniees. 


Heilung mit 2 ZoU Ver- 
kürzung. 


56. 


Edw.Oanton.ft) 


15 Jahre. 


1860 


Verletzung des Ge- 
lenkes. 


Heilung. 


57. 


derselbe. ») 


8 Jahre. 


1860 


Verletzung des Ge 


Nachträgliche Amputa- 








? 


lenkes. 


tion mit Heilung. 


58. 


Szymanowski. 
«) 


7i Monate. 


1860 

? 


Gelenkeiterung. 


Heilung mit Beweglich- 
keit 


59. 


Frith. 1) 


13 Jahre. 


1857 


Gelenkverletznng 
mit nachfolgender 


Heilung. Znrfickgeblie- 
benes Wachsthom. 








EntzQndung. 





1) Lficke, Beiträge zur Lehre von den Resectionen, v. Langenbeck's Ar- 
chiT Bd. m. S. 319. 

^ Hfiter, V. Langenbeck's Archiv Bd. VIIL S. 104. 

^ Gurlt, Jahresbericht für 1859. S. 111. 

4) T. Langenbeck's Archiv Bd. IL S. 645. 

') Dublin qoart Journ. of med. sc. Vol. 31, 1861, p. 74. Gnrlt, Jahres- 
bericht für 1860-1861. Archiv III. S. 650. 

«) Gorlt, Jahresbericht f&r 1860-1861. L A HL S. 552. 

7j Med. Times and Gazette 1861, Vol. 1. Gurlt, Jahresbericht 1860 - 186L 



202 



Dr. KOnig, 









Jahr- 


lodicirende Krank- 




Nö. 


Operateur. 


Alter. 


«Mlg- 


heit 


Erfolg der Operation. 


60. 


Edwards i) 


5 Jahre. 


1857 


? 


Heilung. 


61. 


fismarch. >) 


12 Jahre. 


1859 


Kniegeleuksvereite- 
rung. 


Heilung. 


62. 


derselbe. ») 


9 Jahre. 


1859 


KniegelenksTereite- 
rung. 


Heilung. 


63. 


derselbe, s) 


7 Jahre. 


1859 


Kniegelenksvereite- 


Heilung. 


64. 


derselbe. >) 


14 Jahre. 


1859 


rnog. 

Kniegelenks Vereite- 
rung. 


Tod am 17ten Tage. 
Prämie. 


65. 


derselbe. >) 


2 Jahre. 


1860 


Kniegelenksvereite- 
rung. 


Uli geheilt entlassen. Ge- 
ßtorben nach späterer 
Exarticulation. 


66. 


A. Richard. S) 


12 Jahre. 


1862 


Garies. 


Nachträgliche Amputa- 
tion. Tod. 


67. 


derselbe. «) 


8 bis 10 
Jahre. 


1862 


Caries. 


Heilung. 


68. 


Lefort. 8) 


9 Jahre. 


1862 


Caries. 


Heilung. 


69. 


Giraldes. ») 








Caries. 


Tod. 


70. 


derselbe. >) 


— 


— 


Caries. 


Noch in Behandlaog. 
Lungentuberculose. 


71. 


Dassöris. >) 


7 Jahre. 


1862 


Caries. 


Heilung. 


72. 


derselbe. 8) 


9 Jahre. 


1862 


Caries. 


Heilung. 


73. 


Holmes. ^) 


10 Jahre. 


1861 


Caries. 


ZurQckgebliebenes 
Wachsthum nach 2Jah- 
ren 1 Zoll. Heilong 
nach 8 Wochen. 


74. 


derselbe. *) 


18 Jahre. 


1862 


Caries. 


Nachträgliche Ampata- 
tion. Heilung. 


?6. 


derselbe. ^) 
(Hewett.) 


11 Jahre. 


1861 


Garies. 


Heilung nach 3 Monaten. 


76. 


derselbe. *) 
(Smith.) 


9 Jahre. 


1859 


Garies. 


Nach 2 Jahren war die 
Verkürzung die gleiche, 
nach nochmals 2 Jah- 
ren ebenfalls. Entfer- 
nung 1 Zoll , Heilung 
nach 3 Monaten. 


77. 


Th. Smith.*) 


6 Jahre. 


? 


Garies. 


Noch in Behandlong. 
Bis jetat gut 


78. 


Fergusson. *) 


6 Jahre. 


1862 


Garies. 


Heilung. 1 Zoll Yer- 
kflrzung. 



1) Med. Times 1861. Vol. 1. Gnrlt, Jahresbericht 1860-1861. 

>) Völckers, Beiträge zur Statistik der Amputation und Resection. v. Lao- 
genbeck's Archiv, Band IV. S. 583. 

8) A. Vernenil, Gaz. hebdom. de Mödec. et Ghir. 1862, p. 721. Gurlt, 
Jahresbericht f&r 1862, S. 484. 

«) Journal fQr Kinderkrankheiten. Band XLU. 1864. Heft I. und IL S. 1. Ceber 
die Ausschneidung der Gelenke bei Kindern. 



Beiträge zur Resection dea Kniegelenkes. 



203 



No. 



Operateur. 



79.!Bardelebeii. i) 
80.1 derselbe. 



81. derselbe, i) 
I (Heineke.) 

82. Bardeleben, i 

83. derselbe, i) 



84. 
85. 



derselbe, i) 
derselbe. ^3 



86.1 Billroth. 3) 
87.|Pa8saTant. >) 

8a Roser- -i) 
89.' derselbe.^) 

90. iFergnsBOD. &) 
91. ' derselbe. *) 

92. ■ ' 
93. 



94. 

95. 
96. 
97. 
98, 

99. 



derselbe. ^) 
Price. *) 



derselbe. &) 

Fearn. ») 
derselbe.^) 
derselbe. *) 
derselbe. ^) 

Cotton. *) 



00. 1 Gore. ») 
L01.i 



Alter. 



Jahr- 



11 Jahre. 
7 Jahre. 



6 Jahre. 

9 Jahre. 

13 Jahre. 
12 Jahre. 
4 Jahre. 



7 Jahre. 

15 Jahre. 

14 Jahre. 

16 Jahre. 

13 Jahre. 

Rind. 
6ti Jahre. 

15 Jahre. 

12 Jahre. 

12 Jahre. 
9 Jahre. 

8 Jahre. 
7 Jahre. 

16 Jahre. 

Kinder 
nnter 15 J. 



Indicirende Krank- 
heit. 



1862 Garies. 

1863 Garies. 



1864 Garies. 

1864 Garies. 

1861 Garies. 

1863 Garies. 

1864 Garies. 



1860 Tumor albus. 

1862 Garies darch Kno- 
chentubercnlose. 

1856 Garies scrophulosa. 
1859 Garies mit Luxation 

nach hinten. 

1857 Garies. 
? Garies. 

1857 Garies. 

1857 Acuter Abscess nach 
chronischerOelenk- 
affection. 

1858 Ghronische Gelenk- 
entzündung. 

Tumor albus. 
Garies. 
Garies. 
Garies. 



Garies. 



Erfolg der Operation. 



Tod durch Entkräftung. 

Tod. Fettdegeneration 
des Herzens. Embolus 
der Fossa Syhii. 

Tod. Acute Meningitis. 

Heilung. Mfissige 
Brauchbarkeit 

Heilung. 

Heilung. 

Das Knie in Ankylose 
geheilt, aber die Kleine 
laborirt an allgemeiner 
Rnocheneiterung, da- 
her der Ausgang zwei- 
felhaft. 

In der 6. Woche Tod an 
Meningitis tuberculosa. 

Nachträgliche Amputa- 
tion. Heilung. 

Tod. Phlebitis. 

Heilung. 

Heilang. 

Heilung. 

Tod durch Ghloroform. 

Heilung. 



Tod. Eiterige Durch- 
fälle. Erschöpfung. 

Heilung. 

Heilung. 

Heilung. 

Gut. Noch in Behand- 
lung. 

Tod in der 9. Woche. 
Anämie. 

Bei beiden Heilung. 



^) Beiträge zur Kenntniss der Behandlung der Krankheiten des Kniees. 
>r. Walther Heineke. Danzig 1866. 

^ (Briefliche Mittheilung.) 

^) (Brief liehe Mittbeilung.) 

^) P. Gh. Price, A Description of the Diseased Gonditions of the Knee- 
oint London 1865. S. 121. 

5; Price a. a. 0. S. 68 u. s. w. 



204 



Dr. König, 









Jahr» 


Indicirende Krank- 




No. 


Operateur. 


Alter. 


gaag. 


heit 


Erfolg der Operation. 


102. 


Keith. 1) 


14 Jahre. 


1854 




Heilung. 


103. 


Heath. i) 


14 Jahre. 


1854 


Caries. 


Sehr ausgedehnte Re- 
section, grosse Verkür- 
zung. Geht am Stock. 


104. 


Greenhow. ») 


8 Jahre. 


1853 


Caries. 


Nachträgliche Amputa- 
tion. Heilung. 












106. 


Fife. 


7 Jahre. 


1858 


Caries. 


Nachträgliche Amputa- 
tion. Heilung. 












106. 


Quain. i) 


Knabe. 




Caries. 


Nachträgliche Amputa- 
tion Heilung. 


107. 


Cutler. 1) 


Knabe. 






Entfernung der Gelenk- 
fläche des Oberschen- 
kels. Tod. 


108. 


Lawson. i) 


Knabe. 




Contractur. 


Heilung. 


109. 


Heath. ») 


8 Jahre. 




Contractur. 


Heilung. 


110. 


Mayo. i) 


15 Jahre. 


1856 


Caries. 


Heilung. 


111. 


König. 


Knabe, 
7 Jahre. 


1865 


Caries fibulae. Chro- 
nische Gelenkent- 
zflndang. Acuter 
Abscess des Ge- 
lenkes. 


Heilung. 


112. 


König. 


Mädchen, 
8 Jahre. 


1865 


Caries genu. 


Heilung. 



1) Price a a. 0. S. 68 n. s. w. 



Wir habeD in der eben aufgestellten Statistik 112 Fälle von 
Enieresection. Die letzten Fälle ßind aus der Statistik/ welche 
sich in der Arbeit von Price, die von H. Smith herausge- 
geben wurde, findet In der Statistik selbst ist das Alter der 
Patienten nicht erwähnt, es mnsste daher die Kinderstatistik aas 
den beigefügten Bemerkungen über die einzelnen Fälle der Auto- 
ren ausgezogen werden. Hierbei wurden mit Vorsicht die Fälle 
ausgeschieden, welche sich wahrscheinlich schon in der Heyfel- 
der 'sehen Statistik notirt fanden. Auch wurden die Fälle eines 
Autors nur dann aufgenommen, wenn sich bestimmt angeben Hess, 
dass alle Kinderresectionen desselben, glückliche und unglückHche, 
angegeben waren. Wenn daher in der Tabelle auch viele An- 



Beitr&ge zur Resection des Rniegeleokes. 205 

gaben fehlen, so glaube ich doch, dass die Statistik derselben im 
Ganzen auf Glaubwürdigkeit Ansprüche macht, da die Angaben 
zumeist von den einzelnen Chirurgen dem Verfasser selbst ge- 
macht wurden. Wir haben unter diesen 112 Fällen 70 Heilungen 
mit brauchbarem Glied , 9 Kniegelenke sind als gut bezeichnete, 
befanden sich aber zur Zeit der Mittheilung noch in Behandlung, 
20 Todesfälle ereigneten sich nach der Operation, und in 13 
Fällen wurde nachträglich amputirt. Von diesen nachträglich am- 
patirten wurden 11 geheilt und 2 starben. Die Glieder heilten 
fast alle, soweit sich dies aus den Angaben ersehen liess, durch 
feste Vereinigung der Knochen des Ober- und Unterschenkels; 
bald schien dieselbe ganz fest, knöchern zu sein, bald Hessen 
sich noch minimale Bewegungen zwischen Tibia und Femur 
machen. In beiden Arten der Verbindung war das Glied branch- 
bar. Nur zwei Fälle konnte ich finden, in welchen die Erzielnng 
eines mobilen Gelenkes erwähnt wurde, es sind dies die Fälle 51 
(v.Langenbeck)und58(SzymanowBki). Der letzte Fall ist 
togleich noch dadurch merkwürdig, dass die Operation an einem 
Kinde von 7i Monat vorgenommen wurde. Der Tod trat ein 
20 Mal, und zwar direct an den Folgen der Operation durch 
Blutverlust, Chloroform etc. 4 Mal, durch Pyämie und ähnliche 
Processe 4 Mal, durch erschöpfende Eiterung nach der Operation 
an Entkräftung 3 Mal, durch Tuberculose 2 Mal und durch Me- 
ningitis, worunter einmal tuberculose Meningit., 2 mal. In 5 
FUIen ist die Todesursache nicht angegeben. Ueber das Wachs- 
thom des Gliedes lässt sich keine Statistik nach dieser Aufzeich- 
nung machen, da nur bei den allerwenigsten Fällen nachträgliche 
Hessongen verzeichnet sind. Uebrigens fand ich bei manchen 
Gliedern ein fortschreitendes Wachsthum, oder wenigstens ein nur 
geringes Zurückbleiben verzeichnet, bei welchen man nach den 
Angaben zu der Annahme berechtigt war, dass wenigstens ein 
Theil der Epiphysenlinie mitgeopfert wurde, so dass also meine 
Behauptung darin eine Stfitze findet, dass das Glied mitwächst, 
wenn nur ein Theil der Epiphysenlinie erhalten bleibt 

Wir haben also, wenn wir die TodesfiUle, die noch nicht 



206 Dr. König, 

ganz geheilten und die nachträglich amputirten zusammen rech- 
nen, auf .70 Heilungen, 42 misslungene Operationen. Die Hei- 
lungen betragen also fast ^, genauer nach Procenten berechnet 
kommen auf 62| pCt. Heilungen 37 i misslungene F&Ue. Die 
Todesfälle betrugen nicht ganz i oder procentisch 19 ^^ pCt. 

Vergleichen wir damit verschiedene Zusammenstellungen von 
Enieresectionen ohne unterschied des Alters, so finden wir bei 
Heyf eider auf 108 Erfolge 70 Misserfolge; sie verhalten sich 
also wie i : \ oder procentisch kommen auf 60^ pCt. Heilungen 
39| pCt Misserfolge. Am Leben blieben von den 179 — 125, 
also weit fiber 1 oder procentisch starben 30^ pGt 

In Gurlt^s Jahresbericht für 1862 fanden wir Mittheilangen 
über Statistik der Resection des Kniegelenks von T. Holmes 
(British and Foreign Medico-Chirurgical Review. Vol. 30. 1862 
p. 225). Nach einem kürzlich von R. M. Hodges (On the ex- 
cision of joints) in America publicirten Buche, in welchem die 
bekannt gewordenen Operationsfälle möglichst vollständig ge- 
sammelt sind, betreifen 208 die Resection des Kniegelenks. In 
runden Zahlen verlief % der Fälle tödtlich, mehr als die Hälfte 
^ misslang, und nur bei mehr als ^ wurde das Gelingen festgestellt 
60 Fälle verliefen direct ohne Amputation tödtlich, 9 weitere 
nach Amputation. Die Totalsumme der Amputirten beträgt 42, 
bei 14 anderen wird das Glied als mehr oder weniger unbrauch- 
bar geschildert, demnach 116 misslungene Fälle. In 27 weiteren 
fehlt die Angabe über Brauchbarkeit des Gliedes, sie sind nnr 
als geheilt bezeichnet. Es bleiben also nach Holmes nur 65 
brauchbare. Dies scheint mir doch den Skepticismus etwas zu 
weit getrieben, ich meine doch, dass es keinem Menschen ein- 
fallen wird, ein Glied als geheilt zu bezeichnen, wenn es nicht 
zum Gehen brauchbar erscheint 

Wir haben also 69 tödtliche Fälle = 331^ pGt., Misserfolge 
fast 56 pCt., und, wenn wir die 27 nur geheilt bezeichneten 
Fälle zu den Erfolgen rechnen, 92 Erfolge oder etwas mehr als 
44 pCt 

Holmes hat dann die Knieresectionen der Londoner Hospi- 



Beiträge zar Resection des Kniegelenkes. 207 

täler zasammengestellt, er giebt aber zu, dass bei der mangel- 
haften Registrirung die Zahlen nicht ganz unangreifbar seien. Es 
sind im Ganzen 95 Fälle. Von 27 ist es bekannt, dass sie ge- 
storben sind, und in 10 anderen misslang die Operation (8 am- 
patirt, von 2 nichts bekannt). Unter den 58 übrig bleibenden 
Fällen sind bei 10 die Angaben ungenügend, während über 19 
der anderen eine ganz summarische Angabe vorliegt. — Wir 
sehen aus diesen Angabeui dass die ganze Aufstellung- statistisch 
kaum verwerthbar ist, wenigstens gewiss nicht die Zahl der 
braachbaren Glieder, und wir wollen daher nur daraus die 28,4 
pCt. Todesfälle und die 38,9 pCt. misslungenen Fälle merken. 

In der neuesten Zusammenstellung von Price a. a. 0. finden 
sich auf 291 Resectionen des Knies 78 Todesfälle, also nicht 
ganz 27 pGt., Erfolge 164, also etwa 56^^ und 127, oder etwa 
44^ pGt. Misserfolge. 

Ich habe nun noch aus der Hey felde raschen Tabelle von 
183 Fällen die Statistik, abzüglich der bis zum 16. Jahre, ab- 
züglich ferner der ohne Angabe des Alters und der noch in Be- 
handlung befindlichen zusammengestellt. Es sind dies 102 an 
Erwachsenen ausgeführte Resectionen. Unter diesen sind 45 gün- 
stige Erfolge, 40 Todesfälle, 12 nachträgliche Amputationen und 
5 schlechte Erfolge verzeichnet Also 57 Misserfolge auf 45 gün- 
stige Erfolge. Es kommen auf etwas mehr als -44 pCt. Erfolge 
iast 56 pGt. misslungene Operationen und 39 pCt Todesfälle. 

Stellen wir die Ergebnisse nach Procenten zusammen, so 

ergiebt sich: 

Günstige Miss- Todes- 
Erfolge. erfolge. fälle. 

1. H ey fei der,Auszugder Erwachsenen: 44 pGt. 56 pGt. 39 pCt 

2. Statistik von Hodges ..... 44 - 56 - 33 - 

3. Holmes^ Londoner Hospitäler . . — - 38,9 - 28,4- 

4. Die gesammte Hey fei der 'sehe Sta- 
tistik 60^ - 39i - 30^ - 

5. Statistik von Price 56^ - 43^ - 27 - 

6. Unsere Kinderstatistik 62i - 374 - 19/^- 



208 I>r. König, 

Wir finden aas diesen Zahlen, was zunächst die Mortaliiäts- 
Ziffer betrifft, dass sich dieselbe um fast das Doppelte günstiger 
stellt, als die aus der Statistik No. 1. entnommene, und dass sie 
um 10 pCt. günstiger erscheint, als die Durchschnittszifier aus 
den Zusammenstellungen 2—5. Die Misserfolge gestalten sich 
um 18} pGt. besser, als die aus der Statistik No. 1., und um 
7 pGt. besser, als die aus der Durchschnittsziffer derselben Num- 
mern 2—6. Die Erfolge, in Beziehung auf Brauchbarkeit des 
Gliedes, gestalten sich um 18} pCt. besser, als die der Statistik 
fßr Erwachsene, und um 8^ pCt. besser, als die aus den Num- 
mern 2., 4., 5. Wodurch die auffallend ungünstigen Resultate in 
der Statistik von Hodgos zu erklären sind, weiss ich nicht zu 
sagen. Möglicher Weise betreffen dieselben hauptsächlich Er- 
wachsene. Vergleicht man die Kinderstatistik mit den drei übri- 
gen, so geht daraus hervor, dass hauptsächlich die Sterblichkeit 
nach der Operation beim Kinde geringer ist, während die Zahl 
der Misserfolge nur um wenige Procente (etwa 3 pCt.) geringer 
erscheint. 

Da keine specielle Statistik der Amputation des Oberschenr 
kels bei Kindern existirt (so viel mir wenigstens bekannt ist), 
80 ist es nicht möglich, in der Richtung einen Vergleich anzu- 
stellen. Dass die Mortalitätsziffer entschieden günstiger ausfällt, 
als die allgemeine Ziffer der Oberschenkelamputationen (4 nach 
PauFs conservativer Chirurgie etc., 62,6 pCt. nach Malgaigne, 
62,7 pCt. nach Tr^lat), ist wohl als sicher anzunehmen. Da- 
gegen scheinen die Resultate, welche aus der speciellen Zusam- 
menstellung der Oberscbenkelamputationen wegen Kniegelenks- 
erkrankung gewonnen wurden (Teale zu Leeds), den unserigen 
nahe zu kommen (1 : 4| in den Londoner Hospitälern, 1 : 4 in 
den Provinzial-Hospilälern, nach Bryant's neuester Statistik 1 : 7); 
siehe Gurlt's Jahresbericht, dieses Arch. B. 1. S. 115. 

In den folgenden Zeilen will ich versuchen, das, was mir 
iiir die Operation sowie für die Nachbehandlung wesentlich er- 
scheint, aus den von mir gewonnenen Erfahrungen mitzutheilen. 
" Ehrungen erstrecken sich auf 4, sämmtlich günstig ab- 



Beiträge zur Resection des Rniegelenkes. 209 

gelaufene Fälle, nur der letzte —• ein resecirter Enieschass aus 
dem Feldzng dieses Sommers — befindet sich noch im Hospital, 
doch ist die Heilung gesichert. Yon den drei übrig bleibenden 
ist noch ein Erwachsener, die beiden übrigen sind Kinder. In 
Beziehung auf die Operation bemerke ich^ dass ich bald einen 

I 1 Schnitt, bald einen bogenförmigen Schnitt gemacht habe. 

Der letztere scheint mir für die meisten Fälle, in welchen nicht 
Tiel von der Tibia entfernt wird ausreichend, doch muss der ho- 
rizontale Theil stark nach unten, dem oberen Ende der Tibia ent^ 
sprechend, angelegt werden, sonst bietet das spätere Absägen 
der Tibia Schwierigkeiten. Den von Langenbeck geübten 
Längsschnitt, sowie auch den von Hueter angegebenen inneren 
Längsschnitt habe ich an der Leiche Öfter geübt, und mich von 
der leichten Ausführbarkeit desselben überzeugt. Bei stark ge- 
schwollenen infiltrirten Weichtheilen scheint mir der Querschnitt 
doch noch mehr Raum zu geben, und den Längsschnitt in der 
Absicht auszufuhren, um dadurch den Streckapparat des Kniees 
sa erhalten, habe ich noch nicht versucht. So sehr ich von der 
Yortrefflichkeit des Strebens, dem Patienten ein wirkliches Knie- 
gelenk zu erhalten, überzeugt bin, so halte ich doch gerade die 
Knieresection för eine Operation^ die noch nicht so gesichert ist, 
um noch weitere Hisserfolge ertragen zu können. Und dazu 
würde ein allgemeines Streben, das Kniegelenk mobil zu heilen, 
wahrscheinlich fähren, es würden wahrscheinlich, abgesehen von 
einigen mobil brauchbaren, eine grösssre Anzahl von mobil un- 
brauchbaren, schlotternden Gelenken erzielt werden, um so mehr, 
da die Operation auch von weniger geübten Händen ausgeführt, 
und die Nachbehandlung geleitet werden muss, als von denen 
des ausgezeichneten Berliner Chirurgen. Mögen Berufene in der 
Richtung weitere Versuche machen — nach den jetzigen Erfah- 
rungen muss man wohl im Allgemeinen davon abrathen. 

Nach Durchschneidung der Bänder, Kapsel etc. bleiben mir 
einige Worte über die Patella zu sagen. Ich habe dieselbe in 
zwei Fällen entfernt, in zwei anderen Fällen blieb sie erhalten. 
Ich kann nicht sagen, dass der Verlauf der Fälle ein wesentlich 

T. Lftagtabcck, krchiw f. Chirarg««. IX. ]^ 



SlÖ Dr. König, 

verschiedener gewesen wäre, die Erhaltung oder Entfernung der 
Patella hat weder besondere Zufalle herbeigeführt, noch einen 
wesentlichen Einfluss auf die Dauer der Heilung geübt. Price 
a. a. 0. giebt an, dass er die Patella immer wegnimmt, seit es 
ihm passirt sei, dass gegen Ende der Heilung sich Abscesse am 
Knie bildeten, und dass die cariöse Patella als Grund dieser 
Abscesse erkannt und entfernt wurde. Zugegeben, dass dies ein 
Mal sich ereignen kann, so ist es gewiss nicht die Regel. Einen 
Werth lege ich fibrigens der Erhaltung der Patella nicht bei, es 
sei denn, dass man sich dazu entscbliesst, dieselbe sammt der 
Kapsel zu excidiren. Obwohl es mir a priori nicht unwahr- 
scheinlich ist, dass die Kapsel öfter Ursache zu nachträglichen 
Eiterungen unangenehmer Natur werden kann, und die Entfer- 
nung derselben auch von verschiedenen Seiten, besonders für die 
Exarticulation am Knie, angerathen wurde (Billroth, Deutsche 
Klinik 1859. 99), so sind die Acten darüber noch nicht ge-' 
schlössen. Gewiss aber scheint die Gefahr vielmehr von der 
noch intacten Kapsel auszugehen, also bei primären Resectionen 
nach einer Verletzung, als von der degenerirten, verdickten, hie 
und da granulirenden Kapsel der chronischen Entzündungen. Spe- 
cielle ZnfUle, welche sich auf die* Kapsel beziehen Hessen, habe 
ich bei den drei wegen Caries resecirten Gelenken nicht beob- 
achtet, wohl aber trat bei einem in der 6. Woche nach Scbuss- 
verletzung resecirten Knie eine entschieden von der zurückge- 
bliebenen oberen Ausdehnung des Gelenksackes ausgehende, mit 
hohem Fieber verbundene übele^ Eiterung ein, welche jedoch, 
nachdem der Eiter sich frei entleeren konnte, bald zur Heilung 
kan^. 

Nach Freilegung der Knochenenden verwende ich grosse 
Vorsicht auf den Sägeschnitt. Zunächst erstreckt sich diese Vor- 
sicht auf die möglichste Erhaltung gesunder Knochentheile. Ge- 
rade für die Resection des Kniegelenkes im Kindesalter, wo jede 
erhaltene Linie des Knochens von Vortheil für die spätere 
Brauchbarkeit des Gliedes erscheint, muss man, glaube ich, die 
wieder neuerdings f&r die Resectionen im Allgemeinen von 



Beiträge znr Resection des Kniegelenkes. 211 

Böser (Archiv der Heilkunde. VII. Jahrgang. VI. Heft, S. 567) 
empfohlenen Partialresectionen mehr in Aufnahme bringen. Bei 
den von mir operirten Fällen hätte ich dieselbe nur in dem 
imtea beschriebenen ersten Falle üben können, doch hielt mich 
die Scheu davon ab, dass eben gerade in der Richtung specielle 
Erfahrungen fehlen. Die 4 ersten Fälle in dem Hey fei der 'sehen 
Buche von Partialresection des Oberschenkels (S. 127) beweisen 
nichts, da sie wegen Verletzung gemacht wurden; von den beiden 
übrigen Fällen (Statham und Cuttler) lässt sich ebenfalls 
kein Schluss ziehen, (ein Kind, an Garies leidend, wurde gesund, 
ein Knabe, an derselben Krankheit leidend, starb), da in beiden 
Fällen Patella und Tibia mit einem Meissel abgeschabt, also 
wahrscheinlich eine Knochenwunde, zum wenigsten aber eine 
wunde Fläche hergestellt wurde. Bei Resectionen an anderen 
Gelenken ist man ja nicht ängstlich mit dem Stehenlassen über- 
knorpelter Flächen — man lässt die Pfanne bei der Schulterre- 
section, und, wenn sie gesund ist, auch bei der Hüftresection 
stehen; lässt man ja doch auch beim Kniegelenk das Waden- 
beinköpfchen sehr häufig intact, und ich wfisste nicht, dass in 
diesen Fällen besondere Nachtheile auf Kosten des Knorpels ge- 
schoben würden. Das Ellenbogengelenk ist ja ebenfalls oft genug 
nur theilweise resecirt worden, und ich selbst habe noch in der 
letzten Zeit verschiedene Fälle heilen sehen, so gut, wie die To- 
talresectionen. Senft leben (Resectionen grösserer Gelenke, dieses 
Archiv. Bd. 3. S. 95), hat die Frage der Partialresectionen ein- 
gehend betrachtet; er kommt zu dem Resultate, dass vom Knor- 
pel aus allmälig ebenso gut Bindegewebsneubildung zu Stande 
kommt, wie von dem abgesägten Knochen, und dass also in der 
Nator des Knorpels durchaus keine Momente liegen, welche eine 
Entfernung desselben bei der Resection besonders vortheilhaft 
erscheinen lassen. 

Ich stelle also beim Sägeschnitt im Allgemeinen die Regel 
auf, dass man möglichst alles Gesunde erhalten soll. Sind die 
Gelenkflächen nur ganz oberflächlich erkrankt, so nehme ich auch 
nur ganz oberflächliche Partieen fort, und halte mich mit dem 

14* 



212 Dr. Itönig, 

S&geschnitt am Oberschenkel im Allgemeinen parallel der Gelenk- 
oberflache, d. h. der Schnitt soll vom Ende des inneren Condylus 
nngefähr gleich weit entfernt sein, wie Tom Ende des äusseren. 
Heyfelder hat dies schon f&r alle Enieresectionen als Regel 
aufgestellt, um der späteren Abweichung des Kniees nach Aussen 
vorzubauen. Aus meiner Beschreibung des Epiphysenknorpels er- 
hellt, warum der Schnitt gerade beim Eind in dieser Art am 
zweckmässigsten ist — indem man nämlich so gleich weit von 
dem Epiphysenknorpel entfernt bleibt. Sollte es von vorne herein 
offenbar sein, dass die Erkrankung an einer oder der anderen 
Stelle über die Epiphysenlinie hinausgeht, so rathe ich zunächst, 
den bei der Betrachtung der Epiphysenlinie angegebenen Schnitt 
zu machen, welcher in einem Schnitt soviel wie möglich von dem 
Gelenkende wegnimmt, ohne dem Epiphysenknorpel zu nahe zu 
kommen. Dann übersieht man das. Terrain; man kann, wie wir 
sehen, vom inneren Condylus bei einem Kinde von 11 Jahren 
noch weitere 0,8 C. M. entfernen, wenn man den Schnitt keil- 
förmig, bis vor die Mitte, verlaufen lässt; betrifft die Krankheit 
nicht die ganze Breite des inneren Condylus, so lege man lieber 
die Säge fort, und entferne mit dem Meissel, Hohlmeissel etc. 
das Kranke. Ebenso verfahre man, wenn die Krankheit an an- 
deren Stellen der Geleukoberfläche die Epiphysenlinie fiber- 
schreitet, man gebrauche das Instrument, mit welchem sich das 
Kranke in möglichst umschriebener Weise entfernen lässt. In 
ähnlicher Weise verfährt man an der Tibia, man merkt sich auch 
hier, dass vom vorderen Drittheil derselben ein schief nach der 
Tuberositas gehendes grösseres Stück entfernt werden darf, aber 
man entferne auch hier zunächst eher zu wenig an der oben an- 
gegebenen Schnittlinie und nach den angegebenen Grenzen, als 
zu viel. Hoffentlich stellt sich heraus, dass das Längenwachsthum, 
wenigstens zum grösseren Theile, erhalten bleibt, wenn ein grös- 
seres Stück der Epiphysenlinie erhalten bleibt. Es scheinen mir, 
wie ich schon bemerkte, die Fälle dafür zu sprechen, in welchen, 
der Angabe nach, mehr von den Epiphysen entfernt wurde, als 
nach den oben beschriebenen Messungen, bei Erhaltung der Epi- 



Beiträge zur Resection des Kniegelenkes. 213 

physenlinie, möglich erscheint, und bei welchen später doch sehr 
geringe Verkarznngen notirt worden. Ich selbst habe bis jetzt 
nnr einen Fall, welcher dafür zu sprechen scheint (Fall 2). In 
diesem wurde das innere Drittheil der Tibia mit der kranken 
Epiphysenlinie resecirt, und wenigstens nach einem Jahre kein 
zurückgebliebenes Wachsthum bemerkt Auch für die Adaption 
der Enochenenden sind die schiefen Schnitte, meiner Erfahrung 
nach, kein Hinderniss, wenn man wenigstens gleich nach der 
Operation einen Gipsverband anlegt 

Beim Acte des Sägens selbst sei man vorsichtig, dass man 
einen gleichmässigen Schnitt macht Besonders gilt dies f&r die 
hinteren Endeü der Schnitte, welche gar leicht so werden, dass 
kantige Stucke der hinteren Theile der Epiphysen stehen bleiben. 
Diese hindern das Aufeinanderpassen der Theile ausserordentlich, 
und müssen unbedingt nachträglich entfernt werden. Sind die 
Knocbenschnitte gemacht, so warte man die Blutstillung — in 
den tiefen Theilen, möglichst ohne Ligaturen, ab. Die Vereinigung 
soll nicht gomacht werden, ehe die Blutung ganz aufgehört hat, 
denn ein grösserer sich zersetzender Bluterguss gehört in meinen 
Augen zu den grössten Fatalitäten, welche den kleinen Kranken 
im Anfang der Nachbehandlung treffen kann. Primäre Vereinigung 
suche ich immer nur in dem horizontalen Theile des Schnittes 
zu erreichen, während die seitlichen Theile des Schnittes möglichst - 
offen gehalten werden. In diese Seitentheile schiebe ich geölte 
Läppchen — später DrainagerÖhrchen, oder die unteren Ab- 
schnitte von elastischen Katheterröhrchen ein. Jetzt schreite ich 
sofort zur Anlegung des Gipsverbandes. Kommt es nicht so sehr 
auf einen Ctm. in der Länge an, so lege ich den Gipsverband in 
ganz leicht krummer Richtung des Gliedes an, der Gang scheint 
mir besser zu sein, wenn das Glied in leicht gekrümmter Stel- 
lang heilt; die Bewegungen des Fussgelenkes können besser aus- 
geführt werden, als bei steif geradem Beine. Ich mache den 
Gipsverband so, dass ich erst das ganze Glied mit einer weichen 
Leinenbinde einwickele, wobei nur die Gegend der Wunde frei- 
gelassen wird. Dann lege ich vorher mit Gips bestreute, und in 



214 Dr. König, 

Wasser angefeuchtete Flanellbinden von 3 — 4 Finger Breite, zu- 
nächst in Zirkeltouren, so dass sich ^ der Touren decken, um 
das Glied. Will sich die Binde nicht gut legen, so wird abge- 
schnitten, und auf diese Art ebenfalls die vordere Kniegegend 
gleich möglichst frei gelassen. Die Eniekehlengegend und die 
seitlichen Theile der Eniegelenksregion werden durch Längs- 
streifen verstärkt, welche durch obere und untere Zirkeltouren 
nochmals fixirt werden. Wie aus der Beschreibung hervorgeht, 
werden zunächst alte Fisteln zugewickelt, und meist pflegen sie 
keine weiteren Unannehmlichkeiten zu machen. Heilen sie nicht, 
so erkennt man bald an den betreffenden Stellen Eiterflecke im 
Verband, und schneidet auf dieser Stelle in den Verband ein 
Loch. Bald nach Anlegung des Verbandes werden die scharfen 
Ränder an der Oefihung des Verbandes, der Wunde entsprechend, 
mit dem Messer geebnet, und nach Aussen eingebogen. Rings 
um den Rand herum werden die Lücken mit Charpie ausge- 
stopft, und diese mit CSoUodium getränkt, so dass ein Eindringen 
von Wundflässigkeiten zwischen Haut und Verband nicht statt- 
finden kann. * 

Im Bett wird der Resecirte möglichst flach gelegt, das ein- 
gegipste Glied nochmals auf einem vom Sitzknorren bis über die 
Ferse reichenden Sandsack befestigt. Die Rinne flir das Glied 
wird erst, wenn der Kranke liegt, genau nach dem Gliede mit 
den Händen modellirt, und dann das Glied mit einigen Tüchern 
auf dem Sacke befestigt. Ich erreiche so eine ziemlich absolute 
Immobilität des Gliedes. Das Glied wird immobil durch den 
Gipsverband, es wird aber weiter in der Rinne des schweren 
Sandsackes so befestigt, dass Bewegungen des Oberkörpers sich 
demselben wenig mittheilen können, während doch auf der an- 
deren Seite durch die Befestigung mit Tüchern auf den starren 
Gipsverband kein localer Druck ausgeübt wird. Der Kranke soll 
nun in diesem Verbände möglichst lange liegen bleiben — am 
besten bis zur Vollendung der Heilung, wenigstens aber 4 — 6 
Wochen. Hierzu gehört, dass der Verband genügend stark ist, 
und dass man für Reinhaltung desselben sorgt. Es thut dazu 



BeitrSge zor Resection des Kniegelenkes. 215 

fichon viel, dass man darcb die Oelläppchen oder BOhrcben den 
Eiter aber die Grenzen des Gliedes binaos in vorgelegte, oft ge- 
wechselte Gbarpie leitet; es gebOrt dazu, dass man die mit Col- 
lodiam getränkten Charpiemassen öfter erneuert, und dnrcb Ein- 
nnd Aufgiessen von Gblorwasser oder Lösung von bypennangan- 
saoerem Kali oder der Burow'scben Flfissigkeit für Reinigung 
und Gemcblosigkeit sorgt Zum Abnebmen vor der angegebenen 
Zeit sollen nur bestimmte ZwiscbenfUle treiben. 

Massiges Hervorquellen der Haut an der freigelassenen Ober* 
fliehe des Knies tritt immer ein, und bringt keinen weiteren 
Nachtbeil, ich sucbe dies nicbt durch umwickeln von Binden 
zu beseitigen, denn dazu gebOrt Aufbeben des Gliedes, und jedes 
Aufheben soll mögliebst lange vermieden werden. Quillt aber 
der Knietheü stark hervor, oder zeigen plötzlich freie Tbeile des 
Gliedes starkes Oedem, deutet heftiger Schmerz an einer be- 
stimmten Stelle, mit Entwickelung von consensuellen Allgemein- 
symptomen, auf Eiterung an einem nicbt zugSnglichen Orte hin, 
60 muss man, falls es nicbt möglich ist, durch Erweiterung be- 
reits bestehender Fenster die kranke Stelle zugänglich zu machen, 
den Verband entfernen. Ebenso muss man denselben entfernen, 
wenn er so schadhaft geworden ist, dass er f&r ruhige Lage des 
Gliedes keine Garantie mehr leistet. Ich verrichte dies zum Theil 
mit der Gipsscheere, meist aber mit einem gewöhnlichen Küchen- 
messer mit winkeUger Spitze. Ich rathe aber, falls man wieder 
einen Verband anlegen will, den Kranken vorher auf einen er- 
höhtes Tisch zu setzen und zu chloroformiren. Auch wenn die 
Festigkeit des Gliedes schon in einer frühen Zeit gesichert er- 
scheint, lege ich doch noch längere Zeit einen Verband an, oder 
ich lasse dem Operirten eine der gebräuchlichen Vorrichtungen 
w Feststellung des Kniegelenkes anfertigen, lasse ihn aber so 
bald als möglich herumgeben. 

Als zweite Sorge betrachte ich die Entleerung des Eiters. 
Ich habe schon bemerkt, dass ich durch Einlegung von Röbrchen 
den Eiter abzuleiten suche. Daneben gehe man mit Aengstlicb- 



216 Dr. König, 

keit allen anderweitigen Eiteransammlungen, nach and erOffne so 
bald als möglich. 

Mancher wird fragen, wozu diese minutiöse Erörterung von 
diesen allgemein bekannten Vorsichtsmassregeln dienen soll? Ich 
wollte in dem eben Mitgetheilten das veröffentlichen, was ich, 
meiner Erfahrung nach, als das Wesentlichste f&r das Gelingen 
der Knieresection im Allgemeinen, und beim Kinde im Besonde- 
ren halte. Ich bin so fest davon überzeugt, dass absolute Immo- 
bilisirung der operirten Extremität für das Gelingen der Opera- 
tion das Wesentlichste ist, was man leisten kann, dass ich die 
Beschreibung dessen, wie Ich die Immobilisirung zu erreichen 
suchte, nicht für überflüssig halte. Ich bin aber weit davon ent- 
fernt, zu behaupten, dass man dieses, Princip nicht auch auf an- 
dere Weise erreichen kann, und ich weiss auch zur Genüge, dass 
man, ohne die absolute Ruhe so streng durchzuführen, wie ich es 
gethan habe, resecirte Kniegelenke heilen kann. Ebensowohl bin 
ich mir bewusst, nichts Neues zu liefern. Ich habe selbst den 
Gipsverband erst angelegt, nachdem ich denselben in der v. Lan- 
gen b eck 'sehen Klinik bei Resectionen an anderen Gelenken 
hatte in Anwendung kommen sehen, und nachdem er mir dort 
auch flr Knieresection warm empfohlen worden war. Meinen 
ersten Patienten behandelte ich mit einem dem Esmar ch* sehen 
nachgebildeten Apparate, und hatte ich so auch Gelegenheit, mich 
von der unendlich grösseren Einfachheit der Behandlung im Gips- 
verbande zu fiberzeugen. Der von mir angegebenen Art des Gips- 
verbandes rühme ich nach, dass er sich sich sehr rasch machen 
lässt, in nur wenig mehr Zeit, als man nöthig hat, um eine Binde 
um das verletzte Glied zu legen, und dass er sich durch Auf- 
legen von Längsstreifen an den Stellen, wo es nöthig ist, sehr 
stark machen lässt. Die Heilung der Knieresection scheint mir 
bis jetzt ziemlich analog der Heilung der complicirten Fracturen, 
von denen Jedermann weiss, dass man seit Einführung des Gips- 
verbandes Glieder zur Heilung bringt, an deren Conservirung man 
in früherer Zeit nicht entfernt denken konnte. So erwarte ich 
denn auch, dass mit der allgemeinen Einführung des Gipsver- 



Beiträge zur Resection des Kniegelenkes. 217 

bandes nnd der absoluten Ruhe des operirten Gliedes die Resul- 
tate der Enieresectionen, sowohl in Beziehung auf Mortalität, als 
anch in Beziehung auf die spätere Brauchbarkeit der Glieder, 
also auf die Zahl der Nachamputationen, noch entschieden bessere 
werden, als sie bis jetzt gewesen sind. 

Es seheint, dass man in England den Gipsverband nach der 
Knieresection noch nicht anwendet, d. h. den sofort nach der 
Operation anzulegenden. Wenigstens geht dies aus dem Werke 
TOn Price hervor, und auch eine Bemerkung von H. Smith in 
dem oben angeführten Aufsätze in dem Journal für Einderkrank- 
heiten spricht dafür. Er meint, dass es möglicherweise besser 
sein könne, gleich nach der Operation einen Gipsverband anzu- 
legen. 

In Deutschland mag der Gipsverband hauptsächlich von 
V. Langenbeck's Schülern bei dieser Operation geübt worden 
sein, und auch Bardeleben pflegt denselben alsbald nach der 
Operation anzulegen, wie aus dem Buche von Heineke hervor- 
geht. In Wien scheint der Gipsverband noch nicht nach der 
Knieresection geübt zu werden, wenigstens ist derselbe in dem 
Bache von Dr. W. Scholz (Amputation und Resection bei Ge- 
lenkverletzungen. Wien 1866.) nicht erwähnt. 

Ich lasse noch schliesslich die Krankengeschichten der von. 
mir resecirten beiden Kinder folgen. 

1. Jah. Glück, 6 Jahre alt, ans Lorkaapten, vorde am 9. Februar 
1863 iD das hiesige Krankenhaas aufgeDommen. Das kranke Kniegelenk 
dea sonst gesunden Knaben war — seit welcher Zeit Hess sich nicht er- 
mitteln — massig geschwollen. Das Kniegelenk stand in einem Winkel von 
150* in ziemlich starker Gena Talgum-Stellung, die Patella nach aossen dis- 
locirt, die fibia leicht nach aussen rotirt Die Wade war atrophiscli, das 
Wadeabeinköpfcheo stand stark nach aussen yor. Es fanden sich yerschie- 
dene mSflsig eiternde Fisteln — eine auf dem Wadenbeinköpfchen, eine auf 
der Innenseite, eine auf der Aussenseite, neben dem Rande der Tibia, etwa 
ia der Hohe der Epiphjsengrenze. 

Nachdem das Knie durch Planum inclin. gestreckt war, wurde ein Gips- 
verband angelegt, — welcher aber bald wieder abgenommen werden musste, 
da sich auf der Vorderfläche der Tibia neue Fisteln bildeten. Trotzdem 
das Knie sehr wenig geschwollen nnd empfindlich war, wollten die Fisteln 



218 Dr- König, 

nicht heilen. Im Februar 1864 fand man, dass der obere Theil des Waden- 
beines — wahrscheinlich bis zur Gelenkfläche — cariOs war, nnd wurden, 
nach Erweiterung der Fistel, daselbst einige lose StQckchen entfernt Nach- 
dem während des Jahres 1864 das Befinden sehr wechselnd gewesen war, 
indem das Knie bald mehr, bald weniger angeschwollen, und die Bewegun- 
gen schmerzhaft waren, die Fisteln bald reichlich eiterten, bald mehr Ter- 
narbten, begann im Anfange des Jahres 1865 das Knie stärker zu schwellen. 
Dabei stellten sich lebhafte Schmerzen, Fiebererscheinungen und Appetitlo- 
sigkeit mit Abmagerung des kleinen Kranken ein. Die Fisteln an der Tibia 
eiterten wenig, aber aus der Fistel am Fibula-Köpfchen floss bei Druck aaf 
das Kniegelenk reichlicher, grüngelber, riechender Eiter, nnd gleichzeitig 
wurde die Gelonksch wellung weicher. Das Fieber wurde heftiger, die Ab- 
magerung nahm zu, und so wurde, da ein einfacher Gelenkschnitt wegen 
der gewiss bestehenden Caries nicht als hinreichend anzusehen war, die 
Resection vorgenommen, zu deren Beschleunigung die täglich mehr übelrie- 
chende und sich vermehrende Eiterung trieb. 

Am 20. Februar wurde in Ghloroformnarcose zunächst ein Querschnitt 
in das Gelenk geführt Auf das äussere Ende desselben wurde ein Längs- 
schnitt von dem geschwollenen Kopfe der Tibia bis zur oberen Ausdehnnog 
des Gelenkes geführt, um dem Eiter möglichst freie Entleerung zn yersehaf- 
fen. Nach Durchtrennung der Seitenbänder zeigten sich die Lig. cruciata, 
80 wie die Kapsel geschwollen, mit Granulationen besetzt, welche auch die 
freien Gelenkenden überwucherten. Die Knorpel waren zum Theil erodirt 
auf der äusseren Seite, Tibia und Femur oberflächlich cariOa. Auch das 
Wadenbein köpfchen war tou Granulationen überwuchert; in das Innere des- 
selben führte von der Gelenkfläche aus eine Fistel , und zeigte sich dzs 
Köpfchen innen total in eine cariöse, mit Granulationen und losen Knochen- 
stückchen gefQllte Höhle verwandelt Es wurde vom Femur nur so viel ent- 
fernt, dass überall an der Sägefläche kein Knorpel mehr sichtbar war, also 
ein Stück von höchstens 0,5 Gtm. an den Gondjlen, von der Tibia wurde 
nur eine ganz schmale Scheibe abgetragen. Dagegen wurde das Wadenbein 
blossgelegt, und ein etwa zolllanges Stück entfernt, — zuletzt auch noch 
die Patella. Dann wurde die Querwunde genäht, die Längswnnde durch 
tief eingeschobene Geliäppchen oben und unten offengehalten, in der Mitte 
auch genäht Sodann wurde ein Gipsverband angelegt, das Glied auf einen 
Sandsack gelagert 

Die Reaction war eine fast nicht bemerkbare. Nach einigen Tagen war 
fast kein Fieber mehr nachweisbar, der Appetit wurde gut Sämmtliche ge- 
nähte Stellen heilten zu, und die Eiterung wurde bald sehr gering. 

Am 13. März musste der Verband erneuert werden, da sich am inneren 



Beiträge zur Resection des Koiegclenkos. 219 

GondjloB ein Abscess gebildet hatte, doch wurde Dach ErOffnnog desselben 
alsbald ein neaer Verband angelegt 

Dann wurde bei yollkommenem Wohlbefinden des Patienten der Verband 
am 31. MSrz abgenommen. Das Bein konnte jetzt ohne DnterstQtzung ge- 
hoben werden, es fand sich noch wenige Beweglichkeit im Gelenke, dagegen 
hatte die Snppnration fast aufgehört. Abermaliger Gipsverband* 

Vom 15. April an ging der Kleine hemm, und zwar nach 4 Wochen 
schon ohne Stock, vom Juni an ohne Verband. 

Bei seiner Entlassung, Ende Juli, war er den ganzen Tag auf den Bei- 
nen, und konnte sehr rasch ohne Stock laufen. Die Fistel am Wadenbein 
war mit tiefer Einziehung geheilt, bei starker Beugung konnte man noch 
minimale Beweglichkeit im Gelenke nachweisen. Das Knie stand in ganz 
leichter Beugung, der Fuss yielleicht um eine Spur nach innen rotirt. Die 
Verkfirznng betrug etwa \ Zoll. 

2. Marie Knoblauch, 7 Jahre, aus Hanau, wurde am 12. Juni 1865 in 
das hiesige Krankenhans aufgenommen. Das Kind ist vor fast 1^ Jahren 
unter acuten Erscheinungen Ton Entzflndung des linken Kniegelenkes er- 
krankt. Nach längerer Behandlung mit Pflastern and Umschl&gen wurden 
Incisionen gemacht, und viel Eiter entleert. Es bildeten sich nachträglich 
mehr und mehr Fisteln, das Knie wurde fortwährend krummer, die Kleine 
▼erlor den Appetit, und magerte ab. 

Das Knie stand bei der Aufnahme der Kleinen in spitzwinkeliger Ben- 
^ng, war sehr empfindlich. Es fanden sich an dem Gelenke vielei Fisteln, 
2 an der Innenseite des Gelenkes am Oberschenkel , 3—4 in der Kniekehle, 
zur Seite der Flexoren, eine aber in der Wade, 3— 4 an der Innenseite der 
Epipbyse der Tibia. Zum Theil ist die Haut an diesen Fisteln weit nnter- 
minirt, sie sehen breiten, schmutzigen Geschwüren ähnlich, und entleeren 
massige Mengen dicken Eiters. Nachdem in Chloroform narcose die unter- 
minirte Haut abgetragen war, fand sich, dass das Glied sich leicht bis zu 
einem Winkel von etwa 95 Grad, aber nicht weiter beugen Hess. Die Pa- 
tella fand sich dann an normaler Stelle, der Unterschenkel leicht nach aussen 
rotirt, die Tibia nicht rfickwärts gesunken. Geschwollen war an dem Ge- 
lenke nur die Innenseite am Oberschenkel, und die Kniekehlengegend. Das 
Knie wurde anf einer Maschine allmälig gestreckt , die Fisteln zum Theil 
gespalten, und dadurch fttr freieren Abfluss des Eiters gesollt Das Kind 
erholte sich allmälig, hatte aber stets abendliche Fiebersymptome. Auch 
wollte der Appetit sich nicht recht einstellen. Die Eiterung liess bald nach, 
bald wurde sie wieder stärker; die Streckung war bald bis zu einem Win- 
kel Ton 150® erreicht, von da ab wurde sie schmerzhaft, und die Versuche, 
es weiter zu bringen, mnssten zunächst aufgegeben werden. Im October 
bildeten sich, ohne dass man einen speciellen Grund hätte angeben können. 



220 ^^' K6nig, Beiträge zur Resection des Koiegeleokes. 

trotz goter, gesicherter Lagerang etc , von Neuem beträchtliche EiteraDgen 
innen am Oberschenkel. Nach Oeffnnog des Abscesses gelangte man von 
dieser, am Gondylus intern, gelegenen Fistel auf cariAse Stellen in grdsserer 
Ausdehnung, welche dem Femur und der Tibia angehören mnssten. 

Resection am 13. October 1865 in Gbloroformnarcose : Qaerschnitt mit 
2 kurzen Längsschnitten aussen und innen. D|e Ligg. cruciata waren nur 
noch fragmentarisch erhalten, das Gelenk vorne relativ frei, von der hinte- 
reu Wand der Kapsel reichliche Granulationsbildung. Der Knorpel des Gon- 
dylus externus und der Fossa intercondyloidea, so wie der vordere Theil 
des inneren Gondylus zeigt nur kleinere und grossere Defecte, ebenso der 
äussere Theil der Tibia. An der Hinterseite des Gondylus internus zeigt 
sich ein etwa zwei Groschen grosser Knorpeldefect, mit scharfen Rändern. 
Ebenso ist der Knochen etwa in der Tiefe von 3 Linien, entsprechend die- 
ser Stelle, zerstört, das spongiöse Gewebe von Granulationen durchwachsen. 
Ebenso ist das innere Drittheil der Tibia in noch etwas grösserer Ausdeh- 
nung erkrankt, das äussere, ausser den angegebenen Knorpelveränderungen, 
gesund. Die Pfttella ist gesund. Es ward von dem Oberschenkel etwa 
1 Gtm. , von den Gondylen aus gemessen, abgesägt Im inneren Gondylus 
zeigt sich noch eine halbgroschengrosse, 3 Mm. tiefe Partie, welche ausge- 
kratzt wird. Von der Tibia wird etwa ein 4 Mni. grosses, uäd von der 
kranken Innenseite ein etwa noch ein 5 Gtm. langes StQek, allmälig in schie- 
fer Linie, mit dem Hohlmeissel entfernt. Die geraden Schnitte bleiben, auf 
der Quere wird genäht. Dann Gipsverband, Lagerung auf einen Sandsack. 
— Die Reaction war abermals sehr gering, die Eiterung blieb in sehr massi- 
gen Grenzen, und wurde nur 2 Mal etwas stärker, indem sich durch abge- 
stossene Knorpelstückchen verursachte Abscesse bildeten. Der Querschnitt 
heilte primär zu. In der vierten Woche wurde der Verband entfernt, um 
einen solchen Abscess zu eröffnen. Von Ende December geht die Kleine 
herum. Einige Fisteln eiterten noch massig, die Verbindung in den Ge- 
lenklinien war noch nicht fest. Daher kam es wohl auch, dass beim Her- 
umgehen ohne Verband das von vorne herein leicht gekrdmmte Glied eine 
etwas stärkere Krümmung bekommen hatte. Es wurde deshalb ein leichter 
Streckapparat angelegt (April 1866). Während die Kleine mit diesem Appa- 
rate herumging, streckte sich das Bein allmälig. Als sie Ende October ent- 
lassen wurde, war die Verwachsung so fest, dass ich unsicher war, ob sich 
überhaupt noch leichte Bewegungen machen Hessen, das Knie war leicht 
gekrümmt, eine Fistel am Gondylus internus ging noch zuweilen auf, der 
Gang war sicher, die Kleine konnte den ganzen Tag herumgehen und lau- 
fen, sie war körperlich vollständig erholt Die Verkürzung betrug 5 Gtm., 
wovon etwa die Hälfte auf üfe Krümmung, die andere Hälfte auf die Re- 
section kommen mögep. 



VL 

Mittheilungen aus der chirurgisclien 

Oasuistik 

nnd 

kleinere Mittheilungen. 

L ÜB Fall ¥00 Unterkiefergeschwnlst, bediagt durch Degeaeratton 

•iaes Zahasackes. 

Ton 

Prof« E« IVeamanay 

in K8iilg«b«rs L Pr. 

(Hiena Tafel II. Figur 12. 18). 

Bei einem 18jährigen jnogen Manue hatte sich, angeblich im Laufe 
^ott etwa drei Jahren, nachdem er sich wegen Zahnschmerzen zwei Back- 
Ihne ans der rechten Dnierkieferhftlfte hatte ausziehen lassen, nnd darauf 
in kleines, Eiter entleerendes, bald heilendes „Geschwflr** entstanden war, 
ine Kiefergeschwnlst entwickelt, welche ganz allmllig nnd schmerzlos zn 
iner ansehnlichen Grösse herangewachsen war. Am 20. November v. J. 
nrde in der hiesigen chirurgischen Klinik Ton Herrn Medicinalrath Wag- 
er die Resection des kranken Knochens ausgeführt, nnd derselbe mir zur 
ntersnchang Obergeben. Der interessante Befund war folgender: 

Das exstirpirte Stfick umfasst die ganze rechte Hälfte des horizontalen 
heiles des Unterkiefers. Der vordere Sägeschnitt geht mitten durch die 
Weole dea ersten rechten Schneidezahnes, der hintere durch die Aheole 
es letzten grossen Backzahnes. Beide genannten Zähne fehlen am Präparat; 
orhanden sind dagegen der zweite Schneidezahn, der Eckzahn nnd ein 
leiner Backsshn, alle drei sind normal beschaffen, nnd stehen dicht hinter- 
inander im Tordersten Theile des Alveolarrandes. Ausserdem befindet sich 



222 Dr. E. Neumann, 

ganz hinten, nnmittelbar Tor der hinteren Sägefläche, ein durch Garies fast 
gänzlich zerstörter grosser Backzahn. Zwischen ihm und dem yornstehendea 
kleinen Backzahn ist eine zahnlose Lücke von 1* Länge, welcher entspre- 
chend der Aheolarrand auffallend breit, und conyex Torgetrieben ist, sich 
ausserdem auch durch eine mehr elastisch derbe, als knochenharte Resistenz 
auszeichnet. Die bedeckende Schleimhaut erscheint etwas narbig, jedoch 
sonst normal. 

Die auffälligste Veränderung besteht nun in einer bedeutenden Aaftrei- 
bnng des Knochens, von welcher nur die zunächst an die Sägeflächen an- 
stossenden Knochentheile ausgeschlossen sind. Die beträchtlichste Ausdeh- 
nung hat die äussere (Gesichts-) Fläche erfahren; sie wird durch eine gro- 
sbentheils sehr dQnne, leicht eindr&ckbare, und an der Stelle der stärksten 
Vorwölbung defecte Knochenlamelle von poröser Beschaffeifheit gebildet, 
durch welche hindurch sich deutlich eine^^ fluctuirende Beschaffenheit des 
im Knochen eingeschlossenen Gontentnm wahrnehmen lässt An mehreren 
Stellen treten an ihr secundäre Ausbuchtungen, in Form kleiner, circum- 
scripter, halbkugeliger Prominenzen hervor, von welchen die eine eine etwa 
stecknadelkopfgrosse Oefifnnug in ihrer Mitte zeigt. Nach oben erstreckt 
sich die Auftreibung der äusseren Fläche bis zu dem Alveolarrande hin, so 
dass an dem erwähnten breiten Theile desselben der Alveolarfortsatz ganx 
verstrichen ist. Nach abwärts findet ein allmäliger Uebergang in den sehr 
breiten, gleichfalls zu einer Kugelfläche vorgewölbten unteren Kieferraod 
statt Auch hier ist der Knochen von einer äusserst dQnnen, und an meh- 
reren Stellen durch fibröse Platten unterbrochenen Lamelle gebildet. Am 
wenigsten in ihrer normalen Form verändert erscheint die innere (Mand- 
höhlen-) Fläche; sie steigt, nur massig convex vorspringend, im Ganzen 
vertical von dem Alveolarrande abwärts, und besteht ans einer durchweg 
resistenten Knochenwand. — Wie bedeutend die Volumszunahme des Kiefers 
ist, geht daraus hervor, dass die grösste Dicke desselben, d« h. die Entfernung 
zwischen den am meisten prominirenden Punkten der äusseren nnd inneres 
Fläche If", die Entfernung des Alveolarrandes von dem tiefsten Theile der 
unteren Fläche 2" beträgt. 

Nachdem der Knochen parallel dem Alveolarrande von vorne nach hinten 
durchsägt worden, zeigt sich im Inneren desselben eine Höhle, welche mit 
einer etwa apfelgrossen , geschwulstartigen, kugeligen Masse ausgefüllt ist 
Dieselbe liegt mit glatter Aussenfläche der gleichfalls glatten Innenfläche 
der Höhle fiberall genau an, ist an diese jedoch so locker angeheftet, dzas 
sie sich von ihr leicht ablösen lässt. Nur an einer Stelle besteht eine in- 
nigere Adhärenz, nämlich unterhalb der erwähnten breiten Stelle des AI* 
veolarrandes; hier ist die Geschwulst mittelst eines festen, sehnigen üevebes, 
welches den Verschluss des AlveoUrrandes an dieser Stelle bewirkt, mit der 



Oiiterkiefergeschwalst, bedingt darch Degeneration eines Zahnsackes. 2*23 

bedeckenden Schleimbant fest verwachsen. An der Geschwulst selbst tritt 
nan aaf dem Darchschnitte zunächst eine äussere, 1 — 2'" dicke, speckig 
derbe Bindegewebskapsel hervor, welche die übrigen Theile einschliesst 
Letztere bestehen, der Hauptmasse nach, aus einem weichen, rothen, schwam- 
migen Qewebe, welches sowohl durch diese Beschaffenheit, als durch ihren 
lappig zerspaltenen Bau grosse Aehnlichkeit mit dem Gewebe der Placenta 
zeigt In dasselbe eingebettet befinden sich zahlreiche, knochenharte, gelb- 
licbweisse Goncremente mit drusig-höckeriger Oberfläche, deren grOsste den 
Um&og einer Mandel erreichen, während die meisten als kleinere oder grö- 
bere Sandkörner sich darstellen. Ausser diesen, mit ihr in festem Zusammen- 
hange befindlichen schwammigen Geschwulstmassen enthält die Kapsel 
femer eine blutig gefärbte Flüssigkeit, im Betrage von etwa einem Esslöffel, 
velche in einer wallnussgrossen, cjstenartigen Höhle in dem am meisten 
Dach aussen prominirenden Theile der Geschwulst angesammelt ist. Die 
Begrenzung dieser Höhle wird theils von der Kapsel selbst, welche hier zu 
einem dfinnen Häutchen ausgedehnt ist, theils von den die Kapsel ausfüllen- 
den Geschwulstmassen gebildet Der wichtigste und interessanteste Be- 
Btandtheil der Geschwulst besteht endlich in einem grossen Backzahne, 
welcher mit seinen beiden, etwas verkürzten Wurzeln in der Kapsel fest 
eingefügt ist, während .seine vierspitzige, wie es scheint, mit unvollkom- 
mener Schmelzlage bedeckte Krone zum Theil hei in die Gjste hineinragt, 
zum Theil dagegen mit jenem weichen, schwammigen Gewebe gewissermassen 
bewachsen ist Die centrale Vertiefung der Kaufläche des Zahnes ist mit 
einer warzigen, an der Oberfläche rauhen Goncretion ausgefüllt, welche mit 
der Substanz des Zahnes fest verschmolzen ist. Was die Lage betrifft, 
welche der Zahn im Kiefer einnimmt, so liegt derselbe der inneren (der 
Mandhöhle zugekehrten) Knochenlamelle, und zwar dem untersten Theile 
derselben an, vertical unter dem vorderen kleinen Backzahne. Seine nach 
unten gerichteten Wurzeln ruhen demnach auf dem Boden der Knochen- 
schale, seine Krone sieht nach aufwärts. 

Eine weitere Untersuchung des Präparates ergab, dass noch ein zweiter 
Zahn im Kiefer verborgen ist Derselbe kam erst zum Vorschein, nachdem 
die beschriebene Gesehwulst aus ihrem knöchernen Gehäuse thunlichst aus- 
geschält war. Es stellte sich hierbei nämlich heraus, dass die Höhle, in 
welcher dieselbe gelagert ist, sich im vorderen Theile der äusseren Wand 
n einer Nische ausweitet, welche einen äusserlich nur wenig bemerkbaren, 
leistenförmig vorspringenden Wulst unterhalb des Eckzahnes bildet. In 
dieser Seitennische der grossen Höhle befindet sich nun ein kleiner Back- 
ahn mit schräg abgestutzter, einfacher Wurzel« Derselbe ist umschlossen 
von einem zarten, geßssreichen Häutchen» welches ihm grösstentheils nur 
ioee aufliegt, an der Wurzel jedoch und einem Theile der Krone fest adhä- 



224- l^r. E. Neumann, 

rirt Aoch dieser Zahn ist rertical gestellt mit der Krone nach auf-, der 
Wurzel nach abwärts. Der darch ihn vorgetriebene Theil der ftasseren Kie- 
ferwand ist stark verdQnnt. 

Der Nenrns alveolaris tritt an der Innenfläche der Höhle zn Tage, and 
iwar verläaft er in einer vom Knochen gebildeten Halbrinne, zunächst am 
Boden der Höhle von hinten nach vorne, um sodann mit einer leichten 
Wendung nach rfickwärts an der Innenfläche der äusseren Knochenlamelle 
zu dem unter dem Eckzahne gelegenen Foramen mentale aufzusteigen. 

Die mikroskopische Untersuchung zeigt die kapselartige pen- 
pherische Schicht aus fibrillärem, meistens von braunen Pigmentkörnern 
reichlich durchsetzten Bindegewebe bestehend. Von ihrer Innenfläche er- 
heben sich papilläre, dendritisch verzweigte, mit weiten Gapillarschlingen 
versehene Excrescenzen, welche, in Verbindung mit einem sie umhflllenden 
mächtig entwickelten Pflasterepithel, die schwammige Geschwnlstmasse im 
Innern der Kapsel bilden. Die in sie eingebetteten Goncremente, von 
welchen die kleineren die grösste Aehnlichkeit mit dem Gehirnsande dar- 
bieten, erweisen sich, nach Auflösung der Kalksalze durch Säuren, eben- 
falb als dergleichen papilläre Bildungen. Der Inhalt der Gyste zeigt von 
morphologischen Bestandtheilen nur zahlreiche Blutzellen und einige Epi- 
thelien. 



Dass es sich in diesem Falle um einen degenerirten Zahnsack, and 
nicht um eine innerhalb des spongiösen' Knochengewebes des Kiefers ent- 
standene Neubildung handelt, bedarf keiner näheren Begründung. Die An- 
wesenheit des Zahnes im Inneren der Geschwulst, ihre lose Einlagerung in 
eine glattwandige Aushöhlung des Knochens, sowie die feste Adhärenz an 
dem Periost des Alveolarrandes schliessen jeden Zweifel aus. Ebenso lehrt 
der mikroskopische Befund mit Sicherheit, dass sich die Degeneration anf 
die Production homologer Gewebe beschränkt hat; die Geschwnlstkapsel 
ist die verdickte Wand des Zahnsäckchens, und die papillären Bindegewebs- 
ezcrescenzen mit ihren mächtigen Epithellagen finden ihr physiologisches 
Vorbild in jenen als normale Bestandtheile des Zahhsäckchens in neuerer 
Zeit erkannten Bindegewebszotten , welche, bekleidet von einer dem soge- 
nannten äusseren Schmelzepithel angehörenden Epithelzellenschicht, von der 
Innenfläche der Zahnsackwandung in das Gallertgewebe des Schmelzorganes 
hineinragen (Kölliker, Handbuch d. Gewebelehre. 2. Aufl. p.413). ^ Was 
die Entstehung der Degeneration betrifft, so ist die Annahme, dass dieselbe 
in Folge einer bestehenden Dislocation des Zahnsäckchens und des behin- 
derten Durchbruches des Zahnes sich ausgebildet, um so wahrscheinlicher, 
als beide im Kiefer eingeschlossenen Zähne als Ob er zähl ige betrachtet 



Onterkiefergeschwulst, bedingt darch Degeneration eines Zahnsackea. 225 

werden mflssen, falls die Angabe des Kranken richtig ist, dass ihm frfiher 
zwei Baekzlhne ans der betreffenden Rieferhftlfte extrahirt worden seien. 



Erklärung der Abbildungen auf Tafel IL 

Fignr 12. 
Ansicht des Kiefers von seiner Sosseren Fläche her. 

a. Kaglige Anftreibong der äusseren Fläche und des unteren Randes, 
b. b*. Yordere and hintere nicht aofgetriebene Abschnitte des Kiefers. 

c. LQcken der Knochenschale durch fibröse Platten geschlossen. 

d. Secnndfire Ausbuchtungen der Knochenschale, die eine mit cen- 
traler Oeffnnng. 

a Leistenfßrmige Vortreibung der äusseren Fläche durch den dislo- 

cirten kleinen Backzahn. 
f. Zahnfleisch, 
e:. Oaiiöser hinterer Backzahn. 

Figur 13. 
Ansicht der unteren Hälfte des durchsägten Kiefers Ton 
oben her» 

a. &■. Vordere und hintere nicht aufgetriebene Abschnitte des Kiefers 
b. Verdickte Wandung des degenerirten Zahnsackes. 
c Mit Blut gefällte Höhle. 

d. Schwammige Masse im Inneren des Zahnsackes. 

e. Concremente, in dieselbe eingebettet 

f. Der in den Zahnsack eingeschlossene grosse Backzahn, von seiner 
Kanflftche her gesehen, an der linken Seite mit dem schwammigen 
Gewebe bewachsen. 

g. Aeussere und 

g'. Innere Lamelle des Kiefers. 



f K ^ir Arebiv r. Chirurgie, ix. 15 



226 I>r- 0. J&8c1ie, 



2. Znr operathreii Behandlng der narbigen Kieferkleme. 

Von 
in Miscbnl-Nowgorod 



Die auf S. 168 des Vin. Bandes dieses ArchiTs erwähnte nnd bereits 
im Jahrgange 1868 (1854 im Archiv ist ein Druckfehler) S. 209 der med. 
Zeitung Rasslands beschriebene Operation zur Hebung der narbigen Kiefer- 
klemme KU wiederholen, fand ich erst im letzten Sommer Gelegenheit Der 
nicht minder glückliche Erfolg in diesem zweiten Falle flberzengte mich 
vollkommen vom Werthe meiner Methode, welche dessenungeachtet bis jetzt 
gänzlich unbeachtet geblieben zu sein scheint, sei*s, weil überhaupt der In- 
halt jenes Organes, damals des einzigen, die wissenschaftlichen Lebensänsse- 
rnngen der in Russland zerstreuten deutschen Aerzte ans Licht förd^nden« 
im Mutterlande weniger Beachtung fand, als es mit dem seiner Nachfolge- 
rin, der Petersburger med. Zeitschrift, der Fall zu sein scheint, — Bt\% 
weil meine damalige Beschreibung des Verfahrens keine genügend anschzo- 
liehe Vorstellung davon gab, — oder endlich, weil meine Operation durch 
eine andere in den Schatten gestellt wurde, welche, auf demselben Felde 
wirksam und gleichzeitig auftretend, aber durch volltönende Namen getra- 
gen, rasch bei den Zeitgenossen in Aufnahme kam. — Diese Operation, die 
Dnrchschneidnng oder die Resection des Unterkieferknochens nach Eb- 
march und Rizzoli, ist unstreitig eine sehr schätzbare Erfindung, nnd 
bei wahrer Ankylose durch keine andere zu ersetzen — wenigstens beim 
gegenwärtigen Stande der Chirurgie. Die immer zahlreicher einlaufenden 
Berichte über derartige Operationsftlle (welche ich übrigens nur aus Ourlt's 
Jahresberichten kenne) erregen jedoch den Verdacht,' als werden die ge- 
nannten Verfahren auch auf Fälle ausgedehnt, wo ohne Knochenverschmel- 
zung, einzig durch Verwachsung der Weichtheile untereinander, oder dnicb 
Neubildung narbiger Stränge die Dnbeweglichkeit der Kiefer hervorgerufen 
und unterhalten wird. Die bekannte Erfolglosigkeit der einfachen Trennung 
solcher Stränge und Verwachsungen könnte allerdings zu dergleichen ein- 
greifenderen Acten verleiten, aber doch erst alsdann, wenn die Möglichkeit 
eines schonenderen gänzlich aufgegeben werden mnss, ^ denn die Grund- 
idee jener Operationen weicht am Ende doch weit ab von der Richtung, io 
der sich die Chirurgie der Gegenwart ihr Ziel gesteckt, und ihre glänzend- 
sten Erfolge erringt, von der conservativen nnd restaurirenden ; sie giebtj« 



Zur operatiTeo Behaodlaog der narbigen Kieferklemme. 227 

QQr einem Theile des ausser Thätigkeit gesetzten Organes seine Functions- 
flhigkeit wieder, w&farend sie den nicht unbedeutenden Rest gänzlich auf- 
giebt, tu kbensllnglicher UntbStigkeit yerdammt, also einen Defect zurfick- 
lässt, dessen Bedeutung Jeder einsieht, den sein schadhaft werdendes Ge- 
bisa nöthigt, bald die eine, bald die andere Seite desselben zum Kauen zu 
benutzen. Aber auch die schlimmste Seite der Kieferresection dürfen wir 
nicht aus den Augen lassen: die nicht ganz selten durch Pyämie, durch 
Bronchitis oder Pneumonie herbeigelockte Lebensgefahr, wovon nicht nur 
meine eigene beschränkte Erfahrung, sondern auch die reichhaltigen Anna- 
len grösserer Anstalten, wie z. B. der Berliner Klinik, Beispiele aufzuweisen 
baben. Dieser Angriff auf den Knochen darf mithin immer nur als letztes 
AnBknnftsmittel anzusehen, und das Streben nach einem milderen, nur in 
den Weichtheilen sich bewegenden Verfahren nicht aufzugeben sein. Letz- 
tere Aufgabe nun glaube ich durch mein Verfahren gelöst zu haben, und 
halte die nochmalige Besprechung desselben in diesen Blättern zur Brinne- 
ning daran für um so nothwendiger, als meine damalige Beschreibung in 
der med. Zeitung Russlands jetzt, bei abermaliger Durchlesnng, mir selbst 
nicht klar und genau genug erscheint, die von Bojanus a. a 0. gegebene 
aber an manchen Ungenanigkeiten leidet 

Der leitende Grundgedanke meiner Operation geht darauf aus, zuerst 
die verloren gegangene Bekleidung der Zahnfortsätze , das mit einer Ober« 
baut bedeckte Zahnfleisch, wieder zu ersetzen, und zwar nicht auf dem 
Wege der grannlirenden Narbenbildung, sondern auf dem der Plastik, der 
Restauration durch Hautverpflanzung. Diese Neubildung geschieht aber auf 
Kosten der Wange, — es muss ihr daher ein Wiederersatz dieser letzteren 
folgen. Diese neue Wange Itegi freilich auch mit einer wunden Fläche dem 
neuen Zahnfleische gegen&ber, kann aber mit dem bereits Qberhäuteten nicht 
verwachsen. Sonstige Hindernisse, die sich der Entfernung der beiden 
Zahnreihen entgegenstellen können, wie ligamentöse Verwachsungen der Ge- 
lenkflächen, Muskelretraction, werden durch mechanische Mittel und Mjoto- 
iBie beseitigt 

Die Operation fand ich (bisher wenigstens) fttr gerathen, in 2 Acte zu 
tbeilen, deren erster wiederum aus 2 oder ans 8 Manövern besteht, die 
Zwischenzeit aber zur Vervollständigung der im ersten Acte erzielten Re- 
sultate dient — Das anschaulichste Bild des Verfohrens wird die Beschrei- 
bung des erwähnten Falles geben. 

Im Mai dieses Jahres erschien bei mir eine junge Bäuerin mit durch 
vollständige Verschmelzung der Wange und des Zahnfleisches der rechten 
Seite unbeweglich aneinander gepressten Kiefern, üeberdies erstreckte sich 
auf der Anssenfläche der Wange ein harter, dicker Narbenstrang in hori- 
zontaler Riehtang vom reehtes Mundwinkel bis znip vorderen Rande dee 

15* 



228 ^r* 0' J&sche, 

KanmuskelB. Diese Entstellaitg, die Folge einer im Jahre vorher erhaltenen 
Schnsswnnde, wurde, zamai durch Behinderung der Brnährnng und der 
Sprache bo listig, dass die Patientin aus weiter Feme herbeikam^ um Hfllfe 
zu suchen, und sich bereitwilligst jeder Operation unterwerfen wollte. — 
In diesem noch nicht so veralteten Falle durfte ich hoffen, ohne Durch- 
schneidung der Kaumuskeln durchzukommen, und schritt daher sogleich zom 
horizontalen Durchschnitt der Wange, vom Mundwinkel bis zum vorderen 
Masseterrande, also einer ansehnlichen Verlängerung der Mundspalte nach 
rechts. Diesmal war's übrigens kein einfaches Durch-, sondern zugleich ein 
Ausschneiden des die ganze Dicke der Wange durchsetzenden Narbenstran- 
ges. Hierauf wurden zwischen die Zahnreihen beiderseits grosse, starke 
Spatel geschoben, und durch hebelartige Bewegungen derselben die Kinn- 
laden auseinandergedr&ngt, was auch nach einiger Anstrengung bis zum Ab- 
stände von 1 Zoll (zwischen den Vorderzähnen) gelang. Hiermit schloss 
der erste Act, dessen Ergebniss, die Entfernung der Kiefer von einander, 
während des darauf folgenden Zwischenactes durch Korkkeile und einen 
unten näher zu beschreibenden Apparat unterhalten wurde; — dieselben 
Mittel hielten natarlich auch die beiden Ränder des Wangenschnittee ans- 
einander, so dass jeder derselben für sich vernarben konnte, was nngef&hr 
im Laufe eines Monates geschah, indessen auch durch fortdauernde Einwir- 
kung des Apparates die Aufsperrung des Mundes aufs Vollständigste her- 
gestellt wurde, und Pat. sich im Kauen übte. Nun besass sie zwar einen 
offenen Eingang zu den Speisewegen, und ein frei bewegliches Kauwerk, — 
aber dagegen auch eine unförmlich weite, nach rechts verzogene Mundspalte, 
aus der fortwährend Speichel floss, und nur eine undeutliche Sprache er- 
klang: es fehlte ja rechterseits die zum natürlichen Verschlusse der Mund- 
höhle, sowohl bei aufeindergeklemmten, als bei auseinandergehenden Zahn^ 
reihen, nothwendige Wandung, — es blieb uns mithin die Aufgabe einer 
Meloplastik, der Herstellung einer über dem Zahfleische frei verschiebbaren 
Backe. Ein Zahnfleisch hatten wir schon: die Alveolarprocesse, der obere, 
wie der untere, waren ja mit fest angelötheter Haut bedeckt, und diesen 
Ueberzug Hessen wir ihnen denn auch, im Vertrauen auf die Vensicherang 
einiger Physiologen, dass die Epidermis sich in Epithel umzuwandeln ver- 
möge, wenn sie unter gleiche Verhältnisse versetzt wird, wie letiteres. Zum 
Ersätze des daraus hervorgehenden Defectes in der Wange mussten die be- 
nachbarten Hauptpartien dienen, welche wir, von oben sowohl, ab von 
unten, herbeizogen. Hierin bestand nun der zweite, durch den ersten bereits 
vorbereitete Act, welchen wir folgen dermassen durchführten: Sowohl ober-, 
als unterhalb der Wangenspalte, in einem Abstände von 4—5'" von den be- 
reits übernarbten Rändern derselben, und parallel mit ihnen, führte ich je 
einen horizontalen Schnitt durch Haut und Zellgewebe, — die Enden die- 



Zar operatiTen Behandlung der narbigen Rieferklemme. 2'29 

ser Schnitte gingen in Bllipsen über, am sich mit den Enden der Wangen • 
spalte anter spitzen Winkeln zn vereinigen , also vorne am rechten Mund- 
winkel, hinten am Yorderen Masseterrande. Anf solche Weise waren die an 
die Alyeolarforts&tze jingeiatheten Partien der Wangenhant von ihrem Zu- 
sammenhange mit der fibrigen abgetrennt, um in dieser Lage belassen, das 
neue Zahnfleisch darzustellen Um nun aber die Backe wiederherzustellen, 
prSparirte ich die fibrige Wangenhaut ron ihren Unterlagen ab, vom oberen 
Schnitte ans bis zum unteren Angenhöhlenrande, vom unteren bis tief unter 
den Unterkieferrand hinab, — so weit, dass diese Haut sich von oben so- 
wohl, oIb von nnten, leicht fiber jenes neue Zahnfleisch herüberziehen, und 
ihre wunden Ränder sich ohne Spannung (sogar bei bis anf 1" weit geöff- 
netem Monde) untereinander durch Insectenn&hte vereinigen Hessen. Sie 
▼erheilten auch grösstentheils durch rasche Vereinigung, und sobald ihre 
Narbe hinreichend fest geworden war, um einige Dehnung zu vertragen, 
wurde aach wieder für weitere Ausdehnung des Mundes durch den erwähn- 
ten Apparat, so wie durch Raubewegungen gesorgt, um sowohl die noch 
fibrige Steifigkeit im Gelenke und den Muskeln zu tilgen, als der zusam- 
menziehenden Kraft der Grannlationsbildung, auf der wunden inneren Fläche 
der neuen Backe entgegenzuwirken. Das geschah denn auch mit solchem 
Erfolge, dass nach einigen Wochen, als diese Fläche sich überhäutet hatte, 
die Vorrichtnngen der Sprech- und Kauwerkzeuge als hergestellt angesehen 
werden konnten, nnd Fat mit der Weisung entlassen wurde, die Korkkeile 
zwischen den Zähnen noch längere Zeit hindurch während mehrerer Stun- 
den am Tage zu tragen. 

Der erwähnte Apparat besteht ans 2 hufeisenförmigen, flachen, eisernen 
Bügeln mit etwas aufgebogenen Rändern, so dass sie flache Rinnen darstel- 
len, in welche die Zahnreihen zn liegen kommen. Die Rinnen sind, um den 
Druck auf die Zähne zu massigen, mit Kautschukplatten bedeckt. Die Bü- 
gel liegen mit ihren flachen Rändern aufeinander, so dass sie sich decken, 
und die Rinnen, eine nach oben, die apdere nach unten, sehen, — an ihren 
Enden sind sie durch Chamiergelenke , oder durch Zapfen verbunden, an 
ihrer Mitte, auf der Höhe der Bögen, haben sie Ansätze, von denen der 
untere, von einem Schraubengange durchbohrt, eine Schraube trägt, die mit 
ihrem Ende den Ansatz des oberen Bügels berührt, und bei ihrer Umdrehung 
vor sich hertreibt, wodurch denn beide Zahnreihen mittelst eines gleich- 
missig vertheilten Druckes auseinandergedrängt werden. Je düpner die Bü- 
gel, und je feiner ihr Schloss gearbeitet sind, bei desto geringerem Abstände 
der Kbne von einander lassen sie sich schon einführen; unser Apparat, von 
einem gewöhnlichen Schlosser verfertigt, ist ziemlich derb ausgefallen, und 
fordert daher eine vorläufige Erweiterung durch Spatel und Korkkeile. 



230 I>r. Hering, 



3. Ein Fall von halbseitiger Gesicbtsatrophie, in Folge Yoa Ter- 

brenonng. 

Mittheilang aus der Bonner chirurgischen Klinik. 

Von 

Dr. Herinsy 

AssittenB-Arit am chirorgitehen Klinikum in Bonn. 

(Hierzu Tftf. lü.) 



Ende December vorigen Jahres kam die 53jährige Agnes Moll aoi 
fiomheim in die Klinik, mit einer rechtsseitigen Radinsfractnr im nnteren 
Drittel. Es wnrde ein Gypsverband angelegt, und der Bruch heilte in nor- 
maler Weise. Ausserdem zeigte die Patientin eine äusserst hochgradige 
linksseitige Gesichtsatrophie, welche von Jugend an besteht, und welche 
Patientin von einer in ihrem ersten Lebensjahre erlittenen Verbrennung her 
datirt Sie fiel nfimlich, kaum i Jahr alt, von dem Arme ihres Bruders mit 
der linken Schulter und der linken Gesichtshälfte gegen einen glfihenden 
eisernen Ofen. Wie tief die Verbrennung gegangen, und wie überhaupt dar 
weitere Verlauf derselben gewesen, vermag die Patientin nicht anzugeben, 
da sie von ihren Eltern Näheres nicht darüber erfahren hat; das aber giebt 
sie mit der bestimmtesten Versicherung an, daas ihr Gesicht vor der Ver- 
brennung eine Missbildung nicht gezeigt habe. — Während nnn die linke 
Schulter und Arm ganz wohlgebildet sind, und kaum sichtbare Spuren der 
Verbrennung erkennen lassen, bietet das Gesicht eine so eigenthflmlicbe 
und so hochgradige Verbildung der linken Hälfte dar, dass man bei der 
Profilbetrachtung der Patientin von den beiden Seiten her, gleich einem 
Januskopfe, zwei ganz verschiedene Personen vor sich zu haben glaubt, 
von rechts gesehen ein volles, rnndes Frauengesicht, von links dagegen ein 
hässliches, mageres, zusammengeschrumpftes, jedoch runzelfreies, todtes, 
skeletähnliches Altweibergesicht. Die beiden Abbildungen, von denen die 
eine en face, die andere im Profil von der kranken Seite ans genommen 
ist, zeigen diese Verbildung in ganz prägnanter Weise. 

Die Gegend von dem linken Ohre bis zum Nasenrücken, nach Abwärts 
bis zum Rande des Unterkiefers, nach Aufwärts durch die Fossa temporalis 
zur Stirn bis zur Glabella, und von hier aus über das linke Scheitelbein 
bis beinahe zur linken Lambdanaht ist abgeflacht, abgeplattet, und entbehrt 
vollständig der gewöhnlichen Fülle. Die Haut liegt hier ohne Fettpolster 



Halbseitige Gesichtsatrophie ia Folge von Verbrennung. 231 

ODd msiftt ohne Masknlator dem Knochen dicht auf, and indem sie sich 
eng an denselben anschmiegt, markirt sie die Vertiefungen und Erhabenhei- 
ten des Schädelgerfistes in äusserst auffallender Weise. So zeigt sich als 
scharfe Leiste, den linken äusseren Augenwinkel mit dem Tragus des Ohres 
▼erhindend, das Os sygomaticum, Ober welchem sich die Fossa temporalis 
£ut doppelt so tief ausbuchtet, als rechts, während nnter ihm die Fossa 
psrotidea und canina sich als tiefe Gruben zeigen. Von der rechten, ge- 
sunden Seite ist die kranke Gesichtshälfte scharf geschieden, jedoch ist die 
Grenze nicht ganz median, sondern zieht sich von der Stirn aus, wo sie 
allerdings median liegt, allmälig nach links abweichend um die linke Ober- 
lippe und Mundwinkel, zum Unterkiefer herab, welchen sie einen Zoll weit 
vom Kinne erreicht Von der Gkibella aus folgt sie nach oben zu fast ganz 
der Sutura sagittalis, und hier ist die Grenze eine äusserst scharfe. Am 
Halse ist eine GrOssenverschiedenheit nicht zu bemerken. In dem genann- 
ten Bezirke fallen durch ihr normaleres Ansehen einige Partien auf, welche 
inselartig in den atrophischen Theilen prominiren. So bemerkt man eine 
keilfSnuige, mit der Basis von dem äusseren Theile des oberen Augenlides 
znsgebende und über das ganze Stirnbein sich fortsetzende, allmälig sich 
zuspitzende Insel, deren Baeis die Grösse von V bat. Zwei andere klei- 
nere, mehr runde, befinden sich auf dem Scheitelbeine. Auf allen zeigt die 
HzQt hat ihre normale Elasticität und Beschaffenheit; unter ihr fflhlt man 
den Pftnnieulus adiposus und die Musknlatur, zwar nicht in flppiger, jedoch 
inunerhin deutlich erkennbarer Weise, und während der Knochen an den 
atrophischen Stellen das Gefühl darbietet, als hätte man einen elastischen 
K<Sfper nnter seinen Fingern, als kOnne man ihn einknicken, wie ein Kar- 
tenblatt, bietet er an jenen Stellen die gewöhnliche Knochenresistenz. Der 
Unterschied wird noch* prägnanter durch den Haarwuchs. An den atrophi- 
s^en Stellen des Scheitelbeines bemerkt man nur hier und da yereinzelt 
stehende Haare, welche sowohl durch Form als Farbe von dem übrigen 
Hzapthaare wesentlich verschieden sind. Das Haupthaar ist schwarz und 
lang, in gute Flechten gewunden, welche die Kranke, um die kahlen Stellen 
in bergen, von rechts nach links hinüber zu kämmen pflegt; an den atfo- 
phischen Stellen sind sie weiss, und kaum 4" lang. Auf den beiden ge- 
nannten Inseln ist dagegen der Haarwuchs wieder üppig, und von dem 
Qbrigen Haupthaare nicht verschieden. 

Auf der Stirn ist die Prominenz des linken Tuber eine viel geringere, 
als rechts; der Arcns superciliaris ist nur an seinem äusseren Theile, da, 
vo die gesunde Insel sich befindet, bemerkbar Die Augenbrauen der lin- 
ken Seite sind nur ganz spärlich vorhanden; die Augenlider erscheinen 
Uager nnd dünner, die Oilien derselben sehr sparsam. Der Augapfel ist 
tief in die Orbita zurückgesunken, jedoch sind die Bewegungen ganz nor- 



232 I>r. Hering, 

mal. Die Gonjanctiva ist injicirt, die Cornea stark getr&bt Sehr auffallend 
ist die Atrophie des linken Nasenflfigels, welcher dem Septem nasale so an- 
liegt, dass der Raum der Nasenöffnang wesentlich yerkleinert ist An der 
Ober- und Unterlippe l&sst sich eine Atrophie nicht erkennen, jedoch steht 
der linke Mundwinkel etwas höher, als der rechte, die Nasolabialfalte macht 
dadurch links einen grosseren Bogen, als rechts. Die Haut liegt an den 
atrophischen Stellen, wie gesagt, dicht auf dem Knochen, ohne Fettpolster 
und meist auch ohne Muskulatur auf, und iSsst sich auf demselben, wenn 
auch in beschränktem Masse, verschieben, sowie in eine geringe Falte anf- 
heben; sie hat ein narbenartiges, trockenes Ansehen, und fühlt sich derb 
und lederartig an. Sie ist jedoch weder geringer temperirt, noch lassen 
sich constante Unterschiede in der Sensibilit&t gegen die rechte Seite nach- 
weisen; bisweilen indess erscheint die linke Seite sogar etwas hyperSsthe* 
tisch, indem die electrischen Ströme links oft schmerzhafter empfunden 
werden, als rechts. In der Verzweigung des linksseitigen Gef&sseysteras 
können Unterschiede gegen das rechte nicht aufgefunden werden. Die 
Pulsationen der Carotis sind links ebenso stark, als rechts; ebensowenig 
können in den Pulsationen der Temporales und Maxillares extemae merk- 
liche Unterschiede nachgewiesen werden. Die Motilitftt, sowohl des Unter- 
kiefers, wie der Augenlider, Mundwinkels, Ober- und Unterlippe ist in kei- 
ner Weise gestört 

Die Unterschiede der Grössenverhftltnisse beider QeslchtshSlften sind 
folgende: 

Der Umfang des Kopfes in der üöhe der Glabella und Spina occipita- 
lis externa beträgt 22 rheinische Zoll, yon denen 11 V Auf die rechte, 10^" 
auf die Unke Kopfhftlfte kommen. Die I^ftnge des Gesichtes vom Haar- 
wuchse bis zum Kinn beträgt 9^^', davon kommt auf die Stirn 1%". 

Von der Incisura supraorbitalis bis zum Mundwinkel beträgt die Länge 
rechte 3" 1"', links 2" 5'". 

Von der Insertion des Nasenflfigels bis zur Spitze des Tragus rechts 
4" 6'", links 8" 6'". 

Von der Mitte der Glabella bis zur Spitze des Tragus rechte 5'' 3"S 
links 4" 6'". 

Von dem inneren Augenwinkel über die Ohrmuschel bis zur Nacken- 
grübe und den Dornfortsätzen rechts 10'' 1"', links 8" S"'. 

Von der Mitte der Glabella fiber den Nasenrücken bis zum inneren 
Augenwinkel rechte 8"', links 5'". 

Von der Mitte der Ghibella über den Nasenrücken bis zum Nasseren 
Augenwinkel rechte 2" S*", links 2". 

Von der Mitte der Glabelhi bis zum Unterkieferwinkel rechte 5" 7"', 
links 4" 8"'. 



Halbseitige OeBichisatrophie in Folge voo Verbrenaang. 233 

VoD dem Moodwinkel bis snm Pbiltrum der Oberlippe rechts 1'' i***, 
links 1" 4'". 

Von der Spitze des Tragus bis zor Nackengrabe and den Dornfort- 
BiUen rechts 5" 4", links 4" 6'". 

Von der Insertion des Nasenflflgels bis znm Unterkieferwinkel rechts 
4" 2"*, links 8" 1"'. 

Die Entfemnng beider ünterkieferwinkel ron einander beträgt 3" 3'". 

Davon kommt, wenn man die Rhaphe des harten Oanmens als Theilungs- 
liDie betrachtet, anf die linke Hllfte 1" 4'". Dnrch diesen Unterschied ist 
der üoterkieferkOrper nicht gleichmftssig bnfeisenförmig gekrQmmt, sondern 
der linke Theil desselben bildet mit dem Rianstficke einen etwas stumpfen 
Winkel: gleichzeitig steht der linke untere Rand etwas höher, als der rechte, 
DDd der AWeolartheil desselben ist nach einw&rts gerichtet, so da^ts die 
noch vorhandenen Z&hne, welche ganz gesnnd erscheinen, schief nach der 
ZoDge zn sehen. Ein gleiches Verhalten zeigt die Form des Unterkiefers; 
links ist der Kreisbogen kleiner, das linke Ganmengewölbe schmaler, aber 
mehr gew51bt, die Zahnreihe steht etwas hGher, und anch hier stehen die 
Zahnkronen nach einw&rts. Die Grenze zwischen den Schneidezähnen bei- 
der Seiten ist sowohl am Ober-, als Unterkiefer nach links hin yerrflckt 
Der Wechsel der ZIhne soll der gewöhnliche gewesen sein. An dem Zahn- 
fleische in der Ganmen- und Wangenschleimhaut Iftsst sich eine besondere 
Verschiedenheit nicht wahrnehmen, nur erscheint die linke Wangenschleim- 
haut etwas weniger colorirt ; die Angabe der Patientin, dass die linke Mund- 
seite stets etwas trockener sein solle, Iftsst sich objectiv nicht constatiren. 
£ine anifftllige Veränderung zeigt jedoch die Zunge. Während die rechte 
Znngeohälfte die gewöhnliche Ffille besitzt, erscheint die linke Hälfte schma- 
ler Qod dfioner; dieser Unterschied ist besonders an der Zungenspitze mar- 
kirt, an der sich eine strahlige Einziehung findet. Beim Herausstecken 
weicht die Zunge stets nach links ab, jedoch ist die Motilität derselben in 
keiner Weise gestört, anch das Geschmacksvermögen ist auf beiden Seiten 
gleich gut, wie Versuche mit starken Zucker- und Chininlösnngen ergaben. 
Die Narbe steht etwas nach links, jedoch konnten weder an ihr, noch an 
den Gaumenbögen Abnormitäten aufgefunden werden. Geruch und Gehör 
sind Yollständig gut. Dagegen ist das Sehvermögen auf dem linken Auge 
dnrch die durch die chronische Keratitis bedingten Cornealtrübungen we- 
sentlich beeinträchtigt Die geistigen Functionen sind verhältnissmässig 
S«t entwickelt 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Atrophie mit der Verbrennung, 
vekbe die Patientin im ersten Lebensjahre erlitten hat, in Zusammenhang 
zn bringen ist, und wenn es auch bekannt ist, dass Narben durch ihren 
Zng und Druck die Entwickelnng der betreffenden Theile beeinträchtigen, 



234 I>r. SklifoBsoffsky, 

so dfirfte doch eine so hochgradige Entwiekelongshemmoag des ]pi5chenien 
Gerfistes in Folge des Narbendrnckes nicht gerade hftnfig snr Beobachtaog 
gelangen, nnd deshalb wohl der Veröffentlichung werth sein. Dass wir es 
hier nicht mit jener Gesichtsatropbie zn thnn haben» welche Rom berg mit 
dem Namen Trophonearosen belegt hat, dafür spricht ausser der Aetidogie 
die narbige Beschaffenheit der Hant, andererseits aber der Umstand, dsss 
in dem atrophischen Bezirke einzelne Inseln sich befinden, an denen Haat 
nnd Knochen die ganz normalen Charaktere zeigen. 



4. Zwei FUle tob OYariotomie mit glteUicIiem Augange. 

Von 

Dr. Siaifassoffiikr, 

dlrlglrendein Arsto der chlnirgisebMi AbttittiliiBg u dem Stedthospitale 
sa Odessa. 



Vorliegende zwei Fälle Ton Ovariotomie wurden im russischen Medi- 
cinsk^ Wiestnik (No. 10., 11., 39., 41 , 42. Jahrg. 1865) veröffentlicht In 
beiden Fällen war der Stiel der Cyste unterbunden, und in der Wunde be- 
festigt; ebensowohl waren an die Adhäsionen der Cysten Ligaturen angelegt, 
deren Enden durch die Wunde nach Aussen gebracht wurden. 

Die erste O?ariotomie in Russland wurde von Professor K rassoff sky 
den 23. December 1862 im Klinikum der medico-chirurgischen Academie zu 
St. Petersburg ausgefQhrt*), und hatte einen gl&cklichen Erfolg. Das Bei- 
spiel Prof. Krassoffsky's fand bald an verschiedenen Orten unseres 
Vaterlandes Nachahmer, deren Bemühungen zu ziemlich guten Ausgängen 
führten, und keineswegs schlimmeren, als in andern Ländern Europas. Ab- 
gerechnet der schon früher ausgeführten, hat Prof. Krassoffsky in diesem 
Jahre im Laufe einiger Wochen (vom 24. Juni bis 31. August**) im Stadt- 
hospitale zu Czarskoie Sielo in Gegenwart mehrerer Aerzte noch sieben 
Ovariotomieen ausgeführt; von den Operirten sind schon fünf vollkommen 
geheilt, eine ist auf dem Wege hoffnungsvoller Heilung (14 Tage nach der 
Operation), und nur eine ist gestorben. In allen, diesen Fällen wurden so- 
wohl der Stiel der Cyste als auch die vorgekommenen Adhäsionen ver- 



*) Dr. Masloffsky — Ovariotomie oder Ansschneidung der Eierstock- 
geschwülste. Inaug. Dissert. St Petersburg, 1866. S. 15. 
**) Woienno-medicinsky Journal, October 1866. 



Zwei F&lle tod Ovariotomie mit gl&cklichem Aasgange. 235 

mittelst Glfilieifleii getrenDt, — eine Methode, der Prof. Krassoffsky, dem 
Aj»cheiBe nach, den Vonag Tor allen andern giebt, indem er unter andern 
venpricht, in kaner Zeit eine aasf&hrliche Beschreibnng seiner Beobach- 
tuDgen mit einer kritischen Analyse aller Methoden der Ovariotomie mitzu- 
theilen. 

1. FalL Frau Natalie Jaworsky, 28 Jahre alt, Wittwe, trat am 
8. September 1864 in das Stadthospital zn Odessa. Die Kranke, eine Brü- 
nette, mittleren Wachses nnd guter Körperconstitation , war mager, etwas 
anifflisch; der Unterleib bot eine bedeutende Zunahme im Umfange dar; 
der Nabel verstrichen. Der Unterleib, in der Höhe des Nabels gemessen, gab 
iO Zoll, die Bntfernnng des Processus xipboidens von der Symphysis ossium 
pobia gleich 16 ZolL Deutliche Fluctuation war im Unterleibe fühlbar; der 
PercQBsionston überall dumpf, mit Ausnahme des oberen Theiles des Unter- 
leibes, wo er in den reinen Darmton überging. Die Banchdecken beweglich, 
QDd nur bei starker Bewegung derselben von rechts nach links empfand die 
Knske einen Si^hmerz in der Gegend des Nabels und sechs Finger breit 
über der Crista ossis ilei dextri; an letzterer Stelle empfand die Kranke 
bäofig aach spontane Schmerzen. Die Hautvenen der Bauchdecken stark 
entwickelt, einige bis zur Grösse einer Gänsefeder. Der Uterus war nach 
»bwSrts gedr&ngt, das GoUnm gegen das Os sacrum gerichtet; der in die 
Vftgioa eingeführte Finger fühlte deutliche Fluctuation Tor dem Gollnm uteri, 
venn gleichzeitig mit der andern Hand leichte Schläge auf den Unterleib 
ausgeübt wurden. — Die erste Menstruation stellte sich im 14 Lebensjahre 
der Kranken ein, im 19. heirathete sie, und gebar nach einem Jahre; die 
Gebart war regelmässig. Nach sieben Monaten der Yerheirathung wurde sie 
Wittwe. Zwei ^ Jahre nach der Geburt, somit vor sechs Jahren, bemerkte sie 
zuerst in der rechten untern Hälfte des Unterleibes eine Geschwulst von 
der Grösse eines Hühnereies. Die Geschwulst wuchs langsam, nnd die 
Kranke wurde regelmässig menstmirt; erst vor einigen Monaten begann die 
Gescbwolst plötzlich an Umfang zuzunehmen, und erreichte das Maass, 
welches wir angegeben haben. — Nach wiederholter Untersuchung der Kran- 
ken warde folgende Diagnosis gestellt: der Unterleib i^ in Folge eines 
Tomor ovarii dextri ausgedehnt, dessen Inhalt wahrscheinlich Aussig, und 
dessen Wände wahrscheinlich verwachsen sind mit verschiedenen Theilen 
des Cavnm abdominale, und zwar besonders rechterseits. Auf Grundlage 
dieser Diagnosis wurde die Radicalcur -> Ovariotomie beschlossen. Die 
Operation wurde im Stadthospitale ausgeführt. Das zur Operation bestimmte 
Zimmer war gross, darch zwei Fenster gut erleuchtet, und lag in der unte- 
ren Etage des rechten Hospitalflügels, Die Fenster desselben standen einige 
Tage hindurch vor der Operation offen, nnd in dem Kamine wurde Stroh 
verbraant aur Reinigong der Luft. Der Oberarzt, Dr. Broussais, der mir 



236 Dr. Sklifossoffsky. 

mit Rath and That während der AnsfÜhniDg der Operation snr Seite stand, 
schonte kein Mittel, nm der Kranken alle möglichen Bequemlichkeiten zu- 
kommen zu lassen. Die Leib- und Bettwftsche, sowie alle Bestandtheile des 
Lagers waren vollkommen nea; Verbandmittel und Charpie ausser dem Ho- 
spitale zubereitet; die vollkommen neuen Schw&mme wurden gekocht, und 
in verdünntem Acidnm chloricnm macerirt Die Kranke wurde auf eioem 
Bette operirt; nach der Operation blieb sie auf demselben Lager. Die Ope- 
ration wurde ausgcfOhrt in Gegenwart des Dr. Zimmermann (Operatear 
der Medicinal Verwaltung), und der Aerzte des Stadthospitales , DDr. Solo- 
weitschik, Morgen, Groschoffsky, Wdowikoffsky, BernsteiD) 
Herzenstein, und Rosenblum. -^ Am Morgen des Operationstages 
wurde der Kranken ein Lavement applicirt, nachdem sie Tags vorher eine 
Unze Olei Ricini genommen hatte. Am 22. October, an einem sonnigen Tage, 
10 Tage nach den letzten Oatamenien, schritt ich zur Operation. Die Tem- 
peratur im Zimmer war 19** R.; um die Feuchtigkeit der Zimmerluft zu er- 
höhen, Hess man heisses Wasser neben dem geheizten Kamine verdampfen. 
Um 11 i Uhr wurde der Kranken das Chloroform gereicht; der Harn dorch 
den Gatheter entleert. Um 11 Uhr 36 Minuten machte ich einen 6" langen 
Schnitt durch die Haut und das Unterhautbindegewebe, von dem Nabel bis 
zur Symphysis ossium pubis. Der Schnitt wurde etwas nach links von der 
Linea alba geführt; der linke Musculus rectus abdominis war verdrängt von 
der Linea alba, und zwar unten auf 8—4 Finger breit. Die Oeffnung der 
Fascia traosversa und des Peritoneum neben der Linea alba geschah »of 
der Hohlsonde. Nach Eröffnung des Peritoneums floss etwas seröse Flüs- 
sigkeit (Ascites) heraus, und in der Spalte der Wunde zeigte sich der Tu- 
mor; auf demselben, in seiner vorderen Wand, verlief von oben nach oDten 
eine Vene von der Dicke einer Gänsefeder. Ich stiess etwas rechts von der 
erwähnten Vene einen dicken, gebogenen Troicart in den Tumor; es floss 
eine seröse Flüssigkeit von dunkelgelber Farbe und Gonsistenz einer kräfti- 
gen Bouillon heraus. Nachdem einige Schüsseln mit dieser Flüssigkeit ge- 
füllt waren, verstopfte sich die Röhre des Troicart durch eine dicke, breiige 
Masse, welche mU Haaren vermengt war. Die Geschwulst war bedeutend 
zusammengefallen, so dass man sie mit der Hand umgreifen und Verwach- 
sungen entdecken konnte, und zwar rechts mit dem vorderen und seitlichen 
Theile des Peritoneum, und gerade von oben und links mit dem Omentum. 
Die Verwachsungen, aus einem lockeren, und theilweijie sehr gefässreicheo 
Bindegewebe bestehend, stellten sich in Form breiter Scheidewände dzr. 
Der Troicart wurde entfernt, die zunächst liegenden Verwachsungen mit 
seidenen Ligaturen unterbunden, und auf der Seite des Tumor durchschnit- 
ten. Dann wurde ein 1" langer Einschnitt von der Einstichsöffnung nach 
unten gemacht, der Sack des Tumor somit eröffnet» und ein Theü der breii- 



Zwei F&lle von OTtfiotomie mit giacklichem Anagsnge. 237 

gen Maase ana ihm entfernt. Jetzt war ich im Stande, den ganzen Tamor 
mit der Hand zn umgehen; die übrigen Yerwachsangen worden unterbun- 
den und durchschnitten, und der ganze Sack des Tumor nun durch die 
Wnndöifnung nach aussen gezogen; die Wurzel des Tumor war mit einem 
dicken Seidenfaden unterbunden und Ober demselben dorcbschnitteufc unter- 
halb dieser Ligatur wurde sofort noch eine doppelte Schlinge aus weichem 
Eisendrahte angelegt, dessen Ende an dem (von Lfier zur Operation der 
Varicocele erfundenen) Serre-noeud befestigt Der Dterus und das linke 
OTsriom waren gesund, und lagen frei in dem kleinen Becken. Die Perl- 
toDealhöfale wurde Yon den Blntgerinnseln und den Theilen des flflssigen 
Inhaltes des Tumor mit einem weichen Schwämme gereinigt, und zunächst 
lam Schlüsse der Wunde geschritten. £s wurden 3 Nfthte aus doppeltem, 
weichem Eisendrahte angelegt, durch die ganze Dicke der Bauchdecken und 
dorcb das Peritoneum selbst, einen Zoll vom Wnndrande entfernt; die Enden 
des Drahtes wurden auf kleine Stäbchen aufgerollt Die erste Naht war 
^Bgelegt in der Mitte der Wunde, die zweite in der oberen Hälfte, und die 
dritte in der unteren Hälfte; diese letztere aber so, dass sie die Wurzel des 
Tamor unterhalb der Eisendrahtligatur durchbohrte. Die Wurzel wurde so 
in dem unteren Wundwinkel fizirt; durch diesen wurden die Enden von 7 
Ligaturen dnrchgef&hrt, welche an den Verwachsungen angelegt waren. 
Femer wurden noch 7 Snturae circumTolutae applicirt, welche nur durch 
die Haut und das Dnterhautbindegewebe gingen. — Um 12 Uhr 60 Minuten 
war die Operation beendet Die Kranke erwachte sofort und fühlte eine 
grosse Schwäche. Auf die Wunde wurde trockene Gharpie gelegt, eine 
weiche Compreese aus Flanell und eine breite Binde um den ganzen Unter- 
leib. Den Verband berfihrte eine Blase mit Eis. — Die ans dem CaTum abdo- 
minale entfernte Cyste hatte eine mehr oder weniger sphärische Gestalt, ihre 
Wände waren 3 —4'" dick. Ausser der während der Operation entfernten 
nUsaigkeit Yon 19^ Pfund enthielt die Gjste noch 8^ Pfund breiiger Masse, 
gemischt mit Cbolestearin und Haaren; der Sack wog 2|; Pfund. Demnach 
wzr das Gewicht der Cyste mit Inhalt 30^ Pfund. Die Cyste* hatte 10" 
nach rechts' von ihrer Wurzel einen Appendix von der Grösse einer Orange; 
dieser commnnicirte nicht mit der Cyste, nnd war nur von breiiger Masse, 
gemischt mit Haaren, ausgefttllt Die Wand dieses Appendix zeigte in ihrem 
oberen Theile einen warzenförmigen Vorsprung, welcher in die HOhle der 
Cyste hineinragte, diese Ausbuchtung war dicht besetzt mit Haaren von der 
Uoge von circa 2", die fest der Wand anhafteten. In der Wand der Cyste, 
10" gerade nach hinten Ton ihrer Wurzel, war ferner eine Knochenlamelle 
▼00 2^" Grösse nnd in Form eines Hufeisens bemerkbar; die innere Fläche 
öer Cyste war an dieser Stelle tou sehr fest in der Wand sitzenden Haa- 
reu bedeckt Von jedem Ende dieser Knochenlamelle entsprang ein flaches. 



238 ^'- SklifosBoffsky, 

fibrdBes Band, welche B&nder sieh nach einer Ansdehnnng von 1" zu einem 
dickeren yereinigten, und dieses dickere Band fixirte sich dann an dem er- 
wähnten Appendix. An yerschiedenen Stellen der inneren Wand der Cyste 
konnte man ans ihr heranswaehsende Haare sehen, aber besonders dicht 
waren sie an dem kleinen, warzenförmigen Yorspmnge. — Drei Standen 
nach der Operation erbrach die Kranke fast reine Galle. Um 6 Ohr Abends 
Pnls 80, voll; der Harn wurde durch den Katheter entleert Um 6|[ Uhr, 
um 7 und S\ Uhr wiederholte sich das Erbrechen. Verordnet wurden Eis- 
pillen, alle 5—10 Minuten. Die Nacht war unruhig. 33. October. Schmerz- 
hafte Empfindung im ganzen Unterleibe; Puls 80, voll, weich; um 10| Obr 
Erbrechen. Die Kranke genoss eine Tasse Bouillon; nach dem Oeonsse 
der Bouillon schlief sie 2 Stunden. Um 7 Uhr unbedeutende Hitze, 
Puls beschleunigt, 94; um 7^ leichtes Erbrechen einer schleimigen Flfissig- 
keit ohne Galle. — 24. October. Entfernung der oberflftchliehen Verband- 
Btücke; die Wunde hat ein futes Aussehen, fast ohne Absonderung, die 
Ränder verklebt. Der Serre-noeud wurde etwas angezogen. Unbedeutende 
Schmerzen im Unterleibe, und schwaches Kollern daselbst. Puls 78, voller. 
Vom 24. October an wurde der Verband täglich 2—3 Mal gewechselt, und 
die Wunde gereinigt. Zu Mittag eine Tasse BouUlon; Puls 92; Kollern im 
Unterleibe, und von Zeit zu Zeit stechende Schmerzen in Folge von Oss- 
entwickelung; der Unterleib leicht gespannt. — 25. October. Morgens 4 
Ohr Katheterismus; der Urin gab bald ein Sediment von hamsaueren Salzen; 
Entweich ung vieler Gase per anum. Die Wurzel des Tumor war fiber der 
Ligatur schwarz und weich geworden, und verbreitete einen unangenehroeo 
Geruch; die Wunde selbst rein. Die Kranke hatte in der Nacht wegen 
Gasentwickelung im Unterleibe nicht schlafen können. — 26. October. Nenn 
Stunden hindurch gut geschlafen. Um 6 Uhr Morgens Katheterismus. Ent- 
fernung der drei Ligaturen. Pnls 85; Kranke sehr ruhig; Harn giebt noch 
starkes Sediment Die Eisblase wurde entfernt. — 27. October. Sechs Stun- 
den gut geschlafen. Beim Wechsel des Verbandes entleerte sich aus der 
Wunde ungef&hr ein TheelGffel guten Eiters. Beim Gatheterismus beklagt 
sich die Kranke über einen Schmerz in der Urethra. Im Harne zeigt sich 
ein schleimiger Niederschlag. Application eines Lavements, dessen Resultat 
zwei reichliche Stuhlentleerungen waren. •— 28. October. Beim Wechsel des 
Verbandes wurden alle oberflSchiichen Nähte entfernt. Die ganze Wunde 
ist in der Tiefe geheilt, und geben sich die Wundrilnder nur oberflichlicb 
in der Haut auseinander. — 29. October. An den Einstich5ffnungen der 
Nihte, und zwischen den Hautrfindern ist leichte Eiterung bemerkbar. Die 
Wunde wurde durch Heftpllasterstreifen vereinigt. Die Kranke urinirte ohne 
Katheter. — 30. October. Die abgestorbene Wurzel wurde mit den sie ver- 
schliessenden Ligaturen entfernt, sowie eine innere Ligatur aus der Perito- 



Zwei Fille von Ovariotomie mit glficklicbem Ausgange. 239 

nealh^hle. Die Wunde wurde mit einem in aromatischer Lösung getr&nkten 
Gharpiebansche bedeckt — 81. October. Die Kranke hat gut geschlafen 
nnd erlaubte ich ihr das Sitzen im Bette. — 1. November. Die Wunde eitert 
sehr wenig; es wurden noch drei innere Ligaturen entfernt. — 6. November. 
Ss wurde die fünfte innere Ligatur entfernt, und die Wunde mit einer Solutio 
Argenti nitrici (gr. ij in ^j ^Q^* destill.) yerbunden. — 7. November. Die . 
teilten zwei inneren Ligaturen entfernt Um die Wundränder mehr aneinander 
ZQ n&hem, wurden zu beiden Seiten drei Bändchen mit Collodium befestigt 
(Collodii i'iß, Aetheris sulfarici ^ß). Der Kranken wurde erlaubt, einige 
Standen hindurch im Laufe des Tages auf dem Stuhle zu sitzen. Abends 
stellten sich Schmerzen im untern Theile des Unterleibes und des Kreuzes 
ein, welche, da der Termin der Menstruation erschienen war, fllr Molimina 
menstraalia gehalten wurden; und in der That zeigte sich eine blutige Aus- 
Bcheidung aus der Scheide, jronach die Schmerzen aufhörten; am Abend 
hdrte die Blutausscheidung auf, und die Schmerzen stellten sich nicht mehr 
ein. Vor der Operation dauerten die Katamenien immer G Tage. — 10. No- 
vember. Am Morgen stellten sich lancinirende Schmerzen im ganzen Un- 
terleibe und Uebelkeit ein; sehr bald darauf hatte die Kranke drei Stuhl- 
entleemngen, und ging mit der letzten ein Ascaris lumbricoides ab. Am 
Abende hatten die Schmerzen volbtändig aufgehört. — 24. November. Die 
Wunde ist volbtändig geheilt Die starke lineare Narbe vertieft sich an der 
Stelle, wo die Wurzel des Tumor sass, zu einem Trichter. — Von dem Tage 
der Operation bis zur vollständigen Heilung der Wunde waren 33 Tage ver» 
Bossen. Am 15. Tage nach der Operation wurde der Kranken erst erlaubt 
das Bett zu verlassen. Bemerkenswerth ist jedenfalls bei dem Heilungspro- 
ceese der Wunde, dass trots des mächtigen operativen Eingriffes, trotz der 
Anwesenheit von 7 Ligaturen in dem Gavum peritonäale, die Reaction selbst 
▼erhältoissmässlg eine so geringe war: die grösste Anzahl der Palsschläge 
war 94, welche wir an dem der Operation folgenden Tage beobachteten. 

2. FalL Olga B., 80 Jahre alt, unverheirathet, kräftiger Körperconsti- 
totion, bot eine glatte, kuglige Anschwellung des Unterleibes dar; der ganze 
ünterldb gespannt, der Nabel verstrichen, fiberall deutliche Flnctuation. 
Die Katamenien erscheinen regelmässig nach vier Wochen. Der Unterleib 
hatte in der Höhe des Nabels einen Umfang von 41 Zoll, die Entfernung 
der beiden Spinae ilei anteriores 24 Zoll, und die vom Processus ziphoideus 
bis ZOT Symphysis ossium pubis 18i Zoll. •— Die Anschwellung wurde vor 
4 Jahren zuerst in der rechten Inguinalgegend als eine Yerhärtung von 
GinseeigTösse bemerkt, und begann ihre Entwicklung erst im Februar 1868 
in dem Maasse, dass die Kranke gezwungen war, sechsmal in 1^ Jahren die 
Pnnetion des Unterleibs vornehmen zu lassen. Nach den beiden letzten 
Pnnetionen untersuchte ich die Kranke und fand Folgendes: der Unterleib 



240 I>r« Sklifoasoffsky, 

war nach Xnaflnss einer weisBen stftrkemehlartigen FlüssigkeU znBammen, 
gefallen nnd in der rechten Inguinalgegend Hess sich eine feste, fanstgroftae 
Geschwulst entdecken, von mehr oder weniger runder Form nnd höckeriger Be* 
schaffenheit Nach links von dieser Geschwnlst, dicht neben der Wirbels&ule, 
lag noch eine Geschwnlst von derselben Art, aber etwas kleiner; die beiden 
Geschwülste scheinen untereinander durch ein Band vereinigt zu sein. Nach 
der letzten im März 1865 gemachten Function hatte die Kranke Schmerzen 
in der rechten Seite, so dass sie nur anf dem R&cken und der rechten Seite 
schlafen konnte, ~ bei der geringsten Bewegung nach links wurde der 
Schmerz unertrSglich; sie hatte zugleich das GefQhl, als dr&nge etwas ab- 
wärts. Diese Schmerzen dauerten bis zum Tage der Operation. — Auf Grund- 
lage des Gesagten wurde folgender Schluss gezogen: die Kranke hat einen 
Tumor ovarii, wahrscheinlich der rechten Seite; möglicherweise befinden sich 
in der Wand des Sackes noch andere Cysten; nach oben rechts werden vir 
eine Verwachsunjg des Tumor mit dem Omentum oder der unteren Fläche der 
Leber finden; vorzugsweise aber werden solche vorhanden sein links vom 
Nabel, wo durch einen grossen Troicart 6 Functionen gemacht wurden. 

Die Operation wurde, am 24. Juni 1865 in dem ausserhalb der Stadt 
nicht weit vom Meere gelegenen Hospitale der barmherzigen Schwestern 
ausgeführt Die Kranke wurde in einem Zimmer untergebracht, das nie Ton 
Kranken bewohnt gewesen war. Während der Operation waren zugegen: 
die DDr. Dieterichs, Dallas, Drey, Wagner sen.; es assistirten die 
Aerzte des Stadthospitals: Morgen, Grochoffskj, Soloweitschik nnd 
Herzenstein. Tages vor der Operation wurde der Kranken eine Unze Olei 
Rlcini gereicht und am Morgen des 2i. ein Lavement. Die Operation wurde 
begonnen um 11^ Uhr Morgens, es war ein heller, sonniger Tag. Nach fOnf 
Minuten Chloroformirens war die Kranke vollständig anaesthesirt Es wurde 
in der weissen Linie ein 5^" langer Einschnitt vom Nabel bis zur Symphysis 
ossium pubis gemacht; nach Eröffnung des Feritonaeums floss etwas serOse 
Plfissigkeit heraus, und eine Cyste von weisslicher Farbe zeigte sich in der 
Lichtung der Wunde. Soweit man diese mit der Hand umgehen konnte, 
war sie frei von Verwachsungen. Mit einem grossen gebogenen Troicart 
wurde ein Einstich gemacht nnd die Flüssigkeit entleert In dem Maasse 
als die Cyste an Umfang verlor, wurden ihre Wände an die Wundränder ge- 
drückt, um nichts in das Cavnm peritoneale fliessen zu lassen. Nachdem 
ungefähr % Eimer dieser Flüssigkeit entleert waren, versuchte ich mit der lin- 
ken Hand die Cyste herauszuziehen, indem die rechte in der Feritoneal- 
höhle dieses Bestreben unterstützte. Es gelang nicht, weil in den Wänden 
der Cyste noch andere Cysten sassen, welche zusammen einen Umfang dar- 
boten, dem die gemachte Wunde nicht entsprach. Ich verlängerte daher 
noch um 2^" die ursprüngliche Wunde mit einem geknöpften Messer, indem 



Zwei Fälle von OTariotomie mit gificklichem Ausgange. 241 

ich den Nabel Dach lings umging. Jetzt war die Cyste nar noch nach oben 
DDd rechts durch häatige Verwachsungen an das Omentum fixirt Diese 
Verwachsung mit dem Omentum wurde in 5 BQndel getheilt, jedes derselben 
QDterbunden, das eine Ende der Ligatur kurz abgeschnitten, das andere 
zur Wunde heransgefQhrt. Nachdem die Cyste auch an dieser Stelle befreit 
war, entdeckten wir den Stiel der Cyste 4'' lang und 4 Finger breit; er be- 
stand aus der stark ausgedehnten Fallopischen Tube und dem Ligamentum 
latnm^ in welchem sich viele starke Yeuen fanden, sowie das Pnlsiren zweier 
bedeotenden Arterien gefühlt wurde. Zwei Zoll von der Cyste entfernt, wurde 
durch die Mitte des Stieles eine Nadel mit einem doppelten starken Seiden- 
faden geführt, jede Hälfte besonders unterbunden, und über diesen Ligatu- 
ren die Geschwulst abgeschnitten. Beim Isoliren des Stieles entleerten sich 
bis 6 Unzen dunklen vendsen Blutes, und nur der besonderen Aufmerksam- 
keit Dr. Soloweitschik's, welcher die fiauchdecken hielt, war es zu ver- 
danken, dass kein Blut in die PeritonSalhöhle floss. Gebärmutter und lin- 
kes Ovarium waren gesund. 5'" bis 6'" unterhalb der Seidenligatur wurde 
noch eine ans weichem Eisendrathe angelegt, deren Enden an dem Serre- 
ooeud befestigt und angezogen wurden. Das Ende des Stieles wurde mit 
einer LGsung von Perchloretum ferri bedeckt. Nach Reinigung der Wunde 
wurden drei metallische Nähte, 1" von den Wundrändern entfernt, durch 
die Banchdeeken angelegt; die erste Naht wurde dicht über dem Stiele, 
die zweite in der Mitte der Wunde und die dritte unter dem Nabel ange- 
legt; neun Suturae circumvolutae durch die Hseut und Dnterhautzellgewebe 
näherten vollständig die Wundränder aneinander. Die Wunde wurde mit 
trockner Charpie bedeckt, einer Compresse, einem Stücke weichen Flanells, 
und schliesslich umschloss dies alles eine breite Binde. Eine Eisblase be- 
rflhrte die Wunde. Die Füsse wurden bis zu den Knieen in Flanell einge- 
wickelt Die Operation dauerte eine Stunde und 20 Minuten, und waren 
li Unzen Chloroform yerbraucbt worden. — Nach Vollendung des Verbandes 
kam die Kranke bald zu sich und klagte über einen brennenden Schmerz 
in der Wunde. Um 6 Uhr Catheterismus. Um 10 Uhr Abends hatte der 
Schmerz aufgehört und blieb nur ein Brennen nach; Puls 92, schwach. Die 
Kranke schlief unruhig von 10 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens, wachte 
häofig auf durch Schmerzen im Unterleibe und häufigen Urindrang. — Die 
Cyste hatte eine oblonge Form mit 5 Unebenheiten an ihrem oberen Theile, 
welche von den kleinen Geschwülsten herrührten , die im Innern der Cyste 
lagen und theils nach innen, theiis nach aussen sich vordrängten. Eine von . 
den kleinen Geschwülsten wurden angeschnitten, wonach eine der grossen 
Cyste ähnliche Flüssigkeit sich entleerte, und bemerkte man zugleich im 
Innern noch andere kleine Geschwülste. Ifan kann diese ganze Bildung 
sich so vorstellen, dass ein grosser Sack kleinere enthielt, und in diesen 

«. Laogenbtrk, Archiv f. Chirurgie. IX. |5 



242 !>'• Sklifosaoffßky, 

leUterea sich wiederum kleine Gescbnrülste befanden. Der Inhalt war in 
allen derselbe. Die Wand war 3'" bis 4'" dick, an einigen Stellen noch 
mehr, nnd bestand ans einem fibrösen Gewebe, welches reichlich Y4>a Blnt- 
geftssen durchsetzt war; die innere, mit Epithelinm bekleidete Flftche, hatte 
grosse Aehnlicbkeit mit Scbleimhinten. Die Terschiedene Dicke der Wand 
läset sich so erklären, dass der Hanytsack zerstörte und resorbirte kleine 
Cysten in sich aufnahm. Aus der Cyste wurden 48 Pfund Flüssigkeit ent- 
leert, der- Sack selbst wog 6 Pfund, folglich wog die ganze Geschwulst 
54 Pfund. Farbe und Consisten« nach glich die Flüssigkeit gekochter flfis- 
siger Stärke; im Grunde der Cyste war sie dicker nnd chocoladeBfvbig. 
Die mikroskopische Untersuchung zeigte Eiterkörperchen und zarfsUene fihit- 
kCrperchen, zerstörtes Plattenepithelinm und eine bedeutende Henge einer 
feinkörnigen Masse in Form kleiner Inseln. ^ 25. Juni. Es ist oooh eine 
leichte Empfindlichkeit beim Harnlassen, der Drang dazu seltener; der Harn 
hat die Farbe eines starken Thees, reagirt sauer, und giebt eia leichtes 
Wölkchen auf dem Boden des Gefässes. Puls 92,. voll, weich. Palientio 
beklagt sich über Kpllem im Dnterleibe; die Gasentwicklung verursacht 
einen lebhaften Schmerz, besonders im Mesogastrio; selten emf^ndet die 
Kranke Debelkeit, welche flbrigens nach einigen Eispillen sofort schwin- 
det. Um 6 Uhr Abends Aufstossen, lebhafte Gasentwickelung im Unterleibe, 
Puls 92, GemftthsiBUBtand der Kranken sonst gut. — 26. Juni. Die Kranke hat 
wegen Gasentwickelung fast gar nicht schlafen können. Um 9 Uhr Mor* 
gens Wechsel des Verbandes; die Wnnde zeigt prima intentio; der Stiel ist 
schwarz geworden undi stellt eine trockene Kruste dar, unter welcher sich 
einige Tropfen eiterähnlicher Flfissigkeit befinden. Der Serre-noend wurde 
leicht angezogen. Die Wunde wurde wie fr&her Tcrbunden; der Bisbentel 
fortgesetzt. Hauttemperatur fast normal; Zunge belegt Um 8 Uhr Nach- 
mittags Erbrechen einer schleimigen, saueren Flfissigkeit und darauf Galle. 
Um 10 Uhr Abends wieder Erbrechen, und hierauf Erleichterung^ Ein f5ti- 
der Geruch zwang, den Verband in wechseln, welcher sich yollkommen 
trocken erwies; im unteren Wundwinkel und unter der Kruste des Stieles 
waren einige Eitertropfen. Puls 92, gleichmässig, weich. — 27. JunL Schlaf 
häufig unterbrochen, unruhig; Gasentwicklung. Einige Tropfen blutigen 
Eiters waren in dem oberen Wundwinkel sichtbar, sowie neben dem Stiele. 
Puls 92, weich. Urindrang seltener, nach 5 bis 6 Stunden; beim EiofQhren 
des Catheters floss ein grosser Theil des Urins nebenbei aua; im Han ist 
ein leichtes Schleimsediment Gasabftang per anum. Die Kranke schlief 
am Tage 4. Stunden. 10 Uhr Abends: Puls 100, härter; Durst, Sefamen- 
empfindung im Unterleibe, 4 Finger breit links vom Nabel. Die Kranke wies 
die Bouillon zurftck und genosa den ganzen Tag fiber nichts». — 2S. Juni 
Gut geschlafen durch 6 Stunden; nach dem Erwachen fQhlte die Kranke 



Zwei F^le von Ovariotomie mit glücklichem Aosgaoge. 243 

im gaosen Körper Hitze, Debelkeit, nnd bald darauf zeigten sich die Gata- 
iDenien, die 10 Tage vor dem Termin erschienen. Um 6 Uhr Morgens Wech- 
sel des Verbandes; die 3 tiefgelegenen, das Peritonaenm durchbohrenden 
Nähte wnrden entfernt; der Berre-noeud leicht angezogen; das Eis entfernt. 
Gasabgang per anam; Anfstossen. Dm 3 Uhr Wechsel des Verbandes; Un- 
terleib stark aufgetrieben, fiberall tjmpaniti scher Ton; Patientin beklagt sich 
Ober fortwährendes Kollern im Unterleibe; Pnls 92. Patientin verlangte 
Thee, genoss aber nur einen Löffel davon, obwohl sie heftigen Durst hatte; 
nahm keine Nahrung zu sich im Laufe des Tages. — 29. Juni. Schlaf mit- 
telmSssig; Oasabgang; Gatamenien aufgehört. Eiterung neben. dem Stiele 
nimmt zu; der Serre-noeud wurde angezogen; Durst geringer; Patientin fOhlt 
sich wohl Der Besuch der Schwester wurde erlaubt. Um 3 Uhr Nachmit- 
tags Entfernung der oberflächlichen Nähte; es wurden mittelst Collodium 
3 Bftndchen an jeder Seite befestigt ; die Wunde wurde mit trockener Char- 
pie und einer Gompresse bedeckt, über welcher die Bändchen znsammenge- 
kn&pft wnrden. — 30. Juni. Nacht gut geschlafen. Eiterung unter dem 
Stiele nimmt zu, der Stiel stirbt ab; der Serre-noeud mehr angezogen. Die 
Kranke genoss mit vielem Appetit eine Tasse Bouillon. Ein Kljstier ver- 
ursachte eine kleine Stuhlentleerung und den Abgang vieler Winde. Auf 
eigenen Wunsch wurde der Kranken zu Wasser etwas weisser Wein gemischt. 
— 1. Juli. Gut geschlafen. Die Kruste des Stiels löst sich, und unter ihr 
entleert sich eine bedeutende Masse einer dunklen, stinkenden, eitrigen 
FIfissigkeit Serre-noeud angezogen. Appetit gut; Pols 90. Nach einem 
Lavement zwei reichliche Stuhlentleerungen. — 2. Juli. Der Serre-noeud 
entfernt, der die Kranke schon belästigte. Genuss von Milch erlaubt. — 
3. Juli. Der abgestorbene Stiel wurde tief in der Wunde unterbunden und 
abgeschnitten. Der Kranken wurde erlaubt auf der Seite zu liegen. Im 
Laufe von 2 Stunden hatte die Kranke 6 flüssige Stühle und Abgang vieler 
Gase. _ 6. Juli. Seit 3 Tagen keine Stuhlentleerung; Zunge weiss belegt; 
AppetitmangeL Es wurde vorgeschlagen 2 Theelöffel voll Magnesia usta 
zu nehmen, wonach sofort Erbrechen erfolgte ; nach einer Stunde wurde die 
Gabe wiederholt, wiederum Erbrechen und Meteorismus. Um 2 Uhr Nach- 
uittagB flüssige Stuhlen tleerung, nach | Stunde eine neue, weniger reich- 
liche, doch kein Abgang von Winden; der Unterleib ist gespannt. Um 4 Uhr 
Nachmittags lösten sich 2 innere Ligaturen, welche auf dem Netze lagen. 
Aus der Tiefe der Wunde entleert sich durch den unteren Winkel viel Eiter; 
in ^e Wunde wurde ein Drainageröhrchen eingeführt. Verordnet wurde: 
Ammonii acetici 3j, Aquae anisi Jvj, Gummi arabici gr. x, Syrupi simplicis 3/9. 
^ S. Stündlich einen Esslöffel voll zu nehmen. — 7. Juli. Nachts zwei 
Stnhlentleemngen , Abgang vieler Gase; der Leib weniger gespannt; die 
Zunge rdn, Appetit Es lösten sich noch zwei innere Ligaturen. Die Kranke 

16* 



244 ^r. SklifosBoffsky, Zwei Fälle von Ovariotomie. 

erhielt Brlaubniss, im Lehnstuhle zu sitzen und im Zimmer umherzugehen. 
— 8. Juli. Nachts hatten sich ungefähr 2 Pfund stinkenden, fl&ssigen Eiters 
aus dem untern Wundwinkel entleert. Schon seit einigen Tagen war eine 
kleine Geschwulst links 4 Finger breit über der Symphysis ossium pubis 
bemerkbar und war dieselbe, da die Kranke dort keinen Schmerz empiaud, 
der Ton tympanitisch wie überall war, für die durch die Gase ausgedehnte 
Bauchwand gehalten worden. Nach Ausfluss dieser eitrigen Flüssigkeit 
verschwand 'aber die Erhabenheit, der Unterleib nahm an Spannung ab, die 
Patientin empfand grosse Erleichtemug, und der Appetit vergrösserte sich. 
Wegen reichlicher Eiterabsondernng sollte der Verband immer nach 4 Stun- 
den gewechselt werden. Abends eine Stuhlentleerung im Liegen, da beim 
Sitzen eine unangenehme Spannung im Dnterleibe gefühlt wurde. — 10. Juli. 
Beim Wechsel des Verbandes wurden nur noch einige Tropfen Eiter bemerkt. 
Allgemeinzustand sehr gut. — 11. Juli. Die letzte innere Ligatur löste 
sich. — 12. Juli. Links neben dem unteren Wundwinkel zeigte sich eine 
Verhärtung des Onterhautzellgewebes von der Grösse einer Wallnuss, and 
etwas mehr nach oben noch eine, aber kleinere. Eiterabsondernng unbe* 
deutend; Drainageröhre entfernt. Die verhärteten Stellen wurden zweimal 
täglich mit' Jodtinktur bepinselt. — 13. Juli. Die untere Verhärtung des 
Zellgewebes begann zu eitern; der Biter entleert sich frei nach aussen 
durch den unteren Wundwinkel. — 15. Juli. Die Kranke verliess die An- 
stalt und fuhr aufs Land. — 20. Juli. Auch die andere Verhärtung eitert; 
der Eiter bahnte sich einen Weg nach aussen, indem er die Narbe auf i" 
an dem unteren Wundwinke] zerstörte. Von diesem Tage an schritt die Re« 
convalescenz rasch vor sich ; die Wunde schloss sich bald. In diesem Augen- 
blick ist die Kranke vollständig gesund. 



5. Zur Ovariotomie. 

Vom 

Dr* Dansel 

In Hu&burg. 



Die glücklichen Erfolge der Amerikaner und Engländer im Gebiete der 
Ovariotomie, Erfolge, gegen welche die der deutschen Chirurgen gewaltig 
im Rückstande sind, veranlassen mich, eine von mir mit glücklichem Erfolge 
ausgeführte Exstirpation des Ovariums zu veröffentlichen, indem es mir 
möglich ist, durch Vergleichung von fünf Fällen von Eierstockserkrankung» 



Dr. Danzel, Zar Oyariotomie. 245 

welche ich theils operirt, theils secirt habe, die Prognose der fraglichen 
Operation gleichsam mit einigen Illustrationen zu besprechen. 

1. Fall. (Vgl. meine chirurgischen Erfahrungen, Göttingen 1857, 8. 
46—56.) Wenn ich dieser Beobachtung erwähne, so greife ich zehn volle 
Jahre sorfick: das ist ein Zeitraum, welcher f&r die Bedeutung derselben 
von Wichtigkeit ist, denn es ist seitdem die Lehre von der Exstirpation der 
krankhaften Eierstöcke neu aufgenommen und ausgearbeitet worden, und 
ich selbst hoffe, diesen Fortschritten der Wissenschaft gefolgt zu sein. Also, 
was damals nicht gifickte, hätte sich zehn Jahre später vielleicht bono 
eventa ausf&hren lassen. Dessenungeachtet muss ich Manches von dem, 
was ich damals fQr richtig hielt, noch heute unterschreiben, und es ist im 
Wesentlichen nur die Encheirese des operativen Vorgehens und die Nach- 
behandlung, welche hinter den neuen Operationen zurficksteht Ich werde 
es durch meine jüngeren Beobachtungen beweisen ^können, dass ich im Rechte 
war, wenn ich damals sagte, dass es in den meisten Fällen unmöglich sei,' 
den Ausgang der Operation zu prognosticiren. Es sind nicht meine Beobach- 
tungen allein, welche die Schwierigkeit und Unsicherheit der Diagnose der 
fraglichen GeschwQlste erhärten, sondern es genOgt ein Blick in die weit- 
schichtige Statistik der veröffentlichten Fälle, um dieselbe nachzuweisen. 
Du toi t 's Zusammenstellung ist auch in dieser Beziehung höchst lehrreich 
und Jedem, der eine Ovariotomie ausf&hren will, zu empfehlen. 

Ich schreibe keinen Lehrbuchs -Paragraphen: Journalartikel sind nur 
fragmentarische Zusätze zu den grossen und erschöpfenden Leistungen der 
Meister der Wissenschaft, also verlange man von mir nicht eine haarspal- 
tende Symptomatologie und Diagnostik unserer Krankheit. Zu einem Lehr- 
buch fehlen mir Zeit und Kenntnisse, aber auf diejenigen Erscheinungen, 
auf welche es hier ankommt, muss ich eingehn. Will man sicher und glfick- 
lich operiren, so soll man vor der Operation wissen, ob: 

1) Die Geschwulst adhaerent ist, d. h. ob sie mit dem Uterus, oder 
anderen Eingeweiden verwachsen ist. 

2) Ob sie feste Gewebsßlemente enthält, oder ob sie aus einer grossen 
Gjste, oder mehreren Cysten besteht. 

3) Ob es bei der Trennung etwaiger Adhaesionen zu nennenswerthen 
Blutungen kommen wird, oder nicht. 

Dabei lasse ich Verwachsungen mit der Bauch wand als irrelevant, Vor- 
fall von Darmwindungen bei der Operation als vermeidbar, und ebenso das 
Extravasat der Gystenflfissigkeit in den Peritonäalsack, als Kunstfehler, 
ausser Acht Aber die Qualität der Geschwulst, ihre Beweglichkeit, und 
die internen Blutungen, diese drei sind Momente von der höchsten Wichtig- 
keit, and diese drei sind gerade, über welche der Operateur in 
den meisten Fällen vor der Operation im Unklaren sein wird. 



246 J>r- Daniel, 

Meia erster Fall zeigte eine grosse Cyste, welche fast einen Eimer 
voll Flfissigkeit enthielt, aber ab dieselbe mit d^ Trocar entleert wsur, 
folgte sie dem Zuge der eingesetzten Haken nicht Ausser dieser mit der 
Flezura iliaca, dem Omentum und der Blase verwachsenen Cyste fand sich 
noch eine zweite im kleinen Becken und eine dritte am anderen Ovarinm. 
So zeigte es die Section. An der Operation starb die Kranke nicht, da 
dieselbe nicht vollendet werden konnte: es wurde eine Jodinjection gemacht, 
und erst nach Wochen erlag die Kranke einer Peritonitis. Die Diagnose 
war nicht falsch gewesen, aber sie war bei weitem nicht scharf genug, um 
den Operateur sicher stellen zu können. So geht es mit vi^n feinen 
Diagnosen der inneren Medizin: sie werden gestellt zum Erstannen der 
Studenten und zum Entsetzen der Angehörigen des Patienten, aber der 
feine Diagnostiker l&uft keine Gefahr dabei, wie der arme Chirurg, welcher 
die Consequenzen seiner Diagnose mit dem Messer in der Hand vor der 
ganzen Welt zu vertreten hat. Nun, man hat es oft gepriesen, dass die 
Chirurgie der solideste Theil unserer Wissenschaft sei 

Ich muss noch ein Wort sagen fiber interne Blutungen, bei der noth- 
wendigen Trennung etwaiger Adhaesionen. Man weiss natürlich gar nichts 
darüber, bevor die Operation so weit gediehen ist, ich weiss sehr wohl, wis 
man Alles dagegen angewendet hat, bis zum Abbrennen, aber es sind ge- 
rade diese Blutungen, welche häufig noch die glQcklichste Operation ver* 
eiteln. 

2. Fall Grosser Tumor ovarii. Exstirpation den 27. April 
1866. Frau B., Jüdin, 51 Jahre alt, litt seit zwei Jahren an einer harten, 
gespannten, ziemlich beweglichen, undeutlich fluctuirenden Geschwulst im 
Leibe, und war im Februar d. J. pungirt Dabei waren mit grosser Er- 
leichterung der Patientin sechs Pfund Flüssigkeit entleert Bei ihrer Auf- 
nahme in das unter meiner ärzlichen Leitung stehende hiesige Marien- 
krankenhaus, hatte der Leib einen Umfang von 20 Zoll und maass vom 
Nabel bis zur Symphysis ungefihr sieben Zoll. Nach rechts war der Um- 
fang etwas grösser, als nach links. Die Frau war herabgekommen, dys- 
pnoisch, hatte Oedema pedum, allein verlangte dringend operirt zu werden, 
ja sie erklärte, wenn nicht bei mir, ginge sie nach Cassel oder nach London. 
Offenbar hatte sie die Literatur der bevorstehenden Operation stndirt, auch 
kannte sie die statistischen Verhältnisse derselben. Ich erwähne dieser Um- 
stände, weil es einer directen Aufforderung bedurfte, um hier die Operation 
zu wagen: Flüssigkeit schien die Geschwulst zu enthalten, aber ihre Beweg- 
lichkeit war nicht lockend, und das Allgemeinbefinden und das Oedema 
pedum waren bei der öl jährigen Frau freilich auch nicht ermuthigenid. 

Die Operation verlief folgendermassen. Es wurde ein Schnitt durch 
die Bauchdecken gelegt vom Nabel bis oberhalb der Symphyse. Ahi der 



Zar OTariotomie. 247 

Tumor bloM lag, wurde der grosse, fingerdicke Spencer Well* sehe Troour 
eiogestoaseD, nachdem derselbe zuvor mit einem eUstischen Abflnssrohr ver- 
sehen war. £s floss im breiten Strome FJfissigkeit ans, welche aber dann 
stockte. Bei niherer Untersacfanng fand sich ein dickes Ooagalnm im Trocar, 
ftUeaa ab dieses entfernt war, floss doch kein Flaidnm mehr aus. Der 
Tnmor war fest Mit groeeer Mflhe wnrde derselbe nach Trennang vieler 
Adhaesioeen entfernt nnd dann nm den kurzen, sehr dicken Stiel die Klam- 
AMT gelegt Der Tnmor war ein Mednllarsarcom von swei Pfund Schwere, 
der Utems war gesnnd gewesen. Abends sehr heftige Schmersen, der Leib 
treibt sich meteoristisch auf. Am 29. tritt Erbrechen ein. Am 1. Mai ist 
die Hautwunde gut verklebt, nirgend haben die Nadeln eingeschnitten, trots 
des bedeutenden Meteorismus: das Peritoneum war nicht mitgeniht Am 
selbigen Tage fällt die Klammer. Agone und Tod am 3. Mai Mittags, f&nf 
Tage nach der Operation. Section kann ans religiösen RQcksichten nicht 
voffenommen werden. Offenbar hatte hier Ascites mit einem festen Tumor 
ovirii vorgelegen. 

8. Fall. Grosses Golloid des Ovarium. Nicht operirt. Am 
11. Min 1866 kam Frau B., 62 Jahre alt, in*s Hospital, mit einem grossen, 
dookel fluctuirenden TnoKir im Leibe. Das Herz war gesund, der Drin ohne 
Eiveiis. Die Frau war aehr schwach, litt an hftufigen Ohnmächten, mit kleinem 
fadenförmigen Puls. Sie verfiel immer mehr, genoss kaum etwas, und hatte 
Oedema pedum. Am 17. wurde, der heftigen Schmerzen und grosser Be- 
sngstignng wegen, ein Pnnctionsversuch mit einem gewöhnlichen Trocar 
gemacht, an einer deutlich fluctuirenden Stelle. Rs zeigt sich eine dicke 
coUoide Masse, welche nicht durch die Röhre ausiiessen kann, sondern 
afihsam und schwerOUig drängt sich, durch Druck auf den Leib, eine Zilie, 
kleisteiartige Materie durch die Oanfile. Die Wunde wird geschlossen, inner- 
lich Jodkali^ und der heftigen Schmerzen wegen subcutane Morphium-Injec- 
tionen. Am 7. April tritt der Tod ein« 

Die Section ergiebt einen grossen, den ganzen Leib fällenden Ovarial- 
tsnor, aus einer dinnwandigen, nirgend adhaerenten Cyste bestehend. Die- 
selbe hätte sich, im Beginne der Krankheit, vortrefflich zur Operation ge- 
eignet, jetzt hat sie einen dicken, colloiden Inhalt nnd die dflnnwandige 
Cyste, macerirt und zerrissen, hat ihr Gontentum in die Bauchhöhle ergossen, 
so dasB der dicke Brei kaum ans den Darmwindungen herauszubringen ist. 
l^bei secundäre Bntzfindung, welche die Därme leicht trennbar verklebt. 
l^M Platzen des Tumors war schon bei Lebzeiten durch die furchtbaren 
Sehaersen und das Wfirgen und Brechen der letzten Tage, so wie nament- 
lieh duith die fast plötslich eintretende Abplattung des Bauches klar ge 
wesea. 



248 I>r. Danzel, 

In diesem Falle hatten die allgemeinen Erscbeinangen, so wie die Un- 
tersuchung des Cjsten-Inhaltes die Operation ausgeschlossen. 

4. Fall. Grosse verjanchende Ovarialcyste. Nicht operirt 
Frau B., 46 Jahre alt, hatte seit Jahren einen diagnosticirten Tumor ovani, 
welcher schon 12—14 Mal in der Stadt pungirt war, und zwar per vaginam, 
jetzt 8 Tage, bevor sie in's Hospital kam, zuletzt. Eine Hand breit unter, 
dem Nabel fOhlte man eine, wie es schien, wenig bewegliche Cyste, sonst 
fiberall Darmton. Der Uterus ist verzogen, liegt quer, die Portio vaginalis 
fQhlte man ganz nach links und oben. Die Frau ist sehr heruntergekommen 
hat Aphthen im Munde, geniesst Nichts. Kein oedema pedum. Am 15. Mii 
aufgenommen, stirbt sie am 20. 

Die Section ergiebt Verjauchung der einen grossen Cyste. Die Operatioo 
w&re, des sehr kurzen, breiten Stieles wegen, sehr misslich gewesen. Noch 
an der Leiche will es kaum gelingen, den Tumor lege artis herauszu befördern 
Verwachsung mit dem Uterus war keine da, trotz der Verziehung der Oteriu 
nach links. Es war das linke Ovarium krank, das rechte gesund. 

5. Fall. Ovarialtumor. Exstirpation und Heilung. Post tot 
discrimina rerum komme ich endlich zu einer glficklicheu und erqnickiicheD 
Beobachtung, es wird hoffentlich nicht die letzte sein. 

Betty S., 22 Jahr alt, virgo, hat seit zwei Jahren, bei regelmftssiger 
Menstruation und übrigem Wohlbefinden, eine langsam zunehmende Geschwulst 
des Leibes. Es wurde eine grosse, dünnwandige, ziemlich- bewegliche Cyste 
diagnosticirt. Sie kam am 12. Juni 1Ö66 in mein Hospital, und wurde am 
15. des Monates von mir operirt.^ 

Nachdem der Tumor durch eine Incision durch die Bauchdecken vom 
Nabel bis oberhalb der Symphyse blossgelegt war, wurde, wie oben, der 
fingerdicke, mit seinem AbfluHsschlauch bewaffnete Trocar eingestossen. Es 
entleerte sich circa | Eimer Flüssigkeit, und, nachdem der Hakenapparat 
des Trocars in die leerer werdende Cystenwandung eingesetzt war, folgte 
die leere Blase dem Zuge der Hand willig und frei. Der Stiel wurde in 
die Klammer gelegt Nichts störte die glückliche Operation, als plützlich 
auftretende, sehr bedrohliche Chloroformerscheinungen, noch ehe die Klam- 
mer sass, und also vor Vereinigung der Bauchwnnde. Künstliche Respiratioos- 
bewegnngen bei geschickter und sorgfältiger Assistenz meiner Herren CoU 
legen, welche den Darmvorfall verhüteten, bewahrten uifs vor einem Unglück 
in diesem kritischen Momente. Nun wurden zwei Saturae circumvolutae 
und vier nodosae angelegt, mit Schonung des Peritoneums. Darüber grosse 
Heftpflasterstreifeu , Charpie und eine mehrköpfige breite Flanellbinde. 
Nachdem ich noch eine subcutane Morphium-Injection von } Gran gemacht 
hatte, wurde die Kranke ins Bett gelegt. 



Zar Orariotomie. 249 

Abends 8 Uhr vollkommene Enphorie: keine Schmerzen, Leib weich, 
Pol« 88. Bis zom 18. d. M. Abends masste der Drin mit dem Katheter ab- 
genommea werden. Am 25. Jnni erfolgte zuerst Leibesöffnang, bis dahin 
varde täglich Opinm gereicht. Die Nah rang war nar eine flfissige. Am 
19. (am 15. war operirt) wurde zuerst der Verband gelöst, und eine Sutura 
nodosa, welche sich dazu eignete, am 22. und 23. je eine Sutura circa m- 
Toluta entfernt, am 24. wieder eine nodosa. Zwei Nodosae deckt die breite 
Klammer und sie wären nur unter grosser Zerrung derselben zu entfernen 
gewesen. Am 25. kann wieder ein Faden entfernt werden, and endlich am 
27., elf Tage nach der Operation, fällt die Klammer. Nun wird 
sQch der letzte Paden entfernt, welcher durchgeschnitten hat. 

Die Wunde ist strichförmig yernarbt, nur an der Stelle des Stieles sieht 
man eine, wie ein eingezogener Nabel aussehende, granulirende Vertiefung. 
Am 3. Juli verläset die Kranke das Bett, am 24. geheilt das Hospital. 

Im September d J. traten die Menses wieder ein. Der Uterus steht in 
der Ptthmngslinie. Zuletzt sah ich die Kranke am 21. September, sie ist 
ToUkonmien woh), hat aber eine Hernia ventralis; ich werde bei der näch- 
sten Operation das Peritoneum mitnähen, um eine solche zu vermeiden. 

Die Fortschritte, welche das Operationsverfahren und die Nachbehand- 
lung gemacht haben, bestehend in dem neuen Instrumenten-Apparat und in 
der Anwendung der trockenen Wärme und der Ruhe des Darmcanals nach 
der Operation habe ich getreu benutzt, die hohe Zimmertemperatur der 
Eogläoder Hess ich unbeachtet, da die bei beiden Operationen herrschende 
Sommerwärme mir ausreichend erschien. Beide Operirte lagen fibrigcns 
Dicht mit anderen Kranken zusammen, sondern sie hatten ihr Zimmer für sich. 

Anhang. 

In Bezug auf die oben erwähnten bedrohliehen Chloroform-Erscheinun- 
gen will ich hier eine kürzlich gemachte Erfahrung nicht länger zurfick- 
halten, welche dem Einen oder Anderen von Nutzen sein könnte. Am 
22. November 1866 exstirpirte ich unter Chloroform eine scirrhGse Mamma. 
Als die Geschwulst eben entfernt war, hörte die Kranke auf zu athmen und 
der Puls schwand. Während vergeblich die Fenster geöffnet und mit Aus- 
dauer die kfinstlichen Respirationsbewegungen gemacht wurden, schritt der 
Tod weiter vor: die Kranke glich vollkommen einer Leiche. Zwei erfahrene 
CoUegen assistirten mir vergebens bei den Wiederbelebungsversuchen. Da 
wurde der Rotationsapparat angewendet, welchen ich seit einiger Zeit immer 
bei den Operationen in der Chloroformnarcose gegenwärtig halte, wiewohl 
er noch nie gebraucht wurde. Der eine Pol wurde am Halse, der andere 
auf die Magengrube gesetzt; die ersten Wirkungen äusserten sich in Con- 



250 Dr. P. Petechili, 

tractionen des Leieator scapolae and Bivester m»xill«e, und nach «nd nach 
erwachten alle Respiration smoskeln zu neuem Leben! Die Operation koBote 
ohne Gefahr volieodet werden, die Kranke athmete wieder, war aber noch 
narcotisirt Wir hatten, namentlich nach den vorhergebenden vergeblicbeR 
BdebuogsTersnchen, den vollkommenen Eindruck einer Wiedererweckoog 
Yom Todel 



Ein gfinstiger Fall von HflftansUsnng bei eiteriger Periostitis 
nnd Osteomjelitis des Schenkelbeines. 

Von 
Dr. P. Petecliln. 

AMlstensarst In der c]ilnirgiscli«B Klinik in 6t. Petertborg. 



Die vorliegende Beschreibung dieses Falles aus der chirurgischen Kli- 
nik Prof. V. Kiter' 8 ist seit einigen Monaten in Petersburg gedruckt (He- 
dicittsky Wiestniek (Bote) No. 9. 1866), aber ich denke, sie wird ebenso von 
Interesse für Collegen im Auslände sein, nicht nur, weil dieser Fall ein 
charakteristisches Beispiel der acut verlaufenden, idiopathischen, eiterigen 
Periostitis in einer colossalen Ausdehnung darstellt, sondern weil sie »och 
einige in practischer Beziehung wichtige Momente für diese seltene Oper»- 
tion, welche nach Gfinther eine Sterblichkeit von über 50 pGi hat, hin- 
zufagt. 

N. Mowtschanoff, 17 Jahre alt, trat den 2. August 1865 in die thera- 
peutische Klinik ein, und wurde dort Folgendes in das Jtrankenblatt ^oo 
Dr. Beriesin eingeschrieben: Der Kranke klagt fiber Schmerzen im rech- 
ten Knie, welche seit 4 Tagen ohne bekannte Ursache andauern und beim 
Druck sich verstärken; keine örtliche Röthe oder merkliche Anschwellnng« 
ausserdem Hitze des Kopfes und Delirien w&hrend der N&chte. Pols 8^i 
schwach. Temperatur des Körpers Morgens 38,4 C, Abends 39,8 C. - 
Am 3. August erschien eine unbedeutende Anschwellung und diffuse Kötb« 
des Knies. Delirien Tag und Nacht Temperatur Mg. 38,6, Ab. 39, 5. 
Diagnose: Rheumatismus articularis acutus. Ordination innerlich: Magne- 
sia carbon. 3jj auf J^jj Wasser; Einreibungen von üngt einer. 3/?, Bxtr. 
Bellad. 3j; Eis auf den Kopf. — 6. August. Temperatur Mgs. 38,7, Abd«. 
39,8. Die Anschwellang ist im unteren k auf den vorderen Theil des Unter- 
schenkels Qbergcgangen; das Bein ist flectirt, eine Extension wegen der 
Schmerzen nicht möglich. Subcutane Injection von Atropin, Chloroform mit 
Oel auf Watte augewendet Innerlich nur ein GetrSnk mit Acid. muriai 



B&ftaQ8l56Uog bei eiteriger Periofititis u. Usieomyelitis d. Scbenkelbeines. 25 1 

dilat — 8. Aogast Temperatnr Mg. 38,5, Ab. 40. Schmerzen in dem Beine 
fortdaaemd. Anschwellung und Rdthe nur über dem Knie bemerkbar, beim 
Dmek ist es nicht sehr empfindlich. Fat fühlte sich besser, hütte keine De- 
lirien, bekam aber Nachtsch weisse. — 11. Angnst. Chinin bis 6 gr. täglich« 
Bis zam 20sten schien die Krankheit abzunehmen, als eine Röthe und An- 
schwellung anf dem inneren vorderen Theile des Unterschenkels, gleich über 
dem Knie, erschien, die beim Drucke sehr empfindlich war. — 22. Augnst stei- 
gerteo sich diese Erscheinungen, und ich wurde hinzugernfen. Ich fand in 
dem Pai einen schwachen, abgemagerten Knaben, welcher jünger als 17 
Jahre aussah, und über ziehende Schmerzen in dem Beine klagte. Die nähere 
ÜDtersuchnng zeigte auf der inneren Seite des Oberschenkels, gleich über 
dem Gondylus, eine gleichmässig vertheilte Anschwellung nnd Röthe der 
llant, aof welcher der Finger keinen Eindruck zurückliess; die Röthe war 
im Centmm gesättigter; keine Flnctuation aufzufinden, aber der Druck auf 
den Koochen bedeutend schmerzhaft Der Umfang war an dieser Stelle um 
2 Gtm. vergrössert Im Kniegelenke wurde nichts gefunden, die Bewegung 
aber war wegen Schmerzen, welche den Fat. auch oft in der Nacht erweckten, 
gestört Der Puls ungleich, 92. Temperatur Mg. 87,7 C, Ab. 39,4 C. Die 
Mutter des Knaben war eine besonders grosse und kräftige Person , seine 
Brüder und Schwestern gesund. Als die Bildung eines tiefen Abscesses nnd 
Periostitis diagnosticirt wurden, wurde Fat in die chirurgische Abtheilung 
verlegt, und warme Katapkismen verordnet. - 24. August Die Anschwel- 
lung ist anf 1 Gtm. vergrössert, die Röthe im Zunehmen, die Schmerzen 
stärker, örtlich üitze mit der Hand zu fdhlen; eine tiefe Flnctuation war 
nur mit Mühe aufzufinden, und sodann gegen 4 Dnzen flüssigen Eiters durch 
einen 3 Gtm. tiefen Einstich entleert In den Stich wurden einige Fäden 
geölter Gharpie eingeführt; Dec. Ghinae regiae vinosum. - 26. August. Mit 
der Sonde warde ein ganz freier Gang auf dem vorderen Theile des Schen- 
kelbeines nach oben zwischen der tiefen Schicht der Muskeln entdeckt, und 
der Knochen vom Perioeteum in der Strecke von 4'' entblösst gefunden. 
Der allgemeine Zustand des Kranken zeigte keine Veränderung, sein Puls 
98, Temp. Mg. 37,8, Ab. 39,6. Der Einstich wurde in einen Schnitt von 
2" Länge verwandelt, und nach Einführung einer langen Sonde durch den 
Gang in der Länge von 6'' nach oben nnd aussen von dem Schnitte, eine 
Gontraapertur gemacht, nnd eine elastische Drainageröhre mit vielen Oeff- 
nangen dnrchgefährt, ans welcher sogleich mehr als ein Pfund halbflüssigcn 
Liters, mit Stückchen Gewebe und Fibrin vermischt, durch Druck auf die 
Höfte von den Seiten herauslief. Diese grosse, anf dem Knochen selbst be- 
findliche Höhle wurde mit warmem Wasser ausgespült, und dann ein Ver- 
band gemacht Bei der mikroskopischen Untersuchung des Eiters wurden 
keioe Rnochentheile aufgefunden. Der vorausgesetzte Gharakter der Peri- 



252 Dr. P. Petechin, * 

Ostitis als eiteriger wurde jetzt mit Bestimmtheit angenommen. -— 27. August. 
Der Biter kommt fortwährend in grosser Menge aus der Drainageröhre her- 
ans, nnd hat einen sehr unangenehmen Geruch. Mit der Sonde wurde vom 
ersten Schnitte (2\** Aber dem Condjlas internus femoris) bis an 6'' nach 
oben Yon allen Seiten eine Entblössung des Knochens, aber keine f&hlbare 
Veränderung an dessen Substanz gefunden. Die Schmerzen im Beine wer- 
den mit jedem Tage grösser. Pat. wird viel schwächer, fiebert und schwittt 
dabei stark. Puls 160. Temp. Mg. 37,8, Ab. 40. — Am Slsten klagte Pat. 
aber Husten, die Untersuchung zeigte einen Lungencatarrh. Die Empfind- 
lichkeit des Beines war so gross, dass der Verband sehr erschwert war; es 
wird wenig, aber sehr fauler Eiter entleert. Statt warmen Wassers zum 
Auswaschen der Höhle wurde warme Ghlorkalklösung gebraucht, und Mixt 
e Rad. Senegae verordnet. Am nächsten Tage nahmen das schon seit 2 
Tagen bemerkbare Oedem des ganzen Beines, und die Anschwellung des 
Knies bedeutend zu, so dass zwischen beiden Knieen ein Unterschied voa 
4 Gtm. gefunden wurde; ausserdem war im Gelenke Flüssigkeit, nnd eine 
dunkele Withe über demselben. Die geringste Bewegung des Beines Hess 
den Kranken tobend schreien. In diesem Zustande war keine weitere Unter- 
suchung des Knochens möglich, aber eine Osteomyelitis wurde jetzt ^on 
Allen angenommen. — Den 3. und 4. September Abends bekam Pat Schfit- 
telfröste und Delirien. Am 5ten sah er wie ein Typhöser aus, mit rotbem 
brennendem Gesichte, ganz trockener Zunge, öfteren Delirien, und inzwischeo 
Stöhnen und Klagen über sein Bein, welches er ihm abzuschneiden bat 
Puls 140, Temp. Mg. 39, Ab. 39,8. Es wurde wenig ichoröser Biter aus 
der Drainageröhre, und noch grösseres Oedem des Beines und Entzündung 
des Gelenkes gefunden. Es wurde beschlossen, den Oberschenkel unter den 
Trochantem zu ampntiren. 

Den 6. September, nach Unterhandlung mit der Mutter, wurde der Knabe 
auf den Operationstisch getragen, in eine yollständige Ghloroformnarcose 
gebracht, nnd unter Anwesenheit und Assistenz der Herren Prof. Kiter, 
Ad. Pr. Bogdanowski und meiner OoUegen, der Girkelschnitt mit einer 
Hautmanchette und zwei Muskelschnitten (der letzte um den Gipfel des 
Gonns der nach oben gezogenen, durchschnittenen Weichtheile) im oberen 
Drittel von mir gemacht, während die Art femoralis im oberen Theile des Tri- 
angulum Scarpae mit den Fingern vollständig comprimirt wurde. Der Haat- 
schnitt wurde sehr wenig über der Mitte des Oberschenkels, und die Dnrch- 
sägung des Knochens 2" unter dem Trochanter major ausgeführt. Nach 
Unterbindung der Gefässe wurde der zurückgelassene Knochen untersncbt: 
das Knochenmark trat bedeutend, wie eine kirschrothe Pulpa heraus, das 
Periostenm war sehr dick, und leicht löslich, demnach entschieden wir ans 



fi&ftaaalösung bei eiteriger PerioatitiB a. Osteomyelitis d. Schenkelbeines. 253 

YOD aussen bis 2*' Aber den Trochanter major, die Muskeln wurden vom 
Knochen theilweise mit dem Periosteum losgetrennt, ohne die grossen Ge- 
fääse zu f erletzen, nnd danach die Kapsel geöffnet, der Knochen mit star- 
ker Mose nx 'scher Zange gefasst, nnd durch einen neuen Schnitt losge- 
trennt. Im hinteren Lappen wurde noch eine kleine Arterie unterbunden; 
mit den früheren Ligaturen waren es im Ganzen 10. Jetzt, nachdem in die 
Tiefe eine elastische Drainagerflhre gelegt worden war, wurden die Haut- 
r&nder der lianchette und des äusseren Schnittes durch Karlsbader Nadeln 
vereinigt, und endlich ein Verband des Stumpfes mit geölter Gharpie ge- 
macht Die Operation dauerte im Ganzen wenig über 20 lünnten; von 
einer Blutung war keine Rede. 

Bei der umstindlichen Zergliederung der entfernten Extremität wurde 
Folgendes gefunden: Der Schenkelknochen war Tollständig von Periosteum ent- 
blGsst, Ton den Condjlen bis l\** über die Mitte: höher, bis zum Halse war die 
Beinbaut, wie gesagt, beäeutend verdickt nnd sehr leicht abzulösen; Neubildun- 
gen, von derselben ausgehend^ waren nicht vorhanden; die Substantia com- 
pacta fand sich beim Durchsägen des Knochens der Länge nach nur röther, 
als gewöhnlich, aber ohne andere Veränderungen; die Substantia spongiosa 
Diher an der Mitte zeigte im unteren Drittel kleine Eiterherde, von der 
Grösse eines Hirsekornes bis zu der einer Erbse, und war mit Blut Qber- 
fällt Das Knochenmark erschien im ganzen Knochen ebenso blutreich, nur 
dichter, als in der Norm. Die Muskeln waren welk, in der tiefen Schicht 
aber unterhalb der Mitte verschmolzen, nnd von einem jauchigen, faulen 
Biter, welcher hier den ganzen Knochen umgab, durchtränkt. Die Gefässe, 
besonders aber die Vene, waren in der Mitte bedeutend verdickt Im Knie- 
gelenke fand sich auch viel jauchiger Eiter, und im oberen Theile des Lig. 
capsnlare zwei, eine dicke Sonde durchlassende Löcher. Hals und Kopf des 
Schenkelbeines zeigten keine sichtbaren Veränderungen. 

Der Kranke schlief nach der Operation noch 1^ Stunden, und ass beim 
Brwachen mit Vergnügen ein Stück Hühnerbraten nnd trank, dazu frische 
Milch. Temp. Abd. 39,2; Puls 120. Er fühlte sich wohl nnd war sehr zu- 
frieden, keine Schmerzen mehr zu haben; er hatte auch keinen Schüttelfrost 
'fir eine Aaslösung*); dazu machte ich einen Schnitt durch alle Weichtheile, 



*) Ich selbst war um so' mehr für eine Auslösung, weil einige Monate 
vorher, bei einer Amputation des Oberarmes wegen Garies und Necrosis 
antibracbii nnd Periostitis des unteren Endes des Oberarmknochens, ich das 
durchsägte Knochengewebe nur härter, und das Periosteum wenig dicker 
als normal gefanden hatte, während es 2 Wochen später nöthig war, eine 
Auslösong zu machen wegen eiteriger Periostitis des zurückgelassenen 
Roocheastückes, worauf der Patient an Erschöpfung zu Grunde ging. 



264 I>r- P- Petechin, 

and keine Delirien mehr. ~ 7. Augnet. Temp, Mg. 38,6; Ab. 39^. Pols 
120. Schlief die ganze Nacht aehr ruhig. Die Ränder der Haot &nden sich 
am ganzen Stampfe verklebt. Die nächsten Tage ging es ebenso gnt, am 
9ten erschienen einige Tropfen dicken, reinen £iters ans der DrainagerGhre, 
und 4 Nähte wurden entfernt Temp. Mg. 38,3; Ab. 39,2. Pols 124. Den 
loten wurden alle Nähte entfernt; am 14ten stiessen sich 5 kleinere Liga- 
turen, und am 16ten alle übrigen ab. Temp. Mg. 38,3; Ab. 38,6. Pnls 130. 
Während dieser Zeit hatte der Patient bei gutem Appetit regelmässige, 
reichliche Stuhlgänge, etwas alkalischen Urin, guten Schlaf, und hatte sich 
soweit erholt, dass er sich ohne Hiilfe aufsetzen konnte; Pat bekam Hfih- 
nersuppe, Kalbsbraten, frische Bier und Milch, und bis 2 Unzen Xeres täg- 
lich. Die Eiterung aus der Drainageröhre war massig nnd gutartig, indem 
die Verwachsung von aussen sich mehr and mehr verstärkte. So ging es 
bis zum 29sten, als in der vorderen Narbe sich ein Abscess bildete, aus 
welchem ich beim Eröffnen gegen 2 Unzen zersetzten Eiters entleerte. Tem- 
peratur steigerte sich Abends bis 40, Puls bis 142; der Kranke wurde unruhig. 
So dauerte es einige Tage, als zu dem ersten ein zweiter Abscess sich ge- 
sellte; der Eiter, welcher aus der Drainageröhre kam, war ebenfalb ttbelrie- 
chend; die beiden nach den Abscessen znrfickgebliebenen Geschwüre sahen 
sehr welk aus; Ausspfilen mit warmer Chlorkalk-Lösung mit einigen Tropfen 
Spirit camphorati. Bis zum 7. October verlor der Kranke nicht seinen 
Schlaf und Appetit, als er plötzlich einen Schüttelfrost nnd dann starkes 
Fieber bekam; die Inguinaldrfisen waren vergrössert, hart, und sehr «npfind- 
lich, die Temperatur steigerte sich über 40. Verordnet Infus. Hb. Digitalis cum 
Acido phosphorico und Mercurial-Einreibungen in die Weiche. Den nächsten 
Tag erschien eine erysipelatöse Röthe nnd Oedem am äusseren Winkel des 
Stumpfes. Jede Reizung durch die Drainageröhre wurde jetzt unterlassen, 
Gollodium ricinatum auf den Rothlauf gepinselt. In einigen Tagen erholte 
sich der Patient wieder, indem der Rothlauf und die Drüsenentzfindang ver- 
schwanden, die Drainageröhre Hess sich jetzt so schwer hin- und herracken, 
dass sie entfernt werden musste. Der Drainagegang heilte in einigen Ts- 
gen zu, und indem die 2 Geschwüre in der vorderen Narbe,. von welchen 
das eine bis 3'' tief war, in ihrer äusseren Oeffnung eine eben so grosse 
Neigung zum Verschlusse zeigten, ohne sich in der Tiefe mit GrannlatioDen 
zu füllen, musste einige Wochen laug Laminaria digitata (mit sehr gnter 
Wirkung) gebraucht werden. Am 19. October wurde noch ein Abscess hinter 
dem Stumpfe, fast gegenüber dem Acetabnlnm, geöffnet, nnd ein Gang von 
2" Länge gefunden. Jetzt füllten sich die ersten 2 Geschwüre, der Kranke 
erfreute sich fortwährend des besten allgemeinen Zustandes, nnd fing an, 
am 6. November auf Krücken umherzugehen. Nach einem Monate, wo nnr 
ein taubeneigrosser Abscess in der vorderen Narbe sich aeigte «nd ein 



U.«at(l^.M).ii^ b«*WQ.Bge h6r.«.k««. war der Stumpf 

T'^if^'i^leT- Wie der Stumpf .olch» Bewegongen bes«e 
r^"?'it^«hw^en, eü.f«hen Stelzfnse. mit einem Riemen Dbcr 
^.±tX^ X« Ri«-«-0«rt.l machen lies«, der Kranke so 

d«t|ri« "^V^., ^,,^elch keine KnochennenbUdung .m 

t;^ '^Ilf tr«i n J*e -nte^re N-be hart -nd eingezogen erschien. 

^"J^J^r^'^fc-ptb-onderheiten sind in rein operativer Hm- 

*^ "t n-' ^«STes Scbenkelbeines ist von allen Chirurgen 

d. <me der «ngünatigsten ^ ^.„ .u^i» ,„ „egen, dass 

«dtt. davon kMinen will, so Schemen sie ni 

^ vxmavtheU abgenommen, oder eine m grosse iruu 
«> » pn«« K^'P«^'" "f „eh i. dem Blutverluste vrihrend der Ope- 
sutckgelasseB wud, sondern aucn in u „..„„._ ,^ie Svme nnd 

. j .inSM sehr tüchtige englische Chirurgen (.wi« oj 

,^, » d«» •".!«• wjr» g 6 Schranbencompressorium von 

As.a.dale) sich entschieden, ™» Joneration tn comprimiren. 
Li.ter die AorU abdominabs bei dieser ^^^ femoralis .m Rande des 

Beckens genügend «n '»»»"•""' ^ ^in Jeder sich vorstellen; es 

^t „ter de- ^;;^-^tirde"Tn^^l- Scarpae, wo der Druck 
"* r « t^Tot^efmch sUttfinden kann, dass bei 50 Operationen 
«U den «-e;";^;^^;,„ j,, i„ keiner den geringsten Blutverlust ge- 
" '^/.!rSeL?urdrOperation der AnsWsung so gemacht wird wie 
•*" "^ «Jil^« iothtendigkeit geschah, kann die Arterie während 
« « Biiserem Falle •« »» * Triangnlum Scarpae comprimirt wer- 

ter g«»eu zeit. -J ";^^f J^,S^,rnie^^^^^^^ für eine solche Dicke 
a«..wea. «»«''*•'» *;"*;f:^„ie Muskelschnitt gemacht sind, sogleich 
der M«k«ln wird) «nd «" ^'«^»'« ^^„„ ,^i„ »„.«eren Schnitte nur 

^Oeft«M» "*«*"*V; :Znktnn welche entweder mit den Fin- 
*e Aeef *« .^"^^f ^C-^^^ t^^^t. oder gleich unterbunden 
gen. bi« .or ^»»-^-^f „^terlusseJe Schnitt bis auf den Knochen 
werde» können. TiMrUh mnss oer ^„^ögUch mit Periosteum, 

reicben nni dicht an demselben •"« M"«';^^' l^ «„^,„,„ Schnitte von 

•S«r rr^-e^ruir O^rt «.hsten den Me- 

tboden '»on «»'•*»\!"'*>'*""/^''' ..„ den Bewegnngen des Stumpfes 
* Id, „öchte nochhin.nfl»gen, d»s «" ' ^^^J^^ J der Muskeln in 
(«•lehe mit einer nnvertaderten Lage der ganxen i^ic 



256 I^r. P. PetechiOf HflftaasKteang bei eiteriger PeriostltiB etc. 

Zusammenhang zn stehen scheinen) bei dieser Operation, welche genügend 
für einen leichten, gut gemachten Stelzfuss erscheinen, auch die Narbe nie 
von EinfluBs anf die Genitalien sein kann, indem sie z. B. die grosse Scham- 
lippe beim Weibe abzieht; das Sitzen ist dabei ebenso beqnem (wie anser 
Patient zeigt), als mit zwei Ffissen. 

Die Bewegungen des Stampf es waren nach einem Jahre schwächer ge- 
worden, weil der Knabe es bequemer fand, seinen schweren StelifuBs nicht 
zu gebrauchen ; und nachdem er sehr zunahm, war auch die Anshöhlang im 
Stelzfasse zu eng geworden. Eine Knochenneubildung war nicht za fühlen 
und der Ausgangspunkt fQr die Bewegungen war die untere Narbe. 



Druckfehler: 
Seite 30. Zeile 14 y. o. statt epninus 1. equinus. 
» 31. , 16 ▼. 0. statt Contat 1. Contact. 
„ 32. , 12 V. o. statt athropisch 1. atrophisch. 
» 36. , 9 ▼. 0. statt Taurus 1. Tarsus. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communis, 

nebst einer Statistik dieser Operation. 

Voa 

Dr. C PllK, 

Assistent am physiologischen Institut in Breslau. 



Vorwort. 

Als ich jfur meine Dissertation, anknüpfend an den in Zürich 
anf der Klinik des Herrn Professor Dr. Billroth beobachteten 
Fall beiderseitiger Ligatur der Art. Carot eomm., eine Statistik 
dieser Operation aufzustellen suchte, erkannte ich sehr bald, dass 
die Indicationen, die Folgen und der Werth dieser seltenen Ope- 
ration erst durch die F&Ue, in welchen die Ligatur der Hals- 
schlagader überhaupt gemacht worden, in das rechte Licht wür- 
den gestellt werden. Demgemäss sammelte ich schon in ZQrich 
weiteres Material, was mir insofern durch die dort vorhandene 
Idzikowsky 'sehe Dissertation^) erleichtert wurde, als sie mich 
anf manche Quelle aufmerksam machte. Vor allem aber wuchs 
die Zahl der Fälle in Berlin ausserordentlich an, da ich dort, 
sowohl in den öffentlichen Bibliotheken, als in's Besondere in 
den Privatbibliotheken der Herren Prof. Dr. Hirsch undGnrlt, 
sehr viele, bis dahin noch nicht durchgesehene Journale und 
Werke vorfand. Hier erhielt ich endlich im Original Norris*') 
gnte, statistische, von mir mehrEach benutzte Arbeit, und N. Ghe- 



i) De ligatnra carot comm. Greifswald. 1852. 

') On tying the carotid arteiies. Americ Journ. 1847. VoL 14. p. 14. 

V. L»nceB^««ki Archiv I. Chirurg)«. UL 17 



258 Dr. C. Pilz, 

vers'') gründliche ZusammengteUuDg, J. Ehrmann^s^) fleissig 
nach den Originalen gearbeitete, aber bei Weitem nicht erschöpfende 
Schrift, die mit zahlreichen Fehlern versehene, oberflächliche Arbeit 
G. 6. Günther's') nnd die Dissertationen von Zimmermann'}, 
Walther'') und Nemmert^). Leider erhielt ich diese Schriften so 
spät, dass ich in ihnen nur v^enig Nenes fand, und mir im Auf- 
finden der Originale keine Zeit und Mühe ert^part worden war; 
dafßr hatte ich in ihnen eine gute Controle fär meine Angaben; 
Woodys') Arbeit im Original zu erhalten, gelang mir nicht. 

Ein Blick auf die Literatur der Tabellen zeigt, dass die ein- 
schlägige Literatur, besonders die ausländische, üeissig benutzt 
worden ist. Persönliche Mittheilungen und briefliche an Hm. 
Prof. Gurlt^^) halfen nicht nur die Zahl mehren, sondern auch 



3) Remarks od the effects of obliteration of the carptid arteriea etc. 
Lond. Med. Gaz. New Ser. 1 1845. Oct. pag. 1140. 

*) Des effetB prodoits aar Tenc^hale par roblit^tioa des vaisseanx, 
qui s'y distribueot. 1860. Paris, ches B. Bailli^re. 

>) Lehre yod den blutigen Operationen am menschlichen K(Srper. Abth. 
5. Operat. am Halse. 

«) GoDspectus chronol. deligation. arter. Wfirzburg (Bayreuth). 1833. 

7) De llgatura carotidis communis. Leipzig. 1833. 
y*) De arteria carot comm. lateris ntrinsque deligat Dorpat. 

9) Kew York Journ. 1857. July. Ueber Ligatur der Carotis commanis. 
^0) Darch eioe grosse Zahl brieflicher Mittheilnngen, welche mir auf 
meine Bitte zu Theil geworden sind, ist noch eine ganze Reihe nicht publi- 
cirter Fälle an das Tageslicht gekommen, und für diese, so wie andere gleich- 
zeitige Nachweisungen, sage ich, im Namen des Verfassers vorliegender 
Arbeit, and im Namen der Wissenschaft überhaupt den nachbenannten 
hochverehrten Herren Collegen meinen wärmsten Dank. Es sind dies die 
Herren: v. Balassa in Pesth; Bardeleben in Greifswald; Bartels in 
Kiel; B. Beck in Freibarg i. B.; Blasius in Halle; Bockenheimer in 
Frankfurt a. M.; W. Boeck in Christiania; E. Boeckel in Stnussbnrg; 
V. Bruns in Tübingen; Busch in Bonn; Esmarch in Kiel; Hecker in 
Freiburg l B.; Knorre in Hamburg; v. Linhart in WOrzburg; Lücke in 
Bern; Nnssbaum in München; v. Oettingen in Dorpat; Passavant in 
Frankfurt a. M.; v. Pitha in Wien; Ried in Jena; Roser in Marburg; 
Simon in Rostock; Spence in Edinbnrg; K. Textor in Würzburg; von 
Thaden in Altona; Uhde in Braunschweig; Vanzetti inPadua; Wem- 
her in Giessen; Wagner in Königsberg; Zeis in Dresden. 

I. «elt. 



Zor Ligatur der Art«ria Carotis commQnis. 260 

haaptsächlich die Mortalitftts-Ziffer richtiger etellen, da die Mehr- 
zahl dieser F&lle einen t&dtlicfaen Ausgang hatte. Was die Anord- 
nung betriffl;, so fand ich es für gut, in die Tabellen, welche 
nach den Indicationen zur Operation getrennt chronologisch geord- 
net sind, das Nothwendigste nur aufzunehmen, das weiter Inter- 
essante ans der Krankengeschichte jeder Tabellenreihe gedrängt 
folgen zu lassen. Die nach.Brasdor und Wardrop operir- 
ten FUle trennte ich absichtlich von den Aneurysmen. Einen 
grosseren Auszug aber glaubte ich geben zu müssen, wenn die 
Krankengeschiditen entweder gar nicht, oder in einer sehr schwer 
sQgänglicfaen Zeitschrift Teröffentlicht sind. Leider werde ich hier 
Emigen zu viel, Anderen zu wenig aufgezeichnet haben; doch 
muss ich bekennen, dass die Grenze, uin Allen gerecht zu wer- 
den, hier schwer zu ziehen ist, und dass ich im Verlaufe der An> 
beit hierin schon vielfach Aendemngen vorgenommen habe. 

Diesem ersten Abschnitte folgt ein zweiter, welcher die 
statistischen Ergebnisse und die Besprechung einzelner 
wichtiger Punkte enthUt. 

Um Nachsicht muss ich für diese Anordnung bitten, da sich 
z. B. unter Tumoren und Aneurysmen Fälle finden, die mit glei- 
chem Rechte zu den Blutungen gezählt werden können, und um- 
gekehrt; ebenso ßLr die Willkür, mit welcher manche Angabe in 
den Text genommen ist, die besser der Tabelle überwiesen wäre, 
vor Allem für die ungleichmässige Behandlung, die an vielen 
Stellen hervortritt. Entschuldigen will ich dieses damit, dass ich 
die Arbeit schon als Student begonnen habe, später durch stö- 
rende Zwischenfälle gezwungen wurde, sie oft auf Wochen und 
Monate unberührt zu lassen; denn die Arbeit erforderte viel mehr 
Zeit, als ich gedacht hatte. Für die Quellenangabe ist zu be- 
merken, dass die secundäre Quelle, aus der ich nur in Ermange- 
hing des Originales geschupft habe, durch einen horizontalen 
Strieh von der des Originales geschieden aufgeführt ist Bei der 
Angabe des Todestages kann vielleicht hier oder dort ein Fehler 
vorgekommen sein, da ich bei der ersten Notiz gewöhnlich gleich 
die Summe zog, jetzt aber, schon lange von Berlin entfernt, 

17* 



260 



Dr. 0. Pill, 



nicht mehr Gelegenheit habe, eine Revision hierio vorzunehmen; 
glficklicher Weise ist diese Angabe von geringem Werthe. 

Leider richtete ich zu spät mein Augenmerk auf die Ligatur 
der Carotis externa, als dass ich durch eine Statistik der Fälle 
die Frage über den Vorzug derselben vor der Unterbindung der 
Art. Carot. comm., und besonders über die Nachblutung nach 
derselben entscheiden konnte. 

Weit entfernt von dem Glauben, dass in dieser Arbeit eine 

I. Ligatur bei 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


'l 


1 Ursache. 

1*! 




5^ 


Aus- 
gMg. 








O 6^. 


Tag». 1 




1. 


J. Abemetby, 


Abernethy's 


M. 1. 


Verletzg. (am Halse 


kn» 




t 30 




London. 1803. 


Surg. observat. 


1 


durch ein Kuhhom.) 


leil. 




Std. 






p. 193. 














3. 


Fleming. 1803. 
17. Oct engl 


Med.-chir. Review. 
1827. Jan. 


^"m"^- 


— 


Verletzg (am Halse). 
(Selbstmord.) 


8 


7 


Heiig. 




Schiffsarzt. 






1 

1 








8. 


Twitchell. 


New Engl, quart. 


m. 


r. iSchussverletzc. {d. r. 


10 


13 


Heüg 




Keene.1807. 18. 


Joum. of Med. 


M. ' ' Hals- u. Gesichts- 










Oct. 


and Surg. 1842. 


! 1 hWfte). (Carot. int) 












Octbr. 














4. 


Dupuytren, 


Hodgson, Di- 


'U 


r. 


Schussverletzg. (Ca- 


— 


— 


t6Tg. 




Paris. 1814. 24. 


sease of the art. 




rot ext. u. Art. fa- 










Febr. 


and veins par 
Brescbet, Vol. 
2. p- 39. 






cial.) 








6. 


Giroux, Paris. 
1814. 30. März. 


Ibid. u. Dupuy- — j — 
tren, Le<;ons 1 
orales. Vol.3.p.65. 1 


Schussverlzg. (Carot. 
ext.) 


7 


"~" 


t9Tg. 


6. 


Marjolin, Pa- 


Ibid. u. Gaz. heb- 


^: ~ 


Schussverletzg. (Blu- 
tung am 6. Tage). 


6 


_ 


t 21 




ris. 1814. 


dom. 1863. p. 813. 






Tg. 


7. 


B. Travers, 


Lond. Med and 


m! r. 


Blutg. (aus partiell 
entferntCarcinom). 


._ 


16 


t lö 




London. 1815. 


Physic* Jonrn. 
Vol. 57. p. 234 








Tg. 




13. März. 


















u. 327. 














8. 


Collier, 1815. 
22. Jan. 


Medico - Chirurg. 
Transact. Vol. 7. 
p. 107. 


"i 


1. 


Wunde am L Kie- 
ferwinkel (Art. fa- 
cial. u. ling.). 


8 


13 


Heiig. 



Zar Ligatur der Arteri» Carotis commnoiB. 



261 



ToUeodete Statistik vorliegt, bin ich vielmehr überzeugt, dass 
noch viele Beiträge erfolgen müssen, um dieselbe als eine voll- 
ständige ansehen zu können. 

Meinen besten Dank sage ich dem Hrn. Prof. Garlt für die 
Yielfacben Bemühungen, für die mir häufig ertheilten Rathschläge 
and Verweisung auf mir neue Quellen, und allen Herren Pro- 
fessoren, die mir gütigst ihre Privatbibliotheken zur Benutzung 
gestatteten, insbesondere dem Hrn. Prof. Hirsch. 

Blutnngeii. 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe 



TodeBursache und Section. 



Nach einigen Stand. Delirium, Fieber, Gonvuls. stär- 
ker auf d. r. Seite, mit folgend. Lähmung r.; con- 
▼uls. Beweg, dann noch L Ligat. in d. verlänger- 
ten Wunde. 

Das Gefösfl wurde in d. Wnnde nnterbd. 



Am 10. Tage erfolgte d. Blntg., Unterbind, in d. er- 
weiterten Wnnde; d. Mutter schloss selbst d. Fa- 
den. Nachblntg.; graduirte Compress. einige Kno- 
chensplitter BtoBsen sich ohne weitere Zufälle ab. 

Vom 2. Tage ab Delir. n. Schwächezustand; am 15. 
Tage nach d. Verletzg. trat d. erste Blntg. ein. 



Als am 7. Tage heft Blutg. erfolgte, geschah d. Li- 
ga!., es folgte bald Fieber, am 5. Tg. Delir., am 
7. Stupor. 



Es folgte Fieber, Husten, Irresein — kurz vor dem 
Tode drang Blot aus der Wunde. 



Als am 22. Jnni d. Blutg. erfolgte, machte man, nach 
▼ergeblich angewandter Stillung durch graduirte 
Compr., d. Ligat., sogleich stand d. Blutg. — 26. Juni 



D. Artt. facial, ling. n. thj- 
reoid. abgerissen n. Oarot. int. 
zerrissen, d. Pia injicirt, geiat. 
Exsudat zwischen Pia n. Arach. 
d. Gefässe sind sehr gefflUt. 



Unter d. Ligai war d. Geflsn 
schon verschlossen. 

Blutg. — Art occip. war ver- 
letzt worden.. 

Meningit — Zwischen d. Pia 
u. Dura wässerige FlQssi^keit; 
oberer Thromb. nicht d. intim, 
adhärirend, denn hier fliesst 
lujectionsmasse aus, d. Häute 
sind durch Eiterg. getrennt, d. 
untere Thromb. fBllt d.Gefäss 
nicht aus, adhärirt nur oben. 



262 



Dr C. Pill, 



No. 



Operateor 

und 
Datam. 



Literatur. 



•I 



Ursache. 



1^ 



IQ 

Tag». 



^1 



Aus- 
gang- 



9. 



10. 



J. Oole, 1816. 
28. Jqd. 



Giersch, 1815. 
Jan -Jnl. 



Lond. Med. Rep. 
1820. Mai. p. 375. 
0. Rast, Magas, 
Bd. 8. S. 237. 



Rast, Magaz. Bd. 
2. S. 140. 



Schasswande. 



Halsverletzg. (Stich- 
wände.) 



11 



t 
4. Tg. 



Heilg. 



11. 

12. 
13. 

14. 

15. 
16. 
17. 
18. 



Brodie, 1816. 
5. Ja]. 



J. Brown, Da- 
bUn. 1817. 14. 
Jan. 

CasackiDablin. 
1820. 16. Aag. 



Boileaa, 1822. 
23. Jol. 



Bonet, Manilla. 
1823. 24. Sptb. 



Dnffin, 1824. 
11. April. 



Bfinger, Mar- 
barg. 1824. 19. 
Febr. 

Dzondi, Halle. 
1824. 



Medic-Ghir. Trans- 
act Vol. 8. p, 
224 



Dablin Hospit. Re- 
ports. Vol. 1. p 
301. 

Dablin. Hosp. Re- 
ports. Vol. 3. 



North Americ. Med. 

and Sarg. Joarn. 

Vol. 1. — Fro- 

riep*sNotz.l825. 

Nov. 8. 110. 
Joarn. g^n^r. de 

M^d. par Gen- 

drin. 1827. 2. p. 

254. 
Lancet. 1823-24. 

Vol. 2. p. 200. 



27 



Ä- 



•2; 



Blatang (nach Ans- 
ziehen ein. Zahnes.) 



Schnittwunde i d.Ga- 
rot (Federmesser.) 

Schnittwnnde 
(Selbstmörder). 



7Tg. 



Bfinger, Prima 

carotid. comm. 

utriqne corp.hom. 

etc. Marbarg. 1838. 
Rast, Magaz. Bd. 

18. S. 115. Fr. Not. 

Bd. 6. S. 304. 



3Ii. 
M. 



J»; 



391. 



601, 



r. Halsverletzg. e. £pi- 
leptik durch e. Mes- 
ser. (Art. thyr. sap. 
angenommen.) 



10 
Mim 



Blntg. aas e. Fistel 
geschwür am Halse 



Blatg. aas d. Monde. 
(Maxill. int.) 



Schnittwunde am 
Halse (Selbstmord). 



Blntg. aus e. Krebs 
der Zunge. 



5Tg. 



— t 
2, Tg. 



12 
21 

12 



Heilg 



60. Tg. 



Heilg. 



Heüg. 



20. Tg. 



Heilg. 



5. Tg. 



Zur Ligatnr der Arteria Carotis commiiDiB. 



263 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



Todesursache und Sectioo. 



Sauseo im 1. Ohre a. GefÜhllosigk. d. 1. Gesichts. — 
2. u. 12. Juli Gesichtsrose; über d. Ligat. ist kein 
Puls mehr zu fQhlen. 
rischen zwei Ligatt. wurde ^. GefSss durchschuitten. 



» Compr. der Carot. die Blutg. sistirte, wurde ein 
Bändchen um dieselbe gelegt, musste aber bald 
wieder eotferat werden, da das Gesicht rothblau 
wurde; Fat. wird bleich, Puls klein, intermitti- 
rend, Athraen schwer, Haut kalt; die Umstechnng 
d. bloteoden Partie wurde gemacht, unter Zurück- 
gebend, bedrohlichen Erscheinungen; ausser Schling- 
u. Respirat. > Beschwerd. trat kein Symptom auf. 
Minuten nach d. Operat. heft. Blutg., ein einzelnes 
GefiUs war nicht zn unterscheiden; Pen. cand. 



e Art. thjr. snp. dext. wurde auch unterbunden, 
17. Sept. blotiger Eiter u. Blutg., es wurde d. Ca- 
rot. tiefer wieder unterbunden ; dennoch dauerte d. 
Blutg. fort. 

It Entfemg. des Messers Blutung, Ohnmacht; mit 
Schluss d. Ligat. Brlöschen d. Puls. Ober dersel- 
ben, und d. bestandenen Kopfschmerzen; aber Tom 
26. JaL bis 4. Aug. rechtsseit. Kopfschmerz. 

e Ligat. nach Scarpa — ; zwischen 15.-20. Tg. 
entfernt; mit d. Ligat d. Geftthi von Krampf u. Ge- 
fühllosigkeit, d. Stimme heiser, nur etwas Husten. 

ie beim Erbrechen plötzlich entstandene Blutung 
steht mit d. Ligat.; nach 20 Tg., sinkt, während 
bisher ein gnter Fortgang gewesen war, plötzlich 
d. Pols ; es traten leichte Gonvuls. d. Gesichtes auf. 
m Tage nach d. Ligat. Delir. u. Fieber, letzteres 8 
Tage lang, Pat. hatte d. Augen fest geschlossen; 
am 5. Entzdg. d- r. Auges zu erkennen, das ver- 
loren geht. ^ _, „ , . . 
ie Bln^. stand;* am 3. Tage linksseit Lähmung. 



Pract. angul. max. dext. et corp. 
oss. hyoid. Yerletzg. d. Pharynx 
n. Larjnx u. einig, stark. Zweige 
d. Carot., d. Lungen gesund, 
Bronch. mit £iter erfillt (hin- 
abgeflossen.). 



Die Wandung d. Art. carot. dunh 
Ablagerungen in ihren dttnnen 
Wänden undarchsichtig, ihre 
Zweige sehr dünnwandig und 
fast durchscheinend. 



lUeinerAbscess an Stelled. ersten 
Ligat, die i Zoll entfernten En- 
den sind offen, r. Carot ist 
stärker, als 1. 



Section fehlt. 



264 



Dr. 0. Pil«, 



No, 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


^1 


1 


Ursache. 


ii 




Ad»- 
gaofr 








M 




.Tage. 




19. 


De Gros, 1825. 


Boston Med. and 


it 


L 


HilsTerletznng. 






HeUg. 




27. Febr. 


Surg. Journ. VoL 
















2. - Norris, 2. 


















Ser. No. 13. 














20. 


Miller, 1825. 
Octob. 


West. Jonrn. — 
Norris, Ser. 2. 
No. U. 


it 


"■ 


Halsverletzung. 


27 


■^ 


Heflg. 


21. 


Textor, 1826. 


Neu-Ghiron. Bd. 2. 


"i 


1. 


Schnittwunde. (Ga- 


12 


13 


t 




10. Mai. 


St. 2. 1827. - 




rot. ext.) 






30. Tg 






Gräfe Q. Waltb. 


















Joom. Bd. 21. 


















S. 408. 














22. 


Travers, Tho- 


Lond. Med. and 


35j. 


r. 


Srhnittverletznng. 


hm 


IS 


t 




ma8-SpiUl.l826. 


Pbysic. Journ. Vol. 


M. 




(Garot ext) 


UL 




56. T« 




27. Jun. 


56. p. 327. 














28. 


Lanf^enbeck, 


Langenbeck*s 


1^- 




Blutung. 






t 




Göltingen. 1827. 


NeQeBiblioth.Bd. 










aosa 




29. Jan. 


4. St 3. S. 586. 














24. 


e. Mayo, Lon- 
don. 1828. 10. 
Oct 


Lond. Med. and 
Physic. Journ. VoL 
38. Dec. 


1! 


r. 


Bintg. (aus syphil. 
Ulcerationen im 
Schlundkopfe). 


-^ 


15 


Heiig. 


25. 


Larrey, Paris. 


Larrey, Glinique 
chir.VoL2. p.130. 


— 


r. 


BlDtg. (nach Degen- 


^. 


11 


t 




1828. 

* 


M. 




stich im Duell). 








25a. 


Si8C0,1829. 11. 
Sept 


Annali univers. di 
Med. 1829. Dec. 


"J: 


L 


Blutg. (aus Aneur. 
träum.) 


- 


14 


Heile- 


26. 


Lake, London- 
Hosp. 1829. 
Octob. 


Lancet 1830. 10. 
Apr. 


»^. 


L 


Blutung (aus einem 
Rachengeschwüre). 


4 


as 


Heiig 


27. 


▼. Graefe, Ber- 


Brflninghau- 




l 


Halsverletznng. 






»'t; 




lin. 1829. 


sen, Dissertat. 
















Berlin. 1829. 














28. 


R. Mayo, 1829. 


Lond. Med. and 
Physic. Journ. VoL 
8. — Froriep's, 
Notiz. 1837. Hft 3. 
S. 80. 


M. 


r. 


BlDtg. aus d. Gau- 
mensegel (Pfeife). 






HeUg. 


29. 


Unbekannt, 
Winchester 
Gonnty Hosp. 
1829. 


ProT. Med. Gaz. 
1829. - Lond. 
Med. Gaz. 1829. 
VoL 4. p. 414. 


1- 


r. 


Nachblutung. 






' 



Znr Ligatur der Arteria Carotis commaDis. 



265 



Besonderes bei der Ligatur nod im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Pat blieb 3 Tage laug im Zustande allgem. Dnem- 
pfiodlichkeit, genas allmälig. 

Pät wurde einsilbig; am 21. T. war der Mund ver- 
zogen n. d. r. Arm gelähmt, am 23. Lähmung d. r. 
Seite n. Sopor. 19. Mai Blutg. aus d. Operations- 
wQode.. 

lo der Wunde war kein Gefäss zu entdecken, nach 
d. Ligat. noch schwacher Pols über ihr, Kopf- 
schmerzen, Husten, 19. Tag Versuch zur Flocht, 
der am 20. gelingt Zwangsjacke; Irrereden, Pat. 
reiset den Verband ab, Anfall Ton Wahnsinn; 17. 
Jdü Blutung, die wiederkehrt. 

Nachdem znr Heiig. eines Kropfes d. Art. thjr. sup. 
QDterbunden war u. sich aus d. Wunde eine heft. 
Blutg. einstellte, wurde zor Ligat. d. Garot. ge- 
schritten; sogleich wird Pat bewegungslos, hält d. 
Augen fest geschlossen. Coma. 

Nach d. Ligat einige Ohnmächten, Sehvermögen auf 
d. r. Auge wird geschwächt, bessert sich aber schnell, 
heftig. Klopfen in d. 1. Kopfseite. 

Sogleich stand d. Blutg., einige kleine Gefässe sind 
besond. zu ligiren, Schlingbeschwerden stellen sich 
ein. (L. yeimuthet, dass d. Garot d. Seite dop- 
pelt war.) 



Oie am 30. Sept. aufgetretene Blutg. wiederholte sich 
am 3. n. 4. Oct, d. Ligat verlief ohne besond. Er- 
scheinungen, 7. spontan copiös. Blutg., 17. kein 
Puls in d. L Carot, 1. Pupille dilatirt, ohne Ver- 
änderung d Sehvermögens. 

Bald erscheinen Fieber n. Delirien, von Koma gefolgt 



Ua d. Abscess am Gaumen mit d. Messer eröffnet 
wurde, entstand eine so heftige Blutg., dass M. zur 
Ligat. d. Garot schreiten mosste; am 1. Tage er- 
schien eine nene, bald stehende Blutg« 

2 Std. nach Exstirpation eines Steatoms d. üoterk. 
wurde die Ligat noth wendig; am 2 Tage Schling- 
beschwerden, d. Zunge konnte nicht aus d. Munde 
gebracht, ebenso wenig als d. Drin entleert wer- 
den; 3. Tg. schlftft Pat viel; 5. allgem. Besserung. 



Abscess im Gentr. semiov. Viens. 
L; d. untere Thrombus ist fest 
u. adhärent bis zur Theilungs- 
stelle; Abscess in d. Arterie. 

Blutg. — Das obere Gef&sslumen 
ist offen, d. untere geschlossen; 
an d. Stelle d. Verwnndg. hat 
sich ein Aneur. saccat gebildet 



Rechte Hemisph. ist blutlos, da- 
gegen die Oberfläche d. 1. blut- 
reich. 



Als Pat nach 5 Jahren an Tn- 
berk. starb,. zeigte d. Art. ling. 
sich als Quelle d. Blutg. 



Gehimentzdg. — Die Artt max. 
u. temp. u. Ven. temp. sind ver- 
letzt, d. Sinus mit Blut fiberffiUt 



266 



Dr. C. Pils, 



No. 



Operateur 

and 
Datum. 



Literatur. 



! 



Ursache. 






il 



Tage 



30. 
31. 

32. 
33. 

34. 
35. 

36. 
37. 

88. 

39. 
40. 



41. 



Roux, Paris 
1830. 

Delpecb, Mont- 
pellier. 1831. 



Horner, 1832. 

18. Juni. 
Roux, 1832. 23. 

Jan. 

Syme, Edinb. 
1832. 1. Oct. 



J.Wat8on,18d3. 



Tyermann, 
1834. 14. Aug. 

H. Mayo, 1834. 



J. Trier, 1834 
Altona. 



Scott, Lond.- 
Hosp. 1834. 

A.Elli8, Dublin. 
1835. 26. Jan 



ß^dor, Troyes. 
1885. 24. Apr. 



Quarante annees de 
pratVol.2.p.401. 

Günther, No. 87, 



Americ. Journ. Vol. 

10. p. 405. 
Quarante annees de 

pratVoL2. p.d25 

Edinb. Med. and 
Snrg. Journ. Vol. 
88. 

Schmidt, Jahrbb 
Bd. 98. S. 76. 



Med.andSurg.Rev. 
N. S. Vol. 29. - 
Norris, Mo. 21. 

Med. quart. Rev. 
1834. p. 410. 



Altona. Kranken- 

hausber. 1834. S. 

8. — Günther, 

No. 83. 
Medic-Chir. Trans- 

act.Vol.22.p.l34. 
Lancet. 1834-85. 

Vol. 2. 



30j. 
M. 



W. 



w. 



35j. 
M. 

301. 



8 



54 



km 



Schnssverletzung 
(wahrsch. d. Art 
lingual ). 

Blutung aus d. Nase. 



Sebnittwande 

(Selbstmord). 
Verletig. (d. Oarot. 

ext. durch Glas 

Splitter). 
Rlutung ans Mund 

und Ohr. 



Stichwunde. 



Verletsg. am Halse. 



Schnittwunde 8Tg. 

(Selbstm.). (Garot. 
ext.) 



Schnittwunde. (Art 
thyr. sup.) 



Presse m^d. No. 
10. — Arch. g^n. 
2. S^r. Vol. 13 
p. 253. 



29j. 
M. 



20i. 



Blutg. aus d. Nase. 

Schnittwunde 
(Selbstmord). 



HalsTerletsoBg (mit 
Pfriemen). 



8 
Tg. 



17 
Tg. 



Znr Ligatar der Arteria Carotis commaois 



267 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



Todesorsache and Section. 



^^ondere ErBcheinungen werden nicht angef&hrt. 



»gleich stand d. Blutg.; aber Fieber, Froatschauer, 

actrangartise Schwellung im Verlaufe der Ven. jag. 

int trat auf, dann Oedem d. 1. Aagee mit fast voll- 

ständiger Blindheit 

1 der verlängerten Wände war d. Operat erschwert, 

Ohnmacht, leise Stimme. 

'. Joli nach Tonchiren n. am Tage nach Lösnog d. 

Ligat. eine leichte Blotg. 

ich d. Ligat. nimmt d. Geschwalst ab; Abds. Blntg. 

las Mnnd n. Ohr, am 6. Oct Blatg. ans Mund u. 

Käse, Fat. wird ohnmächtig; es erfolgen keine Bla- 
tDDgen mehr. 

■Dts d. Ligat. d. Oarot a. Ven. jngnl. in d. erwei- 
terten Wunde stand d. Blutß. nicht, aber auf Um- 
biodang eines Stflckes Fascie in d. Nähe des Ge- 
fässes; am 3. Tage erschwertes Athmen, Erweite- 
rn n^ d. r. Papille, starke Somnolenz, Abds. rechte 
ROrpers^te gelähmt, Strabismus. 



ich d. Ligat traten nur Kopfschmerzen anf; am 6. 
Tg. erforderte eine neue Blutg. eine tiefer angelegte 
Li^&t. Steifigkeit i. 1. Arm u. Schalter, gefolgt von 
LSL^&miing d. L Armes, Beines und Gesichtes. 

m Blntg. stand, d. Luftröhre war gleichfalls verletzt 



^ Blntg. stand , und d. vorher bestandene Ezoph- 

talmos schwand. 
Ligat in d. Wände gelang nicht, deshalb d. mit- 
Ibare. 2B. onrnhiger SchUf, will d. Verband ent- 
len, 29. steht dreimal in d. Nacht auf; 81. Pat 
. i plOtslicfa kalt, schwach, erbricht, d. sehr kleine 
ils flJJt aof 60 Schläge, Taubheit in d. afßcirten 
ite d. Kopfes j Geeichtes und Armes; Singultus, 
/ ooch am 9. Febr. besteht 
^h nach d. Operat. phjs. u. intellect Abgeschla- 
^r^\e\U die in einigen Stunden schwand; 26. etwas 
^^ind. SchJncken, Stiramlosigk.; Mittg.: Tnsmus, 
S^nTerwiming. Schjafiiacht; Nachm.: Besserung. 



Entsdg. der Vena jag. int u. d. 
Gehirnes, Eiter an dessen Basis. 



Die Art yert. sin. war fast ganz 
durchschnitten, Hirnsubstanz an- 
scheinend (!) partiell erweicht, 
doppelseit Pleuritis sero-paral. 



In d. recht Hemisphäre zwischen 
(?) Pia u. Arachnoid. zwei Abs- 
cesse, Ulceratioa an d. ersten 
Ligaturstelle; tmter d. zweiten 
Ligat. ein Thrombus. 

Tubercnlose. 




^ L TemporaJ. fühlbar. 



Dr. C. Pill, 



No. 



Operateur 

nnd 

Datum. 



Literatur. 






Ursache. 



II 



SS 



It i 



42. 

43. 
44. 

45. 

46. 

47. 

48. 

49. 



Dnncan, 1836. 
29. März. 



M. Jaeger, Er- 
lauben. 1Ö36. 2. 
Mai. 

J. R. Wood, 
1839 26. Juni. 

Pitha, Prag, 

1840. . 
Adelmann, 

Dorpat. 1841. 

10. Not. 

Bräe, 1841. 
F^nin, 1841. 



S^dillot,StraB8- 
bürg. 1842. 11. 
(?) u. 23. Apr. 



Bdinb. Med. and 
Surg. Journ. Vol. 
62. p. 117. 1844. 

Brief!. Mitth. von 
Ried an Prof. 
Gurlt. 

Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 75. 

Schmidt, Jahrbb. 
1839 S. 336. 

y. Langenbeck, 
Archiv f. klin.. Chi 
rurg. Bd. 8. S.5. 

Bertherand, cit 

Gaz. mäd. deTAl- 
g^rie. 1862. p. 59 



Gas. m^d. 1842. 



601 



28. 



W. 



alt 

M. 

301. 



M. 



I9i. 



50. 

51. 

52. 
Q.53. 

54 



55. 

U.56 



Spence, Edin- 
burgh 1842. 29. 
Mai. 

G. Bück, 1842. 

Pirogoff, Pe- 
tersb. 1843. 16. 
Jan. 1844. 9. Jan. 

Peace, 1844. 
8. Nov. 

E II is, Michigan. 
1844. 



Lond. and Edinb 
MontlyJoarn.Yol 
2. — Norris, 
No. 27. 

Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 76. 

Nemmert, Dis- 
Bert Dorpat 1844 
u. 1845. p. 26. 

A. Pensvlv. Hosp. 
Norrie. No. 28 

Atter. Med. Journ. 
1846* Jan. 



38 j. 
M. 



M. 

22j. 
M. 

21j.ll 
M. r. 



Blutg. aus Rachen- 
geschwür. 



Blutg. nach Operat 



Schnittwunde (Artt. 

thyr. 8op. o. ling) 

(Selbstmord). 
Blutg. aus d. Mnnde. 

Blatg. ao8 d. Zunge. 



SchusBTerletrang. 

SchuBsverletsg« 
(Art maz. ext) 



Stichwunde. 



krs 
Zeit 
5 
Tg 



13 
Tg. 



Blutg. (aas Gesichta- 
geschwQr). 

HalsTerletsg. 

I Blute. (aoB Anenr. 

I anaat) 

Blutg. (ans üleer 

hinter d. Rieferwin- 
kel. 

I SchuBsyerletag. derl 
i Zunge. 



I 7 11 

|Tg.ll^ 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commnniB. 



269 



Besonderes bei der Ligatar ond im Verlanfe. 



Todesursache and Section. 



■6 Bltttangen traten am 4., 10« n. 11. Tage auf. 



Fall d. Ligat. war d. Wände bis anf eine feine 
effhung geschlossen. 

Yeriaof, Abreissen des Verbandes. 

Ligat. wurde an d. pnlslosen Pat. mit Erfolg ge- 
^bt, am 19. Tage trat bei einem heftg. Hostan- 
e Naehblntang ein. 

i d. Machblatg. am 10. d. Dmstechnng nichts 
yerrichtete A. Nachts 12 Uhr d. Ligat. mit d. 
torstftbchen; 29 Tg. nach d. Operat Puls in d. 
aorie, post. 

ch Gompress. gestillte filntg. kehrte wieder; bei 

Xrireiterang d. Wunde wurde d. Yen. jag. eit 

^•Ut n. Iigirt; am 6. Tage unToUstftnd. Aphonie, 

nach 16 Tg. Terschwanden ist; nach 20 Jahren 

[^»t, ooeh gesond. 

'« L-seitige Lfthmang n. r.-seit. d. Gesichts, d. 
"}g. f wird schwJUsber, Strabismus int, halbes 
ft. 28. FroBt. 80. 2 Fröste. 1. Mai Pat er- 
(?) d. L Hand anm Kopfe. 



Blatg. — Der Faden hatte durch- 
geschnitten, nnr das peripher. 
Ende war geschlossen, d. cen- 
trale d Gefässes war offen. 

Blatong. 



Erschöpfung dorch Blutung. 



Erstickung. — Langgestielter Po- 
lyp im Larjnx. 



Pyftmie. — Eine iDJectionsmasse 
fliesst r. peripherisch aus. Die 
Carotis ext. 9 Mm. unter d Dr- 
sprang d. Art. fac. durchschnit- 
ten, ihre Wunde 6 Mm. lang, 
d. Ligaturfaden adb&rirt noch. 
Erweichungsherde in d. vord. u. 
mittL Lappen d. r. Hemisph., Ei- 
tersenkung besteht im Mediast 
ant; beide Lungen, bes. d. r., 
zeigten viele kleine Abscesse, 
Pblebit nirgends zu finden. 

Erschöpfung. 



I Text) 



<Mer Lisat. stand sogt d. Blntg.; nach d 2ten 

^^Pat nor etwas blasa» hatte weder Schmerzen 

k Schwindel; sp»ter missige Dyspnoe n. Husten. 



Blutung. 



270 



Dr. C. Pill, 



No. 



Operateur 

und 

Datum. 



Literatur. 






Ursache. 



n 



ii 



Tkg^. 



57. 



58. 



59. 



60. 



61. 



64. 



Vincent, 1845 
16. April 



Mc Murdo, St 
Thomas -Spital 
1845. 1. Dec. 



Triboli, 1845. 



LeOrosGlark, 
London. 1846. 
14. Oct. 

Claus, Bonn, 
1846. 81. Dec. 



Beyer, Gleve. 
1846. 



8. W. Fearn, 
1847. 2. Febr. 



Medico-Ghir.Trans- 
act. Vol. 89. 



E. Crisp, Krank- 
heiten und Ver 
letzungen d. Blut- 
gefüsse. S. 305. 

n raccoglit med 
Jul. 1845. - Op 
penh. Zeitschr 
Bd. 32. S. 559. 

Lancet. 1847. Vol 
1. p. 153. u. Lond. 
Med. Gaz. 1847 
Febr. 

Brunswicker, 
Dissertat Bonn. 
1853. Delect cas. 
ligat. princip. ar- 
ter. 

Gasper, Wochen- 
sehr. 1846. S. 128 



Prov. Med. and 
Surg.Journ. 1847 
8. Sept. u. Amer. 
Joorn. 1848. Jan. 
p. 267. 



""i 



27j. 
M. 



27j, 



29 j. 
M. 



611. 



tt 



7- 



A. Eveff, Ghel- 
tenham • Hosp. 
1847. 2. Aug. 



Lancet. 1849. Vol. 
1. p. 556. 



45 j. 
M. 



Verletzg. d. Zunge 
(Pfeife). 



Blatg. ans früherem 
Drfiaenabscess. 



Schnittwunde (am 
Winkel). 



Schnittwunde. (Axt 
thyr. sup. od. ling.) 



Halsverletzg. (Mes- 
ser, Selbstmord). 



Salsverletzg. (Garot 
facial.) 



Stichwunde. (Garot. 
int) 



iTg 



10 



Std. 



15 



11 



Std. 



13 



20 



Halsverletzg (Selbst- 
mord.) 



krz. 
Zeit. 



27 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 



271 



Befl<Kidere8 bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Die ArU. temporaL hAren nach d. Ligat auf zu pul- 
siren, d. Puls kehrt nicht mehr znrfick. 
iach d. Ligat. cootuIb. Zuckungen d. r. Bxtr., L&h- 
muDg d. 1. Bztrem. Am 3. Tage Blutg. ans Mnnd 
Q. Nase. 



lütg. erfolgte am 5. und 6. Tage. 



iDe Sicberheitaligat angelegt, verursacht am 10 Tg. 
eine Nacbblatang. 



der Wände war Solly d. Dnterbdg. nicht mög- 
lich; Gehirn erscbeinnngen traten nicht aaf, nur 15. 
SchlingbeschwerdeD; 16. Pub in d. Zweigen d. Ca- 
rotis ext. sio. ist erlosclfen. 
sh]k{^f Tom Zungenbein getrennt, der Schlund- 
kopf bis in d. hintere Wand; 1. Jan* kein Kopf- 
scbmers, aber in d. r. Kopfseite wird nichts mehr 
gef&hlt. 

e Blutg. war dnrch d. Ohnmacht sistirt worden ; blu- 
tige NaÄt, denn d. Ligat. wurde verweigert; neue 
Blutungen am 4 , 7. u. 10. Tage erheischen d. Li- 
gat; besond. Eracheing. treten nicht im Verlaufe aaf. 
gleich stand d. Blatg. — Schlingbeschwerden und 
Baflfoea torische Anfalle. 



Serum unter d. Arachnoid. Ge- 
hirn r. abgeflacht n. erweicht, 
in d. Substanz sind unregel- 
mässige Höhlen, mit grauer 
Fiassigkeit u. grüuL Flocken ge- 
füllt. Die Spitze d. Pfeife steckte 
an d. Bifarcationsstelle. 

Erschöpfang. — An&tzung an d. 
Biforcationsstelle; d. Oeffnung 
d. Garot. int mfindet in e. Sack 
von IV Durchmesser, in d. sich 
d. Yen. jug. ergiesst. Tuber- 
culose in d. r. Lunge. 



Glossitis. — ^ Der Thrombus in d. 
Carot war 1^" lang. 



Ihrend d. Ligat. blieb Fat. abwesend (ohne Ghlo- 
rof.), kam erst nach 8 — SStd. zu sich; Schlingbe- 
schwerden dauern einige Tage an. 



Die Langen beide im unteren Ab- 
schnitte congestiv, d. Bronchen 
mit eiterig-schleimiger Masse er- 
ffillt, d. Bronchialschleimhaut 
injicirt, Garot. mit dichtem, 
braunrothem Thromb. erfüllt, 
über d. Ligatur e. kl. Thromb.; 
e. kL Abscess in d. Arterien - 
wand; d. Stich hatte d. Int an 
d. Bifurcationsstelle getroffen, 
ebenso d. Nerv, vagus, der am 

geripher. Ende entartet war; 
chädel und Bauchhöhle nicht 
eröffnet. 

Fat. starb 14 Mon. spftter an ei- 
ner inner. Krankheit, ohne dass 
d. Sect. gemacht werden konnte. 



272 



Dr. C. Pill, 



No. 



Operatear 

und 

Datum. 



Literatur. 






Ureache. 



II 



II 



ADS- 



T^ge- 



65. 



Baizeau, 1847. 
27. Mai. 



66. 



67. 



68. 



70. 

71. 

72. 
73. 



Schuh, Wien 
1848. 14. Nov. 



Luke, Lond 
Hospit 1848. 6. 
Sept. 



Ossieur de 
Rouler8,1848, 



Hargrave, 
1849. 23. Jan. 



H. Schwartz, 
cit. 1849.4.Mai. 



Bardeleben, 
Greifs wald. 

1849. 15. Sept 

G. H. Johnson, 
St Georges. 

1850. 12. Mai. 
Niccoli, 1850. 

2. Juli. 



L'Union m^d. 1861. 
p. 350. 



Schuh, Abband]. 

aus d. Gebiete d. 

Ghirurg. etc. 1867. 

S. 288. 
Lancet. 1860. Vol. 

2. p. 109. 



Annal. de la soc. 
d'^mulat. 1848. p. 
306. — Chas- 
saignac, Traitö 
des opör. Vol. 1. 
p. 826. 

Dublin. quart. 

Journ.Vol.8.p.90. 



H. Schwartz, 
Beiträge zur Lehre 
Tond. Schusswun- 
den. S. 84. 

Idzikowsky, 
Dissertat. de Art. 
carotligat. Greifs- 
wald. 1852. 

Lancet. 1850. Vol. 
. p. 118. 

Gaz.med.ItalTosc. 
1850.-Gaz.möd. 
1851. p. 570. 



23j. 
M. 



18j. 
M. 



40j. 
M. 



M. 



61j. 
M. 



M. 



7j. 
M. 



Blutg. (ausangeätz 
ter Carotis). 



17 



^n 



Blutg. (Max. ext) 
(SchusBverletznng.) 

Schnittwunde 
(Selbstmord). 



Stichwunde. 



Blatg. aus e. Punc- 
tionsstelle. 



SchusBwunde. 



Blutg. (nach cariöa, 
Process am Schei- 
telbein). 

Blutg. aus d.Schlnnd' 
köpf (träum.). 

Schnittwunde 
(Selbstmord). 



1 

Mo- 
nat 

krs. 
Zeit 



t 
8.T 



t 
49. T 



t 
3.1 



18 



in 4. Heii 

Wo-J 
che.; 

22 'fleii 



9 
16 



Beil 



Zur Ligatur der Arteria G arotis communis. 



273 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



eil d. Ligat. stand sofort d. Blntg., Fat. klagt aber 
ober Schmerzen im r. Hjpochondr., Bruatbeklem- 
[üQng, Sausen n. Klingen im Ohr und Schlingbe- 
ichwerden. 28. Hinfälligkeit, Somnolenz, Respir. 
bt leichter; bald siebende neue Blutg.; 29. Blutg. 
Pat. ist zu schwach f&r d. Ligatur d. an deren 
Seite; neue Blutg. 



Text). 



i Ligat war in d. Wunde nicht möglich; 10 meh- 
ere Blutungen traten auf. Delirien, Gesichtsrose; 
leitdem Delirien, Coma neben maniak. Anfällen. 



d. Blutg. auf Compress. d. Carot stand, machte 
aan ohne Erfolg d. Ligatur. 



Haut- u. Muakelschnitt ging transversal — we- 
en erysipelat. Entzdg. der Vorderseite d. Halses — ; 
[»gleich stand d. Blutg. Der Puls in d. Art temp. 
rloseh; am 14. Tg. Blutg. aus d. Wunde; neue 
bscesse bildeten sich im Gesichte, am Halse, doch 
ird Fat. auf Wunsch mit noch tiefer Wunde ent- 
laden, stirbt aber später. 

De Gehimerscheinung trat auf, nur ein heftiger, 
-seitiger Kopfschmerz. 



ähllosigkeit d. L Kopf- u. Gesichtsseite verschwin- 
Bt nach einigen Stunden; Schmerzen im Verlaufe 
. N. qnintns, Schwellung d. Gesichtes, Schlingbe- 
äschwerden. (Chlorof.) 

^rof. ; nach d. erschwerten Ligat Neigung zum Schlaf, 
:hlingbeschwerd. D. Puls ist in Art temp. nur schwach 
i fahlen, nach 4 Tg. zeigte d. Art.occip. Puls, 
bdem sich ein Anenr. träum, gebildet, tritt Blutg. 
□f. Ligatur nach Scarpa, neue Blutg. nach 2 
agen; directe Stillung. 

r. Laag«ab«ek, Arebiv f. CUrurgie. IX 



Blutg. — Tuberk. d. Lungen u. 
d. Periton. Das Gehirn ist blass, 
d. mittl. 1. Lappen zeigte eine 
kl., bräunlich gefärbte, 5 Ctm. 
in d. Tiefe gehende Stelle, aus 
der ein Tröpfchen Eiter ausge- 
drückt werden kann. Die knö- 
cherne Scheidewand zwischen 
mittl. Ohr u. Carot zeigt 2 Se- 
quester, die an 2 Stellen d. Ge- 
fäss 2—3 Mm. weit angeätzt 
haben; d. Trommelfell ist durch- 
bohrt 



Die Wunde grösstentheils geheilt, 
einige Tropfen Eiter an d. Li- 
gaturstelle, Carot von d. Ligat 
an obliterirt, ebenso ihre Zweige. 
Arachnoidea leicht getrQbt, Ge- 
hirn beiderseits normal. 

Blutg. Die Art vertebr. lieferte 
die Blutg. 



Bronchialcatarrh. — Section nicht 
gemacht. 



18 



274 



Dr. C. Pill, 









*i 


i 


o ^ 


^ ü ' 


No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


• 


1 Draacbe. 

»o 


S^ 


5j ?» 








O 


M 


^ Tag«. 


74. 


H. Schwartz, 
cit. 1850. 


H. Schwartz, M. 

SchuBSwunden. S. 

85. 1 
Schmidt, Jahrb.! — 


r. 


SchnssverleizuDg. 


— 


- ,Hei] 

1 


75. 


G. Bück, 1852. 


r. 


Halswunde. (Garot. 


„^ 


1 

- i t 






Bd. 98. S. 76. 1 




ext.) 




11. 


76. 


Forster, Frei- 


Briefl. Mitth. an, M. 


1. 


Stichwunde. 


krz. 


- jHeü 




Bing. 1852. 


Prof.Gurltdurch 
Prof. Textor. 








Zeit 




77. 


Ros er, Marburg. 


Briefl. Mitth. anjöO— 


1. 


Nachblutg. nach Re- 


- 


- , - 




1852. 


Prof. Gurlt. 


'S- 
i: 




section. 




6, 


78. 


C. 0. Weber, 


Weber, Chir. Er- 


r. 


Nachblutg. nach Ex- 


^ 


14 + 




Bonn. 1853. 11. 


fahr, u. UnterBu- 




Btirp. am 13. Tage. 




162.' 




Nov. 


chungen. S. 398. 










1 


79. 


Isaac Green, 


Schmidt, Jahrb. 


M. 


1. 


Schnittwunde (Art. 


— 


— + 




1853. 


Bd. 98. S. 77. 






thyr. Bup.) Selbst- 
mord. 




1 

Mo 


80. 


Bertberand, 


Bertherand, 


"/ 


1. 


SchuBSwunde (Art 


.— 


- H« 




1854. 25. Juni. 


Campagne de Ka- 




fac.). 










bjlie. p. 121. 












81. 


Critchett, cit. 


Lancet. 1854. Vol. 


28j. 


r. 


Blutg. aus AbscesB. 


„^ 


- t 




(Luke?). 1854. 


1. p. 664. 


M. 








3. 


82. 


Birkett, Gny's. 
Hosp. 1854 


Lancet. 1854. Vol. 
1. p. 664. 


'ö 




Blutung. 


— 


— - 


83. 


T.M.HaUtead, 
1855. 2 Apr. 


Schmidt, Jahrb. 
Bd. 98. S. 77. 


"/ 


r. 


Blutg. (Carcin. Antr.) 


— 


31 lEifi 
1 


84. 


Boeck, citat. 


Briefl. Mitth. an 


6g. 


r. 


Blutung. 


__ 


- 1 ^ 




1855. Dec. 


Prof. Gurlt 











85. 


Critchett, Lon- 


Med.TimesandGaz. 


25j. 


— 


Blutg. aus Anenr. 


.. 


- ' 'f 




don-Uosp. 1855. 


1855. p. 437. 


M. 




orbit 




•Sc 


86. 


Parker, 1855. 


Schmidt, Jahrb. 
Bd. 98. S. 76. 




i. 


Blntg. ans tieferen 
Zweigen d. Garot 
ext. durch Aetzen. 


~ 


""', '' 


87- 


Bauden8,citirt. 


B., La guerre de 


H. 


— 


) 


..^ 


— 1 


89. 


Ib55. Im Hosp. 


Crimee. p. 326. 


H. 


— 


) Blutungen. 


... 


- 1 1 




Gulhan6 ausge- 




M. 


-Iv 





- 1 ^ 




führt. 






1 






90. 


Gh. E. Isaac, 


Schmidt, Jahrb. 


M. 


— SchuR8wunde(Garot. 


eing. 


— ,BH 




1855. 


Bd. 98. S. 77. 1 


ext.) Selbstmord. 


Weh. 




91. 


Hutchinson, 


Med Times andGaz.i60j. .1. Blutg. (Carcin ) 




_ i 




1856. Jan. 


1856. Vol. 1 M&rz.l M. 






l'' 






p. 209. 










1 



Zar Ligatur der Artria Carotis commoois. 



275 



Besonderes bei der Ligatur ubd im Ve.rlaufe. 



Todesursache uad Sectiou. 



Massige rechtsseitige Kopfscbmerzen sind die einzi- 
gen angegebenen Folgen. 

Am 2. Tage warde noch d. Ligat d. Garot int. ge- 

miK^ht. 
Die aafgetretene rechtsseitige Lähmung wich erst nach 

9 Monaten. 

Näcb d. 3. Blntg. wurde operirt, bald folgte rechts- 
seitige Lähmung. 

Nach d. Ligat. trat Taubheit d. r. KOrperhälfte ein; 
auf Wunsch wurde Pat. mit seiner Wunde entlassen ; 
2 Blatgn. erfolgten zu Hause, dann der Tod. 

Ohne Chlorof.; am folgenden Tage Lähmung der 
r. Seite, unzusammenhängende Worte, Geistes- 
schwäche. 

£s erfolgte Verminderung d. Sehkraft auf d. 1. Auge, 
ßcbliDgbeschwerd. u. Stimmlosigkeit; (Taubheit we- 
^en Caries), in d. 1. Hälfte d. Pharjnx verminderte 
Sensibilität (Ehr m.) 

Mit Lfigat. eriosch d. Blutung. 



Die Bintg. stand in Verbindung mit e. Rachenpolypen ; 
das anmittelbare Resultat war befriedigend; wei- 
tere Angaben fehlen. 
Vorübergehende Schwächung d. r. Auges; nach 1 Mon. 
1 Geschwulst auf i reducirt; nach 7 Monaten neues 
. Wachstbnni, weitere Abhülfe wird verweigert 
^^ne Chlorof., Erscheinungen sind nicht angefahrt 



Prämie u. Pericarditis. 
tion fehlt. 



— Sec- 



Die Lunge enthielt Garcinom- Kno- 
ten, d. blutende Stelle nicht zu 
ermitteln. 



Cholera. — Sectiou fehlt. 



Erschöpfung. — Die Ligat lag 
gut; unter ihr kein Thromb., 
Über ihr einer bis zur Theilungs- 
stelle reichend, dessen oberer 
Theil fester war. 



Pat stirbt 1856. Febr. an Ka- 
chexie. 



/ 



^^ine Gehirnerscheinangen. Blutgn. kehren wieder. 



k 



K> 



leüuDgohne weitere Erscheinungen. 

gittert d. r. Arra, d. Geist normal; 
■"I f^u'i»«i««>n Tage verhält sieh auch d. Arm nor- 
ml 10 T«e wird Pat schUflos, r. Bein erscheint 
gelttint, sp&ter »ach d. Arm. 



^acb d. Operat. 



Erschöpfung. 
Blutungen. 



Section verweigert. 



^ 



18« 



276 



Dr. C. Pilz, 



No. 



Operateur 

nnd 

Datum. 



Literatur. 



I e 



Ursache. 



P 



Aus- 



> ^<^ l gang- 

Tage. I 



92. Schuh, Wien 
1856. 5 Dec. 



93. 



Curtis, 1857, 
19. April. 



94. ,Field,Brighton. 

1858. 17. Juni. 

95. ]Khrmaun,l858. 



96. 



97. 



98. 



Ocöterr. Zeitschr. 
für pract Heil- 
kunde. 1864. S. 
167. 

Amer. Journ. 1861. 
Apr. p. 601. 

Med.Times andGaz. 

1858. Vol. 2. p. 

217. 

Bhrmanir, p. 39. 
No. 21. 



llolmesCooteJLond. Med. Times 
Barthol. Ilosp.' andGaz. 1858. Vol. 
1858. I 1. p. 89 u. 177. 



üre, St. Mary's-|Lancet- 1859. Vol. 
IIüsp. 1859. 21.1 1. p. 559. 
Mai. I 

V. Bruns, Tü-'V irchow's Ar- 
bingen. 1859. 1 Chi v^ 1860. S. 547 



11. Juli. 



99. Ghassaignac, 
Paris. 1859. 2, 
August. 



99a. Stanley, 1859. 
24. Oct. 



(N. F. Bd. 8.). 



Gaz. des Höpit. 

1859. p. 424. a. 

Ghassaignac, 

Traite des operat. 

p. 326. 
Med. Times and 

Gaz. 18G0. Vol. 1. 

p. 424 u. 630. 



21i. 
W. 



M. 
M 



20j. 
M. 



64 



34j. 
M. 



W. 



1i: ' 



26 j. 
M. 



24j. 
M. 



Blutg. (Max. int.) 



Schussyerletzg. (in 
d. Mund.) 

Nachb]ntg. cnachEx- 
stirp d. Oberkiefers.) 

Blutg. (Carot. ext) 



Blutung (Geschwulst 
des Oberkiefers). 



Blutung (Pfeife). 



r. Nachblutung (nach 
Exstirpation der 
Schilddrüse). 



7 
Std. 



35 



End« 
d. 2. 
Weh. 
10 



f3 

Mon. 



Beils 



t 
4, Tg 



t 
3.Tä. 



Heiig. 



t 
9. Tg 



Blutung (nach Func- 
tion eines Retro- 
pharyng, - Absces- 
ses. 

Blutung (nach Punc- 
tion der Mandel). 



Inrz. 
Zeit. 



— 14 



Heüg 



t 
61. Tg. 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 



277 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Bei d. Trepanation an d. Unterkiefer zur Durchscbneid. Tuberculose in beiden Lungen- 
d Nerven wegen heftiger Neuralgie entstände, so seiten, Necrose des Darmbeins 



heftige Blatg., dass Seh. zur Ligat. schreiten rousste, 
Kopfschmerzen; Blntg. nur gemindert. 
Die Ligatar gab keine besonderen Erscheinungen. 



Ohne Chlorof. 19. n. 20. Hasten und Debelkeit ver- 
schwinden bald. 

Einige Standen nach d. Operat. erfolgte Hemipl. r.; 
Hyperästhesie d. 1. Gesichtsseite, Strabismus nach 
oben n. links ; 4. Tg. Schlingbeschwerd., erschwer- 
tes Athmen; seit d. Operat. sprach Fat. kein Wort. 



."0 St nach d. Operation erfolgte l.-seitige Lähmung; 
mit d. Ligat. hatte d. Puls in d. Gesichtsseite auf- 
gehört, Schlingbeschwerden. 

Ohne Chloroform; der Schlaf war gut, 22 und 23. 
kleine Blntnngen; keine Gehirnerscheinnng, nicht 
einmal Kopfschmerz trat auf. 

Mehrere neue Blutungen traten auf. 16. Abends con- 
▼uls. Bewegungen der Arme, Zittern der Hände, 
einige allgemeine Convulsionen, leichte Delirien. 
Fieber wird stärker; 17. hohes Fieber. Collapsusi 
18. Dyspnoe, Delir. 19. Coma, unwillkürliche Ent- 
leerung. 20. rechte Gesichtshälfte unbeweglich, 
wie gelähmt; convulsivisrhe Bewegungen des rech- 
ten Armes, wie am 19. 



u. an d Wirbelsäule, 
im Text. 



Weiteres 



24 (36) Std. dauernde Aphonie, heftige Kopfschmer- 
zen. — Pat. 1861 ganz wohl. — 



3. Dec. schlechtes Aussehen der fast geheilten Wunde. 
20. Blatg. 21. Erbrechen; 24. Hemipleg. Pupillen 



dilatirt. 



Die Ilirnvenen sind links gefüll- 
ter; d. weisse Substanz ist auf 
d. Durchschnitt leicht punctirt. 
Oarot. ext. fast am Abgange 
verletzt, ebenso d. Yen. jug. int., 
in der zwei adhärente Throm- 
beiT sich finden. 

Die r. Uemisphäre etwas wei- 
cher (!), unter der Ligatur ein 
kleiner, lose dem Gefässe anhaf- 
tender Thrombus, über derselben 

I ein gleicher, noch kleinerer. 



Nahe d. Falx an d. r. Gross- 
hirn - Hemisphäre ein Abscess, 
von einem Entzündungsherde 
umgeben, weiter nach vorne ein 
zweiter, haselnussgrosser Abs- 
cess, weiter nach hinten und 
aussen ein dritter, kirschkern- 
grosser. Der r. Seitenventrikel 
enthält ein trübes, serös-eiteri- 
ges Fluidum In beiden Lun- 
genspitzen alte, tuberc. Abla- 
gerungen, in d. r. Lunge zwei 
hanfkorngrosse Abscesse an d. 
Peripherie ; 2 Thromben in d. 
Oarot, Trunc. anon. fehlte. 



Im 1. vorderen Hirnlappen ein 
Abscess, im hinteren Theile 3 
bis 4, 1. Heraisphäro hinten er- 
weicht. 



278 



Dr. C. Pill, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


|3 


1 


Ursache. 


p 


53 


Aus- 
gang. 








o 


s 




Tage. l 




100. 


Demme, citirt 
1859. 


Demme, Milit. 
chir. Studien. Bd. 
1. S. 121. No. 9. 


M. 


r. 


Schussverletzung d. 
Schläfe(Art.temp.). 


35 


— 


Heiig. 


101. 


LeGroB Clark, 
1860. 23. Jan. 


Med. Times and Gaz. 
lö60.Vol.l.p.l90. 


-"i 


— 


Halsverlet^ung. 


Std. 


16 


Heiig. 


102. 


Deware, 1860. 


Med. Times and Gaz. 


■"J: 


r. 


Blutung (nach Punc- — | 


14 


Heiig. 


• 


2. Juui. 


1860. VoL 1. p. 90. 




tion einer Tonsille). 








103. 


Pope, St. Louis. 
1860. 16. Sept 


Americ.Journ.1864. 
April, p. 556. 


M. 


1. 


Blutg. (Pfeilschuss). 


— 


spät 


Heiig. 


104. 


HutchinsoD, 
Metropolitan 
Free Hosp. 1860. 


Americ. Medic. Ti- 
mes. 1861. April. 


35 j. 
M 


— 


Stichwunde (Max 
int.) 


13 


22 


Heiig. 




p. 20. 
















24. Sept. 
















105. 


Nussbanm, 
Manchen. 1860. 
2. Nov. 


Bayr. ärztl. Intelli- 
genz-Blatt. 1863. 
No. 33. S. 461. 


8j 
W. 


1. 


Blutung (Max. int.). 






t 
2. Tg. 


106. 


RedfernDavis, 
Birmingh. 1860. 


ßdinb Med. Jonrn. 
I8ii2. Jan. p. 685. 


M. 


1. 


Schnittwunde am 
Halse (Selbstmord). 


— 


21 


Heiig. 


107. 


V. Langen- 
beck's Klinik. 
1860. Sommer. 


Krankenjournal. 
1860. No. 221. 


e»j. 


r. 


Blutung (Carot. int.). 






i 
bald. 


108. 


Mannder,Lond. 
Hosp. 1861. 
30. März. 


Clinic. Lectures and 
Reports of Lond. 


'9: 


r. 


Nachblutung (nach 
Exstirpation des 




— 


HeDg. 




Hospit. 




! Unterkiefers). 








109. 


Weinlechner, 


Oesterreicb. Zeit- 


40j. 


r. Nachblutung (Max. 


eini- 


... 


t 




Wien. 1861. 19. 


schrift für pract. 


W. 




ext.). 


ge 




6, Tg. 




Mai. 


Heilkunde. 1864. 
S. 186 und 187. 








Zeit. 




V. Q 


110. 


Boeckel, 


Gaz. med. de Stras- 


'7. 


r. Nachblutung (Carot 


— 


..- 


t 


Stra8Sburg.l861. 


bourg. 1862. No. 6. 




int). j 




3.T?. 




14. Novbr. 


p. 100. 

• 















Zar Ligatur der Arteria Carotis 


communis. 279 


Besonderes bei der Ligatur uud im Verlaufe. 


Todesursache und Section. 







H. IlDSten ist die einzige Folge; nach 1 Jahre noch 
gesaad. 

lit der Ligat. erlosch jede Pulsation in der Mandel, 
es erfolgte Iceine Blutung mehr; der Tumor war 
Dach 6 Monaten ganz verschwunden. 

Die Geisteskräfte durch die starken Blutungen und 
vielleicht auch durch die Ligat. etwas geschwächt, 
sind bald wieder stark; weitere Erscheinungen wer- 
den Dicht aufgefQhrt. 

M Standen nach der Operation tritt ein epileptifor- 
mer Anfall aaf. 



Dhne Gblorof.; mit der Ligat erlosch der Puls in d. 

Temporal 3. Wehen, Abortus erfolgt. 4. Blu- 

taag aus der früheren Stelle. Gehirnerscheinungen 

treten nicht ein. 
Operation nach Zang. Weitere Angaben Ober den 

Verlauf fehlen. 
TroU der Ligatur stirbt Pat. bald. 



Weitere Angaben über den Verlauf finden sich nicht, 
als dass nach einigen Wochen r.-seitige Kopfschmer- 
zen, Herzpalpitat. sich geltend machen. 

Abends Nachblutung ans einem Muskelaste; später Er- 
brechen, Kopfschmerz, Schläfrigkeit; Fieber. (Ohne 
Chloroform.) 

Die Carot ext. war wegen Blutung schon unterbun- 
den. Die Ligat. über und unter der Gefässwunde. 
15. heftiger Kopfschmerz 16. Lähmung des 1. Ar- 
mes und der r. Gesichtsseite*- Goma. 17. 7 con- 
Tolsivische Anfälle. 



Schwäche. — Die Section ist 
nicht gestattet 



Erschöpfung. — Die Wand der 
Carot. int. war stecknadelkopf- 
gross durch ein Epithelial-Car- 
cinom angeätzt. Präparat in der 
Institut-Sammlung. 



Section nicht gestattet 



Gehirnhautentzündung. Die Dura 
auf d. r. Seite gelblich; eineln- 
cision liefert flockigeiterige 
Flüssigkeit; die ganze vordere 
Seite mit Eiterstellen versehen, 
die Subst. grisea in weiter Aus- 
dehnung r. erweicht; 1. Hemisph. 
u. kl. Gehirn nebst Circ. art. 
WilL normal, beide Artt vert 
u. communic. poster. sind gleich 
weit; allgem. Atherose der Hirn- 
gefösse. Die Carot ext auf dem 
Wege der Obliteration, unter d. 
Ligat. der Carot. comm. ein 3 
Ctm. langer Thrombus; in Carot 
int. kein Thrombus. 



280 




Dr. ( 


D. Pill 










No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


-2 

'S 

5 


» 


Ursache. 




111. 


Solly, London. 
1862. 23. Mai. 


British Med. Journ.34ö.? 


1. 


Wunde des Gesichtes 




-1 t 




1862. No. 8. p. 489. 


M. 




und der Schläfe. 




1 


112. 


Prichard, Bri- 


Ibid. 1863. 18. Apr. 


'V: 


1. 


Stichwunde (Art. 


7 


1 

1 

- ■ t 




stol. 1862. 6. 






vert.). 




,20.1 




Septbr. 














113. 
und 


Longmore, cit 
1863. 12. Mai. 


Lancet. 1864. Jan. 
p. 90. 


H. 


r. 

1. 


Schussverletzang. 


— 


i3SSt 


114. 


18. Mai. 












1 
1 


116. 


W. Keen, 1863. 


Americ. Jonrn. 


— 


1. 


Schussverletznng 


9 


4i t 




16. Jal. 


1864 Jul. p. 27. 


M. 




(Max. int.). 




41.1 

1 
1 

t 


116. 


Weinlechner, 


Oesterr. Ztschr. fQr 


m. 


r. 


Blutung raus An. 


15 


8-9'eeilü 




Wien. 1863. 15. 


pract Heillcnnde. 


w. 




spur.). 




1 




Decbr. 


1864. S. 187 u. 227. 












117. 


Partridg*e, 


Lancet. 1864. 10. 


21 j. 


r. 


Schnittwunde 


6 


11 t 




King's College 


Dec. p. 659. 


M. 




(Zweige d. Carot. 




29. T 




Hosp. 1864. 8. 








ext.;. 










Apr. 
















118. 


Fischer, Flens- 
burg. 1864. 18. 
Apr. 

Fischer, Flens- 


Och wadt's Kriegs, 
chir. Erfahr. S. 333. 


m! 


— 


SchuspverletzuDg. 


— 


— 


t 
2.T1 


119. 


Ibid. S. 334. 


.. 


r. 


Schussverletzung. 


_ 


11 


Hei> 




burg. 1864. 18. 




u. 














Apr. 
















120. 


Fischer, Berlin. 


PersönlicheMitthei- 


24- 


1. 


Nachblutg. (Exstirp. 


3 


9 


f 




1864. 12. Juni 


lung. 


1/. 




der Schilddrüse). 
(Thyr. 8up.) 




mit m\p 
ßlutJTas« 


121. 


Beeby, Guys- 


Med. Times and 


'i'; 


r. 


Blutg. (Anätzung). 





- 1 ^ 




Hosp. 1864. 


Gaz. 1864. 19. 








.12. Tj 




9. Jul. 


Novbr. p. 541. 















Zar Ligatur der Artcria Carotis communis. 



281 



Besooderes bei der Ligator and im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Mit der Ligatar stand die Blutung, es folgten aber 
Stimmlosigkeit, Schlingbeschwerden, Fieber. Nach 
8 Tg. Schmerzen in d. Schläfen, 11. Tag: die Wunde 
klafft mehr, neue Blutung (Gompr.), Fat. kommt 
nicht mehr znm Bewusstsein, Lfihmnng der r. Seite, 
d. 1. Ann und Bein sind in steter Bewegung. 

%ne Ghlorof. Die L Papille wurde contrahirt; Schling- 
beschwerden, bald nach der Operation war der Puls 
in der l. Temporal, ffihlbar. 12. blutiger Eiter. 
14. Blntnng. 20. Dnd 21. geringe Blutung. 



Ohne Ghlorof.; keine Erscheinungen. 



^fit Ligat. heftiger Krampf in allen Muskeln, Ohn- 
macht, Blatg. stand; nach 5 Secunden Alles nor- 
mal; während um 9 Uhr noch kein Puls in der 
Temporal, war, wurde er um 11^ Uhr bemerkt. 
19. Blntnng aas der Wunde, ebenso 1. Aug. 19. Fie- 
ber. 20. motorisehe Lähmung r., 22. Kr&mpfe in 
der r. Seite. 23. GoutuIs. der 1. Seite mit Blutg. 
ans der Wunde. Resp. schwer, 8 in d. Min. Pu- 
pille L contrabirt, schwach reagirend, Sensor, frei. 
24. clonische Krämpfe nur r., nicht ganz unbesinn- 

^ lieh. 26. Krämpfe, die Sensibil. ist r. erhalten. 

lehiraerscheinungen traten nicht ein. (Ghlorof.) 



4it der Li^t. stand d. Blutung. 9. Pat. schläfrig, 
r. Aage leicht afficirt, r. Radial: voller; 10. Schling- 
beschwerden, leichter Puls in d. r. Temporal, Mund 
et^ras nach 1. gezogen, Gesichtsvermögen r. ge- 
schwächt bis 14. 18. beide Rad. gleich, Blutg. beim 
Hosten aas der früheren Stelle. 25. Schwellung 
des Gesichtes r. 26. Fröste. 30. Athembeschwerd. 
^egen heft Blatg. musste die Max. int. noch beson- 
^ ders nDterbnoden werden; fnribunde Delirien mit 

eonmoleotein Znstande abwechselnd. 
W Text.) 



Uefa ZaDg's Methode. Gleich nach der Ligat. einige 
' leichte Convnlsionen und Einfallen des Abdomens. 
V 2. Tag neue Blutung. 

^ie Respiration wurde sehr mfihsam, 10. 1. Lähmung 
(Arm ond Bein), Mund nach r. gewandt, Schling- 
beshwerden. 



Die Carotis ist gut verschlossen, 
die Blutg. entstand aus einer 
atherom. Stelle -i" tiefer dem 
Herzen zu. 



Die Carotis fand sich nicht durch 
Thromben geschlossen, ihre In- 
tima rauh, geröthet; die Art. 
vert. war gerade beim Eintritte 
ins Foramen magnum getrennt, 
und ist ohne Thrombus. 

Beide Carotid. sind geschlossen, 
die Blutg. entstammte der Art. 
lingual. 

Gehirnentzdg. — Auf der 1. He- 
misph. dicker Eiter, im vorderen 
r. Lappen 1 Abscess, im übri- 
gen fast die Hälfte der L He- 
misph. in Abscess umgewandelt, 
doch der Thal. opt. und Corp. 
striat gesund. DieCaroi obli 
terirt. 



Tod plötzlich. Glottisödem; die 
Lunge congestionirt. 



Lungenlähmnng. 



Keine Thromben finden sich im 
Gefftsslumen. 

Die r. Heroisph. hyperämisch, 
aber weicher, als die linke, die 
Artt. sind mit Coagulis gefüllt. 
Sin.longit enthält Fi brinmassen. 



282 



Dr. C Pil«, 



No. 


Operateur 
nnd 


Literatur. 


^1 




Ursache. 






Datam. 




< S 

5 






122. 


Schuh, Wien. 


Wien. Wochenschr. 


"i 


l. 


Nachblntnng (Max. 


1 


16 Beug. 




1864. 26. Juli. 


•1866. No. 101. 




int). 








123. 


B. Reynolds, 
1864. 9. Sept 


Bo8tMed.andSnTg. 
Jonrn. 1864. No 
14. — Med. News- 
Jan. 1865. No. 265. 
p. 8. 

Lancet 1864. 5. 


M. 


1. 


Schnsswnnde. 


•^* 


— 


Heil?. 


124. 


H.Lee, St Geor- 


•2- 


1. 


Nachblutung. 




_ 


t 




ges Hosp. 1864. 


Not. p. 523. 










2.T? 




18. Septbr. 
?. Thaden, Al- 
















125. 


Briefl. Mitth. an 


^i 


r. 


Stichwunde. 


4 


16 


Beilg 




tena. 1864. 26. 


Prof. Gnrlt 






Std. 








Septbr. 
















126. 


R. Ray, Gny*8 
Ho8pit.l864.1ö. 
Mov. 5 h. mat 


Med. Times and 
Gaz 1865.18.Febr. 
p. 171. 


lt. 


1. 


Blntg. (ans Tamor). 


4 




t 

n.Ts. 


127. 


Th. Billroth, 


G.Pilz,DiBsertde 


27j. 


r. 


Blutg. (AnäUung d. 






f 


]27a 


Zfirich. 1864. 
13. u. 26. Dec. 


Art carot ntrius- 
gne lat. ligat 
Berolini. 1865. 


M. 


1. 


Carot. int). 




"" In; Tf. 
















128. 


Hu et er, Berlin. 


Joum. d. V. Lan- 


68j. 


1. 


Nachblutung. 


bau 


16 iHeil? 




1864. 23. Dec. 


genbeck's Klin. 
1864. No. 525. 


M. 








1 


129. 


A. Smith, Mid- 


Med. Times and 


I8j. 


r. 


Blntg. (Carot int). 


5 


- t 




dlesex Hospit 


Ga^. 1865. Apr. 8. 


M. 








155; StA 




1865. 15. Jan. 


p.885. 












1 



Zar Ligatnr der Arteria Carotis commnnis. 



283 



Besonderes bei der Ligatnr und im Verlanfe. 



Todesursache und Section. 



üd Kopfschmerz, Schwache im r. Arme, sehr erwei- 
terte Papillen, besonders 1. Nachmittags apathisch, 
geräoschyolles Athmen. 27. r.-seitige Lähmung. 
itChlorof.; lässt den Fat. vor Schluss der Ligat. 
erst zo sich kommen; dieser wird mit der Ligat. 
romatös, welche Erscheinung bald vergeht 3 Tage 
liindurcb starke Reaction. • Details sind nicht an- 
gegeben. 

i gate Nacht, sehr schwacher Puls. 20. wird 
schwächer. 

fer wenig verschiebliche M. omohyoid. wurde durch- 
schnitten; sogleich stand die Blutg und erlosch 
der Pals in d. Temporal., der am folgenden Abende 
wiederkehrte; r. Gesichtshälfte kühler, als 1 3. Tag 
Ziehen im 1. Unterschenkel, das sich noch mehrte 
f Tag heftiger, 24 Std. anhaltender Kopfschmerz 
in der r. Parietalgegend ; nach 6 Tagen Alles nor- 
mal, aber der Puls ist wieder in der r. Temporal, 
jrloschen; Husten blieb längere Zeit hindurch. 
«d erscheinen Schlingbeschwerden, L-seitige Kopf- 
schmerzen, bisweilen Singultus. 16. Erysipel. 27. 
Schmerz in r. Hand und Arm; Angst. 2. Decbr. 
Blutstrom aus der Wunde. In 2-3 Minuten todt. 



5t Chlorof. Nach d. 2. Ligat. Athmung erschwert; 
oach 10 Minuten Puls in der Max. ext. fahlbar. — 
weiteres im Text. 

i Sehvermögen 1. schwächer, und ebenso die r. Seite 
^es Körpers schwächer; 8. Jan. Sehkraft besser, 
>ber die r. Seite noch geschwächt; weitere Details 
«nd nicht aufgefQhrt 

^ f- Radial, voller als 1., Nachmittags schwere Re- 
spiration, welche sich noch steigert. 



lieber der Ligat ein i" langer, 
adhärirender Thrombus. 



Die Ligat hatte das Oefftss durch- 
schnitten, und hing am oberen 
Theile desselben, welcher durch 
einen Thromb. verschlossen war, 
aber das untere GefEss war offen 
geblieben, die durchgängig. Artt. 
lingual, u. pharjng. ascend. sind 
erweitert Pat. hatte keine Art 
innom., Garot u. SubcL ent- 
sprangen direct aus dem Arcus. 

Section im Text. 



Vordere Halsdrfisen beiderseits 
geschwollen, ebenso r. Mandel ; 
phagedän. Geschwüre in der 
Mandelgegd. Oeffnnng von 2— 
3 Mm. in die Garot beim Ein- 
tritt in denGanal carot; unter 
dieser Stelle atheromat Stellen, 
ebenso tiefer an d. Garotis selbst; 
in der Lunge finden sich einige 
apoplectische Herde. 



28 4 



Dr. C. Pilz, 



No 



Operateur 

und 
Datirm. 



Literatur. 






Ursache. 



2 ts -o »: 



180. 



131. 



Richter, Berlin. V. Langeobeck's 



1865 20. Nov. 



Busch, Bonn, 
1865. 23. Nov. 



132. 



133. 



134. 



134a 



135. 



136. 

136 
•a. b. 



24 



Briefl. Mitth. 
Prof. Gurlt 



Bockenhei- 
mer, Frankfurt 
a.M. 1865. 14. 
Dec. 

V. Thaden, Al- 
tona. 1866. 29. 
Januar. 



Broca, Paris. 
1866. 26. März. 



Koch, Görlitz 
1866. 22 Juli. 



Klinik. Journ.1865. 
No. 514. 



an 



27 



Briefl. Mitth. an 
Prof. Gurlt. 



Briefl. Mitth. an 
Prof. Gurlt 



Archives g^n. 1866 
Juillet. p. 24. 



Briefl. Mittheilnng 
an den Verfasser. 



H. Coote, Lon- 
don. Barthol. 
Spit. 1866. 22. 
Aug. 

Gurlt,Jfiterbogk. 
1866. 23. Aug 

1866. Langen- 
salza. 



Uncet. I866.V0I.2. 
p. 441. 

Persönl. Mittheilg. 

Stromeyer, Er 
fahr, über Schuss- 
wunden. 1866. 



'^; 



'2/. 



W. 



66i 



V; 



"J: 



38j 



S/: 



46 j. 
M 



26 j. 
M. 
M. 
M. 



Nachblutnng(Urano- 
plastik). 



Blntg. ans d. Munde 
(im Typhus). 



Blutung (ans Card- 
nom). 



Nachblutg. (Max.int.) 
(Nervenresection). 



Blutung (ans ange- 
ätzter Carot.). 



Schussyerletzung 
(Nachblutung). 



1. Nachblute. (Exstirp. 
de8 0berkief.)(Max, 
int.). 



Nachblutg. (Schnss- 
I wunde). 
Blutung (Zweige der 
Garot. am Halse). 



ZuT Ligatur der Arteria Carotis commanis. 



286 



Besonderes bei der JLigatar und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



ich nach der LigAt. karze Zeit dauerndes sterto- 
»es Athmen. 21. Atbmen frei, aber Bewusstlosig- 
eit, Pols hebt sieb Al>eiids, ohne Besserung der 
ilgemeinerscheiDUiigen. 22. Fat. wird schwächer. 
Thermometer in beide Gehdrgänge gelegt, steht 
0,8* tiefer. 24. 1. Arm ist nur schwach und nn- 
E>)ldtand]g zu heben » das Bein normal. Die Sen- 
bilitat ist 1. erhallten. Besondere Erscheinungen 
^ten weiter nicht &Qf. 



Ligat. hatte keine anderen Erscheinung, im Gefolge, 
s das8 Fat. in den ersten 8 Tagen beim Sprechen 
't nicht das richtige Wort finden konnte, oder auch 
ch längere Zeit daxanf besinnen musste. 
seitlich gelegene Vene blähte sich merklich auf; 
n folgenden Tage Dnbesinnlichkeit und Collapsus. 

Brof.; als Fat. zu sich kommt, wird d. Ligat. ohne 
<ie Himerscheioane; geschlossen, es erfolgt nur 
nSchreL 27. Sehvermögen r. gemindert 28. Kopf- 
hmerzen rechts» Hasten nnd Athembesch werden. 
Apr. kein Fnls in d- Temporal. Blutung. 



)Tof. Ohnmacht, spricht verwirrt; die Temperat. 
I der r. Schlafe niedriger als 1. 23. abnorme Sen- 
it. in der r. Gesicbtaaeite bis 26.; r. Temporal, 
olsirt erst 1. Ang. . 

IS. war die eiste Blatg. eingetreten aus Max. int. 



orof. 



r. — Ohne jede Brscheinung. 



AUgem. Anftmie, Gehirnsnbstanz 
gleichmässig fest. Carotis hatte 
keine Thromben. 

Anämie des Gehirnes; r. sind d. 
kleinen Venen gefüllter als L; 
die Verzweigungen der r. Carotis 
sind ebenso blutreich, wie die 
der 1.; das Mediast. ant eiterig 
infiltrirt, die Infiltrat, reicht bis 
zur Operationswunde. In der 
Gegend der Glottis resp. findet 
sich ein bis auf d. Arytaenoid- 
Knorpel gehendes Cfeschwflr; 
das eröffnete Geföss ist nicht 
aufzufinden. ~ Ein Abscess im 
Muse, reci abdom.; Hämorrh. 
unter dem parietal. Blatte am 
Blasenhalse u. ein kleiner Eiter- 
herd. Hypostase in d. Lungen. 

Gehirnentzdg. ~ Section nicht 
möglich. 

Blutreichthum beider Gehirnsei- 
ten gleich, Art. basiL atherom. 
Ramns commun. poster. weiter 
als der linke. Deber und unter 
der Ligat feste Gerinnsel. 

Lungenschwindsucht. 2 Throm- 
ben in dem durch den Faden 
durchschnittenen Gefäs8e.20eff- 
nungen d. Carot int beim Ein- 
tritt in d. Can. carot Caries 
der Trommelhöhle. Tuberkel 
in beiden Lungensoitzen, eine 
Ca?erne in der r. Lunge. 



286 



Dr. 0. Pils, 



No. 


Operatear 

und 

Datum. 


Literatur. 




1 


Ursache. 


Jl 


—1 








£ 




T««6- . J 


136c 


▼. Bruns, 1866. 


Kriegs-Chir. Erfah- 


— 


1. 


i 
Nachblutung (Max. - 


- iHei 






rung. B. Beck. 


M. 




int). 




1 


137. 


Arn Ott, cit. 


Lancet. 1846. p. 135. 


M. 


r. 


Blutg. (nach Extrat. 
einer Pfeife). 


— 


- ' 1 


138. 


A 88 on, Venedig. 


Briefl. Mitth. von 
Prof. Vanzetti 
an Prof. Gurlt. 






Blutung. 


" 


■"" 


139. 


B.ögin, cit. 


Receuil de m^m. de 
Möd. par Begin. 
— Oppenh. Zeit- 
schrift Bd. 10. S. 
385. 


Ü. 




Blutung (Hieb). 




- Qei 


140. 


Carpne. 


Crisp, Von den 


— 


— 


Blutung. 





- He 






Krankh.etc.S.328. 










Ul. 


Chadwick, Hol- 


Lancet. 1851. Voll. 


13j. 


r. 


Blutung (Fall auf 


— 


24 He 




ton. 


p. 177. 


M. 




Säge). 




i 


142. 


B. Cooper. 


Lancet. 1846. Vol. 1. 
p. 134. 
MUit. - Chir. Stu- 


M. 


— 


Blutg. (Selbstmord). 


— 


1 : 


143. 


Demme, cit. 


— 


1. 


Blutg. (Schufisfractur 


25 


- He 






dien. Bd. 1. S. 121. 


M. 




des Unterkiefers). 










No. 11. 












144. 


Dietrich8on. 


Norsk Magaz. for 
Laegevidenskaben. 
1848. - Oppenh. 
Ztschr. Bd. 45. 


^; 


r. 


Blutg. (Tum. cavern.}. 


^~ 


-;He 














1 






S. 344. 










1 


145. 


Th.Evan, Man- 
chester. 


Lancet. 1853 Vol. 2. 
p. 225. 


— 


r. 


Blutg. (Verletzg. am 
Kopfe u. Gesichte). 


— 


- He 


146. 


G. Gibb. (wohl 


Lancet. 1857. Vol.2. 


44 j. 


r. 


Blutung. 


— 


35 0. Be 




1867. 80. Aug ) 


p. 496. 


W, 








48 u.' 


147. 


G.B. Günther, 


Günther, Opera- 
tionen am Halse. 




r. 


Stichwunde (Max. 




1 




Leipzig. 


m! 




int). 




äüi 






Carot. No. 62. 












148. 


Guthrie, Lon- 


Lancet 1850. Vol.2. 





—. 


Schnittwunde 


__ 


— 1 i 




don. 


p 143. 


M. 




(Selbstmord). (Ca- 
rot int.) 




9 

1 


149. 


Jfingken, Ber- 


Persönliche Mitthei- 


'K 


r. 


Blutung (ans Aneur. 





16 :Erf 




lin. 


Inng. 




anast.) 




i 

i 


150. 


JQngken. 


Persönliche Mitthei- 


•Dttl. 


l. 


Stichwunde (Carot 


kme 


1 






lung. 


Jhr. 
M. 




ext). 


Zdt 


I 



Zur Ligatnr der Arterift Carotis commnnis. 



287 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



C^ehirneracheinungen sind nicht aufgeführt 

^ach der Ligat. kehrte die Bintg. wieder; besondere 

Krecheinnngen sind nicht angegeben. 
Ohne jede weitere Bemerkung. 

Schlingbeschwerden und Unruhe sind die einzigen 
I aufgeführten Folgen. 



Gebirnerecheinangen traten nicht auf 

Bsid nach der Operation stellten sich keine Erschei- 
nnngen ein. 



Sogleich erlosch der Pols in dem sich verkleinernden 
Tnmor. Am 7. Tage Blutung ans der Operations- 
wände, später noch nene Blutung. 



Beide Enden des Gefässes wurden in der Wunde un- 
terbanden. 81. ürinverhaltnng. 1. Sept. Schling- 
beschwerden, die am 2. gebessert sind. 3. Fat 
spricht zum ersten Male wieder. 5. leichte Blutg. 
ans der Wunde. 

Na<*.h der Ligatur bestand die Blutung fort, es wurde 
nuQ das verletzte Gefäss selbst unterbunden, und 
die erste Ligat. gelöst; Fat. behielt eine Lähmung 
d^s N. facial. dext. 

Die Blotnng wurde durch die Ligat. nur wenig ge- 
mindert, deshalb eine zweite über der verletzten 
Stelle, und endlich noch eine um die Carot. ext. 
gelegt; die Blutung kehrte nicht wieder. 

Mit der ohne Chlorof. gemachten Ligat. wurde das 
SehTermdgeo r. schwächer; langsam wieder ganz 
hergestellt; nach einer Reihe von Jahren trat bei 
nnzweckmässiger Lebensweise wieder Fulsation im 
Tnmor auf. 

Mur das Sehvermögen des L Auges wurde mit der 
Ligat auf einige Zeit geschwächt; Chlorof. nicht 
angewandt 



Todesursache und Section. 



Fat starb nicht an Blutung. 



Reizung der Wunde (?) u. Geistes- 
störung. 



Schwäche. — Ven. jug. ist durch- 
gängig ohne Entzflndung, die 
Carot int ist i'' weit mit Blut- 
gerinnsel erfüllt 



288 



Dr C. Pilz, 



No. 



Operateur 

und 

Datum. 



Literatur. 



C5 ( M, 



Ursache. 



S> ,52 gang. 

Tage. ! 



151. 



Jüngken, Ber 
lin. 



Deutsche Klinik. 
1853. S. 167. 



— ir- 
M. ' 



Blutung (Aneur. 
anast.) (träum.). 



152. 

153. 
154. 

IMa 

155. 

156. 

156a 
b.c. 

157. 

158. 

159. 



160) 

161 

162) 

163) 

164) 

165. 

166. 



v.Langenbeck, Busch, Ghir.Beob-48j. 
Berlin. acht. S. 285. M. 



Lauer, cit. 
Lavacherie. 



d. Lawrence. 
10. Jan. 



Blutung (Carcin. 
Drüsen). 



Medic. Zeitg. 1849. 

7. I M. 

Bullet, de rAcad.]55j. 

de Med. de Belg.j M. 

1848. Vol. 7. p. 789.1 

Lancet.l832.14.Jul. 31i. r. Blutung 

M 



Blutg. (aus Aneur. 

träum.). 
Biutug (Anätzung d. 

Carot.). 



Lynn. 

Mc Cullogh, 

21. Jun. 
Nnssbaum, 
(2 Mal). 

— (1 Mal). 
Parker. 

Pirogoff, Pe- 
tersburg, (in den 
40 er Jahren). 

Pirogoff. 



Pirogoff. 

Pirogoff. 
Poland. 

Riebet, Paris. 



Americ.Journ. 1864 
Apr. p. 334. 

Brief!. Mitth. an 
Prof. Gurlt. 

Schmidt, Jabrbb 
Bd. 98. S. 77. 
Persönl. Mittheilg. 

Persöul. Mittheilg. 



P , Kriegs-Ghirurg. 
S. 421. 

Persönl. Mittheilg. 

Med. Times and 
Gaz.l865.18.Febr. 

Gaz. des H6pit. 
1863. p. 451. und 
1859. p. 424. 



M. 



Kiid. 



mittl. 

Alt. 

M. 

M 
M. 
M. 
M. 

M. 



Nachblntg. (Exstirp. 
Parot.) 
Schussverletzung. 

Blutg. (aus carcinom. 

Tumor, d. Kopfes) 
Verletzg. d. Schl&fe. 
Blutung (Aneur. 

träum). 
Blutung (Aneur. 

anast.) am Scheitel 



Blutung 
anast.). 



(Aneur. 



Schussverletznng. 



Blutung (ans Ge- 
schwülsten). 

Blutung (Tum. des 
Oberkiefers). 

Schuss Verletzung (in 
d. Parotis-Gegend). 



U 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commanis. 



289 



'besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache and Section. 



^er Lilgat. sinkt die Geschwulst zasammen, das 
'^hvennögen des r. Aages wird auf kurze Zeit her- 
gesetzt; später wieder Pnisat. im Tum.; es er- 
I^J^ neue Blat^., die darch Dmstechung und Glüh- 
en gestillt wird. 



^^ der Ligat. Anfangs keine Erscheinungen, die 
^^mperatnr ist beiderseits gleich. 7. Tag Einge- 
>> v^mmenheit der r. Kopfseite, besond. beim Sitzen, 
*^it dem Gefühl der Leere, nach 2 Tg. wieder normal. 
^^ «folgte nur Eingenommenheit der r. Kopfseite, 8 
V^^ge leicht zu stillende Blutung. 
^'^«re Angaben fehlen. 



Als Pat an Pjftmie mehrere Jahre 
nach der Operat. starb, zeigte 
die Sect. den Tumor, gebildet 
ans den Artt occip., snric post., 
temp. u. cery. snp., die bis anf 
Gänsekieldicke erweitert wacen. 
Die Carotis war 3" lang oblite- 
rirt. Die Ligaturstelle selbst 
vereint ; d. Art thyr. sup. rechts 
weiter als links. 






Verletzung betraf den L Kiefer, Gaumen und r. 
Der- und Unterkiefer. 

e BlutoDgen wurden zam Schweigen gebracht. 

Angaben felilen* 

igs ging AUes gut; die Mutter entfernte sich mit 
s Kinde. 

i **rmnor welcher die Schläfen-, Parotis-, und ünter- 

? --eferffeseod einnahm, öffnete sich plötzlich in den 

* tindf mit der Ligat. stand die Blutung; Erachei- 

^«»fen besonderer Art sind nicht eingetreten. 

^tfere Erscheinnogen im Verlaufe sind nicht an- 

^ften, da P. sie l>al^ »a» dem Auge verlor. 

«ese rerlor P- *>»1^ *« ^«™ Gesichte. 

^^tw . * r>imm4-atMe: ^^^^ °^c^* ^^ entdecken; An- 
5^*"%^i!!;f iShlxi«. dann Aphonie und hiS- 



Die verletaten Geftsse sind nicht 
aufzufinden. Das Gehirn ist 
normal. 

Erschöpfung. 



Nachblutung. 




Nachblutung. 



19 



290 



Dr. 0. Pilx, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. || 


1 

13 


Ursache. 


-6 ^ 






C 


M 




TÄ«e. 


167. 


Robinson. 


Med. Times and Gaz. 
1850.— Oppenh. 
Ztschrft. Bd. 44. 
S. 424. 


'^: 


r. 


Blutg. (Geschwür). 


— 


- t 
i 


168. 


Remer, Breslau. 


Persönl. Mitth. von 


60- 


1. 


Blntg. (Garcinom des 


__ 


-'f 


% 




Dr.Hodann,(der 
bei der Operation 
zugegen war). 


^- 




Gesichts u. Halses). 




,St 


169. 


Romaglia, Nea- 


Froriep*B Notiz. 


20j. 


1. 


Stichwunde (Verte- 


_. 


- f 




pel, (um 1834.) 


Bd. 41. S. 89. 


H. 




bral.). 




- i 


169a 


Spence, Edin- 


BriefL Mittheilg. an 


— 


— . 


Stichwunde (an der 


^~ 




burg. 


Prof. Gurlt 






Theilungsstelle) 
(Selbstmord). 




10. 


170. 


Stromeyer, 


Maximen d« Kriegs- 


— 


r. 


Stichwunde. 


— 


- + 




Erlangen. 


heilkunde. 


M. 




! 


?i' 






S. 159. 












171. 


Stromeyer,cit. 


Ibid. S. 416. 


Ü 


"^ 


SchuBSverletzang 
(Max. int.) 


"■ 


- i 


172. 


Unbekannt. 


L'üuion. 1854. - 
Schmidt,Jahrbb. 
Bd. 91. S. 30. 


Ü. 


— 


Schusswunde (Ober- 
kiefer). 


— 


-1- 


172a 


Unbekannt. 


Med. and Surg. 
history of the 
British army du- 


H. 


— 


Blutg (Oarot. ext.). 


— 


-•\ 




















ring the war a- 
















gainst Russia. 










1 






(1854—56). Vol.2. 










; 


173. 


do. Winchester 
Ho8p.(uml855). 


p. 308. 

Med.TimesandGaz 
1855. Vol. l.p. 32. 




- 


Nachhlutg. (Exstirp. 
Ton Drüsen). 


— 


i 


174. 


do. Radcliffe In- 


Med.TimesandGaz. 


35j. 





Blutung (aus d. 


_ 


-He 




firmary, Oxford. 


1865. Vol. 2. p. 126. 


M. 




Munde). 






175- 


Im American. 


Reports on the ex- 


(11) 


— 


Verletzung. 


.^ 


'Bei 


185. 


Kriege bis 


tent and nature of 


M. 










März 1864. 


the materials etc. 












186- 




Washington. 1865. 


(34) 


— 


Verletzung. 


— 


- ;)) 


219. 




p. 78. 
Eve, Collect, of re- 


M. 










219a 


Voisin. 




r. 


Stichwunde (Nacken) 


_ 


* 






mark.casesinsurg. 


M. 




(Vertebr.). 






220. 


Wood. 


p. 641. 

Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 76. 




I. 


Blutung. 




_ ' f 














' 4 

1 
1 
1 
1 



Zur Ligatnr der Arteria Carutis conimnui.s. 



291 



besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



erfolgte bald, bei eioem Palse von 160 Schlägen, 
alte des Rumpfes u. der unteren Extrem.; 2. Tag 
5rpertemperatur normal, ö. Husten u. Debelkeit, 

Wiederkehr der leicht zu stillenden Blutung mit 
eigQng zur Ohnmacht 

der durch Kachexie der Auflösung nahe gebrach- 

n Frau zwang eine heftige Blutg. aus dem nicht 

(fitirpirbaren Tumor sogleich zur Ligat d. Carot, 

ie keine Erscheinungen nach sich zog; die Blutg. 

and sogleich, ohne wieder^kehren. 

it. d'attente; die freigelegte Carot. Hess auf Druck 

?n Puls im Anenr. nicht schwinden. 

Vena jag. int. musste zugleich ligirt werden. 



D ümf&hren der Nadel trat eine heftige, tödtliche 
iatnng eio. 

Iz der Ligat. erfolgte neue Blutg. Da Fat schon 

fämiaeb irar, so wollte S. die Max. int nicht mehr 

iterbinden. 

erfolgte sogleich Heiserkeit, die Monate lang be- 

and. 

illgem. engl. Hospital wurde dieselbe wegen pri- 
Srer Blntong gemacht; mit der Ligat stand die 
utnng. 



indere EnelMinnngen traten nicht anf ; — die Art. 
mp. war bei der Exstirpat unterbunden worden; 
ich 1 Monat trat die Nachblutung ein. 
i jede Angabe. 

le jede Angabe, dazu gehören noch No. 156. 

No. 113, 114, 115. 

i der Ligat stellen sich neae Blutungen ein; der 
^rsach, die QefiBsenden zu finden, scheitert; es 
^den sich Schwäche im r. Arme, 
folgenden Tage r.-seitige Lähmung; Coma. 



Erschöpfung. — Das Geschwür 
gehörte den krankhaft verän- 
derten Häuten der Carot di- 
rect unter ihrer Theilungsstelle 
an, sie selbst war eröffnet worden. 

Erschöpfung. 



Es bestand ein Anenr. yertebr 
Pyämie. 



Carot. an der Theilungsstelle 
▼erletzt 



Section nicht gemacht 



Erschöpfung. 



Section fehlt 
Section fehlt 



19* 



292 Dr- C. Pilz, 

Zusätze zu vorstehender Gasuistik. 

1) Das Hörn war an der linken Seite des Ringknorpels bis zür Wirbel- 
säole eingedrungen, hatte dabei den Pharynx, die Artt. Carot. int. und ext 
in ihren Zweigen verletzt; die Gompression der Carotis stillte die Blutung, 
wurde aber nicht ertragen. Am nächsten Morgen sind die Pupillen contra- 
hirt, und Pat schliesst die geöffneten Lider schnell. — In den Seiten Ven- 
trikeln br&unlich-trfibe Masse, die Nu. laryng. sup. und glossophar. verletzt. 

2) Sogleich erlischt Puls in der Carotis. Die Temperatur der Seite min- 
dert sich; die Pupillen sind dilatirt 

7) Cline hatte am 26. Febr. einen Theil der festen Geschwulst aas der 
rechten Wange entfernt, diese Schnittwunde hatte sich mit fnngösen Gra- 
nulationen gefftUt In der Nacht des 12. April erfolgte eine arterielle Blu- 
tung (3 Pinten); der Operation folgte Fieber und häufiges Frösteln. 

12) Beim Versuche, das Gefäss in der Wunde zu unterbinden, entstand 
heftige, mit der Ligatur schweigende Blutung, die nach Entfernung des com- 
primirenden Fingers noch einmal auftrat; beim Zubettegehen pulsirte die 
rechte Temporaiis. 15. Schlaf gut, Halsschmerzen, Schlingbeschwerden, 
— Hals wie zugeschnürt (\^enaesect. 35 Unz.). — 17. Die Schlingbeschwer- 
den mindern sich, wie die Kopfschmerzen; Schwerhörigkeit rechts; in der 
Temporalis schwacher Puls, nicht in Art. coron. lab. — 23. und 24. Schwin- 
del, 25. kein Puls in Temp. und Max. ext., wohl aber am 14. Aug., nach* 
dem alle Erscheinungen, bis auf eine gewisse Taubheit der rechten Seite, 
geschwunden sind. 

13) Ein schräg verlaufender Schnitt hatte die Geflssscheiden beider Seiten 
blossgelegt; da bei C's Ankunft die Blutung stand, so wurde die Wunde 
einfach vereinigt; die am Abend auftretende Blutung erheischte die Ligatur. 

17) Derselben Person hatte Busch (No. 311.) wegen Aneur. anast. die 
eine Carotis iigirt. Gleich nach der Operation sind die Papillen dilatirt; 
Geruch und Gehör sind normal; Sensation im Kopfe »nimiam quietem*. 
1866 bemerkt Dr. Passavant in einem Briefe an Prof. Gurlt, dass der 
Pat. noch lebe. 

22) Den 19. Juli und 7. August Frostanfall, 8. Schmerzen im Kopfe und 
der rechten Halsseite. — 17. starke Blutung (8 Duz.), die in 4 Stunden wie- 
derkehrt ~ 20. vier, am 21. drei Blutungen. 

24) Der rechte Rand des Zäpfchens war ulcerirt. die rechte Mandel zer- 
stört, ebenso auf derselben Seite der hintere Ganmenbogen und die Rachen- 
wand mit Eiter bedeckt; sogleich erlosch in der Temporal, der Puls, war 
aber Nachmittags schon in der Art. facial. fühlbar. 

25a) Die Stichwunde am Halse heilte in 10 Tagen, aber schon nach 
wenigen Tagen bildete sich ein Tumor, der immer weiter wuchs, der Schlin- 
gen und Athmen hinderte; beim Einschnitte entstand nach Wegnahme der 



Znr Ligatur der Arteria Carotis commnnis. 293 

Coagnla eine heftige, nor dnrch die Ligatur zu stillende Blatnng; am 5. und 
6. Tage erfolgte Fieber, das am 8ten schwand; Schwerhörigkeit und Ge- 
sichtsTerlnst sind die aufgeführten Folgen. 

30) Die in den Mnnd gedrungene Kugel zerbrach einige Z&hne und den 
Unterkiefer, ging unter der Zunge, welche sie tief einfurchte, hin, und blieb 
am rechten Kieferwinkel liegen; als nach 8 Tagen eine Blutung eintrat, 
wurde yergeblich das Glftheisen angewendet. 

34) Nach voraufgegangenen Schmerzen in der Unken Rachenseite zeigte 
sich am 29. Apr. eine Geschwulst an der rechten Halsseite, d^e bis zum Ohre 
hinaufsteigt; am 8. Sept entleerte sich Eiter aus dem Ohre; bei einer am 
9. ans dem Munde erfolgten Blutung verkleinerte sich die Geschwulst. 13. 
nene Blutung; vom 9. bis 16. Oet. Zunahme des Tumors, der elastisch, ohne 
Palsation das Gaumensegel in die Höhe hebt, Athem- und Schlingbeschwer- 
den Terursacht; die Sprache ist undeutlich. — 18. 3 Dnzen betragende Blutung. 

39) Pat. in den Schiffsraum gefallen, hatte sich einen pulsirenden Ex- 
ophthalmus des rechten, bewegungslosen und erblindeten Auges zugezogen; 
während eines Hustenanfalles erfolgte die starke Nachblutung. 

40) In der 1^ Zoll langen, vom Kinn bis zum Kieferwinkel reichenden 
Wunde sind blutende Gef&sse nicht aufzufinden; den comprimirenden Ver- 
band sucht Pat. zu entfernen; neue Blutung am 26. Jan. zwingt zur Ligatur. 
26. schwacher Puls in der Art temporal, mehrfacher Versuch, den Verband 
zu entfernen. 

43) Von einem Barbier war dem Patienten eine Geschwulst in der Ge- 
gend des rechten Unterkieferwinkels herausgeschnitten , und dabei die Max. 
ext, nahe am Ursprünge, verletzt worden; die heftige Blutung, durch Glüh- 
eisen, Tamponnade etc. fOr den Augenblick gestillt, war mehr oder minder 
stark öfter wiedergekehrt. Bei der Operation wurde der Hautscbnitt am äusse- 
ren (?) Rande des M. stemocleid. gemacht, und der untere Theil desselben 
durchschnitten. Den 18. Mai erfolgte beim Stiefelausziehen die tödtliche 
Nachblutung. 

45) Als bei dem an Krebs des Unterkiefers Leidenden w&hrend der Vi- 
site mit dem Dnrchbruche des Neoplasmas in die Mundhöhle heftige Blu- 
tung sich einstellte, musste die Ligatur der Carotis gemacht werden; die 
heftigen Hnstenanfölle hatte ein Poljp verursacht. 

4G) Am 7. Tage zog das Ligatnrstäbchen den Faden heraus, am Uten 
folgte Nachblutung; nach 6 Monaten ist Pat. ganz wohl. 

49) Die hinter dem Unterkiefer gelegene Stichwunde lieferte eine so 
starke Blutung, daes Dr. F. ohne Assistenz, halb im Dunkeln, die Ligatur 
der Carotis (?) ausf&hrte; eiuToumiquet blieb liegen; bald fand sich ausser 
der durch das Compressorium geschaffenen Gangrän der Haut ein Aneu- 
rysma^ dessen Pulsationen auf Compression der Carotis standen. 



294 I>r. C. PiU, 

52) u. 53) Seit dem 6teD Jahre bestand ein kleiner Tumor auf dem Schei- 
tel, der Bcbnell za HaselnussgrOsse anwuchs, und bis 1842 langsame Fort- 
schritte machte; ein Arzt versuchte in diesem Jahre die vermeintliche Cyste 
zu exstirpiren; die beim Einschnitte eintretende Blutung Hess jedoch davon 
abstehen; als am 4ten Tage'die zur Goropression angewandten Bleiplatten ent- 
fernt wurden, erheischte eine heftige Blutung die Anwendung verschiedener 
Styptica. Seitdem traten bei körperlichen und geistigen Anstrengungen nicht 
selten Blutungen auf, trotz andauernder Gompression der erweiterten Art. 
occipit. — Vor der Operation zeigte sich auf dem Scheitel ein fast faust- 
grosser Tumor, der aus mehreren kleineren zu bestehen schien; in der Mitte 
einer auf ihm befindlichen Narbe fand sich ein linsengrosses, mit einer Blnt- 
kruste bedecktes Geschwür; der schmerzlose Tumor zeigt dem Herzschlage 
isochrone Pulsationen; seine breite, weiche Basis wird bei Anstrengungen 
hart. Die Artt. occipit. und temporal, waren, besonders links, auf Gänse- 
kieldicke erweitert Mit Schluss der Ligatur empfand Pat plötzlich einen 
massigen Schmerz in der Wunde und eine „ gewisse FOlIe " im Kopfe fQr 
kurze Zeit — 5. Tumor pnlslos, 17. das Gesicht zeigt lebhafte Röthuog, der 
Tumor Pulsation, der Puls 110 Schläge; in der Nacht heftige Kopfschmerzen, 
Oebelkeit, Erbrechen, Durst, Kälte der unteren Extremitäten, SchlafloBigkeit 
(Venaesect, Hirud., Digit), den nächsten Abend besteht nur noch Kopfschmerz 
und Erbrechen. — 18. Wohlbefinden, Pulsationen nur in der rechten Seite des 
Tumors. Im Januar 1844 ist die linke Seite des Tumors zusammengesun- 
ken; die stark pulsirenden Artt. temporal, und occipit. rechts erweitert; 2 
Stunden nach der zweiten Operation wird Pat ängstlich, unruhig, klagt über 
starke Kopfschmerzen, Ohrensausen, Brechneigung; das Gesicht isf geröthet, 
der volle Puls hat 120 Schläge (Venaesect, Eis, Nitr.). Abends heftige 
Kopfschmerzen, Ohrensausen, Singulttis, Erbrechen; am 2ten Tage erfolgt 
Ermässigung der Erscheinungen, die aber noch am 4ten Tage nicht gans 
geschwunden waren. — 5. März. Der hühnereigrosse, feste Tumor wird mit 
Gompression erfolgreich behandelt 

58) Section: An der Theilungsstelle bestand nur eine kleine Ver- 
bindungsbrficke der Garot. ext, die OefTnung der Garot int war zusam- 
mengezogen, mit Gerinnseln erffillt, und mflndete in den aneurysmatischen 
Sack ein. 

59) Mit Eintritt der Ohnmacht war die Blutung erloschen, kehrte aber 
am 18ten Tage wieder; seitdem mehrere Blutungen in Zwischenräumen von 
3-4 Tagen. 

63) i Stunden nach der Verletzung fand F. in der 3 Zoll langen Wun de 
kein arterielles Gefftss, aber bei der neu eingetretenen Blutung ein solches 
hinter dem Kieferwinkel. 

64) Man hatte nach Entfernung der Goagula Nähte angelegt, doch als 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communiB. 295 

beiflB Anfsitsen immer neue Blutungen wiederkehrten, und keine blutenden 
OefSsse erkannt würden, schritt £. zur Ligatur der Garot. comm. 

65) Es bestand seit 10 Monaten bei dem tnberculös^en Soldaten Ohren- 
flasB mit Sehw&ehang des Gehörs; weiterhin bildeten sich Fistelg&nge. Die 
erste, bei einem Hastenstosse auftretende Blutung aus dem Ohre wurde durch 
Tamponuade gestillt, wie auch später die aus Nase und Mnnd kommende. 

66) 14 Tage nach der Verletzung öffnete S. von der SchnssOffnung, am 
▼orderen Rande des M. masset^ bis znm Schlfisselbeine herab* zwei in Ver- 
blnduQg stehende Abscesse, entfernte dann in der Mittellinie der Nacken- 
muskelo die Kugel; am 9. Nov. erfolgte ohne besondere Veranlassung aus 
der Abscesswnnde eine Blutung, ebenso den 14ten. Bei der Erweiterung 
des Schnsskanales Behufs Aufsuchung der Art max. int erfolgte heftige 
Blotung;.DigitalcompresBion wurde nicht ertragen; bei Schliessung der Li- 
ntia r traten keine besonderen Erscheinungen auf, aber nach 3 Stunden Ein- 
geschlafensein der linken Extremitäten; in der ^'acht wenig Schlaf wegen 
relssender Schmerzen in der rechten Gesichtshälfte. — 15. Das Kauen und 
SehUngen ist sehr erschwert, das Gefühl des Eingeschlafenseins bald stär- 
ker, bald schwächer, die Muskelkraft links ebenfalls geschwächt; Zittern des 
ganzen Körpers, besonders des linken Beines. — 16. 2nial Convulsionen der 
linkea Extremitäten, deren Motilität geschwächt erscheint, Drang zum Üri- 
niren, das nur unYoUkommen gelingt, Hantwärme beiderseits gleich; das 
Bewasstsein scheint abzunehmen. — 17. Lähmung der linken Extremitäten und 
der linken Gesichtsseite, reissende Schmerzen in den rechten Extremitäten 
und gleicher Gesichtsseite, Zittern des linken Beines; Schüttelfrost; hohes 
Fieber, Bewnastsein getrübt, laute, aber unbestimmte Klagen. - lö* Coma, 
unwillkürliche Entleerungen. — 19. Frost, Sopor. Decubitus. — 22. Tod. 

Sect: Die inneren Hirnhäute blass, blutleer, Hirnaubstana blase, r. wei- 
cher und feuchter, als 1.; auf der Scheitelhöhe mehrere hanfkorngrosse Abs- 
cesse in der Rinde, die hier und da auf die Markhöhle (?) greifen; in den 
Ventrikeln 2 Quentchen Serum; die r. Pleura und Lunge mit schmelzendem, 
gelbem Exsudate überzogen, im unteren Lappen eine haselnussgrosse, he- 
paUairte Stelle; in der Pleurahöhle 2 Pfd. jauchigen Exsudates; beide Lun- 
gen blutreich; beide Thromben normal; nichts Besonderes »n des lA^vwtx«- 
stelle. ^ AthaV- 

70) Pat hatte vor Kolding einen Schuss durch den Oberkietet ^^^^ 
ten; die Kugel war durch die Fossa spheno-max. gegÄngen, hatto ^p^^^ 
anser. zerrissen, und den äusseren Gebörgang verletzt; — Taub 
▼or der Operation sehr unruhig, war nach derselben ganz mbig- ^^^ud, 

72) Pat stiess sich beim Fallen das Ende eines Sohirms» ^^ ^^^ 

am 7.-8. Tage trat eine leicht zu stillende Blutung a.xif , dan» va ^^^^^. 
h Ohre ein Abscess, aus dem blutiger ßiter entleert wird; bei eia«xn 



296 Dr. C. Pilz, 

anfalle Blutung ans dem Mande und der Abscesswunde. Der Puls bleibt io 
der 1. Temporal, schwächer, als in der rechten. 

73) Am 6. Tage xeigt sich das sich schnell vergrOssernde Aneur. spar., 
am 22. Juni macht Electropunct. den Tumor fester; derselbe wird schmerx- 

'haft; 1. Juli Blutung, die wiederkehrt; mit der Ligatur erscheinen Schling- 
beschwerden, der Puls ist sehr hart — 4. ist die Haut über dem Tumor gan- 
gränös. Als eine neue Blutung auftrat, und N. die Gefässe nicht fassen 
konnte, torquirte er die ganze Gegend mit Erfolg. 

74) Die Mnsketenkugel war unter dem l Nasenflflgel eingedrungen, hatte 
den Proc. aheol. des Oberkiefers und den harten Gaumen durchgeschlagen, 
die Zungenwnrzel r. durchbohrt, die Speiseröhre verletzt, und war im 
Nacken wieder ausgetreten. 

76) Pat wurde durch einen Pfriemen so verletzt, dass die 1. Carot., der 
Plex. brachial, und die Speiseröhre angestochen wurde. Nachts, beim Scheine 
▼on 2 Kerzen, machte F. die Ligatur; heftige Brechbewegungen traten naeh 
den ersten Schnitten ein. 

78) Da die Geschwulst Ausläufer zwischen die grossen Gefässe sandte, 
so hatte man, so weit es anging, dieselbe entfernt, dabei die angeschnittene 
Art thyr. snp. unterbunden. Nach Fall dieser Ligatur am 13. Tage, ent- 
stand aus ihr eine Blutung, weshalb der kleine Stumpf neu ligirt wurde; 
bei der folgenden Blutung schritt W. zar Ligatur der Carot. comm. 

81) Ein tief liegender Abscess d^r Hals- und Gesichtsseite, der heftige 
Dyspnoe verursachte, wurde geöffnet, guter Eiter entleert. Die nach 5 Ta- 
gen auftretende Blutung — besonders aus Transversa fac. ~ stand nicht 
auf Ligatur derselben, wohl aber auf Compression. Gegen wiederkehrende 
Blutung half 5 Tage lang die Compression, da brach der Abscess nach Innen 
durch; die nun eintretende Blutung zwang zur Ligatar der Carot comm. 

80) Das Gesichtsvermögen ist nach Jahren 1. wieder normal, auch zeigte 
die ophthalmoscopische Untersuchung keine Anomalie (Ehr mann). 

84) Hr. Prof. Heiberg theilte durch Hrn. Prof. Boeck Folgendes mit: 
Pat., wegen starker Blutung in's Spital aufgenommen, sagt, dass er vor 4 
Tagen mit einem hölzernen Stabe verletzt worden sei, so dass er eine Wunde 
der Lippe, des Kinnes, und eine 1^' lange Wunde im Inneren des Mundee, 
zwischen der Wurzel der Zunge und dem Unterkiefer, in deren Grunde man 
die Carot pulsiren fühlte, davongetragen habe. An der äusseren r. Seite 
des Halses fand man einen rothen, im untersten Theile fiuctuirenden Tumor, 
der, geöffnet, eine Menge übelriechenden Eiters entleerte. 7 Tage nach der 
Aufnahme trat eine arterielle (etwa 32 Unz.) Blutung ein, und als am fol- 
genden Tage eine neue Hämorrhagie wiederkehrte, wurde die Ligatar des 
Hauptstammes ausgeführt Blutungen traten nicht mehr ein; die Erschöpfung 
war hochgradig. 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commnois. 297 

90) Nach der Ligatnr wurden die verletitcn Zweige der Carot ext. auf- 
gesucht, konnten jedoch nicht erreicht werden. Gompression. Vereinigung 
der Wände. 

92) Die Onterbindang wurde gemacht, als die Gompression der Garot. 
die Blotang nicht mehr stillte, aber die Blutung dauerte geschwächt fort; 
da aber der Blutstoss geringer geworden, so bildete sich bei Gegendrücken 
eines Sehwammes nach einigen Minuten ein Thrombus. Um sich gegen eine 
nene Blntang zu sichern, wurden 1| Zoll des Unterkiefers resecirt, und die 
Art. maz. int. unterbunden; der 4 Tage währende Kopfsehmerz war das 
einzige Symptom. Im Januar war Pat. als genesen anzusehen. Später ent- 
wickelten sich an verschiedenen Stellen des r. Darmbeines, 1. Halswirbels, 
des Schlfisselbeiues — durch Necrose bedingte — Abscedirnngen. Sect. : Die 
lojeetion in die I. Carot. und beide Vertebrales durch Prof v. Patruban 
ergab: 1" der Aiterie fehlte an der Ligaturstelle, dafür ein dünner Binde- 
gewebsstreif ; das obere Carotisstück ganz obturirt , am unteren bis zur In- 
nom reichende, weiche, frische Gerinnsel. Beiderseits waren die Oarotis- 
Zweige xiemlich gleich. Am CircuL art. Will, fanden sich auf der einen (?) 
Seite 3 kleine, neben einander Yerlaufende Qef&sse. 

93) Die Kugel schlug die unteren Schneidezähne aus, ging durch die 
Zunge unter dem Kieferwinkel, und wurde durch Eiterung ausgestossen. 

98) Bei der Exstirpation war eine prophylactische, offene Schlinge um 
die Garot. gelegt gewesen, die am Schlüsse der Operation entfernt wurde; 
gegen 30 Ligaturen wurden gebraucht Nach 6 Tagen erfolgte die erste 
Nachblutung ans dem Stumpfe der Art. thyr. sup., von der die Ligatur sich 
schon gelöst hatte. Dm die schwer isolirte Carot. wurden 2 Ligaturen ge- 
legt, deren eine über der Art. thjr. sup. zu liegen kam. — 15. Juli 5i h. p. m. 
heftige, nnr aus der Garot. selbst kommende Blutung, steht auf Gompression 
derselben in der Wunde; da ein Gompressorium nicht in die Wunde gelegt 
werden kann, wird Digitalcompress. vom 15. 5J h. bis 20. Juli 3?, h. p.m. aus- 
gefibt. — 18. Pat. hört nicht mehr, kann nicht sprechen, der Mund ist zu- 
sammengeklemmt. 148 Puls. Abd. Schüttelfrost. — 19. Morg. Puls 104, 
Abd. 152. Resp. 72 - 76. Augen offen, stier, häußges Schlagen mit dem r. 
Arme. — S e c t. : Die mit der Wand verlöthete Vena jug. enthält ein langes, wei- 
ches Gcrinnael, wie die übrigen grossen Venen; nirgends in ihnen Eiter, 
nirgends eine Spur von Phlebitis. Die Enden der durchschnittenen Carot. 
sind entfernt; die Art subcl. geht hinter der Trachea weg. 

99 a) ist leider erst später eingeschoben , und deshalb in den statisti- 
schen Zasammenstellungen nur bei Lähmung und Abscess im Gehirn be-, 
rücksichtigt. 

1Q3) General Bayard, am 11. j^n verwundet, musste die Pfeilspitze 



298 Dr. C. Pilz, 

aus Mangel an Instrumenten, in der Unterkiefergegend behalten; leichte Blu- 
tung aus der Nase. Die später erfolgte Extraction der Pfeilspitze yerlief 
unter heftiger Blutnng ans Nase und Mund; bald traten Schmerzen beim 
Entfernen der Kiefer von einander ein, Schwellung des Gesichtes, Biotnog, 
ein grosses, die Schwellung vermehrendes Blutextravasat erforderte loci- 
sionen im Gesichte und im Munde; neue Blutung zwang zur Ligatur, der 
keine Blutung mehr folgte. 

106) Der Schnitt hatte nicht den Kehl- und Schlnndkopf erreicht, die 
Quelle der Blutung ist nicht zu finden, die ünterbiDdung einer kleinen Ar- 
terie ohne weiteren Erfolg. Da die Compression der Garot die Blotung 
stillte, und Pat. immer schwächer wurde, so wurde die Ligatur derselben 
gemacht. 

107) Leider fehlt eine genaue Krankengeschichte. Pat. zeigt eine fanst- 
grosse Geschwulst, die vom Trigon. coli. r. bis zur Mittellinie des Halses 
reicht, an den Rändern fest, in der Mitte fluctuirend erscheint; da der Kräfte* 
zustand schwach ist, so erscheint eine Operation nicht möglich. Eine Pqdc* 
tion, — eine braune, zähe FlQssigkeit entleerend — mit nachfolgender Jod- 
injection schafft Erleichterung; die Gjste fQllt sich schnell, neue Eotiee- 
rnng; die Kräfte nehmen ab, das Athmen wird immer beschwerter, eiDe& 
Morgens entsteht bei der Visite ans der Oeffoung eine heftige Blutung, bo 
dass der Assistent sogleich die Ligatur der Garot. machen muss. 

109) Bei der Exstirpation durch Schuh war die Max. interna nahe am 
Ursprünge abgeschnitten und dann ligirt worden. 

110) Bei der Ablösung eines Enchoodromes von der Ge&sacheid^ hatte 
man an der Theiluugsstelle der Garot. eine atheromatöse Stelle erkannt 
Am 7. Tage erfolgte bei leiser Entfernung eines Ligaturfadens heftige Blu- 
tung aus der Garot. exti, die sogleich unterbunden wird. 2 Tage später 
verlangte eine Blutung aus der atheromatösen Stelle die Ligatur über und 
unter der Theiluugsstelle. 

112) Das Messer, unter dem Proc. mast. eingestossen, hatte den hinte- 
ren Rand des M. sternocleid. durchschnitten, und einen langen Schnitt über 
den Nacken geschaffen. 

116) Mit der Ligatur erlosch die Blutung, und die Pulsation im Aneur., 
in der 4. Woche war in der Art. temporal, r. der Puls schwach fUhlbar, 
wurde dann stärker; in den ersten Tagen war die Art. radial, n schwächer 
als die linke. 

118) Die Kugel, eingedrungen in die Flügelgaumengrube, hatte den Proc. 
condjl. zerschmettert, ~ die Kugel blieb zurflck — es entstanden heftige 
Athemnoth und Schlingbeschwerden, die Anämie war bedeutend. Mit der 
Ligatur und Entfernung der Kugel aus dem Proc. condyl. max. inf. liess 
die Athemnoth nach. — Sect.: Der Oberkiefer erschien in seiner hinteren 



Zar Ligatnr der Arteria Carotis commanis. 299 

Partie gestreift, ebenso das Keilbein in der Gegend des Foram. carot. , die 
Garoi jedoch nnverletat Die Kugel hatte etwas hinter der Mandel die Pha- 
ryngeal wand gefasst, nnd mit dem ganzen weichen Ganmen von r. nach 1. 
gedringt, dadurch den Aditus laryngo - phar. sehr verengt; starke Blntex- 
travasate verliefen abwärts in die r. Hälfte der Glottis nnd Epiglottis. 

122) 27. Die Lähmung bestand ohne Temperaturdifferenz, die Zunge 
iconnte nicht bervorges treckt werden, das Schlucken selbst fQr FlOssigkeiten 
nicht möglich, die Sprache kaum verständlich, unwilikörliche Urinentleernng« 
— 28. Dio r. Gesichtsseite gelähmt. Pat. scheint zu verstehen, ohne beant- 
worten za können; Nachmittags sagt er ».ja** und ,,neln^ — 29. Die Zunge 
kann hervorgestreckt werden, die Pupillen reagiren lebhaft - 1. August. Pat. 
ist noch theilnahmlos, FlQssigkeiten können leidlich genossen werden, in 
der 1. Carot. nirgends Pulsation. ~ 3. Einige Worte werden deutlich ge- 
sprocheo, aber gewisse Gegenstande kann Pat. nicht bezeichnen. — 8. Bewe- 
gung der Zonge besser, und am 18. die Sprache. — 22. Die r Extremitäten 
noch vollständig motorisch gelähmt. Die r. Gesichtsmoskeln schlaff, aber 
nicht mehr gelähmt, Bewegung der Zunge gut; noch besteht Aphasie. — Dec. 
1866: Alle Erscheinungen sind bis auf die schwere Beweglichkeit des r. 
Beioe» gewichen. 

124} Bei der Untersuchung fand man die Carot. angeätzt, durfte sie 
aber wegen der erkrankten Umgebung nicht am Orte unterbinden, eine Blu- 
tnng erfolgte nicht mehr. 

125) Am 3. Dec. fehlte Puls in den Zweigen der Artt. max. ext, tem- 
poral, nnd occipit Die Artt centr. retin. sind beiderseits gleich. 

127) M., 27 Jahre alt, kam am 23. Nov. mit einer Psoriasis syphilit an 
den Extremitäten und dem Thorax behaftet, so wie mit den Resten eines 
fifttoldsen Bubo inguinalis auf die syphilitische Abtheilung des Zfiricher Can- 
ton-Spitales, in die Behandlung des Hrn. Geh.-Rath Prof. Dr. Griesinger. 
Hier begann, bei passender Behandlung, — besonders äusserlich Bäder und 
innerlich Sablimat — das Exanthem zu erblassen, die Fistel secemirte 
immer weniger. Pat. war mit Ausnahme der frQheren Infection immer ge- 
sund gewesen, nnd stammte ans gesunder Familie. Am 28. Nov. klagte 
er fiber Schmerzen beim Bewegen des Kopfes nnd beim Oeffnen des Mun- 
des; es fanden sich aber bei der Untersuchung nur mehrere Drfisen unter- 
halb des Proc. mast etwas geschwollen nnd empfindlich, der Druck auf den 
Proc mast selbst war nnempfindlich ; am 30. gab Pat stärkere Schmerzen 
in der Ohrgegend an; jedoch die äussere Untersuchung und die otoscopi- 
sehe zeigten nichts Abnormes. Am 2. Dec. trat unerwartet eine etwa 8 Unz. 
ausmachende Blutung aus dem r. Ohre auf, welche minder stark am 3., 4. 
nnd 6. sich wiederholte; ausserdem erkannte man deutlich eiterige Beimi- 
schung bei der am 4. sich einstellenden Hämorrhagie, zu deren Stillung 



300 Dr. C Pilz, 

mftQ sich die beiden ersten Male der Tamponnade des äusseren Gehörganges 
mit trockener Gharpie, die letzteren Male aber in LGsung von Ferr. ses- 
quichl. getanchter Obarpie bediente. Am 6. nnd 7. erfolgte nur blntig-cite- 
.rige Secretion ans demselben Ohre, keine eigentliche Bluinog. Jetzt er- 
kannte m an eine ausgebildete diffose ROthung in der Gegend des Dnterkie- 
ferwinkels, welche zum Theil von einer leichten Aetzung durch darauf ge- 
tropften Liq. Fern sesqnichl. hervorgerufen sein konnte. Zugleich war die 
ganze Gegend etwas geschwollen nnd auf Druck empfindlich. Die Unter- 
Buchung des r. Ohres mit dem Ohrenspiegel Hess am 7. nur etwas ange- 
trocknetes Blut am unteren Rande des anscheinend perforirten Trommel- 
felles erkennen. Diese Untersuchung war jedoch wegen starker Anscb «Tei- 
lung des äusseren Gehörganges und der gerade schlechten Beleuchtang 
unsicher und nicht entscheidend. Den 8. und 9. stellte sich eine copiöse 
Blutung ein; am Abend des letzten Tages war der Puls frcquent, die Tem- 
peratur erhöht, die, in der Achselhöhle gemessen, 39,6^ betrug. Der 10. 
verlief ohne Blutung, nur entleerte sich blutig- eiteriges Secret aus dem 
Ohre. Am 11. fand Hr. Dr. Lehmann bei der Morgenvisite ein Speiglas 
voll blutig- eiteriger Masse, in der die eiterigen B estandtheile vorherrschten 
dieselben waren mit Husten aus dem Munde entleert worden. Weder ein 
Abscess, noch eine Oeffnung am Gaumen oder an der hinteren Pharjnx- 
wand liess sich, bei dem etwas behinderten Ocffnen des Mundes, auffiodon; 
auch den Tag Aber wurden, unter massigem Hustenreize, gleichartig blutig- 
eiterige Sputa entleert; an den Lungen war durch Percussion und Auscal- 
tation nichts Abnormes zu finden, auch hatte früher Fat nie an Husten 
gelitten. Am 12. zeigte sich wieder ein geringer Ausfluss aus dem r. Ohre; 
der Auswurf war geringer als gestern, betrug den Tag über gleichwohl nocb 
etwa 10 Unzen, und Pat. gab an, das Gefühl zu haben, als käme Alles 
aus dem Rachen. In der folgenden Itacht fand eine heftige Blutnog ans 
dem Ohre und Munde statt, welche durch Compression der Carot gestillt 
wurde. Am 13. konnte die Perforation constatirt werden, indem bei ge- 
nauer Untersuchung des besser zu öffnenden Mundes eine Vorwölbung der 
r. Gaumengegend, und mit einem Spiegel auch eine linsengrosse Oeffonng 
an der seitlichen Pharynxwand wahrgenommen wird, aus der etwas Eiter 
fiiesst. Pat., durch diese Blutungen angegriffen, war schon sehr ängstlich 
geworden, und obwohl er vollkommene Ruhe beobachtete, gegen den stark 
auftretenden Durst nur Eis und Limon. sulph. gebrauchte, hatte er schon 
wieder um 5 Uhr Nachmittags eine so heftige Blutung ans Mund, Nase nod 
Ohr, dass, nachdem dieselbe durch Compression der r. Carotis zum Stehen 
gebracht war, Pat. höchst angegriffen und bleich, mit bläulichen Lippen 
und kleinem Pulse, dalag. Hr. Prof. Billroth, der inzwischen herbeige- 
rufen war, beschloss, sogleich die Unterbidung der bisher comprimirteo Art. 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commonis. 301 

Carot. comm. dextr. zu machen. Nach der Cbloroformirang wurde die Cn- 
terbiodnng nach A. Oooper glücklich ausgeführt, obwohl stark ausgedehnte 
Venen, besonders die Vena jag. ext, welche nach Aussen geschoben wurde, 
die Operation etwas mühsam machten. Die Unterbindung hatte auf die Ath- 
mnag keinen wahrnehmbareu Effect. Als Fat. aus der Narcose zu sich ge- 
kommeD, erbrach er nicht, klagte über keine Kopfschmerzen, nur zeigte er 
starken Darst, der durch dargereichte Eisstückchen gem&ssigt wurde. L&h- 
moogscracheinungen der Gesichtsseite, der Extremitäten; Veränderungen der 
Stimme, Sprache, des Auges etc. traten in keiner Weise ein. Die Wunde 
blieb offen, der Ligaturfaden wurde aussen befestigt, ein leichter Verband 
angelegt. — Ord.: Limon. snlph , Eis, Ruhe. 

Nachdem Fat. die Nacht gut geschlafen, befindet er sich am 14. noch 
schwach, hat starken Durst; das Sensorium ist frei, Fat. ist mit Ausnahme 
geriogen Ropfwehes ohne Schmerzen; die Artt. max. ext dx. und temporal 
polairen; — leider wurden sie gestern auf Fulsation nicht untersucht — 
Die Wunde, vom besten Aussehen, schien sich bald schliessen zu wollen, 
als am 17. Duc. ihre Umgebung geschwollen und schmerzhaft wurde; bald 
entleerte sich auf leichten Dratk Eiter aus der Tiefe; dreimal wurde 
dieselbe jetzt täglich mit Aq. chlor, verbunden. Zugleich trat hiermit 
eine stärkere, mit etwas Blut untermischte Eiterung ans dem rechten Ohre 
auf, dessen Gehör erloschen war. Der Zustand des Trommelfelles konnte 
nicht mehr untersucht werden, wegen der starken Schwellung und Schmerz- 
haftigkeit der Umgebung; reinigende Ausspritzungen wurden vorsichtig ge- 
macht -' wahrscheinlich war das Gehör schon vor der Ligatur verloren ge- 
gangen; aber nach der Unterbindung wurde man erst darauf aufmerksam; 
des Fat Angaben waren darüber zu unbestimmt 

So verflossen, ohne dass eine neue Blutung eingetreten wäre, 9 Tage, 
in denen der Math und das Aussehen des Fat: sich gebessert hatte; die 
Eiterong aus der sich verkleinernden Halswunde hatte nachgelassen, ohne 
dass die Eiterung aus dem Ohre gleichen Schritt gehalten hätte. Da er- 
folgte plötzlich am 23. Dec. Abends eine heftige Hämorrhagie aus Nase, 
Hoüd und Ohr, welcher die Gompression der 1. Garot und dargereichte Eis- 
stfickchen Halt geboten. Eine vollständige Digitalcompression wurde noch \ 
Stande Ung fortgesetzt, und dann bis 6 Uhr Morgens eine unterbrochene, 
Anfangs 10, später 5 Minuten währende Plgitalcompression von 4 sich ab- 
wechselnden Assistenten durchgeführt Fat, sehr schwach, schlief in die- 
ser Nacht zeitweise, war ziemlich ruhig, bei klarem Bewusstsein, empfand 
geringen Druck in der Stirn; die Hände und das Gesicht waren kühl, 
der Puls frequent, Durst andauernd heftig. — Eis, Limon. snlph. Am 24. 
wurde etwa alle Stunden eine 5 - 10 Minuten dauernde Digitalcompressiou 
ausgeübt, doch in der folgenden Nacht von derselben abgestanden, weil Fat 



302 Dr. C. Pill, 

den schmerzhaft gewordenen Druck nicht mehr gat ertrag. Alles ging goi 
Fat. schlief, hatte wieder Appetit, blieb fieberlos, die Halswunde scklos« 
sich mehr nnd mehr, die £iterung ans dem Ohre nahm nicht zn, als in der 
Nacht vom 26. zum 27. Dec. sich eine sehr starke Blutung einstellte. Bis 
zur Ankunft des sogleich gerufenen Prof. Billroth wurde die Compression 
der 1. Garot mit £rfoIg gemacht; derselbe führte die für dieses traurige Er- 
eigniss beschlossene Ligatur der 1. Carotis aus. Auch diesmal wurde der 
sehr angegriffene Pat, Chloroform irt, aber nachdem mit glücklicher Deber- 
Windung der Schwierigkeiten, welche die bedeutend vergrösserten Arterien 
und Venen dieser Seite boten, die Ligatur um das sorgfältig isolirte Geßss 
gelegt war, Hess man Pat vollständig zu sich kommen, und schloss nun 
erst die Ligatur. Mit Schluss derselben trat vollständige Bewusstlosigkeit, 
schwache, langsame Inspiration, gefolgt von geräuschvoller, stöhnender Ex- 
spiration ein, das Gesicht wurde fast noch bleicher, als zuvor, die Augen 
starr, die Pupillen verengt, so dass Pat den Eindruck eines Apoplectischeo 
machte. Reiben der Extremitäten, Vorhalten von Ammoniak und Aether, 
Bespritzen mit kaltem Wasser etc. hatte durchaus keinen Erfolg; -* gleich 
nach der Operation war Pat in eine horizontale Lage gebracht worden. 
So verging etwa eine Stunde; dann kehrte das Bewnsstsein alhn&llg 
wieder, das Aussehen wurde besser. 10 Minuten nach der Operation war der 
Puls in der Art. temporal, und max. ext sin. zu fflhlen; die Art radial 
fQhlte sich sogleich nach der Unterbindung sehr gespannt an. In der Nacht 
hatte Pat yiel Durst, leichten, oft unterbrochenen Schlaf. Am folgenden 
Morgen, den 27. Dec, befand sich Pat verhältnissmässig gut; sein Aussehen 
war noch angegriffen, die Gesichtsfarbe bleich, der Puls massig freqnent, 
die Körpertemperatur wenig erhöht, Pupillen beide gleich weit, normal; er 
hatte etwas Druck im Kopfe, und viel Durst; schläft viel, ohne im Schlafe 
zu sprechen, Harn- und Stuhlentleerung ist willkürlich. Derselbe Zustand 
dauert bis 28. Dec Mittags. Während Pat. viel schläft, treten nnwiUkflr- 
liehe Entleerungen ein, dabei behält Pat. andauernd die Rückenlage bei, 
macht oft hebende Bewegungen mit beiden unteren Extremitäten, besonder! 
aber mit dem 1. Beine. Die Hände liegen meist ruhig, vollführen nur bis- 
weilen greifende Bewegungen, der Blick ist etwas stier; Pat., ohne Appetit, 
antwortet ungern nnd mürrisch auf .die Fragen, giebt mehrfach bestimmt 
an, keine Schmerzen, selbst nicht mehr im Kopfe, zu haben. Der kleine, 
schwache Puls hat 116 Schläge, Respiration zählte ich zu 20 Athemzügeo. 
Am 29. ist das Fieber stärker, der Puls leicht comprimirbar, klein, hat 130 
Schläge, ist aber in beiden Artt max. ext zu fühlen. Pat schläft den Tag 
über Tiel, hat unwillkürliche Urinentleerung, die Wunden sehen gut aus, der 
Ausflnss aus dem r. Ohre ist stärker; dieselben Bewegungen beider Beine 
erfolgen auch heute; das Bewnsstsein ist erheblich geschwächt — Abendi 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commonis. 



Ligi 



303 



liegt Pai gleichüalle mit geechloasenen Augen, daa Geeicht ist bleich, etwas 
livid, die Lippen bl&Qlicb, Conjanotiva blass; auf lautes Anreden kommt 
Pat, wie ans einem schweren Traume, zu sich, starrt den Betreffenden mit 
gleich weiten Pupillen an, versteht langsam die Fragen, antwortet kurz, 
nachdem er sich etwas hat besinnen müssen, um die Augen sogleich wieder 
zu schliessen; noch erkannte Pat. die einzelnen Gegenstände. Zuckungen 
im Gesiebte sind noch nicht aufgetreten, dagegen stellte sich Nachmittags 
bäofiges »Flockenlesen* ein. Die Sensibilit&t war noch für Berührung und 
Nadelstiche aller Orten gut erhalten. Der kleine Puls zählt 120 Schläge, 
die nicht schwere, aber auch nicht flache Respiration 16 Züge. In der Nacht, 
wähieod Pat. bis 2 Uhr dem Wärter ordentliche Antworten gegeben, und 
jeden Schmerz in Abrede gestellt hatte, stellte sich plötzlich gegen 2 Uhr 
ODter Husten eine sehr heftige Blutung aus Ohr, Mund und Nase ein, und 
Pst. yerscbied dann ohne Zuckungen und Krämpfe, unter den Erscheinun- 
gen hochgradiger Schwäche, um 3^ Uhr Morgens. 

Die Temperaturmessungen in der Achselhöhle ergaben: 



Uorgs. 


Abds. 


Horgs. 


Abds. 


Morgs. 


Abdt. 


9. - 


39,6« 


IH. 38,7« 


38,8« 


23. 37« 


— 


10. 39,6» 


39,2. 


17. 38.9. 


38 . 


24. - 


38,1« 


11, 38,4. 


37,8. 


18. 38,8. 


37,8. 


25. 37. 


37,4. 


15. 3T,2« 


38 . 


19. 87,2. 


37,4. 


26. 37,1, 


37,7. 


18. 37,1, 


37,2. 


20. 37,5. 


37,6, 


27. 37,4. 


37,7, 


14. 87,5. 


37,9. 


21. 88,3, 


39,2. 


28. 87,4. 


38,3. 


15. 38,4. 


38,5^ 


22. 36,9. 


87,2. 


29. 39,5. 


38,9. 



Die Sectio n wurde von Herrn Prof. Rindfleisch ausgeführt. 

Die bleichen Hautdecken zeigen ein sparsames, gelblich - rüthliches Ro- 
seola-Exanthem nur an der Brust und den Armen; eine Narbe findet sich 
io der L Ingninalgegend. Oedem ist nirgends Torhanden; die Papillen sind 
gleich. Das nicht verdickte Schädeldach zeigte deutlich die Eindrücke der 
Art meningea; das Gehirn ist nicht so anämisch, wie man hätte erwarten 
sollen; am wenigsten blutreich erseheinen die vorderen Gehiralappen. Das 
aus den durchschnittenen Arterien (Carot. und Vertebr.) ausfliessende Blut 
ist sehr wässerig und blass. Nach der Herausnahme des Gehirnes zeigen 
sieb die Sinus nicht stark gefüllt Aus dem eröffneten Sin. transv., der 
eigentbümlicher Weise seine Sehenkel nicht, wie gewöhnlich, in Torcul. He- 
roph. sich vereinigen läast^ sondern höher hinauf an der Schuppe, findet sieh 
^^nig, gleichfalls dünnflüssiges Blut. Dss Gehirn ist in allen seinen Theilen 
von guter Consistenz, nirgend erweicht; die Plex. choroid. sind sehr blass; 
die Seitenventrikel ohne Flüssigkeits- Ansammlung. Was die Garotiden an- 
^gt. so erscheint das Lumen der rechten, so weit man sie in der Schädel- 
höhle sehen kann, etwas erweitert, auch weist sie mehrere schwache Trü- 
bungen der Intima anf. Um dem Orte der Blutung auf die Spur zu kom- 



304 !>'• C. Pila, 

men, wird das rechte Ohr mit den anliegenden Gesichtsbedeckangen in seich- 
ten, langen Schnitten abgelöst; bald trifft man hierbei anomale Verhältnisse. 
Man erkennt nämlich eine spaltförmige Oeffnnng im unteren Theile des knor- 
peligen Gehörganges, von wo aus man in einen Raum hinter dem Kiefer- 
winkel gelangt Um weitere Einsicht zu erhalten, exarticulirte Prof. Bill- 
roth den r. halben Unterkiefer, mit möglichster Schonung der Weichtheile. 
Nach ZnrQcksch lagen der Weich theile des Gesichtes sieht man, schräg vom 
Meat. andit. ext., nach unten und innen eine ca. 2 Zoll lange Höhle, an 
gef&llt mit Blutcoagulis und krflmelig eiteriger Gerinnselmasse. Jetzt wurde 
die Section so weiter geführt, dass man von der Unterbindnngsstelle der 
rechten Carotis ausging; die bei dem Tode noch vorhandenen Ligaturfiden 
waren nicht mehr vorhanden, mussten also beim Transporte herausgezogen 
sein. Die in der Tiefe ganz gesohlossene Wunde hatte noch schmale, kleine 
Wnndränder. Nachdem von. der Wunde aus in der Richtung der Carotis 
ein Längsschnitt und einige Schnitte zur Isolirung derselben im etwas festen, 
speckigen Gewebe gefQhrt waren, fand man die Arterie über 2 Zoll weit 
von einem festen, der Geflisswand vollständig adhärirenden Thrombus — 
wie auf einem Querschnitt gut zu zu erkennen — verschlossen; derselbe 
reichte abwärts bis zur Anonyma, aufwärts in die Garot. ext. und int ein 
Stück hinein, hier jedoch von geringerer Consistenz, als unten. Um die ar- 
rodirte Gef&ssstelle zu finden, wurde in den Abgang der Carot vom Stamme, 
bei Verschluss des Lumens derselben an der Basis cranii, eine Wasser- 
Injection gemacht; bald sah man in der vorher erwähnten Höhle sieb das 
Wasser sammeln, und die Gerinnsel heransspülen, und dann, wie es ans der 
Innenseite der Carot int., bevor sie die erste Biegung in den Canal. caroL 
macht, herausfloss, und einen an der Wandung des Gefösses noch sitzenden 
Fetzen derselben hin- und herbewegte. Die Oeffnung der Arterie an ibrer 
inneren, und theilweise vorderen Wand, von 8 Mm. Länge und 6 Mm. Breite, 
war nach oben zu glatt abgerundet, nach unten etwas schärfer; nach innen 
und nach aussen versehen mit Fetzen der Wandung , von welchen der Rest 
an der äusseren Seite mit voller Basis aufsass, an der inneren nur in der 
Mitte seines Grundes. Nach Entfernung der Gerinnsel aus der pathologischen 
Höhle fand der eingeführte Finger nach innen und unten eine Zuspitzung 
derselben ,- von wo aus eine Sonde leicht in die Rachenhöhlo gelangt, und 
vom Munde aus hinter dem r. Gaumensegel sichtbar wird; nach Durchschnei- 
dang des letzteren, zu besserer Einsicht, erkennt man genau die Perfora- 
tionsstelle. Die Grösse der pathologischen Höhle beträgt in grösster Länge 
6,6 Ctm., in grösster Breite 3,6 Ctm. ; ihre Grenzen sind oben : das an seiner 
unteren Fläche von Weichtheileu und Periost entblösste, rauhe Felsenbein; 
innen: die seitliche Wand des Pharynx, in den von der Höhle aus eine Oeff- 
nung von der Dicke eines Rabenfederkieles führt, nach vorne der Muse pte- 



Znr Ligatur der Arteria Carotis commoniB. 305 

rjgoid. ist und hintere Banch des Mose digastricas, nach hinten die mit ihrer 
Hascolator versehene Wirbelsäale ; frei in dieser IlOhle lag nan die Garot. in- 
terna. Die Wunde an der linken Halsseite war in guter Eiterung; die geöS- 
nete Arterie zeigte keinen Thrombus, weder Über noch unter der Ligatur, auch 
ist die Intima nicht zerrissen; doch war die Geftsswand so stark gefaltet, 
dass Uodurchgängigkeit ohne Zweifel bestanden hat — Die Qbrigen Organe 
zeigen nichts Abnormes, vor Allem die Lungen keine Tifberculose, nur ist 
der Blotgehalt der Tbeile sehr gering; die gesammte Musculatur erscheint 
trocken. Um das Felsenbein noch genauer zu untersuchen, wurde es keil- 
förmig herausgesägt; es zeigte sich, dass die die Mastoid - Zellen ausklei- 
dende Membran abgelöst ist, und die Zellen selbst grossen theils in den cariösen 
Process hineingezogen sind; am weitesten jedoch ist die Zerstörung an der 
unteren Fläche des Felsenbeines vorgeschritten. Die ganze Partie ist nicht 
Dor völlig ihres Periostes beraubt, sondern es bestehen auch Defecte am 
Knochen der Art, dass in dem seiner unteren Wand ganz beraubten Canal. 
caroticus die Garot. int. frei daliegt. — Neben der Garies am Felsenbeine 
existirt eine geringgradige am Siebbeine; das erhaltene Trommelfell ist 
normal 

128) Vor 6 Wochen zeigte sich eine Anschwellung etwas über dem L 
Kieferwinkel, zuerst beim Kauen bemerkbar geworden. Diese, bis Tauben- 
eigrösse gewachsen, nicht mehr verschieblich, schmerzlos, macht die Kau- 
bewegnngen mit. Am 21 Dec. machte Prof. v. Langenbeck die wegen 
der nahen Garotis mühsame Ausschälong ohne besondere Blutung; am fol- 
genden Tage geringe Reaction; am 23. zwang die plötzlich aufgetretene, 
nicht zu stillende Blutung aus der Wunde zur Ligatur der Art Garot. 

130) Ein dreieckiger, seine Basis dem weichen Gaumen zuwendender 
Defect im harten Gaumen blieb nach einem Pistolenschusse zurück. Die 
Bchmerhafte Ablösung am 8. war von starker Blutung begleitet, welche auch 
nach der Operation noch aus der Nase andauerte. Nachdem Pat. sich schon 
etwas erholt hatte, trat am 16. aus dem 1. Seitenschnitte, am 18. ans dem 
r. eine durch Kälte leicht stillbare Blutung ein, während am 19. ans dem 
1. Seitenschnitte eine schwer stillbare sich einstellte, und eine neue am 20. 
Nachts die üaterbindung der Garot. comm. nöthig machte. 

131) Seit dem 25. Oct. fühlt sich P. B. unwohl, hzt am 9. Dec. eine 
schwache Blutung aus Nase und Mund, aus letzterem wieder am 11. Dec.; 
es erscheint eine neue Roseola und Eruption von Furunkeln am 1. Vorder- 
arme; am 12. fehlt die Remission von Puls und Temperatur. 13. Blutung 
von 6—8 Duzen aus 6— 8 Linien langem Einrisse in dem r. Gaumenbogen 
▼ird dnrch die Tamponnade gestillt. 15. Der Einriss bildet den Eingang zn 
einer haselnossgrossen Höhle, deren Wände mit grauem Belag bedeckt sind; 
▼ährend diese Höhl*^ sich vergrössert, erfolgen am 17. und 19. neue Blu- 

V. Lang«ob«ck'i ArehiT für Chirurgio. IX. 20 



306 !>'. C. Pilz, 

tangen. Am 23. trat aber eine so heftife Hftmorrhagie ein, dasa das Blot 
immer durch den Tampon durchsickert, nnd mit jedem Hnstenstosse sich 
die Blutung erneut 

132) Die im Dec. 1864 auftretenden Erscheinungen wurden fftr eine 
Neuralgie des Ram infraorbit. gehalten, bis im März 1865 allseitige Voloms- 
zunähme des Oberkiefers und Verfall der Krftfte die Natur des Leideis er- 
kennen liess. 16. Apr. Reseetion des Oberkiefers, von der Fat. den 9. J&li 
genesen war. Die wegen allm&iig gesteigerter Schlingbeschwerden nnter- 
nommene Uatersuehung im October erkannte als Ursache derselben einen 
von der linken Pharjnxwand ausgegangenen, den grAssten Theil des Schlond- 
kopfes verlegenden Tumor; gleichzeitig zeigten sich die Halsdr&sen iafiltsrirt 
und schmerzhaft Nur um das Schlingen zu erleichtern, wurde so viel als 
möglich von der Neubildung entfernt; der Process schritt jedoch unter Sin- 
ken der Kräfte weiter. Am 14. Dec. fanden zwei starke Blutungen statt; 
B. fand die Person pulslos, einer Leiche gleich; bei Reinigung der hintereD 
Rachen wand sah man das Blut von oben herabfliessen. -- Tamponnade mit 
Liq. Ferr. sesquichl. und Gompression der Carot am Halse, da wahrschein- 
lich die Carot int angefitzt war. — Abds. 11 Uhr eine heftige Blatong, die 
Dr. Petri durch Gompression der Carot gestillt hatte, Pat wieder pnlalos. 
B. glaubte, jetzt die Ligatur nicht länger aufschieben zu dürfen. Am 17. 
Tage etwa war in der Carot ext. schwache Pulsation. Im Januar heftiger 
Ohrenschmerz, mit Ausfluss aus demselben, Verbreitung des Schmerzes über 
die 1 Kopfseite; später stellte sich Erbrechen ein, gefolgt von einem zp^* 
thischen Zustande tind einigen Gonvulsionen. 

133) Die neue Reseetion des N. infraorbit in der Flfigelganmengmbe 
hatte, nach Entfernung der vorderen und hinteren Kieferhöhlenwand, heftige 
Blutung aus der Max int zur Folge, die, Anfangs durch Tamponnade ge- 
stillt, nach 2 Tagen wiedergekehrt, die Ligatur der atheromatösen Carot. 
comm. verlangte. 

134} Seit dem 21. Febr. traten mehrere, bald stärkere, bald schwächere 
Blutungen auf. — B. wollte in Wirklichkeit die Carot int ligiren. — Seit 
dem 28. nimmt das Sehvermögen immer mehr ab, während der Augenspie- 
gel keine Veränderung auffinden lässt. 

134a) K., vom Oesterr. Inf. -Reg. No. 49, erhielt bei Kdniggrätz einen 
Schuss, genau entsprechend dem Foram. infraorbit, die AnsgangsöfiFnung 
lag nach rechts vom Proc. spin. des 2. bis 3. Halswirbels, der Blutverlast 
war gering. Er wurde in das Lazareth nach Görlitz mit einer Abweichung 
des 1. Mundwinkel« nach links oben gebracht Hier erfolgten am 22. Jali 
drei profuse Blutungen aus dem Schusscanale , die auf Compresaion bei- 
der Carotiden stehen. In der Nacht vom 25. zum 26. eine leichte 
Blutung. 



Zar Ligatur d(^r Arteria Carotis commanis. 307 

136) M., Feldwebel im Oesterr. Inf.- Reg. No. 43 war am 3. Jali bei Kff- 
ntggrSlz verwaadet worden. Die Kugel ging auf der linken Seite der Nasen- 
worzel durch das r. Nasenbein in die r. Augenhöhle, nach Zerstörung des 
Auges nach hinten, um unter dem r. Proc. mast auszutreten; Paralyse des N. 
fscial Zugleich bestand eine penetdrende Brustwnnde Aber dem r. Schlflssel- 
beine. Am 19. Juli trat in Jfiterbogk aus dem Ohre eine Blutung auf, die 
sieh von dort her und ans einem unterhalb des Schusscanales eröffneten 
Senkungsabscesse mehrfach wiederholte, in der Stftrke von 6 bis 8 ünsen 
bis zu einer halben WaschschOssel voll; es folgte grosse AnSmie und Fie- 
ber — 130 Pulse. — Nach späterer Mittheilung wurde noch ein Sequester 
ans der Wunde unter dem Ohre entfernt, und Pat gesund entlassen. 

136c) Der Schuss, in die r. Gesichtsseite gegangen, hatte die Ausgangs- 
öffnnng unter dem linken Proc. mast. 

144) Nach 4 Wochen hat der Tumor noch ein Drittel seiner früheren 
Grösse, nach 6 Wochen zeigte er von Neuem Pulsation. 

148) Bei der Untersuchung wurde die Vena jug. wandstfindig unterbunden; 
die Carot. erschien dabei nicht verletzt; 8 Tage später erfolgte die Blutung. 

152) Die Exstirpation des Tumors war nicht mehr möglich ; nach der drit- 
ten Blutung schritt L. zur Ligatur. Die Geftssscheide war von der Neubildung 
noch verschont ; nach der Ligatur wurde so viel als möglich vom Tumor ent- 
fernt, wobei noch die Resection eines Unterkieferstflckes nothwendig wurde. 

154 a) Leider finde ich in meinen Notizen die Quelle des dem Originale 
entnommenen Krankenberichtes nicht notirt. Die blutenden Gefässe wa- 
ren nicht zu finden. Mit der Ligatur stand die Blutung; Pat. verhielt sich 
ruhig; Erscheinungen sind nicht aufgefahri — Am nächsten Morgen gab 
Pat. unvernfinftige Antworten; auf Mittag den 11. stellten sich Delirien ein 
(Digit), bei neuem DeUrium- Anfalle brachte Opium Ruhe aber keinen Schlaf. 
Am 13., Mrgs. 2^ Ohr, wurde Pat. schlechter, und starb ohne besondere Er- 
scheinungen um 5if Dhr. 

155) L. sagt 1832, vor 40 Jahren — Liston macht anderen Ortes 
dieselbe Angabe ~ machte ich die Ligatur der Carot. oomm. bei Nachblu- 
tung, nach Exstirpation der Gland. parot., da Morell bei derselben einen 
hart am Ursprünge abgeschnittenen Arterienstumpf mit einer Ligatur umge- 
ben hatte, die sich Jedoch bald ablöste. 

169) Nach Anderen scheint der Ligaturfaden wieder entfernt worden 
zu sein (Guthrie, Lancet 1850. Vol. 1 p. 109). 

170) Die Stichwunde lag an der Theilungsstelle. Da Compression we- 
gen Kropf an dem kurzen Halse nicht möglich war, so machte S. die Ligatur. 

220) Die profuse Blutung entstand ans ergiebigem Einschnitt in einen 
fongösen Tumor des Halses. Eäne Woche nach der versuchten Exstirpa- 
tion zwang eingetretene Blutung zur Ligatur. 



S08 



Dr. C. Pill, 



U. Ligatiii? bei 



No. 



Operateur 

and 

Datum. 



Literatur. 



il 



Ursache. 



|S '=:S : Aas- 

«'S I ^M I 

Tage , 



221. 



A.Gooper, Lon- 
don. 1. Nov. 



Med.-Ghir. Trans- 
act. Vol. 1. p. 1. 



44j. 
W. 



222. 
223. 

224. 
325. 

226. 
227. 

228. 
229. 

980. 



Bierkön,Schw6 
den.l807.9.0ct. 



A. Gooper, 
1808. 22.Jnn. 



Gline,St.Thom. 

Uospit 1808. 

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Macanlav,Gal- 

cutta. ' 1812. 

16. Dec. 



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New York. Ibid. 

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München. 1814. 

8. Aug. 



Dnpont, 1814. 



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3. Jan. 



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Paris. 1818. 
19. Jan. 



Biblioth.forLaeger. 

1823. Oraefe u. 

Walther, Jonm. 

Bd. 21. S. 405. 
Med.-Ghir. Trans 

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Lond. Med. Rev, 
Vol. 2. p. 96. 

Edinb. Med. and 
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Americ. Med. and 
Philos. Regist Vol 
4. p. 366. 

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des Kropfes. Sulz- 
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Norris: No. 6. 
Vanderhagen, 
These. 1815. 

Med.-Ghir. Trans- 
act. Vol. 11. p. 277. 



LcQons orales de 
Clin. Vol. 2. p.56. 



'S- 

M. 
36j. 



35j. 
M. 



27j. 
M. 

41j. 
M. 



76j, 
W. 



Anenr. Garot. 



5 
Mnt 



lljl t 
12(;21.Tp. 



do. hinter d. Ohre. 



do. Garot. int 



1 
I 

über — jBesae- 
8 I rung. 
Jhr. 



6-7 
Mnt 



do. Garot 



do. Max. int träum, 



do. unter d. Winkel 
d. Unterkiefers. 

do. Garot. ext. träum, 



do. Garot ext 



do. Garot. comm. 



do. Garot. int. 



10 
Mnt 



6 
Mnt 

6 
Mnt 



8 
Jhr. 



16| 
17{ 



18) 
21 



16j 
18 



Heiig, 



t 
4. Tg. 

Heiig. 



Heiig. 



Heiig. 



Heiig. 



t 
71. Ts. 



t 
8. Tg 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communiB. 



309 



A^neTarysmen. 



Besonderes bei der Ligatnr und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Zwei Ligaturen ohne Durchschneidnog d. Gef&sses da- 
zwischen; am 8. Tage Lähmung d. 1. Armes und 
Beines, die sich zurücicbildet; Entzdg. d. Sackes. 



Zwei Ligaturen ohne Durchschneidung d. .Gefässes, 
heftiger Schwindel. Pat. hört wieder, Geisteskräfte 
heben sich — 1823 neues Wachsthuro des pulsiren- 
den Tumors. Das Gehör ist erhalten geblieben. 

Zwei Ligaturen, dazwischen d. Gefäss durchschnitten ; 
d. Pnlsationen erlöschen erst am 50. Tage; Artt. 
fac. und temporal, links pulsiren nicht so stark, 
als rechts. 

12 Stunden dauernde Besserung, dann Husten, er- 
schwertes Athmen, Fieber. 

Als am 15. n. 16. Dec. Blutungen aus einer Punc- 
tionsstelle entstanden, wurden 2 Ligaturen mit 
Durchschneidung d. Gefässes zwischen ihnen an 
d. Carot gelegt; am 4. Tage d. rechte Seite etwas 
schwächer; d. Schwäche geht langsam zurück. 

Zwei Ligaturen mit Dnrcbschneidung des Gefässes; 
mehrfache Erscheinungen, nach 5 Mon. Entzdg. d. 
Sackes mit wiederholten Blutungen. 

Pulsationen dauern im Tumor fort, sind in Artt. tem- 
poral, u. occip. erloschen; erschwertes Athmen, 
Fieber, einige Zuckungen im Gesichte links; den 
25. Aug. hat d. Anenr. dieselbe Grösse, aber 
schwächeren Puls, 1. Apr. ist es pulslos u. fest. 



Das Aneur. wird schmerzhaft, Incision; 27. n. 29. 
Febr. Blutg. aus d. Sacke, die sich den 8. n. 11. 
März wiederholt. 



Schlingbeschwerden, Schmerzen im Rachen; den 26. 
unzusammenhängende Sätze. 27. Athembesch wer- 
den, Husten; 11 ühr \bds. Steifigkeit d. Halses; 
allgemeine Unempfindlich keit. 



Der entzündete Sack enthält Eiter 
u. Blutcoagula. Die EntzUndg. 
geht bis zur Basis cranii, längs 
d. N. vag.; Stimmritze fest ge- 
schlossen, Luftröhre entzfindet, 
Schlnndkopf sehr contrahirt; 
d. Oeffnung d. Kopfhöhle wird 
verweigert. 



Pat. stirbt nach 13 Jahren an 
Apoplexie. Die Circul. arter. 
Will, ist links weiter, als rechts; 
d. Garot comm. gut obliterirt, 
d. Carot. ext. nur am Anfange. 

Die Luftröhre ist durch d. Ge- 
schwulst zur Seite gedrängt. 



Blutung. — Linke Carotis un- 
dnrchgängig, ein Theil d. Lym- 
phe (!) im entzündeten Sacke 
organisirt, d. Blutg. entstand 
aus erweiterten Anastomosen d. 
Tumors. 

Gehirn ganz normal; im Seiten- 
ventrikel blutiges Serum, circa 
4 Dnz.; verbreitete Atherose; an 
d. Ligaturatelle Eiterherd, mit 
Senkung in das Mediast. ant. 



810 



Dr. C. Pill, 



No. 


Operateur 

nnd 

Datum. 


Literatur. 


4 


1 


Ursache. 


Tage 


Attg. 
g*ng. 


231. 


Lyford, 1818. 
30. Oct 


Lond. Med. -Ghir. 
Traosact. Vol. 11. 
p, 97. 


nt 


1. 


do. Garot comm. 


3 

Woh. 


28 


Beilg. 


232. 


Vincent, Bar- 


Lond. Med. Ohir. 


52j. 


r. 


do. Garot. 


8 


22 


+n> 




thol. Hosp. 


Traosact. Vol. 10. 


M. 






Woh. 




34. Tg. 




1818. 19. Dec. 


p. 212. 














233. 


HoUcher, 
1819. 27. Sept, 


Graefe u. Wal- 
ther Journ. Bd.l 
S. 823. 


"i 


r. 


do. Garot. comm. 


im 
Juni 

be- 
merkt 


15 


Heiig. 


284. 


Perry, Glasgow. 
1820. 14. Not. 


Glasgow Med. 


39j. 


r. 


do. Garot. träum. 


1 


13 


Gene- 




Journ. VoL 4. — 


M. 






Jhr. 




sung. 






Med. Times aod 


















Gax. 1842-43. 


















Vol. 1. p. 669. 














285. 


Sykee, 1821. 
20. Juni. 


Ohapman,Pbilad. 
Journ. Iö25. März. 
— Froriep,Notz. 
1824. Febr. S. 270. 


'^ 


r. 


do. Garot. träum. 


8 

Jhr. 


10 


Heiig. 


236. 


Schrader, 


Rnst, Magazin. 


22j. 


L 


do. Garot 


8 


20 


Genes. 




Quedlinburg. 
1820. 14. Nov. 


Bd. 10. S. 517, 


M. 






Jhr. 




ohne 
Erfolg. 


237. 


Vargas, Porto- 


Periöd. de la So- 


^; 


1. 


do. 




__ 


Heiig 




rico. 1823. 


cied. med.-quirürg. 














18. Aug. 


de Gadiz. Vol. 4. 
Julius u. Ger- 
80 n , Magaz. Bd. 
25. S. 409. 














238. 


Gaunit, 1827. 


Arch.gen^r.VoL17. - 
p. 112. 


1. 


do. 


"■" 


— 


Beilg 


239. 


Warren, 1827. 


Host. Med. and 42j. 


1. 


do. 


4 


— 


Heiig 




26. Oct. 


Surg. Journ. VoL 1. 
— NorriSjNo.lö. 


M. 






Jhr. 






2i0. 


Molina, Pavia. 


Annali univers. di 


29j. 


r. 


do. Garot. ext 


— 


21 


Heiig. 




1828. 23. Mai. 


Medic.l828.Setbr. W. 




1 












p. 423. 






1 
1 

1 
i 









Zur Ligatar der Arteria Carotis commniiis. 



311 



Besondere^ bei der Ligatnr und im Verlaufe. 



Todesarsache and Section. 



Nur etwas Husten tritt anf ; ^ Jahr später erfolgt den 
21. Januar geringe BIntg. aus d. Wunde. 

Mit d. Ligat. wird d. Pulsation nur schwächer, ist 
den 21. Dec in d. auf i verminderten Tumor er- 
loschen ; unangenehme Empfindungen im Abdomen 
hören auf mit Fall d. Ligat Den 22. Jan. Athem- u. 
Schlingbeschwerden so stark, dass d. Aneur. eröff- 
net werden muss. 

Mit Ligat. ein Gefühl von Taubheit d. r. Kopfseite, 
das sich Abds. mindert, am 3. Tage vergangen ist; 
sogleich fiel d. Tumor zusammen, d. Pulsationen 
erloschen, sind am 8. Tage schwach in d. bisher 
andauernd sich verkleinernden Tumor wiedergekehrt, 
ebenso in d. r. Art. temporal. : d. aneur. Sack wird 
grösser, fluctuirend ohne Puisat. Den 20. Oct ist 
r. ein haselnussgrosser Knoten an Stelle d. Aneur. 

Uiater d. Kieferwinkel eine schmerzhafte Stelle seit 
2 Jahren, die später eiterte, neben welcher sich ein 
polsirender Tumor in 12 Monaten bildete, und eine 
arterielle Blutg. lieferte ; 45 Tage nach d. Ligatur 
e'me leicht zu stillende Blutg. Details fehlen. 

Zwei Ligatt. von Darmsaiten mit Dnrchschneidung d. 
Gefässes; den 14. Tag von Neuem Pnlsat, die nach 
6 Mon. nicht mehr besteht. — Grisp.: Nach 1 
Jahre ganz gesund. 

Mit d. Ligat. hören auf d. Pulsat im Tumor, d. Schmer- 
zen im Kopfe u. Gesichte; auf Augenblicke erbleicht 
d. L Seite d. Gesichtes u. ihre Temperatur ist nie- 
driger. Nach 10 Mon. d. alte Zustand; drflckt Pat 
auf d. r. Carot., so tritt Bewusstlosigkeit ein. 

Abds. Erbrechen, leise Stimme, keine Pulsat im Tu- 
mor; Pat ist im nächsten Jahre noch ganz gesund. 



Nur unter d. Ligat ein fester 
Thrombus; fiber ihr ist d. Ge- 
fäss offen; Luftblasen an d. In- 
nenwand d. erweiterten Aorta 
u. grossen Ge^se, auch unter 
d. Arachnoid. 



Die Palsationen dauern noch mehrere Wochen fort. 



Scarpa^s Methode, Mit d. Ligat hört d. Puls auf 
in a. Max. ext. u. Temporal. Ohnmacht, 1 Minute 
Kälte d. Gesichtes, Blässe desselben r.; leicht vor- 
übergehende Störung d. r. Auges, Schlingbeschwer- 
den u. Husten bis zum 4. Tage. 3 Monate nach 
d. Operat sind d. Geisteskräfte gut, kein Schwin- 
del mehr; r. Art. radial, voller, dagegen r. Tempo- 
ral und Facial. schwächer, als links. 



312 



Dr. 0. Pilz, 



"""" 






^ 


51 1 


•Oei -6^ 






Operateur 




Sä « 


1 




Aos- 


No. 


nnd 
Datum. 


Literatur. 


^1 

5 


s 


Ursache. 


"Tag*. 


gMg 


241. 


Maurin, Ver 


Ret. m^d. 1829. Oet 


'V: 


1. 


do. Garot. träum. 


' 1 [9. d. 


Heiig 




sailles. 1828. 


p. 53. — Med. and 
Phjsical Journal. 






Mnt ober. 






20. Nov. 
















1830.Vol.63.p.l28. 








1 




242. 


Porter, Dublin. 


Dublin HoBp. re- 


40j. 


r. 


do. Garot. int 


15 


Erfol 




1829. 21. Aug. 


ports. Vol. 5. u. 
Dubl. Journ. Vol. 


w. 






Jhr. 


























17. p. 79. 














243a 


Ohiari, 1829. 
16. Jun. 


Filiatre Sebezio 3. 
An. 2. fasc — 
Ghassaignac, 
Traitä des Op^rat. 
p. 334. 


"i 


1. 


do. Vertebr. träum. 






t 


243. 


Vincent, 1829. 


Lancet. 1828 — 29. 


48j 


r. 


do. unter dem Ohre. 


7 


^ 


+ 




18. Jul. 


Vol. 2. p. 570. 


H. 






Mnt 




6.T1 


244. 


C. Walther, . 


J. G. W. Walther, 


■'2- 


1. 


do. Garot 


_ 


13 


Heilg 




1830. 6. Mai. 


Dissert de ligat. 
















Garot. comm. Lip- 


















siae. 1831. 














246. 


Green, Dublin. 


Dublin qnaiterly 


mj. 


r. 


do. Garot. (an der 


fast 


21 


IBesse 




1831. 15. April 


Journ. Vol.l7.p.92. 




Theilungsstelle). 


4 
Mnt 


. rooe- 


246. 


Dehane, 1832. 


Amer. Journ. of 


'S- 


r. 


do. Garot träum. 


- 1 11 .Heilg. 




20. Jan. 


med. sc. Vol. 10. 














p. 496. und Med. 
Times and Gaz. 
























' 






Vol. 10. p. 34. 












247. 


J. Gusack, 


Dublin quartorlj 


20j. 


1. 


do. 


8-9 


Wim 




Dublin. 1832. 


Journ. 1847. Fbr. 


M. 






Jhr. 


i 




22. März. 


p. 262. 












248. 


Benedict, 


B., Klinische Bei- 


'«■ 


r 


do. Garot 


18 


14 leei* 




Breslau. 1833. 


träge aus d. Ge- 






Mnt 


1 




24. Jan. 


biete d. Wundarz- 
neikuostu.Aui^en- 
heilkd. S. 22. 










: 1 
1 


249. 


Syme, Edinbg. 


Bdinburgh Journ 


43j. 


r. 


do. Garot träum. 


7 


21 Hcill 


1 

i 


1«35. 18. Febr 


1835. Vol 44. p. 9. 


M. 

1 






Weh. 




i 



Zur Ligatur der Arteria Garotie commanis. 



313 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



Todesursache und Sevtion. 



Zwei 1 Zoll entfernte Ligat. mit Durchschneidung d. 
Gefässes. 4 Std. später untere Extremit&t kalt, 
Druck im fipigastr. Schmerz im 1 Arme, nach 7 
Std. Husten; am 22. 1. Temporal, pulsirend. 
Sogleich erlischt Puls im Tumor. 2 Std. später Fie- 
ber; 4 Std. später Puls im Aneur.; am 2. Tage 
nimmt dasselbe zu, wird schmerzhaft, eröffnet sich; 
eine eingetretene Blutung wird gestillt. 
Pat. durch ein schneidendes Instrument am 15. Apr. 
▼erletzt; d. Wunde war nach 6 Tagen geheilt, aber 
nach 12 Tg. bestand ein pulsirender Tumor, der 
langsam wuchs. — Die Pulsat blieben bis zum 27., 
Schlingbeschwerden, Druck im Epigistr.; später 
Seitenstechen, Schwindel. 
Sogleich schwand Puls im Aneur. 1^ Std. nach d. 
Ligat. Zuckungen im Gesichte r., Lähmung d. 1. 
Seite; nnwillkfirliche Entleernngen, Stupor. 
Bei Schlnss d. Ligat. heftiger Schmerz, fast ohnmäch- 
tig; Puls aussetzend, Temperatur des Gesichtes n. 
Kopfes links herabgesetzt, war am 13. Tage aus- 
geglichen,, d. Stimme damals noch nicht wieder 
klangvoll; Schwindel u. Kopfschmerz bestand einige 
Zeit. 1. Tag heftiger Husten, 4. Tag. Tumor klei- 
ner, pulslos. 5 Tag in 1. Temporal, schwache Pnl- 
sation, ebenso nach 3 Wochen in Artt. occipit. u. 
auricuL post. 
bgleich wird der Tumor sehr verkleinert, d. Pulsat. 
sehr gemindert, und ist nach 1 Std erloschen (Por- 
ter zweifelt daran). 5 Tage später ist wieder deut- 
licher Pub im Aneur. 

[it d. Ligat wird d. Geschwulst kälter, blasser, ist 
Abds. von normaler Farbe u. Temperat. Erschei- 
nungen treten nicht auf, d. Puls ist im Tumor ge- 
schwunden. 

ach Ligat. yiel Schlaf^ dies schwand mit Nasenblu- 
ten am 26. Abds.; 22. Stechen im Halse, d. 
polslose Tumor ist kleiner, am 2. Tg. Bruststechen. 
— Bei d. Operation war die Pleura zu Gesichte 
gekommen. 

ils im Tumor, mit d. Ligat erloschen, wurde nach 
3 Std. wieder bemerkt, erschien am 6. Tage als 
leises Zittern, war am 7. Tg. erloschen; mit Ligat 
schnell Torfibergehende Röthung des Gesichtes; 
starke Kopfsehmerzen. 

e in Folge des Aneur. bestehenden Kopfschmerzen 
irlöschea mit d. Ligat, welche gar keine Erschei- 
inngen liefert; der pnlslos gewordene Tumor wird 
logleieh kleiner. 



Gehirn r. weicher; im 1. Seiten - 
Ventrikel 4 I3uz. FlQssigkeit; 
nirgend ein Blutextravasat 



314 



Dr. C. Pils, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


i{ 


j 


Ursache. 


|| g| Aus- 


250. 


Marcbai, 1835. 
19. Jun. 


Joum. hebd. VoL 4. 
-Norrie, No. 25. 


7 


L 


Aneur. 


2 

Mnt 


— 


t 
6. Tg. 


251. 
252. 


Randolpb, 

1836. 
Robertsen, 

1837. 


Pennsylf ania Hosp. 

Norris, No. 26. 
Dubl. quart. Journ. 

VoL 12. p. 335. 




r. 
r. 


Varix. aneur. 
Aneur. Garot. träum. 


2 

Mnt 


17 


t 

I.Tg. 
Heiig. 


253. 


Porter, Dublin. 
1838. 22. Aug. 


Dubl. quart. Journ. 
VoL 17. p. 86. 


'S; 


L 


do. träum 


5 

Weh. 


15 


t 51. 
Tg. 


254. 
255. 


Lauda, 1838. 

Döc^B, Rheims. 
1839. 25. Febr. 


Schmidt, Jahrbb. 

Bd. 30. S. 371. 
Ga«. des Höpit. 

1856. p. 266. 




l. 
r. 


do. 
do. 


fast 

1 

Jhr. 


15 


Heiig. 

Oboe 
Erfolg. 


256. 
257. 
258. 


• 

Porta, Pavia. 

1839. 12. Mai. 

B. Gooper, 
Guys Hospit. 

1840. 7. Apr. 
Kluyskens, 

1840. 5. Aug. 


Delle alter. pathoL 
delle Art per la 
ligat. etc p. 32. 

Guy's Hospit. Re- 
]forts.l841.No.l3. 

Fraeys, Anna- 
les de la Soci^te 
de M^d. de Gand. 
— Chassaignac, 
Trait4 des opörat. 
p. 329. 


1?; 


r. 

1. 


Aneur. 
do. träum, 
do. Vertebr. 


12 
Mnt. 

▼er- 
letzt 
den 
3- 
MaL 


SB 
22 


Beilg. 
indcft 

1 


259. 


Surrage, 1840. 
28. Oct 


Lond. Med. Gazette. 
Vol. 28. p. 392. 


1 


L 


do. Max. int. 


— 


- jHeill 

1 


260. 


Key (Growse), 
184l. 9. Sept. 


Prov. Med. and 
Surg. Joum. 1842. 
2.Apr. Schmidt, 
Jahrbb. Bd. 41. 
S. 76. 


■S»; 


r. 


do. Garot. 


— 


81 


iHe>H 


261. 


Liston, 1841. 
21. Oct. 


Lancet. 1841—42. 
VoL 1. p. 104 u. 
p. 275. 


ät 


r. 


do. fiüsum. 


2 
Mnt 




.\ 



Zur Ugatar der Arteria Carotis communis. 



315 



Besonderes bei der Ligatur nnd im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



hs für einen Abscess gehaltene Aneur. wird incidirt, 
heftige Blutungen ; d. Ligat. d. Garot. ext. erfolg- 
los, deshalb die d. Garot. comm.; am 2. Tage Gon- 
TolsioDen. 

Coma in derselben Nacht. 

in 2. Tsge Puls in d. Zweigen d. Garot. ext, der 
mit d Ligat geschwunden war; nach 17 Tagen. 
Tomor nicht mehr zu sehen. 

beb d. Ligat sind d. Pulsatt, im vericleinerten Tumor 
iweifelhaft, den 17. Tag EntzQndg. d. Sackes; 27. 
Sept. Incision desselben; 30. Blutg. aus d. Wunde; 
wiederholt sich. 

) Ligaturen ohne Durchschneidung d. Gefässes; Nei- 
gung zum Schlafen, Heiserkeit ; Temperat. 1. geringer. 

Die Palsatt hören auf mit d. Ligat; sind d. 8. März 
wieder in dem seit dem 2. gewachsenen Tumor; 
Schmerzen im Pharynx, Aneur. u. Kopfe; unruhiges 
Anssehen, Puls frequent, bald trockener Husten; 
SUD nächsten Morgen dieses Alles wergangen ; dann 
Fieber, Delirium in d. 2. Nacht; Besserung. 8. Puls 
im Aoear. wiedergekehrt. 

t'igatDr mit Darmsaite aasgef&hrt, die nicht wieder- 
gefnuden wird; Details fehlen. 

Das Gesicht wird blase; Oeffihl allgemeiner Völle im 

Kopfe; Zusammenschnüren d. Kehle, ziegenähnliche 

Stimme; Pulsat erlischt im Aneur. 
Die Gompression d. Garot. hatte die Erscheinungen 

gehoben; d. Ligat liess sie bestehen. 6. bald 

schwindende Schlingbeschwerden. 



Kit d. Ligat wird d. Aneur. kleiner u. pulslos. Den 
31. Abds. arterielle Blutg., dann wächst d. Tumor mit 
deatlichen Pulsatt, bis 3. Nov. ; Fieber, Vereiterung 
i Sackes. 

Ibne Erscheinungen. 



Gehirncongcstion. 



Blutung. - Sect nicht gestattet 



Pat starb 1844, 22. Dec., an 
Blutg. ans d. Sacke; Sect nicht 
gestattet; wahrscheinlich Aneur. 
Vertebr. 



^' Schlingen u. Sprechen besser. 
Aneur., kehrt öfter wieder. 



30« Blutg. aus d. 



Blutung. 



316 



Dr. 0. Pil», 



No. 



Operatear 

und 

Datum. 



Lit^ntnr. 



.1 



Ursache. 



ja • 



-a ■ gang. 



Tag«. 



262. 

263. 

264. 

265. 
266. 
267. 

268. 

269. 

270. 

271. 
272. 

273. 



Sjme, Bdinbg, 
1812. April. 



Johnson, 1842. 
22. Jan. 



Mettauer, 
1842. 12. Mai. 



Fairfax, Alex- 
andria. 1842. 
18. Jol. 

Hanter, 1843. 
3. Aug. 

Dancan, 1843. 
25. Dec. 



Y. Balassa, 
Pesth. 1844. 
22. Febr. 

Rom pani, 1844. 
30. Oct. 



Karatscha- 
roff, Seme- 
now'sches Hoap. 
1844. 

White, 1845. 
28. Ang. 

y.Langenbeck, 
1845. 



Lerylier, 
Nancy. 1846. 



Lond. and Bdinb 
Monthly Journal 
of med. ftc. 1842. 

S. 964. -- Annal. 
e la Chirurg 
Vol7.p.251.1843. 
Lond. Med. Gas. 
1841-42. Vol. 2. 
p. 57. 

Amer.Joum. of med. 
sc. 1849. Oct 
p. 349. 

Dublin quartJourn, 
Vol 24. p. 522. 

Provincial Med. and 

Sarg. Joum. 1849. 

p. 579. 
Efdinb. Med. and 

Surg. Journ. 1844. 

Vol. 62. p. 117. 



60j 



BriefL Mitth. 
Prof. Gurlt. 



an 



Monteiro, Ab- 
handl. fiber seltene 
Ligaturf&lle. — 
Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 77. S. 236. 

Med. Zeitg. Russ- 
lands. 1846. S. 39. 



7. 



29j. 
M. 



''J: 



littl. 
Alt. 
W. 

30j. 
W. 



'S- 



Lancet 1846. 
1. p. 149. 



Vol 



PerRÖnl. Mittheilg. 



Archives g^nör. de 
M4d. 1846. 4. Sör. 
Vol. 11. p. 469. 



'S: 



64i 1 



1i: 



do. Carot. int. 

do. spont. 

do. Carot. int. träum. 

Aneur. 

do. am Gaumen. 

do. Carot. 

do. Carot 

do. 

do. 

do. 
do. träum. (Schuss). 

do. Carot 



5 
Mnt 



5 

Weh. 



20 



8i 
Jhr. 



t 
äOStd. 



22 Heiig. 



t 
12. Tg 



- t 

' &.Tg- 

- t 
|4.Tg. 

25 I t 
'16. Tg. 



18 'Heüg. 



1 t 
'20. Tg. 



lHeilg.1 



3 
Mnt 

14 
Tg. 



10 iHeüg 



— iHeiii 



I2M 



Zar Ligatar der Arteria Carotis commnms. 



317 



Besonderes bei der LigatDr und im Verlanfe. 



Todesursache und Section. 



Blässe d. Gesichte»; Schmerzen im Nacken n. Tumor; 
Am folgenden Morgen Erbrechen a. Diarrhoe; Coi- 
lapsus/ (S. macht den Ausgang unabhängig von d. 
Ligator). 



Abds. Blatag aus d. Wunde; Puls im Anenr. leise 
fahlbar; Sensation im Epieastrium bis zum 24.; 
15. MSrz kleiner, pulsloser Knoten. Art. temporal, 
r. pulsirt stärker, als links. 

Hit d. Ligat Schauem, Debelkeit; 11 Std. nachher 
Frösteln, Geist geschwächt, 1. Hemiplegie. 2. Tag 
Delirium, Hosten, Fieber, Singultus. Goroa. 

1 Stande nach d. Operat r.-seitige Lähmung ; geistige 
Fanctionen sind gut; Details fehlen. 

Details fehlen. 

Hochgradige DjspnoS verlangte d. Traeheotomie; da- 
bei zugleich d. Ligat. Den 8. Jan. Blutg. 9. Flac- 
taatioD d. Sackes, Blutg. aus Mund u. Wunde. 

Zang's Methode; mit Ligat Betäubung, ohnmacht- 
artige Anwandlungen, Parese, dann Paralyse d. r. 
Seite; r Pupille erweitert. Athembeschwerden u. 
Husten. 

Das Anenr. vermindert sich ; starke Reaction, den 16. 
Tag zwei kleine Blutungen, die am 19. stark auf- 
treten. 



Sogleich erlosch Pulsat. im Aneur., das in Eiterung 
aberging u. incidirt werden musste. 



im 6. Tage eine kleine Blutg. aus d. Wunde, eben so 
am 10. u. 11. Tage; im Dec. zeigt d. Aneur. % sei* 
ner früheren Grösse. 

Srst mit Zunahme d. Geschwulst stellte sich Pulsat 
ein; nach d. Gperat. klagt Pat. fiber Leere im 
Kopfe; d. Geistesfunctionen gehen scheinbar lang- 
sam von Statten, sind später ganz normal. 

Während d. Operat ein suffocatorischer Anfall, Ohn- 
macht; sogleich hOrte d. Pulsat auf, d. bisher be- 
standenen suffocator. Anfälle kehren nicht wieder; 
Schlingbeschwerden durch 10 Tage. 11. Tag l.-sei- 
tige Hemiplegie mit Herabsetzung d. Sensibilität 
12. Coma. 



Gehirn normal; Ligat liegt gut 



Meningen blass; r. Hemisph. giebt 
fluctuirendes GefShl, r. Klein- 
hirn auch erweicht; alle Arter. 
normal; 2 gute Thromben. 

Erschöpfung. 



Wunde in ihrer Umgebung gut, 
2 gute Thromben, 

Blutung. — Eröffnung d. Aneur. 
in d Pharynx; Loch in d. Garot 
an d. Theilungsstelle; kleiner 
Thrombus unter d. Ligat 



Zwei aneur. Säcke, der Oarot. dx. 
. Innom. angehörend. 



Die Section ist nicht gestattet; 
d. Ligat hatte sich noch nicht 
gelöst 



318 



Dr. C. Pil«. 









^ 


s' 


-6 ^ 


^ »: 


No. 


Operateur 

nnd 
Datum. 


Literatur. 




1 


Ursache. 


II 


53 gang- 








o 


M 




Tage. 1 


374. 


Duke, 1847. 


Med. Press. 1844.- 


32j. 


r. 


do. traom 


1 


17 


t 




11. Jun. 


Lancet. 1848. Yol. 
l.p.233.u.MoDthl. 
RetrospectofMed. 
Sc. 1848. p. 43. 


M. 






Jhr. 




Bnde 
d. 5. 
Weh. 


275. 


Barrier, Lyon. 
1847 (?) 3 Nov. 


Journ. de M6d. de 


30j. 


1. 


do. Temporal, träum. 


.1— 


13 


Heiig. 




Lyon. — Gaz. 


W. 
















med. 1848 p, 774. 














276. 


Wood,NewYork. 


Schmidt, Jahrbb. 


1?; 


r. 


do. Garot. ext. 


— 


t3 


Heiig 




1847. 6. Dec: 


1859. Bd. 98. S. 76. 




• 








277. 


Fox, 1848. 21. 


Amer. Journ. of 


*1^ 


r. 


do. spur. 


.... 


20 


Hetig. 




Oct. 


med. sc. 1849. Oct 
















p. 381. 














278. 


G. Bück, 1848. 
5. Jal. 


Americ. Journ. of 
med.sc. 1856. Jan. 
p. 267. 


30^. 


r. 


4 

do. traura. 


— 


11 
12 


Hellg 


279. 


Hewaon, Lin- 
coln. 1860. 19. 
JuL 

Döces, Rheims. 


Association Medical 
Journ. 1854. p. 5 76. 


'H: 


L 


do. Garot ext 

t 


— 


29 


Heiig 


280. 


Gaz. des Höpit. 


"J: 


r. 


do. träum. 


104 


IB 


Heiig 




1860. 2. Sept. 


1856. p. 266. 






Jhr. 






281. 


HodgBon, cit. 
1850. 


H., Treatise of the 
diseases of the art 
and veins. p. 329. 


W. 


— 


do. träum. 


14 


14 


Heiig 


282. 


Goß, 1851. 11. 


AsBOC. Journ. 1858. 


I»; 


1. 


do. Garot tranm. 


5 


33 


Heild 




Dec. 


Nov. - B?e, Col- 






Mnt. 










lect of remark. 


















casesinSurg.1857. 














288. 


Dropsy u.Bur- 
notte, 1^52. 
Jun. 


Annales m^d. de la 
Flandre occid. — 
Gaz. m^d. 1856. 
p. 229, 


^- 


1. 


do. Garot 


1 
Jhr. 


18 


H«k 



Zar Ligatur der ArUria Oarotis commanis. 



319 



Besonderes bei der Ligator nnd im Verlaufe. 



Todesursache UDd Section. 



Puls schwand för immer ans dem sogleich fester ge- 
wordenea Tnmor, 4 Tage lang d. früheren hefti- 
gen Schlingbeschwerden; Stimme schwftcher, wird 
bald normal; nach Excess plötzlich Blntg. ans Nase 
Dnd Mund. 

Schlingbeschwerden u. Stimmlosigkeit am 3. Tage ge- 
schwunden; am 13. Tage ist d. pulslose Tumor 
sehr verkleinert. 

Ligatar d. Carot. ext u. comm. : Pulsationen erlöschen, 
d. Tumor fällt zusammen^ und ist im Jan. 1849 kaum 
noch zu sehen. 

Hit d. Ligat wird d. r. Pupille verengt; sie verblieb 
€8; r.-seitiger Kopfschmerz mit eigenthflml. GefQhle 
in demselben; d. Pnlsat hören sogleich auf, kehren 
zm 9. Tage wieder, sind nach 23. Tagen erloschen. 
Den 4. Tag n. die folgenden Schmerzen im Tomoi, 
der seit dem 6. Not. sich wieder stärker verklei- 
nert; im JuL 1S49 ist keine Spur d. Aneur. vor- 
banden. 

Ligatur d. Artt Carot u. int Die hinter d. Kiefer- 
winkel gelegene Wunde wurde vereinigt; am fol- 
genden Tage bestand schon ein Aneur., aus dem 
starke Blatug zur Ligat zwang. Beim ersten Ver- 
snche, d. Unterbindungsnadel herumzufflhren, be- 
kommt Pat. etwa 5 Min. lang stertoröses Athmen 
a. Zuckungen ; d. zweite Versuch hat keine Folgen. 
5. Auß r.-seitiger Kopfschmerz, Blutung aus der 
Nase; 26. nie wiederkehrende Blotg. aus d. Wunde. 

Chloroform; ohne Erscheinungen. 23. plötzliche Ver- 
kleinerung; 28. u. 29. Blutg. aus d. Wunde. 

Scarpa\-> Methode; Puls verschwindet sogleich aus 
dem kleiner werdenden Tumor, wie die bestehen- 
den Kopfschmerzen. 1. Oct wieder Pnlsat. durch 
3 Monate hin, die aber in d. Zweigen d Carot. ext 
erloschen ist; nach 18 Monaten auch jene Palsat 
geschwunden. 

Zwei dicht aneinander liegende Ligaturen; d. Melan- 
cholie bleibt uDgeftndert 



Blässe d. Gerichtes ; r. Auge schwächer, Neigung zur 
Ohumacht; einige Stunden später ist d. Tumor 
rechts » ^. Nach 2^ Mon. wird aus der pulslosen, 
flnctuirenden Stelle etwas Blut entleert, nach 2 
Jahren noch etwas Eiterung; 1865 keine Spur des 
Aneurysma. 



Blutung. - Die Section 
verweigert. 



320 



Dr. 0. Pjla, 



No 



Operateur 

und 
Datum. 



Literatur. 



^1 



Ursache. 



Tage. 



Aus- 
gang. 



884. 



285. 



Benoit, 1852. 
29. Sept. 

Solly, Thomas 
Hosp. 1853. 22. 
Oct 



Gaz. des Hdpit. 
185.1 p. 23. 

Lancet. 1853. Yol 2. 
p. 566. n. 1854. 
Vol. 1. p. 91. 



54 



286. 



287. 



288. 



Ballingal, 
Ostind. Samset- 
jee - Jejeebboj- 
Hosp. 1854. 17. 
Aug. 

W. S. Olarke, 
Huddersfield In- 
firmary. 1855. 
25. Jul. 

Norrie, Phila 
delphia. 1855. 
8. Nov. 



Transact. of Med. 
Soc. at Bombay. 
1853-54. p. 282. 



Lancet. 1855. Vol. 2. 
p. 165. 



Americ Joum.N.S 
62. Apr. 1856. 
p. 396. 



289. 
290. 

291. 
292. 



South, Thomas 
Hospit. 1856. 
5. Jul. 

Hobart, North. 
Infirm. Cork. 
1837. 3. Sept 

Schort, Ostind. 
1857. 5. Nov. 



Syme, Edinbg. 
1859. 17. Jun. 



Lond. Med. Times 
and Gaz. 1856. 
Vol. 9. Aug. p 441 

Lond. Med Times 
and Gaz. 1860. 
Vol. 1. p. 64. 

Indiau Aunals of 
Med. Soc. No. 15 
p. 269. 

S*. Observat. in cli- 
nical Surg. p. 154 



*/ 



60 j. 
M. 



30 i. 
M. 



35j. 
M. 



46). 



48j. 
M. 



M. 



"i 



20j. 



do Art. facial. 



do. Carot. and.Thei- 
lungsstelle. 



Ober 

1 

Mnt 



do. Garot. 



do. Garot. 



18 
Mnt. 

be- 
mkt. 

seit 

6 

Mnt. 



do. Carot. träum. 



do. Garot. ext. 



do. Garot. tranm. 



do. Garot. exi 



do. Carot. träum. 



Heils. 



t 29 
Tg. 



134 



Heiig. 



Heiig 



t 
S4.Tg. 



▼or6 
Mut 
▼er- 
letzt 

8 
Jhr. 

7 

Weh. 



t 

8, Tg 
13 Heiig. 



11 



10 



Heiig 



Heiig. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis commanis. 



321 



Besonderes bei der Ligatur und im Yerlanfe. 



Todesursache und Section. 



Compression d. Carot. hob nur d. Palsat. aof ; änderte 
Dicht d. Grösse d. Tumors. 28. Oct. Electropnnc- 
tar ohne Erfolg. 

Sogleich sank d. pnlslos gewordene Tumor zusam- 
men. 28. wieder Pnlsat bis zum 8. Nov. 14. Saffo- 
cation; Eröffnung d. Sackes. 15. Athembeschwer- 
den, 17. Blatangen, Paralyse d. L Armes. Singnltus. 



Reichliches Serum an d. Gehirn* 
oberflftche n. in d. Seitenventri- 
kein ; in d. r. Hemisphäre, nahe 
d Oberfläche, 2 Abscesse; einer 
im mittleren Lappen. Atherose 
d. Arter.; unter d. Ligat ein 
fester Thrombus. Garot. ext. 
offen, ein kleines Anenr. an d. 
1. Garot. — Ghron. Bronchial- 
Gatarrh. 



Chloroform ; Pnlsat. schwindet sogleich, n. Gesicht n. 
Gehör bessert sich; Anfangs Gefühl von Taubheit 
1 1. Armes n. Beines. 15. Sept. d. Tumor wächst, 
fluetuirt 17. Function — Eiter n. GerinnseL — 26. 
profuse BIntg. aus d. Wunde, kehrt nicht wieder. 

Chloroform; keine Erscheinungen angegeben; später 
ist d. Terkleinerte Tumor fest 



Pulaat schwindet, kurz dauernde, schwache Gonvul- 
sionen folgen d. Operation. 4. Dec. Gonvulsionen, 
Schling- u. Athembesch werden, Bewusstsein ge- 
trfibt, 1. Aage geröthet, dann Ruhe bis 6. Dec. 



Nach d. Ligatur partielle Paralyse. ~ Einfache Notiz. 



8. wieder Pnlsat 18. Tumor plötzlich doppelt so 
gross. Suffocation, Eröffnung d. Sackes, Blntg., 
später noch 3 Blutungen, die durch Ligatur eines 
Gefässea gestillt werden. 

Etwas Kopfschmerzen. 14. wieder Pulsat. 16 ist d. 
Tumor pulslos, ca. 4 so gross 

AntyllDs' Methode. 



». LanK«fib«<>k , Arohiv (. Chirurf^ie. IX 



Der Sack zeigt 3 Oeffnnn^en: 
d. p^ipherische d. Vena jug., 
d. peripherische u. centrale d. 
Art. occip ; 2 gute Thromben 
in d. Garot; d. Ligat lose im 
Eiter liegend. Die obere n. vor- 
dere Partie d. 1. Hemisphäre n. 
d. hintere d. rechten ^anz er- 
weicht Die Vena jug. ist cen- 
tral thromb., sie selbst doppelt 



il 



322 



Dr. C. PiU, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. || | Ursache. 


Bestehen d. 

1 Verlctig. 


i 1 ! Aus- 
5^ gang. 






ö i«i 




Tage- 1 


293. 


Delore, Lyon. 


Gaz. des Höpit. 63 j. 


_ 


do. Carot. 




6 


1 
30 i t 




1860. 31. Jan. 


1860. p. 461. 


M 








Mnt. 
be- 
mkt 


|49. T;: 

1 
i 
1 

1 


294. 


Holt, Westmin- 
ßter Hosp. 1860. 
20. Nov. 


Lancet. 1861. Voll, 
p. 560. 


'2 


r. 


do. 




seit 
Spt. 


1 
16 Heil?. 


295 


R. Knagges, 
Trinidad Colo- 


Lond. Med. Times 


I5j 


r. 


do. Carot. 


comm. 


. 


34 ! t 




and Gaz. 1863. 


W. 




träum. 






44. T? 




nial Hospit. 


Vol. 2. p. 8. 












[ 




1863. 16. Jun. 














( 


29(3. 


Spence, Edin- 


Brief!. Mittheilg. an 


H. 


r. 


do. Carot. 




35. 


- t 




bürg. 1865. 


Prof. Gurlt. 










Tg. 




19. Tf 




25. Jul. 


' 










be- 
mkt. 






297. 


Lficke, Bern. 


Archiv, für klin. 


•iöj. 


1. 


do. Vertebr. 


trauni. 


— 


11 


t 




1865. 4. Aug. 


Ghirurg. Bd. 8. 


M, 




(angen Carot). 






25. Tg 






Hft. 1. S. 78. 
















298. 


Vanzetti, Pa- 


Bnefl. Mittheilg. an 


GOj. 




do. Carot. diffus. 






t 




dua. 1865. 


Prof. Gurlt. 


U. 












8.T. 


299. 


Z. de Gastro, 


Gaz. möd. d'Orient. 


31j. 


^ 


do. Carot 




seit 


26 


t 




GoDstantinopel. 


1864. p. 166. 


H. 








15 
Mnt. 




43. T? 


300. 


Cattolica. 


n Severino. 1836. 
-Gaz. med. 1836. 
p. 425. 


M. 


1. 


do. Vertebr. 


träum. 


— 


— 


ohne 
Erfolg 


301. 


Ghapel, Saint- 
Malo. 


Lancet.l852.Vol.2. 
p. 509. u. Arch. 
gönör. 4. Sör. 
Vol. 17. p. 355. 






do. Carot. 








+ 
4.T^ 


802. 


Freysc a. Bo- 


ElSigloMed. 1862. 


— 


— 


do. beider Carot. 1 


— 





Ueii^. 




tana. 


- Schmidt, 
Jabrbb. Biblio- 
graph. 1862. 
Lona. Med. Times 














de; 

einen 


303. 


Hnnter. 


^; 


r. 


do. Carot comm. 





^^^ 


Hcik 






and Gaz. VoL 31. 


















— Orisp, S. 281. 




















Mo. 446. 

















Zur Ligatur der Arteria Carotis communis. 



323 



Besonderes .bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Die Pulsat. kehrt Abends wieder. 7. Febr Schling- 
u. Athembesch werden geschwunden; 8. d. Anenr. 
pnUlos; nach Erkältung wird d. Tumor grösser u 
schmerzhaft, Angina, Bronchitis; vor d. Tode 5 Mi- 
nuten anhaltendes Bluterbrechen. 



Cblorof.; t^2. Kopfschmerz r. ; 24. Urin verhaltung. G.Dec 
Aneur. fester, kleiner, pulslos. 5. Jan. Husten, 
Schwellung am Halse r. 8 Eiter u. Blut aus dem 
Sacke. 4 Std. später Blutg. 10. Fröste, Tumor 
wächst. Abscessirung am Halse. 

Abtrennung d M. sternocleid , d. Tamor wird nicht 
kleiner, aber schlaffer, Suppnration d. Sackes. 



Ghlorof. ; sogleich erlischt d. Pulsat. im härter gewor- 
denen Tumor, tritt aber bald wieder ein; 2. Tag 
Iluäten, 3. Schmerzen in d. Seite; 12. Tag Blutg. 
ans d. Wnode, die wiederkehrt. 

Die Compression d. Arter. hatte d. Pulsat. schwächer 
werden lassea, d. Ligat. war ohne jeden Erfolg; 
keine Hiroerscheinun^en ; später Inj ection von Liq. 
Ferr. sesquicbL, neue Blutg; Eröffnung d Sackes: 
Oefäss zu unterbinden unmöglich. 23. r. Hemiple- 
gie bemerkt. * Goma. 

Da« Aneurysma reichte vom Unterkieferrande bis zum 
SchlQaselbeine; triangulärer Lappenschnitt, Ligat. 
1 Gtm vom Ursprünge; leichte (?) Hirnerscheing.; 
keine Blutg. 

Erscheinoogeo folgen d. Ligat. nicht; nach 3 Tagen 
nimmt d. Anenr. zu. Einstich schafft Erleichterung, 
heftige Blutg. Spaltung d. Sackes n. Ligat. d. blu- 
tenden Carot. ext. 

Der Tumor pulsirt weiter. 



Alle Zeichen der Gehirnerweichung. 



Ligatur einer Carotis. 



Innere Blutang. — An d. Seite 
d. Pharynx ist d. Perforations- 
stelle, von d. Ligat. abwärts, 
fester, adhärenter Thrombus, 
an jener selbst im Zerfall be- 
griffen ; im Sacke zersetztes Blut, 
Eiter, n. wallnussgrosses Fibrin- 
gerinnsel. 



M. sternocl gut vereinigt, d. 3 
Zoll lange Tumor enthält festes 
Goagulum. 

Blutung. — Das Herz gesund, 
Aorta sehr erweitert, ebenso n 
Garot. u. Jnnom. 



Ligatur fast dorchgeschnitten; 
2 gute Thromben. 



Blutung durch Ruptur d. Sackes; 
d gänseeigrosstt Aneur., mit Ge- 
rinnsel erfQllt, gehört d. Vertebr. 

Gehirnerweichnng. 



21* 



324 




Dr. C. 


Pilz, 








No. 


Operateur 
und 
^ Datum. 


Literatur. 


< % 


1 

•o 

t4 


Ursche. 


II il 

Tag«, 


Aoä- 

gang. 


304. 


South, cit. 
Liverpool , Nor- 
thern Infirmaiy. 


Ohelius-, Handb. 
d. Chirurg. 8. Aufl. 
S. 1112. 




— 


do. Vertebr. (angen. 
Carot.). 


— 


— 


t 
14. Tg. 


305. 


L.H.Zörnroth, 


PinskaLSkareS^lls- 


„^ 


r. 


do. Temporal, träum. 


. 


___ 


Heile 




Helsingfoni. 


kapets.Handlingar 






(nach Arteriotomie.) 










Andra Bandet 


















Fierde Heft. 1845. 


















— Oppenh. Zeit- 


















schr. Bd. 34. 


















S. 504. 












306. 


Onbekannt, 
Lissabon. St. 
Josö Hospit. 


Gaz. de Lisboa. — 
British Med. Journ. 
1863. Vol. l.p. 197. 




1. 


do. Vertebr. (angen. 
Carot.). 






f 
20. Tg 



Zusätze zu vorste 

221) 2. Die Pnlsationeu sind im Tumor nicht wiedergekehrt; Hasten 
tritt ein. 3. Kopfschmerzen. 8. frei von Kopfschmerzen, in voriger Nacht 
sehr unruhig, heute l.-seitige Lfthmung. 11. Besserung des Armes. 17. ge- 
reizter Zustand, der Tumor ist vergrOssert und schmerzhaft. 

222) Mit Ligatur schwand der Puls im Tumor. 

223) Am 16. Oct ist das stark pulsirende Aneurysma bis auf ^ seiner 
früheren Grösse verkleinert; später ganz geschwunden. 

226) Fat klagt bald Aber vorübergehende Schwere des r. Beines, and* 
Schwäche des r. Armes, starke Kopfschmerzen bestehen. 12. Husten, der 
Puls wird im Tumor schwächer. 2. Febr. Pulsation nur noch an einer 
Stelle sicher zu erkennen; seit Jun. erfolgt neues Wachsthum des Anen- 
rysma, vom 3. Sept. an mehrfache Blutung aus demselben; 8. der zu ent- 
leerende Tumor wird incidirt. 

229; Mit der Ligatur schwand die Pulsation. 1. Febr. ist das Anen- . 
rysma um die Hälfte verkleinert; die früher verengte L Pupille und das ge- 
schwächte Sehvermögen wieder normal. 

232) Sogleich etwas Schmerz im r. Auge; der r. Radialpuls erscheint 
stärker, als der linke. 

241) Nachdem einen Monat lang vergeblich Valsalva's Methode nnd 
Kälte angewandt waren, schwand mit der Ligatur sogleich und für immer 
die Pulsation im Aneurysma. 

242) Die den 7. Mai 1836 an einer Brustkrankheit verstorbene Person 
zeigt folgendes Verhalten : Die mit der Vena jugul. int. in eine gleichmässige, 
bandartige Masse uttige^andelte Carot coiiini. bin^ mit dem Reste des Aneu- 



Zar Ligatnr der Arteria Carotis commanis. 



325 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



eschwalst wuchs nach d. Ligat. sehr schnell. 



als in d. Garot. u. ihren Zweigen hört sofort auf, 
der Sack coUabirt, eine Nachblutg. erscheint. 



lie Ligat hob d. Pulsat. nicht auf; Pat. Abds. auf- 
geregt. 3. Tag Paralyse des N. facial. Der Arm 
ist schmerzhaft, wird dann paralytisch. 



Blutung durch Berstung d.AneQr. 
in die LuftrGhre. Das Aneur. 
d. Vertebr. lag zwischen d. Proc. 
transY* d. 4. u. 5. Halswirbels. 



Das Anenr. vertebr., in d. Höhe 
d. 3.-3. Wirbels gelejgen, ent- 
hält Goagula n. flOssiges Blut. 



I n 



der Gasuistik. 
rysma innig zusammen, so dass die wieder vereinte Ligatnrstelle nicht mehr 
za erkennen war. Die Garot int. zeigte sich bis zum Abgange der Artar. 
opbtli. fest verschlossen; die Garot. ext war frei, aber viel kleiner, als die 
der gesunden Seite; der mandelgrosse Sack bildete eine feste, fibrGse Masse. 
Eine nicht vollständige Injection ergab, dass durch die Art. thyr. inf. zahl- 
reiche Anastomosen hergestellt waren, auch die Artt. snbcl. und vertebr. 
waren um die Hftlfte ihres Lumens erweitert, wie auch die absteigenden 
CervicalSste der Thyr. inf. 

245) Grisp (p. 286.) lässt ein Aneurysma an beiden Seiten bestehen, 
2 Honate nach der Operation ist dasselbe bedeutend gewachsen, während 
in den letzten 14 Tagen das Klopfen nicht mehr an Stärke zunahm; am 
20. Sept. soll (nach Broca, Traite des Anuvrysmes. p. 561) nur noch 
schwaches Klopfen vorhanden gewesen sein. 

261) Seit 2 Monaten trat, neben Dusten, eine Geschwulstbildung unter 
dem r. Ohre auf, die langsam wuchs, fluctuirte, und durch den Probetroicart 
am 20. Oct. Blut entleerte. Den 1. Tag trat Blutung ein aus der Wunde, 
3. Nov. mehrere Blutungen. Die Section ergab eine mit der Theilungsstelle 
der Carotis zusammenhängende Blutcyste, durch eine 3 Lin. breite und V% 
Lin. lange, mit einem Gerinnsel verschlossene Oe£fnung; den Inhalt dersel- 
ben bildete schwärzliches Blut; Qber der Ligaturstelle fand sich ein Thrombus. 
268) Die Operation geschab ohne Anästhcsirung. Alle Erscheinungen 
daaerten bis zum 5. Tage, Pulsationcn erschienen bald im Tumor und in 
der Carot. ext., jedoch war derselbe nicht mehr so prall, wurde unter schwä- 
cher werdenden Pulsationen kleiner, schrumpfte von der Grösse einer Man- 



326 



Dr. C. Pilz, 



nesfanBt zu der eines GänBeeies znsammen; Ende des 2. Monats volle 
Heilang. 

270) Als K. sich beim Wassertrinken hinten fiber bog, empfand er hef- 
tigen Schmerz an der r. Halsseite, dem bald die Erscheinungen des Anea- 
rysmas folgten. 

274) Das Aneurysma, das sich äasserlich in keiner Schwellung am Halse 
kund gab, prominirte in den Rachen hinein, zeigte deutliche Pulsation ond 
Blasebalggeräusch; dennoch wurde es von einem Arzte punctirt. Am Ende 
der 5. Woche ist der Tumor ganz geschwunden, die Stimme normal. 

278) Später ist die rechte Zungenbälfte atrophisch. 

285) Am 23. Oct. ist der Gollateralkreislauf völlig hergestellt; vom 4. 
bis 19. Nov. Husten in verschiedener Heftigkeit. 4. nur schwacher Puls im 
Tumor, der am 8. erloschen ist; vom 12. an wächst der pulslose Tumor. 
19. DyspuoS, ßlutung, krampfhaftes Zucken des r. Armes; der r. Mundwin- 
kel steht tiefer. Resp. 42; 3 Dhr Morgs. das Athmen stertorös, Puls 90. 
4h. Dyspnoe gesteigert, Blutung, Puls 120; 9h. Puls 120. Pat., sehr schwach, 
schläft andauernd. 11 h. beim Husten eine heftige Blutung aus der Wände» 



in. Ligatur 



No. 


Operatenr 
und 


Literatur. 


ja 


1 


Ursache. 


2« 3*^ sang. 




Datum. 




< m 


•o 


»^ -o ^ ® 








O 


M 


Täte«. 1 


307. 


Travers, Lon- 


Med. - Chir. Trans- 


34j. 


1. 


Aneur. orbitale*) 


4 


21) 


Ueilg. 




don. 1809. 


act. Vol. 2. p. 1. 


W. 




diffus, ronsec. 


Jhr. 


22I 






23. Mai. 


' 








6 
Mut. 






308. 


Dalrymple, 


Med. -Chir. Trans- 


44j. 


1. 


Aneur. orbit. diffus. 


9 


11) 

28^ 


Heilg. 




Norwich. 1813. 


act. Vol. 6. 


W. 




consec. 


Mnt 


Auge 




7. Apr. 














blind. 


309. 


Dupuytren, 


Lecons oral. Vol. 2. 


20j 


r. 


Aneur. anast. d. r. 


An- 


11 


Gene- 




Paris. 1818. 


p. 43. 


H. 




Ohres u. ümgebg. 


geb. 




sung. 




8. Apr. 
















310. 


Wardrop, Lon- 


Lancet. Vol. 12. 


«~ 


1. 


Cavcrn. Geschw. d. 


An- 


^__ 


t 




don. 1818. 


p. 394. 


6 

Weh. 




Nackens, leicht blu- 
tend. 


geb. 




14. Tg. 



*) Die Bezeichnung Aneur. orbitale ist als Collectivname in der Tabelle beibe- 
halten, ebenso sind die Ausdrücke Fungus, Fung. haemat, Tumor antri etc. der einzel- 
nen Autoren aufgefQhrt, da die wahre Natur der Neubildung meist nicht nach der 
kurzen makroscopischen Beschreibung zu ermitteln war. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communis. 



327 



krampfhaftes Zacken des r. Armes, während der linke rnhig daliegt Resp. 
42. 1. h. p. m. 1. Arm nnd Bein ganz gelähmt, der Mund nach rechts ge- 
zogen. Delirium, Hasten. Puls 120. 3. h. p. m. einige Zeit anhaltender 
Singultus, Delirium. 10. h. p. m. Fat. ist bei Bewusstsein. 20. 3 h. a. m. 
100 Pulse, Singultus, eine Blutung von 4 Dnz., die Extremitäten kalt, seit 
5 h. Coma. 7 h. a. m. Tod. 

293; Als die Digital - Gompression nicht mehr ertragen warde, schritt 
D. zur Ligatur, nach Zang. 

295) Ungern operirte K. den mit Unterleibsleiden Behafteten, nur das 
schnelle Wachsthum des Aneurysmas zwang ihn dazn. 

296) Da in der Nacht vom 13. auf den 14. Aug. die Blutung wieder- 
kehrte, und S. nicht zu Hanse war, erweiterte Dr. Watson, indem er das 
Blut ans dem centralen Ende kommen fohlte, die Wunde in der Länge, 
durchschnitt den M. sternocleid. quer, konnte das Gefäss nicht fassen, un- 
terband deshalb die Carotis ober- und unterhalb der blutenden Stelle. 

306) Anfangs wurde das Aneurysma vertebrale ffir einen Abscess ge- 
halten. 



bei Tumoren. 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache nnd Section. 



Keine GehirnstCmng. 2 Ligatt. i** entfernt. 



2 Ligatt, mit Durehschneidung d. Gefässes; Schling- 
beschwerden. 15. d. Auge in seine Höhle zurück- 
getreten, 3. Jul. Blutg. aus dem unteren Theile d. 
Wunde. 

Mit Ligat. Schmerz in einem r. Backenzahne; Kopf- 
schmerz, Erbrechen, Eiogeschlafensein d. L Armes. 
9. Erbrechen. 10. noch keine Pulsat in Artt. oc- 
cipit. u. temporal. 

Erst 4 Std. nach d. Operat. wird d. Tumor schlaff, 
verliert d. dunkele Färbung, am 4. Tage wächst er 
?on Neuem. 



Erschöpfung. 



328 



Dr C. Pilz, 



No. 


Operateur 
und 


Literatur. 


il 


1 


Ursache. 


—- 


55 1 


Aus- 
g»ng- 




Datum. 




s 


1 




TÄge. 


311. 


Busch, Marburg. 


Ru8t, Mag. Bd. 6. 


"J: 


L 


Aneur. anast. artt. 


An- 


12 


Besse- 




1819. 10. Mai. 


S. 332. 




terop., front., occip. 


geb. 




rung. 


312. 


JamesoD, 1820. 


Pbilad. Med. Re- 


^: 


-. 


Tarn, erect. antri 


13 


— 


ßeilg. 




11. Nov. 


cord. Vol. 4. — 




(fungos— Norris). 


Mnt. 










Norris, No. ö. 














313. 


Arendt, Peters- 


Froriep'sNotizen. 
1822. Febr. S. 27. 


1^. 


r. 


Aneur. anast. faciei. 


.. 


17 


Heiig. 




burg. 1821. 














18. Nov. 
















3U. 


Granville, 


Americ. Med. Re- 


■a- 


1. 


Aneur. anast. arter. 


8 


___ 


Aus- 




Scharp, Pat- 


cord 1821. Vol. 5. 




max. int. 


Jhr. 




sicht 




tison, Mary- 


p. 108-115. 












auf 




land. 1821. 














Heiig. 


315) 


Macgill, Mary- 


New York Med. asd 





r. 


Tumores vasc. orbit. 


„« 




Gene- 


3161 


land. 1823. 


Phys. Journ. Vol. 
4. p. 576. 


W. 


1. 








sung. 


317. 


Davidge, 1823. 
Apr. 


BuruB, Anat of 
head and neck. 1823 
— Norris. No. 8. 


M. 


1. 


Fungus antri. 


" 


~ 


t 6 
Woch. 


318 
319) 


f Frankfurter Chi- 
) rurg. 1828. 
)UlImann,Mar- 
( bürg. 1824. 


Bünger, Gratula- 
tionsscbreiben an 
F. Wurzer, Mar- 
burg. 1838. Prima 
carot comm. ntri- 
que corp. hum. 
cum eventu ap- 
plic. ligat etc. 

Maryl.Med.Record. 




1. 
r. 


jTum. erect. in re 
( gion. autic. sin. 


~ 


■- 


t 
-. Tg 


320. 


Finley, 1824. 


— 


r. 


Fangus antri. 


Mo- 


— 


Gene- 




27. Jul. 


Vo.l. — Norris. 
No. 9. 


H. 






nate 




sung. 


321. 


Barovero,1825. 


Repetitorio di Me- 


'S/; 


r. 


Tum. fang, palati. 


_ 





t9*'. 




19. Sept 


dic. di Chirurg, e 










(GO. ?) 






di Chim. di To- 












Tg 






rino. 1826. Die. 


















p. 529. 














322. 


Mc Glellan, 
1825. 10. Juni. 


.New York Med. 
) and Phys. Journ. 


Ä»- 


1. 


Tum. erect. orbitae. 


44 
Jhr. 


14 


Heilg. 


323. 


McClellan, ' 


/ Vol. 6. Norris. 


S- 


1. 


Tum. erect. colli. 





14 


Heiig. 




1825. 


' No. 11 und 12. 












324. 


Mc Glellan, 


New- York Med. and 


'S/; 


r. 


Tom. fang. 


_ 


unt. 


Heiig. 




1825. 


Phv8.Joum.Vol.5. 
— Norris. No.l3. 








2 








. 








Web. 




325. 


Maclachlan, 


Qlasg. Med. Journ. 


30 j. 


l. 


Tum. pulsat. (nach 


.-^ 


„^ 


t 




1825. 10 Jnl. 


Vol. 1. - Julius 
u.Gerson,Maßaz. 
Bd. 17. S. 125. 


H. 




Arteriot. temporal.). 






4.T!: 



Zur Ligatur der Arteria CarotiB communis. 



329 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesarsache uod Section. 



\ Ligatt. , ^'* entfernt Ton einander; beim Operiren 
öffnet sich d. Tumor, u. es werden noch 12 Ligatt. 
angelegt; nach 6 Wochen trat 7 Tage hindurch 
leichte Blutung auf. 

l Ligatt., mit Durchschneidung des dazwischen lie- 
genden Gefassrohres; d. Tumor nimmt an Grösse 
ab; Blutentziehang wird in der Nachbehandlung 
noth wendig. 

onerhalb eines Monats beide Ligaturen. 

>ie Ligatur d. L Seite war nach Sc arpa 's Methode 
;emacht worden. 

i\a 2 Blutungen in den nächsten Tagen wiederkehr- 
ten wurde an tieferer Stelle eine neue Ligat. an- 
gelegt; Hirnerscheinnngen wurden nicht bemerkt 



Erscböpfun« 



[it Schlass der nach Scarpa applicirten Ligat. ent- 
stand Schmera in d. r. Kopfseite u. dem Tumor; 
d. Art. temporaL pulsirt schwach bis zum 3. Tage; 
Schlingl>esch werden; am 3.'Tage Delirien, Paralyse 
d. 1. Mundwinkels u. 1. Armes, die sich gegen den 
lö. Tag au rückbildeten. 60. Tag gaetr. Fieber. 



Ghron. GehirnentzQndg. u. gastr. 
Fieber — d. Vena Jug int. war 
mitunterbnnden , ein Thrombus 
Qber u. unter d. Ligat. Das Ge- 
hirn (?) chronisch entzündet, eite- 
riges Exsudat auf der r. grossen 
Hemisph., dieselbe erweicht. 



»a Druck nicht ertragen n. d. Unterbindung d. ein- 
zelnen GeHtose unmöglich wurde, legte M. d Ligat. 
um d. Carotis, Pols erlosch sogleich im verkleiner- 
ten Tumor. 11- heftig. Bruststechen, Athmen be- 
f^cbwert, starke Kopfschmerzen (Yenaesect) 14. 
redet in der Nacht irre, respirirt sehr schwer. 



Pleuritis. — Im Mediast. ant. 
eiterige Masse, in d. r. Pleura- 
höhle eiterige Masse, in d. 1. 
etwas Blut, an d. Ligaturstelle 
kein Eiter, 2 Thromben; die 
Aeste d. Kopfes erweitert 



330 



Dr. C, Pil2, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


Alter 
Geschlecht, 

Körpttrteite. 


Ursache. 




326. 


Wattmann, 
Wien. 1825. 


Sahb. Med.-Chir. 
Ztg. 1852. p 32. 


li: 


r. iTum. gland. submax. 

1 


— 


- ! t 






— Kussmaul u. 


















Tenner 's Arbeit 














327. 


Wardrop, Lon- 


Lancet Vol. 12. 


5 


1. 


Tum. erect faciei. 


An- 


11 Heil? 




don. 1826. März. 


p. 817. 


Mnt 
W. 






geb. 




c* 


328. 


Fricke, Ham- 
burg. 1826. 


Hamburger Magaz. 
d. Heiikd. Bd. 12. 
S. 231. 


jun- 




Tum. parotid. 




- 1 


t 

lö.Tj 


329. 


Ch. Majo, Lon- 
don , WeBtmin- 


Lond. Med. and 


26j. 


r. 


Sarcom (fiber dem — 


17 


t C 




Phys Journ. Vol. 


M. 




Ohre). ! 




M^ont 




ster Hosp, 1827. 


58. p. 408. 












20. Jan. 














330. 


Li8franc,1827. 


Nouvelle bibl. med. 


'Ji; 


r. 


Fnng. haemat. 






f 




Apr. 


Mai. 1827. — 




(Aneur. angenomm ) 






18. T 






Froriep's Notz. 


















1829. 13. Jal. 














331. 


Magendie, Pa- 
ris. 1827.4. März. 


Journ. de Physiol. 
1827. Apr. Vol. 7. 


'^; 


1. 


Fung. (?) max. snp. 


— 


11 


Ver- 

sehlia 
merg 


332. 


J. Wardrop, 


Lancet Vol. 12. 


ii- 


1. 


Tum. erect faciei et 


12 


25 


Bess 




1827. (1. Oct?) 


p. 762. 789. Vol. 

An 




capitis (träum.). 






runs 






p. 47. 












(t 10 
Tg. 


333) 


Mussey, Han- 


American Journ. of 


20j. 


r. 


Aneor. anast capit 






Bess 


334j 


nover in New 
Hampshire. 
1827. 20. Sept. 
2. Oct 


med. sc. 1830. Febr. 


M. 


1. 








ruug. 


335. 


Degnise, 1827. 


Arch. g^ner. 1. S^r. 








Tumor (Aneur. 


» 




t 






VoL 15. p. 169. 


w. 




Dietrich). 










U.Dietrich, Auf- 


















suchen d. Schlag- 


















adern etc. 






. 








336. 


Dieffenbach, 
Berlin. 1828. 


Dietrich, Das 
Aufsnch. d.Schlag- 


2i- 


— 


Fnng. parot 


— 


— 


A 




Sept 


adern behufs d.Un- 
















terbdg.etc, S. 150. 















Zar Ligatur der Arteria Carotis commnois. 



381 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



ileich nach d. Operat einige krampfhafte Zncknngen 
d. ganzen KOrpers, die schnell vergingen; am folgd. 
Tage DeUrien u. Lähmung d. 4. Seite. (3. Venaesect.) 

lach d. Ligat. war d. Kind bleich u. erschöpft ; konnte 
dann d. Angeolid offnen; 10 Mon. ist noch eine] 
häutige Geschwulst ohne jede Spur von Geissen | 
übrig. j 

Joi die Ernährungszafuhr abzuschneiden, wurde d. 'Kachexie 
Ligat. gemacht; es soll Verkleinerung der Neubil- ! 
düng Anfangs eingetreten sein. < 

^ach d. Ligat. Schlingbeschwerden; seit 2. Mai Ver- 
scblimmernng. Blutg., Wachsthum d. Geschwulst, 
epileptische Anfälle, wendet sich auf d. 1. Seite. Coma. 



H'ach 3 Std. Zufalle vom Gehirn aus; entzQndliche 
Erscheinungen d. Halses, Brust u. Magens; Blutg. 



Sei d. Ligat. Schmerz im Kiefer. 13 Std. Ohnmacht. 
9. Lähmnog d. r. Armes, Stimmlosigkeit, epilepti- 
scher Anfall — im Verlaufe bessert sich d. Läh- 
mung, aber d. Geist wird schwächer. 

i\t d. Ligat. schwindet Puls im Tumor, ohne dass 
er coUabirt, Abds. leichte Bewegung im oberen 
Theile desselben, r. Carot. pulsirt stark ; Uebelkeit, 
Erbrechen. 2. Tag Tumor etwas verkleinert, Fat. 
wohl. 6. Tas Frost, Fieber. 7. Tag Blutg. Seit 
d. 10. Tage Verkleinerung d. Tumors. 11. 1. Auge 
wird afficirt, — hört 1. schlecht. 

)bne Erschein angen von Seiten d. Gehirnes; Heiig. 
schaffte erst d. £xstirpation. 



Gehirn blutreich; Veiitr. ohne 
Exsudat. Tumor 2 Pfd. schwer, 
Sarcom, nicht mit Parot. zu- 
sammenhängend, war durch Os 
temporum gedrungen, von d. Me- 
ning. bedeckt. 

Blutung. — Fung. haem. d. 1. 
mittleren Schädelgrube, Pars, 
petrosa sehr zerstört; Vena jng. 
mt. 6'" weit obliterirt, Carot. 
zeigt 8^'' langen Riss unter d. 
Ligat., L Herz dQnnnwandig. 
Abscess im Mediast post. 



Lendenabscess; Eiter an d. Ba- 
sis cerebri etc. 



)hnc weitere Details findet sich, dass, um d. Nah- 
rungsznfnhr abzuschneiden, d. Ligat. unter d. Kreuz- 
stelle d. Hnsc. omoh. angelegt wurde. Hr. Geh. R. 
Jungken will sich erinnern, dass in diesem Falle 
der N. vagus mit unterbunden sei (?). 



Kachexie. 



332 



Dr C. Pilz, 



No, 



Operateur 

und 

Datam. 



Literatur. 



^2 



Ursache. 



Tag». 



Ö, 



*5 4r \ 



Auf- 
gang. 



337. 



338. 



339. 



Willaame, 
Metz. 1829. 
25. Jan. 



Ronx, Paris. 
1829. 



Mettauer,1829. 
12. Mai. 



Larrey, Referat. 
Oaz. des faöpit. 
1849. p. 542. 



Gaz. hebdom. 1859. 
p. 631. 

Amer. Joorn. 1849. 
Oct. p. 349. 



24j. 
M. 



26j. 
M. 



43j. 
M. 



340. Warren, 1829. 



341. 
342. 

343. 

344. 



Warren, 1830. 

2. Jan. 
Bushe, 1830. 

15. Jan. 

VaLMott,1830. 



345. 



346( 
3471 



Paul, Eigin, 
Gray Hospit. 
1830. 29. Jul 



Blasius, Halle. 
1831. 



Gundelach - 
MöUer,Kopen 
liagcn. 1831. 
13. Sept. 1832. 

I 18. Jan. 



War reu. Kritische 
Bern, fiber Diagn 
n. Kur d. Geschw. 
Deutsch v.B res 8 
1er. S. 225. 

Ibid. S. 220. 

Med. Ghir. Ballet. 

VoLl. — Norrie, 

No. 22. 
Amer. Journ. Vol.5. 

p. 255. u. VoL 7. 

p. 271. 
Lond. Med. Gaz. 

1831. Vol,8. p. 71. 



Tum. erect in re- 
gione temporal. 



Aneur. orbit. 



Anenr. anast 
et cavi nar. 



18j. 

W. 
19j. 

M. 

3 

Mnt 

f. 



Briefl. Mitth. 
Prof. Gurlt. 



an 



Graefe u. Wal- 
ther'sJourn Hd 
21. Ilft. 2. 



30«er 

M 



5i 



Ad- 

geb. 



antr. 



meh- 
rere 
Jhr. 



Aneur. orbit. träum. 



Aneur. orbit. 

Tum. erect faciei 
(Aneur. Walther). 

Aneur. anast. capit. 



Aneur. anast in re 
gione temporal. 



Tum. carcin. parot 



21 



Besse- 
rung. 



Gene- 
sung, 
(ofane 
Heiig. 

t 
12. Tg 



An- 
geb. 

An- 

geb. 



.)| Aneur. anast in re- An- 13) H 



•^) Hcilg 
gione front et na- geb. 28) i 
sal. 



15 



Gene- 

sung. 



Ueil^. 

Ileilg: 

runp 



- t 5 
' od Ol 
16. Tj 



Zar Ligatar der Arteria Carotis commnois. 



333 



Besonderes bei der Ligator und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



)nick auf d. Tumor machte Gehirnerscheinungen; 
Dupuytren wollte ihn nicht operiren; nach d. Li- 
gat wurde d. Tumor etwas kleiner u. weniger ge- 
färbt; blieb dann stationär 2 Std. nach d. Operat. 
Schlingbeschwerden. 

Ss treten heftige Schmerzen in d. Wunde u. d. Tum. 
orbit. auf, einige Tage zeigte sich heftige Aufre- 
gung, die an Delirium grenzte; bei d. Entlassung 
noch Exophth. u. Schmerz im Tumor. 

üit d. Ligat. allgemeines Zittern, ö Min. andauernd; 
nachdem Pat. 5 Min. geruht, heftige Convulsionen 
d. r. Seite, wilder Gesichtsausdruck; Lähmung d. 
r. Seite in 24 Std.; wurde ein Glied r. bewegt, 
Convuls. Dellr. andauernd. Winseln, Stimme rauh, 
Durst sehr heftig; Urinverhaltung, Haut heiss. 8. 
Tag Coma. 1. Pupille erweitert, bewegungslos, r. 
erweitert, Singnltus; Athmen mühsam, stertorös, 
andaaernde Rückenlage, Wunde gleich gutes Aus- 
sehen. Collapsus; Tod, unter allgemem. Oonyuls., 
linkerseits heftiger. 

)ie Ansdehnang d. Geschwulst ging tief in d. Orbit, 
hinein. 



^*e Ligat. üess Pulsat. r. erlöschen, nur kurze Zeit 
hielt Pulsat. L noch an. 



Die 1. Hemisph. ganz erweicht, 
ebenso d. Kleingehim links. 
Meningen normaL 



ogleich erblasste d. r. Gesichtsseite, die einzelnen 
uefksspakete collabirten, d. Pols ging von 82 auf 
64 Schläge herab ; Compression auf die Art. tem- 
poral, wird fortgesetzt, am 19. Tage Puls im unte- 
ren Theile d. TumorSi wird bald stärker; am 8. Oct 
Blutg. aus d. Munde; Verkleinerung d. Tumors, mit 
schwacher Palsation. 

% d. Tumor nicht mehr eistirpirbar war, so sollte 
d. Nahrangsznfnhr vermindert werden; in kurzer 
Zeit traten mehrere Schüttelfröste auf — weitere 
Details sind nicht mehr erinnerlich, 
[ilsation im zusammengefallenen Tumor erlosch, 
leichte Reaction; Lähmung d. 1. Seite; nach 3 
Wochen wieder Pulsat., welche d. Ligat. der ande- 
ren ArWGarot aufhebt; Masern. 



Pyämie. — Man fand ein grosses, 
plastisches Exsudat längs d. 
grossen Gefässcn; Eiter im Me- 
aiastantic; nirgend Abscesse. 

Pai starb später an Variola. 



334 




Dr. 


C. Pi 


Iz 


1 












^ 1 2 ; 


•6^ 


-4l 


No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. M^ | 


1 

Ursache. 


i> ^^ Igang 

« Tage, i 


348. 


D. L. Rogers, 
1832. 12.Dec, 


American Journ. 
Vol. 13. 


8 
Mnt 


r. 


Tnm. erect faciei. 


An- 
geb. 


— 


Heiig 


348a 


Beruard, 1833. 
26. März. 


Oaz. m^d. 1833. 
p. 608. 


"H: 


r. 


Aneur. anast. in re^ 
gione auricul. 


8 
Jhr. 


— 


Ueilg 


349. 


e. Mayo, 1833. 


Med. Quart. Rev. 
1834. Jan. p. 410. 


5 
Mnt. 

M. 


1. 


Teleangiect 


An- 
geb. 


8 


Beas 

rang. 


360.' 
3ö0a 


C.A.Kuhl,Leip. 

zig. 1834. 24. 
. Mai. 1834. 

4. Aug. 


Kuhlii opusc aca- 
dem.scripsitOla- 
rus. 1842. p. 51 
Specimea 1. quae- 
stion. Chirurg, 
part 14. 


H: 


1. 


Aneur. aoast in re- 
gio ne occipit 
(träum.). 


24 
Jhr. 


27 
27 


Heiig 


351. 


Zeis, Leipzig 
1834. 30. Aug. 


Oppenheim, Zeit- 
schrift. 1836. Bd. 
3. S. 9. 


15 

Mnt 

W. 


1. 


Teleangiect. in re- 
gione auric. 


An- 

geb. 


8 


t 1 
Wo » 


352. 


Dupujtren, 
cit. 1835. im 
Jan. 


Legons orales. 
p. 63. Vol. 2. 


''I 


1. 


Tum. in reg. terop. 

Rncephaloidkrebs 

(angenomm. Aueur.) 


15 
Mnt 

be- 
fflkt 


'^-' 


+ 
15. T 


353. 


Busk, Seamen- 
Hosp. 1835. 
2. Febr. 


Lond. Med. Trans- 
actVol.22.p.l24. 


^j. 


r. 


Aneur.orbit.(traum.). 


6 
Mnt 


13 


Heilj 


354. 


Michels, 1835. 
12. März. 


BostMed.andSnrg. 
Journ. Vol. 20. — 
Oppenheim, 
Zeitschrift Bd. 14. 
S. 391. 


23j. 
W. 


1. 


Aneur. anast. faciei 
et occipit 


2 

Jhr. 


30 


""]« 


355. 


Velpeaa,(?) Pa- 
ris. 1835. 


Lancet. 1850. Vol. 
2. p. 143. 


'2i 


1. 


Tum. erect in re- 
gione temporal, (für 
Aneur. gehalten). 


— 


— 


16.1 


355a 


JobertdeLam- 
balle,cit.l83G. 
22. Aug. imHöp. 
St Louis. 


BuIletdelAcad.de 
Mi^d. de Paris. 
Vol. 6. p. 60. 


M. 


r. 


Tum. erect in re- 
gione temporal. 


4 
Mnt. 


■ 


+ 
2.1 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 



335 



Besoi^deres bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesuraacfae und Section. 



Bald nach d.* Operat. nahm d. Kind d. Brust, Tumor 
nahm allmälig ab. 

2 Blon. nach d. Entstehung erheischte eine Blutnng 
am 19. Dec. 1827 Spaltung eines Tumors; unter 
diesem entstand bald ein neuer, dessen Blutg. end- 
lich zur Ligat. fahrte; Gehirnerscheinungen fehlten. 

Die ganze ). Gesichtsseite war erkrankt; 4 Setac. 
durch d. Geschwulst hatten keinen Erfolg, die Li- 
gatur war ohne jeden Zufall, unter directer Gom- 
pression d. Gesichtes, Verkleinerung d. Tumors. 

Sogleich Convnlsionen; dann Obnmacht (Venaesect ) 
3. Aug. lilutg.; bei der zweiten Operat. leichte Con- 
▼u]{}ionen. Gesicht blass, kalt; 7. Aug. Parese d. 
r. Armes, Schlingen erschwert Blutungen, Fröste, 
Besserung; Abnahme d. Tumoren. 

Gegen Ende d. Operat. Singnltus; bei Schluss der 
Ligat. Schrei mit Teränderter heiserer Stimme; Te- 
leang. blasser, welker; 3. Nov. Krftmpfe, mit Läh^ 
mnng d. r. Seite. 

Da auf Compression d. Art Carot die im Tumor be- 
merkliehen Pulsationen erloschen, u. dieser fQrein 
Aneurysma angesehen wurde, so wurde d. Ligat. 
d. Carot. sin. gemacht; am 7. Tage nach Abfall d. 
Ligat. eine sich wiederholende Blutg.; 11. Stunde 
Tor d. Tode war d. r. Seite gelähmt 

Ligat. Hess d. Puls im Tumor erlöschen, nach 4 Std. 
leise fühlbar, Blasegeräusoh zu hören, dabei war 
Tumor verkleinert u. kein Puls in d. Temporal.; 
Schlingbeschwerden, Husten etc. 

im 6. Mon. d. Schwangerschaft, wurde d. Ligat ohne 
bedeutende Reaction gemacht; einige Tage beste- 
hen Schwindel, Klopfen im 1. Ohre, u. geringe 
Pulsat. im Tumor. Nach einigen Jahren war Pat. 
noch wohl, d. Aneur. ganz geschwunden. 

^ nnterbaud d. Carott comm. und int, d. Tumor 
nahm an Umfang ab, Blutg. aus d. Wunde kehrte 
mehrfach wieder. 

bne Gefairnerscheinnngen. 



Section verweigert 



Encephaloidkrebs. — Beide En- 
den d. Arterie gut geschlossen ; 
kein Gefäss war in d. N&he d. 
Geschwulst erweitert; Gehirn 
ohne jede Veränderung. 



Blutung. — Diese kam aus der 
oberen Oeffnung d. Carot, durch 
d. externa vermittelt 



336 



Dr. C. Pilz, 



No. 



Operateur 

und 

Datnm. 



Literatur. 



^2 



Ursache. 









Tage 



356. 



867. 



858. 



859. 



A. C. Kühl, 
Leipzig. 1886< 
16. Sept 



Ruhl, Opusc. acad, 
scripäit Claras. 
1842. Lips. p. 6a 



43j. 
W. 



861. 



Miller, 1836. 



Ghelios, Hei- 
delberg. 1837. 
18. Jao. 

Pirogoff, Dor- 
pat. 1837. 
26. Jan. 



Dohlhoff.Mag- 
debarg. 1837. 
5. Mai. 



Aachincloss, 
1839. 6. Juli. 



Lond. and Edbgh.42>. 
Monthly Joum. W, 
1842. p. 11. - 
Lond. Med. Gaz. 
1845. p. 1148, 

Roser a. Wnn- 
lieh's Archiv. 
1843. 

Annal. der chir. Ab- 
theilg. d.Glinic. zu 
Dorpat Er8t.Jhrg. 
— Oppenh. Zeit- 
schrift. Bd. 9. S. 43. 

Ra8t,Magaz.l838. 
Bd 51. Hft 3. 
S. 512. 



362. Velpeau, Paris 
1839. im Joli. 



I9j. 
M. 



9 
Mni 



Lond. Med. Times 
and Gazette. 1842, 
Vol. 1. p. 106. 

Velpeaa,Le(;.oraI. 
1841. VoL3.p. 437. 
— Gaz. hebdom 
1859. p. 631. 



23j. 

1: 



Tum. Vascal, in re- 
gione front (träum.) 



4 
Mnt. 



— I T 



Tarn, erect. in orbit. 
(Aneur. anast. fa« 
ciei). 



Anenr. varic. 
(träum.). 



temp. 



Tum. erect. occipit. 



Fungus medull. pa 
lati. 



Aneur. anast. capit 



Aneur. orbit(traum.) 
(doppelseit). 



18 
Mnt. 



1 
Jhr. 



An- 
geb. 



21 



t 



Gen 

san< 



tl 
Tg 



26. 



An- 

geb. 

5-6 
Mnt. 



20 



Heil 



— Gen 

so III 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commanis 



337 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



gleich sehwand Pols in d. r. Gesicbt^beite, schwache, 
leltene Respiration, 4 Std. lang Bewusstlosigkeit; 
Schlingbeschwerden. 17. unwillkärliche Bewegun- 
reo d. Extremitäten, Sensor! um schwach. 



I folgten starke Kopfschmerzen, Sensation im Tn- 
mor; am 2 Tage nach Excess im Trinken, Läh- 
mung d. 1. Seite. 



t d. Ligat. fiel d. Varix zusammen, d. Ohrensausen 
rerschwand; nach 3 Tagen der frfihere Zustand; 
Strom ey er o|perirte 1842, 3. Mai, mit Eröffnung 
i Sackes d. L#1gat. d. Vene mit Erfolg, 
gleich wird d. Tumor welk, coUabirt, 18 Tage spä- 
ter trat arter. Slutg. auf, die bis zum 10. März 7 
Ual wiedergekehrt; die folgenden 12 Tage ohne 
Klutg. Die M utter nimmt d. Kind nach Hause, 
roselbst es an einer Blutg. stirbt, 
ich d. Operat. sollte dem Recid. d. Nahrungszufuhr 
abgeschnitten «'erden. 2 Std. nach d. Operat. un- 
iD^enebmes GefGfal in d. 1. Körperseite; vergeht 
bald; nach 8 Tagen Lähmung d. 1. Seite u. d. Haru- 
t>lase. 

t Ligat. stand Pnlsat Erbrechen war die einzige 
Erscheinung; am 26. Juli war d. Tumor schon ver- 
kleinert, 
n 3. Tage etwas Schwere im Kopfe, wenig Schlaf. 



Die Sect. ergab, ausser Tuber- 
cnlose in d. Lungenspitzen, viel 
Schleim in d. Bronchien, einen 
kirschgrossen Markschwamm in 
d. Milz, u. kleine Abscesse in 
d. Leber. Die Ligat hatte d. 
Arter. Bubcl. mit eingeschlossen; 
d. Thrombus reichte hakenför- 
mig bis zum Arcus aort, ande- 
rerseits konisch bis zur Liga- 
turstelle; war in Art subcl. sehr 
kurz, in Art Garot dfinn bis 
zur Theilungsstelle; d. N. vagus 
roth, geschwollen, von Exsudat 
umhüllt; d. Zweige d. Art tem- 
poral, waren nicht erweitert; 
d. Tumoreu d. Reg. front dext 
u. Reg. temporal, bestanden aus 
Gefassen, während d. anderen 
d. Stirngegend einen Fung. me- 
dull. neben Gefassen zeigten; 
d Parotiden waren indurirt (tu- 
bercul. (?).) 

Sect zeigt Veränderung (welche?) 
im Gehirn. 



Blutung. 



Unterer Thrombus in Carot ^*' 
laug, fest, oberer |" lang, In- 
tima geröthet; Lumen d. r. Ca- 
rot um i" weiter, als 1. Ge- 
hirn hjperämisch; bedeutende 
Erweichung in d. r. Hemisphäre. 



V Lnngenheeb, ArchU f. Chirurf^e. IX, 



22 



338 



Dr. C. PiU, 









^ 


ä 


1 -o- ^ U- .. i 


No. 


Operateur 

und 

Datnm. 


Literatur. 


5 


1 


Ursache. 


11 n 

Tage. 


Ai» 
gaig 


363. 


Jobert de Lam- 
bftlle, Paris. 
1889. 7. Ang. 


Bnllet de l*Acad. 
de M6dec.de Paris. 
Vol. 6. p. 60. 


60,., 


r. 


Anear. orbit 


3 

Jhr. 


— 


Heiig 


364. 


G. Bock, New 


Schmidt, Jabrbb. 


19j. 


r. 


Encephal. in regione 


— 


13 


t 11 




York. 1839. 


1869. Vol. 98. p. 76. 


H. 




pari et 






MOD 




21. Dec. 
















366. 


Pinel Grand- 


Gaz.de8Hdpitl851. 


■S"; 


r. 


Tum. puls, faciei. 


20 


-~ 


Geo^ 




champ. 1839. 


p. 128. 






Jhr. 




suag. 


366. 


Kerr, 1840. 


Bdinb. Med. Jonm. 


67 j. 


r. 


Tum. glanduL 


30 


26 


t 9 




sa ApriL 


1844. Vol. 51. 
p. 119. 


W. 




(Aneur. angenom- 
men). 


Jhr. 




fijon 


367. 


Inn Ho^ial in 
Ohristiania, 
1840. Ang. 


Briefl. Mitth. des 
Prof. Boeck an 
Prof. Gurlt. 


H. 


- 


Teleangiect 


— 


— 


Gene 
sung 


368. 


Gadwell, 1840. 
16. Sept 


BostMed. and Sarg. 
Jonm. Vol. 24. - 
Norrie No. 36. 


'S'; 


r. 


Tum. erect orbit 


1 
Jhr. 


39 


Heiig 


369. 


Dndley, J.G.B. 
1841. Jan. 


Transact. of the 


1J- 


r. 


Tum. erect. orbit 


5^6 





Heiig 




Americ. Med. As- 






Jhr. 










sociat. Vol. 3. — 


















Collect ofremark- 


















abl. cases in Sar- 














370. 


Nottingham, 
1841. 4. Jon. 


gerybyEve,p.78. 
Medic Ztg. Berlin. 


5^- 


1. 


Tum. caT. in regione 


An- 


19 


Bess 




1841. S. 171. 




bncc. 


geb. 




ruog 


371. 
379. 


Detmold, New 
York. 1842. 
Detmold, 1842. 


(Schmidt, Jahrbb. 
^ Bd. 98. S. 77, 


'^. 


r. 
1. 


Tum. vasc. in reg. 

bucc. 
Tum. vasc. in r6g. 

mentali et gingiv. 


— 


16 
10 


Gene 

SUDg. 

ücilg 


373. 


J. R. Wood, 
New York. 1842. 
2. Wkn. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 75. 


6 

mnt 




Aneur. anast bucc 
et orbit 




9 


Heiig 


374. 


Blakman, 


Americ. Jonm. N.S. 


30i. 


r. 


Fang, colli. 


2 


„^ 


t 




1848. 21. Jan. 


Vol. 10. - Nor- 
rie No. 38. 


M. 






Jhr. 




8,T| 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commoniB. 



3S9 



;0esoDdere8 bei der Ligatur and im Verlaufe. 



Todesorsacbe und Section. 



^at. hatte keinen Einflnss aufs Gehirn. Hasten n. 
geringe Schlingbeschwerden sind die einzige Folge. 

le Wunde heilte langsam, der wachsende Tumor blu- 
tete oft. 

ie sehr Terdfinnte Haut hatte Blutungen geliefert, 
weswegen 1838 beide Artt. fac, transvers., infraor- 
bit. n. leniporal. dext. ohne Veränderung d. Ge- 
schwulst unterbunden wurden. Die Ligat. d. Garot. 
rerh'ef ohne Zufall ; nach einem Jahre kehrte Tnr- 
jrescenz u. leichte Blutung wieder, jedoch so, dass 
Pat. wohl blieb 

^a Gompression d Palsat. im Tumor aufhören Hess, 
schritt man zur Ligat.; sogleich schwand sie; die 
Gesichtsseite einige Standen erblasst, war Abds. 
Dorm&l gef&rbt, das sogleich eingetretene GefQhl 
▼oa Brnstbeklemmung verschwand am 2. Tage; 
Kopf»ch merzen hielten mehrere Tage an; am Tage 
nach d. Operat. war undeutliche Pnlsation. 
it, im Aug. aufgenommen, wurde im Sept wieder 
eutls^aaen; das Jonmal fehlt 



Et L.ig3»t. nehmen alle Erscheinungen ab; nach 6 
Mon&ten noch ganz wohl. 



bleich erlischt d. Klopfen in ihm, d. Empfindung. 
k 1. Gesichtsseite vermindert, am 2. Tage Temper. 
beider Seiten gleich, aber Ged&chtniss schwach; 
Gedanken verworren; Geschwulst vermindert sich, 
, keine Blutung stellte sich mehr aus ihr ein. 

Details fehlen. 

' Kit nachfolgender Canterisation durch Perr. cand. 

^ Geschwulst nimmt ab, keine Blutung tritt mehr 
f^of — Torher sehr heftige. - Nach 8 Jahren fin- 
^n sich noch eine Geschwulst, aber derb, u. von 
^ *^ormaler Hautfarbe. 



Tumor entsprang in d. DiploS; 
gleicher Tumor an der sechsfach 
vergrAsserten 1. Niere. 



LungenenttOndg. Der am Halse 
pulsirende Tumor erwies sich 
als aus Drflsen bestehend, in 
die ein Zweig d. Garot ext ging. 



/ 



Pat. stirbt nach 2 Jahren an 
Lu n gensch wi ndsucht. 



Kachexie. 



22^ 



840 



Dr. C. Pill, 



No 


Operateur 

nnd 
Datum. 


Literatur. 




i 

\ 

2 


Ursache. 


I3j 




Aus- 
gang 








O 


&d 




Tage. 


375. 


Eccl es, London. 


Lancet. 1844. Voll. 


46j. 


r. 


Tum. glandnl. 




1 




1843. 23. Sept. 


p. 724. 


M. 




(angen. Aneur.). 




jsing 


376. 


Bruus, Tabin- 


Bruns, Chir. Pa- 


20 


r. 


Tum. cav. in regione 


An- 


19 M\ 




gen. 1844. 2.JnI. 


thol. u. Therap. 


Weh. 




bucc. 


geb. 










d. Kau- a. Ge- 


M, 






1 








schmacksorgane. 


















Bd. 1. 2. Abthlg. 


















S. 168. 














377. 


Herpin, 1844. 
26. Jnn. 


Gaz. des Hdpit. 
1853. 


1f; 


l. 


Aneur. orbit. 






Heilj 


378. 


O'ReiUy.Dub- 


Dublin Med. Press. 


44j. 


r. 


Tom. carcin. 


2 




+ 




lin, Jervis Street 


1844. Oct. - Lan- 


M. 




(angen. Anear.) 


Jhr. 




9.1 




Hospit. 1844. 
20. Jal. 


cet. 1844. VoL 1. 
















p. 740. 














379. 


Bob, 1845. 


Arch. genör. 1845. 


17j. 


r. 


Tum. erect dipIoSs. 


20 





t 








W. 






Mnt 




380. 


A. C. Post, 


New York Journ. 


\ 


r. 


Tum. erect. in reg. 




- t 




New York. 1845. 


1845. JuL - Op- 




bucc. 




2b 1 




12. Apr. 


penheim, Zeit- 
















schrift. Bd. 33. 


















S. 369. 














381. 


P^tr^quin, 


.Journ. de Mont- 


22j. 


l. 


Aneur. orbit. träum. 


5 




t 




1845. 5. Jan. 


) pellier. 1845. 


M. 






Mnt. 








}Gaz. hebdom. 


















( 1859. p. 631. 














382. 


Detmold, 1845. 


Schmidt, Jahrbb. 


8 


L 


Aneur. anast. (unter 


An- 


1 -j 






Bd. 98. S. 78. 


Hnt. 




d. 1. Ohre). 


geb. 


i 


383) 


Warren, 1845. 


Amer. Journ. 1846. 


23j. 


l. 


Tum. erect. oris, &- 


_^ 


_ \ü 


384 


6. Oct. 8. Nov. 


Apr. 


H. 


r. 


ciei collique. 




SD Dl 


385 


Robert, Paris. 


Gaz. des Hdpit 


t 


1. 


Aneur. anast. capit. 


An- 


ISjHoii 


386 


1846. 5. Jun. u. 


18 1. p. 128. 


r. 




geb. 


ist 




1847. 22. Febr. 














387. 


Wntzer, Bonn. 


Brunswicker, 


25j. 


_ 


Aneur. anast. (Ca- 


_ 


18 'iH 




1847. 2. Jan. 


Delect. casuum li- 
gat. princip. arter. 
Dissert inaug. 


M. 




rot. ext.). 
























Bonn. 1853. 












1 



Zar Ligatnr der Arteria Carotis commnois. 



341 



Besonderes bei der Ligatur apd im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



E3 1. Tage leichte Gehirnstöruog, 4. Tag 1. -seitige 
LähmuDg; geht im Nov. nach Hause, nachdem die 
Motilität theilvAise, d. Sensibilität ganz wiederge- 
kehrt war. 

er Tumor soll erst 14 Tage nach d. Geburt bemerkt 
worden sein; d. Geschwulst wird weicher, d. Tem- 
peratur d. r. Wange bleibt 14 Tage niedriger, wei- 
tere Erschein angen sind nicht aufgeführt. 



I. Oedem vermindert, Auge sehr zurückgetreten. 
29. das Sinsen u. Klopfen geschwunden; 1. Juli 
Auge steht normal, sieht wieder; im April 1B45 
tritt das andere Auge hervor, Sehvermögen gemin- 
dert, Klopfen in dieser Seite; Anwendung vou Eis 
beseitigt d- Leiden. 

als im Tumor schwand auf Gompression d. Carotis, 
aber ohne Volumsverminderuug u. Veränderung d. 
Farbe. Nach einer guteu Nacht erschien Fat. am 
21. apoplectiform ; stertoröses Athmen. Pupillen er- 
weitert, Extremit. kalt, unempfindlich. 25. Diarrhoe. 
>bne weitere Angaben. 

^eJirien stellten sich ein; als am 10. Tage d. Wunde 
fast geheilt war, kehrten Fröste mehrfach wieder; 
ein Abscess am Halse wurde entleert; stirbt unter 
Delirien. 



Fat. stirbt im Jan. an Bronchi* 
tis. — Sect. zeigt d. Garot. ob- 
literirt. Der Drüsentumor hallt© 
d. tiefen Halsmuskeln u. Nerven 



ein. 



Sect. ergab ein Carciuom. Kopf 
wurde nicht eröffnet. 



An Blutung und Diarrhoe. 

Die Jag. int. verdickt, adh&rent, 
mit Eiter u. Fibrin gefüllt, von 
d. Basis an bis zur Vena sub- 
Clav. An d. 1. Hemisph., zwischen 
Arachnoid. u. Pia, längs d. Ve- 
nen Eitermassen, in geringer 
Menge auch an d. r. Hemisph. 
4 Phlebolithen waren im Tumor. 



ogleich sank d. Geschwulst zusammen; weiterer 
Verlauf unbekannt. 

ifialuren geschahen in 34 Tageu, dadurch wurde d. 
Exstirpation erleichtert (V). 
. Text. 



;8 sollte d. Carot. ext unterbunden werden, da aber 
in d. tiefen Wunde noch viele kleine Zweige zu 
sehen waren, die mit d. Tumor in Verbindung stan- 
den, so wurde d. Garot. comm ligirt; sogleich er- 
losch d. Pulsation über d. Ligaturstelle; nur am 3. 
Tage traten starke Kopfschmerzen auf. 



342 



Dr. C. Pilz, 



No. 



Operateur 

und 

Datam. 



Literatur. 



o 



Ursache. 



II 



Tay. 



388. 

389) 
390t 



391. 



392) 
393) 

394. 



39da 

895. 
396. 



397. 



398. 



399. 



400. 



Detmold, 1847 

Blakman, 
1848. 



Van Buren, 
1849. 



Reynolds, 
1844. Van Bu- 
ren, 1850. 
Lenoir, 1851. 

3. März. 



Peixoto, 1851 
14. Nov. 

Parker, 1851. 

Nnnneley, 
Leeds. 1852. 
4. Nov. 



Dan.Brainard, 
Chicago. 1852 
11. Nov. 



F. Ried, Jena. 
1854. 31. Mai 



T. B. Curling, 
London Uospit 
1854. 2. Jun. 



Walton, St. Ma- 
ry*B Hosp. 1854. 
5. Jun. 



Schmidt, Jabrbb. 

Bd. 98. S. 77. 
Amer Jonrn. 1848. 

Apr. p. 357. 



New York Med. 
Journ. 1849. — 
Schmidt, Jabrbb. 
Bd. 98. S. 77. u. 
Oppenh., Ztschr. 
Bd. 45. S. 263. 

Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 77. 

Gaz. des Hopit 
1852. No. 38. 
p. 152. 

Bullet, de l*Acad. 

royale de Paris. 

Vol. 19. p. 455. 
Schmidt, Jahrbb. 

Bd. 98 S. 76. 
Med.-Chir. Traos- 

act. Vol. 42. p. 165. 



Gaz. des H6pit. 
1853. p. 561. 



Briefl. Mittheilung 
an Prof. Gurlt. 



Med. - Chir. Trans- 
act.Vol.37.p.221. 



40 j. 
W. 



40j. 






M. 

17j. 
M. 



"J: 



524j, 
M. 



49i. 



Tum. malign. faciei, 
Fung. haemat 



Tum. malign. in cavo 
narium. 



Aneur. anast. in ca- 
pite. 

Tum. erect in re- 
gione temporal, et 
orbital. 

Tum. anris. 



Tum. fibr. pbaryng. 
et nar. 
Aneur. orbit. träum, 



Med.TimesandGaz.! 5 
1854. Vol. l.p. 184. Mnt 

; W. 



Aneur. anast in or- 
bit. träum. 



Tum. in regione colli 
et faciei dext 



Aneur. orbit. träum. 



Aneur. orbit 



2 
Jhr. 



4 

Mnt 



seit 

3 

Mnt 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 



848 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Geringer Erfolg. — Details fehlen. 

Innerhalb 3 Wochen wurden beide Ligaturen angelegt, 
beim Schluss der zweiten verliert Fat. d. Sehver- 
mögen links. Dies besserte sich in wenigen Mi- 
naten, doch blieb d. 1. Auge u. d. Gedächtniss einige 
Wochen geschwächt. 

Mit Ligat. verkleinert sich d. Tumor, ein heftiger 
Schmerz in d. r. Kopfseite tritt auf, dann auch im 
Uinterkopfe u. im 1. Hypochondrium; Nachts wird 
d. Schmerz heftiger; Delirien folgen, 1. Hemiplegie 
u. Besinnungslosigkeit. 



R. hatte d. Artt. temporal, u. dann Gasot. dext. un- 
terbunden; d. 2. Ligat. hatte Verminderung d. Ar- 
terienausdehnung am Kopfe zur Folge; Details fehlen. 

Der Tumor hatte keine Veränderung erlitten. Beson- 
dere Erscheinungen waren nicht aufgetreten, wei- 
tere Mittheilungen sollten folgen (ich habe keine 
aufgefunden). 

Eine Nachblutung zwang zur Ligat d. Trunc. brachio- 
cephal., nach 2 Mon. befand sich d. Arzt ganz wohL 

Erscheinungen sind, wie andere Details, nicht ange- 
geben. Das Wachsthnm wurde aufgehalten. 

Die Ligat. hob alle Erscheinungen auf, hatte nur 
kurz andauernde Uebelkeit im Gefolge. In d. Nacht 
zum 31. Jan. 1853, ohne besondere Veranlassung, 
neue Her vortreibung d. Augapfels u. Pulsat. in d. 
Augenhöhle. 21. Jun. sind alle Erscheinungen an 
d. erblindeten Auge verschwunden, ebenso d. Puls 
iu d ganzen 1. Art. Carot. 

Mit d. Ligat. erlosch d. Klopfen u. d. Geräusch im 
Tumor. 12. Nov. Kopfschm. r., am 3. Tage trat, 
uuter Wachsthum d. Tumors, leichtes Klopfen n. 
Geräusch wieder auf, Blutg., Acupunctnr; Injection 
von milchsaurem Eisen. 

Ohne Cblorof.; d. Geschwulst wurde auffallend blass. 
3. Jun. Taubheit in d. r. Kopfhälfte u. r. Arme, 
Verkleinerung d. Tumors. 7. Lähmung d. r. unte- 
ren Extremität. 

Sogleich erloschen d. Kopfschmerzen u. d. Klopfen, 
Pupillen dilatirt 3. Juni Schlingbeschwerden, 
vorübergehende Muskelzuckungen. 4. Unterschei- 
dung von hell u. dunkel, d Gesicht bessert sich, 
d. Pupille bleibt weit. 

Ohne Erscheinungen, nach 2 Jahren ist d. Kind in- 
telligent, d. Pupillen sind gleich, d. Gesicht gut; 
die Schwester hatte einen Naevns capitis. 



Kachexie. 



Gehirn r., besonders am Corp. 
striat, weicher» als 1., ohne hä- 
morrhagische Herde. Tumor 
carcinomatös , schien nater d. 
Schleimhaut zu entspriegen; 
gute Thromben bestanden an 
d. Ligatnrstelle. 



Text. 



344 



Dr. C. Pilz, 



No. 



Operateur 

und 

Datum. 



Literatur. 



' ^ 


• 


ua 


■8 


1 < « 


S 






1 c 


M 



Ursache. 



I« Tage. 



5j 



Aus- 



401. 



402. 

403 
404i 

405. 



406f 
407 ( 



408. 

409. 
410. 



411. 



412. 
413. 



J. R. Wood, 
1854. 7. Dec. 



A. B. Mott, 
1854. 
Parker, 1854. 



Nonueley, 
Leeds. 1856, 
8. M&rz. 



J. R. Wood. 



W.R.Donaghe, 
1856. 

A. B. Mott, 

1856. 
Stephen 

Smith, 1857. 

24. Apr. 



Vau Bureu, 
1857. 20. Mai. 



Parker, 1857. 



Robert, Paris. 
1857. 



Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 76. 



do. S 77. 
do. S. 76. 

Med. Times and Gaz. 
1859. Apr. p.431. 



Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 75. 



do. S. 78. 

do. S. 77. 
do. S. 78. 



do. S. 77. 



do. S. 77. 

Gaz. hebdom. 1859. 
p. 53. 



23 



V: 



w. 

45j. 
M. 

38j. 
M. 



11: 



I5i 






25j. 
M. 



4%j 



Fung. haemat. man 
dib. et phar^ng. 



Aneur. per anast 
faciei. 
Garcin. antri. 



Aneur. orbit. 



Encephaloidkrebs d. 
Antruro. 



Fung. palat. dur. 



Aneur. anast 

Tum. malign. max 
sup. 



Tum. puls, in orbita 
dextra. 



Tum. erect. in reg. 

temporal, et parle- 

Uli. 
Aneur. cirsoid. 



An- 
geb. 



30 

Weh. 



13 



t 

i Jbi 



17 Heiig. 



ca. 

1 
Mnt. 



Heils 



- t 
60. T{ 



5 ,Gene- 
^**- 80 ng. 
26 Gene- 
sung. 



t 
13. Tj 



21 In B< 

; hand- 
lang, 
t in 
einig. 

Taget 



Zor Ligatar der Arteria Carotis commuDis. 



345 



Besondered bei der Ligatur and im Verlaafe. 



Todesursache and Section. 



r Tamor Teranlasste eDorme Behioderang beim 
Schlingen u. Athmen; später theilweises Abbinden 
n. Abtragen d. Tumors durch d. Scheere schaffte 
DQD Linderang. — Fat. geht zu einem Krebsdoctor, 
wo er nach } Jahre stirbt. 

iDe besondere Angaben; nach ^ Jahre volle Ge- 
nesong. 

)terbindang beider Gefässe in 32 Tagen, Details 
fehlen; Nachblutg. aus einem peripher. Ende wurde 
durch Druck gestillt; Wunde scfaliesst sich. 
?at. ohne jede Hirnerscheinung, nur nach 4 Tagen 
Schmerzen im Halse, Schlingbeschwerden u. Expec- 
torat von etwas blutigem Schleime; nach einem 
Jahre d. 1. Auge ganz gut, kein Puls in d. 1. Art. 
Garot. , aber wohl in ihren Zweigen schwache Pnl- 
sation. 

bne Erscheinungen geschah d. erste Operation, nach 
2 Mon. wird Fat. gebessert entlassen; schon nach 
1 Mon. VergrdsBerung der wieder ulcerirenden Ge- 
schwulst. Die 2. Ligat hat Dnruhe, Trockenheit 
im Monde o. Rachen zur Folge; d. Tumor verklei- 
nert sich, später folgt Diarrhoe, Frost, Delirien, 
Blosdegong d. Antrums, Erschöpfung. 
>er Tumor hinderte sehr beim Schlingen, Atheraho- 
len Q. Sprechen; Erscheinungen werden nicht an- 
gegeben; nach 6 Wochen wuchs d. Neabildg wieder. 
Details fehlen; beim letzten Besuche Hoffnung auf 
Tolikommene Genesung. 

>bae Ghlorof. (wegen d. vorhandenen Athembeschwer- 
den), bei d. Ligat. mussten viele kleine Arterien 
nnterbonden werden; keine Störungen traten auf; 
Tamor nicht verkleinert, seine Bedeckungen blässer, 
Schmerzen n. Blutungen aus d. Tumor sind ge- 
schwunden; Kräfte gebessert. 
^'or d. Li^at ist d. Sehvermögen erloschen ; es be- 
stand Exophthalmus n. hochgradiger Schmerz; 
letztere Leiden sind in 8 Ts^en nach d. Operation, 
die keine Ersi-heinungen im Gefolge hat, ver- 
schwunden; am S. Tage die ersten Zeichen d. 
Pyämie. 



^acb d. Ligat. erfolgten keine Hirnerscheinungen, 
^m 21. Tage Nachblutg. Fat. noch in Behandlung. 

Kiöe gewisse Aufgeregtheit war die einzig bemerk- 
bare Folge, Fat. auf Wunsch sehr früh entlassen; 
bald folgen Delirien u. Lähmung d. 1. Seite u. r. 
d. Gesichtes, dann schnell der Tod. 



An Phthisis. 



Kachexie. 



I^rschöpfung. Section ist nicht 
gestattet 



Abzehrung. 



Pyämie. — Die Ligat. liegt der 
(jefäsSBcheide locker an; d. Ge- 
fäss vollkommen getrennt; die 
\" zurßrkgezogenen Enden gut 
verschlossen; d. Vena jugul., 
der Ligaturstelle gegenüber, ex- 
ulcerirt 1" weit; in d. Lunge 
mehrere Abscesse. 



Section nicht gestattet. 



346 



Dr. 0. Pila, 









«X 


i 


!^-l 


•6 g i 


No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


it 


1 

lO 


Ursache. 


i 


|i( Aas- 
'^ \ gan«:. 








O ,M| 




Tage. , 


414. 


NuDueley, 


Med.-Chir. Trans- 


"V: 


1. 


Aneur. orbit. spont. 


^__ 


^_^ 


t 16 




1858. 3. Apr. 


act.Vol.42.p.l76. 










Tg. 


415. 


Bowmau, 


Med. Times andGaz. 


'S: 


r. 


Aneur. orbit. träum. 


5 




t 




1859. 28. Febr. 


1860.VoL2.p.l07. 






Mnt. 




17. Tg 






•— Demarquay, 


















Tum. de lorbite. 














416. 


V. Mott, 1859. 
1. Jun. 


p. 327. 

New York Med. 
Press. - Med. 
Times and Gaz. 
1859. p. 211. 


— 


l. 


Tum. fnng. antri. 




— 


— 


417. 


Nunneley, 


Med.-Chir. Trans- 


42 j. 


r. 


Aneur. orbit. 


seit 


23 


Gene- 




1859. 24. Oct. 


actVol.42.p.l87. 


W. 






28/7. 




sung. 


418. 


Bertherand, 
1860. 15. Mai. 


Gaz. des Höpit. 
1860. p. 539. 


4i 
Mut. 
W. 


1. 


Tum. erect. in reg. 
temporal. 


— 




Heiig. 


419. 


Bowman, 


Med. Times and Gaz. 


40- 


1. 


Aneur. orbit. spont. 




17 


Gene- 




1860. 18 Jun. 


1860. Aug. u. 1861. 


"i 








mit Isuns. 






Vol. 2. p. 86. 








ßitgJ; 


420. 


Syme, Edin- 
birrg. 1860. 
3. Jul. 


S'. Observat in cli- 
nical Surg. p. 161. 


22j. 


r. 


Aneur. orbit. epont 




14 


Ueil?. 


421. 


Hart, 1861. 


Lancet. 1862. Vol. 1. 


llj 


1. 


Aneur. arL-veuos in 


_ 


8 lueilg 




März. 


p. 271. 


M. 




orbit. träum. 








422. 


Morel - Laval- 


Gaz.desHöp. 1861. 


36 j. 


1. 


Fung. pulsat. durae 


2 


__ 


t 




löe,1861.7.Aug. 


p. 108. 


M. 




matr. 


Mnt. 




ll.T 



Zar Ligatur der Arteria Carotis coiDinnnis. 



347 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



7. empfand Pat. plötzlich ein Krachen u. Sehmerz 
im L Auge, d. Ligat. war schwierig, u. hatte Cod- 
Tulsionen 1. u uorubige Lage d. r. Extremit. zur 
Folge, Fat bleibt etwas uDbesioDlich, Singultus, 
Uebelkeity Puls klein (Ammon.); wird besinnlich 
nach einigen Stnoden; kann schwer sprechen. 4. 
Apr. Scblingbeschwerdeu. 5. Convjuls. 1. etc. 13. 4 
Blutungen, die sich wiederholen. 



Mit d. Ligatur bOren Puls u. Geräusch im Auge auf, 
ebenso das Doppeltsehen, später kehrt d. Geräusch 
wieder. 7. Tag hat d. Wunde bchlechtes Aussehen. 
10. Tag erfolgen aus ihr Blutungen, die am 11. u. 
12. stärker werden. 

Der Tumor Terminderte sich nach d. Operation etwas. 



Eine Woche toc d. Geburt plötzlicher Schmerz in d. 
r. Kopfseite, später im r. Auge, das heiss ist und 
nicht mehr bewegt werden kann, später Pulsation 
u. Geräusch; mit d. Ligat. gehen alle Erscheinun- 
gen TorOber, doch kehrt d. Gesicht nicht wieder. 

Chloroform. Die Ligat. d Art. Garot ext; bewirkte 
Verkleinerung d. Tumors, aber schon am Abende 
bestand d. frQhere Zustand, deshalb wurde so- 
gleich d. Ligat d. Garot. comm. gemacht, ohne 
jede Erscheinung u. Störung im Verlaufe. 

Die Erscheinaogen gehen sogleich zurfick,x. Gesichts- 
seite wärmer, als linke. 45. Tag Blutg., d. Gesicht 
verloren. 

Das Schwirren u. d. Schmerz im Kopfe stand nach 
Compression d. r. Garot, u. erlosch mit d. Ligat. 
9. Auge hat normale Stellung, Doppeltsehen ge- 
schwunden. 

3 Wochen lang Digitalcompression bis zu 15 Minuten. 
Mit d. Ligat. trat Schwächung, später ErlÖscben d. 
Geräusche u. Kopfschmerzen ein; Gehirnerschei- 
nungen erfolgten nicht. 

^Is d. Art. zur Unterbindung auf einer Sonde erho- 
ben vurde, wird d. Stimme schwach, u. es entsteht 
ein Schmerz im 1. Auge; mit d. Ligat. erlöschen 
d. Pulsationen, mehrfache Blutungen treten seit d. 
11. aus d« Wunde auf Fröste. 



Erschöpfung. — Linke Hemisph. 
erweicht, besonders im mittle- 
ren Lappen ein haselnussgrosser, 
erweichter Herd ; Gehirn gleich- 
massig blass; d. Zweige d. Artt. 
vcrtcbr. u. Garot. atheromat 
Ligat liegt dicht unter d. Bi- 
furcation, tiefe Theilung; am Ur- 
sprünge ist die Art thjr. ul-> 
cerirt, Vena jug. n. N. vagus 
uormaL 

Blutung. — Art Garot ganz ge- 
snnd, Vena ophth. cavernös. 



Prämie. — Unterer Thromb. fest 
adbärirend, nicht d. obere; der 
aussen sichtbare Tumor dringt in 
2 Ausbuchtungen durch d. Hirn- 
schale, bis zur Dura mat ; an die- 
ser Stelle zeigt d. Gehirn eine 
Depression. Abscesse in den 
Lungen. 



348 



Dr. C. PH«, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. || 


i 


Ursache. 


|3. 5^1 gang 

Tage. 


423. 


V.Mott, Vincent 
Hosp. 1861. 


Amer. Med TimeB. 
1861. 23. März. 
193. Spitalbericht 
d. Vinc. Hospit 




r. 


Tum. fong. antri. 






Geil-?- 

sang. 


424. 


D. Greig, Dun- 
dee. 1862. 30. 
Apr. 


Edinb. Med. Journ. 
1862. Jul. - Doc. 
p. 44a 


'ü: 


1. 


Anenr. orbit. tranra. 


14 


24 


Heiig 


425. 


Sou tham, 


Med.-Chir. Trans- 


] 
28j. ,r. 


Aneur. anastom. ca- 


8 




Heil" 




Royal Infirmarv, 


act. Vol. 48. p. Co. 


W. 




pit 


Jhn 




a-A^ai^ 




Birmingham. " 


















1864. 20. Mai. 
















42«. 


Morton, 1864. 


Amer. Journ. Apr 


"J: 


r. 


Aneur. orbit. spont. 




21 


Heiig 




4. Dec. 


p. 318-327. 




(in graviditate). 






427. 


Szokalsky, 


Mon.-Blatt ffir Au- 


7 


1. 


Aneur. orbit. träum. 






lUilg 




Warchan, 1864. 


genheilkd. 1864. 














Sept.-Dec. S. 427. 


















— Schmidt, 


















Jahrbb. Ibüö. 


















S. 329. 














428. 


Auvert, Mos- 
kau. 


A., Selecta prax. 
med. et Chirurg. 
Paris. 1848. - 
Archives g^n^r. 
4. Sör. Vol. 19. 


T 


r. 


Teleang. in regione 
auris. 




" 


+ 






















p. 261. 










j 


429. 


BojanuB,Ni6ch- 


Archiv für kUn. Chi- 


— 


L 


Polyp, narium. 


_ 


13 ; + 

113. T| 




ny -Nowgorod. 


rurg. Bd. 3.(Adel. 














mann cit.). 










1 m 


430. 


Van Buren, 


Schmidt, Jahrbb. 


']!: 


1. 


Aneur. orbit träum. 


- 


111 llloilcr 




(18Ö0?). 


Bd. 98. S. 77. 








12 


i 

1 

1 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commonis. 



349 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache nnd Section. 



lit d. Ligat. vermindert sich d. Tumor etwas; 20 
Std. Dach derselben treten Delirien mit Gonvulsio- 
nen aaf, weitere Details fehlen. 

Sei einem Fall wird d. Kopf 1. gestreift, d. Auge nicht 
verletzt, Pat. betäubt, folgenden Tages Kopfschmerz 
u. Singen im I. Ohre; am 2o. Apr. Kopfschmerz, 
besonders in d. Stirn, Nachm. im 1 Auge, Schwel- 
lung d. Augenlider I., Sehvermögen gemindert. 
28. Exophthalmus, Chemosis, starker Puls in d. 
Augenhöhle. Mit d. Ligat. schwindet sogleich d. 
Pulsation, allmälig kehrt d. Beweglichkeit d. Aages 
zurQck. 6. Tag kann Pat. schon Finger zählen, in 
3 Monaten Alles normal. 

Ohne Chloroform. Während d. Ligat. treten Convnl 
sionen auf. 22. Wohlbefinden, kein Puls in Art. 
temporal 26. Puls in Temporal. Die Gefftssaus- 
debnnng nm Kopfe weich, blutleer; ^s werden 4 
Fäden an d. nlcerirten Stelle hindurchgelegt. 

Mit d. Ligat. schwindet d. Pulsation, Geräusche n. d. 
Turgescenz der Gefässe; Nachmittags: Puls 72, 
Trockenheit u. Schmerzen im Halse, Kopfschmerz 
l. 5. Schlingbeschwerden, 6. um Mitternacht Con- 
Tulsionen, denen ein guter Schlaf folgt; seit d. 9. 
ungestört guter Verlauf. 

Digiulcompression 3 Tage lang; mit d. Ligat. treten 
keineHirnzn falle auf; nach 4 Tagen Pulsat. in Art. 
temporaL, nie mehr im Aneur., das bald schwand; 
Stellung u. Sehvermögen d. Auges bald normal. 



deutliche Pulsat. u. mehrfache Blutungen bestanden. 
Die Ligat liess d. Tumor schwinden, aber Kopf- 
schmerzen stellten sich ein, gefolgt später von einer 
Hemiplegie; eine kleine Nachblutng erschien. 



Der Poljp wuchs dann weiter, n. wurde endlich ex- 
stirpirt, ohne besondere Blutung. 

^ach einem Fall, mit den Zeichen einer Pract. bas. 
cran. zeigten sich in d 4. Woche, Exophthalmus, 
mit pochendem, spannenden Schmerze, Sausen etc., 
dagegen hilft d. Compression d. Carot., deshalb d. 
Ligat., worauf Pulsat. u. Sausen erlöschen; d. Ex- 
ophthalmus geht langsam zurtick, bisweilen noch 
Doppeltsehen; besondere Erscheinungen treten 
nicht an f. 



Encephalitis. 



Pyämie. 



350 



Dr. C. Pilz, 



No. 


Operateur 

and 

Datam. 


Literatar. 




1 


Ursache. 


1 










O 


M 




T^V. 


431. 


Cherry. 


New Orleans Med. 
and Snrg. Joam. 


'H: 


— 


Tumor. 


— 


- JBei^ 






1859. p. 672. — 


















Ehrmann, Des 


















effets prodnits etc. 
















• 


p. 55. 














432. 


Legonest. 


Oaz. med. 1864. 
p, 214. 


w. 


1. 


Aneur. orbit. (oph- 
tbalm.) träum. 


— 


-:Heil& 


433. 


ListoD. 


Lancet. 1844. Vol. 
2. p. 276. 


"^; 


l. 


jAnenr. anast. ? 
(Varix. arter. capit. 


— 


— 


10. Tg 


434. 


iiacmanns, 
Dnblin. 


Crisp., Die Krank- 
heiten d. Artt. u. 
Venen. S. 185. 


M. 




Tum. in regione colli. 


~ 


" 


+ 


435. 


MaiBonneuye. 


Gazette des Höpit 


30j. 


r. 


Anenr. Tartcos. in 


2 


^ 


t 






1849.p.506n.532. 


W. 




osse pariet. trauro. 


Mnt 




aTf 


436. 


Maunoir, Genf. 


Omodei, Annali di 


30j. 


1. 


Anear. cirsoid. 






Gm- 






Medic. 1821. p. 159. 


M. 








SODg. 

1 


487. 


Millies, Leip. 
zig. 


Qfinther, Opera- 
tionslehre. Lief. 61. 
S. 75. 


— 


— 


Struma yascnl. 


— 




t 

4. Tg 


438. 


V. Mott. 


Amer. Med. Journ. 


_ 


L 


Garcin. parot 






t , 


439. 




1847. Jul. - Prov. 

Med. and Snrg. 

Jonrn. 1848. p. 137. 

Amer. Med. Jonrn. 


"" 


r. 








24Std 


439a 


Massej. 


19j. 


1. 


Naev. vascul. in re- 


An- 





Heiig. 


489b 




1853. N. S. 52. 


M. 


r. 


gione anris. | 


geb. 






440. 


Syme. 


Provincial Med. and 
Snrg. Journ. 1848. 
p. 137. 


jun- 
ger 
M. 

1 


r. 


Tum. colli (Anenr. 
angenommen). 






t 



Znr Ligatur der Arteria Carotis cominnDis. 



351 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Gehirnerscbeinungen sind nicht bemerkt. 



Da d. Digitalcompression nicht zum Ziele führte, so 
machte L. d. Ligatt. d. Artt. Garot. comm. n. eit. 
mit Erfolg, ohne jede Erscheinung. — Chloroform. 

GehimerscheinuDgen werden nicht aufgeführt. 

Man hatte ein Aneurysma angenommen. 



MVelpean's Rath wurde d. Art. Garot. ext un- 
terbunden, sogleich hörte d Puls im varicdsen Ar- 
teriensystem auf, d. Ligat fiel am 16. Tage, gleich- 
zeitig war d. Art. thyr. sup. ligirt worden. Da 
mehrere Blutungen auftraten, so sollte d. Art. Ga- 
rot. int. isolirt unterbunden werden; sehr schwer; 
M. unterband nun d. Carotis comm. u. int., bald 
folgte Lähmung d. Gesichtes L, am folgenden Tage 
volle L Hemiplegie. 

^'ach Scarpa's Methode, temporär; d. Operation 
hatte keine Erscheinungen im Gefolge; am 3. Tg. 
wird d. Ligat., da keine Pulsat. mehr besteht, ent- 
fernt; die im Ohre u. Auge Yorhandenen Schmer- 
zen vergehen, d. Unterkiefer lässt sich wieder 
schmerzlos Öffnen, d. Anfangs verkleinerte Tumor 
wichst wieder znr frflheren Grösse an. 

Bei einer Struma, bei welcher d. Art thyr. (?) bis 
zur Dicke eines kleinen Pingers erweitert, n. d. 
Carot. comm. sehr stark war, hoffte M., durch d. 
Ligat Erleichterung zu schaffen; Gehirnerschei- 
nuDgen sind nicht angegeben. 

looerbalb 16 Minuten wurden, um d. Ernährung der 
Neubildung zu entziehen, beide Hauptstämme li- 
girt Coma. 

Seit 8 Jahren stärkeres Wachsthnm; heftige Blutun- 
gen; innerhalb eines Monats wurden beide Ligatt 
gemacht, nur you vorübergehender Schwächung d. 
gleichseitigen Auges gefolgt 

Der Tumor zeigte deutliche Pulsat an allen Theilen 
gleich, sollte bei Anstrengungen wachsen, hatte am 
oberen Theile ein besonders lautes Geräusch. Mit 
d. Ligat nahm er an Umfang ab, keine Hirner- 
scheinnngen traten ein. 



Blutung. 

Diarrhoe. — Das angenommene 
Aneurysma war ein carcinomat 
Tumor. 

Die r. Hemisph. erweicht Der 
N. sympath. ist sowohl in d. 
Ligat. d. Art Carot comm., als 
int mit eingeschlossen. 



Tod plötzlich. Section fehlt 



Nachblutung. — Das angenom- 
mene Aneur. war eine mit d. 
Arterienscheide verwachsene 
Cyste. 



352 




Dr. ( 


D. PiU 


} 








No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


il 


1 


Ursache. 


Tmgß. 


441. 


J. S. Thebaut. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98 S. 77. 




r. 


Aneur. anast faciei. 


— 


10 'b^ 

ruE» 


442. 


Unbekannt. 


Vi dal, Traite de - 


— 


Tum. carc. (Aneur. 


— 


— 


ti 






pathol. ext. Vol. 2. 






angenommen). 












p. bl8. 














443. 


Nunneley. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 130. Hft. 4. 


.oi. 


1. 


Aneur. orbit. träum. 


— 


— Heil 






p. 73. 














444. 


Nunneley. 


do. 


•a- 


r. 


(Aneur. orbit angen.) 
Carcinom. 


4 
Mnt. 


— 


- 



Zusätze zu Yorsteb 

307) Im Anfange der Schwangerschaft fühlte Fat. plOtzliqli ein Knackes 
im 1. Yorderkopfe, mit Schwellung der Augenlider ; allmälig bildete sich eine 
Hervortreibung des Augapfels aus, mit Pulsationen in seiner Tiefe. Com- 
pression der Artt. temporal., maxill. ext und angul. half nichts, nur die der 
Carotis. Mit der Ligatur schwindet der Kopfschmerz, schwache Palsationen 
bleiben noch fühlbar, nach 4 Monaten ist der Tumor kleiner, mit schwachen 
Undniationen; die 1. Carotis polsirt; im Mai 1811 volle Heilung. 

308) Plötzlich entstanden. 

309) Nach 15 Jahren ist der Tumor in alter Grösse yorhanden. 

311) Nach der Ligatur föllt der Tumor zusammen; in einigen Monaten 
beginnt der aneurysmatische Sack zu wachsen, (Venaesect.), es werden dann 
isolirt die zufOhrenden Arterien unterbunden, und eine dirccte Compression 
auf den Tumor ausgeübt. 

315 u. 316) Die in Hagerstown lebende Pat hatte au beiden Augen 
Rchwammartige (?) Geschwülste, deren stetiges Wachsthum durch die Liga- 
tur der Carotis verhindert werden sollte. Mehrere Monate nach der Opera- 
tion war Pat. nicht nur wohl, sondern die Tumoren hatten sich auch ver- 
kleinert Ausser dieser Notiz im Briefe von Dr. Cohen an K. Rodgers 
habe ich über diesen ersten Fall beiderseitiger Ligatur der Carotis nichts 
auffinden können. 

327) Der teigig sich anföhlendo, nicht pulsirendp Tumor bedeckt« die 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commonis. 



35S 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Der Tumor wurde blasser, ohne ganz zu schwinden; 
Details fehlen. 

Yidal fand im Temporalmuskel eine harte Geschwulst, 
die er f&r ein Aneur. hielt; ein anderer Arzt be- 
ging denselben Fehler, und legte d. Ligat. an. 

Ohne Chloroform. Mit d. Ligat. schwand d. Sausen, 
d. Geftssffllle u. Puls in d. Augenhöhle, 4 Tage 
sp&ter schienen d. Erscheinungen wiederzukehren, 
doch nach 8 Mon. hatte d. Auge normale Stellang 
Q. Aussehen , nur d. Sclera blieb dnnkeler, Sehver- 
mögen links gebessert, nach 1^ Jahren normal. 

Die Ligat schafft Erleichterung, aber am 5. Tage 1.- 
seitige Lähmung, die langsam zurückgeht Die 
Polsat des in seiner GrOsse unrerftuderten Tumors 
kehrt nicht wieder. 



Todesursache nicht angegeben. 
Sect. : d. Tumor war ein Krebs- 
knoten. 



ender CasniBtik. 

balbe Nasenwurzel, das obere, nicht zu hebende Augenlid, nnd reichte in 
die Augenhöhle. 

328) Zu diesem Falle bemerkt G. B. Günther, No. 235a.: Nachdem F 
einen Faden um ein Bündel geführt, und die dabei Stehenden Puls darin 
in fühlen geglaubt, wurde die Ligatur geschlossen ; der Puls in der Art tem 
poral. dauerte fort Die Carotis war nicht unterbunden worden. 

329) Die Neubildung umfasste einen grossen Theil der Stirn, der Schlft- 
fengmbe, den Schläfen- nnd Seiten wandbeines; eine lange Narbe rührte von 
einem Operationsversuche Ch. BelTs her. Am 11. Oct wurde der Tumor 
so weit ab mOglich exstirpirt, ohne besondere Gefftsse zu unterbinden; die 
betreffenden Knochen waren schon angegriffen, Aetzungen blieben gegen 
eine neue, flächenhafte Ausbreitung erfolglos; am dnrch Nahrongsentziehung 
m wirken, wurde die Kopfschlagader unterbanden. 

821) Nachdem schon zwei Operationen am Kiefer ohne Erfolg ausge- 
^hrt waren, wollte D. die Pat nicht mehr operiren. Versnchsweise machte 
M., mit Zustimmang Lallemand's, die Ligatur der Carotis. 5 Stunden 
später Schmerzen im Zahnfleische und Munde, brennendes Gefühl beim Schlin- 
gen; der Pols istfreqaent, Kopfschmerzen fehlen; nach 12 Standen ROthung 
nod Schwellang des Gesichtes, Kopfschmerzen, Schlingbeschwerden, der lang- 
same Pols voll, grosse Unrnhe, (Venaesect) Erbrechen. Den 6., 7. nnd 8. 
starkes »Arbeiten* im Tumor. 9. Morgens wohl, nach 2 Stunden Ohnmacht, 

▼. Langenbcek, ArehW f. Cblnirgic. IX. 23 



354 ^r- 0. Pila, 

der Kopf sinkt auf die 1. Seite. Gesicht bleich, das r. Bein nnr etwas ge- 
schwächt; plötzlich im gelähmten Arme unwillkürliche Contractionen. Am 
Anfange des 3. Monates ist der Tumor nur halb so gross. 

882) Die pulsirende Geschwulst bedeckt Schl&fe, Seitenwandbein und 
Stirn; die I. Carotis ist mit ihren Zweigen bedeutend erweitert, besonders 
die Art. occipit.; die Art. temporal, wurde ohne Erfolg früher unterbunden. 
12. Unbesinnlichkeit, wie gestern, die 1. Pupille contrahirt; 13. Besserung 
des Allgemeinzustandes, Verlust des 1. Auges. Am 26. Tage hat der von 
normal gefärbter Haut bedeckte Tumor nur die Hälfte seiner früheren Grösse. 
die Artt. temporal, und occipit. pulsiren nicht mehr. Am 4. Jan. 1828 fand 
Mayo den grossen Tumor stark pulsirend. — Die Injection wies nach, das» 
die Art occipit. hauptsächlich die Neubildung veranlasst hatte; die Carot. 
comm. war bis zur Theilungsstelle obliterirt, ebenso die Vena jug. int; 
um das Ghiasma nerv, optic. herum, und im 4. Ventrikel fand sich Eiter. 

333) u. 334) Die klopfende, purpurrothe Geschwulst sass mit einer Ba- 
sis von 5 Zoll Durchmesser auf dem Scheitel; dieselbe, angeboren, hatte 
sich seit 3 Jahren bedeutend vergrössert, auf ihr bestand ein atonisches 
Geschwür, das mehrfache Blutungen geliefert hatte. Die 1. Temporal. (Art 
und Ven.) hatte hart am Ohre ) Zoll Durchmesser; die geschlängelt ver- 
laufende Art temporal, zeigt Pnlsationen bis 15 Fuss Entfernung; am Kopfe 
sah man ausserdem gegen 20 pulsirende, wenigstens gänsekieldicke Gefässe; 
Nach der Ligatur war der Tumor nur weniger straff gespannt; der Zafloss 
von der anderen Seite offenbar. Die Unterbindung der zweiten Carotis hatte 
gleichfalls keine Gehirnerscheinungen im Gefolge; Pat. erhob sich selbst 
vom Operationstische (Adstring. Compress.). Nach 2 Wochen hat der Tu- 
mor i der alten Grösse, blieb 6 Tage stationär, wuchs dann, färbte sich 
dunkeler. Da die Ligaturen das Uebel nicht gehoben hatten, wurde die Ex- 
stirpation gemacht Schon beim langsamen Umschneiden der Geschwulst 
▼erlor, trotz sofortiger Unterbindung der einzelnen Gefässe, Pat etwa 2 
Quart Blut; Ohnmacht; die 250'' haltende Wunde ist in 8 Wochen fost 
geheilt 1837 giebt M. an, dass sich Pat wohl befinde, und an seinen geisti- 
gen Fähigkeiten keine Einbusse erlitten habe. 

337) Nach Arch. gön^r. (1834). S^r. 2. Vol. 6. p. 23. soU die Ligator 
ohne Erfolg gewesen sein. 

838) Ohne jede Veranlassung hat Pat am inneren Angenwinkel eine 
eigenthümlich drückende Empfindung, die sich bald auf den Kopf weiter 
ausbreitet; die entstandene, haselnussgrosse Geschwulst pulsirt: die im Mai 
gemachte Unterbindung der Art facial. ist ohne Nutzen; bald zeigte sich 
eine pulsirende Geschwulst am inneren Winkel des 1. Auges. 

343) M. hatte die Ligatur beider Carotiden in Aussicht genommeo, 



Zar Ligatar der Arteria Carotis comnioDis. 355 

eisige Zeit nach der Operation war der auf i seines früheren Volumens zn- 
rfickgebildete Tomor härter geworden, so dass die Exstirpation erleichtert ist. 
346) n. 347) Im 4. Jahre begann der an der r. Nasenseite ursprünglich 
sitzende Tnmor zn polsiren, nnr die Gompression der Carotis hob diese Pal- 
sation auf; die Unterbindung der aufs Doppelte erweiterten 1. Carotis hatte 
keine Gehirnerscheinungen im Gefolge. 

350) Bin Jahr nach einem Falle vom Pferde entstand am Hinterkopfe 
eine kleine, schmerzhafte, deutlich pulsirende Geschwulst; die von einem 
Chirurgen für einen Abscess angesehen, geöffnet, eine später wiederkehrende 
Blutung lieferte. Bei der Aufnahme war fast der ganze behaarte Kopf und 
die Stirn auf der r. Seite mit aneurjsmatischen Geschwülsten bedeckt. Aus 
einem kleinen Geschwüre am Hinterkopfe entstand beim Abnehmen des Ver- 
bandes eine starke, von der Art. occipit. gelieferte Blutung ; heftige Blutung 
am 4. Aug. führt zur Ligatur. 

351) Pat. wird etwas kühler; Abds. Fieber, das einige Tage besteht; 
die Stimme für einige Tage verändert, Singnltus. 2 Tage nach der Opera- 
tion ist der Tumor wieder turgescirender, nimmt dann wechselnd ab und 
zn; — eine gewisse Beziehung zum Mondwechsel bestand. (?) 

353) Den 18. ist das Auge kaum noch prominent, späterer Bericht lässt 
den Tumor' geschwunden, und den Pols in der Carot comm. und ihren Zwei- 
gen erloschen sein. 

856) Nach Stoss entstand eine Sugillation an der Stirn; seit 8 Monaten 
zeigt sich an dieser Stelle ein blänliches, stetig wachsendes, leicht bluten- 
des Knötchen, die Exstirpation unterblieb wegen heftiger Blutung bei Be- 
ginn derselben. Die die halbe Stirn jetzt einnehmende Geschwulst besteht 
eigentlich ans zwei differenten Neubildungen. Die Zweige der Art temporal, 
erweisen sich als erweitert, eine bläuliche Excrescenz sprosst auf dem r. 
Sdieitelbeine; beide Ohrspeicheldrüsen sind schmerzhaft. Um die Nahrungs- 
zufuhr dem Neoplasma zu entziehen, wurde die Carot. comm. unterbunden. 

383) u. 384) Das Uebel, aus einem sogenannten Muttermale entstanden, 
bedeckte, ausser dem grössten Theile der 1. Gesichtsseite, noch einen Theil 
des Halses, setzte sich, als fnngöse Geschwulst mit von Blut strotzenden 
Granulationen, auf die innere Seite der Unterlippe und über die untere Zun- 
genfläche fort, deren 1. Hälfte um das Doppelte vergrössert war. Mit der 
Ligatur wurde die Geschwulst blasser, die Lippeaschwellung verkleinert. 
Die Ligatur der rechten, um k erweiterten Carotis hatte keine Folgen; 26. 
die am Tumor vorhandenen, exulcerirten Stellen sind völlig vernarbt, die 
Gesichtsfarbe erblasst, die Lippe noch unförmlich dick; bei einer keilförmi- 
gen Excision aus derselben war die Blutung gleichwohl nicht unbedeutend. 
Am 12. Dec. war das Gesicht von fast normalem Aussehen, es fehlte Pul- 

23* 



856 I>r. C. Pill, 

sation in der Temporaiis und anderen (?) Kopfarterien; Ober dem Schlfissel- 
beine fanden sich zwei neogebildete, starke Arterien; 4 Monate nachher ist 
Fat. noch ganz gesund. 

385) n. 886) Während R.Cooper*s Nadel um die isolirte Arterie fahrt, 
stösst Fat einen lauten Schrei aus, die Athembewegungen werden stark, 
der Körper mit Schweiss bedeckt, die Stimme verändert; alle diese Erschei- 
nungen, mit Ausschluss der 8 Tage veränderten Stimme, lassen schnell nach. 
23. Rippenfellentzündung; 3 Wochen lang pulsirt die 1. Temporaiis nicht; 
der pulslos gewordene Tumor ist kleiner; nach 4 Wochen Pols im Tumor, 
nicht in der Temporaiis. 26. Juli. Obwohl bisher andauernd ein Druckrer- 
band angewandt worden, tritt aus einer noch ulcerirenden Stelle eine Bla- 
tung ein; die Stimme noch verändert (aiguS et rauque). Bei Schluss der 
zweiten Ligatur wurde Fat. sehr blass, empfand starke Kopfschmerzen, 
Schwäche ip beiden, und Schmerzen im r. Auge, Brechneigung, das GefQhl 
von Ameisenlaufen in der unteren Extremität, dann Schlingbeschwerden^ 
am 4. Tage ist der Znstand fast normal. Den 1. Mai 1850 bestehen keine 
Fulsationen im Tumor. 

394) Abweichende Angaben liefern die beiden mir zugänglichen Qoellen. 
394 a) (Die Krankengeschichte ist nicht ganz deutlich). 
398) Im 34. Lebensjahre war eine Geschwulst unter dem Ohre exstirpirt 
worden, 4 Jahre darauf ein Recidiv. Der jetzige Tumor 9'' lang und S|f" 
breit, eigentlich aus 3 bestehend, nahm die rechte Schläfen-, Farotis- ond 
Halsgegend ein, ragte einwärts in die RachenhGhle; das AUgemeinbefiadeo 
war durch heftige, in die Stirn- und Hinterhauptsgegend ausstrahlende 
Schmerzen und Schlaflosigkeit alteriri Da die Neubildung immer mehr wuchs, 
und Fat einen operativen Eingriff verlangte,- die Exstirpation aber nicht 
mehr ausführbar erschien, so wurde zur Ligatur der Carotis, ohne Chloro- 
form, geschritten. Die Geschwulst wurde auffallend blass, die Respiration 
leichter, der FuLi stieg in seinen Schlägen von 56 auf 96. 8. Taubheit in 
der r. KCrperhälfte, besonders im Arme und den Fingern, Schmerzen in der 
Magen- und Lebergegend. 4. Der Tumor ist um ^ des Volumens kleiner. 
6. Schmerzen im r. Arme, der nicht freiwillig beweglich ist, Gangrän der 
Wundränder, weiteres Collabiren der Geschwulst 7. Lähmung des r. Beines. 
8. grosses AngstgefQhl, Respirationsnoth. — Section: Der Tumor ist ein 
Markschwamm, in dessen Inneren durch Zerfall des Gewebes sich eine Höhle 
ausgebildet hat; in der Carotis finden sich 2 Thromben, von denen der pe- 
ripherische fester ist Coagula finden sich auch in der Anonyma und Sub- 
clavia, nebst der Vena jug. und subcl., eine fiitersenknng besteht am Halse, 
längs den Gefftssen herab; die GefEsse der Gehirnoberfläche sind stark in- 
jicirt; ein blutiges Extravasat liegt an der Schädelbasis, dem mittleren r. 
Lappen entsprechend; Kleingehirn hjperämisch. 



Zur Ligator der Arteria Carotis commuoia. 357 

4U) Abends wird Fat unruhig, es treten linksseitige Convulsionen auf; 
den 6. unruhiger Schlaf, Fat. liegt schlaflos, mit geschlossenen Augen; im 
Auge wieder Pulsation, die rechtsseitige Lähmung ist ausgesprochen. 10. 
eine Spur ron Kraft in der r. Hand; 12. Blutung aus der Wunde, die Fa- 
ralyse bessert sich; 13. Blutung, Fat. kann die Zunge etwas ausstrecken 
und einige Worte undeutlich aussprechen; vom 14. bis 19. treten mehrere 
Blutungen ein. 

415) Als Fat. zu sich kam, ffihlte sie noch das Ger&nsch im Kopfe. 

416) Hierbei heisst es, dass M. in diesem Falle das 46. Mal die Liga- 
tur gemacht habe. 

419) Vor der Ligatur war durch 14 Tage Digitalcompression ausgefibt 
worden. Als am 45. Tage nach der Operation 2 Blutungen sich einstellten, 
wurde das Auge wieder prominenter, und zeigte von Neuem ein blasendes 
Geräusch ; während bis zum 19. Besserung eintrat, fand sich am 19. und 20. 
Verschlimmerang, dann, mit Verlust des Gesichtsvermögens, Besserung; 7. 
Juli 1861 ist Fat. noch ganz wohl. 

421) Von dem systol. und diast Geräusche war letzteres stärker; die 
Gompression ertrug Fat immer nur 15 Minuten lang. 

422) Obwohl die Gompression des Gefftsses keine Aendernng herbei- 
fQhrte (!), hob die Ligatur desselben die Erscheinungen völlig. 

428) Etwa vor 8—9 Jahren begann die Neubildung auf dem Scheitel- 
beine, ging über die Schläfengrube, hinter dem Ohre fort, zum Hinterhaupte, 
dann Aber das Stirnbein zum Augenwinkel. Insbesondere fanden sich die 
Artt. temporftL und oceipit. sehr erweitert; ans einer Geschwfirsstelle waren 
schon mehrfache Blutungen aufgetreten; eine solche, beim Entfernen des 
Verbandes sich einstellend, konnte durch Liq. ferr. sesquichL nicht zum 
Schweigen gebracht werden. 

439 a, b.) Dieser Fall wurde durch Verwechselung fibersehen, und erst 
später, als die Berechnungen schon beendet waren, als selbstständiger Fall 
aufgeffihrt. 

442) Dies scheint nicht der von Djpnytren (Lei^ons oral. VoL 2. 
p. 63.) citirte Fall zu sein. 



358 



Dr. 0. Pil«, 



TV. Ligatur vor rmd bei der 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


il 


5 


Ursache. 


U 

|5 


il 


Aus- 
gang- 








_s 




Tag«. 1 


445. 


Gog8well,1803. 


New Engl. Journ. of 


37j. 


l. 


bei Exstirpat eines 


6 


14 


t 




4. Nov. 


Med. and Surg. 
1824. Vol. 13. u, 
Schmidt,Jahrbb. 
Bd. 98. S. 74. 


w. 




Tum. d. Parot. 


Mnt 




20. Tg. 


















446. 


Goodlad, 
Manchester. 
1815. 5. Sept. 

V. Mott, New 


Lond. Med. - Chir. 

Transact. Vol. 7. 

p. 112. 
Med. and Surg. 


W. 


1. 


bei Exstirpat tum. 
parotidis. 


— 


11 


Gene- 
sung. 


447. 


'1/: 


r. 


bei Exstirpat. eines 





14 


t3 




York. 1818. 


Hospit.Regist.New 




Ualstumors. 






Mon. 




14. Nov. 


York. 1818. Vol. 1. 
part. 2. — Americ. 
Journ. of med. sc. 












19 Tg. 






















Vol. 8. p. 45. 














448. 


Palm, Leipzig. 
1820. 


J. M. Jaeger, Re- 
section. conspect. 
chron. p. 1. 


"^ 


" 


vor Exarticulat. d. 

Unterkiefers. 


*"■" 


""" 


t 
3. Tg 


449. 


Oraefe, Berlin. 


Graefe u. Wal- 


ca. 


l. 


vor Exstirpat. des 


«. 


— 


Gene- 




1821. 26. Juli. 


ther, Joarn. Bd. 
3. S. 257. 


=2- 




Unterkiefers. 






sung. 


450. 


V. Mott, 1821. 


New York Med. and 


I7j. 


r. 


vor Resection des 


2 


15 


Gene- 




17. Nov. 


Phys. Journ. Vol. 1. 

— Langen- 

beck'sNeueBibl. 


W. 




Unterkiefers. 


Jhr. 




sung. 






















Bd. 4. Heft. 3. 


















S. 419. 














451. 


V. Mott, 1822. 


New York Med. and 


22j. 


1. 


vor Exstirpat. des 


1 


12 


Gene- 




30. März. 


Phy8.Journ.Vol.2. 
— Langen- 
beck*8NeueBibl. 
Bd. 4. Hft. 3. 
S. 443. 


W. 




Unterkiefers. 


Jhr. 




sung. 


452. 


V. Mott, 1822 


New York Med. and'l8j. 


r. 


vor Exart. d. Unter- 


6 


— 


t 




15. Mai. 


Phys. Journ. VoL 3. 


M. 




kiefers. 


Jhr. 




4. Tg 






— Langen- 










\ 






beck'sNeueBibl. 


















Bd. 4. Hft 3. 


















S. 445. 














453. 


V. Mott, 1822. 


New York Med. and 
Phys. Journ. Vol. 1. 
p. 247. — Ger- 
son n. Julius, 
Magaz. d. ausländ. 
Liter. 1824. S. 312. 


t- 


r. 


vor Exstirpat. des 
Unterkiefers. 






Gene- 
sung. 


454. 


MeredithRese 
1823. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 77. 


~" 


— 


vor ExstirpaU eines 
Halstumors. 


— 


— 


— 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commnniH. 



359 



Exstii^ation von Gresch^vncilsteii. 



Besonderes bei der Ligator und im Verlaufe. 



Todesursache und Sectioo. 



L'O. Tag plötzliche Blutung . 

Schlingbeschwerden heftig. 

Bedeuteode Blutung wfthrend der Bxstirpation. 



Mit Ligator Fat. bleich, fast pulslos, 2 Stunden spä- 
ter Pat. mit kaltem Seh weisse bedeckt, in d. 9. 
Std. Pols normal, dumpfer Schmerz in d. Wunde. 

Effect' auf Blutung nicht angegeben; am 8. Tage Läh- 
mung d. r. Seite. 

Pat. so angegriffen , dass Resect erst am 18. ge- 
schieht. 3 Ligatt. (fac. u. ling.) noch nothwendig. 



Noch 12 Ligatt. wurden nothwendig — Uebelkeit, 
Abends Blutung ans d. Wunde. 



Noch eine Ligat. 17. Husten. 19. Schmerzen in d. 
1. Seite, Ohnmacht, u. stirbt darin. 



Blutung. 



Lungenentzfindung. 



Lungenentzündung. — Im Me- 
diast, antic. viel gelbe Lymphe. 
(Eiter.) 



Erfolg auf Blutung nicht angegeben. 



Kein gQnstiger Einflus'ft auf die stattfindende Blutung 
bei der Operation. 



360 



Dr C. Pilz, 



No. 



Operateur 

und 
Datum. 



Literatur. 



«2 


s 


1 


• 


2 


1 


5 


iS 



Ursache. 



Tage. 



55 .gang. 



455. 
456. 



457. 

458. 

459. 

460. 
461. 

462. 

463. 
404. 

465. 
466. 



Stephen Wil- 
liams, 1825. 

Dzondi, Halle. 
1825. 8. Juli. 



Gensonl, Lyon 
1826. 6. März. 



H. Steyens, 
1826. 3. Jun. 



Awl, Somerset, 
Ohio. 1827. 



Warren, 1827. 



J. Lizar8,Edin- 
burg. 1827. Dec. 



Fonilloi, 1828. 



MeredithRese 

1829. 
G. W. Sted 

man, 1830. 

7. Sept 



Scott, London 
Hospit. 1832. 
4. Febr. 

V. Mott, 1832. 
Im Febr. 



Schmidt, Jabrbb. 
Bd. 98. S. 77. 

F. H. Lambert, 
Dissertat Lipsiae. 
1826.8«- — Die- 
trich, Das Auf- 
suchen d. Schlag 
ädern. 

Froriep's Notiz. 
1833. August. S. 9, 



New York Med. and 
PhjB.Journ.Vol.5. 
p. 311. — Ger- 
eon u. Julius«- 
Magaz. Bd. 15. 
S. 147. 

Western Med. and 
Phys.Journ.Vol.l. 
p. 423. — Ger- 
eon u. Julius - 
Magaz. Bd. 17. 
S. 512. 

W., Deber Tumoren. 
S. 97. 



Lancet 1830. 10. 
Apr. — Froriep, 
Notiz. I.Folge. Bd. 
27. S. 330. 

Arch. genör. 1828. 

Vol. 4. p. 415. 

Larrey'sReferat 
Schmidt, Jahrbb. 

Bd. 98. S. 77. 
Edinbgh. Med. and 

Surg. Journ. Vol. 

38. 1832. - Med. 

Chir. Rev. Vol. 16. 

N. Ser. 
Lond. Med. Gaz. 

1832. Vol. 9. p. 514. 

— Norrie, No. 

10. genauer. 
Amer. Journ. Vol. 

13. — Norrie, 

No. 12. 



M. 

25 j. 
W. 



50j. 



60 



S/; 



'f. 



M. 



4öj. 
M. 



W. 



bei Exstirpat. eines 

Halstumors. 
bei Exstirpat. des 

Unterkiefers. 



bei Exstirpat. des 
Unterkiefers. 



bei Exstirpat einer 
Balggeschwulst 



bei Exstirpat des 
Unterkiefers. 



70 r Exstirpat. eines 
Sarcoms d. Hals- 
drflsen. 

vor Resect d. Un- 
terkiefers (Sar- 
coma medullae). 



vor Exstirpat eines 
Tum. d. Parotis. 

vor Exstirpat eines 

Halstumors, 
vor Exstirpat. eines 

Tum. d. Parotis. 



bei Exstirpat eines 
Tum. d. Oberkiefers. 



vor Exstirpat. des 
Unterkiefers. 



18 
Mnt 



1 

Jhr. 



12 

Jhr. 



5 

Jhr. 



14 



iGene- 

SUDg. 

f. 
18. Tg. 



tl5. 
T& 



Gene- 
sang. 



Gene- 
sung. 



Gene- 
sung. 



t n 

MDt. 



15 



Gene- 
sung. 



Gene- 

SUDg. 



t 
24Std 



Gene- 
sung. 



Zor Ligmtor der Arteri» Oaroti» commanis. 



361 



BeBOoderes bei der Ligator nnd im YerUafe. 



Todesursache ond Section. 



ine weitere ÄDgaben* 

nflass •of Blatnng nicht bemerkt 



ick d« Vena jof^. int. wurde onterbanden; ohne be- 
sondere Angaben^ 



GehimenreichDDg. 



Ligat hatte durchgeschnitten. 
2 gnt adhftrirende Thromben 
d. Venen d. Dnra mater leicht 
iDJicirt. 



bwohl d. Bxstiipat- bei d. Ortese d. Tamors n. der 
eingetreteDen Kachexie wenig leisten konnte, so 
wurde d. Operation dennoch durchaus verlangt 
BlQtnng gering. . ^. «, . 

ie Opeiation unterblieb wegen sn heftiger Blutung 
108 den ineidirten Theilen. 



ie Art max. int. g^b dennoch heftige Blutung. 



Pat starb nach einem Jfthre an 
RecidiT. 



Kachexie. 



(me Einllans auf d. BIntnng. 

si d. Operation noch 7 Geflsse su unterbinden. 



»uTolsionen stärker links; blotende Art fae. so li- 
giren. 



Unter Conmlsionen. 



362 




Dr. C. 


Pilz, 








No. 


Operateur 

und 
Datum. 


Literatur. 




Ursache. 


P 


5J 'gaa 


1 






O {4 




Tage. 


467. 


Ewing, Aber- 


Edinb. Med. and 


"2/: 


r. 


vor Exstirpat. eines 


30 


1 

- , t 




deeii Hospit. 
1832. 11. Febr. 


Snrg.Journ. 1832. 




Halstumors. 


Jhr. 


In 




Jul. p. 18. 










1 


468. 


Gibson, 1832 


Amer. Journ. of 


"i 


1. 


Exstirpat. eines 


5 


36 JGen 




20. Nov. 


med. BC. Vol. 13. 




Halstumors. 


Jhr. 


'sQBg 






Norris, No. 13. 












469. 


£arle, Barthol. 


Lond. Med. Gaz. 


1t 


r. 


vor Exstirpat. des 


2 


— 




. Hospit. 1832. 


1832. Vol. 9. p 374. 




Oberkiefers. 


Jhr. 






3. Dec. 












j 


470. 


Lusemberg, 


Froriep, Notizen. 
Bd. 23. S. 268. - 


'^■. 


r. 


bei Exstirpat. einer 


20 


- [Gen 




New Orleans. 


^^ 


Parotis. 


Jhr. 


leuDf 




1834. 


Lancet. 1842-43. 
Vol. 1. 




\z 






1 
1 


471. 


Warren, 1836. 


W. , Ueber Tumoren 


45]. 


l 


bei Exstirpat. eines 
Tumors d. Schild- 


2 


- Gen 




14. Sept. 


(dentsch). S. 165. 


VF. 




Jhr 


|saß( 












drüse. 






472. 


Warren, 1837. 


W., On Tumors. 


52j. 


r. 


Exstirpat. einesHals- 


30 


— 


Get 




7. März. 


p. 183. 


H. 




tumors. Jhr. 




6QQ 


473. 


Roux, 1837. 


Gaz. des höpit 


H/. 


r. 


Exstirpat. eines Tu- 


2 


- . -f] 




19. Jun. 


1837. 




mors d. Parotis. 


Jhr. 


tR 


474. 


Brett, 1837. 


India Journ. of med. 


17j. 





bei Exstirpat. der 


5 


~ iGen 






and pbys. sc. 1839. 


W. 




Parotis. 


Jhr. 


,SUQ 






Aug. p. 201- 














475. 


Porta, 1841. 


Delle alter, patho- 


60i. 


r. 


bei Exstirpat. eines 


— 


— 






25. März. 


log. delle Arter. 
p. 33. 
Americ. Journ. of 


W. 




Halstumors (Fung.). 






476. 


Shipman, 


'«■ 


,_ 


vor Exstirpat. der 


4 


28 'Gel 




1844. Mai. 


med. sc. 1847. Jul. 




Parotis. 


Jhr. 


SUD 






N. Ser. Vol. 2. 










1 






p. 264. 












477. 


C. B. Gibson, 


Americ. Journ. of 


35j. 


r. 


Exarticulat d. Un- 


6 


22 iGeg 




1844. 12. Jani. 


med. sc. N. Ser. 
Vol. 8. - Nor- 
ris, No. 18. 


W. 




terkiefers. 


Jhr. 


r 

1 


478. 


V. Mott, 1844- 
1845. 


Americ. Journ. of 
med.sc. 1845. Apr. 


— 


r. 


vor Exstirpat des 
Unterkiefers. 


— 


1 






N. Ser. Vol. 18. 








1 






p. 525. 










479. 


Michanx, 


Bullet, de Tacad. 


*t/; 


1. 


vor Exstirpat eines 
Rachenpoljpen. 


1 


22 Gel 




1846. 8. Nov. 


royaledeBelgique. 




Jhr. 


'sDß 






Vol. 12. p. 347. 


• 






weiig- 
8teu. 


1 


480. 


Södillot, 1848. 


De la section des 


26j. 


1. 


vor Exstirpat. der 


— 


- 1 i 




Strassburg. 


arteres. p. 43. 
Obs. 8. 


M. 




Parotis. 




1 


481. 


Chassaignac, 


Gaz. des höpit. 


1/; 


r. 


vor Exstirpat der 









Paris. 1849. 


1850. p. 16. 




Parotis (Carcin.}. 






1 



Znr Ligatnr der Arteria Carotis communiB. 



363 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



ehrere Geftsse noch zu unterbinden; 13. Husten, 
leichte Palsat in r. Art. Garot. 



rscheinangen traten in keiner Welse auf (Bericht 
schliesst am 9. Dec.) 

ehlinge Tor d. Operat. angelegt, während derselben 
zugezogen ; 6 Jahre später kein Recidiy. Erschei- 
ouDgen traten nicht auf. 

lie angeschnittene Art. thyr. sup. lag zu tief, des- 
halb Ligat d« Carotis. 

hends L Seite schwer zu bewegen ; am 7. Tage Coma, 
Lähmang d. 1. Armes; diese geht ganz zurück. 



^i d. Operat. erfolgte heftige Blutung ans dem Ge- 
biete d. Carot ext. 

larmsaite« 



D Beginne d. Operat starke Blutung; nach 1 Jahre 
Pat. noch wohl. 



Carotis erweitert, sonst gesund; 
guter Verschluss, Pseudomem- 
bran auf dem r. Ventrikel; Eiter 
im Mediast. ant. 



Recidiy im 2. Jahre. Tod durch 
Kachexie. 



Monat später Pat noch wohl. 



hne Zufall im Verlaufe; sehr geringe Blutung. 



Ligatt mit Dnrchscheidun^ d. Gefässes. Blutung 
wie gewöhnlich. Hemiplegie r. 



eftige Blutung ans dem unteren Ende der durch- 
schnittene» Art Carot. ext 



Starb 1848 an Cachexia carcin. 



Gehimentzfindung. Die 1. Gross- 
hirnhemisph. bedeckt mit grün- 
lichem Eiter, durchsetzt mit 
Eiterherden. 



364 



Dr. C. Pilz. 



No. 


Operateor 

nnd 

Datnm. 


Literatur. 


i| 


1 


Ursache« 




1^ 


iu 


482. 


VanBaren.New 
York. 1862. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 77. 


— 


— 


bei Exstirpat. von 
Drüsentumoren. 


— 


— 


Geo 
sun 


483. 


Hejfelder, Er- 
langen. 1863. 
8. Jan. 


Deutsche Klinik. 
1863. 


^; 


r. 


bei Exstirpat. eines 
Halstumors. 


6 

Mnt 


— 


t 
2. 


484. 


Adelmann, 
Dorpat 1863. 
14. Oct 


Arch. f. klin. Ghir. 
Bd. 3. S. 6. 


1i 


— 


bei Exstirpat eines 
Garcinom d. Zunge. 


— 


23 


Geo 

SOD 


486. 


Santesson, 
1863. 14. Not. 


Hygiea. Vol. 16. p. 
348.— Schmidt, 
Jahrbb. Bd. 91. 
S. 209. 


"J: 


r. 


bei Exstirpat eines 
Tum. d. Parotis. 


seit 

12 

Jhr. 

be- 
nerkl 


' 


Gec 

60 C 


486. 


B. Mott, New 
York. 1864. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 76. 


— 


r. 


bei Exstirpat eines 
Fung. haemat des 
Auges. 


— 


— 


Gen 
SUD 


487. 


V. Balassa, 
Pesth. 1864. 
16. Jan. 


Briefliche Mittheilg. 
an Prof. Gurlt 


1/; 


1. 


vor Resect d. Un- 
terkiefers. 


16 
Jhr. 


14 


+ 
62. 


488. 


▼. Pitha, Wien. 
1864. Mftrz. 


Oesterr. Zeitschrft 
fttr pract Heilkd. 
1864. Beil. No. 18. 
— Schmidt, 
Jahrbb. 1869. Bd. 
103. S. 336. 


It 


1. 


vor Exstirpat eines 
Sarcoms d. Parotis. 




9 


Gen 

SQD 

t 

9. 


489. 


Bardeleben, 
Greifswald. 
1864, 6. Apr. 


LQtkemailer, 
Dissertot. Greifs- 
wald. 1864. 


40- 


r. 


bei Exstirpat. eines 
Tum. der Parotis 
(Carcin.), 


*"~ 


"~~ 


490. 


Parker, 1864. 


Schmidt, Jahrbb- 
Bd. 98. S. 76. 


— 


r. 


Exstirpat eines Tu- 
mors d. Gesichtes 
u. Halses. 


— 


13 


- 


491. 


B. Mott, 1865. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 77. 


'it 


r. 


vor Exstirpat eines 
Halstumors. 


— 


18 


Ges 

SUSI 


492. 
498. 


Baner, 1856. 

Bsmarch, Kiel. 
1867. 7. Aug. 


Ehrmann, p. 64. 
n. Gas. des höpit 
1868. p. 523. 

Briefl. Mitthlg. an 
den Verfasser. 


•Sil- 


L 


bei Exstirpat eines 
Halstumors. 

vor Exstirpat eines 
cavemOsen Rachen- 
polypen. 


— 




SQDl 

Gf 

sai 
unTi 
koa 

12J 


494. 


v.Langenbeck, 
Berlin. 1869. 
13. Jan. 


Kranken - Journal. 
1869. No. 6. aus 
der Berlin, chir. 
Klinik. 


'S- 


r. 


bei Exstirpat eines 
Epithelial - Garcin. 
d. Halses. 


2 

Jhr. 


— 



Zar Ligator der Arteria Carotis commnnis 



365 



Besonderes bei der Ligatur ond im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



•läge Blatg. ans Art. tbjr. snp. zwang zur Ligat 

vloToform. — Die Terletzte Vena jag. int. mit einer 
IkUinge umgeben, die wieder entfernt wird. 



i Art. ling. lieferte 
licht beendet 



d. Blntg.; die Operat wurde 



^oroform. — Die Art Garot cerebr. reisst ab, d. 
igat. Terstirkt d. Blatong, daher eine Ligat en 
nasse; keine besondere Erscheinung; Operat. wird 
nicht beendet, weil d. Neubildung su weit aufwärts 
reicht Put. noch 14 Jahre wohl. 

hloroform; ohne weitere Angabe; nach einer- lahre 
keia Recidiv. 



ft 



kt Dfthe d. Theilnngsstelle» bald nach^d. Operat 
als in Zweigen d. Art Garot. ext. 



hlorofonn; mit d. Ligat erblasste d. Neoplasma u. 
d. L Oesiciitshilfte. 4 Zweige d. Garot. ext sind 
zu anterbinden; Schwindel. Die Exstirpat hatte 
Paraljse d. N. facial. zur Folge. 



elir. trem.; Schlingbeschwerden, am 5. Tage 1. He- 
miplegie, Frost 



tue weitere Angftben. 

m RecidiT; ebne weitere Angaben, 
^e Gehimerscheiniing. 

eftige Blutung trat dennoch auf; d. Stiel musste 
«Qstochen werden ; folgenden Tages r. Hemiplegie. 

fiirnfnurfion gestört, ganz wie in Schuh's Fall; 
mung u. SprschstOrong schwanden nicht 
enajng int. wird zuerst ligirt, dann d. Garot 
m u. mehrere ihrer grossen Zweige, bald Husten. 
. Schlin^beschwerd., schwere Expectoration. 21. 
^filte sinken. 



Keine Luft im Herzen oder in d. 
Venen. Krebsablagernng in d. 
Leber, Mesenter. n. Darmdrfisn. 

Fat stirbt 3 Monate sp&ter an 
Kachexie. 



s. Text 



Pjftmie. — A bscesse in r. He- 
mi8|>h. u. 1. Pleuritis; Pneumo- 
nie im r, oberen u. mittl. Lap- 
pen. 

Recidiv n. Tod. 



Keine Erweichnngsherde im Ge- 
hirn, keine Thromben in d. Si- 
nns; Art Garot. hat guten 
Thrombus. 



866 



Dr. 0. Pill, 



No. 


Operateur 

und 

Datam. 


Literatur. , 


^1 


:^ 


Ursache 


•d^. 


1 1 An. 








o 


t4 




**Ta^. I 




49Ö. 


v.Langenbeck, 


Archiv f. klin. Ghir. 


65 j. 


1. 


bei Exstirpat. eines 
Epithelial - Garcin. 
d. Halses. 






t 




1859. 30. Mai. 


Bd. 1. p. 77. 


M. 








2.1 


496. 


Bonyer, 1860. 


Gaz. hebdom. 1864. 






vor Exstirpat eines 
Tum. d. Parotis. 






t 




13. Jun. 


p. 195. 










3. 

(12. 
Gen 


496a 


Stande, 


Gflnther's Sta- 


öOj. 


r. 


bei Exstirpat der 


2 







Limnach bei 


tistik der Ligat. d. 


W. 




Parotis. 


Jhr. 




sno 




Ghemnitäs. 1861. 


Art Garot. No. 
167a. S. 67. 














497. 


S. E. Gooper, 


Amer. Med. Times 


12j. 


— 


bei Exstirpat eines 
Tum. d. Parotis n. 








Gen 




1862. 


N. S. 4. 24. Jun. 


W. 








sunj 






1862. 






Submaxillardrfise. 








498. 


Verneuil,1863. 


Gaz. des höpit. 


41j. 


— 


vor Exstirpat eines 


. 


20 


GeB 




Joli. 


1863. p. 439. 






Tum. (Recid.) der 
Parotis, 
bei Exstirpat. eines 






SUD 


499. 


Bardeleben, 


Brockmüller*8 


%: 


r. 


^ 


^^ 


Gea 




Greifswald. 


Dissertat. 1866. 




Halstumors. 






sun 




1866. 27. Mai. 


Greifswald. De li- 
gat. carot. etc. 














500. 


Adelmann. 


Archiv f. klin. Ghir. 
Bd. 3. S. 4. 


't 


r. 


bei Exstirpat. des 
Oberkiefers. 






t 
3, 


501. 


Ansianx. 


Söance pubL de la 
Soc. de Toulouse. 
1837. p. 76, 


— 


— 


vor Exstirpat der 
Parotis. 


- 


— 


Geo 

SUDj 


502. 


Ghanmet. 


Bullet. möd.duMidi. 


'S; 


... 


vor Exstirpat eines 
Fung. d. ünterkief 


.. 


— 


t 






Gaz. mäd. 1843. 








8. 






p. 700. 






a. Garcin. d. Parotis. 








503. 


Detmold. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 77. 


— 


- 


vor ResectioD eines 
Osteosarc. d. Ober- 
kiefers. 




— 


t 
3- 


504. 


Po Hin, Paris. 


Gaz.deshöpit.1863. 
p. 517. 
H.'s üebcrsetzg. d. 


— 


—" 


vor Exstirpat eines 
Garcin. d. Mandel. 


— 


— 


Ge^ 

sno 


505. 


Hebenstreit, 


— 


— 


bei Exstirpat eines 
Tum. d. Parotis. 





-_ 


Gen 




(citirt). 


Beir sehen Syst. 


M. 








800 






d. Ghir. Bd. 4. 


















S. 266. 














506. 


Labat 


GQnther's Sta- 
tistik. No. 199. 


W. 


— 


Exstirp. eines Hals- 
tumors. 


— 


— 


Ge» 


Ö07. 


Mandt, Greifs- 


Rust, Magaz. Bd. 


40j. 


1. 


vor Exstirpat (Re- 


— « 


.^ 


t 




wald. ^ 


37. 8. 254. 


M. 




cid.) eines Fnngns 






V^c 












d. Parotis. 






spll 



Zur Ligatur der Arterta Carotis communis. 



367 



Besonderes bei der Ligatur nnd im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



ie Vena jag. comm. wird yerlettt, sogleich unter- 
bunden, dann auch d. Art Garot. comm. 31. Krampf- 
anfall mit Bewusstsein, dann schwer besinnlich, Kopf 
1. kubler, als r. (gestern nicht so), bald Puls 100, 
Respirat 40 , Theilnahmlosigkeit, 1. Jun. GoUapsus, 
Bewusstsein erloschen. 

Std. später sind d. Gol1at,eralbahnen hergestellt. 
Die Abtragung war mit d. Ecraseur geschehen. 



Hirn u. Lunge normal, Art. Ga- 
rot. gesund; d. Vena jugul. von 
Geschwulst theils durchwach- 
sen, nicht verödet 



Unter Goma. Section fehlt 



liloroform. Erblassen d. Gesichtes, am ersten Tage, 
Dar etwas Kopfschmerz u. Schlingbeschwerden. 

inempfindlicbkeit d. r. Kopf- u. Gesichtsseite; Kopf- 
schmerz. Schlingbeschwerden einen Tag, L Hemi- 
plegie beginnt am 3. Tage, nimmt 4. Tag zn, um 
aDmälig ganz znrfickzugehen. 
Ligatt wurden in einiger Entfernung von einander 
angelegt. 



jgat einige Tage vor d. Operat ;ohne weitere An* 

abe. 

tei Anlegung d. 1* Ligat erfolgte Blutg. , ebenso bei 
d. 2., deshalb wurde tiefer eine 8. Ligat gelegt; 
am 2. Tage Hirnerscheinungen (?). 



»hne weitere Angaben. 

[eine Erscheinungen folgten. 

>ie Art max. ext. war angeschnitten worden; Pat 
lebte noch mehrere Jahre. 

)ie Art. Garot. comm. u. Vena jug. int (ausführlich 
bei ^festen Geschw. d. Halses.* No. 19). 

I Tage nach d. ersten Operat Ligat. ergab keine 
Erscheinnngen. - Nach Operat. Aderlass, da Pat 
wenig Blut verloren! — Am 15. Tage neues Recidiv. 



In Folge d. Exstirpat eines Nas.- 
Rachenpolypen. — Arter.-Haut 
am peripher. Ende stark gerd- 
thet; das zwischen d. Ligat. ge- 
legene Stflck nicht sphacelös. 



Die Art. Garot. fand sich bis auf 
% eröffnet, welche Oeffnung 
durch die geschwollene Umge- 
bung u. d. gebildeten Thromben 
verlegt war. 



Pat starb ausserhalb der Klinik. 



368 



Dr. C. Pill, 



No. 



Operatear 

and 
DatQm. 



Literator. 



Ursache. 




AI 



508. 



509. 



Mayer, Bonn (?). 



V. Mott 



510. 



511. 



512. 



Pirogoff. 



Richard. 



RoQx, Paris. 



518. 



Ronx. 



Wigan, der zuge- 
gen war, wird ci- 
tirt im Lancet 
Vol 14. p. 74. 

MoDthlj Joarn. 
1861. Jan. -Jan. p. 
876. aasLectores, 
reports inNew York 
regist of Med. and 
Pharm. Vol. 1. 
No. 11. p. 169. 

P., Ornnozfige der 
Kriegs - Ghirarg. 
S. 553. o. mfindl. 
Mittheilg. 

Qaz. des h6pit 
1868. p. 451. 



45j 



«t 



▼or Exstirpat. 
Unterkiefers. 



vor Eistirpat. 
Unterkiefers. 



des 



des 



bei Exstirpat. eines 
Enchondroms der 
Parotis. 

bei Exstirpat. eines 
Tarn. d. Parotis. 



bei Exstirpat eines 
Tom. d. Halses. 



Tor Exstirpat eines 
Tarn, (aas d. Sinns 
maxill.) temporftre 
Ligat 



6-7 
Mni 



04 

801 



1 



SDAg. 



eifie^ 



Sti 



Schmidt, Jahrbb. 

Bd. 91. S. 20. 

1856. ist im citir- 

ten Arch. g^n^r. 

1856. Febr. nicht 

sn finden. 
Qfinther,citirtNo. 

190. GOschen, 

Jahrbficher. DI. 

S. 686. ans Annal. 

de th^rap. Aoüt 

Diesen mehr oder minder ansf&hrlich citirten Fällen fDge ich folgende, mit mai 
gelhaften Angaben, die ich leider nicht nachsehen konnte, bei: 
Maissonneare nnterbindet Tor d Exstirpat einer 

Pirotisdrfise d Art. Garot., bald erfolgt Tod anter 

Gehirnerscheinnngen 

fioguier unterband w&hrend d. Exstirpat eines 

flalstnmors d. Art Garot 

Gonant entfernte bei einer Exstirpat am Halse 1^'' 

ans der Art. Garot . » Americ. med. Times. N S. 

No. 8. 

Seatin machte nach Veipean d. Liaat bei einer 

Exstirpation glficklich Joarn. des sc. natur. < 

Brnx. 1829. Nov. 

Tolant verrichtete d. Unterbindung bei Exstirpation 

eines carcinomat Tumors Gharlest Jonm. 1856. No 

•— Schmidt, Jsbrb 
Bd. 98. S. 887. 



Gas. 



des h5p. 
528. 



1863. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communis. 



369 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



MiDe weitere Angaben. 



Tag Tor d. Operat, ; d. BIntg. soll an diesem, wie 
in den anderen 4 ebenso operirten Fällen, gering 
gewesen sein. 



feim Aufheben d. Geschwulst heftige Blutg. ans d; 
zerrissenen Art. fac., deren Unterbindung unmög- 
lich war. 

^or d. Operat lose Schlinge um d. Art. Garot. ge- 
legt, die bald angesogen wnrde; keine anf d. Li- 
gator bezOgliche Erscheinungen. 

)ie Garot comm. war an 2 Stellen zu unterbinden, 
d. Vena jng. int. n. N. vagus wurden theilweise ent- 
fernt; Hasten, Heiserkeit, erschwerter Auswurf; am 
5. Tage starkes Fieber, Fröste, leichte Delirien; 
Respiration normal; in d. Nacht Goma; Pat reisst 

,d. Verband ab; Blatg. wird gestillt 

t^h 48 Std. wnrde d. Ligatur entfernt. 



Pumlente Infection. 



Gerinnselbildung an beiden En- 
den d.Art, keine metastatischen 
Abscesse, r. Hemisphäre blutrei- 
cher an der convexen Fläche. 



VaL Mott soll vor Exstirp. der Max. inf. beideGarotid. 
nnterbnnden haben, und dennoch wegen zn heftiger 
Blntnng gezwungen worden sein, die Ezstirpation 

anfznschieben (wahrscheinlich ungenaues Gitat) . nach Syme — Froriep's 

Notiz. 1838. Dec. S.U. 

Widmer soll die Ligatur bei Exstirpation eines Tn- 
mors ansgefflhrt haben L'Exp^r.VoL2.p.dd6.(Idz.) 

C. Em mert (Bern) will bei einer Oberkieferresection 
die Garot comm. unterbunden haben; — in sei- 
nem Handbnche fand ich keine Erwähnung dieses 
Falles (Prof. Lficke, Brief 1. Mltth. an Prof. Gurlt). 

Gflntner mnsste bei Resection der einen Eiefer- 
hälfte die Garot comm. versch Hessen; Pat starb 

an einem Recidiv Medic. Zeitung Rnsslands. 

1860. S. 26. 



V. Laiig«ab«ek ArehW f. Chlrnrgj«. IX. 



24 



370 Dr. 0. Pill, 

Zusätze zu vorstehender Gasuistik. 

Hl) Da dies der einzige Fall ist, in welchem die Bahnen des herge- 
stellten Kreislaufes nach der Onterbindnng der Carotis comm. genauer an- 
gegeben sind, so erlanbe ich mir, das hierauf bezügliche Sectionsresultat 
genau mitzutheilen. Die Injection zeigte auf der rechten Seite, nach Ent- 
fernung der Bedeckung der Vorderseite des Halses, und Biosslegung der Ca- 
rotis, dieselbe vom Ursprünge bis zur Theilungsstelle obliterirt, als ein fester, 
ligamentöser Strang sich darstellend, nur am Orte der Ligatur getrennt. 
Die Vena jug. int. und N. vagus sind normal, die r. Art subclav. erweitert, 
hatte fast die GrOsse der Art. innom.; die 1. Carotis war auf das Doppelte 
ihres normalen Lumens erweitert, ebenso ihre sehr geschlängelt und unre- 
gelmässig verlaufenden Zweige. Von der r. Art. subcl. entspringen nan 
(Americ. Journ. Vol 8. Plate 1.) die Art. thjr. Inf., die sich in vier Aeste 
spaltet, von denen die beiden nach oben gehenden Zweige (Ram. thjr. u. 
Thyr. asc.) bis auf das Doppelte vergrössert sind. Itie letztere, im Zickzack 
verlaufend, theilt sich in der Gegend des Proc. mast in mehrere Zweige, 
die mit Zweigen der Art. occipit. in Verbindung treten^ und die oberen Hals- 
muskeln versorgen; ferner verbindet sie sich mit der Art. vertebr. Ebenso 
gehen die erweiterten Artt cerv. prof. und superf. vielfache Verbindungen mit 
Zweigen der Art. occipit. ein. Auf der 1. Halsseite (Plate 2.) zeigt die Ca- 
rotis fast die Grösse der Anonyma; sie versieht hauptsächlich mit Anasto- 
mosen die r. Gesichts- und Unterkieferpartie; sichtlich vergrOssert zeigen 
sich von den gewöhnlich benannten Zweigen die Art. thyr. sup., lingual^ 
pharyng. ascend. und max. int. Die Artt. temporal, und coron. lab. zeigen 
zahlreich gewundene, untereinander anastomosirende Zweige; besonders er- 
weitert erscheinen im Gesichte die Artt. ment , coronar. labil inf., anguli oris 
und die ophthalm. 

449) Allmälig kehren die Geisteskräfte wieder; die Lähmung des r. Bei- 
nes hebt sich nach einiger Zeit, Arm und Zunge bessern sich langsam. 

464) Bis zur Exstirpation wurden 6 Gefässe unterbunden, und eine stark 
blutende Arterie, die im Stiele des Tumors verlief; nach einem Jahre ist 
Pat. noch gesund. 

472) Der Tumor reichte von den Halswirbeln bis zum Unterkiefer, and 
abwärts bis zum Laryux, umschloss fast alle Zweige der Carot. ext, wie 
auch die Vena jug., den N. vagus und fast die Art. subclav. 

483) Die mit dem Halsmuskel innig verwachsene Geschwulst umgab 
die Carotis Bei der Ablösung derselben musste eine kleine Arterie hart 
an ihrem Ursprünge aus der Carotis, durchschnitten werden, die profuse 
Blutung war nur durch die Unterbindung des Stammes zu stillen. 

487) Die ohne Chloroform gemachte Ligatur hatte keine Erscheinungen 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communis. 371 

im Gefolge, den 8. Tag Erysipel. 28. geringe Blutung aus der Ligatur- 
vunde, vobei das nekrotische Oeiässstückchen ausgestossen wnrde. Pai, 
der entlassen werden sollte, hatte am 62. Tage einen Schattelfrost, dem hef- 
tiges Erbrechen mit Schweiss, dann Sopor, und in 5 Stunden Tod folgte. 
Die Section ergab eine nussgrosse Cyste mit apfelgrfinem, flussigen Inhalte» 
in der Mitte der 1. Hirnhemisphäre gelegen, vor dem Thalam. nerv. opt. 
das 1. Corp. striat. graubraun gef3&rbt, hochgradig erweicht; ebenso die das- 
selbe umgebende Hirnsubstanz, die schmutzig grQnlich - grau gefärbt er- 
scheint. An der Ligaturstelle finden sich 2 gute, aber kurze Thromben; 
die Wandung der Carotis ist bis nahe zum Ursprünge atheromatös entartet 

489) Bei der Operation wnrde die Art. Carot. ext. verletzt; obwohl im 
Gewebe ein grösseres Lumen entdeckt wurde, so machte B. dennoch die 
Ligatur der Carot. comm., weil die Carot. ext, vom Tumor involvirt,- vor- 
aussichtlich noch mehrfach durchschnitten werden musste, und es sogar 
zweifelhaft war, ob nicht auch die Carot int in demselben eingeschlossen 
war. Abends traten die ersten Spuren des Delirium tremens auf. — Die 
Section zeigte in der r. Hemisphäre, ausser einem thalergrossen, dem Schlä- 
fenbeine gegenüberliegenden Abscesse, nahe dem Centn ovale Vienss. einen 
zweiten, 1^ Zoll breiten, grünlichen, Eiter enthaltenden Abscess, in dessen 
Umgebung die Gefässe turgescirten, auch an der Basis, hinter dem r. klei- 
nen Keilbeinflfigel fand sich ein Eiterherd, der sich in die Fossa Sylv. hin- 
einzog. Die 1. Hemisphäre war normal. Ein Eiterherd erstreckte sich einen 
Zoll in das Mediast ant hinein, der N. vagus war an der Abgangsstelle des 
N. recurr. mit Eiter umgeben, den Muse, scaleni angelöthet Die Art. max. 
dext erschien vom Eiter arrodirt; die Fossa glenoid. max. und das Coli, 
max. rftuh; der knorpelige Gehdrgang war durchbrochen von Eiter. 

493) Ich lasse hier die nicht veröCTentlichte , interessante Krankenge- 
schichte vollständig folgen: ,Ich unterband am 7. Aug. 1857 bei einem 21- 
äbrigen Manne, der an einem grossen, cavernösen Rachenpolypen litt, welcher 
zugleich in der Fossa max. sin. hervorgewachsen war, die 1. Carot comm. 
Ich glaubte, dass die cavernöse Geschwulst dien r. Oberkiefer von hinten 
her durchwachsen habe, — damals war von v. Langenbeck noch nicht 
auf die Entstehung dieser Geschwülste in der Flügel^aumengrube aufmerk- 
sam gemacht — und war darauf gefasst, den Oberkiefer reseciren zu müssen. 
Ich liess die Unterbindung der Exstirpation unmittelbar voraufgehen, weil 
ich glaubte, dass die Exstirpation dadurch viel weniger blutig werden würde. 
Darin hatte ich mich jedoch getäuscht, denn bei der nun folgenden Opera- 
tion spritzten bei jedem Schnitte die Arterien so stark, dass Fat im Gan- 
ten viel Blut verlor, nnd ich mich schliesslich genöthigt sah, den Stiel der 
Geschwulst, der gegen die Flügelgaumengrnbe ging, in toto zu umstechen. 
Am anderen Tage folgte Hemiplegie der r, Seite und Störung der Gehirn- 

24* 



372 



Dr. C. Pilz, 



functionen, ganz genau wie in Schuh's Falle. Der Pat erholte sich spä- 
ter wieder so weit, dass ich am 31. Oci. den häufig blutenden Nasenpoly- 
pen exstirpiren konnte, wozu ich mir den Weg durch Resection des Proc. 
nasal, max sup. bahnte. Auch diese Operation war enorm blutig, und Pat 
kam kaum mit dem Leben davon. Die Lähmung verschwand später nicht 
ganz, auch das Sprechvermögen blieb gestört, und Pat. ist später ausser- 
halb des Spitales, ich weiss nicht an welcher Krankheit, gestorben". 

498) y. wollte zuerst die Garot. ext. unterbinden, besorgte jedoch, sie 
nicht ohne Zeitverlust in den veränderten Theilen finden zu können; die 
Ligatur wurde in der Narcose ausgeführt. 



V. Ligatur wegen 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


ü 

< m 


1 


Ursache. 




Aus- 
gang. 


515. 


Liston, 1817. 
22. Juni. , 


Edinb. Med. and 
Sarg. Journ. 1820. 
p. 66. 


'if: 


1. 


Kopfschmerz. 


— 


22 


Reine 
dau- 
ernde 
Besse- 


516. 


Mc Glellan, 


Americ. Med. Rev. 


16j. 


r. 


Epilepsie. 


3 


«_ 


mng- 
Besse- 




Philadelphia. 
1826. Mai. 


and Journ. Vol. 3. 


M. 






Jhr. 




rung 




p. 328. — New 
York Journ. 1862. 












(An- 
















zugs). 






March. p. 228. u. 


















230. 














517. 


F. E. Becton, 


North. Americ. Med. 


22j. 


1. 


Epilepsie. 


9 


_ 


unver- 




Mutherford, 


and Surg. Journ. 


H. 






Jhr. 




ändert 




County Tenessee. 


1827. Jul. Vol. 4. 
















1827. 2 h März. 


p. 88. 














518. 


Pres ton, Cal- 


Transact. of Cal- 


50j. 


r. 


Hemiplegie 1. u. Pa- 
ral. d: Pacial. 1. 


1 


20 


Besse- 




cutta. 1830. 


cutta. Vol. 5. 


M. 




Mnt. 




rung. 




22. Nov. 


p. 346. 














519. 


Preston, 1831. 


Transact. of Galc. 


26j. 


— 


Epilepsie. 


5 


29 


Bedeu- 




4. Febr. 


Vol. 5. p. 359. 


H. 






Jhr. 




tende 
Besse- 


520 


Preston, 1831. 


Ibid. Vol. 6. p. 396. 


61j. 


r) 


Epilepsie u. Hemi- 


6 


13 


rung. 
Besse- 


521 


23. Aug. 
14. Novbr. 




M. 


\\ 


plegie. 


Jhr. 




rung. 


522) 
523 


Preston, 1831. 


Ibid Vol. 6. p 394 


^^- 


r\ 


Paralysis partial. u. 


_ 


__ 


Besse- 


7. Sept. 10. Oct. 




1. 


Kopfschmerzen. 






rung. 


524/ 


Preston, 1831. 


Ibid. Vol. 6. p. 409. 





l. 


Epilepsie. 


8 


— 1 Ohne 


525( 






M. 


r 




Jhr. 




Erfolg. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis communis. 373 

499) Da der untere Rand des Tumors mit der tiefen Halsfascie und 
den groaaen Gef&ssen verwachsen erscheint, deren Dnrchschneidnng sicher 
ist, ao werden, nachdem der Tumor im oberen Theile abprftparirt ist, Art. 
Carot. comm. und Vena jug. int. unterbunden; der peripherische Theil der 
letzteren mass nach der Dnrchschneidung wegen heftiger Blutung noch be- 
sonders ligirt werden. In der ersten Zeit bleibt die rechte Pupille erwei- 
tert; Abends ist die Empfindlichkeit der rechten Gesichts- and Kopfseite 
schon gebessert. 



Nervenkraiikheiten. 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Gegen andauernden klopfenden Schmerz in d. I. Wange u. Oberkiefer, der sich auf 
den ganzen Kopf verbreitete, waren viele Mittel vergeblich angewandt; zußlUige 
Compreasion d. Carotis gab Erleichterung, eben so Anfangs d. Ligatur. 

Ein , Vascal. Tamor* Ober d. r. Obre, in Beziehung zur Krankheit gebracht, Hess von 
d. Ligatur HQlfe erwarten; nach 6 Monaten der frühere Zustand. 



In den nächsten 10 Tagen 2 Anfälle; Trinker, Wiederkehr der Anfälle. 



Am 2ö. etwas Husten, leichte Schmerzen in d. Brust u. Schlingbeschwerden. 

In den ersten Ta^en Schlingbeschwerden; 7. Schmerzen in d. 1. Schläfe; 15. April 
noch frei von einem Anfalle; Fat. ist physisch u. psychisch besser. 

Seit 20 Jahren Hemiplegie links. Am Tage nach d.. Ligat. Beweglichkeit der gelähm- 
ten Seite, d. Anfölle werden Anfangs seltener; ihre erneute Häufigkeit, das behin- 
derte Geben u. stärkere Kopfschmerzen lassen zur Ligat. der anderen Seite mit 
allgemeiner Besserung schreiten. 

Nach d. Ligat. ist Fat. frei von Kopfschmerz n. hat mehr Kraft im Beine. 

Innerhalb eines Monats wurden beide Arterien unterbunden. 



374 



Dr. C. Pilt, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


i\ 


'1 
1 


Ursache 


ll 




Aas- 
gang- 








CS 1 M| 


Tage. 




526) 
527/ 


F H.Hamilton, 


Buffalo Med. Journ. 


18j. 


T\ Epilepsie. 


seit 




Heiig. 


1838 u. 1839. Vol. 2 p. 119. - 


M. 


1 




Kiid- 








Aug.-March. 


New York Journ. 
1852. Marcb.p. 231. 




; 




heit 






528. 


ParsoD, 1846. 


Amer. Journ 1848. 


19 j 


^ 


Intermittirender 


2 





Ohne 






Apr. p. 3o0. 


M. 




Kopfschmerz. 


Jhr. 




Erfolg. 


529. 


B. Brown, 1848. Amer.Journ. 1854. 


•'S; 


r. 


Epilepsie. 


5 


20 


Heilg.V 




5. Juni. 


Oct. p. 415. 






Jhr. 






530. 


W.Parker,1848. New York Journ. of 

Nov. 1 med and coli. sc. 

1 1852. Mai. p.418. 


32j. 
M. 


1. 


do. 


— 


13 


Yer- 

rUiu. 
iLflte. 


531. 


Morrogh, New'lbid. p. 419. 


24j. 


r. 


do. 


8-9 


15 


Ohne 




Brnoswick. 




M. 






Jhr. 


~ 


daa- 




1849. 23, Febr. 














erode 
Besse- 
rung. 


532. 


J R. Wood, 

New York. 1856. 


Scbmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 75. 


'V: 


— 


do. 


— 


— 


Besse- 
rung. 


533 


G.C.E. Weber, 


ClevelandMed.Gaz. 


aoj. 


l.( 


do. 


5 


12 


Ohne 


534 


1857. 2. u. 19. 
Dec 


1859 O.t. - 
Americ. Journ. of 
med sc. N. S. 
Vol. 39. p. 574. 
1860. 


M. 


r.\ 




Jhr. 




Erfolg. 


535. 


Nussbaum, |Bayer. ärztl. Intelli- 


'J2j. 


l. 


Neuralgie. 








Beilg. 




Mun'ben. 1862. 


genzblatt. 1863. 


W. 














9. März. 


No. 33. S. 461. 














536. 


Nussbaum, 
1862. 30. Oct. 


Bayer, ärztl. Intelli- 
genzblatt. 1863. 
No. 33. S. 472. 


t- 


r. 


Tic douloureuz. 


— 


— 


Heiig. 


537. 


Nussbaum, 
1862 8. Nov. 


Ibid. S. 470. 


38 j. 
W. 


r. 


do. 


— 


— 


Erfolg. 


.538. 


Nussbaum, 
1862. 7. Dec. 


Ibid. S. 470. 


7 


r. 


do. 


— 


— 


Erfolg. 


ö.S9j 




North. West. med. 





Ij Epilepsie. 





/ 




540! 


Angell. 


Journ. 185 . Oct 





r! 




«_ 


1 


«nalnt 


541^ 




— Amer. Journ. of 
med. sc. 1861. Apr. 




2. 
5' 

GD 
CO 

E 

IQ 






j 


eiiulnlt 
Tfi 


542. 


Krim er, citirt. 


Kleine rt, Repert. 
1830.Hft.9.S.l-24. 
aus Hohnbaum 
n. Jahn 's Med. 
Converstbl. Jahrg. 
2. No. 16. S. 121 
bis 125. 


48j. 
M. 


1. 


Kopfschmerz. 






Besse- 
rung, 
(tnach 
13 Mo- 
naten.) 



Zur Ligatar der Arteria Carotis commnnis. 375 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Seit 12 Jahren wurden d. Anfälle stärker; d. Empfönglichkeit für Anfälle nach der 
Unterbindang erlosch mit der zweiten. — Pat zeigte nach 2 Jahren d. 1. Carotis 
sehr erweitert; sonst gesund. 

Anfangs Erleichterung, dann das alte Leiden. 

Ohne Chloroform; mit d. Ligat. hOren Temporal, n. Fac auf zu pulsiren; Tor Abfall 
d. Ligat wieder Puls in d. Temporal. Bericht (von 1853) giebt an, Aura u. AnföUe 
sind nicht eingetreten, aber eine unangenehme Verwirrtheit. 

Die Anfalle worden stärker; Nachblutung stand auf Compression. 



Mit d. Ligat. frei von d. lästigen Kopfschmerz, d. Parese d. Armes u. d. beschwerten 
Sprache; am 8. Tage neuer Anfall; seit 5 Wochen nach d. 2. Unterbindung traten 
wieder zeitweise schwächere Anfälle auf, doch solid. Geist schwächer werden. 



Schmerz im 1. Ange, vermindertes Sehen ohne Structurveränderung; Schwindel, Kopf- 
weh; Gesicht links stark geröthet; wegen Neuralgie am 28. Resection d. Nerv.; am 
9. März Ligat. mit voller Wirkung; doch 14 Tage lang UnbehQIflichkeit d. r. Ar- 
mes; S Stunden nach d. Ligat. ist Puls in d. Temporal, zu fühlen. 

Neben Nerve nresection Ligat; 12 Std. nachher 1. Lähmung, am 8. Tage Sopor; Pat. 
kommt allmftlig zu sich, nach 4 Wochen stellt sich GefQhl u. Bewegungsfähigkeit 
wieder allmftlig ein. Zor Zeit Pat ganz gesund, keine Spur der Lähmung. 

Mehrere frohere Nervenresectionen hatten nur zeitweise geholfen. Die Ligatur ohne 
schlimme Folgen. 

Schon frfiher Nervenresection; diesmal neben Resect noch Ligat. — Schmerz an um- 
schriebener Stelle d. r. Scheitelbeines, u. pelziges GefQhl d. r. Znngenseite. 



Ligator, nach Scarpa's Methode, Hess d. Kopfschmerz verschwinden. — Genaueres 
im Text. 



376 



Dr. 0. Pill, 



No. 



Operateur 

nnd 
Datnm. 



Literatnr. 



5,3 



Ursache. 



|3 






a§ I Ans- 
2 I gaog. 



643| 
544J 
545 
546 
547 



-548. 



Val. Mott. 
Nossbanm. 



T. Patrnban, 
Wien. 



Schmidt, Jahrbb. 

Bd. 98. S. 76. 
Briefl. Mittheilg. an 

Prof. Gurlt. 



Wiener Med. Presse. 
1866. 29. Apr. 



W. 



Epilepsie, 
do. 



Tic doulonrenx. 



24 

Jhr. 



— Besse- 

iObne 
{Er- 



Heiig. 



Zusätze zu forste, h- 
580) B. erhielt einen Schlag gegen das I. Schläfenbein, wurde fQr einige 
Standen bewnsstlos, bekam dann einen epileptischen Anfall; Pat, znr Be- 
sinnung gekommen, zeigte den Mund nach rechts verzogen, war sprachlos, 
die r. Extremitftten paretisch. Nachdem 2-3 Monate die epileptischen An 
fälle bestanden hatten, traten dafür Kopfschmerzen auf; später jedoch kehr- 
ten dieselben häufig wieder. Die im Juni 1848 gemachte Trepanation schien 
Hülfe gebracht zu haben, aber nach 3 Monaten zeigte das hartnäckige Lei- 
den seine frühere Heftigkeit. 

531) Innere Mittel waren ohne jeden Erfolg geblieben. Nach der Ope- 
ration fühlte sich Pat. besser, aber schon den 9. März traten 2 Anfälle auf, 
der folgende am 25. Dec. 

542) 1818 soll nach starker Darchnässnng, unter Fieber, ein linkaseiti- 



VI. Ligatur nach 



No. 



549. 



Operateur 

und 

Datum. 



Wardrop, Lon- 
don. 1825. Jun. 



Literatur. 



Wardrop, On 
Aneur. etc. p. 24. 



*i 



'7. 



Ursache. 



Aneur. Garot. 



I 



Tag». I 



B^?*fr 
runp 



Zar Ligatur der Arterta GarotiH commuais. 377 



Besonderes bei der Ligatur and im Verlaafe. 



Innerhalb eines halben Jahres warden beide Dnterbindangen ansgefDhrt. 

In allen Fftllen blieben d. Anftlle aas, dafflr traten aber andere Erscheinaogen auf; 
z.B. stundenlanges Steifsein in allen Extremitftten; standen-, ja tagelaoge Schling- 
beschwerden, Kopfweh, Sprachlosigkeit, Ohnmächten etc. In einem Falle wurde durch 
Brand in d. Operations wände die Vena jugul. angefttat, die heftige Blutung wurde 
durch d. amschlungene l^aht gestillt, es folgen py&mische Fröste, Plearitis, endlich 
nach i Jahre Genesung. 

Die Operation hatte keine unangenehmen Folgen. 



ender GasniBtik. 

ger Kopfschmerz entstanden sein; die Terschiedensten Sedativa und Deri- 
Tantien hatten nur vorübergehenden Erfolg. Da Gompression beider Garo- 
tiden Erleichterung schaffte, so entschloss sich ein Arzt zur Ligatur der 1. 
Carotis, die wirklich das Leiden hob. Nach 4 Wochen stellte sich Brustbe- 
klemmuDg ein, und Athembeschwerden bei schnellem Gehen. 13 Monate nach 
der Operation erfolgte plötzlicher Tod. Die Section zeigte das Gehirn an- 
imisch (?}, die Geflsse an der 1. Seit« nicht erweitert, aber die Plex. choroid. 
vmricös. Die 1. Garotis war an ihrem centralen Theile erweitert Am Bo- 
gen der Aorta fand sich ein geborstenes Aneurysma, dessen Innenwand mit 
mehreren Schichten, , Afterbildungen* ausgekleidet war; der r. Vorhof ist di- 
latirt, die 1. Pleurahöhle mit Blut etwas erfüllt — Die Deutung, als ob das 
Aneurysma sich in Folge der Ligatur gebildet habe, ist eine irrige. 



Brasdor - ^Wardrop, 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



Mit Schluss d. LigaL nahm wider Erwarten d. Ge- 
scbwalst an Umfang ab; Gehirnerscheinungen tra- 
ten in keiner Weise auf. Am 4. Tg Tumor noch 
i der früheren Grösse, zeigt undeutliche Wellenbe- 
wegungen, ist am 5. Tg grösser, pulsirend, wird 
wiäer kleiner, eröffnet sich dennoch spontan. 



378 



No. 



Dr. C. Pilz, 



Operateur 

und 

Datum. 



Literatur. 



ii 



Ursache. 



1^ 

|2 






Tf. 



550. 



551. 



552. 



553. 



554. 



Wardrop, Lon- 
don. 182G. 
10. Dec. 



Lambert, 1827. 
1. März. 



G. Basb, 
Ghatham. 1827, 
11. Sept. 



Evans, 1828. 
22. Jul. 



Montgomory, 
1829. 10. März. 



Wardrop, ibid. 
p. 29. 



57j. r. 



V: 



do. 



Lancet. VoL 11 
p. 8^1. u. VoL 12. 
p. 218. a. War- 
drop, On Anear. 
p 36. 



Laocet VoL 14. 
p. 142 u. 149. u. 
Wardrop, p. 49. 



Wardrop, On 
Aneur. p. 93. 



Lancet. 1833. p.421. 



49j. 
W. 



"i 



30 i. 
M. 



555. 



556. 



Rigeu, Amster- 
dam. 1829. 
21. Febr. 



VaL Mott, 
New York. 1829. 
26. Sept 



V,e1pean, Nout. 
El^m. de M^d. 
op^r. 1839. VoL 2. 
p. 214. (Mittbeilg.) 

Amer. Med. Journ. 
VoL 5. 



M. 



"i 



do. 



do. 



Aneur. Innom. 
GaroL 



23 



und 



Ane.ur. Garot. (V) 



Aneur. Innom. (an* 
gen.) (Aortae;. 



do. Innom. 



19 



t ' 
62. Tg 



Geo& 

SUDS 



SjGene- 



2.0 

* a 

o 



sang. 



18 tl25. 
Tg 



— I (t 13. 
Jod) 



15 



(t22;4 

1830.] 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communiB. 



379 



tsonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Sectiou. 



2. Oct schwacher Puls in d. r. Temporal, die 
Bat im Tumor geringer; Tolles Wohlbefinden bis 
4. Woche, dann, nach reichlichem Genüsse von 
rit., Wachsen der Ton Neuem pulsirenden Ge- 
irulst; Oedem d. Beine. 



d. Onterbindang erfolgte Uebelkeit u. Erbrechen, 
lomor nimmt sogleich ab, r. Radial- Puls voller 
härter. 3. Tag Tumor fest. 11. Blutung. 5 
chen später olcerirt d. Narbe; 18. April Blutg. 
I d. Wunde, die wiederkehrt 1. Mai Blutung. 



d. Operation verkleinert sich die weicher ge- 
rdene Geschwulst; das Schlingen wird gebessert, 
Stimme lauter, d. Geschwulst verkleinert sich 
ch weiter, u, wird pulslos. 

i. Ligatnr hört d. Puls auf an allen Zweigen d. 
rotis, nicht im Tumor, ist am 23. u. 24. sogar 
Irker. 25. Fieber. 27. Abds. Delirium. 28. besser. 
. kalter Seh weiss, Dofähigkeit zum Schlucken u. 
m Sprechen, Obliteration d. Bracbialis etc., r.-sei- 
;e Parese, d. Gedäcbtniss wird schwächer. 

;e Stunden nach d. Operation Athem- u. Schling- 
schwerden. 22. mehrere Blutungen; später, 10. 
D., Eiterentleerang aus d. Munde, u. 3. Jul. blu- 
er Auswurf. 



heftigen Erscheinungen schwanden, es Termin- 
rte sich d. Tumor bedeutend; Pat wurde im Mai 
gen einer Hernie operirt. 

^age nach d. Operation Besserung, Schmerz beim 
blocken, d. Pulsation ist schwächer, d. Tumor 
'iner. 28. Puls in r. Radial, deutlich (vorher 
ht). 29. Die Sprache ist besser, wie der ganze 
stand. 16. Oct. ist Puls ganz yerschwunden, d. 
imme normal; später sollte d. Subclav. nnterbnn 
n werden. 



Das Herz ist um d. Dreifache 
vergrössert, d. r. Carotis am 
Ursprünge erweitert, u. durch- 
gängig, wie alle ihre Zweige, 
mit Ausnahme d. Thyreoid. sup. 
Atherose d. Aorta, Innom. u. 
Carotis. 

Die Carotis ist mit d. N. vagus 
verwachsen, d. Aortenbogen er- 
weitert, d. r. Subclav. gesund; 
der untere Theil d. Tumors ist 
consolidirt, an d. Ligaturstelle 
ein 3'" langes GeschwQr. 



Vom alten Sacke ist nichts vor- 
handen, d Art. u Vene sind 
verHchlossen, erstere von der 
Theil ungsstelle an bis zum Ur- 
sprünge; es bestand noch ein 
Anenr. d. Aorta; die r. Carotis 
fand sich sehr erweitert 

Asthma. — Das zwischen Innom. 
u. Carotis links gelegene Aneur. 
war mit festen Coagulis ausge- 
fällt 

Athemnoth. — Das r. Schlüssel- 
bein ist theilweise absorbirt, d. 
Aneur. Innom. geht auf Carot. 
n. Subclav. r. über; d. Carotis 
war thrombirt 



380 



Dr C. Pill, 



Ko. 



Operateur 

und 
Datam. 



Literatur. 



uS I 



Orsaehe. 



. Th>. 



537. jWickham, Win-. Medico*Ghir. Trans- Ö5J. 
ehester Uoftpit.| actions. Vol. 23. M 
1B29. 25. Sept.< p. 405. 



568. 



559. 



560. 



561. 



562. 



ÖÜ3. 



Aston Key, 
18d0. 20. Jal. 



Morisson, 
1832. 8. Nov. 



Fearn, 1836. 
30. Aag. 



Dohlhoff, Mag- 
deburg. 1837, 
13. Juni. 



Li 8 ton, London, 
1838. 18. Jul. 



Lond. Med. Gaz 
1830. Jul. 



Americ. Med.Journ, 
Vol. 19. p. 329. 



Lancet. 1836 u. 
1838. - Americ. 
Med.Joarn.Vol.l9. 
p. 522. 



Ru8t,Magaz. 1838 
Bd. 51. Hft 
S. 517. 



Laacet. 1838.VoL2. 
p. 668. 



List ou, London. Linccl. 1839/40. 



um 1838. 



Vol. 1. p. 37. — 
Broca,Traitöde8 
Anevrysmes. 
p. 600. 



61j. 



42j 



W. 



51j 



31j 



— r. 
M. 



r. jAneur. Innom. 



do 



Aneur. Inaom. uod 
Carot. 



Aneur. Innoio. 



do. 



Anenr. Subcla v. — 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commaDis. 



S81 



ssonderea bei der Ligatur and im Verlaafe. 



Todesarsache and Section. 



. Ligat. wird d. Sack Bchlaifer, d. Palsat. be- 
llt fort; es wird am 3. Dec. d. Snbclay. ligirt. 



1. Ligat. hört d. Polsat im zasammengesankenen 
cke aaf, nach 1^ Std. Goma, nach voranfgegan- 
Der DyspnoS. 



ge Standen nach d. Operation sind d. Polsatt. 
irl[6r; es folgt ein GefQhl von Leere in d. r. 
opfhSIfte; Bessernng. 12. Not. Ohnmacht; — 
ohlbefinden. 



M. omohyoid. wird durchschnitten; d. Arterienwan- 
DDgen erscheiiien yerdickt; mit d. Ligat Schmerz 
D r. Ohre, einige Stunden nachher erschwertes 
thmen, das gegen Abend gesteigert ist 21. Hasten, 
Seite blasB, kalt 4. Sept Geschwulst kleiner u. 
^ter. 2 Jahre sp&ter Ligat d. Sabclav. 
)td. nach d. Operation giebt Pat an, ein eigen- 
bümliches GefQhl von Helligkeit (Leere?) im Kopfe 
n haben; d. r. Temporal, palsirt nicht; Kopf- 
chmerz, Brechneigung. 16. Bewnsstsein gestört, 
> Seite gelähmt; 18. Athemnoth; Trinken erregt 
tnmer Husten. 



^t. d. Subclav. innerhalb d. Mm. scaleni; am 11. Tg. 
Blutung, die am 13. wiederkehrt. 

[enfallB wurde zugleich d. Sabclav. n. Caroi unter- 
bunden, am 4. Tg. lebte Pat. noch; weiterer Bericht 
I^^H. (Velpeau erwähnt einmal, dafis bei L am 
w. Tg. Tod eingetreten sei.) 



Ruptur d. Sackes. — Hers fettig 
degenerirt, Art pulmon. doppelt 
so gross, als gewöhnlich, Vena 
cav. sup. dilatirt, Atherose in 
Aorta; d. Anenr. hatte sich auch 
auf Garot n. Subclav. ausge- 
dehnt Die r. Snbclav. war vom 
Schlflsselbeine bis zur ersten 
Rippe verschlossen, d. Garot 
von d. Kreuzungsstelle d.- M. 
omohyoid. an. 

Es fand sich d. 1. Garotis fest 
geschloesen, beide Vertebr. sehr 
verengt Das mit Brustbein, 
Schlüsselbein u. 1. Rippe ver- 
wachsene Aneur. gehörte dem 
erweiterten, atheromatösen Aor- 
tenbogen an; d. r. Garotis u. 
Subclav. waren normal. 

\lfl Pat plötzlich, 1834. d. 4. Jnl., 
starb, fand sich d. r. Subclav. 
theilweise erweitert, d. Anonyma 
doppelt so gross, ab gewöhn- 
lich, atheromatös; d. r. Garot 
vom Ursprünge bis zur Ligatur- 
stelle sehr erweitert, mit dickem 
Fibrin .erfüllt 



Das Schlüsselbein cariös; im 
Anenr. viel coagnl. Blut; in d. 
äusseren Wand d. 1. Anonyma 
eine längliche Oeffnung, Garot. 
1^" weit; oben bis zur Bifur- 
cation mit festen Goagulis er- 
fQUt«, kein Unterschied zwischen 
beiden Hirnhälften, massige 
Hyperämie. 

Blutung. — Garot u. Anonyma 
obliterirt, aber d. Subclav. u. 
ihre Zwei::e sind durchgängig. 



382 



Dr. 0. Pilx, 



No. 


Operateur 

und 

Datum. 


Literatur. 


=i 


i 
1 

& 
•o 


Ursache. 




-6 . 

l3 


5=- e 








o 


ü 






T.,. 


564. 


CoIbod, NoTon. 
1839.* 


Bullet de PAcad. 

royale de Paris. 

1840/41. Vol.6.p.8 
Neu haUB,Dissert 


IS*' 


1. 


Aneur. Garot 






28 H 

1 

1 


565. 


Demme, Bero. 


38j. 


r. 


do. 




._ 


1 




1840. 24. Sept. 


Bern. 1841. 80. 
Bra8dor*8 Me- 
thode zur Hejjung 
d. Aneur. p. 10. 


H. 










49 


566. 


J. R Wood, 
1840. Dec. 


Schmidt, Jahrbb. 
Bd. 98. S. 75. 


»5(- 


r. 


Aneur. Carot. 




— 


12 Q< 


567. 


Fergusson, 


Monthly Journ. 


H 


r. 


Aneur. Innom. 


und 


3 


— 


! 1841. 22. Juni. 


1841. — Americ. 




Subclay. 




Jhr. 


\ 






Med. Journ. N. S. 












; 






Vol. 3. 












1 


668. 


Porta, Pavia. 


Porta, Delle alte- 


60 j. 


r. 


Aneur. Innom., 


Ca- 


^^^ 


^ 


t 




1842. April (?) 


rat, pathol. etc. 


W. 




rot. u. Snbclay. 












1845. p. 35. 
















569. 


Button, 1842. 


Dublin quart Journ. 


"J: 


r. 


Aneur. Innom. 




1 


30 






27. Jun. 


Vol. 25. p. 499. u. 








Jhr. 


!7€ 






Vol. 13. p. 84. 
















570. 


O'Shaughnes- 


Gaz. m^d. 1843. 


H: 


r. 


Aneur. Innom. 


nnd 










sy, um 1843. 


p 288. 




Carot. (angenomm.). 




1 


10 


571. 


Rompan],1844. 
30. Oct 


Schmidt, Jahrbb 


70j. 


r. 


Aneur. Innom. 


und 










Bd. 77. S. 236. 


M. 




Carot. 






~ 21 


572. 


Rossi, 1844. 


Lancet. 1844. Juni. 
- Gaz. med. 1844. 


H. 


r. 


Aneur. Innom. 




— 


, 6 


578. 


Campbell, 


p. 58. 
Month. Journ 1845. 


"i 


r. 


Aneur. Innom. 


(an- 


_ 


- ; t 




1845. 8. März. 


p. 45. -• Dublin 
Journ. 1852. Vol. 




genommen). 






1 

1 
















} 






13. u. Norrie, 












1 






No. 15. 














574. 


Malgaigne, 


Arch. gdn^r. 1851. 


11: 


r. 


Aneur. Innom. 


Ca- 


.— 


18 , 




1845. 3. Apr. 


4. Ser. Vol. 27. 




rot u. Subclav 


, 




! 






p. 226. 












T* 


1 ! 

i 












< 




















>^ 



Znr Ligatur der Arieria Carotis commanis. 



383 



Besonderes bei der Ligatur und im Verlaufe. 



Todesursache und Section. 



üa 21. Tg. leichte Blntg. aas d. Wunde; Entzfinduag 
eines Auges mit Verlust 65. Tg. Wund« yemarbC 
Tumor verkleinert, schwach palsirend. 

bpferscheinungen 7. Oct. Frost; Pleuritis, Entzün- 
doDg d. Sackes; Blutungen. 



Ohne weitere Angaben. 

(anfangs ging Alles gut, nach 8 Tg., unter Fieber, 
Broochitis, während der schwach pulsirende Tumor 
sich verkleinerte. 

Darmsaite wurde zur Ligat. yerwandt; Phlegmone d. 
, Halses folgte schnell, 

TerBchwinden d. Tumors mit d. Ligatur; d. Pulsat 
wird geringer. 22. Tg. Blutg. aus d. Wunde, die 
sich wiederholt; 38. Tg. Schauer n. convulsiv. Be- 
wegungen, ähnlich epileptischen, ebenso nach 3 
Tagen, es nimmt d. Tumor nun zu, blutige Sputa. 



Mit d. Ligat erfolgt keine Veränderung im Tumor, 
2 Tg. vor d. Tode Beäogstiguug u. Husten. 



Heftige Reaction (?). Verminderung d. Geschwulst, 
va 16. Tg. zwei kleine Blutungen , die verstärkt 
wiederkehren. 19. Blutg. 

Es wurde d. Garot u. Subclay. simultan ligirt 

Mit d. Ligat erscheinen r.-seitige Kopfschmerzen u. 
Erweiternni d. 1. Pupille, d. Tumor schwindet, um 
^Imälig wiederzukehren; nach 3 Std. Husten u. 
Fieber. 23. Fieber, Delirium, starke Herzaction. 

Nach d. Operat mindern sich d. Beschwerden, d. Tu- 
mor wird kleiner. Am 17. Oct. wird d. Subclav. 
unterbanden. 



Section im Text 



Pleuro- Pneumonie. — Der Tu- 
mor ganz mit Goagulis erfüllt, 
über d. Ligat kein Thrombus. 

Keine Veränderung in den Kör« 
perhöhlen, d. Thrombus in d. 
Garot 7 Mm. lang. 

Die Garot war deutlich durch- 
schnitten, über d. Ligat Atbe- 
rose, d. Sack enthält geronne- 
nes Blut u. eiterige Masse, Gom- 
munication mit d. Luftröhre; 
Atherose an der nicht erwei- 
terten Aorta; d. r. Subclav. u. 
Garotis obliterirt, 1 Zoll lang. 

Ruptur d. Aorta. — Doppelter 
Thrombus in der fest geschlos- 
senen, gesunden Garot; Ano- 
nyma fest am Ursprünge obli- 
terirt 

Die Sect weist d. beiden Aneu- 
rysmen nach, welche fast ganz 
mit Fibrin erfüllt sind. 

£s bestand Verschluss d. 1. Ga- 
rotis u. Vertebr. rechts. 

Lungenentzündung. — Aneur. d. 
Aorta, guter Thrombus in d. 
Garot.; Aortenklappen normal. 



Die r. Garotis findet sich obli- 
terirt, nicht d. Subclay. ; Athe- 
rose d. Anonyma; d. Gehirn 
zeigt keine Anomalie. 



384 



Dr C. PiH. 



Ko 



Operslev 

und 
IHtnm. 



Literater. 



Hl 

c S 



ürsacke. 



'S 'S 5 S 
13 52 aB^ 



575. ViUrdebo, Arch. f^es^r. 4.8^ 70j. 
I Parit. 1847. , VoL 15. p. 547. ; IL 



576 



577. 



578. 



579. 



580. 



581. 



Laae.SlMarj*» Uaeei 1852. ?oL2. 
Hotpit 1852. p^7.ii.Brick8€D, 



7. Joü. 

W. Wright, 
1855. L Oet 



CaTeiller, 
1869. 25. Aug. 



Batcher, 
Doblin, Mercer'B 
Hoflpit 1863. 
6. Ibi. 



Parker, 1863 
2. Sept 



A. W. Smith, 

Naw OrleaoB. 
1864. 15. Mai. 



Chinirgie.I>eot8ch 
Bd. 2. S. 224. 

Lancetl»56.?ol.l 
p. 711. (Referat) 



Gaz. des höpit 1859. 
N0.33.— Demme, 
Spec. Chirorg. d. 
Scbasswanden. 
S. 210. 



B., Operaiiye and 
conserv. Sargerj 
p. 855. 



Americ. Jonrn. 
1864 April, p. 562. 



Brief Rogers an 
Val. Mott, in 
Amer. Med Times. 
— Schmidt, 
Jabrbb. 1865. 
S. 207 0. ff. 



301 



70j. 



24 j. 
M. 



42j. 
M. 



33 



It 



T. Attear. Ii 
I Gant. 



i üi 



Aaew. Oarot 



r. Aaear. Innoak 



Anear. SobcUv. 
traom. 



Aneor. Inaom. 



Anenr. Sabclav. 



5 



Anenr. Innom. 









10.' 



t8 
Std 



15 

mit4S.1 
Bl. 



13 IHeill 



Zur Ligatur der Arteria Carotis commaiiiB. 



385 



l^eBon^eres bei der Ligatnr and im Verlaufe. 



Todesursache and Section. 



rden. 



*B Methode war ohne Erfolg angewandt 



«loroform; d. Onterbindnogsstene gesund, Erschei- 

HDDgen treten nicht aaf. Der Bericht reicht nur 

^rtns zaiD 6. Taige« die weiteren Angaben stammen 

'^ron Erich sen* 
^ erfolgte l.-seitige L&hmnng. « 



t ne Chloroform ; mit d. Ligat ward d. r. Gesichts- 
3b&lfte etwas entArbt; sogleich folgte d. Unterbin- 
dung d. Sttbclav.. Sogleich fiel d. Tumor zosam- 
:3Hnen. 25- Schlingbeschwerden die einzige Klage 
~9>i8 Mm 27. Palöfrcquen», Husten. 31. Puls in 
^^d. Art. rad. 1- Sept. mit Husten eine Blutung, 
■^sbenao d. 2. n. 3. 

^ ioroform; wor Schlass der Ligatur liess B. Pat. zu 
^ich kommen, direct erfolgten keine ßrscheinun- 
-^en- sD&ter Srbrecben. 7. Nachmittags Puls in r. 
T-cniporal. leiae fühlbar. 8. Alles gut, dann plötz- 
3ich Nachmitt. geräuschvolle, erschwerte Respiration 
^%i. bald Tod. 

schwand d. Pulsat^ 10. Tg. leichte Blutg, 



Es fand sich ein Aneur. am An« 
fange d. Anon. n. d. Carotis. 
Diese war an d. Ligatarstelle 
geschlossen, d. Sack, mit Aus- 
nahme des höchsten Punktes, 
von einer Fibrinschicht ans^e- 
fQllt; im Gentrnm fand sich 
schwärzlich-schleimiges Blat. 

Lungenentzündung. — Der Sack 
ftlllte sich mit Fibrinschichten, 
nlcerirte', u. trat dann mit d. 
1. Lungenspitze in Verbindung. 

Abscess in d. r. Hirnhftlfte: der 
Sack ist mit Faserstoff gefQllt, 
d. Snbclav. offen; sn ihr fQhrt 
vom Sacke ans ein Canal 
(Erichsen). 

Section im Text 



•gleich 



J2 Ligatnr d. Vertebr., u 24. Tg Ligat d. Subclav. 
innerhalb der Um. »calenl 7. Oct Die Blutg. kehrt 



'^'^der. 



*^^bdem »m ^-.^/^^r^-'J"^l*u\.^.f? ^^- ^•^'^"<>°*- 



Am Halse alle Theile normal, Cap 
rot gesund, Subclay sehr er- 
weitert, mit Goagnlis erffillt, 
diese fehlen in d. Anon.; Aorta 
nicht erweitert, aber atb«roma- 
tOs; Pleuren gesnnd. 

Blutung. — Die Injectionsmasse 
fliegst aus dem peripherischeo 
Ende d. Subclay., d. Carotis ist 
gut obliterirt. Das äusserst« 
Ende d. Subclav. u. Carot. is 
durch Ulceration zerstört; da 
peripberiacbe Ende d. Subclai 
ist u\c€rirt, d. Vena jng. in 
links ist durch alte Thrombc 
geschlossen. 



A; -^^«^"^ird d. Carot noch 'unterbunden; wegen 
Ve^rillrer'''BTutg. »och d. Vertebr. recht.; d. ßlutun- 
i« iiehf en nicbt wieder, d. Tumor schwindet, die 
^«nde gao» geheilt. (Erster Fall von Heilung.) 



x«»*s«' 



B 1» « e kT • ArehiT tti CUrargi«. n. 



25 



886 



Dr. G. Pilx, 



No. 



Operateur 

QDd 

Datum. 



Literatur. 



2if 



Ursache. 



ii 

1 

Tage- 



11 



gang 



582. 



582. 

a.b. 

583. 
584. 
585. 

586. 



Chr. Heath, 

V^estminst. Hosp. 

18ü5. 21. Not 



Nnssbaam*), 
M&Dchen. 

Pirogoff. 
Pirogoff. 
Pirogoff. 



TilanaB, 
Amsterdam. 



Lancet.l86ö.Vol.2. 
p. 619 n. 724. 



30j. 



Briefl. Mittbeilg, an 
Prof. Gurlt 



P., Kriegschirurgie. »ittt 
S. 457. I ^' 

Ibid. Bi^- 

M 
Ibid. M. 



Velpean, Kouv. 
i\4menn de Med 
op^r.Yol.2.p.214< 



(2) 



Anenr. Innom. 



18 Gene 

SQDg 



Anenr. Innom. 
Anenr. Innom. 

do. 

do. 

Anenr. Aortae. 



Znsfttze zu vorst 

549) Nach Erichsen (Chirurgie, deutsch von Thambayn) soll Pat. 
noch 8 Jahre gelebt haben. 

550) Pat. bekam vor 4 Jahren Kopfweh, dann einen apoplectischen Anfall, 
einen zweiten vor 2 Jahren. Im Juli des Jahres bemerkte eine Freundin aofillig 
die starken Pulsationen am Halse. — Gleich nach der Operation erfolgte 
eine leichte Ohnmacht. 11. Trockenheit im Halse; 2 Ohnmachtsanf&lte. 

551) A. Gooper, der das Aneurysma für ein sogenanntes »wahres* 
hielt, widerrieth die Operation, Key und B. Gooper, weil sie es für ein 
Anettr3*sma der Anonyma ansahen; für die Operation sprachen Wakley und 
\Vardrop. 

552) Pat. befand sich im Mftrz 1830 noch wohl. 1828, den 19. April, 
war kaum noch eine Spur des Aneurysma zu sehen; das Athmen und Schlin- 
gen unbehindert, das Herz pulsirte nicht mehr arythmiscb. 

*) Folgende 8 Kftlle sind unter den 600 statistisch Tcrwertheten nicht 
mit eingerechnet: 156a. b. c Nussbaum; 169a. Spence; 439a.b. Mus- 
sey; 582a. b. Nnssbaum; 99a. Stanley ist nur bei den Hemiplegieen 
▼erwandt worden. 



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Steh 



Zar Ligatar der Arteria Carotis comronnis. 



387 



Besonderes bei der Ligatar und im Verlaufe. 



Todesursache nnd Sectioo. 



Nach d. Ligat. der Sobclav. wtfrde sogleich d. Carot 

unterbanden, ohne Erfolg auf d. Tumor; in 4 Std. 

Uebelkeit, Abds. Pols in Artt. temporal, u. fac. 

23. Puls in Art. brach. 25. Puls in Art rad. 26. 

Pat. wohler, d. Tumor wird kleiner. 30. Dec. Wunde 

geheilt, Pat. wohl, keine CirculationsstOrnng, Tumor 

r- r&ndert; deutliche Pulsat. nur am bterno-Glavi* 

cular-Gelenke. 
Beide Operationen wegen der ausgebildeten Venen 

blutig, aeigten geringe Reaction im Verlaufe; das 

Aneur. wuchs weiter, und führte zum Tode. i 

Auffallende Erleichterung ist d, Folge; Umfang u. 1 

Pulsation d. Geschwulst wird schwächer; Wunde | 

heilt { 

Schon nach der ersten Woche, Minderung d. Athem- 

noth , Verminderung d. Umfanges u. d. Pulsat. im 

Tumor. ; 

In der ersten Woche keine Verftndemng, in d. dritten Aneur. Anon., xnm Arcus sich 

Kopfschmen, Sopor, Tod. hin erstreckend, mit Gerinnseln 

erfüllt; partielle Erweichung in 
> einer Hemisphäre. 
T. hielt es ftkr ein Aneur. Carot; Pat genas; aberjDas Aneur. Aortae war mit al- 

nach 5 Mon. plötzlicher Tod. i ten Fibrinmassen erfüllt 



ender Casnistik. 

553) Seit Anfang des Jahres 1327 datirtPat seine Rnrzathmigkeit und 
Spannang fiber der Brost; als den 10. M&rz bei einem Hustenanfalle sich 
eine wallnnssgrosse, pulsirende Geschwulst am Halse zeigte, wurde die Re- 
spiration normal. Die seit dem 3. April gebrauchte Valsalva'sche Me- 
thode half bis zum Hai, dann schnelles Wacbsthum bis zum 1. Juli» Still- 
stand bis zum 20., neue, schnelle, mit yielen Beschwerden verbundene Zu- 
nahme des Tumors. — 29. Pnisation ist im Tumor; Abds. alle Erscheinun- 
gen gebessert 3 Wochen nach der Verstopfung der rechten Armarterie 
hatte sich der Kreislauf im Arme ausgebildet, und er zeigte im October 
wieder das normale Volumen; seit 15. Aug. nimmt das Klopfen im Sacke 
ab. — Erichsen bemerkt hierzu (Bd. 2. S. 213) dass im nächsten Jahre 
(8. Aug. 1830} Vereiterung des Sackes eingetreten, — Norris, dass am 
16. Mai 1831 jede Spur des Aneurysma geschwunden, — und Grisp CS.220) 
dass Pat nach 9 Jahren noch wohl sei. 

55i) Am 10. ist die Pnisation geringer, und den 12. erloschen, am 14. 
ist der Tumor nur halb so gross. Am 28. treten neue Vergrösserung 
der Geschwulst nnd Schlingbeschwerden auf; aus dem am 29. eröffneten 

2* 



888 Dr. G. Pils, 

Tamor entleert sich stinkende, chocoladefarbene FlOssigkeit. 30,> Aus der 
erweiterten Oeffnang wird noch mehr umgewandeltes Blut entfernt; jetzt er- 
folgt dauernde Besserung; der Tumor ist ganz yerscbwunden. 

657) Fat, sonst gesund, bemerkte vor 6 Monaten fiber dem r. Schlflssel- 
beine eine schmerzlose, nicht pulsirende Schwellung, die in 8 Tagen schwand; 
seit 4 Wochen zeigt sich ein neuer Tiimor am Brustbeine, der Athembe- 
sch werde verarsachte, aber keine deutlichen Pulsationen erkennen Hess« 
A. Cooper hielt dies gleichfalls für ein Aneur. Anonym. 26. ist die Pal- 
sation schwächer, 27 Kopfschmerzen; den 27. Nov. ist der Tumor doppelt 
so gross. Mit der Ligatur der Art. subclav., ausserhalb der Mm. scaleni, fiel 
der Tumor zusammen, hörten die Druckerscheinungen auf die Luftröhre auf. 
4. Puls besteht im verkleinerten Tumor. Am 7. Tage plötzlich Delirium, 
Wachsthum des Aneurysma, Herz und 1. Carotis pulsiren heftig (Venaesect). 
Abds. 8 Uhr ist Pat erst wieder ruhig; die Ligatur löste sich den 25. Dec. 
Den 5. Febr. geht Fat. aus dem Spitale, hat am 15. eine stilibare Blutung. 
16. Tod unter Blutung. 

565) Im Auszuge gebe ich diese, wie es scheint, ganz unbekannt ge- 
bliebene Krankengeschichte. Fat bemerkt seit April eine sich langsam ver- 
grÖBsernde, klopfende Geschwulst in der r. Supraclaviculargegend; spSter 
erfolgten stechende Schmerzen in der r. Kopfseite, besonders im Verlaufe 
der Artt. occipit und temporal., neben Schwindel, Hustenreiz und Abmage- 
rung des n Armes. Die r. Carotis pulsirte stark, die r. Art brachial, seh wi- 
cher, als die linke; da die Compression der Carotis alle Erscheinungen ver- 
schwinden Iftsst, so wird zur Ligatur derselben geschritten; sogleich ver« 
mehrter Kopfschmerz, dann Schmerz im Tumor; gegen Mittag Ciogenom- 
menheit des Kopfes, Schwindel, mit massiger Temperaturerhöhung desselben; 
der verkleinerte Tumor pulsirt schwächer, starke Herzpalpitationen , r. Art 
radial, voller (Venaesect). 29. vermehrte Kopferscheinungen (Venaesect), 
dann Alles gut bis 7. Oct., es erfolgt Frösteln, Pleuritis, a. Nov. Beim 
Husten tritt eine Blutung auf. 4. Der wieder stärker gewordene Tumor 
wächst. 5. Neue Blutung beim Husten. Die früher circumscripte Geschwulst 
ist jetzt diffus, schmerzhaft, pulsirt theilweise auch an der L Halsseite. Puls 
108. Muthlosigkeit 11. Blutungen. Im Tumor ist an einer Stelle Luft; 
reissende Schmerlen im geschwächten r. Arme. 12. Bewusstsein stets an- 
getrfibt geblieben. Sect: Der Tumor nach dem Tode zusammengesunken; 
Eiter reicht von der Ligaturstelle bis zur Clavicula, die, wie die erste Rippe, 
etwas absorbirt ist Am Herzen ist der L Ventrikel hypertrophisch, die 
Klappen normal; die Aorta ist bis zur Thoracica dilatirt und atheromatös; 
die Aorta asceud. zeigt fiber der Semilunarklappe ein taubeneigrosses Aneu- 
rysma, eine zweite, kleine Erweiterung findet sich am Bogen; der Trunc 
anon. entspringt normal, ist jedoch um seine Langsame gewunden, und, der 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commnnis. 3gg 

Bifareation zu, erweitert; das Aneurysma, 4 Zoll lang und 3^ Zoll breit, 
gehört nnr der Carotis an, hat sich aber Aber die Art snbclay. weggelegt; 
es zeigt 2 Oeffoangen, dnrch welche die Sonde in einen mit festem Coaga- 
lum ansgefQllten Sack gelangt; die Lnogenspitze ist mit dem Aneurysma ver* 
lOthet; seitlich fiffnet sich dasselbe zur Trachea hin. Nach Eröffnang 
erkennt man, dass das Aneurysma aus zweien besteht, yon denen das klei- 
nere der Ligaturstelle nahe, das grössere der Theilungsstelle zn liegt; beide 
sind durch einen 3 Linien dicken, organisirten Thrombus getrennt; der In- 
halt des unteren Sackes ist Blut, dieser mfindet aus in den Trnncus anon., 
in die Subclav. und r. Pleura; der obere enthält Eiter; tou seinen 1 Oeff- 
nungen gehen 2 in das umliegende Bindegewebe, die dritte geht zur Trachea, 
und die vierte nach Aussen an die Ligaturstelle. — Dieses Präparat befin- 
det sich in der Bemer Sammlung. 

674) Pat yerliess nach der ersten Unterblndung, mit Verweigerung der 
zweiten, das Spital; Excesse; neues Wachsthum; da die Circulation in der 
Carotis sich yollständig hergestellt hat, so wird die Snbclay. unterbunden; 
19. Dyspnoe. 20. Husten. 21. Pulsationen schwächer. 23. Erbrechen 
2. Nov., vielleicht nach einer Erkältung (?), Frost, Erbrechen, Stickanfälle. 
Yergrfisserang des Aneurysma^; 3 Tage vor dem Tode war Puls in der Art 
radial zu ffihlen. 

575} Das untere , kleinere, mit Coagulis fast gef&Ute Aneurysma zeigte 
in seiner Mitte noch einen offenen Gang. 

578) Bei Magenta erhielt Pat., nach Sturz mit dem Pferde, 2 Bajonett- 
stiche unter die r. Clavicuia; beide Wunden vernarbten. 20. Aug. erkannte 
man eine pulsirende Geschwulst in der Regio supra-clavicul., die sich schnell 
vergrösserte. Sect: Das Aneurysma war fast gänzlich eingesunken; durch 
die klaffende Operationswunde gelangt man zu weichen, nicht entfernbaren 
Gerinnseln; die r. Lunge ist luftleer, gegen die Wirbelsäule gepresst; der 
vordere Thoraxraum, von einer dicken Pseudomembran ausgekleidet, zeigte 
metamorphosirte Blutgerinnsel; vom vorderen Mediast ans reicht ein mit 
Jauche erfQllter Sack zur Operationswunde; die Luftröhre, die grossen Hals- 
gefässe sind von Jauche umspQlt, ebenso der r. Bronchus, der hintere Mit- 
telfellraum ist mit Exsudat erfQUt — Das Herz ist klein, die 1 Ctm. weit 
getrennte Carotis ist am peripherischen Ende gut obliterirt, am centralen 
Ende mit einem kleinen, weichen, leicht ablösbaren Thrombus geschlossen, 
ebenso verhält sich die Art subclav., deren abgehende Zweige alle durch- 
gängig sind; das Aneur. der Art. subclav. hängt mit der Vena subclav. und 
dem Plex. brachial, zusammen, sein Inhalt hat nur im Centmm noch weiche, 
rothe Blutgerinnungen. 

579) Da sich nicht mit Sicherheit feststellen Hess, wie weit sich auf die 
grossen Geftasstämme das, angeblich nach heftiger Bewegung, 1862 entstan- 



390 ^r* G- Pilz» 

däne Anearysma en^recken wOrde, bo sollte, je nach dem Befände, die Caro- 
tis, oder Subclam, oder beide ligirt werden. Als sich neben der £r weiterang 
der AnoDjma anch die Snbdav. dilaürt zeigte, wnrde yon der Ligatar dieses 
Gefftsses abgestanden, nnd nnr die Carotis i Zoll Tom Ursprange nnterbunden. 
582) Holt nnd Fergnsson hielten den Tumor fflr eine geflssreiche 
Geschwulst; Lane und Erichsen versprachen sich nicht viel von der Ope- 
ration. — Sp&terer Bericht fehlt mir. 



Ausser diesen mebr oder weniger detaillirten Beobachtangen 
findet sich noch eine Reihe von Fällen an verschiedenen Orten 
citirt, deren Quellen vielleicht späteren Arbeitern zugänglich sind^ 
und die ich deshalb hier aufführe. 

Warner und Else nach Wood in AyerilTs Chirurgie. 1825. 

Taillefer sn Honfleur machte die Ligatur der Carotis (Bullet de 1» 
soci^t^ royale de Paris. 1837—38 Vol. 2. pag. 60). 

Holland citirt eine Ligatur der Carotis nach Wardrop (Dublin quart 
Journ. 1852. VoL 13. pag. 94. aas dem Repet der gesammt deutsch. Med. 
n. Chir. von Neumeister, 1830. S. 119. -r Dort wenigstens fand ich die 
Angabe nicht bestätigt). 

£richsen soll (nach Lancet 1864. VoL 1. Jan. 23.) die Ligatur bei- 
der Carotiden gemacht haben; keine weitere Erwähnung dieses Falles habe 
ich finden können, auch nicht in setner Chirurgie. 

Nach Neufyille wurde in Paris die Carotis auf beiden Seiten, wegen 
starker Nachblutung, in einem Falle unterbunden, in welchem die Muskel- 
schichten des Nackens nnd Hinterhauptes verletzt waren, ohne dem tOdtli- 
chen Ausgange Torzubengen (Beck, Deber die Anwend. der Ligat. an einer 
der Wunde entfernten Stelle. S. 79). 

Demme sen. machte die Unterbindung der Carot. comm. und ext. zu- 
sammen 2 Mal; von den Operirten starb eine Person (Schweiz.' Zeitschrift. 
Bd. 1. S. 76). 

Flaubert unterband mit Erfolg die linke Carotis wegen erneuten 
Wachsthums eines schon zweimal operirten Tumors am Kopfe (Arch. g^nör. 
2. S^. 12. p. 843 — eingehe Notiz — ). 

Nach Mc Clellan machte Macgill diese Operation mehrfach (New 
York Journ. 1852. March. p. 228). 

Michon soll wegen Blutung (Nach Idzikowsky, Lanzette franc. 
Vol. 12. p. 475 — dort nicht zu finden — ) die Ligatur der Carotis mit Er- 
folg gemacht haben. 

Garrey (Larrey?) unterband die Halsschlagader mit Erfolg, wegen Blu- 
tung (Idz. No. 199. Transact. m^d. 1833. p. 360 — dort nicht angegeben — ). 



Zar Lfgatvr der Arteria Carotis commiinis. 891 

Hall machte die Ligatar wegen erectilem Tamor mit gutem Ausgänge. 
(B o r n B y Sarg. Anat p. 486. (Idz.) — ist in der alten Ausgabe nicbt aufgefQhrt). 

LonrenQo ligirte wegen filutong diese Arterie (Joum. hebdom. Yol. 8- 
p. 456. Berard's Dict en trente yoinmes. p. 422). 

Lebrun unternahm die Operation wegen eines Aneurysmas der Carotis. 
(Gaz. m^d. 1860. p. 455 — blosse Notie — ). 

Jon ebenso, nach Lisfranc (Thise. p. 180). 

Larrey citirt einen g«ficklichen Ausgang dieser Operation, die wegen 
Blutang gemacht war (Clin. chir. Vol. 2. p. 129). 

Hierher sind auch die f&r eine Statistik nicht yerwendbaren FftUe Nnss- 
banm's, 156a. b. c, und 582a. b. zn x&hlea. 

Mott machte 3 Mal die Unterbindung beider Garotiden, davon 2 Mal 
bei Kindern bis zu einem Jahre, glQcklich (Schmidt, Jahrbb. Bd. 98. S. 76.) 

Girand soll, nach Gross, die Carotis und Vena jug. int, nach Schnss- 
yerletznng unterbunden haben ; Ober den Ausgang ist nichts bekannt. (Americ 
Jonrn. Apr. 1867. p. 325.) Dagegen berichtet Americ. Jonrn. Vol. 11. nur, 
dass Giraud angiebt, ein firanz5sischer Chirurg habe lu Toulouse diese 
Operation gemaehi; am 6. Tage seien Erscheinungen aufgetreten. Ausgang 
unbekannt. 

.Titozzi soll eine linksseitige Ligatur Terrichtet haben. (AnnaL med.* 
chir. compil. p. cur. de T. Metex a. 1846. Kot.) 

Nach LOcke's brieflicher Mittheilung an Prof. Gnrlt will: 

Demme sen. wegen Variz. aneur. die Carotis mit Erfolg nnterbnnden 
haben, und es soll von 

Knapp (Heidelberg) eine Ligatur mit tOdtüehem Ausgange gemacht 
worden sein. 

Handyside musste, wegen heftiger Blutung nach Eztraction eines 
Zahnes, die Carotis durch die Ligatur schlieesen; der Ausgang war glttck- 
lich (Spence, Briefl. Mittheilung an Prof. Gnrlt).. 

Ferner wurde die Ligatur ausgeftthrt von: 

Blakmann, bei einer bösartigen Nenbildnng (West L&ne. -* 
Schmidt, Jahrbb. 1858. Bd. 99. S. 888). 

Parker, wegen Carcinom des Antr. Highm. (Schmidt, Jahrbb. 1867. 
Bd. 98. S. 77). 

Choppin, nach Schusswunde (New Orleans Med. News. — Sohmidt', 
Jahrbb. 1859. Bibliogr.). 

Pauli machte 1 Mal die Ligatur (Schmidt, Jahrbb. 1867. Hft. 6.), 
wegen Blutung pun einer Stichwunde. 

Im Feldzuge des Jahres 1866 wurde im Uzareth au Görlitz noch S 
Mal (daTOn 1 Mal mit Ausgang in Genesung, 1 Mal in Tod), nnd zu Schweid- 
nitz 1 Mal durch Dr. Scholz die Carotia comm. unterbunden. Mehrfach 



392 Dr. C. Pilz, t 

wurde diese Operation yon Geh.-Rath Middeldorpf, und wegen Hc don- 
lonrenx 1 Mal noch yon ▼. Patruban aasgeffibrt; nach Zimmermann 
soll Girocet diese Unterbindung unternommen haben. 



Zu eliminiren sind aus der Statistik Idzikowsky's, neben Ehr- 
mann*6 Berichtigung, die FftUe Ton Regnoli nnd Keate, welche keine 
Ligatur anlegten, ebenso Härders (citirt). Dieser sagt in seinem Ap- 
piarium, pag. 324. obs. 86.: Bei einem 30 jährigen Manne mit Aneurysma 
der 1. Halsschlagader wurden, unter Gompression des centralen Endes der 
Carotis, aus gemachter Incision die Blutgerinnsel entfernt, dabei erfolgte 
eine durch Adstringentien und Tamponnade nicht mehr zu stillende Blutung ; 
als man nun zur Unterbindung des blutenden Gefftsses selbst schritt, war 
Pat schon verschieden. Nach Beck yersuchte auch Bau den s der star- 
ken Blutung aus verletzter Carotis durch die Ligatur Einhalt zu thun, aber 
schon während der Operation starb Patient. DerHosack nnd Wright zu- 
geschriebene Fall ist der von Post, der Scarpa vindicirte von Molina* 
und der unter Granville besonders aufgeführte durch Pattison operirt. 
Von Pelle tan wurde nicht die Carot comm., sondern die Carot. ext. an- 
terbunden. Der nach Ehr mann yon Chejne operirte ist der schon nnter 
Syme aufgeführte Patient, und die angebliche Ligatur der Halsschlagader, 
welche Knth gemacht haben soll, ist eine von JCeith ausgeführte Ligatur 
der Carotis ext (Journ. of med. sc. 1851. YoL 12. p. 435). 

Die von Szymanowski referirte Ligatur Güntner'sist aus Versehen 
einmal als eine beiderseitig von ihm selbst verrichtete Operation angeführt 
worden, dasselbe Loos hat Langenbeck's Fall No. 23. in mehreren engli- 
schen Journalen erlitten, woran Norrie' Angabe wohl die Schuld trSgt- 
Die Bemerkung v. Walther's (Gräfe u. Walther Journ. Bd. 5. S. 241.), 
dass er zu Frankfurt einen jungen Mann gesehen, dem wegen sehr yerbrei- 
' teter Teleangiectasie yor 2 Jahren die linke Carotis unterbunden worden, 
dessen Leiden aber wieder langsam sich zur früheren Hdhe gesteigert habe, 
so dass man vielleicht die Ligatur auf der anderen Seite noch in Anwendung 
ziehen müsse, hat ihm nicht nur die Zuerkennung der ersten Operation, 
sondern sogar, wie es mir scheint, den Ruf, beide Carotiden unterbunden 
zu haben, eingetragen. Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Namensver- 
änderung yon Kühl in Hohl aus dem Lancet 1846. Vol. 1. p. 134. in 
mehrere französische Journale übergegangen ist. 



W&hrend die Unterbindung der grossen Schlagadern der Ex- 
tremitäten in den letzten Decennien durch eine weniger eingrei- 
f ende, und zugleich ziemlich sichere Methode, die der Compres- 
Bion, und inebesondere der Digitalcompression, in yielen F&Uen 



Zur Ligatur der Arteria Carotis ccynmunis. 393 

mit Erfolg ersetzt worden ist, bleibt doch die Anwendung der 
letzteren gerade für die HalBscblagader nur in sehr engen Gren- 
zen möglich, und es verlangt diese Arterie deshalb oft gebieterisch 
die Ligatur. Wenn jedoch schon bei den Schlagadern der Extre- 
mitäten die Ligatur derselben nicht immer ohne Gefahr für die 
Erhaltung des Gliedes, ja selbst des Lebens verläuft, so ist dies 
in weit höherem Hasse der Fall fHx die in Rede stehende Ope- 
ration, da mit Verschliessung der Halsschlagader eine grosse 
filutbahn der Ernährung des Gehirnes entzogen, und dadurch oft 
das Leben, oder wenigstens die Gesundheit vernichtet wird. Weil 
aber vielfach in der Anwendung dieser eingreifenden Operation 
gefehlt worden, so erscheint es nicht fiberflfissig, die Erfolge und 
Wirkungen der Ligatur der Arteria Carotis communis durch eine 
Statistik, die auf möglichst breiter Basis ruht, in das volle Licht 
gesetzt zu sehen. 

Obwohl in der Literatur, soweit sie mir zn Gebote stand, 
676 sichere Fälle von Unterbindung der Halsschlagader verzeich- 
net sind, so konnte ich doch nur 600 statistisch verwerthbar zn- 
sammenstellen. Unter diesen 600 Fällen verliefen 319, also 
53 (^) ^ mit Genesung; 259, also 43(v) %, mit Tod; bei 22 
Fällen, also 3(^) 's, fehlt jede Angabe aber den Ausgang. Von 
dieser Mortalit.'itsziffer sind jedoch 29 in Abzug zn bringen, bei 
welchen entweder die Art. vertebr. afficirt war, oder die Patien- 
ten an anderen, mit der Ligatur in keiner Beziehung stehenden 
Krankheit starben. Wegen Affection der Art vert. fallen aus : No. 
68,112, 169,219a., 243a«, 297, 304, 306; wegen Erschöpfung: No. 
134, 168, 411, 494, 500, — 328, 336, 364, 366, 374, 375, 388, 
401, 404, 407, 408, 434; wegen Lungenentzündung 444. Bei 
dem nach Wardrop-Brasdor operirten Aneurysma glaubte ich 
eliminiren zu dürfen No. 554, 556, 576, 580; doch kann hier 
auch eine andere Ansicht geltend gemccht werden. Nach Aus- 
schluss dieser Fälle stellt sich dieHortalitätszahl auf 38(1^)%, welche 
Ziffer jedoch bei den verschiedenen Indicationen, derentwegen die 
Operation ansgefQhrt worden, eine verschiedene ist. In den nun 
folgenden Zusammenstellungen sind alle nicht Gestorbenen, sei es, 



394 



Dr. C. Pilz, 



dass sie mit oder ohne Erfolg operirt 
gegenübergestellt. Demnach war der 
schiedenen Ursachen unternommenen 



wurden, als Genesene jenen 
Ausgang nach den aus ver- 
Operationen : 



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Zar Ligator der Arteria Garotis comm^oiB. 395 

Im Lancet, 1844. Oct Vol 2. p. 39 beisst es von Inman^ 
dass bei der Unterbindung der Art. Carot. comm. nach Bunter 
unter 40 Personen 11 starben, also 21(h) Hj ^äbrend Lisfranc 
in seinem Precis de M6d. op6rat. Vol. 3. p. 126 angiebt, dass 
gewöhnlich von 2 Operirten einer sterbe. 

Dass die Mortalit&tszahl bei den nach B ras dor- Wardrop 
Operirten — hier wurde noch 8 Mal die Art. snbclav., darunter 
5 Mal simultan mit der Carotis ligirt — und den wegen Blu- 
tung Operirten am grössten, dagegen bei den unter der Rubrik 
Nervenkrankheit aufgeführten am geringsten ist, darf wohl Nie- 
mand Wunder nehmen. Da jedoch bei den „Blutungen^ die 
Veranlassungen derselben und die dadurch mitbedingte Aussicht 
auf einen glücklichen Ausgang sehr verschieden waren , so will 
ich ebenfalls eine Zusammenstellung derselben geben. Die we- 
gen Blutung ausgeführten Operationen hatten folgendes Resultat: 

1) Bei Schasswauden unter 41 Fällen genasen 19, starben 20. 

(2 ermangeln d. Angabe d. Ausganges.) 

2) Bei durch Kriegswaffen Verletzten unter 46 • - 12, - 34. 

3) - Hieb-» Stoss- und Stichwunden - 21 - - 8,-13. 
4; - Schnittwunden - 26 - - 12, - 11. 

(darunter 7 Selbstmörder.) 

5j - Nachblutungen - 26 - - 10, - 15. 

(1 ohne Angabe d. Ausganges.) 

6) - Blutung aus Tumoren ...-17- - 5, - 11. 

(1 ohne Angabe d. Ausganges). 

7) - Blutungen durch Anfttzung - 17 - • 6, - 11. 

(1 ohne Angabe d. Ausganges.) 

8) - Spontanen Blutungen .... - 4 - - 2, .2* 

9) - Verletzungen ohne Angabe 

der Ursachen - 33 - - 18, - 13. 

(2 Falle ohne Angabe d. Ansg.) 

Es beträgt in Procenten die Mortalit&tsziffer (in runden Zahlen) : 
bei 1) 49 3S, 2) 74 5g , 3) 62 % , 4) 44 5i , 5) 58'% , 6) und 7) 
65 %, 8) 60 5^, 9) 39 %. Yerhältnissmissig günstig verliefen 
hiernach die Blutungen nach Scbussverletzungen ; doch wohl nur 
scheinbar, denn die unter 2) aufgeführten F&lle durften grOssten- 



396 !>' C. Pilz, 

theils hierher noch za rechnen sein. Bei 8) ist die Zahl zu klein, 
um Werth zu haben. 

Ohne besonderes Gewicht darauf zn legen, erw&hne ich, der 
Vollständigkeit wegen, dass, was das Geschlecht anlangt, unter 
537 Personen, bei denen dasselbe angegeben ist, die Ligatur an 
403 Männern und 134 Weibern ausgeführt worden ist; unter erste- 
ren finden sich 202 Fälle mit Genesung, 190 mit Tod, 11 ohne 
Angabe des Ausganges notirt; unter letzteren 86 mit Genesung, 
45 mit Tod, 3 ohne Angabe des Ausganges. — Was die einzel- 
nen Indicationen betrifft, so vertheilen sich die Zahlen also: 



Mn. mit Genes. 


Todt. 


Unbk. 


Wb. mit Genes. 


Todt Dnbk. 


Blutungen .... 192 - 


80 


106 


6 


23 . 


9 


14 - 


Aneurysmen ... 58 - 


87 


20 


1 


23 - 


15 


8 - 


Tumoren 73 - 


45 


26 


2 


51 - 


36 


14 1 


Exstirpationen . 35 • 


18 


16 


1 


20 - 


14 


4 2 


NerTenkraakheiten 20 - 


20 


— 


— 


6 - 


6 


— — 


Operationen nach 














Bra8d.-Wardr. 25 - 


5 


19 


1 


11 - 


6 


5 - 



Unter 451 Fällen, in denen die Seite der Operation ange- 
geben ist, findet sich die Ligatur 194 Mal linksseitig, mit Aus- 
gang in Genesung 120 Mal, in Tod 70 Mal, und 4 Mal ohne 
dessen Angabe verrichtet; rechtsseitig 257 Mal;' von diesen ge- 
nasen 143, starben 108, 16 entbehren der Angabe des Resultates. 

Berücksichtigt man das Alter von 10 zu 10 Jahren, so er- 
hält man folgende üebersicht: 
Bis zum I.Jahre: 9 Genes. 2 Todte. 1 Mal fehlt d. Angabe fiber d. Ausg. 



om 1.— 10. - 


11 - 


4 


- 


1 do. 


do. 


do. 


- 11.-20. - 


44 - 


17 


- 


3 do. 


do. 


do. 


- 21.-30. - 


69 - 


38 


- 


— 






- 31.-40. : 


45 - 


21 


- 


— 






- 41.-50. r 


31 - 


30 


- 


3 do. 


do. 


do. 


- 51.-60. - 


22 . 


22 


- 


1 do. 


do. 


do. 


- 61.-70. - 


3 - 


20 


- 


1 do. 


do. 


do. 


- 71.-76. . 


— 


2 


. 










Diese vertheilen sich nach den angenommenen Indicationen: 



Zur Ligstar der Arteria Otrotis commoDis. 



897 





BId- 
tnngen. 


Anenryü- 
men. 


Tumoren. 


Exatirpa- 
tionen. 


Nerren- 
krankbeit 


Operationen 
nach Bras- 
dor-\?ardr. 


Jahre. 


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11-20 
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31-40 
41-60 
51-60 
61-70 
71-76 


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8 

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11 

7 

1 


1 

16 

11 

6 

5 

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1 

5 

15 

16 

6 

6 


1 

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8 
6 
6 
8 
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9 
6 

18 

19 

10 

9 

6 


2 
2 
8 
9 
2 
8 
8 
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1 
1 

1 


1 
7 
5 
2 
6 
6 
2 


2 

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8 
5 
8 
8 


1 
1 

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8 
8 
8 
8 




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8 
8 
1 

1 


8 
2 

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6 
4 

1 


— 



Deutlich sieht man an beiden Reihen, wie die grOsste 
Zahl der Genesungen in die Blüthejahre ?on 20 — 30 
fällt, und dann langsam sinkt; am deutlichsten tritt dies 
leicht erklärlich in der Rubrik „Blutung^ hervor. Ebenso ge- 
langt man beim Blicke auf den Abfall der Ligatur, trotz der sehr 
grossen Schwankungen, zu dem Resultate, dass in der Hehrzahl 
der Fälle am 13. und 14. Tage die Lösung erfolgte; dreimal 
nur trat dabei leichte Blutung auf. Rechnet man die Extreme, 
den 4. und 96. Tag, ab, so sind noch 210 Ligaturangaben ver- 
zeichnet, die sich in folgender Weise einreihen. Es erfolgte der 
Abfall der Ligatur: 
3 Mal den 7. Tag. 12 Mal den 17. Tag. 8 Mal den 27. Tag^ 



4 - 




8. 


- 


18 






18. 




6 




- 


28. - 


8 - 




9. 


- 


4 






19. 




2 




. 


29. - 


7 - 




10. 


• 


7 






20. 




8 




- 


80. . 


16 - 




11. 


- 


12 






21. 




2 




- 


81. - 


11 . 




12. 


. 


10 






22. 




2 




- 


88. . 


21 . 




18. 


- 


8 






23. 




8 




- 


84. . 


19 - 




14. 


- 


8 






24. 




2 




- 


86. - 


18 - 




16. 


- 


2 






25. 




1 




- 


86. . 


12 - 




16. 


. 


6 


. 




26. 




1 




- 


89. - 



898 Dt. 0. Pili. 

1 Mal den 48. T^, 1 M&l am Ende der 4. Woche, 1 Mal in der 3. Woche, 
und 3 Mal am Ende der 2. Woche. 

Vom 9. bis 22. Tage ist also die grosse Breite, 
in welcher von einem grossen Gefässe die LOsnng der 
Ligatur sn erfolgen pflegt; gewöbnlicli wird ein kürzerer 
Zeitraum angegeben. Selbstverständlich sind die Fälle, bei denen, 
nach Scarpa's Vorgänge^ der Schliessungsfaden in kurzer Zeit 
entfernt wird, nicht berflcksichtigt Solche erfahrungsgemässen 
Mittelzahlen finden natürlich nicht ihre Stelle, wenn man, etwa 
wie Lauda (254)*) zwei Ligaturen anlegt, von denen die un- 
tere aus einem dreifachen Faden mittelmässig (?) fest, die obere 
sogar aus einem fünffach genommenen Faden fest geschlossen 
wurde. Darmsaiten kamen selten, No. 235, 256, 425 und 568, He- 
talldrähte nie zur Verwendung. In 9 Operationen wurden 2 von 
einander entfernte Ligaturen ohne Durchschneidung des GefSss- 
rohres, und 10 mit Durchschneidung desselben gemacht. Dieses 
früher angewandte Verfahren, welches durch bessere Throm- 
birung eine Nachblutung verhindern sollte, wurde nach Hodg- 
Bon (1. c. p. 220) von Aetius (Serm. 4. Tetr. 4. Cap. 10) 
zuerst angerathen. In der Mehrzahl der Operationen wurde, nach 
A. Cooper^s Verfahren, an der Kreuzungsstelle des M. omohyoid. 
und des M. stemocieid., sei es direct über, s^i es gerade unter 
derselben, die Ligatur angelegt; davon wurde bei 8 Fällen von 
Blutung abgewichen, bei welchen die Ligatur in der verlänger- 
ten Wunde geschah, in 9 Fällen, in welchen man Scarpa^s 
Methode^ in No. 292, wo Syme AntylTs Methode anwandte, 
und in 4 Fällen, in denen nach Zang's Vorschrift die Unter- 
bindung geschah. Wie R. Davis (No. 106.) dazu kommt, diese 
Methode als eiiie französische zu bezeichnen, dafür habet ich kei- 
nen Grund auffinden können; denn die von den. Franzosen ein- 
fach Södillot zugeschriebene Methode war von Zang in seiner 
„ D3irstellung blutiger, heilkundiger Operationen^ Bd. 1. S. 180 
schon 1813 gegeben. 



*) Im Folgenden werden die Fälle nar nach ihren Kümmern , nicht 
nach ihren Operateuren citirt, um jeder Verwechselang yorsnbeagen. 



Zur Ligatnr der Arteria Carotis commnnis. $$<^ 

Dasfl einige Male der M omohyoid., and mehrfach der ioaere 
Bauch des M. stemocleid. durchschnitten wurde, verdient nicht be- 
sondere Berficksichtigung. Oefter kamen Irrungen in der Diagnose 
▼or; so wurde die Unterbindung, wegen Affection der Art. ver- 
tebr. 11 Mal gemacht, nSmIich bei No. 35, 68, 112, 169, 219a, 
243a, 268, 297, 300, 804, 306; wegen fälschlicher Annahme 
eines Aneurysma der Art. Carot 9 Mal, in No. 352, 355, 366, 
375, 434, 440, 442, 555, 686. In No. 250, 261, 274, 306 und 
350 hielt man das Aneurysma für einen Abscess, wovon an 
anderen Geftssen Ribes (Gaz. m6d. 1835. No. 10 und 11) 10 
F&lle anfAhrt. Auch bei der Unterbindung^ traten Versehen ein : 
Broea fasste anstatt der Art. Carot. int. die Art Carot. comm., 
und Kühl zugleich mit dieser — in einem Falle von hoher Thei- 
lang der Anonyma — die Art. snbclav. in die Schlinge. 

Im Americ. Joam. 1847. p. 29. findet sich ein hierher gehöriger Fall 
aas einem New Yorker Hospital referirt: Aas einer Gescbwflrsstelle in der 
Mitte des Halses erfolgte eine so heftige Blntang, dass man sich aar Liga- 
tur der Art Carotis eotsebloes; durch das überall anhaftende Blut war die 
Erkennung der Theile sehr erschwert, und als man endlich die eröffnete 
Ge^ssi'taeide zu erkennen glaobte, legte man nm die vermeintliche Arterie 
eine Ligatur, ohne der Blutung Einhalt zu thun; fQr eine Unterbindung der 
Art. sobclaT., aus deren Gefassbezirke also die Blutung stammen musste, 
erschien Pat. schon zu schwach. Die Section zeigte die Ligatur um einen 
auf der Oefftssscheide liegenden Fi brincy linder geschlungen, und die Blu* 
tuttg der Art thyr. inf. entstammend« 

Der K vagns v^urde wahrscheinlich nie — auch nicht 
336 — miteingebunden, nur in Ko. 512 ein Stück aus demselben 
excidirt, dagegen wurde der N. sympath. in 435 mitgefassl. 
Yen besonderen Vorkommnissen ist noch zu erwähnen, dass die 
Arterie 3 Mal an einer tieferen Stelle von Keuem, 1 Hai sogar 
zum 3. Haie zu unterbinden war. Ausser ihr wurden mehrfach 
noch andere grosse Gefasse, tbeils zugleich, theils vor oder nach die« 
serOperation ligirt: 1 Hai die Anonym , Subclav. und Vertebr. (581), 
1 Hai die Anonym. 394 a, 9 Hai die Subclav. , darunter 6 Hai zu- 
gleich mit der Carot. (557, 560, 574; und 556, 562, 563, 572, 578, 
582); die Carot. ext und int. 1 Hai (435); die Carot. int 4 Hai 



400 Dr- Pill, 

(75, 276, 278, 355); die Carot ext. 6 Mal fl^S, 250, 299, 318, 
432); die Art. max. int. 1 Mal (118); die Art. thyr. sup. 2 Mal 
(13, 435); die Vena jag. comm. 1 Mal (495); die Vena jag. int. 
10 Mal (35, 48, 321, 458, 494, 499, 506, 512, 169a, ond bei 
144 wandständig). Schliesslich sei noch bemerkt, dass diese Ligatar 
in Amerika 186 Mai gemacht worden, in Alexandrien 1 Mal, in Ost- 
Indien 12 Mal , in England 158 Mal, in Deutschland 95 Mal, in 
Frankreich 77 Mal, in Rassland 22 Mal, in Italien 15 Mal, in Nor- 
wegen, Holland und Belgien, in der Schweiz, je 6 Mal, in Spanien 
2 Mal, in der Türkei, Ungarn and Dänemark je 1 Mal. 

(Hierbei rechoete icb %. B. die in Algier gemachten zn Frankreich.) 
Wichtiger, als diese allgemeinen Angaben, die sich leicht 
noch vermehren lassen, erscheint mir die Analyse der Erschei- 
nangen, die im Gefolge der Ligatnr aaftraten, nach Abschlass 
einer grossen, zam Gehirn fohrenden Blatbahn. Hierza werde 
ich zaerst die bekannt gewordenen Yersache an Thieren, and die 
bei Menschen gefundenen Obliterationen anführen, denen karz die 
Erfahrangen bei Compression der Art. Carot. comm. folgen mögen. 

Die Beobachtung ÄTicenna's*), dass nach Ligatur dieser Hal&ge- 
fisse bei Thieren die Motilität and Sensibiiit&t erlischt, wurde Ton Ste- 
phanus und Bagiiyi best&tigt, und schon Valverdus macht die Auf- 
gabe, dass man nach Verschluss der Carotiden die Besinnung verliere, and 
in tiefen Schlaf verfalle. Nach Emettus ergab die Cnterbindang der Art 
Carotis, zugleich mit der Vena juguL, bei einem Hunde keine Folgen, bei 
9 anderen trat dagegen, nach vorausgegangenen apoplectiformen Erscheinun- 
gen, Goma und Tod ein. 

Valsal V a versuchte die beiderseitige Ligatur an 3 Hunden, von denen 
nur einer am Leben blieb. Dionis and Lamur sahen keine besonderen 
Erscheinungen nach Ligatnr der Garotis eintreten, ebensowenig vanSwieten 
nach beiderseitiger Ligatnr. Bichat (Recherches sur la vie et la mort. 
p. 160) ghiubt sich nach seinen Versuchen zu dem Ausspruche berech- 
tigt, dass die Obliteration der Carotiden wenigstens nicht schnell zum Tode 
führe, denn nur 2 Hunde starben nach 6 Stunden, und Kellie und Spence's 
Versuche sprechen für die Unschädlichkeit der Ligatur an Thieren. Miller 
fand, auf 18 Versnobe gestützt, dass die Unterbindung einer Halsschlagader 
nur vorübergehende (8 Standen anhaltende) Schwftchnng der Motilität and 



*) In diesen Angaben folge ich N. Che vers, soweit mir die Originale fehlen. 



Zur Ligatur der Arteria Carotis commanis. 401 

SeosJbilitit nach sich siehe. Die Yerschliessung beider Garotiden bei 3 
Hunden nnd 9 Kaninchen ergab nur in einem Falle gar keine Erscheiniui* 
gen, in 8 Fällen Tod, in den anderen schwere Erscheinungen mit Ana- 
gang in Genesung. Die zahlreich beobachteten Symptome sind : Verändert« 
Lungen- und Herzaction, Sinken der Temperatur, Schwanken des Kopfes, 
Sinkenlassen des Kopfes auf eine Seite, Schlafsucht, Schvrindel, Verlust des 
SehTermdgens, Strabismus, Convulsionen, Trismus, Tetanus, Ghorea (!). .In 
2 Fällen war der N. vagus mitnnterbunden. Bei einer Ziege trat, wie bei 
Kaninchen, nach 4 Tagen der Tod ein; eine Taube zeigte Schwäche in dei 
Haltung, und starb unter Convulsionen , nachdem die Temperatur nn4 
Herzaction bald gesunken war. Ein schlafendes Murmelthier erwachte nichts 
die Temperatur stieg, das Thier starb am 3. Tage, ein Pferd aber starb 
schon nach 58 Minuten unter Convulsionen. Ph, y. Walther (Neue Heil- 
art des Kropfes. Seite 62) beobachtete nach Ligatur einer Carotis bei Hun- 
den gar keine Hifnerscheinungen. Jobert (de Lamballe) (Bullet de 
TAcad. de Paris. Vol. 6. p. 63) verrichtete bei Kaninchen die Ligatur beider 
CarotideD, ohne Erscheinungeu zu sehen. Die 8 Mal gemachte, doppelsei- 
tige Ligatur an Pferden — einmal mit Durchschneidung des N. vagus, ein- 
mal des N. recnrr., und einmal mit Einbinden des 14. recurr. — ergab bei 
letzteren eine Steigerung der sonst schon eingetretenen Djspnoe, immer 
Gonvulsionen und Tod in 2—6 Stunden. Die Section zeigte Hyperämie und 
Apoplexie in den Lungen; ebensowenig überstanden Maulesel diesen Ein- 
griff, sehr gut aber Hunde und Hammel. Ganz anders lauteten frühere 
Beobachtungen May er* s (Disqnisit. de arter. regenerat.), der immer bei 
Hunden, Kaninchen, Ziegen, Murmelthier, Pferd und Taube, nach heftigen 
Erscheinungen von Seiten des Nervensystemes, den Tod eintreten sah. Dasa 
jedoch die Ligatur einer oder beider Garotiden nicht diesen grosses Ein- 
fluss übt, ausser bei Pferden und Mauleseln, darin stimmen A. Gooper^ 
Porta, Pommer, Nemmert und Ebrmann überein, deren zahlreiche 
Experimente, obwohl sie mir im Originale vorliegen, ich übergehe, da sie 
nichts Neues mehr bieten. Alessandri^s Experimente bestätigen die an 
Pferden gemachte Erfahrung, erweitern sie aber noch dahin, dass bei filat« 
entziehung und ausreichender Zeit für die Bildung eines Gollateralkreielati- 
fes, ehe die andere Carotis unterbunden würde, das Leben trotz der grossen 
Störungen erhalten werden könne. Schon A. Gooper hatte den Grund des . 
tiefen Eingriffes bei den Solidungula richtig darin gefunden, dass die Artt 
vertebr., verbal tnissmässig sehr klein, nicht im Stande sind, in ihrer Bahn 
genügend arterielles Blut dem Gehirne zuzuführen. Bei Hunden zieht der 
Eingriff nicht so schwere Folgen nach sieh, dies hat, nach Pa&vm, mit 
Recht seinen Grund in einer Querverbindung beider Arterienbah- 
nen in der Höhe des 2.-3. Halswirbels. Dass von den aufgeführten Er- 

▼, LaBg«iib«ek'0 ▲tcIüt f. dürnrgi«. UL 26 



409 Dr. CPUs, 

BCheinnngen ein grosser Theil auf die Art der Operation zorficknibeiiebeii 
ist, ist sicher; daher stammen die Differenzen der verschiedenen Operateure; 
besondei« massgebend erachte ich ffir die Entscheidung, ob die folgende Li* 
gatnr allein in den frOher angegebenen Erscheinungen zn erkennen sind, 
oder nicht, die zahlreichen Experimente des in der Unterbindung gefibten 
Porta (Delle alteraz. path. delle arter. etc. 1845), der in weit Aber 100 
Fftllen die relative Unschädlichkeit der Ligatur der Carotis 
und Carotiden bezeugt 

Ausser dieser künstlich herbeigefflhrten Obliteration der Art. 
Carotis finden sich in der Literatur einige F&Ile, in denen eine, 
oder sogar beide Halsschlagadern Yerschlossen waren. Hall er 
(Opusc. pathoL Observai 23. p. 301.) sah schon 1749 an der 
Leiche einer Frau die linke Halsschlagader verschlossen. Bai Hie 
(Transact. of a Soc. for the improv. of med. knowl. Vol. 1. p. 119) 
fand bei einer Person an der rechten Carotis comm. ein mit Coa- 
gulis erfalltes Aneurysma, durch welches volle ündurchgängigkeit 
geschaffen war, während auf der linken Seite ein gleichfalls be- 
stehendes, mit Coagttlis erf&lltes Aneurysma die Lichtung des Roh- 
res beeinträchtigte. Eine ähnliche Beobachtung machte Cru- 
veilhier (Gaz. m6d. 1838. p. 76.). Petit (Acad. royale des 
sc de Paris. 1765) sah bei einer Section die früher aneurysma- 
tisch gewesene, linke Carotis obliterirt, ohne dass in den letzten 7 
Jahren irgend eine Gehirnerscheinung aufgetreten war. A. Coo- 
per (Med.-Chir« Transact. YoL 1. p. 12) fand durch ein Aneu- 
rysma der Aorta die eine Carotis verschlossen, ohne dass der 
Geist der Frau gelitten hatte. Nach Wardrop (On Aneurism 
and its eure. p. 77) beobachtete Hakelcan ein Aneurysma 
der Aorta, das die rechte Carotis zum Verschluss gebracht hatte 
Pilcher (Lancet 1839.) fand die linke Carotis durch ein Aneu- 
rysma des Aortenbogens verschlossen, auch Velpeau beobachtete 
eine Obliteration dieser Arterie (Nouv.äUm. de mid. opäraL p. 75), 
ebenso Willigk (Canstatt, Jahresber. 1854. Bd. 2. S. 74). 
Im Lancet 1826. ist aus dem Middlesex Hospit die Oblite- 
ration der rechten Carotis durch ein Aneurysma Innomin. er- 
wähnt bei einem 38jährigen Hanne, und (im Lancet 1844.) von 
Barrow die Obliteration der rechten Carotis durch ein Aneu- 



2ar Ligatar der Arteria Carotis eommania. 403 

rysma der lonominata bei einer 47 j&hrigen Frau. Norm. Ghe- 
vers (1. c. p. 1147) beobachtete rechts eine plötzliche, halb- 
seitige Lähmang bei einem Manne, der sich bisher ganz wohl ge- 
ffihlt hatte; seitdem nahm ein allgemeiner Sehwichemstand Ober- 
hand, und raSie ihn nach 6 Wochen hinweg. Das Gentr. oyal. 
Vieuss. und das Gorp. striat. war links erweicht, die Rinde hy- 
perämisch, die Hirnarterien waren, besonders links, sehr erwei- 
tert; ein Aneurysma der Aorta bestand, und eine Obliteration der 
ganzen linken Carotis comm. Todd (Med. - Ghir. Transact Vol. 
27. p. 301), zu einem 37jährigen Manne gerufen, fand diesen in 
tiefem Coma, mit erweiterten Pupillen, ToUer linksseitiger L&h- 
mung des Gesichtes und KOrpers; derselbe hatte vor 3 Tagen, 
nach einem Ohnmachtsanfalle, heftige Brusterscheinungen gezeigt 
Die Section des am 11. Tage Gestorbenen erwies die Ruptur 
eines Aorten- Aneurysmas in das Pericardium, daneben volle Ob- 
literation der rechten Halsschlagader; im vorderen Lappen der 
anämischen Hemisphäre einige Erweichungsherde. Savorj 
(Med.-Ghir. Transact 1856.) fand einen Verschluss der Subclavia 
und linken Garotis ; ausser Kopfschmerzen, Schwindel, Schwächung 
des Sehvermögens links^ linksseitiger Hornhautulceration, war nur 
in den letzten Wochen eine Schwächung der rechten EOrperseite 
sichtbar geworden. Hughes (Med. Gaz. Vol. 39.) erkannte den 
Anfang der linken Garotis und Subclavia durch ein Aneurysma 
der Aorta und Innomin. verschlossen. Grisp (1. c. p. 169) er- 
zählt ausführlich einen Fall, in dem bei einer 50 Jahre alten Frau 
mit Aneur. Aortae (in mehr als 35 Tagen vor dem Tode) eine Ver- 
stopfung der rechten Garotis und Subclavia unter convulsivischen 
Anfällen erfolgte; aufrechtes Stehen brachte (wegen Anämie des Ge- 
hirns) immer Bewusstlosigknit zu Wege; leider fehlt die Section. 
Koberwein will (in einer I^ote zu Hodgson, Krankheiten 
der Arterien und Venen) einen Schädel gesehen haben, an dem 
der eine Ganalis caroticus ganz geschlossen, die anderen Ar- 
erien-Oeffnungen an der Basis sehr verengt waren. Interessanter 
noch ab diese Beobachtungen sind folgende, leider zu kurz mit- 
getheilten von N. Gheversi . 

26* 



404 I>r. G. Pils, 

DaTj beobachtete einen 36ji&hrigen Soldaten, der an Athembescbwer- - 
den, Ohnmächten, Schwäche des Geeichtsvennögens litt; während die rechte 
Carotis schwach pnlsirte, war die linke pulslos. Die Section zeigte ein 
Anenrjsma Aortae, daneben Verschlnss der Knken Carotis nnd SnbclaTia, 
nebst Verengerang der rechten Carotis und Sabdavia. Der 2. Fall Dayy*8 
ist folgender: Ein 66 jähriger Officier, Schwindelanfällen unterworfen, die 
sich bis zur Bewusstlosigkeit steigerten, zeigte nach einiger Zeit Verschlim* 
merung dieses Leidens, wobei der Puls in den Halsarterien ganz erlosch, 
später auch in den Schläfen, der Achsel und der Hand. Nach 15 Monaten 
machte der Tod den Leiden ein Ende. Das grosse Aneurysma der Aorta, 
mit Fibrinmassen erfüllt, war geborsten, und verschloss fast ganz die ab- 
gebenden Aeste. Es erwies sich die linke Carotis, Vertebralis und Snbcla- 
Tia als fest geschlossen, die rechte Carotis nnd Subclavia, obwohl auch 
verengt, waren nach dem Abgange des völlig obliterirten Anenrjsma durch- 
gängig. 

Ferner ist noch zu erwähnen die Beobachtung Pelletan^s 
(Ve^peau, Nout, el6m. de med. opirat. p. 89), der die Anonyma 
(Ende), rechte Subcl. und Carot. fest geschlossen fand, ohne im Le- 
ben Erscheinungen beobachtet zn haben, und dieDarrach^s (ibid.) 
in dessen Falle, ohne Symptome zu zeigen, die Innom. nnd linke 
Carotis verschlossen gefunden wurden. Ehrmann (1. c. p. 98) 
berichtet einen Fall von Verschluss beider Garotiden durch einen 
Tumor der Gland. thyreoid. bewirkt; der Patient starb unter Deli- 
rien. Deville endlich (Bullet, de la Soc. anat.l847.yol.22.p. 465) 
fand bei der Section eines an Aneur. der Subclav. Gestorbenen, 
obwohl das Anenr. nicht obliterirt war, beide Garotiden geschlossen, 
nnd die rechte Subclavia innerhalb der Mm. scaleni, sammt den 
den von ihr abgehenden Zweigen. Diesen Beobachtungen kann 
ich durch die Güte des Herrn Dr. 0. Wyss folgenden seltenen 
Sectionsbefund eines Falles , soweit er die uns interessirendea 
Theile betrifft, beifügen, dessen Details er in einer späteren Arbeit 
mittheilen wird. 

Das Präparat entstammt der Leiche eines 50jährigen Mannes, der am 
80. Juli 1866 hier starb. Es findet sich an dem in Alcohol aufbewahrten Prä- 
parate ein Aneurysma der Aorta ascend., am Uebergange in den Arcus und 
die Innomin. Die Höhle der letzteren, Aber kastaniengross, misst gegen 3 
Gtm. in der Länge und Breite, 2^ Otm. in der Tiefe, und vffibt sich aiark 
hervor, besonders nach hinten Ober den rechten Bronchus, mit dem sie, wie 



Zur Ligatnr der Arteria Carotis communis. 405 

mit dem unteren Theile der Trachea, fest verwacbsen ist Der Sack, wel- 
chen die Anonjma bildet, ist an dem der Art snbclav. und Carotis znnSchst 
gelegenen oberen nnd hinteren Theile mit festen, der Wandung adhäriren- 
den Gerinnseln erfüllt, die Abgangsstelle der beiden grossen Stämme ist 
erkennbar ab ein schmaler Spalt. Die gaoze rechte Carotis, bis zar Tbei- 
liiDgsstelle mit festem, organisirten Thrombus ausgefällt, erscheint abge- 
plattet; alle Zweige der Carotis sind durchg&ugig. Die linke CaYotis zeigt 
keine Oeffnnng an der sonstigen Abgangsstelle, sondern eine continairüche 
Wand findet sich bis zum Abgange der normalen Subclavia sin«, nur mit 
atheromatCsen Stellen, wie die Aorta, ihr Bogen und die Innominata yer- 
sehen; auch sie ist strangartig abgeplattet, und zeigt die stark verdickte 
Innenfläche gegenseitig verwachsen. Das Gehirn, von normaler Consisteni, 
ergab bei der Anti^sie im rechten Corp striat. eine alte, apoplectische, nicht 
hSmorrbagische Narbe, und darunter einen Erweichungsherd, ausserdem 
CjrBticerken in der Possa Sylvii und dem vorderen rechten Grossgehirn- 
lappen, und hier und da an der Oberfläche beider Gehirnlappen. Der Cir- 
cul. Art. Willis, normal; die Artt. vertebrales erscheinen nicht erweitert. 
Hierzu erwähne ich aus der Krankengeschichte nur, dass nach Toraufge- 
gangener, unvollkommener linksseitiger Lähmung, etwa 5 Wochen vor 
Beginn der Beobachtung, ein apoplectiformer Anfall eintrat, mit heftigen 
Brustsymptomen und Schwäche der linken Seite; Fat. kam in das Spital; 
an der Art. radial, ist der Puls klein, ebenso au der Art axill., kein Puls 
in linker Art. Carot. und facial., Zunge und Uvula gerade, sjst. Geräusch 
Aber der Aorta, setzt sich sehr schwach in die rechte Carotis und Subclar. 
fort. Die Papillen gleich, der Nerv, facial. links gelähmt. Sehvermögen 
gnt, Sprache heiser; Bewusstsein klar (3. Juni). Die Sensibilität gegen 
Berfihrong Yollkommen erhalten, nicht vollständige linksseitige Lähmung 
(3. bis 9. Juli); Zunahme der linken Facial.- Paralyse; bei der Untersuchung 
zeigte auch die linke Carotis keinen Puls (24. Juli). Langsames Sinken der 
Kräfte seit 4 Wochen, die Lähmung des linken Beines wie die des Gesich- 
tes gebessert; in der rechten Art radial, brachial, und axill. ist kein Puls 
SU fühlen, kein Ton zn hören. 

Hier haben auch die Krankenberichte von 572 und 558 
ihren Platz. 

Auf den ersten Blick scheint es auffallend, wie der Ver- 
Bchlnss einer oder sogar mehrerer Gefässbabnen mit so wenig 
schädlicher Einwirkung auf die Ernährung des Gehirns verbun- 
den sein kann, während nicht selten die Ligatur einer Carotis 
scboD schwere, tödtlich wirkende Folgen nach sich zieht. Diese 
Thatsachen finden einfach darin ihre Erklärung, dass in jenen 



406 !>'• C- Pil». ^ 

langsaln imd allmklig die VerschliessuDg sich ToUiieht, so 
diu» ein Gollatenlkreislaof sich vor dem Tollen Yerschlnsse in 
genfigender Weise entwickelt bat; während in letsterem 
Falle die nicht ansreichende Ernährung des Gehirns sich gettsnd 
macht and je nach dem Zastandekommen der GoUatenlbahnea 
weitere Erscheinangen liefert. 

Wenden wir uns noch einen Augenblick su den Beobach- 
tungen fiber die Compression der Carotiden, so wusste schou 
Bnfns V. Epbesus, (Morgagni, De sedibus et caas. morb. 
epist 19), dass beim Menschen dieselbe zur Bewnailosigkeit fahre, 
denn ei sagt: „Arterias per Collum subeuntes earotides, id est 
somniferas, antiquos nominasse, quoniam compressae homioem 
sopore gravabant'* Diese Erscheinung wird aber mehr als eine 
Wirkung der dabei afficirten Nerven von ihm wie von Galen 
angesehen; an jener Stelle wird von Yalverda der Versuch des 
Columbus erzahlt, der zu Pisa in einer Gesellschaft sich da- 
durch den Ruf eines Zauberers zuzog, dass er bei einer Person 
durch Druck auf die Halsschlagadern Bewusstlosigkeit herbei- 
führte. 

Grössere Yersuchsreihen von Jacobi, Kussmaul und Ten- 
ner, Ehrmann, neben der zur Heilung der Epilepsie und an- 
derer Nervenkrankheiten vonParry, £arle,Malapert, Bland, 
Bomberg, Plemming, Allier, Dehang, Ghisholm, Mers, 
Reimer, Strohelin, Trouseau, etc. angewandten Compres- 
sion, ergaben das Resultat, dass gewöhnlich Verdunkelung des 
Gesichtes, Schwindel, Betäubung, Schwäche der Beine, Tanmela, 
Ohnmacht, endlich Bewusstlosigkeit und Zusammensinken eintritt 
Kussmaul und Tenner (Untersuchung über den Ursprung und 
Wesen der fallsuchtartigen Zuckungen etc.) kamen zu folgendem 
Urtheile (S 32.): Es erblasst das Gesicht, krampihafte Ver- 
suche, das Auge au schliessen, werden gemacht, die Pupilleo 
verengem sich (bei 5 von 6 Pers.), um sich dann bei allen zu 
erweitem, die Respiration wird langsamer und tiefer; jelat er- 
scheint Sdiwindel, Schwanken, Bewussdoei^eit» die Paüentea 
drohen von den Stühlen zu stirzen; bei 2 geistesschwaches, 



Zar Ligatar der Arteria Carotie communis. 407 

anämischen Personen wurde die Gompression noch weiter fortge- 
Betzt; es erfolgten Würgen, Brechbewegnngen, allgemeine Zuckun- 
gen. Mit Aufheben der Compression rOthete eich das Gesicht 
lebhaft, die Augen thr&nten, die Pupillen wurden anfangs noch 
weiter, in wenigen Sekunden kehrte Willenskraft und Bewosst- 
sein wieder; die Röthung des Gesichtes yerlor sich langsam, die 
ersten Athemzfige waren sehr tief; nachtheilige Folgen hatte diese 
Procedur nie. Ehr mann macht, auf Fray's Untersuchungen ge- 
stüzt, darauf aufmerksam, dass an tiefer Stelle leicht die Art 
vertebr. mit comprimirt werden kann. — Diese auf An&mie des 
Gehirns nnd Auges beruhenden Erscheinungen sind dieselben, 
welche uns bei der Analyse der operirten F&lle wieder entgegen- 
treten, KU denen wir jetzt filergehen wollen. 

Während Ehrmann unter 213 genauer beschriebeneu Fäl- 
len, 47 mal, also in 22 pGt., Gehirnerscheinungen auftreten sah, 
von denen 30, also 67 pCt, einen tödtlichen Ausgang nahmen, 
lasst L. Lefort (Gaz. heb. 1864. p. 27) bei 241 Operirten 
73mal, also bei 30 pCt., Gehirnerscheinungen auftreten, von denen 
54, also 7 3 pCt., starben. Leider konnte der geehrte Verfasser, 
da er nicht mehr im Besitz des Mannscripts war, und die Arbeit 
bis heute nicht gedruckt ist, mir keine Einsicht in seine Stati- 
stik gestatten. Ich fand bei 520 Fällen, unter welchen nicht 
jene Beobachtungen ausgeschlossen sind, in denen andere Schrift- 
steller, wie Norris und Wood, obwohl ihnen die Quellen zu- 
gänglich waren, keine Gehirnerscheinungen referiren, dass, mit 
TJebergehung der Kopfschmerzen, Athembeschwerden, Verändo'* 
rang des Gesicht- und Sprachvermögens 165mal, also bei 32 pGt. 
aller Operirten Erscheinungen von Seiten des Gehirns bemerkt 
wurden; von diesen starben 91, also 56 pCt. — 2 Fälle, deren 
Ausgang nicht angegeben war, konnten nicht berficksichtigt 
werden. 

Zur besseren Uebersicbt der Vertheilung jener Zahlen, will 
ich folgende Tabelle beiftgen: 



408 




Dr. 


C. PiU, 






Zkhlder 


Gebirnerschei- 


Gestorbene. 


Proc- Verb, der 


Fülle. 




Bongen. 




Erscbeingg. m 












den Geetorb. 


Blatnogen ... 167 


69, 


»Iso 


in 413 


40. also 24 }. 


683;. 


AMDrysmea . . 89 


82, 


- 


89. 


16, - 19.. 


60,. 


Tumoren .... 189 


32, 


• 


23, 


20, - 14.. 


62.. 


EzstiipttioiieD . 63 


18, 


- 


81. 


8, - 18.. 


61,. 


Nerrenknnkhh. 31 


8, 


- 


25. 


— ■ — 


— 


Operation nach 












Bra8d.-Wardr. 38 


n, 


- 


29. 


7. - 19.. 


64«,. 



In Folgendem ist nicht mit einbegriffen die Yerscbliessnng 
der Carotis, die indirect durch Ligatur der Anonyma erzielt wor- 
den ist von Arndt, Bland, Bujalsky (2), S. E. Cooper (2), 
Dupuytren cit, Graefe, Hall, Hutin, Lizars, Y. Mott, 
Normann und Pirogoff. Alle hatten einen tödtlichen Ausgang. 

Unter der grossen Zahl von Hirnerscheinungen verdienen 
die grösste Aufmerksamkeit die Paralysen und Paresen, sei es 
dass sie volle Hemiplegieen waren, oder nur als Lähmung einer 
Extremität oder Gesichtsseite auftreten. Nicht weniger als 50* 
mal zog die Operation eine halbseitige Lähmung der Extremität 
ten nach sich, betraf also über 8 pCt. aller Operirten (520) und 
da von diesen 38, also 76 pCt., starben, so stellt sich die Mor- 
talit&tszahl fQr die Gesammtheit der Fälle auf 6 pCt.; für die 
einzelnen Indicationen leiten sich in runden Zahlen die Procente 
also ab: 



Zahl der 


Hemipl. 


in pGt. 


Gestorb* 


inpCt 


Proc.-Verb.derZahl 


Fälle. 










d. Hemipl. a. Geat 


Blutungen . . 167 


19 


lU. 


16 


10 s. 


84» 


Anearysmen . 82 


8 


10 „, 


7 


9.. 


87.. 


Tumoren ... 139 


14 


10., 


11 


9.. 


79.. 


Exstirpation.. 63 


5 


8., 


2 


3,. 


40.. 


MeiYenkrkhh. 31 


1 


3., 


— 


— 


— 


Operat. nach 












Bra8d-Wardr.38 


3 


81,, 


2 


6» 


67,. 



Allerdings hat danach die Rubrik Blutung die relativ grösste 
Zahl von Lähmungen, und es würde sich dieselbe bei genaueren 
Angaben der 63 eliminirten Fälle noch höher stellen; dennoch 
möchte ich glauben, dass, wie die Aneurysmen schon bei dem 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commanis. 409 

angünstigen Vergleich, — da ihre Zahl nar die H&Ifte jener aas* 
macht und die Redaction aaf 100 dieses Hissverh&ltniss nicht 
hebt — , die höchste Mortalit&tszahl aufzuweisen haben, sie bei 
annähernd gleichen Beobachtungen relativ mehr Lähmungen im 
Gefolge gehabt haben würden. 

Von diesen Hemiplegieen traten 27 rechtsseitig und 23 links« 
seitig auf. In 6 dieser Fälle bestand zugleich eine nicht der 
operirten Seite entsprechende Facial-Lähmung, wie sie bei Ge- 
hirnaffectionen nicht selten ist, .nämlich in No. 37, 67, 121, 122, 
285 und 435, unter diesen nur einmal rechtsseitig. Von weite- 
ren lAbmungen erfolgte die des linken Armes 3mal, in No 110, 
321 und 472, des rechten Armes 2mal, in No. 306 und 331, 
und mit Lähmung des rechten Beines vergesellschaftet in No. 398; 
bei 110 bestand ausserdem gleichseitige, rechtsseitige Gesichtsläh* 
mung iind^ in 321 linksseitige; eine Besserung dieser Lähmungen 
erfolgte in No. 321, 331 und 472, ohne dass in den beiden letz- 
teren Fällen ebenso, wenig wie in den drei anderen, das Leben 
erhalten blieb. Paresen des linken Armes zeigten No. 131 und 
309 (entg.), des rechten No. 225, 350a und 535 (entg.), 219 a 
(gleicbs.) endlich der beiden gleichseitigen Extremitäten 226. 
Sensibilität^störungen, die sich meist zurück bildeten und immer 
die operirte Seite betrafen, stellten sich ein auf der Kopf* und 
Gesichtsseite 7mal, in No. 8, 12, 40, 61, 71, 233 und 370, in 
beiden Extremitäten 2mal, in No. 78 und 286, zugleich in Kopf 
und Arm 2mal, bei No. 70 und 398, an der Zunge in No. 538, 
im Pharynx bei No. 80; gestorben sind von diesen die Operir* 
ten unter 61, 78 und 398. 

Ehe ich in den zusammenstellenden Angaben fortfahre, will 
ich versuchen, den Grund Jflr die nicht selten in Folge dieser Ope- 
ration auftretenden Erscheinungen zu geben. Wenn schon ge- 
wöhnlich der Sectionsbefnnd bei Gehimkranken nicht genfigt, um 
an der Hand der in diesem Gebiete noch nicht heimisch gewor- 
denen Physiologie, den Zusammenhang von Ursache und Folgen 
verständlich zu machen, so ist dies noch in höherem Haasse der 
FaU, wenn die Befunde so dürftig ausfallen, dass man einfach. 



410 Dr. C. Pil», 

Yon einem Erweichungsherde spricht, dem man bisweilen nar 
die erl&aternde Bemerkung zaf&gt: im mittleren Hirnlappen ge- 
legen, oder von Abscessen der Rindensubstans des vorderen Lap- 
pens. Oder was will es bedeuten, dass man eine Hyperämie, 
eine starke Füllung der Sinus betont, Befunde die gar nicht im 
Leben schon bestanden haben müssen, sondern sehr gut in der 
vielleicht mehrere Tage unzweckmSissig mit dem Haupte gelager- 
ten Leiche sich gebildet haben können. Fast nie hat man sich 
die Mühe genommen, die grossen, an der Basis befindlichen 6e- 
ftssbahnen zu untersuchen, geschweige denn die kleineren, selbst 
nicht einmal in der N&he des Erweichungsherdes; dass mikros- 
kopisch die Grenze der Veränderung, die vielleicht weiter geht, 
als man auf den ersten Blick ahnt, nicht festzustellen versucht 
worden ist, kann danach kaum Wunder nehmen. Dadurch 
ist meine beim Beginne der Arbeit gehegte Hofl^ung, für 
einen Theil der Gehimkrankheiten ein brauchbares Material 
zusammentragen zu helfen, getäsucht worden. — Die erste 
Erklärung, welche die Beobachter der Fälle für den Zu- 
sammenhang mit den muthmasslichen Veränderungen gaben, 
&nden sie in einer Apoplexia sanguinea, wie z. B. Börard. 
Dafür sprechen jedoch nicht die Sectionsresultate, denn nur bei 
5 und 398 findet sich ein wirkliches Blutextravasat an der Bar- 
sis des Gehirns; im ersten Falle sind die aus seeundärer Quelle 
geschöpften Angaben zu mangelhaft, um sich einen Schluss über 
die Folgen der Verletzung zu erlauben; im letzteren ist es mehr 
als gewagt, den Vorgang sicher stellen zu wollen. Schon im 
Lancet, 1828 — 29. Vol. 2. sprach sich bei einer Discussion über 
diesen Gegenstand ein englischer Arzt — wenn mein Gedächtniss 
mich nicht täuscht, Pavel — unter Anderem für die vermin- 
derte Blutzufuhr als Ursache der Gebirnerscheinungen aus, 
und sie ist es in der That, die im Verein mit einigen Folge- 
zuständen den verschiedensten Erscheinungen zu Grunde liegt. 
Die einfachsten Zufälle von Seiten des Gehirns: die Kopf- 
schmerzen, welche in 48 Fällen notirt, 19 mal die operirte 
Seite betrafen (wie in Nr. 22. 37. 248. etc.), der Schwindel, 



Zor Li^tor der Arteria Carotie commanie. 411 

welcher in 7 FÜlen, die Ohnmacht nnd Torflbergehende Be- 
wnsstlofligkeit, welche 18 mal erfolgten, sind allein durch 
An&mie bedingt; dafSr spricht ihr Auftreten gleich nach der Li- 
gatur und ihr allmiliges Vergehen. Recht bezeichnend ist daf&r 
Nr. 153., indem die Eingenommenheit des Kopfes mit dem ei- 
genthflmlicben Gefllbl der Leere beim Sitzen zunahm, und Grisp's 
Fall (1. c. S. 170), erwihnt bei den Obliterationen, in welchem 
Patientin, als sie eine aufrechte Stellung einnahm, plötzlich mit 
dem Rufe: »Wo bin ich?*^ bewusstlos wurde; ebenso Nr. 236, bei 
welchem Drnck auf die nicht unterbundene Carotis sogleich Bewnsst- 
losigkeit hervorrief. Doch schon hier dürfte ein zweiter Umstand 
in sein geschmälertes Recht treten: die venöse Stauungs- 
Hyperimie derselben Seite. MitSchluss der Carotis durch die 
Ligatur kommt auf einige, wenn auch noch so kurze Zeit kein 
Blut in die von ihr versorgten Arterien — bis durch den Circulus 
arteriös. Willis« solches von der Carotis der anderen Seite nnd den 
Yertebrales zugeführt wird — ; es bleiben damit die kleinsten Ar- 
terien ungefüllt, es fehlt also ein Moment für die Fortbewegung 
des Venenbltttes, und es erfolgt dadurch Stauung, die eine Er- 
höhung der schon durch Anämie bedingten Erscheinungen liefern 
wird; natürlich muss bei gleichzeitigem Abschluss der Yen. jug. 
int, wodurch dem Abfliessen des Yenenblutes ein bedeutendes 
Hindernisss gesetzt ist, die schädliche Nachwirkung noch ver- 
grOssert werden, wie es die früher zusammAigestellten 9 Fälle 
meist zeigen, z. B. 85. 321. 494. etc., bei denen eine vollkom- 
mene Genesung — in 4 Fällen in Nr. 48. 458. 499. 566. ~ 
aber nicht ausgeschlossen ist. Weil das Gehirn auf ganz kurze 
Zeit gar nicht, und für einige Zeit ungenügend mit sauer- 
stoffhaltigem Blute versehen wird, so leidet die Integrität der 
dasselbe zusammensetzenden Elemente, dadurch die von ihm 
ausgehende Innervation und Leitung, in Folge dessen Paresen 
und Paralysen auftreten. Wird die Ernährung wieder hergestellt^ 
ehe bleibende Veränderungen der Structur erfolgt sind, so üben 
die Gehirntbeile wieder ihre Thätigkeit aus, und die Lähmungs- 
erseheinnngen bilden sich Hand in Hand mit jenen zurück« 



413 Dr. 0. Pilx, 

Dem scheinbar richtigen Einwurfe, dass nach dieser Auffassang 
die L&hmnngen sogleich erfolgen mflssten, um langsam zurück- 
zugehen, lässt sich einfach entgegnen, dass nach Abspemmg 
des arteriellen Blutes, die Gewebe, um mich des Ausdruckes zu 
bedienen, noch mit ernährungsfäbiger Flüssigkeit durchtränkt 
sind, und diese vorl&ufig die Ernährung unterhält; mit steigendem 
Verbrauche bilden sich erst Paresen aus, die, wenn nicht schon 
neue Ernährungsbahnen gebildet sind, zn Paralysen werden, um 
bei hergestelltem Collateral-Ereislauf zurückzugehen. Als Beispiel 
für diese Auflassung yerweise ich auf Nr. 268. Gleich nach 
Schluss der Ligatur erfolgte Betäubung und ohnmachtartige Au- 
Wandelung, dann Eingeschlafensein der rechten Extremität, gefolgt 
▼on Yollständiger Lähmung; nach wenigen Tagen geschah die 
Rückbildung. Damit steht auch in Beziehung das gewühnlich 
frühe Eintreten von Lähmungen nach starken Blutungen, wie in 
Nr. 49. 121. etc. Geht der Verlauf nicht in dieser, ich möchte 
sagen, normalen Bahn, stellt sich die Ernährung der Theile oder 
einzelner derselben nicht in genügender Weise her, so beginnt 
eine tiefere Veränderung des Gewebes, die meist als ein Er- 
weichungsprocess mit Entzü.ndung der Umgebung auf* 
tritt. Trifft diese nachfolgende Erweichung Stellen, die in Ver* 
bindung stehen mit den das Gesicht und die Extremitäten Ter- 
sorgenden Nerven, so stellen sich diese, gewöhnlich erst spät 
auftretenden Lähmungen ein, wie z.B. in Nr. 21. 37. 273. etc.; 
solche Fälle enden gewöhnlich, wegen verbreiteter Veränderun- 
gen am Gehirn, tödtlich. Wenn Jäger (Med.-Ghir. Zeitg. 1830. 
S. 459), anschliessend an Graefe's Fall, die Ansicht äussert, 
dass nach der Ligatur eine Entzündung der lotima sich auf die 
kleinen Gel&sse fortpflanze, dann durch diese auf die Himsubstanz 
fibergehe, in Folge dessen der eiterige Zerfall eintrete, so dürfte 
diese Erklärung wohl nur historisches Interesse haben. — In 
den Pathol Transact. Vol. 10. p. 54 findet sich folgende, unserem 
Gegenstande nicht fern stehende Beobachtung. 

Eid 41jilhriger Mann hatte 2 heftige, epileptifonne Anfälle ohne para* 
Ijtische ErscheinaDgen gehabt, den einen Tor 3, den anderen Tor 2 Mona- 



Zar Lig»tiir der Arteria Carotis eommnniB. 418 

ten. 2 Stunden vor der Aufiaahme, am 17. Jan. 1859, erfolgte ein dritter 
Anfall mit rechteeeitiger LShmang und theilweisem Verluste des Bewnsst« 
seios; bei der Aufnahme war Pat besinnlich, aber geistig geschw&cht. Nach- 
dem später Bewusstlosigkeit, Lähmung des Darmes, der Blase und Decubi- 
tus aufgetreten, erfolgte am 24. Tage der Tod. Section: Die Gehimober- 
flSehe ist wenig hyperämisch, die Arachnoidealflüssigkeit trübe, Exsndation 
findet sich im Veriaufe der Venen, besonders an der linken Hemisphäre; die 
Gehirnmasse erscheint äusserlich normal, mit Ausnahme des linken, mittle- 
ren Lappens, der, von »marmorirtem" Ansehen, grQngelblich , onelastisch» 
weich, dabei aber bruchig ist Die Oberfläche des Thalam. nnd Corp. striat« 
links, Ton demselben Aussehen, ist etwas eingesunken, und von erkranktem 
Gewebe umgeben; im vorderen Theile des Corp. striat liegt ein nnregel- 
massiger, bröckeliger, rostfarbener Klumpen, in der Umgebung orangefar- 
bige Stellen; die Ventrikel sind normal; das Herz und die grossen Qef&sse 
gesund, nur in der linken Carotis interna und den Abgangsstellen ihrer 
Gefässe findet sich ein alter Fibrinpfropf. Die entarteten Stellen zeigen 
mikroskopisch: körnige Zellen .granulär cells", mit Fetttröpfchen neben Eiter- 
zellen. —Ein anderer Fall (PathoL Transact. Vol. 10. p. 50) mag auch hier 
seine Stelle finden. Eine 23jährige Frau, die vor 6 Jahren den ersten epi- 
leptischen Anfall hatte, erlitt deren noch drei; 8 Tage vor dem Tode er- 
folgte, unter theilweisem Verluste des Bewnsstseins, linksseitige Lähmung, 
ein letzter Anfall, von Coma gefolgt, trat 10 Stunden vor dem Tode auf. 
Diesesmal bestand, ausser «Congestion* des Gehirnes, Erweichung des rech- 
ten vorderen Lappens, die sich bis in das Corp. striat erstreckte. Verschluss 
der rechten Carotis int und ihres , vorderen und mittleren* Zweiges durch 
ein noch weiches Coagulum, nebst bandartiger Obliteration der linken Ca- 
rotis interna. 

Ob bei diesem Erweichungsprocesse die Thrombose der 
kleinsten Geiasse mit in Betracht kommt, darfiber kann ich kein 
Urtheil abgeben, doch ist diese Möglichkeit keinesweges von der 
Hand zn weisen; dann wäre der Process wohl derartig, wie ihn 
Prevost und Cotard etc. Gaz. mäd. 1866. No. 1, 2, 4, 12, auf 
Experimente gestützt, beschrieben haben. Unter den hier in Be- 
tracht kommenden 50 Fällen Ton Hemiplegieen finden sich in den 
Sectionsangaben bei 24 Gestorbenen (denn 14 andere haben kei- 
nen Sectionsbericht), 2 Fälle ohne Veränderungen im Gehirn; 
No. 352 und 561; in No. 95 Hyperämie desselben; Entzündung 
der Hirnhäute mit Exsudation in die Ventrikel in No. 1, Erwei- 
chung von Gross-Gehirntheilen oder Abscesse in demselben 19mal 



414 I>r. 0. Pil«, 

» 

(No. 21, 35, 37, 49, 57, 64, 96, 115, 121, 243, 264 (auch Klein- 
hirn) 360, 391, 480, 48.9, 577); in No. 357 endlich die unbe- 
stimmte Angabe, dass Veränderungen des Gehirns vorhanden 
gewesen seien. Bei den Paralysen oder Paresen einer Extremi- 
tät seigte die Section, so weit ein Bericht Torliegt, 3mal Ge- 
hirnentzündung, in No. 110, 321 und 398 (mit Blutaustritt an 
der Basis), in 131 Anämie des Gebims. Von den Sensibilitäts- 
stOrungen ermangeln die 3 tOdtlich verlaufenen Fälle der Section. 
Die 2 Fälle No. 122 und 493, welche, linksseitig operirt, neben 
der gekreuzten Lähmung die Erscheinungen der Aphasie liefer- 
ten, gingen in Genesung aus. 

Anders verhält sich 1S2, bei welcher Patientin die Aphasie 
ohne jede andere Lähmung bald nach der Ligatur auftrat und 
blieb; eine spätere Gehirnentzündung führte den tödtlichen Aus- 
gang herbei. Die Section wurde leider nicht gestattet. Zu der 
immer noch schwebenden Frage über Aphasie kann ich somit 
keinen casuistischen Beitrag liefern, obwohl diese Fälle der Bro- 
c ansehen Theorie nicht entgegenzustehen scheinen. — Hier 
möchte ich noch erwähnen, dass Nunn (Med. Times and Gaz. 
1867. Vol. 1. p. 156) die einfache Bemerkung macht, dass in einem 
Falle von linksseitiger Ligatur der Garot comm. volle Sprach- 
losigkeit aufgetreten sei; vielleicht ist dies eine mir unbekannt 
gebliebene Beobachtung« 

Der Weg, auf welchem aus der anderen Carotis und den bei* 
den Vertebrales nach Verschluss einer Carotis das Blut der betref- 
fenden Gehirnhemisphäre zugeführt wird, ist natürlich, wie schon 
B^rard betonte, in dem Circul. art. Willis, gegeben; von 
der Integrität jener Strombahnen und dieses Yerbin- 
dungskreises hängt das Leben, oder wenigstens die 
volle Gesundheit der Operirten ab. 

No. 572 und 588 wurden Opfer des Todes, weil bei sonst 
vollständiger Obliteration der oben genannten, zufahrenden Ge- 
f&sse die Blutzufnhr zu gering war; hier bildet sich an Stelle 
einer vorübergehenden Ohnmacht ein comatOser Zustand ans, wie 
unter anderen Verhältnissen aus demselben Grunde in 438 und 



Zur Ligatur der Arteria Garotig commiinis. 415 

439, dem einzigen Falle, in welchem beide Carotiden nach- 
einander unterbanden wurden. Im Uebrigen wurde die Ligatur 
beider Carotiden an einer Person noch 29 Mal yerrichiet: 

311) Busch. 52) ^. „ 5Ö) ^„. 113) . 

„.«! «., e«! Pirogoff. i Ellis. ^^l Longmorecit. 

317) Bünger. 53) ** 56) 114) 

127 ) ^.,, . 309) Do puy treu. 316) „ .,, 818) .Frankfart. Chir. 

( Billroth. I JMacgill. } 

127a.) °"*'^*'^" 413)Robert. 816) ^ 819) üUmann. 

333) 439a.) „ 346) Gundelach- 850 ) ^ ^, 

3341 """^^- 439bJ ^""^y- 8471 Möller. 850 J ^'*'^- 

3Ö3) «, 385) „ ^ ^ 389) „, , 392) Reynolds. 

««J Warren. ^^ { Robert J Blakman. ^^„J „ „ 

384) 386) 890) 893) Yan Buren. 

403)^ 406) „ , 520. 522. 524J ^ 526) „ ., 

^^JParker. ^ J Wood. ,^^ ^^^ ^^3 Preston. ^^^j Hamilton. 
404) 407) 521. 523. 525) 527) 

533) 539) 543) 

J Weber. J AngelL J V.l. Mott. 

3 Mal Ton Y. Mott, 1 Mal von Carnochan, dessen im Aus- 
zuge mir während des Druckes zugekommene Krankengeschichte 
ich kurz mittheilen will. 

Bei der bis zum 28. Jahre 'gesunden Patientin hatte sich unter dem 
Mundwinkel ein warziger Auswuchs gebildet, der, 8 Mal exstirpirt, recidi- 
?irte; trotz yielfacher innerer Medication hatte sich innerhalb 14 Jahren 
eine bedeutende Anschwellung knotigen Charakters Aber beide Gesichtshilf" 
ten verbreitet, und die veränderte Haut am Kinne und Halse zeigte alle 
Charaktere der Elephant. Arab. Die verdickten Augenlider konnten nicht 
von einander entfernt werden; rechts war das Sehen unmöglich, durch Ver- 
schluss der Nasenlöcher der Geruchssinn ausser Function gesetzt, durch die 
verdickten Lippen konnte kaum ein TheelOffel eingeführt werden; der rechte 
äussere GehOrgang war geschlossen. Im Nov. 1858 wurde die wegen 
der tiefen Lage und starken Blutung aus der veränderten Haut erschwerte 
Unterbindung der rechten Carotis gemacht. Schon nach vrenigen Minuten 
zeigten sich die Hantpartieen geschrumpfter, blasser, kflhler, weicher, nach 
14 Tagen konnte Fat hören und sehen; am 28. Tage fiel die Ligatur; nach 
8 Monaten vrar ein weiteres Schrumpfen nicht bemerkbar. Nach 6 Monaten 
wmrde die andere Carotis mit befriedigendem Resultate ligirt. Einzelne 
Theile der Wangen, Lippen etc. sind nachträglich entfernt Jetzt, nach 
8 Jahren, ist der Zustand recht befriedigend, zeigt keine Neigung, sich wei- 
ter zu verbreiten, ist vielmehr immer noch in der Rfickbildung begriffen. 
StGrangen«der Gehimfunctionen traten bei keiner Ligatur auf. Denselben 
Weg zur Heilung, oder wenigstens Besserung des Leidens schlugen schon 



416 I>r. G. Pilz, 

ein: Garnochan, Bntcher, Fayrer etc. an anderen Theilen. (Amerie. 
Journ. of med. sc. Iä67. JuL p. 109. — Mediz. Gentralblatt. 1867. No. 43. 
S. 683.) 

Bei diesen Operationen beiderseitiger Ligatur erschien unter 
23 genauer beschriebenen Fällen, in Folge der 2. Operation nur 
bei Robert 3 Tage anhaltendes Ameisenlaufen in der unteren 
Extremität, neben Schmerz im gleichseitigen Auge und Einge- 
nommenheit des Kopfes, bei Dupuytren-Robert Hemiplegie, 
bei Busch-Bünger am 2. Tage Coma, Sensation im Kopfe und 
Verlust des gleichseitigen Auges^ bei Pirogoff wie bei der 1. 
Ligatur Kopfschmerzen, Erbrechen und ausserdem Singultus, bei 
Kühl neben Kopfschmerzen Verminderung des Sehvermögens und 
Parese des rechten Armes, bei Blak man blieb der Geist meh- 
rere Wochen geschwächt. In allen übrigen Fällen hatte die 2. 
Ligatur keine Erscheinung im Gefolge, nicht einmal, als sie schon 
von Ellis nach vier Tagen angewandt wurde, sogar nicht bei 
Möller, dessen erste Ligatur Hemiplegie bewirkt hatte. Eine 
Erklärung dieser scheinbar so befremdenden Thatsache glaube 
ich in der Bildungsweise des Collateralkreislaufes finden sn 
können. Indem mit Schluss der Ligatur die Bahn der einen 
Carotis dem grossen Kreislaufe entzogen ist, die Blutmenge, wie 
in den meisten Fällen unverändert geblieben, also die Spannung 
im Arteriensystem und besonders im Anfange desselben in der 
Aorta erhöht worden ist, so wird auch in die andere Carotis und 
in schwächerem Maasse in die beiden Vertebrales etwas mehr 
Blut als vorher einströmen, und deshalb wird eine für die ein- 
zelnen kleinen Arterien und Capillarbezirke allerdings verschwin- 
dend kleine Erweiterung eintreten können; geschieht in nicht 
zu später Zeit die Ligatur der zweiten Carotis, so finden die 
Vertebrales wie die an der Halsseite gelegenen starken Zweige 
der Subclavia die schon angelegten neuen Bahnen vor, so dass 
der CoUateralkreislauf sich schnell herstellen kann; macht man die 
2. Ligatur erst spät, so unterstützt das neue Gef&ssnetz der zu- 
erst operirten Seite und die schon erweiterten Bahnen der ande- 
ren Seite die Bestrebungen der Vertebrales. Durch diese Vor- 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commanis. 417 

Btellnng über die Art und Weise der Bildung von CoUateral- 
babnen kann man vielleicht die scheinbar gleichseitigen Paraly- 
sen erklaren, die -nur in No. 273, 398, 413 und 553 beobachtet 
sind, und auf einer, durch die in diesen Fällen, aus nicht nachweis- 
lichen Momenten, vermehrten Hyperämie der nicht operirten Seite — 
also in Wirklichkeit einer gekreuzten Lähmung — beruhen 
würden. Das Gehirn hermetisch in seiner unnachgiebigen Kapsel 
eingeschlossen, würde in seinen Elementen bei diesem Vorgange 
eine, wenn auch noch so kleine, allseitige Compression, oder viel- 
leicht richtiger unendlich feine Verschiebung seiner klein- 
sten Theile erfahren, so weit ein Ausgleich durch die Cerebro- 
spinal-Flüssigkeit nicht möglich ist. Ob hierbei eine wirkliche 
Zerreissung kleinster Gefässe eine Rolle spielt, bleibt ungewiss, 
nicht unmöglich; denn die einzige Sectioui von 398, die .mir vor- 
liegt, macht hierüber keine genaueren Angaben. Hierbei muss 
ich noch bemerken, dass in No. 273 Lerylier diese gleichsei- 
tige Lähmung nicht betont, sondern sie einfach mit gekreuzter 
Lähmung anderer Fälle zusammenstellt, so dass der Verdacht 
einer Verwechselung der Seite sich beim Lesen der Eranken- 
geschiehte mir sogleich aufdrängte; gleichwohl musste ich ihn 
anführen; in No. 553 war die Obliteration der Armarterie der 
Grund seiner Lähmung. Den so eben geschilderten Vorgang, 
der sic^h auch in der Hemisphäre der operirten Seite ausbilden 
musB, möchte ich auch für die Erklärung der meist nach einigen 
Tagen distinct gleichseitig auftretenden Kopfschmerzen und 
besonderer Sensation, die bald als Leere, als Völle etc. bezeich- 
net v^ird, anführen;^ ebenso dürfte er, im Bunde mit der Anä- 
mie, die meist gleichseitigen Convulsionen und später eingetre- 
tenen Lähmungen, soweit dieselben nicht von eingetretener Hirn- 
entzündung abzuleiten sind, hervorgerufen haben. — Berücksich- 
tigen wir die Convulsionen, so starben von 16 mit diesem mehr 
oder wenig stark auftretenden Symptome behafteten Personen, 14; 
von 3 mit epileptischen Anfällen nach der Ligatur, starben 2. Nach 
ihren zahlreichen Versuchen glauben sich Kussmaul undTenner 
(Ursprung und Wesen der fallsüchtigen Zuckungen etc.) zu dem 

T. Langeobeek-ft Arehi? fOr Chirurgi«. TX. 27 



418 Dr. C. Pill. 

Schlüsse berechtigt, dass die convulsivischen und speziell epilep- 
tischen Krämpfe durch Blutleere des Mittelgehirns bedingt 
seien; Schröder v. d. Kolk (Bau u. Funct. der Med. oblong, etc.) 
postulirt für sie die Hyperämie der Medulla oblongata. 

Von den übrigen noch^ aufgetretenen Erscheinungen stellte 
sich in Nr. 20. eine 3 Tage dauernde „allgemeine Unempfind- 
lichkeit^ ein, und es folgte der Ligatur in Nr. 31. eine mehrere 
Stunden währende, physische und psychische Abgeschlagenheit, 
worauf Ideen-Verwirrung, Trismus und Somnolenz erschien; beide 
Fälle endeten in Genesung. Wirksam trat die Hyperämie in den 
9 Fällen von Somnolenz hervor, von denen 7 wegen Blutung 
operirt wurden und 4 starben. In den 17 Fällen von Coma, 
unter denen 5 Mal Delirien voraufgingen, und nur 2 genasen, 
lag eine mehr oder minder ausgesprochene Entzündung des 
Gehirns zu Grunde, sei es, dass in den Sectionen dieselbe nur 
als hochgradige Hyperämie oder als ausgesprochene Gehirnent- 
zündung mit weiteren Veränderunngen geschildert wird. — Dass 
die Begriffe Somnolenz, Coma und Sopor scharf auseinanderge- 
halten sind, ist unwahrscheinlich. — Sopor wird zweimal als Folge 
der Ligatur angegeben; dieser trat bei dem in Genesung enden- 
den Fall Nr. 536 nach 8 Tagen auf, nachdem schon am ersten 
Tage Lähmung erfolgt war, im anderen Falle, Nr. 585., nach der 
3. Woche; hier zeigte die Section Erweichung einer Hemisphäre. 
Von den 24 Fällen mit Delirien genasen 4. Mit Ausschluss von 
5 der Section entbehrenden Fällen, zeigte sich 8 Mal Meningitis, 
1 Mal Extravasat an der Basis, 1 Mal Hyperämie, 3 Mal Absce- 
dirung in der Hirnsubstanz, 1 Mal Phlebitis. 1 Mal wird die 
Angabe gemacht, dass blutiges Serum in den Ventrikeln gewesen 
sei, das Gehirn selbst aber normal; 1 Mal, dass die Gehirnsnb- 
stanz normal gewesen; 2 Mal traten die Delirien bei hohem 
Fieber der Patienten auf, so dass eine Hyperämie hier annehm- 
bar ist. Schwächung des Geistes in Folge der Operation findet 
sich, ausser in den 3 tödtlich endenden, Gehirnveränderung zei- 
genden Fällen Nr. 67. 264. und 561., noch 8 Mal aufgefährt, 
bei denen nur in Nr. 79. und 495 der Tod eintrat; im letzteren 



Zor Ligatur der Arteria Carotis communia. 419 

war die Yen. jag. comm. mit unterbanden. Naehdem wir frfiher 
als besonders wichtig für die weitere Ernährang des Gehirns die 
Integrität der anderen Art. Carotis, beider YertebraJes und des 
Gircul. art. Willisii erkannt haben, und über den Verschluss der 
ersteren, so weit die zugängliche Literatur es thut, Mittheilungen 
gemacht sind, bleiben nur noch über die letztere Communications- 
bahn einige Worte zu sagen. Vielfach findet sich die Angabe, 
dass die Gefässe der Hirnbasis zahlreiche Variationen in ihrer 
Grösse bieten, nirgend ist bis jetzt von denen, welche über ge- 
nügendes Material gebieten, eine genauere, grössere Arbeit er- 
schienen ; hätte doch ein Anatom, der sich zur Aufgabe gemacht 
hat, an Massenuntersuchungen anatomische Thatsachen festzu- 
stellen, wie oft z. B. dieses oder jenes Sesambein vorkomme, 
oder die Art und Zahl der Klappen an einer Vene, diesen Gegen- 
stand in's Auge gefasst, er hätte ein grösseres Verdienst sieh 
erworben. Ehr mann (1. c. p. 78) macht hierüber die einzigen 
Angaben, denn die wahrscheinlich in den letzten grossen Werken 
des Geh.-Rath Barkow niedergelegten bezüglichen Thatsachen 
stehen mir zur Zeit noch nicht zu Gebote. Er fand, dass die 
Art. comm. post. der einen, auch beider Seiten, nicht selten 
die Art. cereb. post. (s. cerebell. prof.) an Weite übertreffe — 
die Zahl beträgt nämlich in seiner Untersuchungsreihe von 120 
Beobachtungen 17 — 19 pCt. — , andererseits, dass sie bisweilen 
sehr eng, fadenförmig gefunden werde, dann meist auf beiden 
Seiten (p. 79), und öfter als dieses, beim Abgange von der Ca- 
rotis durch atheromatösen Process gänzlich geschlossen; auch 
die A. comm. ant. fand sich mehrfach sehr verengt. Unter den 
Präparaten der hiesigen anatomischen Sammlung befinden sich — 
nach meiner Erinnerung — ebenfalls mehrere, bei denen die 
Rami comm. post beiderseits sehr eng sind, und eines, 
wenn ich nicht irre, bei dem die A comm. ant. doppelt ist. 

Von Seiten des Gehörorgans erfolgte 3 Mal, in Nr. 12. 25 a. 
und 49., gleichseitige Schwerhörigkeit, eine Erscheinung, die 
wahrscheinlich mehr mit dem peripherischen Endapparat, als mit 
dem Gehirn in Zusammenhang zu bringen ist, ganz wie bei dem 

27* 



420 !>'• 0. Pill, 

Auge, bei welchem 15 Mal gleichseitige Schwächung des Gesichts- 
sinnes eintrat; nur in Nr. 283. wurde — vielleicht eine Ver- 
weohselung — das Auge der anderen Seite befallen ; 3 Mal anter 
diesen trat gleichseitige Entzündung des Auges, mit Verlust des 
Sehvermögens, nach der Ligatur auf, bei Nr. 17. 117. 332; dass 
hier nicht das Gehirn selbst jenes gewöhnlich schnell vorüber- 
gehende Leiden verschuldete, beweist nicht nur der Umstand der 
ausnahmslosen Einseitigkeit, sondern mehr noch, dass daneben 
gewöhnlich keine Gehirnerscheinung anderer Art sich zeigte. Nach- 
dem die Anämie der Retina gehoben war, wurde das Sehvermö- 
gen wieder normal, ein Vorgang, der nach Mimosky's Ver- 
suchen (Bericht über Leist. d. Augenheilkde. 1865. von Knapp.) 
nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, denn die Ligatur beider 
Garotiden an Thieren zeigte den Blutstrom gar nicht, oder nur 
auf Augenblicke unterbrochen; ja bei Thieren genügt eine Ver- 
tebralis, um die Girculation in der Retina zu unterhalten. Daher 
kommt es, dass nicht nur in Nr. 80., bei der Untersuchung nach 
schon eingetretener Herstellung der Sehkraft, wie zu erwarten stand, 
keine Veränderung erkannt werden konnte, sondern nicht einmal 
bei Nr. 134-, als die Untersuchung mit dem Augenspiegel früh 
angestellt wurde. Dass der veränderte intraoculare Druck nicht 
gleichgültig ist, bleibt ebenfalls anzunehmen; Experimente müssen 
darüber definitiv entscheiden. Der 3 Mal eingetretene Strabismus 
beider Augen (Nr. 35. 49. 95.) steht in Zusammenhang mit dem 
hier vorhandenen Gehimleiden; wodurch er in letzter Instanz 
bedingt sei, kann ich nicht angeben; ob nach Pr6vost das Corp. 
striat. besonders in seinem hinteren Theile verändert gewesen, 
lässt sich wegen mangelhafter Section nicht sagen. Schwer ist 
für die nach der Ligatur auftretenden Pupillenveränderungen eine 
genügende Erklärung zu geben; für die 5 Mal eingetretene Ver- 
engerung lässt sich, sofern sie mit anderen Gehirnerscheinungen 
vergesellschaftet ist, an eine besondere Reizung des N. oculomot 
denken, bei 12 anderen von Erweiterung will eine mögliche 
Reizung des Sympath., oder Lähmung des N. oculomot. nichts 
sagen; eher noch lässt sich eine Anämie der Muskulatur selbst 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communiB. 421 

annehmen; freilich stellt man den M. dilat irid. von manchen 
Seiten in Frage. — Singultns, immer mit mehr oder weniger hef- 
tigen Erscheinungen von Seiten des Gehirns verbanden, trat 
8 Mal auf, in einigen Fällen bestand zugleich Erbrechen. — Die 
häufigsten aller Erscheinungen sind die Schlingbeschwerden, die 
nicht seltener als 55 Mal aufgeführt sind; sie werden, wie Ehr- 
mann ganz richtig bemerkt, wohl auf Quetschong, weniger des 
N. vagus, als der zahlreichen, zum Pharynx gehenden Nerven- 
zweige zu beziehen sein, die ferner noch bei der Entzündung in 
der Wunde, wie der Pharynx und wohl der Oesophagus selbst, 
afficirt werden; sie finden sich aber nicht, wie nach der Lage 
der Theile anzunehmen wäre, häufiger auf der linken Seite. 
Dasselbe Moment dürfte f&r die 34 Mal notirten Hustenanfälle 
in Frage kommen, bei denen von anderen Ursachen noch 5 Mal 
Entzündung des Mediast., 2 Mal Pleuritis, 2 Mal Lungenentzün- 
dungen zu erwähnen sind. Die Veränderungen der Stimme, die 
15 Mal als Aphonie, und 4 Mal als Heiserkeit geschildert werden, 
sind nicht darauf zu beziehen, dass der N. vagus mit in die 
Schlinge gefasst wurde, wohl aber auf Quetschung desselben und 
der zahlreichen Fäden, die zwischen ihm und den sympath. 
Plexns laufen. Ghassaignac (Gaz. des höp. 1857. p. 424) 
nahm zur Erklärung des Druckes auf die Nerven in seinem Falle 
eine Blutinfiltration an, und durch Girald6s (Gaz. des höp. 
1857. p. 128) wurde eine Auffassung ausgesprochen, wie ich sie 
mir auch vorher gebildet hatte. Hiernach bildet sich um die 
Ligaturstelle an der äusseren Gefässwand — ähnlich dem soge- 
nannten äusseren Callus — ein mehr oder minder starkes Exsu- 
dat, wie es die schönen Abbildungen Portals (1. c.) zeigen, und 
dieses übt einen Druck auf den N. vagus aus, der nicht besonders 
ausweichen kann; so lange dieses Exsudat noch zunimmt und 
fortbesteht, hält — vielleicht wegen veränderter Leitung und 
eingetretener Reizung — die Veränderung der Stimme an. Bei 
dieser Erklärung würde das relativ seltene Auftreten in günstigen 
Nebenumständen, geringer Exsudation etc. zu suchen sein. — 
Für die 25 Fälle von Athembeschwerden, die sich bis zu hoch- 



422 !>'• 0. PiU, 

gradiger Dyspnoe steigerten, findet man den Grund in einer üeber- 
fflllung des kleinen Kreislaufes, in hohem Fieber (12 Fälle von 
Gehirnleiden mit hohem Fieber), in Gontusion des N. vagns, 
YergrOsserung und Druck des Aneurysmas auf die Trachea: nur 
1 Mal zeigte die Section in Nr. 129. apoplektische Herde in der 
Lunge, — während dieselbe bei Pferden die Kegel ist — ; Miller 
nimmt darnach diese der Ligatur folgende Erscheinung (Grisp 
L c. p« 235) yiel zu häufig an. Die Section ergab bei diesen 
Personen 6 Mal Eiter im Mediast. antic, 2 Mal Druck des ver- 
grOsserten Tumor auf die Trachea; 2 Mal bestanden Lungenkrank- 
heiten; 1 Mal hochgradige Congestion der Lungen; 1 Mal war 
der Vagus bei der Verwundung verletzt worden. Noch will ich 
des Vorkommnisses gedenken, dass 4 Patienten beim Umf&hren 
des Fadens um die Arterie unter lautem Schrei ohnmächtig wur- 
den, oder mit den Zeichen höchster Angst und Erregtheit zitternd 
dalagen ; jedesmal konnten die Operateure, nachdem sie sich da- 
von überzeugt hatten, dass das Gefäss allein gefasst worden 
war, die Ligatur ohne weitere Erscheinungen schliessen; ein 
starker Druck der vielleicht zu sehr gebogenen, starken Anen- 
rysmennadel trägt hier wohl die Schuld. 

Nachdem ich die Erscheinungen, welche nach dieser Ope- 
ration aufzutreten pflegen, in der Häufigkeit ihres Vorkommens, 
soweit die Berichte es gestatten, berücksichtigt, und eine Erklä- 
rung der ihnen zu Grunde liegenden Ursachen zu geben ver- 
sucht habe, — wobei ich bemerken muss, dass schon Ehr mann 
meistens die richtige Erklärung gab, ich jedoch, bevor ich seine 
Schrift erhielt, dieselben erkannt hatte, — will ich nur noch 
auf die Nachblutungen und die Sectionsresnltate hindeuten, ehe 
ich bei den einzelnen Indicationen, nach welchen die Ligatur 
gemacht wurde, verweile. Schon Porta fand, dass beim Men- 
schen die Nachblutungen häufiger auftreten nach der Ligatur, als 
bei Thieren. Derselbe fand bei 600 zusammengestellten Ligaturen 
75 Mal Nachblutung, also 12^ pCt Davon kamen auf 132 Li- 
gaturen der in Rede stehenden Arterie nur 9 Nachblutungen, 
also 64 pCt. Bei meiner Znsammenstellung fand ich 99 Mal 



Zar Ligatnr der Arteria Carotis commonis. 423 

Nachblutung eintreten, eingerechnet die Blutung aus entzündetem 
aneurysmatischen Sacke. Rechnen ^ix wieder mit wenig Abän- 
derungen die Fälle, in denen gar keine Angaben gemacht sind, 
wie früher bei den Gehirnerscbeinungen, ab, zu denen sich jedoch 
bei scharfer Sichtung Tiele durch Wood allein Terbürgte F&lle 
neben einigen anderen gesellen müssten, so erhalten wir eine 
für die Ligatur der Carotis absolut gar nicht, nur relativ für die 
einzelnen Rubriken geltende Zahl, die also besser erst bei jenen 
einzeln berücksichtigt zu werden verdient; hier würden 40 pCt. 
sonst als Ziffer der Nachblutung anzugeben sein. Unter den 99 
Fällen traten 50 aus der Operationswunde auf, also meist ent- 
standen aus den nicht' gut thrombirten Gefässen, vermittelt durch 
die Gollateralen. Es dürfte hier nicht unpassend sein, auf den 
Fehler zu verweisen, dass man, zur sogenannten vollkommenen 
Isolirung der Arterie, ihre Scheide in grosser Ausdehnung ab- 
löste; dadurch wurde der ausgebreiteten Necrotisirnng des 6e- 
fasBStückes Vorschub geleistet und eine gefährliche Nachblutung 
herbeigeführt. Als vervollständigende Bemerkungen mögen zum 
Schloss die wichtigeren Sectionsresultate kurz angeführt werden. 
Der Tod wurde herbeigeführt: durch Nachblutung 19mal, durch 
Pyämie lOmal, durch Erschöpfung ISmal, durch Kachexie 6mal, 
durch Lungen- und Rippenfellentzündung 71mal, durch Ruptur 
des Aneurysma (Br. Ward.) 4mal, durch Glottisödem und Er- 
stickung je Imal. Als besondere Veränderungen wies die Sec- 
tion nach: 9mal Gehirnentzündung, 6mal Hyperämie ISmal 
Erweichung, ISmal Abscesse im Gehirn, 4mal Exsudat in 
den Ventrikeln, 4mal Exsudat und Extravasat an der Basis des 
Gehirns, Imal starke Injection der Pia und Imal Trübung der 
Arachnoidea; 3mal Venenentzündung, 4mal Abscesse an der Li- 
gaturstelle, 8mal Eitersenkung in's Mediast. ant., 2mal in's posti- 
cum, 9mal verbreitete Atherose. Den Grund der primären oder 
secundären Blutung erkannte man in der Carot. comm. 7mal, 
der Carot. ext. und ihrem Stromgebiete lömal, der Carot int 
8mal, der Vertebr. 9mal, der Thyr. sup. 14mal, der Lingualis 
lOmal, der Max. ext 7mal, der Tempor. Imal, der Occipit. 2mal. 



424 I>r- C. Pilz, 

Sieht man die zahlreichen Fälle von Blutung durch, wegen 
deren die Ligatur der Carot. comm. gemacht wurde, so muss man 
eingestehen, dass diese Ligatur nicht immer nothwendig war. 
In den meisten Fällen von Verletzung des Halses und Hinter- 
hauptes wird die Compression der Carotis die Entscheidung lie- 
fern, ob die Blutung ihrem Gefässgebiete oder dem der Verte- 
bralis entstammt; tritt aber die letztere, wie nicht selten, in der 
Höhe des 4. oder gar 2. Halswirbels erst in den Ganal. vertebr., 
dann kann die auf die Carotis ausgeübte Compression ebenfalls 
auf die Yertebralis wirken, und in solchen Fällen hat man mehr- 
fach unnützer Weise die Ligatur der Carotis ausgeführt Giebt 
aber bei einer Verletzung das Carotis- Gebiet die Blutung her, so 
ist hier, wie bei allen Gefässverletzungen, der oberste, besonders 
von Guthrie aufigestellte Grundsatz zu beobachten: Beide Enden 
der Arterie in der nöthigenfalls erweiterten Wunde zu unter- 
binden; dies gelingt am leichtesten bei den Schnittwunden; 
schwerer bei den Schusswunden und Nachblutungen. Neudörfer 
(in dem letzten Hefte seiner Kriegschirurgie) fehlt meiner Meinung 
nach sehr, wenn er kurz absprechend dieses Verfahren als in der 
Praxis unausfahrbar angesehen wissen will; musste doch in No. 
75 dieser besser gleich einzuschlagende Weg später genommen 
werden. Kann jedoch das verletzte Gefäss nicht aufgefunden 
werden, so käme immer noch die Digitalcompression in Frage, 
wenn die Art der Verletzung sie nicht ausschliesst; hierzu be- 
darf es in der Halsgegend eines mit den anatomischen Verhält- 
nissen Vertrauten, der sogar mit Anderen wegen der schnellen 
Ermüdung abwechif^eln muss; ist man nicht in der Lage, über 
geeignete Wärter verfügen zu können, oder wohnt man entfernt 
von dem Orte, oder befindet man sich gar auf dem Schlacbt- 
felde, wo die Zeitverhältnisse mit in Betracht zu ziehen sind, 
dann muss man sich zur mittelbaren Ligatur der Carotis ent- 
schliessen, da man nicht auf spontane Heilung der Gef&ssver- 
letzung, wie sie Larrey gesehen, rechnen darf. 

So sah ich folgenden Fall in Reinerz. Als im Anfange Joli unser 3tes 
schweres Feldlazareth des 6. Anneecorps dort thätig war, wurde ich eines 



Zur Ligatur der Arteria Carotis commnnis. 425 

Nachmittags , da die anderen Gollegen anderweitig beschäftigt waren , tou 
einem Krankenwärter in die Colonnaden gerufen, wo bei einem prenssischen 
Verwundeten pl($lzlich eine heftige Hämorrhagie aus dem Munde aufgetreten 
war; ich fand den noch blutenden Patienten, mit kleinem Pulse, bleich da- 
liegen; Compression der 1. Carotis, Eisstückchen und kalte Deberschläge 
auf die linke Kopfseite stillten sogleich die Blutung; eine genauere Unter- 
suchung konnte ich nicht Yornehmen; ich sah, dass die Kugel in die linke 
Wange eingedrungen war, dann, auf dem Boden der Mundhöhle hingegan- 
gen, die linke Zungenseite in ihrer Mitte tief eingerissen hatte; die Kugel 
fühlte ich in dieser Gegend nicht; Pat. war so schwach, dass ich von ihm 
nichts erfahren konnte, wahrscheinlich war die Kugel nicht mehr in der 
Wunde. — In diesem Falte wurde man bei neuen Blutungen deren Quelle 
man nicht genauer erkannt hätte, da die Compression der Carotis sich 
als nfltslich erwies, die Ligatur derselben haben anwenden mflssen. Den 
nächsten Tag fand ich den verlegten Patienten nicht wieder, da ich den 
Namen nicht wusste; am 2. Tage yerliess ich Reinerz. 

Guthrie war es auch, der die Carot. ext. in allen Fällen 
ligirt haben wollte, wo ans ihrem Bereich die Blutung erfolgte. 
In neuerer Zeit ist diese Arterie mehrfach mit Erfolg unterbunden 
worden, so Ton Guyon, Dolbeau, Gore, Partridge, Keith, 
Wutzer, Bruns etc. Doch liegt über die relativ immer noch 
wenigen F&lle keine statistische Arbeit vor, aus der besonders er- 
sichtlich ist, ob die a priori häufige Nachblutung eintritt, und ihre Un- 
terhindung sicher grosse Gefässtumoren beseitigt. Was sich gegen die 
von Guthrie, Wutzer und Maissonneuve erhobene Vertheidi- 
gung einwenden lässt, hat Bardeleben (Chirurg. Bd. 2. S. 181) 
kurz gesagt. — Nachblutungen traten unter 220 Fällen, von denen 
62 keine genaueren Angaben haben, öSmal, also nach Abzug 
jener in 33| pCt, ein; von diesen erfolgte, nach den zu spar- 
samen Berichten, dieselbe 18mal aus der Operationswunde und 
• 3mal aus dem Munde; an Nachblutung starben von diesen 53 
Perdonen 16, also 35 pCt., jene nicht mit einbegriffen, bei wel- 
chen hochgradige Erschöpfung nach der Hämorrhagie als Todes- 
ursache aufgeführt wird. Die Section giebt nur an, dass der 
Thrombus fehlte: über der Ligatur 2mal, unter ihr 2mal, gar 
nicht vorhanden war bei 2 Personen, Imal der obere nicht ad- 
härent war, Imal beide nicht. Die Quelle der primären Blutung 



426 Dr. C. Pilz, 

ist durch die Section oder Untersuchung im Leben in folgender 

Weise für die einzelnen Arterien sichergestellt: 

Carotis commtinis 6 Mal. Carot int. 3 Mal, and ihr Bezirk 6 Ha]. 

* Carot ext. 2 - do. 11 

Max. int. 9 - do. 5 

Max. ext 2 - do* 3 

Thjr. 8up. 6 - do. 5 

Lingnalis 3 - do. 5 

Occipitalis 1 • do. 1 

Temporaiis 1 - do. — 

Vertebralis 5 - do. — 

Ein grösseres Interesse als die Blutungen bieten die Aneu- 
rysmen, und da sie meist mit der Ligatur behandelt worden 
sind, so habe ich versucht, unter Hiozufugung der anderen be- 
obachteten Aneurysmen der Carotis, mit Ausschluss der intracra- 
niellen, so weit die' Literatur zur Zeit mir zugänglich ist, die 
Erfahrungen über dieselben gedrängt zusammenzufassen. Der 
erste berichtete Fall stammt von Lancisins. 

Eine 40 jährige, hysterische Frau bekam Herzklopfen, Schwin- 
del und starke Pulsation in der Carotis; trotz angewandter Ad- 
stringentien verschlimmerte sich die letztgenannte Beschwerde, 
eine spätere Behandlung schaffte Besserung. (Lancisins, De 
Aneurysmat. propositio 33. p.51. GollectioLauth.) Einen anderen 
sah Morgagni (Observat. of Aneurism. Sydenham Society, p. 263) 
bei einer Frau zu Bologna; der Puls war hart, beide Carotiden 
schlugen stark, besonders die linke zeigte sich erweitert. In der 
Hunte raschen Sapimlung findet sich auch ein Aneurysma dieser 
Arterie, die selbst obliterirt ist (Ibid. p. 99.)- Erweiterungen 
der Carot comm. und int hat nach Crisp (1. c. Seite 229) A. 
Bums mehrfach beobachtet, 2mal an Lebenden, ohne dass Er- 
scheinungen irgend welcher Art bestanden. Crisp selbst sah 
im Thomas-Hospit. bei einem 61jährigen, wegen Fussgeschwür 
eingetretenen Schmidt, an der linken Halsseite ein zuf&llig be- 
merktes Aneurysma, das, von der Grösse eines kleinen Apfels, 
seit 14 Jahren ohne jede Beschwerde bestanden haben soll; auch 



Znr Ligatur der Arteria Carotis communis. 427 

die rechte Garot. schien erweitert zu sein; ein Leiden der Mi- 
tralklappe war nachweislich. 

Derselbe sah im Georges-Hospit. Museum das Präparat eines 
Aneur. der Carotis, die nahe der Theilungsstelle, neben einer klei- 
nen aiheromatOsen Ablagerung, eröffnet ist; auf der Ansscnseite 
liegt dem Geftsse ein grosses, festes, 2 Fäustedickes, in der Mitte 
nur hohles Goagulum auf. Dasselbe stammt von einem 39jähri- 
Manne, der nach plötzlichem Stechen im Halse, Schmerzen im 
Schlünde eine Geschwulstbildung daselbst hatte (S. 231.). 
Ein zweites Aneurysma betraf eine 60jährige Frau, gelegen an 
der Theilnngsstelle links, taubeneigross, ohne äussere Veranlas- 
sung entstanden; leichte Zuckungen im Gesicht und Taubheit 
des linken Armes sind die Folgen; in 6 Monaten blieb der Zu- 
stand nngeändert, die Ligatur wurde verweigert; ferner fand ich 
durch Grisp noch angeführt, dass Dune an bei einem SOjähri- 
gen Neger ein rechtsseitiges Aneurysma beobachtete, das, nicht 
operirt, platzte (Edinb. Med. and Surg. Journ. Vol. 12), und im 
45. VoL die Beobachtung von Auchincloss über ein Aneurysma 
der Garotis, neben einem solchen der Innom. und Subclav. Von 
einem doppelseitigen Aneur. der Garot. bei einer Geisteskranken 
erzählte mir Prof. Pirogoff. Heilung grösserer Aneurysmen 
durch Yalsalva's Methode dürfte selten sein; berichtet wird die- 
ser Ausgang von Beaumont (Lancet. 1854. 29. Jan. p. 75); 
nicht so glücklich war bei dieser Methode Maurin., 241, der zur 
Ligatur schreiten musste. Ist das Aneurysma nicht zu gross, so 
durfte die bei Weitem nicht genügend berücksichtigte Digital- 
compression neben der diätetischen Behandlungsweise in Anwen- 
dung gezogen werden; eine Heilung auf diesem Wege erzielt zu 
haben, berichtet Sbeppard (Med. Times and Gaz. 1863. Vol. 
2. p. 43), und directe (!) Gompreasion wandte mit Erfolg G in i - 
sellian. (Annal. univ. GIX. p. 351 Gennajo. Schmidt, Jahrbb. 
1867. Heft 6. S. 378). Eerr sah bei einem 32jähr. Manne 1866 
den 27. Jan. an der linken Halsseite, wo er vor 6 Monaten ver- 
wundet worden, ein faustgrosses Aneurysma. Die Digital-Gom- 
pression wurde anfangs nicht ertragen, später ganz gut. Am 



428 !>'• C. Pilz, 

20. April verliess Pat. das Spital; der Tamor war verkleinert, 
das Geräusch und die Pulsation geschwunden. (Americ. Journ. 
1867. Apr. p. 402.) Von den übrigen gegen Aneurysmen ge- 
brauchten Methoden kamen nur die Injection mit coagulirenden 
Flfissigkeiten, die Electropunctur und Acupressur zur Anwendung. 
Nach Broca (Traitä des Anevr. p. 382) bewirkte eine zweima- 
lige grosse Injection von Liq. Ferri in ein nicht mehr operirbares 
Aneurysma der Carot. comm., nach Abfall der gebildeten Eschara, 
eine zum Tode f&hrende Blutung. Durch Electropunctur erreichte 
Hamilton (Dublin quart. Journ. 1846. Vol 2. p. 539.) ein 
Verschwinden der Pulsation, die bald wiederkehrte; Tom zweiten 
Tage an wuchs das Aneurysma, der Puls erlosch in ihm am 15. 
Tage, und der Tumor wurde fester; dennoch starb Patient bald, 
und die Section zeigte im Centrum eine zäh-^scbleimige schwarze 
Masse. Auch Broca (I. c. p. 342) berichtet von Niceoli (Li- 
vorno), dass dieser durch eine 6malige Electropunctur in einer Woche 
heftige Entzündung in dem unter der rechten Submaxillargegend 
gelegenen Sack hervorrief, die mit Ruptur endete. In neuester 
Zeit kam die Acupressur zur Verwendung, wovon die gütige 
Mittheilung Spence's berichtet. Danach operirte in dieser 
Weise Dix (zu HuU), der schon (Med. Times and Gaz. 1860. 

2. Jan.) die Vortheile dieser Methode, gegenüber der Ligatur, 
ausgesprochen hat, eine Person mit Erfolg; in einem anderen 
Falle, von Watson nach dieser Methode behandelt, erfolgte am 

3. und 4. Tage Nachblutung, dann Tod. Dass das besonders von 
Fergusson empfohlene Verfahren der „Enetung'^ hier nicht zur 
Anwendung kommen darf, bemerkt Salzer (Wien. Med. Wochen- 
schrift. 1867. S. 127.) sehr richtig; für die hierbei möglichen Fol- 
gen will ich den interessanten Fall Esmarch's (Vi rchow 's Ar- 
chiv. 1857. Bd. 11. S. 410) kurz anführen, indem bei der Unter- 
suchung des Aneurysmas der linken Halsschlagader Pat. plötz- 
lich zusammensank, wie bei einem apoplectischen Insult, mit 
Lähmungserscheinungen der rechten Seite. Nachdem am dritten 
Tage unter schweren Gehimerscheinungen der Tod eingetreten 
war, zeigte die Section Embolie der 1. Garoi int. mit Erwei- 



Zar Ligatur der Arteria Carotis commuiiis. 429 

chung des 1. Corp. striat und theüweiser des Corp. callos.; im 
Pons VaroL anterhalb des Aquaed. Sylv. lap ein frisches Blut- 
extravasat und 1 Gtm. davon nach vorne ein kleineres; viele 
capilläre Extravasate bestanden in der Umgebung; der Embolus 
setzte sich fort in die Art. foss. Sylv., die Ophthalm. bis zum 
Eintritt in die Orbita, und eine kleine Strecke in die Art. corp. 
call. Dieser Fall zeigt auch, wie vorsichtig man bei der Unter- 
suchung sein muss. Will man diese Methode bei Aneurysmen 
der Innominata und selbst bei grossen der Subclavia in An- 
wendung bringen, so muss man sorgfältig vor der Manipulation 
die Carot und Subclav. comprimiren, und selbst noch kurze 
Zeit nach dem Aufhören comprimirt lassen. Am häufigsten ist 
zur Heiluung der Weg der Ligatur nach Hunter eingeschlagen, 
deren Resultate in der zweiten Tabellenreihe uns vorliegen. Be- 
rücksichtigt man die Erfolge, die traumatischen Aneurysmen mit 
einbegriflfen, so sind 48 Personen geheilt, 2 gebessert, 5 mit un- 
verändertem Leiden aufgeführt. Soweit die Berichte reichen, 
lassen sich über die spontanen Aneurysmen, über welche allein 
eine Zusammenstellung Werth hat, folgende Angaben machen: 
Von 49 Aneurysmen gehören den verschiedenen Ländern fol- 
gende Zahl der Fälle an: England 24, America 7, Frankreich 
7, Deutschland 4, Italien 2, Ostindien 2, Schweden 1, Russland 
1, Ungarn 1 ; also das sogenannte classische Land der Aneurys- 
men hat auch hier eine in die Augen springende Majorität Un- 
ter 48 davon afficirten Personen finden sich 34 Männer und 14 
Weiber, so dass Grisp's Angabe über die relative Häufigkeit 
dieses Aneurysmas bei Frauen, auf welche neuere Schriftsteller 
sich beziehen, ihren Grund in der nicht grossen Zahl von Be- 
obachtungen, denen die traumatischen beigezählt wurden, hat; 
unter 43 Fällen war 27mal die rechte und 16mal die linke Seite 
ergriffen. 

Zuverlässige Angaben über die Lage und Form der Aneu- 
rysmen lassen sich aus den Berichten nicht ableiten. In Betreif 
der Alters- Verhältnisse fand ich folgende Reihe: von 1—9 Jahren 
1 Fall, 10— 19 J. 1 Fall, 20-29 J. 8 Fälle, 30— 39 J. 9 Fälle, 



430 I>r. 0. PiU, 

40-49 J. 8 F., 50— 59J. 4 F., 60-69 J. 6 F., 70— 79 J. 2 F. 
So kann ich vollkommen Broca's Angabe, dass von 30 — 40 Jahren 
die grösste Häufigkeit von Aneurysmen sich findet, bestiUigeD, 
ja, dass speciell das 35. Jahr das bevorzugteste erscheint; denn 
dieses hatte allein 5 Fälle aufzuweisen. Nicht in allen F&Uen 
bestanden die mit diesem Aneurysma sonst verbundenen Be- 
schwerden, ja einige wurden nur zufällig bemerkt; selten nur 
findet sich ein verbreiteter atheromatOser Process nachgevriesen ; 
in Nr. 261. bestand ein Aneur. spurium und jenes in Nr. 259. soll 
nach Ausziehen eines Zahnes entstanden sein. Sehen wir noch 
auf den Erfolg der Operation, so wurden 28 Personen geheilt, 
3 genasen ohne Heilung, 18 aber starben; rechnen wir hierzu 
die 9 nach Brasdor- Wardrop operirten Falle, — unter 
denen sich 6 Frauen und 3 Männer befanden, die Erkrankung 
6 Mal rechtsseitig und 3 Mal linksseitig vorkamen, von denen 
5 genasen und 4 starben — , so stellt sich die Mortalitätszahl 
auf 38 pGt. der Operirten. Einige Vorkommnisse nach der Li- 
gatur mögen, ihres besonderen Werthes wegen, noch ihre Stelle 
hier finden. Entzündung des Sackes trat 17 Mal, darunter nur 
2 Mal bei traumatischen Aneurysmen, auf, gefolgt 8 Mal von 
Nachblutung aus demselben, von denen 4 Fälle tOdtlich endeten; 
1 Mal, in Nr. 226, erfolgte die Suppuration erst nach 17 Monaten, 
um später eine Nachblutung zu liefern. Diese Entzündung des 
Sackes erklärt Broca, wie ich glaube, ganz richtig. Nach ihm 
sind zwei Arten von Fibrin - Ausscheidungen scharf auseinander- 
zuhalten; die erstere erfolgt in der Gef&sswand ziemlich paralle- 
len, also concentrischen, all mal ig entstehenden Schichten (caillots 
actifs), die letztere in schnellem Herausfall des Fibrin in grösse- 
rer diffuser Masse (caillots passifs) ; nur jene wird eine dauernde 
Obliteration durch weitere Organisation herbeifuhren, diese nur 
eine zeitweilige; entsteht eine Entzündung, so sind sie selbst dem 
Zerfall anheimgegeben; sehr häufig bricht dann der Sack auf, 
in 8 Fällen jedoch musste er der dyspnoischen Erscheinungen 
wegen eröfi'net werden. Ueber die Nachblutungen sei bemerkt, 
dass sie in 10 Fällen aus der Wunde sich einstellten, 1 Mal am 



Zur Ligatar der Arteria Carotis commanis. 431 

1. Abende, 7 Mal yor dem 22. Tage, 1 Mal am 45. Tage, 1 Mal 
sogar nach einem Vierteljahre; in Nr. 274. * erfolgte sie allein 
ans dem Mande. 

Von den Girculationserscheinnngen will ich nur anfuhren, 
dass 6 Mal die Pulsation im Aneurysma nicht erlosch, einige 
Male, schwächer geworden, noch surückblieb, darunter 1 Mal 

1 Stunde lang, 1 Mal 2, und 1 Mal 4 Tage, 1 Mal mehrere Wochen 
und 1 Mal 50 Tage. Eine Wiederkehr der Pulsation im Aneu- 
rysma erfolgte 14 Mal; unter diesen 2 Mal bald nach der Ope- 
ration, 1 Mal nach einer Woche; 1 Mal nach 3, und 1 Mal nach 
4 Stunden, l Mal denselben Abend, 1 Mal am 5., 6. und 8., 

2 Mal am 9., 1 Mal am 14. und 29. Tage. — Zum Schluss will ich 
noch des Aneur. der Art. vertebralis. gedenken. Dieses, nach 
Stichwunden aufgetreten, wurde für ein Aneurysma der Carotis ge- 
halten, zumal, wenn Cömpression dieser die Erscheinungen be- 
deutend yeränderten. Theils unter „Blutung^, theils unter „Aneu- 
rysma^ finden sich in den Tabellen 11 Fälle, in denen wegen 
Verletzung der Art. vertebr. die Ligatur ausgeführt wurde, davon 
hatte sich in folgenden 6 Nrn.: 243a. 258. 297. 300. ^04. und 
306. schon ein Aneurysma ausgebildet; alle Fälle waren trauma- 
tischen Ursprunges und endeten tOdtlich. Zu diesen ist zur Ver- 
volltitändigung Monti*s Beobachtung zu erwähnen (Della ferita 
deir arteria yertebrale diGherini. p. 24): Ein 20 jähriges Mäd- 
chen, mit einer Togi linken Kieferwinkel bis hinter das Ohr 
reichenden Stichwunde, kam am 31. Juli 1861 zu Mailand in's 
Hospital. Als die verschiedensten Mittel zur Stillung einer, nach 
Erbrechen wieder eingetretenen, Blutung — nachdem am 10. Tage 
die Wunde sich zu vernarben begonnen hatte — , sich unzuläng- 
lich erwiesen, wurde von M. am 18. August die Ligatur der 
Carotis comm. ohne Nutzen ausgeführt; in 36 Stunden erfolgte 
der tödtliche Ausgang, und die Section zeigte die Arter. vertebr. 
zwischen 1. und 2. Halswirbel verletzt. — Ausser diesen erwähnten 
Irrthümem in der Diagnose wurde noch 9 Mal die Carotis wegen 
vermeintlich en Aneurysma^s unterbunden.*) 

*) Das Anenr. arterioso-veDos. zwischen Art. Carotis und Vena jagul. int., 



432 Dr. C. Pill, 

Wenn schon bei den aufgeführten F&IIen yon Blntangen und 
Aneurysmen nicht immer nach allgemein zu billigender Indicatioa 
gehandelt wurde, so ist dies noch viel weniger der Fall bei der 
nun zu betrachtenden Operations-Reihe. Hier wäre es oft Pflicht 
gewesen, eine locale Behandlungsweise, sei es die der Injection 
coagulirender Substanzen, der Galvanopunctur, der GalTonocaostik 
etc. allein, oder in Verbindung mit der Digitalcompression, an- 
zuwenden; letztere allein würde bei den meisten Leiden nur 
wenig geholfen haben, obwohl sie bei Orbital-Aneurysmen Erfolge 
aufzuweisen hat. Sollte die Ligatur der Carotis ext. sich als 
weniger sch&dlich herausstellen, so würde diese natürlich der der 
G. comm. oft vorauziehen sein. Ganz zu verwerfen ist die Ligatur 
der Carotis, wie die der Arterien überhaupt, *bei Neoplasmen, 
um diesen die Nahrungszufuhr zu entziehen; dem Gehirne ent- 
zieht man sie dadurch leichter, als der meist bösartigen Neubil- 
düng, zumal, wenn man simultan beide Carotiden ligirt, wie Mott, 
der in's Besondere jenes Verfahren empfiehlt. In keinem der 
Fälle: Nr. 328. 329. 336. 375. 360. 398. etc. wurde etwas er- 
reicht, i^ur oft eine Hemiplegie dem armen Patienten yerschaflft; 
fand sich wirklich nach der Operation eine Verkleinerung des 
Tumors, so war sie nur vorübergehend, da die Ursache derselben, 
die verminderte Blutmenge, bald ihre frühere Grösse erreidite. 
Von besonderem Interesse dürfte es an dieser Stelle sein, die 
Beobachtungen über Aneur. orbitale zusammenzustellen, für 
dessen Einzelheiten ich auf Demarquay (Trait6 sur les tumeurs 
de Torbite) verweise. In der mir zu Gebote stehenden Literatur 
fand ich 28 Fälle mit der Ligatur behandelt: 282. 307. 308. 
338. 341. 353. 362. 363. 368. 369. 377. 381. 396. 397. 399. 
400. 405. 414. 417.- 419. 420. 421. 424. 426. 427. 430. 432. 
443., zu denen vielleicht Nr. 85. 411. und 340. zu zählen sind; 
in 415. machte B. wegen vermeintlichen Aneurysma's die Ligatur, 

Yon welchen 9 Fftlle im Americ. JourD. 1867. Apr. p. 46 zusammenge- 
stellt Bind, verlangte keine besonderen Massregeln, und hatte meist einen 
gOnstigen Verlauf; die Beobachtungen stammen von Larrey (2), Marx, 
Williamson, Rigaud, Soret, Desperanches, A. B^rard und Gi- 
raldes. v. Li n hart fügt in seinem Compend. S. i7b Mare (?) binsu. 



Zur Ligatnr der Arten» Carotis comnunnis. 433 

ebenso L. in 394. and N. in 444. ; bei jenem zeigte die Section 
eine^ veränderte Yen. ophthalm., bei diesem bestand eine blutreiche 
Geschwulst in der Orbita; in 421. war ein Aneur. arterioso-venos. 
Unter diesen 28 Fällen befanden sich 14 Männer und 14 Frauen, 
die jedoch bei den 18 spontanen Aneurysmen sich so vertheilen, 
dass von 12 Frauen 6 linksseitig und 6 rechtsseitig befallen 
waren, während bei nur 6 Männern 3 linksseitig und 3 rechts-* 
seitig erkrankt waren. Ungleich häufiger ist also diese A£fection 
beim weiblichen Geschlecht, bei dem es in 3 Fällen in 
der Schwangerschaft, oder ba|^ nach der Entbindung auftrat 
Durch die Ligatur wurden 19 Personen geheilt, 7 genasen ohne 
Heilung, und 2 starben; in Nr. 432. wurde zugleich die Garot. 
Qxt. ligirt; in Nr. 397. brachte erst die Injection von Ferr. 
lact. Hülfe, und bei Nr. 381., wo es sich wahrscheinlich um 
kein Aneur. orbitale handelte, nützte auch die nachfolgende 
Electropunctur nichts; 3 Mal war der Ligatur die Digitalcompres- 
sion voraufgegangen. Berücksichtigt man das Alter der wegen 
spontanen Aneurysma's behandelten Personen, so stellt sich, mit 
Ausnahme des wahrscheinlich angeborenen in 400, und des An. 
arterioso- venös, in 421., folgende Altersreihe auf: 18, 22, 25, 26, 
34, 36, 38, 41, 42, 44, 50, 54, 58, 60, 60, 65 Jahre. 

Als Beleg, wie leicht man sich bei der Diagnose täuschen 
kann, dient Gendrin^s Fall (Lebens sur les malad, du coeur. 
1. p« 240), bei .dem durch Verschluss der arteriellen Orbital- 
zweige eine Hämorrhagie um den Sin. cavern. und Ausdehnung 
der Orbital venen der Exophthalmus bewirkt wurde, ferner N61a* 
ton's Fall von Aneur. art-venos. träum, der Garot. int. im Sin. 
cavern., bei dem im Leben die Diagnose gestellt war; vielleicht 
ist hierher zu rechnen auch der von Taylor mit Injection von 
Tannin geheilte Fall. Jener von Pol and in den Ophthal, hosp. 
reports. (1860. p. 217) referirte Fall von traumatischem Aneur. bei 
einem damals 23 jährigen Seemanne ist der von Van Buren operirte. 
Während des Druckes erschienen folgende 2 Berichte, die idi 
der Yollständigkeit wegen wiedergebe. 1867, den 13. April, zeigte 
sich ein 42jähriger Mann, der vor 13 Monaten von einem Omni- 

T. LaBg«Bb«ek'« ArehlT f&r Chlnirgl«. TU, 28 



434 Dr. C. Pill, 

buB gefallen, sich eine Fractur des Unterkiefers sogesogen and 
am Kopfe verletzt hatte; eine Narbe über der linken Augenbraue 
blieb zurück ; seitdem traten häufig Kopfschmerzen auf, mit Ter- 
wirrung der Gedanken; seit dem letzten Jahre besteht eine seit 
6 Monaten zunehmende Hervortreibung des linken Augapfels, aaf 
dem das SehTermOgen geschwächt ist, und der selbst im Schlafe 
nicht von den Augenlidern bedeckt wird; der Tumor wird pulsirend, 
die Art. u. Yen. supraorb. sind erweitert 15. April Ligatur; nach 
3 Stunden sind die Palsationen erloschen. 16.: Kopfschmerzen; 
Heilung. (Edinb. Med. Journal. 1867. Jul.) — Laurenceerzähllt 
(Britsh med. Joum. 1867. No. 253) die Heilung eines linksseitigen 
traumatischen Orbital-Aneurysmas nach vergeblicher Anwendung 
des Skey'schen Gompressorium bei einem 41). Manne. Mit Dnrecbt 
hat man diese Krankheitsform nicht selten zum Aneur. per anasto- 
mosin gerechnet; es handelt sich aber meist um ein difiuses Anenr. 
der Art. ophthalm., bald primitiv, baldconsecutiv. An Leichen 
sind wahre Aneurysmen dieser Arterie an beiden Augen von 
Guthrie gesehen; an einem von Garron du Villards; ein sol- 
ches mit Aneur. der Gart. int. und Obliteration des Sin. cavemosna 
einmal von Giraudet. An der Art. cent. retin. soll A. Gooper 
ein Aneurysma beobachtet haben, und an beiden Augen einer 
badischen Prinzessin S c h m i d 1 e r. Diffuse Aneurysmen sahen 
Middlemore bei einem 30jährigen Manne, der nach Verlast 
des Auges und starken Blutungen aus demselben bydropisch zn 
Grunde ging, und Freer (Birmingham) bei einem 30j&hrig6n 
Manne tödtlich verlaufen. — Demarquay's Angaben sind als 
zuverlässig hierbei meist zu Grunde gelegt. — Ausser diesen 
nicht besonders behandelten Fällen fand ich nach vergeblicher 
Anwendung der Electropunctur die Injection von Liq. Ferr. eesq. 
mit Erfolg gebraucht von Bourguet [d'Aix] (Acad. des sc. 1855. 
19. Nov.), und von Vanzetti und Gioppi die Digitalcompres- 
sion mit bestem Erfolge gekrönt audgeffibrt (Schmidt's Jabrbb. 
1859. Vol. 102. S. 53). Soll man hiernach den Weg des ein- 
zuschlagenden Heilverfahrens im Allgemeinen angeben, fio ist 
ohne Frage die Digitalcompression in erster Linie zu versuchen; 



Znr Ligatur der Arteria Carotis commonis. 435 

nur wenn sie nicht l&nger vertragen wird, oder wenn sie, gut 
ausübt, dennoch nicht zum Ziele fuhrt, wird man zur vorsichtigen 
Injection coagulirender Flüssigkeiten schreiten, am Besten, noch 
mit der Digitalcompression verbunden. Wird dadurch kein Er- 
folg erreicht, so wird man seine Zuflucht zur Ligatur der Carot. 
comm. nehmen, nicht zu der angerathenen, der Carot int., denn 
diese bietet nicht nur nicht dieselben Gefahren für die Ernährungs* 
stdruDgen des Gehirns, sondern auch den Nachtbeil, dasF, abge- 
sehen von der tieferen Wunde, sich schneller durch die Gesichts* 
äste der Carot. ext. der Zufluss zur Orbita herstellen kann. 

Wenn Crisp (1. c. S. 235) sich, zu dem Ausspruche be- 
rechtigt glaubt, dass die Unterbindung der Carot sich bei den 
Geschwülsten des Gesichtes und £opfes häufiger, als die meisten 
Wundärzte zu glauben geneigt seien, mit Nutzen anwenden lasse, 
90 würde er nach den vorliegenden Resultaten wohl von der 
einseitigen, oder gar beiderseitigen Ligatur, um, wenn nicht das 
üebel zu heilen, doch das Leben zu verlängern, wie er meint, 
Abstand nehmen; denn 25 pCt. Todte von den wegen Neoplas- 
men , Gefässgeschwülsten etc., mit Ausnahme des vorher speciell 
besprochenen Aneuf. orbit«, Operirten, bieten doch kein erfreu- 
liches Resultat dieser Operation, zumal, wenn unter 62 Operirten 
nur 18 mit Heilung gedacht sind, von denen jedoch kein weiterer 
Bericht gegeben, ja die nicht einmal durch den Verlauf als sicher 
geheilt anzusehen sind; und diesen gegenüber ständen immer 
noch 44 Personen, denen die Operation keine Hülfe brachte. 

Wenden wir uns zu der Reihe von Fällen , in denen v o r o d e r 
bei der Exstirpation von Tumoren etc. die Ligatur ge- 
macht wurde, so muss man auch hier über die zu häufig angewandte 
Ligatur den Stab brechen. Hinter uns liegt die Zeit, wo man 
wegen einer Exarticulation oder gar partiellen Resection der 
Mandibula vorher die Ligatnr an die Carotis legte ; trat in einem 
solchen Falle Genesung ein, so wäre dieselbe auch sicher ohne 
jene erfolgt, nicht aber kann dies von dem Ausgange in Tod 
gesagt werden ; zu «ehen ist leider der Einfluss auf die Blutung 
während der Operation bemerkt, als dass eine bestimmte Zah- 

28* 



436 I>r. 0. Pil«f 

lenreihe Bich ableiten liesse; ja in 461. nnterblieb die Besection 
wegen zu starker Blotang aue den incidirten Tbeilen, nnd in 451. 
mussten noch 12 Ligataren angelegt werden; einmal mosste Mott 
in 450., weil dnrch die Ligatur Pat. sa angegriüen war, die Ope- 
ration aufschieben. Auf die Resultate der vorliegenden Opera- 
tionen gestutzt, kann man wohl den Aussprach thun, dass vor 
der Operation nie die Ligatur um die Garot geschlossen werden 
soll, dass während der Operation dieselbe zu unterbinden ist, 
wenn die zuerst abgehenden Aeste, wie Art. thyn, sup. zu nahe dem 
Stamme abgeschnitten sind, als dass die Ligatur derselben mit Erfolg 
gemacht werden konnte, wenn Blutungen ans der Tiefe auftre- 
ten, deren Quellen durchaus nicht zu ermitteln sind, die aber auf 
Compression der Garot sogleich stehen, oder wenn der Tumor 
die Carotis oder ihre Hauptzweige yoUstftndig umwachsen hat, so 
dass sie sicher durchschnitten werden mfissen; hier wire eine 
peripherische und centrale Ligatur zu empfehlen. Bei den £x- 
tirpationen wurde die Ligatur der Garot. comm. SOmal, yor den- 
selben S4mal angewandt; 'unter den letzteren, die uns besonders 
interessiren, ermangeln 17 FUle der Angabe über den Einfluss 
auf die Blutung, 13 zeigen die volle Nutzlosigkeit derselben, und 
nur in 4 Fällen soll die Blutung sehr gering gewesen sein, eine 
vielleicht noch individuelle Bemerkung; rechnet man hinzu, dass 
unter diesen 34 Personen 7 Gehirnerscheinungen zeigten, und 
mehrere davon starben, so wird man wohl in Zukunft nicht 
so freigebig mit diesem Verfahren sein. 

In demselben Maasse, wie man sich gegen die Ligatur vpr einer 
Exstirpation aussprechen mnss, wird es bei den unter n Nerven- 
krankheiten** zusammengeiassten Operation geschehen müssen. 
In keinem der Fälle, in denen wegen Epilepsie die Unterbin- 
dung ausgeführt wurde, ist, ausser bei der doppelseiligen ligatur 
von 526. und 527., Heilung erfolgt, und auch in diesem Falle hat 
kein späterer Bericht das Andauern der Heilung verbürgt. Wenn 
bei der ersten dieser Krankheit wegen unternommenen Operation 
ein mit der Epilepsie in Beziehung gesetzter Gef&sstnmor dieselbe 
damals nicht irrationell erscheinen liess, so gebenbeso nders Pre- 



Zar Ligatur der Arteria Carotis eommanis. 437 

BtoD's merkwürdige F&lle^ die, weil sie bäofig reprodacirt sind, 
yon mir nicht aasf&brlich wiedergegeben wurden, keine sa recht- 
fertigende Indication fQr diese Operation ab; dennoch hat gerade 
er znr Nachahmung angespornt, so dass Bird sogar ernstlich 
die Frage discutirte, ob die Ligatnr nicht bei Geisteskranken mit 
Kopfcongestionen zu yersachen sei. Ging doch Pres ton von 
der Ansicht ans, dass die Hyper&mie des Gehirns oft der Grand 
der idiopathischen Epilepsie sei, und diese durch die Unterbin- 
dung einer oder auch beider Garotiden gehoben werden könnte. 
Angenommen, dass die Hyperämie des Gehirns oder eines be- 
stimmten Theiles der Gentralorgane, — der Hedulla oblongata nach 
Schröder v. d. Kolk — die epileptishen Erscheinungen be- 
dinge, so würde mit der Ligatur doch noch eine yenöse Hyper- 
ämie, und bald nach ihr eine arterielle Hyperämie im Bezirke 
der nicht unterbundenen Gefässe auftreten; in späterer Zeit würde 
sich die frühere Blutfülle des Gehirns und seiner Theile für ge- 
wöhnlich wieder hergestellt haben, so dass auf eine Heilung 
durch die Ligatur nicht zu rechnen ist; lässt man Schröder y. 
d. Kolkes Ansicht gelten, so würde bei doppelseitiger Ligatur die 
Hyper&mie der Med. obl. ausserordentlich gesteigert werden, also 
eine günstige Wirkung nicht zu erwarten sein. Noch irrationel- 
ler erseheint es mir, die Ligatur zur Hebung der durch den apo- 
plectischen Insult gesetzten Veränderungen in einer Gehirnbemi- 
sphäre zu unternehmen. Da man sich wohl nicht mit der Hoff- 
nung tragen wird, einer neuen Blutung yorzubeugen, indem zur 
Zeit, y?o man an einer solchen Person die Ligatur auszuführen 
im Stande ist, schon so yiel Blut ausgetreten ist, dass der Druck 
in dem eröffneten GeOss gleich dem der Umgebung geworden ist, 
so kann man nur mit Jordan (Med. Times and Gaz. 1863.) 
durch schnellere Resorption des Extrayasates den Druck auf das 
Nervengewebe yermindem wollen, denn die schon zertrümmer- 
ten Leitungsbahnen bleiben es; jene Absicht wird aber illusorisch 
durch die sich ausbildenden coUateralen Bahnen; der schnelleren 
Resorption tritt auch hindernd die sogleich eintretende yenöse 
Hyperämie entgegen, und endlich dürfte es nicht zu yerantwor- 



438 Dr. C. Pilz, 

ten sein; wegen eines vielleicht nussgrossen apoplectischen Her- 
des, bei meist krankhaft veränderten Gelassen, durch die Ligatur 
noch grössere Ernährungsstörungen des Gehirns, und grosse Ge- 
fahr für das Leben herbeizuführen, Ich glaube nicht, dass Jor- 
dan, Angesichts der Mortalität der Operation, in dieser traurigen 
Lage für sich die Ligatur verlangen würde. Während wir in 
der Ligatur kein Mittel besitzen, die epileptischen Anfälle zu 
heben, so ist in der Digitalcompression ein unschädliches und 
häufig nicht unwirksames Mittel gegeben, wie die früher citirten 
Männer bezeugen; der Erfolg ist sicher nur der momentan ver- 
änderten Circulation im Gehirn, und wahrscheinlich im Mittel- 
gehirn und dem verlängerten Marke zu suchen; bestimmtere An- 
gaben über diese Circulation kann ich nicht machen, der Hypo- 
thesen will ich mich enthalten. Endlich muss ich noch beim Tic 
douloureux erwähnen, dass besonders Nussbaum gegen denselben • 
die Garotis-Unterbindung, nach nutzlosen Nervenresectionen, an- 
wandte, anscheinend mit günstigem Erfolge; doch sähe ich gerne 
nach Jahren die Bestätigung der vollen Heilung, ebenso von v« 
Patruban, der auf Nussbanm's Empfehlung dieselbe Opera- 
tion in den letzten 2 Jahren 4mal ausführte; zwei mit Heilung 
endende Fälle will ich, in Ermangelung der Originale, im Aaszuge 
mittheilen : 

▼. Patrnban (OeDtralbl. der med. Wisaensch. 1866. S. 4U) machte die 
Ligatar der Carotis bei einer 50 jährigen Frau, der er frQher den r. Nenr. 
infraorbit. wegen Nviralgie resecirt hatte, die dann 6 Jahre gesund geblie- 
ben war; 1859 wurde der I. N. infraorbit., mit wenig Aussicht auf Erfolg, 
resecirt; 1865 wurde der r. N ment. und der Ram. ioframaxill. am Poramen 
mentale mit dem Glfiheisen gebrannt; hieranf erfolgte eine halbjährige Pause 
der Schmerzen, dann aber ein heftiges RecidiV 'im N. inframaxilL dext. 
durch alle rechtsseitigen Quintusäste sich Terbreitend. Die Operation Ter- 
lief ohne Erscheinungen, der Schmerz erlosch vollständig. — Ein zweiter, mir 
später im Auszuge zugänglich gewordener Fall ist aufgeführt in der Oesterr. 
Zeitschr. ffir prakt. Heilkd. 1867. No. 6. S. 107. t. Patruban stellte eine 
43jährige Frau vor, an der die Ligatur der Carotis gegen eine recidiTirte 
Prosopalgie vorgenommen war; vor 8 Jahren hatte eine Nenrenreaectic« des 
Infraorbit nur 4 Monate lang Besserung gebracht, die Ligatnr hatte bis 



Zur Ligatar der Arteria Carotis commanis. 439 

jetzt das Debel gehobeq. Von einem Tierten Falle sagt P., dass Pat. nur 
wegen vernachlässigter Pflege während des Krieges gestorben sei. 

Danach wären von Nussbaum and v. Patruban 6mal, 
meist bei Frauen, wegen Tic doul. die Ligatur in Anwendung 
gebracht, und 2 der Patienten gestorben. Diese Zahlen sind je- 
doch zu klein, um einen bestimmten Ausspruch über den Werth 
dieser Operation bei der in Rede stehenden Krankheit thun zu 
können; einmal geschahen' neben der Ligatur noch mehrfache 
Resectionen. Jedenfalls int ein späterer bestätigender Bericht 
noch abzuwarten, ehe man sich in ähnlichen Fällen, in denen 
doch die Digitalcompression der Carotis zu versuchen wäre, 
zu einer Operation entschliesst, die nicht so gering in ihren Fol« 
gen anzuschlagen ist, wie v. Patruban es thut. 

Indem ich mich zur Ligatur der Carotis, nach Brasdor- 
Wardrop, bei Aneurysmen ausgeführt, wende, muss ich die 
Abtrennung dieser Fälle von den Aneurysmen überhaupt dadurch 
erklären, dass wegen der besonderen Methode und der Erkran- 
kung mehrerer Arterienstämme in diesen, eine einfache Ver- 
gleichung mit den übrigen Aneurysmen nicht richtig gewesen 
wäre. Während nach der gewöhnlichen Methode die Ligatur 
zwischen Herz und erkranktem Gef&sstheile angelegt wurde^ rieth 
zuerst Brasdor nach Deschamps' Zeugniss (in der Soci6te de 
M6d 1798. 3. Nov.) die Unterbindung zwischen dem Aneurysma 
nnd dem Gapillargebiete (periph. Theile) auszuführen, indem er eine 
Obliteration durch den verlangsamten Blutlauf erwartete. W a r d r o p , 
der den ersten Erfolg nach dieser Methode aufzuweinen hatte, 
ging noch weiter, und hielt die Verminderung der Blutznfuhr, z. 
B. die Ligatur der Carotis beim Aneur. Innom., schon genügend. 
um ein Aneurysma zu heilen; später führte Fear n*) die Ligatui 
beider zuführenden Arterien gegen das an der Spaltungsstelle 
gelegene Aneurysma aus. Dieses Verfahren, schon von Bras- 
dor allein für den Trunc. anom. und die Femoral, berechnet. 



*) Die weitere Berflcksichtignng der Art. snbclav. ist unterblieben, 
weil Herr Dr. Koch eine statistische Arbeit über dieses Gef&ss in diesem 
Archive bald veröffentlichen wird. 



440 !>'• C. Pill, 

schlag Laugier, ohne dass er oder ein Anderer glflcklicher- 
weise den Plan aasf&hrte, beim Anenr. der Aorta abdom. vor, 
indem er die beiden Artt iliac. ext. zu unterbinden rietb, am 
dadurch die Gircnlation im Aneurysma zu verlangsamen ; ob durch 
diese Verlangsamuug aber schon eine Besserung des Zustandes 
eintreten würde, bleibt mehr als zweifelhaft; das noch wirk- 
samere Verfahren der gleichzeitigen Ligatur an beide Iliac. comm. 
kann nur in der Theorie, nie in der Praxis beachtet werden 
(Bullet Chirurg. 1840 Vol. 21. pag. 89.) Ausser der Unterbin- 
dung der abgehenden Arterien ist gegen das Aneur. Innomin. 
neben Valsalva's Methode nur selten ein operativer Weg ein- 
geschlagen worden. O'Shaugnessy machte, nachdem er aus 
diagnostischem Irrthum gegen das vermeintliche Aneur. Innom. 
die Ligatur der Carotis vergebens angewandt hatte, ebenso er- 
folglos die Electropunctur. Ebenso sah Broca (Traite des An6vr. 
p. 358) im Hdpital de la Piti6 auf Laugier's Abtheilung Wert- 
heimber in ein Aneur. des Truncus brachio-cephal. gegen 10 
Nadeln einfuhren, die alle mit dem positiven Pol verbunden 
wurden, während Pat. den negativen in der Hand hatte; der 
Tumor etwas fester geworden, blieb aber durchgängig fBr Blut, 
am andern Tage war das Goagulum verschwunden. Die In- 
jection von Liq. Ferr. machte nach Broca (ibid. p. 408) nar 
einmal Barrier zu Lyon. Er Hess dabei die Carotis und Subcl. 
so gut als möglich während der Injection und noch 20 Minuten 
nachher comprimiren; nach der ersten Injection wurden diePol- 
sationen für einige Tage schwächer, ebenso nach der 2ten, vor- 
übergehend in höherem Grade nach der 3ten, dann erschien Ent- 
zündung im Verlauf des Stichganges; als Pat. das Hospital ver- 
liess, pulsurte der sichtlich vergrOsserte Tumor ebenso stark wie 
früher. — Verweilen wir nun einen Augenblick bei den Folgen 
der an der peripherischen Seite des Gefässes, z. B. der Carotis 
wegen eines Aneur. Carot. gelegten Ligatun Mit der Ligatur wird die 
frühere Blutmenge in die Carotis einfliessen, kann aber nur zur 
Sub'^lavia hin aus derselben heraustreten, so dass dadurch schnell 
ei/ie Verlangsamung des in der Carotis strömenden Blutes, und 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 441 

damit, ausser der FibrinausseheiduDg an der Ligatarstelle, diese auch 
an den ruhenden Wandschichten des Gef&sses erfolgen kann. Hier- 
mit geht Hand in Hand eine allmälige Verkleinerung der Höhle 
durch immer neue Schichten, und eine schwächere Pulsation; 
das erstere erfolgte in 549, 551, 552, 555, 556, 557, 558, 569, 
573, (recid.) 574, 578, nach einiger Zeit in 554, 560, 564, 571, 
584. Da bei diesem Vorgange ein sogenanntes actives Goagulum 
entsteht, so ist die Aussicht auf eine Entzündung des Sackes sehr 
in die Ferne gerückt, und damit die aus demselben auftretende 
gefthrliche Nachblutung. Wird >ber wegen Aneurysma der In- 
nomiata oder der Subclavia die Ligatur dei* Garot. gemacht, dann 
findet eine weniger gleichmässige Fibrinausscheidung eher statt, und 
es kann bei dem sogenannten Goagulum passivum zum Zerfall der- 
selben im entzündeten aneurysmatischen Sacke kommen, wie 554. 
nnd 569. zeigen ; dass beim Aneur. Innom. schnell die Goagulation 
im Sacke eintritt, beweisen die Sectionen von 567. und 571. Aber 
nicht allein die Blutung aus dem aneurysmatischen Tumor ist 
bei der peripherischen Ligatur seltener, sondern auch die Nach- 
blutung aus dem Gef&dse, besonders aus seinem centralen Ende, 
denn hier hat sich zur Zeit, wo bei Lösung der Ligatur vom 
19.— 22. Tage, wie wir früher sahen, eine hinlänglich obliteri- 
rende Faserstofimenge im Sacke gebildet, so dass das noch im 
unteren Theile desselben einfliessende Blut nicht mehr bis zur 
Ligaturstelle gelangen kann. 8 Mal entstand bei diesem Opera- 
tionsverfahren eine Nachblutung, darunter 6 tödlich endigende 
Fälle; von den 4 bei Aneur. Garot. auftretenden Blutungen 
endete die in 551., dem peripherischen Ende entstammende tödt- 
lich, jene in 565, kam aus dem theils obliterirten, theils in Ver- 
bindung mit der Anonyma etc. stehenden Sacke; in den übrigen 
4 F&Uen trug die Subclavia die Schuld der Nachblutung. Wenn 
wir hierin der Hunter'schen Methode gegenüber nur Vortheile 
erkannt haben, so ist die Frage nach den Folgen für die Er- 
nährung .des Gehirns vielleicht weniger günstig beantwortet. Dass 
er beim Aneurysma der Garotis gleichgültig bleibt für das Ge- 
hirn, ob man die Ligatur am, centralen oder peripherischen 



442 Dr. 0. Pilz, 

Theile anlegt, liegt aaf der Hand; anders wird es nach der Li- 
gatur der Carotis und Subclavia wegen Äneur. Anon. oder Sub- 
clav., zumal wenn man an letzterer Arterie, um einen besseren 
Thrombus zu bilden, die abgehenden Hauptäste, Vertebr., Mamm. 
int etc. mitunterbindet, indem auch die Vertebralis, wenn auch 
nicht die eintretende Gerinnung im Sacke das Lumen der Ter* 
tebralis verlegen wurde, der Blutbahn für das Gehirn entzogen 
würde, und dieses dann nur auf Carotis, Vertebr. und Subclav. der 
anderen Seite angewiesen wäre. Natürlich versäume man nicht, 
wie bei jeder Garotis-Ligatur, sich von den Verhältnissen der 
grossen Stämme der anderen Seite zu überzeugen, ehe man zur 
Ligatur schreitet, um nicht die Fälle wie 558. und 572. zu ver- 
mehren. Sieht man aul den Werth dieser Operation, die 40mäl 
ausgeführt wurde, und zwar 9mal wegen Aneur. Garot, IGmal 
wegen Aneur. Innom., 4mal wegen Aneur. Garot und Innom., 
4mal wegen Aneur. Aortae und 4mal wegen Aneur. Subclav., Imal 
wegen Aneur. Innom. und Subcl., 2mal wegen Aneur. Innom., 
Subclav. und Garot, so darf man ihn nicht unterschätzen, obwohl 
nur 12 als genesen angeführt werden, denn die Operation geschiebt 
ja nur in den Fällen, wo andere Verfahren nichts nützen, oder 
nicht mehr ausführbar sind, und zwar gegen ein Leiden, das in 
kurzer Zeit zum Tode fQhren würde; hätte man mit der Ligatur 
der Subclavia die ihrer Ilauptäste verbunden, so wäre wahrschein- 
lich das Resultat besser gewesen. 

Was die Art der Ausführung anlangt, so wird man bei 
einem grossen, nahe am Ursprünge der Carotis beginnenden Aneu- 
rysma nicht im Zweifel sein, und nach der, wenn möglich, immer 
zu versuchenden Digitalcompression die Ligatur peripherisch an 
die Garot anlegen, wenn es gebt nicht zu nahe der Bifurca* 
tionsstelle ; dagegen kann man beim Aneur. Innom unsicher sein, 
welche Ligatur zuerst anzulegen sei. Diday (Bullet de TAcad. 
de M6d. Vol. 8. p. 74) und Bland in (ibid. p. 963) stimmen 
darin überein, dass nur die Ligatur beider Gefässe zum glück- 
lichen Ziele führen könne, und B. erwidert richtig auf Velpeau's 
Empfehlung, nur die Ligatur der Garot gegen jenes Leiden zu 



Zar Ligatur der Arteria Carotis communis. 443 

Yersuchen, dass der angebliche Fall Yon Heilnng auf diesem 
Wege ein Irrthnm sei, indem es sich gar nicht um ein Aneur. 
der Innom. gehandelt habe. Dass jedoch beide Gefässe zu glei- 
cher Zeit durch die Ligatur zu verschliessen seien, möchte ich 
nicht unbedingt als nothwendig annehmen. Immer würde die 
leichter und weniger geßhrliche VerE>chliessung der Garot. zuerst 
zu machen sein, und gleichzeitig eine wenigstens intermittirende 
Compression der Subclavia geschehen müssen; erreichte man 
hierdurch nicht den gewünschten Erfolg, so müsste die Liga- 
tur der Subclavia, mit gleichzeitiger Unterbindung der grossen 
Seitenäste, ausgeführt werden, um eine frühere Tbrombirung der 
Subclavia zu erreichen, und nicht die oft genug eingetretene Blu- 
tung aus dem peripherischen Ende zu erhalten wie in 578; ge- 
ring oder gar nicht verschlossen zeigte die Section nach ein- 
facher Ligatur der Subclavia das Gefäss in: 557, 562, 574, 577, 
578 und 580. Würde man simultan beide Gefässe verschliessen, 
so würde man leichter, wenn auch vielleicht nicht Ruptur des 
Sackes, doch Entzündung desselben erhalten, und wegen des in 
kurzer Zeit reichlich abgeschiedenen Faserstoffes, caillots passifs, 
tödtliche Blutung fürchten müssen. Mit Roux die Ligatur der 
Subclavia zuerst zu machen, dafür sehe ich keinen Grund vorlie* 
gen. — Herr Dr. Koch, dem ich, wie allen geehrten Herren, die 
so gütig waren, mir irgend eine Mittheilung zu machen, meinen 
besten Dank dafür hier aust^preche, machte mir die Angabe, dass 
Bickersteth am 10. Mai 1864 bei einem 35jähr. Manne wegen 
Aneur. der Innom. die Garot. mit einigem Erfolge unterband; 
am 28. Juli wurde auch die rechte Subclavia ligirt. Ausgang 
nicht bekannt. (Med. Times and Gaz. 1^64. p. 101.) 

Ein Rückblick auf die gewonnenen Resultate lässt folgende 
als gesichert erscheinen: 

Da die Ligatur der Garot. comm., bei Berücksichtigung der 
ihr folgenden Erscheinungen und des nicht selten tödtlicben 
Ausganges, als keine gleichgültige Operation anzusehen ist, 
so darf dieselbe nur angewendet werden, wenn andere weniger 
eingreifende Metboden nicht ausführbar sind, oder zu keinem 



444 Dr. C. Pilz, 

Ziele f&hren. Daher dfirfte die Digitalcompression — tod 
anzulftssigen Compressorien ist Abstand zu nehmen — , sobald 
es die Verhältnisse gestatten, stets zuerst zur Anwendung kom- 
men; sollte sie auch noch von der Ligatur gefolgt werden, seist 
die Hoffnung, dass keine schwereren Gehirnerscheinungen auf- 
treten werden, nicht gering. 

Der Grund der Gehirnerscheinungen ist auf arterielle 
An&mie, verbunden mit venOser Hyperämie und die durch 
den sich ausbildenden CoUateralkreislauf verursachten Gewebs- 
Insultationen zurückzufahren. 

Deshalb hat man sich vor der Ligatur der Carotis stets vom 
normalen Verhalten der anderen Carotis und der Subclavia zu 
fiberzeugen. Sicher ist, dass die Ligatur der zweiten Carotis, 
wenn sie nicht in zu kurzem Zeiträume der ersten folgt, selten 
Gehirnerscheinungen aufzuweisen hat. 

Bei einer Stichwunde unter und hinter dem Ohre ist an die 
möglicher Weise verletzte Art vertebral. zu denken, und, um 
keine nutzlose Ligatur der Carotis f&r diesen Fall auszuf&hren, 
durch Compression der Carotis der Gef&ssbezirk, welchem die 
Blutung entstammt, festzustellen. Bevor aber die blossgelegte 
Carotis unterbunden wird, muss noch einmal die Compression 
dieser eine sichere Entscheidung treffen. 

Bei der Verletzung ist stets in der frischen Wunde die 
Unterbindung der beiden Gefässenden zu versuchen. Die spon- 
tanen Aneurysmen, deren Vorkommen besonders vom 20. bis 
80. Lebensgabre und am häufigsten im 35. stattfindet, -* 
wie schon Broca angiebt, — sind neben einer modificirten 
Valsalv ansehen Methode, ohne Aderlässe, besonders durch die 
Digitalcompression zu behandeln, ehe man zur Ligatur schreitet 

Bei den Gefässtumoren, meist im Bezirke der Carotis ext 
gelegen, ist neben der Digitalcompression der Carotis comm. die 
locale Behandlungsweise viel mehr, als bis jetzt geschehen, zn 
berficksichtigen. 

Ganz zu verwerfen ist die Ligatur der Carotis, um einem 
Neoplasma die Nahrungszufuhr zu entziehen. 



Zar Ligator der Arteria Carotis commnnis. 445 

Bei den Orbital - Anearysmen , die besonders h&niig spon- 
tan beim weiblichen Geschlecbte auftreten, ist, nach vergeblich 
angewendeter Digital-Compression, Heilung durch die Ltgatur zu 
zu erwarten. Als Heilmittel gegen idiopathische Epilepsie darf 
die Ligatur der Halsschlagader nie angewandt werden; hier hat 
die Compression wenigstens tempor&re Erfolge. 

Gegen Tic douloureux die Unterbindung der Carotis auszu- 
fahren, ist nach den vorliegenden Resultaten nicht unstatthaft, 
von theoretischer Seite aber nicht verständlich, und in jedem 
Falle nicht empfehlenswerth.*) Dagegen verdient dieBrasdor- 
Wardrop^sche Methode, sobald die modificirte Valsalva'sche 
Methode, die sehr erschwerte Digitalcompression etc. keinen gün- 
stigen Ausgang beim Aneur. Innom. — dessen Diagnose gesichert 
sein muss — erzielt haben, volle Beachtung.**) Man wird 
am Besten bei ausgeübter Compression der Subclavia die Li- 
gatur der Carotis ausf&hren, und, wenn dies nicht genügt, die 
Unterbindung der Art. subclavia mit ihren Hauptftsten folgen 
lassen. Diese Methode schützt in hohem Maasse vor den Ge- 
fahren der Entzündung des Sackes mit nachfolgender Blutung. 



*) Diese Ansicht wird unterstützt durch folgende Yon Hrn. Prof. Roser 
mir gemachte gfitige Mittheilnng : Bei einer 30- bis 31 jähr. Dame, die seit dem 
12. Jahre an heftiger Neuralgie, Anfangs im UnterkiefernerTen, litt, machte Prof. 
Vf, 1868, nach partieller Kieferresection, die Nervenausschneidang ohne Er- 
folg, 2 folgende Operationen hatten dasselbe Resultat. 1866 hatte sie die 
heftigsten Schmerzen in der Wange, den Kiefern, der Stirn, den Schläfen, 
bis zum Hinterhaupte hin, scheinbar am heftigsten in der Ciiterkiefemarbe. 
Nach erfolgloser Resection des üntcrkiefertheiles oebst Nerv unterband Hr. 
Prof. Roser die Carotis, ohne bedeutende Besserang; zeitweise Remissio- 
nen schienen einzutreten; bald verlor R. die Patientin ans dem Auge. — 
Ebensowenig hob die Neuralgie des 3. Qaintnsastes in 3 anderen Fällen die 
Uaterbindong der Art. Oarot facialis; temporäre Linderung erfolgte; auch 
diese 3 Patienten haben zur Zeit M. verlassen. 

«*) In der Med. Times and Gaz. 1867. Vol. 2. p. 439 wird aus dem 
Lond. Hospit die am 18. Sept. von Mann der erfolglos verrichtete gleich- 
seitige Cnterbindong der Artt. Subclav. und Carotis bei einem wahrschein- 
lich au Aneur. Innom. leidenden Manne referirt; die genaueren Details wer- 
den versprochen. 

Breslau, den 2. Juli 1867. 



VIIL 

Beiträge zur Resection des Kniegelenkes. 

Von 

Dr. Hfiniff 

in Hanau. 
(Portsetzung zu S. 220.) 



3. Me fireiiei ier ABpitattoi^ gfi^eiiber 4er etiienireidci iii re* 
•edrendei IdiaidlvDg bei dei Sehiurerlctingei dei Kil^deikM^ 

„Trotz einiger bekannter Heilungen (sagt Hennen in den 
Grundsätzen der Militairchimrgie) kann es als ein Grandsatz der 
der Militairwundarzneikunst aufgestellt werden, dass ein zer» 
rissenes Gelenk, vorzüglich das Knie-, Knöchel- und Ellbogen- 
gelenk niemals unampntirt das Schlachtfeld verlassen mfisse, wenn 
der Verwundete nicht augenscheinlich zu schwach ist' und der 
Tod demnach die sichere Folge der Amputation sein würde." 

Stellen wir diesem von Hennen aufgestelltea Grundsatz 
Piro go ff 's Aussprüche über die Verletzungen des Kniegelenkes 
entgegen, (Grundzüge der allgemeinen Kriegschirurgie 1864) so 
gipfeln seine Resultate in den höchst trostlosen Worten: Tod 
nach und ohne Amputation. Daneben giebt er aber die Erklä- 
rung ab: „eins werde ich mir nie verzeihen, dass ich die grossen 
Einschnitte in die Gelenkkapsel und die Resection des Kniege- 
lenkes an Verwundeten nicht versucht habe", und später: „da ich 
in der Behandlung der Schussfracturen des Kniegelenkes sowohl 
gegen eine starke Antiphlogose als gegen die expectativ conser- 
virende Methode und Amputation ein grosses Misstrauen hege, 



Beiträge zur Resectioo des Kniegelenkes. 447 

80 mass ich mich nan nolens yolens für die Resection des Knie- 
gelenkes erklären^. 

Vergleichen wir diese beiden Aussprüche eines älteren und 
eines neueren Militairchirnrgen, so könnte es scheinen, als ob 
die Chirurgie an der Behandlung der Schuss^erletzungen des 
Kniegelenkes einen Rückschritt gemacht h&tte; denn w&hrend die 
Amputation nach dem Ausspruch des älteren Chirurgen ganz ein- 
fach als Grundsatz, als Dogma aufgestellt wird, hat der Ausspruch 
Piirogoff's etwas vollständig Schwankendes, und nur die Ver- 
zweiflung an dem günstigen Ausgange der Antiphlogose, der expec- 
tativen and amputirenden Methode treibt ihn dazu, sich für die 
Resection des Kniegelenkes zu erklären, welche er selbst, wie aus 
dem vorher angefahrten Ausspruch hervorgeht, nicht versucht hat. 

Sachen wir bei anderen Schriftstellern über Militairchirurgie 
Trost in dieser Frage, so ergeht es uns vielfach nicht viel besser. 
Denn während Strom e y er (Haiimen der Kriegsheilkunst S. 731) 
sagt: „Man sieht aus dem Vorhergehenden, mit welchen Schwie- 
rigkeitsn die Erkenntniss einer blossen Kapsel Verletzung verbun- 
den sein kann, und dies ist hier um so mehr zu beklagen, da 
wir bis jetzt nicht berechtigt sind, die conservative Chirurgie 
weiter als auf die blossen Kapselverletzungen auszudehnen^ ; so 
lesen wir S. 741: 

„Meine wenigen Versuche, die Erhaltung des äliedes durch 
vollständige Durchschneidung der Seitenbänder oder durch Re- 
section zu erzielen, betrafen Fälle, in denen die Amputation den 
Umständen nach nicht rathsam war; sie haben das Leben nicht 
gerettet, aber in Betreff des örtlichen Verlaufes geben sie Auf- 
munterung und ich würde keinen Anstand nehmen, dieselben 
wieder aufzunehmen, unter Verhältnissen, wo die Pyämie nicht 
in Betracht gezogen zu werden braucht^^ 

Immerhin bemerkt man bei den neueren Arbeiten eine grössere 
Neigung zu den nicht amputirenden Methoden. Dies finden wir 
in den Arbeiten dieses Archivs, welche die Erfahrungen des letz- 
ten Schleswig-Holsteinischen Krieges besprechen. So fugtLQcke 
lu den einfachen Kapselverletzungen Condylendurchbohrung mit 



448 Dr. König, 

Kapselverletzuog ohne Splitterung, und Kapselverletenng mit Knor- 
pelverletzung als Verletzungen hinzu, bei welchen die Conser- 
Tirung versucht werden, und, je nach Umständen, Gelenkschnitt, 
Besection oder Amputation später ausgeführt werden soll (Kriegs- 
chirurgische Aphorismen, Bd. 7, Heft 1 d. Arch.), und Heine (Bd. 
7, HÄt 3 d. Arch.) will die Conservirung versucht wissen in 
allen Fällen von einfacher Verletzung der Synovialkapsel, von 
solchen bei gleichzeitigen Strei&chussrinnen der Gelenkfläche einer 
oder beider Epiphysen, bei reinen canalförmigen Perforationen 
der Gelenkenden von Femnr und Tibia, und endlich bei Schuss- 
fracturen der Patella, die nicht von solchen der Gelenkepiphysen 
begleitet sind. Am entschiedensten spricht sich wohl Nendörfer 
aus dem feldärztlichen Bericht übei^ die Verwundeten in Schles- 
wig (Bd. VI. S. 536 d. A) in conservativem Sinne aus: „Wenn 
man nun bedenkt, dass die Verhältnisse dieses Krieges in den 
4 citirten sowie in den anderen, hier nicht angeführten Fällen 
nicht gestatteten, allen Ansprüchen in der Behandlung einer so 
schweren Verletzung zu genügen, dass namentlich bei Vielen das 
verletzte Gelenk gar nicht, bei anderen erst nach 8 — 14 Tagen 
fixirt werden konnte, dann gewinnt man die Deberzeugung, dass 
die Schussverletzung des Kniegelenkes durchaus nicht mehr Be- 
rechtigung als Amputationsindication besitzt, als jede andere 
Schussfractur des Femur, und kann sich der gegründeten Hoffiiong 
hingeben, wenn es einmal zum Axiom der Kriegschirurgie er- 
hoben werden sollte, an die Stelle- der bisher üblichen immedia- 
ten Oberschenkelamputation den immediaten Gypsverband zu 
setzen, dass dann die Zahl der geheilten Enieschüsse eine viel 
grössere sein, zu den alltäglichen Erscheinungen zählen wird, 
und nicht wie bisher, wo dergleichen Heilungen bloss als seltene 
Raritäten und glückliche Ausnahmen aufgeführt werden^. 

Ich habe diesen aphoristischen Rückblick in die Literatur der 
Schussverletzungen des Kniegelenkes zur EinfQhrung einer kurzen 
Besprechung dieser Verletzungen für nöthig erachtet, um an be- 
weisen, wie sehr die Lehre von diesen Verletzungen eine auf Er- 
fahrungen gegründete Revision nOthig hat Nur dadurch wird es 



Beiträge rar Resection des Kniegelenkes. 449 

möglich setn, dem Chirargen, welcher sich bei den Meistern Ratiis 
erholen will, etwas mehr zu gewähren, als ihm bis jetzt in den 
besten Lehrbüchern geboten wird; nur dadurch wird ein späterer 
Autor im Stande sein, festere Anhaltspunkte für das Handeln zu 
bieten, als es bis dahin mOglich war. Aus der Lage der Dinge 
erhellt aber, auf welchem Wege diese Erfahrungen gemacht wer- 
den mfissen. Die Erfahrungen über Amputation des Ober- 
schenkels können wenigstens annähernd als brauchbar betrachtet 
werden ; man hat wenigstens eine Statistik, und weiss, dass die- 
selbe leider meist recht schlechte Resultate geliefert hat. För 
die conservirende Behandlung hat man fast keine Statistik ; denn 
hier können wir weder die allen anderweitigen Erfahrungen ge- 
genüber so ausserordentlich günstige, der Tabelle der Gelenk- 
verletzungen von Surgeon Baer aus dem Amerikanischen Kriege 
entnommene Zusammenstellung (von 103 conservativ behandelten 
Verletzungen des Kniegelenkes 50 genesen, 53 gestorben), noch 
die bis jetzt so ausserordentlich ungünstigen Resultate der Knie- 
resection bei Schussverletzungen im Kriege (bis zum vorjährigen 
Feldzuge 28 Resectionen mit 4 sicheren, 1 unsicheren Heilungs- 
resultat) gebrauchen. Zu Versuchen in der Richtung der Erhal- 
tnng der zerschossenen Kniegelenke in den zukünftigen Feld- 
zügen muss also vor Allem angeregt werden, denn dieselben sind 
in ausgedehntem und besonders in einem den jetzigen therapeu- 
tischen Ansprüchen genügenden Haasse meines Wissens bis 
jetzt noch nicht gemacht. Material dazu drängt sich schon dem 
Wundarzt wider Willen auf, denn der Grundsatz, welchen Hennen 
aufstellt: dass kein Knieverletzter das Schlachtfeld unamputirt 
verlassen sollte, ist schon längst an der Unmöglichkeit der Aus- 
fbhrung gestrandet. Aber man lasse dann diese der Amputation 
glücklich einmal Entgangenen nicht, wie es leider meist noch 
geschehen ist, in der Idee, dass die secundäre Amputation doch 
ihr einziger Rettungshafen sei, auf eiuem Spreukissen, oder gar 
ohne alle Lagerungsmittel liegen, sondern man mache den emst- 
lichen Versuch der Erhaltung mit dem ganzen neueren conser- 
vativen Apparat. Die Schwankenden aber und die absoluten 

T. Langanbeek*! ArchW f. Chmirgie IX. 29 



450 Dr. König, 

Yertheidiger der Ampotation mögen sieh die missliehen Erfolge 
der OberschenkelamputatioB in's Gedächtniss rufen, sie mögen 
bedenken, dass die Statistik der Enieresection in den Friedens- 
spitälem eine bessere Mortalit&tsziffer giebt, als die der Ober- 
schenkelamputation, dass ^so wenigstens als LataretboperatioQ 
der Resection noch eine bessere Zukunft bevorsteht. Sie mögen 
weiter bedenken, dass denn doch auch die besten künstlichen 
Glieder einem wenn auch steif geheilten Beine, sowohl in Be- 
ziehung auf ihre Leistungsfilhigkeit, als in Beziehung auf die spl- 
tere sociale Stellung des Verletzten betr&chtlich nachstehen, und 
diesem Vortheile zu Liebe wird der Verletzte gewiss einige Pro- 
zent Gefahr, welche der conservativen Cur vielleicht! mehr auf 
Rechnung kommen, in den Kauf nehmen. 

Leider bin ich auch nach dem Feldzuge des vergangeneu 
Jahres, in welchem ich in den Hainspit&lern als Arzt wirkte, 
ausser Stande, schon jetzt Erfahrungen in der bezeichneten Rich- 
tung in irgend wie beweisender Zahl anzuführen. Ich hatte Ge- 
legenheit, in den Hospitälern von Laufach, Frohnh