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Full text of "Aus dem Kampf der Schwärmer gegen Luther. Drei Flugschriften 1524, 1525"

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littp://www.arcli ive.org/details/ausdemkampfderscOOende 




Flugschriften aus der Reformationszeit. X. 



Aus dem Kampf der Schwärmer 
gegen Luther. 

Drei Fliio-schnfteii (1524. 1525). 

Herausgegeben 

von 

Ludwig Eiiders. 



Halle a.S. 

Max Niemeyer. 

1893. 



^''</^1 






Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts. 
No. 118. 



Einleitung. 



I. II. 

Nachdem Thomas Münzer im Frühjahr 1521 Zwickau 
teils infolge persönlichen Zwistes mit dem dortigen, damals 
noch der Reformation zugethanen Prediger Egranus, teils 
wegen seines kirchlich schwärmerischen und politisch revolu- 
tionären Auftretens hatte verlassen müssen, war er zwei Jahre 
lang ohne festen Wohnsitz umhergezogen, bis er, ohne von 
dem Kurfürsten präsentiert zu sein, 1523 um Ostern die Stelle 
als Prediger an der St. Johanniskirche in Allstedt bei Eis- 
leben erhielt. Seine schwärmerischen Ansichten, die auf un- 
verstandene und missverstandene Gedanken der mittelalter- 
lichen Mystik, besonders eines Tanler und Suso, zurückzuführen 
sind, fanden bei den Bürgern des Städtchens, selbst bei dem 
Rat und dem kurfürstlichen Schösser Hans Zeys, Anklang, 
und so ging er, von diesen unterstützt, in der Umgestaltung 
des dortigen Kirchenweseiis mit stürmischem Eifer voran. 
Schon gleich bei seinem Amtsantritt konnte er es bei der 
Stimmung, mit welcher ihm die Bürgerschaft entgegenkam, 
wagen, eine durchaus deutsche Liturgie einzuführen, noch ehe 
Luther solches in Wittenberg unternahm. Er hatte aber 
Grösseres noch vor. „Es bedarf eines neuen Johannes, der 
im Geiste Elia auftrete", wozu er in sich selbst den Beruf 
fühlte, „die lautbaren beweglichen Posaunen zu blasen, dass 
sie erschallen mit dem Eifer der Kunst Gottes, keinen Menschen 
auf dieser Erde zu verschonen, der dem Worte Gottes wider- 
strebe." Eine gewaltsame Vertilgung der Gottlosen, eine ge- 
waltthätige Vernichtung der Abgötterei war es, das er forderte 
und auszuführen begann. In diesem Geist unternahm er am 



IV 

7. April 1524 (nicht erst Mitte Juni, wie Seidemann S. 39 
angiebt; vgl. Nebe in der Zeitschr. des Harzvereins XX, 153) 
mit einer aufgeregten Volksmenge einen Zerstörungszug gegen 
die benachbarte Wallfahrtskapelle Malderbach mit ihrem 
wunderthätigen Marienbilde. Unter Berufung auf 5. Mos. 7, 5. 
verbrannte nach mancherlei Unfug das stürmende Volk die 
Kapelle. Bald darauf hielt Münzer auf dem Allstedter Schlosse 
im Beisein des Kurfürsten Friedrich von Sachsen und seines 
Bruders, des Herzogs Johann, eine Predigt, welche er auch 
im Drucke ausgehen Hess. Es ist die S. 24 Note 1 angeführte 
„Auslegung des 2. Kapitels Daniels", worin er die Fürsten 
zum gewaltsamen Vorgehen gegen das Papsttum auffordert 
und ihnen zuruft: „Darum dass die Wahrheit recht an den 
Tag gebracht möge werden, da müsset ihr Regenten, Gott 
gebe ihr thuts gerne oder nicht, euch halten nach dem Be- 
schluss dieses Kapitels, dass der Nebucaduezar hat den heiligen 
Daniel zum Amtmann gesetzt, auf dass er möchte rechte gute 
Urtheil vollführen"; er droht ihnen, dass Gott sie selber mit 
einer eisernen Stange unter die alten Töpfe schmeissen werde; 
die Freunde des Evangeliums aber ermuntert er: „Seid nur 
keck, der will das Regiment selber haben, dem alle Gewalt 
im Himmel und auf Erden gegeben ist!" 

Diese Predigt schickte der Schösser Zeys, dem Münzers 
Auftreten doch Jetzt anfing bedenklich zu werden, am 20. Juli 
an den kurfürstlichen Hofprediger Spalatin mit einem Briefe 
des Inhalts, „dass von grossen nothen sei, dass Magister 
Thomas verhört werde, und zwar, dass es forderlich und bald 
geschehe, wie [ich] uf nächst auch Doctor Brücken [dem kur- 
fürstlichen Kanzler] hie bericht habe , dass er sich beklagt, 
man wolle ihn uit hören noch verhören, und wird seine Lehre 
also hie umb ausgebreit unter dem gemeinen Mann, dodurch 
sie sich auch rotten, und mit der Predigt darauf dringt. Es 
ist gross Zeit, die Sach mit der Verhör fürzunehmen; dann 
geschiehts nicht, so ist contemptus principum vorhanden, ist 
zu besorgen, dass sich das Volk mit Haufen zusammen wird 
werfen, wie er dann öffentlich prophezeit. Das wird Placken 
und Rauben und ein solicher Unlust in dieser Art werden, 
dovon nie ghort. Darumb kehrt Fleiss an, dass ein Tag zu 
einer öffentlichen Verhöre angesetzt werde, zu erfahren, ob 



sein Lehre recht sei: befindt sichs, dass sie rechtschaffen ist, 
darob zu halten; wue nit, solichs fnglich abzuschaffen, dann 
nnverhort eine Änderung zu machen, ist nicht zu thuu. Das 
Volk hängt fest an ihm. Er thät nächst vor mein gn. Herrn 
beiden Fürsten [? im Druck: baden furstl.] hie ein Sermon, 
den schick ich euch hiebei. Er hat dem Kanzler zugesagt, 
nf unsers gnädigsten Herrn Befehel kein Ding drucken zu 
lassen , seine f. G. oder m. g. H. Herzog Hans haben es dann 
besichtigt. Kehrt Fleiss au, dass er fiirbeschieden werde, 
es wäre gein Weymar, Erffert [Erfurt] oder sonst an gelegene 
Stätte, er will allerlei Volk dobei haben, wie ihr vielleicht 
bericht seid." (Kapp, kleine Nachlese zur Erläuterung der 
Keformations-Gesch. nützlicher Urkunden. II, 1T2T. S. rtl3f.) 
Diese Predigt, jedenfalls mit einem begleitenden Brief, 
vielleicht mit dem von Zeys erhaltenen, schickte Spalatiu an 
Luther, der sie am .31. Juli mit der ironischen Bemerkung zu- 
rücksendet: „Kemitto tibi furiam Alstettinam, dignam. quae 
etiam aliqua praebenda honoretur, nedum in terra foveatur. 
Sic Christo placuit, ut indigni simus et ägnoscere et curare 
ea, quae Dei sunt, qui hacteuus sie curavimus ea, quae Satanae 
sunt, ut semper eadem foveamus." (Enders. Luthers Brief- 
wechsel Nr. 812.) Nacli Empfang der münzerschen Predigt 
erkannte Luther klar, wovon bis dahin nur dunkle Kunde zu 
ihm gedrimgen zu sein scheint, dass es sich um aufriihrisches 
Beginnen handle, und dass die Obrigkeit, in Ungewissheit. 
wie weit ihre Pflicht gehe . einzugreifen zögere. Da griff e r 
ein, und schrieb in den letzten Tagen des Jidi, wohl sofort 
nach dem Empfang jener Predigt, seinen , Sendbrief an die 
Fürsten von Sachsen, vom aufrührischeu Geist", unsere erste 
Schrift, die er auch sogleich durch den Druck veröffentlichte. 
Denn dass diese in der Orginalausgabe undatirte Schrift schon 
in den letzten Tagen des Juli geschrieben und gedruckt wurde, 
und nicht erst am 21. August, unter dem sie häufig, auch von 
de Wette, Luthers Briefe II, 538 und Erl. Lntherausg. 53, 
255 angeführt wird, geschrieben sein kann, ergiebt sich ans 
einem Briefe Münzers an den Kurfürsten vom Tage Inventionis 
Stephani. 3. August (bei Förstemann. Neues Urkundenbuch 
S. 248), worin er auf diese Schrift mit den Worten Bezug nimmt : 
„wie itzt der vorlogene Luther thut in seinem Schandbrief 



VI 

an die Herzoge zu Sachsen und wider mich ausgangen, do 
er so grimmig und hässlich [= gehässig] einher platzt als ein 
prächtiger Tyrann ohn alle bruderliche Vormahnung." 

Infolge des Sendschreibens Luthers griffen die säch- 
sischen Fürsten jetzt ernstlicher ein. Zwar hatten sie schon, 
nachdem Zeys am 18. Juni, allerdings recht spät und ohne 
Münzers Namen zu nennen, über den Zug nach Malderbach 
einen Bericht eingesandt hatte, die Zerstörer der Kapelle in 
Geldstrafen genommen ; aber die Allstedter säumten zu zahlen, 
und von oben her scheint dem Strafmandat kein weiterer 
Nachdruck gegeben worden zu sein. Jetzt aber wurde Münzer 
auf den 1 . August nach Weimar beschieden , um Eede zu 
stehen. In dem Verhör scheint er eine klägliche Rolle ge- 
spielt und hinter allerlei faule Ausreden sich geflüchtet zu 
haben. Er wurde mit dem Bescheide entlassen, dass man 
sich Weiteres über ihn zu verfügen vorbehalte. Als er, inner- 
lich bewegt und gelben Angesichts, aus der kurfürstlichen 
Kanzlei kam, gab er dem Schösser Zeys auf die Frage, wie 
es ihm ergangen sei? die Antwort: „Ei, wie soll es gehen? 
Es geht also, dass ich ein anderes Fürstenthum besuchen 
muss!" Dass in Allstedt seines Bleibens nicht mehr sei, 
wurde ihm freilich nach seiner Heimkehr dorthin noch klarer. 
Denn als er hier einen ernsten Ausbruch beschleunigen wollte, 
oder wie er sich selbst, am Schluss seiner „Schutzrede" (vgl. 
S. 38) ausdrückte : da ich meinte, das ernste Wort Gottes 
zu predigen, da kam ein Rathsherr und wollte mich den 
höchsten Feinden des Evaugelii überantworten. Wohl erbot 
er sich in dem oben angeführten Briefe vom 3. August an 
den Kurfürsten zu einem Verhör vor der Christenheit, wozu 
aus allen Nationen diejenigen entboten werden sollten, „die 
im Glauben unüberwindliche Anfechtung erduldet und zur 
Verzweiflung ihres Herzens gekommen sind", — wie er be- 
reits am 1 3. Juli an Herzog Johann geschrieben hatte : „Ich 
will die Römer, Türken, die Heiden dabei haben" — , aber 
er wartete den Erfolg nicht ab: am 7. August verliess er 
heimlich Allstedt und kam damit seiner Verabschiedung zu- 
vor, welche der Kurfürst am 16. August verfügte auf die 
Beschwerde Herzogs Georg von Sachsen, dass Münzer einen 
aufrührischen Brief an seine Unterthanen in Sangershausen aus- 



vn 

gelassen, und auf dessen Drohung, selber eingreifen und das 
„belobte Evangelium" verfolgen zu müssen, wenn der Kurfürst 
nicht Abhilfe schaffte. 

Münzer wandte sich zunächst nach der freien Reichsstadt 
Miihlhausen, wodurch er sich einerseits der fürstlichen Gewalt 
entzog, andererseits hoffen konnte, hier auf dem seit dem 
Frühjahr 1523 durch seinen Gesinnungsgenossen Heinrich 
Pfeifer, auch Schwertfeger genannt, einen ausgelaufenen 
Mönch, zubereiteten Boden seine Pläne des gewaltsamen Um- 
sturzes ausführen zu können. Luthers am 21. August von 
Weimar aus geschriebener Warnungsbrief an die Mühlhausener 
kam zu spät, Münzer war schon in der Stadt und hatte be- 
reits mehrfache Unruhen erregt. Doch besass der Rat dies- 
mal noch so viel Macht, den Aufruhr niederzuhalten und 
Münzer nebst Pfeifer zu nötigen, dass sie am 20. September 
die Stadt verliessen. Sie gingen nach Nürnberg, und hier 
Hess Münzer unsere zweite Schrift dnicken. die wohl schon 
in Mühlhausen verfasste ,Hochvenirsachte Schutzrede", deren 
Abfassungszeit also jedenfalls in den September 1524 anzu- 
setzen ist. Als dem Rat die ohne seine Censur gedruckte 
Schrift bekannt wurde. Hess er alle Exemplare, die noch 
vorhanden, confiscieren und den Dnickergesellen des Hans 
Hergott, der das Buch ohne Wissen seines Meisters gedruckt 
hatte, am 31. Oktober ins Lochgefängnis sperren. Münzers 
Aufenthalt in Nürnberg aber kann nur wenige Tage gedauert 
haben, während der mit ihm gekommene Pfeifer etwa einen 
Monat laug blieb, bis er am 29. Oktober vom Rat ausgewiesen 
wurde. Ob Müuzer ebenfalls, -n-ie Melanchthon sagt (Historia 
Thomä Münzers. des Anfängers der Düringischen Auffruhr, 
sehr nützlich zu lesen, in Luthers Werken Altenburg. Ausg. 
III, 128). durch den Rat zeitlich aus der Stadt gejagt wurde, 
oder ob er freiwillig weiter ging, muss dahin gestellt bleiben. 
Letzteres behauptet Münzer selbst in einem Briefe an Christoph 
Meinhard, einen Bürger zu Eisleben und Vetter des Allstedter 
Schössers Zeys, dem er schreibt (Altenb. III, 111): ,.Ich 
habe meine Lehre lassen zu Nürnberg driicken, und sie 
wollen beim Römischen Reich Danck verdienen sie zu unter- 
driicken; ich bin eutschuldigt. Ich wollt wohl ein fein Spiel 
mit den von Nürnberg angerichtet haben, wenn ich Lust 



VIII 

hätte Aufruhr zu machen, wie mir die lügeuhaftige Welt 
Schuld gibt . . . Viel vom Nürnberger Volk riethen mir zu 
predigen, da antwortete ich, ich wäre um deswillen nicht 
hinkommen, sondern mich durch den Druck zu verantworten." 
Wie dem nun auch sei, ob freiwillig, ob gezwungen, er ver- 
liess Nürnberg nach wenigen Tagen, wie sich schon daraus 
ergiebt, dass in das viertel Jahr von Mitte September bis Mitte 
Dezember seine Reise nach Süddeutschland, sein Besuch in 
Basel bei Oecolampad, sein Besuch in Waldshut bei Balthasar 
Hubmeier, sowie ein Aufenthalt von acht Wochen in Griessen 
im Klettgau (vgl. Bullinger, libri VI. adversus Anabaptistas. 
Tiguri 1560. fol. 2.), und von da seine Rückreise nach Mühl- 
hausen , wo er am 13. Dezember anlagte , unterzubringen ist. 
Auf dieser Wanderung nach Süddeutschland und der Schweiz,^ 
wodurch er hauptsächlich mit den dortigen verwandten Rich- 
tungen, besonders der wiedertäuferischeu, Fühlung gewinnen 
wollte, sowie auf seine Rückkehr nach Mühlhausen, seine 
abermalige Austreibung und seine abermalige Rückkehr im 
Februar 1525, womit die Endkatastrophe seines Lebens be- 
ginnt, ihn zu begleiten, liegt jedoch ausserhalb des Rahmens 
unserer Erörterung, die nur auf die Umstände seines Lebens 
eingehen konnte, welche für die Entstehung und zum Ver- 
ständnis der von uns edirten Schrift von Belang sind. 

Quellen, ausser den schon gelegentlich angeführten: 
J. K. Seidemann, Thom. Münzer. Dresden und Leipzig 
1842 (infolge neuerer Forschungen mancher Berichtigung und 
Ergänzung bedürftig) ; Nebe in der Zeitschr. des Harz. Ver. 
Bd. XX; Holzhauseus Mitteilungen aus der Mühlhauser 
Chronik, in: Schmidt's Zeitschr. für Geschichtswissen- 
schaft. Bd. IV; Karstens in der Zeitsch. für thüring. Gesch. 
Neue Folge Bd. IV; Köstlin, Luther, Bd. l ; Kolde, Mart. 
Luther, Bd. 2; Enders, Briefwechsel Luthers, Bd. 4. 



III. 

Ungefähr um dieselbe Zeit, wo Münzer Allstedt verliess, 
musste auch Carlstadt aus Orlamünde weichen. Die dortige 
Pfarrei war eine Präbende des Archidiakons der Stiftskirche 
zu Wittenberg, der ihre Einkünfte bezog, die Pfarrei aber 



IX 

hergebrachter masseu durch einen von dem Kurfürsten und 
dem akademischen Senat festangestellten Vikar versehen Hess. 
Als im Herbst 1523 der Vikar Conrad Glitz (nicht ..Glück", 
wie ihn Jäger, Carlstadt S. 349 und 427 nennt), mit der 
Gemeinde zerfallen, seine Stelle aufgab, predigte zuerst Carl- 
stadt, welcher Wittenberger Archidiakon war, selbst einige 
male dort , und Hess sich dann von der Gemeinde zu ihrem 
Prediger wählen, ohne deshalb seine AVittenberger Professur 
aufzugeben , die er aber von da an gänzlich vernachlässigte. 
Die wiederholte Aufforderung des Kurfürsten und der Uni- 
versität, die Pfarrstelle abzugeben und zu seinem Amt nach 
Wittenberg zurückzukehren, wusste er zu umgehen. Seine 
Thätigkeit in Orlamünde war von vornherein eine der Münze- 
rischen in Allstedt ähnliche. Mit Bildersturm und Umsturz der 
alten Cultusformen . wie er solches bereits in Wittenberg 
während Luthers Abwesenheit auf der Wartburg unternommen 
hatte, begann er sein Wirken, in aufreizenden Predigten imd 
Schriften, deren er eine grössere Zahl aus seiner Winkel- 
druckerei in Jena hervorgehen Hess, setzte er es fort. Es 
herrscht in ihnen derselbe schwärmerisch-mystische und fana- 
tische Geist, wie wir ihn bei Münzer finden, wenn auch Carl- 
stadt nicht so radikal auftrat, ja den Versuch Münzers, ihn 
in sein revoluti«^>näres Vorgehen mit hineinzuziehen, durch 
einen offenen Brief ..der von Orlamünde an die zu Allstedt, 
wie man christlich fecliten soll", vom 19. JuH 1.524 entschieden 
ablehnte. 

Carlstadts Zerwürfnis mit den Wittenbergeru wurde aber 
noch verstärkt durch seinen Dissensus in der Lehre vom 
heiHgen Abendmahl, das er seines Charakters als Sacrament 
vöUig entkleidete, mit geradezu rohen Worten von demselben 
sprach, für Luthers Auffassung nur Spott hatte und die 
Wittenberger als neue Papisten, Sacramentsknechte. Sacramen- 
tierer bezeichnete. Es wäre in gewisser Beziehung ein psycholo- 
gisches Eätsel, wie in demselben Manne die beiden Eichtungen, 
die tief -mystische, die " in seinen sonstigen Schriften einem 
entgegentritt, und die platt -rationaHsierende, die in seinen 
Abendmahlsschriften sich vorfindet, neben einander bestehen 
konnten, wenn nicht die Eitelkeit Carlstadts, die sich darin ge- 
fiel, immer etwas Neues vorzubringen, uns dieses Kätsel löste. 



lu ganz Thüringen gährte es schon im Jahre 1524. Auch 
andere Prediger, z.B. Jacob Strauss in Eisenach, welcher 
die bürgerlichen Bestimmungen des mosaischen Gesetzes 
wieder einführen wollte , gegen Zahlung von Zinsen u. s. w. 
eiferte, trugen in anderer Weise dazu bei. Es war die un- 
heimliche Schwüle vor dem Ausbruch des Gewitters, das im 
nächsten Jahr im Bauernkrieg auch über Thüringen dahin- 
tobte. Luther bereiste auf Wunsch des Kurfürsten die auf- 
geregte Gegend , traf am 21. August in Jena mit Carlstadt 
zusammen, und eine hier stattgefimdene Unterredung zwischen 
beiden führte zum völligen Bruch. Luther gab Carlstadt 
einen Goldgulden darauf, dass er Macht habe wider ihn zu 
schreiben. Als Luther am 24. nach Orlamünde selbst kam, 
fand er hier bei der fanatisch erregten Menge einen üblen 
Empfang, von Verwünschungen und Schmähungen verfolgt 
musste er mit seinen Begleitern wegziehen, ohne etwas aus- 
gerichtet zu haben. Am 11. September erbot sich Carlstadt 
in 'einem Brief an Herzog Johann von Sachsen, „damit sein 
Gelimpf und Lindigkeit allenthalben erkannt, und er nicht 
ein Poltergeist oder haderischer Schwärmer, wie er denn von 
Luther ausgeruft, geachtet werde", eine Zeitlang noch sich 
des Schreibens zu enthalten, bis durch ein Verhör der 
Fürst seine Unschuld erkenne, und dass er nichts denn allein 
den Grund göttlicher Wahrheit suche. Am 18. September 
erhielt er aus der fürstlichen Kanzlei zu Weimar in Bezug 
auf das Verhör eine abschlägige Antwort, zugleich den Befehl, 
dass, nachdem die Pfarrei zu Orlamünde an Dr. Caspar Glatz 
übertragen worden, er unter Auslieferung des Pfarr-Inventars 
das Kurfürstentum zu verlassen habe; was er aber wider 
Dr. Luther zu erhalten vermeine oder mit Schreiben nicht 
zu unterlassen wisse, daran werde er Seiner Fürstl. Gnaden 
halben ungehindert sein. Ein Gesuch des Rats zu Orlamünde 
vom 23. um Aufschub für Carlstadt, angesehen sein sehr 
schwanger Weib, sein klein unmündig Kind und den her- 
dringenden Winter, wurde ebenfalls am 28. abschlägig beschie- 
den. So verliess denn Carlstadt Anfangs Oktober Orlamünde, 
nicht ohne zwei Abschiedsbriefe an seine Gemeinde, einen an 
die Männer, den andern an die Weiber, zu hinterlassen, in denen 
er sich unterzeichnet „Andreas Bodenstein, unverhört und 



XI 

unüberwunden, vertrieben durch Martinum Lutherum". Er 
wandte sieb zunächst seiner Heimat Franken zu, und ging nach 
Eothenburg au der Tauber, wahrscheinlich weil dort sein ehe- 
maliger Witteuberger College ixnd Gesinnungsgenosse Johannes 
Deuschlin Prediger war. Aber noch im Oktober wanderte 
er weiter, ging nach Süddentschland und der Schweiz, hielt 
sich, überall aber nur kurz, in Strassburg, Basel und Zürich 
auf, Hess unterwegs verschiedene Streitschriften drucken, und 
kehrte noch vor Ablauf des Jahres nach Rothenburg zurück. 
In der Reichsstadt Rothenburg predigte schon um die 
Zeit des Worm.ser Reichstags der unbekannt wannV als 
Prediger dahin gekommene Wittenberger Professor und Dr. 
der Theologie Johannes Deuschlin (auch Teuschel; Alb. Viteb. 
ed. Forste mann p. 27 : Dns. Johannes Teuschleyn de 
Frickenhausen arcium magister. sacre theologie professor huius 
studij, inscrlbiert Oktober 1505) in der neuen Weise. In seiner 
vorreformatorischen) sowie in seiner reformatorischen Wirksam- 
keit berülirt er sich nahe mit dem Wiedertäufer Baltha.sar 
Hubmeier. Wie dieser durch seine Predigten in Regeusburg 
1519 einen Judensturm erregte, bei welchem die Synagoge 
niedergerissen und au ihrer Stelle die Kapelle zur schönen 
Maria errichtet wurde, die bald ein beliebter Wallfahrtsort 
wurde, so hatte auch Deuschlin, vielleicht um dieselbe Zeit 
(Zweifel sagt: „vor 4 oder 5 Jahren davor", nämlich vor 
1524). durch seine Predigten das gemeine Volk dermassen 
gegen die Juden aufgereizt, dass diese, um den Unbilden 
des Volks zu entgehen, letztlich vom Rat Urlaub begehrten 
und von Rothenburg wegzogen. Darauf wurde die Synagoge 
gestürmt, erbrochen, ein Marienbild hiueingesetzt und sie zu 
einer Kapelle der reinen Maria umgewandelt. In gleich stür- 
mischer Weise scheint er das Evangelium verkündigt zu haben, 
ohne dass es jedoch bis jetzt zu Thätlichkeiten gekommen war. 
Der verbannte Carlstadt ward hier mit offenen Armen auf- 
genommen. Nicht nur der Prediger Deuschlin, und der 
Pfarrer sowie Deutschordens-Comthur Caspar Christan, auch der 
Alt -Bürgermeister Ehmhard Kumpf u. A. gehörten bald zu 
seinen eifrigsten Anhängern. Letzterer führte ihn sogar nach 
dem benachbarten, dem Markgrafen Casimir von Brandenburg 
gehörigen Crailshaim, „vielleicht deu Pfarrer daselbsten 



XII 

seiner Opinion auch zu berichten", wie Zweifel sagt. Der 
Markgraf aber, nachdem er davon gehört, liess seinen Eäten 
zu Ansbach und den Amtleuten einen ernstlichen Befehl zu- 
gehen, den Carlstadt weder zu hausen, zu herbergen, noch 
im Fürstentum zu gedulden, sondern ihn, wo er begriffen 
würde, gefänglich anzunehmen und zu verwahren. Auf einer 
geschäftlichen Anwesenheit in Ansbach las der Stadtschreiber 
von Kothenburg, Thomas Zweifel, diesen Befehl; zuriickge- 
kehrt machte er im Rat davon Meldung, und riet ein gleiches 
Edict für Rothenburg zu erlassen, „schwer üngnad, Straf und 
andern Unrat, so aus der Duldung Carlstadts zu erwachsen vor 
Augen wäre, zu vermeiden". Da aber Kumpf widersprach, 
es sei jenes Edict „nichts und nicht wahr", so wurde zwar 
kein Beschluss der Ausweisung gefasst, aber Deuschlin und 
die Andern ernsthch ermahnt, sich Carlstadts zu entschlagen 
und ihn, wo er bei ihnen wäre, wegzuweisen. Als diese 
Mahnung erfolglos blieb, der Rat vielmehr vernahm, dass 
Carlstadt noch heimlich in der Stadt sei, so erliess er, 
wiederum auf Anregen Zweifels, jetzt am 27. Januar einen 
förmlichen Ausweisungsbefehl: „Zu wissen, dass ein Ehrbarn 
Rath dieser Stadt hie zu Rothenburg wahrhaftig anlanget, 
wie Dr. Andreas Bodenstein von Carlstadt etlich irrig, ketze- 
risch und verfuhrisch Lehr, Schriften und Bucher, den Leib 
und das Blut Jesu Cliristi, unsers Seligmachers, und ander 
mehr Artikel, unsern heiligen christlichen Glauben belangend, 
ausgehen lass." Nachdem aber die benachbarten Fürsten und 
Herrschaften verboten hätten, solche ketzerische Schriften 
und Lehren feil zu haben xmd zu predigen, dazu auch den- 
selben Dr. Carlstadt weder zu hausen, noch zu hofenu.s.w., 
habe auch der Rat etlichen der Ihren, Geistlichen und Welt- 
lichen, solches gebieten imd sagen lassen. Gleichwohl lange 
einen Ehrbaren Rat glaublich an, wie Carlstadt hie heimlich 
gehalten , auch seiner irrigen, ketzerischen Lehr Hülf und 
Beistand gethan werde, was nicht nur wider die dem Rat 
schuldige Pflicht und Verwandnis geschehe, sondern daraus 
auch einem Rat und gemeiner Stadt „nicht klein Nachred 
und Versagung entstehet, daraus merklicher Unrath, Straf 
und Nachtheils zu besorgen und zu erwarten ist." Deshalb 
werde hiermit nochmals öffentlich „bei ihren Eiden, Pflichten 



XIII 

lind Yerwandnissen ernstlich verboten, den genannten Dr. 
Carlstadt weder zu hausen, zu herbergen, unterzuschleifen. zu 
ätzen, tränken oder fürzuschieben, auch seine Bücher, Schriften 
und Lehren weder feil zu haben, zu verkaufen oder zu kaufen, 
heimlich oder öflentlich, in kein Weis noch Weg, als lieb 
einem Jeden sein kaiserl. Maj. und des Reichs, auch eines 
Ehrbarn Raths schwere Ungnad und Straf, die gegen einem 
jeden Ueberfahrer gestattet werden und geschehen soll." Das 
am Rathaus angeschlagene Edict wurde jedoch heimlich 
abgerissen und Carlstadt blieb mit Unterstützung Rumpfs in 
des Tuchscheerers Philipp Schleyt Haus versteckt, und liess 
weitere Schriften über das Abendmahl ausgehen, die zu 
Rothenburg heimlich gedruckt wurden. (Ein Rothenburger 
Drucker Cunz Kern gehört dem im Aufruhr gebildeten 42 er 
Ausschuss an und wird im Verzeichni.s derjenigen, welche 
dem Rat übel nachgeredet und auf Seiten der Bauern waren, 
aufgeführt, verbannt und in 40 Gulden Strafe genommen.) 

In dieser Zeit war eine Aussöhnimg mit Luther nahe ge- 
wesen. Dieser blieb trotz allem, wenigstens damals noch, 
persönlich Carlstadt nicht abgeneigt, so dass er ihn mit dem un- 
geratenen und doch von David geliebten Absalom vergleicht, 
wenn er am .3. Oktober 1524 an Spalatin schreibt: Mihi quo- 
que ferendus est Absalom. Deshalb aber konnte er doch 
nicht auf seine Irrlehren und die gegen ihn selbst ergangenen 
Angrifte stille schweigen, und so erschien zu Neujahr 152.5 
der erste, Ende Januar der zweite Teil seiner Schrift „Wider 
die himmlischen Propheten." Im ersten Teil wendet er sich 
gegen Carlstadts Verwerfung der Bilder, der Ceremonien u. 
s. w.. auch kommt er hier auf die Notwendigkeit seiner Ver- 
treibung zu sprechen; im zweiten Teil bekämpft er Carl- 
stadts Abendmahlslehre, welche schon im Jahre vorher durch 
Urban Regius in der S. 46 • erwähnten Schrift ihren ersten 
Gegner gefunden hatte. Schon im Dezember, wahrscheinlich 
nach seiner Rückkehr nach Rothenburg, hatte Carlstadt in 
der Not, in die ihn die Verbannung gebracht, sich an Luther 
brieflich um Aussöhnung gewendet und dieser ihm auch am 
23. Dezember in einem verlorenen Briefe nicht unfreundlich 
geant%vortet , der jedoch erst am IS. Februar in Carlstadts 
Hände kam, worauf dieser noch am nämlichen Tage in einem 



XIV 

weiteren Schreiben um Vermittelung freien Geleits bittet und 
seine friedliche Gesinnung versichert. Luther kam seinem 
Ersuchen nach, aber der Kurfürst lehnte es ab. Ehe jedoch 
Carlstadt über den Erfolg seiner Bitte Nachricht hatte, empfing 
er Luthers Schrift am 2(p. Februar, und machte sich gleich 
folgenden Tages an eine nicht ohne Heftigkeit geschriebene 
Entgegnung: „Erklärung des .x. Capitels Cor. 1 . . . . Antwurt 
Andresen Carolstats: auf Luthers Schrift. Vnd wie Carol- 
stat widerriefft." , der eine weitere, am 16. März den , ernsten 
Christen meinen geliebten brüdern zu Rottenburg-' gewidmete 
Schrift: ^Von dem Newen vnd Alten Testament .... wie 
Carolstat widerrieft" folgte. Damit hatte er sich selbst die 
Möglichkeit einer Aussöhnung vorerst abgeschnitten. Er 
hielt sich unterdessen noch immer in Rothenburg verborgen. 
Zwar verlautete etwas von seinem Aufenthalt, aber Kumpf, 
im Rat zur Rede gestellt, leugnete kecklich ab: er habe 
seit dem Edict und des Rats Verbot Carlstadt weder gesehen 
noch gehalten, wisse auch nicht wo er wäre, und hielte da- 
für, dass er zu Strassburg sei, allwo er auch zu schaffen 
hätte. Der Rat Hess es dabei bewenden. 

Da begannen am 23. März die Bauern des städtischen 
Gebiets sich zu regen und die Bewegung pflanzte sich in die 
Stadt fort. Der Rat musste es geschehen lassen, dass am 
24. die Bürgerschaft einen Ausschuss von 42 Mitgliedern 
erwählte, welcher schnell das Regiment in der Stadt faktisch 
an sich riss und mit den Bauern in Unterhandlung zu treten 
anfing. Jetzt kam auch Carlstadt aus seiner Verborgenheit 
wieder hervor. Am 27. brachte ihn Kumpf auf das Rathans, 
Hess ihn vor der Thüre warten, und zeigte drinnen im Rat 
an, es sei ein Mann vorhanden, den er zum Frieden gar 
dienstlich und fürderHch achte. Auf Befragen: wer der 
wäre? antwortete er: es sei Carlstadt, der draussen stünde. 
Darob grosses Verwundern, wie Carlstadt trotz des Edicts 
hierher käme. Aber Kumpf erklärte: Carlstadt sei nie aus 
der Stadt gekommen, sondern durch ihn und andere christ- 
Hche Brüder heimlich enthalten worden, er wolle das nicht 
leugnen, wenn es auch vor dem Kaiser wäre und der Henker 
hinter ihm stünde, dass er an ihm als an einem armen, elenden, 
verjagten Menschen das Werk der Barmherzigkeit um Gottes 



XV 

willen geübt ii. s. w. Der Eat äusserte über diese Rede 
wohl seinen Unwillen, aber zu Weiterem hatte er keine Macht 
mehr. Denn schon am 24. hatte man, ohne dass der Eat 
einzuschreiten gewagt hätte. ..auf dem Kirchhof zu der reinen 
Marga [sic| den Herrgott am Kreuz geköpft und ihm die 
Arme abgeschlagen": noch am selben 27. wurden dann die 
Messen, Vespern u. s.w. in allen Kirchen abgeschafft, die 
Carlstadtianer Christan und Deuschlin predigten gegen das 
Sacrament. so dass unter dem gemeinen Mann eine grosse 
Verachttmg desselben entstand: wu man es über die Gasse 
zu Kranken trug, folgte die Menge mit Geheul und Spott, 
die Priester, die es trugen, wurden mit Steinen geworfen 
n. s. w. Auch Carlstadt selbst trat, jedoch, wie es scheint, 
erst nachdem er auf eine an den Ausschnss gerichtete Suppli- 
cation vom 7. April um Zurücknahme des Verbannimgsdekrets 
den Bescheid erhalten hatte: „man lasse ihn hie umgehen 
und sein Abentheuer, dieweil er sich zu Recht erbiete, be- 
stehen", als Prediger auf, und besonders in der Osterwoche. 
am 17. imd 19. April, predigte er ,.ganz schändlich imd 
schmählich wider das hochwürdig Sacrament, und nachdem 
als ein Mandat war kommen, die vier alten Doctores der 
Kirche zu halten, hat ers alles in Spott gewendet, gesprochen: 
er wiss nit älter, denn Moysen imd die Propheten". 

In die Zeit seines heimlichen Aufenthalts in Rothenburg, 
genauer in die erste Hälfte des März tlillt nun unsere dritte 
Schrift; nicht friiher, da in ihr die erst am 26. Februar nach 
Rothenburg gekommene Schrift Luthers ..Wider die himm- 
lischen Propheten" mehrfach angezogen wird, aber auch nicht 
später, da mit der Bewegung in der Stadt die Verhältnisse 
Carlstadts sich änderten, wir auch von der ausgebrochenen 
Bewegung in der Schrift keine Andeutung finden und der 
Verfasser selbst, als Mitglied des Ausschusses von da [ab 
mit näher liegenden Geschäften überhäuft wohl kaum Zeit 
zum Schreiben gefimden hätte. 

Der Verfasser nennt sich auf dem Titel Valentinus Ickel- 
schamer, doch kommen auch die Formen Ickelsheimer, Ickels- 
hainer, Ekkelshayner, Ikkershamer. selbst Gaysshamer, Beck- 
lersteiner und Grychsendorfer vor. Seine Heimat war, wenn 
nicht Rothenburg selbst, so doch in der Nachbarschaft dieser 



XVI 

Stadt, wo auf den umliegeuden Orten der Name Ickelsheimer 
verbreitet war, der wolil ursprünglich auf das dort gelegene 
Dorf Ickelheim zurückzuführen ist. Wir finden im Bauern- 
krieg einen Jörg, Paul und Barthel Ickelsheimer von Ohren- 
bach, letzerer in Rotheuburg wohnend, einen Claus Ickelsheimer 
von Elbingshofen und einen andern Claus von Gailshofen. Nach- 
dem Valentin Ickelsamer in Wittenberg studiert hatte, wie er 
selbst uns mitteilt, sein Name kommt aber im Universitäts-Album 
aicht vor, wurde er in Rotheuburg deutscher Schulmeister. Die 
vSchule hier kann nicht unbedeutend gewesen sein, da im 
Jahre 1525 noch ein Wilhelm Bessmaier, der alter Schul- 
meister, d.i. Rector, war, ebenfalls in den 42er Ausschuss 
gewählt wurde und an der Empörung einen so hervorragenden 
Anteil nahm, dass er am 30. Juni hingerichtet wurde, so wie 
ein Jos Frankeuhaim, der zur katholischen Partei gehörte, 
nachzuweisen sind. Noch vor Carlstadts Niederlassung in 
Rothenburg predigte, neben Deuschlin und Christan, Ickel- 
samer, den Zweifel hiebei einen gelehrten Latinus nennt, 
«tliche male in dem Rebental (Refectorium) der der Refor- 
mation zugeneigten Barfüsser unter grossem Zulauf des Volkes 
in evangelischer Weise, und als Carlstadt kam, schloss er 
sich, wohl aus alter Bekanntschaft von Wittenberg her, an 
diesen aufs engste an, und schrieb damals in seinem Interesse, 
vielleicht nicht ohne seine Beihilfe, unsere Schrift. Am 24. 
März wurde er von der Bürgerschaft in den 42 er Ausschuss 
gewählt, und als Mitglied desselben nahm er an mehreren 
Gesandtschaften teil, die der Ausschuss an die Bauern sandte, 
ohne jedoch bei den Verhandlungen besonders hervorzutreten, 
vielleicht diente er, des Schreibens kundig, nur als Protokoll- 
führer. Dass er auch im Verlauf der Empörung keine her- 
vorragende Rolle spielte, sondern sich möglichst zurückge- 
zogen verhielt, ersehen wir daraus, dass sein Name in den 
Abstimmxmgen der Bürgerschaft, ob man sich mit den Bauern 
verbünden solle (am 1 0. Mai), und wie es mit den Klöstern, 
Orden und anderen Geistlichen und ihren Gütern gehalten 
werden solle (am 12. Mai), gar nicht vorkommt, während der 
andere Schulmeister Bessmaier wenigstens bei der ersten 
Abstimmung erwähnt wird, wo er unter den Mitgliedern der 
Färber -Innung seine Stimme abgiebt. Femer spricht aber 



XVII 

auch noch für eine geringere Beteiligung Ickelsamers an dem 
Aufstand, dass er, nachdem das alte Eeginient wieder die 
Herrschaft erlangt hatte, und er „flüchtig und ausscheu" ge- 
worden war, zwar aus der Stadt verbannt, aber an seinem 
Hab und Gut nur um 20 Gulden gestraft, das Uebrige ihm 
ausgeantwortet wurde, welche Geldstrafe zu den niedrigsten 
gehörte, da z. B. der Buchdrucker Kern um 40 Gulden, andere 
der Verbannten um 50, 100, 300, Kumpf sogar nm 400 
Gulden gestraft ward. Wo sich Ickelsamer nach seiner Ver- 
bannung zunächst hinwandte, ist unbekannt. 1527 im August 
taucht er in oder bei Erfurt auf, wo er durch Vermittelung 
des dortigen Predigers Justus Menius eine Aussöhnung mit 
Luther sucht, die Carlstadt, welcher der ihm sowohl von der 
alten Partei als auch von den Bauern drohenden Gefahr noch 
rechtzeitig durch die Flucht entgangen war, nach längerem 
umherirren schon im Sommer 1525 augebahnt und auch ge- 
funden hatte, aber um jene Zeit wieder anfing, aufs neue 
feindlich gegen Luther hervorzutreten. In Bezug auf Ickel- 
samer schreibt Luther am 12. August 1527 an Menius: dieser 
möge ihm sagen, dass ihm schon lange Alles verziehen sei, 
noch ehe er darum gebeten. An seinen schwärmerischen 
Ansichten hielt Ickelsamer jedoch fest, denn als er im Jahre 
1530 in einem Orte bei Gotha eine Schule errichtet hatte, 
Hess ihn der Kurfürst dort aufheben und nach Gotha führen. 
Aber auch eine längere Gefängnishaft führte ihn nicht der 
kirclilichen Lehre zu. Dagegen trat er jetzt mit Schwenkfeld 
in Verbindung, der ihn iu schwerer Krankheit durch ein 
Sendschreiben getröstet hatte, das Ickelsamer mit einer Vor- 
rede (1542?) drucken Hess. Von da an ist er verschollen. 1561 
ist er todt, denn in diesem Jahre schreibt Schwenkfeld an 
Joh. Heid, 3. fer. ante Laureutii (Epistolar II, 475): „Dass 
Eutyches und Dimeritae duas naturas post Christi incamationem 
negiert haben, ist allen Theologis bekannt . . . Val. Ickel- 
samer und D. Thalhauser waren schier auch der Meinung." 

Noch ist zu erwähnen, dass er sich den Euhm erwarb, 
den ersten Anlauf zu einer deutschen Grammatik genommen 
zu haben (Raumer, Gesch. der Pädagog. III, 2,30) durch 
seine 1527 oder schon vorher erschienene: „Teutsche Gramma- 
tica Darauss einer von jm selbs mag lesen lernen, mit allem 



XVIII 

dem, so zum Teiitschen lesen vnnd desselben Orthographian 
maugel vfi überfluss, auch anderm vil mehr, zu wissen ge- 
hört . . . Valentin Ickelsamer.'' (Neuerdings mehrfach wieder 
herausgegeben, z. B. von Kohl er, Freib. u. Tüb. 1S81). Von 
ihr schreibt Luther im angezogenen Briefe an Menius: Miror, 
quid de grammatica sua scribas, nam ad me nihil horum est 
delatum, nee resciscere possum, ubi sit aut quis excudat, 
quare nihil possum tibi super hac respondere. Auch wir 
wissen heute darüber noch nicht mehr, als Luther zu seiner Zeit. 
Quellen: Jäger, Andr. Bodenstein von C'arlstadt, Stuttg. 
1856; Hase in den Mitteilungen des Osterlandes Bd. IV; 
F. L. Baumann, Quellen zur Gesch. des Bauernkriegs aus 
Rotenburg an der Tauber (Bd. 139 der Bibliothek des llterar. 
Vereins in Stuttgart 1878), enthält: 1) Aufzeichnungen des Stadt- 
schreibers Thomas Zweifel, 2) aus der Rotenburger Chronik 
des Michael Eisenhart; AUg. deutsche Biogr., Artikel Ickel- 
samer, von Franck; die Lutherbiographien von Köstlin 
und Kolde, sowie Luthers Briefwechsel von Enders. 



Für die nachstehenden Schriften sind die Orginaldrucke 
zu Grunde gelegt: für die Luthers die von Lucas Cranach in 
Wittenberg gedruckte erste Ausgabe (über die andern Drucke 
dieser Schrift vgl. Luthers Briefwechsel Nr. 813), von der 
Münzer'schen und Ickelsamerschen Schrift, die beide zu den 
allerseltensten gehören, existirt nur Ein Druck. 

Die Grundsätze für den Abdruck sind die, welche in dieser 
Sammlung von Neudrucken überhaupt zur Anwendung kommen. 
Von verbesserten Druckfehlern der Orginaldrucke sind, ab- 
gesehen von verwechselten n und u, folgende zu bemerken: 

S. 8 Z. 32 bnfid^er; 10, 21 benn; 11, 15 fagt, be§; 12, 36 nod^; 
S. 21 Z. 11 bie (ftatt big); 24, 27 bom (ftatt toorn); 25, 11 ge= | e^; 
25, 23 orf^jrung; 27, 6 mit ben; 28, 14 einen anbern; 28, 18 einem; 
28, 34 trie tüir; 30, 14 fc^riffgelertten; 33, 32 entfcf)ulbi= | bigung; 
35, 6 ^et)Iige; 35, 14 mi>d)U\U^t; 36, 2 iüiü; 36, 23 folgt auf 931. 
[2) 2b] gleich 931. [@], ba Sogen [S] nur au§ 2 Slatt befielt; 
S. 43 Z. 23 iat§; 44, 9 geerget; 44, 23 loico; 45, 7 mir; 47, 16 
bübe; 50, 23 bßrf, feft; 51, 6 mir; 54, 11 ge|)6lffen; 54, 24 me^n-- 
fterlid^; 55, 10 nad). 

Oberrad b. Frankfurt a. M. L. Enders. 



dtin brieff an Vu Mx 
fitn }\i 3o(l)fcn 

oon bem 

auffniri[cf)cn öe't)il. 



9Rttvtmtt§ ßttt^ci\ 



aCßittemberg. 

1524. 



[Stij] 2)en burc^Ieuc^tigflen ^oc^gebotnen gütflen onb §errtt 
|)errn griberic^ be§ 916. 3fieic^§ (S^ürfürft, onb So^anS, 
^er^ogen ju Sac^fen, Sanbgroffen Qnn 5)üringen, onb 
SKarggraffen ju SKet^ffen, mei)nen gnebigflcn ^errn. 

/jTTSiab onb frib ^nn S^rifto Sefu onjerm ^et)(anb. 
\l[| 3)a§ glücf ^at aflmege ba§ t)er)lig ®otte§ roort, 
toennä auffgef)t, ha^ ]\d) ber Satan bamibber fe|t 
mit atler ferner nta^t, ©rftlic^ mit ber fauft onb freoelec 
geroaUt. 233o ba§ ni^t ^elffen miü, gret^fft erl mit falfd^er 
jungen, mit irrigen get)ftern onb lerem an, auff ba§, mo 
er§ mit geroallt nic^t fan bempffen, bo^ mit lift onb 
lügen onterbtücfe. SIljo t^et er X)m onfang, ba ha^ 
©uangelion jum erften t)nn bie mellt fam, gretjff er§ ge= 
mafltiglid^ an bur(^ bie ^ui^en önb |)et)ben, oergo§ oiet 
blut§, Onb mac^t bie S^riften^et)t ooü merterer. ^a ba^ 
nic^t fielffen rooCtt, marff er foli'd^e Propheten onb t)rrige 
gei^fler auff, onb mad^t bie meüt Doli fe^er onb jecten, 
6t)§ auff ben Sapft, ber e§ gar mit et)ttet fecten onb 
feieret), all§ bem legten onb mec^tigften Stntic^tift gepürt, 
§u poben geftoffen ^at. 

5(Ifo mu§ e§ i^t oucf) gef)en, bag man ia fef)e, toie 
e§ ba§ red^tfc^affen inort ®otte§ feQ, n^e^I e§ ge^t, mic 
e§ atl§et)t gangen ift. ^a gret)fft e§ ber S3ap[t, Sleiifer, 
Könige, onb ^^iirften mit ber [9tii''J fauft an, onb mottend 
mit gemallt bempffen, oerbammen, oerleftern onb oerfoIgenS 
onuert)6rt onb onerfonb, attö bie onfQnnigen. 516er e§ 
fielet ba§ ortet)! onb onfer tro| fc^on langft gefettet 
^3fal. 2. SQ3arumb toben bie öet)ben, onb bie oölcfer tid^ten 
fo onnü^? 2)ie !önige auff erben letjuen fic^ auff, onb 
bie dürften rabfc^Iatien mitei)nanber , mibber ben ^errn 
onb fetjnen gefalbeten. SIber ber t)m j^t)mel luonet, fpottet 
t)^r, onb ber öerr tacket t}^r, 2)enn mirb er mit Q^n reben 
t)m gorn, onb fie fc^rerfen r)m grt)m. So mirb e§ gc 
rciSlic^ auc^ onfern tobenben dürften ge^en, onb fie mottend 
auc^ fo ^aben, 2)enn fie motten mibber fe^en nod^ f)6ren, 
©Ott ^at fie oerbtenb onb oerftocft, ba§ fie fotten an= 



kuffen önb gu fi^etittern ge^en. @ie finb gnungfam gc- 
luarnet. 

5)i§ alle§ Pet bcr Satan wol, onb mercft, ba§ foId^§ 
toben mc|t mirb burc^ bringen, ^a er fpüret onb fütet, 
ba§ (tüte ®otte§ luort ort ift) t)f)e meJ)r man§ brucft, i)^e 
tt»et)tter e§ teufft önb 5unt)nipt, 2)rumb fe^et er§ nu aud) 
an, mit falfc^en get)flern önb jeden, 5ßnb n)t)r muffen 
ön§ be§ ermegen, önb ia nid^t ijrren laffen, 3)enn e§ 
mu§ alfo fet)n, roie ^aulu§ fagt §un ßorint^ern, @§ 
muffen fecten fel)n, auff ha^ bie, fo betüerb finb, offenbar 
merben. Sllfo nad^ bem ber aufgetrieben Saton, i^t e^n 
iar obber bret) ift ömbt)er getauffen burc^ bürre ftette, 
önb rüge gefuc^t, önb nid^t gefunben, ^at er fid^ t)nn @. 
5. @i. f^ürftent^um nt)berget{)an önb §u Sllftett e^n neft 
gemacht, önb bencft önter önferm fribe, fc^irm, önb fd^u| 
mibber önö ju fed^ten. S)enn ^er^og ©eorgen fürften= 
t^um, tt)ie tüol e§ t)nn ber net)e ligt, ift fotc^em [^tiij] 
önerfc^rocEenem önb önöberminblic^em get)ft (roie fie fid^ 
rt)ümen) allju guetig önb fonfft, "oa^ fie folc^en füncn 
mut önb tro^ nid^t mügen bafelb§ bemetjfen, 3)arumb er 
auc^ gretülid^ fd^ret)et önb flagt, @r muffe öiel let^ben, 
fo bocf) fie bisher niemanb mibber mit fauft nod^ munb 
nodö febber t)at angetoft, önb tremmen i)f)n felb§ etjn gro§ 
freu^, ha% fie leiben, @o gar Iet)c^tfcrtig önb on örfad^ 
mu§ ber Satan liegen, @r fan bod^ ia fidE) nid^t bergen. 

9lu ift mt)r ha^ et)ne fonbere freube, bo§ nid^t bie 
önfern folc^ tt)efen aufaßen, SSnb fie auc^ felb§ ttjotten 
ger^ümet fel)n, ta^ fie önfer§ tei)t§ nid^t finb, nid^t§ öon 
önS gelert nod^ empfangen laben, Sonbern öom |i)me( 
fomen fie, önb |6ren ®ott felbft mit t)|n reben, mie mit 
ben (Sngeln, önb ift ei)n fd^ied^t bing, ba^ man §u 
S33ittemberg ben glauben önb liebe önb creu^ ©f)riftt 
leret. ®otte§ flt)m (fagen fie) muftu fetbft f)6ren, önb 
@otte§ merdf t)nn b^r Iet)ben, önb fülen tüie fd^meer be^n 
pfunb ift, e§ ift nichts mit ber fc^rifft, Sa Sibel Subel 
fSahti 2O) SSenn tt)t)r fold^e tüort öon t){)nen rebeten, 



*)Agricola, Ausleg. des 19. Ps. 1525: „Münzer ver- 
achtete und verlachte auch spöttisch alle, die sich der hl. 



fo raere i)^r crcu^ Unb leiben (ad^t id^) tfieurer, benn 
6f)riftu§ Iet)ben, mürben^ aud) f)6f)er ünb mef)r preijien, 
alfo gerne tüoUt ber arme get)ft, Iet)ben onb creu| Don 
l)^m ger^ümet f)aben. SSnb mitgen boc^ nicöt Iet)ben, ba§ 
man et)n roentg an t)f)rer t)i)meüfc^en fti)m onb ®ottc§ 
mercf §roet)jtel obber bebencf neme, Sonbern mottend ftracf^ 
mit getöaQt gegteubt ^aben, on bebenden ,, ba§ id) ^od^= 
mutigem ftolöern t)et)Iigen get])"t, (roo er§ mere) roibber 
gelefen nod^ gebort l-)abi. 

[Stiii*^] 2)oc^ i|t ift nic^t §ei)t noc^ räum t)f)re lere 
§u ortet)Ien, milche ic^ üort)i)n §roet) maH) rool erfannt 
ünb geurte^tt \)abt, 3Snb tt)o e§ not fei)n roürb, noc^ rool 
Drtet)ien fan tjnb mitt üon ®otte§ gnaben. S<^ ^ab bifen 
brieff an @. 5- ®- allei)n au§ ber orfac^ geic^rieben, bo§ 
id) üernomen onb auc^ au§ t}t)rer f (grifft oerftanben 
iiabt, aa§ rooüt ber felb get)ft, bie fac^e nicbt t)m roort 
laffen bleiiben, fonbern gebende fic^ mit ber fauft brei)n 
§u begeben, onb mööe \\d) mit geroallt fe|en roibber bie 
Dberfet)t, onb ftrarfg ba^er ei)ne Iet)plic^e auffrut)r an= 
richten, ^ie lefft ber (Satan ben fc^alrf ücfen, ba» ift 
§u oiel an tag geben, '^a^ jollt ber genft root anfallen, 
menn er be§ pöfel^ anf)ang geroünne? ^d^ ^abi jroar 
oor^iin ouc^ oon bem felben get)ft al^ie §u SBittemberg 
get)ort, ba§ er met)net, man muffe bie fac^e mit bem 
fc^roerb tictfüren. 2)a bac^t id) rool, e» rooüt bat)i}nau§, 
ha^ fie gebeerten, roeHttic^e ober!ei)t ju flürmen, onb felbft 
Öerrn t)nn ber roellt gu fet)n. 80 boc^ 6f)riftu§ für 
^ilato bas, oernet)net, onb fpric^t, Serin reid^ feq nic^t 



Schrift annahmen, und sagte, wenn man sich auf die Bibel 
berief: Was Bibel, Bubel, Babel, mau muss auf einen Winkel 
kriechen und mit Gott reden!'- (vgl. Kawerau, Agric. 48). 
— Der Zürcher Wiedertäufer Conrad Grebel, der diese Worte 
nur aus unserer Schrift Luthers kannte, dreht die Sache ge- 
radezu um, wenn er an Münzer schreibt, .5. Septb. 1.524 (bei 
Cornelius, Gesch. des Münster. Aufruhrs II, 247) : „Du hast 
die Bibel, darus Luther Bibel, Bubel, Babel macht, zu Schirm." 
1) Als im April 1 .522 der Zwickauer Prophet Marc. Stübner 
und im September der andere Zwickauer Prophet Nik. Storch 
bei ihm in Wittenberg waren; vgl. Enders, Briefwechsel 
Luthers No. 507, öUS, 573. 



bon bifer toeHt, önb aud^ bie iüngern Icret, fte joUten 
ttid^t fei)n wie meHttid^e fürften. 

2Bie ttjol id) mic^ nu oerfe^e (5. g. ®. roetben ftd^ 
l^tiert^nnen 6a§ luiffen ^u fällten, benn ic^ rabten tan, 
So gepürt mt)r boc!^ ünt^ertemgeS bIeQ§, auc^ ba§ mei)ne 
ba gu guttun, onb @. g. &. ünterteniglid^ gu bitten önb 
ermanen, :§i)rt)nnen ei)n ernftlid^ e^nfe^en gu £)a6en, önb 
au§ j(^ulb onb pflid^t orbenltd^er gemallt fotd^en önfug 
gu ttjeren ünb ben auffru^r juuerfomen, 2)enn (£. g. ®. 
l^aben be§ gut luiffen, ba§ ^^r gemallt önb [2(4] roetttttd^e 
:^trfd^afft oon ®ott barumb gegeben önb befoIf)en ift, "öa^ 
fie ben ftibe £)anb^a6en foüen, önb bie önrügigen flraffen, 
roie 8. ^aulu§ (eret IRo. 13. 2)arum6 @. g. ®. ^ie nid^t 
ju fc^Ioffen noc^ gu feumen ift, S)enn ®ott mirb§ fobbern 
önb antiDort ^aben motten omb folcfi {jljnteffigen braud§ 
onb ernft be§ befolfien fd^roerb^. @o würbe e§ aud^ für 
ben leutten onb ber roettt nid^t gu entfc^ulbigen fet)n, ba§ 
@. g. ®. ouffrürifc^e önb freuele feufte bulben onb leiiben 
jottten. 

Qh fie aber würben furgeben (wie fie benn mit 
pred^tigen Worten pflegen) ber gei^ft treibe fie, man muffe 
e§ ju wercf bringen, önb mit ber fauft breijn gret)ffen, 
2)0 anttworte id) alfo. (Srftlid^ e§ mu§ fret)Ii^ ei)n 
fd^ted^ter ge^ft fe^n, ber fei)ne fruc^t nid^t onberft be- 
wei)fen fan, benn mit fird^en önb f (öfter jubred^en önb 
l^e^ügen oerbrennen. 233il(^§ aud^ wol t^un fünben bie 
atter ergiften buben auff erben, fonberlic^ wo fie fidler 
finb onb on wibberftanb. 2)a ^iett id^ aber mefir oon, 
wenn ber ge^ft §u Sllftett gen jDrefeen obber S3ertin obber 
gngolftab füre, önb ftürmet önb breche bafelb§ !(6fter onb 
öerbrcnnte ^et)tigen. S^^ anbern bo§ fie ben get)ft 
räumen, gittt nid^t, benn wt)r Jiaben f)ie @. ^o^^an^^ fprud^, 
SD^an fotte bie get)fter ^uuor prüffen, ob fie au§ @otte 
finb. ytn ift bifer gei)ft no^ nic^t geprüffet, Sonbern 
feret gu mit ongeftüm onb r^umort nad^ fet)nem mut= 
Witten. SSere er gut, er würbe fic^ guuor prüffen onb 
bemütigti(^ örtet)ten laffen, wie ®i)riftu§ get)ft tJ)ut. 

5)a§ were e^nc fei}ne frud^t be§ ge^ftS, ba burd^ 
man t)^n prüffen fünb, wenn er nid^t fo ju [2t4^] wincfet 



!röc!^e tinb ha^ üec^t ic^emet, yonbern offentüc^ für ben 
fe^nben ünb mibber fächern müfte ftefien, befennen önb 
antmort geben. 2(ber ber ge^ft §u Stiftett met)bet foId^S, 
wie ber teuffet ha^ freu§, Söitb tretibt boc^ bie roe^I tinn 
jeQin neft bie aüer Dneri'c^röcfenefte roort, aM mere er 
bre^ §et)Iiger get)fle ooU, 5)a§ aud) fold^er öngefc^icfter 
r^um fet)n melbet roer ber gei))"t fet). 3)enn alfo erbeut 
er fic§ i^nn ferner fc^rifft,-) ©r luotte öffentlich für et)ner 
öngef erliefen gemeine, aber nic^t i)m roinrfel für groenen 
obber bret)en fte^en önb antraorten, t)nb Iet)b onb feet 
üuffS atler fre^eft erbotten t)aben 2C. 

ßieber fage m^r, SSer ift ber mutige ünb tro^ige 
^eijüger get)ft, ber fic^ felbft fo enge f pennet, onb roill 
uic^t benn für eQner Dngeferlid^en gemet)ne fte^en? Stent 
er roill ni(^t rim roincfel für jmeqen ober breijen antroort 
geben? SaSoS ift bog für e^n gei)ft, ber fic^ für jroetien 
obber bret)en furchtet, önb et)n gef erliefe gemetine nic^t 
tet^ben tan? gc^ roiti bt)r§ fagen, @r reuest ben bratten, 
©r ift e^n mal ober jioe^ für miir ju SBittemberg i^nn 
mel^nem flofter auff bie nafen gefc^Iagen, brumb graroct 
t^^m für ber fu^jpen, onb miü nic^t fte^en, benn ba bie 
fernen finb, bie ia fagen ju fernen treffenlid^en roorten. 
tSenn id) (ber fo gar on get)ft ift önb fet)n ^t)mlifc^e 
ftQm tioret) mic^ t)ette folc^er mort laffen ^ören gegen 
me^ne papiften, 2Bie follten fie gemunnen fc^re^en önb 
mt)r ba§ maul ftopffen. 

^d) tan mxd) mit fotc^en ^o^en ttjorten nic^t räumen 
nod^ tro|en, ^d) bt)n ei)n armer etenber menfc^ önb i^ah 
met)ne fac^e nic^t fo trefflic^ an- [33] gefangen, fonbern mit 



') Von dem getichten glauben auif nechst Protestation 
aussgangen Tome Muntzers Selwerters zu Alstedt. 1524. sagt 
Münzer: .In dieser Entpietung vnd Bedingung habe ich in 
einer Summa gesagt von dem Schaden der Kirche, welcher 
durch die unverstandene Tauf und getichten Glauben uns 
überfallen hat. So ich im selbigen irre, will ich mich lassen 
fruntlich weisen für einer ungefährlichen Gemeine, und nicht 
ahne gnugsame Gezeugen . . . Alleine thut mir mein Urtheil 
für der ganzen Werlt und auf keinem Winkel, dofur setze 
ich mein Leib und Leben, ohne allen hinterlistigen Yorteidung 
der Menschen." 



groffem gittern ünb furcht (roie 8. 5l5aulu§ auc^ befennct 
üon \id) l'elber, l. ßorin. 3 ber hoä) and) tuot ^ette rotft 
öon t)i)mlif(^er [tt)m gu rtiumen) 2Bie bemütigltc^ greiff id^ 
ben S3apft gu erft an, trie flehet tc^, irie fuc^t xdi), att^ 
met)ne erfte jd^rifft Qii§n)et)[en. 2)ennoc^ t)ab ic^ ^nn 
folc^em armen gei}ft ba§ ti)an, ha§> bifer roeütfreffergetift 
no^ nic^t üerfuc^t, fonbern bt§ J)er gar ritterlich t)nb 
menlic^ gefc^eroet ünb geflofien ^at, cnb fic^ aud^ fold^^ 
fc^eroeng gar erlid^ räumet, aU et^ner ritterlichen t)nb ^ol^en 
geift§ tfiat, 

2)enn id^ 6t)n ju Set)|)|icf geftonben gu bifputiren 
für ber allergeferli(^ften gemeine, ^ä) 6i)n §u Stugfpurg 
on gelet)b für met)nem f)6cf)ften fetjnb erfc^ienen. ^d) 6t)n 
§u 2Borm§ für bem ßet)fer onb gan|en Steic^ geftonben, 
06 id^ mol guuor raufte, ta^ ir.i)r ba§ gelet)b gebrod^en 
raar, önb milbe fel|ame tucf trnb lift auff mi^ gerieft 
maren. 2Bie fc^roai^ ünb arm id^ ha mar, fo ftunb boc^ 
met)n ^er|, ber get)t alfo, SEenn id^ gerauft f)ette, ba§ fo 
üiel teuffei auff mtc^ gejilet t)etten, all§ jiget auff ben 
be(^ern raaren §u SJBormö, raere icf) bennoc^ et)ngeritten, 
ünb ^atte nod^ nid^t§ üon ^^mlifctier fttim ünb ®otte§ 
pfunben ünb raercfen, nod^ üon bem Sdftettifd^en geijft Q^e 
ettraa§ get)6ret. ^tem ic^ i)aht muft Qnn raindfeln, etinem, 
jraet)en, bretjen ftetien, raer, rao ünb raie man ^at geraoHt. 
3JJet)n blober ünb armer ge^ft, ^at muffen fret) fielen, 
all§ et)ne feilt blume, ünb fet)ne jetjt, perfon, ftet, raet)fe, 
obber ma§ ftt)mmen, f)at muffen tjberman bereit ünb 
ürbüttig fe^n gur antraort, raie @. ^etru§ (eret. 

[öp] 35nb bifer ge^ft ber fo ^oct) über ün§ ift, oI§ 
bie fonne über ber erben, ber ün§ faume für raürmtin 
onfit)et, ft^mpt t)^m felb§ eQtel üngeferlid^e, freunblic^e, 
ünb fidler ürtetjler ünb ^orer, ünb raill nid^t jrae^en obber 
bret)en i)nn fonbern ortten gur antraort fte^en. @r fület 
ettraaS, ba§ er nic^t gerne fület, ünb meinet ün§ mit 
auffgeblafenen raorten gu fd^recfcn. SSoIan, ra^r üer= 
mügen nichts, benn raa§ ün§ Stiriftuä gibt, Sßill ün§ 
ber taffen, fo fi^recft ün§ raol e^n rauffc^enb blab. SSill 
er ün§ aber faßten, fo foll ber geljft fet)ne§ t)of)en r^ümeS 
raol ^nnen raerben. SSnb erbiete mid^ ^iemit @. j^. ®. 



9 

tft§ nott, fo tritt \d) an ben tag geben, raie e§ jroiffd^en 
m^r onb btfein ge^ft t)nn met)nem [lüblin ergangen ift, 
2)arau§ ®. g. @. onb atte mettt ypüren t»nb gretiffen fott, 
ta^ bifer get)ft, gett)if§ et)n Iügent)afftiger teuffei ift, onb 
bennoc^ et)n fc^Iec^ter teuffei, ^di iab mot e^nen ergern 
gegen nit)r gehabt, auc| noc^ tegtic^ f)abe. 2)enn bie geQfter, 
bie fo mit ftol^en ttjorten po^en onb potttern, bie t^un§ 
ni^t, Sonbern bie I)et)mlic^ fc^IeQd^en, onb ben fd^aben 
tljun, el)e man fie ^öret. 

@oId^§ 1:)ai \<i) barumb muffen erbeten, ba§ @. %. ®. 
\i6) nid^t fc^emen nod^ feumen, für bifem get)ft, SSnb mit 
ernftlid^em befel^ bogu t^un, ba§ fie bie fouft Qnnen faßten, 
onb t)f)r flofter onb firc^en brechen onb ^et)Iigen brennen 
laffen aufteilen, ©onbern motten fie ^t)ren get)ft bemei)fen, 
ba§ fie ba§ tl)un, mie fic|§ gepiirt, onb laffen fic| juuor 
oerfuc^en, (S§ fet) für on§ obber für ben papiften. 5)enn 
fie ^ottten (®ott lob) on§ boc^ für erger fe^nbe benn bie 
papiften, 2öie mol fie [53ii] Onfer§ fieg§ gebrauchen onb 
genieffen, nemen met)ber, onb laffen 93epftlic^e gefe^ nai^, 
"Da?, fie bodE( nid^t erftritten ^aben, onb ^at t)\)t blut nid^t 
brob t)nn ber faf)r geftanben. ©onbern id^ I)ab§ muft 
mit meinem Iei}b onb leben bi^^er bar gemagt, erlangen. 
^d) mu§ mid^ bod^ rt)ümen glei)c^ mie @. ^aulu§ aud) 
mufte, mie mol t§> el^ne tI)Dr^ei)t ift, onb id^§ lieber üeffe, 
menn id^ fünbe für ben lugen ge^ftern. 

Sagen fie abermal, mie fie Pflegen, ba§ i)I)rer get)ft 
fei) ju ^od^ Onb onfer ju geringe, onb müge t)^r bing oon 
ün§ nic^t erfanb merben. Stntroorte id^, @. $eter mufte auc^ 
mol, ba» fet)n onb atter SI)riften get)ft Rotier mar benn 
ber ^ei)ben onb ^nhtw, noc^ gepeut er, mt)r fetten i)ber- 
man fanfftmütigli(^ ju antmorten Orbütig onb beret)t 
fei)n. e^riftug raufte auc^, ba§ fet)n gei)ft t)6^er raar 
benn ber ^ühen, nod^ Iie§ er fid^ erunter onb bot fic^ 
5U red^t onb fprad^, SBer jeti^et mic^ e^ner fünbe onter 
eud^? SSnb für |)anna§, ^ab ic^ obet gereb, fo gib 
jeugniS bauon :c. ^d) met)§ aud^ onb bl)n§ gerai§ oon 
®otte§ gnaben, ba§ x(i) ^nn ber fc^rifft gelerter b^n benn 
atte fopI)iften onb papiften, 3Iber für bem ^o^mut ^at 
mid^ ©Ott nod^ bisher gnebiglid^ be^ut, onb mirb mid^ 



10 

and) bei)uetcn, ba§ ic^ mtc^ follt megern, antmott ju geben 
onb mid^ t)6ren jutaffen für bem aller gertngflen ^u^en 
obber §el)ben obber roer e§ roere. 

Slud^ ttjarumb laffen [ie felbft t)f)r bing fd^rifftlic^ 
ausgeben, fo fie für jtreen obber breiten nod^ Qnn eigner 
geferltc^en gemeine nic^t fte'^en lüollen? obber mei)nen fie, 
ba§ t){)re fd^rifft für ei)tel on=[58tj^']gef erliefe gemet)ne önb 
nid^t für gtreen ober bret) 6efonber§ !ome? 3^ e§ munbert 
mic^, mie fie t)^r§ get)fl§ fo oergeffen, önb motten bie leut 
nu ntünblic^ ünb fc^riffttic^ leren, fo fie boc^ r£)ümen, e§ 
muffe et)n igltd^er 4iotte§ fti)m feI6§ ^oren, onb fpotten 
ünfer, ia^ H)t)r ®otte^ mort munblid^ onb fc^rifftlic^ 
füren, aU ba§ nichts luerb noc^ nü|e fet), tjnb i}ahm 
gar ei)n üiet f)6^er !öftti(^er ampt benn bie 5(pofteI ünb 
Ißrop^eten onb ß^iiftuS felbS, mi(i)t atte fiaben ®otte§ 
mort münblid^ obber fd^riffttic^ gefurt, onb nie nid^t§ 
gefagt oon ber ^Qmtifc^en ÖJöttlid^en ft^m bie tnir ^oren 
müften. Sllfo faucEelt bifer fd^rot)mel get)ft, ba^ er felbft 
nid^t fi^et, n)a§ er fagt. 

^d) tt)ei)§ aber, ba§ tt)t)r, fo ba§ (äuangelion ^aben 
onb fennen, ob to'Cjt gte^d^ arme fünber finb, ben rechten 
get)ft, obber rt)ie ^aulu§ fagt, $riniitta§ fpiritu§, ba^ 
erftiing bc§ get)ft§ ^aben, ob njl)r fc^on bie fütte be§ get)fl§ 
nic^t ^aben. <So ift ia fet)n anber benn ber felbige ei^nige 
geqft, ber fet)ne gaben föunberlic^ au§tet)tet. 2Bi)r föiffen 
1)^6, roaS glaub onb liebe onb creu^ ift, 93nb ift teon 
^o^er bing auff erben gu miffen benn glaub onb liebe. 
^arau§ loijr ia aud^ roiffen onb ortei)ten fünben, toitd^e 
lere rcd^t obber onred^t, bem glauben geme§ obber nic^t 
fei), 2Bie tt)t)r benn aud^ bifen lügen ge^ft fennen onb 
urteilen, "[»a^t er ba§ l)m fi)nn ^at, @r njitt bie fd^rifft 
onb ha§> münblid^ (5)otte§ roort auff^eben, onb bie facra= 
ment ber tauff onb atttar§ austilgen, onb on§ t)^net)n 
l)nn ben ge^ft füren, ba m^r mit et)gen merrfen onb fret)em 
mitten ©ott üerfud^en onb feQn§ mercEä märten fotten, 
ünb (Sott jet)t, fiet, onb [®] ma§ fe|en, menn er mit un§ 
mirrfen motte. SDenn fold^ gremtid» oermeffen^e^t met)fet 
i)^r fd^rifft au§, ha§ fie auc^ mit auSgebrucftcn morten, 
mibber ba§ ©uangelion ©. 9JJorci f^re^ben, nemlid^ alfo, 



11 

kontra SJiarcum ultimo cap. aU ^aht <B- dJtatcu^ dnret^t 
bon ber tauffe gefc^rieben. SSnb ha fie @. ^o^anm^ nic^t 
fo teuren t)n§ maut f(^Iaf)en roie @. 9JJarcu§. 2Ber nid^t 
anbermetit geporn mirb au§ bem get)ft önb tüoffer ^o^- 3. 
2c. beulten fie ba§ roort roaffer, tt)et)§ nid^t roo ^t)n, onb 
oerroerffen fc^Iec^tS bie leiiplic^e tauffe ^m roaffer. 

®ern möc^t ic^ aber roifien, tt)et)t ber get)ft nid^t 
on früi^te ift, önb ^firer gei:)[t fo oiel ^o^er ift benn 
önfer, ob er aud^ ^ö^er fruchte trage, benn ünfer, ^a er 
mu§ raarlid^ anber t)nb beffer fruchte tragen benn onfer, 
toegl er beffer önb ^o^er ift. 80 leren mt)r ia onb be= 
fennen, ha^ onfer geqft, ben roir prebigen onb leren, 
bringe bie früd^te öon @. ^aul. ®at. 5. er^elet, allg, liebe, 
freube, frib, gebult, güticfet)!, traro, fanfftmut önb mefficfe^t. 
Ißnb roie er 9i6. 8. fagt, ba§ er tobte "Dk föercf be§ flei)f(^§, 
önb creu^ige mit S^rifto ben allten SIbam fampt fernen 
lüften ®al. 5. 3Snb fumma, bie fruchte önfer^ 9et)ft§, ift 
erfüllung ber je§en gepott ©otte». @o mu§ nu gemiMid^ 
ber Sllftettifd^e get)ft, ber önfern get)ft ni^t§ roill fet)n 
laffen, ettmaS ^o^erg tragen, benn, liebe, önb glauben, 
frib, gebult 2C. (So bod^ @. ^^aulu§ bie liebe für bie 
l^o^iften frud^t erjelet 1. ©orin. 13. önb mu§ öiet beffer^ 
tl^un benn ®ott gepotten ^at. S)ag njoHt ic^ gerne n)iffen, 
lüa§ ba§ npere, ©qntemal tt)i)r wiffen, ba§ ber gei)ft burd^ 
(S^riftum ermorben, o(= [(Ij^']Iet)n ba§u geben rairb, ba§ 
tö^r ®otte§ gepot erfüllen, mie ^aulu§ fagt 9tom. 8. 

SSoIIen fie ober fagen, 2Bi)r leben nic^t roie m\)x 
leren, önb ^aben folc|en 9et)ft nic^t, ber fold^e fruchte 
bringt. (SoId^§ moc^t id) mol lei^ben ba§ fie fagten, benn 
bebet) fünb man gre^fftic^ fpüren, ba§ nic^t ei)n guter 
get)ft ift, ber oul i}^nen rebet. 2B^r befennen ba§ fetbft, 
t)nb ift nid^t not foIdb§ burdö t)i)mlifc^e ft^m önb f)6^ern 
get)ft ^u ^olen, ba§ m^r Iei)ber nic^t alle§ t^un, roa§ 
n)t)r foHten. ^a @. ^aulu§ ®al. 5. mei)net, @» gefc^e^e 
nQmer me^r atle§, met)! geiift önb f(«t)fc^ bet) ei)nanber 
önb mibbernanber finb auff erben. (3o fpüre id^ aud^ 
noc^ fe^ne fonbere frud£|t be§ ^lüftettifc^en gei)ft§, on ba§ 
er mit ber faufl fc^ta^en mü, önb ^of| önb ftci^n 
brechen, liebe, frib, gebult, güticfet)t önb fanfftmut, baben 



12 

fie nod^ bi§ ^er gefpart ju beiretifen, auff bo§ be§ getift^ 
frü^te nii^t ju gemet^n trerben. ^d^ !an ober oon ®otte§ 
gnaben öiel ftitc|t be§ get)fl§ bei) ben onfern anje^gen, 
35nb trolt audö nod^ tüol me^ne ^erfon allet)n, bie bie 
geringft önb fimbtic^ft ift, entgegen fe^en allen fruchten 
be§ ganzen 2t(I[tettif(i)en get)[t§, menn§ rf)ümen§ gettten 
foüt, mie f)oc^ er audi met}n leben tabbelt. 

5(ber ba§ man i)emanb§ lere omb be§ gepred^Iid^en 
Ieben§ miöen tabbelt, ha^ ift nic^t ber f)et)Iige get)ft. 
2)enn ber ^eijlige gei)ft tabbelt falfc^e lere, onb butbet 
bie fd^road^en Qm glauben önb leben, wie 9t6m. 14. ünb 
15. ^antu§ önb an allen ortten leret. 3Jiid^ fid^t aud^ 
ni^t an, ba§ ber Slüftettiffd^e gei)[t fo önfrud^tbar ift. 
Stber ha§i er io leugt önb anbere lere tt)i(I auffric^ten. 
^ä) ^ette [dij] mit ben ^apiften auc^ wenig ju t^un, 
menn fie nur rec^t lereten, t)^x b6je§ leben würbe nid^t 
groffen fd^aben tl)un. SSe^l benn bifer get)ft ba|t)nau§ 
mill, ba§ er fid^ an önferm francfen leben ergert, önb fo 
fre^ örtei)let bie lere ömb§ leben§ willen, fo f)at er gnug* 
fam bemet)fet, wer er feq, 3)enn ber get)ft S^rifti rid^tct 
niemanb ber red^t leret, ünb bulbet önb tregt önb l)ilfft 
ben bie noc^ nicf)t red^t leben, önb öerac|tet nidfit alfo 
bie armen fünber, wie bifer ^^arifeifc^er gei)ft t^ut. 

9Ju ba§ trifft bie lere an, bie wirb fic^ mit ber je^t 
wol finben. i^fet fet) ha^ bie fumma gnebigiften ^errn, 
ta^ @. g. ®. fott nic^t weren bem ampt be§ wort§. 9JZan 
loffe fie nur getroft önb frifc^ prebigen, wa§ fie fonnen, 
önb wibber wen fie wollen. j)enn wie id^ gefagt ^abe^ 
(5§ muffen fecten fet)n, önb ba§ wort ®otte§ mu§ ju 
felbe ligen önb fempffen, bal)er aud^ bie (Suangeliftcn 
:^et)ffen ^eerfd^aren ^fal. 67. önb (Jl)riftu§ et)n ^eerfonig 
Qnn ben ^rop{)eten. Sft t)|r getjft rec^t, fo wirb er fi(| 
für ön§ nicöt furd^ten önb wol blet)ben. Sft önfer re(^t, 
fo wirb er fic^ für i)^n auc^ nic^t noc^ für t)emanb fürchten. 
9Jian laffe bie get)fter auff et)nanber pla|ien önb treffen. 
SSerben ettlic^ t)nn be§ öerfüret, SSolan, fo ge^et§ nac^ 
red^tem frieg§ laufft. 2Bo etin ftret)t önb fd^Ia(^t ift, ha 
muffen ettlic^ faüen önb wunb werben, 2Ber aber reblid^ 
fid^t, wirb gefronet werben. 



13 

2Bo fie ober lüötten meJir t^un benn mit bem roort 
ted^ten, tüollen anä) brechen önb f(f)Ia§en mit ber fau[t, 
ba fotlen @. g. @. ju gret)ffen, (5» yei)en mt)r obber fie, 
ünb ftrarfS ba§ (anb oerbotten ttnb gejagt. SB^r lüoHen 
gerne Iet)ben önb gufe^en [^x\^] ba§ t)t)r mit bem mort 
fechtet, ba§ bie rechte lere beroerb merbe, Siber bie fauft 
i)atttet ftiüe, benn ba§ ift önfer ampt, obber lebt eud^ 
jum lanbe qu§. 2)enn roijr, bie ba^ roort ®otte§ füren, 
füllen nic^t mit ber fauft ftre^tten. (S§ ift e^n get)fllidb 
ftret)t, ber tu t)er^en önb feele bem teuffei ah gett)t)nnet, 
SSnb ift auc| alfo burc^ ^Daniel gefc^rieben, "Oa^r ber Sinti- 
d^rift foH on |anb jurftoret merben. @o fpric^t auc^ 
Sfaia§ 11. bo§ ®f)riftu§ i^nn fei)m reic^, merbe ftre^tten 
mit bem ge^ft fet)n§ munb§ önb mit ber ruten fet)ner 
tippen, ^rebigen önb leiben ift önfer ampt, nid^t aber 
mit feuften fc^ta^en ünb fic| meren. 5lIfo t)aben aud) 
(J|riftu§ önb fet)ne Slpoftel fei)ne fird^en ju brocken nod^ 
bilber gu ^anien, fonbern bie ^er^en gemonnen mit @otte§ 
mort, barnac^ finb firc^en önb bilber felb§ gefallen. 

Sltfo fotten m^r aud^ t^un. 3" erft bie tier^en öon 
ben floftern önb gei)fteret) re^ffen. SBenn bie nu bauon 
finb, ba§ ürd^en önb tlofter müft ligen, @o Ia§ man 
benn bie ßanb^erren bamit mad^en ma§ fie motten. SBa§ 
ge^et ön§ l|oI| önb ftei)n an, menn mjx bie bergen meg 
laben? @i|e, mie ic| t|u, ^d) i)ah nod) nie fernen fle^n 
antaftet, önb gar ni(^t§ gebrod^en nod^ gebranb an üoftern. 
t)io(^ merben burd^ met)n mort i|t an öiel orten bie 
Ilofter lebig, auc| önter ben dürften bie bem ©uangetio 
mibber finb. |)ette ic|§ mit bem fturm angriffen, mie 
bife Propheten, fo roeren bie |er|en gefangen blieben t)nn 
atter mettt, önb ic| |ette t)rgent an et)nem ei)nigen ort 
fte|n önb |oI| e^ngebrod^en. 2Bem mere ba§ nü^ ge= 
roefen? 9t|um önb e|re mag man bamit [Giij] fud^en, 
ber feelen |et)I fuc|et man marlid| nic|t bamit. @§ 
meinen ettlid^, ^d) |obe bem S3apft on atte fauft me|r 
fc^aben t|on, benn e|n mec^tiger fonig t§un mod^te, SBeQl 
ober bife Propheten gern ettroa§ fonbertic|§ önb befferS 
mottten machen, önb fonnen bod^ nid|t, loffen fie bie 
jeden jurlofen anfte^en, ünb gretiffen |oI| ünb fteijn an, 



14 

"ifa^ \oü "das, nett) tüunberlid^ mercf* fetin be§ ^o^eit 
ge^ftg. 

06 jie aber f)ie motiten furrcenben, 15m gefe^ 9)2ofe 
fet) gepotten ben ^u^en alle gö|en jubred^en ünb alltar 
ber Slbgotter auszurotten, ^ntroort. Sie triffen feI6§ 
iDoI, ba§ ©Ott burc^ ei^nerle^ roort önb glauben, burd^ 
manc^ertet) ^et)ligen, manc^ertei^ roerd öon anbegt)n getrau 
l^at. SSnb bie @pi[tel jun ©breern foIc^S au(^ auflegt, 
ünb fptic^t, 2Et)r f ollen bem glauben foli^er I)et)Iigen 
folgen, benn trt^r fonnen nid^t aller !^e^Iigen merrf folgen. 
S)a§ nu bie Sui*^" alltar önb go^en gubroc^en, Ratten fie 
ju ber jetjt et)n getüiS gepott @otte§ ju bem fetben mercf, 
n)üd^§ tüir ju bifer get)t nid^t ^aben. SDenn ha 2(bra^am 
fet)nen fon opfferte, ^at er (SJotteS geit)i§ ge^^ott baju, önb 
tfietten bod^ barnac^ alle önrec^t bie bem loercf na^, t)J)re 
ünber oöfferten. @§ giUt nic^t nai^omen Qnn ben rtjercfen, 
@onft müften iüt)r ön§ auc^ laffen befc^net)ben önb alle 
Subifc^e mercf tfjun. 

3a trenn "Oa^i rec^t tuere, has, tpor ©Triften foHten 
firc^en brechen önb fo ftürmen, töte bie 3"^^"» ©0 ttjollt 
audt) fiernac^ folgen, bo§ tt)i)r müften Iet)blic^ tobten alle 
önc^riften, gle^c^ tüie ben 5"^^" gepotten tnar bie Sana* 
niter önb 5(mo= [diij''] riter gu tobten fo ^art al§ bie 
bilber §u brechen. §ie mit trütbe ber Sllftettifcf) getjft 
ni(f)t§ me^r jutt)un getötjnnen, benn blut öergiffen, öni> 
tnilc^e nidE)t fet)ne ^Qmlifd^e ftt)m f)6reten, müften alle öon. 
t)^m ertüurget tcerben, ba§ bie ergerniS nic^t blieben iim 
öotcf ®otte§, tüild^e öiel groffer finb an ben lebenbigen 
önc^riften, benn an ben t)itl^en önb ftet)nern bilbe. S!agu 
tüor fotc^ gepott ben ^uben geben aflg bem öolcf, ta^ 
burd§ lüunber (55otte§ betüerb tnar, ba§ getüi§ @otte§ öoldf 
töar, önb bennoc^ mit orbenlid^er getoallt önb oberteit 
foIcf)§ tt)et, önb nic^t fid^ et)ne rotte au§ fonbert. 5lber bifer 
get^ft I)ot nod^ nic^t bemeijfet, bo§ ba (5)otte§ öolcf feQ 
mit et)nigem tüunber, bagu rottet er fic^ felb§, al§ fei) er 
allein ®otte§ öotcf, önb feret gu on orbenüd^ getuallt 
öon (Sott üerorbenet ünb on ®otte§ gepott, önb toitt fet)nem 
gel)ft gegteubt f)aben. 

@rgerni§ tüeg t^un, mu§ burd^§ tüort ®Dtte§ ge- 



15 

fc^ef)en, 2!enn ob gle^c^ alle euferlic^c ergernig jubroc^en 
Dnb abget^an raeren, fo ^ilfft§ nichts, menn bie ^er|en 
ntc^t ootn Unglauben §um rechten glauben bracht merben. 
2)enn et)n öngteubig |erß finbet X)mtx nero ergeritiS, rote 
Dnter ben ^uben auc^ gefc^acö, ba§ fie §e^en a6gott auff- 
ric^ten, ba fie üor^t)n etinen jubroc^en Ratten, ^rumb 
mu§ t)m nemen teftament bie rechte roetife furgenomen 
roetben, ben teuffei onb ergernig guuertre^ben, nemlic^ 
ha^ ttjort ®otte§ önb bamit bie ^er|en abroenben, fo feHt 
Don ri^m felb§ rooi teuffei önb aller fet)ner prac^t onb 
geroatlt. 

|)ie bet) mill ic^§ bi§ mal laffen bleiben, 3Snb [(I4] 
S. 5. ®. üntert^eniglic^ gebeten ^aben, ba§ fie mit ernft 
§u folc^em ftürmen onb fc^mürmen t^un, auff ba§ aCtet)ne 
mit bem mort (Sottet t)nn bifen fad^en ge^anbelt roerbe, 
roie ben S^riflen gepürt onb orfac^ ber auffr^ur, baju 
fonft er omne<J me^r benn §u oiel geneigt ift, oer^uetet 
roerbe. ^enn e§ finb nic^t (I^riften, bie ober bas roort 
auc^ mit feuften bran roollen, nnb nic^t oiel me^r alle§ 
ju Iet)ben beregt finb, roenn fie fic^ glet)c^ geben ^ei)Iiger 
geiift DoCI onb aber ootl ber^ümbten. ®otte» barrntjet^i- 
cferjt rootlt (5. 5. ®. eroiglic^ ftercfen onb be^ueten. 



e. 5. 



SSntert^eniger 

9Jiartinu§ 

Sut^er. 



onb antoiüort, luiber bas (Saiftlofee Sanfft 

tebenbe fle^ftf) §ü SSittenberg, trelc^es 

mit Derfärter lüenne, burc^ ben 

^iepftal ber f)eiligen fc^rift 

bie erbermblidje Gfjn 

[ten^eit, alio cjdö 

jämerlic^en 

befubett 

^at. 



^^omo§ 9!Kiititscr 

2{(ftebter. 

2lu^ ber l^iMen öelie, trelcbeg ernft nie= 
mant üerfcbcnet. iij. Otegu. röüj. 2)Jatj 
tl^ei. Eötj. £uce. j. Slpccati. SBnbcctmo. 



2tnno. aji. S). iW^iiij. 
C beu§ rebime me o calumnijä l^otm: bt cuftobiä 
mäbata tua. 2tnnüciemq; beritate in filio tuo recö 
bitam: ne tecfne malignanliü amjjliu^ berfeuerent. 



19 

im 

^tm bur(f)(eürf)ttgl'ten, ©rftc^clior- 
nen gürften önb Slllmed^tigen Ferren ^efu Sf)rt= 
fto, bent gütigen ^'onig oller fonige, bem tapf- 
fern ^er^ogen allen gelauBigen, meinem 
gndbigften ^errn, cnb getreroem befd^ir 
mer, ünnb feiner betrübten, ainigen 
branjt ber armen (£f)riften§at)t. 

'^ SIer pret)§, name, @er, onb luirbe, titel önb alle 
^^^\ ^erlid^fet)t , fet) bir allain bu ewiger gotteS föne 
^t)ilipp. ij. 9iad^ bem bein I)et)üger ge^ft bor ben 
gnabloffen leroen, ben fd^rifftgelerten allezeit fotii^ gtücf 
gehabt, ba§ er müfte ber oüer ergfte teüffel fein ^o^. 
oiij. SBierooI bu jn one maffe, öon anbegin t)aft ^o^ann. 
iij. önnb alle au^ermolte t)aben jn oon beiner oölle über- 
fommen igo^. j. önb er in jnen a(fo monet j. Sorint. iij. 
onb .üj. ij. Sorin. j. @p^e. j. ^falm. o. 2)u gibft |n allen, 
bie bir entgegen tauffen, nad^ ber ma^ \ve§> glaubend. 
(5p^e. tHj. ^falm. lyoij. 83nb mer jn nit ^at, bafe er 
feinem gctift önbetrieglid^ ge^eügnu^ gebe, ber ift bir 
d^rifto nit jiiftenbig. 9lom. oiij 2)a5 onüberminttic^ ge= 
geügnüfe Iiaftu. $fatm. jcij. 

2)er falben ift e§ nit faft grofe lüunber, ba| ber 
aller eerget)|igfter fd^rifftgelerter, ^octor lügner, [Slij''] t)e 
lenger t)e metjter, gum t)o^fertigen narren rcirt, onb fid^ 
mit beiner tiei^tigen fd^rifft, one alle§ abfterben feineS namen, 
önb gemod^§, beberft, önb auff§ aller betrieglid^ft be^ilfft, önb 
ni{^t§ meniger tuitt mit bir auff§ forberfte §ii fd^affen f)aben. 
ßfaie am löiij. co. ®Ieic^ mie er beine ortet)! (burc^ bid^, 
bie Pforten ber n:)arf)et)t) erlangt ^et, Onb ift atfo fred^, 
öor beinem angefti^t, önb öerac^tet 311 poben beinen 
richtigen get)ft, bann er metbet fid^ beütlic^ önmiberrüftid^, 
ba§ er au^ tobenbem net)be, önb burc^ ben aüer öer- 
pitterften ^afe, mirf) bein ermorben gelib in bir, one reb= 
iid^e, roar^afftige örfad^, öor feinen t)6nifd^en fpöttifcfien, 
er^grt)mmigen mitgenoffen, jur lec^ere^ mac|t, önb öor 
ben ainfettigen §ur önerftatlid^en ergernufe, einen ©at^on 



20 

ober 5;eüffel fd^tlbt, ünb mit feljnem üerferten, lefterltc^en 
ortet)! fd^nie^ct önb fpottet. 

Sn btr piit iä) aber munfam, ünb t)t)er gegen beineS 
mttben trofteS gan^ öol gefettigt, tt)ie bu auc^ beinen 
!^er|Iic^en fremnben gan| ^olbfelig öorgetragen ^aft, fagenbc 
Tlattf). j. S)er fd^üler t)at e§ nit peffer, bann ber moifter. 
@o fQ nun bi(^ onfd^ulbigen l^er^ogen, ünb getröften feiig* 
mac^er, aljo leflerlic^ f)aben ^eel^ebub gef)e^ffen, tok üil 
nteer mid^ beinen ünuerbroffen Sanbtfefned^t, nac^ bem id^ 
micfi be§ fd^meid^elben fd^elmen gu SBittenberg geeüffert 
t)ab, ünb beiner fttjmm gefolget So^an. j:. 3^ [^"j] c§ 
mü^ alfo bergen, tvo man bie fanfftlebenben gütbundler, 
imm gebic^ten glauben, ünb in jren ^$§arifeifc^en tüden, 
nit mit laffen rec^t J)aben, jren namen ünb prad^t p 
nibergen. ®u oermöc|teft ba§ fetbig auc| nit üor jn 
übergaben fein. Sie lieffen fid^ auä) bebuncfen gelerter 
güfein, ben bu ünb beine fc^üter. Qa fi) maren mit 
jrem biid^ftabifd^en tro| mol gelerter, benn ber ^octor 
Subibrij n^mmermer werben fann. Sie !§etten aud^ 
gefd^ran^ ünb namens genüg in aller roelt, e§ mar 
bannod^ nit red^t, ha^ fi)e gegen bt)r mit jrem üer- 
ftanbt für namen, ünb moItenS mit ber flaren fc^rifft, 
miber bic^ bemetifen. 2Bie fl) bann bem S^iicobemo 
üertt)orffen ^oan. üij. ünb üom Sabat^ ^oan. ü. ünnb 
am .ii'. c. Sie ^ogen bie gan|e fc^rifft gegen bir, auff§ 
aller ^oc^ft, ha^ bu barumb foüeft ünb müffeft fterbcn, 
ha'^ bu bid^ frei5 befenneft einen fon gotteS, üom eroigen 
üater geborn mie mir beinen get)ft. S)arumb fi^rac^en fq 
SBir t)aben ein gefe|, nad^ be§ inn^alt mü^ er [terben. 
2)ann ft)e fetten ben tejt S)eutro. am .i*ii|. ünb am ;i-üiij. 
auff bid^ ge§erret, ünb möd^ten fid§ aud^ nit meijter ümb- 
fe^en imm f eibigen, in atter mafe, mie Qe|unb mir ber 
üerfd^mi^te fd^rifftfleler tt)üt, bo bie fd^rift aufmeifet am 
^od^ften üerfpottet er mit innprünftigem net)be, nennet ben 
ge^ft göltet einen teüffel. 

^ie gan^e tie^Iige fd^rifft, faget nit anberft (mie aud^ 
aUe creaturen au^mctifen) ban üom gecreü|ig[5(iij'']tcn 
@one gotte§, berlialben er aud^ felber anfieng üom SJiofe, 
burd^ alle ^rop^eten, güeroffnen fc^n ampt, \)a^ er müfte 



21 

alfo leiben, onb eingeen in ben pre^fe feinet öater§. 
2)t)fe ift flärüc^ befc^riben Suce am Ie|ten capitel. ^nb 
^aulu§ jaget aud), bafe er nit anberft, ben (5f)riftum ben 
gefreü^igten prebtgen fönne .j. Sorin. j. 9iac^ bem er baj 
geje^ gotte§ füberlic^er erforjc^et ^ette, ben alle feine 
mitgenoffen. @alat^. j. aJJöc^te er bod^ nichts annber§ 
barinnen finben, benn ben Iei}benben fon goteg, roelic^er 
foget 9Jiat^ei .ü. ba§ er nit fommen roer, baö gefe§ auff= 
gu^eben, ober ben punbt gotte^ gerreiffen, jonber oil mer 
güuolfüren, erüeren, önb erfüllen. 

@§ mochten bi§ atle^, bi)e f)effigen fd^rifftgelerten nit 
erfennen, bann fie erforfc^eten nit bie gefcfirifft au§ gann^ 
jrem fier^en onb get)fte, roie jnen boc^ gepüretc . ^falm. 
cjDÜj. Dnb d^riftuS jnen auc^ befald^ ^oon. 0. 8ie roarn 
barinnen geleret, roie bie offen, trollen bem fc^üfter fd^uc^ 
nacö mad^en, onb öerberben ba§ leber. @i) roanimb? 
@i) ftöllen be§ ^et)Iigen get)ft§ troft oernemen, onnb fein 
jr leben langf burct) traurigfeiit be§ f)et|eni, auff jrcn 
grunb n^e fommen, me fid^§ boc^ gebüret. 80II annberft 
ha^ redete lied^t leüd^ten imm finf^ernufe, onnb Dnn§ 
burc^ ba§ gettjoit geben, ft)nber gotte§ §ufein, mie tiaxüd) 
befc^riben ift . ^falm. liiij. onb .\xM- 3oan. \. 

[5(*] ©0 nun (5J)riflu§ fc^on alfo angenommen, burd^ 
ben alten önb nemen bejeügten punbt gote§ geprebigt 
on eioffnung be§ geiift§ roürbe, fönbt ein Dil erger oer- 
tr)icfelt§ affenfpit, baraufe roerben, bann mit ben ^uben 
Onb |)at)ben, tt)ie ein lieber t)e| öor fic^tigen äugen fi^et, 
ba§ bie iie^igen fi^rifftgelerten nit anberft tt)ün, bann 
üor 5et)ten bie ^^arifetier, beriimen fi(i) ber ^e^Iigen fc^rifft, 
fc^reiben onb fürfen aüe büc^er ool, tmb f4tt)a|en i)mmer 
Jje lenger t)e mer . ®e(aube, gelaube, önb öerieügen boc^ 
bie antunfft be§ glaubend, öerfpotten ben geift gote§, önb 
glauben gar öberafl nichts, roie bu fic^ft. (I§ mit jr 
feiner prebigen, er i)ah bann .gl. ober .(. gulben. ^a bie 
peften motten mer bann t)unbert ober jroai ^unbert gulben 
^aben, bo rairt an jnen mar bX)z roet)ffagung äRic^ee .iij. 
^ie pfaffen prebigen ömb Ion§ mitten, önb motten rroe 
önb gute gemac^ ^aben, önb bie atter gröfte mirbigfei^t 
auff erben, önb fic^ bennod^ miffen ju räumen, fie öerftecn 



22 

ben ürfprung, önb treiben boci§ roiber jn, ha§i aller ^oc^fle 
lüiberfpill, barumb ha^ fi) ben richtigen getift, einen irrigen 
get)ft onb ©atfion f(^elten, mit bent berfel ber ^eJ^Iigen 
f(^rifft, luie ßfirifto rtjiberfure, bo er burd^ fein onfc^utbt, 
ben mitten feines oater§ öerüinbigte, melier ben fcl^rifft= 
gelerten üil 511 ^od^ önb öerbriefelic^ mar. ^oan. 0. onb .öj. 
[^4^'] 2)u finbeftS nit annberS auff ben iieütigen tag, 
mann bie gotlo^en burd^§ gefe^ 6efd)Ioffen merben, fagen 
ft) mit groffer Ieic^tfertigtet)t . §a, e§ ift auffgeJioben, mann 
e§ aber jnen red^t ertlert mirt, mie e§ imm tier^en gefc^ribcn 
,ij. Sorint. iij. onb mie man burc^ anmet)fung be§ felbigen, 
od^tung ^aben mü|, gü betracfiten bie richtigen genge jum 
orfprung . ^falm. i'^oj. 2)o oberfelbt ber gotlofe ben 
gerechten, onb tregt ^^aulum ^erfürer mit einem fold^en 
tolpifiiem oerftannbt, ha^ e§ ben finbern oud^ gum ^o^^en 
fpitt mirbt . ^falm. Ijiij. 9iod^ mitt er ber atter flügfte 
auff erben fein, ta^ er fid^ auc^ rümet er l^db feiinen 
gleichen. 5)ar über nennet er aüe armfelige menfd^en, bie 
f(^mimmel gei)fter, onnb mag nit f)6ren, fo mon \)a§> mort, 
ge^ft, rebet ober lifet^. @r miife ben fingen fopff fc^ütteln, 
ber teüffel mag§ nit ^ören . ^rouer. joiij. @o man jm 
üom anfang faget, benn er ift Ijerauffer geftoffen. 5)a5 
rumb ^at er ben gebraud^ ber teüfd^erei) . ij. Sorint. jj. 
imm f)6c^ften Sllp^abet^ ber 2JJuficen, S)ifbi)a|)afon, fingt 
er auB ^aulo 9toma. jrij. dJlan fo{ fic^ mit folid^en ^o^en 
bingen nit befümmern, fonber eben moc^en ben geringen, 
ha fc^merfet jm ber prei) nit anberft, e§ graufet jm oor 
ber fu^jpen §um frme effen, @r fpric^t man fol ainf altig 
glauben, onb fic^t nit ma§ barjü forbertid^ ift. 2)arumb 
foget ©atomon oon einem fötti^en menfd^en, ha^ er ein 
ftocfnarr ift, mie gef^riben fteet ^rouer. am .jgiiij. ca. 
fagen [S8] be, bem narren ift bie mei^e^t gotte§ oit 

lU t)DC^. 

GfiriftuS fieng an oon orfprung mie 9)Jofe§ onb 
erflert ba§ gefe^, 00m anfang pife pm enbe. 2)arumb 
fagte er . ^c^ pin ein Iie(^t ber melt, fein prebigen mar 
atfo mar^afftig, onb alfo gan| mol oerfaffet, ba| er bie 
mcnfc^Iic^en oernunfft, aud^ in ben gotlofeen gefangen 
nam, mie ber ©uangelift SOJatt^euS bef(^reibt am .Etij. 



23 

ca. onb aud^ 2uca§> jü oerften gibt am .ij. c. 5l6er bo 
jnen bie tere §u ijoä) roare, onb bie perfon önb ba§ leben 
(J^rifli jü gering, ergerten ft)e fic^ on jm onb feiner lere, 
onb jagten aufe bem borte, er roere egn Samaritan onb 
!§ette ben teüffei, bann jr ortet)! mar nad^ bem fleifc^ ge= 
rid^tet, mie eä bem teüffel bann bo felbft molgefelt, müft 
e§ geraufter plaßen, ben ']X}t miBfie^en ber toelt nit, roelc^e 
gern brüber fanfftleben ifl ^ob .froiij. Sitten ha^ f^c 
tet^en, richteten ft)e an, ba§ it)e ber roelt gefielen. 9J?att^ei 
.üj. onb .j-pif. 

SItfo tt)üt mir auc^ ba^ gotfo^e, SSittenbergifc^e fleifc^, 
nun ic^ burc^ ben anfang! ber S3ibiien, onb orbenung be§ 
erften onbterfc^at)bt§ ber felbigen, ftrebe nad^ ber rainig* 
fet)t göt(i(^§ gefep . ^falm. joiij. SSnb burd^ alle ortet)! 
erflere, bie erfüHung be§ get)ft§ ber forest gote§. Sfate 
am .jj. ^mt and) nit gütaffen loit , feine oerferte me^fe, 
t)om neioen punbe gotte^ jü^anbelen, one erflerung gots 
lid^er gepot [33^'] onnb anfunfft be§ glaubeng, melid^e 
erft, naä) ber ftraff be§ t)et)Iigen get)fte» gar erfünbiget 
mirbt. ^o^an. am .j;oj. ^ann ber get)ft ftrafft erft nad) 
erfantnufe be§ gefe|e§ ben onglauben, metc^en nt)emanbt 
erfennet, er i)abt jn benn 5Ü oor be^er^igt, alfo t)efftig, 
mie ber aller onglaubigfte ;paQbe. 5t(fo |aben ade aufe= 
erroelte com anfangf, jren onglauben erfennet burc^ obung 
be§ gefeßeg iRom. ij. onb oij. ^c^ fe|e Gt)riftum mit allen 
feinen gelibern gum erfüüer be» gefep. ^falm. joiij. 
35cnn e§ mÜB ber roide gotte§, onnö fein rcercf jü pobem 
burd^ betrac^tung be§ gefefee^ oolfüret rt)erben . ';]ßfa(m. j. 
tRoma. jij. Sonft mürbe nt)emanbt ben glauben oom on= 
glauben abfunbern, ben mit getiefter roet)fe, roie bie ^uben 
mit jrem (Sabat^ onb fc^rifft traten jren grunbt nimmer 
nic^t jüuernemen. 

^c^ hah ben tücfifd^en fulcfraben (meldten 9Joa in 
einer figur au§ ber Sirenen liefe fliegen) nic^t§ anber§ 
getrau, benn ba§ id^ toie ein ainfeltige taube meine febern 
gefd^mungen, burc^ falber oberjogen, ha% f^ben matt ge= 
■fegt, onb am rucfen laffen golbtfarb merben . ^fa(m. Igoij. 
t}nb oberf[ogen onb oer^affet ba§ afe, bo er gerne auff 
jl^^et, benn id) tüiU an bie gan^e mclt (äffen, bafe er 



24 m 



\Jn^ 



ben gotlofeen ©d^elmen ^eücöelt, trte bu fid^ft imm büd^Ien^ 
lütber mid^ önb roxi fQ fur| omb üert^äbigen. Stufe tüelic^em 
bann üdrlic^ erfd^ei^net, bafe ber S)octor Sugner [S3t|] nit 
luonet im ^aufe @otte§. ^falm. fiiij. S)aruni6 bofe ber 
gotlofee burc^ jnen nit üerad^tet, fonnber öil gotfort^tiger 
önib ber gotlofeen willen, jteüffet ünnb auffrüirifc^e get)fter 
gefc^olten raerben, bi)fe we^fe ber fc^iüarge fulcfrabe moll^ 
bafe jm ta^ afe werbe, |acfet er ben fc^meinen bie äugen 
aufe bem ^aubt, bie wolluftigen leütf) mad^t er plinbt, 
barumb bofe er fo forre i[t, auff i)a^ er jrer fat roerbc 
an eren ünb gut, onb fonberlid^ am oder groften Xitel. 

5)ie ^ühtn molten Stiriftum allenthalben gerne ge= 
leftert ünnb §ufdf)anben marfien, mie mit mir Qe| ber SutJier 
fürntimpt. @r fc^ilt mid^ gar ^efftig önb mirfft mir für,, 
bie güttigfet)t be§ @on gotte§, önb feiner lieben fremnbt,. 
nad^ bem iä) ben ernft be§ gefe|§ ge^rebigt ^ob, wie e§ 
öon ber ftraff wegen ber geijftlofeen öbertreter (wiewot f^e 
9legenten fein) nit auffge^aben, fonber mit bem aller 
^6(|ften ernft öolgogen werben foH, me bann ^Qutu§ 
feinen fd^üler Simot^eon, önb burd^ jn ade feie warter 
önbterrid^t .j. STtiimo. j. bem öolcf jii prebigen. ®r fagt 
flarlid^, ha^ e§ bie öberfaüen foll, bt)e wiber bie gefunbten 
lere fechten, önb ftreben tvk ntiemanbt öernatinen fann. 
S)eutro. am .^iij. ca. ^\t "ba^ t)elle !Iare urtet)t befc^Ioffen. 
SSnb ^aulu§ feilet e§ auc^ ober ben önfeüfc^en öbertreter 
.j. ßorintfi. ö. 2Bie woH icf) ba§ i)ah laffen in trucf gen,, 
wie ic^§ öorn dürften §ü ©ad^ffen l^ah geprebigt,i) onc 
aüe [Sii*"] ^iinterlift, jnen ba§ fc^wert aufe ber f(^rifft 
gejaigt bafe ft)e e§ folten brauchen, auff ba§ nit empörung 
erwü^ffe. ^urg ömb, bie Übertretung mufe geftrafft werben, 
e§ !ann weber ber gro| noc^ ber tiain bar öon fomtnen. 
9lumeri .gjö. 

®Iei(^woI fommet öatter leifenbritt, ad^ ber forre 
gefelle, ünb faget . ^d) wßtle auffrür mad^en, wie er bann 



^) Ausslegung des andern vnterschyds [d. h. des 2. 
Capitels] Danielis dess propheten gepredigt auffuj schlos zu 
Alstet vor den tetigen thewren Herzcogen vnd Vorstehern 
zu Sachssen [näml. Kurf. Friedrich und Herzog Johann] durch 
Thomä Muntzer Diener des wort gottes. Altstedt. M.D.XXiiii. 



25 

auB meinem fenbe brieff an bie percfgefellen erlefen. (5ine§ 
faget er, onb ba§ aller be)c^at)bnefte öerfcl^tr)et)get er. SBie 
ic^ fldrlic^ oor ben dürften au^pra^tete, ba^ ein gann^c 
gemat)n geroalt be§ ic^roer| ^ab , wie aud^ ben fc^Iüffel 
ber aufloiung, onb fagte oom tej;t S)anieli» .ttij. SIpocaüp. 
DJ. onb Stomano. j:iii. j. 3iegum .oiij. ^afe bie dürften 
feine Ferren, jonnber biener be§ fd^luertg fein, fqe fotlen^ 
ni^t machen, mie e§ penen rool gefettet S)eutro. joij. ft)e 
foüen red^t tf)un. S)arum mü§ auc^ au§ altem gutem 
brauch ba§ üolcf barneben fein, menn einer rec^t oerric^tet 
roirbt nac^ bem gefeß gotte§. S^ium. ;ro. @t) roarumb'? 
£h bie oberfoit ba§ örtet)I roölte oerferen. Sfaie .j:. So 
follen bt)e ombfteenben (S^riften ba§ oernei)nen onb nit 
Iet)ben, bann got roil rec^enfc^afft ^aben, oom onfc^ulbigen 
blüt. ^falm. Ifj:oiii. (5§ ift ber aller gröft greüel auff 
erben, ha^ ni)emant ber bürfftigen not, fic^ roil annemen, 
bt)e groffen mac^en§ roie fi)e roötlen , roie ^ob am .j(j. 
befc^reibt. 

[Süj] S)er arme fd^meic^ter roi( fic^ mit G^rifto in 
getid^ter gütigfeit becfen, roiber ben tejt ^^auli .j. Ximot^. j. 
(5r faget aber imm buq oon faufflfianbelung i) baß bie 
{dürften, füllen getroft t^nbter bie biebe onb ^Räuber ftreic^en. 
^m felbigen oerfc^roeigt er aber ben orfprung aüer 
bieberet). @r ift ein ^eer{)oIt, er mil band oerbienen, 
mit ber leüt^e blütuergieffen omb jeittic^ä gut« roitlen, 
roe(c^e§ bod^ got nit auff feine maimung befo(t)en. Sic^ 
pi, bie grunbtfuppe be§ müc^er» ber bieberei), onb 3fiauberet), 
fein onfer |errn onb gürften, nemen alle creaturen §um 
ai)gent^umb. 5)ie öifc^ imm roaffer, bie üogel imm lufft, 
ba§ geroec^fe auff erben miife aüe^ jr fein . Sfaie .0. 2)a= 
rüber laffen fQ bann gotte§ gepot au§geen onter bie 
armen, onb fprec^en . ®ot ^at gepoten . Su folt nit 
fielen, e§ bienet aber jn nit. So fi)e nun aüe menfdien 
oerurfac^en, ben armen acferman, fianbtroercfman, onb alle§ 
ba§ ba lebet, fc^inben onnb fc^aben . SCRic^ee .iii. ca. So 
er fid^ bann oergreifft am atler geringeften, fo müfe er 



* Von Kauffshandlung vnd wucher. Martinus Luther. 
Vuittemberg 1524. Erl. Ausg. 22, 2(Ki, bs. S. 211 f. 



26 

i)encEen. 5)o faget bcnn ber 2)octor Sügner , 9(men . 3!){c 
Ferren machen bog felber, ha'^ jtt ber arme man fe^nbt 
lüirbt, bt)c örjad^ be§ 2(uffrür§ trotten ft)e ntt föeg t§ün, 
rote fann e§ bie lenge gut werben? @o id) ba§ fage, 
mü§ i^ aufftürifd^ fein, mol f)t)n. 

@r fonn fid^ gan| önb gar ntt fd^ämen, föie b^e 
Suben 3o^on .am .t)itj. prac^ten (5f)ri[to ein roeib [Söiij''] imm 
eebruc^ begriffen, ft) üerfüd^ten jn ob er ben ernft be§ 
t)atter§ luolt übertreten, tietten ft) jn bittic^ für einen 
t)beltt)äter gefd^otten, fo er aber ba§ me^b one bef(^at)bt 
^et lo^ gegeben, fo iietten f^e gefagt, (Sr mer ein oer= 
täbinger ber bngered^tigfe^t. (5;t)rifiu§ t)at imm (Suangelio 
burc§ feine gittigfet)t, be§ öaterS ernft erflert. S)ie giitig* 
fet)t gotteS ftrebet ober atte roercf feiner fjenbe . ^falm. 
cgiiiij. 6ie roirt nit oerrucft burd^ bie pet)n be§ gefep, 
roelt^er ber aufeermelte nit begeret jfi entf(ief)en. 2ßie 
^ieremiag faget, ünb ^falmo .toj. (£r mit mit ortet)! önb 
nit imm grt)mm geftrafft fein, me^en got t3on emig!et}t 
nt)e get)obt, fonber er entfpreü|t au^ ber öerferten fordet ber 
ntenf^en gegen got, bie fic^ öon ber pccjn toegen entfe^cn 
önb nit anfetien roie ft) got burd^ brügnu§ in feine emig= 
fet)t nac^ atter pet)n füre. 

Stete übelt^äter ber orfprünglic^en mipanblung, ber 
gematjnen S^riflenfietjt , muffen burd^ ba§ gefe| gererf)ts 
fertigt iperben, mt ^aulu§ faget. 2tuff ba^ ber ernnft 
be§ öatter§ bie gotto^en ßt)riften, au^ bem tüege ratüme, 
bie ber t)at)tbaren tere ®t)rifti miberftreben , auff i)a§> bie 
gerechten tüeit önb räum f)aben mögen, gotte§ mitten ju 
lernen, e§ mer nt)mmermer mogtid^, ta^ ein aqniger ©^rift 
bet) fold^er tt)ranneQ, fönte ferner betrad^tung mar nemen, 
fo ba§ tjbel burd^g gefe^ gu ftraffen folte fr et) fe^n, tinb 
ber ünfd^ulbige folte fic^ atfo laffen peinigen [334] 2)0- 
rumb t)a^ \iä) ber gottofee t^tanne bet)ilfft miber ben 
frummen fagenbe . 3% mii^ bid^ marteren, et)riftu§ t)at 
aud^ getiten, bu folt mir nit miberflreben äJJat^ei am .t>. 
2)a§ mer ein gro§ üerberbnu^. @§ möfe ^öd^üd^ t)nbtcr= 
fc^aiben merben, nac^ bem bie t)erfoIger bie i^eflen C^^^riften 
fein motten. 

2)er 2;eüffet f)ot gar liftige tüdt miber ß^riflum önb 



27 

bic feinen jüflreben. ij. (Sotin. öj. onb .jj. Qe|t mit fc^meic^e= 
lenber gütigfeqt, mie ber Sut^et mit bcn roorten S^rifti 
bie gotlofeen oertfiätiget. 3)efe aud) mit grt}mmigem ernft 
für jüiüenben, Don ber ^eitlic^en güler roegen fein oer=^ 
berblic^e geret^tigfaiit. SBeüc^em hod) ber finger G^rifti, 
ber f)et)tig get}ft .ij. Sorint. iij. mit bem freronbtlicöen ernft 
be§ gefep einbilbet, onb ben getreüßtgten Son gottel 
burc^ bt)e oder ernfte güttigfei)t, gueroffnung gotlic^eS 
lüiüenS entgegen ^elt, mit üergteic^ung 6at)ber .j. Sortn. ij. 
S)er »erachtet baj geje| be» oater^ onb ^eüc^Iet burc^ ben 
aller t^emriften fc^a| ber gütigfet)t G^rifli, önb machet 
ben Datier, mit feinem ernft be§ gefep 311 fc^anben, burd^ 
bie gebult be§ 8one§. So^on. ro. onb .joj. onb oer= 
achtet olfo ben onbterf(^at)b be§ tieriligen get)ft§, onb oer- 
berbet eine§ mit bem anbern. 'H[\o lange, bal fcfeir fe^n 
ortei)! auff erben bleibt . |)ieremie .0. onb ba§ (S^riftu§ 
aßaiin gebutbig fet), auff ba§ bie gottofen (5t)riflen jre 
brüber mol peinigten. 

[©4''] C£t)riftu? mart für einen Ifüffel gefcöotten, bo 
er btie Quben auff bie toercf i^tbrafiam» meiiffete, onb 
gab inen ben aüerpeften onbterfc^ai)b giiftraffen, onb ju= 
uergeben. Qu ftraffen nac^ bem rechten ernft. ^arumb 
!^cit er ba§ gefe^ nit auff gehaben, barumb bafe er imm 
ft)benben (Sapitel 30^^""^^ Dor bem Sichteten fagete. ^i^ 
föüet ein red^te^ orteif ootfüren nii^t nac^ bem angefic^t. 
©§ fein jnen !enn anbere orteiU, bann imm gefe§ be- 
fc^riben, fürge^alten, jiiric^ten nac^ bem genft be§ gefep. 
Sllfo auc^ mit bem Guangelio juuergeben, mit bem geoft 
©^rifti jur foberung, onb fei^ner oer^r)nberung be§ 
©uangelij. ij. dorin. iij. onb .jiij. wie mic^ bann burd^ 
fo(i(ier onterfc^aibt ber S)octor Sügner, jum teüffet machen 
mit, mit feinen fd^rifftgelerten fagenbe . ^ah id^ nit rec^t 
geleret mit meinem fc^reiben onb tickten. S)u aber ^aft 
fet)n anbere fruc^t, bonn auffrürifc^ fein. 2)u pift ein 
©at^an onb bannoc^t ein fc^tec^ter Sat^an :c. Sid^ bu 
pift ein Samaritan onb ^aft ben Jeüffet. 

O G^rifte, ^d) fc^äge micft onroirbig fötlic^e§ foft= 
parlid^en let^beni mit bt)r jütragen in gleicher fac^, 
wie mol be§ miberfac^er^ orteijl, oil genatjgter, oer= 



28 

fetter rid^ter ^at. Soge id^ mit bir bem [tollen auff= 
gebtofeen ttacfen . ^öreftu e§? ^c^ ^ah ben 5^eüffel nid^t, 
iä) füc^e burd^ met)n ampt ben namen gotte§ §ü öer= 
fünbigen, troft ben [S] betrübten, öerftocfung önb francf^ 
^el)t ben gefunben . ©foie .üj. SWatt^ei .ij:. EÜj. Suce .oiij. 
ünb .iiij. SSnb n)enn ic^ fprec^e, ba§ ic^ ba§ molte taffen 
ömb§ pofen nanien§ roillen, ber mir mit lügen mirt auff= 
gelegt . @o lüer icJ) bir 2)octor lügner gleich mit beinem 
üerferten fd^mätien ttnb leftern. S)u tanft bod^ anberft 
nit t^nn, bann bidö mit ben gotto^en fc^elten. 9iun bir 
ober bo§ geratten i[t, {)a[t bu bic^ an ber poferoic^t [tat 
gefegt, bt)e bu am aller fd^enbtli^iften ^aft au^gemeffert. 
9tun bu oetniimpft, e§ mod^te 511 tieft einre^ffen, fo roiltu 
beinen nomen, ba er om ergften i\i, einem anbern, bem 
bie melt öort)i)n feQnbt ift, auflegen, önb bid^ fc^öne 
brennen, lüie ber teüffel pflegt, baf ja nt^emanbt beiner 
po§^ei)t offenlid^ innen merbe. 2)arumb nennet bid^ ber 
propt)et ^falm. ^x. einen ©afilifcum, Xracfen, 3(fpibem, 
önb einen fieroen. 5)arumb ba^ bu mit beiner öergifft, 
t)e|t fd^mat)c^(eft, t)e^ tobeft önnb mütteft, mie bein art ift. 
®er öngetabette gotte§ föne ^at bie ereget)|igften 
f^rifftgelerten, bem jteüffel mit beroerung öergleic^et, önb 
önn§ burd^ ba§ föuangelion, ba§ ortet)! 5Ü richten gelaffen, 
mit öerfaffung feine§ önbeflegften gefe|e§ ^falm. jöiij. 
Qre begt)re maren ju et)tel tobtfcfjta^en bürftig, bann f^ 
fagten Qotian. am .yj. @o mir jn loffen bejemen, bann 
merben bie leüt^e atte in jn glauben, e§ mirbt jm ba§ 
öolcf an=[ß^]t)engen, fe^et e§ laufft jm fc^one mit groffen 
^auffen 5Ü, merben mir jn laffen feöne fac§ alfo t)t)nau§ 
füren, fo ^aben mir öerloren, fo fein mir arme leüt. 5iIfo 
!am aud^ Sat)p^a§, 2)octor lügner, önb gab einen gütten 
rat^ fernen dürften, bo ^at er bie fad^ mol aufegerid^tet, 
er lette forg für feine lanbtfeleüte iart bet) Sllftebt. ($§ 
ift nit anber§ in ber maitieit, mie mir bo§ gan^e Sanbt 
ge^eügnufe gibt, ta^ arme bürftige öolcf begerte ber mar» 
|eit alfo f[et)ffig "Da^ auc^ alle ftraffe öol leüte maren, 
öon aöen orten anjü^oren, mie ba§ ampt, bie S3iblien 
jü fingen önb gü prebigen, jü Sllftebt angerichtet roart. 
©olte er auc^ jüprec^en, fo fönte er^ jü SBittenbcrg nit 



29 

t^ün, man fic^tS in fet)ner teütf(^en 9KeB ^) lool, lote 
^e^Iig er barouff tvax, melij^e^ ben Suti)er alfo fere oer- 
brofe, ba^ er jum erften bei) feinen gürften gümegprac^te, 
ba§ mein ampt nit folte in trucf geen."-) S)o nun be§ 
SBittenbergifc^ ^abfte^ gepot nit geachtet marbt, gebeerte 
er, ^arre, ber fac^e roitt i^ njol ratzen, ba§ ic^ bt)e mQl= 
ffart jutrümmer öerflöre. S)er gotlofe, |at einen jpi|= 
fünbifc^en fopff, folid^ binge au^gütrai^ten . $falm. jjrjo. 
2)ann feine onfc^Ieg maren auc^ älfo, mie bu mercfen 
fanft, feine lere auff jübringen burd^ ber £Qi)en ^a% roiber 
bie Pfaffen, ^ette er ainen jiiftraffen redete liebe gehabt, 
fo t)ette er fic^ t)e| nit an bi)e ftat be§ ^abft§ gefegt, 
t)nb ben dürften roürbe er nit ^eüd^len roie [Sij] bu !(är* 
Itc^ fic^ft befc^riben . ^falm. ij:. ßr ^at ben felbigen 
^falm gar !^übfc^ oon |m felber, önnb nit attain oom 
$abft öerbolme^t, onnb mit fant ^eter önb $aul ju 
püttein mad^en, feine biebfiencfer bamit öerfec^ten. 

S)er 3)octor Iiigner ift aber ein ainfaltiger man, ba§ 
er fcbreibt, ba§ prebigen fol mon mir nit roeren ober bo 



1) Münzer meint hier entweder die 1 523 erschienene Schrift : 
Von ordenuDg gottisdienst yn der gemeyne . Doctor Martinas 
Lvjtther. Wittemberg. (Erl. Ausg. 22,' 153; Weim. Ausg. 
12, 35), welche er dann im Unterschied von der gleichfalls 1523 
«rschienen Formula Missae (Erl. Ausg. opp. var. arg. VII, 2; 
Weim. 12, 205) ,,teutsche Mess" nennt, oder die von Paul 
Speratus verfasste deutsche Uebersetzung letzterer Schrift: 
Ein weyse Christlich Mess zu halten vnd zum tisch Gottes 
zu gehen. Martinus Luther. — Luthers : Deutsche Messe vnd 
Ordnüg Gottesdiensts, zu Wittemberg fürgenommen , kann 
nicht gemeint sein, da sie erst 1526 erschien. 

-) Ob Münzer hier seine Schrift: Ordnung vnd berechunge 
des Teutschen ampts zu Alstadt, durch Tomam Mitntzer, 
seelwarters ym vorgangen Osteren auffgericht. 1528, welche 
1524 zu Eilenburg durch Mcol. Widemar gedruckt wurde (vgL 
Panzer, Annal. II, N. 2546), oder die andere Sclirift : Deutzsch 
kirche ampt Yorordnet, auifzuheben den hinterlistigen deckel 
vnter welchem das Liecht der weit, vorhalte war, welchs 
yetzt widerumb erscheynt mit dysen Lobgesengen etc., welche 
nach der Chiffre auf dem Titelholzschn. M. H. A V. von Martinus 
Herbipolensis (Landesberg) in Leipzig gedruckt wurde (vgl. 
Well er, Kepert. N. 3067), meint, muss ich dahin gestellt sein 
lassen. 



30 

folt jr barauff fe^en j^ric^t er, ha^ ber get}ft 511 Sllflabt 
bie faufte fülle ^olte. @et)et lieben brüber (£^rifti, ob er 
nit getert fe^. ^a fretilic^ ift er geleret, e§ mirbtS bie 
roelt noc§ in gtüot) ober bre^ ioren nit jnnen werben, 
njelc^ einen morberifc^en f)i)nberliftigen fd^aben, er getfian 
t)at. 2)0^ er ober alfo fc^teibt, bo miü er feine f)enbe 
auffg tinfd^ulbigfte roafd^en, ba§ nQemanbt merrfen fol, bafe 
er ein tierfolger ber mar£)eQt feQ, benn er tröget barauff ba§ 
fein prebigen, borumb ba§ redete mort gotte^ fei), ba| e§ atfo 
gro^ oeruotgung tregt. (£§ ni)mpt mic^ auc^ fere munber, 
mie i§> ber aufegefd^ämbte Tlünd) tragen fann, bafe er 
alfo greulich üerfolgt toirbt, bei) bem guten malmafier, tinb 
bei) ben t)iitn f öftlein. (Sr fann nit anber§ t^un, bann 
ber fd^rifftgelertten art ift. ^oan. j:. SSmb beine§ gutten 
rt)ercf§ roiüen, n)6tten wir bir nid^ti tt)iin, aber ümb ber 
lefterurg miüen, npötten mir bic^ mit ftat)nen jutobt tüerffen. 
5lifo fprac^en fi)e jü Sörifto, raie bi)fer ttjiber mid^, nit 
ümbl ^rebigen§ mitten, fonber ümbg [Gij''] auffrür§ mitten, 
fott man bic^ üertreiben. 

2(tter liebften briiber. @§ ift marlidf) nit ein fd^Ied^te 
fad^, bie t)e|t giir jeit geet, jr fei)t gumal on ödeQl ber 
f eibigen, jr menet fo jr ben Pfaffen nit mer gebet, e§ 
fe^ aufegeric^t. Slber jr miffet nit, mie ^x t)e|t t)unbert 
matt Xaufent matt erger baran fe^t, bann ju bor. 9Kan 
mirt euc^ fortan mit einer nemen logifen befc^eifd^en mit 
teüfdEierei) be§ mort gote§. ^r ^abt aber bargegen ben 
befet^ S^rifti 9Jiatt)ei .öij. benn betrad^tet üon f)er|en, fo 
mirbt eu^ fa>)ner betriegen, er fage ober fd^reib ma§ er 
mil, jr müft aber eben barauff fe^en, mie 5ßaulu§ feine 
(Sorint^ier marnet fagenbe .ij. (iorintf). jcj. Se^et baj 
emre fl)nne nit oerrucft merben öon ber et)nfeüig!et)t S^rifti. 
jDtife einfeltigfeit f)aben bie fd^rifftgelerten, auff bie ootten 
f(^ä^ gotlid^er met)B{)et)t gebogen . Sottofen. ij. miber ben tejt 
®enefi§ . iij. ^a got 2(bam burd^ ein einigt ge^ot marnte 
Dorm güfünfftigen fc^aben, auff ba§ er burd^ ber creaturen 
lüfte, nit üermand^feüigt mürbe, fonber fid^ ottoin in got 
betüftigte, mie gefdfiriben . ^n got foltu bic^ belüftigen. 

(Sin gro^e brfac^ mil ber ©octor (ügner miber mid^ 
fe^en, mie feine lere ainfeltig ift, ünnb mol)nt mil§ att§ burc^ 



31 

grübeln. 2)oc^ ift jm §ü Ie|t nic|t§ gelegen am prebigen, 
benn e§ muffen fecten fein, önb [Giij] Rittet, ber gürft 
foll mir has, ^rebigen nit meren, iä) ^ab nit annberft ge= 
|offt, er würbe mit bem morte ^aniöelen, mic^ üor ber 
roelt jüuer^ören, önb fic^ auff ben plan ftellen, nii^t 
annbet§ benn üom irort f)anbeln, fo feret er e§ omb, 
onb njil bie j^ürflen barjü fallen, iric e§ bann et)n an= 
gelegter farrn war, auff 'Dü'b n^emant fagt, et) motten 
ft)e bann nun felber ha^ ©uangelion oerfolgen, ft)e fotten 
mic^ laffen prebigen, mir ha§> nit oerpieten, aber bie 
^annbt fott ic^ ftitt f)alten, aucE) in trucf 511 fc^reiben. 
ga ba§ ift ein fei^ne fac^, gleich mie mit ben S"^en 
fagenbe, ömb beiner guten mercf mitten t^un mir bir 
ni^t§, aber omb§ teftern mitten. ®ie redeten frummen 
leüt^, fagetten mann einer fc^on einen aqbt t{)äte, mann 
er nit bet) ber gäbe be§ altar§ fc^müer, fo bt)nbert e^ 
gar nic^t§, ber felbigen tücf brauchten ft) gar mec^tig öil. 
9Jiat|ei . i^n\. Suce .ji. noc^ maren ft) frumm feüte, ja ft) 
f^aben nit, fo bu nur glaubeft, müfe man ber fc^roai^en 
üerfd^onen. 

2)ie lefterung möchte ben ^uben nit jii lernen gen, 
mie bu aufe bem ©uangelion gret}ffen !annft, SIuc^ gieng 
ftie ba§ gute mercf oberatt nit faft an, mie auc^ ben 
Sut^er. 2)arumb matff jn got für ba§ mercf 2(brat)am§. 
Soan. DÜj. @§ mar aber in ben ^uben ein gri^mmiger 
^afe, bie fid^ molten fc^öne brennen öor ben leüten, mie 
^e^ junrffroro SWertin tt)ut 2Ic^ bie feüfc^e 58abiIonifctie 
fram . Slpocali. jöiij. [ßiij''] (Sr mil§ atte§ oonl mort§ 
megen |anbeln, onb mil am moit nit anfot)en, met)ne 
fad^ jü red^tfertigen, ober öerbammen, nur fc^Iec^t örfac^ 
moc^en, be^ ben gr offen, bafe ja nt)emannbt meiner lere 
öolge, bann f^e ift auffrürifd^, mer t)t)e ein rat)n ürtat)! 
^oben mil, ber mü^ ben auffrür nit lieben, auc^ müB er 
fügtid^er empörung nit fet)nbt fein, er müfe ein gan^ öer- 
nünfftigeg mittel falten, fonft mü^ er meine lere anberft 
jüüit f)affen, ober jüfioc^ lieben, nod^ feiner gelegen^eqt, 
be§ id^ ni^mmermer begern mil. 

@§ mere rool forberlid^er, iia^ id) mit guter lere 
ba§ arme oolcf ünterrii^tete, bann ba§ i^ mid^ mit bem 



32 

Seftertid^en SOZünc^e fod oermicften, nad) bem er miß ein 
neroer G^riftuS fein, roetc^er mit feinem bißt für "Dit 
(5;i)riften|et)t oitt gütS erroorben i)att, önb bennoc^ omb 
einer fet)nen fac^ mitten, bog bie Pfaffen mögen tt)ei)ber 
nemmen, raaS fott ic^ barauf ontmorten? ic^ merbe öil- 
leic^t nid^tg finben, benn bu |aft bic^ attent^alben (mic 
bu bic^ buncfen left) bemaret. Sid^ mie fein f)aftu bie 
armen pf äffen in ber erflärung ^aijferlid^S (Srften 3JJanbat§^) 
auff bie fleifc^panrf geo|3ffert, bo bu fprid^ft. ®§ mürbe 
über ft)e gen 2c. 5Iuff ha^ bein angefangne lere, nit ge= 
red^tfertigt fott fein. 2)ann mit i)eüc^eln rootteftu e§ gerne 
§ü laffen, ba§ fi) t)mmer f)i)n genommen mürben. So 
roürbeft bu bannn t^mmer nem merterer gemacht ^aben, 
.önb ^etteft ein lieblein ober jmaii öon [S4] jnen ge- 
fungen,2) bann merftu attererft ein beftdttigter Sefigmad^er 
morben, f5ret)Ii(^ mürbeft bu bann oud^ fingen auff beine 
me^B . 9iunc bimittiS 2c. ünb ha^ ft)e bir atte nacf) füngen, 
Wlünd) mit bu tan|en, fo f)offiert bir bie gan| mett. 

58ift bu aber ein fdligmad^er, fo müftu J^e aber mar* 
li^ ein munberlii^er ©dtigmad^er fein. S^riftug gibt bcn 
prei)^ fernem batter. ^o^an. oiij. önb fagt . So ic^ meine 
ere fücfie, fo ift fi)e ni4t§. 5Iber bu milt öon ben öon 
Driamünbe ^aben, einen groffen titel, bu ni)mbft önb 
ftileft (mie be§ ßutcfraben art ift) ben namen gotte§ föne, 
önb milt öon beinen dürften banncf öerbienen. ^aft bu 
nit gelefen bu f)oc^geIerter hiiht? mie got burd^ @faiam 
fagt am jrlii. c. S^ wi^ meinen prei)^ n^emanbt geben, 
lauft bu nit bie guten lemt nennen, mie ^aulu§ geftum 
in gef(f)id^ten ber 2IpofteIn am .jjö.ca. SSorumb t)at)ftu 
ft)e bie burd^Ieüc^tigen dürften? ift bo^ ber titel nit jr, 
ift er boc^ dtirifli. ^ebre. j. So^Q"- j- önb öiij.c. 2Ba* 

^) Widder die Uerkerer vnd feischer Keyserlicbs man- 
dats. Martinus Luther . Wittenberg . M.D.xxiij. (Erl. 53, 182; 
vgl. Enders, Luthers Biefwechsel No697; Weim. 12, 62). 
Hier das , Erste Mandat" genannt im Unterschied von dem 
später erwähnten ,newlichisten Mandat" (vgl. Note ^ p. 33). 

2) Anspielung auf Luthers bekanntes Lied: Von den 
zween Märterern Christi, zu Brüssel verbrannt. 1523. (Erl. 
56, 340). 



33 

xumb ^at)ft bu f^e ^od^gefcornen? ^d) meinte bu mereft 
ein (S^rtft, fo piflu ein @r|f)at)b SO^ac^eft ^oue» onb 
SJiufagi) baraufe. S3iIIetc^t ntt au^ ber ]d)am ber roei)6cr, 
wie Sapientie am .oij. ca. fonber aufe ber ftt)rn geborn. 
©t) gü mi gü üü. 

©c^dme bic^ bu ©rpübe, it)i(tu bic| mit ber jrrenben 
mett ^eüd^ten jü flicfen. ßuce. ij:. onb ^aft [©4"] alle 
menfc^en motten red^tfertigen. 2>u ttjatft aber mol tuen 
bu folt leftern, bie armen Tiixnd) Onb pf äffen onb fauf* 
teüt^, fonnen fic^ nit meren, barumb liaft bu ft)e tool gü= 
fc^etten. 2(ber bie gottofen Stegenten fott ntjemanbt richten, 
ob j't)e fc^on (£^riftum mit füffen treten. 2)afe bu aber 
ben paförn fetigft, fc^retbeft bu, bie dürften roerben burc^ 
ba§ roort gote§ gu fc^e^tern gen, onb fageft in beiner 
glofe ober ba§ nemüc^ifte ^atiferUctj 3J?anbat.2) 2)ie gürften 
werben oon bem flüt geftoffen. 2)u fic^ft ft)e auä) on oor 
Äauff lerot^. S)u folteft bei)ne dürften au(^ bei) ber najen 
rucfen, ft) §aben§ mott oil t)öi)et, bann oilleic^t bqe annbern 
oerbienet, roa» laffen jt)e abgen? an jren j^nfen onb 
onb fc^t)nberei :c.? S)o4 ^a^ ^u bie dürften gefc^olten 
^aft, fanftu \X) mol roiber müt§ machen, bu nemer ^^abft, 
fc^endeft in flofter onb firc^en, bo fein ft) mit bir gu 
frQben, ic^ ratt) bir§ ber poror moc^t fonft jüfatten. 2)afe 
bu aber roilt qmmer 00m glauben fagen, onnb fc^reibfl 
ba§ ic^ onber beinern fc^irm onb fc^ufe tuil loiber bid^ 
fechten, bo fi^et man mein biberfei)t, onnb bein tor^ei)t, 
onbter beinem fd^irm onb fc^u| pin id^ geioefen, wie ba§ 
fc^off onbterm loolff. maüi). i*. |)etteftu bar felbft nit 
groffer mac^t ober mic^ getiabt benn anberft mo ? !6nbeftu 
ba§ nit bebencfen? wag noc^ baraufe erwac^ffen würbe? 
2)arumb war ic^ in beinem gürftent^umb, bafe bu fet)ne 
entfc^ulbi= [5)] gung ^aben fotteft. 2)u fpric^ft ünbter 
Onnferm fc^qrm onb fd^u|. O t)o wie left bu bid^ mercfen, 
ic^ mei)ne bu fe^eft gürfte mit? roa^^ barffeftu bic^ mit 
bem fc^irm onb fc^u| auffblafen, ^ah id) tod) in atten 



1) Mlinzer wollte wohl sagen ,Minervas'. 
-) Zway Keyserliche vneynige vnd wydderwertige gepott 
den Luther betreffend. Im 1524. Jare. (Erl.^ 24, 221.) 

3 



34 

fenbtbriefen, feinen fd^irm onb fd^u^ nit toötten ^aben. ^d^ 
i)ah 6egert bog er jein al)gen öold, nit tüolte fd^ett) machen, 
oon be§ gigen flal^ wegen önb ber 9}^arien bilbtnu| gu 
SO^alberbac^.i) 2)arumb er lüolt in glecfen ober @tätlein 
fallen önb nid^t anfe^en, ha'^ bie armen letrt tag önb 
nac^t müften in fctrlid^fe^t ft)|en, öm6§ @uangeIion§ 
mitten. 9Jiet)nft bu ba| ein gan| tonbt nit raai}^? wie 
fqe fc^irmen ober fdfiü^en? @enab gott ber S^riften^et)t, 
^ot ft)e nit jn jum fd^u^er , ber fge gefcfiaffen i)at. ^folm. cg. 
®u fageft id^ fet) bret) ^f"^ oertriben onb f)erum^er 
gelouffen, onb f^rid^ft id^ flag oon oil letjben. ©ic^ wie 
e§ güfamen ftimbt. S)u t)aft mic^ mit beiner febern gegen 
manchem bt)ber manne belogen, onb gefd^me^et, n)ie id^ 
bir§ fann nad^bringen. 2}u f)aft mid^ mit beinern tefter-^ 
maul offentlid^ einen teüffel gefd^olten. Qa bu tfiüft allen 
miberfad^ern atfo 2Ba§ !anft bu annberft bann ber Md- 
rabe fd^reit feinen at)gen namen au^, bu n)at)ft and) roott 
mit beinern ongepraten £oren|en -^u S'iort^aufeen,^) ma§ 
ben mi^t^ötern fd^on ju Ion gegeben, mic| §ü tobten 2C. 
2)u ;)ift fein morberifd^er ober auffrürifd^er [S)^'] get)ft^ 
aber bu l)e|eft onb treibeft, mie ein lel^unbt. 3)a§ ^er|og 
Sorge bem dürften griberirfjen fott t)n^ Sanbt fatten, 
onb alfo ben gemaijnen fri)b aufgeben, nod^ mac^ft bu 
feinen auffriir, bu pift bie ertige fd^tange bie ober ben 
feigen f)U|3ffet. ^rouerb. m- ß^riftuS fagt SUiatt^ei. £. 
onnb .fjiil @o ft)e euc^ in einer ftat oerfolgen, flieget in 
bt)e anbern. ^ber bi)fer pott be§ teüffel§ fic^erlid^er erö- 
fan|ter faget. @o id^ oertriben :|3in, fei) id) ein teüffel, 
onb er mil§ bemeren 9)?attf)ei .j;ii. SSnb erlangt ben oer- 
ftannbt miber htn f)et)Iigen get)ft, ben er bef|30ttet, fiamct 
borüber fid^ in bie pocfen. ^fotm. jjoj. 



Malderbach oder Mallerbach, in der Nähe Allstedts, 
wo eine kleine Capelle mit einem wunderthätigen Marien- 
bild war, welche die Allstedter Ostern 1524 verbrannten; 
„Ziegenstall" nennt er die Hütte des Clausners, der die Capelle 
hütete. 

^) Just. Jonas, der aus Nordhausen stammte? Seide- 
mann, Münzer S. 41 : „Auch J. Jonas muss viel Tbeil an. 
Münzers Anklagen gehabt haben." 



35 

SSil önnu| gefpo^fe onb fpot, machet er aufe got^ 
liebem mort, onb \px\d)t, id^ ^at)^ e§ eqn f)i)mmelifc^e 
flt)mme, onb bie Sngel reben mit mir 2C. 5tnttüort rooä 
ber almed^tig got mit mir machet, ober rebet, fann id^ 
nit mö rümen§ oon, bann attat)n ma^ ic^ burc^» ge= 
jeügnu^ gotteS, bem oolcf aufe ber |et)tigen fd^rifft Dor- 
fage, onb luiH ob got miü meinen buncfel nit prebigen, 
tf)ü ic§§ aber, fo wii i(^ mic^ üon got ünb burdE) feine 
lieben freünbe gern laffen [troffen, onb jnen orpüttig fein, 
aber bem f^jotter pin ic^ gar nid^t§ fc^ulbig ^rouer. ij:. 
©otl xd) bod) ben öe^er nit effen. Seuitici .11 be§ got= 
lofeen fpotterS onflabt nit in mic^ jitien. SD^id) rounbert 
beine^ rechten mufler§, nac^ bem bu aufe bem ^ar|i pift, 
moc^teft bie ge£)eQmnufe gottüc^^ mortem nit ein t)9mme= 
[5^iillifc|e farfpferiffen ^a^ffen? 2)o f)ettc bi)r bann ber 
teüffel bein @ngel bein (iebtein auff gepfiffen- 'SRiimd) 
mitvL tanken, fo t)offirn bir bie gotlo^en ade. 

^d) fog öon gottic^em roorte mit feinen manc^feüigen 
fc^ä|en. (Sottofen. ij. 2BeIic^e§ 9Jiofe§ imm SDeutro. am 
.jjj. cap. an tregt ju lernen. 33nb ^aulu§ §un ^Jiömem 
am .j. ber .Ifjjrüij. pfalm fagt, mie e§ foü get)ört roerben 
tion benen, bie fic^ oon gangem f)er|en beferen, onb in 
ber tere be§ gei)ft§, alle ortet)! oon ber barm^erfeigfe^t 
onb gered^tigfet)t gote§ gleich erftrecfen, bu aber leügneft 
ba§ rechte roort onb f)e(beft, ber roelt nur ben fc^ein für. 
5:)arumb mac^eft bu bic^ gröblich §11 einem ergteüffcl, 
bafe bu aufe bem tejrt (Sfaie one allen oerftanbt got mad^eft 
jur orfac^ be§ pöfeng ftetleft, ift ba§ nit bie aüer grau= 
famfte ftraffe gotteS ober bic^? noc^ pift bu oerblenbet, 
ünb bu roilt boc^ auc^ ber me(t bünbenlet)ter fein, onb 
Witt e§ got in piifeem ftoffen, "i^a^ bu ein armer fünber 
önb ein gifftigeS mürmlein pift mit beiner befd^iffen bemüt^, 
ba§ f)aft bu mit beinem fantaftifc^en oerftanbt angeric^t, 
aufe beinem 2(uguftino, marlic^ ein (efterlid^e fac^ oon 
fret)em miHen bie menfc^en frec^ jüuerac^ten. 

2)u fageft ic^ wbl e§ ftracfS mit geiralt gelaubt 
^aben, onb tobü nt)emanbt ju bebenden geit geben. [2)ii''] 
^d) fage mit S^rifto, mer aufe got ift, ber fioret feine 
»Dort, pift bu au§ gott? roarumb t)6reftu e§ nit? roarumb 



36 

üerfpotte[t hu e§? ünb rid^teft ha^? ta^ bu nit befunbcn 
l^aft? railt bu nun erft barauff ftinnen? tueld^eS bu 
anbere menjd^en foüeft leren? 5)u folteft ötl ^illic^er ein 
frümmer benn ein rtd^ter J)et)l"fen, ba^ mirt bie arme 
ß^riften{)et)t tüol innen tüerben, roie rid^tig bein flatfc^Iicfier 
öerftanbt, roiber ben onbetriegtic^en gei)ft gote§ gei)anbelt 
^at, Ia| bir ^aulum baj örtei)t jagen .i|. Korin. ü. ®u 
^aft allezeit mit ainfeltigfei^t (burc^ eine gttibbeln ange= 
gaigt, bie neitin Ijemt ^at) gefjanbelt atte§ nac^ ber fuc^§ 
ort, Sid) piflu ioä) §um pranbt fud^g roorben ber öorm 
tage ^ai)feer piHet, ünb nun bie redete martietjt mil auffgen, 
tt)i(t bu bie f(at)nen, önnb nit bie groffen f dielten, bu 
t^uft gleich tt)ie mir teütfc^en fagen, bu fteigft in ^runn, 
mie ber fuc^§ in bem einen et)mer tratf), onb fra^ bie 
öifc^e, barnad^ lodfet er bem onfinnigen molff in ben prunn 
in anbern eDmer, \o feret er empöre, ünb ber molff bleibet 
barunber. 5((fo lüerben bie dürften bie bir üolgen auc^ 
beften, ünb bie eblen ftraud^'^entin, roeld^ bu an bie fauf* 
leüt^ f)e|eft. ©gec^iet gibt ba§ urteil üom fu(f)§ am 
.jiij. cap. ünb am .j:j:j:iiij. üon ben beftien, mitben t^ieren, 
bie (5t)riftu§ lüölff nennet ^oon. ic. j)en allen roirts gen, 
mie ben gefangen iJüd^ffen. ^falm. Ij:jij. SSenn bie lernt 
merben erft anfanngen auff§ [®] liei^t §u märten, jo 
merben bie f(at)nen ^ünblet)n. 3Jiatt^ei .j:ö. c. ^un f^üd^ffen 
t)n^ lod^ lauffen, bo merben ft)e nit mer !6nnen ben ein 
wenig fern i)nfe maut |)eQffen, ber frt)jd^ {)unbt aber 
jd^üttelt bem fud^^ ba§ feü, er mii^ au^ bem loc^, er 
^at ber |üner genug gefreffen. @id^ äderten, ^aft bu 
bt)^en ^rotten nid^t gerod^en üom fud^B'^ ^en man ju 
{)erren i)off für einen tia^en, ben ünerfarnen milbfc^ü|cn 
gibt, bu @fam ^aft e§ mol üerbienet, ha^ bid^ ber ^acob 
üertrurfe. üöarumb §aft bu bein red^t ümb beiner fuppcn 
mitten üerfaufft? 

©jec^iet faget bie§ am .jriij. ünb 9Jiid^ea§ am iij. 
2)u I)aft bie ®t)riften^et)t mit einem falfi^en gelauben 
üermerret, ünnb !anft ft), nun bie noet ^eer geet, nit be- 
rid^ten. S5arumb ^eüd^elftu mit ben dürften, bu me^nft 
aber e§ fei) gut roorben, fo bu einen groffen namen über- 
fommen |aft, ünb fummeft ane enbc mie bu ju Seip^gf 



37 

öor bcr oller fcrltd^tften gemahn geftanben pi\t, iua§ rotit 
bu b^e leüte blinbt machen? ^ir roar alfo rootl §u 
Setjp^gf, füreft bu boc^ mit nägelen f renalen §um t^or 
^t)nau^, Onb truncfeft be§ guten it)et)n§ §um SOf^elc^ior 
Sot^ec. S)a§ bu aber §u Stugfpurg toareft, möchte btir 
jü ferner ferlid^fet)t gelangen, bann (Stupicianum Draculum 
ftunbt ^art bet) bir, er möd^te bi)r rvoi J)elffen, aber i)e|t 
ifl er öon bt)r abgeratenen, önnb [©''] ein 2ibt roorben. 
gd^ i)ah fid^erlid^ ^org bu raerbeft im oolgen, ber ^eüffct 
ftet tparlic^ nit in ber roart)ei)t, er !ann jet)ner tücf nit 
iaffen. ^od^ er fort^tet fid^ imm büc^Iein öom auffri)iir,0 
üor ber :prop^eceQ feine§ greüel§. $)arumb faget er aud^ 
üon ben neroen ^ropf)eten, raie bie ft^rifftgelerten ratber 
St)riftum. So^onnig .öiiij. c. 2)arumb l)ah ic^ faft ba§ 
gann$ Kapitel jum gegenmertigen ortet)! genü|t ^aulu§ 
jagt oon Propheten .j- Gorint. güif. ©in red^ter prebiger 
mu§ ja ein propf)et fein, mann e§ bie melt noc^ alfo 
fpöttifd^ buncfet, e§ mü§ bt)e gan| luelt propt)etifc^ fein, 
fod ft)e anberS örte^Ien ober bie falfc^en proptieten, mie 
toilt bu bie leüt^e ortat)Ien, fo bu bic^ imm ^ünd) falbe -) 
be§ ambt§ eü^ferft? 3)a| bu fageft roie bu mid6 t)n^ 
maul gefc^Ia^en ^aft, rebeft bu bie onraar^eQt. ^a bu 
leügft in beinen f)at^, fpie§ tieft, pin ic^ boc^ in 8ec^§ 
ober 8t)ben ^aren nit bet) bir gemefen. §aftu aber bie 
guten bruber 511 narren gemad^t, bie bet) bir gemefen, 
ba§ mitfe frei)üd^ an tag fommen, c§ roirt fic^ auc^ 
annberft nit ret)men, bu folteft bie f(ai)nen nit oorad^ten. 
SRatttiei .joiij. 

3Sber beinern rt)ümen, mochte einer woä enbtfc^Iaffen, 
üor beiner önfi^nnigen tor^e^t. 2)afe bu ju SQ3orm§ oorm 
Steic^ geftanben pift, bancf ^ab ber Xeütfd^ abcl, bem bu 
t>a^ maul alfo ttjol beftri [®ij] d^en ^aft, önb ^önig gegeben, 
bonn er raenetfie nit annberft, bu mürbeft mit beinern 

^) Eyn trew vormanung Martini Luther tzu allen Christen. 
Sich tzu Vorhuten fiir auifruhr vnnd Empörung. (1522.) Die 
angezogene Stelle: Erl. 22, 53; Weim. 8, 6S3. 

-) Deuttang der zwo grewlichen Figuren Bapstesels 
zu Rom vnnd Münchkalbs zu Freyberg in Mevssen funden, etc. 
1523. Die betr. Stelle Erl. 29, 9. 



38 

prebigen, 93c{)ei)mtic^e gefc^encf geben, ßlofter önb @tifft. 
SBeld^e bu ^|t ben gürften öerfie^ffeft. @o bu §u SBormS 
l^etteft getüQnrft, roereft bu ee erfloc^en üom 9(bel roorbcn, 
bonn to§ gegeben, roet)§ boc^ ein t)eber, 2)u barffft max= 
lid^ bir nit 5Ü fc^reiben, bu tüolteft bann nod^ ein mal 
bein (Sbel§ blüt, tote bu bid^ r^ümeft, barumb inagen, bu 
geprau(^efl bo felbft mit ben beinen milber türf onnb 
It)fle. Su lieffeft bic^ burd^ beinen tatf) gefangen nemen, 
t3nb ftelleft bic^ gar önlei^btid^, tuer fid^ auff bet)ne fd^ald^ 
!^et)t nit oerftünbe, fd^toitr IüoII jun f)et)Iigen, bu märeft 
ein frümmer 9}iertin. Sd^toff fanfft liebet fteifdE). S<^ 
rüd^e bic^ lieber gepraten in beinern tro| burc^ gote§ 
grt)mm imm fiafen ober topff pet)m feinr. ^kxtm. j. 
S)ann in beinern otogen fotlein gefoc^t, folte bid^ bcr 
3:eüffel treffen ©jed^ieliS .j:;riii. S)u pift ein ©fetifd^ fleifd^, 
bu roürbeft langfam gar merben, önb ein §d(^§ gerid^tc 
werben beinen mild^ meülern. 

3r atterliebften brüber in Sf)rifto, ^d) pin jum an= 
fang! be§ gang!^ mübe morben, ömb ber önaufefd^Iad^- 
tid^en ergernufe be§ armen ^auffenn§, ^ette aber mid^ 
2)octor lügner prebigen laffen, ober micf) oorm üotcf ober= 
munnben, ober fetjne dürften, bo id^ 511 SSe^mar üor jnen 
mar, laffen rid^ten, bo ft) [©ij''] mic§ burc^ antragen bc§ 
felben 9)tünid^§ fragten, fo molte id^ üit lieber bt)fer 
fad^ muffig gangen fein. 

®§ marbt enbtlid^ befc^toffen. SDer ?5ürft roolte ben 
ernflen ^Ric^ter §um Süngften tag bie fac^ taffen ^t)nau6= 
füren, er moü ben tt)rannen nit meren bie omb§ (Juan* 
geIion§ mitten, moüen in fein pfleg fatten. (5§ roerc 
fe^n menn e§ au^ bem geri(^t befolgen mürbe, fo mürben§ 
bie pamern mol fe|en. (5§ mdre fe^n bingf, ba§ man 
e§ aQe§ auff§ füngftc Ortest goge, fo iicten bie pamern 
aud^ gute fad^, mann ft)e folten red^t tf)ün. Spred^en 
ft)e, i^ fpar§ für ben ric^ter. 2(ber bie rütf)e ber got= 
io^en ift bo jmifd^en ta^ mittel. 

2)0 ic^ fie^m fam üon ber öcrt)örung ju SSe^nmar, 
metinte id^ 5Ü prebigen ba§ ernfte mort gotte§, bo fammen 
meine 9tat§ t)erren, onb motten mid^ ben I)6d^ften fetjuben 
be§ Suangetij bberanttm orten, S)o ic^ ba^ üernam, mar 



39 

■meines 6Iet)bcn§ nt)mmer, ic^ rDi)fc^tc meine fd^ü(^, oon 
jrem flaub, bann id) iad) mit meinen fic^tigen äugen, 
ha^ ft) üil mer jre ?{t)be önb pflichte, bann gote§ lüort 
ad^teten. Si)e namen für, ^roeiien ^errn gegen einanber 
511 bienen 80 jnen boc^ got auff§ aUet f^einbarfte bet)= 
ftünb, ber ft)e erlofet ^at aufe ber gemalt be§ Seren§ 
önb Semen», bette ft)e au^ erlöset Don ber fianbt ®o= 
[(Siijl üat^. j. Diegum .xyi]. SSierooI fic^ ber ®oüat^ auf 
jei)n ^3an|er ünb fc^roert oertiefe. So roirtS jn ber 
2)auib mol lernen, Sauf fqeng aud^ ettroa§ gut§ an, 2tber 
®auib nad^ lanngem ümbtreiben muft e§ ootfüren. SBelic^er 
eine figur beiner, O d^rifte in beinen lieben fremnben, 
metlid^e bu flet)jfig beioareft eroig 2(men. 

[(Siij*'] 5ßufpi§, i^ecifti merere menbaciter cor iufti: 
quem bominu§ non contriftauit. Sonfortaftique manu§ 
impiorum tuorum: ne reuertantur a oia fua mala: ob 
ib peribiö : et populu» bei liberabitur a tqrannibe tua. Zu 
t3ibebi§ beum effe bominum . G^cc^ieüä .;riij. capitulo. 

S)a§ ift öertoImd|t. 2)octor Sügner, bu tücfifcfier 
{^uc^l. Sju ^aft burc^ beine lügen ba§ ^er| ht^ geredeten 
traurig gemacht, ben @ott nit betrübt ^att, bar mit bu 
geftercfet t)aft bi)e gemalt ber ©otloßen pö^roic^tter, auff 
baB fi) i)e ja auff jrem alten roege blet)ben. 2)arumb 
mirt birg geen roie et)nem gefangen guc^S, \)a^ üolcf 
trirbt frei) roerben Dnb @ot roiü aöat^n ber ^err bar 
tber fein. 



Clag etlidier briikr: an alle d)ri- 

ftcu luni bcr grofien rmi]cred)ttcfei)t tnit» Xt- 

rannet, fo Snbreffen 3^obenftci)n t»on 

(Sarolftat i}el3ü imn 2ntf)er 511 

2i?itten6erj,]f gefdjidjt. 



35Qlentinu§ ^delfd^amer jü 9to= 
tenburfl öff ber tf)atuber. 



42 

[aV>] 

«Dn 6tübcrlt^e ermanutig an 2). dJl. Sut^er, ünb 
anbere ber gleichen, fo tu^ber i)emonbt i)re fad^ 
attetin mit jc^ettroorten auferid^ten, ha^ bifee oon 
üijlen fc^iüac^en onb et)nfeltigen brübern für ünc^riften 
gefe^en ünb gef)ulten ttjerben, önnb ha'^ funberlic^ 5). 
£ut{)er nac^ bem babft fc^mecfe in feinem fc^reiben, 
tt)et^§ er tt)t)ber 2Inbream oon ©arolftat t{)ut, ba§ auc^ 
noc^ wenig S^riftlid^e prebiger bei on§ gemeft fein, onb 
ba§ wir Qr noc^ roenig ^cben. 

jDie lueil bu, lieber brübcr, ben ßarolflat, fo mit 
gifftigem fd^reiben oberlauffft, onb ^nen nod^ onüberwunbcn 
Onb onuertiort, alg ei)nen mutroiller antafteft, bar^u t)m 
ottetin ettid^ feie feinet lebend (boc6 mie ic^ oon t)ber= 
man berieft, mit ber onmar^eijt) oerroirfft, tan id) bid^ 
bifeer ermanung nit oberljeben, nod^ bergen bie grofee 
crgernüfe, bk i^ mit fampt etlichen brübern, oon bir nun 
langejeit leibe. 

Solteft aud§ bi§e§ mein fi^reiben nit anber§ annemen, 
^ann et)n gemet)n ortei)t ot)Ier frummen menfcfien oon bir, 
onb ei)n treüroe, brüberlid^e erinnerung beineS oerberbnife, 
tt)ü bu nit anber§ mürbft £)anblen, bann id^ mercfe fc^ier, 
'ba'^ \id) gott beroten ^at bid^ ^iiuerberben, barfür id^ ^n 
mit meijnenbem i)er|en bitt . Sa§ bid^ aber nit onrec^t 
bunrfen, ha^ ic^§ jum erften ber fird^en ober gemet)n fag, 
wann ber geügen beine§ irtf)umb§ ^aflu fet)nen motten 
■^ören, Solft aber auc^ wiffen ta'B ic^ alfo gefinnet bin, 
ia^ id) bir tt)a§ mir an bir feiet, al§ fün onb fecflid^ 
Onter ba§ angefic^t börft fagen, al§ !edlid^ id^ bi§e§ ortet)I 
oon bir onter bie leüt Ia§ ge^n, @§ mürt bir aber bennaft 
nit al§ feer fd^aben, al§ bir bein etjgeng tro|ig§ büd^Iin 
tüijber bie ^^m. ^ro|3^et. fc^abet. SBiewoI, lieber bruber, 
id^ fordet bii merbeft mic^ aud^ onfreüntlid^ bene ueneriti§ 
'^et)ffen mit bi§er ermanung, molan, e§ mu^ boc^ gefd^olten, 
geleftert, oeriagt, onb gewürgt fein. 

3um erften flag id) bir ha^ iä) armer onb etinfel* 
tiger brü;[aij]ber oon §er|en erfd^rocfen, onb gan| oer; 
jagt, bi§e§ ortet)! onb ermanung ju bir gelaffen ^ah, 



43 

lüorumb ba§? ba§ e§ unrecht ift? 9M}n, man foü ben 
irrenbcn rteifen, onb bie, fo öitred^t gefc^ic^t, fielffen retten, 
ba'Q e§ ober Dngefc^icft önb on olle jierbe ber rebe ift? 
9?et)n, bie tuar^etit mag leidet gemietet fein, trnb eiin gc= 
treüroeg ^er| roeqfe nit öi)t ^offgebreng§, bav ic^ fünft 
!Iet)nmütig onnb erfc^rocfen bin? 9Jel)n, id) barff mit 
et)nem c^riften gan| ernftüc^ f)anbeln, önb jnen tüoi bau|en, 
SBa» maci^t§ bann? antroort, ba§ bu bie, fo bic^ freünt= 
lic^ ftraffen motten, alfo ünfreüntüc^ abricfiteft, @t) ex- 
fc^ricft bann noc^ e^n d^riften oor bem anbern? mag noc^ 
nit erlitten ober gebutbet merben, Dnber ben d^riften ei)n 
frei onb brüberli^ ftraff, borffen mir nod^ eiinanber nit 
brüber @nbre§ t)et)ffen? muffen mir noc^ eijnanber mt}ber 
ha^ roort c^rifti mirbige boctore§ t)nb magiftri noftri 
!^et)ffen? Solt^ bargii noc^ ei)n fc^onb onb unrecht fein, 
mit ben ei)nfeltigen önb armen bauren et)n gramen rocf 
tragen ?i) meiere d^riftüc^e bemütifet)t bu bem Garolftat 
^one§ roeife, bnnb al» et)n ^eüc^Ierifd^e gteifenerei ünge= 
treülid^ fürroirffft. 

2)afe bu aber fo ^oc^ in beinem glauben bo ^er 
fd^mebefl, ha'^ bu mit cimem guten onb ftarcfen geroiffen, 
beine m^berfac^er roijber gotte§ get)ei)fe, attein mit fc^e(t= 
morten omb roerffen fanft, roet)B id^ nit, ic^ ijait^ barfür, 
ha^ ei)n c^rift fo bemütig onb ^erfd^fagen mu§ fein, "ba^ 
er fein flet)fc^ (mel(^e§ ci)n t}ber menf(| ift, er irre roie er 
möQ) inn fernen meg oerac^t, ic^ gefd^meig alfo teüfele 
onb tefler, baß bu bie irrenben menfc^en (mie bicö be= 
buncft onb bu gern fe^eft) alfo fc^umpfiereft, onnb ober bie 
falten füngen (roie bu ^encferifc^ baruon rebeft) foringen 
fanft loffen,2) ift h^i mir eimfeltigen bruber atfo angc= 
fe^en, ba^ bu in bifeem beinem fd^reiben ei)n gornig, on= 
(^riftiic^, bitter ^er^, onb gar ei)n ^i|ig, rcüterifc^ geblüt 
gehabt ^aft. ^arumb erger bic^ nit an mir lieber bruber, 
[aij''] Ia§ bic^ mein freiließt nit erzürnen, bann roa§ fott 
i^ anber§ oon bir leben, bann ba§ mein ber| jü bir 



') Vgl. Lutber's Wider die himiulischen Propheten, Erl. 
29, 140. 177. 210. 226. 
■') 1. c. S. 167. 



44 

jagt, (afe mtc^ au§ meinen roorten red^tuerttg ober oer= 
iampt tuerben, id^ mü^ t)e entroeber bein onraillen önnb 
öngnab, ober gotte§ §orn ouff mir tragen, fo lang bu 
e^nen S^riflen öeruotgeft, onb x6) nit ^ilff retten, ober 
micö aüetin 511 |^e(ffen genetigt, anjet)g. 

@o met)^ i(^ auff feQn anbere roeife, bein tinc^riftüc^ 
leben jüftraffen, bann ic^ fag ortb flag c§ aüen S^riften, 
roa§ mi^ i^e onb Qe an bir, mie üe6 ic^ bid^ gehabt, 
geergert ^at, onb roeil t)n§ ba§ (äuangeüum freit)et)t gu 
glauben, ünb geroalt jü t)rtet)In gibt, jo §6r njie mein 
^er| alroegen gegen bir geftanben ift. 

Sang bin ic^ mit beinen büc^Iin gebunben geroeft, ha^ 
iä) nt)e roeber bencfen nod^ jagen ijah börffen, ta^ bu bcr 
fact) unrecht ttieteft, bo bu rot)ber ben fünig öon ©ngeHanbi) 
önb anbere ber gteicfien önc^rij'tlicl^e SSijc^offen jc^ribeft, 
gefiel e§ mir rool, ba^ bu t)nen fo roe^blic^ in bie motten 
griffeft, bmeil fie fo öermiit önb onfinnige leüt maren, t»nb 
alfo tobeten mt}ber ba§ (Suangelium. 2)a§ aber funtt) mein 
f)er^ ni)e gar glauben, ba^ bu ba§ atteQn au^ lieb gotte§ 
tfieteft, funber iä) met)nte t)e, e§ roere e^n teljl ömb§ mütle 
güfülen jiltiiün. 

SBann nun ha§: Soteinifc^ ooirf fam, önb m^ber bidl 
fd^rib (bonn bo§ mar jeiten jü lang mit ber logica t)mb= 
gangen, önb t)ett be§ lateinS nit öqI öergeffen) ba§ fam 
bonn rec^t an, bo lereflu fie jiim erften bie grammatica 
önb re^te conftruction, ober mac^ft fie fünft mit et)nem 
fel^amen fijttogifmo irr, auff et^n folc^ funbament mac^ftu 
barnac^ au§ i)nen et)n ©fett, frageft aber feiten nac^ bieder 
SRet^amorp^ofi, bafe bu au^ i)nen (£^riften gemacht t)etteft. 

2)0 fid^ t)berman lang mit ber beid^t gerret, onb attetin 
bei gott gern oergebung ber fünben gefud^t ^ett, bo bra(^ftu 
Qnen et)n lebigen münd^ ober pfaffen, S§ mar bir attetin 
barumb äüt^ün, ba| man bie fünbe ^öret, e§ müft nur 
et)n gefc^mel fein, fagft, mir foIten§ aufe groffer bemüti= 
feit t^ün, onb on§ [aiij] aucf) für bie füf ber menfc^en 
legen, ja id^ gabf 311, aber inn anbern fad^en, gott bie 



1) Antwortt deutsch Mart. Luthers auff König Heinrichs 
von Engelland buch. 1522. (Erl. 28, 344.) 



45 

fünb beid^ten, onb öon ^m üergebung bifeer begern, mac^t 
ön§ bemüttger öub gotförc^ttger, bann nur gii ben 
menfc^en and) tauffen, onb fie mit bi^em anbetten jü abU 
göttern ntad^en fotten, @t)n frummer (J^ri[t folt ün§ tt)o( 
nit ^ören, junber gott bifee efir alleijn geben, marumb 
wolt ber §e^enb au^?e|ig allein bei ®f)rifto fein, ber \m 
gef)oIffen ^ett? mir fenneten gott noc^ nit rec^t, onb l^ettcn 
noc^ nit bie lieb gotte», auc^ !et)n lieb be§ nec^ften, bweit 
ttJtr on§ mit bi^er onfruc^tbaren gleifenerei et)ner bem 
anbern gu ^elffen onberftunben , fünft ^ett eijner ben an= 
bem ft erben onb oerberben laffen. ^ic mill ic^ i)feo, nit 
meitter mit bir oon ber beic^t bif^3utieren, bann roie c§ 
micJ) baurf)t, onb an<i) ift, ei)n groffer abbrud^ be§ tjergt- 
ü(^en oertrauroenS onb liebreichen glaubend ju gott, bu 
möc^ft e§ bannod^ aud^ frei gelaffen f)aben, biueil e§ gott 
nit gebeut, roie bu i)e|o frei roi(t t)aben,i) futten tragen 
ober nit tragen, gö^en abt^ün ober nit abtt)iin, inn clöftern 
bleiben ober ^erau^ lauffen, mefe Iialten ober nit f)aücn, 
fo boc^ ber et)n tet)I, ben bu oerbet)bingen, onb barinnen 
bleiben roilt, nit gut, funber ro^ber gott onb bie lieb bee 
net)ften ift. 

©old^e beine tro^ige leer onnb eiigen roiüigS roefen, 
ftiefe mid^ offt onb t)art, onb roolt boc^ Qe nit gern, ba§ 
bein fac^ nid^t§ ober nit rec^t fein folt, bu mac^ft auc^, 
ba'^ id^ im neüroen teftament attenttiatben füc^t, roo (5t)riftu§ 
onb feine a|)ofleI, ber gleichen gefc^olten l^etten, off ta^ 
id) bid^ mit beinem fc^reiben oertei)bingen füntt), xd) fanb 
rool, ta'^ bet)be S^riftuS onb bie o))oftel bie p^arifei)fc^en 
Pfaffen onb götlic^e§ roort§ oeruolger ^art angefarn fetten, 
aber mi(^ bandet e§ ^ett eiin anbere mei^nung i)re§ gorn§, 
ic^ fanb in jren garten roorten et)n ernftlid^en onb g6t= 
lid^en eifer, omb götlid^e gerec^tifet)t onb roar^et)t, fo 
roarenä aud) nit gan| büd^er oot tefter roort, e§ mar aud) 
nit ^ui onb tro^, iagten aud^ nie fetin [aiij^] au| bem 
lanb. SStinb fein ber gleichen beiner fac^ opl. Die icft 
alle jeit on geroiffen fprüd^ ber fd^rifften fo roi)ber bein 
roefen roaren, oerftunb, ba§ fie nit rec^t gefein moditen, 



1) Wider die bimml. Pr. 29, 191. 



46 

^ah fie bod^ almegen, roie Iüo( mit eijnem groffen anfto§, 
gebulbet, bi% bu ben lüolff jüm ne§[ten gar au^ ber 
fc^affßfiaut friec^en ^aft loffen. 

|)ie marn i(^ bid^, lieber üutijtx, J)afiu et)n f)eri ba§ 
ah tan (offen, fo tof; ah, fief) bic^ eben für, ber 8at^an 
§at fic^ fc^on fo ftoI| gemad^t, ba^ bu bie leüt auff beine 
büc^Iin meifeft, onb milt ba^ i)bernian auff bic^ fielet, 
bar§ü börffen etlid^ retd^e, foftlicf) ünb garte ^rebiger, gan| 
fret)biglid) mit bir irren Onb önerfc^rorfen, föiber götlic^e 
gere(^ti!et)t fed^ten, @§ ift gor naljenb ba^ 2)auib Sfrael 
jelen raürb laffen, Ia§ bir ber ^eü(f)Ierifdöen nat^uotger 
leütfelifeit nit jii mol gefallen, S^riften aber fein grobe 
gefellen, trnb önfletige leüt, fagen ei)nem bie mar^eijt, onb 
fein ftürmer ooHer mo^§, onb onfinnig, tragen fc^entlid^e 
graroe rücf on, ia lieber ßutt)er, btt)ei( bir bie bäum oer- 
ac^t fein, onb nit gefallen, bleibeftu mol ei)n münic^, onb 
oertei)bingft bie futten, fo lang bu fanft. 5ßrbanu§ 9ftegiu§,i) 
onb anbere tool befolte prebiger tt^erben bir t)re |ilff in 
bifeer fact) nit entgietien, fie beraeifen irol mit t)rem ^offer- 
tigern fdfireiben, onb prebigen miber (larotftaten, ba§ fie 
ei)n§ bapffern Iob§ n^arten fein, too fie l}r fün^eljt §üm 
erften er§et)gten, SBeil man auff bem pfülmen fi^t in ben 
gematten ftüblein (bann bu milt t)e gemalten gö|if(^e bilb- 
nife bei bir t)aben) roürb man§ nit red^t treffen, et)n nib- 
riger onb gerfc^tagener c^rift (roelc^er aüetin et)n d^rift ift) 
mürb freilid^ auc^ nit filbere ober gülbene fpangen auff 
bem gürtet trogen, onb ouff ber tofd^en, nod^ gtoffe fodE 
ermel oon foftlid^em tüc^ an ben röcfen tragen, 9iimbt 
ouc^ ei)ner eon jor nit groet}t)unbert gülben bofe er ^rebig, 
SBorumb ? (5§ fein ber armen jii oi^I oüenttiolben, bie nit 
^ortecfen jü effen ^oben, onb ßt)ri= [a4]ftu§ ^ot ben pre= 
bigern gor et)n !tet)n onb gering gut geloffen, Stufe votU 
c^em getuife objünemen ift, i>a^ nod) !et)n c^riftlic^er px^' 
biger, ober gar menig ouff erben fein, @§ Witt jo etjn 
t)§(ic^er noc^ feine§ foIb§ gemife fein, onnb bu ^oft offt 
auff ber (£an^ell §ü SBittenberg gefogt, e§ fei nit ot)t 



^) sclirieb 1524: Wider den newen irrsal Doctor Andres 
von Carlstadt, des Sacraments halb, warnung. D. Vrbani Regij. 



47 

loann man et)nem prebiger ei)n jar ^unbert gülben geb, 
2)ar§ü jiüingen fie onb bringen bie armen leüt noc^ mit 
rechten (id^ folt mol fagen unrechten, onb Xirannifc^em 
gettialt) iia^ fie t)ren ^üren muffen fütter geben, bann 
btfeen get)ftli(^en leütten ge^imbt auc^ mef)r eqn ^iiren ju 
^aben, bann etin eelic^ meib, melc^e§ t)nen et)n eüfferlic^ 
leben ift, nad^ roelc^em fie ongeurteijlt fetin roöUen. ^ie 
ntüB ic^ mit herein nemen, ba| etlid^ öermet)nte c^riftlic^e 
prebiger groffe ergernife be§ öolcfg, aufe jrem ^ürifc^en 
leben anrichten oermeren, moöen on atle§ gejeügniB mit 
jren fö^in, ober anbern fo t)n gefallen, ei)n eelic^ (eben 
oorn leütten gefe^en f)aben, fe^en fic^ mit fnen, ünb fprec^en, 
e§ lieg el)ner aU ei^n böfemicöt, ber fag bafe fie f)üren bei 
jnen ^obenn, önb fpred^en e§ leig jnen nit baran, roie fie 
bie teüt ortet)Ien, fie miffen rool mie fie ber fac^ t^iin, ja 
Wann ba§ nit bie ergften önb böften i)ürer, onb büben 
fein, fo fre§ mid^ ber büß. 

Widi) munbert i}e, ob ber teufet ^ümen fünn, bmeil 
er noc^ fc^ier ba§ gan^ prebiger Dolcf auff feiner feiten 
^at, e§ ift noc^ nic^t§ bann et)n oerfürifcöcr fc^ein mit 
t)nen geroefet. 

^a§ t)nen St)rtiftu§ gebeut, fie f ollen nic^t§ ^aben, 
\>a^ t)alten fie alfo, 'öq'b niemanbö reicher ift bann fie, bafe 
er iinen prop^eceit man merbe fie oeriagen, auß enner ftatt 
inn bie anbern, onnb merbe fie roeiiblic^ panßerfegen, be§ 
tröften fie fic^ öeft onb ftarcf, onb met}nen e§ gef) t)n bann 
fc^on bo^er, mann t)nen bie bauren nümmer opffern motten, 
ober mann eignem e^n menig an ben gopff gegriffen mürb, 
mann cr§ mo( mit feiner bofe^et)t oerbient ^at. 
[üi^] 5(ber ba§ fag id^, lieber Sut^er, neben onfer fad^, 
Qu^ e^nem flennen jorn, ober ba§ reic^ ongefc^Iad^t me^d^ 
önb ^ürifc^ prebiger ooirf, ic^ fordet bifeer aufetauff merb 
gü lang, id) molt fünft bem armen oolcf bie gute botfc^afft 
gebracht ^aben, ba^ unfer Jiergott nun erft anheben mürbt 
ön§ rechte prebiger jü fenben. 

2)roeil aber mir eingefatten ift ber groß prac^t, önb 
ta^ önbrüberüc^ mefen ünfer prebiger, fo man S^riftlid^e 
leüt üermei)nt (bann mit bem anbern totten pfaffen önb 
mün(^ öoW ift§ offenbarlic^ am tag, ba§ fie be§ teüfelS 



48 

Botten önb f)offgcfinb jein) müftu mein ergerniB ünb an= 
fto^, \o bu mir gemad^t f)aft, üoIIenb§ oon mir ^ören, 
bann id^ tuei)fe beiner ^anblung üt)I, bin et)n roeil e^n 
SBittenberger ftubent^) gelüeft, ic^ lüiü aber nit öon bem 
gülben fingerlein, ba§ t)t)t leüt ergert, noc^ öon bem t)«b= 
fd^en gemac^ fagen, ba» ober bem maffer fte^t, barin man 
truncf onb mit anbern boctoribu§ ünb £)ernn frölid^ tnar, 
tüiemot ic^ über bi^eS Ie|t offt meinem fd^iitgefellen flöget, 
ünb mir bie jac^ gar nit gefiel, ^a'^ man fo ö^I nötlictier 
fac^ öngeacfit onnb onangefefien, bei ben b^rigen mod^t 
fi|en, über bifee geringe fa^ flagt et)n mal gü 9iürenberg 
in S). ^ircf£)et)mer^ i)au^ et)n§ !auffman§ fned^t üon 
Seip^ig, ber fagt, er f)ielt nid^t§ üon bir, bu fünft bie 
lauten rcol fd^Iagen, onb trügft f)embber an mit benblein, 
barumb icE) jnen fetbmat§ gern ei)n narren, au^ lieb fo 
id^ ^u bir trüg, gef(f)oItcn t)et, xd) m^t aber nodf) nit ba§ 
bifer meffiger übermüt in bir et)n üorbott war bein§ mü= 
ten§, "oa^ bu t)|o t^üft. 

9iün ic^ folt rool aber irr werben, "oai gefiel mir ju 
ber felben §eit übet, ta'!^ bu ba§ gotlo^ ünb toö 2Bitten= 
bergifd) leben alfo entfc^ulbigeft, ünb fageft, wir fünnen 
ja nit engell fein, ünb man f)ett mir aud^ f^ier, tDet)§ 
nit raaS für et)n gtöfelein über bifen te^-t äJiatt^ei feptimo 
gemocht, an t)ren früd^ten folt i)r fie erfennen, wie bu bic^ 
oud^ nod^ rümbft ber rechten lere be§ glaubend, ünb ber 
tieb, f(f)reieft, man ftraff aüe^n [b] eümer fd^wad^ leben, 
9iet)n, rair rid^ten ober fd^etten fernen fünber, lüie t)r tt)üt, 
mir fpred^en aber, mo nit dE)riftIid^e§ glaubend wercf üolgen, 
bo fei ber glaub Weber red^t geprebigt, no(^ angenommen, 
ünb fagen üon eüd^, ha^ lang 9tom t)at muffen f)6ren, 
wie ne^er SBittenberg, t)e böfer Triften . Su ünberftunbeft 
bic^ tüol ber ^ürerei mänlid^ §ü weren, baron man ben 
c^riftlic^en glauben raot fpüren mod^t, aber bo bei merrft 
man, ba^ falfc^ ünb üngteic§ 5Ü ging, bo^ man etlid^en 
nmgiftri» ünb collegaten, barjü anbern, ben man wol roolt, 
offentlid^e feurerei 5Ütie§, id^ t)ett anber§ jü fünnen fef)en, 



^) Im Alb. Acad. Yiteb. ed. Fürstemann kommt sein 
Name nicht vor. 



49 

bo bei 6efie^ auä) lDa§ bu tfieteft, bo bu nod^ boctore^ 
511 SOßittenberg f)ulffe[t ^romouieren, bo t)r eud^ aller gnügbe 
önb öolfummenfieit g6tli(^el tüorts, önb be§ @uangetium6§ 
berümbtet, bo bu bo bei lüareft, rief)tft, onb lüie id^ ^orte, 
fd^ier gtüungeft, ta'Q Gulf^ameru^ önb Joannes S)raco 
bie laruen be§ önd^rifllic^en boctorat§ anp^en.i) 2)od^ 
lieber brüber miH ic^ bir ba§ Söittenbergif^ gotlofe leben 
nit gar in bu^en fd^ieben, attetjn trag bir, al§ jrem prebiger 
jü ttjeren, güttiinb, ic^ met)^ rool, ba§ bu in etlii^en fachen 
ta^ bein t^eteft, toii ber^alben folc^e alte fc^utbt nit gar 
rechen, id^ fd^onte marlic^, ^er| lieber briiber, etliches beine^ 
ün^rifllic^en roefenl nod^ gern, onb mere noc^ gern ei)n 
frummer gap^et."-) 

5)a§ bu aber onnfern brüber 2(nbream oon ßarolftat 
fo anfc^nurreft, onb mad^ft, ba§ man bem frummen Onb 
tettjren d^riften in o^ten fteten jü ^aujen, fierbergen, onnb 
onberjüfd^tieffen oerbeüt, •^) t)nt roeber effen noc^ trinfen §u 
geben, ha^ follen bir Sutt)er otle G^riften banden, ic^ frag 
l^ie bein getoiffen, ic^ frag beine nad^paurn ^f)ilippum 
3)ietand^tonem onb ^omeranum (bann bi§e jmen ijab ic^ 
almegen für tretoer angefe^en bann bic^) id) frag anc^ oüe 
Triften, ob bu ber fac^ red^t tt)üft, ba^ meijfe ic^, mann 
bic^ bein biblifd^er get)ft (bann miber bie ^imelifi^en getifter 
onb Propheten barffeflu mit febern onb fieleparten tempffen) 
anber^ Icrt, bann ba§ bu t)t)n [bo''] folft ge^n, bei eitler 



*) im J. 1523, vgl. Liber Decanorum facult. theol. ed. 
Fürstemann, p. 28. 

2) 1. Mos. 9, 23. 

2) So in dem Edict des Raths zu Rothenburg a. Tauber 
vom 27. Januar 1525 (in Thom. Zweifels Rotenb. im Bauern- 
kr. ed. Baumann, in der Bibliothek des litterar. Vereins 
in Stuttgart, Bd. 1 39. S. 20), wo der Rath, nachdem er ange- 
führt, dass „die nechsten vmb vns gelegen und ander mer 
des hailigen rüm. reichs churfursteu, fursteu [u. A. Markgraf 
Casimir v. Brandenburg- Ansbach, vgl. S. 17], herrschaften und 
reychsstette . . . verbotten haben . . . denselben doctor Karlstatt 
weder zu hawsen, zu hofen zu etzen, trencken, underzu- 
schlaifen, zu halten oder zu gedulden", auch seinen Bürgern 
bei ihren Eiden und Pflichten verbietet, ,den genannten doc- 
tor Karlstatten weder zu hawsen, zu herbergen, underzu- 
schlaifen, zu etzen, trenken oder furzuschieben." 



50 

na(^t gu bi^em man, feiner lere grunbt önnb örfad^ ^oren, 
auff bo^ bie föartieljt on jo ferltc^eS gegend an tog ferne, 
ja ba§ bu i)m bar^ü ben jorn bnnb grimm ettid^er fürflen, 
fierren, ünb ftett, ben bu l)m, mit beinern gifftigen fd^reiben 
über ben ^aU, brad^t i)a[t, legen ^ülffft, ober trügft bi^e 
geferlid^!et)t ju gteii^ mit jm, \o ift er nit gut, önb mann 
bu fd^on et)n berg auff ben anbern trügft mit beinem 
glauben. @§ mu§ aber üilleid^t bo aud^ ge^n tok bu inn 
beinem büd^Iein i) eignem fcfireibeft, mann bi(^ bie papiften 
nit fo f)art gebrungen fetten, mötteftu mol etliche fad^ mit 
t)nen önbter megen getaffen i)aben, ba^ ift (mic id)^ ad^t) 
be§ euangeliumb§ öerfd^Ujeigen, mann bu nit el)n rum 
burd^ bein fc^reiben eriagen t)eft mögen. SBonn bu etinen 
brüber, ob er fcf)on irre, ünnb etit)a§ oermut mere, mit 
et)nem guten gemiffenn im lanb ümb fanft jagen, önb 
ta^ d^rifttid^ fein foll, fo fag ünb befenn id^ frei, ha'^ id) 
inn allen d^rifllid^en ftücEen irr, ünb ta'^ iä) bir mit bi^em 
fd^reiben gemalt ünb unrecht tt)ü. 

2Bie mann id^ aber bir bein ^er^ triff, ünnb erra|t 
ta^ bi§ ift bein fürnemen, ha^ bu mit beinem fd^reiben 
bie fürften erregen mü(^teft, ta^ fie ©arolftaten ümb- 
bred^ten, bo^ bu bie fad^ gemünneft, ünb mit t)m für üer= 
!^ör nit tretten borffeft, mie mei)nft tuann ßarotftatt ge= 
tobt, ünb bie Driamünber in grunbt üom fürften jü 
fad^ffen üerberbt, ünb au^ gerottet meren. ^ä) fag bir 
mtjber, bruber Süti)er, bei meinem gemiffen, ift bein tro^ifd^er 
ünb ^üifd^er get)ft red^t, fo ift mir ünfer i)crgott feinbt, 
bo§ er mid^ inn eijn fold^ frei ürtel)t üon bir toft fallen, 
'ää) üater inn ^immeln, id^ mel)^ baB bu !et)nem d^riften 
e^n fold^e fterdf ober freülübe gibft, fid^ freüroen, ba^ er 
eignen d^riften im tani ümbbrecEjt, ünb t)m et^n fd^ar^jff 
f(^tüert| an e^n ^aer gebunben, über ben fopff ^encEeft, 
bu loft aud^ faum et)nen üiid^riften üon el)= [bij] nem c^riften 
üeruolgt werben, luie bu im pfalm fagft, bu molleft fünber 
über t)n fdEiicEen, S)ann Sut^er, bu mürft mir ben (SaroI= 
ftaten üiüeid^t !et)n d^riften loffen fein, üff ta§> erfüllet 



1) Ein Unterricht der Beichtkinder über die verbotenen 
Bücher D. M. Luthers. 1521. Erl. 24, 209. 



51 

luerbt, ba§ ®f)ri[tu» im (Suangelio jagt, ber eüd^ öcruolgt, 
lüürbt mei)nen er bienc gott bamit. 

^ä) ^ab auc^ neürolic^ e^n mal gefagt bo id^ ^örtc, 
lüie bie reid^en prebiger 511 9iürnberg i) fo onfinnig mercn, 
lü^ber ben Saro(ftat, ba| id) glaubte, ha'^ onfere öer- 
meijnte d^rifttid^e prebiger bie mir noc^ fetten (t\)n roenig 
auBgenummen, bie id) gern nennen mott, auff ba| fic^ bie 
anbern mölff auc^ nit mit ber fc^aff§ ^aubt berfeten) 
börfften feüer önnb |oI| 511 famen t)elffen tragen, ünb 
ei)nem irrenben (bo§ ift ei)nem folt^en ber t)re quaterlein 
ober büc^Iein nit befef)en, onb galten ipott, bo^ SSrbonug 
Sfiegiu» neümlidE) inn fein büd^Iein ei)n neüroen orticfet be§ 
g(auben§ gefc^mit ^at, nemtic^ ba§ man glauben mii^, ha^ 
(S^rifti fle^fi^ onnb bliit im Sacrament fei)"-) fe(b§ üer^ 
brennen, ^at ber frumm gelert man {ai^ er freiließ ge= 
mefen ifl) ber bie §tt)ölff articfel be§ glaubend aufe ber 
fd^rifft gebogen, jiifammen gefe|t {)at, bifie§ 33rbanifc^en 
artirfell öergeffenn, ober nit geroi^t, f)ett er gemi^Iic^ 
bie anbern aud^ nit fo rool troffenn. (5r t)at aber 
freiließ mol gemixt, ha^ man an mein onb brot nit 
glauben foll. 

5Iber ic§ mifl mic^ ber art beinel bü(^Iein^ nun ei)n 
menig f)alten, ünb miü bir auc^ et)n prop^ecei jagen, mie bu 
511 SSittenberg üom Ciorolftat gefc^e^en in beinern büc^lein 
fc^reibeft. 3) Qn furzen tagen ^at ei)n frummer onb geterter 
man gefagt, ba^ er ben fintier, onnb ben Sarotftat f)alt 
für ben Saul onnb ®auib, ta^ Io§ i)nen, lieber Sut^er, 
getroffen |abenn, barffft f)ie nit oi)I fpeculieren, meldten er 

1) besonders Oslander, dem man Prahlerei mit herrlichem 
Schmuck u. s. w. vorwarf; vgl. z. B. Zwingli's Brief an ihn vom 
6. Mai 1527 (Zw. opp. ed. Schüler et Schulthess, VIII, 00); 
Roth, Ref.-Gesch. Nürnbergs, 18S5. S. 1922. 932. 

-) In der Note S angef. Schrift, BI. E'^: „Dem nach wann 
wir wellen des herren uachtuial begon, nemen wir für vns die 
wort Christi, so er gebraucht, sprechen sie bey dem brot vnd 
wein, vnnd so die im glauben recht gesprochen sind, ist vus 
kain zweyfel, da sey der leyb vnd blut Jesu Christi. Vnd 
also nach seinem gescheflft essen wir das brot, das ist sein 
leyb, vnd trincken den wein, das ist sein blut" u. s. w. 

3) Wider die himml. Pr. Erl. 29, 194. 



52 

ünber eüd^ §iüei)en beii ©out oermeijn, biüetl ßarotftat 
nirgent im lant üor bir bleiben tan. 
[bi\^] 2ßir t)offeu aber nod^ ftarcE beä 3)auibif(^en troftg, 
tü^ öitteid^t ber t)err fein etenbt lüerb anjef)en, önb i)nen 
Don beiner ^anb ertofen, bnb hoffen ju gott in l}immel, ber 
frumm für[t gü ©ad^ffen merb beinern bnfinnigen ra^t nit 
böigen, ben CE^orotftat bnb bie guten leüt §u Drlomünb 
naä) beinern raütmiUcn jü beruolgen :c. 5)u befiel, bo^ 
bir nit ei)n mal gef) nad) bem prouetbio . SOJatum con= 
filium confultori peffimum, bann mic bu leügneft, bu |abft 
mit bem fürften nie felb§ gerebt, •) ift§ bod^ nit jii glauben, 
ba^ er bon bir bnangefoditen ber facf) fialben bleiben fan, 
(5§ fan ou(^ eljner mol bou et)nem bmb ben |al§ eingeben 
bnb betraten merben, on leiplirfie beiüeifung ober müntlid^e 
berreterei, attetju burd^ fd^reiben bnb frembbe antju|ung, 
nja§ fein bie büd^Iin anber§ njiber ben alfletifd^en bnb 
fcE)tr ärmer gei)ft,2) ijam^ ^^,1^ fubteile bettjegung bnb an= 
retj^ung be§ fürften roi)ber ben guten Sarolftat, bu |etft 
auc| tt)oI breimal mit bem fürften reben, bnb 511 i)m fagen 
tünnen, 'Oa'i^ er on aßen bergug ©arotftaten fieng, bnb 
bmbbred^t, e§ mere nit fo teütf(f) geme^t, aU bu e§ i)nen 
in beinen büd^tein l^ei)§t. 

Sfiiin bu met)neft e§ fd^on nit fo bo^ (baran bod^ jü 
jmeifeln ift) mie fanftu boc^ mit ei)nem rfiriftlid^en ^erfeen 
bnb gemiffen alfo bübifd^ tro|en, id^ l^ah mol et)e erfarn, 
ba^ bie SSittenbergifd^en @aj:en ferl fo bermüt fein, mann 
fie ei)n fad^ mit menig guten Worten nit auferic^ten lünnen, 
fo flüd^en fie el)ncm ben tüfel in liff. Wid) bandet aud^, 
bo id^ bein büd^Iein rttjber bie t)immel. ^roptie. la^, mie 
i^ hid) bort fe^e fte^n, mit fd^roert bnb ^elleparten, bnb 
flic^ftu nit, bnb t)atbft nit, olfo |aftu nim fd^ier, lieber 
. bri'iber, met)n bitel)t bnb mel)nung, roie id^ nadf) meinet 
f(^n)ad^ct)t !et)n d^riflli^ füncflein an bir finbt, norf) bon 
benen allen, fo ber met)nung d^riften mollen genent fein, 
mann fie alletin mit i)rem gematten bnb liebtofen glauben 



1) ib. S. 161. 

2) Die erste Schrift unseres Heftes. — Die Schrift : Wider 
die himml. Propheten. 



53 

bapffer herein faren ünb bolbetn, önb boc^ fetin fruc^t 
be» rechten (^rifllic^en gtau6en§ irgent» beineiien, fag frei 
barüber, ha^ idi nit tan glauben, ba§ bu ein c^rift [biij] 
)eie|"t, biß bu bi|em Sarolftat nad) laufi'l, i)n fiic^ft, t^m oon 
aQen fürflen, ^ern, onb ftetten (beren jorn, aufe beinern 
fc^reiben ober i)n funtmen ift) frei fieser geleiibt ermerbeft, 
im rct)ber fo er§ begert, in fein löonung einfe|eft, önb mit 
eiiner anbern fc^rifften befenneft onb bejeügft, ba§ bein 
fcf)reiben mijber jnen gan| onc^rifKid^ onb teüfelifc^ geroefet 
fei, alfo ^anbelt ei)n c|rift, b§ meiife id^, mann bu iim nit 
alfo t^üft, fo bleibftu ttjol in ber !utten eon Sut^er. 
^ie flecf ic^ bit auc^ in bein gemiffen biße mörberifc^c 
onb Xirannifc^e 9tet^orica, ber bu bid^ gebrauc^eft bo bu 
fc^reibeft 1 1 ©arolftat» met)nung fei, bafe er mit freüntlifei)t 
ben bübeü onb ba§ gemein oolcf an fid^ bring, onb nad)- 
mai% hk oberfent gar ombfer onb omb bring. 

$)'öx ^immef onb erben, onb gib gejeügnil bem nib= 
rigen onb jerfc^(agen c^riften tt)t)ber bi|e ^ifeige onb blut= 
gierige lügen ^. l'ut^er». (Srfenn ^err got im ^immel, 
mer bie oberfeijt onb ba» gan| lanb omb reiffen börfft, 
nit ber, ber beinc fnec^t alfo oerleügt onb ombiagt? nit 
ber, ber gern efe(§ ^orner ^ett, bo mit er alle bie ober 
fatte flingen ^upffen Iie§, fo t)m mit et)nigem mort imiber 
loeren, mie tünbt ber §ornig Seoto geftillet toerben on 
mercftic^en fc^aben? ^d) bitt t)ie ade Ö^riften omb gotte§ 
mitten, fie motten iire äugen oon ben perfonen jie^en, onb 
fei)en, meld^erg om befien gemein, onb mie man bie foc^ 
^anbel . Sitt auc^ onb erman freüntlic^, burc^ ta^ b(ut 
^^efu S^rifti atte fürften, ^ernn onb ftett, ba§ fie mit 
bifeem man gotte§, nic^t gemaüiglic^, funber me^r mit 
et)ner oerbörung ber fac^ t)anb(en motten, bann mefc^er 
fic^ mit biße? bhit mürb betrei)ffen, ber mürb, forest icf), 
ombfunft, onb mit feiner fee( oerberbniß, ba§ ^anbtbecfen 
begeren, onb feine ^enb ;^u mafc^en fiteren.-) 2;u aber 
Sut^er, ^üt bid^, baß bie alt prop^ecei nit mar merb, baß 
ber fc^mar^ münd^ erft atte§ ongtücf müB anrichten. 5ßJann 



') Wider die himmi. Pr., Erl. 29, 174. 
2) Matth. 27, 24. 



54 

ba§ tucre, fo inöc^ftu bid^ lüol ber c6rifteiitid^en frei^et)t 
aitff bie feiten gebraudjt f)a6en, bo fie fbtij''] bem lüort 
gotte§ et)nlt(f) ift, onb möc§[t bie futten au^ge^ogen ^aben, 
bein frei^eijt ift fo gro^, mann bir i)t5unb enner (bem bu 
ei)n n)enig abgünftig roereft) fc^rieb, (£f)nftu§ mer gotte§ 
fiin, fo börffftu rool ein ftreit mit i)m ant)ebenn, auff 
ha^ bu etwas anberS fürbrec^ft, ünb borffft fprec^en, er 
ttjer benneft nit gotteS fun, atfo gern f)6reftu bein et)gen§ 
gefang. 

ißor ^oflu ben gefangen gemiffen au| ben ftöftern 
ge^olffen, i)^o rucf bi^ re^t in babft ftiit, onb treib fie 
roiber bi)nein. SSor^t)n t)aftu oon abtf)iiung ber me^ ge= 
fc^ribenn, i)§unbt ricfit fie mijber auff. ©ebencfeftu nit 
lieber Sut^er, roa» bu für ei)n roefen, onter bem eiinfel- 
tigen üolcf mad^eft, mit bißem bübifc^en ünb onbeftenbigen 
f (^reiben, bu folft bic^ e§e dbern loffen, ef)e bu ba§ üold 
atfo bertütreft. 2ßie ironn onfer ^ergott bie g6|en ^erumb 
ftürmet, eüereftu nod^ alfo feer bu molteft, onb fe^te bic^ 
on i)r ftatt, molan, mon tpürbs fet)en wn t)m rec^t tf)ii. 

3Jieine, onb meiner brüber, fo mit mir bifeeS büc^Iein 
laffen au^ge^n, mei)nung, oom ©acrament t)aben mir t)|o 
nit motten fc^reiben, atteiju ba§ mir ün§ nocf) nit gnug 
oermunbern fünnen, mie bi^er grofe mi^raud^, be§ ^ern 
brot§ onb mein§ fic^ bi§ §ernad^ fo mei)fterlid^ hinter bie, 
bie (^riftlid^e prebiger oermet)nt, onb boc^ nit gemeft fein, 
behalten t)at, auff ha^ ber teüfel, ber ben miprauc^ be§ 
papiftifd^en facramentS erfunben t)at, befter gröblicher gü 
fc^anben merb, Onb eümer teüfett ju SBittenberg auff bem 
altar an ei)ner tofet gemalt, in ber pfar ürd^en, erft greü= 
lid^ an ^eb gu f^reien, onb feinen reümen gü regen, O 
facrament facrament mie mad^ftu mir öaS bunft conoent, 
ja bifeer po% oerrat» attet)n, ha^ ba§ be§ teüfel§ erfinbung 
ift, SBarau^ mag man gemiffer oerftefin, ha'^ ha^ mei^= 
maffer, gemeint liec^ter onb freüter, Onb anbere ber gleichen 
göcflerei, nid^t» ift, bann bafe fic^ ber teufet atfo bo=[b4] 
mit oeriogen onb martern to^t, bod^ ba§ fott, norf) fan, 
bir beiner met)nung, oon beinem facrament nichts benemen, 
attei)n mir bitten bid^^ba^ bu inn beinem fc^reiben me^r 
fd^arpff ünb getert, bann potberif^ ober ^üifc| motfeft fein. 



55 

ben anbern lefer, bitten tüir bo^ er bifee fd^rifft, nit für 
et)n lefter büd^Iein achten mötl, funber fe^e e§ barfür an, 
ba^ önn§ bifee fad^ fo emfiglid^ anfi(^t, bofe ün§ onfere 
^er^en möd^ten jerfpalten, ba^ 2). Sut^er fo ünd^riftlic^ 
mit ben d^riflen fert. (£§ follen auc^ alle d^riften, onb bu 
Sut^er ttjiffen, önb gerDi§ barfür galten, roonn ßarolftat 
fd^rieb, t§et önb lebt tüie bu, fo folt er fic^ nit anber§ 
nad^ t)n§ ümbfe^en, nod^ anber§ öon Dn§ gemarten, bann 
bergteid^en el}n getreüiü onb freie erntanung, önb oilleid^t 
noc| einer derberen laugen, braeil mir fei)en önb glauben 
ba^ er§ au| folc^er gebult, welche er i)öo in feiner oer- 
uotgung Onb ombiagung fo bu i)m gutrincfft, f)at, gern leiben 
mürb onb fünt . 3^a§ mir aber ind^U oon ber f)auptfac^ 
berüren fottu alfo oerfte^n, lefer, bafe tüie Cutter i)n oor 
gnüg fd^ilt, alfo trotten onb muffen mir oor bie groffen 
ongered^tife^t, fo (Jarolftaten öom Sut^er gefd^id^t, oon 
ganzem ^er|en atten c^riften flagen. 

3)ie anbernn prebiger bie nod^ an reid^tumb ttiett= 
lid^er eer groffem prac|t, onb geftifften pfrünben f)angen, 
ober fünft e^n tabelid^ onb onorbentic^ (eben füren, laffen 
fic^ nit oerbrieffen, bafe mir fie nac^ onfer fc^mad^ei)t aU 
ondöriften onb nit c^riftlic^e prebiger £)alten, onb oermetinen, 
bann bi|en reümen fott onb fan on§ fet^ner abmüf(^en, 
bi| er gefanbt !umbt, mie (£^riftu§ feine apoftet fenbet. 
®ott geb ba^ fein ^erlifei)t balb offenbar merbt. 
SImen. 



Druck von Klirhardt Karras in Halle. 



Thomas Muruers 



Narrenbesehwörung. 



(Text und Bilder der ersten Ausgabe.) 



Mit Eiüleitimg-, Aninerkimgeu und Glossar 



M. Spanier. 



Halle a.S. 

Max Niemeyer. 
1S94. 



Neudrucke deutscher tiitteraturwerke des XVI. und XVII. Jalirhnnderts 
No. 119—124. 



Meinem Freunde 



Dr. J. Loewenhers: in Hanihurc: 



^ouidmet. 



53it eutf) ^iemit [ieber iicuattcr ] iutUcnb btf§ alfü guter früubt: 
lt(^er nminung tion mir auffnemcn ' \vk id) bas guter meinung 
an tag fumnten laffen | .Kit bas Wxr bnfer frcünbtfcftafft bamit er: 
neirercn tr6Uen (bann ba§ joll ganl« fcrr von mir fein) bietiieil 
inifer frcünbtfd^afft nocfi nie yeraltct | barff fie audi feing erneJrrens 
nit I funber ir6Uenb bte mit btfem biidilin bcu6[tigt ^aben. 

(Georg Wickrain. Von (luoteu vnd Büseu Nachljauru.) 



Vorrede. 

Es bat bisher an einer Ausjiabe des ersten Drucks 
der 2sarrenbescbwörung, dem allein nur kritischer Wert 
zukommt, gefehlt. Goedeke folgte, wie in der Einleitung 
ausführlich gezeigt wird, dem fehlerhaften Nachdruck 
von 1518, und Balke kopierte (id.s Text. Dazu kommt 
noch, dafs Gd. durch seine Gestaltung des Textes eine 
wissenschaftliche Ausbeutung desselben sehr beeinträch- 
tigte. Auch für die Erklärung hat Gd.. der seine reiche 
Kenntnis der Litteratur des 16. Jh. nicht gerade in den 
Dienst dieser für die 'weiteren Kreise' bestimmten Aus- 
gabe stellte, noch viel zu thun übrig gelassen, und 
Balkes Anmerkungen stehen zu denen Gd.s in ähnlichem 
Verhältnis, wie sein Text zu dem des Vorgängers. Wenn 
er einmal selbständig ist. bietet er entweder Selbstver- 
ständliches oder Fehler. Vun diesen habe ich der Kaum- 
ersparnis wegen nur wenige angeführt, denn sie sind 
nicht von der Art, dafs sie eine ernste Polemik nötig 
machten. Nachdem Max Riefs gezeigt hatte, in welch 
geistvoller Weise Muiner die Holzschnitte des Narren- 
schiffs umdeutend für die Narrenbeschwörung verwertet 
hat. war es auch zum Verständnis des Textes erforder- 
lich, die Bilder des ersten Drucks in genauer Reproduktion 
beizufügen. 

In den Anmerkungen und dem Glossar habe ich 
mich möglichster Kürze befleifsigt. Da den Lesern der 
Neudrucke zum gröfsten Teile wissenschaftliche Hilfsmittel 
leicht zugänglich sind, habe ich es an Hinweisen auf 



VI Vorwort. 

solche, in denen weitere Begründung und Belehrung zu 
finden ist, nicht fehlen lassen. Fi-aglich oder unerklärt 
sind nur wenige Stellen geblieben. Gern habe ich auf 
den reichen Gehalt an Sprichwörtern — eine Eigentüm- 
lichkeit Murners, die schon seinen Zeitgenossen auffiel, 
s. ZfdP 26, 220 — aufmerksam gemacht. Die zahlreichen 
Hinweise auf das NS und den lierrlichen Kommentar 
Zarnckes rechtfertigen sich von selbst. Es ist sehr ge- 
raten, bei der Lektüre der NB das NS stets mit in 
Vergleich zu ziehen, — man winl dann auch die dichte- 
rischen Vorzüge der NB um so leichter erkennen können. 
Es würde mich sehr freuen, wenn die vorliegende Aus- 
gabe der ersten und vielseitigsten der moralsatirischen 
Schriften Murners als ein geeignetes Hilfsmittel zur Ein- 
führung in das Studium seiner Dichtungen befunden 
würde. 

Allen denen, die mich liei Veranstaltung dieser Aus- 
gabe mit Rat und That unterstützt haben, meinen besten 
Dank, insonders der Verwaltung der hiesigen Universi- 
tätsbibliothek für ihr stets hilfbereites Entgegenkommen 
und den Bibliotheken zu Berlin , Göttingen , Luzern. 
München und Strafsburg für das Darleihen der in ihrem 
Besitz befindlichen Orginaldrucke. Vor allem aber mufs 
ich hier meinen hochverehrten Lehrer, Herrn Prof. Dr. 
Wilhelm Braune, nennen, der mich, wie zum Murner- 
studium überhaupt, so auch zur Veranstaltung dieser 
Ausgabe angeregt hat. Es ist mir ein Bedürfnis, ihm 
hierfür wie für vieles andere, dessen ich in treuer Ge- 
sinnung stets eingedenk bleiben Averde, an dieser Stelle 
meinen herzlichsten Dank zu sagen. 

Heidelberg, im Januar 1894. 

M. Spanier. 



E i 11 1 e i t II II 2:. 

Friedrich Zanu-ke sagt in seiner Einleitung zum Narren- 
schiff S. CXM : .Alurners Werke vur allem seine Narrenbe- 
scliwürung. miissten su herausgegeben werden, dass die aus 
Brants Werke evident entlehnten ganzen Verse kursiv gedruckt 
würden, es würde das mehr als ein Drittel des Ganzen austragen." 

Dass dieser Wunsch Zarneke.s naturgemäss ein frommer 
bleiben miiss, habe ich in den Beiträgen v(tn Paul u. Braune 
IS, 1 — 71 gezeigt. In dieser Arbeit, die zugleich als eine 
litterarhistorische Einleitung zu dieser Au,sgabe angesehen 
werden kann, habe ich die Art der Abhängigkeit Muruers 
von Brant, da.s litterarische und chronologische Verhältnis 
der beiden im Jahre 1512 erschienenen Satiren Murners, der 
Narrenbeschwürung und Schelmenznuft. wie überhaupt dessen 
dichterische Schat^ensweise ins rechte Licht zu rücken ver- 
sucht. Ich verweise, um mich nicht zu wiederholen, auf diese 
Ausführungen und setze unr die zusammenfassenden Schluss- 
sätze jenes Artikels hierher: Die NB ist durch das NS be- 
einflusst. aber Muruer ist kein Abschreiber Brants. Zarnckes 
Angaben hierüber sind unrichtig. Murner schliesst die NB selbst 
ausdrücklich in origineller Weise an das NS au . und wo er 
Brant im einzelnen folgt, geschieht es in selbständiger und 
freier Art. Die SZ ist weder eine Skizze, noch ein Auszug 
der NB, sondern eine selbständige Dichtung. Sie ist nach 
der NB entstanden, und zwar ist diese in den Jahren löUü — 
1512. jene im Jahre 1512 verfasst. 

lieber Leben und Werke Muruers haben ausführlicli 
Goedeke in der Einleitung seiner Ausgabe und Charles Schmidt 
in seiner Histoire litteraire de lAlsace (beide lb7"j) gehandelt. 
Während Gd.s interessante Darstellung in den Fehler der 



VIII Einleitung. 

meisten 'Rettungen" verfallen ist und zu verteidigen sucht, 
was nicht zu verteidigen ist, giebt Schmidt eine feinsinnige, 
gründliche und objektive Würdigung des Wirkens Murners. 
Es sei ferner verwiesen auf den knappen , aber inhaltreicheu 
Artikel Ernst Martins in der Allg. deutschen Biographie und 
besonders auf Waldemar Kaweraus Arbeiten: Th. Mumer u. 
die Kirche des Mittelalters, Th. M. und die deutsche Eefor- 
mation (No. 30 u. 32 der Schriften des Vereins für Reformations- 
geschichte, Halle 1890 u. 1891). 

Die Sprache Murners ist von Franz Stirius in seiner 
Dissertation (Halle 1S91) behandelt worden, jedoch nur die 
Lautlehre. Hoffentlich hält Stirius sein Versprechen, die 
Formenlehre gesondert zu veröffentlichen; denn Laucherts 
wenig fördernde Murner-Studien in der Alemannia 18, 139 ff. 
füllen die Lücke nicht aus. Nur auf Laucherts von ihm so 
benanntes 'Wörterbxich' in der Alemannia 18, 283 ff'.; 19, 1 ff. wo 
ohne weitere Erklärung zu einigen Wörtern die Belege aus 
Murner zusammengestellt werden, habe ich zuweilen verwiesen. 



I. Die Ausgaben. 

A = Strassburg 1512 in 4'\ 22 Bogen, je zu 8 Blättern, 
sign, a — l) (t) — iiij), ohne Seitenzahl und Custoden. Mit Rand- 
leisten zu beiden Seiten des Textes, s. Kristeller, Strassburger 
Bücherillustration, S. 62. 

Inhalt: [d'v] Titel mit Bild, s. Neudruck. Rückseite 
des Titels leer. Der Text beginnt a ija mit der Vorrede und 
endigt t) 7'>. Am Schluss die Druckangabe, s. Neudruck. 
Letztes Blatt leer. Die Vorrede ausgenommen hat jedes 
Kapitel einen Holzschnitt, über dessen Art und Beziehung 
zum Text die Anmerkungen dieser Ausgabe handeln. Sämt- 
liche Kapitel beginnen oben und schliessen genau unten an 
einer Seite. Die Kapitelüberschrift dient zugleich als Kolumnen- 
überschrift und ist zuweilen auf die beiden inneren Seiten ver- 
teilt. Jedes Bild ist unter den einleitenden Vierzeiler des 
Kapitels gestellt. Die Typen sind gleichartig, nur die Ko- 
lumnenüberschriften und der erste Vers jedes Kapitels (unter dem 
Bilde) sind mit grossen und kräftigen Lettern gedruckt und 



I. Die Ausgaben. IX 

die Initiale der Vorrede reicht bis auf den 15. Vers. Die 
erste Zeile jedes Reimpaares oder Dreireims ist um die Ma- 
juskel vorgerückt. 

Exemplare in Berlin, Darmstadt, Lnzern, Nürn- 
berg, Prag, Strassburg, Wernigerode, Wien. 

B = Strassburg 151S in 4^. 21 Bogen zu •>. letzter Bogen 
mit 6 Blättern , sign, a— P, ohne Seitenzahlen und Custoden. 
Mit Randleisten, die zum Teil mit denen In A übereinstimmen. 

I n h a 1 1 : [a i-' ] Titel *) : 2) c c t c r ttyomae ' Hhirnere -üi a r r e n 
be-. \,\d}xveixnnq. 

Rückseite des Titels leer. Der Text beginnt mit der 
Vorrede atj» und endigt ^ 5'». beiträgt oben die Druek- 
angabe : GJetrucfl bnb öoUenbet in ber löblichen || ftatt Stra^bur^ 
burcb 5of)anncnt !| Änobicucb 3(l5 man 5alt t>c ber ■; geburt önferö 
betreu Juient [, AÜnff^unbert tyni 3lcl) |1 ^c^en ^ax. an tc fc* || 
fte tag bee öerbft | monate. l; ö'' ist leer. Die Holzschnitte 
sind von gleichem Format, etwa in der Grösse der eigenen 
rdem NS nicht entlehnten) Bilder der Ausgabe A, von denen 
auch einige hier wiederkeliren, vgl. Kristeller No. 401. Sie sind 
recht roh und geistlos ausgeführt. In den meisten Fällen 
illustrieren sie nur die Ueberschrift, so dass z. B. das Bild 
zürn Kap. 14 Ztn äffen fdicren einen Barbier zeigt, der einen 
Affen schert: vgl. a. Aum. z. Kap. •'<<•. Zu acht Kapiteln fehlen 
die Bilder; zuweilen sind sie auch falsch eingesetzt, vgl. z. B. 
die Aum. z. Kap. 09 — wie ich denn überhaupt hinsichtlich 
der Einzelheiten auf den Kommentar verweise. Bei dem 
kleinereu Format der Seiten und der meisten Bilder ist es 
nun erklärlich, dass der Text nicht mehr so augeordnet ist 
wie in A. Die Bilder konnten nicht immer luiter den Vier- 
zeiler gestellt werden, und die Kapitel beginnen imd endigen 
nun natürlich nur gelegentlich mit einer Seite. Der Setzer 
hat die Ueberschriften in A nur als Kolumnenüberschriften 
angesehen, **) die einzelnen Kapitel sind daher meistens fort- 
laufend gedruckt. Nur einige Male (zu Kap. o7; 38; 3'.»; 7(ij 
sind Ueberschriften gesetzt, zuweilen ist das neue Kapitel 

*) Gesperrtes rot gedruckt. 
**) Vgl. d. Anm. z. Kap. 52. 



X Einleitung. 

ein weuig abgerückt uder (iurcli das vorgesetzte Zeichen ^1 
kenutlich gemacht. Wie in A, so ist auch hier der erste 
Vers jedes Kapitels gross gedruckt — jedoch mit Ausnahmen: 
zu 41 ist es unterblieben, und zuweilen ist ein Vers mitten 
im Kapitel — weil er unter dem Bilde steht, also in gedanken- 
loser Nachahmu)ig von A, gross gedruckt, z. B. 465 479 48,2. 
Die Scheidung der Eeimpaare imd Dreireime durch Vorrücken 
der ersten Verszeile ist längst nicht so sauber wie in A durch- 
geführt. Wir haben es liier eben mit einem Nachdruck der 
1 . Ausgabe zu thun . der mit grosser Nachlässigkeit veran- 
staltet ist. 

Exemplare dieser Aasgabe in Berlin, Frankfurt a. M., 
Frauenfeld, Göttingen, Leipzig, München, Nürn- 
berg, W'ien, Zwickau. 

In dem Göttinger Exemplar (Poet. Germ.- 2459) fehlen 
Bogen i) (2732—323) und m (45j5— 5i),;3), die handschriftlich 'aus 
dem Berliner Exemplar von 1512" ergänzt sind, — ausserdem 
fehlt das letzte Blatt mit der Drue-kangabe. .So kam Goedeke 
dazu, eine Ausgabe o. 0. u. J. anzunehmen (vgl. Riess 32 Aum. U), 
und da er diese für älter hielt als die Hupfuft'sche von 1512, 
legte er das Göttinger Exemplar seiner Ausgabe (Leipzig 
1S79. Deutsche Dichter des 16. Jh., Band II) zu Grunde. Dr. 
Balke, der in Kürschners Nat.-Litt. (Band 17, Abt. 1) die NB 
herausgegeben hat, dnickt wiederum den Goedekeschen Text 
ab. den er nur um einige Druckfehler vermehrt.*) 

In München, wo nach dem Gruudriss 2-, 216 ebenfalls eine 
Ausgabe o. 0. u. J. sein soll, war nur früher als solche ein 
Exemplar der Wickramschen Bearbeitung von 1556, dem die 
letzten Blätter fehlen, in den Katalogen aufgefiihrt. Ebenso- 
wenig findet sich in Wien eine gleichfalls im Gruudriss ver- 
zeichnete Ausgabe von 1512 o. f>. 

Goedeke hat wahrscheinlich vor Veranstaltung seiner Aus- 
gabe den Hupfuifschen Druck nicht geprüft, er würde sonst 



*) Ich habe auf diese 'Textgestaltuug' Balkes, der a. a. 
0. 58 zu behaupten wagt, dass sein Abdruck der Hupfuifschen 
Ausgabe folge, — wahrscheinlich glaubte er, dass Goedeke 
dieser folge — bereits PBB 18, 4 Anm. 2 aufmerksam ge- 
macht. 



I. Die Ausgaben. xr 

schon aus der Textanordnung nnd der Wahl der Bilder seinen 
Wert erkannt haben. Ebenso deutlich sprechen dit- Ab- 
weichungen im Texte B, die in den meisten Fällen sich aits 
der Leichtfertigkeit des Setzers erklären. Die vorgenommenen 
Aenderungen sind - sofern sie nicht in der selbstverständ- 
lichen Verbesserung grober Druckfehler in A bestehen — 
entweder überfliissig oder störend. Dass Murner an dieser 
Ausgabe beteiligt war. ist ganz ausgeschlossen. Da aber der 
Druck, obgleich er keinerlei kritischen Wert hat, sämtlichen 
nachfolgenden Ausgaben zu Grunde liegt, so will ich 
die wichtigsten Abweichungen desselben hier anführen, often- 
bare Druckfehler jeducli nur, wenn sie bei Goedeke nicht 
oder falsch verbessert sind. Einige Druckfehler, die Gd. so- 
gar Anlass zur Erklärung gegeben hüben, stelle ich voran. 

232 Äeben ft^ff (AI); Gd. liest Jlebenftif und sucht es da- 
nach zu erklären. Ebenso Balke. Sogar ins DWb. S, 333 ist 
dieses sonst nicht belegte Wort auf solche Art geraten. 

1270 ^t^plicfi (f); Gd.: 'fjöBlicfi, hässlich (oder hüflich?)". 
Balke erklärt ohne weiteres: "hässlich". 

I824 öerfc^Iu^t (cf); Gd. erkl: • verschlaucht; sie trank 
wie ein Schlauch." Ebenso Balke. 

3423 9" l^inaber, s. Anm, z. St. 

34,3 [c^cc^t (fcfclj; Gd. erklärt: 'gescheckt'. Ebenso Balke, 
der noch hinzufügt: (fc^ec^, spitz?) 

öTa fein am (f^nem) f6ren ab; Gd. : 'am Abkehren sein.' 
Balke will hier einmal gegenüber Gd. selbständig sein, indem 
er am als 'mhd. ome, Staub, Spreu" I erklärt. 

0928 löten (lütten), s. Anm. z. St. 

7732 Eenblin (^); Gd. : 'Kännlein'. Balke: 'Kännchen'. 

Ausgelassene Wörter in B: 26 ir, 43^ gott (Gd. ergänzt: er), 
849 er, 5064 l^er, 0691 fd^on, eo-j« ^in, 6229 ba^, SOgi in, 81a ber, 82io4 
f^, 8449 allen (Gd. ergänzt: finen), 86102 nit, STjoin, 21 ft»» 
9330 fo. 

Sehr häufig fehlt der letzte Buchstabe eines Wortes, z. B. 
3: 372ict> (daher falsche Interpunktion bei Gd.), 7, ftelleft, 64, 
^ab, 13i-,fjii^t, 862ift, fl2s4felb, OTg ernft. n fehlt z.B.: 19d 
anber, 0673 reber. 



XII Einleitung. 

HinzngefUgte Wörter (gesperrt): 45. ^üren t^nb, 5334 fingen 

Umstellungen in B: HVjift i)e^, 123onit mi* (s. Anm.), 
4848:49 ivolt: folt, 56i5 jie^en ba§ J^clmltn, 6624:l.5 öpü : f)o( (diese 
sinnlose Umstellung beseitigt wenigstens Balke"). 94^^ bann fti. 

Weitere Abweichungen : 6, 5ßnb (SSon), w.< ft"^[t (f), 7.53 bar 
(§), Sisfi?n(in), lOgo bl«bc (t), 1 T,j fd;im^)fcng (fc^nufen^), 21;i 
nnirft (rbft), Gd.: h)trft, 2428m^m (n), S\e Sem (Sann), 3490 
^aber (baffer), ST^Sar (§), 3967 ba§ (e§). 4275ben(m), 43i5£)a§ 
(9B), s. Anin., ^ tütil (jt)t), 465 e§ (r), Ueberschrift 47 jum feuer 
(jii), docli vgl. V. 33; Gd. (also auch Balke) folgt hier der Ab- 
schrift von A im Göttinger Exemplar. 49u fcbnt;en (f dornten, 
vgl. V. 7f. ; die Göttinger Abschrift hat fdintien), 524 tl^ct (»)/ 
5347 barf (ft), 54, bat (^) 17 fingt, 24 Sen (Sann), öö^a jüm erftcn 
5f)ö7im (n), 57, im (mhn), 59i9betrfibt (betru^Iet), 66im(n), 60 b 
biim^en (brun^im^en), , öcrfc^Iucfen, 41er (ein), s. Anm., öUi 
h?a§, 6452 tbon fag (gcfagt) wegen des Reims auf mag, aber vgl. 
Anm.z. 12:;u; ti7i.^fc{)r»ben (bfc^), 674.2 alten, 70„,j {»an (f^et)en), "2^1 
ben (v), 7429 bte^ (liep: liefe) — dies einmal eine ansprechende, 
allerdings sehr naheliegende Aenderung; liefe in Abraucht jedoch 
kein Druckfehler zu sein — 81 d getrungen, s. Anm., gstr^tueft (rt)t), 
71 tcft*) (6), 826 bmb (bon), 73 ^at (&), 8324 n^ber(m), 58 ©old^ 
(Sic), 85, ber (bie), 8725 an (tiff), 8942 anbern (ein), s. Anm. 6O41, 
91o8bett (m), 9276 anrren (narren), Gd. : anbren! 174 gefd^Joorn, 
9382 frütten (r), 95, gs feinen (r). 

Man würde nun aber fehlgehen, wenn man Gd.s Text 
wenigstens für eine korrekte Wiedergabe des 2. Drucks hielte. 
Zunächst ist die Orthographie sehr 'vereinfacht' (statt t), das 
im Texte meistens für mhd. i steht, wird stets i gesetzt, 
anderseits Avird für das ff des Drucks fe (für mhd. ;r) an- 
gewandt). Ich will hier keinen besondern Wert auf die 
Eigenart der orthographischen Gestaltung legen , obgleich 
sehr häufig sprachliche Eigentümlichkeiten verwischt werden. 
Gd. schreibt z. B. 224 9g6 narren (e), löge tüfelid^en (fenl), 240 
Jüarlic^ (e), 2924 ^jraftif. Auch auf die vielen und doch keines- 



*) Der Setzer hat in seiner Oberflächlichkeit b6ft in A 
wahrscheinlich für eine "umgekehrte Schreibung" (6 — e) ge- 
balten. 



I. Die Ausgaben. XIII 

wegs konsequent durchgeführten Aendernngen ans metrischen 
Gründen (Elisionen und Ergänzungen des e, Zusammeu- 
ziehungen wie ögg überb, Ts: anb, 77^4 ufb, I445 fürb, ISss 20io 
2734 inb*), Uei übers, 2.844 Wi\ 74.4 im u. s. o.) will ich nur 
nebenbei hinweisen. Aber stärkere Abweichungen, die häufig 
den Sinn stören, mindestens aber überflüssig, also fehlerhaft 
sind, finden sich in übergrosser Zahl. Manches darunter lässt 
sich auf oberflächliche Korrektur zurückführen, es sind Druck- 
fehler, — da aber ein Verzeichnis derselben nicht gegeben 
ist, so ist das Störende derartiger Abweichungen nicht ge- 
ringer. Ich werde jedoch im folgenden Druckfehler, die als 
solche gleich zu erkennen sind, wie 4633 leger, 748i )"elber, nicht 
anführen, auch solche Abweichungen nicht, auf die Gd. in 
den Anm. aufmerksam gemacht hat. 

Ausgelassene Wörter: 'sfo, lOgbocb, t9ie*, 23.jbte, 40si 
in, 4330 ntt, 4440 ftt, 54u fp, 03g-2 önb, 9376 10. 
Hinzugefügte Wörter (gesperrt): f>4 fie fid^, 26^7 leien unb, 
3162 fcfion fi, 35,27 möcbteft bu, 37a ber ic6h?amm, eo,, finb bccfi, 
95is2 u n b grtf . 

Von den häufigen Umstellungen will ich nur eine siim- 
störende erwähnen : 9623 ift ei. 

Weitere Abweichungen: Ico Wrerfen (fcbaben), 253 tagen (f), 
376 it)te (al^), ^iot f^rittcn (t), 76n9^un (5icd)), •^u ieber (n), Balke 
erklärt dies: 'von jener Zeit her'! 96s golt (e), llb3U (tpil), 
72 gelb (0), 1249fc^iiBeI (fc^I), 13o9um (ünb), soberfoufet (n) bar, 
1584 rid^tet, s. Anm., lügbem (ein), ISsjfie (f^n), 55 f'"^t (f), 
1967Öon(r), 205ir (toir), 6benn(i), se er (i), 2244 noc^ (bnb), 256 
be§ (a) bratet, vgl. Gl., »3 2^rin (brinn), vgl. Anm., 26ds. Anm., 
2^48 geben (fc^affen), 3149 fein, 76 in (r), 34^5 fagen (cO, U9 ntt (e), 
3639 nie (t), 3S2iftan8(t), 3930 "im (^e^), 41 1 fie (n), 4274 unb 
jü (ober), sstüai (irer), 45:^7 biebifc^ (b) nach der Göttinger 
Abschrift, 49i5 fin (bie), 5()i fie (^), „ber (n), 5l43nic (t), 5326 
gütlichen (b), 2s ic (n), 502 Oil (\v), 5642 wiber (n), 63^5 felb (fd^eld), 
67i4 bein (m), 7258foll(t), 73i5bo§ (folc^s), 28 mir (b), 74,8 ©0= 



*) Wenn Stirius 36 aus der NB Belege bringt, die zeigen 
sollen, dass schon in den Drucken für bic gelegentlich ein 
angelehntes b erscheint, so ist zu bemerken, dass die ange- 
führten Beispiele nur auf das Konto der Gd.schen Texther- 
stellung zu setzen sind. 



XTV Einleitung. 

)"ore§ (li-pfbra§, oberer Teil des b in B nndeutlicli), 7529 oft 
(felbs), 7% fi*t (fdil), TSin lanb (amVt), ^1;;4 im (bir), S 23« 2)11 
(3Snb), S9 d ^at (b), Balke ändert deswegen [tab soc iu ftatl 
bicnft (brieff), 9-2;..„aü min (ali man), SScUenbet erhält durcli 
diese iibertiüssige Aenderung einen falschen Sinn. (tTs-, gemeint, 
vgl. gemeinen i. Gl. 

Endlich noch einige sich häufig wiederholende Fehler: 
bie statt b^n '^o IO32 1259 4I55 yOjo, bin statt bic 2162 2222 4625 
52,5 0841.40 804.,.,;« *>8,2. 



Es ist durchaus unwahrscheinlich . dass zu Lebzeiten 
Murners au.sser den beiden oben besprocheneu Drucken noch 
eine andere Ausgabe der NB erschienen sei. Ooedeke ver- 
zeichnet zwar noch eine Ausgabe von 1522, die in Wolfen- 
büttel sein soll ; aber eine solche findet sicli dort in keinem 
Kataloge und auch nicht an den Stellen der Bibliothek, wo sie 
aufbewahrt sein müsste (Mitteilung 0. v. Heinemanns;. Der 
Angabe eines Drucks Strassburg 1522 liegt ursprünglich ge- 
wiss eine Verwechslung mit dem Gedicht Son bem groffen 
Jiutl^erifc^en JJarren, tvie in toctor ^Jiurner bejc^)iuoren zu 
Grunde. Mir selbst ist noch von einer Bibliothek eine Aus- 
gabe des LN als 'NB Strassburg 1522' übersandt worden. 

W = Wickramsche Ausgabe. Strassburg 1556 in 4". 45 
Bogen zu 4 Blättern, sign. 21 — ^i)t); von Hij»— 3)t)ia sind die 
Blätter gezählt: j— cljrbij (xij ist übersprungen). Mit Custoden 
am Ende jedes Blatts. Ohne Randleisten. 

Inhalt: [21]=»] Titel: Sie 3iarren be= |1 [d^trerung. || @3n 
gar fel^r fur^iiuiligä Unb || Iu[tig§ 33ü(^[in | inn 3ieimen ge= 
[telt I inn || Jcelc^em gcmelbet tmb angezeigt lüürt | iva^ je^ || unb 
bcr JtJelt lauff önb monier je^ | mit üil f(^6= || neu figuren | fam^t 
einem netren regifter | burd} || ©eorg SBidram auff ein nelceä 
i'iberlefen | || t>nb an öt( orten corrigiert | 2lucf) bie || Stetmen ge^ 
mert bnb gebeffert. Holzschnitt: Der Beschwörer, der in der 
einen Hand einen Kantschu hält, zerrt mit der andern an der 
Stola, die er um den Hals des im Bade liegenden Narren 
geschlungen hat, dem aus dem Munde die Närrlein entweichen. 
Zwei Männer neben dem Beschwörer, von denen der eine ein 



I. Die Ausgaben. XV 

grosses Buch, der andere einen Narrenkolben hält; ein Mann 
hinter dem Narren. 

Rückseite des Titels leer. Der Text beginnt 21 ij* (i)mit 
der sperret und endigt fji}]^ i^h:^'^^^)- Von ;J)h tja— iij'' (ohne 
Blattzahleu) reicht das Register, das die mit gleichen Buch- 
staben beginnenden Kapitel zusammenstellt und zu jedem auf 
das blat verweist (3 Kapitel fehlen). Am Schluss: ©ebritcft 
;ü @Uaf§bug (so!) | |1 ^n Änoblocöä SDrudfere^. || 3)l2).Iöi. Letztes 
Blatt leer. 

Jedes Kap. ist hier wieder mit einem Bilde versehen, 
das meistens gauz demjenigen in B gleicht. In diesem Falle 
habe ich in den Anmerkungen hinter die Bilderwähnung 
in B ein W in Klammern gefügt : sind gauz unwesentliche, 
aber deutliche Unterschiede in der Zeichnung wahrzimehmen. 
so habe ich vor das W noch einen Strich gesetzt: ( — W). 
Es ist mir zweifelhaft, ob der Zeichner (Wickram?) der 
wenigen ganz neuen Bilder in W ein Exemplar von A benutzt 
hat: einige Bilder, wie 51, 52 (s. Anm.), Si, können direkt 
durch die Bilder im NS beintlusst sein, auffallend ist nur, 
dass ein eigenes Bild von A (s. Anm. z. 75), das in B fehlt, 
in W wieder erscheint. A ielleicht hat die Platte dieses Bildes 
auch schon 1518 sich im Knoblauchschen Besitze befunden,*) 
ist aber bei der leichtfertigen Herstellung des Drucks B nicht 
verwertet. Jedenfalls sind die Bilder in W mit rechter L\ber- 
legung eingesetzt, vgl. Anm. z. Kap. 10, 3ü, 09; wie denn über- 
haupt dieser Druck mit ziemlicher Sorgfalt hergestellt ist. 

Jedes Kap. ist mit einer Ueberschrift in grossen und 
fetten Lettern versehen (Kolumnenüberschrifteu in kleinerem 
Druck). Der Vierzeiler, unter welchen, wenn es irgend an- 
ging, das Bild gestellt ist, — sonst steht es oben auf der 
folgenden Seite — ist mit kleineren Typen als der übrige 
Text gesetzt. Der erste Buchstabe jedes Kapitels ist gross 
gedruckt. Einmal ist hierbei ein Versehen vorgekommen, 
indem nämlich 4t3,_4 als Vierzeiler gedruckt und 46 a — d noch 
dem vorhergehenden Kap. zugeteilt ist — weil B, wie oben 



■) Knobloueh übernahm 1516 die Bestände der Hupfuff- 
scheu Offlcin. 



XVI Einleitung. 

angegeben , 463 mit grossen Typen gesetzt hat und diese 
Zeile daher als Kapitelaufang angesehen werden konnte. 

Wahrscheinlich hat Wickram ein korrigiertes Exemplar 
von B in die Druckerei geliefert, denn auch der Text fusst 
durchweg auf dieser Ausgabe. In der Verbesserung der 
Druckfehler in B ist aber W. meist glücklicher als Gd. Er 
hat z. B. alle oben angeführten von Gd. 'erklärten' Druckfehler 
mit Ausnahme von lenblin 7732 berichtigt. Ein Exemplar von 
A hat er dabei nicht benutzt. Denn bei der Verbesserung 
mancher Fehler in B trifft er doch nicht mit A zusammen (z. 
B. 3366 i>fn"/ -lös ein§, S'g in feim auc^), und es bleiben auch 
noch genug störende Fehler — wenn auch nicht so viel wie 
bei Gd. — übrig. 

Wie in andern Strassburger Drucken dieser Zeit ist auch 
in dieser Wickramscheu Ausgabe das Gemeindeutsch be- 
reits bedeutend zur Geltung gekommen. Durch diese sprach- 
liche Modernisierimg sind die Reime oft ungenau geworden. 
z.B. 925:26 öi&t: nit, 1323:26 6it: gibt, — dagegen 844 g et t (g^t): 
tt>eit, ebenfo 54i8 im Reime auf jett. Wenn es auf dem Titel 
heisst, dass bte SReimen gebeffert seien, so bezieht sich das nach 
dem damaligen Sprachgebrauch auf die ganzen Verse. 

Aus metrischen Gründen sind zuweilen kleine Aeudo- 
rungen vorgenommen. W. scheint den Achtsilbler am meisten 
bevorzugt zu haben; er hat ihn z. B. durch Streichung ein- 
silbiger Wörter hergestellt: 83., [bir], Jsa [3Snb], 12i6[ber], 3S«;; 
[all], SQssfoId^en narren [fac^], 7S3g [bas], S2,oi[3Ü]; durch Hin - 
zufügung oder sonstige Aenderung z. B. 47; britten mal, !>,„i 
Stalü \ xot I grün | bnb auc^ bar jil gel. Doch finden sich audi 
zahlreiche Neun- und Siebeusilbler und zuweilen auch Verse 
mit grösserer und geringerer Silbenzahl. Zehnsilbler z. B. ü,,,,, 
mit B : üon tem lanb, ßOi mit B : berfd^Iucfen [el^e ist noch da- 
bei emsilbig gezählt] ; Sechssilbler 524, wo tfjüt gestrichen ist. 
Rhythmisch sind die Verse durch solche und andere gelegent- 
liche Aeiiderungen nur verschlechtert. 

Wickram modernisiert inhaltlich, indem er histo- 
rische Angaben so ändert, dass sie auch für seine Zeit aktuell 
sind oder doch erscheinen können, öss majrimtlian J W bcn; 
lobmirbigen man; so ändert er auch 619: SSber jrn Dbevften 
^au^tman. II22 toenebiger ] W g-ran^öftd^ien, «s^ünig jü meitanbtj 



I. Die Ausgaben. XVII 

W Reifer bor 3)U^, V. 25 beisst nun: '^m Semont im lt»efd^en 
lanb, oo pa'tua ] W Sßingral. 2484 S* ^ort 5e^ meinen jungen 
tagen. Sö^-, in 56bem ] W an etit* orten. STio^ — iss (Persön- 
liches) ist gestrichen. 

Grössere Zusätze finden sich nur dreimal. Nach 637 
folgen 62 Verse, *) in denen eine recht lebhafte Klage über 
das Landsknechts- und Kriegsunwesen geführt ^sird, nach 
11,;4 sind 16 Verse**) (über Priesterpflichten) und nach 52iö 
1 2 Verse ***) (vom bösen Thun der Kinder) hinzugefügt. 

Fehlende Reime sind ergänzt. Da B TUgg fian 
statt f)?elien im Reim auf fe^en hat , so heisst nun bei W der 
Vers : Set? ber luarbcit tijii ic6 je^en. Vgl. ferner Anm. z. 7^^ 
u. 13.J4. Ein vierter Reim ist 13i, 22,7 u. 344-, hinzugefügt, hin- 
gegen ist ein Vierreim vermieden, indem aus 111^7.128 ein 
Vers gemacht und V. 130 gestrichen ist. Vt^a will W. den Reim 
bessern, indem er ^c^t ^ab i* anberc Unberum (2)ie) schreibt 
und O48 streicht. 

Aus technischen Gründen scheinen zuweilen Verse 
liinzugefügt oder gestrichen zu sein. Am Schlüsse einer Seite 
ist zu 24;;8 u. 5643 ein dritter Reim gefügt xmd sind statt 253., 
(ein 3. Reim !) 2 Verse mit neuem Reim gemacht ; V. GSoi ist 
zn einem Verspaar erweitert, das auf die folgende Seite ge- 
stellt ist. I64., — ..s und 31,.7.ys, Verse, mit denen eine neue 
Seite beginnen müsste, sind gestrichen. 

Aus stilistischen Gründen hat W. 2O5 f u. 73^2 f. ge- 
strichen und 21«; — ,;., stark geändert, vgl. ferner die Anm. z. 
2U|y. Die imklare Stelle 2341—44 fehlt. Nach 6r,,j sind zur Ver- 
mittlung des Uebergangs 2 neue Verse eingesetzt. 

Wegen des zu derben Inhalts hat W. statt lOis— 30 u. 
13^3 — ^5 (vgl. Anm.) je einen neuen Vers gemacht. 

Um Zusätze und Abstriche hier vollständig anzugeben, 
"iei noch auf die beiden Verse hingewiesen, die nach 126o (s. 
Anm.) folgen, imd bemerkt, dass statt lOii—^s 6, statt 93-25 — -9 
(V. 24 ist stark geändert) 5 neue Verse 7) eingesetzt sind. 

*) S. Kloster 4. 637 tf. 
**) S. Kloster 4, 657. 
***) S. Kloster 4, 771. 
f) Im 2. Vers fehlt im Kloster 4, b71 (nach der Ausg. v. 

155S) ntt vor foll. 

b 



XVIII Einleitung. 

Weitere Aenderungen des Textes habe ich, wenn sie in- 
lialtlieh oder sprachlich Charakteristisches enthalten, in den 
Anmerkungen augegeben. Besonders gern habe ich Wickram 
das Wort gelassen, wenn durch seine Aenderung eine um- 
schreibende Erklärung übertiiissig wurde. Im ganzen hat W. 
nicht übel seines Amtes gewaltet, er hat den Charakter des 
Buches nicht verwischt und den Text — vom Standpunkte 
seiner Zeit aus betrachtet — sorgsam genug behandelt. 

Exemplare von W in Berlin, Göttingen, Hamburg, 
München (die 3 letzten Blätter fehlen), Wernigerode, 
Wolfenbüttel. 

W, = Strassburg 1558 in 4". Die Druckeinrichtung ist 
ganz dieselbe wie in W. Die Seite, auf welcher die SJorreb 
beginnt (Sttja) ist hier mit ij bezeichnet, so dass von EÜj ab 
die beiden Ausgaben auch in den Blattzahlen übereinstimmen. 
Titel: 2)ie 9iarren bejcl;h.i crung. || (Sin gar fel^r nu^lid); 
eö I fur^lr etil ige'? önnb hiftigee-. || ^i'tc^lin | 3" iüefd;em gcmelbet 
inmb II angezeigt iwirbt | iua§ l;e^unb ber föelt Smtff || önb 9Jiomev 
fe^ I mit Dil fd^6nen ?yigu= || rcn | fam^t einem neuluen 9ie= || giftet 
gejieret. Bild wie in W; darunter: Surd^ ©corg 3Bicfram 
auff ein || ueuiDe^ bbertefen 1 2Iuc6 bie SJeimen || geme^ret bnnb ge; 
beffert. Nach dem Register, das nicht einmal in den (hier 
nicht mehr stimmenden) Hinweisen auf die Blätter bis jij ge- 
ändert ist, folgt die Druckangabe: ©cbrudt 3U ©traf§6urg | !' 
Sn Änobloud^g ©rurfere^. || aJJ.S.Ibüj. 

Die Abweichungen im Texte sind nur solche, wie sie 
bei einem neuen Satz vorzukommen pflegen. In dem Münchener 
Exemplar von W lautet 2O25 wie in A und B ; ein übereifriger 
Korrektor muss aber während des Drucks von W^ seines 
Amtes gewaltet haben, denn das Göttinger und Berliner 
Exemplar hat das naheliegende, aber unrichtige öerbanbt (s. 
Anm. z. 2O25); Wi giebt nun gar den Vers in folgender 
Fassung: ®r ioirbt b er fc^I offen bnb öerbanbt. 

Diese Ausgabe von 1558 ist im 4. Bande des Klosters, 
und zwar — wie ich aus den Setzereintragungen bemerke 
— direkt nach dem jetzt in Berlin befindlichen Exemplar 
Yg6444, abgedruckt. Aus diesem Abdruck kann man sich 
zur Not auch über W orientieren. 



I. Die Ausgaben. XIX 

Exemplare vou Wi iu Berlin. Weruigerod e, Wolfeu- 
büttel, Strassbnrg. 

W, ist die Vorlage gewesen für den Nachdruck : 

Vi'., = granffurt 1 565 in V'. 26 Bogen zu "> Blättern, sign. 
9t— (ic. Von 2lija = 6cüa sind die Blätter gezählt (2 — 205). 
Mit Custoden am Ende jeder Seite. Ohne Bilder. 

Inhalt: [2t j '^] Titel : Sefcfilrerung ber ':)iarren. || (J in fefjr 
f u r 5 = li Jü e i n g § b n b I u fi t ci § 93 ii cfi || lein | in trefc^etn gemelbt 
tonb ange-^eiget || tuirbt | »Die eö faft je^unber in ber 2I?cIt[auff 
uigcf^et. Giftlirfi üerbeutfrftt burc^ ©ecrflen p 31>icfram | jeMinb 
aber linberunit» bon neirem !' Dberfe^en | ßnb mit ütel Jicimen ge: 
mehret | || ütucf) mit einem orbenlichen Diegifter ; 1| tüo ein jebeä jü 
finben fet). Holzschnitt: Vier abenteuerlich aussehende Männer, 
von denen der eine ein grosses Buch, der andere eine Büchse, 
der dritte eine seltsame Laterne (um welche Insekten fliegen), 
der vierte, eine Flasche in der Hand hält, umstehen den 
auf einem Zauberkreise liegenden nackten Narren, der ein 
Niirrlein erbricht. Darmiter: ©etrucft ui ijiranHurt am 
•Mat)n I 1565. liückseite des Titels leer. Text von 3(ija (2) 
bis (Sc ip' (202 M. Unter dem Text (Mitte): (Enbe biefeg 5364= 
Itnä. Arabeske. Register von 6c üj» (203) — 0^(205»')- Dar- 
unter : Cnbe be§ JRegifler?. Arabeske. Druckangabe auf 6c 6« : 
(^ctrudt 5ii || Jranctfurt am ÜlJatin I |l bei 2)iarttn iecfiler ;sn |; »er« 
legung 3igmunb Jener; i abcnbs üiib Simon „ >^üter§. Darunter 
das Verlagszeichen mit den Namen: SKiMVND FEIKABENT . 
SIMON HVTTER und die Jahreszahl M.D.LXV. 6c 6^—b leer. 

Die Druckeinrichtung hinsichtlich des Vierzeilers vor 
jedem Kapitel, der Kuhmmen- und Kapitelüberschriften wie 
in Wj. Das Register mit neuer Jc''^'-' Ajigäbe ist um die in 
W] (und W) fehlenden Kapitelüberschriften ergänzt, die nun 
zuletzt stehen. Die mit Sff in Wj beginnenden Kapitelüber- 
schriften sind mit 3üiff unter 3t gestellt. 

Abgesehen von geringfügigen orthographischen und sprach- 
lichen Aenderungen ^weiteres Vordringen des Gemeindeutschen 1 1 
weicht W.j von Wj im Texte nicht ab. Selbstverständlich sind 
oflenbare Druckfehler verbessert. Bemerkt sei noch , dass 
der Nachdrucker für gmeber :i5^, (W,WBA) gmefter setzt, was 
ich freilich nicht für das Richtige halte, mid dass er den 

b* 



XX Einleititng. 

Druckfehler fenblin ll---. (W,WB — {»cnblin A) in finbttn ändert, 
wodurch die Stelle einen gar komischen Sinn erhält. 

Exemplare von W2 in Berlin (Yg 6448 u. au Xf 10T(i2) 
U.Rom (Bibl. Pal. 415). 

Weitere Drucke der Wickramschen Bearbeitung kounte 
ich nicht finden. 

Das Verhältnis der bisherigen Ausgaben ist also folgen- 
des: A (1512) ist die Originalausgabe, B (1518) ist ein fehler- 
hafter Nachdruck [den Goedeke seiner Ausg. zu Grunde 
legte;*) einen Abdruck des Gd.schen Textes bietet Balke]. 
W (1556) ist eine Bearbeitung von B, die 1558 uoch einmal 
gedruckt wurde: Wi [abgedr. in Scheibles Kloster 4, 613 bis 
889]. W, ist wiederum Vorlage gewesen für den Frankfurter 
Nachdruck W2(1565). 



II. Der Neudruck. 

Der Text des vorliegenden Neudrucks folgt der Ausgabe 
A,**) die allein auf Murner selbst zurückgeht. Die nicht 
sehr häufigen Abkürzungen sind aufgelöst und Interpunk- 
tionszeichen von mir eingesetzt, daneben sind die iuter- 
pungierenden Striche, die oft für den Satzton ihre Bedeutung 
haben, beibehalten. Gewisse Uugleichmässigkeiten des Drucks 
— wenn z. ß. am Anfange der Kolumnenüberschrift oder des 
ersten Verses eines Kapitels die Minuskel f angewandt ist 
(das 5? in grosser und fetter Schrift wird der Druckerei ge- 
fehlt haben), oder wenn ein Vers fälschlich vor- oder ein- 
gerückt ist***) — habe ich nicht bewahren wollen. Die 
Kapitelüberschrift konnte im Neudruck nur selten als Kolumnen- 



*) Die sprachlich erneuenulo Ausgabe von Karl Pannier, 
Reclams Universal-Bibliothek [1884], No. 2041 — 2043, die Gd. 
folgt, möge hier noch erwähnt werden. 

**) Benutzt ist das Strassburger Exemplar, mit dem das 
Liizerner verglichen ist. 

***) Es ist nur selten geschehen. Vorgerückt: 4835 TS^., 
8535 8645 (in diesen Fällen eröffuet der zweite Vers eines Drei- 
reims eine neue Seite) 742 2" d »• ^^t»- Eingerückt: 92i3o (Ende 
der Seite). 



IL Der Neudruck. XXI 

übersclirift gesetzt werden; über die beiden inneren Seiten 
habe ich diese nie am Anfangre eines Kapitels verteilt. Die 
Blattsiguatur ist in eckigen Klammern augegeben. Die von 
mir angewandte Zählung der Kapitel und Ver?e stimmt mit 
Gd. überein. (Der einleitende Vierzeiler wird mit a-d citiert). 
Zum leichteren Auffinden ist oben die laufende Nummer in 
einer eckigen Klammer angebracht. 

Die Bilder sind auf photolithographischem Wege herge- 
stellt,*) sie mussten jedoch sämtlich aus technischen Gründen 
um deu vierten Teü verkleinert werden, wodurch sie an 
Schärfe und Deutlichkeit aber keineswegs verloren haben. 
Natürlich konnten die Bilder nicht immer wie in A unter den 
Vierzeiler gestellt werden: sii' sind alsdann auf der nächsten 
Seite unten angebracht. 

Im folgenden gebe ich ein Verzeichnis der im Neudruck 
verbesserten Druckfehler von A. 

1) Druckfehler, die in B verbessert sind: 

•-',3 glfo {20, ,9 51a^ (S), « nicmamtä (n), «« natren (r), ,05 
nai-rrn(e), „e fciHcn (c;, 3d etften (r), „; Jtierftanbt (v), 4n6 fo^er 
'D, ,.v, htffet (in. .5;;4 bii§ (n), «3« nie (e~), 52 i'eniS (u), ^-^ c§ (r), 
,.„ 9C)c&igcr(ldinM, 125 gUhenbt (i), i^^ barüben (r), Tj« battter. W-, 
oc§]>oit**) (r), a falfdten (f), ,, 91 dufter**) (fcfilr), 14oof6c^terbt (6r), 
159«o;irtc^t(e), 17,9 t^orcdicc (t), ^o vioftoff en (e), osf^d'), '20, natren 
(r), 6G fcaä (?), 21,, crenBlin (u), 24, iattel (s), , ^vtlHi) (c), 34 flbcncf 
(t, vgl. DWb. 4. l.l,2(M)'.t), 2.3;, ba§(c(\ 27,., nereu (tt), ^...V^rfinbt 
(Pf), 2'?4:; pantM"), 30^4 ünbeftan (er), .Ml..,; gafe (an), 32s4 ßom (n), 
.■<9r,5 c(cftel(r), 4(t.. anbrn (be), ,„ amplüt (pt), .-, nach tra§ fehlt 
er, 4239 6alb (6), 43, ^oub (n), ^s bn (u), 45.,, gotr (t, B got), 47, 
a>enns(u), 48^6 f tinunen **♦) nOs, f^ (f^n, B fein), es 5"cc^^ ^2« 
tbut (e), 55.5 i^ {id}), 57«^ fuuft (n), öSas ir (e), 59^ gfc^tnbt 
(idnr), „; uiemant (n), 4, muubt(n), 646i Äan (S^ann), 67, tintl, 
50 fouffmanfc^a^ **)()), (i9...5 natr (r), :2b 5ßn (b, B 5ßn), 7;u. (ja§ 
(b), 746-, ftaubt (bf ) , T64oetn(m), 47 anneu"^*) (n), 7857 gnaut 
(n), 803 er (id^), sstterraditen, S233 ftebre, S3 Ueberschrift : f)ei= 



*) Nach dem Berliner Exemplar, in dem leider die Bilder 
zu 54 und 55 koloriert waren. 

**) Im Luzerner Exemplar richtig. 
***) Im Luzeruer Exemplar t^nnnen. 



XXII Einleitung. 

liöoiKn) S4y5 f^red^eu 0"), ^5. d^affen (fcft), ,., ]>i-icc^'t, ^tii2 90ul^ 
(c), 6ofouff(t), S9 Ueberschr. brrcf(e), i)(U btc6 (!), i»-).,;, llibfen 
(e), Oösifataften (fan), 97,9 aUe§ at(e§. 

2) Druckfehler, die in W verbessert sind: 

(5,:« 2lrifmetica*j (t, W t^), 224., blt?bg, 20«. 5 (n), 27oi iiiemanä 
(ncmenä), 863« [lecfer 0), 39,« So (u), 42,ofecfena), SUfoCI), 6463 
l"dinctbcn (vgl. Töts), SDioo 6cbüt (W^^erbit, vgl. Aum.), 85,« ©l; (o). 

3) Druckfehler, die in B und W nicht verbessert sind : 
24i:;**)fcrmanbt(tn, W, fernanb, Woferbnanb) 35bi gmcber (gen 

b.), T3,, int§ tou (fuis tout, vgl. Kap. SS), S34i forfier (f), 92,s4 
nun, W neun (mtin). 

Die Korrektur des Textes habe ich mit grüsster Sorgfalt 
gelesen, doch haben sich leider in den Reindruck einige 
Fehler eingeschlichen : 

Kolumnenüberschrift S. 82 u. 83 feberen (febern). Ueberschr. 
S. S4 naruug (nannuj). Ueberschr. Kap. 52 unb (l>nb). IRss 
ist ilJJtt von Irürben zu trennen. Das Komma in 87.21 gehört 
hinter it>. Ausgefallene Buchstaben: f in )et)enn Ueberschr. 
Ö. 15, re in S5rets20,,, -^ in [tö^J. 



*) Doch vgl. die Schreibung armiidrica in einem Mcister- 
liede bei Bartsch, Beiträge z Quelleuk. d. altd. Litt., 275. 

**) Zu diesem und dem folgenden Vers sei hier noch die 
Anmerkung nachgetragen, dass in Strassburg 1509 ein Buch 
mit dem Titel erschienen ist: S)iS bücfilin faget n,ne bie jliK'l 
cuidjlüd^tiflfte Ijerrc l^er eyernanbu^ . Ä. i\\ (5afti[ien | ünb fter 
(i'niauuel . ik. \\\ "■^ortugat [;aben ba^S liierte m6r erfüc^et Dnnb fun = 
ben inl 3"fiilf " i wnnb ein 9cütre | lüelt. S. Kristeller No. 123. 



I 



Inhalt. 



Seite 

Vorrede v — vi 

Eiiileitnus: vii— xxii 

Die N a r r e n b e s c h w ö r u n g. 

Nachbildnng des Titels 1 

1. SSorrebe [oija] 3 

2. SSerad)tung be-? bicfitev» [aüj*'] 5 

3. Gin hjed&fen nafe macben [a»!"] 9 

4. Starren fetten [aS'^] ' . \:i 

5. ©eierte narren fcöinben [bitja] IS 

6. ®eud) ö^ brieten [b6i>] 24 

7. 3}iit gott ber gei^ l^ieften (cji>] 29 

8. Söffel fc^ntiben [ciij»'] 32 

9. Sie lenben fdbmteren [cb^] 35 

10. $ßon efel gürten [c7^'] 38 

11. 3>ün ftroem bart f(ec6ten [bj»] 41 

12. g-antaften beiden [btiii^] 46 

13. (£ed biei'fen [bot] 49 

14. Sen äffen fdieren [bT^j 52 

15. Gin fachen ab bem jun brecben [e j '»] 56 

16. 2er berloren ^uff [eüj'^] 59 

17. SSon ber gen| lüegen [e5^] 63 

IS. SSff ber flefc^en rtcmen tretten [e7''] 66 

19. ©uatter über ben jun [f j''] »>9 

20. 2)er cbriften glonben bff ftel^en [fiiij"] 74 



XXIV Inhalt. 

Seite 

21. @in lod; biir* ein. brieff reben [fö'']. 76 

22. Ser befetcfit facf [f?»] 79 

23. 35te feberen f^i^en [f S^] 81 

24. Sie fattel narung [g ij ^j 84 

25. ©c^elmen bein im rucfen [giiija] 86 

26. öeiufdjrecfen Dnb flöc^ funnen [g(>«] 9(> 

27. ©tiel üff bie bencf fe^en [gS»] 93 

2S. 2ln bag brct fommen [l^i'>] 96 

29. 5"fe baften [biij"] 98 

30. S)er !elber ar^et [biiijij] loi 

31. 2)er £>unbt, ber ba§ leber fra^ [ifü-'] 104 

32. 3iOU blatüen enten ^rebigen [1^8»] 107 

33. Sie fc^aff fd^nnben [üj«] 110 

34. 2)en lüfen ein [lel^ madben [iiiij-'] 113 

35. 35er ^eiligen gut [io''] 117 

36. Sie brenbt fdiiren [f j^J 122 

37. SRofebred fc^iümnmen [f ij "^J 124 

Sb. ®^er bff bem aliav ftnben [tiiij=»] 127 

39. Sen ax^ in bie fc^an^ ]d}la^en (f 5^'] 129 

40. Se§ h)oIp pxtiiQ [tl^] 133 

41. Sen Wienern bie fcbtüen| bff binben [Ij>'] 136 

42. Saö röfelin mad)en louffen [Hij'^] 140 

43. Sen farren fcbmieren [15'»] 143 

44. Äa^en rein [17-^] 146 

45. 3" ^et" grinbt Ulfen [mja] 149 

46. ©in l^agel fieben [miii*] 152 

47. Saö ^efelin jü fe^en [miüia] 154 

48. £oren| ifl telter [m5*>] 157 

49. Sa§ gra^ l^öreu tDad)fen [m7a] 159 

50. 3ü ban| [teilen [m8'j] 162 

51. Sen brtif>)it3 in facE ftoffen [nija] 164 

52. Ärieg bnb l^effeu 5erbred;en [niiij''] 166 

53. Sen efel überlaben [niiij ^J 168 

54. S8^ ber na[en fieren [n6a] 171 

55. SBnber bem ^ietlin fpilen [n7'»] 173 

56. Üiegen burd^ ein fte^elin berg [oj»] . . . . . . . 176 

57. 3!}Ht brerf rein icefc^en [oiij''] 179 



Inhalt. XXV 

Seite 

58. S5ie hjolp Wal {omi^] 182 

59. S)en äffen leren g^gen [o ti «] 1 84 

60. ®in gütten magen Iiaben [cT'>] 187 

(51. 2)er geftrtiffet leb [t)jb] 189 

62. 2)a§ lürlig 5ab [^iii»] J91 

63. Sd^elcf iagen [^iiija] 194 

64. Sem tüfel jhjet) lierfit anjinben H)5i'] 197 

65. SJögelin laffen forgcn [pT»] 199 

66. ein gcbife anlegen [^^S^] 202 

67. 932it bcm iuben ^pk^ rennen [gii^J 204 

6S. S)en bredf rütten, ba§ er ftincft [iiiij'-] 207 

69. 9Jad& ber bccf fid^ ftrecfen [qöa] 209 

70. S8ber bas feil lüerffen [q6bj 212 

71. S)ieb ab bem galgen nemen [q's'^] 215 

72. (Sin efel lat^n leren [rij»] 21b 

73. 33^ einem Idolen Isafen reben [riijt'] 22o 

74. SBff einem ftecfen rbtten [r5i'] 223 

75. (gier itJonnen [r7«] 226 

76. 5ßff ben groffen puffen fd^tiffen [rS>'J ...... 229 

77. @ng gebrifen [§ij='] 231 

78. ®üt frum büb fbn [Siiji'] 234 

79. 'Den bunbtfc^ud) üff loerffen [§5»] 237 

80. ©in Uitcn fdbla^er im l^erhen ^on [^Ü^] 2.39 

51. Sag finbt mit bem bab »fe fdntten [tj»] 243 

52. ©in efel ümb gelt fd^inben Itiii»! 246 

83. Jl^ürung ber l^eiligen [tiitj''| 249 

*S4. i'ff bem jan öfj gon [te»] 252 

S5. 2)er ^^etterä fopff [t 7^] 254 

S(i. Sag goud» gefd&reti [öj**] 25"!» 

87. (sin riit tff ftm eigen ar^ macbeii [t" iij''] 261 

SS. grünbtticber bienft öff ber nufifd)a[en joüif''] . . . 263 

S9. 5JUt bred berfigeten [ö5i>] 264 

90. SSor bem berren bifd&en (o6i>] 266 

91. Sie oren taffen melden [b7i>] 267 

92. Sie groffe gefelfd&afft [fSb] 269 

93. Ser narren ^arn befeben [riiii='| 275 

'II. Sev narren njbdnraffer [rti''] 279 



XXVI Inhalt. 

Seite 

95. S)er narren b^d^t [rS^] 281 

•)(). 3er narren buft [i) m^'] 287 

97. ©ntfd^ulbigung be§ bid^terg [t)ö^'] 289 

Anmerkungen und Glossar. 

Abkürzungen 294—295 

Anmerkungen 295 .540 

Zusätze imd Nachträge 340 

Glossar 841— :^T1 

Berichtigungen "^'2 



^ä) ^q6 fo mand^e nad^t gett)a(^t 

SSnb alle ftdnbt ber inelt betrad^t, 
9}Jan(^ f)urniiB Dnb manc^ bremmen fticft 
|)ab ^eimelic^ erlitten ic^, 
5 33if i(^ 311 bifen eren tarn 

SSnb mtc^ befc^tporenS ane nant, 
5)ie narren öon ben (ütten jii bringen. 
®Ioub mir, ba^ icft in bil'en bingen 
ißerroret ^ah manc^ futen fc^raeife 
10 35nb fraßt mic^, bo mic^ nienbert bei|. 
^d) i)ah burc^ flieget j onb burc^ Men, 

Db tienbert roer ein man geroefen, 
5)er mic^ bie rechte fünft möc^t (eren, 
S33ie ic^ bie norren foü bei(^n)eren, 
15 5önb f^ab burc^ föanbelt manches lanbt, 
@e id) bie rechte fünft erfanbt, 
5)arinn \d) t)e| bin meifter roorben, 
@in narr in aüer narren orben. 
2)er narren orben ift fo gro§, 
20 S)a§ er fült ad roeg onb flro§, 
^örffer I flett | flecfen, lanbt; 

2)ic §at ön§ all febaftian branbt 
. 9}ät im brad^t im narren fc^iff 

SSnb meint, es ijab ein funbern griff, 
25 £üd) fpent bfunber fünftriic^ fachen 
SSnb ft)nn nit lieber narren machen, 
@r ^eife bann, mit er fi) genant, 

2)er narr febaftianuä branbt. 
Sft er ein narr, al§ er ba§ fc^rijbt, 
30 80 mei^ \<i) nit, fter n)t)f; belebt. 
($r burt mi(^, ba§ im rot)&f)eit brift, 

SSnb er fo gan| einf eltig ift; 
^od^ ^ab xd) in für mi)B geatzt, [a ij^] 
5)a§ er fid^ felb§ ^üm norren mac|t. 
35 ©r ^at ein f^iff fart offgerift, 
2)0 finbt ein t)eber, mer er ift; 
333a§ lieber fq, raürbt er berieft, 

^er eben mar nijmpt fi)n gebiegt, 
^octor branbt f)at manchem man 



I: 58orrcbe. [l 

40 2)tc narren jc^ettcn fnipffet an, 
2)cr ba§ liefe tufent gulbin gelten, 

ajian borfft in feinen narren fi^etten. 
Sfiorren mad^en ift fein fünft, 

®§ ma^t fid^ felber birf ömb fünft; 
45 3ln fcoumen luad^fenS onb on eften, 
@o finbt tk narren t)e| bie beften. 
©alomon fpric^t, ber narren gol 

Sßnttjifetic^ ft) gan^ überall, 
35arumb e§ mir fein rounber ift, 
50 S)a§ boctor branbt fein narre brift; 
5)ann wa bie narren brot nit effen, 

9Jian würb ben rodEen roolfter nteffen. 
3Sit narren ^aben ift ein bürben; 
S)a§ h)ir ber narren tebig mürben, 
55 ^db \ä) ein nüroe fünft onb leren 
@rbicf)t, biefelben jü befc^roeren, 
SSfe unfern lonben traben bannen 

35nb in bie melfc^en lenber bannen 
ajiit n)t)fer ünb fünftrt)c^er ler, 
60 2)a§ ft) feim menfd^en fd^aben nter. 
®er narren bf^ttjerer bin ic^ gnant 

58nb fenn ein narren burd^ ein föanbt. 
Üütfd^Ianbt ^ett nie roerbern man 
2)ann mid^, fo id^ befc^moren fan; 
65 @§ bett fein fac^ nie alfo nott, [a iij^] 
©0 iepnb narren gonb in rott; 
gürften, Ferren norren finbt, 

3n clöftren id^ aud^ narren finbt. 
2Bo ic^ ^t)n greiff, bo finbt ic^ narren, 
70 2)ie ju fd^iff önb ou(^ jü farren 
^mmen finbt mit boctor branbt 

!önb f)anbt gefült alfe bütfd^e§ fanbt; 
2Bir finbt ber narren ober laben. 
SZerrfc^e geft finbt nit on fd^aben. 
75 ^eberman be§ narren lac^t, 

Dn ber in b^erbergt obernad^t. 
2)ie alten, bie ba§ gfefien ^anbt, 
©agcnbt, ba§ in bütfd^c§ lonbt 



2J 3?orrebe. 33erad^tung beg btd^terg. 

5)er gecfen fem ein groffeS ^ere, 
80 2)ie ft) öertriben fianbt mit tocre; 
Se§ finbt bie gecfen miber !ummen 

83nb ^anbt fill narren mit in genummen 
58nb finbt mit boren fo gerift, 
2(t§ mie ein jocob§ bruber ift 
85 $mit müfc^len attentöolb bef)encft. 
9^ün raten 511, lügt onb gebenrft, 
3)a§ mir ber narren bn§ entlieben, 

SSff ba§ ft) bn§ nit meiiter fc^ieben; 
2)en narr^eit ift ein f^ebli(^ bingf, 
90 2)a§ gar balb ünb ouc^ gar ringt, 
@in groffen, met)ten einbruc^ büt, 
(So fi) befi^t ein§ menfd^en miit 
SSnb murmlet e^n fo fiefftedid^, 
5)a§ bu nt)mmer ermereft bid^ 
95 SSnb müft ber narr:^et)t fterben bot; 
35ann puffet nüt ju biffer not. 

@inbt ir berfelbig geürfelman, 
2)er fid^ be§ bfd^m6ren§ nt)mmet an, 

'S)a^ fein v^iIofop^u§ nit fan 

SSnb falomon nie borfft önberftan? 

Sieber münc^, ^err bomine, 

83^&t mid^ nit, t^iit mir nit me! 
Sr finbt ber murner, id^ fenn üd^ luot, [a iiii"] 

©Qt menn finbt ir ber fünft fo üol, 
5 2)a§ ir bie narren mi^ folt leren 

SSnb ir tf)or^eit öon in bfd^meren? 
@o bod^ d^riflu§, önfer ^erre, 

äRit fi^n mercEen, mit f^ner tere 
SItle francE^eit miber brad^t, 
10 2)od^ nie fein narren mt)B f)at gmad^t; 
?)e^ miltu önfer norren bannen? 

9ied^t mie ba§ b6§ t^iit in ber mannen, 
5lIfo mürffftu bic^ felb§ ^er für. 



6 



SSerad^tung bc8 bid^terS. 



[2 



S8u| bicfi, rnünc^, fiinber bie tt)ür! 
15 55u \oÜ bar für ben pf alter fingen, 

9tit ümb ben narren fotben ringen. 
mixnä) ijlfan, raa ^oftu e§ getert, 

S)a§ man bie narren tt}i)f befd^tüert? 
Safe bid^ mit narren. önbef(iiffen! 
20 getieft bid^ bar für gefliffen, 
5)a§ bu tife rat)fen narren med^t, 

S)ie felbig orbeit mürb bir fd^led^t, 
SSnb ferne bid^ tiit t^d^ter an, 

3u nerren einen wt^fen man, 
25 ^I§ taiita fampfoni ti)et, 

®ie moren falomon gcnerret ^et. 
^d^ ta§ bir§ ju | bfc^ttjer ^in ünb ^ere! 

Xufent narren ober mere 




2] Sßerad^tung be§ bid^terS. Slntlvurt be§ bid^terS. 

(Soltftu 60^ in ftj^fen §tt)tngcn, 
30 ®ann nun ein falben ü§^er bringen, 
gantoften | narren | tt)orcn | gecfen 
kleben [tt)ff red^t mie bie jeden; 
(5§ finbt nit boctor murnerg fad^en, 
5)a§ er ein narren tt)t)^ tünbt mad^en. 
35 2)arumb niu| id^ nit)n bud^ jertad^en, [aiiii' 
5)a§ er bie fad^ irit ünberfton 

Sßnb ^at felbS föol jtüolff legion, 
'äU üil bo§ id^§ nit jelen mag, 
Sßnb nterenbt fid^ oon tag gü tag, 
40 S)ie alten mad^enbt iung in bir, 
'Hlnn mürftu t)e|unbt raten mir? 
(Soltftu b^n narren teüffen Ion, 
SQSie gro§ tt)ürb f^n ber felbig |)(on, 
S)o bt)ne guatter möd^tenbt fton? 
45 @§ fd^obt bir nit, ba^ iä) bid^ ftraffen. 
§err bomine, gonbt, ligenbt fd^Iaffen, 
Spart ümem atcm, üroer leren, 

©tonbt ab öon üroerm narren bfd^ioeren, 
Dber fa^t§ an üd^ jetber an, 
50 @o fed^t ir, ob e§ mög befton. 

3)a§ id^ üä) bin ein goudel man, 

5)0 mögt ir frt)tid^ red^t an tian, 
®en id^ ben narn in bifen fagen 

9Jiit goucflen mand^eö t)ob öerjc^Iagen. 
55 ©alomon fd^rt)bt onb lernet mid^, 

2)a§ !ein mt)Peit reben id^ 
@oI I mit einem nerfd^en man, 

@r meinet fünft, ba§ er oud^ !an 
S33t)|Iid^ reben ünb geberben. 
60 2)ie narren haVö l^offertig werben 
SSnb öerad^tenbt ^eberman, 

S33a§ einer fad^t mit fd^rt)ben an. 
^ä) bin murner, mt)n§ t»atter§ namcn 

S)arff id^ mi(^ üor niemant§ fd^amen. 



8 Slntiüurt be§ btdbterS. [2 

65 ^enftu mic^? ^a», gfc^tc^t 6ef)enbt, [a5*] 
3)a§ ein narr ben anbern fent. 
^ä) bin ein narr, ba§ tt)ei§ id^ mol, 
SSnb [ted ber iungen narren üol, 
2)o§ man in allen mtjnen wtxäen 
70 Slnber§ n^mmermer fan merden; 
3ll§ mir bie dr^te ha^ entbecEen, 

S)ie narren werben mic^ erftedfen. 
^c^ lüa§ erft ge[tern ht) eim man, 
3)er felb ift oucf) geflorben bran, 
75 33^ bem bie narren nit finbt triben, 
83nb ift ein narr in tobt belibcn. 
gd^ jagt im Don bem t)t)meIrQd^, 

55o jeigt er mir ben folben gtl)d^, 
@t)n narren!a^pen, ftine oren; 
80 @r ma§ fo üol ber iungen ti)oren, 
2)a§ er baran ermorget ift. 

Db mir ba§ felbig ouc^ gebrift, — 
2tt§ id^ beforg ba§ felber oud^, 
S)a§ mid^ ber narr, ber tiebe goud^, 
85 93iB in mi)n tobt nit n^erb tjertaffen, 

3}Jt)n narren jd^fic^ nit öff ber [tröffen 
®an^ ünb gar gerr^ffen mog, 

9Jit)n t^or^eit n^mmermer t)in(eg — 
yioä) gibt bie gfd^rifft ben önberrid^t: 
90 €)h fi(^ bie merdE üergl^d^en ni^t 
SJJit tjnfer tere | mit unfern Worten, 
55od^ foüenbt wir an allen orten 
2)ie marfieit laffen fürfic^ gon. 
2)ie ler {)at c{)riftu§ felb get^on. 
95 SBen irf) bid^ ler, ba§ id^ nit t^ü, 
@o ftraff iö) mid^, ler gott barjii, 
S33ie er mid^ bort oud^ ftraffen fot; [o b^] 

9lüt anber§ id^ bar üon ert)ot, 
5)en ba§ id^ bid^ mott leren gern, 
100 SSnb Ut)h ein narr ic^ t)ür oI§ fern. 
®eb id^ bir aber gotlid^ lere, 

3)ir gü nu| önb gott jü ere, 
SSnb n)t)^t bic^ ö^ ber ^eiligen gfc^rifft, 



3] 2Intit)urt be§ bid^iter^. ©in h?ed^fcn nafe mad^en. 

2Ba§ gtücf | onb i)eil | ünb jele antrifft, 
105 @o ift be§ narren bf(^merer§ Ion, 

S)a§ er ber fünft ^a6 rec^t get^on. 
9Kl)n batum f|ob ic| alfo gefegt, 

5)a§ icf) mit roillen niemant^ le^t; 
^d) reb in lufft ] önb bid^t ber gemein. 
110 SSurff ic^ bic^ mit eim fd^elmen bein, 
9Snb bu roolteft fc^nurren brab, 

So föeife ic^, ba§ id) troffen ^ah. 
S)arum6 ir mi(^ toben folten, 

§abt ir onbillic^ mid^ gefd^otten; 
115 2Ben id^ üc^ ba§ bann miber gilt, 

SJiit bofen morten tniber fc^ilt, 
2)ann fprdd^ ber tüt)^, ba§ mer nit not, 

^d^ roiefc^e mic^ mit anberm fot. 
S33er an ber ftraffen bumen roil, 
120 2)er felb ^at miber fpred^er üit. 
Sc^ !an nit ijeber mütter linbt 

3ie^en mot | onb ^eben njinbt 
93Iafcn | fto|3ffen allen munbt; 

Sd^ ^6r, iia^ c^riftu§ felb nit funbt. 
125 ^ä) t^ü, fo öil mir müglic^ ift; 

2Ber ift, bem Qe^unbt nüt gebrift? 
Ob ir mir bann nit bondten fd^on, 

(So |off id^ bod^ öon gott ben ton. 



[3*] @in m^)cn tiafc matten, [ac 

2)a§ id^ t)ie fi| ber oorbrift bran, 
®a§ mad^t, \>a^ id) befc^njoren fan; 

Dh e§ nit t^ebem roürbt gefeilen, 
^od) fan id) mid) jiim erften fteöen. 

Sd^ ^tt min njarlic^ fd^ier öergeffen, 
S)a§ id^ mt)n ort nit §et öerfeffen. 

^d) bin§ ber felbig geüdfelman, [a 6''] 
2)er önfer narren bfd^tooren fan 

S5nb ber gfd^rifft ein nafen mad^en, 



10 



©in hjcd^fen nafe mad^en. 



3] 



10 



15 



©lofieren oud^ ju allen fad^en. 
S33en id^ nit feI6er ^er tüer !ummen, 

S33er irott m^n ortlin i)n {)on gnummen? 
2)orum6 bin id^ ^e^ beneuenut 

SCnb ftett mid^ l^er in eigner ^ut. 
9J?an nent ttn§ meifter ber gefd^rifft, 

2)ie |ei(ig ift önb feie antrifft; 
2)arunib lonbt mir ün§ boctor fd^etten 

SSnb miffenbt nit, tt)a§ bie ruben gelten. 
2Bir borfften ha^ ein§ narren bfd^njerer§, 

®an ber let) ein§ gütten terer^. 
2Ben mir onfer bibel lefen, 




3] ®in iped^fen no^ ma*en. 11 

S^rifti, ber gtt)6Iff6ottcn roefen, 
S)er ^eiligen gfd^rifft finbt lüir fo fro, 
20 'äU roen bu fütüteft bonenftro; 
2Bir a^tenbt nit bog götlic^ re^t, 

(5§ mad^t on§ im |oupt fc^tüampetted^t. 
S33ir finbt bie erften onbern gelerten, 
2)ie böfen üalfd^en onb öerferten, 
25 S8nb geigcnbt bir ba§ eroig leben, 

@o rair ro^t louffen irr bar neben. 
S33ir gtoubenbt al§, ba§ gfcl^riben ftot, 
QSnb ^anbtent hod) mit onfer tf)at, 
§lt§ ob baran lein jro^ffel roere, 
30 @§ roer at§ fampt ein ödfc^e lere. 
SBir finbt bie erften, W oerfpotten, 

2)a§ mir bid^ leren onb bir roten. 
®ott i)at ün§ geben fünft önb ere, 
@rfantnü§ ber götlid^en lere; 
35 35arumb roir meifter finbt genant, [a7*] 
3!)a§ roir bir geben ein üerftanbt 
S)t)n§ ^eil§ önb onfer nit üergeffen, 

(So finbt roir ouc^ mit narren bfeffen. 
SBir ro^fent bid^ ben redeten roeg, 
40 SSnb iouffent roir ben äffen fteg. 
5)er felbig roeg | bie ^i)mei ftrofe, 

3e| ift er eng, bann ift er grofe, 
ge| ift er (ang | t^t^ ift er rot)t, 
3lad) bem ein i)eber opffer g^t. 
45 25ann rebent roir nad^ onferm bbuncfen, 
®arnad^ roir etroan ^abent truncfen. 
SQSir ^onbt fant peter§ fi^tüffel noc^, 
S33ie rool ba§ fd^tofe ^at aber boc^ 
®ott burc^ ft)n groalt oerenbern Ion, 
50 2)a§ fetten me roürt offget^on. 
(Sott mu§ ün§ i)e| barm^er|ig ft)n, 

5)arnac^ erjürnent roir in f^n, 
ÖJuttcr bing mu| mit on§ lachen, 
233ir ^onbt beuet^ in ftjnen fachen; 
55 S33a§ roir t^unbt, ba§ ift get^on 
Sßff erben önb in l^t^met^ t^ron. 



12 ®in hjed^fen na^ tnad^en. [3 

(5r toer On§ gan^ ein eben man, 

Xrutüt er tin§ njol tjnb jd^ri6§ nit an! 
SaSir ünb er finbt gydötüifter finbt, 
60 5)ann ft)ner g^clirifft mir meifter finbt, 
@o er offt ift onfer Ined^t; 

5tl§ ta^ föir wenbt, ift mit im fd^Ied^t. 
2)er gfd^rifft maä) i6) ein med^fen na^. 
2)0 id^ oor mal§ ^err tfioman tva^, 
65 2)0 bforgt i6) aU jt)t, ba§ id^ t)ett 
ÖJeprebiget me | ünb me gerebt, 
®ann id) ba§ fetb gefd^riben fonbt; [a7''] 

SJiit flt)^ fud^t ic^ rechten üerftanbt; 
^e^ fo id^ boctor murner ^ei§, 
70 SBann id^ fd^on ein bing nit mei^, 
(So blemper id^ bo mit ^erfür 

SSnb lerne ba§, ouc^ fag id^§ bir, 
95erla6 mid^ off mi)n boctorabt; 
2)a§ t)at mir offt ünb bicf gefd^obt. 
75 ^ä) fd^c|t mid^ bicf für ein boctor, 
2)0 tt)a§ id^ ein narr nod^ aU üor. 
2)ie war^eit fd^mtjgen, better fd^Iecten, 

SSil (offen in ber feber fteden: 
SBann bid^ ber tobt mürt ftreden bofe, 
80 SSor gott müft atteS fagen bo§. 
2Bir fotten bie ünm^fen leren, 

2)a§ irrenbt fd^df(in miber feren 
3u be§ regten flirten ftatt: 

©0 bringen n)ir§ ben molffen att, 
85 SSon gott bem tüfcl in f^n ^u|; 

3Ba§ tüit jü letft boc^ merben bru^? 
^d^ mott, wer ün§ 6euel|en molt 
©t)n fei, ba§ er oud^ felber folt 
2)ar5Ü tugen offt ünb bicf. 
90 2)ie tüfel finbt ün§ Qe| ^u gfc^icft, 
2)a§ ber für mar einfeltig ift, 

2)em burd^ mt)n ler ein fei entmifd^t. 
e§ ift ein jijttiger reg gemefen, 
2)ie jecEen mir oud^ ab §ü lefen. 
95 Sd^ ntoc^t nit lenger ^ie ücr^arren, 



4] 



fßarrcn fe^en. 



13 



35a§ td^ nit tnelbt mi)n eigen narren; 
9Jod^ t)ab icf) mer bann tufent pat, 
2)ie ic^ t)e|unbt nit fagen bar. 



[4.1 9Janctt fcljctt. [a 8*] 

Xo id^ l)e^unbt narren )ei)en, 
333it id^ für ein bri) tufent met)en; 

l:er boben treit§ onb ift \o gut, 
Ta§ er fo groffen roüc^er t^ut. 



/.^ f:'^-^^^ 







2)a§ erbtric^ önb ber boben §ie 
§at mir öor mal§ gefeiet nie; 



14 9Jarren [4 

S33a id^ ein narren f)in ^ob gefeit, [a8^] 
^ob ic^ brt) tufent bannen gemeit. 
5 SBie njot ber narren finbt jü üil, 
SfJorf) bannod^t mer id^ fetien njil. 
2Bt)d^ t)eberman unb ntad^ mir rum, 
®o§ i^ fein narren f)ie öerjum. 
2)0 gott abam bfd^üff üff erb, 
10 S33a§ bifer ader nit fo tt)crb, 

SSnb ntod^t fein narr nie grünen bruff; 

^0 aber euo fc^üttet off 
2)en mifd^t ir üngef)orfamfeit 

3Snb bindt ben acEer n)i}t t3nb breit, 
15 SSnb gott in füd^t mit f^nem flüd^, 
51I§ mid^ berid^t ba§ erfte bud^ 
5)er Zeitigen bibel | ft)t ber jQt 

®ot§ §orn off im jerfpreitet I^t. 
©Qbt ^er finbt narren rool geraten, 
20 jJ^o mir oor mat§ fein narren ()aten. 
SSar id^ ein narren fet)en bar, 
®o finb id§ für ein tufent pav, 
SftS nit mar, fo bfd^ir mid^ gar. 
2Bir fpreittent üff in fo oil mift, 
25 Tag im an tingen nüt gebrift. 
Ter acfer tt)t im iübfd^en lanbt, 

SBarlic^en bammafcenu§ genant, 
To oon got nam ben fetben grunbt, 
Sll§ er abam §ü fd^affen bgunbt. 
30 Ten grunbt trüg er in§ parabt)§ 
SSnb mac^t baru^ abam mit fll)§. 
Tarjü gab im, tt)a§ in geluft; 

Tod^ ma§ bie frt)^eit gar omb fuft, 
To er bie narren capp ergriff, 
35 aJJit eua fafe in§ narren fd^iff. [6 j"] 
©0 balb in gott be§ tanb§ oermt)^, 

Tat innen ftünbt ba§ parab^B, 
Ter enget fc^tüg in, bi§ er fam, 
To er oon gott fet)n orf^jrung nam, 
40 Sßff ben oder miber bar, 

To er oormat^ {)erfummen mar; 



4] e^enn. 15 

S)o ift bte trur^el, merrf ba§ rcd^t, 

^0 bon on§ fumpt at§ men^ci^Iic^ gj'<^Icd^t. 
^Jlbam ünb eua ^anb§ get^on, 
45 3!)en acfer on§ ju erb gelon, 
93itt groffem le^b gebingt fo iüoI, 

3)a§ er ber narren tt>ac^|t fo fol. 
@r tt)a§ fein tüe^fer acferman, 
2)a§ er ba§ parabt)^ liefe flan 
50 S8nb nam e^n fd^Iecfiten acfer an. 
®r I)ett ber finber fill gelon, 

'^it ha^ ^i)inetreic^ lonbt fton 
5^nb borffenbt^ omb ein fotben geben, 
©0 fleljjfig no(^ ber fap^jen [treben, 
55 5)o§ \\) ir erbtet)! nit öerlieren; 
2)ie etter offt ir finbt oerfieren, 
5IIfe obam le^ber felber batt, 

3Bie tüot fein übzi bir nit fc^abt. 
§ett er ben ^ijntmet f^on oerlorn 
60 83nb ou(^ oerbienet gotte§ jorn, 
@o ^at er bod^ mit harter büfe 

^ir gefegt ben redeten fu§ 
i8ff bie ciüig fiQmel flrafe; 
^a t3oIg jm nac^, ben meg nit Ia|! 
65 SSoIg abam bem betriebten man, 
S33ie er fein fünb fing bieffen an, 
SBiber^oÜ ha§> emig leben, [bj*"] 

SS)a§ im burc^ fünbt gott nit tüott geben. 
($bron fieifet ha^ felbig ort, 
70 5)0 fa^n t^et ben felben mort, 
2)0 obam lüont nünt)unbert iar, 

S)rt)ffig bar^ü, baS ift roor; 
©0 long büfet er f^n übel tf)at, 
^ie er fo f(^entlid^ begangen ^ot. 
75 3" fünben oolgenbt mir im nad^, 
3ü ft)ner büfe ift on§ nit gad^. 
%U er ben acfer ha bcfafe, 

^0 fo lang ft)n monung ma§, 
2)0 bindt er in mit fettem mift, 
80 2)o§ er fo frud^tbar morben ift 



16 Sßatrcn [4 

SSnb 6tB ^ax fein norr bruff brift. 
SSon bifem acfer gfd^rtben ftat, 

SBie gott baruff gefettet |at 
@in glitten famen; boc^ §ü nad^t 
85 S)e§ menfd^en ftjitbt foI(^§ name ad^t 
SSnb roarff ft)n 66fen ouc^ bar jmifci^en, 

'^a^ gut mit bofem ti)et üermifc^en, 
2Bie tüot ba§ 66^ nam über f)anbt, 

5ßnb ba§ gfcf)i(j^t no(^ i)e| in allem lanbt. 
90 äJli^ buncft, e§ mög nit §on be[tanbt, 
jTa^ aöe §t)t me narren finbt, 

®en man ber n)i)fen menfd^en finbt. 
S)er boben t)at fo groffe frafft, 

Xa§ er fo öil ber narren fd^afft; 
95 5tae §i)t önb aüe ftunbt 

@ei)t man narren in ben grunbt. 
Sßon bamafcenu§ arfer mil 

3e|unbt id^ bir nit fagen üif. — 
'^od) ift ein acfer onb ein grunbt, [b ij''] 
100 "^a üon mand^ gtoffer narre fumpt, 
2)er t)eiffet mutterlid^er ü)b; 

^en i)eber narr fompt üon eim iüt)b. 
S[Ran(^e mütter mac^t ein narren, 

SBen fie roolt trümlid^ | erüd^ foren, 
105 @o bred^t ft) raol ein mt)fe§ finbt, 

@o ft) fünft ein narren finbt. 
2)a§ finbt feigt ir ein anber mjh, 

Sßff ba§ bie brüft an irem It)b 
3ort tinb rein belt)ben ftan; 
110 2)arumb müB fi) ein narren t)an, 

Xa§ nem fi) für ben roerbt baran! 
Xen nad^ ber feügerin natur 

ÖJelüonlid^ nac^ fd^Iec^t creatur: 

gür ebel finbt mirt bir ein put. 
115 ^embftu ben onb flogteft» mir, 

T)a§ bt)n finbt nit üotgte bir 
95nb bir in feinem nac^ wolt fd^tagen, 

Sc^ ftolt bir balb ein antlüurt fagen: 
2Bc§ feügtefts nit, in§ boberS nomenl 



4] fet^enn. 17 

120 SSnb fnipffft b^n brüfl mit tütben jamen? 
^d) luolt bir t)e| gern fagen merc, 
^ SScn id^ nit fc^ont mi)p(ic^er ere, 
Duc^ tüQpIid^ brüften eret bran, 
Xie iä) ou(^ fetb§ gefogen ^an. 
125 SBelc^e elter ire finbt, 

@o jt) iung gelerfam finbt, 
9iit biegen ] gießen | leren | jüd^ten 
SSnb \t) ber frumfeit onberrid^ten, 
Düd) laffent in ben ,^oum gü lang, 
130^ 93i6 ba§ fi5 gonb ben gatgen gang, 

^k tan mein bied^ten nt)mmer bret)fen; [bij^] 

@t) fet)enbt narren für bie fteifen. 
SSnfer götte bt) bem touff 
Sernenbt offt ben narren louff 
135 2)ie felben finblQ, bie ft) ^eben, 

3Jnb fc^werenbt boc^ ein et)bt bo neben, 
@t) meßenbt fii ben glouben leren, 

®ott I önb juc^t I tinb ^e^Iigen eren, 
@o ft) ni)mer bencfen bran 
140 SSnb meüenbt lieber narren ^an; 
©9 fd^merenbt, ba» fi) gott beriet, 
2Bie jubaS, ber gott felb oerriet. 
SaSer bo lernt, i)a§: nie roa^ gut, 
SSnb prebiget, ha^ er felb nit but, 
145 Xer ergert mand^en frummen man 
SSnb foi)et naren feijenn on. 
^0 |od^! ba§ \)ah id^ offt get^on; 

^ä) fordet, bt) gott, mir roerb ber Ion. 
2Ber fein fnec^t nit tremlid^ lert, 
150 ^er feim §anbtmerd ju gebort, 
SSnb ber ein b6§ egempel brcijt, 

(£t)n fatfd^en rot bein oren fei)t 
SSnb ^ct)ffet bid^ oerroilligen bret)n, 
l^a§ bu ümbtouffft jm narren fc^ei)n, 
155 «ffent^alt tjnb puffet bir, 

^m narren acfer fummen für, 
SSerflaget bic^ önb meret nit, 

-Do mit bu lernft ben narren britt: 

Murner, Nairenbeschwörung. 2 



18 



©eierte narren fcf>inben. 



5:ie fiabenbt atte forg önb ac^t, 
160 Xa§> ber fe^get tuerb oolbrad^t, 
^orgn man wenig narren fet)t 
SSnb fitt narren »iber met)t. 



[5*] (äderte ttancn fd^ittöctt» [biij^ 

©Ott geb 1 gott grie^, ic^ jag§ fürn^ar, 
9Züt fd^eblid§er§ bann ein geterter narr; 

Sc^ fiab ein firaere arbeit funben, 
Xa§ id^ mic^ ir tiab önberrounben. 




I 



5] (äeiet/i narren [cfiinben. 19 

^err got, Bebtet öor gäbet ftid^, 

3e| mü^ ic^ merlic^ meren mic^! 
5)0 i(| oon gelerten narren bic^t, [b itj^] 

^0 fam §11 mir ein böfer tüic^t 
5 S8nb fproc^: „roa^ barff[tu ön§ citieren? 

2Bir mollent mit bir bif^utieren 
SSB meifter peter Don ^od^en j^nnen, 

2)en bu nit njeift onb mir not fgnnen. 
®roffer fünft nt)mftu hxd) an 
10 35nb bift boc^ nit ber felbig man, 
3)er ön§ ^e fqnn §ü narren machen; 

S)u bift gxi finbft in bifen fachen. 
2Bir finbt p öol ber ^eiligen gfc^rifft, 

233a§ ^t)mel | erbtr^c^ | feie antrifft, 
15 S)urc^grünben bie brtiualtigfeit, 

2Bie meifter ^eter lernt onb fet)t, 
2!en man nent Don ^oc^en ft)nnen. 

^ie tii^mel ftraffen mir oucb fi)nnen 
$8or gon bem gemeinen c^riften man. 
20 2S3a^ narr^eit f)onbt rotr bir get^an? 
SSir gonb mit n)t)Bt)eit omb aüein 

3?nb ^onbt ber t^ortjeit nienbert fein. 
2)er gloub mirt boc^ Don Dn§ regiert, 

(So ^aftu t)n§ Jim narren gfiert! 
25 SBir f)onbt burc^ (efen ba§ beeret 

SSnb tuaS ba§ geiftlic^ rec^t in t)ett, 
elementin | fejt ' beeret a(; 

©0 t)onbt mir ouc^ bie gulbin jal, 
Sternen fe^en, rechen, meffen, 
30 ©ingen ] fprec^en | nüt ttergeffen; 
2Bo§ ein menfc^ erferen fan, 

Xa§ ^onbt mir al§ mit flqfe gettian. 
jTarumb bie öniuerfit^et 

9Jiit mürbin on§ begäbet f)ett: 
35 SBarreth) | ^enbtfc^üc^ |anbt mir geben, [biiij*] 

Ta§ mat üefpert) oud^ bo neben, 
31I§ bu felber f)aft get^on; 

Sc| nimftu bid^ be§ bfd^roerenl an 
SSnb milt öil f lieger ft)n bann mir? 



20 ©eierte narren fd^tnben. [5 

40 2)arum6 iütr bir gebietten für, 
3u reben önb gü bif|)utteren. 

2Bir iDolIenbt ünber ju{)er fieren, 
^ann bu mit bt)ner fünft muft tüt)c§en; 
(St) folten bid^ nod^ fec^§ iar ftrtjd^en 
45 SSnb rotsten bic^ nod^ oit 6a§ §ü leren, 
^ann bu ön§ fünbteft f)ie befc^ttjcren; 
'3)u tt)ürft b^n narren bfd^njeren mQben; 
333ir H)6IIen§ fur| ntt oon bir It^ben. 
ajian ^at ön§ aljt)t füt^er brad^t 
50 SSnb für tt)i)fen i)0(^ Qead^t; 

Soltflu bann narr{)eit in t)n§ bringen, 

5)u mieft no(^ mtjtter mit ön§ ringen; 
SSir mollenbt onS mol bt)n erroeren! 
©tanbt ah öon bt)nem narren bfd^ttjeren, 
55 2)u bift er nit, ber felbig man, 

®er narren mt)§ befc^roeren fan." 

Sd^ fprad^: „für men fed^t ir mid^ an? 

SBent ir, id^ ft) t)err pantfean, 
^er i)t)ncEenbt fd^ni)ber | bi)fe mic^ nit! 
60 Sd^ barff mol t^ün ein meifter trit, 
SQSic root id) ba§ ouc^ reben t^ar: 

dlüt fd^eblic^erS bann ein geterter narr! 
Sft e§ nit ein ^örte p^n, 

Xie gelerten roenbt nit narren f^n, 
65 ^ßnb.ftecfent bodö bi) anbern t^oren, [b iiij''] 
33^ gfd^mornem eibt, bi| über bie oren! 
SSann id^ ein gelerten narren ^ah, 

8o erfd^ricEt mt)n fei önb It)b hatah, 
SSnb brud^ mit inen alle§, ba§ 
70 SSff m^nem bfd^njeren müglid^ ft)a§. 
9)iarfia§ mott ou^ ft)n fein narr, 

S3i^ man im §od^ ab I)ut önb fiar. 
S33ann mir fompt ein gelerter t^or, 
Xa§ brückt üil mi^ | öil gi^t fürhJor, 
75 S5nb fompt mid^ Itid^nam bitter an. 



I 



► 



5] anttüurt be§ befc^iüererg. 21 

SBic id^ in überreben fon 
SSnb ba§ in mt^nent bfc^roören ftnbt, 

2Bie bie gelerten narren finbt, 
SSnb finbt all famen fo oerblenbt, 
80 Xa» fic^ ein ^eber n}i|ig roenbt. 
Tim trt)f)eit jag id) in üor an, 

Tie i(^ oon önjerm feifer ^an 

(Sr^olet, majimilian, 
Ter mir§ gü rt)urni§ öff einem tag 
85 (Srtoubt, bo§ ic^ üc^ fc^inben mag, 
X'urc^ allen förper ^in ünb miber 

8uc^en, mercfen alle gliber, 
Cb Qenbert iö) ein örtlin finbt, 

Xo narren inn «erborgen finbt. 
90 ^x finbt mit rt) orten alfo flftg, 

Xa§ fein befc^morung ift genug; 
äRit morten ^alt ir aljDt fiife, 

Tarumb ic^ üc^ ^ie fc^inben muß. 
@§ ^ilfft fein mort an üroerm bfc^roören; 
95 Tonn ir üc^ flieglicf) ft)nncnbt wcren 
SSnb finbtl gtofieren alle§ ft)n, 

Ouc^ molt mit gmalt fein narren f^n. [b 5*] 
^v finbt narren, ic^ müfe üc^§ fagen, 

55nb folt ber bunber bar^ii fc^Iagen. 
100 ^inbt ir bann bie ^eilig gfd^rifft 

SSnb ma§ ben c^riften gloub antrifft, 
2Bel ^anbtent ir nit mit ber tE)at, 

21I§ nun ta^ felb gefc^rtben flat? 
3r ft)nnenbt gnüg onb t^ünbt gar roenig 
105 SSnb fouffenbt fenff ömb fupffre Pfenning. 
Xa§ beft, ba§ id^ roeife, ba§ ir fgnnen, 

^ft Dil öert^un ünb menig gmrinnen. 
@roer fi)nnenbt roirt üd^ leibt, 

2tl§ mir ba» fant it)eronimu§ feit: 
110 Ter gloub ift tobt on onfer roercf. 

Tarumb ti)nt ir t)e| übergnierg 
S3nb finbt ber ^eiligen gfd^rifft fo fro, 

2tl§ mann id^ fümet bonenftro. 
Sr fagt, ir finnt ben fjtimel fteg; 



22 atntiourt [5 

115 Sa3e§ loufft ir bann ben äffen ttjeg 
9Snb ftonbt bem c^riften menfc^en 6q 

523ie ber fuc^^ ber canceßt)? 
©wer gröfte mt)B^eit ift, 
SBie ir grebt müllerin grijfft bte brüft 
120 SSnb ben fiünern bie fd^iüen^ offbtnben, 
Oud^ tote ir gelt jü opffer ftnben. 
^ft nit)n fünft üd^ nit genüg, 

2Bie finbt ir roorben i^el fo !(iig? 
|)ere, rool ^ere! bie £)anbt mü§ ab, 
125 55nb fem ic|§ an ein bettel ftab! 
2Bie ber roolff bie fc^aff ^infiert, 

So rt)ürt ber gtoub burd^ üc^ regiert; 
Stl* ber roolff ben genfen prebiget, 
S)ie armen d^riften alfo fc^ebiget [b5''] 
130 ©in gelerter norr önb tinbertrucft, 

S8iB er fc^aff | gen§ | ^att all oerfd^Iucft. 
2)ie fternen fec^t ir in bem gtaß 

ißnb frinnenbt rechen, mt oit mafe 
Sr gü nad^t getruncfen f)onbt, 
135 @o fingt ir on§ bann ein bifcant. 

2Bie fompt e§, ba§ man f priest: "ie gelerter, 

^e üerrüd^ter onb öerferter?" 
^r baretün ! onb ir ^enbtfc^üc^§ It)t! 
SSifet ir, in ber alten jt)t, 
140 SSa man fanbt ein geterten man, 
®er fieng ein geifttic^^ wefen an 
3Snb t^et, roie er» in büd^ern fanbt; 

S)a§ brad^t ber c^riften^eit beftanbt. 
^rebigt ir fc^on ben gangen tag, 
145 @o btt)bt e§ öff ber attcn fag, 
^ie ber f)irt fagt oon ft)n felber: 

„2Ber e§ mar, fq t^eten§ felber." 
SBann ir on» fc^on oon oaften fagen, 
8o füllenbt ir gu nac^t ben fragen 
150 ^nb mac^t ein folc^ coöation, 

S5ier trofc^er moc^tenbt mit befton. 
SSnfüfc^eit fünbt ir ftreng oerbietten, 
25or rcetc^er ir üc^ alji^t ^ietten, 



ö] be^ 6efd^h)erer§. 23 

SSic ber efct t^üt im mei)en. 
155 9^t)bt ^a§ öerbietten ir ben le^en, 
5ßnb finbt be§ Iie6en ni}bt§ fo oo(, 
S)a§ ir oor ni)bt nit fe^en mol, 
9Jnb t^imbt ben nt)bt offt fc^eblic^ eigen, 
2)a§ ir in öff ber can^el geigen. 
160 ©iner )"agt mir ba§ onb lert, 

2Ber nit meß önb prebig ^6rt [6 6^] 
2ln bem funtag in ber pf^^rr, 
55er fi) ein töbtelic^er narr. 
Sil oa[ten friegt ir ömb hit bildet; 
165 S^ mercf mol, roa§ üd^ brift oillijd^t: 
%ä) gott, e§ ift §i\ t^iin omb§ gelt! 

3c^ it)ei^, ba§ mir bie reb nit fett. 
2)a» mott ic^ ni}mmer f)on gefagt, 
(3o ir aber Don mir c(agt 
170 ^nb roolt mit groalt fein narren f^n, 
8o gie^enbt boc^ bie oren i)n! 
9^it ftrecfen^ alfo lang t)erfür, 

So mir boc^ fotlenbt blickten bir; 
SJerbergt ben folben boä) bie 0, 
175 SBen geiftlic^ finbt tie c^riften tut. 
2(m go|bienft t)obt ir fein Derbriefe, 

3)er fircftgang ift üd) eben fiife, 
2tl§ mann ic^ fümet en|ian. 
S33ie mol ir je^en pfrienben ban, 
180 9^oc^ lafit ir§ ünbefungen ftan. 
9^un mölt ir mir bie finbt ^er fieren, 

2)ie follenbt mit mir bifputieren? 
^r t^iinbt mir roee! od), meifter, oc^I 
2)er fd^uter fc^tec^t bem lerer noc|. 
185 2)er alt freb» lernt fgn finbt ben ftric^, 
Xa§ \t) noc^ ^üt gonbt ^inberfic^. 
^6) i)ah oi( gelerter narren gfc^unben 
S3nb nie fein mtife^eit bt) in funben; 
Xarumb fo ü)bent üä) mit gbult, 
190 ^v ^abt ta^ fc^inben mol oerfc^ult. 
^ucf bic^, iecflin, bu miift in ofenl 
S33ert ir fc^on feifer | fünig 1 grofen." 



24 [6,] @ctti^ t»fe avictcn. [b 6^J 

@euc^ ü^brietten fiat ein fin, 
Taran id^ feiten an gewinn; 

SBann ic^§ jc^on fpt)§ tinb briet ft) ouc^, 
@o fliegend boci jüm alten gouc^. 



[6 




31dc§ yinbt Ott narren, hit önn§ ouc^ 

SSBbriettet ^at ber liebe gouc!^. 
Xa§ finbt bie gelben geuc^, bie fi|cn, 

SBann fi) bl) bem rot)n er{)i^en: 
5 Ter lot)n f)int)n, ber goucf) t)eru^! 

Tann fagent ft) öon mand^em ftru^, 
iSon tiörten ftreid^en önb oon friegen 

Sßnb !t)nnenbt oit üon na;)Io§ liegen, 
SSon gettern ünb öont niberlanbt, 
10 SaSie ft) mit jd^tü^lern gfoc^ten fianbt; 
Ter ]§ot ertobt ein rofenfran| 

SSnb roei^t öff friegen allen fon|. 
@t) fagcnbt öon bem größten mort, [b 7'''] 

Ten ft) erfüllen |ic onb bort, 
15 3" oenebig önb in beeren, 

SSnb brietenbt ö^ bem gouc^ fein c^ren. 
SBen fQ ir mant)eit all gefagen. 

Tan fierenbt ftj ftH groffer flogen 
^ber füng SJiaEimilian, 



6]; @eiic^ bBl^rieten. 25 

20 2Bie er ft) nit bemalen tan,' 

SSnb üegenbt an ben frummen man; 
2Ben er ft) boc^ bemalen roolt, 

So tüer ba» ir nerbtenter folt, 
®Dtt geb, e» fc^ab reöt, tpem e§ fc^ab, 
25 S!5on bem golgen off hav rabi 

9iit fag ic^ Don ben frummen fnec^ten, 

Tie ritterlich Dnb manlic^ fechten; 
Slderin bie ftret)ten bt) bem mein 
5Snb roenbt für ^anfen geachtet fein, 
30 ^ie nie feijn reblic^ boten funben, 

Xen martren | bläten I fteifc^en | roünben, 
2)eren frünbteüc^fier grüß 

5ft otljeQt aller genügen bii%: 
^npxei^t I Gelten | fant Üirein 
35 35nb fant Dit jm ^oüen ftein — 
ÜJJir bie ^etiügen | in bie bü|! 

Xa§ felb fet} rec^t ir miber grüfe. 
Xic anbren fi|cnbt ouc^ bo ben 
SSnb genbt fic^ ofe ber alc^imen, 
40 2Bie ft) d§ tupffer gulben macf)en, 

^-ßnb liegenbt, ba§ bie balcfen frac^en. 
3Sor gelten long man burc^ etm brett, 

5)a§ etroa britfjalb elen bett, 
Se§ lügt man burc^ ein fte^elen berg, 
45 SBen fc^on brti legenbt ober^roerg. [bl^] 
2)ie anbren jeigenbt ouc^ ir oren 
^-önb ^anbt lapibem p^ilofop^orum, 
2;al felb finbt rec^t gefrönte boren 
SSnb brietenbt d§ hk fünfft fubftan|, 
50 3Snb ift alfampt gefibert gan|. 

^ornoc^ fumpt on» ber farenbt fc^üler, 

35b froum oenu§ berg ein büter, 
SSnb fan nill oom ban^üfer fagen 
3Snb ober etinen hab\tt flagen, 
55 ^er jm fein fünbt nit ab molt Ion, 
3Snb mie froum üenu§ fet) fo fc^on, 
'^od) fet) befc^Ioffen ie§ bc§ t^or, 
5Snb jroen galgen ftonbt bor oor. 



26 ®euc^ au^ [6 

jDer bunber jd^tag mic^, fe^ e§ lüor! 
60 5)arnoc| !ummenbt bie teüffel bfd^tüerer 
83nb tüor^e^t in ber ^enbe lerer; 
(Stjner f)att tüng faIomon§ rtngft 

SSnb lügt, ba§ öor ben teüten ftinrft; 
^er anber f)att etjn fpiritum 
65 ^m Qia% \m bäumen indufum. 
Seft(^§ burd^ gott mol ömmenbumb, 

(So finbftu nüt ben bübentrum. 

^d^ i)ab jm gla§ öttt teüffel gfef)en, 

2Ben t(f) broncE önb rort met)n treten, 

70 ©1} i)anbt füng fatomonS jpieget ouc^; 

@ef)ftu bret)n | bu feE)[t ei)n goud^! 

gd^ fanbt tr§ liegend nie feqn enb. 

2BoIu§, ba§ oc^ ber teüffel fc^enb! 
XarnodC) fl) üon ben feien liegen, 
75 S3i§ fl) gott Dnb tk lüelt betriegen. 
^r blotter dr|et !ummenbt oud^; 

SBeld^er teüffel | welcher gouc^ [b S''] 
§att ü(^ gelernet atfo formieren 
^nb fo manches menfc^ oerfieren? 
80 5sr bteijbenbt geud^ red^t ijüx al§ fern; 
SSo man fd^miert, bo fart man gern. 
Xer ift ei)n goud^, ber gott§ gebott 

galtet für ein fa^nac^t f:pott, 
Xrumt gott, al§ er ban billic^ fol, 
85 Xod^ trurot er jm nur tjitt §u moll: 
2Ber nit öon fünben abfton miü, 

Ter trumt bod^ gott nur oil ju t3itt, 
Ter )3ä) oerberbt jm feür onb roud^! 
Ta§ ein fol^er bofer gou(^ 
90 9Kt mer gudfte ober liege 

JBnb fei)n frummen mere betriege! 
^od) finbt mere geüc^ off flogen fc^üten, 
Tie oud^ ömb bie goud^§ et)er biilen: 
SBen \t) foltenbt fünft ftubieren, 
95 ©0 louffcnbt ft) ömb biibeüeren, 
SSmb bie gan^e ftatt fpa^iern, 
Tie müB i^ ouc^ jun geü^en ficrn; 



6] brieten. 27 

Sq ^anbt erholt bie met)fterfd^otft, 

5)a§ gefc^afie d& gelte» frofft; 

100 9Kan f)ett dc^ nit Dom lanbt oertriben, 

2Ben tr fc^on merenbt fnec^t beü)6en. 

2Ben ir ben fünften fec^tenbt noc^, 

2I(§ üc^ tft noc^ ber fappen god§, 
9JJit griener fei)ben önberlegt, 
105 SSnb ieber ein bareth) brept 

Sßnb roi( mit fc^al iet)n metifter peter, 
9)iit fd^meren britten eiin^er get er, 
SJierifter ifi er ber [iben fünft; 
'äd) gott, roen bu ein i^aibt finbft! [b 8''] 
110 Satein root reben ift bie erft; 

2Ben bu e» bet) bem lied^t erfcrft, 
ßatein fan er für hai eber tf)or, 

2Ben fein lateinfc^er ftott bor cor 
SSnb off ber ftraffen niemand fumpt, 
115 Ter jm latein gun oren rumpt; 

3^e§ freümt er fic^ be§ beutfc^en orben. 

Offt tmb bicf finbt mei)fter lüorben, 
2;ie nit alfo getibert roaren, 

Xa§ ft) boc^ fünten eQn§ erfaren, 
120 Ob togica noc^ rechter lere 

®rebt müClert)n gefc^tt)iger roere. 
93r) ber ret^oricf )Vj beli)ben, — 

^0, roen ]X) bütbrieff metten fc^ri}ben, 
@o fi)nnenbt ft) bie mörter ferben, 
125 (Stin beütfcöen tert gan| gü^enbt gerben; 
^Ringen | roerffen | ftaffen | fpringen, 
Suten I ^orpffen | geygen | fingen, 
Sie muficf lernt ft) biffe bing; 
55erbenblüt! ft) finbt gering 
130 SSnb bümtenbt fic^ fo reblic^ bi)nn: 
Xa§ biit ir ^o^er me^fter ft)nn. 
5(ritmetica ft) jelen lert, 

Xa§ mancher Datier murbt befc^mert, 
3^em fein fun nur ju fttt §a(t, 
135 5t)l mc ban alfe fein gut in^alt. 
SJieffen lernt geometret), 



28 ®euc^ a\x^ brieten. [6 

®o§ ftinnenbt \t) onb tu^ffenbt§ fret), 

SBie tuet)! gür roten bef(^en fet); 
8t) ^anbt§ tüol alfo bicf gemeffen, 
140 ^a§ ft) e§ nit leic^tlic^ bünb oergeffen. 
^c§ ^i)mel§ louff, aftronomt), [cj^] 

®ie »üiffenbt f9 ouc^ I^d^nam frt): 
3ü jtüolffen fQ erfennenbt fc^on, 

^a§ g^t gii tiac^t ift fc^Iaffen gon; 
145 3lm gftirn in gar nüt breften mag, 

Ten ft) ba§ fc^omen alle tag : 
"J/ie funn am morgen in bem 6ett, 

06 ft) ben rerf)ten motum ^ett. 
Sieben geüc^, oergt)|enbt mir, 
150 Ta§ ic^ üc^ erlid^ jie^e ^erfür. 
Sr merrfenbt ttjol, üon mem ic^ jag, 

2)a§ ic^ bie gelerten nit anclag; 
^d^ fag öon mir önb mt)n§ geltic^, 

2)ie oft \d)hUn füberlic^ 
155 Si)^nam mi oer^eren !t)nnen, 

9JJe bann ünfer üdtter gerot)nnen. 
®a§ jinbt t)e§unb bie fiben fünft. 

2Ba bu gütte gfellen finbft, 
So fe^ bi^ niber, fpi( mit in 
160 SSnb fc^it ben tt)i)n mit fiblen Qn, 
©c^Iem ünb bemm | ouc^ fpit Dnb brd|; 

5Ba bodf) bt)n öatter ^alt ba§, 
5)0 foltu nit üil barnac^ fragen. 

S33ott er benn barüber dagen, 
165 ©0 mac^ bir felber ein latinum: 

SJiiflelinum gebelinum! 
^d) ^ah ir mer alfo gelert, 

2)a§, ber fic^ an mt)n leren fert, 
^apfferlic!^ funbt gut latinum, 
170 Sßon ber ftatt §um galgelinum. 

5)er redeten fünft mir on§ njo( ^ietten, 

$8iÖ wir bem gouc^ bie eier brietten. 



7] [7.] mit gott Öev gciR ^ietteti» [cj'j 



29 



SStr ac^teitbt nit gotlic^er tüürbt, 
Spilt gott mit ün§, fo )t) er ^trt. 

Sn bi[em fpil [tat folc§e§ bruff, 
SBa§ mir ömbrnerffen, fe§ er öff. 




10 



®ott ift cQtt mal f)ie §ü ön§ fummcn 

SSnb ^ct etn§ oatter§ ^er^ genummen, 
grüntltd^ I menfd^tid^ | gemonet 6i); [cij^] 

2)e§ mü^ er offt entgelten J)ie. 
'äd) gott, oer^üJie, bu btft fo frum, 

2a3a§ roir bir a(gt)t irerffenbt omb, 
@o biftu ^irt Dnb ftelleft§ miber; 

3!)arumb tüir bofen all bim gltber 
Xir üerfc^ttjoren ünb öerfliid^en. 

©bringt bie geife, bu miift f^ fuc^cn, 



30 aJJit gott ber [7 

^arumb bo§ bu 6ift on^er ^trt; 

SSir ad^tenbt nit bi^ner groffen tüürb. 
233en bu bte gei^ gefe^et ^aft, 

@o l^anbt iptr meber rum no(^ raft, 
15 Söife wir fi) toerffenbt tüiber omb 

S5ub ieüc^enbt bicf), gü J)ietten brunt6. 
^0 bu rebfl eiu grufam fog 

SSnb loarnteft öit oom iüngften tag, 
S33ie bte jc^off giir recöten f)Qnbt 
20 33nb bte getfe ben tincfen [tanbt 
SSor gotte§ urteil trürbent fton, 

Xo ^a[tu üitS mol Tuercfen Ion, 
^a§ bte gei^ ber fünber ift, 

Te§ bu hod) t)ietft gii aller frift 
25 5ßnb fl}n trüroer f)irte bift, 
^er bo offt ünb biet feÜ niber, 

SSnb bu in öffrec^t fteüeft miber, 
Cuc^ mit fli)^ acfjtjt tuiberumb, 

Db er mürbt raiber üallen ömb; 
30 @i6en Onb fiben^ig mal ein tag, 

Dber tt)ie Dil er fallen mag, 
9ioc^ bij"tu e§ al§ ber t)irt fo giit, 

Ta§ bu nit Ia[t öon bt)ner t)ut, 
S3i§ bu ft)n fambft an bettel [tab, 
35 ^a§ id^ baran ein rounber ^ab, [ctj''] 
2Bie "ön fo rec^t gilt mügeft ft)n, 

So niemantS bandt ber gnaben bt)n. 
2Ba§ freüb mag birf) borinn ergeben, 

SII§r)t bie fc^entlid^ gei| off fe^en? 
40 Safe bo(^ ein mal öon bQnem ^ietten 

SSnb fprid^, bu ttjelft bie geife üerbietten. 
^oc^ merffenbt fi) on onberlon. 

Ob ft) lüer fdöon nit üffgettion, 
^argu ben frummen t)irten lemmen 
45 3Snb mellenbt bod^ fid^ "bi^ nit fd^emcn. 
5^ie lem gefd^a^e in jtitten öor, 

Xo bu ftrud^teft in bem t^or, 
SSor bt)ner mutter fieleft niber, 

a'ioc^ fliinbtftu üff önb J)ietteft mibcr 



7] geife l^iettcn. 31 

50 aJiit adem ]iv)% in aller trüm. 

3c^ öinbt ^eß niemanbt, ben e§ rüir, 
Ta§ er bi}n gei^ bir tuürffet omb, 

9^oc^ fac^ftu bennoc^t omb onb ontb, 
^0 bu ber geife nljm f)ietten funbfl, 
55 Xoc^ ir erroürbft br)n§ öatter§ gunft; 
SSerfprac^eft ft) | jQ mieten? ntt, 

Xorumb bu t^etft ein früntlic^ 6it, 
Ta§ in§ ber üatter nac^ folt fon, 
^ie bir ba§ lemmen fetten tf)on. 
60 9^0(^ ^aflu alfo früntlic^ get^an 

Sßnb nambft ba§ fiietten triber an 
SSnb f)iette[t noc^ ber böfen gei^, 

Tie iren eigen öal nit tnei^, 
Srn frummen f)irten nit er!ent 
65 9Snb fo jcfienttic^ i[t oerbCent: 
D6 f(^on niemont» roürff §u ir, 

9io^ bannoc^t feit )i) niber bir; [c iij^] 
Ob ft) fd^on niemand fieptet an, 
Xannoc^t mil fn nit üffrec^t ftan. 
70 ^ö) fordet, ft) geroon be» fa(^ 311 oif, 
Ta§ ft) ein mal bü)bt ligen ftitt 
SSnb emig ligt in bQnem §Drn; 

80 ^at jt) bann ta^ fpil oerlorn. 
Tarnac^ f(^Ie(^ftu 19 ^inberfii^, 
75 So i[t§ üerloren eroigflicf). 
Tarumb iä) gib ein jolc^e lere: 

Ob gott f(|on §ü on§ fummen mere, 
Strbeit 511 tt|ün, ber gei§ §ü ^ietten, 
ÜJiit t)n§ in aöem breften, roietten, 
80 Ta§ er attein ofe gütte t^iit, 

@o bancft im boc^ ber frummen ^üt, 
SSann mir ft)n gei§ im merffen niber, 

3Snb er ft) bannoc^t fteüet lüiber! 
2Bann bu e§ ober tt)ctteft nit, 
85 ©rloufft er bic^ in gtt)C^em trit 
SSnb riert bic^ mit ft)m ftecfen an, 

Tann mieftu felb§ an bic arbeit ftan 
9Snb §ietten alfo lang aU er; 



32 



Söffel 



[8 



S)a§ tt)ürt ber armen gei§ 511 fd^mcr, 
90 ®em armen jünber nt)mmer gütt, 

SBa gott abfiünbt oon ft)ner fiüt, 
SSnb folt ein tobtltd^ menf(^ betuoren, 

^ann mieft er mit ben narren faren 
(Sin flraffen, bie er niimmer fant, 
95 <Bt) ift in nobi§ ^ufe genant; 
2)inn ift e§ marm, bu^ ift c§ falt, 

@o fd^Ied^t ber flam jüm fenfter ü^. 

§err gott, bc^üt öor bifem ^u^! 



[8*] Süffel ft^tttiöcn* [ciii^] 

§ie fc^nt)b iä) toffet, grofe ünb flein, 
393ie t)eber inil, fo finbt er ein. 

2Ber ^ie fl)n§ füg§ nit finben fan, 
^er mi led^t fünft fein loffet ian. 




Sc^lbin getüi^ be§ löffetS fc^nit, 
^oc^ brenn id^ offt ta^ mul bo mit. 

©in lieber goud^ ^at ft)n gefc^reQ, 
@o finbt man löffel mand^erleQ, 
5 (Srofe ünb flein, oud^ iung ünb alt, 



8] fcfin^beti. 33 

^ie loflert) ift manigfaft. 
2Ber npipt ein iDijb ümb gut önb gelt, 

2)er ift 511 einem loffet jelt. 
233er bo meint, er ft) fc^on, 
10 Xa§ in fein from nit faren Ion 
2^ar I önb in üertaffe nit, 

©0 boc^ er ir fein gelt nit gt)t, 
Xe» felben löffele muß ic^ lad^en, [c iiii»] 

^cr im bod^ (afet ein menlin mad^en 
15 S5nb gloubt, luag im ba» raub gtofiert, 

@o ft) in 6i) ber nafen fiert, 
®er i[t §ü löffet j^olfe gefd^icft; 

@o balb ein tt)i)b in oneblicft, 
@o l^at er g(t)d^ fein raft nod^ rü, 
20 5önb ift nod^ mol ein mql bar^ü. 
2)er tüffel finbt noc^ oit üff erben, 

3^ie erft im alter loffel merben 
iönb t^iinbt, roie fi) in iugent traten, 

2Bie ta^ bie toflin itat geraten. 
25 @in Qebe ^^Qt bringt ire 59t; 

Qunge berben, olte lüt 
San \d) 311 famen ntjmmer fiegen. 

2Ba§ laftu biet) bann jc^ön anliegen 
Sönb |aft jo lang an frucfen froc^en, 
30 2:ie bacfen beib in falten gftod^en? 
„^a," fagent ft), „bal t)eit ift frifc^; 

933a boc^ ba§ iung bliit fummen ift?" 
2Ber ^efelid^ ift onb ac^t fic^ ftoll, 

3}er ift nit rot)t 00m loffel t)oIg. 
35 2Ber fid^ bie ttjelt betriegen tat 

SSnb ad^t fic^ r^d^, fo er nüt ^at; 
333er fid^ gloubet ebel geboren, 

@o all ft)n frünbt börftinger rooren, 
S3nb fid^ a^tet mi)B ünb düg, 
40 Xer boc^ erft loufft oon bem pflüg, 
^nb roil mit brangen t)nt)er bocken, 

2tl^ ob er finn ben narren foc^en, 
@o \d)laö) ic^ im ben oorteil t)ar, 

5^a§ er fein löffel fouffen tt)ar. 

Muruer, Narrenbeschwörung. u 



34 Söffet fdint^ben. [8 

45 S« ^e«^ ^^t^" ^^^^^ ^^^"^'^ [ciin'^l 
Xa§ It^nfen mufe, bo öon man feit, 
^orumB efau fi)n gerec^tigfeit 

Sacob, ft)m brüber, ^att gü gefeit; 
®arumb er oud^ ein leffel tt)a§, 
50 ®a§ ev fi)n eri) in It)nfen frafe. 
ein loffel was ouc^ bo^inger, 

93on bem ün§ fagt att tanbe§ mer, 
^a§ er im tufci^ ein efel gab 
<8mb ein ^f^ff, ein ringe t)ab. 
55 2Ber emigS omb gergencflic^S gt)t, 
^e§ bufrf)en§ er genüffet nit; 
Sann wer omb pfl}ffen ein efet g^t, 
®er miife offt gon, fo er gern rit. 
^ort, ma§ ein iunger töffet t{)üt: 
60 ' S^erbrafet fijn erbteü, aU ft)n gut, 
3n eim iar ba§ öerjeren tan, 
2)a§ in oier^ig nie geroan 
@i)n üatter önb att f^ne frünbt; 
SBer fprecl, ba§ \\) nit toffel finbt? 
65 ©t) buc^ent, mjl ft) lougen ^anbt, 

Sa§ ^ilfft balb an ben bettet ftanbt; 
tein tt)t)n, tein fpl)fen fc^macft in fern, 

Se^ freffent fi) ber fUjen gern 
9)iit bem öerlornen, bofen finbt. 
70 ein toffel ift im fetber ft)nbt 
gjnb t)at fein rüro noc^ raft barju, 

S3i^ er ba§ gutt at§ fampt üert^u, 
@o roeifet er, ba§ er fürabent ^at. 
©in tjeber roi)fer mot üerftat, 
75 SaSa§ ic^ mit bifen löffetn mein, 

Sie ic^ üc^ fc^nt)b ^ie grofe onb ftem. 



9] 



f9j tic (cnbcii fc^micvctu [c 5^] 



35 



Sc^ müfe oud^ froiuen ^ic l^er fieren, 
-Tag id^ in niög bie lenben fc^mieren 

SöJit jlüülff gütter t)e§Ien ftecfen, 
93i| ic^ öon in öertv^b bie gecfen. 




10 



15 



Sujent gulbin ge& ic^ bruni, 

^a§ ade frorcen timenbum, 
^ie On§ man bt) ber nafen fieren, 

fernen jii bem lenben fc^niieren. 
3ld^ gott, mann in nun niieffig lueren, 

^a§ ic^ fi) aljo möc^t befc^tneren. 
Wan jagt, bie roiiber ^onbt ein art, 

233er an in bie bengel fpart 
ißnb fd^lec^t nit bruff aU in ein mift, 

®a§ im fein be[ter ^ötber i[t. 
^n ml)ner fünft finbt ic^ nocf) ei§, 

®c§ nit ein lieber meifter raeifit, 
2Bie bie n)i)ber nerrin finbt, [c 5^] 

35nb tiebe batb im narren finbt: 
5)ann fc^encft ft) im ein rofen ftrufe — 

2)ie geud^in binn | ber goud^ ift bu^ 
2ta§ ift ümbrounben mit f^ben blo 

3Jnb bebüt: narr ^ie, narr bo; 
58inbt \t) e§ bann mit fi)ben grün, 



3* 



36 Sic lenben q] 

20 @o 6cbüt c§: üeöer narr, far t)ten! 
SBann er ba§ btiimlin ^att entpfongcn, 

@o ift ber narr fo gan^ gefangen, 
2)a§ fi) in an ein ftroI)atni binbt! 
@o gro[fe geuc^ üff erben finbt! 
25 SSann fq im ba§ flrüfelin got, 
233Ü er luiber jd^encfen nit, 
2)ann mac^t fi) im ein fren|(in fd^on, 

^arumb tt)il ft) ein bapffern ton. 
9>il geud^ tterfaren an bem ftodf, 
30 ®ie ünib ein fren^Iin genbt ein rocf. 
S33ann ir ba§ felb geraten ift, 

$)ent gond^ entbloffet ft) bie brüft, 
(Sin fd^nierlin fc^roar^ ^enrft fi) baron, 
:ro mit bem goud^ ft) locfen !an; 
35 2)ann jüd^t ft) ba§ ab irem ^aU 

'iSnt ftf)encft§ bem goud^ mit jiid^ten ot§, 
So loufft er, al§ er fd^eüig ttier, 

5^nb bringt ein nümen bel§ bo ^er, 
^o§ er ha^ fdinierlin mit tjergelt. 
40 4^ie nerrtn an fl)n ^aU anfeit: 
„^ei^ aUer liebfter, ta§ "öa üon! 

^<i) \)ah^ nit ümb bt)n gaben t^on", 

$ßnb mert fic^ t»or im mit gemalt, 

2(I§ mann bem efel ein facf entpfalt. 

45 ©0 meint er bann fo innigflid^: [c 6="] 

„3l(^ gott, miltn tjerfd^ma^en mid^?" 

5tl§ mi^ ber goud^ f^im^ff fi^et an, 

Söred^t er, ma§ er t)e geiüan, 
(So ift ha§i tjnfer geuc^in fit, 
50 ^a§ ft) e§ aU tjetfd^ma^et nit. 
3)arin gibt f^ im ein faciUet, 

Sa§ tjier f(i)mar^er trafen |ett. 
2)a§ tüd^ baran warbt nie fo breit, 
2)a§ mang off ein finger leit; 
55 5In fp ^al§ binbt er§ gefc^minbt 
SSnb treit§, tüa oil gefetten finbt: 
„Su über iu! fQ gab mir i>a§>l 
®ott griel ft), bo f^ bt) mir roa§!" 



9] fd^mieren. 37 

SBann bic gcud^in oor im ftat 

60 SSnb er§ an ijaU gebunben tjat, 

Dudö fl) bamit im §at gelocft, 

3o ^eifd^tl ein grünen onberrocf. 
SSürt fi) bann ber 5itt nit gemert, 
So bitt ft), bog er bürge roerbt, 
65 iSov bem tud^man fi] oerftanbt, 

So tt)6l fi) fpinnen mit ber ^anbt 
!iönb im aü rooc^ ein fc^iüing geben, 

Tann fi) oerbten fünft gelt bar neben. 
SSann ber gouc^ bal Eiat gett)on, 
70 Tann fa^t ft) an gii anbern gon; 
§at ber narr baran oerbriefe, 

äRit ttjcinen fpric^t fg, ha^ fi) el mie^ 
Seiber tf)ün | tff "Oa^ ft) glrinn 
!^nb im bie fc^ulben bring ^erim. 
75 Tann fpridbt ber gouc^: „^t), bo oon nit! 
|)er| aUer liebfte, t)6r mtin bitt: 
(5e bai id) ba§ mott öon bir ^on, [c 6''] 

Ta§ bu foltft jü anbern gon, 
Ten rocf roil ic^ bir fegenden ee, 
80 ©in fc^(et)er, mantel, noc^ oif mee; 
i8on füfe tt}i( xd) hid) cfeiben üff!" 

^eimüc^ fcfilec^t ft) bem gouc^ ben muff. 
Ta§ fren|Iin, fc^nür tinb facillet 
Tie nerrin t^ür oertriben §ett. 
85 S3t) bifen naiTcn folt öerfton 

3(11, bie fi(^ fromen nerren Ion. 

Tod^ ftjann id) füc^te mit gef erben, 

2)ic n)l)ber oud^ betrogen werben, 

(5in§ omb§ anber, e§ fd^abt in nüt, 

90 @t) bjalen^ offt mit eigner ^üt. 

333ann i^ ein gouc^ befd^rooren ^on 

SSnb er ben t3atfc§ fac^t mercfen an, 
S^n tf)üren fol er binn öerriglen 
SSnb ber nerrin (enben ftriglen 
95 9)Jit eim eid^nen feberiDifd^; 

Tann fd^eibt er fid^ jü bett, ju tif^. 
9iit anber§ fot man nerrin bfc^ttieren, 



38 25üu e[cr gürten. [10 

^ann mit eint cid^en beuget 6ercn, 
5ßnb fol fi) ferben mit ber tjonbt, 
100 SÖJie er bie färb am ftrü^tin fanbt, 
lölaiu ütib rot, ouc^ grien ünb gel; 

(5r lug nun, "öa^ fein ftreicf) nit fet. 
2Ba im nun ein ftreid^ entlüif^t, 

@o ttjer mi)n fünft nit mol gerifi^t. 
105 ^v nerrin, mann ir gamen fummen 

ii^nb f)onbt bie fünft üon mir üernmnmen, 
8o (iigent, ba§ ir froment mir, 

'^a^ iä) bie fünft üd^ bracht ^erfür. 



[10,] ^on cid flüi'tcu. [c 7 ] 

gel gri)ff ic^§ erft üernünfftig an, 

@o ic^ ein efet gürten fan 
5önb im oertrtiben fan ba§ lachen 

aJiit gürten, ba§ fi)n lenben frad^en. 

3r efel {)abt ein redeten t)irten, 

jDcr ü(^ bie lenben meifet 31t gürten. 
ÜÖSoI^er! moüier! mir mieffenbt bran! [c 7^] 

Ob bu fc^on merft ein ebetman 
5 !!8nb üon gutten frünben gboren, 

9tod^ ftrecfftu boc^ I)erfür bie oren, 
®a§ man fic^t, ba§ bu oud^ bift 

3ü efet gürtung mot gerift 
ißnb n^itt mit gmatt ein efet fl)n. 
10 @at ein priefter für bic^ ^in, 
2)u nempft nit üier^ig tufent pfunbt, 

!5)a§ bu im eren tt)eteft funbt 
ißnb gott ertcft in fijm fnec^t, 

2Bie ba§ öfemi)Bt ba§ gotticö re(^t; 
15 3tt§ ob bu felb öon bir |ie merbt 

$8nb niemants börffteft ^ie off erbt, 
$)arjit mitt bocEien tjeberman; 

S)ann ntimpftu bic^ einr ft)nbtfc^afft an 
^tte priefterfc^afft §ü n^ben. 



10] 



SSon efel gürten. 



39 



20 58nb tröiucft, inen ab jü fc^ni)ben, 
S)a§ bu ntt bar gefiencfet ^a% 

jDa burd^ er wer ein frembber ga[t 
2)cr frummen fod^in, men er !em. 
Cerftanbt ta^ tüol, al§ id^g oernem: 
25 @at ein nüind^ ben oor bir ^in, 
@o fprid^ftu balb in nroBem fin: 
„i8o^ Iljd^nam, fned^t, ben riget für! 

ft'em ber müncf) für onfer t()ür, 
9Jh)n from t^et mir bann ni)mmer gilt! 
30 ^en rigel für! bo| ferben blüt;" 
2Bie folt ber münd^ ein frortj üff rijben? 
2)i5n frort) mag rtiol in eren bti)ben, 




40 <8on efel gücten. [10 

@o mog ber münc^ ein frum man f^n, 
@o bu »jmbtouffft in e\eU fd^i^n 
35 Sßnb Ui}h\i ein efet pc a\§ fern, |c 8'] 
Db fcfion bi)n frünbt all menfd^en rtJern. 
@ag, ejel§ fopff, ma ifa'ii^ gelert, 

2)a§ man ))riefter alfo ert 

i8nb gotte§ biener alfo fd^enbt, 

40 S)er bu begerft am letften enbt'? 

©d^Iieg bir einer bl)nen fned^t, 

2)u nteinteft, bir mürb ni)mnier red^t, 
53i^ bu bo§ fetbig f)et[t gerochen 
^nb mit eigner i)anbt erftoc^en. 
45 ®D bi) bu billid^ niagfl öerfton, 
Öiott mil^ nit üngeroc^en Ion, 
SBer im fi)n fned^t f)ie fcfime^en büt; 

5)ie bü§ ftat bort in I)eIIen güU — 
5)er ift fürmor ein efel grob, 
50 2)er fd^mec^t ünb minbret iül)ber lob. 
(Sin m]U bilb ift nit ai0 ftet; 

Ob e§ fi(f) Überreben lett, 
Xeilt ft) t)| blöbe mit bir ben It)b; 
SBarumb fc^enbftu "Da^ felbig h)i)b, 
55 @fel§ or, in allen irten? 

§err, tierr, iä) muB üc§ ftrenger gürten! 
(Sin efel n>il ft)n ^oben ere, 

'3)a§ er ber mt)ber fd^anben mere, 
Se^ riempt er fi(^ ber groffen gal, 
60 2Bte oit er bracht t)ab in ben oat; 
Sd^ J)ab biflid^ boran tierbriefe. 

2)a§ üd^ ber tüfet fc^enben mie^! 
SSer ^at i\(!^ rot^ber, priefter leren 
Sllfo Iciflertic^en enteren 
65 $ßnb offenbaren alle gl)t, 

3)a§ in notur üerborgen Ii)t? — 
dlo^ finbt üil alter efel ouct), [c 8'^] 
3d^ mein ein alten nerfd^en goud^, 
5)er gon^ ünb gar t)e| ift öerMt 
70 SSnb tüol I)unbert iar ift a(t; 
9fiotürIid^ ^i^en all üerf[offen, 



11] Cm ftroen Bart ffed^ten. 41 

©Qit orfeborfen oor gemer abgefc^offcn; 
9?o(^ fi^t ber felbig c\dv or 

^-8nb xkmpt fid^, idq^ er tl^ette uor, 
75 'iStth ift im tcibt, ba§ er nit me 

iöieblen fan, aU öor imb ee. — 
■^^od^ gürt ic^ nod^ ein iungen man, 

l^er treiit ein f)anen feber an 

SSnb n)tl jtueinlig ein mal beftan; 
80 "Darnad^ f(^tt)ed^t er iuncffrömlic^ ftat. . 

^a^ finbt aU ]ampt ber efel tt)at. 
Sin efel \id) beriemen bor, 

2Bie im mi gtücf» ju f)aiiben far 
W\t biilic^afft Dnb mit tuiiber bant, 
85 (Sntbecfet fe{6§ fi}n eigen fc^anbt. — 
2)en Ia§ ii^ für ein efel gon, 

Ter nijmmermer fan fc^impff oerfton 
ißnb fc^impfft onb )c^en|let ueberman 

SSnb mit ba§ felb nit miber tian ; 
90 Tarumb bli)bt er ein grobian, 
Ta^ Reifet 511 güttem tütfcö ein lo^, 

5önb bli)benbt im )i)n oren grofe. 
(Sre got§ fnec^t Dmb gotte§ roiHen, 

SBittu "öa^ götlic^ gbot erfüQen, 
95 !i^nb ade fromen üon einer megen, 

^ie on§ erholt ben emigen fegen, 
9}Jaria gart, bie reine meibt, 

SS^ie miberbrac^t bie enjig fretjbt. 



[IL] 3>ott ftrdcm hart ftct^tcit* [bj^] 

SSer onberftat mit gott 511 rechten 
i^nb im ein ftroen bart roil flechten, 

Xarju mit im tri)bt äffen fpil, 

SSer njei^t, mie lang er§ It)ben mit? 

Sc^ !um id^ an bie reiften rott, 

^ie aüe melt onb gott öerfpott 
SSnb mac^t gott für ein falfd^en bant, [bj''] 



42 



©in ftroen 



[11 



UU ob fi) mer mit im befant, 
5 ^-ßnb meint, fi) fi)cn gfd^mifter finbt, 

Oud^ roerb feim menfc^en iiymmer fijiibt, 
@r bieg bodj übel§ ober red^t; 

3)er felb ein ftroen bart gott fled^t, 
2)er an im nit mad^fen tan, 
10 Ob er in fc^on be[t tt)met an. 
iörud^t id^ an in nit bfunber !un[t, 
@o mv nU)n bfcEimeren gar ömb fünft; 
;' 5)oc^ mit id)^ lüogen l)ie mit in, 

3um crften ()eiffen lüilfumm fi)n: 
15 „@id^, ^err loren^, gnabcati§! 
@inbt ir oud^ l)e^unbt erroti§ 




11] Bart fled^ten. 43 

'iS^ ber gfc^rifft? ejc a» eft ati^? 
@» finbt üil narren bi) üd^ gwejen: 
^(^ ()off, gott roerb üc^ i)e^ erlösen! 
20 ^x ftonbt jii firc^en ünb j^ü t^or, 
iöiüer bancfen finbt bar üor 
isnb fragen üoni uenebiger !rieg, 

2i3a» ber fünig jü meüanbt bieg? 
Ober mie ber frieg§ louff ftanbt 
25 Qu neron im tnelfc^en lanbt? 
Ob pabua fi) gerounnen fd^ier? 

$)arunib id) üc^ ,^un narren fier, 
2)a» ir gott ftec^t ein ftroen bart 
ißnb nit be§ gottel bienfte» roart. 
80 SSBölt ir bann 511 altar gon 

iönb fumnien 511 ben anbern fton, ^ 

®ar batb roi)nfrf)t ir ein bona bie§ 

58nb fragt, ma ir öffrirfit ein ciuieiJ. 
'Sann fompt f)err pantle ouc^ ba t)ere 
35 ißnb bringt ein forb 00t nüioer mere! [b ij-'] 
2)0 mit fac^t ir bie meffen an. 
2Ben ir üil lugen ()onbt getl)an, 
(5rft fd^icft ir üd^ 511 altar ftan, 
:^nb gberben bo, al» ob ir fed^t: 
40 ^a§ ift ein ftroen bart gefleckt. 
SOJanc^er fd^irmet ^in ünb ^ere, 

5tl§ ob er üff ber fec^t fc^iit mere, 
il^nb gint imb gafft ^ere ünb ouc^ miber 
i8nb fd^Iec^t fi}n ougen eben niber, 
45 SGßie ber I)nnbt §11 me|ig ftat. 
2)a§ ift fein prieftertic^e t^at. 
Söinben §11 bie clapper tefc^en! 

5)a§ mut folt ir mit betten mefc^en, 
i8nb ric^t ha^ etapper bencflin jii 
50 5)uffen ober anberfroo. 

2Ben c^riflu§ lebt, tt)ie not mer bo§, 

2)a§ er üd^ eren lernet ha^ 
SSnb ettid^ narren trib ^inu^, 
55ic ctappren in bem gottc§ f)u§. 
55 2)u geffel^ mul, roa ^aft§ gelert, 



44 @tn ftroen [11 

'DoS man gott ben rüden fett 
5ßnb in ber ftrd^en gat jpa^ieren, 

C^ic narren bi) ben ^enben fieren? 
^err loren^, üeBer l^err bomine, 
60 ©d^afft, ba§ fotd^§ gejd^e nit nie! 
2Bcn ir bie fad^en roerbent ntaffcn, 

©0 tüil id^ üon mi)m bfd^meren loffen, 
"an üä) erlid^ erfennen bas, 

25nb ttJiinfd^en beo gractaS." 
65 ^ä) \v\l i)err Ioren| ni}m gebenden 

SSnb fagen t)e| üon anbern fc^mencten, 
5)ie anbern rool ein oug üfe bl)ffen. [b ij''] 

m geifttic^ J)err?c^afft ift gefliffen, 
i8mb ba§ 5i)tlid^ gut 511 fed^ten 
70 3Snb gott ein ftroen 6art gü fled^ten. 
©tiriftuS gieng am bettet ftab, 

§att Weber golbt noc^ J^tlid^ tiab, 
SlIö geiftlic^ ^errfc^afft i)etiunbt f)at, 

5önb ^ott oud^ meber lanbt nod^ ftatt. 
75 ®a§ blat ^at fid^ tje^ ömbgefert, 

S)ie geiftlic^eit ^at friegen giert 
3Smb ba§ ij^pic^ ät)tlid^ gelt, 

©orumb e§ öaft in df^en fett. 
SBürt ein ^retot t)e|unbt gemad^t, 
80 @o t)at er forg onb groffe od^t, 
SSie er ber ürd^en narung blinber 

5ßnb ft)ne öettern, oud^ f^n finber 
SJiit ber fird^en gut begab 

SSnb öon ber gen^ ein feber ^ah, 
85 2tl§ ob bie ^retaturen merc 

S8nb fem alfo mit erbteil ^ere. 
5)a§ mod^enbt offt bie fd^meii^elcr, 

S)ie ftjnnenbt ba§ nacf) d§riflu§ ler 
(Sagen, mic üil c^rifti frünbt 
90 2Wj^i)t b^ im gen)efen finbt 
SSnb ^ah ft)n frünbt in funberf)eit 

^Begabt mit ere önb ttjürbigfeit. 
SKit bofem rat | fc^enttic^cm liegen 

2)en frummen fierren batb betriegen; 



11] baxi fred&len. 45 

95 2)od^ ^at man bem gar halb gelogen, 
®er mit tüillen mürbt betrogen! — 
SBer 511 firc^en ftat ünb bett, 
■^^a§ er bocf) nit im fier^en ^ett, 
SSnb tf)ut boÄ mul roi}t off önb gü, [bitj*] 
100 Duc^ ad^tet, mag grebt müQerin tf)u, 
$8nb jalt bie pater nofter ring, 

S3nb ma man frumme noten fing, 
3ü üeb ber glitten orgel gat, 
Ober iunge Pfaffen t)at, 
105 Sett on öerftanbt mit anbern narren, 

2Bie ein pferbt fümt burc^ ein barren, 
5lIfo Üimt er hav gbett im munbt, 

5)a» im fein mort 00m ^er|en fompt: 
5)a§ Reifet bie narren tapp erfod^ten 
110 S5nb gott ein ftroen bort geflochten. 
6in nerrin i^ah iä) ein mal tanbt, 

5)ie al5t)t nam ein biic^ §11 fianbt 
95nb ^att ir lebtag nüt getert, 
5)en mie man bletter ümb^er fert; 
115 dlod) bett fi) bennoc^t alle 511t, 
35ngefar mie e§ ftc^ gi^t, 
5(brat)emf(^ I tütfc^ | önb tatt)n; 

3)a§ mag mir mol ein betterin fqn! 
^inberm ofen ift e^ marm! 
120 S33ir bettent t)e^, bal gott erbarm, 
^;)5faffen | münc^ j onb ouc^ bie nunnen, 

2ti§ önbebai^t önb onbefunnen, 
SSnb miffenbt felb nit, roa» mir fagen, 
ißnb foßenbt boc^ gott täglich dagen 
125 S5nfer önb ber Iet)en fünbt, 

Sarumb mir finbt geiftlic^e finbt, 
2)arumb mir oud^ ben bettel freffen, 

2)a§ mir§ mit betten önb mit meffen 
®egen gott oud^ nit üergeffen; 
130 @o finbt mir oud^ mit narren bfeffen. 



46 [12,] ^'atitaftcn ftetlsciu [biij' 

W, hk id) gu fantaflen fd^e^en, 
2)ie mü| id) beiden önb ouc^ e|en, 

SBie lüot fein 6et| nie toarbt fo gniig, 
^a§ ic^ fQ mdc^t gan^ lüiber diig. 



[12 




gontaften bellen brückt üil f^nn, 

Saran id^ feiten etroa§ geiüinn; 
S(^ mieft ein ftarcfen beiden ijan, [b iiii"] 

@ott id^ n)^§ beiden tjeberman. 
gantaften finbt t)e|unbt bo mitten, 

2)te mit berben önb mit fitten 
bitter ttjelt ben fotben geigen, 

2)ie niemant§ tan mit roorten gfd^tüeigen: 
®er flubt füren | ber anber ift ful. 



12] ^atitaften beiden. 47 

10 55er brit ber f(^tuib(et mit bem miil, 
Sil» t^unbt bie iungen bürgert finbt, 

5)ie öff bem füffen gogen finbt, 
9iie fein juc^t gefe^en ^anbt, 
Sein fitt gelernt in frembbem lanbt 
15 SSnb meinenbt, ber ^t}mel ^ang ool 9t)gen, 
So finbt e§ fumm ber efel§ ft)gen. 
@oIt id^ fQ mit ben bofen berben 

Semen §ü fantaften merben, 
@o nem i^ nit üierf)unbert pfunbt 
20 gür ba§ id) Dorfjin an in funbt. 
2)a§ ^oupt fc^roancft an in ^in onb ^ar, 

©ehufet fc^on mit eier clor, 

2)ann mürfft er t§> ^ü tal, ju berg, 

Tann ^inberfi(^, bann übtv^mtxQ, 

25 85nb fan fiin fopff nit tragen rec^t; 

Tarna(^ er mit im felber fec^t, 

Ssnb geilenbt roie bie iungen felber, 

®ibt felber rec^t Dnb antrourt felber; 
Xa§ mul mürfft er off fc^mef)elic^, 
30 ?ll§ ob er fprecö: „fenftu mic^ ntd^t?" 
^a, lieber narr, id) fenn bic^ root, 

@ib mir ben fantaften §oII 
Sin t)eber fitt bi)n ^er§ oerrat 

3Jnb mo§ bt)n gmiet alg in im ^at. 
35 3}aran ift fc^ulbig Dotter | mütter; [bütj''] 
SCBe§ gabent ft) üc^ felber fütter, 
5^0 oon ir finbt fo gemtic^ morben 
5^nb fierenbt i)e| fontaften orben. 
Xann lügt ir jü ber farenbt i)ai), 
40 2)a^ ir bicf fum;)t an bettel ftab. 
@o gfc^ic^t bt)m Dotter eben red^t, 

SSen bu im fd^enbft fi)n gan§ gefc^lec^t, 
Sn ünb all ft)n frünbt im grunbt, 
2)o§ er fein juc^t bic^ leren funbt. 
45 3^t)n Datter mo§ ein fiontroercf» man, 
Tu loft üid) iuncf^err liegen an: 
Suncf^err borflinger ift b^n nom, 
2)0 §er ad bgne frünbtf^afft fom. 



48 g^antaften teilen. [12 

(SJlorfen lütten, fd^lüffel trogen, 
50 Sn Büdnern bletter ombtier fd^tagen, 
So 6l) i(^ üc^ §ab aß erfant, 

On aüe fordet fantaften genant. 
Ser tüi)^f)eit ad^tenbt ir nit öaft, 
S)e§ Mijbenbt ir nun ein fantaft, 
55 ^ofen ftrt)ffen ] fpiegel gncfen, 

5U§ ein n)t)6 mit gieren fc^murfen, 
Knebel bärt | ünb !ru|ted^t i)ar, 

@pi|e la^en | golbe dar 
S3ff bi)n t)embber negen ton, 
60 ©0 bu bod^ tüift bie jen baran, 
2)ie t)ofen ünb ba§ roam§ burd^ fd^nitten 

i^inben | oornan Dnb bo mitten: 
2)a§ jinbt al§ fantaften roercf, 
^aniit ft) touffenbt überjtüerg. 
65 SWan finbt fantaften off ben fd^ülen, 
®er aüe fünft nun ift öff biiten, 
5)ie fijben tapp aU ir ftubieren, [b5''J 

'^lüt anbet§ t{)ünbt bann §t)t fomplieven 
S>nb Kernet nüt | bod^ fünbt er gern, 
70 Si^nb 6Ii)bt ein gan§ gli)d^ ^ür aU fern, 
©agag, liebe ganfe, öar ^in, 
6fe(§ oren ift bi^n groin! 
9Joc^ finbt ber ein mi^el teil, 
S)ie oud^ ben folb tragent feil, 
75 2)ie nun in bie !irc|en gon, 

T)a§ ft) fic^ ^6fli(| fe^en Ion, 
Bretten | minden | f)inberfe^en, 

S3ife fi) grebt müllerin erfpe^en. 
2Ben fi) allein fantaften bliben, 
80 ^r i)unbt boc^ nit jü firmen triben 
$ßnb lieffenbt ir i)ot^f$üd^ | tjnb bü|en, 
2)en goud^ t)eim off ber ftangen fi^en 
33nb trachte, al§ er bittic^ folt, 
Xa§ er mit gott bo reben toolt, 
85 S5nb nit ju firc^en road^tlen beiden, 
ajiit öngeftüm bie anbern reiben! 
gontaften finb id^ mer üff erb, 



13] ©ecf fiteffcn. 49 

Xie flt)[fcnbt fic^ ber nerrfc^cn gberb; 
SBürb er gfotten onb gefc^unben, 
90 ^ein gjc^icflid^ nar^eit mürb \>a funb«n, 
2Bte rool er offt bte oren ft^itt, 

8o lan er bennocJ^t nüt bamit, 
2)en ba§ er nun bie feber 6Ia|, 

Tie er im t)enrfet für bie na§. 
95 ^eim menjc^en gfiel f^n tr^fe nie, 

Xann fprec^enbt fQ: „a(^ gott, wer ^ie 
2!er narren bji^iüörer | ba§ er oud^ 

Stcblid^ beißet bifen gouc^!" 



[13.] 2c(f aicffctt- [bö''] 

^ff erb mu| id^ ein facf belt)6en, 
2Ber icf) gefpunn o§ luter jt)ben, 

^ütfd^ ünb roelfc^ onb jii lat^n 
gar ic^ mit anbern fecfen ^in. 

(Sin i'acf marb nie !ein |übfc^er namen, 

Xc§ fiij^ ein roi)b fot biHic^ fc^amen; 
@in fron» mirt ni)mmer ha'^ gefc^enbt, [b6''] 

Xen roen man§ für ein farf erfenbt. 
5 ^ä) ^ett bie jecf gern laffen fton 

5?mb maria rein ] ber ebten !ron, 
S5on iren megen bie fecf öerborgen; 

8o mü^ i^ aber n)iber forgen, 
Xa§ man mllt)d^t faget üon mir, 
10 ^ä) f(f)mucft bie tDari)eit f)inber t^ür 
SSnb leit ben finger off ben munbt, 

£nd) burd^ bie finger fe^cn funbt. 
3(rgtuenig med^t id^ m^n befd^meren, 

©0 ic^ allein burd^ fromen eren 
15 S)er mar^eit trolt ein becEel mod^en 

95nb molt ben feden fied^el bad^en. 
3^orumb mu§ id^ üd^ taffen miffen, 

2ßa bie fecf finbt oud^ jerriffen, 
SDa§ man§ iriber bieffen finn 

M u r n e r , Narrenbeschwürung. 4 



50 



<£ecf 



[13. 



20 SSnb bringen öff bcn redeten f^nn. 
2)ie tft ein facf, hk öff ein ftunbt 
3tt)eQen mannen lieb öerfunbt, 
S)aruB oittt)c^t gro§ not entfpringt, 
@iner ben ein öm6§ leben bringt. 
25 @in facf ift bie ömb gett, öntb bit 
Sr finbt önred^tem oatter g^t 
SSnb fe^t im in ba§ ne[t ein goud^. 

©in \aä ift mir bie felb from oud^, 
S)ie ömb gelt | ünb gut | ömb löar 
30 ^v eigen finbt öerfouffcn bar 
Dber für bie fird^en fe|en. 

gür ein facf mü§ ic^ bie fc^e|en, 
®ie ein frummen eeman finbt, 




13] bieffen. 51 

93iit bem ft) l^at oil lieber ünbt, 
35 95nb (oufft burc^ alle ctofter öfe, [b6''] 
Dber jd^lQcl^t in§ Pfaffen ^u§ 
SSnb ac^t foI(^§ für fein fc^anbe nit, 

Dnä) ift bereit, ee man ft) bitt. 
@in facf barff jü ber finden gan, 
40 35q§ fi) nun reibet i)eberman; 
Siel \t) ben fad im mincfel ftan! 
^d^ ^ei§ bie biHic^ einen facf, 

3)ie üff önfer froroen tagf 
©(fientelid^ fid^ bieffen lat, 
45 SBa ft) nun fc£)Ii|en an ir ^at. 
^ann mand^er facf ift alfo gar 

Beraubtet fc^entlid^ ^in önb ^ar, 
gieng id^ in gii bieffen an, 
2)a§ ic§ öerlur ba§ mac^er lan. 
50 (Sin facf n)a§ potiferaS mt)b, 
2)0 ft) begeret iofep^§ It)b 
ißnb ft) im muttet bülfc^afft an, 
^ofept), bem oil füfc|en man. 
$)er felben fecf finbt noc^ öff erben, 
55 2)ie fo rüc^Iofe borffent werben, 
^a§ ft) ein man felb borffenbt bitten, 
©ii \t} ben facf gan§ öfe|er fc^itten. 
SOJan finbt mol fecf, bie fic^ be§ fitjffen, 
2)a6 fQ ir löd^tern ler^nbt rt)ffen 
60 ÜJ?t)nem fadf ben benbel ab. 

9ioc^ mer bann tufent fecf ic^ i)ah, 
5)ic offenließ im froren ^ufe 

9)it)m facf r^ffenbt ben boben t)|. 
2ft mir red^t, ob id^^ gebend, 
65 Swen fecf man mir ein§ mat§ ertrendft. 
^c^ f)att ein mal ein groffen facf, 

2)ie t)ff ein§ jroölffbotten tagf [b 7^] 
@in fotd^en funbt t)at §ii gerift, 
2)a§ ft) t)ff einem morgen tifd^ 
70 ^ttJÖIff ir bitten brachte §amen — 

3c§ fant ft) aH mit irem namen — 
9ioc^ funbt \t) roincfen alfo tkh](!i), 



52 



S)en äffen fd^eren. [14 



®a§ t)cber meint, er wer ber üebfd^t. 
SBctc^er frummer eren man, 
75 5)er Qe ein folc^en \ad müfe ^an, 
2)er nem in ab oon m^ner ftangcn, 
2)arnac^ lafe er in luiber gongen, 
eieo^atra lt)a§ ein focf, 
2)urc^ bie ant^oniu§ onbertag, 
80 SSnb i)ebe, bie ein folc^en man 
^n ein facf öer!nipffen fan. 
Helena ^at ein \ad gemacht, 

T)art)n fi) lanbt ünb lüt ^at bracht. 
2)a§ fünigrQc^ onb troQ, bie ftatt, 
85 @in ober facf üerberbet ^att; 
S)em fac! für boc^ ber boben ofe 

3ü letft in irem eigen ^u^. 
3ft ber tüfel in ben fecfen, 
2)a§ ft) fo mand^en man erftecfen? 
90 »erfabe fieng ouc^ an gü f^3innen 

©in facf, be§ warbt boc^ bauib innen; 
§ett er ben facf nit balb jerriffen, 
®§ wer im nimmer ünuerwiffen 
SBeüben t3or gotS angefi(^t; 
95 2)oci^ brac^ er jt)tüc^ ab ben faben, 
@e er mit ferfen wurb belaben. 
S:)uri frowen juc^t önb wtjpücö erc, 
mi ic^ ber fecf nit bencfcn mere. 

[14,] ^ctt affcti fr^cretu [b 7^] 

ein bing ift warlic^ übet bfc^affcn: 
2)a§ fein f^wani |onbt ünfer offen, 

S)a§ ftj ir fc^am boc^ etwon becften, 
®en arfe nit atfo für^er btccften. 

^a§ bie notur oerborgen ^at, 
ein Qeber äff ba§ fe^en lat 

S5nb t)at ein freüb, ha^ er offblecft [b 8^ 
SSnb Qeberman f^n ar| entbecft. 



14] 



©en äffen fd^eren. 



53 



5 ^(^ ^eiß ein offen tjeberman, 
2)er f^n fd^am nit becfen tan 
SSnb fet)t f^n eigen übel tf)at, 
^ie er attjtit begangen |at, 
2)e§ er bitlic| fc^ampte fic^. 
10 ajJeint er, e§ ft) im robeüc^? 
SJiand^er äff | nac^ alter fag, 

SSerborgen nüt bef)a(ten mag, 
2ßie ber fc^n^ber mit ber gei|, 
SSnb fc^rtJQgt allein, ha^ er nit roei^t. 
15 Opic^en fet)t er f^nen finn, 

Xo§ man fic^ oor im t)ietten finn; 
2Bil er brennen | ftec^en | tioroen. 
So mii§ er öier iar oorfiin trotten 




54 Seit äffen [14 

^nb faget foId^eS qeberman; 
20 SSor bem man fic^ iQd^t i)ietten fan. 
^ett er ein fc^roan| önb berft ft)n ^inbren 

a^nb ti)d ft)n oflid^ fd^lüe^en minbren, 
@D mod^t er etoaS nu|Iic^§ fi^offen, 
©unft loufft er mit ben bioffen offen. 
25 5tffen rat | tinb 6üter tüercf 

^an ünfer äff oon ^eibelberg, 
aSnb ftat im an bem ^inbren gfd^riben, 

2)a§ e§ nit tjeimlid^ ift betiben; 
(gr ge^gt ba^ felber t^eberman, 
30 S)ann er f^n fd^am nit becfen fan, 
5ܧ fam:pfon mit f^m ^ar ^at t^an. 
2Ben bu bie üogel roilt betriegen, 

2)a§ fQ bir §u bem garn ^nftiegen, 
@o miiftu e§ mit ftro oerbecfen 
35 a3nb nit oflid^ laffen bleden; [b 8^] 
^en alfo gfd^minbt finbt i)e| bie tut: 

2Ben bir einer roaffer büt, 
@o rt)i|, ba§ feür barunber ift; 
2)arumb fd^id bic^ oudE) jü bem tift. 
40 @ibt bir einer gütte roort, 

SSnb bu öermercfft bi) im ein mort, 
Tili Worten bjat ben felben miber, 

SKit liegen \ triegen | lug bu, fiber! 
2)ann men mir fc^elc! ^e^ fat)en metlen, 
45 cS(^eIcf mieffenbt mir für bie luden flettcn. 
a36B ift e§, fuc^§ mit fuc^§ oeriagen; 

S)en \t) beib fc^alcfg gnug bQ in tragen. 
|)iet bic^ t)e^ öor btjm nec^ften frünbt, 
^d) fag bir§ gü, man ift gefc^minbt. 
50 2)ie weit fic^ t)e|unbt bö^Iic^ fIt)Bt, 
iöi^ einer t^e ben anbern bf(^^|t. 
2!BeIt leüffig ^ei|t man§, mer ta§ fan, 

Mit lift betriegen i)eberman. 
S)arumb, mt)n lieber frünbt, ^ah ad)t, 
55 S)a§ man 0^ bir fein äffen mac^t; 
^alt bt)n anfc^Iag l^eimlic^ ftill! 
Sn trümen id^ bir§ raten mit. 



14] fd^eren. 55 

3e| mü& td^ ouc^ öon affin fagen, 
Tie ixt 6rü[t nit ^eimlic^ tragen 
€0 35nb förc^tenbt, ba^ ft) bi}nn erftecfen; 
2Bpt über ba§ i)alb \i) bann entbecfen, 
ajiit berfabe jeigenbt ir bein, 

SSie fq bod^ finbt fo fa|en rein, 
3Son milc^ önb blüt jiifamen gfloffen, 
€5 2)urc^ ein fc^iffel forb gegoffen! 
Sßie ft) fic^ jeigen, ift in angft, 

35nb Ii)t boc^ bimn ber futtel lüonft. [ej^] 
^d) niolt bir fagen noc^ öil mere, 
2Ben i^ ein froroen fc^enber roere. 
70 55on offen feieren muB ic^ fagen, 

^ä) mag§ nit blatten in bem mögen: 
Sn turnen iaren offen rooren, 

2;en brütt^ ^ot fo gtot gefc^oren, 
2)0» nit ein ^drlin ift beliben, 
75 ^n ^ufe Dnb ^off ai§> offgetiben; 
8uffer öff ^ot genommen ob 

SSnb fQ geftett on bettet ftab, 
Xa§ fr) fid^ Qel ni]m ft)nnen neren; 
5(Ifo fol man offen f^eren. 
80 Xie mt)ber ^onbt ein gütten fitt, 

2;a§ fi) fein gab Derfc^mobenbt nit. 
^c^ gloubg üff mt)nen eibt, bti gott! 
8q nement fic^ beg gelt§ jü tobt. 
„)lid), lieber ^err, nun fromenbt mir! 
85 ßompt mit bem gütten iar ^erfür! 
Sd^encft mir bo^ ! ^err, genbt mir me!" 

3r ^eifc^en t^ut mir im fopff roe. 
^a§ ^eifc^en ' onb ir täglich begeren, 
35nb roie ft) mir ben offen feieren, 
90 8oI fid^ ein t)eber mt)fer roeren. 
jTer offen ift ein mid^el teit, 

3)ie oH ir onfc^Ieg trogent feil, 
@o f9 bt) bem mgn er^i|en, 

2a§ fQ ir ^er| gonfe ofe^er f(^rt)i|en 
95 SSnb becfent off oH ^eimtic^eit. 
®a§ ft) genüg oon offen gfeit. 



56 



©in fad^en ab bem jun brechen. 



[15 



3n felber jd^eblidö finbt bte äffen, 
Xie ir eigen lafter claffen. 



[15.J (fin fttt^ett üh htm $uu tvtd^tn. [ti^] 

SBen id) eint mil onred^t tf)ün, 

So brid^ id^ ürlob a6 bem jün. 
^ä) i)ab fo manchen man bfc^iffen, 

Xa§ id^ üom gun aU f)a6 geriffen. 




2Ser bei nit gloubt, ber foI§ erfaren, 

3)o§ algtjt br^ machen ein jüm narren, 
21I§ man bem armen ^ünbtin t§at, [eij*] 



15] @in fachen ah bcm jun fered^en. 57 

2)0 er ba§ leber freffen ^at. 
5 51I§ man ben ^unbt fieng nt)ben an, 
SKüft er ba§ lebet freffen ^on. 
3ft )5e|unbt ein man off erb, 

®er burd^ tugent mad^t fi(^ rocrb, 
(So §onbt bie f^elmen groffe not 
10 SSnb fürd^tenbt, er fumm oui^ in rot, 
2)o§ er nit ftraff ir fd^elmen ftürf, 

SSnb f)inbern in oon ftinem gtücf; 
95on f^m ampt \ an ft)nen eren 
SKit erbic^tem liegen roeren, 
15 3Snb brec^enbt orfac^ miber in, 
2)ie er nie nam in fi}nen ftn; 
Se| ijat er bi| | i)e| gi)nfe getf)on, 
®o er nie mörtlin mi^t bar oon. 
'äU off ein 5t)t in einem orben, 
20 ^0 ein münc^ inn apt tt)a§ morben — 
@r toa^ gan| frumm, ein eren man 

3Snb ^at üil gü^ bem clofter t^an — 
2)ie onbern münc^ beforgten ba§, 
06 er ft) luürDe gürten ha^, 
25 ©eiftlic^er mürbe reformieren, 

©in beffer§ mefen bo jü fieren. 
93alb lieffenbt ft) an iren jun 

SSnb brad^enbt balb ein fac^ bor oon 
SSnb fc^mibten in off einen roagen, 
30 Oud^ fiengenbt an, oon im ju cfagen, 
SEBie ha§> er gan| onfinnig mere, 

5)a§ mer bem ganzen gofe^ufe fc^mere; 
3erfc^Iugenbt off im manche rüt, 
2IIs man eim bfe|nen menfd^en t^iit: 
35 „@ag an, moltft bu ün§ reformieren? [e ij''] 
SBir menbt bid^ jii fant anftett fieren!" 
55er gut, frum man muft fd^ellig fi^n, 

SSnb ^ett ber bunber gfc^tagen brt)n. 
9iun ^oren, roaS ft) mt)tter tt)aten: 
40 <Bt) motten ein fd^ted^ten prelaten 
SKit liften onb mit fpi^em funbt, 
2)er ir lieblin fingen funbt 



58 ©in fad^en ah bem jun bred^en. [15 

SSnb liefe e§ gon, red^t tüte e§ gieng, 
S)ar§ü tiüt nüroeä anefieng. 
45 (Sr j|)rad^: „tra§ fa(^t ir mit mir an? 
(So i(f) §u bi[em bing nit tan." 
5)0 fiengen ji) an jü üert)eiffen, 

(Siner roolt in leren fieiffen, 
2)er anber fe^en öff ben l^üt 
50 $ßnb berben, roie ein bifc^off tf)üt, 
Duc^ geigen im ben pfoumen trit, 

2)en bifd^offftecfen tragen mit. 
Qeber moit im lernung geben, 
iSSie er boc^ folt pretatifd^ leben, 
55 fragen t)e| ein toftlic^ c(eibt; 
Seiner jagt oon erberfeit, 
S3on t)offart nun önb üppigfeit. 
2Ba§ ba§ nit ein biebfd^er t^anbt, 
®en JQ öom gun gebrod^en fianbt? 
60 9^it tt)unbt bie geiftüd^en ha^ allein, 
@§ ift l)e^ aller mett gemein: 
S)ie tierrfd^afft nad^ regieren gad^t, 

^a§ ber jun j'i)n üatter fa^t; 
©in brüber jd^ont ftjn§ brüberö nid^t, 
65 58ife er ein ürfad^ abgebrid^t 
216 bem j^un önb fa^et in; 

@o mü| er bann önfinnig ft)n [eiij*] 
SSnb weifet me mi| önb ou(| geberb, 
5)en f^n brüber lernt öff erb; 
70 9ioc^ mirt er gfd^mibt in fetten ^n 
SSnb mufe mit gmalt önfi)nnig ft)n. 
Sie melt ift t)e| be§ fcf)atcf§ fo öol: 
l^an fd^on ein fierr regieren U)ot, 
©0 finbt mon boc^ fo manchen üft, 
75 S5ife er öom ampt getupffet ift, 
SSnb clagenbt in in roincften an, 
(5r ft) ein lugen^afftig man; 
©0 bie f(^elmen fetber liegen, 
®Dtt önb aüe roelt betriegen. 
80 Sc^ ^ab offt fetber liegen mieffen 

a^nb fc^elten, bo ic^ bod^ t^et grieffen. 



16] 2)er bericren f>uff. 59 

glüd^en, fo ic§ bettet i^ab; 

2)a§ td^ offt tüunbert nnc^ taxah, 
5^a§ gott ber ^err bQ§ rid^et nic^t, 
85 8o man ben ^un fo fd^entüc^ brid^t 
S3nb fo manche fulen fachen 

£a|t fo foftltd^ gulben mad^en. 
$8rfacl^ füd^t ein ober man, 

5)er fgnen frünbt mit faren lan, 
90 2{1§ folomon ba§ f(^rt)ben fon. 
2)a§ roarenbt ouc^ gar fule fachen, 

Xo c^rifto i^efu roiber fprac^en 
2^te iuben, ba§ er ba§ nit roolt, 

Xem feifer geben ton ben folt. 
95 @§ biQbt fürroar nit Dngeroc^en, 

2Ba§ üon bem §un n)irt abgebrochen, 
5)o(^ men e§ t)e| tt)ürb al§ gefc^Iic^t, 

S33a für wer ben ha§ iüngft gerid^t? 



[16»] S'cr ticriorctt ^nff» [eiij^] 

Sc^ borfft fein fd^etmen nie befc^roeren, 
33ei^en | gerben ober leren; 

<St) ^onbt fo Dil bucfifc^er mi^en, 
5)a§ ft) ttjenbt öff ein füffen ft|en. 

2)er oerloren £)uff ^att bife ort, 

5)a§ ft) fein§ bf(^roeren§ Don mir roart; 
©0 lieffenbt mic^ ben ritten ^on, [eitij^] 

(5e ba§ fi) fernen ju mir gon 
5 3Snb lieffenbt ficb ouc^ mt)§ befc^meren; 

St) ft)nnenbt fic^ fo bücfifc^ meren, 
S)en f9 öil rinden | rancfenS miffen 

3Snb rröllenbt fi^en off ein fiffcn; 
^oc^ mer mir {et)bt, ba» ft) |ar fernen 
10 SSnb in mi)m bud§ ein ftatt t)n nemen; 
@t) lorenbt öil ha^ off ba§: rab. 

Sd^elmen bfd^mören ifl nit on fc^ab; 
(5e baS i(^§ mil mit in bcfton, 



60 



35er berloren 



[16 



^ä) roit ftj ee bem Bender Ion. 
15 @in jd^elm, ber machet f)ar üff I)ar 

$ßnb fagt ein lugen, al§ toer ft) war; 
2)a§ gett n^m^jt er off fqnem rücfen; 

^Jiientan^ fennt ein§ fi^etmen büden! 
©d^elmen mercfen, toa^ man jet)t, 

2)a§ fetb ben Batb er wtitter treQt; 
5ln bie agt gibt er ein man, 

3)en er biebfd^üd^ üerfouffen fon, 
95nb ifet mit bir bt)n mü^ ünb brot, 

5)er fc^elm, ber bic| "öainaäi oerrott; 
Gb er bann bir nit morfite jü, 

So brun^t er bod^ in bt)ne \6)n 
ißnb louffet bann t)eimli^ bar oon. 



20 



25 




16] f)uff. 61 

@r ^at§ noc^ ntt bcm rechten t^on. 
@in fd^elm barff bir b^n oenfter brechen, 
30 |)inberroert in montel fted^en, 
(Strooö fielen onb Derbrennen 

SSnb in bcr nad^t oon bannen rennen; 
©c^elmen finbt, bie fid^ erneren 
Wtit fc^elnten roercf bi) fürften, Ferren: 
35 Su^penfreffer | lecfer | f upier, [e iiij''J 
©d^mom^er | önb fc^mal^betteler, 
geberfluber | fc^I^ffer | njenber, 

galtenftr^c^er | m^ber fc^enber, 
Schlegel roerffer | oren blafer, 
40 ^u|enftrQd^er [ fc^anben mafer, 
®rantner 1 öopper | önb Dagierer, 

Elender | bepjer | !armefierer, 
^r|ner | bü^ner | granerin, 

Schlepper 1 fd^roer^ner | ^orenbt brt)n. 
45 3" rotttjelfd^ finb ba§ b6§ ftocfnarrcn, 
Xie au mit fc^elmen jamen faren. 
@oId^ büben roil id) nit befd^meren, 

3)en ft) mic^ nie ^onbt motten f)6ren; 
@in t)eben l^erren Ia| ic^ miffen: 
50 ®ibt er jt)m fc^elmen nit ein fiffen 
S5nb fe^t in füberüc^en niber, 

@o mü| er b[orgen, has, er miber 
$8on ft)nem jc^elmen fum in not, 
Sßerfoufft, öerraten in ben tobt. 
55 2)arunib müfe er in f)on in eren. 

SBorumb rooü id^ bie fc^elmen bfc^roorcn, 
@o ft) !eifer, fünig galten, 

ajJitroütben off ein füffen fc^alten? 
©in t)eber f(^elnt !an bifen funbt, 
60 Xa§ er ^oc^ üff hai !üffen fumpt. 
S^ff bcm rab fdfe er oil ha% 

2)0 er fc^on öff bem füffen fa§. 
@in fd^elm ^ot bfunber freüb baran, 
Ta§ er öertuürre i)eberman. 
65 ^iT'cqcn Ferren bienen | pfoutren ftrt)d^en, 
jßil liegend mit bcr mar^eit glt)d§en, 



62 2)er bertoren ^iiff. [16 

kuppet rocf im futnmer tragen, [z 5^] 

SBenig tüiffen | onb Ott fagen, 
35erraten | fd^tüct^en | onb üil liegen, 
70 3Jiit balfd^em munbt bie roelt betriegen, 
3m felber fielen | übel fc^iüeren, 

Tili gulbin roefc^en fid^ erneren, 
3ebel ttjerffen | fd^olber nemmen — 

2)ie fcftelmen folt man bitticft fd^memmen! 
75 6o mü^ id^§ üff ein füffen fe^en, 

Xa§> maä)t ir fd§eblid^§ fc^elmen fd^lt)e|en. 
2)ie t)ai]d) ^eiüumb ümh^tx fieren, 

Setler önb bie fta^enierer, 
jDie gott önb alle weit betriegen 
80 35nb ben {)erren brieff abliegen, 
2Bie ft) fant oettin i)ah geplagt, 

5)amit er aUe tanbt üfe iagt; 
2)ie anbern oattenbt öff ben grunbt, 

^a§ in grufamtii^ jd^umpt ber munbt; 
85 2)ie brüten fierenbt ft) an fetten, 

2II§ fi) ein tüfenlic^en fetten; 
2)ie tDierben ft)nnenbt munben machen 

55nb liegenbt, ta§^ bie baIcEen frad^en, 
2Bie fQ t)onbt ber tieiligen bü^; 
90 ®a§ offt ber frum entgelten müfe. 
|)iirn mirt ] onb loürffel trager, 

|)üppen buben | lugen fager, 
Xer ftjn frotr eim anbern latt 

i8nb oatfd^e fpil getriben t)att; 
95 Solche fd^elmen off bem füffen 

2BiI id^ in mi)nem biid^ nit toiffen. 
2)er fulen rott toenbt mir on§ fc^amen. 

333 ol 0^, in tufent tüfel nomen! 



17] [17.] S5ott JJev ijctt^ ttiegcti. [eö] 

^ä) pg ein gan§ f^in ömenbum 
SSnb fumm boc^ gagog miberumb. 

Sd^ f)Qb§ in mt)nem 6iic^ gelegen, 
5^a§ all m^n frünbt finbt gen^ gemefen. 



63 




S33cr et)ner !ommen öor etm iar 

SJnb §at gefaget i>ai für mar, 
^a§ ^e| bie lüt jü genfen toiec^fen, [e6^] 

2Ben tuolt e§ aber nit öerbrieffen ? 
®en ba§ J)ob td^ erlebt üff erben, 

S)a§ t)e^ bie lüt gü genfen roerben, 
^a§ ic^ afg fom^t in mt)ner fünft 

gunben ^ab | boc^ nit ömb fünft. 



64 »Ott ber [17 

@§ n^m^t öil jd^nufen^ [ cc ic^ tan 
10 (Sot(^§ ü6er reben ^eberman. 

2)er fd^itt mid^ bran j ber anber lütet, 

SJBie tüot er boc^ ba§ ganfe et) briet. — 
S)er gan§ Berupfft man iren fragen, 
5)a§ jt) in gan^ mü^ blut ^er tragen, 
15 @o ir entbloffet ift ber ^ai^. 

SBa§ ftj tüeifet, ba§ fagt \t) aU, 
^cin lugen ta^t im t)ai^ crttecfen, 
@t) mu| e§ öflic^ at§ entberfen, 
@c!^entlid^ onb t^oredöte rebt, 
20 ^ie ft) tiit hai^ öerborgen §ett. — 
SOtan rupfft ir oud^ bie febern ö^ 
SSnb mad^et jenffte bett baru^, 
2)oruff ein anber gar ineid^ It)t, 
8o ünjer gan^ mit btutter ^üt, 
25 SDiit nadftem iQb, in |6rter bü§, 
SSff fatter erben fc^Iaffen mü§. 
5)er genfe finbt nod^ üil mer off erben, 

3)ie gebenbt t)in, ba§ fti oerberben. 
2Ba^ ber öatter ru|)fft tinb gucft, 
30 S)a§ ^at f^n fun in n)l)n üerfd^tucft; 
(Bt)n füren fc^ttjeife fiencEt er im an, 
2tt§ mand^e gan^ me ^at get^an. 
2)er ift ein arme gan§ füriuar, 
Ser ft)n gut nit brud^en bar 
35 SSnb fein gutten munbt ool effen; [e6''] 
@o balb er ftirbt, ift ft)n oergeffen. 
SDann §onbt mir erft ein frl^en müt 

9Jiit be§ rt)d^en fargen gut, 
®a§ er tiff erbt nie tiat genoffen 
40 S3nb ^at in bort 511 ^ett geftoffen. 
2)ie ^ie fanfft öff ftjn febern ligen, 

§onbt fijn gan^ onb gar oerfd^migen; 
3)ie fi)n gett mit fc^att oer^eren, 
©ebed^ten menig ftin mit eren. — 
45 Söreitfieffig gen§ jertrettenbt mere, 
S)en in gu fp^| notturfftig were. 
Sßit gcn§ öermüftcnbt önb oermerffen 



17] gen^ tt?eflcn. 65 

9)ie, bann ft) jü ir not beberffen; 
$)a§ ^onbt bte breitten fte^ getian. 
50 Xo bt) üerflanbt ein friegeS man; 
3)er felb, Iren er ein lanbt gera^nnt 
35nb nüt mit im ju tragen finbt, 
S)a§ übrig brennt er alle§ ah 
!ßnb bringt arm lüt an bettelftab; 
55 3^en mt)n fufft er in aQem ^u§ 

S^nb ftic^t bem fa§ ben boben 0^; 
®er fachet ofen mü^ entgiüet). 

^er gen^ finbt noc^ oil mand^erlet). 
Sm fliegen frfjrQenbt ft) gagag 
€0 58nb fc^m^genbt gan| jä niberlag. 
i8il genfe in irem leben fc^rt)en, 

Xer bendt man roenig, roen ft) tigen. 
(Sagag I gagag, bmi)I ft) fliegen, 
2Ben fic^ ber tobt ti)ut ^u^er fiegen, 
65 So roirt eä manchem man befant, 
2Ba§ ft) onnü^Iic^ triben f)anbt 
®enfe gefd^ret) in aüem lanbt. — [e 7 -'] 
2Ben ein gan^ ba§ ttjaffer fic^t, 
@Q meint, ft) fec^ ba§ |t)metrt)(^, 
70 S5nb meint, ft) fc^m^tn mit freüben bljnn, 
@o ift nod^ it)i)t Dnb t)err bo ^in. 
2)er gen§ ift gar ein groffe §aff, 

®ie fic^ bebuncfen laffen all, 
SBie ba§ fQ t)e^ im ^t)met finbt: 
75 2)a§ finbt bie rijc^en ünb ir finbt, 
Xen bife jergengflid^, öbe roelt 
SSil ba|, ben ob ber f)t)mel gfeü; 
2^arumb i)ah id^§ für genfe gefeit. — 
@in Qebe gan^, tuen ft) burd^ got 
80 ©in ^ort | ba§ i)oupt fQ niber lat 
SS^ fordet, ft) fto^ fid^ oben an, 

S8nb bbrfft ber forgen nimmer ^an. 
S)aä finbt bie genfe, oon ben man feit, 
2Ben man ft) ^ii firc^en gctcit, 
85 ©0 mu§ ir m^d^en t)ebcrman 

SSttb m^t oon unfern genfen ftan; 

M u r n e r , Narrenbeschwörung. 5 



66 Sßff ber flefd^en riemen tretten. [1& 

5tffe bing finbt ir jü eng, 

80 mag ft) I^ben fein gebreng 
SSnb fordet, fi) fto^ fid^ oben an. 
90 aSen froro crtim^ilt funtmet gan: 
„SSt)C^ t)§! rotjdi) ö§! ttiir gen| finbt ^ie, 

2Bir lonbt ben narren Bfc^roerer nie 
SSerlaffen üor | be§ ftonbt mir ^ere 

SSnb ftellenbt ön§ nun im ju ere." 
95 S^ f)ab bt)n ere, from ganfe gagacf, 

5I(§ id^ üor tiüt ein§ bjeic^ten fad. 
2Ba genfe ^in fd^t)ffen, al§ id^ i)ör, 

5)0 ma^t fein grün gro^ ntimmermcr. 



[18*] 25ff Hev ftcft^ctt ricmctt tvcttcju [e7'l 

^'um;)t, lieben guattren, finbt gebetten, 
5)er flefd^en off ben riemen ju tretten. 

Bretten ftardt! finbt gutter bing, 
S)a§ f9 ünS nit in§ antti| fpring. 

„2Ben ber bunber piüic jerfd^tieg 

Sitte ^afen, fanten, frieg, 
!önb finbt man nienbert mt)n§ gcno§, [e 8*] 

@o fafet id^ bennod^t oierbt ^atb mo^!" 
5 Siebe fiefd^, bu fa^ft genug; 

^od^ ierftu mir ben effig früg! 
2(tt mt)! id^ bife flefdEien f)on, 

^ah id^ fein tropffen mQn§ get^on 
Sn effig frug, in§ effig üa|, 
10 ^a§ e§ mir fd^ier erlec^et n)a§. 
^d^ bingt ein mal ein liebe flefd^, 

Xie mir öerfoufft fieimlid^ bie efc^ 
S5nb foufft barumb ben gütten m^n; 

Sr nam ber ^ie§ me^ fat^ert)n. 
15 To id^ ft) bingt, begert ft) me, 

Ten ic| belonet üor ünb ee, 
2)orumb ba§ fQ fein m^n nit trindft; 

2)a§ fd^e^t id^ für ein gmintidE) bing. 



18] 



3Sff ber flefcfien riemen tietlen. 



67 



^0 id) bie fac^ im grunbt erfanbt, 
20 |)inbern ^äfen bt) ber roanbt 
^att it) ein ^afen ^in gefc^mucft, 

S)aru§ jt) mir ben roi^n oerfc^Iucft. 
Bt) fe^t mir tuar, jQ tranrf in nit, 
SSie mol ft) in oerfd^Iucft bamit. 
25 S)er f)afen f)ielt ac^t alter mo^, 

2)en er n)a§ ofe ber maffen gro^. 
SBiltu blatten b^ne efd^en, 

So E)iet bi(^ Dor einer fold^en flejd^en! 
^c^ rec^t ba§ ö§, ein ganie§ iar 
30 BttJei) füber fa[fet fQ fürroar. 
2Ber aber ^at ein fc^mere tef(^, 




68 33ff ber flefd^en riemen tretten. [18 

5)er lüg int omb ein femlid^ flefc^. 
Sebt \ä) tufcnt xax öff erben, 

(So tt)Dred^t wolt id^ nimmer werben, 
35 3)a§ tc^ ein fotc^e flefc^en bingt, [e8^] 
Xit offelid^ fein ro^n nit trinrft 
SSnb treit in bod^ mit Reffen öfe. 
D, liebe flefd^, o^ mi)nem l^u^! 
ajit)n frummcr, alter effig frug 
40 |)ett oor bir nt)mmer fein rüg. 
SQ3en tc^ ben feiler fc^on bejc^Iüf, 

@o fan mQn flcfd^ ein anbern b[d^i§: 
9Jiit raaffer mir ben effig mengen, 
5)a§ er bie leber nit mög jengen! 
45 2)a§ effig öa^ mieft aber bron 
Sere, on allen effig fton; 
@oId§ flejd^en in fein rufte tan! 
ßein bing fc^enbt froren mer off erben, 
^en wen ft) §u einer flefd^en werben, 
50 2)er ftefd^en öff ben riemen breiten; 
Sonn la§ ein Qeberman f^n betten, 
2Bie fQ tf)un, ba§ mei^t man lüot, 
^ie flefd^ ift bife an fragen öot. 
SSon rot)bern fag id^ nit allein: 
55 2)ie man finbt flefc^en t)e| gemein, 
2Ben fQ ben n)t)n in bem ^al^ griffen, 

3loä) menbt f^ t3fe ber flejd^en pftiffen; 
^ie ougen blatten f^ fumm offen, 
3m reben fi^enbt fi) ünb fc^toffcn 
60 S5nb f)onbt ftd^ in bie §ung gefc^nitten; 
9lod^ lonbt fg nit üon irem bitten: 
„5tc^, lieber gfeU, ic^ bring bir ein! 

S)u fic^ft ttjol, \>a^ ic^§ frünbtüc^ mein!" 
3)ri) fnopff gonbt ^in bife üff ha% ^cilh, 
65 Schlöffet bann ba§ merken falb, 
$ßnb ift ber mt)n im atfo gfunbt, 

2öie ba§ gra^ ift t3nferm ^unbt, [f j'^] 
SSnb brid^et im fj^n leben ah, 
5)ar§ü bringt ftc^ an bettelftab. 
70 2ßo§ f)ot ^erobe§ bran gemunnen, 



19] ©uatter über ben jun. 69 

5)Q§ er bQ tü^n fo onbefunnen 
Sin frummen man cnt^ouptcn gebott? 

2)er n)t)n ^at lot^ oud^ bracht in not, 
S)a§ er bejc^Iieff ft)n e^gen finbt. 
75 D, roie mand^e Ferren finbt 
SSerborben all burc^ truncfen^cit! 

Subita felber niberleit 
^polofernem bo mit lift, 

®o \t) in üot onb truncfen mift. 
80 Srunrfen lütten Dil gebrift. 

^d) mü^ bo§ öff m^n eibt oerie^en: 

SBer nit fo groffe bitt gefc^e^en, 
Sc^ ^ett f^ gfe^t in bie f^elmen junfft, 

^en ft) oertieren all oernunfft; 
85 ^ü grober finbt bie felben all, 

5)en önfer moren finbt im ftall. 
©robianer 1 fc^elmen | ünflat, 

Sj;er et)n§ rtiffen magen §at 
33nb meint, er mie| oil n)t)n§ oerberben, 
90 5)a§ er nun bie flefc^ müg erben. 
%üü ber flefc^ ben punten jü, 

®ang bin fc^Iaffen, i)ab bt)n rü, 
3n§ tüfel§ namen, leg bic^ niber, 

äJiorgen !umm önb füll bic^ miber! 
95 %üü bi^; bo(^, ba§ ift mt)n bitt, 

2)en anbern m^n öerfc^itt boc^ nit. 
(S§ fumpt bn§ tt)o( fo bitter an, 

@e ba§ mir in erbumen ^an. 



[19.] (^mtUv iibcv Den juti. [fj' 

(äJrieß id^ mi:)n guatter über ben jun, 
8o grient er mic^ ^erroiber fc^on; 

®r lecfet mic^, fo füfe i(^ in, 
^a§ Qeber meifet be§ anbern fin. 

@§ ift n^m, als e§ üor j^ten ma§; 
SQ3q§ man rebt 1 bo ^ielt man ha^ ; 



70 



©uatter ül6er 



[19 



SJian tan ^e| mit cim grü§ derfton, [fij''] 
2Bie man jol entgegen gon. 
5 ^umm id^ t)e^ jun Ferren gan, 
©0 ift er al§ ein boppel man, 
®a§ er fprid^t: „ia" | ben fnec|t fid^t an, 
3)er fned^t be§ {)errcn fin üerftat, 
2!a§ ia ift nein, ha^ er mir ^at 
10 3u gerebt | ünb gü gefegt; 

^ein^mon fnet^t, ber mei§t fiefd^eibt; 
©igel ünb brieff t)e^ ^etffent nüt. 

So üalfd^ onb öntrüm finbt bie lüt, 
S)a§ fi) fief^eibt §ü famen geben, 
15 $8nb gilt nüt, roaS er rebt barneben, 
(äiner fennt ft)n gfeHen über ben gun 




I 



19] ben sun. 71 

SSnb ttiei|t be^enbt, tüa§ er fot t^ün; 
3ü güttem tütf<i^ Reifet e§ ein üertragf, 
Dber gfungen: ber {)aber facf. 
20 Srroolt man mic^ t)e| jü eim ampt, 
So finbt mljn onbern aüt fampt 
$8or^tn gefrt)t oor mtjner ftraff. 

2Bq§ ba§ bebüt, ha§i merd ein fd^aff. 
^c^ barff in gar nüt tt)iber|pre(^en, 
25 2tl§ Don ftiangen t^et ber bec^an. 
§6rt, tt)ie e§ bem gutten mon ergieng, 

2)0 er ft)n becanat anfieng. 
S)er felb ouc^ nac^ mt)m bfc^meren fec^t 
SSnb fumpt mir i}eöunbt eben red^t. 
30 2)ie narren f)onbt im tree get^on, 

^e§ mü§ er ficf) ouc^ befc^roeren Ion. 
9Jit)n lieber f)err ünb guatter beeren, 
5)em übel folt ir miber fprec^en, 
SSnb be§ capitels nu| oolfieren; 
35 Ob ber bifd^off roolt regieren [tii**] 
SSbet aüem gmeinen nu|, 

So fol er fpredien: „bifc^off, bru|! 
2)u möc^t b^n ^enbt baran öerbrennen, 
2(I§ id) ba^ t^un an bir erfennen!" 
40 2Ba finbt man t)e| ein folc^en man, 
^er mit ernfl borfft miber[tan? 
3)em bifc^off in ben borte griffen? 

@r muB ft)n lieb on meren pftiffen. 
9kdö§ bifc^offg bon| f^n rei)en fieren 
45 S8nb in öor aller clag c)uittieren; 
(5e ba§ er mirt ermölt becan, 

@o ^at er oor ein eibt get^an, 
2)a§ er nit reb in§ bif(^off§ jad^ 
SSnb oud^ burd^ ft)ne finger tad) 
50 3)em capittel önb ben Pfaffen 

Sßnb fol nüt gbietten ober fc^offen. 
^m finbt beuol^en üil ber gfc^id^tcn 

$ßnb bod^ lüenig ttfe jü richten. 
(5r mü^ Dud§ bo oer^eiffen in, 
55 ®a§ er e§ la^ gon im olten fin, 



72 ©uatter über [19 

2Bie bie getüonfieit ba§ ^erbringt; 

SBen bie fod^in metten fingt, 
®a§ ^3uer natu§ rüffet im, 

2)a§ er mit gfang ou^ bargü ftt)mm, 
60 SQJit bem bafe nit biffonier 

SSnb nit fttoff ire§ It^ht^ §ier, 
Stit miber reb, e§ fol beftan. 

Set)t bammaft ber priefter an, 

@D jol ft)n frott) ein fammat ^an. 
65 Sn^ alten gja^ tt)a§ ba§ ouc^ rec^t, 

^a§ bie ro'Qber priefter§ gfd^Ie^t 
(Seeret finbt oor t)eberman. [f iij-''] 

3)arumb, mt)n lieber ^err becan, 
9iit tafet üd^ aüe bing befümren; 
70 Tlt)n föc^in | ünbt | ta|t üc^ nit fiinbrcn, 
S)ie alt gemon^eit galten mir, 

5^e§ güjd^en mil ic^ t)atten bir; 
©rfreümt bic^ gott mit einem finbt, 

Xarjü bu feinen guatter finbt, 
75 @o bien ic^ bir onb gbenrf boran, 

Xo§ ir mir finbt ein gnebig man. 
Sieber guatter, grieffenbt mic^, 

2)e§ gü)^en mit oud^ grieffen i^; 
ÖJuatter übern gun ^in über, 
80 So bancf irf) balb geuatter miber; 
S)ann t)6r id^ ümer fod^in bt)(^t, 

S)er mtjnen tfiimbt ir ou(^ ber gt^d^ 
S5nb t^ünbt aU um er öorfar ttjet, 

2)er m§> aü fampt gefrtjet |ett 
85 SSor ber ^zü ün§ tobt beroaren, 

S)a§ mir nit borffen bartin faren. 
333a ir aber motten f(^nurren 

SSnb miber önfer frt)^eit murren, 
SSB m^ner pfarr, öB mt)nem ^u^ 
90 SDfjQn lieben foc^in trt)ben o^, 
Tlit ber ic§ alle fur| rot)I trtjb 

SSnb mir oud^ mermet m»^nen It)b, 
^ie mol j^mein^ig ganzer iar 

9Jiir frü^Iet ^at in mt)nem ^or; 



19] ben 5un. 73 

95 2)u ttjürbft nit oil baran gerotnnen, 
^d^ lüott bie puren mad^en innen 
i8nb molt in fagen froli^ mere, 
5)a§ fein fiellen nienbert mere. 
2Bifeten fQ für roar^eit ha^, [fiij^] 
100 @Q mürben Dn§ balb gürten 6a§. 
SBit er bann nit fqn oertriben, 

2)ie jelbig mere in febern blibcn, 
'ITie puren ba§ nit innen merben, 
^a§ fein ^ell nie marb üff erben, 
105 @D niü| er ouc^ ir lieblin fingen 

SSnb mit bem alt gii inen ftt)mmen. 
2tIfo fent grife ben gromen mol 

SSnb ift bie melt ber guattern t)ot; 
®q fgenbt geiftlid^ ober meltlic^, 
110 @§ lofet aU famen biegen fic^. 
5tt§ e§ ftat Qe^unbt üff erben, 

8o brückt man alfo groß geferben, 
SBie einer gang bem anbern für: 
5)ien bu mir | fo bien ic^ bir, 
115 Secf bu mid^ | fo füB id) bic^; 

S§ t)ei§t §ü tütfc^ ber pfoumen ftric^. 
SBer qe| mil ein obrer fqn, 

^er la% ein» mit bem anbern ^in, 
©in tüfel mit bem onbern rennen 
120 SSnb lefc^ nit, men eS fd^on roil brenen; 
Safe a{§ gon, rec^t mie e§ gat, 
So biftu ben ein gut prelat. 
Slebtftu Dn§ in önfer facgen, 

So moltenbt mir ein anbern mad^en. 
125 9tec^t mie bo finbt bie önbertfion, 
Sllfo menbt \t) ein §erren ^on. 
Stifo gat§ a[Ie§ überjmerg; 

^arumb ber pfaff oom fallenbcrg 
Siiefft mit luter ftt)mm allein: 
130 „5S§, t)iirn onb buben all gemein!" 



74 [20 J ^ev Wftctt glouactt bff ftcUsetL [fiüil [20 

@§ gat ^e^unbt fo tüunber fetten, 
®a§ c^riflen glouben gat off ftel|en, 

S3iB er ben f)at^ ein mal abflür|t; 
3e ein§ ba§ anber fo öer!ür|t. 




„|)err narren bfc^iuerer, fec^t üc^ für, 

®a§ ir bie fc^mac^ beiüt)fen mir. 
^6) n)il üroer narr nit fi)n, [fiiijT 
@oÜ iä) mit üc^ gen rom ^in t)n!" — 
5 SSoIten tuir gen Sd^om i)in p, 

S)a§ mir binn motten narren f^n? 
®a§ mercnbt lec^ertic^ gefc^ic^ten, 

©0 mir boc^ mol tiie wenbt ö^ric^ten! 
®t§ t)er bt^, ^err Dfficiat; 



20] 2)er d^riften glouben bff [teilen. 75 

10 @§ fompt in btfe narren gal 
@o mand^er It)(^nam gütter gfett, 

S^ ^ielt in gfelfc^afft bife in bic ^ett. 
2Bie ttjol ir nit ein narr roolt [gn, 
9iod^ roürff ic^ üd^ in bart ^in t)n, 
15 S)a§ ir ün§ omb br^ ^a[elnu§, 

2)en 6an im lanbt öerfünben bu§. 
2Ben fant peter t^et in ban, 

©0 troff e§ groffe fachen an. 
SSnfer pfarrer mü§ offt Ion 
20 9Jie§ onb prebig laffen flon 
SSnb üroer brieften fürber lefen, 

2Bie Elidel fc^ulbig ft) geroefen, 
goul^en biebolt, njicfer§ grebten 

SSnb iaüWeU taumel öon bernftetten; 
25 ®r roürt oerfc^offen onb üerbranbt; 

2)a§ gfc^id^t all funtag off bem lanbt. 
^r brennenbt gnüg onb lefc^enbt nüt, 

S)ar5u oerberbenbt arme tut; 
Sr tri)bt ba» reblin omb fo feigen, 
30 2)o§ ber gloub fc^ier gat off ftel^en, 
93ife er ben ^al§ ein mal abftür^t, 
^t ein§ ba§ anber fo oerfür^t. 
©t) fommenbt bar, ba» ft) loenbt ^oren 
2)a§ gotteä mort oom pfaffen leren, 
35 ©0 mieffenbt ft) "ba^ me^en gfd^efft, [f5^] 
3^amit ir ft) att funtag efft, 
^oren rieffen onb öerfünben; 

2)amit ft) feilen prebig fünben, 
SSergeffenbt irer feten t)eil. 
40 (Sbtiic^ bdn finbt toorben feil! 
9iieman§ ftrafft üc^ üroern ban, 

SSen ir ben mi§bruc^ lieffenbt ftan. 
9Jian roeifet root, ba§ ir ^abt gemalt. 
3^er mifebrucb ift fo manigfalt, 
45 3)a§ man t)e^ in manchem lanbt, 

2)en ban t)alt für ein Iürli§ tf)anbt; 
Sllfo ^onbt ir§ fo gar oerfc^itt, 
2)a§ man ümerg gmalt§ ac^t nit; 



76 



©in (oc^ burd^ ein brieff rebert. 



[21 



•Jier tm)n fc^macft in gtt)c^ idoI bamtt 
50 SSnb roerbent atfo fei|t im han, 

'äU men fQ jc|on §ü fird^en gait. 
338er 6t) üc^ ein eibt begert, 

©utter Pfenning wert ift er geroert. 
2Ba§ oerftat in üroer £)anbt, 

SSom iuben lofet id^ ee ein pfanbt; 
®rt) neftel onb fünff |aüer tt)a§ 

5)ie i)ouptfum, aU id) rechnet ba§, 
@o trt)bt ir foften off bie fum, 

2)a§ ic^ baru^ ijei ntimmer fumm; 

5tlfD trt)bt ir on§ armen omb — 
SSnb girnt mit mir, baö ic^ üc^ £)ere 

3un narren ftett bnb oud^ beft^roere? 
^umpt ^erju, ^err official, 

Sr f)6rt oud^ in ber narren jal! 
65 Sft ba§ nit ein groffe p\)n, 

^a§ narren nit ttjenbt narren fgn? 



55 



60 



[2LJ (§in lot^ iJttic^ citt ftrieff rcbcn. 

Sc!^ reb ein loc^ t)e| burd^ ein brieff, 
(So breit onb mi^t ünb oud^ fo tieff, 

ißnb triff I man 1 rt)i)b | önb ir finber, 
StünbenS f(^on jroo m^I bar finber. 



[f5'^] 




21] 6in Ioc6 buri ein brieff reben. 77 

@i|t bir ber tüfel off ber jungen, 

2)a§ bu fo fd^ebigft alt Dnb tungen 
S5nb bie frummen brieff gerftic^ft, 

3In mir armen man btc^ ric^ft, 
5 ^er btr nie fein leibt ^at t^on? 

5)u groingft mic^, an ben bettel gon, 
SSnb fe§[t bir für, ein fulen jachen 

9J?it ro|roaffer riechen roetlen mod^en. 
S3Sa§ jücfttlu mic^ onb m^ne finbt, 
10 S)ie leiber t)e| üerborben finbt, 
@o tt)ir boc^ brieff onb figel Ratten, 

5)ie mir oon gan|em rat erbotten? 
@o Dinbftu nun ein cleuBlin binn, [f 6*] 

Xie !rümbft tinb bügft nac^ bgnem fin. 
15 2Bie ic^ bem rechten louffen noc|, 

3o ^aft mt)m brieff gemacht ein loc^ 
)8nö ^aft ba^ red^t getragen feil; 

Sarumb bu güc^ft am narren feit. 
2Bie bu bic^ riembft, ift leiber mar, 
20 SSnb feleft nüt gar Dmb ein ^ar, 
^a§ bu oil gütter, frummer fachen 

|)aft fc^entlic^ f^nnen ^t)ncfen machen; 
5)er bofen ouc^ ^erroiberumb, 

Sq ttjorenbt | ful | öalfd^ | ober !rumm, 
25 ©§ warbt fein fachen nie fo falt, 

2Ben man üc^ ben fenff bejalt 
$8nb nam Don üd^ confilium, 

@o xoa% ]V) xed)t \ voex fij fc^on frumm. 
SBen ir alle bing fünbt richten, 
30 9tip§ önb rap§ all frümmen fc^Iid^ten, 
So bencf baran, bu lieber gouc^, 

5)a§ gott iDÜrt felber richten ouc^, 
2)t)n eigen fac^ bir legen für: 

3)a bruc^ oernunfft, bie felb glofier, 
35 2)en er oerftat fic^ rool off redeten, 

Safet im fein ftroen bart nit flechten; 
S3rec^tftu |erfür ein üalf(^e glofe, 

M^n forg mer, onferl ^ergot§ ro§ 
S)em mürb bi)n fattel übel ftan. 



78 ein to^ butcf; ein brieff reben. [21 

40 2)amit bu betrügft mand^en man. 
2Bie birf I)onbt ir ba§ red^t öerjogen, 
5)a§ nun ba§ urteil mürt geflogen; 
233en ir ben fd^on bte lad) oerliert, 
(So §onbt ir balb bo a|)pelliert, 
45 (Sroer fad^ gen rom genummen; [f6^] 
SBie fot ic^ armer na^er fummen? 
5nfo fünbt ir ta^ rei^t üerforen, 

2)orumb ic^ mü^ ü(f) ^ie befc^trorcn. 
2Ben ir bie jad^en i)ie »ergießen, 
50 35nb fc^on bem ric^ter öte entpflief)en, 
©0 faü ir gott in ft)n orteil, 

2)er treit f^n red^t öm6 fein gelt feit, 
ßieber ^tn ber abuocot, 
gn mold^em büd^, on n^elc^em btat 
55 Sinbt ir, ta^ ir follenbt liegen 

3Snb mit gfc^iüe^ ben ric^ter btriegen? 
SSfe eim fed^Ie mac^ft ein fad^ 

SSnb ö^ eim rün^tin fc^roelft ein had), 
5)a§ man barinn fo t)it oergert, 
60 äRe bann öier fa(^en 511 ge{)6rt, 
S3nb alles redf)t alfo roilt blenben, 

^a§ fid^ bie fad^ fan ntimmer enben, 
®ie allein burdö b^n mutmil 
^yii^mmer treffen fon ba§ jit, 
65 2)ur(i) b^nen üalfrf), burc^ bqn gtofieren 
Sßn§ armen bt) ber nafen fieren. 
Set) riet bir, "Oa?» bu fürberlic^ 
9lietteft armen ünb ouct) rt)d^ 
iönb bt)ne fad^en enbe nemen 
70 SSnb nit für gotteS örteit temen; 
^d) bforg, bu tüürbft ben Üic^ern ^ie^en, 
®o felb§ bem redeten fumm entfliegen. 
(Sr mürb bid^ bfd^meren | bu mürbft§ nit lad^en — 
2)a§ bir bie fd^tnarten mürben frac^en; 
75 80 t)6rt ift mt)n befd^meren nit 

2lt§ gien^ | bo fel6§ {)ilfft bic^ fein bit! 



22] [22,] tcr aefcit^t iad. [f 7^] 

06 ic^ fc|on bin ein bfeic^ter facf, 

yiod^ bennoc^t mü§ man nac^t onb tag 

Sn ber firc^ ^ofieren mir, 

So mon 9 Ott ftofet f)inbcr t^ür. 



79 




:pab ortob ^ad, ic^ ^ab ein bet; 

2Be bem ber bic^ befeic^et §ett 
ißnb bir gü firc^en ^at J)offiert! [f 7''] 

2^a§ marbt fürmar nie rool regiert, 
5 ^arumb ^ab iä) ben finger gbettett, 

@r fol §u on§ §üm ^einßen bretten ; 
55er jolt mit gfangeg orbenung 

9legieren j^on att onb ouc^ iung ; 
SSnb roaS bo bient ju geiftlic^eit, 



80 S)er befeicfit facf. [22 

10 @oI er gü fingen f^n bereit 
©rnfttid^ | fd^tüerlid^ | güd^tigüid^. 

^a lüol, e§ |at ein anbern ftrid^! 

2)er fc^am;3ern lieber finbt fo tJtl, 

S)ie man §u fird^en fingen tt)i(. 

15 @§ ^ei^t ein liebt: ber pfouroen fd^roan^, 

®a§ |6rt üil ba^ an puren ban|, 

2)en ba§ man ba§ jü ürd^ fol fingen, 

©Ott loben mil mit bofen bingen. 
„Ud), liebe birn ] onb ttierber munbt/' 
20 (£in anber§ Reifet: 0§ ^er|en grunbt, 
Db aller fc^onft | on freüb oer^er — 

Sft ta^ bie göttlich lieb önb er? 
5)ag ben fecfen ift erbac^t, 

5)a§ ^aftu in bie ürc^en bracht. 
25 2Ben man ment, bu lobeft gott, 

So trt)bftu nun ein ^uren fpott; 
5)u ^aft§ oor^in bem facf gefeilt: 

„2Ben man ha§i buc^ ^erumb^er tre^t, 
©0 mit id^ fingen: bi^ mir ^olbt, 
30 m lieber bift, ban rote§ golbt!" 
äRan roent, bu folt bie me§ regieren, 

@o muftu bpem fad f)offieren. 
jDarumb bu nit ben bettel fri|ft, 
5)a§ bu ber fecf ^offierer bift! 
35 3ü<^ti9 fingen ^ort barjii, [fS''] 
9iit alfo bterren mie ein tu, 
2)ie ftt)mm gerbrec^en nac^ ber für§, 

2Bie ber efel brid^t bie für^; 
fOlit ben anbern concorbier, 
40 So fc^e^t man ta^ ein gotte§ jier. 
® ebene! b^n ampt önb lt)a§ ba§ ift; 

®er ferf ^ofierer bu nit bift, 
S)u fingft öor gott, baran gebencf! 
2JJit b^ner ftt)mm nit toind önb mcncf; 
45 3)er fad ^at fünft ein ^offart bran, 
SBen fQ bic^ alfo nerren !an, 
S5nb fe^t öon bir bo§ ^eberman. 
^offierteft ir ben gan|en tag, 



23] SDie feberen f^t^en. 81 

So blt)b J9 tod) ein bfeic^ter fad; 
50 SSnb [ingeft ir bog gan| ior, 

So luer ft) bfeid^et nac^ al§ öor. 
®en ^dt i(^ für ein ro^fen man, 
2)er gott jü firc^en bienen fan 
35nb t)§ ber firc^en oud^ ber melt, 
55 2Bic fid^ bie fad^en felber fielt. 
S)er filmet önb ba§ erbtecQd^ 

Sinbt oerfnüpffet gamen gtt)c^, 
2)a§ ein§ nit on ba§ anber ift. 
S)orumb jü be^ben bu bic^ rift, 
60 $8nb ^alt ein Qebel für f^n roerbt 
$ßnb nit ben f)i)mel für bie erbt. 
2)a§ erbtrt)c^ ift jergengffid^ gut, 

S)cr fi^mel eroig b(i)ben tt)üt. 
2)arumb mann bu §ü firc^en ftaft 
65 SSnb fecf in bt)nem benrfen ^oft, 
So tobftu bri)n ein frembben gaft. 



[23*] ^ic feöcvctt }\ii^ttu [fs'^j 

2Ber mt)n feber onb mt)n fc^rt)ben, 

S<^ moit im tütfc^en lanbt nit bitiben; 

3^ fd^Iem onb bemm, id) jere onb bra§, 
S)a§ nt)m id^ t)§ bem binten üoB- 

|)err fc^r^ber, ba§ ir fetber fagen, 

®a§ fi)nnenbt bie puren üon üd^ dagen, 
2Sie ir fi^ broten, fieben, fd^inben, [g j»] 

2111 mi^I ir et)nen tropffen finben; 
5 m tt)l)I e§ trüfft, erft)c^t e§ nit. 

Sr mad^t in mand^en füren tritt, 
2)urd^ ben regen, burc^ ben fd^ne 

X^ünbt ir in mit ber febern roe 
35nb fpi^t bie febern bidf gu öil. 
10 SSon |afen ic^ üd^ fogen tt)i(, 
S)a§ ic^ bod^ fQt nie i^ah öernummcn, 

SBie er üd^ f^ in Pfeffer fummen; 
Xo<^ fol mir bä§ fein fragen ft)n, 

AI urner, Narrenbeschwörung. ß 



82 



Sie fcberen f^i^en. 



[2S 



2Bte er bo^ fummen f^ bart)n. 
15 2Biit ir, wann ir Ratten glaben 

2)em atmen puren bo jü fc^aben, 
2)0 la'iß mt)n f)err ber abuocat, 

2)er anmalt ouc§ ft)n ftettlQ ^att, 
$ßogt, 9tt)aÜ^aber Onb fürmunbt, 
20 @t)n t)eber, ber geloben, fumpt; 
SBer bo i^t öon üroerm tifcf), 

2)er n^mpt öom fc^tegel ft)nen ftfc^. 
®e ba§ ir ba§ benebtcite mai^en, 
So fagt ir üon be§ puren jacöen, 
25 2Bie ir et)n feilten puren f)anbt; 
2o t)t) ir üroer geft ermant, 
5)a§ ft) bie fac^ f)oc^ CEtolIieren, 




23] Sie feberen f^i|cn. 83 

S)en puvtn ht) ber nafcn fieren, 
Sßnb Ie§t im für et)n roilb »ergibt, 
30 Ou^ ratenbt im in§ famergeric^t. 
@|5rid^t er bann, er jt) jü arm, 

@o fagt ir, ba§ f^n fad^ ftee irarm — 
@uc^ ftatt ft) luarm, ir mermt üd^ fr^, 
8o ber pur erfrürt bo 6t)! — 
35 SSnb müfe f^n f^nbt gen men| citieren, [gj''] 
(5r finn ben foften nit oerlieren. 
SScrlürt bie jac| ber arme man, 

2Bie ha§ man§ im gü leibt i)ah t^an, 
®a§ fagt ir bann ; er batff nit fregen. 
40 2)er tüfel mie^ üc^ ben ^afen gefegen! 
SJian finbt noc^ mot ber felben fnoben, 

5)ie febern nie gefpi|et f)aben, 
S)en orteil rat erfennet ^at; 
^e§ fompt ir offt off ba§ golgen rabt. 
45 Xie feber fpifeer finbt bn Ferren, 
^ie fic^ allein mit febern neren, 
ißnb btqbent off bem füffen fi^en 

^nb t^ünbt nit me, bann febern fpi^en. 
SSil finbt be^ t)onbtmercf^ möc^tig ttjorben, 
50 ÖJrauen o| ber f^ri)ber otben; 
@o at§ mancher ebelman, 

^er oi( tiarter frieg f)at gt^an, 
3n grunbt ^int)n oerborben ift, 
5!)a§ er fein feber fpi|er ift. 
55 ^d) raeil fein beffern rat off erben, 

2)a§ ft) ein mal ouc^ fd^rt)ber werben, 
8o Überfemen fQ boc^ gelt 

SSnb legent nit fo ^ort im felbt; 
?)ocf) ^6r ic^ bog i)er toibcrumb: 
60 gelt ba§ binten feffel omb, 

Sann mieffent ft) offt miber fc^toi^en, 

2Ba§ ft) getoanen t)e mit fpi^en 
^Bnh mit ber febern ^onbt erfec^t, 
8o gfc^ic^t in loarlid^ eben red^t, 
65 351 grauen miber fc^rt)ber mad^en ; 

2!ann mü§ id) bur^ bie finger lachen. 

6* 



84 [24,] ^ic fattcl ttavMug, [gij^ll [24 

2ltter a\>d toeifet im lonbt, 

SSann wir fd^on fein erbteil |anbt, 
SSir fQnnenbt tin§ ber armut roeren, 

Slllein oon bijem fattel nercn. 

[Gleiches Bild wie Kap. 23.] 

SEBann bu bc§ fattelg nercft bid^, 

@o !anflu tüerüci^ me bann id^. 
©§ mu| ein roilbe norung ft)n, [gij^] 

®en fattel Pfenning bringen t)n, 
5 §Qt ber fattel fotc^e frafft, 

2)a§ ntim^t ein fet^am red^enfc^afft. 
„Sa fr^lid^, ^err, bo§ mügt ir fagen, 

@Dt ic£) m^n foft üom fattet nagen 
S5nb be§ ftegreiffS mid) erneren, 
10 ißil bofer tnorter mufe id^ f)6ren. 

§6rt mir jü, id^ tt)il§ üc^ leren: 
SDian jeit oon fünig ferinanbt, 

2Bie er oit nümer injelen fanbt 

S3q bem calecutter tanbt, 
15 S)arinn man fanbt oil j|>e|er^, 

Silber, golbt tt)a§ oud^ ha bt). 
Snjelen finben ij"t fein fünft, 

^d^ i)(ih§> ir manchen gelert Omb fünft; 
Snfelen finb id^, toann ic^ roill. 
20 ^d^ fc^ri^b mt)n gfetten in ber ftill, 
5^ie oud^ ein fold^en fattel ^aben 

SSnb in bem ftegreiff finnenbt traben. 
SSann man fort gen franrffurt i)xn 

S8nb id^ ein fc^iff mei^ off bem rt)n, 
25 S)ann gtoing id^§ faren §u bem lanbt; 

S)arinn oil fpe^ert) id^ fanbt, 

Silber, gotbt onb tüd^ getoanbt. 
©old^ infeien finb id^ mit mi^n funben, 

83nb §aben§ off bem rt)n gefunben; 
30 S^a§ oor fein menfd^ nie f)at getoift, 

S)a§ f^3e|ert) ha gioad^fen ift. 
Set) bin ber erft, ber e§ funben f)at 



24] Sie fattel narung. 85 

9(n ber onerfanten ftatt. 
9io(^ f(^abt§ mir nit an mt)ner eren, 
35 Xo§ i(^ be§ fattelä mic^ erneren, [güj*] 
@r§ü^e rat)n finbt fur| öon ber ^anbt, 
2II§ ber Ianfi!nec^t öff bcm lanbt; 
^(^ f)alt§ fürmar ein fletne ^c^anbt. 
@o(t man bie ftraffen ai^ fr^en, 
40 5)a§ bitger fouflüt fidler ji)en, 
Bo toer boc^ nüt ber fürften i)iit; 

2Bir machen in ir geleibt nun gut. 
2Bann mir ein infet funben ^aben, 
2(bfagent mir mit rt)tter fnaben, 
45 '3^er mir feine me §onbt t^on, 

2Bir fetten bann ben roub bar üon; 
e§ f)eifet 6i) on§ ha^ rt)tter \pil 

8e| öff, ber mit on§ feglen roil! 
2Bir finbt bic nüraen infel finber 
50 9Snb lerenbt ünfer iungen finber, 
5ßon bem fattel fuppen foc^en, 

5Snb mie man fol bie puren bocken, 
ßanbt onb lüt önb börffer friegen, 
Sin fnebet gmifc^en bie beff|en fiegen, 
55 ^en ftegreiff f)alten önb ben joum, 
Sin puren binben an ein boum, 
güfe t)fen merffen | feür Qn legen, 

2Bie man ben ftjnben gat entgegen, 
^a§ forn öerroüflen | rebftöcf brecf)en, 
60 SSnb einen önbern gu( obfted^en, 
gaf)en, fieren önb öerblenben, 
9JieifterIi(^en füren, menben, 
SE)a§ ber pur nit anber§ gtoubt, 
@t ft) be§ tütfcf)en Ianbt§ beroubt; 
65 So ift er an ber felben ftatt, 
^0 id) in öor gefangen ^att. 
2)er arbeit müfe er ön§ ergeben, [giij^] 

So mir in fa^enbt an jü fc^e|en. 
5?ann ^onbt mir aber etlic^ ior 
70 Qii braffen, aU mir Jiattenbt öor. 
Sompt ön§ bie ormüt miber on, 



86 (Schelmen bein im rudfen. [25 

60 mu§ ber fattel aber bron, 
SSnb fiK^enbt mer ber fpe^err), 

Ober 06 fein infel ft) 
75 SSff ber t^onott), off bem rt)n, 

2)en fattel jtinS jü Bringen Qn." — 
|)ett afifolon ben fattet gef^3arbt, 

^0 er fl^nS öotterS ft)nbe warbt, 
@r wer im |ar nit bliben i)angen, 
80 ®urc^ rant mit fo üil fd^arpffer ftongen; 
jDd in im ftocfen fo oil fpie^, 

SBarbt im bie rt)ttert) nit fte§. 
S33a§ barff id^ oil öon iuben fagen, 

9JJir gbencft, ba§ »oI in önferen tagen 
85 ^er^og farle öon burgunbt 

^urc^ rt)tterl) gieng gar §ü grunbt, 
^anibal ber ^att gro| mad^t, 

Sennoc^t t)at in ber fattet bra^t, 
2)a§ er bran ern^orget ift. 
90 5)er fattet narung oil gebrift. 
Sa, frt)iid^ Reifet e§ rt)tterfpit; 

(Se| off, mer mit in fpilen mit! 
@i) farten§ alfo munberlid^, 

@in§ omb§ anber, ftid^ omb ftid^. 
95 9?üt fc^eb(i(^er§ ift off bifen bingen, 

2)ann omb ein ^üttin fleifd^ jü fpringen. 
5)a§ r^tterfpil roil§ alfo t)an, 

jDe§ fe^en mir§ aH famen bran. 



[25*] Sr^clmeti ficiti im vutfctu [g iiij' 

^umm ^iet)er, narr, Onb ta^ midE) gudfen! 

Su |aft ein fc^elmen bein im rucfen, 
SSnb roei^ nit, mie id^§ mit bir t^ü. 

So bu §aft ful fleifd^ oud^ bar§u. 

©ic^! tüer ^at üd^ t)er geftett, 
@o ir nit t)6rent §ü ber mett? 
^x finbt §ief)er gemifen morben, [g iiij''] 



25] 



©d^elmen bein im rüden. 



87 



S)a§ ir finbt gftn oittgc^t nit)n§ orbcn. 
5 ^x fummenbt mir t)e| rec^t onb eben, 
(Se mir ba§ brate§ t)§ roenbt geben. 
Qc^ Ion mol miffen, maS üc^ brift; 

2)ie capp barju gemac^et ift, 
^a^ ft) bebecfe ümern rüden, 
10 9^ieman§ iia^ f(^elmen bein müg gucfen. 
3)a§ ful fleifc^ onb ba§ fc^elmen bein 

3ft leiber morben alfo gmein, 
Sa§ ^eber tragen mil im rucfen, 
9fiieman§ jü arbeit fic^ mil bucfen; 
15 m melt bie ric^t fid) off ben gt^t, 
3)a§ Qeberman t)e| betlen rciL 




58 ©d^elmen I>ein [25 

St) roerbcn pfoffen | münc^ | önb brieber, 

j[)a§ muffig gangen müg ein tjeber; 
8oIt mand^er arbeit t{)fin im orben, 
20 @r wer fein pfaff | nod^ münd^ nit morben. 
Pfaffen, txt oil pfrünben ^anbt, 

ißetlen bennodjt alle fanbt; 
9JJan mii^ in geben competerl, 
3e^enbt | opffer | önb prejen^: 
25 91dc^ lonbt \\) fid^ beniegen nit, 
8t) müffent betlen oud^ bamit, 
2Bann bie Zeitig ofli^ roere 

2(Ifo lang önb alfo fc^roere, 
^2tl§ ein oierteil fact mit !orn, 
30 ^r feiner blib ein pfaff bi§ morn. 
^rf) müB bie orben^ lüt ou(^ riegen, 

^k niemand !an t)e|unbt oerniegen, 
58ff bem lanbt ünb in ben ftetten 
Jpeijd^en 1 ggten | forbern, betten. 
35 ^ä) moIt§ boc^ je^en gern ein enbt, [95*] 
SSann ft) ein mal t)ff f)6ren menbt! 
^oc^ ift e§ al§ tt)oI angeleit, 

80 man bie brieber baru§ deibt, 
®a§ ft) jü c^or fton mügen roarm. 
40 „Schott), Iieb§ mt)n i)enfelin, fQ finbt arm. 
®ie armen finbt erfrierenbt fc^ier!" 

Xrl) rocf I)at t)eber ober oier, 
'^ag ful fleifc^ ft) fc^ier erflecfen, 
2Bie rofjer t^nber tf)arti§be(fen, 
45 S5nb mügenbt cleiber fumm ertragen, 
2Bie mot ft) oon groffer armiit fagen. 
S)ie oon mangen finbt ir fljnbt, 

^onbt ft) f^ier all fampt erblinbt. 
^a§ fompt üon groffer armüt ^ere, 
50 2)a§ bie münd^ finbt bettelere. 
®er bunber fd^Iac^ in bettet facf! 

^c^ fid^ tt)oI, nja§ ber facf öermag. 
XxQQ f)er 1 gib on§ ^mmer plu§! 
^em facf, bem ift ber boben öfe. 
55 5(tt ir prebigen fa^enbt an: 



25] im rucfcn. 89 

„Täte, gcb on§ t)eberman! 
2Ber bo fruram rvii ii)n onb biber, 

2;er leg fgn opffer 6t) on§ ntber, 

So finbt er§ iunbert fettig tDtber.'^ 
60 S^ t)jorg, bie {)ouptfum ft) oerli^en, 

SSnb müffent ouc^ bargu tierjt)^en 
35ff ben groin i on§ roirt nit 6a|, 

Tann ein beo gratia§. 
3loIf)arten ünb 6(o§6tieber 
65 SQSoIIen futten tragen t)eber 
SSnb fgnnen roeber fc^r^ben, lefen, 

Düd) |onbt gefe^en nie fein roefen, [gö*'] 
To§ bo bien off gei[tlic^ art; 

yio<^ fic^t er nad^ ber futten ^art, 
70 Ta§ er ber arbeit nun entrinn 

55nb fule bag müg nemen t)n. 
SBann ft) nit meren in bem orben, 

St) meren lengft erJ)encfet njorben. 
Seß fompt m^n fc^mefter t)rmeltrut, 
75 Tie ou^ treit ein fc^elmen ^ut, 
Sm rucfen ^at ba§ fc^elmen bein; 

St) voil ouc^ leben in ber gemein 
5Snb bie brQ gelübt oolbringen, 

iDBann ft) oo( ift, ntetten fingen. 
80 ^ac^t ft) ba§ fd^elmen bein an iucfen, 

So lafet ft) fid^ ^erumbf)er bucfen; 
9Zoc6 blt)bt ft) bennoc^t ein beg^n 

ißnb lafet fic^ fc^elten iuncffrotu brinn. 
2)ie mit ^eiligen fta|ionieren 
85 33nb ba§ f)eiltumb omb^er fieren, 
SBenbt fic^ be§ bettele ou^ begon 

3Snb genbt idrüc^ ein penfeion 
58nb liegen öon fant öeltinS plagen, 

SSon fant t^engen feür ft) fagen, 
90 ißon fant fürin, Don fant t)t)t, 

SBife \)a^ ein t)eber opffer gt)t. 
Tarnac^ fd^eibt er mit ft)nem pferbt, 

2)a§ ift tt)oI nün|ig gulbin roerbt. 
Sant t^eng | fant oeüin | önb fant für^n 



90 



§etüfd^redEen ünb flö* funnen. 



[26 



95 Xragent im f^n §i)n§ ^erljn. 
2Bic Überreben ft) all tanbt, 

2)a§ ft) ouc| ficrenbt bettel ftanbt 
SSnb be§ bettete neren fic^, 

®ie mc t)onbt, bann bu önb ic!^! 



[26,J ^ctüt'(i^rerfctt tiuD flötft funacti- [g 6^ 

§ett3fc^recfen ünb ein mann mit fle^ 
2{)etten mir ju l^ietten nit fo roe, 

3tl§ wann tcö fot ein fron? beroaren, 
2)ie felb an mir nit raol mit faren. 




26] ^eiufd^recfen bnb flöc^ funnen. 91 

Sßon tt)i)bern mufe ic^ Qe^unt fpred^en 

ißnb roil ein alten fc^oben rechen, 
3)ann mir ein§ maU ein rot)blin t^at; [96*"] 

^c^ meint, ba§ icö§ alleinig ^att, 
5 ^0 ^att f9 noc^ oil anber narren, 

S)o§ ünjer me bann gmein^ig roaren. 
Xarumb ttjil \d) ad froroen fc^elten, 

2)te ein ber anbern mü§ entgelten. 
S33a§ ic^ tf)et onb roaS id^ f)iet, 
10 SBie üaft id) brant, in lieben miet, 
^ein reb iaiff mici§ | !ein frünbtlid^ fagen, 

^d^ mü[t mit anbern beinlin nagen. 
®{oub mir fürtoar, ic^ ifah^ erfaren, 

Xer bo müö ft^n tt)t)b beroaren, 
15 ^e§ ifl rabtbrec^en grofte freüb, 

On anber ffeiner ^er|en leibt. 
Sa3il§ nit rool, fo t^iit§ fein giitt, 

5Snb ^ettftu be§ römfc^en fünig§ f)üt; 
^ie w^ber lonbt in nüt Derbietten; 
20 Sag an, roer mott ber ^ietter f)ietten? 
Äur| ah, iö) mu§ ft) ouc^ befc^roeren. 

Ob ic^ baä bnic^en nit moc^t meren. 
@in ;)erün ift, ein ebel gftein, 

2a§ atle frotnen machet rein ; 
25 SBann ft) ba§ felb öcrioren ^anbt, 

So finbt ft) im fc^turaffen lanbt: 
2)a§ ifl bie fc^am, barumb man ert 

-i^er fronten jierb roürb ouc^ geniert. 
SSann ft) ba§ deinot nqmmer fiaben, 
30 So louffen^ mit ben puren fnaben 
SSnb gilt in g(t)cö Ie| ober red^t. 

'ää) gott, e§ ift ein arm gef^Iec^t! 
SBann ein from ir fc^am öerlot. 

So fenn ic^§ nt)m, fo !)elff ir gott! 
35 2;er enget jü maria tarn, [g 7*J 

^0 fiel fQ balb in groffe fc^am, 
St? fprad^: „e§ munbert mid^ gar fere, 

®o§ ir mit grteffen lumment bere; 
^d) ijah fein grü^ cntpfangen nie, 



92 §etüf(^rc(fen önb flöd^ funnen. [26 

40 ment^^aih bort ober ^ie." 

S)od^ f)onbt ft) t)e^ ein anbern ttit, 

"I^aS fein maria öolget nit; 
^e fc^amprer t)e|, t^e be[fer§ ifl; 
Ten frortjen ^e| Dil fc^amen brift. 
45 SSnjud^t ift roorben alfo grofe, 
Xa§ ft) ftc^ gieren alle btofe, 
SJion ftcf)t in mitten öff ben rücfen, 

ißnb !i)nnenbt§ nteifterüc^en fc^icfen 
5^ie brüft ^erfür, rec^t roie ft) roeßen, 
50 i8nb ft)nnenbtg off ein fc{)efftlin ftellen, 
@i) moc^teng fünft im tü(^ erftecfen. 

„3^ müfe ftl über ba§ t)alb entbecfen, 
Ta mit i(f) macf) ben narren §u^. 

„Saf; fion," fag id), ,,bu lecfer, Irul!" 
55 SBann er m^n brüft roil grtjffen an, 
„2Bie finbt ir aU ein bojer man! 
ißfi mt)n göllen reb ic^ ba§, 

'Diie fein man fo gemlic^ ma§!" 
8t) roert fi^ oaft be§ man§ genjott, 
60 5t(§ mann bem efel ber fad entpfalt. 
St) grt)fft t)eim(i(j^ mit irer ^anbt 

^n aüer raör önb miberflanbt 
5ßnb trucft t)eimli(^ t)a§> ^efftlin ö^, 
Ta§ ber milc^mardt fad f)eru^. 
65 „'-öc^ Sin^iu^, ber nunnen troft, 

SBie ^abt ir mic^ fo gar entblößt! 
dement lüt, man mürb on§ fe^en, [g 7^] 

S33a§ motten mir gim lüten ie^en?" 
Ta§ finbt gar fc^Iec^te mort §üm fc^impff, 
70 5)a mit bu fiic^ft ber eren glimpff. 
(5§ ift nit gnüg, ba§ bu fpric^ft brüten; 

ßieftu b^n t)offertige§ mu|en, 
(Sntblo^teft nit bi^n eigen It)b, 
8o blibftu mol ein eren mt)b. 
75 2ßa§ barffftu bicf) off manner gieren 

3Snb bid^ burd^ mu^en fouflic^ fieren? 
gromen tjnb bucaten golbt 
Sft man fünft »ergebend f)oIbt. 



27] (Stiel üff bte bencf fefeen. 93 

SSil übel^ mag barufe entftan. 
80 ^a§ fi(^ nun füntg bauib an: 
Serfabea entbecft ir bein, 

3r jud^t ünb er mag fieser !(ein, 
SSnb je^t fid^ an ein ort önb enbt, 
So ft) ber fünig fet)e be^enbl, 
85 SSnb mac^t, ba§ er ein mortfc^Iag t^ct, 
3tl§ fi) fic^ felb§ oerfouffet bett. 
3r rei|ent münc^ | Iet)en | pjaffen 

SSnb ntac^ent Qeberman jä äffen, 
^ait üroer fi^am gen tiebem man, 
90 SSor ab gen bem, ber mefe fol ^on. 
SJJit eren fanftu e§ nit üerfpred^en ; 

®ott roürbt e§ grö^tic^ an bir rechen, 
2)a§ bu ein orfac^ baran bift, 

3^urc^ bie ber pfaff nit gfc^icfter ift, 
95 5)a§ t)eilig facrament tractieren, 

Xarinn bu in t^üft gan^ oerfieren, 
9^un ba§ bu tjabft b^n magen ool; 
2)ann Ijfaffen folen ried^en rool. 



[27J Stiel tjff bie fienrf fe^eu, [g 8^ 

^e^ fag id^ üd^ oon gütten fd^tuencfen, 
S33ie bie ftiel ftonb off ben bencfen 

SSnb iung lüt i)e| regieren lat, 
Xa§ fein alter fompt in tat. 

5)ie ftiel önb fd^emel all gemein 

Sinbt all t)e|unbt fo fa|en rein, 
Sa§ f^ fd^Ied^t ah nt)m mollent ftan 

SSnbern bencfen, ai§> oor an; 
5 Sic iungen löffel menbt regieren, 

So mit f^ iung ünb alt oerfiercn 
Sßnb in not, in It)ben bringen — 

^d) lüg gan| nüt in bifen bingen — 
S^erfierent felb§ fid^ oud^ bomit, 
10 2l(§ roboam ta^ mü^ öerfc^it. 



94 



etiel bff bie 



[27 



SJian lüolt t)e^ fünig, fürften, Ferren, 

5)ie man noc^ folt mit happen neren. 
S«^ f eiber gbenrf ein§ fünig§ tag, [g 8^] 

S^er felb noc^ in ber roiegen lag, 
15 Ten namen§ gü ber felben ftunbt, 

2)0 er fein raort nit reben funbt, 
^nb fe|t im off et)n gulbin fron; 

|)ett man in bo für fcfilaffen Ion, 
€ber im ein boppen geben, 
20 @in mt)fen man ertoölt bo neben, 
dlit ein finbt erioelet gl^c^, 

Ta§ tüer nü|Iid^ bem fünigrt)cf). 
2Bie öil bem armen oo(cf gebrift, 

Xe§ fünig nod^ ein ftnblin ift! 
25 „ÜMn", fagent ft), „mir I)onbt regenten!" 

Oc^a mat^i§! e§ finbt blam enten. 
gür einen mietri(^ I)aftu ^roolff 

SSnb für ein fünig jucfenbt molff. 
2Bie fQ regieren, ba§ roei^t gott! 
30 2)a§ e§ fc^anben ift önb fpott. 
^o§ finbt I)onbt ft) gefrönet brum, 

5)a§ ft) fid^ mermen omenbum. 
<Bt) jucfen, mag ft) mögen rt)ffen, 

SSnb tonbt ben fünig in bie miegen fc^t)ffen. 




27] bencf fe^en. 95 

35 2(Ifo gic^ic^t» in aller roelt, 

^a§ man bie ftiel off bie bencf ftcit. 
^cberman nac^ ^err[c^afft fecftt 

5Snb blib tnol groein^ig tar ein fned^t, 
2Bi( oft ben bencfen fton befunber 
40 S3nb blib tt)oI brt)f[ig iar nod) bar önber. 
$)ic geiftli(^en ti)unbt§, ic^ botffs mol ie^en, 

Tann id^ t)ab§ felber ouc^ gefc^en, 
3^a§ man finbern in ber »igen, 
'Tie no^ im pfud^ in ttjinblen ligen, 
45 ©in foId^eS ampt oerlu^en ^at, [^ j''] 
•J^aran ein gan|e§ [tiffte ftat. 
Sq !t)nnenbt Qe§ ein funbt erbencfen, 

SD^it gaben, mietten, groffen fc^encfen 
3;^um^erren pfriinbt eim finbt erroerben; 
50 Tamit ber goßbienft mVife üerberben. 
®ebftu im ein bappen 511 effen, 

(Sr borfft ft)n ha^. bann einer meffen ! 
@in tf)ümt)err fol jii firc^en gon 
SSnb felb mit giang im d^or binn fton, 
55 St)n cmpt Oüd) felb§ ^in burc^ §in rt)ffen 
SSnb nit noc^ in bie roinblen f(^t)ffen; 
2Bie mol bie alten freüroent fic^, 

@o man bie pfrünbt eim finbt §ü fprid^t. 
Itjiit man ba§ finbt in ^enben fieren, 
60 Xie fetbig pfrimbt participieren 
33nb nemen§ in al§ gan^ onb gar, 

SBife bann ba§ finbt fompt in fr)n iar. 
2Ban§ ein alter t^iimt)err roere, 
3n mürb ber fecfel nit fo fd^niere. 
65 Tamit rtjürbt aber nit erfült, 

3)arumb man geben t)at bie gilt, 
"Tarumb bie pfrünbt geftifftet ift. 

5^D(^ niemand ift, bem nüt gebrift. 
'5!'ie irrung gang mit anbern f)in! 
70 'äü fac^ ^at i)e^ ein bofen fin, 
Ta* niemand ^att ft)n eigen orben, 
8t)t ta^ ber tüfef apt ift roorben. 
89 menbt bie fticl nit laffcn fton, 



96 



Sin ba>5 bret !cmmcn. 



[28 



2)0 fl) bie alten ^onbt gelon, 
75 ©^ mteffent off bie 6encf mit gttialt, 
^arai) \o mancfier übel falt. 



[28*] m das hxtt fommctt. [^ i' ] 

Sfl e§, al§ i(^§ ^Qb öernummen, 

Sa§ bie ftiel off bie bencf finbt fummen, 

(So lüil id^ önuerjirtiPet ^an, 

3c^ fumm an§ Bret mit anbern an. 




er an§ bret nit fommen tan, 
®er ift nit ein gefc^icfter man. 



'28] 2(n bas hvd fommen. 97 

gft er bann nit rool bedeibt, [^ij^] 
So geb er boc^ ein gütten bfc^eibt. 
5 2Ber be» güt§ nit puffen ^at 

33nb roolt gern an be§ breitet ftatt, 
Xer felb t^ü, aU iä) ^ab getf)an, 

2)0 icf) ouc^ fam an§ bret f)inban: 
Safe all bing gon in it)nem trit 
10 35nb ftraff fein ntenfc^en nimmer nit; 
@cf)iDi)g bu ftiü onb nt)m bt)n jolbt. 

SBann e§ fd^on al§ jü fc^tjtren roolt, 
Sfiidjtg nit öff | (afe atle§ ligen; 
SSa§ bu fic^ft, fo bife öerfc^roigen 
15 SSnb fuppel bt)ner öberfeit, 

8o gibt man bir gro§ roürbig!eit. 
ßob bt)n obern | jc^ntier in root, 
Sprieß, er ft) ber fünften Pol, 
3)er gang ftanbt im oa[t jierlic^ an, 
20 So ft) er fünft ein fc^oner man, 
SSerforge rool ad Pnfer bing; 

ftouff fi)ner magt ein gulbin ring, 
Sßnb ein bel| fouff f^nen finben, 

SSnb roa§ bu ftilft | üon armen fc^inben 
25 Sanft önb magft bas gib ierlic^, 
©0 biftu beffer fic^erli(^, 
2)ann ein gütten melcfen fü. 

5{(§ ic^ ein§ t^et, ha^ fefbig t^u! 
^arumb ic^ bennod^t roarbt citiert, 
30 ^a§ ic^ ein foIc^e§ roefen fiert. 
SSer bo fam in m^n ^ufe gon, 

5^er fanbt Dil ee ein roiegen fton, 
2^ann er fanbt ein metten büci^; 

äl^an barff nit fprec^en: „gang önb füc^!" 
35 2)ie finbt finbt fefb fo roi^ig fc^on, [^ij*^] 
35a§ ft) funten für^er gon 
83nb lonbt fic^ nienbert i)in Perbannen, 

2ßte ba§ b6§ t^üt in ber mannen. 
So fprac^ ici) bann P§ frpem müt: 
40 „2)a§ ift af§ fampt ber fird^en gut! 
©Ott fij gelobt, e§ meret fic|! 

M u r n e r , Narrenbeschwönmg. 7 



98 gu| galten. [29 

S)en groffern fun luil fenben tc| 
®en rom ] jü ji^ul I onb gen paut); 

^arna(^ gat er jü priefter jd^J). 
45 äR^n pfrünbt lütl ic^ im übergeben 

S3t) gfunbem I^b in mt)nem leben. 
®arna(| mit id) mt)n tod^ter bolb 

®eni bijc^off fd^affen in geroalt, 
S3t) bem ft) mir gar bolb öetbient, 
50 ®a§ er mir gibt ein onber pfrienbt. 
9}J^n anber toc^ter loil ic^ fd^affen 

Sitten anbern rt)d^en Pfaffen, 
(So fumm id^ oud^ giim bret fiinbon 

95nb tt)ürb tjor in ein loerber man. 
55 Stlfo fd^irf id) mtiner finber fachen; 

9}^t)n finbt !an i(i mir groinlid^ machen, 
aJiQn lieben ünbt alfo oertrt)ben, 

3)o§ ft) bt) ber ftrc^en blieben. 
^d) 6ob nod^ ein toc^ter, bie ift blinbt, 
60 ^\t ro^ig gar önb ^at ben grinbt, 
®ie gib id) einem puren bo; 

(S§ ^6rt in bie puren ^aber ftro. 
®id^ {)ilfft !ein frumfeit noc^ fein bett, 

SJJan fompt mit fcfialcf^eit gü bem bret. 
65 2^er grofte fd^alcf fi|t oben bran 

SSnb rid^t ben anbern fc^elcflin an." 



[29.] ^ttfe Ratten. [§ iij^] 

2BiI§ y^on onjer iiergot nit, 
^oii f)alt id^ bir ein fotd^en trit 

SSnb groinn h^n fad^, e§ barff nit fregen, 
Qa, jolt e§ lutter ^ergott regen. 

2)u müft ein ftarcfen riefen miffen, 
5)a§ bu bic^ mad^eft fo befc^tffen 

SSnb mit ein fad^, bie gott nit gfalt, [^ iij'^j 
S)em menfd^en b^oupten mit gemalt! 

S5erlaft bic^ t)ff§ iuriften buc§, 



29] 



%ü^ i^alten. 



99 



Sübfc^er funbt, ber mögt fürtuc^; 
2)ife br^ fd^eblid^er gfc^ir 

SJJoc^enbt ftett önb lenber ix. 
t)atumb jeit man§ oon ben iurtftcn, 
10 gfiit, iQc^nam, ft)en§ gütte Triften; 
S)arumb ta^ '\t) ba^ rec^t öerforen, 

Te§ mü§ ic^ y^ ouc^ ^ie beft^mören. 
:3c6 reb oon bencn in ben fc^üten; 

Sr leren, ba§ ift öoft mit büten: 
15 Samprec^t: ber eimer, [tubium: ber brunn, 

53albu§: ein fefeforb | bart^oIu§: ein nunn! 
Sij roiffen be§ rechten alfo Dil, 

2(r^ lüen ein blinber fd^ü§t §um §it. 




100 güB garten. [29 

^ubea I cobeg, fortrat, 
20 -Die foc^in gu ber nüttjcn flatt, 
S)ie oter btng, ti)cr§ lefen tan, 

Xer batff nit mcr ju fd^üten ftan. 
Sfiit rril ic^ öon ben jelben jagen, 
^te praticE offt geiebet ^aben; 
25 S)ie felben i)ab ic^ cor bejd^rooren; 
5{tiein fag ic^ öon jelben t^oren, 
2)ie öil groffer biedrer ^anbt, 

^arinn jt) ^abent !(ein öerftonbt. 
Sombftu §u ben jelben gon, 
30 Sr bieder finbt au offget^on; 
3r grofte fünft | ir grofteS leren: 
SBie fi) bie btetter ömb^er !eren, 
S)a§ JQ in oud^ ber fliegen tt)eren. 
^'ein roarJieit föil \ä) baran fparen: 
35 ©roffe büd^er | groffe narren, [f) iiij*] 
$5ft ber tej:t fd^on red^t onb frumm, 

@o ift bie gtofe ein fd^alcf barnmb; 
®en legt fQ al§l)t touffen ha^, 
SDa§ nie be§ tej:tu§ meinung tt)a§. 
40 §aftu ein fad^, bie gan^ nüt fol, 
9^od^ fan er bir füfe^aüen mol 
©pricEit bir bie felb accurfiuS ah, 

(£r lügt, ba§ er ein anbern ^ah, 
®er im bie fac^ getounnen geb. 
45 5tIfo fünbft aI§Qt miberftreb 
3lüifd^en in on ünberlo^, 

@^ ^onbt alj^t für fic^ ein gIo§; 
®a§ f9 fein fa^en nit öerlieren, 

®a§ fompt al§ fampt don bent gtofieren, 
50 3}en ^afen in ben l^feffer rieren. 
SSen er f)at bie inftituten 

SSnb fan ein roenig off ber tuten 
SSnb :§ot ein roftig§ becretal, 
S^arj^ü bie rt^nf^en gulbin §al, 
55 SSoIt im bie fünft fc^on ni^mmer l)n, 
9toc^ bennoc^t mü^ er boctor fqn. 
2itiu§ tinb fem^roniuS, 



30] 2)er fctber axM. 101 

®ie bienent bir Qe| nit omb fuft. 
S<^ »Dolt gern miffen, rote man rid^t, 
60 jDo ft) beibe roarent nid^t 
S^nb no(^ nit n)a§ egtrauaganbt, 

5)0 tt)a§ gut red^t in ollem lanbt 
3)^ot)fe§ richtet aßen tag, 
2)0 tttiu^ im ofen lag, 
65 8emproniu§ im fl^en facf, 

9loc^ rid^t er bennoc^t allen tagf. 



[30» J tcv ttibtv avt^et [fi iiij^] 

Sc| fompt mt)n ^err ber !elber ar|t! 

S33ann ein armer francfer farfet, 
8o fet)t er, 5(uicenna jprec^, 

2)a§ lung onb leber gamen bred^. 

(5r|t onb meifter ber Sirurgt), 

^ie tretten 6iIIid§ ouc^ ^arbt) 
Sßnb liigenbt, roie e§ mir an tvbi fton, [§5' 

2Bie id^ bie narren tr^b bar oon. 
5 @e bonn ft) fe^en, mer fi) francf, 

SSor Iügen§, loa ber fedfel ^angt, 
©rfarenbt, maS bem felben btift. 

Ob im ber buc^ gefc^mollen ift. 
3[t er nit gefc^roollen ben, 
10 ©0 fd^Iaffet meifter Stutcen, 
@in ftumm mirt meifter 5)pocra§, 

2)er üor mit gelt rebgebig mal. 
2)er ar^t am gelt fan fetien f^n, 

233a§ ber francf fol nemen gn. 
15 9Jianc^er ift fo onerforen, 

SoI er ein francEen tie^ berooren: 
„SBort", fpric^t er, „bi§ id^ triber fumm", 

sßnb mürfft bo ^eim bie bletter omb, 
5)ie mt)I ber ar^t ftubieret bu§, 
20 ©0 fart ber francf in nobi§ ^u§. 
SSff erben ift fein meifterfi^afft. 



102 



2)er felber at^et. 



'Die mit gi^bt me jQ Bc^fft, 
2)ann bie fünft ber ar^cnQ, 

SOfttt ber man träfet grofe oatfc^er^. 
25 9Ipoteder, mebicuS 

X^unbt bir toarlic^ nüt timb ju^t, 
®ann jt) ieib ^onbt ein üertrag: 
2Ba§ ber ein nt)m jc^eren mag, 
2)a§ fol ber anber ab^er fc^inben, 
30 So lang ft) einen Rätter finbcn. 
Sft bir an bem ^er^en mee, 

Sann gibt er bir ein giecipe; 
2>er apotecfer root oerftat 

SSnb n^mmet, tt)a§ fi^n francfer ^t: 



[30 




30] 2)er felBer arfeet. 103 

35 9{ectpe ^ei§t: nemenbt f)in — [^5^] 
^n galgite tvtv ouc^ ein fin! 
2)ann nemen Onb öerbienen ntt, 
Soufft ber galgen mol bamit. 
9lectpe, ba§ fi^entlid^ wort, 
40 SSerberbt ben fc^Qmpff an allem ort; 
Xo oon ber ar|t in freüben lebt. 

5S^ an galgen bem recept! 
9Jitt roaffer fe^en gelt gewannen, 
-i)a§ t)e^ bie alten roqber fgnnen: 
45 aJiit bem pul§ ben fecfel fpt)fen, 

2)en francfen ^k ben büc^fen roqfen, 
5)arinn üil groffer tugen ftnbt, 

SJiaterialia menig finbt 
3u ft)nen Jetten abgebrod^en 
50 Ober rool bereit mit foc^en; 
5)ie !rütter ^abent wenig frafft, 

2)ie roeber tugent f)onbt nocfi fafft 
SSnb bie roürm burc^ ftoi^en ^anbt. 
2)er frand roirt gü ^erobe§ gfanbt, 
55 5ttfo mirt apotecfer gemant, 
5)a§ er ouc^ üon ber gen§ neme 

(Sin feber, mann fi) jüö im feme. 
D gott, be^ütt öor iübfc^em g^uc^ 
^nb oor be§ apoterfer^ buc6, 
60 SSor eim alten böfen n)t)b 

SSnb ouc^ oor einem francfen I^b, 
SSor fpt)fe, bie §met) mal foc^et ift, 
Sßor eim argt, bem fünft gebrift, 
2)er or^enQ mit onberftan 
65 SSnb mei§t nit, ma er§ griffet an, 
2)er nerrfc^ ünb t^ored^t gourfelman! 



104 [31*] ^cv ^uttbt, Öcr t)a§ köcr fiaf^ ßß'^l [31 

Scö fiin ber feto frunt, flQffig ^unbt, 

^er tüol ft)n§ Ferren Butten funbt; 
^0 aber tarn ber nt)bt Dnb ^a|, 

SBarbt i(f) ber f)unbt, ber ba§ (eber fra§. 




Seffe! fic§, lüerferlin, fumm ^er 

'-önb jag mir bife [el|am mer, 
SBarumb man bic^ ju tobt mit fc^Iagen, [§6''] 

SBecferlin, ha^ foltu fagen! 
„^c^ J)a6 m^m Ferren je^en ior 

©e^üttet mot öor ft)nem t^or; 
i8ff ft)n gut |ett ic^ gro^ ac^t, 

SBann er fd^Iieff, ta^ id) im mac^t. 
9iun f)at er t)e§ ein frort) genummen, 



31] 2)er ^unbt, bcr ha§ reber fra|. 105 

10 ^ie tft erft fur^Iic^ §ü im fummen, 
^ie mit bem ar^ gat ü§ bem meg 

^nb tan gü na(|t ben clofter fteg. 
@o ^üt ic^ in ber nac^t, aU cor 
®e^uttet §att ic| ^e^en ior, 
15 SSnb bell, mann ft) t)inu§ roil gon; 
^(^ meint, ic^ ^ett im rec^t get^on. 
@oIt id^ mt)n§ Herten ere nit retten, 

iBa§ roer e§, ba§ man ^unbe t)etten? 
?iun treit bie froro jü mir ein ^a§, 
20 1)a§ i(^ mit betten meret ba§, 
3)a» mt)m Ferren fc^entlic^ ma§, 
5ßnb fQ jü nac|t nit o§ m6(^t gon, 

grü Dnb fpQt gu metten fton. 
^ie oalfc^e fo| lügt mic6 t)e| an, 
25 Ta§ ic^ ba§ leber treffen |an, 
^a§ ft) oerbütet onb oerfoufft, 

2Bann ft) jiim münc^ in§ clofter loufft." 
„3I(^, mecferlin, bu bift nit mQ§, 
Xie melt (onbt atfo t)ebem flt)§. 
30 2Ber t)e| ein man mit trümen meint 
95nb ift mit im in lieb oereint, 
%t)ht im att frünbtfc^afft brt)ffig ior, 

^ann rupfft er im erft ö^ ft)n §ar, 
Sa, fd^Ie(^t er in nit ganfe jü tobt, 
35 Dber fünft f^n frünbt üerrot. [t) 7^] 
Suliu§ marbt foli^er Ion, 

To er bie melt mac^t onbertf)on 
SJiit gemalt bem romfc^en rt)c^, 
"J^arumb marbt er erftoc^en glt)c§. 
40 S33er t)on ft)m frünbt t)e^ rotjd^en mit, 
^er mü^ ürfac^en fuc|en öil, 
2{I§ iuba§ mit ber falben t^et, 
Tie magbalen ü^goffen ^ett. 
SRan lobt mol Qe| ein gutten fnec^t, 
45 SBie mo( ft)n Ion ift marlicf) f(i)Iec^t: 
Xugent t)at öff erbt ft)n lob, 

T>en Ion ^at ft) im ^^mel ob; 
2)ife rocit belont fein ere. 



106 ffier ^unbt, ber ba§ leber fra^. [31 

SSann einer nun ein Bofetüic^t tüere! 
50 2)er ielb üff erben nt)mpt ft)n Ion, 
SSie ttiol er bort mü^ bellen gon. 
3tDÖIff iar btent ic^ in einer ftatt, 

2)a§ t)eberman gefallen J)att, 
SSnb feiet nun ein mal ömb ein tu ort, 
55 2)0 ftrafft mon mid^, al§ mer^ ein mort; 
2er langen iar gebac^t man nie. 
2arum6 ift fein belonung ^ie. 
3uba§ öerriet ömb brt)ffig Pfennig, 

2ßie n)oI man Qe^unbt n^mpt gar tocnig; 
60 SJJan finbt mol ein, ber nüt begert, 
JÖergeben§ einen gibt in§ fi^roert, 
2Ber er fd^on ft^n frünbt gefin 

SSnb all ft)n Hoffnung fe^t in in. 
grünbtfd^afft mann e§ gat an not, 
65 @onb öier tmb brt)ffig off ein lot, 
SSnb mann ft) foflent be^ilflic^ ft)n, 

@o gonbt fiben üff ein quintt)n. [^T**] 
2)arumb, Iieb§ merferlin, It)bc bid^, 
2)u fompft in ber t)unbt ^t^melr^d^! 
70 S^ to^t gefd^Iagen onb gefc^unben, 

2)en Ion bie melt gibt allen I)unben. 
SBann ir tompt in g^enne roelt, 
.@o lügt, \)a§> ümer dag nit feit; 
SBann ft) gott für tDrteil fielt 
75 ißnb ftraffet ir önbancEbarfeit, 

2)ann mirt e§ ir erft merben leibt; 
(SIaqflu e§ t)e|, fo fpot man bt)n. 

S^erraten bid^ | fo trüm bift gft)n, 
^an bie melt t)e^ fd^on önb ft)n; 
80 2)orumb Il)b bid^, gut mecEeriQn! 
@t) ^onbt btiner trüroen att oergeffen, 

2arumb ^aftu ba§> leber freffen." 
©0 fic^ bie reben alfo gt)t, 
ajJag id^ marlid^en fd^mi^gen nit, 
85 S33ie man t3n§ armen prebigem lont; 

ißJann mir nit glQc^ ^onbt mot gcfc^ont, 
füRit ftraff ein menig lafter treffen, 



32] 58ün blatren enten jjrebigen. 107 

@o fluc^enbt mann | bie ttJQber beffen. 
3d^ t|ü m^n htlU ünb flraff bte lugen, 
90 ^d) fc^ilt ba§ Ia[ter I lob bie tugent 
3^ir gü gut ünb anberl nit, 

(So fagent f^: „ba§ ber ritt jcbttt 
^en münc^ in f^nen ^al§ ^in t)n!" 

SSnb lonenbt mir mie roecferlqn. 
95 ^ah iä) nit ba§ leber treffen, 

(So bin ic^ übel fünft gefeffen; 
2)ie melt bricht ürfoc^ ab bem jun. 

2BoI an! roa§ fol ic^ barjü t^ün? 



2Ber armen lütten fagt ein tanbt, 
5)er fic^ in mor^eit nie erfanbt, 

SSnb arme tut mit lugen fc^ebiget, 
Xer felb öon gott ju rud ^at prebbiget. 

[Gleiches Bild wie Kap. 20.] 

Xie roettlic^ ^erfc^afft ift fo gelert, 

2Bann ft) ir onbert^on befc^roert, 
Sett onb ftür mit Don in ^an, [^ 8^] 

So fa^enbt f^ ein prebig an, 
5 S33ie ftj fo groffe fQnbtfc^afft ^aben, 

S36fe, narfenbt foppet» fnaben, 
Cud^ mie fi) rucfen ^onbt bvj Ferren, 

SSnb fQ fic^ ir nit mögen meren 
SSnb mieffent alfo forc^tfam fton, 
10 2Bi)b Dnb finbt oilIt)c^t öerton; 
Xarumb eä martic^ beffer mere, 

Sin lieber brecht ein ftür bo ^ere, 
2)a§ man in tufent gutbin geb 

i8nb mit in jü friben teb. 
15 ©otc^§ liegen bicf Dnb offt gefc^ic^t; 

2Ban man§ htj bem tiec^t befid^t, 
@o ift§ erftunrfen ünb ertogen. 



108 58on blawtn enten [32 

ißnb ^onbt ben armen man betrogen. 
9Jlan jd^efet bie roelt Qe^unbt fo öit, 
20 ©arnit man beren fa|en mil, 
^ie t^ürrfen oon biganjun f^Iagen 
ißnb tk tortaren bannen tagen. 
^a§ lonbt ft) prebigen aller gemein; 
^ä) bejorg, e§ ft) ber birbenbein. 
25 @o(t man bie redeten türcfen fd^eüc^en, 
8o mieft man ft) üon erft üerieüdEien. 
@t) fagent fo tion mand^em ftru^, 

^en JQ mottenbt richten 0^ 
SDiit ben türden m^t Dnb breit; 
30 Se^ feefiten f^ mit abelfieit 

!!ßnb tfiimbt ben Jiarnifc^ an bqm mtin, 

^a baffen ft) mit jenen br^n. 
5{Ifo tionbt ft) arm lüt gefc^ebiget 
3Snb oon blamen enten ^3rebiget. 
35 @o biet onb offt finbt mir betrogen, [ij^ 
S33ie man ha% gett oon on§ f)at gelogen, 
2)a^ mic^ ba§ felb nijmpt groffe§ munber 

5ßon onfern tütfd^en allen bfunber, 
SBann fi) boc^ toottent Uji^ig merben, 
40 8o man ft) fii^t alfo mit gferben! 
"I^ocf) mann ft) t)e^unbt toi^ig meren, 

So börfft ic§ ft) bod^ nit befd^meren. — 
SaSann bie geiftlid^eit mit fc^inben, 
©0 !an ft) ouc^ blam enten finben 
45 sönb prebiget oon bem lutentt) 
3Snb üon oerfotnem ^aber bri). 
5)ann fc^ieft ber bifd^off §nm fifcal, 

©tagt im ft)n leibt onb ft)n onfat, 
9?ebt im gii onb fd^me^t im§ ah, 
50 SBie er an geü grof monget ^ab. 
®r fpric^t gar balb : „mt)n gnebiger ^err, 

Sa^t ha^ fton onb forgt nit mef)r! 
2;ic Pfaffen in ben borffern oll, 
®ie ^altenbt fc^on mit r^c^em fc^afl. 
55 Seber ^ot ein bienerin, 

S)ie tag onb nac^t bt) fc^Ioffe im; 



32] ^jrebigen. 109 

S)arumb fo gebt mit ein manbat: 

SQ3eIc^er jl)ne bim nit tat, 
2)a§ id) in flraff am gutt, am iQb 
60 55nb fi}n foc^in oud^ üertn)b; 
So roeife id) tüol on önberlo^, 

Xa§ feiner f^ nit oon im ftofet. 
<Bo fc^e| ic^ ft) bann all gemein, 
9iad^ bem ein lieber ^at bo f)eim, 
65 S)en omb gelt, ben ümb ein fü; 

^d^ ttjeil ben fad^en mol ^ü t^ün. 
2abt mic^ foc^en, effent ir! [ij''] 

2Ba§ gelt§, ic^ bring üd^ gelt fier für! 
^ä) meife ein Pfaffen ober ^unbert, 
70 SSie mol e§ mani^en narren rounbert, 
3Son ben id) tufent gulbin bring, 

©ilbrin löffel, gulbin ring. 
2((§ balb fi^ ba§ manbat erfe^^en, 
@o balb ft) bittent jit mir ie^en: 
75 „bebend, mt)n lieber ^err fifcal, 
Sßie fan ic^ hoä) mt)n finber oü 
Saffen, oud^ ha§ mietterl^n? 

5)a§ roirt mir fi^n ein ^orte pt)n. 
^ttJcin^ig gulbin roil id^ geben, 
80 Sonbt ön§ bt) einanber leben!'' 
3)?it §orn gib i^ ein antrourt im: 
„®a§ ift nit önfet§ bifc^op fin, 
SSnb ift bmb§ gett nit angefangen, 
S)a§ ein manbat ift öon im gangen 
85 (5r füc^t allein ber feten fieil; 

;5d^ trag§ manbat nit alfo feil. 
S)o(^ miltu geben brt)ffig gulben, 

©rmürb ic^ bir be§ bifd^offs Bulben 
S3nb lafe üd^ blt)ben ade fanbt 
90 Stecht, mie ir ha^ geiüonet ^anbt." 
|)ett id^ ba§ gelt, gott geb, gott griefe, 

2Ba ^eber ft^ne fünben bie|!" 
Sr t)erren all, id^ marn üc^ fd^on: 
^ompt üd^ ein reformation, 
95 Sin gebot ünb ein manbat. 



110 Sie fc^aff fc^inben. 

So roiffen, ha§i bo mangel |att 
Sin gelt ber bijc^off onb jgn fned^t ; 
3)arumb oerftonbt bie fad^en red^t! 



[33 



[33,] ^ie f(^aff f(^in5en. [üj*] 

j5^o bie frummen alten rooren, 
Xie fiabenbt ire ^c^aff befd^oren; 

Se| fol mon ein iungen finben, 
Xex f^ne fd^dflin nun mil fc^inben. 




2tn bing fint Qe^unb überfe^t, 
So ift ber orm mon f)od^ gefd^e^t, 



I 



33] 2)te fc^aff fcfiinben. 111 

Xa§ er J^e^unbt fc^ier nt)Tn tan leben; [itj^] 
@r ntü§ nun üor j^n ^ut bar geben 
5 SSnb mag fumm blt)ben bt) bem pflüg. 
3t)n§ önb gilt ift nit genug, 
@r mü^ oergoQen al§ ba§ fgn, 
2)er üil teiber finbt am rt)n; 
gielenbt ft) nun ein mal br^n! 
10 SBa nun ein |err gebienet ^at, 

8o gibt bie ^errfd^afft im ein ftott 
Ober flerfen für fqn Ion; 

5^0 mag bann niemand für^in gon, 
@r mü^ ta^ aller mi^nft öerjollen, 
15 SSnb nement me, bann \t) bo follen. 
SKer ft)n fnec^t nit bjalen fan, 
2)er fott bie felben fareit lan, 
@o tt)irt nit bfd^mert fo tjeberman. 
5)er 5Qn§, bie ftür önb oud^ bie bett 
20 5)ie oberfeit erbic^tet ^ett, 
Sßngelt, ^ilff in aller roelt! 

örucfen goll önb ba§ üngelt; 
SSad^en | ^ietten I fc^encfen | reifen 
aJiac^en teiber roitiuen, lüeifen; 
25 ^m tobt roenbt fj) ouc^ §on ben fat! 
3ü nürenberg tie^ man in bie mal, 
^ie liefe man fq ben ritten t)on, 

®e ba§ man geb ben oal bar oon. 
8t) biegten, raie ein a|el t^iit, 
30 SSmb be§ armen puren gut; 
(5r müfe fur^ ab nun in ben facf 
55nb geben, fo er^ nit öermag. 
^at f^n ^ün ein eQ geleit, 

@o meifet ber pur ein fold^en bfd^eibt, 
35 5^a§ er fol mir ben butter geben, [i iij^] 
SSom et)er dar fol mi)n from leben, 
^nb efe ber pur hk fc^al bar neben. 
^d) Ijah^ bod) on ba§ gehört alfo, 
@§ ^6r in bie puren ^aber ftro. 
40 ^ann ^eifc^en fQ ten bofen Pfennig, 
S)cr ft) ^aben leiber menig. 



112 ®te fc^aff fc^inben. [33 

^er funbt ift ond) tmi^ü(i) erbac^t, 

^ä) tüOÜ, ba§ er im buc^ binn ftac^t! 
@Q ^onbt ttod^ hb% nod^ gut im i)ufe 
45 SSnb nit üil forn im arfer bu§. 
Su ^eifci^t bie bofen mol önb f^n 

SSnb nl^m^ft boc^ nun bie gütten t)n! 
@oI id) nun ein trtncfün t^ün, 
®a§ t)alb ift fd^on üer^tin^t bo öon; 
50 2Big ic^ bann mt)n groad^fen !orn, 
^er brit teil ift bar Don öerlorn. 
2IIIe bing finbt überleit, 

^a§ clagent puren tüt)t önb breit. 
@r fan fumm leben öon bem le^en, 
55 So toil ber priefter t)on ben jetien, 
SBie n)oI ^e|unbt in manchem lanbt 
Xer ge^en ftat in lei^ifd^er Iianbt. 
SBonn ber let) gefc^oren t)at, 

SDann lompt er jü geifllid^em ftat; 
60 ®er n)il ben armen man erft fc^inben, 
£)6 er ouc^ mbd^t fi^n fd^Iecftin finben; 
Dpffer Pfenning, bl)d^t gelt geben, 

jben priefter gießen fünft bar neben, 
ißmb taä, touff gelt mirt begafft, 
65 @o gibt er gelt in bie brüberfc^afft ; 
SS^ann fd^ri)bt man im fi^n namen Qn, 

®arumb gibt er ein füber m^n, [iiij^] 
S)arumb lifet man im tdglic^ meffen, 
3a, loütt ft)n ed^ter nit öergeffen! 
70 ajjefegelt | fibent | achten, br^ffig, 

2)a§ iarge§t)t wil er fton gar fitiffig. 
2)arnad^ mu^ er ein ftifftung machen, 

SSier opffer ^orent jä ber fad^en. 
3)ann fompt ber mün^ ou^ mit bem facf, 
75 @o gibt ber pur, maö er öermag, 
2Bei|en | forn | fefe önb jibet: 
®ibt er nit, fo fic^t er übet. 
2)arna^ fo ^eifd^t man an ben bum; 
©0 tt^it ber t^enger ^aben funj, 
80 Sant üeltin, anber ftationierer. 



34] 2)en lüfen ein ftd^ madben. 113 

S3etler, öopper tinb oagierer; 
^ie betlerin bie I^ren ftimpt, 

Xer farenbt jc|üler ouc§ ^n nimpt; 
@rft fompt ber bunber, ^agel, fc^ne, 
85 2^ic t^ünbt ben armen (üten roe; 
2)er ftieg^ man mil oud^ f)on bar üon; 

2Bie mag ber ellenbt pur befton, 
@o bie all mollenbt üon im ^an 

S3nb fc^inben roenbt ben armen mon? 
90 ©d^ireftu in, fo geb er me, 

?!(§ er fernig tf)et önb ee. 
^c^ gloub, mann er§ gebultig fit, 

SSmb ben gebult belonung 6it, 

Xa§ im ba§ gott oerfaget nit. 
95 Sld^, fieber pur, bie gro^ gei'ci^ic^t 

Sft marfic^ über bic^ erbtest. 
S3ucf bic^, ober louff bar Don, 

5)ife mctter mü^ al§ über gon. 



[34,] !tctt tttfctt ein ftcUs mac^ctt. [iiiij' 

S33ir armen lü^ ouc^ mieffent ctagen, 
2)a§ man an ben ^embber fragen 

@etter | leitern 1 neget an, 

S)a§ önfer fein bruff fummen fan. 

®ie tüfe ^onbt ein gered^tifeit 

S5on feiferen, füngen jü gefeit, 
SBann in bie ^i^ jü grofe molt f^n [iiiij''] 

San bem tt)b, im büfen bt)n, 
5 ©0 §onbt \t) feiferfid^en gmalt, 

2)a§ f9 ftt)gen burcö bie falt 
SSff ba§ goUer, oben fi|en 

S3nb nit erfticfen oon ber |i|en. 
Xie fr^'^eit brud^en§ allen tag, 
10 ßein lufe nie lang bcrborgen lag, 
@t) früd^t l^erfür, fi|t oben bran; 

2)od^ xoii man§ Qe^ nt)m fingen lan 

Murn er , Narrenbeschwörung. 8 



114 



Sen lüfen 



[34 



33nb bridöt ben frummen lüfen ab 
^Q§ rec^t, ba§ in ber feifer gab. 
15 3iRan binbt t)e^unbt fo ftarcf ben §a(§, 
Sßber bie lü^ erbti^tet al§! 
SSeld^e from t)e^ ift önrein, 

^ie tiencEt an ^aU ta^ ebet gftein, 
5)te bo fc^t)nen onb oud^ gli^en, 
20 55arübet bann fein Iu§ fan b(i|en; 
S)er fd^tin t^üt alle lü^ öertri^ben, 
®a§ [9 mteffen bunben 6(t)6en. 
@tlic^ fiencfen perlen an, 
^ein lu^ ir frafft erlt)ben fan, 
25 5)e§ niu§ jt) tin^in ober ro^c^en. 
91t)m ft)n roor bt) aflen rijc^en. 




34] ein ftel^ mad^en. 115 

35ic öil (üfe gelüonlic^ ^aben, 

aJJtt ypenen niü§ man§ oon in fd^oben: 
5^arumb f^ perlen fiencfent an, 
30 2)a§ fein Inf; Beft^gen tan. 

2)arna(^ jinbt etlid^ nerr[d^e funben, 

Xie lencfent an fic^ gulbin geiüunben 
SSnb ou(^ etlic!^ fel^am mt)nö; 

2)a§ ift ber §olI üom narren jtjnfe: 
35 ©ulbin fetten, gulbin ring. [i5''] 
Sfl e§ nit ein clöglic^ bing, 
$)a§ man fo groffen foften ^at, 

2Bie man ben lüfen mört ir [tatt? 
8t) t^iin§ barumb, ba§ meife ic^ mol, 
40 S)a§ fein Iu| bar fi|en fol; 
2)a§ golbt ijt fatt burcti ft)n natur 
SSnb mirt ben armen lüfen für, 
S)ann ft) ber merm geroonet £)anbt. 
2)ie anbern mac^ent riben banbt, 
45 2Bie bie f)unbt im öngerlanbt, 

3Snb finbt mit f(^Iöfjeren mol üermac^t. 

^d) ^ab ir tufent mal gelacht, 
5)a§ ft) ben ^ot§ a(fo oerbinben, 
^3{(§ ob ft) oor fant lien^art ftienben. 
50 Sc^ mei^ mol, ma§ ben lüfen brift; 
©0 ber t)al§ öerfd^Ioffen ift, 
2)ann mieffent ft) aber bunben ftecfen. 
^Roc^ finbt anber geud^ onb gecfen, 
2)ie 5tT)t)ffa( ftricf an ^embbern tragen, 
55 5)a§ bie lüfe ba» oftic^ clagen, 
@t) miffent nit, rva§> gmi^flen bbüt, 

SSnb blt)bent aber in ber t)üt, 
Ouc^ §tt)t)fT[en oaft onb fer baran. 
Ob man ft) rait ouc^ off^in Ion. 
60 ^ie lüfe finbt aber ein§ üertriben 

35on {)embbern, bie bo finbt gefc^riben 
^übifc^ I fried^ifc^ j §ü Iatt)n; 

2)arumb fein lufe barff nt)mmer brt)n; 
^ie roörter finbt fo ftarcf am ^al§, 
65 25arumb bie Iü§ ba§ fc^ü^ent aU. 



116 S)cn lüfen ein fter^ mad^en. [34 

©otteng nit ein arme lu^ 

2rt)t)en t3on eim fragen tife, [iö''] 
@o boc^ roörter ünb befd^toeren 

äRanc^em fiarrfen tüfel roeren? 
70 (ätlid^ mactien bran bie flammen, — 

233ie fompt lQntt)at önb fammat §amcn? — 
2)a§ fQ bie tüB bo mit öerbrennen, 

SSon ben Reifen traben bennen. 
®rü|er mad^eng ou(^ baran, 
75 ©c^tcd^t I burgunfd^ | ünb mie man fan; 
©ic^t bann ein Iu§ "taS^ t)eitig crü^, 

@o rt3Q(^t ft) ^inberfid^ bef^^ 
SSnb toufft in büfen miber fd^I^d^en. 

Xer tüfel mü^ bem crü| bod^ n)i}d^en, 
80 233arumb flü^e nit ein arme Iu§ 

25nb lieff ^üm ^embbe nit ^inu^? 
^od) finbt getter oud^ ha bt) 

SSnb ein geler ^abcr brt), 
ßeitern üil fo mand^erlet), 
85 @§ tieifet ber tütfd^en birbenbeQ, 
2)ie fein tu^ befttigen fan. 

@in fd^tt)ar|e§ fc^nierlin ^endtt er on, 
2)en armen lüfen nun ju leibt. 

2)ann fd^mar^e fd^nier ünb fd^njar|e§ fleibt 
90 2)er lü^ fiaffer an im treit; 
SBann fQ üff ba§ fd^lüar|e ftigen, 

©0 btib e§ nt)mmermer üerfd^roigen, 
®ann ft) finbt tt)t)6, man tvüxh fQ fe^en 

SSnb merent iQd^tlid^ gü erfpetien. 
95 5Run fagt mir tje^, id^ bitt üc^ brum, 

©inbt nit gro^ narren ümenbum, 
3)o§ ft) fo groffen foften trt)ben, 

2Bie bie Iü| im büfen blieben, 
ajJit filber | golbt | ünb ebet gftein, [i 6^] 
100 perlen, ^alfebanbt, grofe ünb flein, 
tetten | mün^ I ünb jtü^ffel ftricf, 

Seitern | getter | m^t ünb bidE, 
©rü^er | flammen | gulbin getounben, 

5)a§ fQ bie tü§ betialten bunben, 



35] Ser Reuigen giit. 117 

105 SCnb ncment in ir gered^tigfeit 

35nb moflen^ ätüingen in ha^ fleit, 
So ft) bo(^ in ber alten ec 

|)0c^ finbt gftigen Dor onb ee! 
^arumb ic^ mic^ be§ ^ab bebac^t, 
110 ^a§ id^ in f)a6 ein [teilen gemocht, 
S;a§ ft) bie leitern önb bie ^alfebanbt 

9)iit überflogen olle janbt 
ißnb roiber üff ^in mögen fummen, 
3r frQ^eit in nit roerb genummen. 
115 Stonbt ab üon bifem narren roercf! 
^ö) tob bie puren am foc^erfperg ; 
2Bie mol JQ ouc^ i^od) f)embber tragen 

'■önb feltlen fere ben ^embber fragen, 
9Joc^ ^onbt ft) in nie alfo bfc^Ioffen, 
120 ^arumb e§ bie Iü§ nie ^at üerbroffen. 
^r lüfe, ^onbt ir mic^ rool üernummen 
SSnb mogent nit ^in off ^in fummen, 
So brucf)t, al§ ic^^ üc^ ^ab erbac^t, 
^ie ftel|en, bie id) i^ab gemacht. 
125 @§ munbert mic^ onb ift mir feigen, 
2Bie bie lufe fompt off bie ftel^en; 
2;a§ t)at get^on ber fel^anx funbt, 

{^unbt ben funbt ouc^ finben funbt. 
9J?enfc^en finbt gebencfet oil, 
130 SSann e§ ft)n rec^t behalten mit. 



135.] ttv ^eiligen gut [ie^] 

SOianc^er ^alt ein frgen mut, 

Ta§ nt)mpt er oon ber ^eiligen gilt; 
§ett er§ nit | ft)n pfninbt roer ringer, 

9Snb ^ett §ü fc^Iecfen fumm Die finger. 

21^, lieben ^eiligen, leiber gott, 
2Bie tr^bt man i)e^ mit üc^ ein fpott! 

2Bie ^alt man fo ein frt)en müt, [i 7 *] 
2l(^ leiber, mit ber ^eiligen gütt! 



118 



2)er ^eiligen 



5 5ln manchem ort ic^ gfc^tiben finb, 
233te ba§ bie ^eiligen riesig finbt, 
S)a§ rntci^ be§ bicf ein luunber naiti, 

S)a§ ir finbt i^e^unbt alfo gant 
3Snb feiner öon üc| ftraffen t^ut, 
10 @o man t3er§eret üroer gutt. 
2Ba§ üd^ ju §ier bann ift ergeben, 

®a oon ttjtl man t)e| üppig leben. 
@e(^t ir nit ein mal bar§ü, 
So merben \\) e§ gar üert^un. 
15 2)arumb jo lugt bt) §i)tten bar, 
(Se fQ ba§ gut öerbiegen gar. 
Souffent botb onb bl^bt nit ofe! 



[35 




35] gut. 119 

2)cin fadE ifl fd^ter ber 6oben ü§! 
aSa Qe|unbt be§ obelS [tat 
20 ^frünben gu 0erli)öen ^at, 
S)ie felb ben rijc^en ft) üerfouffen, 

SSie Daft bie armen borumb louffen; 
333er me gibt, ber nt)mpt tk pfrienbt. 
Sft e§ rec^t, ba§ ft) ba§ bient? 
25 SaSil ber ba|)fl ein apla^ geben, 

@o nt)mpt ber f)err ft)n teil bo neben; 
SSolt man im jt)n teil nit Ion, 

8o mieft ber apla§ bt^ben fton. 
Sagt mir an, ma ift ba§ red^t, 
30 2)a§ bie roeltlic^ ^errfc^afft fec^t 
9tac^ ber frummen firc^en gut, 

2ܧ man t)e|unbt in b6t)em t^üt? 
S33a§ oor jQtten gftifftet roa^, 
3e^ f)at bie tierrfc^afft atle§ ba§ 
35 SSnb fd^iempt onb bempt froüd^ bo üon; [i7^ 
2)er got§ bienft bl^bt in efcften fton. 
S33ürt ein malfart in bem lanbt, 

5)ie Ferren üon bem opffer iianbt; 
2Bö(t ir ba§ opffer nemen gn, 
40 @o fotlent ir ouc^ priefter f^n! 
2Ba man ftifft ein brüberfc^afft, 

So ^ot ft) meber mad^t noc^ fcafft, 
;3r ^abt ben üroern teil jü nemen, 
SSann ft) ta^ opffer bringen jemen. 
45 Saru^ ir mad^en einen brafe; 

5)a§ nie be§ ftiffter^ meinung mag, 
S)a§ ir tjerfc^tucEten falber ba§. 
So nempt ir t)e^unbt ^n ben je^en, 
2)ie bo finbt geifttid^e le^en, 
50 SSnb ^abt bo mit ein fr^en miit, 
So e§ bod§ ift ber firc^en gut. 
^eiligen Pfleger, nement mar, 

S)a§ üroer feiner nit oerfar, 
SSmb ein fd^tecEIin geb ein fd^IedE, 
55 Sott ir t)on ber melt ^inmecf! 
2)ie ^eiligen finbt in giener melt, 



120 2)cr ^eiligen gilt. [35 

5)en ir oerfd^tentmet ^onbt ir gelt. 
'yinn rurfen gainen, lieben gfeHen, 
^d) mii^ nodj mer ^er gü üc^ fleHen, 
60 S)ann e§ fompt nocfi ein groffe jal; 
SSil gen ber fc^aff in einem [lol. 
^r geiftlid^en, tret ouc^ f)erbt) 

SSnb lügt, roie ürcern narren jQ. 
^;ßatriard^en, bi[c^off aü, 
65 2)ie finbt t)e| fummen in ben fal 
iönb öonbt üergeffen iren orben, 

3ucEenbt tüolff üfe f)irten Würben [i8^] 

!ißnb fierenbt mit ber firc^en gut, 

^a, 6t) gott! ein§ feifer§ mut. 

70 @in bifd^off ift ein ^irt gemacht, 

S)a§ er ber c^riften feien ad){, 

Duc§ ft) lern ünb onberrat)§ 

ajiit groffer ^üt onb ganzem flt)^. 
3tber jQt ber tüfct ^att 
75 5)en abel bracht in firc^en [tat, 
(St)t man fein bifc^off me mit t)an, 

@r f^ bann gan| ein cbelman. 
S)er tüfel t)att üit fc^üd^ jerriffen, 
@e ta^ er fDl(^§ §at burc^ f)in biffen, 
80 2)a§ ber fürften finber aU 

®ie infel tragen raenbt mit fc^all; 
2)aruB üil güt§ nit mag enlfpringen. 

2)ann fol ein fürft 511 firc^en fingen, 
^a§> ber abel mol fan fd^tj^en, 
80 SSnb prebigen felb, ouc| fird^en m^^en, 
@o fprid^t er bann, e§ ftanbt nit jü 

©im fürften, fol^e bing jü t^ün, 
®§ fol fein fürft ein pfarrer ft)n. 
2Be§ ntim^ftu bann bie gälten Qn? 
90 gm biftumb mit er fürftlic^ gboren, 
SSer er bufe, er fro|t ftjn oren, 
S3nb treit bod^ t)e| ein§ fürften müt; 

2)a§ ift ai^ mit ber fird^en gut. 
^ett in ft)n üatter moc^t oerfe^en 
95 9Jiit lanbt tjnb fürftclic^er le^en. 



35] Ser ^eiligen gut. 121 

(5r ^ett in §ü feint bifc^off 9fd^e|t 

SSnb im ein infel off gefeöt, 

2)a§ ber c^tift be§ roürb ergefet. 
^2In fnner fete bu folt ft)n gierten, [i 8^] 
100 SII§, roa§ im jc^eblic^ ift, oerbictten! 
'^od) ^onbt ft) einen funbt erbac^t 

SSnb ein blomen bifc^off gemad^t, 
^er bo lüQ^e onb aüeS t^ü, 

2Ba§ bem fürften ^öret jü; 
105 2Be§ er fic^ fc^ampt, ift ber ft^n fnec^t. 

^d) fid^ e§ gern, tuann ba§ ift rec|t! 
35mb fein bing, noc^ omb fein fachen 

äJJog man in ein btftumb moc^en 
3tüen bifc^off onb §roen ^irten bir, 
110 2)a§ magftu frölic^ gtouben mir. 
2)e§ ^at ber ein allein ben titel 

SSnb ^eifit „ber bifc^off in bem fittel". 
8gn biftumb It)t rt)t)t über mere; 

Sm roer leibt, ba§ er bo roere, 
115 33nb fc^mort ein eibt, er nbi bo ^in — 

SSnb nam ^a^ nie in ft)nen fin. 
$)al fumpt allein oon fürften ^er, 

5)ie möQent nit fi)n betteter 
SSnb ttjenbt nit leren, fingen, tt)t)^en, 
120 8unber alle arbeit fd^t^^en. 

^e§ mac^ftu bir ein tt)t)t)e bifc^off, 

2)em öaltftu gar ein fc^Iec^len ^off; 
^er ift für bic^ getert onb clüg 

SSnb t^üt bt)m ampt allein genüg. 
125 ^ettftu nun bo ^an§ rier, 

S)er für bic^ in bie fetten fier, 
@o moc^teft mol oon freübcn fagen; 

§ie ben fard^ onb bort ben roagen! 
^ot ^unber! o, rcir farent ad; 
130 ^d) forest nüt übe{er§, bann ben fad. 



122 



[36.1 ^tc üvcttHt f^ivctt. [t jT [36 



«Brcnbt Wxtn x\i etn i)nc ort, 
2Bie wot \^ mir onlt)bIic^ warbt. 

2Ba mir ein ipenlin noc^ tocr gftn, 
(So wer ic^ gan^ gefaren t)in. 




ßerr got bef)iet, toa Umpi xr t)ere, 

S)a§ ic^ üc^ alle m^ fcefc^were? 
SBer i)ot§ ge^aget übcrat [t\ \ 

S)a§ üiuer fompt cm folc^e sau." 
5 3c^ ^b ^c^ter gar ^einjüffen mere 

35a§ ic^ üc^ fe^t nac^ wurb onb ere. 
SBann ic^ üc^ ^erlic^ Je|te mber 

@o tügenbt onb gcbencfent wiber, 



36] Sie breubt fcfitren. 123 

^d) fan nt)m fe^en nad) ber mal, 
10 2)a§ t§ut bie gro§ onb mercflid^ jal. 
2)er rDt)n rteffer ift ein mtc^el teil, 
2)ie eim ft)n ere ^e| tragen! feil 
Sßff bcn günfften | off ber gaffen, 
S3t) bem )x>X)n \ fo ft) ein Raffen, 
15 ^n ben roincflen clagen an, 

S33ie ba§ er ft) ein erlofe man, 
2)a§ f^n oer^iir onb ouc^ t)erf;)il, 

33nb mer im li)C^te, l)ielt er fein §il, 
Duc^ ^o6 befd^iffen alle lanbt, 
20 9^ieman§ foufft in, mtx in fanbt, 
SSnb rieffenbt im ben rotin fo t^ür, 

S;a§ boc^ roeber t)e| nod^ ^ür 
9^ieman§ mit im roil ^on ^ii fc^affen; 
2)a§ ^at get^on ba§ fc^eblic^ claffen 
25 2e§ fc!^elmen§, ber ba§ ^at erlogen, 
StClein 0^ f^nen fingern gfogen, 
SS^ einem ^olen l)afen gerebt, 

2)a§ ber frumm man ntjmmer t^et, 
9ät befter minber ift§ gefc^ef)en, 
30 2ißa§ im ber bö^roii^t ^ot beriefen; 
@o gloubt man balb bie bofen ftucf, 

'Die er erlogen ^at jü rucf. 
S^ann bie büben finbt fo gfc^roinbt, 
^a§ man§ nit an lugen finbt 
35 SSnb folc6e§ nit mog oon in clagen: [fij^] 
8t) rooöenS onber ber rofen fagen 
SSnb in bt)(^t§ roi)§ ^on gerebt. 

^a§ ber lecfer alle§ t^et, 
SSff ta^ nit feme für ba§ liec^t, 
40 ®a§ er ha lugen §ett erbid^t. 
9^oc§ finbt ber rieffer etlic^ me, 

^ie frummen lütten t^ünbt gar me, 
2)ie fc^rt)benbt eim fi)n ^eimlic^eit 
Sßnb, roa§ ft) roiffenbt, blöbigfeit, 
45 Sa3a§ ft) nit roiffen, erbenden fQ, 
SSnb fc^ri)ben§ off ein jebel frt), 
SSerenbern ire gf (grifft onb l)anbt. 



124 9?oBbre(f fc^tü^mmen. [37 

35a§ niemand bie gefd^rtfft erfant, 
SSnb ttjerffen^ burc^ bie ganzen ftatt, 
50 @o ba^ niemanS gefe^en i)att, 
SSnb offenbaren atlei, ba§ 

|)eimli(^en önb »erborgen tt)a§, 
SSnb fünbten folc^e böfe bingen 
SSff fein fruntmen man nit bringen. 
55 äRan mei^t rool, it)a§ bar^ii gebort, 
2)a§ man bie fc^elmen nit befc^roört. 
^d) meife nit, mag i(^ mit in tiju; 
@i) ^orenbt nun bem ^enrfer ju, 
5)a§ ft) tt)i)n rieffen in ber fiatt, 
60 3Snb icJ) fQ nit gebetten ^att. 
2St)t öon mir, ir alle famen! 

2BoI ö§, in tufent tüfel namen! 
^n m^nem hnä) t)abt ir fein fi^. 
|)ie ben flammen, bort bie ^i§! 
65 ^x ^abt mir ba§ oucf) offt getf)on, 
jDe3 mit i(^ üc^ genieffen Ion. 



[37.J OJofeÖvcd ft^ttJ^mmcu* [fii'l 

@in ro|brecf fc^mam bo ^ere, 
®en fragt ic^, men er fummen mere; 

@r fogt: mir öpffel finbt erft fummen 
SSnb oon flrafeburg ^ar gefc|tüummen. 

^d) müB be§ ro§brecf§ munber nemen, 

SBie er onb bie öpffel fommen jemen, 
2)o§ er ouc^ mil ein apffel ftjn [füj"] 

SSnb mit ben öpffeln fc^roim^t im rljn, 
5 So er boc^ i)6ret off ben mift 

SSnb oon merren fummen ift. 
aJJanc^er roil Qe^ ablid^ gboren, 

(So all fi^n frünbt nun puren moren, 
S8nb gibt f^n finbt eim ebelman, 
10 2)a§ er bi^m abel müg beftan, 
S)er ro^recf onbern opffeln fc^mt)m, 



37] 



SRo^brecf fd^Jüi;mmen. 



125 



9iun ba^ er ft) ein fiurger ni)in, 
SSnb meint, er \t) in§ abelö [tat, 

2Bann fl)n finbt ein eblinq ^at, 
15 2)em er mü§ geben ein groffe fumm, 

3Jun ba§ er güm abel fumm. 
(SJeb er fein gelt bem ebelman, 

(Sr fe^e ben puren nimmer an. 
Stjt ba§ ber abel ift oerborben, 
20 ^onbt jt) nad) bürgert tod^tern geworben; 
@o meint ber pur, ber groffe narr, 

@r fc^rotjtn mit anbern öpffefn ^or, 

@o er ein rofebrecf b(t)bt a{§ oar. 
SSann Qeber ^ielt f^n rechten ftanbt, 




126 3(to|brecf fc^trJ^mmen. [37 

25 S)en jQn euer gfieret ^anbt, 

(So ftünbt e§ ba^ in allem tanbt. 
2Ba§ ber :pur üom abel fic^t, 

@o lugt er, ba§ e§ ouc^ gefc^if^t 
SSon ft)m tüQb, oon f^nen finben, 
30 ®r fin§ bann in ber roelt nit finben. 
jDie bürgert froroen tragen !(eibt 

ajiit ft)ben, fammat jc^on beleibt, 
®ulbin fetten \ perlen banbt, 
SCßie ba§ bie ebten getragen ^anbt. 
35 @r meint, fo er ha^ 1)ab im gott, [üij*'] 
5)a§ er ba§ aU tragen folt, 
SSnb mit ba mit abliefen berben, 

@in ro^brecf jü eim apffel roerben; 
^uncf^err ro^brecf ift ft)n nam, 
40 5)er mit anbern öpffeln fc^n^am. 
S)er obel t^iit ba§ roiberfpil, 

8o er bcn üttel tragen mil; 
^tn acfer ^mxld) \ ein pürfc^e^ fleibt 
$at er für ft)ben angeteit 
45 3Snb mit gen^Iic^en pürfcf) geberben, 

©in apffel ju eim ro^brerf toerben. — 
S)er priefter la^t fic^ nit beniegen 

ajjit f^m ftat 1 onb mit t)e^ Wegen 
S3ei|en | reiben | luffen | iagen 
50 SSnb ba§ iäger f)6rnlin tragen, 
3t(§ ba§ §11 ftat bem ebelman. 

^arumb mag e§ nit lang befian! 
SSnb t)berman ft)n ftanbt oermifc^t 
5önb nit belt)bt, ma§ er bo ift 
55 SSon f^m öatter ^ie erboren, 

€)üd) bü)bt nit, ma§ f^n elter tnoren. 
5)er feifer fc^r^bt im§ üff ein blat, 

SaUie ba§ er in geabelt t)at, 
^e§ foufft er oon im t)elm önb fd^ilt. 
60 SBann bu ft^n abel fennen milt. 
So füd^ fQn öatter bQ bem pflüg. ^ 

Ser narren tt)t)§ n)er bolm genitg! 
©in i)an fam ein§ mal§ onber ro| 



38] 



Sher öff bem altar finben. 



127 



SSnb buncft fic§ felber ouc^ fo gro^ 
65 SSnb iprac^ mit ^off euerem trit: 
„Seiner tret ben anbern nit!" 



[38*] (J'^cr tiff dem altar fiiiöctt. [fiiii^ 

Sc^ bin ber pfaff oom fallenberg, 
9}Jt)n bing gonb gmonlic^ überjroerg, 

3)a§ ic^ ein groffe gnab oerünb, 
SSann ic^ ein tt) öff bem altar finbt. 




^ört, mie önfer pfarrer tf)at, 
^0 er ömb ein pfrienbün bot 



128 ' ßi^er Uff bem altar ftnben. [38 

5ßnb bf(^ei§ ein anbern öm6 bie f^n! [üüj''] 
2)ann er liefe opffer legen t)n 
5 Si^ne puren | bQ§ er gab; 

5)amit flol er§ bem anbern ab. 
2)er felbig meint, bie puren meren 

6o opffer füd^tig | onb öon eren, 
5)0 maren§ ongeleite fachen. 
10 SJJan fan t)e|unbt ein ftrd^ro^fie mad^cn, 
2Bann nun ber pfarrer finbt ein eQ 

5ßff bem altar ober jmet}, 
®onn n^mpt er ft)ner föc^in flai^S 
S3nb ein |atben üierüng mac!^§, 
15 ^embber | fpinbetn garn§ bo mit, 
2öei|en ] forn bo neben fd^it, 
Xa§ ^encEt er aU an eine ftang 
SSnb fad^t an fingen lobgefang, 
2)a§ er ber puren ^er^ ermeic^en; 
20 @o fagt er groffe munber jeid^en, 
Sie an ber ftatt gefc^e^en finbt, 

2)a§ einer ^er ma§ fummen blinbt 
Sönb gefe^en toiber bannen. 
9Wan loufft Qe^unber gu fant annen 
25 SßQt onb breit in aüe tanbt; 

$8il ürd^Iin üff gerichtet t)anbt; 
3ü nümen firmen geet man raatlen 
$ßnb lafet bie alten niber fallen; 
2Ba§ man p bumen fc^ulbig ift, 
30 2)a§ tonbt ft) fatten in ben mift; 
S)er fetben mürbt ouc^ balb tjerfc^migcn, 

SSnb lonbt ft) ouc^ in ftucfen ügen, 
@o föirt e§ bann ein luter fpott 
ajie, bann e§ ift ein gierb üor gott. 
35 2)ie na^en ^eilgen tt)ilnbt fein munber; [f5'*] 
:^e§ fuc^t man nun bie matten bfunbcr, 
Sßnb mad^enbt nüt bann miebe bein. 

9Kit narren öfe, mit geden ^ein! 
2)a§ ift ba§ beft öff bifen fachen, 
40 5)a§ fQ ben pforrer feifeter mad^en; 
So fpric^t er bann jü f^m capton: 



39] 2)en arg in bie fd&an^ fcfilal^en. 129 

„Sing mir langsam önb gar fc§on, 
SSnö jü|e bie noten alfo lang, 

Stfe t)eberman §ü opffer gang; 
45 S33ann t)ebennan gcopffert fiat, 

8o fing mir 6alb, gejc^roinb önb brat. 
2Be§ molten mir fo langfam fingen, 

2ßil mon on§ fein opffer bringen?" 
8o ^6r ic^ mol, roa man nit g^t, 
50 8d f(f)ancften ir gott fein noten nit. 
Schämen fic^ bie puren ban, 

2BiI feiner nit §üm erften gan, 
So loufft m^n pfarrer balbe bar 

Sßnb bringt ein ^aller opffer§ §ar, 
55 @lt)c^ al§ ob mir narren roeren 

58nb nit Derftünben ft)n begeren; 
Sin anbringen i)"t ein folc^e t^at, 

2Bann ber pfarrer gü opffer gat; 
3ft im t)as, (oblieg opffer gfang 
60 53ff ber firc^irti^e nit jü lang, 
So fad^t er§ oornan roiber an, 

S3ife Dmbt)er fummen mtib onb man 
SSnb im f^n ftol ad ane füffen. 

3^a§ t)et gett)on ber pfaff oon friffen, 
65 2)er opffer önb bie eier fra§. 

®ott gefengS im, roie bem ^unbt ha^ gi'Q^! 



[39.] ^ctt ttrjs ttt iJic fd^anl^ fr^Ia^ctt. [fs''] 

^c^ ftanb t)ie an ber narren ban|, 
2)a§ ic^ m^n ax% fc^Iac^ in bie fc^an|. 

©Ott geb gettjunnen ober oerloren, 
So (ouff iä) bod^ mit anbern froren. 

„|)err narren bfc^merer, lont bar öoni 

^r ^ettenbt t3n§ rool (äffen gon 
S3nb on§ nit §ü ben narren gftelt, [f 6 ^] 

So mir nit ^oren jü ber melt. 
5 äRöc^ten ir ba§ büc^ nit enben, 

Murner, Xarrenbeschwörung. Q 



130 



3)en ar^ in bie 



[3» 



10 



15 



3r mieften ön§ f)ie oflic^ fc^enben? 
gjiariam folt ir jefien an 

SSnb ir ön§ taffen genoffen ^an!" 
2Bie finbt ir t)e^ fo !a^en rein 

$ßnb fd^ament ü^ ber narren gemein! 
Duc^ nent^t üc| jürnen^ jü mir on, 

2tl§ id^ üc^ önrec^t t)ab get^an, 
$8cf) geiftlic^ frotren t)er citieren. 

3d) mit üc^ in ein frfiroeipab fieren, 
®a§ miefet ir felber i)ie befi^en; 

5Sonn bann fein narren öon üc^ fd^tni^en, 
8o mögt ir barnad^ ah mir clagen, 

®er dptiffen öon mir fagen, 




39] fc^anl fc^ta^en. 131 

S)a§ mijn fünft nit ft) probiert, 
20 ^ah ünbillic^ ^er gefiert. 

^d) ^ett öor mal» ber narren ein, 

2;er meint ouc^ idI)§ §ti ft)n allein, 
SSnb ftacf ber narren alfo öol, 
S)a§ id^§ nie moc^t ergelen mol. 
25 2Bie fan i(^ ntic^ an troirort fören? 
3r miefet mic^ bennoc^t reben ^ören, 
SSnb folt e§ üc^ noc^ 6a§ oerbrieffen. 

^r tttölt maria gart genieffen? 
®a§ nun tüarlic^ hiüid) rcerel 
30 ^oc^ fo ir t)e| finbt fummen ^ere, 
8o ttiil ic^ lügen, tt)a§ id) fan, 
2)o§ nit ft) om6 fünft get^an 
(Sin folc^e njQtte reife onb ftrafe. 
$abt gebult! üc^ roirt fc^ier ia^\ 
35 SJiaria njorbt in tempel bracht, [fe''] 
Sin bife ttjelt nie mer gebockt; 
2Bie iung f^ rvai, noc^ gieng§ fürfic^ 
5ßnb fc^omt nie omb nnjü^tigflic^ ; 
Sann roer f^n ^anbt legt an ein pflüg 
40 5Snb t^üt ft)m orben nit genüg, 
ißnb fic^t pmb fic^ mit böfen berben, 
2)er mag boc^ nit gefd^icfte tuerben 
QvL gott 1 Dnb tafet ba§ ^i^metr^c^, 
3((§ d^riftu§ felb t^üt leren bi4 
45 ®ar raenig finbt t)e|unbt ber froroen, 
^ie bife gfc^ic^t mit f[t)B anfc^oroen 
ißnb lernten oon maria rein, 

S33ie man lebt im clofter gemein. 
;5ft t)e|unbt ein ebelman, 
50 $)er ft)n finbt nit permä^elen fan, 
ißnb ^at fein gelt ir nit jü geben, 

So miife ft) clofterlic^en leben; 
9Jit ha§i fi) got rool bienen binn, 
5111ein ha^ er§ nac^ ft)nem finn, 
55 Stac^ fgner ^offart, mit f^m gut 
SSerforg, al§ man bem abel t^ut. 
SBann ft) bann jU ben iaren gat 



132 S5en ar^ in bie fd^an^ fd^Ial^en. [39 

55nb \i<i) entpfinbt in irem ftat, 
SSnb jq ber narr fad^t on jü tucfen, 
60 @o tafet fQ fid^ t)erum6^er bucfen 
SSnb flüc|t bem üotter önberm grunbt, 

2)a§ er jlj nit üerfe^en funbt, 
SSnb ()ett öil lieber ein armen man, 
2)ann ha^ ft) ttjol jü metten gan. 
65 @o tft e§ bann öerloren gan^, 

SBann jt) ben ar^ jd^ted^t in bie fc^an^. 
(Bpxid)t man bann: „e§ ift nit red^t, [!7*] 
2)u fd^enbft bo mit b^n frum§ gefc^led^t/' 
@o antmurt jt) gar balb ünb gfd^minbt: 
70 „^c^ roolt, ta^ id) üier^unbert finbt 
SSff erben bräd^t, nun in gii leibt. 

2ße§ ftieffenS mic^ in bife§ dcibt? 
2Ba# id^ nun erbencfen mag, 
3)0 mit id§ in mit jd^anben fd^ab, 
75 2)0^ roil ic^ tt)ün! mol ^in, tt)oI ^in, 
S)a§ leber mü^ gegerbet ft)n! 
^d^ fam bod^ nie in bijen orben, 

@i)t ba§ xä) bin ein nunnen njorben, 
2)a§ ic^ mi^n regel iiatten molt, 
80 21I§ ein nun ba§ bittic^ jolt; 
2)arumb leit id^ bie !utten an, 

2)a§ mt)n öatter mic^ nit !an 
SSerfetien na^ be§ abel§ art, 
2)arumb iä) ^ie ein nunnen marbt 
85 Sn ntt)nem orben, ben id^ fiatt." 
@t) \^t) bod^ iung red^t ober alt, 
233 et am meiften ünb er mad^t, 

2)ie mürbt dbtiffen ^ie gead^t. 
2)arumb iä) toaxn ein ebelman, 
90 2BiI er im tobt !ein flitd^en ^an, 
©Qn finbt fol er mit gttjalt nit gtuingen, 

!sßnmiHig in ein dofter bringen. 
SSil beffer ift, fQ bring üil finbt, 
2Ba§ \\) für ein eeman finbt, 
95 S)ann ha^ fQ in bem dofter lere 
SBeber got§, nod^ ä^ttid^ ere. 



40] S)e§ iüolffg ^rebig. 

2)ic frorocn clofter finbt ^e^ all 
Gemeiner ebel lüt ]pittat 



133 



5ß3er oon gott ben genfen prebiget 
9Snb ft) Jieimlid^ bennod^t fi^ebiget, 

2)er gibt mit roolffen glate mort, 
Si^ er jt) bringt an fic^er§ ort. 




5)ie gen§ ^onb jamen einen punb, 

Sßann ein wolff §fi| inen funbt, 
@o fottent jQ im nit gelouben; [f8*] 



134 Se§ hjolp [40 

(gr ft) nun bo, ba§ er tool rouben. 
5 SSon bem punbt üff bifcn tag 

5)er tüolff bie genfe nit Bringen mag; 
@t) {)onbt ben gtouben gan| onb gor, 

5)em motff fein ganfe nit trugen t^ar. 
3)oc^ roei^t ber luolff ein anbern ronrf, 
10 2)a§ er anfieng ba§ mefe gefang, 
gieng an §u prebigen önb jü fagen, 

2Bie \)a^ bie gen^ nit folten ctagen 
3tb im onb allen jt)n gefellen, 

5)ann f^ aü priefter merben ttjellen. 
15 S(t§ er i)e|unber priefter rva^, 
2)0 bie gen^ all Porten ba§, 
®o famen fl) ju firc^en gon 
3Snb fiörten ft)ne |3rebig fc^on, 
SiB er ben rigel für ^att gtf)on; 
20 ®o muften§ bli)ben an ber ftatt, 
m% er ft) aü oerfc^tucfet ^att. 
9Kit gütten Worten innicti(^ 

S3racl^t er i>k genfe all onbcrfid^. 
S33ee ben armen genfen all, 
25 2Ba ir ber loolff t)iet in bem ftotl! 
SSer t)e^unbt off bifer erben 

Reifer, fünig begert §ü werben, 
Ober fünft regent im lanbt, 
S)er müB erbid^ten einen t^anbt, 
30 9Jiit lüolffen ^rebigen dug onb fü^, 
Si^ man bie port im Offgefc^IieB, 
©onu§ oerba | füffe loort, 

Söife er bie gen^ bringt an ein ort. 
2)0(^ barff ic^ ba§ ^ie ft) nit leren, 
35 ©t) !Qnnenbt§ föol, bie fürften, Ferren; [t8^] 
@e ba§ ft) ertüolet werben, 

@o f^nnenbt \t) fo jüc^tig Serben 
Sßnb fo fanfft ben fc^affen feieren, 
?(!§ ob ft) tuter enget weren; 
40 SEBann ft) bann bie fc^Iüffel traben, 

@o finbt e§ nun bie rechten fnaben. 
2)arnacl^ ein t)eber burger weint 



40] ^^rebig. 135 

35nb fprid^t: „ad^ gott, luer f^tt§> gemeint, 
S)a§ tjnfer ^err tüer ein ti)ronn, 
45 8o er fo füffe roorter fan!" 
So f)att er§ Don ben roolffen gelert, 
SBie man \)a§> Uat ^erumb^er fort. 
2)ann fe|t er amptlüt nad) jt)m finn, 
®a§ er ir fttimmen roiffen finn. 
50 5^er felben amptlüt fe|t er oil, 

dJlit ben er t^üt, recfit roa§ er roil. 
Sprid^t man bann: „^err, ha^ i[t hb^l" 
So fliic^t er (gc^nom i §ut [ ünb fr6§, 
(Sr ^ab§ bod^ al§ mit rat get^on, 
55 5I1I amptlüt omb^er fragen ton. 
5)ie felben roi|ten oor befc^eibt, 
S3nb ^at§ mit inen angefeit; 
@r ^at ir ftljmmen an ber fc^nier, 
©in t)eber fünft fqn ampt oerlier. 
60 2)arumb fo ift e§ büben roercf 

SSnb gat offt le^ onb überjroerg. — 
Sllfo t^imbt oud^ geiftlic^ prefaten, 

SBie bie raeÜIic^ ^errfc^afft traten. 
St) feieren fc^on ouc^ mit geferben, 
65 ®i§ fp erraolt prelaten werben, 
S)ie genfe all tribcn ^onbt in ftatt; 

-i^arnad^ befc^Iieffen fp fp all [Ij*] 
5ßnb moüent fp bann reformieren 
S3nb in ein anber§ roefen fieren, 
70 Scfiinben | fd^aben | rupffen, groingen, 

ißnb finnenbt fetb nüt mit ben bingen; 
Sp menbt fp geiftlic^ leren (eben, 

S5nb louffent fp mit mofffen neben 
S8nb roenb in üon ber regel raten. 
75 2öürben§ gfotten ünb gebraten, 
^etn quintlin fc^malg ber geifttic^eit 

SSon inen fiel in fid^er^eit; 
2tIIein ha§ er bie genfe im ftat 
Söring in Ipben onb in qua! 
80 SSnb fp nac^ fpm mitten fd^ebig, 

SSerfd^tucE | üerjere, üon gott in prebig. 



136 2)en Wienern bie fd^toen^ bff binben. [41 

2Bte e§ all jt)t ömb^er got, 

©0 ^onbt tütr armen gen§ ben fc^ab, 
S8i^ ber luolff ben fegen g^t; 
85 S)arumB fo gloub feim Ferren nit, 
(St) f)onbt fic^ Itjc^tltc^ ömb^er fort; 

®a§ ft) öon tüotffen t)onbt gelert. 
2)0 roboam ein fünig marbt, 

SSnb ftd^ beclagt ba§ üolcf fo Jiarbt, 
90 2Bte falomon fij befd^tüeret ^att; 

X£)et er, al§ ft)n Datier t^at, 
@o roer e§ in boc^ tt)blic^ nit; 

S)arumb fo roer ir ernftlid^ bitt 
SSnb bem !ünig jü öerfton: 
95 Db er§ roolt oud^ fo fiaÜen Ion. 
9fio6oam üolgt nerrfc^en lütten 

SSnb n)oIt mit in im anfang ftrt)tten, 

S)e§ fiel ft)n rt)d§ jün felben gt)tten. 



[4:hJ ^cn ^icttcrn Die ft^ttJcii^ tiff ftinbem [U' 

2Bann man fd^on fein narren finbt, 
Ser ben ^ünern bie fc^föenl offbinbt, 

8o ift e§ in boc^ all natürli^, 
2)a§ ft) ben fc^man| tt)ünbt überfic^. 

2)er buncft mic^ fin ein goudelman, 

S)er on not barff önberftan, 
S)en lönern ire fc^raeng üff binben, [lij^j 

(So f^ ha§i felber Dil ha'^ finben 
5 ^nb ire fc^n)en| felb ob \id) tragen. 

S)arumb i^ mag Don t^orf)eit fagen, 
2Bie ein narr barff Dnbcrfton, 

S)a§ on f^n ^ilff felb§ roirt get^on. 
SJiand^er ^at Dil groffer ad)t, 
10 2Bie er im ein grebnüfe mac^t, 
SSnb ttenbt fo groffen foften an, — 

sag ob ber foft im ^elffen fan! — 
S)a§ er im mad^t ein foftrijc^ ftatt, 



41] 



Sen l^ienern bie fc^tren^ öff Hnben. 



137 



^0 er ft)n !eü6en graben tott. 
15 So menig jd^Ied^te gre6nü§ Jiott 
2)em armen man bifef)ar gejd^abt, 
8o roenig fiilfft bie foftenr^^ 

®en rt)cl^en, ba§ gtoub fid^erlic^, 
SSnb tt)ürt nit ee öon ;3t)n ertoft. 
20 (5§ tfl ber lebenbigen trofi 

(5r 6at gro^ jorg | gro§ angft | tsnb not, 

2Bic man in leg nad^ ft)nem tobt. 
SSann er fd^on fein forg nit ^ett, 
(S^n It)6 finbt bennoi^t ou^ ein bett; 
25 SSürbt er bann bebecfet nit, 
®er ^Qmel mirt ft)n überlibt, 



I 




138 ©en Wienern bie [41 

SSnb tüirt rt)oI ein begrebnü^ ftnben. 

2)D(^ muB er ^ünern bie fd^iüen^ üff binben 
SJnb fi)n§ grab§ grofe forgen f)on, 
30 Du4 tt)ie man merb 511 opffer gon. 
^en grabftein müfe er fioroen Ion, 
55a§ i)ünblin muB gü füffen fton 
^nb fi^n tüorten alle jtjt, 
©Ott geb, tt>a ft)n fei ^in It)t; 
35 @r mu^ nun ft)nen It)6 beiuarcn. [lij^] 
SBa bod^ bie feie merb tjfi^in faren, 
2)0 It)t t)n§ nit t>il funber§ an, 

@t) far red^t tvat ft) fummen fan! — 
9^od^ finbt id^ froroen mid^el teil, 
40 S)ie ftricfenbt ouc^ am {)üner feil: 
S)ie ire töc^tern lerent fünben, 

®en Ijunern ire fc^Jt)en| off binben. 
(Bt) lernen fi) I)offertig mu|en 
SSnb ft)nnenbt§ | ftrl)d^en | ferben | bu^en, 
45 Dud) mt ft) fottent gon ben trit, 
^oflid^ neigen ftd^ bo mit, 
SSmb fid^ gudfen | ougen blicfen, 

Sr brüfllt) tjff ein fc^efftlin fd^icfcn 
SSnb bie leff^en jamcn biegen, 
50 2)ie jenlQ t3ff einanber fiegen, 
2)ie gulbin ring an iren t)enben 

^in t)nb Iiere gun mannen menben, 
Ob ft) finben rt)(^e fnaben, 
S)ie an ir gefallen I)aben. 
55 2Ba§ barffftu ba§ bi)n toc^ter leren, 
1:a^ bu billid^er folteft meren? 
@t) ft)nnen foId^e§ nun ju üil. 

2öann f^ "öa^^ niemand leren ttjil, 
@o ift§ tDoI felber fo gelert, 
60 2)a§ f^ ba§ le^ i)erumb^er !ert, 
@e ba§ man f^ bas üppig Reifet 
Sßnb ire mütter barumb toeifet. 
293a§ lerftu f^, bie fc^tt)en| öff binben? 
(Bt) tüirt mol ee ba§ fd^nierlin finben, 
65 S)ann bir lieb mirt ünb ouc^ b^m mon. 



41] fd^ioen^ üff Binbcn. 139 

2)a§ b6| man i)e| 6a§ traben tan, 
2:ann got§ gebott ! tinb ere i önb tugent. [Hij^] 

@D biebfc^ il't t)e|unbt alle iugent, 

5)a§ fr) nüt ft)nnenbt, bann bie Iugent. 
70 S33e§ ic^ mic§ nit Darff laffen mcrcfen, 

2a§ t^ünbt bie tungen mit ben roercfen. 
SBiItu erft leren bt^ne finbt, 

2)ie felb jüm bofen geneiget finbt, 
SSnb 66^ ej:empel tragent für, 
75 -j^a§ bu boc^ folteft meren mir, 
@o roürbt bir bort btm lerer ton, 

2)a§ bu ha^ übel ^aft gettionl — 
9^oc^ finb ic^ anber fc^iüen^ off binber: 

Xer iundfromen | önb bie fteinen finber 
80 ©c^roec^t | mütrcittigftic^ oerfett, 

Ober fünft oerfiert mit gett. 
2Ba§ ft) üon bir gefernet ^anbt, 

2:aä traben ft) in allem (anbt, 
@o lang bie armen finber leben; 
85 ^u ^aft in barjü örfad^ geben 
55nb bift ein anfang in baran. 

SBie roiltu bic^ oerfprec^en tan, 
2)a§ bu ba§ übet ^aft geftifft, 

2)ie armen totster fo oergifft 
90 SSnb ben mutmill leren trt)ben, 

Ter überblib ben alten mqben? 
©§ touffent meiblin t)e|unbt omb, 

5ßnb mit fein ric^ter roiffen brum. 
©trofft ir nit I gott mirt nit feien! 
95 9JJan folt folc^ büben mortlid^ pfelen, 
So blib boc^ mancb frumme§ finbt, 

SDa§ iä) fünft im ellenb finb, 

SSnb ben ^ünern bie fc^men| öff binbt 



140 [42.] ta§ vöfiüti mac^cit louffcn. [ütj^] [42 

®if; rö^Iin loufft gar It)d^nom tt)t)t, 

S33ann man gab önb fc^encfen g^t; 
^um|3[tu ^er mit lerer {)anbt, 

So bringftu e§ nit tion btfem flonbt. 




Se^ ntimpt e§ mid) fein tüunber nit, 

®a§ gaben, fegenden, frünbtlic^ bit 
S3en)egen mügen einen man, [liiij''*] 

So bo§ ro^Iin ouc| ba§ fan 
5 3Snb loufft beJienbt, fo man im g^t; 

On gaben gieng e§ nit ein trit. 
5)a§ ift i)e^unbt ber melttic^ orben, 

S)a§ alle bing finbt !6uf[id§ raorben. 



42] S)a§ rö^lin macfien louffen. 141 

^em gott fetber ^e| off erb 
10 Snb ^ett !ein gelt, er roer nit roerb, 
SSnb ^telt in feiner in ftim ^u^, 

233ir fc^Iiegent in mit fotben ö§. 
SJiit pfrünben ift ein groffer fouff, 
2)ie facrament, ber heilig touff, 
15 ÜJianc^er §at bod^ nimmer rü, 

3fiun roie er pfrünben bring ^er gu, 
2)er fürroar nun einer pfrün 

93iit aüem f[t)^ nit gnüg tan t^un. 
S33er ein pfrunbt ^at ju öerlt)^en, 
20 5)em mü§ man öor ben ferfel m^^en ; 
2Bir fouffent önfer glücf onb f)dl. 
Sag mir, tt)a# ift t)e| nit feit? 
2:ugent, ere onb erberfeit 
^erfoufft dn§ al§ bie geiftlic^eit; 
25 9lüro ünb leibt ömb onfer fünbt, 

jDa§ felbig aU man !6uf[id^ finbt, 
®nab I onb ere | ouc^ iren gunft, 

jDa§ fi) entpfangen f)onbt ombfunft 
Sßon c^rifto ifiefu in ft)m leben, 
30 2)a§ fiefe ömb fünft foln mibergeben. 
SSor jt)tten, ma ein gelerter fa^ 

S3nb ber gfc^rifft ein meifter mag, 
S)er müft mit ler onb erberfeit 
Siegieren balb bie c^riften^eit ; 
35 S^l» ttjonn bu fc^on ein efel bift [fiiii^] 
55nb alle mi)§^eit bir gebrift, 
^anft nit mer bann mül t^ier ftriglen, 

2)en ftal bemaren onb oerriglen, 
So müftu batb ein pfrünben ^on, 
40 S)a§ bu trümen bienft |aft get^on; 
5)a§ t!^üt bie armen c^riften fc|cbigen. 

8oItu c^riftlic^ leren, prebigen, 
3)u mi^teft bafe ju leren mid^, 
2Ba bt)ne efel It)d^tern fid^. 
45 S)a§ t^üt ber Pfenning al§ allein, 
2ia§ bie gaben finbt al§ gmein 
SSnb alle fa^en finbt tariert. 



142 3)a§ röBIin mad^en louffen. [42 

'^a^ man§ gelt an galgen fiert. 
@§ ftatt in ber grooipotten tefen, 
50 2Bte f^mon ft) üerbampt geiuefen, 
S)a§ er bie geiftlic^ gaben trolt 
louffen omb ba§ §^tlic^ golt. 
(Sr {)at ber brteber üil gelaffen, 
8t) fitüent clöfler 1 lenber j flroffen. 
55 2Ber Qe|unbt in ein clofter begert, 
£)n bringen ift er ntimmer ttjert; 
Sft e§, ha^ er ;)fenning i)ett, 

@o fompt er oben an ba§ brett. 
5^a§ ift ein rounberlid^ gefd^id^t, 
60 Xa§ id^ §u armüt mi(^ öerpflic^t 
Sßnb niü§ bod^ golbt onb gulbin ^on, 

Wan Iie§ mic^ fünft bo t)inben fton. 
Sol id^ bann btjd^ten in ber öaften, 
@o mü§ itf) öff bie tdfc^en taften; 
65 @oI id^ gon güm faccament, 

So fprid^t man 511 mir: „^ie ^er genbt!" 
SSil id^ §ü ber tt)t)^en gon, [15^] 

@o müB ic^ mir§ t)erfc^rt)ben Ion 
SSnb im ba§ figel bapffer ne|en. 
70 2^ie geiftlid^eit t^iit nüt, bann fc^e^en. 
Man wx)6)t t)e^ feiten ein öfe fünft 
SSnb geb bie facrament omb fünft, 
Db er§ oerbient ^ett mit frim roefen, 
SSerftünbt jü fingen ober lefen, 
75 Ob er bcm armen c^riften man 
^rebigen funbt önb meffen I)an: 
SBann man toxi examinieren, 

9Jit)n rö§Iin miife ic^ ju ^er fieren. 
S)er erft bringt mt)n onb ein capun, 
80 S)er anber fc^mjjn | ber brit ein ^un, 
2)er oierb ein bed^er brt)ffig lot, 

^er fünfft bringt I)er ein fc^on It)nmot, 
Ter fed^fet treit i)er ein fc^ön pax meffer, 
35er fibenbt ein ring, — ber ma§ oil beffcr! 
85 2;er ad^tft fiert an ber f)anbt ein ^jferbt, 
Ser nünbe nüt — ber maS nit merbt! 



43] 2)en farren fc^mieren. 143 

^ünbt einer ije^unbt jatomon§ fünft 

5Snb fem on jd^encf, e§ mer om6 fünft 
SSnb aU ein§ iuben fei üerloren. 
90 SBann fQ tüeren geud^ onb t^oren, 
^ie fegenden mac^en§ aüeS fc^Iec^t, 

2Ber e§ Ie|, fo tüürb e§ red^t. 
On f(^encfen loufft mtin ro^Iin nit 

SSnb gieng on gab nit einen trit. 
95 5tc!^ gott, bu arme d^riften^ett, 

2Bie ift b^n f^aben alfo breit, 
So man omb fd^encfen gibt i>a^ ampt! 

9S§ an galgen alle fam|»t! 



[43J ttn farvctt ft^micvctu [15^] 

2Bo einer t)e| oerberben hjit, 
So ^Ufft man im fol^ ju bem jil, 

ißnb formiert an farren geberman, 
S)afe er gefürbert far bar oan. 

5)ie ^unb ^onb gar ein böfe art, 

2Bo einer Wirt gebiffen ^art 
sönb fc^r^^et in bem niberfal, [16^] 

So bt)ffent in bie anbern aH. 
5 5tIfo ift ouc^ ber njelte t^anbt, 

S33a man fagt öon eim ein fc^anbt, 
So fpridEit ber anber: „e§ ift wor! 

3c^ f}ab§ üon im geroiffet üor. 
So f)at er ouc^ ein firc^ off brod^en 
10 SSnb in bem matb ein frort) erftoc^en." 
3!)er erft feit oon im nun ein voovt, 

So fagt ber anber t)e| ein mort. 
Sft e§ nit ein arme§ bing, 

3)a§ bife melt ift alfo ring, 
15 2Ba§ man feit, jii {)uffen ba§'? 

^u m6(^tft boc^ fragen oorf)in ttiaS? 
2Bie I onb mann | wa \ onb mer? 

Db e§ bod^ ft) bie rt)are mer? 



144 



®en !arren fd&mieren. 



[43 



SSiIIt)d^t lügt man ben felben an; 

2öa§ güd^ftu bann ben armen man, 

jDer bir fein leibt nie t)at get^an, 
2)a§ bu fo 6alb müft öff in liegen 

Sßnb bm6 ft)n gl^m^ff onb ere Betriegen? 
SBa man t)e| ben farren fd^miert, 

Snb narren ju ben farren fiert, 
2Sa§ borffen fQ be§ jd^mer§ begern? 

2;er wagen fart boc^ fünft ju gern. 
SBer er frum, bu foltft in fc^tic^ten, 

SBoIt er fallen, tjffred^t rieten; 
30 So 6ift ein fold^ öerlogner man, 

S)a§ hu felber f^miereft bran. 



20 



25 




43] 25en farrcn fd^mieren. 145 

SBa t)efe ein man oerborben ift, 

2Jem an lv)b onb gut gebrift, 
80 frönt man balb ben armen man, 
35 3^a» er ntt bejaten fan. [i6'''] 

2i?arumb ^aftu es nit Dor get^an? 
2Ber bie frönung ^at gehört, 

iler felb ouc^ frönen Don bir lert; 
Xann fompt ber fröner ein groffe jaf, 
40 i8nb off ein rjl 10 roenbt ft} aH 
®e§a(et f^n mit groffem groatt: 

5:a mit ber roagen niberfalt, 
5)a§ er nimmer off fan fton. 

©ett man im ber gpt gelon, 
45 So roer er bo ft)n eren Miben 

55nb öett fic^ ob ber fc^ulb geriben, 

Sunft ift er oß bem (anbt oertriben. 
3r meint, ba§ t)eber firmieren folt, 

Jo ber farren louffen roolt; 
oO 31un ift er üd) jü mv}t geloffen, 

5^o§ ir begalung npm fint ^offen, 
sßnb ^onbt oerberbet üd) onb in, 

2)0 i}eber roolt ber oorman fr)n; 

Xa§ bunrft mic^ gar ein fc^Iec^ter groin. 
■55 SJarumb ic^ roeiB ein lobüc^ fiatt, 

2^0 man tai gemac^et ^at, 
2)0 bie fröner aQ mit ein 

SJiieffen frönen in ber gemein, 
58nb gibt bem oorman alfo oil, 
€0 2Ii§ man bem letften geben mi: 
2ilfo b(r)bt mancher offre^t fton, 

2er fünft mieft jii fcfipttern gon. 
2er mag müB roartic^ fürfic^ gon, 

2^a§ ^at bie bö§ gefelfc^afft t^on, 
€5 2^ie manchen frummen übel§ gloingt 

SSnb offt biß an ben galgen bringt. 



M n r n e r , Xarrenbeschwönxng. 1 Q 



146 [U.] galten vcitt* [17^] 

SRanc^e ift fo fa|en tein, 
§ett fq boum nu^ §roifd^en Bein, 

©0 meifet fi) fold^en garten h\d)i% 
2)a§ fi) ft) mit bem arfe öffbi^. 



[44 




^eiligeg crü^, geuatter grebt, 

üSie i)ah id) üä) boc^ überrebt, 
5Dog tr üc^ überfummen lat [17^] 

ißnb f)ie §er ftetten an bi| ftatt? 
SfJun finbt tr bod^ fo fa^en rein; 

9JJicl^ burent üroer garten 6ein, 
2)a§ ir fo mt)tte reife ^onbt t^on, 

Öi| ir üd^ oud^ beft^mören Ion. 



44] Mal^m rein. 147 

|>onbt ix bo fieim oucfi bran gebadet, 
10 S)a§ tr ba^ leblin fietten bracht, 
5)0 it üc^ tdgli(^ o§f)er mu|en 

SSnb am ft)rtag öff t^unbt bufeen? 
S)a§ büd^^tin It)t 6efd^Ioffen btnn, 
2)aru§ ir ferbent ütrer finn 
15 S5nb ftcQd^t ben becflin Garben an, 
SSff ba§ ir gierltc^ rin^er gan. 
9Jtit ioumen mac^ent ir üd^ gü^en, 

SSff ft)ben füffen menb ir fi|en 
SSnb fef)ent üc^ im fpiegel gla^, 
20 Dh üd^ im antlit breft etmaS. 
St)ben tüc^ten off bie brüft, 

Sie off ben fouff finbt jü gerift. 
Sr {)abt gemefd^en allen f)al§, 

SCRit fd^arpffer lourn beftric^en al§, 
25 (Sin fQben§ tüc^Iin bruff geleit, 

So§ ift lec^t jroeier finger breit; 
2Ba§ id^ aber brunber trag, 
S)a§ felb ift leiber, aU e§ mag. 

^2Bir ^onbt ben ermel öff gefc^nitten 
30 So ^inben [ oornan | in ber mitten; 
2)0 fic^t man bann bo§ rein h)ntüat, 

S)a§ fQ bo t)in geneget ^att, 
5tl§ n)Qt e§ offgefc^nitten ift, 
Sa§ id^ nie anber§ ^ah geroift, 
35 Sr gan|e§ t)embb, ba§ mer fo rein, [18=*] 
So ift e§ nun ein fe|Iin flein; 
^a^en rein finbt bife bing. 

Sarnad^ t^ut ft) an gulbin ring 
3^nb fto§t ^erfür mit funberm lift 
^ 40 S5nb frogt: „mie genb ir mir bie fifd^?" 
I @t) roürfft ben oifd^ lang f)in onb t)ar, 

m 3)a§ man ber ring nem eben mar; 

■ Sann ^ebt ft) öff ben mantet fc^on, 
B SBann ft) bie fd^ub tüil fallen ton! 

■ 45 2Sie öil ft) {)at ber deiber an, 
B 9Jod^ !an ft) ft) alle fe^en lan; 

M „S<^e!" fprid^t ft) bann jü önfer magt, 

^L 10* 



148 Äa^en rein. [44 

35ie ba§ |)rebiger ftielin tragt: 
„^rtt mir nac^, onb fc|oro mijn It)b! 
50 S<^ ^ci^ i^od^ tüol ein§ fürften ro^ö. 
§ab xdj nit garte, rt)t)ffe 6ein? 

Qc^ bin fo jart onb alfo rein, 
®a§ ic| fein ruc^ tud^ fan erleben; 
2)arum6 trag id) nun tuter ft)ben. 
55 Souff in bie fird^, ni)m eben mar, 
Cb oud^ arm lüt fummen bar, 
©0 roöüen tüir bo f)eim beli)ben: 

^c^ mag nit fton bt) armen mi)ben." 
3)ann ift ha^i gnappen ir ertoubt 
60 äRit bem ar| ünb mit bem ^oupt, 
SSnb gni|5t önb gna^t bie gart t3nb rein 

SSnb fe^t fid^ an ein ort allein, 
Sll§ gott er j^ired^e: „fid^ft mic^ nit, 
2Bie id^ fo fd^on gü ürd^en trit?" 
65 8c^me^elid^ antttjurt ^albe mort, 

8t) meint, man fec^ ft) ^ie önb bort, 
S3nb ^at ir genit) jamen bt)[fen. [18^] 

Sc^ fpred^ gern gu ir: „oaft befd^iffen!" 
SBann ift ber t)offart bolm ein enbt? 
70 2BoI oB, ba§ üc^ ber ^agel fc^enb! 
Sr finbt lüt aU anber lüt, 

@o ftecft ber müft ouc^ in ber t)üt; 

35nb fa^ rein finbt in allen fad^en. 

S)a§ ir üd^ fo fd^metielic^ machen 

75 SSnb fc^amenbt üd^ ber armen gemein, 

^a§ ir üä) mad^t fo fa^en rein! 

Sd^ rat üd^, ta^ ir lonbt bar öon, 

@ud^ mirt üon mir fünft i)orter Ion! 
^d) mieft üi^ föarlid^ ouc^ befd^meren, 
80 SBann ir mt)n rat nit motten ^eren. 
^ä) fd^ont gar menig ümer rein; 
S5nb ta^ ir fetten roijffe bein, 
2Ba§ ad^t id^ ba§ | e§ gibt ein ftunbt, 
■Dag e§ aU fulet in bem grunbt. 
85 3)er mtjber ^offart ift fein enbt; 
2Ba bie fromen gamen menbt, 



45] 5n ^em oirtnbt lufen. 149 

So f)Dnbt fi) fo Dil mefeen gfc^efft, 

2Bie ft) ben Dnb bifen efft, 
Duc^ tuie ein t)ebe fid^ üff mu|t, 
90 35nb fid^t boc^ mie ein fa^nac^t bu^. 
SBann bie jd^onen fteibt nit meren, 

3(^ wifet nit, ob id^§ trolt begercn; 
3Öann tc^ fleiber bülen roil, 

5)er finb id^ bt) ben fouflern oil. 
95 ^Xo felb§ tuil ic^ ü)in gon fe^en 

ißnb nit erft an bem ban| t)§ fpefien. 
ji^arumb gebencft ir tt)t)ber aü, 

Ta§ nüt an üc^, bann §uc^t, gefall! 



[45*J 3« Öcm ßrittöt lufcit» [mj^] 

SBer im grinbt Iu§t oben ^in 
SSnb lügt nit, roa§ lig onben btnn, 

^er jelb finb ein oerborgen groin, 
3^ er im nie fam in ft)nen fin. 

2)a§ i)ti% i<i) in bem grinbt getufet, 

2)er mit ^urn ] büben ] ^u^t 
^^nb roil ein frumm man ft)n geac^t [m j''] 

'^Snh fiert ein erroirbigen bracht. 
5 grumm ift er nun oben ^in, 

2Bann bu e§ fe^eft innen binn, 

So mer fein frumme aber ft)n; 
ißnben roolfeit, oben t^ür, 

S3ffen maffer, binnen feür; 
10 C£§ ift nit ade» golbt fürmar, 

5^a§ on ber funnen gli|et clor. 
S)er felbig man, ber Iu|t im grinbt, 

Ter fqn iungen, lieben finbt 
^3iun mit fd^Iec^ten tt) orten ftrafft, 
15 SOiit leinen ftreic^en, nod^ mit frafft. 
SBann er fi) fii^t f^entlic^ t^ün, 

So fpric^t er bann: „mi}n lieber fun, 
SBarumb ^aflu ba^ übet gt^on?" — 



150 



Sn bem grinbt 



[45 



©Ott tüirtg nit üngeftraffet (on! 
20 Sein ftraff foltu b^n finbern f^aren, 

95iB jt) §ü gott bem tierren faren; 
Straff fi) ^ie öff btfer erb, 

5)a§ fein§ öon gott geftraffet werbt; 
Tlan fagt, er i)ah ein f(^ar^ffe rut, 

SSann er bort fQn ftraff ett tt)üt. 
SBaruntb fogflu: „mt)n lieben ünbt", 

8o fQ bod^ alfo biebifc!^ finbt, 

S^nb Iu§t in oben in bem grinbt? 
9JQm ft) bt) bem grinbt ^erbl) 

3Snb lüg, ma§ onben brunber ft), 
iDo finbftu erft bo§ funbament. 



25 



30 




45] rufen. 151 

2)a§ im bo§ ^onpt gen^Iid^en fd^enbt. 
©trelftu im jd^on oben at 

SSnb lugft nit, tnag er bunben 'i)ah, 
35 So bie murret noc^ ba flat, [mij-^] 

®er grinbt halt triber gtüur|tet t)at; 
9?t)fe ben it)ii[t im aüen o^, 

Ober fc^Iac^ ben biiben oon btjm f)u§. 
2BiI er bann bir üolgen nit, 
40 6o mii^ er gon ben galgen trit 
iönb bem ^encfer böigen jcfion; 

S^a§ ift ber fiofen lecfer ton. 
S)Qran bie elter offt finbt fd^utbig 

S^nb iren finben ju öit bulbig; 
45 |)etten ]\) fd^on t^on ein mort, 

©0 ftrafft man§ nun mit einem irort. 
9fJaturIi(^ lieb J)at ft) erblenbt, 

^Q§ er fic^ onb f^n finber fc^enbt, 
2n§ ^eli fetber oud^ gefc^a^e, 
50 2)0 er bnxä) fi)ne finger fa^e 
SSnb ftraffet nit bie übettf)Qt, 

2)ie fi)n fun begangen ^att. 
5Die prebiger lufent ou(^ im grinbt, 

2öann jt) §ü Dil barml)er§ig finbt 
55 Sßnb fagent üil, roie gott )X) gütt, 

2Bie er bem menfd^en frünbtiicf) tl)üt 
®rofe barm^er|igfeit onb gnab; 

S)er ftrel nun oben über gabt. 
2Ba blt)bt bann got§ gered^tig!eit ? 
€0 ^a oon ber prebiger nit oil feit. 
2Ba ift got§ flraff, tas, iüngft gerieft? 

So oon er feiten etma§ gi(^t 
SSnb gat nit gern ben felben trit; 

@r bient im in bie fud^en nit. 
65 (So böB ift t)e|unbt aüe melt, 

2)o§ in fein ftraffcn me gefeit. 



152 [16J ^in ^ttfJCt ficöCtt. [mii'] 

SSil fc^elmen f)onbt ein luft baran, 
5)a§ ft) öerberben Qeberman, 

Sc^enben I leftern | oud^ ein t)eben 
SSnb aüer raett ein ^agel fteben. 



[46 




^agel fieber finb ouc^ fommen: 

8inbt gott roilfumm, f)er ir frummen! 
§ot üc^ ber tüfel ^er gefc^icft? [miij"] 

23a ir jinbt, bo ifl fein glücf. 
Sec^t an, ob ha§i nit munber finbt, 

5)0» alte n)t)ber finbt \o blinbt 
55nb f)onbt fo groffe§ xad) im f)er|en, 

2)a§ fg f)er|en leibt | önb fc^mer|en 



! 



46] ein ^age( fteben. 153 

giegent gü eint ganzen lanbt, 
10 il)em ft) ben ^agel gfotten {)anbt, 
SSnb oerberben lt)t)n önb forn, 

S)a§ bie frud^t aü ft) berlorn! 
5)aran ft) i)onht ein groffe freib, 

S33ann ft) i)onbt gftifft ba§ ^er|en leib, 
15 S)a mit öerberbt ^onbt rt)c^ önb arm. 
^t)! leiber! ba§ e§ gott erbarm, 
j£)o§ fold^ rac^ im menfc^en It)t! 

@otd^ menjc^en treit t)e| önfer j^t. 
D gott I gott | erhöre mt)n 6it! 
20 SBarumb Oerfd^tucftg ha^ erbtrqc^ nit, 
@o ft) bod) bid^ oerleugnet ^anbt 
3Snb §11 bem bofen tüfel ftanbt, 
®em fQ geben fet tjnb tqb? 
D, bu b6fe§ alte§ it)t)b, 
25 SSerflüd^t bie miitter fQ im grunbt 
3Snb ou(^ bie felbig ettenbt ftunbt, 
2)ie bu t)ff erbtrt)cf) fummen bift! 
^enftu nit be§ tüfe(§ tift, 
2)er att gl)t ein lugner ift? 
30 SQ3ie bift fo blinbt in bifen fad^en, 
®a§ bu tüenft, bu ftjnneft mad^en 
SBetter | ^agel | ober fc^ne, 
^inber lernen | barju me, 
SSff gefalbten fteden faren! 
35 S33ir tt)6IIen§ bir nit lenger fparen! [miip] 
S'iun in§ feür mh angejinbt ! 

9Snb ob man fd^on fein t)encfer finbt, 
@e bo§ i^ bid) tüolt laffen gan, 
^(^ tüoIt§ ee fetber jinben an. 
40 SSer nit fiert ein rechten frieg 

SSnb tt)oIt, ta^ bunber, Jiagel f(^tieg, 
©in moIgefaIIen§ |ett baran, 

2)a§ nun oerbürbe tieberman, 
@tett tjnb borffer mürben bronbt 
45 SSnb bie firc^en bffgeranbt, 

SSmbforet njürben lüt önb tanbt, 
®roffe f^nbtfd^afft machen fan. 



154 S)a§ l^efelin jü fe^en. [47 

3it)Dtff motb in einer ftunbt Began 
SSnb flroen £)üfer jinbet an, 
50 ®a§ ber ^^met t)angt ool roud^: 
2)er fübt ein bofen ^agel oud^; 
3(I§ aiejanber tfiet ber gro§, 
^anibal \ onb ber fran^ofe 
|)onbt getf)on im lüeljd^en tanbt; 
55 ®ie in ben ^agel gfotten f)anbt. 
SBer fic^ am ned^ften rechen tuil, 

St)ben, fummer mad^et öil, 
^ax t)ff f)ar onb wibermut, 
S)er mad^t im off ft)n arfe ein rut; 
60 3Sie er anbern lütten mi|t, 

S)a§ feI6 im gott ouc^ nit oergifet, 
Sann er 6e§alt aütoeg gelüife. 
SSil finbt, mann \t) nit fc^aben !t)nnen, 
@o ti)ünbt fQ boc^ ben fc^aben gönnen 
65 $8nb fröroent fid^ ein§ anbern fall: 
S)a§ finbt bie J)agel fieber au. 



[47*] ta§ I)cfclitt $u fetten» [miiij'' 

@in frumme frolu 6ef)att ein man, 
Sa§ au f^n fachen fürfic^ gan, 

©0 ein nerrin fd^entctid^ 
Qren man oerberbt ünb fid^. 

$ßenu§ flricf onb ire banbt 

9Jianc^en m^fen gfangen ^anbt; 
2Ben ft^ binbt | ben binbt fi) ^art, [miiij^ 

3r ftricf nod^ nie gerriffen wart. 
5 ^aiiha fampfon bo mit fieng; 

So er fc^on gmei) mal lebig gieng, 
93üb er bo^ ^um britten gmar 

SSnb lieB gü pfanbt fr)n ^ut onb ^ar. 
tünig I feifer ] fürften I Ferren 
10 Sonbt fic^ ^rmeltrütlin nerren; 
<Bt) ft)ent geiftlid^ ober nit, 



47] 



S)a§ l^efelin ju fe^en. 



155 



@o loufft ha^ t)rmelttütlin mit 
2)urd^ ben i)agel, burd^ ben regen, 

S)a§ jt) ber münc^en gellen fegen. 
15 SBonn ha^ ^äfeltn ftat bt)m für, 

©0 ift On§ fc^Iaffen ttiartid^ t^ür; 
§ie ift meber roft nod§ rü, 

2Bir fe^en bann bent ^ctfelin jü, 
2Bie e§ fiebe 6)^ bem f)erb, 
20 233ie lang ha^ feür bod^ brennen trerb. 
©nt^finbt ein rnünc^ froiü benu§ banbt, 

@o Ia§t er fl)n geiftlid^en ftanbt 
S5nb fti)gt gu nad^t gur muren ü^; 

(So tt)il§ ber |)faff f|on in ft)m ^ufe; 




156 



Sag ^efelin ju fe^en. [47 



25 ®er cort^üfer lafet f^n orben, 

@o batb er ift gebunben morben; 
^ein geipc^eit gebencft ir mer, 

9Zun ba§ man taglic^ h\) ir mer. 
^M lieber ift im aüein ba§ e, 
30 2)ann mand^em ta^^ gaii| a^b-c. 
@o bonn ein g mirt üfe bem e, 

2)onn tl)ut eg nit mer dfo rae. 
SBann ba§ ^dfetin 511 ift gfe|t, 
SSnb fl) ha?» i)acfmeffer mir n)e|t 
35 80 mufe ic^ fc^nijben ünb ouc^ louffen [m 5"] 
Sßnb ümb ein blüm ein mantet fonffen. 
Sd^ tarn ein mal bi^ gen paxt)% 
®o ic^ betrac^t ir beinlin wt)% 
©atb foret ic^ mic^ miberumb 
40 3Snb fraget, ob \t) noc^ mer frum, 
Oh ft) noc^ i)ett bie roten fc^u? 

5)0 fe^t f^ mir ha^ f)dfelin jü. 
5)0 ic^ folt jü patt)^ ftubieren, 
5)0 ritt id) ömbf)er bubelieren. 
45 ^Oiun reb ic^§ alle§ off ben fin: 

SBann ein frumm frort) be§ roirt inn, 
5)a§ ein man fQn feI6§ oergi^t 

SSnb atfo fiart gefefelet ift, 
5)a§ er ni)m benrfet an ft)n ere 
50 «nb loufft, al§ ob er fc^ettig mere, 
@o fol fQ mtifer f^n, bann er, 
5Snb baran n^m geben flür, 

5)a§ tiofelin rucfen öon bem fiir. 
5)ann icf)§ in ganzer njor^eit \vti% 
55 SBürt öom feür ba§ t)äfelin f)eiB, 
So l)ilfft fein fercfer, noc^ fein banbt, 

®§ müB fur| ab bo ft)n gerant. 
2Bann ein frumm from ba§ erfent, 
5)a§ fl) ein man fo ^at tierblent, 
60 @o fol fq im fein orfac^ geben, 

5)a§ einer für foli) rt)iettent leben, 
5)a§ im mag fc^aben ^ie onb bort, 
5)arumb gefc^ic^t ouc^ mancher mort. 



48] 



fioren^ ift fetter. 



157 



S)oci^ f)att ir mand^e freübt baran, 
65 SBann ft) ein narren btnben tan, 
5)a§ er roirt gan| ein fd^eüig man. 



[48.] l'qreti^ ift fcüev. [m5^] 

2)er ^at Ioren| fetter gmac^t, 

^er in tag önb einer nac^t 
ajier oerfc^Iempt, oert^üt attein, 

2)ann fünft oertfiet ein gonl gemein. 




©tjt on§ ^err loren^ feiler mart, 
^onbt mir nüt überig§ gefpart. 



158 £oren| ift feiler. [48 

2Sem iDoIten mx ba§ gütlin fparen, [m6*] 
@o tüir jiim erften bar oon faren? 
5 ®ie fürften, Ferren f)onbt gro^ ad^t, 
2Bie loren^ feHer roerb gemacht, 
2)a§ ft) att tifc^ f)onbt üier|ig trac^t. 
iöon feijer iuliu§ ftat gefd^riben: 
2)0 er ft)n fi}nbt all ^ett Dertriben 
10 ii^nb lüiberumb gen rom t)n gog, 
2)0 tfieten ft) an in ein frog: 
2Ba§ nümer mer im tütfd^en lanbt? 
2)0 \pxa^ er: „mir gefet)en ^anbt 
Xa§ öi^efc^ lüt ju tifc^ finbt gfeffen 
15 SSnb in eim tag jtreQ mal f)onbt geffen." 
®o§ fagt er für ein raunber mer! 
SBann er ^e| mer fummen f)er, 
@o fott er er[t oon munber jagen, 
3ti§ mir Qe^unbt füllent ben mögen, 
20 2)a§ mir nüt übrige bannen tragen! 
2Bir entniec^tern t)n§ am morgen ; 

2)arnad^ ^um anbern t^nnbt mir forgen, 
2Ba mir menbt ha§> früftucf f(f)Iemmen 
55nb "oa^ bettbrot menb üerbemmen; 
25 2)ann fi^ent mir er[t gü bem tij'c^, 

2)0 treffen mir bann fleif(^ onb oifc^ 
SSnb ^onbt oil me trad^ten erbac^t, 

Xann Cleopatra ^at gemad^t 
ißnb füng affueru§ ft)nem ri^c^; 
30 2)ar nad^ 511 abent gonb mir gt^c^ 
SsBnb füHent onfer fragen miber; 

5Rod^ ligent bennoi^t mir nit niber, 
83ife mir ba§ nac^tmal ^onbt befeffen 
35nb mie ein fc^mt)n f)onbt miber geffen; 
35 2^ann ftonbt mir §11 bem ftein in garten, [m6''] 
2^a§ mir collation ermarten, 
$8nb trt)bent ba§ nod^ mol ein ftunbt, 
S5i^ ba§ bie finfter nac^t ^er funbt; 
2ie fd^taff trinct ^eifd^en mir gü letft; 
40 2)en galten mir erft ftiff önb feft; 
2Ber ben anbern truncfen mac^t 



49] Sa§ grafe f)ören toad^fen. 159 

SSnb jum lengft {)er oornan trad^t; 
Söraten biren | jucfer fd^Qben, — 

55a§ ift ba§ braffen, ba§ roir traben, 
45 2Ba§ mir ein gan|e iroc^ gemrinnen, 

äReifterüc^ üerjeren ft)nnen 
Sitte fampt off einen tag. 

5)arunib ir feiner rt)^en mag, 
@o er ba§ öff ein tag üerjert, 
50 2)0 üon fid^ rool ein ^unbert nert, 
SSnb finbt att onglücf^afftig lüt, 

®a§ ir feiner fparet nüt, 
SSnb gttiint ir feiner nüt barab, 

S)ann ba§ er bricht f^n leben ah, 
55 @o er bk fpt)^ nit bounjen fan, 

SSnb mü^ ee gt)t tt)t)cl^en bar oan. 
2)e§ ^at man on§ im melfc^en tont 

2)ie ootten tütfc^en füto genant, 
^em feifer iuliu§ noc^ ein mo( 
60 SSnb funb on^ atte ftunben oo(, 
SSerbenbiüt! toaS mürb er jagen, 

@o er bie fpi)§ griff in bem fragen! 
5)a§ finbt ber tüt[c^en fulen fachen, 

Söann ft) Ioren|en fetter matten, 
65 ®er in bann off treit nad^ ber fc^mer 

3Snb ttjolt, ba§ balb für abent wer. 



[49.J ^a§ grafe prcn ttiat^fciu [m?^] 

®ie melt ift alfo rool gelert, 

ji^a§ ft) bog gra§ i)e^ mac^fen f)6rt, 

S5nb feiet bennoc^t offt bamit, 
Qo, mol omb einen puren fc^rit. 

SSir fint fo n)t)§ onb oft fo ctüg, 
^a§ on§ got§ ^üt nt)m ift genüg, 

SSnb gonb fo monc^e fÄon proce^, [m 7 ''] 
SBir bittent gott | onb lefent me§, 

5)a§ e§ rege mt)t onb breit; 



160 



S)a§ gra^ 



S^et er ba§, e§ tüürb ön§ tcibt! 
^tegt e§ bann, fo bitten lüir, 

S)a§ bie junne fted^ ^erfür. 
©Ott tüttter, roie er tüöll, ^ie ^er, 
10 So tgnnenbtg lüir öil ba^ bann er, 
ißnb t)at im ai§> nit rec^t gett)on. 

@r mü[t tüarlic^en frü offfton, 
(Solt er eim Qeben nad^ ft)m finn 

9legen 1 fc^ijnen machen finn! 
15 S)a§ t^ut bie gro^ onb ^oc| oernunfft, 

2)ie bo brückt ber narren junfft; 
S)ann ft| bie gre^Iin wac^jen i)ert 

3Snb ift öil ba^ bann gott gelert. — 



[49 




49] l^ören irad&Kn. 161 

äRanc^er ^ot grofe forg ünb ad^t, 
20 2Bie er f^n ftnbt gä Ferren mad^t, 
Sßnb fc^inbt onb fc^abet t)eberman, 
@o er yc^on fein rec^t i^at bran, 
SSnb t|üt ber feien bamit fc^ab, 
^a§ JQ bort fi|en müB im bah. 
25 SSann er ha§> gut fc^on fernen bringt 
Sönb f^n finbt ^oc^ üff t)in ringt, 
@o ftürbet im ber i)albe teil, 

2)ie anbern tragent löffel feil 
SSnb ftnbt nit böglic^ 511 bem gut, 
30 2Bie oaft ber oatter ernften t^üt; 
3!)ann f^ nit ^aben raiß noc^ fünft, 

SSnb ift qH forg onb angft omb fünft, 
5)a§ er fo ^art ^at burc^ ^in biffenl 
S5nb \)at \i(i) roortic^ rool befc^iffen. 
35 |)ett er fi)n finber fünft gefert, [m8''] 
gür bQ§ er in ba§ giitlin mert, 
So ^ett im gott ft)n lieben finbt 

^le off erbt ba§ leben ginbt. 
Sunft ftnbt bie falben im geftorben, 
40 2)ie anbern in Dernunfft oerborben, 
@o ftnbt bie brüten fc^ellig roorben; 

5lifo gat§ 511 im narren orben. 
'^aö gut fart bann in ein anber f)ufe. 
So ift bem oa^ ber bobcn d§. 
45 ^ann fpric^t er: „mer ^ett ba^ gemeint!" 
Si§ er f^n finber ^at bemeint, 
So ^at er bann gro^ öct|en leibt 

ajtit groffem gut im jü bereit. 
@r foIt§ oor ^in mo( ^on gemixt, 
50 5)a§ gott noc^ nit geftorben ift 
SSnb regiert noc^ allen tag, 

^a§ er marlic^ nit menben mag: 
^ett er f^n Hoffnung §ü im gfeßt, 
So mer er fqner finbt ergebt; 
55 So er aber ift fo clüg 

5Jnb im got§ roil nit ift genüg 
SSnb meint, f^n mi^ gott über rei^c^, 

Muruer, Xarrenbeachwörung. 11 



162 3" i>a"^ ftellen. [50 

8o h^ait er im ben nteifter ftreid^. 
(Sin narr f)at groffe forg öff erbt, 
60 333er nad^ im regieren lüerbt, 

ißnb foufft bie ftQmmen in ft|m leben, 

2)ie man fol jt)n finbern geben; 
2Bann er aber mu§ bar öan, 
8o je^ent mir in nit mer an 
65 ^nb mad^ent onS ein oberfeit, 

®a§ im im grunbt mü^ werben leibt. 



[50.] ^u üatlti ftcactt. [mS"^] 

3il§ man t)e|unbt banden mil, 

SieffenS alfo nad^ bem §il 
^nb forten fic^ nit miber ümmen; 

jRat bu, mann murben§ miber fummen. 

SBerent f)ie all gut gefeiten, 

8o molt id^ nun gü ban|e ftellen. 
Solt id^ jo groffe arbeit ^an, [n j''*] 

(5e id^ befc^miere t)berman, 
5 SSnb folt mir nit ein freüblin mad^en? 

^d^ meinet offt, fo ic^ folt lad^en! 
^\t)^ off, mac^ mir ben branraran! 

©i^Iin I grebtiin | oornan bran! 
^ie nit ^übfc^ finbt, ta^ bo ^inben, 
10 SaSir banden nit mit frummen finben: 
grumfeit ^ört nit an ben ret)en. 

(5§ fumm an ban| |3faff ober le^en. 
So ^at bie erber!eit ein enbt; 

i£)a§ cri|en frammen in ber ^enbt, 
15 Ta§ mincfel louffen, t)eimlid^ fragen, 

t^rünbtlic^ grie§ t)ermiber fagen, 
2tl§ id^ oerftonbt onb ift ouc^ mar, 

^ein frumme tod^ter ^ort nit ^or, 
9lun bie ben fnaben ftüren fan; 
20 SBann er gü fpringen fa^et an, 
8o ^ebt fq in |oc^ off entbor. 



50] 



3u ban^ ftellcn. 



163 



Süg id), ober fog id) toor? 
@§ ift fein fc^am, noc^ guc^t bo 65, 

3Sann ft) bte töc^tern lüerffent frt) 
25 SSnb grebtiin ficfi ^oc^ t}nf)er brid^t, 

3)a§ man ir meiB ntt roa ^tn fic^t. 
SBer it)n tod^ter frumm luil ^on, 

Ter (afe ft) an fein ban^e gon. 
Ter fc^äffer oon ber nütcen ftatt 
30 9)ianc^e§ ünbt oerberbet f)Qt, 

©efc^enbt onb bracht omb aH it)n er; 

TIe tie|unbt ein ee froroe roer, , 
Sunft fi^t ft) in bem froroen ^u§, 

^nb ift ber ere ber boben ö§. 




11^ 



164 Sen brö[^i^ in facf ftoffen. [51 

35 O, fc^affer, bu üit ober man, [nj''] 
SSa§ ^aftu fc^anb ünb ü6el§ ti^anl 
D, jc^dffer, bu öil 66feö lieb, 

5)u mad^ft bie tod^tern offt fo mieb 
SSff bie glitten ^eiligen tag, 
40 Sag feine gott nit bienen mag 
SSnb lieffent bir jü lieb ein ior, 

S3nb ju(j§ten gott nit üor bem tt)or. 
SSff funtag {jonbt ft) bir gebient 
Önb mit gott jic| nit öerfient; 
45 Ser fc^dffer ^at ir i)er| befeffen; 

Sa§ ft) ir§ got§ f)onbt gan| üergeffen. 
S)er fc^dffer ift ein metber man, 

2)a§ er fo groffen bienft müfe t)an. 
©c^dffer t)in | onb fc^dffer ^ar, 
50 ^ii^m ber f(f)dflin eben mar! 

^d) forest, e§ merb ein gijt t)er fummen, 
5)a§ bir tk jd^öflin merben genummen 
5^nb an ein anbern ban^ gefiert, 
5)0 bittertid^en mirt fiofiert; 
55 S)o mirt üd^ bann, barnad^ ir ringen, 
S5nb mirt ü^ anberS leren fpringen! 
SSann e§ barju fummen ift, 

2)a§ bt)m ban| ber pft)ffer brift 
SSnb bt)n jd^dflin finbt gefc^oren, 
60 9JJit ^ut t3nb t)ar eroig oertoren, 
2)ann mirt erft gott bie töc^tern ftetten, 

S)ie ir nit ban|en lafi'en roellen, 
Sie ir ümb ire gud^t öerac^t; 

@otd^ merben bann i)er für ^er brad^t, 
65 Sie felben merben öornan fton 
SSnb mit mario banden fd^on. 

[5KJ ^ctt J>r^f^Ji% in farf ftojfcm [nij''] 

Ser fto^t ben brtifpi^ in ben farf, 
Ser me mit ti)m, bann er üermag, 

SSnb benrfet bod^ ber fünb fo oil, 
SSie mol fid^ feiner fd^irfen mit. 



51] 2)en ixi^ipi^ in fad ftoffen. 165 

[Gleiches Bild wie Kap. 13.] 

yiun bin ic^§ boc^ et)n armer man, 

^a§ id^ ber groffen arbeit ^an 
3JJic§ fo em[ig Dnbermunben [n ii*"] 

5önb fumment mir fo roilbe funben, 
5 j^ie ic^ aöe jol befc^roeren ! 

SSann fic^ ha^ blat raürt ümb^er fercn, 

®a§ iQ mt)n geroaüig treren, 
Sßnb f^Iiegent mir mt)n f)ut rec^t öol, 

So roürt mir bann ber narren pL 
10 Siupfften fi) mir öfe m^n £)or, 

8d roil ic^§ boc^ Derbienen Dor. 
Sfl e§ nit ein groffe piaq, 

2)a§ ft) roeber nac^t noc^ tag, 
8t)t ba§ jt) roaren iunge finbt, 
15 SBiber gott gemefen finbt 

S^nb nie fein tugent f)onbt geiebt, 

Üiocf) gott ben tierren ouc^ geliebt, 
^nb tt)6ttent boc^ mit anbern frummen 

Oüd) jü gott in figmel fummen? 
20 '^av "öoä) nit gefc^e^en mag; 

Xer brt))pi^ f)ört nit in ben facf! 
2)a§ leber ift fürluar jü fur§. 

^er ^i)me( ift fein büben fturfe, 
(Sr becfet nun bie gotte§ frünbt. 
25 9^un ^6r, ob bie nit narren finbt, 
■^^ie mit gemalt al§ ein tt)ran 

QiL regieren önberflan 

3Snb möllent bocken Qeberman 
35nb t)n§ in ein mü^Iod^ tringen, 
30 '^lad) aüen irem mitten jmingen, 
ißnb mottent ba§ gebencfen nit, 

S)a^ mir ouc^ menfc^en finbt bo mit. 
5^er facf ift bicf önb offt gü eng 

ißnb tqbt nit fotc^ brqf|}i^en breng; 
35 ^es fc^IecE)t man offt mit füften brt)n [nüi"] 

!önb rumtent §amen mie bie fd^mt)n. 

2)ie melt mil ^e^ nit §mungen ft)n; 



166 Äriefl bnb l^effen äerbred^eu. [52 

Man jc^affet mit eim güttcn »ort 
SSil me nu| an allem ort, 
40 2)ann man t)e| ic^ieff mit ^ertigfcit; 
&malt tüirt offt ben Ferren leibt. — 
SBetd^er off ein can|el gat 

a^nb nit üorJ)in gftubieret t)ot, 
2Bec jü fünften f)at ein möt 
45 SSnb barinn fein Übung t^t 

SSnb meint, bie fünft fol fliegen f)erc, 

2(1» o6 er ein gmolffbotte mere, 
2)en gott ben ^eiligen geifte fanbt: 
2)ie bing ^onbt ntimmermer beftanbt, 
50 a^nb ift aU \ampt brt)fpi|en mercf! — 
SSann ein frort) loufft überjnjerg 
SSnb ml mit müttt)il ft)n ju geil 
35nb treit ben orfe ben mannen feit, 
®ie bringt fein t)üt üom narren feit; 
55 |)ietftu fd^on fünfftufent ior, 

@o nt)m^t§ ber t)ütter oor bem tf)or 
SSnb la^t ir touffen nit oerbietten. 

2Ber ttiott bann ber ^ietter t)ietten? 
ßiott geb, man fag mir, n)a§ man mbH, 
60 2Ber noc^ ein gott onb noc§ ein ^etl, 
SBann bie frottjen niber falt, 

@o ^ilfft fein ^üt nod^ fein gertialt; 
SSerloren ift§ at§ ein§ iuben fet. 
Schüfe tufent mal, fo ift e§ fei! 
65 2)er facf ift oit gii eng barjü, 

S)a§ i<i) ben brt)fpi| bartjn ti)ü. 



[52.] Evicg und Reffen ^cvhvt^tn* [nüj 

©in fpiefe burc^ alle frumfeit ftec^en 
$8nb nac^ ben ^fen frieg jerbrec^en; 

SBonn f^ fd^on att jerbroct)en finbt, 
Tiit fc^erben f^DÜent erft bie finbt. 

®ie iungen a^Ien in bem neft, 
®ie geftern erft finbt e^er gewcft, 



52] 



Krieg bnb l^effen jerbred&en. 



167 



(So halb eQn§ ö^ ben fc^aten falt, [niüj^] 
@o tf)üt§ glt)c^, roie t^iit ber att. 
5 2)a§ folt bir biüid) b^i'pil geben, 

2Bie bu foltft öor bi)n finben leben. 
2)en roer oor iungen lüten roiH 
S^on b6[en fachen reben öiti, 
SEBie fg Don bir berichtet roerben, 
10 ®It)c^ ftinnenbt iQ bte felben berben, 
SSnb lonbt bid) ^äfen bred^en gniig, 

^arnacl fo brechen i^ ben früg. 
Saftu bt)n ftinber oor bir fpiten, 
©uffen I broffen | fc^Iemmen | füöen, 
15 3)ann finbt bte finbt jü ]pil bereit, 




168 2)en efet überlaben. [5a 

So in ber mtttv tüürffel leit. 
9Zit lern b^n finbt ba§ tüiber fpU, 

@^ ift mit btiner fünbt jü üii, 
ißnb fanft bie b^n oerfpre^en nit; 
20 2öe§ lerftu bann bi)n finbt bamit? 
2Ben bu ligft fulen önberm grunbt 

iönb bt)n fun §un iaren funbt, 
T)onn i^ebt er, tt)a§ er {)Qt gelert, 

ißon bir gefefien ober gef)6rt; 
25 55arum6 bu bort müft I^ben pt)n, 

S8m6 bt)ne ünbt geftraffet ^t)n. 
2Ber ein gmatt öff erben treit, 

"iDer \t) 511 güttem 6t)fpil bereit. 
5)ie geiftlid^eit ift alfo toitb 
30 SSnb treit ein fd^entlirfig eben bitb; 
^omit ]t) ün§ aü folten leren, 

@o ftnbt§ bie erften, bie e§ oerforen, 
Sinbt §ü ntuttt)illig ünb §ü geil 

ißnb louffent mit am narren feit. 



[53»] ^ctt cfc( üöcvlabctt. [nitij^] 

@§ ift boc^ Qemermer ein fd^abt, 

®a§ man nun ben efel labt; 
9JJon finbt boc§ mol ein fterrfer tt)ier, 

^a§ trieg Oil me, bann ber efel oier. 

(S§ finbt nod^ fo üil tier off erb, 

5)ie alle tiabent tragen gelert 
35nb finb be^enber in eim trit, [nö"] 

^ann f)unbert tufent efel§ fd^rit, 
5 S)a» ic^ mic^§ offt gerounbert ^ah, 

SSie ha^ ft) ^onbt fein fd^ü{)e borab, 
5)a§ ber efel langfam ift 

SSnb im an allen bingen brift. 
@r i)at fürtoar ein arm§ gefang, 
10 So 6at er ein langfamen gang, 
So fan er meber füg noc^ gtim|)ff 

SSnb toei^t nit ernft | onb t§ut fein fci^im|)ff, 



53] 



2)en efe( üBerlaben. 



169 



Ouc^ toann bir leg bie toelt baran, 

So ft)il er fic^ nit trgben lan. 
15 ^ä) mÜB boc§ rool oon tuunber ie^en, 

2Ba§ ir boc^ ijaht an im erfe^en, 
3)a§ ir in alfo überlaben, 

5)0 mit ir im onb üc^ felb» fc^aben! 
^frienben önb geiftlic^e gaben, 

5)ie mieffent nun bie ejel ^aben. 
STie efet labt man ollefampt 

SSnb gibt ir ^ebem ein gut ampt, 
So ein gfc^icfter ftic^t bar neben; 

9JJan roii nun efeln pfrünben geben! 
^er fol ein ganfe pfarr regieren, 

5)en armen man göttid^en fieren, 
SSnb fan boc^ felber nit ein trit; 



20 



25 




170 2)en e[el überfaben. [53 

@o ttjei^t er in §u fingen nit, 
SSnb blert nun, tuie ber efet t^üt. 
60 @§ tt)üt fürmar bic (eng nit gut, 
5)a^ bu bem efet gibft ben ton, 

^er nt)mnter fompt in bie fird^en fton. 
(S§ finbt rool etlidö Pfarrer gtoefen, 
2)ie !unbten roeber fingen, lefen; 
35 ®oIten§ prebigen ober fingen, [n5''] 
@o müften ft) ein anbern bingen; 
©olten fQ bie meffen ^oBen, 

©0 müften ft) e§ üor buc^ftaben 
SSnb blettern tnol ein ^albe ftunbt, 
40 @e er bie meffen finben funbt. 
SBiltu bie felben efel tennen, 

So lug nun, roie ft) liec^ter brennen! 
ji)a§ bringt ber d^riften^eit gro| fc^aben, 
S)a§ ir nun tüollent efel laben, 
45 @o fünft ber tt)ier bod^ finbt fo oil, 
2)ie üroer feiner laben mil, 
^nb niemantg ift, ber üd^§ barft fagen: 
S)er efet mag§ bod^ nit ertragen! — 
^n ben fletten tt)ut man§ ouc|, 
50 2)a man offt nt)mpt einen goud^, 
S)er bo mn§ ber obrift fgn 

SSnb fompt glt)c§ in fi^n ampt ^in ^n, 
2({§ nicmonS fem ünb bröd^t ün§ nüt. 
So t^orec^t finbt l)e^unbt bie lüt, 
55 S3nb fe^ent, ba§ bie ferf entpfellen, 
3?ennod^t all gtjt ft) laben it)ellen. 
^er iunge narr mü^ Qe^ regieren 

5ßnb fünbt einer moren nit ^offieren; 
@r fot öerfetien eine ftatt 
60 83nb weifet nit, tt)a§ gefd^lagen ^att. 
Sr roenbt ben efet überlaben, 

®a§ er im felb§ onb t3n§ t^üt fd^aben. 
Sieber, lafet ein efel gan 

ißnb nempt üä) für ein mtjfen man! 
65 SBie ^onbt ir üd^ fo gar tjergeffen, 
Sonbt ben efet biftet freffen! 



54] [54,] üBi) Jjcr nafctt ficicti. [n6*] I7i 

S33ann bu lüilt ^on, toa^ id^ üerbicn, 

SSnb ^aber matten, roa id^ fien, 
©ffen ü§, fo id^ müfe rieren, 

2)a§ leiffet: 6t) ber nafen fiercn. 




Scö ^ab gebrauchet groB üernunfft, 

!öi| ic^ f)er bracht ber nafen junfft; 
^er nafen fünig roolt nie bran, [n6''] 

3n eigner perfon jün narren [tan; 
5^od^ gab id^ im fo ficffe roort, 

S3iB i(^ in bracht an bife§ ort. 
Xo er fid^ bann ömbfe^en |at, 

5)0 ftünbt er an ber narren ftatt 



172 33t) ber nafen fieren. [54 

35nb fieng mi(^ an übel jü fc^elten; 
10 2)e§ müB bie gan|e §unfft entgelten. 
Sn ber junfft finbt etliö^ b^n, 

^ie 5gn§ onb gütten nement Qn, 
^ie mii^ in im fecfel bringen; 
@oI man aber metten fingen, 
15 So bingt er einen an ft)n ftott, 
^er für in gu metten gat 
3?nb fing für in bie fiben jt)t. 

9?at bu, roa§ er bem felben gi)t? 
@in baren crü|er, ein par fc^ii, 
20 @in bu|ent neftet oud^ bar^u. 
2)oc^ nt)mt er tin ber firc^en gut, 

©arumb er gan| fein atbeit t^üt; 
^oc^ fan er einen orbinieren, 

®ann er roeifet mit ber nafen fieren. 
25 ^er fetb oicart), ben er fe|t, 

®en iiah id) für ein |)ferbt gefc^e^t, 
2)a§ tag onb nai^t nun acfett bo, 

ißnb gibt im nict)t§ bann fiaber ftro. 
^en c^or fan er gar reblic^ f[iet)en, 
30 ^tn Pflug miife ft)n oicart) §iet)en, 
gür in fingen, für in betten 

S5nb atlentfiaiben in öertreten, — 
Dn jü tifc^ tinb ouc| jü bett, 

ißnb ma man ein fröIic^S müttin t)ett. 
35 SBann ic^ im folt all bing oerroefen, [n?"*] 
So molt ic^ mit ber föc^en Icfen 
2)ie fiben onb ouc^ bie metten, 

2Bann er mic^ f(^on nit ^ett gebetten. 
®ie armüt madit ir manchen liegen, 
40 SSmb tdglid^ narung on§ betriegcn; 
'^a^ fan ic^ in bann nit oerargcn, 

(So bie rt)(öen onb bie fargen 

|)onbt bie pfrünbt gu rom gefoufft, 

SSie oaft ein armer barumb loufft. 

45 St) nemen gt^nS onb f)onbt poffe^, 

^arinn f^ nt)mmer lefen mefe, 

Sßnb tonbt ein armen bart)n fe|en, 



Ö5] SJnber bem j^ietlin )>tlen. 173 

25er mufe o§ not bie ^juren fd^e|en. 
3)cr arme priefter ift be§ fro, 
50 2)a§ man im nun gibt haSerflro, 
SSnb büt bie nafen bultig bar, 

2Ba man in fieret i)m onb ^ar, 
Sönb fompt ouc^ ^er gün narren ftan. 
233a§ gonbt mic^ üroer nafen an? 
55 ©Ott geb gott grii§, ir louffent mit, 
Qr ^abent nafen ober nit. — 
(Sin ^irt ^at fqne fc^aff befc^foffen, 

2^a§ einen molff ^at fere oerbroffen! 
@r fprac^: „la% ob bie armen t^ier, 
60 ^n jü nu|, fc^ü^e nit oor mir; 
^d) ^ah mit in ein groß erbarmen, 
Xa§ bu befc^Iüffeft t)n bie armen, 
(5§ ift mir nun oon iren megen; 
®Q ftürbent, mann ft) lang inn legen!" 
65 2)er ^irt fprad^: „nein, ic^ fenn bic^ mol, 
3:u bift be§ najen fierent» doI." 



[55.J lötiöer JJem Ijicttiti i^JÜcn. [m^] 

SSiItu mit Ferren ^on jii fc^affen, 

Sic^ für bic^I Ia| bpn omb^er goffen! 

@t) fpnnent onber bem ^ütlin fpilen, 
9^üt bemalen onb oi[ jifen. 

ä)iir folt rool n)erben bie britfc^ gefd^Iagen, 

SBann id^ mil o^ ber fc^ülen fagen! 
S33oI ^inl ic^ i)ah^ bar off gefegt, 

3c^ merb mit ^unben o§ge|e§t! 
5 SBann ic^ bann f^n müfe ofegeftoffen. 

So mil xd) boc^ geftancf ta loffen, 
5)er fol ben Ferren nit mol riecf,en; 

2a3eren§ gfunbt, fQ mieften fiec^en. 
2Ber mit Ferren ^at jii fc^affen, 
10 ^er mag gar Ipc^tlic^ fic^ oergaffen, 
3)a§ im ein fc^ellen mirt gefc^lagen, 



174 



3Snber bem J^tetlin f|3i[eit. 



[55 



^ie er f^n lebtag bann mu§ tragen. 
So ber ^^mel luter ift [nS'^J 

3Snb ber ^err §11 lachen gerift, 
15 ®ar lieberlic^en bie ^mex) btng 

ißernpanblent ftc^ be^enbt önb ring; 
2)arumb fo gloub in beiben nit, 

Sad^ bir felber ouc^ ba mit. 
^er Ferren dntrüiü ift §ü üif, 
20 '^ie nennent ft) ta^^ ^iitün fpil. 
2tc^ gott, mer ber im Pfeffer lanbt, 

2)er ba§ fpil §ü erft erfonbt! 
SOian barff mol bingen reiffig fned^t, 

2)ie iren bienft olric^ten red^t 
25 SSnb mol Derbienen iren folt; 

®o man ft) bemalen rooft, 
^0 fürt man§ an bie enb onb ort, 

5)a fi) alle finbt ermorbt. 
£iig, ba§ bu bic^ marfift bar oon, • 
30 @o ba§ fol f^n ber Ferren Ion. 
^er tüfel bien in ömb ben fott, 

SBann ir ün§ alfo b^alen moü! 
Sc^Iec^t man ft) bann nit jü tobt 

SSnb tüiber t)eime 3iet)en lobt, 




55] 33nber bem ^ietlin f^)ilen. 175 

35 So n)t)|t man tieben an ein enbt, 
^0 er ft)n gelt gu finben ttienbt; 
So er meint, e§ ft) geroil, 

2)ann ift e§ luter ein befd^i^. 
So loufft er roiber §u bem Ferren 
40 3Snb roil f^n fianbtfc^rifft oon im bgeren, 
Sigel brieff, all fic^ertieit. 

^oä) ij"t e§ oor^in angeleit: 
3cigt er fc^on bie ^anbtgfcgrifft bo 
3Snb oerfüttert ift ein o, 
•45 ^Q§ ift tinben lang gebogen, [nS*"] 
So ift er gan| onb gar betrogen. 
2)ann trt)bt ber tnec^t fc^eltmorter oil 

SSnb jeigt in gfc^rifft be§ Ferren wil 
9Snb mit nit mercfen ben oerftanbt, 
50 ^en \\) ott beib §u famen ^anbt. 
(5r meint, e§ fi) be§ Ferren roil, 

So ift e§ nun ein äffen jiL 
Se^ bi^ an bt)n fianbtioercf niber, 
Arbeit frumlic^ | biß mol biber, 
55 Ta§ rat ic^ bir in atten truroen! 

Ferren bienft ^at manchen gerumen. 
SSer ft)n eigen t)err fan fgn, 

2)er gang fein bienft mit Ferren Qn! 
St^ miffent iren !rieg jü fc^irfen, 
60 So bu bar önber müft erftiden, 
jßnb fi)nnent roiber jamen werben. 
So bu barunber müft oerberben. 
2)0 fünig bauib berfabee 
Srfientlic^en bület in ber ee, 
65 2)a§ fi) im mit gtimpff moc^t werben, 
Sruc^t er ouc^ femlic^ geferben 
55nb fanbt öriam, iren man, 

jTo er nit fummen moc^t bar oan. 
Stifo bejalt er im ben folbt. 
70 SCßann t)eber fo bemalen roolt, 
So molt id) lieber, ba§ roer fd^toere, 

$)a§ er mir gante nüt fc^ulbig mere. 
S^iun ift e§ marlidf) t)e| ber Ion, 



176 



Siegen burd) ein ftel^elin berg. 



2)ann raand^c i)errf(^afft ^at§ getfion. 
75 S)orumb biftu ein mtjj'er fnet^t, 

@o bien bir felber tüot önb red^t! 



[56 



[56,] Sicgcti liurr^ ein fte^cUn 6cig, [oj*] 

2)a fummen erfl bie rechten fachen, 
SBann man lügt, ha^^ haiden frai^en. 

(Bt) liegen t)e| burd^ ftet)elen berg, 
SBann fd^on fec^§ legen überjiüerg. 




18Iut§ willen! bo§ ^inb nütoc mer! 
2Ba finbt ün§ bie geft fummen |er, 



56] Siegen burdfi ein ftel^elin berg. 177 

S)ie liegen f^iment burd^ ein Berg, [oj'^] 
SSann fc^on fe(^§ legent überjroerg? 
5 ^a§ finbt ftarcf lugen | onb grofe foc^en, 
SBann man lügt, ba^ bte balden frac^en. 
SaSir ^onbt Oor^in oud^ liegen ft)nnen, 

Sa§ man§ in moren lanbt morb innen, 
Sßnb §onbt gelogen burc^ ein 6ret, 
10 5^a§ öier önb öier|ig elen ^ett, 
SSnb mol gmein^ig mt^I geftuncfen; 

Sft ba§ nit gelogen, fo bin i^ truncfen, 
Sßerflanbt mic^ ouc^ off liegen nüt! 
jj^od^ fo ir finbt ber felben lüt, 
15 S)ie on§ ba§ ^elmlin gießen für, 

SSnb üil ha^ liegen fint, bann wiv, 
©0 fi^ent ^er, mir roöQent )x)X)ä)tn. 

SSroer liegen ha^ nimpt ft)c^en, 
2)a§ önfer !umpt on§ Ii)c^tli(^ an, 
20 2;arumb mie^t ir §üm erften bran! 
S)er erft bringt on§ br^acfer^ ^er 

$8on alftira über mer, 
93ringt äffen fd^ntall o^ ntoren lanbt; 
SSff bem marcft nimpt er ein ftanbt, 
25 ©»jn fünft ift gemalt an Innen tüc^en, 
S)en bri)acfer§ gibt er jü oerfüd^en, 
S5nb toann ber bo^roic^t loufft ^inraeg, 

@o i^ e§ nüt bann beren bred. 
6r ^at ein fc^Iangen gü gerift, 
30 Xie blinbt onb mürfc^ gefc^tagen ift, 
SSnb leit ben fc^tangen off ben tifd^ 
SSnb mac^t omb fid^ ein groffen f reife; ^ 

3Bi§t man fo oil, aU id) fi}n meife, 
Sc^ rtjolt in leren brt)acfer§ oerfouffen, 
35 2)a§ mir ber boferoic^t mieft entlouffen! — [oij*] 
Xie falb, bie neben§ bt) im ftat, 
@roffe !rafft onb tugent ^at, 
2)a§ ft) alle francf^eit ^eilt; 
SBann er ft) gan^ ^at ofegeteitt, 
40 ©0 mad^t er fic^ ä^tlid^ bar oon, 

(5r ^at fijn prob mit liegen t^on. — 

Marner, Xarrenbeschwörung. 12 



178 Stetjen burd^ ein ftel^eHn berg. [56 

5)er anber lugner !nülüet niber, 

S^nb fummet alle iax lerruiber, 
SSor bem priefter an got§ ftott, 
45 ®em er aü iar oerf)eiffen f)att 
äRit raorten ünb mit t)eiffem lüeinen, 

@r roöt ji)n i)er^ oon fünben reinen 
SSnb n^m mit fünben fummen i)ar; 
SSnb ift als fampt erlogen gar. 
50 @r gibt fi(^ fd^ulbig ou^ bomit 
S3nb bjolet gott fein Rätter nit. 
^a, mann e§ nun alfo belib 

SSnb gott nit in§ regifter f^rib! 

^cf) fordet, bt) gott, bie fetb e^tan^ 

55 SD^iefe ic^ ein mal beraten gan^. 

@ott ift fo gnoro in ft)nem redten, 

S)a§ er ben minder an roürt fpred^en. 
©0 balb er nun öom priefter geet, 
@o tijut er, ma§ er fernig t^et; 
60 S)er (ugner fad^t an niber !numen 
SSnb fagt, e§ ^ah in fer berumen. 
@eit xä) tufent iar bar öon, 

S^iod^ mit er nit üon fünben fton. — 
@ttid^ ir lugen tt)ünbt oerbrieffen 
65 5ßnb fi|ent öff ber gaffen rieffen, 
SBie fi) t)onbt fant füren§ buB, 

@ant tt)eng ^at in öerbrant ben fü^; [oij''] 
8ant üeüin, ber lieb f)err fant Di}t, 
Straffen ben, bo§ er ba Ii)t 
70 S5nb fd^umpt red^t mie ein eber fd^m^n, — 
2)0 fra^ er üort)in feiffen t)n. 
2)a§ im bie feiff ber tüfei gfeg! 

5td^ gott, e§ mer ein ^Qttiger reg, 
SSann man bie biiben alle fd^mempt, 
75 9Jiit rebern bi) bem galgen lemlpt! 
(£^ ift roarlid^en gü erbarmen, 

5)a§ bie frummen, redeten armen 
5)er felben fc^elrf entgelten mieffen, 
2)ie betlen mit ben futen fieffen! 
80 ®ie biiben ttjitnbt fo manchen tift. 



57] ü)ttt brecf rein trefc^en. 179 

2)a§ niemanS iuei^t, roer nötig ift, 

Süget I ober etroag 6rift. — 
93ff liegen finbt noc^ tufent fin: 

^en ft)nnen alle biiferin, — 
85 ^ä) n)ei§, ba§ ic^ bie mar^eit fag, — 

^t), liegen! ha^ ber bunber fc^Iag! 
Sßff bulen ift fein beffer funbt, 

S)ann ro6I(^§ am beften liegen funbt. 
^anbtroercfer ftinnent ou(^ lool liegen, 
90 SSmb ire narung mi(^ betriegen; 
SBann fi) fc^on tufent mal oerfprec^en, 

Sannod^t mü^ id) barneben ftec^en. 
@5eb man mir Don ber lugen pi, 

@o molt id^ mic^ be^elffen rool. ^ 

95 Soft id) bie lugen aß befd^ri)ben, 

(5§ mürb fein bint im lonbt beleben. 
S33ann ir bie lugner jelen roenbt, 

(So fompt ir nijmmer 511 bem enbt. 



[[57,J 9J{it Övcrf rciti iDcfdjcu, [oiij''] 

233er über bie oren im fat ftecft 
SSnb reiniget fict) mit anberm brecf 

S5nb fat mit fat mil bannen trtjben, 
2;er mu§ üon not brecfig belt)ben. 

S33er fid^ mit brecf mil roefd^en rein, 

S^er feit jirolff groffer brecf t)[fein. 
2)ie meft ^at fo ein böfe art, [0 iij''] 
233en man ije^unbt ftraffet ^art, 
5 iOiit morten fort er glt)d^ ^erfür, 
|)ei§t fegen micf) oor mi)ner tf)ür; 
2Ban ic^ mi)n t)u^ gefübert ^ah, 
®onn fol id^ fi)nem foren ah; 
Sn ft)nem oug fet)e xii) ein fprt)^, 
10 Soft id) mir fügen felb» mit ffi)§, 
(Sin batcEen finb ic^ in bem mt)n; 
5Iffo mit niemand geftraffet ft)n. 

12* 



180 



mit bred 



[57 



(Sog id) im: „tefc^ ob b^n roud^!" 

„Tli)n nac^pur", jagt er, „t^ut§ hod) oud)\ 
15 S<^ ^in fo gut, al§ bu önb er, 

SSon Datier ünb mutter fummen ^er; 
S)er önb ber ^at§> oudö getJion, 

ÜJJorben | rouben | brennen Ion. 
@o I)oftu felb§ brl) Md^ geftolen; 
20 2)Qn frort) roermt fid^ bt) Pfaffen foten, 
So bu ben tti^n muft barjü ^olen. 
SBarumb rtioltftu bann ftraffcn mid^? 

®u bift jo bredig bo^, aU i^." 
Sd^ jprad^ gü im: „mt)n lieber frünbt, 
25 ajieint ir, ha^ ir beft fd^öner finbt, 




57] rein toefd^en. 181 

'SJarumb ha^ td^ ouc^ übel far 

SSnb bin nit f|3iege( luter dar? 
$öh)n fünbt, bie roefcfien bi)n nit ab. 

<Bo id) bic^ nun geftraffet ^ah, 
30 3d ttjefc^t bu bi)nen fat mit mi)m." 

^a§ mer nit ein gefiegter n)m. 
SBann id^ fc^on übel ^on get^on, 

Soft ic^ baruntb mrin ftroffen Ion? 
So roer boc^ off ber ganzen erbt 
35 dlkmanv mer ju ftraffen roerbt; [o iiij*] 
^ann niemand ift, bem nüt gebrift, 

35nb ber gän| fc^ön ünb fuber ift. 
333ann xd) bann t^un ein ftraffen bir, 

Bo bringftu mir miin brecf ^er für 
40 83nb bringft ein brecf hierfür Don fern; 

9tütlet man in, fo ftindt er gern. 
2a| mi)n übett^aten ligen, 

iöife ein roenig ha^ oerfc^roigen ! 
Söann ic^ fc^on ein mörber mer 
45 SSnb gib boc§ bir ein gütte ler, 
!!ßoIg ber ler, onb (afe mt)n t^at, 

^a§ ift bei Ferren c^rifti rat. 
5Ibam gman nit oil baran, 

2)0 er fic^ fieng befc^onen an, 
50 ©prad^: „^err, ba§ |at m^n totjh gct^an," 
35nb tai mt)b ^erroiberumb 

91it anber» ou(^ mott miffen brumb 
58tib fprad^: „ber fc^tang ^at mir§ geraten." 

Tag ift ber gfc^marf, na finbt bie braten? 
55 ^mb ben brt) t)eifet folc6e§ gangen. 

SBann ic^ mid^ felber i^ah gefangen 
^nb ri§ mic^ gern mit fügen ö§, 

2Be» blib ic^ bann nit oor^in bufe? 
8o ic^ öerfnipff mid^ me onb me; 
60 3" ^^^ t^at t^ünbt lugen me. 
2Ber öon im felbl ^at übel t^on, 

2Bal miÜu omb ben hx'q erft gon? 
Sag ben blatten fc^trei^ ^erfür 

^nb fprid^: „ad) gott, ic^ dag ha^ bir, 



182 



Sic lüolffg Wal. 



[58 



65 Stf) öin ietfier jc^ulbig bran, 

Setber i^ tinb junft niemon." 



|58.I tic iDOlff^ lUrtL [oiüi'^] 

2öer ünber tüolffen fü^t bie roal 
J8nb jiüijflet, möld^er im geuaü, 

58nb füd&t öom erften bife ju'" letzten, 
5Der fot futnm nemen £)in ben beften 




8oU ic^ fier feifert^um burd^ louffen 

SSnb ^unberttufent tüolff erfouffen, 
@o lüOÜ ic§ nit ein f)aller geben [o 5 '*] 



58] SDie trorp ival 183 

5ßmb \)k lüol I 06 fi) mir eöen 
5 SBeren | alle groi onb ffein, 
@o ft) boc^ atl finbt mit ein 
Jöber einen leiften gfc^Iagen 

SSnb ire bücf üerborgen tragen; 
Sft einer gut, fo finbt» aH gilt, 
10 95nb 6(i)6ent molff^ mie man in tf)ut. 
5)ie menfc^en [tnbt ouc^ alfo gneigt; 

Dh \idi fc^on einer geiftfid^ jeigt 
^H^nb mi fic^ gott mit roejen glt)c^en 
S?nb an ben föenben omb^er fc^It)d^en, 
15 '^t(§ 06 er ft) ein ^eilg im leben: 
2Bann man ade bing mercft eben, 
So ift er ouc^ ein menfc^ geboren, 

^^[^ bie anbern ade moren, 
3Jun baiä er fon ein i'unbern funbt, 
20 2)a§ er fi)n molff^ ^ut becfen funbt. 
S33er t)e|unbt almüfen gibt. 

Ober fünft tf)ut etlic^ geübt, 
S)er felbig fragt öor ro^t onb breit, 
2Ba e§ njol fi) angeleit, 
25 Ob er§ rool geben t)in ben pfaffen. 
Ober ben öier orben fc^affen. 
SSil er e§ bann htn orben geben, 
@o tfjiit er groffe frag bar neben, 
233a§ ft) fieren für ein leben, 
30 Ob fi) fl)ent obferuanö, 

Scbon tjnb rein gemefc^en gan^. 
SDann toil im ber gefaßen nit, 
80 clagt er bife an bo mit, 
5önb mil im feiner nit gefallen 
35 55nbcr münc^en, pfaffen allen, [oö*"] 
©s mant mic^ eben an bie t^at, 

^0 man njötff öerfouffet tiat 
SSnb fraget, mx ber befte tuer. 
SSoig bu i)e^unbt mt)ner ler: 
40 2ßi(tu etJrag gen burcö gott, 

80 fid^ jüm erften an bie nott; 
SBa bie not bo§ üorbern tf)üt, 



184 2)en äffen leren g^gen. [59 

jÖo fetb§ kg an bi)n jijtlid^ gut. 
^iit jü(^ ein folc^ üorteitig mal, 
45 2Ber btr önber in geuot, 
Ob fi) obferuan^er fi)en, 

Ober fern gemifd^t mit fli)en. 
Scf) t)o6§ berfüc^et alle beibt, 

(So fc^luör id^ ba§ ein t)D{)en eibt, 
50 jDa§ id^ nit ein rubfc^ni^ geb 
5ßmb bie wai, fo lang id^ leb, 
^c^ tuil ein§ ^tler§ ^ie oerfd^hJ^gen ; 

®a§ foltu t3ff ber najen g^gen. 
SBann bu e§ otleS fam^t burc^ gt^inbft, 
55 @o m% ba§ bu in tüar^eit finbft, 
2)a§ fl) aüe menfdfjen finbt, 

@tli^ gfe^ett, ettid^ btinbt. 
2)ic rf)riftlic^ tixä), bie ift ein fd^ür, 
mid)^ tüolfeit, etlid^g t{)ür, 
6ü ©prülüer | füjen 1 fefen | fern. 

S(m iüngften tag, fo ift bie ern, 
8o tuit ha?' gott ot^ famen tuannen, 

^a§ bofe oom gölten fd^itten bannen, 
T'ie gott l)e| raad^fen tafet att beib. 
65 S33oItftu fl) mannen, e§ ttJürb bir leib. 
S8ergt^ nit, ^err, barmf)er|igfeit! 



[59,] S^ctt äff eil kxtn h^äcii, [o6^] 

^d^ ler öit ee ein äffen gi)gen, 
SDann ein bofe jungen fdfitü^gen; 

@in ^unbt ler id^ hmä) reiffen f|)ringen, 
i^nb fon fein üalfd^en menfc^en 3tt)ingen. 

^r frummcn fint, fint ir oud^ ^ie? 

3r f)abt mi(^ öor tierlaffen nie. 
iffiie fumment ir fo reinlid^ gamen? 

2BoI t)nf)er, in aller buben namen! 
^ort burd^ gott, mer bie geft finbt, 

^ic ir narung füd§en gfd^tpinbt 



59] 



2)en äffen leren giigcn. 



185 



10 



15 



SSnb fierent ümb ein ^^ntetr^d^, 

'^a^ bient in mol jüm buben [trid^. 
2)arinn fi^t iiieifter i)fengri)n 

5^nb [tilt ein braten ber be9i)n 
5^nb t)at ein bogen uffgefpant, 

<So balb er ein eebrec^cr !ant, 
2)ann fc^üfet er im bie nafen ab. [o S^] 

^arnacf) fed^t Dn§ ein iunger !nab, 
Xer fc^lec^t Dmb fic^ ] önb nert bie lüt, 

SSnb t!^üt im bannoc^t niemant nüt. 
S)arnad^ fompt ^er mi)n from eptiffen, 

Tie mürfft ber münc^ mit einem füffen, 

«aft betruBtet, üaft befc^iffen. 
20 SBann man bife groffe fachen 

35§ mit rid^ten ober machen, 
So mü^ man öor trumetten an, 

SSSie man ba» ^i)melri)c^ möl |an; 
SSittu bann fet)en ba§ munber leben, 
25 @o müftu öor ein crüger geben. 
O, geuc^ I 0, narren allen tag, 

5)a§ ber bunber in f)i)mel fc^tag! 
®ebt ir tta^ gelt eim armen man 

SSnb liefet tk t)t)mel§ biiben gan! 
30 ^ie anbern ^onbt ein beren ban^, 




186 2)cn äffen leren gingen. [59 

8unft trer ber büben rott nit gan^; 
@o tert ber brit ein ^ünblin fpriugen, 

$)er oierb ein a|et reben | fingen, 
5er fünfft burd^ §ü^et aUe lanbt 
35 58nb fiert am feil ein eteptianbt. 
@l) fl)nnent t)e| off feilen fliegen, 

2ßie ft) bie roelt omb gelt betriegen; 
^arnac^ gonbt fi) bann öff bem feil 

i^nb fierent iunge narren feif. 
40 ^cf) Bin ben büben roarlid^ ft)nbt. 

Siner moS mir ein mal git gfcfiminbt; 
^ä) iüei§ nit, mie er goucflen funbt, 

5a§ mir ein ro^brecf fam in munbt; 
@e ha^ ic^ mid^ ^erumbfier fac^, 
45 {^anbt id^ in, bo ic^ mum mum fprac^. [o T^] 
S)er "Dk büben all ertrancft 

Ober rebert ünb er^ancft 
©nb {)ie^ mit arbeit niber fi^en 

^-8nb nit im lanbt fo ümb^er bti^en, 
50 ^er t^et bod§ gott ein bienft baran, 

5)a§ fi) bem armen francfen man 
6i)n brot abfc^nt)ben oor bem munbt, 

@o ftimbt^ 0i( ha'B gii aller ftunbt! 
@§ finbt fürmar ad tuter äffen, 
55 S)ie foI(f)er narren fac^ jii gaffen. 
@iner fan gon off bem feil, 

So fiert ber anber offen feil, — 
2)er ^onbt mir felber gnug im lanbt, 

So oil, ha^ e§ nun ift ein fd^anbt. 
60 S33a man foI(^e fpil ju ric^t, 

@o ift ber mt)n jii arg üilli)d^t, 
2^a§ man in gern roolt üer!ouffen, 

2;orumb mie§t ir att bar jü louffen 
'-8nb ba oergaffen attefanbt, 
65 53iB loir ben luQn ^onbt üfegefc^ancft 
Ü8nb bie Pfenning üon in bracht; 

•S^ie fad^ ifl aü borumb erbad^t. 
S3(ibent ir bo t)eiment fi^en 

^-önb üeffent folc^ tinnü|e§ bli|en. 



60] Gin glitten magen l^aOen. 187 

70 Ober l^ortcnt ba§ go^toort, 

'^a^ fem ju gut üii) f)ie önb bort; 
©unft gonb ir in ha§i 6i}nietn)c^, 

ji)annn bod^ lüeber bu noii) id^ 

8elig roerben fid^ertic^. 
75 ®arum6 lonbt foUic^ narren fpil, 

5)0» felbig id^ üd^ raten roil. 



[(>0,| (J'tu flttttctt innjjcu Ijaöctt» Lo7''J 

SBer im in bie fd^üd^ lafet 6run|en 

SSnb gftabt, ba^ fi^n fron) ir 6run|unl^en 

geil mag i)eberman t)eim tragen, 
®er mag mol ^on ein gütten magen. 

[Gleiches Bild wie Kap. 52.] 

^ä) luott tiil ee ein anbofe fcfiludEen 

^nb (^toein^ig fierteil ftein uertrucfen 
isKnb jmölff fi^Iing ftein üerbouJuen, [o 8''j 

jDann bo§ ic^ folt nU)n eelid^ froren 
5 5ßmb ein moc^en 5i)n§ t»erlQf)en; 

Sc^ nt6rf)t§, bi) gott, gan| nüt er^ijfjen. 
Siber bifer frummer fnab 

©d^Iucft bie f^Ji)fen gan| f)in ab 
^nb fan e§ alleS fam|jt üerbouincn 
10 35nb gt)nt ber ganzen gemein fi)n fromen. 
(Sr fan bie fpt)fen aü jernagen 

SSnb ^at ein Ii)d^am gutten magen. 
^um^t 511 im ein gut gefel, 

©Ott geb, er fi) rec^t toer er möl, 
15 2Bit er nun ba§ geloc^ bejolen, 

^ie tt)i)t toufft er, ben mi)n 311 t^otcn, 
S^nb bti)bt lüol brit^alb ftimben üfe; 

SBann er roiber gat jii ^uB, 

80 fad^t er an ein groi gefang 

20 Bii ttjornung in ft}m i)n^in gang; 

®o fpric^t bie frotü: „ma blljbft fo lang? 



188 (Sin glitten nmgcn l^aben. [60 

Wlid) ^at »erlangt ben ganzen tag!" 

3fl, lüie ben efel nad^ bem fad! 
Sann fe^en fid^ bie gmeiner 5enien, 
25 ^reffen, fuffen, braffen, fd^Ientmen, 
iönb neret fi(^ mit ber fromen fünbt; 
333ie tnol er ficfit, noc§ tft er 6ünbt 
i8nb fagt: „i^ truiD üd) nüt bonn gü^!" 
Od^o, mat^t)§ [ ^enißlin t^ii|. 
30 „SBann iä) üff ü(^ trieg ein argtnon, 
^ein trit tüolt id^ nit öon üc^ gon." 
5)ie frotü gibt antrourt: „ticber man, 

9iit fi^e ön§ für femlid^e an! 
'3)u mie[t ein anber brttt tiff fe^en, 
35 SBoÜftu ün§ für femlidie fc^e^en. [08"] 
®ucf für bid^, an tnem bu bift, 

@unft tnirt bir ein bab §u gerift!" 
5)ann fprid^t ber mit bem gütten magcn: 
„'^ä) ^ai bod^ oon üd^ beib !ein dagen." 
40 @§ ift fürluar ein fi)n geftalt, 

2)a§ einer bem ein ben minbt üff t)oIt, 
^an frünbtfc^afft mit ber lieb üergltjd^en 

5önb öB bem meg ein wenig it)i)d^en, 
S)a§ feiner nit ben anbern tret. 
45 @r t)at ir fünft genüg am bett, 
3Jnb gat im boi^ nüt funber§ ab, 
SSann ft) ftfion gef)cn ^ü im ^db; 
"^arumb ift er ein naffer fnab 
!^nb füc^t ft)n fpt)B niit obem funbt, 
50 2)a§ id^ bod^ nit oerboumen !unbt. 
"^k man finbt offt fetb fc^utbig bran, 
®a§ fic^ bie H)t)ber fc^inben Ion 
S3nb t>^ bem meg §ü ^t^tten gan. 
ajianc^er fc^Iec^t ünb bocfit f^n tüt)b 
55 ißnb brückt ir arbeit ünb ben Ii)b, 
?I1§ man tt)üt eim acfer )3ferbt, 

^a§ bo tri)bt bie rüt ünb gert, 
Ser §oum, bie geifel onb bie froren. 
Tie flreid^ finbt tüarlid^ all oerloren; 
60 SBann ein from nit fetber mil, 



61] 2) er geftrt)f{et le^. 

@o tft§ gu tüentg, irerg jd^on gu üit. 
Sd^Ied^ftu fc^on ein tüfel brui 

@o finbft noc^ brnffig in bem ^ufe. 
älfanc^er burc^ fgn fc^entlic^S fc^fagen 
65 2f)iit ft)n ^uBfroiü feI6» öeriagen, 

^a^ er niii§ ^on ein gutten niagen. 



189 



Scf; ^a6 ein» mor^ ein fc^ulfacf freffen, 
2)a§ ic^§ ratt)n§ nit !an oergeffen 

SSnb tüä^ me, bann ein anber d^rifl: 
^ta grebt müUerin toc^ter ift. 




190 ©er geftrtifret (et). [61 

S8eneuenerttt§, pater abrafiain. 

@inbt ir oom Iatt)nfc^en flom, 
(So mii^ id^ üd^ ouc^ jju latt^n [pj''] 

grünbtlic^en t)eiffen roilfumm ft)n. 
5 Nomine io^anne§, fumpt ^eri)n! 
§eitige§ crü|, ha^ ift fo fi}n, 

jDa§ §amen fompt tütfi^ t»nb tatt)n! 
^(^ ^et§ mi}n lebtag nit geac^t, 

Xa§ Iatl)n oud^ narren mac^t. 
10 SOianc^er oatter t^iit ft)n ünbt 

3ü fc^ülen, mann ft) tüngltng finbt. 
SBann ft) bie ftnbt§ jc^iic| ^onbt jerriffcn 

55nb ben jd^ulfarf i)onbt jerbiffen, 
@D fc^omen ft) fic^ bann ber lere 
15 33nb meinen, lernung jt) unere; 
5U§ fi)n gut niü^ burc^ ben fd^Iuc^, 

SSnb ftid^t bie fd^üten burc^ ben bud^ 
SSnb raürt oiHtic^t ein baber !nec^t, 

Dber tf)ut ben fachen fünft nit red^t. 
20 SSann er bie norren fc^ud^ gerbric^t 

SSnb ft)n groffen breften fic^t, 
2ia§ im jü nu|e fotnm Iati)n, 

So burd^ er moc^t ein f)erre fl)n, 
©0 flo^t in bann ber rüinen an, 
25 2)a§ er lat^nfc^e fprac^ nit !an; 
S)od^ füc^t er ö^ bem fc^iiler fad, 

2ßa§ fpiefe onb ftangen tragen mag, 
3u fel^amfeit tafet fallen im 

©in tüort onb ein tati)nfd^e ftt)m; 
30 SaSa ba§ ein lattinfc^er ^6rt, 

@o meint er, ta^ er fQ gelert, 
Sßnb ifl nun ein oerborbner fc^iiter, 

S)er 0^ eim fc^ül finbt warbt ein buter. 
®od^ fan er üier Iatt)nfc^er trort, 
35 2)ie würfft er üfe an allem ort, [p iy'] 
2)a§ er bt) fi)nen eren blt)bt, 

gür einen gelerten fid^ oertri)bt, 
SSnb fragt ^er fd^arpffe queftion 

^on ber bri)ua(tig!eiten fron, 



62] S)a§ lürlis hah. 191 

40 Db e§ ein got ft) brt) perfon, 
SSnb tüa gott ünfer ^erre ma§, 

@e er befd^üffe loub önb gra§, 
Du(i) roie nmria ft)nn gebeten 

SSnb bt^ben ht) iuncffromltc^er eren; 
45 $önb fragt ber narr öon £)of)en finnen 
9)ie, bann öier|ig gelerter finnen 
2(nttt)urt geben onb berichten, 

Si^ie frummen fragen tt)iber fd^Iic^ten. 
Sarumb ftat er am norren reien; 
50 9JJan nennet fi) geftrtjflet leien. 
@t) folten öor§in lernen fragen, 

S)ann funbt man in bie antmurt fagen. 
Xoä) mercft§ ein fc^öftin, roa§ in brift, 
5)a§ er nit gan| gelibert ift. 
55 ^0 fr) in iren iungen tagen 
Seren foüen femlid^ fragen, 
Sat^n önb fünftri^d^e gfc^rifft, 

2ßa§ nu^ önb ^tii önb fei antrifft, 
jE)o finbt fi) gangen biibelieren, 
60 2)en mdgben öor bem t)u§ |ofieren, 
3r§ öatter§ gütt mit üppigfeit 

SSarlid^ übel angeteit; 
@o ft) nun in iaren finbt, 
^onn fra|en ft) fic^ in bem grinbt, 
65 2)a§ ft) ben fd^ülfacf ^aben freffen 
S5nb aUe fünft önb 1er öergeffen. 



[62,J ta^ lürli^ Oitb- [pif] 

2)er niod^t mol nemen groffen fd^aben, 
^er jiir gellen fort gen baben, 

SSnb barjü öon ber felben ^i^en 
St)b önb feie gan^ öerfc^iöi^en. 

2Ber fo öil narren gamen fielt, 

S)er mü| ouc& t^un, mag in gefeit. 
%i)tt idj§ nit, e§ luürb mir fc^ab! [piij''] 



192 



S)a§ lürliä 6ab. 



^orumB lab icl^§ in§ lürtiS bob, 
5 jS)o§ tüir in fold^en fd^tüeren jad^en 
^n§ felber ou^ ein mütlin mad^en. 
(5§ füc^§ in hnä)txn, tüer bo iü6[, 

^d) finbtg, ba^ nienbert ft) fein t)ell. 
3:)Q§ lab id^ aber niot gelefen, 
10 333ie gtretj orter finbt gemefen, 
3)a§ ein ift ü^ ber maffen fall, 

2)a§ anber |i^ig manigfalt, 
2Bie rcol bie i)i| ünb oud^ bie feit 
5(n feinen orten gamen feit; 
15 (S§ finbt tjier groffer berg bo gtüifc^en, 
S)a§ feit ünb |i| fid^ nit bermifc^en. 



[62 




"62] Sa§ lürlts 5ab. 193 

®ann fur|üd^ erft, in unfern tagen, 

^at§ ber tüfet j^amen tragen, 
^n einanber beib gefloffen, 
20 SSnb finbt üon inen üfegegoffen 
@o manc^§ natürlic^§, liebltd^g hob, 
2)a§ !eim ntenfd^ off erben fc^ab. 
^t^ önb feit finbt temperiert, 
Sn lieblid^ foften gamen gfiert. 
25 ^d) bit bid^ brumm, geloub mir has,, 
2)0 tior^in bie fetten maS, 
2)0 ift Qe^unbt ein Iufilic^§ 6ab, 

-i)a ^in iä) all mi)n narren tab. 
®Iou6 mir, ha^ t)e|unbt oHe ftenbt 
30 9Jit anber§ toiffent ober menbt, 
^en ba^ bie ^eüen ft) gerftoffen 
S5nb in beber jamen gefloffen. 
^arumb f^ ftetten all bar^n, 
2)a§ feiner roil ber t)inberft ft)n; 
35 89 ft)en geiftlic^ ober roeltlid^, [p iij ''] 
80 t^ebt ein qeber bapffer fid^. 
©Ott geb, id) bieg im, ma§ iä) t^ii, 
9io^ roenbt ft) gü ber fetten jü, 
. SSnb ringent oil me nac^ ber fiellen, 
40 ^ann ft) 511 gott in ^t)mel fteüen! 
2)er geiftlic^ ^alt fqn orben nit, 

80 ift ber let) ein narr bo mit. 
e§ ft) off erb, n)a§ ftanb e§ mell, 
80 rtJoHenS all fampt in oie ^ell; 
45 ^arumb ft) tiabent groffe ac^t 
5{IIe tag onb aße noc^t, 
(Sroffe arbeit legent an, 

^ann ha§ ft) nac^ bem ^t)mel ftan. 
SBerent ft) ba§ tufentft mol 
50 2)e§ gotteS bienft§ onb eren ool, 
2II§ ft) bem tüfet finbt gefliffen, 

80 mod^ten ft) onb foIten§ roiffen, 
2^a§ in gott geb ben etoigen ton. 

9Zod^ t^ünbt f^ e§ nit | "öa^ ^at get^on 
55 2)ie fei|am onb ouc§ frölid^ mer. 

Murner, NarreiibeschwOnmg. 13 



194 ©c^elcf tagen. [6a 

Sßie \)a^ ein Iürli§ beblin wer. 
S)er böfe iper ntt fo ongeftalt, 

5(I§ man in allentfialben matt; 
80 tuer ein gut hat in ber gellen, 
60 Sarumb bie narren aü brt)n irellen. 
SBann ft) gtoubten, ba§ gott roolt 

5)en frummen geben rtjd^en fott 
SBnb an ben ^tjmel gtouBen fetten, 

So itiei^ id), ba§ ft) onber^ t^etten, 
65 Sunft lonbt ft) e§ gon, rec^t wie e§ gat, 

^nb wollent nun in ba^f türliS babt. 



[63*] ^äitld iageti» [pittj'"] 

SSann wir t)e|unbt fc^elcf iogen wetten, 
SOJit f(^elden jol man bie luden ftetten. 

©in fc^atcf melBt, roa§ bem anbern brift, 
Sarumb ^att er batb §u gerift. 

8cöetcf önb büben wenb fid^ weren, 

S)a§ id) ir feinen fol befc^treren. 
@o fie§ fan ic^ in uQmmer fingen, [p tiij''] 

S^a§ i(^ fQ müg ^er 511 ^er bringen; 
5 ^arumb ^ab ic| ein ^ag betrac^t, 

2Bie ft) würben ^u £)er bracht. 
Set; mü^ ein f(f)atcf fubtt)t ergaben, 

@^elcf mii^ ict) nun mit f^etrfen fot)en. 
2)ie fetben iogen f(^efcf §ü famen, 
10 T)ie gett üff irem ructen nomen, 
(5» ^eiffen bie t)eimtirf)en tnec^t. 

(Sin fcj^atdt ben anbern balb erfpec^t 
SSnb wei|t bt) im, voa^ anbern brift 

3Snb wie eim fc^alcf jü ^er^en ift. 
15 S)a§ ^at er fünbt in iungen iorcn, 

SBie eim fc^atcf fi) t)inbern oren. 
SSiltu eim fd^atcf entgegen gon. 

Sprieß: ia\ Wann bu e§ oerneineft fc^on,, 
Sönb fag bem fd^atcf ba§ wiberteit, 



63] 



Bä}tld tagen. 



195 



20 Bo er mit bir oucf) 6rud^t üorteit. 
®t6t er glatte ttjörter bir, 

8d tüg, bu oud^ bt)n tüorter fd^mir, 
@r ^at bir boc^ oor^in gelogen, 
@o mirt ber funbt mit funbt betrogen. 
25 2)a§ tt)a§ oud^ t)oIoferne§ lift, 
5)0 er jü felbt fic^ f)ett gerift 
$8nb iubit^ im entgegen gieng, 

S3i^ ft) mit fd^ald ein jc^alcf gefieng 
SSnb burd^ glatte, jc^one irort 
30 S" 5Der nac^t begieng ein mort. 
2(n f^nem f^nbt ^at niemand acftt, 
^yjun ta^ er oblig in ber fd^Iad^t, 




13* 



196 ©c^eW tagen. [63 

(Sr bieg§ mit fterden ober lift, 
SCßte er tan önb ift gerift. 
35 ^anihai, ber !riegbar man, [p 5^] 
|)at jtinem fi^nbt ba§ offt getf)an 
Sn ftett I ünb tenbern | börffern i ^ufen. 
SWan fot eim jd^olcf mit folben lufen, 
2)a§ er fe^e, ta^ anber lüt 
40 ©c^elcf oud^ tragen in ber i)üt. 
2)en ^alt ic^ für ein m^fen man, 

®er jc|eW mit fd^elcfen öeriagen fan. 
SJianc^er feit gar fc^eblic^ 0m6, 
jDer t)eberman mil ad^ten frum, 
45 55er fc^elrf finbt tie^unbt omenbum; 
@§ t)ei^t: gucf für bid^, lieber mt)n, 

Sa, miltu nit betrogen ft)n! 
5)a§ garn geftricEet ift mit gferben, 
2)amit bie fd^elcf gefangen merben. 
50 @§ ift fein fünbt, roer böfe§ !an, 

@§ mer ein fünbt, ia, {)ett er§ t^on; 
jDarumb fiab id^ oit fc^alcff)eit gelert, 

jj)a§ bem fd^ald mit fd^old^eit njert. 
83o(g mir nad^ önb tt)u ha^ oud^, 
55 9Jian ^ielt bid^ fünft für einen gou^. 
(S§ ftat üil ledert) gefd^riben, 

S)ie tefent mir | onb f)onbt§ nit triben; 
2)ar gegen ^onbt mir üil gett)on, 
S)a !ein büd^ nit fd^rt)bt bar oon. 
60 SBer bo ift ein leuffig man, 

55er fol ba?> gut onb bofe oerftan, 
33ertrt)ben ftüdE mit miber ftüd, 

Silben ttianbt | mit fd^elmen bücf. 
@t)n leben ma§ nie übet t^on, 
65 Sd^aldE^eit, lecEer^ öerfton, 

SBann bu bie totxd fanft ünberlon. 



64] [64,J tcm tttfct 5lt)cl) licr^t attainöctt, [p 5^] 197 

S33ann ber tüfel nüt gefted^t, 

8o ftecf i^ im jtuet) brennen! liec^t 

S8nb Ia§ gott in ber binftre fton; 
^od^ fagent j^, mir merbt ber ton. 




^6) f)a6§ öor mond^em iar gebort, 

®er tüfel fterb oit ha^ geert 
ÜBnb in ^o^ern eren ftobt, [p 6^] 

'I'ann ber frum önb eroig gott. 
dJtan mii'Q \\ä) §u ber ^errfcfiafft neigen 

©tnfttid^, bapffer, gen^Iid^ eigen, 
SJor bem tifd^ fton gnippen gnappen, 

SSnb ftr^flen im f^n narren fappen, 
ißff in ^a6en groffe ad^t, 



198 S)em tüfet jtoet) tied^t anjinben. [64 

10 @§ It} boc^ tag red^t ober nad)t\ 
®em tüfel önb ber bofen toelt 

^ient man mer ömb §t)tüc^ gelt, 
2)ann gott | ber gibt ben eirigen Ion; 
2)arumb ntü^ er im raincfel fton, 
15 @o mn^ ber tüfel für|er gon; 
^Jiun gibt er boc| bo§ gQtüc^ gut. 

2Bie fleinen bancf man barumb t^üt, 
3lod) bt^bt er ber barmt)er|ig gott, 
5Der f^n geben bocE) nit lobt. 
20 Sd) §üg m^n Uppün nt^mmer ah 

Sönb bdc^t, ta§, ic^§ üon gott l^er ^ab; 
ÖJong ic^ aber für ein Ferren, 

®em büt i(i) fold^e groffen eren, 
^a§ id^ mic^ neig bife üff bie erb; 
25 2Bie tüol mir gott nie ma§ fo tücrb, 
3)a§ id^ ein !nütt)Iin bogen iett. 
®er tüfel It)t mir Werter an, 

So gott muB in ber oinftre ftan. 
3;reit man ba§ ^eilig facrament, 
30 2Ba ft) bie lüt berid^ten tt)enbt, 
(So loufft ber ^riefter nun allein, 
SSnb ^at gott ft)ner biener fein; 
2)0 aber iunrff)err f)on§ §er god^, 
S)er tiett ein gan|e§ gotter nod^. 
35 ®a§ t|üt üiU^c^t ber löoc^en Ion, [pß^] 
SDo mit er ft) begalet fc|on, 
SSnb g^t bar gett, fo got nüt gi^t, 
Sen 'i>a§> er oil öer^ei|t bo mit, 
^unbertfeltig mibber §ü geben; 
40 SBann er leit bar gelt bar neben, 
Sr finbt üiüt)c|t ouc^ öil ber fnec^t. 

So im fünft mürb gebienet fd^Ie^t. 
2Ba§ borfft ir narren bife raort? 
(Sagent mir, an roeld^em ort, 
45 3(n lüolc^em enbt, an molc^er ftatt 
S)er güttig gott nit gehalten I)att, 
3)a§ er üc^ ^at oer^eiffen Qe? 
@oIc^§ ^att er übertretten nie 



65] SSögefin laffen forgen. 199 

SSnb ^ot üti) ^unbert fac^ behalt, 
50 So i)at er§ rool | önb t)at geroalt, 
®a§ er üc^ aüeS leiflcn mag, 

2ßa§ er ü(^ t)e ^at gü gefagt. 
Ob er langjam ferne f(|on, 
3iod^ ift getüife ber einig Ion, 
55 (5r ft) bod^ b6§ red^t ober gutt, 
J^ompt er langfam mit ber rut, 
So flrafft er bic| nun befter ha'e; 

2;ann f^rid^t ^an§ norr: „fe§! f)ab bir bal !" 
^u foltft jelbg tt)i[fen bife mer, 
€0 Xa^ flott ber ^err fein tugner mer; 
@r i[t mol aU ein frummer man, 
2Jann er f^n iporter Rotten fan. 
2;ann rooltftu bic^ ömbforen gern, 
@o ^ilfft e§ ni^m, ünb fom:pt bie ern, 
65 ®en fernen gü fc^eiben oon ben flt)en 
SSnb bie ftupflen laffen (t)en. 



[65,] Sögcliii (affctt tovgett* [p 7*] 

S33iltu ber erft jür fc^ifefen ftjn 
$ßnb njoltft nit f)elffen brocfen t)n 

SSnb meintefl, oogelin roürb forgen: 

5)ie tumpt, ha^ man nt)m ttJÜrbt borgen. 

3db l^ab rtjol fold^e narren funben, 

S)ie nit laborare funben, 
S3cttbrucfer önb lanbtfd^elmen roaren [p 1^] 

2ltt ire §Qt öon iungen iaren. 
5 ßeg in ein ^ol^Iin üff ber [träfe, 

Qa itiol, ha§ fQ off Rieben ba§! 
(So ful finbt fi) onb alfo treg, 

(5c fQ ba§ leiten üon bem roeg, 
S^ ftieffent ee bie fiefe entjraet)'; 
10 ^t futer^ ift mand^erlet). 
St) finbt fo fut in iungen tagen, 

3)a§ ft) bie lenben nit mügen trogen. 



200 



ißöger^ 



[65 



3<^ mein i)e|unbt ha§> ^u|geftnbt, 
®a§ alle §^t ben brot!or6 ftnbt, 
15 SSnb iriffent, iro ber oinuni Il:)t. 
'an ber fintier ^onbt ft) ir gt)t, 
233Qnn man in mü^ effen geben, 

'-8nb tüerrfen bo(^ gar nüt bar neben; 
'^d) rr)ei§, ba§ ft) "oa^ roaffer nit 
20 ii^erbienen, bo§ man inen gt)t, 
S5nb fon in niemand gnugfam Ionen; 
SSnb ftiffenbt ir fo mol jü fc^onen, 
Sin gemed^Iic^, ffife für füfi, 
2Ber für gat, gibt er ein grü^; 
25 gac^ id^ mit im reben an, 




65] laffen forgen. 201 

So Ia§t er all f^n arbeit ftan; 
9tebt ic^ mit im brt) gan|er ftunbt, 

9iit einen ftrei(^ er roercfen hinbt; 
8otIent§ aber effen gon, 
30 So t)6rent§ off ben gfocfen t^on; 
So balb ber erfte ftreic| gefcfii^t, 

Sinen ftreii^ t^et er bir nid^t; 
S^nb luil bar neben nit gebenden, 

^a§ ft) mit fc^roe^en onb mit fc^mencfen 
35 SSerfumet ^aben brit^alb ftunbt, [p8^] 

^er fule tropff | ber nu|Ii(^ funbt! 
„Stic^, len^, ha^ bic^ ber bunber fd^Iag! 

Stanb off, e§ ift boc^ fetter tag!" 
So fragt er, roa ft)n ^embb fi) fummen, 
40 2Bcr im bie ^ofen i)ab genummen. 
So er boc^ felb fo truncfen luaS, 

^a§ er oerleit ^at aüeS ba§. 
Sft ein gan|e mod^ bar neben. 

So mu§ man in ein fQrtag geben, 
45 Gerinn fi) fierent fc^entlic^g leben. 
SRgn magt ein§ mal§ id) fc^Iaffen fanbt, 

35i6 ir ha^ ^embb am ar^ oerbranbt; 
^di) fprad^: „mot off, bu fuler facf!" 

Si) antrcurt mir: „fic^, lenfe, gucf gacf, 
50 Safe mict) boc^ nun ein mcnig nirfen, 

^arnad^ tt)il ic^ mt)n arbeit fc^itfen; 
SJienfc^Ii^ blobe ba§ er^eifc^t, 

So i(i) bod^ bin ouc^ blüt onb fteifc^." 
^c^ fprac^: „nun fc^Ioff, mt)n Iiebe§ finbt, 
55 iöife bir bie funn jiim bett ofe ginbt! 
Staubt nit off fo frü am morgen, 

Safe nit mer bann oogü) forgen, 

5)er roirt »oil on§ ber irten borgen!" 
ÜJiit bifen fd^antlic^ fulen berben 
60 SJiieffent mir gü betler merben, 
5)a§ Io(^ treffen in ber ftatt, 

^0 onfer ^erb ber fü ofe gat: 
2Ba§ üor on§ ift, bag ift nit mt)n, 

®a§ fiinber ün§, nod^ mgn noc^ b^n. 



202 



(Sin gebift anlegen. 



65 @o trinden tüir ben gutten tt)i)n, 
£a^ oogit) forgen, felter(t)n! 



[66 



[66.] mn jicöife Ijtttcgett. [p 8' 

SSer U)n§ munbt§ nit ift getüi^, 
5)er fumm ^ie J)er onb nem ein btfe 

SSnb fm|)ff bomit ben triffel gü, 
S)a§ er mit reb fein f(^aben t^. 




SSit munben werben hjiberfirad^t, 

Dn bie bie jungen ^at gemad^t. 
SJtan feilet mand^e groffe rounbt, [q j^] 



66] ©in gebt§ t^nlegen. 203 

SSte tüol bie feI6 nie feilen funbt, 
5 ^k ho mac^t ein böfer ntunbt. 
SBann man fc^on ein fotc^en jroingt 

SSnb in §ü roiber rieffen bringt, 
3lod) 6It)6t ber argroon all §t)t i)k, 
^a§ mancher in abbildet nie. 
10 2)arumb i)ah id) ^ie bi^ bereit, 
5)a§ ntan i^ in ben triffet leit, 
ein (ugentiafftig jungen jming, 
5!)a§ jQ öergifft nit alle bing. 
333er id) oor ^unbert iaren fummen 
15 3Snb ^ett bie gbife mit mir genummcn, 
@o föerent oil bt) eren beüben, 

Sie fünft mit lugen finbt üertriben. 
©in gbiß, baS ift innroenbig ^ol 
SSnb nun adein be» tuffte§ oo( 
20 SSnb füllet boc^ ben ganzen munbt; 
3)a§ ift ber fetb, ber liegen funbt, 
5!)en ganzen munbt nol lugen treit, 

SSnb ift nun lufft al§, ba§ er feit; 
2)ie lugen finbt ber mar^eit ^ol, 
25 ^-ßnb ift ba§ mul nun Iuffte§ Dol. 
2)a§ f)at er öon böfer art. 

So ift fein gbife im nit fo ^art, 
@loub mir, ba§ ic^ fein bfc^roerung ^ab, 
"Die im bie bofe ort nem ah; 
30 9Snb ^ilfft off erben fein oernunfft, 
2tl§ mit in §ür fc^elmen junfft. — 
(Sin galgen gbi§ baö anber ift, 
Xa§ id) hah benen jü gerift, 
5^ie mit tDoIfdöer, böfer jungen 
35 21nliegen börffen alt onb iungen, [qi^] 
Tlit lugen ftelent in ir ere. 

2)ieb^encfer, bu bie felben bfd^roer, 
Seg in t)n ha^ galgen hi^, 
Xa§ ein folt^er lecfer mil 
40 SSnb an bem galgen gbife erfar, 
2Sie er bie jung fürbafe beroar! 
2Bann bu ftileft eim f^n gut, 



204 Tlxt bem iuben f^te^ rennen. [67 

Sein 'b\)ä)kx bic^ ü^rid^ten t^üt; 
®ie fünbt Ia§t nit ab gott ber f)err, 
45 5)u biegeft bann ein miber fer. 
:5cö {)Dr töol, wem bu nempft ft)n ere, 

2)ic tüottftu geben nl)mmermer . 
Sflein, bi) gott, e§ t[t nit gtoi^! 

D, Bender, leg im t)n ein galgen gbi^! 
50 S)a§ er fein frummen bring in fd^anbt, 
jDarju f)6rt nun bai galgen banbt. — 
$)a§ fampffrab gbi^ ift marlic^ f)art, 

®a§ id^ öff buben f)ab gejpart, 
®ie fetfc§e(i(^ ein man an geben, 
55 2)a§ er fum|)t ümb f^n It)b ünb (eben; 
®em ^6rt biüid^ gö ha§> fampffrab, 

Stebern ft) f^n roaffer bab 
SSnb be§ fctielmen ^öd^fte freibt! — 
@in onber gbi§ lüirt i)ngeteit 
60 Sitten mannen onb ou(^ mt)ben, 
2)ie li^c^tfertig morter trieben; 
©in lojfel gbi§ ift e§ genant. 

SBer bo trijbt ein tappen tanbt, 
®em ift ba^ loffel gbife gerift, 
65 5)er atte 5i)t fpotlic^en ift, 

2Bie mi e§ ift fein bofer lift. 



[61,] Witt iJcm inöctt f^iicfe rcmicn» [qij*] 

3)er iuben finbt nit gnitg off erben, 

@o bie d^riflen miic^rer werben. 
SBiItu bie lüt mit Wucher nogen, 

©0 fott ein iübifd^ ringtin tragen. 

233er miffen mil, ma§ mutier fre§, 
3)er far gen francffurt in bie mei, 

5)0 ft^ent (iiriften oflic^ bar; [qij*'] 
2330 ber fouffman fompt bo ^ar, 

©0 finbt er golbt onb gelt btj in, 
2)ar üon er n^mmet ft)n gemin, 



67] 



9}Ut bcm iuben fpie^ rennen. 



205 



10 



15 



20 



SSie trol ]X) fic^ bes tt)üc^er§ fc^amcn 

^nb gebent im ein anbern namen; 
@^ Reifet bt) in ein roec^jel band, — 

(5§ ift ein glöfelin j ein nüroer rancf, 
^nb tt)öllen§ nit für roüc^er Uan. 

2Ber lebt, ber e» a[§ bfc^rriben !an, 
2Ba» übet nug man brückt mit mün| 

35nb fc^ebü^ banblet mit bem ^inf, 
äRit bem fürfouff, mit ben rentten? 

2Bie rool fr) e» oIIe§ anber» nenten 
S5nb f^nnentä mit eim ^ütlin becfen, 

2)a§ nit bie roüc^er jen erblecfen. 
^d) Ia§ bid^§ rool erliefen nennen, 

©in c^rift mit iuben fpieffen rennen. 




206 dJlit bem iitbcn Ipk^ rennen. [67 

^a§ ift, ht) gott, nit gütt lattin. 

3(d^, gott, fd^Iieg nun ber bunber brt)n, 
@o mieften ft) mit on§ entbern! 

Sc^ finbt iDot ein, ber müd^ert gern, 
25 ©0 f)at er leiber nit bie fumm, 

2)a§ er güm iuben fpie§Iin fumm; 
dlod) fac^t er an ein fürfouff trt)ben, 

^0 bi) ber arm man müi 6elt)6en, 
ißnb ma(f)t ein t^ürung in bem lanbt. 
30 ^a§ ift ber oberfeit ein fc^anbt, 
3)a§ ft) bie armen lüt lonbt brucfen 

i8nb einen menfc^en lonbt öerfc^Iucfen, 
2)a§ junft brt)[fig effen folten. 

Sd^ f)alt, e§ merb üon gott t3ergotten 
35 $8nb mit gutter mün| behalt, [q iij^] 

^a§ ft) brud^en fold^en gmalt. 
3ü francEfurt ^eiffent§ roir: ben ftid§. 

Snel, iuben fpie^ün, ünb jerbrid^! — 
©^ ift fein alte t)iir om r^n, 
40 @t) mottent alle grempcn ft)n; 
^ompt nun ein ^fenmert eier ^ar, 

©0 loufft bie alte brecfen bar 
S{n ben marcft t)er für t)er bli|en; 

@o arm tut an ber arbeit fifeen 
45 S5nb be§ marcfteS nit gii beiten, 

@o fan bie alt ^ür fid) bereiten, 
®o§ ir hk eier aUe merben, 

iBerfoufft ft) miber mit geferben 
5^nb fdöebiget mit bie ganzen gemein. 
50 ^ett ft) am ^al§ ein mülen ftein 
53nb leg boc^ mitten in bem r^n, 

©0 gfc^e^e ir rec^t, ber gremplerin! — 

SSnb bie barjü ben gbranten m^n 
3In bem funtog ^abent feil, 
55 58ergeffent bo ir feien i)tii; 
©0 anber lüt ju fird^en gon, 

2)ann btl)bent fi) am bencfün fton 
3Snb faf)ent an ein nüroen f^ifa^. 

@§ ift ein armer fouffmanfcf)a|. 



68] 



Sen brecf rütlen, \>a^ er [ttncft. 



60 ®cr in ^ie ein Pfenning bringt, 

®urc^ ben er in iik fetten findt! 
SBann bic alten, jd^noben mijbcn 

^ein fold^en foufftnanf(^a| me traben, 
^oä) ft)nnent jt) groen meiflerftanbt : 
65 ^upplen | gouöern [ in bem tanbt. 
®er bie ^üren all oerbranbt! 



207 



[68.] ^ctt Övcrf rütlctt, Üa^ cv ftitidt [g iij^] 

SBer bo rütlet bifen brecf, 

5)er touff nun jTuj; onb hal'ö l^inmeg: 
(Sr tüürb gar It)d^nam übet riechen, 

S)a§ öif)e önb lüt mürb bar oon fied^en. 




208 Seit brec! rütlen, ba§ er ftinät. [68 

SSfe fd^ebl^n yolt !eQn fd^aben mad^en 

SSnb nit rütlen alle fachen, 
S)ie mit groffer angfl önb not [q iüj='] 
ßumm erstorben finbt jü tobt! 
5 SSarumb lüoltflu jt) tribcr entbecEen 
$ßnb ein ^d^IaffenS ^ünblin roecfcn? 
SDu magft ein ft)nbtfc^afft iQd^t bewegen, 

®a§ \\) ftd^ jd^ebelic^ tt)ut regen. 
2)er roürbt fi(^ fragen in bem grinbt, 
10 2)er bo werft ein tobten fl)nbt, 
SSnb iucfen, bo in nienan beifet. 

S33er ein gfiente fQnbtfd^offt weifet, 
^er tafe bie {elben fc|Iaffen ligen 

SSnb ac^t, ha§t \t) gan| bti^b öerfc^wigen. 
15 SJJanc^er narr nljm lejd^en !an, 
®a§ er |at geginbet felber an. 
223arumb fierftu ein oflid^ dag 

SSon bem, ba^ boc^ oerborgen lag? 
$ßnb mac^ft mir oud^ ein nüro geftancf, 
20 S)a§ bo wa§ üergeffen tangf? 
^ettftu ben brecf nun laffen tigen. 

So wer "ök \aö) büben oerfc^wigen; 
®u würft nit befter ee gefunbt, 

@o irf) tion bir oud^ würbt üerwunbt. 
25 5I(jo bübt ber menjc^ in würben, 

SBann einer treit be^ anbern bürben, 
Xax^u oüä) ein mitlt)ben ^at 

S5on ft)n§ ned^ften miffet^at. 
Süä), gott, wir finbt aU ber fetben lüt, 
30 S)ie ndd^ten lieffen | ünb fallent ^üt! 
aJlanc^er wü ben anbern fd^enben, 

S)er ftin ft^anbt felb§ nit fan wcnbcn; 
©in flecf fan er am nec^flen wiffen 
SSnb ift er gan| ünb gar befd^iffen. 
35 Sag bu niemand, wer er ift, [q iiij''] 
©0 feit bir niemand, wer bu bift. 
2)er bo ift bt)n§ eigen Ianbt§, 

SSon bem n^m für ein rod ein fc^an^; 
Sanbfeman, fd^an^man ift ha?i Wort, 



69] ^lad) ber becf fic^ ftrecfen. 209 

40 5)a§ ic^ ^ab öon ben alten gebort. 
2Bie man rieffet in eim malt, 

(SJlQrf) alfo ha^ jelb miber fc^alt. 
3Jiit lungen ic^ oui^ roerffen tan, 
2ßann bu mit futlen fa^eft an. 
45 SBann mir fc^on mütffen beibe famen 
DJJit fat onb tt)üft ernftlid^en jamen, 
8o bfc^iffen mir on§ alle beib, 

58nb mürt jü letft on» felber teib. 
©eitftu mir f^on, mie bö§ id) mer, 
50 ^a§ finbt oon mir fein nüroc mer, 
3c^ f)ab me lüt öff erben be^d^iffen, 

2)ann bu onb atl bt)n frünbt i)e^ miffcn; 
Seitftu mir Dil bo|^eit fd^on, 
So tjäb id) noc^ oil me get!§on. 
55 ^d) f^ab ein mal ein feld^ geftolen, 
3)ie felbig tt)at ift nod^ oer^olen; 
SSiItu aH mt)n brerf ^e rütlen, 

So t^u ben Md) oud^ ofefier fc^ütlen, 
2BiItu all mi)n bofe^eit flogen, 
60 So fumm jü mir, id) roil bir§ jagen, 
Sc^ ^ab nod^ ool ein fd^mdbf^en magen. 
SQBcr mt)n lafter fagen mit, 

S)er ic^ ^ab, ac^ leiber, oil, 
5)er fan§ oon nieman§ fid^rer ^orcn, 
65 S)ann oon mir felber rt)i)BIid^ leren. 
So id^ oon fc^alcf^eit mid^ erneren. 



|69,J 9Ja(ft öcv Öerf fitö ftvcrfcti. [q 5"] 

2)e§ nijm mar onb ac^t ber becfen, 
2;a§ bu bid^ mi§[t barnad^ jü flrecfen. 

@§ flünbt gar falt in b^nem ^ufe, 
Strecfftu bie fü§ jiir becfen ofe. 

SEBelc^cr narr miü me Derberen, 

S)ann it)n pflüg im mag ereren, 
3)er folt fid§ felb§ mol clagen an, [q 5"] 

Mwrner, Karrenbeschwörung. 14 



210 



Stad^ ber hiä 



[69 



^a§ er tüürb ju eint armen man. 
5 2Ber bo ^at ein furzen becfen 

Sßnb voil f^n fiefe ^er für ^er fireden, 
^n bem Winter für {)er ftoffen, 

2)er folt rool legen 6otb ein bloffen. 
dlit lenger ftrecf bid^, bann bu §oft 
10 @in becEen, bie bu off legen lafl. 
SBann bie jefien gonbt für bie fcf)u, 

2)0 mürbt balb onglüd fd^Iagen ^u. 
3ft ber nit ein groffer narr, 
S)er qlt)d) eim rt)(^en jeren bar, 
15 So er bod^ t)at fein ft^mere tdfi^, 
SSnb f)at ber xtfd) me in ber af^, 
®ann er in aüem fQnem gut?! 




69] ftc^ ftrecfen. 211 

9?od^ fiert er ein fo fto^en müt 
ißnb meint, er ft^ al» gut aU er, 
20 SSnb ift ytin tdfc^ boc^ nit fo jc^lüer. 
5)er ntac^t ftc^ fetber gum gefpett, 
203ann er gon^ öfegetüefc^en fiett 
SSnb |at ee gtjt für abent gemacht, 
S)a§ t)eberman be§ narren lac^t 
25 SSnb fprid^t: „ber narr ift off bem grunbt!" 
SSff ^at er gfpert ber lütten munbt 
i8nb ^at fic^ lenger fürtier gfirecft, 
2)ann ber gouc^ mag überbecft; 
2)arum6 ift er fo gan| erfroren, 
30 2:a§ er njolt obelic^ geboren, 
Duc^ ^oc^müttigflic^ oerg(t)c^en, 

Sn^er brangen mit ben rt)c^en. — 
2)er abel ift nit aller xt)d), 

9ioc^ menbt ft^ ft)n einanber g(t)c^ ; 
35 S3Sa§ ber ein üom anbern fic^t, [q 6^] 
^a§ mil ber felb ouc^ manglen nic^t; 
^arumb berfe|t er §t)n§ onb gilt, 

^a§ er nun ft)n müt erfült, 
!:8nb oier onb jroein|ig {)unbert gulben 
40 S^iun omb ein ban|i rocf mac^e fc^ulben. 
?)ann toufft er §ü ber geiftlic^eit, 

SSerfe^t ft)n gut | fiin ere | f^n fleibt 
5öi| tai ber narr gonfe gar b^alt nüt 
SSnb ^at oert^on ftett, lanbt onb (üt. 
45 ^ann fac^t er an jü fluchen, fc^elten 
SSnb Iat§ bie geifltic^eit entgelten, 
^ie im bar off geluben t)at; 

2Ba§ er nun bencft jü irem fd^abt, 
5)a§ felbig t^üt er in jü leibt. 
50 „3r münd^ onb pfaffen", er bann feit, 
„Solten oon bem bettet leben, 

ßanbt onb lüt nit t)on bar neben." 
8o tt)ir§ oon bir erfouffet ^an, 
SBarumb fpric^ftu e§ miber an? 
55 ^etftug, in aller tüfel namen, 

55or bt)m fürfa| get)alten gamen, 

14* 



212 mer ia§ feil iüerffeu. [70 

So £)etten münd^ ünb Pfaffen nüt 

SSnb bu begatten lanbt bnb lüt. 
|)ettftu bt)n langen bein geftrecft 
60 9^it lenger, bann bu n)oft bebecft, 
@o wereft ntt alfo erfroren 

SSnb trurfen roer bir ntt gef Choren. 
SBiItu t)e üert£)unlid^ ft)n, 

SSff ein mal fc^ütten aU in rtin, 
65 ©0 ift§ fo gilt an mir öerloren, 

21I§ mann bu e§ b^ielteft lange ioren. 



[70,J mcv H^ feil mcvffett» [q6' 

Scf) n)ürb ber narren oucf) beber ff en, 
2)ie über ha^ feil einanber toerffen. 

^ie Ia§t fein narren fürfid^ gon, 
®r ^ab ön§ bann ein fpringlin ttjon. 

SEBer i)e| ben anbern bfc^iffen fan, 

3)en f^rt)b ic^ für ein meifler an. 
Übt ic^ nit an nit)n ernft onb fli^^, [q?''] 

Xa§ idb ein anbern felbg bef(^t)fe, 
5 @o mü^ ic^ oon im bfd^iffen ft)n, 

2)a§ mefd^et mir nit ab ber r^n; 
(5§ ^ei|t gemorffen über§ feit. 

2Itte§ ha^ man bütet feit, 
S)a§ ift nun t)ff ben fouff gema(j§t, 
10 Ser gütte nimpt man roenig ac^t. 
©Ott i(§ att öalf(^ert) befcl^rt)ben, 

äRir tDürb am iar nüt überbti^ben. — 
@in t)eber mit t)e| münden Ion, 

S)a§ mit ber prob nit mag befton, 
15 9Snb ift ber erft, ber ft) üerriefft, 

aSann er mit öalfd^ fid^ ^at t)erbiefft. 
2)a§ ift i^e^unbt ber Ferren tift, 

SSann ein mün| umgangen ift, 
So gebietten ft} bem armen man, 
20 2)a§ er f^ ringer nemme an, 



70] 



586er i>ai yeil Jrerffcn. 



213 



SSnb fprec^en, ]^ mog ntt beftan; 
T)Qnn fouffent ft) bte mün| an fic^, 

So gilt fQ boc^ ben alten ftric^, 
333ie \v} ifl jüm erften gangen, 
25 2Bie tt)oI ber fc^aben ii"t entpfangen. 
St) folten falfc^e§ münden roeren, 

So t^unbt ba§ felber önfer Ferren. 
2Bie oil finbt ber oalfc^en gulben, 

Tie ft) D^genbt am Ion, an fc^utben, 
30 ^nb rootleng bod^ nit triber nemen! 

St) ttjiinbt, be§ IQ fic^ folten fc^emen. 
So oi( menfd^en nt)mmer ftürben, 

Sie§ man fton bie öalfc^en fc^mirben, 
^ie man mad^et in ben n)t)n. 




214 Sßber ha^ feit icerffen. [70 

35 S(f)lüebet | ^agel \ buttber br^n! [q7^] 
gc^ tan ben iDÜft nit allen nennen, 

S)en bie felf^er bart)n brennen, 
SDoö et nun bie mth behalt 
SSnb lafe fein menf(^en werben alt! — 
40 ®ro^ befc^ife an oHem ort 

^ab i6) bid öom ro^bufd^ g^ort. 
SSann fd^on ba§ ro§ öier roanbel f)at 

QSnb fumm off fQnen beinen jiat, 
9io^ fc^iuort ber boBmidit olfo ^aü, 
45 S3iB ft)n ro& oerfouffet tuart. 

S)arnad^ fc^Ied^t er mir bran ben muff 
SSnb f priest, e§ ^eife: gefott, gucf off! 
SSann id^ m^n ougen öffnet fc^on, 

(So fe^ i(^ nun ein fd^alcf bo fton. — 
50 SSatfc^ finbt Qe^unbt oll gemic^t, 
SSann man ernftüc^ bar off jt^t, 
8o oermegen^ fei onb It)b, 

S)a§ er nun fqn mar oertrQb, 
Sie ft^ üälfc|(i(^ füd^ten !i)nnen, 
55 2)a§ ft) grofe fi^toere brau geio^nnen. 
2)er tud^man fan fi^n t)ufe oerblenben, 

2)a§ im ba§ tie(^t !ein tüc^er fd^enben 
9}i6g I ha§> nieman tenn ben faben, 
®arumb finbt oinfter ire gaben. 
60 ^d) mein, ha§ id) t^ah fouffet wol, 
@o ift ba§> tuä) ber oenfter ool 
SSnb ^at fo man^e groffe furc^, 

2)ie gen^ effen mol ^abern barburc^. — 
SSalfc^ onb bfc^ife in allem lanbt 
65 2)ie geiftlid^eit getriben ^anbt 
SSnb mad^ent nun ein fpiegel fechten. 

Se^ ift befc^ife an allen rechten: [qS''] 
SSnben molfeil, oben tf)ür, 
Sefd^en !t)nnent mit bem für, 
70 9)ät bem maffer laffen brennen 

S5nb mit feifcfilin gamen rennen — 
2)er njart)eit ift ber boben ofe! 
a33a§ tüirt boc^ f)inben nac^ barufe. 



71] Sieb ab bem galgen nemen. 215 

S)a§ bie tüelt fo ontrüro ift 
75 SSnb tieberman fo mi gebrij't ? 
Souff ic^ nun ein pfentuert biren, 

2;ie fc^önen ft)nnent§ fürtet fc^iren, 
2)ie böfen lonbt ft) bunben figen; 

Oben mel önb tinben fügen. — 
80 SJianc^er grifft t)e| §ii ber ee, 

|)ett er ft)n froro erfennet e, 
(5r nem J15 für ein magt nit an, 

3!;ie er miiB für ein froroen f)an. 
2)ie elter, bie ir fuüeit n^iffen 
85 35nb bic^ mit ir f)onbt gar befd^iffen, 
@t) ^onbt fi5 off gemußt fo fc^on, 

©elernet gültig ^n^er gon, 
^üc^tigfüc^en onberfe^en, 

Ob QemanS lüolt ein eefron? fpeJicn, 
90 2)a§ bo roent ber felbig man, 

@r finbt gtt)(^ iia, roa§ er rvbi ^an. 
@D trt)bt f9 nun bie felben berben, 

SSann fQ oftid^ gelegen merben, 
SSnb tt)ö(Ient 311 ber ürc^cn gon, 
95 2)en gnipper ] gnapper | tri)ben fc^on; 
S33ann fi) fic^ aber foHent bfac^en, 

(So It)nnent§ nit ein fuppen mad^en, 

2)a§ man ber ^olg bocf bicf mu| lachen. 



[ThJ titb ab Öcm gatgcn ncmcn* [q8^] 

^ie alten ^onbt ba^ lang gerebt: 

2Ser an bieben mangel ^ett, 
Sßom galgen n^m ein fold^en man, 

2)orna^ fo {)encf in luiber bran. 

(S§ ift fein man nit bcfter frummer, 
Xa§ er ju groffem ampt ift fummen, 

9ierD ftier fünft oud^ erwarbt, [r i^] 
^0 er ein römf(^er feifer rcarbt. 

SSelc^er Qe^unbt fünbig ift 



216 



Sieb ab betn galgen nemen. 



5ßnb tüeiBt tiff allem rancf ein lift 
9Snb fan ha^ rebtin ombf)er tüenben, 

|>eimlic^ gaben, fc^encfen fenben, 
Stimmen betten | praclicieren, 
10 @in tt)o(ff üerbedt mit fc^affen fieren 
SSnb ift geitjefen an ber ftatt, 

1^0 erberfeit ein enbe fiatt, 
^en melet man t)e| gü oberfeit. 

3!)arumb fo ift e§ nüt gefeit: 
15 2)er ift ein ^err | brum ift er frum; 

^6r mir ba§ bidtlin ba% tierum, 
So finbftu, wer ein t)err t)e| ift, 

®a§ im an frumfeit öit gebrifl; 



[n 




71] Sieb ab bem galgen nemen. 217 

80 finbftu, ha§> in alten iorcn, 
20 SBann man roolt ein Ferren !oren, 
@o lügten ft) nun jii eim frummen, 

2Bie mol e§ t)e| ift barjü funtmen, 
2)al man fein frummen nt)m mil ^an 
SSnb fpric^t, er fQ ein clofter man 
25 3Snb jol ha für jü metten gan, 
So er ber meft louff nit oerftat 
SSnb nit t^irannifd^ n)t)fen ^at. 
SBer t)e|unbt ein f)err mil ft)n, 
2)er fan bie lüt öer!nipffen f^n, 
30 |>ar off ^ar | ben roiber ben! 
Raffen öil önb meiB nit men. 
@§ gilt mir gü)d^, ftücf) ober fegen, 

80 ^afe id^ ein üon be§ Ferren megen, 
Zi)tt er mir fd^on nie fein leibt; 
35 ^em Ferren ^ab ic^§ §u gefeit, [rj^] 
©in mietteric^, ber mer Dn§ lieb. 

9JJieffent mir bann ^on ein bieb, 
So mollent mim bom galgen nemcn, 
St) fumment bannoc^t miber jemen. 
40 S33ann i^§ bann bt) bem lied^t befiel, 
S3t) eibt onb eren iä) öergid^, 
Sft bann hk mit be§ fc^alcfä fo ool, 

So bient ein fc^alcf ben emptern mol. 
5)ie alten Ferren önb bie frummen 
45 9iQm Jüiffen o§ ber fad^ jü fummen. 
2Ba§ oor ät)tten fünbig ma§, 

2)a§ fan bie nüro melt no^ öil ba§; 
5a, mit fc^alcf^eit önb mit liegen 
©Ott önb alle melt betriegen. 
50 (5§ finbt lieb Ferren, mem fq fiegen! 
^er öor mat§ ma§ ein n)t)fer rot, 

^er roer t)e|unbt ber finber fpot. 
Sebten bie alten Ferren fc^on, 
Si) mieften erft jü fc^ülen gon 
55 55nb Don ben iungen raten leren, 

S33ie mon bie narren fot befc^roeren. 
Sift fanbt lift | önb finbling funbt, 



218 ein efel laii)n rercn. [72 

S)arumb ein bteb an empter funbt. 
2)ie fc^elmen ^onbt§ £|in burd^ gertffen, 
60 2)a§ ft) fi|en üff bem ftffen 
SSnb brangen oben an bem bret; 

2)od^ tt)ann man ft) gebrud^et ^ett, 
@o la^t man§ wiber jc^etmen f^n, 
2(m galgen ^encfen \vk t3ort)tn, 
65 S33te mol bie frumfeit emig blt)bt 

SSnb niemand f^ oon gott oertr^bt. 



[72,] mn cfet lat^tt (evett. [r ij^]. 

ßertftu ein efel tujcnt ior 

5ßnb feitft im§ für ] onb fc^ribft im§ öor, 
@o bringftu bo^ nit mer in in, 

2)ann ita fpred^en gu lat^n. 

^d) molt ein mat etjn efel teren, 

2)a§ er oud^ fem gü groffen eren 
SSnb, n)a§ man rebt, ou^ möd^t üerfton, [rij''] 

2)arumb liefe ic^ in ju fc^iilen gon, 
5 S)a§ er lernt latQnfd^e fprac^. 

2)0 iä) bie fad^ bt)m lied^t befac^, 
S)a maS e§ luter aU öerloren, 

2)ann er in brtiffig gan|er ioren 
9lie mer lernet, bann ein roort, 
10 2)e§ be^alff er fid§ an allem ort, 
Sta riefft er überaß 

Sßnb bleib bod^ in ber efel §al. 
SSie öaft ic^ in molt öff^in bringen, 

9iod^ funbt er nüt, bann ita fingen. — 
15 9}?an mit i)e^unbt gu Ferren mad^en, 

S)ie gan| nüt ftjnnenbt gü ber fad^en; 
ga^enbt ft) §ü reben an, 

@Q mieffentS oor gefd^riben iian 
SSnb lernent bran mol §ef)en ior 
20 85nb fqnnenbtS bannod^t noc^ aU öor; 

S)a§ ift leiber jü oil mor, 



72] 



©in e[et latt^n leren. 



219 



SJiit namen in ber gei[tltd^eit ! 

3)0 mand^er treit ein oberfeit, 
@oI er reben jü tati)n, 
25 @o fütut man§ im al§ öor |in t)n, 
SSnb lernet lange gi^t baran, 

SBie ttjol er§ bannod^t nod^ nit tan, 
SJnb tan nod^ lejen, meber fingen 

SSnb gon| onb gar nüt jii ben bingen; 
30 ^od) fc^tcft er fid^, al§ er§ oermagf, 
SQ3ie ber brt}fpi| t^üt in forf. 
Sn iungen tagen fol man leren, 

Sfiit njann ir morben finbt jü Herten; 
S)onn roa§ id^ |enfelin iung nit ler, 
35 S)a§ lern id^ ^an§ ouc^ ni^mmermer. — 



[riij"] 




220 3]^ einem ^o(en Isafen rebeii. [73 

©alomon jpric^t, onb e§ ift tvax, 

@im füng, ber ift iunger iar, 
S33e I ünb allem ftinem rt)c^! 

Sugent | tt)t)BJ)eit finbt nit glt)ci^; 
40 2Bt)§{)eit mil ein erfaren man, 

3)0 mit fein finbt fan omme gan. 
@oI man erft ein iungen fnaben, 

5!)er ein fünigrt)(^ roil ^aben, 
Seren, tvk er reben fol, 
45 2)a §mifc|en It)t im fc^aff önb mol; 
®e ba§ er nun entpfafien iert, 

@o ift ha^ x\)d) ^alb ömbgefert. 
@o mer ermölent einen man, 

2)er üor^in tt)t)§Iic^ grieffen fan, 
50 @e bo§ ha§i rt)d^ tüil ünbergan. 
SSnber gon gor batb gefd^id^t, 

2Ba finbt man, ber ba§ üff Ba§ ric^t? — 
Sßem Qe^unbt an lefen brift, 

SSnb bannod^t priefter gett)i)f)et ift, 
55 Dud^ lernet erft off bem altar 

93nb mürfft bie bletter ^in onb ^ar 
ißnb tf)üt nüt, bann ta^ ma(i)§> oerörennen, 

S)em folt man fprec^en: „bu| bid^ bennen! 
®ang jü f(^ulen lernen ha^, 
60 (£e bag bu ünberftanbeft ta^l" — 
SSer nüt ju ber factien fon, 

2)er felb oerfiert manc^ frummen man, 
!!ßnb mag fein ere bod^ nit eriagen; 

(Sr folt bie ferf gür mülin tragen, 
65 @r onb bie efet alle fampt; 

35a§ ift ber efel red^te§ am^t. 



[73,J 2?fe einem ^oleti ^afeit vthtn. [rüj 

2Ber nüt l)att ünb oil gerebt, 

©in fud^§ fd^toanl in ber glocfen l)ett; 
35er felbig gibt mir eben Ion, 

3Bie ber fuc^§ fc^man| gibt ein tf)on. 



73] 



2ß^ einem fiolen Isafen reben. 



221 




10 



2Be§ roolt \d) mic^ nun i)|unb fcfiamen, 

2)a» roir narren fernen jamen? 
^c^ bring bie ^afen fc^on mit mir, [riiij'*] 

2)arufe ic^ reben tan mit bir; 
(5§ brud^t Dernunfft onb mi^ig§ finnen, 

SSfe loten |dfen reben finnen! 
5!)cr |Qt D^ |oIem |afen gerebt, 

3)er öil me oer^eiffen |ett, 
S)ann leiften m6(^ten aH ji)n frünbt. — 

SJer abel bgatt ji)n |u§gefinbt 
DJiit oit oer^eiffen manigfatt, 

2Bie ttjol er gan| önb gar nüt t)att. 
S)ann f|3ric|t er mir jo §offeItd^, 



222 SS§ einem ^olen Isafen reben. [73 

Sn gttab fol bo§ erfennen id^: 
15 „2Bir ttjotlent üd^ foIc^S nit üergeffen!" 
2)ie lü^ ^onbt in öor armüt freffen; 
Sott id^ öon ft)m oer^et[fen effen, 
§c^ tt)er lengft geftorben tobt, 
Sebt ic^ öon mt)ne§ iund^ern gnob. 
20 SBann er ft)n gnob geb mit bem gtüid^t, 
($r ^ett, bQ gott, ein quinttin nic^t 
^^nb fpric^t, er möll mir§ nit üergeffen, — 
®ie lüB ^onbt in oor junger freffen, 
9iod§ ir^t er fid^ fo abeli(|. 
25 SBann id^ bann gu mt)m iund^ern fprid^: 
„^und^err, gebt mir mtinen Ion! 

^r ^abt mir§ boct» öer^eiffen fd^on." 
„'ätüd) ift öerl)eiffen bir, 
^ürifd^ mer ba§ §ü Ratten mir!" 
30 SBanS ber arm man bfef)en ^ett, 

@o ^at er burd^ ein t)afen gerebt. 
S)a§ fan ber abel It^d^nam mol, 
Sgegaten mit bem ^ofen gol! 
^arumb roil id) ben abel Ion 
35 3Snb on ein \)\l\iQ bem puren fton, [riiij^] 
2)er bgalt mir boc^ m^n arbeit ft^on. — 
^lod) finbt ber I)ofen rebner me; 

SBann ic§ in dag mtin not önb ttje. 
So fagent fi): „mt)n It)b önb gut, 
40 2(I§ ba§ icE) i^ah in mt)ner t)üt, 
^r folt jü mir al§ gütten ^ offen; 

gj?t)n §uB önb ^off, ha^ fi^ ü(^ offen!" 
^d) fe| fürföar fein glouben bruff; 
(5r tl)et mir nit ben gen^ ftal öff. 
45 Se fui^ tont oofter I)eifet§ in njelfd^, 
gn bofem tütfc^en nent man§ felfd^. 
@r roil fo gan| b^n eigen f^n; 

^d) fpred^: „mol öff, tdaä^, fetterl^n! 
SBan§ mir an ben |)unten gobt, 
50 @t)n morter ^elffent nit ein lot!" 
Sc^ bitt, er fol mic^ nit öerlon, 
5(I§ er üer^eiffen ^at mir fd^on; 



74] Sff einem ftecfen rtitten. 223 

(Sr yagt: „id^ t^et ein wort ber eren, 
9tit ba§> hü fottft m^n gütt begcren." 
55 2!a§ ift ber bruc^ im roelfc^en lanbt, 
SBie n)oI§ bie tütfc^en gelernet ^anbt 
SSnb ft)nnent du(^ oer^eiffen oil, 

SSnb leift er bannest, mag er tüif; 
5)urc^ ^ole tiäfen i)at er gerebt. 
60 S33ann er ta^ niut güm f)inbem t^et, 
©0 er tod) nüt öerlieiffen jolt, 

jDq§ er eim ntimmer leiften roolt! 

223enb ir t)e öon ben traten leren, 

@o lernt Don inen juc^t onb eren 

65 SSnb nit ein frummen man betriegen 

SSnb burc^ ein ^olen t)afen liegen. 



[74*] 25ff einem fterfcn rljttett. [r5' 

SBann iä) t)e jün narren müfe, 
@o fumm ic^ boc^ ^er nit 311 fü§; 

2)a§ rotten ift mir bod^ fo fc^roer, 
51I§ mann id^ jü ^er gangen mcr. 

2)er ift ein giitter goucfelman, 

3)er ju rofe nit rotten fan 
3Snb fi|et bannoc^t off eim ftecfen, [rö'^J 

S5ff ba§ er rt)t mit anbern gecfen, 
5 ©in oalfd^e freüb im fetber mac^t. 

9titt er ben tag bi^ an bie nac^t, 
^(S) gtoub§, ba§ im bie miebe t^et, 

5{(§ ob er nie geritten fielt. 
^ä) ^ah§i gehört Dor langen 5t)tten, 
10 @§ \\) ein t^or^eit, fteäen rt)tten, 
ißnb mer im mac^t ein oatfc^e freibt, 

2)ie im §11 letft mirt f eiber leibt; 
@r gibt im falt onb mermen oil 

SSnb brückt ein fibet, ben er mit. — 
15 2)er fetben rt)tcr fnaben finbt, 

S5en bo fterbent ire ünbt. 



224 



S8ff einem 



[74 



@o er ft)n§ finbt§ geltic^en finbt, 
3)a§ nt)mpt er an an finbe§ ftott; 
Xaxan er tdgtid^ freübcn fiatt, 
20 @o e§ \t)m redeten linb ift glt)c^; 
2)a§ er öon ft)nem gut mac|t rt)d^ 
SSnb beroubt jt^n arme frünbt, 

2)ie jt)n natürüd^ erben finbt, 
5ßnb gibt jijn gut, bem e§ nit !6rt; 
25 2)er ^at üff fteden rgten gelert. 
2)er rQter ^ab ic^ ein gereift, 
S)em ft)n frofö geftorben ift, 
2)ie er in ürd^en maten liefe, 
'an taflen contrafei)ten liefe, 
30 2tl§ ob It) nod^ wer in bem leben. 




74] ftecfen rotten. 225 

SSnb fi(^ felber ouc^ bar neben, 
S)a§ im ft}n öotfc^e fteüb erfült. 

SDBa er mac^t ein§ ^eiligen 6Ub, 
2)a§ bo gti)(^ folt ft)n eim man, 
35 (So mü§ ft)n§ oatter§ gtt)c^nü§ ^an; [r6^1 
S33a§ ft) bann ein votib gefi)n. 

So mü§ jqner froroen glt)c^nü^ brt)n, 

2Bte mol e^ ma» fant fat^er^n. 
@tn bing ba§ ift üerfumet bran, 
40 ®a§ bie büb nit oren ^an, 
®ie im f^n tobten ftünbt bebüten! 

£), narr, roilt üff eim ftecfen rt)ten? 
2)ie bilbung foQent manen mic^ 

5(n bie finbt in bem ^ijmelrQc^, 
45 ©0 finbt§ üon bern berr bietberticb. 
2Ba ic^ t)e|unbt ein rotib§ bitb finbt, 

®ic jü leitigen gemalet finbt, 
©0 finbt ft) alfo i)üt\(i) gemalt 

55nb fo fc^amper bar geftatt 
50 9Jiit cteibern onb mit irer brüft, 

25a§ xd) offt nit 1)ab gemift, 
Db i(^§ folt für ^eitgen eren, 

Dber dB bem froro^u§ roeren. 
Sft ba§ gelt mol angeleit, 
55 2)a§ mic^ ünb bic^ gii rei^ung treit? 
©old^e fc^omper ^ürfc^e bilbt 

^u in ein clofter malen n^iU 
S3nb mad^ft ben münc^en grofe anbai^t. 

93iftu ttj^i bog felb betratet! 
GO SBiItu aber fi)n ein gou^, 

@o Ia| bid^ felber malen ouc^, 
2)a§ bt)n narren ftanbft jii nec^ft 

ißnb feim roi)fen gtt)c^ nit fec^ft, 
SSnb ta^ bir oren fe|en an, 
65 So mei§t man, ha^ bu bift ber man, 

3!)er bo§ felb ^at malen tan. 
@§ mant mic^, mer üatfd^ freüben mad^t, [r6''] 

5tt§ ob im trömpte in ber nac^t, 
S33ie er ein fc^a^ gefunben tjett, 

M uro er, N'arreubeschwüruug. Jj 



226 ©ier trannen. [75 

70 SSnb er gefd^iffen ^at in§ bett; 
@o lüürbt im 0^ ber gr offen f reibt, 

Sffiann er lüad^t, ein ftinient§ leibt. — 
S33em an fd^one üil gebrifl 
SSnb bod^ fid^ flet§ mit mu^en rift, 
75 3)er fetb ein ftecfen r^tter ift; 
2)od^ mer rool menet, bem ift idoI, 

2)er felb t)tt)6t mir ben narren §oI. — 
©ofbraS reit oud^ bff eim ftecfen 

SSnb rant bar öon mit anbern geden, 
80 2)0 er im lie^ ein i)t)mel mad^en, 
aJiit gotbt önb filber rool betad^en, 
äRit fternen | funne | önb ben mon, 
58nb er fid^ brunber fe^et fd^on, 
9lt§ ein gott, bem l^timetr^d^ 
85 D6 im ttjere önb bienet glt)d^. 
(gr funbt hk ^t)mel fo betoegen, 

2)a§ f^ gaben einen regen, 
SSnb rQ§t ha^ maffer flein ^erab. 
®er ^t)met id^ me gefe^en ^ab, 
90 2)arinn fold^ narren finbt gefeffen, 

S)ie ir önb got§ t)onbt beib öergeffen 
SSnb meinten, tt)a§ bo gli^en tfiet, 

@§ mer aU gotbt on roiber rebt. 
$)ie gen^ ^onbt oud^ ein fold^en ftin, 
95 SBann f^ im föoffer fd^mtimmen binn, 
@o meinen fl) all famen gtt)(^, 
@t) f^ent in bem ^l)melrl)d^, 
@o ift e§ maffer fic^ert^^. 



[75.J mtv toauttctu [r7«] 

5)ie arbeit ift, bl) gott, ümb fnft, 

2)a§ üä) eier mannen getnft, 
(So fein ffirümer falt bo neben 

SSnb ft) att fampt fein ftoub nit geben. 

SDer nar ift nimmer mol befunnen, 
2)cr moffer traget in ein brunnen 



75] 



(Sict hjamtctt. 



22? 



SSnb mit gmaü ein ii)t)6 Beroart, 

2)ie mit tüitten übel fart. 
5 @§ ift, bp eibt, oerloren mie, 

Xie fein Mütter ^alffe nie; 
2Sann ein ftotu nit felber mil, 

So ^ilfft oft erbt fein roiber fpil, 
58nb fd^itteft rooffet in ein fant, 
10 5)a§ g(t}c!^ be^enbt ^in burc^ t)in rant. 
Gier mannen ift oergeben, 

<So fein ftoub nit falt bar neben. 
2Ber ein ftraffet, ba§ im brift, [r 7''] 

Sßnb ber felb nit fträflic^ ift, 
15 SDer t^üt, at§ ob er ^üner fpicft, 

®ie tion megre finbt crfticft, 
SSnb fQ mit f^ecf mit machen feifet, 

@o fd^macfen f^ mie fc^m^nen fleif(^, 
SSnb folten banno^t ^üner f^n. 
20 SBittu frumfeit jmingen br^n, 
2)0 e§ nit öerfengflic^ ift, 

©0 ^aft bie na^ an ftro gereift. 
SQ3a§ mol mil, ba§ ftraff bu nit, 

(5§ t^lit§ boc^ felber on bt)n bit. 
25 Safe ein miHigen efel bl^ben, 

2)en niemand fot nit über trt)ben. 
Wlan ^at§ öor tufent iaren gemifet: 




15' 



228 (gier Icannen. [75 

2Ba§ tüol tüil, ^a^ iQt önb t§t. — 
3^ tife önb {)ab§ oudE) jeI6§ ergrinbt, 
30 SBann man roürbt ben doftern fi)nbt 
SSnb molt mit in gern facfman mod^en, 
@o lügt man, ba§ bie balcfen frac^cn, 
33i^ ba§ man bdpftlic^ bullen bringt, 
'3)ie armen münd^ tion bonnen jtüingt 
35 33nb anber geud^ fe|t in ^a§i neft. 

®ott mei^t mol, wn bo ft) ber beft! 
9ioc^ tüittu ft) bann reformieren, 

®ie brit^otb trocken barnad^ fieren 
3n gegeniDÜrt ein f(^t)nbar§ mefen; 
40 S5arnac^ fo ift, ot§ üor tt)a§ geroefen; 
@o finbt bie olten mölff öertriben 

ä^nb iunge ttjolff im neft beliben. 
2)er lei) folt fid^ nit önberfton 
SSnb geifttic^ fad^en faren Ion. 
45 @§ mant mi^ eben, monn bu miÜ [r8^] 
Giemen önfer j^n§ önb gilt, 
2)arumb miltu ön§ reformieren, 

®a§ bu mt)n gtinS mogft ^eim ^in fieren! 
%U bo bauib tiriam fonbt 
50 ^m frieg on ein forgfamen ftanbt 
SSnb fiid^t in atfo mit geferben, 

®a§ er müft mol erfd^lagen werben, 
SSff ba§ er moc^t fi)n mt)b t)in fieren: 
2(Ifo tiiüftu ön§ reformieren. 
55 55er ifeifer iulianu§ l^att 

3)en d^riften tJ)on ein foldfie tfiat, 
2)0 er in oI§ ir gut ^in nam 

SSnb fprad§, ha^ e§ fid^ ni)mmer jam 
@im d^riften, jtitlid^ gutt gü ^on, 
60 ©0 d^riftug molt nit f)aben Ion 
@i)ne iunger 0Ui^ f)ab, 
S)e§ gieng er felb§ om bettet ftob; 
®e§ nem ber feifer in oud^ ab. — 
®ott ^att ben menfd^en alfo bfd^affen, 
G5 ®§ fi)ent leien ober Pfaffen, 
SBeltlii) ober geiftlid^eit. 



76] i^ff ben groffeu puffen fcö^ffcn. 229 

So finbt i'i) aU. jiim fal bereit; 
^üt ftat er öff, morn fe(t er roiber, 

(Sin i'ünber ^üt { morn ift er bibcr; 
70 @§ ift fein Sftanbt in aller \mlt\ 

35on eiern t^e fein ftoub nit fett, 
■^^arumb fo ftanbt Don bqnem mannen! 

®ott rtJÜrbt bie bofen fc^eiben bannen 
i^on ben glitten an )iim gerieft, 
75 SSann er alle frümmen fc^üd^t 

3Snb örteit Off ün» armen fpric^t. 



f76.] !öff öCtt flVOJjCtt I)uffcu fr^ljjfcu. |r8'^l 

S33er gut burc^ gott gibt ober gelt 
3Jnb roart ben ton oon bifer roett, 

©Ott toürt im nit ein ^ölBlin fpi|en, 
2)03 er in liefe in ^omel fiöcn. 

55ic ttjelt ift t)c|mnt at§ ocrfert; 

S33a§ gott, ber ^err, oe ^at getert, 
So t^üt ft) nun hat) roiber teil [I j^J 

5?nb treit ben narren folben feil. 
5 Sf^ ba§ nit ein groffe^ (eibt, 

2)a§ man i)e| borm^er^igfeit, 
®nab i mit troftung fid) erbarmen 

^3iieman§ t^ün toil mit bem ormen 
'^nh jii t)ilff ft}n in ber not, 
10 UU gott ber ^err ün§ ba§ gebot, 
3Ba§ mir eim armen menfc^en treten, 

©rfennen molt, aU ob roir§ fetten 
8iinem eigen I^b gett)on, 

33nb folt nit onuergotten fton, 
15 ^}[{^ er ouc^ felb am iüngften gerieft 

$)a§ fragen rvii onb anber» nic^t! 
^3?un ^at e§ qel ein anbern fin: 

2Ba§ ber arm jott nemen im, 
5)a» roenb fg nun bem ri)c§en geben, 
20 5)ic Don in f eiber ^onbt jä leben; 



230 



aSff ben groffen l^uffen fd^J^ffen. 



[76 



SBer Ott ^at, bem gibt mon mc, 

@o ber arm mufe It)ben tue. — 
21I§ batb ein ^err !ompt in ein flat, 
©0 bringt man im bie fd^encfen brat. 
25 @t) geben mand^em Ferren fegenden, 
2)er ir gün eren nit mirt gebenden 
^nb findet in ^eimlic^ einen ritten, 

2Bann ft) gro§ gaben b^^er fc^itten. 
Sft e§ mar | bod^ raei^ ic^ nit. 
30 Sßann fd^on ber pur bem t)erren gt)t, 
(5r gieng im lpt)ter§ nit ein trit; 
2)arumb fo fri| in bt)nen f)al§, 
(5§ mer bod^ fünft oerloren aU. 
man bo§ eim armen man, 




77] eng gebrtfen. 231 

35 (5§ lüürb öil ha^ in ftettcn ftan. [Sj''] 
Sr fd^encft bcn Ferren gab onb golbt, 

ißnb finbt üc^ bannest nt^mmer ^olbt, 
SSnb brtngent üirern ftjttben fd^encf, 
@o ir ber frünbt nimmer gebencft. 
40 3Ser eim r^d^en fegenden bringt, 

5)er ^offt, mann er im miber fingt 
iömb jp jd^end, ba§ er gern ^ert, 

SSnb ^offt, er werbt ou(^ miber gecrt. 
233er aber gibt eim armen man, 
45 3)er ba§ nit öergelten fon, 

^er felb erlüart oon gott ben lan. 
2öag man folt ben armen geben, 

2)a§ er oud^ möc^t off erben leben, 
5)o§ gibt man, bo fein not nit ift; 
50 S)omit bem armen oil gebrift, 
@o ber rt)d^ btt)bt off bem !üffen, 
SSnb ^at ber tüfel nun gefc^iffen 
SSff ben gröften f)uffen bar. 
9iun ift e§ bod^ nit tufent iar, 
55 2)a§ bu off erben ni)m fanft leben 

35nb müft oor gott ein anttourt geben, 
2Ba bu b^n gut Iiaft t)in get^on, 

2)a§ bir gott off erb t)at gelon, 
2)ir jum brud^ onb armen lütten. 
60 ©inbt ir tt)i)^, fo bencft ber 5i)ten 
Jßnb ^eid^nen üroer rec^nung an, 

35aä f^ oor gott müg rool beflan. 
2Bie ir bem armen i)abt get^on, 
Sllfo finbt ir ouc^ ütoern Ion; 
65 5)ann t)a§i regifter ift gefc^riben 
SSnb nit ein item über beliben. 



[77»J m^ gcöviicii* [§ii'] 

(Stlic^ fo eng gebrifen loaren, 
S33er in nun ein fur^ entfaren, 

B\) lettent tufent eibt gefd^roorn, 
@i) mieften emig ft)n oerlorn. 



232 



(Sng 



[77 




10 



gd) fant etn§ nial§ ein eng begi)n, 

Xk liefe mit namen iundfrom trt)n, 
®er ba§ t)er| im Ii)b üerjenrft, [g'ij'^] 

333ann jt) ein fur^ im arfe oerrenrft. 
^d) nen§ §u tütfd^em eng gebrijen, 

5)ie au §t)t jmijITen, nt)mmer miffen; 
$ß?Q§ man inen gibt für 6üfe, 

®ie felb man in al§ entern mu§, 
iönb fprec^ent balb, e§ \t) nit gnüg, 

SSnb finbt fo fürroi| onb fo ctitg, 
3)a§ fi) ein anber büfe bar neben 

9lemen, bie nie ma§ gegeben, 
SSermcinen, mit bcgi)nen tanbt 



77] gebrifcn. 233 

Sr^olen ünjer^ üatter^ tanbt, 
15 2)aö bie arme d^riften^ett 

®r^o(t nun mit barm^erliigfeit, 
^üxd) ft)n üerbienft nit haben mag. 

Sa, mann \i) ooflent aßen tag, 
8o fumpftu nun in§ §t)melrt}c^, 
20 5)a§ gott, ber ^err, ^att gnabet bic^, 
ii^nb mag[t mit biim üerbienft nit I)an, 

3ünbftu i'c^on brt)ifig ferglin an 
S5nb triegft ba§ roud^foB omb ben c^or 
S^nb neigtet bic^ off bie erb bar üor. 
25 2Ber an ber büffen gmt)ffel treit, 

2)er trurot nit gotS barm^er^igfeit. 
ißnfer gnügfam ift öon gott, 

5{(§ in fant pouIu§ brieffen ftot, 
2)a§ anber ift begt)nen mercf. 
30 {^iel ein beHer überjmerg, 
l^nb feffent niber ju bem tifc^, 

@e fi) ir ^enblin fetten gemifc^t. 
So mieffent ft) ir fc^ulben fpred^en, 
5üal gott bie groffe tt)at nit rechen 
35 SS6( ! önb bii'e groffe fc^anbt, [^iij-'] 
^a§ |t) "ba^ muß oerfc^üttet tianbt, 
SJnb ift boc^ nun begiinen t^anbt. 
5)al finbt bii inen groffe fachen! 
SBann ft) aber finber machen 
40 '-i^nb louffent ade döfter öß, 

5)ar5u ein§ i)eben pfaffen ^u§, 
'-i>nb finbt fo nt)big bofe trac^en, 
5)a§ fi) aüe jroitrad^t machen, 
©in lotter fpetlin ^encfent an 
45 etilem, ba§ ft) gfet)en ^an, 
i^nb fuppten alle melt ju famen, 

5)el börffent ft) fic^ gar nüt fc^amen; 
^-Bnb finbt gu liegen bbenbt önb ring, 
Oüd) fprec^ent tprteil allem bing 
50 35nb miffent, rca» ein t)eber t^at 

Qu ftrafeburg in ber ganzen ftatt, 
^•8nb finbt all famen böfer boc^, 



234 @öt frum böb f^n. [78 

^cn fuppicrin im bummenlod^ ; 
Sn ber ürd^en lang beltiben, 
55 S)a§ [ij öon mannen ünb üon loQben 
Stile fad^ erfaren ftjnnen; 

@o finbt e§ bann gar frum begi)nen! 
©t) freffent hod) aü jQt bie fte§, 
3Snb finbt ir morter alfo fie^, — 
60 2Ber fQ aber fennet aü, 

@o ift e§ nüt, bann gifft önb goU. 
Sld^, merent fQ jü portugatt! 
2Ic^, merent§ an ber felben ftatt, 
2)0 ber Pfeffer gemad^fen t)att, 
65 5ßnb nt)mmer mod^tent ^er gebenden; 

^(^ molt in gern ba§ weg gelt fd^ enden ! 



[78,] mt frum öua f^tt, [§iii^] 

Sr frummen buben, gütten gfeüen, 
3111 bie fid^ bfc^mören taffen mellen, 

£egt ir fd^on in ber fc^elmen grub, 
^Jlod) finbt ir bannoc^t gut, frum hub. 

^d) ^ab ^a^ üor betrautet fd^on, 

9Wi)n bfd^morung mürbt t)ie nit §ergon, 
33t& ba^ bie glitten gfetlen tcmen [giiij*] 

3Snb oud^ ein narren cöplin nemen. 
5 ©d^encf i)n, gut gfel, fc^enrf reblic^ ^n! 

^e^ menbt mir erft gut, frumm biib f^n! 
ga, bi) gott, gut Ü)d^nam bub! 

2Bie oaft mir louffen öff ber griib, 
Sd^encf i)n oub trag ün§ nad^ ber fc^mer! 
10 Sil iar fumment bo(^ bie Reiben ^er. 
233er i)e| üerjert ft)ner etter gut 

SSnb tag ünb nad^t ^alt fr^en mut 
^nb fi|t üon einer mitternad^t 

3u ber anbern ünbe moc^t, 
15 ©c^Iempt 1 öerbempt | ünb ni)mpt off borgen 

SSnb la^t bie lieben öögelin forgen, 



78] 



®ut frum bfi6 ft>n. 



235 



Ou^ füllet oHc jQt ben magcn, 

Xa§ er bie f|)Qfe grifft in bem fragen 
SSnb futet in ber f(^elmen grub, 
20 So ift er bann ein gutter hub 
SSnb ein I^c^nam gut gefeH, 

2)er mit buben fier in bie ^eü, 
5)em e§ nie tarn in ft)n beger, 
2)a§ er allein im ^t)met mer. 
25 (5§ finbt gut gfellen, bem f^ fiegen! — 
2Ber omb loufft in allen friegen 
SSnb roubt | onb ftilt | onb flü(i^t | onb brennt, 

^^riefler onb finbtbetterin fci^ent, 
Sitte tut onb iunge finber, 
30 gSnb lügt, mie er bie borffer btinber, 




236 ©fit frum hüb f^n. [78 

©0 ift er ein frummer lanbt^ fnec^t, 

SBann er mit ben ^ünern fec^t, 
2)er er öi( eriüürget f)at, 

*nb fünft fein erlief fachen t^at. 
35 8(|ott), iädün, e§ finbt frumme fnaben, [^ iiij'^J 

SBann ft) fo öil geftolen ^a6en, — 
2Bie mol e§ Reifet im frieg: befa^en, 

SBann bu frembb gut ba§ b^n roitt machen; 
(S§ ift geftolen | bod^ f)ei|t gegrampt — 
40 5)Qnn mirt er a|3t im bfad^er ampt, 
®a§ er mit bfad^en fo lang trt)6t, 

!öi§ nüt mer in bem f)u^ beliebt; 
©0 finbt ft) bann tie frt)en !nec|t. 

9J?an f|3red^ nit, e§ mer ungerecht! — 
45 9Jo^ finbt ber frummen büben mer, 

2)ie mit f|)i( tt)unbt manchem nie 
SSnb borffent mol bem bofen fpil 

3ie^en nad^ tool br^ffig migl, 
5^ie fünft öff erbt fein ^anbtmercf ftinnen, 
50 "S^ann mae ft) mit bem mürffel gn)i)nnen; 
2)aruff f^ roiffent aßen fonbt 

ißnb bfc§t)ffent gott önb atte lanbt 
iJ^nb miffen ire§ glt)c^ gii füd^en. 

^ie felben, mann ft) mir nit fluchen 
55 ^'nb fein fd^eltitjort ^ort öon im, 

©0 er öerlnrt, nit roiet mit grl)m, 
@in frummer flauer mürbt er gnant. — 

SBann ein Wijh ^at alle lanbt 
(Seioffen burd^ oier^unbert ^6r, 
60 S^ertoren l^at atl jud^t önb ere, 
©0 ift§ ein frumme tkn geft)n. 

^i)! bo fc^Iieg ber tüfel brt)n, 
2)o§ ir aü famen finbt fo frumm 

!önb gonbt mit fc^elmen ftudfen umb! 
65 ©i^ent t)er ^n mir, ir frummen, 

^i| ha'^ üä) mer gefellen fummen. 



79] [79.] teti 0uttMft^ttd^ tiff ttievffctt» [§ v] 237 

Sc^ müfe bie puren oudö befi^meren, 
Xie fi(^ be§ punblfc^üd^S iröüen neren, 

©0 fl) mit tofter önb mit fc^anbt 
SSppig ba§^ir üerjerent ^anbt. 




2)ie puren finbt t)e^ fd^amper njorben 

SSnb fierent ein f(^entlic^en orben, 
S)a§ Iq ba§ ir üppig tjerjeren 

$8nb menbt fic^ bann be§ bunb[d^üc]^§ neren, 
5 S)em obel nemen mit geroalt, 

SBa§ er mit fporcn gamen t)alt, 
5ßnb ber geiftlicEieit bomit, 

2)a§ ft) in ^aben geben nit. 
SBann ft), in aller tüfet nomen, 
10 ^x gut önb frud^t ouc^ fparten jamen, 
2)a§ ft) fo läfterli^ öerfd^Iemmen, 

So borfften ft) nit treutüen, jü nemmen 
2)e§ abel§ önb ber ürc^en gut. [§5''] 

^ä) gloub, bog man§ 311 niirnberg t§üt, 
15 2)0 gibt man onber§ an bie ftatt 

5)em, ber ha§i fi)n üerbraffet ^att; 
5tber ^ie in onferm lanbt, 

SSann fi) fotd^eS ünberftanbt, 
©0 mu§ man in ben leimen flopffen, 
20 3)a§ ft) merben arme tropffen. 



238 3)en bunbtfd^fic^ bff iDetffen. [79 

S33ann id^§ in aller rtjor^eit trad^t, 

©in frummer pur in jtiner ac^t, 
3)er fclb ift oder eren merbt, 

@o er fid^ öon ft)m bunten nert, 
25 (Stnfeltig fianbCet in ft)m ftat, 

2)ann gott jeI6§ gefegnet ^at; 
2ßte mot f^ Qe| einfeftig finbt, 

5t(§ man larer gibel finbt, 
5ßnb Qebent gan^ fein go^ fordet mer; 
30 ^^üt ir pfoff bie funtog ler, 
©0 ftonbt f^ buffen an ber funnen. 

2Ba§ \t) \>a§i gan^ iar l^onbt gertjunnen, 
3)a§ öergerenS öff ein tag. 

^ft e§ nit ein groffe ctog? 
35 @t) üerfe|en frud^t önb brieff, 

SBann \t) fid§ ^onbt öerroatten tieff, 
'Jiie frud^t, bie öff ben boumen ftat, 

SSnb ee ha^ !orn öerbtüget fiat, 
(So ift e§ at§ öerfe^et gar, 
40 2)a§ er bie felb nit fd^ni)ben bar; 
85nb fionbt üerbrafet ir gan^e§ le^en 

SSnb geben nieber jin^ nod^ je^en, 
SBiB "^ci^ nian \t) mü| fünffmal bannen, 

@o iDottenS erft ba§ forn üfe mannen 
45 SSnb iren Ferren gen bar oon, [§ 6=^] 

©0 ift e§ üor eim iar üert^on 
Sßnb ftat am mür^^u^ an ber wenbt, 

2Ba§ fQ attc§ fampt öerbraffet ^enbt, 
SSnb bjaten roeber ba§ nod^ bife. 
50 ®ann brud^ent fQ ein anbern bfd^ife 
SSnb fumment mit ber fid^el ^ax, 

Dud^ liegent, njie bie frui^t all gar 
S)er t)aget dägtid^ i^ah jerfd^tagen. 

@§ ift ertogen, tt)a§ ft) fogen. 
55 ®onn fad^t ft) an ber mirt ju plagen 

SSnb ber abel an jü dagen, 
©0 fompt ber bifd^off mit bem bon, 

3)a§ feiner nit o^ fd^fötjmmen fan. 
2)onn njöttenS mit ber füft brt)n fc^Iogen, 



80] 



60 



®tn luten fd^Ial^er im l^er^en l^on. 



239 



3!)en abel tt§ bem lanbt öeriagen, 
S)ie |3riefter fc^la^en aü jü tobt, 

SSnb ^abent einen engen rot, 
SSie ft) ben abel roenbt öertrt)6en, 

33nb ma ein ^eber wbi beleben; 
65 Duc§ teilent \t) ba§ gan|e lanbt, 

©e bo§ ft) ba§ gemunnen ^anbt, 
5ßnb |onbt bie beren ^üt oerfoufft, 

@e iia§> ir einer in erloufft. 
2)od^ fon man ft) üff bie finger fc^tagen, 
70 2)a§ ft) niemand mer öeriagen, 
Sßnb miber tretten an ben pflüg, 

Si^ ft) ben fd^utben t^ünbt genüg. 
2Bie fünbt ir üroer ere öergeffen, 

5)a§ ir all mett ooni bunbtfi^üd^ treffen? 
75 2)aran ir tüarlid^ nüt gewannen, 

©0 ir in nit öerfd^tucfen flennen. 



[80.] @itt Itttcii fd^la^cv im ^cvtscn ^ott. [§ 6^] 

äJianc^er ^at im fier^en fi^en 

©in luten fc^Ia^er mit ft^m fri^en, 
5)a§ er mü^ gum|3en onb oud^ bü|en 

On all oernunfft, mit wenig mi^en. 




240 ein ritten fc^Ia^er [80 

2)0 iä) tiom luten fd^Ia^er bid^t, 

SSerjpottet mid^ ein bofer irid^t 
SSnb fragt mtcfi, ob id^ tDi^t bic mer, 

2Bie eim fc^alcf im ^er^en wer. 
5 (5r meint, xd) tiett ba§ felber triben 

SSnb mic^ an§ fd^elmen bein geriben. 
(5t fptacf): „böfe frut, id^ fenn bic§ mol!" 

ißnb oorbert mir ben narren jol. 
§Irf) gott, mag barft§ oil fc^arpffer roort? 
10 9Jun luarbt boc^ büfen nie fein mort. 
@oId^ fc^roer frag f)ört in bie fd^iif, 

^äxn iüngften tag fürn ricfiter ftiil; 
3)a mu^ id) on al§ miber ftreben, [§7^] 

%d), leiber! barumb antrourt geben. 
15 §ett id^§ m^n lebtag nie get^on, 

^)loä) liefe ic^ mi)n entfc^ulbigen [ton; 
^ä) ^aH hoä) in bem anfang gfeit, 

2)a§ id) oüci) ftecf im narren !(eibt 
SSnb ber oberft apt bin morben, 
20 Sin narr in aller narren orben. 
S)arumb fo töub mid^ nit mit fragen, 

(So mii id^ oon ber luten fogen; 
@t) t)at mir§ mot fo fiefe gefc^Iagen, 

S5a§ i^ üom ban^ tieff narren iagen. — 
25 2)er t)at ein luten fd^ta^er fi|en, 

S)er im fd^ne miife louffen, f(f)tt)i|en; 
2!Bann fi) mil, fo nüife er louffen 

2BoI fiunbert mi)I, ein fren^ün fouffen, 
S3nb noc^ mot t)unbert mer bargit, 
30 3" fragen/ tt)a er§ |ine tf)ü, 
Dh er e§ leg öff füc^te erb, 

SJ)a§ e§ nit balb im bürre werbt, 
Dber m6g§ in brunnen Jiencfen. 

©in buter mi'ife gar t3i( bebencfen: 
35 SSoId^en füfe bie lieb margrebt 

3iim erften fe^et ofe bem bctt, 
3)o§ er lug b^ ü)b ünb leben, 

(Äin glitten tag bem trüttin geben, 
Jßnb ir ba§ t)embb biet an ber ftott, 



80] im l^er^en l^on. 241 

40 2)aran \t) bic gen gmifd^ct ^att. 
@oIt id^ bie \ad) otl fc^rt)ben an, 
D nje! ira§ mie[t id^ binten ^an! 
SBem bo brift, ber ftürbt baran, 
SSann ber luten fc^ta^et fri|t 
45 SSnb bic^ ber bippel gar be[i|t. [§?''] 
93iftu bann ein geiftlic^ man 

SSnb fac^ft bt)n metten betten on, 
©0 ftat nit)n trütlin oornan bran 
SSnb fu(|t W lieb al\o genoro, 
50 5)a§ ft) bid^ jc^ier mad^t engelfc^ gron». — 
SSerraten [ fielen | brennen | rouben, 

SJJorben ünb bem tüfel glouben, 
(Sott oerad^ten ] onb oerfd^roeren, 
5ltle facrantent enteren, 
55 ®ie ja^en n)erben otl »ergeben; 

Süßann aber trüttin lugt barneben, 
2)a§ e§ ein bt)fc^Iag l^ab jii bir, 

@ot(^§ würbt vergeben nt)mnter ir. 
3!)a§ ift bie grofte jünb off erben, 
60 2Bann üfe bem e ein £ mit lüerben! 
@o mid^ ber et)ffrer bann beftat, 

SSnb trütlin nod^ ein jii mir ^at, 
©0 gang ic^ ir üff focfen nad^, 
3ornig!(id^ tife grt)mm önb rad^, 
65 85nb a^t, ob ic^ ft) mod^t erfpe^en, 
93nb lern erft mit ben ougen fe^en; 
5)ann ft) mid^ ^ett oor üerblenbt, 
äJiid^ ünb fic^ barjü gef(^enbt: 
2)0 id^ meint, ic^ t)et§ allein, 
70 5)0 ma§ fi) atter n^ett gemein, 

5^ie tufent fd^on, bie jart onb rein! 
Sd^ ntii^ be§ trütlin^ bannoc^t lad^en, 
S)a§ e§ fo tpol fan narren motten; 
SSie mol id^§ ad^t i)e^unbt nit me, 
75 (S§ tf)et mir aber bann jü mal me. 
3d^ bancf gott, ba§ e§ ma§ fein ee! 
S33er e§ ein ee gemefen oor, [§ 8^] 
Sd^ ncm mt)n trütlin bt) bem ^or 

M u r n e r , NarreubeschwOnmg. | (j 



242 ©in tuten fd^Ial^er im l^er^en l;on. [80 

SSnb njott bte jo^ff im atfo flcd^ten, 
80 5)a§ nit ein t)eber ftrel !ünbt f(^ted§ten, 
sau ic^ in mt)ner fünft tpot fan; 

^m ftcid^ id) ouc^ ein üdrblin an 
SSmb bie tenben | üm6 ft)n oren! 
3c^ f)Qb üor mer alfo befd^ttioren 
85 SSnb fan barju ein bfunbern griff, 
2Bie "öa^ ic^ ir ba§ f)drlin biff, 
SSnb fag ir bann, rt)a§ f^ fot fd^affen, 
^a§ ft) ofi mir nt)m mad^ ein offen. 
%i)d ft) e§ me, fo fem id) miber, 
90 ^ann gieng e§ erft an aUe gliber 
SSnb mieft ir erft bag f)ar ü| ro^ffen, 

Duc^ noc^ üil ha% ben leimen fCopffen. 
933en ber Inten fd^Ia^er betriebt, 
SSnb in ba^ trütlin alfo t)ebt, 
95 ^an ic^ bie narren öon im iagen, 

Sßon groffem glücf mag er mot fagcn! — 
9iod^ mürt ben trütlen offt ber Ion, 
S)a§ fi5 brot bellen mieffent gon, 
83ff ta^ fold^ gut, ba§ mal quefit, 
100 Ouc^ miberumb merb mal |)erbüt; 
SSie gemunnen, fo oertjion, 

SaSie e§ fompt, fo miber gon. 
3331)1 bie fo| | onb oolfd^e lung 
3ft gefunbt | ouc^ ftifc^ | önb iung, 
105 @o finbt fi) feinen man für fid^; 
5)onn fi) ad^t feinen ir^ geli)d^. 
Sin fcandf^eit bringt ta^ atte§ fanbt, 
2)a§ \t} oon niemand mürt erfanbt. 
SQ3ie niemand ir ma§ gilt geniig, [§ 8^] 
110 35arnad^ mürt f^ ouc^ niemand füg. 
SBann fl) bann fo etlenbt gat 

SSnb püIen | blatern | gemunnen I)at 
$ßnb mirt ein f(dglid^§, arm§ gefid^t, 
@o fprid^t man, ha^ ir rec^t gefd^id^t. 
115 .^at fl) fc^on bulen machen bli|en, 

9to^ mu& ft) cor ben firc^en fi|en, 
3n allen gu erbarmen fummcn. 



81] S)a8 finbt mit bcin bab b^ fc^itten. 243 

^ctt f^ ein frummen ecman gnummen, 
3)e§ iamcr§ wer fQ gar oertragen, 
120 SSnb borfft nit att melt öon ir flogen, 
2)a§ f9 ber felbig ünflat lüer, 

5!)er gfprenget ^at otl §in onb ^er. 
iUa tü^I \\) i[t m^n Iiebe§ ^er^, 
@o ift e§ a(§ ein luter fd^er^; 
125 SBann jt) aber tüirt ein Inng 
SSnb bor§u ein obe jung, 
®ott, fo got§ I m^c^t öff ein ort! 

SSfe groffer lieb roirt bann ein mort. 
^ann fa^ent ft) ein janrfen an, 
130 SBie yc|tt)t)n, bie öor eim gatter ftan, 
S)o tüpfit man fid^, bo \(i)kd)t man br^n; 

aji^n teil ouc^, road), fetterl^n! 
iJrifcl^ off bie lung, fc^Iad^ bapffer bruff! 
'ää) lieber, gib ir nod^ ein puff, 
135 St^ ^it§, bt) gott, ümb bid^ öerbicnen, 
gr lüerbt üd^ bannod^t lool oerfienen; 
(5§ ift boc^ ^urn önb büben red^t, 

2)a§ ire frieg halt merben fc^Ied^t. 
Safe rebtid^ benget öff fQ regen, 
140 3)arnad^ füfe ft) öon mijnen wegen! 



[81,] ttt^ fitibt mit 5cm 6aÖ tife freuten, [tj^] 

@in narr ber meint, e§ ft) nit fc^ab, 
5)a§ finbt öfe fc^itten mit bem bab, 

SSnb ft) fo gut in bie ^etl gefprungen, 
5tl§ mit rütfc^en brt)n gerungen. 

S)a§ ift in olter töelt gemein, 

jDa§ fein önfal fumpt allein; 
(Sr bringt mit im önglücf§ geniig, 

2)o§ mand^er narr nie löorbt fo diig, 
5 SBie er fid^ fot öfe önfal ringen. 

233a man in wolt öon ft)m gütt bringen, 
SSnb feit im gii ein mibermfit, 

16* 



244 



3)a§ finbt mit 



[81 



S)en im ein narr öff erben t^ut, 
@o f)encft er fic^ bann fetbS bargu 
10 SSnb fc^tec^t ta^ Mh ö^ mit ber fü 
93nb jc^it ba§ finbt ö^ mit bem hab, 
Qh önfal mac^t im felber fd^ob. — 
Mid) fragt ein§ mal§ ein groffer narr [tj''] 
SSnb fprad^, mann iä) in tobtfünbt t)ar, 
15 Db im jt)n oaften ünb ft)n Betten 
©tnjag nu^ jum ^gmel treten, 
^c^ antmurt: „nein, fo lang bu 6ift 

3u töbtlid^ fünben ^ie gerift, 
6o bringent bi)ne merrf fein frud^t." 
20 @r fprad^: „fo mit iä) meber jud^t, 
giig I nod^ 9lt)m^ff | noc^ füd^en ere, 

Letten, oaften ouc^ nit mere 
SSnb mil bab | finber | flutten öfe, 
2>en füben nac§ in merffen 0^!" 
25 S)er narren finbt, ad) leiber, öil, 
S)er feiner giit§ me Qeben roil, 
@o e§ nit gat nad^ irem fin 

SSnb nit aH ftunbt off nemen gtt)in; 
S8nb fragent bann fo jornigflic^: 
30 „5tc^ gott, ma ift§ oerfc^utbt omb bid^? 
233a§ 1)ab iä) Qe ünrec^t§ get^on, 
2)a§ idl) mü§ olfo ftrdftic^ fton?" 




81] bem bab tofe [dritten. 245 

2)u ^aft ini§ lüartid^ reblid^ gfeit: 
@§ jott bir t)cmer werben leit, 
35 SBann bü mit gott beger[t 511 rechten, 

^c^ treife, bu möd^tft ba§ nit erfei^ten. 
®o er nit nad§ b^m tüillen t^iit, 

S)ann flüc^ftu jt)nem fleifc^ onb bliit 
ißnb ^ebft im off ft)n morter, rounben. 
40 31^ mögt rool fQn ber naffen funben, 
2)a§ ir in tuibertoertigfeit 

ajiit gott jü fc^er^en finbt bereit 
ißnb fc^mörent, nit mer giiö ju t^im 
S33eber oatter | geift | no^ fiin, 
45 Oüd) merbent gott, bem Ferren, fynbt. [tij''] 
^d^ mein, ba» ir ool tüfel finbt, 
2)a§ ir nd) ftelt, mit gott 311 friegen, 
55nb borfft üd^ olfo frum erliegen, 
m^ ob üd) gott onbittic^ ftraff, 
50 ^cin§ redeten barju mit üd^ fd^aff. 
3r tröment im onb jirnt mit gott, 

S3i§ ir ft)n tt)ben gar üerfpott. 
Sllfo f)at iulianu§ tf)on, 

5)er fid§ mit gott borfft onberfton 
55 ©in offenlid^en frieg fürnemen, 

S3i§ er in mit geroalt miift fennen 
S3nb fprec^en o§ jornigem nt)bt: 

„©alilee, bifen ftn)t 
Sfirifte, |aft bu t)e^ gerounnen; 
60 S<^ ^ab oerloren onbefunnenl" 
SSer fic^ mit gott frieg» onberftat, 
2)em t^ut er, al§ er bifem ttiat. 
Sieber narr, bu t^üft im roe, — 
2Batin bu fd^on betteft nqmmerme 
65 ii>nb fluc^ft onb marterft ade jQt, 

2Bo§ meinftu boc^, ba§ gott bran I^t? 
Db bu in fc^on nit rooltft erfennen 

SSnb troroteft, im ben roi)er brennen 
iißnb bic^ erbenden fiin bereit, 
70 (5Ju(f eben bruff, roem e§ roürbt teibt. 
X§ü nun ta^ boft in allen bingen. 



246 



©in efel ömb gelt fd^inben. 



35ir lüürbt ju Ictft naä) btinem ringen, 
©d^ütt ftnbt ünb hai) nun frolid^ ü^ 
SSnb roürff ben fübel ö^ bem f)u|; 
75 SJJit freüben biftu in bie ^ell gcf^rungen 
33nb finbft, barnad^ bu I)aft gerungen. 



[82 



[82.] mn cfcl Umft gclt fc^ittöcu, [tij'] 

2)ie ttielt i[t tje^unbt ai]o Minbt, 
S)a§ f^ ümb gelt ein efel fd^inbt. 

^em d^riflu§ no^ ein mal öff erben, 
(5r mieft ümb geÜ »erraten werben. 




10 



ajtand^er clagt Qe| iubo§ on; 

(5r ftjer t)e^unbt ein frummer mon; 
Sebt er no^ in bifer tuett, 

^(^ i)ett in ju ben frümften gftelt. 
5)0 er bod^ i^e öerrotcn lüolt, 

S^iant er bar oon ein bapffern folt. 
aJian finbt i)e^unbt toot naffe fnaben, 

2)ie roeber mün^ nod^ gutben ^aben 
SSnb bannod^t finbent ein öerraten, 

^ar öon fQ nie fein ^aller f)aten; 
3?erraten Qeben ttj^t tjnb breit, 



82] Gin efel bmb gelt fc^inben. 247 

S)ie in bod^ traten nie fein leibt. 
SSem ein ^err t)e| übet wit, [t üj-'] 
2)ie fc^ieffent all be§ Ferren §il. 
15 SSann ber ^err ein ormen trifft, 

@Qn fd^elm ba§ mü& erft gar öergifft 
SSnb fprid^t: „ia, ^err, e§ ift gan| mar, 

SSnb fett fid^ nüt gar ömb ein ^ar! 
^ä) mt)n lebtag nie fein man 
20 (Sefe^en, ber 6a^ reben fan; 

SSa§ ir t^unbt, ftat üd^ mot an." 
2Bie frum beg Ferren fachen finbt, 

9^oc^ bannod^t id) ber fcfietmen finbt, 
2)ie fd^tüorent mir ein ^o^en eibt, 
25 ^i §err bieg§ ö§ gerec^tigfeit. 
2Sann ber abel ^at gern fachen 
SSnb mott gern ripfu§ ronpfuS machen, 
SJaS Dom feür bie börffer frod^en, 
@o fon er fd^r^ben fijn öermanten, 
30 2)ag fQ im ^etffen | bütten 1 ganten; 
S§ ^ei§t bt) in ein gfetten ritt. 

2BoI o§, "öa^ nd) ber ritten fc^itt, 
3" Quttem roelfd^: te febre quartan! 
233e§ reitftu off ein fotd^en man, 
35 5^er bir fein leibt nie t)at get^an, 
SSnb fagft nit ah, ee bu gri)ffft an, 
SSnb fc^inbft ein efel omb ba§ gett? 

5)er lanb^fned^t jüd^t §ü fcieg in§ fetbt, 
@r brennt | önb ftitt, mörbt | ünbe roubt; 
40 5J)a§ im ber Pfenning ^att ertoubt. — 
S)ie ^Pfaffen önb bie geifttidieit, 

®en ift aflein ta^ gett erteit; 
Sr fad^ ftat nun öff^ emig teben, 
SSnb ad^tent meber gab noc^ geben, 
45 SBie mol ein nifi ftat bar neben, [t iif'] 
©tttic^ finbt gemiCIig arm, — 

|)t) ! "öa^ ift mar, bo§ gott erbarm, 
^inberm offen ift e§ »uarm! — 
SQ3ie mol ein gtatten batg ^at Jjeber, 
50 5)ie glitten, armen, frummen brieber! 



248 ©in efel öinb gelt fc^inben. [82 

$)ar üon lüit id^ nit iüi)ter fd^rtjben, 

^ö) mü<i)t mid^ feI6§ oud^ ömb^er tri)ben; 
^ann bie üon mangen finbt mir fi)nbt 

!i8nb f)onbt mid^ fester gemad^et blinbt. 
55 '^od) tüie bem fl), ber getftüd^eit 

3ft alle§ gutt ünb gelt erleibt, 
S)ann fi) ümb gelt fein pfrünben fouffen, 

(So t^ünbt f^ na(^ feim opffer louffen, 
St) f)Dnbt§ at§ fampt ümb fünft genummen, 
60 5{Ifo genbt fl) e§ miber üm^en. 
Sr Hoffnung ftat bo(^ gar jü gott, 

5)e§ ift in gu bem gelt nit not. — 
9iun ift e§ an tt)t)ptid^er 6erbt, 

2)ie finbt bem Pfenning fo geferbt, 
65 ^a§ fl) oE gud^t | ere | t)onbt oergeffen 

Jönb finbt in oflic^ ^üfer gefeffen. 
SEBann ein froro ir ere üergi|t 

SSnb ir §ud^t mit eten mi|t, 
@o fenn i(|§ nl)m, fo tielff ir gott, 
70 2)ann f^ ift mer bann tjalber tobt! 
S)a§ gelt t)at ün§ fo gar üerblenbt, 

2)a§ manc^ bofer terfer ttjenbt, 
ipat er gelt, fo f)ab er ere. 

9JJan ad^t fein§ fünftenri)d^en mer, 
75 !;)iun bem ber fedtet fianget \d)mx, 
i8nb mollent att ben efel fi^inben. 

So batb f^ nun ein f)atler finben, [t iiij*] 

!5)ie gfetienen ober oud§ bie blinben. 
SaSöIc^er rec^t ünb erberfeit 
80 töuflid^ feil ben lüten treit, 
S^er ift ein efel fd^inber genant 

SSnb ^at an bifem ort fl)n ftonbt, 
@r ünb alle fri^ ben Pfennig, 

2)ie on gelt got§ od^tent nienig. 
85 ^d) gtoub, fem gott t)e^ felb üff erbt, 

@r iDürb on gelt ün§ ni)mmer merbt, 
@r mieft on gett fcfimat ))fenmert effen, 

Dber üff irer er fd^on gefeffen. 
3Sa bie ölten romer §anbt 



83] 2:i^ürung ber l^eiligen. 249 

90 ©efrieget oor in allem lanbt, 
!ßnb tva man fg Beftec^en tüolt 

9Jiit talenten | fi(6er, golt, 
Sid tri)I fi) ba§ nit f)onbt genummen, 
8inbt fi) ju groffer ^errfd^offt fumnien. 
95 ^d) finbt, ba» etlic^ ^onbt gerebt, 
2Ba man in gelt angemüttet ^ett: 
„(Sin frummer römer fol ]i(^ fc^emcn, 

©oben I mieten, gelt jti nemen! 
2)ie römer füd^en bod^ !ein gelt, 
100 ®i) roöllent ^on bie gan|en roelt." 
5)0 fq anfiengent 511 erblinben, 

5)en efel oud^ omb gelt 511 fc^inben, 
2)0 f)etten ft) gar balb öerloren, 
2Ba§ fi) oor ^in in langen ioren 
105 aJht groffer arbeit über !amen, 

5)a§ off ein [tunb fiel aUe§ famen. 
(äö fc^inb ben efel, mer bo n^eü, 
©0 treit er hoä) bie ^ut in bie ^ell. 



f83.] Idünuig Der Ijcilif^ctu [tüij^] 

5)em [inbt bie ^eiligen frt)Iid§ tür, 

3)er ben tüfel ni}mpt 511 ftür, 
So fid^ fi)n fac^ nit rinrflet jamen, 

2)a§ er f^ f(|icft in§ tüfcl§ namen. 

Ter norren fint no^ oit off erb, 

©0 in frandft)eit miber fert, 
Tann fagent§: „^ilfft mir gott t)e| nit, [t 5 J 

So ^6r ber tüfel boc^ m^n bit! 
5 ®ott geb, id^ rieff an ongeferbt, 

Sa, ba§ mir nun ge^olffen ftterbt, 
e^ fQ ber tüfet ober gott!" 

Ta§ ift ein fc^entüd^ norren rott, 
Sn mold^er bofer narren orben 
10 Ter tüfel ift ein ^elffer lüorben. 
@r mürbt in ^elffen mit ber tf)at, 



250 



3;^ürung ber 



[83 



2II§ er anbern ge^olffen ^at! 
2)0 gott füng faul fein anttrurt gab 
5ßnb er gar fer erfd^racf barab, 
15 2)0 fliegt er ein tüflijd^eg m^b, 
2)ie ben tüfel £)ett im It)b, 
®ie ^ie^ im famuel off erfton; 

2^e§ marb im fürberlid^ ft)n Ion. 
2Ber oerlürt i)e|unbt etma§, 
20 2)er lügt, \va ein rtiarfegerin fa^; 
2)ie jeit bann mar t)on§ tüfeU lift, 

2ier nt)mmermer marfiafftig i[t, 
Sunber ein oatter aller lugent, 
@in mt)ber, l)affer aüer tugent, 
25 3)er felbig tüfel gibt bann an 




83] ^eiligen. 251 

®cn otter onfcf)uIbigflcn man, 
^Q§ et nun ein iamer ftifft 

SSnb jttjijc^en ftiben tuerff f^n gifft, 
Tlaä) ü)ben, not önb ^ar bff ^ar; 
30 @Qn grofte freüb: toan^ miettct gar, 
Sanbt önb lüt önb muren fallen. 

3u fot(^en narren miife man mallen, 
SSerlaffent gott önb atl ft)n frünbt; 

^ag felbig t)e| roarfegerin finbt. 
35 dement §u mir folc^e narren, [15^'] 

^d) molt fein arbeit an in fparen; 
^ä) molt einen alfo bfc^rooren, 

SSier tufent mieftent fi(^ bran foren. 
2)en jelbigen finbt bie l^eiligen t^ür, 
40 2)en ber tüfel tf)üt folc^ ftür. 
SSn^otben | ^ed^en önb forfier, 

fdlt)U nit öfe önb fumment fc^ier! 
Sd^ ^d^ üc^ fc^on ein feür bereit, 

2)o§ üc^ marfagen roerbe leit. 
45 SSa^ f)at ber tüfel flijfe ge^an, 

@e bo§ er eS bracht öff bife ban, 
5)aS f^n alte lugen finbt 

gür mar^ett roerben ^e^ öerfünbt! 
SaSie finbt bie menfc^en alfo blinbt 
50 53nb gtoubent irem f)6d^ften f^nbt! 
@9 fagen, ba§ öff gablen rotten; 

2Ic^, ftecfent ft) in in ber ft)tten! 
Sd^ fag§ bt) eibt, mann ba§ mar mer, 

3)a§ man öff gablen ritt bo ^er, 
55 @o molt id) mir ein gablen !ouffen, 

2)ie frefe fein ^em mir öfe ber rouffen; 
@o mürb ber ^abern nit fo t^ür. 

®ie r^ter ^orent all in ba§ für. 
^d) fia6§ gehört öor langen jtjtten, 
60 e^ fi) t^orlic^, öff ftecfen rQten; 
SSoItent aber gablen louffen, 

©0 molt ic^ mir fein ro^ mer fouffen; 
SBie mol id) fordeten mieft ^ermiber, 

35a§ id^ f^entlic^ mürb fi^en niber: 



252 3?ff bem jan b& goii. 

65 2)aö gabcl ro§ lüürb gum^jeii | bli^en 
S8iB 5Ü beni feür in groffe f|i|en. 



[84 



[84.] <Pff öcm ^an Df; ^oiu [t6=^] 

®cr mag lüol fi)n ein tfiorec^t man, 
2)er nit tüeiit, öff tpolc^em §an 

8t)n eigen fad^ müg ö^^er gon; 
2)e§ fumm er ou^ jiin narren fton. 




8i(^, f)ei)tige§ crü|, roa fom^t ir ^er? 

SBer f)et§ gemeint, ia§ ir finbt ber, 
5)er ein 6uiü börfft önbcrfton [te'^] 



84] SBff bcm jon b^ gon. 253 

SStib trad^t ntt, roa c§ öfe mod^t gon! 
5 ^ettent tr be§ enbt§ betrac^t 

5^nb be§ taglonS genummen ad^t, 
3«^ f)ett 0^ üc^ fein natren gemalt. 
2;er jon ^at ntond^en man üerfiert, 
23er in mit bencfen nit beriert; 
10 2B{e ttiol tüir ^onbt me gen im öalä, 
"iDoc^ ift ha^, ber el enbet aU. 
S)arumb fo [ic^ in eben an, 

Ob e§ oft im müg ofefier gon. 
SBer ba§ enbt bebencfet mol, 
15 2;a§ mittel, al» er bittic^ fol, 
5)er barff nit geben narren jo(. 
SSer aber nemen mil öff borgen 

S5nb mil gut t)ügelin laffen forgen, 
2)er bejalt gü pfingfien off bem t^fe 
20 3Snb mil befc^moren fyn mit flt)^, 
@r ünb ade ftine brieber. 

3c^ mein bie alle, ber ein lieber 
©ünbt off got# bormf)er^igfeit 

Sßnb narren fc^eßen bt) im treit — 
25 @§ fompt ein ftunbt, e§ mürbt im leit! — 
Sn aUen ftinen iungen tagen 

SSnb fac^t im alter erft an clagen, 
©0 er fic^t, off molc^em jan 
Sl?n narren fpit mil ofe^er gan. 
30 SSer off fic^ ntjmpt, ba§ er nit magf, 
■^er fnipfft fic^ felber in ein facf, 
S5nb ber fo oil ^at üiieU t^an, 

2)a§ er ha§i nt)m erbieffen fan; 
2Ber I6|t in barnac^ loiber off? 
35 2)ie puffen fton, bie fpre^en muff. [t7^] 
223er fic^ felber roil oerbinben, 

5)er folt mol fumm ein ^etffer finben, 
SBann er fc^on bett ft)n ned^ften frünben 
Siarumb fpric^t man, bie befle ^ut 
40 St), bie ber man im felber t|iit; 
SSerlaffen fid^ off anber lüt, 
Sft nit ber bruc^ in bifer 0. 



254 Ser ^eter§ fo^jff. [85 

3)arum6 fo lüg, üff roetc^em jan 
5Dt)n eigen \aä) müg Oper gon, 
45 @o fpottet bi)n nit t)eberman. 

5)od§ mad^ent mir üil fc^iperer j^ulben 
SSnb nement bann nit tufent gulben 
gür ben anfc^Iag, ben tüir matten, 
2)er got ju rucf in allen fachen; 
50 ^e§ tneint er offt, fo er mö^t lad^en. — 
Stabtu, trie Reifet ber jan, 

5ßff bem atl fad^ inürt ö^^in gan? 
S)er 5on Reifet mir ba§ iüngft geritzt, 
5)0 gott all fad^en lool befielt, 
55 95erorbnet§ nad^ bem felben jan, 
06 td^§ bo ^in üergtt)d^et ^on. 
2BtI onfer fachen bo ^in reichen 

5ßnb ift ber jan ba§ aber §eid^en, 
©0 roit ic^§ bafe t)e| fd^ri^ben an, 
60 5)a§ mt)n re(^nung mog beftan. 
^d) §ett gemeint, ttiem t)ie mol mer, 

5)er iner in gier mett onc^ ein ^err, 
@o ^bx xd) t)e| ein anber fpi(, 
Xa§ gott ein orteil bfi|en mit; 
65 ©0 mit ic^ tugen, mie ic^ bieg, 

aKt)n fac^ off bifen jan ou(| fieg. 



50lorbe io! mie mürbt§ mir gon, 
@o ^cter§ töpff §er fumment fton? 

2)cr ^at mir§ für ein teibt get^on, 
5)er ft) mi)n fac^ |at miffen ton. 

^<i) f)et mit peter§ föpffen nie 
®ern ju fd^affen oor onb ^e, 

5)ann in jü mietten ift ertoubt, [tS''] 
(So ^ah ic^ fet6§ ein böfe§ t)oupt. 

SBann mic^ bie gritten menig fted^en, 
©0 mit id^ ftett onb muren brechen, 



85] 



25er |3eter§ fo^ff. 



255 



SSnb f^led^t mir bann bie flam in fopff, 
iöil ic^ mt)m fijnbt ben leimen f(opff; 
(5r trifft mi^ bann aU balb aU ic^. 
10 Sci§ lug, 5)a§ id^ ml)n fQnbt erflic|; 
(So mu^ id^ bann öon ttJi)6 önb finbt, 
SJi^n lanbt öerlaffen, aü mt)n frünbt. 
3(^ meint, id) toolt eim onbern fd^abcn, 
©0 müB i(i^ feI6§ im iamer baben 
15 95nb emig fi)n ein armer tropff; 

^argü brad^t mic^ mt)n peter§ fopff! 
3e^ njirt mir m^n befi^mören für; 

|)ie ^ebt fid^ erft bur contra bur. 
^er f)at ein peter§ fopff fürtuar, 
20 3)er omb au ftraff nit gibt ein i)ar 




256 ©er ^eterg [85 

Sßnb jprid^t, man t{|ü tm§ al§ ju teit, 

2Ba§ man im gü gutem feit, 
SSnb tüU f^n ttjarner nun erftec^en, 

öüum »B ber erben ru^jffen j bred^en. 
25 9lebt man im ein frünbtli^ rtjort, 

@o ni^mpt er§ öff für einen mort; 
©c^itt man in om6 ein böfe fod^, 

So fd^Ied^t ba§ feür erft gar in§ taä). 
@r flüci^t ünb f^rid^t: „molt ir mid^ teren? 
30 ^d) \ä)i% bir mol in bt)n Befc^meren 

SSnb tril mid^ gan^ nüt baran leren. 
Sd^ i)a6 bie bing öil ba^ gemixt, 

2)0 bu nod^ in bie minblen jd^i§t." 
^ann mürbt bir öon ber ler b^n Ion, 
35 SSie nero ^at ji^m meifter t^on, [t8''] 

®er mit (äffen fd^ieb bar öon. 
Söringt man bann ft)n gütten frünbt, 

Sm ju raten üon ber fünbt 
SSnb öon aüer übet traten, 
40 9^orf) bannod^t lafet er im nit raten 
55nb blt)bt aü ein armer tropff 

Sßnb ftat nit oon fl^m ^eter§ fopff. 
@ar balb flürmt er bie gro§ gtodf an 

Sßnb t)ei§t, ftd§ bann mit friben ton, 
45 ^n t)unbert tufent tüfet namen, 

SSnb riefft fant öettin | fürin §amen 
©ancte t^eng | ünb fant öij: ban|; 

?Jod^ ift fgn peter§ fopff nit gan^. 
„SBann id^ ba§ t^ü," fprid^t er jü ^anbt, 
50 „5)a§ ir mid^ ternent ünb ermanbt, 
So mie| id^ für gott nimmer fummen, 

@§ bring mir fd^aben ober frummen! 
2)a§ m\ä) tufent tüfet nemen, 

SSann ir mid^ alle mügent jemen! 
55 Zs^ ^ob§ üerfd^morn, fo frum id^ bin! 

^üt^ ob, ir bringt mir§ nit in fin!" 
5ldE)en io, mir ormen man! 

SBie fo^e id^ bann mi)n bfd^moren an, 
©0 er e§ f)ot fo ^o6) öerfd^lnoren? 



85] fo^^ff. 257 

60 e^rifam, touff ift aU öertoren! 
2)cr finbt tüot j)unbert tujent nicr, 

^ie Derfc^morent gut ünb ere 
SSnb fünben§ banno(|t Ratten nit. 
2)arum6 ic^ fi^ gar frünbtlic^ bit, 
€5 5^a§ \^ öerjc^iüotent, ire nafe 
216 ju bt)ffen, für|en ha^; 
SJ)a§ ^elbig mogent ft) boc^ galten, [t» j*] 
55or iungen onb ouc^ bor ben alten. 
SSier|ig fc^ttjürent ^o^en eibt 
70 95nb ^ettent pauto miberfeit, 
9iQm jii effen ^te öff erbt, 

S3ife ft) ertöbtent mit bem fd^raert 
^aulum, ben öil f)eiligen man; 

9ioc^ moc^t§ bo jelbft nit o&^in gon. 
75 2Ba§ ti)üt man aber mit ben lütten, 
Xie fic^ nit mtjjen lonbt jü jtjtten? 
3)en att ir g^gen ift bie beft? 

(So finbt e§ tod) iung geuc§ im neft. 
®ic iungen jolten öon ben alten, 
80 Xen ba§ blüt fc^on i[t erfatten, 
Seren | ba§ ft) nit fo gacfi 

SBüten I toben | bmb ein rac^ 
SSnb bie flammen comprimieren, 
2)ie roarlic^ man(^en man öerfieren. 
85 äRand^er ^at o^ gd^e getfian, 
§ett er§ no(^ jü fa^en an, 
2)0 geb er ümb mol tufent pfunbt. 
©efc^ec^ne fad^ nie roiber funbt 
bringen ^ie menfc^tic^er gmatt; 
90 2)e§ bi| in allen fachen falt. 
©atomon fprid^t: ein njt)fe man ^ört, 

SSeifet er oor, mirt ha'^ gelert. 
^d) iijah ber !6pff gefet)en oil, 
2)er feiner alfo üolgen mit; — 
95 93ife ^inben nad^, bo oolgt man im 
2In galgen |in, bo t^et er§ nj?m. 
^arumb lonbt fQ ftd^ bfd^roören nit, 
@o mieffent§ t^ün ben galgen trit. 

Murner, Narrenbeachwöning. 17 



258 [86,] ta€ ßour^ gcft^vc^, [öjT 

5tIIe geuc^ §onbt ein gefd^rei), 
So ift ba§ gucfen mand^erlet); 

Seber goucf) tuil ft)n \o frt), 
3)a§ er ben anbern über fd^rt). 



[86 




@ucf gucf ift beg goud^§ gefang, 

Xer tf)Drt)ett ifl§ ein anefong. 
SSer jad^en t)e6t, bie im ttit gt)mpt, 

3Snb mit ben geud^en j^amen ft^m;)t 
5 SSnb nüt bann gucf gucf fingen fan, 

2)er ^ilfft ben anbern geuc^en an, 

S)a» ft) nit Iqdf)t(ic^ lonbt bar öan. 
©ingt er gucf | gucf | nun jroet) mof, 

So fingt ber anber tufent rool, 
10 5}er brit fan fingen nod^ öil me; 

2)o§ gfang t{)ut bicf ben geud^en roe. 
SBelc^er gou^ bringt nüroen funbt, 

5)er für anber geud^ ^in fompt, [oij*] 
8o gurfent ft), at§ gucf et er; 
15 Ta§ gucfen mxt offt inen fd^mer 

SSnb mad^t in ^u| onb faften ler. — 
(Sin geud^in tt)a§ in önfer ftatt, 

jDie fc^eblid^en gegucfet ^att; 
aWit fammat ünb mit |3urpur fleibt 



86] * 2)a§ goud^ gefd^re^. 259 

20 ^ie gcuc^in ire rocf beleibt 
SSnb fieng an, gulbin fetten tragen, 

Herten ^al§6anbt, ^embber fragen, 
Stäben I fübrin §mr)ffel ftricf, 
9Snb gucft fo offt önb ouc§ fo bicf, 
25 ^i| ntt)n froro tr gucfen ^ort; 

8o träfet ft) mir bann cldglic^ mort: 
„Sieber ^on§, nt)m eben ttiar, 

2Bie ünfer nac^pürin trit bo ^ar 
8o fc^on önb ouc^ fo füberlic^, 
30 93efleibt fo ft)n önb abelic^! 
@o bu ntic^ laft fo ellenbt gon, 
2{I§ ob xä) bir nie bienft f)ett t^on 
SSnb njer ouc^ felber nienbert fc^on, 
Dber nit fo gart a(§ ft), 
35 So bu ein rat§ f)err bift bo ht). 
2Ba bie rot)ber fumment gamen, 

@o müfe id) mic^ öon ^er|en fc^amen, . 
2)a§ ft) in perlen t)n^er trit 

!i8nb ic^ in fc^fed^tem ctetbt gee mit. 
40 Wltjn nad^pürin ^at ein fammot an, 
So mü§ iä) in eim füttel gan." 
^d^ fprac^: „lieb elfe, ft) ^abent§ mol. 
So ^onbt roir meber gijng noc^ gol; 
2)arumb fo mieffent mir ön§ ftrerfen 
45 2((fo lang ift önfer becfen, [öij''] 
^a§ roir ön§ felber nit erfterfen." 
9)it)n e(fe, bie antmurt: „bo öon nit! 
^d) molt, ba§ bic^ ber ritten fi^it! 
SSiItu mir nit jierben fouffen, 
60 8o fan ic^ lool gun münc^en louffen, 
3u beiu abel, ^n ben |)faffen. 

2)ie tüerbent mir föol cleiber fc^affen, 
2)a§ ic^ gang lüie anber (üt. 

SlJiit ar§ begal ic^§, mit ber pt." 
55 SBoIt id^ entlaben bife bürb 

ißnb ba§ mt)n frotö fein ^üren mürb, 
SSil 511 entlefien raaS mt)n forg, 
So nam ic^ gulben, gett off borg, 



260 Sa§ goud^ gefc^ret?. ' [86 

SSerfe^t bie pfannen oon ber tüenb 
60 33nb foufft mt)ner fromen jierb be^enb. 
2)0 man tüolt bejalct ft)n, 

5)0 ^ctt ic^ ireber !om nod^ mt^n, 
2)a§ bud^t mid^ jelber nit oaft fi^n. 
2)a§ ic§ m^n frort) ^ett otfo lieb, 
65 SBarbt ic^ jü letft jü einem bieb 
S5nb fam omb erc 1 önb I^b | tjnb gut, 
'äU nod^ mand^ bofe froroen t§ut, 
2)eren ^od^ önb Übermut 
SSern^atten modlet iren man, 
70 2)a§ er bod^ nit ofe fd^rtjimmen fan. 
^ielt fid^ ein t)eber na(^ ft)m ftanbt 

35nb trieg ber pur fein gulbin banbt 
Sßnb gieng ber burger nit in fammot, 
@o fem er nit in folt^e not. 
75 SSü er ber fronten ta^ geftatten, 

(So lüg er, mt er§ müg erttjotten. 
^Ö) fon nit all h^ im ft)n, [Düj''] 

2)a§ ic^ im fagte: „bo njatt ^in ^n!" — 
S33er erbiet ein nümen funbt, 
80 ©0 batb er in bie menfcften tunbt; 
^umpftu bann §u b^nen ioren 

S8nb fad^ft on, fennen bt)ne t^oren, 
©0 mürbt e§ bir oon l^er^en leibt, 
5)a§ lieber öon b^m gucfen feit, 
85 SSnb gebftu jd^on öier tufent pfunbt, 
^lod) bilcfft nit ab ben felben funbt 
SSnb f)aft bt)n ganzes leben fi|en 

@in mürmlin, "ba^, b^n ^er^ t^üt fri^cn 
S5nb bu bcn anfang §oft getrau, 
90 2)urc^ be§ b^fpil bübt tiebermon. 
(5nea§, bornad^ piu§ genant, 

Do er fam in bdpftlid^en ftanbt, 
klaget öit önb marnet fer, 

SSie e§ im leibt öon t)er|en wer, 
95 S)aä er mit miitn^it tiett getriben 
SSnb öon bülert) gefd^riben. 
2;iefelben büd^er lefent rt}ir 



87] 



(Sin rüt bff f^n eigen ar$ machen. 



SSnb lonbt ft)n toartiung oor ber t^ür. 
jEiarumb fo fol ein m^fer man 
100 SSor lügen, tt)a e§ bfe rool gan. 
5)oc^ ^onbt bie geuc^ ein fold^e art, 

2)a§ feiner nit ft)n fingen fpatt, 
35nb tüii bem onbern fingen noc^, 

2)a§ im ha^ liebtin roürbt jü ^oc^ 
105 SSnb er ba§ nit erfd^r^en tan; 

2!e§ nem er 66fen Ion baran, 
KU mir mqn trütlin ou(^ f)at t^on, 

2)0 ic^ müft an bem branger fton. 



261 



[87.J @itt tut tiff ftjtt cigcti avf) matten, [oüj^] 

2)e§ narren mu§ id) tüarlic^ lachen, 

iJer öff f^n eigen ar^ !an machen 
@in gütte, jec^e bircfin rüt, 

2>ie niemand, bann im, fc^aben t^üt. 





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2)em norren gfd^id^t morlic^en rec^t, 
5)er off ft)n arfe ein ruten fled^t, 

^o§ im jüm erflen merb ber Ion, 
Söife fd^natten in ft)m ^inbern fton. 

SBer am enbt beforget fc^anbt. 



262 ®in tut bff ftjn eigen ar| tnad^en. [87 

Ser t|ü am anfang tuiberflanbt; 
SKanc^er fid^t fic^ für gü fpot, 

@o er fd^on ift in iamer§ not. 
23Jann n?ir ligent | önb tieg fiec^en 
10 S5nb gon nit mugen ober fried^en, 
©0 fc^rtient mir: „louff irunber balb, 

^(^ lig t)e| gan^ in got§ gemalt; 
S«^ fid^, ntt)n§ lebend ift ein enbt. [öiiij^] 

fiouff, bring mir balb ba§ facrament." 
15 2Ber ic^ ^ergot gü ber jtjt, 

ScE) tüolt bir fagen: „mt^n fun, bt)t! 
©rnftlid^en ^ab id^ l)e| §ü fd^affen 

S5nb fan bir fenben feinen Pfaffen." — 
(Süc^ftu an bt)n ünbern ere, 
20 (So gib in in ber iugent lere 
SSnb ftraff, fi^ ft^I f^ ^enfeün ^eiffen, 

S)ann iuncf^err ^an§ n)il iagen, bciffen. 
Sann lieffeft in ben §oum jü lang, 

(So lernten fQ bir einen gang 
25 S8on bem galgen öff ta^ rab. 

Magteft bu bann mir bt)n fd^ab, 
©0 lad^t i(![), aU bie melt t)e| t^ut, 

5ßnb f^red^ | „bu moc^teft felb§ bie riit, 

2)arumb ^ai bir ben roibermut." — 
30 Sßetd^er ^err regieren mit, 

Ser f)eng be§ mütmitä nit ^ü oil 
SSnb |att ben §oum in ft)ner ^anbt; 

5)ann ma ha^ ro^tin im entranbt, 
@o bforg iö), ba§ er§ nt)m erlieff, 
35 SBann er im fc^on „Iieb§ brüntin" riefft. — 
SSann bu mit i)eman§ molteft fed^ten, 

Dber mit ben lüten redeten. 
So lug, ba§ bu t)e| oolgeft mir 

SSnb b^alt ein meifter ftreid^ bt) bir; 
40 2)en brud&, fo e§ gat an bie not. 

ßein gütter funbt fam nie jü f^ot. 
^ah aü gt)t ein ^inber^üt, 

Ißnb mod^ bir nit ein eigen rut; 

S)a§ mürbt bt)m arfetod^ merben gut. 



S8] 263 

(88»] ^rütibtUd^cv Mcttft Uff Öcv ttufjft^alcm [oiiij^] 

5)te irelt fan Qe| mit lift bemalen, 
Wiit roiber bienft öff ber nufe fetalen. 

3c^ bin tout öofler, fprid^t ber \oai; 
2)er tütfc^ fan ba§ ouc^ über al. 



10 




SSor jt^ten rt)a§ in »Deljd^em lanb 

|)6jTic^§ erbietten tüol erfanbt; 
(Sin t)eber fid^ ^it mir erbot, 

^out oofter ft)n in mi^ner not. 
Xout üofter tieifet: id^ bin gan^ bt)n, 

So bt)ner Rätter ift feiner m^n ! 
@oIt id^ erftidfen oon ber t)i§, 

2)u gebft mir nit ein nabel fpi|; 
SSnb tt)i(t tout üofter f^n, mqn eigen, 

SSnb fanft bic^ früntelid^ erzeigen: 
2)^n ^ü'q tinb t)off f»^ offen mir, — 

SSann ic^ fumm, bfd^Iüfeftu bie t^ür! 
(Srbüteft mir b^n It)b onb leben, — [o5' 

©oltftu mir ein ftücf brotl nun geben, 
15 2)u lieffeft mid^ ee ^ungerifd^ fterben 

$8nb ömb ein ^afelnu§ öerberben. 
SSann id^ bic^ an§ erbietten man, 

@o fi^ted^ftu mir ein fd^nelling bran, 
3Snb fprid^ft, eS finbt ere roort gef^n. 



264 mit brecf öerfigeten. [89 

20 2)0 fd^Iieg ber tüfet lieber brt)n! 
2)u fiettft mir lieber ftill gefc^migen 

SSnb nit gehalten für bt)n lügen, 
^ein frünbtfd^afft gar önb nüt öerie^en, 

So f)ett id^ mic^ bod^ feI6§ öerfei)en. 
25 ^u bift ntt)n frünbt — on tt)^en | geben, 

S3ürg ttjerben ouc^ für mid) bo neben; 
^ie frünbtfd^afft ^onbt mir angefangen, 

2)0 bt)n§ gli^d^ am gotgen fangen! 
SBer mit mortcn ift ein frünbt, 
30 2)er ^e^unbt üil öff erben finbt, 
^er mürbt in noten mid^ bcgalen 

SJiit frünbtfd^afft fd^on off ber nufe flöten. 

2)a§ üd^ gott fd^enbt, ir tütfd^en Walen! 
Sr f)üren finbtfd^e f)enfeltn, 
35 2Bie !ünbt ir melfd^e art fo ft)n! 
2tl§ mir ber einer felber t^at 

3ü monte f[afd§fon mol in ber ftat, 

jDer Qn jii feren mid§ erbat 
SSnb \pxa^: „lanbt^mon, id^ tjob bon trincf." 
40 2Ba§ ta§> nit ein fel|am§ bincf: 
@r gab mir omb ein gulbin geü; 

2)0 i^ mt)n irten roiber gelt, 
SSermarff er mir glQd^ off ber ftatt 

S)ie mün|, hit er mir geben ^att! 



[89^] mit ürcrf tJcrjigctett* [ü 5*^] 

2Ber brieff onb ftgel off fic^ g^t, 
Da§ er eim anbern t)altet nit, 

Sd§ gtoub, ba§ ft) finbt ein rii^ter ftab, 
5)a§ er mit bredt oerfiglet ^ah. 

[Gleiches Bild wie Kap. 21.] 

SRit brecf üerfiglen ift gemein, 

3Bie tüot ba§ figel ift nit rein; 
5)od^ ift e§ toeid^ onb Ia|t tool trucfen. 



89] 2«it brecf berfigelen. 265 

2)a§ er ta^ figet mieB Derfc^Iucfen, 
5 ^er mir ein gut ^vott) mal oerfefet, 

9Jiit oalfc^em brieff ben armen jc^e|t! 
SBann fd^on ein brieff üerfiglet ift, 

9^oc^ !an man ge| fo manchen lift, 
^a§ brieff Onb figel gültet nüt. 
10 SoIc^§ miffent rool bie armen lüt, 
^ie man mit liften fan oerfieren, 

ajiit brieff, figel bie fac^ üerlicren; 
©in claufle finbt man aH gQt binn, [o 6'] 
^a§ e§ nit !umm öff iren finn. 
15 SBen ber fürft betriegen voil, 

Xem gibt er brieff önb fuppen Dil. 
%\)iit mir ein brieff etroar jü not, 

8o fouff ic^ ein omb ein ftucf brot. 
@tüc^ finbt ju It)c^te gar, 
20 9^it alfo fc^mer, al§ ift ein ^or. 
8r) genbt mir brieff, ee ic^ ba§ bit, 

5)al t^üt, tas, f9 e§ irenbt galten nit. — 
SSann t)ei ein pur mil ebel fr)n, 
8o foüfft er brieff onb figel fijn. 
25 2Ben brieff ünb figel ebe( mac^t, 
iß| bem !an id) rool über nac^t 
S33ibcr einen puren machen. 

Sinbt ba§ nit ber narren fachen? 
SBonn einer fc^on ein narr belobt, 
30 ^a» man im brieff onb figel fc^rgbt, 
2)a» er ein boctor ft) ge(ert, 

i8on bem ic^ nie Iatt)n gebort, 
^er nie fein fum ftal ^at oerriglet? 
Toc^ ift ft)n brieff mit brecf oerfiglct. 
35 &it}d) on fünft im nüt gebrift, 

2il§ im ber brieff oerfiglet ift. — 
Srieff I onb figel ] eibt | onb ere, 

5)ie mit t)eß niemand galten mere. 

Xrum mot reit mir mt)n rofe ^in roeg, 

40 So figlet t)eberman mit brecf. 

@^ ift fein gloub, noc^ trüto off erbt, 

Se einer füc^t ben ein mit gferbt. 



266 fQox bem bcrren bifd^en. 

SBer ein 6ejd^t)§t | betrügt mit tift, 
2)er felb ^e|unbt ein mcifter ift. 



[90 



[90*] 25pr JJcm Nerven bift^cii, [o 6'] 

SSer tiogcl loit im lufft ertuijd^en 
SSnb all §t)t öor bem betreu oijcl^en, 

^cr fol mir§ nit für übti f)an, 
Df> er offt fein ergrtiffen tan. 



10 




SQ3er üor ber orbeit {)eifc^t ft)n Ion 

Sßnb l^ort ein tieben glocfen t^on 
S8nb \iä) üeranlrtjurt, ee man dagt, 

Duc^ meint, wa§ ^eber ^einili(| fagt, 
®a§ treff all jQt in fclber an, 

2)er mag tüol U)n ein nerrfd^er man, 
©0 er ba§ für !ein roar^eit meife, 

51I§ t^et ber fd^nt)ber mit ber geife. 
®arumb fo ac^t nit alle mort, 

2)ie t)eber rebet ^ie bnb bort; 
2a§ bie fad^ root an bic^ !ummen, 

'^armä) fo fd^aff mit ernft b^n frummcn. 
©oüflu eim rieben anttüurt geben [o 7^] 

Sßnb t)eben ftraffen in f^m leben, 



91] S)te Oven laffeu melcfen. 267 

15 So mod^tftu lüol ee fd^ellig werben, 

S)ann bu J15 bräc^tft off ^uc^t onb 6erben. 

S)arutn6 fo ^att§ on all geferben, 
2)ie ttjelt mü§ Qe| geflappert §an 

-Cnb triegen ] liegen Qeben an. 
20 Sc^ |a^ offt feI6§ önb biet geprebiget, 

2)0 ic§ mit tüiffen nieman fc^ebiget; 
9io(^ ^ab ic6§ offt önb bicf entgolten, 

3)o§ ic§ roarb atfo übet gfc^olten. 
2Ber e§ nun ein onn^etter gfin, 
25 (5§ n)er aU oon mir troffen ^in. 
Sc^ !an nit alle fac^ für fummen; 

2Ba§ gat mic^ an ein§ lieben brummen, 
2)er on fc^ulbt t^üt ab mir fc^nurren 

SSnb über mid^ mit all gt)t murren, 
30 Dud) roil mid) allent^alb gerbi^ffen; 

@oIt id^ mgn frummen ar| jerrtiffcn, 
2)a§ er ömb fünft mit ft)n m^n fi^nbt, 

2Bir mac^tent ntimmer ^übfc^e finbt 

Sßnb füc^tent beibe bie lü^ im grinbt. 
35 9^it ac^t, mie man im üor ^in t^it, 

^u mod^teft fummen fünft ju frü. 
S'tit fifd^ üor bem berren, aU id) fag, 

§ör oor reb onb aneüag; 
(SJIoub bannod^t nit ber dag allein, 
40 Xann fein reb ma§ nie fo rein, 
@t) ^at ein mactel onb arcfroon, 

2)a§ f^ nit atl jt)t mag befton. 
ßefete fran|efifd^, mentiri§ jü tatcin, 

3u tütfd^em: bu lügft in ^aU f)in Qn. 



[9UJ ^ic Oven Ittifctt melden, [o7' 

Dren melden ift ein fünft, 

®ie mand^em bringt oor Ferren gunft, 
3)er fo oil bru^ ermolcfen ^at, 

SDaS er fic^ mieffig gonbt§ begat. 



268 



2)ie oren laffen melden. 



[91 




5)a§ ampt, ba§ ic^ ^cij^ oren nteüen, 

®a§ {)6rt nun ju ben groffen fd^elcfen, 
jDie bq fütften onb bt) {jenen 

Sic^ mit oren melcfen neren 
5 S3nb fagent nun, tt)a§ ber prelat 

SSon inen gern gehöret ^at. 
@Q Jüiffent öorfiin f^n notur, 

2)a§ mar^eit f)ören toirt im für; 
SDarumb jagt er im für ein tanbt, 
10 ^er fid^ in njar^eit nie erfanbt. 
©0 finbt bk Ferren alfo geneigt, 

SBa fid^ ein oren melcfer geigt, 
S)em gibt er Ion önb n^mpt in an: [ö8*] 

S)er lügt im bann oon t)eberman, 
15 jDa§ mir ber ^err geloubet ni^m, 

(So fie§ ift im f^nS melcfer§ ftt)m. 
5)a§ ift ein f(|pnbt ber oberfeit: 

Sa3a§ ber oren meider feit, 
55a§ mu^ luar^afftig ft)n mit gmalt; 
20 5)er anbern reb im nüt gefatt! 
®o boc^ gü ftrafeburg gfc^riben ftat 

SJiit gulbin büd^ftaben in bem rat: 
2lubiatur altera par§. 

Äör bid^ nit ümb önb jeig ben ar^ 



92] Sic gioffe gefeIfc6offt. 269 

25 S)er ^eiligen ttjar^eit ba mit üft; 

2)ann i^ebe roar^eit gott feI5er ift! 
3e| ^onbt bie Ferren einen fit, 

3^a§ er bem anbern gloubet nit; 
9iun ttier §ü erft gelogen ^at, 
30 2^a§ müB bQ Ferren ^aben ftat; 

®ott geb, tua ^in e§ D|^er gat! 
D, hjie mand^er fc^aben nant, 

^cr nie mit reb gitm erften fam! 
9Ht raürb tierfiert öon nerrfd^en jc^elcfen, 
35 2)ie bir nüt bann bie oren melden, 
!önb gloub burc^ gott nit t)ebem roinbt; 

So bu fic^ft, mad) hid) nit blinbt! 
^er gtoub finbt Qe| nit ro^ter ftat, 

Xann fo üil t)eber Pfenning ^at. 
40 ^er gtoub cor mal§ im ^et|en fa§, 

Se| fi|t et in bem binten oafe 
55nb ftat in biec^ern t)e| oerfc^riben, 

Duc^ ift in§ !ouffman§ töfc^ beüben; 

3a, tüann er raer nit gan^ oertriben! 



[92.] ^ic groffc gcfdftftafft. [08^] 

Seif er | lünig ] fürften | fetten, 
iSurger | puren ! follen ^oren, 

2Sie mit fo !ünflrt)d^en teren 
San id) bie narren all befc^roeren. 

S33a§ ^ah \d) angft onb forg ge^an, 
@e ba§ ic^ bratjt öff bifen plan 
©0 manchen lx)d)nam nerrf^en man! [jj^] 

D, rtic bicf ^ab id) mic^ fra^t, 
5 @e ic^ ft) jamen f^ah gefaxt! 

^ä) ^ah mx6) bforgt oor jmo perfon, 
2)a§ ic^§ nit brächt öff bifen pton, 
SBann ic^ ft) oafl citicret fc^on: 

2er ein bie ^oc^ften roürben ^at, 
10 2)er anber feifertid^ maieftat. 



270 



2)ie grofi 



[92 



^d) f)ab geförd^t, erman i^§ ^er, 

S33er iüei|t, ob e§ in gelegen njcr, 
^a^ fQ bod^ ^ie ^er §ü mir fernen, 

SSnb mir bo§ nit für übel nemcn? 
15 2)oc^ fo ic^ narr^eit ^ei§ ein fünbt, 

3)ie ic^ bQ bd^ften, feifer finbt, 
Bo tpil id^ ft) mit jüd^ten betten, 

^a§ [t) ein wenig gu t)er tretten. 
^ä) gloub, mann idö fQ fetber fragt, 
20 ®a§ t)eber mir befunber fagt: 
„|)eiftu ein narren ^ie ein fünber, 

8o finbt rt)ir beib ouc§ abam§ finber 
i8nb aller fünben nit gan| frt), 

233ie t)od^ boc^ önfer mürben ft)." 




92] ■ gefelfc^afft. 271 

25 3)arum6 xd) fq gor finiftg bit, 

2)a§ ft) micl t)e| oerfd^ma^en nit. 
Sfiit ba§ ic^ fg befd^mören roolt, 

Sunber fragen, qI§ ic^ folt, 
Db ic^ nit)n fünft mol ^ett beroert, 
30 SSoüenbet, al§ man narren bfc^roert; 
Ob einer wer, ber mir molt fc^nurren 
SSnb miber m^n befc^rooren murren, 
Sßntugentlic^ öor mir roolt nieren, 
®an§ onb gar nit laffen leren, 
35 Xa§ geifllic^ | ireltlic^ ^errlic^eit [jj^J 
ajjit Werter ftraff ir ^anbt anteit. 
@§ bunrft mic^ fixier, e^ t^et gan| not, 

(Sefc^ic^t§ nit balb | fo rt)erbt§ §u fpot, 
3(n ber geifttic^eit befunber. 
40 SBie rool man fagt, e§ gang nit onber 
Sant peter§ fc^iff ! nac^ c^riftu^ mort, 
(5^ roerbt §ii (etft fummen an port, 
9^0(^ ^ab iä) h\) mir narren oif, 
Xie fagent, ba§ e» fc^mancfen teil, 
45 SSnb fc^mierent barumb tufent eibt, 
S§ mer ju ünbergon bereit; 
^arqn fe^e böpftlic^ roürbigfeit, 
Ouc^ feiferlic^e maieftat, 
SBie ciögüd^ | eüenbt | Dnbergat 
50 S^^^ 1 önb ere | rec^t | lanbt | onb lüt. 
2)a§ at§ gcfci^ic^t in bnfer §t)t. 
S33a§ ünfer üorfar nament Qn, 

5)a§ ift fc^ier atteä fampt bo ^in; 
^nigrt)(^ | t)nb !eifertt)iim, 
55 @in§ nad^ bem anbern fettet ömb. 
223e§ ift bie fc^ulbt? ba§ mifet ic^ gern. 

SBann bie fürften ge^orfam roern, 
So gloub ic^, bo§ e§ ntjmmer mer 
SSn§ §ü It)bcn alfo fc^roer. 
60 Sin fünig ift ein ein|ig man, 

SBonn fein fürft n)Ü bt) im ftan. 
So ift e§ bife an in get^an; 
5)arumb ic^ fürften, groffen, Ferren 



272 2)ie groB [92 

9fleblid^ bapffer tüil befd^meren, 
65 2)a§ \t) ben frummen fünig Ion 
SSnb fo fd^Ied^tlid^ bQ im fton 
3ü fd^anbt ber tütfd^en nation. [?.*tj*] 
SBann ber tüol önb ber fran^o^ 
SSn§ an roercn fid^t jo blo^ 
70 SSnb fo fletn ge^orfamfeit, 

©ebenctt boc^, mag ba§ off im treit! 
^ie eren, bie ir ijabt bar üon, 

®ie f)abt ir balb gehalten tf)on. 
S)arumb fur| ab, nun lret§ ^erbt), 
75 @o lieb üd^ li^b önb leben ft), 
Qr miefet mir jü ben narren fton, 

Db üd) ba§ f)cr^ fd^on bred^ bar bon! 
SSSött ir üd^ ber fi^nbt nit meren, 
@o mie^t ir üc^ ^ie Ion befd^mcren. 
80 Spred^t ir bann: „mag gatg bii^ an. 
Ob mir bem fünig möln bt) ftan? 
Sn§ tüfelg namen, fing ben pfalter, 

3Snb trag has, roud^fa^ ömb ben alter!" 
Sc^ ^ab ha^ felbg betrachtet fc^on, 
85 3Sff bem jan mürt e§ ofe^er gon, 

jDen fluc^ mieft id^ ^on für mt)n Ion. 
2)a für ft) mir ber fünig gut, 

2)a§ mir I)ie ümer feiner t^üt; 
©arumb f^ab id^ ben fünig betten, 
90 §ie §er ju mt)nem bfd^moren trettcn, 
Dh t)eman§ molt mid^ ane fd^nurren 
SSnb über mtjn befd^moren murren, 
S)a§ man §ü fd^mtigen im gebüt 
SSnb er m^n bfd^moren ^inbert nüt. 
95 ^falter ^in, pfalter ^er! 

©g ift, bQ gott, ein fteinc crc 
Mer tütfd^en nation, 

2)ag ir ben fünig atfo Ion! 
2Bcr§ noc^ ein mal, in§ tüfelg namen, [i-ij*^] 
100 So mü^ ber tütfd^ fic^ beg bcfd^amen. 
ÖJott meiB, ic^ reb§ üc^ nit ju Icibt; 
Sc^ forest ber armen c^riften^eit, 



92] gcfelfc^afft- 273 

®a§ ön§ ein l)n6rud^ mb^t gefd^e^en, 
S33a fold^e jmitrac^t inürb erfe()en; 
105 5)er tt)ürrf tan fold^ bing wol erfpe^en. — 
Sßom obel fumm id§ gu ben ftetten, 
S)ie mieffent oud^ ^er jü ^er trettcn. 
@^ ^onbt mid^ luol fo trüiülid^ betten, 
®a§ id^ tren nit uerge^ 
110 SSnb geb in ein erliefen fefe. 

S)a§ ttjer mir fd^enbtlid^ gftanben an, 

§ett irf)§ nit £)ie^er (offen ftan, 
@o ft) ümB ben folben ringen: 

9Jian niii^ in ^ft)tfen üor ünb fingen, 
115 Xrummeten, beüden, orgel f dalagen, 
@o lüenbt fi) ft)ben ffeiber tragen, 
2;a§ fein bürgeren gii flat, 

SSnb f)anblen, aU ber abel t{)ot. 
3c^ fic^ tt}oI, warumb ba§ gefd^id^t: 
120 '^a^ in fein narr^eit brefte nic^t! 
^nb tt)ann man fi) gii frieg ermont, 
3u tf)itn ben ft)nben miberftanbt, 
©0 dagent ft), fl) fi)ent arm. 
^inberm ofen ift c§ marm! 
1'25 §^! wie gat§ | ba§ gott erbarm! 
SQ3oIt man in lanbt onb lüt tterfe^en, 

9)?an borfft fi) nit long brüber fd^e^en; 
SBeren fd^toffer ] ftett | ir onber^fanbt, 
@t) njeren bolb ümb gelt gerant. 
130 Solten fl) ein fd^ieffen machen, 

®aben gen ^u freübigen fad^en, [jiij*] 
Dber fijbin fleiber tragen, 

35en a\>ti fouffen, narren iagen, 
@Q funben gulbin j mün| 1 onb gett; 
135 5Iber gießen in ha^ feit, 
Sarjü ^abent fl) fein §ett. 
2)arumb gat e§, lüie e§ mag; 

S33a id^ t)in fumm, bo finbt ic^ ctag. 
2)er püx ternt§ öon ben burgern oud^, 
140 ©in narr ju fi)n ünb oud^ ein goud^, 
S3nb fiert mit gtüalt ber narren orben. 

Murner, Narrenbesohwöruug. ly 



274 35ie ßro^ gefelfd^afft. [92 

@^t ha§> bcr pur ift fd^ompcr lüorben. 
3m lüüc^^u^ fi|en§ tag ünb nad^t 
SSnb ^onbt ir arbeit nt)mmer ac^t; 
145 @l) öerfpi(ent önb öergeren 

9JJc, bann ir pflüg in mag ereren. 
2Ber mir ta^ nit gtouben tüolt, 

jDer felb im mür|t)u^ je^en folt 
2)ie ringtin on ber manbt gefd^riben, 
150 ®ie crü^ finbt aH öff borg beliben. 
®ann öer!ouffen fQ mit lift 

^r frud^t, bie no^ nit gmad^fen ift, 
SSnb gebeut j^n§ önb gilt öon in. 
SaSann e§ gan^ önb gar ift ^in, 
155 2)arjü fid^ nit mer ft)nnen neren, 

@o bringt man fi) mir ju befd^meren; 
5;|xtn id^ bann mt)n beften flt)§, 

So eriag id^ meber erc nod^ br^^; 
®ann fd^elten ft) mid^ t)6rt mit flud^en 
160 SSnb mottent einen bunbtfd^ud^ fud^en, 
S)ie pfoffen önb ben abel fd^lagen. 

@ot id) ben mütmil in öertragen? 
5Jlein, ic^ mieft mid^§ etüig fd^amen! [iciij''] 
3u t)er, in tufent tüfet namen! 
165 JDSoitent ir ü^ fd^entlid^ neren, 

jDar gu nit taffen f)ie befd^iüeren 
SSnb mir erft flud^en oud^ bar ju, 

Sd^ finbt ein lift, mie id^ im tp, 
5tl§ ^er bt)! e§ mü^ bod§ fi)n! 
170 S^ ^o§ nä) ntjmmer faren ^in. 
9lurfen gamen, lieben gfellen! 

SItt, bie mit narren faren meHen, 
Siiber ober f)od^ geborn, 

Wliii) bundft, id^ ^ab üc^ allen gfd^orn. 
175 SSer faren möl, ber fa{)e an rieren; 
^ä) lüit üd) alle famen fieren, 
SSff ber narren iar marctt bringen, 

SSon bafel ab bi§ ^in gen bingen, 
5)arnad^ ^in ab in§ niberlanbt, 
180 2)0 alle narren £)in finbt geronbt. 



93] 2)er narren '^atn Befel^en. 275 

S)a§ nibertanbt |eiB id^ bic ^eH; 

2Ber bart)n nit faren tüell, 
^er leg jQn narren cappen niber, 

@tel nac^ eren önb tüerb biber. 
185 fetten ir ba§ üor get^on, 

@D ^ett id^ üd^ mit friben geton; 
5)0 ir üc^ aber molten meren, 

S)o mü[t id^ üd^ tüol ^ie befc^meren 
SSnb offenließen jeigen an, 
190 SBa ir fo t^orli^ ßattent tßan; 
9^empt ba§ für ein [troff onb riit. 

^ä) bit üd^ frünbtlid^, nempt für gut, 
3)a§ id^ mit fcßi^mpffreb melbet bo§, 

SSa ümer narren folben ttja§. 



f03,J tcv narvcn t^avn öcfc^en» feüii"] 

®attcnu§, mcifter ßt)pocra§, 

?)ie t)abent mid^ geternet ba§, 
2Ba maffer ftj, bo fi) e§ na^; 

©türbt er nit, fo mürt im 6q§. 

[Gleiches Bild wie Kap. 3i).] 

^umpt, lieber narr, önb fi^ent niber, 

S3cß gittern fünft ad üiuer gliber. 
$8tt)er tüaffer jeigt mir an [i'iüi''] 

(Sin nerrfcßen onb ein francfen man; 
5 ^v finbt öon narren gan^ befeffen, 

2)a§ ir nit mügen menig effen. 
„'äö), lieber f)err, ir fagent roor. 

S(^ fuff ünb fütt micß all ji)t oor 
SSnb blt)b am funtag nt)mmer ler, 
10 (5e ic^ bal eroangelium t)6r; 
3n ^eiligen onb in anbern tagen 

gütl icß all mi)n gelen fragen." 
5)a§ maffer jeiget mir nit fet, 

St t)onbt ein fud^t, bie nent man get. 

18* 



276 2)er narren [93 

15 „So, Bt) gott, wann iä) bot 6in, 

@o 6in id^ gel, re(^t tüte ein tobt, 

®a§ mir ba§ tied^t ittt f)irn sergot." 
^ä) fic^§, bQ§ ttjaffer lügt tnir nit; 
20 @D bbüt e§ mir nod^ etn§ bo mit: 
2)a§ bu f)aft ba§ ^obagraitt 

S5nb tDürft an binnen füffen lam. 
„SSerbenblfit, tuer feit üd)^ at§'? 

Sa, ^err, tuann id^ {)ob gfült ben ^at§, 
25 @o fotnpt e§ offt tjtib bid borjii, 

2>a§ id^ nit ein trit me tt)ü, 
^a§ mir raarlid^ 6eibe famen, 

§enb ünb ou^ bie fit§, ertamen." 
Wid) bunrft, ba§ maffer jeig mir an, 
30 S)a§ bu fcfiluinbet bid mfift tian. 
„Sd^ geftattbt§; tav t^üt bcr tütjn, 

2)a§ id^ fd^tninble ^er nnb ßin, 
S3on bem tifc| t)in §it ber lüanbt; 

@rft geftern idf) ba§ tnot entpfanbt." 
35 ©emar bid^ t^)oI, tinb liig für bid^! L?5*] 

So§ ttjoffer geigt mir fid^ertid^, 
2)o§ bu giin blotern gfc^irfet bift 

SSnb j^ii b^niurff bift gerift. 
„^d) t)ab bie blater, lieber fierr, 
40 S)ie oier ma^ n}l)n§ | tjnb etmag mer 
gaffet I ob ber bunber fd^Iieg 

|)äfen I fanten | aüe frieg, 
©0 mürff id^ ü^ nac^ ümer fag, 

®a§ id^ gan| nüt behalten mag; 
45 SQ3o§ i^ njei^ | ha^ mit^ ^eru|, 

Sa, foü e§ faren Ijinben t>^!" 
^alt ftiti, id^ mii^ bir nod§ me fagen, 

S)u ^oft ein fc^ttjad^en, falten magen, 
2)er nit bouitjen fan bie fpi)^; 
50 ®arumb fo t)iet bid^, biftu mt)^. 
„®ott geb üd) tufent gütter iar! 

21I§ ba§ ir fagent, finbt fic^ mar. 
^d) fan gar tt)d^nam übet bouiüen, 



93] ^arn 6efe^en. 277 

3?or ab, roa tnic^ 6etrtegen froiüen; 
55 ^d) mein, ba§ tc| f)ab gerflen treffen, 
5)a§ id^ ba§ felb ntt fan üergeffen." 
Sc^ tueiB nit, mie i(^§ ^att mit bir. 

^u raüifift mir nun ben folben für, 
5)ie narren ca|)p, al» anber t^oren, 
60 9^nb ftrecfft f)erfür bie c(inge(§ oren. 
2a^ mi(^ ben rechten grunbt oerftan, 

@§ trifft bir bo(^ hib önb (eben an. 
Sag an, rote ftat e§ omb ba§ f)er| '? 
„'^iä), lieber fierr, ic§ lt)h gro§ fd^mer|. 
65 Sc^ {)ett eim bäten rool get^on, 

5)ie mic^ on fc^ulb ^at faren Ion. 
Sc^ ^ett att freüb, voa ic^§ erblicft; [j5''] 

3e| ^at fr) mic^ in§ ellenbt gfc^icft. 
©Q ^at mir mer bann Dierbt^alb tag 
70 9iie gru§ entbotten ober fag, 
SSnb fan nit roiffen, roie e§ ir got; 

2)arumb mi)n ^er| tnbt groffe not." 
9iun ^elff bir gott, bu bift fer francf; 
2)a§ ift be§ tobt» ein onefang. 
75 ^^ fag bir, ha^ fein munber ift, 
@o b^m ^er|en fo oit brift, 
jDa§ aH bt)n gliber fc^roec^er finbt 

35nb ic^ bi^ in bem fpittat finbt. 
3c§ roei^, roie e§ t^ut | Onb barff nit fregen, 
80 S)ann ic^ bin felber binn gelegen. 
Xo für ^ilfft bir fein recipe, 

^ein frütter frafft roenbt bife§ roe, 
@o e§ ^at überbanbt genummen 

3Snb bift fo rollt in bie cappen fummen, 
85 Dud^ ^aft in bt)nem ^er|en fi|en 

Sin tuten fd^tatier mit f^m frigen. 

2Bann ic§ fc^on brud^et aCt mi)n fünft, 

@o forest id) hod), e§ fi] omb fünft, 

^u rootteft bid^ bann taffen bfc^roeren, 

90 £)h \d) tid) funbt roibrumb crneren. 

Segerftu ba§ 511 bifer ftunbt, 

So roott id^ tügen, roa§ id§ funbt. 



278 35er nanen l^arn befel^en. [93 

„3^ein, 6o^ 6u(i^, nein, lonbt bar tion! 
^(S) Bforg, e§ toürb mir übet gon. 
95 5o«^t§ bur§ gott an anbern on 
SSnb tugt üor, ob e§ müg beftan. 
3)arnad^ mit id^ mic^ brt)n ergeben, 

SSnb folt id^§ fummen ümb nii)n leben." 
®a§ ifl mt)n reb bod^ pr at§ fern, [icQ^] 
100 3!)a§ bie narren nit tn^d^en gern, 
@o fümmerlid^ ben menfc^en lan, 

2)a§ mand^er öil ee ftürbt baran, 
5II§ ungern ft) öon bonnen toi^d^en, 
SSnb nijmpt öil fd^nnfen§ önb üil f^d^en ; 
105 2)arumb fo gib bid^ red^t bar^n. 

^er, f)er! e§ mii^ befdömoren ft)n! 
„'ää) nein | ac^ nein, id^ bin gefunbt, 

^ä) 'mt\% ba§ lein narr in mid^ funbt. 
Sonbt fton, burd^ aller froren ere! 
110 ^d) bin gefunbt ünb dag nit mer." 
®a tjon nit | frifd^ bran | frijc^ bran! 

2)0 bt) lan id^ erft raol öerfton, 
2)a§ bu tool l)unbert legion 
^a[t narren bt) bir lüonen Ion, 
115 @o bu mit gmalt fein narr roilt fl)n 
5önb louffeft bod^ mit narren ^in. 
Sd^ ^(ii> ben red^tfd^utbigen mon, 

2)en bie norren bfeffen ^on. 
S5on groffem gtürf mag id^ tüol jagen, 
120 SBann id§ bie narren att üeriagen. 

Sd^ tuolt üit ee bo§ römfd^ ri)d^ gmijnnen, 

2)ann fl)ne narren farn üon t)innen; 
SSie tüol id^ bforg, on bijem tt)oren 
®a§ touff önb d^rifam fQ öerloren. 
125 ^d) gtt)l)ffel fetb Qe^unbt boran, 
Üb id^ in tüi)^ befd^tüören fan, 
@o er JD öit ^at nerrjd^er geft; 

SDod^ mil id^ mit im t£)ün i>a§ beft, 
dJlt)n bfd^lroren griffen bapffer an, 
130 Dh mi)n fünft bod^ müg beflan. 



94] [94*] tcv navvcn ttil)(^ttia|fei\ [ge^] 279 

SBticl^ ttjaffer ^oret jü 6efc|iüeren, 
2)0 mit i(^ mid^ ber narren roeren; 

2)od^ finbt ötl narren alfo gferbt, 
2tn ben fein tuoffer ^ilfft öff erbt. 




Qd^ mü^ tie^unt mijc^roajj'er f|on, 

33on öil [tücfen jamen tf)on; 
Ob mir etlic^ Ijülffent lein^, 

©0 nem ic^ bocf) ber anbern ein§. 
5 SÖi) ber dil oerbirbt man nit. 

SQ3i)rouc^ tmb fal^ ni)m id) bo mit, — 
Dn anber ftücE, bie b^alt id^ mir, 

^a§ nit ein Qeber ft)üf(^ f)erfür 
iönb geb fid^ üfe, er finn mi)n fünft, 
10 Ouc^ fog, mt)n bl'c^lüoren f^ ömb fünft, 
5)ie meifter piero oon quinet [j 7-'] 

9Jti^ §ü ^art)fe gelernet t)ett. 
Sin maffer ift ben fd^erern gemein, 

^a§ mac^t ein menfc^en glat onb rein, — 
15 ©trecE maffer nent ba§ ^t)pocia§>, — 

SBo ^eber narr gerun^let ma§. 



280 ®er narten h3t)d)toaffer. [94 

©tredt im bie baden, mad^t in gtat, 

@o er erft t)e| gefd^oren |at. 
2Bie rool iö) föifet ein anbern [in, 
20 jDer im bie rannten ha^ nem f|in; 
®a§ nun ber orm, önfelig t|or 
5tbtr)ünf(f)en f^nne t)ier|ig ior, 
@o jd^ieff ein tro|3ffen bann ött mer, 
2)onn er t)e| gan| getoefd^en mer. 
25 9Jii)n fünft mt)|t ö^ ber gan|e ri)n, 
9h)mpt bie long fein run|!en ^in! 
2Bann id) "öa^ im ^arn nit finbt, 

Dh in eim menjtfien narren finbt, 
@D tüg ic^, mer ftrecf maffer lüil, 
30 2)ann mei^ icf), ba§ er narren oit 
^eimlid^ treit hi) im oerborgen. 

S33e§ ad^tent ft) nit oud^ ünb forgen, 
@o ft) bie bacfen gflrecfet §anbt, 
®a§ in bie ^ofen ftt)ff an ftanbt? 
35 S>: antiit ift gegleitet mol, 

SSnb bod^ bie fjofen falten öol. — 
2)a§ anber o^ ber apotecf 

Xrincfent bie narren für ein fd^Ierf 
SSnb rt)bent ire jungen bran, 
40 2(t§ fa^en tt)imbt bem batbrian. 
|)t)pocra§ önb matuafier, 

3it)nfal önb eimifd^er bier, 
(Sinbt \t} t^ür, fo finbt \t) gut. feT^ 
3d^ mei§ moi, mie ein narre t^üt: 
45 @r ^eifd^t ein falte fupp am morgen 
SSff begalung ober borgen, 
@e^§ blapf)art gibftu ömb ein mafe; 
S)t)n mt)b tinb finbt ernertftu ha^ 
®aruB mol bierjef)en ganzer tag; 
50 2)od^ fiilfft fein narren bife fog. — 
@§ finbt nod^ üil t)eimli^er maffer, 
2)ic id^ §u bifer fad^ mufe faffen, 
S)a mit bie mi)ber mu^ent fid^, 
Sr bacten gtetten, f)öffelid^ 
55 ©d^macEen | gti|en aU ein gta§; 



95] 25er narren bbd^t. 281 

^d^ fünbt fünft gar nit mercfen, ba^ 
@t) tueren d§ ber narren jaL 

O me, Dil finbt überall! 
9toc^ i[t ein anber§ maffer oud}, 
60 5^a§ treit mi manchen groffen gouc^ 
Sil fant arbogaft tinb ^erumb; 

^ann frengent ft) fic^ öinmenbumb 
ißnb farent oud^ in riiprec^t» on^, 

5)a§ man bie nerrin anefc^orü. 
65 SBiItu bi)n froroen nit üerlieren, 

2Ea§ barffftu jp bann föuflic^ fieren? 
DJJand^er fiert fi)n frotr ^in öB, — 

9Jian finbt ft) mor bo t)eim im ^ufe, — 
®efe(t(et eren t^nnbt ft) an. 
70 ^e§ roaffer^ müfe ic^ i)e| ou(^ ^an. 
2!ie maffer, bie ic^ ^ab genent, 

2ßer bie felben mol erfent 
33nb fi) jü famen mifc^en tan, 

'5)er fent mit in tiil nerrfc^er man. 



[95.J ter nancn b\)d)t. US^] 

lö^cl^ten j fterben | jen D^bred^en, 
^encfen, rebern I ougen [teeren, 

^a§ finbt fürmar fec^§ Werter meren, 
5^er narren gern oertrogcn roeren. 

Sn m^ner fünft ^ab ic6§ gelert, 

S33ann man ein bfefenen narren bfc^mert, 
©0 nt)m ic^ iren feinen an, 

'2^ann für einen tobten man; 
5 2)arumb fot er öor t)on gebi}c^t, 

jDann fünft fein narr nit Don im mj^t. 
@§ t^üt ben narren föee im magen, [ic8^] 

SBann man in tril öon brjc^ten fagen. 
„ßieber ^err, mölt ir mic^ bfc^moren, 
10 äRt)n byc^t jüm erften oon mir ^oren?" 
SSot an, ic^ fic^ rool, e§ mü^ f^n, 



282 



2) er narren 



[95 



S33tr mieffent aneinanber {)in. 
„ßteber ^err, tr folt mtd^ f regen 

SSnb mir ben ^arnef(^ reblic^ fegen. 
15 ^6) f)ah otl ftu(f öff ml)ner ^uben; 

^d^ mü^ 511 erft mt)n finger fluben 
85nb fragen, bo mid) ntenbert bt)Bt. 

Sieber {)err, nun ^onbt gut flt)^, 
35nb fragent niid^, tt)o§ f)ab ic^ t^on, 
20 ^d) ipil üd^ geben üiücrn Ion. 
®üt grollen ^ab id^ off ber tefd^en, 

3r follent mir ben bet| mol loefd^en. 
2In miju ^ut nun frolic^ bran!] 

Stjd^nam, id^ f)ab üil getrau, 
25 2)od^ nun ba§ tdglid^ fd^mu^en gfd^met^, 

SSnb ma§ ein ^eber üon mir wei^t. 
^ä) i)ah niemand nüt geftoten, 

^od^ n)a§ iä) n^m, ba§ mü| id^ £)olcn 




95] iW. 283 

SSnb jeI6er tragen in mt)n ^u^, 
30 ®a§ xä) m^n finbt müg Bringen öfe. 
Sci^ mein, e§ ft) nit ünred^t t^on, 

SBann id^ eim r^d^en fargen jd^on 
@trt)a§ nt)ni, ba§ mir not t^t, 
@o er gü üit ^at eigene gut 
35 !!ßnb la^t fic^ niemand nüt erbarmen, 
®a§ er ju 3t)tten ^ilff bn§ armen. 
ajJan mü§ ben rtid^en atfo fd^eren, 

SSie rooüen mir on^ fünft erneren! 
m ift ein got§ bienft, rter in ftilt; [t)\^] 
40 @t) ^onbt bod^ fünft gut, 5t)n§ önb gilt. 
®oc^ ft) ba§ ünbcr ber rofen gefeit, 

®ann folt man§ toiffen, e§ roer mir leibt. 
2ln gotteS ftott ml)n fünbt üd^ ctag 
SSnb ümerm frumnten |er|en fag; 
45 Sn B^c^tS JutiB f)ab ic^ ba§ gerebt, 
5tae§ bo§ ic^ fernig t^et. 
S33a§ ic^ ober ye^uubt tt)ü, 

3u fagen t)ört eS nit ^er jü. 
ajian fot be§ munbt§ be^utfam f^n, 
50 Dbcr fegfpen merffen br^n, 

9Zit fd^tne^en, aU man tt)üt bi)m mt)n. 
Se^ !umm ic^ ttff hk je^en gebott: 

güm erften ^ab id^ einen gott. 
2)a§ gbot ^ab id^ all jtit get)a(ten, 
55 2tl§ ba§ oud^ hielten mt)ne alten. 
2tn einem gott tjah \ä) §u oil, 

^ein anbern id^ nit machen mit. 
So gloub id^, ma§ jii glouben ift, 
SSnb brud^ im gtouben feinen lift. 
60 ^ä) gtoub, ha^ ^i)met önb ertrt)ct) fi), 
Dud^ ma§ gefd^riben ftat bo bt); 
2ßie e§ in ber bibel ftat, 

@o la^ id^§ gon, red^t mie e§ gat. — 
@o fan id^ mid^ offt nit ermeren, 
65 3^ mü^ ben !^er| iar ritten fc^meren, 
®a§ mir öerbüt ba§ anber gebot. 
SBann e§ aber mir t^üt not, 



284 2)€r narren [95 

@oIt betten ic^, fo e§ übel gobt? 
^d^ fiab fein frembben fc^irfir erfunben 
70 ^nb fc^raor nit, aU bie fc^iüi)ier, munben, 
^d) nmrter nit nac^ önferm fitten: [t)j^] 

äRid^ buncft, gott ^ah genüg erlitten; — 
2)0^ mann nn)n fad^ gonbt überjmerg, 
2Bie man fc^roort am fod^erfperg: 
75 ®ö^ In^ I g6| bred | g6| barm 1 gö^ jc^rtjei^! 
$ßnb flüc^ aU, bo§ iä) i)enbert trei|. 
©tat e§ nit iDoI in mt)nem f)u§, 

55ie 6t}I önb ^infd^ mu§ ou(^ i)ernf;. 
2Bann ir nun bog nit fagen toolten, 
80 3cf) t)ab ein menfd^en narr gejd^otten, 
©in fantaften | önb ein t^oren. 

2Bie lenbtlid^ ift, ^ab id) gejcfitnoren. — 
^tn funtag |ab ic^ oaft geert, 
Sffiie tinfer pfaff mic^ ^at gelert. 
85 SBir mieffent fi)ren bl) bem ban 
S5nb grt)ffent nit ein t)6(|tin an, 
Sa, jolt e§ aU ju fcl^l)tern gan; 
5)e§ fürentg ^alb ^at§ !ein not! 
SBir füren bid, ee ba§ man§ gbot. 
90 ^ä) lie^ mid^ gern mit prebigen leren, 
^ä) mag nit unfern Pfaffen tjoren; 
@r t)at mid^ ein§ mat§ ^eiffen liegen 

SSnb fan nüt prebigen, bann mit friegen; 
Dud^ fc^itt ün§ fer 1 flrafft onfer mefen, 
95 3tl§ ob er ün§ f)ett öffgetefen 
3n bem brecf önb f)ett ber fd^tt}t)n 
äRit ön§ ge{)iettet ht) bem rl)n. 
^err, fagt im, ba§ er mieffig gang, 
9^üt funberg mit ön§ anefang. 
100 S<^ lög, ht) gott, luie ic^ im bieg, 

2)a§ id^ bem pfaffen bie blat jerfd^Iieg. 
2)ie anbern öor im t^etten§ nit. 

2)a§ in ber |er^ iar ritten fc^tt! [Qij*] 
Sotten tuir im f^ne ünbt, 
105 @t)ne fod^in, figne frünbt 
3iet)en, bo§ f^ frolid^ leben, 



95] b^d^t. 285 

SSnb mott m§ böfe njort bran geben? 
2)o§ raer ün§ gac ein fd^toere bürb! 
@e ttJoU id^, ba^ er önfinnig roürb. 
110 SSann rair ein anbern ^[offen fetten, 

SBer meifet, n)a§ mir ott bornoci^ t^etten? 
(£r ift ein fo gor frufftlo^ man 

SSnb lad^et ünfer rotiber an. 
9Jüt fon er, bann bon opffer fagen 
115 SSnb im ben je^enb ju ^er tragen. 
^ä) roolt, ia^ in ber tüfel nem, 

2)a§ iä) be§ fd^elmen§ nun ah fem! 
Ob id) bann nit jii ^rebig gieng, 
3)?e^ I |3rebig on ein nagel ^ieng 
120 SSnb önfern pfaffen fd^Iieg bar^ü, 
SS& feinem miitmil i^ ba§ t^u; 
gürmar tf|ün id)^ gott nit jü leibt, 

9iun bem pfoffen, off mi)n eibt. 
SDarumb id) niid^ in bijem gbott 
125 ^Jit fd^ulbig tcei^ öor üd^ önb gott. — 
Sßon ere ber elter mu^ id^ fagen: 

fSltjXi nüitter, I)err, bie mü^ ic^ fd^Iagen. 
^ä) gloub, ba§ fi) jei) langeft tobt, 
jj^er tüfet in ir f)ut ömb gobt. 
130 @l) flü(^t ön§ offt fc^entlic^en att; 

SBir ftonbt nit gii)d^ mit ir im ftatt, 
5)arumb fl) bicE bie ftreicö ^in treit, 
@e anber fremer ü§ ^onbt gleit. 
^6) gtoub nit, bo» id^ übel t^ü, 
135 @o ft) mir örfad^ gibt bar jü [t^ij''] 
Sßnb miberbefft att be^enbt§. 

Sc^ mad^ mir brum fein contien|. 
3Kt)n öatter tuolt id^ eren gern, 
So ift er mir geftorben fern. 
140 ®ott ^att im roarlid^ föol get^on, 
Xa§ er in ^at balb fterben Ion; 
(St)n gut onnü^fid^ er üert^et, 

SSerfpilet ouc^ al§, 'ta?: er fiett. 
Sr fd^nard^en, ^etr? id^ mein, ir fc^Ioffen. 
145 ^r mod^ten mid^ bo^ ein mal ftroffen. 



Ö86 S)er narren B^c^t. [95 

Sc^ Jüil xä)^ fur|üd§ b^^er jagen 

S5nb jitn orten gamen fc^Iagen. 
3u tobt fd^tag ic| !etn tnenfd^en nit, 

@o ftil xä) niemanS oud^ bo mit. 
150 ^ä) t)a6 lüol bicE etlnaS geniimmen; 

S33ann id§ tiff m^n füB tt)ürb fumtnen, 
©rftvedt mir gott m^n |anbt, ml)n leben, 

jDann wil id^§ alle§ tüiber geben. — 
Titju ee i)ah xä) oud^ bicf gerbrod^en 
155 SSnb mid^ an ml)nem fti^b gerod^en. 
©^ mad)t mid^ bicf §ü einem äffen 

SSnb toufft ju münd^en ünb jü ^jfaffen. 
Sft e§ nun mtim tü^b erloubt, 

SBarumb rtjolt id§ be§ ft)n beroubt? 
160 SSir lugent beib, luie e§ fid^ fieg; 

@Q brid^t fidfen | fo brid^ id^ frieg. 
5td6, lieber ^err, tüxt ^altent ^u^, 

5)a§ rair balb mieffent jum t^or ^in ö^! — 
^ein üalfd^e gügnül ic^ nie t^at; 
165 S)od^ iüann ein gutter gfett mic^ bot, 
@l)n lugen id^ beftätet tiab 

$ßnb bin bod^ nie ertuorget brab. [^üj*] 
Öiuotter über ben jun ^in über, 

^0 antlüurt er mir geuatter luiber. 
170 (Sin gfett {)itfft rec^t bem anbern trogen, 

(Dott geb, tua^ ir gelerten fogen. 
Wxt nad^purn fan ein lieber man 

@i)n ^üfer üffred^t mod^en ftan. — 
©ornod^ fag id^ üon mtjn fünff ftinnen, 
175 SSie mir fd^Ied^ten Iet)en fQnnen. 
^c^ fid^ bnb ^6r tüie onber lüt, 

S33ie tüol e§ ift ein fur^e j^t, 
®o§ id^ gar no^e erblinbet mo§. 

@e!^ent, ^err, ünb fd^omen "Cia^, 
180 ®a§ ift ba§ or | boron ic^ leibt 

©d^mer^en, al§ id^ tjor^in feit. 
^ä) fc^mod I bnb rü^ | gn)ff önb toft ; 

^t)n fünff finn, bie f)att ic^ öoft. 
3fJun fompt e§ on m^n feligleit. 



96] S)er narren bfi^. 287 

185 S)te id^ nit ^ob; e§ ift mir teit, 
2)a§ id^ fo gor bnfetig bin 

SSnb üil ttert^un | onb roettig gtuinn. 
^d) fümmer mid^ nüt überall, 
S)a§ id^ in frembbe jünben fati; 
190 aJJit ben f)eimfd^en ^ab ic^ gü öit, 
SD^e bann id^ üd^ jagen roil. 
3ümed^tiger gott, mt)n bru[t xd) Uo\)f\\ 

§eiT, legt mir bie finger üff ben fopff 
85nb a|elfieren mid^ bor üon. 
195 2Ba§ id^ m^n lebtag l)e t)ah t^on, 
®ie rüroent midö önb tf)unbt mir m. 
Sieber ^err 1 f)err bomine, 
^d^ tüeife öon feiner fünben me." 



[96,J tcv «ai-vctt öttß* [t^üi*^] 

®Q§ ift bcr narren erfte hn% 
3)a§ er ft)n {)ar obfc^eren mu^; 

S)a§ ^ar §eigt mir an mjh onb man 
SOJand^en groffen narren an. 

[Gleiches Bild wie Kap. 45.] 

S33ann id^ ein narren a^otuier 

SSnb mit bem narren folben rier, 
5)arjü id^ in bi)c^t ge|6r, [t)iii^'] 

@o finbt ic^ tas, in mi)ner ter, 
5 2)a§ id^ al% ^ar im fd^nt)b lerab, 

(5e ta^ id^ in befc^rooren ^ab. 
Dann id^ \)a§> felb bejd^riben finbt, 

$)a§ im f)ar öil narren finbt 
SSnb fid^ barinnen t>ff entf)a(ten. 
10 ©Ott ber narr fl)n ^ar be()atten, 
2)ie iungen nerrlin fc^liffen br^n, 

Sm t)or fi) Joenbt oerborgen ftjn. 
SaSann mancher goud^ fi)n t)or abfd^nit, 

@o fant man für !ein narren nit; 



288 ©er narren bü% [96 

15 @o er ober ha^ la^t fton, 

5)ie narren brinnen fd^Iieffen Ion, 
©0 m^Bt nii)n fünft "oa^ davliä) ü% 
5)a§ fein narren mjä)zn bru^. — 
$ßil narren geigt mir an ba§ t)är, 
20 ®e;)racticiert mit eier dar 
Sßnb gebiffet Bt) bem für; — 

2)ie lüf; barunber finbt nit tpr, 
Sßor ab fo e§ ift trufelec^t, 

SSmb ^6I|Iin bunben, n^iber fd^terfit 
25 ©ebifft 1 ge^od^ten lüiber frumb 

9Jiit ft)ben fd^nieren ommenbumb, 
Sßnb bev tüPüfiel ift beberft 

3J?it {)uben; önfer tü§ erftecft, 
®a§ ft) fein lufft nit mügen ^on. 
30 SS)a§ f)at mond^em fd^aben tl)on. 
^ett abfolon ft)n Ijar abgfd^orn, 

@t)n leben |ett er nit oertorn. 
Sm t)or bie narren £)afften t)art, 
SSor ah wann e§ ift ein fnebet bart, 
35 ®er bt) fi)^ geringtet ift, [i)iiii''] 
SI1§ ein njitb fa| 51t gerift. 
©d^olo, fianfeman, fordet bie fetben üoft. 

3!)er fnebel bort geigt ein fantaft, 
^nb mann bo f)ongt ein ringün bran, 
40 ®rft mfi§ er fii^ befc^moren lan. 

äJian finbt on<i) manchen goud^ im orben, 
SBann er gii ijod) befc^orn ift m orben, 
(So fd^mier er tufent eibt, ber tt)or, 
(Sr mer fo t)übfdö n^m bann aU öor, 
45 S^nb leit üil groffer mie baran, 
S33ann bo t^itt ein mettlid^ man. 
2)a§ felbig t£)iinbt f^ alle§ fampt, 

2)a§ ft) nit red^t gebt)dt)tet ^anbt. 
2)ann mer mir bt)d^t, ber nl)m^t bie bii^, 
50 'J)a§ er fl)n ^ar abfd^eren mü|; 
X^ut er e§ nit, fo meiftu mol, 

jDa§ ft)n t)ar ftecft narren öo(. 
9Jod^ ift ein Ii)d^nam f)6rte bü&; — 



97] entfc^ulbtgung beg bid^terg. 289 

SBoId^cr narr bie It)ben müfe, 
55 SDer trieg öil lieber müllen fletn! — 
®a§ ift: roa Ferren finbt bQ ein, 
5)a§ fQ feim narren boren jü, 

SBie er jtin reb all einig t^u; 
3^ann ein narr nit fd^roggen fan, 
60 @o er f^n reben fa^et an. 

©in narr f^n reb fc^e^t fd^on ünb !Iug, 

So fan er roeber gtt)mpff nod^ fiig. 
SBo ein narr ij't in ber gemein, 
^a§ Wort ipil er nun f)on allein 
65 i8nb nt)mpt ta^ für JQn ^od^fte bü§, 
2Ba er Dor m^fen f^ro^gen mü^. 



[97,] ^ttttrft«l5t(|ttttfl Öc« Öidötcv^, [tj s"»] 

©Ott öerjt^d^t boc^, mer in bitt, 
S33e§ iDoIt ein menfc^ oerj^^en nit? 

^d^ b^alt ba§ Dff nii)n öoc^ften eibt, 
5)a§ i<i) mit roiilen niemand beleibt. 

[Gleiches Bild wie Kap. 2.] 

Ob mir hai ftanb jun eren an, 

2)a§ icJi fo manc^ l'c^Ompff reb ^ab t^an, 
(§0 i(f) boc^ bin ein gei[tlic^ man? [q5^] 

3c^ ^off ünb triitü, mer» rool betratet 
5 SSnb mit bem ic^t)mpff be§ ernftg nimpt oc^t, 

S^er merrft, bo§ ic^ mit ic^t)mpff reb \)ah 
9iarr§eit motten bilden ab, 

^ie offt mit groffem ern[t nit mag 
SSertriben merben | nod^ mit dag. 
10 ^ä) meiB, ba§ mid^ ber felb nit fc^enbt, 
ji)er mol bebenrft ba» funbament. 

@r fid^t, ba§ ic^ mit fd^t)mpff reb bon 
®em ernft fürroar genug get^on. 

^a^ ^ei^t mt)n bic^t „ben narren bjd^mercn"; 
15 SBann [id^ ein menfc| (afet mi^^Iic^ leren 

Murner, NarrenbesehwOruug. ly 



290 entfd^urbtgimg [97 

$ßnb üolgt bem tücg ber erberfeit, 

Dud^ Ia|t fp yünbt int roerben leit, 

S)er legt fd^on t)tn ftin norren fleit, 
Sßerbürgt bie langen efel§ oren; 
20 S)a§ fieifet ein norren tt)i)§ Befcf)rtJoren. 
3ilfo tterftonbt burd^ gott nii)n bic^t 

3n ottent güttcm, anber§ nid^t. 
Sd^ Iiab mit ttjiüen tinb mit miffen 

äRit ftid^raort feinen menfc^en biffen, 
25 SlHein ein fd^tin^^flid^ [troff get^on, 

Tlxt fc^t)ntpff tinb ernft tiermiftfiet fd^on, 
Sßnb '^ah^ gerebt aU in ber gemein, 

^n funbertjeit genennet fein. 
§ob ic^ ober etmo troffen 
30 S3nb mond^em burd^ ben bort geloffen, 
Duc^ über fi)nen bond befd^moren, 

SSngene^et bo^ffer gfc^oren, 
®er geb ft)ner eignen tt)or^eit fd^ulbt, 

St)bt fid^ mit mir tinb ^ah gebult; 
35 @o ic^ mir felber monigS mol [t)6^] 

Dfft tinb birf ^ah gtüagen mol, 
SSnb mir morlic^en oud^ gefeit, 

2Bie tieff id^ fted im narren ftcibt. 

gc^ bitt gott, ba§ mir§ werbe teibt. 
40 SDa§ id^ üd) narren ^ob genant, 

2)a§ l^ob ic^ t^on in bem oerftanbt, 
S)a§ id) üd) aU für fünber fd^e|, 

jS)ie miber gott tinb f^n gefe| 
^onbtlent offt ti^ blobigteit, 
45 2)a§ in jü letft mürt merben leibt. 
^d) t)eife ben biHid^ einen norren, 

"Ser in fünben tt)üt öerfiorren 
SSnb nt^mpt ott 6ie ein ji)ttid^§ an, 

®a§ er mie§ eroig mongel ^on. 
50 ^orurnb i)ah id) burd^ gotte§ eren 

3in narr^eit mieffen fie befd^meren 
3u beferung bifer roelt, 

2)ir §ü nu^ tinb timb !ein gett, 
(Sott jn lob, ber f^ m^n jüg, 



97j begbic^tcrä. 291 

55 5)a§ id^ in bijer reb nüt lüg. 
SBor inn id^ aber ftrdflic^ tuer, 

®oI mir tein§ men^c^en [troff f^n fd^loer. 
^d) bin ein menfc^, be§ irr id) ou(^ 
SSnb ^ob ouc^ gucfet mit bem goud^. 
60 2)Qrumb mer nit)n gebic^ten flrafft, 
5)0 e§ mit ont^at ift begafft, 
2)c§ bancf im gott, bem frummcn man, 

2)er mic^ mit mg^^eit ftroffen fan 
55nb mt)n bic^t gern ^ören tefen, 
65 SQ3a e§ ünflräflid^ ift geroefen. 
2Ba e§ aber fträflit^ ift, 

S^nb mir onjt)mIic^g roer entmifd^t, [t)6''] 
©0 bit ic^ fl^ffig i^eberman, 
S!a§ niemand fidö roöl ergern bran; 
70 S^ ^Q^^ in giitter meinung t§an. 
^d) bitt befunber mi^plic^ gfc^Iec^t, 

Ob ic^ fQ ^ett geftrafft Diüec^t 
SS^tterg bann mit bfc^eiben^eit, 
@o roer e§ mir üon ^er|en leibt, 
75 S33a e§ in fo( jü nac^teil fummen 

SSnb fpötlicö oon mir üff genummcn. 
Sor^eit ber tt)t)ber i)ab id) tariert, 

5)ie frummen nie mit fc^i^mpff beriert; 
2)ann aQe mt)ber ^ie off erben 
80 ®eeret bidid^ foQen werben 
Sßon einer megen, mol befant, 

S)ie rein ünb ^art marta genant. 
35ie felbig frünbtlic^ feifer^n 

2B6I ^e^unbt m^n funbtfc^afft f^n, 
85 3)a§ id^§ gemein oon ^er^en gut, 
(Sebic^tet \)ah on argen müt. 
^d) roolt ber melt louff befc^rgben, 

5^0 muft ic^ off ber form beleben, 
Spotten I tacken | fc^iimpffreb trieben; 
90 2)a§ alle§ mir mer überbliben, 

|)ett ic^ oon gott onb tugent gfc^riben. 
®ann mer oon gott fc^rt)bt onb oon tugent, 
S)er tr^bt fein fpott reb ober lugent; 

19* 



292 (gntfc^ulbigung [97 

yiun ifl e§ aU ber luelte tonbt, 

95 SSie man in triebt in allem lanbt, 

2)en ic^ mit fd^oben ^ab erfaren; 

(SJott roöl mic| fürter f)tn beWaren! 
SSte ic^^ befd^riben i)ab jii mol, 

3n§ ift Qe^unbt bie weit ganl öo(. [t)7^] 
100 2Ba mit bie obe melt ömb gat, 

S)o§ felb mit f(f)t)m|)ff ^ie innen ftat, 
2)a§ fid^ ein t)eber ^ietten magf, 

@e ba§ er fumm in narren jocf. 
SBoItftu aber tugent lefen, 
105 SBiffen oon c^riftlid^em mefen, 
®a^ li^ah id) bir befd^riben f^n, 

3)0 id^ bie narren gii latl^n 

Dn fd^t)mpff mit ernft befd^moren ^att. 

©in i)eber tt)i)fer iia üerftat, 

110 S)ag id^ on fd^l)m^3ff oud^ ernften tan. 

2Ber ba§ felb biirf) fi^et an 

SSnb lifet e§ oud^ mit f)of)em fl^fe, 

SE)er fid^t njol, ba§ id^ [d^roar^ önb m^B 
53eib erfenn, bo^ önb oud^ gü|, 
115 Srnftlid^ bin önb froIid^S mö|, 
©in t)ebe§ tr^b ju ft)ner §^t, 

2Bie fid^ ein fod^ gefd^iälid^ g^t. 
Qu lattin far id^ mit tt)t)[en, 
3ü tütfd^ mii^ id^ mit narren teufen. — 
120 ®iB entfc^ulbigen ift genug, 

3ßer an mit fe§en gli)ni|)ff önb füg, 
5)en iä) bar t^ü | önb glitten Witten, 

5)er lafet ti^ bit fic^ (ijc^tlic^ ftitten 
$8nb ni)mpt m^n fc^rl^ben bo für an 
125 S" güttem, aU tc^§ ^ab get^an; 
2Ber aber t)a|t bie münd^eit att, 
^er f)ört mid^ nit in bifem fatt, 
@o iö) ou6) bin in ber m.ünd^ jatt, 
SJ)er felben ipeife ic^ einen man, 
130 ©priest man: „ba§ f)ot murner t^an," 
§ett ic^ fc^on beffer ler gefc^riben, [Q?**] 
2)ann gott öff erben ^at getriben, 



97] be§ bic^ter§. 293 

©0 iftS ntt re(^t in [l^ncm finn, — 

5)arumb hai id) ein 6arfü§ bin. 
135 2BiI er öff bifer meinung 6It)ben, 

So lilfft fein bit reb ober fd^rt}ben. 
Ti§ ift oon boctor murner roorben 

S3ef(^riben oon ber narren orben. 
Sc^ ^a6 fein fc^Qmpffreb ^ie get^on, 
140 ^ie nit ein groffen ernft müg ^on; 
3)a§ finbtftu clärüc^ ju lat^n, 

2Bie ernftigftid^ mm ic|t)nipff rool f^n. 
3ü francffurt i)ah ic^ an bem mein 

^iB büd^ befc^riben ju latein 
145 35nb ju tütfc^ barjli geprebiget. 

2Ben id^ ^ab barinn gefc^ebiget, 
Xer raöl bur^ gott mir ba§ »ergeben; 

2)e§ geb im gott ha^» emig leben ! 



(SJetrucft onb oottenbet in ber (ob(id^= 

en ftatt Strasburg burc^ dJla- 

t|iam |)upfuff ^Uiv man 

j;alt öon ber geburt Dn 

fer§ i)erren 'Jufent 

günff ^unbert 

ünb Stvblfi 



Aninerkimgen und Glossar. 



Abkürzungen. 

AI. = Alemannia. 

Bf = Miirners Badeufalirt. hrsg. v. Martin. Strassb. 1SS7, 

in den Beitr. z. Landes- und Volkeskunde v. Els.- 
Lothr. 2. Heft. 

Brueker = J. Brucker, Strassburger Zunft- und Polizeiver- 
ordnungen des 14. u. 15. Jh. (m. Glossar von 
Brucker u. Wethly) Strassburg 1889. 

BWb. == Bayerisches AVürterbuch v. J. A. Schmeller u. 
O. K. Frommann. 2. Ausg. München. I. 1872; 
IL 1877. 

DWb. = Deutsches Wörterbuch von J. und "W. Grimm. 
Leipzig 1854 ff. 

Frisch = Joh. Leonh. Fr., Teutsch- Lateinisches Wörter- 
buch. Berlin 1741. 

Gd. = Goedeke in seiner Ausgabe der Narrenbeschwö- 

rung. 

Gl. = Glossar. 

GM = Murners Geuchmat. Basel 1519. 

Kawerau = Waldemar K., Tb. Murner und die Kirche des 
Mittelalters. Halle 1890. Nr. 30 der Schriften 
d. Vereins f. Reformationsgeschichte. 

Lexer = Matthias L., Mittelhochdeutsches Handwörterbuch 
I — m. Leipzig 1872 ff. 

LN = Murners Gedicht v. grossen Lutherischen Narren, 

hrsg. V. H. Kurz. Zürich 1848. 

M. = Murner. 

MhdWb. = Mittelhochdeutsches Wörterbuch von Benecke, 
Müller, Zarncke. I— HL Leipzig 1854 ff. 



1.] Anmerkungen. 295 

MS = Mnruers Mühle von Schwiudelsheiui, hrsg. v. Al- 

breclit in d. Strassb. Studien, Bd. II. 

NB = Murners Narreubeschwörung. 

NS = Brants Narreuscliiff, s. u. Z. 

Kiess = ]\Iax R., Quellenstudien zu Murners satirisch-didak- 

tischen Dichtungen. 1. Teil. Berl. Diss. \<W. 

Schmidt = Charles Seh., Histoire litteraire de l'Alsace. Paris 
1879 (über Muraer Bd. II, 211— 315; 419—431). 

Schultz = Alwin Seh., Deutsches Leben i. 14. u. 15. Jh. 
Grosse Ausg. Wien, Prag, Leipzig 1892. 

Schw. Jd. = Schweizerisches Idiotikon. Von Friedrich Staub. 
Ludwig Tobler, (Kud. Schoch). Frauenfeld, 1. 1 8S1 . 
U. iSSö. 

Stirius = Franz S., Die Sprache Thomas Murners. 1. Teil. 
Lautlehre. 1 laller Diss. 1891. 

SZ = Murners Schehncnzuuft, hrsg. v. Matthias in Braunes 

Neudrucken No. S5. 

Univ. = s. u. Z. 

W. = Wickram, s. die Einleitung. 

Wander = Deutsches Sprichwörter-Lexikon. I — V. Leipzig 
1867 tf. 

Z. = Friedrich Zarucke, Sebastian Brants Narrenschiff 

(NS), Leipzig 1854. 
„ „ die deutschen Universitäten 

im Mittelalter. I. (Univ.) Leip- 
zig, 1857. 

* bedeutet: in dem betr. Kapitel wiederholt vor- 

kommend. 
Andere Abkürzungen wie PBB (Beitr. z. Gesch. d. d. Spr. 

u. Litt. hrsg. v. Paul u. Braune) ZfdP (Zeitschrift f. deutsche 

Philologie) etc. ahd., mhd. etc. werden als bekannt voraus- 
gesetzt. 

Was m den folgenden Anmerkungen nicht erklärt ist, suche 

man im Glossar. 

Aiiinerkungen. 

1. Murner will seiu (Gedieht an Brants NS auschliessen. 
Er stellt es so dar, als ob Brant mit seinem Schiff die Narren 
nach Deutschland gebracht habe und er sie nun in welsche 



296 Anmerkungen. [1. — 3. 

Länder bannen müsse (anders NB 1)2, 176 ff.!). V. 26— 28 
citiert er aus Brauts Protestation die Verse 38—40, um daran 
zunächst ein Kompliment für diesen zu knüpfen und dann 
gegen den ersten Vers (SS tan nit t)eber narren machen — 
Prot. 38 gegen die Interpolatoreu !) scherzend zu opponieren. 
1 vgl. NS Vorrede 90. 10 sprichwörtlich, s. 68, 11; 95, 17, 
Wander. II, 1588 f. u. ZfdP 26. 34 s. v. raufen. 33 f. Vgl. 
NS Vorrede 41 f 51 f Aehnlich NS 72, 15 f. 88 fdiieben 
pract. conj. v. fd^aben. 

2. Bild aus NS 1 1 1 entfd^ulbigung be§ bid^ter^. Neues 
Bild in B (W). 12 f. sprichwörtlich, vgl. 28, 38; ba§ bb^ = 
Unbrauchbare, Schlechte, die Spreu fliegt beim Schütteln in 
der Getreideschwinge hoch, ©ie niac^ent fic6 Ijerfür ttne ba§ 
bb% in ber tüannen. Geiler, Postill 177. 7 — 9 Unsers herren 
lichamen ist ein wider bringunge aller menschlicher chran- 
keit, der Mönch von Heilsbronn, hrsg. v. Merzdorf, 20. 25 
baliba, 47, 5; so schreibt statt baltia auch Braut. S. Z. z. NS 
13, 68. 63 Selbst hier (wie 2, 3; 3, 69) setzt W jene in 
einem Wimphelingschen Epigramm zuerst angewandte, von 
Gnidius später wieder populär gemachte Namenverdrehung: 
5JhirrDIavr. Vgl. Kawerau3; ders., M. u. d. deutsche Eefor- 
mation 46 ff. 64 niemantS, niemand u. t^emanä (70,80; 87, 
36; 92, 91) sind für alle Kasus die herrschenden Formen in 
der NB; nur 59, 16 nieinant. Vgl. ZfdP 26, 199 94 Vgl. 
Matth. 23,3 u. Anm. z. 57, 47. 98 Sinn: Ich will nur das 
daraus entnehmen, als Resultat (der etwas weitschweifigen 
Rede) anführen. Anders Gd., der er[)oI mit 'erlangen, ge- 
winnen' umschreibt. 103 tüt^^t, W lel^rt. 107 ff. Dergl. 
versichert M. oft, z. B. 90,20; 97 cd u. 27 f.; SZ Entsch. 2 ff . 
u. 41 f. 118 vergl. Kap. 57. 119 f. Viele Belege dieses 
Sprichworts bei Wander IV, 894. 

3. Bild aus NS 1 SSon bnnu^en budiern, wo auch Braut 
(wenigstens nach M.s Meinung, s. Z. z. NS 1 a) die Reihe der 
Narren eröffnet. Anlass zur Ueberschrift mag M. die etwas 
auftauende Nase gegeben haben. Neues Bild in B(W): In 
dem aufgeschlagenen Buche sieht man ein Gesicht, auf 
welches der Narr eine Wachsnase macht. — * ©in iDCd^fen 
nafe (die sich nach allen Seiten biegen lässt) nmd^eti, sprichw., 
s. Z. z. NS 71, 10; DWb 7, 408. 14 nit ipiffen, icaä bie rüben 



3. 4.] Anmerkungen. 297 

gelten (kosten), vgl. SZ 22. 28: 42, 2, sprichwörtl. für: nichts von 
den Dingen verstehen, nicht Bescheid wissen. Vgl. Wander 
III, 1750. 20 bcncnftro (W fiaberftro) kauen, ebenso 5, 113, 
enfeian 5, 17S, SZ 1, IS, sprichw. für etwas mit Widerwillen 
thun. 23 f. Variation des Sprichworts : die Gelehrten sind 
die verkehrten, vgl. 5. 136; MS 57.5 f. u. Wander I. 1534. 
40 'In einer Strassburger Kirche befand sich 1490 ein Bild, 
auf welchem das Gleichnis vom breiten und schmalen Wege 
dargestellt und auf dem ersteren eine Reihe geistlicher Wanderer 
mit solcher Kenntlichkeit abgebildet war, dass die Barfüsser 
darüber Lärm schlugen. Vgl. C. Grüneisen, Niclaus Manuel. 
Stuttg. 1837. S. 76." Kawerau 101. 46 vgl. XS Prot. 8. 
60 f metfter (Magister) scherzhaft im Gegensatz zu fnccfit; vgl. 
6. ystf : SZ 8, 15tf. 62 ift mit im fcfilec^t, -können wir unter 
Vorwendung, dass es Gott wolle, recht und einfach, als selbst- 
verständlich darstellen." Gd. Nach dem Zusammenhang ist 
doch wohl der Sinn: Alles, was wir wollen, ist mit ihm, 
unserm Knecht, bequem, einfach (wie 2, 22). 79 ftrccfen 
ba^, besser, tüchtiger foltern, um ein Bekenntnis zu entlocken; 
abenteuerlich ist Balkes Erklärung : bafe, darnieder (aus frz. 
bas?).' 94 bie jecfen (die recht fest sitzen, s. 2. 32) ablefen ist 
eine schmerzhafte Operation und bedeutet nicht 'Erleichterung 
(von Sünden) verschaffen', sondern einen gehörig vornehmen. 
Vgl. die bei Gd. angef Belege aus Ketzer cG»; NS 93, 2. 

4. Bild aus NS 97 bon trogfeit önb full^eit. Neues Bild 
in B (W) : Narren werden gesät und wachsen aus der Erde, 
ab |et)en: meben, über den Diphtong et) in Wörtern dieser 
Art s. Stirius 2^. 21 bar, nach Gd. = wage; aber hier doch 
wohl wie V. 40 = dorthin. So auch AA", welcher ändert: 2:^ebt 
id^ ein narren fiit)en bar. 23 gar, gänzlich; teilweise war 
M. als Geistlicher ja schon geschoren. 27 s. d. folg. Anm. 
69 (gbron, Hieronymus, unter dem Einfluss einer jüdischen 
Sage stehend (Genesis rabba 58, vgl. Hieronymus zu Cxenes. 
23, 2), übersetzt Jos. 14. 15: Nomen Hebron ante vocabatur 
Cariath Arbe .Adam maximus (statt homo maximus) ibi 
inter Enacim situs est. 'Noch heute zeigen die Moslemin den 
sog. ager damascenus. von dem die mittelalterlichen Pilger 
reden, den Acker, aus dessen roter Erde Adam erschaffen 
sein, ferner das Dickicht, in welchem Abel von Kaiu er- 



298 Anmerkungen. [4. 5. 

schlagen worden sein soll.' Kaulen, Art. Hebron iu Wetzer 
u. Weite, Kircheulexikon 5^, 1565. 85 NS 97, 17 f. in anderm 
Zusammenhang: Ser biSfe öt)nbt nijnM bev tragfct)t tüar 3Snb 
\hQt gar Balb ft)n fomen bar. 131 brc^fen, schnüren, in Zaum 
halten, s. Gl. 

5. Bild aus NS 67 9ittt Uiellen ein nar f^n. Vergl. V. 
7 J f. ; NS 67, 3 ff. Neues Bild in B (W). 1 Vollständig heisst 
das Sprichwort, z. B. bei Luther (Dietz 2, 2 b) : be^utt gott für 
gabelftic^enn, bie machen bre^ locker. S. DWb. 4, 1, 1, 1123. 
7 meifter fxttx bon l^od^en ft)nnen vgl. GMm4^, ein ge- 
machter Name für sich klug dünkende Narren; derartige Be- 
zeichnungen waren damals sehr üblich. Peter als Name für 
Einfältige ist gewöhnlich (s. Wackernagel, Kl. Sehr. 3, 153 f.); 
Meister Peter ist hier wie 6, 106 = Magister Peter (sonst auch 
für Scharfrichter und Teufel, s. Wackern. a. a. 0.); 61, 45 
heisst es deutlicher: bec narr üon l)of)tn fiimen . bon ^ol^en 
finnen ist die volkstümliche Benennung der damals von Deut- 
schen viel besuchten hohen Schule zu Siena. (Im AVendun- 
muth 2, 119 ist Hauss Peter von Senis, ein mann t»on fefir 
fur^Jr eiligen reben, fd)imffer[id)en unb lächerlichen fcfitüänden.) 
Geiler gebraucht das Wort ohne jeden Nebensinn, z. B. 2)aä 
öierb liccfit ift frandl^cit ber ftnnlid^eit. 3]nb nt;mm ^te ik finu; 
Itd^eit I gemeinlid^ alä ber meifter öon ben ^o^en finnen| 
für aüeä baö lüir gemein l^abent mit ben tieren, Das irrig Schaf 
D5a. In dem Nebensinn, den M. der Bezeichnung giebt, 
wird sie ganz gebräuchlich, so dass die ursprüngliche Be- 
deutung in Vergessenheit kommt. In Gryphius' geliebter 
Dornrose z. B. ist SBill^elm bon l^ol^en ©innen der auf sein 
Ansehn bedachte 2lrenbator be§ S)orff§ SSttlbüncfel. 27 Teile 
des corpus iuris canonici. 28 gulbin 301, zur Bestimmung 
der Jahre im Mondcyklus. 35 Barette und Handschuhe 

hatte der Doktorand verschiedenen zur feierlichen Promotion 
geladenen Ehrengästen und den akademischen Würden- 
trägern zu schenken. S. z. B. W. Vischer, Gesch. der Univ. 
Basel, 213. 36 mal bef^jert;, die feierliche Disputation 

(vesperiae) vor Erlangimg des theologischen Doktorats wurde 
mit einem Schmanse beschlossen. S. Z. Univ. 263 und Vischer 
a. a. 0. 37 Anno 1506, 27 die Martii promotus est in sac- 
rae Theol. Dodorem venerabilis Pater Thomas Murner de 



5. 6.] Anmerkungen. 299 

Anjentina etc. Freiburger Univ. Protokoll, abgedr. in Stöbers 
Alsatia 1ST3— 74. 306. 81-85 Diese Behauptung M.s ist wohl 
wie andere ähnliche, z. B. 34, 14; GM H3b, nur scherzhaft 
gemeint (s. Riess34, PBB IS, 65). Jedenfalls ist nicht auf 
eine Begebenheit des Jahres 1505 (Gd.), sondern auf den Tag 
zu Worms 1509 angespielt. 105? bmb fu^jffre ^fenninoi (W 
fu^jffr^")^ iJii Gegensatz zu Silberpfenuigen , also für eine ge- 
ringe Münze, vgl. das Sprichw. Äüijffern fcelmefe, füj)ffern gelt, 
LN 1602 (umgestellt! s. DWb. 5. 2766 u. 60). fenff iu über- 
tragener Bedeutung 21, 26. 113 Diese volkstümliche Ironie 
im Beispiel ist eine stilistische Eigenheit M.s., vgl. Anm. z. 
3.20; weitere Beispiele: einem beistehn , hJte ber fud^ä bcr 
canceHt} (Kanzlei). 5, 117; sich vor Unkeuschheit hüten , Juie 
ber e[e[ t^nt im mewen, 5, 154; sich wehren. a[§ lr>ann bcm efel 
ein facf entjjfaft, 9, 44; 26, 60 (vgl. hierzu den Abschnitt 9?mm 
beu cnt^.>fairenbcn [act truren MS 874 ff. u. GM C 2»); die Augen 
niederschlagen , n)ic bcr t)unbt 5« me^ii^ [tat, 1 1 , 45, vgl. MS 
460 f; der Wein ist dem Völler gesund. Juie ba§ gra^ ift 
vnferm l^unbt, I s, 67, ähnlich 38, 66 : die Ungelehrten verstehen 
so viel vom Recht, a[§ tuen ein blinber fdiüfet jüm 51!, 29, 18; 
mid^ l^at Verlangt . . ., hjte beu cfel nad^ bcm \aü, 60. 22; sich 
schicken, tüte ber brt)f^i§ tl^üt in fadf, 72, 31 (s. z. Kap. 13); 
vgl. ferner Anm. z. 44 b— d u. z. 79. 28. 115 vgl. 3, 39 f. u. 
Anm. z. 40. 120 sprichw., s. z. Kap. 41. 125 td^€, W 

ic^ fein. 138 vgl. V. 35. Besonders der Ausdruck Baretlis- 
Ind ist bei Geiler u. M. sehr beliebt als höhnende Bezeichnung 
der Doktoren; vgl. DWb 1, 1131. In der Vorrede z. Ueber- 
setz. d. Instituten sagt M. : '^d^ ^ab oud) ba§ bon 3aco'& SOhtrner 
önb 3){at^eo, meinem üater, fo oft gel^6rt f lagen, h)ic bie baret; 
li^leut, üß gebult alfo bou inen genant, bie armen leut re^tlof; 
ümbgetribcn l^aben. 155 9J^bt ba^, W neib | iia\§, doch vgl. 

DWb. 7, 560. 181 vgl. V. 42. 184-186 Sprichwörter. 

191 sprichw. gewordener Ausruf des Pfaffen von Kaleu- 
berg, den dieser beim Heizen mit einem hölzernen S. Jacob that: 
Ü)Jun h\xd bicb, '^(dil, bu nuift in offen, i»erft babft ob allen bifc^offen 
(Bobertags Narrenbuch 51). Vgl. Wackernagel, Kl. Seh. 3, 
162 Anm. 53 mit einem Beleg aus Thomas Platter, ferner LN 
1603 ff", und das dazu gehörige Bild. 

6. Eigenes Bild, das in B (W) ebenfalls verwertet wird ; 



300 Anmerkungen. [6. 7. 

das Monogramm weist auf Urs Graf, den schweizer Zeichner 
und Formschneider (s. Nagler, Monogrammisten III No. 414, V. 
No. 1175). 1 f. vgl. NS 67, 53 f : ©arc^egen fint btl narren ouc^, 
bte b^ iiebrütet l^at etin goud^. 5 sprichw., vgl. SZ46, 31: 
bie irih I;erufe, ber trbn l^in^n! MS 1062. 31 S)cn martren 
etc., d. h. mit diesen Worten fluchen, wie SZ 4, vi : ®o^ marter, 
li^unbcn, belten, füre^n, vgl. Gl. Das gottlose Fluchen ist ein 
in der Morallitteratur dieser Zeit immer wiederkehrender Gegen- 
stand der Klage ; besonders den Landsknechten , deren Bei- 
name marterl^anfcn (SZ 4, 19) gewiss nicht eine Umdeutschung 
von tnarandenr ist, wie Wackern. Kl. Sehr. 3, 134 vermutet, 
wird der Vorwurf stets gemacht. Vgl. NS ST, bes. V. 1! — 14 
u. Z. zu V. S-K); LN 1710 if. (beachte die Flüche, mit denen 
bruder Veit um sich wirft) ; Strophe b im lieb öon bcin l^äHer, 
Weim. Jahrb. 4, 424; Wickram, RoUwagenb. (Kurz) 132 ff. 
39 f. vgl. NS 102, 49—67. 41 sprichw. s. 56 b; 75, 32; SZ 15, 
14 u. DWb. I, 1089. 44 vgl. Kap. 56; SZ (B) vorred 3 f. 
(Neudr. S 4). 51 Siehe das Bild zu dem Kap. frouiu 3Senu§ 
berg in der GM H 1 " mit der Ueberschrift : fyrouiü i^enuä berg 
ift l^ie ein fret)b, Sort fart man brt)n mit t^er^en Iet)b. 2Q3enu 
3littltd^ %ti\)i gabt überjtrierg, ®af- l^ei^ tcb bort froutu 33enu§ 
berg, u. vgl. Anm. z. 16, 41 bagierer. Die Geschichte vom 
Tannhäuser war ein beliebter Erzählungsstoff der Fahrenden, 
s. Gd. u. Baracks Anm. zu Zimmern 2^, 30, 18. 65 W baumen= 
ring. 81 e§ ifi ehn f}3r6cb»Dort l^eur al^ fern: SQ3o man fd^miert, 
bo fart man gern, SZ 25. 3 f : vgl. Z. z. NS 14, 1, Wander VI, 
276 ff. Hier ist das Schmieren (V. 7S) der Quacksalber und 
das Fahren zum Tode gemeint. 112 eber, B 6ber (das obere). 
116 vgl. NS 1, 2S u. Z. z. St. 166 gemachtes Latein: 

Mistgabel. Vgl. V. 170. Derartige Scherze über geringe 
Lateinkenntnisse waren damals in den quaestiones fabulosae 
überaus beliebt , s. Z., Univ. bes. 76 pira ein bicr .... bis- 
zinckus ein ofcngabet etc. ; vgl. ferner NS 1 , 30 f. Gd. um- 
schreibt: 'du musst zur Mistgabel greifen' ; das liegt nun doch 
nicht in diesem Latein. 170 vgl. 30, 36. 

7. Bild aus NS S7. Die dreizackige Lanze, mit der 
Christus gestochen wird, erinnert M. an ein in 3 Zinken aus- 
laufendes Stück Holz, Geiss genannt, das als umzuwerfendes 
Ziel von den Kindern aufgestellt wurde. Das Spiel heisst 



7. 8.] Anmerkungen. 301 

bei Fiscliart: 2)er ®etife lauten (Garg. Neudr. 265), ^irt, fe^ 
©eti^ auff (das. 270). Auch in Arnolds Pfingstmontag b5 wird 
'Gaisufsezzer' als Strassburger Kinderspiel erwähnt. (Vgl. DWb. 
4. 1, 2. 2S01 f. u. Schw. Jd. 2, 4tiü, wo mit Hinweisuug auf dieses 
Kap. das Spiel genau beschrieben wird.) Auf dem neuen 
Bilde zu B (W) sieht man deutlich , wie Männer nach einer 
solchen Geiss schlagen und Christus als Aufsetzer fungiert. 
So erklärt sich Titel und Inhalt dieses Kapitels, in dem das 
Spiel geistlich ausgedeutet wird. 8 vgl. NSST, lof. 34 
W fumbft. 41 ein Spielausdruck . s. Schw. Jd. a. a. 0. 
46 Anspiehmg auf Christi Kreuzigung, s. Bild. 96 'Da die 
Abschnitte häutig 9^, nie iUt Verse enthalten, scheint hier trotz 
des mangelnden Reims auf kalt kein Vers zu fehlen, den 
auch keine andere Ausgabe ergänzt hat." So Gd. Dagegen 
ist zu bemerken, dass Kap. 25 99 Verse hat und dass Wickram 
— wenn auch sehr ungeschickt — hier ergänzt. Nach V. 96 
schiebt er nämlich ein : @rof'3 lelib imb jamer manigfalt | %\n't>t 
man in he^ gemelUn bauf§ 33nb fd&tedit etc. Ich glaube aller- 
dings auch nicht, dass ein "\'ers ausgelassen ist ; wahrschein- 
lich aber hat der Setzer bufe tft e§ fall verstellt aus dem 
ursprünglichen falt tft c^ buf(; demnach würde das Stück 
mit einem Dreireim geschlossen haben, worauf übrigens auch 
die vorgerückte Zeile 96 hinweist. 

8. Eigenes Bild: ein neues in B (W) : die Löffelgriflfe 
laufen hier in Narrenküpfe aus. — Es ist vielleicht nicht un- 
angebracht, an die im 16. Jh. beliebten Löftellieder zu erinnern, 
in denen alle möglichen Arten von Lötfein, auch im Doppel- 
sinne des Wortes, aufgezählt wurden. S. Eitner, d.d. Lied 
d. l'\ n. 16. Jh. 1, 147; De generibus ebriosorum, Z. Univ. 
124, 10; Fischart, Garg. Neudr. 131. 7 f. Vgl. die ausfiihr- 
liche Behandlung dieses Themas SZ 20 (NS 52). 14 ein 
menlin niadicn, etwas vormachen, im DWb. 6, 1597. 1572 nicht 
in diesem Sinne belegt, vgl. auch Wander III, 446 f. 21—32 
vgl Kl, 67—76; SZ (B; 37: NS 5. 29 f. ^ctt f^ ätt)elff ior an 
frucfen frod^en Unb ben arfe in falten gftoc^en, SZ 2U, 25 f. 
55—58 äBer f^n mul »mb etm fadt^fiff gtjtt Ser felb fl;nö tufd^en§ 
gnftffet n^tt 3>nb mu^ offt gan, fo er gern rt)tt, NS 89 a— c, 
vgl. V. 34. ©in bufd^)en ber genüffet mtt, 2ßer etüigS bmb jer^ 
genglid^g gV*^/ 'l^.s. V. 31 f. 65 sprichwörtlich, vgl. damit 



302 Anmerkungen. [8. 9. 

b^geSvefcfien (i9, 22. 69 Ueber den Prodigiisstoff bei M. s. 
PBB IS, 57 ff. Nachzutragen ist die Anführung des verlorenen 
Sohns in der MS 51 1 ft'.. wo ihn M., wie in der GM, von den 
Weibern, nachdem er alles verzehrt hat, mit Kunkeln ver- 
treiben liisst. 71 f. Vgl. die Stelle im Schlemmerlied (Berg- 
reihen Neudr. 55, 11 ff.) : ic6 l^ab toibber raft nod) rt;ii S)en abenb 
al§ ben morgen, bi§ ic^ ba§ alle:» öertf)u. 73 füwbcut, im fig. 
Sinne, 4^, 66; 69, 23; MS 420 u. Ulc; vgl. DWb. 3, 1434. 

9. Eigenes Bild (über das Monogramm s. z. Kap. 6), das 
in B (W) wiederkehrt. Das Kap. ist beeiuflusst durch Hart- 
liebs Quaestio fabulosa: De fide meretricum, Z. Univ. 67 ff. 
(S. Riess 35 f.). Das gleiche Thema behandelt M. in der 
MS 400 ff. ®rcbt müller^n oj.>ffer und in geradezu dramatischer 
Ausgestaltung GMx3— z (S. Riess 11 ff".). 3 S. z. Kap. 54. 
15 ff". Quod autem amor mulierum faciat homines fatuos, 
ostendo ex conditionibus amatorum et ex annalibus, quoniam 
tales boni cuculi stolidi et obtusi magnificant quae magni 
aestimanda nun sunt. Sicut enim naturalis fatuus plus amat 
nolam quam floreuum, plus paricem quam equum, sie et ama- 
tores mulierum parva eariim munuscula magnipendunt , sua 
quoqne, quae in dies eisdem praestant, parvifaciunt. Uli 
namque more officiatorum et computistarum in fine septima- 
nae data et recepta computant, incipientes sub hac forma: 
Item \)at mir m^n licbä fettl^crlin geben ein Jren|Ietn für . iii . 
l^eUer, bargegen l^ab ic^ it gefdjenft ein fd^leijer für . ii . gulben . 
Item fc^anft fie mir . ii . negelin blümlin mit blalver f^ben hi- 
VDunben, ba gab iäj \t lüiberbmb ein paternofter für . XVI . albos 
gu ftunben, ünb fragt fie: lieber fdja^ m^ner, lüa^ bebütet ba§ 
bloh), fie fagt, e8 bebütet: narr l^ie, narr ba. Z. Univ. 72, 
9—22. 16 Scherzhafte Variation des Sprichw. in 6, 5. vgl. 

Anm. z. St. 27—30 ähnlich MS 465— 4ti8. 41 f. ... . Respondit 
amasia, fraudis et doli pleua : 'Non vellem re vera me aliquid 
abs te recepisse, nee cupio, sed tantum de tua praesentia et 
aspectu laetor et exulto. Z. Univ. 73, 6 ff . 44 S. z. 5, 113. 
60 W: 33nb erg facilet in ^Anben ^at. 65 f^ berftanbt, nicht: 
'sie meine' (Gd. mit unrichtiger Interpunktion), sondern, 
wie MS 1456, = für sie einstehe, sich für sie verbürge (vgl. 
V. 74), s. Lexer verstän 3, 247 f. und Z. Univ. 73, 26 ff.: Sub- 
iunxit ipsa dicens: '21ci^, ad), causam doloris mei tibi enarrare 



9.— 11] Anmerkungen. 303 

est mihi difficile. Est quidam pannicida, qui sine parata 
pecnnia , siib bona solnm spe . mihi antehac dederat septem 
ulnas panni pro facienda tunica. et ulnarum quaelibet floreno 
constat, terminus autem solutionis mihi ab eodem impositus 
effluxit et, nisi hodie ei satisfecero extra civitatem sum 
depellenda. 

10. Bild aus NS 1 2 SJon Dnbefinten fad^en ; was das Bild 
bei Brant bedeutet, sagt die Ueberschrift : $Ber nit öcr gürt, 
ee bann er rtitt, 33nb ftd^ üerfidit fcr^im bt} jht, S)e§ ipott man, 
falt er an ehn ftitt. Neues Bild in B (W). 20—23 obscöne 
Drohung! 29 vgl. SZ 21, 33 f. 72 arfe ist oft Bezeichnung 
des Sitzes sinnlicher I>ust, vgl. 31, 11; Kap. 39; 51, 53; 86, 54 
u. Z. z. NS 13, 1. 95 ff. vgl. 97, 79. 

11. Bild aus NS S6 bon berad&tung gotte§. Den Sinn des 
Bildes bei Brant deuten die Verse au: Sar ütnb, ba§ jm gott 
etttran \pavt, 33tet>nt er jm griffen an ben bart, 2(I§ ob er mit 
jm fcbim^fen irolt (V. 16 ft'.); wie M. das Bild deutet, lehrt die 
Ueberschrift u. bes. V. 8 ff. Neues Bild in B (W). Ueber 
die sprichw. Redensart einem einen ftroen bart flechten = einem 
etwas weismachen, s. Wander I, 240, DWb. 1, 1142. 15 

gnabeatig, etc., gemachtes Latein, s. 'gnobeatig in bem feber= 

latiniim,' Monop. d. Lichtschiffs, Z. Univ. 6U, 23. 26 Diese 
Frage war nur vom 17. Juli bis z. Oktober 1509 aktuell; in 
jener Zeit wird wohl auch dies Kapitel eutstanden sein, s. 
PBBIS, 66. 45 s. z. 5, 113. 49 f. vgl. NS 91, 15. 75 
vgl. 40, 47; 51, 6; 71, 16; LN 515; sprichwörtlich, s. DWb. 2, 
74. 78 in afc^en fallen, eine bei M. wie bei Luther (s. Dietz 
1,120a) sehr beliebte Wendung = zu gründe gehen, ver- 
nichtet werden (s. a. DWb. 1, SSO), vgl. SZ 33, 16; Lied vom 
Untergang etc. 9, S ; in efcf)en liegen, Bf 1,6S;MS 767 ; in ef c^en 
fton, 35, 36. 84 vgl. 30. 56. sprichw. s. DWb 4, 1, 1, 1262. 
108 Im Reim auf. . . unbt: fpmpt, wie 86, 13; fumvt 16, 60; 
23, 20; als Reim ist funbt (s. DWb. 5, 1629) gedacht, was auch 
unser Druck wiederholt aufweist, s. 40, 2; 48, 37; 86, 80; 93, 
108. 119 ^inberm ofen ift e§ toarm, 82,48; 92,124, nicht 
zur 'Bezeichnung einer kahlen Ausrede,' wie Gd. zu 82, 48 u. 
DWb. 7, 1157 behauptet. M. wendet ^^elmehr diese eine 
banale Selbstverständlichkeit enthaltende sprichwörtliche Wen- 
dung an , um schelmisch eine ironische Behauptung noch 



304 Anmerkungen. [11. — 13. 

deutlicher als solche hervorzuheben. In der GM 2* deutet 
er die Redensart einmal durch den (fehlenden) Eeim an: ©ti 
(die frauen) ix^erenbt fic^ ba§ gott erbarm, §inbcr bem offen — 
ftonb bie i^ol^fd^ü^. Vgl. ferner bei Wander III, 11 IG das Sprich- 
wort aus dem Waldeckschen : Hengern Owen äs es warm, 
war kenn Geld hott, der äs arm. 127 ben bettel freffen, der 
Mönche Bettelbrot essen, vgl. 22, 33 u. bes. Bf 34, SO tf. 

12. Bild aus NS 9 Sßon bofen fetten. In B (W) neues 
Bild: 2 Narren in Kufen, deren Flüssigkeit ihnen bis an den 
Hals reicht, daneben der Beschwörer, b beiden in andrer 
Bed. wie V. S5. 9 Ser ftubt füren, 'klaubt, sucht sich Saures 
aus' (Gd.), giebt keinen Sinn, füica vielmehr (vom mhd. 
aiiur swf. s. MhdWb. II, 2, 3021'. BWb. 2, 322 f., DWb. 8, 
1924) = Milben, Krätzmilben, fluben, wird vom Ablesen des 
Ungeziefers oft gebraiicht ; das füren fluben = sich öffentlich 
kratzen, säubern wird hier also als unschickliches Benehmen 
(s. V. 13 f.) gerügt. 10 fd)it)ib(et mit bem mul, W geifert, da- 
nach ist fcbiriblen hier = bayrisch fd)tuibern, übertliessen, fig. 
auch für schwatzen, schwadronieren, BWb 2, 024 ; sonst wäre 
man geneigt an ein fc^tüigeln sibilare zu denken. 12 s. z. 
16 d. 15 sprichw., s. DWb. 4, 2, 1330. 21—24 vgl. NS 9, 
2 — 4. 30 nid^t im Reime, wie 73, 21; 70, 10; 97,22; über- 
schüssiges t im Reime ist bei M auch nicht auffallend, s. z. B. 
13, 65. 68. 73; 76, ^9 u. oft; die Umstellung in B ist daher 
unberechtigt. 60 bie gen, W ben l^tnbern; aber dass die Zähne 
ans Hemd gewischt wurden, erwähnt M. auch SO, 39; GM f 
1 a. 61 burdifc^nitten, so ausgeschnitten, dass durch die 
Oeffnungen ein andersfarbiges Unterfutter oder das weisse 
Hemd sichtbar wurde, vgl. 44, 29 ff. Nach 62 W : äiUeg äer= 
Ium))))et bnb jerl^aJüen 2)amtt man fan ben narren fc^atpen. 

80 vgl. zur Sache NS 44. 81 f. s. NS 44, 1 S. 89 ähnliche 
Wendungen 40, 7.5; LN507ft'.; 4593; 4647. 93 f. Der Un- 
schlüssige bläst eine Feder in die Luft, um sich darnach für 
die Richtung seines Wauderns zu entscheiden (vgl. DWb. 3, 
1394). Hier also zur Bezeichnimg der Unbeholfenheit, Rat- 
und Thatlosigkeit. 

13. Bild aus NS 82 üon burfrfiem öffgang. Die Ueber- 
hebung der niederen Stände, bes. die Putzsucht der Bürger- 
frauen wird hier getadelt. Zur Erkl. d. Bildes bei Brant s. 



13. 14.] Anmerkungen. 305 

NS 82. fi2; brt)f))i^ (s. Gl.) in (den dafür zu engen) facf ftofeen 
Itcdeutet hier: etwas ausfiilireu wuUen, wozu man uiclit die 
Möglichkeit, die Mittel hat: vgl. NB .51 ab. Der Sack hat für 
unser Kapitel noch eine Nebenbedeutung, s. Gl. — Neues 
Bild in B (W). Eine Frau (?) näht einen am Boden aufge- 
rissenen Sack zu, aus dessen Mündung ein Frauenkopf her- 
vorsieht. 6 s. z. 97, 79. 11 sprichw. für schweigen, s. 
DWb. 3, 1()ö:'>. 12 vgl. 4.5, 50, sprichw. für etwas wie un- 
bemerkt hingehen lassen. DWb. ^, 1654. 15 becEel, hier bildi. 
wie Deckmantel, s. DWb. 2, b^6 f. 16 fiediel bad^en, vgl. SZ 27, 
38, sprichw. = zärtlich, nachsichtig behandeln, DWb. 5, 2513. 
43 ~ 45 war Wickram wohl zu derb , er setzt dafür : 2)ie 
fidf) gu t»net)m bi'iffen lat (:facf!) 63 hier zweideutig; vgl. 
Aum. z. 25, 54. 66 W vorsichtiger: ijcfi l^ort etn§ mal von 
einem fatf. 76 W bon einer. 94 reimlos, AV ergänzt 3» 
©Ott fa^t er fein juuerftdit. 

14:. Bild aus NS ."59 Don offlid&em anfdilag. Die hockende 
Haltung des Vogelfängers veranlasst M. zu den derben Versen 
am Eingang des Kapitels; s. PBß 18, 6 ff. Neues Bild in B 
(— W). 6 vgl. Geiler: ein äff auff bem tad^ hat fein fdiam ent: 
bedft I »nb jetgt fie ieberman. S>nb ein tored&ter regent | ber ba 
ftat auff bem tac^ be§ gel»altä jetgt fein önuotfummenl^eit ünb 
lafter bie bor berborgen lv»aren . ®er fteUifcb S^iitaGi». 13 ber 
fcftnbber mit ber geife, s. 9n, s. ein Spottlied, dessen Inhalt 
90, 3tf. angedeutet ist. Vgl. auch ZfdP 2(5, 217. Gemeiner, 
Kegensb. Chron. 111, 447, teilt aus einem Protok. v. J. 14tJ9 
die Stelle mit: '^tem auf SBitt ber ©c^neiber unb bamit il^ir 
Änecfjt nidit aufftef)en, l)at man baS b6fe SJieb bon ber ©eif;, ba§ 
man in ©atsburg u. a. Drten oerboten l^at, l^ie aucfi berboten; 
benn e§ ift ein Änab l^ie m^rblic^ barum geftocben, unb al§ jeber: 
mann fjjricbt, fo tuirb er fterben. Auch Braut scheint im ver- 
deutschten Satbol2:)ff. auf das Lied anzuspielen: Slc^t nit 
ob bemang beimlid^ ibort Dieb -mit ebm anbern l^ie bnb bort; bann 
Jber fic^ f eiber fd^ulbig tbei^, 3)er toent, man fag, er ftal bie 
gcif;. Vorlage: Ne eures, si quis tacito sermone loquatur; 
Conscius ipse sibi de se putat omnia diel . Cato 175, 33, Z.s 
Ausg. Es scheint also das Lied einen Schneider verspottet 
zu haben, der eine Geiss gestolilen und durch vorzeitiges 
Verantworten sich verraten hat. Nach Gd. zu 90, 8 verbot der 

Murner, Nai-renbeschworung. 20 



306 Anmerkungen. [14. 15. 

Rat das Lied bon bem fnibre imb einer geiJ3ert 1508 bei 30 Pfenn. 
Um so pikanter war es für M., au dies Lied zu erinnern. 
26 Auf der alten Neckarbrücke zu Heidelberg stand als 
Walirzeicheii ein Alte, dessen Ruf. bes. wegen der scherz- 
haften Unterschrift, weit verbreitet war, s. Z. z. NS 60, 24 u. 
Z. Univ. 101, 34. 32 ff. vgl. Bild, NS 39, 1 ff. u. SZ 35, 34 ft'. 
37 vgL SZ 5, 12 f. 40—44 vgl. z. 63, 21 ff". 44 ff", ver- 

breitete Sprichwörter, vgl. Kap. 63 u. DWb. 8, 2072; Wander 
IV, 83; I, 1253. 45 lüde f. ist eine Oeftuung, besonders 

im Hag, die durch Querstangeu beliebig zu schliessen ist (s. 
DWb. 6, 1220); für bie lurfen ftellen erklärt sich mir aus einer 
im DWb. a. a. 0. aus Sebitz, Feldbau 562 angezogenen Stelle: 
fp macfct man auä) dwan jtutfc^en ben 5äunen [eines Feldes] 
luden, uerl^üt önb fallet alfo ba§ tüilbpret, fo e§ bei nac^t 
l^inein geltet." In dem obigen Zusammenhang bedeutet es also : 
Mau muss um einen Schalk zu fangen, einen andern zum An- 
locken in die Falle stellen. (Anders erklärt DWb. 6, 1227 f.) 
67 vgl. 4-4, 72. 76 ©uffer Dff halte ich für eine Personifi- 

kation wie Sufer jn§ borff im NS 72, 31. 

15. Bild aus NS 10 »on trorer fruntfdiafft. Neues Bild 
in B (W). * ©in fachen ab bem jun bred;en , sprichw., s. 
Wander V, 511. b bricb = Erlaubnis, Anlass giebt zur Not 
einen Sinn, doch möchte ich vermuten, dass es wie in V. 15; 
(28;) 65; 31 , 97 ursprünglich tJrfacb hiess (oder hier brloij?). 
2 sprichw., vgl. bei Wauder I, 693: 2Bo breti fettnbt, mufe aü- 
roeg einer ber narr unter jlincn fetjn. 3 ff. Vgl. Anm. z. 31. 
29 Juagen = Narrenwagen, wie SZ 21, 32: D, nmnd), bu borft in 
iDagen! Vgl. NS 103, 90. 36 fant anftett, kein 'gemachter 
Heiliger, von Angst" (Gd., Balke), sondern S. Anastasius, der 
Patron der Besessenen , die man in die diesem Heiligen ge- 
weihte Kirche zu Wittersdorf bei Altkirch zu führen pflegte; 
s. Schmidt 300 n. 67. Geiler (Scommata Joannis Keisersberg 
in Margarita facetiarum Alfonsi Aragon, etc. Strassburg 1508 
Eba) giebt gegen zanksüchtige Weiber, bei denen Prügel 
nicht mehr helfen, den Rat: imponito currui et fac vehi 
ad sanctum Anastasium ; quatenus exorcisetur, ibi percutiatur 
flagellis , immergatur aquis frigidis , stranguletur stola. Im 
LN will M. die Lutherischen ®pn lüibertöbcrff fant Stuftet fieren 
(V. 55). Bei Fischart, Garg. 326 (Neudr.) ist mit andern auch 



15. 16.] Anmerkungen. 307 

dieser Name witzig verdreht : „GtlidEi rufften ....©. Slngftet 
im (Slfa^. 42 spricliw., vgl. 19, 43. 105; Wander III, 185. 
48 beiffen, s. Gl. , und über die Jagden der Prälaten vgl. 
SZ 44. 51 ^fouUien trit, den langsamen, würdevollen Schritt, 
vgl. LN 40US ft'. ; Lb. d. Hätzlerin LXVII No. -^ ; Ambraser 
Lb. No. loy Str. 2; eine 'Anlehnung an die weltliche Macht 
Oesterreichs, das als Pfau bezeichnet wird', wie Gd. nebenbei 
vermutet, ist — das lehren die Belege — hierin gewiss nicht 
zu finden. 84 ridiet, vom st. v. mhd. rechen (s. V. 95). 90 Pro- 
verb, 'i, 29. 30. 

16. Bild aus NS 10b 2)ag fc^iluraffen fd^iff (auch Titelbild). 
In B neues Bild (2 Landsknechte); in W ist das Bild z. Kap. 
2b (s. d.) auch hier eingesetzt. Vgl. über dies Kapitel u. s. 
Verhältnis zur SZ PBB 1 8, b ff. d Das bewegliche Kissen, 
das man auf die Bank legte oder zu verschiedenen andern 
Bequemlichkeiten benutzte, wird häufig als Zeichen der Faul- 
heit, der Verweichlichung, des Voruehmthuns, der Herrschaft 
etc. in Eedensarteu erwähnt. Vgl. 12, 12; 23, 47; 36, 5; 71, 
(10; 76,51 u. DWb. 5, b53f. 7 rinden rancfenS; randfen = 
drehen (DWb. S, 106) im Ablautspiel mit rinden, plur. v. 
rinde (m. od. f.) Schnalle, Spange, bildlich für Schlich, Kniff 
(DWb. S, 1017); vgl. auch die Belege für rinden und rincflcn 
AI. 19, 11 u. Z. z. NS 19, 66 — 68. 15 Hv öff i^ax mad^en, 
46,58; 71,30; 83,29, Streit erregen; nit erft ein l^e^l^unbt 
fe^n, »Die man beren [fraircn] bil finbt, fo erft \)at auff f)ax 
Ije^tn, Wickram, v. guten u. bösen Nachbaurn, B 4^ Eandnote; 
vgl. ferner Z. z. NS 7, 3; DWb. 4, 2, 16. 26 sprichw. = 

einem einen Streich spielen, vgl. 60 au. SZ 23, 21. 29 f. vgl. 
SZ 23, 17 f. 35 ff. Hier scheint M. in der Anwendung des 
Rotwelschs Braut (s. NS 63) übertrumpfen zu wollen. Die ver- 
schiedenen Namen mögen, so weit sie nicht an sich verständ- 
lich sind, hier im Zusammenhang erklärt werden. 37 feber= 
fluber, Schmeichler, s.DWb. 3. I4u2, dass. bedeutet jyalteuftr^d^er 
38, Hu^enftr^d^er 40, s. DWb. 5, 2909; vgl. ben fu^en ftrl;c^en 
GM n 1 b; MS 37S. fc^Uiffcr, s. SZ 22 ©latte iworter fc^ilciffen. 
39 Sd'f^'9*^' Ircrffer, Lügner; den Schlegel tverfen heisst ein ver- 
breitetes Spiel, s. NS 19, 67 mit Z. s. Anm. und Wander IV, 
212. 40 frftanbennmfcr ; mhd. mäse Fleck, Schandfleck, bei 
M. Bf 2, 57; 5, 37. Im Frauendienst 92, 18 heisst es: Der 

20* 



308 Anmerkungen. [16. 17. 

werde Otte von dem Wasen was fri vor aller schänden mäsen. 
fd^anbenmafer also wohl Verleumder. 41 ©rautner, Epilep- 
tische, die erbetteln, was sie den Heiligen gelobt haben; s. 
Liber vagatorum im Weim. Jahrb. 4, S3. Ueber das damalige 
Bettelunwesen überhaupt Schultz 223 tf. boj.^per; ba§ fint betler 
unb altermeift frauen, bie la^en ftc6 an ctfen fetten fiiren, al§ oh 
fie unfinnig teeren etc. a. a. 0. 4, s~. Im voccdmlariua : voppart. 
narr; voppeu, liegen (das., ioi); vgl. DWb. 3, 1888. öagierer, 
betler ober abenteiirer, bie bie gelen garn antragen unb auä frau 
Sßenug berg [vgl. 6, 51 ff.] fomnien unb bie fd^tüargen fünft fönnen 
unb Jüerbent genant farenbe fc^üler, Weim. Jb. 4, 82. 42 5?(ender, 
die mit zerbrochnen (oft aber nicht eigenen) Gliedern betteln, 
oder mit einem Strick am Arm als Zeichen unschuldig er- 
duldeter Getangenschaft. S. Weim. Jb. 4, 8ii, DWb. 5, 952 u. 
Klant. be))fer, Bettler für Kirchen imd Kapellen, s. 35on bobiffcrn 
(and. Lesart bebiffern), Weim. Jb. 4, bl. farmefierer, ein gelerter 
betler, vocabuL, W. Jb. 4, 98, s. a. das. 82. 43 Äür^ner, Gd.: 
'Kürschner ?' DWb. belegt ein niederrh. nirtzener, aber doch 
möchte ich Gd.s Fragezeichen nicht streichen, bü^ner. Genesene, 
die sich die Kosten einer gelobten Wallfahrt erbetteln: W. 
Jb. 4, 84. granerin, 'Grantnerin, Heischeriu, Bettlerin,* Gd., 
doch vielleicht verdruckt für feranerin, s. über diese W. Jb. 
4, 90. 44 fd^U'^^^er, baä fint famniefierer, bie fid^ ausgeben, fic 
feien ^riefter etc., W. Jb. 4, 85. fc^trer|ner; nach dem vocab., 
W. Jb. 4, 100, ist f(^h?er^, nacf)t — also wohl Bettler, die 
nachts auf Raub ausgehn. 60 fum^Jt, s. z. 11 , 108. 65 ^fou= 
luen ftr^d^en, wie ben fu^en ftrtidjen, s. z.V. 37; doch vgl. 
a. z. 19, HO. 67 s. SZ 19, 7. 72 s. SZ 23, 10. 'Goldgulden 
waschen, durch Säuren ausziehen." Gd. 73 ßebel iuerffen, nicht 
'Brandbriefe', wie Gd. vermutet, sondern anonyme Schmäh- 
briefe verbreiten, s. NB 30, 46—49 u. SZ 23, 19. 78 tt'. vgl. 
25, 88 ff., 56, 64 ff., SZ 23, 23 f. 86 W : 2ll§ ob er ein teufet 
in jm f>ette; s. tüfenlic^ Gl. 

IT. Bild aus NS 34 9Jarr tiur alg bern. In B(W) neues 
Bild: Ein Prediger mit einer Gans in der Hand vor Gänsen. 
Wegen dieses Kap. wurde M. oft als Gansprediger (s. a. DWb. 4, 
1, 1, 1275) verspottet; doch will ich hervorheben, dass mit dem- 
selben Rechte auch Geiler, der wahrscheinlich M. liierin — 
wenn auch gewiss nicht im einzelnen — beeintlusst hat, diesen 



17. 18.] Anmerkungen. 309 

Namcu verdiente. Geiler (Postill, .'^. Teil, fol. 15 f.) predigt 
ausführlich über die graue (Hoffart), schwarze (Habsucht) 
und weisse Gaus (Unkcuschheit). Diese Ausführungen giebt 
Spangenberg im (1. Kap. des Ganskönigs [(Sin Sel^rl^afftev Ser: 
mon öon bem Sjjruc^ | ba^ ber SBoIff ben (Si^nfen ^?rebigt, 
Martins Ausg. 103 ff.] V. 219—337 mit Hinweis auf die Quelle 
gereimt wieder. Geiler bemerkt noch a. a. 0. : ^d^ l^ab 'od} 
fcvn ju Dftern jil fanct ^cl^annS jum ©rtenen trerbe Hon fiben 
((Ännfeen ijq'e^t. Vergl. z. d. Kap. ferner PBBlS,.^5f. ab 
Sprichw., vgl. NS 34, 13 f. Reiche Belege bei Wander I, 1328; 
DWb. 4, 1, 1, 1141. 12 briet, brütet. 45 f. Sprichwort; bei 
Wander I, 1327: Die Gänse zertreten mehr, als zum Futter 
nötig war. 68 f. Aehnliche Sprichwörter bei Wander I, 1331 ; 
vgl. auch NS 14, S f . und über den Gäusehimmel DWb. 4, 1,1, 
1271. 79 ff. ebenfalls sprichwörtlich, s. Wander I, 1329, 

auch unter Gans No. 12. 96 ein§ bjcid&ten fad, Hinweis anf 
Kap. 22? 97 f. Sprichwort, bei Wander I. 1333, 1.5(): Wo 
Gänse hinscheissen, da haben die Kühe kein Gras zu beissen. 
18. Bild ans NS 77 3]on <Bpi)kvn. Neues Bild in B (W). 
Zum Inhalt vgl. NS 16, ferner SZ 46, das in der Form an die 
Ganspredigt des vorig. Kapitels erinnert, und MS 990 — 1077. 
* '-l^ff bcr flefd^en riemen trctten, sprichw. für gern trinken, s. 
hierüber Wander I. Iii4> 5flefd>, in diesem Kap. wieder- 
holt als Säuferin (wortspieleiid). vgl. bruncfen flefdjen SZ 23, 37. 
12 efd}, die Asche vom Herd, sie verkauft das Letzte, vgl. 
V. 27 und MS 41 S. 56 so voll sind sie ! vgl. 4S, 62; 78, 18. 
60 hier wohl im wirklichen Sinne, vgl. aber MS 59S. Anders 
Gd.: 'Ausrede für Schweigen,' doch s. den folgenden Vers. 
62 vgl. SZ 46, 29: ®an^ bf, ba§ gla^ ober öier ftein, womit zu 
vergl. Liliencron, Volkslied u. 1530, 44. 5: id^ bring bir ein, 
I;alt fiben ftein. 64 tnbp^ ? ' Vielleicht bezeichnet Ino^sf 

(Knoten) die Stufen der Höhe des Getränks im Glase' (Gd.) ; 
oder sollte fn6^ff (= f6pff?) Benennung der Gläser sein? 
67 s. z. 5, 113. 70 Die in den folgenden Versen angeführten 
Beispiele bringt mit vielen andern auch Brant NS 26, 23 ff. 
83 fd)clnten}unfft, dass hiermit nicht auf die SZ, sondern eher 
auf NB 16 hingewiesen wird, habe ich PBB IS, 10 f. gezeigt. 
88 n)ü, Reif, der dem Wein sehr schädlich ist, vgl. NS 16, 
6 f. 93 f. ©auff bid^ »oI bnb leg bid^ niber, fte^ fvüe' bff tont 



310 Anmerkungen. [18. 19. 

füll iiäj luibcr; \o Dortreibt ein füll bie anter, ba§ fdircibt ber 
gutt frumm ^riefter Slr^IeEanber. De generibus ebrios. 1515 
in Z. Univ. 121, Ki f. 

Bern. A. v. Keller beschreibt in den Fastuaclitspielen, 
Nachlese 324 ff., eine Augsburger Sanimelliauclschrift und giebt 
Auszüge. 'No. 20. Bl. 28. Gedicht ohne Titel.' Der citierte 
Anfang dieses Gedichtes ist aber nichts anders als NB 18, 5 f. 
Die von Bl. 30 angeführte Stelle ist NB 2(i, 45 — 66, die von 
Bl. 30b ist NB 26 a— d (d etwas geändert: Sie mit ber flefcfecn 
Will t)in füren) und die von Bl. 31b ist NB 39, 87 f. Der 
citierte 'Schluss': ©aö fei; gefaxt »cn bifcn h)et;ben Sarget; irtll 
id; bie reb Ion ^^[eiiben ist vielleicht eigenes Fabrikat des Ab- 
schreibers (mit einem solchen und nicht etwa mit einer Quelle 
haben wir es hier zu thun — auf Bl. 22 ist auch die Jahres- 
zahl 1516 angegeben), der sich einige der saftigsten Stellen 
aus der 1 . Ausg. der NB zu eigen machen wollte. 'No. 2 1 . 
Bl. 31b' ist NB IS, 1 — 2. Ob die verschiedenen Fehler, wie 
minncn st. nunnen (26,65), c^rellen st. goUen (26,57), minften 
st. uieifton (89, 87), auf das Konto des Abschreibers oder des 
Herausgebers zu setzen sind, hatte ich nicht Gelegenheit zu 
untersuchen. Das DWb. 4, 1, 1, 1209 hätte jedenfalls keinen 
Beleg aus dieser Partie des Kellerschen Buches bringen 
sollen. 

19. Bild aus NS 3 (83); nach Brants Sinne: Demütig 
grüssende, bittende Bettler. Neues Bild in B (W). I f. sprich- 
wörtlich, s. Wander I, 1641: ©efattet tober ben 3*^""/ ©efattcr 
itoibcr ^cruber. Anders als M. fasst Geiler das Wort auf: ba 
^e einer bem anbeen tober h^n jauu l^tlfft | fd^tretg bu mir J^ütj 
fo fd^ltoeig ic^ bir mor etc. Sünden des Munds 14 b. 11 $ein(j= 
man fited^t; ^etn^, aus Heinrich fast appellativisch zur Be- 
zeichnung des Knechts (s. DWb. 4, 2, 889), hier besonders 
des geschäftigen, zu allem bereiten (icsellen (vgl. SZ 8, 29 ff: 
3c^ bin Inecbt fjein^ etc.), vielleicht in Anlehnung au den 
Kobold Heinzclman, Mythologie* 416. 19 Es ist doch wohl 
jenes auch im Elsass verbreitete Lied (Garg. Neudr. 34; 
Mündel, Eis. Volkslieder No. 9) gemeint, das einen toevirag 
zwischen dem Edelmann und seinem Knecht, der seinen 
Herrn im Sack zur Müllerstochter trägt, zum Inhalt hat — 
und gewiss wird nicht auf den grossen Habersack des Pfaffen 



I 



19. 20.] Anmerkungen. 311 

von K;ileuberg (Gd.) augespielt. 3^en f^abcrfarf finijen (etwas 
verheimlichen) und ben l^aberfarf nit fingen scheinen übrigens 
verbreitete Redensarten gewesen zu sein. Vergl. ZfdP 26, 
•iltif. u. das. 52. 37 bru^, vgl. 26, .54. 71. Ueber trutz als 
interj. minantis s. Grammatik 3, 2'.)8 n. Abdr. und ]\IhdWb. 3, 
S5 a, 5 ff. 42 einem in den Bart greifen, sprichw., vgl. NS 
8(i, 17. 49 durch die Finger lachen, wie durch die Finger 
sehen, zuweilen aber auch = sich ins Fäustchen lachen, z. B. 
2."^, 06, Lied vom Untergang 2U, 2. 70 W 9}Jeinr !6d^in ftnbt. 
79 f. vgl. 95, IfiSf. 85 Per ber ^cü, uno xoivov, bnä tobt 
wenn wir tot sind. 102 in febern bliben, vgl. 3, 78. 107 gri^ 
fcnt ben gromen , sprichw. bei Wander II, 1 35 : Gries kennt 
den Gramen: ein ähnliches Sprichwort lautet: ®rig fd&Iedit 
noc^ pramen. Zimmerische Chronik 2-, 57S, 28 u. Anm. ; Schw. 
Jd. 2, 732. gri| = Grauschimmel, s. Schw. Jd. 2. SoO. gromen 
bedeutet nicht "Esel. Grauuiaun' (Gd.), sondern (wie LN!»17) 
ein altes Pferd. Schimpf und Ernst Xo. 1 1 1 (Oesterley S. 83) : 
brüber, nemen bas ^fert, ia^ gromenitn (das Pferd war Woi 
XVI iar alt !). Vgl. femer BWb. 994. Vielleicht hat zur Wahl 
der Worte in dem an sich verständlichen Sprichworte der 
Anklang an (jrisyramcn (Lexer 1, 1()S9) beigetragen. 116 )5fou= 
U'cn [triebt, [trieb v. mhd. iutrans. strichen (ber geift ^er.uli^er 
(trieben bgunb , Ketzer d 1 ai bedeutet hier wie oft bei M. (s. 
Gl.) Gangart. In der mhd. Litteratur wird der schleichende 
Gang des Pfauen als Bild des Gleissnerischen wiederholt ver- 
wandt, vgl. hierüber Wilmauus zu Walther-' 19. 32 n. Strauch 
zu Marner XV, 316 (S. l'>2). SZ 15, 22 heisst es ganz unzwei- 
deutig hierfür: pfoulren brilt. Das Wort wird an unserer 
Stelle also nicht durch den Hinweis auf 16, 65 (so Gd.) zu 
erklären sein. Doch vgl. meine Ausführungen über die Ent- 
stehung der Redensart den Ff einen streichen in der ZfdP 26. 
2u7 Anm. 128 tf. In den uns überlieferten Schwänken des 
Pfaffen nicht erwähnt. 

20. Bild aus NS 104 ioorj^e^t berfd^trigen. Die Form der 
Kanzel hat M. den Titel dieses Kap. nahegelegt. Neues 
Bild in B (W) : Christus auf Stelzen , nach welchen ein Narr 
mit einem Haken greifen will. 9 2)ret§, vgl. 92. 74 : DWb. 3, 
1 1 3^ f erklärt das § aus dem enklitischen fic^ , was formell 
unwahrscheinlich ist. Eher ist in dieser volkstümlichen Aus- 



312 Anmerkungen. [20.21 

drucksweise eine syntaktische Analogiebildung dos pron. cä 
zu finden. 14 Einem etwas in den Bart werfen, zum Vor- 

wurf machen, beschuldigen, vgl. DWb. 1, 1142, 3; Wander I, 
239, 68. 19 Ion, wegen laffcn im folg. Vers ändert W: 

9?nfef 'ipfarfierr fo irolgetfjon 9Jiü§ aJJc^ ünb ^rebig laffen fton. 
20 Es war zur Unsitte geworden, die schwere Kirchenstrafe 
des Bannes auch wegen geringfügiger Vergehen anzuwen- 
den. Ueber die vielfachen den Gottesdienst störenden 
Bannungen klagt M. auch SZ 1 , 20 ff, welche Stelle mit der 
vorliegenden zu vergleichen ist. S. auch LN 1124 ff und Z. 
zu NS 82. 25 t)erfcl)offen, 'berfc^ielen, durch weggeschleuderte 
Lichter in den Bann thun', Gd. mit Belegen. In Wetzer- 
Weites Kirchenlexikon I, 7i)7 wird 'das zu Bodenwerfen an- 
gezündeter Wachsfackeln' als Ceremonie beim Anathem an- 
gegeben, berbranbt, Gd. vermutet hier einen Druckfehler für 
iH'rbannt, was Balke auch in den Text setzt. Aber berbranbl 
ist gewiss das richtige, vgl. die vorige Anm. u. V. 27: ^sv 
brennenbt gnüg. 29 ba^ reblin triibcn, vom Glücksrad, sprichw., 
vgl. 71. 7 u. s. DWb. S, 52. 47 tjerfcbitt, ba§ mu^ nämlich, 
wie 27, 10; sprichw. f. Unheil anrichten, s. DWb. H, 2730; 
Wander III, 7S3. 53 'für gut Geld gewährt ihr dem Bitten- 
den ein<ii Eidschwur?' Gd. gilt |.ifcnning trert aber = Ware 
(s. Gl.), wie bei Hans Sachs '^dj gib gut Vf^nl^^^rt, gute &n, 
bin trcn.1 in recfinen unb in jäln (BWb. 432) 54 f. Ein Brant- 

scher Zusatz in seiner Ausgabe des Freidauk (Strassburg 150S) 
lautet: swaz verstät in Romer hant Lihter loest man Juden 
pfant (nach Grimm, Freid. - 153, 24 ab, vgl. S. 26S; Bezzen- 
b erger 237.) 

21. Gleiches Bild mit NB S'.i , wo es eigentlich nur reclit 
am Platze ist. Neues Bild in B (W). — ©in [od) burd^ ein 
bvieff reben, V. 16 mad^en, ihn ungültig, wertlos machen, s. 
DWb. 6, 1097 f. SZ 2 mit gleichem Titel. 4 S. z. 15, ^4, nicht 
= 'bereicherst', was Gd. nebenbei vermutet. 9W: 2ßas 
jeidEiftu, vgl. 43, 20, also nicht wie Gd. : 'ziehst, nimmst mich 
in Anspruch' u. nicht wie jüdift, V. 18. 36 s. z. Kap. 11. 
39 fattel, in Bez. auf den folg. V. bildlich, s. DWb. 8,1822; 
vielleicht deutet diese Wendung darauf, dass dies Kap. 
ursprünglich mit NB 24 bie fattel narung verbunden war, zu 
dessen Bild auchBrant 9teuter ünb fd^rtbev gemeinsam behau- 



I 



21. — 23-] Anmerkungen. 313 

k'lt hat; vgl. auch Bein. z. Bild dieses Kapitels. 42 W: 
iniit gebogen. 46 na^er, wohl nicht die obd. Form tür 

n<xd) und nicht gleich 'nachher" (Gd.), sondern comp. v. nalj; 
nal;ev fummen = zum Ziel kommen. 3]f ein geit \va^ ein arme 
lüittven, bie l^at (ang ein facfi an bem recfiten geljebt l^angcn, fie 
funt nie naiver fumen, Schimpf u. Ernst (Oesterley), 91. bar in 
(im Dorf) aber fü b6fe önge^ogene ^jauren, ba§ er (der Edel- 
mann) in feinem treg mit jnn na^er fpminen funt, RoUw. b'.i, 
16 If. Vgl. ferner naf)cr treiben ÖZ 7, 34. 49 f. vgl. NS71, 
5 f. 57 f. NSTl, 111 f. sprichw., Wauder III, 1S()4. 

22. Bild aus NS 62 lion naditcS fioftieren; die fannner 
Unt] liat wohl die vorl. Kap.-Ueberschrift veranlasst. Neues 
Bild in B (W): Hunde an einem im Sack liegenden Weib. 
In De fide concubinarum, Z. Univ. ii^, 23, heisst es: im ftcfel, 
ba§ bie t^unbt an in feidien. 5)er befeid)t facf ist ein derbes 
Schimpfwort, aber bcfeidien scheint auch tig. für fjofiercn (s. Gl.) 
gemeint zu sein (bes. V. 2) , wie umgekehrt sonst auch 
fjofieren = befoic^en etc. angewandt wird. 14 Nach welt- 
lichen ]\Ielodieu wurden geistliche Lieder gesungen, s. Goedeke, 
(rrundriss 2 2, 23 f. Vgl. z. Folg. meine Nachweisungen in der 
ZfdP26, 214 t¥. 15 ^fouiren fcblüan^, von schwänzen, sich 

anmutig bewegen, tanzen, BWb. 2, 640; Melodie des Tanz- 
liedes bei Böhme, Gesch. d. Tanzes 2, No. 53. 19 lucrber 
munbt, D tvevbcr munbt t»on btr ift irunbt, in Amts von Aich 
Lb. (151(1) No. 15; ein geistliches Lied auf diese Melodie, s. 
Wackernagel KL. 4, No. 132. 20 bfe ^erfeen grunbt, 2Iu^ 
bcrhen grunbt bin id) bertrmnbt, bei Amt von Aich No. 12. 
21 on freüb t)er,:(er, Dn freub üerger ic^ mand^en tag, in einem 
Quodlibet bei Schmeltzel (1547), Eitner, das deutsche Lied 
I, 442. Db aller fcb^nft und 3ld} liebe bim, l!i, Liederanfänge? 
29 bi^ mir l^olbt etc., ähnliche Wendungen sind in Volks- 
liedern häutig s. ZfdP26, 215 f. 33 vgl. z. 11. 127. 37 nad; 
ber fiir§ etc., vgl. LN 1160 f. 256V». 

28. Bild aus NS 7".i $Ruter bnb fcbriber. Neues Bild in 
B (W). * 2)ic feberen !>i§en, sprichw. für Schreiberknifte üben. 
1 'SJer , verwehre , verbiete. 4 Vgl. NS 7J), 8 f. 10—12 
fjafe .... in )jfeff«r (s. Gl), sprichw., vgl. NS 71, 12 f. und 
Z. s. Anm., ferner DWb. 7, 1635. 11 W 2)ann id^ nod^ nie f>ab 
rec^t. 19—22 wie NS 71, 14 -16; doch ist fc^legel wohl nicht 



314 Anmerkungen. [23. — 26. 

dasselbe wie fd)lvii-(Ie (Zuber) bifcf} bei Brant. 25 feifiten ^uren, 
vgl. NS 7!t, S f. 35 menfe, Mainz, Sitz des Erzbischofs. 51 W 
S)argei?cn. 66 S. z. 19, 49. 

24:. In B (W) neues Bild, eine Illustration der Verse 
.50, .51. d * fic^ oom fattcl neren, V. 9 beg ftegretff§, von der 
wegelagernden, räuberischen Lebensart der Reitersknaben, s. 
DWb. s, 1S22, Z. z. N.S79, 17. 12 Ferdinand von Aragonien. 
20 Vgl. S2, 29. 36 — 42 wie NS 79, 2S — 35, wozu Z. s 

Anmerkungen einzusehn. S. PBB IS, 26. 30. 41 Dass er 
die Strassen unsicher macht, rechnet sich der Reitersmann 
zum Verdienst an, da er auf diese Weise den Obrigkeiten 
das Geleitgeben einträglich macht. 42 nun, W erft. 47 rüters 
f^it, vgl. NS 79, 27. 96 ? büttin , nach Gd.: 'Häutchen, 

Stückchen', aber auch W hat £}utlin; nach dem Zusammen- 
hang hat man wohl an das fpil zu denken, s. unter bcm öüt= 
lein fted;en, bei Wander II, 95:i u. vgl. z. NB 55. 

25. Bild aus NS 7ü 3iit furfel^en bi) j^t (Wer im Sommer 
nicht arbeitet, von Ameisen und Bienen lernt, muss im Winter 
betteln). Die steife Haltung des Mannes giebt M. Anlass zur 
Umdeutung des Bildes. Neues Bild — gewiss nicht in M.s 
Sinn — in B(W): einem heischenden Bettler steckt ein grosser 
Knochen im entblössten Rücken. Man vgl. z. d. Kap. NS 63 
SSou betttercn u. Z.s Kommentar. * ©c^elmenbein (s. Gl.) im 
rudeu haben die Faulen, die sich nicht bücken mögen, vgl. 
SZ4, 23 f. u. Z. z. NS 63, 26, Wander II, 135. In dem Vier- 
zeiler wird das Schelmenbein (der faule Knochen) ausdrück- 
lich dem ful f I e i f (^ gegenübergestellt, ähnlich V. 11; doch 
vgl. auch V. '^0 mit 39, 59. 15 Auch Brants Stossseufzer 
NS63, 2. 54 vgl. 35, IS; 49, 44. S. zu dieser sprichw. 
Wendung Z. zu NS 63 f und DWb. S, 1616. 81 buden, vgl. 
39, 60 ; LN 4ÜS0. 83 brinn = darin, etwa im Beguinenhaus, 
und nicht 'Trin, [so auch im Text] Katharine' (Gd. — wohl 
wegen 77, 2), wie sich Irmeltrut nie schelten lassen würde. 
98 f wie NS 63, 93 f. 

26. Bild aus NS 32 SSon frolueu ^uetten; neues Bild in 
B (W). Jöcii^fdn-ecfen önb flöd} funnen, sprichwörtliche Bezeich- 
nung des Unmöglichen, Erfolglosen, s. Z. z. NS 32 a — c. d 
lüol teil faren, die mir gegenüber sich nicht gut benehmen 
will, vgl. übel faren 57, 26 u. bes. 75, 4 — gegen Gd., der 



26. — 28.] Anmerkungen. 315 

JI1ÜÜ linBfareu schreibt und letzteres Wort dann mit gehorchen 
erklärt. 12 Ich musste mit andern an demselben Knochen 
mich begnügen lassen. 20 vgl. 51, öS. 26 fdiairaffen 

lanbt, s. NS lOs. 28 T^er frcix^en sicrb, dno xoivov, Jüürb 

= wird (W Jinirt). Gd. hingegen: 'die auch die Würde ver- 
mehrt'. 64 mild^mardt, s.NS Vorrede 118. 65 2>c^ jinjing, 
GM N 4a, ich halte öd; für Interj. (s. Grammatik 3, 2!i.5), vgl. 
5, 183; Dd^ »erben blut, Ketzer 18^^; ?injiul scheint der hl. 
Vincenz zu sein, der als 3«"^'"^ ^"^^ 3«"^^ ™ Rollw. loii, 
Su. 14 citiert wird. 71 fjjridift brutjen, s. V. 54 u. Anm. z. 

19, 37. 77 f. ebenso SZ 29, 32 f.; Lb. d. Petrus Fabricius 

(AI. 17, 255): ^ungfraun imb gelt 33in id^ bon ^erjen ^olt. 
80 W Sag ftf> mir. 81 f. vgl. NS 92, 67 f. Noch stärker 

spricht M. GM £21» gegen Berseba — ohne biblische Stütze; 
in seinem Kirchen und Ketzerkalender figuriert sie für den 
13. Jenner sogar als ein ^ür bnb bülertn. 89 '~^^f äffen folen 
rtedicn Wol, 57,20; MS 725; LN2S65; ^.n'affen fol LN 3062. 
4026. 4619 ; sprichwörtl.. s. Z. z. NS 73, 72, DWb. 7, 1590, Wander 
III, 1240. Scommata Joaunis Keisersberg in Margarita face- 
tiarum, DSi^: Contra concubinas sacerdotum dicentes: '^Jfaffen 
!ül fd)medent tr>oI. Sed inclementer adnrunt: brennenb »bei. 

•*7. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt, b* bie ftiel 
ftonb »ff ben benden, sprichw. für verkehrte Ordnung. Vgl. 
ZfdP 26, 220, Wander IV. 936. 10 S. z. 20, 47. 23 f. Ee- 
clcsiastcs 10, 16. 26 matfiiä, s. 60, 29. blaiu enten, blauer 

Dunst, vgl. z. Kap. 32. 55 f)in burc^ \^m, diese pleonastische 
Form bei M. oft; ^in bff f>tn 34, 122 : ^erumb^er 40, 47; 59, 44; 
l^er für l^er 67, 43 ; s. Gl. burd) l^in raffen. 68 sprichwörtl., 
vgl. 2, 126; 57, 36; NS Vorrede. 38. 72 ber tüfel ift (H)t 

irorben, Ketzer b 1^; SZ45*, sprichw., s. DWb. 1, 136; 11, 
274. 

28. Bild aus NS 64 S?pn bent gtimlt ber narren. Neues 
Bild in B (W) : Ein auf dem Brett sitzender Narr wird gekrönt. 
* 2(n "iia^i bret fommen, auf deu Ehrenplatz, zu Amt und 
Würden kommen, sprichw., s. DWb. 2, 347 f. d s. Bild. 12 jü 
fd;l;tren, vgl. 43, 62; 95, 87; LN3413; noch subst. = abire 
in ruinas. W hat an unserer Stelle bereits scrfc^eitren. Vgl. 
DWb. 8, 2482. 15 fu^^el, 'einem fu^jjlen, copiam afticere alicui 
ad aliquam amicam", Maaler 25S c (DWb. 5, 2778); es ist 



316 Anmerkungen. [28.— 30- 

kein Grund, das Wort hier übertragen für 'wirb, arbeite' (Gd) 
zu deuten. V.i;! bes. V. 47fV. 17 fd^mier, vgl. NS 40. 57 ; 

corrunipere, bcftcdien, bie tjenb fdnnieren, Marg. facet. F &^; 
Schimpf u. Ernst Nu. 124. 25 W gib jarUdi (Balke: 'gerlich, 
gänzlich" !) 38 S. z. 2, 12. 62 sprichw., s. 33, 3'.) ; Wander I, 204. 
29. Bild aus Geilers Predigt über NS 35 Navicula seu 
speculum fatuornm 1511. Riess 211 vermutet, dass M. das Bild 
zu NS 35 Q3rn hid&tltd& ;itirn€n (s. z. NB S5) habe umdeuten 
wollen: die Frau hält den Fuss. Der Drucker, der wusstc, 
dass Geilers Buch dieselben Bilder wie das NS enthielt, habe 
sich nach Geiler gerichtet, ohne zu beachten, dass dieser hier 
ausnahmsweise ein neues Bild eingesetzt hatte. (Doch passen 
die beiden sich gegenüberstehenden Juristen zum vorl. Kap. 
auch ganz gut). Neues Bild in B (W). Ueber das Verhältnis 
d. Kap. zu SZ 2 s. PBB ]s, 15 f. — %ü^ galten, 5, 92; MS 
123«, standhalten, beharrlich sein, s. DWb. 4, 1, 1, il79, 1029. 
5-8 scheint ein verbreiteter Spruch gewesen zusein, Be- 
lege: SZ2, 14f; AI. 16, lOS; 17. 24't; Wander II. 10^.1. 5; 
DAVb. 4, 1, 1 922. 9 f. nadi gemel;nem i>rid)U>ort: 3ioUcr, 3oUer, 
©di6fgen, iSStrgen, ©r^et, i^octen bnb fünften finb fteben btfeer 
ciiften. Geiler, das irrig Schaf, A2'\ Derselbe Spruch, nur 
dass der Druck hier fälschlich ßrs^oeten hat, in De generibns 
ebrios., Z. Univ. 151, IS; erweitert in Euliug, 100 Priameln 
No. 64; vgl. ferner SZ 2, 7 f. u. Wander II, 1082, 39. 15 Das 
Latein der ungelehrten Juristen, vgl. Z. Univ. 76, 14 ft". In De 
gen. ebr. a.a.O. 122,24 werden die Namen dieser beiden Ju- 
risten des 14. Jh. zu 23alb au'^, 23artl; 1^)01 frau^ verdreht. 18 s. 
Aum. z. 5. 113. 19 ^niea ist wohl kaum Verdrehung von 
judex (Pannier), sondern wie V. 6 = ^übfd^er funbt. 20 födiin 
etc, nach dem fAaffer bon ber nütüen ftatt (s. z. 50, 29) benannt? 
Vgl. SZ 2, 3S. 25 bor, nämlich Kap. 21 u. 23. 33 vgl. NS 
1, s. 35 Sprichwort! Wander I, 49S. 50 s. z. 23, 10—12. 

51—56 vgl. SZ 2, 23 f. n. bes. NS 76, 65 S. 52 bff ber luten, 
auf der Laute können, bildlich für: etwas vormachen? Im 
Kirchendieb u. Ketzerkai. wird Zwingli ein lutenfd^tal^er des 
alten und neuen Testaments genannt. 57 typische Namen 
in Beispielen des römischen Rechts. 

30. Bild aus NS 55 S>bn narrec^ter ar^nl; ; neues Bild in 
B(— W): Arzt mit dem Harnglase vor einem im Bett Uegen- 



30.— 33.] Anmerkungen. 317 

den Kalbe. — felber ar^et als Bezeichnung für schlechte Aerzte, 
Quacksalber, s. DWb. 5, 54. 15-20 vgl. NS 55. ■>—(;. 36 ^n 
galgite, s. V. 42. 43 traffer, Harn. 48 3.liaterialia, 'Stoffe. 
echte Heilmittel', Gd. 54 gu l^eroDeö, ohne Rat zu finden, 

wie Christus bei Herodes. Oder wird die Apotheke so ge- 
nannt mit Bez. auf V. 53? In der Bf 30, 9 f. erzählt ja M.: 
2)a§ lebenbtge tüirme frod^en 33fe feint (Herodes) leib l^enifeer 
ftocf)en. 56 f. s. z. 11, 84. 58 ff. Eine verbreitete PriamelV 
Tria nobis maxime fugienda veniunt, medicus iudoctus, cibus 
non eoctus, vel bis coctus et malus hospes, addunt et alii 
pravam mulierem. Facet. Bebel. Ausg. 1555, 71b. 

31. Bild ausN.S44 ©ebvac^t in ber firi^en witzig umge- 
deutet. Neues Bild in B (W). Vielleicht spricht M. in diesem 
Kapitel in eigener Sache — er hatte im Jahre 1511 die Frau 
eines Frankfurters vt)n der Kanzel geftrafh, weshalb er von 
dem beleidigten Ehemann beim Provinzial \ erklagt wurde; 
s. hierüberj meine weitereu Mittheilungen ZfdP 26 , 370 ft". 
S)er l)unbt, ber ha§ leber frafe, der alles ausgefressen haben 
soll, sprichw. Redensart, über welche Simrock in s. Aum. z. 
NS 335 eingehend handelt. 11 arfs, s. z. 10, 72. 3]nb mit 
bem av^ laufft bfe bem iveg, GM F 3 ^ 25 Saä leber, hier 
zweideutig, vgl. NB 39, 76; LN 9S0. 4571. 49 Ein nicht 
ernst gemeinter Wunsch! Gd.s unberechtigte Aenderung s. 
Einl. 58-61 Aehnlich NB S2, 1 ff; SZ 6, 1 ff. 64—67 Sprich- 
wort, s. Z. z. NS 10, 32—34 u. Wander I. 11S4, 260. grünt= 
fdiafft statt frünbe hat auch Braut. 

32. In B (W) ist das Bild zu Kap. 17 (s. Aum.) wieder- 
holt. Gleiche Ueberschrift, aber ^ erschiedeneu Inhalt iiat 
SZ 1. *blah)e enten, sprichw. — blauer Dunst, Erdichtung, 
s. DWb. 3,509; Schw. Jd. 1, 354. 20 beren fallen, sprichw. 
= Heldenthaten ausführen, s. DWb. 1, 1123. 47 Vgl. mit 
der folg. — übrigens nicht entlehnten — köstlichen Episode 
die Geschichte vom 'fri^gar dico fiscalis", der den milc6^)feuning 
l>nb finb^äe[)enb einsammelt, in De fide concub. in sacerdotes, 
Z. Univ. 95 f. 67 Aehnl. Sprichw. im DWb. 5, 1555. 

33. Bild aus NS S3 (in den Ausg. B— F) Don beracbtung 
arniut (V. 29: 2llfe^n ber arm mü^ jnn ben fadf). Neues Bild 
in B (W). a — d Man darf das Schaf wol scheren, aber man 
soll es nicht schinden, AVauder IV, 62 No. 177. 26 Hier 



318 Anmerkungen. [33. 34 

ist — wie sich schon aus dem Zusammenhang ergiebt, vgl. 
auch SZ 2*5, 41 1 — nicht von einer Nürnberger Erbschaftsbe- 
stimmung (Gd., Balke) die Rede, ebensowenig wie in der 
Parallelstelle LN 1017 f. auf eine Nürnberger Yerfügitug aus 
der Reforniatiouszeit angespielt wird (wie hier Balke, Waldau 
ausschreibend, erklärt), sondern es liegt eine von den vielen 
auf Nürnberg übertragenen Ortsueckereien vor; vgl. 79, 14, 
SZ 16, 27. Ausführlich handelt hierüber D. K. A. ßarack im 
Album d. Lit. Ver. i. Nürnberg 1S6.5, 76— So. 39 S. z. 28, 
62. 40 bi^fer Pfennig, nicht 'schlechtes, zu leichtes, falsches 
Geld' (Gd.), sondern eine Art Accise, s. DWb. 7, 1668. 70 fibent 
etc. Gedächtuistage, an welchen für Verstorbene Messen ge- 
lesen wurden, natürlich gegen Spenden. Yergl. Kurz, LN 
XYII u. das hierauf bezügliche Kap. 2)er fübcnt buntgnoB, 
1200 ff. u. 4464 f.* 78 butr, für den Bau einer Kirche oder 
Kapelle, vgl. Liber vagat., Weini. Jb. 4, 82 : bcbiffer, bic 
firdienbctier etc. 97 f. Sprichw., Wander I, 503 aus Körte 

767 : Bück dich oder laut davon und lass das Wetter vorüber- 
gohn. 

34:. Bild aus NS TG ä^on flroffcm internen. Die Wappen- 
tiere deutet M. witzig als Läuse, denen der Stock zur Stelze 
dient. Vgl. auch Wander II, 1S2T. Neues Bild in B (— W). 
b f^embber fragen, vergl. über diese den füuffjel^enbt artidfel 
GM f 1». 4 i>i)n, W bein; aber bt)n = btnn, wie 54, 11; bt>nn 
14, 60. 16 '50ber bte, gegen, zum Schaden der; erbid^tet, aus- 
gesonnen'; so Gd. Ueber die Läuse dicht gemacht, scheint 
mir der einfachere Sinn, vgl. V. 11 it. 25 nnl^in (W l()mtn) 
aber == hinein wieder. Gd. unrichtig: '2)e§ in, deswegen ihnen; 
l^inaber, hinunter.' Ueber t)iil)in s. DWb. 3, 203. 27 bil, W aU. 
35 fetten, s. Bild u. Z. z. NS 4, 7. 49 verbreitete Redensart, 
NS4, 8; GMh2i', xlb; Geiler: Catenas in collo circumferunt, 
vere diabolae catenatae, cuius ansa in Inferno ligata est. Au- 
ferentur hae catenae alibi ab eis iuxta prophetam, etloco eins 
serpentes circumgirabunt. Sed et hie aliquaudo auferuntur ab 
eis et liberantur, non votivi sancto Leonardo sed Veneri et 
Baccho; Navicula (1510) C 4'^ . lien^art, der hl. Leonhard (s. 
Wetzer-Weltes Kircheulex. 7-, 1815), dem wunderbare Befrei- 
ungen von Gefangenen, als deren Schutzheiliger er daher gilt, 
zugeschrieben werden. Vgl. Z. z. NS 4, 8. 75 burgunfc^, in 



34. — 36.] Anmerkungen. 319 

der Form eines X. Vgl. Nork, Festkalender, Kloster 7. 7<t4. 
83 gcler ^aber brti, gemeint sind wohl die gelben Schleier, 
gegen die Geiler besonders wettert. Nachdem er sie mit dem 
gelen Vfcfffr verglichen, den man ja nicht an frisches Fleisch 
thue, schliesst er: Vetnlae rngosae croceis peplatae prae se 
ferunt similitndinem portionis carnis tnmigatae in prodio croceo . 
©el^ent l^er tfe als ein (^ereic^t ftucf fleifcft b^ einer gelen brügen. 
Naviciila C 5^. 128 ^^funbt (die Mode) ben funbt (Kniff 

nämlich des Stelzenmacheus) oucb finben funbt; so ist viel- 
leicht dieses Wortspiel zu deuten; über funbt finben s. a. DWb. 
4, 1, 1, 533. 

85. Bild aus N8 IT 35on bnnu^em rid^tum. Neues Bild 
in B (W). 18 S. z. 25, 54. 16 Verbiegen couj. praes. v. t>ertün 
V. 14; vgl. bieg Gl. 23 f. W ^friinb : tl^ünb. 36 in efc^en 
(im Staube, vernachlässigt) fton, vgl. z. 11, 78. 54 sprichw., 
hier = um die irdisclie, die ewige Freude drangeben. Wan- 
der IV, 231 führt aus Franck SdUed mit ©cttlecf fahen an (doch 
nicht Druckfehler für ©chelctO- 102 blalpen btfctioff, Bischof 
zum Schein, ohne bischöfliches Einkommen, vgl. V. 121; über 
blau s. DWb. 2, 82 und Ivap. 32. 125 l^anö rier, appellat. 

für Faktotum ; über ähnl. Namen s. Wackem. Kl. Sehr. 3, 133 flf. 
Vgl. den Schwank vom Bischof, der jemand braucht, der für 
ihn zur Hölle fährt, Wendunmuth 1, 2, 30. 128 3Ber l^ie 
Darren jeudbt, ber tüirb tcrt Allagen jiel^en; Wander II, 1147. 
Vgl. DWb. 5, 225. 208. 

3(>, Bild aus NS 28 ison tutber gctt reben. B gleiches 
Bild mit Kap. 16, W mit Kap. 47. — Vgl. z. diesem Kap. 
PBB 18, 41. 11 liH;n rieffer, einer, der den Ausschank von 
Wein ausrief; s. DWb. 8, 14(»7, Zacharias Bletz' anschauliche 
Schilderung AI. 2, 52 und die Strassburger Weinruferordnungen 
bei Brucker519tf. (sie werden hier nachdrücklich gewarnt, ein 
ander bie^^, retfcöer, öerrctcr, biffion, böfeJr>il;t ober fu§ baj beme 
gelicf) ift zu schelten ; toer bal bricbet, ber beffert fünf fcöülinge. 
a. a. 0. 521) Die Weiurufer standen wohl in ähnlichem Rufe wie 
die Hippeububen; einem den Wein ausrufen (ungebeten, dem 
der keinen hat, teurer als er ihn hat — V. 21; 59; Ketzer d 
8 b, SZ 3*, GM z 2 a) heisst daher ihn verleumden. S. DWb. 1, 
941. 18 Itjd'te, cunj. praet. v. mhd. Wien. 20 sprichw. 

Wendung, s. Wander II, 1241, 37. 26 sprichw., MS 3U8; 



320 Anmerkungen. [36.-39. 

f4M t 4 ^ Lied v. Unterg. S, 7 ; LN 2332. S. DWb. 3, 1 655. 27 S. 
Kap. 73. 36 inxber ber rofcn, vgl. 95, 41, im Vertrauen, unter 
dem Siegel der Verschwiegenheit = in bl;c^t§ tv^^. S. DWb. 
b, 11 79 f. 

37. Bild aus NS 4 S8on nutren funben. Neues Bild in 
B (W) : Ein Narr, der in der einen Hand einen 'Apfel" hochhält, 
weist mit einem Stabe, über den baä ^^ rofebrerf steht, auf 
schwimmende Rossäpfel. Belege zum Sprichwort vom Ross- 
dreck, der unter Aepfeln schwimmt, s. Wander III, 173S f.; 
DWb. ^, 1255 f. Ueber die Ueberhebung der Stände s. Sclmltz 
171. Kawerau 103. 53 W <Bo. 63-66 'Die Fabel bei 
Camerarius 396", Gd. 

:58. Bild aus NS 21 3Son ftroffcn bnb felb tun (die Steine, 
die bei Braut den guten Weg bezeichnen, deutet M. als Eier. 
Neues Bild in B (W). d Gd. imd Riess 23 behaupten ohne 
Grund, dass hiermit auf die Geschichte vom Peter Leu ange- 
spielt sei, der einen Kuchen unter dem Altartuch findet und 
nun verkündet, ihm sei Himmelbrot gesandt (Bobertag, Narren- 
buch, ll(i). M. hat hier vielnielir dieselbe (Teschichte ans dem 
Kalenberger im Sinn (Bubertag 30 f.), die 1 tf. erzählt wird; 
vgl. V. 11 u. fiö. 24 fant annen, der Mutter Marias, deren 
Kultus zu jener Zeit in hohe Blüte kam. 1509 erschien in 
Strassburg eine f)ü^fcl^e (egenbe bon ber ^L fralüe fant 2(nna, in 
der von dem grossen Zulauf nach Köln zum Finger der hl. 
Anna berichtet wird. S. Schaumkell, der Kultus der hl. Anna 
am Ausgange des Mittelalters (Freiburg, 1S93) 24. 27 ff. 

Auf diese Stelle wird in einer Reformations-Flugschrift (Schade, 
Satiren und Pasquille 1 , 30) hingewiesen. S. Kawerau 102. 
38 Sprichwort, bei Wander III, 907. 64 friffen, wohl fingiert 
wegen des folg. Verses — in Anlehnung an Orte dieses Namens 
in den Rheinlanden, s. Oesterley, Hist. Geogr. Wb. 192. 66 s. 
z. 5, 113. 

B9. Bild aus NS 33 $on eebrud;. Neues Bild in B (W) : 
Ein Narr (der Scholderer) wirft Würfel auf das Brett, vor ihm 
weist eine Frau mit einem langen Zettel, auf dem die Worte : 
eg gilt min beft |)fant, auf ihren Hintern. *2)en arfj (s. z. 
10, 72) in bie id)an^ [rf)Ia^en, aufs Spiel setzen (|d;an| == 
frz. Chance, s. DWb. 8, 2100). 7 S. z. 97, 79. 39 Vgl. 

NS 84, 1 ff.; SZ 19, 18 f.; nach Lixc. 9,02, worauf auch durch 



39.-42.] Anmerkungen. 321 

V. 44 hingewiesen wird. 59 f. Vgl. 25, SO f. 76 S. z. 31, 
25. 87 f. Diese Verse sind moLI durch eine Facetie Bebeis 
(Ausg. 1555, 47 b) beeinflusst: Von den Xunnen eines Klosters 
erzählt jemand: omnes . . . esse matres, et quasdam habere 
numerosam prolem, praesertim virginem maximam, ([uae Abba- 
tissa a nobis dicitur. ^ubiunxit tertius homo facetus, Verum 
est, nisi enim saepe mater facta esset, ex iustitutione et regula 
eanun repelletur ab officio. 2i'el, s. Braune, Ahd. Gr. § 292, 1 ; 
ZfdP Ib, l!t5. 94 Was immer etc. 97 f. Scheint sprichw. 
gewesen zu sein. Zimmern 2-, (540, 2u erzählt von einem 
Kluster, das filmcbr bes. abels ^ur^aue, bann beä abcly [pittal 
l;et mögen gcnein^t iiHnbcii. Gd. citiert aus Hiipsch, Argu- 
ment (1522) C2a: bie ftiften unb rechten flöfter feien bc§ abel^? 
fpital. 

■40. Bild aus NS 71 (3»incfen inib 5U gcrtdtit gen) wegen 
der hier geschilderten ungerechten Vergewaltigung, s. bes. 
V. 4b ff. B ohne Bild, in W: Vor zuhörenden Gänsen ein 
Wolf auf der Kanzel ; aus der Ualsöffnimg seines Eocks schauen 
drei Gänse. 14 ^'gl. Miimesangs Frühl. 27, 27 ff u. Wander V, 
:it;S No. 3S6. 47 S. z. 1 1, 7.".. 75 S. z. 12, bi). 

41. Bild aus NS G 35cn Kr ber f inb ; neues Bild in B (— W). 
*j!en l^ienern bie fd>tüen§ uff binCen, die sie von Natur schon 
bff haben (s. a-d; 4f). 5, !2(i. = Ueberflüssiges thim, also 
nicht ein Zeichen boshaften Mutwillens" (DWb. 4,2, lb7ü). 
26 Vgl. damit die schöne Stelle in ähnlichem Zusammenhang 
NS So, 147 ft\ 32 ^ünblin, auf den Grabstemeu der Vor- 

nehmen wurden oft zu den Füssen der Gestalten Hunde dar- 
gestellt; s. Schultz 6;{1. 60 ba§ leh l^erumbl^er fert, das 
Verkehrte umwendet, also das Natürliche thut? Vgl. SZ 17, 
35 ff". Nach Maaler 261 '^ (DWb. G, 795): lä§ machen, umbfceren, 
ba§ inner au^^in fecren, replicare, invertere — was auch hier 
vielleicht anzunehmen ist ; dann in obscünem Sinne. Geiler in 
seiner Predigt ücu fouffmanfcf^aJ; (1516, fol. 95'^) zählt zu den 
imnützen Weiberzierdeu: Sie umbfdtleg ebnen am i)al^, ba^ 
le^ an ben mu^fccfen muß I;evufe gon, eg feinb bie bretlin, 
bie fie an bem rüden tragen. 64 baö fd;nierlin finben, sprichw. 
= das Ding verstehen, vgl. SZ 22, 5. 

^'2. Bild aus NS loo Sßon falben l^engft ftric^en (s. NS 100, 
25— 2b). Bei M. ist der Narr hinter dem Pferd der Treiber 

M u r u e r , NarreiibeschwOruug, 2 l 



322 Anmerkungen. [42. — 45. 

mit Gaben. Neues Bild in B(— W). *I)ai- rcfelin iiiad;cn Iciiffen, 
sprichw., s. DWb. S, 1268. 9 ff. Beliebte "iVendung. vgl. 4S, 
1 7. .59 ; 71, .53 ; 82 cd ; 3, So ; SZ ti. 1 S ; 2S, 25. 17 f. Vgl. NS M), 
1 f., wie überhaupt das ganze bon inle bev ^^frunben handelnde 
Kap. 30 fie^ = sie es; vgl. aufe so, (>. W fi^^I, 37 So heissts 
von den Curtisanen auch bei Bebel (49): nihil unquam aut 
voluerunt aut potuerunt discere. iiisi curare asiuos. 49 Apostel- 
gesch. 8, 18 ff. 58 Vgl. Kap. 28. 66 genbt, doppelsinnig: 
geht und gebt! 69 ftgel ue^en, Gelder aufzählen. 85 ac^ilft, 
achte, s.DWb. 1. lOT. 89 s. .jl, (53 sprichw., s. DWb. 4. 2, 2301. 

43. Bild ausN.S4T SJon beni >Dcgi ber fcUifett (vgl. NS47 
a-c). Neues Bild iuB( — W): Ein Narr schmiert einen durch 
ein Pferd gezogeneu Wagen voll Affen. *3)eu favren [c^micrcu 
(der vou selbst läuft, s. V. 27), sprichw. 15 l^uffen ist verb., 
s. Gl. B ändert SVsag in 5)a§; dann ist yJi l^uffen eine adv. 
Verbindung, über welche DWb. 4, 2, .588 verglichen werden 
kann. 20 jüdiftu, W seicbftu. 

44:. Bild aus NS 50 S5on »rolluft; das üppia, lint (NS 5ti. 2) 
auf dem Bilde passt zu diesem Kap. Neues Bild in B ( — W): 
Eine hochgeschürzte stattlich gekleidete Frau winkt einer Katze, 
die sich vor ihr aus einem Topfe putzt. b — d ein Zeichen 
der Grobköruigkeit ! also ironisch. Dieselbe Wendung SZ 45, 2f. ; 
MSl64ft'. 19 W bfe^enb. 38 Wenn sie zu Markt geht; 
vgl. MS 666 ff'. 47 ^c&e, nicht 'gemachter Ausruf, ach 1' (Gd.), 
sondern pron. pers. (s. Lexer 1, 141 1), das die eingebildete Frau 
hier mit besonderer Betonung spricht. 63 Slls gott er fj-ircdu*, 
'als sie, als ob sie zu Gott spreche', Gd. Aber DWb. 3, 988 führt 
imr sich ersprcchen an, und die im MhdWb. 11^, ö29a gegebenen 
Beispiele lassen sich ebenfalls nicht vergleichen. Vielleicht: 
wie Gott (in ihrem Hochmut; vgl. 74, 84; SZ 12,28), wenn er 
spräche.(?) 72 vgl. 14,67. 

45. Bild aus NS 51 §cinUtc^Kit iH'rflüigen. Neues Bild in 
B (— W), das dem in A ziemlich ähnlich ist — nur die Schere 
fehlt natürlich. a* in bnn grinbt oben l^iin lufcn, Bf 10, 30, 
sprichw. =: zu nachsichtig verfahren, nur obeuhiu tadeln, vgl. 
Titel d. Garg. : . . . . öngefärlic^ oben E>in | ioiz man ben @cin= 
btgen lau^t. 8 sprichw., so auch 70, 68, vgl. SZ 25,7"f 10 f. 
74, 92 ; über dies schon zur Zeit des Pfaffen Kourad 'altsprochene 
wort' s. Wauderl, 1789. 53 Aehulich Braut im NS 14. 64 



45. — 48.] Anmerkungen. 323 

bildlich = es bringt ihm nichts ein. fliegen kann acc. siug. von 
fud'c, Küche (Gd.) sein, aber auch acc. pl. v. Kuchen (W = A): 
für beide Wörter sind ähnliche Eedensarteu belegt, s. DWb. b, 
2492; Wandern, IKöSf. 

46. Bild aus NS 109 S^eradfitunci migfeüeS; das tobende 
Wetter auf dem Bilde lässt es zu diesem Kap. passend er- 
scheinen. Riess 17, Anm. 4 hat also unrecht, wenn er meint, 
dass in NB 2S ; 40; 44 (s. z. d. einzelnen Kapiteln) ; 40 'Der Holz- 
schnitt nicht erkennbare Beziehungen zu seiner Umgebung' 
habe. Neues Bild in B (W) : Ein hässliches Weib rührt mit 
einem Stabe in einem Topfe, aus dem Flammen schlagen, am 
Himmel erscheinen Blitze, und dicke Hagelsteine fallen. *(Etn 
liagel fieben ; über den Aberglauben, in dem man gewissen Per- 
sonen die Kraft zusclirieli. durch Kochen von Zauberkräuteru 
allerhand Unwetter zu machen, s. Mythologie * 90^ tf. 31 bu 
rt)nne[t, wälirend es doch des Teufels Kunst ist. 33 Äinbcv 
lernen, vgl. M.s Schrift Tractatiis perutilis de phituuico con- 
tractu, worin er erzählt, dass er als Kind durch eine Hexe ge- 
lähmt und nur durch Gegenzauber wieder gesundet sei. Zu 
M.s Hexenglauben vgl. ferner S3, 41 ff. und GMt4af. 57 
i]l>ben, fummcr so ist jedenfalls zu interpungieren : vgl. auch 
b8. 29. Gd. erklärt gezwungen •Kummer leiden macht". 59 
vgl. ST. 

47. Bild aus NS Go fcu im felbs toolgefallen (der sich 
bespiegelnde eitle Narr rührt den Narrenbrei, s. NS tiO a — c) 
umgedeutet. Neues Bild in B(W): Eine Frau hat den Hafen, 
aus dem starker Dampf steigt, aufs Feuer gestellt, daneben 
ein Narr. — 2)a§ [»efeltn ^u fc^en, vergl. Y. 15. 55, bildlich 
vom Erregen sinnlicher Leidenschaft. 1 Ueber die Stricke 
der Venus vgl. Z. z. NS 13 a. 29 bas c. "der Namen der 
Liebsten , etwa Else , allgemein für eine Leichtfertige, Vgl. S6, 
42 fg.' Gd. Aber e wird hier doch nichts anders bedeuten als 
2 Reihen weiter I 31 Wenn die ,Ehe' zum Kreuz, zur Last 
wird; ebenso SO, Od. 38 tdi betvad;t, mir in Gedanken kamen, 
nachdachte über, vgl. 74. 59; 92, ^4 u. DWb. ],*l7o6, 

48. Bild aus NS81 bcn teeren imb feüer. Neues Bild in 
B (W). 8 tf. Dieselbe Geschichte erzählt Geiler von Plato 
(Sünden des Munds, fol. 5 b). 57 f. Vgl, SZ 4G, 1 5 f. 61 SJerben= 
Hut! (s. Gl.) W 33ot"i bixn onb bli^. 62 Vgl. z. 18,50. 65 

21* 



324 Aumerknogen. [48. — 52. 

nad) ber fditvcr, so schwer als möglieb, in grosser Fülle, TS, 9, 
SZ7, 17; Rollw. ua, 19; 99, IS. 

49. Bild aus NS (i5 bcn at^tung be§ geftini'5 (s. PBB is, 16). 
Neues Bild in B (W) * 2)a§ graf? I^örcn trad)fen, sprichw. 
für Superklngheit, s. Wander 11, 12-5 f. a-d Vgl. NS t;5, 5Ü — ö2. 
d Dmb einen Jjuren fd^rit, MS 459 ©o feit c§ »mb ein ^nirenfdbnod), 
sprichw., s. Z. z. NS 65, 52. 1 — 18 das gleiche Thema behan- 
delt NS 27 ; SZ 28. 3 f. Vgl. SZ 2S, 21 f. 28 tragent l^ffel 
feil, — sie sind I6ffel; vgl. Maulaffen feilhalten DWb.d. 1797. 
44 S. z. 25, 54. 

50. Bild aus NS 61 a>on banden (vgl. Z. zu Kap. 61). 
Neues Bild in B (W) : Ein Narr vor zwei Mädchen , hinter 
diesen ein Pfeiffer. Vgl. z. d. Kap. meine Ausführungen in 
der ZfdP 26, 201 ff", u. Schultz 490 ft\ 13 Vgl. NS tJl , 16. 
26 Vgl. NS 61, 24 u.Z. Ausdruck ZfdP 2o2, Anm. 2; zu den an- 
geführten Belegen füge noch: Rollw. 45, IG; Geiler Brosämlin 
(Ausg. 1517 fol. 53 a): ünb bie man bie Jt»eiber tifftüerffen, ba§ 
man fic^t, tuag jyetB ic6 tuabin. 29 ein beliebter üppiger 
Tanz jeuer Zeit, s. darüber ZfdP 202 f. u. Archiv f. Littg. 9, 
2 f. 66 Die Legende erzählt von einer edeln Jungfrau, die, 
weil sie die irdischen Tänze gemieden, von der Mutter Gottes 
zum Lohne an den himmlischen Tanz geführt wurde (s. Altd. 
Blätter 1, 56 in der Predigt ans dem 15. Jh. 'Was tantzen 
schaden bringt'). Auch Geiler weist auf diese Legende hin: 
Est ad hoc exemplum notabile s. Gregorii in dialogo de puella 
cui apparuit virgo Maria. Navicula (1510) y 1-'. 

51. Bild wie Kap. 13 (s. d. auch zu der Ueberschrift). 
Ohne Bild in B, neues in W': Ein Mann versucht einen 
Dreispitz in einen ganz engen Sack zu stossen. 6 S.z. 11,7-5. 
53 arp, s.z. 10, 72. 58 Vgl. 26, 20. 63 Vgl. z. 42, S9. 

52. Bild aus NS 49 33o§ erem^jel bcr eitern (vgl. hier auch 
a — c). B ohne Bild. Ein neues schönes Bild in W : die Eltern 
und 2 Kinder spielen auf je einem Brett. Das Bild ist durch 
das des NS beeinflusst, auch überschreibt W. dies Kapitel: 
Sen Jlinbern eiü ib^ ejem^el für tragen. Dass Wickram ein 
Kenner des NS war, geht auch aus dem Umstände hervor, 
dass er Rollw. 152, 5 ff. daraus citiert. Mit Recht folgte W. 
nicht der Ueberschrift in B. Sie lautet: §efen gerbi-ec^en — 
gedankenlos nach der Kolumnenüberschrift der zweiten Seite 



52. — 56.] Anmerkungen. 325 

in A (auf der ersten: Ärtco; inib). * Ä'rteoi t>nb l^effen jer^ 
bred^cn, vgl. Wb. Kil, ein in jener Zeit sehr gebränchliehes Sprich- 
wort , bes. vom lüderlichen Leben der Eheleute . s. Z. z. NS 
;<H. 7; DWb. 4,2. 122: AVauder 2, 1(i44: Bergmann, 8trassb. Volks- 
gespräche 1 211, Anm. .3. 4 Andere Beispiele hierfür giebt Braut 
NS49, 14tf. 15 f. vgl. NS 49, «I f. 

53. Bild aus NS 30 33on öile ber ^jfrunben. B ohne Bild, 
neues in W. b M. betont in der Ueberschrift den Esel, 
Braut in dein oben citierten Kap. das Ueberladen. Der Titel 
ist also nicht in Brauts .Sinne geändert (gegen Eiess IS). Im 
Schlusskapitel der MS ist das Thema noch schärfer und geist- 
voller behandelt. Dafür dass man die Ungelehrten mit Pfründen 
überhäuft, wird bei Bebel, Facetien, Ausg. 1555, SO i» ein iro- 
nischer Grund angegeben: nam et vilioribus asinis et pnsillis 
maxima onera imponiuitur, egregiis vero caballis levissimi 
adolescentes ne premautnr a gravioribus. 42 vgl. 20, 27. 
53 'sprichwörtlich für: mir lüchts dir nichts." Gd., der hier- 
für aber keinen Beleg bringt. Vielleicht bedeutet die Wen- 
dung doch dasselbe wie bei Fischart : ia ift er erfreut, alö f Am 
einer inib bredjt jfim nicfitg (Garg. Neudr. lOS) — also hier: zu 
unsrer unliebsamen Ueberraschung. nieman§, W ^enianbS. 

54. Bild aus NS 95 uon berfurung am ft;rtag. Die er- 
hobene Hand des Narren giebt M. wohl Anlass zur Umdeu- 
tung. Neues Bild in B (W). * 33^ ber nafen ficren , 9, 3 ; 
sprichw. s. DWb. 7, 404; Wander III, 956. 963. 17 fiben jl;t = 
Septem horae canonicae. 

55. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. *S3nber 
bem l^ietlein ipikn, vom Hut der Gaukler, sprichw. von betrü- 
gerischem Handeln, s. DWb. 4, 2, 1991 u. vgl. z. 67, 17. 1 bie 
britfc^ Jütrb einem gefcftlagen, sprichw., s. DWb. 7, 2135. 2 »^ 
ber jc^ülen fagen, sprichw., s. Wander IV, 378. 18 SBad^ bir 
ielber, sorg für dich selbst, vgl. DWb. 1, 1066. 21 vgl. 77, 64; 
DWb. 7, 1637 ; Wander III, 1 25C.. 52 äffen gil, vgl. V. d. ; Gd.s 
Aenderung in affenfpil ist unberechtigt. 56 Aehnliche Sprichw. 
DWb. 4, 2, 113S: Wander II, 5bO. 71 Wtt, W er. 

56. Bild ans NS 63 3son bettleren. A ohne Bild, neues 
in W (zu V. 2 1 tf.) : Medikamentenverkäufer, der seine anf einem 
Tisch ausgestellten Waren den Narren anpreist. b vgl. z. 



326 Anmerkungen. [56.-59. 

6, 41. cd vgl. z. (i. 44. 1 S8Iiit§, nämlich Gottes oder »erben. 
15 Das Hälmlein einem vorziehen (wie dem Kätzlein, das dann 
springt, als wärs eine Maus) schon im Mhd. sprichw. = täuschen, 
s. DWb. 4, 2, 241. 18 nini^t ft^rfien, kostet Keuchen, Mühe, 
ders. Ausdruck 93, IU4; MSb23; GMh4tj; LN2715. 23 affen^ 
fifiniat^, nach NS 4, 5 eine Pomade oder Schminke. Bildlich 
verwendet LN 2S03. 30 fc^fange also auch schon als fem. 

(masc. ausser V. 31 auch 57, 53). 64 Erklärt durch 16, 80 f. 
71 So sagt das Liber vagat. von den Grantneru: ^tem etüdi 
fallen niber bor ben fircf;en and) allcntf;albeu unb nenien jcifen in 
ben munt, ba§ inen ber fdmuni einer fauft gro^ aufgat. 79 S. 
Bild u. NS63, 74— TT. 

o i. Bild aus NS T2 ^^cn groben narren. (Will M. die Krone 
für Seifenschaum halten?) Neues (widerliches) Bild in B (W). 
* aJtit bred rein lüefd^en, 2,418, sprichw., ^. Wander II, 1558. 
6 sprichw., s. Wander I, 956. 9 Matth. 7, 3. 21 vgl. 60, 16. 
31 nit ein gefiegter rinn = ungereimt. 36 S. z. 27, 68. 47 Ge- 
meint ist wohl (wie 2, 94) Matth. 23, 3; Christus aber hat einen 
solchen Eat in Beziehung auf sich nicht gegeben. 54 Wohl 
sprichwörtlich! Nicht auf die Worte, auf das Ausführen kommt 
es au. 55 u. 62 sprichw., s. Wander I, 459. 63 Sag alles heraus ! 
Das Bild vom Bade? vgl. 39, 14. 

58. Bild aus NS 91 3Son fcfiföe|ien im c^or, die Anknüpfung 
liegt wohl nur in den abgebildeten 4 Geistlichen, s. V. 26. (Doch 
vgl. Eiess 25). Neues Bild in B (W) : Eine Frau hält kleine 
Wölfe feil, einen wählt sich der Narr. * Sie tvolffä iral, 
sprichw. (ein Wolf ist immer ein Wolf, s. V. 10); vgl. Wander 
V, 382, auch unter Wolfsnest. Wahrscheinlich ist M. durch 
folgendes Wort Geilers beeinflusst: In electores episcoporum 
hoc nostro tempore moderuo. Id faciunt, quod luporum empto- 
res; e quibus cum imus emere vellet venditori inquit: Amabo, 
cum qui melior est mihi eligito. Respondit: 'si unus honus 
est' et reliquit. Sic in electionibus episcoporum parum refert, 
quis ex collegio (ubi omnes iuepti sunt) in episcopum eligatur; 
itaque operam frustra terunt bonum inquirendo in tali coetu. 
Scommata loannis Keisersberg in ]\Iargarita facetiarum. Strassb. 
150S, D 6a. 7 Sprichw., Wander III, 31 f 47 bildlich; das 
reine Getreide im Gegensatz zu den Hülsen bei Mamer 
(Strauch S. 105 V. 63): des riches sint die klien, so wirt in der 



59. 60.] Anmerkungen. 327 

kern, vgl. auch (i-1, (iö. 52 = geschweige einen Heller. 

53 'darauf kannst du dich verlassen', DWb. 4, 1, 2, 2577. 

59. Eigenes Bild. Neues Bild in B (W). Ein Manu, 
dem ein Eberzahn aus dem Munde ragt, scheint einem Jüng- 
liug, der auf einer Geige spielt, darin Anweisung zu geben. 
2 Aehnlich SZ.5, S; LN S34. 7 l^^me(r^ci^, so nannte man im 
15. u. 16. Jh. ein Puppenspiel, s. DWb. 4. 2, 134S. 9 t)[engi-t;u 
wird hier wohl nicht den Wolf bezeichnen (Gd.), sondern ist 
Manusname, s. DWb. ',i, .37ii. 45 mum, mum \pvcd)in kann hier 
natürlich nicht 'stumm sein' (Gd.) bezeichnen, sondern: den 
Mund aufthun wollen, bmmmen, mummeln (s. DWb. 6, 2662). 
Ttcr nar fd^lueig i'ttl üiib wolt nid}^ reben, bnb legt ein finger bff 
bcu numb bnb madjt immi, muin, nad) langer frag etc. Schimpf 
u. Ernst No. 1 (Oest. 15). Vgl. DWb. (l, 2500. 61 — 66 Au- 
sijiolung auf einen Streich des Kaleubergers (Bobertag, Narreu- 
buch 24 tf.), der zur lieissen Sommerzeit die Bauern einlädt 
zuzusehen, wie er über die Donau fliege. Nachdem sie seineu 
schlechten Wein ausgetrunken, fragt er sie, ob sie schon je- 
mals einen Menschen fliegen sehen hätten. Als sie es ein- 
stimmig verneinen, entlässt er sie mit den Worten : ©o folt ir 
Co au* fcl;en ^tc, 2)a§ xd) and) nit iinl f(tegcn§ Vf^gn, nun fart 
^iu I)otni in gotteo fcgu. 

00. Neues, (hier nicht passendes, s. z. (19) Bild in B : Ein 
Narr im Bett, ein anderer zeigt auf die nackten Füsse, die 
unter der Decke hervorgestreckt sind. Daneben steht die 
Frau. W anderes Bild, das B zu 78 erst einsetzt: Während 
der Mann sich bei besetzter Tafel gütlich thut, geht ein an- 
derer mit der Frau kosend ab. Vgl. z. Inhalt NS 33, 3(> ff. u. 
Z. z.V. 44. a S.Z. 16,20. b brunlumfeen, W ^rofun^en. 

6 er3t)§en scheint mir hier den Sinn von ertragen, aushalten 
zu haben. Ich stelle es zu cr3Ügen, das DWb. 3, 1088 bes. 
aus Geiler mehrfach in diesem Sinne belegt. Auch die Aen- 
deruug in W spricht hierfür: . . . au^fteüen, '^d) iDürbg bei; ©ott 
nit Iel;ben iüftllen. 16 vgl. 57, 20 f. 22 f. vgl. z. 5, 1 13. 29 vgl. 
27, 26. 34 sprichwörtl., vgl. DWb. 2, 382; Wander I, 46G. 

37 sprichwörtl., s. DWb. 1, lo69, 3. 41 ben tiunbt einem Uff 
Ijalten soll wohl bedeuten: ihn vor dem Winde schützen, ihm 
Freundlichkeit erweisen. (Nicht zu vergleichen sind wohl 
Sprichwörter wie: Einem den Wind aus den Segeln nehmen 



328 Anmerkungen. [60.— 62. 

(Wirksamkeit lähmen), oder den Wind in Garnen fahen wollen 
(von Aufpassern und Horchern), Wander V, 259 No. 311 u. 'IWA. 
einer bem ein ( = andern), vgl. 13, 24 u. S9, 42. B setzt an un- 
serer Stelle für das zweite ein das sinnstörende er, S9, 42 an= 
bern, während es 13, 24 geblieben ist. 

61. Bild aus NS 27 ^on fnnul^eni ftubicren. Neues Bild 
in B (W). Ueber das Verhältnis dieses Kap. z. NS 27 u. SZ S 
s. PBB 1 S, IS f. ®er ijeftrliflct le^ = Halbwisser, s. Z. z. 57, 2 
und in den Znsätzen S. 476. a * ben fdiüIfacE treffen, SZ 8, 
eine Schule durchmachen, vgl. Wander IV, 384 f. d ^ta wort- 
spielend als Dirnenname, wie ti, 120 Icgica. 18 Fiunt enim 
ex studeutibus optimi balneatores etc. J. Gallus, Monop. bc§ 
StdUfdnffg, Z. Univ. 60, 27. 45 S. z. 5, 7. 45—48 sprich- 
wörtlich, s. Wander III, 891. 64 sprichwörtlich von Verlegen- 
heit, s. DWb. 5, 2077. 

62. Bild aus NS 106 SKbloffuuß autter luercf (die fünf thö- 
richten Jungfrauen Matth. 25, 11, s. NS 106, 8 tt"). M. knüpft an 
den Höllenracheu des Bildes an. Neues Bild in B(W): In 
einer Badewanne 2 nackte schöne Weiber sich zugekehrt, die 
eine hält einen (Mai?) Blumenstraiiss hoch. * S)a§ lürltg 
bab. Die Belege bei Gd. (z. 62 e) sind recht flüchtig zusam- 
mengetragen; selbstverständlich gehört lorer jtibel und loröl 
nicht dahin, aber auch mit SorleinSbab bei Hans Sachs hat es 
eine eigene Bewandtnis (s. Archiv f. Littg. 3, 62). Iürli§ ist gen. 
des dem. zu mhd. Iure. Das Lürlin ist nach Hertz' gründlicher 
Darstellung (Ueber den Namen Lorelei, Sitz.-Ber. der Münch. 
Akad. d. Wissensch. 1886, 217 — 251) ein elbisches Wesen, s. 
bes. S. 234flf. Bei M. findet sich auch lurenSüercf, Mess D4i': 
D, ir luren, Ketzerkalender (Kloster ](i, 2(i7), und ganz hierher- 
stellen möchte ich: ^>e(Itcan ein lutf;erifcf> ^.^ö^li unb ba§ lau: 
rellelin in ber ©bangelifteret). Ketzerkai. a. a. 0. 211. Die 
Stellen aus der NB sind Hertz nicht entgangen; doch irrt er, 
wenn er sagt: 'in M.s NB heisst ein wohltemperiertes Bad 
Lürlesbad. Lürlinsbad' (S. 243). Es wird zwar in diesem Ka- 
pitel (s. bes. V. b) auf Badeorte scherzend angespielt, aber mit 
dem Lürlisbad ist doch nur die Hölle gemeint, von der M. 
hier humoristisch spricht. Das Bad der Luren kann ja auch 
nach christlicher Anschauung nichts anderes sein; beachte bes. 
V. 55 ff. Darüber, dass es in der Hölle teils kalt, teils wann 



62. — 67.] Anmerknngen. 329 

ist: ti2. 1 1 ff., s. Z. z. N8 ^.'>. 1-IH. Auch in den Beleg:en aus Cul- 
luan und Wittel im DWb. ti, 1 1 52 bedeutet Lörleinsbad die Hölle 
und ist nicht 'Spottname eines Bades für arme Leute, dessen 
Benutzung nichts kostete", wie Heyne vermutet. Iürn§tl;anbt 
20,4t;; tiirlifjbanbt SZ. 10,25; airleStanbt Ketzer K 2 ist dem- 
nach Kobolds-, Narrentand (vgl. Hertz, a.a.O. 247) und wohl 
dasselbe wie das bereits angeführte lurenlrercf. 

68. Bild aus NS 53 aSon nl^b Bnb l)a§ (Unerklärtes Bild! 
s. Z. z. Kap.) Vielleicht deutet M. den Kopf im Fassloche als 
den Schalk, der in bte lucfen gestellt ist. a ff. S. z. 1-J, 44 u. 45. 
10 vgl. 1 ti, 1 7 und SZ 1 4. 12 ff', vgl. SZ l?pvcbt V. 7 ft'. 21 ff. vgl. 
14, 40 ff. Die gleiche Moral im Cato 159 ff'. (Z., S. 1.33): il.!cr 
nit mit hcvtj ift tvütver frünbt, ©unber mit ötife»vort tir crid^luibt, 
J>ü bu im ourf} be§ QÜä) all frift, ©p Irirt betrogen Hft mit lift. 
Vgl. ferner Moretus 3S5 ff. (Z., S. 145.). 21 glatte werter, s. 
SZ 22. 

64. Bild aus NS 92 iJberl^etning ber ^od}fait. (Die beiden 
Gesichter geben M. wohl Anlass ztim Titel.) Neues Bild in 
B (W). Pauli 94 erzählt (nach Bromyard A, 2o, 9) von einem 
Bauern, der dem hinter dem Altar abgemalten Teufel ein Mess- 
licht anzündet, damit er ihm nichts schade. Vgl. ferner Koll- 
wagenbüchl. 60; hier dankt der Teufel für die Aufmerksam- 
keit mit dem Traum vom Schatz; s. z. 74, (iS. 

65. Bild aus NS31 3>on inff*hig fuc^en. Neues Bild in 
B (W) : eine Magd kämmt das lange Haar der aufgeputzten 
Frau; an der Wand hängt ein grosses Bildnis. * SBögclin 
laffeu forgen, eine bes. in den Schlemmerliedern (s. ZfdP 26, 14) 
häufig vorkommende Kedensart für sorglos dahin leben (nach 
Matth. 6, 26). Vgl. Schw. Jd. 1,690; Wauder IV, 1674,31.38; 
Z. z. NS 94, 31. 37 ©tic^ len|, wohl nach der Redensart: der 
faule Lentz, oder der Lentz sticht einen, s. DWb. 6. 752. 49 ©ic^, 
sieh (od. verdruckt? s. 87). 61 f. Volkstümliche Umschrei- 
bung == aus dem Stadttor. ^^]auluä e^Iet auä) balb bor yon 
Surc^ä lod;, bo ye^t bte fii ß|gon, Ketzer o2K 2)er ^|sroutn= 
cial matlit ftdi baruon ©d;nell buvi^ ba# lod^, bo jr fu üfe gon, 
das. u 4''. 

66. Bild aus NS 19 i>on oil fc^iue^en. Die merkwürdig 
gezeichnete Zunge veranlasst M.s Deutung. Neues Bild in 



330 Anmerkungen. [66. — 68. 

B(W): einem Esel wird ein Gebiss eingelegt. 31 S. PBB 
18, 12 f. 

67. Bild aus NS 93 SBurfier Hub fiufouff. Neues Bild in 
B(W): ein Narr sticht im Turnierkauipf auf seineu Gegner, 
einen Juden, dessen Spiess am Boden liegt. Au der Seite 
des Narren reitet ein Fürst, der auf den Juden weist. — 3)lit 
beut tubenfpiefe rennen (turniereu), sprichw. (s. Wander II, 1Ü41) 
oft von Christen: das den Juden übertragene Gewerbe des 
Wuchers treiben. Das Sprichwort ist gewiss ans Turnier- 
wesen angelehnt (s. DWb. 4, 2, 2357), aber wohl erst nachträg- 
lich; seinen Ursprung mag das Wort im Italienischen haben, 
wo für Wucher treiben dare una stoccata (vgl. (57, 37!) nefianchi 
im 15. Jh. gebräuchliche Wendung war. wie mau denn dort 
auch die Wucherer als Spiesser bezeichnete (s. Güdemann, 
Gesch. d. Erziehungswes. u. d. Kult. d. abendl. Juden III, 276 tf.). 
Von Italien kann das Wort mit vielen andern auf Handel und 
Verkehr bezügl. Wendungen leicht ins Deutsche übergegangen 
sein. Vgl. auch die Belege Gd.s zu Morssheim V. 235. Gd. 
meint hier: 'Aus den Belegen geht hervor, dass die Redensart 
aus dem hartherzigen Subhastationsverfahren hergenommen 
wurde: daneben scheint auf den Spiess, die Lanze hingedeutet 
zu werden, womit Christus Seite durchbohrt wurde.' Die 
letztere Ansicht lässt sich mit Güdemanus Erklärung gut ver- 
einen, ab sprichwörtlich! si satis iudaeorum haberemus, 
christiani usuram non caperent, Bebeis Facctien (1555, 30i>). 
6ö fein auc^ ntt juben gniu-;, bie c^riftcn bebörfften fünft nit 
tuud^ern, Schimpf und Ernst No. I'.)2. SBenn ^üben genugfani 
lebten, 2)ie (S^riften nic^t nac^ iruc^er [trebten 33nb lieffen j^n jin 
^süben f^.ne^ ! Eyriug, Proverb, copia 1,212. Ueber das Sach- 
liche vgl. Güdemann a. a. 0. 1, 131 If. 17 S. ein Kütlein über 
etwas stürzen DWb. 4, 2, 1992 u. vgl. z. Kap. 55. 50 Nach Matth. 
18,6; Luc. 17, 2. 

68. Bild aus NS 58 ©t^n felbS üergeffen (2ßer lefc^en \m\i 
el;uö anbern für 3Snb brennen lofet fiin el;gen fd^ür, ab). M. sieht 
in dem Narren eiuen Dreckrüttler, doch vgl. auch V. 15 f. 
Neues Bild in B(W): Auf einem Feuerherd Avird der Dreck 
mit allerhand Instrumenten gerüttelt. * 2)en brecE rütlen, ba§ 
er ftincEt (gleiche Ueberschr. hat SZ 1 1 ; s. PBB 18, 20, f.), sprichw.. 
Wander I, 685. 6 ein fd;laffeii§ l^ünblin ivecfen, sprichw. 



68. — 70.] Anmerkungen. 331 

Kot/AT !i o». ()'•; ^Jiit U'cüeft anrcv^en clinen l^unbt, 2>cr fd^laffcn 
tüiU 5u fV»e'-" fiunbt; 23civcii bcn jorn nl fcbner jt)t, 2)er lange 
üVt Derborcicn M, 15rauts Facotus 2S1 ff., bei Z. S. 140. ©cn 
flaffenbcn bunt fal nliniant tvecfen, Morolfll, 439 (v.d. Hagen); 
I)edekinils Grobiaims 385s f.; Mau mut gen schlopeude hiind 
wakkrig make, Dirkseu. Meiderielier Sprichwörter- No. 217; 
Let sleeping dogs lie ; II ue taut pas reveiller le cliat fcliien) 
qui dort. Eine Weiterbildimg: @ä ift ein gemein fjjric^lvort, 
trann einer ein fcfilaffenben t)unb wöüt tüecfen, finbe er leid^tltc^ 
ein ftcrfen barju, (Geiler-) Höniger, Kloster, 1. 06(i. 11 S. z. 
1.10. 12 ijfientf, AV l'erfiinte. 15 f. s. Wander III, 235. 4. 
35 f. Sprichw., Waiider III. 1^35, lo6. 37 ff. Gd. erklärt zu 38: 
'Statt eines Kockes eine Hoffnung auf Gewinn (die Taube auf 
dem Dache, statt des Sperlings in der Hand), schanzman, 
ein Mann, der die schanz, Glücksfälle und Unfälle teilt, wo- 
raus unser ländlich, schändlich entstellt ist." Ganz un- 
richtig: idjan^ (V. 38) ist hier vielmehr = grober Kittel, s. 
Brucker M. (113; DWb. '^. 2161. Der Sinn ist also: sei bei einem 
Landsmann mit einem schlechten Tausch zufrieden, verhalte 
dich mit ihm gut, deini er kann dir ein fc^anb^mann (zur Schrei- 
bung fc^anftman vgl. Ianl.=;fnccfit, (antunan, z. B. Stuttg. L. V. Band 
1 10, 41) werden; nur hat hier M. nach seiner Art das verbreitete 
Sprichwort: :yanbfeman, fcf^anb^mann, ipattft bu tüa^, f o l'd;»iKl)g I 
(Wander II, 1 780 f. ; DWb. 6. 1 4 1 : 8, 21 57) im Scherz doppelsinnig 
gegeben. 41 f. Wauder IV, 1760 f. 55 vgl. 57, 19. 

61). Bild aus NS 55 (ein ungeduldiger Patient!) umge- 
deutet. Ohne Bild in B. W. setzt das Bild ein, das B fälsch- 
lich zu 6(1 (s.d.) setzt. — 9Jacft bcr becf fid^ ftrecfen, 86. 44 f., 
sprichw.. s. DWb. 2, 885. 1 ft". vgl. 02, 145 f.: sprichw., s. DWb. 
3. 7^7. 8 sich eine Blosse geben, sich bloss legen, vgl. DWb. 
2, 147. 22 »Bge'refc^en, vgl. 8, 65. 25 Er hat sich bertratten (s. 
Gl.). 26 W 2)en leuten Uff gefeiert ben munbt. Gd. hat die 
Stelle ganz missverstanden; er umschreibt: 'er hat die Laute, 
«lie Sache, zu Grunde gerichtet." 62 tvuden (uueingeseift) 
ld)ercn, vgl. 07, 32, sprichw. = weh thuu. Vgl. Frommann, 
^Inndarten 2, 251 No.6; 4,225, wo aber die naheliegende Er- 
klärung nicht gegeben ist, ferner Keller. Fastnachtspiele 332, 3(i 
n. Anm. in der Nachlese 340. 

70. Bild aus NS 40 2(n Jiarren fid^ ftoffen umgedeutet. 



332 Anmerkungen. [70.— 73. 

Die ßcharfe Kante des Hauses ixnd der eigentümliche Aermel- 
zipfel des unteren Narren (nach Riess 27 : der Giebelrand des 
Hauses) sollen wohl als Seil gelten. Der Weise (bei Brant) 
ist hier der Werfer. Neues Bild in B (W) : Ueber ein au Pflöcken 
befestigtes Seil ist ein Narr (von einem Juden?) geworfen wor- 
den. Ueber das Verh. d. Kap. z. NS 1(12 Hon falfd} önb befcfcifä 
u. SZ 25 s. PBB 18, 21 f. * S>ber ia§ leil trerffen, sprichwört- 
lich. Geiler sagt von den behenden Kanfleuteu: bnb linirfft ie 
einer ben anbren über ba§ feil bnb fort in l^inber ben ofen. Das 
irrig Schaf A 2^. Vgl. Wander IV, 518, 25. wo jedoch das Sprich- 
wort falsch (als Seil überwerfen) gedeutet wird. 68 s. z. 45, s. 

71. Bild aus NS 9S Son bälenbigen narren (Selbstmörder!) 
umgedeutet. Neues Bild in B (W). b — d Sprichwort, s. 
Wander 1 , 593, 223. 7 rcbUn, s. z. 20, 29. 16 s. z. 11, 75. 
50 vgl. 78, 25. Ein Sprichwort bei Henisch heisst: 3DBag einem 
füijt (s. Gl.), ba§ fdjabet bem anbern; Wander 1, 1262. 57 vgl. 
."^4, 128; finbling, hier wohl nur scherzhafte Bezeichnung eines 
Fündigen. 

72. Bild aus NS 89 Hon boreditem toec^fel (Esel für eine 
Pfeife). Neues Bild in B(W): Vor dem Esel ein Narr, der 
auf eine Tafel mit der Inschrift 9lftnu§ ftulta (etc.?) weist. 
31 vgl. d. Anm. z. Kap. 1 3 u. 5, 1 1 3. 34 f. Sprichwort, Wander 
11,358. 36 vgl. z. 27, 23. 45 fdiaff bnb tvol, 'das ganze 
Schaf, alles', Gd. 64 mülin, ebenso GM k !'•, mhd. müllin, 
s. Lexer 1, 2222. B imUen. 

7*3. Bild aus NS 41 DUt ad}ten üff all reb. Neues Bild 
in B (W) : Ein Narr greift mit der einen Hand in einen Topf, 
mit der andern hält er einen Zettel, auf dem 3Jarrabo steht. 
— Vgl. zu diesem Stück das ähnliche Kap. 88. * 3S^ einem 
Idolen Isafen reben, 3e;, 27; SZ 10; Bf 34, 108, vielleicht nach einem 
Gauklerkunststück (DWb. 4, 2, 128), oder einfach bildlich für 
aus dem Leeren, Hohlen sprechen; sprichwörtl. = täuschen, 
lügen, hohle Versprechungen machen. Der im DWb. s. v. 
Hafenredner augeführte Spruch aus Körtes Sammlung ist nur 
eine Verbindung von NB 73, 7 — 9 u. 37 — 44 ! a — d vgl. 

NS 41 ab u. Z. s. Anm.. wo aber das tonlose Fuchsschwanzläuten 
(s. a. DWb. 4, 1, 1, 351) mit verleumderischen Eeden verglichen 
wird; Geiler hingegen vergleicht es ©uangeUbud^, 1515 fol. 210b 
mit den Reden der Prediger. Einleitend sagt er: SSnnb etiüan 



73. — 76.] Anmerkungen. 333 

10 lütet man mit bem fud^^jc^Jüan^, al§ bie buben t^imt, bte iim 
bie fratren cl6fter ftetgen, bie Ijencfen ettrann ein fuAfefc^umn^ für 
ben clengel in bie glocfen. 13 t^offelid), vgl. SS, 2. 24 ir^t er 
^xd), — indem er Ivir (V. 15) spricht; ebenso Luther in einer 
DWb. 4, 2, 2U5!) angeführten Stelle. 28 vgl. SZ 7, 5 f. u. Schw. 
Jd. 2, 1224. Sprichw. 48 ioadf, fetterl^n, 80,132, formelhaft 
aus einem vielgesnngenen Volksliede: ®§ taget üor bem iralbe, 
n^ac^ auff ftattetlein, s. Wackeruagel, KL. II, 1292: ZfdP 26, 21:? f. 
53 ivort ber eren, Kompliment, vgl. SS, 19 ere irrrt, s. DWb. '^, 07. 
7-4, Bild au.s NS lis lac^t^mpf nit »erfton. Neues Bild in 
B(W). 7 f. vgl. Wander IV, 791 : Steckenreiten macht müde 
Füsse. 13 f. Bild aus der Badstube. 24 f6rt AB ^ W 
g^i^rt. 38 fant fat^crt)». Hier ist gewiss nicht die Rede iJou 
S. (Sat^arein, fo bie ^oc^gelerte SDoctoreö Obertüinbt (Alberus Fa- 
beln, Vorrede, Neudr. 3), von der auch Geiler in der imten ci- 
tierten Stelle spricht, sondern im anzüglichen Sinne, s. Gl. 44 bie, 
W bie fc. 45 ganz weltliche Darstellungen. Vgl. die Ex- 
cerpte aus Geiler in HS 135 c; ZE 54. 46—58 Aehnlieh klagt 
Geiler: C'g i[t fein allav, e^ ftot ein ^ür bantff | Wixxn bie malev 
fant ^Barbara | fant Äat^erina malen, fo malen fie l^uren bar 
eben »^ gefc^nitten Dnb üerbremt jü bem letften, irie man iefe 
gat I alfo malet man fie i Wa^ anbackt fol ein iunget ^jfaff l^cn | 
irenn er ba^ confiteor bettet »nb ficbt alfo ^übfcf)e bilb eor im 
fton. Guangelibiic^ 1515, fol. 210. 53 Dber ob sie. 68 ff. Der 
bekannte Schwank! Facet. Poggii um Anhang z. Bebeis Fa- 
cetien 1555) fol. 120. EoUw. 60. Frey, Gartengesellschaft 77, 
76 Sprichwort! s. Wander IV, 1742, 7. 77 bl^bt, so ABW 
(bleibt). Gd. ändert : gibt ; doch ist ein Druckfehler kaimi an- 
zunehmen. 82 ben A B, W bem. 88 rtt^t, v. mhd risen 
rieseln V In Huttens med. Schrift übersetzt K. calculosi (Bök- 
king5, 479): bie ben rhfenben ftein ^aben. W hat jedoch riß! 
94 ff. vgl. 17,6Sff. 

75. Eigenes Bild, das in B fehlt, aber in W wiederkehrt.| 
2 s. Bild z. Kap. 26 u. SZ 26. 6 t>xt (Mühe) fein = feinen (acc, 
v. helfen abh., wie 94, 50). 22 verlorene Mühe gemacht. 
28 sprichwörtlich, SZ 26, 5. Vgl. PBB 1^, 54. 32 S. z. 6, 41. 
44 SJnb (folt). 

76. Bild aus NS 96 ©d^encfen bnb berutoen. Neues Bild 
in B (W) : Man sieht den Teufel in der V. 52 angedeuteten 



334 Anmerkungen. [76. — 79. 

Situation. Ein Narr will mit einem Kalben auf ihn schlagen. 
* 35ff ben greifen f>uffen fd^bffen, sprichw., s. DWb. 8, 2466 (Beleg 
aus Garg. 130a). ab vgl. NS 96, 7 — lo. c ein l^&(^Iin f^ihen, 
sprichw. in versch. Anwendung, (vgl. DWb. 4, 2, 1775: Schw. Jd. 
2,1248) hier wohl: das Geringste thuu, das Kleinste dazu bei- 
tragen, vgl. 'J5, 86. Im Jd. wird aus U. Eckstein citiert: 2)'men-- 
fdien f)anb nit fo Dil W\i\, ba^ einer bem anbren ein i^ölslin \\>i^, 
eg mue^ "babt) f^n alliueg Ion. 10 s. Matth. 25, 40; 10,42. 

24 Ueber die damals üblichen reichen Gastgeschenke s. Schultz 
45:< Ü\ 46 s. Luc. 14, 12—14. 65 s. ZfdA 6, 149 f. 

77. Bild aus NS 26 üon ünnu^em immfcfien (Der betende 
Midas!) Beachte die Schnur I Neues Bild in B (W) : Eine Be- 
guine fasst an die geschnürte Brust der andern. 28 Römer 
3, 2(1—24; Galat. 2, 16 : Ephes. 2, 8 f. 32 ^um ejfen fott nit 
jagen, ©unber bie l^enb bor jicagcn, Köbel, Tischzucht, Stuttg. 
LV. 119, 60, vgl. das. 48 und Brants Thesmophagia 79 ff. (bei Z. 
S. 147). 36 mu^ tterfd^iitten, 'sich vergehen', Gd., aber hier 
nicht bildlich, s. V. 30. In Köbels Tischzucht a. a. 0. wird ein- 
geschärft: 2)a§ effen süAtiglid^i bar fe^, 3JJit Perfcf)ütten bu nie^ 
man le^ I 39 Von den virgines vestales quae res miuimas 
pro peccato habent ist in Bebeis Facetien (1555, 66i>) ein dras- 
tisches Beispiel zu finden. 44 einem ein f^etlin (Tuch- 
abfall) anl^endfen, SZ 18, 25; MS 601; sprichw. ^ einem Schlech- 
tes nachreden (vgl. Z. z. NS 21, 5; Gd. z. Morssheim 377); Totter 
fasst Gd. als gen. des subst. (= nequam), vielleicht ist es Adj. 
= nicht fest sitzend, locker, s. DWb. 6. 1210. 57 bie fie^ 
treffen, derb für küssen, als Zeichen für Frömmeln und Schein- 
heiligkeit sprichwörtlich, vgl.: allen ^eiligen b'güe^ abbiffen, 
Schw. Jd. 1, 1088. 

78. Bild aus NS 75 S>on bofen fc^u^en. Neues Bild in 
B (W) (s. z. Kap. 60). 8 louffen bff ber grub, sprichw. = dem 
Tode nahe sein, s. Wander II, 153; Schw. Jd. 2, 692. 9 nad^ 
ber fd^iver, s. z. 48, 65. 11 ff. s. ZfdP 26, 209 f. 18 s. z. 48, 62. 

25 vgl. z. 71, 50. 32 Davon weiss das Landsknechtslied viel 
zu erzählen, s. ZfdP 26, 209. 59 ©eloffen burd^, ütio y.oivov. 
Vgl. LN 4625, über das Sachliche Schultz 592. 

79. Eigenes Bild, das in B (— W) wiederkehrt. 14 vgl. 
z. 33, 26. 1 9 ben leimen (Lehm) f lo^jff en, «0, 92 ; 85, 8 ; SZ 4, 20 ; 
bildlich vom Durchprügeln, s. DWb. 6, 69ij. 28 larer (Lahrer?) 



79.-82.] Anmerknngen. 335 

\\M, wolil ein ironLseh er Vergleich: einfaltig wie die Zwiebel. 
von flor es im Kinderrätsol heisst: Hat viele Häute, Beisst alle 
Leute! 5ßauhi^ ^uiti tua^o ein einfalt finbt, ©teirf) al§ bie lorer 
5VbIen ftnbt ; Ketzer o -J >'. 67 beren Mit, vgl. LN 741 f. Die 
ans Aviau bekannte Fabel, vgl. Kurz" Nachweise zu Waldis 1, 94. 

80. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. 6 ftcfi 
an^ fc^elnien bein reiben (vgl. SZ öürebt9), um ein Schelm zu 
werden. 39 vgl. z. 12, Gu. 50 engelfd» groit), 'mir unver- 
ständlich, wenn nicht engelfcb eine Verdrehung von efelifdb sein 
soll.' Gd. Die Stolle erklärt sich aber, wenn man aus den Berg- 
reihen, Neudr. 15, 4 vergleicht: @rau engelijc^ luill icfi iiitci^ fleis 
ben, S3raun gibt mir einen guten rabt öegen einer fcb6ne iung: 
frauen. 60 s. z. 47, :;]. 61 ebffrer, der Eifersüchtige (aber 
auch aemulus, s. DWb. B, 89), 'Personifikation des Eiferns. der 
Eifersucht; beftat, ergreift, anficht.' Gd. W e^fer. Auch Grimm 
vermutet dies tür unsere Stelle. 99 f. Sprichw., s. Kurz z. 
Waldis 4, 15. öS. 55ft i'as i'clcb gut, tai mal queftt, Duc^ txnber= 
lunb iverb mal Verbüt; GM i 2«. 101 Sprichw. Wander I, ltJG"2. 
112 sypliilitisch geworden ist. 1503 errichtete mau in Strass- 
burg für solche Personen ein 33Ioterbug (Strassb. Gassen u. 
lläusernameu, G(i). 132 ira* (W Um* Dff) fetterlhnl s. z. 73, 4s. 
137 t. Sprichw., s. Wander II, 929. 

Sl. Eigenes Bild, das in B (\V) wiederkehrt. * 2)a§ 
finbt mit bem bab üfift^ilten, spricliw., s. DWb. 7, 717; Wauder 
11,1302. cd sprichwörtlich, ebenso GM u 1 ^ LN4240f.: 

in allen Fällen heisst es (in den 1. Drucken) gerungen, was aber 
nicht ' kriechen, schleichen , dem Springen entgegengesetzt,' 
(Kurz im LN) bedeutet, sondern wie im ^'. 76 sich abmühn. 
um etwas zu erreichen. 10 sprichwörtl., s. DWb. 5, 51. 14 l^ar, 
so A B W = harr. 40 naife funben, vgl. naffer fnab i. Gl. 
58 vgl. Wendunmuth 1 , :{2 und Oesterleys Belege. 68 einem 
ben tPt»er (Weiher) brennen, SZ. 43 Ueberschr. u. V. 6, sprich- 
wörtl. als thörichte Drohung, s. Wauder V, S2 u. die ün BWb. 
2,825 aus H.Sachs angetiihrten Stelleu; zu gründe liegt wohl 
elue alte Schadensformel, äluilich wie einem den rin (nach 
MSDz. 3,61 mn) verbrennen, Grimm EA 47 f. 

83. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. 1 ff. s. z. 
31,58. 14 sprichw. — lügen ihm zu Gefallen. S. Z. z. NS 
19,06. 16 bag müfe öcrgifften, sprichw. = Unheil anrichten, 



336 Anmerkungen. [82. — 86. 

ähulich: bcr) cfiütten , s. z. 2(i, 47 und SZ 9, 15: ^d) fc^ei^ mc^ng 
Ferren finbt in§ iitüB- 29 bermanten, part. von bennanen, 
auffordern (Lexer;j, 1Tb). Vg-1. 24,20. 30 bütten, W beuten. 

40 ber ^•»fenninp, wie V. 64 im allgemeinen Sinne: das Geld; 
vgl. DWlj. 7. 1667 f. 42 edcit, s. V. .56. 48 s. z. 11, 119. 
60 ümf;en, um liinV Oder wie W bmbeu? 88 um wegzureiten. 

8«i. Bild aus NS 29 2)er auber lut örtetit (und selbst in 
den Hüllenschlund fährt). M. sieht auf dem Bilde den Kranken 
zwischen (TÖttlichem und dem Teufel, vgl. V. '6 f. Neues Bild 
in B (W). Ein Narr vor einem Teufel, der auf dem Altar sitzt. 

41 forfier, frz. sorcier. 47 finbt = Sünden. Hingegen W finbt 
(also = sind) und in V. 4^ iporben statt tperben. 51 ia^, 
dass sie. 

84. Bild aus NS 1 5 ^on narreci^tem anflog. Ueberschrift : 
3GBer butpen n^iK, ber fcfilag öor an, 2ßaä tofteng er bar jil müfe 
I>an, 6r »rürt fünft öor betu enb abftan. B ohne Bild, W neues 
vom unterbrochenen Bau (die Bauinstrnmente sind recht deut- 
lich gezeichnet). M. knüpft I —7 an Brant an, auch die Ueber- 
schrift * S3ff bem jan Ȥ gon scheint ein Sprichwort zu sein, 
das vom Häuserbauen entlehnt ist, jan wird das Instrument 
genannt worden sein, die Schere, mit der man die Steine hob 
(s, Bild). M. deutet dann nach seiner Art diesen jan witzig 
auf verschiedene Weise. (Gd.: 'jan, Zahn am Kammrade' er- 
klärt nichts.) 18 s. z. Kap. 65, 19 also niemals, sprichw,, 
vgl, MS 599 u, s. Z, z, NS 16, 64, Wander III, 1324, 39 bte befte 
l^iit etc, sprichw,, s. Wander II, 945, 

85. Bild aus NS 35 S^on luc^tlidi Jörnen, z, Erklärg. des 
Bildes s, NS 35 a — c nebst Z,s Anm, Neues Bild in B (W): 
Ein Narr wehrt sich mit dem Schwerte gegen Bienen; zwei 
Körbe stehen an der Wand, einer liegt am Boden. 28 sprichw.. 
Wander 1, 1005. 36 laffen (zur Ader), häufig absolut, s. DWb. 
6,219. 43 MS 249 ff. 2(u bte grofe glodf lauffeit, sprichwörtl. 
= grosses Geschrei von etwas macheu, s. Wander I, 1728,95 
u. 96. 44 mit, vgl. 92, 86 =3 in, s. DWb. 4, 1, 1, 1S6. 60 wie 
Hopfen u. Malz, sprichw., vgl.93, 124; Wander I, 532, 65 sprich- 
wörtliche Wendung, s, DWb, 7, 402. 69 Apostelgesch., 23, 12 ff". 
77 sprichwörtlich, verallgemeinert aus dem Spielmannslebeu, s. 
DWb. 4, 1, 2, 2571, Wander I, 1445, 23. 91 f. Proverb. 1, 5. 

86. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. Dass der 



S6.— 89.] Anmerkungen. 337 

<Tanch mit der Knnkel geschlagen wird, ist ein beliebtes Motiv, 
s. PBB 18, .5S Anm. u. Fig. 259 bei Schultz. 13 lom^t: funbt, 
s. z. 1 1, 108. 27—54 verwendet M. uoch einmal in der MS 1434 
— 14.54, vgl. Eiess 11. 47 Die Eede beginnt mit bo (gegen 
'Gd., der erst nach nit interpungierfi, vgl. 93,111. 54 ar§, 
s. z. lü, 72. 91 Äueas Sylvias (1405—1464), seit 1458 Papst 
Pius II., schrieb 1444 die lateinische Novelle Euriolus und Ln- 
•cretia, die dnrch Niclas von Wyle 1462 verdeutscht wurde. 
In der GM q'2^ ist dem Liebespaar ein Kapitel gewidmet, 
•das mit den Worten beginnt : aSab^t ))tu§ ^at ein lieb bef d^riben. 
93 Opp. 1551, Epist. 395, pag. 869 (Paenitet olim composuisse 
tractatum de duobus se araantibus). In dem interessanten Brief 
heisst es u. a. : De amore igitur quae scripsimus olim juvenes, 
contemnite o mortales atque respuite, sequimini quae nunc 
dicimus .... Aeneam reiicite, Pium suscipite. 97 Eine Aus- 
.gabe der Wyleschen Sranöla^ion erschien in Strassburg 1510! 

87. Eigenes Bild, das in B (Wj wiederkehrt. * (Sin 
rüt oft ft)n eigen arfe iiiad)en, 46,59, sprichw., s. DWb. 8, 1562. 
21 vgl. 72, 34. 31 ^eng, das mhd. hengen, hangen lassen, vom 
Zügel, (s. DWb. 4, 2, 451 s. 8) = nachgeben, vgl den folgenden 
Vers. W öerl^eng (s. DWb. 12,524). 35 W liebä breunliit. 
•40 vgl. Schimpf u. Ernst 311 u. Oesterleys Belege. 

88. Eigenes Bild (ähnlich dem zu SZ 14 ®elt ju rucf 
nentmetr), das m B (W) wiederkehrt. * bff ber nufefd^alen 
(das Bild hat hierauf wohl nicht Bezug) = überhaupt nicht, 
s. DWb. 7, 1019 'Nussschale, vergleichend und bildlich zur Be- 
zeichnung des Wertlosen, Leichten, Winzigen"; beachte auch 
Y. !6. c Vgl. z. folg. 73, 37 ff. 15 ^ungerifc^ fterben (W än- 
dert biingerö), vor Hunger sterben, gewiss scherzhaft nach 
jungem (so z. B. NS 99, 49) = Ungarn. (Derselbe Doppelsinn 
liegt wohl im Simpl. vor, wo ^ungerlanb nach dem DWb. 4, 2, 
1946 'verächtlich für ein armes Land gebraucht wird'.) Viel- 
leicht darf man auch an die ungarifc^ fud^t (Schw. Jd. 1, 337) 
erinnern, u. vgl. ferner ^ünifc^, heisshungrig, im BWb. 1119. 
Gd. hingegen erklärt das Wort als sonst nicht nachgewiesene 
Form für hungrig, und Stirius 34 will gar den gen. des subst, 
darin erblicken und das i als svarabhakti erklären. 

89. Hier haben B und W gleiches Bild wie A. Vgl. z. 
Kap. 21. * 3)Zit brec! öerftgelen, sprichw., s. Wander I, 689. 

M u r n e r , Xarrenbeschworung. 22 



338 Anmerkungen. [89. — 93- 

c Siegel und Brief werden zum Richterstab werden ! 16 ©ujjpen 
önb brieff fein 3U ^of niemanb berfagt, Wander IV, 974 aus Franck 
und Henisch. 39BeiBebel: Fides nimia equum abegit (reit, 
W ritt), reiche Belege des Sprichworts bei Z. z. NS (59. 21; 
Wackernagel, Kl. Sehr. 3, 110, Wander IV, 1300. 

90. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. * SSor bem 
berren (Netz, s. DWb. 1, 1527) btfcfien, sprichw., s. AI. 17,284,. 
DWb. 3, 1683. 8 S. z. 14, 13. 44 in ^al§, s. DWb. 4, 2, 2.54;. 
6, 127fi. 

91. Eigenes Bild, das in B (W) wiederkehrt. SZ 12 (mit 
gleicher Ueberschr.) behandelt das Thema noch einmal, a* Dren. 
melcfen, sprichwörtl. = schmeicheln, s. DWb. 6, 1999: 7, 1257. 
34 trürb, imperativ. 

92. Bild aus dem hier zu vergleichenden NS 99 Don db- 
gang beä glouben. Neues ähnliches Bild in B (W). 41 Vgl. 
Matth. 16, 18. 44 Braut: 2)aö fc^ifflin fc^toancfet öff bem mer, 
NS99, 20Ü. 73 balb gehalten (= verwahrt) ist nach dem 
Schw. Jd. 2, 1235 ein ironischer Ausdruck von einem Vorteil,. 
welcher weit hinter der Erwartung zurückgeblieben ist. Ein 
Beleg aus Hans Salat gehört hierher: ^ren gtoünn l^attenb 
f'balb g'l^alten (da sie nämlich hingerichtet wurden). 74 tret^, 
s.Z. 20, 9. 85 bem betont, vgl. 84 b. 28. 124 S. z. 11, 1 19. 
145f. S. z. 69, 1. 149 'Ein Glas wurde mit einem Strich auf- 
geschrieben, 2, 3, 4 mit _- IZ IZ!; dies hat die Gestalt einer 
Schnalle und heisst rtnglin oder ring. Auch mit Kreuzen 
wurde angekreidet.' Schultz 59 (wohl nach Gd. , der aber 
keine Quelle angiebt). crü^ bedeutet dann vielleicht 1 ; vgl. 
DWb. 5, 2183. 186 mit, s. z. 85, 44. 

93. Neues Bild in B ( — W). Die Anfänge der Reden sind 
in der Orig.-Ausg. durch das Zeichen 51 hervorgehoben. Hans 
Probsts Fastnachtspiel öon francfen 33aurn önb einem boctor (ab- 
gedr. i. Arch. f. Littg. 4, 41 2 ff.) weist manche Aehnlichkeit 
mit diesem Kapitel auf. 12 gelen fragen, ©t) liegeut in iren 
gelen fragen, GM e 2^. 23 W 2ic^ lieber £)crr. 39 blater, hier: 
Harnblase, s. DWb. 2, 77. 65 Gd. vermutet zu Unrecht in etm 
einen Druckfehler für ein (Balke setzt dies in den Te.\t ein). 
Dass ein Gauch seiner Geliebten Wohlthateu erweist, hebt M. 
doch oft genug hervor. 86 Vgl. Kap. 80. 104 S. z. 56, 18. 
124 S. z. 85, 60. 



94.-96.] Anmerkangen. 339' 

9-t. Bild (nach Schmidt 423) aus Surgaut, Manuale cura- 
torum, Priiss, Strassburg 1 .506. 20 Wenn er nämlich im 
Rhein läge. Vgl. V. 2.5 u. die Wendungen 67, 51 ; 70, 6. 22 Vgl. 
die sprichw. Wünsche nach dem Kräutlein Jahrab, DWb. 4, 
2,2238; Wander II. 99^. 42 eimifcfter bier, über das Ein- 
beeker n. a. damals beliebte Biere s. Schultz 503. 61 Anspielung 
anf die Euderpartien der Strassburger nach dem Kloster St. 
Arbogast und zur Robertsau. S. Schmidt 300 n. 67 und Z. z. 
NS 76, 4S. 

95. Bild w»jhl aus einem geistl. Buche, auch zur SZ 31 
2)€r fdielmen beicfit. Neues Bild m B (W). Vor V. 64. S3 u. 
126 steht im Orig. das Zeichen ^, um den Anfang eines 
neuen Gebotes anzudeuten. 14 ben ^arnefd) fegen (putzen, 
reinigen) SZ '^l, 11, sprichw. == einem zusetzen, DWb. 4, 2. 490. 
16f. S. z. I, 10. 25 ic^mu^en gfc^imeife, Gd. erklärt fc^mu^en 
mit lachen und fügt hinzu -die lächerlich geringfügigen Ueber- 
tretungen , Lappalien" , was als Umschreibvmg gewiss richtig^ 
ist. Vgl. die Belege über bildliche Verwendung von Ge- 
schmeiss in Heynes deutschem Wb. I, 1134. Aber fc^mu^en 
kann wenn auch lachen, so doch hier nicht lächerlich bedeuten. 
W. verdeutlicht das Wort, wenn er dafür mucfeii setzt. 70 wie 
der €t)fen bel'ffer SZ 6, 9 : (äo$ inarter, ivunben ! 78 35>ie man 
fc^toert am foc^erf^erg: 6J6§ bl)l, Q^i} ^infc^, g6| trect, g6^ hb^, 
I.Nl805f. 80 Also gegen Matth. 5, 22. 86 ^6r§rin, vgl. 
z. 76 c. 87 jü fc^t;tern, s. z. 28, 12. 92 mic^ §ei|'i'en liegen, 
gesagt, dass ich lüge, vgl. RoUw. No .38, S. 61, 8. 17. 19u. 
DWb. 6, 1274. 94 Vgl. Bebeis Facetien Liber I, fol 24 : De illo 
qui non libeuter diviuos sermoues audiebat ('se non libenter 
andire hominibus detrahere et maledicere'). Wendunmuth 1, 2, 
73. 131 sprichw. = wir kommen nicht gut miteinander aus, 
s. Wauder IV, 769. 133 Sie hat ihre Bezahlung weg, bevor 
andere ihre Waren ausgelegt haben. 161 S. z. 52. 168 f. 
Vgl. 19, 79 f. u. s. z. 19, 1. 172 f. Sprichwörtlich, s. Wander 
III, 829, 99 ft". 

96. Neues Bild in B (W). 23 3jor ab, nicht 'zu An- 
fang' (Gd. , der auch durch falsche Interpunktion und Um- 
stellung den Sinn verdirbt), sondern wie V. 34 = besonders. 
28 f)uben, ^ie man tragen frolöen f)uben, Geiler, Na\iculal510 
Co. 39 ringlin, Schultz 364 citiert aus Oswald v. Wolken- 

22* 



340 Anmerkungen. [96. 97. 

stein 1,31: Dafür (Königin) ich knyet zuo willen, raicht irden 
part. Mit hendlein weis bant sy darein ain ringlin zart und 
sprach: non may plus disligaides. 56 b^ ein, das DWb. 1, 
1367 belegt nur beieinander und bemerkt: 'unl. bloss bijeen'. 
97. Auch in B (W) gleiches Bild wie Kap. 2. cd S. 
z. 2, 107. 30 sprichw. wie einem etwas in den Bart werfen, 
tadehi, die Meinung sagen. 31 über ftinen bantf, gegen seinen 
Willen, s. DWb. 2, 728. 32 Vgl. z. 69, 62. 37—39 Vgl. NS 
111, 71—73. 50—57 Vgl.NS 111, 19—25. 79 ff. 2«n frou ift 
■gar ein ebter nam, Senn man ))inid)en eeren tl^ut 2)urd^ SJtaria, 
ber jundfrauen guit (Tischzucht, Bibl. d. litt. V. 1 19, 53). Vgl 
10, 95 ff; 13, 5ft'; 39, 7f. u. V. 28 ; GMz2a: dieser damals über- 
haupt populäre Gedanke musste dem Frauciskaner M. be- 
sonders nahe liegen. 87f. Vgl. SZEntsch. 35f. 118 f. Reim 
1 : ei wie 144 (gleicher Eeim SZ Entsch. 1 If.). 129 Wimpfe- 
ling? 144 Wohl nur eine absichtliche Gleichstellung mit 
Geiler, dessen lat. Predigtskizzen übers NS (von 1510 ab) 
wiederholt aufgelegt wurden. Vgl. V. l(»7f; SZ Entsch. 105; 
•GM J 2 : Äein biitfc^ bücf) nie gebic^tet u^a§ 33on mir in allem 
m^nem leben, 3^ bid^t§ lattnifd) üu* bo neben. 

Zusätze lind Nachträge. 

1, 47 f. Bei Salomon nicht zu finden. Brant spricht 
den populären Gedanken: S"" «Ken lanben über al Dn enb 
ift tinfer narren ^al, NS108, 3f. aus. Waldi.s ist wohl durch 
Murner beeinflusst, wenn er im Es opus 4, 95, 274f. sagt: 
2)er Starren ift fein enb nod; ^al, 2Bie ©alomon ber Ä&nig fagt. 

6, 166 Anm. Vgl. auch den im Kloster 4, 609 aus Flitners 
Nebulo Nebulonum angeführten Abschnitt. 

14, 26 Anm. Waldis 4, 7, 53 giebt einem Affen daher den 
Beinamen bon §et)belberg. 

23, 50 Eine alte Hand hat zu diesem Verse in das Berliner 
Ex. von Wj die Erklärung geschrieben: 'Comites Palatii.' 
Heb. Brant z. B. wurde vom Kaiser Max ziim 'Pfalzgrafen' 
ernannt. 



Glossar. 341 

Die Orthographie des Textes ist nicht geändert, nur sind der Ueber- 
eichtlichkeit wegen die Eigenn;imen gross geschrieben; » (innerhalb des^ 
Wortes dafür zuweilen u) steht überall an der alphabetischen Stelle des f, 
^ an der des i. Dem Laute entsprechend ist i als Konsonant unter j, und. 
V, wenn es u bedeutet, unter diesen Buchstaben gestellt. Im übrigen ist 
die Anordnung eine rein alphabetische. 

aber jeid^en u. '54. 5S Wahrzeichen des Ziels; vgl. abermal in 
einem Citat aus Geiler DWb. 1 , 35 unter Aberzid. 

abxa^imid} adj. subst. 11, 117 hebräisch. MhdWb. 1, 5 a, Lexer 
1, 16. 

abfagen24, 44 ; S2, 36; SZ 43, 32 Frieden auf-, Fehde ankündigen. 
DWb. 1,U3. 

Slccurfiug 29, 42 it. Jurist (von IISO etwa bis um 1260), Ver- 
fasser der sog. Olossa ordinaria. 

ac^tf. 79, 22 'Acker. Grundbesitz' (Gd), hier vielleicht besser: 
Stand. Ueber beide Bedeutungen s. DWb. 1,165. 

3IbeI^eit 32, 13: LN 1371 ; 39^(1; 4172 Appellat. für Dirne. VgL 
Wackernagel Kl. Sehr. 3, 157. 

äffen fteg m. 3, V) Narrenweg, s. DWb. 1, 184: Affenweg. Ueber 
äffe als Narrenbezeichnung vgl. Z. NS Einl. XLVII. 

äffen toeg m. 5, 115 s. o. 

2luicenna 30 c. 1 berühmter arab. Philosoph und Arzt, dessen^ 
med. Schriften im höchsten Ansehn standen. 

allen fan^m. 6, 12, allen fanbt: lanbt Tb, 51 aus it. all'avanzo- 
Trug. Schlich. Schw. .Jd. 1. 171 f. (vgl. DWb. 1, 203 ff.). 
Weniger vcilksetymologisch sind die Formen in spUterea 
Schriften M.s: ^lun trelen irir ju be§ fünig§ Don engelanbä 
lügen önb alefan^en antJüurten, Kloster 4, 9(»1. @ot fc^enb 
ben felben allefanh, LN 1360. 

ane fc^nurren 92, 91 anfahren; vgl. fcftnurren. DWb. 1,448. 

3tnftett, s.Z. 15, 3(;. 

a|el f. 33. 29 ; 52, 1 ; 59, 33 mhd. atzd. dem. z. ahd. ägaza Elster.. 
Lexer 1, 104, DWb. ],59(i. 

a^elfieren, a^otuteren 95, 194; 96,1 volkstümliche oder scherz- 
hafte Verdrehung von absolvieren. 

23 und «J}. 
baber m. 4, 119 euphem. für Teufel. 
^antlean 5, 5S, ^antle 11. 34 der Pantaloue der ital. Komödie? 



» 



342 Glossar. 

ba^)3e(n)f. 27, l'i. 11). 51. Kinderbrei. Die Ableitung aus mlat 
pappa DWb. 7, 1443 (1, 1120 aus it.) scheint mir für ein 
Wort dieser Art, das zu den sprachlichen Autochthonen ge- 
hört, gekünstelt, 
barrcn m. 1 1 , 1 06 Krippe, Kaufe. DWb. 1, 1 1 39. 
fceffen .'JI, SS, iüiberbeffenitö, i;5('. bellen, widerbellen, zanken; s. 

baffen DWb. 1, 1075. 
beff^en pl. f. 24, 54 (W leff^en) Lippen, s. DWb. 1, 1276. 
begt;nf. 25, S2; 59, 10; * 77, 1 Laienschwester. Der Orden der 
Beguinen, die bes. als Krankeuwärterinnen fungierten, ver- 
fiel vom 14. Jh. in einer Weise, dass der Name fast schimpt- 
lich wurde. 8. DWb. 1, 1295 u. Z. z. NS 102, 47. 
begoii, \\d} 25, S<i; 91 d sich ernähren von; birnen, bte fic^ bül^ 

fdjaft bcgont, Brucker 565. S. Z. z NS 19, 43. 
bel^afft 30, 22 ; 33, 64 (part. praet. v. mhd. hehcften) behaftet, auf- 
erlegt, verpflichtet. DWb. 1,1316 f. 
behalten 47-1 in Obhut halten, servare. DWb. 1, 1821. 
beiffen 15, 4S ; 87, 22 mhd. beizen — betten 12, S5 ; 37, 49 SZ 44, 

14. DWb. 1,1401. 
beiten, b^ien 67, 45 ; S7, 16 (mhd. hitev) warten. DWb. 1, 1403 f. 
benber m. 13, 60 (= mhd.) Faden, Schnur. DWb. 1, 1466. 
beneucnut 3, 9 benevenuto, willkommen, s. beneventieren DWb. 

1, 1471. 
bengel m. 9, S. 98; SO, 139 Knüttel zum Schlagen, Prügel. DWb. 

1,1471. 
bentegen 25, 25 ; 37, 47 (mhd. benüe.gen) genügen. DWb. 1, 1475. 
beren 9, 9S schlagen. DWb. 1, 1 502. 

bereu brecf m. 56, 2S noch heute in alem. Gegenden für Lak- 
ritze. Vgl. DWb. 1, 1127. 
berrcn, s. z. Kap. 90. 
b(e)fa(^en, firf» 70,96; 78,37; Bf 4, 1 sich beraten, versorgen. 

DWb. 1,1539. 
befcf)ereu4, 23; 33 b scheren. DWb. 1, 1562. 
befd)iB m. IS, 42; 55, 38; * 70, 40; 79, 50 Betrug, 
befcbbffen 2, 19; 29, 2; *68, 34 beschmutzen, beflecken im 
weitesten Sinne des AYortes ; 14,51; *15c: 36,19; 38,3; 
* 70, 1 anführen, betrügen. DWb. 1, 1560, Z. z. NS 102 c. 
htii)^ adv.44,47 (W beifei^); bt» fi;^ 96.35 (W beiibfei^) beiseit 
DAVb. 1, 1613. 



Glossar. 343 

1}itt-2-2, 1, bett2S, 03 (Gd.s Erklärung 'Betten' ist doch wohl 
mir Druckfeliler) mhd. bete Bitte. DWb. 1, 169«. 

•^jetterä fo^ff m. * 85 eigensinniger Kopf, Heissblütiger (nach 
Job. l:i, 6ff.). DWb. 7, 157S. 

ittvadjUn, s. z. 47. 3S. 

ietruBlcn 59, 19 beflecken, s. betros-^eln DWb. 1, 1719. 

■bcttf. (s. a. bet) 32, 3; 33,19 eine Abgabe, ursprünglich die er- 
betene im Gegensatz zur gebotenen, aber: der Herren bitten 
ist gebieten, sagt Seb. Frauck. S. BWb. 301, DWb. 1, 1221. 
1 700 u. bes. Frisch 1,87. 

Jbettbrot li. 48. 24 'wol Betbrod, das nach dem Gebete genommene 
Brot' (Gd); ein betbrötel, Z. Univ. 96, 14; vgl. Betgang AI. 
18,247. 

■bfücfen pl., auch W Sauden, vgl. AI. 18, 285 ber beucfer. Pauken. 
S. Z. z. NSllOi', 7. 

•Vfaffen folen, s. z. 26, 98. 

::^.>feffcr ui. 23, 12; 29, 50 gepfefferte Brühe. DWb. 7, 1634. 

1^01111111(5 mertn. 20,53 (s. Anm.). ))fenivert 67, 41 : 71, 76 ; 82, 87 die 
W^are; was für einen Pfennig zu haben ist, oft zur Be- 
zeichnung einer Kleinigkeit, einer kleinen Portion. Z. z. NS 
44,20: DWb. 7, 1671. 

•)3fou»rcn fdiiüan^, s. z. 22, 15. 

•^foutoen ftrtcb, s. z. 19, 116. 

:tjf eueren trtt, s. z. 15, 51 u. 19, 116. 

■ipind) 27, 44 'Schmutz, Ekel' Gd. Vgl. Z. z. NS 4, 27 (als Inter- 
jektion) u. DWb. 7, 1803. 

tieblen 10, 7 6 wie bubelieren, s. d. 

ißiero toon quinct 94, 11 Pierre de Coignet, ein groteskes Stand- 
bild in der Kathedrale von Notre Dame. Genaueres s. bei 
Schmidt I, 300: Gast. Paris. Rev. crit. 1873, p. 28. 

ibieffen * 13 (mhd. hnezen) ausbessern. DWb. 2, 572. 

fiiffen 80, 86 ; 96,21 kräuseln. DWb. 2, 492. 

btilf. 95,78; bül, GM 7 2.-^ = W beul. 

i>t;fc^Iag m. 80, 57 (W ändert bei;fd)laffcr), GM e 2» Nebenbuhler. 
Im DWb. 1, 1391 nicht in diesem Sinne belegt. 

Eliten, s. betten. 

ibla^'>l)art m.94, 47 eine Münze; unfer Vla^)>*^rt mufe Itier auf brei 
freutet gelten, Bienenkorb 97»; nach Frisch 1, 103c — 6 Pfennig 
od. 3 Kreutzer Strassburgisch. Vgl. DWb. 7, lb95 f. 



344 Glossar. 

blatf. 95, 101 (mbd. blate, ])late) Platte, Tonsur, dann weiter 

f. Schädel. DAVb. 7, 190Sf. 
bleden 14 d. 35 blicken lassen, weisen, hervorkehren. DWb-, 

2,86. 
blcm^crn, l^erfür 3, 71, herausplatzen, 
bitten 1 2, 81 ; 34, 20 : 59, 49. 69 ; 67, 43 ; 80 c. 1 15 ; 83, 65. (AI. 

18,285) unnlhig sich bewegen, umherspringen — nicht ful- 

giirare, das hier blijen lauten würde. DWb. 2, 133. 
bl6be f. 10, 53; 65, 52 Schwäche. Lexer 1, 312. 
bl6btgfeitf. 36, 44; 97, 44 dass. DWb 2, 141. 
blotter ar|et m. 6, 76 Blatternarzt, Quacksalber, 
blo^bruber m. 25, 64 Bez. f. Begharden, Laienbrüder, die bes. 

als Krankenwärter und Leichengänger fungierten. Z. zNS 102,. 

47; DWb. 2, 152. 
blut adj. 17, 14. 24 (AI. 18, 285) bloss, kahl. DWb. 2, 194. 
^)IÜE m. 18, 1 (mhd. blicze) Blitz. DW^b. 2, 135. 
bo(^en trans. 10, 17; 24, 52; 51, 28; 60, 54 misshandeln, ver- 
höhnen — intr. 8, 51 prahlen. DWb. 2, 200. 
bracht m. 45, 4 Aufwand. DWb. 2, 284. 
brangen 8, 41 ; 69, 32 ostentare, superbire. DWb. 2, 303. 
brate§ n. 25, 6 (hier nicht gen. — u. gewiss nicht von Brot — 

wie Gd. ändert u. erklärt) Bratfleisch. S. Bratens DWb. 

2,311. 
^jraticf f. 29, 24 (frz. pratique) Praxis, Kunstgriffe, Kniffe. DWb. 

7, 2052. 
brechen, ftd^ t?nl^er 50, 25 se efferre (DWb. 2, 350), sich aufwerfen, 

hier aber in nicht übertragener Bedeutung, 
^rebiger ftielin n. 44, 48 Stuhl eben, um während der Predigt sich, 

darauf zu setzen. Im DWb. 7, 2083 in dieser Bed. nicht, 
bretjfen 4, 131, brt)fen * 77 (mhd brisen) schnüren. DWb. 2,. 

355 f. 
bremme f. 1, 3 (mhd. swm. breme) Bremse. DWb. 2, 362. 
brtjfen s. bret)fen. 
britfcf) f. 55, 1 ein leichtes, gespaltenes Brett zum Schlagen, auch 

eine Handpauke. Vgl. Anm. 
probieren 39, 19 bewährt finden. DWb. 7, 2151. 
^roce^ f. 49, 3 ; SZ 28, 21 ; Bf 35, 119 Procession. DWb. 7, 2156- 
bubelierenö, 95; 47,44 Bubenstreiche machen. DWb. 2, 462. 
büben ftur§ m. 51, 23, flur§ = Umhang, Mantel, Schleier (BWb. 



Glossar. 345 

2, 787 ; Z. z. NS Vorr. 112; Brucker tjl5) — also Schutzdecke 
für Buben. 

bübentrum 6. 67 'Bubenstück, denn trum ist firustnm" DWb. 2, 
465 mit den Belegen aus dem LN 35S9;. 3S4S. Kurz LNS. 
214 erklärt: 'Bubentrommel, nichtiges Zeug'; trum = Trommel' 
ist bei M. allerdings häufig. Doch finde ich trum weder 
als Trommel, noch als Stück in dieser übertragenen Be- 
deutung sonst belegt. Vgl. Lexer 1,471: BWb. 663. 

Buchen 8, 65, Belege AI. 18, 286 (mhd. blichen) mit Lauge waschen. 
DWb. 1, 1166;; Lexer 1, 2S8. Die grosse Wäsche nennt 
man noch jetzt in Strassburg 'büchwäsch'. Bergmann, 
Strassb. Volksgespr. 25. 

bulbrieff m. 6, 123 Liebesbrief, Liebeserklärung. DWb. 2. 498. 

bunbtfdiücf) m. *79: 92, 160 grober Bauernschuh, der gebunden, 
geschnürt ward. Die Bauern nahmen ihn daher als Symbol 
ihres Standes, als Zeichen auf der Fahne (s. Bild) bei ihren 
Aufständen , so dass das Wort zeitweilig für Bürgerkrieg, 
Aufruhr galt. S. Z. z. XS 63, 21 ; DWb. 2. 522f.. wo reiche 
Belege aus M. 

^unte m. 18, 91 (lat. puncta) Spuud. 73, 49 bildl. DWb. 7, 2242, 

buk bicf) 2. 14; 72. 58 sclier dich fort. DWb. 2, 593 ein Beleg 
aus Geiler. 

6 s. Ä 

Z) und Z. 

Saliba, s. ?.. 2, 25. 

bar, t^ar 3, 99; 5, 61 ; 8, 1 1 : 17, 34; 40. b : 69, 14 u. o- = mhd. 
tar von turren . turren und b^rffen sind bei M. bereits^ 
synonym : so turren als nötig haben z. B. *5, 44 ; b6rffcn (in 
alter Bed. z. B. lo. 16), als wagen 13, 55. 56 ; 81, 54; s4, 3. 

batum ie^en2, 107 als Ziel setzen, sich bestreben. DWb. 2, 828. 

bemmen 6. 161 : 23. 3 ; 35, 35 prassen, gewöhnlich in Verbinduug 
mit fc^lemmen. DWb. 2, 709 ; Z. z. NS 16, 60. 

be^jfer, s. z. 16.42. 

t^ar, s. bar. 

t^arrtgbecfe f. 25. 44 Gd : 'Decke aus einem Stoff aus Arras.' 
Er meint damit also wolil das mhd. arraz , jenes leichte- 
Wollengewebe, das man später liasch nannte (S. Schw. 
Jd. 1,386, Lexer 1,97, BWb. 121). Doch scheint mir diese 



346 Glossar. 

Ableitung gekünstelt. tl^arri§ hängt vielmehr mit dem mhd. 
terraz, tarraz, (die Form tarris belegt Lexer2, 1428) zu- 
sammen — l^aniäbeden sind also Bollwerksdecken oder 
einfach Schutzdecken. Ich stelle hierher das verb. ber= 
barraffen, bertarraffen, mit Decken, Tüchern verhüllen, ver- 
barrikadieren : 

©te matf)en bff ben fobff ein ^unbt, 
önb ift üerbarra|t in ber munbt, 
25nb iüidEtenbt fid^ fo feigem bre^n, 
id^ tuoll bil ee im Ijarnaf c§ fein. MS 356 tt". 
Vgl. ferner MS 654 f. ; GM v ] a. 

Sljeng 25, 94; 56, 67; 85,47; tl^enger 33, 79; ©o l)tet bnfe 3lntf)0= 
niu§ ber fd)ir»etn, LN1643; ©ant 2(ntl^oni ^eifdit ein fuit), 
LN3168; ©ant beng mit feüer bnb autf) mit raud^, LN1798; 
gemeint ist der heilige Antonius (251 — 356). '(gr iüirb in- 
fünberl;eit toicber bie '%z\i angcruffen, [)at aud^ biel Sente in 
ber 5Jlo. 1090 in j^randreid^ entftanbenen Ärandt^eit, baä l^eilige 
5veuer genannt, burd^ ben 3ßein, baveiu feine Sieliquien tuaren 
cingctunrft loorben, bet)m £eben erl;alten. (S§ rt)irb gemeinig« 
lid^ eine Äird^e, eine ©d^elle imb ein ©d;lrteiu neben i^n ge« 
mahlet'. Heiligen -Lexicon 1719, S. 149. Vgl. DWb. 1, 591 
Antonimfeuer. 

birf adv. oft, häufig tautologisch mit offt verbunden: 3,74.89; 
32,15; 86,24; 90,22; 93,25; 97,36. 

biebfd(ilic^ adv. 16, 22 nach Diebesart, heimlich. S. dieblich u. 
diebisch DWb. 2, 1092. 

bieg 11,7.23 ; 62, 37 ; 63, 33 ; 82, 25 ; 84, 65 ; 95, 1 00 (mhd. tüejc) 
conj. praet. von tun. 

binn adv. 7, 96; 20,6; 21,13; 33,43; 34,4 (s. Anm.); 74, 95 u. 
o. (mhd. dinne aus da inne) darin. DWb. 2, 1178. 

i\Vp([ m. 80, 45 Unverstand. Vgl. DWb. 2, 1199. 

birbenbein m. 32, 24 ; 34, 85 ; SZ 44, 30 ; dyrdimidey, Ketzer i 7 a ; 
•ßurellum, birbenba^, bud^ ba§ Don iuullin unb leinin ift', 
Voc. V. 1429 im BWb. 537. DWb. 2, 1 164. Verallgemeinert 
und bildlich: Allerlei, Gemisch, Unechtes, Schwindel. 

ibolm adv. 37, 62 (AV bahne) ; 44, 69 ; bolme SZ 3, 15 (mhd. tagelanc 
tdUmc, t(Uä-me) nunmehr, jetzt. DWb. 2, 698. Gd. erklärt: 
'Unsinn' und Lauchert AI. 18, 287 bolm 44,69 aus mhd. hcahn. 

ib'tiWdj adj. 7, 92 sterblich. S. Z. z. NS 54, 14. 



Glossar. 347 

tomine 2. 1 . 4C. : 61 . 5 : (lö. 197 oft als Bezeichnung des Geistlichen 

gebraucht. 3)a§ macfit erft ben guten bomine fo gar bn- 

luflig, EoUw. s2. 11. DWb. 2. 1-28.3. 
bot^H'I man m. li», H ein Zweideutiger. DWb. 2, 1266. 
bkfünger m. S, 3S; 12, 47 Dürfer. DWb. 2, 1283. 
tauben SO, 21 toll, böse machen. DWb. 11, 169. 
tracfit f. 48, 7. 27 aufgetragene Speise, Gang. Lexer 2, 1493. 
branraran m. 50, 7: bran ran ran, LN 4188 ein Tanz. Das 

Wort ist wohl identisch mit dem Sturmruf der Landsknechte 

bran, bran, brani Vgl. auch das dreimalige dran, dnm. dran, 

in einem Tauzliede Oswalds v. Wolkenstein; Wackernagel, 

Altdeutsch. Leseb. Wdn. 
trafen pl. 9, 52; brafen GM mS^; x4a Troddeln, s. Brncker 

615 u. vgl. braffel f. Troddel. Vilmar. Kurh. Jd. 77 (Gd. : 

Schnüre), 
brat adv. .^"^, 46 ; 7i;. 24 (mhd. dräte) geschwind, rasch. DWb. 

2. 1340. 
br^acfcr m. 56, 21 Theriak. ein Arzeneimittel. DWb. 2. 137.3. 
Srtin, s. Äal^err»n.- 
tringen 51, 29 (mhd. drinyen. ahd. dringan) drängen, stossen. 

DWb. 2,1415. 
brt>f^t^ m. * 51 ; 72,31 Fussangel; ei[en, Juie man fie lt»irft, baß 

fte ali'mtx ein f^it ^^ fid) ^abenb, Maaler04d im DWb. 2. 

1392. 
triifcl m. 66 c. 1 1 (mhd. drüzzd. Lexer 1, 473) Gurgel. Hals. 

DWb. 2, 1435. 
tr6lrortn. 39.25 (W trauirort); treuftiort, Brief v. J. 1511, ZfdP 

26, 371. S. DWb. 2, 1350 Dräuuort, Drohivort. 
brütlb, trütitn n. 14, 73; *80, 3> (mhd. triutel'm) Liebchen. 

Lexer 2, 1519. 
bru^, s. z. 19, 37. 
tiifcnitcfi adj. 16, 8ti (mhd. ünvcllicli) teuflisch, subst. ein vom 

Teufel besessener. Zur Form vgl.: irie fuffeftu bife§ lretn§ 

fo teufcnlidb: Zimmern 3 2, 65, 30. (SZ44, 10: bie t^il tAfe» 

Ii*er tf?aten.) DWb. 11,293. 
2;ummenIodi 77, 53 = Thomanuloch. Name einer verrufenen 

Gasse. M. selbst hat für Thomann die Yulgärform bummen 

MS 1299. Bergmann, Strassb. Volksgespräche. 24 nennt von 

Strassburjrer Strassenuanien ähnlicher Bildung noch Schnoke- 



348 Glossar. 

loch und Rüeweloch. Ausführlich handelt Charles Schmidt, 
Strassburger Gassen und Hänsernamen -', 6(i if. über das 
Wort. Freilich halte ich dessen Erklärung (bummen von 
Dumherrn, domini; lod) ahd. lo, das lat. lucus) nicht für 
stichhaltig, bes. nach Würdigung der von ihm selbst an- 
geführten reichen Belege. 

bunben adv. 70, 78 da unten. 

burc^ ^in = hindurch, s. DWb. 2, 1628. 

burc^ l^in bt^ffen 35, 79; 49, 33 bildlich, sich durchschlageu, sich 
bemühen, erreichen; vgl. DWb. 2, \öS6 durchheissen. 

iuvä) l^in rt^ffen 27, 55 bildlich für durchsetzen, ausführen, er- 
füllen. DWb. 8, 7(i2; 4,2, 1413. 

buffen adv'. 79, 31 (mhd. du- en) draussen. DAVb. 2,856. 

bufe adv. 7, 96; 20, 16; 30,. 19; 33, 45 (mhd. du:;e = da il-e), 
w. ob. 

bü^ner, s. z. 16. 43. 

e. 

eben adj. 3, 57; 58, 4 geeignet, zusagend — adv. 1, 38 : 25, b; 
44, 55 ; 58,16 in gerader , richtiger passender Weise , auch 
schon in etwas abgeschwächter Bed. 12,41. DWb. 3, 7 ff. 

ed^ter 33, 69; Bf 33, 44 keine Komparativform (Gd.), sondern 
aus ediert (ahd. ekkorödo) nur, in der Bed. abgeschwächt, 
DWb. 3, 21 ; Schw. Jd. 1, 82. 

ebling m. 37, 14 Sohn edlen Geschlechts. DWb. 3, 28. 

ee i. 34, 107 Gesetz. DWb. 3, 39. 

eier dar n. 12. 22 ; 33, 36 ; 96, 20 Eiweiss. DWb. 3, 86. 

eigen 5, 158 (mhd. öugen) zeigen. DWb. 3, 96. 

eiö 9, 11 aus ein§, ebenso eh^ SZ 33, 1 ; von M. selbst als dia- 
lektische Form gefühlt, wie aus folgender Stelle hervor- 
geht: 2Ber aller tt»t?ber üntrüi» toei^t, 2)er rümt fid) beä be« 
fdjeiben fei^ (keines, keinmal, durchaus nicht) — SaSfei^ 
ift mir ent^faren i^^n, S)ag id} ein fodjerfperger b^n, GME2a. 

©I^Iin 50, 8, ©Ife 86, 47 häufig als Dirnenname. 

entnie entern, fid; 48, 21 früh etwas zu sich nehmen. DWb. 3, 
576. 

erbleden 67, 18 sichtbar werden. MhdWb. 1, 208 a. 

eren pl. 94, 69 ; @en f ant 2trbogaft faren t)r)n , ^n h?eiff en eren 
aeftric^en f^n, LN 1363f ; bie fragen ^attenb iciffe j'riUe^^er 



Glossar. 349 

»ffgefc^t I tonb tütffe eeren angelegt, Geiler Postill, :i Teil, 

fol. 46. Tücher. (Nicht im DWb.) 
crcren fiV», 2; 92, 146 erackern DWb. 3, 787. 
ere ivort, s. z. 73,53. 
ergaben 63, 7 ereilen, s. gaben, 
ergeben m. acc. d. P. u. gen. d. S. 24, 67, wie mhd. = vergessen 

machen, entschädigen; in mehr moderner Bedeut. 4!», .54. 

DWb. 3, S30. 
Grfiarbt m. 71, 3; MS 1002 appellativisch, ein Ehrenmann. 
€rl?it>en intr. 6, 4 ; 14, 93 heiss werden. DWb. 3, 841». 
erlecöenlS, 10 austrocknen. Lexer 1,648; DWb. 3, 895: 'nhd. 

Beleg des seltenen Worts gewährt mir des Alberus ertedö 

assiccesco, was mhd. wäre crliche.' 
«rlouffen 7, 85; 79,68; 87, 34 durch Laufen erreichen. DWb. 

3, 893. 
«rnf. 58, 61 ; 64, 64 (mhd. erwe, ahd. aran, am gen. erni). DWb. 

3,918. 
«rnei-eti 93, 90 heilen, erretten. DWb. 3, 919. 
€rnften 49, 30 ; 97, 110 ernst sein, reden. DWb. 3, 926. 
nftecfen trans. ersticken machen 2, 72; 13,89; 25, 43; 26, 51 ; 86, 

46; DWb. 3. 1005. — intrans. ersticken 14, 60; 17, 17; 96, 28. 
<r^iir>en ertragen, s. z. 60, 6. 
€fel§feige f. 1 2, 16 Eselskot. DWb. 3. 1 151. 
•effigfrilg * 18, 6 Mostkrug. Vgl. DWb. 3, 1 171. 
«rtrauaganbt 29, 61 extravagantes, Dekretalien, die im corp. 

iuris canonici clausum nicht enhalten sind und daher nicht 

die volle Autorität des Gesetzes haben. 

% imd t5. 

facittet n. 9, 51 Taschentuch, überh. Tüchlein. DWb. 3, 1226. 

1218; Schw. Jd. 1,1144. 
bagierer, s. z. 16, 41. 
fal m. 33, 25. 29 Erbschaftsabgabe. Frisch 1, 242: Schw. Jd. 1, 

735. 
taltenftr^c^er, s.z. 16,37. 
fanbt, s. allen fan§. 
faft adv. 12, 53; 26, 10. 59: 35, 22 u. o. (ahd. fasto, mhd. vaste) 

fest, sehr. DWb. 3, 1348. 



350 Glossar. 

fa^nacfit bu^ m. 44, 00 ; MS 657 zur Fastnacht vermummte Person, 
im weiteren Sinne wie Vogelscheuche. DWb. 2, .58ii. 

feberftuber, s. z. Ki, 37. 

feber f^ji^er m. 23, 45 Schreiber (mit schlechtem Nebensiun), s. 
Kap. 23 und DWb. 3, 14os. 

SSerten, äJeltin (!, 34 ; 1(5, 81 ; 25, 88. 94; 33, 80 ; 5(i, (58 ; 85, 4f3 Name 
eines Heiligen, volksetymologisch mit der fallenden Sucht 
zusammengebracht, daher als deren Schutzheiliger angesehen. 
DWb. 12, 7 f. 

berbemmen 48, 24; 78, 15 verprassen, s. bomntcn. 

»erben blüt n. 6, 129; 10, 30; 48,61; 93,23 (Belege aus M. AI. 
19, ]()). Nach DWb. 12, 206 u. Schw. Jd. 1, 995 soll Verden 
Entstellung aus Veiten sein; Stöber (Frommann, Mundarten 
6, 4) führt die Wendung als auf die St. Veitsplage bezüg- 
liche Formel auf. Beides ist unrichtig. Man könnte eher 
geneigt sein, an den hl. Ferdinand, Bisch, v. Granada. zu 
denken, von dem das Heiligen -Lexikon 1719, S. fis^ sagt: 
'Er starb Anno 1167 mit grossem Ruhm der Heiligkeit, und 
geschahen durch seine Reliquien viel Wunder, 14. May.' 
Doch gebraucht M. die Wendung nur bei Beteuerungen 
und führt, wenn er Heilige aufzählt, nie SSerben an, wohl 
aber dann stets Sßelten, S^eltlin (LN1795); s.o. Auch die 
Verbindungen des Wortes mit l^irn, fcfilct^ etc. lassen dar- 
auf schliessen, dass auf Christus selbst hingewiesen werden 
soll. Ich halte daher (id.s Erklärung: öerbcnblut = sanguis 
verendus für die wahrscheinlichste. 

öerfaren 9, 29 ; 35, 53 einen falschen Weg gehen, sich verirren, 
zu Grunde gehen. Lexer3, 285f; DAVb. 12, 256 f. 

beifcUen 40, 80 (= mhd.) zu Falle bringen. DWb. 12, 3ül. 

öerfengflid^ adj. 75, 21 wirksam. DWb. 12, 308. 

»ergeben« adv. 31,61 umsonst. DWb. 12, 389. 

»ergießt f. 23, 29 (mhd. veryiht Lexer 3, 117) Protokoll, Urteil, 
s. BWb. 869. 

beriefen 71, 41 ; 88, 23 sagen, versichern ; s. teilen. 

öerieutfien 32, 26 verjagen, s. ieuc^en. 

»ermanten, s. z. 82, 29. 

fern adv. 8, 67; 95, 139 (mhd. v'erne Lexer 3, 185) voriges 
Jahr, früher ; vgl. z. I^ür. DWb. 3, 1 535. 



Glossar. 351 

berniegen 25, 32 (AI. lit. l(i) mhd. vo-nüegen (Lexer 3. IMO) be- 
friedigen, zufriedenstellen. DWb. 12. 926. 

fernta adv. 33. 91 ; 50, 69 ; 95, 46 wie fern. DWb. 3. 153S ; Schw. 
Jd. 1, 1019. 

t)err6ren 1, 9 (mhd. verreren) dahin fallen lassen, vergiessen. 
Lexer 3, 201. 

berfc^ieffen, s. z. 2ii, 25. 

berfc^Iagen 2, 54 etwas verschwinden lassen, einem etwas weis- 
machen , oft von Gauklern gesagt. Gd. ; Z. z. XS 102, 53: 
MhdWb. 22, 378 b. 

berfpredien 7, 56: 26, 91 ; 41, 87 ; 52, 19 verteidigen, entschuldigen, 
MhdWb. 2 2, 530 '\ 

öerftan, s. Anm. z. 9, 65. 

öert^ünlid) adj. 69, 63 (vgl. V. 44) verschwenderisch. 

»ertragen SO, 119; SZ Entsch. 77: GMgS^ mhd. eines dinges 
vertrage» sin damit verschont, dessen überhoben sein — 
mit acc. d. Ö. u. dat. d. P. 92, 162 etwas jemand nachsichtig 
hingehen lassen. Lexer 3, 273. 

bertrt)ben 9, 84; 28,57; 7(), 53 verkaufen. Lexer 3, 275: BWb. 
641. 

berittatten, fid)79, 36; 86, 69 beim Waten zu tief hineingeraten 
(bildlich!), dass mans nicht bijfcfitinmnien (79, 58; 86, 70) kann. 
Vgl. 86, 76—79. 

berjie^en 21, 41. 49 (— mhd. Lexer 3, 319) hinhalten, hinziehen, 
verzögern. 

berjbf^en 25, 61 (mhd. rerzihen Lexer 3, 320) verzichten. 

fefen pl. 58, 60 Spreu, Hülsen, aber auch das Getreide (Spelt, 
Dinkel etc.) selbst. BWh. 3. 1554f.: Schw. Jd. 1. 1069. 

fibern 6, 50 (mhd. videren) mit Federn versehen, vgl. SZ 7, 14. 
bildlich: lügen. DWb. 3, 1(;27 : Schw. Jd. 1, 6S0. 

fiegen 71, 50; 78, 25 passen. DWb. 4, 1, 1, 391. 

bierling m. 38, 14 ein viertel Pfund. Lexer 3, 341 : BWb. 844. 

?5it 6, 35; 56, 68; S5iE 85, 47 der Schutzpatron der vom Veitstanz 
Befallenen. DWb. 12,46; Frommaun. Mundarten, 6, 2 ff. 

flamme f. 34, 70. 103 ein Besatz, wohl in Zackeuform, s. DWb. 
3, 1714. Vgl. auch GMfl», wo unter den Verzierungen 
der Kragen: ein für brunber, baö bebütet brbnnenbe liebe an- 
geführt ist. 



352 Glossar. 

■fol^ adv. r.ih (mhd. volles Lexer 3, 449) völlig; doch vgl. DWb 

3.1885; Stirlus 40 (aus boücnbg erklärt), 
öo^j^er, s. z. 16, 41. 
•toor adv. 5, 81; 21), 25; 72, 18: 92, 185 vorher, früher; erhalten 

z. B. in: nach wie vor, das hier lautet: noc^ at§ üor 3, 76; 

22, 51 ; 72, 20. 
•fortrat 29, 19 entstellt aus inforttat, s. SZ 2, 24. lut'ortiatum, der 

2. Teil der Digesten des Justinian. 
fi^m 19, 84: 24, 39 befreien, sichern. DWb. 4, 1, 1, 104. 
-friß ben ^^fennig m. 82, 83 appell. für einen Geldgierigen. Ueber 

ähnl. Bildungen s. Wackernagel Kl. Sehr. 3, 108 f. 
■fron adj. t)l, 39 (aus mhd. fröne, ahd. fröno) göttlich', heilig. 

DWb. 4,1, 1,231. 
-fr^ufn *43, 34 (davon fr6nung Y. 37, frimer V. 39) pfänden. 

DWb. 3, 1, 1, 236; Schw. Jd. 1, 1301. 
■fünbig adj. 71, 5. 46 gewandt in 
fimbtm. 15. 41; 27, 47; 29, 6: 34, 128 u. 0. List, Kniff, Mode 

(bes. nütoer funbt 86, 12. 79). DWb. 4, 1, 1, 531 tf. f^Jt^er f. 15, 

41 listiger Kunstgriff, s. Schw. Jd. 1,850: BWb. 726. 
-für abent, s. z. 8, 73. 

fürberlirf) adv. 83, 18 alsbald. DWb. 4, 1, 1, 717. 
fürgebiettcn 5, 40 vorladen. DWb. 4, 1, 1, 733. 
füvfouff m. 67, 14. 27 Das Aufkaufen namentlich des Weins, 

•Getreides u. Futters zu wucherischem Wiederverkauf. DWb. 

4,1,1,754. Eine Strassburger Verordnung gegen den für^ 

fouff bei Brucker 587 f. 
fürfa^ m. 69, 56 Versatz. Vgl. DWb. 4, 1, 1, 793. 
•fürfic^ adv. 2, 93; 47,2; 70 c vor, vorwärts, voran. DWb. 81, 

817. 
■fürtüc^ n. 29, 6 Schürze. DWb. 4, 1, 1, 920. 
■fii^ Ijalten, s. z. Kap. 29. 

geben pl. u. od. m. 70, 59 (uihd. n. koufgaäem) Laden. DWb. 4, 1, 

1, 1133; Schw. Jd. 2, 116. 
gagog 12,71 ein aus der Kindersprache übernommener Name 

für die Gans nach ihrem Schrei. DWb. 4, 1,1^1141. 
ga^e f. 85, 85 (= mhd. ; ahd. gähi) Uebereilung, Unbesonnenheit. 

DWb. 4, 1,1,1146. 



Glossar. 353 

cja^en 15, 62 (mhd. gdhen) eilen. 

ganfe f. 12, 70. 71 schon mhd. auch auf Männer angewandt zur 
Bezeichnung des Unerfahrenen, Niirrischen, Dummen. DWb. 
4. 1,1,1264. 
ganten S2, 30 versteigern. DWb. 4, 1, 1, 1284; Schw. Jd. 2, 379f. 

galtet m. od. n. SO, 130 gegittertes Thor. DWb. 4, 1. 1. 1502 ff. 

gedEen pl. m. 1, 79 (1, Sl damit wortspieleud) neben arwe Jacken. 
Schinder volkstümliche Bezeichnung der Armagnaken (ur- 
sprünglich nach dem Grafen Bernhard von Armagnac be- 
nannt), jener überaus rohen französischen Söldnertruppen, 
die 1439 und 1444 im Elsass schrecklich hausten und um 
deren Vertreibung mit Jüere sich besonders die Strassburger 
verdient gemacht haben. Genaueres .s. bei H. Witte, Die 
Armagnaken im Elsass 1439—1445. Ötrassb. lsS9 (Beitr. z. 
Land. u. Volkesk. v. Els.-Loth. XI). — S)ie gedEen (Narren, 
die Narretei) bertr^ben 9dist vielleicht noch wortspielend 
gemeint. 

geferbef 9,86; 19, 112; 32, 4(i; 4<». 64; 55.66; 75, 51 List. DWb. 
4,1,1,2074. 

geferbt adj. 82, 64: 94 c (mhd. ijevccre Lexerl, 957) eifrig strebend 
nach, versessen auf; hinterlistig. S. Z. z. NS 95, 36. 

gcffelö mul n. 11, 55; SZ 38, 9 (von geffeinmit Umlaut des Wurzel- 
worts gaffen, s. Grammatik 2, 115) Maulafte. DWb. 4, 1,1, 
1135 f. 

geilen 12, 27 (= mhd.) sich lustig macheu, lustig springen, 
DWb. 4, 1,2,2594. 

gelod) n. 60,15 (nl., nrh., mnd. gelach) Zeche, Schmaus, Gelage. 
DWb. 4, 1,2, 2845 ff. 

gemeinen 97, 85 meinen. DWb. 4, 1, 2,3251. 

g(e)meiner m. 60, 24 Teilhaber, s. Gemeiväer DWb. 4, 1,2, 
3245. 

gemer m. lo, 72 Gd. vermutet Jammer*. So ist auch im DWb. 
4,1,2,3276, wo ein eis. gemmerltcfi belegt wird, da.s Wort 
erklärt. Immerhin ist es zweifelhaft, ob man fürs El- 
.sässische ein Subst. gemer (mit L'mlautI) in diesem Sinne 
annehmen darf. (BWb. belegt ^aemer 1206, gemmem9l3). 
W scheint das Wort nicht mehr verstanden zu haben, denn 
es ist hier gross gedruckt, wie sonst nur die Fremdwörter, 
Namen und Titel. Mit einem bei Graft' 4. 208 belegten ahd. 

Muruer, NarrenbeachwOruug 23 



354 Glossar. 

cambri (gambari) agouia häiigt das Witrt wohl nicht zu- 
sammen. Vielleicht ist es verdruckt für gemel, Geilheit (BWb. 
910, DWb. 4, 1, 1, 1211 f.). Auch sei hervorgehobeu, dass im 
Schw. Jd. 2, 298 Gammer im 8inue vou Gammel belegt ist. 

geinlid^ adj. 12, 37; 26, 58 (mhd. (jemel{l)ich, ahd. gamanWi) 
mutwillig, ausgelassen. DWb. 4. 1. 1, 12(l9 f. 

g(e)nügfam 77, 27 wohl wie Genügsamkeit DWb. 4, 1,2, .'{515 
sufficieiitia. vgl. genuocsam stf. Lexer 1 , 866. 

gering, s. ring. 

g(e)fci^ma(f m. 57. .'J4 Duft, Geruch, alem. in dieser Bedeutung 
geblieben. Heyne, Deutsches Wb. 1, 1132. 

g(e)fd^ipinbt adv. 59. 6 listig. BWb 2. 637. Heyne 1. 1 137. 

g{e)fücb 30, .")S Zins. Wucher. Lexer 1. 937. 

getter n. 34 c. S2 Gitter. Flechtwerk, hier ein netzartiger Besatz 
DWb. ^,1,1, 150^. 

gid^t, s. jel^en. 

göbt m. 30. 22 (mhd. gm Gier, Habgier. DWb. 4, 1, 2, 2808. 

giener35, 56, gier S4, 62, gi;enne3l, 72, gtenf5 21.76, gt)nfe 15. 17 
Formen des pron. dem. jener. 

glil m. 25. 15 Anhd. g'il) betrügerische Picttelei. DWb. 4. I. 2. 
2591. 

gblen 25. 34 (mhd. gdcn) betteln. DWb. 4, 1, 2. 2596. 

gilt, gült (35, 89) f. 33, 6; 69, 37 : 75, 46; 92, 153; 95, 40 (mhd. 
gülte) Zinsabgabe , jährliche Kente , Steuer. Schw. Jd. 2, 
85 ff. 

ginen 11, 43 (=mhd.) das Maul aufsperren, gähnen. Schw. .Td. 
2, 328. 

g^n^, s. giener. 

gna^^en 44, 59 hinken, wackeln, meisteus im Ablautspiel mit 
dem synonymen 

gnipjjcn 44, 61 ; 64, 7; 70, 95; MS 1165. S. Lexer 1, 1041 ; Schw. 
Jd. 2,667. 669; DWb. 5, 1346. 

g6Uen 26, 57 in einer den Namen Gottes verhüllenden Be- 
teuerungsformel. S. Golli, Gölli Schw. Jd. 2, 217. 

goUer n. 34, 7 (mhd. kollier, gollier, frz. coUier aus lat. coUarium) 
ein modischer Hals- oder Hemdkragen. BWb. 893 f. ; Schw. 
Jd. 2, 217. 

g6tte m. (pl.) 3, 133 Pate. Schw. Jd. 2, 527. 

gott geb, e§ fd^ab 6, 24 = möge es auch schaden, — it>a41,34 



I 



Glossar. 355 

= wo immer auch. n. ä. :Mi c ; 51 . 59 : ßu. 14: 62. 37 : 91.31; 95. 
1 7 1 (als beteixernder Ausruf ^3. 5). Ueber diesen fast zur Par- 
tikel gewordenen Ausdruck yal. Grammat. 3 (n. Abdr.), 67; 
BWb. 1.960. Zusammenstellung aus dem LN bei Kurz 220. 

gott geb, gott grieß 5 a; 32. 91 ; 5-1. 55 ; Bf 34. 35 (des Keims wegen 
umgestellt) GM h 4^' ; LN 21S4 formelhaft für: es sei, wie ihm 
wolle, mich kümmerts nicht. S. Z. z. NS57, 21. 

gpuc^m. 2, S4; 6a; *S6n. o. eig. Kuckuck, dann Thor, bes. 
Weibernarr. MhdWb. 1 . 55S ^' : Z. NS Einl. XLYIII. 

gpucfi icfcim^ff m. 9. 47 Narrenposse. 

gramjjen 7S. 39 Kleinhandel, heimlichen Tausch treiben. Scliw. 
Jd. 2. 73t». Die Ableitung von framen (Gd.) ist unrichtig. 

granerin, s. z. 16, 43. 

grantner, s. z. 16, 41. 

Qirebt f 44, 1 , ©rebtlin 50. S. 25. 9J}argrebt SO. 35 appell. f. e. gemeine 
AVeibsperson. Wackeruagel Kl. Sehr. 3. 132. 137; Schw Jd. 
2, S24. 

(^>rebt nuiUerin 5, 119: 6, 121 ; 11. loO: 12. 7b. 61; SZ 1. 26 (hier 
wird als eius der Themen in den Blauentenpredigten h?ie 
greb niiUerlMt iorjcit irerbt angegeben; mit @rebt SUiiUerin ^ar- 
3eit beschäftigt sich, wie schon auf dem Titel dieses Buches 
steht, die MS gründlich) landesübliche Bezeichnung einer 
anrüchigen Weibsperson, ^'gl. ©rebt. 

grenipe m. 07. 40 Kleinhändler. Krämer. Trödler. Schw. Jd. 2, 
737: DWb. 5, 20(i7. 

gremVlerin f. 67, 52 Händlerin. Hökerin. Schw. .Id. 2, 73s. Z. 
z. KS102, 7>>. 

griff m. 1, 24 Kunstgrift". Kiiift". Z. z. NS 1, 2. 

giife, s. z. 19, 107. 

grobian m. 10,90; IS, 87. Vgl. NS 72. Auch Brant fand den 
Namen bereits vor; er ist zuerst nachgewiesen iu Zeiningers 
Vocabularius theutonicus 14s2 als Uebersetzung für rusticus. 
S. Häuften. Scheidt 22. 

grollen pl. m. 95, 21 3Bir himment ^e^t fff anbre ftollen 35nb 
bringen l^ar bie rechten grollen, Ketzere 3 »; fnb treutven, ipo 
ft) nit ir rebe önterlaffen | fo hjel er bie reti^ten groüen fagen| 
bag fcboijff ben galgen ruren muf;, GM f 4»; ^d^ iril bie redbten 
groüen bringen, bie bienftlicb fein jü önfern bingen, LN 12041'.; 
Xai ift ber recbt groI, ift geivi|, •2)er bejn bie äugen beib Dfe; 

23* 



356 Glossar. 

bij;, LN 3867 f. Groll? aber wohl in stärkerer Bedeutung; 

oder Schrulle, Streich (ndl. groll ^ Fasse) '^ S. Grollen m. 

Schw. Jd. 2, 730; BWb. <t<)4; Lexer 3, 220. 
gromen m., s. z. l'.t. 107. 
giiden 6, 90; *'86b den Gauchs (Kuckucks) ruf ausstossen, sich 

wie ein Gauch, Narr benehmen. 
giUt, s. gilt, 
gum^en SOc; 83, 65 hüpfen, springen. Lexer 1, 11 IS; Schw, Jd. 

2, 312. 

Isafen ra. 8, 45 ; 1b, 2 u. o. Topf. DWb. 4, 2, 120 ff. 

,S>anfcn pl. 6, 29, W groä Raufen, wie Rollw. 29, 24; 142, 22 

vornehme Leute — mit den Kaufherrn der Hansa (Balke) 

hat das Wort nichts zu schaffen. Vgl. Wackernagel, Kl. 

Sehr. 3, 133 ff. Zahlreiche Belege bei (Id. und iui DWb. 4, 

2, 456. 
\)ax t»ff i)ax, s. z. 16, 15. 
l^efftlin n. 26, 63 ein das Kleid zusammenhaltendes Instrument. 

DWb. 4, 2, 136. 'Häftli, Häklein, das z. B. in die Schlinge 

an einem Schnürleibchen gebraucht wird,' Schw. Jd. 2, 1053. 
öein^man, s. z. 19, 11. 
.'öenfelin 88, 34; SZ 12, 4o appell. für Lotterbuben. Wackernagel, 

Kl. Sehr. 3, 132. 
I^er^ iar ritt(en)m. 95, 65. 103; SZ borebt 87; 5, 40 u. o. häufig in 

Flüchen wie ritt (s. d.); über iar ritte, Fieber, welches das 

ganze Jahr hindurch währt, s. DWb. 4, 2, 2247, und vgl. 2)u 

^aft 'i>in rtittcn öff blin ^er^, GM j 4^. 
I^l;melrhc^ n. * 59, 7, s. Anm. 

I^inbcrfeljen 12, 77, W ^inbcr fid^ feigen, sich umsehen. 
I^iu burdj l^in, s. z. 27, 55. 
^inberfict) 7, 74; 12, 24 'capitur adverbialiter et pro una 

dictioue, Voc. ine. theut. k 1 '■," rückwärts, zurück. DWb. 4, 

2, 1493 f. 
I^infcl^ f. 95, 78 (vgl. Anm.); ^ünfd) GM y 2« Pest. DWb. 4, 2, 

1468; Schw. Jd. 2,1475. 
l)infd^mucfen, s. fdjmucfen. 
^t)^iocra§ 93a; 94, 15, i'l^^i'craei 30, ii Ilippokrates, der be- 



Glossar. 357 

rühmte Arzt; nach ihm wurde eine Art Würatrank benannt 
(94,41). S. DWb. 4, 2, 1555. 

t)Offiercr m. 22, 34 von 

bofieren *22c; 50.54; 5:{, 5b sich höfisch, höflich zeigen, 
schmeicheln, bes. den Frauen, Ständchen bringen. DWb. 4, 
2, 1681 ff. 

I^ül^ bod m. 70, 9b Schimpfwort für Ungeschickte. DWb. 4, 2, 
1768. 

I)ol|icl^iid&m. 12,81 Ueberscliuh, der wesentlich aus einer hölzernen 
Sohle bestand. DWb. 4, 2, 17^0. 

büuJJtfuni f. 20, 57: 25, 60 Kapital. DWb. 4, 2, 634. 

ttuffen 4H. 15 (mhd. /*/>/'"• alid. hüfov) häufen. DWb. 4. 2, 591. 

l?ungerifdi, s. z. 88, 15. 

^ü})))en büb m. 16, 92 Knabe, der Hippen, ein noch jetzt in vielen 
Gegenden (z. B. der Schweiz und Oesterreichs) bekanntes 
Backwerk, feiltrug und ausschrie. Vgl. SZ 13. Die Hippeu- 
bubeu standen wegen ihrer Fertigkeit im Schmähen und 
Schelten in schlechtem Ruf. DWb. 4, 2, 1553. 

^uj>recfit 6. 34 der hl. Hubert, erster Bischof von Lüttich (gest. 
728), der schon im 10. Jh. als Schutzpatron der Jäger 
verehrt wurde. Wetzer- Weites Kirchenlexikon 6, 322 ff. 

Mir afg fern adv. 2, 100: 6, 80: 10, 35; 12, 70; 93. 99 häufig ver- 
bunden: heuer wie im vorigen Jahre, früher wie jetzt, immer. 
Vgl. z. fern. Z. z. NS 34 b. 

3. 

id^e, s. z. 44. 47. 

Memang, s. z. 2, 64. 

tjenbert adv. 1, 12; 5, 88 (mhd. iener) irgendwo, irgendwie, je. 

DWb. 4, 2, 2042. 
9)lfan 2, 17 der unternehmende Mönch aus dem Rosengarten, 

Hildebrants Bnider. Bei Brant NS 72, 25 ©ttifam. 
infel f. 35, 97 infula, Bischofshut. DWb. 4, 2, 2112. 
\m'i}iv bocfien, s. bedien. 
5}j)ocraS, s. ^^^)ocra§. 
'J)nncltrut, 9)rmcrtrütnn 25, 74 ; 47, lo. 12 appell. für ein trütlin, 

Liebchen, 
trte f. 10, 55; 65, 58; 88, 42; AI. 19. 5 Zeche. DWb. 4, 2. 2180. 
ir^en, fiel), s. z. 73, 24. 

23** 



358 Glossar. 

iarne,^^t n. 3:i, 71 (mlid. Järgezif) die Abgabe bei der kirehliehen 
Jahresfeier um Verstorbene. S. Jahrzeit 3) D\Yb.4, 2, 22A9. 

id;en 26, 6S; 27. 41 : 32, 74; 4.i, ()2 ; 53, 15 (= iiihd.: ahd. jehm}) 
sagen, sprechen. DWb. 4, 2, 22Vtb. 

teuften 7, 16 jagen. Z. z. NS 13 a; DWb. 4, 2, 2325. 

jocobö brilber m. 1, 84 Wallfahrer nach St. Jacob de Couipo- 
stella. Das Pilgerabzeicheu war ein Muschelschmuck. Vgl.: 
Wickram, 2)er '^xv reitenb 93tlger. Qm hix^\iml\%^ Sud'Iein 
t»ou einem gvoffcn Ferren, ber ficfi in groffem linbernuit jü beni 
ferren fanct ^acob l'erbciiien etc. Stvafeb. 1556. DWb. 4, 2, 
2202. 

iuben \pit%, s. z. Kap. 67. 

Ä und 6. 

fam^ffrab n. 66, 52. 56 Kammrad (als Marterwerkzeug). DWb. 
5, 133. 

tantef. IS, 2; 93, 42 cantharus. Kanne. DWb. 5, 172. 

fard^ m. 35, 12S (mhd. knrrech, ahd. karruh aus lat. corracn) 
zweirädriger Karren. DWb. 5. 207. 

farntefierer, s. z. 16, 42. 

Ä(atberi)n 18. 14, vgl. z. 74. 3^; Irtrn 77, 2 ; 5?etterttin 65, 66 Dirnen- 
name. Vgl. ©retün, fetterlin t>nb el§, LN 1524. S. Wacker- 
nagel, Kl. Sehr. 3, 14S. 

ta^enrein adj. 14. 63; 27,2; 39,9; *44; SZ 35, 12 rein 'wie ge- 
leckt", bildlich, s. DWb. 5, 299; bei M. besonders häufig 
ironisch von koketten Frauen. 

fcfete 90, 43 wie !adtreffen SZ 18, 3(i v. frz. caqueter schwatzen. 

Uihiv ar|et, s. z. Kap. 30. 

feiler m. * 48 (mhd. kellcere, lt. cellarius) Schaftner. Keller- 
meister, 'Kellner'. DWb. 5, 515. 

fern m. 58, 47. 60 ; 64, 65 Dinkel, Spelt, das südd. Brotgetreide. 
S. DWb. 5, 595 u. Anm. z. 58, 47. 

Äetterltin, s. Äatl^ert>n. 

feub (auch B u. W so) m. 41, 14 cadaver. DWb, 5, 431 ; Strassb. 
Stud. 2, 182. 

dirifam 85, 60 (vgl. Anm.); 93, 124 chrisma, das geweihte Oel. 
von dessen Verwendung M. in der Bf 30, 34 ft'. spricht. 

daffen 14, 08; 36, 24 schwatzen (tadelnd) DWb. 5, s95. 



Glossar. 359 

i(aVV'*^r bcncfltii ii. 11. 4!" etwa Plaiidertischleiu, DWb. 5, vUi6. 

i(a)3V'erii ll-^4; 00, 18 plauderu. klatschen. DWb. 5. OT."^. 

clajj^jcr tefc^f. 11.47 Klatschmaul. DWb. .^. '.»Tb. 

flcncfcr, s. z. IH, 42. 

fncUen f.T. 3S knallen, krachen, knacken. DWb. 5, 14 in. 

iloc^erf^jerg 34, 116: *.t5, 74 das truchtbare Hügelland 2 Stunden 
westlich von Strassbiirg (Stöber, ALsatia 1S58 S. 69, Aniu. 8). 
Vgl. SZ 31, 17: GM E 'l-^ (.s.u. ei§): LN ISo-d; 4187 (s. ZfdP 2(i, 
205). Die Grobheit der Kochersberger ist noch heute im 
Elsass sprichwr.rtlich. S. Lienhart. MA. d. uiittl. Zoruthals. 
Als. Stud. 1.:^. 

coUatton f. 5, 150; 4b. :)6 Nachtisch zur Abeudmahlzeit. Vgl. 
BWb. 1, 1237. 

fi'^:'^?etg fnabe m. 32, ti; W f6^)ftel5 fnabe. Bed. nicht sicher. Z. 
z. NS 17, 30 vermutet mit guten Gründen: Baderknecht 
ifcpfen = schröpfen), (^d.: -Knappen, die fojj^^en, aiiffc^^en, 
sich aufleimen, aufrühreri.sche Untergebene';, aber fop^^cn, 
aufto^pen ist in diesem Sinne gewiss nicht zu belegen. 
DWb. 5, 17SH: LeiUe verdächtigen Gewerbes (Kuppler). Bei 
.M. würde das Wort dann zum Scliimpf verallgemeinert sein. 
— Ob man nicht vielleicht an fopjjen, f^j-U^eln, kastrieren 
(s. BWb. 1271 : DWb. 5, 1780) zu denken hat? 

foren {: ioren) 71, 20 wählen. Vgl. DWb. 5, ISOS, wo vermutet 
wird . dass Schottel dieses Bücheruort zuerst angesetzt 
habe. 

fohf. 31, 24; SO. 103 Dirne. DWb. 5, lool. 

foiiffiuanfc6a^ m. 67, 50. 63 (ttbben) Handel. DWb. 5, 340. 

I6ufler m. 44, 04 Trödler. DWb. 5, 335. 

fragen m. 5, 149; 17, 13; IS, 53; 48, 31; 78, IS: 93, 12 (geler, s. 
Anm.) Hals. DWb. 5, 1057. 

frammen, kratzen, betasten (DAVb.5. 2004),in crimen (ünb) traiunicn 
50. 1 4 (W h-a^en, also Ablautspiel, vgl. DWb. 5, 2345); GM 
X 2=^ (hier für einkritzeln). 

Cvlnnl^ilt 17, 00; MS 71: 10^2 appell. für eitle, hochmütige 
Weiber. S. Z. z. NS 44. 12. 

cvi^cit 50, 14 : 80b. 44 ; 86, 88 kratzen (DWb. 5, 2345). S. Iranuiicn. 

fronten 9, 107; 14,84 ein Geschenk kaufen, vom Jahrmarkt 
etwas mitbringen. DWb 5, 1005. 

fruffllofe adj. 05, 112: LN 3355; 41 lO.V S. DWb. 5, 2430. 



360 Glossar. 

füben 81, 24 eine mehr ndd. Form. s. DWb. 5, •24S>5. W fübel. 

lunbt — kommt, s. Anm. z. 11, lOS. 

fünft f. 6, !)4; '.ttj, 17 Wissenschaft. Ö. Z. z. NS 27 a; DWb. 5, 
2668 ff. 

fu^peln, s. Aum. z. 28, 15. 

Äürein, Äürin 6, 34; 25,90.94; 56,(16; 85, 46 der hl. Quirinus, 
Schutzheiliger gegen mancherlei Krankheiten. DWb. 5, 2801. 

fuvh 5, 48 interjektionell : um es kurz zu sagen, s. DWb. 5, 2841 ; 
dafür häufiger fur^ ab, 33, 31 ; 47, 57; 85, 56; 92, 74. 

für^ner, s. z. 16, 43. 

lüffen, üffen, s. z. 16d. 

lutlen pl. 68, 44 Eingeweide. DWb. 5, 2899 — hier aber wohl 
deren Inhalt. Vgl. Küttel DWb. 5, 2896. 

futtel iDauft m. 14,67 derb für Bauch, etwa Drcchcanst ent- 
sprechend. 

lu^en ftr^d^er, s. z. 16, 37. 

2. 
Sam^red^t 29, 15 der Jurist Lambertinus de Ramponibus, gest. 

1304. 
laffen, s. z. 85, 36. 
Sauhjel 20, 24 (Nicolaus?) auf läueln schlapp seiu (BWb. Uüo) 

bezogen, gewöhnlich appell. f. einen dummen Menschen. 

Wackernagel, Kl. Sehr. 3, 1 o2. 
lec^t adv. 8d; 44, 26 (mlid. lihtc); üiUecfjt 97,72 SZ 34, 39; Bf 

32, 70 vielleicht, etwa. Vgl. BWb. 1429. 
leder m. 26, 54; 36, 38; 45, 42 ; 82, 72 Laffe, Schmarotzer, Schuft. 

DWb. 6, 482. 
leblin n. 44, 10 (mhd. ledelin) Kästchen. DWb. 6, 52. 
leffel, s. I6ffer. 

leimen, ben, flo^ffcn, s. z. 79, 19. 

lern f. 7, 46 (mhd. lerne, ahd. l&ini), W temb (mhd. letnede) Lahm- 
heit. DWb. 6, 74. 
lenbtlid^ adj. 95, 82der Landessitte gemäss. DWb. 6, 124. 
Sen^, s. £oren|. 
leren, lehren z. B. 1, 13; 2,5; 4, 149; 13, 59; lernen z. B. 2, 17; 

39,95; 71,55:85,81. 
lernen, lernen 12, 14. 69; 15, 69; lehren z. B. 2, 55; 11,52; 85, 

50; 94,12. 



Glossar. 361 

Icfcn D. 42, 4!» Buch-, Sclirift. DWb. 6, 7S6. 

Ie| adj. 26. 31 ; 40, 61 ; 42, 92 verkehrt. DWb. 6. 795. 

leuffig adj. 63. 60 bewandert, weiterfahren, schlau; Jueltleüfftg 
14,52. DWb. 6, 331. 

Ihcfmamö, 75; 6, 142. 155; 20,11; 29,10; 42 a: 6Sc; 7^.7.21; 
92,4; l^c^ant 60, 12 (wie fetc^am, Schimpf u. Erust 327, Ki") 
aus der Beteuerungsfurmel ^olj l^d^nam abgeschwächt, dieut 
zur Verstärkung von Adjektiven und Adverbien. DWb. 6, 
627 f. 

Uid^tern 42, 44 (mhd. lihtern) leichter machen, erleichtern. DWb. 
(i, 664. 

ü;ben, fic^ 5, 18it; 31, ho; (»7, 34 sich ergeben, geduldig sein. 
DWb. 6, 641. 

liberne, 118; 61, 54 gerben, zurichten; gelibert, beschlagen, er- 
fahren sein. Aus dem Wegspruch gen Regensburg c 3^ führt 
Gd. 2)u bift gelibert im begret au. Im DWb. in dieser Bad., 
die wohl aucli ein Wortw itz mit gelehrt veranlasst hat, nicht 
belegt. 

ll^blicf) adj. 40, 92 (mhd. IcJelich) tolerabilis. DWb. 6, 678. 

iitenf^art, .s. z. 34, 49. 

I6ffel m. *S: 27, 5 Weiterbildung von laffe, — Narr, Geck, häutig 
im Wortspiel mit Löffel cochlear. DAVb. 6, 1120. 

U^ffel f^ol^ u. S, 17. 34; 8Z 2'^, 32. Die letzte Stelle führt DWb. 
6, 1 1 25 au und erklärt : "Holz, worein in den Küchen die 
Koch- oder die Rührlöffel gesteckt oder gehängt werden, 
Löffelbrett.' Jedoch bedeutet es nichts anderes als Holz 
zum Löffel. Löffel. 

I6fler^ i'- S, 6 läppisches Thun. DWb. 6, 1127. 

I6flin 8, 24 f. zu r&ffer, s. d. 

Soren^ m. *11, 15; *48: Scn^ 65, 37. 49 meist appell. für einen 
Faulen und Schlemmer. Vgl. Wackernagel. Kl. Sehr. 3, 165. 

lüfe f. 10. 91 ; SZ 21.5 (mhd. lose) Mutterschwein. DWb. 6, 1186 

lottev [Jjetliu n., s. z. 77, 44. 

IüuJd f. 44, 1 7. 24 (über w für g nach ou s. Stirius 32) Lauge, 
ein Farbstoff. DWb. (i. 33s. 

ludfef., s. z. 14,45. 

lang f. 80. 103. 125 Dirne. S. In» gel DWb. 6, 1304. 

lungen pl. 68, 43 Rossäpfel. ZfdP 24, 37. 285. 

lu^ffen 15, 75 heben, entheben. DWb. 6, 1310. 



362 Trlossar. 

lürliö bab, lüvliö tl^anbt, s. z. Kap. Cl. 

luffeu 37, 49 (mhd. ln:.en) sich versteckt halteu, auflauern, auf 

den Anstand gehen. DWb. 6, 363. 
[ü^bü^el m. !iß, 27 Läusehügel, Kopf; ülier bü^el s. DWb. 2, -J'J(i. 
lutenll) n. 32, 4Ö dem. von lute, Laute? Dann bildlich für 

Nichtiges, Albernes. Vorgespiegeltes. Vgl. z. 29, 52 u. LN 27(i2 f. 
lutcr adv. 72, 7 völlig, durchaus. DWb. 6, 384. 

mad^en (Kinder) 4, 103 ; 39, S7 : 77, 39 noch nicht als derber Aus- 
druck gebraucht; hier von Frauen : gebären. Z. z. NS 49, 2(t ; 
DWb. 6, imi 

fliai-gvebt, s. ©rebt. 

martern 0, 31 ; Sl, 6b ; 9.5, 71 bei Christi Marter (s. Sl , 39) .schwören, 
fluchen. S. DWb. 6, 108(i u. Anm. z. 6, 31. 

luaffen tl,(il(mhd. mäzen. ahd. niäzöv) massigen, luichlasseii, 
aufhören machen. DWb. <i, 173S. 

incgve f. 75, 16 Magerkeit. DWb. 6, 1444. 

meinen 31, 30 gesinnt sein gegen. DWb. 6, 1929. 

meifterftanbt m. 67. (i4 meisterhafte Stellung (svohl vom Fechten), 
bildlich im Aveiteren Sinne. 

meifterftreid; m. 49. 5S; b7, 39 meisterhafter Streich beimFechten: 
oft bildlich, s. DWb. 6, 19S0. 

nterre f. 37, 6 (mhd. merhe, ahd. mcriha) Stute, Mähre. l>Wb. 
(•), 1467. 

merhen falb u. ls, 65lm März wurden die Schafe etc. ausge- 
sondert; s. Merzschuf und merzen DW^b. 6, 2110. merken 
falb hier im übertragenen Sinne als Schimpfwort = ein 
Verworfener. In de fide meretr. Z. Univ. 82, 16 wird das 
Wort unter die (beschimpfenden) Attributa, quae meretriccs 
dant suis amatoribus gestellt, ^'gl. meii.ien ftnbt SZ26, 25; 
41,7; LN 3887. Gd.s Erklärung: 'das im März geworfene 
Kalb, fettes Kalb, für einen ungeschlachten Menschen über- 
haupt*, ist wenig einleuchtend. 

^yie^f. 18, 14 zunächst Koseform für ahd. Mehtüt, Mafhilf, 
dann in allgemeiner Verwendung tür Mädchen , Bauern- 
mädchen, zunächst ohne, dann mit uuehrbarem Nebeusinu 
(melengfdiefft 20, 35). DWb. 6, 21 49 ff. : Wackern. Kl. Sehr. 
3, 166. 



Glossar. 363 

mcl?igf. 11, 45 Schlacht-, Fleischbank. DWb. K, 2 1.^5. 

mid^cl adj. (= mhd.) 12, 73: 14, «tl :'41, 39 gross. DWb. H, -iltiO. 

iittcbe 1. 74,7 ('uihd. mi'tede, ahd. wHodi) das Müdesein. DWb. 
(1. 2620. 

mictte f. 27, 4S: «^2. VIS (inhd. nüetp. ahd. mieta) Gabe, Geschenk. 
DWb. r.. 217(1. 

3JJo)ite flafc^fon SS, :{7 die it. Stadt Monte Fiascone. vi>n deren 
guten Weinen viel in Schwänken erzählt wird (flafd^fon 
natürlich wegen Flasche I). Z. z. NS 1 08, 7. 

nicr f. 1 >-, '^c, : .i3. 5S -. AI. 11t, s Sau. DWb. G, 2.326. 

ntüibe to *^.5a eine erweiterte Form, auf Verbindung des Aus- 
rufs io (Grammatik 3, 212 u. Abdr.) mit einer mhd. Form 
mordä zurückgehend. DWb. 6. 2547. 

muff, Ccn, fc^Ia^n !•. *^2; 7o, 46 tft mit geberben cie nag rümpfen 
ober efiel§ oren mad^en. Geiler, Siiud. d. Munds 35; in. dem- 
selben Sinne: muff fprecfien S4, 35, alsn nicht mit Od.: •unver- 
ständlich reden". S. DWb. 6, 2622. 

mum, mum, s. z. 5;i, 45. 

muß (pl. ":') 54, 13 aus dem Rotwelscli. Geld fhebr. »jooits Gaben, 
Geld). DWb. 6. 2521. 

mut, frtier 17, 37: 35 a. 3. 5<i := guter mut, fröhliches Leben, 
Lustbarkeit. Schmaus, s. BWb. u;'.i5. Im DWb. 6, 2786 f. 
ist diese Bed. nicht genügend hervorgehoben. 

mAtltn n. 54, 34, dem. v. mut, s. d. vor. 

ntuften 2t), 72. 76 : 41 , 43 ; 44. 1 1 : 71. *>6 ; 74, 74 : 94, 53 schmücken, 
putzen. DWb. 6, 2841. 



nackten adv. 6S, 3o (mhd. nehten) vergangene Nacht, gestern. 
DWb. 7, 173. 

naF)er fummen, s. z. 21. 4t). 

narren fofben m. 2, 16 Abzeichen und Watfe des Narren. 

naffer fnab m. t;o. 48: S2. 7; SZ 23 : naff er funbe 81, 4" Trunken- 
bold, Schlemmer, loser Mensch. DWb 7. 423. 

ncftel f od. m. 26, 5ti: 54. 2it ein schmales Band, als gering- 
fügige, wertlose Sache. DWb. 7, 628. 

ne^ett42, (19 fact. zu na'ip, wotür seit dem 17. Jh. näffen. DWb. 
7, 640. 

uienan adv. 68, 11 (mhd, nknän) nirgend. DWb. 7, 829. 



364 Glossar. 

nicnbert adv. 1, 10; 5, 22; Ib, 3; H), 1)8; 28, 37; 86, 33 (inhd. 

niener, niender) nirgend, in abgeschwächter Bed. blosse 

Verbalnegation. DWb. 7, 830. 
nobi§ l^u^, in nobi§ l^ufj u. 7, 95; 30, 20 (vom griech-lat. m 

abysso) Bezeichnung der Hülle. Vgl. DWb. 7, 862 if. 
nod^ adv. nachher, s. öor. — conj. 5, 180; 10,6; 18,57.61; 20, 

14; 25,25; 92, 43 dennoch. DWb. 7,871. 
3JoIl^art m. 25, 64 aus 2oÜI;art, Schimpfname für schlechte 

Mönche, bes. auf die Begharden bezogen. DWb. 6, 1144; 

7, 879. 
nun conj. (mhd. niuican) 2,30; 15,57; 50,19 u. o. nur 6, 134 

nur. 

D. 

üd)a interj. 27, 26; 60. 29 (mhd. och mit verstärkendem ä) DWb. 
7, 1129. 

official m. 20, 9. 63 der Stellvertreter des Bischofs in Gerichts- 
angelegenheiten. DWb. 7, 1183. 

ort n. 3, 2; 26, 83; 40d. 33; 44, 62; 55, 27; 80, 127; örtUn n. 3, 
8 ; 5, 88 Platz, Winkel, ^ün orten (wie die Zipfel eines Tuchs) 
jamen fd^tagen 95, 147 ; LN 3S65 bildlich für kurz und bündig 
zusammenfassen. DWb. 7, 1353. 58. 

«U s. 33. 

redten 5, 29. 133 rechneu. 

rcc^tfc^ulbig adj. 93, 1 1 7 richtig. DWb. 8, 429. 

rebgcbig adj. 30, 12; GMe2a: LN 3998 redselig, wie redgebe 

DWb. 8, 475. 
reg m. 3, 93 Regen (s. DWb. 8, 504), nicht Regung (Balke), 

jtittiger r. (ebenso 56, 73) bildlich für durchaus passend, an 

der Zeit, 
regen 29, 4; *49, 5; 80, 139 regnen. DWb. 8, 544. 
r^d^en 48, 48 (mhd. riclien, ahd. riehen) reich sein, werden. 

DWb. 8,591. 
ridfiig adj. 35, 6; rid^üdE) GM b 2>'; t 4'» zur Rache geneigt, wie 

rächig DWb. 8, 30. 
t^ff m., s. z. 18, 88. 
rintfen randfenS, s. z. 16, 7. 



Glossar. 365 

rincflcu '*3c; AI. 19, IJ schnallen, übertr.: fügen. DWb. b, 1018. 

iRl'nfal 04, 42 ein berühmter Südwein, vinum rivale — aus 
Rivoglii), Rivoli od. RivaUo? S. DWb. S, 700 f. 

ring adj. u. adv. 1, 9U; 35c; 43, 14; 55, 16; 70,20; 77, 4b; Qi-- 
ring 6. 129 leicht, schnell, gering. Z. z. NS 6, 13 ; DWb. 4, 1 . 
2, 3690. 

riV§ t)nb rap^ 2J. ;{i) vap§, v. iterat. rapfen zu ra^jp«" raffen, im 
Ablautspiel mit rt^§ iuterj. od. adv. zur Bezeichnung grosser 
Schnelligkeit, ripfuö ronpfuS machen 82, 27 scherzhafte Bil- 
dung, dass., nur liegt hier der Begriff des schnellen Rauhens 
noch vor. 'rippes rappes, rapere id quod quilibet potesf. 
voc. V. 1663 bei Schöpf 557. DWb. 8, 121. 103S. 

ritt, ritten m. 16, 3; 33,27; 76,27 Fieber, bes. häufig in der 
Verwünschung bag bid^ etc. ber ritt(en) fd^itt (schüttle) 31, 
92; S2, 32; 86, 48; vgl. berK iar ritt. S. DW^b. 8, 1051 f. 

r6rcn 6, 69 fallen lassen, vergiesseu. Vgl. berrßren. 

rofen, bnber ber, fagen s. z. 36, 36. 

rofetoaffer n. 21, 'S fmhd. rösen- u. rösicazzer) Roseuwasser. 
DWb. s, 1225. 

rotlüelfd^ u. 16. 45 Gaunersprache. DWb. 8, 1324. 

rumen 6. 115 raunen, flüstern, keineswegs 'von der Stimme 
des Esels" (Gd.) , wenn auch bei Braut NS 78, 4 einmal in 
dieser Anwendung; s. aber dort den Zusammenhang. Vgl. 
DWb. 8, 290. 

rünfelin n. 21, 58 (mhd. r'unsclin) Bächlein; vgl. Anm. u. DWb. 
8, 1523. 

nilüIenSl, 36, W rül^Ien, schreien (von Tieren), gnmzen. DWb. 
8,1476. 

^. 

facf m. * 13 ; *22a Bezeichnung fauler und unzüchtiger Weiber. 

DWb. 8, 1616 f. ; vgl. Z. z. NS 6, 65. 
fadhnan m. Trossknecht, Räuber, f. machen 75, 31 ; LN 705; 2817; 

3256 plündern, rauben. DWb. S, 1624 f. 
fagf. 2, 53; 5.145: 7, 17; 14, 11; 93,43; 94, 50 Rede. MhdWh. 

2,2,14; DWb. 8, 1644 f. 
fd^alteu 16, 58 stossen, schieben. DWb. 8, 2100 ff. 
jd^omjjer adj. 22,3; 26,43; 74,49.56; 79,1; 92,142 unzüchtig 



366 Glossar. 

schandbar. S. schambeere Lexcr 2 . ti4'.t iitxl schavdebcere, 

das. 656. 
fc^anbeninafer, s. z. 16, 4(i. 
fd)cfftrin n. 26, 50 ; 41,48; SZ 45. Hl ; ^r brüftüi Dff ein fd^efftlti 

ftellen, al§ ob fie fie berfauffen iiunicn (vgl. 44, 22 nud GM 

g8i': ©tellftu äü iiiarcft benn bbne brüft), MS 646; banimb fe^ 

id^ alle \vi^ bnb öernunft uff ein fc^efftün, LN Vorrede S. 3. 

Nach diesen Belegen ist fc^iefftlin wohl ein Gestell, auf das 

man zum Verkauf Waren legte, hier in allen Fällen bildlich. 

Vgl. DWb. 8, 2(134 : gcbäffleiu n., diui. zu fcf)aff, Getäss .... 

•auch mit Anlehnung an fcbaft, fdmfftle, ^iiin büdieren, foruli, 

plutei, Maaler 345».' 
fci;ieUig adj. 9, 37; 15,37; 47,50: 4i), 41; On, 15; AI. 19. 12 wild, 

aufgeregt, unsinnig. S. Z. z. NS 110, 34. 
fdietm m. homo nequam; die alte Bedeutung cadaver bei M. 

nur noch im Nebensinu (s. 71, öi). 63). Ueber die Bedeutungs- 

wandluug und Belege des Wortes s. PBB IS, öl ft". 
[d,iclmcn bein n. ursprünglich Toteuknocheu (s. Z. z. NS 85, 122), 

bei M. nur anspielend noch in diesem Sinne; es ist hier 

Bein, Knochen eines fcbelmen, bes. eines solchen, der zur 

secta pigrorum gehört. Vgl. fd)e[ineul;ut 25. 75. mit etni fd). 

lyerffen 2, 110 = für einen Schelm erklären, fd». im rüden, s. 

z. Kap. 25. fid) an§ fd^. reiben, s. z. bo, 6. 
fd}clmen grub f. 7Sc. 19; SZ 37,30 Schindanger, auch derb für 

Grab. Schw. Jd. 2, 695. 
fdiend f. 27, 48; *42b; 71,8; *7r), 25 Gabe, Geschenk. Lexer 

2,701. 
fdienben 10, 54; 68, 31 veruut-hren, beschimpfen. DWb. 8, 2 139 ff. 
fdjen^Ien 10, S8; AI. 19, 12 verhöhnen, beschimpfen. DWb. 8, 

2166. 
fc^l;m^ff m. 26, 69 ; 30, 40 Scherz, Spott, Schmach. Lexer 2, 744. 
fdnntbar adJ. 75. 39 heuchlerisch. DWb. 8, 2436. 
l'd>iren in fürl^er fdiiren 70, 77 nicht 'schirren, ordnen" Gd., sondern 

fdifiren (W) stossen. scheiden, aussuchen; s. BWb. 2. 462. 
fdjirmen 11, 4] parieren, fechten. Lexer 2, 756. 
jdnffelforb m. 14, 65 -ein tiacher Korb zum Abklären, scutella- 

rium, fd^üffelforb (Fischart, Garg. 270)' Gd. 
fcfiled^t adj. 2, 22; 4, 50; 15, 40; 31,45; 34,75; 42,91; 95, 175 



Glossar. 367 

u. 0. einfach, bequem, schlicht, gewohuHcli. gerino-. fcMcif t 

ab 27, 3 schlechtweg, durchaus, 
frfilerf m. :i5, 54: !t4, 3s ; GM ■ F 2 Leckerbissen. BWb. 2, öoh; 

Lexer 2, 964. 
fdilecten, befler ;i. 77 sprichw. für schmarotzen, schmeicheln. Z. 

z. NS 100, ;•!. 

fci()lerfltn n. 33,61; So, ."»4 (lern. v. fd'tecf; nihil, slechdin Lexer 

2, 964. 
frfitegel irerffer, s. z. 16, 39. 
fdblejj^er, s. z. 16, 44. 
fdilicffen 96. 11. 16. W fcfclüffen (uihd. stv. sliefen Lexer 2, 974) 

schlüpfen. 
fd^It^ffer, s. z. 16, 37. 
fd^macfen 94, 55 riechen, duften (so noch jetzt alem.). I-exer 

2, 995. 
jd^mel^elic^ adj. adv. 12, 29; 44, 65. 74 (mhd. smcehehch, -liehe) 

verächtlich, schnöde, 
fd^imirbe f 70,33 (mhd. smirwe Lexer 2, 1014) Schmiere, 
fd&mutfen 13, 10; IS, 21 intens, zu fcftmieiicn , drücken (12, 56 

bekleiden, schmücken). Lexer2. lOlS. 
fdinatten pl. S7, 4 Striemen, Wundmal. Z. z. NS 33. 3(t; Lexer 

2, 1025. 
f d^ncÜing m. S8, 1 S ; fdbnel LN 1006 Nasenstüber, Schnippchen. 

S. snellen u. snellin Lexer 1031 f. 
f^mtrren 2, 1 1 1 ; 19, S7 ; 90, 28 ; 92, 31 zornig reden. BWb. 2, 580. 
fcftolber nemmen 16, 73 Ertrag aus der ^'eranstalt^mg von Glücks- 

bes. Würfelspielen, s. BWb. 2. 407 ft".. also nicht 'eine Art 

drückender Steuer" wie Od. kombiniert und noch Lauchert 

citiert. Ich führe einige Stellen an aus Beruliart Klingler, 

tüie man ftdi l^iiten fol Dor bem )>iel, Strassburg, Flach, 1520. 

10 Bll. [München.] 
S)2lä fcinb albo bie fd^olberer, 
a[§ balb einer l^6ret nciv mer 
äjüu fremben fj^ielen fo bef^enb, 
fo luget er, ba§ er gott fcöenb, 
Sa'3 er bringt luürffel öub aud) !arten 
ünb t^iit albo öeö fd^olberö icarten. 

3)0 (am jüngsten Gericht) luirt man felien \vo\. bie fnaben, 



368 Glossar. 

bie fold^en fd;olber genommen I;aben, 
§ien gil ber Hnden feitten brot 
mi'iffen fie gon in groff e not. b 4 1*. 
fd^nb f. 44, 44 (mhd. schuhe, frz. JtqM') langes, weites Oberkleid. 

DWb. 8, 2297. 
fd^hjamjjellec^t adj. 3, 22 verwirrt, schwindelig, 
fd^toei^ 9.5, 75 Blnt. Lexer 2, 1 355. 
fd^toer^ner, s. z. 16, 44. 
fd^hJibfen, s. z. 12, 10. 
fel;get ui. 4, ItiO Aussaat. A'gl. Lexer 2, 575; DWb. S, 1(;34; 

Strassb. Stud. 2. 237. 
eitlen adv. 20 a. 29 (mhd. selts(ene) seltsam, 
femlic^ adj. 18, 32; 55,66; 60,35; 61, ö6 (mhd. semelich, scmie- 

ttch, ahd. samalih) ebenso beschatten, gleich, ähnlich, solch. 

DWb. 8, 1739. 

fefi'e interj. 31.1 ein Lockruf, noch jetzt im Alcm. üblich. Vgl. 

Grammatik 3, 304 n. Abdr. 
fteci^en60d; 87, 9 (ahd. siohhev) krank werden. Lexer 3, 909. 
forgfam adj. 75, 50 getahrlich. Ö. Z. z. NS Vorrede 52; Lexer 2, 

1056. 
[ta^enierer, ftationicrer m 16, 7S; 33.80 Reliquienhändler, 
fta^ionieren 25, 84, s. d. vor. 
ftl;ff adv. 2, 32; 94, 34 fest, prall; pleonastisch mit feft (wie 

noch heute!) 48, 40. Belege bes. ans M. bei Z. z. NS41, 

15; AI. 19, 14. 
ftrafff. 31,87Tadel. 
ftraffen*2, 45: *28, 10; 31, 89; *57, 4; 97,60 tadeln (daneben 

auch in mod. Bed., z. B. 32, 59). Z. z. KS Vorr. S. 296. 
ftrel m. 45,58; 80, 80 Kamm. S. strcel Lexer 2, 1222. 
ftrtd) m. 5, 185; 59, 8; 70, 23 Gang, Kurs, 
[treffen 12, 55, W jerl^anjen, streifein, verschiedenfarbig machen, 
ftür f. 83 b. 40 Hilte. Lexer 2, 1 203. 
[türcn 50, 19 stützen. Lexer 2, 1 204. 
f uff er 14, 76 (vgl. Anm.) sauber; in der Form mit f Rest eines 

alten grammatischen Wechsels, der sich bis in die mod. alem. 

Mundarten erhalten hat. Im mittleren Zornthal : syfar (Lien- 

hart 30), ebenso in Mülh., im Münsterthal, sufer basl. S. 

Mankel, Strassb. Stud. 2, 242. 



Glossar. 369 

fünft 2S, 20: 43. 27. 47; ti4, 42 ; 66, 17; 67, :i3 (mhd. sms) so, 

überhaupt, uun dajcegen, sonst, 
füren pl. Ungeziefer, s. z. 12, 9. 

X s. £>. 

tt. 

üBerlummen 23, 57 ; 82, lo5 erlangen, gewinnen. Lexer2. 16.'^2. 

— 44, 3 überreden, verführen. Das. 1633. 
überlibt n. 41, 26 (ahd. Itlif) Decke. Lexer 2, 1641. 
über mi^ m. 67, 13 Zinswucher. Lexer 2, 1649; Z. z. NS 93, 15. 
Überfe^en33, 1 überbürden, übermässig besteuern. Lexer2, 1658. 
übetjtoerg adv. 5, 111; 6,45: 19,127; 3Sb: 40,61; qner. ver- 
kehrt. S. twerch Lexer 2, 1599. 
öd^ jinjiug, s. z. 26, 65. 
t^a blerfen 14. 3. vgl. bletfen. 
toff enthalten 4. 155 aufrecht halten, schützen. DWb. 1.637: 

Schw. Jd. 2, 1231. 
bff beben ^1,39 vorhalten. DWb. 1,666. 
tjff r^ben lo, 31 obscün. S. BWb. 2, 7. 
t>mmenbumb 6,66; 9,2; 27,32; 34,96; 63, 45 um und um, alle, 

überall, ganz und gar. Schw. Jd. 1. 226. 
bnberfel;en 70, SS W önberfid; feigen, nach unten sehen. 
t)nuerlt)iffen 13, 93 part. praet. vom mhd. venvizen, strafend, 

tadelnd vorwerfen, 
»ngeferbt adv. S3. 5 (mhd. äne gevtrrde) arglos. DWb. 4.1,1, 

2076. 
bngelt n. 33, 21 indebitum. Zehr- und Verbrauchsteuer. Lexer 

2, 1845 ; Schw. Jd. 2, 241 ff. ; Brucker 523 ff.; 616. 
bntoi^Iic^ adj. 1, 48 nicht zu wissen, unzählig, 
örlob m. 22, 1 Erlaubnis (bes. zu gehen), Abschied, l(>ab ürlob = 

mit Verlaub. Vgl. Anm. z. 15 b. 
t»^ bringen 95, 30 durchbringen, ernähren. 

25 s. tJ. 

SB. 

Itanbel m. 70, 42 Fehler. Lexer 3, 670. 

SBangen 19, 25 verschiedene Orte dieses Namens liegen in Baden 

und Elsass. M. erwähnt bie bon tpangen wiederholt: 2."i, 47 

S2, 53; LN 1326. 



370 Glossar. 

SBecferlin *3I. I Name des Hundes mit Beziehung auf seine 
Wachsamkeit. S. BWb. 2. S45. Im Reinlie de vos (71.25(>. 
1770) ist Wackerlös Name des Hiindleins. 

tpenrfen, s. luindfen. 

iverlidi adv. 5, 2; 24.2; MS 1443 nicht 'wehrhaft, tapfer (Gd.). 
sondern: wahrlich. S. wcerliche I,exer3.G9l. Im Strass- 
burger Dialekt iccrli, so in Arnolds Pfingstmontag 123. 160. 
169. 1S5; Bergmann, Strassb. Volksgespr. 12. 44u. o.; vgl. 
das. S.S. 

hnbe f. 4. 1 2(1 (= mhd.) Band. Lexer 3, 94S ; BWb. 2, 859. 

Ipiberbeffen, s. beffen. 

nnber brincien 2, 9 (vgl. Amu.): 10, 98: 66, 1 erneuern, wieder- 
lierstelleu, heilen. 

iviberbolen 4, HT zurückerwerbeu, wiederherstellen. Schw. Jd. 
2,11.54. 

Unber teren 3, S2 zurückführen. Lexer ■\, b4(t. 

linbenmlt m. 46, 58; 81,7; 87,29 Widerwärtigkeit. Ungemach. 
Lexer 3, 845. Einen Beleg s. u. joco5§brubev. 

iriberfagen 85, 70 Feindschaft erklären, Anschlag machen. 
Lexer 3, 851. 

unber f^i( n. 37, 41: 52. IT; 75. 8 das Gegenteil, gegenteiliges 
Thun (vom Guten 52, 17), Gegenwirkung. Abwehr. Wenn 
Gd. zu 52, 17 das Wort = 'schlechtes Beispiel" erklärt, so 
ist das nicht berechtigt. Vgl. Lexer 3, 857 ; Diefenb.-Wülker 
902. Hier noch 2 Belege: Saruntb ift e§ nit gilt, Irenn bie 
Sauren ben ©belleüten leitl^en ; e^ ift ba§ tinberf^il, bie ©belieüt 
follen ben 23auren (etilen , Rollw.-34. 20 ff. Bo i^alt icb bo* 
ta^ JBiberfVifl (tue gegenteilige Meinung aufrecht), Spangen- 
berg, Gauskönig 5, KKi, Martins Ausg. S. 103. Vgl. femer 
ein anber f^jil 84, 63. 

h)t)I conj. 8, 65 ; 80, 103; 87, 21 bie Wijl 30, 19 (mhd. adv. acc. die 
iDile Lexer 3, 887) so lange als. 

iuincfen 22, 44 wanken, schwanken im Ablautspiel mit dem .syn. 
wentfen. Vgl. Lexer 3, 907. 

\v>\)n vieffer, s. z. 36, 11. 

JiH^lfler 1, 52 adj. comp, von luolfel wohlfeil. 

Un'id^erm. 4d; 56, 57 Ertrag, Frucht, Zins. MhdWb. 3, 452"^. 



Grlossar. 371 

3. 

•,ecf f. 2. :V2 : ••{, !)4 (s. Anin.) Schaflaus. Z. z. XS 93. 2: BWb. 2, 

loSo. 
jefien m. 33, 55 : 35, 4S Zeheut , ursprüD^lich mir als decimae 

ecclesiasticae, dann auch in leiiifcfce ^nbt gekoiumeii. Frisch 

2.467; BWb. 2, 1101. 
jtbelf. 33, 76; 71^, 28 (mhd. zibolle aus lat. caejmlla) Zwiebel. 

LexerS, 1212. 
jifen 55 d Zahlungstermin ansetzen. BWb. 2, 1114. 
iotter n. 64, 34 hinter einander zottelnde Menschen (MhdWb. 3, 

it47'>), Gefolge. S. Z. z. NS ^5. Vi3 gsottcr. 
uicten 17,29: 27,28.33; 35, 67 schnell und mit Gewalt ziehen. 

au7sich relssen, rauben. MhdWb. 3, 932». 
511 rucf adv. 32d: 36,32: ^4. 49 hinter dem IJücken. heimlich, 

verkehrt. 
',u fdötittern, s. z. 2^, 12. 
uitj m.'? 26, 53; önb lt)ent, fie madö ben mannen ju^, MS 656. Gd. 

nach dem Znsammenhang: 'Lockung". Auch Gier könnte es 

bedeuten. Das würde passen für das Wort im bist. Volks- 

liede, Liliencron No. 130,2: Sa nun bcr furft fad» bifen ju^. 

Vielleicht ist auch das bisher nur un befriedigend erklärte 

tu^ N.S 92, 42 ein Druckfehler für 5U|. Doch scheint es mir 

sicherer, in den Stellen bei M. eine Interjektion des Lockens 

anzunehmen ; vgl. Grammatik 3, 304 n. Abdr. 
jiihSO, 57: 40,2 (mhd. zuo ze) zu. 
ätüagen H7 , 36 (mhd. üvahen Lexer 3,1203: Paul, Mhd. Gr. 

5< 36, 3) waschen. BWb. 2. 1175. 
3lD^ffal ftricf, stü^ffel ftr. 34,54. loi; 86, 23 (der erste Teil des 

Wortes ist das adj. mhd. zirivalt) gedrehte Litze. Vgl. 

Strassb. .Stud. 2, 274. 
jJrMffbotte m. 13, 67 ; 42, 49; 51, 47 Apostel. Lexer 3, 1209. 



Berichtigungen. 



313 Z. 5 V. u. 


lies a statt 1. 


315 „ k; „ o. 


,, 98 statt 89. 


318 „ 8 „ u. 


„ a diabolo st. diabolae. 


323 „ 8 ., 0. 


„ der St. Der. 


326 „ lö „ u. 


„ 118 St. 418. 


326 , 8 „ u. 


,, bonus St. hoDiis. 


333 ., 10 „ u. 


„ M statt K. 



Zu Kap. 84 Anm. -^an ist nicht Bezeichnuug der Schere, 
sondern der einzelnen beim unvollendeten Bau aus der Reihe 
hervorragenden Mauersteine. Vgl. das Citat aus Geiler im 
DWb. H, 34S unter einzahnen. 



Andreas Musculus 



Vom Hoseilteufel. 



(1555.) 



Herausgegeben 



Max s b r ii. 



Halle a. S. 

Max Niemeyer. 

1894. 



Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts 
No. 125. 



Einleitung. 



An eiueu) Somitag des Jahres 1555 hielt in Frankfurt a. 0. 
der Diakonus der Oberkirche, Licentiat Melchior Dreger. 
eine erbauliche Predigt wider die seit kurzer Zeit zur Herr- 
schaft gelangte Tracht der „Pluderhosen". Er warnte vor 
Uebermut und Verschwendung und eutliess seine christlichen 
Hörer mit der Bitte, von der sündhaften Mode abzulassen. 
Aber am Sonntag darauf erblickte die entsetzte Gemeinde in 
der Kirche hoch an einem Pfeiler, der gerade der Kanzel 
gegenüber sich befand, ein Paar der verschrieeneu Beinkleider, 
die dort von der mutwilligen Hand eines Schalks angenagelt 
waren. Der kecke Streich wirbelte viel Staub auf. Der Ge- 
ueralsuperintendent der Mark Brandenburg, Andreas Musculus, 
der zugleich Professor der heiligen Schrift an der Frankfurter 
Universität war. erfuhr den Frevel und verlangte vom Magistrat 
wie von der akademischen Behörde strengste Untersuchung 
und unnachsichtige Bestrafung des Schuldigen. Allein alle 
Bemühungen blieben erfolglos; der Thäter, jedenfalls ein 
Student, wurde nicht ermittelt. Musculus aber ruhte nicht; 
am Tage der Himmelfahrt Mariae bestieg er selbst die Kanzel 
und hielt eine donnernde Predigt „S>pm ;\uUtberten | jud^t bnb 
(^Iirertregenen ^jUibrid^ten ^ofenteuffel | SUerma^nung imb 2l(ar= 
nung." ') — 

Die Tracht der „Pluderhosen', die um die Mitte des 
16. Jahrhunderts in Deutschland auftauchte und rasch sich ein- 
bürgerte, sicherlich eine der seltsamsten Ausgeburten der Mode, 



1) J. C. Becmann, Notitia Universitatis Francofurtanae. 
J\ a. 0. 1707. S. 88ff. : Andreas Musculus. Ex Programmate 
funebri Universitatis aliisve actis publicis. 



IV 

war die letzte Consequenz der seit rund 50 Jahren um sich 
greifenden Bewegung gegen die fest anliegende Gewandung 
der früheren Zeit. Die Enge wurde allmählich überall als 
Unbequemlichkeit, als Qual, als Unerträglichkeit empfunden, 
und man beganu, zunächst an den Gelenken, den fesselnden 
Kleiderpanzer durch Schnitte zu lösen, um eine freiere Be- 
wegung zu ermöglichen. Die neuen Abenteurer, welche die 
Zeit hervorbrachte, die frumben Landsknechte, deren Streben, 
durch alle erdenklichen Mittel nach aussen hin zu imponieren, 
durch die ausdrückliche Befreiung vom Gehorsam gegen das 
Kleidergesetz von 1530 zu Augsburg gewissermassen von 
Reichswegen gebilligt wurde, übertrieben diese Erleicbterung 
des straffen Zwanges nach zwei Seiten hin. Einmal rissen sie 
die alte Hose an einem Bein überhaupt herunter, so dass der 
Schenkel bis zum Knie in nackter Blosse prangte; oder sie 
Hessen die Beinkleider vielfach nach der Länge wie in die 
Quere aufschneiden. Am Wams, wo man das Hemd durch 
die Schlitze hindurchgezogen hatte, erkannten sie die schmucke 
Manigfaltigkeit einer solchen Füllung, und sie Hessen nun 
auch den Hosen ein Futter, zunächst von dünnem Zeuge, 
unternähen, das man bald zur weiteren Zier in viele Falten 
zusammenlegte. Immer gewaltiger ward die Masse dieses 
Futterstoffes. Man Hess auch die Hosen selbst weiter macheu, 
so dass der ganze Wust von der Brust beinahe bis zu den 
Füssen herunterhing. Die zahlreichen kleinen Schlitze ver- 
banden sich bald zu wenigen kolossalen : es wurde die ganze 
Hose von oben herab rund herum in lauter senkrechte Streifen 
zerschnitten, die oft noch schmäler waren als die Breite einer 
Hand, und die nur noch oben am Gurt und unten am Knie 
zusammenhingen. Ein übermässig grosser, weit aufgebauschter 
,.Latz" vervoUständigte den bombastischen Unsinn der Ueber- 
treibung: vier Schlitze wurden hier angebracht und mit Futter- 
stoff durchzogen, „ift beer junge butiet^ toppc barut ftfeben", 
wie Odecop meinte.*) In dieser Gestalt erst ist die eigent- 
liche „Pluderhose" erreicht, der unser Büchlein seine Ent- 
stehung verdankt. Das Tuch ward als Futterstoff jetzt zu 



1) Johann Oldecop's Chronik ed. Karl Euling (Stuttg. 
Litt. Ver. CXC) 189L S. 384. 



schwer und man griff zu leiclitereio Material, zu Easch — 
einem Stoff, der von dem ursprünglichen Fabrikationsorte 
Arras seinen Namen erhalten hat — oder gar zu Seide, so 
dass nun aber die Mode bald ungemein kostspielig wurde. 
fTauz fürchterliche Zeugnisse der einreissenden Verschwen- 
dungssucht werden berichtet, die in ihrer Uebertreibung den 
wahren Kern doch erkennen lassen.*) 

Die beiden Auswüchse der Hosenfreiheit, die Blosse des 
Schenkels und die geschlitzte Beinbekleidung, wurden von 
den Landsknechten gepflegt und verbreitet; ja die groteske 
T.anne einzelner dieser Renommisten ging mitunter soweit, 
jedem einzelnen Bein eine zu gute kommen zu lassen. In 
Musculus' Predigt vermischen sich die Vorwürfe, und wenige 
Jahre später, als das frühere Ansehen der verwilderten 
Haufen ganz und gar geschwunden war, erzählt in Hans 
Sachsens prächtigem Schwank „Set STeuffel left fein 2anb§fncc^t 
luev tun bie Jjelle faren" Beizebock, der von Lncifer abgesandt 
war, um die leer gewordene Hölle mit gottlosen Kriegsknechten 
neu zu füllen, und nun voll Grausen vor den wüsten Gesellen 
b.ebend heimkehrt: 

„3r flet)ber auff ben irilbeften fitten 

3^rflambt, .^crl^alven bnb jerfc6nttten. 

(Sinä tl^e^IS jr fd^enfel bicden t^etten. 

2)ie anbern grofä tre^t ^ofen f^ettcn. 

2)ie \a 6t§ auff bie füfö rl^ab Stengen 

3Bie bie gel^often bauber gicngen." 
Mit feinem Gefühl für die Psychologie der Mode hat J. Falke 
die Aufschlitzung mit allen ihren parasitischen Auswüchsen 
als einen Teil der grossen reformatorischen Freiheitsbewegung 
aufgefasst. Als Beweis datür bringt er neben den inneren 
Gründen auch den äusseren vor, dass nur in Deutschland diese 
Mode in völlig freier, zwangloser Art sich entwickelt hat, in 
den benachbarten Ländern dagegen nicht zur Herrschaft kam, 
ebenso wie die kirchliche Revolution ihren Mittelpimkt in 
deutschen Landen fand. Ja selbst in unserm Vaterlande 
überschwemmte die Pludertracht fast nur die Landstriche, die 

1) J. Falke, Die deutsche Trachten- und Modewelt. Lpzg. 
1&5S. II, 32 ff. 



VI 

sich der Reformation angeschlossen hatten — eine Thatsache, 
die schon unserem Hosenbekämpfer nicht entgangen ist,') und 
die ein katholischer Gegner, der Chronist Oldecop, zu einem 
antiprotestantischen Ausfall benutzte; er habe, sagt er, Mus- 
culus' Hosenteufel gern gelesen, „unb meift mebe ber orfafc, 
bo barinne gefd^relren ftunt, men fd^olbe ben l^ofenbuüel bar 
Jüebbet I)cniagen, bar l^er l^ergefommen mere. 9iu Joeit if ^ani 
)r)o[, lüiir buffe bubel mit ftner l^offart l^ergetomen i§; Jücnte iE 
bin im anfange buffer bri^eit bar ober unb an geiuefeu to 3B^tten= 
berge unb ot mere tuen ein jar, unb gebe bat getud^geniffe bor 
got bnb if tüille baru^ ftarben, bat be fame, gebort unb ganje 
gefled^te beg l^ofenbubelg nergen anberä Jror l^er gefomen ig, bau 
aUeine ut ber lere, be boctor SOtartinug 2utf)er to Sßt^ttenberge 
l^eft angel^eben." „Up, gi gelarteu bnb ungelarten", ruft er „jaget 
in in be ©Ibe unb fieße grünt bor SBittenberge unb nemment 
ircbbcr an gobbeä tt>ort, alfo . . . be ganje billige diriftlid^e catl^o- 
lice ferfe leret."-) 

Wie die Reformation, so war auch die Pludertracht eine 
demokratische Bewegung. Sie ging von unten nach oben; 
nach den Landsknechten verschlang sie das Bürgertum, riss 
die Studenten mit sich fort, die ja immer geneigt waren, alle 
Modenenerungen eifrigst zu fördern , und zog den Adel und 
die Höfe mit in ihre Kreise. 

Gleich zu Beginn der fünfziger Jahre wird allenthalben 
von der Aufsehen erregenden neuen Form des Beinkleides 
berichtet. Eine spätere Nürnberger Chronik die ihre Weis- 
heit ,.aus alten glaubwürdigen docuuieutis und Urkunden" zu 
haben vorgiebt, lässt sie 1553 im Lager des Kurfürsten Moritz 
entstehen: „^n btefem Ärieg tft eine neue 3trt ber ^hiberf^ofen 
aufffommen, bereu ©d^nitte biä liber bie SBaben auff bie Knorren 
l;erab f)iengen, unb burfft ein Snecf)t etlran 4 ober 5 ©Ilen irüHen 
lud} iu fold^em @efi\^ nel^men, auci^ ctioa big in 2U ®Uen feiben 
3cug etc. barunter futtern laffen. ©oßen in ber Belagerung bor 
a}iagbeburg auffgefommen fel;n,"3) Andere, wie Fischart, lassen 



1) S. S. 19,03 ff. 

2) A. a. 0. S. ;3&5. 

.3) ^iftorifd^e 9iacf)rtc^ten bon beut Urfbrung unb Sßac^gtum 
beä l^etl. mbm. 9ieid^g fretjer ©tabt 9türnbrrg. Frkf. u. Lpzg. 
1707. S. 454. 



VII 

sie 1554 auftauchen, und nach Oldecops Chronik sind sie 
erst im folgenben Jahre erfunden worden: „2)at pat ^ofen 
tvatt Don fe§ eleu cngetfc^eg JcanbeJs gemafet; bar Sorben ncgen 
Dnb negenticf) eleu cartcfen borc^ gctogen." Wenn hier die Masse 
des Futters bereits so beträchtlich gewachsen ist, so liegt dies 
an der weit verbreiteteten „Neannndneunzig"- Anekdote, die 
Musculus (S. IT) mitteilt. 

Auch in den fliegenden Liederblättern der Zeit finden 
wir die Pluderhosen. Ein um 1555 gedrucktes Gedicht, das 
aber schon früher entstanden sein muss, wettert voll Ingrimm 
gegen sie: 

„3i5elc^er nun luill tüiffen 

>üaä büd) erfunben fei; 

2)te Äriegäleut finb gefliffcu 

auf fold^c 33uberci, 

fie laffen ^ofen machen 

mit einem Uberjug 

2)er t)angt bis auf bie Änoc^en 

3)ran ^on fie nid^t genug. 

Sin 2a^ muß fein baneben 
tvol eines ÄaI6äfo^?ffö gro^ 
Äartefen bruuter fc^iüeben 
Seiben on alle mofe; 
fein gelb wirb ba gef^avet 
uub follt er betteln gon, 
bamit »inrb offenbaret, 
trer x\)n ipirb geben ben ton." 

Und wie die Verkelirtlieiteu und Thorheiten jener Zeit 
nicht mehr wie zu Beginn des .Jahrhunderts von Instigen 
Sijöttern als Narrlieiten verlacht , sondern von dem strengen 
jungen Luthertum sogleich dem Urbild der Sünde, dem Höllen- 
fürsten zugeschrieben wurden , so meint auch imser Ver- 
fasser : 

„S)er ieuffel mag >ool lachen 

jfü folc^em affenf^5iel 

im gfaUen irol bie »Sarfien 

fleiffig erä fürbern Jini. 

tag bnb nacfjt tut er raten, 



VIIT 

fein rat folgen fie na^, 

bi^ er bejal^lt in taten. 

rehJ ift ju f^at barnac^."') 
Ebenso wie liier das Volkslied, so klagte später das 
Kirchenlied; nnd der Dichter des schönen Sanges: „Herzlich 
thut mich erfreuen die liebe Sommerzeit", Johann Walther, 
rief zornig: 

„SBer j^t nid)t 5ßluberl)ofen t)at 
3)te fc^ir ju erben l^angen 
mit jütten, luie be§ 3;euffelg tvat 
2)er fan nirfit I>6ffli(^ prangen. 
®g ift folc^^ fo eine f^niJbe trad^t 
S)er Seuffel l^atg gettjtg erbad^t 
toirb feI6§ fein alfo gangen. 

3)enn lneld;er ©^rift fold^ fleibt anblicft 

ber toirb für grahjen flogen 

©ein ^er^ für ®otte§ jorn erfd^ridt 

mirb bei) jm felb§ offt fagen: 

3Id^ ©Ott, 2)eubfc^tanb ha^ bringet bid^ 

3)a§ i)u muft ftraffen ^ertiglid^ 

mit fd^toeren groffen ^)Iagen."2) 
Aber nicht nur im Liede kämpften die Geistlichen. Von 
allen Kanzeln herab tönte die lante Warnung vor der kost- 
spieligen Tracht. Nur weniges davon wurde gedruckt, wie 
Melanchthous Oratio „nnber bie neuen moben in fletbungen" oder 
Ludwig Milichins" Schrift „tviber bie unmäßige 'ipiubertrad^t." ^) 
Aber alle diese wohlmeinenden Reden wurden völlig in Schatten 
gestellt durch Musculus' donnernde Predigt. 

Von allen Seiten ertönen die Klagen . David Chytraeus 
gedenkt zornig, wie „fd^i^nblid^ e§ geftanben i)ab(, bafe fonberltdE) 
ju öofe bie Seute faft gan| unbebcdtt (ieffen nnb fid; nid^t fd^v^meten. 
©0 öeränbern aud^ bie ©tubenten auf ben uniüerfitäten aKe 2 fa^r 



1) Uhland, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder ^ 
(1881) I. No. 192. S. 403ft'. Dazu Anmerkung S. 811. 

2) Phil. Wackernagel, dasDtsche. Kirchenlied. III, S. 190 f. 
No. 220. ein nen)e§ ©^riftlid^g Sieb, baburc^ Seutfdflanb gur 
3Juffe Dermanet. 6 Bl. 4«. Wittenberg 1561. — Strophe 14 u. Ib. 

3) Arnold, Kirchen- und Ketzergeschichte S. 788. 



IX 

t^rc üeibung an favbcn, moben, l^fitcn unb mAnteln unb louftcn 
ntcfif, tPte fic t^6ricf>t anuc, auffjtel^en folten." „@ott geb t>n§ 
Jineber einen gcfunben lierftanb" tönt es von einer anderen 
Seite, als vun den Pluderhosen die Rede ist.*) Die bildende 
Kunst sprach auch ihr Wörtlein mit. Den Schergen auf Ciol- 
gatha oder den Schachern wird vielfach die moderne Tracht 
verliehen ; und die Sehlussverse der ersten der beiden soeben 
mitgeteilten Waltherschen Strophen. „3)er S'euffef i)at§, gehJt^ 
erbad^t — trtrb felb§ fein alfo gangen", sind sicherlich hervor- 
gerufen durch Darstellungen, auf denen die Teufel selbst mit 
Pluderhosen bedacht sind. Auf diese nimmt auch Hans Sachsens 
Beizebock in dem genannten Schwank Bezug, wenn er seine 
Schilderung der modisch gekleideten Landsknechte schliesst : 
„3n fumma »üüft alter geftalt — SBie man bor jaren t)n§ ^^euffel ge= 
malt". An sie knüpft auch Musculus' Anekdote (S. S) an, die in 
wenig veränderter Fassung auch in KirchholTs weitverbreitetem 
„Wendunmut" Platz fand : „3ö 2IUfeIben einer Statt im 2anb 
;iu Sraunfcbireig, i)ab tc6 3(nno 1558 meinen 2Birt ^oft fon Saffiln, 
einen reblic^en 2)Jann, erjelen l^iVen, umc er t)on einem anberen 
feiner ®eft einer anfi^^nlic^en perfonen fo fur^ ror mir bei) im 
gel^erbergt bernommen: bafe an einem ort, ba ber frembb barbor 
gettiefen ein SlJaler eine «Stuben, barinn aud^ bie ^ßaffion bnb 
©reu^igung bnfers §errn ©l^rifti, bnb bet; ber f^iftorien eine, einen 
fd^cu^lid^cn 2:euffel mit fel^r langen SumJ^enl^ofen, iüie fie bie 
muttriüigen Ärieggleut je^unber tragen, gemalel: ®eb, alS fie, 
befegteid^en ber a}JaIer, bbcr Sifcfj gefeffen, in ber Stuben ein 
groficr 2ßinb entftanben, bnb ein Stimme gelieret, aber nicfits ge^ 
fAl^en Iborben, bie gefaget: SBarum maleftu mid^ fo ^efelid; bnnb 
in einem fc^Änbtlic^en Äteib, bien^eil ic^ boc^ nie ein folcfi bnflatig 
fleib bnb Soberl^ofen getragen? 3Jnb bem SlJaler barnac^ eineä 
auff ben SBadfen geben, bafe e§ geftapfft, bnb ba§ jeic^eu feiner 
:^anb l^at m6gen tbie fd^trarfee MSkv gefa^en luerben. Ser^albcn 
ber diäter erfdEirocfen, fpracfitofe bnb francf irorben."'^) 

Und Fischart. der grosse Spötter der Zeit, steckte seinen 
seltsamen Helden Gargantua in Pluderhosen, die er also be- 
schrieb : „ju feinen ^ofen irurben aufgenommen, e[fff)unbert fünft 

1) Chytraeus, epist, p. 1)31 — Arnold, a. a. 0. 

2) Wendumnut, Frkf. 1565 I. No. CHI. 33on ber i2anbs= 
fnedE)t 2um^?f)ofen. S. 114 a. 



ballen bnb ein binttf)ctl lüctffen [tamniet, bavau^ utad^t man jm ein 
Sacinirt ®tf)Iangentiienbig ^li^fträmig bnnb geflemmet ^Ic^b, 
loelrfiä bal^inben jerfd^nitten n^ar .... Slud^ muft e§ ^faufcd^t, 
baufcficd^t fein ^nnfd^en ben fd^nttten, ia^ ber "^lau ÜDamaft bnb 
Saffat ^crauü bofc^ete: bod) ettraö mA^iger alg be§ bnftat^ mit 
90. elen" — wie er zum Schluss noch mit einer Anspielung 
auf die alte Anekdote hinzufügt.') 

Die Verfechter der Einfachheit und -Sparsamkeit griöeu 
zu allen erdenklichen Mitteln; sie spekulierten auf den Wunder- 
glauben der Zeit und setzten allerlei grausige und unheim- 
liche Missgeburteu in die Welt, Da wird erzählt, ein Schaf 
zu Templin in der Uckermark habe 154.S zwei „wohlgeschaftene 
Lämmer" und — ein Paar Pluderhosen geboren, da kam in 
Pletzen bei Stendal ein Junger Weltbürger mit weiten nieder- 
ländischen Hosen aus Licht des Tages ; in Brandenburg erhielt 
ein Kind das Leben, dem „ba^ ffetfc^ i[t l^evunter gegangen a(g 
ein üntergcug in jerfc^nitten ^ofen", und nicht weit von Königs- 
berg in der Neumark erschien 1 535 ein Füllen , „beffen ^aut 
allenthalben jer^acft i^nb jeifd^nitteii geniefen, alä Jcenn eö jer; 
^an^ene ^ofeu ober Söambs anflel;obt " Auf eine neue Compli- 
zierung der Pludertracht mit anderem übertriebenem Mode- 
zierrat lässt uns die Beschreibung schliessen, die .Johannes 
Curo in seinem „Hoffarts Wohlstand'- (1593. — {yüiia/bj von 
einem missgestalteten Kinde giebt: „Sin ben Senben l^at bife 
5tinb ben 3Buft, trelc^er mit ben .ttofen getrieben tuirb, jeigeu 
muffen, ^n^'^'n eä nidjt gnug ba§ fid^ mancher mit eim l^auffen 
,Seuge beimenget, ba§ er einer Hamburger SC^onne nid^t önglei(^ 
herein n^a^fd^ett, Sonbern, bo \o einer beß ©etüanbeg ober SfUfl*^^ 
Weniger nimmet, fo muffen ein b'ii'ff«" feibene ©d^nür, ober 
'■Borten, ober Senber, je^t, h)ie an biefem Äinbe jufel^en, in bic 
quer, je^t in bie lenge, balb ©reu^iüeiä herüber unb ^erumb ge» 
flidet, gefti:|3t bnb ge^jle^et tnerben, n)elrf)e^ bod>, loeber bor bie 
lücrme, nod^ für bie feite bienftlic^ ift, ünb gleid)tt)ol folc^e ®e= 
fd^niire, offt mel^r alä^bie a)iateri, foftet." — Diese Waffe gefiel 
den Modebekämpfern ausserordentlich und blieb noch lange 
Zeit hindurch äusserst beliebt. Nur die Art der Missgeburten 
wandelte sich uaturgemäss mit der Mode, deren augenblick- 



1) Geschichtsklitterung Kap. 11 (Neudruck S. 173 f.) 



XI 

lieh herrschende Eigentümlichkeiten an den unglücklichen 
Wesen zum Zeichen des göttlichen Zorns angewachsen waren. 
In der Mark Brandenburg hörten diese Wunder erst auf. als 
der Befehl erging, alle Missgeburten an die Akademie der 
Wissenschaften zu Berlin einzuliefern.*) 

Nicht wirkungslos verhallte das Gepolter; und das unge- 
stüme Verlangeu, die Obrigkeit solle hier energisch die 
persönliche Freiheit des Einzelnen beschränken (s. S. 24.5 ff. 
26,30 ff), hatte Erfolg. Die Behörden, die ja die Bekämpfung 
des Luxus durch die „^ßoliceti = Drbnungen" schon lange als 
eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachteten, sprachen ihr 
Machtwort. Freilich geschah dies nicht nur aus Fürsorge für 
den Säckel der Bürger, vielmehr zum grossen Teil in der 
ängstlichen Absicht, die äusserliche Erkennbarkeit des Unter- 
schiedes der Stände zu wahren, „bamit ieber, für ben ober bie, 
ber er ober ft) ift, erfennt loerben möge," wie der Augsburger 
Rat 1 553 sich ausdrückte, oder, nacli dem Reichstagsbeschluss 
1531), „bamit in iebem ©taub unterfdiieblicfi erfantnut fein nu^g." 
Die Pludermode hatte die Grenzen verwischt und drohte, 
auch hier ganz in ihrer Eigenschaft als ein Teil der grossen 
freiheitlichen Volksbewegung, die Stände demokratisch zu nivel- 
lieren. Dagegen erhoben nuu die Hüter alter Zucht und 
Ordnung Einspruch. So erlaubte Eostock 1585 12—14 Ellen, 
aber nur den Adligeu, Magdeburg 15S3 im besten Falle 18 Ellen 
Kartek für die Schöffen , Geschlechter und die vornehmsten 
Personen aus den Innungen, sowie für die Wohlhabenden 
der Gemeinde, Braunschweig 1579 nur 12 Ellen Seide. 2) 

Der Rat der Stadt Erfurt gebot 1583 bei „5 ^funb ©elbee", 
„bog fein junger ©efell §ofcn tragen fol, bie jl^m über bie Knie 
l^inab l^angen" und gestattete den Sehmuck , die Hosen „mit 
Äartecfen ober anbern Seiben gehjvinb, burc^sie^en ju (äffen", nur 

1) Moehsen, Geschichte der Wissenschaften in der Mark 
Brandenburg. S. 4'.tSft'. — Andr. Engel, Rerum Marchicarum 
breviarium. Witteubg. 1593. S. 139, 148, 168, 399, 401 ff., 412. 
416,438. — Jd. , Annales Marchiae Brandenburg. 392 ff. — 
Nie. Leuthingeri Cbmmentarii de rebus Marchicis S. 740. — 
Udalrici Zauei (Diaconus zu Templiu) „3Reue 3fitung, Irie öon 
einem ©c^afe in ber Ucfermarcf ju Jem^Uin A. 1543 brei grüd^te 
finb !ommen, al§ ^tnei Sämmer, bie britte aber . . ." 

2) Falke, a. a. 0. II, S. 49. 



XII 

für „bie Ferren Dberften, ober SBürgermeifter, ©^nbici, 2)octoresi, 
Sicentiati, bie o6gemetten öon ©ejd^lcd^tern, bnb anbere bie in 
ben 3iatl^ftuel gel^6rert, Slud^ bie "ipromoti, ^Jfagiftfi önb furnemc 
Bürger, Wnb berfetben ertüac^fene Ätnber." ') Eine Augsburger 
„Ordnung" detailliert die Vorschriften noch genauer: „S)enen 
bon ber J^aufleut ftuben" soll zu Hosen Atlas und Damast, 
„boc^ üngefticft »nb öiuier|3rembt" erlaubt sein; „bnnb tüeßiöie 
lollidje §ofen jerfc^nitten önb mit bnberjug gefüttert tragen iooßen, 
bie mögeng mit bo^)))eIt S^affet, iod) tarju nidit ober öier^el^en 
@In, 3U formalem 2:affet gered^net, gebrauöien, bnb foU aud^ fold^er 
bnberjug nit geftidet loerben." Die Handwerksleute „mögen 
bie 3er[d^nitten $o[en öon tüuUinem geiüanb ober Idber mad^en, 
bnb mit ad^t ©In Strlaf;, ^urfd^at, 2)lad^el;er, einfad^em SCaffet 
ju 24 fj. ober ©robgran ünbetfüttern [äffen. " Aehnlich sollen 
sich die „Dienst Ehehalten" beschränken. Vier Gulden Strafe 
trifft den zuwider Handelnden.-') 

In der Mark Brandenburg, wo es bis zum 16. Jahrhundert 
stets ziemlich einfach hergegangen war, und wo man, ein 
wenig abgeschlossen vom übrigen Reich, im ganzen sich von 
den Uebertreibungen der Mode, so weit es überhaupt möglich 
war, zurückgehalten hatte, war unter der Regierung Joachims IL 
eine gefährliche Verschwendungssucht herangeblüht. Wenn 
der Kurfürst selbst für die mittleren und niederen Stände in 
strengen Verordnungen festsetzen musste, dass kein Spielver- 
lust mehr als 300 Gulden betragen dürfe und dass nicht über 
200 Gäste zu Hochzeiten geladen werden sollten, so lässt das 
anf recht üppige Sitten schliessen. ^) Hier war der Boden 
für die neue Pludertracht ganz besonders empfänglich. Unser 
Musculus klagte: „toir giel^en aud) bnfere finber balb öon ber 

1 ) S)er ©tabt (Srffurbt ernetoerte 5ßolice^ bnb anbete Drbnung. 
1583. 5Rjbff. 

2) ©ineä (£rfamen 3iai}t& ber ©tatt 3lugfi)urg ber ©e^ierb 
ünb Äle^bungen l^alben auffgerid^te ^olice^ Drbnung. 15S2 2liij"ff'. 
— Dazu u. a. (ging (Srbarn 3lat\^^ ber ©labt 3iiürmberg er= 
neuerte ^o[ice^=orbnung önb öer^sot ber öoffart . . . M.D.LXXXIII. 
2liiii a. 

3) Gallus , Handbuch der brandenburgischen Geschichte 
(Züllichau 1797) IV, 197 f. 220 ff. — Zimmermann, Geschichte 
der Mark Brandenburg unter Joachim I. u. IL Berlin 1841. 
S. 305 ff. 



XIII 

toiegen an, e^e fte hinter ben ol^ren trucfen Sorben fein, fo 3uncfe= 
rifc^ auff, mit jul^ruberten Xeuff elS^ofen , mit furzen bfibifd^en 
ficibcrn, mit Seiben ünnb Sammet" ; ') und die brandenburgische 
Visitations- und Cousistorialurdnung von 1573 gebot in einem 
Atem den Schulmeistern, darauf zu achten, dass die Jugend 
Füllerei und Unzucht meide . sowie die Kleider „nic^t ^er^ 
fd^nttten'' trage. ^) Wiederholt erliess der Magistrat der Stadt 
Berlin Vorschriften, am strengsten in der „'iJ^oIicetjsDrbnung" 
von 1580, wo „Äarteden unter ben §ofen allein benen im erften 
unb anbern ©tanbe ju tragen jugelaffen", d. h. den Beamten 
und wohlhabenden Kaufleuten, dem dritten und vierten Stand 
aber bei 3 Thaler Strafe verboten wurden, ^j Der Kurfürst 
selbst hatte seine eigene Art, die Pluderhosen zu bekämpfen. 
Neben der S. 23 erzählten Geschichte zieht sich durch die 
Chroniken noch eine zweite, nicht minder charakteristische. 
Von den Fenstern seines Schlosses sah Joachim — andere 
berichteu, an einem Sonntage in der Domkirche - einen vor- 
nehmen Herrn mit gewaltigen neumodischen Beinkleidern 
herumstolzieren ; er schickte seinen Diener hin und Hess dem 
Gecken einfach oben den Gurt durchschneiden, so dass 
die ganze Pracht herunterfiel und der durch diesen rohen 
Scherz blamierte Stutzer unter dem Gelächter der Menge das 
Weite suchen musste.*) Auch andere Fürsten gaben ihren 
Abscheu gegen die Mode kund und boten ihren ganzen Ein- 
fluss auf, sie zu vernichten. „(Sieget ber nic^t einem ^Jtdfel^ering 
a^nlid^er al^ einem menfd^en, ber fcld^e tueitc, unc bi§ auf bie 
erbe ^angenbe pluber^ojen idblippet"," fragte zornig Herzogin 
Sabine von Württemberg. °j Und König Christian von Däne- 
mark, der die Hosen „SJon »aus üon §off" nannte, weil sich 
mancher an ihnen ruiniert hatte, verbot sie überhaupt und 



1) ^ro^j^ecet; ünb iKeiffagung | bnfereg ^errn ^efu ß^riftij 
Don bem ju natjenben Dnglüd t>ber beutfc^lanb. 2)urcb 2). 3Inbream 
2)JufcuIum 2lnno 1557. (giija/b. 

2) Mylius , Corpus Constitutionum Marchicarum (Berl. u. 
Halle 1737) 1, 310, 

3) Mylius, V, 67 Ö". 

4) Leuthinger, Moehsen, Gallus, Zimmermann a. a, 0. 

5) Nach Mart, Crusius in Arnold , Kirchen- und Ketzer- 
geschichte a. a. 0. 



XIV 

gab nach dem Muster des Brandenburgers Befehl, sie am 
Leibe dessen, der sie trage, zu zerschneiden. ') 

War die bunte und zerschlitzte Kleidung, als deren 
grotesker Ausläufer die Pluderhose sich darstellt, so recht 
ein Ausdruck ihrer frischen bewegten Zeit gewesen, so drohte 
ihr der Gegner aus demselben Lande, aus der die kirchliche 
Reaction nach Deutschland kam: aus Spanien. Wenn aber 
der Katholizismus nur einen Teil des verlorenen Gebietes 
wieder eroberte, so drang die spanische Tracht in kurzer Zeit 
siegreich über das ganze deutsche Land. Und wenn auch 
ihre Auswüchse später gleichfalls bekämpft wurden, so war 
sie es doch zunächst, welche auch die protestantischen 
Fürsten, Obrigkeiten und Geistlichen gegen die im Grunde 
völlig deutsche Pludertracht ausspielten. Ueber die Kleidung 
der zügellosen Freiheit siegte die gemessene Grandezza, über 
die lang wallende Schaube der gestutzte Mantel, über das 
schmucke lose Federbarett der steife spanische Hut, und die 
Pluderhose ward verdrängt von der aus festen Pferdehaar- 
Polstem bestehenden „Pumphose". Als endlich um die 
Wende des Jahrhunderts das alte Landsknechtwesen mit 
seiner romantischen Zuchtlosigkeit ein Ende nahm, verschwand 
die Pluderhose ganz von den deutschen Bemen. Nur in den 
Gebirgen an der Südgrenze unseres Vaterlands, in Tirol und 
besonders in der Schweiz, wo sie schon um 1575 so fest ein- 
gebürgert war, dass sie bald als die eigentümliche Schweizer 
Volkstracht galt ,2) hielt sie sich bis tief ins 17. Jahrhundert 
hinein. An eine ihrer Haupteigentümlichkeiten, den riesen- 
haften Latz, werden wir noch von Grj^phius erinnert, wenn 
der Diener Don Diego dem über seine Erfolglosigkeit bei 
„dem Frauenzimmer" wütenden Daradiridatumtarides sagt, 
diese komme daher, dass die Weiber meinten „ia^ i^r tobog 



1) Erich Pontoppidan, Annales ecclesiae Danicae diplo- 
matici. 3. Teil. Kopenhagen 1747. S. 341 f. (unter 1556). 

2) In Johann Weigels Trachteubuch 1577 ist Bl. 62 ein 
Schweizer mit Pluderhosen abgebildet. Darunter folgende 
Verse: „®in ©d^lüei^er tüann er ijjrangt bnb piad^t — ®e^t er 
in feiner alten %xa6)t — SSnb ift an jn ein l6blid^er ©itt — 
3)a^ fie ir fleibuug Derenbem nit." 



log biafeolog in ber Scr&rucf», tüie bie Sc^toetjcr in bem §ofenIa^ 
iraget."') — 

Andreas Musculus, der Verfasser unseres Büchleins, ge- 
hört zu den prächtigsten Charakterköpfen aus der Schaar der 
Spätlutheraner in der 2. Hälfte des 1 (3. Jahrhunderts. Als Sohn 
des Bürgers Johann Mensel, dessen Namen er nach der Sitte 
-der Zeit latinisierte, 1514 zu Schneeberg in Sachsen geboren, er- 
hielt er zwar seine erste Ausbildung im Gymnasium seiner Vater- 
stadt und auf der Universität zu Leipzig unter der Herrschaft 
des lutherfeindlichen Herzogs Georg; bald aber zog es ihn 
nach Wittenberg, wo er Luther und Melanchthon persönlich 
jiahe trat, und nun ward er ein begeisterter Anhänger der 
protestantischen Sache. Seine Neigung zum starren Buch- 
stabenglauben trieb ihn im Antinomistenstreit auf die Seite 
des Johannes Agricola, und als dieser, seit 1540 in Berlin Hof- 
prediger Joachims U., ihn aufforderte , in Frankfurt a. 0. die 
Aemter eines Predigers in der Oberkirche und einer theo- 
logischen Professur an der Universität zu übernehmen, folgte 
•er seinem Rufe. 1542 verliess er Sachsen und ging nach 
Frankfurt, wo er hochbetagt als Generalsuperintendent der 
Mark Brandenburg am 2'J. September 1 5S8 starb. ^) 

Er war eine kräftige, streitbare Gestalt, eine leidenschaft- 
liche Natur, aber ein verstockter Eigensinn ohne Gleichen, 
willkürlich und eigenmächtig in seinen Handlungen, intolerant 
bis zum Aeussersten gegen Andersdenkende. So ward sein 
Leben Zank und Streit. Mit unermüdlicher Zähigkeit und 
fanatischem Eifer verfocht er seine einmal gefasste Meinung, 
niemals Hess er sich eines besseren belehren, nicht einen Finger 
breit wich er vom Platze. Er verstand die Waffen zu führen, mit 
Kede und Feder wusste er trefflich umzugehen, ein umfassendes 



1) Andr. Gryphius, Xeutfd^e ©ebidjte. Breslau 1698 I, 762. 

2) Chr. Wilh. Spieker, Lebensgeschichte des Andreas 
Musculus. Frkf. a. 0. 1S5S. — Ders., Beschreibung der Marien- 
oder Oberkirche zu Frkf. a. 0. ibid. 1835. — R. Schwarze, 
Geschichte d. städt. Lyceums zu Frkf. a. 0. 1329—1813. i. d. 
Mitteilungen des historisch-statistischen Vereins zu Frkf a. 0. 
9—12. (1878) S. 65 ö: 



XVI 

theologisches Wissen, eine erstaunliche Beleseuheit und ein un- 
gewöhnliches Gedächtnis unterstützen ihn. Und so ward ihm der 
Kampf bald eine Lust, und schliesslich ein Bedürfnis. Er mischte 
sich in alle möglichen Ancelegenheiten, schimpfte und polterte 
über alle wirklichen un ) vermeintlichen Misstände, verletzte und 
beleidigte an allen Orten. Der Frankfurter Rektor Hubschius 
schrieb einmal an den Rat in einem Briefe, in dem er sich 
wegen mancher von Musculus öflfentlich erhobenen Vorwürfe 
rechtfertigte, er hätte sein Amt nicht übernommen, wenn er vor- 
her gewusst hätte, „bafe ber £ierr 2)cttor immer bie §anb loclle im 
Scb f)abcn unb Iro man fid) nidit aU.(§> itioüe gefallen laffen, Bon 
if)m auff» fc^trerlic^i'te IjeimciefudU tücrbe." ') Berühmt geworden 
ist Musculus' erbitterter Streit gegen seinen Fakultäts-CoUegen 
Abdias Praetorins und dessen Begründung der Lehre von der 
^Notwendigkeit der guten Werke. Dieser Dogmenkrieg, der 
mit einer Zwistigkeit beim geselligen Zusammensein im Hause 
des in unserer Widmung (S. 26) genannten Bürgermeisters 
Caspar Witterstadt begann , nahm nach kurzer Zeit eine ge- 
waltige Ausdehnung; er machte die ganze Universität mobil 
nnd teilte die Lager der Studenten und Professoren in zwei 
einander schrolF gegenüberstehende Parteien. Wie Musculus'^ 
Leidenschat*tlichkeit sich ins Masslose steigerte, so ward auch 
er mit stets erneuter Heftigkeit angegrift'en, immer zu neuen 
Reden und Schriften herausgefordert, er ward verhöhnt und 
geschmäht, und mit Anspielung auf seinen Namen dichtete 
man auf ihn ein Spottlied: „In Andream Musculum optimos 
quosque rodentem", in dem man sein Vorgehen als ein Werk 
des Teufels brandmarkte („Quis non facta nigri daemonis 
illa putet"?). Aber er antwortete mit gleicher Münze uad 
schleuderte den Gegnern den Fluch ins Gesicht: „bie ba leieren, 
man mAffe gute Söerfe tijun, bie getjören jum Seuffel fam^.-»t allen, 
bie il)nen folgen." 

Mit dem Teufel war Musculus überhaupt gleich bei der 
Hand. Der altböse Feind spielte von jeher in seinem Leben, 
dann in seinen Predigten, seinen katechetischen und pole- 
mischen Schriften eine grosse Rolle. Schon sein erster Lehrer, 
Hieronymus Weller, der Rector des Scheeberger Gymnasiums, 



1) Spieker, Musculus S. 346. 



XVII 

der iu seinem Leben so viel mit dem Satan zu schaffen hatte, 
dass man auf seinen Grabstein den Hexameter setzte : „Wellerus 
Satanae vexatns saepius astu", mag ihn nach dieser IMchtung 
hin beeiuflusst haben. Dann ward ihm die protestantische 
Teufelslehre in Wittenberg bekannt und vertraut, und bald 
nahm sie in seinem Glaubenssystem und seiner Weltauffassung 
einen gleich grossen Raum ein wie bei Luther. Der Refor- 
mator schob alles, wa"^ ihm nicht gefiel , einfach dem Teufel 
zu. Und so hatte er sich nach und nach dem Muster der 
Spezialnarren folgend, der „©elbnarrcn, öoffnarren, Sfjenarren, 
2^an5narren, Sptclnarren, SRuhmnarren", welche seit dem Ende 
des 15. Jahrhunderts und hauptsächlich unter dem Einfluss 
von Sebastian Brants Narrenschiff in Deutschland ihren Ein- 
zug gehalten und lauge Zeit hindurch die Litteratur beherrscht 
hatten, von dem alles Schlechte in sich zusammenfassenden 
Urteufel als Repräsentanten der menschlichen Laster, üblen 
Gewohnheiten und Torheiten einzelne bestimmte Spezial- 
teufel abgelöst. Er nannte den Asmodeus im Brich Tobias 
einen Hausteufel, er legte den W^iedertäufern einen Werkteufel, 
den Papisten einen Wallfahrtstenfel bei u. s. w.*) 

Schon lange hatte man, namentlich in den Teufelszenen 
des geistlichen Dramas, ausgehend von der Personitikation 
der sieben Todsünden und unterstützt durch Darstellungen 
der bildenden Kunst versucht, die Laster auf einzelne In- 
dividuen des infernalischen Hofstaates zu verteilen. Aber 
man blieb doch auf halbem W>ge stecken, und erst seit Luther 
und den Seinen kennen wir die Schar der Sündenteufel, die 
schon durch ihren Kamen ein Zeichen ihrer unheilvollen 
Thätigkeit in ihrem abgegrenzten speziellen Gebiet an der 
Stirn tragen. Luthers Aufforderung, dem Satan, ..durch das 
Wort der Wahrheit die Herzen abzureissen" fand lauten 
Wiederhall. Hatte er von Hof- imd Fürsteuteufeln gesprochen, 
so fügte nun der Hessische Pfarrer Johannes Chryseus seinem 
Danieldrama einen „Hofteufel" ein und machte ihn, als die 



1) Ich verweise hier auf meine Schrift; Die Teufel- 
litteratur des XVI. Jahrhunderts (= Acta Germanica III, 3) 
Berlin l"^y;J. — Ueber Musculus dort S. 26 0'. , Hosentenfel 
S. 95 ff. 

b* 



XVIII 

treibende Macht des ganzen Conflictes, zum Titelhelden: 
„§offteuffeI , ba§ fec^fte Sa^sitel ©anieliö". Und hatte Luther 
gemeint: „6§ mufe aber ein ieglic^ Sanb feinen eignen 3:eufel 
l^aben, SBelfdilanb feinen, granfreic^ feinen . 55nfer Seubfcber 
teufe! trirb ein guter SBeinfdilauc^ fein önb mug Sauff l^cifeen," 
so nalim sich dies der schlesische Prediger Mattheus Friederich 
zum Motto für ein Büchlein gegen das alte deutsche Laster 
der Trunksucht, dem er den Namen gab: „Sßiber ben ©auff= 
teuffei". Diese Schrift erschien zuerst in Frankfurt a. 0. im 
Jahre 1551, ebendort folgte 1555 die zweite Auflage; und man 
geht wohl nicht fehl, wenn man behauptet, dass Musculus, 
als er in eben diesem Jahre 1555 durch den zu Beginn dieser 
Einleitung geschilderten Vorgang veranlasst wurde, seine 
Stimme gegen die Pludertracht zu erheben, sich im Anschluss 
an Friederichs Traktat für die modische Sünde seinen Hosen- 
dämon geschaffen hat. Der Erfolg war gross. Die Ver- 
bindimg des Predigertones mit der volkstümlichen Sitten- 
schilderung und der lebendigen Anekdotenerziihlung fand 
überall Liebhaber, der Titel reizte die Kauflust. Musculus 
wollte diese Stimmung des Publikums nicht unbenutzt vor- 
über gehen lassen und im folgenden Jahre, 1556, Hess er zu- 
gleich mit der zweiten Ausgabe seines Hosenteufels noch 
einen ^^yluc^teufel" nnd ein Büchlein „aBiber ben G^eleufel" 
in die Welt gehen, denen später noch eine zusammenfassende 
Darstellung des Satan und seines Kelches mit dem Titel „SSon 
beä SeuffelS 2;^iranne^" folgte, i) 

Die Teufelbücher „des Frankfurter Luther" gaben den 
schreiblustigen Pastoren das Zeichen, den Kampf gegen die 
Lasterteufel aufzunehmen. In allen Gegenden des protestan- 
tischen Deutschlands erhoben sie sich, griffen sich einen 
Dämon aus dem höllischen Gesinde heraus, der ihnen be- 
sonders nahe stand, später freilich ganz äusserlich den, der 
gerade in der Eeihe der teuflischen Titelhelden noch fehlte, 
und versuchten sich mit der Darstellung seiner Thätigkeit 
und der Mittel zu einer wirksamen Bekämpfung. Schon 
Friederich hatte in seinem „Sauffteuffel" ein Programm für 
eine Teufellitteratur aufgestellt, wenn er das Gefolge des 



1) Teufellitteratur S. 90ff., 115ff., 53 ff. 



XIX 

Trinkdämons nannte: Huflfartsteufel, Zornteufel, Lästertenfel, 
Fluchteufel, Trauerteufel. Neidteufel, Hassteufel, Mordteufel, 
Hohnteufel, Hurenteufel, Geizteufel, Wucherteufel, Spielteufel, 
Lügenteufel und andere mehr. Nun traten sie selbständig auf 
den Büchermarkt, und den ganzen hüllischen Hofstaat fasste 
im Jahre 1 56it der rührige Verlagshändler Sigismund Feyerabend 
zu Frankfurt a. M. in einem riesigen Compendium von 20 Schriften 
zusammen, dem er den Titel ,Theatrum Diabolorum" gab,' und 
von dem er 1575 eine zweite Auflage mit vier, und 1587 eine 
zweibändige dritte mit neun neuen Teufeltractaten erscheinen 
lassen konnte. Diese Folianten bilden eine kulturhistorische 
Quelle ersten Ranges. Die ganze Welt der Gedanken, die den 
Deutschen jener Zeit beschäftigte, ist hier festgehalten ; neben 
dämono logischen Schriften, die über Wesen und Thätigkeit 
des Satan nnd seiner Diener berichten, stehen moralisierende 
satirische Schilderungen der Zeitverhältnisse, neben Darstel- 
lungen der religiösen Kämpfe Bilder aus dem Leben der 
Landsknechte, der Bürger, der Bauern. Warnend erheben die 
Pastoren ihre Hände; noch niemals war die Welt so schlecht 
und verderbt, su jammern sie; nirgends ist ein solcher Sünden- 
pfuhl als im protestantischen Deutschland; Zeichen am Himmel 
verkünden Gottes nahenden Zorn und der Welt baldigen Unter- 
gang. Und zwischen den donnernden Strafpredigten und 
schaurigen Verkündigungen des Endes aller Dinge wird be- 
haglich geplaudert und erzählt, werden Geschichten und Exem- 
pla ohne Ende herausgekramt aus den antiken Schriftstellern, 
aus den zeitgenössischen Dichtern, aus Chroniken und Schwank- 
büchern und auch aus dem Munde des Volkes. So kam jeder 
auf seine Kosten, der Gelehrte imd der Mann aus dem Volke, 
die Frommen und die „üi'eltleute, fo fccr £>. Schrift »nb ber 
Jftircf>enlet)rer 33ücf)cr letdUlic^ bberbrüffig irertcn", wie der schlaue 
Feyerabend in seiner Vorrede sorgsam hervorhob. Daher rührt 
die grosse Verbreitung der Teufelbücher, die das Publicum 
las und kaufte wie die alten Volksbücher, mit denen sie auch 
der Frankfurter Buchhändler Michel Härder, der 156',t in der 
Fastenmesse 452 unserer Schriften verkaufte, ruhig in einem 
Atem nennt. Im Jahre vorher war Feyerabend selbst iu der 
Herbstmesse gar bis zur Zahl 1220 gekommen. Das prote- 
testantische Deutschland war geradezu überschwemmt mit 



XX 

Teufelbüchern, allenthalben finden wir Beziehungen auf die 
seltsamen Tractate, und im Drama wurden die alten Teufel- 
figuren auf die neuen Namen umgetauft. Die Katholiken er- 
kannten den lutherischen Charakter bald und verboten sie 
rasch; der streitbare Vorkämpfer Roms, Johannes Nas, wollte 
sogar als Gegengewicht eine Engellitteratur begründen und 
begann mit einem „SBarnung^engel" (15S&), freilich ohne Nach- 
folger zu finden. 

Im 17. Jahrhundert erlebte die Teufellitteratur noch ein- 
mal eine Auferstehung, die alten Bücher wurden zu neuen 
aufgeputzt, und als endlich ums Jahr 1700 die grosse Masse 
vom deutschen Büchermarkt verschwand, hielt sich eine ein- 
zelne Schrift, „2)te ©ieben 2'eufe(, ii^elcf}e faft in bec ganjen SBelt 
bte l^eutige 2)tcn[t SJiägbe be^errfcfien unb »erführen" von Phile- 
mon Menagius, der hier einen ganzen Auszug aus dem The- 
atrum Diabolorum gab, noch bis zum Jahre 1731.') 

]\Iusculus' „^cfentfufel" blieb für alle Muster und Vorbild. 
Und unmittelbar hingen von ihm naturgemäss die späteren 
Teufelschriften ab, die sich mit Mode und Kleiderluxus be- 
schäftigten.-) Johannes Strauss, Pfarrer zu Neustadt am 
Schneeberg, leitete seinen 15S1 zuerst gedruckten „^^luber«, 
^auff= bnb Ärauf f = 3:eufe[" damit ein, dass er erklärte, 
sein Dämon sei zur Herrschaft gekommen, „nad^bem ber ^er« 
lumpte ^ofenteuffel etlidjer tnaffen ben ©ce^ter unb bie Ärone 
niber geleget" (Lpzg. 15S1 ag'')- Das hinderte ihn freilich nicht, 
die Schrift Musculus' fortwährend zu benutzen, da^i. druckte 
er S. 17, 17-26 ab, di«: S. 18,38 ff., d^^ — da": S. 23,s-26, da": 
S. 2a, v7ff., Cs: S. 22, soff. Auch er hat sich durch den Mann, 
dem die Widmung gilt, zu seiner Schrift anregen lassen (a^a 
cf. S. 26, 35 ff.), auch er erzählt, wie Gott Adam ein Fell ge- 
macht und es ihm selbst angezogen habe (ag^ cf. S. 12, uff., 
1-T,4ff.), auch er erinnert an die nationale Tracht der anderen 
Völker (bi» cf. IS, leff.) imd auch er weiss von dem Maler, 



1) Frankf. a. Lpz. 17S!. &". 212 S. Berl. Kgl. Bibl. E. .3U11. 

2) Teufellitter. S. 1 03 ff. — Nebenbei sei hier erwähnt, dass 
von der dort genannten Kleiderpredigt Lucas Oslanders noch 
eine zweite Auflage existiert : „®etrucft }u 2;übtngen beb Jülef; 
anber öocf. 2{nno M.D.LXXXVIII." 19 Bl. 16''. (Berl. Kgl. 
Bibl. E. 6Ü60.) 



XXI 

der das jüngste Gericht gemalt, zu berichten {d-i^ cf. S. S,4 ff.)i 
sowie von dem grausamen Hohn der Türken (bi ^ cf. S. 13, 21 ff.). 
Auch Joachim Westphal in seinem „^offabrt§teuff el" 
(1565) schloss sich an Musculus an; wie der Frankfurter 
Superintendent mahnte er an Adam im Ziegenpelz (fi^ cf 
S. 12, 14 ff.), beklagte er, dass alles Geld aus Deutschland hin- 
ausgebracht werde (fij'' cf. S. 25, soff'.), und wunderte er sich, 
■dass die Erde die Frevler nicht verschlinge (»3^ f cf. S. 14. 3 f.). 
Im 17. Jahrhundert, als der Kampf gegen den Luxus in der 
Litteratur noch heftiger tobte, übte der Hosenteufel auf die 
antimodischen Schriften und naturgemäss namentlich auf die, 
welche unter der teuflischen Flagge daherzogen, starken Ein- 
fluss.') Als er selbst 1029 in neuem Gewände erschien (s. u. 
S. XXIY f ), hiess er „befe 2U:mobc Sfetiber Jeuffels 2tlt:33atter", 
imd der Enkel selbst, der „Slllmobiicfie Äle^b er :2:euffel", 
ward nun der Titelheld einer neuen Schrift von Johannes 
Ellinger, Kaplan zu Arheiligen (lH2y). Ihm schloss sich 
der „2; e u 1 1 d) = 5 r a n ^ ö f i f rf) e 21 1 a m b c 5 2^ e u f e I" an, den „3Ji. 
©. 3v fi" fl't^r teutfc^er aufricbtioer ^satrict" in die Welt schickte 
(1679). Hier ist die Veranlassimg zu Musculus" Predigt nach 
seiner Erzählung mitgeteilt (S. 57 cf. unsern Xeudr. S. 24,5— is) 
auch wird nach dem Vorbild (Xeudr. S. 23, 33 ff.) von der Ein- 
kleidung der Henker in Pluderhosen gesprochen, wobei nach 
Cieglerus, Welt-Spiegel von prächtigen Kleidern cap. VI. Bl. 274 
die Verordnung des Herzogs Christoph von Württemberg für 
seine Büttel herangezogen wird (S. 5S). Im Jahre 1679 liess 
auch Johann Ludwig Hartmann, Superintendent in 
Rotenburg au der Tauber, der die alten Teufelbücher massen- 
weise neu bearbeitete und herausgab, einen „Sllamobe^ 
Teufel" drucken, in dem er manches aus dem Hosenteufel 
entnahm (S. 162 cf. Neudr. S. 23, 2u; auch S. 46, 101, 147j. In 
Michael Freuds „2lIamobe = 2;eufeI ober ©etrii'feng^g'^ajen 
Don ber ^eulicjcn Jradit unb Äleiber 5)3radit . . ." (lbS2) fehlen die 
Beziehungen nicht minder (S. 12 nach Neudr. S. 17,6 ff., ferner 
S. 104. 105). — Ein um nahezu funzig Jahre früher erschienener 
„Äa^jusenteuf el" von Joachim Rachel (Hamburg 1636. 
4*'.) beruft sich ebenfalls auf den Hosenteufel und die anderen 



1) TeufeUitter. S. 2110". 



XXII 

Modeteufel der vergangenen Zeit, die „in öffentlichen Srudeit 
gefeiten önb getefen Jd erben" (^2^)- An Musculus und seine 
Genossen wird der Verfasser des Büchleins „2) er beutfd^e 
^(eiber = Ülffe | burd^ itnb burd^ | aJJit fur^tüeittger ©infalt unb 
einfältiger ^nr^treil | 'iillen Gurieufen Siebl^abern ^ur ©electation. 
2lu§ eigener ©rfa^rung auff bie ©d;au 5 Sül^ne geftellet üon 
Sdamobo pcfel^ertng" (Leipzig 16S5. 12«. Berl. Kgl. Bibl. Yu 
8301) gedacht haben, wenn der Praeceptor Florian den 
jungen Alamodus Pickelhering mitnimmt zur Predigt de& 
Pater Marcus, der gegen Luxus und Hoffart sprechen will. — 
1715 aber ist die Art, mit der im „^ofenteufel" gegen die 
Ueppigkeit gekämpft wird, schon ungewohnt, und selbst dem 
Referenten, der in den „Unf cfiulbigen 9Jad^rid^ten" dieses Jahres 
S. 11 09 f. die Ausgabe von 1630 anzeigt, scheint es, „lüie bie 
2lbftd)t beg 2tutorig gar gut getuefen fetjn mag, al§ fe^ er im 
(Siffer bifftüeiten alf^utüeit gegangen". Indessen der Hosenteufel 
ward doch nicht vergessen. Achim von Arnim mochte wohl 
Musculus und seine Predigt vorschweben , als er seinen Hof- 
prediger Martin Martir als einen Eiferer gegen die neue Mode 
einführte.') Eine Hosenteufel-Reminiscenz finden wir auch noch 
bei Heinrich Heine: er spricht einmal gelegentlich von den 
Zeiten, „wo die Menschheit Pluderhosen trug, wozu sechzig- 
Ellen Zeug nötig waren" (Reisebilder I.Teil. Norderney. 1826. 
Sämtl. Werke Hamburg 1S61 1. Bd. S. 139). Zu dauerndem 
Ruhm aber verhalfWillibald Alexis unserer Schrift, als er in 
seinem Roman „Die Hosen des Herrn von Bredow" von 
Musculus und seiner Predigt erzählte. Er machte Gebrauch von 
der Freiheit des Dichters, versetzte die Anfänge der Pluderhosen- 
tracht einfach in die Regierungszeit Joachims L (1499 — 1535), 
und Hess Musculus seine Predigt vor der Einweihung der Uni- 
versität Frankfurt 1506 schreiben, aber erst unter Joachim II. 
in Berlin auf Luthers Erlaubnis hin halten, als sein Concept 
schon ganz gelb und zerfressen aussah; auch die Anekdoten 
von Joachim IL und den Pluderhosen nahm Häring in seine 
Erzählung auf (Die Hosen d. Herrn v. Bredow. Berlin 1840 
I, 37ff., 70, 71, 74, 84; II, 54ff., 60ff., 154. Zweite Abteilung: 
Der Wärwolf, S. 308, 31 Off.) 

1) Werke 10, 73. 



XXITI 

Der Verfasser der „3teime bom ^(ötlic^ten öofen 2;mffel", 
die sich neben der Editio princeps nur nocli in niederdeutsclier 
Gestalt finden (s. u. S. XXV f.j : D. Gregorius Wagner vun 
Resell. war zugleich mit Musculus Professor an der Universität 
zu Frankfurt. Er stammte aus Rüssel in Ostpreussen und hatte 
zuerst das Schahmacherhandwerk erlernt. Als er aber nach 
Frankfurt kam, wo sein älterer Stiefbruder Jodocus "Willichius 
schon eine Professur bekleidete, Hess er sich 1530 an der 
Universität immatriculieren, und ward nach bestandener Prüfimg 
153S Schulmeister in Berlin an der Nicolaischule, von wo er 
als Professor der komischen Poesie nach Frankfurt zurück- 
berufen wurde. Noch in demselben Jahre, in dem er jene 
Verse schrieb , ging er nach Danzig , wo man ihm das 
Predigtamt an der Katharinenkirche Übertrag, das er bis zu 
seinem wenige Jahre darauf erfolgten Tode (1557 oder 1559?) 
versah. Mit einer Verdeutschung von Reuchlins Scenica pro- 
gymnasmata hatte er schon vor unseren Reimen sein litte- 
rarisches Glück versucht, (cf. Korrespoudenzblatt des Vereins 
für niederdeutsche Sprachforschung 13, 29; Becmann. Not. 
univ. Francof. S. 232 ; Ephr. Praetorius , Dantziger Lehrer 
Gedächtnis (ni3) S. 6; Holstein, Reuchlins Komödien (1SSS> 
S. 81— ST.) 

Ausgal)eii. 

1. fa) SSom öoien 2:euffel. [Holzschnitt: Ein Land.sknecht 
mit Pluderhosen und aufgeschlitztem Wams, der den präch- 
tigen Hut in der Hand hält, genan so wie später auf dem 
Titelblatt von Musculus' Schrift „55on beruff önb itan't> bcr 
Äriegsleut^" 155S. Dazu zwei kleine Teufel, einer, der am 
Wege steht, und ein anderer, der dem Landsknecht auf der 
linken Schulter hockt und ins Ohr spricht.] ANNO M. D. LV. 
— o. 0. (Zweifellos in Frankfurt a. 0. bei J. Eichhorn ge- 
druckt, wie die ganze Ausstattung und der Holzschnitt aus 
der soeben genannten , ebenfalls bei Eichhorn erschienenen 
Schrift beweisen.) 22 unnumerierte Blätter 4". Bl. Aj » Titel. 
Aj^leer. Aij» — Aiijb: 3iemi t»om j6tlicf)ten £»ofen 2;euffel. Am 
Schluss: 2). ©regcrtus ivagncr üon Siefell. Bl. Ailij» — Fja 
Text. (Aiiij » irrtümlich als Aiij a bezeichnet, Fj b — Fij » Wid- 
mung. FijiJ leer. — Maltzahn, Bücherschatz I, No. 177 (1S75). 



XXIV 

— cf. auch Sclinürrs Archiv 10, 2S1. — Bei Goedeke fehlt 
diese Ausgabe. 

2 (b) SSom öofen Sleuffel. [Holzschnitt wie in a.] ©ebrudt 
3U {JrandEfurt an ber Dber | burc^ ^o^cin. ©id^orn | Anno M.D.LVI. 

— 20 unnumerierte Blätter 4". Bl. Aj» Titel. Aj^ leer. 
Aij a. — Eiij '1 Text. Eüj ^ — Eiiij » Widmung. Eiiij b leer. 

3. (c) S3om juluberte | juc^t tonb e^rertoegnen | Jjlubertc^ten 
§ofen 2;ciiffel | bermanung bnb luarnung. [Holzschnitt: das 
gleiche Motiv wie in a und b, nur ein wenig anders in der 
Ausführung. Das Gewand des Landsknechts ist noch viel 
weiter und faltiger, sein Bart und seine grimmigen Züge noch 
wilder geworden. Das Baret sitzt auf dem Kopfe. Die Rechte 
fasst an den Gürtel, die Linke an den Schwertknanf. Rechts 
hinter ihm ein grotesker Teufel, der ihm ins Ohr spricht; auf 
derselben Seite ein zweiter kleinerer, der bis zur Brust aus 
dem Erdboden hervorragt.] Anno M. D. LVL — o. 0. 16 un- 
numerierte Blätter 4". Aj '> Titel. Aj ^' leer. Aij » — Diiij » 
Text. Diiij b Widmung. 

4. (d) ^ofenteufel | S5üm juluberlen | judtjt önb e^rertcegnen | 
^jtuberid^ten öofentcüfel | bermanng bnb tnarnung. [Holzschnitt: 
ein in der Pludertracht gekleideter Teufel mit mehreren 
grossen Widderhörneru, in gebirgiger Landschaft. Sein Ge- 
sicht grinst triumphierend; die linke Hand hat er froh er- 
hoben.] ©etrucft ju grancffurt am 2)Jat)n | burcf; ©eorg 9?aben 
»nb 2Bet;ganb §an§ (Srben | Anno M. DLXin. — 32 Bl. kl. 8°. 
Aj a Titel. Aj b leer. Aij ^ — Dvij '^ Text. Dvij ^ — Dviij a 
Widmung. Dviij ^ leer. 

5. (V) Im Theatrum Diabolorum 1569. Fol. CCCCCIa- 
CCCCCVII'^: 33om juhibertm | jud;t ünb e^rertt»egcnen | pluhi-- 
richten §ofcn SCeuffel | üormanung bnb tüarnung. — Text und 
Widmung. 

6. (t'-') Im Theatrum Diabolorum 1575. Fol. 430^— 434^: 
®er §ofen 2;euffel. 58om julubertcn | 3ud;t bnb e^reriregenen 
Vlubrid^ten ^tofenteuffel | aScrmanung ünb Sßarnung. — Text 
wie 1'. 

7. (t^) Im Theatrum Diabolorum 15S7. IL Band Fol. 
bd^— 63b: SSom juluberten | 3u<i)t bnb ©rertregenen | ^Iubricf)ten 
§ofenteuf[eI | SSermanung bnb Sffiarnung. — Text wie t' u. ^. 

8. (e') 2)e^ je^igen SlJeltbcfd^ra^ten berad^ten bnb berlac^ten 



XXV 

Al-modo ^retibcr 2:euffel§ 2irt^35atter ©enant ber ©ofen=3:euffeI | 
ia^ ifi: älUeber auff gelegte fc^tpere bod) treto^er^tge 23arnung öor 
ber aübereit bamatn ftc6 ^eimlic^ regenben Sofe^eit bnb öcffart 
in Äle^bern »ra§ maffen biefelOe Q5C3:2; in bem öimmel er5Ürnet j 
ijnl 311 graufamen Straffen iregen vielfältiger SSbertrettung feiner 
^. ®ebott, fdjr^dlic^er 2(ergernuB beB JJec^ften j bnb bnauBblei5= 
liefen 35erberben t>nb ruia fein felbften tringet »nc bringet. SSor 
bier t»nb fteben^ig 3it)'^«n in ber öbelgeratf)enen Äinbljeit bnb 
SBacbetbumb ber frembben Äle^ber öoffart in teutfc^en Sanben \ 
au% tren?eiifferiger (3eelfor.^erifc^er SEolmettnung befcfcrieben | burc^ 
D. Andream Mnsculum, Professorn ber £>. Scbrifft ju grancffurt 
an ber Cber ' bnnb ®eneral (Superintenbenten ber (E^ur t>nb 
3Jiarc! Sranbenburg. Sam^^^t bctigefugter tralrrigen £»iftcrien bon 
einer liegen t)bermacbten berftccften £>offart | bcrbambten Seelen 
in ber gölten | auB einer 2{ltcn ©efcbicbt .Senn. r,y. ad fratres in 
Heremo. DJacbgetrudt | Anno M. DC. XXIX. — 15 gezählte 
Blätter (Ö 1 — 30) 4°. S 1 Titel. S 2 Zephanie I. Cap. ©e^t 
ftiUe für bem öß^iDii« öeSR3l3i | benn Ce^ &e!R3lDt 2aQ ift na^e | 
benn ber öGJiJS l^at ein Sdilacbtüjjffer jubereitet | ünnb feine Safte 
bar^u gelaben. SSnb am Sage be§ gdblacbtcvfferä beB £)(S3tJR3i 
tüiU id^ ^eimfuc^en bie g-iirften bnnb befj Ä6nig5 Jtinber ] t»nnb 
alle bie ein frembb Äle^b tragen. 2Iu(f) mill icb jur felbigen ^dt 
bie Ijeimfuc^en 1 fo t)ber bie £cbn)elle fpringen | bie j^rer »erren 
§auB füllen mit Glauben bnb Kriegen. — S. 3—25 Text. S. 26—30 
3Son ber Grmal^nung ^um ©ebet mit einem Srem^el eine§ ber^ 
ftcrbenen in (gg^ptcn | bnnb »on dual ber Seelen Sermon. 69. 
ad fratres in Heremo. Exemplar in einem Wolffenbüttler 
Miscellan Band 4^, der mit Alessandro Piccolomini's 12 Büchern 
„Della lustitutione Morale" beginnt. — Der Zusatz am Schluss 
ist aus dem Theatrum Diabolorum übernommen, wo er als 
Anhang zu Joach. Westphals „Hofiahrtstenfel" in allen drei 
Auflagen unmittelbar vor dem Hosenteufel seinen Platz hatte. 

9. (e'O Genau wie 8, nur mit der Jahreszahl .MDCXXX" 
und folgenden orthographischen Aenderungen: Zeile 1 (obigen 
Abdruckes) bnnb. 2 S>ater. 3 3:retB^er|ige. 5 Älcibern. 6 biel-- 
f altiger. 7 heiligen. Grgernu^ be§. lu fremben. 1 1 2Dolmeinuug. 
16 au^. Auf S. 26 im Titel: (Srmanung. Exemplar in Göt- 
tingen Univers.- Bibl. Theol. mor. 20s. 

lu. (n) Niederdeutsche Uebersetzung: 3Sam ^afen 2)üuele. 



XXVI 

^an ben 2;D[Dbberten | bnti\rf)ttgen | el^reriregenen | lobbigen | tal^ 
tergen £»af«n Suuele | bormaintge bnb trarninge etc. borc^ betx 
ertüerbtgen 2Icf)tbaren önb öodigelerben ipercn 2). 2Inbream 5J}u[s 
culum. ©ebriidet t^o Sioftod bb Subototc^ 3)t€^. M. D. LVI. — 
2G unnumerierte Blätter S". Aj-' Titel. Aj'> — Aiijb; gfjime ban 
bem 2;alltergen 1 2:obbigcn I (£cf)enbigen öafen ©öucfe. S. ©egoriuä 
aOSagner bort JRefeU. Aüj^ Vignette: Verschlungenes Band mit 
Inschrift „DORHEIT MACHT ARBEIT". Aiiija — Djb Text. 
Dij !! Widmung. Exemplar in Göttingen Uuivers. -Bibl. Theol. 
mor. 2S9. 

. Die an anderen Stellen erwähnten Ausgaben Frankfurt a. 0. 
1557 (0. Schwebel, Zschr. f. dtsch. Kulturgesch. N. F. II. 1892. 
S. 206 ff.) und Hamburg 1682 (Goedeke, Grundrissen, S. 480) 
habe ich trotz eifriger Bemühung nicht auffinden können. 

Ausg. No. 1 —9 (a— e^) bilden eine fortlaufende Reihe, jede 
schliesst sich fast in allen Punkten unmittelbar an die vorher- 
gehende an. Schon b bringt manche Auslassungen und Aen- 
derungen, die sich dauernd halten (im Folgenden mit b ff. be- 
zeichnet), und jede der folgenden Auflagen führt kleine 
Neuerungen ein, die weiter übernommen werden. Zu der 
folgenden Zusammenstellung der Veränderungen in der Wort- 
form sei von vornherein bemerkt, dass von c ab die Praefix- 
form ber= den Sieg über das früher herrschende bor= davon- 
trägt, dass ferner von t^ an die 3. P. Plur. Ind. Praes. des 
Verbum subject. finb lautet gegen früheres fein oder feinb 
(welch letztere Form besonders d bevorzugt), und dass hier nicht 
jeder einzelne Fall mitgeteilt ist. Die rein orthographischen 
Abweichungen sind nicht berücksichtigt. 

Somit ergeben sich folgende Varianten : 3,1 — 5,26 Die 
, Reime" von Gregorius Wagner fehlen bff. 6,5 jun a b c, ju 
ben dff. lü bnferen b, bnfern c ff. 11 alten bnb gemeinen dff. 
24 fo fehlt t'ff. 7,4 wa^v ab, tba§ c ft". 7 21c^feln de^u-^, 
aic^ffeln t' -3. 9 Äinblein c, linbelein dt^ Äiubelin t^.s, Äinber= 
lein e'u. ^. 17 Vor Sarumb Absatz dff. 19 nicfit cff. 3ü— 3t 
fonft feine fimb b. 8,1 befteUt dff. 5 barauff fehlt t' ff; ernft= 
lic^ dff. 11—12 abgema^It g. 12 fcfieitfelic^ t'ff. 13 abcontra^ 
fect c, abconterfcct d, abconterfebt t', abconterfe^et t^^^, abconter= 
feit e'-*. 21 tberbe tragen bff. 23 rtukben trerben cff. 23 ffiie 
benn aübereit. — 28 gefcbtc^t fehlt bff. 30 Äorb dff. 31 bi§ 



XXVII 

■fie f (freien a, bnb fc^rehe bff. 36 mit fo bff. 37 das erste 
tinb fehlt t* ff. 9,4 befelc^ c ff . T hinter tonä eingeschoben: 
iarnac^ dff. 29 hinter önjuc^t eingeschoben: btenftltc^ bff., 
hinter icf) eingeschoben foldtsb, folc^eg cff. 32aIIer[te- 10,12fic^ 
jrer fehlt dft'. 13 vor fc^etoen: ftc^ dff. IS hinter becfet einge- 
schoben: fic^ t-ff. IS vor befte: aller c ff. 19 erfanbe e.'u.-, 

20 ^infurta cf. Deutsches Wörterbuch lY, 2, <Bp 1432, l)infort c 
eHi.2, ^infort^ant*-^. 32 vorangcrei§et:jum bi^fen bff. 11,6, 7 baö 
ent^l6ffen a, ba^ Snb bluffen e ^u. '\ 23 bei Sßluber^o: bricht e ' u. -' 

S. 8 ab , S. 9 beginnt mit böf er Slnrei^ung. 26 jum üorbamniä 
fehlt bff. 29 iBnb entließ — 32 reiffen lüirb fehlt bff; 12,13 eine 
üiueftent^. 17 öermelbet t'ff'. 2S nod^ ©reteel fehlt önb t^. 37 ge= 
fc^e^en mage b, mag cff. 13,1 auffljebet bff'. 5 ©ott fehlt c d. 

21 etlic^ jaren dff'. 22 ergangen cff". 25 barau§ bann — 27 ge^en 
laffen fehlt bfi". 35 arme fehlt dff". 14.3 gro^ fehlt dff. 6 alä 
ber ab c, befto dff' 9 gemeine t^Ö". 14 ewiger a, ber bff". 24 Se= 
gierte 26 bor t'ff. 28 hinter begangen Absatz t^. 30 ^üUet 
iefe^alben d, e 'u.^. 31 vor erger: fic^ e^ u. 2. 15,10 erbarfeit onb 
üeibung t'ff". 13 Nach anzeigen kein Absatz b. 16 für bie 
«ßafen dff'. 27 alfo fehlt e«. 36/37 önb lüarnung fehlt cff'. 
16,9 üerbrennnen »»erben t*, 18 mit ber fleibung get^alten d f. 
2u anget^on d. 22 önö a — t^, önb e^u.^. 23 befe^albcndt^ 
32/33 önb gu eiütger — gefiiret fehlt bff. 17,5 eim e ^u. -. lo auc^ 
fehlt e '•'. 11 ba ift er gefragt toorben dff". 25 alä ber a b c, befto 
dff. 18,14 bie erbarfeit t» ff. 15 an beren ftabt t'ff'. 17,18 ^aben 
jre tleibert'ff. 31 önb fie mit d t'. 19,2 getüeft dff. 10 bff 
einem t*. 24boc^ fehlt cff. 30 ^at laffen Jjrebigen dff. 36 tbirb 
auf S. 20,2 hinter erfc^recfen t'ff". 11 er fehlt t'ff'. 36 in ber 
fehlt t'ff. 38 anfe^en fol t' ff'. 21, IS ju ben bofen d ff'. 23 nach 
0ef(^affen: etc. t'ff'. 28 aber fehlt t'ff". 33 galten unb fteüen dff. 
36 ^errn aller ßreaturndt', ßre aturen t'' ff'. 22,11/12 belangenb 
fehlt dft'. 14 gelDcnet, bnb ju miterben t'ff'., hinter gut^er: ges 
jnac^t l^at d ff. 26 regieren bnb l^errfc^en tüerben d ff. 23,9 2)Jarg: 
graff ^oac^im fehlt dff'., gu Sranbenburg dff. 18 toelc^eä — 
19 gtengen eingeklammert b c. 24,1 Sößott ®ott d t^—^. 1/2 Ferren 
bnb gürfteu e^. 31 groffe fehlt t'ff., geibeft t-ff". 25,14 bie mbnä) 
dt', bie SJünc^e t^. 17 bnb fehlt dff. 23/24 einlomeng t\^, 
e^nfommenö t^, Ginfomeng e'u. '-. 2SbiBmalä e^u.^*. 29fiirnemmen 
•dff. 30 Pfenning t' ff. 26,6 furftopet d. 10 nach nennen kein 



XXVIII 

Absatz t>-3. 13 nu^e§ t', iRu^en^ t^ff. 21 nach l^aben kein Ab- 
satz t^ ff. 27 33firgermetftern t S 33urgenmei[tern t-ft". 27,1 33iid^= 
Itnt'u.^. 2 f)6cf)Ii(f) fehlt ti ff. 8 too auff beiben feiten d t'u.2 
CV'lii aBc[tIid}e önb ®etftlirf)e Dbnc(fcit t^ff. IG, 17 Unterschrift 
ainbreaä Wufculug Soctor fehlt t^ ff., dafür @nbe beö §ojen 
a;euffel§ti, i,e^ §ofenteuffer§ t^ n. 3. 



Der „Hosenteufel" ist abgedruckt in Scheible's Schaltjahr 
Bd. I. und II. — Stücke daraus : Journal von und für Deutsch- 
land, herausg. v. Sigism. Freiherrn von Bibra 5. Jahrgang 1788. 
S. 442ft'. : Neudr. S. S,-.'— i:j; 9,30—37; 15,24—35; 17,3— 10; 18, 19— 26; 
24, 11—18. — Ignaz Hub, Die komische und humoristische Lit- 
teratur der deutschen Prosaisten des XVI. Jahrhunderts. 
S. 239ff.; abgedruckt h. Sünde Neudr. S. 17,27 bis 19, 19; ferner 
24,5—18. — Benutzung bei J. Falke, Die deutsche Trachten- 
und Mudewelt (Lpzg. 1858) II, 32 ff. 

Dem folgenden Neudruck liegt die erste Ausgabe von 
1 555 (a) zu Grunde. Nach den in dieser Sammlung geltenden 
Grundsätzen bewahrt er streng die Orthographie und Inter- 
punktion des Originals, und nur au wenigen Stellen sind Druck- 
lehler und offenbare Versehen, mit Hilfe der späteren Auflagen 
verbessert. Die Abkürzungen sind sämtlich aufgelöst, und 
zwar: ön zu önb 18 mal (S. 6,34; 7, 30; 8,7; 10,2; 12,ir,,i8; 
13,23; 14, 29 2 mal; 15, 1; 19,3i;2o,3i; 21,27,29; 23, 1,23; 25, 1,28) 
— trcire 9,19; fd^abe 12, is; tonmenfdilic^e 14, 12; begirbe 17,3; 
i^abe 17,.j; menfcbe 20,33; erfenne 2i,s; p\m 22,30; äuge ibid.; an= 
ftAnbe 22,39; h^nre 2.^,3; fcf^aue 23,15; ^rebicante- 24,ir, lum^e 
24,15; fonne 25,$; folc^e ibid.; %üv^ii 25,38; liebe" 26,28;3ugefd^nebe 
26,29. — 5uget^ä23,3 — föen 13,20 — mäc^erlet) 6,34 — Slbä 
12,30; be 14,29. — flamen 13, 20 — örnfonft 24, i-. 

Sonst weicht die Vorlage von unserm Abdruck in folgenden 
Punkten ab: 6,1 2liija. G, 10 bnfer. 7, irbarömb. 13, lauff^ 
i)tbm. 13, iiuicbt fehlt a. I(>,i9inn. 19,32 3Üfef)en. 20,30ön5 
3ucf)ttger. 22,ubnb sowie gemacfit Ijat fehlen a. 23, 33 anftel^en. 
25, 2:i me[)e. 



Die niederdeutsche Uebersetzung (n) richtet sich 
ganz nach der Editio prinzeps 1555. Sie hat darum auch die 



XIX 

Verse Hieronymus Wagners übernommen, welche nnn vielfach 
für eine niederdeutsche Zuthat galten, weil die erste Aasgabe 
nicht bekannt war. .Siehe hierüber Korrespondenzblatt des 
Vereins für niederdeutsche Sprachforschimg 13, 3 u. 29, wo 
sich auch ein Abdruck der niederdeutschen Eeime befindet. 
Eine Beschreibung von n gab A. Hofifmeister in den Jahr- 
büchern des Vereins für mecklenburgische Geschichte 54 (18S9) 
S. 219f.; über des Druckers Ludwig Dietz Thätigkeit siehe 
ebenda S. 207 ff. Im folgenden ist eine Zusammenstellung der 
bemerkenswerten Uebertragungen gegeben ; es zeigt sich da- 
raus öfters die niederdeutsche Freude an Verbreiterungen, 
behaglichen Umschreibungen, umständlichen Wiederholungen. 
3,16 eufferticfcr: üt^inenbige. 4,r.t ^ab : gubt. 5,4 felb^ nicht 
übers. 6,1 juc^t . . . eriregnen: bntiid&tigen. 2 ^hiberid&ten: tob= 
biflen taltergen. 4 hinter iramung: 2). 2lnbrea§ 9J}ufcu[ii§. 
5 hinter l^eiltge: 2l^oft. 24 tüir nicht übers. 7,2öor[eM: ge: 
fmeten ünb üertetiet. Sje^unber: nu. 7 offenen. 20 nur »bei: 
man Obe(. 24irann: üom ireme. 27 f)inbani'e^en: önberfaten. 
31 vor tiorbienel: fo. 8,S hinter tlubcricfiten: taltergen. 12 bann: 
JDcnte. 30 t>ber bem fo^jff ^ufam fdilecfct: tl^cfio^e fdilcit. 9,ü foI= 
genben nicht übers. & hinter aufflenen: ünb l^etten. 11 hinter 
bmmerbar (immer a) eingeschoben : mann ; vor fc^ole (foücn a) : 
fo. 21 hinter ane (one a): allen. 22 rege macfcen: inforn önl) 
ganbe maden. 10,3 '^lubericfiten : 2'cbbigen Salltergen. 1 7 )" cburft : 
eine (g(f)6rte. ISb^j bat befte \vo i}C lan. 2iil^infurt an: berna: 
mai§. 25 ertnnerung irrtümlich mit tiormaninge übers. 35, 36 reg 
gemacfct f^at: gafjnbe gcmafet beftt. ll,2(i geiiMifen: Gonfcientien. 
23 5)JIuba^ofcn: tobbtge talterge Isafen. 25 nacfet önb blotl^. 
26 6onfcien|ie. 12,19 20 trieber erftattung — triften: ünb ba§ 
ccf [xd tr6[tcn fcbolbe | bat fiMdfe^ jn jenncm leuen tcebber erftabet 
bnb gegeuen irerben merbe. 26 fcbmüd t»nb fc^on^eit. 29/30 mie 
gar fletfftg — geflutet: l^cfft be leuc 3ibam ficf gan^ flHi* ge» 
tüatet. 33 44 ^t)xuib f6nne . . . be jungen gefellen feEjen. 3b <£inte= 
mal: teirble. 13,1 1 12 trie oben ange3eigt nicht übers. 17 IS alfo 
jubalre ünb jurfe^e: alfo t^o ^oulve, bacfe önb farnappe. 1^ hinter 
juflammet eingeschoben: bnb tf)o I>acfet. 2S ferner: mann t>mmer= 
fort. 29b(ubern: taUtergen fnebe. 31 323U ermeffen: afftfjone^ 
menbe. 35 arme nicht übers. 14,7 nach borl^engcr: be ^bt na 
gt)fft 15 julumbten: tl^otalterben | tE)o fneben. IS vor önfer: bt^. 



XXX 

22 fo ^§ bem hoä) alfo. 23 Brunft ebber Bernent. 26 nach bn§: 
ant. 26 bnorbentl^teä bernent. 28 ane Brunft ebber bati) Bernent. 
29/30 feiner natiir üorterBung: f^ne öorboruene nature. 15,6 üor* 
Italien: l^olben. 9 grof, eitern: Düueber. 1o2)ie ^luberid^ten 
§ofen : be tobbigen, farna)3^eben, fd^enbigen, taltergen §afen. 27 f orn : 
baruL^r. b9 lunH^ic^ten: Ium))igen,^lunbtgen, taltergen. 16,4Buffeft: 
Bote beift- 21vorbnä: BeBBen. 36 ^Jluberid^te: talterge, tobbige. 
17,4rü^loffel: fna^^enlidfer; bom fc^naBel: Dam ntjBBen. 6 l^oc^s 
^eit fleib: Brubtlad;te§ tleibe. 24 auff^iel^e: b^te^e bnb ü^jl^olbe. 
27 juflambten: tJ^oflummenben | bnb t^o erl)acfeben. 30önb: ^bt 
31 tontet bem §imel: 'op erben önber bem §emmele. 35 üorl^fillen: 
gilben. 18,6 auffget^anen: b)3gebanen a^jenen. 22 in ben ^inber« 
!t)eufern: jn ben gemeinen untüchtigen l^inber Rufern. 23 vor al§: 
nu. 19,29 reine nicht übers. 31 bie niennig: ben l^uj)en. 32 ön» 
süchtige: üntüd;tige tobbige. 20,5 i^euffig; mit^ l^ü^en. 8 geferet: ges 
feget. 26 fc^liff en : fd^luten. 38 h)ol gar : niol aller binge. 21, 1 /2 mit 
lum^pen Dnb l^abern: mit lumpen, ^jliinben bnb taltern. 6 ein 
Jüeifer §eib: ein SB^fer IDJan bnber ben Reiben. 10 boc^ nicht 
übers. 1 2 für ftnn : bor einen finn. 26 f elBer nicht übers. 27 l>er^: 
Ixd) iDol: 6uerut^ fere tool. 30 gefellet: Beljagebe. 22,26 öorftelle 
Doriuanfc^a^je. 28 fic^: fel)e tl^o; nad^ btr nicht übers. 23,6/7 faf 
nad^t narren: baftelauent Starren. 1 3 gaffen : ftraten. 14mererm 
gr^term. 33 nach ^eBBen (l^aBena): fe. 34 Bender: 336bele be 
ba beue l^engen. 33/35 inn jrem Sanbe — foüen fleiben nicht 
übers. 36 bie fd^ue erreid^en: Bet an be ©d^o refen. 24,36 Ireit 
ipeg: berne tviiä}. 26,5/6 innerl^alB ad^tl)unbert: jnner^alff Ijunbert 
jaren(!). 15 muffiger leut: fo bele lebbic^genger bnb buler lübe. 
16 muffige: lebbid^gal^nber. 22 5|Jfari^er: ^erd^eren. 28 l^inban« 
fe^en: bnberlaten. 33 33orftat: ^f^^?«"- 39 bnb f6nnen eä leiben: 
bnb lt)ben f6nen. 26,15 in ba§ lod^: in bat $ol. 27,1 befftregen, 
ba§: barmebe, bat. 4 l^eiliger nicht übers. 8bo:fob^. 14 1555: 
2«.2).2bi (!). 

Berlin. Max Osborn. 



Dom |ofcn teuffei 




AKNO M.D.LV. 



.'p D f c n 4 c u f f c I. 

|f"|-^(fh bcncn, mk ^eiaja iacjt, 
TjlJ 3Bc(ct)n bae böfc üor i^ut bef)agt, 
'-ynnt) öQ'? cjiit alv böfc aditen, 

'))lad-) finfterm inebr bnnii Iid)l tracfitcn. 
'^Mc jöt tt)ut bic juflcnt gemein, 

Xic bn bclt unbcr recht nocfi rein, 
'^ae ©Ott gebeut im böcbüeu troii, 

Xein geliordien Stern, 2onn üitnb \})lor\. 
XHll creaturit ba5' jre ttnui, 

■il.liit liii't, lieb, ,^ier, iinitb groiiem rbuiii, 
^arait nidit gcbeitctt menidieu fiitbt, 

3Birb im t)enen lidit fcf)entlid) blinbt. 
^JJicfjt metir lief) bcr erbarfcit jTeift, 

^f)r eufierlid)r lunnbel nu? lueift. 
'^^ie man ficfet nn ber bojen tradit. 

Tie ber leuffel batt ber gebradit. 
•V)oien Jenffel mirbt er genanbt, 

Teutidier jugent nnn uioll befanbt. 
3iMc femr flammen bie fdinit flincfen, 

'2(1-? inolt fie ,5ur ,'öellen fincfen, 
Ü)^it fartect, Samet vnt> ieibcn, 

Jlnit )ic jre fdnimbb befleiben. 
1%^'] ©itcl iuug Jenrfe! au-:^ fnrfen, 

iÜMe fefer, bremien imnb murfeit. 
'isiel nafen baraii jeinbt ge,^irt, 

d)th mandierlei rarben polirt. 
Xer lau nniB audi io gepult fein, 

XUU luer fiiifer bonig iebm brcin. 
2o bodi bie borterbte natur 

'■öeberft null ban biefe figur. 
Xie alten bilten-? oor gron idianb, 

'^Inff erben moll im gantunt lanb. 
'il^cnn entblöft iiuirbt bev leibev orbt, 

Ta^ man roeifet fiuer ober borbt. 
3iegn pclft toar ber crftn eitern fleib, 

•ü'eldi'? inen Wott batt felb^? bereib. 

1* 



5)arnacl^ üon luoHen lüarbt gemacf)t 

2)ie fleibung, bamal» grofgeac^t. 
S3alt ^ernac^ e§ ^jur letniDonb tarn, 

5vdnrf)d)a" fittet t)berf)anbt imm. 
3ii^anb folget bcr mormer toi, 

S3rarf)t fcibcniucrcf mmb alln tmftnt. 
Se§Ii(^ mit ft)Iber, eblcm gftciii, 

5!)?it robtcm golbt, perln gro^ ünnb flein, 
^er tfcibcr prac^t luarbt bod) gcidiinucft, 

jDa iinirbn alle ©tenbe ücrnicft. 
^cr froin '!?tiiguftin ^eigt fein an, 

3öie ®ott inrf)tö luil gel)atteii bau 
l^,!*) ^^Im überfluö folcber fleiber, 

Wolt ©Ott mann bebcd)tö bodi (eiber. 
Sonbern an guten fittcn fret) 

Tlit bemüt jber geticibt fei). 
iMeronimu^ ber lerer gut, 

SDJit ftaren morten frf)reiben tbut, 
^ie jre nbrig i)ab luenben, 

''}ln ininii|in biugcn uorfd)n)enben. 
Stelen ma^i eim armen gel)ort, 

3o öerfiirn fie fid) bie onnb bort. 
©regoriu» audi red)t oormelt, 

^i? onartign leuten bar ftett, 
2)ie neme meife ^u fi'mben, 

§ier inn biefer melt erfinbcn, 
3nn ber belln merben groffer giual, 

Seiben önnb aus^ftctin oberal. 
|^e^I)anie am erften ftebt, 

Sie bann @ott biefe morbt felb^? rebt: 
3d) mit beimfudnm bie (dürften grofs, 

SDee fonigy finber alt genofe, 
2)ic bo ein frembben fd)mud tragen, 

^as jncn nid)t folt bet)agen. 
5)er ftincfcnb t)ofen Xeuffel nem 

SBirbt jn bereiten einen brem, 
5)ran fie jn fd)(ingen merben ban, 

SOBi§ crfaren roirbt jebcrman. 
[%i^] Sol^ frfinob fleib üorkfit luie ein born, 



Xie fcufdicit reit mit einem fporn. 
Ter 9J?Dabitcr meibev fleib 

iPradit ^sirad in c^roR ticrß leib. 
3u t}uren man bn ielb? kqunb, 

!i^ev(^nfjn all crbarfeit ,^nr ftnnb. 
Timn bce ^acobÄ tocfiter fein, 

iitompt bn(t mit 3idiem nberein. 
'-i^orlenft jrn inncifrniulidien frani3, 

(fe c\cxnvt niclen bieiev tanB. 
Tauib idienblidi bemoflcn iinirbt, 

il^on ben beincn '^erfnbe ^nvt. 
3nn ebcbnidi er fiel ,^n bonbt, 

fi^arbt c\xo]] jamer im qanßcn lanbt. 
Xieier icftmncf ift mie ein tobt? grab, 

Tae uon aui^uicnbic^ oiel fd)6n? t)ab. 
^nuicnbic; ift? aidm, gremlidi i^bein, 

(vileidien fidi, frmmcn Dberein. 
'-IlMc (\rDi- fünbc ev leii uor (iiott, 

^n foldm l'arbumpidicn liefen ipott 
2idi fleibcn, unnb ben anbanden, 

ilhitip fein nnnb barmit brangen. 
■JiMrbt bie bndilcin fein .^eigcn an, 

3nr iDornnng gcftclt jcbcrman. 
'^idi ha^ man gebcd}t an (Motte morDt, 

So erginge loofl an allem ort. 

X. ©rcgoriue magncr oon 3tcfcll. 



öitb el)r cruicf^nen, '"^luberirfiten 
.t>ofcit -Jcuffcl, üoriiianunn 

jy| Xae bcr n'uibc l'olb, fct) bcr lobt, uub ntd)t allein 
'^ bcr ,^citlidi über cmc\ tobt, foiiber alle? uiuifürf, trüb== 
ni§, fraitcflieit inib uin-? für inifal bift leben nnff fidi bat, 
mie bann fo(d)'? allcy, alv ,yi einer ftraff ber l'ünbcn, 
unfern erften eitern 5lbani ynb (£nta, (^iott anffc^elcflt, C^ene . 
am 3. eap. 5{ber nad) bent alten t^emeincn fpridiinort, 
Crescentibus peecatis erescunt & pcenjc, left e§ (■^ott 
nid)t bei) fold)eni iicnieinen inuiliicf bleiben, fonbern lote 
bic fnnb inn ber 'ilH'It ,yt nininiet, luedift unb fteiiiet, alfo 
leffet (Mott and) mit unb neben ber fünbe, feinen ,^orn nnb 
ftraff uiad}fen nnb anfffteiflcn. 'iiMe nnn allezeit in ber 
Ä^elt bife anff biefe ftnnbe bie fnnb fleu)ad)fen, bie leut 
immer erc^er unb bofer morben, alfo bat and) immer rnebr 
ünb mebr tnifllürf nnb nrnffer nitfabl, barnod) flcfolc^et, inie 
|9(iiii''] bann foldiv^ bie .'oiftorien bc? ':!Utcu nnb ^liernen 
3^eftamcnt«, iTMtb ancb bie .s>eibnifd}en aefdiidit, reidilidi 
enucifcn. '^snb bem nadi, bieuieil in biefen legten ,^eiten, 
nad) ber uieifai^ini-; tibrifti, bie bnf^beit nbcrbanb (^enomen, 
nnb bie fünb anffe; bnd)ft iieftiei^en, fo feinb mir and) mer 
ftraffen, nnc;h'irf, frieden, blntbuernieffnnii, peftilcnl^, franrf- 
bcitcn, fd)mercr tbcmrer ,^cit, nberfa^ung nnb bcfd)mernnfl 
ber .'pt'i1rf)afftcii, nntcrmorffen, mie tnir C5 benn bort ne= 
nuflfam crfaren, füblen nnb tirciffcn, ba§ and), über hai-^ 
alle«, nnn ferner bic 3>oiiel inn ber Infft, bic i^ifd) im 
maffer, nnb alfo alle? nnter ben bcnben norfd)minbt, bo'? 
mir ja cimHlföi" «" »^i'^" ftraff, bie mad)fenbe fünbe, nnb 
b6d)fte nn'titienc bofibcit , erfennen foltcn, Xa^ crmeifen 
and), nnb nber,^cugcn nn^^, bcr nberfd)mcnfllid)en fünb bnlben, 
fo mand)crlet) ütel neme nnb fel^amc frandbciten, meld)c 
puor nie, nnb ben oltcn nnbefanbt gemcfen fein. 

;5n fold)er mad)fnnfi, mebrnng, nnb ftetter aiifffteiflimci 
@otte« 5ornÄ, ftraff, nnb niclfaltigcn nnglüd§, tf)ucn mir 



([[cid] luic bic dunb , lueim fic f^ciuorffen fctti , (auffcn fic 
,^um ftcin, bnmit lic norfeftt morbcn, beiffcn flonfi c^rimmin 
boreiii', Pitb bencfctt nod) ichcn nit, iion iiicni ober au? 
luafcr yriadi fic i^ciuovffen inn luovbcn, trbcii bicfcr i8j^| 
avt unb cificnidinfft imdi uorlialten luir im^ jcRunber aiid), 
^iiMr bcf fairen biclc bbic ,^eit, mit fo uicl muilücf nbnlnben, 
I)cngcii bcn fopff in bie aid)CH, Ditb beißen uiiv mit ünferm 
öiifllücf, fein fcfnoerniütici önb traurig, ift m\i leib bae 
mir mit imferen fiublein, biefe bofe ,^eit erlebt haben, imb 
gebeurfeu nit eine boran, mie mir foldien ,^orn (Lottes', 
imb aller imglud, üprbienet imb reg gemadit haben, mie 
mir folten (^ntt in bie rnten faUen , ein fuBfafl tliuu, 
gnab bitten, mib beffernng unferir leben-? imrfpredien tmb 
,',ufagen, fein eben bie gefeUen nnb fromme fn'ic^tlcin, bo^ 
ruber ber 'i^ropbet öfa . am 9. cap. flagt, bo er fpridjt, 
Xae t)o(d feret fid) nit ,^u bem, ber ev fdilegt, onnb fraget 
uirf)t5i nadi bem .v^erru, Xamimb mügen nur une and) mit 
unfercm eigen ungd'irf bciffen onb treffen , fo lang mir 
uiotten , aber bamit ift one nit gebolffen, fouber machen 
nur übel erger, onb beiffen entlidi bie ^eeu am ftein auv, 
unb gel)u in Duferem onglürf ,in boben, '^Ufo fol ev audi 
V^ geben, unb gefd)idit ün§ eben redit, barunib bae mir 
auff bic nrfad} nnfere üufa(e nid)t febeu, nodi febcn moUcn, 
Hub ob mir q^ gleid) febeu, manu, mit) mober, imfer mi* 
glürf fleuffet, uidit barnadi bencfen, imb traditen, mie folcfier 
^oru r^otte5' modite oou uuv abgeioenbet merben. 

i^-8i^l ^^nb bav mir auff biß mal binbanfeueu, oub 
nicfitC'? fagen non oielen dbertrefflidien , iuid)tigen baupt 
fünbcn, in mcld)c mir in biefen legten .weiten gefallen fein, 
naä) ber meiffaguug dbvifti . ^a nur gar from, onb feine 
füub fonft t)etteu, norbienet Teutfdilanb jefiuuber nit allein 
bcu ,^om Öotte?, oub biß gegenuiertige onglürf, barinnen 
mir bii? ober bie obren fterfen, Sonber mere fein munbcr, 
bae imi? and) bie Sonne nidit aufebe, bie ßrbe nid}t me^r 
trüge, imnb @ott mit bem füngften tage gar brein fdilüge, 
öou megen ber grenlidien, immenfdilidien mmb Jeuffelifd)en 
fleibnng , bamit fidi jetumber bie jungen leutb ^u üu* 
menfd)eu madien, ünt fo fc^enbtlid) üorftetleu, bae uirf)t 
aUeiu ©Ott, bie lieben ©tigel, önb alle fromme erbare 



8 

leutl), fonbcrn nudi bic 3:cuffcl fdbcr einen ecfcl ünb qretüel 
bafnr trafen, une man bann fnrluar bnb (\Q]in^ fnqet, ha^ 
ic|nnber inn hixi} oorflaniinev ,^cit, ein frommer man, bei 
einem Waler, eine taffei beftalt, imb c^ebeten, bae er jm 
baranff ba^i \mc\]tc c^eridit ernft imb erfcbrectiid} malen, 
nnb fonberlidi bie Xenffel flrenlid) mad)en mofle, ^Äk^ld)!o 
ber y)lakv fid) befliffen, nnb bie Xenffel, a(§ auff« aller 
c^renlidift, mit foldien plnbcrid)tcn bofen ^ematt, inic fic i^t 
bic inneren (lefellen trat^en, bo fei ber Xenffel !omen, imb 
bem ^öfaler ein l'^i]"] c^emaltigen borfenftreid) qeben, unb 
qefoflt, er bab jm gciualt ni'tban, mit nnmarbeit alfo flc= 
malet, bann er nit fo fdien^lidi ünb c;renlicb fei), al«? er 
in mit ben ii'nberboffcn abeontrafebt bab, !isnb bae füll 
ie^nnbcr fitr (^ott, imnb ben menfdien, ein molftanb imb 
Sicr bciffen , bcfe fid) ber unreine tmb t»nfletic^e 'Jeitffel 
fclber fdiemet, Taran^ aber baben mir leiditlid) ab.^nnemen, 
Dnb ;,n ermeffen, menn Wott nod) leni^er anff biclt mit 
bem ^iuuiften tage, ba^? bie melt nodi ein meil ftebcn fol, 
may mir mit fpldier jni^ent, fnr ein melt binber inii? laffen 
n)oIlen, ob e« andi nu'uilicb feii, ba'? bic erbe foldie imfere 
nad)fümlinfl trac^en merbe tonnen, ob fie nit bem Iienffet 
inn jbr am^t tmb ftabt trebten, erflcr tmb qrenlidier anff 
erben, aU bie lenffcl inn ber .'c>cile meren merbcn, 2lMe 
bcnn atibereit inn nerftorfnnii onnb bofjbcit, ba^ mciftc tbcil, 
bic tenffcl übertreffen, uieldie, ba jnen foIdie flnab, ak- 
tme iUnnber, angebotten un'irbe, nimmer fo frencnlid) tmb 
nintmillifi bic fclbif;c mürben üerad)tcn, tmb mit füffen 
trettcn, al« jetiiinber iiefdiidit, Si^o c§ aber nane mil, tmb 
ma« für ein enb barnadi folgen, mirb bic Sl^clt nicbt cbr 
erfcnnen, bi^ jn ha^ maffer ober bem fopff ^ufam fd)(cd)t, 
bi« fie fd)rcien, fom^t ber jr fel§ onb fnflct nuff ün«, etc. 
[iöif''] Xicmeil aber (Mott almcflc tmb ^n jcbcr ^cit, 
oor feinem ,^orn tmb ftraff, feine gnab (eft oor i)QX geben 
onb anbieten, ali? ber nit tmfcr^ tobc;?, fonber tmfcrer 
bcffcrnng tmb lebene bcgcrct, tmb mirb on allen ämeiffcl 
nit onc groffe orfadi gcfdiebcn, ba? uns @ott fo mit reid)cr 
tmb bbcrflüffiger genabe, tmb groffem lic^t feinet SSort^ 
bcimfud)t, alei ,^nnor in fnnfföebcnbnnbcrt fnrcn nit ge== 
fct)ef)en, c« mirb nad) einem ^eiffcn fonncn fdiein, ein gro§ 



iüctter önb l)a([d , nad) fo(d)cr qroffcr niicicbotnicr flitnbc, 
ein flroffcr Dnlciblirficr ,^Drn folqnt. 
P I !i8itb bo mir nun Hon (Mott bcrnffcn, mit crnftcm imb 
tinrtcm bcfclid), im '^rcbiciamt, (Motte«; c^nab jebermennifl* 
lief), dcnffici imb lUicrfliiifiii nn,^nbieten, 2BeIrf)c aber, bo fic 
Ooradit onb nit anc^cnomen mirt, (Mottet' fotiienbcn ,sorn 
onb ftvaffe oorhntbi(^cn , onb ime miebevnmb mibev bie 
2BcIt trönlid) nufficnen, imb jrcr boftticit miberfprcdien 
foUen, onb bo nnfer ftvaffen beti jnen nidit bnfftct, bnb 
nid)t6 aufriditet, bat? fic nnd) initer onjcr trcmen nor* 
monnnn immer cr^cr U'irt , follen mir mit ^^Icoftn , l'ot, 
•^Jlbrnliam, ben "i^ropbeten, bnb 3(pofteIn, nidit mübe merben, 
nit anff boren ,sn fdireien, biv e^J (Mott im .s>immel oer* 
brcnft, bn? er^ö nit (eniier bnlben, nodi ,yi feben fnn, unb 
enbt(id) alki- in einen bonffen merffc. 

|93iii«j Tem nad) I)at mid) mein "Jlmpt bnb bernff, 
bnrcin id) öon Oiot imiemol c\an^ bnivirbitVi c^cfe^t, oor= 
urfad)t, bn« icft nid)t nttcin in meiner Slird)en, tmb "i^ni- 
nerfitet, mit prebiqen bub (efen, ionbern nnd) mit einem 
offentlidien id)reiben onb loee flai^en, mieber iold)e üMk 
bofjbeit imeld)e ben jinuiften tao, one ,iioeiffeI balb mirb 
reqe madieni mid) bnbe mollen nnfflenen, bnanflefef)en mne 
id) für bnband bamit borbienen, bnnb auff midi loben 
mcrbc. 

Tiemeit ev^ aber anff ein mal ,^n biel, ^u fd)reiben, 
bnb anbern ,^n (efen, fein inürbe, bo id) in ber ncmein 
imb meitlenfftiii oon bem jeBiflcm, mierbarlicftem prad)t ber 
fleibnni^, aÜein ^nr fünbe, erflerni^^, onb ,^n anrci^nnc^ böfer 
benirbe bnb bn,^nd)t, fdireiben folte, miH idi arte? binban 
fe^en, bi? p feiner ,^eit, iivnb mid) jöt adein an ben 
einigen I)ofen teiiffel macben, ber fid) in bicfen tagen bnb 
jaren, aller erft anv? ber .'oelle begeben, ben jungen ge= 
fetten in bie ftofen gefaren, bnb in 6000. jaren nie ficf) ^at 
bürffen erfür macben, Ta^? idi^ gcmiftlidi barfnr I)attc, baili 
bift ber leWe 4"enffel fcb, ber nod) für bem jüngften tag, 
in ber orbnnng ab? ber lebte, andi bac* feine anff erben 
tt)un bnb aueiridjten fol. 

'il^olan mir looUen on^ an jm oorfud)en, onb jn an* 
greiffen, bamit er ficf) bei feiner gefelfd)aft nit [Süj^'J ju 



10 

rümen i)ab, er attcin i)ab feine facf) on äffen mieberftanbt 
Tiau« flcfitret, 'l^nb uioHen e« bo nnlieben. 

^ie förfte fiinb, be^^ "-^-^lubevirfiten ()oien 

teuffels', Ulieber bte id)nm, ,^udit, unb cr = 

6ar!eit, nou iintiir beit meitfdien ange = 

borii nnb eiiti^epflmi^t. 

34)( '-8ucl) ber 3cf)6pffini!:^, am '2. eap. facjl llaniee, bae 
XUbam unb fein S?eib fein nncfent iieiucfen, imb t)aben 
fid) nit iiefdieniet, uiie mir benn be^? nodi ein fünrf== 
lein unb fleine au.^eiciunii baben , an ben fleinen finbern, 
nie(d)e üon luet^en ber unfdmlbt, and) uon feiner fdiein 
ober febnni luiffen, and) nidit anber lent, fid) jrer nadenlieit 
fd)euien, fonbern am aUer liebften alfo blO'o ftet)en tmb 
banbeln, ':?Iber foUienb in ber biftoria be^ erbfal?, bo 
''ilbom bie fc^anö oorfeben bat, ba fm bie ani^en anffc^etban, 
unb er fid) narfent fibet, macbt er jm al^* balb, fampt 
feiner lieben (fna, uon Aei^en blettern einen fd)urö, büüet 
onti bedet ,^u anffc- beft er fan, an>? orfad) bav' er wol 
erfant i)at, uhiö er ani5nt'ndit , onb in umf? fd)anb er (^e= 
ratten, wie binfnrt an, feine iincbfüinlini-\ , in foldier Hör- 
ri'idter Intb oorterbter natnr , in fünben entpfan^en , mie 
Xanib faqt, in fünben fleborn, in fünben leben onb ftcrbcn, 
imb ,^u cmitier fd)anb f offen |^-8iiii*) flefe^t luerben, ^ce- 
luenen bedet imb büffet er fid), alc^ ,^ur an^eigung imnb 
erinnernng fDfd)er fd)anb onb imfai^?, Xai? affo inn bie 
natnr fold)e fd)am ^epftanPiet, ba^* tbeil be« feibv? jn beden 
onb ,yinorberiien, baran^ ber oorterbten natnr niebrnng, jren 
anfaufi unb ürfprnng bat, af;? ,^u einem gebeditniv* unb er= 
innerung, ber uorterbnnq ber natnr, bnrd) bie erbfünb, 
'-8nb ba^:? and) fleifdi unb btntb, uiefd)ce inn böfen füften 
unb begirben, ivint3 unb gar en^ünbet, nit mebr Pnb ferner 
bnrd) entplöffnng, geergert unb angereiUet merbe. 

Xarnnib ift nun bierau^; erftfid) unb Unuiieberfpred)* 
fid) ,^u fd}fieffen, bae biefer jeftiger 'iUuberifd)er bofen 
Jcuffcl, gar ein nciue fünbe in bie iük^t brad)t Unb reg 
gemacf)t bat, bie and) tuieber bie natnr fetber ift, fo bod) 
nffe anbere Si'mb, jren urf prang unb f)crfomen f)aben, uon 



11 

bcr iiatur, bofcn lüften onb bcgtrbcit ,^um argen, imb mit 
bcr natur ftintmen imb Dberein fommcn . ^arunib tan and) 
jcberinan leicfttlirf) ttrtlicilcn önb crfcnncn, ton« für ein 
boftdafftiger Unnb ininorfdinmptcv Xeuffel, jeftnnber bic 
jungen lent regiert, bie fo uorgefttidi mit fnrften roden, bie 
nit redjt bic neftel erreid)en, imb mit Iiellifdien flammen bai? 
entploffen, imb jeberman fo lmnerfd)empt, ba^S' für bie äugen 
ftcKcu, pm ergernie imb anreilntng bö4^-Biiij''|fer begirb 
imb lüfte, ba^? ondi bie natur bebedt imb norborgen 
babcn nun. 

9?ad} bem mir nun nad) fofdiem ei;empel imfere^ 
erften 5?atery 5lbamvi, imb nadi fc>(d)er anteittnng imfer 
eigen natur, in foldier bedung imnb büUung, imfer 3ünb, 
'2d}am imb fdianb, barein mir leinb gefaften, folten er== 
feunen, Wott Don bert.um flagen, U'ieber bofe begirbe imb 
lüfte ftreiten , aller imreiuigfeit mieberftreben , tmb and) 
auberu fenteu an inK- anrei^iing ,^nm bofen benemeu, ilsub 
alfo für (Mott, ben Gngeln imb menfdien , im-? beden imb 
bergen , ^^MIT idi fetiiger ^eit jungen gefeüen in jr eigen 
berö tmb gemiffen ,vibebenden beimgeftelt baben, wa-:- ibn 
für ein grculidier linnurfriiampter Teuffei in bofen fi^e, 
mie bart fie Wott brumb ftraffen merbe, ba'? fie fidi burcb 
foldie 'i^nberbofen, nie! mebr ,yi aller böfer anrei^inng aller 
imfenfcbcit, entyloffen für Wott, (Engeln oub menfdien, alö 
U)enu fie gar nadeub rein giengcu, '-ÜMc fie am jüngften 
tog , jr eigen natur imb gemiffen , ,^um uorbamnii^ mirb 
auflagen imb fie liber,^eugeu, ba? fie fid) felber, nod) bofer 
imb erger gemadit baben , aU:- fie burdi Oorterbung ber 
natur, inn bie Si^elt fommen imb geboren fein, ^-iNub entlidi 
aud) mie mit groffem froloden imb triumpbit'ven ber bofen 
^leuffel am jüngften Weridit auff fie [(Sj"] marteu, imb 
nad) ergangenem (iiottcv nrtbeil, mit jren bofni flammen, 
in bic eiüigc, bcllifd)c flammen ,^icbeu unb reiffen mirb, 
als benn merbcn önfere fnuge gefelleu feben tmb er= 
fenueu, ma-? für ein fdimud imb ,^icr fei), önb mie fein 
folcbe "iMuberidite teuffelifdie bofen fteben, 3"" "^fft muffen 
mir imö p frieben geben, ba? fie imfer fpotten, üub im? 
ein Iad)cu brau geben. 



12 



^ic anber Sünbc, bcs; Suntpcnbcn ^0== 

feit tcitffcTs, lüicbcr (Mott, feine cinfaljunq, 

üiib orbiiuiif^. 



WD 



|®ittcr fd)rcibt 9!)?oifc«^ im bndi bcr idl6vfullc^ , nm 
3. cnpitcf, To mm %ham alfo bcbcrfct mit bcm 
fciflcn Mal, für C^Pttc? flcrirfit (icfürt, tmb fein in^' 
tt)eil niuofleftaubcn l)at, bamit \Hbam mit nüen feinen nad}- 
fömlinc^en ein emici memorinl imb (^ebenrf,^ete( l)ab, barnn 
er fid) mai\ erinnern, mie fein fnd) ftelie, in um? fünb önb 
,prn er (lefnden, ,;;u mc(d)er fdiain, fdianb inib mieliren er 
fiir (^ott fomcn feli, onc ba*, ba§ jm 5{bam f eiber, fi(^ 
iüldy:- ,sn erinnern, ein iiebenrf,^ettc( i^emacbt, in bem ba« 
er jm felber ein qneften itefloditen , inne oben uormelbct) 
llcndiet (Siott '"^(bam imb feinem meib, einen rod bon feden, 
imb ,iOii fie an, iBeldien |Cii''| rod ,^nm nberflnfe Wott 
ber .v^err, ''.'(bam ant"ie,^oivm [)at, mie and) foldi? ber l)eilii\ 
tilirbfoftomne üormelt, bnc^ er fid) an fo(d)er fleibnnn feiner 
fi'inben, fdiaben, fdianb bnb bnfali? erinner, barüber büffen 
bnb f(ai^en, Wotte^ ,^nfaii uorbeiffnnfl bnb micber erftathuic] 
in jenem leben fid) tröften, bo er mit norffartcm leib nadi 
ableflitnq aÜer fd)anb tmnb fdiam, mieber fiir (Hott filan^cn 
fol ale bie ftern am .*öinui, mic foldiei? C£l)riftn5 bnb bcr 
beilic^e 5(pofteI ^^nulu'ö erfleren rmb an^eic^cn , "^ann bn« 
ift Ieid)t(id} obpnemcn, menn ber liebe ^^Ibam bcn bnfictigcn 
ftindcnben ^iec^cnbelfe an feinem leib Ijat angefefjen, mtc er 
mirb gebadit baben, an ben forigen fd)mnd, bamit er anäj 
mit nadenbem leib für C^ott one fd)am bnb mit e^ren gc* 
ftanben, U)ie er aber nn fi'ir (Mott ein gremel bnb s^' 
fdianben morben ift, mie gar fleiffig mirb ficf) bcr liebe 
X'lbam oor aller entblöffnng gebütct, bnb mit feiner lieben 
(5na mit bcm belu fidi bebcdct {)abcn, ^u bcrmeibcn ünb 
^ubem:pfen feiner oorberbten natnr bofe lüfte bnb anrci|ung 

.'Oieran« l}aben nnn ,^nm anber mal sufelien bie jungen 
gcfeUen, fo fidi ,^n biefen ,^eittcn bnter be« Iiofen teuffei« 
bienft gegeben baben, ob biefe je^igc trad)t bnb ficibung 
ein fold) gering fürncmcn fcl), meiere« on ad ergernigi ober 
fünbc gefc^el)e, mic [Sij*] fie c§ bann barfür od)ten bnb 
liatten, ©internal e§ ftrad§ ift toieber ©otteS orbnung, 



13 

aicld)c ce auffftcbct inib ,511 nidit macfit, in beut, ba* fic 
ta^j tt)eil tutblöffet, mtb luctir bann bloe eiitbecfct, luas 
©Ott fclber ^ucjcbccft, onb ,511 öorbütlcn cjeovbnet bat, ^ft 
aber \old}c ftcibuiig luieber (^ot nnb feine orbmmg, io ift 
e§ aurf) geiüi'ö, ba^ fie ®ott miBgefnUc ünb jii ^u ,^orn 
betuege mib rciöe, jürnct aber @ott ban'imb, id folget ge= 
luiffe ftraff nnd) feinem jorn, luie aber @ott i|iinber 
bcutfcblanb oon luegen ber, onb anberer fi'mbe, bcinifndiet 
onb ftraffet, feben onb greiffen mir genngfani, onb foüen^ 
nocf) beffcr fülen, biemeil loir foldie ftraff e, feiner fiinbe 
^n fd)reiben, barnon nicbt oblaffcn onb on^ beffern, loie 
oben angejeigt. ^vd) U'olt nit geren ein '!|?ropbet fein, bin 
and) feiner, aber id) beforg mid) ganft fcer, bieioeil @ott, 
loie ba^i alt fprid)ioort (antct, gern bamit ftraffet, baniit 
man gefiinbigct bat, bae er nit bcnt ober morgen ben 
türrfen, über ben fd)iilbigen onb onfd)üIbigen fd)ide, ber 
onfern tinbern bic fdiendel onb beine alfo ,^n ):\a\ve onb 
,^nrfe§e, loie bie bofen juflammet fein, ünnb ^mar, mer 
fold)e« ein loolgegimte ftraff ober bie ,5ubabertcn lumpen 
onb biibifd)en bofen, loenn nur @ott ber onfd)ülbigen oer* 
fd)onet, '&k benn oor loenig jaren ein gemeine fage onb 
gcfd)rel) oberal [(£ii''| gangen, ba'j ber -lürrf albereit in 
Ringern, mit onfern Teutfdien alfo ombgangen onb ge= 
banbelt but, onb fn bie fdieudel alfo bat (äffen .^ubamen, 
loie bie bofc" fi-'^i juflabert gemefen, t<üvan^ bann geuug^» 
fam abjunemen, t^a^ ©Ott eben ber bofen balben, folcbe 
ftraffc ober bie Teutfd)en bat geben laffen, nod) loil fein 
befferung folgen, fonberu macbeu nun ferner nad) foldier 
ftraff, ©Ott onb bem 3:euffel ,^u tro^, bie blubern onb 
ftommen nod) gröffer, on,^iid)tiger onb bübifd)er, "J^ieioeil 
mir onv aber an foldie ftraff nid)t fercn, ift leid)tlid) ju 
ermcffen, ma^ für groffee onb erfd)rerflid)e^' onglüd bcrnad) 
folgen joerbe, bann ©Ott fan bie fünb ongeftrafft nit laffen, 
fonbern left feinen .^orn onb ftraff mit onb neben ber fi'mbe 
aufffteigeu onb mad)fen, ©Ott 106I fid) ober ünfere arme 
nad)fiimling erbarmen, ioeld)en mir, neben on^ ein fold) 
bab ,^urid)ten. 

Ü)?an faget für mar, mie mol W^ f eiber nit gefeben 
\)ab, ta^ in biefem jar, cinc'? groffen mau'? fon, melcben 



14 

id) feiner luirbe mib !^Df)cit l)aihcn itit nennen barff, jm 
hob brei lä^en an folc^e bluber Ijofen laffen machen, bas 
nücf)^ cjrofe nnniber nimet, ba§ einen folc^cn üorgeffenen 
nienfdjen, nit bic erben üerfcftlnngen t)at, ^^Iber @ott (eft 
e^ gef(±)et)en, fiebet bnrdi bie finger, inib ftraffet bar^ 
[C£iij''lnad) nlö ber erger trnb grenlirf)er, t^eter mtb öor= 
benger, bie obrigfeit ntit ben ünfct)iilbigen, bie foldier boB- 
beit §nfeben, inib ongeftrnfft lajfen bingeben, fintema( hav 
geroiici ift, lüie e;? bie gemein erfarnng gibt, bas otle^ baö, 
mag bic weltliche Oberfeit nit ftraffet, @ott in feinem 
grimm bnb ,^orn, a(§ ber gremücber beimfu(i)t, 2Bo§ ber= 
balben anff fold^en ünmenfct)Iidien mntu'itlen folgen mit, 
wchi (i^ott, ^d) beforg, ^eitlidie ftraff fet) ^n gering, @ot 
luerb egi mit eluiger ftraff, bei? jüngften tag«; bcimfncben. 

®ie brittc fünbe, bes* ^nlnmbten bofcn 

tenffelei, wieber ben bunb, pf(id)t, nnb eib 

ber bcifigcii Xanff. 

5^^X« miffen mir anc- ber beiligen fdirifft, Imb bnfer 
jlll eigen erfarnng, baö mir in fnnben cntpfangen, geboren, 
önb barinnen onfer leben ,vi bringen, ,^um bofen ge^ 
neiget fein üon jngent auff, miemol fold)«; uon allerlei) 
fnnben gerebt luirb, fo ift ee bod) an bem, baö in onferm 
fleifd) ünb blntl), fonberlid) regieret miorbentlidie brnnft 
imb begirbe ,^ur onfenfd)eit, ba^ aud) im ebftanb foldje 
fi'mbe mit imterlanfft, onb ba;? onrein mad)et onb befledet, 
bav' fnr bem erbfoll, on alle fünbe Onb onorbentlidic brnnft 
\\{ gangen mere, ^2(bam bett |(£iii^| fold) merrf ber mernng 
one brnnft begangen, aber mie oben oormelbct, balb nad) 
bem falle, merdet onb fnlet er foli^e brnnft, ünb feiner 
natnv oorterbnng, büflet be^^mcgen Onb bedet p, ha^ er 
nit burd) enbloffnng, foldie böfe begirbe erger mai^e bnb 
met)r enljünbe. '5)emnad) mie mir alle oon "^Ibam geborn, 
fold)c fd)mad)eit onb ünorbentlid)e lüfte in onö befinben, 
fagen mir ^u onb oorbinben on'ö mit (^ot in ber Xanff, 
hui-' mir fold)en böfen lüften in onferm fleifd) mieberftanb 
tl)uen, Onferen leib tobten onb cofteien, onb üor allem 
l)ntten iiuiUen, nuv? fold)e lüft in on?i erregen, oorurfad)en 



15 

imb anreihen moc^c, Xa§ tnir aucf) nit auberleuten, mit 
iDortcn, geberben miD tleibuug , ober luo mit e» ionft ge= 
irf)et)cn tan, motten crgernie geben, fonbcr mie ?Ibam ^u= 
becfet, onb aud) ©ott felbcr 5(bmn mit bem ,^iegenbelti 
beüeibet, hav mir one aucf) alio erbarlidi onb ,5Ücf)tig mit 
!(eibung oorf)alten, imb niemanb ,^um böfen anreihen möUen, 
Xae iit ber bunb ben mir in ber Jnnff mit @ott gemacf)t 
tiaben, banmdi mir m\^ iotlen bnltcn onb leben, mie benn 
oniere lieben oorfaren onb groß eltem, bi'? auff biefe jcßige 
jeit, io(d)cr erbarfeit in fleibung, ficb bcflilien f)aben, onb 
norf) ouff ben beutigen tag, atle onbere frcmbbe 9fationei^ 
beninad), mit ber fleibung alio lief) oorbalten, mie mir balb 
roöllen meitlcufftiger anzeigen. 

[(5iiij*l 5>iemit aber möUen loir ^um britten mal 
,5ubcbencfcn geben, onb bie '4>luberict)en bofen onieren jungen 
leuten für bic na? t)alten, ba-? fie fid) mol barinne jpiegeln, 
bnb fe^en, mie fic fo gonb oorgeRlid) an @ott onb an 
jrer fjeitigen 5ouff, mcinel)big onnb ^u ©üben merben, inn 
bem, ba« fic nirf)t allein iolcbe bofe lüfte im bergen tragen, 
fonbern ma? fie im bergen bflben , audi cufferlidi mit ber 
fleibung, Öott :-^n micber, onb bem nediften ,yir ergerni^, er- 
loeifen, onb jeberman für bie äugen ftellen , Tann lieber 
fag mir, loo ju bienet ee lonft? Üi^arnmb loirt e? ange-- 
fangen? 3lu« mov anberer orfad) gcfd)ic6t e«? 5)a'? jn 
onfere junge gefellen laffen fo furt3e rörf onb mentel 
mad)en, bie nit bie neftel, gcfd)meig bann ben laß beberfen, 
iönb bie bofcn fo ^u lubeni laffen , ben la& fönt alio 
mit betlifdien flammen onb linnpen, onmcnfd)lid) onb groc- 
mad)en, bie teuffei auff alten feilten laffen alfo rauv gucfen, 
bann allein ^um ergerni^' onb böfer anreißung, ber armen 
onmiffenben onb onfdn'tlbigen meiblein, loeldic wa^ fie für 
gebanden not balben onb onmicberftreblid) faffen onb liaben 
muffen, nad) bem bu jn alfo für bie äugen triteft, geb 
id) bir felbcr äubebendcn, bu meift es^ aud) onb t^uft e^ 
barumb , Xas foltu aber barneben audi miffen , M^ bir 
oicl beffer mere , nad) ber "(Siiij''; ernften tremung 0)ib 
marnung (Ibrifti, ta^:- bu nie geborn mereft, ober bir ein 
mülfteiu am bale bing , onb legeft im meer Da e? am 
tiffeften ift, mit beinen tenffelifdien hnnpiditen boien, ba)nit 



16 

bu fü treucufid^ önb Bübifcf), bie jmuicii UnfcfjiVfbigcn nteib== 
lein, jungfraiueii, onb fraiucii ercjerft, önb ,^um bofen an= 
ret^eft, ^ann bn^ fo(t bn erfaren, luo bn nid)t barüber 
biiffcft, btiÄ bir§ öbicr mib mitrcglirf)cr ai<5 anöern ergeben 
wirb, lui dbriftu? felber fagt, lüie bid) bic t)ofen teiiffel 
Don bem angeficftt @ottc§, trnb oder lieben ©ngel önb 
Öciligen angefleht, gum gröffern üorbanini» reifjen, bir bie 
fd)encfel mit l)eHifrf)en ftamnten anpnben, önb önanffborlid) 
,^n brennen merben, &dü geb t)aä bn bid) innbeß erfcnnejt 
önb ablaffeft, 3ft i^t)cr alte treme öornmnnng an bir öor= 
loren, uiolan fo far fort bin, mav bcn raben gehört, ba^ 
erfenffet nid)t. 

Die 5? i c r b t e f ü n b , b e £* ö n n e r f d) e ni b t e n 

bofen teuffel^, löiebcr bas? ißierbte gebot 

önb geljorfam ber ©Item. 

frt^'l^^t'S ein loenig betagte önb alte (eut fein, bie ^aben 
TIJ fic^ (51' erinnern, inn luaf? ,^nd)t önb erbarteit, fid) 
önfere öoreltern mit ber fleibung öort)alten, rote 
ebrlid) fie fid) mit jngetbanen flei* [Di "| bem önb langen 
roden angetban, ergerniö önb anrei^ung ,^nr ünjuc^t ^lu 
norbnten, öne in bem aU:- fromme önb getreme (Altern, ein 
ejL'empcl önb fiirbilbe gegeben baben, ba^^ mir and) in fold)er 
,^nd)t önb erbarteit anffn)ad)fen f ollen, önb bc^megen am 
jiingften tage genngfam für (Mott merben entfd^ülbiget fein, 
jrer öngeratener tinber l)alben, benen fie gn folc^er bübifd)er, 
ön,v'td)tiger önb önmenfd)lid)er fleibnng, fein örfad) geben 
baben, Sie merbcn fid) aber am jüngftcn tag öon l)er|en 
jrer finber fd)emen muffen, öon bergen erfd)reden, önb 
iunnfd)en fie bettln fie nie geborn, nod) ^\i ber SBelt bracht, 
menu fie febcn mcrben, mie bie felbigen fo grcnlic^_ guflambt 
önb jnbadt, önb mit fold)er önäiid)tiger tleibung für ©otte 
Werid)t önb 5tngefid)t merben geftellet, önb ^u cmiger öor 
bamni^i öorurteilt önb gefüret merben. 

Sd) ^alte eö and) geioi^lid) barfür, mcnn je^unber 
önfere ©Itern ^nm tbcil f ölten anffftel)en, önb an^ jren 
nad)fümblingcn fold)e pluberict)te l)ofen fel)en, fie mürben 
fie an freien önb öorfind)en, crftlid) öon megen be« übel- 



17 

iianh^, baburd) fie fid^ p önmcitfdien nmcficn, ,^iim anbcrn, 
0011 lucgen ber crflerni^ ünb anvciftunc} ,^u af(en boien bc^ 
e-jivbcit, ,vim bvittcit, uon lucflcii bcr mtfoft, bC'? jcftunbcr ein 
junflcv rotilöncl, die er iiodi bae ciolc uom [3)pJ idiimbcl gar 
abiui'ifdiet, mdir gelb^ ,^u ciuciit par boicii tiabeit imiv, aU 
l'ciii uater ,^um bodiöcit flcib, lüie idi bann beriditet iiicvbc, 
nadi bcm jctjiinbcv 20. 30. ober 4o. eilen Äarted gemein ift 
,',uni untevfuter Onb bellifdien flammen (luic mon e« aber 
^Drein bringet, bo laf; idi bie idmeiber für forgen, id) ad)te 
luol fie belialten andi jliv tlieil ^arnDll) ba^ jm ein lanb!^^ 
fnedit liabe laffen 99. ein imterfutern, bo er ift gefragt 
luor^en, luarnmb er nid)t liab KH). ein genomen, bat er 
geantiuort, 99. fcii ein lang luort, onb gntli lanbi^hieditifd), 
bnnbert ober fei) fnrft, intb nid)t fo pred)tig ,yi reben, ^ä) 
barff and) nidit luol lagen, ba^i einer loo. imb HO . ein \)ah 
onter ein par bofen gefüttert, "©ie tan hoä) @ott folcben 
mntnnUen leiben onb ,yifeben"? ißiid) umnbert nad) bem 
(^iot ,^iuior im alten onb nemen Xeftament gar oiel geringer 
lüube, i)avt geftrafft bat, loie e-ö nn iniie in ©ottee geridit 
ein gelegenbeit haben, ba^i er nn fo laitgmittig ift, onb foId)e 
groffe ontngent bnlbet, '^^iber id) balt e-^ bafiir, bae onfere 
fimb je^nnber ;,n groe feinb, bae fie mit ,3eitlicber ftraff 
nit fönnen btVialt luerben, onb ©Ott berbalben feinen ge^ 
faften .^orn aiiffjiebe, bi§ jum iimgftcn tage, an loelc^em 
er bann ale ber grimmiger oorgelten onb be.^ilen loirb, 
n-HT? er On« je^t anffy terbbolti borget. 

[^ii*J S)ic funffte 8ünbe, be« jnflambtcn bo* 

fen teuffel§, roieber bie geioonbcit, gebraucb 

onb reci^t aller Oolder anff erben. 

^^'^1^1 ift am tag, onb erioeifet ev andi bie gemeine er= 
I farnng, ba>5 alte '-l^older onter bem .t>imei, nad) ein»- 
'^^' gelning ber natur, gleidi loie "?lt>am mit bem feigen 
blat, ük- oben oormelbet, fidi an bem teil beö leibe^i, ben 
junnb onfere jiigent fo onjiid)tig entblöffet, auffv fleife^igeft 
beberfen onb oort)üllen, ba^? andi bie Unit, fo bod) fnnft 
ber [)i^( balben in ben bciffen ^enbent gar nadent geben, 
bennocb an'c eingepflanzter ,3iidit, fdiain onb erbartcit, mit 

Musculus, Uosenteufi'el. 2 



18 

fcfiurfecn bon fc^önen fcbern ober anberen foftüdjen binden, 
jre ]d)üui ^^ubedeti, äBtr achten jt;ic|cr ,^eit für öit^ bie 
SBenben etiray gering, nod) feigen mir ha'c bei) jii meljr 
erbarfcit üiib ,^ud)t ift, a(ö bei) ün^, bie mir bocf) etma» 
beffer fein lüullen, 5)u fid)ft feinen 'Ä^enben, fo geringe? 
ftonbeö er ift, ber mit fo furzen önb anffgetl)anen tleibern, 
für jungfrnmen bnb ?yrnmen, forn gar blov onb entbedet 
get)e, ber nit umb feine lenben einen fd}nrl3 i)ahi\ onb fidi 
eftrlid) ,5nbede, 3?Je(d)e erbarfeit jlsnnber gar borgeffen bnb 
binbangefatjt ift, and) bei) groffen lenten bnb ^isotentaten, 
bie nit allein fnr fid) mit entberften l)ofen, fnr framen bnb 
f^ij*"] febermenniglid) geben, fonbern fönnen e? and) leiben 
bnnb ,^ufeben in jrem gramen ,^imnier, bae mid)^i nit anberö 
anfid)t, aiv fei) alte erbarteit au5i '5)entfd)lanbt gemanbert, 
bnb fid) an bie ftabt otlentbalben ber bn,^iid)tige bnnb bn«» 
fonbere tenffel eingefal.U. VUle ^Ttation, SBalen, 3;)anier, 
?franöofen, ''4>plen, ^sngern, Jartern, -Türden, l)aben jre 
lange fleiber, bnb gemönlid)e ,^ubednng be^s (eib-?, mie 
fie ee bon jren (i-ltern entpfangen, bebalten, ^^(llein j£)entfd)- 
lanb i)ot ber biniorfdiambte tenffel gar befeffen bnb ein- 
genomen, hav jetumber mebr ,^nd)t, fd)am bnb erbarteit 
im 'ikini^ berg, bnb bor ,^eitten in ben binberbenfern ge- 
mefen ift, ali? bei) bn^ Xentfd)en, bie mir bod) bnt? alte 
jetumber C^rbar, Ci:rfam, bnb örnfefte, fd)reiben bnb nennen, 
bnb nit fo biet Cfrbarteit, (ibr bnb ,yidit baben, al«? ein 
nuide mag anff bem fcbman^ meg fitren. 

S^nb menn id) folte bie mit einfiiren, ber >Kümer ebr- 
lid)e trad)t bnb fleibniig, and) mie fie fünberlid)e gefeti bnb 
orbnung barinne gebalten, fo ioiirben mir fonberlid)eii 
miiffen fagen bnb befennen, mir betten ei? mol borbinet, 
boi5 ©Ott ein frembb !:8old Ober bai? anber, bber bn» 
2)entfd)c rein füret, ba^o fie mit trieg bnb blntuergieffnng, 
bn^ any ber 3iH'lt gar ansJtilgeten bnb trieben, in einem 
l^iij"] befftigen eiffer, al'? lent bie nidit mert fein, bai? fie mit 
anber lenten anff erben loonen füllen, bei) benen alle ,^nd)t 
bnb erbarfeit binmeg getban, bnb alle fd)onb bnb bn,^nd)t, 
bberbanb genomen i)at, 3Bie benn (Mott ,^nnor in ber ©int* 
flnt bon megen bn,^ud)tigfeit ber finber ©otte«, mit ben 
3:öd)tern ber menfd)en, geljanbelt b^t, melcber fnnbe bod) 



19 

finbcripier, one allen ätreiffcl, gegen offt önb üietgenanter 
je^igcr öngud^t, gemefen tft. 

£h aber gicirf) ie|unber auff obgenante tt)ct§, ©ott 
ün# Tcittidicn nit ftraffct, fo bakn mir tcgücf) für augcn, 
ben ^Regenbogen am .^imel, an mc(d)cm @ott imli jnm 
cjempel bnb beifpiel, tcgücf) für fielt, feinen erzeigten .^orn, 
mit ber Sünbffnt, Sfn bcr maffcr färb am ^tcgenbogen, 
bnb mit bcr anbern färbe, mcfcf)C bcm ferner gfei(^ ift, 
gmigfam tcgfidb meifct tmb erinnert, ma§ er mit bcm ferner 
am ^süngften tage tfmcn, nnb anff einen f)anffen, mit cmigem 
gorn, maÄ er fang gefparet bat, bc^afn mif . Taranff moffen 
mir bie l^nbcr teuffcf, tmb bofcn fnmpen, imcr faffen babin 
geben, fo fang e§ mcret, icb boffe aber c^ fet) af bereit jn 
grob öorfcfjcn, ba« e§ Sott üorbreuft, onb nit fenger mirb 
bufben fonnen, öorjeubet aber ®ot nocf) ein meif, fo baft 
ic^5 fürmar, fie merben nod) ganße türf)er onb Sartecf, ömb 
bie bein bengen, ober ja no(^ [^iij''] ein onffetigere trodit 
erbcncfen, bamit fie @otte§ ^orn onb bie öcff, nur mof 
Oorbiencn. 



®ie fed^fte Sünbe, be§ £)effenffammicb- 

ten f)Dfentcuffcf^, wicber ünfcr jefeige 9iefi = 

giou, önb fecr bes f)cifigcn (Suangetij. 

«S moc^t fid^ biflicf) ein ©brift f)Dc^ baruber üormunbcrn, 
onb bcr facben nacbbendcn, mic ee bocb jmmer mebr 
fomc, ba'ö fofcbe On^ücbtigc onb Dnef)rfid)e ffeibung, 
fonft bei) feinem oofcf erfunben, af^ alfein bct) ben Gbriften, 
onb nirgent in feinem i^inb fo gemein onb crfcbrccflicb, afe 
eben in ben Scnbcrn Onb Stcttcn, in mcfcf}cn @ot fein genab 
aufgoffen, fein tiebee 5l^ort onb reine fcer bc5 (fuangcfij, 
bat ^4-^rcbigen faffen, bcnn wer fuft f)ettc, Oon ionnber5' 
megcn, oief onb bie mennig fofcbe onftctigc, bübifcftc onb 
bn,^ücfitigc '!|ifubertcnffcf .^ufcbcn, ber fucbc fie nicbt onter 
bcm '^apftum, fonbcrn gebe in bie Stet onb ücnbcr, bie 
jcmmbcr iL'uttcrifcfi ober Guangcfifcb gcnennct uicrbcn, bo 
mirb er fie beuffig ^u fcben fricgcn, bi^ auff ben böcbften 
grcrocf oub ecfcf, ba;? jm and) ha^j f)cr| mirb barüber me^ 

2* 



20 

tf)ucn, önb bafür aU für bcm grclrli(f)ftcn SReeriüunber ficf) 
cntfc|en bnb erfcEircden. 

[®mj*] SSnb ift eben bt§ bic örfad^, ha§ in ben 
@uongcIi)d}cn Stcttcu folc^c crfc^rcrfüdic 9Jfcern)unbcr, jo 
üiel önb I)cuffig gc]cf)cn lücrbcn, ha^ bcr tcuffcl, luic Unfcr 
^err C£(jriftu§ öormelbct, nit gern in ber \vü\kn ünb üiu 
reinen [tcttcn ünb ortlicrn ift, fonbern er tuil auä) in bem 
Ijanfc lüoncn, ha^ gefc^niücfet, ünb mit pc']cm gefcrct ift, 
33nb Jüie im ^ob ftet)ct, fo mitl er and) fein, ba bie finbcr 
@ottc§ am bicfcften ftetjn, ünb mie ha<5 fprid)iuort lautet, 
baiüct er atjeit fein (Japel ünb nobisfrug, wo @5ott feine 
^irrfie i)at. 

2)eBlt)egen folget ^ierau§ bntoieberfprecfilic^, (ob ber 
laufen teuffei gleicf) no(^ fo fauer bargu fet)e, ünb folrf)» 
nit gcrcn I)6rcn lüit) ba§ alk bie, e§ fein 2anb§fnecE)t, ©bei, 
|)offcIeut, ober nocf) groffer^ ftanb^, fo firf) mit folrfien 
ün^ücbtigcn tcuffelsi bofen beftcibcn, be^ neiüen erfürfommenben 
bofenteuffelä', au'^ bcm attcr binberften ort ber .S^")eUcn, ge^ 
fdjmornc ünb ^ugetbancnc gefeticn, ünb t)offgefinbc fein, 
burd) U)e(d)c, aliT^ feine mittel ünb mcrd^eug, biefer Ie|tc 
bofentcuffel, ba§ Ijod) ünb tbeure SBort (^otteö üorunrciniget, 
ha?' bciligc ßuangelium ünb Sacramcnt, üoruncbret, jum 
crgcrnii?, böfcm gefdirei) ünb ünb übel uadireben fettet ünb 
brcnget, ba5 fid) bie fciubc bc;? .sjcrrn CSI)rifti ünb biefer 
ic|igcr feiner (cer, baron ftoffen, ergern |jDiiij''J ünnb 
gen|(id) fd)(iffcn, bae- nit müglid) fei), man fing, fog, ober 
fdireib, üon biefer leer, mie, ünnb mai? man mit, bas* fie 
üon @ott fei), nad) metdier üerfünbigung ünnb Offenbarung, 
ünnb eben in ben felbcn (enbern bo fie an tag fomcn, hk 
Icut ju fo(d)er ün,^nd)tigcr ünb ünmenfd)Iid)er tieibung ge= 
raten fein, bie bo motten für frome (£t)riften ünb finber 
©otte^ ge()a(ten fein, ünnb feben boct) in marbcit mit fotd)er 
fleibung bcm ünflettigften 3^cuffet enlicbcr, a(5 mcnfd)en, ge= 
fc£)tDeige bcnn @otcö finbern. 2)a» id) and) felber für 
mein perfon mu^ fagen ünnb bcfennen, luenn id) fgunber 
junge leut auff ber ftraffen, mardt, ober in ber ^'ird^en 
fcl)e, bay ic^ nit meii^ ob id) fie für menfctien ober meer= 
Jüunber, ünb lool gar für Jeuffcl fol anfe^en, benn fie fid) 



21 

ftiol fo grculicf) ücvffcibet, jiifiacfct trnb mit (lunpcit önnb 
t)abcrn bciicnget liabcn. 

Sic fprccf)cn aber fkibcr öcrbammcn nidit, hav ift 
roar, fic machen aitcf) nid)t fcitg, ha^ ift aiidi wax, hcmnad) 
bleibet ba§ and) luor, lui ba§ fpvirf)iuort lautet, an febern 
fent man ein nogel, 3lMe and) ein meifer ^eib bauen ge= 
fc^vieben, mic man eine^ menjcften t)erfi, natur imb eigcnidiafft, 
an feinen gliebmafien, fprad), gang Dnb fleibern erfcnncn 
fol, bemnad) ob bid) beinc jubadte bofcn nit borbammen, 
fo norbambt bid) bod) bcin eigen ^er§, [ßj''] baö bn burd) 
foId)e fteibung offenbar nmcbeft, an beinen fleibern fibct 
man, ma§ bu für finn, gebanden önb mut boft, 9(n beinen 
bnäü(^tigen, tinmenfd)Iid)en, äuflaberten, lumpen bofen, fiebet 
önb fpüret man mot, ob ber ®eift ©otte^, ober ber geift 
be^ bofen, ber onjucfit bnb önreinigfeit in bir mone, %n 
beinen febern, jutapten f)ofen, fennet man hid), ma§ bu für 
ein teid)tfertiger, bübifd)er onb on^üditiger menf(^ feieft, 
2)a§ fein bie läppen, bie bir jun I)Dfen rau§ Mengen bi» 
anff bie fü§, alfo fol man fie nennen onb tauffen. 

5)ie ©iebenbe Sünbe, be;! gucbt ünb c^r 

üorgeffenen bofenteuffel!?, miebcr bas 

ebenbilb ©otteö, barnac^ ber 

menfd) gcfd)offen. 

/|f'@ ^at ©Ott in fünff tagen, biel fct)6ner bcrrlicficr 
llr Greatur gefd)affcn, am 4"^imel, in ber lufft, anff erben, 
^■^ bnb im roaffer, ba§ er aud) felber alle5 für gut an= 
fielet, mie 9J?oife§ fagt, dnb gefettet jm t)er^tic^ mol, 2)o 
er aber am 6. tag ben mcnfd)en, mit fonbertid)em gepreng, 
ceremonien, bnb rabt, ber ganzen bciligen bret)faltigfeit, 
gcfdiaffen batt, nad) feinem ebenbilbe, gefettet jm für atten 
fotdi gefd)6pff alfo mot, ba^ er felber fester nit [Q\^] mei§, 
mic er fid) frolid), lieblicb, bnb freuntlid), gegen bem 
9J?enfd)en bort)aIten bnb ftelten fol, mad)et jm biet mit 
3(bam jutbuen, 53anict jm ein t)errlid) Sd)tofe bnb monung 
'Oa§' ^5arabci5, füret jn mit feiner eigen banb t)inein, fcfeet 
jn 3U einem ^^avn Ober atte Srcatur, bamet jm ein gefellin, 
bnb get)ütffin ani- feinem leib, 2)a5 fid) be^iocgen @ott ge^ 



22 

nugfant crfterct, bnb fein ^crb gcoffenfiarct f)nt, 1üq§ jm an 
bcm ©cfdjüpff öclegcn, \vk i)Dd) mh luirbtg er ey Ijalt bnb 
a(i)t, 5ßnb ba^J biß allcy mcit übertrifft, imb mit 9[)?enfrf)(id^er 
Dornunfft imb norftanb bnbegreifflicf), l)nt ©ott bcn 9J?enfd)en 
alfo gcliebet, luie C£I]riftU'? fclber faget, Ta^ er feinen 
einigen 8on für Sfßelt gegeben l]at, etc. !5)a§ er feinen 
einigen @on in bie fd)anö gefdilagen t}at, nnff ba§ ber 
SOknfrf) nad) feinem cbenbilbe gefd)offcn, nidit im üorbcrb* 
ni§, bnb inn ber gematt bcfe tenffcl'o bliebe. 

ii^nb ferner ^enbet ber Stpoftct bay and) i)Dd) an, ben 
motgefalten &otk^ an ber fd)5pffnng be§ S)?enfd)en be- 
(angcnb, ^a^ and) ber Son ®otte§ nit ein§ ©ngel^ gcftalt, 
fonbcr ünfer fleifd) ünb b(utl) an fid) genomen, önter tone 
gctuonet, ünb jn miterben alter feiner giitt)er gcmad)t t)at, 
ba§ mir nnn ferner aU ein gcbein önb fteifd^, in emigfeit 
mit fm ()crfc^en ünb regieren tuerben. 

\(&x\^] Xcmnaä:) ift nu ferner feid)tti(^ gu fd)tieffen, 
mie fid) felber nornnebrcn, mieber fid) fclber fünbigen, fid^ 
fclber fo gering, imftctig, Dorcd)tIid), Unb fo fdjcnt^tid) 
nmdjcn, alö fein SOiccriuunbcr fein tan, bie @ot fo fd)6n 
tonb tiebtid) gcfd)affcn, Imb fo gar ein groffen gefallen an 
jnen I)at, mie bonn ^anib fid) barüber iiormnnbcrt, bo er 
fogt, ''}ld) (SJot ma? ift bod) ber menfd), ba^ bn bid) fein 
fo annimeft. 

SlMltn aber nit gtenben bay bir fold)C fcibnng \)hQi 
anftcl)C, ünb bid) oorftede, fo menbc bid) nnr Innb, menn 
bn anff ber gaffen fo jnbadt Imb Inm|.nd)t rein ge()cft, 
Unb fid) mie bie lent nad) bir ftill ftel)en, bir nad) feljcn, 
ünb beiner t)nmenfd)ligfeit fid) oornmnbcrn, 8et)en bir aber 
bie 9}Jcnfd)cn nad), |3fnen bid) an, fo bcnd mit ma§ angen 
bid) (35ot üicl mc()r on fel)e, jornig önb grimmig ober 
bid) merbe, ^d) mein ja hav i)ciffc fid) fd)ün fd^mnden, ba§ 
miigcn ja fd)6ne bofen fein önb l)ciffen, 3lber I)ie t)ilfft 
fein fagen, ber tenffet bat jc^nnber bie jngent gar nor- 
blcnbt, onb fi^et jn mit gant^cn fiegion in ben läppen trnb 
himpcn. 

3)ornmb mott id) miinfd)cn, bamit fic c§ bod) m6d)ten 
erfennen, mie feine gefeiten fic mcrcn, önb mie fd)6n jn 
bie ^ofen anftünben, ha§> bie jungen anff ber goffen fie 



23 

mit brcrf, bnb bie mcib mit faufcn cicvn un'trffcn, ba§ fie 
e§ hod) fülctcn, fintcmal jn bcr [@ij''J tcuffcl bic aiigcn 
jugeti^Qn, ba§ fie e§ nit fcftcn fonncn. 

Sd) ad)t aiicf) ein Ctnigfcit tfict nit bbc( boran, Uicnn 
fic foiift fo(cf) t)n,^iid)t nit ftraffcn motten, bnc; fic büfc 
buiicn dcftcttctcn, bic jn aU 90^cerrounbcvn imb fafnarfit 
narren nad) (ietfen. 

2Bic ic^ bann &crid)t bin, ba# fid) tmfer ©ncbigfter 
St)ur ünb Sanb %hx]t, 9JJarggvaff ^oadiim öon 33ranbcn* 
bürg, in fnr^er jcit alfo i)ab (öblidj tmb ^vürfttid) gegen 
folc^em hibcrid)tcn tiofcn tenffel eingelaffcn, nad) bem Seine 
S^nrf. &. bret) Sanbefnedjt mit fDtd}cn (appenben Iiofcn 
tiat feilen anff bcr gaffen geficn, mit einer fürgetienber 
ficbel, alv bie nnr jn mcrerm mntmiUen fid) ai'^ önfictige 
9)?ccrnninbcr non jeberman molten taffcn fdiauen, tjat jre 
S^nrf. @. fotd)c (anb£ifned)t (äffen greiffcn, önb in ein offen 
öorgittcrt gefengnis brct) tog fe^en loffcn, bnb bamit fic ja 
giifd^amcr genng f)cttcn, mc(d^e§ fic benn fud)ten, bnb bar== 
nad) giengen, t)at bcr fiebter anffen für bem gefcngni§, 
muffen fo(d)C ,^eit tibcr f)offieren Dnb ficbicn, SBoIt (Mott im 
^■^imcl, bat? bic dürften imb .s>errn, jre äugen aufftl)eten, 
fid) jrc'^ ampt«? erinnerten, fold)e tcuffe(ifd)e boH()eit ftraffeten, 
bamit nit &oti oorurfad)t luürbe, ben frommen mit bem 
büfcn jn ftraffcn, älUe bann "ilsantuvi fagt, 1. (Sorin. 11. SBcnn 
mir ün§ felbcr rid)tctcn, fo mürben mir Hon ©ott nit gc* 
rid^tct. 

[®iii"J ©0 t)ür id) and) fagen, bai? etlid)c ()oI)C ''^soten»^ 
taten, önb (£t)riftlid)e Cbrigfeit, fid) jrcv? ampt-j ()alien an= 
gcnomen, nad) bem jclmnber and) groffc ,s>anfcn onb 
Öoffiundern fid) fD(d)er onmcnfd)lid)er ticibung gebraud)en, 
ünb nit luöllcn geftraffet fein, a(^ fret)l)errn ade^ böfc^o, 
bamit bennod) fo(d)c jundern fct)en imb merdcn mögen, 
mic rumlid) onb et)r(id) jn foId)e tteibung anftef)et, t)alicn 
ein gebot (äffen aufget)en ba'? fid) o((c I)ender inn jren 
Sanbcn, fo bubifcf) imb ,^n(ubert fo((cn f(eiben, fo(d)c ()ofen 
antragen, ba§ bie f)e((ifd)en (appen bie fd)ne crrcid)en, '3)a== 
mit and) bie finber anff bcr gaffen tonnen ortcitcn, uicnn 
fic fo(d)e Sumpid)te ()ofen jundern fe()cn, luo für fic bic 
foUen f)a(ten önb anfct)en, wa^ and) baö für (eut fein, 



24 

benen foTcf)c f)D^n irof onftcficn, ®ott gebe ta^ dürften 
önb ^-)erren fotrf)cm öornemcn nacf) fe^eten, önb ben 6^ofen= 
teuffei tüieber ,^u ber ^-icKeti au§ ^eutfc^Ianb tagten t»nb 
trieben. 

5öät ün§ ^rebigern ift c§ öntb fonft, iuir fein biefem 
tenffcl allein ,^u fctjmacf), Iüd bie SBeltlic^e Dbrigfeit nit jr 
t)anb mit an legen, bcnu e§ ift ein ftarder teuffei, f)at öiel 
^rt ijub borftorft i~-)Dffgefinb, er nut§ mit geiuatt ange^ 
griffen merben, "S^er ^rebiger marnung, breujung önb öor== 
manung fct)(egt er in minb, ober treibet baö gefpott [öiij*'] 
barau§, mie bann in biefem jar, meiner ^rebicanten einem 
Joieberforen, bo er f)art önb I)efftig auff ber Sauget, ttiieber 
biefe öngüc^tige bnb ^utuberte bofcn int ge|)rebiget, Ratten 
jm bie ipofenteuffel p fpot ünb tro^, be§ anbern @ontag§, 
fotc^e lumpen t)ofen gegen beut ^;|?rebigftuel über gef)enget, 
S)o§ fag ic^ altein barumb, bafe mit önferem ftraffen 
ömbfonft ift, lüo nit ünfere SBelttidie Dbrigfeit au^ jre 
t)ü(ff mit ontegen. 

^ie 9trf)te ©ünbe, be§ bnuorfc^embten 

l^ofenteuffelö, mieber ben gemeinen nu^ 

ünb molfart ^eutfc^er 9^otion. 

Vlii^e mol 5)eutfct)Ianb fc^ geftanben, et)e ber brorfit bnb 
TIJJJ I)Dffart cingcriffen, frembb gemanb, feiben bnb anber 
"^^ bing in Tcutfcf)Ianb ift gefiiret morben, iüifl ic^ 
je|iunber nit anriiren, c§ mcr ju lang, bnb müft mict) bom 
f)ofenteuffc( meit meg begeben, irf) milö aber einem je^Iic^en 
felber ^ubebencfen ticimgeftott ftaben, 9?nb ift für^Iicft ba 
bet) abpnemen, \vk Xcntfd)Ianb geftanben, ma» für gelt 
bnb gut!) barinnen gciuefen feii, (grftüct), bo^ dürften bnb 
i^ierrn onc Slird}cngütber, bnnb one befd)lüerung ber bnter= 
tränen, fo reid) gemefen, ba§ fie foli^e groffe gebem ber 
Slofter, 8tifften, öo^pitaln, luie nocft bor äugen, f)aben 
[öiiii '] tonnen auffrid)tcn, groffe ^rieg barneben füren, bnb 
baben nocf) groffe fcbc| bber bef)alten, mie bann foId)§ au§ 
ben biftorien fein tonte erfleret merben, bo mirö !ür| tiatben 
nid)t bnterlieffeu, 3öu"^i^i' nemen dürften bnb C">crm mieber, 
toas jre gro| eitern jur ^ird)en gegeben t)aben, befdiJueren 



25 

bie bnter^anen, önb ift gtcid^trol nic^tä ha, eS üorfc^tüiitbet 
einc§ mit bcm anbcrn. 

Qum anbcrn, luic c§ bie Iiiftoricn aii§' lucifcn, fo ift 
jDcutfrf)(anb jnnt mclircrn tticil, mic c? j^nnbcr l"tcf)ct, mit 
iDoI gcbniuctcn Stcttcn nnb Sdiloffcrn, inncrf)a(6 acfjt 
f)unbcrt jarcn crbaiuct luorbcn, oon darolo SJ^agno an, 
barau6 für^tid} ^ncrmcffcn, ma^ fiir ein filberfammcr Xentfc^=» 
lanb gciuefen fei), ^ßnnber tonnen mir bie be(f)cr an folcfien 
gcbemen nit er(]a(ten, Qu jener ^eit, I)at ein Stat, Siirdjen 
ünb anbcre groffe gcbem, (barüber mir On^ fe^nnber uor^ 
munbcrn) tonnen anffrid)tcn, melrf)e^i je^nnber ein gan| 
Sanb §ntf)un nid}t üormöd)t. 

3um brüten, miffen bie noc^, fo etma§ alt fein, mie 
reid^Iid) 33ürger tmnb ^;j3ouern, 9J(iind)en, '!)3faffcn, önb fo 
biet muffiger leut (labcn tonnen erneren, ba* mandie Stabt, 
4. 5. 6. Iiunbert muffige perfonen, non ^^faffen, 9[l?ünct)cn, 
önb ed)ülern, I)at reidiUdi auffgef)oIten, t}at jcbernmnn nod) 
übc=[@iiii^lng bctiatten, imnb fein reidie beut bobel) blieben, 
3|unber nemen bie (Sbeücut, bie ()nffen unb miefen öon 
ber Siirc^en, bie ^^sanren geben nidjt«, bie ©ürgcr t)aben 
hie bencficia imnb ftiefften, imnb tan ein Xorff nit einen 
^^fart)er, ein groffe Stabt, fdimerlidi imb ti'immerlid) >5. ober 
4. '';)>rcbieanten erlialten, bo .^unoru ein -Tlmmlier meiir ein- 
fomcn gel)abt, aU^ j^unber 2(>. ''Isrebieanten, imnb l)at gteic^» 
mol niemanbt nidjtfS barbcl), fein betler gegen Dnfercu bor^ 
eitern. 

^iefce Unfall mit id) nid)t mel)r al'o ein ürfai^ an= 
geigen, trnb bi^mat bie anbern t)inban fc^en, meil fic §u 
önfercm öorncmen je^unber nit nottig, ünb fage ha^, mo 
5)cutfd)Ianb nod) lenger ftet)en fol, fo mürbe fein Pfennig 
barinne bteiben, nad) bem qv bie fremer imb Saiifftcnt, 
mit magen imb fcbiffen binau«? füren, imb bringen Im;? 
[)ofen tappen, JSarterf, Seiben, i^^orftabt, imb anber bing melir 
^crmicber, bay man luol fagen barff, J^randfurt am 9J{ein 
fct) jefeiger ,^eit ha^ tI)or, bnrd) meld)ee afte!? gelt aus 
S)cutfd)tanb, in frembbe 9Jatiou gefürt mürb, e» gefc^id^t 
aber ün» 3;~eutfd)en narren red)t, alfo motten mir* I)aben, 
$Snb biemcil ^fürften Dnb ,*pcrrn jufeben, fo{d)cr brad)t Hon 
jrcn öntertt)anen bulben, bnb tonnen eö leiben, be^ je^unber 



26 

junge leut fcEiier mit jrcn f)ofen, ollein ba§ gclt [f^j^] au§ 
bem Sanb fircngcn, ba« ein junger ro|I6ffeI, me^r ein jar 
gu Ijofen muÄ I^aku, qI§ fein grofe fater für all feine 
ffcibung, 2o muffen fic aucf) norlicb nemcn, ha^i fte mit 
ben imtcrtdancn in armutli gcratt}cn, S^nb luenn ^eut ober 
morgen ün? ein notf) fürftoffet, ba^o man fid) für frembben 
Aktion fol fdiü^en, ha-i luir fein gelt im Sanb Ijaben, 
önb önfer arm 3.ktcrlanb, äuiu raub gefc^et merbe, fremb* 
ben S56fcfern, bie ha§> gelt junor nauv babcn, mögen Sanb 
ünb leut barju nennen. 

^a§ beriuegen ?^ürften imb .s>rrn mol fo tiiel baron 
gefcgen ift, aly im^ "^xchkankn, gutbcr ':|?o(icet) önb ge= 
meinet nu^ ()alben, ba* fie fid) neben m^ micber ben 
Öofenteuffel legen, intb mit geiüalt mieber au§ ^Teutfctilanb 
iogen, in hav loc^ bo er rau§ froc^en ift. 2Bie dürften 
önb öerren, folten audi bem anberen brad)t, önb öberflu§ 
ber fleiber, fteuren önb lücbren, ba5> will id) je|unber f)ie 
mit nit einmengen, fonber jnen fetbcr, önb anbern Ijod) 
öorftenbigen (euten, fonbertid) aber ben boff prebigern, bo 
jr ^errfc^afft in bem nad)(effig önb feumig, befolgen, önb 
fic jre§ ampt§ erinnert I)aben. 

@D fern fi(^ mein beruff önb ampt crftrecfct, njit iä) 
in meiner ftircben bo« meine barbeli tf)un, töie benn all= 
bereit, nit öorgeben» önb one frucf)t bei ön» gefdjeljcn. 



Ü 



^yscic furfee öormauung aber, öom ,'pDfenteuffef, mill 
id) end) meinen grofgünftigen öerrn, beibe ftet^ 
rcgierenbcn 33urgermeiftern, önb meinen frcunt* 
Iid)en lieben geuattern, |>errn Gafpar SlMtterftabt S^octor, 
önb ^errn 9J?id)aeI iöolfra«, bebieiret önb 5ugefd)rieben 
I)aben, Ter meinung, ba^ einer gunften, 5U erinucrung önb 
anreit3ung, neben mir l)anb anlegen, fotd)em öbel mcljren 
önb fteuren luoUen, fo lang bi;? fid) önfere I)oi)e Dbrigteit, 
felber jre§ ampt§ erinnern, foldien önfal mit jrer geiüalt 
löef)ren önb fteuren, S3nb ha§ id) bie marljeit befenn, fo ift 
c^ an bem, haä mir emer gunfteu örfad; geben Ijaben, bifö 



27 

bürf)(cin ,^u irfiveideit, bcffiucflcn, bn^ idi uon curf) ctüdi 
mai geliüvt, iinc ciidi folrf) flcibmui liödilidi sn luicber Ditb 
üorbvif^ltd), Xamit jl)r aber it)ld)eni übet ,^u ftaivcn uor* 
ur^[^ii*]fad)t werbet, tfab id) aii^ @6ttlid)er bciligcr fdirifft, 
bell ijninb luoüeit an.^eigen, lun^? nir 3iinbe mit foldier 
fleibuitfl flefdicbe, luie feev fie Oiott ,^ii luieber ieii, unb luie 
bart mit tm«? allen (Mott ,y'inten lüevbc, ben fdiülbiflen mit 
bcm »nidn'ilbii^en ftvaffc», ■J'o aiiff beiben feiten, iJi^eltlid) 
unb @eii"tlidi Cbriiifeit, nit ein einfelien t)nben merbcn, ete. 
(begeben 

,^n Jvvanrffurt an ber Cbev, am 

tag '^Ifinmptioni«? llcavtae, 

'ilnno, 

au.x.Lv. 

e. ^^l. unb Q. 'K^ 

&. -&. 

'^Inbreaö i).1iujeulu» 
^octov. 



Druck von Ehrliardt Karras, Halle a. S. 



^P ^^P -«I^P *^®l» •*I^P «t®p <|Ö|«- «^®p sJ^ls' '*I®P -^1® 

«^^^' «s^p *^^p 4^p -^8p «^^F «^^p <^^P ^^p 4^h> < 
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^h 40h 40h 40h 40h 40h 40h 40h 40h 40h 40 

^ A^PfA^M^A^^ A^fA mAlWAlßfA)mA)^rA^A 




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kl^f Al^r Al^Al^4l^i A ^^CAlßrAi^fAl^ j^ImT^ 



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334 

A2E6 







Enders, Ernst Ludwig 

Aus dem Kampf der Schwärmer 
gegen Luther 



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