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Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie"

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XI 



AUSFÜHRLICHES LEXIKON 



DER 



GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 

MYTHOLOGIE 

IM VEREIN MIT 

TH. BIRT, 0. CRUSIUS, F. CUMONT, W. DEECKE (f), F. DENEKEN, W. DREXLER, 
R. ENGELMANN, A. FURTWÄNGLER, 0. HÖFER, J. ILBERG, 0. IMMISCH, 
A. JEREMIAS, MAX. MAYER, 0. MELTZER, ED. MEYER, R. PETER, A. PREUNER, 
K. PÜRGOLD, A. RAPP, B. SAUER, TH. SCHREIBER, K. SEELIGER, H. STEUDING, 
H. W. STOLL(t), L. V. SYBEL, E. THRÄMER, K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCKER, 
L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNER U. A. 

HERAUSGEGEBEN 

W. H. RÖSCHER. 




ZWEITER BAND, ZWEITE ABTEILUNG. 
LAAS— MYTON. 

MIT ZAHLEEICHEN ABBILDinS'GEN. 



LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 
1894—1897. 



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ZWEITER BAND 

ZWEITE ABTEILUNG. 



Laas (Accag), Sohn der Metis, den Kronos (s. d.) 3, 14, 8. Vgl. Toepffer, Alt. Geneal. 42. Über 

statt des Zeus verschlang. Als letzterer zur den iSTamen Labdakos s. Preller, Gr. Myth. 2, 

Herrschaft gekommen war, nannte er aus 343, 3. [/. G. E. Sterk, De Labdacidarum 

Dankbarkeit gegen seinen Retter die Menschen historia a tragicis in scena posita. Lugd. Bat. 

XaoL. Euhemerist.-ctymol. Legende b. Gram. 1829. Drexler.] [StoU.] 

ÄncM. Oxon. 1, 267 , iS. Etym. Gud. 3ß2, 26S. Labe 2 {Aäßri'?), vielleicht korrupter Name 

[Höfer]. einer Lesbierin in dem mit lesbischer Lokal- 

Labaues {Aaßdv7]g), Beiname des Men in mythologie gesättigten Roman des J.m?os iowf/os 

Kula, nach einer Inschrift, welche eine Wid- 3, 16: (Ävucciviov) rrjg fntovarjg äg tkxqcc xriv 

mung an Men L. und Men Petraeites enthält, lo yvvaiv.cc ■^Xdßrjv (oder laßsiv) [rrjv], tr]v zimov- 

Mova. Kai Bißl. tiig iv Zl^ivgvrj svayy^^. ax^^V?- ''^^ dniovoa . . . nagay^yvizai, wo Passow (An- 

JIeq. III. "Ezog 1/2 p. 158 nr. Tig'. Mitth. d. merkungen S. 337) mit Rücksicht auf TheoJcrtt 

D. arch. Inst, in Athen 6 p. 273 nr, 23. 14, 24 mit Toup Aäßa, Gen. von Aäßag setzt 

[Drexler] (Schäfer Srid-isv). Als Testimonium für Theo- 

Labaphnesker {AaßacpvsoKTjg) Name einer krits Labas hat ^Ahrens diese Stelle nicht 

mit dem Titel &aög Kvgiog versehenen Gott- eitleren mögen. Über die mythische Grund- 

heit im Pap. Mimaut vs. 151. [Drexler.] läge des Romans und das mytilenäische Prie- 

Labaro2 Zweifelhafte Überlieferung der stertum des Dichters vgl. Philologus N. F, 2, 

spanischen Inschrift G. I. L. 2, 732 (vgl. Su2)pl. 1889, 115 A. 131. [Tümpel.] 

Index p. 1128). Ob Name einer Gottheit? 20 Labor personificiert, zusammen mit Letum, 

Ein gallischer Soldat Namens Labarus bei Lues, Mors, Tabes und Dolor bei Senec. Ged. 

Sil. Ital. 4, 232. Vgl. übrigens Laburus und 652. [Höfer.] 

über den in der Ableitung öfter vorkommen- JjahrauiaxiH (AaßQavdsvg,Aelian.n.an.l2, 'SO. 

den Wechsel der Laute a und u Glück, Kclt. Laci. 1. 22, 23), Beiname des in dem karischen 

Namen bei Caesar p. 50. [M. Ihm.] Ort Labranda bei Mylasa verehrten Zeus, Plut. 

Labdakos {Aäß8av.og), Sohn des Polydoros, quaest. 45 (hier heifst er Aaßgadavg). Strabon 

Enkel des Kadmos, Vater des Laios, König von 14, 659 (AaßgavSrjvog). Inschr. aus Herakleia 

Theben, nach welchem das unglückliche Königs- am Latmos, C. I. G. 2, 2896, aus der Nähe von 

geschlecht von Theben gewöhnlieh Labdakiden Aphrodisias, C. I. G. 2, 2750. Nach Plut. a, a. 0. 

genannt wird {Soph. 0. C. 221. Antig. 594j. Dies 30 hatte Zeus diesen Beinamen von dem lydischen 

von Kadmos stammende Herrschergeschlecht Wort Xäßgvg = nsXsiivg: Herakles hatte das 

wurde in Theben von einem anderen Hause, Schlachtbeil der Hippolyte der Omphale ge- 

das von Hyrieus abstammte, unterbrochen. Wäh- schenkt und alle ihre Nachfolger bis auf Kan- 

rend der Jugend des Labdakos hatten Nykteus daules, der es einem seiner Genossen schenkte, 

und dann de«sen Bruder Lykos, die Söhne des trugen es. Im Kampf des Gyges gegen Kan- 

Hyrieus, die Vormundschaft und die Herrschaft, daules erbeutete des Gyges Bundesgenosse, 

und als Labdakos nach kurzer Regierung ge- Arselis aus Mylasa, dieses Beil, brachte es 

storben, übernahm Lykos wieder über dessen mit nach Karlen und stiftete einen Tempel 

Sohn Laios die Vormundschaft, Herodotb,b9. und eine Bildsäule des Zeus, der er dieses 

Paus. 9, 5, 2. 2, 6, 2. Ear. Phoen. 8. Arr. An. do Beil in den Arm gab. Plin. hist. nat. 32, 16 

2, 16,2. Hyg.f.lQ. 3lüller,Grch.224:S. Heyne, erwähnt einen Labrayndi lovis fons mit zahmen 

Apollod. Obss. p. 234. Gerhard, Gr. Myih. 2 Aalen. Über den Tempel des luppiter Labran- 

§ 738. 742. Stammtfl. p. 230. Die Mutter des dius s. Lactant. de fals. relig. 1, 22. — Nach 

La.bdakos war Nj'ktei's, die Tochter des Nyk- Strabon A.a.O. (vgl. ITcrod. 5, 119) ist der Zeus 

teus {Apollod. 3, 5, 5, wo Nykteus Sohn des AußgavSt-vg = Zsvg Urgdziog (s, d.); über die 

(Sparten) Chthonios heifst). Labdakos hatte Verehrung des Gottes s. 0. I. G. 2, 2691 e = 

wegen der Landesgrenze einen Krieg mit Pan- Dittenbcrger, Sylloge 76 p. 135: iv zco isgä xov 

dion, dem athenischen König, welchem der Jiog zov Aa^ßgavvöov , ^voirjg iviavairjg xat 

Thrakerkönig Tereus zu Hülfe kam, Ap)ollod. navrjyvgiog iovarjg. Kult im karischen Olymos, 



1777 Labrandos Labyrinthes 1778 

Waddington, Äsie min. 331. 338. 323. Athen. wohl auch zwischen dem andern Kuretennamen 

Mitt. 14, 375. 379. 381; in Mylasa, Waddinc/ton Panamoros (wohl Panamaros) und dem Zeus 

a. a. 0. 347. 348. 399. Corr. hell. 5,99. Athen. Panamaros (s. d.), anzunehmen sein; für Pa- 

Mitt. 15, 261. Die Form Aaßghöov findet sich laxos freilich fehlt bis jetzt ein entsprechen- 

Athen Mitt. 15, 259 nr. 10; ohne Zens steht des Zeusepitheton. Höfer.] [Stoll.] 

äieForm Aotßgavvvdcp Athen. 3Iitt. 16, 269 nr AI; Labranios, Beiname des Zeus auf Kypvos. 

vgl. Cavedoni, Dell' origine del culto di Giove Er besafs beim heutigen Dorfe Phasulla auf 

Lahraiindo, Bull. arch. Napol. 1855 p. 181. einem 10,40 km nördlich von Limassol und 

Lüdem, Dionys. Künstler 15; vgl. Georg Meyer, 11,40 km nordwestlich von Amathus gelegenen 

Die Kavier bei Bezzenherger, Beitrüge 10, 163; lo Hügel einen geweihten Bezirk, s. Ohnefalsch- 

s. Kariös und Labrandos. Die ältere Litte- Richter, Kypros, die Bibel und Homer p. 21 

ratur über Zeus Labrandeus auf Münzen bei nr. 46 _, welcher auf /. H. Hall, A temple of 

Basche, Lexikon 2, 2, 1217. — Auf Kaiser- Zeus im Journcd of the American Oriental 

münzen von Mylasa erscheint Zeus L. stehend, Society. Proceedings at New Haven, October 

mit der B. das Doppelbeil, in der L. die Lanze 18S3 verweist. [Drexler.] 

haltend, Eckhel, Doctr. num. vet. 2, 585, so auf Labraundos s. Lambraundos. 

Münzen des Hadrian, Eclliel 6, 514, wo er auf Labrax (?), ein Rofs des Helios, Hyg. f. 183; 

der R. den Adler, in der L. das Beil hält; vgl. unsichere Konjektur Munckers für das korrupte 

Mionnet 3, 356, 309; auf Münzen des Geta Abrax. [EdiCh.Bursian,Jalirlih. f.Mass. Irhil. 9^^ 

steht er imter einem Tempel mit Axt wndi ^a ^.llh{yg\.Jei^clionnek,Denominihusqii,aeGraeci 

Lanze Mionnet 3, 358, 320ff.; ebenso auf Mün- pecudibus domesticis indiderunt p. 34) sind die 

zen des Heliogabalus, Mionnet 3, 358, 324; Worte beii?i/(j(*wts.- Item quos Homerus tradit : 

auf Münzen des Valerianus und Gallienus, abrax aslo fherbeeo. Item qiws Ovidius: Eons, 

Sestini, Lettere 9, 42 (mit Lanze und Adler); Aethon , Pyrois , Phlegon eine Interpolation; 

mit Doppelaxt und Lanze auf Münzen der kari- abrax aslo therbeeo habe der Interpolator einer 

sehen Könige, so des Hekatomnos, Beger, Thes. Gemme mit der Darstellung des Helios auf dem 

Brandenb. 1, 266, Eckhel 2, 596. Mionnet 3, Viergespann entnommen, welche die Aufschrift 

397, 1. Sestini, Lettere 8, 81, des Maussolos ABPAIA:; ZßTHP BHA lAQ trug. Diese Götter- 

Eckhel 2, 597. Mionnet 3, 398, 2 ff., des Hi- namen habe er für Pferdenamen angesehen und, 

drieus (Idrieus), Eckhel a. a. 0. Mionnet 3, 30 um mit seiner Gelehrsamkeit zu prunken, Homer 

399, 8fr., des Pixodarus, jB'cÄ;/(eZa. a. 0. ilf/ownfi als Quelle angegeben. Drexler.] [Stoll.] 

3, 399, 12. Sestini 8, 82 (er trägt die Axt Labros {AaßQog), 1) Name eines Hundes in 

auch auf der Schulter, Mionnet 3, 399, 14fF.); der Darstellung der kalydonischen Jagd auf 

des Orthontopates (Orontopates), Eckhel a. a.O. der Vase des Ergotimos und Klitias (s. z. B, 

Mionnet 3, 400, 17. Auf autonomen Münzen AEM. 12 p. 44), Baecker, De canum nominibus 

von Mylasa erscheinen das Beil und der Adler Graeeis p. 57 („vehemens, aut velocitate [vgl. Xa- 

als Insignien des Zeus L. Eckhel 2, 584 vgl. ßQonoSrig] aut voracitate"); Jeschonnek p. 11. 

Sestini 9, 42, ebenso das Beil auf Münzen des [Vgl. Arch. Ztg. 4 (1846), 326f. Höfer.] — 

Pixodarus, Mionnet 3, 399, 13 und auf auto- 2) Name eines Hundes des Aktaion, Hygin 
nomen Münzen von Myndos Mionnet ^, 359, 40 /^a/). 181. Ovid Met. 3, 224:. [Drexler.] 

329ff. ; vgl. auch die zweischneidige Axt auf Labrosyiie (Aaßgoavvrj), die personificierte 

einem Denkmal aus der karischen Stadt Kys, Gier. Leonidas in Anth. Pal. 6, 305; vgl. La- 

Bull. de corr. hell. 11 (1887), 310, 5. Larfeld phygmos. [Höfer.] 

in Bursians Jahresb. 66 (1891 Suppl.), 53. — Labnrus, ein bei Emona (Laibach) verehrter 

Zeus auf Münzen von Labranda mit Lanze Gott, C. I. L. 3, .^840 (= Orelli 2017). Vgl. 

und Blitz (resp. Adler) Minnmt 3, 308, 27. Lnharo und Glück, Kelt. Namen p.bOi. [M. Ihm.] 

309, 31; vgl. 310, 39. 41. — Über das hölzerne Labyrinthos [AaßvQiv&og), ein Bau mit viel- 

Bild des Zeus L. mit dem Doppelbeil in der fach verschlungenen und in einander greifenden 

Rechten, dessen Stiel bis auf den Boden reicht Gängen und Kammern, aus welchen der Aus- 
und dem gleichfalls bis auf den Boden reichen- 50 gang nicht leicht zu finden ist. Das Wort wird 

den Speerschaft in der Linken (Miliin, Gal. von manchen für ägyptisch gehalten, Hock, 

Myth. 10, F. 37) s. C. BöUicher, Arch. Zeit. Kreta 1, 63 — 0. Müller {Handh. d. Ärchäol. 

12 (1857), 72; vgl. auch 0. Müller, Handb. d. § 50, 2) leitet es von dem griechischen Xavga 

Arch.^ 497, 7. — Blax. Mayer, Jahrb. d. Kais. ab. Das mythische Labyrinth in Kreta war 

B. Arch. Inst. 7 (1892), 191 nimmt eine Ver- ein Gebäude beiKnossos, dem Königssitz des 

ehrung des Gottes von Labranda auch auf Minos, von Daidalos dem Minos erbaut zur 

Kreta an, wo er AaßQvv&iog (vgl. oben Xäßgvg Aufnahme und Bewahrung des Minotauros. 

= Axt) geheifsen habe, woraus AußvgLv&og Diod. 1, 61 und 97 sagt, dafs nach der Be- 

(s. d.) entstanden sei. [Höfer.] hauptung mancher Agyptier Daidalos das ur- 
Labrandos (Aäßgavdog), ein Kurete, der mit 60 alte ägyptische Labyrinth, einen kolossa- 

den Kureten Panamoros und Palaxos oder Spa- len noch jetzt in seinen Trümmern existieren- 

laxos nach Karlen kam, wo von ihnen der Flufs den Reichspalast mit 12 bedeckten Höfen und 

Heudonos seinen Namen erhielt, weil sie in der 3000 Gemächern am Mörissee, bewundert und 

ersten Nacht an seinem Ufer geschlafen (fviJali'), nach seinem Muster das Labyrinth zu Knossos 

Et. M. 390, 1. [Vgl. Kureten Sp. 1599 Z. 63ff. erbaut habe; doch sei dies knossische Gebäude 

Da der Name Labrandos entschieden mit dem jetzt ganz verschwunden; und Plin. N. H. 36, 

Beinamen des Zeus, Labrandeus, zusammen- 13 behauptet, dafs Daidalos nur den hnndert- 

hängt, so wird ein solcher Zusammenhang sten Teil des ägyptischen Labyrinths in Kreta 



1779 Labyrinthos Labyrinthes 1780 

nachgebildet habe. [Vgl. über das ägyptische klopeia genannt (Strab. 8, 369. 373), war wohl 
LsibyriaihWiedenianrifHerodois 2.BuchS.b22S. ein Steinbruch, der später als Grabstätte be- 
G. Ebers, Ägypten in Bild und Wort 2 S. 173 f. nutzt wurde, MüVer, Handb. d. Ärch. § 46, 2. 
mit Abbildung. FreVer s. v. Labyrinthus bei 50, 2. Bursian, Geogr. 2, 60. Curtius, Pelop. 
Pauly, RealencyM. R.] Aber das Labyrinth zu 2, 391. Aufzählung der Labyrinthe bei Zoega, 
Knossos hat nie in Wirklichkeit existiert; es De Obcliscis p. 315 u. 347 [und Preller s. v. 
war eine Fiktion der Phantasie [vgl. jedoch Labyrinthes in Pmf^ys -ReaZewc^W. R.]. [Stoll.] 
den Zusatz von E. Fabricius], hauptsächlich [Das sog. Labyrinth bei Gortyn auf Kreta 
ausgebildet in der attischen Sage von Theseus, ist ein antiker bergwerkartiger Steinbruch 
der den Minotauros im Labyrinth erschlug und lo von sehr grofser Ausdehnung. Nur durch eine 
die demselben als Opfer bestimmten atheni- enge Öffnung zugänglich, besteht es aus hori- 
schen Jünglinge und Jungfrauen aus dem Laby- zontal laufenden, unregelmäfsig gewundenen 
rinth befreite. Apollod. 3, 1, 4. 3, 15, 8 .Diod. Gängen von durchschnittlich Manneshöhe bei 
1, 61. 4, 61. 77. Plut. Thes. 15. 16. 19. Paus. ganz verschiedener Breite, die sich vielfach 
1, 27, 9. Verg. Äen. 5, 588 und dazu Serv. verzweigen und zu geräumigen Kammern er- 
ifyg. f. 40. 41. 42; s. Theseus. Diese attischen weitern. Ehemals scheint der Bruch, der sich 
Sagen sind besonders von den Logographen über 300 m tief in den Berg erstreckt, mehrere 
behandelt worden (vgl. Hellanil'os fr. 73 bei Zugänge gehabt zu haben, die jetzt verschüttet 
3Iüller, Fr. liist. gr. 1 p. 54. Pherekydes fr. sind. Das Ganze ist, wie zahlreiche Arbeits- 
106 Müller 1 p. 97) und knüpften wohl an 20 spuren beweisen, künstlich in den massiven, 
alten Kultus und Sagen von Kreta an. ,,In horizontal gelagerten Kalk gebrochen, häufig 
Kreta waren unterirdische Felsengrotten häufig, sind halbfertige Quadern stehen geblieben, 
welche für religiösen Kultus benutzt wurden; Über das Alter der Anlage, deren Zweck war, 
eine solche Grotte diente wahrscheinlich in Steine für die Bauten in Gortyn {zBi%i6£aGa 
altkretischer (phönikischer) Zeit dem Religions- Jlias 2, 646) zu gewinnen, läfst sich nichts 
kreise, dem cler Minotauros und Pasiphae an- Bestimmtes feststellen; die Quadern, welche 
gehörten, und aus den halbverschollenen Sagen die alten gortynischen Inschriften tragen, könn- 
von derartigen Kultuslokalen schuf dann der ten sehr M'ohl aus dem Labyrinth stammen, 
hellenische Mythus ein Gebäude." Hück, Kreta Gleichartige, nur viel kleinere antike Stein- 
1, 65 f. Preller, Gr. Mytli. 2, 124: „Der Grund- 30 brüche sind an den Abhängen des im Gebiete 
gedanke war höchst wahrscheinlich ein alle- von Knossos gelegenen Berges Juktas auf- 
gorischer, das Labyrinth selbst zunächst ein gefunden worden, von denen ich zwei (bei 
Ding des Glaubens und der Phantasie, wel- Kato-Acharnäs) besucht habe. Die berg- 
ches man, wie gewöhnlich solche symbolische werkähnliche Anlage empfahl sich wohl wegen 
Vorstellungen, in Tänzen und entsprechenden der tiefen Lage der abbaufähigen Gestein- 
Anlagen nur nachbildete; und zwar ist es ver- schichten, doch müssen die engen Zugänge 
mutlich (im Kultus des Sonnengottes Mino- den besonderen Zweck gehabt haben, das 
tauros und der Mondgöttin Pasiphae) ein Bild Werk leicht überwachen zu können. Es kann 
des gestirnten Himmels gewesen mit seinen daher immerhin die Frage aufgeworfen werden, 
ins Unendliche verschlungenen Bahnen, in 40 ob man nicht in alter Zeit Kriegsgefangene 
denen sich Sonne und Mond doch so sicher be- zur Zwangsarbeit in diesen Latoraien zu ver- 
wegen." Vgl. den vonDaidalosgefertigtenTauz- wenden pflegte, und ob diese Sitte nicht etwa 
platz und Chortanz der Ariadne in Knossos für die Erklärung der kretischen Sage in Be- 
(/Z. 18, 590tf.) und den Geranostanz auf Kreta und tracht zu ziehen ist. Über das L. bei Gortyn 
Delos zum Andenken an die verschlungenen vgl. Sieber, Peise nach der Insel Kreta 1, 510£f. 
Windungen des Labyrinths, Schol. 11. 18, 590 f. mit Planskizze, wiederholt bei Hock, Kreta 
Plnt. Thes. 21. KuUim. Del. 311. Hack, Kreta 1, 447 ff. und T. II; Thenon Revue archeol. 
1, 67f. Preller, Gr. Mytli. 2, 296. Häufige, n. s. 18,200fr. E. Fabricius.] 
aber von einander verschiedene Darstellungen [Das kretische Labyrinth war ein mythischer 
des Labyrinths auf knos^ischen Münzen, Pellerin, 50 {uv&itiig . . Xaßvgiv&og, Thcophyl. Simok. Praef. 
J?cc. 3 p. 65. Combe, Mus. Hunt. X). 101 T. IS. Id. Jiist. Maur. p. 34 ed. Ligolst.), durch die 
Eekhel, D. N. 1, 2 p. 308. Mionnet 2 p. 265. Sage vom Minotauros (s. d.) bekannter Wunder- 
Bcger, 'Thes. Brand. 1 p. 377. 3Ius. Florcnt. bau des Daidalos .(s. d.) bei der kretischen 
2 T. 35 nr. 1. Hock, Kreta 1 Taf. 2. Wand- Stadt Knossos — (erst ganz späte Schrift- 
gemälde. und Mosaik zu Pompeji, Overbcck, steller, Claudian, 6". cons. Hon. Aug. 634. 
i^omp. p. 281. 307. Pashlcy, IVav. 1,202 u. 203. Cedremis p. 98 verlegen es nach Gortyn; 
Hück, Kreta 1, 56—68. 2, 60 ff. Preller, Gr. vgl. Hück, Kreta 1, 60. 447 ff.) — 6 h Kvcaom 
Myth. 2, 124. 296. — Vielfach gewundene Aaßvgiv&og, Paus. 1,27, 10; »; KvaaCav ilq-uxri 
unterirdische Gänge und Kammern im Fels- v.al t6 xov Aaßvgiv&ov choA/ov,. Dio Chrysost. 
gestein bei Gortyn in Kreta, die von neueren 60 or. 80 ]). 668. Plut. Thes. 19. Pilostr. vit. 
Reisenden öfter besucht worden sind, hiefsen Apoll. Tyan. 4, 34; vgl. Pomp. Mela 2, 7 
auch Labyrinth und sind im späten Alter- Onte . . famigtrata . . Dacdali operibus. Alle 
tum mit dem knossischen verwechselt worden, Berichte wissen von den gewundenen, durch ! 
Claudian 6. cons. Honorii Aug. v. 634. Ce- einander sich verschlingenden und ein Finden j 
drcnus p. 98 ed. Venet. Es ist ein alter in des Ausganges unmöglich machenden Irr- 
bergmännischer Weise betriebener Steinbruch, gangen des Baues, aus dem kaum Daidalos 
Hock 1, 59 f. 445 ff. Taf. 2. Bursian, Gei'qr. selbst den Ausweg fand {Ov. Mctain. 8, 167), 
2,566. Auch das Labyrinth bei Na uplia, Ky- znerzählen: yvaintTov tdog aHoXioiJ laßv- 



1781 Labyrintlios Labyrintbos 1782 

qCvQ-ov, Kallim. hymn. in Del. (4), 311; fanden, verschmachten mul'steu, berichtet P/k7o- 
oi'KTjßa Kafinaig noXvjiXöiioig nlccvcöv clioros bei Plut. a. a. 0. 16, dafs die Kreter 
x)]v i'^odov, Äpollod. 3, 1, 4; iv co xov sia- diese Erzählung zurückwiesen und behaupteten, 
sX&ovTU advv arov r}v i^isvcci' noXvTtXo- ozi cpgovQcc pisv rjv b AcxßvQiv&og ovdsv 
KOig yocQ yiccfiTiats zrjv ayvoov ^ svrjv f'|o- hxcov %ciY.ov aXX r} x6 fiij S ia(pv'y £ Iv tovg 
Sov dniHXsLS , ApolIod. 3, 15, 8; sv noXv- cpvXazrofis vovg, dy cSva öl 6 Mircog in' 
&VQCO yial 7CoXvnX6y.(p oly-rifiari, o Sr] Kai Aa- Avögöysa yv^viy.6v inoisi nal TOvg nocLÖag 
ßvQii&og i-AaXsiTo^Schol. Eur.HippoJ. 887. i^iach a-ö^Aor toi"? vt)icöaiv sSlöov rscog iv rä Aaßv- 
Etijin.M. bbi, 27 E. = Etym. Gud. 3b9,i7S.yrü,r QLvQ-cp cpvXcczxoyiiv ovg\ vgl. noch Apollod. 
das Labyrinth ein in einem Berge befindliches lo 3, 15, 9. Strabo 10 i>. 447. Dio Chrysost. or. 
aTtiqXctiQv dvTQcödsg, dvaiioXov nsgl zrjv 71 p. 626. AcL nat. an. 6, 43. — Darstel- 
■nd&oSov, Kcci dvax^Qis'^iQlzr'iVavoSov, langen des Labyrinths. Auf autonomen Mün- 
vgl. Cixuzer, Meletem. p. 85; — Xiyizai /Jai- zen von Knossos sowie auf Kaisermünzen 
SuXov v.azaoY.fväG(xiXaßvQiv%-ov zocg öiLi,ö8ovg (FelUrin, JRec. 3, 65. Coihhe, Mus. Hunt. 101 
G-noXiag ixovza v.cci zotg dnsiQoig dv6sv- T. 18. 19. Hock, Kreta 1 Taf. 2. Beyer, 
QBzovg, Diod. 4, 77. Ähnlich ist die Schil- T/ies. Brand, l, 377. Fashley, Travels 1, 202. 
derung bei Ovid. 3Ittam. 8, 158fF.; er spricht 208. Friedländer und v. SaUet, Berl. 3Iünzkab. 
von multiplex domus und caeca teeta, von va- Taf 1, 40, Baumeister, Denkmäler 936 nr. 1011) 
riarum amhages viarum und der ianua diffi- ist das Labyrinth teils in Quadrat-, teils in 
cilis\ vgl. Verg. Aen. 5, 558 ff. : ut ^wonr^aw 20 Kreuzform oder in spiralförmigen Windungen 
Greta fertur Lalyrinthus in alta Parietihus dargestellt, Basche Lexikon 2, 2, 1403. Eckhel, 
texttim caecis iter ancipitemque Mille viis ha- Doctr. mim. vet. 2, 308 f. Mionnet 2, 265. 
buisse dolixm, qua signa seq^aendi Falleret in- Auf einem Didrachmon im Berliner Münz- 
deprensus et inremeahilis error; ebend. 6, 27: kabinett (v. Sollet, Zeitschr. f. Numism. 6, 232) 
labor nie domus et inextricabilis error; ebend. ist es nur durch einen maiauderartigen Rahmen 
Q, 29 i'.: dolos tecti ambagesqiie und caeca vestigia; angedeutet, Baumeister a. a. 0. 945 nr. 1059; 
vgl. auch Senec. epist. mor. 5, 3 (44), 7 ; — auf einer Gemme findet sich der Minotauros 
Piin. liist. nat. 36, 85 itinerum ambages oceur- als Kentaur im Labyrinth_, üf ms. Flor. 2, 35, 1 ; 
susque ac recursus inexplicahiles. Nach Diod. vgl. O. Müller, Handb. d. Arch.^ 642, Ein 
1, 61, 97, der wohl dem Hekataios von Teos 30 Mosaik aus dem Kanton Vaud zeigt das Laby- 
folgte (Sclnvarz, Rhein. Mus. 40 (1885), 227, rinth von hohen Mauern mit Türmen um- 
vgl. Plin. a. a. 0.), soll Daidalos das kretische schlössen, innerhalb deren die mannigfach ver- 
Labyrinth nach dem Muster des ägyptischen schränkten Gänge ein im Centrum gelegenes 
erbaut haben; doch war zu seiner Zeit (vgl. Quadrat einfassen; hier war der Kampf des 
auch Plin. a. a. 0. 36, 90) keine Spur davon Theseus mit dem Minotauros darsestellt, Arch. 
mehr erhalten. Nach Apollod. epit. Vat. 1,9= Ztg. 6 (1848) 99*. v. Arneth, Siizungsber. d. 
frgm. Sabb. Rhein. Mus. 46 (1891), 184, 1 Wien. Akad. d. Tr«ss. 1851 Taf. 5; ein Graffitto 
stiefs Theseus auf den Minotauros kv iaxdzcp aus Pompei stellt gleichfalls den durch die 
(jisget zov AaßvQiv&ov. Pherekydes frgm. Beischrift Labyriuthus bezeichneten Bau dar, 
106 {Schol.Hom. Od. 12,320) spricht von einem 40 3Ius. Borbon. 14 tav, a. — Die Etymologieen 
fivxög. Ariadne hatte den Daidalos gebeten, der Alten nagd zo ßrj Xccßstv Q^vgav, Hesych. 
dem Theseus (irjvvaaL zov Aaßvgi'v&ov zijv und Suid. s. v. Xccßvgiv&og oder Etym. Gud. 
s'^oöov; Apollod. epit. Vat. 1, 7 = frgm. Sabb. 359, 51ff. XaßvgivQ-ög zig ovoa,nagu z6 Xi'av 
Rhein. Mus. a. a. 0. 183, 34; ebend. 183, 32 yvg^vfcQ-ai zi^v avzijg fiaoSov, Siu zriv 
heifst es 'Agiäövjj . , cv^mgdaasiv inayysXXEzdL a;iOT£ivrjV v.al zrjv nox^osiSq avtfjg odöv, zgoTtij 
Tcgbg zr]v Mivazavgov staeXsvaiv Actßvgiv&ov; zov y sig ß, sind Avohl schwerlich richtig; 
vgl, auch Diod. 4, 61. Plut. Thes. 19. Theseus Welcker, Die Aeschyl. Triologie p, 212 meint 
betrat das Labyrinth, den ihm von Ariadne 'Labyrinth, Xdßgiv&og, scheint eigentlich mit 
gegebenen Faden B^dxpag zijg Q'vgag^ Apollod. XuvgsLov, XavgLov (das attische Silberbergwerk) 
epit. Vat. 1, 9; frgm. Sabb. 183, 36. Nach 50 dasselbe Wort zu sein, und Gängewerk zu 
Pherekyd. a. a. 0. giebt Ariadne dem Theseus bedeuten'; vgl. Xavga, Xavgrj = Reihe, Zeile, 
dyaüida (iiXzov{iiLzov Buttmann) und heifst ihn, Abteilung und bei Hesych. Xdßigog = ßö&vvog 
insiSdv siasX&Tj, zr^v dgxrjV zfjg dya&idog (Grube). — Hock a. a. 0. 63if. erklärt das 
i%öfiaai nagl zov ^vyov zfjg ccva %"vgag. Wort für nichthellenisch, sondern für ein 
Von einer Schlacht sv nvlaig zov Außv- Lehnwort aus dem Ägyptischen. R. Pieisch- 
gHvd-ov, in welcher Theseus den Deukalion, mann bei Ersch und Gruber s. v. Labyrinth 
den Sohn des Minos, tötete, berichtet Klei- schliefst sich im wesentlichen Welcker s An- 
demos bei Plut. Thes. 19. Aus Sophokles bei sieht an, sieht in dem Namen L. einen Aus- 
Phrynichos in Bekkers Anekd. 1, 20, 27 dxaväg- druck für weit ausgedehnte regellose Berg- 
zo UT] i-'xov GTtyrjv r] ogocpov. snl zov Aaßv- GO Werksanlagen und verwirft die Annahme von 
giv&ov . Zo^o-aXfig, schlokValckenacr ad Theokr. H. Brugsch, der es von dem ägyptischen erpe- 
Adoniaz. \^. 233 {■vgl. Creuzer, Symbolik 4:, 115), ro-hunt = 'Tempel der Kanalmündimg' ab- 
dafs das kretische Labyrinth von oben un- leitet. Eine andere Deutung giebt M. Mayer, 
bedeckt gewesen sei. Während nach Plut. Jahrb. d. Kais. Deutsch. Arch. Inst. 7 (1892), 
Thes. 15 ö zgayiyKiizazog iiv&og erzählte, 191: 'die Doppelaxt . . . ist . . . Zeichen des 
dafs die athenischen Jünglinge und Jungfrauen Labraundischen Götzen, der in Kreta stier- 
im Labyrinth entweder dem Minotauros zum köpfig war und — von Xdßgvg Axt — Xoc- 
Opfer fielen oder, da sie den Ausgang nicht ßgvvQ'iog geheifsen haben mufs, bevor man 



1783 Lacavns Lachsantre 1784 

den Namen seines Hauses zu XaßvQiv&os ent- M. de Montigny, Pierres gravees. Paris 1887 
stellte'; vgl. den Artikel Labrandeus. — Aus- p. 20 nr. 278. Dürften wir annehmen, dafs 
führlich hat über das Labyrinth von Knosos der Name mit der Darstellung in Zusammen- 
Höck a. a. 0. 56 — 68 gehandelt, der p. 62 haug steht, so hätten wir in L. den Sonnen- 
(vgl. 67) zu dem Resultat kommt, dafs das gott zu erkennen. [Drexler.] 
kretische Labyrinth als eigentliches Lacliesis s. Moirai und Lachis. 
Gebäude eine blofse Dichterfiktion, in Lache und Lachos {Aäxrj und Aäxog, in der 
Wahrheit eine natürliche Grotte gewesen Handschrift irrig Jäxv ^^^^ ^<xxog), Gottheiten 
sei, welche der Mythos zu einem Gebäude der babylonischen Schöpfungssage, Damascius, 
geschaffen habe. Seine Hauptgründe sind lo Quaest. de prim. princip. c. 125 p. 384 Kopp; 
folgende: 1) Homer, Hesiod und Herodot s. oben Bd. 2 Sp. 1204 f. s.v. Kisar. In dem 
schweigen von dem kretischen Labyrinth; be- von Hommel, Deutsche Rundschau 68 p. 110 
sonders würde der letztere bei seiner Be- und Gesch. Babyloniens u. Assyriens p. 397 mit- 
schreibung des ägyptischen Labyrinthes es sich geteilten babylonischen Texte heifst es vs. 10: 
nicht haben entgehen lassen, das kretische Der Gott Lachmu, die Göttin Lachamu wurden 
zum Vergleiche heranzuziehen, wenn es wirk- hervorgebracht, bis sie aufwuchsen. Hommel 
lieh vorhanden gewesen wäre. Die Schrift- bemerkt an letzterer Stelle Anm. 3: „Kischar 
steller, die das letztere erwähnen, Diodor, ist einerseits die weibliche Personifikation Anus 
Äpollodor und Plutarch, geben nicht reine (als Anatu), gemeint ist aber damit die Erde, 
Landessage, sondern attische Fabel, die ab- 20 bezw. der Gott Ea, von dem dann in der Folge 
sichtlich die ganze Mythenreihe, in welche die weitere Schöpfung ausgeht. Auch Lachmu 
das Labyrinth verknüpft erscheint, entstellte und Lachamu bedeuten nichts weiter als Anu 
(p. 66 ff.). — 2) Die Nachricht, dafs Daidalos und Anutu, bezw. Himmel und Erde oder Anu 
nach Ägypten gegangen sein und später nach und Ea." Denselben Text giebt Jensen, Die 
dem Muster des dortigen Labyrinths das in Kosmologie der Bubylonier p. 268 , welcher 
Kreta ausgeführt habe, ist eine Erfindung p. 274 f. weitere Stellen, in denen diese Gott- 
ägyptischer Priester resp. gräcisierender Ägyp- heiten vorkommen, verzeichnet. Sayce, Lectures 
ter (p. 60ff.). Vgl. Bd. 1 Sp. 937 Z. 51ff. — an the origin and groivth of religion as illustra- 
3) Hätte das Labyrinth als Gebäude existiert, ted hy the religion of the ancient Bahylonians. 
so konnte im Zeitalter des Diodor unmöglich 30 3*^ edit. 1891 behandelt diesen Schöpfungs- 
jede Spur von einem solchen Kolossalbau ver- bericht p. 384 ff. Er setzt ihn in verhältnis- 
schwunden sein; auch würden die bildlichen mäfsig späte Zeit und erklärt ihn für das 
Darstellungen auf Münzen u. s. w. nicht so Produkt einer materialistischen Schule, die im 
verschieden ausgefallen sein, p. 62 f. — Die Gegensatz zu einer pantheistischen stand. Er 
Frage: ""Wie bildete sich die Idee vom knosi- bemerkt p. 388: „In the lists in which the 
sehen Labyrinth im Mythos?' beantwortet views of the pantheistic school find expression, 
Hock p. 63ff. : eine Felsgrotte, ähnlich dem im Lakhmu and Lakhamu appear as Lakhma, or 
Zeusmythos hochbedeutsamen 'iSaiov ccvxqov, Lukhma, and Lakhama, an indication ihat the 
diente dem ßeligionskreise, dem der Mino- names are of non-Semitic origin. It is pos- 
tauros und die Pasiphae angehören; dieses 40 sible that they denote the elem^nt of „purity" 
Kultuslokal erhielt den Namen Labyrinth, presupposed hy the creation of the loorld out of 
eine Benennung, mit der man auch andere the watery abyss .... Like as many of the JBa- 
natürliche und künstliche Felsengrotten be- bylonian deities, their names and tvorship were 
zeichnete, und die auswärtige Sage schu.f in prohabhj carried to Canaan. Lakhmi seems to 
freier Phantasie die uns durch die Berichte be the name of a Fhilistine in 1 Chron. 20, 5, 
der__Alten geläufige Bildung des Labyrinths. and Beth-lehem is best explained as the house 
— Über den von Thesens auf Delos gestifte- of Lekhem", like Beth- Dagon, „the house of 
ten heiligen Tanz, (iiinqiJia xwv iv reo Aaßv- Dagon", or Btth-Anoth, „the house of Anat". 
Qivd'co TtfQiödcov Kai dif^odcov eV ttvt QV&nm [Drexler.] 
nccgaklä^sigyicildveXL^SLc; ^'xovTi{Phit.Thes. 21), bo Lacliis (Jajjtg), Nebenform für Lachesis. 
s. Hock a. a. 0. 67 f. Höfer.] Pap. Parthey 2 vs. 100. Doch hält Dilthey, 

Lacavns, Beiname des Mars Augtistus auf Bh. Mus. 1872 p. 418 Anm. 4 diese Form für 

einer im Museum zu Nimes befindlichen In- unmöglich. [Drexler.] 

Schrift, welche Hirschfeld, G. I. L. 12, 3084 Lacline {Äa.xvri), Name eines Hundes des 

(== Orelli 2018) in das zweite nachchristlii'he Aktaion, Hyg. fab. 181. Ovid Met. 3, 222 (hir- 

Jahrhundert setzt. Die Gegend, wo die Dedi- sutaque corpore Lachne);\g\.Baeeker, De canum 

kanten J.rir/fn<n wohnten, ist unbekannt. Germer nom. Gr./p.bl, welcher A". Keils (Anal, epigr. 

Durand rät auf eine Gegend an der Rhone, p. 190) Änderung Lachno mit Recht für un- 

welche im Mittelalter Argence geheifsen haben nötig erklärt, und Jcschonnek p. 23. Der Name 

soll, vgl. Bevue epigr. du midi 2 p. 316. Der rü ist hergenommen von dem zottigen Fell. 
Anlaut Adg- in keltischen Namen findet sich [Drexler.] 

öfter. [M. Ihm.] Laclniia, yIy4XiV/.4 neben der dreigestaltigen 

Lacliarmarmaraphba {AaxccgpiaQuaQacpßa) Hekate auf einer sog. gnostischen Gemme in 

wird angerufen auf einem roten Jaspis der Berlin wird von'^ 2' öl ken, Erkl. Verz. p. 452 

Sammlung Montigny mit der Darstellung des 9. Kl. 3. Abt. nr. 105 als Beiname dieser Göttin 

Helios auf dem Viergespann, welchem Phos- gefafat (vgl. Baspe p. 151 nr. 2050. Soufre de 

phoruH voranfliegt: AaxciQucio uagacpßa, (}vv\- iStoxch. Hecnte ä trois tetes. AWXAA). [Dvexlei:] 
xrjQrjoov fit ä\yriqcczov >ifxoc^Qnco[iivrjv, Coli, de Lachsaulrej d, i. Alexandros, sitzt auf einem 



1785 Lacrimae Ladumeda 1786 

in Palestrina gefundenen mit etruskischen In- Lyk.6. Schol. II. 1,14:. Eustath. Dion. Per. 4:16. 

Schriften versehenen Spiegel neben finem Bett Scrv. V. Aen. 2, 513. Vater der Nymphe Thel- 

mit gelagerter Frau, vor welchem Venus (Turan) pusa, P«ms. 8, 25, 2. Steph. B. v. Tilq)ovca(x. 

steht. Brunn vermutet in der Darstellung Grofsvater des Euandros, Paus. 8, 43, 2. 

„eine Scene zwischen Paris und Helena in [Über den Zusammenbang dieses Flusses mit 

Sparta unter Mitwirkung der Göttin", Ärch. dem Drachen Ladon (nr. 2) s. Wilamowitz, 

Anz. 17, 1859 Sp. 16*. [Drexler.] Etir. Herakles 2 S. 130. Röscher.] [Philostr. 

Lacrimae, Personifikation der Thränen, vit. Apoll. Tyan. 1, 16. Paloeph. de incred. 

Claudian. de nupt. Hon. et Mar. 80. [Höfer,] 50. Lihan. narrat. 11 p. 1002 == Wester- 

I.actaiis s. Indigitamenta Bd. 2 Sp. 201. lo mann, Mytltogr. 366, 19, 1. Nonn. narrat. ad 

Lacturcia(?) s. Bd. 2 Sp. 201. Greg, invect. 2, 16 p. 166 = Westermann 367, 

LactHruiis s. Indigitamenta Bd. 2 Sp.201. 19, 2. Apliilionius, Progymn. 5. Spengel, lihet. 

Lacus s. Lokalpersonifikationen und Lacus Graec. 2, 28. 29. 31; vgl. Ladogenes. Höfer.] 

Benacus. — 2) Name des Drachen, welcher die goldenen 

Lacus BeiiacHS als göttlichesWesen erscheint Äpfel der Hesperiden bewachte, nach Hes. 

in der Inschrift C. I. L. 5, 3998 (am Gardasee Theog. 333 ff. erzeugt von Phorkys und Keto. 

gef.) /. . c?JIo et lac Benaco \ Successiis . Q Dagegen sagt Sclwl. Ap. Rh. 4, 1396, Hesiod 

Samici . Myrini \ v s l m \ u. s. w. nenne ihn einen Sohn des Typhon; nach Phere- 

[R. Peter.] kydes b. Schol. Ap. Bh. a. a. O. war er Sohn des 
Ladamas {AuSäyicxq) , Name eines neben 20 Typhon und der Echidna und hatte 100 Köpfe 

einem Krieger (fnitozicov) reitenden Jünglings und mancherlei Stimmen, vgl. ApoUod. 2, b, 11. 

auf einem wobl aus Caere stammenden Krater. Hyg. praef. p. 32 Bunte und Fab. 30. Peisan- 

Die Darstellung wiederholt sich dreimal, ein- dros liefs ihn von der Erde abstammen. Er 

mal ist dem Jüngling AaSccu-diog (?) beige- wurde von Herakles erlegt und von Hera unter 

schrieben. Heydemann, Mut. aus d, Antiken- die Sterne versetzt, Eratosth. c. 3. Hyg. P. A. 

Sammlungen in Ober- u. Mittelitalien, 3. Hall. 2, 3. — Schömann, Op. Ac. 2, 187 ff. leitet den 

Winckelmanvsprogr. p. 87 nr. 17. [Höfer.] Namen ab von lat,£0%'ai {= Xafißccvscv), so 

Lades (AdSrjg), Sohn des Imbrasos, Bruder dafs Xddav = läßgog, rapax wäre, wie auch ein 

des Glaukos, beide in Lykien erwachsen, Be- Flufs heifsen kann; dagegen nehmen Welcker, 
gleit er des Aeneas, von Turnus in der Schlacht 30 Kret. Kolonie p. 4 und Völcker , Mytli. Geogr. 

erlegt, Verg. Aen. 12, 343. [Stoll.] p. 110 Aädav für Aä&cov, weil er, im Ver- 

Ladicus , Beiname luppiters auf der In- borgenen liegend, verborgene Orte bewachte. 

Schrift C. I. L. 2, 2525 lovi Ladico M. TJlp. Preller, Gr. Myth. 1, 461, 2. 2,. 221, 2. — Auch 

Aug. lib. Graeilis ex voto. Da die Inschrift der Drache des Ares, der das goldene Vliefa 

gefunden ist 'es la entrada del reyno de bewachte, ein Sohn des Typhon und der 

Leon a Galicia, por la montana que Uaman Echidna, Hyg praef. p. 31, hiefs wohl Ladon, 

los Codos de Ladoco, aunque vulgarmente pro- Stoll, Ares p. 39, sowie auch der Aresdrache 

nuncian Laroco', so kann es nicht zweifelhaft bei Theben, H. D. Müller, Ares p. 25. StoU, 

sein, dafs Morales (vgl. Monatsber. d. Berl. Ares p. 5. Tümpel, Ares u. Aphrodite p. 710 
Akad. 1861 S.814f. und C. I. L. a. a. 0.) richtig 40 (11. Suppl.-Bd. d. Jahrb. f. Mass. Phil). Unger, 

den Namen mit dem Berge Ladicus in Gallae- Paradoxa Theb. 68. 135f. 197 etc. — 3) Hund 
cia (denn das ist der heutige Codos de Ladoco . des Aktaion, Ov. Met. 3, 216. Hyg. f. 181. — 

oder Laroco, vgl. z. B. Paulys Realencycl. 4 i) Streiter auf Seiten des Aeneas, getötet von 

S. 721 s. V. Ladicus) in Zusammenhang gebracht Halesus, dem König der Aurunker, Verg. Aen. 

hat. [R. Peter.] ^ 10, 413. [Stoll.] 

Ladogenes (/fa^coysrijg), 1) Beiname der Ladiimada ist nach B. Garrucei (Syll. inscr. 

Aphrodite, ort snl xm iv 'Agv-aSCu noTa[im Ad- lat. zu nr. 525), H. Jordan (Krit. Beitr. zur 

ömvL sy£vvr]aev Hesych.; doch will man für Geschichte der lat. Spr. Berlin 1879 S. 67 f.) 

'AcpQoSiZT] JdcpvT}, und statt sy^wr^Gav iysvvrj&rj und C. I. L. 14, 4108 auf der oben s. v. Istor 
schreiben, vgl. Schmidt z. d. St., d. Art. Ladon 5ö beschriebenen prän estinischen Cista der einer 

und Bindorf im Thesaurus. — 2) bei Hesych. auf eine Herme gestützten weiblichen Figur, 

Evdcclayi:vsg- ai XdQirsg vermutet Schmidt welche einen Hirsch an einem Bande hält, 

[sv] Aaöoy&vsig- ai XdQixsg. [Höfer.] beigeschriebene Name zu lesen, nicht Laou- 

Ladokos (Jadoxog), Arkader, Sohn des Eche- meda, wie Corssen (Ausspr. 1^ S. 657 Anm. und 

mos, nach welchem die Örtlichkeit Ladokeia bei Schöne a. sogleich anzuf. 0.), B. Schöne 

nahe bei Megalopolis, früher wohl eine Stadt, (Ann. d. inst. 42, 1870 S. 336) und G. Wihnanns 

benannt sein sollte. Paus. 8, 44, 1. Curtius, {Epheni. epigr. 1 S. 13 nr. 19) lasen. Laoumeda 

Pelop. 1, 316. 342, 25. Bursian, Geogr. 2, 227. wurde von Gorssen (bei Schöne a. a. 0.), Schöne 

[Stoll.] (S. 339 Anm. 1) und Wilmanns (a. a. 0.) als 
Ladon (ylad~cof), 1) Stromgott Arkadiens, Sohn 60 lateinische Umbildung des griechischen Namens 

des Okeanos und der Tethys, Gemahl der Stym- AaofisÖa, AaofiäSrj erklärt, und diese Erklärung 

phalis, Vater der Daphne und Metope, welche bleilat auch für Ladumeda trotz der Schwierig- 

mit Asopos, dem Flufsgott in Phlius oder in keiten, welche das (Z bietet (vgL Jor(?an a. a. 0.), 

Böotien, vermählt war, Hesiod. Theog. 344. bestehen. Wer diese Laomeda sei, ist nicht 

Apollod. 3, 12, 6. Diod. 4, 72. Paus. 8, 20, 1. zu entscheiden; an Laomedeia, die Tochter 

10, 7,3 a. E. Schol. Pind. Ol. e, 140. 143 f. Nonn. des Nereus und der Doris {Hesiod. theog. 257; 

Dion. 42, 387. Serv. V. Aen. 3, 91. Ecel 3, 63, über den Wechsel von Namensformen wie 

Die Daphne erzeugte er mit der Erde, Tzetz. 'ImtoSdiir} und 'iTtTtodd^isia, Aaoddfir] und Aao- 



1787 Laerkes Laetitia 1788 

däfisitt u. s. w., wonacli AciOf.Li8r] sebr wohl Sohn des L. genannt wird. Nach Pherekydes 

gleich sein könnte ÄaofiäSsia, vgl. z. B. Ä. Mei- fr. 90 {PhilostepJianos im Schol. Hom. ol6) wirbt 

nelce, Änahcta Alexandrina S. 4G. 0. Schneider, L. bei Ikarios um Penelope für seinen Sohn. — 

Nicandrea S. 2), ist, da das Bildwerk eine für Als Vater eines Helden vor Troia ist er in 

uns nicht näher deutbare (s. Istor) Scene aus das Verzeichnis der Argonauten aufgenommen 

dem troischen Sagenkreise darstellt, kaum zu worden: Apollod. 1, 9, 16. Diod. 4, 48, unter 

denken; Laomeda erinnert, wie /Sc7towe (S. 339) die kalydonischen Jäger bei Byg. fab. 173 

bemerkt, an den Trojanerkönig Laomedon. p. 28, 16 SeJi. — AasQzrig war der Titel einer 

[R. Peter.] Tragödie des Ion, von der Athen. 26T^ ein 

Laerkes (yia^'pjijjg), 1) Sohn des Aimon, lo Bruchstück (14 N.) mitteilt. [Seeliger.] 

Vater des Alkimedon, ein Myrmidone, IL 16, L.aertiades {AcciQziixSrjg), Patronymikon von 

197. 17, 467. — . 2) Ein Künstler in Pylos, der bei den Tragikern für AccsQzrjg üblichen 

Od. 3, 425. [Stoll.] Form AccegTLog; Schol. Bionys. Gramm, bei 

Laertes (Jaf'prTjs), Vater des Odysseus von BeTcher, An. 849, 6. Etym. 31. 554, 3. 4. Etym. 

Ithaka. In der Ilias findet sich nur das Pa- Gud. 360, 20. 25. Laertius enim pro Laertes 

tronymikon AasQtiäSrig, P200. E173; vgl. j.19 dicebant, quomodo et Graeci AasQXiog pro Accsg- 

u. a. St. {AasQTOv yovog, Suph. Phil. 366; vgl. xrig, Priscian 7, 18 in Grammatici Latini ed. 

Aias 13d3. fr. 827 N. xir ist. Plut. S12). Das Keil 2, 302 = Odysseus Hom. II. 3, 200. 

Gedicht von Laertes in ra 204 fi". (rar iv dyQcp, 9, 308. 624. 10, 144. Od. 9, 19. 12, 378. 19, 
xa SV AasQtov hei Äel.v.h. 13, U; Yg\. Theokr. 20 336. 24, 542. Eur. HeL 133. Polyain. 1, 

16, 56. Citate bei Athen. 25^. Strab. p. 59. 452), prooem. 6. Quint. Smyrn. 12, 73. Lukian. 

ein jüngerer Teil der Odyssee, vorbereitet durch Tragodopod. 261. lust. Mart. or. ad gent. 1 

ipSbdS., erzählt, dafs L. in Gram um den ver- (6 'id-anriaios A.). Horat. od. 1, 15, 21. sat. 2, 

loren geglaubten Sohn ein einsames und dürf- 5, 59. Ovid. mit. 13, 48. Stat. Achill. 2, 19 

tiges Leben auf dem Lande führt, gepflegt von {dux L.); die Form AaQxidSag bei Eur. Rhes. 

emerDienerin (yvvij Si-nflrj ygrivg, vgl. al^l YQrjl 907. Älkaios Mil. in Anth. Pal. 7, 1. 9, 115. 

cüi' ajuqjtTrdlo»), die mit ihrem Manne Dolios und 11, 379. Anth. Plan. 125, 295. Auson. epit. 

ihren Söhnen seine einzige Gesellschaft bildet. Protes 4 p. IGPeiper; er heifst Laertius heros 

Hier wird er von Odysseus überrascht; von Ooid. Trist, b, 5, 3. Slat. Achill. 2, 316. Auson. 
Athene im Bade verjüngt kämpft er an der 30 perioch. Od. 7 p. 396. Laertia proles Auson. 

Seite des Sohnes gegen die Verwandten der a. a. 0. 7 p. 395. Laerta satus Ov. Heroid. 

gefallenen Freier und tötet den Eupeithes. Aus 3, 29. Accsgra {Aagxiov Eur. Troad. 421) 

dem früheren Leben des L. erfahren wir v. 206 f. x6v.og Soph. Phil. 614. Eur. Iph. Aul. 204; 

von schweren Kämpfen, insbesondere v. 377 von xiv.vov Accqxiqv Soph. Aias 380. AaiQxov yövog 

der Eroberung von Nerikos (Neritos bei Stral). Eur. Iph. Taur. 533. Soph. Phil. 366. Soph. 

a. a. 0.). Über das Verhältnis dieses Laertes- im Schol. Thcokr. 15, 48 = fr. 784: D., ansgiicc 

gedichtes zu mehi-eren Stellen der Odyssee, in Accbqxov Soph. Aias 1393. AasQxiov {Aagxiov 

denen auf das ländliche Leben des L. Bezug Soph. Aias 1. Ph>l. 1286) Trat? Sop)h. Phil. 

genommen wird, o;189ff. -l 187 ff. tt 138ff., ob 87, 1357. Aias 101. 6 AagxCov [Aaegziov 
diese als Quelle von jenem zu betrachten oder 40 Soph. Phil. 628). Arist. Plut. 312. Soph. Phil. 

von einem Bearbeiter nachträglich eingeschoben 401. viog Aaigxao Tzetz. Posthorn. 487; vgl. 

sind, gehen die Ansichten auseinander, vgl., Hom. Od. 9, 531. Der Plural Aasgxiääcci, 

V. Wilamoivits (gegen Kirchhoff) in den Home- ' steht bei Arist. mir. ausc. 106, der berichtet, 

risclien Untersuchungen S. 69 fF. In Widerspruch dafs ihnen, den Atreiden, Tydeiden und Aiaki- 

mit CO steht, was ^ 735 if. über Dolios gesagt den gemeinschaftlich zu bestimmten Zeiten 

ist, vgl. p 212. % 159. Ö322, wo Dolios Vater von den Tarentinern Tieropfer {svccyL^siv, vgl. 

des Melanthios und der Melantho heifst. Auf Bd. 1 Sp. 2505 Z. 39 ff.) dargebracht worden 

das ländliche Leben des L. beziehen sich Cic. seien. [Höfer.] 

de sen. 15, 54. Oic. bei Plut. Cic. 40 (Aasgxov Laertios 1) = Laertes (s. Laertiades). — 
ßtov ^fjv). Ov. Her. 1, 98. 113. — Als Vater 50 2) = Odysseus (s. Laertiades). 

des L. wird Arkeisios genannt, daher L. 'Ag- Laethusa, Gemahlin des thrakischen Königs 

■nstaLddrjg, Hom. d'755. co270. 517; vgl. zu der Lynkeus, welchem der Thrakerköuig Tei'eus die 

Genealogie: Arkeisios, Laertes, Odysseus, Tele- von ihm entehrte Philomela, die Schwestei 

machos n 117 ff. ^ 173. 182. Ov. Met. 13, 143. seiner Gattin Prokne, zur Verwahrung gegeben 

Apollod. 1, 9, 16. Schol. Hom. B 173 (Icrt 8s hatte; aber Laethusa, eine Freundin der Prokne, 

Accsgzov xov 'Agnsialov xov Kilsoog xov Kscpd- führte dieser sogleich ihre Schwester zu, worauf 

Xov xov 'Egfiov. Eust. p. 197, 22: '08voasvg beide an Terens grausame Rache nahmen, 

6 dno AasQxov, og s^ 'Egfiov sXksi. zb ysvog. Hyg. f. 45. ]\'elcker, Gr. Trafj. 1 p. 387. 

Vgl. auch Töpffer, Att. Geneal S. 85). « 118 " ' [Stoll] 

und Euktath. z. d. St. (p. 1796, 34), wo Chalko- 60 Laetitia, die Personifikation der Freude, er- 

medusa Gemahlin des Arkeisios, also Mutter seheint auf römischen Kaisermünzen der Fau- 

öes L. heikt {Tüsnih den Katalogen hez. Eoien?). stina jun. stehend mit Kranz und Scepter, 

Des L. Gemahlin ist Antikleia, Tochter des Eckhcl, D. N.V.7 p. 78. Cohen, Monn.imp. 3', 

Autolykos, Hom.l8b. 153ff.; vgl. 356; über 148, 146 — 152; auf denen der Lucilla und 

sie und ihr Verhältnis zu Sisyphos s. den Ar- Inlia Domna mit Kranz und (Steuer)ruder, Coh. 

tikel Antikleia. Eine Tochter aus dieser Ehe, 3, 218, 45. 4, 114, 101, ebenso, nur das Ruder 

Ktimene, nebst anderen Kindern erwähnt Hom. auf einen Globus gelegt auf solchen der Cris- 

o363, während in jr 119 Odysseus der einzige pina, Coh. 3, 384, 27. Smyth, Descr. Cat. of a 



1789 Laetitia Laetitia 1790 

cab. of rom. imp. large - brass wedals p. 166 de Witte 100, 34, doch dürfte, da nach de Wittes 

nr. 327, und der Aquilia Severa, Coli. 4, 381, 8. Abbildung PI. 26 das angebliche Scepter nicht 

Die Laetitia fundata ist dargestellt stehend mit über die L. emporragt, auch hier eher ein Anker 

Kranz und (Steuer)ruder unter Philippus sen., anzunehmen sein; dasselbe gilt von den Münzen 

Üoh. 5, 101, 71 — 76. Hohler, Becords of roman des Tetricus sen., de Witte 136, 47 (LAETITIA 

hist. 2, 739, 1758 (LAET. FVNDATA); C;h. 5, AVG. N). 137, 48. 49 PI. 34 (LAETITIA AVGG), 

101, 79. 80 (LAETIT. FVNDAT.) und Carinus, vielleicht auch des Tetricus jun., de Witte 186, 

Coh. 6,387,47 (LAETITIA FVND.); stehend 26^ Auf Münzen der beiden Tetricus ist sie 

mit Schale und (Steuer)ruder, den r. Fufs auf auchdargestelltstehend,mitdem Anker, opfernd 

einem Schiffsvorderteil unter Philippus sen., lo auf einem Altar, bei dem sich eine Schlange 

Coh. 5, 101, 76 — 78 (LAET. FVNDATA-). 81 befindet, de Witte 137, .nO PL 34 (LETITIA 

(LAETIT. FVNDAT.); stehend, den Fufs auf AVG). 186, 28 PI. 46 (LETI AVG); auf denen 

einem Schitfsvorderteil, mit Schale und Anker des älteren mit Anker und Schale, de Witte 

unter Philippus sen,, Cat. De Movstier 192, 137, 50^ (LETITIA AVGVSTI), oder den In- 

2952 (LAETIT. FVNDAT.); stehend mit Kranz halt eines Füllhorns in ein Gefäfs zu ihren 

und Anker unter G.illienus, Coli. 5, 386, 442, Füfsen giefsend, de Witte 137, 49^ (LAETITIA 

Tacitus, (7o/(. 6, 226, 62, Florianus, Co/t. 6, 244, 38, AVGG,), oder mit Schale und Steuer; zur 

Probus, Coli. 6, 285, 330, Carinus, Coli. 6, 387,47, Rechten ein Kind (?), Coli. 6, 99, 76 (LETITIA 

Diocletian, Cohen 6, 447, 311. 312. In letz- AVG.), auf denen des jüngeren mit Kranz und 

terer Weise v?ird auch dargestellt die Laetitia 20 Steuer, de Witte 185, 26 PL 46; auf denen des 

Aug{iisti, oAq-c hei K.^ä^exixi'üQn Augfustae)) 0(\.ex Claudius II. mit Kranz und Füllhorn, Coh. 6, 

Laetitia Augfusti) nfostri) — die Münzen mit 143, 138. 139. 

letzterer Aufschrift mache ich durch ein Stern- Seltener kommt vor die Laetitia publica, 

chen bemerklich — unter Gordianus Pius, Coli. welche auf Münzen der Faustina jun. mit der 

de M. le Comte de B***. Paris 1889 p. 88 Aufschrift LAETITIA PVB. stehend mit Glo- 

nr. *517 PL 10, Gallienus, Coli. 5, 385 f., 422 bus und Scepter, Coli. 3, 148, 153, mit der 

— 432, 386, *442, Saloniua, Co/*. 5, 507, 73, Aufschrift LAETiTIAE PVBLICAE stehend 

Victorinus, Coli. 6, "74, 55 — 57. de Witte, Em- mit Kranz und Scepter, Coli. 3, 149, 154—158. 

pereurs des Gaules 100, 32^ *33 PL 26 (LA . .- Hobler, Becords of rom. hist. 2 p. 533 nr. 1194, 

T. . .TIAN . VG), Tetricus Pater, Coli. 6, 98 f., 67 30 oder mit Ähren und Scepter, Stevenson, Bic- 

(LAETIS AVG). 68 (LAETI. AVG). 69 (LAE- tionary of rom. coins p. 502; auf Münzen des 

TIT. AVG). 70. de Witte 136, *46 PL 34, ^47». Elagabal, Coli. 4, 331,70 und der Maesa, Coh. 

137, 49^ (LAETIT AVG.), Tetricus Filius, Coli. 4, 394, 26 mit der Aufschrift LAETITIA PVBL 

6, 121, 21, Claudius IL, Coli. 6, 143, 140. 141, stehend mit Kranz und einem auf einem Globus 

Aurelian, Coh. 6, 188, 118, Severina, Coli. 6, ruhenden Steuer erscheint. 

211, 11, Tacitus, Cuh. 6, 226, 52, Florianus, Die Laetitia temporum ist dargestellt mit 

Coh. 6, 244, 38. Milani, II ripostiglio dtlla Kranz und Scepter unter Pertinax, Coli. 3, 392, 

Venera 193, 4557 Tav. 3, 5, Probus, Coh. 6, 18 — 22. Smvth p. 170 nr. 313. Coli, de 31. le 

285, 324. 325. *330. Milani 195, *4581 Tav. 3,7, Comte de B*** p. 73 nr. 435 PL 9, mit Kranz 

Carinus, Coli. 6, 387, *47_, Diocletian, Coh. 6, 40 und Füllhorn unter Tetricus sen., Co/». 6, 226, 53. 

447, *311. *312, Carausius, Coli. 7, 14, 116. Das Attribut des Kranzes, welches Laetitia 

15, 117. 122, auf dessen Münzen sie auch mit besonders charakterisiert, erklärt sich aus der 

Kranz und Scepter, Co/i. 7, 18, 156 (LITI. AVG). Sitte, der Festfreude durch ßekränzung Aus- 

19, 159 (LITITI. AV.) und verschiedenen an- druck zu verleihen, OiseUus, Thes. sei. num. 

deren Attributen (vielleicht aus Unkenntnis der p. 336. Eelihel, B. N. V. 7 p. 78. Smyth p. 166. 

Stempelschneider), Coh. 7, 17 f., 150. 153—155. 170 f. Hobler 2 p. 533; vgL für die griechische 

157. 158 vorkommt. Derselbe Typus begegnet Sitte A. Karikoidas, IJsqI ccQxfig «a-l xQVf^^^S 

auf Münzen mit der Aufschrift Laetitia Augg., zov arsq)dvoiJ thxqoc toi"? naXcciorg "Ekkrjaiv. 

d. i. der beiden Augusti, unter Valerianus sen.. Erlangen 1880. Auch Euripides, Bahcli. 374 

Coh. 5, 307, 100 — 103. Coli, de J)**- 93, 546 50 redet von ■nalliGrifpccvoi svcpQoavvat. und Gei- 

Pl. 11, Gallienus, ^Coh. 5, 385 f., 433 — 441, bei, Gedichte u. Gedenkblätter p. 32 singt: Die 

vgl. 384, 420 (LAETIA AVGG), Tetricus jun., Freuden, die rosigen Tänzerinnen, mit Kränzen 

de Witte 186, 27 PL 46, Constantius I. Chlorus, und Fackeln, mit Spiel und Gesang, wie fliehn 

Coh. 7, 72, 165, Galerius Maximinus, Coh. 7, sie auf schimmernden Sohlen von hinnen, C. C. 

114, 129. 130 und auf solchen mit der Auf- Hense, Poet. Personifikation in griecli. Bicli- 

schrift Laetitia Auggg., d. i. der drei Augusti, tungen p. 138. Für das Attribut des Zweiges 

unter Diocletian, Coli. 6, 447, 310 und Carau- hat man angeführt den herzerfreuenden Ein- 

sius, Coh. 7, 15f., 129. 130. Auf Münzen des druck, welchen das Grün der Blätter macht 

Quintillus, Coh. 6,168,39, und Tacitus, Coh. und die Ausschmückung der Häuser und Strafsen 

6, 226, 49. 50 ruht der Anker der Laetitia 60 damit bei festlichen Gelegenheiten, i?rtsc/te,ific. 

Aug(usti) auf einem Globus. Mit Lorbeerzweig univ. rei num. vet. 2, 2 Sp. 1422. Stevenson p, 501 ; 

und Palme erscheint dieselbe unter Commodus, der Anker soll die Freude als dauernd und be- 

Coh. 3, 265, 278, von dem es auch eine Münze gründet charakterisieren, Basche und Stevenson 

mit der Aufschrift LAETITIAE AVG und der a. a. 0. 0. 

Darstellung der Laetitia mit zwei Ähren und Sonst wird noch der Begriff der Freude 

auf einen Globus gelegtem Steuer giebt. Coli. ausgedrückt auf 2 Goldmünzen des Antoninus 

3, 265, 279; mit Kranz und Scepter soll sie Pius mit der Aufschrift LAETITIA • COS • IUI 

vorkommen unter Victorinus, Coh. 6,74, 56, durch zwei bekleidete Frauen, die eine mit zwei 



1791 Lagaria Laginitis 1792 

Ähren in der R., die andere mit einer Frucht Lagaris {AdyaQis), ein Hirte, nach welchem 
in der L., oder durch den Typus, den EckJiel, die Stadt Lagaria in Lukanien benannt sein 
D. N. V. 7 p. 21 beschreibt als „Mulier stans soll, M. M. 554, 15. Vgl. Lagaria. [Stoll.] 
d. spicas, s. pomum, cuius gremium puellus Lagbene {Aayßrjvi]), Name einer pisidischen 
amplectitur'i, Cohen 2, 316, 479 als „Femme lidk-Algöilm [p' e a] Äayßrivfi sv%riv^ Waddington, 
dehout, tenant deux epis de la m. dr. et serrant Inser. d'Asie mm. 1211; anders JBöckh, C. I. G. 
contre eile un jeune enfant". Visconti, Museo 3, 4318b, vgl. p. 1152. [Höfer.] 
Pio-Clem. 1 p. 95 sieht in der ersteren Dar- Lagesis {Ääysaig), eine sicilische Göttin, 
Stellung Ceres mit der wiedergefundenen Pro- Phot. Lex. und Hesycli. s. v. [Stoll.] 
serpina. Cohen 2, 316, 476 hat diese Deutung lo Laginitis {Actyivizig), Beiname der Hekate 
angenommen. Dagegen erklärt jE'cA7ieZ a. a. 0.: von dem Orte Lagina bei Stratonikeia, Steph. 
„procurtdam ex omnis generis fructuum ahun- Bys. s. v. Ev.azriaCa und Aäyivu, s. ob. Bd. 1 
dantia lattitiam his typis indicari". Ein an- Sp. 1885. Der dort verzeichneten Litteratur 
derer Typus, welcher die Aufschrift Laetitia ist hinzuzufügen: Newton, Essays on art and 
begleitet, ist ein Schiff auf Münzen des Postu- archaeology p. 175 f. Diehl et Cousin, Senatus- 
mus, Cohen 6, 34, 164. 165. de Witte 39, 140 Consulte de Lagina de Van 81 avant notre ere, 
(LAEITIA). 141^. 148 und Carausius, Coh. 7, Bull, de Corr. Hell. 9 1885 p. 437 — 474. Die- 
15, 118 — 121. Dasselbe findet sich mit der selben, Inscriptions de Lagina, B. C. H. 11 
Beischrift LAETITIA AVG auf Münzen des 1887 p. 5 — 39. 145 — 163 (vgl. Dieselben, 
Postumus, Coh. 6, 34 f., 166 — 186. de Witte 20 Inscriptions du temple de Zeus Panamaros, 
p. 37 ff. 132 — 137». 139. 141. 141^ 142. 146. B. C. H. 12 1888 [p. 82 — 104] p. 83 ff. nr. 9. 
146^ 149 PL 9. 10 (die dazwischen ausgelasse- p. 85ff, nr. 10. p. 87f. nr. 11. p. 90. 94. [p. 249 
nen Nummern zeigen arg entstellte Aufschriften), — 273] p. 264 nr, 49. p. 271 nr. 57; B.C.H. 15 
Carausius, Coh. 7, 15, 128, Allectus, Coh. 7, 46, 1891 [p, 169—209] p. 170. 185f. nr. 130. p. 187 
17—22. Auf Münzen des Tetricus jun. mit der nr. 131. p. 196 nr. 139. p. 199 f. nr. 141. p. 208 
Aufschrift LATITIA AVG, Cohen 6, 121, 23. nr. 149. p.424f. nr. 5). Anastasius Papalukas, 
de Witte 186, 29 PL 46 und . . ETITIA • AV- Uggl t/]s nöXscog Zzgatovi-nsiag y.al täv LSQav 
GVSTI, Coh. 6, 121, 25. de Witte 1H6, 30 PI. 46 avtrig. Patris 1886 (Jenaer Dokt.-Diss.) p. 36 
erblickt myn die Opfergeräte. Münzen des Sep- — 61. Aemilius Heller, De Cariae Lydia,eque 
timius Severus, Coh. 4, 30, 253. 254, Caracalla, so sacerdotibus , Jahrbb. f. kl. Phil. Siippl. Bd, 18 
Coh. 4, 155, 117. 118 und Geta, Coh. 4, 260, 67 1892 [p. 213 — 264] p. 242 — 248. Die beiden 
mit der Aufschrift LAETITIA • TEMPOßVM letzteren haben die Ergebnisse der Inschriften 
zeigen den in Form eines Schiffes gebauten für die Geschichte des Tempels und die Ein- 
gewaltigen Tierbehälter, welchen Septimius richtung des Kultus eingehend verwertet. Ich 
Severus bei den Spielen nach seiner Rückkehr beschäftige mich deshalb nur mit der Göttin 
aus dem Orient im Jahre 202 für den Cirkus selbst. Von Beinamen, welche dieselbe in den 
errichten liefs {Cass. Dio 76, 1. Eckhel 7 p. 132), Inschriften von Lagina und Panamara erhält, 
umgeben von 4 Quadrigen und einer Anzahl ist zu nennen Bnicfciviqg, B. C. H. 9 p. 456 Col. 5 
Tiere. Auf einer Münze des Gallienus mit der Frgt. 1. B. C. H. 12 p. 264 nr. 49, ein in der 
AufschriftLAETIT.TEMP (Co/*. 5, 384,421) ist 40 Kaiserzeit verschiedenen Gottheiten, wie der 
dargestellt der kleine luppiter autf der Ziege Artemis Hyakynthotrophos {Netvton, A hist. of 
Mit Recht vermutet Eckhel, D. N. V. 7 p. 21, discov. in Halic. Cnidus and Branchidae 2 p.766. 
dafs Laetitia einen öffentlichen Kultus genofs. Waddington, As. Min. 1572 bis), Eleuthera 
Darauf deutet schon die Dedikationsaufschrift {Sprait and Forbes, 'Travels in Lycia, Milyas 
Laetitiae einiger der oben verzeichneten Münzen. and the Cibyratis 2 p. 272. K. Keil, Phüologus 5 
Münzen des Commodus {Eckhel, D. N. V. 7 p. 650. C. I. Gr. add. iS03h\ Waddington, As. 
p. 116 f.) zeigen in einem Lorbeerkranz die ■ Min. 1286), Hera {Waddington, As. Min. 49), 
Aufschrift P-D • S -P- Q -R • LAETITIAE • C -V Thea Matyene {Mitt. d. Ksl. D. A. Inst, in 
und aufserhalb des Kranzes S • C. Die beiden Athen 12 1887 p. 256), Tyche {Waddington, 
ersten Buchstaben deutet il/c7c/ieZ jedenfalls mit 50 As. Min. 369. C. I. Gr. 2693b), dem Apollou 
Recht: „revocant mcmoriam votorum Primorum ■ Lairmenos {LH. St. 8 p. 376f. nr. 1), vielleicht 
Decennaliunv' . Der Rest ist wohl aufzulösen: den Dioskuren {Mitt. d. Ksl. 1). A. Inst, in Atli. 
Senatus Populusque Momanus Laetitiae coronam 10 1885 p. 319 nr. 6), dem Surapis {B. C. H. G 
vovit senatus consulto. [Laetitia, mit dwn Epi- p. 339f. nr. 45), dem Telesphoros auf Münzen 
theton vana, im Gefolge der Fama, bei üv. von Nikaia {Pick, Zeitschr. f. Num. 17 1890 
Met. 12, 60. Höfer.] [Drexler.] p. 190 f.) erteiltes Epitheton. Noch öfter heilst 
Lflgaria^ od. -eiaJ {AayccQia. od. -noc), vgl. sie im Superlativ inicpavsaTäzT] &soi 'Eyicczrj, 
Schol. II. W 665: navonevg] ozQcczsvaag avv Newton, A hist. of disc. 2, 2 p. 792 nr, 97; 
'A^cpLXQvcovt Kaza TtjXfßoicov, bk zcäv koivcöv jj. 795 f. nr. 99 (ohne &8d). Waddington, As. 
XacpvQcav v.i:%lQ(pwg 'Elaycegstccv, ia%fi viov 60 Min. 54:2. B. C. H. 11 [p. 146f. nr. 47 nach Er- 
'Ensiov. Meitieke [zu Steph. Byz. s.y. AuyaQLK' gänzungj p. 149 nr. 52; p. 152f. nr. 57. B.C.H. 
cpQovQiov'lzaXiag nirjoiov f)ovQicov,zov'E7ts Lov 12 p. 83 nr. 9; p. 98 nr. 16. Benndorf u. Nie- 
■nal «^MMfcov Y.zio(ia, wg Uzgäßcov (6, 263)J ver- tnann, Reisen in Lykien u. Karien p. 155 nr. 131 
mutet AayciQLuv, die er für die Eponyme von (ohne ^sä). B. C. H. 15 p. 208 nr. 149, wie sie 
AayaqCa und Mutter, des Epeios hält. Vgl. auch in Sidyma als inKpavsozäzr] d'sog 'Enäzi] 
d. Art. Lagaris; Klausen, Aeneas u. d. Pen. {Benndorf u. Niemann a. a. 0. p. 69 nr. 45) be- 
457. 460 f. Tropea, Storia dei Lticani. Messina zeichnet wird, und wie sonst mit diesem Bei- 
1894 S. 120. [Röscher.] wort geziert vorkommen Aphrodite {C. I. Gr. 



1793 La^initis Laorinitis 1794 



D " "" O 



2811), Artemis ürtheia (C. I. Gr. 1444), lainba- S. 6, 53G, 482. 483. Lealce, N. Hell. As. Gr. p. 124 

dule und Theos Zberthurdoa (l?ti??.fZeZ?a commi'ss. Suppl. p. 95. Kead p. 530. 
urcli. comim. di Borna 8 1880 p. 12), Isis und Ein schönes Didrachmon in Berlin aus dem 

Osiris, IHod. 1, 17, Apollon Larmenos (/. H. St. 2. vorchristlichen Jahrhundert zeigt auf der mit 

8 p. 389 nr. 18), Apollon Sourios {Petersen u. derAufschriftlTPATONIKEQN MEAANOlOZver- 

V. Liischan, Reisen in Lylcien, Müyas ii. Kiby- sehenen Rückseite die Hekate in ganzer Gestalt 

ratis p. 45 nr. 82), Asklepios und Zeus (C. /. Gr. stehend von vorn, lang bekleidet, auf dem Haupt 

1392), Dionysos (C. I. Gr. 1948. 3979. 5790. Kalathos und darüber Halbmond, in der R. 

add. 5790 b), Zeus Bulaios und Helios {C. I. Gr. Schale, in der L. Fackel, das Ganze umschlossen 
1392; vgl. Helios svcpavBGVKTog, C. J. Gr. 2653), lo von einem Kranze (Obv. Bei. Haupt des Zeus), 

Zeus Panamaros (B.C. H. 12 p. 82 f. nr. 8). Zeitschr. f. JS'um. 16 1888 p. 5 Taf. 1, 2. 

Als [.tsyiotrj &£cc 'E-ndzrj wird sie bezeichnet Auf den Eaisermünzen von Stratonikeia er- 

B. C. H.ll p. 23 nr. 33; p. 154 f. nr. 60; p. 158 f. scheint sie 1. h. stehend mit Schale und Fackel 

nr.Gi; vgl. C. I. Gr. 271b (iiByictav &£äv, [zIlos unter Septimius Severus und lulia Domna, 

zov n](xvrj^t[QLOv -iial 'Enjar/jg), als fiiyiazr] Cohen, Gab. Badeigts de Labor de p. 37nr. 417; 

v.al tTiicpavsGxäx)] &£ci 'Ev.äxri, B. C. H. 11 Caracalla und Geta, S.Bircli, Num. Chron. 1 

p. 146f. nr. 47 (ergänzt); p. 152f. nr. 57. 12 1838 p. 197 nr. 4 („ lACONOC • CTPA- 

p. 83 nr. 9; p. 98 nr. 16 (ergänzt). 15 p. 199 f. T0NlK6ßN. Ä female figure tvalking to the left, 

nr. 141, her head swmounted by the calathus and luna- 

Das Beiwort ocözeigcc erhält sie: Newton, 20 ted disJc; in her left Hand a torch lield erect; 

Biscov. 2,2 p. 793f. nr. 98. Waddington, Äs. the object held in her right hand obliterated" ) . 

Min. 521. B. C. H. 9 p.-456 Col. 5 Frgt. 1 Der Gegenstand der R. war wohl auch hier 

(Eyiäzrji ScaziiQui 'EnKpavtC). B. C. H. ll eine Schale. Letztere hält sie zuweilen über 

p. 159 f. rir. 68. B. C. H. 12 p. 271 nr. 57 einen flammenden Altar. — Inihoof- Blumer, Gr. 

In der Inschrift B. C. H. 12 p. 100 nr. 18: Münzen p. 676 f. nr. 454 beschreibt ein Stück 

du I TIccvi^^isQico ■nal'EQ^Bi \ ZwziQr] -nal näaiv des Caracalla und Geta mit folgendem Rev. : 

&£OLis vs.al 7i<x\GciLq erklären die Herausgeber „GTT • TTPY -6171 NI|OC V ■ OIAQNOC 

ZcoziQi] für eine andere Schreibung von Ztur^pt CTPATONIKGQN. Hekate im Doppelchiton und 

(auf Hermes bezogen). Hinter 'Eq^si' sind aber Peplos 1. h. stehend, auf dem Kopfe Kalathos 
offenbar einige Buchstaben, etwa ein yicci, aus- 30 mit Mondsichel darauf, in der R. eine Schale 

gefallen, da diese Zeile kürzer ist als die an- über einen flammenden Altar haltend, in der 

deren. Das Wort steht absolut gebraucht für L. Fackel." Ähnlich lautet die Beschreibung 

Hekate, wie CQTGIPA auf Münzen von Apa- Borrells, Num. Chron. 8 p. 43 für ein mit der 

meia in Phrygien {Head, Hist. num. p. 558). Aufschrift ETTI TTPY lOYAlA AOMN 

Den Beinamen gwzsiqcc führt Hekate auch in OIGPOKAGOY CTPAT0NIK6QN versehenes Stück 

KotiaioD, s. oben Bd. 1 Sp. 1886; vgl. für Pro- dieser Herrscher; und denselben Typus ver- 

thyraia Orph. hymn. 2, 3 u. 14. zeichnen für Septimius Severus und lulia Domna 

In einem Gedichte erhält Hekate den Bei- Jfcfi. 3, 379, 447. Sestini, 3Itis. Hedervar. 2 \>. 2S2 

namen öfinvicc -v.v8aU^r], B. C. H. 11 p. 160 f. nr. 9 = Mi. S. 6, 538, 490. Cat. Whittall 1884 
nr. 70. AEM. 12 p. 77— 79. Sie teilt ersteres 40 p. 70 sub nr. 1094. 1094*. Stehend, ohne den 

Beiwort mit Demeter, ScJiol. Nie. AI. 7 , Selene, Altar, mit Schale in der R., einen Hund zur 

Nonn. Dion. 5, 488; s. Röscher, Selene p. 51 Seite erscheint sie unter Septimius Severus, 

Anm. 203, und den Nymphen, C. I. Gr. 454. Cat. Whittall 1884 p. 70 sub nr. 1094; Septi- 

Dasselbe ist gleichbedeutend mit v.aQnocpoQog mius Severus und lulia Domna, Sestini, Mus. 

und dem lateinischen almus, s. //. Stejph. TJies. Hedervar. 2 p. 232 nr. 10 = Mi.S. 6, 538, 491. 

Gr. L. s. V. . Cat. Whittall 1884 p. 70 nr. 1095. 1096. Im- 

Silbermünzen von Stratonikeia zeigen im hoof, Griech. Münzen p. 676 nr. 463 Taf. 10, 14 

Obvers ein weibliches Haupt mit Lorbeerkranz („6ni • TPA • lACONOC TOV j KA60B0V • CTPA- 

und Mondsichel über der Stirn, welches Mi. 3, TONIKCQN. Hekate im Doppelchiton und Peplos 
376, 426. 427 und Lnhoof- Blumer, Gr. Münzen 50 1. h. stehend, auf dem Haupte Mondsichel und 

pt 674 nr. 448. 448 a. 449 und Monn. Grecques Kalathos, in der R. eine Schale (oder brennende 

p. 315 nr. 77. 78 als das der Artemis bezeichnen, Lampe?), in der L. flammende Fackel. Zu ihren 

während Head, Hist. num. p. 530 es für das der Füfsen ein 1. h. stehender Hund , mit rück- 

Hekate erklärt. Doch läl'st auch im/too/", G^ntc//. gewandtem Kopfe zu der Göttin aufblickend. 

Münzen p. 675 die Deutung auf letztere zu und Slg. Waddington ''■); ferner unter Caracalla und 

Lealce, welcher es Num. Hell. As. Gr. p. 124 in Geta, Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 232 nr. 13 

der Beschreibung als das der Artemis bezeich- = 3ii. S. 6, 540, 500 („cum flore loti in ca- 

net, erklärt es im Kommentar für das der „Difa pite"). de Witte, Cat. Greppo p. 139 nr. 1035 

Trifonnis in the char acter of Diana identified („la iete ornee d'une fleur de lolus"), Cara- 
with the moon". Bei der grofsen Bedeutung go calla und Plautilla, Cat. Whittall 1884 p. 70 

des Hekatekultus für Stratonikeia ist wohl die nr. 1098. 1099. 

Deutung auf Hekate vorzuziehen. Übrigens Die Lotosblume Sestitiis und de Wittes ist 

gehen beide Gottheiten so in einander über, natürlich nichts anderes als der Kalathos über 

dafs sie auch inschriftlich identificiert werden, der Mondsichel. Eine Lotosblume ist für He- 

s. Murr, Die Gottlieit der Griechen als Natur- kate nicht nachzuweisen. Auch die blattartige 

macht p. 23 Aura. 3. Ein ähnliches weibliches Zierde über der Mondsichel der mittleren Figur 

Haupt wie das der Silbermünzen begegnet auch der dreigestaltigen Hekate des Museo Capitolino 

auf dem Obv. der Bronzemünzen, 3Ii. 3,376,428. (s. oben Bd. 1 Sp. 1905/6) ist kaum eine Lotos- 

ßosCHER, Lexikon der gr. u. röm. Mythol, II. 57 



1795 Laginitis Laginitis 1796 

bluiue, wenngleich selbst noch llelbig, Führer Terracottalampe aus dem Temeuos der Demeter 

durch d. öffentl. Sammlungen Mass. Altertümer Kora und des Pluton Epimachos von llnidos, 

in Rom 1 p. 480 nr. 615 diese Deutung giebt. aX)ge\)i\det hei Neivton, Ahist. ofdiscov. PL 84, 5 

Über die zahlreichen Pflanzen, welche in Be- und beschrieben 2,2 p. 401 : ,,It represents 

Ziehung zu Hekate stehen , kann man ver- Helcate attired like Artemis, in a chiton reaching 

gleichen Ilurr, Die Pflanzenwelt in der griech. to the Jaiees, and htiskins. On her right is a 

Myth. Register s. v. Hekate p. 292 f. houndseated ather feet, looking up at the goddess. 

Die Verbindung von Mondsichel und Kala- On her leftis acylindricalplinth,onyshich Stands 

thos findet sich auch an einem in Aquileia ge- a small female figure, draped to the feet, to in- 
fundenen Marmorkopf der Sammlung Millosicz, lo distinct to be clearly made out, but apparently 

welchen ich unbedenklich für Hekate in An- the Aphrodite - Per sephone already described. In 

Spruch nehme. Gurlitt, AEM. 1 p. 14 nr. 17 either liand Hekate holds up the spout of a lamp, 

Taf. 3, 1 a. b beschreibt denselben wie folgt: here substitued for te tioo torches tvhich are her 

„Der Kopf, etwas nach 1. und vorn • geneigt, usual Symbol. Her left arm rests on the small 

ist von sinnendem Ausdruck. Am Haaransatz figure Standing at her side. At the back of the 

liber den Augen, deren Sterne angegeben sind, figure is a hole, through which the oil required 

erscheinen zwei kurze Hörner. Das gewellte for the lamp ivas poiired. The head has been 

Haar ist in der Mitte gescheitelt, über dem- broken aivay. The figure stand on a square 

selben liegt eine wulstige Tänie, welche nur plinth. The style of the modelling is of the 
vorn aus dem Schleier heraustritt, der das 20 lioman period." . 

ganze Haupt verhüllt. Über dem Schleier Die Fackel, das Attribut der Hekate, findet 

lehnt sich eine Mondsichel an einen Modius, sich neben der Inschrift eines Hekatepriesters 

der oben glatt abgeschnitten ist. L. am Hinter- in den Stein gehauen, B. C. H. 11 p.28 nr. 41, 

köpf ein breiter Ansatz; das Hinterhaupt ist und als selbständiger Münztypus auf den Münzen 

nicht ausgeführt." Gurlitt denkt p. 15 ver- von Stratonikeia entweder allein, iHi. 3, 376, 428, 

mutungsweise an eine Darstellung der vorder- oder mit darauf stehendem Adler, ilfi. 3,377,429. 

asiatischen „grofsen Göttin". Aber alles spricht S. 536, 479. 480. Mus.Sanclement. n. sei. 1 p.280. 

für Hekate. Der Schleier ist für sie schon Auch der Altar kommt als selbständiger Typus 

durch das Beiwort InraQO-AQijSs^voq {Bruch- der Münzen von Stratonikeia, und zwar zwischen 
mann p. 97) belegt, und Hörner lassen bei ihr 30 zwei aufgepflanzten Fackeln vor, iJc/c/ieZjZ^.iV. F. 

vermuten Epitheta, wie nsQosaaa {Bruchmann 2 p. 590. Mi. 3, 377, 434. S. 6, 536, 484. Leake, 

p. 97) und Ttfparojnrig, Pap. Paris, vs. 2548. Num. Hell., As. Gr. p. 124 Suppl. p. 95. 

Auch der von Gurlitt p. 14 Anm. 1 Taf. 3, 2 Der eiugestaltige Typus der Hekate tritt 

zum Vergleich herbeigezogene Kopf mit blumen- hinter dem dreigestaltigen verbal tnismäfsig 

und blattwerkgeschmückter Binde im Haar, halb- zurück. Zu den oben Bd. 1 Sp. 1900 — 1903 

mondgeziertem Kalathos, Flügeln, Trauben- verzeichneten Beispielen kann man fügen eine 

gehangen, „gewundenen, an Ammonshörner Münze von Ephesos, Head, Jonia 104, 373, 

erinnernden Bildungen" über den Schläfen und ferner eine Tetradrachme von Lampsakos, welche 

plastischem Nimbus ist möglicherweise der He- im Rev. den Apollon und vor ihm ein kleines 
kate zuzusprechen. Die Trauben, auch sonst 40 Bild der stehenden Hekate mit dem Kalathos 

bei Hekate bezeugt {A. Petersen, AEM. 4 p. 169), auf dem Haujjt und brennender Fackel in jeder 

mögen sie als o^invia charakterisieren, die Flu- Hand zeigt, Waddington, Voyage en Asie Min. 

gel, wenn nicht rein dekorative Verzierung (vgl. au point de vue numismatique. Paris 1853 p. 74 

Heydemanns Besprechung von A. de Ceuleneer, nr. 1 PI. 8, 7. Eine Stele von Kyzikos stellt 

Les tetes ailees de Satyre, trouvees ä Angleur, sie dar stehend im langen Chiton mit kurzen 

Philol. Bundschau 3 Sp. 314), von dem Gor- Ärmeln und Mantel, in jeder Hand eine flam- 

gonenbaupt, welches sie hei Lucian,Philo2ys. 22 mende Fackel, zu ihren Füfsen ein Jagdhund, 

(s. oben s. v. Kyon) und dessen Schlangen sie Perrot, Explor. arch. de la Galatie et de la Bi- 

auf einer Gemme bei Matter, Une excursion thynie. Paris 1872 PI. 4, 6 p. 81 — 83 schwankt, 
gnostique en Halie PI. 2, 6 im Haare führt, auf 50 ob er diese Figur Demeter oder Artemis oder 

Hekate übertragen sein; auch an eine letzte Hekate nennen soll, im Register führt er sie 

Spur der Vorstellung des Fliegens der Mond- als Hekate auf W. Froehncr, Notice de la 

göttin {Boscher, Selene p. 36) könnte man viel- sculpt. ant. du muse'e nat. du Louvre 1 p. 120 

leicht dabei denken. nr. 96 bezeichnet sie als Artemis Phosphoros 

Als Hekate ist, beiläufig bemerkt, wohl und bemerkt (Anm. 1), dafs eine Terracotta- 
auch das von Walther Müller, Eine Terracotta platte des Musee Paront eine ähnliche Dar- 
ier Göttinger Sammlung. Göttingen 1889 für Stellung zeigt, nur dafs bei dieser oben iiu 
Gorgo erklärte Frauenhaupt mit Kuhhörnern, Feld noch zwei Sterne wahrnehmbar sind. 
Flügeln in den Haaren und dreifacher Blatt- Etiennc Michon, Groupes de la triplc Hccate 
kranzumrahmung zu deuten, für welches P(avl) Go au Musee du Louvre, Ec.*fr. de Borne. Mel. 
W(olters?), Wochenschr. f kl. Phil. 1800 SixlGb f. d'arch. et d'hist. 12 1892 [p. 407—424] p. 408 
die Deutung auf Selene oder lo- Selene vor- erkennt mit Recht Hekate. Eine kleine Giebel- 
schliigt. statuc aus Athen zeigt die Göttin sozusagen 

Das bei Imlioof, Gr. M. Taf. 10, 1.4 a ab- in einer Verdoppelung. Auf der einen Seite 

gebildete Stück scheint die Göttin, wie Im- sieht man eine Göttin stehend, im langen Chi- 

hoof frageweise vermutet, mit einer Lampe in ton und dem Diploidiou, auf dem Haupte einen 

der R. darzustellen. Wenigstens zum Vergleich hohen, von breitem Schleier bedeckten Polos, 

kann man anführen eine 8 englische Zoll hohe in der einen Hand eine Schale, in der anderen 



1707 Laginitis Laginitis 1708 

ein Scepter, zur Seite einen zu ihr empor- Fackel, auf einem 1. b. liegenden Löwen stehend 

blickenden Hund; auf der anderen Seite eine darstellen {Mi. 4, 101, 553. Lajard, Culte de 

Göttin mit unbedecktem Haupte, in Chiton und Fc'nMS PL 3 B, 2. Arch. Z. 1854 p. 215. Imhoof, 

langem Mantel, in jeder Hand eine Fackel, zur Gr. M. p. 720 nr. 605 TaL 11, 20). Die Erschei- 

Seite wieder den Hund mit emporgerichtetem nung der letzteren Figur in ihrem kurzen 

Kopfe, Miclion p. 409. 410 fig. 1. Auf einem Doppelchiton weist aber, wie Imhoof selbst 

Weihrelief von Krannon erscheint Hekate in bemerkt, mehr auf Artemis hin. Da nun in 

langem Chiton und Peplos, mit langer Fackel, Philadelphia die Anaitis verehrt wurde (B.C.Ä 

die R. (nach J. Friedländer, Monatsher. d. Kgl. 1884 p. 370, Beinach, Chron. d' Orient p. 158. 

AJc. d. W. zu Berlin 1S7S p. 448 mit einem lO Waddington, Asie Min. 655 = C. /. Gr. 3424 

Kranze) legend auf das Haupt eines Pferdes, ein = Heinach p. 157), da ferner Anaitis öfter mit 

Hund ihr zur Seite, MilUngcn, Anc. unedited Artemis identificiert wurde, so in einer In- 

monuments Ser. 2 p. 31 PL 16, 1. A. de Long- schrift von Hypaipa {Eeinach p. 154 nr. 1) und 

perier, Oeuvres 2 p. 423. in mehreren von Kula und Umgebung {Mova. 

Wie Hekate auf den bekannten Münzen von xai. ßißl. rrjg svayy. aioli]g 1880 p. 127. p. 104 

Pherai {Head, Ilist. num. p. 262. Cat. of Gr. C. = lieinach p. 157. Mova. 1884—85 nr. v2.e'. vX<s' 

in the JBrit. Mus., Thessah/ PL 10, 16) auf einem = lieinach p. 216 nr. 3. 4 und C.Leemans, Griek- 

galoppierenden Pferde sitzend dargestellt ist, sehe Opschriftcn uit Klein- Azie. Amsterdam 

so sieht man sie auf der Rückseite autonomer 1886. 4" nr. 1. 2 p. 3 — 8), so nehme ich keinen 
Münzen von Stratonikeia aus der Kaiserzeit 20 Anstand, in dem Münzbild von Philadelphia 

bekleidet, mit beiden Händen den über dem statt Hekate vielmehr Anaitis zu erkennen. 

Haupte sich bogenförmig bauschenden Peplos Dagegen läfst sich für die Verbindung von 

haltend auf einem 1. h. eilenden, sich umblicken- Hekate mit dem Löwen anführen ein Magnet- 

den Löwen sitzen, dessen Haupt zuweilen mit stein des Ksl. Museums zu Wien, welcher auf 

einem Strahlenkranz versehen ist. Die Vorder- der einen Seite Aphrodite Anadyomene, auf 

seite dieser Münzen mit der Aufschrift CTPA- der anderen die dreigestaltige Hekate über 

T0NIK6QN zeigt eine reitende Figur. Die Rück- einem Löwen zeigt, welcher über einen auf 

seite die Aufschrift H^€OICAM6N0Y OAAYBIOY dem Erdboden liegenden Mann hinwegschreitet, 

AIOMHAOYC, Imhoof, Griech. Münzen p. 675 Stephani, C. r. p. les ann. 1870 et 1871 p. 88 
nr. 450 Taf. 10,12, oder GTTIsß|CIMO|V, Imhoof, so nr. 112, eine Darstellung, welche meine oben 

nr. 451 Taf. 10, 13, oder 6TTI AGONIAOY, Eckhel, s. v. Kyon ausgesprochene Deutung der löwen- 

Numi veteres anecd. p. 270 Tab. 12, 12 = Mi. S. köpfigen Figur auf einem über ein Gerippe 

6, 537, 485. Scsiini, Lctt. num. cont. 6 p. 62 nr. 6. dahineilenden Löwen auf der Gemme bei 

Keine Aufschrift bei der Göttin verzeichnet Wieseler, Gott. Ant. nr. 35 a, als Hekate viesent- 

Cat. JRollin et Feuardent 1863 p. 358 nr. 5589 '^i'^, lieh zu stützen imstande ist. Als Hekate haben 

vgl. Coli. Billoin p. 70 nr. 693. Oder das wir vielleicht auch zu bezeichnen die löwen- 

Ethnikon CTPAT0NIK6ßN ist der die Göttin köpfige und schlangenfüfsige Figur einer Gemme 

enthaltenden Seite beigeschrieben, während Capellos bei Montfaucon, L'Ant. expl. 2, 2 

die den Reiter darstellende die Umschrift PL 154, 8, welche am r. Arm einen Schild, in 
€TTI AeONTOC trägt, Mi. 3, 377, 436. Oder im 40 der R. eine Fackel, in der L. die Geifsel führt. 

Obv. ist das Brustbild des AHMOC zu sehen. Zwar stellt letersen, AEM. 5 p. 79 das Vor- 

im Rev. die Umschrift CTPjATONIKGßN, Im- kommen einer schlangenfüfsigen Hekate in 

^loo/" a. a. 0. p. 675 nr. 452. Froelich, Notit. elem. Bildwerken bestimmt in Abrede, aber die 

p. 113 = i?asc/te 5, 1 Sp. 146 nr. 4. Ilaym, TJies. schlangenfüfsigen Figuren der dreigestaltigen 

Brit. 2 Tab. 21 fig. 7 p. 186 = Gefsner, Num. Hekate der bei Montfaucon 2, 2 PL 163, 10 

Pop. Tab. 26 fig. 19 p. 323 und Rasche a.a.O. und Suppl. 2 PL 55, 3 abgebildeten Gemmen 

nr. 4. Auch der Altar zwischen den beiden — \g\. a.ViG\i Aiewon Middleton, The Lewis Gems 

Fackeln auf der einen Seite und Hekate auf p. 79 class C nr. 15 als ,,The Ahraxas deity as 

dem Löwen auf der anderen kommt vor, Cat. a man tvith ass's head, and forked scrpent legs, 
Whittall 1884 p. 70 nr. 1094. Frodich wollte 50 holding a dagger and a shield" beschriebene 

in dem Typus Europa auf dem Stier erkennen, Gottheit, welche bei Annahme eines Pferde- 

die Mehrzahl der sonstigen früheren Beschreibei', statt eines Eselskopfes als Hekate, sonst viel- 

wie auch Ilaury, Hist. des rel. de la Grece ant. leicht als Seth-Typhon (vgl. die Bemerkungen 

3 p.ll5 Kybele. Der Verfasser des Catal. d'une von Lieterich, De Jiymnis orphicis p. 45 f. über 

prec. coli, de med. gr. ant. et des col. rom. formec den Parallelismus zwischen Hekate als 17 Tkq- 

par un amateur 7'usse. Florence 1889 p. 142 raQovxog und Typhon als u TaQtaQOvxog) zu 

nr. 1280 „la Liine" ; Head, Hist. num. p. 530 L deuten ist — widerlegen seine Behauptung zur 

schwankt noch zwischen Isis Sothis und He- Genüge. Sonst ist noch für die Beziehung 

kate. Für letztere entscheidet sich mit Recht der Hekate zum Löwen anzuführen das Bei- 
Imhoof, Gr. M. jd. 676. Für die Verbindung co wort lsovtov%og, Cramer, Anecd. Ox. 3 p. 182. 

der Hekate mit dem Löwen führt Imhoof an Diltliey, Rhein. Mus. 1872 p. 417, die Beschrei- 

MüDzen von Kibyra {Waddington , Reu. num. buug der Göttin in der svir] ngog EsXrivriv 

1851 PL 7, 10. Lothbecke, Z. f N. 12 TaL 14, 6 ; {Abel, Orph. p. 293 vs. 16 ff. == Pap. Par. 2808 fl'.) : 

vgl. Imhoof, Gr. M. p. 674) und Thyateira {Im- wurißärj, xavQÜtni, cpiXriQS^is, tavQOKCiQccvE, 

hoof, Monn. gr. p. 390, 37), welche die Göttin o/nfiß; Si roi xavQanov t%£ic, otivlaticodsa qjcovr'jv, 

in einem mit Löwen bespannten Wagen, ferner iioqcpag d' tv KvrifKxiaiv vnoayitTtdovau Isovxcov, 

solche von Philadelphia Lydiae, welche sie, in ^oQqxxi Ivhcov acpvQOv sgti, nvveg tpCkoi dygio- 

der R, eine Schale, in der erhobenen L. eine &viiot, 

57* 



1799 La^oos Laios 1800 



o 



sowie die schon oben s. v. v-vcav angeführten vgl. Allmer, Revue epigr. du midi 1 p. 170) 

Stellen a,ns Porphyr, de ahst. 3,11 : 7] d' 'E)i(xrrj weihten die Religionsgenossen, consacrani 

ravQog, -nvcov, Xicciva a.Y.ovov6a [icillov vitcc- f= coiisecranei). [M. Ihm.] 
■novsi und 4,16: xijv d' 'Endrriv imrov, ravgov, Laiades (Aaicidrjg) , Sohn des Laios, d. i. 

Isaivav, Kvva (sc. TCQoarjyoQBvacxv). Zur Er- Gidipus, Ov. Met. 7, 759. [Höfer.] 
läuterung derartiger Stellen kann ein Hämatit Laias {Aaias), Sohn des Hyraios (s. d. nr. 1), 

des Museo Borgiano cl. 3 div. 9 nr. 24, Doc. der mit seinen Brüdern Maisis und Europas 

ined. p. s. alla st. dei Miisei d' Itcdia 3 p. 475 f. seineu Vorfahren, dem Kadmos, Oiolykos und 

dienen, bei welchem allerdings die liaiva nicht Aigeus sowie dem Amphilochos in Sparta je 

berücksichtigt ist: „Figura nmliebre vestita lo ein Heroon errichtete. Paus. 3, 15, 8. 
alla yreca, veduta di petto con tre teste, e quattro [Höfer.] 

hraceia spiegate, due di qua e due di lä. Delle Lai'as (Acctag), Sohn des Oxylos und der 

teste quella di mez20 e umana, e porta sul vertice Pieria, Bruder des Aitolos, der früh starb, 

im globo; quella alla d. e di buc; quella alla s. so dafs La'ias die Herrschaft von Elis erhielt; 

di cane o di lupo. In due delle sue mani tiene Paus. 5, 4, 2. 3. [StolL] 

due torcie, alzate alla d. ed alla s., nella terza Lailaps (AatlKip, Sturmwind), 1) der durch 

mano tiene un flagro alzato dalla parte d , nella seine Schnelligkeit unentrinnbare Hund der 

quarta alla s. un pugnale parimente alzato. Prokris, üy^. /l 189. Scrv. V. Aen. &, 4:4:6; siehe 

Sotto i suoi piedi: APMHTH (d. i. wohl dS^r^zrj, Prokris und Kephalos. \Stepliani, C. r. p. l'a. 

vgl. Pap. Par. 2716, l> = A) , GAGBIA." Wir 20 1872 S. 187 Anm. 2. S. 195 Anm. 8. C. P. de 

dürfen übrigens getrost annehmen, dafs es Bosset, Essai sur les medaillcs antiques des iles 

auch Darstellungen der Göttin gab, welche de Cephalonie et d'Ithaque. Londres 1815. 4°. 

sie aufser mit Frauen-, Hund- und Kuhkopf p. 10. p. 27 nr. 42—47, PI. 3. 4. Drexler.] — 

auch mit einem Löwenhaupt ausgerüstet zeig- — 2) Hund des Aktaion, Hyg. f. 181. Ov. 

ten, da durch eine solche Vermutung ihr Bei- 3Iet. 3, 211. [Stoll.] 

name zBxqaTtQÖaconog, Pap. Par. 2817. 2560 LaiOS {Acciog), 1) Sohn des Labdakos, aus dem 

sich am besten erklärt. Tritt uns doch kaum Geschlechte des Kadmos, König von Theben, 

eine andere Gottheit in so vielen und merk- Vater des Oidipus, den er mit Epikaste oder 

würdigen Gestaltungen (vgl. ihren Beinamen lokaste, der Tochter des Menoikeus, zeugte, 

itoXviioQcpog, BrucJimann p. 98) entgegen als 30 Hcrodot 5, 59. 60. Etirip. Phoen. 9 ff. Hyg. f. 

Hekate. Ich erinnere beispielsweise an die 66.76. — Epimenides{b ysvsaXöyog, Diog. Laert. 

oben s. v. Kyon als hunds- und pferdeköpfige . 1, 115. Müller, Fr. last. gr. 4 p. 404) bei Scliol. 

Hekate erklärte Gemmenfigur bei King , The Eiir. Phoen. 13 nannte nach einer älteren Sage 

ö^wositcs* PL G, 3; welche allerdings von i?«spe Eurykleia, die Tochter des Ekphas, die erste 

p. 151 nr. 2054 nach einem Schwefelabdruck Gemahlin des Laios und Mutter des Oidipus ; 

der Sammlung Stosch als „(Hecate) ä deux als zweite Frau des Laios giebt er p]pikaste 

tetes de loup (wohl eher Hundehäupter), et an, und diese seine Stiefmutter soll Oidipus 

quatre bras, armes de flambeaux et de poig- geheiratet haben, Sclincidetoin, Die Sage von 

nards" beschrieben wird, ferner an die merk- Üedipus p. 9 f. In seiner Jugend nach dem 

würdige Gemme bei Michon a. a. 0. p. 423 40 frühen Tode seines Vaters Labdakos führte 

Fig. 6, auf welcher die zwei Seitenhäupter Lykos, der Sohn des Hyrieus, Bruder und Nach- 

der dreigestaltigen Hekate als gewöhnliche folger des Nykteus, als Herrscher von Theben 

Menschenköpfe gebildet sind, während das die Vormundschaft über ihn, und als Zethos und 

mittelste Haupt nach Miehons Beschreibung Amphion, die Söhne der Antiope, Tochter des 

als „la tete d'un devion cornu", nach der Nykteus, den Lykos getötet und die Herrschaft 

Abbildung als eine gespenstige Fratze mit von Theben an sich gerissen hatten, floh er vor 

Tierohren uns entgegentritt; endlich an den diesen in die Peloponnes zu Pelops. Nachdem 

grün und roten Jaspis im Catal. of the coli, of aber Amphion kinderlos gestorben, kehrte Laios 

antiquities forincd by B. Hertz. London 1851. auf den Thron seiner Väter zurück, Apollod. 

4» p. 72 nr. 1514 mit „A triple figure of He- .50 3, 5, 5. 7. Paus. 0, 5, 2. 3. 5. Hyg. /". 9; vgl. 

cate, ivhose hody ends in tliat of a bird, loith Nicol. Damasc. fr. 14 bei Müller, Hist. gr. 3 

a scrpent coilcd round her ncclc, holding in two p. 365 f.; s. Labdakos u. Amphion. Während 

of her hands a dagger and a torch: above is Laios im Peloponnes als Gast des Pelops war, 

a Star, a crescent moon, and an eagle 's head; verfiel er in unnatürliche Liebe zu dem jugend- 

at the side a thunderbolt and a trophy." liehen Chrysippos, dem Sohne des Pelops, und 

[Drexler.] raubte ihn, das erste Beispiel von Knabenliebe 

Lag'OOS s. Sternbilder. bei den Hellenen, s. Chrysippos. Bei Athen. 

Lahe (dat.). Eine Göttin dieses Namens 13, 603 a, wo es heilst, dafs nach der sikyoni- 

wurde in der Gegend von Martres-Tolosanes sehen Dichterin Praxilla Chrysippos von Zeus 

(im Gebiet der Convenae) verehrt. Die In- 00 geraubt worden sei, wird man mit Valckenaer 

Schriften hat zusammengestellt J. Sacaze, {Dialr. p. 23) vito Jiog in vn' Otöi'rcoäog zu 

Bulletin epigr. 5 p. 185 ff. Drei enthalten die verwandeln haben, vgl. Welcher, Aesch. Tril. 

Widmung Lalie deae (Sacaze nr. 1. 4 [= Orelli- 357, so dafs Praxilla gedichtet zu haben scheint, 

Henzen 5896]. 5); eine Lalic nufmijni (Sacaze „dafs der in Sikyon oder einem anderen Orte 

nr. 3); eine, pro salutae dominorum von einem des Peloponnes aufgewachsene Oidipus dem 

M. lulius Geminus gesetzt, das blofse Lahe nicht erkannten Vater Laios durch Entführung 

{Sacaze nr. 2 = Ore//i 2016). Den im Museum des gemeinsamen Lieblings zuvorzukommen 

zu Toulouse befindlichen Stein {Sacaze nr. 1; sucht, Laios aber ihn einholt, um Chrysippos ■ 



1801 Laios Lairbenos 1802 

nach Theben zu entführen, und nun im Hand- Nicol. Dam. fr. 15 b. Müller, Hist. gr. 3 p. 366. 
gemenge vom Sohne erschlagen wü-d", Schneide- Schneideivin, S. v. Oed. p. 18 ff. 25 fP. Nach einem 
toin, Ocdip. p. IG. Auf Praxilla scheint die Dichter, welchem S'iaf. T/ie&. 7, 354 ff. folgt, war 
Angabe des Schol. Eur. Phoen. 66 zu gehen, Laios auf dem Wege zum Orakel (in Delphi?) 
dafs Laios von Oidi^ius erschlagen ward, weil bei seinem Gastfreunde Naubolos in Phokis ein- 
beide den Chrysippos liebten, vgl. SchoJ. Eur. gekehrt, und dieser selbst begleitete ihn dann 
Phocn. '26. — Mit Laios beginnt das sich fort- auf seiner Fahrt, auf welcher beide von Oidipua 
zeugende Unheil in dem Geschlechte der Lab- erschlagen wurden, Schneideiv. p. 13f. Leichen- 
dakiden. Man leitet es her aus dem Fluche, spiele des Laios in Theben werden erwähnt 
welchen Pelops über den Räuber seines Sohnes lo Apollod. 3, 15, 7. Von Orakeln des Laios (als 
aussprach {ivdch. Dositheos h. Plut. Parall. c. 33. Weissagers) spricht Herodot 5,43; s. Müller, 
Müller, Hut. gr. 4 p. 402 fr.l verzieh Pelops Orc/(. 145 f. 228. Die rätselgebende Sphinx wurde 
dem Laios, weil er aus Liebe geraubt), oder nach einer pragmatisierenden Erzählung bei 
aus dem Zorn der Hera über diese unnatür- Paus. 0, 26, 2 für eine Tochter des Laios er- 
liche verbrecherische Liebe, s. das dem Laios klärt, vgl. (S'c/ioZ. J5?i(r. P/ioew. 26. In dem Namen 
gewordene Orakel vor Soph. 0. B. und den ^<i«tos sehen manche den Ausdruck frecherWeich- 
Phoenissen des Euripidcs. Schol. Eur. Phoen. lichkeit (vgl. Aatg, ?.ciyvog), Welcher, Trü. 355. 
66. 1760. Preller über die Mythologie der Gerhard 2 § 742, 2. G. Curtius, Grundz. 638 
Knabenliebe im JV.JB/(e///. JI«s. 4,401. Schneide- leitet ihn ab von Adfiog d.i. JrjfiLog; vgl. 
win, Oed. p. 28f. ; s. Chrysippos. Nach anderer 20 WelcJcer in ScMvencks Andeutungen 353, 120. — 
Auffassung, die wir in der «sc%?eisc/;en Trilogie Müller, Orch. 224 ff. Stark, Labdacid. Jiistor. 
Laios, Oidipus, Sieben g. Theben finden, leitete Schneideivin, Die Sage v. Oedipus. Preller, Gr. 
man den durch drei Generationen gehenden Myth. 2, 343 ff. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 742. 
Familienfluch her von dem Ungehorsam gegen [Bildw.: Overbeclc, Gall. 4ff. Benndorf- Schöne, 
Apollon und der Unfrommheit des Laios und D. ant. Bildio. des Lateran. Mus. nr. 387. 
der lokaste, welche, durch Sinnlichkeit ver- Michaelis, Ana. Marbles in Gr. Britain p. 427. 
führt, gegen die Warmmg des delphischen („Large Etruscan um; Oedipus and Laios?"). 
Orakels den Oidipus zeugten, Schneideivin im Conestabile, Cista Barheriniana, Ann. d. Inst. 
P/uYoZ. 3, 34811 Sage V. Ocdip. p. 16f. 21 ff. 1866 p. 371ff. Winkler, Aus der Anomia 
Preller, Gr. Myth. 2, 346. Auch Sophokles im 30 p. 156 (?) = Fränkel, A. Z. 1885 p. 71f. Drexler.] 
Oed. B. nnd die Phoenisscn des Eiiripides gehen [Nach Sosiphanes beim Schol. Eur. Phoen. 
nicht auf Chrysippos zurück. Über das weitere 1010 tötete Laios den Menoikeus (s. d.). Genea- 
Schicksal des Laios, welches mit den von der logie: Epaphos, Libye, Belos, Phoinix und 
Tragödie so vielfach behandelten Geschicken Agenor, Kadmos, Polydoros, Labdakos, Laios, 
des Oidipus verknüpft ist, die Erzeugung des Schol. Eur. Phoen. 2dl; \gl.lbS. Tzetz. Lyk. 437. 
Oidipus und die Ermordung des Laios durch Dio Chrysost. or. 10 -p. 164:. 169 Dmdor/*. Höfer.] 
den Sohn, a. Oidipus. Sophokl. Oed. B. Eur. — [2) Nach Pherekydes und Didymos b. Mar- 
Plicen. Off. Apollod. 2, 5, 7. Diod. 4, 64. Paus. kellinos, Vita Thucyd. 3 Nachkomme des 
9, 5, 5. Mnaseas b. Schol. Pind. Ol. 2, 65. 71. Philaios (Sohnes des Aias), Vater des Aga- 
Schol. Od. 11. 271. Hyg. f. 66. 67. JV^/coZ. 40 mestor, Grofsvater des ath. ArchontenTisandros, 
Damasc. fr. 15 b. Müller, Hist. gr. 3 p. 366. also wohl eine halbhistorische halbmythische 
Pscudo-Pisander h. Schol. Eur. Phoen. 1760. Person; vgl. Toepffer , Att. Geneal. S. 278f. 
Vgl. noch über die Geschichte des Laios loann. — 3) S. Elpe Bd. 1 Sp. 2899. Röscher.] [Stoll.] 
Antioch. fr. 8 b. Müller, Hibt. gr. 4 p. 545. Lairbenos {ÄuLQßrivog). Bei Badinler in der 
Oidipus den Laios tötend Inghirami, Mon. Etr. Nähe des alten Dionysopolis (Ortakeui) in der 
1, 66. Als der Ort, wo Oidipus den Laios vom Maiander durchströmten fruchtbaren Ebene 
erschlug, wird nach Sophokles (0. B.) gewöhn- Tschai Ova wurden von Bamsay und Hogarth 
lieh die Schiste in Phokis, im Gebiet von die Ruinen eines kleinen Tempels gefunden, 
Daulis angegeben, wo man auch sein Grab welcher nach den Inschriften einem mit dem 
zeigte, nebat dem seines Herolds oder Wagen- 50 griechischen Apollon identificierten einheimi- 
lenkers Polyphontes {Apollod., oder Polyphetes sehen Gott angehört hat, D. G. Hogarth, Apollo 
oder nach Pherekydes Polypoites, Schol. Eur. Lermenos, Journ. of hell. stud. 8 p. 376 — 400. 
Phoen. 39. Schneideicin , Piniol. 4, 752. Sage Bamsay, Artemis-Leto and Apollo -Lairbenos, 
V. Oed. p. 13). Paus. 10, 5, 2. Apollod. 3, 5, 7. 8. Journ. of hell. stud. 10 1889 p. 216 - 230 und 
Damasistratos, König von Plataia, soll beide The Church in the Boman Empire hefore A.D. 
begraben haben. Dies weist auf die Gegend von 170. London 1893 p. 137 f. Nach den In- 
Plataia und dem Kithairon hin, mit dem die schriften wurde dieser Gott verehrt von den 
Geschicke des Oidipus zusammenhängen, auf Einwohnern von Dionysopolis, HierajDolis, Mo- 
eine Schiste bei Potniai, wohin Aischylos nach tella, Atyochorion; letzteren Ort hält Bamsay 
alter Sage das Zusammentreffen des Laios und 60 für den Namen der zum Tempel von Badinler 
Oidipus verlegte, Schol. Sopli. 0. B. 733, so dafs gehörigen y.oifiri, American Journ. of Arch. 4 
Pausanias und Apollodor ohne Arg den Dama- 1888 p. 277. Der von einer Ortschaft her- 
sistratos nach der von Plataia entfernten Schiste genommene Beiname wechselt in der Schreib- 
in Phokis übertragen haben. In der Gegend art beträchtlich. Auf den Münzen von Hiera- 
von Potniai wird sich wohl auch ein Grab polis lautet er absolut Aaigßrivog ohne Bei- 
des Laios befunden haben, sowie im Gebirge fügung von 'AnöXlcov oder "üXiog; in den 
Laphystion südlich von Orchomenos, wo Laios Jnschviüen AaiQfirjvög, J.H.St.8 p.376f. nr. 1. 
ebenfalls erschlagen und begraben sein sollte. J. H. St, 10 p. 217 nr. 1 (hier absolut, ohne 



1803 Lairbenos Lairbenos 1804 

Apollon); JdQßtjvog, J. H. St. 4 p. 381 nr. 4; Eine Inschrift von Badinler {J.H.St. 4 p. 383 
AciQfiTjvog, J. H. St. 8 p. 389 nr. 18; Asifirjvög, nr. 5) berichtet, dafs Apollonios, der Sohn 
J.H. St. 8 p. 385 f. nr. 15; AiQfirjvög, J. H. St. 4 des Menophilos und Enkel des Apollonios aus 
p. 380 nr. 3; [Ä]v[Qiiriv6s, J. JS. St. 10 p. 218 Atyochoreion, der Meter Leto und dem Helios 
nr. 2; Av£Qfir]v6?, J.H.St. 4 p. 383 nr. 5. Der Apollon Lyermenos eine Stoa errichtet habe. 
Wechsel des Vokals zeigt, dafs sich der Laut Nach Bamsays Erklärung wird der Tempel der 
nicht genau im Griechischen wiedergeben liefs. beiden zusammen verehrten Gottheiten in einer 
Bamsay, J. H. St. 4 p. 382 nimmt an, dafs er Inschrift aus Badinler, J. H. St. 10 p. 217 nr. 1 
dem deutschen ö entsprochen habe und dafs zb avvßafiov genannt. Im Ä. J. A. 3 p. 349 
die Gottheit den Beinamen führte entweder lo bemerkt Bamsay über dieselben: „The pair 
von einer Örtlichkeit AvQßr; in der Nähe des of deities, mother and son, Leto and Lairbenos 
Fundorts der Inschriften oder von der Stadt Apollon, become in time the triad Leto, Artemis 
Avgßrj an der Grenze von Isaurien und Pam- and Apollon, mother and daughter in the divine 
phylien. In letzterem Falle, den ich für den nature being distinguished. The Kybele and 
weniger wahrscheinlichen halte , würde der Atys of northern Asia Minor are probably in 
Kultus der Gottheit in den phrygischen Städten origin the same pair as the Leto and Lermenos 
Hierapolis etc. in ähnlicher Weise aus der Ferne of the south etc." und J. H. St. 10 p. 229 § 31 
eingeführt sein, wie der der Artemis Pergaia erklärt er bei Besprechung der Priesterfamilie 
in Halikarnass, C. L Gr. 2Q5&. Bamsay a.a. 0. dieses Kultus: „The priests call themselves, 
Die Inschriften nennen ihn vor dem Ethnikon, 20 sometimes at least, priests of Savious AsJclepios; 
welches auch zuweilen wegbleibt, entweder and they maJce dedieations to Zeus Nonouleus 
Apollon, J.H.St. 4 p. 381 nr. 4. J. H. St. 8 and to Leto with Apollo Lyermenos: there can 
p. 376 f. nr. 1. p. 378 nr. 5. p. 385 f. nr. 15. be little doubt that here the various masculine 
p. 389 nr. 18. p. 390 nr. 20 (sehr verstümmelt, names denote merely varying aspecis of the same 
nur 'Ano vom Namen erhalten). /. H. St. 10 deity, who is closely akin to the Sozon Theos 
p. 223 nr. 9 (nach Bamsays Ergänzung zu of Antiocheia ad Maeandrum, Themissonion, 
'An6X{X)co\vL AEQ(i]riv(p statt Hogarths [J. H. St. and the Ormeleis, and to the Men Karou of 
8 p. 389 f. nr. 19] Lesung 'Anölmvi 'Hlüo). Attouda, u'ho loas a healing god toith a medical 
J.l/./S'i. 10 p. 223 nr. 11, seltener Hello sApol- school attached to his temple etc.". 
Ion, J.H.St. i p. 383 nr. 5. J.H.St. 10 p. 220 f. 30 Von den Inschriften des Tempels von Ba- 
nr. 6 (nach Bamsays Ergänzung des Anfangs dinier enthalten die ersten 8 (J. H. St. 8 p. 377 
^tys&og] 'HXl'ov'^ 'ATt6XVav]ov'? statt Hogarths —379. J.H.St. 10 p. 225 § 16) ebenso wie zwei 
[J. H. St. 8 p. 384 nr. 1] Lesung . . . AvQ'\{ri)- aus Sazak (/. H. St. 4 p. 380 — 382 nr. 3. 4) 
Xi'ov 'AnoXX[covi]{ov). Bei dem äufserst ver- Freilassungen von Sklaven durch Weihung 
derbten Griechisch dieser Inschriften kann die derselben an die Gottheit, ein Brauch, den 
Form 'AnöXXcovov statt 'AnoXXavog nicht allzu- wir besonders in Phokis und Boiotien ver- 
sehr auffallen.). Von Beinamen erhält er das breitet finden, s. oben Bd. 2 Sp. 388. In den 
in der Kaiserzeit häufige Epitheton ini-cpavi^g, Personen, welche als tsQÖg oder lsqü bezeichnet 
J. H. St. 8 p. 376 f. nr. 1 {'AnüXXwv[a \ Acciq- werden (J". H. St. 8 nr. 12. 15. 18. 20) erkennt 
fir]v6v Q-t[bv I iincpavrj v.. x. X.) und inKpavsaza- 40 Bamsay, J. H. St. 10 p. 224f. § 15 Angehörige 
TOS, J.H.St. 8 p. 389 nr. 18 (-ujiro zov inicp\ci- der echt asiatischen Bevölkerung, welche für 
ve6z]dzov &eov \ 'AnöXlXcovog AaQ\(irjvov k.z.X.); immer oder auf eine gewisse Zeit im Dienste 
t'evnev vipiotog, JH. St. 10 \). 223 nr. 11 {'AnöX]- der Gottheit standen („the same piersons ivho 
XcovL J]o:tpß|7jf[c5 I &ECÖ v]-tpi'6zca) und [liyccg, in the original Anatolian System were hiero- 
J. H. St. 8 p. 386 nr. 15 = J. H. St. 10 p. 222 douloi were noio under the Graeco-Boman social 
nr. 7 (Msyag ''AnöXXca AstjjLrjvög), vgl. Bamsay, System hieroi"). Eine Anzahl der Inschriften 
The Church in the Boman Empire p. 135 ff. ist geschrieben auf Stelen, welche zum ab- 
nr. 8. „Great Artemis". schreckenden Beispiel für einen Frevel seitens 
Zugleich mit ihm wurde die mütterliche der an den Dienst der Gottheit gebundenen 
Göttin Leto verehrt, über deren im Süden und so Personen gegen dieselbe in dem heiligen Be- 
Centrum des westlichen Kleinasiens weit ver- zirke errichtet sind, vgl. die allgemeine Cha- 
breiteten Kultus Bamsay vorzüglich, wie immer, rakteristik bei Bamsay, The Church in the Born. 
im American Journal of Archaeology 3 1887 LJmp. p. 137. Die Art der für das Vergehen 
p. 348. 349 gehandelt hat. Apollon Lairbenos verhängten Heimsuchung wird nicht angegeben, 
ist nach Bamsay, J. H. St. 10 p. 217. 228 und nach Hogarths Vermutung (J. H. St. 8 p. 380) 
2'he Church in the Bom. Emp. p. 137 als ihr erkrankten die Frevler am Malariafieber, wel- 
Sohn aufzufassen. Auf sie bezieht Bamsay, ches in jenem Thale heimisch ist. Die Ver- 
J. H. St. 4 p. 375 nr. 1 und Am. Journ. of Arch. gehen werden auf den Stelen verzeichnet. Da 
3 p. 348 die Inschrift einer Höhle im Gebiet hat die Frau des Agathemeros, während sie 
von Hierapolis (bXußiavog \ ö v.ccl Movo\ysy co i£qÜ des Gottes war, mit ihrem Manne die 
v[ri\g sviaQiGzä tfi &8cp, wie sie auch in Dio- Freuden der Liebe genossen, J. H. St. 8 p. 381f. 
nysopolis mit dieser Formel: svxccQißt^ Mr^zgl nr. 12 = 10 p. 219f. nr. 4. Ape[lläs], der Sohn 
yli]T(p, J.H.St. 4 p. 385 = Am. Journ. of Arch, des [ApoUoJnios aus Motella, bezeichnet als 
3 p. 348 verehrt wird. Eine von Bamsay, Grund seiner Bestrafung: ettfI ri^iXriGK ^isiv£ i 
J. H. St. 4 p. 376 und .1. J. A. 3 p. 348 an- jusrä yvvsv.6g, J.H.St. 8 p. 382/3 nr. 13 = 10 
gezogene Münze von Hierapolis {Mi. S. 7, 568, p. 220 nr. 5, womit, wie ich vermute, derselbe 
373) nennt die zu Ehren der Leto und des Frevel angedeutet wird, während Hogarih cr- 
Apollon gefeierten Feste AHTCO€IA • TIYGIA. klärt, Apellas habe seine Frau nicht zur Zeit, 



1805 Lairbenos ' Laii'bonos 1806 

wo sie als Cegd auf dem Tempelgebiet wohnen Rh. Mus. 43 p. 569—582, bes. p. 570 Anm. 1. 

sollte, dorthin ziehen lassen. Andere Personen B. Scliuhert, Herodots Darstellung der Cyrus- 

haben im Zustand der Unreinheit das heilige sage. Breslau 1890] in vielen Sagen vorkommt) ; 

Tempelgebietr betreten, /. H. St. 8 p. 383 f. Mi. 4,297,587. Cat. Rollin et Feuardent 2, 398, 

nr. 14 = 10 p. 220 iF. nr. 6; 8 p. 387 f. nr. 16 6102; Kgl. Münzkabinett in Berlin; die Auf- 

= 10 p. 222 f. nr. 8. Wieder ein anderer hat schrift AKTIA nebst Stern in einem Lorbeer- 

das Fleisch einer nur zum Reinigungsopfer kränz, Mi. 4, 298, 591; zwei verschlungene 

bestimmten Ziege genossen, J.H.St.8 p. 387ff. Hände, Sjmbol der Homonoia von Hierapolis 

nr. 17 = 10 p. 229 § 30. Sosandros aus Hiera- und Smyrna, Bev. num. 3^ ser. tom. 2 1884 
polis hat falsch geechworen und trotz seiner lo p. 15 nr. 4. Auf einigen Münzen verzeichnet 

dadurch verursachten Unreinheit den Tempel Mionnet statt der Beischrift AAIPBHNOC bei 

betreten, /. H. St, 10 p. 217 nr. 1. Im Zustande dem Haupte des Gottes die Beischrift APXH- 

der Unreinheit den Tempel zu betreten war reiHC, ilf*. 4, 297, 585. 5.7,569,380. 570,381. 

auch verboten in dem von dem Lykier Xan- Zuweilen erscheint das Strahlenhaupt auch ohne 

thos in Attika eingerichteten Kultus des Men Beischrift, Combe, Veterum populorum et regiim 

Tyrannos, Foucart, Assoc. relig. p. 219f. nr. 38 numi qui in mus. Brit. conservantur p. 196 nr. 2 

Z.'ö— 7, p. 122 ff. Weitere inschriftliche Bei- Tab. 11 fig. 18. Dumersan, Cab. Allier de Haii- 

spiele, in welchen kleinasiatische Gottheiten, ^eroc/ie p. 102. ImJioof, Monn. gr. -p. iOl nv. lOd. 

wie Sabazios, Apollon Theos Bozenos, Anaitis, Mi. S. 7, 569, 379. 

Meter Phileis Strafen für Vergehen verhängen, 20 Bamsay , J. H. St. 10 p. 219 erkennt den 
hat Bamsay, J. H. St. 10 p. 225 ff. § 17 ff. zu- Gott auf einem kleinen Relief ohne Inschrift 
sammengestellt. in Develar in einer reitenden Figur mit der 
Das strahlenbekränzte Haupt des Gottes Bipennis über der Schulter. Ebenso ist dar- 
kommt mit der Beischrift AAIPBHNOC auf gestellt Apollon Lairbenos zu Rofs mit der 
dem Obv. zahlreicher Münzen von Hierapolis Bipennis auf der Rückseite von Münzen von 
vor, deren Rev. verschiedene Typen zeigt: Hierapolis, deren Vorderseite bald die Büste 
Apollon Kitharödos mit Lyra und Plektron, der BOVAH, Berlin, Kgl. Münzkabinett, Mi. S. 
hinter ihm Lorbeerbaum, Imhoof - Blumer , 7,568,374. Bamns, Cat. n. v. regis Daniae 1 
Monn. gr. p. 401 nr. 108. 3Ii. 4, 298, 590 (ohne p. 286 nr. 2. Cat. BoUin et Feuardent 2 p. 398 
Baum); eine auch auf anderen Münzen der 30 nr. 6101, bald die der TGPOVCIA, Berlin, Kgl. 
Stadt häufig erscheinende weibliche Gottheit, Münzkabinett, Combe, Mus. Brit. p. 196 nr, 1. 
sitzend auf einem Stuhl, die L. auf einen Mi. 4, 298, 592. Cat. Greppo p. 161 nr. 1159. 
runden Gegenstand" aufgestützt, mit der R., L. Müller, Musce Tliorvaldsen p. 220 nr. 1658. 
eine vor ihr aufgerichtete Schlange fütternd, Ca^. i?oZ?m ei J*Vita>"de»2i 2 p. 398 nr. 6104, bald 
auf dem Haupt eine Art Kalathos, hinter ihr die des SGYC • BO^IOC, Imhoof, Monn. gr. 
das Bild des Telesphoros, Maym, Thes. Brit. p. 401 nr. 106a. M'. S. 7, 569, 375. Cat. Ivanoff 
2 p. 131 nr. 1 Tab. 14, 5. Sestini, D. N. V. p. 465 nr. 588. Millingen, Bccueil PL 4,.ll zeigt. Auch 
nr. 1 = Basche S. 2 p. 1392, 14. 3Ius. Sandern. auf den Kaisermünzen (vgl. 3Ii. S. 7, 571, 386, 
n. s. 1 p. 200. Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 346 so unter Nero, Berlin, Kgl. Münzkab., Imhoof, 
nr. 6. Mi. 4, 298, 588. 589. Tristan, Comment. 40 Monn. gr. p. 403 nr. 112. Gr. Münzen p. 739 
liist. 2 p. 333 = Gefsner, Num. Impp. 158, 9 nr. 698. Cat. de Moustier p. 33 Hr. 518 und M. 
und Num. Gr. Pop. 25, 27, sowie Basche 2, 2 Aurel, ilf t. 4, 303, 622) erscheint dieser Typus. 
p. 273 nr. 13, in welcher die meisten, z. B. Die Nuaiismatiker bezeichnen die reitende 
Vaillant, N. Gr. p. 127. 162. 165. Montfaucon, Gottheit mit der Bipennis fast immer als Ama- 
L'ant.eocpl. 1,2 PI. 191, 2. Haym,*Sanclemcnte, zone. Dagegen erhebt mit Recht Einspruch 
Waddington, Bev. num. 1851 p.l72 nr. 1 PI. 9, 2. Bamsay, J. H. St. 10 p. 219 und erkennt den 
PanofJca, Äsklepios u. die AsJclepiaden p. 323. lydo-phrygischen Sonnengott, welcher in dieser 
355 Taf. 2, 10. Wieseler, DenJcm. d. a. Kunst Gestalt auf den Münzen zahlreicher Städte Ly- 
2,5 p. 5 Taf. 61, 791 Hygieia, andere wie diens und Phrygiens, z. B. auf denen der Mo- 
Sestini,Fr.Lenormant,Cat.Behr p. 129 nr. 729. 50 stener {Lajard, BecJi. sur le culte du cypres 
3Iionnctu.Gavcdoni, Spie. num. ]).2'68 Anm..207 pyramidale PI. 4, 2. 3) abgebildet ist. Dafs 
(letztere beiden aber auch Hygieia zulassend) die vermeintliche Amazone eine männliche 
Kybele erkennen, welche als Heilgöttin mehr- Gottheit sei, erkannte schon Gerhard, Areli. 
fach bezeugt ist, und deren Priester allein es Zeit. 12 Sp. 212, welcher Taf. 65, 2 auch eine 
wagen konnten, die unter dem Apollontempel Münze von Hierapolis mit dem reitenden He- 
in Hierapolis befindliche mit todbringenden lios Lairbenos abbildet; nur hielt er den 
Gasen erfüllte ürakelgrotte im TIXovzcöviov Gott für Men. Vor kurzem hat Fiele [Zwei 
zuhetretea {Boltde, Psyche Y). 198 Anm. 2); iernev neue Medaillons von Thyatira (S.-A. aus Num. 
die geflügelte Nemesis mit Wage, Geifsel (?) Zeitschr. 1891) Taf. 4, 1. 2] in der Gott- 
undRad, iVMm. ZaiscZtr. 4 1872 p.238 Taf. 10,3; 60 heit mit Strahlenkranz und Doppelbeil (auf 
Selene mit einer Fackel in jeder Hand auf nr. 1 auf einem Viergespann, auf nr. 2 an einem 
einem Zweigespann, Imhoof, Monn. gr. p. 401 flammenden Altar stehend) auf Münzen von 
nr. 107. Coli. F. Bompois \).\i9 nx.lQ81 („Ar- Thyatira nicht eine Amazone, sondern den 
temis")\ Wölfin, ein Zwillingspaar säugend, tiqotccczcüq &s6q "Hhog TJv&Log 'AnölXmv Tv- 
(welches ich absichtlich nicht Romulus und QL^vaLog oder TYPIMNOC erkannt. Reitend, 
Remus nenne, da die Ernährung eines aus- mit dem Doppelbeil erscheint auch der 'AnoX- 
gesetzten Kindes oder Kinderpaares durch ein Icov ^sog Bo'^rjvog auf einer Votivstele von 
weibliches Tier [Trieber, Vie Bomulussage, Kula, Kgl. Museen, Beschr. d. ant. Shulpt. 



1807 



Lairbenos 



Lairbenos 



1808 j 



p. 252 nv. 680, uiul als Abzeichen den 'j^noX- 
Icov Tagasvg schmückt eine gleichfalls aus 
Kula stammende Votivstele (ebenda p. 252 
nr. 681) das Doppelbeil gerade so wie als Ab- 



dem Haupte der I6PA • CYNKAHTOC, Mi. 4, 
299, 601, und des Augustus, 3Ii. 4, ÜOO, 607 
dargestellt. Das merkwürdigste Denkmal abf>r, 
welches diesen CJott in Verbindung mit dem 



1 




r-_, 




zeichen des Apollon Lyrmenos eine Stele ni 
Ortakeui, Bmnsay , J. JE. St. 10 p. 218 nr. 2. 
Auch stehend, in kurzem Gewände, eine Schale 
in der R., das Doppelbeil in der L. wird Apol- 
lon Lairbenos auf Münzen von Hierapolis mit 



Doppelbeil zeigt, ist eine Münze des Augustus 
von Hierapolis mit der Reversautschrift MA- 
TPO I AnOAAß I lEPAnOAlTQN. Hier ist die 
Bipennis von einer Schlange umwunden auf 
eine Art Basis gestellt und läuft oben in d.ia 



1809 Laispodias Laistrygones 1810 

Strahlenliaupt des Helios aus, ProJcesch - Osten, ersten Bild treffen die Gesandten, inscliriftlich 

Arch. Zeitung 1845 Taf. 32, 51. Panoflm, As- als Antilochos, Anchialos, Eurybates bezeichnet 

Z-Ze;j/os w. die J.sÄ;/e/j«flf7en Taf. 7, 13 p. 340. 358. mit der Königstochter zusammen, auf dem 

Zur Erklärung der Schlange dient vielleicht zweiten ruft Antiphates die Laistrygonen 

Bamsays oben angeführte Bemerkung über die herbei und der Kampf beginnt; das dritte 

nahe Verwandtschaft des Apollon Lairbenos mit zeigt das grause Morden ifnd Zerstören der 

Asklepios und Men als Heilgott. Ohne den Kopf Schiffe, das vierte die Flucht des Odysseus. — 

erscheint die schlangenumwundene Bipennis Ansätze zur Weiterbildung des Überkommenen 

auch auf einer Münze des Nero mit der Auf- finden sich nur gelegentlich wenn z B die 

Schrift lYlAAlOI • ANTIOXOY • lEPAnOAlTON, lo Laistrygonen Söhne des Poseidon he'ifsen 

3Ii. 4, 302, 616 und als Beizeichen auf einer {Gell. Noct. Att. 15, 21. Cornut. c. 22 p. 131 

Münze desselben Kaisers links im Felde neben Osann), wenn ein Stammvater Laistrygon 

einem Füllhorn mit Früchten und Band, Zenner, erwähnt wird, dessen Tochter Telepatra oder 

Num. Zeitschr. 4 p. 239 Taf. 10, 4. Imhoof, Gr. Telepora mit Aiolos vermählt ist (Schul. Od. 

Münzen p. 739 nr. 697. [Drexler.'J ^ ^ ^ 10, 6. Apostol. 1, 83; vgl. Sil. Itul. 14, 126. 

Laispodias {Äaianodiaq), ^'vioL dh xov.'AXv.- Biet. Cret. 6, 5), oder wenn Herakles im' Ver- 

lisava cpr'j&rjaav lsyBa9(xt,IIesyc7i. Hängt hier- lauf des Geryoneusabenteuers auch mit den 

mit die Glosse des HesycJi. ylv-nönoSsg (vgl. Laistrygonen siegreich gekämpft haben soll 

Arist. Lys. 664) ot 'Alv.[itti(ovi8ai zusammen? {Lylophr. 662 nebst Paraphr., Schol. — auch 

[Höfer.] 20 zu 659 — und Tzctz.). — Als Heimat des 

Laistrygon s. Laistrygones. wilden Volkes betrachtete man im Altertum 

Laistrygones (JatffTpvyövf?), das homerische zumeist Sicilien (Thiikyd. 6, 2. Steph. Byz. 

Volk der Riesen und Menschenfresser, Odyss. Aatargvyövsg. LylcopJir. 662 ft'. u. 956), und 

10,81 — 132.199; 23, 318ff. Von der Aiolos- zwar speziell die Gegend von Leontinoi, T7ieo- 

Insel gelangt Odysseus nach sechstägiger Fahrt pomp. fr. 249 {Polyb. 8, 11, 13). Strahon 1, 20 

zur Stadt des Lamos, zum laistrygouischen (vgl. 22. 40). Schol.Od. 10,86. Eicstuth.\). 1(^9,^6. 

Telepylos (nach Schol. Od. 10, 81—82. Schol Paraphr. u. Schol. Lyk. 659. 956. Hesych. Sil. 

Arist. Pac. 758. Suid. und Hesych. s. AäpLog Ital. 14, 33. 125; hier lag auch das laistrygo- 

schwankten einige, ob Laistrygonie, Telepylos nische Gefilde, Polyacn. 5, 6 {Ttsdiov jlaiatQv- 

oder gar Lamos der Name der Stadt sei). Es ist 30 yovtov). Plin. 3, 89 (Laestrygonii campi). Solin. 

eine [nordische?] Wundergegend, in der Tag und 2, 26. Die Römer suchten die Stadt des Lamos 

Nacht so eng verschmelzen, dafs der abends in Italien, in Formiae, Cic. ad Attic. 2, 13, 2. 

heimkehrende Hirt bereits den des Morgens aus- Horaz, Carm. 3, 17 und 3, 16, 34. Plin. 3, 59 

ziehenden Hirten unterwegs trifft: wer keines (7,9). Solin. 2,22. Sil. Iian,216, HO; 8,531; 

Schlafs bedürfte, könnte hier doppelten Lohn vgl. Ovid Met. 14, 233. Daneben aber gab es 

verdienen. In dem geräumigen Hafen, einer noch weit abweichende Meinungen je nach dem 

Felsenbucht mit enger Einfahrt, gehen die Gesamturteil über die umstrittene Frage der 

Schiffe der Gefährten vor Anker, Odysseus homerischen Geographie, worüber in dem Arti- 

allein landet aufserhalb und schickt alsbald kel Odysseus das Nähere erörtert werden 

zwei Genossen mit einem Herold vom menschen- 40 wird; die einen leugneten die reale Existenz 

leeren Gestade zur Stadt. Ihnen begegnet, im der homerischen Fabelvölker, andere wiesen sie 

Begriff von der Quelle Artakia Wasser zu holen, in das äufsere Meer, zum Okeanos u. a. Für 

die Tochter des Laistrygonen Antiphates und sich allein betrachtet, bietet die homerische 

geleitet sie, nach dem König des Landes be- Schilderung des Laistrygonenabenteuers zwei 

fragt, in das Haus ihres Vaters. Sofort wird feste Punkte einstiger Orientierung. Die Quelle 

Antiphates herbeigeholt, er ergreift ohne Zögern Artakia führt nach Kyzikos, dessen rr,y£v£is 

einen der Griechen, schlachtet ihn und ruft {Ap. Eh. 1, 942flF. Schol. Ap. 1, 943. 989. 996 

die Laistrygonen zur Verfolgung der Fremden nach Herodor, Pohjgnostos , Deilochos) oben- 

zusammen. Den Giganten an Gröfse gleichend, drein die beste Parallele bilden, Kirchhoff', 

stürmen diese zum Hafen, morden die Griechen, 50 Monatsher. d. Berl. Akad. 1861 p. 576. Odyssee'^ 

schleudern gewaltige Steine aufdieSchiffe p. 288. [Klausen, Aeneas u. d. Pen. 99. Maxim. 

und vernichten die ganze Flotte. Odysseus Mayer, Giganten und Titanen 40. 126. R.*)] 

allein entkommt mit seinem Schiff. — Homers [*) Beachtenswert erscheint auch die Thatsache, dafs 

Schilderung ist so eingehend, dafs weder die bil- die Laistrygonen in mehreren Beziehungen auffallend 

dende Kunst noch die Poesie wesentliche Züge mit den homer. Kyklopen (s.d.) übereinstimmen. "Wie 

hinzufügen konnte. Wo das Abenteuer des diese sind auch sie Menschenfresser, Kiesen, Söhne des 

Odysseus zusammenhängend erzählt wird (z. B. Poseidon und schleudern gewaltige Steine, auch sie wor- 

Iv^; n -7 Ti/r 4. ^A oooö? TT • r T, ^oK\ ^ den bei Leoiitinoi oder rormiae lokalisiert. Wie die 

bei Ovid 3Iet.U, 233S. Hygtn fab. 125), wo ^^^^^^ ^..^^^^ ^^^ Laistrygonen, so scheint auch die 

aut diesen oder jenen Zug angespielt wird Einäugigkeit der Kyklopeu, die sich sonst nur bei den 

(z. B. Herodik. b. Athen. 5, 192 b. Paus. 8, 29, 2; CO Arimaspen findet, auf den zuerst den milesischen Kolo- 

10,22,7. Tibull 4,1, 59. Ovid ex Pont. 2,9, il. nisten bekannt gewordenen hohen Norden hinzu- 

Ib. 390. luven. 15, 18), weist alles auf die allen deuten, ihr unterschied von den Kyklopen besteht nur 

bekannte Quelle. Dasselbe gilt für die vier darin, dafs sie nicht wie diese einäugig sind und eine 

prächtigen Laistrygonenbilder vom Esquilin, «^^'^^ ^,7"^^^' "''^"""1 , ''"T ww^^^ 

V Tjr 7"^^ j-7 /oj 7 j Hirtenleben führen s. Kyklopen). ^\ le die Kjklopen- 

K Woermann, Die antiken Odyssee - Land- ^^^^ ^^^ ^^^^.^^^ Leontinoi, Formiae, (Kyme), also auf 

Schäften lat. 1 — 4. Engelmann, Bilder -Atlas ionischen Ursprung hinweist, so scheint auch der 

zum Homer, Odyss. 7 — 8 (zwei auch bei Ger- Laistrygonenmythus ionisch zu sein, da er deutliche Be- 

hard, Arch. Zeitg. 1852 Taf. 45 — 46): auf dem Ziehungen zu Leontinoi,l''ormiae,(Kyme) enthält. Koscher.] 



1811 



Lakaina 



Lakios 



1812 



Die Erzählung von der Verschmelzung von 
Tag und Nacht (die verschiedenen Erklä- 
rungen bei Blartin, Annuaire de l'assoc. p. 
rencouragemcnt des ctud. gr. 1878 p. 22 iF. 
und Hergt, Quam vere de IJlixis erroribns 
Eratosth. iudicaverit, Erlang. Dissert. 1887 
p. 20 ff.) weist auf die Gegend der kurzen 
Nachte, auf den hohen Norden, wie bereits 
Kraks erkannt hat (Schal. Od. 10, 86. Eustath. 
1G49, 33. iSchol.Arat.Phain.Q2. Gemin. elem. 
astron. 5. Nitzsch, Erldär. Anvi. zu Hom. Od.3, 
100 ff. Lauer, Litterar. Nachlafs 1, 293 ff.); 
ohne Kritik sind die beiden Lokalisierungen ver- 
einigt, vgl. von Wilammvitz, Ilovicr. Untersuch. 
S. 168. Über die sonstigen Annahmen neuerer 
Gelehrter vgl. den Artikel Odysseus. S. auch 
Maafs, Gatt. Gel. Anz. 1890, 347. Eine alle- 
gorische Erklärung des Laistrygonenabenteuers 
giebt der Anonym, de Ulix. errorihus 4 Wester- 
mann, Ilythogr. p. 333 f. Der Name wird er- 
klärt als 6 adricpäyog von Xiav atvysiv {Etym. 
Gud.'S6l,6), als die „Starkverzehrenden'" von 
Xa, Xai. — TQvxsiv, xQvysiv {Ameis , Hom. Od. 
10, 82 und 86 Anhang), als ,, Starkbrummer" 
von lu-xQvt,£iv (vgl. Lauer a. a. 0. 298), als 
„Räubersöhne" = IriiGxrjQÖyovoi (Doedcrlein, 
Hom. Glossar, nr. 2262). Vgl. Lamos u. Lamia. 
\G. Eehleisen, Korrespondenzhlatt für die Gel. 
und üealschulen Württembergs 1893, 3/4, 158 ff., 
vgl. Wochenschr. f. Jdass. Philol. 10 (1893) 
nr. 48, 1323, will Hom. Od. 10, 11 6 f. und 124 
streichen, da die Laistrygonen nach der vor- 
hergehenden Schilderung unmöglich auf der 
niedrigsten Stufe der Kultur, die durch das 
Menschenfressertum angezeigt werde, stehen 
könnten, — wohl schwerlich richtig! Die 
homerische Erzählung geben ferner wieder 
Apollod. fr gm. Sabb. Rhein. Mus. 46 (1891), 
177, 21 ff. Schol. Ov. Lbis 388; vgl. Auson. 
Ferioch. Odyss. 10 p. 3d7 Peiper. Tzetz. Lyk. 
664. 818 p. 804. Höfer.] [Jessen.] 

Lakaina (AÜKaiva) heifst Helena bei Eur. 
Andr. 486; vgl. HeJc. 441. Troad. 34. Orest. 
1438. L)iog. Laert. 1, 1, 8, 32. Hör. ca. 3, 3, 
25. 4, 9, 16. Propert. 3, 7 (15), 13. Senec. 
Agam. 704. Val. Flacc. 7, 150. Auson. p. 77 
ed. Peiper; bei Eur. Iph. Taur. 806 wird 
Klytaimestra Ädv.aLva Tvvdagig genannt 
(vgl. Senec. Ag. 736), und Andr. 29 führt Her- 
niione, die Tochter der Helena, den Bei- 
namen Ääv,(XLva, vgl. Ar'ißas zijg ÄaKcci'vrjg, Schol. 
Lucian. p. 64. — [2) Name eines Hundes des 
Aktaion, Hyg. fdb. 181. K. Keil, Anal, epigr. 
et onomatol. p. 187 f. will auch den Schol. LI. 22, 
29 als Namen eines Hundes des Aktaion über- 
lieferten Hundenamen "JlKatva in Jätiaiva 
ändern, und JeschonneJc, De nominibits quae 
Graeci pecudibus domesticis indiderunt p. 5 f. 
stimmt ihm bei. Dagegen verwirft BergJc, Z. f. 
d. A.-W. 1850 Sp. 403 Aum.* diese Änderung 
Keils und nimmt mit Unger, Paradoxa Theb. 
1 p. 378 an, dals hier derselbe Hund gemeint 
sei, welchen Ooid, Met. 3, 217 und Hyg. fab. 
181 Alce nennen. Baeclier, De canum nom. 
Gr. p. 31 erklärt sich gleichfalls gegen Keils 
Vorschlag. Drexler.] [Höfer.] 

Lakedaimou (AansöaiiKov), 1) Sohn des Zeus 
und der Taygete, der Tochter des Atlas, Ge- 



mahl der Sparte (Schol. Eur. Or. 615), der 
Tochter des Eurotas, Vater des Amyklaa 
(Paus. 7, 18, 4. Schol Find. P. 3, 14. Eustath. 
Dion. Per. 418), der Eurydike (Apollod. 2, 2, 2. 
Paus. 3, 13, 6. L'hereliydes b. Schol. Ap. Bh. 
4, 1091), der Gemahlin des Akrisios, und der 
Asine (Steph. B. v. 'Aoivri); König von Lake- 
daimon, das nach ihm benannt war, Apollod. 
3, 10, 3. Paus. 3, 1, 2. 3. Hyg. f. 155. Hellanilcos 

10 b. Schol. LI. 18, 486. Schol. Od. 6, 103. Tzetz. 
Lyk. 219 p. 489 Müll. Nonn. Dion. 32, 66. 
Steph. B. V. AdKedccificüv. Er sollte das Heilig- 
tum der Chariten Kleta und Phaenna zwischen 
Sparta und Amyklai gegründet haben, Paus. 
3, 18, 4. 9, 35, 1. Sein Heroon bei Therapne, 
Paus. 3. 20, 2. Curtius, Pelop. 2, 249. 319, 
49, Wide, Lakonische Kulte 355. Nach Plut. 
de fluv. 17 hiefs ein Sohn des Lakedairaon 
und der Taygete Himeros, der sich aus Reue 

20 über einen Frevel gegen seine Schwester in 
den Flufs Marathon stürzte, welcher nach 
ihm Himeros und später Eurotas genannt ward. 
Curtius, Pelop. 2, 216. Gerhard, Gr. Myth. 2 
§ 8H4, Stummtil. p. 239. Dcimlinq , Leleger 
p. 118. 225. [Dictys 1, 9. Eust. ad Hom. LI. 
1155, 52. Höfer.] — 2) In Sparta wurden Zeus 
Aay.fdai'iicov und zugleich Zeus Ovgciviog ver- 
ehrt, deren Priester die beiden Könige waren, 
Herodot 6, 56. Preller, Gr. Myth. 1, 119. 

30 [Stell] 

Lakeites (?), Beiname des Apollon in einer 
Inschrift von Pyla auf Kypern, Gesnola, Cypern 
p. 372 nr. 11, Bei Colonna- Ceccaldi, Rev. arch. 
n. s. 27 1874 p. 92 nr. 4 zeigen die Majuskeln 
AnOAAßNI AAKCnHI. [Drexler.] 

Lakcstades (Äuv-BOtädrig), Sohn des von Aga- 
memnon zum Vasallen gemachten sikyonischen 
Königs Hippolytos. Nachdem Phalkes, der 
Sohn des Herakliden Temenos, Sikyon ein- 

40 genommen hatte, regierte Lakestades gemein- 
sam mit diesem, Paus. 2, 6, 4. Gerhard, Gr. 
Myth. 2 p. 239. [Stoll] 

Lakinios (Äav.Lviog\ auch Au-Aivog b. Schol. 
Theokr. und Serv.), krotonischer Heros und 
König, der dem Vorgebirge Lakinion den 
Namen gab und daselbst der Hera Lakinia 
einen Tempel baute, Steph. B. v. Aav.Cviov. 
Tzetz. Lyk. 856. — Serv. V. Aen. 3, 552. Et. M. 
555, 17. Seine Tochter Laure, nach welcher 

50 die Stadt Lanre im Gebiet von Kroton den 
Namen hatte, war Gemahlin des Kroton, Tzetz. 
Lyk. 1006. — Schol. Theokr. 4, 33 nennt ihn einen 
Kerkyräer, der den flüchtigen Kroton (s. d.) 
aufnahm. Er wird eiu Räuber genannt (Sohn 
der KyreneV), der von dem aus Erytheia zurück- 
kehrenden Herakles getötet ward, weil er ihm 
Rinder gestohlen oder ihm die Aufnahme ver- 
sagt und ihn zurückgeschlagen hatte. Herakles 
gründete, nachdem der Ort des Mordes ge- 

60 .sühnt war, hier einen Tempel der Hera La- 
kinia, Diod. 4, 24. Serv. a. a. 0, Klausen, 
Aeneas u. d. Pen. 450 ff. Preller, Gr. Myth. 
1, 130. 2, 215. [lamhlich. vit. Pythag. 9, 50 
p. 35 ed. JSfauck. Höfer.] [Stoll.] 

Lakios (AÜKiog), 1) ein attischer Heros, nach 
welchem der attische Demos Lakiadai benannt 
war; sein Heroon befand sich an der heiligen 
Strafse nach Eleusis, Paus. 1, 37, 1. Toepffer, 



1813 Lakon Lamavelia 1814 

Ätt Geneal 248. [K. 0. Müller, Prolegomena göttin auf einem Bronzespiegel unbekannten 

p. 138 f. JUMer, Der ep. Cyclus p. 209. Fr. Ursprungs und Verbleibs, neben dem Sonnen^ 

Lenormant, Monographie de la voie sacree gotte (aplun = '^^oH«;, s. d ) Beide Gott 

eUusinienne chap. 3. Le äeme des Laciades beiten sind als Büsten rob skizziert über ibrpn 

?tidJ";hf;r'"'ff-''p'''""-^-'^P™"1fV^" H-P^*-- Halbmond und Ste'rWh^^^^^ 

Stadt Pbasehs auf der Grenze von Pampbylien der Erdnabel (?); s. Inghir., Man etr 2 370 

und Lykien. As er mit seinem Bruder Anti- t. 33. Lajard, Ann. 13 == 1841 p. 234. Gerhard 

pbemos das delpbiscbe Orakel befragte, er- Ftr. Sp. 3, 33 t. 45, 1. Über d. Gotlh. d El^ 

bielt er den Befebl, nach Sonnenaufgang zu p. 575 nt. 91; t. 2, 2. Gerhard, Ges. M Abh 

fahren, der Bruder nach dem Untergang, und lo Taf. 35, 1. Röscher, Selene u Veno S 15' 

so gründete Lakios Phaselis, Antiphemos Gela Fabr. C. I. I. 2473 Gl. 1 col 993 — 994 "(mit 

in Sicilien, Aristainetos b. Steph. JB. v. Fsla; Abbildung). Bugge, Etr Fo u St \ \'oi 

vgl. Et.M. p. 225. Ahnliches bei Steph. B. (s. auch p. 112) deutet den Namen als Vlana 

V. raUcoTKi. Er erkaufte der Grund und Boden {l' = Artikel). Mit Ovid's Nymphe Lal-i 

für seine Gründung mit Salzfischen, Herojnjthos (Fast. 2, 585 ff.) hat er kaum etwas zu thun 

b. Athen. 7, 297 e; s. Kylabras. Fhtlostephanos (s. Lara). ~ 2) = Lara (s. d) fDeecke 1 

b. Athen. 7, 297 f nennt ihn einen Argiver Lalan (lalan), etruskischer Göttername s 

(andere einen Lmdier aus Rhodos), der auf Laran. [Deecke.] 

Weisung der Manto, der Mutter des Mopsos, Lalos (Ädlog)', ein Troer, von dem Ätoler 
von diesem zur Gründung der Kolonie aus- 20 Thoas erlegt, Quint. Sm. 11, dO. [Stoll ] 

gesandt ward. Lakios ist^ kretischer Name Lamache {Aaadxr]), Lemnierin, welche mit 

für Rhakios [Hesyeh. Xäyirj, Qay.rj, KQfirsc), und dem Argonauten Euphemos den Leukophanes 

er ist identisch mit dem Kreter ßhakios (der Zer- zeugte, den Ahnen des Battos, des Gründers 

lumpte), welcher zu Kolophon, wo das klarische von Kyrene, Schol Find. P. 4,455 (wo Ma- 

Orakel war, die von Delphi dorthin geschickte Xöcxn steht), BoecJ;h p. 371 n. 4. Tzetz. L. 886 

Thebaiierin Mauto heiratete. Lakios ist in (p. 859 Müll). [Vgl. Maafs, Gült. Gel Anz. 

Wirklichkeitwederfür einen Lindier zunehmen 1890 S. 353. 358. R.] [Stoll.] 

noch für einen Argiver (Rhodos war von Do- Lamas {Äüiiaq), einer der Freier der Pene- 

riern aus Argos kolonisiert); sondern „er ist lope aus Dulichion, Apollod. frgm. Sabbait. 

ein ideales Wesen, und wahrscheinlich eine 30 121a. i?/iem. Mits. 46 (1891), 179, 24. [Höfer.] 

Personifikation des klarischen Orakels, welches Lamavelia? oder Lamavehae? In der In- 

bei der durch Rhodier ausgeführten Gründung schrift Brambach, G. I. Ehen. 408 (Köln) La- 

von Phaselis mitgewirkt haben mochte", Müller, mave \ rus leg . . l \m .. .in \ v \v sl m 

Bor. 1,113. 226. [7»m/sc/i, Alrtros § 4 p. 141fi". ist allem Anscheine nach in der ersten Zeile 

Drexler.] [Stoll.] der Name der Gottheit oder der Gottheiten, 

Lakon {Aä-nav), 1) Sohn des hellenischen an welche die Dedikation gerichtet ist, enthalten. 

Königs Lapathos, Bruder des Achaios, denen DeWaal {Myth. sept. vion. epigr. lat. Trajecti 

der Vater vor seinem Tode seine Herrschaft ad Rh. 1847 S. 95 zu nr. 134) vermutete in ia?«aj;e 

teilte, worauf der eine sein Teil Lakonike, der eine weitere Spur des in der Inschrift Bramb. 

andere Achaia nannte. Einige Geschlechternach 10 2028 (S. XX VII) genannten Gottes Halamardus 

Lakon kam Thestios zur Herrschaft, der Vater (s. d. Bd. 1 Sp. 1817 f.; er nahm also an, dafs 

der Leda, loann. Aniioch. fr. 20 b. Müller, Fr. die Inschrift am Anfange verstümmelt sei, und 

hist. gr. 4 p. 549. — 2) Ein Hund des Aktaion, verband die Silbe ve mit rus der folgenden 

Hyg. f. 181 — [3) Beiname des Ares, Anth. Zeile). J. Becker {Jahrbücher des Vereins v. 

upp. ep. add. II 198 c, 1 Cougmj. Drexler.] Alterth.- Freund, im Eheini. 15, 1850 S. 85 f.) 

[Stoll.] meinte, dafs in dem Lamave nichts anderes 

Lakos {Äüv-og, unsichere Lesart, Graefe: angedeutet liege als die Matronae Hamavehae 

Avv.og), Sohn des Hermes und der Iphthime, (vgl. über diese Bd. 1 Sp. 1827 und unten d. Art. 

einer Tochter des Doros, Herold unter den Matronae); 'es steht demnach Lamave für Ha- 

Satyrn, Nonn. Dion. 14, 112. [Stoll.] 50 mave(his)\ Es liegt auf der Hand, dafs eine 

Lakydon, Personifikation des Hafens von solche Annahme unstatthaft ist; an einen Zu- 

Massilia. Obolen dieser Stadt zeigen ein jugend- sammenhang mit den Hamavehae liefse sich 

liebes Haupt mit Stierhorn über der Stirn, be- nur unter der Bedingung, dafs die Inschrift 

gleitet von der Beischrift AAKYAQN. Mionnet falsch gelesen worden ist (L für H), denken 

beschreibt dasselbe 1, 73, 144 als „Tete de {Brambach hat die Inschrift selbst nicht ge- 

femme'\ Siippl. 1,137,59 Anm. a, PI. 1, 10 er- sehen, er giebt sie nach Lersch, Centralmus. 

kennt er darin den Rhodanos. Die Deutung rheinländ. Inschriften 1 S. 23 nr. 17). Ist die 

auf den Hafen Lakydon fand Eaoul-Eochette, Lesung Lamave aber richtig, so kann man im 

Essai sur la numismatique terentine, Mem. de Hinblick auf ähnlich gebildete Götternamen 
VAc. des Inscr. et B.-L. tom. 14b 1840 p. 399 60 in der Inschrift eine Göttin Lamaveha oder 

Anm. 1. Sie wird gebilligt von Babelon, Eev. mit Brambach {C. I. Ehen. Indices S. 381) 

num. 3e ser. 6, 1888 p. 496 in der Anzeige Lamavehae, diese letzteren vielleicht zu den 

des Werkes von J. Laugier, Les monnaies mas- Matronen gehörig, vermuten (ähnliche Namens- 

saliotes du Gab. des med. de Marseille, während bildungen: vor allem Hamavehae; ferner Bil- 

letzterer, wie ich aus jBö&eZoMS Worten schliefse, düngen wie Aserecinehae, Atufrafinehae , Ax- 

das Haupt des Apollon zu erkennen glaubt. siüginehae, Cuchinehae, Guinehae, Mahlinehae, 

[Drexler.] Octocanehae u. s. w. ; Mediotautehae, vgl. 3I.Ilm, 

Lala (lala), 1) etruskischer Name der Mond- Der Mütter- oder Matronenlcultus u. seine Denk- 



1815 Lambraundos Lambraundos 18 IG 

mäler in Jahrbb. d. Ver. v. AU.-Fr. im lihld. 83, Gestalt auf dem Obvers (Rs. Löwe), Beger, Thes. 

1887 S. 31f. und Register der Götter und Göt- Brandeh. 1 p. 266. Friedländer u. v. Sollet, Das 

tinnen S. 185 ff.; aaf einer ganzen Reihe von Kgl. MünzJcab. 1^.72 nr.lbb. Bahelon'p.LXXX.Yl 

Inschriften werden unter Hinweglassung des Fig. 41. Die Münzen von Mylasa zeigen sein 

Namens der Mati'onae nur deren Beinamen Standbild, einen Modius auf dem Haupt, in 

genannt, vgl. Ihm S. 14 f.). [R. Peter.] der R. die Labrys, in der L. einmal (unter 

Lambrauiulos (Jaft(i^o:t;j'5os), Beiname einer Septimius Severus) angeblich einen Lorbeer- 

auch als Zeus Stratios bezeichneten karischen kränz, Mi. 3, 357, 314, gewöhnlich aber das 

Zeusgestalt, welche in dem von Mylasa etwa Scepter, so unter Antoninus Pius, Bfi. S. 6, 

60 Stadien entfernten Labranda einen alten lo 511, 372, Septimius Severus, Leake, Niim. Hell. 

Tempel hatte, welcher mit der Stadt durch Suipl. p. 70, Geta, 3Ii. S. 6, 512, 377. Häufig 

eine für die Prozessionen bestimmte heilige ht er in dieser Weise in einem Tempel dar- 

Strafse verbunden und vermutlich der Mittel- gestellt, und lange Binden, welche zuerst 

pimkt eines Komenverbandes war. Die aus- Schreiber, Arch. Zeit. 1883 Sp. 284 richtig als 

gezeichnetsten Bürger von Mylasa bekleideten solche statt, wie gewöhnlich angegeben wird, 

die Priesterwürde auf Lebenszeit, Strabon 14 als Stützen, erkannt hat, fallen von den Armen 

p. 659. Newton, Ä hist. of discoveries at Hali- bis zur Erde nieder. Dieselben sollen vielleicht 

carnnssus, Cnidus and Brancliidae 2, 1 p. 14. die Weihung des Tempels an die Gottheit aus- 

15. 33; 2, 2 p. 611 — 619. Perrot, Hist. de l'art drücken, vgl. Liebrecht, Zur VolksJcunde p. 305 

dans l'ant. 5 p. 312. Fapalukas, IJ^qI t/js no- 20 — 310 „Der hegende Faden" p. 310; wenn nicht 

Zfcos 27r9«T0i'(M«i'a:s p. 24— 27. Heller, De Cariae etwa die Gottheit dadurch gehindert werden 

Lydiaequesacerdotibus,Jahrbb.f.ld.Bhil.Suppl. soll, die Stadt ihrer Verehrer zu verlassen, 

Bd. 18 p. 240. vgl. Tylor, Die Anfänge der Kultur 2 p. 171. 

Die Form Lambraundos ist die älteste, da Der Tempel ist gewöhnlich viersäulig dar- 

sie in einer Inschrift aus der Zeit des Mausso- gestellt, so unter Hadrian {Mi. S. 6, 511, 369, 

los begegnet, C. 1. Gr. 2691 e = Waddington, nach Vailhint, ohne Erwähnung des Scepters) 

Asie Min. 379. Die am häufigsten vorkom- und Geta, Mus. Pisan. 45, 1. Mi. 3, 358, 320 

mende Form des Beinamens ist Labvaundos, — 322. ä. 6, 512, 376 nach Sestiiii, Mus. Heder- 

s. die Inschriften von Mylasa, B. C. H. 5 p. 92 var. 2 p. 227 nr. 10 = Gh.Lenormant, Gal.myth. 

nr. 2 = Waddington , As. Min. 348 1. 11 (an so p. 52f. PI. 8, 11. Schreiber a. a. 0. Sp. 283 nr. 1. 

letzterer Stelle irrig Äa^Qaavvöov statt Aa- Cohen, Cat. Grcau p. 162 nr. 1871; ganz ent- 

ßQavvSov), Milt. d. D. A. Inst, in Athen 15 stellt bei MdUn, Gall. myth. 10, 37 nach 3Ie- 

p. 259 nr. 10; Aphrodisias, C./.6^r. 2750; Hali- daill. du Moi 23, 3. Zweisäulig erscheint der 

karnass. Coli, of the gr. inscr. in the Brit. Mus. Tempel und der Gott darin ohne Binden auf 

4,1 p. 79 f. nr. 904; Herakleia am Latmos, einigen Medaillons des Geta, Buonarruoti, 

C. I. Gr. 2896; Olymos, Wadd. 323. 324. Mitt. Osserv. istor. sopra alcune medaglioni ant. p.211 
d. D. A. Inst, vn Athen 14 p. 374 f. nr. 3 ; p. 378 f. — 218 Tav. 10, 10. Müller -Wieseler, Denhn. d. 
nr. 5. 6 (ergänzt); Peiraieus, C. I. A. 2, 613 = a. K. 2, 2, 29 p. 15. OverbecJc, Zeus p. 8 Fig. 2. 
Foucart, Assoc. relig. 209. Bei Plinius h. n. 32 Mit Kalathos, Labrys, Scepter und Binden 
§ 16 geben die besten Handschriften statt des 40 findet sich Zeus L. auch dargestellt auf in 
falschen, in den Text aufgenommenen Labrandi: Kleinasien (vermutlich in Mylasa) geprägten 
Labrayndi. Vereinzelt kommen vor (in Mylasa) Silbermedaillons Hadrians mit der Reversauf- 
Aaßgatvvdog, Wadd. 338 Z. 17 (vgl. Wadd. 399 schritt COS. III, Leake, N. H. As. Gr. p. 81. 
Z. 20 il AaßQccLvvSfp); Aaßgavvvdog, Mitt. d. Finder, Über die Cistophoren u. über die kaiser- 

D. A. Inst, in Athen Ih p. 259 nr. 11); Aüßgav- liehen Silbermedaillons der römischen Provinz 
doe, ebenda nr. 10. Über die Formen Labran- Asia p. 626 Tai 7, 2. Cohen, Monn. imp. 2^ 
deus, Labradeus, Labrandenos s. oben s.v. La- p. 128 ni'. 276; und eine dem Zeus L. ähnliche 
brandeus. Über die Erklärung des Beinamens Figur mit Kalathos, Labrys, Scepter und der 
s. G. Hirschfeld, Coli, of the gr. inscr. in the Beischrift A03MA — • ■ OE ? verzeichnet Im- 
Brit. Mus. 4, 1 p.SO. Papalukas p.25f. de la La- so hoof-Blumer, Griech. Münzen aus dem Museum 
garde, Ges. Abh. p. 213 — 215. in Klagenfurt u. and. Samml., Num. Zeitschr. 

Die Münzen der karischen Satrapen Mausso- 16 1884 nr. 94 Taf. 5, 9 auf einer Münze von 
los, Idrieus, Pixodaros, Orontopates zeigen ihn Amyzon. Wicseler, Denkm. d. a. K. 2 Taf. 2 
auf der Rückseite (Vorderseite Haupt des Apol- nr. 30 p. 15 hält für Zeus Stratios, d. i. Zeus L,, 
Ion) stehend r. h. in langem Chiton und Peplos, auch die Figur eines Silbermedaillons des Ha- 
in der L. ein langes Scepter, in der R. das drian, welche einen nackten, wie es scheint bär- 
Doppelbeil angelehnt an die Schulter, das bär- tigen Gott, stehend, mit Adler auf der R., Bi- 
tige Haupt mit dem Lorbeerkranz geschmückt, pennis in der L. und Chlamys über dem 1. Arm 
Spanhemius, De pr. et usu num. ant. 1 1^.518. darstellt, in welchem Finder p. 626 Taf. 7, 3 
519. Beger, Thes. Brandeb. 3 \i.l6. Head, Hist. GO den karischen Zeus erkennen will. Auch 
ntim. p. 353. Schmidt, Zu der Geschichte der O. Jahn, Arch. Aufs, p. 42 Anm. 23 citiert diese 
karischen Fürsten des 4. Jahrh. v. Chr. u. ihrer Münze unter den Typen des Zeus Lambraundos. 
Münzen. Gott. 1861. 4" passim. Cat. des monn. Ich bezweifle, dafs dieselbe in Mylasa ge- 
gr. de la bibl. nat. Babelon, Lcs Perses Aclie- prägt ist und dafs wir es hier mit Zeus L. zu 
menides etc. Paris 1893 p. LXXXVI — LXXXVIII. thun haben. Genau dieselbe Gottheit, nur un- 
p. 60— 62 nrs. 397— 410. 414— 424 PI. 10 fig. 4— bärtig, mit Vogel auf der R , Doppelbeil in 
11. 14 — 17. Auch auf einem Stater des Heka- der L. und Chlamys über dem 1. Arm kommt 
tomnos (395 — 377) erscheint er bereits in dieser auf Münzen des Nero und des Domitian von 



1817 Lambraundos L^mia 1818 

Eumeneia vor, Bev nnm. i': ser 9 1891 p. 5 1852 p. 27 sub nr. 228; als Obverstypus auf 

"""■ JL Tnf 1^ "; '^; Griech. Münzen p. 735 Bronzemünzen von Mylasa mit dem ^Äeizack 

nr. 683 lat. 12, 21. Imlioof, Monn. grecques des Osogos im Rev., Mi 3 355 298 Pnf Whit 

p. 400 nr. 104. Auf den Münzen dieser Stadt tall 1867 p. 42 sub nr. 516. Imhoof, Mann t 

erscheint diese Gottheit auch (unter Marc Aurel) p. 312 nr. 70a. PmcZer p. 628 Zuweilen' er' 

stehend einen Zweig m der R., die Bipennis scheint auf Bronzemünzen dieser Stadt die Bi 

in der L., welche gestützt ist auf einen von pennis und der Dreizack zu einer Figur ver 

einer Schlange umwundenen Dreifufs, auf wel- einigt, so auf dem Rev. autonomer mit dem 

chem ein Vogel, von Mionnet als Rabe be- Typus des Pferdes im Obv. Müller Musec 
zeichnet, sitzt, Mi.S.l, 564, 356 („Apollon"); lo Thorvcddsen p. 211 nr. 1597 LeaJce Nuvi Hell 

ferner (gleichfalls unter Marc Aurel) reitend, As. Gr. p. 84 (auf letzterer im Feld noch vier 

die Bipennis über der 1. Schulter, Mi. 4, 294, Delphine) und unter Augustus, Cat Greppo 

571 („Amazone"); endlich (auf dem Obv. einer p. 139 nr. 1029. ^iestini, Lett. mm. cont. 6 p 54 

autonomen) stehend mit Doppelbeil und Scepter, nr. 6 = Mi. S. 6, 510, 367; v^l. 3Ii. S. 6 511 

dahinter ein Hirsch, Sestini, Lett. Num. i p.l25 368 = Sestini, Lett. num.' d p.' 42,' wo 'diese 

nr. 1 und nach ihm Mi. S. 7, 562, 345. Auf der Figur von einer Schlange umgeben ist. Als 

zuletzt angefahrten Münze wollen Sestini und Beizeichen findet sich diese Verbindung von 

Mionnet offenbar nur wegen des Doppelbeils Bipennis und Dreizack auf Tetradrachmen 

den Zeus Lambraundos erkennen. Ich zweifele Alexanders des Grofsen, welche man wegen 
nicht, dafs wir es auf allen diesen Münzen 20 dieses Symbols in Mylasa geschlagen s^ein 

von Eumeneia mit dem lydo - phrygischen läfst, L. 'Müller, Numifimatiqiie d' Alexandre le 

Sonnengott zu thun haben und vermute, dafs grand p. 256f PI. 16, 1141—1143. Head, Ilist. 

dieser auch auf dem von Wieseler und Jahn num. p. 529. Auch die Verbindung von Bi- 

auf Zeus L. bezogenen Silbermedaillon bei pennis, Dreizack und Seekrebs ers'cheiiit auf 

Finder Taf. 7, 3 zu erkennen ist. Letzteres Münzen von Mylasa, so unter Domiiian, Mi. 

würde alsdann nicht in Mylasa, sondern iu 3, 356, 308, Septimius Severus, Mi. S. &] 512, 

einer Stadt Lydiens oder Phrygiens, vielleicht 374. Sestini, Mus. Uedervar. 2 p. 227 nr. 9 

gerade in Eumeneia geprägt sein. Meine Ver- Tab. 20, 8 (alles von einem Lorbeerkranz um- 

mutung als bestimmt sicher auszusprechen hin- geben) und Geta, ilfi. 3, 358, 323. — Sestini, 
dert mich der Umstand, dafs nach Finders Ab 30 Lett. num. cont. 6 p. 54 bezieht die Vereinigung 

bildung die Figur bärtig zu sein scheint. Doch von Dreizack und Bipennis auf Osogos uod 

würde selbst die Bärtigkeit bei einem asia- Zeus Lambraundos. L. Müller, Num. d'Alex. 

tischen Sonnengott nicht besonders auffallen. le gr. p. 256 note 11 erkennt in der Bipennis, 

Mit Unrecht schliefst ferner Waddingtoyt, Asie sowohl wenn sie allein , als wenn sie in Ver- 

Min. 641 aus der Bipennis an einer Votivstele bindung mit anderen Symbolen auftritt, eine 

von Philadelpheia in Lydien, dafs diese dem Andeutung des letzteren. Wieseler, Fe vario 

Zeus Lambraundos geweiht war. Auch hier usu tridentis apud popiäos veteres p. 6. 7 sieht 

ist die Bipennis offenbar das Symbol einer sowohl in der Verbindung von Doppelaxt und 

einheimischen Gottheit, vielleicht wieder des Dreizack als in derjenigen beider Symbole mit 
lydischen Sonnengottes, wenigstens zeigt eine 40 dem Seekrebs , mit Ausschlufs des Zeus Lam- 

Münze dieser Stadt bei Leale, Nuvi. Hell. As. braundos, einzig ein Symbol des Osogos. New- 

Gr. p. 99 im Rev. in einem Lorbeerkranz eine ton, AJiist. ofdiscov.2,1 p.33 Anm.e schwankt, 

Lyra und darunter die Doppelaxt. ob er die Verbindung der drei Symbole als 

Dagegen bezieht sich sicher auf Zeus L. eine Andeutung des Osogos erklären soll oder 

die Labrys auf Altären dieses Gottes mit der als den Ausdruck von „the fusion of the tiro 

Aufschrift Jiog Äaßgavvdov oder Aaßqivdov, tijpes of Zeus Stratios and Zeus Osogo into one, 

C. I. Gr. 2896. Mitt. d. D. A. Inst, in Athen 15 according, to a System of amalgamation com- 

p. 259 nr. 10. Sie bezeichnet hier als Wappen man in the Roman period". 
der Gottheit (vgl. E. Curtius, Über Wappen- Besser dem Zeus Lambraundos als dem 

gehrauch und Wappenstil im griech. Altertum 50 Sarapis werden wir zusprechen das mit dem 

p. 84) ebenso wie der Name derselben im Modius geschmückte Haupt verschiedener von 

Genetiv (vgl. G. Hirschfeld a. a. 0.) diese Altäre mir in der Num. Zeitschr. 1889 p. 133 ango- 

als Eigentum des Zeus L. Die Thore von My- führten Münzen von Mylasa. Im übrigen siehe 

lasa waren durch die auf dem Keilstein ein- über Zeus L. die von Höfer s. v. Labrandeus 

gemeifselte Doppelaxt unter den Schutz des und von mir zu Kariös nr. 2 ob. Bd. 2 Sp. 958 

Zeus L. gestellt, Curtius a. a. 0. p. 86. Netc- verzeichnete Litteratur, auch Abeken, Ann. 

ton, A hist. of discov. 2, 2 p. 616 Anm. s: d. Inst. 1839 p. 69. [Drexler.] 
Jonian Aydiquities2F\.2. Fellows,LyciaT[>.7b. Lamedon (Aa[i8d(ov) , Sohn des Koronos, 

Die Labrys findet sich auch als Reverstypus König von Sikyon, Nachfolger des Lpopuus. 

auf Goldmünzen des Pixodaros, Bahelon a. a. 0. 60 Mit der Athenerin Pheno, lochter des Klytios, 

p. 61 nr. 411-413 PL 10, 12. 13; auf Bronze- zeugte er die Zeuxippe, welche er dem aus 

münzen von Mylasa mit dem Bild des Zeus Athen gegen die Achäer zu Hülfe gerutenen 

Lambraundos im Obv., Sestini, Lett. num. cont. Sikyon vermählte, Faus. 2 5, 6. 2, 6, "^-^ Ger- 

6 p. 53 nr. 3 = Mi. S. 6, 509, 358; ferner, mit hard, Gr. Myth. 2 § 830t. Stammtfl. p. 238. 
einem Kranz versehen, auf Bronzemünzen dieser ^ ,„ , ^ j .V • 'J 

Stadt mit dem Typus des Rosses im Obv., Fei- Lamia (Jap«), D^.fochter des 1 oseidon, 

lerin, Bec. de med. 2 PI. 67 nr. 40. Mi. 3, 355, von Zeus Mutter der Sibylla Herophile laus. 

296. Leake, Num. Hell. Suppl.v-10. Cat.Borrell 10, 12, 1. Flut, de Fyth. or. 9. L^^ei Uem. 



1819 Lamia Lamia 1820 

Alex. Stromat. 1 p. 304c Folter, der mit Flu- raubendes Ungeheuer (Q-rjQiov), Lamia oder Sy- 
tarch sonst ■wörtlicli übereinstimmt, keifst 'es baris genannt, in einer Höhle des Gebirges 
zuletzt Zi^vlXav . . . Aa^iLug ovcav &vyattQa Kirphis in der Nähe von Krissa erwähnt ^«i.l>jö. 
TJjg ZidcSvog. Man wird wohl Uoa fiÖcZvog c. 8. [Vgl. Rohde, Fsijche p. 180 Anm. 3. 
zu lesen haben; vgl. auch den der Sibylle in Drexler.J — Schol. Theolr. 15, 40 sagt, Lamia, 
den Mund gelegten Vers nocetSwv , firjTQog eine Königin der Laistrygonen, welche nach Ver- 
f/x^S Äa^Cag yevhcoQ, Pseudo- Dio Clirys. lust der eigenen Kinder auch die anderen 
or. 37 p. 296 Dindorf. Höfer.] — 2) Eine Kinder mordete, werde auch Gelo genannt. 
Königin der Trachinier, von welcher die Diese kinderraubende Gelo oder Gelle galt für 
malische Stadt Lamia ihren Namen hatte, lo eine lesbische Jungfrau, die auch von SappJio 
Steph. B. V. AccfiLcc. Et. 31. p. 555, 52. [Das (fr. 47 BergkJ erwähnt wurde, Zenob. 3, 3. 
Haupt der Lamia erkennt Gardner, Cat. of Hesych. v. FiXlco u. FslXag. Suid. v. FtXlovg 
Gr. C. in the Brit. Mus. Thessahj p. 22 nr. 8. 9 naidocpdcoTSQa. Frcller, Griech. Myth. 1, 508. 
PI. 4, 1.2 in einem Frauenhaupt mit Diadem und [Vgl. auch 31. 3Iayer, Arch. Ztg. 1885 S. 119ff., 
Ohrring auf Silberraünzen der gleichnamigen der ein ebenda Taf. 7, 2 abgeb. Vasengemälde 
Stadt. Drexler.] — 3) Ein scheufslichep weib- auf Lamia und Sphinx deutet. Koscher.] 
liches Ungeheuer, schreckhaftes Gespenst, das [Gleichfalls als Lamia erklärt 31. 3Iayer, Mut. 
die Kinder raubte und den Ammen ein Schreck- d. K. D. A. Inst. Athen. Abt. 16 1891 p. 300 
mittel für Kinder war, wie Empusa, Gello, — 312 Taf. 9 ein häfsliches nacktes an einen 
Alphito, Gorgo, Ephialtes, Mormolyke. Der 20 Palmbaum gebundenes und von Satyrn auf 
Name ist abzuleiten von läfiog, Xai[i6g, Schlund, mannigfache Art gepeinigtes Weib auf einer 
also Verschlingcrin. p]in libysches Märchen schwarzfigurigenLekythosausEretria. Drexler.] 
erzählte, sie sei eine königliche Jungfrau ge- [Vgl. auch 31. 3Iayer, Jahrb. d. Kais. D. arch. 
wesen, Tochter des Belos und der Libye, mit Inst. 7 (1892), 201. Höfer.] [S. auch Ber- 
welcher Zeus Umgang pflegte. Aber die eifer- nardus ten Brinlc, Specimen Uterarium inau- 
süchtige Hera brachte sie dahin, dafs sie die gurale contincns dispidatiunculam de Lupo, 
Kinder, welche sie gebar, umbrachte; oder Lamiis et 3Iormone. Groningae 1828 und 
Hera selbst brachte ihre Kinder um, worauf Fanoflca, Ann. d. Inst. 1833 p. 287 — 291, 
sie sich in eine einsame Grotte im tiefen Ab- welcher seine Ausführungen über die verschie- 
grund düsterer Felsen zurückzog und dort zu so denen Gestalten Namens Lamia zusammenfafst 
einem tückischen und gefräfsigen Ungeheuer in dem Satze: „II rcsulle de tout ce qui prc- 
verwilderte, das aus Neid und Verzweiflung cede que le personnage myihique appele Lamia, 
glücklicheren Müttern die Kinder raubte und figure comme une veritable Venus Lihitina." 
tötete. Hera hatte sie schlaflos gemacht, Will man auseinanderhalten, so "kann man als 
damit sie Tag und Nacht vom Schmerz ge- — nr. 4 noch anführen die Mutter des Achilleus 
quält werde, bis Zeus ihr die Gabe verlieh, vom Zeus, Ptolem. Hephaistion L. 6: %al z/tog 
ihre Augen aus dem Kopfe zu nehmen und v.al Aaiiiag 'AxLllta ysvBo&aL q)aGl x6 yiccXlog 
danach wieder einzusetzen. Wenn sie, von äfi/J^'^'^oj', Pawo/Zm p. 289 Anm. 6; ferner (s.nr.l) 
vielem Weine angefüllt, schlief und ihre Augen die Mutter der Erythräischen Sibylle von Apollon, 
in einem Gefäfse verborgen hatte, war sie nicht 40 3Iaafs, De Sibyllarum indicibus p. 28 u. 55 nach 
zu fürchten; ging sie aber auf Raub aus, so Suidas und Eudocia; schliefslich auch erwäh- 
setzte sie sich die Augen wieder ein. Auch nen, dafs — 5) die Geliebte des Demetrios Po- 
soll sie von Zeus die Gabe erhalten haben, liorketes als Aphrodite Lamia Verehrung er- 
sieh in beliebige Gestalten zu verwandeln, hielt, PanofJca p. 289. K. Keil, Specimen ono- 
Schol. Aristoph. Pac.lbS. Fesp. 1035. £^2^.693. matologi Graeci p. 8. 11. Beurlier, De divinis 
Suid., Fhot. u. Hesych. s.v. Diod. 20,41. Flut. honoribus quos acceperunt Alexander et succes- 
decurios. c. 2. Strab.l,lQ. Deutsch, Paroemiogr. sores eins p. 44. 

2,498. Schol. Aristid. p. 19 ed. Fromm. Ilorat. Unter der im C. I. Gr. 5430 Z. 41. 47 er- 
A. poet. 340. Weitere Stellen s. bei Pape- wähnten Örtlichkeit Adfiiag (laa&oi in Akrai 
Benseier, 1F&. v. Aü^ia. Friedländer, jRöm. 50 hat man sich jedenfalls zwei Hügel vorzustellen, 
Sitteng. 1, 433 f. Freller, Gr. Myth. 1, 507. welche man wegen ihrer Gestalt mit den ge- 
[Maafs, Gölting. Gel. Anzeig. 1890 S. 347 f. waltigen Brüsten der Lamia verglich, vgl. 
Laistner, Eätsel d. Sphinx 1, 64f. 2, 33 f. 54. 31. Mayer, Arch. Zeit. 1885 Sp. 127. 1-30. Die 
0. CrMsms im P/«7o?Of/i(s N. F. 4 S. 99 fi". Röscher.] Lamien haben im neugriechischen Volksmär- 
Zeus hatte sie, als er sie liebgewann, von Libyen chen so grofse Brüste, dafs sie dieselben zur 
nach Italien gebracht, wo die Stadt Lamia Reinigung des Backofens verwenden-, JB. Ä'c7i?m'(^i, 
von ihr benannt war, Schol. Aristoph. Fac. 758. Das Volksleben der Neugriechen p. 134. Das 
Sie wurde Mutter der Skylla genannt, Ste- Andenken der Lamia hat sich auf Sicilien 
sichoros b. Schol. Apoll. Bh. 4, 828. Fustath. lange erhalten. Judica, Le antichitä di Acre 
p. 1714, 33. Gramer, An. Par. 3, 479, 14. 60 p. 72 führt aus FazeUo, Prioris Decad. lib. 10 
FudoJc. an. Verg. Cir. 66. — Später verstand p. 451 an, dafs bei Mineo eine jetzt Dafrone 
man unter den Lamien schöne gespenstische genannte Höhle an einem Orte mit Namen 
Frauen, welche durch allerlei wollüstiges Blend- Lamia sich befindet, „in cui, dicono i 3Ienini, 
werk die Jünglinge an sich lockten, um, gleich che nacque, e fu nutrita Lamia incantatrice, 
den Vampyrn der modernen Sage, deren Jugend- e maga". Zu dem, was B. Schmidt über die 
liches Blut und Fleisch zu geniefseu, Fhilostr. Lamien des neugriechischen Volksglaubens 
V. Apoll. 4, 25; vgl. B. Schmidt, Volksleben mitteilt, kommt der interessante Zug eines 
d. Neiigr. 1, 131 ff. — Ein ähnliches kinder- alten Volksliedes aus Syra, dafs die Lamia 



1821 Lamiae Lampetia 1822 

vor Hunger die Sti-ahlen der Sonne frifst (wo- für die Stadt, wie Od. 1, 2 Tgoinq niolü^gov 

durch natürlich eine Verfinsterung der Sonne so dafs xriUnvloi; und .^arctp. Adjektiva wären' 

eintritt), Folitis bei Eoscher, Sehne p. 189. Schol. Od. \0, SIL Eustath. p. 1649 10. Sdiol. 

Aus Martin von Bracaras Schrift De correc- Äristoph. Pac. 758. Hesych. u. Suidas v.' Aüaog. 

tione rusticorum herausgeg. von C. P. Caspari. Nitzsch Anm. zu Od. a.a.O. Von diesem Köni^r 

Christiania 1883 p. 10 c. 8 erfahren wir, dafs Lamos (in Formiae, s. Laistrygonen) leiteten 

man im frühen Mittelalter in Westeuropa die sich die römischen Lamiae, eine Familie der 

Lamien in den Flüssen wohnen liefs: „Et in gens Aelia, her, Hör. Carni. 3, 17. Lainoa heilst 

mari quidem Neptunum appellaM, in fhmiini- Schlund, Abgrund, d.i. Menschenfresser, PreZ/er 

bus Lamias, in fontihus Nymphas, in siluis lo Gr.Myth. 1,507,4.2, 457,2. [Maafs, Gott. Gel'. 

Dianas, quae omnia maligni daemones et spi- Anz. 1890 S. 348 deutet A. viel wahrschein- 

ritus nequam sunt, qui homines infideles, qui lieber als Kurzform für Jß/iAa^os. R.] — 2) Sohn 

signaculo crucis neseiunt se munire, nocent et desHeraklesundderOmphale, nach welchem die 

uexant." Caspari möchte, da ihm nur die malische Stadt Lamia benannt war, Stepli. B. 

Vorstellung der Lamien als gespenstiger, das v. BÜQyaoa und Adfiicc. Ov. Her. 9, 54; bei 

Blut junger Männer aussaugender W^eiber ge- Diod. 4, 31 heifst er Aafiäg, dagegen Aäfiiog 

läufig ist, statt Lamias : Amnes schreiben oder {s.d.)h. Et. M.v.Au^ia. \v.Wilamowitz-Möllen- 

die Notiz aus mangelnder Sachkenntnis Mar- darf, Euripides Herakles 1 p. 315 f. Wernicke, 

tins erklären. Aus Wacimnuth, Das alte Griechen- Zur Gesch. der Heraklessage. Aus der Anomia 

land im neuen p, 56 hätte er ersehen können, 20 p. 72. Dibbelt, Quaestiones Coae mythologae 

dafs schon im alten Hellas Lamia auch als p. 24. Drexler.] — 3) Flufsgott, dessen Töch- 

Meergottheit aufgefafst wurde, wenn Stesicho- tern, Flufsnymphen, Hyaden genannt, Her- 

ros sie Mutter der Skylla nennt (vgl. Lamia mes das Kind Dionysos zur Erziehung über- 

als Name eines Fisches, Vinet, Lc mythe de brachte; sie wurden von Hera rasend gemacht, 

Glaxicus et de Scylla p. 36); aus B. Schmidt Nonn. Dion. 9, 28 ff. 14, 147. 47, 678. Unter 

p. 131. 132, dafs sie bei den Neugriechen viel- Lamos ist wahrscheinlich der Flufs am Helikon 

fach als eine ,, dämonische Macht des Meeres" {Paus. 9, 31, 6) zu verstehen, wo das alte Nysa 

aufgefafst wird und in der Mehrzahl sich mit gewesen sein soll, Steph. B. v. Nvacc. [Vgl. 

den Nereiden (welche ihrerseits häufiger als Na- E. Köhler , Über die Dionysiaka des Nonnos 

jaden denn als Meernymphen gedacht werden) 30 v. Panopolis p. 18. 19. M. Mayer, Giganten 

nahe berührt. Bei Hincmar sind nach Grimm, u. Titanen p. 248. Drexler.] — 4) Ein Krieger 

Deutsche 3'Iyth. 2^ p. 882 die lamiae sive geni- im Lager des Turnus, von Nisus getötet, Vcrg. 

ciales feminae die Nachtfrauen, dominae noe- Aen. 9, 334. [Stoll.] 

turnae. Über- die Berichte der Schriftsteller Lampas {AaiiTcäg), Name eines Hundes des 
des späteren Mittelalters, eines Joannes Sares- Daphnis, Ael. n. a. 11,13; die anderen heifsen 
beriensis, Polier. 2, 17. Guilielmus Alvcrnus Sannos,Podargos, Alkimos,Theon. — ranienwcjj 
p. 1066. Gcrvasius Tilberiensis 3, 85. 86. 93 bei Baecker, De canum vom.Gr. p. 59 ver- 
über die Lamiae s. Grimm, D. M. 2* p. 884 mutet, dafs die Namen von Alian einem Ge- 
— 886. Liebrecht in seiner Ausgabe der Otia dichte des Stesichoros über Daphnis entlehnt 
impcrialia des Gervasius von Tilbury p.U3— io sind. Über Daphnis vergl. jetzt besonders 
145 Anm. 61. Ducange, Gloss. med. et inf. lat. Eeitzenstein , Epigramm u. Skolion in Cap. 4. 
s. V. Lama nr. 2. Vgl. auch Colin de Plancy, Die Bukolik p. 193—263 passim und Exkurs 4 
Dict. des Sciences occultes 1 Sp. 927 f. s. v. La- (zu S. 247) p. 279-284, worm „Das Verzeich- 
mies und Pique, Dizionario infernale p. 314 nis der Eepliken u. Herstellung des Originals 
s. V. Lamie. Drexler.l [Stoll.] " der Fan -Daphnis- Gruppe". [Drexler.] 

Lamiae tres. C. 1 L. 7, 507 (Benwell in Lampedo {Aaimsda). Auf emem Malachit 

der Grafschaft Northumberland) Lamiis. tribus. der kais. Sammlung in Paris steht unter dem 

Es ist bemerkenswert, dafs die Lamiae (vgl. La- von zwei Sternen eingerahmten Planetenzeichen 

mia), wie z. B. die Fata (Bd. 1 Sp. 1449f.), des Mars die Inschrift AAMÜBAß BAI AIZIA 

Fatae (Bd. 1 Sp. 1453, 4 ff.), Matres, Matronae 50 AMA (^orcov), Chabouillet, Cat. general y.m 

(s. d.) in der Dreizahl auftreten. [R.Peter.] nr. 2247, abgeb. Du Molinet , Cabmeijle 

Lamios(yi«ft^o,), 1) Sohn des Herakles, Epo- Ä.-(yewme.epl.28,6 p.l21 SXampeto. [Hofei 

nymos der thessalischen Stadt Lamia, Ettjm. Lam^eiia {Aaiin er irj), 1) Tochter des üeiios 

M. 555, 51; s. Lamos 2. [- 2) Kentaur, Plol. und der Nymphe Neaira welche ^^^J^^f 

Henh 3a E Rl THöfer 1 Schwester Phaethusa auf der Insel Thunaka 

SmfpperTtU der- kobe (s. d.). die Rinder des Helios -idete; sie melde^ 

Lamis, Satyr; Nonn. D. 14, 110. dem He 10s, dafs die Gefährten des Odysseus 

Lamos (/i«ios), 1) alter König der Laistry- seine Rinder geschlachtet, Od_ 12 132. ?,!. 

gonen (s. d.), Sohn des Poseidon, Od. 10, 81 Ap. Eh. 4, 973 ^onn. ^»«'%27 19b. 38 170. 

u. Schol. Eustath. 1649, 10. Do. Met. 14, 233. co Tzetz.L.UO. NachIZem^|)2.osb^c/.o^^m^^ 

Hör. Carm. 3, 17. In den Worten der home- Plut. 701 war sie von Asklepios Mutter des 

rischen Stelle' TKo^sa^« Aäi^ov alnv moU^- Machaon und P^daleirios dei laso 1 anakeKa 

&Qov,TriXinvXovAa,arQVYOVirivsahendieiueiBten und Aigle; audere fugen f^^\^^J'f^^^^ 

der Alten den Lamos als König oder Gründer laniskos und Aexenor hinzu [ U . ^e/^^«« /-^ ^^^^ 

der Stadt an, so dafs die Stadt Telepylos rj'-f^^T'^'-AJlJ^ 27 3^4 Ä s-v^ 

{Od. 23, 318) hiefs mit dem Adjektiv Ac^cotqv- [Eust ad Hom. Od l^J/' 27 34. ii^^yc^*. s^v^ 

Yovin, oder umgekehrt Laistrygonia mit dem Höfer.] - 2) Eine der Hehaden (- ?i- 1?)'^^^ 

Adj. rV.Wos; manche aber erklärten Lamos Schwestern des Phaethon, welche, in Pappeln 



1823 Lampetides Lampter 1824 

verwandelt, Thriinen vergossen, die zu Bern- L. 17. Posthorn, 138; yEust. ad Ilom. IL 826, 

stein gerannen, Hesiod. b. Hi/g. f. 154. 156. 26. Höfer.] [Vgl. de Witte, Cat. Durand 

Ov. Jirf. 2, 349; s. Phaethion. Nach Schol. Od. p. 71 nr. 231 = Cat. Hertz p. 117 nr. 61. Bei- 

17, 208 V7ar sie Schwester von Phaethon, Phae- läufig sei nachgetragen zu den Darstellungen 

thusa und Aigle, Tochter des Helios und der der Eos in der Kunst (oben 1 Sp. 1270 fi'.) die 

Rhode, einer Tochter des Asojdos. Vgl. Lam- interessante Münze des L. Verus von Alexan- 

petusa und Heliades. — [3) Beiname der Selene dreia, Poole, Cat. of the coins of Alexandria 

Orph. h. p. 9, 9. Drexler.] [StoU.] p. 169 nr. 1372 PI. 3 „HGOZ Eos L, looJcing hack, 

Lampetides {Aa^inszLdrjg), Sohn des Lampos dad in chiton ivith diplois, ivhich has fallen 

= Dolops, Hom. II. 15, 526. Näheres siehe lO off l. Shoulder and is hlown hehind her; holds 

Lampos nr. 1. [Höfer.] toreh and bridle of one of the horses of Helios 

Lampeto (ylor.uTrsrco), Amazonenkönigin, Jitsim. (es ist wohl eher ihr eigenes Rofs, vgl, ihren 

2,4. 07•os^MS 1, 15; vgl. das Siegel in der Pariser Beinamen ^ovöncoXog, Eur. Or. \00h) prancing 

Nationalbibliothek {Ghabouillet, Cat. nr. 2247. r., head turned back." Drexler.] — b) des Hektor, 

Petit, De Amazon, p. 218) mit der Aufschrift //. 8, 185. — c) des thrakischen Königs Dio- 

Aa(.ntsöcö (s. d.), die der Schreibweise der ge- raedes, Hyg. f. 30. — 5) Hund des Aktaion, l^i/^jr. 

rJngeren Mss. Justins entspricht. [Klügmann.] f. 181. [Stoll.] 

Lampetos (Aa^nstog oder Aaiinsrog), nach Lampros (Jafurpog), in der Tempellegende 

Steph. Byz. AannhsLov ein lesbischer Held, der Leto ^vriiq im kretischen Phaistos, welche 

Eponymos des A-^iov arj^a, Sohn des Iros, der 20 die Stiftung des Festes 'Ey.Svaicc erklärt, ein 

als Eponymos der lesbischen Stadt 'Iqcc {Steph. edelgeborener aber verarmter Phaistier, Sohn 

Byz. s. V.) = Hiera (Plin. N. H. 5, 39, 139) des Pandion, Gatte der vom Sparton- Sohne 

= Hierapolis {Dictys 2, 16; Fleckeisens Jahrb. Eurytios erzeugten Galateia, Vater des Leu- 

17, 1888, 829) angehört; vgl. Plnlologus '^. F. kippos (nr.ll). Er hoffte von seiner schwangeren 

3, 1890, 726 ff. Er wurde zusammen mit den Gattin die Geburt eiues Sohnes und befahl 

beiden Lepetymnossöhnen Hiketaon und Hyp- ihr, eine Tochter sofort nach der Geburt zu 

sipylos von Achilleus bei der Belagerung von dcpaviaai: Antonin. Lib. 17,__laut Glosse = 

Metbymua getötet nach der anonymen Aiaßov Nikandros Heteroiumena II. Über seine Täu- 

KTiaig bei Partiten. 21 {Müller, Er. hist. gr. 4 schung durch Galateia und die Verwandlung 

p. 314). Meineke, Anal. Alex. p. 324f. Vgl. so seiner Tochter Leukippe in einen SohnLeukippos 

Lampos 1. [Tümjiel.] s. d. Art. Leukippos 11 und Leto. [Tümpel.] 

Lainpetusa und Phaethusa, Töchter des He- Lampsake {Acciiipäyir}), die jungfräuliche 

lios, Schwestern des Phaethon, in Bäume ver- Tochter des Mandron, Königs der Bebryker 

wandelt, Serv. V. Aen. 10, 189. Vgl. Lampetia zu Lampsakos, das früher Pityusa oder Pityeia 

und Heliades. [StoU.] hiefs. Als die Phokäer, welche Mandron in 

Lamplitlieuouöthi. Als Namen des Hermes seine Stadt als Kolonisten eingeladen hatte, 

d. i. Thoth in deu vier Ecken des Himmels in dessen Abwesenheit in Gefahr waren, von 

wrerden im Pap. 122 des Brit. Mus. Z. 7 den Bebrykern überfallen und getötet zu werden, 

{Greek Papyri in the Brit. Mus. 1893. 4^ p. 116) rettete sie Lampsake durch heimliche Warnung, 

aufgezählt: laiKpQ'svovaQ'i., ovac&tvovco&i, 40 Die Phokäer töteten nun die Bebryker und 

occ(isvco&, Ev&oiiovx- [Drexler.] machten sich zu Herrn der Stadt, und als bald 

Lampoii {yldfntcov), 1) Freund des Priamos, nachher Lampsake starb, bestatteten sie die- 

Harts 6, wohl identisch mit Lampos (s. d. nr. 1), selbe in der Stadt aufs ehrenvollste und nannten 

dem Sohne des Laomedon, Dictys 4, 22. — [2) die Stadt nach ihr Lampsakos. Sie erteilten der 

Lampon und Phaethon Rosse des Helios, Schol. LampsakeheroischeEhrenundopfertenihrinder 

Eur. Phoen. 3. Vgl. Lampos 4. Stoll.] [Höfer.] Folge als einer Göttin. Steph. B. v. Aüyi,ip(xv.og. 

Lampos {Aä^ntog), 1) nach II. 526. T23S Charon aus Lampsakos b. Plut. de virt. midier. 

= ri47: Sohn des Laomedon, nach O 526 p. 255 a— e (T. 2 p. 216 ff. ed. Tauchn.). PuZ^/am. 8, 

Vater des Dolops, der daselbst Aa^Tisridrjg 37. 3Iüller, Er. hist. gr. 1 p. 33, 6. [Stoll.] 

genannt ist, nach dem auf Aristarchos zurück- 50 Lampsakeuos {yla(.iipayirjv6g), Beiname des 

gehenden Scliolion A (= Eustath. p. 1030, 22) Priapos in einer metrischen Weihinschrift von 

pleonastisch statt des metrisch unbrauchbaren Thera, C. I. Gr. add. 2465. Kaibel, Epigr. 

Aaimidrjg {-u J), woim Aa^nsidrjg wegen irre- Gr. 807b, von der Stadt Lampsakos, einer 

führender metronymischer Bedeutung nicht ein- seiner Hauptverehrungsstätten, s. O. Jahn, 

gesetzt*werden durfte {Lobeck, Pathol. p. 373). Ber. üb. d. Verh. d. Kgl. S. Ges. d. W.i. Leipzig 

L. ist nach E. Maafs [Hermes 24 1889 S. 645f.) 1855 p. 235 f. Wroih, Cat. of the gr. c. of 

Eponymos der troischen Stadt Aa^ncivsia Mysia p. 86 nr. 68 — 70 PI. 20, 6. 7. 9 p. 87 ff. 

{Hekataios, F. H. G. 1. 14, 210); mit Lampetos, nr. 77—80 PI. 20, 13, 16 nr. 84 PL 20, 15 nr. 85 
dem Eponymos des lesbischen Lampeteion, wird nr. 88 PI. 20, 12 nr. 92. [Drexler.] 

er nur von dem Schol. L zu O 526 (= Eustath. gö Lampsos {Aäfupog), Sohn eines (im Text aus- 

p.l030, 21) zweifelnd identificiert. Christodorus gefalleneu) Kodriden (HS. KadQiSov corr. 

Ep. Anth. 2, 248 nennt diesen troischen Lao- Meineke), nach welchem ein Teil des klazome- 

medonsohn Ad^Ticov. [K. Tümpel.] — 2) Sohn nischen Gebietes Lampsos benannt war, Ephoros 

des Aigyptos, vermählt mit der Danaide Oky- Erg. 35 aus Step)h. B. s. v. E. H. G. 1 , 243. 

pete, Apollod. 2, 1, 5. — 3) Einer der Thebaner, [Tümpel.] 

die dem aus Theben zurückkehrenden Tydeus Lampter {.iapLTtzr'iQ), Beiname des Dionysos 

einen Hinterhalt legten, Stat. Theh. 2, 623. in Pellene, Paus. 7, 27, 3: Tov ds dXaovg zrig 

— 4) Rosse: a) der Eos, Od. 23, 246. Tzetz. UoixBiQccg le^ov dTiavxiv.qh Jiovvaov Aa^nzrj- 



1825 Lampusa Laodameia 1826 

pds BGziy inCyilr.OLv ^ xovxcp ^ xa| Acciinz^QLa der in Landina einen Beinamen der Athene ver- 
BOQxiqv ayovGi, xat dudag rs sg ro_ t£Qov wiiC- mutet; vgl. auch Eclliel a. a. 0. 4 164 [Die 



e 



^ovaiv iv vvAxC, -/.cci oüvov -nQcctrjQccg lgtccgiv Göttin heifst Fand ina (s d ) Drexl'er 1 rHöfer 1 

dvu xriv noUv näaav. Auf Münzen des Sep- Lanelliae, topischer Beiname der Matronae 

timius Severus von Pellene erscheint Dionysos auf der rheinländischen Inschrift Brambach 

nackt, nur Kothurne an den Füfsen, in der R. Corio. inscr. Mhenun. 5G4 (Fundort LecheniehV 

einen Weinkrug, in der L. einen langen Thyr- Bonn.Jahrbb. 83 p. 24. Eine Beziehung auf den 

SOS mit Binde, 3Ius. Sandement. num. sei. 2 Namen des Fundorts liegt nahe ist aber nicht 

p. 289 Tab. 25, 222. C. Gr. C. Peloponnesus p. 32 sicher (s. Matronae). [M. Ihm.]' 

nr. 15*P1. 6, 15. Imlioof and Gardner, Num. lo Lanoia {Aavotu), Beiname der Hera auf 

com?». owPawsawas p. 92 nr. 2 Fl. S, 11. Head, einer Münze von Nikomedeia, auf der das 

Rist. num. p. 350. — Gerhard, Gr. M. 1 p. 490 Brustbild der Hera sichtbar ist, mit einem 

§ 499, 3 a leitet den Beinamen her von dem Ziegenfell bedeckt, dessen Hörner über der 

Ursprung des Gottes im Feuer, ireZcAe/-, G^nec/i. Stirn emporragen (abg. Abhandl. d. philos- 

Götterl. 2 p. 610 von den Fackeln des Festes, philol. Klasse der K. Bayr. Alad. d Wiss 

[Drexler.] 18 (1890), Taf. 6 nr. 12. Imlioof- Blumer d.. a. 0. 

^ Lampusa (Aufinovoa), Sibylle zu Klaros, p. 604 nr. 134 erklärt den Beinamen Lanoia 

dnoyovog Käliccvxog, Suidas s. v. SißvUa. für identisch mit Lanuvina = Sospita oder 

Bauche -Leckrcq, Bist, de la div. dans l'ant. 2 Caprotina (luuo), deren Haupt, ebenfalls mit 

p. 45. 155.175. Immisch, Klaros -p. 144. [Drexler.] 20 dem Ziegenfell, häufig auf Geprägen der römi- 

La(m)pytlios {ylcc{fi)Ttv&og). Auf einem Gefäfs scheu Republik vorkommt; vgl. Eoscher, luno 
aus Aigina, auf dem des Herakles Kampf mit und Hera 48; u. oben Bd. 2 Sp. 588 Z. 32 fl'. 
der Hydra dargestellt ist, trägt ein Wagen- Sp. 605 Z. 66 ff. Sp. 609 Z. 44. [Höfer.] 
lenker obige Umschrift; aufser dieser Figur Lanovalus, Gallischer Gott auf einer In- 
sind durch Beischrift kenntlich J^cölaJ^og, schritt aus Cadenet (Vaucluse) Lanovalo Q. 
'Hgcc-uXTig, 'A&äva, eine fünfte Gestalt ist un- Gorn(elius) Smertullus v. s. l. m. pro Placido 
sicher, Kretschmer , Die korinthischen Vasen- fratre. So die Lesart von Babiet, Memoires 
inschriften, Zeitschr. f. vgl. Sprachforsch. 29. de la Societe des aniiquaires de France 1887 
152 nr. 39; vgl. Welcher, Annali 1842 S. 103 fif. p. 338, welche der früheren (C. I. L. 12, 1066) 
Monum. delV Inst. 3, 46. Alte Denkm. 3, 257 ff, 30 vorzuziehen ist, vgl. Bevue epigr. du midi 2 
T.ß. Konitzer, Herokies u.d. Hydra Sl. Friedr. p. 408 nr. 758. Die Namensähnlichkeit mit 
Blafs b. Collitz, Samml. d. griech. Dial.-Inschr. dem von Eabiet herangezogenen Ort Laval ist 
3, 3132. Vgl. Lai^ythos. [Höfer.] doch nur eiue entfernte. [M. Ihm.] 

Lamtuu (lamtun), etruskischer Name eines LaoMe {AaoßLr}), Gemahlin des Anhetos, 

Heroen auf einem ßronzespiegel im Museum eines Bundesgenossen des indischen Königs 

von Perugia, in der Nähe der Stadt gefunden. Deriades; sie gebar fünf stumme Söhne, denen 

Er steht neben elinei {='Elevr], s. d.), beide Dionysos später die Sprache gab, Nonn. Dion. 

eingerahmt von den Dioskuren, links pul tuke 26, 256 ff. [Stoll] 

{= nolvSsvyirjg, s.d.), vechiskästnv {= KdaxcoQ, Laocoon = Laokoon (s.d.). 

s. d.). Man deutet auf AaofiEdcov, doch ist wohl 4o Laodamas {AaoSäiiixg), 1) Sohn des Eteokles, 

sicher „Fnxh^' gememi; s. Conest. Gazz. d.ümbr. anfangs unter der Vormundschaft des Kreon, 

10 nr. 49 (1869). Bull. 1869 p. 47fi'. Mon. d. dann König von Theben zur Zeit des Epigonen- 

Perugia 4, 468 nr. 695 = 1023 t. 96, 1. Fabr. krieges; in der Schlacht bei Glisas von Alk- 

C. I. I. Pr. Spl. 252. De. in Bezz. Beitr. 2, 168 maion erschlagen, nachdem er selbst den Aigia- 

nr. 68. Corssen, Sjw. d. Etr. 1, 319. [Vgl. je- leus, Sohn des Adrastos, getötet, ^^o//o(?. 3,7,3, 

doch auch Heydemann, Mitteilungen aus den Paus. 1, 39, 2. 9, 5, 6. Oder er floh nach dem 

Antikensammhingen in Ober- und Mittelitalien, Verlust der Schlacht mit einem Teil seines 

3. Hallisches Winckelmannsprogr. 116, 24: Volkes nach Illyrien, Paws. 9, 5, 7. 9, 9, 2; vgl. 

'Tyndareos' ist benannt 'Lamtun', nach Herodot 5, 61. Ein angeblich von ihm er- 
Conestabile laofiidcov, nicht als Nomen pro- 50 richteter Dreiful's mit kadmeischer Schrift stand 

prium, sondern adjektivisch der 'Volksbe- im Tempel des ismenischen Apollon, Herodot 

herrschende', wie Herakles auf Spiegeln einige 5, 61. Preller, Gr. Myth. 2, 363, 2. 367. Gerhard, 

Male 'Calanice' {MaUCvi^og) genannt wird. Gr. Myth. 2 § 748. — '2) Sohn des Antenor, 

Ebenso möglich und wahrscheinlich ist aber Troer, fällt durch Aias, II. 15, 516. — S) VAi\ 

auch, dafs ein lapsus memoriae des etruski- Lykier, am Xanthos geboren, von Neoptolemos 

sehen Künstlers vorliegt, und derselbe den vor Troia erlegt, ^wm^. -5/«. 11, 20. — 4) Sohn 

spartanischen König Tyndareos mit dem troi- des Phaiakenkönigs Alkinoos und der Arete, 

schenKönigLaomedonverwechselthat; vgl. auch ein guter Faustkämpfer, Od.l, 170. 8, 119. 130ff. 

Klügmann, Bull. 1870, 126. Höfer.] [Deecke.] - [5) Sohn der Andromache und des Hektor, 

Länder (Terrae) s. Lokalpersoniükationen. 60 Bruder des Astyanax, Dtctys 3, 20 6 12. 

Landina? (^ßi-ötVa?). Auf Münzen von Hippo- Dederich zu Dictys 3, 20 hat die Lberliefe- 

nium in Bruttium erscheint das Bild der Athene, rung der späteren Schriftsteller über die Namen 

die mit dem Helm bedeckt, aufrecht stehend der Söhne der Andromache zusammengestellt; 

in der R. einen Kranz, in der L. die Lanze hält; zur Etymologie vgl. Fast, ad Hom. Jl. 637, 

die Legende lautet 'Incoviscov Aavöiva Fckhel, 21. Höfer.] [Stoll] 

Doctr. mm. vet. 1, 174; eine andere Münze mit Laodame (Jaodafir?), Gemahlin des ^'lyestes, 

der Darstellung eines weiblichen Kopfes trägt Sclwl Für. Or. 5. Vgl. Laodameia. |ötoll.J 

die Legende Aavdiva . . . o?; s. Fckhel a. a.O., Laodameia {AaoSausicc), 1) lochter des 



Röscher, Lexikon der gr. u. rüm. Mytliol. II, 



58 



1827 Laodameia Laodameia 1828 

Bellerophontes, von Zeus Mutter des Sarpedon, der Anfang dieser Erzählung findet sicii bis 
in jungen Jaliren von der erzürnten Artemis 7iQ06ai[iiX£i aucli bei ApoUod. frgin. Sabb. 
getötet, Ji. G, 197ff. u. Schol z. d. St. ApoUod. L'hcin. Mus. 46 (1891), 169, Iff. — Wagner, 
3, 1, 1. Serv.Verg.A. 1, 100. Nonn.Dion.7, 127. Cur. mythogr. 199 ff. sieht in dieser Erzählung 
Freller, Gr. Myth. 2, 131. Bei Diod. 5, 79 die Spuren des Eurii^ideischen Protesilaos und 
keifst sie Deidameia. Vgl. Töpifer, AU. Geneal. versucht, zum Teil sich an 3Iax. Mayer, Hermes 
194. \^Arnob. adv, nat. 5, 22 p. 109b. Bei 20, 101 ff. anschliefsend, eine Rekonstruktion 
Uictys 2, 11 (vgl. 35) heifst Sarpedon Sohn dieser Tragödie: Laodameia habe nicht an 
der Laodameia und des Xanthos; s. auch Eust. den ihr gemeldeten Tod des Gatten geglaubt, 
ad II. 894, 38. Höfer.] - 2) Tochter des lo daher alle Bewerbungen zurückgewiesen und 
des Akastos, Königs in lolkos (des Alkathoos bei als Protesilaos aus der Unterwelt erschienen 
Euripides'^ Suid.y.7t£v&sQcc. PhoLLex.p.ilO,^), sei, gemeint, er sei wirklich noch am Leben; 
Gemahlin des Protesilaos in Phylake. Ihr Ver- das frgm. 657 des Euripides ovv. ccv -nqodoiriv 
hältnis zu Protesilaos war ein Beispiel rührender -naiTifQ äipvxov cpiXov bezieht Wagner a. a. 0. 
Gattenliebe. Eben erst mit ihr vermählt, mufste 200 mit Mayer a. a. ü. 109 picht auf Prote- 
Protesilaos mit gen Troja ziehen, und war silaos, sondern auf das von L. gefertigte Bild, 
der erste, der bei der Landung an der troischen welches sie gleich bei der Abfahrt des 
Küste fiel. Als die GatMn die Kunde von seinem Gatten (vgl. Ov. Her. 13, 152) habe fertigen 
Tode vernahm, flehte sie in ihrem Schmerz und lassen. Gegen diese Ansicht lassen sich aber 
ihrer Sehnsucht die Götter an, dafs er nur auf 20 nicht unbedenkliche Einwendungen erheben: 
einen Tag, auf drei Stunden zu ihr zurück- die Worte Aaodccfieia v.al juträ: ^ävccrov 
kehre, und Protesilaos hatte denselben Wunsch. l]Qa xori noiriaaaa -Utk. lassen doch nur die 
Es geschah, und als Protesilaos nach der be- Deutung zu, dafs L. den Tod des Gatten er- 
dungenen Zeit wieder hinabmufste, tötete sie fahren — ganz ähnlich sagt ApoUod. Epit. 
sich sogleich, um mit ihm vereinigt zu bleiben, Vat. 19, 1 '^;utnft)s . . nstoc Q-ccvatov ? pa- 
eder sie machte sich aus Wachs ein Bild des a9fis '/ifia^övog (Penthesileia) — , ihn geglaubt 
Gatten und erwies diesem dieselbe zärtliche und jetzt erst das Bild habe fertigen lassen. 
Liebe wie dem Lebenden. Als der Vater, um Wenn sie bei dem plötzlichen Erscheinen des 
ihre Aufregung zu beschwichtigen, das Bild Protesilaos für einen Augenblick (bis zur Er- 
verbrarmte, stürzte sie sich in das Feuer und 30 Zählung des Gatten!) glaubt, er sei nicht ge- 
starb, Hyg. f. 103. 104. 243. 251. 256. Ov. sterben, er komme aus Troia zurück, so ist 
Heroid. 1'6. A.A. 3,17. Trist. 1,6,20. Ep. dies psychologisch leicht erklärbar. Allerdings 
ex Pont, ii, 1,110. liem.A. 123. Schol. Aristid. müssen wir mit TFcr^Mer p. 200 dann anueh- 
p. 671. Lukian. D. M. 23. SuU. 33. EustaUi. men, dafs Protesilaos, nicht Laodomeia (Hyg. 
p. 325, 24. Fhüostr. Her. 2. Tzetz. Antehom. f. 103), es war, der von Hades die Erlaubnis 
227. 246. Chü. 2, 52. Nonn. Dion. 24, 194. zur Rückkehr erwirkte, wie auch Eust. 325, 
Serv. V. Aen. 6, 447. Mythogr. 1, 158. 2, 215. 24ff. ScJwl. Arist. 071 berichten. So treten 
Propert. 1, 19, 7. Schon Homer weifs von dem entschieden die tragischen Konflikte noch stär- 
frühen Tod des Protesilaos und dem Schmerz ker hervor; ich glaube auch nicht, dafs bei 
seiner jungen Gattin in Phylake, //. 2, 698 ff. 40 ^Mnpjides Akastos das Bild wirklich verbrannte. 
In den kyprischen Gedichten hiefs sie Poly- vielleicht dafs er nur damit drohte, und die 
dora, Tochter des Meleagros, Paus. 4, 2, 5. Erzählung bei Hygin. f. 104 eine weitere Aus- 
Euripides dichtete eine Laodameia, Welcher, führung ist. Vielleicht kam bei Euripides 
Gr. Trag. 2,i94:S. Nauck,Fr.trag. gr. i:>. iASS. Protesilaos gerade in dem Augenblick auf die 
Der Mythus ist mehrfach dargestellt auf Sarko- Bühne, als Akastos der Tochter das Bild ent- 
phagen, z. B. auf einem vatikanischen, Mus. reifsen wollte: bvqbv s-asivriv ayäluaxi avxov 
Pioclement. 5, 18. 19. MiUin, Gal. mythol. 56, TtSQinsLnivrjv Eust. a. a. 0. Dafs L. nach dem 
561. Gerhard, Beschr. Roms 2, 2, 255 ff.; auf Verschwinden des Gatten nicht dem Bilde 
einem Sarkophag in S. Chiara zu Neapel, Mon. wieder ihre Liebe zugewendet, wie Mayer 
d. Inst, archeol. T. 3 tav. 40 A. Welcher, A. D. 50 wollte, sondern sofort sich getötet habe, ist 
3, 553 ff. u. sonst. Heyne zu Philostr. 2. Opusc. Wagner -p. 201 ohne weiteres zuzugeben. ^ Der 
5, 111. Müller, Handb. d. Arch. § 413, 1. Sarkophag in St. Chiara ist auch abgebildet 
Overbeck, Gall. heroischer Bildwerke 1 S. 327 ff. bei Baumeister, Denkm. 1574 p. 1422, woselbst 
Brunn, Künstl. -Gesch. 2, 248. [Bohde, D. gr. p. 1423 weitere Litteraturangaben. Höfer.] 
Roman p. 33 Anm. 5 p. 105 Anm. 1. Sogliano, — 3) Tochter des Alkmaion, Gemahlin des Pe- 
Pitt. mur. camp. p. 111 nr. 575. Cat. of engr. leus, dem sie die Polydora gebar, Schol. IL 16, 
gems in the Brit. Mus. p. 67 nr. 327 = Bull. 175. — 4) Tochter des Amyklas, Gemahlin des 
d. Inst. 1839 p. 102 nr. 34. Overbeck, Über Arkas, Mutter des Triphylos, Paus. 10, 9, 3; 
eine Statue im Palast Barberini . . welche Lao- sonst auch Leaneira genannt, ApoUod. 3, 9, 1. — 
damia . . darstellt, Ber. d. S. Ges. 1861 p. 251 60 5) Tochter des Ikarios und der Asterodia, 
— 289. Drexler.] — [Tovzov (Protesilai) yvvrj Schwester der Penelope, Äc/ioZ. Od 4, 797. [CrcM- 
ÄuoöäfiE La Kai (iszoc ^ccvarov tjQa y.al 7101 r]- ser, Meletemata p. 49. Höfer.] — 6) Amme des 
oaca sidoiXov nQcotsaiXäcp TtagaTclrjOLOv, xovtcp Orestes, deren Sohn von Aigisthos für Orestes 
7tQoaco(iLl£L. 'EßfATJs ös iXsi]6ccvza)v &£av avr'iyccys gehalten und getötet wurde, Pherekydes b. Schol. 
JIqcotsglXccov e'I "AiSov. AaoSä^sia öe iöovaa Find. P. 11, 25. Schol. Aeschyl. Choeph. 731; 
v.al vofiiaccau ccvxov Ix TQotag na^stvai, xözs sonst Arsinoe genannt. — 7) Gemahlin des 
fiiv txdcQr], näXiv 8\ inavax^tvxog sig "AiSov Antiklos, eines der im hölzernen Pferd befind- 
ittvxriv icpövsvosv, ApoUod. Epit. Vat, 17, 16 f.; liehen Griechen {Od. 4, 286), Thryphiod. 476, 



1829 Laodike 



Laodikeia 1830 

.'«„. co«^w. rJ. i.y/'ofSXX Zl'iJtm:^: lt,rr\S 

Drexier.J [Krater, irüher der Sammlung Fitti- - 7) Tochter des A lopn« J.T'a i S f. '^ 

paldi in Anzi, später der Sammlung des Prinzen des sVmoneu und Äus^W.^/ Od nt,"' 

iVapoleon angehörig. Vd C 2 Gr 8442b ,n S^ J^" ^''^ ^t^^i^aeuä öchoL Ud. li, Z6,. 

aA Zt,. 2.ri59. !,, 62^ßo?che;^]'' }./o>L: " lla.Ss\tTtrAt^rodL'^S/'o?'r'2t^^ 

f 90 • Bd 2 Sn lOV 7 58 H H.f ^^^ V V ^'^'^/J,- '^^ '^'«^^^^^ ^^^ ^>k"«^' Beischläferin 

LaJcW fsLn Hofer.J Vgl. des Odysseus vor Troia, Schol. II. 1, 138. 

TinSpl; y ^ 1^AT u n , ,• [^™"»e'% -^^ecfZ. Gmec. Parzs. 3, 125, 10. Höfer. 1 

Laodike (^aodiK,j), 1) Nymphe, Gemahhn - 10) Geliebte des Poseidon, Oy. üer. 19 135 

des i^horoneus m Argos, Mutter des Apis und [- 11) Tochter des Iphis des Sohnes' des 

der l^iobe, Apollocl 2, 1,1; doch i.t die Lesart Alektor, Gemahlin des Hip.onoos und Sut e 

JV^^dc^r] vorzuziehen, 6ia;-/c, ^lobe 339t. - des Kapaneus, Schol. Em. Fhocn. 180 Bei 

J) Laodike und Hyperoche, zwei hyperboreische 20 Hygin. f. 70 heilst sie Astynome, Tochter des 

Jungfrauen, welche am dem Lande der Hyper- Talaos. Höfer] [StoU ] 

boreer (8 d.) heilige Gauen nach Delos brachten, Laodikeia {ÄccoöCyina). 1) Das Haupt der 

wo man ihi^ Gräber ehrte, H,rod. 4, 33 ff. ; s. Hy- Stadtgöttin von Laodikeia Piary giae erscheint 

pei-oche u. Hyperboreer. [Bd. 1 Sp. 2811 Z. 13 tf. mit der Beischrift AAOAIKGIA oder AAOAIKHA 

und 4mo6. adv. gent. 6, 6 p. 123b. Höfer.] - mit der Mauerkrone und zuweilen auch dem 

6) iochter des iimyras, Königs von Kypros, .Schleier auf dem Obv. zahlreicher Münzen der 

vermahlt mit Elatos, Sohn des Arkas, dem Stadt, 311 4, 314, 682. 683. S. 7, 580, 422. 423- 

sie den Stymphalos und Pereus gebar, Äpollod. 581, 430. 431. Cuhen, Cut. Greau^. 176 nr. 1997' 

3, 9, 1; s. Kmyras. — 4) Tochter des Ar- Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 73. Cat. liollin et 

kaders Agapenor, der, auf seiner Heimfahrt 30 jPetmr^^eni 2 1863 p. 399, 6124 (AAOAIKEA). 6125. 

von Troia nach Kypros verschlagen, dort Neu- Imhoof, Gr. Münzen p. 743 nr. 715; ohne Bei- 

l'aphos gründete. Sie schickte von Kypros schritt z. B. Leale, N. H. Suppl. p. 62. Imhoof, 

aus der Athena Alea nach dem heimischen Monn. gr. p. 406 nr. 126. Die Münzen, welche 

Tegea einen Peplos. In Tegea gründete sie die Laodikeia in ganzer Gestalt stehend oder 

einen Tempel der paphischen Aphrodite, Paus. sitzend zusammen mit Kapros und Lykos dar- 

8, 5, 2. 8, 53, 3. Engel, Kypros 1, 225 fl. — stellen, s. oben Bd, 2 Sp. 955 f. s. v. Kapros. 

5) Tochter des Agamemnon und der Klytaim- Den daselbst unter c verzeichneten Typus giebt 

nestra, IL 9, 145. 287; au ihre Stelle trat bei auch Leake, N.M. As. Gr. p. 74. Sitzend, mit 

den Tragikern Elektra,Sc/to/.i/. 9, 145. Eustaih. der Mauerkrone, ein Füllhorn im 1. Arm, auf 

p. 742, 52. Ael. V. H. 4, 26; s. Iphianassa nr. 2. 40 der R. das Kultusbild des laodikenischen Zeus, 

[Ilesych. s. v. Aocodiv.i]v oi vscözsqoi 'lUiHZQctv vor ihr die OPYflA, stehend, mit Füllhorn und 

k^yovaiv. Etym. M. 426, 5. Robert, Bild u. zwei Ähren, hinter ihr die KAPIA, stehend, mit 

Lied 173. Zur Etymologie s. Etym. 31.556, Füllhorn und Zweig, ist sie abgebildet auf einem 

24. Etym. Gud. 362, 19. Eiist. ad Hom. II. Medaillon des Caracalla, s. v. Schlosser, JS'iim. 

742, 47. Anecd. Graec. Oxon. 1, 259, 15. Zeiisc/jr. 23 1891 p. 1 f. nr. 1 Taf. 1, 1, welcher 

Anecd. Faris. 3, 54, 18. 20. 32. Höfer.] weitere Nachweise für diesen T^pus giebt und 

— 6) Tochter des Priamos und der Hekabe, über das häufige Vorkommen des Kultusbildes 

Gemahlin des Helikaon, IL 3, 124. 6, 252. des Zeus von Laodikeia, einer einheimischen 

^y0- f- 90. Apollod. 3, 12, 5. Gemahlin des phrygischen Gottheit, auf den Münzen phry- 
Telephos heilst sie bei Hyg. f. 101; andere .50 gischer Städte handelt. Letzterer, dargestellt 

jedoch nennen diese Astyoche, Schwester des stehend mit Adler und Scepter, wird verzeich- 

Priamos, Schol. Od. 11, 220. Nach späterer net von Imhoof, Monn.gr. aufser auf Münzen 

Sage soll sie als Jungfrau mit Akamas, dem von Laodikeia (p. 404, 408), auf solchen von 

Sohne des Theseus, oder mit dessen Bruder Baris (p. 316), «ardeis (p.. 388), Traianopolis 

Demophon, als er mit Diomedes wegen Zurück- (p. 414), von demselben in Griech. 3Iünz. aufser 

forderung der Helena nach Troia kam, den auf denen von Sardeis (p. 722) auf Münzen 

Munitos (Munichos) gezeugt haben, Farthen. 16. von ApoUonia Salbake (p. 669), Philadelpheia 

Tsttz. L. 314. 447. 495. Flut. Thes. 34; s. De- (p. 721), Kolossai (p. 733), Hierapolis (p. 739), 

mophon nr. 2 und Akamas. Nach Troias Er- Sala (p. 746). Mead, Bist. num. fügt noch 
oberung folgte sie dem Akamas; in der Lesche zu go hinzu die von Grimenothyrai (p. 564), Temeno- 

Delphi war sie unter den gefangenen Troerinnen thyrai (p. 569), Tiberiopolis (p. 590), Tripolis 

dargestellt, Tzetz. L. 495 (p. 651 Müll.). Faus. (p. 570). 

10, 26, 3. Flut Kim. 4. Oder sie wurde bei der 2) Das Haupt der Stadtgöttin von Laodikeia 

Eroberung der Stadt auf ihr Flehen von der ad Mare fiadet sich mit der Mauerkrone oder mit 

sich öffnenden Erde verschlungen, Quint. Sm. dieser und Schleier häufig auf autonomen und 

13, 545 ff. Tryphiod. 66. Tzets. Fosthom. 736. Kaisermünzen dieser Stadt, 3IL ö p. 241. 242. 

Lyk. 314. 447. Bei Tzetz. Hom. 443 heilst sie 246—254. 257. S.8 p. 167. 168. 171-173. Euy. 

Laodikeia. [Meineke, Anal. Alex. p. 97f. Chaix, Description de onze Cents monnaics imp. 

68* 



1831 Laodikeia Laodokos 1832 

grecq. et col. lat. Paris 1889 p. I29f. Zuweilen stäncligei- Typus vorkommt auf Münzen des 
ist dieses Haupt in einem zweisäuligen Tempel Elagabal, Mi. 5,260,795; Philippus sen., Mi. 5, 
dargestellt, so unter Marc Aurel, ilii. 5, 253, 755; 262, 806; Trebonianus Gallus, Mi. 5, 263, 810 
Commodus, Mi. 5, 254,760. 761. *S'. 8, 175, 243; und hier beschrieben wird als „Figure totir- 
Septimius Severus, 31i. 5, 255,768; Elagabal, relc'e (oder ,,le modiiis sur la Ute''), vettie de 
Mi. 5, 259, 788. 789. S. 8, 178, 253. 254. Cat. de la stola la m. dr. levee armee d'une liache et 
Moustier p. 163 nr. 2530. Cliaix p. 131 nr. 905. lag. d'un houelier rond; äses pieds, deux cerfs". 
Letzterer hält es für das Haupt der Provinz. Auf — [3) Hinsichtlich der von Mi. 5, 306, 145. 307, 
Münzen des Septimius Severus und der lulia 148 und 307, 150 nach VaiUant verzeichneten 
Domna soll dieses Haupt der Stadtgöttin im Tem- lo Münzen des Antoninus Pius, der lulia Domna 
pel durch das der lulia Domna ersetzt sein, Mi. und des Decius von Laodikeia am Libanon 
*S. 8,246.247, Cai.rfeilfoMSiierp. 137 nr. 2160; und mit dem Haupte der Stadtgöttin vermutet 
diese Münzen sollen die Aufschrift AYF • AOM- de Saulcy, Numismatique de la Terre Sainte 
NA-TYXH-MHTPOnOAEßC, lOYAlA • AOMNA • p. 4f., dafs sie vielmehr nach Kaisareia am 
AA0AIK6ßN • MHTPOTTOA€ßC und . . . AOMNA Libanon gehören. Desgleichen zweifelt er an 
TYXH AEG3A zeigen. Stehend mit Mauerkrone, der Zugehörigkeit zu Laodikeia ad Libanon 
Steuer und Ähren erscheint diese unter Artoninus bei den von 3Ii. 5, 306, 146 und S, 8, 213, 
Pius, Jf«. /S'. 8, 173, 232; ebenso mit Steuerruder 87. 88 verzeichneten Münzen des Commodus 
und Füllhorn unter Elagabal, ilfz. /S. 8, 173, 256; und des Caracalla, von denen die erstere eine 
ebenso mit Steuer in der R., die L. erhoben 20 Frau mit Mauerkrone, in der R. ein Feldzeichen, 
unter Trebonianus Gallus, Mi. 5, 263, 811; in der L. ein menschli^es Haupt, tretend auf 
stehend, mit Mauerkrone, Steuer in der R., eine kleine Figur (Flufsgott), mit der Beischrift 
auf der L. eine kleine Figur, von Chaix als TYXH • AAGAIKE^N • AIBAN, die letztere eine 
Siegesgöttin bezeichnet (welche auf einer von auf einem Felsen sitzende Frau mit Mauerkrone, 
Chaix p. 132 nr. 906 unter Laodikeia verzeich- bekränzt durch Nike, zu Füfsen je ein Flufs- 
neten Münze des Trebonianus Gallus mit der gott, mit der Beischrift AAOAIK • AIBANOY 
Reversaufschrift .... APOLLOS auf einem zeigen soll.] [Drexler.] — 4) S. Laodike. 
Globus steht), unter Trajan, 3Ii. 5, 250, 732 Laodikos (AaoSiyiog), 1) s. Laodokos nr. 2. 
—734; M. Aurel, Mi. S. 8, 174, 238 (hier wird — 2) Vater der Theognete, welche dem Aison 
die kleine Figur nach Sestinis Vorgang auch 30 den Jason gebar, Andron b. Scliol. Ap. Rh. 
von Mionnet als Nike bezeichnet). 175, 241; 1, 45. Müller, Fr. hist. gr. 2 p. 352, 15. — 
L. Verus, 3Ii. S. 8, 175, 242; Elagabal, Mi. 5, [3) einer der Freier der Penelope aus Zakyn- 
261, 797. Chaix p. 131 nr. 899. 900; Philip- thos, Apollod. frgm. Sabbait. Bhein. Mus. 46 
pus sen., Mi. 5, 262, 805, auf dessen Münzen (1891), 180, 4. Höfer.] [Stoll.] 
die Stadtgöttin auch zuweilen zwei kleine Fi- LaO(loke(/Io;o^ox7j), Amazone auf einer rotfig. 
guren auf der L. trägt {Mi. 5, 262, 804. S. 8, Vase bei Fiorelli, Bacc. Cumana tav. 8. 
179, 261), während auf einem Stück des Phi- [Klügmann.] 
lippus jun. die Figur durch einen Adler ersetzt Laodokos (/lao^oKos, auch ^Erod'oxos), 1) Sohn 
ist, Jfi, Ä 8, 180, 263. Sitzend, mit der Mauer- des Apollon und der Phthia, der mit seinen 
kröne, ein Steuer in der R., ein Füllhorn in 40 Brüdern Doros und Polypoites im kuretischen 
der L., zu ihren Füfsen ein Flufsgott, darüber Lande durch den aus Elis geflüchteten und 
ein Altar, unter dem Sitz ein Fisch, ist sie von ihnen aufgenommenen Aitolos getötet ward, 
dargestellt auf einer Münze des Septimius Se- worauf dieser das Land in Besitz nahm und 
verus, 3Ii. 5, 255,769; ebenso sitzend, mit Schale nach sich benannte, Apollod, 1, 7, 6. — 2) Zwei 
und Füllhorn, umgeben von zwei stehenden hyperboreische Heroen, Laodokos und Hyper- 
Frauengestalten mit Ähren und Füllhorn unter ochos, verteidigten das delphische Heiligtum 
Caracalla, Mi. 5, 257, 776; sitzend, umgeben gegen den Angriff der Gallier, Paus. 10,23,3. 
von vier stehenden Frauen mit Mauerkrone 1, 4, 4. In der letzteren Stelle heifsen sie Ama- 
(Städtepersonifikationen), zu Füfsen ein Flufs- dokos oder Hamadokos und Hyperochos. 3Iüller, 
gott unter Elagabal, Mi. 5, 260, 794; Philip- 50 Dor. 1, 268 schreibt an beiden Stellen Laodikos 
pus sen., 3Ii. 5, 263, 809; Valerianus sen., 3Ii. wegen der Hyperboreerin Laodike neben Hyper- 
5, 264, 815; sitzend, vor ihr das Kolonial- oche bei Herodot 4, 33. S. Hyperboreer, 
zeichen, der stehende Silenus mit erhobener [Bd. 1 Sp. 2809 Z. 50 ff. Höfer.] — 3) Argi- 
R. und Schlauch auf 1. Schulter unter Cara- ver, Sohn des Bias und der Pero, Bruder des 
calla, 31i. 5, 258, 178; ebenso, mit Steuer und Talaos und Areios, mit denen er an der Argo- 
Füllhorn, auf einem Felsen sitzend, zu ihren nautenfahrt teilnahm, ^p.ii'Zt. 1, 119 (yifco^o^tos). 
Füfsen ein Flufsgott, vor ihr Sileu, im Felde Oiph. Arg. Ii6. Val.Fl. 1,358 (Leodocus). Als 
ein Stern, unter Elagabal, 3Ii. 5, 260, 792. Cat. Teilnehmer an dem Zug der Sieben gegen Theben 
De Ifowsiier p. 164 nr. 2531 (wo der Stern nicht siegte er bei den Leichenspielen des Arche- 
erwähnt wird); vgl. nr. 793 und Chaix p. 131 co moros im Speerwurf, Apollod. 3,6,4. — 
nr. 902, wo der Silen fehlt; ebenso, nur statt des 4) Genosse des Antilochos vor Troia, II. 17, 
Silen vor ihr eine Figur, welche Mi. S. 8, 177, 699. — 5) Sohn des x\ntenor, Troer, II. 4, 87. 
252 nach (S'esiwi beschreibt als ^,Z)zane iwiMZc'e ei [Eust. ad Hom. II. 447, 29 = ÄaoSöioc;. 
vetue de la stola debout entre deux petits cerfs Höfer.] — C) Sohn des Priamos, Apollod. 3, 
2Jrenant de la VI. dr. mie fleche daus son carquois 12, 5 [von Agamemnon getötet, Dictys 3, 7. 
suspendu derriere le dos et tenant un bouclier de la Höfer.] — 7) Ein nicht näher bezeichneter 
gauche", unter Elagabal. Letztere Gestalt ist Troer, von Diomedes getötet, Quint. Hm. 11, 
aber offenbar dieselbe Figur, welche als selb- 85. [Stoll.] 



1 833 Laogonos Laokoon (b. Arktinos u. Sophokles) 1834 

Laogouos {Äctoyovog), 1) Sohn dos Zeus- dem Vater, durch die Schlann'en den Tod 
iiiesters Onetor in Troia, fällt durch Meriones, finden. Ns\. JJion Heil 1 48 1^191- Air 



neuis 



//. 16, 604. — 2) Sohn des Bias in Troia, fällt wandert nach dem Ida aus auf Mahnun" des 

durch Achilleus, //. 20, 460. — 3) Grieche, vor Anchises, wegen Erfüllung der Vorzeichen vom 

Troia von der Amazone Derione erlegt, Quint. Untergange der Stadt, y.at oino xöw viaczl 

Sm. 1, 230. [Stoll.] ysvoii£V(üv nsgl tovs AaoKoavzLdug criusiojv 

LAOgoras {ÄacyoQas), ein übermütiger König rov iisUovrcc oXs&qov t% TtoXsmg ßvvts-nuriQu- 

der Dryoper, der in dem Haine des Apollon ^ivov. Dafs unter den AaoKocovTidctL nicht 

Schmause hielt, Bundesgenosse der Lapithen (s. blofs die Söhne des Laokoon, sondern Laokoon 

d.); mit seinen Kindern von Herakles erschlagen, lo selbst zugleich mit zu verstehen sei, ist eine 

Äpollod. 2, 7, 7. IlüUer, Dor. 1, 257. Preller, Vermutung B. Förster's, die viel Wahrschein- 

Gr. Myth. 2, 252. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 326, 3. lichkeit für sich hat ( Verh. d. 40. Philologen- 

2 § 675. 926. [Stell.] Versammlung zu Görlitz 1889 S. 428, gegen 

Laogore [AaoyÖQr]), Tochter des Kinyras, K. Bobert, Bild u. Lied S. 192). Dann iet 

Königs in Kypros, und der Metharme, Äpollod. aber auch die Erzählung Hygins (f. 135) wahr- 

3, 14, 3. Engel, Kypros 2, 127. Movers, Fhü- scheinlich aus SophoJcles geflossen, nach der 

mmr 1, 239. 242; s. Kinyras. [Stoll.] Laokoon, Priester des Apollon {Thymhraci 

Laoitas {Aaoirag), Beiname des Zeus und Äj)olUms; Älyth.lat. 2,201) denVnwiWen seines 
des Poseidon, wie Laoitis Beiname der Hera Gottes erregt hatte, weil er gegen dessen 
und der Athena. Beide Götterpaare hatten 20 Willen geheiratet und Kinder erzeugt hatte, 
je einen gemeinsamen Altar in der Altis von Als er an Stelle des Poseidonpriesters — der 
Olympia nach der corrupten Stelle bei Patis. eigentliche Poseidonpriester war {ut EupTiorion 
5, 14, 5, welche Belker mit Hilfe von Paus. dicit, Serv.Verg. Aen. 2, 201. Myth.lat.eä.Bode 
5, 24, 1 und ScJiol. Pind. Ol. 5, 5 und 3, 19 2, 207), bei Ankunft der Griechen gesteinigt 
so herstellt: rgita dl snl ^vbs ßo}j.iov Kqovto worden, weil er nicht durch Opfer die An- 
%-vovGi v.ai 'Pia- Bircc Aaoi'zcc du Kccl JToöfi- kunft der Griechen verhindert hatte — durch 
dcövL AaoLXK' inl öl hvbg ßco^ov nal avtri das Los bestimmt dem Poseidon ein Opfer 
v.a%£Oxriv.£v rj d'vaicc' Tisfinra "Hqcc AaoittSi am Gestade darbringt, sendet Apollon occa- 
&VOV01 y.a.1 AaoCxiSi 'A&tjvü, s. A. de Molin, sione data von Tenedos aus über das Meer 
De ara apud Graecos p. 36 Anm. 32 p. 38, 39, 30 zwei Schlangen qui filios eius Antipliaten et 
v/e\cher auf E. Curtius, Die Altäre von Olymjna, Thymhraeum necarent. Bei dem Versuch, den 
Ahli. d. Berl. Ah. 1881 verweist. [Pott, Zahlen Söhnen beizustehen, findet Laokoon selbst unter 
voti kosmischer Bedeutimg, Zeitsclir. f. Völker- den Windungen der Schlangen seinen Tod. Die 
Psychologie u. Sprachwiss. 14 (1883), 38 be- Troer aber, denen der eigentliche Grund ver- 
zeichnet den Zeus AaoLxrjg als "'Lenker der borgen ist, glauben, dafs er deshalb getötet 
Geschichte von Völkern wie Einzelmenschen'. sei, weil er gegen das hölzerne Pferd die Lanze 
Höfer.] [Drexler.] geschleudert hatte. Das Schuldmotiv, die Liebe 

Laokoon {Aao-nömv, -covtog), 1) S. des Par- des Laokoon zu seiner Gattin, hat Sophokles 

thaon oder Partheus, Bruder des Oineus wahrscheinlich dem Bakchylides entnommen, 

{ov i^ilv Ifjg ye (iriXBQog, kUcc £ d^rjaoa. yvvi] xiyis) 40 Schal. Fuld. zu Verg. Aen. 2, 201 Sane Bacchy- 

ausKalydon(iJ2/(/./'. 14. Schol. Apoll. Bh. l,ld\), lides de Laocoonte et uxore eius vel de serpcn- 

wird von Oineus als Begleiter des Meleagros tibus a Calydnis insulis venientibus atque m 

(vgl. Phoinix und Achilleus) zur Argonauten- homines conversis dicit; darüber geht Eupho- 

fahrt mitgesandt (xov iiev aq' Oivsvg ijSrj yrj- rion hinaus, indem er Laokoon ein piaculiim 

gaXEov no6fi7]xoQa Tiaidog i'aUev); Ap. Bh. 1, begehen liefs, ante simularum numinis cum 

191 ff. (Antiopa sua) uxore rem habendo {Serv. Vcrg. 

2) S. des Kapys (Konj. für Acoetes), Bruder Aen. 2, 201. Myth. lat. ed. Bodc 2, 207). Dafs 

des Anchises, Hyg. f. 135, oder des Antenor, Sophokles die Namen der Schlangen angegeben 

Tzetz. Lyk. 347; seine Gattin heifst Antiope habe, sagt deutlich Serv. Aen. 2, 204: honm 

nach Serv. Verg. Aen. 2, 201, seine Söhne sind 50 sane draconum nomina Sophocles in Laocoonte 

Ethron und Melanthus, Serv. Verg. Aen. 2, 211 dicit, so wenig wahrscheinlich dies an sich ist. 

nach Thessandros 1. Pisandros, oder Antiphas Dieselben Sc/to/iewbemerkeu zu 2,2 ll/(06'rf-?-«coHes 

und Thymbraios nach Hyg. f. 135. Die früheste Lijsimachus curifin et periboeam dicit, Worte, die 

Erwähnung des Laokoon findet sich bei Arktinos nach Schol. zu Lykophr. 347 IJoQ^ri? 2^«^ -^«9/- 

(Kinkcl,Ep. Gr. frg. 49): als die Troer das hol- ßoia ovöiiaxa- dt nXevaavxsgsK xcov KaXvdvcov 

zerne Pferd umstehen, unschlüssig, was sie zu vr'iacov rjl&ov slg TgoCav xat diS(p&SLQav xoyg 

thun haben, und beraten, ob sie es herabstürzen nacdag Äaonöcovxog sv xco xov^&viißQaiov^ Anol- 

oder verbrennen oder der Athena weihen sollen, Xcovog vscp- 6 Ös AaoKocov viog riv Jvxyoqo?- 

trägt schliefslich die letzte Meinung den Sieg xoixo äl ysyovs arnistov xrjg Hioi» alaa^cog 

<lavon; in der Überzeugung, jeder Gefahr jetzt eo in Porcen et Chariboeam yerhessevt sind. Diese, 

ledig zu sein, feiern sie die Befreiung mit meint Bobert S. 144 seien Personen gewesen, 

frohem Mahl. 'Ev avxco Sl xovxw Sio Sgd- die von den kalydnischen Inseln heruber- 

^ovxeg Imwavivx^g xöv 'xe Accoyihavxa >cal xov kommen, sich aber plötzlich in Schlangen ver- 

tx.qov Tt5r ncäSc^v Siacp&e^govoLv; durch dieses wandeln, also umgekehrt wie bei SakchyMcs 

Vorzeichen geschreckt wandert Aineias mit den bei dem die Schlangen 111 Menschen veru amlelt 

Seinen aus. Während bei Arktinos der Vater werden. Das L^/^'op/trowsJiOion stimmt ubiigeDS 

mit einem Sohn umkommt, läfst Sophokles vielfach so genp mit> ,So2)/(0«es uberei.i c ais 

beide Söhne, wahrscheinlich zugleich mit man geneigt sein konnte, es aut das soi)/toA<c- 



1835 Laokoon (b. Quint. Smyrn. u. Vergil) Laokoon (Bildwerke) 183G 

iscJie Stück zurückzuführen und, wie JRohert erst recht ins Verderben geraten. Die Verqil- 

thut, die Katastrophe bei dem Tragiker in ische Erzählung soll nach Macroh. Sat. 5, 2, 4 

das ApoUonheiligtuni zu verlegen, doch spricht ani Pisander zurückgehen; das kann nicht der 

dagegen fr. 342 bei NaucTc , Fr. tr., wo der alte, sondern nur Pisander von Laranda sein, 

Chor den Poseidon anruft. Dafs bei Lykophr. der unter Alexander Severua schrieb, so dafs 

Alex. 347 TIoQ-ASvq naidoßQcög genannt wird, diese Nachricht für die Quelle Verftils ohne 

berechtigt noch nicht anzunehmen, dafs damit Bedeutung ist {R. Förster^ Görl. Philologenvers. 

der Dichter auf den Untei-gang der Kinder 1889 S. 431). Auf denselben Pisander geht 

ohne den Vater habe hinweisen wollen, oder wohl auch die Benennung der Söhne des Lao- 

dafs er auf SopJioHes zurückgegangen sei lo koon als Ethro und Melanthus zurück, die bei 

(Tzetzes zu v. 347 u. Posthorn. 713 spricht nur Servius dem Thessandrus zugeschrieben wird, 

von einem Sohn des Laokoon). Qiiintus Smyrn. Dafs Laokoon sorte dnctus Priester des Po- 

allerdings läfst nicht den Vater, sondern nur seidon ist, scheint für Vergil durchaus unnötig 

die Kinder von den Schlangen töten, aber ob und unerklärbar, wenn man nicht annehmen 

er sich darin auf eine ältere Quelle stützt, will, dafs der Dichter darin nur einem Zuge 

ist sehr zweifelhaft. Bei ihm warnt Laokoon folgte, den er in seiner Quelle vorfand. Damit 

(12, 391) vor dem hölzernen Rosse und rät es werden wir aber auf die bei der Besprechung 

zu verbrennen, weshalb Athena die Erde er- des Sophokles angeführte Wendung der Sage 

beben läfst und den Laokoon mit Blindheit zurückgewiesen. 

schlägt; durch die über ihn verhängte Strafe 20 An Vergil lehnt sich ziemlich eng an Pe/?-o». 

werden die Troer genötigt, an die Wahrheit Sat. 89. Laokoon heifst ohne weiteres Nep- 

der Worte Sinons zu glauben, sie ziehen das tuno sacer, in Mifsdeutung des VergilianiscJien 

Rofs und damit für sich das Verderben in die diidus Neptiino sorte sacerdos; — er tritt mit ] 

Stadt. Aber Laokoon hört auch so noch nicht gelöstem llaar, crinem solutus, auf; die Tau- ' 

auf, zur Verbrennung des Rosses aufzufordern. schung ahnend schleudert er eine Lanze gegen 

Da schickt Athena von der Kalydna-Insel das Pfei'd, ohne Erfolg; darauf ergreift er ein 

zwei Schlaugen, vor denen die Troer in wilder Beil, um von neuem das Pferd zu untersuchen, 

Flucht davonstürzen; nur Laokoon mit seinen als zwei Schlangen von Tenedos über das Meer j 

Söhnen bleibt stehen, von starrem Entsetzen herheikomiaen.; infulisstabant sacri Phrygioque j 

gepackt, und während die Kinder flehend die 30 cultu gemina nati pignora Laocoonte , diese | 

Hände nach dem Vater ausstrecken, werden werden von den Schlangen umschlungen und, 

sie von den Schlangen aufgefressen; diese ver- während jeder seinem Bruder Hülfe zu bringen 

schwinden darauf im Heiligtum des Apollon sucht, von den Schlangen getötet; darauf 

auf der Burg, von den Troern aber wird zu stürzen sie sich auf den Vater, der mit schwacher 1 

Ehren der Laokoonsöhue ein Kenotaph er- Hand seinen Kindern Hülfe zu bringen sucht, ' 

richtet, bei dem Laokoon und seine Gattin und reifsen ihn nieder: invadunt virum iam 

ihre Söhne beweinen; das Schicksal des Lao- morte pasti memhraqxie ad terrani irahunt. 

koon wird v. 560 als warnendes Beispiel der iacet sacerdos inter aras victima terramque 

Kassandra vorgehalten. plangit. Über den Verbleib der Schlangen 

Die Hauptstelle für Laokoon sind die be- 40 wird nichts gesagt, 

kannten Feröf^7- Verse ^e?!. 2, 40. 201. Laokoon xj-iii- i, r> * n 

warnt vor dem hölzernen Pferd als einer ver- Bildliche Darstellungen, 

derblichen Gabe und schleudert seine Lanze Plin. n. h. 36, 37 Nee deinde viulto plurium 

in den Bauch desselben, so dafs beinahe das fama est, quorundam claritati in operibus ex- 

Geheimnis der darin versteckten Griechen ans imiis ohstante numero artificum, quoniavi nee \ 

Tageslicht gekommen wäre. Als die Troer unus occupat gloriam nee plures pariter nun- ■ 

der Erzählung des Sinon gelauscht haben und eupari possunt, sicut in Laocoonte qui est in 

noch unentschieden sind, wird Laokoon ductus Tili imperatoris domo, opus Omnibus et picturae 

Neptuno sorte sacerdos, als er im Begriff" et statuariae artis praefereyidum. ex uno lapide 

steht einen riesigen Stier dem Gotte zu opfern, 50 ewn ac liberos draconumque mirabilis nexus de 

von zwei von Tenedos herbeischwimmenden consilii sententia fecere summi artifices Hage- 

Schlangen samt seinen Kindern angegriffen : sander et Poh/dortis et Äthenodorus Mhodii. 

et primum parva duorum \ corpora natorum ser- Dafs die hier beschriebene Statuengruppe mit 

pens amplexus utcrque] iinplicat, et miseros morsu der 1506 unter Papst Julius H. in der Nähe 

depascitur artus: \post ipsum, avxilio siibeunlem des Esquilin entdeckten und im Vatikan auf- 

et tela ferentem, \ conripiunt spirisque ligant in- gestellten Gruppe identisch ist, darüber herrscht 

gentibus, et iam \ bis medium amplexi, bis collo kein Zweifel, obgleich sich herausgestellt hat, 

squamea eircum \ terga dati, superant cnpite et dafs die Gruppe nicht, wie Plinius angiebt, 

cervicibus altis. Laokoon sucht sich von der aus einem Block, sondern aus mehrerenStücken 
Umschlingung zu befreien und läfst einen 60 gefertigt worden ist. Wohl aber ist streitig, 

furchtbaren Schrei ertönen. Nach Vollendung welcher Zeit die Gruppe angehört. Während 

ihres grausigen Werkes entfernen sich die die einen mit Lessing die Gruppe erst unter 

Schlangen zum Tempel der Athena auf der und für Titus entstehen lassen, weil sie in 

Burg und verbergen sich sub pedibus dcae, den Worten des Plinius de consilii sententia 

clipeique sub orbe teguntur. Die furchtbare eine Hindeutung auf den Staatsrat des Titus 

Begebenheit wird als Strafe für die Verletzung oder eine Art artistischer Kommission dieses 

des hölzernen Pferdes angesehen, so dafs die Kaisers sehen zu müssen glauben, setzen andere ] 

Troer das Pferd hineinziehen und dadurch die Künstler in das zweite vorchristliche Jahr- 



1837 



Laokoon (Bildwerke) 



hundert, etwas früher oder später, je nachdem 
sie die Künstler des Laokoon von den Künst- 
lern des Pergamenischen Gigantenfries, oder 
diese von jenen abhängig glauben. Die frühere 
Litteratur ist in der zweiten Auflage von 
Blümners „ Lessing' s Laolcoon" Berlin 1880 



Laokoon (Bildwerke) 1838 

sind. Während Robert an dem Ursprung der 
Laokoongruppe unter Titns glaubt festhalten 
zu müssen, weist B. Förster die dafür vor- 
gebrachten Gründe, die in 1. grammatisch- 
exegetische (angeschlossen an die Stelle des 
Plinius 36, 37), 2. mythographisch - litterar- 




1) Die Laokoongruppe (nach Origiualphotographie). 



S.722 angegeben; seitdem ist aufser Blümner's 
Abhandlung selbst ebd. S. 704 besonders die 
oben ' angeführte Abhandlung von G. Bobert 
in „Bild und Lied" S. 4. 192 und die von 
B. Förster, Verh. d. 40. Philologenversammlung 
in Görlitz Leipzig 1890 S. 74. 298. 428 zu er- 
wähnen, wo auch andere Besprechungen und 
kürzere wie längere Ausführungen erwähnt 



historische (angeschlossen an das Verhältnis 
der Gruppe zur Schilderung Vergil's) und 
3 paläographisch-epigraphische (angeschlossen 
an die Künstlerinschriften, welche die Namen 
der Künstler der Gruppe aufweisen) zerfallen 
mit grofser Entschiedenheit zurück und sucht 
als Entstehungszeit des Laokoon die Mitte des 
zweiten Jahrhundert^ v, Chr. nachzuweisen, 



is;;:) 



Laokoon (Bi Kl werke) 



Laokoon (in d. neuen Frgm. d, Apollod.) 



1840 



d. li. er setzt den Laokoon an das Ende der 
rhodischen Kunstblüte , läfst ihn später als 
den Farnesischen Stier und später als den 
Pergamenischen Gigantenfries entstehen. 

S. 298 ff. führt er aus, dafs die sämtlichen 
vom Laokoonmythus vorhandenen Darstellungen 
auf die Gruppe des Agesaudros und seiner Mit- 
arbeiter zurückgehen; Versuche, die gemacht 
sind, unabhängige, von der Gruppe verschie 



in allen Punkten das Richtige getroffen haben. 
Ergänzt ist der rechte Arm des Vaters und 
des jüngstens Sohnes, sowie die rechte Hand 
des älteren Sohnes; der Arm des Vaters war 
,,in unwillkürlicher Bewegung gekrümmt, so 
dafs sich die Hand nahe am Kopfe befand. 
Der Arm des jüngsten Sohnes kann auch 
nicht, wie ihn die Gruppe jetzt zeigt, auf- 
wärts gestreckt gewesen sein, er sank viel- 



dene Kompositionen nachzuweisen, sind bis lo mehr kraftlos zusammen, so dafs die Hanil 
jetzt noch nie von Erfolg gekrönt worden. den Kopf berühitc. Die Gruppe gewinnt da- 
durch ungemein, indem sie dann pyra- 




2) Laokoon und seine Söhne, pompejanisclies Wandgemälde 
(nach Blümner, Lessings Laokoon). 



midalisch zuläuft und im Kopfe des 
Vaters ihre Spitze findet" {Friede- 
richs -Wolters, Bildw. 14'22). 

I Bei A2}oll. fry. 8ahh. Eh. Mus. 46 
(1891), 17a, 4ff. hoifst es bei der Er= 
Zählung vom hölzernen Pferde: Ka- 
aavÖQag öh Xsyovciqg ivonlov ev avtco 
Övvafiiv sivai, v.amQ06^xi Accotiöcov- 
Tog Tov fiavTfcoff, xoig fttr tdoKti 
■KccTKtKxCsiv , roig Ss ■nata ßaQtx&QOJv 
uqntvcci.. (in^av dh roig nolloig i'va 

C.'7J7;0»' täßOaGi &1:10V (XVCi&l(ri)ljLCl, tqu- 

ntvxsq tnl &vai'Kv svcoxovvto. Hier- 
mit stimmt wörtlich überein Apollod. 
Epit. Vut. 21, 15; doch heilst es hier 
(21, 16) weiter: 'Atc öXXojv ds avzoig 
711.1 E tov eTtnii fjLTCBi,' Svo yccQ 
dgänovr^g 8 i.avri&,ä fi£v oi Ö icc 
r Fjg &al(icar]g ek xäv nlrjOtov 
v/jCcov xovg Äaoyiocovxog vtovg 
■>icixao9iovaiv. Diese Apollodor- 
stellen sind von höchster Wichtigkeit. 
Zuerst erfahren wir, dafs Laokoon 
Seher {(.iccvxic) war; dies weist auf 
die in den älteren Quellen erzählte 
Thatsache hin, dafs Laokoon Priester 
des Apollon war — darf man hier- 
mit auch den Bericht des Priscian 
6, 69 bei Keil, Grammat. Lat. 2, 253 f. 
in Zusammenhang bringen, dafs in 
Byzanz auf einem Dreifufs des 
Apollon, der auf dem Platz Xero- 
lophos stand, ein epigramma vetu- 
stissimum litteris antiquissimis 
scriptum sich befand, auf dem der 
Name Laokoon AAFOKOFSIN ge- 
schrieben war? — Die Scene mit dem 
hölzernen Pferd spielt bei Äpollodor 
in der Stadt, oi Tgäeg . . . itSQi- 
XCiQ£vxsg siXtiov xov irniov xai nuQcc 
xoig Ugidfiov ßciaiXs i'oig axrjaccv- 
Tsg sßovXsvovTO, XI XQf] Ttoisiv. Ka- 
cävögag v.xX. (s. 0.), Apollod. Epit. 
Vat. 21, 14 (im fr. Sabb. fehlen die 
Worte von naga xotg ilgiäi^Lov — tcoieiv). Die 
Vorschläge, die von den Trojanern gemacht wer- 
den, 1) -KccxaKaisiv, 2) Kccza ßagii&Qwv acpisvai^ 



Namentlich gilt von dem im Frühjahr .1875 
in Pompeji gefundenen Bilde, auf dessen Über- 
einstimmung mit Vergil ich zuerst aufmerksam 

gemacht habe (Jen. Liiteraturzeitung 1878 co 3) Iccv Q'uov ävüQ-ri^iK (denn dafs dieser Vor- 
nr. 52), dafs es nur auf Grund der Kenntnis schlag auch gemacht wurde, folgt notwendi- 
der Gruppe entworfen sein kann, ein Umstand, gerweise aus der endgültigen Entscheidung), 
durch den die Entstehung der Gruppe unter sind genau — nur der Reihenfolge nach ver- 



Titus unmöglich gemacht wird. 

Was die Marmorgruppe des Laokoon selbst 
anbetrifft, so ist allgemein bekannt, dafs die 
nur in Stuck ausgeführten Ergänzungen, über 
deren Urheber die Angaben schwanken, nicht 



schieden — dieselben wie bei ArMinos: 
1) KaxaHQrjfivi'aai, 2) KccxacpXiyEiv, 3) isgov . . 
xfj 'jQ-rjvä (xvaxE&fjvai (bei Hom. Od. 8, 507 
tritt an Stelle des Vorschlages, das hölzerne 
Pferd zu verbrennen, der Rat: ö'taTrA^^ai «ötiov 



1841 Laokoon (in d. neuen Frgm. d. Apollod.) Laokoon (in d. neuen Frgm. d. Apollod.) 1842 

SÖQv vrjUi xc^Hcp). Überhaupt zeigt der Be- drücken soll, erklärt sich einorseit« i.nd liiunf 
rieht des Apollodor, soweit er auch im fniui. sächlich aus der ganzen Stellun.r dos Ai.olloii 
Sohh. mit erhalten ist, aufser der schon er- ^ils des energischsten göttlichen Schützera 
wähnten Gleichheit der Vorschläge auch sonst Troias'; andererseits aber war es als AnoUon 
eine auffallende Übereinstimmung mit der In- die Schlangen schickte, nach Ämllodors Be 
haltsangabe des Proldos aus ArUinos: ßov- rieht bereits beschlossene Sache, das hölzerne 
Xfvovzat., o %i xQfj TtoL^tv = Apollod.: ißov- Pferd als Weihgeschenk aufzustellen Apollodor 
Xfxwvxo, xC xQn^'noinv.^ — ProJdos: rgccTtsvzsg ist also im ersten Teile seiner Erzählnng dem 
dt sig fvcpQoavvriv tvcoxovvrai. = Apollod.: Arldinos gefolgt, und hat, als ihm hier der 
Tpo:7rE»rrfs inl &vaiav simxovvzo. Ohne Zweifel 10 Name Laokoon begegnete, das Schicksal der 
geht also Apollodor im ersten Teil seiner Er- Laokoonsöhne nach einer anderen Quelle, 
Zählung auf ArUinos zurück. Ganz anders höchst wahrscheinlich nach Sopholdcs, erzählt! 
aber steht es mit dem Folgenden, von ^den allerdings unterliefs er es dabei, die Schuld 
Worten !4 TT oKoji- ös avToig arj^ifiov im- des Laokoon (s. oben) gegen Apollon anzugeben. 
nsfinsi. Diese Erzählung kann unmöglich — Die Betrachtung unserer Apollodorfraq- 
auf ArUinos zurückgehen, der ja den Lao- mente hat im wesentlichen die Resultate, die 
koon selbst und einen seiner Söhne durch Bohert a. a. 0. 192ff. gewonnen hat, bestätigt; 
die Schlangen umkommen liefs. Wir müssen nur in dem einem Punkt widersprechen sie 
also annehmen, dafs Apollodor diesen Teil seiner Ansicht (p. 199 f.), dafs die „Schlangen" 
seiner Erzählung einer anderen Quelle ent- 20 als Personen von den kalydnischen Inseln 
nommen hat, und zwar einer (Quelle, die 1) be- herübergekommen wären und sich plötzlich in 
richtete, dafs Apollon ein Zeichen, 6rjß?Lov, Schlangen verwandelt hätten; Hoheit stützt 
gesendet habe; 2) die nur die beiden Söhne seine Ansicht darauf, dafs die Schlangen bei 
des Laokoon — denn den Tod des Laokoon SoplioUcs Namen tragen und auf den Aus- 
hätte Apollodor, wenn etwas davon in seiner druck nXevaavTfg ex täv Kalvöväv vrjaojv 
Quelle stand, sicher nicht verschwiegen — rjX&ov, Schol. vet. LyJc. a. a. 0. Letztere Stelle 
sterben Hefa. Nun vergleiche man die Er- ist, mag auch der Ausdruck nXsvaavtFg von 
Zählung aus des (S'op7joÄ,/fs Laokoon bei I)«0H7/.s. Schlangen etwas ungewöhnlich sein, meiner 
Hai. Arcli. 1, 48: Aineias verläfst Troia ccno Ansicht nach nicht beweiskräftig und Apollo- 
zäv vscoazl ysvo^isvcov nsgl rovg Aao- 30 dor sagt ausdrücklich 8vo ÖQaiiovzsg dia- 
Kocovriöag Grjinimv rov fif'AXovr« r>lF%'Qov v ri^dfisvoi dicc rrjg &aXKaa7jg. Geht also 
zrig TTÖXsodg avvt£y.urjQcc(iivog und Schol. vet. Apollodor, wie es nach der Übereinstimmung 
Lißoplir. 347: die Sclilangen ddtp&figccv rovg seiner Erzählung mit IHonysios sicher scheint, 
naid'ag Aao%6a)VTog iv zco rov f)v(xßQKiov auf die Gestaltung des Mythos durch Sopho- 
'AnöXXotvog vfco . . rovzo Ss yiyovs arjfistov Ucs zurück, so kamen bei diesem die ünge- 
rr]g 'iXiov aXateaag. Wir sehen: h%\ Apollodor heuer als Schlangen über das Meer ge- 
sowohl als in dem Bericht des Dionysios über schwömmen und verwandelten sich 
des »S'op/io/ir/es Laokoon und in dem i?/Aop7trow- dann erst in Menschen, eben in jenen 
scholion, das, wie ]\obert, Bild und Lied 198 Porkes und jene Chariboia (s. oben), ein 
nachgewiesen hat, auf i?/SMHac/(OS oder iSoij/iO- -10 Motiv, das Sopholdcs dem Balcchylides ent- 
lles zurückgeht, findet sich der Ausdruck nommen hat; s. Bakchyl. fr. 32. Btryk, Poet, 
ati^siov — vgl. auch Serv. Verg. Aen. 2, 201 Lyr. 3\ 581: Sane Bacchylides de Laocoonte 
quod auf cm ad arcem ierunt serpentes, id est et uxore eins et de serpentibus a Ccdydnis 
ad templum Minervae ,( factum est), aut quod insiilis venientibus atquein hominescon- 
et ipsa inimica Troianis fuit, aut Signum fuit versis dicit. — Auf die spätere Vergilischc 
/jmhtroeciv/iafis. — Wem Apollon das Zeichen Form der Sage spielt Ovid. Ib. 483 f. an: 
geben wollte {'AnöXXcov avrolg ern^isiov Im- neve venenato levius feriaris ab angne . . quam 
nsfinsi), giebt Bionys. a. a. 0. und die In- qui cava primus acuta Ctispide suspedi robora 
haltsangabe des ProUos aus ArUinos an: Inl fixit equi,woziida.s Schol. Askeuian.AS-dhemcvkt: 
ÖS rä rsQan (== ffrjft £«,'«) dvGq)OQr]aKvrsg ot 50 Laconta signiftcat, qui primus equum percussit 
Ttsgi rov AlvEiKv vTie'griX%ov sig rrjv "idrjV Palladis ligneum, in quo inclusi erant Graect, 
wir haben also unter den ccvroig bei AjMllodor unde dilaceratus est a serpentibm eodem die, 
den Aineias, den besonderen Schützling des ut dicit Virgilius. — Aus Tzcts:. ad Lyc. Mi 
Apollon (Hom. II. 5, 437ff. 512. 17, 322ff. 20, Svo SgaKovreg . . rov naiöcc zovAaoKoav- 
79; vgl. Quint. Smyrn. 11, 129), und seine Um- rog avstXov (isaov navrog rov Xaov, oti^ tm 
gebung zu verstehen, mit einem Wort: Apollo- dögari- ßaXsiv rov öovqslov innov stoX- 
dor nimmt von den Worten 'JnöXXcov di avrotg ^as (vgl. ebenda 347 rov Aaoyiocovzog naidu 
ml. an bis -Aarsa^CovGLv auf das Sopholdeische dvsiXov) kann man noch eine andere torm der 
Stück Bezug. In den Worten Sgdyiovxsg . . . Sage erschliefsen, dals naralich nicht Lao- 
rovg Aao%6oivzog viovg yiarBG&iovaiv liegt 60 koon, sondern sein Sohn mit der Lanze das 
ein neuer Beweis für die Richtigkeit der An- hölzerne Pferd durchbohrt habe. Diese Ver- 
sieht von Bobert a. a. 0. 197, dafs unter den mutung wird bestätigt durch bchol. (juka». 
Aciono<avriäai bei Vionys nur die Söhne ad Ovid. Ib. a. a. 0. tangit . de Lacoonte 
des Laokoon gemeint seien. Dafs das ar?- vel Terone (Therone schreiU Llhs ed. IbuUs 
fitiov, das Apollon gab, nur die Warnung des p. 85), qui lancea fixtt equum 1 alladis. bebi 
Aineias bezweckt, nicht etwa aber eine Mifs- wahrscheinlich ist die Vermutung von ±.ins 
biUigung über das Verhalten des Laokoon bei a. a. 0. 84, dafs dieser Tero (Ihero) identisch 
den Beratungen über das hölzerne Pferd aus- ist mit dem von Serv. ad Vcrg. Aen. ^, <Jii 



o^ 



1843 Laokoosa LaomGclon 1844 

erwähnten Sohne des Laokoon Et hro und dafs Opfer fallen, bis L.'s Tochter Ilesione ihm 
man bei Serv. zu schreiben liabe (llios Lno- zum Frafsc ausgesetzt wird (s. diesen Artikel). 
coontis Theronem et Mclanthum. — Eine Als diese an die Felsen p^eschmiedet ist, er- 
Geschichte der Auflinduug und der Schicksale scheint Herakles imd befreit sie gegen das 
der Laokoongrui)pe sowie eine Zusammen- Verspi-echen L.'s, ihm die Rosse zxi überlassen, 
Stellung der Zeugnisse über die Auffindung die Zeus dem Tros für den geraubten Ganymed 
giebt Michaelis, GeschicJde des Statuenhofes geschenkt hatte. //. 5, 205. Laomedon hält sein 
im Vatikanischen Belvedcre, Jahrb. d. Kais. Wort nicht. Deshalb kehrt Herakles spä,ter 
7). arcZi. Jwsf. 5 (1890), 15. 16 und bes. Anm. 36. mit 6 Schiffen, und ,, gefolgt von wenigen 
17. 26 f. 46 f. 53. 67 zu S. 16; vgl. Ärth. Schneider lo Männern" (77. 5, 641) wieder und aerstört 
bei Ersch und Gruher s. v. Laokoon. Die Troia. ÄpoVodor 2, 6, 4 spricht von einem 
Laokoongruppe in dem Zustande des ersten Zug von 18 Schiffen, an dem sich ein Heer 
Befundes ist u. a. abgebildet bei Baumeister, der besten Männer, darunter Telamon und 
Denkmäler 25 nr. 26. Ob die Sage, wie Ilohert O'ikles, freiwillig l)eteiligt habe. Laomedon 
a. a. 0. vermutet, sich den Namen Laokoon wird getötet, seine T. Hesione eine Beute der 
aus den Namen der beiden Antenoriden Koon Sieger, seine Söhne bis auf Podarkes-Priamos 
und Laodokos oder nur aus dem ersten gleichfalls getötet, dieser aber durch seine 
gebildet habe, bleibe dahingestellt. Höfer.] Schwester losgekauft. [Der Kampf des Hera- 

[Engelmann.] kies mit Laomedon und seinen Leuten ist be-, 

Lftokoosa (ylaoHOfoffc), Gemahlin des Apha- 20 kanntlich imOstgiebel desaiginetischenAthena- 

reus, Mutter des Idas und Lynkcus, Thcokr. temjjels dargestellt, doch ist es nicht gelungen, 

22, 206. Schal. A}). lih. 1, 152. — Apollnd. 3, 10, 3 in einer der Figuren den L. zu erkennen. Vgl. 

nennt sie, wie Pherekydcs, Arene, Pcisandros auch C. I. Gr. 5984B: Aao^fSovti [nagyßoä- 

Polydoni. (Stoll.) &7]6f &vym\tQCc] cfrocjorp noXi,OQKo\v^ii8v\av 

Laokritos (AaÖKQitos), einer der Freier der vn6\ Mryrf[o|s -ncci (in[ozvxci)v (.iiadovl'llQaKlrjg 

Penelope aus Zakynthos, Äpollod. frqm. Sabb. vno Aaoß^ßovtoc f t'g "Jgyog cctt rild'[ii ]v. [ea]- 

h'Jiein. Mus. 46 (1891), 179, 33. Doch ist viel- cäjUfro? 8' iv. TCqvv^i t^ixsvog 'EwaXiov ftfra 

leicht mit Warjucr, liJiein. Mus. a. a. 0. 419 Tsla^cövog rs y-al Urilsmg [xnit] 'Oi'Milf'og snl 

Anm. 1 ÄsiomQixog (s.d.) zuschreiben. [Höfer.] Tqoluv oxQarsvcünsvog eiXsv xav nöXiv, Aaojiii- 

Laomaclio {Aaofiäxri), eine Amazone, ITl/g. /. so Sovra xtvt xovg viovg a-rroHXfivag nXccv IJQiccfiov. 

163. [Stoll. 1 Röscher.] Diodor 4, 35 erzählt die Sage ähn- 

Laomedeia (Jaofiadfta), 1) Nereide, J/fs. Th. lieh, c. 49 bringt er sie in Verbindung mit 

257. Schoemann, Op. Ac. 2, 172 (Poplicnra). dem Argonautenzug und fügt eine weitere 

Broun, Gr. Götterl. § 86. — 2) Vgl. Ladumeda. Treulosigkeit des Laomedon hinzu. Herakles 

fStoll.) habe den Iphiklos und Telamon zu L. ge- 

Laomedes (AaoiirjSrig), 1) einer der Fi-eier schickt, um die von diesem versprochenen 

der Penelope aus Zakynthos, Apollod. frgm. Gegenstände zu fordern. L. habe diese Ge- 

Sabbait. f. 121a. Bhein. 3Ius. 46 (1891), 179, sandten im Einverständnis mit seinen Söhnen 

33. — 2) Sohn des Herakles und der Omphale, ins Gefängnis geworfen. Nur Priaraos habe 

Palaeph. de incrcä. 45 p. 307 Westennnnn. Vgl. 40 sich dieser Ungerechtigkeit widersetzt und den 

Lamos u. Lamios. [Höfer.] Gefangenen zur Freiheit verhelfen. Der Aus- 

Laomedon {AaoiiiSav, -ovzog), m., „Volks- gang des nun folgenden Kampfes ist derselbe; 
beherrscher". 1) Sohn des Hos und der Eury- dem Priamos aber habe Herakles wegen seiner 
dike, Vater des Tithonos, Lampos, Hike- Gerechtigkeit die Herrschaft übergeben; vgl. 
taon, Podarkes (= Priamos) und der Hesione, Sirdbon p. 574. 596. Das Grabmal des L. ver- 
Killa und Astyoche, sowie von der Nymphe setzt die Sage an das Skaiische Thor und 
Kalybe des Bukolion. Als seine rechtmäfsige kni'ipft daran die Prophezeiung, solange es 
Gemahlin wird Strymo oder Rhoio, Tochter unzerstört bleibe, werde auch Troia sicher 
des Skamandros, Plakia, T. des Atreus, Thoosa, sein, Serv. Vercj. Acn. 2, 241. Ov. Met. 11, 696. 
T. des Teukros, Zeuxippe, Leukippe genannt, 50 Wenn die Vermutung richtig ist, dafs der 
Apollod. 3, 12, 3, 8. Ilom. 11. 6, 23. 20, 237. Name Hos auf den Herdenreichtum dieses 
Laomedon war nach Hos König über Troia, ländlichen Herrschers hindeutet, der nach 
er befestigte xo WQyu^ov, d. i. die Burg von göttlichem Orakel die Stadt llios gründet, so 
llios (17. 4, 508. 5, 446. 6, 512. 7, 20 f.\ mit Hülfe repräsentiert sein Sohn Laomedon, „Volks- 
des Apollon und Poseidon (77. 7, 452), oder des beherrscher", eine weitere Stufe in der 
Poseidon allein, wobei dann dem Apollon die Kultivierung dieser Gegend, er befestigt die 
Aufgabe zufiel, seine Rinderherden auf dem Stadt (die jedoch immer noch klein genug 
Ida zu hüten, II. 21, 446. Die beiden Götter, gewesen sein mufs, wenn Herakles sie mit 
von Zeus zur Strafe für eine Empörung gegen wenigen Männern erobern konnte), er und seine 
ihn in den Dienst des Laomedon gestellt, nach 60 Familie sind sclion Städtebewohner, nur der 
Apollndor freiwillig ihren Dienst anbietend, um Name seines aufserehelichen Sohnes Bukolion 
den Übermut des L. auf die Probe zu stellen, deutet noch auf die ländliche Beschäftigung 
errichteten die Mauern von Pergamon, nach des Rinderhütens hin; sein Erbfolger Priamos 
einer Wendung der Sage mit Hülfe des Aiakos endlich erscheint in seinem gereifteren Alter 
(Bind. Ol. 8, 41. Schol. p. 194 Boeckh), erhalten als König eines ausgedehnten Machtgebietes 
aber von ihm den bedungenen Lohn nicht. in Kleinasien; vgl. Strabon a. a. 0. Preller 2^ 
Zur Strafe sendet Apollon eine Pest, Poseidon S. 375. In der bildenden Kunst sind Dar- 
ein Meeresungeheuer, dem viele Menschen zum Stellungen des Laomedon selten, Plinius 35, 



1845 Laomedon • Laonjlos 1846 

139 erwähut einige Gemälde von Arteraon verfolgt, etruskische Bronzearbeit Innhir 3 

m der Porticus der Oc avia, darunter des 17". 0. MäUer, HandhuclTTu (p 663' 

Laomedon Geschichte mit Herak es und Po- Höfer.] - 2) Sohn des Herakle« und der Meli. '' 

seidon, vgl. Brunn, Künstlergesch. 2, 284 u Apollod *> 7 8 2 — \'\\ Auf i« r- ••i 

Ts^ \ZH"T''v "^T'^'^'^n' ^^'r • «3- P«^yg-*- - der Lis'che zu De'phi":: 'e,. 

cL sca^ 1862 T 5. Enqehnann, Homeratlas nach Paus. 10, 27, 3 dargestellt: ALtiidov- 

Ihas T^8 nr 44) zeigt Apollon und Poseidon ro, 8\ rov v^.^hv Zc'vcov%s ka^o, 'OdW«. 

beim Mauerbau von Troja. Laomedon ist ^c.VAyxcc.l6gdacvU^of.itovrsg. yiygLzuaVZl 

darauf nicht zu erkennen. [Vgl. Bonner Jahrbh. aUo, r^^vscö,, o.of.a orE.eco,' rls^ .'."e/.X 

A r? y\o.?- ^f'f^'Cut\P'-f^^(Shne, ß,&a, TJaev nvdecg. Es ist dem Zusammen- 

Ann (l Inst. 1866 p. 191, Append. C nr. 1. hang nach selbstverständlich, dafs dieser Lao- 

Betlie, (^uaestwnes JJioäoreae mythofiraphae medon mit dem troischen Könige nicht iden- 

p. 69-71. Drexler.] - [Nach dem Dichter tisch sein kann - vielleicht aber mit dem 

der kleinen Ihas und Antiphanes (im Schol. bei Quint. Smi/rn. 2, 293 erwähnten' Höfer 1 

Eur Troad ^2^; vgl. Schol Eur. Or. 1391. [Weizsäcker.] '^ 

Tzetz. Lyl-.Si. 523. Ctc. Tuscul. 1, 26, 65 und Laomedontiadcs {AaoasSovxiiSrig), Patro- 

Eur. Iroad. 822) war Laomedon Vater des nymikon von Laomedon', Hesycli Etym 31 

Ganymedes und erhielt von Zeus für dessen 556, 26. 31. Etym. Guä. 362, 37. 42. Gramer 
Baub entweder den goldenen Weinstock oder 20 Anccd. Oxon. 1, 261,2.8. So heifst 1) Priamos' 

die unsterblichen Rosse. Als weitere Kinder Ilom. II. 3, 250 = Gramer, Anecd. Paris 'A 

nennt Biod. Sic. 3, 67 den Thymoites, vgl. 308. 30; vgl. ebend. 159, 16. Quint Smyrn 

Dictys 4, 22, wo aufser Thymoites noch Hike- 2, 107. Orph. Lap. 383. Verg. Aen. 8, 158. 

taon, Klytios, Lampos, Bukolion und Priamos luvenal. 6, 326. — 2) Lampos (s. d. nr. 1) 

erwähnt werden; Apollodor (bei Tzctz. lyl: Ilom. IL 15, 527. — 3) AaonsdovticcSm = 

921; vgl. 1075) die Aithylla,Astyoche und Mede- Trojaner, Verrj. Aen. 3, 248. — Etym. M. 

sikaste, in der Epit. Vatic. 17, 10 (vgl. Schol. 556, 28 und Etym. Gud. 362, 40. Avecd. Oxon. 

Marc, und Tzetz. ad lyl: 232) die Prokleia a. a. 0. 261, 6 führen auch die Form äko- 

fnach Paus. 10, 14,2, Tochter des Klytios, des ^sSovziSrjg an. [Höfer.] 

Bruders des Laoniedon); Dares 8 nennt als 30 Laomeiies (Aaonfvrjg), Sohn des Herakles 
Söhne des Laomedon den Hypsipylos, Vol- von der Thespiade Oreia, ApolJod. 2, 7, 8. 
contis(?) und Anyritos. Nach Tzetz. Lyk. 18 [Stell.] 
zeugte er den Priamos (Pherekydes im' Schol. Laonike {Aaovi-nrj), 1) Weib des Lebados 
Eur. Eck. 3) mit der Leukippe, nach Alkman (s. d.). Paus. 9, 39, 1. — [2) Da die auf Münzen 
im Schol. Ilom. II. 3, 250 = fr. 113 Beryk* von Kerkyra abgebildeten Schiffsvorderteile 
mit der Zeuxippe, nach Hellanikos im Schol. (noaroXänag, KccxüX. zäv uqx- vo(iig(i. KfQKvgccg 
Harn. II. a. a. 0. mit der Strymo; letztere, %. r. X.p. 18. 19. G. Gr. G. Brit. Mus. Thessaly 
oder auch die Rhoio, die Tochter des Skaman- fo Aetolia p. 129—131) den Namen von Gott- 
dros, gebar ihm den Tithonos, Tzetz. Lyk. 18. heiten und Personifikationen zu führen pflegen, 
Aus Rache, dals Phoinodamas den Trojanern 40 dürfteauchdiedaruntervorkommendcAAONIKA, 
geraten hatte, des Laomedon Tochter dem G. Gr. G. Br. 31. Thess. p. 131 nr. 265 PI. 23, 
Meeresungeheuer auszusetzen, liefs dieser die 10 eine Erwähnung verdienen. Drexler.] 
drei Töchter des Phoinodamas nach Sicilien [Stoll.J 
schaffen, Tzetz. Lyk. 471. 953; Näheres in Laonome (Aaovößrj), 1) Tochter des Guneus 
dem Artikel Akestes. Nach Dares a. a. 0. von Pheneos, Gemahlin des Perseiden Alkaios, 
unternahm Herakles mit fünfzehn Schiffen den dem sie den Amphitryon gebar. Paus. 8, 14, 2. 
Zug gegen Laomedon, weil dieser den Jason, Ai)ollod.2,i,b. Schol. 11.19, 116. — 2) Tochter 
der auf seiner Fahrt nach Kolchis an der des Amphitryon und der Alkmene, Schwester 
troischen Küste gelandet war, zur Weiterfahrt des Herakles, vermählt mit dem Argonauten 
gezwungen hatte, Dares 2. — Nach Tzetz. Lyk. 50 Euphenios, der sich in Tainaron niedergelassen, 
1341 erstreckte sich die Herrschaft des Lao- dem Ahnen des Battos, Gründers von Kyrenc, 
medon bis zum Peneios. S. ferner Pind. Nem. Schol. Pind. P. 4,76. Tzetz. L. 886 (p.858 3MI.). 
3, 36 (61). Eur. Troad. 814. Soph. Aiax 1302. Studniczka, Kyrene 111. — Schal. Ap. Bh. 1, 
Tzetz. Lyk. 1232. 1306. Dioy. Laert. 8, 4, 81. 1241 nennt den Argonauten Polypheraos, Sohn 
Isokr. 9, 16. Paus. 7, 20, 2. 8, 36, 6. Luc. de des Elatos, als ihren Gemahl. — 3) Gemahlin 
sacr. 4. lupp. Gonfut. 8. Didymos im Schol. des Odoidokos, Mutter des Kalliaros, nach 
Hom. II. 1, 312. Gravier, An. Par. 3, 5, 29. welchem die lokrische Stadt Kalliaros be- 
Diod. Sic. 4, 32. 42. 75. Dio Glirys. or. 11 nannt war, Steph. B. v. KccUiaoog. [StolL] 
p. 181. 1H7 Dindorf. Plut. Nie. 1. Sertor. 1. Laonytos (Aa^vvrog), Sohn des Oidipus und 
An. Par. a. a. 0. 230, 9. Ov. 3Iet. 6, 96. 11, co seinpr Mutter lokaste, Bruder des Phrastor; 
200. 757. Eor. Od. 3, 3, 22. Propert. 3, 6 beide Brüder fielen im Krieg der Thebaner 
(14), 2. Arnoh. adv. nat. 4, 26. Gi/prian. gegon Erginos und die Minyer. Die zweite 
Quod dei idol. 2. S. Prosj)cr, Aquit. Ghronic. Gattin des Oidipus war Euryganeia, Tochter 
p. 690 == p. 540 ilf/^ije, Pa<ro?. iaf. 51. — Eine des Periphas, die ihm Eteokles und Poly- 
Deutung der Dienstbarkeit des Apollon bei neikes, Antigone und Ismene gebar, die dritte 
Laomedon versucht H. D. Müller, Ares 51. 61. Astymedusa, Tochter des Sthenelos, Phere- 
— Vgl. auch die Artikel Lamtun und Herakles kydes b. Schol. Eur. Phoen. 53. Schneidcicm, 
Sp. 2248 Z. soff. — „Laomedon von Poseidon Die Sage v. Oedipus p. 8 f. [Stoll.] 



1847 



Laoplionie 



Laphria 



1848 



Laoplionto {Aaocpövri]), Tochter des Plouron 
und der Xanthippe, einer Tochter des Doros, 
Gemahlin des Thestios, welchem sie die Leda 
und Althaia gebar, Apollod. 1, 7, 7. Fherclyd. 
b. Schol. Ap. Bh. 1, 146. [Stoll.] 

Laoplioon (Aaocpöav, -MJ'), Sohn des Paion, 
den ihm Kleomede an der Strömung des Axios 
gebar; zog mit Asteropaios den Troern zu Hülfe 
und ward von Meriones getötet, Quint. Sm. 6, 549. 

[Stoll.] 
Laos? (AAOX), die Personifikation des Volkes, 
wollten M^eldicr, Die Acschyleische Trilocße Pro- 
vietheus p. 412f. Anm. 892 und Baoul-Bocheite, 
Orcstcide PI. 26, 1 p. 130 und Ohservations sur 
le type des monnaics de Cmdonia, Man. de 
l'Inst. de Fr. Ac. d. I. et B.-L. 14, 2 p. 209 
Anm. 2 in der Gestalt eines nackten jungen 
Mannes mit der Beischrift AAOI auf dem die 
Opferung der Ij^higeneia darstellenden Altar 
des Kleomenes erkennen; indessen sind nach 
Overbcck, dd. her. BiUho. p. 31 8 f. nr. 3 Anni.l3 
(Taf. 14 nr. 7) „die mehrfach wiederkehrenden 
Buchstaben AA Ol bedeutungsloses Gekritzel"; 
nur als ,, einfachen Repräsentanten des Heeres 
und Volkes" erkennt Ovcrheck p. 319 die be- 
treffende Person an. Vgl. auch Dütscldce, Ant. 
Bildw. in Oheritcd. 3, 165. [Drexler.] 

Laosoc(.lo:o0or;). ScJiol. Od. 11, 235 sagt, Tyro, 
die Tochter des Salmoneus, sei Tju'o (von rv- 
Qoe) genannt woi'den wegen ihrer XEvuotrjg, ihr 
wahrer Name aber sei Ossa oder Sylo oder 
lihaane [?] oder Laosoe gewesen. [Stoll.] 

Laossoos {Aaoaaöog). Für die Bedeutung 
dieses Epithetons, das verschiedenen Göttern 
und Heroen beigelegt wird, giebt es eine 
doppelte P]rklärung. Es heifsen so 1) Ares, 
Ilom. II. 17, 398. Nonn. Dionys. 32, 173. 
34, 125. — 2) Eris, Hom. IL 20, 48. — 3) 
Apollon, Hom. 11.20,19. — 4) Athene, Hom. 
IL 13, 1-28. Od. 22, 210; vgl. Eust. ad Hom. 
IL 1112, 2. 62, 44. Grcuser, Meletemata p. 23. 
— 5) Elektryon, Hes. Scut. 3. — 6) Am- 
phitryon, Hes. a. a. 0. 37. — Nach AjwlL 
lex. Hom. bedeutet es r; toi's laovg ao- 
ovacc, £6zi aoßovaa, (vgl. Etym. M. 292, 
41 ovrm [von croco = öoßco] -ncd t6 doQva- 
aoog Kccl Xccoa ooog xiveg itvnoloyovGi) v-al 
inl Tiöleiiov oQ^aacc' vgl. Hesych. s. v. co- 
ovocc rovTEGxi TiccQOQUcöaa stg xov nöl^iiov. 
Cornut. de nat. deor. 20 p. 108 Osann laocoöog 
... Sia xo oösiv £v xccig na%ocig xovg Xaovg, 

log lr](zig inlrjd'r) arto xfjg liiag- Prooim. 
Schol. Hes. Scut. p. 609 f. ed. Gaisford ano xov 
Xabg yial oeco xb oq^co' vgl. ferner Eiist. IL 
IUI, 61fr. 1195, 16ff. Daneben findet sich 
auch die Erklärung Xaoaaöog . . cog Xccbv aöov 
xr]QOvaci, Hust. IL 1111, 65 ij xovg Xaovg 6c6- 
^ovca (vgl. Etym. M. 461, 16. Eust. IL 
758, 52). Apion bei ApolL lex. Hom. a. a. 0. 
Etym. M. 556, 33. ^ Cornut. a. a. 0. p. 109 Sta 
xo 6(ox siQCCv avxTjV xiöv j^QconEvcDV ccvxfi Xacäv 
Etvai. — 7) Von Amphiaraos heifst es Etym. 
31. 556, 32 Xaooauog, xov 'jjicpidQaov xov Öta 
HKvxi.'Kriv acö^ovxu xovg av&Qcänovg; vgl. Eust. 
Od. 1780, 48 'JficpLaQaov Xaooaöov, o iaxi Xaovg 
aoovxcc, )jxoi dicoKOVT.K v.Kx' ccvSqlkv, l] GCÖ- 



^OVXCC ÖlDC HCiVTin/jV. 



Die ursprüngliche 



Bedeutung ist ohne Zweifel die erstere ,,zum 
Kamj)fo antreibend"; denn, wie schon Eust. 
IL Uli, 61. 1195, 17 richtig bemerkt, passt 
nur diese Bezeichnung für Ares und Eris; aber 
mit demselben Rechte konnte sie auch dem 
Apollon (Bd. 1 Sp. 437) und der Athene (Bd. 1 
Sp. 679) und den oben erwähnten kriegeri- 
schen Heroen (s. die einzelnen Artikel) bei- 
gelegt werden; erst später wird sich, anlehnend 
10 an den 'AnöXXcov Ztaxr'jQ und die 'Ad^rjvä Ew- 
xEiQcc, die zweite Bedeutung gebildet haben; 
vgl. Eust. IL 1195, 21 aXXcog xolvvv Xaoacöoi 
siolv "EQLg Kai "AQrjg, Kai «ililcos 'ylnoXXwv Kai 
'A&Tjvcc. [Höfer.] 

Laollioe {Aao&örf), 1) eine Tochter des 
Thespios, welche von Herakles den Antiphos 
gebar, Apollod. 2, 7, 8. Nach anderer Lesart 
dieser Stelle war Laothoes der Sohn der Antis. 

— 2) Gemahlin des Sehers Idmon, Mutter des 
20 Thestor, Grofsmutter des Kalchas, Phcrekyd. 

b. SchoL Ap. Bh. 1, 139. — 3) Tochter des 
Lelegerkönigs Altes, von Priamos Mutter des 
Lykaon und Polydoros, JL 21, 35fl'. 85 ft'. 22, 48. 
[Eust. ad IIo7H. IL 1256. 34. 38. Höfer.] 

— 4) Gemahlin des Troers Klytios, T^ctz. Hom. 
438. — 5) Tochter des Meretos, von Hermes 
Mutter des Echion und Erytos, Orph. Arg. 134. 
Ap. Bh. 1, 56 nennt die Mutter beider Argo- 
nauten Antianeira, Tochter des Meretos. [Stoll.] 

30 Laotliocs s. Laothoe nr. 1. 

Lnpatlios (A(X7ta&og), s. Lakon nr. 1. loann. 
Antioch. fr. 20 (Müller, Fr. hist. yr. 4 p. 549). 

[Stoll.] 
Lapcoii {AanEföv), der Vater des Pataros 
(s. d.) und des Xanthos (s. d.), die sich nach 
einem Räuberleben später in Lykien nieder 
liefsen; nach Pataros Avurde die Stadt Patara, 
nach Xanthos der Flufs benannt, Eust. ad 
Dion. Perieg. 129. [Höfer.] 

40 Lapersai {AansQeai), s. Dioskuren Bd. 1 
Sp. 1165 Z. 28 ff", und Soplioldcs bei Straho 8, 
364 und im SchoL ebend. Didymos bei Hesych. 
s. V, Steph. Byz. s. v. Äa. Becker zu Ilarpokr. 
104. Lobeck, Paralipomena 78. Meineke, Philol. 
13, 512, — Bei Lyk. 511 heifsen sie ÄansQGioi. 
Zu der Bd. 1 Sp. 1174 angeführten Gemme 
kommen hinzu die von Ghabouillct, Cat. gen. 
des camees 1786 ff. p. 240 aufgezählten Gemmen: 
les Dioscures Gastor et Pollux debout, d'aneien 

50 style; zur Darstellung des Raubes der Leukippi- 

den s. ebd. 2808 p. 435. Vgl. Lapersios. [Höfer.] 

Lapersios (AaTtsQüiog), Beiname des Zeus, 

Lykophr. 1369 und dazu SchoL 2 p. 1016. Wide, 

Lakon. Kulte p. 6. Wentzel, 'EiiLKXriGEig Q-säv 

5 p. 31 f.; vgl. 7 p. 4. Vgl. Lapersai. [Drexler.] 

Lapethos {Aänri^og), Anführer der Kyprier 

im Gefolge des Dionysos gegen Indien, Eponymos 

V. Lapethos; iVonw.D/on. 13,433.24,237. [Stoll.] 

Lapliria {Aa(pQia), 1) Beiname der Artemis, 

fiü Suid. s. V, ßa&Eia KOfir] und ßa&vitXovxog; vgl. 
'loXsaiQag xe AacpQiag, cod. Monac. Creuzer, Anccd. 
p. 29, ebenda p. 28, wo für 'loxEaiqa xEXECpgia 
zu lesen ist xe AacpQia. Paus. 7, 19, 1. Kultus 
und Name dieser Artemis stammte aus Kaly- 
don, wo Laphrios, der Sohn desKastalios und 
Enkel des Delphos ihren Dienst gestiftet hatte, 
um die wegen des Frevels des Oineus zürnende 
Göttin zu versöhnen, Paus. 7, 18, 9. 4, 31, 7. Ihr 



1849 Laphrios Lapliystios 1850 

Biia,das sie alsJägerin darstellte und ein Werk der Paus. 7, 18, 9. Schol Eur Or 1094 — '>) Bei 
Naupaktier Menaichmos und Soidas war {Paus. name des Apollon, der in Kalydon einen Temnel 
7, 18 10) kam unter Augustus nach Patrai, besafs, Slrabon 10, 459. Dieser Beiname des 
das die Hauptstatte des Kultus der Artemis Apollon ist zu erklären aus seiner Kultus 
Laphria wurde Pa«s 7, 18, 8; vgl. die In- gemeinschaft mit der Artemis Laphria vel 
Schriften aus dieser Stadt Dianae Laplmac, Bd. 1 Sp. 582 Z. 54ff. Auf autonomen Münzen 
C. I. L. 3, 499. Dianae Äugustae Laphriae, von Kalydon ist Apollon die Leier spielend 
C. I. L. .3, 510. Kaisermünzen von Patrai mit dargestellt, EcJchel, Doct. niim. 2 189 Ein Monat 
der Legende Diana Laphria {Ecldiel, D. N. Laphrios in Erineos, Bischof} De fut>tü 
2, 257) oder DEAN A/G LA'PEF {Gardner, Catal lo Graecorum untiqxmsmis 365, in Gytheion 
of Greeh coins in the Brit. Mus. Peloponnesus ebenda 367, 1, in Phokis, ebda 355; ähnlich 
p. 26 nr. 28 pl. 5, 17) stellen die Göttin in der QmMouat AatpQiaiog bei den Aito lern ebd 363 
obenerwähnten Haltung dar, an ihrer Seite — 3) Beiname des Hermes, L^//"'- 835- YoxxTzeU 
einen zu ihr aufblickenden Hund, Head, Hist. und Schol. a.a.O. wird AäcpQiog durch, cpdö^svo'g 
num. 349. Gardner a. a. 0. p. 27 nr. 37 pl. 6, 1. erklärt. — 4) Vielleicht Beiname des Zeus bei 
p. 28 nr. 40 pl. 6, 3; vgl. auch.O. Müller, Hand- Lactant. de fals. rel. 1, 22, wo es heifst con- 
buch der Archäologie- 52S,i. Über das in Patrai stituta sunt templa . . . lovi Laprio, lovi 
gefeierte Fest, tu; AäcpQta, bei welchem die Molioni, lovi Casio. Ist statt des meines 
Priesterin der Artemis auf einem mit Hirschen Wissens sonst nicht bezeugten Laprius viel- 
bespannten Wagen (Darstellung dieser Pompe 20 leicht Laphrius zu lesen? Dafs Apollon und 
aufMünzen, s.b. Gai-öfner a.a.O. p. 27 nr. 33 pl. 5, Zeus oft dieselben Beinamen führen, düriten 
21) fuhr, und der Göttin lebende Tiere verbrannt Beispiele wie Lykoreios, Phyxios, Lydios etc. 
wurden, s. Paus. 7, 18, 11 ff. Von den Kaly- hinlänglich beweisen. Vgl. Sp. 1506. [Höfer.] 
doniern hatten auch die Messenier auf dem Laphyg-inos {Aacpvy^ög), die personificierte 
Wege über Naupaktos den Kultus der Ar- Schlemmerei, Leonidas in Änth. Pal. 6, 305; 
temis Laphria angenommen; ihre Bildsäule in vgl. Ärist. nub. 52. [Höfer.] 
Messene war ein Werk des Damophon, Paus. Lapliystios {Aacpvanog), 1) Beiname des 
4,31,7. Gegen die Ansicht von S. Peinach, Zeus a) in Orchomenos, Paus. 1, 24, 2, in 
der in dem von Le Bas {Bevue archeol. 1844 dessen Nähe, 20 Stadien von Koroneia eut- 
25fF. Le Bas- Reinach,Voyage archeol. 18, ISiS.) 30 fernt, der Laphystische Berg und das Heilig- 
ini Jahre 1843 beim Dorfe Mavromati auf- tum des Gottes lag, — b) in Halos in der 
gedeckten Tempel den der Artemis Laphria Phthiotis , wo er gleichfalls ein Heiligtum 
erkennen wollte und die in den Ruinen auf- besafs, Herodot 7,197; vgl. Schol.- Apoll. Bh. 
gefundenen Bruchstücke einer Kolossalstatue Arg. 2, 653. Auf den Münzen dieser Stadt er- 
für Reste der Laphria des Damophon erklärte, scheint das Haupt des Zeus L. im Obv., bald 
s. Ad. Wilhelm, Athen. Mitteil. 16 (1891), 350 ohne Zier, C. Gr. G. Brit. Mus. Thessahj p. 13 
Aum. 2, der in der Göttin die Artemis Lim- nr. 1 PI. 31,1; nr. 3, bald mit der Tänie, Ca- 
natis (s. d.) erblickt. Endlich werden auch dalvene, Bcc. de med. gr. ined. PI. 3, 8. C. Gr. 
auf einer Inschrift aus Hyampolis in Phokis G. Thess. p. 13 nr. 2 PI. 2, 6, bald mit dem 
(i^ydlcc 'Elacprjßöhcc rs Kccl AdcpQta erwähnt, 40 Lorbeerkranz, Millingen, Sijll. p. 51f. PI. 2, 25. 
Athen. Mitteil. 4 (1879), 223 nr. 5; vielleicht Dumersan, Gab. Allier de Hauteroche PI. 4, 1. 
ist in dem Epigramm des Leonidas, Anth. Pal C. Gr. C. Thess. p. 13 nr. 4. Den Revers nimmt 
6, 300 der Göttername Aa@Qiri (= Venus ein gewöhnlich Phrixos, seltener {C. Gr. C. 
furtiva?) mit Toup, Emend. in Suid. 3 p. 526 Thess. p. 13 nr. 1) Helle auf dem Widder, 
ed. Lips. Aa^Qirj zu lesen; — vgl. auch Bd. 1 S. auch G. Görres, Studien zur griechischen 
Sp. 564 Z. 8. Sp. 582 Z. 54f. Sp. 594 Z. 24. Mythologie 1. Folge 1889 (= Berliner Sludien 
\ Wentzel, 'EniKlr'iosig &sav 6 p. 8-13. Wide, f. kl Phil u. Arch. Bd. 10 Heft 1). //. Zais 
Lakonische Kulte p. 119. E. Curtius, Stud. z. Laphystios und die Athamassage p. 72—120. — 
Gesch. d. Artemis p. 10. A. Claus, De Dianae 2) Beiname des Dionysos, Et. M. 557, 51 Aa- 
cmtiquissimaapudGraecos natural). 86. Dvexler.] 50 q>v6tiog 6 Jiöwaog dno xov sv Boiaxia Aa- 
— 2) Aus der Beziehung der Britomartis zu cpvorLOv OQOvg; vgl. Schol zn Lykophr. ys. 1231 1 
Artemis, resp. aus der Gleichsetzung beider {-nal Aaq)vati'ag -nsoKacpÖQOvg yvvKizccg)2 Y>-9n : 
Göttinnen, erklärt sich Laphria als Beiname AcccpvazLag, b Jiovvaog äno Aacpvazjov oQovg 
der Britomartis bei den Kephalleniern, Anton. Botcortag- Z&sv Aacpvariai, XiyovTcct at tv iMctyie- 
IJb. 40; vgl. Bd. 1 Sp. 827 Z. 57f. — 3) Bei- Sovm Bäy-xai. über die Verbinduug des La- 
name der Athene, vgl. HaXlag Aa(fQLa, Lyhophr. phystios mit dem Athamasmythos s. Buttmann, 
35G; AacpQiccK6Qri,ehend.985;AacpQt'aMaii£Qaa, Mythol 2 p. 230. K. 0. MilUer Orchomenos 
ebend. 1410. Tzetzes zu 356 erklärt den Namen p. 156—171. Creuzer u. Bahr m ihxev Herodot- 
== AacpvQLa v äyovßcc xa 8% xov noUiiov Aus^gabe Bd. 3'^ p. 745fr. .S'ee%er ob. Bd. l_s. v. 
Idcpvoa xal h Gvy^omj Aacp^Ca, also gleich qq Athamas.-K.O.Miiller,Orchomcnosvl^^^^^ 
'ä \ ' (VT ri A lOQ n 7^r^^ ^rl^r ^r,yr.. tificiert den Zeus L. anläfshch der Flucht des 

kp. 6,9 Z. 2, ff. _ Siehe dei Artikel L^Wos. ^ 5?aet"tf l"de!.o\f fal' ™™ü mit 

Lnoiti.j 2^^^ Meilichios; Seeliger oben Bd. 1 Sp. 674 

Laphrios {AdcpQiog), 1) Sohn des Kastalios, sieht in ihm eine Personitikation der verzeh- 

Enkel des Delphos, Vater des Nutios, Phoker rendeu Glut der Hunds age, vgl. f «'^f;;^' 5;f 

und Stifter des Kultus der Artemis Laphria (s. d.), d. rel de Ja Gr. ant. 2 p. 215 Anm. 2,W. beim a, t., 



1851 Lapis manalis Lapitlien (Wohnsitze) 1852 

Die poet. Naturanschauungen 2 p. 54 einen (vgl. Strabon 442) und des Phlegyas {Hes. fr. 
Sturmgott, ebenso llead, Hist. num. p. 251 7ö G. llymn. Hom. 16, 3), Larissa, wo Ixion 
„the dark god of storm and wintcr". Auf [Palaeph. 1. Apostol. 9, 73) und Polyphemos, 
Menschenopfer, die ihm ehemals dargebracht der Sohn des Elatos und Bruder des Kai- 
wurden {XacpvGGsiv verschlingen), beziehen den neus, herrschten {Apoll. Rh. 1, 40 f.), die so- 
Namen Buttmann, Myth. 2 p. 230, der an den genannte Pelasgiotis (vgl. ySimonides bei 
kinderfressenden Kronos und Moloch erinnert, btrahon 441) und Magnetis (mit den Städten 
Bahr, Herod. Bd. 3" p. 745, welcher den Dio- Larissa, Gyrton, Pherai, Mopsion, dem See 
nysos 'üftr^örrj 5 und 'ßfta'ö'iog mit ihm vergleicht, Boibeis, dem Ossa, Homole und Pelion), aus 
Welcker, Gr.Götterl. 1 ■p.'iQhi. Preller, Gr. M. lo welchen Landschaften die Pelasger von den 
1* p. 128. [Zur Deutung s. auch Fr. Back in Lapithen vertrieben wurden {Hieronymos bei 
Bursians Jahresher. 66 (Supplementbd. 1892), /S'ijafc. 443), das Thal des Pen ei os, des Stamm - 
346. Höfer,] [Drexler.] vaters mehrerer Lapithen, wo Lapithes, der 
Lapis maunlis s. Manalis. Sohn des Apollon und der Stilbe, herrschte 
Lapithen {AaniQ-ai) , ein berühmter, halb {Biod. 4, 69), die Gegend um den Olympos, 
dem Mythus, halb der Geschichte angehöriger wo Koronos herrschte {Diod. 4, 37), Pella 
Stamm Thessaliens {Aani,&uv (laztQcc €'zoaa- (Pele?), eine Stadt in Thessalien {Steph. Byz. 
Xi'av, Antip. bei Pseudoplut. de v. et p. llomeri s. v. tlillcx. und IliXq), der Sitz des Lapithen 
4, 6), dessen zahlreiche Vertreter in vielen nord- Pelates {Ov. Met. 12, 255), Atrax, die Stamm- 
griechischen Sagen, namentlich in denen vom 20 bürg des Kaineus (daher Atracides bei Ov. Met. 
Kentaurenkampt'e, von der Kalydonischen Eber- 12, 209; vgl. Ant.Lib. 17), Elateia bei Gyrton, 
jagd (vgL Apollod. 1, 8, 2. Oo. Met. 8, 303 f. wohl der Sitz des Elatos {Müller, Orchomenos 
Hygin. fah. 173), vom Argonautenzuge, von 195,7), wahrscheinlich auch Trikka {Müller, 
den Ivampfspielen zu Ehren des Pelias, endlich 2>onej-2,26. Orc/i. 199). Überweiterelapithische 
im Heraklesmythus und in der llias*) eiue Eponymoi thessaliscuer Ortschaften s. unten 
Bolle spielen, und in dessen Sagen folgende Sp. 1865 Anm. *. Als aufserthessalische Lapi- 
Hauptgötter bedeutsam hervortreten: Zeus thensitze werden genannt: Olenos und Elis 
und Hera (s. Ixion und Peirithoos), Peneios, wohin Phorbas, der Sohn des La^iithes, wanderte 
Apollon (als Stammväter), Asklepios und {Diod. 4, 69; vgl. auch Eust. zu IL 303, 9 und 
Herakles, letzterer als Feind der Lapithen. 30 Tedaphos Olemdes bei Ov. Met. 12, 433), wäh- 
I. Lokal der Sage und Wohnsitze rend er nach Diod. 5, 58 nach Bhodos zog, 
der Lapithen. Schon Homer {IL 2, 738 f.) endlich Knidos und Khodos, die Sitze des 
nennt als Sitze des Lapithen Polypoites, Sohnes aus dem Dotischen Gefilde ausgewanderten 
des Peirithoos und der Hippodameia (oder nach {Kallim. hymn. 6, 24. Steph. Byz. s. v. zJäzwv) 
Scltol. zu 2, 740 der Melanippe), und des Leon- Triopas, den einige für den Sohn des Lapithes 
teus, Sohnes des Koronos und Enkels des Kai- hielten {Diod. 5, 61). Ferner sollen nach einem 
neus (vgl. auch//. 12, 128f. 181; 6,29; 23, 836f.), freilich etwas verdächtigen Berichte des Diod. 
die thessalischen Städte Argissa, Gyrtone 4,70 einige Lapithen vor dsn Kentauren nach 
(in Perrhaibia nach Strabon 329 fr. 14; 439), Pheneos und Malea geflohen sein (vgl. den 
Orthe, Elone, Oloosson, also lauter Städte 40 Artikel Kentauren und unter Elatos). — Aristo- 
des nördlichen Teiles von Thessalien, welcher teles Pepl. 27 (Bergk) u. Eustath. zu IL 334, 29 
auch Perrhaibia und Hestiaiotis genannt wurde. (vgl. Herod. 7, 91. Strabon 668. Tzetzes zu Ly- 
Ferner sind als Lapithensitze bezeugt der Pe- kophron 487. 980) berichten endlich (nach den 
lion, von welchem die Kentauren vertrieben Nostoi? vgl. Epici gr. ed. Kinkel 1 p. 53), dafs 
wurden {IL 2,744; vgl. Polyb. 8, 11. Strabon Polypoites und Leonteus nach Uions Fall As- 
439), der Ossa {Lapithes O. b. Val. Fl. 7, pendos in Pamphylien gegründet hätten (vgl. 
606), der Pindos, in dessen Schluchten die imohC. Müller, Geogr. gr.min.'i-p.\b&. Eust. u. 
Najade Kreusa dem Flufsgott Peneios den Scliol. zu Dion.Per.850n.852L Immisch, Jahrb. 
Lapithenfürsten Hypseus gebar {Pind. Pyth. f. kl. Phil. Suppl. 17 S. 168. Wagner, Epit. 
9, 25 und SchoL; vgl. Diod. 4, 69), der Othrys 60 Vat. ex Apollod. bibl. p. 70 u. 259). Schon aus 
{Pindus et Othrys Lapitharmn sedes, Plin. hist. dieser Übersicht der ausdrücklich als Lapithen- 
nat.4:,dO. /S'o/w. p. 68 ilfo.), das Dotis che Ge- städte genannten uralten Sitze griechischer 
fil de **), der Sitz des Koronos***) nach Sopho- Kultur dürfte auf das deutlichste erhellen, dafs 
kies bei Steph. Byz. s. v. ^(oxlov = fr. 353 Nauck die Lapithen nicht etwa als mythische Personi- 
fikationen gewisser Naturmächte (so Mann- 
*) Wie schon Theocrit. id. 15, 141 richtig hervorhobt, hardt , E. H. Meyer) oder als märchenhafte 
gehören also die meisteB Lapithensageu der äitesteu Riesen odcr Hünen (Preller), sondem vielmehr 

Schicht des griechischen [Heroen-lIVIythus an. , -j. /-< /, -n^ ■■n„ .\ „i„ „,•„ i, ,n, ,1.,, o i,„iu 

*Ä- T. T> f V. ,. cij ■ ,• 1 1- Ty • * ("iit U. O. ßiiiUer) als ein lialb der Sage, halb 

**) Das Dotische Gefilde war ursprünglich die Heimat \ ^ i • i , i .. • ,.,i i- i 

der Ainianen, welche daraus von den Lapithen in das ^^r Geschichte angehoriger altthessalischer 
Gebiet der Aithiker verdrängt wurden nach Pl,/t. Q. Gr. 13; 60 Stamm autzutassen Sind. JMoch in historischer 

vgl. 2G. Nach sicph. By:. s.v. Aivia (nvhq TitQQaißuZv, Zeit leiteten sich die Kypseliden in Korinth 

y.ul yltvutn; ol oiy.ouvre; y.. r. ?..) safsen dio Ainianen {Herod. 5, 92), SOwio die Philaideu und 

freilich auch in Perrhaibieu. Als Eponyraen des Do- Perithoiden in Attika {Harpokrat. Suid. 

tischen Gefildes galten entweder Bot ia, die Tochter des l^]^r,^^ s. \. Ihgi&otöai: Steph. ByZ. S.V. *l- 

Klatos, oder Dotis, der Sohn des Asterion (Step/. Byz. j^^-,.^ . EuStath. Z. IL 100, 45. PrclUr, Gr. 

■ ***) Sehr wahrscheinlich war Koronos auch der Epo- ^^V^^'- 2, l*. 1-. Töpffer,AtL GcnCaL 276) VOll den 

nymoa der phthiotischen Stadt Koroneia (s. Bursian, Lapithen (Kaineus und Peirithoos) ab. Eine 

Geogr. v. (ir. 1, 79). thessalische Stadt ijapithe, von der sich Münzen 



1853 Lapitheu (Einzelnamen) Lapithen (Einzelnamen) 1854 

(m. Beischr. AATTTTI0ßN) erhalten haben sollen 5)Anclraimon (vgl. Haimonia = Thessalia 

[^^Eekhel 2, 139. Müller, ürchom. 198), erwLlhnt und den Männernamen Euaiuion) nach JJioU 

Epaphroditos bei Steph. Byz. s. v. (vgl. Anth. P. 4, 53 Bruder des Leonteus (also «oün des Ko- 

6, 307). Sie soll nach diesem ihren iSIamen ronos), der schon in der I/ms als Lapitlie «c- 

von Lapithes, dem Sohne des Periphas, er- nannt ist. 

halten haben. . c) Andreus (?), nach Faus. 9, 34, 6 Sohn 

11. Namen der einzelnen Lapithen in des Feneios, also Bruder des bei find, l'ytk 

alphabetischer Folge. Noch Porphyrios 9, 25 und Schol. ausdrücklich als Äani\rüv 

kannte nach Schol. II. 1, 266 nicht weniger als ^aaiUvq bezeichneten Hypseus (vgl. Mülkr 
60 Namen hervorragender Lapithen; wir haben lo ürchom. 133), wohl Eponyraos von Andreis 

deren im ganzen nur ungefähr 45 sichere zu- (== ürchomenos, der Minycrstadt in Boiotien, 

sammenbringen können (^die meisten bei Ov. die aber auch eine ebenfalls minysche Namens- 

Met. 12, 250f.; über die vermutliche sehr gute schwester im nördlichen Thessalien hatte; JSdr- 

Quelle des Ovid s. Bethc, Q. Diod. S. 97 f.; vgl. sian, Geogr. 1, 51). 

auch II. 1, 263f.; 12, 128 f.; 2,740.745. Hes. 7) *Antimacho3 (= Antion?), Name 

sc. Herc. 178 f. und die Fran9oisvase, G.I.Gr. eines Lapithen auf der Fran9oisvase {C.I.Gr. 

8185). Die Teilnehmer am Kentaurenkampfe 8185), vielleicht derselbe, der auch au der 

sind mit einem * bezeichnet, die nur vermutete Kalydonischen Jagd teilnimmt (ebenda). Ocid 

lapithische Abstammuug ist mit einem? an- (Mef. 12, 460j hat, wie es scheint, aus ihm einen 
gedeutet. Theseus, Nestor und Peleus (.Ewr. 20 Kentauren gemacht (vgl. Eurynomos und Ürios). 

Andr. 791. üv. Met. 12, 365), die sich als 8) Antion (= Antimacbos?), ältester Sohn 

Bundesgenossen der Lapithen am Kentauren- des l'eriphas, Enkel des Lapithes, Vater des 

kämpfe beteiligt haben sollen, sind natürlich Ixion nach Aesch. bei tSchol. Pind. Pylh. 2, 39. 

in dem folgenden Verzeichnisse weggelassen:*) Diod. 4, 69; vgl. iSchol. Ap. I\h. 3, 62. 

1) Aigeus (Augeus? = Augeias; s. Bethe, 9) Asklepios aus Trikka, vgl. //ms 2,731, 
Quaest. Diodor. 53 ff.), Sohn des Bhorbas, Enkel Eiist. zu v. 729 (p. 330, 20). i^trabon p. 437 u. 
des Lapithes und der Orsinome, König in 647, auch den Hymnus des Epidauriers Isyllos, 
Elis, I)iod. 4,69. Vgl. Apoll. 2,5, 5. ISchol. Ap. Ephem. arch. 1885 S. 69 f. l<'leckeisens Jahrb. 
lih. 1, 172. Pausan. 5, 1, IL lo. Pcdias. 5. /. PUilol. 1885 S. 824, nach Hymn. Hom. 16, 3 
Eust. zu II. 303, 11. 30 JcozLw iv nsöico geboren, ein Nachkomme des 

2) Aktor, Bruder des vorigen, König in Lapithes oder des Pblegyas, oder Sohn des 
Elis, Diod. 4, 69; s. auch die zu Aigeus an- Ischys und Enkel des Elatos (Bd. 1 Sp. 610). 
geführten Citate. Er soll sich auch nach einigen (Bd. 1 Sp. 508) 

-3) Alkon (?), Vater des bei Mcs. sc. Herc. am Argonautenzuge und an der Kalydonischen 

180 ausdrücklich unter den Lapithen genannten Jagd [Hyg. fab. 173) beteiligt haben. — 2^atür- 

Phaleros (s.d.), welch letzterer auch unter licn könnenauch die Asklepiaden Podaleirios 

den Argonauten genannt wird {Apoll. Bh. 1,97 und Machaon {II. 2, 731. 11, 614) als Lapi- 

u. Schol.). Bei Orpheus, Arg. 146 wird näm- then betrachtet werden. 

lieh Phaleros, Solan des Alkon, Gründer der 10) Asterion (?) oder Asterios {ApoUod. 
Lapithenstadt Gyrton genannt; vgl. 0. Müller, 40 1, 9, 16), Sohn des Kometes aus der thessa- 

Crc/(0/n. 197, 2. Nach ^2^0?/. ii/i. 1, 95 und ^Sc/toL lischen Stadt Peiresiai, Argonaut (^j;o//. i?/(. 

zu 97- war Alkon freilich ein Sohn des attischen 1, 35. Paus. 5, 17, 9. Orph. Arg. 164), Vater 

Erechtheus, sodafs die Möglichkeit nicht aus- des Dotis {Pherck. fr. 8 b. Steph. Byz. s. v. .Jw- 

geschlossen ist, den Phaleros als Begleiter des tlov). Vgl. den Lapithen Kometes bei üv. Met. 

Theseus und, ebenso wie diesen, als atti- 12, 284 und den Ort Asterion in Magnetis, 

sehen Bundesgenossen der Lapithen im Ken- als dessen Eponymos offenbar Ast. anzusehen 

taurenkampfe aufzufassen. Vielleicht ist er ist: //. 2, 735 u. Ä'c/do/. Strabon ^'d^. 

identisch mit dem Sohne des Ares, welcher an 11) Atrax, Vater des Kaineus nach Anton. 

der Kalydonischen Jagd teilnahm, Byg. fab. Lib. 17 (vgl. Oo. Met. 12, 209 CaeneusAtra- 
173 Vo-1 Phaleros. 50 cides) und der Hippodameia {Ov. Her. 1<, 248. 




Bh. 

■881), 

17,' 10. Hygl fab.' iC 128. Örph. Arg. 129. 948! besprochenen rotfig. Vase. 

Tzetz. zu Byk. 881. 980) genannten Lapithen ll^^) Augeias, s. Aigeus q , ,, 

Mopsos {Morpov z 'A^nv^Cönv), nach Ov. Met. 12) Autolykos (v) von IriWca Sohn dc-, 

12, 450 selblt am Kentaurenkampfe beteiligt. Deimachos (vgl. Bd. 1 bp. 508. 736), leilnehmoi 

Des Ampyx Vater war nach Schul. Apoll. Bh. an der Argotahrt. 

1,65 TudQccv; vgl. M6^og TuaQ/iCcos bei 60 13) Azoros (?), wohl Eponymos von Azoo^^ 

Hes. a. a. 0.^ Tzctz.ln LyLSSl sagt: o öh "A^- einer Stadt unweit des Olympo im pe rh.u- 

TtvKOs vlog r> Tcxa^Qwvos, d^' oh ^cci nöUs, bischen oder pelagomschen ^^bie he.8.v 

d. i. Titaron {Lykophr.ho^u. Schol. Steph. üens, n^oh Hesych s. v. Steuermann dei Argo 

Byz. Tuagcöv. Hyg. fab. 14: Titarensis). ^^{^n^^^^^üc Met 12 26^ 

*) Ebenso auch die Namen der liapithinnen Alkaia, V:r^\ ' 'iu. ,l/^y'l'> or.C. wnhl 

Astyagyia, Kyrene, Themisto, der 4 Töchter des Hypseus 15) •'CharaXOS, ÜV. Mct. li, -Ob, WüUl 

[s.d.]; der Hippodameia, Tochter des Atrax; der Orsi- Kponj'mOS dtS thcssalischen OharaX {üunsian, 

nome, T. d. Euryuomos; der Dia, T. d. Eioneus; Dotia, >-.-„„., „, r:,. i (jl) 

T. d. Elatos 5 Korou'is, T. d. Phlegyas U.S. w. ucuifi. v. ^i' , /• 



1855 Lapitlien (Einzelnamen) 

16) Deileon (?) aus Trikka, Sohn des Dei- 
macbos, Teilnehmer an der Argofahrt (Bd. 1 
Sp. 508 u. 978). 

17) Deimachos (?) aus Trikka, Vater des 
Autolykos, Deileon, Phlogios, sowie der Ena- 
rete, der Gattin des Aiolos und Mutter des 
Magnes, Apollod. 1, 7, 3. 

18) Dotis (?), Sohn des Asterios und der 
Amphiktyone nsich Pherel: {fr. 8) bei Stcph.Byz. 
s. V. ztcötiov, Eponymos des dcoziov neStov 
(vgl. Dotia). 

19) *Dryas (s. Töpffer, A. ä. Anomia 41 f.), 
als Bekämpfer der Kentauren genannt II. 1, 2(53. 
Hes. sc. 179 ; ferner auf der Fran^oisvase (0. /. Gr. 
8185) und bei Ov. Met. 12, 290. Nach Apollod. 
1, 8, 2 (vgl. Ov. Met. 8, 307 und Hyg. fah. 173) 
ist ein zJQvnq "Aqaoq sv. Kalvdävog Teilnf^hmer 
an der Kalydonischen Jagd. Vielleicht hat 
man in ihm den Eponymen von Dryopis zu 
erblicken. 

20) Eioneus (?) (= Deioneus, Töpffer, A. d. 
Anomia 39. 44), Sohn des Magnes, Freier der 
Hippodameia {Paus. 6, 21, 11. ScJwl. Eur. Phoen. 
1760), Bruder des Eurynomos (s. d.) Vater der 
Dia, Gemahlin des Ixion (Diod. 4, 69. Fhereh. 
bei Scliol. Apoll. Ph. 3, 62), wohl Eponj'^mos 
von Eion an der Grenze von Pierien {ISteph. 
Byz. s. V.). Seine Tochter Dia war viel- 
leicht die Eponyme von Dion in Thessalien 
oder Pierien {Steph. Byz. s. v. Jiov). Über die 
Schreibung des Namens s. Bethe, Q. Diod. 
mythogr. p. 54 Anm. 65. 

21) Elatos, Vater des nach II. 1, 264 am 
Kentaurenkampfe beteiligten Polyphemos {Ap. 
Jih. ], 40 f. Orph. Arg. 169) und Kaineus {IH- 
caearch. 3'Icss. fr. 30 = 2 p. 244 ed. Müller. 
Oo. Met. 12, 189 u. 497. Fhlcgon Trall. fr. 34 
= 3 p. 618 ed. Müller. Wagner, Epit. Vat. 
ex Apollod. hibl. p. 151), sowie des Ischys 
{Hyinn. in Ap. Pytli. 32. Hesiod. fr. 125 G. 
Pind. Pytli. 3, 31) und der Dotia {8tep>h. Byz. 
s. V. zicoziov), ursprünglich wohl Eponymos von 
Elateia zwischen Gyrton und Gonnos {Müller, 
Orclmn. 195 f. Töpffer, Att. Gen. 103, 2). Mit 
den Thessalern wanderte dieser Elatos wohl 
nach Phokis und Pheneos in Arkadien, Immer- 
wahr, ArJcad. Kulte 1 S. 39f. 154. 116f. 252f. 

22) *Euagros, Ov. Met. 12, 290. 

23) ■■'•Eurynomos (?), Sohn des Aioliden 
Magnes und der Phylodike, Bruder des Eio- 
neus, Vater des Hippios, kämpfte mit den 
Kentauren nach {Pisander? bei) Schol. zu Eur. 
Phoen. 1760; vgl. Diod. 4, 69 (Vater der Orsi- 
nome). Ov. Met. 12, 310 hat, wie es scheint, 
einen Kentauren daraus gemacht (vgl. Anti- 
niachos und Orios). Ist dieser Eurynomos 
f'twa identisch mit dem an der Boibeis, am 
Peneios und bei Meliboia heimischen Eury- 
damas, dem Sohn des Ktimenos? Vgl. Ap. 
Bh. 1, 67 u. Schol. Hyg. fab. 14. Orph. Arg. 167 f. 

24) *Exadios (Xadios), Hom. II. 1, 264 
n. Schol. Hes. sc. Herc. 180. Ov. Met. 12, 266. 
Nach Et. M. s. v. Bovqk war er ein Kentaur 
(? vgl. Eurj'nomos etc.) und Gründer von Bura 
in Achaja. Vgl. jedoch Scliol. in Callim. hy. in 
Del. 102, wo statt des E. Dexamenos (s. d.) 
genannt wird. Vielleicht ist an beiden Stellen 
Y.tvzavQO-Axövo(i statt -AtvzcivQos 7,\\ Icsen. 



Lapitlien (Einzelnamen) 185G 

25) Gyrton (?), Bruder des Phlegyas nach 
Steph. Byz. s. v. rvqzcöv. Dieser Phlegyas war 
nach Eur. bei Schol. Apoll. Bh. 3, 62 und 
Schol. II. 1, 268 (vgl. Serv. zu Verg. A. 6, 601. 
Scliol. Pind. Pyth. 2, 39) Vater, nach Strdbon 442 
Bruder des Ixion. Dafs Gyrton, der Sitz des 
Peirithoos und Ixion, eine Stadt der Phlegyer 
(= Lapithen, vgl. Müller, Orchom. 195) war, 
erfahren wir aus Slrabon 329 fr. 14 und 16. 

10 Steph. Byz. s. v. Kqdcvcöv und Schol. IL N 301 
(vgl. 3Iüller a. a. 0. 194, 3). 

26) *Halesos, Ov. Biet. 12, 462[?]. 

27) Hippios (?), Sohn des Eurynomos {Pi- 
sander bei Schol. Eur. Phoen. 1760). 

28) *Hoi)leus, Hes. sc. 180 (vgl. Hoplon 
und die Bezeichnung der AanL&ai als vti^qo- 
nXoL bei Pindar). 

29) *Hoplon auf der Fran^oisvase, wohl 
identisch mit Hopleus (s. d.). 

20 30) Hypseus nach Pind. Pyth. 9 (14), 25 
(vgl. Pherekydes beim Schol. z. d. St. und Diod. 
4, 69), AaniQüv vneQÖnlav ßaaiXsvg und Bruder 
des Ändreus (s. d.), Sohn des Peneios und der 
Nais Kreusa, Bruder der Stilbe; vgl. Diodor. 

4, 69, Gatte der Trikke, T. d. Peneios {Steph. 
Byz. l'QiKKT]. Eukt. zu II. 330, 26), oder der 
Chlidanope {Schol. Pind. P. 9, 31), Vater der 
Kyrene u. s. w. (s. Studniczka, Kyrene 146 ff. u. 
d. Art. Hypseus). Nach Akesandros \>&i\i\ Schol. 

30 zu Pindar a. a. 0. war Hypseus ein Sohn der 
Phillyra (Tochter des Asopos) und des Peneios. 
Weiteres s. in Bd. 1 unter Hypseus und bei 
StudniczJca a. a. 0. Letzterer macht seine 
Identität mit Zeus Hypatos wahrscheinlich. 
Ich vermute aufserdeiu in ihm den Eponymos 
der thessalischen (ainianischen) Stadt Hypata. 

31) Ischys, Sohn des Elatos (s. d.), von 
Cic. de nat. deor. 3,22, 56 Valens, von Ant. Lih. 
20 Alkyoneus genannt, also vielleicht Epo- 

40 nymos der von Kiepert nach Phthia versetzten 
Stadt Alkyone, Bruder des Kaineus {Apollod. 3, 
10, 3), Geliebter der Koronis, der Mutterdes 
Lapithen oder Phlegyers Asklepios (s. d.). Über 
den Namen s. auch Crusius, Philol. N. F. 3, 
120. Er bedeutet wohl entweder = 'la^vaiv 
oder = '/(jj;6fto;;^os; vgl. 'lo%Qnä%ri = Hippo- 
dameia (s. d.). 

32) Ixion, Sohn oder Bruder des Phlegyas 
(s. oben Gyrton), oder Sohn des Antion ( J.esc/t?//. 

50 bei Schol. Pind. Pyth. 2, 39; vgl. Phcrek. bei 
Schol. Ap. Bh. 3, 62), oder Sohn des Peision 
oder Peison oder Alton (Antion?) {Phcrelyd. 
b. Schol. Pind. a. a. 0. und bei Schol. Ap. 
Bh. 3, 62. Diod. 4, 69. Wagner, Epit. Vat. 
ex Apollod. hibl. 149. Töpffer, A. d. Anomia 
34), oder des Ares (a. a. 0.), oder des Leonteus 
(Eioneus? Hyg. fah. 62; vgl. Bethe a. a. 0. 

5. 55 Anm. 2), Vater des Lapithen Peirithoos 
von Larissa {Apollod. \,^, 2). Auch nach D/of/. 

60 4, 69 war er Sohn des Antion und der Perimela. 
Ausdrücklich Lapithe genannt bei Auson. 
Techn. 72 u. Schol. Luciani ed. Jacobitz 4:, 56.*) 

33) * Kaineus, Sohn des Elatos (s. d.), 
Jl. 1, 264 u. Schol. Hes. sc. 179; Fran9oisvase, 

*) Violleicbt ist aucb Ixion ursprüiiglieli Eponymos 
einer altthesaaliacben Stadt oder Uurg gewesen; vgl. z.B. 
die Ortschaften 'liö^ und 'Ji!ß[(] auf Rliodos, wo auch 
die 'Lajiit li en' l'horlms und Triopas lieiniiscli waren. 



1857 Lapithen (Einzelnamen) Lapithon (Einzelnamen) 1858 

Bikaiarch. fr. 30 bei Phlegon Mir. 5 u. s. w., in Thessalien {Schol. Äp. Rh. l 583 f) Sohn 

oder Sohn des Atrax (s. d.), nach II. 2, 74), des Aiolos, Enkel des Deimachoa (Apollud 

Vater des Koronos (Sohn desselben nach Hyg. 1, 7, 3), Vater des Eioneus (Paus G 21 11) 

fab. 14 p. 43 vgl. p. 39 B.) und Grofsvater Pieros {Apollod. 1, 3, 3), wohl des Eponymos 

des Leonteus, auch als Teilnehmer an der von Pierion zwischen der Boibeis und Nessonis 

Kalydonischen Jagd {Ov. Met. 8,305. Hyg. und des Eurynomos (s. d.). Vgl. die Münze von 

fab. 173) und am Argonautenzuge genannt (s. Magnesia (Thess.) bei Imhoof - Bhmcr und 

ob. unter Kaineus und Bd. 1 Sp. 509), Ahnherr Keller, Tier- und Pßanzenbilder Taf. 11, 43. 
des Kypselos von Korinth {Herod. 5, 92). 44) *Makareus, Ov. Met. 12, 452,' vi(d- 

34) *Keladon, Ov. Met. 12, 250. lo leicht Eponymos von Mäv.{-)i\ccqai- xmqu vnio 

35) *Kometes, Ov. Met. 12, 284, wohl ^dgaalov (Stcph. Byz.). 

Vater des Argonauten Asterion {Paus. 5, 17, 9: 45) *Mopsos {'J[iJtvKCSr}s Tnagiioiog o^og 

Kypseloslade). _ "Aqyjos), Hcs. sc. 181. Ov. Mit. 12, 456, Teil- 

36) Koronos (vgl. Koronis, Mutter des nehmer am Argonautenzuge {Apoll. Bh, \ , V>b 
Asklepios), Sohn des Kaineus, Beherrscher und Schöl. Strabon 443. Orph. Arg. 129) und 
des JcÖTtov Ttsdiov {II. 2, HG. Soph. fr. 35S N.), an der Kalydonischen Jagd (C. /. Gr. 8139. 
Vater des Leonteus, auch Argonaut {Ap. Bh. 7382. Ov. Met. 8,316. Hyg. fab. 173), Epo- 
1, 57. Apd. 3, 10, 8. Or2oh. Arg. 139), Ahnherr nymos von Mopsion in Thessalia Pelasgiotis 
der attischen Philaiden {Stcph. Byz. s. v. $i- nach Hieronymos bei Strabon 443. Abgebildet 
Xatdai), Eponymos des thessalischen und wohl 20 auf der Bronzemünze von Mopsion in Thessa- 
auch des boiotischen Koroneia (Bttrsian, (reof/r. lien bei Imhoof- Blumer und Keller, Tier- u. 
1, 79; vgl. Thersandros), nach Ap. Bh. a. a. 0. Pflanzenbilder Taf. 11, 42. 

ausGyrton stammend. Vgl. Topffcr, Att. Genea- 46) Olenos (?), vielleicht Vater des Tekta- 

logie 276 f. phos {Tectaphos Olenides, Ov.Met. 12, 433), wohl 

37) *Korythos, Ov. Met. 12, 290. Eponymos der Stadt Olenos, wohin nach Biod. 

38) *Krantor? (Eponymos von Krannon?) 4, 69 der Lapithe Pborbas gewandert sein 
nach Ovid kein Lapith sondern ein Doloper, sollte. Vgl. Soph. fr. 279 N. VAhov y^g (poq- 
armiger Pelei, Sohn des Amyntor, Ov. Met. ßdSog. 

12, 361 f. Vgl. Hygin. fab. praef.: ex Saturno 47) *Orios, Sohn der Thessalerin Mykale 

et Philyra Chiron, Bolops und den rvußog so nach Ov. Met. 12, 262 f. (vgl. Sen. Herc. Oet. 

JolonriXog an der Küste von Magnesia {Ap. 528 f.). Beruht dieser Lapithenname bei Ovid 

Bh. 1, 585 u. Schol. z. v. 587). vielleicht auf einer Verwechselung mit dem 

39) *Kymelos, Oo. Met. 12, 454 (vgl, Kentauren Oreios? Vgl. Antimachos und Eury- 
Sp. 1866 Anra. *). nomos. 

40) Lapithes, nach Diod. 4, 69 und 5, 61. 48) Peirasos (?), wohl Eponymos des thes- 
Schol. Apoll. Bh. 1, 40. Schol. Hom. II. 1, 266; salischen Peiresia (Peire9iaj;i]= Asterion, Äic/)7j. 
12, 128 Sohn des Apollon und der Stilbe, Bruder Byz. s. v. TJsiQaGia. und AarsQiov. Schol. Ap. 
des Kentauros (nach Epaphroditos bei Steph. Bh. 1, 583. TJsener, Bh. Mus. 23, 347, 92 f.), 
Byz. s. V. Aani&r} Sohn des Periphas, nach Bruder des Phorbas (s. d.), vielleicht = Priasos 
Hesych. s. v. Aa7Cid-<xL Sohn des Ares, nach 40 (s. d.). . ■ d r " 
i^iod. 5, 81 des Aiolos, also Bruder des Magnes), 49) *Peirithoos, Sohn des in ein Rola 
Gemahl der Orsinome, Vater des Phorbas und verwandelten Zeus oder des Ixion und der 
Periphas {Biod. 4, 68; 69), nach einigen auch Dia {Hom. II. 1, 263 u. Schol. [Töpff er Aus 
des Triopas (Biod. 5, 61) und des Lesbos cZ. ^wowia Berl. 1890 b. 32 t.J; 2, 741; 14, 317. 
{Biod. 5, 81). Er war Stammvater der Lapithen Hes. sc. Herc. 179. Biod. 4, 69. Ephor bei 
und Eponymos der Stadt Lapithe (Biod. und Phot. s. v. TTspt^or^at; yg . -^ponod- h ^'oi' 
Steph. Byz.), doch scheint er ein erst verhält- Vater des Polypoites {II 2, 741; 12 1^9; 
nismäfsig spät entstandener Eponymos zu sein, vgl. Od. 21, 296). Er mmmt nach ^pollod^h 
da er, wie es scheint, im älteren Mythus nicht 8, 2. Hyg fab 14. 173 Ov Met. ^ 303 404 
vorkommt. Übrigens läfst der Umstand, dafs 50 auch au df ,4:^0^^^':^ ""^ /° „"^^^j ^.^.T 
Apollon im Westgiebel des olympischen Zeus- nischen Jagd teil ^vgl. jedoch ^i^oZ/i^*. 1 103 . 
tempels und auf dem Fries von Phigaleia den 49b) Peis[i]on, Vater des Ixion (s. dO^ 
Lapithen gegen die Kentauren beisteht, mit Vgl. . ^.^cro, =,?^^?ff ^«^^^^^^f^^^f^^JjJ^J^'^' 
Wahrscheinlichkeit auf die Existenz jenes Peneios?] und die [thessalischen Ort.nanien 
Mythus von der apollinischen Herkunft der Hioa (/Jaca) und maai {Jhiaai), sowie das 
Lapithen in der Zeit der Erbauung jener ^-^«J-, «^J^-.^^eSus, Oc. Met 12, 055. 
Tempel schliefsen. /^^ , • i- u T?^^v,^^/^c irnn PpUt odpr Pele 

41) Leonteus, Sohn des Koronos, Enkel wahrscheinlich Eponymos von Pella odei 1 tle 
des Kaineus {Holn. II. 2, 746; vgL 12, 130; m Thessalien (Steph. Byz. s y. mir, u^IhXl. 
23, 837. Ainl. 3, 10, 8), mit Polypoites zusammen go Monimi frgm Kr. Mist. ü-> . 4 p 4o , k 
Führer de^- LapitlJ'vor Ibon. Wir haben in ^-«^-^-^t^^^f^^fi^^^ 

ihm wohl den Eponymos von Leontinoi ,^V ^ ^ qqq wnM p^ L-iiiithe Erßndcr 

(Leontion;) = >y-.« - Thessalien (Ste„>. n„d iMcun^ '^^^ S;f fl l^Cl^- ^'"«''J- 

Aiolos; Dioäi, 81, Vg. vTb,. die thessra. '^^'^^^^^^^'^^^^K.ouy... 

'"'rsf Magre'" (Äiymör'v^nyakne'S .ic. na.*,ö.... a,„ i'e.ion. ^^ 

EosCHBR, Lexikon der gr, u. röm. Mytliol. 11. 



1859 Lapithen (Einzelnamen) Lapithen (Gesamtname) 18G0 

52) *Periphas, Oü.ilfei. 12,449, nach D/orZ. 12, 129; vgl. C. I. Gr. 6126 B. Quint. Smyrn. 
4,69 Solm, nach Steph. Bys. 9. v. Aant&r} Vater 12, 318 u. oft. Welcher, Ep. CyU. 2, 246. 

des Lapithes, Bruder des Phorbas, Gemahl der 61) Priasos (= Peirasos?), „Caenei filius 

Astyagyia, Tochter des Hypseus, Vater des ex Magnesia", Argonaut, Hyg. fab. 14 p. 43 B. 

Antion, zugleich attischer Autochthon, Töpfler, 62) *Prolochos, Hes. sc. Herc. 180. 

A. d. Anomia 34, 3. Von PhereJcydes {fr. 48 63) *Tektaphos, Olenides, Ot;.Mei.l2,433 

bei Schol. Eur. PJioen. 53) wird Periphas Vater (vgl. Tektaphos oder -amos, S. d. Doros). 

der Euryganeia, Gemahlin des Oidipus, genannt; 64) *Ther[s]andros, Teilnehmer am Ken- 

bei Faus. 9, 5, 11 heifst er Hyperphas (s. d.). taurenkampfe nach einer jetzt verwischten In- 

63) *Phaleros (?), Hes. sc. 180, nach lo schrift der Fran(joisvase (C /. G^r. 8185 p. 193), 

Schol. Apoll. Eh. 1, 96 Sohn des Alkon, Enkel Vater des Koronos {Steph. Byz. s. v. KoQcöv^ia). 

des Erechtheus, nach Orph. Arg. 145 Gründer 65) Titaron (?), nach Schol. Ap. Bh. 1, 65 

von Gyrton, Teilnehmer am Argonautenzuge Vater des Ampyx (Ampykos), Grofsvater des 

(vgl. Müller, Orchoin. 197), vgl. C. I. Gr. 4 Mopsos (vgl. TiraQriaiog, Hes. sc. 181), Epo- 

p. XVIII nr. 7731. Wahrscheinlich war er der nymos von TLzccqcöv (Steph. Byz.) oder Tixccqov 

Eponymos von Phalara {^älriqov b. Steph. Byz. in Thessalien (s. ob. unter Ampyx). 

s.v.) in Thessalien, nQog xfj Ohr] {BurHan, 66) Triopas, Sohn oder Vater des Phor- 

Geogr. v. Gr. 1, 83). Könnte sich nicht die bas (s. d.), oder Sohn des Lapithes (DtocZ. 5, 61). 

Identificierung des attischen Eponymos Phale- Vgl. auch den Perrhaiberfürsten Triopas 

ros mit dem Lapithen Phaleros ebenso er- 20 beim Schol. und Eust. zu II. 4, 88, dessen Sohn 

klären, wie die des attischen Koronos mit deui KccQyiixßog oder KaQvüßag Zeleia in Lykien 

lapithischenKoronoa? Y gl. Töpffer,Att. Geneal. gründete. — Wenn Nestor, Theseus*) {II. 1, 

276 f. Vielleicht identisch mit dem an den 265. Hes. sc. Herc. 182 u. s. w.) und Polens 

Kampfspielen des Pelias beteiligten Phalareus {Ov. Met. 12,36b) als Teilnehmer am Kentauren- 

(Parts. 5, 17, 10). Ygl. noch Hyg. fab. li ly. ilB. kämpfe genannt sind, so dürfen sie natürlich, 

Tzetz. LyJc. 115. Val. Fl. l,3dSu.'6. Steph. Byz. wie schon oben bemerkt, deshalb _ noch nicht 

^.\. ^älriqov. Töpffer, A. d. Anomia 3di. Anm. 3. als Lapithen angesehen werden. Übrigens er- 

54) Phlegyas (?), nach Eurip. bei Schol. hellt auch aus den Einzelnamen der Lapithen 
Apoll. Bh. 3, 62 und Schol. II. 1, 268. Schol. und deren Beziehungen (namentlich zu be- 
Pind. Pyth. 2, 39 Vater, nach Strab. 4:4:2 Bruder 30 stimmten Ortschaften, deren Eponymoi sie 
des Ixion, auch Bruder des Gyrton {Steph. Byz. sind), auf das deutlichste, dafs wir es nicht 
s. v. FvQTcöv), Grofsvater des Asklepios; nach etwa mit Personifikationen von Naturmächten 
dem Hymnus des Epidauriers Isyllos (s. oben) zu thun haben (s. Sp. 1865 Anm. *). Die Namen 
ein Epidaurier, Gemahl der Kleophema (welche der Kentauren (s. d.) gehören gröfstenteils ganz 
ihm die Aigla oder Koronis gebar), Eponymos anderen Vorstellungsbereichen an als die La- 
von ^Xeyva, nöUg BoimzCccg {Steph. Byz. s. v.), pithennamen. {Jahrb. f. cl. Phil. 1872, 421 ft'.). 
vgl. L. Havet, Bev. de pihilol. 1888 p. 164; III. Was den Gesamtnamen Aant&ca 
Sohn des Ares und der Dotis {Apd. 3, 5, 5) betrifft, so sind darüber viele unsichere Ver- 
oder des Ares und der Chryse {Steph. B. a. a. 0.). mutungen ausgesprochen worden. Gewöhnlich 

• Er wohnte nach Hymn. Hom. 16, 3 dcorioj sv m bringt man den Namen unter Hinweis auf den 

•jibSCo). Charakter einiger Lapithen, z. B. des Kaineus 

55) Phlogios (?), Sohn des Deimachos aus und Ixion, mit den bei den alten Lexikographen, 
Trikka, Teilnehmer am Argonautenzuge {Apoll. namentlich Hesychius überlieferten Glossen Xa- 
Mh. 2, 956). TTt^ff yavQOvxDci, vgl. Soph. fr. 954 iV.; Xani- 

56) Phokos, „Caenei filius ex Magnesia", v.xr]v v.av%r]xriv\ XunLaxrig . . . (pXvccQog, xqv- 
Argonaut, Hyg. fab. 14 p. 43 B. cprjXog, [irj t%av cpQovziScc; Xani'axQLa- QSfißo- 

57) *Phorbas (s. d.), Ov. ilfei. 12, 322, nach ^^vr], fisxscoQi^ofisvr] zusammen und erinnert 
Diod. 4, 69 und 5, 58. Paus. 5, 1, 11 Sohn des zugleich an cpXeyväv, was bei den Phokern die 
Lapithes, nach Hymn. in Ap. Pyth. 33. Hyg. Bedeutung von vßQt^giv gehabt haben (vgl. 
P. Astr. 2, 14. Paus. 7, 26, 12 Sohn des La- 50 Eust. II. 13, 301 p. 933, 15) und von den my- 
pithessohnes (Diod 5, 61) Triopas, auch Bruder thischen Doppelgängern der Lapithen, den 
des Peirasos und Vater des Triopas genannt ^Xsyvai, abgeleitet sein soll, obwohl Herodian. 
{Paus. 2, 16, 1; 4, 1, 1. Schol. Eur. Or. 920; tt. (lov. Xi^. 44, 33 das Wort einfach = qiXsya 
vgl. Wide, Lakon. Kulte 234, 1 und Tupffer, A. setzt (so Müller, Orchom. 195. Preller, Gr. M. 
d. Anomia 34). Wahrscheinlich war er auch 2,11; ygX. diachUnger, Paradoxa Theb.-^.2i:li.). 
Eponymos von ^o^ßäg- nöXig täv sv OsaaaXia Wäre dies richtig, so müfste jedenfalls XaTtL^co 
'AxuLmv {Steph. Byz. s. v.). ganz unabhängig von Accni&rjg von einer (neuer- 

58) Pieros(?), Sohn desMagnes {Apd.1,3,3), dings nachgewiesenen) gemeinsamen Wurzel Xan 
Bruder des Eurynomos, wohl Eponymos von = vßQL^siv (vgl. Vanieel-, Griech.-Lat. Etym. 
Pierion in Thessalien {Bursian, Geogr. v. Gr. go Tl-^oyto-ft. S. 841) abgeleitet sein, da eine Bildung 
1, 73, 3). des Verbums vom Eigennamen AanL&rjg not- 

59) *Polyphemos, Hom. II. 1, 264, nach wendig die Form XaniQ-i'^co fordern würde. 
Apoll. Bh. 1, 40 Sohn des Elatos, Kentauren- Doch scheint es bedenklich, einen Charakter- 
bekämpfer und Argonaut (vgl. Apd. 1, 9, 16. zug, den nur einige wenige Angehörige des 
Orph. Arg. 169 rj&sCog Kaivrjog), von Larissa ^, ^^ , ,,, „ . „ ,ono o »n. , • * ^ 

«stnin o ] I '1 •^) Nach Ed. Meyer im Hermes 18i)2 S. 394 scheint der 

. T, * 1 ., ri 1 1 n • -xi von Theseiis handelnde Vers Aes Homer und Hesioil später 

60) PolypOltes, Sohn des PemthoOS, von den Athenern im Interesse ihres Lieblingshelden 

Führer der Lapithen vor Troja, II. 2, 740 f.; eingeschoben. 



1861 Lapithen (Gesamtname) Lapitheu (Mythen) 18G2 

Namens, wie z. B. Kaineus und Ixion, keines- da die einzelnen Lapithengeschlecbtcr ganz 
wegs aber alle Lapithen haben, zum Ausgangs- verschiedene Ursprünge haben. Als die ältesten 
punkt der Etymologie zu machen. Viel glaub- vom Mythus genannten stellen sich dar: Hyp- 
licher ist es dagegen, den Namen mit dem seus und Andreus, die Söhne des Peneios und 
Gebirge Aüni&og in Triphylien, wo nach Paus. der Nais Kreusa (auch Atrax wird ein Sohn 
5, 5, 8 — 10 (vgl. Steph. B. 'Aajiälcov; mehr des Peneios genannt), Phlegyas, der Sohn des 
b. Lobeclc, Fatliol. prol 364 flf.) die Sage vom Ares und der Chryse (Tochter des llahnos 
Kentaurenkampfe des Herakles heimisch war Enkelin des Sisyphos), Lapitlies, der Sohn des 
(vgl. auch die oben angeführte Sage von der Apollon und der Stilbe (Tochter des Peneios 
Wanderung des Lapithen Phorbas nach Olenos lo und der Kreusa), ferner Elatos, Deimachos und 
und Elis), sowie mit dem von Paits. 3, 20, 7 und Titaron (Vater des Ampyx), deren Abstam- 
Stepli. Byz. s. v. Aanid-r} erwähnten und nach mung wir nicht kennen. Von Lapithcs, dem 
einem Heros Aanid'ag benannten Ort oder Berg eigentlichen Eponymos und Archegetes des 
Aanid-aiov am Taygetos zusammenzustellen Geschlechts, ist schon oben gesagt, dafs sein 
und zugleich mit diesen Namen auf eine noch Mythus ziemlich jung zu sein scheine. Vgl. 
in lap-is und Isn-ag (Fels, Klippe) erhaltene die Stammbäume bei Gerhard, Gr. Myth. 2 
gemeinsameWurzelzurückzuführen, sodafs dann S. 227 und Müller, Orchom. 1, 465. • 
der Name die in steinernen oder auf Felsen b) Der Ke n taurenk am pf der Lapithen 
erbauten Burgen Hausenden bezeichnen würde, ist schon im Artikel Kentauren ausführlich 
was, wie man sieht, ganz gut auf die Lapithen 20 behandelt worden, daher hier darauf ver- 
als Bewohner und Gründer der uralten thessa- wiesen Averden mufs (vgl. auch die Artikel 
lischen Akropolen*) passen würde (vgl. Cwrii^s, Peirithoos, Theseus). Nachzutragen habe ich 
Grdz. d. gr. Et.^ S. 637. Kuhn's Zeitschr.7,9S jetzt dazu nur noch die von Laistner, Bütsel 
und Preller, Gr. Myth. 2, 10; sehr kühn d. Sphinx 1, 315 aus der slavischen Mytho- 
Laistner, Bütsel d. Sjyhinx 1, 316). Neuerdings logie beigebrachte Parallele, wonach „Nixe 
haben Mannhardt {Antike Wald- und Feld- auf den Tanzplatz der wendischen Jugend 
hulte 90) und Meyer {Gandharven 190), welche kommen und mit den jungen Burschen Händel 
in den Lapithen kein wirkliches halbhistorisches anfangen". — Äel. var. hist 11, 2 erwähnt eine 
Volk, sondern ebenso wie in ihren Gegnern, Bchriit Äani&äv y.ccl K^vzavQcov ^ccxrj yon einem 
den Kentauren, ursprünglich Personifikationen 30 sonstunbekannT;enMilesier Namens i(fdesawf?ros. 
von Naturerscheinuügen erblicken (wogegen c) Einige Lapithen nahmen auch an der 
nicht blofs der Gesamtmythus, sondern auch Kalydonischen Eberjagd teil nach Apoll. 
die schon homerische ausdrückliche Gegenüber- 1, 8, 2. Ov. Met. 8, 303 f. und Hyg. fab. 173. 
Stellung der avdqfg [ry^cofg] und cpriQsg, II. 1, Genannt werden Peirithoos C^poZ/od, Ol).;, Kai- 
262 f.; 2, 740 f. Od. 21, 299; vgl. Hyr)in. in neus (Ov., Hygin.), Dryas (Lapithe? Apollod., 
Mercur. 222 f. und das Auftreten vieler La- Ov., Hygin.), Mopsos (Münchener Vase nr. 125, 
pithen als Eponymoi thessalischer Städte Ov., Hygin.J, Asklepios (Hygin.J, Alkon (La- 
streitet), dieser Deutung entsprechend, den pithe? Hygin.). 

Namen mit IcctXa^, lancctco, dXand^co zu- d) Ebenso wird von einer Beteihgung em- 
sammenzubringen versucht und den 'l^iav als 40 zelner Lapithen an dem lange nach dem Ken- 
cil,LarQocpos (vgl. Kuhn, Herabkunft des Feuers taurenkampfe {Ap. Bh. 1, 41) unternommenen 
69), den n^iQL&oog (= der sehr Schnelle) als Argonautenzuge erzählt (s. ob. die Belege im 
Ringsumläufer (d. i. Wirbelwind) gedeutet, Verzeichnisse der Lapithen und Bd. 1 Sp. 5081.). 
wofür es jedoch an jedem Anhalte fehlt (vgl. Besonders gilt das von Kaineus, Koronos, Mop- 
dagegen Boscher in Fleckeisens Jahrb. 1877 sos, Peirithoos, Asterion, Polyphemos und Pha- 
S. 405f und die Artikel Ixion und Kentauren). leros, sowie von den Söhnen des Kaineus, 
. [Eine andere Deutung s. bei Pott, Zahlen von Phocus (?) und Priasus (?) bei Hygm. 
kosmischer Bedeutung, Zeitschr. f. Völkerpsych. u. e) An den auf dem Kasten des Kypseloa 
S2)rachiviss. 14 (1883), 15 ff., der Lapithen mit dargestellten Kampf spielen de s ielias 
Xdansiv und der in i^ccQÖg (heiter, klar, rein) 50 sollen teilgenommen haben: Asterion Mopsos, 
und i&a^vco enthaltenen Wurzel oder mit Phalareus (= Phaleros?), Paws. 5, 17, 9ö 
Sanskr.td/i (entzünden) zusammenbringt. Höfer.] f) Kampf mit Herakles und den 
IV. Die Mythen von den Lapithen. Dorern unter Aigimios u s. w. (vgl Muller 
Indem wir die Mythen der einzelnen hervor- Dorier 1, 28f. 2U 411f. Melcker,Ep. CyhhiS 
ragenden Lapithei (z. B. des Ixion, Kaineus, 1, 246f. Dibbelt, Q. Coae mythoog. V-ff-)- 
M?psos, Peirithoos u. s. w.) den betreffenden Die älteste Quelle dieses Mytlius ist un- 
Einzelakikeln überlassen, wollen wir hier nur zweifelhaft das dem ^P^^f^f^^'J^^Jl''^ 
den Gesamtmythus derselben kurz darzustellen kops von Müet zugeschriebene Epos ^t^ mios 
versuchen gewesen, woraus Apollodor (2,7,7), Diod^r 
a) Abstammung. Einen einheitlichen 60 (4 37) und ^ie Inschrift C/.Jr. 5984 U 47t 
Stammbaum der obe? (Abschnitt H) aufge- folgendes erzählen, ^le Lapithen unter Ko- 

führten Lapithen zu entwerfen ist unmögHch, ronos, dem Sohne ^^ .^^^^^^^"«j.^^J J/;^^^ 

deten des Laogoras, Königs der L»ryoper, oe 

*) Vgl. Neitmann - Partsch, Phys. Geogr. v. Griech. S. 187 : kriegten den Aigimios, den König der noch in 

„Steta behauptete der Adel [Thessaliens] von den festen Hestiaiotis wohnenden DonSr*), und belagerten 

Schlössern aus, welche die vereinzelten Felsknollen HinsichtUch dos Gegensatzes de. (dorischen?) 

mitten in dem reichen Flachland krönten, die Herr- /^/~^fpj,l,gyer Lapithen ». Malier, 0,0,0. 

Schaft über das in grofse Güter geteilte Gebiet, auf Apollon una aer jtuibbj 

dessen Triften seine Kofsherden grasten." menos^ 188 f. üorxer i, iii. 



59 



* 



1863 Lapithen (Mythen) Lapithen (Bedeutung) 18G4 

ihn; da rief dieser den Herakles zu Hülfe unter sein, entweder eine Überlragung von den eu- 
dem Versprechen eines Drittels vom dorischen hemeristisch als erste Reiter gedachten Ken- 
Gebiete. Herakles kam auch wirklich mit den tauren (vgl. Diod. 4, 70. Plin. 7, 202; mehr bei 
Arkadern den Doriern zu Hülfe, tötete den Welcker a. a. 0.) oder eine Abstraktion von 
Koronos und Laogoras (nach Apolloclor samt- den historischen Thessalern, die von jeher 
liehe Lapithen, nach Diodor die meisten) und durch ihre Rossezucht und Reiterei berühmt 
zwang die Lapithen, das streitige Gebiet auf- waren. 

zugeben, oder nahm ihnen ihr ganzes Gebiet h) Hinsichtlich der lapithischen Abkunft der 

und gab es dem Aigimios nach Apollodor.*) Kypseliden in Korinth, der Philaiden und 

Vielleicht beziehen sich auf diese Vernichtung lo Perithoiden in Attika s. oben Abschnitt I. 

der Lapithen die Worte Virgüs Aen. 7, 304: Nach Skymnos v. 61 6 f. leiteten aucb die Ai- 

„Mars perdere gentem immancm Lapithum va- nianen ihre Abkunft von den Lapithen ab. 

hiit" , welche gewöhnlich auf die nur bei Nach Hesychius s. v. KsvxavQOf X'^atai. >tal. 

Diodor 4, 70 (vgl. SchoL Find. Pyth. 2, 85 und ol Jiviävsg*) scheint man in späterer Zeit die 

Serv. zu Aen. a. a. 0.) berichtete Besiegung der von den Lapithen ebenfalls in das Gebiet der 

Lapithen durch die Kentauren bezogen werden. Aithiker (ßÜQßaQoi und Xi^arai, wie die Ken- 

— Nach Strabon 442 und Plut. Q. Gr. 13 ü. 2G taureu [s. d.], nach Stepli. Byz. s. v. At^i-nia) 

sollen die Ainianen aus dem Dotischen Gefilde, verdrängten Ainianen (s. oben) mit den eben- 

nach Hieronymos bei Strabon 443 die Pelasger dorthin verjagten (als Reitervolk gedachten) 

aus Thessalien (nach Aitolien), nach Simonides 20 Kentauren identificiert zu haben. Vgl. auch 

bei *S'<'ra&o« 440 f. die Perrhaiber aus ihren Sitzen StepTi. Byz. s.v. "AybVQoq: voteqov Sh ÄsXsysq 

von den Lapithen verdrängt worden sein. ot avxol [01 AfivQatoi, 'EoqSoi] nal KsvtavQOi 

g) Die Lapithensage bei Diodor (4, 69; 'aal '^Imiov.svtciVQOi [fxß^oüjro]. ib. EvttoIiq 8s 

5, 58 und 5, 61; vgl. auch 4, 37). Nach Diod. 'Aavgovg avrovg liysi -JiXriaLOxcoQovg t^? Mo- 

4, 69 war Lapithes der erste Lapithenkönig im XoTziag. Auf diese Weise begreift man die Ab- 

Peneiosthale, ein Sohn des Apollon und der leitung der Ainianen von den Lapithen, da ja 

Stilbe und Bruder des Kentauros. Mit der auch die Kentauren von dem Lapithen Ixion 

Orsinome, der Tochter des Eurynomos, zeugte abstammen sollten. 

er zwei Söhne, den Phorbas und Periphas. V. Deutung und Littera,tur. Aus der 

Phorbas zog nach Olenos, von -^o ihn Alektor, 30 vorstehend mitgeteilten Übersicht über die 

König von Elis, aus Furcht vor der Übermacht sämtlichen Lapithensagen dürfte so viel als 

des Pelops zu sich berief, um mit ihm die unumstöfsliches Resultat hervorgehen , dafs 

Königsherrschaft zu teilen. Seine beiden Söhne die Lapithen (ebenso wie die Myrmidonen, 

Aigeus (= Augeias) und Aktor waren seine Dorer, Ainianen, Dryoper, Doloper) als ein halb- 

Nachfolger. Vgl. Btthe, Q. Diod. myth. 53 ff. mythischer, halbhistorischer Stamm Thessaliens 

Nach Zenon v. Rhodos fr. 2 bei Diod. 5, 58 anzusehen sind, wofür sie namentlich schon 

(vgl. auch Polyzelos v. Rhodos bei Hygin, P. 0. Müller, Orchomenos 195 (vgl. auch Gerhard, 

Astr. 2, 14) soll Phorbas, Sohn des Lapithes, Gr. Myth. % 669 — G72. Bursian, Geogr. v. Gr. 

von den Rhodiern, als grofse Schlangen ihr 1, 50f., Voigt in Ersch u. Grubers Sncykl. unter 

Land verheerten, auf den Rat des Apollon aus 40 Kentauren Sekt. H Tl. 35 S. 223. Röscher da- 

Thessalien nach ihrer Insel berufen, dieselbe selbst unter Lapithen) erklärt hat. Müller hat 

von der Plage befreit haben und später da- zugleich darauf aufmerksam gemacht, dafs der 

selbst als Heros verehrt worden sein, während Stamm der Phlegyer, deren Wohnsitz durchaus 

5,61 von Triopas (dessen Sohn nach Hymn. mit dem der Lapithen zusammenfällt**), so viel- 

in Ap. Pyth. 33 Phorbas war), nach einigen fach in den ältesten Sagen mit den Lapithen 

dem Sohne des Lapithes, erzählt wird, er habe vermischt ist, dafs er mit ihnen fast identisch zu 

Triopion im knidischen Gebiete gegründet. sein scheint. So wird Ixion, der Vater des La- 

Periphas dagegen heiratete die Tochter des pithenPeirithoos, ein Sohn des Phlegyas;Gyrton, 

Hypseus, Astyagyia, und zeugte mit dieser der Eponymos der Lapithen- und Phlegyerstadt 

acht Söhne, von denen der älteste, Antion, 50 Gyrtone {II. 2, 738; vgl. die- bei Müller a.a.O. 

derGemahlderPerimela,(TochterdesAmythaou), 194, 3 angeführten Stellen), ein Bruder des 

den Ixion zeugte (4, 69). Das Weitere s. unter Phlegyas; Asklepios ein Nachkomme bald des 

Ixion. Nach Diod. 4, 70 wurden schliefslich Lapithes, bald des Ischys, bald des Phlegyas 

die Lapithen von den Kentauren besiegt und *) Als Stammvater der Ainianen baten -wir wohl 

nach PheneOS und Malea vertrieben (s. Ken- Alneus, den Sohn dea Apollon und der stilbe, also 

tauren). (Hinsichtlich der sonstigen Bezie- Bruder des Lapithes, Gemahl der Ainete und Vater 

hungen der Lapithen und Kentauren zu Phe- ^'^^ Kyzikoa (Ap. Rh. 1, 948 und Schoi. Vai. Fi. 3, 4. Orph. 

neos und dem übrigen Peloponnes vgl. Immer- 1''^- ^^^^ anzusehen. lOmon (4i) macht Kyzikos als Fürsten 

,7.. A..1, 7 T^ 71 tyna? -< i « ir i- T-- 7 cier thess all sehen Pelasger (das Dotion gehörte 

wahr, Arkad. Kulte 39fi. 116ti. etc. Kirchner, „, ^ -d , • *• ,n j- i* 01 j ah 

Äi± j. -r>7 .-res. ttt ^ tt '^'^"""" > auch ZU Pelasgiotis ! ) direkt zum Sohne des Apollon. 

Alt. et Pelop. 61 ff.). Wenn nach Verg. Georg. 60 vgl. auch Plut. q. Gr. 13 u. 26, wonach die Ainianen ur- 

3, 115 (vgl. Serv. Z. d. St. Hyg. fab. 274; vgl. sprünglich im Dotion wohnten und daraus von den La- 

Plin.7, 202. Lucan. 6, 399) die Lapithen das pithen nach Aithikia vertrieben wurden. Nach alledem 

Reiten erfunden haben sollen (vgl. Welcker, haben wir wohl die Ainianen, ebenso wie die Phlegyer 

Ep. Cykl. 2, 217), so scheint das ein erst ver- ^^"^ Doppelgänger der Lapithen zu halten. Vgl. auch ob. 

hältnismäfsig spät erfundenes Mythologem zu """^ff Hypseus. 

* ^ -^ ^ **) Vgl. z. B. Sc/iol. riitd. Pyth. 3, 8 (14). Apd. 3, (<, 5. 

*) Daher nach Sencca, Ihre. /ur.lS2 die von Herakles Schol. IL 13, 301, nach welchen Stellen die Phlegyer bald 

besiegten Kentauren und Lapithen im Orcua vor ihm in die Gegend von Gyrton, bald in die des Dotischen 

erzittern. Gefildes verlegt werden, VrHlor, Gr. M. 2, II, 3. 



1865 Lapitlien (Litteratur) Lavan 18G6 

genannt (vgl. Bd. 1 Sp. 616); Ischys, der Sohn Lapithcs (ÄaniO'rjg), 1) Sohn des Anollon 

des Elatos, heiratet die Phlegyastochter Koronis (nach Hesych. s. v. ylccniQ-ai des Ares naeli 

(Hes. fr. 125 Göttl); Phlegyas ist ein Sohn der Steph. Byz. s. v. ÄcciiLQ-ri des Periphas) und 

Dotis (äjhI. 3, 5, 5), d. i. des Dotischen Gefildes, der Stilbe, Stammvater der Lapitheu (s. d.). — 

wo auch die Lapithen wohnen, u. s. w. Hinsicht- 2) Sohn des Aiolos, Enkel des Uippotcs, Vater 

lieh des Verhältnisses der Lapithen zu den des Lesbos, wohl identisch mit nr. 1;' Diod. 

Kentauren s. diesen Artikel. Wir wiederholen 5, 81. — 3) Spartanischer Heros, Vater der 

hier nur, dafs in diesem schon liomerischen Diomede, Grofsvater des Kynortes und Hya- 

Mythus die Lapithen durchaus als Menschen kinthos, nach welchem der Ort ÄuTiiQ-aiov am 

(ävSQsg; vgl. die Bezeichnung aix^rixciC bei lo Taygetos benannt war, Pows. 3, 20,7. ^/^oJ/of/. 

lies. sc. Herc. 178), den als cprigsg gedachten 3,10,3. Weiteres siehe bei }]'ide, Laie. Kulte 

Personifikationen der gerade für Thessalien so 234. 357. — [4) Lapitha periurus heifst Ixion 

charakteristischenWildbäche (jjfiju-apyot) gegen- bei Auson. Technopaign. 10, 72 p. 162 Peiper. 

überstehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit Höfer.] [Röscher.] 

(analog dem Herakles der elisch- arkadischen Lapriiis s. Laphrios 4. 

Kentaurensage) als die Repräsentanten der äl- Lapylhos (^aji'uO'og), Wagenlenker des lolaos 

testen städtischen Kultur Thessaliens, deren auf einem korinthischen Salbgefäfs, das die 

Hauptaufgabe es sein mufste, die durch Über- Darstellung des Kampfes des Herakles mit der 

schwemmungen schädlichen {Orac. Siö. 5, 133ff. Hydra enthält (abg. Rofsbach, Griech. Antiken 

Eust. zu II. 357, 42; mehr unter Kentauren 20 des arcli. Mus. in Breslau [Breslau 1880] p. 5) 

Sp. 1058 ff.) WildbächeThessaliens zubekämpfen s. Bofsbach a. a. 0. 15. 17; auf der Vase selbst 

und zu besiegen (vgl. isoer. 10, 26), anzusehen steht .'<^/'T0OM. S. auch Lampythos. [Höfer.] 

sind {Boscher in Gott. gel. Anz. 1884 S. 144. Lar s. Lares. 

Berliner pliilol. Wochenschr. 1885 S. Iff; 1887 Lara, nur bei Ovid (F«s^. 2, 599, daraus 

S. 1506 ff. I)evs. in Jahrb. f. Jclass. Philol.1872 Lactant. inst. div. 1, 20, 35) vorkommender 

S. i2lS. und mdev Allß.Eneylclop.d.Wiss.u. K. Name für die sonst Larunda (s. d.) genannte 

2, 42, 96 ff.). Wenn Prcller, Gr. Myth. 2, 9—14 Göttin, die angebliche Mutter der Laren. Ovid 

(vgl. auch Buttmann, M'ythöl. 2, 220 f.) die La- scheint den Namen willkürlich gebildet zuhaben 

pithen für kein wirkliches Volk, sondern nur zu Gunsten einer Ableitung desselben von Lala 

für Vertreter des Riesen- und Hünentums der 30 =lcclri (v. 599 ff.: forte fuitNais, Lara nomine, 

Vorzeit erklärt, so widersprechen dem die jyrima sed Uli dicta bis antiquum syU<iba nomen 

oben dargelegten Merkmale eines an der Grenze erat, ex vitio positum) ; denn er erzählt (v. 585 ff. 

des Mythus und der Geschichte stehenden wirk- wahrscheinlich in freier Übertragung einer grie- 

lichen Volksstammes. Der unhaltbaren, die chischen Sage; vgl. Wissoiva, Fliilol. Abhandl. 

historischen und lokalen Beziehungen der La- M. Hertz dargebracht. Berlin 1888 S. 165 f.), 

pithen ignorierenden Ansicht Mannhardts {An- dafs diese Nymphe durch Schwatzhaftigkeit 

tike Wald- u. Feldkulte 89) und E.H. Meyers einen Liebesanschlag des luppiter auf luturna 

{Gandharven- Kentauren S. 190 u. 198), welche vereitelt habe und darum zur Abführung in 

die Lapithen für Sturmdämonen erklären, ist die Unterwelt dem Mercurms übergeben worden 
schon oben gedacht worden. Diese Deutung 40 sei, der ihr unterwegs Gewalt anthat und sie 

wird schon durch den Hinweis auf die That- zur Mutter der Laren machte. Mit dem Kultus 

Sache, dafs so viele Lapithen Eponymoi be- hat diese frei erfundene Figur nichts zu thun. 

kannter thessalischer Ortschaften sind, . [Wissowa.] 

hinreichend widerlegt.*) Laran (laran), etruskischer Name eines 

VL Hinsichtlich der Bildwerke ist auf Götteijünglings, 9mal auf etruskischen Spie- 
die Artikel Kaineus, Kentauren, Ixion, Peiri- 

thoos u s.w. zu verweisen. In betreff des TtQigtfinuQia, steph. Byz.) -'Htoviv?{Yg\.vieTOB,Boixui\es 

später sprichwörtlich gewordenen Charakters ^^^ !^ '''''^/,^''j' ^ -°"T "^ V^'f °' l'^Ä S^ 

d^er Lapilhen vgl. Unger^ Farado.a Thebj^Ul l ^ Zr::^^.^^^^!:^^^^:::^^'^^ 

[ItOSCner.J 50 _ j^^^.^^^^^, ^ ^ ^ Könnte nicht vieUeicht Dryas Ver- 

*) Wir geben hier noch eine kurze ZusammensteUung treter der Dryoper oder Dorer und Krantor der Eponymos 

aller O^ch'aft" Thessaliens, für welche sich eponyme von Krannoi sein? Vgl auch ."^f^J'^;^ -«^'^Xst - 

Lapithen nachweisen oder mit Wahrscheinlichkeit ver- Knidos und Tp/o^A ^?;t'";^r„l^ Äl^ t" eL- 

muten lassen, nebst ihren Eponymoi: ^Aoti^.ov Wursian, T^'^^"^- m^.9o,öa.(.i^^e.^^^^ 

Liip«« «. s. w., B^rsiL a. a. 0. 51. 57) -A^o.Qo.fA.Qa^ Priasus ?]; Cymxne (B>a.^n , 74^-- Cy«5 usJCym^ 

koro^,(r.ora.v,;)-V.,o.c6,,"r;t«t«(ß««.-a«89)-r^.^.; «'^tlu-e mache ich noch au^m^^^^^^^^ 

Mäyrri;; M&y.aQac - May.aQ.ig; M6.p,ov {Bursian 62) - mehrere ^^^P^^^^^/^^^^^'f ^^^^ („ud 

Pelethronius; ^aXa.a .Bursian^^ -'=V''t=/r;7r«' d« W reru g der he aUsXn ^ryo^per, dif ebenso 

^aln^ov, TSpffer 40 Anm ) - <t^aXnqo;; ne,Qemac {TU.Qa- der Wanderung ^^^^^^^^ ^^^^^ ^^.^^^^^ 

aia) - mloaoo,; Xü^ai [Bursian iU) - XaQa,o;(0.j wae d e ^^P ^^ -^"^ .usammenhSngt. S. auch oben 

T.ra^o,r, Stadt ThessaUens (auch ^^«f^'^/^^-^^^^t ' Sp 10 7 f übrigens lassen sich ähnliche Beziehungen 

Wörterbuch der griech. Eigennamen 2, 1536) - ntcxQwy . P_ (puiegyer) auch zu Boiotieu, Phokis u. s. w 

Grofsvater des Mopsos; Jtovtcvoi = AQyovQaiOc; kteph. "^^^ ^''P""''° ^. Koronos Thersandros, Andreus, IClatos, 

B,j.. s. V. ^Aoyovna) - A.or..vg; 'AXy.v6r, (Stadt Thessa nachwoxs n vgL Koronos, T.xors ^^^^ ^^^^^^ ^^^^^^^^^ 

liens am Malischen Busen nach Kieperts grofsem Atlas) ,0 ^1'°';°^ "• '■ ^^-'^ ^ 

- Aly.voviv; ^"laxvi (Lapith; s. d.); 'Hmv {n/Ai; ... SP- ^»^»^- 



1867 Larasios Lares 1868 

geln, uackt, mit hinten lierabliängender Chla- Die Münze des Nero von Tralleis mit der Rp- 

mys, mit Schuhen oder Schnürstiefeln, fast versaufschrift AAPACIOC • KAI[:APE<^N (3Ii. S. 

immer bewaffnet, mit Speer, Schwert, Schild, 7, 468, 701), welche Zeus L. sitzend 1. h., auf 

oder Schwert und Helm, oder Speer, Schwert der R. eine Nike, die L. oben am aufgestütz- 

und Helm, bisweilen neben oder gegenüber ten Scepter zeigt, ist abgebildet bei JRayet et 

der Äuran {='AcpQoditri, s. d.), in Gegenwart Thomas, Milct et le golfe latmique. Paris 1877. 

der verschiedensten Gottheiten, meist als 4" p. 104 Fig. 23. Eine andere mit dem Haupt 

jugendlicher „Ares" gedeutet und so von des Demos im Obv. zeigt dieselbe Zensfigur, 

Bugge, Etr. Fo. n. St. 4, 225 aus V "Aqtjv welche auch ohne Beischrift auf den Münzen 

(Z' = Artikel) erklärt; s. Fabr., Gl. I. col. lo von Tralleis vorkommt, begleitet von der Bei- 

1003 u. 2084. 0. 1. 1. Fr. Sj)!. 395. See. Spl 93. Schrift ZeYCAAPACIOC KAICAPeQN uach LeaJce, 

Corssen, Spr. d. Etr. 1, 252. 0. 3Iüller, Etr." 2, Kiim. Hell. As. Gr. p. 135, AAPACIOC • KAICA- 

57 nt. 66. Deecke, Etr. Fo. 4, 37. Bei Gerhard, PefiN nach Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 465 

Etr. Spr. 4, 13 t. 284 {Fahr. C. I. I. 2478) ist nr. 17 Taf. 25, 8 und Mi. S. 7, 465, 684. Den 

laran statt Man zu lesen; 3, 328 t. 257 B Tempel des Gottes (vgl. B. C. H. 3 p. 468 

{Fabr. C. I. I. 2094) ist [IJaran zu ergänzen. Zeile 12. 3Iitt. d. K. D. A. Inst, in Athen 13 

[Deecke.] p. 411 nr. 2 Z. 8 sv xmi lsqwi tov diog xov 

f ^^^r,'^„ r 4 ' \ -D ■ „1 • rr 11 „„ ÄccoaGCov) glaubt Bayet p. 54 f. Fig. 9 auf 

Larasios Mßoaff/oc), Beiname des m 1 ralles --. ,; ^ ;,' a n^ • n- \ ^ i 

1 , r,^ C3 l c 1 T ^ -fi. Grund des Adlers im Giebel zu erkennen m 

verehrten Zeus auf dort gefundenen Inacuriiten; „„ ^. „„v,+^-4 r „ rn,^ „i „• -rt" j 

n 7 77 o Ano <n Arn j T ^ ' 20 emcm achtsauhgen Tempel einer Munzo des 

s. Corr. hell. 3, 468. 10, 456 und die von , v,o«i,«-u^-„4^i,-^if^ t u i ;i 4. t^- cü ;h- 

rr . ^ n ^« .,rr, r-\ i. t !• naclichristlicheu Jahrhunderts. Die Stadt 

Kontoleon a. a. 0, 10, 457 angeiuhrten In- ^-^ „!„'•' ~ ^ ' u ^-.,1 t. n t /-< 

1 -i-i. j TM" 71/rui -7 1 j i 7 wird als ieok tou Jiog bezeiclinet G. I. Gr. 

schritten und Münzen; Mitteilunqen d. deutsch. nnmi t-„i^ ^4- a * 7- t?» 47 u j. o tt i <r, 

arch. Inst. 8 (1883), 331. 332. 11 (1886), 204. f^^^- ^Lighfoot, ApostohcFathers P^rt. 2 Yo\ 2. 

13 (1888) 411. TFöÄ^ion^ ^j^-e mm. p. 203 ^^ ßf:^^^- ^^^ ^^^. ^^^^ ^.^ Beischrift 

zu nr. 604. Bei Straoon 14, 649 heust er Aa- uAir>r ■nAn\rir\r ^ i, a tt 4. j u 

1 j r AAf^ A ' Ai,.,4? HAIOC-TTAPACIOC, welche das Haupt des He- 

QiGGatog, ebenda 5, 440 ÄagiCGLog. Auch aui ^•^r.^,.eA^ r\-u„ ^\. ivt- t« „ii^- u • -n/i- 

\ \i T A j T • u f 1 lios aui demUbv. der Münzen von Iralleisbei Mi. 

der Abropolis von Argos, der Larisa, befand , ^q„ ii\Ar\ „„/i o n a^a nno • i,*. /i, • i 

sich ein Temnel des Zeus Larisaios Paus 2 ^' ^^^' ^^^^ ^^^ ^- ^' ^^^' 6^8 umgiebt (beide 

„. „ 1 a. 1 -D A' j '• v' ' aus dem nicht immer zuverlässigen Äesimt), ist 

24, 3; vgl. Steph.Byz.AaQ^ca, der einen Zeus ^^ ^^^^^ ^^^^ ^.^ ^^^^ ^ ^ ^ ,^ ^^^^ 

AaQiCsvg erwähnt. - M addmgtona. a. 0. stellt 3 ^3 vermutet, nach Analogie der Beischrift 

den pelasgischen Ursprung des Zeus Larasios ^GYC AAPACIOC beim Haupte des Zeus {3Ii. 

(— von Larisa abgeleitet — ) in Abrede und . ._„ .„o. 7- , ,^ A n a /-< \nr\ 

führt den Namen^uf einen karischen, bei i,Jl^^^036_Leake,Num.Hell.A^^ 

Trallps jrples-enpn Ort Larnsn 7urück Miin7Pn ^^ AAPACIOC zu emendieren trotz Cavedoms 

iralles gelegenen Uit Lai asa zurück. Münzen ^^ -^ .^_ ^^^^^ 228) Erklärungsversuchs des Bei- 

von Tranes zeigen das Haupt des Zeus mit ^ „-^ ^, ^ ,^ ,-, .^ ■ ^ j 

1^ T^ ^v,i« P ' n^ 11 - TP „1.1 ^1 namens llaoaütog „üuesta epiqrafe prende 

der Legende Aagaaiog ToaXliavcov , Eckliel, 7,^^ ■,„ d« ;„ • /-o do\ r. ^ 

Tinrt- • / % 124. lo^ ' 11 ht ft- Fausania (8,38) che racconta come 

1 .. * i,- 1, ' ' 1. 'j- nV" " ' TT- • • *** Licosura di Arcadia . . . era un sito detto 

hören hierher auch die Münzen von Kaisareia n 4^ ^. , t ■ 4. n- n ■ ■ t 

■ -n-iL, • -j. j n i 11 A 4. u uretea, ove dicevasi nato Giove, alla sinistra 

d"en Sr u\rL?Lc.?n1f Xa,^! '«^^^ ^"^ '^'^ ^?''^ ^'^^^ AnOAAS2NOI nAPPAClOY. I 

' TT- 77, 7 r\°c AHr. ^'^^^^^ Tralliani, che vantavansi di Giove nato nelle 

Qccawg Eckhel a a. 2, 410. [Zu den In- ^^^^ contrade, avranno avuto altresi il loro Apollo 

S r^ 1. T\ r l^\äa '^Al Sole Parrasio.V. Gewifsheit kann natürlich 

Sterrett{äer auch die B. C. H. 1886 p. 456 ^^^ ^.^^ Prüfung der betreflPenden Münzen er- 
und Mtttetl. d. D. A. I. i. Ath. 1886 p. 203 ■, rr v -4. t,- ^ i^ j -mt- 

"tv i.^• 1,4. • 1, 4. on,? nir,\ ■ geben. Helios ist haung auf den Münzen von 

veröffentlichte verzeichnet, p. 325 nr. 379) in tralleis vertreten- stehend das Hauut mit 

An EpigraphicalTour in Asia Minor p. 326f g^^^j^^^^ bekränzt,' die Chlaiys um deA Hals, 

nr.^381 mitgeteilte: Ju Aa^aacco^ Zfßaarco | ^.^ ^ ^^^^^^^^ '.^ ^^^. j^ /-^^^ ^^^^^^ ^^^ 

Ev^svst KXav\Si{o)g Msli zcov 6 isQSvg \ dno- scheint er z. B. auf einer Münze des Valerian, 
■aars' arrjasv. Sterrett bemerkt dazu: ,, Light- to Imlioof, Monn. gr. p. 391 nr. 46; auf dem Vier- 

foot, Apostolic Fathers, Part. 2 Vol. 1 p. 619 gespann auf autonomen. Mi. 4, 181, 1051 nach 

note, points out that the Emperor Hadrian is Eckliel, Cat. Mus. Caes.Vindob. 1 p.l94. Mi. S. 

here identified ivith Zeus Larasios the patron 7, 465, 683 = Sestini, Mus. Hedervar. 2 p. 328 

God of Tralleis" , vgl. die Bemerkung von nr. 18. Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 136, und 

Bamsay, The Church in the Boman Empire auf solchen des Commodus, 3Ii. 4, 187, 1089 

before A. D. 170 p. 191: „The Emperor re- nach Mus. Theupoli p. 789. 930, und des Gor- 

presented the majesty, the wisdom and the bene- dianus Pius, Mi. 4, 192, 1117. Tov isqov dywva 

ficent poioer of Borne: he tvas in many cases rmv 'AXsiwv erwähnt eine Inschrift von Tral- 

actually represented in diff'erent parts of the leis, Pap. of the amer. school 1 p. 332 nr. 12 
cmpire as an incarnation of the god worsMp- 60 = Mitt. d. K. D. A. Inst, in Athen 8 p. 332 

pcd in that district, the Zeus Larasios of Tralles, nr. 12. Drexler.] [Höfer.] 
tlie Min of Juliopolis, the Zeus Olympios of the Lares. 

Greeks in general." Priester des Gottes {isQsvg 
8id ßiov TOV diog xov Aagaatov) nennen aufser 



I 



I. Name und Bedeutung. 



den oben verzeichneten die von Sterrett, Papers Die ältere Form Lases findet sich noch 

of the amcricnn school of class. stud. at Athens 1 im Liede der Arvalbrüder und wird (wahr- 

■p. llOS.nr. 11. 12 = Mitt.d.K.T).A.Inst.inAth.8 scheinlich nur aus dieser Urkunde) mehr- 

p. 330 ff. nr. 11. 12 veröffentlichten Inschriften. fach von alten Grammatikern bezeugt {Varro 



1869 Lares (Name und Bedeutung) Lares (ältester Staatskult) 1870 

de l. l. 6, 2. rauh p. 264. Quintil. inst. 1, sei, gesucht, da die naheliegende Bezieliunc» 

4, 13. Terent. Scaur. 7, 13, 14 K. PJacid. auf die Verehrung des Genius Augusti zwischen 

p. 51, 16 Deuerl. u. a.). Die Erklärung den Laren (s. unten) zur Erklärung völlig aus - 

des Namens ist bisher noch nicht in über- reicht. Die Gleichsctzung von Lares und vQcaig 

zeugender Weise gelungen. Ein Zusammen- gehört erst der augusteischen Zeit an oder 

hang mit der auf etruskischen Spiegeln häuBg erlangte doch erst damals allgemeine Geltung, 

vorkommenden Lasa, einer dienenden Gottheit da noch Cicero auf eigene Faust eine andere 

aus dem Kreise der Aphrodite (vgl. jB.*S'c/j2^ppZ;e, Übersetzung, Lares = Suifioveg, versucht 

De S2)eculis Etruscis quaestionum ' particula I, {Tim. 38: qiios Graeci Saiiiovag appellant 

Diss. Vratisl. 1881 p. 4 ff.), wie ihn noch lo nostri opinor Lares, si modo hoc rede con- 

W. Corssen {Sprache d. EtrusJc. 1, 246; vgl. versum videri polest). Plutarch, der einmal 

Ausspr. 2, 309) annahm, liegt auf keinen Fall (De fort. Born. 10) den Ausdruck ^'ptog {oUov- 

vor, ebensowenig wie der etruskische Vorname pdg) aus seiner griechischen Quelle {Dion. Hai. 

Larth{\at.LarsodevLar;vg\.Äuct.depraen.4:: 4, 2) übernimmt, hat an einer anderen Stelle 

Lartis praenomen sumptum est a Laribus, Tuscum (Qu. Rom. 51), wo er einem römischen Gewährs- 

autem esse creditum, fuitque consul Lar Hermi- manne (Varro) folgt, die singulare und in- 

nius cum T.Verginio Trieosto. C/tans. p. 136, 13: korrekte Form Aüqriziq. 

Lar, si familiaris erit, genetivo Laris faciet, si . ^ a^ x. ^ ^j. j 

Tolumni Forsennae, Lartis. Müller - DeecJce, "' -Der älteste Staatskult der Laren. 

EtrusJcer 1, 462 ff. Corssen in Kuhns Ztschr. f. 20 Das älteste Zeugnis der öffentlichen Laren- 

vergl. Sprachf. 2, 13) von Läses gebildet sein Verehrung bietet das uralte Lied der fratres 

kann. Die gemeinhin recipierte Herleitung von Arvales, die an ihrem Maifeste noch vor Mars 



s 



skr. Wz. lash ,, begehren" {Grafsmann, Ztschr. die Lases zum Beistande anrufen {enos Lases 

f. vgl. Sfrachf. 16, 173 f. vergleicht Idaiofiai, iuvate; Text und Litteraturverzeichnis jetzt 

Lust, Lottner ebend. 7, 185 altn. laeri „Woh- am bequemsten hei Engelb. Schneider, Diulecto- 

nung" und ahd. läri z. B. in Gozläri, Jordan, rum Italicarum aevi vetustioris exempla selecta 

Krit. Beitr. S. 135 las-civus) hat in dem, was 1, 1 Lipsiae 1886 nr. 392); sie erscheinen hier 

uns von Wesen und Bedeutung dieser Gott- in der Mehrzahl, Avie ausnahmslos im Staats- 

beiten bekannt ist, gar keine Stütze. Sicher kulte, und in Verbindung mit Mars, zugleich 
steht nur, dafs Lases (der Plural wahrscheinlich 30 aber mit Beziehung auf das Gedeihen der 

das Ursprüngliche) als wirkliches Nomen pro- römischen Felder, dem ja die Feier der Ar- 

prium, nicht als Gattungsname (wie penates, valeu gilt; dieselben Laren sind es jedenfalls, 

meines, indigetes) zu fassen ist; denn die älteren denen die Arvaleu bei den Piacularopfern im 

und genauer redenden Zeugen geben ebenso J. 183 und 224 verbeces diios opfern {Henzen, 

konsequent die Bezeichnung di penates, dimanes, Acta fr. Arv. p. 145). Auf verwandten kn- 

di indigetes, wie das blofse Lares (oder Lar); schauungen scheint die Verbindung des Ernte- 

vgl. z. B. Plaut. Merc. 834: Di penates meum gottes Consus mit Mars und den Laren zu 

parentum, familiai Lar pater. Cic. de rep. b, 7 : beruhen, die Tertull. de spect. 5 bezeugt: et 

sanctis penatium deorum Larumque familiarium nunc ara Conso Uli in circo demcrsa est ad 
sedibus; de domo 108: ista tua pulchra Libertas io primas metas sub terra cum inscriptione eius- 

deos penates et familiäres meos Lares expulit; modi: CONSVS CONSILIO MARS DVELLO 

pro Qiiinct. 83: a suis dis penatibus praeceps LARES tCOILLO POTENTES, wenn auch die 

eiectus, verglichen mit 85: manus adlatas esse Inschrift in dieser Form schon wegen der Ab- 

ante suos Lares familiäres (s. auch Jordan zu leitung des Consus von consüiim nicht alt 

Preller, Böm. Myth. 2, 158 Anm.). Im Griechi- sein kann {Ps.-Ascon. zu Cic.Verr. p.l42 Qrdli 

sehen wird der Name Lares regelmäfsig durch hat hiermit wohl nichts zu thun). In der De- 

riQ(a£g wiedergegeben, so im Monum. Ancyr. votionsformel des P. Decius Mus (izr. 8, 9, 6) 

gr. 10, 11 und 18, 23 = lat. 4, 7 und 6, 33 (die erscheinen neben den grofsen Hauptgottern 

Penaten heifsen ebenda &bqI yiaroi-AiSioi. oder lanus, luppiter, Mars pater, Quirinus, Vesta 
-^fol näxQioi). Dion. Hai. 3,70. 4, 2 (6 xar' 50 und den allgemeinen Anrutungen tZ* mdigetes 

ohiocv ^Qcog = Lar familiaris). 4, 14 {^Qcosg di novensides Bellona und Lares; hier egt es 

TtQovcönL == Lares compitales). Corp. gloss. 2, die Gruppierung der angerufenen Gottheiten 

121, 14: Lares familiäres i^Qcosg ^moi^Cdioi. (vgl. G. Wissowa, De dis Bomamrmivubge- 

Auch in der poetischen Inschrift von Acerrae, tibus et novensidibus Ind. lect. Marpurg. 

C. L L. 10, 3757 (= Buecheler, Anthol. epigr. Winter 1892/93 p. VIll) nahe an die iam 

spec. 1 nr. 2), fafst Mommsen die heroes qui müitares zu denken denen die Arya biudei 

Augusti nomen gerunt gewifs richtig als Lares im Jahre 213 o& salnte(vi) ;'C^on«»»2«c Ge,- 

Augusti, und die Worte des Prudentius adv. manicam imperatons) <^«^^rans; M Aurclh 

Symm. 1, 190 tot templa deum Bomae, quot in Antonini (d. h^des Caracalla einen weifsen 
urbe sepulcra heroum numerare licet, quos eo Stiev o^fexn (Henzen, Acta ^' •/,^«^- P;^86 

fabula manes nobilitat, noster populus veneratus und deren Kult wir wegen des ^f^^^o^S^ 

adorat beziehen sich ^ach der evidenten Deu- im Ritual der ^rvalbruder ur a t hal en dürfen 

tuog Prellers (Böm. Myth. 2, 112, 1) auf die obwohl die «^i^^^^^^^l^^i^^^^^ X,' 

Heiligtümer der Lares compitales; dagegen Zeit angehören (CJ.i. 3,3460. 3463^^^^^^ 

ist Buechelers Annahme (Coniedanea, Ind. lect. Cap. 1 46^ 48). Aberma s ^'^^^^rie^gsnoen finden 

von Bonn, Winter 1888/89 p. 19), dafs bei wir die Laren e^-^^^l^^^.^/" f^f v ^7^^^^^^^ 

Hora, c. 4 5, 34 et Laribus tuum miscet numen mit Antiochos;in der Seh acht ^ei Mjone^os 

umgekehr Laves im Sinne von ^Qcoeg gesetzt 564 = 190 gelobt der Praetoi L. AemiUus Re 



1871 Lares (ältester Staatskult) 

gillus den Lares permarini einen Tempel, wel- 
chen elf Jahre später 575 = 179 M. Aemilius 
Lepidus als Censor einweihte; der Tempel lag 
im Marsfelde und trug eine von Livius (40, 
52, 4 ff.; vgl. Baehrens, Fragm. pod. Born. 
p. 54 f.) mitgeteilte Weihinschrift in Satar- 
niern; der Stiftiingstag war der 22. Dezember 
(Fast. Praen. C. I. L. 1 p. 409. 3Iacr. S. 1, 
10, 10; vgl. über den Tempel E. Aust, De 
aedibus sacris 2^op- Hom. p. 25 nr. 62. 0. Gil- 
bert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt Born 3, 149 f.). 
Dies ist aber auf keinen Fall die älteste aedes 
publica der Laren in Rom gewesen, denn wenn 
auch das von Varro (de LI. 5, 49) auf dem 
Esquilin erwähnte Lamm Querquehdanum sa- 
cellum sehr wohl eine Privatkapelle gewesen 
sein kann und sicher keine wirkliche aedes 
Sacra war, so können wir doch dem auf dem 
höchsten Punkte der Sacra via gelegenen 
Larentempel, welchen Augustus wiederher- 
stellte (Mon. Anc. 4,7: aedem Larum in summa 
Sacra via; vgl. Solin. 1, 23 in suvima Sacra via, 
übt aedes Larum est; fanum Orbonae ad aedem 
Larum, Cic. de n. d. 3, 63 = Flin. n. h. 2, 16; 
sacellum Larum, 'Lac. ann. 12, 24; über den 
Tempel vgl. Aust, De acdib. sacr. p. 28 nr. 73. 
0. Gilbert, Philologus 45, 449 ff.), unbedenklich 
ein sehr hohes Alter zusprechen. Seine erste 
ausdrückliche p]rwähnung fällt allerdings erst 
in das Jahr 648 = 106 (Obseq. 41), aber schon 
die Lage im Herzen der Altstadt weist auf 
sehr frühen Ursprung des Heiligtumes hin 
(richtig hervorgehoben von F. Aust a. a. 0. 
p. 50), und eine nahezu sichere Kombination 
führt uns erheblich weiter zurück. Ovid näm- 
lich, der Fast. 6, 791 f. (Lucifcro subeunte Lares 
delubra tulcrunt hie, ubi fit docta multa corona 
manu) den Stiftungstag dieses Tempels unter 
dem 27. Juni verzeichnet, erwähnt 5, 129 ff. 
zum 1. Mai die Stiftung eines anderen Laren- 
heiligtums, des Altars der Lares praestites 
(über den Text der Stelle s. Haupt, Opusc. 
3, 356), welchem er übereinstimmend mit Varro 
de l. l. 5, 74 (der die Laren unter denjenigen 
Göttern aufzählt, denen T. Tatius in llom 
Altäre weiht) sabinischen Ursprung zuschreibt. 
Er erörtert dabei die Bedeutung des Namens 
praestites und beschreibt die Bilder der Götter, 
die er aber nach seiner eigenen Angabe (v. 143) 
nicht mehr selbst gesehen hat; er entnimmt 
also seine Ausführungen einer gelehrten Quelle 
und zwar, wie die genaue Übereinstimmung 
mit Plutarcli, Qu. Born. 51 zur Evidenz zeigt, 
aus Varro. Es steht unter diesen Umständen 
nichts der Annahme entgegen, dafs das Heilig- 
tum der Lares praestites mit der aedes Larum 
in der Weise identisch ist, dafs der einfache 
offene Altar später durch ein Tempelhaus er- 
setzt und dieses dann mit Götterbildern nach 
griechischem Muster versehen wurde (vgl. den 
ganz analogen Hergang beim Tempel der Pe- 
naten auf der Velia; s. Wissowa im Hermes 
22, 30 f.); der Stiftungstag dieses republika- 
nischen Larentempels war der 1. Mai (darum 
verzeichnen auch die fasti Venusini zum 1. Mai 
Lnr(ibus), d. h. Terapelopfer zur Feier der 
Stiftung eines Larenheiligtums), der des au- 
gusteischen Neubaues der 27. Juni; Ocid hat 



Lares (Dienst a. d. Comp^ta) 1872 

aus verschiedenen Quellen beide Angaben über- 
nommen, ohne zu bemerken, dafs sie sich auf 
dasselbe Heiligtum bezogen (über einen genau 
entsprechenden Fall s. Wissowa im Hermes 26, 
138 ff.). Der nur noch dem Varro bekannte Bei- 
name praestites, für welchen man den luppitcr 
praestes von Praeneste (C /. L. 14, 3555; vgL 
Hist. aug. Max. et Balb. 5, 3) und die Prestota 
der iguvinischen Tafeln (Buecheler, Umbrica 

10 p. 98) vergleichen kann, kam später in Ver- 
gessenheit. Die bildliche Darstellung der Laren 
(durch die Beischrift A 3R, d. h. Lare(s) ge- 
sichert) nach Art der Dioskuren als Jünglinge 
mit Speeren in den Händen und mit Hunds- 
fellen bekleidet, einen Hund 
zu Füfsen, begegnet uns ganz 
übereinstimmend mit der varro- 
nischen Beschreibung auf De- 
naren des L. Caesius aus dem 

20 7. Jahrb. d. St. {Babelon, Descr. 
d. mann, de la republ. rom. 1, 281, 
danach Abbildung 1); der Ty- ^^ ^'»'"^'^ ""* 
pus zeigt grofse Ähnlichkeit ^^-;^, -^^es 
mit dem der verwandten dei j^ i^^^^-^^^ ^^^^^ 
j)enates2mbhciiHermes22,31l), ßabeion, Descr. etc. 
der Hund ist ihnen als Symbol i, 281). 

der Wachsamkeit in ähnlichem 
Sinne beigegeben wie dem Silvanus (vgl. 
A. Bei jf er scheid, Annali d. Inst. 1866, 217). 




30 



III. Der Larendienst an den Compita. 



Obwohl nach dem soeben Ausgeführten an 
einer öffentlichen Verehrung der Laren seit 
unvordenklicher Zeit nicht zu zweifeln ist, 
wird doch ihr Name in der ältesten römischen 
Festtafel nicht genannt und zwar deshalb, weil 
diese nur die ständigen und pro populo be- 
gangenen Feste auffühlt, während die Fest- 
feier der Laren eine verschiebbare war und 

40 nicht vom Volke als Gesamtheit, sondern ge- 
trennt nach Bezirken begangen wurde. An 
der Zugehörigkeit dieses Festes, der Compi- 
talia (oder auch Laralia, da Fest. p. 253 popu- 
laria sacra sunt, ut ait Jjabeo, quae omncs. 
cives faciunt nee certis familiis attributa sunt, 
Fornacalia Parilia Laralia porca praecidanea 
kaum auf ein anderes Fest gehen kann), zum 
ältesten Festkreise kann nicht gezweifel t werden ; 
die alte Überlieferung schreibt seine Einsetzung 

50 dem Servius Tullius zu {Dion. Hai. 4, 14. Plin. 
n. h. 36, 204), spricht auch wohl von einer 
Erneuerung und Reform durch Tarquinius Su- 
perbus und lunins Brutus (Blacr. S. 1,7, 34f.); 
es waren feriae conceptiiae (Varro de 1. 1. 6, 25 
vgl. 29. l'aul. p. 62. 3Iacr. S. 1, 16, 6. Aiison. 
5, 16, 17 f. SchenJcl), deren Ansetzung durch 
den Prätor erfolgte (Gell. 10, 24, 3 [= 3Iacr. 
S. 1, 4, 27]: verba sollemnia praetoris, quibiis 
more maiorum fcrias concipere solet, quae ap- 

60 pellantur Compitalia. ea verba haec sunt: die- 
noni popido Bomano Quiritibus Compitalia 
eriird; quando concepta fucrint tiefas) und zwar 
nicht lange nach den Saturnalien {Dion. Hai. 
4, 14; vgl. Cic. ad Att. 2, 3, 3 und inter Com- 
pitalia et Saturnalia bei Plin. n. h. 19, 114). 
Aus Ciceros Zeit sind uns Fälle bekannt, wo 
das Fest auf den 1. {Cic. in Pison. 8 vom 
J. 696 = 58) oder 2. Januar {Cic. ad Att. 7, 7, 3 



1873 Lares (Dienst a. d. Compifa) Laies (Dienst a. d. Corapita) 1874 

vom J. 704 = 50) fiel, die Kaiendarien der Opferkuclien (nfXavog, Dion. ILal. a.a.O.) bei, 

späteren Kaiserzeit (C. I. L. 1 p. 382) ver- und aufserdein erfahren wir, dafs man an 

zeichnen liidi compitalcs am 3. — 5. Januar. diesem Tage Puppen (maniae) und Bälle (pilae) 

Das Fest hat seinen Namen daher, daCs es aus Wolle an den compita oder vor den Thüren 

von den Anwohnern eines com^j/^«)»^ d. h. einer der Häuser aufhing (Varro, Sat. Mcnipp. fr. 

Wegkreuzung, an dieser bezw. an dem dort an- 463 BuecJi. = Non. p. 538. Macr. S. 1,7, 34 ft'. 

gelegten sacellum begangen wird (?tfei riae COJH- Paul. p. 121. 239), ein Brauch, den man als 

petiint tum in compdis sacrificatur, Varro de l. 1. Ablösung eines ehemaligen Menschenopfers 

6, 25), und ist ursprünglich ohne Frage eine erklärte und dem man eine unheilabwehrende 

spezifisch ländliche Feier, wie die verwandten lo Kraft zuschrieb; alte und neue Mythologen 

Wandelfeste der feriae Sementivae uncf Paga- haben darin eine Stütze für die Annahme 

nalia. Cicero (de leg. 2, 19, vgl. 27) stellt den finden wollen, dafs die Verehi-ung der Laren 

dcluhra der Götter in den Städten ausdrück- aus dem Seelenkult hervorgegangen sei und 

lieh die Haine und Lamm sedes auf dem die Compitalia die Versöhnung der abgeschie- 

flachen Lande (in agris) gegenüber, und die denen Geister zum Zweck gehabt hätten (Paul. 

an den compita gelegenen Larenheiligtümer, p. 239 ut vivis jmrcerent et esf^ent his pilis et 

die selbst ebenfalls compita heifsen, mögen simulacris contenti), aber ohne Grund, da der 

auf dem Lande oft die einzigen Stätten der gleiche Brauch des Aufhängens von oscilla 

Götterverehrung gewesen sein; die antiken (Verg. Georg. 2, 389 oscilla ex alta suspendunt 

Definitionen des Wortes compitum heben daher 20 mollia pinu und dazu Servius) auch an anderen 

mit Recht den ländlichen Charakter dieser Festen vorkommt, z. B. an den Sementivae 

Heiligtümer hervor, ScJiol. Pers. 4, 28: compita (Prob, zu Verg. Georg. 2, 385; verwandt ist die 

simt loca in quadriviis quasi turres, übt sacri- oscHlatio an den Feriae latinae, Fest. p. 194. 

ficia finita agricultura rustici celebrant. Philarg. Scliol. Bobb. Cic. p. 256 Or., oben Sp. 691, 30ff.), 

zu Verg. Georg. 2, 382: (comjnta) tibi pagani die mit dem Totenkult nichts zu thun haben 

agrestes buccina convocati solent certa inire (über den ganzen Brauch s. Lobeck. Aglaoph. 

consilia. Isid. orig. 15, 2, 15: compita sunt, 1,585. Bütticher, Baumlcultus S. 80ff.). Inder 

ubi est usus conventus fieri rusticorum, et dicta Hauptsache war es ein heiteres, ausgelassenes 

compita., quod loca multa in agris codem com- Fest, welches sich in seiner Fröhlichkeit von 

pctant, et quo convenitur a rusticis; vgl. auch 30 Feiern wie den Sementivae, Terminalia, Pari- 

C. I. L. 9, 1618, wo den pagani eines pagus lia u. a. kaum unterschieden haben wird und 

von Benevent porticus cum appnrotorio et com- in nichts an das charakteristische Ritual der 

pitum iibev^ehen wird., und Graft. Fnl.cgn.48S: Totenfeste (wie Parentalia, Lemuria u.a.) er- 

idcirco aeriismolimur compita lucis. Verg. Georg. innert: als man daher, etwa um die Zeit des 

2, 382 : pagos et compita circum. In den Gro- zweiten punischen Krieges, das Bedürfnis fühlte, 

mat.lat. p. 302, 20ff. werden diese Heiligtümer, die an den compita verehrten Laren im Bilde 

allerdings ohne Nennung des Wortes compi- darzustellen, wählte man aus dem reichen Vor- 

ttim, beschrieben als an der Grenzscheide ver- rate griechischer Typen für sie eine Darstel- 

schiedener Besitzungen liegende Tempelchen lungsform, die der Festfreude der Compitalia 

mit so vielen Eingängen (daher Pers. 4, 28 do entsprach, und stellte sie tanzend mit Trink- 

pertusa compita; vg\. Mommscn,Unterital. Dial. hörn und Schale ausgerüstet dar (s. unten). 

p. 141) und Altären, als dort Besitzungen zu- In der Stadt Rom hat die Einrichtung der 

sammenstofsen; vor jedem Eingang steht in comp/i« und eine Organisation der Compitalien- 

der Entfernung von 15 Fufs ein Altar, so dafs feier, wie es scheint, zunächst nur für die 

jeder Anlieger angesichts des compitum, doch aufserhalb der alten Begrenzung des Septi- 

auf seinem eigenen Grund und Boden opfern montium liegenden jmgi (über die noch in 

kann. Darum gedenkt auch Cato in der Schrift ciceronischcr Zeit bestehende Scheidung von 

vom Landbau der Compitalia mehrfach: es war montani und pagani vgl. Cic. de domo 74. 

insbesondere ein Fest der dienenden Klasse, Mommsen, C. I. L. 1 p. 205; Staatsrecht 3,1 

der Sklaven (Dion. Hai. 4, 14; vgl. Cic. de leg. 50 p. 112 ff. u. p.VIII) Eingang gefunden, da die 

2, 27 neque ea quae a maioribus prodita est Gemeinden der montani ihre eigenen sakralen 

cum dominis tum famulis .. religio Larum re- Mittelpunkte besafsen. Genauere Nachrichten 

pudianda est), die daher an diesem Tage, wie besitzen wir erst aus den letzten Jahrzehnten 

an den Saturnalien, volle Freiheit genossen der Republik, wo sich in der Stadt private 

(Z>jon. HaZ. a. a. 0.) und eine Extraration Wein Genossenschaften {collegia compiialicia; vgl. 

erhielten (Cato de agric. 57), überhaupt sich's den collegius compitalicius einer Grabschrift 

wohl sein liefsen (uncta Compitalia, Verg. Catal. aus Faesulae, G. I. L. 11, 1550) um die ein- 

5, 27), und von denen der vilicus bei dieser zelnen compita gruppierten und durch ihre 

einzigen Gelegenheit im Namen des Haus- magistri d\e ludi compitalicii VM^xichien liehen. 

Standes das Opfer darbringen durfte (Coio so Diese Vorsteher der Bezirksvereine heifsen wm- 

de agric. 5, 3 : rem divinam nisi Compitalibus gistri vici und sind keine Staatsbeamte, haben 
in compito aiU in foco ne faciat; ob man auf aber als Spielgeber an der Compitalienfeier 

Grund von Prop. 5, 1, 23 parva saginati lustra- das Recht, die Toga praetexta zu tragen 

bant compita porci ein Ferkelopfer an den (Liv. 34,7, 2: magistratibus in coloniis muni- 

Compitalia anzunehmen hat, ist zweifelhaft; cipiisque, hie Bomac infimo generi, magistris 

die Stelle scheint mehr eine allgemeine Be- vicorum, togae proetextae habendae ins per- 

zeichnung ländlicher Opfer zu enthalten). Zum mittemus. Cic. in Pison. S. Ascon. p. 6 K.-S.: 

Opfer steuerte jedes Haus der Anlieger einen solebant autem magistri collegiorum ludos fa- 



1875 Lares (Dienst a. d. Compita) 

cere, sicut magistri vicorum faciebant, compita- 
licios praetextati). Mehrere stadtrömische In- 
schriften bezeugen das Amt des niagister viel 
bereits für die voraugusteische Zeit, so C. I. L. 
6, 1324 (vor dem J. 731 = 23 gesetzt), wo die 
Namen von vier Freigelassenen als mag(istri) 
veici erscheinen, ferner G. I. L. 6, 2221 = 1, 804, 
wo ein mag(ister) (oder zwei mag(istri)?) de 
duobus pageis et vicei Sulpicei angeführt werden, 
endlich 6, 335 = 1, 1538, die Mommsen mit Recht 
hierher zieht, obwohl der Spielgeber, von dem 
in der Inschrift die Rede ist, nur als mag(ister) 
schlechthin (vgl. auch die neugefundene In- 
schrift, Mitt. d. röm. Inst. 4, 262) bezeichnet 
ist (ebenso aufserhalb Roms in Pompeii in den 
Jahren 707 und 708 = 47 und 46 magistri viel 
et compiti, C. I. L. 4, 60, und in Capua, C. I. L. 
10, 3789 = 1, 570 aus dem J. 656 = 98: Msce 
ministris Laribus faciendum coe[raverunt, folgen 
die Namen von einem Freigelassenen und acht 
Sklaven]; auch die Weihung von 19 Sklaven 
an die Laren aus Betriacum vom J. 695 = 59, 
C. I. L. 5, 4087 = 1, 602, dürfte so aufzufassen 
sein). Wie die magistri vicorum überwiegend 
dem Freigelassenen- und Sklavenstande ange- 
hören, so rekrutierten sich die collegia compi- 
talicia aus den untersten Volksschichten (Cic. 
in Pison. 9: ex omni faece urbis ac servitio 
concitata; vgl. de domo 54: servos ex Omnibus 
vicis concitatos; De harusp. resp. 22: vis in- 
numerabilis incitata ex omnibiis vicis collecta 
servorum); sie wurden daher in den heftigen 
Parteikämpfen der untergehenden Republik 
vielfach zu politischen und demagogischen 
Zwecken mifsbraucht (vgl. namentlich Q. Cicero 
de petit. consul.30: deinde habeto rationem urbis 
totius: collegiorum omnium, pagoriim, vicmi- 
taium; ex iis principes ad amicitiam tuam si 
adiunxeris, per eos reliquam multitudinem facvle 
tenebis) und darum durch einen Senatsbeschlufs 
des J. 690 = 64 aufgelöst, dann aber, nach- 
dem bereits im J. 693 = 61 ein Versuch zu 
ihrer Wiederherstellung gemacht worden war, 
im J. 696 = 58 durch ein Gesetz des P. Clodius 
wieder freigegeben {Gic. in Pison. Bf. Ascon. 
p. 6 — 8 K.-S. Mommsen, De colhgiis et sodalic. 
p. 74fF.); die allgemeioen Mafsregeln Cäsars 
gegen die collegia (Suet. Gaes. 42 cuneta collegia 
praeter antiquitus constituta distraxit) haben 
dann diesen Compitalvereinen definitiv ein 
Ende gemacht, bis sie durch die augusteische 
Reform des Larenkultes in anderer Form von 
neuem ins Leben traten. Ihren sakralen Cha- 
rakter hatten diese Vereine jedenfalls in der 
letzten Zeit ihres Bestehens völlig verloren; 
dafs sie aber eine beliebte Form der Vereins- 
organisation für Leute der niedei-en Bevöl- 
kerungsklassen geworden waren, zeigt die 
Thatsache, dafs im J. 97 v. Chr. die auf Delos 
wohnenden Römer als KointitaXiaarai organi- 
siert waren {Bull, de corr. hellen. 7, 12if.). 

IV. Der häusliche Larenkult der repixbli- 
kanischen Zeit. 

Im ländlichen Gottesdienste gelten die an 
den compita verehrten Laren als die göttlichen 
Beschützer und Wächter aller anliegenden 
Grundstücke {agri cuitodes, Tibidl. 1,1, 20) 



Laras (häusl. Kult z. Zeit d. Republik) 1876 

und der zugehörigen Häuser (Bruchstück eines 
alten Dichters, wahrscheinlich des Ennius 
[fr. 311 Baehr.J, bei Gharis. p. 267, 7: vosque 
Lares tectum nostrum qui funditus curant). 
Daraus entwickelt sich dann in jedem Haus- 
stande ein eigener Kult des Hauslaren (der 
Ausdruck Lares domestici findet sich nur in 
der pannonischen Inschrift G. I. L. 3, 4160). 
Dies ist der Lar familiai'is, der vor der au- 

10 gusteischen Reform ebenso regelmäfsig in der 
Einzahl (für jedes Haus) erscheint, wie die 
Staats- und Compitallaren in der Mehrzahl; 
so bei Gato, Plaut us (mit Ausnahme einer 
Stelle), Pomponius (Lar familiaris Titel einer 
Atellane, Mibbeelc , Fr gm. com." p. 234), Gic. 
de leg. 2, 55. Tibull. 1, 3, 34. Verg. Aen. 5, 744. 
9, 258 f. Hör. serm. 2, 5, 14. 2, 6, 65. Plin. n. h. 
28,27. 36, 204. Goluin. 11, 1, 19 u. a.; schein- 
bar dagegen sprechende Stellen älterer Autoren, 

20 wo von Lares familiäres im Plural geredet 
wird, erledigen sich entweder dadurch, dafs an 
ihnen kollektivisch von dem Gesamtkult der 
Lares familiäres, nicht von dem Gotte eines 
einzelnen Hauses die Rede ist (so Varro bei 
Non. p. 531: infoco Larum familiarium ponere. 
Gic. de rep. 5, 7 : iustis nuptiis, legitimis liberis, 
sanctis penatium deorum Larumque familiarium 
sedibus), oder durch eine naheliegende Un- 
genauigkeit des Ausdrucks, indem man unter 

30 Lares familiäres anfser dem Lar auch die mit 
diesem zusammen am Herde verehrten son- 
stigen Hausgötter mit inbegriff {Plaut. Biid. 
1206: atque adorna, ut rem divinam faciam, 
quom intra advenero, Laribus f amiliar ihus, 
quom auxerunt nostram familiam. Cic. de leg. 
2, 42; De dam. 108; Pro Quinctio 85 manus 
adlatas esse ante suos Lares familiäres , ver- 
glichen mit § 83 a suis dis penatibus praeceps 
eiectus. Prop. 3, 30, 21 f. 5, 3, 53 f. Horaz 

40 wiederholt z. B. epod. 2 , 65 f. positosqu,e vernas 
ditis examen domus, circa renidentes Lares 
neben serm. 2, 6, 64 f. ipse meique ante Larem 
proprium vescor vernasque procaccs pasco li- 
batis dapibus. Val. Max. 2, 4, 5). Manche 
Stellen, die man hierher gerechnet hat, sind 
ganz auszuschliefsen, weil sie sich nicht auf 
die Haus-, sondern auf die Acker- und Com- 
pitallaren beziehen (z. B. Tibull 1, 1, 19 tt". 
1, 10, 15 ff. 2, 1,59 f. Was für Laren es waren, 

50 von denen Afranius die Göttin der Verzögerung, 
Remeligo, ausgesandt werden liefs [fr. ^11 Bibb. 
Bemeligo a laribus missa sum Jninc quae cursum 
coliibeam], ist nicht zu ermitteln, aber für eine 
Mehrheit der Lares familiäres kann der Vers 
unter keinen Umständen angeführt werden). 
Der Name Lar familiaris bezeichnet den Gott 
als den Beschützer der familia im weitesten 
Sinne, d, h. (dies im Gegensatz zu Vesta und 
den Penaten, deren Kult nur dem Hausherrn 

uo bezw. der Hausfrau obliegt) des ganzen Haus- 
standes mit Einschlufs des unfreien Gesindes; 
das letztere unterhält daher besonders enge 
Beziehungen zum Larendienste. Die einzige 
gottesdienstliche Handlung, zu welcher der 
unfreie vilicus berechtigt ist, ist das Laren- 
opfer am compituni oder am Hausherde {Gato 
de agr. 5, 3), die Schalfnerin (vilica), ebenfalls 
Sklavin, hat an den dazu bestimmten Tagen 



1877 Lares (häusl. Kult z. Zeit d, Republik) Laras (häusl. Kult z. Zeit d. Republik) 1878 

(s. unten) den Herd zu bekränzen und ein sich wohl auch die Erzählung des Bion. Hol. 

Gebet für den Wohlstand des Hauses an den 4, 15, 4); ja nach einer vereinzelten, aber 

Lar familiaris zu richten {Cato de aqr. 143), durchaus unanfechtbaren Nachricht gehört zu 

der Herd, an dem der Lar seinen Sitz hat, den Ceremonieen, durch welche nach einem 

ist der Versammlungsort für die familia {Plin. Todesfalle die familia funesta gereinigt wird, 

11. h. 28, 267), vor allem nimmt das Gesinde auch ein Hammelopfer an den Lar familiaris 

unter Aufsicht des Vogtes hier am langen (Cic. de leg. 2, 55: neqiie necesse est edisseri a 

Tische angesichts des Lar familiaris seine nohis, quae finis funestae familiae, quod genus 

Mahlzeiten ein (Colum. 11, 1, 19: consiiescatque sacrificii Lari verbecibus fiat, quemadmodum os 

[vilicusj rusticos circa Larem domini focumque lo resectiim terra optegaiur u. s. w. ; dasselbe Opfer 

familiärem semper epulari atque ipse in con- Laribus verbeces duos bringen die Arvalbrüder 

spectu eorum simiUter epuletur sitque frugali- bei piacula in den J. 183 und 224, Henzen, 

tatis exemplum. Hör. epod. 2 , 65 f ; Serm. 2, Ada fr. Arv. p. 145). Sonst bestehen die Opfer- 

5, 12 ff. 2, 6, 64f.; vgl. Ovid. fast. 6, 305 f.: ante gaben an den Lar meist aus Weihrauch {Plaut, 

focos olim scamnis considere longis mos erat et Aul. 24. 385. Tibull 1, 3, 34. Hör. c. 3, 23, 'S. 

mensae credere adesse deos) , von denen der 7it«en. 9, 137. 12,89) und namentlich aus Kränzen 

Gott auch seinen Anteil erhält {Ovid. fast. (PZ«Mf. a. a. 0. und Tj-in. 39. Cato de agr. 143. 

2, 634: nutriat incinetos missa patella Lares. Tibull 2, 1. 59 f. Paul. p. 69. Plin. 21, 11. 
Plin. n, h. 28, 27: fcibus e manu prolapsusj in luven. 9, 138. 12, 86 ff.), zuweilen auch aus 
mensa utique id reponi adolerique ad Larem 20 Wein {Plaut. Aul. 24) und Früchten {Bor. c. 3, 
piatio ekt; mehr bei Marqiiardt, Staatsvenv. 23, 3; Serm. 2, 5, 12 ff.; vgl. Tibull 1, 10, 15 ff. 

3, 126). Der Sitz am Herde kommt dem Lar Luven. 9, 138), seltener und offenbar nur aus- 
familiaris nicht auf Grund seines Wesens zu, nahmsweise werden die im Hausgottesdienste 
sondern er ist jedenfalls erst später zu den aus naheliegenden Gründen zurücktretenden 
eigentlichen Herdgottheiten, vor allem Vesta, Tieropfer erwähnt (Plaut. Bud. 1208 agni et 
dann den Penaten, hinzugetreten. Als Be- porci. Hör. carm. 3, 23, 4; Serm. 2,3, 165. 
Schützer der gesamten familia wird der Lar Tibull 1,10,26 porcus. Tibull 1,1, 22 f. agna) ; 
familiaris bei allen geeigneten Anlässen Gegen- auch hing man zuweilen Votivgegenstände in 
stand besonderer Verehrung. Wenn der Pater- der Nähe des Herdes dem Lar auf, z. B. der 
familias sein Gut besucht, so gilt sein erster 30 ausgediente Soldat seine Waffen {Ooid. trist. 4, 
Gang der Begrüfsung des Lar familiaris (Cato 8,22; vgl. Prop. 3, 30, 21 f. J3or.sm?i. l,5,65f.). 
de agr. 2 pater familias, tibi ad villam venif, Indem sich alle das Wohl und Wehe des Hauses 
ubi Larem familiärem salutavit, fundum eodcm berührenden Ereignisse in Kulthandlungen vor 
die si potest circumeat) , ihm opfert man, dem Lar familiaris äufsern, betrachtet man 
wenn man ein neues Haus bezieht {Plaut. Trin. ihn wie einen mit den Schicksalen der Familie 
39ff.) und zu ihm betet man, wenn man die eng verbundenen E.ausge\si (fatniliai Lar pater, 
Heimat verläfst, um in die Fremde zu gehen Plaut. Merc. 834; in einer metrischen Grab- 
{Plaut. Merc. 834 ff.; Mil. glor. 1339); täglich inschrift aus Moesien, C. L. L. 3, 754 v. 14 
(Plaut. Aulul. 23 f.), besonders aber an den heifst es von der verstorbenen Gattin Lar mihi 
Kalendae Nonae Idus und allen Festtagen 40 hnec quondam., haec spes haec unica vitae). Im 
(Cato de agr. 143; die Kalendae allein nennt Prolog der plautinischen Aulularia führt sich 
Prop. 5, 3, 53 f. und meint Tibtiil 1, 3, 34 red- der Lar familiaris mit den Worten ein: ego 
dereqiie antiquo menstrua tura Lari) bedenkt Lar sum familiaris ex liac familia,^ unde ex- 
man ihn mit Gaben, ebenso bei allen Familien- euntem me adspexistis; Jianc domum iam multos 
ereignissen, bei der Hochzeit eines Hauskindes annos est quom p>ossideo et colo, patrique avoque 
(Plaut. Aulul. 385 ff.), der Rückkehr eines ver- iam huius qui nunc hie habet und zeigt sich 
schollenen Familienmitgliedes (Plaut. Bud. mit allen Geheimnissen des Hauses aufs ge- 
1206 ff. ; vgl. C.L.L. 9,725), bei der Anlegung naueste vertraut; an ihn wendet man sich in 
der Toga virilis durch einen Sohn des Hauses, allen Anliegen der Familie (z. B. Ovid. trist. 1, 
wobei nach altem Brauch die bulla, das nun- 50 3, 43 ff.), er wandert mit der Familie, wenn 

j mehr abgelegte Kinderabzeichen, dem Bilde diese ihre alten Sitze verläfst (z. B. Ovid. fast. 

des Lar familiaris um den Hals gehängt wird 4, 802 transferri iussos in nova tecta Lares. 

\ (Pers. 5, 31; vgl. Prep. 5, 1,131 f. Petron. 60); Tibull 2, 5, 42 u. s.). Notgedrungener Verkauf 

I die in das Haus ihres Gatten eintretende Neu- oder Verlust der Larenbilder ist ein besonders 

1 vermählte legt nach alter Sitte einen As vor schmerzliches Ereignis (Tibtdl 2, 4, 53 f. Luven. 

\ dem Lar familiaris auf dem Hausherde nieder, 8, lipf.; vgl. Tertull. apol. 13 = ad nat. 1, 10), 

während sie einen zweiten dem Gatten über- die Äufserung der höchsten und verzweifeltsten 

' giebt und einen dritten am nächsten compitura Trauer ist es daher, wenn man die Larenbilder 

darbringt (Varro de vita p. B. B. 1 bei Non. auf die Strafse wirft, ein Zeichen, dafs man die 

p. 531: nubentes veteri lege Bomana asses LH go Zukunft des Hauses als vernichtet ansieht (so 

ad maritum venientes solitae provehcre, atque beim Tode des Germanicus: quo defunctus est 

unum, quem in manu tenerent, tamquam emendi die, lapidata sunt templa, subversae deum arae, 

causa marito dare, alium, quem in pede habe- Lares a quibusdam familiäres in publicum ab- 

rent, in foco Larum familiarium ponere, ter- iecti , jmrtus coniugum expositi, Suet. Calig. b). 

tium, quem in sacciperione condidissent, compito Der Begriff der Heimstätte ist derartig im 

rieinali solere sacrare; auf denselben Brauch, Lar familiaris verkörpert, dafs seit dem letzten 

- der für den Zusammenhang der Compital- und Jahrhundert der Republik Lar, später auch 
Hauslaren ein wichtiges Zeugnis bietet, bezieht der Plural Lares in weitester Ausdehnung 



1879 Lares (Kult der Kaiserzeit) Lares (Kult der Kaiserzeit) 1880 

metonymisch für „Haus, Wohnung" gebraucht und für bestimmte Anlässe das Recht besafsen, 
wird (z. B. Trag. ine. fr. ine. 199 lUbh. expu- die Toga practexta anzulegen und zwei Lic- 
JisU saucios patrio Lare. Lahcr. fr. 110 eques toren zu führen {Guss. Dio 55, 8), hatten als 
Bomanus e Lare egressus meo. Sali. Cat. 20, 11 Hauptobliegenheit die Unterhaltung dieser 
illos hinos out amplius domos continuare, nohis Heiligtümer (unter Trajan aecUculas Lamm 
Larein familiärem nusqnam ullum esse. Prop. restituerunt magistri vicoram urhis reg. XIIII, 
5, 10, 18, qiti tulit aprico frigida castra Lare. Bull. arch. com. 15, 1887, 33) und die Ausrüstung 
Hör. epist. 1, 1, 13 quo me duce, quo Lare tuter; der ludi corapitalicii zu besorgen. Die zahl- 
Carm. 1, 12, 43 avitus apto cum Lare fundus. reichen stadtrömischen Inschriften dieser ma- 
Ovid. fast. 1, 136 haec [d.i. die eine Seite der lo gistri vicorum (C. I. L. 6, 445 — 454. Ephem. 
Thür] populum spectat, at illa Larem; 6, 95 et epigr. 4, 746. 747. Bull. arch. com. 17, 1889, 69 ff.; 
Lare communi soceros gcnerosque receptos; trist. weitere Aufzählung bei G. Gatti, Bull. arch. 
3, 12, 52 iamque suum mihi dat pro Lare terra com. 16, 1888, 328, 1) zeigen uns, dafs ihrer vier 
locum; ex Ponto 1, 1, 10 latere sub Lare pri- in jedem vicus waren (noch in Hadrians Zeit, 
vato tutius esse putant; 1, 7, 58 vestro sub Lare wie G. I. L. 6, 975, die sog. Basis Capitolina, 
semper eram. Senec. Med. 20 f. exul pavens iu- beweist), dafs sie überwiegend dem Stande der 
Visus incerti Laris. 3Iartial. 11, S2, 2 conductum Freigelassenen angehörten, dafs ihnen vier 
rcpetens nocte iubente Larem. Stat. silv. 3, 1, 65 ministri aus dem Sklavenstande zukamen 
facimdique Larem Polli non hospcs habebam; {G. I. L. 6, 446. 447) und dafs sie ihr Amt am 
3,1,83 [casaj magnum Aleiden humili Lare 20 1. Augnst antraten {-vgl. dazn A. v. Premerstein, 
parva premcbat; — der Plural in dieser meto- Arch. epigr. Mitteil, aus Österr. -Ungarn 15, 83f.), 
nj'mischen Anwendung unzweifelhaft zuerst dafs also die Neuordnung mit diesem Tage in 
Prop. 5, 1, 128 in tenucs cogeris ipse Lares; Kraft getreten ist; dieser Tag ist sicher auch 
5,8,50 et Icvia ad primos murmura facta Lares. einer von den beiden des Jahres gewesen, an 
Lucan. 5, 528 angusti Lares. Marttal. 9, 18, 2 denen regelmäfsig eine Bekränzung der Com- 
rus minimum, parvi sunt et in, urbe Lares. x^itallaren stattfand (Gompitales Lares ornari. 
Stat. silv. 2, 3, 15 f. aperti stant sine fraude bis anno instituit vernis floribus et aestivis, 
Lares. luven. Ib, 153 t aedificare domos, Lari- Suet. Aug. 31; unter dem 1. August beab- 
btis coniungere nostris tectum aliud. Glaud. sichtigte auch Ovid in den Fasten [vgl. 5, 147] 
nupt. Hon. et Mar. 256 f. ne vilior ultra piri- ao ihren Kult zu behandeln), während der andere 
vaios patercre Lares u. s.), eine Übertragung, nicht sicher steht; dafs es der 1. Mai war, 
die sich so einbürgert, dafs man es nicht wie man gewöhnlich annimmt, ist möglich, 
nur wagt die Werkstätte Vulcans Lar Vulcani aber keineswegs notwendig, da sich die An- 
zi\ nennen (Claudian.Gigantom.S5i. Lemnumqae gäbe Lar(ibus) der fast. Venusini zu diesem 
calcntem cum Lare Vulcani spumantibus eruit Tage auf die Stiftung der aet^es iarwm w stM>i?Ha 
undis), sondern selbst die Wohnung der Bienen Sacra via bezieht (s. ob. Sp. 1871, 63 ff.). Was das 
und Vögel auf dieselbe Weise bezeichnet (von Jahr der Neuordnung anlangt, so erwähnt sie 
den Bienen Verg. Georg. 4 , 42 f. saepc etiam Gass. Dio 55 , 8 unter dem J. 747 = 7 v. Chr. 
effossis, si vera est fama, latebris sub terra fo- und von diesem zählen auch die meisten ma- 
vere Larem. Val. Flacc. 4, 45 cum rapit hol- 4o gistri vicorum (Material bei Marquardt, Staats- 
cyones miscrae fctumque Laremque). verw. 3, 205), in einigen vici geht aber die 
^. . , .„ „ , , Zählung bis auf 745 = 9 und 742^12 zurück 
V. Die augusteische Reform und der ^q_ j j^ q^ 449 452- die Inschrift des auf dem 
Larenkult der Kaiserzeit. Esquilin ausgegrabenen Compitalsacellum [s.u.] 
In der Hauptstadt war am Ausgange der stammt vom J. 744 == 10), und man mufs mit 
Republik die Verehrung der Lares compitales Mommsen (Hermes 15, 109) den Schlufs daraus 
in Verfall geraten, und der Unfug, der mit ziehen, dafs die im J. 747 == 7 zum Abschlüsse 
der Organisation der collegia compitalicia ge- gelangte Reorganisation schon eine Reihe von 
trieben worden war, hatte zur gänzlichen Auf- Jahren vorher angeordnet und mit ihrer Durch- 
hebung der letzteren und damit auch der Compi- 50 führung begonnen woi'den sei. Mit Recht hält 
talienfeiergeführt(s.ob.Sp.l875,24ff.). Augustus daher Mommsen an der Beziehung der Worte 
unternahm eine völlige Neuordnung des Kultes des Horaz , Garm. 4, 5, 35 et Laribus ticum 
der Compitallaren, welchen er zur sakralen miscet numen auf diese Neuordnung fest, ob- 
Grundlage seiner neuen Organisation des Stadt- wohl die Abfassung dieser Ode bereits ins J. 740 
körpers machte. Während sich bisher die sieben = 14, jedenfalls vor die im Juli 741 = 13 erfolgte 
alten Gemeinden der montani jede um das , Rückkehr des Augustus aus Spanien und Gallien 
Heiligtum ihres mons, die der einzelnen pagi fällt. In den Worten des Horaz wird ein 
um ihre compita gruppiert hatten, gab Au- wesentlicher Zug der Neuordnung berührt, in- 
gustus bei seiner Einteilung der Stadt in sofern durch diese die Larenheiligtümer zu- 
14 Regionen und mehrere Hundert vici (265 go gleich Stätten des Kaiserkultes geworden sind, 
nennt Plin. n. h. 3, 66 nach der Aufnahme indem überall an den Compita zwischen den 
Vespasians) jedem der letzteren ein cumpitum Bildern der beiden Lares compitales der Genius 
iarwm zum sakralen Mittelpunkte ('PZm. a.a.O. des Kaisers verehrt wird (Ovid. fast. 5, 145 f.: 
fiirbsj dividitur in regioncs quattuordecim, com- mille Lares Gcniumque ducis, qui tradidit illos, 
pita Larum CGLXV); die Vorsteher dieser %(,rbs habet et vici manina Irina colunt). In- 
Bezirke, niedere Beamte, die alljährlich aus schriftliche Zeugnisse in nicht geringer Zahl 
der Bewohnerschaft des vicus gewählt wurden geben uns weitere Auskunft: Altäre, die von 
(Suet. Aug. 30 e plebe cuiusque viciniae Iccli) den magistri einzelner vici geweiht sind, tragen 



1881 Lares (Kult der Kaiserzeit) Lares (Kult der Kaiserzeit) 1882 

•die Aufschrift Larihus Augustis et Genio Cae- der magistri beträgt in Aquileia G (C. I. L. 
saris bezw. Genis Caesar um (CLL. 6, 4-15 5, 792), in Verona sind es 3 magistri und 
vom J. 747 = 7; Bull.arch. com. 17, 1889, 69 ff. 3 ministri{C.LL. 5,3257 vom J. 753 = 1 v.Chr.), 
vom J. 752 = 2; C.I.-L. 6, 449 vom J. 83 n.Chr.; 3 magistri in Massilia (CLL. 12,400 vom 
451 vom J. 100 n. Chr.; 452 vom J. 109 n. Chr.; J. 18/19 n. Chr.), in Italien w^ird die Vierzahl 
Ephcm. epigr. 4, 746 vom J. 223; nur Larilus nach römischem Vorbilde die Regel gebildet 
augtistis, C. I. L. 6, 444. 448. 450. 453. 454. haben; sicher steht sie für Caudium (C. /. L. 
Eph. ep. 7, 1277) und teilweise die Darstel- 9, 6293, nur drei Namen erhalten), Puteoli 
lung des opfernden Genius Augusti zwischen (C. L L. 10, 1582 vom J. 1 n. Chr.) uud Pom- 
den beiden Laven (C I. L. 6 , 445 ; vgl. 448 ). lo peii , von wo zwar Inschriften fehlen , aber 
Augustus selbst hat für die Ausstattung dieser mehrere an den Strafsenkreuzungen angebrachte 
Compitalheiligtümer insofern Sorge getragen, Gemälde ein Larenopfer von vier Togati zeigen, 
als er aus dem Neujahrsgeschenk, welches ihm in denen die Vicomagistri mit Sicherheit zu 
alljährlich vom römischen Volke geboten wurde, erkennen sind {Heibig, Wandgem. nr. 41 ff".), 
kostbare Statuen anschaffte, welche bei den Die Verbindung des Larendienstes mit dem 
Compita aufgestellt wurden und teilweise den Kaiserkulte tritt deutlich hervor nicht nur in 
vici den Namen gaben; Sucton erzählt {Aug. 51) Widmungen wie Genio Aug. et Laribus (C. J. L. 
omnes ordines . . . Kai. lau. strenam in Capi- 3, 5158; auch die Veroneser Inschrift, CLL. 
tolio etiam absenti (conferebant), ex qua summa 5, 3259 Laribus Agustorum dominorum nostro- 
pretiosissima deorum simuJacra mercatus vica- 20 rum et Casarum ist so aufzufassen), sondern 
tim dedicabat, ut ApoUinem sandaliarium et in Verbindungen wie cives Momani cultores 
lovem tragoedum aliaque, und Inschriftenfunde Lamm et imaginum aug. {Eph. ep. 5, 813 aus 
haben dies bestätigt: wir besitzen aus den Numidien vom J. 128 n. Chr.; ebenso C I. L. 
J. 744 = 10, 745 = 9, 746 = 8 und 750 = 4 6, 307) oder collegium magmim Larum et ima- 
Inschriftbasen, die'von Augustus ex stipe quam ginum clomini nostri Caesaris {C L L. 3, 4038 
populus Bomanus K. lanuariis (apsenti) ei con- aus Poetovio; vgl. imaginibus et Laribus, 
tulit geweihte Statuen verschiedener Gottheiten 9, 3887), oder wenn die cultores domus divinae 
{Mercurio, Bull. arch. com. 16, 1888, 228; Vol- et Fortunae aug. in Tibur den Lares aüg. eine 
cano, C I. L. 6, 457; Laribus publicis, C I. L. "Weihung machen (C. I. L. 14, 3561); auch die 
6, 456; unsicher 6, 458) trugen, und deren Zu- 30 Verbindung der Seviri augustales mit dem 
gehörigkeit zu den Compitalheiligtümern durch Larenknlt (in Ostia, C I. L. 14, 367 sevir Au- 
die neuerdings erfolgte Aufdeckung eines sol- gustalis idem quinquennalis et immunis Larum 
chen (auf dem Esquilin) mit der zugehörigen Augusti ex s. c. und ständig in Tarraco sevir 
Basis des Mercurius völlig sichergestellt worden mag. Lar(um) augustalis [so C I. L. 2 , 4304, 
ist (s. G. Gatti, Bull. arch. com. 16, 1888, 221 ff., sonst aug. oder august., 4293. 4297], oder auch 
der eine früher ausgesprochene abweichende VI vir aug. mag. Lar(um), 4307). Die an ver- 
Ansicht Momvisens, Bes gest. D. Aug.^ 82 mit schiedenen Orten nachweisbaren collegia Larum 
Recht zurückweist). ' (in Brixia, C L L. 5, i4,iO» collegi^im Larum, 
Die augusteische Neuordnung des Dienstes 4432 cultores collegii larum; collegium Larum 
der Compitallaren hat den gesamten öffentlichen 40 in Virunum, C I. L. 3, 4792; cultores Larum 
und häuslichen Larenkult aufserordentlich stark aug. in Alba Fucens, C L L. 9, 3960; cultores 
beeinflufst. Die Verehrung der Lares augusti ist Larumpublicoru7nmLusit&.nien,CI.L.2,8l&i.) 
durch zahllose Inschriften aus allen Teilen Ita- mögen teilweise wenigstens dem Kaiserkulte 
liens und des Reiches bezeugt (Rom, abgesehen gedient haben, wenn wir auch in einzelnen 
von den erwähntenWeihungen der Vicomagistri: Fällen cultores Larum eines Privatmannes 
C I. L. 6, 441 — 443. 3701. Ephem. ep. 4, 745; kennen (C /. L. 5, 4340 aus Brixia; wahr- 
Ostia, C I. L. 14, 26. 367; Vicus Augustanus, scheinlich so aufzufassen, wie sonst die Ver- 
14,2041; Asculum Piceni, 9,5180; Alba Fucens, ehrung der Laren und des Genius eines Privat- 

9, 3960; Puteoli, 10, 1581; Cumae, 10, 3691; mannes, s. unten Sp. 1883, 4ft\). 

Cales, 10, 4634; Oberitalien, 5, 4865. 7689. 50 Die Scheidung der Denkmäler des öffent- 

8234; Gallien, 12, 2807. 3074 — 77. 4319; Dal- liehen und des häuslichen Larenkultes in der 

matien, 3, 1950; Afrika, 8, 10589 u. s.w.), und Kaiserzeit ist darum so schwierig und zuweilen 

zwar sind offenbar auch die Formen des römi- unmöglich, weil die von Augustus für den 

sehen Compitaldienstes an vielen Orten einfach Dienst an den Compita eingeführte Ver- 

recipiert worden (Laribus d. d. Romano more ehrungsform auch auf den Hauskult über- 

dedicata heifst es in einer Inschrift von Ami- tragen worden ist. An Stelle des einen 

ternum, C I. L. 9, 4185): magistri bezw. Lar familiaris (nur selten kommt jetzt in- 

ministri Larum oder Larum augustorum lassen schriftlich Lar in der Einzahl vor: C I. L. 

sich in grofser Zahl nachweisen (Viterbo, 6, 440. 10, 7555 aus Carales; vicus Laris in 

C I. L. 11, 2998; Venusia, 9, 423; Marsi Mar- co Luceria, 9,808; iar mctor in Clusium, 11,2096; 

ruvium, 9, 3657; Caudium, 9, 6293; Potentia, Lar vialis s. unten) treten nunmehr auch im 

10, 137; Grumentum, 10, 205; Nola, 10, 1269; häuslichen Dipnste die beiden Lares der Com- 
Puteoli, 10, 1584; Casinum, 10, 5161 f.; Veli- pita, und zwischen ihnen wird, wie an den 
trae, 10, 6556; Sardinien, 10,7953; Aquileia, Compita der Genius des Kaisers, so im Hause 
5,792; Verona, 5,3257; Massilia, 12,406; in der Genius des Hausherrn verehrt. Die poni- 
Spanien mehrfach in Baetica, 2, 2013. 2181. peianischen Häuser bieten zahlreiche Beispiele 
2233, namentlich aber in Tarraco, 2, 3113. dafür: Gemälde, die meist in der Küche oder 
4293. 4297. 4304. 4306. 4307. 6106); die Zahl im Pistrinum angebracht sind (Heibig, Wand- 



1883 



Lares (Kult der Kaiserzelt) 



Laras (Kult der Kalserzelt) 1884 



gemälde nr. 46 ff. Sogliano, Pitture murali Cain- 
pane nr. 16 ff.), zeigen zwischen den beiden 
Laren, die denen der Compitalaltäre völlig 
gleichen, den opfernden Genius; dafs dieser 
als Genius des Hausherrn (nicht des Kaisers) 
aufzufassen ist, beweisen Inschriften wie Genio 
M(arci) n(ostri) et Laribus duo Diadumeni li- 
herti {C. I. L. 10, 861 aus Pompeii = Heibig, 
Wandgem. nr. b9^), oder Laribus et Tutelae 
Genio L(ucii) n(ostri) Telesphor(us) et Plate 
donum dederunt (C. I. L. 2, 4082 aus Tarraco; 
vgl. auch C. I. L. 11, 1324: lunoni lustae 




2) Aedicula der Laren in Pompeji (nach Schreiber, 
Kulturhislor. Bilderatlas 18, C). 



n(ostrae) voto suscepto pro sa'lute eins Clean- 
tJms l(ibertus) Prixus Helle Lar(ibus) d(ono) 
d(ant)); danach werden auch die schlechthin 
Genio et Laribus lautenden Inschriften (C. J. L. 
10, 1235, Nola; 2, 1980) zu deuten sein. Über- 
einstimmend damit läfst bei Petron. 60 Tri- 
malchio drei Statuen hereinbringen, die der 
beiden Lai-en und seines eigenen Genius (die 
Stelle ist lückenhaft, doch ist über den Sinn 
kein Zweifel; vgl. Friedländcr, Cena Trimalch. 
p. 284), und in pompeianischen Wandinschriften 
begegnet uns neben dem geläufigen Lares pro- 



pitios (0. I. L. 4, 844) die Wendung habeas 
propiteos deos tuos tres (4, 1679). Auch jetzt 
noch ist es in erster Linie das Gesinde {vilici 
z. B. C. I. L. 9, 3908 aus Alba Fucens; 4053 
aus Carsioli; 5, 7739 aus der Gegend von 
Genua), das durch Weihungen an Genius und 
die Laren oder an letztere allein seine An- 
hänglichkeit an das Haus bethätigt: zu Ab- 
dera in Hispania Baetica hellst es von einem 

10 Freigelassenen und einem viliciis {CLL. 2, 1980) 
Lar(es) et Geniitm cum aedicula prim(i) in fa- 
milia d(e) s(uo) d(onuni) d(ant) , in Kom von 
einem Freigelassenen {Epli. ep. 4, 744) Jjaribus 
[quasj vovit sefrvus imaginesj aureas . . . liber 
sfolvitj; der Larenaltar von Salona {C. I. L. 
3, 1950, s. unten) ist von einem Sklaven pro 
Salute seines Herrn den Lares aug. geweiht, 
der Larenaltar von Caere (C. /. L. 11, 3616, 
s. unten) stellt eine Widmung der Klienten 

20 des C. Manlius an ihren Patron dar. Als be- 
sonders vom Hausgesinde verehrte Gottheiten 
sind darum die Laren in Pompeii vorwiegend 
in den Wirtschaftsräumen, Küche und Pistri- 
num, angemalt. Daneben besafsen die besseren 
Häuser kleine aediculae der Laren (Petron. 29: 
praeterea grande armarium in angulo indi, in 
cuins aedicula erant Lares argentei positi Vene- 
risque Signum marmoreum. luven. 8, 111: si 
quis in aedicula deus unicus; der Ausdruck 

30 lararium findet sich erst bei den Scriptores 
historiac augustaej, gewöhnlich im Atrium, 
zuweilen aber auch im Schlafzimmer (ara 
Larum cubiculi, Sud. Domit. 17, vgl. Äug. 7; 
im kaiserlichen Haushalte begegnet ein eigener 
custos Larum, C. I. L. 8 Suppl. 12918 = Eph. 
ep. 5, 429: Felix Caesaris nostfri) ser(vus) cusfos 
Larum min.[?]), in denen Statuetten der Laren 
sowie der Penaten aufgestellt waren (Material 
bei Marquardt-3Iau, Pr i v atl. d. Bömer l,2i0; 

40 Beispiel aus Pompeii Abbildung 2); diese 
Statuetten waren gewöhnlich aus Bronze 
(über die zahlreichen erhaltenen Larenstatu- 
etten s. unten) und wurden mit Wachs blank 
poliert (daher Luven. 12, 88 simulacra nitentia 
cera; auch die renidentes Lares des Horaz, 
Epod. 2, 66 werden besser so erklärt, als von 
der behaglichen Heiterkeit des Hausstandes). 
Besonders loyale Bürger pflegten wohl das 
Bild des regierenden Kaisers bezw. seines 

50 Genius oder früherer Kaiser zwischen den 
Laren aufzustellen und auch sonst nach eigener 
Wahl Bilder von ihnen besonders verehrter 
Personen der Vergangenheit und Gegenwart 
hinzuzufügen {Suet. Aug. 7 von einer kleinen 
Bronzestatuette des Augustus: quae dono a 
me principii data inter cubiculi Lares colitur. 
Suet. Vitell. 2: Narcissi quoque et Pallantis 
imagines aureas inter Lares coluit. Hist. aug. 
M. Ant. phil. 3, 5: tantum autem honoris ma- 

60 gistris suis detulit, ut imagines eorum aureas 
in larario haberet; Alex. Sever. 29, 2: in larario 
suo, in quo et divos principes sed optimos electos 
et animas sanctiores , in quis Apollonium et, 
quantmn scriptor suorum temporum dicit, 
Christum Abraham et Orfcum et huiuscemodi 
ceteros habebat ac maiorum effigies). — Vor 
diesen Larenbildern brachte der Hausvater, 
wenn er auf Frömmigkeit hielt, ein Morgen- 



1885 Laves (.besondere Kultformen) 



Lares (besondere Kultformen) 1886 



Opfer {Suet. Nero 46; Bomit. 17. Hist. Äug. 
Alex. Sever. 29, 2; Pertin. 14, 3) und bei der 
Mahlzeit wurden wohl die Larenbilder auf den 
Tisch gesetzt und erhielten eine Weinspende 
(Petron. 60 und dazu Friedländer, Cena Trimalch. 
p. 284f.); dafs bei dieser Gelegenheit aufser 
den Laren (und dem Genius des Hausherrn) 
auch dem Genius des Kaisers gespendet werden 
mufste, war unter Augustus durch ein Senats- 
konsult angeordnet worden {Cass. Dio 51, 19; 
Tgl. Hör. carm. 4, 5, 32 et alteris te mensis ad- 
liibet deum. Petron. 60). Naturgemäfs sind die 
Zeugnisse für diesen innerhalb der Grenzen 
des Hauses und im Rahmen der täglichen Ver- 
richtungen sich abspielenden Larendienst sehr 
spärlich; dafs er sich aber mit grofser Zähig- 
keit auch noch in den Zeiten des sinkenden 
Heidentums erhalten hat, in denen der öffent- 
liche Kult bereits stark verfallen war, läfst 
sich noch aus den Angriffen der christlichen 
Litteratur gerade auf den Hauskult erkennen: 
Hieronymus {in Esai. bl, tom. 3 p. 418 Bened.) 
klagt bitter darüber, dais die Einwohner Roms 
und der Provinzen^JOSi fores domorum idolapone- 
rent, quos domesticos appellant Lares, und im 
J. 392 verordnet ein Reskript des Kaisers Theo- 
dosius: Nullus ornnino . . . secretiore piaculo 
Larem igne, mero Geniimi, Penates odore vene- 
ratus accendat lumina, accendat iura, scrta 
suspendat {Cod. Theod. 16, 10, 12). 

VI. Besondere Formen der Laren- 
verehrung. 

Wir geben hier eine kurze Übersicht über 
die wichtigeren Kultbeinamen der Laren, wo- 
bei jedoch die namentlich in Spanien häufigen 
lokalen Epitheta (z. B. Lares TuroUci, G. I. L. 
2, 431; Lares Cerenaeci, 2, 2384; Lares Cusi- 
celenses, 2,2iG9; andere 2, 2470 — 2472; vgl. 
auch 2, 804 diis Laribics Gapeticoriim gentili- 
tatis) weggelassen sind. 

Lares alites. Ein vicus Larum alitum in 
der 13. Region begegnet auf der capitolinischen 
Basis {CLL. 6,975); der Name stammt viel- 
leicht, von einem Denkmale, dessen geflügelte 
Figuren (z. B. Eroten) willkürlich im Volks- 
munde als Lares alites bezeichnet wurden. 
Vgl. Wissoiva, Piniol. Abhandl. M. Hertz dar- 
gebracht (1888) 160. 

Lares augusti, s. oben Sp. 1881, Iff.; die 
Form Lares augustales in Spanien, C. L. L. 2 
Suppl. 5929. 

Lares casanici, nur einmal in einer In- 
schrift von Larinum, CLL. 9,725: Lar(ihus) 
cas(anicis) ob redit(um) Bectinae n(ostrae); vgl. 
den Silvanus casanicus, C. L. L. 9, 2100 (ager 
Beneventanus). 

Lares compitales {compitalicü, PJiilarg. 
zu Verg. Georg. 2, 382 ; i^Qcosg ngovcoTtLoi, Dion. 
Hai. 4, 14, 3). Varro de l. l. 6, 25: Compitalia 
dies attributus Laribus compitalibus {so O.Müller; 
ut alibi Hss.); ideo ubi viae eompetunt tum in 
competis sacrificatur. Suet. Aug. 31. Inschrift- 
lich C. I. Lj. 11, 3079 (Falerii),: Laribus compi- 
talibus vialibus [sjemitalibus. C. L. Bh. 1139 
(Zahlbach): Laribus competalibus sive quadrivi 
(vgl. dazu M. Lhm, Jahrb. d. Vereins der Alter- 



tumsfreunde im Bheinl. 83, 89 und 174 zu 
nr. 462). 

Lar omnium cunctalis (Lesuug nicht 
sicher), nur in der abstrusen Götterordnung 
bei Mart. Cap. 1, 54 (wohl aus Nigidius 
Figidus p. 90, 7 Stvoboda) in der 10. Region 
genannt. 

Lares domestici, (7./.i.3,4160(Pannon.). 
Hieron. in Esai. 57, tom. 3 p. 418 Bened. (s. 
10 oben Sp. 1885, 25); vgl. [Silva] no domestico et 
LarfibusJ, C. L. L. 3, 3491. 

Lares familiäres, ursprünglich nur in 
der Einzahl, s. oben Sp. 1876, 9iF. Inschriftlich 
C. L. L. 9, 2996 (Epistylinschrift von Anxanum 
aus republikanischer Zeit): Draco mag(ister) 
aediculam, sigilla ornamentaque omnia Lar(ibus) 
fam(iliaribus) [oder Lar(i) fam(iliari)'>'\ d(e) 
s(ua) p(ecunia) fiacienda) c(uravit) eidemque 
dedicavit; unsicher G. L. L. 9,3424 (Peltuinum): 
20 mag(istri) Ifarum?) ffamiliarium?) und 10, 773 
(Stabiae): Larib(us) etfamil(iae), wonach wohl 
auch die pompeiani sehen Gewichtsteine, G.L.L. 
10, 8067, 12 (L(aribus?) fam(iliae) d. d.) und 
8068, 3. 4 (Lfaribus?) et f(amiliae?)) zu deuten 
sind. Es liegen hier wahrscheinlich Zeugnisse 
für einen von dem stadtrömischen abweicheu- 
den unteritalischen Larenkult vor. 

Lares grundules oder grundulii (so 
Arnob. 1, 28). Der Beiname war schon deu 
30 Alten duukel und wurde vermutungsweise mit 
grunnire ,, grunzen" zusammengebi'acht, wes- 
halb Cassius Hemina die Verehrung der Lares 
grundules von dem Wunderzeicheu der lavi- 
nischen Muttersau herleitete {Cass. Hern. fr. 
11 Pd. = Diom. 1, 384: pastorum vulgiis sine 
contentione consentiendo praefecerunt aequaliter 
imperio Bemum et Bomulum, ita ut de regno 
pararent inter se; monstrum fd: sus parit por- 
cos triginta, cuius rei fanum fecerunt Lari- 
40 btts Grundulibus; vgl. Non. p. 114). Die Glosse 
suggrundaria des Fälschers Fulgcntius, Expos. 
p. 560 Merc. (vgl. J^ersch, Fab. Planciad. Ful- 
gentius de abstr. serm. p. 37) ist mit Unrecht 
von J. G. Vossius u. a. zur Erklärung heran- 
gezogen worden. Vgl. Preller - Jordan , Böm. 
Mrjth. 2, 1 14, 1. 

Lares hostilii. Paul. p. 102: hostiliis 
Laribus immolabant, quod ab Ms hostes arceri 
putabant, kaum zutreffend. 
50 Lares magni et viatorii, C. I. L. 12-, 
4320 (Narbo). 

I^ares militares, s. ob. Sp. 1870, 55flf. ; im 
Singular bei Mart. Cap. 1, 46. 48. 

Lares permarini, s. oben Sp. 1871, IflP. 

Lares praestites {n^aLGtixsus, Plut. Qu. 
B. 51), s. oben Sp. 1871, 41 ff. 

Lares privati, nur bei Plin. n. h. 21, 11, 
nicht eigentlicher Kultbeiname, sondern als 
Gegensatz zu Lares publici gebildet. 
60 Lares publici, Plin. n. h. 21, 11. In- 
schriftlich bezeugt für Rom, G. L. L. 6, 456 
(s. oben Sp. 1881, 29), Bononia, C. I. L. 11, 697, 
Patavium, 5, 2795, Capera in Lusitanien, 
2, 816 f. 

Lares quadrivii, C. L. Bh. 1132] s. oben 
Sp. 1885, 67. 

Lares rurales{'?): Ein vicus Larum ru- 
ralium (so las Smetius, Lesung unsicher nach 



1887 Lares (Mythen) Lares (Deutungen) 1888 

Jordan, Rom. Topogr. 2, 586) in der 14. Re- Gr. Litt. - Gesch. d. Alexandr. Zeit 2, 356, 39), 

gion wird genannt auf der capitolinischen zurückgeführt wird. Freie Erfindung des Ovid 

Basis (C. I. L. 6, 975). {Fast. 2, 571 ff.) ist die Erzählung von der Er- 

Lares salutares, G. I. L. 6, 459. zeugung der Laren durch Mercurius, der die 

Lares semitales, C. I. L. 11, 3079 (Fa- ihm zur Abführung in die Unterwelt über- 

lerii, s. ob. Sp. 1885, 66); vgl. Verg. catal 8, 20: gebene Lara (s. d.) vergewaltigt (vgl. Wissoica, 

neque ulla vota semitalibus deis sibi esse facta. Philol. Äbliandl. M. Hertz dargebracht S. 165f.). 

Lares viales {viatorii, C. 1. L. 12, 4320). Wenn in der Erzählung von Valesius. dem 

Plaut. Merc. 865: vos, Lares viales, (invoco) Entdecker der ara Ditis, die Lares familiäres 

ut me bene iuvetis. »Serw. ^en. 3, 302 (vgl. 168): lo als diejenigen Götter genannt werden, auf 

manes piorum, qui Lares viales sunt. G. I. L. deren Anweisung jener handelt (Valcr. Max. 2, 

11, 3079 (Falerii): Laribus conpitalibus viali- 4, 5; Vesta nennt statt der Laren Zosim. 2,1), 

bus semitalibus. Weihungen an die Lares viales so ist das ebenso bedeutungsloses Beiwerk der 

häufig im nördlichen Spanien (C. J. i. 2, 2417. Erzählung, wie wenn Attus Navius, um die 

2518. 2572. 2987; Siippl 5634. 5734), auch wohl verlorenen Tiere seiner Herde wiederzugewiu- 

G. I. L. 8, 9755. Dem Lar vialis in der Ein- neu, sich Tiqbq trjv -naliäöa xriv iv rä la^üo 

zahl opfern im J. 214 die Arvalen t(aurum) %aQ^idQviiivrjv tjqcowv {Dion.Hal.3,10,2; deus 

a(uratHm), weil Caracalla salvus . . felicissime schlechthin Gic. de divin. 1, 31) wendet. 
ad hibernia Nicomediae ingressus sit {Mensen, 

Act. fr. Arv. p. 122), und ebenso lesen wir in 20 VIII. Deutungen, 
einer Weihinschrift vom J. 238 n. Chr. G. I. L. 

3, 1422 (Sarmazigetusa): Fortunae reduci, Lari Die alten Gelehrten haben sich in der 

viali, Bomae ueternae u. s. w. Mehrzahl mit der Auffassung der Laren als 

Lar Victor, G. I. Lj. 11, 2096 (Clusium), vicorum atque itinerum dei oder tectorum do- 

vielleicht ähnlich aufzufassen, wie Martis et j/mM?«2Me cwstot^es (J.rwo&. 3, 41) nicht zufrieden 

pacis Lari, G. I. Rh. 484, Lar agrestis (= Sil- gegeben, sondern die tiefere Bedeutung dieser 

vanus), G. I. L. 6, 646. Gottheiten zu ergründen gesucht. Die Deutungs- 
versuche haben sich im wesentlichen in zwei 

VII. Mythen. Richtungen bewegt, von denen die eine durch 

30 Gleichsetzung der Laren mit vermeintlich ent- 

Volkstümliche italische Larensagen hat es .sprechenden griechischen Gottheiten ihr Wesen 

nie gegeben, und auch die frei schaffende zu bestimmen suchte, während die andere mehr 

Phantasie der Dichter hat mit diesen abstrakten ihre Einordnung in den Kreis verwandter Vor- 

Gestalten, für deren mythologische Verknüpfung Stellungen der römischen Religion erstrebte, 

mit anderen Gottheiten das griechische Vor- In der erstgenannten Richtung hat Gicero 

bild fehlte, nicht viel anzufangen gewufst. (Tim. 38) die Laren mit dem griechischen ße- 

Volkstümlicher Überlieferung am nächsten steht griffe dai'fiovsg gleichgesetzt, und etwas ähn- 

die Erzählung von der Herdgeburt des Servius liches liegt zu Grunde, wenn Ovid (Ibis 81 f. 

TuUius: In der Asche des Herdes, an welchem vos qiioque, plebs superum, Fauni Satyrique 

Ocrisia, die Sklavin der Tanaquil, waltet, er- 40 Larcsque Fluminaque et Nymphae semideumque 

scheint ein männliches Glied; Tanaquil schliefst genus) sie zur pZt'ös superum und zu den halb- 

die Ocrisia, bräutlich geschmückt, mit dem- göttlichen Wesen rechnet. Genaueres ver- 

selben ein, und diese wird so auf wunderbare suchte Nigidius Figulvs festzustellen, indem 

Weise Mutter des Servius Tullius. Als den er die Laren mit den unter einander gleich- 

Vater bezeichneten die einen den Lar familiaris gesetzten Kureten, Korybanten und idäisehen 

(Plin. n. h. 36, 204), die anderen den Vulcanus Daktylen identificierte {Arnob. 3, 41 = Nigid. 

{Ovid. fast. 6,627; beide Versionen neben ein- Figul. fragm. ed. Swoboda p. 84, 13 ff. Diomed. 

ander bei Dion. Hai 4,2 = Plut. de fort. 1 p. 478 K. Hygin. fab. 139 p. 17, 12 Schm. 

Rom. 10); der Name des letzteren ist sicher = Schol. titat, Theb. 3, 785). im Gegensatze 

erst durch hellenisierende Umdeutung hinein- 50 dazu leiteten andere die Larenverehrung aus 

gebracht {Schivegler, Rom. Gesch. 1, 715. Wis- dem Seelenkulte ab, und während Granius 

sowa, De feriis anni Rom. vetust. p. XV), aber Flaccus in seiner an Cäsar gerichteten Schrift 

auch die ursprüngliche Form der Erzählung De indigitamentis den Lar (familiaris) für iden- 

darf nicht als italische Volkssage gelten, da tisch mit dem Genius erklärte (Censorm. 3, 2), 

einerseits der Phallos in derselben eine dem stellte insbesondere Varro die Theorie auf, 

italischen Vorstellungskreise fremde Rolle spielt, dafs in den Laren eine Vergöttlichung der 

andererseits der Lar von Haus aus durchaus Seelen Abgescbiedener zu erkennen und sie 

nicht Herdgottheit ist, sondern erst durch darum mit den di manes gleichzusetzen seien, 

seine Verbindung mit der Herdgöttin Vesta weshalb auch die Göttin Mania von der Laren- 

diesen Platz erhält (s. oben Sp. 1877, 22 ff.). Auf go mutter nicht verschieden sei (Arnob. 3, 41: 

den Kreis, in welchem diese Erzählung ent- Varro ... nunc esse illos manes et ideo Maniam 

stand, weist die Thatsache hin, dafs eine in matrem esse cognominatam Ijarum, nunc aerios 

der Hauptsache identische Überlieferung über rursus dcos et hcivas pronuntiat appellari, nunc 

die Geburt des Romulus (Plut. Rom. 2; über antiqiiorum sententias sequens Laruas esse dicit 

die ähnliche Erzählung von der Geburt des J.ares, quasi quosdam Genios et functoruvi ani- 

pränestinischen Caeculus vgl. Bd. 1 Sp. 843 mos; vgl. Varro de l. l. 9, 61. Macr. 1, 7, 35); 

Z. lOft".) auf einen Griechen Promathion, Ver- an Varro schlofs sich in diesem Punkte Verrius 

fasser einer 'JazoQi'cc 'itahnr] (vgl. Susemihl, Flaccus an (Paul. p. 121 Lares .. animae esse 



1889 Lares (Deutungen) Laves (Deutungen) 1890 

puiabaniur hominum redadae in numerum äeo- stehenden wieclergegebenen Ausführungen der 
rum; p. 239 dcorum inferorum, quos vocant alten Gelehrten nicht Überlieferung, sondern 
Lares; vgl. Serv. Aen. 3, 302 [s. auch 1, 441. subjektive Deutungsversuche enthalten, die für 
3, 168] manes piorum, qui Lares viales sunt). uns nicht mehr zu bedeuten haben, als un- 
Für diese Auttassung, auf welche sich die zählige antike Konstruktionen ähnhcher Art; 
Gleichsetzung der Laren mit den griechischen andererseits aber erweist sich dieser antike 
Trlqass (s. oben Sp. 1869, 45 ff.) gründete, glaubte Deutungsversuch schon darum als unzureichend, 
man eine Bestätigung darin zu finden, dal's an- weil er, nur auf die Erklärung des häuslichen 
g%\Aichis,.Lübbeyt,Commentat.pontifical.]}.l\. Larenkultes ausgehend, wesentliche Züge der 
Jordan, Topogr. 1, 1, 171) ursprünglich die lo ganzen Larenreligion unerklärt läfst oder mit 
Leichen im Hause bestattet worden seien und ihnen geradezu im Widerspruche steht: die 
daher der Hanskult der Laren direkt an die Anrufung der Laren in den ältesten uns be- 
Gräber der Verstorbenen geknüpft gewesen kannten Urkunden, dem Arvalliede und der 
sei {Serv. Aen. 5, 64. 6, 152). Den Wohnsitz Bevotionstafel (s. oben Sp. 1870, 20 ff.), die Ver- 
dieser abgeschiedenen Seelen setzte Varro nach ehrung der Lares militares und permarini 
stoischem Vorbilde {vgl. A. ScJwiekel, Die Philo- (Sp. 1870, 55ff.), das Hervortreten des Gesindes 
Sophie der inittl. Stoa 8. 256) in den unterhalb im häuslichen Larendienste (Sp. 1873, 48 ff. 1876, 
des von den Göttern bewohnten Äthers sich 62 ff.) und vieles andere bleiben bei dieser Auf- 
ausdehnenden Luftraum {Augustin. de civ. d.l, 6 fassung völlig unverständlich. Bei der Erklärung 
aus Varro, Antiqu. divin. B. 16: inter lunae vero 20 der dem Larendienste zu Grunde liegenden Vor- 
gyrum et nimborum ac ventorum cacumina aerias Stellung wird man vor allem darauf ausgehen 
esse animcis [vgl. Arnob. 3, 41 aerios deos], sed müssen, den Begriff der Laren gegenüber dem 
eas animo non oculis videri et vocari heroas et der verwandten und im Hause mit ihnen zu- 
Lares et Genios; vgl. Mart. Cup. 2, 155: hie sammen verehrten Gottheiten Genius, Vesta, 
igitur Lares, hie post membrorum nexum de- Penaten abzugrenzen, im Gegensatze zu Beiffer- 
giint animae puriores, quae plerumque si meri- scheid, der im Anschlüsse an Granius Flaccus 
torum excellentia sublimantur etiam circulum Lar familiaris und Genius identificieren möchte. 
solis ac flammantia saepta transiliunf). Die Während Vesta deutlich und unverkennbar die 
spätere Spekulation hat dann diese varroni sehe göttliche Verkörperung der Herdflamme dar- 
Anschauung zur Grundlage eines willkürlich 30 stellt, die Penaten, wie ihr Name sagt, die in 
aufgebauten Systems gemacht, in welches die der Vorratskammer waltenden Gottheiten, also 
Begriffe Genius, Lares, Lemures, Larvae, die Schützer des häuslichen Wohlstandes sind, 
Manes so eingeordnet wurden, dafs man Lares, der Genius in erster Linie die zeugende Kraft 
Larvae und Manes zu Unterabteilungen der des Mannes darstellt und im Hause insbeson- 
Lemures machte und diese als Verkörperung dere als Genius des Hausherrn und Erhalter 
der abgeschiedenen Seelen dem Genius, der und Fortpflanzer der Familie verehrt wird, hat 
noch dem Leibe innewohnenden göttlichen der Larendienst seine Wurzeln aufs er halb 
Kraft, gegenüberstellte. Apul. de deo Socrat. des Hauses und ist in den Kreis der Herd- 
15 p. 15, 15 tt". Lütjoh. (= Serv. Aen. 3, 63. kulte erst relativ spät eingetreten. Der 
August, c. d. 9, 11): eum {dcci^ova) nostra lin- 40 Wahrheit am nächsten kommt Jordan, wenn 
gua, ut ego interpretor, haud sciam an bono, er die Laren als Flurgötter erklärt, nur fafst 
certe quidem meo perieulo, poteris Genium vo- er den Begriff zu eng. Für das Verständnis 
care, quod is deus, qui est animus sui cuique, des Genius ist es von wesentlicher Bedeutung, 
qitamquam sit iinmortalis, tarnen quodammodo dafs wir Genii ursprünglich nur von Personen 
cum hoinine gignitur . . . est et secundo signi- und von Personal verbänden (coUegia, curiae, 
ficaiu species daemomom animus humanus eme- legiones, colonia u. s. w.), erst spät auch Genii 
ritis stipendiis vitae corpori suo abiurans. hunc locorum kennen; im Gegensatze dazu tritt bei 
vetere latina lingua reperio Lemurum (^nominey den Laren mit noch gröfserer Bestimmtheit 
dictitatum. ex hisce ergo Lemuribus qui poste- die Thatsache hervor, dafs es Laren von Per- 
rorum suorum curam sortitus placato et quieto 50 sonen und Personengruppen nicht giebt, son- 
numine domum possidet, Lar dicitur familiaris ; dern dafs die Larenvorstellung immer am 
qtii vero ob adversa vitae merita niillis [bonis] Orte hängt: die Stadt, der Gau (pagus), die 
sedibus incerta vngatione ceu quodam exilio Strafse (vicusj, das einzelne Grundstück haben 
poenitur, inane terriculamentum bonis homini- ihre Laren, die Lares militares beschützen den 
bus, ceterum malis noxium, id genus plerique Einzelnen im Gebiete inilitiae ebenso, wie die 
Larvas perhibent. cum vero incertmn est, quae Lares permarini auf der See und die allge- 
cuiqne eorum sortitio evenerit, utrum Lar sit meiner gefafsten Lares viales überhaupt auf 
an Larva, nomine Manimn deum nuncupant der Reise (vgl. Fronte ad M. Caes. 3, 9 p. 47 
(ähnlich Mart. Cap. 2, 162 f.). Nab.: deosque viales et permarinos /^cod. pro- 
Wenn diese Auffassung der Laren als der CO marinosj votis imploro, uti mihi omne iter tua 
im Hause weiter wirkenden Seelen der Vor- praesentia comitatum sii)^ für die Lares hostilii 
fahren bei den Neueren weitgehenden Beifall (ob. Sp. 1886, 43 ff.) kann man wenigstens ver- 
gefunden hat (vgl. aufser der unten anzufüh- muten, dafs sie mit dem ager liosticus (Varro de 
renden Litteratur namentlich Fustel de Cou- l. l. 5, 33) in Beziehung stehen. Als Götter der 
langes, La cite antique p. 20. Nissen, Templum römischen Feldmark werden sie von den fratres 
p. 148. E. Rohde, Psyche S. 232), so ist dabei Arvales angerufen, als Götter des ländlichen 
nicht genügend der Thatsache Kechnung ge- Gaues an den compita verehrt, als Götter des 
tragen worden, dafs einerseits die im Vor- einzelnen Anwesens auf jedem Acker (vgl, 

KOSCHEK, Lexikon der gr. u. röin. Mythol. II. iSO 



1891 



Laves (Bild-werke) 



Lares (Bildwerke) 



1892 



Lares praediorum, C. I. L. 6, 455. Lares Volu- 
siani, d. h. Lares domus Volusianae , C. L L. 
6, 1026Gf.), und nachher bei überwiegend 
städtischer Ansiedelung in jedem Hause. 

IX. Larenbilder. 

Die von Varro beschriebenen und auf den 
Denaren des L. Caesius wiedergegebenen Bilder 
der Lares praestites (s. ob. Sp. 1872, 11 if.) sind 
offenbar früh in Vergessenheit geraten und lo 




det mit einer hochgegürteten Tunica (succinciis 
Laribus, Fers. 5, 31, wo die Scholien eine 
falsche Erklärung geben; incinctos . . . Lares, 
Oüid. fast. 2, 634), die häufig einen vorn lang 
herabfallenden und unter dem Gürtel durch- 
gezogenen Zipfel zeigt, und Stiefeln, im Tanz- 
schritt ausschreitend und mit der erhobenen 
Rechten aus einem Trinkhorn in die mit der 
linken Hand gehaltene Schale (oder Eimer) 
einschenkend (besonders schönes Exemplar aus 
einem Hause vom Viminal in Rom im Kon- 
servatorenpalast, Heibig, Führer durch die 
öfl'entl. Samml. klass. AlUrt. in Born 1, 420 
nr. 547 = Jordan, Annali d. Instit. 1882, 71 f. 




3) Lar im Tanzschritt aus einem römischen Hause 
(nach Annali d. /. 18S2 Tav. N). 

haben in dem erhaltenen Denkmälervorrat wei- 
tere Spuren nicht hinterlassen. Um so zahlreicher 
sind die auf uns gekommenen Darstellungen der 
Haus- und Compitallaren in Altarreliefs, Wand- 
bildern und zahllosen Bronzestatuetten, deren 
jedes Antikenmuseum eine gröfsere Anzahl be- 
sitzt. Die Deutung auf die Laren ist mehrfach 
durch Inschriften völlig sichergestellt und findet 
ihre Bestätigung durch gelegentliche Hinweisun- 
gen der Schriftsteller. Es sind jugendliche Ge- 
stalten mit lockigem Haare (oft auch bekränzt), 
zuweilen mit einei* Bulla um den Hals {Lares 
hullatos, Petron. (jO; s. ob, Sp. 1877, 50ff.),beklei- 



4) Bronzestatuetto eines Laren in Dresden 
(nach Originalzeichnung). 

tav. N, s. Abbildung 3). Die Darstellung ist 
völlig die gleiche so wohl für die Laren des Pi-ivat- 
kultes, wie für die Götter des Compitum : das fin- 
det seine Erklärung darin, dafs alle erhaltenen 
Denkmäler aus der Zeit nach der augusteischen 
Reform des Larenkultes stammen, durch welche 
der Unterschied zwischen Haus- und Compital- 
00 laren beseitigt wurde (s. oben Sp. 1882, 50 ff.). 
Die Darstellungsform der Götter ist aber nicht 
etwa erst durch Augustus geschaffen, sondern 
für die Compitallaren schon seit der Zeit des 
2. ijuniscben Kiüeges im Gebrauch gewesen, 
da bereits Naevius (fr. 99 ft". Thcodotum com- 
piles , qui aras Compitulibus sedens in cella 
circumtectus tegetibus Lares ludcntes peni pinxit 
bubulo) von Bildern der Laren an den Altären 



189^ 



Lares (Bildwerke") 



Lares (Bildwerlre) 



1894 



der Compita spricht, an denen er gerade den 
charakteristischen Tanzschritt {Lares ludentes) 
hervorhebt; dieser und die Handhmg des Ein- 
schenkens bezeichnen die Laren als Führer bei 
der ausgelassenen Fröhlichkeit des Compitalien- 
festes (s. ob. Sp. 1874, 27 tf.). ZumVorbildefür den 
ganzen Typus der Darstellung, dessen Fixierung 
nicht allzulange vor der Zeit des Naevius statt- 
gefunden haben vrird, haben bakchische Dar- 
stellungen der griechischen Kunst gedient, 
deren Kenntnis die unteritalischen Städte den 
Römern vermittelten (vgl. namentlich das 
Terracottarelief Campana, Opere in plastica 
Taf. 31 und Wissotva, Ännali delV Inst. 1883, 
156 fF.). Indem durch den Einflufs der auguste- 
ischen Reform des Compitalkultes die Dar- 
stellungsform der Lares compitales auch in 
die häusliche Verehrung übertragen und die 
Lares familiäres nunmehr ebenfalls in der 
Zweizahl und im Typus der Compitallaren 
gebildet wurden, mufs eine ältere Darstel- 
lungsform des Lar familiaris ganz oder über- 



Larentypus evident ist und die Attribute von 
Füllhorn und Schale die des mit dem Lar fami- 
liaris sich im Hauskulte nahe berührenden 
Genius sind, so liegt die Vermutung nahe, 
dafs wir hier das Bild des Lar familiaris in 
seiner voraugusteischen Gestalt vor uns haben. 
Die grofse Anzahl von Denkmälern dieses Typus 
würde, vorausgesetzt dafs die Erklärung richtig 
ist, zu der Annahme nötigen, dafs im Haus- 

10 kulte die ältere Darstellung des Lar familiaris 
durch die der augusteischen Compitallaren nicht 
völlig beseitigt, sondern nur zurückgedrängt 
worden sei und beide zeitweise neben einander 
bestanden haben, eine Annahme, die um so 
weniger bedenklich ist, als sich vereinzelte 
Beispiele für die Verehrung eines Lar in der 
Kaiserzeit auch auf Inschriften nachweisen 
lassen (s. oben Sp. 1882, 57 ff.). 

Während die zahh-eichen Larenbronzen 

20 durchweg aus den aediculae römischer Privat- 
häuser stammen, gehören die Wandgemälde 
und Reliefs wenigstens zum Teil auch dem 




5) Pompeianisehes Wandgemälde {Uelbig nr. 61) nach Jordan, Venia und die Zaren au/ einem poinp. 

Wandgemälde, Berlin 1885). 



wiegend verdrängt worden sein: denn alles, 
was wir vom häuslichen Larenkult der repu- 
blikanischen Zeit wissen, hat das Vorhanden- 
sein von Bildern des Lar familiaris zur Vor- 
aussetzung, und diese müssen in jener Zeit 
von denen der Compitallaren schon darum 
unbedingt verschieden gewesen sein, weil die 
letzteren nur für paarweise Gruppierung kom- 
poniert sind, während der Lar familiaris der 
republikanischen Zeit einer ist. Nun finden 
sich in dem Bronzenbestande unserer Museen, 
wenn auch nicht so häufig wie die Laren des 
augusteischen Typus, so doch in recht ansehn- 
licher Zahl (vgl. namentlich C. Friederichs, 
Kleinere Kunst und Industrie im Altertum 
S. 438 ff") Statuetten von göttlichen Figuren, 
die nach Aussehen und Kleidung mit denen 
der Laren völlig übereinstimmen und sich von 
ihnen nur durch die ruhige Stellung (anstatt 
des Tanzes) und die Attribute (Schale in der 
rechten Hand, Füllhorn im linken Arm) unter- 
scheiden (Beispiel Abb. 4 Bronzestatuette aus 
Dresden): da die Übereinstimmung mit dem 



öffentlichen Kultus an. Auf den Larenbildern 
innerhalb der Häuser Pompeiis (s. ob. Sp. 1882, 
65flF.) sind die Laren (stets in der Zweizahl)' ent- 
weder allein {Heibig, Wandgem. nr. 35 — 40. 

50 Sogliano, Pitture murali Campane nr. 12 — 15), 
oder mit dem Genius {Heibig nr. 46 — 59. 
Sogliano nr. 16 — 30), oder mit Vesta (Heibig 
nr. 61. 62. 65, s. ob. Abb. 5; mit Vesta und Ge- 
nius, Sogliano nr. 34), oder auch mit anderen 
Gottheiten, die als die Penaten des betreffenden 
Hauses zu fassen sind {Heibig nr. 63 tf. Sogliano 
nr. Slff".; vgl. auch das capuanischeWandgemälde 
3Iinervini, Bull. Napol. 8, 1859 Taf. 5 S. 172 ff.), 
dargestellt; davon zu trennen sind einige an 

60 den Aufsenwänden der Häuser, speziell an 
Strafsenkreuzungen, angebrachte Bilder, auf 
denen das Opfer der 4 vicomagistri (von 
Bei ff er scheid richtig als solche erkannt) vor 
den Lares (compitales) dargestellt ist {Hdbig 
nr. 41 ff.). Unter den Reliefs stehen obenan 
drei römische Altäre, die von den magistri 
einzelner vici den Lares augusti (und dem 
Genius des Kaisers) geweiht sind: A) Altar 

60* 



1895 



Lares (Bildwerke) 



Lares (Bildwerke) 



1896 




iiii^ 



6») Altar, auf dem Marsfeld gefiinden (uach Mitteil. d. arch. Inst. 
EOm. Abt. 4 S. 2i;6f.): Vorderseite. 




1 ,ljl 1 n n n n fl n n n n n n f| ajLjuui^ 





m2Si^mM^M:^MM 



^^'_iMi.m^, \._^ju 



ßO^ 



r-^- 



CiJ) Rechto Neil eil Seite des obigen Altars. 



im Vatikan (C. I. L. 6, 445; ab- 
gebildet bei Visconti, Museo Tio- 
Clementino 4 Taf. 45. 45^^), ge- 
weiht von den magistri (eines un- 
bekannten vicus) qui K(al.) Augustis 
primi mag [ister ium inijerunt, also 
jedenfalls "vom Jahre 747 = 7. B) 
Altar iu den Uffizien in Florenz 
(C. I. L. 6, 448. Dütschke, Antike 
Bildio. in Oberital 3 nr. 218; abge- 
bildet bei Zannoni, Galleria di 
Firenze 4, 3, 142 — 144), Weihnncr 
der mag(istri) vici sandaliari vom 
J. 752 = 2. C) Ein neuerdings im 
Marsfeld gefundener Altar {Bull. arch. 
com. 17, 1889, 69 ff'. Taf. 3 ; vgl. Hülsen, 
Böm. Mitteil. 4, 265 ff., danach Abb. 
6 a. b), geweiht von den fmajgfijstri 
vici Aescleti anni Villi, wahr- 
scheinlich also (s. ob. Sp. 1880, 36ft\) 
im J. 752 = 2; die Reliefdarstellung 
zeigt, in verschiedener Anordnung 
und Ausstattung, aufser den beiden 
Laren auf A und C das Opfer der 
vicomagistri (auf A auch den Genius 
Augusti), auf B die Gestalten von 
Augnstus, Livia und L. Caesar.^ Eine 
Verherrlichung der augusteischen 
Reform des Larendienstes enthalten 
einige von öffentlichen Denkmälern 
der Stadt Rom stammende Reliefs, 
auf denen zwar nicht die Laren selbst 
erscheinen, aber kleine Larenstatuet- 
ten von einzelnen Personen getragen 
werden: D) Relief in Villa Medici, 
von der Ära Pacis Augustae stam- 
mend, {Matz-v. DuJm, Antike Bild- 
werke in Born 3 nr. 3505; abgebildet 
Monum. d. Instit. 11 Taf. 34/85 
nr. 5 = Schreiber, Bilderaüas 
Taf. 19, 1; vgl. v. Duhn, Annali 
d. Instit. 1881, 302 ff.): vor einer 
Prozession von Togati trägt ein 
Camillus die Statuette eines Lar 
(ein gleicher Camillus mit einer 
zweiten Statuette ist wahrscheinlich 
weggebrochen); obwohl die Ära 
Pacis bereits 741 = 13 gelobt und 745 
= 9 geweiht worden ist {Mommscn, 
Bes gestae d. Aug. p. 49. Marquardt, 
Staatsvenv. 3, 569), ist doch die Be- 
ziehung der Darstellung auf die au- 
gusteische Reform des Larendienstes 
zweifellos und damit ein neuer Beweis 
dafür geliefert (,s. ob. Sp. 1880, 45 ff.), 
dafs das J. 747 = 7, unter dem Cas- 
sius Bio der Sache gedenkt und von 
welchem die meisten magistri vico- 
rura zu zählen beginnen, nur den 
Abschlufs einer geraume Zeit vor- 
her begonnenen Reorganisation be- 
deutet. E) Relief bruchstück im 
Lateran {Bcnndorf-Scliocne, Die ant. 
Bildiverke d. lateran. Mus. nr. 486 
Taf. 13, 1) aus einer ganz ähnlichen 
Prozessionsdarstellung stammend: 
vor einem Togatus geht ein Camillus, 
der eine Larenstatuette trägt, vor 



1897 Lares (Litteratuv) Larissa 1898 

diesem ein zweiter Camillus, dessen Arme weg- und sie gut nährte. Von diesen stammte die 

gebrochen sind, der aber offenbar das Gleiche starke und treffliche Rasse der ßosg Auqlvoi 

that, F) Altar im Vatikan (C. /. L. 6, 87(3; in Epirus, welche nach jenem Hirten benannt 

abgebildet bei B. Bochette, Man. ined. Tat". 69), sein sollte. Richtiger leitet man den Namen 

dem Augustus vom römischen Senate und von Xagög und laQivsveiv = oizsvsiv ab, so 

Volke geweiht, nach 742 = 12: auf der dafs er gleich ist lu.fy^s^^'-^'^pos, furpaqprjg. Das 

rechten Nebenseite sind Angustus und Livia, epirotische Rindvieh war überhaupt berühmt und 

stehend, jedes eine Larenstatuette in der wurde von den Rindern des Geryones hergeleitet; 

Hand haltend, dargestellt. Unter den aus dem Herakles soll einen Teil derselben dem Dodo- 
Privatkulte herstammenden Larenaltären steht lo näischen Zeus geweiht haben. Suid. u. Fliot. 

obenan G) Altar aus Caere, jetzt im Lateran, v. äuqivoI ßöag. Athen. 9, 376b. c. Schol. Find. 

(C. I. L. 11,3616. Benndorf- Sclioene, Lateran. Kein. 4,82. Schol. Aristoph. Pac 925. Av. 465. 

Museum nr.216, Heibig, Führer 2, 505 nr. 654; Eustath. p. 1383, 1. Tzetz. Chü. 8, 270 u. Schol. 

abgeb. Monum. d. Instit. 6, 13), dem Censor in Gramer, An. Ox. 3, 362. Apostol. 10, 45. 

perj)etuus C. Manlius von seinen Klienten ge- Jahrb. f. Jcl. I'Ji. 1892, 465, 3. Bursian, Geogr. 

widmet: Opferscene zwischen zwei Laren. Der 1, 17. [Stoll.] 

Genius zwischen den beiden Laren, wie oft Larisaia {AaQicaia), Beiname der Athena 

auf den pompeianischen Bildern, erscheint auf vom Flusse ÄaQiaog, der Grenze von Achaia 

den Altären H) in Villa Medici zu Rom (Mafe- und Elis, woselbst sie ein Heiligtum hatte, 
V. Duhn, Borns ant. Bildw. 3 nr. 3650; abgeb. 20 Paus. 7, 17,5. Panofha, Arch. Komm, zu Paus. 

Annali d. Instit. 1862 tav. R 4, ohne Inschrift), B. 2 Kap. 24, 5 u. 6. Zeus Larissaios und Athena 

J) vom Palatin {Matz-v. Buhn a. a. 0. 3 nr. 3649, Larissaia, Ahh. d. Kgl. Pr. Ale. d. W. Ph.-H. Kl. 

ohne Inschrift); die Laren allein auf K) Altar 1854 15,572 — 577. E. Cartius, Pelop. 1 p. 427; 

aus Spalato (C. I. L. 3, 1950; vgl, B. Schneider, p. 450 Anm. 5, [Drexler.] 

Arch. epigr. Mitteil, aus Österr. 9, 1885 p. 72), Larisaios {ÄccgiGatos), Beiname des Zeus in 

von einem Sklaven Eufrosinus für das Wohl- Argos, wo er auf der Akropolis Larisa einen 

ergehen seines Herrn Titus Valerianus geweiht, Tempel hatte. Paus. 2 c. 24. Curtius, Pelop. 2 

und mehr dekorativ L) auf dem Berliner Altar p. 362. Panofka in der s. v. Larisaia ange- 

bei E. Gerhard, Berlins antike Bildw. Taf. 64 führten Abhandlung. [Drexler.] 
(Baumeister, Denkm. des klass. Altert. 1 , 57 30 Larisenos (yla^tc/jvog), Beiname des Apollon, 

nr. 61); verloren ist ein im Codex Pighianus Strabon 13, 3, 2 p. 530 (Didot): rgizr] S' tGtl 

gezeichneter Altar (M), der auf der einen Seite Aägicu yic6]ir] trje 'EcpsaCag sv xcö KavaxQiavm 

die Laren, auf zwei anderen Mercurius und Tzsdüo, r]v cpaai nöliv vjiaQ'^ca tiqotsqov s'xov- 

Hercules zeigte (vgl. 0. Jahn, Ber. d. sächs. accv Kai lsqov 'AnolXavog AaQiarjvov , nlrjatd- 

Gescllsch. d.Wissensch. 1868, 195 nr. 85). Aus 'Qovaav tco TficöXco (lällov r) rij 'E(p8G(p, vgl. 

den Larenbildern auf Thoulampen (siehe z. B. Stark, Niobe ]}. 417. A. de Longperier, Oeuvres 

Archäol. Zeitg. 10, 1852, 425 Taf. 39, 3) ergiebt 2 p. 412f. erkennt das lorbeerbekränzte Haupt 

sich nichts Neues. des Apollon L. auf dem Obv. einer von ihm 

dem ephesischen Larisa zugewiesenen Brouze- 
X. Litteratur. ^^ münze, indessen Imhoof, Monn. gr. p. 289 hält 
Guil. A. B. Hertzhcrg, De diis Bomanoruvi diese Münze für thessalisch, dagegen teilt er 
patriis sive de Larum atque Penatium tarn zwei andere Bronzemünzen nr. 65 u, 65 a (s. 
jmblicorum quam privatorum religione et eultu, auch Head, Gat. of tlie gr. coins of lonia 
Halae 1840. G. F. Schoemann , Dissertatio de p. 153 nr. 1. 2 PI. 17, 6) mit dem belorbeerten 
diis Manibus, Laribus et Geniis, Univers.- Haupte des Apollon im Obv. auf Grund ihrer 
Programm, Gryphiswaldiae 1840 = Opuscula vollständigen Ähnlichkeit mit Bronzemünzen 
academica 1, 350 fi". B. Scharbe, De Geniis von Kolophon dem ephesischen Larisa zu. 
Manibus et Laribus dissertatio, Casani 1854 [Drexler.] 
(insbesondere S. 81ff.). H. Jordan, De Larum Larissa (yfa^tcrea, ^aptca), 1) eine argivische 
imaginibus atque cultu, Annali d- Instit. 1862, 50 oder thessalische Heroine, nach welcher die 
300 ff. ; Vesta und die Laren auf einem pom- in jenen Ländern gelegenen altpelasgischen 
peianischen Wandgemälde, 25. Berliner Win ekel- Städte und Steinburgen dieses Namens be- 
mannsprogramm 1865; de Genii et Eponae pic- nannt waren. Daher heifst sie eine Tochter 
turis Pompeianis nuper detectis, Annali deW des Pelasgos, von welcher die Burg zu Argos 
Instit. 1872, 19ff. ; Larum imagines ineditae, sowie zwei Städte in Thessalien ihre Namen 
Annali d. Instit. 1882, 70 ff. A. Beiff er scheid, hatten, Paus. 2, 24, 1. Hellanikos bei Schol. 
De Larum piciuris Pompeianis, Annali d. Ap. Bh. 1, 40. Oder Pelasgos ist ihr Sohn 
Instit. 1863, 121 ff'. A. Preuner, Hestia- Vesta von Zeus {Serv. Verg. A. 1, 624), oder von Po- 
(Tübingen 1864) S. 232ff.; Über Vesta, Laren seidon, Schol. Ap. Bh. 1, 580. Die Nymphe, 
und Genien, Philologus 24 (1865), 243 ff'.; Bur~ 60 nach welcher das thessalische Larissa benannt 
sians Jahresbericht 7, 1876, 144^0'. J. Mar- war, gebar dem Poseidon den Pelasgos und 
quardt, Böm. Staatsverwaltung - 3, 121 ff". 203 ff. Phthios, Serv. V. A. 2, 197. Steph. B. v. ^^icc. 
253 f. Preller- Jordan, Bömische Mythologie^ Die Argiverin war von Poseidon Mutter des 
2, 101 ff. [Wissowa.J Achaios, Phthios und Pelasgos, welche aus 
Lariuos {Aagirog), ein Rinderhirt in Epirus, der Peloponnes nach Haimonia (Thessalien) 
der von den Rindern des Geryones, als He- zogen, Dion. Hai. A. B. 1, 17. Sie gebar von 
rakles sie durch Epirus trieb, eine Anzahl Haimon den Pelasgos, Eustath. 321, 26. Ger- 
stahl oder von Herakles zum Geschenk erhielt hard, Gritch. Myth. 2 § 647, 3. Die Thessa- 



1899 Larissa Larissa 1900 

lierin Larissa stürzte beim Ballspiel in den r. li., die Sandale befestigend, vor ihr Hydria, 
Peneios, Eustatli. 1554, 34, was VolcJcer, Japet. Br. 31. Thess. p. 28 nr. 44 PI. 5, 8. ifaZ;ea. a. 0. 
Geschl. 342 auf die Erdrevolutionen und Über- p. 59. Auch eine ball spielende Figur der Silber- 
schwemmungenThessaliens bezieht. Nach (S'c/ioZ. münzen von Larisawird \on Head und Gardner 
Ap. Hh. 2 , 498 war sie eine Schwester der als Larisa, von Friedländer p. 452 allgemeiner 
von Apollon aus Thessalien entführten Kyreue. als Nymphe bezeichnet. Auch diese Gestalt 
[Beziehen sich auf diese Larissa die Worte des kommt mannigfach variiert vor: stehend 1. h., 
Plinius {n. li. 34, 68. Brunn, KiinstJergesch. 1, Ball spielend, Br. M. Thcss. p. 28 nr. 41; eilend 
298): 'Laudant eins (d. i. des Phokäers oder 1. h,, mit der inneren Handfläche der erhobenen 
Phokers Telephanes, der in Thessalien lebte) lo R. den elastisch vom Boden aufspringenden Ball 
Larissam ... et ApoTlineni"i Röscher.] zurückwerfend, i^ncr/Zä/ide?- p. 452 Taf. 2, 21 (in 
[Das Haupt der Larisa erkennen Head, Hist. der L. nach Friedländer einen Reifen, der aber 
num. p. 255 und Gardner, Cat. of Gr. C. in the auf der Abbildung nicht sichtbar ist), Br. M. 
Brit. Mus., Thessahj p. 24 nr, 3 PI. 4, 6; p. 28 ff. Thess. p. 26 nr. 24 PI. 4, 16. Head, Hist. num. 
nr. 47 — 52. 55—97 in einem auf dem Obv. von p. 254; sitzend r. h. auf Stuhl mit Lehne, in 
Silber- und Bronzemünzen von Larisa teils en der L. Reifen oder Kranz, mit der erhobenen 
profil, teils en face abgebildeten Frauenkopf. R. den emporschnellenden Ball zurückwerfend. 
Auch J. Friedländer, Thessalische Kunst, Monats- Friedländer p. 452 Taf. 2, 20; sitzend 1, h. auf 
berichte d. Kgl. Fr. Äk. d. Wiss. z. Berlin 1878 Hydria, den Ball in die Höhe werfend, Br. M. 
[p. 448 — 455] p. 451 Taf. 1, 19 (ebenso Fried- 20 Thess. p. 26 nr. 23 PI. 4, 15. LeaJce a a. 0. p. 59. 
länder u. v. Sallet, Bas Kgl. MünzlMhinett p.68 Sehr anmutig ist das Brunnen- und Ballmotiv 
nr. 135. 136 Taf. 3) deutet wenigstens das en vereinigt auf einer Münze, deren Prägort leider 
face dargestellte Haupt auf Larisa und hebt von Friedländer (p. 452) nicht angegeben und 
den „fast sinnlichen Ausdruck" desselben her- aus dem von ihm allein (Taf. 2, 25) abgebil- 
vor, „welcher durch die breiten Formen und deten aufschriftlosen Revers nicht ersichtbar 
etwas gesenkten äufseren Augenwinkel und die ist. Sie zeigt eine 1. h. auf dem Krug sitzende 
nicht schmalen Lippen entsteht" und es ,,weit Frau, welche den vorgestreckten r. Fufs, um 
menschlicher, ungöttlicher" erscheinen läfst, ihn abzuspülen, unter den Löwenrachen des 
als das ihm äufserlich ähnliche der Arethusa. Brunnens hält und mit der L. das Gewand, 
Andere, wie L.Müller, Musce Thorvaldse^i p. 88 30 um es vor der Nässe zu schützen, etwas vom 
nr. 428 — 430 und F. Muret, Bull, de Corr. hell. Fufse xurückzieht, während der Ball neben ihr 
5 p. 292 sehen in dem Haupt en face das der am Boden liegt. Auch knieend ist die ball- 
Messeis, einer Quellnymphe von Larisa. Born- sj^ielende Figur auf einer Silbermünze von La- 
pois, Coli. Bompois p. 74 nr. 931 — 934 bezeich- risa dargestellt und sowohl von Millingen,Syll. 
net es unbestimmt als Nymphen-, Mionnet 2 of anc. uncd. coins p. 53 PI. 1,26 als auch von 
p. 15fi. nr. 111 — 121. 123 — 130. S. 3 p. 291 ff. Tanoßa, Arch. Komm, zu Paus. B. 2 Kap. 24 
nr. 179 — 199. 201 — 211. LeaJce, Nuvi. Hell p. 576 Taf. 3, 13 als Larisa gedeutet worden. 
Europ.Greece-p.b8a'. CoJien,Cat.Gre'au\).lObf. Sonst kommen knieend, aber Würfel statt Ball 
nr. 1259 — 1265 noch unbestimmter als Frauen- spielend vor Arne auf Münzen von Kierion, 
haupt. Am weitesten irrte EcJchcl, D. N. V. 2 40 Friedländer p. 452 Taf. 2, 23. Curtius, Plastik 
p. 140 ab, welcher es für das Haupt der Me- der Hellenen an Quellen und Brunnen p. 162. 
dusa erklärte. Head und Gardner sehen Larisa Millingen, Anc. Coins p. 49 und eine noch un- 
ferner in einer Wasser holenden Frauengestalt gedeutete weibliche Figur auf einem Silber- 
auf Silbermünzen von Larisa, während Fried- stater von Tarsos, Imhoof, Gr. Münzen in d. 
länder p. 452 in solchen Figuren nur sterbliche Grofshzgl. Badischen Sammlung in Karlsruhe. 
Frauen in genrehafter Darstellung erkennen Berlin 1879 p. 13 — 16 Taf. 1, 7. 
will. Dieselbe erscheint in vielfachen Varia- Ferner ist Larisa auf den Silbermünzen der 
tionen: stehend, auf dem einen etwas vor- gleichnamigen Stadt nach Gardner noch dar- 
gestieckten Knie die gefüllte Hydria haltend, gestellt sitzend r. h. auf einem Stuhl mit Lehne, 
um sie von da aufs Haupt zu heben, dahinter 50 in der R. eine Schale, die L. ei'hoben, Br. M. 
das Löwenmaul des Brunnens, Friedländer Thess. i?. 25 nr. 11 PI. 4, 10; nr. 12. 13; sitzend 
p. 452 Taf. 2, 24. C. Gr. C. Br. M. Thess. p. 25 r. h. auf einem Stuhl mit Lehne, die R. er- 
nr. 14. 15 PL 4, 11; vgl, Leake, N. H. Europ. hoben, in der L. Kranz, p. 26 nr. 22 PI. 4, 14; 
Gr. p. 59 und Muret, B. C. H. 5 p.292; stehend sitzend r. h. auf einem Stuhl, in der L. Kranz, 
r. h., das Gefäfs an dem Löwenvachen füllend, p. 27 nr. 38; sitzend r. h., die R. erhoben hinter 
Leake, N. H. Eur. Gr. 59, von ihm auf Andro- das Haupt, in der L. Spiegel, p.28 nr.39 PI. 5, 5; 
mache an der Quelle Messeis gedeutet, wie nr. 40; vgl. Muret, B. C. H. 5 p.292 „Femme 
man ähnlich die Frauengestalt am Brunnen assise ä dr. s'ajustant devant un miroir qu'elle 
(die Nymphe Hypereia, Head, Hist. num. p. 262) tient ä la main", PI. 2, 5; und mannigfache 
auf Münzen von Pherai hat für Andromache 60 Varietäten dieses sitzenden Typus verzeichnen 
erklären wollen, s. Friedländer p. 452; ferner noch Mi. 2, 15, 110. S. 3, 288, 158. 291, 177. 
stehend 1. h., die r. Hand erhoben, hinter ihr Coli. Subhy Pacha 1874 p. 80 nr. 1700. Cohen, 
die Hydria, C. Gr. C. Br. M. Thess. p. 28 nr. 42 Cat. Greau p. 105 nr. 1257. Call Bompois p. 74 
PI. 5, 6; stehend r. h. , beide Hände erhoben, nr. 929. Auch auf dem Rev. einer Bronzemünze 
vor ihr die Hydria, Br. M. Thess. p. 28 nr. 43 erkennt Head, Hist. num. p. 255 Larisa in der 
PI. 5, 7. Muret, B.C. H. b p.292 PL 2, 6; vgl. stehenden, die Hand zur Stirn erhebenden 
Leake, N. H. Eur. Gr. p. 59 „Female ... lifting Frauengestalt, vgl. Friedländer, Berl. Bl. f. 
up her veil; before her, large monota'' ; steinend Münzkunde 1, 1863 p. 130 f. Taf. 5, 2 und 



1901 Larmenos ^^^^ ^^^^ 

Gavedoni, Spie. num. p. 60. Drexler.] [Vgl. cum mortuis non nisi larvas luctari, PHn.nJi. 

Ehim M 557, 2 Aänicaa TtöUg anb ÄaQiaori? praef. 31) und auch auf der Erde die Menschen 

r,v6g '^Xn^naa. Höfer.] - 2) Larissa war eine erschrecken {Plaut. ÄulQi2-CapL 598. Apul 

Tochter des Pelasgerfürsten Piasos in Larissa vietam. 9, 29. Ämmian Marc. 14, 11, 17 u. a. m.), 

Phrikonis am Hermes und wurde die Braut oder daher larvatus = besessen. Paul p. 119 

Gemahlin des Königs Kyzikos (s. d.), Euphorion Non. p. 44; vgl Plaut AmphUr.ll&i. und 

bei Scliol Ap. Bh. 1, 1063. Parthen. c. 28. frg. 12; Menaechm. 890). Man identificierte 

[MeineJce' Anal Alex. p. 41 f. Drexler.] - sie mit den maniae und weiter mit den 

Der ei-ene Vater hatte ihr Gewalt anaethau di manes {Fest. p. 129), spater aber wurden 
und wm-de deswegen von ihr in ein Weinfafs lo sie mit Lemures, Lares und Manes derartig 

o-estürzt inwelchemerumkam,6'ira&. 13,621. verknüpft, dafs man die Geister der Abge- 

Nikol harn fr. 19b. Müller, Fr. hist. gr. 3, schiedenen (Lemures) in gute (Lares), böse 

368 '\Eust z 11 p. 357, 43 ff. K.] Müller, (Larvae) und solche einteilte, bei denen die 

0^7^126. Vöiclcer, Japet. Geschl Sß6. [Stoll] Zugehörigkeit unentschieden war (Manes : 

Larmenos s Lairbenos s. Apul de deo Soor. 15 p. 15, 15 ä. Lutjoli. 

Larnakios (Aagvd^iog), Beiname 1) des Po- {=. Serv. Aen. 3,63. August.c.d. 9,11) MarUan. 

,eii^nlTln,J,WaUlngton^ Capell 2, 162; vgl. ob. Sp. 1889, 28 ff Mit den 

gegen Bogarth, Devia Cypria p. 113, der für Lares haben die laru-ae nichts zu thun, wohl 

iuQvamov liQ&i NaQva^uov; s. Beinach, Bevue aber ist Zusammenhang mit Laru-nda wahr- 
archeol 15 (1890) p 288. — 2) Wahrschein- 20 schemlich. [Wissowa.] 

lieh Beiname des Zeus auf einer gleichfalls ky- Larymna {Äagviiva) Tochter des Kynos, 

prischen Inschrift Jtbg JaQ[vamov'}]; Wad- nach welcher die böotische Stadt Larymna 

dington a. a. 0. 2836 a. [Höfer.] benannt war. Paus. 9, 23, 4 [Stoll.] _ 

Laros {Aägog), TsQil^ixÖQrig de r] M,X7to{iB- Larjmnos {Äagviivog), Vater der Euboia, 

vng ^ui Acvov ro5 'An6Ucovog, v ^^^^ ^'^«5 welche mit Polybos, dem Sohn des Hermes, 

Aäoov, Milnog (iyfvfro), Schol Hesiod. op. den Meerdämon Glaukos zeugte Promathidas 

l74Gatford [Höfer] aus EeraUea bei Athen. 7, 296b. [_Sclmenclc, 

Larraso, keltische Gottheit, durch einige Etym.-Myth. Andeutungen p 183. Vinet, Le 

bei Moux (zwischen Carcassonne und Narbonne) mythe de Glaucus et de bcylta p. 11 Anm. 3. 

gefundene Inschriften bezeugt, darunter eine so Drexler.] [Stoll] , ^ ^ ^, . , „ 

griechische mit AAPPACCONl ACOPON, Sacaze, Larynthios {AuQW&iog), Bem&me des /.em, 

Bevue de Comminaes 1 p. 221 (Anciens dieux Schol zu LyJ^ophr. 1092 vol. 2 p. 926: Ksqöv- 

desPyrenees, Octobre 1885, unter n.75). CLL. lag %al AaQvr&Log, sncowaa xov Jiog. 

12,5369 (=0/•f^^^-lfeH2e»^ 5893) und 5370; die _ fL^i-e^ler-J 

letztere besonders bemerkenswert :ma^is«npai/i Las {Accg), em alter Heros an der Ostkuste 

ex reditu fani Larrasoni cellas faeiund(as) cura- der Taygetoshalbmsel , wo er in dem kleinen 

vcrunt idemque prohavcrunt. Einer der darin Orte Arainon oder Arai dos sein Grab hatte. 

genannten magi^tri pagi könnte Freigelassener Er galt jedenfalls für den Oikistes der m der 

des Usulenus Veiento in C. L L. 12, 4426 (Nar- Nähe gelegenen früh verödeten Stadt Las. 

bonne) sein. [M. Ihm.] 40 Nach der Erzählung der Einwohner dieser 

Lanmda, von Varro de l l 5, 74 unter den Gegend wurde er von Achilleus getötet, als 

Gottheiten sabinischen Ursprunges genannt, dieser hier landete, um den Tyndareos um die 

deren Altäre König T. Tatius in Kom errichtet Hand seiner Tochter Helena zu bitten Paw- 

haben sollte. In späterer Zeit wurde sie mit sanias meint. Las sei nicht von Achilleus, 

der im Ritual (s. Sensen, Acta fratr. Arval sondern von Patroklos getötet worden; denn 

p 145) als mater Larum angerufenen Göttin dieser sei unter den Freiern der Helena ge- 

identificiert (Lact. 1, 20, 35. Auson. 27, 7, 9 wesen. Paus. 3,24,7. Curtius, Pdoponnesos 2, 

SchenU; vgl. PZadd. p. 60,25 DewerZ.; Larunda, 274 f. Bursian, Geogr. 2 147 [Wide, Lakon. 

quam quidam lamiam [so Papias; viam Hss.; Kulte 234 f. 355. R.] [Stoll] 

laniam QoA. Vercell.; aviam Preller] dicunt). 60 Lasa fZasaj, etruskischer Name einer Gattung 

Jedoch wird jeder Zusammenhang mit den Lares jugendlicher dienender Göttinnen aut 9 Spiegeln 

durch die durch Aiisonius a. a. 0. (nee genius und einem Goldsiegel {Bull 1 = 1886 p. 231), 

doniuum Larunda progenitus Lar) gesicherte mit verschiedenen Beinamen (i'ecMwm oder rem, 

Quantität Lärunda ausgeschlossen, welche den »itiirae, racuneta, sitmica, s. d.), meist geüugelt, 

Namen vielmehr mit Lärenta, der Göttin der mehr oder weniger nackt, mit Stirnband oder 

Lärentalia (Lärentia, Ableitung von Lärenta, Haube, Ohrgehängen, Halsband, Schuhen oder 

und Lärentalia mifst Ovid. fast. 3, 55. 57), zu Halbstiefeln, in den Händen einen Spiegel, oder 

verbinden zwingt Da die Lärentalia sicher Salbgefäfs und Haarstitt, resp. Schnimktopfchen 

ein Totenfest sind {Monmsen, Böm. Forsch. und -stäbchen, oder Griffel, Schreibgefafs und 

2 3f- über die zufällig auf denselben Tag 60 -rolle, mitunter einen grünen Zweig oder 

fallenden feriae lovis s. Wissowa, De feriis Blumenkelch; mit den verschiedensten Gott- 

anni Born, vettist. p. XI), so ist damit auch heiten gepaart, s. i^a&r. G?. J. col. 1020. C. /. i. 

der nur lautlich von ihr verschiedenen Larunda See. Spl 130. Gamurrtm, App. 832. Üorssen,bpr. 

ihr Platz angewiesen. [Wissowa.] d. Etr. 1 , 245 ff t. 7. 0. MiÜler, Etr.- 2,97 

Larvae, nicht Gottheiten, sondern Gestalten nt. 50. Deecke, Etr. Fo. 4, 43ff. Biigge, Etr. ±o. 

des italischen Volksaberglaubens, die in der u. St. 4,227, der lasa als l'asa deutet, worin 

Unterwelt die Seelen der Sünder plagen (;Smec. V der Artikel ist, asa Femininum zu ats- 

apocol 9; vgl. die sprichwörtliche Redensart „Gott". Sonst hat man gewöhnlich lasa als 



1903 Lasios Latinus (b. Hesiod u. Kallias) 1904 

Femininum zu *las = lat. Lar (alt Lases Zählung von den Menschenopfern, die dem 
= Lares) aufgefafst, also wesentlich = lat. luppiter Latiaris dargebracht wurden, als nur 
larva (alt lärua, aus *las-ti(l). Herzustellen bei Kirchenvätern vorkommend und als eine 
ist lafsja auf dem Spiegel Fabr. G. I. I. tendenziöse Erfindung der Christen bezeichnet 
2513 bis; Genitiv ist vielleicht last (= Hasnl) wird, so beruht dies wohl auf einem Irrtum, 
auf der Bronzeleber von Piacenza (DeecÄ'e^ JS^tr. Gerade der cbristenfeindliche Porphyrncs 
Fo. 4, 43). [Deecke.] erwähnt diese Opfer (de abstin. 2, 56) all' hi 
Lasios (Adatog), 1) ein Freier der Hippoda- ys vvv xCg uyvost v.aza rrjv fieydlriv noliv tij 
meia, von Oinomaos getötet, Paus. 6,21, 7. rov AatiagCov diog iogr^ cq}a^6 (isvov 
ScJiol. Find. Ol. 1, 114. 127. [ — 2) Name eines lo av^gconov; und Euseb. praep. ev. 4, 16, 9 
Satyrs auf einer Trinkschale in München hat dies wörtlich ausgeschrieben. [Höfer."] 
(nr. 1104; vgl. C. I. Gr. 7455^); Heydemann, Latinus ist der Eponym des latinischen 
Satyr- u. Balcchennamen. Halle 1880 S. 37 ver- Stammes. Sein Name taucht in der Über- 
gleicht zum Verständnis des Satyrnamens lieferung zum ersten Male auf in der Theo- 
Nonn. D. 13, 44: Idoioi Säxvqoi und Ael yonie Hesiods v. 1011 ff.: KtQv.iq ö' 'Hsli'ov 
nat. an. 16, 21 ^<pcc SazvQOig sfKpfQrj tac; fiog- &vydzriQ ^TTiSQioviSao | yiivax' 'Odvaarjog xa- 
cDilg, tÖ tiölv C(Sfxa läaia. Röscher.] [ — 3) Auf laoi'cpQOvog iv (pt.l6x7]xi \ "Aygiov '^ds Accxlvov 
dem Obv. von Bronzemünzen von Katana ist aiiv^iova xe v.QarsQ6v. xs. \ ot d' rjxoi ficclcc xfjls 
dem epheubekränzten Haupte des jugendlichen ^vxco vr]0(ov isgäcov | näai Tvgarjvoiatv dya^lsi- 
Dionysos beigeschrieben AAZI oder AAZIo, Ä 20 xoteiv avccaeov (citiert bei Schol. ÄpölL RJiod. 
Cat. of tlie ffr. c. in the Brit. Mus. Sicily p. 52 3,200. Etistath. zu II. p. 1796. Lyd. de mens. 1,4 
nr.70 — 73. (7o?7.Bowpo?'sp. 30 nr.393. — Gardner p. 7 Beider). Um das Jahr 600 also (vgl. über 
fafst p. 283 den Namen als Beamtennamen auf. das Alter dieser Verse Scliömann in s. Ausg. 
Da solche aber auf den Münzen von Katana S. 284. Müllenhoff, Deutsche AUertumslcunde 1 
ungewöhnlich sind, dürfte die Vermutung ge- S. 54) war die Kunde von einem latinischen' 
wagt werden, dafs Aäaiog als ein Beiname des Volksstamme, verkörpert in dem Eponym La- 
Dionysos, etwa hergenommen von der Be- tinus, bereits zu den Osthellenen gelangt, 
kleidung mit der Nebris, anzusehen ist,. wahrscheinlich durch Vermittelung der Cumäer. 
Drexler.] [Stoll.] Da die etruskische Macht sich damals südlich "* 

Lassos {AäoGog), ein Paphlagonier, Sohn der 30 noch über Latium hinaus erstreckte, so wurde 

Nymphe Pronoe, der vor Troia von Podalei- ev zum Könige der Tyrsener, und da die grie- ^ 

rios getötet ward, Quint. Sm. 6, 469. [Stoll.] chische Sagenbildung das Abenteuer des Odys- 

Lateraniis s. Indigitamenta. seus bei Kirke an der campanischen Küste lo- 

Lath . . . (lad-), abgekürzter etruskischer kalisiert hatte, so waren auch seine Eltern 

Göttername im Genitiv auf der Bronzeleber von gefunden. Die gleiche Abstammung geben ihm 

Piacenza; s. Deeche, Etr. Fo. 4, 80. [Deecke.] Ps.-Sl'ymn. 227. Serv. ad Aen. 12, 164. Solin. 

Lathou oder Letlion {Äd&oiv, Ari&oav), Flufs- 2 , 9. Steph. Byz. s. v. Ugalvsaxog. AVie ge- 

gott auf Münzen von Euesperides, welche sein wohnlich dehnt sich die genealogische Reihe, 

jugendliches gehörntes Haupt mit Tänie bald und aus dem Sohne des Odysseus wird sein 

ohne Beischrift, bald mit der Beischrift AHTßN 40 Enkel; seine Eltern sind Teiemach und Kirke 

oder AH0QN zeigen, Head, Hist. mini. p. 734. (Kleinias (?) bei Fest. p. 269 s. v. Bomam. 

L. Müller, Numism. de l'anc. Afrique 1 p. 89 Hygin. fab. 127. Flut. Born. 2). Nach der 

nr. 334, wo jedoch nur das Ethnikon EZTTEPI ersten Nennung verschwindet der Name des 

steht: dagegen tragen zwei andere Münzen Latinus für längere Zeit aus der uns bekannten 

die Legende AHTQN bez. AH0QN, Müller Tradition. In den älteren griechischen Be- 

a. a. 0. 1 p. 89 nr. 335. 336. [Weitere Litte- richten, die die Gründung der Stadt Rom mit 

raturangaben sowie frühere falsche Deutungs- dem scheinbar griechisch klingenden Namen 

versuche findet man bei Müller a. a. 0. p. 89. auf verschiedene nach der Zerstörung Troias 

91 f. und bei Lenonnant, Bev. arcJieol. 5 (1848), an die italische Küste verschlagene griechische 

240f., wo auf pl. 93 nr. 3 gleichfalls eine .'io oder troische Helden, zumeist auf Aeneas oder 

Bronzemünze mit der Legende AHT . . abge- Odysseus zurückführen, geschieht des Lati- 

bildet ist. Der Flufs selbst fliefst in Kyrenaika nus keine Erwähnung. Soweit wir es beurteilen 

an der Stadt Euhesperides vorbei und mündet können, hat ihn zuerst Kallias, der Zeitgenosse 

in die lifivrj'EoTisQLSmv {Straho 17 p. 836; vgl. und Geschichtsschreiber des Agathokles, in die 

14, 647, wo er Arj&aiog heifst; Ptolem. bei überkommene Fabel von dem iroi^^chen Ur- 

Aihen. 2, 71b. Plin. bist. nat. 5, 5, 31); sein Sprunge Roms hineingezogen. Er ' berichtet, 

einheimischer Name war 'E^Hfid?, (SÄ"2/7rt.rp. 108 Rome, eine Trojanerin, sei mit anderen flüch- 

und Müller z. d. St. Grusius, Philol. f>2, 705. tigen Trojanern in Italien gelandet, habe den 

Höfer.] [Drexler.] Aboriginerkönig Latinus geheiratet und ihm 

Lathria (AccQ'Qia), Tochter des Herakliden 60 3 Söhne geboren, Romus, Romulus und Tele- 

Thersandros; sie hatte mit ihrer Zwillings- gonus; diese hätten eine Stadt gegründet und 

Schwester Anaxandra zu Sparta einen Altar. ihr den Namen ihrer Mutter Rome beigelegt 

Beide Zwillingsschwestern waren vermählt mit (Kall, bei Dion. 1, 72. Euscb. Ghron. 1, 45, 3 

den Zwillingsbrüdern Prokies und Eurystbenes, p 208. Syncell. p. 363 Dindorf; über das Fehlen 

den Söhnen des Aristodemos, Paws. 3, 16. 5. des Telegonus in den Handschriften von D/o»7/s 

Wide,^Lalcon. Kulte 119. 356. 358. [Stoll] vgl. Schweyler, Böm. Gesch. 1 S. '102 A. 22). 

Latiaris, Beiname des luppiter; s. Bd. 2 Eine ähnliche Fassung lag wohl auch bei Fesitts 

Sp. 686ff'. Wenn jedoch Sp. 688 Z. 62 if. die Er- vor (a. a. 0.), in dessen gekürztem Bericht 



1905 Latinns (bei Timaios etc.) Latinus (bei Cato) 1900 

wir lesen, dafs nach des Aeneas Tode Latinus Troerfabel und Roms Gründung nocb nicbts 
die Herrschaft übernommen und mit der Rome zu wissen scheint, liegt vor bei Servius ad Aen. 
den Romus und Romulus gezeugt habe (vgl, 1, 2; 6, 84; 7, 659. 678: danach gab Lavinus 
Pliit. Born. 2). Es läfst sich kaum entscheiden, . Lavinium den Namen ; nach seinem Tode folgte 
ob Kallias bei seiner Version durch die Be- ihm in der Herrschaft sein Bruder Latinus. 
kanntschaft mit dem einheimischen launischen Nach Cauer (Die Aeneassage S. 121 A. 32) 
Sagenkreise beeinflufst war. Als unmittelbarer haben wir hier vielleicht eine von griechi- 
GründerRoras, das er nach seiner verstorbenen schem Einflufs unberührte, ursprünglich lavi- 
Schwester Rome benennt, erscheint Latinus bei nische Sage zu erkennen — doch s. unten. In 
einem Gewährsmann des »S'enmts a(^ J.e«. 1, 273, JO der römischen Litteratur begegnen wir dem 
dessen Name in den Handschriften ausgefallen Namen des Latinus zuerst in alten priester- 
ist, jedenfalls war es nicht Cato, Yg], Schweghr liehen Aufzeichnungen {Dion. 1,73 sx naluiäv 
fli. a. 0. S. 403 A. 28. Nach einem anderen Autor, loycov iv isgoig ö^lroig Gco^otisvcov): Latinus, 
der uns gleichfalls nicht genannt wird {Dion. 1, König der Aboriginer, erhält die Enkel des 
72), verdankt Rom seinen Ursprung einem Enkel Aeneas als Geiseln, zum Unterpfand der fried- 
des Latinus, Romus, dem Sohne seiner Tochter liehen Beziehungen zwischen den Ankömm- 
Leucaria (vgl. Sclnoegler S. 400 A. 1) und des lingen und der einheimischen Bevölkerung; 
Italus. Zwar lassen sich diese Berichte zeit- da er ohne männliche Nachkommen bleibt, 
lieh nicht genau fixiei'en, doch sind sie der setzt er sie bei seinem Tode in einem Teile 
älteren Litteratur zuzurechnen, denn das Streben 20 seines Reiches als Erben ein. Im Gegensatz 
nach einem Ausgleich der chronologischen Un- zu den Dichtern hat die ältere Annalistik in 
genauigkeiten tritt in ihnen noch nicht hervor, die Aeneasfabel auch die Gestalt des Latinus 
während es sich schon in der Darstellungr des hineingezogen, sei es dafs sie die Verbindung in 
Fahius Picfor bemerklich macht (vgl. Cauer, griechischen Quellen vorfand, sei es dafs sie die- 
Die römische Afneasf^age von Naevius bis Ver- selbe direkt den latinischen Sagen entlehnte. 
gilius, Jahrbuch f. Philol. Supplbd. 1.5 (1887) Von Fahius Pictor ist die Notiz erhalten, dafs 
S. 104 ff.). Timaeus beruft sich in seiner Er- Amita, des Latinus Gattin, durch Hunger sich 
Zählung von den Anfängen Roms auf Erkun- getötet habe (Servius ad Aen. 11, 603 Daniel: 
digungen, die er bei Einheimischen eingezogen Fahius Pictor dicit; vgl. Catcer a. a. 0. S. 108 
habe (Dion. 1, 67; vgl. Polyh. 12, 4). In den 30 A. 11). Zieht man nicht die Lesart (dicunt) 
aus ihm geschöpften Zusammenstellungen in der rein servianischen Handschrift vor, so geht 
der Alexandra des Lylcophron (v. 1226ff. ; vgl. zur Genüge daraus hervor, dafs der Sagenkreis 
Klausen, Aeneas und die Penaten S. 579 ff. ; um Latinus, Lavinia und Turnus in seine Dar- 
dagegen Cauer, De fahulis Graecis ad Romam Stellung verwoben war. Ein wenig mehr erfahren 
pertinentihus , Diss. Berol. 1884 p. 29 f) sind wir über die Erzählung des Cassius Hemina 
Reste latinischer Sagen erkennbar. Wenn durch Ä'o^mws (2, 14): Aeneas habe im Laurenter- 
also in den wenigen Angaben, die wir von gebiet sein Lager aufgeschlagen und von La- 
ihm besitzen, der Name des Latinus nicht tinus für seine 600 Genossen 500 iugera er- 
genannt wird, so liegt der Grund hierfür jeden- halten (Zahl verderbt, s. unten); anfangs hätten 
falls nur in der Ungunst der Überlieferung, und 40 beide gemeinsam geherrscht (ätiologische Deu- 
es ist nicht unwahrscheinlich, dafs die feste tung des Zusammenhanges von Laurentum und 
Verbindunsr des Latinus mit Aeneas zum ersten Lavinium, vgl. Cauer ^.l\\), nach dem Ableben 
Male von Timaeus in die Litteratur eingeführt des Latinus Aeneas allein, 
ist, um so weniger, da er ja in Lavinium eine Die älteste Form der römischen Über- 
troische Gründung sieht (Dion. a.a.O.). Dabei lieferung, in deren Resten noch ein genaue- 
bleibt die Möglichkeit offen, dafs er die neue rer Zusammenhang der Ereignisse nach des 
Kombination bereits fertig von den Laviniern Aeneas Landung erkennbar ist, geben Catos Ori- 
übernommen hat. Die ursprünglich römische gines in den bei Serrius erhaltenen Fragmenten. 
Sage, die von den Zwillingen Romulus und Den allgemeinen Umrissen der Sage entnehmen 
Remus ihren Ausgang nimmt, kennt keine 50 wir, soweit sie sich auf Latinus bezieht, etwa 
Beziehung zu Latinns. Ebensowenig fand er folgendes: Die erste Begegnung mit den ein- 
eine Stätte in der älteren römischen Poesie, wandernden Troern war eine freundliche. La- 
soweit die spärlichen Fragmente darüber ur- tinus, König der Aboriginer (Serv. ad Aen. 1, 6 
teilen lassen. Wollte man auch mit Vahlen = Jordan, Frg. Cat. orig. 1, 5 = Peter, Hist. 
die einzig hierher gehörige Stelle des Naevius Pom. rell. Cat. orig. 1,5), räumt den Fremd- 
(Lih. 2 frg. 1) iamque eius mentem fortuna lingen eine Strecke Landes ein, inter Lauren- 
fecerat quietam auf die Zufriedenheit des Ae- tum et castra Troiana (Serv. ad Aen. 1,5; 7,158) 
neas über glücklich beendete Kämpfe mit den gelegen, im Umfange von 2700 iugera (Serv. 
Einwohnern des Landes deuten, so wäre für ad Aen. 11, 316 frg. 8 Jordan; frg. 8 Peter; 
die Persönlichkeit des Latinus damit nichts eo IIDCC die rein SfrOT'amsc7je Handschriftengruppe, 
gewonnen. Nach Ennivs besteht der Name BCC Daniel ; 500 iugeva na,ch. Cassius Hemina, 
der Latiner schon vor der Ankunft des Aeneas; s.oben, 40 Stadien ins Geviert bei Dion. 1, 59; 
dieser begiebt sich nach seiner Landung am 400 Stadien nennt Appian im Auszuge des 
Laurentischen Gestade (frg. 21 — 23 Vahlen) P/(oi«<s, 7?e(7. 1, 1; Erklärungsversuche der ver- 
7.\\m Könige von Alba (frg. 31). Der Sagen- derbten Zahl bei Jordan, Prolcg. Cat. p. 28ff. 
kreis aber, dem Latinus angehört, hat Lavi- Ruhino, Beitr. z. Vorgescli. Ital. S. 158 ff.); er 
nium zum Mittelpunkte. Ein Bericht, der von willigt in die Vermählung seiner Tochter La- 
dern Zusammenhange des Latinus mit der viniamit Aeneas («Serc. adf ^ew. 6, 760. Mythogr, 



1907 Latinus (b. Dionys. Hai.) Latinus (b. Dionys. Hai.) 1908 

Vatic. fab. 202 bei Mai, Class. auct. 3 p. 70 kündet ihm, er werde zu seinem eigenen Vor- 
frg. 9 Jordan; frg. 5 Peter: Aencas nt Cato dicit, teil handeln, wenn er die Griechen in sein 
simulac venu in Italiam, Laviniam accepit uxo- Land aufnehme. Da auch Aeneas von seinen 
rem; die folgenden Worte propter quod Turnus vaterländischen Göttern vor einem Kampfe ge- 
iratus tarn in Latinum quam in Aeneam bella warnt wird (vgl. T'rtcro bei Serv. ad Äen.3,iA6), 
suscepit . . . sind ein Zusatz des Servius oder so kommt es am nächsten Tage zu Verhand- 
eines Abschreibers, vgl. Cauer a. a. 0. S. 115 lungen, deren Ergebnis ein feierliches Bündnis 
A. 26). Da die Trojaner aber latinisches Ge- der beiden Völker unter folgenden Bedingungen 
biet plündern, so ist der Vertrag gebrochen, ist: die Aboriginer überlassen den Troern das 
und Latinus verbündet sich mit dem R.utuler- lo die neue Gründung umschliefsende Land, etwa 
fürsten Turnus. In einer Schlacht bei Lauro- 40 Stadien ins Geviert (über andere Angaben 
lavinium werden beide geschlagen. Die Stadt vgl. oben den Bericht des Cato), die Troer 
selbst wird erstürmt und Latinus fällt auf dem verpflichten sich, ihren Bundesgenossen im 
Burghügel (Serv. ad Aen. 1,267; 4,620; 9,745 Kampfe gegen die Rutuler beizustehen. Beide 
frg. 10. 11 Jordan; fr. 9. 10 Peter), hier war Völker stellen Geiseln. Mit troischer Hülfe 
nach Prellers Vermutung (iv. M. 2 S. 328 A. 1) werden die Rutuler unterworfen. Aeneas 
sein Grab zu sehen Die Herrschaft über die vollendet den Bau der neuen Stadt und giebt 
Aboriginer geht an Aeneas über; die Einwohner ihr den Namen Lavinium, des Latinus Tochter 
des Landes und die Troer verschmelzen zu einem Lavinia (Aavvcc) zu Ehren (vgl. Varro 1.1. 5, 
Volke, das nach dem gefallenen Könige den 20 144. Isid. orig. 15,1,52. Jiiba hei Steph.Byz. 
Namen Latiner führt (Serv. ad Aen. 1, 6 frg. 6 s.v. AccßLviov), tüg'Pafiaiot. Xsyovei fügt Dionys 
Jordan; frg. 5 Peter). Vertrag und Kampf sind hinzu im Gegensatz zu abweichenden Berichten 
übereinstimmend mit den Notizen bei Fabius einiger griechischen Mythographen (1, 57 — 
Pictor (?) und Cassius Hemina. Über Catos 59). Die Heirat mit Lavinia besiegelt den 
Benutzung und Ausgleichung verschiedener sich neuen Buud und führt zu vollständiger Ver- 
widersprechender Nachrichten s. Carter S. 117 ft'. Schmelzung der Troer und Aboriginer (von 
Catos Darstellung bildet einen Abschlufs in Dionys willkürlich vor den Tod des Latinus 
der älteren Entwickelung der Sage. Mit dem gesetzt), die sich von nun an mit gemeinsamem 
Schwinden des politischen Interesses an dem Namen nach dem Könige Latinus Latiner nennen 
troischen Ursprünge Roms {Nissen, Zur Kritil- 30 (c 60; vgl. Strabon 5, 229. Juba bei Steph.Byz. 
der Aeneassagc, Jahrbuch, f. Piniol. 1865 S. '381) s.v. 'AßoQiyivsg), andererseits aber wird die 
macht sich auch in der Litteratur eine fluch- Vermählung wieder Anlafs zu neuen Kämpfen, 
tigere Behandlung des einschlägigen Stoffes Turnus (TvQQr}v6g), ein Vetter von des Königs 
bemerkbar. Die Erinnerung an die mythische Gattin Amata {'Afiira), kein Rutuler, wie Zo- 
Vergangenheit findet zwar weitere Pflege in naras (s. unten) ausdrücklich hervorhebt, fühlt 
den adligen Privatkreisen Roms und den Lokal- sich beleidigt, dafs die zuvor ihm zugesicherte 
kulten der einzelnen Gemeinden (Cawer S. 142 ff.), Braut einem Fremdling gegeben sei (ort naq- 
gewinnt aber für das öffentliche Leben erst mit sl&av xo «ruyysvfg o&vsioiq iurjdsvas, klar 
dem Hervortreten des Julischen Geschlechtes ausgesprochen bei Zonaras) und greift, auf- 
wieder allgemeinere Bedeutung. Aus dieser 40 gestachelt von Amata, im Bunde mit den Ru- 
Zeit besitzen wir denn auch die beiden ausführ- tulern zu den Waffen gegen Latinus und dessen 
liebsten Bearbeitungen der Sage durch Dionys neuen Eidam. Sein Heer wird in einer schweren 
und Vergil. Die Erzählung des ersteren, Schlacht geschlagen, er selbst fällt, aber auch 
hauptsächlich auf Kastor und Varro beruhend Latinus findet in dem Kampfe seinen Tod, und 
{Gauer S. 154 ff.), fafst abschliefsend all die zwar 3 Jahre nach der Zerstörung Troias 
Umwandlungen zusammen, welche die durch (c. 63. 64; vgl. c. 43. 44). Als Gatte der La- 
Gato geschaffene Gestalt der Sage in der spä- vinia übernimmt Aeneas die Gesamtherrschaft 
teren republikanischen Zeit durch griechische (vgl. Diod. bei Euseb. Ghron. 1, 46, 1 p. 213 
Geschichtsschreiber und Mythographen, durch = Sync. p. 366. Aug. c. d. 18, 19). Die Grund- 
die römische Annalistik und antiquarische For- 50 /üge dieser Darstellung finden sich in kürzerer 
schung erlitten hat: Im zweiten Jahre nach Fassung mit geringfügigen Abweichungen bei 
der Zerstörung Troias (c. 63; Cassius Hemina IJvius (1, 1, 6 ff.), Justin (43, 1, lOff.), Cassius 
bei Solin. 2, 14) landet Aeneas an der Küste Dio (aus Diodor; frg. 4, 7 = l'zetz. zu Lykophr. 
Latiums und beginnt sofort den Bau einer 1232. Zonar. 7, 1 p. 313 a.b) und Appian (im 
Stadt an der ihm vom Orakel bezeichneten Auszuge des Photius, Peg. 1, 1 und eines un- 
Stelle (über die verschiedenen Angaben der genannten Byzantiners fr. 1,1. 2). Bei Dio 
Landungsstelle vgl. 6'c7iwe<//er 1 S. 291 ff.). Der schliefst Latinus den Bund mit Aeneas erst 
König des Landes, Latinus, damals gerade in nach einer Niederlage, Livius kennt beide 
einem Kriege mit den Rutulern begriffen, eilt Überlieferungen; während er nur den Tod des 
auf die Kunde von der neuen Ansiedlung so- 60 Latinus erwähnt, fallen bei Dio Latinus und 
gleich mit einem starken Heere herbei, um Turnus im Zweikampf. Bei Justin wird Lavi- 
den Weiterbau derselben zu verhindern. Der nium erst nach des Latinus Tode gegründet. 
Anblick der feindlichen Schar, die nach Von einer Flüchtigkeit Appians rührt es her, 
Griechenart bewaffnet und aufgestellt, uner- wenn der Ausdruck Latiner nur auf die Abori- 
schrocken dem Kampfe entgegensieht, bestimmt giner Anwendung findet und wenn Latinus 
ihn jedoch, den Angriff' bis zum nächsten Morgen (Eeg. 1 /r. 1,1) eines natürlichen Todes zu 
zu verschieben. Noch in derselben Nacht er- sterben scheint; irrtümlich steht bei Photius, 
scheint ihm ein einheimischer Gott und ver- App. Peg. 1 Faunus statt Latinus (vgl. Cauer 



1909 Latinus (b. Dionys. Hai.) Latinus (b. Vergil) 1910 

S. 137). Gegen die ältere Sage zeigt diese Dar- Laurentischen Nymphe Marica. Sein Sitz ist 
stellnng folgende Unterschiede: 1) Aeneas grün- die mit Ahnenbildern und Trophäen reich ge- 
det Lavinium nicht auf Grund eines Vertrages schmückte Burg von Laurentum. Einen männ- 
mit Latinus, sondern sogleich nach der Landung. liehen Sprofs hatte ihm das Geschick nicht 
— 2) Nicht die Plünderung latinischen Gebietes, gegeben, nur eine Tochter, Lavinia, damals 
sondern der Bau Laviniuras giebt Anlafs zum znr herrlichen Jungfrau herangeblüht. Viele 
ersten Zusammenstofs. — .^) Die Kämpfe des La- Fx'eier werben um ihre Hand; des Königs 
tiiius sowie der verbündeten Aboriginer und Gattin, Amata, begünstigt den Rutuler fürst en 
Troer gegen die Rutuler vor der Vollendung Turnus. Durch schlimme Vorzeichen geschreckt 
Laviniums kommen neu hinzu. — 4) Turnus er- lo fragt Latinus das. Orakel seines Vaters Faunus 
scheint nicht mehr als Rutuler. — 5) Latinus (vgl. Ovid. fast. 4, 644 if.) um Rat und erhält 
steht nicht auf Seiten der Rutuler, sondern den Bescheid, er solle die Tochter einem Fremd- 
der Troer. — 6) In derselben Schlacht wie La- linge vermählen, aus dieser Verbindung werde 
tinus fällt auch Turnus. — In der Genealogie ein ruhmreiches Geschlecht hervorgehen. Als 
macht sich, hervorgerufen durch die antiqua- daher eine Gesandtschaft der Troer ankommt 
rische Forschung, der Einüufs latinischer Sagen mit der Bitte um einen Sitz für ihre heimat- 
geltend. Das Elternpaar Odysseus und Kirke liehen Götter, wird ihnen nicht nur diese Bitte 
verschwindet, an ihre Stelle tritt der latinische gewährt, sondern Latinus bietet selbst mit 
Faunus und eine einheimische Göttin (Dion. Berufung auf den erwähnten Orakelspruch seine 
1, 43. 44. Vergil. Aen. 7, 47. C. I. L. 1 , 175. 20 Tochter dem Aeneas als Gattin an und entläfst 
Ovid. metam. 14, 449. Serv. ad Aen. 10, 76. die Boten mit reichen Geschenken. Ehe indes 
Aug. c. d. 18, 16. Zonar.7. 1 p. 313a), es bildet der neue Bund durch feierliche Eide bekräftigt 
sich eine laurentische Königsreihe, die mit werden kann, kommt es gelegentlich einpr Jagd 
Latinus abschliefst {Arnob.2,7\. Lactant. in^t. durch einen unglücklichen Zufall zum Kampfe 
1, 22, 9; vgl. über die anderen Herrscher zwischen den Begleitern des Ascanius und la- 
Schwegler a. a. 0. S. 214 ff.). Die Genealogie- tinischen Hirten; die Getöteten werden zur 
bildung selbst verrät Abhängigkeit von den Königsburg getragen; die Königin und die 
Griechen; die Verbindung aber mit nationalen Bevölkerung fordern den Krieg gegen die 
Gottheiten erweist ihren italischen Ursprung. Fremdlinge; Turnus der RutVüerfürst (7,783 if.). 
Es sei hier sogleich hinzugefügt, dafs in der 30 der sich durch die Bevorzugung des Phrygiers 
späteren griechischen Tradition dem Faunus als Bräutigam zurückgesetzt fühlt, und andere 
wieder ein Konkurrent in Hercules erwächst drängen gleichfalls zum Kampfe. Latinus zieht 
(Tsetz. zu Lyhoplir. 1254. Sync. p. 365), doch sich vor dem Tumult in das Innere des Palastes 
läfst das neue Gewand der Fabel die Ursprung- zurück und weigert sich standhaft seinen neuen 
lieh nationale Färbung, die Beziehung auf Fau- Gastfreunden den Krieg zu erklären. luno selbst 
nus, deutlich hindurchschimmern: Latinus ist öffnet die Pforten des lanustempels, und die 
das Kind einer hyperboreischen Jungfrau, die Latiner rüsten sich, um an der Seite des Tur- 
Hercules von ihrem Vater als Geisel empfangen nus und seiner Verbündeten gegen die Ein- 
und mit sich nach Italien geführt hat; im Be- dringlinge zu streiten (Buch 7). Dem nun be- 
griff nach Argos zurückzukehren, läfst er sie 40 ginnenden Kampfe hält sich Latinus fern; 
schwanger dem Könige der Aboriginer Faunus nicht er, sondern Turnus ruft durch das Auf- 
ais Gattin zurück (Dion. 1 , 43). Den Namen stecken der Fahne auf der Burg von Laurentum 
dieser Jungfrau, Palanto, erfahren wir von die Latiner zu den Waffen. Als die blutieen 
Festus (p. 220 s. v. Palatium; vgl. Solin. 1, 15); Kämpfe (Buch 9. 10) entmutigend auf die La- 
Gattin des Latinus heifst sie bei Varro (Z. /. tiner wirken, und als die an Diomedes um 
5, 53). Herakles zeugt den Latinus mit der Hülfe abgesandten Boten (8, 9 — 17) unverrich- 
Gattin des Faunus (Gassius Dio frg. 4, 3 Diu- teter Sache' zurückkehren, da hält Latinus 
dorf = Tzetz. zu Lykophr. 1232), mit der weiteren Streit für einen Frevel gegen die 
Tochter des Faunus (Just. 43. 1, 9). Mit Recht göttliche Vorsehung; er beruft eine Versamm- 
sieht Preller (Böm. Myth. 2 S. 283 A. 1) unter 50 lung der Ersten des Staates und rät zum 
den wechselnden Bezeichnungen der Mutter ein friedlichen Vergleich mit den Troern. Turnus 
und dieselbe Person, die dem Faunus zuge- aber besteht auf der Fortsetzung des Krieges 
hörige italische Göttin Fauna. Wie Odysseus (11, 225 ff.). Als jedoch in einer zweiten 
dem Telemach(s. oben), weicht Hercules seinem Schlacht (11, 597 ff.) das Glück abermals zu 
Sohne Telephos f3Ialal.Chron.&Tp.l&2,Al)in- Gunsten der Troer sich entscheidet, da er- 
dorf); schliefslich wird Latinus mit Telephos bietet sich Turnus um den Besitz der Lavinia 
identificiert, da beide als Söhne des Hercules zum Zweikampf mit dem feindlichen Führer, 
gelten (Suid. s. v. Akzivoi). trotz der Abmahnungen des Latinus und seiner 
Unter Benutzung der vorhandenen Litteratur Gattin (12. 1 ff.). Im Angesicht beider Heere 
und im Anschlufs an das griechische Epos hat 60 schliefsen Latinus und Aeneas einen feierlichen 
Vergil in seiner Aeneis der Fabel eine neue, Vertrag. Siegt der Troerheld, so will Latinus 
eigenartige Gestalt gegeben, geleitet durch die ihm das erbetene Land abtreten (vgl. 11, 316), 
Rücksichten, die die Schöpfung eines Kunst- beide Völker sollen durch einen ewigen Bund 
Werkes und die Tendenz der Dichtung ihm in der Weise vereinigt sein, dafs dem Latinus 
auferlegten {Gauer S. 168 ff.). Als Aeneas im der Oberbefehl im Kriege und die richterliche 
7. Jahre seiner Irrfahrten an der Tibermündung Gewalt, dem Aeneas die Ausübung der sakralen 
anlangt, herrscht in Frieden über das Land Funktionen überlassen wird; durch die Ver- 
König Latinus, der Sohn des Faunus und der mählung des Aeneas mit der Tochter des 



1911 Latinus (bei Vergil) Latinus (Eponymos d. Latiner) 1912 

Königs, die der neu zu gründenden Stadt den lisclien Göttern lanus, Saturnus und Faunus, 
Namen giebt, soll der Bestand des Bundes die der fromme Glaube zu milden und ge- 
verbürgt werden. Unterliegt Aeneas, so sollen rechten Königen der Vorzeit machte. Wie 
die Troer nach Pallanteum zurückkehren. Kaum konnte er sonst seine ursprüngliche Benennung 
sind die Eide gesprochen, da beginnen Vertrags- verändern, vsrährend jene auch als irdische 
brüchig die Rutuler den Kampf. In dem all- Herrscher ihre Götternamen behielten. Seine 
gemeinen Tumult entflieht Latinus zur Stadt. Existenz verdankt ei', wie die meisten Eponyme 
Anfangs unglücklich kämpfend, drängen die italischer Städte, griechischem Einflufs, wahr- 
Troer bald vor und bestürmen Laurentum; scheinlich den Cumäern, den südlichen Nach- 
die erschreckten Büi-ger ziehen den König auf lo barn der Latiner. Durch ihre Vermittelung 
die Mauer, um ihn zu einer Erneuerung des gelangt er zu den Osthellenen, wobei die 
Bündnisses zu veranlassen; hier erreicht ihn Kunde von dem Volksstamme, von dessen 
die Kunde von dem Selbstmorde seiner ver- Namen er abgeleitet war, bei dem Vorwiegen 
zweifelten Gattin. Von hier sieht er dem des mythographischen Interesses vor dem 
Entscheidungskampfe zwischen Aeneas und ethnographischen verloren geht. Die älteren 
Turnus zu (IBuch 12). Die folgenden Ereignisse Nachrichten griechischen Ursprungs sind frei 
sind mehrfach angedeutet: Der Bund der beiden von sakralen Beziehungen irgend welcher Art. 
Völker mit dem gemeinsamen Namen der La- Indem sie Latinus zum Könige der Tyrsener 
tiner (1, 6; 12, 837; anders 8, 322; 12, 823), und zum Gründer oder Ahnherrn Roms machen, 
die Vermählung der Laviuia (6, 764; 7, 256; 20 spiegeln sie nur die geschichtlichen Verhält- 
12, 937), Laviniums Gründung (1, 258. 270; nisse der Zeit, aus der sie stammen, wieder: 
12, 194). Vergil folgt im wesentlichen der die Ausdehnung der etruskischen Macht und die 
Darstellung Catos, das Verhalten des Latinus für die griechische Welt steigende Bedeutung 
wird von beiden in gleicherweise geschildert; Roms. Für die Latiner selbst war ihr Heros 
wenn Vergil ihn den Kampf überleben läfst, ein farbloser Begriff; er gewinnt individuelles 
so ist er dabei durch künstlerische Rück- Leben erst in der römischen Litteratur durch 
sichten geleitet, insofern die Erfüllung der seine Verbindung mit der Aeneassage. 
Vertragsbestimmungen aus dem Rahmen seiner Von dem Bestehen einer einheimischen Latinus- 
Dichtung herausfällt. Nach Vergil hat die legende in früherer Zeit besitzen wir jeden- 
Aeneasfabel, soweit sie auf Latinus sich be- so falls keine überzeugenden Beweise; infolge des 
zieht, keine Änderungen mehr erfahren, vgl. römischen Übergewichts fehlt zu ihrer Ent- 
den letzten zusammenhängenden Bericht der faltung auch der Hintergrund eines macht- 
Origo gentis JRomanae c. 12 — 14, in der Haupt- vollen latinischen Bundes. Die Angaben des 
Sache einer Kompilation aus den Vergilkommen- Servius aä Aen. 1, 2; 6, 84. 7, 659. 678 (s. oben) 
taren {Jordan, Herrn. 3 (1868) S. 410 ff. Cauer weisen eher auf griechischen Ursprung. In der 
S. 147 ff.). einheimischen Überlieferung erscheint Latinus 
Wie die Tradition, abgesehen von Hesiod, bereits an eine bestimmte Lokalität gebunden, 
übereinstimmend berichtet, ist Latinus König an die Städtezweiheit Lavinium - Laurentum. 
der Aboriginer. Nachdem er in den durch die Diese besondere Beziehung erklärt sich aus 
Ankunft der Troer hervorgerufenen Kämpfen 4.0 der bei Beginn der Litteratur bestehenden Kult- 
gefallen ist, übernimmt Aeneas die Gesamtherr- gemeinschaft Roms mit jenen Orten (Schiveglcr 
Schaft und benennt das vereinigte Volk nach S. 317 ff. 3Iarquardt, Böm. Staatsaltert.'i S. 252. 
dem Namen des gefallenen Königs Latiner. 477. Cauer S. 130ff.), die den Anlafs gab La- 
Die Entstehung des Volkes wird also an den vinium als die Metropole ganz Latiums zu be- 
Stifter der Vereinigung, Aeneas, geknüpft; den trachten. Der Vorstellung eines allgemeinen 
Namen erhält der neue Bund von dem ein- latinischen Stammheros, die man aus dem 
heimischen Könige {Cato b. Serv. aä Aen. 1, 6 Namen gewonnen hatte, war also Rechnung 
frg. 5 Jordan; frg. 5 Feter. Varro l. l. 5, 32. getragen, wenn Latinus zum Könige der lati- 
Liv. 1, 2, 4. Vergil Aen. 1, 6; 12, 837. Dion. nischen Mutterstadt wurde, bezw. Laurentums, 
1, 9. 45. 60; 2, 2. Strab. 5 p. 229. Jul)a bei 50 dem die Verwaltung der Lavinischen sacra 
Steph. Byz. s. v. 'AßoQiytvsg. Appian. Beg. 1 oblag. Da der Vestakult zu Lavinium in hohem 
fr. 1, 1. Cassius Bio frg. 4, 3 = Tzetz. zu Ansehen stand {Serv. ad Aen. 2, 296; 3, 12. 
LyJi. 1232. Hycjin. fab. 127. *S'?/nc. p. 365. Serv. Macroh. Sat. 3, 4, 12), so hiefs des Königs 
ad Aen. 8, 322. Isid. orig. 9, 2, 84. Tzels. zn LyJc. Gattin Amata, ein Name, mit dem jede Vestalin 
1254; vgl. Cassius Hemina bei Solin. 2, 14. in der Poutifikalsprache bei der Captio genannt 
Just. 43, 1, 11. Aug. c. d. 18, 19; andere Etymo- Avurde (Gell. 1, 12, 14. 19). Wenn wir der An- 
logieen bei Scimegler 1 S. 197 ff.). Selbst- gäbe des Servius (ad Aen. 11, 603), die aller- 
verständlicli ergiebt sich das wahre Verhältnis dings nur durch die Daniehche Handschriften- 
von Latinus und Latinern, wenn man die Er- gruppe überliefert wird, Glauben schenken, so 
Zählung der Alten umkehrt, d. h. der König co war des Latinus Verbindung mit Amata bereits 
des Landes ist von dem betreftenden Volks- dem Fahius Victor bekannt; sie sieht indes 
namen abgeleitet. Latinus ist der Heros epo- eher aus wie ein Produkt der antiquarischen 
nymos des latinischen Stammes in dem- Forschung. Nack der Tradition haben wir 
selben Sinne, wie Romulus der mythische Ahn- kein Recht zu der Annahme, dafs Latinus als 
herr Roms, und ist ebensowenig der mensch- einheimischer Bundesheros von Aeneas in den 
gewordene luppiter Latiaris oder Indiges, wie Schatten gedrängt wurde; im Gegenteil, der 
Romulus der menschgewordene Quirinus. Er Glanz, der den Ahnherrn Roms umstrahlte, 
steht also nicht auf einer Stufe mit den ita- gab auch ihm eine hellere Beleuchtung. Die 



1913 Latinus (in der Kunst) Latinus (in der Kunst) 1914 

Apotheose des Aeneas geht zeitlich voran. weist, da wir das Charakteristikum des greisen 
Cato (b. Serv. ad Aen. 4, 620; 9, 745) berichtet Königs, den Bart, vermissen; es ist wahrschein- 
nur von dem Verschwinden des troischen Helden, lieh Turnus (Robert a. a. 0. p. 255. Cauer S. 139). 
während er den Latinus auf der Burg von La- Die Anfangsscenen der Westseite sind verloren- 
vinium fallen läfst. Die Betonung der troischen gegangen; die erhaltenen Bilder beginnen mit 
Herkunft, auf die man damals aus politischen der Erbauung von Lavinium. Es hatten also 
Rücksichten Wert legte, macht die Bevorzugung die verlorenen die der Gründung vorausgehen- 
des Aeneas verständlich. Spätere Schriftsteller den Ereignisse zum Gegenstande, die Ankunft 
bezeichnen uns als den Ort, wo er der Erde des Aeneas an der latinischen Küste oder seine 
entrückt wurde, das Ufer des Numicius in der to erste Begegnung mit Latinus und seine Ver- 
Nähe eines alten luppiterheiligtums, und legen mählung mit Lavinia {Robert p. 267 ff.). So 
ihm den Kultnamen des dort verehrten Gottes, fehlt uns durch die Ungunst des Geschickes 
Indiges, bei (vgl. Bd. 1 Sp. 179; Bd. 2 Sp. 133), gerade der Teil der Gemälde, in dem Latinus 
ohne dafs natürlich der Kult selbst dadurch voraussichtlich am ehesten zu finden war. 
beeinflufst wurde. Von der Entrückung und Von besonderem Interesse sind die Dar- 
Vergötterung des Latinus besitzen wir nur Stellungen auf einer praenestinischen Cista, die 
zwei Zeugnisse, Fest. p. 194 Latinus rex qui ihrer Technik nach in das 6. Jahrhundert der 
proeUo quod ei fuit adversus Mezentium Caeri- Stadt, etwa in die Zeit des hannibalischen 
tum regem, nusquam apparucrit iudicatusque Krieges oder doch nicht viel später gesetzt 
sit luppiter (actus Latiaris. Schal. Bob. Öic. 20 werden mufs [Brunn, Ann. d. inst. 36 (1864) 
pro Plane. 9, 23 p. 256 post obitiim Latini regis S. 356 ff. mon. 8 t. 7, 8). Während auf dem um 
et Aeneae quod nusquam comparuerunt .... die Hälfte verkürzten Körper der Cista eine 
Offenbar diente die Apotheose des Aeneas Reihe wechselnder Karapfesbilder sichtbar 
zum Vorbild, als man dem Latinus die gleiche werden, zeigt der vollständig erhaltene Deckel 
Ehre erweisen wollte. Da die Gleichsetzung den dem Kampfe folgenden Friedensschlufs. 
des ersteren mit luppiter Indiges bereits voll- Die unten streitenden Helden, von denen der 
zogen war, so mufste man sich anders zu helfen eine soeben den Todesstofs empfängt, tragen 
suchen. Ein Ausweg bot sich leicht. Es gab dieselbe Rüstung, wie oben der Sieger und der 
in Latium noch einen zweiten hochangesehenen Besiegte. Die Zusammengehörigkeit beider 
luppiterkult, den des luppiter Latiaris auf dem 30 Darstellungen steht also aufser Frage, Ver- 
Albanerberge. Die Ähnlichkeit der Namen geblich suchte Brunn in der griechischen 
schien eine Identificierung geradezu heraus- Mythologie nach einem entsprechenden My- 
zufoidern. Liefs man nun noch den störenden thos, dagegen bot sich eine ganz ungezwungene 
Schauplatz der Kämpfe um Laurentum weg, Erklärung, wenn man der küntlerischen Kom- 
so waren alle Hindernisse für die Gleich- position eine Schilderung von der Nieder- 
setzung aus dem Wege geräumt. Die Gestalt lassung der Troer in Latium zu Grunde legte, 
des Latinus ist nicht herausgewachsen aus wie sie in der zweiten Hälfte von Vergils 
dem latinischen Volksglauben und nationalen Aeneis gegeben wird. Die Scenen auf dem 
Kulte, sie ist ein künstliches Erzeugnis zertrümmerten Körper der Cista veranschau- 
der Reflexion griechischer und römischer 40 liehen die letzten Kämpfe des Aeneas in La- 
Sagenschreiber und Antiquare. tium. Die Jungfrau zu Rofs auf dem unteren 
In der darstellenden Kunst glaubt man Streifen ist Camilla {Verg. Aen. 7, 803 ff. 11, 
den Latinus zu erkennen auf einer dem An- . 432. 648 ff.). Die symmetrische Anordnung der 
fang der Kaiserzeit angehörigen ara der lares Deckelfignren zeigt auf der einen Seite einen 
Augusti im Belvedere. Ein bärtiger beklei- gefallenen Helden, der mit seinen Waffen und 
deter Mann sitzt an einen Baum gelehnt und einem Kranze (auf die Hochzeit deutend) von 
hält eine Rolle in der Hand; ihm gegenüber 2 Kriegern herbeigetragen wird (Turnus), da- 
steht Aeneas, deutlich gekennzeichnet durch neben ein Todesgenius mit der Fackel, auf 
die zu seinen Füfsen liegende Sau mit den der anderen Seite eine in höchster Erregung 
Ferkeln {Mus. Chiaram. 3 t. 19; doch s. andere 50 fortstürzende Frau (Amata), begleitet von einem 
Deutungen Arch. Zeitg. 30 (1872) S. 122). schlafenden Genius. In der Mitte des Bildes 
Wandgemälde eines Grabdenkmals auf dem steht ein alter, bärtiger König, einen Kranz 
Esquilin aus der augusteischen Zeit {Biizio, auf dem Haupte, mit einem weiten Mantel 
Pitture e sepolcri scoperti sulV Esquilino. Rom bekleidet (Latinus); er fafst mit der Rechten 
1876 t. 2a. Robert, Ann.d. inst. h(i{19ilS)^.2M&. die Hand des vor ihm stehenden Siegers im 
mon. 10 t. 60. Cauer n. a. 0. S.137ff.) behandeln Helmschmuck (Aeneas) und beschwört, auf den 
die mythische Vorgeschichte Roms unabhängig abgelegtenWaffen stehend, mit erhobener Linken 
von Vergil (Latiner und Rutuler sind Feinde). den Frieden. Von den beiden neben ihm stehen- 
ünter den erhaltenen Scenen der West- und den Frauen scheint die eine ihm zuzureden 
Südseite, die von der Gründung Laviniuras bis 60 (Sibylle oder Nymphe), während die andere 
zu der von Alba Longa reichen, suchen wir sich von der fortstürmenden Frau abwendet 
die Gestalt des Latinus vergebens. Da nach (Lavinia). Zur Kennzeichnung der Örtlichkeit 
der allgemeinen Überlieferung der Historiker dienen ein Silen, ein Flufsgott (Numicius, vgl. 
Latinus in der ersten Schlacht gefallen ist, so Verg. Aen. 7, 150. Ovid. metam. 14, 598. Fast. 
könnte man ihn in dem Toten vermuten, der 3,648) und eine Nymphe (luturna, die Schwester 
in der die Südseite beginnenden Scene zu den des Turnus, vgl. Vergil. Aen. 12, 138; dazu 
Füfsen eines bekränzten Siegers liegt, eine Serv. 885. Ovid. fast. 1, 463). Die Überein- 
Vermutung indes, die sich als hinfällig er- Stimmung der Scenen auf der Cista mit der 



1915 



Latiniis Silvias 



Latva 



1916 



etwa z.vei Jahrhunderte jüngeren Bearbeitung 
der Sage durch Vergil sucht Brunn dadurch 
zu erklären, dafs in der ältesten, am besten 
beglaubigten Überlieferung, welcher der Dichter 
gefolgt sei, die auf der Cista hervortretenden 
Eigentümlichkeiten seiner Darstellung bereits 
enthalten waren. Das Ansprechende der Deu- 
tung in archäologischer Beziehung durchaus 
anerkennend, macht Nüsen (a. a.O. S. 378 tf.) 
nach einer Prüfung der überkommenen Nach- lo 
richten vom historischen Gesichtspunkt aus 
folgendes dagegen geltend: In der Zeit, der 
die Cista angehöre, habe die Aeneasfabel in 
Latiura keine Ausbildung und Verbreitung in 
dem Mafse gehabt, dafs sie auf die bildende 
Kunst hätte beeinflussend wirken können, viel- 
mehr sei die Gestalt der Sage, die dem Künstler 
als Vorwurf dienen konnte, erst das Werk 
Varros und Vergils, und werde irrtümlich von 
der augusteischen Zeit auf die des hannibali- 20 
sehen Krieges übertragen. Er läfst dann die 
Wahl, ob man auf der Cista einen abgelegenen 
griechischen Mythos oder eine verschollene 
italische Sage erkennen wolle. Nachdem be- 
reits Heydemann {Arcli. Zeitg'. 30 (1872) S. 122) 
gegen die Echtheit der Zeichnung Zweifel ge- 
äufsert, entschied sich •ä.nch Robert {Ann. d. inst. 
50 (1878) S. 271 A. 1) dafür, dafs man nur mit 
zwei Möglichkeiten rechnen könne, entweder 
sei die Cista jüngeren Datums, oder sie be- 30 
ziehe sich nicht auf die Aeneassage. Nach 
Cauers gründlichen Forschungen über die Ent- 
wickelung der Aeneassage unterliegt es keinem 
Zweifel mehr, dafs eine mit so viel indivi- 
duellen Zügen ausgestattete Schilderung, wie 
sie die Cista voraussetzt, vor Vergil nicht be- 
standen hat, und dafs demnach der Einspruch 
Nissens gegen Brunns Hypothese durchaus 
gerechtfertigt war. [Aust.] 

Laiiuus SilviuSj in der albanischen Königs- 40 
reihe {Mommsen, Chronol. S. 151 ff. Cauer, Die 
röm. Aeneassage von Naevius bis Vergilius, 
N. Jahrb. f. Flui. Suppl Bd. 15 (1887) S. 153 ff. . 
159 ff.) von Ascanius an gerechnet der vierte 
König, Sohn des Aeneas Silvius (nach Ovid. 
metam. 14, 611. fast. 4, 41 ff', der dritte König, 
Sohn des Postumus Silvius), regiert 50 Jahre 
(51 bei iJion. 1, 71) und ist tler Begründer der 
alten latinischeu Bundesstädte, von denen bei 
Eusebius (1, 46, 5 p. 215) aus Diodors 7. Buch 50 
achtzehn, in der Origo gentis liomanae (c. 17) 
zehn aufgezählt werden {Liviiis 1, 3, 7. Appian. 
Heg. 1 fr. 1, 2. Diod. b. tiync. p. 194. Cassius 
Dio frg. 4 Dindorf = Tzetz. zu Lylioplir. 1232. 
Zonar". 7, 1. 8erv. ad Aen. 6, 767). [Aust.] 

Latis oder Lati? C. I. L. 7, 983 (Altar; 
Kirkbampton in der Grafschaft Cumberland ) 
deae Lati Lucius Ursei; vgl. 1348 (S. 310; 
Birdoswald) dae (?) Lati. [Ü. Peter.] 

Latmos [Aätnos), 1) Auf einem Sarkophage co 
des Palazzo Kospigliosi (s. Zoega, Bassir. 2, 206, 
14. 209, 25. Handschriftlicher Apparat zu den 
Bassirilievi 138 d. Matz-Vuhn, Antike Bild- 
iverl:e in Born 2 nr. 2727 p, 195 f. und die dort 
verzeichnete Litteratur) mit der Darstellung 
des Besuches der Selene bei Endymion sieht 
Zoega, a. a. 0. in der auf einem Felsstück 
sitzenden jugendlichen Gestalt, die mit der R, 



ein antgestütztes Füllhorn hält, mit der L. in 
einen Baum fafst, den Berggott Latmos. Der- 
selbe ist ebenfalls sitzend dargestellt auf einer 
Graburne, Tofanelli, Descrizione delle sculture 
e pitture . . al Campidoglio (1820) p. 91 und 
auf dem Bruchstück eines Sarkophagreliefs, 
langbärtig, langhaarig, den Mantel auf der. 
linken Schulter und um die Beine geschlagen 
und in der Linken einen z. T. abgebrochenen 
Eichenzweig haltend, {Conze), Beschreibung d. 
antik. Skulpturen im K. Museum zu Berlin 
13. 343 nr. 846. — Endymion selbst heifst Accx- 
|LK.os Nonn. Dionys. 48, 668; Latmius venator, 
Val. Flacc. 8, 28. [Siehe auch 0. Jahn, Arch. 
Beitr. p. 61 — 64. Wieseler, Einige Bemerkungen 
über die Darstellung der Berggottheiten in der 
klass. Kunst, Gott. Nachr. 1876 p. 62 u. Anm. 1 
p. 71. Drexler.] — 2) ein Heros, Hesych. 

[Höfer.J 

Lato s. Leto. 

LatobiuS; einer der zahlreichen Beinamen 
des Mars, der in Noricum heimisch gewesen ' 
zu sein scheint. Dio Widmung einer Inschrift 
aus Seckau, C. I. L. 3, 5320, lautet Marti La- 
tobioHartnogio Tioutati (Bulletin epigr. 1 p. 123); 
vgl. 3, 5321 ; auf zwei anderen, bei S. Paul im 
Thal der Lavant (beim alten Noreia) gefundenen 
heifst es nur Latobio Aug(usto) sac(rum), CLL. 
3, 5097. 5098 (die letztere von einer Vindonia 
Vera gewidmet pro salute ihrer Töchter). 

[M. Ihm.] 

Latoides u. s. w. s. Leto und ApoUon. 

Latomeuos (Aazo^rjvog), Beiname des Apol- 
lon in Thrakien, Dumont, Inscr. de la Thrace 78. 
Reinach, Corr. hell. 5, 129 hält das Epitheton 
für ein lokales; vgl. auch Frankfurter, Arch. 
epigr. Mitt. a. Österr. 14 (1891), 154, 36. [Höfer.] 

Latoua s. Leto. 

Latopolites s. Lokalpersonifikationen. 

Latoreia {AuzatQ^ia)^ Amazone, Eponyme 
eines Bergdorfes bei Ephesos, Athen. 1, 57. 
Eustath. ad II. 11 p. 871, 25. [Klügmann.] 

Latra^ auf Dalmatinischen Inschriften ge- 
nannte Göttin, CLL. 3, 2816. 2857—59. Sup)pl. 
9970. 9971 (= Bullettino Dalmato 1886 p. 97; 
1889 p. 177). Unter den Dedikanten ein evo- 
catus Aug. (2816). Die in 2857 Calpurnia Ceuna 
erscheint auch in 2891 und 2892. [M, Ihm.] 

Latrainys {Aärgafitig), Sohn des Dionysos 
und der Ariadne, auf Naxos erzeugt, bchol. 
Ap. Rh. 3, 997. [Stoll.] 

Latreus, einer der Kentauren (s. d.), auf 
der Hochzeit des Peirithoos von Kaineus er- 
legt, Ov. Met. 12, 463ff. 490ff. [Stoll.] 

Latva (latva), etruskischer Name der AriSa 
(= AäSfa?) auf einem Bronzespiegel von Po- 
rano zwischen Orvieto und Bolsena, links neben 
tuntlc (viell. tuntre = Twöägecog, s. d.), dem 
von rechts her castur {KdazcoQ, s. d.) ein ge- • 
platztes Ei darreicht, während an ihn sich 
wieder jJuHuce (= nolv8svyir]g,-s. d.) und turan 
{= 'AcpQodi'tr}, s. d.) anschliefsen; oben erhebt 
sich der Sonnengott auf seinem Wagen mit 
Viergespann; s. Fior., Not. d. Sc. 1876 p. 53 
(nebst Abbildung); Fabr., C 1. 1. Trz. Spl. 308, 
t. 5 (das angebliche i in latvai ist, wie in pul- 
tucei, nur Einrahmungsstrich); De. in Bezz. 
Beitr. 2, 168 nr. 69. Vgl. Leda. [Deecke.] 



1917 Laure Lavis 1918 

Laure {ÄuvQrj), Tochter der Lakinios (s.d.), Tbonschale (über die gfinze Gattung vgl. JbrcZcm, 
Gemahlin des Kroton, nach welcher die Stadt Annali deW Inst. 1884, 5 ff.) etwa aus der Zeit 
Laure im Gebiet von Kroton benannt war, des 1. punischen Krieges besitzen, welche die 
Tzetz. L. 1006. [Stoll.] Inschrift Lavernai pocolom (neben der Dar- 
L.aureutes, Beiname der Nymphae auf einer Stellung eines Amor mit Schale und ßlüten- 
in Gonsenheim bei Mainz gefundenen Inschrift zweig) trägt (C. /. L. 1, 47). Bei den Dichtern 
{Bonn. Jahrb. 69 p. 118, besser Zangemeister, seit Flautus gilt sie als die Schutzgöttin der 
Korresp.-Bl.d. Westd. Zeitschr. ß, 1881 p. 189 f. Spitzbuben und Betrüger, Plaut. Aulul. 445: 
Keller, Zeitschr. d. Vereins f. Gesch. u. Altert. ita me hene amet Laverna ; Comic, fr. bi Winter 
in Mainz 3, 1887 p. 518 nr. 87''; auch Bonn, lo = Non. p. 134: ita mihi Laverna in furtis 
Jahrb. 84 p. 187). Die 4 ersten Zeilen sind celerassit manus; Frivol, fr. 65 Wint(r = Fest. 
von Zangemeister richtig ergänzt: [Ky]inj)his p. 301: sequimini me liac sultis omnes, legiones 
Laurenftibjus pro salute [imp(eratoris) CJae- Laverniae ; Lucil. fr. 389 Baehr. = Non. p. 134 : 
s(aris) M(arci) Afureli) devferi Alejxandri. non semissis facies Musas, si vendis Lavernae; 
Die Inschrift stammt also aus der Zeit des Nov. fr. 105 = Non. p. 483: per deam sanctam 
Severus Alexander (222 — 235). In Lauren- Lavernam, quae mei cultrix quaestuist; Hör. 
tib US ist ein topischer Beinamen der Nymphen epist. 1, 16, 60 ff.: pulchra Laverna, da mihi 
zu erkennen, ob aber an das italische Lauren- f allere, da iusto sanctoque videri, noctem pec- 
tum gedacht werden darf, bleibt doch etwas cutis et fraudibus obice nube^n {die letzten'W ovie 
zweifelhaft. Nicht unnütz scheint ein Hin- 20 zeigen den Weg, auf dem die Göttin der Unter- 
weis auf die Laurentes Nymphae bei Verg. weit zur Schützerin aller lichtscheuen Thätig- 
Aen. 8, 71 Nymphae, Laurentes Nymphae, keit werden konnte, vgl. Acron z. d. St.); vgl. 
genus amnibtis unde est (vgl. 7, 47 nympha Arnob. 3, 26. 4, 24. Lrudent. c. Symm. 2, 869. 
genitum Laurente Marica). Gefunden wurde Das Wort lavernio = far (Faul. p. 117: laver- 
die Inschrift bei der Untersuchung der römi- niones fures aritiqui dicebant, quod sub tutela 
sehen Wasserleitung zwischen Zahlbach und deae Lavernae essent, -in cuius luco obscuro ab- 
Finthen; die Sandsteinplatte war, wie es ditoque solitos furta praedavique inter se luere) 
scheint, in die Quaderverkleidung eines Pfeilers gehört wohl auch der Komödie an, während 
des Aquäduktes eingelassen {Keller a. a. 0. Ausonius (Epist. 4, 103 f.: Hie est ille Theon, 
p. 519;. [M. Ihm.] 30 poeta falsus, bonorum mala carminum Laverna) 
Laureiitia? = Acca Larentia (s. d.) und den Namen Laverna selbst gleichbedeutend mit 
^/gl. Bährens in Jahrb. f. kl. Philol. 1886 S.mi(. für gebraucht. [Wissowa.J 
und Wlssoiva bei Fauly , Bealenc.^ 1 unter Laviuia, Tochter des Aboriginerkönigs La- 
Acca. [Röscher.] tinus (des Faunus, App. reg. 1) in Latium, Ge- 
Laus. Das jugendliche Haupt des Gottes mahlin des Aeneas, Mutter des Ascanius oder 
des unteritalischen Grenzflusses (zwischen Silvius. Nach ihr benannte Aeneas die von 
Lukanien und Bruttium) Laus erscheint ge- ihm gegründete Stadt Lavinium, Liv. 1, 1, 3. 
hörnt auf Münzen der gleichnamigen Stadt, Lion. Mal. A. E. 1, 59. 60. 70 {Aavva). Slrab. 
Cat. of greelc coins Brit. Mus., Italy 237, 17; 5, 229. J>. Cass. frg. 4, 7. Ael. n. an. 11, 16. 
vgl. Lehnerdt, Arch. Zeit. 43 (1885), 111 f. 40 Fer«?. .4m. 6, 764. 7, 52tf. 12, 194. Ov.Met.li, 
Anm. 10. [Höfer.] 449. 570. Tzetz. L. 1232 p. 973 Müll. Steph. B. 
Lausus, 1) Sohn des Mezentius, des tuski- v. Aa^Cviov. Serv.V.Aen. 1,2. 259. 270. 6,760. 
sehen Königs in Caere, schön und tapfer, von 7, 51. 484. Nach Flut. Bom. 2 zeugte Lavinia 
Aeneas getötet, Verg. Aen.7,Q'k9. 10, 426.7900". mit Aeneas die Aemilia, die von Mars Mutter 
Von den Latinern im Kampfe gegen seinen des Romulus ward. Nach griechischen Mytho- 
Vater getötet, Dion. Hai. A. M. 1, 65. A. Fostum. graphen war Lavinia die Tochter des delischen 
Alb. fr. 1. Müller, Fr. hist. gr. 3 p. 174. — Priesterkönigs Anios, welche als Seherin dem 
2) Sohn des Numitor, von Amulius getötet, Aeneas nach Italien folgte und an der Stelle 
Ov. Fast. 4, 54. [Stoll.] starb, wo Aeneas die Stadt Lavinium baute, 
Lavaratiis? wie es scheint, Name einer bo Dion. Hai. I,b9. [Vgl. Klausen, Aeneas u.d.Fen. 
Gottheit auf der im Museum zu St. Germain 572 ff". 588. 775. Schwegler, Böm. G. 1, 287 ff. 
" befindlichen Inschrift, CLL. 12, 5702 (=5*); S. auch Latinus u. Aineias. Röscher.] [Stoll.] 
Fundort Carros (See-Alpen). [M. Ihm.] Lavinus (-ins), Bruder des Latinus, Königs 
Laverna, altrömische Göttin, die am Aventin der Aboriginer in Latium, nach welchem die 
in der Nähe der danach benannten porta La- Stadt Lavinium benannt war, Serv.V. Aen. 1, 2. 
vernalis einen Altar besafs {Varro de l.l. b, 163), 7, 678. Vgl. Latinus ob. Sp. 1906, 3 ff. [Stoll.] 
aufserdem einen Hain {lucus obscurus et ab- Lavis lautet auf der oben s. v. Istor be- 
! ditus. Faul. p. 117), den eine nicht ganz un- schriebeneu praenestinischen Cista der einer 
! verdächtige Angabe {Acro zu Horaz epist. 1, weiblichen Figur beigeschriebene Name. 'Lavis 
! 16, 60) in die ganz entgegengesetzte Stadt- 60 e la forma piü antica di Lais col digamma 
j gegend, an die via Salaria, versetzt. Dafs sie conservato, come XccJ-og per lcc6g\ Corssen 
j dem Kreise der Unterweltsgottheiten angehörte (bei B. Schöne in Ann. d. inst. 42 1870 S. 339). 
1 (vgl. Sepjtim. Seren, frg. 6 Baehr. = Schol. Stat. Wer die hier genannte Lais sei, mufs unent- 
Theb. 4, 502: inferis manu sinistra immolamus schieden bleiben; Schöne (a. a. 0.) bemerkt, 
I pocula; laeva quae vides Lavernae, Falladi dafs dieser Name weder in dem troischen 
i sunt dextera), ist wahrscheinlich, doch wissen Sagenkreise, dem die für uns nicht näher 
wir von ihrem Kulte nichts, aufser dafs wir deutbare Darstellung (s. Istor) angehört, noch 
eine aus einem etrurischen Grabe stammende überhaupt in den griechischen Sagen vorkommt. 



1919 



LeadeS 



ieaneira 



1920 



[Vielleicht Kurzname für Laodameia u. clgl. 
koscher.] [R. Peter.] 

Leades [Aeudrjg), ein tapferer Thebaner, 
Sohn des Astakos, der in dem Kampf an den 
Mauern von Theben gegen die Sieben den 
Eteoklos erschlug, Äpollod. 3, 6, 8. [StolL] 

LeagTOS {Amy^og), ein Freund des Herakliden 
Temenos, der mit Ergiaios, einem Nachkommen 
des Diomedes, auf Anstiften des Temenos das 
Palladion aus Argos stahl. Als er später mit 
Temenos in Feindschaft kam, ging er mit dem 
Palladion nach Lakedämon, wo die Könige 
dasselbe gern annahmen und in der Nähe des 
Heiligtums der Leukippiden aufstellten. Auf 
Geheifs des delphischen Orakels, einen von 
denen, die das Palladion geraubt, zunr Wächter 
desselben zu machen, errichteten sie an der 
Stelle ein Heroon des Odysseus, zumal da dieser 
durch seine Gemahlin Penelope zu ihrer Stadt 
in naher Beziehung stand, Plut. Qu. Gr. 48. 

[Stoll] 
Leaiüil {Aiatva), 1) Ekkt/j xavQog., kvwv, 
liaiva dKovovacc (.lccXXov vnaKOvfi, Porphyr, 
de abst. 3, 17; vgl. ebenda 4, 16 nQoarjyogsvoav 
, . . EKarrjv imtov, xccvqov, Xs aiv av, vtvvo;. 
— 2) Hund des Aktaion, Hyg. f. 181. [Höfer.] 
Leandros {AsKvSgog), ein Jüngling aus Aby- 
dos, verliebte sich bei einem Fest der Aphro- 
dite in dem gegenüberliegenden Sestos in die 
Priesterin der Aphrodite, Hero, und besuchte 
seine Geliebte nächtlich, indem er den Helles- 
pont durchschwamm, geleitet durch die von 
Hero auf ihrem Turm am Strande aufgestellte 
Leuchte, ccvxog tcov SQtzrjg avTooTolog ccvro- 
lidrrj VTjvg {Mus. v. 255), idem navigium, na- 
vita, vector {Ov. Her. 17, 148). Oft gelang das 
gefährliche Unternehmen. Einst wagte er sich 
auch in stürmischer Nacht hinaus, aber die 
Lampe der Geliebten war im Sturm erloschen, 
und am anderen Morgen spülten die Wellen 

seinen Leichnam 
an Heros Turm; 
sie stürzte sich 
hinab , um auch 
im Tode mit ihm 
vereinigt zu sein. 
Die Sage mit 
ihrem romanti- 
schen Charakter 
bat erst in der 
späten Litteratur 
häufigere Bearbei- 
tung gefunden, be- 
sonders von Ooid 
in den Heroidenll 
u. 18, u. Musaios, 
xa v.aQ'' 'Hqw v,al 
AmvSQov, 343 Verse, ferner Nicet. laugen., 
Narr. am. 6, 471. Anthol. 5, 231 und 263; 9, 
215 u. 381. Stat. Theb. 6, 542; vgl. auch Verg. 
Georg. 3, 258. — Strabon erwähnt den Turm der 
Hero in Sestos, ohne auf die Sage einzugehen, 13, 
591. Bildliche Darstellungen finden sich auf 
Kaisermünzen von Sestos und von Abydos, so auf 
einer Abydener Kupfermünze mit dem Brustbild 
des Sevei US, s. Abb. nach Baumeister, Denkm. d. 
Id. Alt. 2 S. 962. [Vgl. auch das auf Hero und 
Leandros bezogene spätrömische aus Venedig 




Münze der Abydener (nacli 

Baumeister, Denhii. S. 0C2 

Fig. 1155). 



stammende Marmorrelief*) im Besitze des Geh. 
Legations rates Böhm in München, publiciert 
in der Zeitschrift des Münchener Altertums- 
Vereins N. F. 5, 1893 (vgl. S. 5 ff.), sowie die 
pompejanischen Wandgemälde: Heibig, Wand- 
gemälde etc. nr. 1374 f. und Sogliano, Pompei etc. 
nr. 597 f. Eine Marmorfigur des Leandros in 
Rom erwähnt Martialis epigr. 14, 181; vgl. 
Friedländer z. d. St. Roacher.] [Contorniaten: 

10 J. Sabatier, Descr. gen. des medaillons contorn. 
p. 94 f. PI. 14, 12. Cohen, Med. imp. 8" p. 297 
nr. 198. Gemmen: Tölkm, Erld. Ferz. 2. Kl. 
2. Abth. Ui'. 161 p. 161. King, Ant. gems and 
rings vol. 2 : GreeJc gems from the Mertens- 
Schaaffhausen Coli. PI. 2 nr. 9 p. 78, vgl. Bonn. 
Juhrbb. 20 p. 180. Bull d. Inst. 1868 p. 158 
nr. 23. Über die Sage: Eohde, Der griech. 
Roman p. 133—137. 67. F. Meyer, Der Mythus 
von Hero und Leander. St. Petersburg 1858. 

20 Drexler.] [Auf Gemmen der Sammlung B. Hertz 
nr. 782 ff. findet sich viermal der schwimmende 
Leandros, Arch. Zeit. 9 (1851), 102*. Eine 
Münze des Caracalla von Sestos zeigt den 
Leandros mitten in den Wellen, auf einen 
Turm zuschwimmend, auf dem Hero steht, in 
der Rechten eine Lampe haltend, abgebildet 
bei Poole, Cat. of greek coins Brit. Mus. Thrace 
200, 18; vgl. Head, Hist. num. 225. Fckhel, 
Doctr. nuvi. 2 , 51. Auf Kaisermünzen von 

30 Abydos finden sich auch die Namen HPQ und 
A6ANAP0C oder AHANAPOC beigeschrieben; 
über Hero fliegt der Liebesgott mit einer 
Fackel, Fckhel a. a. 0. 2, 479; ein anderes , 
Medaillon zeigt aufser Hero und Leandros noch j 
einen angelnden Fischer, Fckhel a. a. 0, 8, 288 ;l 
vgl. auch Friedländer, JRepertorium z. antikevf* 
Numism. 33 und die dort angeführte Littera- 
tur; ferner Friedländer, Arch. Zeit. 31 (1874), 
103. — Nach der Vermutung von L. Fhrcn- 

40 thal, Quaestiones Frontonlanae, üiss. Königs- 
berg 1881, 51 soll Fronto ein Drama 'Hero 
und Leander' geschrieben haben, vgl. Bursian, 
Jahresber. 16 (1888), 2, 240. Joh. Klemm, De 
fabulae, qiiae est de Herus et Leandri amoribus 
fönte et auctore, Diss. Lips. 1889 giebt eine 
Zusammenstellung der litterarischen Quellen 
und führt p. 43 tf. die Sage auf Kalliinachos 
zurück. Eine vergleichende Zusammenstellung 
der dichterischen Bearbeitungen der Sage ver- 

50 sucht M. H. JeUinek, Die Sage von Hero und 
Leander in der Dichtung, Berlin 1890, wozu 
man die zahlreiche Nachträge bietende Re- 
cension von C. Müller, Litter aturblatt f. geim. 
u. roman. Philologie 1891 nr. 1 vergleiche. — 
Sprichwörtlich scheint man Leandrici natatus 
gebraucht zu haben; Ftilgent. 1 p. 4 Muncker; 
ebenders. 3, 4 p. 108 versucht eine allegorische 
Deutung der Sage zu geben. Über eine früher 
auf Leandros Vjezogene Gemme s. d. Artikel 

GO Leukothea 1) a. E. Höfer.] [Weizsäcker.] 
Leaneira {AtccviiQcc), Tochter des Amj^klas, 
Gemahlin des Arkas (s. d.), dem sie den Elatos 
und Apheidas gebar, Apollod. 3, 9, 1. [Stoll.J 

*) Im Hintergrunde erscheint ein von einem Jüng- 
ling oder Knaben am Zügel gehaltenes gesatteltes Eofs, 
di'ssou Beziehung zu Hero und Leandros nicht ganz 
klar ist. Soll es vielleicht das llols des Leandros sein, 
das diesen an den Strand dos Meeres getragen hat und 
seine Rückkehr erwartet / Koscher, 



1921 Learchos Leda (Mythen) 1922 

Learclios {Aiagxog; man findet auch hier und Kenchreai (Legende: LECH CENCH) er- 
und da Klsctgxog; s. d.), Sohn des Athamas und scheinen als Nymphen, sich einander mit dem 
der Ino, älterer Bruder des Melikertes, Apollod. einen Arm an der Schulter fassend, während 
1, 9, 1. Schol. Ap. Bh. 2, 1144. Tzetz. L. 21 sie in der freien Hand jede ein Ruder halten, 
p. 308. 312 Müll. Hijg. fab. 1. Nonn. Dion. auf einer korinthischen Münze des Kaisers 
5, 558. Athamas, durch Hera rasend gemacht, Hadrian, Poole, Gut. of greek coins Brit. Mus. 
verfolgte den Learchos jagend wie einen Hirsch Corinth 75, 594 jjl. 19, 15. Head, Hist. num. 
und tötete ihn (er hielt ihn für einen jungen 340. Vgl. Lokalpersonifikationen und Ken- 
Löwen und zerschmetterte ihn an einem Felsen, chreios 2. [Höfer.] 

Ov. Met. 4, 516), während Ino mit Melikertes lo Lechaios (//p;^aros), Beinamen des Poseidon 

ins Meer sprang, AiMllod. 1,9,2. 3,4,3. Hyg. von dem korinthischen Hafen Lechaion, J^aZ/im. 

fab. 2. 4 (Inhalt der Ino des Euripides). Paus. 4, 271, wo sich sein Tempel und eine eherne 

1, 44, 11. 9, 34, 5. Argum. Find. Istlim. Schol. Bildsäule befand. Paus. 2, 2, 3. [Höfer.] 

Od. 5, 334. Tsetz. L. 21 p. 310. Zenob. 4:, 38. Lecheates {Asx^dTm), „Kindbetter", Bei- • 

Serv. V. Aen. 5, 241. Et. M. v. 'A&aiiävtiov. name des Zeus in Aliphera, wo er die Athena 

Nonn. Dion. 9, 243 — 10, 74. Athamas wollte, zur Welt gebracht haben sollte. Paus. 8, 26, 6. 

nachdem er der Ino boshafte Ränke gegen Immerwahr, Arie. Kult. p. 24. 48. 67. Maafs, 

Phrixos und Helle erfahren, im Zorn sie und De Aeschyli Supplicibus p. 38. [Drexler.] 
ihre Kinder töten, und tötete auch wirklich Leches {A£xV?)-> Sohn des Poseidon und der 

den Learchos, Philostephanos b. Schol. II. 1,86. 20 Peirene, der Tochter des Acheloos; nach ihm 

Welcher, Gr. Trag. 1, 320 f. Nach Schol. Eur. und seinem Bruder Kenchrias waren die Hafen- 

Med. 1274 hatte Euripides gedichtet, dafs Ino, städte Korinths Lechaion und Kenchreai be- 

von Hera rasend gemacht, ihre beiden Kinder nannt. Paus. 2, 2, 3. Völcher, Japet.-Geschl. 

tötete und dann ins Meer sprang; danach iVafa?. 120. [StolL] 

Com. Myth.ß, 4; s. Müller, Fr. hist. gr. 2 Lecho {Asxf^^)^ bekannt durch eine Inschrift 

p. 377, 8. Über die Bedeutung des Namens aus Parori {Athen. Mitt. 2, 1877 p. 435 nr. 5. 

Learchos s. Gerhard, Gr. MytJi. 2 § 686, 2. Eoehl, I.G.A. 52. Cauer, Del.- 3) und eine aus 

,, Learchos ist wohl nur griechischer Naoae Sparta, Ath. Mitt. 1877 p. 440 nr. 20. — Marx, 

für den phönikischen Melikertes", Preller, Gr. Ath. Mitt. 10, 1885 p. 193 Anm. 2 hält die 
3Iyth. 2, 313, 2. — Welcher, Gr. Tr. 1, 323. 30 Göttin für Eileithyia, Wide, Lah. Kult. p. 201 

2, 615. 624. Preller, Gr. M. 1, 494. Gerhard, läfst sie dieser wenigstens sehr nahe stehen. 
Gr. M. 688, 2. 701, 2. 703, 1. [G. I. G. 3, 6126 [Drexler.] 
= Kaibel, Inscr. Graec. Sie. 1285, 2 p. 336. Leda {Ar'jda, ep. Arjdr]), Tochter des The- 
G. I. G. 3, 6129 = Kaibel 1292, 1, 4 p. 341. stios, Königs in Aitolien, und der Eurythemis, 
Pseudo-Kallisth. 1, 45. Luc. deor. conc. 7. Schwester der Althaia u.Hypermnestra, J!po?Zod. 
Schol. Eur. Phoen. 4. Hygin. fab. 273. Stat. 1,7, 10. Asiosh. Paus. 3, 13, 5. Serv. V. Aen. 
Theb. 3, 187. Ov. Fast. 6, 490 f. Mytlwgr. Lat. 8, 130 (wo Thestios zu sehr, für Thyestes). — 
1, 204 p. 64, .5 Bode. 2, 78 p. 101, 27. 79 loann. Antioch. fr. 20 bei Müller, Fr. hist. gr. ^ 
p. 102, 21. Über die Form KliaQ^og statt p. 549 nennt als Töchter des Thestios, Königs 
AsaQx^? s. Meinehe, Anal. Alex. 81 Anm. 1. 40 in Lakonien: Leda, Klytia, Melanipj^e. Bei 
Höfer.] S. Klearchos. [StolL] Schol. Eur. Or. 447 ist Deianeira, Gemahlin des 

Lebados {AsßaSog). ein Athener, der nach Herakles, eine Schwester der Leda. Die Mutter 

der Behauptung der Lebadeer in Böotien die der Leda hiefs nach Schol. Ap. Bh. 1, 146 Dei- 
Einwohner von der Bergstadt Mideia hinab- dameia; Pherehydes nannte sie Laophonte, 
führte in die Ebene, worauf die Stadt Leba- Tochter der Pleuron; Eumelos erzählte, dafs 
deia genannt ward. Man kannte nicht den Glaukos, der Sohn des Sisyphos, seine ver- 
Vater des Lebados noch den Grund, warum lorenen Pferde suchend, nach Lakedämon ge- 
er nach Lebadeia kam, sondern wufste blofs, kommen sei und dort mit Panteidyia, welche 
dafs sein Weib Laodike hiefs, Paus. 9, 39, 1. bald darauf den Thestios heiratete, die Leda 
Müller, Dreh. 157. Bursian, Geographie 1, 209. so gezeugt habe, die dann für eine Tochter des 
Vgl. Lebeados. [Stoll.] Thestios galt, Schol. Ap. Bh. a. a. 0. — Nach 

Lebeados {AsßsdSog). Eleuther und Lebea- der gewöhnlichen Sage vermählte Thestios, 
dos {Müller, Fr. hist. gr. 4 p. 317 schreibt König in Aitolien, seine Tochter Leda mit 
AsßüSog), Söhne des Lykaon, beide allein der Tyndareos, der, von Hippokoon aus Lake- 
Schandthat an Zeus nicht teilhaftig, flohen dämon vertrieben, nach Aitolien geflohen war, 
nach Böotien. Daher hatten die Lebadeer mit später aber, nachdem Herakles den Hippokoon 
den Arkadern Tsopolitie; nach Eleutherai aber erschlagen hatte, nach Lakedämon in die Herr- 
sandten die Arkader diejenigen, welche, ohne schaft zurückkehrte, ApoUod. 3, 10, 5. Strab. 
es zu wissen, das uubetretbare Heiligtum des 10, 461. Nach lakonischer Sage war Tynda- 
Zeus Lykaios betreten hatten, Plut. ^waesf. 60 reos vor Hippokoon nach der lakonischen Stadt 
gr. c. 39. Müller, Orch. 157.^ Vgl. Lebados. Pellana geflohen, nach der messenischen nach 

[StolL] Aphareus in Messenien, Paus. 3, 1, 4. 3, 21, 2. 

Lebes {Afßr]g), ein Mykenäer, Vater des „Der Name Thestios (oder Thespios) und das 
Rhakios, welchen Manto in Kleinasien heira- Andenken seiner Töchter wird mit besserem 
tete, Schol. Ap. Bh. 1, 308. Nach Paus. 7, 3, 1 Rechte für ein altes Erbteil der lakonischen 
war Rhakios ein Kreter. [StolL] Sage als für eine Entlehnung aus der ätolischen 

Lecliaiou {Ä£xcci:ov). Die Personifikationen gelten können", Preller, Gr. 3Iyth. 2, 91, 5. — 
der beiden korinthischen Hafenplätze Lechaion Leda gebar dem Tyndareos Timandra, welche 

Boscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 61 



1923 Leda (Mythen) Leda (Mythen) 1924 

Echemos heiratete, und Klytaimnestra, die Ge- zählte", P/eller, Gr. Myth. 2, 92. 1, 439. Vgl. 

mahlin des Agamemnon (vgl. Tzetz. L. 511 Wüllner, De cyclo ep. p. 67— 78. Henrichsen, 

p. 659 f. Müll., wo Helena, Kastor und Poly- De carminihus Cypriis, Havn. 1828. Ahrens, 

deukes zugefügt sind; Schol. Eur. Or. 447. Bec. dieser Schrift in Jahns Jahrb. Bd. 13 

Serv. V. Aen. 8, 130: Klytaimnestra, Helena, S. 183 — 202. Welcher, Ep. CyJd. 2, 130 ff. und 

Timandra; Eurip. Iph. A. 49 ff.: Phoibe, Kly- Bec. v. Hairichsens Buch in Zeitschr. f. Altert. 

taimnestra, Helena) und Philonoe, welche Ar- 1834 nr. 3ff. Engel, Kypros 2, 261 und 1, 612. 

temis unsterblich machte; Zeus aber in der Dcimling , Leleger 154. Auch Lehrs, Aufsätze 

Gestalt eines Schwans zeugte mit Leda den S. 57 Anm. [Posnansky, Nemesis u. Adrasteia. 
Polydeukes und Helena, und infolge der Um- lo Breslau 1890 S. 7 ff. und dazu Berl. Philol. 

armung des Tyndareos in derselben Nacht Wochenschr. 1891, 501. Ptoscher.] — Sappho 

gebar Leda den Kastor (und Klytaimnestra?), (fr. 5b Bergh) hatte von dem Ei der Nemesis 

JLjöo^Zod. 3, 10, 6. 7. Hyg.fah.ll. Hei Homer, gesungen, das Leda fand, Athen. 2, 57 d. 

Od. 11, 298ff. sind Kastor und Polydeukes die Eustath. 1686, 49. Et. M. p. 822, 40. Nach 

wirklichen Söhne des Tyndareos, die Tynda- der Komödie Nemesis von Kratinos brütete 

riden; Helena aber (J/. 3, 426. 0^4,184.219. Leda das Ei aus, Athen. 9, 373e. Meineke, 

569) Tochter des Zeus, während sie sich II. 3, Com. Gr. 2, 1, 80 ff. Oder sie gebar es selbst, 

236 ff. als die Schwester derselben bekennt, von Zeus, dem Schwan, befrachtet, welches 

von derselben Mutter geboren. Klytaimnestra Motiv, soviel wir wissen, sich zuerst bei 
(s. d.) heifst Od. 24, 199 Tochter des Tyndareos. 20 Euripides findet, Eur. Hei. 17 — 21. 214. 

In nachhomerischer Zeit kam für Kastor und 257. 1144. Or. 1387. Iph. A. 794; vgl. den 

Polydeukes der Name Dioskuren (s. d.) auf und Komiker Eriphos b. Athen. 2, 58 b. Eustath. 

die Vorstellung, dafs beide Söhne des Zeus und 1686, 44. — Im Heiligtum der Leukippiden 

der heda seien, Hesiod h. Schol. Pind.N. 10,150 zu Sparta hing ein Ei, das Leda geboren, 

(wo es heifst, dafs Hesiod die Helena weder an Tänien von der Decke herab, Paus. 3, 16, 

Tochter der Leda noch der Nemesis nenne, 2. Beide Erzählungen von dem Ei der Ne- 

sondern Tochter des Okeanos und der Tethys). mesis und dem der Leda suchte man in ver- 

JJom. 7f}/wm, 17 u. 33 heifsen Kastor und Poly- schiedeuer Weise, namentlich dadurch aus- 

deukes Tyndariden und Söhne des Zeus und zugleichen, dafs man Leda sich in Nemesis 
der Leda. Vgl. Aj). Bh. 1, 146. Hyg. fab. 14 30 verwandeln liefs, oder dafs man Nemesis und 

p. 4l£«mte. 155. 224. 251. r,eefe. i. 511 p. 660. Leda identificierte, ScJiol Eur. Or. 1371. 

Man unterschied dann weiter zwischen der Lactant. 1, 21, 23. Clem. Bo. Homil. 5, 13; 

unsterblichen Natur des Polydeukes, des Sohnes vgL IsoJcrates Hei. 59. Hyg. P. A. 2, 8. Prcller, 

des Zeus, und der sterblichen des Kastor, Sohnes Gr. Myth. 2, 93, 3. NeoJdes von Kroton sagte, 

des Tyndareos: so Slasinos in den Kyprien, dafs das Ei, aus welchem Helena geboren ward, 

Clem. Alex. Protr. p. 26. P. Pind. Nem. 10,80 vom Mond herabgefallen sei, Athen. 2, 57 f. 

(150). Schal. Eur. Or. 453. Schol. Od. 11, 299. Eustath. p. 1686, 42. Helena hiefs auch eine 

Eustath. p. 1686, 23. Schol. Ap. Bh. 1, 146. Tochter des Helios und der Leda, Ptol. Heph. 

Tzetz. L. 88. Ebenso werden Helena, die 4 p. 23. Die spätere Sage liefs auch die Dios- 
Tochter des Zeus , und Klytaimnestra , die 4o kuren aus einem Ei geboren werden (wie Iby- 

Tochter des Tyndareos, einander entgegen- kos die Molioniden, Athen. 2, 58. Eustath. 

gesetzt, Serv. V. Aen. 2, &01. Hyg. f. 24:0 (wo 1686, 45), so dafs zuletzt alle drei, Kastor, 

Klytaimnestra fälschlich Tochter des Thestios Polydeukes und Helena aus einem Ei, oder 

heifst). Tzetz. L. 88. Schol. Pind. N. 10, 150; aus zwei Eiern hervorgehen, Schol. Od. 11, 

doch heifsen sie auch öfter noch Töchter des 298. Tzetz. L. 88. 511 p. 662. Schol. Eur. 

Tyndareos und der Leda, Hyg. fab. 78. — Or. 453. Schol. Kallim. Dian. 232. Horat. 

Manche sagten, Helena sei Tochter der Nemesis A. P. 147. Serv. V. Aen. 3, 328. Auson. ep. 56. 

(s. d.) und des Zeus. Diese, von der Liebe des Oder Zeus _ zeugte als Stern mit Leda die 

Zeus verfolgt, habe sich in eine Gans ver- Dioskuren, Helena aber ging später aus dem 

wandelt und sei von Zeus in der Gestalt eines 50 Ei hervor, Tzetz. L. 88. 511 p. 663. Eine eu- 

Schwanes überwältigt worden; das nach dieser hemeristischeEi-klärung der Erzählung von dem 

Umarmung von ihr geborene Ei habe ein Hirte Schwan und dem Ei der Leda bei Tzetz. L. 88. 

gefunden und der Leda übergeben, die es in 508. loann. Antioch. fr. 20 b. Müller, Fr. hist. 

einer Kiste aufbewahrte und, als nach der be- gr. 4 p. 549. Klearchos bei Athen. 2, 57 e. 

stimmten Zeit Helena aus dem Ei hervorging, Eustath. p. 1686, 40. Leda führte den Bei- 

diese wie ihre Tochter aufzog, TlpoWo^. 3, 10, 7; namen Mnesinoe, Plut. de Pyth. or. c. 14. 

vgl. Paus. 1, 33, 6. 7. Tzetz. L. 88. Die Dich- Weleker, Zeitschr. f. Altert. 1834 nr. 4 p. 34 

tung, dafs Nemesis, nicht Leda, die Mutter der Anm. 2. Griech. Götterl. 1, 608, 5. Preller, Gr. 

Helena war, stammt aus den Kyprien des Myth. 2, 98. Vielleicht hiefs sie so mit Bezug 

Stusinos (s. das Fragment bei Athen. 8, 334 c, go auf die mit ihr vermengte Nemesis. — Der 

wonach Nemesis auf der Flucht vor Zeus sich Name Leda wird gewöhnlich mit Leto zu- 

in mancherlei Tiergestalten verwandelte), und sammengestellt und erklärt als die Nacht, die 

wahrscheinlich erwähnte Stasinos auch das Ei, Mutter von Lichtgöttern, Buttmann, Sehr. d. 

„sei es nun, dafs dem kyprischen Dichter ge- Berl. Akad. WiO S. 244. Schivenck, Andeutungen 

wisse Anschauungen des Kultus^ der Aphrodite 192. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 210, 1. 570, 2. 

vorschwebten, oder dafs ihn die Überlieferungen Dcimling, Leleger 167. — Prcller 2, 90 möchte 

des attischen Nemesisdienstes zu Rhamnus be- es erklären durch ein in lykischen Inschriften 

stimmten, wo man auch von der Helena er- wiederholt gebrauchtes Woi't Lada, d. i. Frau 



1925 



Leda in der Kunst 



Leda in der Kunst 



1926 



oder Weib (Herrin), ein Wort karisch-lelcgi- 
schen Sprachstammes. Vgl. Welcker, Gr. Giitterl. 
1, 608, 5. Vgl. Latva. [Stoll.] 

Leda in der Kunst. 

Zeus' und Ledas Liebesabenteuer ist in 
zwiefacher Art von den Künstlern aufgefafst 
worden. Die einen wollten den Mj'thus 
so darstellen, wie ihn Euripides Hei. 
17fF. überliefert hat, nach welcher Ver- 
sion Zeus zu der Verwandlung und der 
List seine Zuflucht nehmen mufs, um 
bei Leda zum Ziele zu gelangen, wäh- 
rend den anderen der Mythus nur die 
Gelegenheit bot, einen erotisch -pikan- 
i ten, dankbaren Stoff für Liebhaber zu 
behandeln. Fast alle Monumente der 
ersten Klasse gehen darum auf ein 
statuarisches Vorbild zurück, welches 
unzweifelhaft eine sakrale Bestimmung 
hatte; die der zweiten zeigen hingegen 
eine reiche Entfaltung der Phantasie 
in Stellungen und Motiven, die meist 
den pikanten Reiz des Stoffes nach 
Kräften auszunutzen trachten. 

Unter den Monumenten der. ersten 
Klasse sind zunächst eine Anzahl statua- 
rischer Gruppen zu betrachten, welche 
zuletzt Overheck, Kunstmytholocjie, Zeus 
S. 491 ff. 1 — 9 zusammengestellt hat; 
eine kleinere hierhergehörige Replik 
erwähnt noch Milclihöfer, Befreiung des 
Prometheus S. 22. [Vgl. auch Heydemann, 
Antikensamml. Ober- und Mittelitaliens 
S. 52, 1208. Höfer.] Abbildungen in 
grüfserer Zahl vereinigt findet man bei 
Overbeck a. a. 0. Atlas Taf. 8. Clarac 
Taf. 410 — 411. Das beste Exemplar ist 
unbedingt das des capitolinischen Mu- 
seums, Overbeck, Atlas Taf. 8, 2; vgl. 
WeJcker, Neuest. Zuivachsd. ak. Kunstmus. 
S. 4; Nuova descrizione del Mus. capit. 
S. 183; Heibig, Führer d. d. röm. Samml. 
ur. 454. Der Schwan hat sich vor dem 
verfolgenden (selbstverständlich nicht 
dargestellten) Adler in Ledas Schofs ge- 
flüchtet. Leda ist von ihrem Felsensitze 
aufgesprungen, den linken Fufs hat sie 
auf einen niedrigen Schemel gesetzt. Den 
Schwan drückt sie mit der gesenkten 
rechten Hand an sich, während sie mit 
der linken einen Zipfel des Peplos schir- 
mend dem Verfolger entgegenhält. Unter 
dem Peplos trägt sie einen feinen dorischen 
Chiton, dessen Spange auf der rechten 
Schulter sich gelöst hat, so dafs die 
Brust auf dieser Seite völlig entblöfst 
ist. Der Ausdruck der Angst in dem 
nach oben (dem Adler zu) gekehrten 
Blicke ist in dem besten Exemplare 
sehr mafsvoll, in einigen anderen wird er 
erheblich gesteigert; ein leiser Anflug von Sinn- 
lichkeit ist nicht zu verkennen. Charakteristisch 
für diese Reihe ist auch, dafs der Schwan in 
natürlichen Gröfsenverhältnissen gehalten ist. 
Das Original dieses Typus gehörte ohne Zweifel 
der attischen Kunst an. Furtivängler , Samml. 
I^aboiiroff l, Eynl. z. d. Vasen S, 9 f. behauptet 



in einer „böotischen" Terracotte des Berliner 
Museums [Invent. nr.6861) eine Vorstufe dieser 
Darstellung zu erkennen; nach seiner Be- 
schreibung macht diese Terracotte — die Figur 
tritt mit einem Fufse auf ein ionisches 
Kapital! — jedoch hinsichtlich ihres antiken 
oder gar archaischen Ursprunges einen recht 




1) Ledastatue des capitol. Museums. Nach Photographie. 



fragwürdigen Eindruck. Heibig a. a. 0. setzt das 
Original ziemlich richtig an das Ende des 
fünften Jahrhunderts. 

Unter den Wiederholungen bietet eine der 
Uffizien {Dütschke nr. 228. Overbeck a. a. 0. S. 493 
nr. 8. Clarac Taf. 411, 713) eine Besonderheit. 
An der rechten Seite ist ein Delphin sichtbar, 

Gl* 



1027 



Leda in der Kunst 



Leda in der Kunst 



1928 



der eine Lokalisierung der Scene am Meere 
andeutet. Ebenso sind auf einer andersartigen 
Darstellung dieses Mythus, einem Statuetten- 
fragmente (beschrieben von ]Ielbi(/,BuU.d.Inst. 
18ÜG S. 12), Eroten und Delphine angebracht an 
ilem Felsen, auf welchem Leda sitzt und den 
ihr entgegenschnäbeluden Schwan streichelt. 

Den Typus der Statuen bewahren im ganzen 
noch ein Relief aus Thessalonike, jetzt im 



in Mantua {OverhecJc, Atlas nr. IG. Chirac HOB. 
1715B) zeigt Leda an ihrem Felsensitze ganz 
nackt; nur den 1. Oberschenkel bedeckt ein 
Gewandzipfel. Vom Schwane ist nur ein Fufs 
auf Ledas r. Oberschenkel sichtbar, doch ge- 
stattet dieser einen sicheren Schluls auf dieGröfse 
des Tieres. Sehr nahe stehen dieser Gruppe 
— man beachte besonders die Haartracht — 
die Ledafiguren zweier Wandgemälde {llelbig 



Louvre {Overbeclc , Atlas Taf. 8, 7. Ih'nhn. d. lO 144, abgebildet bei Zahn, Die schönsten (Jrna- 



a. Kunst 2 Taf. 3, 43), und ein pompejanisches 
Wandgemälde {Ildbig, Wandgemälde Campa- 
niens nr. 145; abgeb. Museo Horb. 11 Taf. 21; 
vgl. üierbecl- S. 498 nr. 17); nur fehlt der Chi- 
ton, so dafs Lodas Oberkörper nackt erscheint. 
— Dieselbe Auffassung, aber in anderem Typus, 
zeigt eine Terracottastatuette des Berliner Mu- 
seums, abgeb. bei Jahn, Ber. d. süchs. Ges. 1ö62 
Taf. 3 und Overbeck, Atlas Taf. 8 nr. 23. Leda 



mente 2 Taf. 20 = Overbeck, Atlas nr. 8 und das 
von Mau,Bidl.d. Inst. 1885 S. 161 beschriebene), 
während die Stellung des Schwanes erheblich 
verschieden ist. 

Auf ein Vorbild gehen eine Gruppe in 
Venedig {JJrcrbeck, Atlas ']^iii.^,\l \ vg\. U.Jahn, 
Arch. Beitr. S. 5 f.) und mehrere Reliefe und 
Gemmen zurück. Die wichtigsten von diesen 
sind a) Relief, einst bei dem Bildhauer Wollt, 



ist nur mit dem Peplos bekleidet, welcher den 20 abgeb. Overbeck, Atlas Taf. 8, 18; b) Relief 
Oberkörper frei läfst. Der r. Arm hebt einen des Berliner Museums nr. 923, aus KleinAsien 

stammend; abgeb. (aulser im Kataloge) Ber. 
d. Sachs. Ges. 1853 Taf. 3; c) Relief von einer 
knidischen Vase aus grauem Thon, im Britischen 
Museum befindlich, unpubliciert, hier, leider 
nicht ganz genau, abgebildet; d) Relief aus Enns 
im Museum von Linz, in manchen Punkten abwei- 
chend, abgebildet Arch. epigr. Mitteil. a. Osterr. 
2 Taf. 9; e) Relieffragment aus Stubenberg, 
30 jetzt in Graz, beschrieben von Majonica, Arch. 
epigr. Mitt. 2 S. 164 f.; f) Schmalseite eines 
Sarkophages aus Kephisia, abgebildet Robert, 
Sarkophagreliefs Taf. 3, 9 a. Urlichs, Beiträge 
z. Kunstg. Taf. 17; vgl. Eobert a. a. 0. S. 10. 
Urlichs a. a. 0. S. 82 f. Benndorf, Archäol. 
Zeit. 1868 S. 38 f.; für die Gemmen genügt es, 
auf das bei Jahn, Ber. d. s. Ges. a. a. 0. abge- 
bildete Exemplar hinzuweisen. Auch eine ver- 
silberteThonlampe aus Carnuntum gehört diesem 
40 Typus an nach der Beschreibung Majonicas 
a. a. 0. S. 165. Charakteristisch für diese 
Klasse ist das gleichsam menschliche Ge- 
baren des mächtigen Schwanes. Mit einem 
Flügel umarmt er die Geliebte, welche in Grauen 
und Wollust zusammenschauernd den letzten 
ersterbenden Widerstand leistet. Den langen 
Hals hat der Schwan zurückgebogen, und mit 
dem Schnabel sucht er Ledas Lippen. Dieser 
ist der Peplos hinabgeglitten; sie hält ihn nur 




2) Thonrelief aus Knidos in London, iinediert (nach 

Photogr. ; im Original ist Ledas 1. Arm ebenso gehalten 

wie in Fig. 3). 

Peploszipfel gegen den Adler. Unter dem linken 
Arme, vom Gewände meist verhüllt, hält sie 
den sehr kleinen, gansähnlichen Schwan. Wieder 



anders, aber immer in gleicher Auffassung, ist 50 noch eben mit den zusammengeprefsten Knieen 



der Vorgang dargestellt in mehreren Statuen, 
s. 0. Jahn, Arch. Beitr. S. 4 Anm. 7. Clarac 
Taf. 411, 714; 412, 717. 

Die Monumente der zweiten Klasse sind weit 
zahlreicher und mannigfaltiger. Fast allen ge- 
meinsam ist, dafs Ledas Körper nackt erscheint, 
und dasHimation nur als Hintergrund, bisweilen 
auch nur zur Verdeckung der Scham dient. 
Ledas Gestalt ist vollkommen im Aphroditetypus 



und sucht ihn — aufser in f — mit einer Hand 
wieder hinaufzuziehen, während die andere — 
in der Gruppe sind die Teile ergänzt, aber die 
Gemme und die Reliefe c, d und f zeigen es 
deutlich — nach dem Halse des Schwanes greift, 
gewifs zuerst in der besten Absicht, ihn ab- 
zuwehren. Aber bald siegt die Wollust und 
unwillkürlich beginnt sie ihn an sich zu ziehen. 
Der Sieg dieser Empfindung kommt besonders 



gebildet. Eine Statuette in Parma {Overbeck, eo in dem hier abgebildeten Reliefe c zum Aus- 



J-iZos Taf. 8, 3) [s. Hei/demann, Antikens. Ob.- u. 
Mittelital. S. 46, 14.' Höfer.] steht darin der 
ersten Klasse näher, dafs der Schwan noch in 
denselben Verhä,ltnissen gehalten ist, wie dort. 
Die anderen statuarischen Gruppen und eine 
grofse Zahl von Reliefen suchen aber schon 
in den mächtigen Formen des Schwanes den 
verwandelten Gott zu verkünden. Eine Statue 



drucke, ebenso in f, wo Leda den Schwan 
mit einer Hand abwehrt und mit der anderen 
sanft streichelt. — Die venezianische Gruppe 
ist jedenfalls keine originale Erfindung. Erstens 
stehen sowohl Leda als der Schwan im Profil, 
was für eine statuarische Gruppe unerhört 
wäre; mindestens war sie auf einen Hintergrund 
berechnet. Ferner zeigen die anderen Mo- 



1929 



Leda in der Kunst 



Leda in der Kunst 



1930 



nuDiente iu den Erweiterungen soviel Gleich- 
artiges, dafs man anch dieses einer gemeia- 
siimen Quelle zuweisen mufs. Die Reliefe a 
bis d sowie die Gemme bieten Eros, meist 
den Schwan vorwärts stofsend; nur auf d steht 
er mit Blitz und Scepter ruhig daneben; bei f 
fj.riet er auf die andere Schmalseite des Sarko- 
phages und wurde zum Bogenschützen ausge- 
staltet. Den vollständigen Reliefen a^ b und d 



ci — y gegen 8 ansehen, wo der Hals nicht gerade 
aufsteigt, um in paralleler Richtungumzukehren, 
sondern schräg nach Leda hinüberstrebt und 
auch in schräger Richtung sich zurückwendet. 
In der Auffassung schliefsen sich diesen 
Klassen mehrere Sarkophagreliefe an, in wel- 
chen sich Leda gelagert dem Gotte hingiebt 
{Overbeclc a. a. 0. S. 510 f. nr. 34-37; Eobert, 
Die antiken SarkophagreJiefs 2 Taf. 2, 3—8 



ist ferner die landschaftliche Staffage mit lo vgl. S. 7 ff.). Das ausführlichste Exemplar (nr. 34) 



{Ber. d. sächs. Ges. 1852 Taf. 1. Overbeclc, Atlas 
8, 24; Bobert nr. 3), fügt eine breitere land- 
schaftliche Staffage und Eros hinzu. In Over- 
beclc 37, Bobert a. a. 0. nr. 5 versucht Leda noch 
den letzten Widerstand zu leisten; vgl. Benn- 



ihren Fruchtbäumen gemeinsam; an Stelle der 
Altäre — je zwei in a und b — setzt d jedoch 
ein Thor. — Das Original ist vielleicht ein 
Relief oder ein Gemälde gewesen, man wird 
seinen Entstehungsort wohl nicht allzuweit 
von Knidos ansetzen dürfen, wo 
man es auf täglich gebrauchten, 
nicht einmal besonders fein gearbei- 
teten Thongefäfsen nachbildete. 
Kntstellt kehrt die Gruppe auch 
in einem Relief von Bordeaux wieder 
{Miliin, Voyage dans le Midi Taf. 77, 
3; vgl. Bevue archeol. 1853 S. 271). 
Eine Weiterbildung erfuhr diese 
(inippe in einer anderen Serie von 
Reliefen, welche uns — abgesehen 
von Gemmen, vgl. 0. Jahn, Arcli. 
Zeitung 1865 S. 50f. — in mehre- 
ren Exemplaren , darunter zweien 
L,niechischen Fundortes, vorliegt. Es 
sind dies a) Relief aus Argos iu 
London; abgeb. bei 0. Jahn, Ärch. 
Beitr. Taf. 1 (danach hier wieder- 
holt); Overbeclc, Atlas Taf. 8, 22; 
p) genaue, aber weniger gut ge- 
.ubeitete Replik aus Brauron in 
Athen, v. Sybel, Ath. iSlculpt. nr. 3755 ; 
v^d. Urlichs, Beitrüge z. Kunstg. 
S. 83, unpubliciert; y) Relief in 
Madrid, Sammlung Medinaceli, 
Hühner, Bildw. in Span. nr. 558; 
abgeb. Archäol. Zeit. 1865 Taf. 198, 
1; ö) Fragment ehemals im Besitze 
.Idseph Kopfs, jetzt in dem Franz 
V. Lenbachs, ungenau beschrieben , 
\on Klügmann, Bull. d. Inst. 1880 /:: ^^" 

S. 67 f.; iinediert. Der Schwau ist - ■ - ^-^ 

weniger edel aufgefafst. An Mäch- 3) ReUef des Brit. Museums (nach Jahn, Arch. Beiträge Taf. I). 

tigkeit und Schönheit der Formen 

steht er zwarden Denkmälern der vorigen Klasse 50 (Zor/;^rc7t.^«^'.1865S.79. Gemmen undLampen 




gleich; aber seine Leidenschaft äufsert er tieri 
scher, indem er in a, (3 und 8 Leda vor Brunst in 
den Nacken beifst; y schwächt dieses Motiv zu 
einem Anpressen des Schnabels ab. Das Auf- 
setzen der Füfse und das Umarmen mit einem 
Flügel stimmt wieder mit der venezianischen 
Gruppe überein. Ledas Stellung ist gleichfalls 
sehr ähnlich ihrer Erscheinung in der genannten 
Gruppe. Nur den Kopf mufs sie ziemlich tief 



wiederholen diese Gruppe, vgl. Overbeclc^ S. 512. 
Ein weiterer Typus wird durch drei Denk- 
mäler vertreten, zwei campanische Wand- 
gemälde {Heibig 148 und 149, abgeb. Museo 
Borb. 10 Taf. 3 und Piiture d'Ercol. 3 Taf. 9; 
vgl. Overbeclc a. a. 0. S. 5ü7 nr. 29 u. 30) und 
das Relief eines bei Barcelona gefundenen sil- 
bernen Gefäfses (abgeb. Fröhner, Musees de 
France Taf. 5; vgl. Heibig, Bull. d. Inst. 1865 



senken "und dadurch auch den Rücken etwas 60 S. 120 f.). Heibig hat für diese Wandgemälde 



krümmen. Der 1. Arm sucht auch hier den 
herabgeglittenen Peplos hinaufzuziehen; den 
r. sieht man nicht. Vielleicht erwidert er die 
Umarmung des Schwanes, denn hier giebt sich 
Leda schon völlig dem Gotte hin. Einen be- 
sonderen Reiz erhielt diese Komposition durch 
die wundervolle Biegung des Schwanenhalses. 
Man muls dies als einen bewufsten Fortschritt von 



mit Recht — irrtümlich aber noch für ein 
drittes nr. 147 — - ein statuarisches Vorbild an- 
genommen. Noch näher steht diesem aber das 
Silberrelief. Der Schwan, immer noch von 
mächtigen Formen, tritt hier passiver auf; am 
bezeichnendsten ist, dafs er sich nicht selbst 
in seiner Stellung hält, sondern durch Leda 
gehalten werden mufs. In dem Reliefe steht 



1931 Leda iu der Kunst Leberennus 1932 

diese aufrecht da, den linken Fuls etwas vor- welchem neben dem Ei ein Vogel sichtbar ist; 

setzend. Der Schwan steht auf ihrem 1. Ober- an der anderen Seite des Altares stehen Tyn- 

Kchenkel; sie hält ihn mit der 1. Hand fest, dareos und Klytaimestra. liohert, Arcliäol. 

während sie mit der rechten sein Brustgefieder Anz. 1889 S. 143 will diese Vasenbilder aui' 

streichelt (die Wandgemälde weichen unerheb- ein Wandgemälde der polygnotischen Schule 

lieh ab). Der Schwan schnäbelt ihr zutraulich zurückführen. — Endlich ist ein Sarkophag 

entgegen, aber ohne den bestimmten Ausdruck aus Bordeaux, jetzt im Museum von Aix, zu 

sinnlicher Glut. Die Obscönität der anderen erwähnen (abgeb. Laborde, Mon. de France 

Darstellungen wird auch dadurch erheblich ge- 1 Tai 82. Millin, Gal. mytlioJ. Taf. 144, 522; 
mildert, dafs Leda unterwärts mit dem Himation lo am besten bei Bohert, Sarkopharje 2 Taf. 2, 2 

bekleidet ist, welches sich über ihren Rücken vgl. S. 6), der auf seiner Vorderseite zwei 

hinaufzieht, um in einem über ihre linke Scenen des Mythus wiedergiebt. Links hat 

Schulter hinabfallenden Zipfel zu enden. sich Leda am Eurotas — durch den Flufsgott 

Die anderen hierher gehörigen Darstellungen und Schilf dargestellt — zum Bade entkleidet; 

sind minder interessant. In ihnen verschwindet der Schwan kommt herangeflogen, hat sie aber 

jede Spur mythologischen Gehaltes, und es noch nicht erreicht. Rechts sitzt Leda auf 

bleibt nur noch ein schönes Weib übrig, welches einer KHne; von den vier Nebenfiguren ist die 

mit einem_ schönen Vogel etwas mehr oder eine als Tyndareos zu bezeichnen, in einer 

etwas weniger zärtlich spielt. Die erste An- zweiten kann man die Amme sehen; die ande- 
näherung desaufeinemEros stehenden Schwanes 20 ren nennt Robert Thestios und luno Lucina. 

an die reich geschmückte, sich entblöfsende Am Boden im aufgebrochenen Ei sieht maii 

Leda sehen wir auf einem silbernen Eimer Helena und die Dioskuren, vgl. Jahn, ÄrcJi. 

der Ermitage {Antiquües du Bosph. Cimmer. Beitr. S. 7. Overheclc a. a. 0. S. 496 f. [s! 

Taf. 39; vgl. Overbeck a. a. 0. S. 506 nr. 28; auch die lehrreiche Abhandlung von E. Brizio, 

Beinach, Monum. figur. 3 S. 92, der die wei- L'ovo di Leda sopra un vaso dipinto trovato 

teren Abbildungen und Erwähnungen angiebt). in sepoJcro etrusco presso Bologna, Estr. dagli 

{Köline, Silber gef. der Ermitage = Mem. de Atti e Memorie della B. Beputazione di Storia 

tuSoc.d'archcol.deSt.Petersb. Drexler.] — Leda, Futria p)er le Provincie di Bomagna IIl. Serie 

sitzend, den schnäbelnden Schwan in ihrem Vol. V Fase. 1 e 2, Tav. 3; ferner J. Fried- 
Schofse, während Eros daneben steht, auf einem 30 länder. Neue Encerbungen des K. Münzkab., 

späten Ruveser Vasengemälde (beschrieben von Arch. Zeit. 1869 p. 100 Taf. 23 ur. 14, Münze 
Heydemann, Bull. d. Inst. 1868 S. 158), wenn des Severus Alexander von Nicomedia: „Eine 
nicht vielmehr Aphrodite gemeint ist. An der Frau von einem Schwan verfolgt fliehend', den 

Bedeutung lassen pompejanische Wandgemälde Kopf zurückwendend, im Schrecken die Rechte 
zwar keinen Zweifel, aber die Darstellung trägt erhebend . . . Der Schwan hat mit dem Schnabel 

einen mehr ornamentalen als mythologischen ihr Gewand, wo sie es mit der Linken hält, 

Charakter, vgl. Heibig, Wandgemälde S. 43. ergriffen um sie festzuhalten. Im Schofse trägt 

Overbeck a. a. 0. S. 508. Ahnlich steht es mit sie etwas Kugelförmiges." Ferner Frühner, 

den Mosaiken, vgl. Ann. d. Inst. 1873 S. 131. Coli, de feu M. Joly de Bammeville. Antiquites 

Neben diesen Darstellungen des Liehes- io p. 10 m. 25 VI. 1 („Lecytheen forme de groupe'^); 
niythus sind nur wenig andere Denkmäler er- p. 17nr. 74. Drexler.] Jahrb. d. a. I. 1894, Ift'. 
zählenden Charakters zu nennen. Leda begeg- Milchhöfer, D. Museen Athens p. 44 p. 85 nr. 378 
net uns zum ersten Male in einem schwarz- p. 85 nr. 391. Arch. Epigr. Mitteil, aus 
figurigen Vasenbilde des Exekias im Vatikan Österr. 10, 126 nr. 21. 13, 52 f. Urlichs, Würz- 
{Klein, Meistersignaturen S. 40; abgeb. Mon. burger Antiken 2 p. 9 nr. 67. Chabouillet, Cat. 
d. Inst. 2 Taf. 22. Mus. Gregor. 2 Taf. 53; gener. des camees 599,3373. [Höfev.] [Bloch.] 
Wiener Vorl.-Bl. 1888 Taf. 6, 1) bei der Heim- Ledon (Aidcov), Autochthon in Phokis, nach 
kehr der Tyndariden, durch Namensbeischrift welchem die phokische Stadt Ledon den Namen 
kenntlich. — Leda mit Tyndareos und ihren hatte, Paus. 10, 33, 1. [Stoll.] 
Kindern , von denen Kastor ein Ei hält, auf 50 Lehereumis, keltischer (?) Beiname des Mars, 
einem etruskischen Spiegel aus Orvieto, Not. Die Mehrzahl der im Gebiet des Depart. Ar- 
degli scavi 1876 Taf. 1; Gaz. archeol. 3 Taf. 3. diege gefundenen Votivsteine nennt ihn einfach 
[Vgl. Heydemann, Antikensamml. Ober- und Leherennus (Leherenus), zuweilen mit dem 
Mittelital. S. 116, 25. Höfer.] Leda, die Helena Zusatz von deus. Die wichtigeren bei Orclli- 
der Nemesis zuführend, war auf der Basis der Hcnzen 5894. 5895 und Gruter. 1074, 6. 7 
Kultstatue von Agorakritos iu Rhamnus dar- {Orelli 2020); andere veröffentlichte P. Meri- 
gestellt nach i^aws. 1, 33, 7; die Reste ^.'Erpr]ii. mee, Bevue archeol. 1844 1 p. 251 ff'., das ganze 
aQXaiol. ISn Tal 81 und hei Pallat, Jahrb. d. Material verarbeitete A. E. Barry zu seiner 
Inst. 9 S. Iff. mit Taf. 1—7. Über die rot- Monographie du dieu Leherennd' Ar diege (Pavis- 
figurigen Vasenbilder strengen Stiles, welche 60 Toulouse 1859; aus den Memoires de l'Acad. 
die Auffindung des Eies durch Leda darstellen, des sciences, inscriptions et belles-lettres de Tou- 
also der Überlieferung folgen, dafs Zeus sich louse)\ vgl. Bevue archeol. 1860 1 p. 190. Die 
in Schwanengestalt nicht ihr, sondern Nemesis Inschriften sind alle kurz und geben für den 
genaht habe, siehe Bd. 1 Sp. 1955 f. Hinzu- Kult wenig aus. Es wird, wie in vielen an- 
zufügen ist die Trinkschale des Malers Xeno- deren Fällen, ein topischer Name in Lehe- 
timos {Branteghem Collection Taf. 10; Antike rennus zu suchen sein. Merimee a,. a. 0. (vgl. 
Denkmäler 1 Taf. 59). Leda, inschriftlich be- auch Chaudruc de Grazannes, Bevue archeol. 
zeichnet, will von dem Altare fliehen, auf 1861 3 p. 312) suchte ein in Strafsburg ge- 



1933 Leiagore Leintli 1934 

fundenes Relief, welches einen mit Panzer und Flucht und Verfolgung des Leimon durch die 

Schild bewaffneten Krieger darstellt, auf den Priesterin der Artemis dargestellt, Paus. 8, 

Gott zu deuten (Abbild, bei Schöpflin, Alsaiia 63, 1. Die beiden feindlichen Brüder be- 

ülustrata 1 p. 520 § 148 tab. 1 n. 4. Barry zeichnen die feuchte blumenreiche Au und 

a. a. 0. p. 43. Merimee a. a. 0. p. 251), indem das von der Sonnenhitze verdorrte Land, 

er aus der Inschrift ganz willkürlich den Na- Welcher, Kl. Schriften 1, 18 ff". Freiler, Griech. 

men LEHERENHVS herauslas. Schon Barrij Myth. 1, 380; vgl. 2, 47. Anders Curtius, 

(a. a. 0. p. 29) äufserte seine Zweifel, und in Pelojjonn. 1, 253. 271, 2. [Stoll] 

Wirklichkeit hat das Denkmal mit dem kelti- Jjeimone {Ah ncovri) oder LeimonU (Äs i^av ig; 

sehen Gott nichts zu thun; es ist das Grab- lo vgl. CalUm. fr. 457 Sehn.), Tochter des Kodri- 

monument eines Soldaten, von dessen Namen den oder Medontiden Hippomenes von Athen, 

nur noch das Nomen LEONTIVS kenntlich ist, von der Äeschin. in Tim. 182 folgende Legende 

Bramhach, Corp. inscr. rhen. nr. 18S6. [M. Ihm.] erzählt: KvijQ slg zäv nolttmv, £VQcoy rrjv sav- 

Leiagorc (ÄEiayÖQTj), Tochter des Nereus rov ^^vyuriqa SiecpQ-aQfisvrjV xort rrjv 7]Xiklccv 

und der Doris, Hes. Th. 257. Sclwemann, Op. ov v-ulag dicKpvXä^cccuv ^i%Qi yäfiov, synarco- 

Ae. 2, 172 (Pojpliconcia). Braun, Gr. Götterl. KoSonj^asv avtriv ^isd-' l'mtov eig iorj^ov ol-aiav, 

§ 86 („bezieht sich auf den schön geebneten vq)' ov TiQoSi^lwg sfisUsv dnoXstcd-aL dia li^iov 

Marktplatz"). Lehrs, Fopul. Aufsätze 120 (die 6vyüu%-eiQyiihri. xat iti v.cti vvv ttj? oUiag 

Sanftredende). [Stoll.] ^ Tccvxrig iazr]%s^ xa oUonsd' iv reo rifisrsQ(p 

Leianeira {Arjiäveigcc): r] noiovca rovg ccv- 20 aozEi, v.cii 6 töitog ovrog Kocliitat itaQ iitnov 

ÖQccg yvvai'üäv eqccv, Hcsycli. — Schmidt warnt xat koqciv. Der Schol. z. d. St. bemerkt dazu 

vor der naheliegenden Konjektur JrjiavsiQoc {\). 2ö ed. Baiter u. Sauppe): 'iTcno^Evrjg ano 

und erklärt das Wort, in dem das Verbum Koöqov jtaraydftsvo?, rj öt &vyätr]Q Asif.iavig- 

Xc5 oder Idai'oiiai stecke, für ein Epitheton ovrcoKuUiiiaxog {yg\. Callim. fr.AbJ ed. Sehn.). 

der Aphrodite;' vgl. BaiinacJc, Studien auf d. I. yag xb [liv yivog xäv KoSgLÖäv, ßaadtvg 

' Gebiete des Griechischen u. d. arischen Sprachen de 'A&r]vat(ov , laßäv inl rfi &vyaxQl (.loixov 

1, 34, der es = Irißt-ävsiQa erklärt, vgl. l^aig- xovxov ^Iv aUiaä^svog ktcskxsive, x7]v 81 &vyci- 

ßovXrjaig- ai'QEaig, Hesych. [Höfer.] xequ Kd^ELQ^Ev^ iv oUr'i^axifiEd'' imtov. b ds 

Leibeuos {Asiß^vog) Jiövvaog Hesych.; vgl. liuutxzmv v.azEcpaye xrjv av&gmnov %. z. l. 

ebenda XißEi ansvdsi. Curtius, Etymol.'" 365 3o Weitere Citate s. b. Benseier- Fape , Wort. d. 

sieht in Leibenos ein Seitenstück zu dem itali- gr. E. unter 'imcoithrig und /lEiiiwvrj. BusoU, 

sehen Liber. [Höfer.] Gr. Gesch. 1, 401, 1. Töplfer, Att. Gcncal. 

Leiber = Liber, Freller- Jordan , B. 31. 2 401, 1. [Röscher.] 

p. 48 Anm. 3 zu p. 47. Die Form Leiber be- Leimoues {AEi^ävig), Personifikationen des 

gegnet u. a. als Beischrift des Dionysos auf Wiesengrüns, dargestellt durch adonisartige 

einer Münze des M. Aurel von Apameia in Jünglinge, s. Fhilostr. 2,i und Baumeister, DenJc- 

Bithynien, v. Fauch, Fünfundzioanzig uned. mäler p. 1294 r; vgl. Fröhner, Bhein. Mus. 47 

griech. Münzen. Berlin 1846 p. 12 Taf. 2, 18. (1892), 307. Auf einem pompejanischen Wand- 

S. Liber. [Drexler.] gemälde, welches die Hochzeit des Zeus und 

Leibethrades {AEißq%Qcidsg), Beiname der 'iü der B.eTA {Eelhig, Wandgemälde 11^. Campan. 

Musen oder Nymphen, genannt nach dem Berge Wandmalerei 117; vgl. Arch.. Zeit 23 (1865), 58. 

Le(i)bethrion in Böotien, wo sie eine Grotte 6>t'er&ecÄ-, Po?rtpf7t p. 251) darstellt, deutet man 

und Bildsäulen besafsen; ihr Kultus war von die drei rechts unten gelagerten, mit Laub 

Thrakern, die aus Leibethra nach Böotien und Primeln bekränzten Jünglingsüguren, in 

einwanderten, hierher verpflanzt worden, Mral^o denen man früher die idäischen Daktylen zu 

10, 471. 9, 410, wo ÄEißrjd-QidEg (vgl. Varro erkennen glaubte, neuerdings auch als personi- 

de ling. Lat. 7, 20. Verg. Ecl. 7, 21 und Scrv. ficierte Leimones, Baumeister a. a. 0. 2133 

z. d. St.) steht. Paits. 9, 34, 4 nennt sie vv^icpccL Abbildung ur. 2390. [S. besonders Heibig, 

Aißrj&Qtcci, und erzählt von einer nrjyrj Aißrj- Bhein. Mus. N. F. 24, 1869 p. 508 fl". — Die 

O'Qidg, welche Ähnlichkeit mit einer Frauen- 50 Personifikation der Leimones bei Philostr. 2, 4 

brüst gehabt und milchähnliches Wasser ge- bestreiten Welcher zu Philostr. p. 422. Friede- 

spendet habe. [Höfer.] richs. Die philostratischen Bilder t^. 28 S. Gerber, 

Leimon (Aeif^icöv), Sohn des Tegeates und Die Berge in der Poesie und Kunst der Alten 

der Maira {Paus. 8, 48, 4), Bruder des Skephros. p. 24 Anm. 38. Dagegen erkennen sie an u. a. 

Als Apollon in das tegeatische Land kam, um Zocga, Bassirilievi 1 p. 230 Anm. 3. 0. Jahn, 

wegen der Aufnahme seiner Mutter Gericht Arch. Beitr. p. 327. Brunn, Die philostrati- 

zu halten, hatte Skephros heimliche Unter- sehen Gemälde gegen K. Friederichs verteidigt 

redungen mit ihm und erregte dadurch bei (S.-A. aus Jahrbb. f. kl. Phil. Suppl. 4) p. 289 f. 

dem Bruder den Argwohn, dafs er ihn bei Drexler.] Vgl. Lokalpersonifikationen. [Höfer.] 

dem Gotte verleumde. Daher überfiel und go Leimoniades {Asi^covidÖEg), Name gewisser 

tötete er ihn. Deswegen wurde Leimon von Nymphen, Hesych. s. v. lEi^covtdg- .. . . vvfi- 

Artemis erschossen. Tegeates und Maira qpar EitsiSr] «t vvficpai, iv xoi^g lE^imciv; vgl. 

suchten Apollon und Artemis durch Opfer Soph. Phil. 1454 vvficpai z' evvSqol IsificovidSEc. 

zu versöhnen; aber das Land wurde von ün- [Serv. zu Verg. Ecl. 10, 62. Drexler.] [Höfer.] 

fruchtbarkeit heimgesucht, und von Delphi Leintli (leinQ-), etruskischer Göttername, 

kam der Spruch, man solle den Skephros be- gen. comm. Auf einem Spiegel von Peiugia 

weinen; dazu wurde alljährlich am Feste des im dortigen Museum bezeichnet er eine Göttin 

Apollon Agyieus zur Ehre des Skephros die der Unterwelt, mit verhülltem Oberkörper, 



1935 Leiodes Lelex 1936 

die sich (zürnend?) abwendet, während links Leiriope (JsipioTr/j, Lilienantlitz), eine Quell- 

von ihr mean (s. d.) von rechts her den oder Flufsnymphe (caerula Liriope), welche 

liercle (= 'i/paxiijg, s. d.) mit dem Lorbeer von dem böotischen Flufsgott Kephissos den • 

beliränzt, weil er siegreich mit dem gebän- Narkissos gebar, Ov. Met. 3, 342. Die Mutter 

digten Kerberos die Unterwelt verläfst; siehe des Narkissos heifbt bei Eustath. p. 266, 8 

IngTiir., Lett. d. dr. erud. p. 7 — 24 t. 1. Stör. Leirioessa, Wclder, A. D. 4, 166. [Stoll.] 

d. Tose. t. 33, 1. Vermigh, Inscr. Perug. p. 9. Leis (Arjig), Tochter des Oros, des ersten 

t. 4, 2. GerJi., Etr. Sj). 3, 135 t. 141. Gotth. d. Königs im troizenischen Lande, von Poseidon 

Etr. t. 5, 4. Amati, Giorn. arcad. 40, 216 fF. Mutter des Althepos, Nachfolgers des Oros, 

Fabr., C. I. I. 1067. Dagegen heifst auf einem lo Paus. 2, 30, 6. VülcJcer, Japet. Geschl. 169 Anm, 

clusinischen Spiegel (nach Corssew, Ä/ir. cZ. jE'ir. Preller, Gr. Myth. 1, 480. {^Nic. Schell, De 

1, 264 aus Vulci) im Berliner Museum so ein Troezeneurbe IJ. Krakau 1858. 4°. (Gymn.-Pr.) 

speerbewafiPneter Jüngling, auf dessen Sehen- p. 23 fi". Drexler.] [Stoll.] 

kel ein Götterknabe viaris halna (s. d.) sitzt, Leitis {Ar]itLg), d. i. Beutespeiiderin (= dys- 

während ein anderer ähnlicher Jüngling (mit Asr/-y),EpithetonderAthene;I/.10, 460. [Röscher.] 

zerstörtem Namen) den maris Jmsrnana (s.d.) Le'itos (AriLrog), boiotischer Anführer vor 

getragen zu haben scheint, den menrva Troia, Hom. B 494. Z 35 (erlegt den Troer 

(= Minerva, s. d.) ihm abgenommen hat und Pbylakos, ebenso Tzetz. Hom. 118). N 91. 

über einen Krug mit Wasser (oder Feuer?) P601 (von Hektor verwundet; hier Sohn des 

hält; dabei steht noch turan (= 'AcpQodixrj, 20 Alektryon genannt). Eur. Iph. Aul. 259 f. (als 

s. d.); s. Caved. u. Braun, Bullet. 1842 p. 173-- Kadmeier yrj'ysvi]s). Diod. 4, 67 (Sohn des 

1843 p. 40. Ann. 23 = 1851 p. 151 ff. Gerhard, 'HXskzqvcov). Eyg. fab. 97 p. 91, 1 Seh. (Alec- 

Etr. Sp. 3, 158 t. 166. Fried., Kl. Kunst u. trionis et Cleobules fdius) ; fab. 113 p. 101, 4. 

Industr. 2, 53 n. 47. Fabr., G. I. I. 480; vgl. Er soll aus Troia die Gebeine des Arkesilaos 

noch Fabr., Gl. I. 1042. Gorssen, Spr. d. Etr. gebracht haben, Paus. 9, 39, 3. Sein eigenes 

1, 300 ff. Da bei einer ähnlichen das Baden Grabmal wurde in Plataiai gezeigt, Paus. 9, 

eines Götterkindes fikfarsj durch Minerva (wahr- 4,3. Im Argonautenverzeichnis bei Apollod. 

scheinlich zur Immortalisierung durch Styx- 1,9, 16 istL. (als Sohn des Alektor) mit angeführt; 

Wasser oder Feuer) darstellenden Scene, auf einer zu den Freiern der Helena gerechnet bei 

pränestiner Ciste {Michaelis, Ann. 1873 p. 221 ff. so Ajwllod. 3, 10, 8 (Konjekt.). — Etymologie des 

Mon. ined. 9 t. 58—59) die Örtlichkeit als Unter- Namens b. Sehol. und Eustath. zu Hom. B 494 

weit durch den Kerberos augedeutet ist, so (p. 264). [Seeliger.] 

kann auch der männliche ltin& als Unter- Lelante (ArjXävzrj), Gemahlin des Molosser-- 

weltsgott iiufgefafst werden; s. De., Etr. Fo. königs Munichos, eines Weissagers, dem sie 

4, 36 u. vgl. maris. Hierzu stimmt, dafs auf den Alkandros, Megaletor, Philaios und die 

etruskischen Grabschriften 7 mal leine, line Hyperippe gebar. Die ganze durch Frömmig- 

in der Bedeutung „starb" oder „stirbt" vor- keit ausgezeichnete Familie wurde, als Räuber 

kommt, vielleicht verwandt mit lat. le-tum ihre Wohnung in Brand gesteckt, von Zeus in 

„Tod"; s. noch etr. lescan letem = lectum Vögel verwandelt, Ant. Lib. 14. [Stoll.] 
sepulcralem, Fabr., C. I. I. 346 t. 25; auch 40 Lelantos (Ji?Ao;vtos), 1) ein Titane, Gemahl 

leta; vgl. Gursscn, Spr. d. Etr. 1, 522 ff. Pa., der Okeanide Periboia, Vater der Nymphe 

Etr. St. 5, 75; 99. [Deecke.] Aura (s.d.), die Adihex Arilavxiäg {Nonn. Dionys. 

Leiodes (ytsicodijs), einer der Freier der 48, 245. 571. 917) heifst, Nonn. a. a. 0. 247. 

Peuelope aus Ithake, Sohn des Oinops und 421. 444. Vgl. Wieseler, Giganten in Ersch 

Opferpriester, der verständigste und besonnenste u. Gruber, Allgem. Encykl. 67 p. 174. — 2) 

aller Freier [Hom. Od. 21, 144ff. 168. Apollod. Ein König, nach dem die Ebene an der West- 

frgm. Sabbait. Rhein. Mus. 46 (1891), 180, 8. küste Euboias ArjXävrov oder AriXävriov nuSiov 

Etym. M. 562, 21ff.),__von Odysseus getötet; genannt sein soll, Schal. Kallim. hymn. 4, 289. 

Hom. Od. 22, 310 ff. [Über die bildlichen Dar- Hesych. u. Phot. Arilävxov tisSlov. Vgl. K.Fr. 
Stellungen seines Todes vgl. Äoftert im 50. 5erL 50 i/erma«w, jR/tem. Mus. 1 (1833), 88 Anm. 5; 

Winchelmannsprogr. p. 13 ff. Drexler.] [Höfer.] Baumeister, Euboia 9; vielleicht mit nr. 1 

Leiokritos {AsiwyiqiTos), 1) Sohn des Arisbas, identisch. [Höfer.] 

Gefährte des Lykomedes vor Troia, von Ai- LelegeMes {ÄsXsyritSsq), Name gewisser 

neias erlegt, II. 17, 344. — 2) Sohn des Euenor, Nymphen, Ov. Met. 9, 652. [Höfer.] 

Freier der Peuelope, von Telemachos getötet, Lelex [Ahls'g), 1) Stammvater der nach ihm 

Od. 2, M2. 22,294. [Stoll.] benanntenLeleger,Autoclithon und erster König 

Leiossa? Auf Grund der Inschrift C. I. L in Lakonien, das nach ihm Lelegia hiefs, Vater 

2, 3097 L. eiosse \ C Bessuca | pro filio \ v l r m des Myles und Polykaou. Der ältere SohnMyles 

d. i. Leiosse? C(ornelia)? Bessuca pro fäia erhielt von ihm die Herrschaft von Lakedämon, 
v(otum) l(ibens) r(eddidit) m(erito)? führt go die er später seinem Sohne Eurotas hinterliefs ; 

E. Hübner im Index S. 759 zweifelnd eine der jüngere Polykaon, vermählt mit Messene, 

Göttin Leiossa an. [R. Peter.] der Tochter des Triopas aus Argos, erwarb 

Leipepliile {AsLnEq)Clri), Tochter des lolaos, sich die Herrschaft von Messenien, das von 

Gemahlin des Phylas, dem sie den Hippotes ihr den Namen hatte. Zu Sparta hatte Lelex 

nnd die Thero gebar, welche von Apollon ein Heroon, Patis. 3, 1, 1. 3, 12, 4. 4, 1, 2. 

Mutter des Chairon wurde, Hcsiod (fr. 54 Lelirs) Steph. Byz. v. Aa-nEScxificov nennt ihn Sohn des 

bei Paws. 9, 40, 3. [Stoll.] Spartos. Nach /Sc/^oL JE'-wr. ör. 615 zeugte Lelex, 

Leirioessa s. Leiriope. der erste König von Lakedämon, mit Peridia 



1937 Lelhunnus Lemures 1938 

den Myles, Polykaon, Bomolochos und die The- Den Arj^viaig vviicpuig und der Demeter opfert 

rapne; Myles aber ist Vater des Eurotas. Da- Medeia in Korinth, Schol. vet. Find. Ol. 13, 

gegen ist bei Äj^oUod. 3, 10, 3 Eurotas der 74. [Yg\. Lobeck, Äglaoph. 2]). 1209. Drexler.] 

Sohn des Lelex und der Najade Kleochareia, [Höfer.] 

Müller, Bor. 1, 74. Gurtius, Peloponn. 2, 123. Leuinios (J>7jU-vioe\ Beiname des Hephaistos, 

Deimling, Leleger 96. 117. Gerhard, Gr. Myth. s. Bd. 1 Sp. 2071 Z. 54 und aufserdem Stat. 

2 Stammtfl. p. 239 P. 1; p. 240, 3. Bursian, Theb. 2,269. Silv. 4:,6,A9. Mythogr. Lat. Bade 

Geogr. 2, 108. 159. — 2) Lelex wird auch ein 1 p. 224, 7; vgl. p. 223, 39. Ov. Met. 4, 185 

Autochthon von Leukadien genannt, Grofs- vgl. 2, 757 (Lemnicola); Ari(ivios iQyonövog, 

vater des Teleboas, des Stammvaters der ke- lo Nonn. Bionys. 43, 103 (vgl. sgyanovog Ärjfivoio, 

phallenischen Teleboer, Aristoteles bei Strab. abend. 3, 133); A^fiviog 'Aficpiyv^sig, ebend. 5, 

7, 322. Deimling 95 f. 157fE'. Curtius, Peloponn. 579. Als Vater des Eurymedon (s. d. 2) heifst 

2, 12. Bursian, Geogr. 1, 106. 126. — 3) Nach er Arniviog ysvszrjg, ebend. 30, 65; vgl. Arjfiviog 

megarensischer Sage kam Lelex, Sohn des aKfiav, ebend. 25, 37. 28,6. 37,126. Änth.Pal. 

Poseidon und der Libye, aus Ägypten nach 5, 286 und die antra Lemniaca, Stat. silv. 3, 

Megara, wo er König ward und über die Le- 1, 132; Lemniacae catenae, Mart. 5,7,7. Stat. 

leger herrschte (vgl. 0. Gruppe, Kulte und Theb. 3, 274; vgl. auch Nonn. 2, 224. 593. 

Mythen 1, 164). Sein Sohn hiefs Kleson (s. d.). 29, 341. 373. [Höfer.] 

Unter der Burg Nisaia am Meere befand sich Lemnos {Ar^ivog). 1) Nach Steph. B. s. v. war 

sein Grabmal, Paus. 1,39,5. 1,44,5. Lelegeia 20 die Insel Lemnos benannt <xn6 rfjg ^isyälrig 

moenia, Ov. Met. 7,4:4:3. Lelegeia litora, ib. 8, 6. d'sov, rjv Arj^vöv cpaav tavxiß 81 «at jra^- 

Deimling 96. 155 f. Bursian, Geogr. 1, 371. &svovg i&vov. Mit der „grofsen Göttin" ist 

Gerhard, Gr. Myth. 2 § 786 und p. 232. — Bendis (s. d.) gemeint, deren Kult auf Lemnos 

4) Lelex ein troizenischer Held zur Zeit des Photius p. 251, 7 bezeugt MeyäXrjV &s6v: 

Pittheus, Ov. Met. 8, 567. 623. Deimling 155. 'Jgiarocpccvrjg iv Ari^viaig i'ocog rrjv Bsvöfv 

^ 5) Kalydonischer Jäger aus Naryx in Lokris, und Hesych. nBydlti p^eög- 'AQLOtocpävrjg i^pri 

Ov. Met. 8, 312. Die Lokrer wurden Leleger tijv Bevdi^v; vgl. Suid. c6 {a))vvv ^sgfiol ßcofioi . . 

genannt, Plin. n. h. 4,7; vgl. Hesiod bei Strab. 'AQiatocpdvrig iv Arjfivi'aig' Trjv v.QatCGXT]v 

7, 322. Müller, Orch. 130. Deimling 141. Preller, dai^ov, rjg vvv Q^BQ^iög IcQ-' 6 ßa^og. [.irjvvsi 

Gr. Myth. 1, 66, 2. Bursian, Geogr. 1, 144. 30 ozl ast tivec nccga xoig 'Ad-rivaiotg i,ivoi •3'Eot 

[StolL] ki^ävto. Vgl. Bd. 1 S. 779 Z. 50ff. S. 782 

Lelhunnus, keltischer (?) Beiname des Mars Z. 57 ff. [Höfer.] Die lemnische Göttin, 

auf Inschriften aus Aire - sur - l'Adour (dep. welcher Jungfrauen geopfert wurden, war 

Landes), zusammengestellt von E. Taillebois, wohl identisch mit einer im Norden des ägä- 

Le temple de Mars Lelhunnus ä Aire -sur- ischen Meeres an verschiedenen Orten unter 

VAdour et les inscriptions aturiennes. Dax verschiedenem Namen (Bendis, Chryse u. a.) 

1885 (aus dem Bulletin de la Societe de Borda, verehrteu Göttin, die der Artemis -Iphigeneia 

August 1885). Hieraus mitgeteilt im Bulletin und Hekate verwandt war, io&ec^', J-^/L 2, 1214. 

epigr. 5 p. 325 und in der Bevue epigr. du Müller, Orch. 310 ff. Dor. 1, 381 ff". Gerhard, 

midi 2 nr. 564—568. Er scheint als Heilgott 40 Gr. Myth. 1 § 167,5. 390, 1. 395, 1. [Stoll] — 

verehrt worden zu sein, daher Widmungen 2) [Das Brustbild der AHMNOC mit Turmkrone 

ob Sanitätern suam et suorum, pro se et suis, und Schleier erscheint auf dem Obvers einer 

pro filio suo. Die Lesart einer Inschi'ift {Be- Münze von Hephaistia, Lmhoof, Griech. Münz. 

vue epigr. 2 nr. 566) MARTI//// | LELNO//// p. 6 (530) nr. 4 Taf. 1, 3. — 3) Name eines Satyrs 

ist nicht sicher. [M. Ihm.] auf einer Kylix der Sammlung Czartoryski, 

Jjeumi'A (Arjiiviuj. 1) So heifst ohne weiteren De Witte, Descr. des coli, d'ant. conservees ä 

Zusatz Hypsipyle (s. d.) bei Stat. Theb. 4, 768. V Hotel Lambert. Paris 1886. 4". p. 93 nr. 77 

5, 588; vgl. Hypothesis Schol. Pind. Nem. PI. 28. [Heydemann, 5. Hall. Winckelmanns- 

p. 4241 BoecJch = p. 8. 12 Abel 'T^nrvhj xfj progr. I88OS. 32Anm. 117. Röscher.] [Drexler.] 

Arj^via; vgl. auch Nonn. Dionys. 30, 205. — 50 Lemures. Der altrömische Kalender setzt 

[2) Ttjv Arjfivi'av nennt Lucian. imag. 4 die auf den 9., 11. und 13. Mai das Fest der Le- 

berühmte Bronzestatue der Athena von der muria, dessen von Ovirf /asi. 5, 41 9 ff. beschrie- 

Hand des Perikles, welche die attischen Kle- benes Ritual dasselbe deutlich als eine nächt- 

ruchen von Lemnos vielleicht bei ihrem Aus- liehe Totenfeier, bestimmt zur Versöhnung der 

zuge von Athen gestiftet hatten, s. darüber abgeschiedenen Seelen, kennzeichnet: die wich- 

z. B. Brunn, Gr. Künstlerg. 1 p. 182f. Jahn, tigste Ceremonie ist die, dafs der Hausvater 

J.rc/t. Zeif. 1846 Sp. 63f. PveZZer ebend. Sp. 264 nennmal abgewandt schwarze Bohnen (über 

= Ausgew. Aufsätze p. 291 f. Preller-Bobert, die Bedeutung der Bohnen im Lustrationsritus 

Gr. Myth. 1* p. 229. OverbecJc, Gesch. d. gr. s. Crusius, Bhein. Mus. 39, 164ff.) hinter sich 

Plast. 1^ p. 256 p. 466 Anm. 16. Studniczka, 60 wirft (vgl. Paul. p. 87. Varro bei Non. p. 135). 

Vermutungen zur gr. Kunstgesch. p. 1 ff. Weiz- Alle drei Tage sind in den Kaiendarien mit N, 

säcJcer, Jahrbb. für Mass. Philol. 133, 1886 also als nefasti (tristes) bezeichnet, die Tempel 

p. 14f. Löschcke, Hist. Unters. A. Schäfer blieben, wie an den Peralia, geschlossen, und 

geividmet p. 43, besonders aber A. Furttvängler, Hochzeiten durften nicht stattfinden ( Ovid. 

Meisterwerke der gr. Plastik p. 4 ff . p. 755 f. a.a.O. 485 ff.). Den etymologisch völlig dunkeln 

Drexler.] — Paus. 1, 28, 2, Osann, Arch. Z. Festnamen iemwWa leiteten die einen von einer 

6 (1848), 65*ff. Pano/'Ä;« ebenda 7 (1849), 76. angeblich ursprünglichen Form ü'emMna ab und 

Forchhammer ebenda 29 (1872), 132. — 3) sahen den Anlafs zur Einsetzung des Festes 



1939 Lenai Lenaios 1940 

in der Versöhnung der Manen des erschlagenen beigelegten von den mythischen Begleitern 
Remns {üvid. a. a. 0. 451 — 482, nach Verrius des Gottes entlehnten Namen „Silene, Sa- 
Flaccus? Porphyr, zu Hör. cpist. 2, 2, 209 tyrn" u. s. w. gewisse Amter innerhalb der 
schöpft aus Ovid; vgl. auch Serv. Aen. 1, 276. dionysischen Genossenschaften (d-iaooi) na- 
292), während Varro aus dem Namen Lctnuria mentlich in Kleinasien bezeichnet wurden, 
auf göttliche bezw. gespenstige Wesen Xemwj'cs wozu auch die mimische Darstellung jener 
schlofs, de vita pop. Born. B. 1 bei Non. Begleiter gehörte (s. oben Bd. 1 Sp. 1086), so 
p. 135: quibus temporibus in sacris fahani sind auch die angeführten weiblichen, Äfj- 
iactant ac dicunt se Lemures domo extra ia- vai u. s. w., als eine Art Rollen bei dionysi- 
nuain eicere. Daher wird seit der auguste- lo sehen Festlichkeiten und Aufzügen, namentlich 
ischen Zeit der Name lemures gleichbedeutend zum Zweck der Darstellung des mythologischen 
mit larvae gebraucht {Hör. cpist. 2,2, 208 f. Tbiasos aufzufassen, wie bei den dionysischen 
f «;iVZ. /a.sf. 5, 483 f. Pers. 5, 185 mit *Sc7(oZ.), und Anthesterien in Athen Hören, Nymphen und 
spätere Spekulation fafst sie als Gesamtbezeich- Bakchen auftraten {PhiJostr. vit. Apoll. 4,21; 
nung aller abgeschiedenen Seelen, deren Unter- vgl. auch die dionysische Pompa in Alexan- 
abteilungen dann Laras (s. d.), Larvae (s. d.) dria, Athen. 5, 28). Da ,,Mimallonen" die Be- 
und Manes sind {Apul. de deo Soor. 15 p. 15, Zeichnung für die den orgiastischen Frauen- 
15 ff. Lütj. = Serv. Aen. 3, 63. Atogustin. c. d. kultus ausübenden Makedonerinnen bildet (P/wf. 
9,11; yg\. Apul. apol. Qi \i.li,b Krüger. Mart. Alex. 2), Thyiaden die attisch - delphischen 
Cap.2, 162 und s. oben Sp. 1902). [Wissowa.] 20 Frauen hiefseu, welche die trieterische Feier 
Leuai {Atjvai [so nach Herodiun 1 p. 176, 13 auf dem Parnassos, dem Hauptsitz des theba- 
bei Lcntz zu accentuieren], bei Hesych. Xrjvai, nischen Dionysoskultus für Mittelgriechenland, 
Nebenform Irjvi'g, Etym. M.) = ^äv.xai, Bak- begingen {Paus. 10, 4, 3), so dürften die Lenai 
chautinnen, vgl. Hesych. s. v. Für die etymo- nach Hesychius {Xtjvai- ßäy.xo^^' '-<4pxa6"£c) als 
logische Erläuterung des Wortes wurde früher arkadische Bezeichnung für dieselbe Sache 
von Xtjvög in der Bedeutung ,, Kelter" aus- aufzufassen sein, wofür auch daran erinnert 
gegangen (vgl. Welcher, Gr. Götterl. 2, 648. werden mag, dafs sie in der Regel mit den 
3, 143. Mommsen, Heortol. 340) und Arjvai Satyrn verbunden erscheinen, welche ebenfalls 
als die ,, Frauen der Weinbereitung" erklärt. dem Peloponnes angehörten, vgl. Furttvängler, 
0. BibbecJc, Anfänge und Entioicldung des Dia- 30 Annali delV Inst. arch. 1877 p. 449. Dafs die 
nysosJcultus in Attika, Kiel 1869 S. 13 will da- Benennung Ärjvai durch die Einwanderung des 
gegen das Wort von dem homerischen {z 229) Melanthos aus dem Peloponnes nach Athen 
läsLv „packen, festhalten" ableiten (vgl. Cttrtms, verpflanzt und auf die attischen Thyiaden über- 
Griech. Etymologie'" p. 362. Christ, Gricch. Laut- tragen worden, und dafs davon das Lenäenfest 
lehre 272), so dak Ar]vr] die ,, packende", d.h. und der heilige Bezirk Lenaion benannt sei, 
die Mainade wäre, die wie der Jagdhund (a. a.O. ist eine Vermutung BibhecJcs a. a. 0. S. 14, für 
t229) das Hirschkalb greift und zerreifst. Hier- welche freilich der Nachweis eines Zusammen- 
für erklärt sich auch Dilthey , Arch. Ztg. 31 hangs zwischen den orgiastischen Kulthand- 
S. 90, und allerdings spricht dafür die Vor- lungen der Thyiaden und dem Lenäenfest fehlt. 
Stellung, wonach die Mainaden (s. d.) als Jage- 40 Vgl. Lenaios. [Rapp.] 

rinnen gedacht und geradezu v.vvig genannt Lenaios {Arivatog und Aiqvaiog)., Beiname 

wurden. Aus dieser vielleicht noch im späteren des Dionysos, gewöhnlich von Xrivog abgeleitet, 

Altertum fortwirkenden Vorstellung würde sich Etym. M. 385, 41; vgl. Diodor. 3, 63 Jiövvaov 

auch die Überschrift von Thcokrits Idyll 26: Sidcc^ai, xriv ts q)xn£iuv Trjg ccfinslov nai zrjv 

uifjvai ri ßd-KiKL erklären, da hier die Zer- tv xaig Xrjvoig aTtö&lnpiv xmv ßotgvcav, ccip' 

reifsung des Pentheus durch seine Mutter und ov Arjvaiov avtov ovonaa&rjvai und ebenda 

deren Schwestern dargestellt ist. Denn der 4, 5 Ärivatov . . ccnb tov Tiuxriaai rag atacpv- 

Ausdruck ArjVdL für Bakchantinnen kommt lag iv Xr]vo}, Orph.. hymn. 40 tit. u. v. 5 (ebd. 1 

überhaupt selten vor und ist uns nur aus spä- heifst er Enilriviog); Hesych. s. v. int Aiqvaup 

teren Schriftstellern überliefert. Er bezeichnet 50 ayäv und Arjvaiog. Etym. M. 361, 40. Anth. 

1) die mythologischen Mainaden im Gefolge Pal. 9, 519. 524. Steph. Byz. Arjvcnog. Verg. 
des Dionysos, die mit den Satyrn schwärmen Georg. 2, 4. 6. 529. Ovid. Met. 4, 14. 11, 132. 
{Anthol.Pal.S),2'^S. Philostr. im. l,2i) und den Columella 10, 430; vielleicht auch auf einer 
Gott auch auf seinem Zuge nach Indien be- Tessera im Brit. Museum, Kaibel, Inscr. Graec. 
gleiten, mit der Nebris umgürtet, Dionys. »SVciZ. 2414, 39 p. 622. Die Inschrift aus Amathus 
Per. 702 (vgl. Eustath. z. d. St.) und 1155; ergänzt Deeclce bei Collitz , Hialeldivschriften 

2) die menschlichen Dienerinnen des Gottes, 1, 43 zu \BKyC]%(a %bÜ) ÄrivaL[co^, während 
welche bei Kulthandlungen jene mythologi- Hoffmann in Beszenhergers Beiträgen 14, 273 
sehen Begleiteriimen desselben darstellten nr. 43 liest .... &bco Arivat{co) und in A^vaiog 
(s. u. Mainaden); vgl. Hcraklit bei Clemens co einen weit verbreiteten Eigennamen erblickt. 
Protrept. 2 p. 18 P. Strabon 10 p. 468. Bei Ein cultor Lenaei patris auf einer Inschrift aus 
der an letzterer Stelle gegebenen Aufzählung Numidia proconsularis, C. I. L. 8, 4681. In 
der Personen des orgiastischen Dionysoskults einer Opferbestimmung aus Mykonos (A&rj- 
stellt Strabon den Zsilrjvoi, Eäxvqoi und Tl- vaiov 2, 237 = Dittenberger, Sylloge 373, 25 
xvQoi als weibliche Dionysosdienerinnen (|3ax%a^) p. 546) findet sich die Yovia. Ar]vfvg (vgl. Steph. 
die Arjvai, @vtai, MifiaXXdvsg, Natdsg, Nvixq}at, Byz. a. a. 0., wo ArjvatBvg resp. Arjvasvg steht): 
gegenüber. Wie wir von den genannten mann- &v8x(o . . SvcodsKixxsi, (des Monates Lenaion) 
liehen Personen wissen, dafs mit den ihnen Jiovvgcol Ar]vsi^ sxriaiov vn^g KaQitcöv. Zur 



1941 Lenaios Lenus 1942 

Ableitung des Namens von Irjvös s. Mommsen, 1 (1873/75), 103 if. nr. 108 = Bevue archeol. 

lleortologie 339 ff. — Bibbeclc, Anfänge und Ent- 34 (1877), 105 ff. = Dittenberger, Sylloge nr. 370 

ivickeJung des DiongsoskuUus in Ättika ahvingt p. 537, 25. 539, 94. 100. 540, 110. 121. 541, 

A^vaiog in Zusammenhang mit dem Namen 160; in Kios, Lehas-Waddington , Inscr. 

der Bakeben, Irjvai, die er als die 'Packenden' d'Asic Mineure 1140; in Kyzikos, C. I. G. 2, 

erklärt, eine Erklärung, die von Maafs, De 3664; vgl. Bückh zu 2, 3663 p. 920. Athen. 

Lenaeo et Delphinio commentatio (Index schol. Mitteü. 16 (1891), 141 = 'Elh]viv.bg q)iXo- 

Gryphiswald. 1891), 10 Anm. 5 gebilligt wird, Aoytxog ZvXloyog 7, 23. Ephem. epigr. 2, 

der p. 9 den Dionysos Lenaios mit dem D. 254. 'Eqojjjii. agx- 1890, 157. Bull, de corr. 

Mf^TTOjLisi'Off (s. d.) identificiert. Gegen Bibbeck lo hell. 6, 612; Athen. Mut. a. a. 0. 438. 439 

und Gilbert, Die Fest zeit der attischen Dionysien, (hier Aiivfoiv); in Lampsakos, C. I. G. 2, 

der p. 41 den Dionysos Lenaios als ,,Sarg- 3641b add. p. 1131; aut Mykonos, 'J&r'ivatov 

Dionysos" (Xrjvog = Sarg; vgl. den Dionysos 2 (1873), 237 = Dittenberger 373 p. 546, 16; 

Liknites) auffafst, s. 3Iittelhaus, De Baccho in Neapolis, C. J. (7. 3, 5838; in Perinthos, 

Attico 22 f. Das Heiligtum des Dionysos Le- Hermann, Fhilol. 2, 267; Bull, de corr. hell. 5 

naios hiefs Äqvaiov {Etijm. M. 564, 13. Lex. (1881), 480; in Smyrna, j^mh'c^^. 1 p. 280 Dmd/'. 

Bhetor. in Bekker, Anccd. 278, 8, Hesych. s. v. C. I. G. 2, 3137 p. 696 = Dittenberger 171 p. 268, 

■AKlayLitriq r'igag. Phot. s. v. ÄrjvaLov) und ist 34; in Magnesia ad Maiandrum, Mova. nal 

trotz der gegenteiligen Ansicht von Oehrnichen, ^i^l. etc. 5 (1884/4), 70; vgl. Larfeld in Bursians 

Sitzungsber. d. bayr. Akad. d. Wiss. phil.-lüst. 20 /a/^rcsö. 66, 65 (Suppl.-Bd). Bull.de corr. hell. 11 

Kl. 1889, 122ff. mit dem ^vovvglov iv ÄL^icag (1893), 32 {Ärjvscov) und die von Hiller von 

{Thuk. 2, 15, 3. Aristoph. ran. 217. Isaios 8, Gaertringen a. a. 0. 33 angeführte, von Winter 

35. Pseudo-Demosth. b9 {in Neaerain) 76) iden- 1887 kopierte, aber jetzt verlorene Inschrift 

tisch. Über die Lage des Lenaions findet man INAIQNOZ PEMPT, wo die Ergänzung zu 

eine Zusammenstellung und Kritik der bis jetzt Ärjvaiävog wohl sicher ist; wohl auch auf 

aufgestellten Ansichten bei ir.e72«?ac/i,iejia«'on, Amorgos, da er sich auf einer Inschrift von 

Bhein. Mus. 47 (1892), 53 ff., der die Annahme der unweit des Hafens von Amorgos gelegenen 

von Maafs a. a. 0. 6ft\ und Dörpfeld, Berl. kleinen Insel Kuphonisi findet, Athen. Mitt. 

philol. Wochenschr. 1890, 461, dafs das Lenaion 16 (1891), 180. Bull, de corr. hell. 15 (1891), 
im Nordwesten Athens in der Gegend des 30 291. Mit dem Arivaicov ist entschieden iden- 

Dipylon zu suchen sei, verwirft und es mit tisch dev Arjvai.oßci-KXLog von Astypalaia, 

Wilamowitz, Hermes 21 (1886), 615 ff. und C. J. G. 2, 2483. 2484 = Dittenberger 338 

Wachsmuth, Stadt Athen 2,272 in der rechts- p. 446, 15. C. F. Hermann, Zur griech. Monats- 

seitigen llissosniederung aufserhalb der The- künde 68. — Übertragen wird Lenaios auch 

seusstadt, aber innerhalb des themistokleischen von der Gabe des Dionysos, dem Wein, ge- 

Mauerringes, ansetzt; vgl. auch .M;'?c/Jtö'/er bei braucht, Verg. Georg. 3, 510 latices Lenaei; 

Baumeister, Denkmäler 189 r. Über das Fest Aen. 4, 207 Lenaeus bonos; Stat. Silv. 4, 6, 80 

der Arjvccici — G. I. G. 1, 230 = Kaibel, Inscr. Lenaea dona; vgl. auch Aiöwaog, otsa [laivov- 

Graec. Sic. 1098. Aristoph. Ach. 1156. Athen. xcciiicclXrjvcit^ovaiv, Clem.Alex.adm. adgoites 
4, 130d. 5, 218d. Orph. hymn. 54, 9. Aelian. 40 22b Sylburg und rovg IrjVat^ovzccg noirjxäg 

hist. an. 4, 43. Plat. comm. in Hesiod. 29. ebend. 2 b. Vgl. Lenai. [Höfer.] 

J.ex. Bhet. in Bekker, An. 235, 7; vgl. rov Leueus {Arjvsvg), 1) Beiname des Dionysos 

äycöva xööv A7]va icov, C. I. A. 3, 1160. rj = Lenaios (s. d.). — 2) Sohn des Seilenos, 

inl Ar]vcii(p Tcofinri, Demosth. in Midiam 2\^o«n. Diow. 10, 400. 422. 14, 99 u. oft. [Höfer.] 

4 p. 517c; vgl. Plat. Protag. 16 p. 327d. 6 Leuobios {Arjvößiog), Name eines Satyrs, 

tTil Arjvaicp dym'v, Arist. Ach. 504. Hesych. Nonn. Dion. 14, 111. [Höfer.] 

s. V.; vgl. Bibbeck a. a. 0. 26 f. — s. Bd. 1 Lenns, keltischer Beiname des Mars, nur in- 

Sp. 1071 Z. 12ff.; Mittelhaus a. a. 0. S. 24; schriftlich bekannt; zuerst eingehender beachtet 

vgl. auch die Bestimmung hei J.nstoi. fZercpM&/. von I. Becker (Beiträge zur römisch -keltischen 
Athen, bl p. 28f. 6 ßacilsvg . . . iniiiBlsizKi 50 3IythologieJ, Bonner Jahrb. 21 -p. 15— 80. Sicher 

. . Jiovvaicov xäv btiI ArjvaiKf tccvza 6e iari richtig ist des letzteren Deutung der Bronze- 

[nofinfj nal (lovaiKiig ayojv. xijv'] (liv ovv noti- tafel von Fliessem (jetzt im Museum zu Trier) 

nrjv Koivfj nsfinovaiv 6 xs ßaodsvg kkI 01 im- auf den Gott, trotz desWiderspruches T/t. JBer</Ä;s, 

lisXrjxai, xbv ds dyöäva ÖKxxi'd'ricLv 6 ßaadsvg. Bonn. Jahrb. 55 p. 245. Brambach, Corp. inscr. 

— Nach den Lenaien war auch der ionische rhen.MQ. Hettner, Korr espond.- Blatt der West- 

Monat Arjvaicöv, der dem attischen Gamelion deutschen Zeitschr. 1888 p. 147. Zwei andere 

entspricht, genannt; vgl. Hesiod. op. 504 und Inschriften stammen aus dem Luxemburgischen, 

Schol. Hesych. und Suid. s. v. Plut. a. a. 0. Eust. Bonn. Jahrb. 27 p. 77 und 79; eine weitere in 

ad Dionys. Per. 666. Etym. M. 564, 5. 11. Trier gefundene (i?Me/ie?er, J5o«w.Ja/ir&. 58, 175) 
Etym. Gud. 368, 54; vgl. Bibbeck a. a. 0. 14. 60 bezieht Hettner wohl mit Recht gleichfalls auf 

Mittelhaus a. a. 0. 17 ff. Wir finden ihn auf den Gott. Und sehr ansprechend ist Kaibels 

Delos, Bull, de corr. hell. 5 (1881), 25 ff.; Yermutung {Korrespond.-Bl. der Westdetitschen 

in Ephesos, Joseph. Ant. 14, 10, 12. Wood, Zeitschrift 1889 p. 227), in der metrischen 

Discoveries at Ephesus, Inscriptions from the Bilinguis von der Untermosel (iHommsew, TFoc/ten- 

city and suburbs p. 12 f. Newton- Hicks, Anc. schrift f. klass. Philol. 1884 nr. 1. Korrsp.-Bl. 

Greek inscr. in the Brit. Mus. 3 p. 111. Bitten- d. Westdeutsch. Zeitschr. 3 p. 12 f. Weifsbrodt, 

berger, Sylloge 344 p. 453, 70. 72; in Ery thrai, Bonn. Jahrb. 11 p. 48 ff.) sei zu lesen Ev^ccjisvog 

Mova. Kai ßißliod: xrjg iv ^^ivqvt] svayy. axoX. Aqvco nqocpvystv xäXsTt' ccXyea vovaäv "Aqtji 



1043 



Leodakos 



Leonteus 



1944 



^QCizeQcp öcÖQOv toSs 'ö'^MS OKco&sig (nicht wie 
bisher Xrivco). Jiaibel, Inscr. Graecae Sicil. 
nr. 2562. Die lateinischen Verse haben den 
gleichen Inhalt wie die griechischen, aber der 
göttliche Reiter (Mars als Heilgott) heifst hier 
einfach Mars, ein Beweis dafür, dafs die 
lateinischen Verse aus den griechischen, nicht 
umgekehrt, übersetzt sind. Auf dreien der an- 
geführten luschriften steht Leno an erster 
Stelle (Leno Marti). [M. Ihm.] 

Leodakos und Agrianome, Tochter des Per- 
seon, heifsen bei Hyg. f. 14 p. 40 Bunte die 
Eltern des Oileus. Sämtliche Namen scheinen 
korrupt zu sein. Wahrscheinlich Leodokos. 

[Stoll.] 

Leodoke. Bei Hyg. f. 159, wo die Söhne 
des Ares aufgezählt werden, machen einige 
aus der korrupten Lesart Leodo ex Ce* Leo- 
doce oder Laodice ; beides wenig wahrschein- 
lich, da nach dem Titel nicht Töchter, sondern 
Söhne aufgezählt werden. [Stoll] 

Leodokos {Äim8o%oq) = Laodokos, s. Lao- 
dokos und Leodakos. [Stoll.] 

Leogoros (Jscuyopos), Sohn des Prokies, 
eines Nachkommen des Ion, König von Samos, 
Paus. 7, 4, 2. 3. [Höfer.] 

At(\i xÖQat s. Leos. 

Leokritos ( JEraxpiTog), Troer, Sohn des Poly- 
damas, von Odj'sseus getötet. Auf dem poly- 
gnotischen Gemälde des eroberten Troia in 
der Lesche zu Delphi war er unter den Ge- 
fallenen, Paus. 10, 27, 1. [Stoll.] 

Leon {Äsmv), 1) Sohn des Lykaon, Apollod. 
3, 8, 1. — 2) Sohn des Kolonos in Tanagra, 
Bruder des Echemos und Bukolos, mit denen 
er den von ihrer Schwester Ochna verleum- 
deten tanagräischen Jüngling Eunostos, der 
später als Heros verehrt ward, tötete, Plut. 
Qu. Gr. c. 40. [ — 3) Gigant, s. oben 1 
Sp. 1651 und M. Mayer, Giganten u. 'Titanen 
p. 188 f. — De Witte, Le gcant de Milet, Ann. 
d. Inst. 6 (1834) p. 343 — 349 und Bevue num. 
(1838) p. 417 — 421 will in dem sich nach einem 
Stern umblickenden Löwen auf den Münzen 
von Milet diesen Giganten Leon, den er für 
identisch hält mit dem von Paus. 1, 35, 5 
erwähnten Asterios (s. oben 1 Sp. 657 s. v. 
Asterios 4) erkennen. Ihm folgt Ilberg oben 
1 Sp. 1651. Mit mehr Wahrscheinlichkeit aber 
deuten Head, Hist. num. p. 504. Gardner, 
Types of greeJc coins PI. 16, 5 p. 46. Imlioof- 
Blumer und Keller, Tier- und PßanzenbiJder 
auf Münzen u. Gemmen Taf. 1, 12 den Löwen 
und Stern (Sonnenstern) als Symbole desApollon 
Didymeus; für die spätere Zeit hält selbst de 
Witte eine solche Bedeutung für nicht unwahr- 
scheinlich. Vielleicht ist die Sage von Leon 
und Asterios in Milet erst zur Erklärung des 
nicht mehr verstandenen Münztypus erfunden 
worden; vgl, über derartige Wappenlegenden 
E. Curthis, Üb. Wnppcngebrauch u. W appenstil 
i. gr. Altert, p. 89. Über eine von mir als Gigant 
gedeutete löwenköpfige geflügelte Figur eines 
Staters von Kyzikos s. oben 1 Sp. 1607; andere 
Deutungen geben Imlioof, Monn. gr. p. 242 
nr. 71 und Greenwell, The electrum coinage of 
Cyzicus p. 79 f. nr. 57. Zum Vergleich sei hin- 
gewiesen auch auf den Karneol bei Cades, Im- 



pronte gemmarie cent. 3 nr. 52 p. 16 „Creduto 
Bacco Leontomorfo cd alato, tiene nelle mani 
un ramoscello ed un vaso bacchico; lasua testa 
e calva e di carattere silenico". Über den 
löwenköpfigen Giganten am pergamenischen 
Gigantenfries s. ob. 1 Sp. 1607. 1651. 1667. Den 
Leon vermuten in ihm OverbecJc, Gesch. d. gr. 
Plastik 2^ p, 234. Puchstein, Zur pergameni- 
schen Gigantomachie 2 p. 17 Anm. 1 p. 20 

10 (= Sitzungsbcr. d. Berl. Ah. 1889 p. 339. 342). 
M. Mayer, Giganten und Titanen p. 188. 281 
Anm. 37 und Arcli. Zeit. 43 p, 123 Anm. 5. 
In der Gigantomachie einer 'Eqjrjfi. ag^. 1886 
Taf. 7, 1 und bei Mayer a. a. 0. Taf. 1, 1 ab- 
gebildeten athenischen Schale bezieht sieh die 
Beischrift LHEON, wie Mayer p. 301 richtig 
bemerkt, nicht auf einen gleichnamigen Gi- 
ganten, sondern auf einen wirklichen Löwen. 
— 4) Auf einer Vase in Paris mit Darstellung 

20 des Kampfes des Herakles gegen die Ama- 
zonen ist einer der Figuren beigeschrieben 
LEON, Dumont et Cliaplain, Les ceramiques 
de la Grece propre 1 p. 335 ff. Corey, De 
Amazonum antiquissimis figuris p. 10 Anm. 3 
bemerkt darüber wenig überzeugend: „Nomen 
ad Amazoncm referendum videtur; nam viri 
figura hoc loco vix intelligi potest. Ascov pro 
Xscciva in Hom. IL P 133, # 483 reperitur; 
et forma masculina Amazonis indoli apta est.''^ 

30 Drexler.] — 5) S. Sternbilder. [Stoll.] 

Leonassa {Ascovaaaa), Tochter des Kleo- 
daios, Enkelin des Hyllos, Gemahlin des Neo- 
ptolemos, dem sie den Avgos, Pergamos, Pan- 
daros, Dorieus, Genoos, Eurylochos und die 
Danae (für Jccvdrjv schreibt Schivartz Xavvov) 
gebar, Lysimachos nach Proxenos und Nikomedes 
von Akanthos im SchoJ. Em: Andr. 24; vgl. 32. 
Bei Plut. Pyrrh. 1 heifst sie Lanassa und von 
Neoptolemos Mutter des Pyrrhos. lustin. 17, 

40 3, 4 nennt sie eine Enkelin des Herakles und 
läfst sie in Dodona von Neoptolemos geraubt 
werden. [Höfer.] 

Leoiite {Afovzr'j), anderer Name der Helena, 
die hier als Tochter des Helios und der Leda 
bezeichnet wird, Hephaist. bei Phot. bihl. 149 a 
s. Bd. 1 Sp. 1932, 30 ff. Pott, Zahlen von kos- 
mischer Bedeutung, Zeitschr. f. Völkerpsychol. 
14 (1883), 18. [Höfer.] 

Leoutens {Asovxevg), 1) Sohn des Koronos, 

50 Enkel des Kaineus, Fürst der Lapithen (s. d.) 
zu Gyrton in Thessalien. Er zog mit seinem 
Verwandten Polypoites, dem Sohne des Pei- 
rithoos, mit 40 Schiffen gen Ilion, wo beide 
zu den stärksten und tapfersten Kriegern ge- 
hörten, II. 2, 738 — 747. 12, 130 ff. 23, 837 ff. 
Hyg. fab. 97 p. 89. 114. Quint. Smyrn. 7, 
484. Leonteus war auch in dem hölzernen 
Pferde, Quint. Sm. 12, 323. Tryphiod. 176. 
Tzetz. Posthorn. 646. Er war unter den Freiern 

60 der Helena gewesen, Apollod. 3, 10, 8. Hyg. 
fab. 81. Nach der Eroberung von Troia zog 
er nebst Polypoites und anderen Helden, die 
Schiffe in Ilion zurücklassend, mit Kalchas zu 
Lande nach Kolophon, wo dieser starb und 
von seinen Begleitern begraben ward. Bald 
darauf kehrten Leonteus und Polypoites nach 
Troia und von da nach Hause zurück, Tzetz. 
Lyk. 427. 980 p. 896 3Iüll. 1047. Preller, Gr. 



1945 Leontichos Leos 1946 

Mrjth. 2, 482. Nach Aristot. Pepl. 27 (Berglc) ryalos, Parthen. c. 3. Soph. fragm. ed. NaucJc 

starben Leonteus und Polypoites im Lande der j). 141. Welclcer, Gr. Tr. 1 p. 248. Vgl. Leon- 

Meder. Die Arguräer in Thessalien sollen nach tophonos. [Stoll.] 

Leonteus Äsovrivot. genannt sein, Steph. JByz. Leoiitopolites s. Lokalgottheiten. 
V. "AQ-yovQa. Ein Bruder des Leonteus hiefs Leonluchos (Asovzovxog), 1) Beiname des 
Andraimon, der mit einer Tochter des Pelias, Asklepios zu Askalon, Marinus vita Prodi 
Amphinome, vermählt war, Diod. 4, 53; eine c. 19 p. 47 ed. Boissonade. Vgl. über diese 
Schwester Lyside, Steph. Byz. v. ^datSai,. offenbar orientalische Gottheit Movers, Phoen. 
3IäUer, Or eh. 20S Bei Hyg. f. &2 heikt Leon- 1 p. 534. Stark, Gaza p, 591 — 593. Alois 
teus Vater des Ixion. — Müller, Orch. 194. lo Müller, Esmun. Wien 1864 (S.-A. aus Sitzungs- 
197. 465. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 669 Stamm- berichte d. ph.h. Kl. d.K. K. Akad. d.W. Bd. 4:6) 
tafel p. 227, 1. 3. [Schal. Dion. Perieg. 850. p. 26. Letzterer hält ihn für Esmun. Viel- 
Dictys 1, 13, 17. Uares 14. Nach Bares 24 leicht ist er dargestellt auf Münzen des 3. nach- 
wurde er von Hektor getötet. Nach Apollod. christlichen Jahrhunderts von Askalon teils 
l^pit. Vat. 21, 25 zog Leonteus mit Amphi- als Brustbild mit ägyptischem Kopfputz, Scepter 
lochos, Kalchas, Podaleirios und Polypoites davor, Geifsel über der 1. Schulter, über 3 
nach Kolophon. Vgl. Lapithen. — S. auch Pott, neben einander gereihten Löwenköpfen, teils in 
Zeitschr. f. Völker psychol. 14 (1883), 18. — 2) ganzer Gestalt mit denselben Attributen auf 
ein Thebaner, Stat. Theh. 9, 133. Höfer.] [Stoll.] 3 Löwen stehend, Imhoof, Griecli. Münz. p. 233 f. 

Leontichos {Asövnxoq). Zu Samos war am 20 nr. 771 Taf. 14 nr. 18. 19 {Num. Zeitschr. 16 

Wege nach dem Heraion ein Grabmal des p. 293 nr. 150 Taf. 5, 21) 20, wo weitere Litte- 

Leontichos und der Rhadine, an welchem die ratur über diesen bisher meines Wissens noch 

unglücklich Liebenden zu beten pflegten, Paus. nicht gedeuteten Typus. — 2) Nach Bilthey, 

7, 5, 6. Es existierte über Rhadine und Leon- Ehein. Mus. 1872 p. 417, welchem ich oben 

tichos eine Volkssage von unglücklicher Liebe, s. t. Kyon gefolgt bin, Beiwort der Hekate, 

welche Stesichoros (fr. 44 Bergk) behandelt nach dem Briefe eines byzantinischen Gramma- 

hatte; aber er hatte sie nicht von der ionischen tikers über die Lehren derChaldaier in Cramers 

Inselstadt Samos hergenommen, sondern von Anecd. Oxon. 3 p. 182. Dem Zusammenhang 

der alten triphylischen Stadt Samos, an deren nach kann aber Xsovrovxog hier nicht Beiwort 

Stelle später Samikon lag, Strabon 8, 347. 30 der Hekate sein: zi d' st Isyoißt nsQt xav xfis 

Preller, Gr. Myth. 1, 396. [Stoll.] 'Ev.ccTrjg xoiixäv, v.ai xav KQOzäq)cov -accI tcov 

Leontis (MJT^/\OB\), Name einer Frau auf layövcov avtrjg xat räv nsQiKQccvicov nriyäv 

einem korinthischen Gefäfs, auf dem der Aus- y.al ^caatr'iQcov; fig dlXönora yocg ag fr/iog 

zug des Amphiaraos und die Leichenspiele des i^aydyco tov Xöyov, -nalngccyiiccta iialvorjiiixta' 

Pelias dargestellt sind; es finden sich aufser- Xiyco dr] xrjv nvQLnlrjxiv nrjyrjv, v.al xrjv fisx' 

dem folgende Namen beigeschrieben 'EQiq)vla. t-nsLvrjv öqu-hvcchccv [sie!] kchI ÖQaiiovxo^covov 

/:}a^o\J-]dvaa6K. Aivinntt. EvQVÖLKa. 'AcpLccgrjog. r,v xat aTteLQodQd-novxö^wvov dXloL maqccovv- 

Bdxcav. 'HmnoxLcav. 'HccXi^rjörjg, C. Hubert, An- &ixwg TtgooayogsvovGt- • Kul xr]v in' ccvxoig 

nali 1874 82 ff. Monum. 10, 1 tav. 4. 5. Furt- Xhovxoviov. Vielmehr scheint hier dasselbe 

tvängler, Berl. Vasen 1655 p. 207, wo Äovzig 40 gemeint zu sein, was die von Boissonade zu 

steht; vgl. F.Blafs, Dialektinschr. von Korinth Marinus vita Prodi p. 108 angezogenen Sclio- 

bei Bezzenberger, Beiträge 12, 177 nr. 26a. — lien des Psellos zu den chaldäischen Orakeln 

Kretschmer , Die korinth. Vaseninschr. nr. 35 (p. 77) also erklären: "Ev xcov sv ovqavm öm- 

liefst Ascovi'g; vgl. Blafs bei Collitz , Samml. Ö8%a ^aSiav X£yo(.i£vav iaxiv 6 Xscov, oinog 

d. griech. Dial.-Inschr. 3, 3140 p. 71 f. [Höfer.] riXCov XByo^tvog, ov xijv nrjyrjv, tJtoi xijv alxCav 

Leontodamas(J50J'ro5ajUo:s), einer der Namen rjjs Xsovxo^idovg s'S, daxi^mv evvQ-ioBOig, Xsov- 

des Askanios, Serv. ad Verg. Aen. 4, 159; vgl. xoixov 6 XaXSaiog kkXsl. [Drexler.] 

Bd. 1 Sp. 614 Z. 30 ff. 37. [Höfer.] Leonymos {ABcövvfiog), ein Krotoniate, von 

Leontodaine (Asovxodd^irj), Nymphe im Ge- welchem Paus. 3, 19, 11 dasselbe erzählt, was 

folge der Artemis, Claudian, De cons. Stilich. 50 oben von Autoleon erzählt worden ist. [Stoll.J 

3, 249. 304. [Höfer.] Leophoiites (Asacpdvxrjg), ein anderer Name 

Leoritomeues (Asovxofisvrjg), Sohn des Tisa- für Bellerophontes, Schol. II. 6, 155. Eustath. 

menos, Bruder des Daimenes, Sparton und II. p. 632. [Stoll.] 

Tellis, Paus. 7, 6, 2. [Höfer.] Leos {Asäg), 1) einer der Heroen, von wel- 

Leontoplionos {AEOvxoq)6vog), der Löwen- chen die attischen Phjden ihre Namen her- 

töter, ein Sohn des Odysseus und der Tochter leiteten (Encävvnoi), deren 10 (später 12, zu- 

des Königs Thoas von Aitolien, zu welchem letzt 13) eherne IBiklsäulen zu Athen am Markte 

ersterer geflüchtet, nachdem er von dem in der Nähe der Tholos standen. Paus. 1, 5, 1. 2. 

Schiedsrichter Neoptolemos wegen des Freier- - 10,10, 1. Suid. und Phot. v. 'Eitäwiioi. Et. M. 

mordes zum Verlassen seines Landes verurteilt 60 369, 19. Nach ihm war die leontische Phyle 

•wordenwar{s. Apollod. bibl. frag. Sabb. im Eh. benannt. Er war Sohn des Orpheus, hatte 

Mus. 46, 1891 S. 181, 21 = E. Wagner, Myth. einen Sohn Kylanthos und drei Töchter Pha- 

gr. 1 p. 237, 15). [Steuding.] Vgl. Leontophron. sithea (Phrasithea, Phot. u. Arsen. Praxithea, 

Leontopliron {AsovxöcpQav) , ein Sohn des Aelian.), Theope und Eubule. Während einer 
Odysseus, den er mit der Thesproterin Euippe Hungersnot gab er auf Weisung des delphi- 
zeugte , Lysimachos Alexandr. bei Eustath. sehen Orakels seine jungfräulichen Töchter, 
p. 1796, 51. Eudoc. p. 74. 394. Nach anderen die Leoideu, zum Opfertode hin. Die Athener 
hiefs er Doryklos; Sophokles nannte ihn Eu- ehrten sie, indem sie ihnen mitten auf dem 



1947 Lepetymnos Lernos 1948 

Kerarueikos ein Heiligtum, das Leokorion, 410 ff. tav. 4 mit Berufung auf Aelian. v.' h. 
bauten, Schol. ThuJc. 1, 20. Suid. (und daselbst 1, 24 den Wettkampf des Herakles mit Lepreos 
Bernhardy) und Pliot. y. äscov.6qiov. Et. M. erkennen, vgl. Preuner in Bursians Jahresher. 
560, 34. Aelian. V. H. 12, 28. Schol. Demosth. 15 (1891), 314. ^ Höfer.] [StolL] 
3, 12. Diod. 17, 15. Arsen, p. 333. Lex. Bhet. Lepsinos {Asipivog), 1) Beiname des Zeus 
p. 277. Schivenclc, Bhein. Mus. 6, 532 ff. [Vor auf einer Inschrift aus dem karischen Euro- 
allem ist jetzt zu vergleichen Wachsmuth, D. mos, Waddington , Asie min. 319. — 2) Viel- 
/Storff -4i7tew 2, 1 Abt. 413 ff., der die im Leokorion leicht ist damit identisch der Beiname des 
verehrten drei weiblichen Gottheiten (Leokoren; Apollon AsTpiog oder Asipisvg, LyJcophr. 1207. 
vgl. '9'f Tjxd/loff) als ''volkspüegende' Dämoninnen lo 1454; nach Tzetz. = o ösivä kuI zEyiccXviJifisva 
(Hören?) erklärt, die man später, als man die liycov. Pape -Benseier erklärt das Wort durch 
alte Symbolik nicht mehr verstand, zu Töch- "■ Schmauser (?)', Waddington a. a. 0. leitet es 
tern des in Hagnus verehrten Heros Leos von einer Örtlichkeit ab. [Das Beiwort des 
(s. nr. 2) gemacht habe. Röscher.] [Hesych. Apollon ist, wie F. Spiro, Hermes 23 p. 196 f. 
s. V. AscoKOQLov. Aristid. or. 13 p. 191 Dindorf. erkannt hat, abgeleitet von der der karischen 
Schol. Aristid. p. 111. 112. Theodoret. Graec. Küste vorgelagerten kleinen Insel Lepsia (PZm. 
äff. cur. 8 p. 907 Schtdz-^ vgl. 7 p. 895. Pseudo- n. h. 5, 133), dem heutigen Lipso. Unhaltbar 
Dem. Epitaph. (60), 28 p. 1398. Gregor. Nazian. ist Potts Ztschr. f. vergl. Sprachf. 9, 1860 p. 183 f. 
devirt.67GBd.2\).4:i9eA.Caillau. Dem. in Conon. Deutung „von der dünneu Natur des Sonnen- 
(54), 7f. p. 1258f. Arist. resp. Athen. 18, 3. 20 lichts". Drexler.] [Höfer.] _ 
Hegesias bei Straho 9, 396. Gic. de not. deor. Lepsios (-ieus) s. Lepsinos. 
3, 19, 50. — AscovTLÖog Tcgyrävst-g Asw viKrj- Lepsis {Ari'ipiq), Name eines Satyrs auf einer 
ouvTsg C. I. A. 2, 864 p. 337. Höfer.] — 2) Ein Schale des Brygos im Brit. Museum, abgeb. 
Mann aus Agnus in Attika, Herold der Pallan- Mon. d. 1. 9, 46. Vgl. Heydemann , Satyr- 
tiden, welche den Theseus in Attika wegen u. Bahchenn. 1880 S. 15 Anm. 57. [Röscher.] 
der Herrschaft bekriegten. Er verriet dem Leptis {Ainttg). Das Haupt der Stadtgöttin 
Theseus einen Hinterhalt der Seinigen, wo- der Syrtenstadt Leptis erscheint mit der Mauer- 
durch dieser siegte, Plut. Thes. 13. Die kröne und der Beischrift AETTTIZ auf einer 
Agnusier opferten ihm, Steph. B. v. 'Ayvovg. Bronzemüuze der älteren Agrippina, Eckhel, 
Gerhard, Gr. 3Iyth. 2 § 779. [M. Mayer, Gig. 30 Doctr. num. vet. 4, 130. [Höfer.] 
u. Tit. p. 188 Anm. 67. Topff'er, Att. Geneal. Leptyiiis {Aimvvig). Aimvviv 01 ^ilv xov 
p. 40 Anm. 2. p. 210. Drexler.J [StolL] "Aidiqv., oi 8)- xi]v TlfQGScpövrjv cpaalv oiov rrjv 
Lepetymnos (AEnsTViivog), Gemahl der Me- Isntvvovoccv tä Gcoiiaroc xtäv a-nod'avovTcov 
thymua, Ste2)h. Byz. v. Mrj&vfiva, Vater des Tzetz. Lyk. 49. Ety77i. M. 560, 53. [Höfer.] 
Helikaon (s. d.) und des Hiketaon (s. d.), Leria (Jf pta). In dem Jla^'ö'fVovyiEptKS einer 
Parthen. erot. 21. Ein Heroon des Lepetymnos Inschrift von der Insel Thera erkennt Boß, 
befand sich auf dem gleichnamigen Berg in Leg- Inscr. ined. 3,249 die Artemis, die als Par- 
bos neben einem Tempel des Apollon {Antig. thenos auf der Insel Leros {Bofs, Insul. Aeg. 
Caryst. hist. mir. n) nnä des PsAa,medea, Tzetz. mar. epint. 22 p. 120 f.) und unter dem Bei- 
Lyii. 384. [Höfer.] 40 namen TlaQ^hog AbqCu auch auf Thera ver- 
Leprea (ylEjr^Eo:), Tochter des Pyrgeus, welche ehrt worden sei. [Auf dieselbe Göttin bezieht 
die Stadt Lepreon im triphylischen Elis ge- unter Zuweisung der Inschrift nach Leros mit 
gründet haben sollte, Paus. 5, 5, 4. [Stell.] Beistimmung von E. Curtitis, Stud. z. Gesch. 
Lepreos {Aengiog b. Paus., Asnqsog b. Athen., d. Artemis p. 9 K. Keil, Philol. 9 p. 457 die im 
AsTtQsag b. Ael.), Gründer und Heros der Stadt C. I. Gr. 2661b unter Halikarnassos verzeich- 
Lepreon in dem triphylischen Elis, Sohn des nete Inschrift: Noeaig 0£ov.Xeog \ «kI Birrovg | 
Pyrgeus (Paus.), oder des Kaukon (S. des Po- ijsQaT^vaaaa \ naQ&svco. Drexler.] [Höfer.] 
seidon) und der Astydameia (T. des Phorbas), Leriia (AsQva). Auf einer bronzenen etrus- 
oder des Poseidon {Schol. Kallim. in lov. 39). kischen Situla (abgeb. Gaz. arch. 7 [1881/82], 7 
Er gab dem Augeias den Rat, den Herakles zu 50 und pl. 1. 2), auf welcher einerseits eine Scene 
fesseln, als dieser den Lohn für die Ausmistuug aus dem Abenteuer des Poseidon uud der 
seines Stalles forderte. Als Herakles später Amymone, anderseits die Ankunft des Hera- 
nach Vollendung seiner Arbeiten in das Haus kies in Lerna und seine Begrüfsung durch 
des Kaukon kam, beschwichtigte Astydameia Dionysos dargestellt ist, erkennt de Witte a. 
seinen Zorn gegen Lepreos, und die Versöhnten a. 0. 8; vgl. 11 Anm. 2 in der Frauengestalt, 
liefsen sich jetzt in einen Wettkampf ein im die fast völlig nackt unmittelbar hinter Po- 
Essen, Trinken, Diskuswurf, Wasserausschöpfen, seidon auf einem Felsblock sitzt, die Nymphe 
Lepreos _ ward in allem besiegt; da ergriff Lerna, Ha Nymphe de Lerne, la personnifica- 
er im Ärger die Waffen und forderte den tion de la localite\ [Höfer.] 
Herakles zum Zweikampf auf. Er ward be- co Lernäische Hydra s. Herakles, 
siegt und erschlagen und in Phigalia begraben; Leruaia {A8Qvccia), Beiname der Demeter 
doch konnten die Phigalier dem Pausanias sein von dem Haine Lerna, wo ihr zu Ehren My- 
Grab nicht zeigen, Paus. 5, 5, 4. Athen. 10, sterien gefeiert wurden Paus. 2, 36, 7. Ein 
411c. 412 a u. b. Aelian. V. H. 1, 24. Eustath. Weihrelief an Demeter aus Lerna s. Arch. Zeit. 
p. 1523,4. Müller, Orch. 1^73. Preller, Gr. Myth. 13 (1855), 57*. 142 f. [Höfer.] 
2, 265; vgl. Kalkmann, Paus. p. 169. 170. [Auf Lernos (vlf'^J'os), 1) Argiver, Sohn des Proitos, 
einer Amphora aus Altamura will G. Jatta, Vater des Naubolos, Ap. Bh. 1, 135; vgl. Pa- 
La sfida d'Ercole con Lepreo, Annali AQ {im), laephat. 39. — 2) Ätolier aus dem ätolischen 



1949 Leron Lesbierinnen 1950 

Olenos oder aus Kalyclon, Vater des Argo- Silber als Hauptsühngeschenk nicht blofs 'die 

nauten Palaimonios, der übrigens auch, weil eine Jungfrau' zurück, um deren Verlust er 

er von schwachen Füfsen war, ein Sohn des grollt (I638f. allT(\v.T.6v xs xaxöi' vs Q-v^ov ... 

Hephaistos hiefs, also ein untergeschobener ftV^nor xov 9775 I oi'rjg [Briseis]), sondern gleich 

Sohn des Lernos, Ap. Hh. 1, 202. Orph. Arg. 'die sieben edelsten (weil wegen ihrer Schön- 

208. Hyp- f- 14 p. 43 Bunte. Bei Apollod. 1, heit prämiierten) Jungfrauen', wie Aias sagt 

9, 16 heifst der Argonaut Palaimon, Sohn des (I 639 f. vvv ds roi snza TtccQcaxonsv i%ox' 

Hephaistos oder Aitolos. — 3) Ein Grieche ccqlgxccs). Darunter ist, als eine der Sieben, 

vor Troia, von Penthesileia erlegt, Quint. Sm. Briseis mit enthalten, da sie von Aias nicht 

1, 228. — 4) Vater des vor Troia von Paris 10 gesondert genannt wird. Fehlen kann sie aber 

erschossenen Kleodoros, den ihm Amphiale auf unter den von Aias in Agamemnons Namen 

Rhodos gebar, Quint. Sm. 10, 213.221. [Stoll.] versprochenen Geschenken nicht, da Aias aus- 

Leroii {yl^Qcov), Heros Eponymos der Insel drücklich als Abgesandter Agamemnons spricht 

LerOD, wo er ein Heroon hatte, Strabo 4, 10 und also seine Aussage sich decken mufs mit 

p. 185. [Drexler.] dem Auftrag des Oberkönigs, der die Briseis 

[Lerta (?) giebt Hyginus fdb. 11 als Namen epanaleptisch ausdrücklich hervorhebt (/ 128 ff. 

einer Tochter der Niobe, fah. 69 nennt er statt S'270ff. idojcrco 8' STtza. ywaiKag d. i. i. AiaßC- 

ihrer Thera. E. Bethe, Bamenta mythogr. im ^0:5, ag, ozs A. i. ?. av., i^slofirjv, «V m. L cp. y. 

' Genethliacon Gottingense p. 41—43 vermutet, td;? [kiv oi dcoaco- nstä S' foaszcci, ijv noz' 

gestützt auf die Notiz des Hyginus fab. 69, 20 ani]vqix)v yiovgr] '■Bgia/iog. Im Gesang I ist mit- 

Amphion habe die 7 Thore von Theben nach hin Briseis eine der sTiza A. — b) Im späteren 

seinen Töchtern benannt, und auf Grund der An- Gesang T sind die 7 Weiber nicht ausdrück- 

gahe des Schol. zn Euri2}- Phoen. 1129: e7z"HX£K- lieh als Lesbierinnen bezeichnet; auch ist Bri- 

zgaig nvXaig . . . 01 81 ccno 'Hl^^ZQag iiiäg zäv sei's nicht mit eingerechnet, sondern als 'achte' 

'Jf^cpLovog &vyazfQcov, dafs LERTA aus [HjAEK- ausdrücklich bezeichnet (T 245: sk 8' äyov al^a 

TPA entstanden und THERA in ELE[CTjRA zu ywocL-nag d. s. i. tnz', dzag oySodzrjv BQiatftScc 

ändern sei. [Drexler.] KaXXLnccQrjov). Diese gilt hier als in einer 

LesMeriimen, die sieben (.^r fcTrra ^fc^t^as), (anonymen) nöUg Mvvrjzog (T296) gefangen, 
eine schon bei ifowieros (1) und der travestieren- ist verheiratet und verliert den Gatten durch 
den älteren Komödie (2), dann in lesbischen 30 Achilleus. Dafs hier eine andere Vorstellung 
Lokalsagen bei dem eingeborenen Methymnäer herrschend geworden ist, läfst sich vermuten 
Myrsilos und seinen Ausschreibern (3—5) auf- aus B689, wo im jungen Schiffsk atalog Bri- 
treteude Gruppe von Heroinen, die bald als seis im festländischen Lyrnessos erbeutet wird 
Eponymen lesbischer Städte, bald als Musen, (wie die Kyprien sie im festländischen Pedasos 
bald als Eignerinnen des später 'Haar der ansetzen: fr. 15 KL aus Schol. Vict. Jl. Tibi). 
Berenike' genannten Sternbildes erscheinen Es liegt nahe, diese Wendung mit dem Übertritt 
und einer älteren Volksschicht anzugehören der aiolischen Kolonisten von Lesbos aufs Fest- 
scheinen, als die aiolisch-achaische Besiede- land um 700 zusammenzubringen, welche die 
lung darstellt. älteren Verhältnisse verwischte. — c) Diesen 
1. Homeros nennt a) in einem älteren Teile 40 Widerspruch zwischen I und (dem jüngeren) T 
der Utas (J 128 ff. = 270 ff.) enzcc yvvuiy.ag hinsichtlich der Zugehörigkeit der Briseis zu 
ä^v^ova '^qyu tSviag ÄBoßiSag . . . cci xaUat den Sieben suchte die alte Gelehrsamkeit, 
sviKcov cpvXoc yvvaiKäv. Als Achilleus vor Ilion statt ihn einfach zu konstatieren und zu er- 
zu Schiffe 12 Städte eroberte (1328 f.), d.h. auf klären, vielmehr aufzuheben; und zwar ^n- 
Tenedos eine (^625), die anderen 11 wahr- starchos (aus Didymos: Ludwich, Aristarchs 
scheinlich gelegentlich seiner berühmten Unter- homer. Textkritik 1, 448) in den Aristonikischen 
werfung von Lesbos [1129. 271: A., dg, oze /Sc/ioZim durch künstliche Interpretation, Ze«o- 
A^aßov" iv%zi(isvrjv Usv avzog {'AxillEvg), s'gs- dutos durch gewaltsame Textänderung. Jener 
Xöiiriv {AyK!i£[iv(ov); also in einer ähnlichen erklärte, von T ausgehend, im älteren IlSl. 
Trennung, wie auf der parallelen Eroberung 50 273 das (iszd- sc. zag tnzd A. saaszai kovqi] 
des Festlandes Ilion den 11 anderen unter- Bgiarjog {Schol 1 130 f. Eust. ebda, ix 7 il, fS.), 
worfenen Städten gegenübersteht], da hatte also '= aufser den Sieben, als Achte'. Dieser 
Agamemnon als Oberfeldherr als yegag aus dagegen las, um in / 130 f. die richtige Er- 
der Beute sich diese 7 (oder mehr?) Lesbierin- klärung (Briseis als eine der Sieben) einwand- 
nen vorbehalten: darunter die lesbische Orts- frei zu machen, übereifrig statt ßsXöfirjv 't| 
eponyme (s. unt. 5) Chryseis. Als er dann auf ilöurjv'' {yvvaiyiccg) und änderte^^ in ^T'246^ das 
Kalchas' Geheifs diese ihrem Vater zurück- tnx', dzdg oySodzrjv %. Bq. in i'i, dzocQ ißSo- 
geben mufs (vi 430— 487), nimmt er sich zum fidzrjv {Schol z. d. St. und A zu 1271. 638). 
Ersätze die lesbische Ortseponyme (s. unt. 1 c) Seine Methode ist natürlich verwerflich {Dün- 
Briseis, die ursprünglich dem Achilleus selbst GO tzer, De Zenodoti studiis homericis p. 123. 200). 
zugefallen war, wie die Hekamede von Tenedos Es hätte genügt, darauf hinzuweisen, dafs nur 
dem Nestor. Als Achilleus darauf sich zwar tisrd 81 sc. zaiaLv zaobzai x. Bg. ergänzt zu 
mit der Diomede (1664 f.), abermals einer Les- werden braucht (vgl. Ebeling - CapelU, Homer- 
bierin, für den Verlust der Briseis entschädigt, lexikon s. v. [ihsi^i, ^srd 1 1, wo freilich 1 131. 
aber doch unversöhnlich sich vom Kriege zurück- 273 ebensowenig richtig erklärt ist, wie bei 
zieht, bietet ihm Agamemnon zur Versöhnung Ameis-Hentze).^ Aber ebenso verwerflich ist 
aufser einer peloponnesischen Heptapolis, zwan- Aristarchs fisrä: sc. xdg (vgl. Ebeling - Capelle 
zig troischen Weibern und vielem Gold und a. a. 0,). Warum Zenodotos recht hatte, die 



1951 Lesbieriunen Lesbierinnen 1952 

späteren 'Lyrnessierin' oder 'Festland erin' Bri- los bleiben (Hyginus), ja sie kamen um (Schol. 
sei's unter den 7 Lesbierinnen mit eingerechnet German.). Zur Entschädigung wurden sie als 
zu sehen, zeigte v. Wilamowitz {Homer. Unters. 7 Sterne an den Himmel versetzt, woraus die 
409 f. 412) durch den Hinweis auf die lesbische Siebenzahl der verstirnten L. , wenngleich im 
Stadt Brisa, Bresa (vgl. Piniol. N. F. 2 1889, Text nicht angegeben, erschlossen wird (Philol. 
106 — 110), deren Eponyme diese Kriegs- N. F. 2 1889, 102f.; anders ii-ofeeri a. a. 0. S. 5). 
gefangene ist in dem Sinne, wie auch später Erst Konon fafste die 7 getrennten Sterne 
noch Sklavinnen mit Ethnika benannt wurden (vacuas a figura VII Stellas, Hygin.) zu dem 
(vgl. unt. 5). — d) Lokalisieren läfst sich der einheitlichen Sternbilde 'Haar der ßerenike' 
Mythos von den 7 L. durch die Angabe des lo zusammen und widmete dies der Berenike 
Selioliasten, das Y.ciXlsL iviKcov q)vXa ywociy-äv 'EvsQysttg' durch ein schmeichlerisches Hof- 
gehe auf den y.aXXiar£ia genannten dycöv näX- poem. In diesem traten die Lesbierinnen als 
Xovg yvvaiv,äv itocQu Aeaßi'oig iv xä xrig "H.Qaq Bittstellerinnen vor der ägyptischen Königin 
TE/xEvst. Der Scholiast ist gut orientiert, da auf und baten zum Trost für Konons Ent- 
auch der eingeborene Aristoteliker Tyrtamos- ziehung ihrer Sterngruppe um Rückgewährung 
Theophrastos von EreSos (fr. 112 p. 192 Wimm. ihres an Achilleus verlorenen Brautschatzes, 
aus Athenaios 13 p. 610 A) nicht blofs für die für dessen Verlust einst die Verstirnung sie 
schönheitsberühmten {Nymphiodoros ebend".) hatte trösten sollen. (Conen mathematicics . . . 
Tenedierinnen, sondern auch für die Lesbierin- dicü crinevi (Bereniees) inter sidera videri collo- ' 
neu Kgiasis ywaL-ncov tv^ql yiiXXovs bezeugt, 20 catum et quasdam vacuas a figura VII Stellas 
und unabhängig ein (anonymes) Epigramm der ostendit, quas esse fingeret crinem. Eratosthenes 
Anthologie (9, 189) die Existenz dieses Hera- autem dicit (sc. Cononem mathematicum, Hebert 
Temenos bestätigt, in welchem Sappho selbst p. 3 fi'.) et <^VIiy VIRginibus Lesbiis dotem, 
an Tanz und Gesang von Jungfrauenchören der quam cuique relictam a parente nemo solverit, 
Lesbierinnen beteiligt war. Eine zugleich an iussisse reddi et intcr eas constituisse petitionem : 
Homers ivi-nav und Theophrasts Kgiasi-g er- Hyginus. — Seh. German.: stellae obscurae VII, 
innernde Glosse Hesychs fügt hinzu, dafs die sv guae vocantur crines Bereniees Evegyeridog. 
nccXXsi -ngiyö^isvaL rcov yvvaLY.äv -nal vfnäaui Dicuntur et earVM <^VIiy VIEginum, quae 
'UvXaudEsg' hiefsen (s.v.). Das einem epischen Lesbo perierimt). — 4. Abermals der Lesbier 
oder elegischen Texte angehörige Lemma kann so Myrsilos ist Zeuge für 7 lesbische Jungfrauen, 
nur von der lesbischen Örtlichkeit UvXaiov welche Sklavinnen waren und Musen genannt 
bei den mytilenäischen Äagiocatai nszQat, d. i. wurden, a) Von dem snl rcc nsv&rj cpoitccv 
den Felsen von Larisa, j. Larso, abgeleitet tial d-Qrjvsiv <^i(ji(ieXmg, s.unt.icy der ev ÄBoßco 
sein (der Leshier HellaniJcos hei Strabon 13, 621; ysvöasvai Ttag&svoi Movaai (ohne Zahl) aus- 
vgl. PJiilol. N. F. 3 1890, 711 fl".), deren Epony- gehend erklärt etymologisch die Bezeichnung 
mos IlvXaiog einst den Troern pelasgische fisXscc für gewisse Gesänge das Frgm. 5 aus 
Hülfsvölker aus lesbisch Larisa zuführte {II. Gramer, An. Ox. 1, 285 = Et. Mag. 577, 16. 
£843 ff.; vgl. Philol. a. a. 0. und 4 1891, 566 ff.). F. H. G. 4:, 458. b) Die Zahl nennt (3Iusas 
Zu diesem Volkstum stimmt auffallend, dafs inducit Septem) das Frgm. (ohne Nummer) aus 
die im Hera- Temenos mitwirkende Sappho an 40 Arnobios adv. gent. 3, 46 p. 121 Galand. 
unabhängiger Stelle {Ovid. Herold. 15, 27) als c) Vollständig giebt den etymologischen My- 
Pelasgerin bezeichnet wird, in Übereinstim- thos das Frgm. bei Clem. Alex. Protr. p. 9, 24. 
mung mit den sonst über ihre Biographie und F. H. G. 4, 457 wieder; er führt die (melische) 
die Amtsfunktionen ihres Bruders Larichos be- Kunst der (7) Lesbierinnen, adeiv Kai kl&u- 
kannten Thatsachen (P/tiYoZ. N. F. 3 1890, 718ff'. Qtt^iv roig Tigä^eig tk? TtccXaiccg sfi^sXäg auf 
4 1891, 567). — 2. Homers Verse über die 7 L. ihre Lehrerin Megaklo, Tochter des aus dem 
travestierte mit boshafter Ausdeutung des dfiv- Hom. Hymn. Apoll. 37 berühmten Lesbiers 
liova ^'Qya idvtag auf den Asaßiaa^og der He- Makar zurück. Diese habe bestimmt, dafs die 
tären Phcrelcrates (fr. 149. Koch, C. A. F. 1 Jungfrauen ava nüvza rcc isqu mittels eherner 
p. 192) in dem sonst auch Nikomachos oder 50 Stelen verehrt wurden; denn sie habe sich 
Piaton zugeschriebenen Cheiron: ihnen dankbar erweisen wollen dafür, dafs sie 
uy dcoaco de toi yvvciLY.ag anza ÄsaßiSag durch ihre Gesäuge den unversöhnlichen Groll 
ßy %ccXöv ys öaQov, inx' £%Eiv Xaiv.aoz^iag ihres Vaters Makar gegen ihre (unbenannte) 
(aus Eustath. zu II. I 128 ff. p. 741, 22 und Mutter besänftigten. Megaklo habe sie darum 
Schol. Aristoph. Ran. 1308 p. 309, 36 ff^. Dübn.). Mioag, nach G. Müller {F. H. G. a. a. 0.) rich- 
— 3. Verstirnung hatten die 7 L. erfahren tiger MoCaag (aiolisch) genannt; gekauft seien 
einem Mythos zufolge, der bis auf den alexan- sie zu diesem Zwecke ursprünglich von Megaklo 
drinischen Mathematiker Konon Geltung hatte als Sklavinnen (worin ein Anklang an die Kriegs- 
und die homerischen Andeutungen ausführt. gefangenschaft der homerischen Sieben liegt). 
Eratosthenes b. Hyginus (P. A. 2, 24 p. 67 Bu.) 60 Wir haben hier vielleicht die Legende zum 
und der Scholiast zuGermanicusfArat.Phacnom. Iqov Movaccv, das der Stein von Mesopotamon 
p. 72, 19 Breyfs.) übernehmen ihn nach Roberts auf dem Kagjani Akroteri auf Lesbos bezeugt 
Vermutung {Eratosthen. Gatasterism. reliq., Pro- (6 tv KovazavzLvovnöXsi 'EXlrjVLKog cpiXoXoyizog 
leg. p. 31 "^ 3. 5) aus dem Methymnäer 3Iyr- avXXoyog 15 1884, 212). Führt der Name Me- 
silos. Danach büfsten die Lesbieriunen durch gaklo (über die verschiedenen Megakles Arist. 
die (homerische) Gefangennahme bei Achills Po/. 5, 8, 3. P". //. ö. 2, 158. 172. Longos 4, 35) 
lesbischem Eroberungszug zugleich mit der und ebenso der des Makareus {Ailian. V. H. 
Freiheit ihr Heiratsgut ein und mufsten ehe- 13,2) nach Mytilene, so findet sich andrerseits 



1953 Lesbierinnen Lesbierinnen 1954 

auch wiederum in Mytilene jene Muse des Les- Rat des Orakels der Ampliitrite (! statt des 
biers Lesbothemis, die das vorgriechische orien- pythischen Apollon) in die ^dlacecc (den 
talische Musikinstrument der accfißvKr} trug Kallonegolf) versenkt wird und abermals, wie 
{Bummler, Athen. Mitt. 11 1886, 38^). Der bei 5a und b, die Enaloslegende den Schlufs 
hellenische Name der 9 Musen scheint hier macht. Hier wird ausdrücklich der Lesbier 
ebenso willkürlich auf eine orientalische Sieben- Myrsilos als Gewährsmann genannt, aus dem 
zahl übertragen zu sein, wie dies bei den torrhe- auch der Atthidograph Antikleides seinen Be- 
bischen Teichnymphen Lydiens geschehen ist, rieht haben mufs {Programm Neustettin 1887 
den Lehrerinnen des Lyders Torrhebos, und S. 1 mit*). Die angebliche 'Rettung' durch 
durch ihn überhaupt der Lyder, in der torrhe- lo den liebenden 'Wassermann' "EvaXog durch 
bischen Melik {Nikol. Damask. 4 frg. 22 aus Umschlingung der Jungfrau beim tödlichen 
Steph. Byz. TÖQgrjßog, emend. Buttmann, Myth. Wassersprung ist ein mifsverstandener oder 
1,275. F. H. G. 3, S70). Der Sklavenstand umgedeuteter ßrautraub des Tiefengottes 
dieser lesbischen '7 Musen' oder 'Jungfrauen' (ebenda S. 6fF.), und der ganze Wassermythos 
sowohl im homerischen wie im myrsileischen eine Variante von der ebenda anzusetzenden 
Mythos verrät, dafs die Sieben den Achaiern Liebesverfolgung der XQVGritg-'AnQicitr] {Eu- 
des Achilleus und Agamemnon dort ebenso phorion hei Parthenios Erat. 26; s. Bd. 1 Nach- 
stammfremd gegenüberstehen, wie hier den träge 'Apriate'). Wenn im Enalosmythos die 
Aiolern des Mäy.aQ Alollwv: eine Beobachtung, aus der Siebenzahl herausgerissene Jungfrau 
welche bestätigend hinzutritt zu dem oben Id 20 eine Tochter des (Apollon) Z^iv&svg heifst, 
aus anderen Gründen vermuteten Pelasgertum so ist in Euphorions Form des Trambelos- 
der Sieben. mythos 'AnQiäzr] keine andere als Homers 
5. Verwischt ist dieser ethnische Gegen- v.ovQr] ccitgLÜTj] Xqvariig {II. A9S), eine Tochter 
satz zwischen den 7 Pelasgerinnen und den des Smintheuspriesters Chryses, der selbst als 
jüngeren Aiolern Makars wie den noch jün- Bewohner des Tempelortes Chryse eine hero- 
geren Überwindern Makars, den homerischen ische Hypostase seines Gottes, ein Zfiivd^svg, 
Achaiern in der offiziellen Gründungssage der ist {Philol. N. F. 3 1890, 107 ff.). Chryseis war 
Penthiliden, die an ihren 'Stammvater Aga- also, ehe Briseis ihre Stelle vertreten mufste, 
memnon'' anknüpfen. Diese Sage geht, in unter den 7 lesbischen Weibern gewesen, 
3 Brechungen erhalten, abermals auf den ein- 30 welche Agamemnon aus Achills lesbischer 
heimischen Myrsilos zurück, a) In dem jetzt Beute sich vorbehielt. Denn unter dem ho- 
von V. Wilamowitz {Hermes 25 1890, 196 f.) merischen Chryse des Gesanges A ist trotz 
wieder als echt plutarchisch anerkannten Demetrios v. Skepsis keine festländische Stadt, 
Symp. VII Sapient. 20 p. 163 erzählt der sondern der alte lesbische Ort {Steph. Byz. 
Mytilenäer Pittakos von der Landung der v. XQvarj) zu verstehen, gelegen am selben Ms- 
7 lesbischen Gründungsheroen im Msaoysiov cöysiov £Q(icc {IIvQQaicov oder KccXXovrjg koI- 
SQfia (= UvQgaiav Kolitog = v.ö%iiog xr\g Kai- Trog), an dessen Binnenstrand nicht nur die 
AovTjs) von Lesbos zusamt ihren unverehelichten Landung der Penthiliden und der Wassersturz 
Töchtern. Diesen 7 Vätern ward vom Orakel der Smintheustochter vor sich ging {Progr. 
befohlen, bei der Landung der Amphitrite und 40 Neustettin a. a. 0. 14 **. Philol. a. a. 0. 105), 
den Nereiden eine Jungfrau zu opfern. 'Da sondern auch, bis zur Zerstörung Arisbas, 
nun aber ihrer 7 Archageten und Königewaren, Smintheus Kult genofs {Philol. a. a. 0. 103 f. 
der achte aber der vom delphischen Orakel zu C. I. Gr. nr. 2190''). Die Chryseis dagegen 
zum Oberführer bestimmte Echelaos war, so eignet (wie z. T. die Sapphobiographie) dem 
war dieser zwar noch Junggeselle, von jenen ebenda anzusetzenden Kult der lesbischen 
losenden Sieben aber — soviele hatten unver- Aphrodite -XpvcTJ (vgl. Philol. 104ff. 116f. und 
mahlte Töchter — traf das Los die Tochter über Sappho 719 u. ob. Id); Aphrodite aber 
des Smintheus.' Man wird annehmen müssen, ist pelasgisch wie Sappho, wie die Schönheits- 
dafs eben jeder nur eine Tochter gelost hatte, wettkämpfe und Reigen, bei denen Sappho 
und den 7 Vätern, o6oig ayccfioi TicciSsg rieav, 50 mitwirkte, und wie die Siebenzahl der lesbi» 
7 jungfräuliche Töchter entsprechen: solche sehen Musenjungfrauen, die in jenen Wett- 
Erklärung des oaoig entspricht dem Geiste des kämpfen gesiegt hatten (vgl. Pauly, Beal- 
Mythos. Es folgt nun die Sage vom Enalos encyklop.^ Art. 'Aphrodite'). Welche 6 Städte 
(s. d.). b) Als Bürge für diese auch von ihm aufser XQvarj (und Egtccc) durch die 7 Heroinen 
erzählte KTt'öt? nennt Antikleides {Noatoi 16) bei vertreten waren und in der Penthilidensage 
Athenaios 11 p. 466 CD. 781 C 'iiv&oXoyovvrsg zu Töchtern des fremden anlandenden Neu- 
71£qI Tchv iv Mri%-vnvri\ d.h., wie unter 5 c sich „Gründers" und Nachkommen Agamemnons ge- 
ergeben wird, Myrsilos von Methymna: Fgcc macht worden waren, ist nicht sicher auszu- 
iig Asoßov azEilavzog 6VV äXXot.g<^g} ßccctlsvGiv machen; doch können es nur solche sein, die 
[dies ist jetzt gegen Meinekes {Anal, cr.it. eo von Achilleus erobert wurden. Von diesen 
p. 212) Änderung in AIoIsvglv durch das von kommt nicht in Betracht die Stadt des Phor- 
ihm übersehene aQxiqyBTwv inrcc -aal ßaailscov bas, da dessen Tochter Diomede nicht in 
Plutarchs (s. ob. 5a) geschützt], c) Einen sehr Agamemnons Besitz übergegangen war (unter 
kurzen und flüchtig (aus dem Gedächtnis) ge- den 7); eher (2) Peisidike, die Königstochter 
gebenen Bericht über diese erste Landung des von Methymna, nach unbekanntem Epiker (bei 
i^Lvicog {l. Z(iiv&£U)g) und der anderen Pen- Parthen. Erot. 21. Äleineke, Anal. Alex. j). 324) 
thiliden auf Lesbos giebt Plutarchos de Sollert. bei Achills Eroberung ihrer Vaterstadt be- 
animal. 36 p. 984 E, wo die Jungfrau auf den teiligt; oder (3) die Meropstochter Arisba (s.d.), 

EoscHEE, Lexikou der gr. u. röin. Mythol. II. 62 



1955 Lesbos Lethe 1956 

Eponyme der gleichnamigen von Achilleus er- Osann; ein Monat Äs6%avÖQioq auf thessalischen 

oberten Stadt {Serv. Verg. Aen. 9, 264; vgl. Inschriften, Heuzey, Le mont Olympe Insc. 

Heyne z. d. St. und den Exkurs 1* in 3,1* p. 467. 469. 47.3. Mem. sur une mission au 

-p. 521 ed. Wagner). Sicher gelten als von mont Ailios 12.3; vgl. Lolling, Süzungsher. d. 

Achilleus erobert noch (4) Hiera oder Hiera- K. Preuß. ÄJc. d. Wiss. 1887, 571. Fick, Die 

polis und (5) Pyrrha bei Diktys 2, 16 (nach dial. Inschr. der Phthiotis bei Bezzenberger, 

der Fleckeisen, Jahrb. n 18S8, S29i. gegebenen Beiträge 6, 311. Bischoff, De fastis Graec. 

Textwiederheratellung) , freilich ohne dafs zu antiqu. 319. 334. [Dragumis, UsqI X^axäv Kai 

ihnen eponyme oder sonstige Heroinen über- rrjg sv 'AQ'rivaiq ävaKalvcp&siaiqg , Mitt. d. K. 

liefert wären, die als eine der 7 gelten könnten, lo D. A. Inst. Ath. Abt. 17, 1892 [p. 147—156] 

An sonstigen Namen, die als 6. und 7. in Vor- p. 152 f. Drexler.] [Höfer.] 

schlag gebracht werden köunten, ist kein Lestorides {AsozoQiSrig), einer der Freier 

Mangel ; aber sowohl Mytilene wie Issa, Antissa der Penelope aus Dulichion, Apollod. frgm. 

(Methymna) und Agamede sind als 'Makar(-eus)- Sabbait. f. 121a. Rhein. Mus. 46 (1891), 179, 

töchter' nicht geeignet, unter 'Makars Sklavin- 27. Papadopulos-Kerameus a. a. 0. vermutet, 

neu' zu erscheinen. So gilt in diesem Punkte dafs NsorogiSrjg, Wagner, dafs OsaroQiSrjg zu 

wenigstens noch das sciri nequit, das Valcke- schreiben sei. [Höfer.] 

naer, Haupt {Quaest. Catullian., Opusc, 1, 61), Leta . . . (leia . . .), etruskischer Grötter- 

Bunte (zu Hygin, P. A. 2, 24 p. 67) und noch name im Genitiv auf der Bronzeleber von 

Robert {Eratosth. reliq. Proll. 3) über Hygins 20 Piacenza, vielleicht zu letafsj oder lefaflj zu 

und des Gennanicus - SchoUasten 'verstirnte ergänzen; s.lein&; vgl. Deecke, Etr.Fo.4:,19 

Lesbierinnen' ausgesprochen haben; vgl. über (auch 38). [Deecke.] 

die ganze Frage Philol. N. F. 2 1889, 99—130. Lethaia {Ari&atcc). Nach Ov. Met. 10, 68 ff., 
— 6. Die TtKQ&svoi ^ zviai ovquvov ofiodiairoL ^^ ^s heifst, Orpheus sei über den Verlust 
bei Wessely, Ephesia grammata aus Papyros- ^^^^^^' Gattin so entsetzt gewesen, wie qui 
rollen, Inschriften, Gemmen etc. gesammelt 1886 [l'^^J *^ ^^ crimen traxit volmtque viden Gie- 
rn. 85 sind vielleicht eine letzte Erinnerung *^os ^««^ nocens, tuque, o confisa figurae, 
an die lesbische Siebenzahl. Das ovQuvoi Infelix Lethaea, tuae, iunctissima quondam 
kann auf die Verstirnung, o^oÖLattoi auf ihr Pectora, nunc lapides, quos umida siistinet Ide, 
gemeinsames wundersames Schicksal gehen; 30 scheint es, dafs Lethaia, die Gattin des Olenos, 
auch die Jungfräulichkeit stimmt, und wer zu ^^^'^ einer Göttin gegenüber ihrer Schönheit 
'Musen' verwandelt werden konnte, kann eben- gerühmt und ihr Gemahl sich erboten habe, 
sogut im Volksaberglauben die Rolle vou xvxaL die jener zugedachte Strafe auf sich zu nehmen, 
erhalten oder — behauptet haben. Denn als dafs aber beide m Steine verwandelt worden 
ursprüngliche (eponyme) Stadtheroinen mufsten seien; vgl. Lactant. Placid. fab. 10, 1. [Höfer.] 
sie ohnehin von je eine jede die Tixr} ihrer Lethaios {Ar]%'ccLog), Flufsgott. auf Münzen 
Stadt gewesen sein. Unter diesem Gesichts- des L. Verus von Magnesia am Maiaodros zu- 
winkel scheint Gnisius' Änderung in nzv^at sammen mit letzterem gelagert zu Füfsen des 
{Wochenschr. für Mass. Philol. 1888 S. 3 mit Kultusbildes der Artemis Leukophryene (s. d.) 
Rücksicht auf Euripides Phoen. 48 : ovgavoi *« dargestellt. Einen Flufs gleichen Namens gab 
vaiav Tizvxag Zsvg), so sinnvoll sie ist, nicht es iß Kreta und Thessalien; auch der Aä^av 
öfcr rD'p *)■ ' F ' ' ~ ' ^^ Libyen kommt unter dem Namen Arj&atog 
s, ^*^' ^ .■\ ^'^^^■i^J^J' ^■"^"' ovQuvoy ofio- ^^ g Pape- Benseier, Wb. d. qr. Eigennamen 
otaiTot , über welche man auch Dieterich, „ „q, TD- 1 -H 

Abraxas p. 105 f. vergleiche, sind nur aus der ?' 4-1 ' .? o, ! i 1 • u -\t 

.1^ A/T 4-1, 1 •« IT- A i- Letliaiu (le&am), etruskischer Name einer 

ägyptischen Mythologie zu erklaren. Auf n-i-t-- e ■ o ■ ^ n i /m 

X +^ ,„^;„„ r„ Q i,i„ i," + A Gottm auf einem Spiegel von Corneto (Tar- 

Agypten weisen die Schlangenhaupter der- • --s i • j n ■ ■ -Mt ■ ^ i -j 

^, e 1- • C" 1 j rr- 1 qumu) bei den Canonici Marzi, dessen leider 

selben, ferner die vier Säulen des Himmels, u 1 u v • 1 a- h \ 1. i tvi- 

„«i„i -^ V „ i,„ IT) 7 T> 7 sehr erloschene Zeichnung die Geburt der Mi- 

welche sie bewachen, vgl. Brugsch, Bei. u. dargestellt zu haben scheint doch fehlt 

3Iyth. d. alt. Ag. p. 201 f. 208 f. Auch die , ^^^J, Vfg?,^^^^^^ ™ naoen scüemt ciocn lenit 

o- 1 11 -1+ ■ A •■ i- 1 Ti/r i.1 50 se&lans (= Hcpaiazog); s. rabr., C. 1. 1. Pr.opl. 

Siebenzahl spielt m der ägyptischen Mytho- „hk r» lu im 1 ™4. • n ;4-- „,.f 

1 • -1 /• „„ „ j- n rt iu 395. Derselbe Name kommt im Genitiv auf 

logie, ich erinnere nur an die 7 Hathoren, j r> 11, r>- c i 70. 

pine Rolle Drexler 1 TT" pH der Bronzeleber von Piacenza 5 mal vor: le&ms, 

, ^-J L P •! le&ns, abgekürzt le&am, le&n (2 mal) für *le- 

Lesbos (Asaßog, o), 1) Sohn des Lapithes &ams; s. Deecke, Etr. Fa. 4, 38ff. — Bugge, 

(s. d.), eines Sohnes des Aiolos Hippotades, wan- j;^^. j^o. u. St. 4, 227 ff. erklärt le&am = 

derte infolge eines Orakelspruches m Lesbos rEozcav (V = Artikel); vgl. Deecke, Etr. St. 

ein, heiratete die Tochter des dort herrschen- 5 74^ [Deecke.] 

den Makareus, Methymna, und gab der Insel ' Lethe {Arj&rj), 1) die Vergessenheit (der Un- 

nach sich den Namen, Diod. 5, 81; vgl. Steph. aank), eine Tochter der Eris, Hes. Theog. 227. 
Byz. y. A^ovia. [Vgl. Tümpel, Philol. N. F. ^^ Braun, Griech. Götterl. § 261. 262. Limburg- 

2, 123 ff. R.] — 2) 7? ÄBaßog, Gemahlin des Brouioer, Hist. d. l. civilis, d. Grecs 5, 81. Die 

Makar (Makareus), der sich auf Lesbos nieder- Chariten nannte man Töchter der Lethe, Schol 

gelassen, Schol. II. 24, 544. [Stell.] ji 14^ 276. Ein Altar der Lethe stand zu 

Leschanorios s. Leschenorios. Athen in dem gemeinsamen Tempel der Athene 

Leschenorios (AsaxrjvoQiog), Beiname des und des Poseidon (Erechtheion), PZwi. ^w. cowv. 

Apollon, unter dessen Schutze die Isaxai 9, 6, 1. [Ephesos: The coli, of anc. gr. inscr. 

standen, Kleanthes bei Harpokr. s. v. Xsgxcci. in the Brit. Mus. Part. 3. Sect. 2 p. 221 ur. 600 

Phot. Suid. Cornut. de nat. deor. 32 p. 201 Z. 29. Drexler.] — 2) Quelle und Flufa der Ver- 



1957 Lethe Letinno 1958 

gessenheit in der Unterwelt. Aus ihm tranken ist höclist unwahrscheinlich. In einem in- 
die Verstorbenen nach ihrer Ankunft im Hades schriftlich erhaltenen Priesterverzeichnis aus 
Vergessen der irdischen Lebens, und auch die Ephesos, in welchem auf den im Genetiv 
nach orphischer Lehre aus der Unterwelt wieder stehenden Namen der jeweiligen Gottheit der 
ins irdische Leben Zurückkehrenden tilgten sich Name des Priesters folgt, ei-gAnzen Newton- 
die Erinnerung des Vergangenen durch einen Hicks , Anc. Greek inscr. in the Brit. .Mus. 
Trunk aus der Lethe. Die Vorstellung von 3, 600 p. 221 Mv']sia{q) . . Är[]%'r]q 'AXs^. Diese 
der Lethe in der Unterwelt ist erst längere Ergänzung ist sehr ansprechend: die Zusammen- 
Zeit nach Homer erdichtet und in den Volks- Stellung von Mvsia (= Mvrjiioaövrj) und Ai^&rj 
glauben übergegangen. Zuerst finden wir sie lO erinnert an die Ceremonien im Orakel des 
erwähnt von Simonides (Epigr. 184 Bergk), Trophonios, wo die Besucher das Ärj&rjg und 
Anth. Fol. 7, 25 (doch wird die Autorschaft dann das MvrjfioavvTjg vScoq trinken mufsten, 
des Sim. angezweifelt) und Aristoph. Man. 186; Paus. 9, 39, 8 — entsprechend dem oben er- 
von einem dramatischen Dichter b. Plut. consol. wähnten Ari&r]g ^govog gab es hier auch einen 
ad Ap. c. 15. Plat. rep. 10 p. 621. Verg. Aen. &Q6vog Mvi^fioavvrjg, Paus. 9, 39,_ 13 — und 
6, 705. 715. Lukian. de luctu § 2 — 9. Mort. D. an Plut. de sl ap.Delph. 21: naq ra (AnöXlavi) 
13, 6. 23, 2. Ov. Ep. ex P. 2, 4, 23. Bei Schol. (i£v at Movgcci v.ou tj Mvrj^öavvr], nag m 
Od. 11,51 und Eustath. p. 1672, 42 ist die Vor- {nXovzcovi) Sb i] Ä'^&r] Kai r] ZicoTtri. Über 
Stellung der späteren Zeit mit der des Homer das Lethetrinken s. Creuzer, Symbolik 1, 347 f., 
vermischt. — Das Wasser Lethe war auch in 20 der eine Taf. 7, 3 abgebildete Gemme mit der 
der Höhle des Trophonios, sowie das der Darstellung eines Totenschädels, über welchem 
Mnemosyne, Paus. 9, 39, 4. Auch im Bereich ein Schmetterling schwebt und neben dem 
des Schlafgottes spielt Lethe eine Rolle; vor ein Wasserkrug steht, hierauf bezieht, und 
der Grotte, in der er wohnt, fliefst ein ab- H. D. Müller, Ares 110. Höfer.] [Stell.] 
gezweigter Bach der Lethe, Ov. Met. 11, 603. Lethms, Lethns, Lethn, s. Letham. 
In Orph. Hymn. 84, 8 heifst er Bruder der [Deecke.] 
Lethe und des Thanatos. Vgl. Verg. Aen. 5, Lethos {Ari%-og), ein Pelasger, TivxcciiCöug 
854. Georg. 1,^1. Kallim. in Del. 2S4:. [Rohde, genannt, Vater des Hippothoos und Pylaios, 
Psyche p. 290 Anm. 2. p. 670 Anm. 3. p. 67 7 f. welche den lliern aus Larisa Hülfsvölker zu- 
Anm. 5. Ettig , Acheruntica p. 310 Anm. 6. 3o führen, im troischen SchiflFskatalog Hotners; 
Dieterich, Nekyia p. 86. 90 ff. H. Stephanus II. £846. Wie Pylaios Eponymos des lesbi- 
lltes. Gr. L. s. v. AriQ^ri, De- Vit, Onom. 4 sehen Pylaion ist {Hellanikos nach lesbischer 
p. 106 s. V. Lethe und Lethaeus. Albert Jahns Lokaltradition bei Strahon 13, 621; vgl. Piniol. 
Anmerkung 46 in seiner Ausgabe der Eclogae N. P. 3 1890, 708 ff.), so wird Hippothoos eben- 
e Proclo de philosophia chaldaica. Halis Sax. falls nach Lesbos gehören. Da ferner nach 
1891 p. 21 f. Ugö-iiiov sig xov h TloliziCa xov demselben Hellanikos {frg. la aus Dion. Hai. 
niÜToovog [iv&ov vnöfivrjficc in den Analecta 1, 28 = frg. Ih aus 1,18) diese aiolischen Pe- 
sncra et class. spicilegio Solesmensi parata ed. lasger aus Thessalien stammten (vgl. auch die 
Pitra 5, 2 p. 139—141 und in Anecdota varia chiische Tradition über die thessalisch-chiischen 
Gr. et Lat. edd. Schoell et Studemund 2 p. 121 f. 4o Pelasger bei Strabon a. a. 0.), so wird Tsvzk- 
Drexler.] [Sehr durchsichtig ist P?Mi. 6'2/»»pos. 7, (iidag als Sohn jenes Teutamias oder Tevzcc- 
5, 3 allä fioi do-novoLv oi5h öß'&cög oi naXatol ^irjg zu verstehen sein, der bei Dion. Hal.l, 28 
naida Ar]&rjg zov Jiövvoov tSsi yag ncc- aus iTsvzafiidrjg in dem hellanikischen Stemma 
TS 9 0! Trpoaayopfüstv: im Weine liegt Vergessen. der thessalischen Pelasger herzustellen ist 
Dionysos giebt vnvov %s Xiqd'riv zäv v.cc^'' tj fis- {Piniol, a. a. 0. 713). Mithin ist L., wie der 
Qctv v.av.uiv: Eur. Bacch. 282, daher Xad^i-nr]- nach Tyrrhenien auswandernde Nanas, über 
ö'ijg Beiname des Dionysos, Kaibel, Epigr. seinen Vater Teutamias oder -es ein Enkel des 
1035, 5. Anth. Pal. 9, 524. Ebenso sagt Amyntor, des Sohnes Phrastors, den König 
vom Schlafe Orestes cö cpilov vnvov &slyrj- Pelasgos mit der Peneiostochter Menippe er- 
zQov, £TtC%ovQOv vöoov . . oi nözvicc Ar'j&T] 50 zeugt hatte. L. mufs eine Zwischenstation auf 
zäv -naKcäv, wg st aocprj xat zotci dvazvxovaiv der Wanderung aus Thessalien nach Lesbos 
svnzaia d-sög; vgl. Soph. hei Stob. Flor. 26, 3 vertreten, entweder den thessalischen yfjj'S'aros- 
Arj&rjv ze zrjv anavz' dnsazsQrjfisvrjv, ncocpriv flufs, oder, da südliche Wanderung nach Boio- 
ävavöov. Ursprünglich scheint Lethe als Göttin tien durch Ephoros (frg. 20 aus Strab. 9 p. 401. 
in der Unterwelt thronend, wohl als itdQedgog F. H.G. 1, 241) bezeugt ist, das Arj&aiov ns- 
des Hades gedacht zu sein, so heifst es bei 5t'ov, das bei LebadeiaT/teo^w's (1216) erwähnt; 
Apollod. Epit. Vat. 6, 3, der an dieser Stelle, vgl. die Lokalisierung der Lethe am dortigen 
wie Wagner, Cur. myth. 156 zu erweisen sucht, Trophoniosheiligtum (bei Pausanias 9, 39, 8). 
dem Panyassis folgt, Theseus und Peirithoos Kultthatsachen bestätigen diesen Zusammen- 
hätten sich in der Unterwelt iv tä zijg Ari&r]g 60 hang zwischen Lebadeia und Mytilene, in dessen 
S-gövo) gesetzt; auch der Ausdruck A)^&r]g Bezirk das früh untergegangene und aufgesogene 
öofioi {Simonides a. a. 0. Tragiker bei Plut. Larisa mit Pylaion lag; vgl. Philol. a.a.O. 718ff. 
Cons. ad Apoll. 15. Quint. Smyrn. 14, 167) [Tümpel] 
scheint darauf hinzudeuten. — Die Vermutung Letinno, topische Gottheit (ob männlich 
von Eangabe, Ath. Mitt. 7, 331, dafs bei Plut. oder weiblich ist unsicher) auf einer Basis im 
Quaest. conv. 9, 6, 1 iv m (i. e. in Erechtheo) Museum zu Nimes: Letinnoni b(onae ?) opi- 
Kal ßmfiög sazi AiqQ'rjg Ldgvfisvog nach Paus. fferae ?) iniper(anti ?) poni Nemausenses, 
9, 35, 2 zu schreiben sei ßcofiog hzt ©aXXovg., G. I. L. 12, 2990 add. Hirschfeld setzt die In- 

62* 



1959 Leto (b. Homer, Hesiod etc.) Leto (b. Kallimaclios etc.) 1960 

Schrift nach den Buchstabenformen in das erste Falls die Göttin ihr aber einen grofsen Eid 
nachchristliche Jahrhundert. Frühere lasen schwöre, dafs Tempel und Orakel nirgends 
fälschlich L • ET IVNONI. Seguier hat zuerst anders als auf Delos sein werde, so sei sie 
die Gottheit mit dem nordöstlich von Nimes bereit zur Aufnahme. Leto leistete den ver- 
gelegenen Fundort Ledenon zusammengebracht, langten Schwur und wurde aufgenommen. Neun 
Hirschfeld, Westdeutsche Zcitschr. 8 p. 136. Tage und neun Nächte dauerten die Geburts- 

[M. Ihm.] wehen. Alle Göttinnen, Artemis, Rheia, Themis 
Leto {Ärjrm, dor. Aäzcö, lat. Lätöna, etrusk. Amphitrite und die anderen, mit Ausnahme 
Letun; s.d.), Tochter des Titanen Koios und der der Here, kamen hülfreich herbei. Aber die 
Titanin Phoibe (zuerst bei ifcsiotZ T/teo(/. 404 ff. 10 beste Helferin bei schweren Geburten, Eilei- 
Hynin. Hom. 1, 62 Ärixot, Kvötarrj &vyazsQ fis- thyia, hatte keine Kunde von der Not der 
ydlov Koioio; AlcusiJaos im Etym. M. v. Kotog. Leto. Sie blieb auf der Höhe des Olympos, 
Apollod. JBiblioth. 1, 2, 2. Paus. 4, 33, 6. Ap. zurückgehalten von der listigen Here, denn 
Bhod. 2, 712 u. a. ), daher Koio'y£vi]g (Find. diese beneidete die Leto um den künftigen 
fr. 88 BergJc), Koirj'Cg (Kallim. Hymn. 4, 150), herrlichen Sohn. Zuletzt schickten aber die 
Koiavris (Orph. Hymn. 35, 2) genannt. Dieser auf Delos versammelten Göttinnen Iris aus, 
einstimmig feststehenden Genealogie stehi- um die Eileithyia zu hülfreichem Kommen zu 
völlig vereinzelt gegenüber der bei Hyginus bewegen. Durch das Versprechen eines neun 
als Name des Vaters überlieferte Titan Polus. Ellen langen goldenen, mit Elektron besetzten 
Die früheren Herausgeber, wie Bunte, nahmen 20 Halsgeschmeides gelang es Iris, sie willig zu 
wohl nicht mit Unrecht einen Fehler an, sei machen. Sie flog herbei und alsbald kam 
es des Hyginus, sei es in der Textüberlieferung. die Gebärende zum Ziel. Mit den Knieen sich 
Der neueste Herausgeber ilf. »Sc/mMcii hat Polus auf den weichen Rasen stemmend und mit 
wieder aufgenommen (S. 11,7. 17, 16 = .Fa&. 140). den Armen den Stamm der Palme umfassend. 
Als Schwester wird Asterie genannt (s. Asterie) kam sie zum Jubel aller Göttinnen mit dem 
und Ortygia (Schot zu Apoll. Bhod. 1, 308). verheifsenen Sohne nieder. Die Göttinnen 
Der Mythus der Leto wird fast völlig erschöpft wuschen den Neugeborenen, wickelten ihn in 
durch ihre Rolle als Mutter des Apollon und ein feines Linnen und umbanden dieses mit 
der Artemis, in den Erzählungen von der Ge- goldenem Wickelband. Als Nahrung reichte 
burt dieser ihrer Kinder, vom Frevel des Tityos 30 ihm Themis Nektar und Ambrosia. Kaum 
und der Niobe, wo sie in beiden Fällen von hatte ihn die Götterspeise gestärkt, so sprengte 
ihren Kindern gerächt wird. Als Mutter des der schnell erwachsende Gott seine Binden und 
Apollon und der Artemis durch Zeus kennt verlangte eine Kithar, Bogen und Pfeile und 
sie bereits das ältere Epos (^ 9. 71849: Ar]Tovg schritt so den Kynthos herauf, während die 
Kai ^log vrdg; J 36. T413. ^318: avai, rof ganze Insel in goldenem Glänze erstrahlte. 
7}i;xofto? Tf'xs Ar]T(6; Hesiod Theog. 918: Ärixm Die Erzählung des homerischen Hymnus 
'AnöXlcovcc v.al "jQtsfiiv loxiaiqav — ysivar' blieb die Grundlage für die Darstellung der 
ag' atyL6%oLo Jiog cpdoxrjti, [iLysLaa; Scut. Here. delischen Göttergeburt auch bei den späteren 
478 yfrjroi'^/js; vgl. /iom. /M/»m. 3, 253. 321. 403. Dichtern und Mythographen, wenn auch mit 
513. 524. Artemis Tochter der Leto ^ 504. 40 mannigfacher Abweichung und Bereicherung 
ß603; vgl. E 447. Hes.Theog.91S). Im übrigen im Einzelnen. Eine durchaus eigenartige Re- 
kennt die Hias die Sage von Niobe (ß 602 ff.) produktion, zugleich der einzige uns erhaltene 
und die Odyssee jene vom Frevler Tityos {X 576 vollständige dichterische Bericht neben dem 
— 581). Unerwähnt sind dagegen in den Ge- des homerischen Hymnus, ist der Hymmcs des 
dichten Homers wie auch Hesiods Delos als Kallimaclios auf Delos. Im allgemeinen be- 
Geburtsort und überhaupt irgend welche nähere treffen die Veränderungen und Ergänzungen 
Umstände der Geburtssage. Diese finden ihre der Späteren folgende Punkte. Die Irrfahrt 
erste Darstellung im ersten /iO»iemc/iewJLpo??on- der Leto wird motiviert durch den eifersüch- 
hymnus. Weithin irrte die Göttin von Land tigen Zorn der Hera gegen alle, welche dem 
zu Land längs den Küsten und Eilanden des 50 Zeus Kinder gebären. Besonders aber zürnt 
ägäischen Meeres, einen Ort zu finden, wo sie sie der Leto, weil sie im Begriffe steht, einen 
gebären könne. Alle Länder und Inseln aber Sohn zu gebären, welchen Zeus mehr lieben 
weigerten sich, sie aufzunehmen, aus Furcht wird, als den Ares (Kallim. 55 — 58). Durch 
vor dem gewaltigen Sohne, welchen sie ge- ihre Wächter Ares und Iris läfst sie Leto ver- 
bären sollte. Endlich gelangte Leto nach folgen und allen Ländern verbieten, ihr Auf- 
Rheneia und richtete von hier aus ihre Bitte nähme zu gewähren. Nur Delos fürchtet den 
an Delos. Wenn die Insel einwilligte, das Zorn der Hera nicht, sondern ladet die von 
erste Heiligtum des künftigen Gottes zu tragen, Euboia herbeikommende Leto ein (Kallim. 60 
so werde sie reichen Gewinn finden. Delos ^200). Nach einer anderen Erzählung (Hygin. 
war hoch erfreut, fürchtete aber noch immer 60 Fab. 140) wird der Drache Python ausgesandt 
den gewaltigen Gott. Wenn dieser das Licht zur Verfolgung. Hera schwört, Leto solle nur 
der Welt erblickt habe, sagte es, werde er wohl gebären dürfen dort, wohin die Strahlen der 
sicher das unfruchtbare felsige Eiland ver- Sonne nicht reichen. Auf Befehl des Zeus 
schmähen und es mit dem Fufse weit ins trug Boreas sie fort zu Poseidon, welcher, 
Meer fortstofsen, um sich in einem anderen jenen Schwur beachtend, die Insel Ortygia mit 
Land niederzulassen, welches ihm besser ge- der Meeresflut, wie mit einem Dache, zudeckte, 
fallen werde als die Insel, die nur zum Aufent- So kann Leto, von Poseidon dorthin geführt, 
halt für Polypen und schwarze Robben tauge. endlich niederkommen. Python setzt seine 



1961 Leto (b. Hygin. etc.) Leto (und Delos) 1962 

Verfolgung auch nacla der Geburt fort, bis er am trat, um zu gebären, wurde sie mit vier Säulen 
vierten Tage auf der Stätte von Delphoi von dem an den Meeresgrund befestigt. Nach Kalli- 
KnabenApollonvom Arme der Mutter aus getötet machos (v. 30ff.) hatte Poseidon, mit dem Drei- 
wird (s. Sp. 1975, 51 tf.). Wir haben hier eine zack aufs Meer schlagend, die Insel zum Empor- 
Verquickung der Geburtssage mit der delphi- tauchen gebracht. Noch hiefs sie aber nicht 
sehen Legende vom Drachenkampf, wie sie zuerst Delos, sondern Asterie, und schwamm auf dem 
von Euripides {Iph.Taur.12bO) bezeugt ist Meere umher. Bei Pmdar (a. a. 0.) war Asterie 
(s. ApoUon Bd. 1 Sp. 428). Einflufs delphischer nicht der ältere Name, sondern der bei den 
Legende und der Hyperboreersage zeigt eine Göttern gebräuchliche, während die Menschen 
andere eigentümliche Version über die irrende lo Delos sagten. Delos wurde die Insel erst ge- 
Leto. Um sich vor Hera zu schützen, soll sie nannt, seitdem sie nach der Geburt des Gottes 
sich in eine Wölfin verwandelt haben und in in goldenem Glänze erstrahlte (Z'aZZiwi.v. 260 ff.), 
zwölf Tagen und Nächten aus dem Hyper- Die Sage von dem unstät umhertreibenden Ei- 
boreerlande nach Delos gelangt sein. Deshalb, land findet sich bei späteren Schriftstellern 
fügte man hinzu, werfen auch die Wölfinnen noch mehrfach wiederholt. Die Urquelle dieser 
seitdem an zwölf Tagen des Jahres {Aristoteles, sonderbaren Fabel scheint eine alte Deutung 
Tiergesch. 6,35 p. 580 A. Fhilostephanos fr. 32 des Namens JfjXos zu sein, deren Richtigkeit 
bei Schol. Apoll. Ehod. 2, 123. Antigonos von indessen wegen der dorischen Form Jalog zu 
Karystos, Mirah. 61. Allan, Tiergesch. 4, 4. bezweifeln ist. JPtcÄ;,yfjrZ. TFöVier&.* 69 und 456 
10, 26 mit Berufung: di^Xioi cpaatv, Plut. Qu. 20 bietet einen im Altindischen, Litauischen und 
Nat. 38). Die delphische Herkunft dieser Fabel mehreren germanischen Sprachen erhaltenen 
scheint dadurch bewiesen zu werden, dafs man indoeurop. Verbalstamm del- dele- 'schwanken', 
sich auf ein ehernes Wolfsbild in Delphoi als dessen starke Form im Griechischen öril- zu 
Zeugnis berief {Ael. a. a. 0. 10, 26). Anderer- lauten hätte. Eine verwandte Bedeutung geben 
seits berief man sich auf das homerische Epi- andere 'alte Namen', poetische Metaphrasen, 
theton des Apollon Ivnoysvr^g {II. J 101. 119), wieder, wie das erwähnte 'A-arsg-Lr}, die 'nicht 
wofür man auch Ivzrjysvi^g gelesen zu haben feste', 'OpT^ytr?, von dem allen indoeuropäischen 
scheint (vgl. Hesych. s.v.). So gewinnt es den Sprachen gemeinsamen Stamme vert- 'wenden' 
Anschein, als ob die Interpretation ' wolfs- 'drehen' (vgL als griechischen Vertreter fga- 
geboren' den eigentlichen Ausgangspunkt jener 30 Tava, ßQotzdvci). Die direkte Ableitung von 
ganzen Fabel gebildet habe. Andere freilich, oqtv^, um deren willen Serv. Aen. 3, 73 Leto 
wie die Schollen zur Ilias a. a. 0. (vgl. Etym. M. selbst als Wachtel nach Delos kommen läfst, 
767, 54 und Hesych. v. Ivurjysvrj) wollen jenes ist zurückzuweisen*), die Wachtel selbst ist 
Epitheton davon verstehen, dafs der Gott in von ihrem tummelnden Fluge benannt. Jener 
Lykien geboren war. So kannten die Lokali- etymologische Mythus, dafs Delos einst hin- 
sierung der Geburt in Lykien Hagnon {Schol. und herschwankend und nur durch ein gött- 
zur Jl. a. a. 0.) und der Delier Semos bei Steph. liches Wunder befestigt worden war, mufs 
By2. V. TsyvQcc. Mit Lykien setzt die Geburts- sehr alt sein, weit älter natürlich als Pindar, 
sage in eine gewisse Verbindung endlich die Dieses bezeugt die angeführte sprachliche That- 
Erzählung von der Verwandlung der lykischen 40 sache, der Reflex einer aus dem historischen 
Hirten oder Bauern {Anton. Lib. 35. Ooid Met. Griechisch ausgestorbenen Wortfamilie. — 
6, 313 ff.). Nach der Entbindung kam die Dergleichen etymologische Fabeln, in einer 
Göttin nach Lykien, damals noch Tremilia älteren Sprachperiode entstanden und deshalb 
genannt. Bei einem Quell oder Teich machte nur mit Hülfe der Sprachvergleichung erkenn- 
sie halt, um sich und die Kinder zu waschen bar, sind die Quelle von Hunderten von grie- 
oder um zu trinken. Hirten oder Bauern chischen Mythen gewesen, darunter einer Menge 
wehrten ihr das, worauf, nach Ovid, Leto er- der ehrwürdigsten, denen allen gegenüber die 
zürnt sie in Frösche verwandelte, l^äch Anton. übliche, die Dienste der Sprachwissenschaft 
Liberalis wandte sie sich, von Wölfen geführt, verschmähende Mythenerklärung ratlos gegen- 
nach dem Flusse Xanthos, badete dort, weihte 50 übersteht. Auf jenen Glauben ging auch die 
den Flufs dem Apollon, benannte nach den allgemeine Ansicht zurück, dafs Delos, nunmehr 
Wölfen das Land Lykien und kehrte nach gefestigt, von keinem Erdbeben gerührt werden 
jenem Quell zurück, um die Hirten durch könne, eine Meinung, welche freilich den That- 
Verwandlung in Frösche zu bestrafen. Aufser sachen gegenüber nicht standhielt {Herod. 6, 98. 
XvKoysvijg bereicherte noch ein anderer Bei- Thuk. 2, 8, 2. Macr. Sat. 3, 6, 7. Plin. 4, 66). 
name des Apollon seine Geburtsgeschichte um Nach einer abweichenden Tradition war die 
eine neue Fabel. Aus dem Kultnamen Ilxäo? Insel auf Befehl des Zeus hervorgetaucht 
— es soll auch eine Ärizoi Iltaa gegeben {Liban. narrat. 19 p. 1105). Endlich heifst es, 
haben — wurde ausgesponnen, während der dafs Leto Delos von Poseidon gegen Kalauria 
Geburt sei die Göttin von einem grofsen Eber 60 eingetauscht habe {Eph. fr. 59). 
erschreckt worden {Schol. LyJcophr. 265; vgl. 

Plut.Pel. 16), ein Wortspiel mit JItmo; undTcrosco. *) [Vgl. jedoch auch Stark in den Ber. d. Sachs. Ges. 

Eine andere Erweiterung des 'Mythus ging a- W'ss. i856 S. 32 ff. „Die Wachtet, Sterneninsel u. d. öi- 

die mit der Geburt des Apollon verbundenen *«""» '« -»«'•«'cÄe phönik. u. griech. Mythen^\ besonders 

Sohirksalp der Insel Dpi osan Phidnr (fr 87 ^- '^^*' '^^ ^'^^ ^''"'"^ "'^'^ ^""'"" ^ P' ^^^ '^^'' ^'»'='^^^0»« 

ÖCniCKsaie aer msei -UeiOS an. rmaayur- »'• geführt ist, dafs Delos Ortygia, d. h. Wachtelinsel, ge- 

S8BergJc) sang zuerst, dafs die Insel m ältesten ^^^^^ ^^^^^^ ^eü ^i^ Scharen dieser Tiere sich auf 

Zeiten von Wind und Wellen unstät umher- ihren weiten Flügen auf Delos niederzulassen pflegen. 

getrieben wurde. Seitdem aber Leto sie be- Koscher.] 



1963 Leto (und Delos) Leto (und Delos) 1964 

Die Versammlung der hülfreichen Göttinnen sten Heiligtümer von Delos lagen, der Apollon- 
um die gebärende Leto ist bei KaUimachos tempel, das ÄriTOiov und ElX^i^viaiov. In 
fortgelassen. Als Athen die Herrschaft über diesem Tempelbezirke wurden auch die drei 
die Insel besafs, tauchte, wohl nicht ohne heiligen Bäume gepflegt, die Palme, welche 
Tendenz, die Erfindung auf, Athena, die Pa- schon in der Odyssee (J162) erwähnt und von 
tronin Athens, habe Leto einst von Sunion Theophrastos {Pflanzengesch. 4, 13, 2) als Bei- 
hinüber nach Delos geleitet (Hyperid. Del. spiel eines langlebenden Baumes hervorgehoben 
fr. 70 Blafs; vgl. Aristid. 1 p. 26. 157 und das wird, der heilige Ölbaum und der Lorbeerbaum. 
ScJiol. dazu). Auch dafs man die Eileithyia Alle drei verdankten ihre Heilighaltung wohl 
herbeigeholt habe, dieser höchst ehrwürdige lo sicher ihrem immergrünen Laube. Dem Welken 
delische Mythus, ist von KaUimachos über- nicht ausgesetzt mufsten sie geeignet erschei- 
gangen. Dagegen stimmen bei ihm die vvii- nen, ihre lebenerhaltende Kraft bei den Reini- 
qpKt ^ijliddsg, die Töchter des Flufsgottes gungsceremonieen auch anderen Wesen mit- 
Inopos, während der Geburt ein Lied an die zuteilen. Die ätiologische Sage suchte den 
Eileithyia an (v. 256). Beide Versionen, die Grund ihrer Heiligkeit in demselben mythi- 
homeriscJie wie die kalUmacheische , fufsen auf sehen Ereignis, welchem alle Heiligtümer der 
Thatsachen des delischen Kultes. Eileithyia Insel ihre Entstehung verdanken, in der ApoUon- 
genofs bei den Deliern eine hervorragende geburt. An die Palme sollte, wie der home- 
Verehrung mit Opfern und einem von Jung- rische Hymnus (v. 117) und auch Theognis (v. 6) 
frauen gesungenen Hymnus, welchen die von 20 berichten, Leto während der Geburt sich an- 
Pausanias (8, 21, 3. 9, 27, 2) wiedergegebene geklammert haben. Andere setzten zur Palme 
Sage auf den Lykier Ölen zurückführte. Zu oder anstatt derselben den Ölbaum (J.eZiaw. «./f. 
Letos Wehen war aber diese Geburtshelferin 5, 4. Hygin. fah. 140. Catull. 34, 7), bei Euri- 
nach derselben Überlieferung {Paus. 1, 18, 5) pides finden wir entweder den Lorbeer genannt 
von den Hyperboreern (s. d.lgekommen, wie ihr (ifeÄ;. 458), oder Lorbeer und Palme {Ion 919), 
auch die ersten Opfer für deichte Geburt von oder alle drei Bäume {Ipli. Taur. 1102). 
den beiden hyperboreischen Jungfrauen Hy- Der wichtigste Nachtrag zum Mythus des 
peroche und Laodike (s. d.) dargebracht waren. homerischen Hymnus war indessen, dafs man die 
Hierbei erinnere man sich der Sage, dafs auch hier bei Seite stehende Geburt der Artemis 
Leto selbst von den Hyperboreern (s. d.) herkam. 30 mit der ihres Bruders vereinigte. Als Tochter 
Jener Hymnus des Jungfrauenchors an die der Leto kennt jene bereits das ältere Epos. 
Eileithyia sollte nun offenbar bei KaUimachos Hierin lag schon der Antrieb, sie in den Ge- 
mythisch begründet werden, während der ho- burtsmythus des Bruders einzufügen. Nach 
merische Hymnus, wie es scheint, überhaupt einer, wie es scheint, festen poetischen Tra- 
die Verehrung der Eileithyia auf Delos zu er- dition war der Geburtsort 'OQxvyirj benannt, 
klären im Auge hatte. Wir werden weiter Homer nennt zweimal (f 123. o404) ein solches 
unten sehen, dafs ihre Funktion mit der der Land, von off'enbar ganz unbestimmter Lage 
Leto eine gewisse Verwandtschaft hatte, wes- (vgl. a. a. 0. 'OQxvyiriq — oQ-i xQonal rjiXioio, 
halb die Verherrlichung und besondere Be- man erinnere sich der obenerwähnten Etymo- 
tonung der Geburtsumstände bei der Leto 40 logie von veri- 'wenden', ÖpTvyi'jj wäre also viel- 
wohl nicht zufällig war. Preller {Gr. Myth.^ leicht das Weudeland, wo die Sonne sich wendet). 
1, 192) hat die ansprechende Vermutung ge- Realität besafs dieser Name an drei Orten, der 
äufsert , dafs auch das Halsgeschmeide im syrakusischen Insel , einem Hain bei Ephesos 
homerischen Hymnus eine reale Existenz ge- und in einer Berggegend von Atollen (siehe 
habt, etwa das alte Bild der Eileithyia auf Artemis Bd. 1 Sp. 578). Aufserdem galt 'Oqxv- 
Delos ein ähnliches getragen habe. Wir fügen yCr] nach Zeugnissen, die freilich nicht älter 
hier ein, dafs der im homerischen Hymnus be- als die hellenistische Zeit sind, als alter (poe- 
richtete Zug, die Zurückhaltung der Eileithyia tischer?) Name von Delos. Dieser Tradition 
durch Hera und die dadurch erschwerte Geburt, haben wir keinen Grund zu mifstrauen. Man 
ein dichterisches .Vorbild in der Ilias T114flF. 50 bezog also den Geburtsort der Artemis — Or- 
hatte, wo eine ähnliche Geschichte von der tygie — entweder auf Delos oder auf Ephesos 
kreifsenden Alkmene erzählt ist. Die Zeugnisse für beides sind nicht alt, wenn 
Die genauere Örtlichkeit der Geburt war auch die Bezeugung von Delos bedeutend älter 
durch die Lage der delischen Heiligtümer vor- ist {Phanodemos bei Athen. 9 , 392 D. Kallim. 
geschrieben. An den Fufs des Kynthos ver- Hymn. Apoll. 59. Kpigr. 62. Apoll. Rhod.l,3b7; 
legt sie bereits der homerische Hymmis (v. 26 vgl. übrigens ^nstop/i.Fö(/fZ 870: Ärixoi oqxvyo- 
■ultv&staa Ttqbq Xvv&og OQog) und in dem der inqxqu). Im homerischen Hymnus (v. 16: tjjv 
Interpolation verdächtigen v. 18 in' 'ivmitoio (lev sv 'OQtvyir], xov 8s KQccvcxij ivl /iiqlcp) 
QsiQ'Qoig. Näher bezeichnet die Stelle Kalli- würde eine gewichtige Instanz gegen Delos 
machos (v. 206 flF.) als den Ort, wo der Inopos 60 entstehen, wenn nicht die betrefienden Verse 
aus dem Kynthos entspringt. In dem seines ver- der Interpolation aus dem orphischen Hymnus 34 
hältnismäfsig hohen Altertums wegen be- verdächtig wären. So wird es wahrscheinlich, 
merkenswerten Zeugnis des Theognis (5 — 7) dafs, wenn auch vielleicht nach einem alten 
wird noch angegeben Inl rgoxosiöh ^i'ftv??, an Dichterzeugnis der Geburtsort der Artemis 
demteichartigen, vom Inopos bei seinem Ausflufs 'OQxvyir] genannt war, dennoch ursprüng- 
gebildeten Bassin. Die Lokalisierung der Geburt lieh darunter kein anderer Ort als Delos ge- 
gerade an diesem Orte erklärt sich dadurch, meint war. Die Geburt der Artemis wurde 
dafs hier, am Fufse des Kynthos, die vornehm- in Delos auf den 6. Thargelion gesetzt, einen 



1 



1965 Leto (Sagen v. Tegyra, Zoster etc.) ' Leto (Eultorte) 1966 

Tag vor den Geburtstag ihres Bruders, sodafs süchtige auflauernde Hera abzuschrecken und 

sie noch imstande war, als Geburtshelferin der die Geburt, wie die der Leto Beistehenden zu 

Mutter beizustehen (s. Artemis Bd. 1 Sp. 578). verbergen. Zum Gedächtnis an dieses Ereig- 

Der Ruhm als Geburtsort des Apollon und nis fand jährlich eine Panegyris statt, mit 

der Artemis blieb Delos nicht unbestritten. prunkvollen Schmausereien verbunden. Im 

Die Geburtstage wurde noch an manchen an- ehemaligen Amtshause der Kureten (s. d.) 

deren Orten lokalisiert. In dem böotischen wurden dann ebenfalls Symposien und ge- 

Tegyra, wo noch vor den Perserkriegen ein wisse mystische Opfer aufgeführt {Str. 14, 639. 

apollinisches Orakel geblüht hatte, berief man 640; vgl. Tac. Ann. 3, 61). [Vgl. hinsichtlich 

sich auf den nahen Berg JfjXog und zwei Bäche, lo der allen diesen lokalen Geburtssagen zu Grunde 

^otvi^ und 'Eluia. Zwischen diesen beiden, liegenden Idee Boscher, Apollon und Mars 

nicht zwischen Palme und Ölbaum, nicht auf S. 36ff. Schreiber, Apollon PytJioktonos. Leii^zig 

der Insel, sondern auf dem Berge Delos sollte 1879 S. 46 u. 50 ff. und in Jahrb. f. kl. Philol. 

Leto niedergekommen sein (Flut. Pelop. 16. 1880 S. 685. Röscher.]. 

De defectu orac. 5. Steph. Byz. v. TsyvQcc). Verehrt wurde Leto meist gemeinsam mit 
Auf dem attischen Vorgebirge Zo^arriQ ver- ihren Kindern, auf diese Weise einen Drei- 
ehrten die Fischer von altersher Leto neben verein von Gottheiten bildend. Schwerlich 
Apollon und Artemis. Der Name des Ortes wird es ein Apollonheiligtum gegeben haben, 
liefs die Fabel erfinden, dafs Leto hier einst wo man nicht auch seiner Mutter Verehrung 
ihren Gürtel abgelegt habe, um zu gebären 20 zollte. Ausdrücklich bezeugt ist die gemein- 
{Paus. 1, 31, 1. Ehjtn. M. 414, 20. Steph. Byz. same Verehrung mit Apollon oder Artemis in 
V. Zwat^Q und Tsyvgcc. Hesych. v. Zcocrr/jp). Athen {C. I. A. 3,376 isgsta Ärjrovg Kai 'Aq- 
Auch einen kleinen See zeigte man, wie auf tbiiiSos. Demosth. in Mid. 52 p. 531). Auf dem 
Delos, in welchem Leto gebadet haben sollte. Vorgebirge Zoster opferten besonders die 
A.uf einen anderen unbestimmten, wohl atti- Fischer auf den Altären der drei Gottheiten 
sehen Geburtsort bezog sich die Erzählung {Paus. 1, 31, 1. Steph. Byz. s. v.), in Delion 
des Sokrates von Kos fr. 16: Leto legte ihre {Paus. 9, 20, 1 Statuen der Leto und Artemis), 
Kinder (auf dem Hymettos?) nieder. Sie wurden auf dem Berge Ptoon in Böotien {Schot LyJc. 
von Hunden geraubt und von Hirten der Mutter 365; vgl. Plut. Pelop. 16), in Tanagra {Paus. 
zurückgebracht. Diese Fabel ging vom Bei- 30 9, 22, 1 Tempel des Apollon, der Artemis und 
namen des hymettischen Apollon Ät;i'V£tos(s. d.) Leto), Delphoi (C /. G. 1688 Schwurformel 
'Hundsapollon' aus. Die Epitheta ApoUons im Amphiktyonengesetz «arci toü 'jTtöXXcovog 
Av-mtog, AvKoysvT^g oder AvKriy8vi]g führten den rov Uvd'iov ital tk? Aatovg xkI rag 'Agtafiizog, 
akademischen Philosophen Hagnon und andere Aeschin. Ctesiph. 108S. Jeder Frevler gegen das 
darauf, die Geburt nach Lykien zu verlegen Heiligtum -verfällt rä 'A. zä IJv&ioi KccVAgtsfiiöt 
{Schol. d 101. Semos bei Steph. Byz. v. Teyvga. Kai Ar]Tot v.al 'A^rjpa IJqovolcc, Bull. Corr. Hell. 
Etym. M. 767, 54. Hesych. v. Avurjysvfi). Ins- 5, 164 = Dittenberger, Syll. 233 Stieropfer an 
besondere galt in Lykien als Geburtsstätte des Apollon, Artemis, Leto), Abai {Paus. 10, 
Apollon und der Artemis die Stadt Araxa 33, 4 Tempel mit ehernen Standbildern der 
{Benndorf, Eeisen in Lykien S. 16). Von der Ge- 40 drei Gottheiten), Mantineia {Paus. 8, 9, 1 
burt des Apollon in Delphoi wufste Naevius Doppeltempel des Asklepios und der Leto mit 
bei Macrob. Sat. 6,5,8 sanctus Delphis pro- ihren Kindern, Kultbilder von Praxiteles), auf 
gnatus Pyihius Apollon. Als Ammen des Gottes dem Berge Lykone in Arkadien {Paus. 2,24, 5 
galten daselbst die weissagenden Nymphen ©ptat Tempel der Artemis Orthia mit Marmorbildern 
{Philoch. bei Zenob. 5, 75. C. Par. 1 p. 150). des Apollon, der Leto und Artemis, Polykleitos 
Auch am triphylischen Amphigeneia haftete zugeschrieben). Zahlreiche Inschriften bezeugen 
die Geburtssage {Steph. Byz. s.v.). Endlich die gemeinsame Verehrung auf Delos: Dedi- 
erhobdasberühmte Artemisheiligtum zu Ephe- kationen an Apollon, Artemis, Leto C. I. G. 
SOS den Anspruch, Geburtsstätte des Apollon 2280. 2282. 2284. Bull. Corr. Hell. 2, 399; 
und der Artemis gewesen zu sein. Durch- 50 3, 151. 156. 160. 161. 367. 373. 379. 381. 470; 
schnitten vom Flusse Kenchrios, in welchem 4, 217. 218; 6, 43. 44 (über die gemeinsamen 
Leto nach der Geburt gebadet haben sollte, Dedikationen im allgemeinen vgl. Homolle ebd. 
lag hier ein Hain, wie Delos Ortygia genannt. 6, 142). Weihgeschenke an Leto allein C. I. G. 
In einem Adyton dieses Haines hatte, nach 2283. B. C. Ä 6,29 (ein Siegelring mit Apollon- 
dem Glauben der Ephesier, die Geburt statt- bild). In einer Abrechnung wird aufgeführt 
gefunden. Auch ein heiliger Ölbaum wurde Holz für die Altäre von Apollon, Artemis, 
gezeigt, an den sich die Göttin gehalten oder Leto, Zeus Soter, Athena Soteira. [Mehrere 
unter dem sie nach der Geburt geruht hatte. Inschriften bezeugen die gemeinsame Ver- 
Ortygia, die Nymphe des Haines, hatte die ehrung von Artemis, Apollon und Leto für 
Neugeborenen gewartet. Man berief sich hier- 60 Euboia, 'Ecprjfi. ccqx- 1892 Sp. 154 nr. 41. 42. 
für auf das Kultbild der Leto, ein Werk des Sp. 157—158 nr. 52. Sp. 160 nr. 54. 55. Drexler.] 
Skopas, welches die Göttin ein Skeptron tragend Auf L e s b s sollte einst Achilleus den drei Gott- 
darstellte, neben ihr aber die Ortygia, auf heiten geopfert haben, um sich vom Morde des 
jedem Arm ein Kind haltend. Den Harn über- Thersites zu reinigen, wie in der Aithiopis er- 
ragte der Berg Solmissos, auf welchem während zählt war {Chrestom. des Proklos, Epic. Gr. Fr. 
der Geburt die Kureten (s. d.) gestanden und, ed. jfml'd p. 33). Dedikation^rjtoi Jprf'fit^taus 
wie bei der Geburt des Zeus, einen lärmenden Halikarnassos {B. C. H. 4, 398). Der König 
Waffentanz ausgeführt hatten, um die eifer- Seleukoa II. sendet Weihgeschenke an das 



1967 Leto (Kultorte) Leto (Kultorte) 1068 

Heiligtum des Apoll on von Didyma bei Milet, der angeblich in der Höhle befindlichen, das 
darunter eine Phiale an die Leto {C.I. G. 2852 Voropfer, sie (ivxicc benennend. Plutarch in 
= Diu. Syll. 170). In den Bundesverträgen seiner verlorenen, im Auszuge bei Eusehios, 
der Städte auf Kreta erscheint Leto mit ihren Praep. cvang. 3,84 erhaltenen Schrift über die 
Kindern als Schwurgöttin {Cauer,Del€ctus^ 116. platäische Dädalenfeier {Flut Mor. ed.. Dübner 
117. 121 = C. I. G. 2554. 2555). In Rom 5 S, 18) fügte noch mehrere Theologumena 
opferte man Apollo, Latona und Diana an hinzu: einige behaupten, ylrjTco Mv%ia oder 
den Saecularspielen auf dem Marsfelde {Zosim. Nvxi'a sei Hera selbst, d. h. die Erde, deren 
2, 5, 2). Bilder der drei Gottheiten standen Schatten die Nacht (Nvxi'cc) oder die Ver- 
neben einander im palatinischen Tempel des lo bergerin (At^tcö) sei u. dergl. m. Wir fügen 
Apollo {Prop. 2, 31), Latona ihre Kinder hinzu, dafs Panofka {Gemmen mit Inschriften 
tragend, ein Werk des Euphranor, im Con- Taf. 4 nr, 40; vgl. C.I. G. 7361 d) eine Wiener 
cordiatempel (Plin. 34,77), Marmorbilder der Gemme veröffentlicht hat, einen Hahn dar- 
Latona und Diana beim Porticus der Octavia stellend mit der Umschrift AETO MVXI[A]. 
{Plin. 36, 34). Der Hahn war nach Älian, Tiergesch. 4, 29 
Indessen fehlte es der Leto auch nicht an das Lieblingstier der Leto, weil er ihr beim 
eigenen Heiligtümern. Ein ./Itjtcöoi' gab es Gebären beigestanden hatte. Man glaubte 
aufDelos. Aristoteles, Etli. Eud. c.l p. 1214 A nämlich, dafs der Hahn überhaupt den Ge- 
überliefert den Spruch, der im Vorraum dieses bärenden zu einer leichten Geburt verhelfe. 
Tempels angebracht war. An dieses Letoon 20 Einen Tempel hatte die Leto auch in der 
knüpfte sich folgende Legende ((Sewos vow Z)eZos kretischen Stadt Phaistos, wo ihr die Be- 
/}•. 8 \)G\ Athen. 1^ p. 614 A): Parmeniskos, ein wohner unter dem Namen Äritm ^vrirj Opfer 
vornehmer und sehr reicher Mann aus Meta- brachten. Die mythologische Veranlassung war 
pontion, war in die Höhle des Trophonios nach der siebenzehnten Verwandlungsgeschichte 
hinabgefahren und vermochte seitdem nicht des Antoninus Liberalis, die er dem Nikandros 
mehr zu lachen. Das Orakel prophezeite, eine nacherzählt hat {Westermann, Mythogr. p.217), 
Mutter werde ihm das Lachen wiedergeben, folgende: Galateia, die Tochter des Eurytios, 
sie sollte er vorzüglich verehren. Lange konnte hatte in Phaistos Lampron, den Sohn des Pan- 
Parmeniskos die verheifsene Hülfe nirgends dion, geheiratet. Als sie schwanger wurde, 
finden, bis er einst nach Delos kam und in 30 erklärte Lampron, wenn das Kind nicht männ- 
den Tempel des Leto eintrat. Als er anstatt liehen Geschlechts sein werde, so werde er 
eines schönen Bildes der Göttin, welches er es töten. In Abwesenheit ihres Mannes gebar 
zu beschauen hoffte, wider Erwarten ein un- aber Galateia eine Tochter, welche sie, um 
schönes Holzbild vor sich sah, konnte er sie zu retten, als Knaben aufzog und Leukippos 
sich nicht enthalten, laut aufzulachen. Da er- nannte. Als nun das Kind zu einer schönen 
kannte er den Sinn des Orakels und ehrte die Jungfrau erwuchs und sein Geschlecht sich 
Mutter Leto auf grofsartige Weise. Auch in nicht mehr verheimlichen liefs, begab sich 
Argos gab es ein eigenes Letoon mit einem die Mutter voll Angst in den Tempel der 
von Praxiteles gefertigten Bilde. Neben diesem Leto und flehte zu dieser, sie möchte das 
stand ein Bild der Chloris, deren früherer Name 40 Mädchen in einen Jüngling verwandeln. Die 
Meliboia gewesen sein sollte und die man für Göttin gab dem inbrünstigen Flehen aus Mit- 
die einzige am Leben gebliebene Tochter der leid nach und vollzog die Verwandlung. Zur 
Niobe ausgab. Sie sollte nach der Legende Erinnerung daran, dafs die Leto der Jungfrau 
diesen Tempel gestiftet haben {Paus. 2, 21, 10). die männlichen Attribute hatte wachsen lassen 
Ein Heiligtum der Leto gab es ferner in dem (^ng t'q)vas fi^dea tf] ■hÖqtj), opferten nachher 
triphylischen Amphigeneia (fi^ra&on 8 p. 349. die Phaistier ihr als ^vzirj und nannten das 
Steph. Byz. v. 'A^cptysvsia) und bei der Stadt Opferfest 'E^iSvaia, weil das Mädchen nach 
Lete in Makedonien {Steph. Byz. y. Ar]T7]). In ihrer Verwandlung das Gewand ausgezogen 
einer merkwürdigen Verbindung mit dem Kulte hatte {s^söv). Vor jeder Hochzeit wurde es 
der Hera stand die Leto in Plataiai. Unter 50 aufserdem Brauch, dafs die Bräute vor dem 
dem Beinamen MvxCa oder Nvxicc galt sie Bilde des Leukippos schliefen, 
nämlich hier als Altar- und Tempelgenossin Die Erzählung des Antoninus Liberalis ist 
{b[ioßc6iiiog v.ai Gvvvuog) ihrer Nebenbuhlerin, von nicht geringem Wert für die Erkenntnis 
sodafs bei den Heraopfern an den Daidalen ihr des Wesens der Leto. Der Kultname ^vxia 
dasVoropfer gebracht wurde. Die mythologische 'die Zeugerin, Hervorbringerin' kann natürlich 
Begründung war folgende: Zeus hatte die nicht einer einzelnen Begebenheit entstammen, 
jugendliche , auf Euboia aufwachsende Hera sondern bringt offenbar eine allgemeine Funk- 
geraubt und sich mit ihr in einer Kluft {ßvxög) tion der Göttin zum Ausdruck. Diese Ver- 
des Kithairon verborgen. Die Erzieherin der mutung wird über jeden Zweifel erhoben durch 
Geraubten , die Nymphe Makris , kam auf der 60 die Anrufung Acitcö (isv doirj Jarco -novQOTQocpog 
Suche an diesen Ort und wollte in die Höhle vfifiLv sirs-nviav im theokritischen Hochzeits- 
eintreten. Der König Kithairon, welcher am Hede auf die Helena {Theokr. 18, 50). Diese 
Eingang Wache hielt, gab, um sie am Eintritt Worte lassen sicher voraussetzen, dafs Leto 
zu hindern, vor, Zeus habe sich dorthin mit nach verbreitetem Glauben als besondere Ge- 
seiner Gemahlin Leto zurückgezogen und dürfe währerin des Kindersegens galt, was sich mit 
auf keinen Fall gestört werden. So entkam jenem Kultnamen ^vzCa durchaus deckt. Be- 
Hera der Verfolgerin, und aus Dankbarkeit stand also darin eine der wichtigsten Funk- 
weihte sie ihrer mittelbaren Retterin Leto, tionen der Leto, so fällt auch ein gewisses 



1969 Leto (Bedeutung) Leto (Bedeutung) 1970 

Licht auf ihre im Mythus so stark hervor- sammenstellung mit Xri&(a, la.vQ-<xv(o, lateo ist 
gehobene Rolle als Mutter. Für den Kinder- aus sprachlichen Gründen für unmöglich er- 
segen entscheidend ist aufser einer fruchtbaren achtet worden {Curtius, Graz. d. gr. Etym.^ 120), 
Zeugung auch , dafs das Kind durch eine vielleicht mit Unrecht. Sachlich hat sie nicht 
schnelle und glückliche Geburt gesund und die geringste Stütze, es sei denn der übrigens 
lebend zur Welt kommt. Nicht ohne Grund selbst noch aufzuklärende Name Nvxca. Diese 
war deshalb im delischen Kult und Mythus Form ist offenbar eine rein lautliche Variante 
die Eileithyia zu Leto in nahe Beziehung ge- zuMvxia, kann also schwerlich die 'Nächtliche' 
setzt, die 'Beschleunigerin des Kreifsens', wie bedeuten. Altere Etymologen als PZ^terc/i waren 
sich das Wort EllsC%-via unschwer erklären lo Plato {Kratylos p. 406 A) und Aristoteles bei 
läfst (aus *d'viu zu Q'äco, ^oög, &oät,(o, &va> Tzetzes zu o;9. Ersterer erklärte Arixa gleich- 
'in schnelle Bewegung setzen' und *sllia- sam für Jfi?j'9'aj von ilstog 'sanft, milde', dieser, 
'Windung, drehende Bewegung' zu iXla, ilvy- wie auch Plato an zweiter Stelle und Aristarch, 
yvg, silvco, siliaaa u. s. w.). Der Stillstand von Xä 'wollen', die allen Bitten gegenüber 
der kreifsenden Bewegungen der Gebärerin ist Willige. In neuerer Zeit hat Döderlein, Homer. 
die häufigste Ursache der Totgeburten. Neben Gloss. nr. 96 die Herleitung von aXdofiai, dXr'i- 
der Eileithyia, deren Erscheinen auf Delos die xrjg u. s. w. vorgeschlagen, mit Berufung auf 
vorbildliche Geburt beschleunigt, läfst der das berühmte Umherirren der Leto. Indessen 
Mythus auch die Geburtshelferin Artemis zum erscheint die Etymologie nach den Gegen- 
ersten Male hier in Thätigkeit treten. Als 20 gründen Schweizer - Sidlers , Kulms Z. 2, 68 
ein ähnliches hülfreiches Wesen ist auch die lautlich unhaltbar. Wir vermuten, dafs der 
ephesische Gefährtin der Leto, die 'OQxvylri Name A-i^rd, als einer Gewährerin des Kinder- 
(' Dreherin'), anzusehen. Das Lieblingstier segens, mit dem indoeuropäischen Thema le 
der Göttin ist endlich der Hahn, welcher nach zusammenhängt, welches u. a. durch skr. lä 
dem Volksglauben leichte Geburten bewirkte. und rä geben, gewähren, überlassen, asl. leti, 
Auf den Geburtsakt sollten vielleicht auch die jesti es steht frei, got. letan, lit. leidmi lassen, 
phaistischen Opfer 'E%8vGLa, die 'Herausziehe- lat. lassus, gr. Xdtgov, vielleicht auch Xiftov, 
Opfer', einwirken. Welche Beziehung der an- vertreten ist und von i'^zcA^TFöV^er^.'' 1, 120. 539 
drogyne Leukippos, dessen Bild (aycAfia) offen- unter die allgemeine Bedeutung 'geben, ge- 
bar im Heiligtum der Leto stand, zu ihr und 30 währen, überlassen [freilassen]' gebracht ist. 
welchen Zweck der Brautschlaf vor diesem Es ist natürlich, dafs die Göttin, zu welcher 
hatte , läfst sich natürlich schwer enträtseln. man um die Gewährung ehelicher Nachkommen- 
Man sollte meinen, dafs es sich um ein In- schaft flehte, nicht immer den erbetenen Segen 
kubationsorakel handelte und dafs somit Asv%- spendete, sondern im Gegenteil auch die Ur- 
irniog (der 'Erleuchter' mit gleichem Suffix heberin von Kinderlosigkeit werden konnte, 
wie Säv&i.Ttnog, Kvvinnog), der Sohn des 'Er- Von dieser verderblichen Seite zeigte sie sich 
leuchters' Aüfingcov, ein prophetisches Wesen z. B. in dem berühmten Mythus von der Niobe, 
war wie Teiresias, der ebenfalls androgyne welche sie der Kinder beraubt. Auch eheliche 
Weissager. Hing es von dem doppelgeschlech- Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten mögen ihr 
tigen Propheten der Leto ab, den Bräuten zu 40 zugeschrieben worden sein. Im Kult von Argos 
verkünden, ob sie Knaben oder Mädchen em- erscheint au ihrer Seite eine Dienerin oder 
j)fangen würden? Erschien er ihnen vielleicht Gefährtin XXcogig, die Gelbe oder Blasse, auch 
im Traume je nachdem als Mann oder Weib? MsXißoia genannt. Letzteres war auch eine 
Inkubationen mögen einst auch in anderen Bezeichnung der Zerstörerin Persephone. Wir 
Heiligtümern der Leto üblich gewesen sein. denken an jxt'iaog, was mit ccXalg, fiärcciog er- 
Aus ihnen erklärt sich ungesucht der Name klärt wird und *ßoi- die vorauszusetzende Ab- 
ihrer Mutter 0oißrj, ein durchaus mantischer lautung zu (3t- leben. Diese Nebengestalt der 
Name, und ihres Vaters, des 'Schläfers' KoLog. Leto wäre also ein Wesen, welches das Leben 
Diesem wenigen, was sich etwa über die vergeblich, nichtig machte. Nun kehrt genau 
Funktionen und das ursprüngliche Wesen der 50 die gleiche Wurzelvariation, wie in MvxCcc und 
Göttin Leto ausmachen läfst, widerstreitet die Nvxia im lateinischen mug-inor nehennug-ae 
übliche moderne Deutung, die, wie viele ihres- wieder. Wir dürfen also wohl in jenen alten 
gleichen, von einem wenig vertrauenswürdigen griechischen Worten, wie in den lateinischen, 
Autor des späteren Altertums mit leichter Hand den Begriff des nichtigen, fruchtlosen Thuns 
in Umlauf gebracht, vermöge des Trägheits- voraussetzen, wie er auch in skr. mogha 'ver- 
gesetzes aus einem modernen Handbuch der geblich' und muh 'irre werden, fehlgehen, 
Mythologie ins andere, von Natalis Comes bis mifsraten, fehlschlagen' hervortritt. Kenn- 
Preller, herüberwandert. Wir meinen die Her- zeichneten also jene Namen die Leto wahr- 
leitung des Namens Arjxco von Xri^co, Xavd-ccvm scheinlich als die Verursacherin von fehl- 
und, was sich daran knüpft, ihre Deutung als 60 gehender Zeugung und Geburt, so konnten 
die Verborgene, Dunkele oder die Verbergerin, sie vermutlich in einer anderen Auslegung 
die Nacht. Diese Deutung erscheint zuerst auch die 'Fehlgehende, Irrende' bezeichnen, 
bei Plutarch, Daid. c. 3. 4, der sich auf den Hieraus denken wir uns die Erzählung von 
Kultnamen Nvxtu beruft. Neuere Mythologen dem vergeblichen Irren der Leto entstanden, 
sehen meistens im Letomythus den feierlichen ein Zug, welcher sonst jeder verständlichen 
Gedanken ausgedrückt, dafs die Nacht das Motivierung entbehrt. 

Licht gebiert (vgl. iVatoZ. C7owes 3,17. Welcker, Die griechische Göttin Leto ist, wie wir 

Gr. G. 1, 513. Preller, Gr. M.^ 1, 191). Die Zu- zum Schlufs erwähnen, im Auslande mehreren 



1971 Leto in der Kunst Leto in der Kunst 1972 

Fremdgottlieiten angeglichen worden. Herodot wenig Gelegenheit gehabt, die Göttin ge- 
2, 155 ff. bezeichnete bereits mit Jtjtco eine trennt von ihren Kindern oder aufserhalb eines 
ägyptische Göttin, welche in der Stadt gröfseren Göttervereines darzustellen. In der 
Bovt(6 , von anderen Autoren ÄTqtovQ nolig älteren Zeit ist das „formlose" Holzbild des 
genannt, an der sebennitischen Nilmündung delischen Letoons das einzige ausdrücklich er- 
einen Tempel mit einem Orakel besafs. (Vgl. wähnte Beispiel {Semos fr. S) ; ein ähnlich pri- 
Bruffsch, JRel. u. BlytJi. d. Ägypt. 326 ff.) Auch mitives wird man sich auf Grund von Strabon 
Apollon fand sich daselbst im Koros, Artemis 14 p. 640 im ephesischen Ortygia zu denken 
in der Bubastis wieder. Da beide als Kinder haben; sonst sind nur aus dem 4. Jahrhundert, 
des Osiris (Dionysos) und der Isis (Demeter) lo dem die meisten Letodarstellungen namhafter 
galten, so konnte Leto hier in Ägypten nicht Künstler angehören, zwei sichere Einzelbilder 
Mutter beider sein. Man betrachtete sie als bekannt: das von Praxiteles gearbeitete Kult- 
ihre Amme (Herod. 2, 156. Plut Is. Osir. 38. bild im Letoon von Argos (Paus. 2, 21, 9) und 
Strahon 17, 802 u. a. ; siehe Buto). Auch auf ein später nach Rom gebrachtes Werk seines 
ägyptisch - griechischen Inschriften wird die Sohnes Kephisodotos (Plin. 36,24), das wohl 
Leto genannt, G. I. G. 4700, die Sphinx als aus Attika stammte, übrigens aus einer Gruppe 
jrpd(77roXosderLeto,ebd. 5039, auf einerin Nubien herausgerissen sein konnte. Das praxitelische 
gefundenen Inschrift ist Leto Mutter des viel- Werk wird uns veranschaulicht durch verschie- 
namigen Gottes Mandulis, Der ägyptischen dene Münzbilder von Argos (Imhoof- Gardner, 
Leto war das Ichneumon heilig {Allan, Tier- 20 Journ. ofHeU.Stud.ß S. 87 mit Taf. K36— 38), 
geschidite 10,47) [welches sich auf den Münzen deren eines {a,hgeh. Overbeck, Plastik 2* S. 44a) 
des Nomos Letopolites dargestellt findet, J. de das Bild in eine Tempelfa9ade setzt und damit 
Bouge, Monn. _ des nomes de l'Egypte p. 66. als Nachbildung eines Kultbildes sichert. Die 
Feuardent, L'Egypte anc. 2 p. 327 f. St. Poole, nicht in allen Zügen übereinstimmenden Typen 
Cat. of the coins of Alexandria and tlie nomes lassen mit Sicherheit folgendes erschliefsen. 
p. 345. Drexler.] ; von ihrer Verwandlung in Die Göttin, im Schmucke langer Locken und, 
eine Spitzmaus {pivyalri) berichtet Antoninus wie es scheint, unbedeckten Hauptes, trug 
Liberalis 28. Weit verbreitet war der Name einen Chiton mit gegürtetem Überschlag; den 
der Leto als hellenistische Benennung einer rechten Arm erhebend (mit Fächer oder Scep- 
grofsen Göttin bei den Völkern Kleinasiens. 30 ter?), den linken Unterarm leicht aufgestützt, 
Sie wurde als 'Mutter' angerufen, anstatt der stand sie in der schönen, schwungvollen Hal- 
Leto häufig auch der Artemis gleichgesetzt. tung da, die Praxiteles seinen Gestalten zu 
Als ihr Sohn und Kultgenosse erscheint ein geben liebte, und blickte herab zu der ver- 
einheimischer, dem Apollon gleichgesetzter mutlich aufblickenden Chloris, durch deren 
Gott, in Dionysopolis am Mäander und Um- Figur zugleich die Stütze des 1. Armes der 
gegend als 'Ati61X(ov, JaiQfisvog oder AuLgßevog Göttin fast ganz verdeckt war. Die Kompo- 
(s. d.) bezeichnet, auch Men, Sozon, Sabazios sition spricht für Marmor, 
genannt {Hogarth, Apollo Lernienus, Journ. of FürMegara arbeitete Praxiteles eine Gruppe 
Hell. Stud. 1887 p. 376 ff. Bamsay, Artemis- der ,,Leto und ihrer Kinder", die neben der 
Leto and Apollo Lairbenos, ebd. 1889 p. 2 16 ff.). 40 Kultgruppe derselben Gottheiten im Tempel 
Die Verehrungsstätten der Artemis-Leto reichen des Apollon Prostaterios stand (Paus. 1,44, 2); 
von Perga an der pamphylischen Küste bis die Beschreibung ('jTcökXcov . . . &£ag a^tog 
Dionysopolis und Satala im Norden und Ephe- nat "jQTs^ig xat Arjrco, kkI aXXa ayccXfiard ioxi 
SOS im Westen (eine vollständige Topographie 7Tpa|irf'iovs noiriGuvxog Aritco ■nul oi naiSsg) 
dieses Kultes hat Bamsay in dem Aufsatz läfst die Möglichkeit offen, dafs im Gegensatz 
Antiq. of S. Phrygia im Amer. Journ. Arch. zu den nur äufserlich verbundenen drei Kult- 
1887 gegeben). Selbst der ephesische Kult statuen das praxitelische Werk Mutter und 
der Artemis war zweifellos ein frühzeitig hei- Kinder in innigerer Wechselbeziehung, etwa 
lenisierter asiatischer Dienst. Der frühen Kultur- die neugeborenen Kinder auf den Armen der 
Verbindung mit den Helleneu verdankte auch 50 Leto, darstellte. So würde die Gruppe an die 
Lykien den Namen des Apollon und der Leto skopasische in Ephesos erinnern, wo Leto sich 
An der Küste gegenüber Rhodos nennt Stra- feierlich auf das Scepter stützte, während Or- 
bon 14, 651. 652 zweimal einen Letohain {Ar]- tygia als Wärterin die Kinder auf den Armen 
räov aXaog). Am Flusse Xanthos in der Nähe hielt {Strab. 14 p. 640), eine anscheinend wenig 
der gleichnamigen Stadt war ein berühmtes glückliche Komposition, die sich wohl so er- 
Letoon (Strabon 14, 666). Die lykische Leto klärt, dafs die von Strabon erwähnten alten 
war eine Beschützerin der Gräber, jeder Schä- Kultbilder wenigstens in der Gesamtanlage für 
diger wird für sündig vor Leto erklärt oder die jüngeren mafsgebend blieben, 
mit ihrer Rache bedroht, auf Inschriften von Sonst finden wir die kleinen Kinder auf den 
Pinara ((7. /. (?. 4256), Patara (4300 h) und Myra 60 Armen der Leto in einigen interessanten Dar- 
(4303. 4303 e**). Stellungen der einzigen Scene, in der die Mutter, 

Die Mythen von Niobe und Tityos sind in wenn nicht dem Gedanken nach, so doch ma- 

besonderen Artikeln behandelt, die zu ver- teriell die Hauptperson ist, der Erlegung 

gleichen sind. Vgl. auch Letun. [Enmann.] des Python durch den kleinen Apollon oder 

. beide Geschwister. Die frühesten Darstellungen 

Leto in der Kunst. dieses Mythos begegnen uns etwa gleichzeitig 

Wie wir von selbständigen Heiligtümern in einem streng -rottigurigen Vasenbild (Abb. 1) 

der Leto selten hören, so hat auch die Kunst das nur aus einer Tischbeinschen Zeichnung be- 



1973 



Leto in dei' Kunst 



Leto in der Kunst 



1974 



kannt ist (oft abgebildet, z. B. Lenormant-de 
Wüte, El. ceramogr. 2, 1. Müller- Wieseler 2, 13, 
144), auf einer s.-f. Lekythos {El ceram. 2, 1 A), 




1) Leto mit den Zwillingen flieht vor dem Python (rotfig. 
Vasenbild nach Müller- Wieseler, Denkm. 2, 13, 144.) 

jenes verwahrlosten Stils, den die im mara- 
thonisclien Soros entdeckten aufweisen, und 
einer flüchtigen r.-f. Lekythos (Berlin 2212; 



30 




40 



50 



60 



2) Marmorstatuette im Museo Torlonia (nach 
Overbeck, Plastik 2* S. 117, Fig. 172 a). 

abgeb. OverbeeJc, Eunstmyth. Äpollon S. 378). 
Ersteres zeigt Leto fliehend, während sie im 
s.-f. Bild dem Drachen zugewandt steht, auf 



der r.-f. Lekythos ihm sogar entgegeneilt; 
man wird darnach annehmen dürfen, dafs die 
Lekytboi einen noch im 6. Jahrhundert erfun- 
denen Typus wiederholen bezw. abwandeln, 
während uns in dem Tiachbeinschen Bild 
eine neue, viel geschicktere Ei-findung des 
5. Jahrhunderts entgegentritt. Von beson- 
derer Wichtigkeit ist es, dafs der neue 
Typus auch in einem statuarischen Werke 
wiederkehrt, einer vielleicht bronzenen Sta- 
tuette, von der uns zwei Marmorkopieen 
erhalten sind, eine leidlich ergänzte, die den 
Eindruck des Originals in den Hauptzügen 
zur Geltung bringen mag, dafür aber sti- 
listischer Treue entbehrt, und eine uner- 
gänzt gebliebene, die etwa auf der Stilstufe 
der olympischen Griebelskulpturen steht, beide 
publiciert von Schreiber, Äpollon PythoJctonos 
Taf. 1, der unter Zustimmung von Overbeck 
{Plastik 2^ S. 87. Kunstmyth. Äpollon S. 371 
und noch Plastik 2* S. 117) diese Werke auf 
die Latona puerpera des Euphranor zurück- 
führen wollte. Dafs das unmöglich ist, hat 
neuerdings Beisch ausgeführt (Ein vermeintl. 
Werk des Euphranor im Festgrufs aus Inns- 
bruck an die Wien. 
Philologenversamml.) , 
dessen eigene These, 
dafs eine in Delphi 
angeblich genau auf 
dem Schauplatz des 
mythischen Vorgangs 
aufgestellte Erzfigur 
{Klearch von Soloi, F. 
H. Gr. 2 fr. 318) das 
Original der beiden 
marmornen sei, sehr 
ansprechend , aber 
doch nicht genügend 
begründet ist. Jenes 
frisch erfundene, wohl 

etwas derbe Werk des 5. Jahrhunderts ist 
in der Kaiserzeit wieder zu Ehren gekommen, 
indem sein Typus für Münzen verschiedener 
kleinasiatischer Kultstätten der Letoiden und 
ihrer Mutter verwendet wurde; vgl. Schreiber, 
Äpollon Pythokt. S. 79 ff. mit Taf. 2 und 
Overbeck, Äpollon S. 373 f. mit Münztafel 5, 
17 — 20; auch auf einem Grabstein des Museo 
Chiaramonti ( abgebildet Müller - Wieseler 2, 
880) kehrt der alte Typus wieder, und von 
einem Terracottahochrelief gleichen Gegen- 
standes und gleicher Komposition hat sich 
der auf der 1. Hand der Mutter sitzende Äpol- 
lon (ohne Kopf, h. 0,41) erhalten (Museum von 
Arezzo). Die 'Latona puerpera Apollinem et 
Dianam infantis sustinens' des Euphranor, die 
nach Rom in den Tempel der Concordia ge- 
bracht worden war, jenem Werk des 5. Jahr- 
hunderts verwandt zu denken, liegt kein Grund 
vor, wahrscheinlicher {Beisch S. 30 ff.) stand die 
Göttin, mit den Kindern auf den Armen, ruhig 
da. Vereinzelt steht in der hellenistischen 
Epoche (Mitte des 2. Jahrhunderts) das kyzi- 
kenische Stylopinakion {Änth. 3,7), das ebenso 
wie ein etruskischer Spiegel {Gerhard, Spiegel 
4, 291 A) beide Geschwister das Ungeheuer 
erschiefsen läfst. Ein Relief von Gelduba am 




3) Münze von Ephesos, ge- 
prägt unter Hadrian (nach 
Overbeck, Plastik 2* S. 117 
Fig. 172 b). 



1975 



Leto in der Kunst 



Leto in der Kunst 



1976 



Rhein (in Berlin; Schreiber S. 94) kann nicht 
mit Sicherheit auf Leto bezogen werden; doch 
stammt gewifs aus einer Letodarstellung, die 
der von Klearch berichteten Version und damit 
dem delphischen Bronzewerk folgte, der be- 
sondere Zug, dafs die vom Drachen bedrohte 
Göttin auf einem Steine steht. 

Die wenigen Darstellungen der von Ti- 
tyos bedrohten und von Apollon oder von 



für schwer denkbar hält {Jahrb. a.a.O. S, 221 
Anm. 6). Im rechten Drittel desselben Reliefs 
ist, im einzelnen nicht ganz klar, dargestellt, 
wie Iris die Hülfe der Eileithyia anruft, wäh- 
hrend in der Mittelscene die feierlich gewan- 
dete, sceptertragende Leto in Gegenwart der 
Athena das Zwillingspaar dem Vater vorführt. 
Weitaus die häufigsten, wenn auch, mit 
wenigen Ausnahmen, nicht die charakteristisch- 



diesem im Verein mit Artemis gerächten Leto lo sten Letodarstellungen zeigen die Göttin im 



werden unter Tityos besprochen werden. 

Aus späten Monumenten ersehen wir, dafs 
auch die irrende Leto, die dank der Hülfe 
des Poseidon endlich Unterkunft findet, dar- 
gestellt worden ist, schwerlich allerdings vor 
der hellenistischen Zeit. Ein Mosaik von Portus 
Magnus in Algier {Jahrb. d. Inst. 5 Taf. 5 und 



Dreiverein mit Apollon und Artemis, 
Vor allem sind dies eine grofse Anzahl s.-f. 
Vasenbilder, in denen Leto ohne besondere 
Kennzeichen erscheint, von gewöhnlichen Füll- 
figuren also nicht zu unterscheiden wäre, wenn 
nicht die Nachbarschaft ihrer Kinder die Be- 
nennung sicherte. Eine Aufzählang solcher 
Bilder ist zwecklos; es genügt auf die 
Kataloge der gröfseren Sammlungen zu 
verweisen und als inschriftlich gesicher- 
tes Beispiel das Vasenbild mit dem 
Lieblingsnamen Pasikles (Würzburg 3, 
85 ; Klein, Vasen mit Lieblingsinschriften 
S. 19; abgeb. Gerhard, A. V. 1, 25. El 
ceram. 2, 23 B) und Ä. V. 20. 21. El. 
ceram. 2, 50 (Leto vor dem Wagen, den 
Apollon besteigt) zu nennen. Die ein- 
zigen charakteristischen Züge, die schon 
in diesen allgemein gehaltenen Typen 
auftauchen, sind das schleierartig um- 
genommene Himation {A. V. 1, 26. El. 
ceram. 2, 27. A. V. 1, 20/21), und die 
stattliche Krone (^. F. 1, 25. El. ceram. 
2, 36 B), und diese beiden Züge sind es, 
die von der neuen r.-f. Technik über- 
nommen und weitergebildet werden: die 
Krone wird zum einfacheren, manch- 
mal mit Zacken verzierten Reif {A. 
V. 1, 28 [nicht unverdächtig]; vgl. 
die Tityosbilder Overbeclc, Atlas 23, 
3—5. 6. 7), das über den Hinterkopf 
gezogene Himation wird auch durch 
einen besonderen Schleier ersetzt {A. 
V. 1, 28 und unter den angeführten 
Tityosbildern 7). Vereinzelte Attribute 
sind daneben Zweig und Schale {El. 
ceram. 2,24. 26. 36. 36 A. Mon. d. Inst. 
9, 17) oder Kanne {El. ceram. 2, 33. 34). 
In der jüngeren Vasenmalerei wird Leto 
S. 216) zeigt in schlagender Übereinstimmung 50 auch in diesem engeren Kreise immer mehr 







4) Leto mit Apollou und Artemis, Weihrelief des Sohnes des 
Bakehios (nach Overbeck, Atlas 20, 16). 



mit Hygin fab. 140 (s. Sp. 1960) den mit dem 
1. Bein niederknieenden geflügelten Boreas, von 
dessen Schultei-n Leto zu der schwimmenden 
Ortygia, die jener den 1. Arm hinstreckt, herab- 
steigen soll, während Poseidon mit dem Drei- 
zack die Pythonschlange bedroht. Durch diese 
von liobert a. a. 0. ausgeführte Deutung wird 
auch die von demselben Gelehrten gegebene 
Erklärung eines Sarkophagdeckelreliefs in Villa 



Nebenfigur; Erwähnung verdient Berlin 2641. 
EI. ceram. 2, 44. In der grofsen Kunst hören wir 
von Darstellungen dieses Dreivereins im 6. und 
5. Jahrhundert wenig Sicheres; doch wird man 
die von den Thessalern nach Abai geweihten 
Bilder {Herod. 8, 27) mit den oq&cc dyalfiara 
bei Pausanias 10, 13,7 gleichsetzen {Yg\. Sauer, 
Statuar. Gruppe Anm. 105 und über die Zeit 
der Weihung ebd. Anm. 03) und die Gold- 



Borghese bestätigt (abgeb. Arch. Zeit. 1869 co elfenbeinbilder im Heraion zu Olympia {Paus. 



Taf. 16. Robert, Hermes 22 S. 460ff.), aller- 
dings nur, wenn man auch dort die von dem 
Riesen getragene voUgewandete Figur Leto, 
das fast unbekleidete, schreitende Weib, nach 
dem jene bittend die Hände ausstreckt, Or- 
tygia nennt, was Robert, hauptsächlich weil 
der Riese hier ungeflügelt erscheint, also eher 
ein Meerwesen als einen Windgott vorstelle. 



4, 17, 3) als ursprünglich zusammengehörige 
Werke spätestens des 5. Jahrhunderts {ig xä 
ixdliata dQxccia, Paus.) betrachten dürfen, die 
bei der neuen Aufstellung im Heraion wie 
andere lose verbundene altertümliche Figuren- 
komplexe auseinandergerissen wurden. In die 
zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts gehört die 
östliche Giebelgruppe des delphischen Apollon- 



1977 Leto in der Kunst Leto in der Kunst 1978 

tempels, in der Praxias, ein Schüler des Ka- Gattung von Darstellungen des göttlichen Drei- 
lamis, Artemis, Leto, Apollon und die Musen Vereines: die Kitharödenreliefe (Ofer&ec/.-^Z'wwsf- 
darstellte (Paus. 10, 19,4). Aus derselben oder myth. Apollon S. 259 ff.). Auf die Frage, wann 
nur wenig späterer Zeit sind einige Weihreliefe das Vorbild dieser stilmischenden Monumente 
erhalten, die Leto mit ihren Kindern darstellen, entstanden sei, ist eine befriedigende Antwort 
das vom Sohne eines Bakchios geweihte (s. bisher nicht gegeben; jedenfalls scheint die 
Abb. 4), dessen Letofigur allerdings keine freie Annahme ausgeschlossen , dafs die wesent- 
Schöpfung ist, sondern sich an Demetertypen liehen Züge der Darstellung in einem archa- 
(vgl. das grofse eleusinische Relief, Schöne, Gr. ischen Bildwerke gegeben gewesen und nur 
jReliefs 57, Münclien Ghjpt. 85) anlehnt, ein lo nach, hellenistischem oder römischem Zeit- 
jüngst nach Dresden gelangtes „kitharodisches" geschmack umgebildet worden seien {Eeisch, 
Relief ,, (J./-c/a. Am. 1894 S. 26), von dessen Gr. Weiligescli. S. 26 f. Herrmann, Arch. Anz. 
Leto Ähnliches zu gelten scheint, und das 1894 S. 27). Vielmehr ist im Anschlufs an ar- 
jüngere Baraccosche, in dem Leto ganz schlicht chaische Prozessionsdarstellungen und mit Be- 
imd schmucklos erscheint, wie sie, neben ihren nutzung der archaistischen Modetypen eine neue, 
stehenden Kindern auf einem Felsen (schwer- relativ selbständige Kompositiongeschaffen wor- 
lich Omphalos) sitzend, das Gebet der Weihen- den, deren Göttergestalten innerlich jenen des 
den anhört, CoZZeci. jBaracco Taf. 50; S.41 (^JSa- 4. Jahrhunderts verwandt waren. So vertritt 
racco). Bedeutende Darstellungen des Apollon auch die Leto dieser Reliefe, eine feierliche 
mit Mutter und Schwester mufs die Kunst des 20 Gestalt in hochgegürtetem Chiton mit Diploi- 
4. Jahrhunderts geschaffen haben. Praxiteles, dion, mit schleierähnlich verwendetem Hima- 
und zwar sicher der jüngere (vgl. jetzt Over- tion, Krone und Scepter — die langen Schulter- 
leek, Plastik 2'* S. 61), schuf die Kultgruppe locken sind ein archaisierender Zug — ,dieTypik 
im Letoon zu Mantineia, Leto zwischen ihren der Letobilder des 4. Jahrhunderts, mit denen 
hier gewifs erwachsenen Kindern {Paus. 8, 9, 1), die Gestaltung des Ideals dieser Göttin im 
und das schon erwähnte Weihgeschenk, eine wesentlichen vollendet war. — Zwei etrus- 
Gruppe der Leto mit ihren (kleinen oder er- kische Werke, die Townleysche Ciste {Ger- 
wachsenen?) Kindern im Tempel des Apollon liard, Spiegel 1, 15/16: Leto legt die R. auf 
Prostaterios zu Megara. Von Polyklet, wahr- Apollons Schulter) und ein Spiegel {Gerhard 
scheinlich dem jüngeren, war die Marmor- so 1, 77: Letun (s. d.) in derselben Haltung, aber 
gruppe der drei Gottheiten auf dem Berge etruskischem Geschmack zuliebe mit nacktem 
Lykone bei Tegea {Paus. 2, 24, 5). Die Leto Oberkörper) knüpfen an Letotypen des 5. oder 
des jüngeren Kephisodot, die mit dem Apollon 4. Jahrhunderts an. 

des Skopas und der Artemis des Timotheos Auch sonst erscheint Leto oft mit ihren 
in dem von Augustus gegründeten palatini- Kindern vereint als Zeugin ihrer Thaten. In 
sehen Apollotempel stand {Plin. 36, 24. Prop. erster Linie kommen hier die Darstellungen 
3, 28, 15f.), stammte gewifs aus Attika, ob aus der Niobesage in Betracht, deren älteste 
einer Gruppe, bleibt ungewifs. Unbekannt sind ein s.-f. attisches Vasenbild {Ant. Benlcm. l, 22. 
Künstler und Entstehungszeit der Gruppe von Löschcke, Jahrb. 2 S. 275) ist. In den Niobiden- 
Delion (Paws. 9, 20, 1; Apollon ist nicht ge- 40 vasen des 5. Jahrhunderts fehlt Leto; umso wich- 
nannt, durfte aber nicht fehlen) und der in tiger ist das Zeugnis eines Gemäldes viel späterer 
der Porticus der Octavia aufgestellten Marmor- Zeit, das ein höchst bedeutendes Letobild des 
gruppe, die, wie der delphische Tempelgiebel, 5. Jahrhunderts wiederholt. Das auf Marmor ge- 
die drei Gottheiten mit den Musen vereinigte malte herkulanensische Bild des Alexaudros von 
{Plin. 36, 84; das item bezieht sich auf den Athen {Heibig, Wandgemälde 170^) — die In- 
Aufstellungsort, nicht auf den zuvor genannten schrift nennt den Kopisten, nicht den Meister 
Künstler Philiskos). Besser als die Münze von des Originales — zeigt aufser zwei Knöchel- 
Megara, die man mit der dortigen praxite- Spielerinnen {'AylaCrj und 'RicaQcc) eine aus- 
lischen Gruppe ohne genügenden Grund in drucksvolle Gruppe dreier Frauen: die statt- 
Zusammenhang bringt {OverbecJc, Kunstmyth. 50 liebste (AHTß) steht, die Arme vor die Brust 
Apollon Münztafel 5, 3), da sie die Kultgruppe gelegt, mit geneigtem Haupte da; nach ihrer 
desProstateriostempels wiedergeben kann, giebt Rechten greift mit der Rechten, während die 
uns von den feierlichen Gruppen des 4. Jahr- Linke in gleicher Richtung ausgestreckt ist, 
hunderts eine Vorstellung das Relief einer Mar- NIOBH, die in ziemlich starrer Haltung in 
morbasis von Sorrent {Böm. Mitt. 4 Taf. 10 a), vollem Profil n. 1. erscheint. Von rechts end- 
mit dem sich ein sehr zerstörtes Relief an einer lieh schreitet eifrig die jugendliche OOIBH 
Dreifufsbasis von Nabulos vergleichen läfst, wo heran , schiebt mit der Linken an Niobes 
die vom Pfeil durchbohrte Pythonschlange der linker Schulter und winkt (nicht weist) über 
durchaus ruhigen Göttergruppe ganz äufserlich die rechte Schulter jener hinweg der Leto. 
beigefügt ist (Ztschr. d. dtsch. Palästinavereins 60 Stil, Komposition, Stimmung und die Form 
7 Taf. 3 S. 136 [Schreiber]). Die thronende der Inschriften beweisen, dafs Alexandres ein 
Göttin in dem -von Sclireiber, Bull. Com. di Born. Gemälde oder ein Stück eines Gemäldes aus 
1891 Taf. 11 {Una sacra conversazione S. 3) dem polygnotischen Kreise kopierte, das einen 
publicierten Relief ist schwerlich Leto, da das Zwist zwischen Leto und Niobe und den Ver- 
Relief sich auf den Wettstreit zwischen Apollon such einer Versöhnung darstellte (vgl. Stark, 
und Marsyas bezieht und die Göttin zur Partei Niobe S. 158). Eine weitere hierher gehörige 
des Marsyas zu gehören scheint. Sonst giebt es Letodarstellung des 5. Jahrhunderts giebt ein 
aus späterer Zeit nur noch eine bedeutendere unediertes Relieffragment der Villa Albani 



1979 



Leto in der Kunst 



Letoides 



1980 



{Fea- Moreelli- Visconti 118) vfieder. Hier steht 
neben der forteilenden und schon in den Köcher 
greifenden, aber noch einmal zurückblickenden 
Ai-temis die imponierende Gestalt ihrer Mutter, 
die mit dem gehobenen r. und gesenkten 1. Arm 
den Mantel lüftet, sonst aber in Ruhe verharrt. 
Der Typus der Göttin entspricht ziemlich genau 
dem im Relief des Bakchiossohnes; die Dar- 
stellung im ganzen hat man sich ähnlich den 



Gegenwart der Mutter die Würde der Letoiden 
erhöht, so ist Leto zugegen beim Dreifufs- 
streit zwischen Apollon und Herakles (Erz- 
gruppe des Diyllos, Chionis imd Amyklaios in 
Delphi,. Paus. 10, 13, 7; Vase des Andokides 
Berlin 2159, Gargiulo, Baccoltä 101; meist nicht 
sicher zu benennen, vgl. Overbeck S. 395 ff.), 
beim Streit um Marpessa (MünchenerVase 
745; abgeb. Overbeck 26, 6), beim Wettkampf 



bekannten friesförmigen Niobidenreliefen vor- lo zwischen Apollon und Marsyas (nur in 



zustellen, die auf den Thronschmuck des phi- 
diasischen Zeus zurückgehen (vgl. über diese 



späteren Vasenbildern, vgl. Overbeck S. 430. 
435 und Atlas 24, 20; 25, 5, während 24, 25' 

unsicher ist; auf Sarko- 
phagen ist die auf Apol- 
lons Seite, der Kybele 
gegenüber, thronende 
Göttin jedenfalls nicht 
Leto zu nennen [Over- 
beck S. 463 f.]). End- 
lich begegnet sie uns 
zuweilen, wo eine 
gröfsere Götterver- 
sammlung aufgeboten 
wird: ein einziges Mal 
bei der Athenage- 
burt, und zwar in 
einer Darstellung der- 
selben, die pelopon- 
nesischer Typik folgt 
{Man. d. Inst. 6, 56, 
6 ; vgl. Löschcke, Arch. 
Zeit. 1876 S. 110), fer- 
ner in der Götter- 
prozession der So- 

philosvase {Athen. 
Mitt. 14 Taf. 1; zur 
Deutung vgl. Stud- 
niczka im Eranos 
Vindobon. S. 233 fr.) 
und schliefslich in aus- 
führlichen Darstellun- 
gen der G i g a n t - 
m a c h i e , vielleicht 
schon in der Parthe- 
nonmetope Ost 10 
(Mayer, Giganten und 
Titanen S. 370; anders 
Robert, Arch. Zeit. 42 
S. 53), durch Namens- 
beischrift gesichert am 
grofsen pergameni- 
schen Altar {Mayer 
S. 372. Puchstein,Sitz.- 
Ber. d. Berl. Ak. 1888 S. 1232 Taf. zu S. 1242; 
unpubliciert), wo sie, zwischen ihren Kindern 
mächtig ausschreitend, die in der älteren Kunst 
ihr nie zukommende Fackel einem geflügelten, 
mit Vogelkrallen und Schlangenschweif aus- 
gerüsteten Giganten (Tityos nach Puchstein, 
Götter S. 17 f.) folgt, für den mir weniger wahr- 60 Sttzungsber. d. Berl. Akad. 1889 S. 344, Alkyo- 







^^-'"'^ '■'-^liniirüii' iiüüfiii 







5) Leto, Niobe, Phoibe, Aglaie, Hileaira, Marmorgemälde des Alexandros vou 

Athen (nach Photographie). 



jetzt Furtioängler , Meisterwerke S. 68 f.). Ob 
die thronende Göttin auf der Jattaschen Nio- 
bidenvase {Stark, Niobe Taf. 2) Leto zu nennen 
sei, ist nicht ganz sicher; Heydemann {Ber.d. 
Sachs. Gesellsch. 1875 S. 218) hat sich für diesen. 
Stark {Niobe S. 153), dem Bloch {Zuschauende 



scheinlichen Namen Hera entschieden; sicher 
ist Leto in der lieblichen Gruppe mit ihren 
noch unerwachsenen Kindern auf der Niobe- 
vase Neapel 3246, Ber. d. sächs. Gesellsch. 1875 
Taf. 4. Auf Niobidensarkophagen kommt Leto 
nicht vor. 

Der Rest der Letodarstellungen kann als 
ganz episodisch bezeichnet werden Da die 



neus nach Mayer, Arch. Zeit. 1885 S. 123, 5; 
beides sehr fraglich) ins Gesicht stöfst. Der 
Name Leto für die schleiertragende, mit 
2 Fackeln kämpfende Göttin, die neben Arte- 
mis in dem bekannten vatikanischen Relief 
{Müller -Wieseler 2, 848) erscheint, wird damit 
mindestens wahrscheinlich. [Sauei*.] 

Letoides {Arjzotdrjg) = Sohn der Leto, .Ei?//«. 



1981 Letois Leucetius 1982 

ilf. 166, 9. BeJcJcer,Änecd. 851, 9 = 1) Aitollon, äol. ÄTqxmv (s. lat. Lätöna), auf einem clusini- 

(absolut) Wmi. Hymn. Merc. 158. 253. 403. sehen Spiegel der Sammlung Casuccini (Pa- 

508. 513. Änth. Pal. 9, 357. l^lato lun. in lermo); links Yon ihr artumefs] = "Aqz8 fi ig nad 

Anth. Pal. 9, 751. Paul. Silent. ebend. 7, 4. aplu = 'AnölXiov, rechts &alna (s. d.); s. Mus. 

Philipp. Thessal. ebend. 7, 237. 9, 307. Apoll. Chius. t. 108. Gerhard, Etr. Sp. 3, 30 t. 77. 

Bhod. 1, 66. 144. 439. 484. 2, 181. 700. 773. Bansen, Ann. 8 = 1836 p. 172 ff. Bull. 1843 

4, 1704. Palladas in Anth. Pal. 11, 324. p. 89. Fabr., C. 1. 1. 418. Corssen, Spr. d. Etr. 
J.r<e??io« ebend. 12, 55. Arist. equ. 1081. Nonn. 1, 820. Deeclce in Bezzenhergers Bcitr. 2, 164 
Dionys. 16, 180. C. I. A. 3, 171 a add. p. 488. nr. 17. Vgl. Leto. [Deecke.j 

G. I. G. 1, 611 = C. I. A. 3, 171. C. I. G. 3, lo Letus als göttliches Wesen erscbeint in dem 
6208 = Kuibel, Inscr. Graec. Sic. 1424. — Grabgedicht (7. J. X. 6, 19007 v. 20f. (= G'.TTzZ- 
y^jroncor Aritoidrjg Hom.hym. Merc. 524. Apoll. manns, Exempla inscr. lat. nr. 569; zuerst ver- 
Ehod. 4, 610. Hesiod. scut. 479. 'AnoUwv 6 öffentlicht voq E. Bormann, üngedrucJcte lat. 
A., lustin. Martyr. Apoll. 1, 25. &s6g A., Inschriften, Programm des Gjmn. z. grauen 
Simonides in Anth. Pal. 6, 212 = frgm. 164 Kloster. Berlin 1871 S. 5f. nr. 3): quam mortis 
Bergk*. ^otßog 'AtcöHcov A., Theognis 1120. acerbus \ eripuit Letus teneramque ad Tartara 
6 (jisyaXcävvfiog A. lustin. Mart. or. ad gent. 2. duxit. 'In dem Letus . . . finden wir das neu- 
KXägiog A., Corr. hell. 10, 554 = Athen. Mitt. trale Letum zu einer Persönlichkeit umge- 
ll, 428. Ein z£fi£vog rov AtjtolSov Tatian. wandelt... Letus mortis ist der Todesdämon' 
or. 8. Die Form AazotSccg findet sich Pind. 20 Bormann (a. a. 0. S. 6). Vielleicht ist ein 
Pyth. 1, 12 (21). 3, 67 (118). 4, 259 (461). Letus auch in der Grabschrift C. /. i. 6, 22203 
9, 6. Nem. 9, 53 (125). Älhman fr. 17 Bergk*. anzunehmen, welche mit den Versen schliefst 
C. I. G. 3, 4720. Meleagros in Anth. Pal. hunc leges leti {d.i. Leti?) praeposterae eripuere\ 

5, 141. AaroLSag äva^ SKcieQyog 'Anollcav am matri quae ut annis morte quoque esset prior. 
Kypseloskasten, Paus. 5, 18, 4; vgl. Stat. Theb. Vgl. Letum. [R. Peter,] 

1, 663. 695. Anth. Pal. 9, 751, Der Plural Leucetius, Loucetius, Beiname des kelti- 

AarotSuL (vgl. numina Letoidum , Auson. epit. sehen Mars auf einigen Inschriften, Brambach, 

27, 2 p. 81 Peiper) bei Pind. Pyth. 4, 3 ^ Corp. inscr. rhen. 925 aus Kleinwinternheim, 

Apollon und Artemis, während das Schol. dazu jetzt im Mainzer Museum; die beiden Frag- 
es nur für Apollon gelten lassen will. Ahn- 30 mente gehören unmittelbar zusammen, sind 

lieh heilst Apollon Arjroyev^g, Anth. Pal. neben einander, nicht unter einander zu setzen, 

9, 525, 12 oder Arjzäog, Anth. Pal. 6, 54; vgl. Zangemeister, Korresp.-Bl. d. M'estdtsch. 

ein Tempel des Apollon Acctäag stand auf Zeitschr. 7 p. 116 Anm. 1; von dem Namen 

megarischem Gebiete unweit der korinthischen des Gottes sind nur die Buchstaben VCETIO 

Grenze, Paus. 1,44, 10; vgl. Acczcßs ito^f XQvao- erhalten). 929. 930 (aus Marienborn = Orelli- 

xofto! Isyllos, Paian 48; bei Eur. Iph. Taur. Henzen 5899: Curtelia Prepusa Marti Loucetio 

1260 ist ylazmog von Nauck ergänzt; s. ferner v. s. l. m. und Marti Leucetio T. Tacitus Cen- 

Ov. Met. 11, 196. Stat. silv. 1, 2, 220 und die sorinus v. s. l. m.). 1540 (Frauenstein bei 

WeihinschriltausMenschieh(Ptolemais)7Iaiaj'o:- Wiesbaden: Marti Leucetio pro salute imp. 
yiXvzöfirjziv atCaats ■novqoi AiizoLSrjv skcczov, 40 d. n. . . . Aug. Pii Q. Voconius Vitulus). Eine 

JRev. arch. 13 (1889), 71, — 2) Asklepios, Inschrift aus Bath (England), C. I. L. 7, 36 

Hesiod bei Athenag. Suppl. pro Christ. 29; nennt ihn zusammen mit der Göttin Neme- 

vgl, Meineke, Anal. Alex. [Höfer.] tona; der Dedikant, ein civis Trever, ver- 

Letois {Arizwig), Beiname der Artemis, ehrt in der Fremde seinen heimatlichen Gott: 

Kallim. hymn. 3, 45 = Schol. Nik. Ther. 549. Peregrinus Secundi fü(ius) civis Trever Lou- 

Alex. Aetol. bei Macrob. Sat'. 5, 22. Nonn. cetio Marti et Nemetona (siel) v. s.l.m. Jüngst 

Dionys. 46, 347. Apoll. Bhod. 3, 877. 2, 938 fand man in Worms eine weitere Inschrift an 

und Schol. 4, 346. Poet, bei Euseb. praep. ev. den Gott MARTI LO VCETIO SACRYM {Zange- 

5, 7, 5; vgl. ebend. 5, 7, 6. Anth. Pal. 6, 272,1. meister, Korrespondenzblatt d. Westdeutschen 

Stat. Theb. 9, 834. Inschrift aus Sidyma, Benn- 50 Zeitschrift 1888 p.ll5). Der Dedikant AMANDVS 

dorf-Niemann, Meisen etc. p. 77 nr. 53e. — Sie VELVGNI (filius) DEVAS dürfte ein Kelte 

heifst auch yl^jTMo;, SopJi. El. blO; \g\. Nonn. und in Devas seine Heimat zu suchen sein 

Dionys. 48, 440. 829. Aaz oia Anth. Pal. 6, (Deva in England, das heutige Chester?). Die 

128. 280. 7, 421, 9 (lat. Latonia, Stat. Theb. Inschriften bespricht kurz B. Moivat, Beviie 

4, 425. 749. 9, 679. 820; vgl. Silv. 1, 2, 115. archeoln. s. 35, 1878p. 103f., der zu der Reihe 

Columella 10, 288. Auson. p. 259 Peiper), noch eine Inschrift aus Angers fügt, deren 

Ar]X(ßi(x.g, Kallim. hymn. 3, 83, Coluth. rapt. Lesung aber nicht ganz sicher scheint {Marti 

Hei. 32, Oppian. Cyn. 1, 109. Aazoysvrig, Louc. Aug. C. lulius Tri . . .). Mars im Verein 

Eur. Ion. 465, AazoyevsLa, Aesch. Sept. mit Nemetona angerufen auch in Altripp (im 

133 Kirchhoff'. [Höfer.] 60 Lande der Nemeter) J5ram&ac/j nr. 1790, Neme- 

Letopolites s, Lokalpersonifikationen, tona allein auch in Kleinwinternheim, Keller, 

Letreus (AszQsvg), Sohn des Pelops, Oikist Korresp.-Bl. d. Westdeutsch. Zeitschr. 3 p, 86 

der Stadt Letrinoi in Elis, Paus. 6, 22, 5. und Zeitschr. d. Vereins zur Erforschung der 

[Stell.] rhein. Geschichte u. Alterth. in Mainz 3 (1887) 

Letum, der Tod als göttliches Wesen zu- p. 518 nr. 82a. Vgl. des weiteren De Wal, 

samen mit Lues, Labor, Tabes und Dolor bei Mythol. septentr. monum. epigr. p. 243 und Bonn. 

Senec. Oed. 652; vgl. Letus, [Höfer,] Jahrb. 17, 166; 18, 243; 27 p, 75; 29, 169; 

Letun (letunj, etruskischer Name der Arixm, 63 p 72, Ich erwähne schliefslich die Legende 



1983 Leucimalacus Leukarion 1984 

einer keltischen Münze LVCOTIO, Huclier, Th. v. Grienberger, Z. f. deutsches A. u. deutsche 
L'art gaulois 2 p. 151. Barthelemy , Bevue L. 35, 1891 p. 391 — 393 nr. 3 leitet von einem 
numismatique 1885 p. 148. Es kann wohl kein angenommenen Verbum leudisjan mit dem Be- 
Zweifel sein, dafs wir es mit einem keltischen griffe des Herrschens den Beinamen Leudisjo 
Beinamen des römisch-keltischen Mars zu thun her, dessen germanische Dativform Leudisjan 
haben. Zu dem Lautwechsel eu und ou vgl. mit angehängter lateinischer Dativendung -o 
Teutates neben Toutates u. a. {Zeufs, in der in Rede stehenden Inschrift vorliege. 
Gramm. Celt.^ p. 34 f. Bonn. Jahrb. 83 p. 19). Nach ihm ist Mercurius Leudisio ,,der regnator 
Corssen hält das Epitheton für lateinisch unter omnium, im germanischen Sinne, offenbar 
Berufung auf den luppiter Lucetius (alt lo Wodan". Einfacher ist es wohl, den Bei- 
Loucetius), er deutet daher Mars als „Sonnen- namen von einer Örtlichkeit herzuleiten. [Vgl. 
gott". Sprachlich mögen die beiden Beiwörter Zeufs, Gramm. Cell.- p. 35. Bonn. Jahrb. 1 
(Leucetius [Mars] und Lucetius [luppiter] p. 124. M. Ihm.] [Drexler.] 
verwandt sein, der geschichtliche und sach- Lenkadia (ylfu^aöto:), 1) Beiname der Hera in 
liehe Zusammenhang beider wird dadurch Sybaris, Blut, de sera num. vind. 12. [Vgl. 
nicht erwiesen. Vgl. JS. Jordan, Krit. Beiträge Bd. 1 Sp. 2087, 39, wo Afvnavia vermutet 
p. 33f. Breller-Jordan, Böm. Myth. 1^ p. 189. wird. Röscher.] — 2) Eine Artemis Leukadia wird 
334. Es ist immerhin fraglich, ob das Epi- erwähnt Gaz. arch. 7 [1881/82], 83. [Höfer.] 
theton des Mars eine funktionelle Bedeutung Leukadion (AavyiciSLwv), s. u. Leukarion. 
hat; zu verweisen ist auf Namen, die denselben 20 Leiikadios {AsvyiädLog), 1) Sohn des Ikarios, 
Stamm enthalten, Leucimalacus (ebenfalls des Vaters der Penelope. Ikarios war, mit 
Beiname des Mars), Leucitica, und beson- seinem Bruder Tyndareos von Hippokoon aus 
ders die bekannte Völkerschaft im belgischen Lakedaimon vertrieben, zu Thestios nach Atollen 
Gallien, die Leuci. [M. Ihm.] gekommen. Tyndareos kehrte später in die 

Leucimalacus, Beiname des Mars auf einer Herrschaft von Lakedaimou zurück; Ikarios 

bei Demonte (im Thal der Stura, See -Alpen) aber gewann einen Teil von Akarnanien und 

westlich von Borgo s. Dalmazzo (dem alten herrschte dort mit seinen zwei Söhnen Alyzeus 

Pedo) gefundenen Inschrift, C. I. L. 5,7862a. und Leukadios, welche ihm Polykaste, die 

Auf einer zweiten in derselben Gegend ent- Tochter des Lygaios, nebst der Penelope gebar, 

deckten heifst die Widmung nur ZeVCIMALaco, 30 Von den beiden Brüdern erhielten die Städte 

C. I. L. 5, 7862. Zu dem PLOSTRALIBVs Leukas oder Leukadia und Alyzia in Akarna- 

DEDICAVIT der letzteren bemerkt Mommsen: nien ihre Namen, Ephor. b. Strab. 10, 452. 461. 

'Plostralia feriae nescio quae mulionum nunc Eustath. p. 1964, 52. [ — 2) Beiname des 

primum opinor innotescunt.'' Vgl. auch M. Mo- Apollon, Ov. Trist. 3, 1, 42. 5, 2, 76. Prop. 4 

^vat, Bevue archcologique n. s. 35, 1878 p. 105. (3), 10 (11), 69 = Leukates, Strabo 10, 452. 

[M. Ihm.] Seinen Tempel sollte Leukos, einer der Ge- 

Leucitica. Eine bei Rovigno (Istrien) ge- fährten des Odysseus, gegründet haben, Btol. 

fundene Inschrift — nach Mommsens Vermu- Heph. 7 p. 198 Westermann. Höfer.] [StoU.] 

tung die älteste bis jetzt in Istrien zu Tage Leukai Eorai s. Bd. 1 Sp. 2810. 

gekommene — lautet SEIXOMNIAI | LEVCI- 40 Leukaios (Asw.aiog ?), Beiname des Zeus in 

TICAI I POLATES. Die Gottheit, die den der elischen Stadt Lepreon, Paus. 5, 5, 5, wohl 

Beinamen Leucitica führt, ist nicht weiter identisch.raitAvy.cxiog. Ath. Mitt. 16,260. [Röf er.] 

bekannt, CLL. 5, 8184. [M. Ihm.] Leukane {Asv^dvrj), Gemahlin des lasos in 

LeucuUos oder Leucullosos ('?). Eine gal- Argos, Mutter der lo, Schol. Eur. Or. 920. 

lische Inschrift von Neris-les -Bains: BRA- Gerhard, Gr. Myth. 2 p. 234 Stammtfl. K2; 

TRONOS I NANTONICN | EPADATEXTOi s. lo. [Stoll.] ' 

RIGI • LEVCVLLO | SVIOREBE • LOCITOI Leukania (?) s. Leukadia. 

wird von B. Moivat, Bev. arch. 35 1878 [p. 94 Lenkaria (ÄBVKaQia), Gemahlin des Italos, 

— 108] p. 107 erklärt als „un ex - voto dedie Mutter des Auson nach Tzets. zu LyJcophr. 702, 

par Bratronos , fils de Nantonios , ä xm dieu 50 oder Mutter der Rhome, der Gemahlin des 

Epadatextorix LeucuUos, Variete de Mars gau- Aineias, nach Flut. Bomul. 2, oder des Rhomos 

lois". Whitley Stokes, Bev. celt. 5 p. 116 — 119 nach Dion. Hai. 1, 72: aial ds Tivsg, dt trjv 

dagegen, welcher nicht, wie Mowat, Leucullo 'Pcofiriv iyiTia&cci,Xiyovatv vnb^Pco^ov rov'ltaXov, 

suiorebe, sondern Leucullosu iorebe abteilt ^r,rQdg 8s AevuocQi'ag xfjg Aarivov &vyarQ6g, 

und Leucullosu als Dativ von Leucullosos fafst, wo Kiefsling aus Cod. ürbinas AevTirgag, 

deutet: „Brdtronos, son of Nantonios, for Epa- Schwegler, B. Gesch. 1 p. 400 Anm. 1 aus Eiis. 

datextorix Leucullosos made (this) acceptahly." Chron. 1, 45, 3. Sync. p. 193 b AsvTirjg her- 

Aber auch er hält Epadatextorix Leucullosos stellt. Cauer, De fabulis Graecis ad Bomam 

für eine Gottheit. Stokes' Erklärung giebt den conditam pertinentihus. Berlin 1884 p. 24 

Yorzug Flor. Vallentin, Bull, epigr. de la Gaule 1 GO Anxa. 43 erklärt: ,,Sive Aevv.r] sive AavKTgcc 

p. 245. Ob in den fraglichen Namen eine Gott- sive AsvnaQicc legitur, Alba Longa nomini 

heit zu suchen ist, mögen die Kenner des Kel- inest." [Drexler.] 

tischen entscheiden. [Drexler.] Leukarion {Asw-agCcov), mit Pyrrha zu- 

Leud...auus, Beiname des Mercurius in sammen genannt im Frgm. anon. n. 130 

einer sehr verstümmelten Inschrift von Weis- Callimach. 2, 735 f. Schneider aus Etym. Flor. 

weiler. Kr. Düren, Rgbz. Aachen, CI.Bh. 592. p. 204; vgl. Et. M. p. 561, 54. Suid. 2, 1 

Die drei fehlenden Buchstaben schlug Lersch p. 543): IZvpp' tds A. (Hs, Uvqqcc r] A. corr. 

vor durch isi oder ehi oder ici zu ergänzen. Sehn.); nach übereinstimmender Angabe der 



1985 Leukas Leuke 1986 

Zeugnisse ein Eigenname und zwar nach dem Imlioof auf K. JPurgold, Arcliäol. Bemerkungen 
Fragment der desDeukalion (nach 0. Schnei- zu Claudian und Sidonius hin, wo p. 13 ff. an- 
ders Vermutung aus den Aitiadea Kallimaclios geführt wird: Korinthos von der als idealen 
2, 5); diese Namensform spricht vielleicht für Frauengestalt gebildeten Leukas bekränzt. — 
IL Lctvys (Griech. Etymologien 1 in den Indo- 2) Eine Nymphe (Nereide?), auf einem Meer- 
german. Forschungen 2, 446) Herleitung von ungeheuer sitzend, G. I. G. 3, 6784 = Kaibel, 
JsvuccX^cov aus *Ätv%-ccl-i(ov (im Gegensatz Inscr. Graec. Sic. 2519. [Höfer.] 
zur Farbe der IJvqqcc). Das Et. M. a. 0. giebt Lenkasia s. Leukosia. 

als dritte Namensform A£vv.a.8iaiv\ und wirk- Leukaspis (^£i;5ta(T7rts), 1) einer der Gefährten 

lieh kennt die (ovidianische) Epistula Sapphus lo des Aeneas, der im Sturme {Verg. Äen. 1,1 13 ff.) 

{Herold. 15, 167 ff.) die (von Weizsäcker [s. o. umkam, Verg. Äen. 6,334. — 2) Einer der An- 

1, 994 ff.] übersehene) Nachricht, dafs vom führer der Sikaner, welche sich dem durch Si- 

leukadischen Felsen hinc se Deucalion Pyrrhae cilien ziehenden Herakles zum Kampfe entgegen- 

succensus amore misit et illaeso corpore pressit stellten und besiegt wurden. Er fiel in der 

aquas. — Birt (Bhein. 3Ius. 32, 1877, 432) ver- Schlacht mit mehreren anderen Führern und 

mutet darum, dafs in Ambrakia die alexan- erlangte mit diesen heroische Ehre, Diod. 4, 23. 

drinische Wissenschaft obige Namen für Deu- [Eine Münze von Syrakus mit der Legende 

kalion vorfand und danach die Deukalionsage Ev^av-oßCcov Ä£vv.aaniq zeigt einen stürmenden 

erneuerte. Da Comparetti {sidV autcnticitä Heros, den Helm auf dem Haupt, in der Rechten 

ddla epistola ovidiana di Saffo in den Fuhlicaz. 20 eine Lanze, in der Linken einen Schild, Eckhel, 

delE.Inst.distudisuper.inFireiize2, disput. 1 D. JSf. 1, 246. Head, Hist. num. 154, Cat. of 

1876) eine alexandrinische Sammlung der popu- greek coins in the Brit. Mus. p. 169 nr. 162. 

lären Sagen von Lesbos wahrscheinlich ge- p. 180 nr. 226. Gardner, The types of greek 

macht hat, und auf Lesbos gerade eine Stadt coins pl. 6, 5. 35; vgl. B. Weil, Die Künstler- 

Pyrrha liegt, so ist de Vries {Epistola Sapphus inschriften d. Sicil. Münzen 18. Baoul-Bochette, 

134) geneigt, eine echt lesbische Form der Lettre sur les graveurs des monnaies grecques 8. 

Deukalionsage zu erkennen in jenen Versen Höfer.] [Stoll.] 

167ff. der ovidianischen Epistel (die dort einer Leukatas -es (vlfvxaras-r^s), 1) ein Knabe, der 
uaiadischen Nymphe in den Mund gelegt sind: sich, als Apollonihn rauben wollte, von dem Fel- 
162. 179). Da aber der Name ÄBv-AUQoq für 30 senLeukatas, der Südspitze der Insel Leukas, ins 
einen Akarnanen bezeugt ist {Aristoteles frg. Meer hinabstürzte und dem Felsen den Namen 
261) so scheint der {KaUimachische?) Asvncc- gab, Äerf. F. JLew. 3, 279. — 2) Apollon Leukatas 
Qiav mit Pyrrha sich schon von selbst als (Siraft. 10, 452) hatte auf diesem Vorgebirge ein 
Akarnane, genauer als Einwohner oder Epo- Heiligtum, und man stürzte hier an einem Feste 
nymos der akarnanischen Insel Leukas, des Apollon jährlich zum Opfer einen Menschen 
zu erkennen zu geben. Ob in dieser leukadi- zur Sühne hinab. [AflOAAßN AEYKATHC ist 
sehen Deukalion-Pyrrha-Sage (des Kallimaclios) dargestellt auf einer Münze des Trajan, welche 
auch der leukadische Sprung vorkam, wie mau auf Grund des Titels CßTHP TTOAECOC 
ihn in lesbischem Zusammenhang das ovidi- des Kaisers dem epirotischen Nikopolis zu- 
anische Zeugnis berichtet und die kürzlich 40 weist. Der Gott erscheint auf einem Piede- 
wieder von 31. Mayer (s. o. 2, 1535, 51 ff. über stal von vorn, 1. h. schauend; über der 1. 
den 'Weinbauer Deukalion', doch wohl = Schulter ragt der Köcher hervor. In der L. 
Jvaloq-zliövvooi) angedeutete Etymologie von hält er den Bogen, in der ausgestreckten R. 
Jev{v.)KXitov aus 8v-al- nahelegen würde, eine Fackel, J. Friedländer , Ar eh. Zeit. 27, 
bleibt problematisch, wie überhaupt die Be- 1869 Sp. 103 Taf. 23, 21. Imhoof, Monn. gr. 
Ziehungen zwischen dem Flutmann und dem p. 141 nr. 45. Über den von Strdbon mitge- 
Weingott, anklingend auch in der Glosse z/sv- teilten Opferbrauch s. Müller, Dor. 1* p. 233, 
KccXidai = ZäxvQoi Hesychs. Vgl. den eigen- 329. E. Curtius, Ges. Abh. 1 p. 296. Mercklin, 
tümlichen Meersprung des Dionysos in der Die Talos-Sage p. 22. Toepffer, Thargelien- 
Ilias Z 135f.: dLwvvaos dvasx' ccXög und das 50 gebrauche, Eh. Mus. 43 p. 142 — 145. JDieterich, 
Meerbad der Statue des Jt.6vvoog 'JXisvg (bei JVe%/ap. 27 Anm. 5. Drexler.] [Imhoof-Blumer, 
Philochoros frg. 194. F. H. G. 1,416. Philo- Die 3Iünsen Akarnaniens 32. Head, Hist. 
/wjfws N. F. 2, 1889, 682 ff.), überhaupt den z/i6- num. 212. Höfer.] [Stoll.] _ 
Tvaog nsXäyioq. [K. Tümpel.] Leukatliea {ÄEvv.uQ'ia), dialektische Neben- 
Leukas {jhvnäq), 1) Personifikation der Insel form für ÄEvv.o%ia (s. d.) auf einer thessalischen 
Leukas, als weibliche Figur dargestellt auf Inschrift 'AyXalg 'IitnoXvtsia AsvKa&iai, Fick, 
einem korinthischen Spiegel, Dumont in Corr. Die Quellen d. nordthessal. Dial. bei Bezzen- 
hellen. 2, 561 und Anm. 4. 562. [S. die oben berger, Beitr. 5, 11. Fick weist auf das offen- 
2 Sp. 1382 s. V. Korinthos 1) verzeichnete Litte- bar der Ino Leukothea zu Ehren gefeierte Fest 
ratur. Drexler.] Auf Münzen von Leukas er- 60 der ÄBw-a^ta in Teos {C. I. G. 3066) hin und 
scheint, vor einem linkshin gewendeten weib- auf den nach einem gleichnamigen Feste be- 
liehen Kopfe, welcher mit einer über der Stirn nannten Monat ÄsvAa&icav in Lampsakos, 
zulaufenden Stephane, mit Ohrgehänge und C. I. G. 3641b add.; vgl. Bischoff, De fastis 
Halsband geschmückt ist, die Beischrift AEYK AI, Graec. ant. 398 f. [Höfer.] 
Imhoof-Blumer, Die Münzen AkarnaniTris 130, Leuke {äsv-htj), 1) eine Nymphe, Tochter 
47. Nach Imhoof a. a. 131 haben wir hier des Okeanos, von Pluton aus Liebe zur Unter- 
die personificierte Lokalgottheit, r} weit entführt und, als sie nach Ablauf der 
Äsvndg, vor uns; a. a. 0. 131 Anm. 101 weist ihr bestimmten Lebenszeit starb, als Silber- 

EosCHEE, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. IL 63 



1987 Leukerea Leukippiden (in den Kyprien) 1988 

pappel (Xsvurj) in das elysische Gefilde ver- Thestor, Schwester des Kalchas und der Theo- 
setzt; mit ihrem Laube bekränzte sich Herakles, noe, Hyg. fab. 190; s. Thestor. — 6) Gemahlin 
als er aus der Unterwelt zurückkehrte, Serv. des Euenor in der Atlantis, Plat. Kritias 113 b. 
Verg. Ed. 7, 61. Die Silberpappel heifst ax^- — 7) Mutter des Eurystheus, Schal. II. 19,116. 
qcol's, II. 13, 389. [Boetticher^ BaumTcultus der — 8) Von_ Hephaistos Mutter des Ai^yptos, 
ifeZZen. S. 441 ff. R.] — 2) ^anx»;, mythische Insel Königs in Ägypten, Plut. de fluv. 16. [Stell.] 
im westlichen Pontus Euxinus, wo Achilleus Leukippiden. (Litt.: Preller, Gr. Myth. 2" 
(nebst anderen Helden) nach seinem Tode, S. 97f. Bursian,A7-ch. Ztg. lSb2, A'SSS.). Unter 
vermählt mit Helena oder Medeia oder Iphi- den drei Töchtern des Leukippos (s. d.) treten 
geneia, ein seliges Leben führte, daher auch lo in Mythos und Kunst nur die Gemahlinnen der 
'AiiXlsCa vr'icog; s. Achilleus. Pind. Nem. 4, 49 Dioskuren, Hilaeira und Phoibe, hervor, und 
(79) u. Schol. Eur. Ipli. T. 436. Strab. 2, 125. sie allein werden in der Regel unter dem 
7, 306. Paus. 3, 19, 11. Dionys. Per. 543 und zusammenfassenden Namen Leukippiden ver- 
Eustath. zu 306. 543. STcymn. v. 790. Pomp. standen. Die uns geläufige Form der Sage, 
Md. 2, 7. Steph. B. v. 'A%ill£Loq Sgofiog. Tzetz. welche die beiden mit den Aphariden Idas 
Lyk. 186. 188. Ant. Lib. 27. Kon. 18. Köhler, und Lynkeus verlobten Mädchen von den 
Sur les lies et la course d'Adiüle, Mein, de Dioskuren geraubt werden und darauf zwischen 
l'Acad. d. S. Petersb. 10, 581 ff. Boedch, C. 1. 1. den Gegnern einen Kampf auf Tod und Leben 
2 p. 87 nr. 2076. 2077. 2080. 2096b — f. Preller, sich entspinnen läfst, ist eine jüngere. Die 
Gr. Myth. 2, 438. [A. v. Muralt, Adiilles u. s. 20 ältere brachte den Kampf der Brüderpaare 
Denkmäler aus Süd-Rufsland. Petersburg 1839. mit einem viel harmloseren Ereignis, einem 
Rohde, Psy die ^. QQO Knm.l. Drexler.] [Stoll.] Rinderdiebstahle, in Verbindung. So war 

Lenkerea {Asvv.BQia'i), eine Göttin oder der Streit nach Pro/cZos in den Ä?/|)new motiviert 

Nymphe, der die Blume Q't]oiiQv heilig war: (vgl. Sdtol. Pindar. Nem. 10, 114. Tzetz. Chil. 

&i]asi6v &' anaXov [jirjlcp svaXiyniov äv&og, Äsv- 2, 48) und ebenso ist es der Fall bei Pindar 

KEQsrjg [Asvno&örjg'} R.] isqov nsQi^aXliog, {JSfetn. 10 , 60 «ftqpl ßovalv xolcoQ'eig), welcher in 

QU uccXt-ara qptAaro, Timadiidas bei Athen. 15, seiner ganzen Erzählung sich vollständig an 

684 f. Für Asv>is QSTjg wollte Casaubonus die Kyprien anschliefst. (Über die laroQi'a im 

ylsvao&sug lesen, schwerlich richtig, wie Schol. II. F 243 vgl. Schioarz, Fleckeis. Jahrb. 
Kaibel zu Athen, a. a. 0. bemerkt. [Höfer.] 30 1881 Suppl. S. 446.) Die Form unserer Sage 

Leukiane {Asvnitxvr'i), Beiname der Artemis in den Kyprien können wir infolge einer ge- 

auf einer Inschrift aus dem Tempel des Zeus schickten und wie mir scheint gelungenen 

Panamaros bei Stratonikeia, Corr. hell. 12, 269. Kombination Wentzels i&eäv iniyilrjaaig \ ,18S.) 

Liegt in dem Beinamen eine Beziehung zur jetzt bestimmter erkennen: bei Lykophron ist 

Mondgöttin vor? Vgl. Leukophrys. [Höfer.] sie uns erhalten. Dieser erzählt, dafs bei dem 

Leukios {AsvKiog), 1) Heros Eponymos der Gastmahl, welches die Dioskuren zu Ehren des 

Stadt Leukane (?) in der Landschaft Lukanien, Paris bei dessen Aufenthalt in Lakonien ver- 

Eust. zu Dionya. Per. 362. Etym. M. s. v. Asv- anstalteten, die Söhne des Aphareus ihre Wirte 

v.(xvCa. — [2) Name eines Hundes bei der kaly- schmähten, weil sie ohne Brautgeschenke dem 
donischen Eberjagd auf der Vase des Archikles 40 Leukippos die Töchter entführt hätten. Der 

und Glaukytes, C. I. Gr. 8139. Bnecker, De Streit mit Worten ging in einen Kamj)f mit 

canum nominibus graecis p. 56. Klein, Die Waffen über, in dem der eine Dioskur und 

griech. Vasen mit Meistersignaturen p. 77 nr. 4, beide Aphariden fielen, 

wo weitere Litteratur. Drexler.] [Höfer.] Auch in den Kyprien folgte der Kampf auf 

Leukippe (AevuLmirj) , 1) Okeanide, in der das dem Paris gegebene Gastmahl, wie aus 

Umgebung der Persephone, als diese von dem Excerpt des Proklos hervorgeht: wir 

Hades geraubt ward, Hoin. H. in Cer. 418. sehen jetzt genauer in den Zusammenhang. 

Paus. 4, 30, 3. — 2) Eine der drei Minyas- Eine genügende Motivierung des Kampfes auf 

töchter in Orchomenos, welche die Göttlich- Tod und Leben fehlt bei Lykophron; von 
keit des Dionysos nicht anerkennen und an 50 einem Streit um die Mädchen kann natürlich 

der Feier seines Festes nicht teilnehmen wollten. nach dem oben Auseinandergesetzten nicht die 

Zur Strafe wurden sie von dem Gotte in bak- Rede sein. Die Scholien geben, ohne Zweifel 

chantische Raserei versetzt, in welcher sie den richtig, den Grund an, dafs die Dioskuren 

Sohn der Leukippe, Hippasos, zerrissen, und gereizt durch die Reden der Aphariden deren 

in Nachtvögel oder Fledermäuse verwandelt; Rinder raubten und sie dem Leukippos als 

s. Alkithoe. Aelian.V. H. 3, i2. Plut. Qu. Gr. 3S. Geschenk brachten. Dieselbe Motivierung fand 

Ant. Lib. 10. Ov. Jfrf.4, 1 — 415, wo jedoch v. 168 sich nach Proklos in den Kyprien: iv xovxa Ss 

Leukonoe (s. d.) statt Leukippe genannt wird. KäazaQ fisrä nolvS£vv.ovg rccg "iSa xat Avy- 

— 3) Gemahlin des troischen Königs Laomedon, Ksag ßovg vcpaiQovfiavoi icpcoQct&rjGccv' kkI 

Mutter des Priamos, Apollod. 3, 12, 3 (s. Heyne, 60 Kdazcog fisv vno xov "[da ocvaLQ^itai, Avynsvg 

Not. crit.). Tzetz. L. 18 u. Argum. poem. p. 266 ds ■>ial"ldcig vno IIoXvÖBvyiovg' yial Zsug avroig 

Müller. Pherekydes bei Tzetz. Exeg. in Iliad. stSQr'mBQov vsfisi xrjv ad-ccvaciccv. Es gab nur 

p. 38, 11 {Müller, Fr. hist. gr. 1 p. 95 fr. 99). die zwei Begiündungen des Kampfes durch 

Bei Byg. fab. 250 heifst sie Gemahlin des Ilos, den Raub der Mädchen oder der Herden; die 

Mutter des Laomedon. — 4) Gemahlin des bei Lykophron vorliegende Version der Sage 

ätolischen Königs Thestios, Mutter des kaly- geht also auf die Kyprien zurück. Ebenfalls 

donischen Jägers und Argonauten Iphiklos, den Kyprien ist Pindar gefolgt, wenn er den 

Hyg. fab. 14 p. 42 Bunte. — 5) Tochter des Idas a/^qpt §ovcCv nag ^oAco'ö'fis den Kastor 



1989 Leukippiden (in den Kyprien) Leukippiden (im jüngeren Mythus) 1990 

töten läfst. Die Aphariden verfolgen bei ihm (147 ff.). Verlockt durch reiche Geschenke der 

die Dioskuren, die sich in einer hohlen Eiche Dioskuren brach er den Eid, mit welchem er 

verstecken (vgl. das Kyprienfrsigmeut bei den Söhnen des Aphareus seine Töchter ver- 

Wentzel S. 26); Idas tötet Kastor mit einem sprochen hatte. Kaum erhielten diese von der 

Speerwurf durch den Baum. Polydeukes ver- Entführung Kenntnis, als sie eiligst den Dios- 

folgt die Brüder, welche das Bild vom Grabe kuren (ihren Vettern, 170) nachsetzten; beim 

ihres Vaters auf ihn schleudern, doch ohne Grabmal ihres Vaters holten sie die Räuber 

ihn zu verletzen, und ersticht den Lynkeus, ein. Jeder Versuch, die Dioskuren umzustim- 

während Idas durch einen Blitzstrahl des Zeus men, scheiterte; man einte sich auf des Lyn- 

zerschmettert wird. Die ältere Sage wufste lo keus Rat dahin, dafs die jüngeren Brüder im 

also nichts davon, dafs die Mädchen Ursprung- Zweikampf die Entscheidung herbeiführen 

lieh Verlobte der Aphariden waren und von den sollten. Doch als Lynkeus unter dem töd- 

Dioskuren diesen entrissen wurden; sie kann liehen Streiche Kastors zu Boden sank, ver- 

mithin die Schwestern nur als Gemahlinnen der gafs Idas das Übereinkommen und rifs die 

Dioskuren gekannt haben, bereits bevor diese Stele vom Grabe seines Vaters, um damit den 

den verhängnisvollen Rinderdiebstahl begingen. Mörder seines Bruders zu zerschmettern: da 

Dafs dies in der That so war, können wir fuhr aus der Rechten des Zeus ein Blitzstrahl 

nicht nur für LyTiopliron aus dem 562/63 an- hernieder, welcher ihm die Marmorplatte aus 

gedeuteten Verhältnis des Idas zur Marpessa der Hand schleuderte und ihn selbst zer- 

schliefsen, sondern lesen es auch bei Apolloäor 20 malmte. 

(3, 11, 2; vgl. Schol. Nein. 10, 114), der Kastor bleibt hier im Gegensatz zu aller 

unberührt ._ von späteren Einflüssen nur anderen Überlieferung leben ; das Idyll sollte 

die ältere Überlieferung bietet. Zwar erzählt in diesem Teile ein Lobgesang speziell auf 

er, dafs die Dioskuren des Leukippos Töchter ihn sein (135 ff.). Die schmähliche Rolle des 

aus Messene raubten {ccQnccaavxsg fyrjfiav), Leukippos ist offenbar der Absicht entsprungen, 

doch setzt dieser allgemeine Ausdruck natür- das Vergehen der Zeussöhne möglichst zu mil- 

lich nicht das Bestehen eines Verhältnisses dern; freilich wird auf diese Weise gerade 

zwischen den Mädchen und anderen Helden das Gegenteil erreicht. 

voraus, wovon auch kein Wort verlautet; die Welches Alter diese andere Gestalt der Sage 
Entführung ist ja eine nicht ungewöhnliche 30 hat, können wir nicht mehr feststellen, dafs 
Weise, auf die Heroen sich ihrer Auserwählten es ein hohes ist, ergiebt sich aus des Pausanias 
bemächtigen. Von Lylcophron weicht Apollodor Überlieferung ivtavd'a (im Dioskurenheiligtum 
darin ab, dafs er die verwandten und eng in Athen) flolvyvcoTog ... iyqaips yd^ov xäv 
befreundeten (3, 10, 3; 1, 9, 5) Brüderpaare &vyazeQcov räv Äsv-uLmtov 1,18, 1. Eine Hoch- 
einen gemeinsamen Raubzug nach Arkadien zeitsfeier ist nur bei der Sagenform möglich, 
unternehmen und den Streit bei der Teilung nach welcher die Aphariden rait den Mädchen 
der Beute entstehen läfst; dafs wir diese Über- verlobt waren und auf dem Fries des Heroon 
lieferung aber nicht etwa für die Kyprien von Gjölbaschi, dessen Abhängigkeit von 
vorauszusetzen haben, sondern die bei LyJco- Polygnot feststeht, finden wir mitten unter 
phron vorliegende, folgt aus des ProJdos vcpat- 40 den Vorbereitungen zur Hochzeit die Entfüh- 
Qov[i£voi, dem wir ohne den Beweis des Gegen- rung der Leukippiden durch die Dioskuren 
teils wohl vertrauen dürfen, sowie aus der für und deren Verfolgung durch die Söhne des 
das Epos erschlossenen Entstehung des Streites Aphareus dargestellt. Auch für die Tragödien 
bei dem zu Ehren des Paris veranstalteten des jüngeren Sophokles und des Patrokles von 
Gastmahl, welche mit der apollodorischen Thurioi zu Timesüheos vgl. WelcJcer, Gr. Trag. 
Version unvereinbar ist. 3, 979 u. 1048) müssen wir diese Sagenform 

Die beiden Schwestern Hilaeira und Phoibe annehmen. Aus dem Zusammenhang, in 

galten dem Dichter der Kyprien als Töchter welchem sich diese Notiz bei Cleni. Alex. 

Apollons {Paus. 3, 16, 1). Der Name 'Leu- {Protr. p. 25) findet, folgt, dafs wenigstens der 

kippiden' war aber ohne Zweifel damals schon 50 eine der Dioskuren bei den Tragikern für 

gewöhnlich; es kann nur fraglich erscheinen, sterblich galt und sein Tod erzählt wurde; 

ob er von Apollon ^fv^iTTTTog abgeleitet wurde, der Inhalt dieser Tragödien kann also, wie 

oder ob bereits ein Heros Leukippos geschafi"en schon Heyne {Apollod. 2, 290) und Welcher 

war, der als Stiefvater und Namengeber der (978) ausgesprochen haben, nur die Leukip- 

Mädchen betrachtet wurde. Für den %axä- pidensage in ihrer jüngeren Gestalt gewesen 

loyog räv Asv^imtidcov ist das letztere sicher: sein. Die beiden Mitteilungen der Pindar- und 

hier war die Vernichtung der Kyklopen durch Homerseholien gehen auf dieselbe Quelle, ein 

Apolloü erzählt, natürlich bei Gelegenheit der mythologisches Handbuch zurück, welchem 

Asklepiossage («. Wilatnowitz, Isyllos S. 79/80). (ähnlich wohl wie Hygin) die verbreitetsten 

Da also Apollou hier Gemahl der einen Leu- 60 d. h. die durch das Drama geschaffenen Sagen- 

kippide Arsinoe war, mufs Leukippos als der formen zu Grunde lagen. Die Dioskuren sind 

Vater der Mädchen gegolten haben. Von der von den Aphariden zu deren Hochzeitsfeste 

Behandlung der Sage haben wir keine Kenntnis. eingeladen ; kaum erblicken sie die jungfräu- 

AUe anderen litterarischen Überliefe- liehen Bräute, so ergreift sie eine so heftige 

rungen bieten uns die schon oben angedeu- Liebe zu ihnen, dafs sie unbekümmert um 

tete jüngere Form unserer Sage. Voran Verwandtschaft und Sitte die Mädchen an sich 

steht Theokrits 20. Idyll diÖGKovQOi. Leu- reifsen und mit ihnen entfliehen. Die Apha- 

kippos spielt hier die Rolle eines Verräters riden verfolgen sie und töten Kastor; beide 

63* 



1991 Lenkippiden (Heimat) Leukippiden (Wesen) 1992 

aber werden unter Zeus' Beihülfe von Poly- Heroinen. Wie alle Heroengestalten, welche 

deukes erschlagen. nicht lediglich der Phantasie eines einzelnen 

Ovid {Fasti 5, 699 ff.) stimmt im ganzen DichtersihreExistenz verdanken, waren auch sie 
mit Theokrit überein, bis auf die Rolle des natürlich Göttinnen: das Volk kennt keinen 
Leukippos und Kastors Ende; er, der keine durchgreifenden Unterschied von Gott und 
Verherrlichung des jüngeren Dioskuren beab- Heros. Ihr Kult allerdings war auf ein ganz 
sichtigte, folgte der verbreiteten Tradition, kleines Gebiet beschränkt; in dieser geringen 
welche ihn durch Lynkeus getötet werden Verbreitung erkenne ich eine Ursache dafür, 
liefs. Hygin (fab. 80) andererseits läfst zwar dafs solche Gottheiten von der epischen Dichtung, 
den Lynkeus durch Kastor, diesen aber dann lo welche sie nur von Hörensagen kannte, ihren 
durch die Hand des Idas fallen. Der Sieg Göttern nicht gleichgestellt wurden. In Sparta 
Kastors über Lynkeus hat also nicht bei Theo- allein kennen wir ein Heiligtum der Hilaeira 
hrit allein gestanden, da er von hier aus und Phoibe (Paus. 3, 16, 1), neben welchem 
schwerlich in iZ^r/ms Fabeln gelangt sein kann; sich ein Heroon des Odysseus befand, ein Um- 
vermutlich gehörte er einer Kultuslegende an. stand, der eine unglaubliche, in den Quaest. 
Der Vollständigkeit halber seien noch Tzetzes graecae 48 mitgeteilte Kombination veranlafst 
(Chü. 2, 48), welcher auch den Polydeukes im hat. Die jungfräulichen Priesterinnen dieser 
Kampfe fallen läfst, und der Mijthogr. Vatic. Göttinnen (doch wohl zwei) wurden ebenfalls 
1 (77) erwähnt, der von einem wunderbaren Leukippiden genannt; aus der Wendung bei 
Speere des Idas erzählt, dem niemand ent- 20 Paus. 3, 13, 7 geht hervor, dafs sie nicht allein 
gehen konnte. Dianisa ist hier selbstverständ- diesen Göttinnen zu opfern hatten, sondern 
lieh in Hilaeira zu korrigieren. auch, wie die Dionysiaden, dem Dionysos Ko- 

Als Heimat der Leukippiden nennt Steph. lonatas, und vor jedem diesem Gotte dar- 

JByz. "AcpiSvDc zrjg ylorxcorixfyg (vgl. Ovid fast. 5, gebrachten Opfer dem Heros , welcher der 

708). Furtwängler hat ßd. 1 Sp. 1161 die Ver- Sage nach dem Spender des Weines den Weg 

mutung ausgesprochen, dafs diese Angabe auf nach Spaita gewiesen (vgl. S. Wide, Lakon. 

eine Verwechslung mit dem Kampfe der Dios- Kulte S. 160). [Der "'Dionysos' Kmlcovdras 

kuren im attischen Aphidna zurückzuführen scheint sich hier, wie öfter an die Stelle eines 

sei. Vgl. iS'. Wide., Lakon. Kulte S. 329. Leu- älteren Helios geschoben zu haben, der hier 

kippos ist König in Messenien, nach Paus. 4, 30 seinen (zuerst von Maafs, Gott. Gel. Änz. 

2, 4; vgl. ÄpoUod. 1, 9, 5.3, 11, 2. [Und schon 1880, 346' richtig bezogenen) westpeloponne- 

in den Kyprien war nach G. Wentzel (Em- sischen Beinamen AsvKLmiog getragen haben 

v-lTJasig, V, de sclioliis Lycophronis 26 ff.) die wird, und zwar später in der niederen Würde 

von Pindaros (Nem. 10, 66 ff.) übernommene eines Heros: Wide a. 0. 160 f. Tümpel.] Eine 

Angabe enthalten, dafs der Schauplatz des gemeinsame Verehrung der Leukippiden mit 

Kampfes das Grab des Aphareus mit dem den Dioskuren wird bezeugt durch den UQSvg 

Aidas-ayccXfio: war; vgl. TJieocrit. Id. 22, 207. ÄivaimtCdav v.a\ TvvSaQiSäv, [welcher der 

Wenn nach Ooid. Fast. 5, 708 der Kampf- Artemis Bcogd-sa = og&i'a ein Votiv stiftet] 

platz Aphidna war, d. h. die lakonische Stadt einer spartanischen Inschrift (zweites Jahrh. 

des Sleph. Byz. s. v., so ist das nichts anderes; 40 n. Chi-., Bull. deW inst. 1873 S. 188); [Auf 

denn man wird "AcpiSvaU) mit S. Wide (Lak. diese Verbindung mit Artemis orthia möchte 

Kulte 322) als die Burg des Gegners Kastors, S. Wide jene Statue einer Göttin beziehen, in 

des Königs "Aq)idvog, ansehen dürfen, den E. deren Nähe auf der Meidias-Vase und den 

Maafs {Gott. Gel. Anz. 1890, 356) gut von V. B. M. d. I. 12, 16 und Arch. JB. 1 T. 10 

rpsiS- als den ''schonungslosen' Unterweltsgott der Leukippidenraub stattfindet, allerdings 

(== iV^ls'vs) erklärt hat. Der '.^j^td'ag des Grab- zweifelnd: 320 f. Tümpel.] vielleicht deutet 

agalma ist also kein anderer als dieser 'Jqpf£'(Jas auch die Aufstellung ihrer Statuen im Dios- 

(vgl. den tegeatischen 'AcpBiSävxeiog y.lrigog, kurentempel zu Argos {Paus. 2, 22, 5) auf ge- 

Paus. 8, 4, 3 und Wide a. 0, 321. 329). Wenn meinsame Verehrung dieser Gottheiten. 

Leukippos messeuischer König heilst, so vgl. 50 Für die Erkenntnis des Wesens dieser 

man dazu das gleichfalls messenische ^agai, Gottheiten ist von Bedeutung ihre Abstam- 

dessen Eponymos 'AcpaQSvg ist {v. Wilamoivitz, mung von ApoUon Xavy-imtog, in besonderer 

Isyllos 55^^), und den pylischen Hadeskult Weise die in dem kürzlich gefundenen J-Wii'qpe- 

{Crusius, Kaukonen in der Hallischen Allg. fragment von Ewripides den Dioskuren ge- 

JEncykl. 2. Sekt. 35, 24 ff.). Tümpel.] gebene Bezeichnung als Isvkw nälco (vgl. 

Zur Gemahlin wird dem Kastor bei Properz v. Wilamowitz, Hermes 26, 1891 S. 242). Der 

1, 2, 15 Phoebe, dem Polydeukes Hilaeira ge- Name $oij3/j erklärt sich durch <l>oißog (vgl. 

gegeben; umgekehrt ^poZ/odor 3, 11, 2, 2. Als Preller S. 98); [und entstammt ebenso wie 

Söhne dieser Ehen nenut Pausanias an zwei die Leukippiden-Väter yisvMtjrTrog und 'Apollon' 
Stellen Anaxis (s. d. ) und Mnasinos, wofür 60 dem alten vordorischen Helioskult von Tai- 

J.|9oZZo6Zor a. a. 0. die Namen Anogon und Mne- naron (Taleton, Thalamai): vgl. Wide 160 ff, 

silaos bietet. 215 ff. Tümpel.]; 'RäsiQa wird bei Steph. Byz. 

Über die dritte Tochter des Leukippos, und Schol. Pind. Ncm. 10, 112 'Elängcc ge- 

Arsinoe, s. oben Bd. 1 Sp. 557; auch sie hatte schrieben; die Meidiasvase zieht zn'EXiQa zu- 

eiuen Tempel zu Lakedaimon {Paus. 3, 12, 8), sammen. Zur Bedeutung vgl. tldsiQa aslTqvr] 

scheint indessen vor allem in Messene verehrt (und cplö^) bei Emped. in Plut. Moral. 170 (St.) 

worden zu sein, Paus. 2, 26, 7. 4, 31, 6. und 240 [auch Röscher, Selene und Verw. S. 18 

Der Mythos kennt die Leukippiden nur als A. 50. 100. li.]. 



1993 Leukippiden (in der Kunst) Leukippiden (in der Kunst) 1994 

Die Leukippiden in der Kunst. 2 S. 274 vor dem Bekanntwerden des Reliefs 
Von den ältesten Darstellungen unseres von Trysa annahm) zurück — dasselbe, welches 
Raubes, den Reliefs auf der Athene Chal- in letzter Linie auch das Vorbild für die Meidias- 
kioikos und dem Throne des Apollon zu Amy- vase (Wien. Vorlegehl. 4, 1) und den kürzlich 
klai können wir uns leider bei den kärglichen von Heydemann (Hon. d. I. 1885 tav. 16, 
Andeutungen des Puusmiias (3,17,3; 18,11) Annali ^.IbSQ. publicierten Jattaschen Krater 
keine Vorstellung bilden. Unter den erhal- war. Klarer ist die in zwei Reihen gegliederte 
tenen Denkmälern sind die altertümlichsten Darstellung der Jattaschen Vase; unten sitzen 
zwei rf. Vasenbilder attischer Arbeit, das sorg- vor einem Götterbilde zwei Mädchen, deren 
fältig und zierlich ausgeführte Gemälde eines lo eine dasselbe hülfeflehend fafst. Um diesen 
Kraters (ehemals in Coghills Besitz, Arch. Ztg. Mittelpunkt bewegen sich angstvoll hier- und 
1852 Taf. 41) und das flotte Bildchen auf einer dorthin fliehende Mädchen, aus deren Kreise 
Garnrolle ('EqpTjfi. ap;^. 1885 Taf. 5,1a). Beide der eine Dioskur seine Geliebte davonträgt; 
Gemälde stellen denselben Moment dar; die sein Gespann ist nicht abgebildet, vgl. Heijde- 
Dioskuren haben sich der Leukippiden be- mann a. a. 0. Auch in der oberen Reihe 
mächtigt und fahren mit ihnen auf Vier- hat der zweite Dioskur bereits sein Mädchen 
gespannen davon. Dazwischen bewegen sich ergriffen und zieht es nach 1. zu dem von 
mit den Zeichen höchster Bestürzung die Ge- seinem Wagenlenker gezügelten Viergespann; 
fährtinnen der Geraubten; mitten im Spiele nach der anderen Seite enteilt eine Gefährtin 
waren die Zeussöhne plötzlich unter sie ge- 20 der Geraubten. R. oben sitzen Aphrodite und 
treten. Auf dem Krater fahren die Wagen Eros, 1. unten sieht Athena mit Speer und 
nach verschiedenen Richtungen auseinander; Schild dem Raube zu. So wenig geschickt 
vor dem I. fahrenden eilt ein Mädchen, den auch die Komposition dieses Vasenbildes sein 
Blick zurückwendend, zu einem auf einem mag, der Ausdruck der einzelnen Gestalten 
Felsen sitzenden lorbeerbekränzten Mann, der ist (abgesehen von den wenig sagenden Ge- 
mit der L. sein Scepter staunend erhebt: kein sichtszügen) der Lage, in der sie sich befinden, 
Zweifel, dafs Leukippos in ihm zu erkennen angemessen — im Gegensatz zur Meidiasvase, 
ist (vgl. Jahn, Arch. Aufs. 106). Hinter dem die zwar durch ihre äufserst gewandte Zeich- 
anderen Viergespanne aber erscheint Apollon, nung und die geschmackvolle, prächtige Ge- 
mit Lorbeerkranz und langem Lorbeerzweig, so wandung der Figuren besticht, bei der aber 
Jahn fafste ihn als Hochzeitsgott {Arch. Ztg. die ganze Handlung mehr den Anschein einer 
1845 S. 28); indessen scheint er hier vielmehr Spielerei hat und die Bedeutung einzelner Ge- 
zugegen zu sein als der wahre Vater der bei- stalten der unteren Reihe aus ihrer Darstellung 
den Mädchen, für den er in den Kyprien galt hier allein unklar bleibt. Es hat für uns kein 
(Sp. li)89); er begünstigt denRaub seiner Töchter Interesse, bei einer Komposition von sowenig 
durch des Zeus Söhne. Der dem r. Gespann voran- präziser Ausdrucksweise den Intentionen eines 
eilende Jüngling ist gewifs richtig für einen Vasenmalers nachzugehen, welchem selbst seine 
Begleiter der Dioskuren erklärt; er wie Apol- Gruppe 1. unten so wenig klar war, dafs er 
Ion fehlen auf dem kleinen Bilde der attischen sie nicht besser zu gestalten vermochte; kein 
Scheibe, auch findet sich hier ein Mädchen 40 Wunder bei einer Darstellung, welche ein Jahr- 
weniger. Der Entführung sieht ein kahl- hundert hindurch in Vasenwerkstätten durch 
köpfiger Greis in seinem Chiton poderes und die bessernden Hände von Handwerkern ge- 
darübergeworfenem Himation zu, an einen gangen ist. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, 
Palmbaum gelehnt, während er mit der vom ohne Rücksicht auf Inschriften die ursprüng- 
Gewande freien L. einen Stab schräg vor sich liehe Bedeutung der einzelnen Typen festzu- 
zur Erde hält. Auch in ihm ist Leukippos zu stellen — und da wird die Situation mit einem 
erkennen, um so sicherer, als auf ihn (wie auf Schlage klar. In der sitzenden Gestalt 1. or- 
dern Krater) das vorderste Mädchen zueilt. kennen wir Leukippos wieder (Coghillsehes 
Hoch über dem einfachen Aufbau der be- Gef.), auf den eine der Jungfrauen (Agaue, 
sprochenen Vasengemälde stehen die Frag- 50 vgl. das im Winde flatternde Tuch) hinzueilt, 
mente des im Jahrb. des Arch. Inst. 1 Taf. 10, 2 um ihm das Geschehene zu melden; eine andere, 
publicierten attischen Vasenbildes, welches, Chryseis, spielt noch mit einer Blume, während 
wie ich ebenda 2 S. 270 ff. nachgewiesen zu eine dritte {IJsi&co, vgl. Heydemann a. a. 0) 
haben glaube, gleichfalls den Raub der Leu- in einer für den Charakter der Darstellung auf- 
kippiden darstellte. An heiliger Stätte, dicht fallend heftigen Bewegung enteilt. Aus einem 
bei einem altehrwürdigen Idol, geschieht hier hülfesuchend an den Altar geeilten Mädchen 
der Raub: ein Dioskur hat bereits die eine endlich (vgl. Jattasche Vase) ist hier Aphrodite 
der Königstöcftiter in seiner Gewalt; der andere, geworden. Ich möchte es dahingestellt sein 
hinter einer Palme versteckt, sieht gespannt lassen, ob solchen späteren Umdeutungen 
auf eine Gruppe ihm nahender Mädchen, um 60 immer ein Mifsverständnis einer Vorlage zu 
im nächsten Momente emporzuspringen und Grunde liegt; im einzelnen Falle mag wohl 
die Geliebte zu ergreifen. Zu beiden Seiten eine bewufste Umdeutung stattgefunden haben, 
halten Viergespanne; ein Mädchen ist schnell Hier freilich ist letzteres wenig wahrscheinlich: 
enteilt, um die unerwartete Entführung der denn wenn sich auch für die Darstellung der 
einen Königstochter zu melden. Peitho eine nicht üble Erklärung finden läfst 
Diese lebendige, packende Komposition geht — ganz verunglückt ist Aphrodite und die 
auf ein uns unbekanntes Original (nicht auf Gruppe Zeus -Agaue. 
das Gemälde des Polygnot, wie ich im Jahrb. Einige Vasenbilder, die vielleicht gleich- 



1995 Leukippiden (in der Kunst) Leukippos 1996 

falls auf den Leukippidenraub zu beziehen sind, weitere Exemplare von dieser Gattung nicht zu 

bieten auch bei dieser Deutung noch so viele finden sein wird; an Leukippos ist gewifs nicht 

Schwierigkeiten, dafs sie hier nicht erwähnt zu denken. In den Kämpfenden 1. aber glaube 

werden können. Ich mache nur noch den ich mit Sicherheit Lynkeus und Kastor (T/jeo^T. 

Holzsarkophag aus dem Kul Oba, auf dem mit 20, 183 ff.) zu erkennen. Auch unsere Sarko- 

höchster Wahrscheinlichkeit der Leukippiden- phage enthalten, wie so viele andere, mehr 

raub zu erkennen ist, wofür ich auf Bursian, als eine Scene, nicht nur den Raub, sondern 

Arcli. Ztg. 1852 S. 435 verweise, und das Relief auch die Folge desselben, den Zweikampf der 

der etruskischen Urne bei Baoul- Bochette, beiden jüngeren Brüder. 

M. J. 75 namhaft. lo Mit Ausnahme der Entführungsscene bot 

Eine plastische Darstellung unseres Raubes der Leukippidenmythos der bildenden Kunst 

{Jioa'novQcov ccycil[iaTccq)SQovTEgzag ÄsvuLTcnov), keinen geeigneten Stoß"; aufser den Darstel- 

die man nicht vor das vierte Jahrhundert setzen lungen des Raubes kennen wir daher nur noch 

wird, sah Paus. (4, 31, 9) zu Messene. Erhalten Statueu der Leukippiden zu Sparta und Argos 

ist uns eine analoge in den kleineren Statuen {Paus. 3, 16, 1. 2, 22, 5) und die Bilder des 

des Nereidenmonumentes, wie zuerst Furt- Omphalion im Tempel der Stadtgöttin zu Mes- 

tvängler, Arch. Ztg. 1882 S. 347 ausgesprochen sene {Paus. 4, 31, 12), auf denen unter den 

hat. Ob diese freilich den Akroterienschmuck Herrscherfamilien des Landes auch Leukippos 

bildeten, ist mir zweifelhaft, weil ich mir eine mit seinen Töchtern dargestellt war. Das Ge- 

solche Scene ungern in zwei Gruppen auf der 20 mälde des Atheners Alexandros zu Herculaneum 

einen und der entgegengesetzten Spitze des {Pitture d' Ercol. 1 Taf. 1; s. ob. Sp. I978f. 

Heroon zerrissen dächte. Auch die Nereiden, unter Leto in der Kunst) hat noch keine be- 

deren bisherige Deutungen mir verfehlt er- friedigende Deutung erfahren; sind unter Hi- 

scheinen, halten mich davon ab. Täusche ich laeira und Phoibe, was doch am nächsten 

mich nicht, so können aufgeregt fliehende liegt, die Leukippiden zu verstehen, so wird 

Meermädchen in einem Werke griechischer ihre Verbindung mit Leto durch die epische 

Kunst nur zu einer Darstellung des Raubes Tradition zu erklären sein, nach welcher Apol- 

der Thetis gehören; auch hier haben wir die Ion der Vater der Jungfrauen war. Für Niobes 

Entführung der Leukippiden mit derjenigen der Verhältnis zu Leto wäre dann auf Sapplio bei 

Thetis vereint, wie auf den beiden Scheiben 30 ^i/tew. 13, 4 zu verweisen und unter Aglaia 

der att. Terracotta ('Eqprjft. 1885 Taf. 5, 1), und vielleicht eine Tochter der Niobe zu verstehen, 

ich dächte mir daher am liebsten beide Gruppen Vgl. Leto. [Ernst Kuhnert.] 

am gleichen Platze aufgestellt. Leukippos {Asv-nnmog), 1) Sohn des Perieres 

Die bisher besprochenen Darstellungen zei- (des Amyklas, Aristid. Miles. bei Schol. Pind. 

gen, wie es nach der oben dargelegten Ent- Pj/i/i. 3, 14) und der Gorgophone, einer Tochter 

Wickelung der Sage zu erwarten war, nur den des Perseus, Bruder des Apbareus, Tyndareos 

Raub durch die Dioskuren, ohne die Aphariden. und Ikarios , König in Messenien. Seine Ge- 

Das älteste Denkmal, welches die jüngere Sagen- mahlin Philodike (Phylodike?), Tochter des 

Version zeigt, ist der Fries am 1. Teile der Inachos, gebar ihm die Hilaeira und Phoibe 

Nordwand des Heroon zu Gjölbaschi (Das 40 (die Leukippiden, welche, den Apharetiden 

Heroon von G. v. Benndorf und Niemann Idas und Lynkeus verlobt, von den Tyndariden 

Taf. 16). L. von einem Antentempel entführen Kastor und Polydeukes geraubt und geheiratet 

die Göttersöhne auf Viergespannen die beiden wurden, s. Leukippiden) und die Arsinoe, welche 

Mädchen, verfolgt von einer Anzahl bewaff- dem Apollon den Asklepios gebar, Stesichoros 

neter Krieger. Unter diesen fallen zwei mit bei Apollod. 1, 9, 5. 3, 10, 3. 4. Tzctz. L. 511. 

Petasos und Chlamys bekleidete Jünglinge, Paus. 4, 2, 3. 4, 31, 9. 2, 26, 6. Syg. fah. 80. 

hoch zu Rofs, in die Augen, deren jeder einem Ov. fast. 5,702. TJieoJcr. 22, 137. Schol. II. 3, 243. 

der Gespanne nachsetzt; kein Zweifel, dafs v/ir Der Vf. der Kyprien nennt Hilaeira und Phoibe 

in ihnen die Aphariden zu erkennen haben. Töchter des Apollon, Pa^is. 3, 16, 1. Vielleicht 

In der anderen Frieshälfte r. vom Tempel er- 50 -geht auf diesen Leukippos Hom. H. in Ap. 

blicken wir Leukippos, dessen Gemahlin und Pyth. 34; s. Baumeister z. d. St. Schneidewin, 

einen kleinen Sohn, von dem die Sage nichts Die hom. Hymnen auf Apollon, abgedruckt 

berichtet, weiter eine grofse Anzahl von Frauen aus den Götting. Studien 1847. Nach messe- 

und auch Männern, die in verschiedenartigster nischer Sage war die lakonische Stadt Leuktra 

Weise diese ihr Erstaunen, jene ihren Schmerz oder Leuktron eine Gründung des Leukippos, 

über das unerwartete Ereignis äufsern — oben was dem Pausanias deshalb glaubhaft erschien, 

darüber Vorbereitungen zu einem Opfer, welche weil dort Asklepios, der Sohn der Arsinoe, 

von den Beteiligten mit einer Ruhe und Ver- Tochter des Leukippos , besonders verehrt 

tiefung betrieben werden, als ob nichts vor- wurde. Paus. 3, 26, 3. Leukippos wird unter 

gefallen wäre. 60 den kalydonischen Jägern genannt, Ov. Met. 

Die drei erhaltenen Sarkophagdarstellungen 8,306. Deimling , Lelegcr 118 ff. Preller, Gr. 

{Mus.Piocl. 4,44. Gall. Giust. 2, 138. WincJcel- Mijth. 2, 90. 97 f. Gerhard, Gricch. Myth. 2 

mann, M. I. 61) wie ein Terracottarelief {Arch. Stammtafel p. 240 P. 2. Schwende, Andeu- 

Ztg. 1852 Taf. 40, 3), dessen Figuren ein ge- tungen 194. Pott, Studien zur griech. Myth., 

naues Negativ der entsprechenden bei Winclcel- Jahrb. f. Philol. 1859 Suppl. 3 p. 330. 331. 

mann 61 bilden, stellen den Vorgang überein- [Mehr unter Leukippiden. S. auch Wide, 

stimmend dar. Für den r. forteilenden Krieger Lalcon. Kulte S. 123. 160. 191, der mit Maafs, 

der Sark. fehlt noch eine Deutung, die ohne Gott. Gel. Anz. 1890, 346, 1 Äsv-nimios als 



1997 Letikippos Leukippos 1998 

Hypostase des Helios fafst, wozu die Namen Stellen der Alten die Reiterei bei den Mag- 
der Leukippiden Hilaeira und Phoibe, die sich neten des Mäanderthaies spielte. Drexler.] — 6) 
auch als Epitheta der mit Helios so oft ge- Sohn des Makareus, Königs von Lesbos, den 
paarten Selene nachweisen lassen (Eoscher, der Vater mit einer Kolonie nach Rhodos 
,SWt'r(eS. 18 Anm.50. S,19Anm. 54. S. 26. S. 100; schickte, Diod. 5, 81. — 7) Sohn des Naxos, 
vgl. S. 97 ff.), trefflich passen würden. Röscher.] Königs der auf Naxos angesiedelten Karer. 
Vgl. auch die Petersburger Vase nr. 2188. — Unter der Herrschaft seines Sohnes Smer- 
2) Sohn des Oinomaos in Pisa. Er liebte die dios kam Theseus mit Ariadne auf die Insel, 
Nymphe Daphne, die Tochter des arkadischen Diod. 5, 52. — 8) Sohn des Eurypylos, 
Flufsgottes Laden (oder des Amyklas); da die lo Königs in Kyrene, eines Sohnes des Poseidon 
jagdliebende Jungfrau aber allen Umgang mit und der Atlantide Kelaino,_ Bruder des Lykaon. 
Männern floh, so brauchte er, um ihr zu nahen. Die Mutter war Sterope, eine Tochter des He- 
die List, dafs er sich die Haare nach Art der Hos, Schwester der Pasiphae, AJcesandros bei 
Frauen wachsen liefs und in weiblicher Klei- Tzetz. Lyk. 886. ScJiol. Find. Pyth. 4, 57; vgl. 
düng als Tochter des Oinomaos sich der Ge- Schol. Ap. Bh. 4, 1561. Gerhard, Gr. Myth. 2 
liebten als Jagdgenossin anbot. Er erwarb Stammtfl. p. 228 D 4 b. E 1 b. Studniczlia, 
sich bald die Liebe der Daphne; Apollon aber Kyrene S. 119 ff. — 9) Ansiedler der Achäer 
veranlafste aus Eifersucht, dafs Daphne und in Metapontion, Strabon 6, 2fi5. Klausen, 
ihre Gefährtinnen zum Bade in den Laden Aeneas 459. 1159 f. Gerhard, Gr. M. 1 % 557, 
stiegen und auch den Leukippos sich zu ent-20 3c; 2 § 854, 1. 858, 3. [Auf dem_ Obv. 
kleiden zwangen, worauf sie ihn töteten, Paus. von Silbermünzen von Metapont ist sein be- 
8, 20, 2. Parthen. 15. — 3) Sohn des Thuri- helmtes Haupt bald mit der Beischrift AEY- 
machos, König in Sikyon. Mit seiner Tochter KIPPOZ {Cat. of the gr. c. in the Brit. Mus. 
Kalchinia zeugte Poseidon den Peratos, der J?a/y/ p. 248 nr. 79 — 81. Coli. Santangelo -p. A3 
von Leukippos, welcher keine Söhne hatte, nr. 4161—4167. Leake, ISf. H. Eur. Gr. p. 129. 
auferzogen und zu seinem Nachfolger bestimmt Coli. Bompois p. 17 nr. 219), bald ohne die- 
wurde. Paus. 2, 5, 5. Mit Rücksicht auf Pau- selbe {Brit. Mus. It p. 247 f. nr. 75 — 78. 82. 
sanias und Bind. Ol. 6, 28 (46) ff. nebst Sthol. Coli. Santangelo nr. 4142. 4159. 4160. 4168- 
schlägt Bunte, Hyg. fah. 157 (Neptuni filii) 4172. Leake, N. H. Kur. Gr. p. 129 u. Suppl. 
statt der korrupten Worte: Euadne ex Lena, so p. 134. Coli. Bompois nr. 220) nicht selten. 
Leucippi filia vor zu schreiben : Euadne ex Auch auf dem Obv. einer Goldmünze erscheint 
Pitane, Eurotae fluminis füia; Peratus ex Cal- es, bedeckt mit einem korinthischen Helm, 
chinia, Leucippi filia. Muncker vermutete: an welchem die Skylla als Zierat angebracht 
Euadne ex Pitana, Leucippi filia. Gerhard, ist, begleitet von der Beischrift AEYKITPOX, 
Gr. Myth. 2 Stammtfl. p. 238 N. 2. Curtius, Brit. Mus. Italy p. 238 nr. 1. Nach Klausens 
Peloponn. 2, 482. — 4) Sohn des Herakles und {Aeneas 2 p. 1159 f.) Vorgang hält Lilhhert, 
der Thespiade Eurytele, Apollod. 2, 7, 8. Hyg. Commentatio de Biomede heroe per Italiam in- 
fah. 162. — 5) Ein Karer (oder Sohn des Kar?), feriorem divinis honoribus culto. Bonn. Ind. 
welcher mit den Magneten aus Kreta in Klein- schol. W.-Sem. 1889/90 p. 10—12 den Leukippos 
asien die Stadt Magnesia am Mäander grün- 40 von Metapont für identisch mit Diomedes. 
dete, Schol. Ap. Eh. 1, 584; vgl. Hock, Kreta Drexler.] [Vgl. auch Imhoof-Blumer, Monn. gr. 
2, 409 ff. [Dieser Leukippos wird mit dem p. 5. R.] — 10) Gemahl der Graia, der Tochter 
unter 12 verzeichneten identificiert von Boeckh des Medeon, nach welcher Tanagra früher Graia 
zu C. I. Gr. 2910 und Bayet, Milet p. 141. Die {II. 2, 498) hiefs, Schol II. 2, 498; vgl. Steph. B. 
Inschrift C. I. Gr. 2910, ein Beschlufs der \. Tävccyqa. Bursian,Geogr. 1,21^,1. — ll)lia 
Panbellenen zu Ehren der Magneten, gefunden Phaistos auf Kreta wurde ein Mädchen von der 
in Athen, beginnt mit den Worten 'Aycc%rii Mutter (Galateia) zum Schein, um den Vater 
TviT]i AEvmnnog. Boeckh nimmt an, dafs hier Lampros zu täuschen, unter dem Namen Leukip- 
der mythische Gründer Magnesias gemeint sei, pos auferzogen und, als es herangewachsen, auf 
an dessen Statue in Athen man das Dekret 50 Bitten der Mutter von Leto in einen Jüngling ver- 
angebracht habe. Eayet p. 112 und Froehner, wandelt. Es war in Phaistos Brauch, dafs man 
Les inscr. gr. [du musee du LouvreJ nr. 66 bei Hochzeiten sich zuerst bei der Bildsäule 
p. 140 billigen diese Ansicht. Aber mit Recht des Leukippos lagerte, Ant. Lib. 17; s. Galateia 
bezweifelt Boss, Hell. 1, 1 p. 41, dafs der in nr.2 u. Leto. — 12)Sohn des Xanthios in Lykien, 
diesem Beschlufs aus dem 2. nachchristlichen aus dem Geschlechte des Bellerophon, hatte 
Jahrhundert genannte Leukippos mit dem geschlechtlichen Umgang mit seiner Schwester 
mythischen Helden etwas zu thun habe. Irrig und tötete den Vater, der sie überraschte, 
ferner will Bayet, Milet p. 132 Anm. 1 zu Deshalb ging er an der Spitze einer thessa- 
Fig. 31, p. 138 Anm. 4 zu Fig. 35 und p. 142 lischen Kolonie nach Kreta und gründete von 
Fig. 37 den letzteren erkennen in dem mit 60 da aus Kretinaion im Gebiet von Ephesos, 
eingelegter Lanze einhersprengenden Reiter Hermesianax bei Parthen. 5. — 13) Sohn des 
der Münzen von Magnesia am Mäander. Dieser Polykrithos, von Poimandros, dem Gründer 
geradezu zum Wappen der Stadt gewordene von Tanagra, durch einen Stein wurf getötet, 
Reiter, der nach Kern, Wochenschr. f. klass. Plut. Qu. Graec 37. — 14) Bei Apollod. 3, 12, 3 
Phil. 1893 Sp. 782 auch auf Inschriftsteinen ist AEvuiJtnrjv zn schreiben im AevutTinov, siehe 
von Magnesia erscheint, erklärt sich zur Genüge Leukippe nr. 3. — 15) [L. = im westlichen Pelo- 
aus der hervorragenden Rolle, welche nach ponnes bald Beiname bald heroische Hypo- 
den von Eayet p. 144 Anm. 2 angezogenen stase des Helios: E. Maaß, Gott. Gel. Ans. 



1999 Leukolenos Leukoplirjs 2000 

1890, 346; S. Wide, LaJcon. KtiUe 216. 260; Leukoplinues (Äsvnorpävrig), Sohn des Ar- 

vgl. aucla oben nr. 1 und unter Leukippiden. gonauten Euphemos und der Malache (La- 

Tümpe].] [Stoll.] mache), Ahnherr des Battos von Kyrene {Schol. 

Leukolenos (J6'yHm;isvos), Beiname der Hera; Find. Pyth. 4:, i5b. l'zetz. LyJcophr. 886; vgl. 

s. Bd. 1 Sp. 2097 Z. 53 ff. Charit. Äphrod. 0. Müller, Orch. S. 301 ; mehr bei Studniczka, 

amat. narr. 4, 1. [Höfer.] Kyrene S. 110, 54). [Schirmer.] 

Leukon {Asvkcov), 1) Sohn des Athamas und Leukoplirye (ÄevKoq)Qvr}'^), Tochter des Man- 

derThemisto, einer Tochter des Hjpseus, Bruder drolytos, die aus Liebe zu Leukippos, dem 

des Erythrios, Schoineus, Ptoos, J.^o?Zoc/. 1, 9, 2. Sohne des Xanthios, diesem ihre Vaterstadt 

Herodoros bei Schol. Ap. Bh. 2, 1144. Nonn. lo verriet (Hermesian. bei Parthen. crot. 5). Vgl. 

Dion. 9, 312 ff. Ein Sohn des Leukon hiefs Leukophrys. [Schirmer.] 

Erythras, nach vrelchem die böotische Stadt Leukopliryene(J{-v)ioqp9?>?}i'r;) s. Leukophrys. 

Erythrai benannt war. Paus. 6, 21, 7; eine Leukophryne {ÄsvnocpQvvrj), 1) == Leuko- 

Tochter Euippe, Gemahlin des Andreus, Paus. phryeue und Leukophrys (s. d.). — 2) Eine 

9, 34, 5; ferner Peisidike, die Mutter des Ar- Nymphe oder Priesterin der Artemis Leuko- 

gjmnos, Steph. B. y."jQyvvvog. Bei Hygin{ f ab. phryene, in deren Tempel ihr Grab gezeigt 

157),wo unter denSöhnen des Poseidon aufgeführt wurde {Zenon bei Ärnoh. adv. g. 6, 6. Theodoret. 

wird: Leuconoe ex Themisto, Hypsei fdia, ve^- serm. 8 p. 598 a). Vgl. Leukophrys. [Schirmer.] 

mutet man Leucon ex Th., so dafs also manche Leukophrys (AevKÖcpQvg) , Beiname der Ar- 

den Leukon als Sohn des Poseidon angesehen 20 temis in Magnesia am Maiandros, Nikander 

hätten. Leukon scheint auf den alten Namen bei Ath. 15 p. 683 C (nach Schneider) und (ab- 

des kopaischen Sees Leukonis zu deuten solut, ohne Zusatz von Artemis) auf Münzen 

(0. Müller), oder es bezeichnet den weifsen der Stadt, 3Ii. S. 6, 236, 1026 (autonom, doch 

Boden (Forchhammer, Hell enikal 88; Gerhard). aus der Kaiserzeit). Mi. S. 6, 237, 1034 (A€Y- 

Müller, Orch. 134. 170. 214. 465. Gerhard, Gr. KOOPIC, Domitian). Mi. 3, 147, 639 und S. 6, 

Myth. 2 § 701, 6. 702, 2; p. 224 Stammtfl. A3 237, 1035. 1036 (Trajan). Head, Cutalogue of 

und p. 226 C. — 2) Einer der sieben Archa- the greelc coins of Jonia p. 165 nr. 54 PL 19, 7. 

geten der Platäer, denen vor der Schlacht bei Mi. 3, 148, 640 (A6TIKO0PYC, Hadrian). Mi. 

Platää auf Befehl des Orakels geopfert wurde, S. 6, 246, 1077 (Seveius Alexander). Der Name 

Plut. Aristid. 11. — 3) Der Kreter Leukos 30 ist gleichlautend mit dem des Ortes in der 

(s. d. nr. 1) wird Schol. II. 2, 649 Leukon, Sohn Maiandrosebene, wo nach Xeno^ih. Hell. 3, 2, 19 

des Talos, genannt. — 4) Hund des Aktaion, der Tempel der Göttin sich befand. Wohl mit 

Hyg.fah. 181. Ov. Met. ^, 2\8. [Stoll.] Recht vermuten 5oecZ;/i zu C. J.6^r. 2914. J?aoMZ- 

Leukoue {Äevucävrj), 1) Tochter des Aphei- Bochctte, Journ. des Sav. 1845 p. 580. Bayet, 

das, Königs in Tegea, nach welcher eine Quelle Milet et le golfe latmique p. 120. Heller, De 

in der Nähe der Stadt benannt war. Auch ihr Cariae Lydiaeque sacerdotibus, Suppl. Bd. 18 zu 

Grabmal befand sich nicht fern von Tegea, Jahrbb. f. Id. Phil. p. 235, dafs dieser Ort mit 

Paus. 8, 44, 7. Gurtius , Peloponn. 1, 251. 262. dem neuen Magnesia identisch ist. 

Bursian, Geogr. 2, 223. — 2) S. Kyanippos nr. 3. Eine andere Form des Nameus der Göttin, ab- 

[Stoll.] 40 geleitet von dem des Ortes, ist AsvnocpQvrjvrj, 

Leukones {ÄEv-ncövrig), Sohn des Herakles welche Boeckh zu C. I. Gr. 2914 irrig für die 

und der Thespiade Aischreis, ApoUod. 2, 7, 8. allein richtige hält. Sie findet sich in der 

[Stoll.] eben erwähnten Inschrift, ferner in der Bull, de 

Leukonoe {Asvnovör]), 1) Tochter des Po- Cor r. Hell. 15 p. 539 mitgeteilten; auf sicherer 

seidon und der Themisto {Hyg. fab. 157, wo Ergänzung beruhend auch G.I.Gr. 2561b (da- 

Schm. mit Bunte nach Apollod. 1, 9, 2 Leukon gegen willkürlich ergänzt C. I. Gr. 2934 u, 3137 

(s.d.) liest). Vgl.Leukotheaa. E.u.JSa&eZon^ilf.c. Z. 84); ferner bei Strabon 14 p. 647. Paus. 1, 

2, 322. — 2) Tochter des Lucifer, von Apollon 26, 4 u. 3, 18, 9 sowie, absolut gebraucht, auf 

Mutter des Philammon (i??/(7./a6. 161, im Wider- einer Münze des Nero von Magnesia, Head, 

Spruch mit fab. 200. Schol. Od. 19, 432. Conen 50 Jonia p. 146 nr. 52. 

narr. 1). [Vgl. Toepffer, Att. Geneal. 258, 1. 'Eine dritte Fovm ist As v-Kocpgvvrj, Bull, de 

Röscher.] — 3) Tochter des Minyas, die sich Corr. Hell. 12 p. 269 nr. 54. A^yp. b. c. 5,9 

mit ihren Schwestern von den Orgien des Tac. Ann. 3, 62 und, absolut gebraucht, aut 

Bakchos fernhielt. Während sie sich beim Münzen von Magnesia, Mi. 3,146, 628. C.Combe, 

Weben über die Liebesverhältnisse der Götter Mus. Hunter p. 184 nr. 8 (irrig AAYPO0PYNH 

unterhielten, wurden sie in Fledermäuse ver- gelesen). Head, Jonia p. 164 nr. 49. 50. 61. 

wandelt {Ov. Met. 4, 168 ff. Abweichend Ael. Diese Form des Namens ist auch für die Sterb- 

V. hist. 3, 42. Plut. qu. gr. 38, Ant. Lib. 10, liehe überliefert, welche im Tempel der Göttin 

wo die Minyaden Leukii^pe, Arsinoe (Arsippe) begraben lag, Zeno Myndius bei Arnob. adv. g. 

und Alkithoe heifsen). Siehe Alkithoe. [Hängt go 6, 6 p. 496 Hildebr. Clem. AI. Protr. c. 3, 45 

der Name Leukonoe etwa mit der Hesych- -p. 13 Sylb. Theodoretns,Gr. aff'ect. cwatio disp.8 

Glosse XsvHal (pQevsg' ^aivöfisvcci, (vgl. l'ind. {Opera omnia ed. loa. Lud. Schulze 4 p. 909, wo 

Pytli. 4, 194 u. d. Schol. sowie Boeckh z. d. das überlieferte AvTiofpQoviqv, wie schon Heyne, 

St.) zusammen?] [Schirmer.] Samml. ant. Aufs. 1. St. p. 110 Anm. u sah,, in 

Leukopeus {Aevumnsvg), Sohn des Porthaon AsvnocpQvvrjv zu ändern ist). Auch ist Bofs, 

und der Euryte, der Tochter des Hippodamas, Hellenika 1 p. 41 jedenfalls im Recht, wenn 

Bruder des Oineus, Agrios, Alkathoos, Melas er bei Parthenios Erot. 5 den in der Form 

und der Sterope {Apollod. 1, 7, 10). [Schirmer.] AsvKotpQvr} überlieferten Namen der Tochter 



2001 Leukophrys Leukophrys 2002 

des Mandrolytos, welche mit der von Zeno Gesch. d. Artemis p. 1174. Bilthey , Analecta 

Myndius erwähnten Heroine offenbar iden- Callimachea p. 11. Haeberlin, Stud. z. Äphro- 

tisch ist, für eine irrige Lesart statt Leuko- dite v. Melos p. 45 f. Anm. **. Guhl, Ephesiaca 

phryne hält. p. 104. Bayet, Milet -p. 14:1. Ä. Maury, Hist.des 

Den Namen -wollte Baoul - Röchelte , Con- rel. delaGr. ant. 3 p. 1Q5. — 31aury, Heyne nuA 
siderations arclieologiques et architectoniques sur Curtius bezeichnen sie als eine Nymphe, Guhl 
le temple de Diane Leucophryne re'cemment de- als Nymphe oder Priesterin der Artemis L. 
couvert ä Magnesie du Meandre, Journ. des Sav. Aus der Notiz des Zenon geht diese Nymphen- 
1845 p. 580 erklären aus einem 'e'pithete hiera- natur nicht hervor. Man hat sie wohl deshalb 
iique, liee ä la nature du culte de cette Diane lo als Nymphe aufgefafst, weil man in dem Zuge, 
de Magnesie\ wogegen Bofs, Hell. 1 p. 41 mit dafs sie im Tempel der Artemis begraben wurde, 
Recht bemerkt, dafs sich dabei nichts denken eine Ähnlichkeit mit dem Mythos der Kallisto, 
läfst. Corcia, II mito di Marsia p. 19 läfst gleichfalls einer Hypostase der Artemis, ent- 
Artemis dadurch bezeichnet werden als Göttin deckte, s. Maury a. a. 0. Anm. 3. Corcia p. 19. 
des weifsen Mondlichts. Bayet p. 126 f. giebt Leider ist uns über die Geschicke der Heroine 
dieselbe Erklärung neben der anderen, die Leukophryne aufser den dürftigen Notizen des 
AuD^enbrauen des Götterbildes seien weifs be- Parthenios und Zeno Myndius nichts überlief ert. 
malt gewesen. F. Paris in Daremherg et Saqlios Dilthey, welcher Ännlecta Callimachea p. 11 und 
Dicf. des anf. gr. et rem. Tom. 3 p. 153 über- Bh. Mus. 1870 p. 330 Anm. 1 auf Leukophryne 
setzt Leukophiyene mit „aux sourcils d'argent". 20 grundlos die vou ihm fälschlich (s. Schneider, 
Ganz unwahrscheinlich bezieht Härtung, Bei. Callimachea 2 p. 233 zu fr. 76 und 2 p. 544 f. 
u. Myth d. Gr. 3 p. "208 den Namen auf den zu fr. 333) dem Kallimachos zugewiesenen 
grauen Schaum des Meeres. Verse vdeLv ^'oiks rrjv cpsQ^^oov (oder cpvoL^oov) 

Mit Eecht leiten den Beinamen von der kÖqtjv und TIsXiov xe Mayvrjaaav yiÖQccv bezieht, 
Stadt Leukophrys her Heyne, Samml. ant. vermutet {Anal. Call. p. 12), dafs sie ebenso 
Aufs. 1. St. p. 109. Buttmann, Mythologus 2 wie Skylla, Tarpeia, Pisidike den Verrat an 
p. 134. Haeberlin, Studien zur Aphrodite von der Vaterstadt mit dem Tode büfsen mufste. 
Melos p. 45 Anm. **. Claus, De Dianae anti- Vielleicht haben wir sie zu erkennen auf 
guissima apud Graecos natura p. 46 u. a. m. Münzen von Magnesia am Maiandros in der 
Hinsichtlich des Wesens der Göttin ist von 30 vor einer Kapelle oder einem Altar knieenden 
verschiedenen Seiten mit Recht auf ihre nahe Figur, oberhalb welcher Artemis (?) auf einem 
Verwandtschaft mit der ephesi sehen Artemis Pferde mit geschwungenem Speer, begleitet 
hingewiesen worden. Doch geht Guhl, Ephe- von einem Hunde oder Löwen dahinstürmt. 
siaca p. 104 zu vpeit, wenn er den Kultus der Leider liegt dieser auf Münzen des Caracalla, 
Artemis L. direkt aus Ephesos herleitet. Wenn Sestini, Mus. Hedervar 2 p. 180 nr. 10. Add. 
einige sie für eine Mondgöttin erklären, so Tab. 4, 5, wonach Mi. S. 6, 241, 1052, vgl. 
heifst dies ihren Begriff zu eng fassen. Als Mus. TheupoU p. 796, 971, wonach Mi. S. 6, 
Parhedros giebt ihr, der echt asiatischen Göttin, 241, 1052, Severus Alexander, Jft. 3, 153, 672 
Bayet p. 128 den Men (s. d.), welchei nicht selten und Maximinus, Vaillant, Num. Gr. p. 146, wo- 
auf den Münzen von Magnesia am Maiandros 40 nach Mi. S. 6, 250, 1011. Mi. 3, 154, 680 be- 
vorkommt. Ohne viel Gewicht darauf zu legen gegnende Typus noch in keiner zuverlässigen 
will ich beiläufig bemerken, dafs, wenn man Beschreibung und Abbildung vor, vielmehr 
in Leukophryne, der Tochter des Mandrolytos, gehen die einzelnen Beschreibungen so sehr 
eine Hypostase der Göttin sehen will, man auseinander, dafs es unmöglich ist, eine sichere 
auch den Geliebten derselben, Leukippos, für Vorstellung von demselben zu gewinnen, 
eine Hypostase des Men halten kann , da der Auf Münzen des Gordianus Pius von Mag- 
Name vorzüglich für den nicht nur in der nesia erscheint ein Monument, aus welchem 
phrygischen Mythologie als Reiter gedachten ein Baum herauswächst. Es wird von Mi. S. 
Mondgott pafst. Curtius, Studien z. Geschichte 6, 252, 1112 (nach Vaillant). Engel, Bev. num. 
der Artemis, Monatsher. d. Kgl. Pr. AJc. d. W. 50 1885 p. 11 nr. 9 und dem Verfasser des Cata- 
1887 p. 1180 hält Leukophryne für identisch logue Whittall 1867 p. 33 nr. 417 als Pyramide, 
mit Kybele. Dies mag insofern Berechtigung von Imhoof, Griech. Münzen p. 116 zu nr. 289 
haben, als beide Göttinnen Erscheinungsformen Taf. 8, 24 als Turm, von Head, Jonia p. 171 
der grofsen vorderasiatischen Naturgöttin sind. nr. 87 — 89 als vier- oder fünf- oder dreistufiger 
Doch aus der Stelle des Strabon p. 647, auf flammender Altar bezeichnet. Davor steht ge- 
weiche er sich für die Identität beider beruft, wohnlich ein Widder, welchen wir wohl auch 
kann dieselbe nicht gefolgert werden, da hier in dem angeblichen Wolf des Exemplars der 
nur gesagt wird, dafs sich im alten Magnesia Sammlung Whittall zu erkennen haben, auf 
ein Tempel der Dindymene, im neuen das einem Stück des British Museum {Head nx.^'d) 
Heiligtum der Leukophryne befand. Die Iden- 60 ein Stier. Dieses Denkmal glaubt Baoul - 
tität jener sterblichen Leukophryne, welche Bochettc, Journ. des Sav. 1845 p. 649 wieder- 
nach Parthenios die Stadt Magnesia an Leu- erkennen zu dürfen in einem „massif de con- 
kippos verriet und nach Zeno Myndius im struction d'une forme carree et d'une dimension 
Tempel der Artemis L. begraben lag, und der conside'rable qui s'elevait ä la farade posterieure 
Göttin ist von vielen Seiten erkannt worden, du temple", welches von den Architekten Cler- 
s. z. B. Heyne p. 110 Anm. u. Buttmann, Myth. get und Huyot auf ihren Grundrissen des Tem- 
2 p. 133 — 135. Gorcia, II mifo di Marsia p. 19. pels in verschiedener Weise rekonstruiert worden 
Bofs, Hellenika 1 p. 41 f. E. Curtius, Stud. z. ist. Baoul - Bochette schlägt dafür zwei Deu- 



2003 Leukophrys Leukophrjs 2004 

tungen vor: entweder {Journ. des Sav. 1845 bogen auf einen grofsen Dreifufs aufgestützt 

p. 649f. Mem. d'arclieol, comparee p. 299f.) sei zeigen. Diese mit verschiedenen Beamten- 

darin zu erkennen eine Pyra, auf welcher der namen, wie 'AnollöScoQoq Kalliv-gärov (Comhe, 

Artemis Leukophryene, ähnlich wie der Ar- ilfws. Ämf er p. 183 nr. 2 = 3fi. Ä 6, 231, 993), 

temis Laphria in Patrai, lebende Tiere ver- 'EgaGimtog 'Agiar sov {Conibe, Mus. Hunter p.lSS 

brannt worden seien, oder (Journ. des Sav. nr. 1 Tab. 35, 9. il-fz. 3, 142, 595. Cat. Thomas 

1845 p. 650) es sei das Grabmal der Heroine T/iomasp. 300 nr. 2150. Iiayet,Milet]).129Fig.S0. 

Lenkophryne. Letztere Ansicht findet den Bei- Head, Jonia p. 162 nr. 37 PI. 18, 10), Evcpr](iog 

fall von Bofs, Hell. 1 p. 52. Sie ist indessen, JJavauviov {Mi. 3, 142, 596. Leake, N. H. As. 
wenigstens was das Denkmal der Münzen be- lo Gr. p. 77. Cat. NorthioicJc 1 p. 102 nr. 1062. 

trifft, unzulässig, da ganz derselbe Typus auf Head, Jonia p. 162 nr. 36 PI. 18, 9. Coli. Bom- 

einer Müuze des Valerianus von Ephesos (Im- pois p. 123 nr. 1511; vgl. Humersan, Cab. Allier 

hoof, Gr. M. p. 116 nr. 289 Taf. 8, 23) wieder- de Hauteroche p. 85 PI 15,3 IIccvßavLas Evcpi^- 

kehit. Es ist deshalb Baoul - Bochettes Lieb- it-ov), 'Hgöyvrizoq ZconvQicovog (Mi. 3, 143, 598. 

lingsdeutnng auf eine Pyra, zu welcher Er- Coli, de M. Prosper Dupre p. 54 nr. 295 PI. 2. 

klärung auch Tmlioof a. a. 0. gelangt ist, der Froelmer &. a. 0. Coli. Bompois p. 123 nr. 1510 

Vorzug zu geben. Der neben der Pyra stehende PI. 5. Cat. Wliittall 1884 p. 60 nr. 964. Head, 

Widder oder Stier ist das Opfertier. Den Büffel, Jonia p. 162 nr. 39 PI. 18, 11), Tlavcaviaq IJav- 

genauer Buckelochsen (Zebu), welcher häufig aaviov {Bannis, Cat. nuni. vet. Musei Bec/is Da- 

als Münztypus von Magnesia erscheint, hat 20 niae 1 p. 235 nr. 1 = Mi. S. 6, 233, 1007. Cat. 

schon K. 0. Müller, Dorier 1 p. 396 für das Nortlmick 1 p. 102 nr. 1061. Leahe, N. H. Äs. 

heilige Tier der Artemis Leukophryene erklärt. Gr. p. 77) versehenen Tetradrachmen des dritten 

Wohl mit Unrecht aber habe ich Zcitschr. f. vorchristlichen Jahrhunderts zeigen vielmehrdie 

Nmn. 14 p. 114 — 118 den Typus von Münzen echt griechische, von den Magneten aus der 

des Caracalla (Fox, Engravings of rare and Heimat nach Asien mitgebrachte Artemis. Dafs 

unedited greek coins 2 p. 13 nr. 80. Vaillant, wir es hier nicht mit der kleinasiatischen Göt- 

Num. Gr. p. 104 = Mi. 3, 150, 656. Head, tin zu thun haben, dürfte aus Bronzemünzen 

Jbm'a p. 166 nr. 59 PL 19, 10 und Philippus sen., hervorgehen, welche im Obv. die Büste der 

Sestini, D. N.V. p. 334 nr. 33 = Mi. 3, 157, 697) Artemis mit dem Köcher, im Rev. das Kultus- 
von Magnesia, welcher eine jugendliche mann- 30 bild der Artemis Leukophryene zeigen; ist es 

liehe Figur in kurzem Chiton mit Diplois hal- doch kaum anzunehmen, dafs ein und dieselbe 

tend einen auf einem Knie knieenden Buckel- Göttin zugleich im Obv. und im Rev. derselben 

ochsen am Eingange einer Höhle oder eines Münze dargestellt ist. Die griechische Artemis 

Bogens zeigt, mit Artemis Leukophryene oder ferner ist es auch wohl, welche auf Münzen 

Men in Verbindung gebracht. Es dürfte sich von Magnesia am Maiandros mit zwei Fackeln 

hier um ein Opfer an den Apoll on handeln, in den Händen auf einem Schiffs Vorderteil 

welchem nach Paus. 10, 32 in Hylai (oder stehend dargestellt ist, Mi. S. 6, 236, 1032. 

wenn wir auf Grund des Beinamens AYAAI- v. Schlosser, Num. Zeitschr. 23 1891 p. 27 nr. 48 

THC, welchen Apollon auf Münzen von Mag- Taf. 2, wie wir denn auf Münzen der thessa- 

nesia führt, eine Verderbnis im Texte des 40 lischen Magneten Artemis auf einem Schiffs- 

Pausanias annehmen, in Aulai) im Gebiet von Vorderteil sitzend finden, Cat. of gr. c. in the 

Magnesia am Lethaios eine Grotte geweiht Brit. Mus. Thessaly p. 34 nr. 1 — 2 PI. 7, 2. 3; 

war. Ist doch auch einer von jenen diesem die griechische Artemis auch, welche ähnlich 

Gotte geweihten Männern, welche mit los- wie auf den Münzen von Ephesos {Head, Jonia 

gerissenen Bäumen von hohen Felsen herab- p. 77 nr. 230, p. 81 nr. 250, p. 85 nr. 270, p. 97 

sprangen, auf den Münzen von Magnesia dar- nr. 336, p. 99 nr. 343, p. 100 nr. 353) auf denen 

gestellt, Cavedoni, Bull. d. Inst. 1837 p. 37 f. von Magnesia auf einem von zwei Hirschen 

Kenner, Die Münzsammlung des Stiftes St. Flo- gezogenen Wagen einherfährt. Auch vermag 

rian p. 123. Mi. 3, 156f., 689. 700. S. 6, 252, ich nicht mit Boeckh zu C. I. Gr. 3137. Light- 

1116. Leahe, N. H. As. Gr. p. 79. Head, Jonia 50 foot, Apostolic Fathers Part 2 Vol. 2 Sect. 1 p. 101 . 

p. 173 nr. 99 PL 20, 9. Balier, Some coin-types Bayet p. 129 die Verse des Anakreon 1, 4: 

of Asia min., Num. Chr. 1892 Part 2. Der -p . , , ,. ^ m 

Buckelochse mag in Magnesia allgemein als ovvovfiat^ ,^ qo?jp , 

Opiertier gedient haben, wie er denn auch aui %., > »^ o, ~ 

einer ^,on Kern, Mitt. l Ksl. D. A. Inst. Ath. 4""""'"- '^"^' V^^''""' 

Abt. 17 1892 p.277f. als Heroenopfer gedeute- i^Vl^ ZLJ'tZT' 

ten Opferscene eines Reliefs aus Magnesia vor- /^p i' 5" a.' -, 

T\ 11 i. j A 1. • T 1 1 -ii yaiQOva'. ov vag avimsgovg 

Das Haupt der Artemis Leukophryene will ^ ^ , .,' > '.'<=' 

Mroefmer, Choix de monnaics grecques. raris 60 ^ 

1869 p. 24 nr. 25 PL 2 erkennen in der Ar- auf Artemis Leukophryene zu beziehen. Alle 

temisbüste mit Stephane auf dem Haupt, Bogen Epitheta passen nur auf die griechische Jagd- 

und Köcher auf dem Rücken, Gewandstück göttin, welche auf einer Münze des Augustus 

mit einer Agraffe befestigt an der Schulter, von Magnesia dargestellt ist kurzgewandet, den 

auf dem Obvers der schönen Tetradrachmen Bogen in der L., die R. am Köcher, Leake, N. 

von Magnesia am Maiandros, welche im Rev. H. As. Gr. p. 78. 

Apollon 1. h. stehend auf der Maiandroslinie, Das Standbild der Artemis Lenkophryne 

in der R. einen Zweig mit Binde, den 1. Ellen- erscheint, nur am Oberkörper menschlich ge- 



2005 Leukophrys Leukophrys 2006 

bildet, mit hermenartigem nach unten sich ver- N H As. Gr. p. 78. Eead, Jonia p 1 66 nr 64 

iüngeAdem Unterkörper, auf dem Haupt emen PL 19,7; Antomnus Pius, Cohen, Cut. Greau 

kSos, von welchem ein langer Scheier ^. 153 uv.1184. = SabaUer, 3Ied. rom. et imp. 

herabfällt, an den Armen lange, bis zum Fufs- gr. -^^dyjf-j%!\fll' p^f ^Td c!t 

boden reichende Binden, auf dem Rev. auto- 4. ser. tom. 3 p. 21 ni 18 PI 18, vgl Oat. 

nome^- Bronzemünzen Yon Magnesia, deren Obv. De Moustier p. 94 nr. 1472 ; M. Aurel, Imhoof, 

S da Hau't der hellenischen Artemis mit Griech. Münzen p. 119 nr. 311 ; Caracalla M. 

^^"^^H^ "^^ p'^^6?T I2 ^^, ^Al«.f Ä«^-.?69^ir^8rv?i: ^, 
?L 1^, 4^od:rdas'^t;t treibt Göttin mit .0 154, 6 8. rj^'-e-X. ...c sgc^sJ^M^ 

ir^Mpl cTmus Caes Vindoh. 1 p. 169 nr. 3. beigegeben auch der Diana Tifatma auf einem 

S i?2«S (R^- Terracotta-Antefix in Darembergs DiCt. des 

DiknfZZia'') Mi 3, 146, 630, welcher ant. gr. et rem. Tom. 3 p. 155 Fig. 2395.^ . 
d£ Haupt ebenso wie Dumersan, Gab. Allier Auf einer Münze des L. Aelius_ erscnemt 
deMirochev 86 PI. 15, 5, für das des Apol- dieser letztere Tyi^us vermehrt um eme Biene 
Ion S oder eine strählengekränzte Büste im Felde, Dumersan, Gab. Alier de S^uteroche 
ml Bo^en und Köcher an der Schulter, welche p. 86 PI. 15 , 6 , wonach Mz S 6 239 ,1246 
gewöhnlich für die des Apollon, von Leake, 20 (beide unter L. Verus) wie ähnlich die Biene 
gewohnhcn 1 ^^^^ ^^^ ,^ Abbildung neben dem Standbild der Ar emis von Ei^heso 
fchehit mit Recht für die der Artemis erklärt auf Goldmünzen dieser Stadt aus der Zeit des 
wird Co« Lm^ Hunter p. 184 nr. 7. PelUrin, Mithradates (Head, On the cl^J■ono^og^ca se^uence 
Eecdemed 2 PI. 57, 35. Mi. 3, 146, 629 (Rs. of the coins of Ephesus. London 1880 p. 69 nr 1 
ZionPrmula'i icmt p. 138 Fig. 33. Bead, 2. 7 PI. 9, 2. 3) erscheint. Die Biene hat bei 
Ä P 164 nr 48 PL 19, 6, oder endlich einen der Artemis Leukophryene jedenfalls dieselbe 
mrh^mit Stern darübei-, Mi. 3, 146, 631 Symbolik, ^'^^^^K^^^^^^T PT.\^^t^ 
i^r jTnon Pronuba"). Head, Jonia p. 164 hat man es über die Bedeutung dieses auf den 
A7P iTf Münzen von Ephesos so häufig vorkommenden 
"'■ Auf Mi nzen des Trajan kommt sie in einem 30 Insekts noch zu keiner völlig gesicherten Er- 
Typus vor welchen Lalce, Suppl. p. 66 be- klärung gebracht, vgl. ^<^^'^-' 7 ^'I^Z'^'t 
sSbt als ,,Archaic statue adv., simüar to apium melhsque apud veteres ^d^flf^^'''' 
T>,no Lmia but veiled onhi above (Diana symbolica et mythologzca. BeroL 1893 p. 69. 
LeZjTvlP San Clenente {Mus. Sanclemen- 163 ff. Newton, Essays on artandarchaeology 
j^.-^yijV'^'i^\A'^ Diana Fohmiam- p214. Weniger, Zur Symbolik der Biene m 
ttani num. sei. 2 p. 17«) ais „uiana jruiymum p. '^^■*- -„^^.iN . Rr/olin 1871 4" n 17 — 
mia cum tutulo in capite, alüsque admtmcuhs", der antiken Mythol 1 Bre lau 871 ^ V-f^- 
vffl Mi 3 147 639 S. 6, 237, 1035. 1036. Head, On the chronol.sequ.of the c. of ^If-V-^ 
^ Auf dem R^v autonomer, doch der Kaiser- bemerkt, dafs sie „may haverepresented te 
zeit angehörender Münzen mit dem AYAAITHC ideas of virgmüy of Organisation and of^^^^^^ 
im Obv erscheint das Standbild der Götim io poure noimshment of ho^iey'^ . Vgl. auch Aosc/ier, 
von zwei Niken bekränzt, Head, Jonia p 164 Selene 65. 108^ 

n. 49 vgl. nr 50. ^.^ ;, - f f ^ -f ^^'i"' 6 I:f^'^^^^ Münze' defät 
235 1025 "o?9 ebenso "^äs Ganze von de^ gäbal ml? ^.««a cognomme Leucophrys cum 
SikifeJiiru^g^tn cW'i:aU-p.35 ni 3 rerubus et fr^^ > -^l^^edibus^^^^^JZ 

(„the Ephesian Diana"), wo die Münze fälsch- et inde Victona ^ohtans Dagegen erwannt 

ch der Stadt Leuke zuerteilt wird. Dieses Sestim, Mus. Hedervar. 2 p ISO nv. 1.{--W^^^^^^ 
von den zwei Niken bekränzte Kultusbild er- nr. 4942) und nach ihm Jf*. 6. 6, 244, 1066 b^i 
Irhpint zwischen den c^ela-erten Flufsgöttern einem von Sestini demselben Kaiser zugewie- 
Ma ndr^r^^md^el'aios' angeblich unlr M. 50 senen Stück, ^^^^^^Zi^tL^ 
Aurel Mi 3 148, 643 nach Vaillant, sicher calla beschreibt und auch iU;o>wetietzTereni 
unte L. Verus, Buonarruoti, Osservazioni istor. zuteilen möchte v^^iif? /)f«t 1?.Ä 
sovra alc. medaglioni ant. p. 86-95 Tav. 6, 3, nichts von den '^.^f}?('£'^^.^^^^^^^ 
wonach bei Müller -Wieseler, Dkm. d. a. K. 1 cmn ^;em&t<s [gemeint sind <^i« ß^'^^^f J /; Jf^/f 
rrTaf 2 14 und aus diesem bei Panofka, advolante hinc mde victona ad eius caput )^ 
^Von YElltldGotZiten auf die OrtsnJmen Gleichfalls mit Hir^ken zu Fu -n s^^^^ 
Taf 4,12. M.3,149,647. Ch.Lenormant,Nouv. Sestmi, Cat. num. ^«^'^'^fj^f [*^^^^!?%S. 

!„«( AL Adler, von B<,yel p. Iä7 als Raubvögel, Anm. 1 für Artemis I^e^^l^'y^l-f^J" "" 

tenlicher Raben als Adlern, von Hmd als Gänse üöl erbjld mit J« Hunden .u t"'^«° »«^ 

bezeichnet werden, so "»'« Hadnan M„r « ,, G^^.Ä^ M*»- ^Taf^ äoyj.^l^-^jf ^ie 

•r sT U8,Tio"'SiV iV, Fig. 27''Sat SSende Manze nach Magnesia ad Sipjlum 



2007 Leukophrys Leukophrys 2008 

gehört. Die hei Gerhard, Anf. Büdw. T'df.308,7 des Philippus iun. , Mi. S. 6, 255, 1137 nach 
abgebildete Münze mit der von 2 Niken be- Vaülant. Auf Münzen des Gordianus Pius er- 
kränzten Artemis Leukophryene und neben ihr scheint er gleichfalls und zugleich zwischen 
stehender Tyche scheint zu Füfsen der ersteren den einzelnen Buchstaben der Aufschrift MA- 
das Vorderteil je eines fast wie eine Ziege FNHTQN ein Stern, Sestini, Lett. num. cont. 2 
sich ausnehmenden Tieres zu haben. Doch er- p. 93 nr. 3 u. 5 p. 39 Tab. 1 Fig. 20 = 3Ii. S. 
wähnen Mi. 3, 155, 686, welcher den Typus 6, 254, 1127. Head, Jonia p. 172 nr. 96. In- 
Yon Artemis L. neben Tyche auf einer Münze mitten von zwei Vögeln mit ausgebreiteten 
des Gordianus Pius mit demselben Beamten- Flügeln, welche hier auch von Head als Adler 
namen wie bei Gerhard (€TTI • TP • AMAPAN- lo bezeichnet werden, kommt dieses Symbol vor 
TOY- MOCXIfiNOC • MArNHTQN) und Leake, unter Severus Alexander, Mus. Sandern, n. s. 3 
N. H. As. Gr. p. 78, welcher ihn unter dem- p. 50 = Mi. S. 6, 246, 1076; Maximus, 3Ii. 3, 
selben Kaiser mit anderem Beamtennainen 155, 683; Philippus ian., Mi. 3, 157, 702. Ba- 
(€ni rP AYP. 0IAOKPATOYC B. MArNHTQN) mus 1 p. 236 nr. 9. Sestini, Descr. delJe med. 
beschreibt, von diesen Tiervorderteilen nichts. gr. e rom. del fu BenJcoivitz p. 22. Head, Jonia 
Auf einem Stück des Septimius Severus wird p. 173 nr. 102. Bayet p. 127 Fig. 28. 
das^ Standbild der Göttin („la statue de Diane Abgesehen von den Münzen wissen wir 
d'EpM'se" sagt Mionnet) von dem thronendem wenig von Darstellungen der Göttin. Ein 
Zeus auf der R. gehalten, wie ähnlich auf Agairaa derselben wurde von Bathykles nach 
Münzen von Ephesos das Kultusbild der Ar- 20 Amyklai, ein anderes von den Söhnen des 
temis Ephesia von Zeus Olympios auf der R. Themistokles nach Athen gestiftet. Paus. 3, 
gehalten wird, Head, Jonia p. 75 nr. 215. p. 93 18, 9. Brunn, Gesch. d. gr. Künstler 1 p. 52. 
nr. 313 PI. 14, 7; auf einem des Gordianus Pius Wide, Laken. Kulte p. 11 6 f. Baus. 1, 26, 4. 
soll vor dem auf einer Basis stehenden Götter- Auf einer nolanischen Amphora in Wien 
bild nach Cavedonis Erklärung der thessalische (Laborde 1 , 81) hat man Apollon Amyklaios 
König TTPO0OOC mit Schale und Lanze stehen, und Artemis Leukophryene erkennen wollen, 
Sestini, Lett. num. 9 p. 38. Cavedoni, Bull. d. aber schon Gerhard, Arch. Zeitung 12 Sp. 492 
Lnst. 1837 p. 38. Da aber Sestini öfters un- findet diese Erklärung nicht überzeugend. Auf 
zuverlässige Lesungen giebt, auch die Mag- einem weifsgebrannten Karneol in Berlin will 
neten, wie Bayet p. 142 mit Recht bemerkt, so Tölken, Erkl.Verz. p. 172 3. Kl. 2. Abt. nr. 801 
gar keine Veranlassung hatten, jenen König, Artemis Leukophryene dargestellt sehen, leider 
welcher ihre thessalischen Vorfahren ins Elend giebt er aufser der Notiz, dafs sich neben ihr 
gestofsen hatte, zu verherrlichen, mag ilfzow«ei Sonne und Mond befinden, keine nähere Be- 
3, 156, 690 die Figur mit Recht als den Kaiset Schreibung, nach welcher sich die Richtigkeit 
bezeichnen. der Benennung kontrollieren liefse. Milclihöfer, 

Häufig sieht man das Kultusbild in dem Die Museen Athens, Nationalmuseum Saal III 

gewöhnlich viersäulig abgebildeten Tempel, so (Saal der Votivreliefs) nr. 22 p. 20 verzeichnet 

unter Nero, Head, Jonia p. 164 nr. 52. 53 (von ein „Götterbild der ''ephesischen Artemis' in 

zwei Niken umgeben), Mi. S. 6, 237, 1033. griechischer Umbildung mit Bewahrung der 

L. Müller, Muse'e Thorvaldsen p. 260f. nr. 103 40 asiatischen Symbolik", dessen Attribute er so 

(hier noch mit den beiden Vögeln zu Füfsen erklärt: „Die zahlreichen Brüste deuten die 

und der Beischrift MAPNHTQN. A€YKOct)(PY)- nährende Naturkraft an, die Niken ihre sieg- 

NHN); Domitian,ilfi;. 5'. 6,237,1034 nach TFtc^ay, reiche Macht. Die anderen Attribute, Löwen, 

Mus. Hedervar.l ^.'ilb nx.^^i:\ = Sestini, Mus. Greife mit Pantherköpfen, Sphinxe, Bienen 

Hed. 2 p. 179 nr. 9; vgl. Mi. 3, 147, 638 nach und die geflügelten weiblichen Halbfiguren sym- 

Cousinerys sehr fehlerhaftem Katalog („dans bolisieren Elemente und elementare Kräfte." 

un temple tristyle"); Hadrian, Mi. S. 6, 238, 1038 Von den Darstellungen der ephesischen Artemis 

nach Bamus 1 p. 236 nr. 6 (mit den schweben- auf den Münzen von Ephesos ist mir keine 

den Niken); Caracalla, Mi. 3, 150, 653. S. 6, bekannt, welche sie mit Niken versehen zeigt. 
24:1, lObi („Junon-Pronuba"); Severus Alex an- 50 Dagegen wissen wir von dem Kultusbild der 

der, Mi. 3, 153, 669. Artemi? Leukophryene durch die Münzen von 

Eine Münze des Trajan zeigt den Tempel Magnesia, dafs es von zwei Niken umschwebt 
zweisäulig und das Kultusbild „entre deux war. Vielleicht könnte man diesen Umstand 
femmes debout sur un cvppe et tenant chacune dazu verwenden, das athenische Denkmal für ein 
une couronne de la m. dr. et une haste de la g.", Bild der Artemis Leukophryene zu erklären. 
Mi. S. 6, 237, 1037 nach Bamus 1 p. 236 nr. 5. Doch geht leider aus Milchhöfers Beschrei- 
Zweisäulig ist ihr Tempel neben dem gleich- bung nicht hervor, wo sich an demselben die 
falls zweisäuligen der Artemis Ephesia auch Niken befinden, und andrerseits haben die- 
dargestellt auf einer Homonoiamünze von selben auch für ein Bild der ephesischen Ar- 
Magnesia und Ephesos mit dem Bild des go temis, wenngleich nicht durch Münzen belegt, 
Caracalla, Head, Jonia p. 174 nr. 106. An nichts Auffälliges. 

Stelle des Götterbildes tritt auf Münzen des Auch über den Kultus wissen wir wenig; 

Severus Alexander ein Stern in einem Halb- wir können nur vermuten, dafs er dem der 

mond mit der Beischrift A€YK04>PYC MAfNH- Artemis Ephesia nicht unähnlich war. Das 

TQN, Mus. Sandern, n. s. 3 p. 50 = Mi. S. 6, wenige bisher darüber Bekannte stellt Heller, 

246, 1077. Derselbe Typus, aber ohne die De Gariae Lydiaeque saeerdotibus , Jahrbb. f. 

Beischrift A6YKO0PYC, begegnet auf Münzen kl. Phil. Suppl. Bd. 18 p. 235 zusammen. Ob 

des Caracalla, Leake, N, H. As. Gr. p. 78 und die Ausgrabungen Kerns in Magnesia neue 



2009 Leukoplirys Leukopoloi 2010 

Funde, welche unsereKenntnis des Gottesdienstes lieh zu sein, so wenig an sich bei der nahen 

bereichern, ergeben haben, ist mir leider un- Nachbarschaft von Tralleis und Magnesia das 

bekannt. Feste zu Ehren der Göttin ÄsvHocpQv- Vorkommen der Artemis Leukophryene in jener 

v8ia werden erwähnt in der Bev. arch. 1866 Stadt auffällig wäre. Mehrfach ist die Ver- 

1 p.„164 mitgeteilten Inschrift. mutung ausgesprochen worden, dafs der alte 

Über den prächtigen, von Hermogenes er- Name der Insel Tenedos, AivY.6cpQvq, mit Ar- 

bauten, mit Asylreclit ausgestatteten Tempel, temis Leukophryene in Zusammenhang stehe, 

auf Grund dessen die Magneten sich auf Münzen so von Buonarruoti, Oss. ist. p. 90. Corcia, II. 

der Kaiserzeit als vsw-aoqol ttj? 'AgzEfiiöog be- viito di Marsia ]^. Id. Wide, Lakon. Kulte \). in. 

zeichnen, s. die ältere Litteratur bei Forhitjer, lO Studnicska, Kyrene p. 144. Dies ist aber unhalt- 

Handbuch d. alten Geogr. 2 p. 213 Anra. 13, bar. Offenbar führt Leukophrys- Tenedos ebenso 

ferner Texter, Asie Min. 3 p. 40, p. 91 f. und wie jenes Leukophrys, von welchem Artemis L. 

L' Univers -p. 350. JRaoul - Bochette , Considera- ihren Beinamen hatte, den Namen von Bodener- 

tions arcJieol. et architectoniques sur Je teniple hebungen weifser Farbe. Eine Grenzregulierung 

de Diane Leucopliryne recemment decouvert, der Städte Itanos und Hierapytna, in welcher 

Journ. des Sav. 1845 p. 577 — 586. 641 — 655 auf Befehl des römischen Senats eine andere 

und die Kritik dieses Aufsatzes von Bofs, Stadt, deren Name in der Inschrift nicht er- 

HelleniLa 1, 1 p. 40 — 58. Bursian, Gr. Kunst haltenist, den Vermittler sp)elt,((7.J.(xr. 2561b), 

in Ersch u. Grubers Allgem. Encyldop. 1 , 82 erwähnt Zeile 26 den Altar der Artemis Leu- 

p. 452. Lightfoot, The Apostolic Fathers Part 2 20 kophryene. BoecJch folgert aus ihr, dafs Artemis 

Vol. 2 Sect. 1. London 1885 p. 101. Brunn, Leukophryene auch auf Kreta verehrt wurde, 

Gesch. d. gr. Künstler 2 p. 359. W. Klein, Ba- und hat damit viel Anklang gefunden. Es 

thyJdes, ÄEM. 9 1885 jj. 179 Anm. 23. Ber- scheint aber eben aus der Erwähnung der 

trand, Comptes - rendus de l'Acad. des Inscr. Artemis Leukophryene hervorzugehen, dafs, 

tt B.-L. 1887, 9. Sept. 0. Bayet et A.ß'homas, wie Bayet p. 140 bemerkt, die Magneten, nicht, 

Milet et le golfe latmique 1 p. 126. Über die wie BoecTch und P. Viereck, Be titulo Cretensi 

Reliefs, darstellend Kämpfe zwischen Griechen ü. I. G. 2 add. 2561b, Gcnethliacon Gottingense 

und Amazonen, abgebildet bei Clarac, Musee [p. 54 — 64] p. 60 vermuten, die Parier die Rolle 

de sculpt. 2 PI. 117, G — 1, vgl. Hirschfeld, des Schiedsrichters in dem Streite spielten. Die 

Arch. Zeit. 1875 p. 29. 30 Verhandlungen werden in Magnesia ain Altar 

Aufserhalb Magnesias wird der Dienst der der Artemis Leukophryene geführt worden sein. 

Artemis Leukophryene erwähnt in Milet von Die nicht im dorischen Dialekte abgefafste In- 

Appian, B. C. 5, 9. Doch vermuten Boeckh zu schrift wurde vermutlich von den Abgesandten 

C. I. Gr. 2dl4: wnd Baoul- Bochette a..a,.0. Y>.b83 der beiden streitenden Städte aus Magnesia 

Anm.l,dafshier eine Verwechselung mit Magne- nach Kreta heimgebracht. Allerdings hatten 

sia vorliegt. Im Tempel des Zeus Panamaros bei nach einer anderen Inschrift {Cauer, Bei. inscr. 

Stratonikeia ist eine Stele gefunden worden nr. 46) „kcctcc zu aQiaiu^'' die Hierapytnier und 

mit der Inschrift: Tv%ri naxqCSoq not dr^\^ritQt Magneten sich neben völliger Gleichstellung 

[']^ ihrer Bürger auch die Q'bicov v.cci uv&qcotclvcov 

NaQvavÖLdt ^a[l \ 'Agz^fiidi UsldsKeLtiSi Kai ^q piezoxcc zugesichert. Daraus folgt aber nicht, 

AsvHiav^ y.al \ 'AqtsiiiSl KcoQa'^cov \ kkI 'Aqze- dafs Artemis Leukophryene in Hierapytna ver- 

„ ,r^^^ , < I . . V . 5 ehrt wurde, sondern nur, dafs die Magneten in 

p5. Eqpaaia ^ai \ A.vKo^qvvn^ Kai zocg Bvoi- Hierapytna und die Hierapytnier in Magnesia am 

KiSioiq &sok di\l Kz7]6i(o Kai Tvxn ^al 1 'AokXv- Kultus der Stadtgottheiten teilnehmen durften. 

' ['] ['j ' [Drexler.] 

Ttiä, lEQSig e'I I STtayysliac iv 'HQai!\ois KXso- Leukopoloi Theoi {AsvKÖTtatXoi, @£0i), 1) in 

a ^'\ V' r 1 I 'r ' F~ ^ -SP '1 Theben erwähnt, Eur. Bhoen.QOQ; das Schol. 

ßovlos Iaaovo[^] \ laacov, Ko^i ZxQazBia \ ^^^ ^_ ^ q versteht darunter entweder den 

'Agzsiia y zov 'Agz^fiildcögov, Kco Ka&iSQcoaav, Kastor und Polydeukes oder den Zethos und 

Bull, de Corr. Hell. 12, 1888 p. 269 f. nr. 54. 50 Amphion; dafs es sich aber in Theben nur 

Auf einem Medaillon des Septimius Severus um letztere handeln kann , zeigt Em: Her. 

und der lulia Domna von Stratonikeia erscheint für. 29, wo Amphion und Zethos, die Xsvko- 

ein Götterbild mit Binden an den Armen, je ntaXco SKyövco Jiog, die Herrscher von Theben 

einem Hirsch zu Füfsen, Sonnenstern und Halb- genannt werden; ferner heifst es von den beiden 

mond zu Seiten des Hauptes. Sestini, Lett.num. Schal. Hom. Od. 19, 518 ovroi kuI Gr'ißag ol- 

cont. 2 p. 97 nr. 1 erklärt dasselbe für Artemis Kovai ngäzov Kai KaXovvxaL Jiog kovqol Xsv- 

Leuko]^hvyene, Neumann, Pop. et regumnumivet. KÖncoXot, vgl. Hesych. /JiÖokovqoi ... Zfj&og Kai 

anecdoti 2 p. 46 — 48 Tab. 2, 3 schwankt zwi- 'Aacpiwv XtvKÖnaXoi KaXoviihvoL; s. auch Bind. 

sehen der Deutung auf Artemis Leukophryene Byth. 9, 83 (146) XiVKimtoiai KaSyaCmv 

und Artemis Ephesia, doch neigt er mehr der auf eo dyviatg wozu das Schol. bemerkt XsvKinnovg 

letztere Göttin zu. Beide Göttinnen wurden dh sItis {Thehas) dia Zfi&ov KaVA(i(pLova;Yg\. F. 

nach der oben angeführten Inschrift in Stra- 3Iarx, Dioskurenart. Gotth., Ath. Mitt. 10 {lS8b), 

tonikeia verehrt. Doch spricht das Fehlen der 87. — 2) Auch die Dioskuren (s. d.) heifsen Xsv- 

Niken und der Vögel eher für Artemis Ephesia. Konwloi, Bind. Byth. 1, 66 u. ob. Sp. 1992. Vgl. 

In der ganz fragmentarisch erhaltenen In- F. Marx, Arch. Zeit. 4:3 (ISSb), 27 li'. — ^) KÖQrj 

Schrift von Tralleis C. I. Gr. 2134 ist die Er- IsvKUTtoüog, Tzetz. ad Hes. Op. et dies 32; vgl. 

gänzung von 0EOY /\EY/^ in Zeile 11 zu &£ov Bind. Ol. 6, 95 u. Schol ebd. 156. 160 Boeckh. 

AsvlKotpQvrjvfig zu willkürlich, um wahrschein- Stephani, Campte- rendu 1859 49. [Höfer.] 



2011 Leiikos Leukothea 2012 

Leiikos (ylsv%os), 1) Sohn des Talos auf Orp^. %j?zn. 1,35 ist sie von Ino unterschieden). 

Kreta, als Kind ausgesetzt und von Idomeneus über ihr Verhältnis zu ihrem Schwestersohne 

aufgezogen und als Sohn angenommen. Als Dionysos, zu Hera, Athamas, Nephele, Themisto 

Idomeneus gen Troia zog, vertraute er ihm und ihr von den Tragikern behandeltes, sprich- 

die Herrschaft und sein Haus an. Aber Leukos, wörtlich gewordenes Leid {'Ivovg a.%ri b. Suid. 

verleitet durch Nauplios, der den Tod seines s. v. Zenob.4:,38. Aiwstol.-p. i63 L. [Plutarclii 

Sohnes Palamedes an den griechischen Fürsten de proverhiis Alexandrinorum libellus incdituf! 

rächen wollte, verführte die Gattin des Ido- rec. 0. Giusius 1, 6 p. 5. Drexler.] Äristid. 

meneus, Meda, zum Treubruch, tötete sie or. 3, 42; vgl. Flut. Cmnill. 5. Hör. epist. ad 

darauf samt ihren Kindern, namentlich auch lo P«s. 123. Stat. Theb. 9,401) s. Bd. 1 Sp. 670ff. 

die Tochter Kleisithera, welche ihm Idomeneus Der Name Leukothea bedeutet die weifsschim- 

zur Ehe versprochen, und machte sich zum mernde Meerfrau und bezieht sich, wie das 

Tyrannen von Kreta. Als Idomeneus von Troia Epitheton der Seirenen {Isvnat bei Steph. Byz. 

zurückkehrte, erhob Leukos die Waffen gegen v. "Anxs^a) und die Benennung der Nereiden 

ihn und vertrieb ihn von der Insel, Tsets. L, als AsvKoQ'^ai, (bei dem namentlich lesbische 

384 p. 572 Müll. 431. 1093. 1218. 1222. Schol. Mythen berichtenden Methymnäer Myrsüos 

II. 2, 649. Schol Od. 19, 174. Eustath. p. 1860, 59. frg. 10 aus Et. M. p. 56. 45 jUvKo&sa = Hesych. 

Hock, Kreta 2, 404. Vgl. Lenkon 3. [Apollod. s. v. Eudoc. p. 276), auf den Meeresschaum 

Epit. Vat. 22, 4. Höfer.] — 2) Sohn des lüo- {Phüostcph. bei Schol Ven. A. II 7, 86. Tzetz. 

meneus, von Leukos nr. 1 getötet, Tzetz. lyk. 20 Lyk. 107. Vgl. die römische Albunea und Serv. 

1218. — 3) Gefährte des Odysseus vor Troia, Verg. Aen. 7, 38. Georg. 1, 437). Nach anderer 

von dem Priamiden Antiphos erlegt, II. 4, Etymologie bezeichnet er die Ino, welche vor 

491. — 4) Vater der Seirene Leukosia (s. d.), ihrem Sturze ins Meer über das weifse Feld in 

Tzetz. Lyk. 722. Eudoc. p. 276. — [5) Beiname Megaris floh {Schol Od. 5, 334. Eust. z. Hom. 

des Hermes, Tzetzes zu Lykophron 680: v.al p. 1543, 26. Norm. Dion. 10,76. Et. M. s.v. — 

yuQ TtaQU Boicotoig 'EQfifjg Asvnog xiiiäzai' Jiisich Steplu Byz.y.FsQUvsia. Schol. Find. Isthm. 

TColsfxovfiBVOL yaQ TavayQcctOL vnb 'Eqsxqiscov p. 515, 7 B. Tzetz. Lyk. 229 floh sie über das 

satpayiaaav ■Kaiöcc v.ccl koqtjv yiazcc xqria^iov Kranichgebirge). Beü^/^i:. 107(vgl. j^'^ei^. z.d. St. 

v.avzsvQ'sv iSqvgccvzo äsvaov 'Egfirjv. — 6) (?) u. zu 757 ft'.) heifst sie Bvvrj, wie Et. M. s. v. 

Nach Brunn, Arch. Zeit. 1867 p. 55 Name 30 und von J^M^j/ior. das Meer genannt wird (Mem., 

eines Pferdes des Herakles auf einer schwarz- Anal Alex. p. 123; vgl. ^vQ-ög, ßvaoög). Wie 

figurigen Vase; dagegen lesen de Witte, Gat. Leukothea als freundliche Helferin im Sturme 

Durand nr. 334. Kekule, Arch. Zeit. 1866 dem Odysseus das rettende KQrjStfivov (vgl. 

p. 178 Taf. 209, 4 und Hebe p. 19. C. I. Gr. Schol Apoll Eh. 1, 917. Welcker, Gr. Götterl 

7642. Diimont et Chaplain, Les ceramiques de 1, 644), ein von keinem anderen Dichter er- 

la Grece propre 1 p. 327. üsQKog, während wähntes, aber für sie später charakteristisches 

Jeschonnek, De nominibus quae Graeci pecu- Attribut (vgl. Clem. Alex. Frotr. 4, 57) verlieh 

dibus domesticis indiderunt p. 54 Fslnog er- {Od. 5, 333ff. u. 461. Ov. Font. 3, 6, 20. Hyg, 

kennt. Drexler.] [StoU.«^ fab. 125), so ist sie überhaupt die Schutz- 

Leukosia (y/fvxcoata), eine der Seirenen (s. d.), 40 göttin der mit der äufserten Not ringenden 

welche einer am Busen von Pästum gelegenen [Seefahrer (J.poZZo(^. 3, 4, 3. DioChrys. or. Q4:, 25. 

Insel des tyrrhenischen Meeres den Namen gab Orph. hymn. prooem. 35 hymn. 74. I'rop. 3, 21 

{Aristot. mirab. ausc. 103 p. 839», 33. Strab. 6, (2, 26), 10 und 3, 24 (2, 28), 20, wo sie wie bei 

252. 258. Flin. n. h. 2, 90, 204. 3, 13, 85, wo Hyg. Leucothoe heifst). Als solcher wurde ihr 

sie fälschlich Leucasia heifst. Steph. B. v. Zsi- im Widerspruch mit der homerischen Auffassung 

grjvovGoai,. Eust. z. Hom. p. 1709, 46. Tzetz. eine herrschende Gewalt über das Meer selbst 

Lykophr. 722S. Hist.l, S31. Über die Schrei- zugeschrieben (J.?c»mw. /"y-. 83 f. Orph. hymn. li:. 

bung ÄsvAcüGia statt Ä^vyioGia s. Bitschi, Ino Senec. Oedip. ibl. Nonn. Dion. 9,8ß&. 10, 1211f. 

Leukothea. Bonn 1865 S. 15 A. 40). "Vgl. 21, 180. 40, 210 ff.). In dieser Eigenschaft wurde' 

Schrader, Sirenen S. 19. 46. 50 [und Fr. Lenor- 50 sie mit der römischen Mater Matuta und ihr 

mant, A travers l'Apulie et la Litcanie 2 p. 275. Sohn Melikertes - Palaimon als vsäv cpvXa^ 

Drexler.]. Vgl. Leukos 4. [Schirmer.] (jEwni). /p/t. T. 271) mit dem schützenden Hafen- 

Leukothea, -thee {A^vno&icc, -&8rj), Name gottePortunus(s.d.)identificiert(PZ?<i. CamiW. 5. 

der nach ihrem Sprunge von der Molurischen Qu. Born. 16. Fratr. am. 21. Cic. Tusc. 1, 28. 

Klippe zwischen Megara und Korinth (nach Nat. deor. 3,48. Oü. /asi. 6, 545 ft". Hyg. fab. 2 

Flut. symp. ö, 3, 1 6 Kcclrjg ägöfiog genannt) u. 224. Lactant. inst. 1,21, 23. Serv. Verg. Georg. 

auf Wunsch des Dionysos {Hyg. fab. 2) oder 1, 437. Aen. 5, 241. 7, 83. August, de civ. d. 

der Aphrodite {Ov. Met. 4, 539 fl'.) von Poseidon 18, 14). [Sie nimmt in der Odyssee (a 441) die 

(daher Aristid. or. 3, 43 : iQcxcQ'ritccL Floasiöwva Gestalt einer ai&virj {y.0Qc6vr] stvah'rj : Schol.) 

AsvnoQ-sag) und den Nereiden in ihre Mitte 60 an, wie Hermes die eines gleichbedeutenden 

aufgenommenen Kadmostochter [Etva KaSpustrj laQog. Vgl. darüber oben Art. Konibe 2, 1276, 

heifst sie in einem Orakelspruch der Pythia 56. Tümpel.] — Ihr Kultus verbreitete sich 

an die Bewohner von Magnesia ad Maeandrum, mit der griechischen Schiffahrt unter dem Ein- 

Bevue des etud. grecques 3 (1890), 351. Höfer.] flusse der isthmischen Spiele (vgl. Grote, Gesch. 

Ino {Od. 5, 333. Hes. theog.dlG. Find. Pyth. 11, 3 Griechenl übers, v. Meifsner 1 , 100 A. 38 [nach 

und Schol. Eur. Med. 1282S. und Schol, won&ch v. Wilamoivitz , Homer. Unters. 139 vielmehr 

sie ihre beiden Kinder tötet, Apoll 3, 4, 3. Diod. umgekehrt ausKleinasien zurückübertragen nach 

4,2. Faus. l,ii,7. 9,5,2. C J.G^r. nr. 6126 u.ö. — Theben und Korinth. Tümpel.] weit über die 



2013 Leukothea Leukothea 2014 

Grenzen seines ursprünglichen Gebietes hinaus der Sage galt Leukothea als die verwandelte 
(vgl. Cic. fiat. deor. 3, 39 cuncta Graecia). Zu- Halia, eine Schwester der Telchiuen, welche 
nächst fand natürlich in Theben die Kadmos- dem Poseidon eine Tochter Rhodos (nach 
tochter Verehrung {Find. Pytli. 11, 2. Flut. ApoUod. 1, 4, 6 ist diese die Tochter der 
apophthegm. Lac. LyJcurgos 26 [p. 228F; da- Amphitrite) und sechs Söhne gebar, [und er- 
selbst die Frage der Thebaner an AvKOVQyog, schien in einer Parallelversion unter dem 
wohl ApoUon, wie es mit leQOvgyLa und nivQ'og Namen Kapheira (s. d.). Tümpel.]. Als die 
zu halten sei und dessen spöttische Antwort Söhne, von Aphrodite zur Strafe für die Zu- 
über den Widerspruch: Wehklagen um eine rückweisung der Göttin in Raserei versetzt 
Göttin und die Opfer für ein menschliches Weib. 10 der eigenen Mutter Gewalt angethan hatten 
Tümpel.]; dann im benachbarten Chairo- stürzte sich diese im Schmerze hierüber ins 
neia (Plut. Qu. Born. 16), auf dem korinthisch- Meer. Seitdem hiefs sie Leukothea und wurde 
megarischen Isthmos, wo ihr und ihrem Sohne göttlich verehrt (Diod. 5, 55), s. Halia. [Ihren 
Melikertes (s.d.) der Mol urische Felsen (Lwe.^ZmZ. Kultus auf Kos bezeugt die Inschrift bei 
mar. 8 und Solin, 7, 17 sind die Skironischen Paton and Hicks, The inscript. of Cos nr. 37a 
Felsen genannt, Luc. a. a. 0. auch der Kithäron ; p. 88. Dibbelt, Quaest. Coae myth. p. 67. Drexler.] 
vgl. den Kairos Sgö^og bei Plut. symp. 5, 3, 1) An der pamphylisch-kilikischen Küste erinnert 
geheiligt und beiden im heiligen Bezirke des das Vorgebirge äbw-ÖQ^eiov an die Schutzheilige 
Poseidon Statuen gesetzt waren. Denn an- der Seefahrer {Geogr. min. ed. Müller 1 p. 488). 
geblich waren die Leichname beider, nachdem 20 In Milet scheint man ihr gymnische Knaben- 
sie ein Delphin an die Küste getragen, zu spiele gefeiert zu haben (Cow. «a?T. 33.) Samos 
Sisyphos nach Korinth gebracht worden, der hatte nach PZm. wai. /«'si. 5, 37, 135 eine Quelle 
sie durch Opfer und den isthmischen Wett- Leukothea, deren Name auf die Wassergöttin 
kämpf ehrte {Paus. 1, 44, 7 f. 2, 1, 9. 2, 2, 1. sich beziehen könnte. Im lydischen Teos gab 

2, 3, 4. Luc. de salt. 42. Ner. 3. Philostr. es ein Fest ÄBvv.äQ-£a, der Leukathea (s. d.) = 
imag. 16. Schal. Pind. Lsthm. p. 515 B. Tzttz. Leukothea zu Ehren, wenn dialektische Modi- 
Lylc. 107. 229). Nach Angabe der Megarer fikation angenommen werden kann {Ö. I. Gr. 
wurde die Unglückliche an die Küste ihres nr. 3066). Nach Lydien deutet auch die An- 
Landes getrieben und, nachdem sie von den gäbe bei Plut. fluv. 7, 2, dafs Leukothea dem 
Töchtern des Kleson, eines Sohnes des Lelex, 30 Oeilis [?] den Paktolos geboren habe. Der im 
aufgefunden und bestattet worden war, bei mysischen Lampsakos übliche Monatsname 
ihnen zuerst Leukothea genannt; deshalb war ihr Aivucc&icov {C. L. Gr. nr. 3641) kann ebenfalls 
in Megara ein Heroon mit jährlichen Opfern unter der Voraussetzung dialektischer Färbung 
geweiht (Pat<5. 1,42,7. Menecrat.h.Zenob.^,^^). auf die Göttin zurückgeführt werden. In Te- 
[In Athen begegnet die \^ÄsvAo\%ici ZäxriQa nedos, wo Palaimon verehrt wurde {Tzetz. 
EklLixsvia, C. L Att. 3, 368. Drexler.] An der Lylc. 229 ff.), machte der Lokalmythus Leuko- 
lakonischen Küste bei Epidauros Limera thea zur Tochter des Kyknos und Enkelin des 
war der Ino als weissagender Meeresgöttin ein Poseidon {Schol.Ven. A. LI. 1,38; im Schal. Ven. 
Wasser geheiligt, an dem orakelhafte Gere- B. z. d. St. heilst sie 'iffii^fa). Der alte Name 
monien stattfanden {Paus. 3, 23, 8), und in 40 von Samothrake, Aew-oaCa, und der Um- 
Brasiai zeigte man die Grotte, in der Ino den stand, dafs mit den samothrakischen Weihen 
kleinen Dionysos gewartet haben sollte {Paus. ganz ausdrücklich der durch das Kredemnon 

3 , 24 , 4 ; vgl. Duris bei Tzetz. Lylc. 103 , wo- gerettete üdysseus in Beziehung gesetzt wurde, 
nach Helena ihr und dem Bakchos opferte, giebt einen weiteren Fingerzeig {Schal. Ap. Bh. 
als sie mit Paris zog). An der Westküste Lako- 1, 917. Welcher, Gr. Götterl. 1, 644). Das im 
niens hatte sie zwischen Thalamai und Oitylos fernen Kolchis nach Strab. 11, 498 von Phrixos 
ein Traumorakel, wenn die Lesart 'ivovg {Paus. gegründete Leukotheaheiligtum mit einem Ora- 
3, 26, 1) richtig ist [was Wolff] De navissima kel erklärt sich aus den alten Beziehungen zu 
oraculorum aetate ^. '6IE..1 der dafür '/oüg lesen Orchomenos. Aber auch nach dem Westen 
will, bestreitet. Drexler.]; [vgl. T]7(^e,ia^•. /fuZ^e 50 verbreitete sich der Leukotbeakultus, nach 
246ff. und dagegen PoscAer, ^'e/me S. 6 Anm. 20. G. I. Gr. nr. 6771 sogar bis nach Massalia. 
Berl. Fhilal. Wochenschr. 1893 S. 989; s. auch Wichtige Stätten desselben waren Elea, wo, 
die Artikel Pasiphae und Selene], und im lako- wie in Theben, der Göttin zu Ehren Trauer- 
nischen Leuktra sah PaMsamas (a.a.O. §4) ihr gebrauche stattfanden {Aristot. rhet. 2, 23 
Bild. Nach mes.^enischer Sage war sie in der p. 1400'\ 6), und Pyrgoi, die Hafenstadt von 
Nähe von Kor one als Göttin ans Land gestiegen Agylla (Caere): 0. Müller, Etrusher 1\ 189, 
{Paus. 4, 34, 4. Welcher, Gr. Götterl. 1, 645 be- 31. Hier hatte sie einen reichen Tempel, 
zieht auch den messenischen FlufsnamenJsijjta- den Dionysios von Syrakus plünderte {Aristot. 
ata auf sie). In Kreta fand angeblich das Fest aec. 2 p. 1349'', 34. Polyaen. 5, 2,21. Ael. 
der 'Iväxsia. {'ivovg cixr}?) ihr zu Ehren statt 60 1;. h. 1, 20 mit unbestimmter Ortsbezeich- 
{Hesych. s. v. ; vgl. Hoeck, Kreta 2, 62. Lobech, nung. Diod. 15, 14 und Serv. Verg. Aen. 10, 184 
Afjlaoph. p. 1186). Die urbs Leucatheae in mit dem JSamen Pyrgoi, aber ohne Nennung 
Agypteiv (PZm.wa*./«ii.5, 11,60 \yg\. Antigon. der Göttin; bei Strab. 5, 226 heifst diese Eilei- 
Mirah. c. 164 (149 Westerm.) H. Gr. 2 p. 396 thyia). Auch der Name der Insel Leukothea 
Amometus fr. 2 : Kazd ds xiqv 'J^aßiav sv an der campanischen Westküste {Plin. n. h. 3, 
tiöUl Aevuo&sa v.. r. X. Drexler.]) läfst ver- 13, 83. Pamp. Mel. 2, 7. Mart. Gap. 6, 644) 
muten, dafs ihr Kult bis an die Ufer des Nil deutet auf die griechische Göttin. In Rom 
sich verbreitete. Nach rhodis eher Umbildung und Ostia verband sich mit ihrem Gottes- 



-"o 



2015 Leukotliea Leukothea 2016 

dienste der von Plut. Quaest. Rom. 16 auch für kertes ins Meer stürzt {Bitschi a. a. 0. T. 2, 4. 

Chaironeia bezeugte Brauch, dafs keine Magd 5. 6. Imhoof- Blumer, Monnaics gr. p. 160, 

ihr Heiligtum betreten durfte. Die einzige, 18. 19; p. 161, 21). Als Leukothea ist jeden- 

der dies gestattet war, wurde von einer der falls die auf einem Blacasschen Vasenbilde 

anwesenden Frauen gezüchtigt, angeblich, weil sichtbare, als KaXri bezeichnete (vgl. oben 

Ino aus Eifersucht auf eine aitolische Sklavin KaXri? Sgo^og) weibliche Figur zu deuten, vor 

(Antiphera) ihren Sohn getötet hatte {Ovid welcher Odysseus (dieser Name ist ebenfalls 

fast. 6, 551 ff. Plut. Camill. 5). Nach JPlut. a. beigeschrieben) mit einem zu einer Schlinge 

a. 0. und fratr. am. 21 wurden ferner an ihrem zusaramengelegten Riemen, wohl dem v.Qri- 
Feste von den Frauen die Kinder ihrer Ge- lo Sayivov, steht {Overheck , Gal. 31, 1. Bitschi 

schwister geliebkost zur Erinnerung an die von T. 2, 3). Ein monochromes Mosaikbild des 

Ino ihrem Schwesterkinde Bakchos zu teil ge- Bi'accio nuovo im Vatikan {Bitschi T. 2, 2) 

wordene liebevolle Pflege. Über die Verbrei- zeigt Leukothea mit einem Schleiertuche (vgl. 

tung des Leukotheakultus vgl. 0. Müller, Orch. Bitschis Auseinandersetzung S. 20 fi.) auf einem 

S. 169ff. Preller, Gr. Myth. 1, 494f. und beson- Seegreifen reitend. Besonderd bemerkenswert 

ders Bitschi, Ino Leukothea (Bonn 1865) S. 12 fP. aber ist die schöne, jedenfalls auf ein nam- 

[Die älteste Heimat ihres Kultus war nach haftes griechisches Original zurückgehende 

S. Wide, Lakonische Kulte 228 vielmehr Neuwieder Bronze, das unten durch eiuen 

eher Thessalien wegen der inschriftlichen Delphin abgeschlossene Brustbild der Leuko- 
Zeugnisse zu Pherai und Pagasai: Collitz- 20 thea mit Stirnkrone und Schleier, den sie im 

Bechtel, Samml. gr. Dialektinschr. 337. Ein Begriff ist vom Haupte zu ziehen {Bitschi 

AsvKÖ&iov in Delos {Bull, de corr. hell. 6, 25) T. 1 , 1 und 2,1; hierzu S. 24 ff.), und die 

und den Monatsnamen Ä8vy.ci&emv (ebd. 3, 242) Münchener Bronze, welche Leukothea auf einem 

weist Wide a. a,. 0. nach. Für Lesbos kommt Seewidder reitend darstellt {Bitschi Taf. 3; 

in Betracht, dafs der eingeborene Myrsilos dazu S. 32 ff.). Mit gröfster Wahrscheinlich- 

(s. 0. im Eingang) die Nereiden Asvv.o%Bai keit wird auch die weibliche Gestalt auf dem 

nannte. Zu diesen lesbischen Meergöttinnen O. Müller, Denkm. 2 Taf. 6, 75 abgebildeten 

gehörte eine (also wohl auch Leukothea Wiener Cameo {Bitschi T. 1, 2; hierzu S. 38 ff.) 

heifsende) , in unseren Quellen unbenannte als Leukothea gedeutet. Erwähnt seien schliefs- 
Smintheustochter, die mit Enalos (statt Meli- 30 sich noch die Abbildungen, auf welche sich die 

kertes) umschlungen den Wassersprung in die Inschriften C. I. Gr. nr. 6784 (Ino und Palaimon 

Mittelbucht von Lesbos that: Myrsilos frg. 12 unter anderen Meergottheiten) und nr.7591(Leu- 

bei Antikleides frg. 7 {Athenaios 9, 466 cd. kothea neben Herakles, der den Triton bändigt) 

781c) und Plutarchos {soll. anim. 36 p. 984 e beziehen. [Das von Cavedoni, Ann. d. Inst. 

= 7 sap. conv. 20 p. 163). F. H. G. 4, 459 f. 1839 p. 309 f. als das der Leukothea gedeutete 

Vgl. Philol. N. F. 2, 1889, 114 f. 3, 1890, 103 ff. Haupt mit Delphin dahinter aul Denaren des P. 

mit Anm. 40. Über die Identität der aus dem Plautius Hypsaeus ist später mit Bezugnahme 

Schaume dem Odysseus auftauchenden L. mit auf i/^/^m.i'a/^. 157 richtig als das der Leukonoe 

Aphiodite, und ihres rettenden Schleierlinnens erkannt worden, s. Babe/ow, il/onw. eons. 2 p. 322 
{6&uvr}) mit der genau entsprechenden tioq- io — 323 nr. 12. Auf dem Obv. der Denare der gens 

qjvQig des Geheimdienstes von Samothrake Crepereia ist dargestellt eine weibliche Büste 

Afv-AOoCoc (== Asvy.oQ'ia.) vgl. Crusius, Progr. mit langberabüutendem Haar und um die 

Thoman. Leipzig 1886, 22", 237'^) u. o. Art. Schultern geschlungenem Gewandstiick; da- 

Kombe 2, 1277. Tümpel.] [Vgl. auch die von hinter bemerkt man ein auf den verschiedenen 

Geizer ergänzte Inschrift Asvy.o&sccg ScorriQccg Exemplaren verschiedenes Seetier. Eckhel, 

ilXi^sviag C. I. A. 3, 368. Eine von Clermont- D. N. V. 5 p. 198 bezeichnet sie vorsichtig 

Ganneau, Bev. crit. 1886, 232 (vgl. Larfeld, allgemein gehalten als eine Göttin des Meeres. 

Bursians Jahresb. 66 (1891), 177 f.) mitgeteilte Die meisten, wie auch Babelon, Mann. cons. 

Inschrift aus Syrien ohne nähere Ortsangabe 1 p. 439. 440 erkennen in ihr Amphitrite. 
lautet vTiSQ coDxrjQiag (xvroyiQiitOQog TgaCarov 50 Auch Cavedoni, Saggio p. 146 giebt diese 

. . . Msvväag BstlLaßov zoii BsslLcxßov TtccxQog Deutung, daneben aber die andere auf Leu- 

NsTSiQOv xov dno&sco&iVTog iv tm [Xjsßrjzi kothea, indem er für diesen Fall in der auf 

dl' oi) KL {i)oQtal äyovzcci, ini'a-noTCog navtav einer Hippokampen-Biga einherfahrenden ge- 

zäv iv&äde yeyovozav i'Qycov, v.az' ivafßsiccg wohnlich für Neptun erklärten Gottheit des 

dvE&Tj-uev &i& Asvy,o&£cc dvsysi'gwv. Der Rev., welche nach Babelon unbärtig ist, ihren 

Herausgeber vermutet, dafs sich der Ausdruck Sohn Portunus erkennt, vgl. Biccio, Le monete 

anoO-icüd-ivzog — ayovzai auf Menschenopfer delleant.famigliediBoma2^'^ed.]).76. — Gatty, 

beziehe. Höfer.] __ Cat. of the engr. gems and rings in the coli, of 

Die monumentale Überlieferung ist Josejih Mayer p. 28 nr. 149 und p. 73 nr. 497 
im Vergleich mit dieser Gröfse des Sagen- 60 bezeichnet ein nach diesen Münzen wieder- 

gebiets sehr dürftig. Zwei auf Ino, die Gattin gegebenes Haupt auf einem Karneol und auf 

des Atharaas, bezügliche Bildwerke sind Rd. 1 einer weifsen Paste als das der Leukothea, des- 

Sp. 673 erwähnt. Aufser den Kultusbildern in gleichen das Haupt auf einem Amethjast nr. 150. 

Korinth und in dem lakonischen Leuktra nennt Nach King, Handhook of engraved gems p. 273 

Paus. 3, 19, 4 noch eine Darstellung der Ino Anm. *, welcher das in Rede stehende Haupt 

mit Semele und Dionysos am Amyklaiischen der Münzen der gens Crepereia und der Gemmen 

Thron. Auf drei korinthischen Münzen ist Ino gleichfalls für das der Leukothea erklärt, ist 

dargestellt, wie sie sich mit dem kleinen Meli- die Darstellung dieser „hust, cleaving the tvavcs" 



2017 AsvKo&sai Leusdrinus - 2018 

auf Gemmen sehr häufig. Die grofse Häufig- incidentibus qua maxime videatur esse prae- 
keit dieser Darstellung auf den geschnittenen gnans tenuissimusqtte tendi cortex. Röscher.] 
Steinen hebt auch Baron v. Kähne, Leandros [Schirmet.] 
und Hero, mif Münzen, geschnittenen Steinen Leuktrides {ÄsvKZQt'Sss), d. i. Mädchen von 
und anderen Denkmälern {Mein, de la soc. imp. Leuktra in Boiotien, hiefsen die beiden Töchter 
d'archeol. Vol. 5, 1851 p. 273—278) p. 275 her- des Skedasos (oder Leuktros), deren öry/xara in 
vor, welcher als Beispiel die Steine bei Tölken, der Ebene von Leuktra gezeigt wurden: msi 
ErJcl. Verz. nr. 306 nr. 414 — 417 anführt und yccQ avtoig vno ^ivcov SnciQxiKxcöv ßLaa&si- 
selbst einen Präs der Kgl. Samml. d. Ermitage eaig avvfßr] racpjjvai {Flut. Pel. 20). Da Ske- 
p.271 abbildlich mitteilt. Er behauptet indessen, lo dasoa die Bestrafung der Übelthäter in Sparta 
dafs auf mehreren Gemmen ,, das Brustbild nicht durchsetzen konnte, tötete er sich aus Ver- 
deutlich als ein männliches erkenntlich" und zweiflung selbst an den Gräbern seiner Töchter, 
deshalb als das des Leandros zu deuten sei. Aus den Erzählungen bei Plut. Pel. 20 ff. und 
In den Impronte di monumenti gemmarj tornati Amat. Narr. 3, Iff". (wonach die Töchter Hippo 
in lud del 1835 in poi pubblicate dalV incisore und Miletia('?) oder Theano und Euxippe heifsen) 
Tommuso Codes Cent. 4 nr. 2 p. 11 wird ver- sowie aus dem vielfachen Scbwiinken der Über- 
zeichnet „Ino-Leucütea allattante Bacco harn- lieferung (vgl. d. Art. Leuktros und die weite - 
bino. SardonicafasciatadellacollezioncKestner." ren Citate) geht, wie schon Ütfr. Müller {Orchom. 
Drexler.] [Auf einer Gemme der Sammlung 419) gesehen hat, ziemlich deutlich hervor, 
B. Hertz wird der auf Felsgrund sitzende 20 dafs es sich um eine historisch nicht zu fixie- 
Dionysos von der Nymphe 'Leukothea' ge- rende mythische, später mit der Schlacht von 
tränkt, die ihm eine Schale reicht, Arch. Anz. Leuktra verbundene Legende handelt. Vgl. 
9 (1851), 99. Eine andere Gemme zeigt 'Leu- auch Plut. de Herod. mal. 11 (wo sie ABvv.r.Qov 
cothee, deesse de la mer. Büste, les chevetix &vy(xz^Q£g heifsen); Diod. 15, 54 (wo von Afv- 
flottants sur les epaules, dans l'action de nager'' ■argov -nccl Z-a^dKaov ^v/arigsg die Rede ist, 
Chahouillet,Cat. gener. des caniees Iß. 230nr.l&97, und die Mädchen sich selbst töten); Paus. 9, 
der p. 231 bemerkt, man habe die Darstellung 13, 5 f. (hier heifsen die T. des Skedasos Molpia 
früher auf Leandros (s. d.) bezogen, Lenor- und Hippo, die beiden Spartaner Phrurarchi- 
mant aber habe durch Vergleichung mit der das und Parthenios; vgl. über diese Namen 
Darstellung auf Denaren der gens Crepereia 30 0. Midier a. a. 0.). Apostol. 15, 53 U-asöcccov 
(Cohen, Medaill. consul. pl. 16, 1) die richtige -naraQu und Leutsch z. d. St., wo noch weitere 
Deutung gegeben. Über die sogenannte Leu- Litteraturangaben zu finden sind. Vgl. auch 
kothea in München s. d. Art. Eirene, i^ne(ien'c/is- Xenoph. hell. 6, 4, 7: 6 ;(;prj(7ju,üg Xsyo^gvog 
Wolters, Gipsabgüsse nr. 1210; Stejjhani, Campte cog Ssoc ivxav&a A(xY.i8aiyiOVLOvg rjzvrj&rjvat 
rendu 1860, 102 Anm. 4 und die dortige Litte- ev&a x6 xäv itccq^evmv riv iMvrjficx, ai Xiyov- 
ratur. — 2) Schwester des Kyknos = Hemithea tcci diu x6 ßiaa&qvai vno Aamdai^ovLmv tlvwv 
Eust. ad Dion. Per. 536. Schol. Harn. II. 1, äTto-Azstvai iavtäg. [Röscher.] 
38. Höfer.) [Schirmer.] Leuktros (AivKXQog) , Gründer und Epony- 

AevtcoO-fai' naaai ai novxiat (Hesych.) ; s. mos von Leuktra in Boiotien {Diod. 15, 54. 

Leukothea. 40 Et. M. s. v. A£vv.xqcc), Vater der Leuktrides 

Leiikothoe {Aiv%oQ-6ri), 1) = Leukothea. (s. d.). [Röscher.] 

[Vgl. den von 6r. Boissier, Bev. de phil. 8, 1884 Leukyanites {Asvv.vavixrig), Beiname des 

p. 55 — 74 mitgeteilten römischen Kalender Dionysos vom NebeuQusse des Alpheios Leu- 

p. 73: luni'us V. Id.: et mptrulc festum Leu- kyanias, an welchem ein Heiligtum des Gottes 

cothoae. Hacc festa dicuntur Matralia quia stand, Paus. 6, 21, 4. Bursian, Geogr. v. Gr. 

solae matronae colunt ea. Drexler.] — 2) Eine 2 p. 287. [Drexler.] 

Nereide (Hyg. ptraef.). — 3) Tochter des Leusdrimis, keltischer Beiname des Mars 
Königs Orchamos in Persien und der Eui'y- oder vielmehr Name eines keltischen Gottes, 
nome, Geliebte des Apollon. Als ihre neidische der mit Mars identificiert wird, auf der In- 
Nebeubuhlerin Klytia sie ihrem Vater verriet 50 schrift C. I. L. 12, 2 mit Additam. S. 803 (aus 
und. dieser die Tochter lebendig begrub, wurde La Penne in den Seealpen, in der Nähe von 
sie von Apollon in eine Weihrauchstaude ver- Vintium = Vence): Deo \ Marti. Leusd\rtno. 
wandelt (Ov. Jfti. 4, 208 ff. nach Hesiod , wie ijag.Beriti\ni de suo sibi\2)OSuerunt,hes])roc\ien 
Lact. arg. Ov. Met. 4, 5 angiebt); s. Klytia. von J. Becker, Beiträge zur römisch -keltischen 
[Bei dem Anonymus in Westermann, Mythogr. Mythologie , in Jahrbb. d. Ver. v. AltertJiums- 
gfr. p. 348, 5 ff. heifst L. Tochter des Orchomenos Freunden im Bheinlande 50/51 (1871) S. 161f, 
und Klytia ihre Schwester; vgl. Maafs, Ind. dem die Lesung leusdrtno vorlag (im C. J. i. 
Schol. per sem. aest. hab. Gryphiswaldae 1894 bietet die ursprüngliche Publikation ebenso 
p. Xnif. Der Name A. hängt offenbar mit wie E. Blanc in Revue archeol. n. s. 35 [1878] 
der besten Sorte des Weihrauchs zusammen, 60 S. 161 f. nr. 4 die Lesung Ieusd\rino). 'Zeile 2 
die von Dioskor. 1, 82 und Plin. n. h. 12, 60 und 3 ist ohne Zweifel mit Vertauschung von 
als Isvmg (candidus) bezeichnet wird ; in -d-orj T und I zu lesen leusdrino, wenn nicht viel- 
steckt wohl dieselbe Wurzel, wie in •S'u-os leicht auch dieser Name des keltischen Mars 
und 98-8tov = &£f-£iov {Gurtius, Grdz. d. gr. noch einer kleinen Verbesserung bedarf, welche 
Etym.^ 259). Die Beziehungen der Weihrauch- um so leichter vorzunehmen ist, als sie nur 
stände zum Helios erklären sich aus Plin., in der leicht übersehbaren Anlegung eines 
der 12, 58 sagt: Prior atque naturalis vin- Halbkreises an den Buchstaben V bestehen 
demia circa canis ortum flagrantissimo aestu würde, die in den Stand setzte ledusdrino zu 

Röscher, Lexikon der gr. u, rom. Mytliol. II. 64 



2019 Leusibora Libanitis 2020 

lesen\ Becker {xmter Hinweis einerseits auf deus est, sed Christus lesus " \g\ Paret 

die keltische Weihtbrmel leuru andererseits PHscilUanus ein Beformator 'des vierten Jahr- 

aut keltische Namen wie lessilus und be- hunderts. Würzburg 1891 p 219 Die Namen 

sonders ledussius welcher Name gerade An- der von Hieronynms angeführten überirdischen 

lafs zu der Annahme der Form ledusdrinus Mächte sind bis auf Leusibora auch aus ande- 

gebe) Da die neueste Untersuchung der In- ren Notizen bekannt, vgl. Minne, Patrol Lal 

schritt jedoch Leusd\rtno ergiebt, mufs man 22 col. 687 Anm. b und speziell über Barbelo' 

zunächst an der Form Leusdrinus festhalten. Hilgenfeld a. a. 0. p. 232 ff. Zur Erklärung 

T ., ^^. . [^- Peter.] des Namens Leusibora wird in der eben er- 

Leusibora. Rieronymus im Briefe 75 an lo wähnten Anmerkung bei Minne wenio- be- 

rheodora , die W,tw ^^ Lncinius {Patrol. friedigend bemerkt : „Denique Leusiborae': quod 

Lat 22 col 687 ed Mtcjne), rühmt den Ver- meditul(l)ium lucis exponi potcst, illud idem 

storbenen als treuen Anhänger des katholischen ptitamus esse quod Trenaeus ex haereticorum 

(jiaubens ,qm, spurcissima per Hispanias scntentia Magium Lumen vocat, a Patre unc- 

Basihdzs haerestsaevzente, et instar pestis et tum, ut perfectum fieret; indeque Christum 

morbi, totas mtra Pyrenaeum et Oceanum «^pfZZaim»." Welche übernatürliche Macht die 

vastante provmctas, /idei ecclesiasticae tenuit Ketzer mit dem Worte bezeichnet haben wird 

imritatem nequaquam suscipiens Ärmagil, Bar- uns vielleicht ewig verschlossen bleiben ' Wo- 

belon, Ahraxas, Bulsamum et ridiculum Leusi- her sie den mystischen Namen aber genommen 
ooram,caeteraque mag IS 2Jortenta, quam nomina, 20 haben, können wir vermuten PrisciUianus 

quae ad impentorum et muliercularum animos p. 11 ed. Schcpps citiert die Worte des Herrn 

excttandos quasi de Hebraicis fontibus hauriunt an Hiob cap. 38 vs. 39, die in der Septuaginta 

barbaro mnphces qtiosque terrentes sono; ut {Vetm Test.iujta LXX Interpretes ed Tischen- 

quod non mtelligunt, plus mircntur". Im dorf Tom. 2 p. 33) lauten: ^ngavastg dh Xsov- 

Folgenden bezeichnet er die erwähnte Ketzerei et ßagdv, ^vxag öi Sq^küvtcov iunlr'iaeig: in 

naher als ausgegangen von einem gewissen folgender Gestalt: „tu capies Leosiboram, ani- 

Marcus „deBasüidis Gnosttci stirpe descendens'% masque draconum timore implebis." Mit ßecht 

der zuerst budga lien, dann Spanien mit seiner hat Schepps als Parallele zu dieser Form Leosi- 

ln;lehre erfüllt habe. In der Schrift gegen boram den Leusibora des Hieronymns heran- 
Vigilantius c. 6 {Patrol. Lat. 23 col. p. 345) 30 gezogen. [Drexler] 

erwähnt er dieselbe Ketzerei mit den Worten: Levana s. oben 2 Sp. 201 s. v. Indigitamenta 

„quid emm necessc est in manus sumere, quod Lexis (?), zweifelhafter Gott, den einige in 

Mdestanonreeipit^ Nisi forte Bnlsamum mihi, Lez (dep. Haute -Garonne) gefundene Steine 

et Barbelum, et Thesaurum Manichaei, et vidi- nennen (Dativ Lexi deo). Sacaze, Les anciens 

culum nomen Leusiborae proftras: et quia ad dieux des Pyrenees p. 25 n. 77 (Eevue de Com- 

mdices Pyrenan habitas, vicmusque es Iberiae, minges, octobre 1885) hält die Inschriften für 

hasilidis antiqmssmii haeretici et imperitae verdächtig, E. Merinwe, De antiquis aquarum 

saenttae mcredibiha portenta prosequeris, et religionibus (Paris 1886) p. 70 nimmt sie in 

propoms quod totius orbis auctoritate damnatur." Schutz. Den Gott zu den Heilquellen von Lez 
Und nochmals kommt er darauf zu sprechen 40 in Beziehung zu setzen, lag nahe Barrii Les 

im Kommentar zum Jesaias Buch 17 c. 64 eavx thermales de Lez (Toulouse 'l857) 

(24 col. 622 f.) : „Et per hunc occasioncm, mul- vyi fhiu 1 

taque huiuscemodi, Mispaniarum et maxime Libanitis (Aißavuig), Beiname der Apliro- 

Busitamae deceptae sunt mulierculae . . . ut dite von ihrer Verehrung auf dem Libanon 

Busiltdis, Balsami atque Thesauri, Barbelonis Lucian adv. indoct.'s. Anecdota varia Gr et Lat 

quoque et Leusiborae, ac reliquorum nominum edd. Schoell et Studemund 1 p. 269 {Anomimi 

portenta susciperent. De quibus diligentissime Laurentiani XLL deorum epitheta 10 'En^- 

vir apostolicus scnbit Trenaeus, episcopus Lug- ^eta 'AcpQodizrjg 11). Larcher, Mcm sur la 

dunensis etmartyr,multarumorigines explicans deesse Venus. Paris 1776 p 23 Man hält sie 
haeresecon, et maxime gnosticorum, qui per 50 für identisch mit der 'AcpQodhv 'Awarnng des 

Marcum Aegyptium Galharum primum circa Zosimus 1, 5S {s. Engel, Kypros 2 p 438 Ger- 

Bhodanum, demde Hisimniarum nobiles feminas hard, Gr. M. 1 p. 394 § 368 5 c) in welcher 

deceperunt . ." Die in ihren Anfängen weit Baudissin, Stud.z. semit.Beliiionsnesch. 2 p 160 

zurückreichende Ketzerei (vgl. Hilgenfeld, 196 die Baaltis erkennt. Das Heiligtum der 

Ketzergeschichte des Urchristentums p. 370. Aphrodite von Aphaka war sehr berühmt 

Cavedom, Diclnarazione di due antiche gemme Aphaka lag am Adonisflusse. Aphrodite soll 

mcise provementi dalle parti di Beggio. Modena hier den Adonis zum ersten- oder letztenmale 

1852 p. 9 f.) war, wie aus den Angaben des umarmt haben, Et. M. p. 175 Gaisf Nach 

Dieronymus hervorgeht, noch zu dessen Zeit in Meliton {Cureton, Spicil. syr. p 44 = Pitra 
Spanien im Schwange. Aber darin mit Zöckler, 60 Sincil. Solesm. 2 p. 43. Bcnan, Mem de VAc 

iiieron2/mt<s_p.230 die prisciUianistische Irrlehre d. T. et B.-L. 23, 2 p. 323 und Miss de Phäi 

zuerkennenistmchtzulässig. DennPriscillianus p. 293) lag Adonis in Aphaka begraben So- 

p. 29 ed. Sc/tej;/js erklärt m seinem Liber zomenos, Hist. eccl 2, 6 {Tom. 1 d. 122 ed. Hus- 



apologeticus: „JSobis autem scientibus quoniam seij) erzählt, an einem bestimmten Tao-e sei 

non est aliut nomen praeter Christum Tesum auf eine gewisse Anrufung hin eine Feuer- 

sub caelo datum hominibus, in quo oporteat masse, ähnlich einem Stern, von den Höhen 

saluos f%en, neqyf Armaziel neque Mariame des Libanon in den Flufs herniedergetaucht- 

neque Toel neque Balsamus neque Barbilon und man habe diesen Feuerball für die Urania 



2021 Libanos Liber 2022 

erklärt, Tgl. Baudissin2 p. 160. — Zosimus 1, 58 verbundene Göttin Libera (s. d.) leer ausgehe 
erwähnt gleichfalls, dafs bei den festlichen 'verweist B. Beitzenstein {Epigramm u. Skolion 
Zusammenkünften Feuer in Gestalt einer Fackel S. 216) auf den Kult der Artemis Ävaia zu 
oder einer Kugel in der Luft sich zeige, doch Syrakus. Aber der vollgültige Beweis dafür 
berichtet er nichts vom Niedersinken desselben dafs es vor dem Eindringen griechischer Ele- 
ins Wasser. Auch befand sich nach Zosimus meute in den römischen Staatskult einen ein- 
beim Heiligtum ein See, ähnlich einem künst- heimischen Dienst des Liber (und der Libera) 
lieh angelegten Fischteich. In diesen warfen gab, liegt darin, dafs die älteste römische 
die Verehrer der Göttin kostbare Gaben von Festtafel („der Kalender des Numa") ein Fest 
Gold, Silber, Linnen und ßyssos. Waren die- lo dieses Gottes, die Liberalia am 17. März, ent- 
selben der Göttin angenehm, so sanken sie hält und dieses Fest mit dem später unter 
nieder, selbst die Gewebe; wurden sie ver- dem Namen Liber in Rom verehrten griechi- 
schmäht, so blieben selbst die Metallarbeiten sehen Dionysos nie etwas zu thun gehabt hat. 
;m der Oberfläche, vgl. Baudissin 2 p. 160 Wahrscheinlich ist Liber, oder wie er im Kult 
Anm. 3. Auch ein heiliger Hain befand sich gewöhnlich heifst Liber pater (vgl. z. B. das 
bei dem Tempel, Eusehius, De vita Constan- bekannte Luciliusfragment 8 Baehr. bei Lact. 
tini 3,55 land De laude Const. c. 8. Baudissin inst. diu. 4, 3, 12 uti nunc nemo sit nostrum, 
2 p. 210. Constantin liefs den Tempel, eine quin aut pater optumus divom aut Neptunus 
Stätte der gröbsten Unzucht, zerstören {Euse- pater, Liber, Saturnus pater, Mars, lanus, 
Ulis a. a. 0. p. 21ii — 218 und p. 442 ed. Hei- 20 Quirinus pater siet ac dicatur ad unum, unter 
Glichen. Burckhardt, Die Zeit Constantins d. Gr. lauter Göttern des altrömischen Religions- 
p. 406), doch mag der Kultus, vielleicht unter kreises), in ähnlicher Weise wie Quirinus, aus 
Julian, wie Benan, Miss, de Phen. p. 297 ver- einem Attribute einer anderen Gottheit zum 
mutet, wieder aufgelebt sein, da Zosimus a. a. 0. selbständigen Gotte erwachsen. Es ist zum 
von ihm wie von etwas noch Bestehendem redet. mindesten sehr wahrscheinlich, dafa der für 
Die Reste des Tempels zu Afka beschreibt die oskisch-sabellischen Stämme Italiens mehr- 
Renan, Miss, de Phen. p. 296 f. Siehe auch fach bezeugte Kult des luppiter Liber (aus dem 
Fr. Lenormant, La Venus du Lihan, Gaz.arch. Gebiete der Frentaner, Zuetajeff, Sylloge in- 
1 1875 p. 97 — 102 PI. 26. [Drexler.] Script. Ose. nr. 3; aus dem der Vestiner das 

Libanos {ylißavog) göttlich verehrter Berg. 3o Tempelstatut der aedes lovis Liberi von Furfo, 

Nach Etym. M. s. v. Äi^avo? hätten ihn die G. 1. L. 9, 3513; aus dem ager Sabinus die 

Juden für etwas Geistiges und eine Gottheit Inschrift bei H. Jordan, Analecta epigrapliica 

gehalten und ihm Verehrung erwiesen. Bau- Za^wa, Ind. lect. hib. Regimont. 1886 p. 3f.; aus 

dissin, IStud. z. semit. Beligionsgesch. 2 p. 236 Capua, C. I. L. 10, 3786, wo die Ergänzung 

läfst diese Notiz nicht für die Juden, wohl lovi Liber(o) näher liegt als die von Momm- 

aber für die Syro-Phöniker gelten. Nach des sen vorgeschlagene lovi Liber(tati), s. Jordan 

Philo Byhlius {Fr. Mist. Gr. 3 p. 566. frgm. a. a. 0. p. 4) auch den Römern nicht fremd 

2, 7) euhemeristischer Erklärung waren Liba- war, wenn uns auch hier die Bezeichnung 

nos, Antilibaoos, Kasios und Brathy Ursprung- luppiter Liber nur durch den Kalender der 

lieh durch Gröfse hervorragende Menschen, 40 Arvalen (zum 1. September: lovi Libero, lu- 

(leren Namen später auf die Berge (ibertragen noni Beginae in Aventino) als Nebenform zu 

wurden. Einen Baal vom Libanon kennen wir luppiter Libertas (s. oben Bd. 2 Sp. 663 f.) be- 

lurch die Weihinschrift einer von Hiram, dem zeugt ist. Wenn die griechische Fassung des 

Ivönig der Sidonier, gestifteten Bronzeschale, Monumentum Ancyranum (10, 11) lovis Liber- 

ü. I. Sem. 5. Baethgen, Beitr. p. 20. Doch tatis mit Jiog 'EXev&SQiov wiedergiebt, so trifft 

glaubt Ohnefalsclk- Bichter , Kypros, die Bibel das sicher nicht die ursprüngliche Bedeutung; 

und Homer p. 21 nr. 47. p. 39. p. 165 und aber auch eine spezielle Beziehung des lup- 

Anm. **, dafs mit diesem Baal Libanon ein piter Liber auf den Weinbau, als dessen Be- 

auf dem Berge Muti Schinoas auf Kypros ver- Schützer ja luppiter verehrt wird (oben Bd. 2 

ehrter Berggott gemeint sei. [Die Notiz aus 50 Sp. 704 f.), läfst sich nicht nachweisen. Viel- 

Etym. M. findet sich ziemlich wörtlich wieder mehr scheint das Wort Liber {Leiber auf der 

im Etym. Gud. 369, 43 f. Höfer.] [Drexler.] praenestinischen Ci^te, Ephem. epigr. 1,21, auf 

Libeutiua s. Indigitanienta. der sabinischen Inschrift bei Jordan a. a. 0. 

Liber, altitalische und altrömische Gottheit, und der Inschrift aus Narona, C. I. L. 3, 1784 

deren ursprüngliche Bedeutung in früher Zeit = 1, 1469, auch C. L. L. 8, 2632; Dativ Lebro 

durch die Gleichsetzung mit dem griechischen in Pisaurum, C. I. L. 1, 174; osk. Genet. T^wy- 

Dionysos derart verdunkelt wurde, dafs neuere freis, Zvetajeff a. a. 0.; Loebasius angeblich 

Gelehrte die Existenz eines in Italien einhei- sabinische Form nach Serv. Georg. 1,7; vgl. 

mischen Liber ganz in Abrede gestellt haben. Paul. p. 121: Loebesum et loebertatem antiqui 

V. Hehn {Kulturpflanzen u. Haustiere ^ S. 66) fiO dicebant Liberum et lihertatem; ita Graeci Xoi- 

hält mit Grafsmann {Kuhns Zeitschr. f. ver gl. ßrjv et Xsißsiv; Placid. Corp. gloss. 5, 30, 9 

Sprach f. 16, 107) den Namen Über nur für Lihassius, Liber p)ater), etymologisch von Wz. 

eine Übersetzung von griechischem Ävciog oder Hb {libare, liißsiv u. s. w., vgl. Vani'cek, Etymol. 

'Elsv&iQiog (so auch 0. Gilbert, Gesch. u. Topogr, Wörterb. d. lat. Sprache ' S. 237. Curtius, Griech. 

der Stadt Born 2, 209f., dessen Ausführungen Etymol.^ S. 365; anders Buecheler, Lexic. Ital. 

ganz verkehrt sind), und gegen den Einwand p. XVI. 0. A. Daniel sson bei C. Pauli, Altital. 

Jordans (zu Preller, Böm. Myth.^ 2, 48 Anm.), Studien 4, 1885 S. 156 ff.) nicht zu trennen, all- 

dafs dabei die im Kult mit Liber untrennbar gemein das Schöpferische, Spendefröhe zu be- 

64* 



2023 Liber Liber 2024 

zeichnen, so dafs der Bedeutungsübergang von kucben (Uba) feilboten, von denen sie ein 
Über zu liberalis derselbe ist, wie von gennts Stückchen {sacris pars datur inde focis, Ooid 
zu genialis „freigebig" (antike Etymologieen: a. a. 0. 734) auf einem tragbaren Opferherd i' 
qxiod ex nohis natos Liberos appellamus, idcirco (foculus) im Namen des Käufers opferten ; 
Cerere nati nominati sunt Liber et Libera, Oic. aufserdem bezeugt Tertullian {ApoJog. 42), dafs 
de n. d. 2, 62; Liber . . . ideo sie appellatur, man an diesem Festtage auf offener Strafse zu 
quod vino nimio usi omnia liber e loquantur, speisen pflegte. Wie alt der Brauch ist, den 
Faul. p. 115). mannbar gewordenen Knaben die toga virilis 
Mit dieser Auffassung des Liber als einer oder libera gerade an den Liberalia zu er- 
schöpferischen Naturgottheit (enger als lo teilen (Ovid a. a. 0. 771 ff.), läfst sich nicht 
den ,,Gott des befruchtenden Nasses" fafst ihn feststellen; er bestand in Ciceros Zeit (Cic. ad 
A. Premier, Hestia-Vesta S. 398), die eben- Att. 6, 1, 12 Quinta togam puram Liberalibus 
sowohl über die Fruchtbarkeit der Erde wie cogitabam dare), ohne aber Ausnahmen aus- 
über die Fortpflanzung von Mensch und Tier zuschliefsen (vgl. Marquardt , Privatl. d. Böin. 
wacht, läfst sich das wenige, was von den 122 f.); an ihn denkt wohl Mommsen, wenn er 
Kultformen des altrömischen und altitalischen {JRöni. Gesch. 1, 162) die Liberalia als ,,das 
Liberdienstes bekannt ist, wohl vereinigen. Fest des Kindersegens" bezeichnet. Das Fest 
Nach dem Zeugnisse des Varro bei Augustir,. gilt dem Götterpaare Liber und Libera (Libero 
de CID. dei 7, 21 ist Liber der Gott, quem li- Lib(erae), fast. Caer.) und nur diesem, u. zw. 
quidis seminibus ac per hoc non solum liquori- 20 war die Stätte ihrer Verehrung ein Heiligtum 
bus fructuum, quorum quodammoäo primatiim au? dem Ca-pitol {Libero in CaßntolioJ, f. Farn., 
tenet, verum etiam seminibus animalium prae- die Ergänzung gesichert durch das Militär- 
fecerunt, und sein Name wurde erklärt a libera- diplom vom J. 70, C. I. L. 3 p. 849 = 10, 1402: 
mento, quod mar es in coeundo per eius benefi- descriptum et recognitum ex tabula aenea, quae 
dum emissis seminibus liberentur ; hoc idem in fixa est Bomae in Capitolio in podio arae gentis 
feminis agere Liberam {August, c. d. 6, 9; vgl. Luliae latere dextro ante signu(m) Lib(eri) pa- 
7, 2. 3. 16. 4, 11). Von besonderem Interesse tris, vgl. Mommsen, C. I. L. 1, 1* p. 312). im 
sind die Mitteilungen, die aus derselben Quelle 4. Jahrb. n. Chr. wurde das Fest durch Circus- 
Augustin. de civ. dei 7, 21 über die in Italiae spiele gefeiert (/'. Fhiloc. u. Polem. Silv. Auson. 
compitis begangenen Feiern des Liber macht, 30 de fer. 29) , scenische Aufführungen haben an 
bei denen die pudenda virilia eine grofse Rolle ihnen niemals stattgefunden; was man von 
spielen: naw hoc turpe membrum pier Liberi angeblichen Zeugnissen dafür angeführt hat, 
dies festos cum honore magno plosteUis imposi- bezieht sich entweder auf die griechischen 
tum prius rure in compitis et usque in urbem JiovvaiK, die man mit Liberalia übersetzte 
postea vectabatur. in oppido autem Lavinio (so namentlich in dem bekannten Fragmente 
tmus Libero totus mensis tribuebatur, cuius des Naecius com. 113 = Paul. p. 116: Libera 
diebus omnes verbis flagitiosissimis uterentur, lingua loquemur ludis Liberalibus; mehr bei 
donec illud membrum per forum transvectum Marquardt, Staatsverw. 3, 36.^, 1), oder auf die 
esset atque in loco suo quiesceret. cui membro römischen Cerialia (19. April), die ebenso wie 
inhoneslo matrem familias honestissimam palam 40 der Tempel der Ceres, dessen Stiftungsfest an 
coronam necesse erat imponere (s. dazu 0. c7a/m, diesem Tage begangen wurde (s. unten), in 
Ber. d. sächs. Gcsellsch. d.Wiss. 1855, 71 f.); sie zweiter Linie auch dem Liber und der Libera 
videlicet Liber deus placandus fuerat pro even- galten (Cic. Verr. 5, 36: ludos sanctissimos ma- 
tt bus seminum,^sic ab agris fascinatio repel- xima cum cura et caerimonia Cereri Libero 
lenda. Hier eine Übertragung der griechischen Liberaeque faciundos. Serv. Georg. 1, 7: ideo 
Phallopliorien nach Italien anzunehmen, liegt simul Liberum et Cererem posuit, quia et templa 
kein Grund vor, da Plinius {n. h. 28, 39) be- eis simul posita sunt et ludi simul eduntur. 
zeugt: fascinus, imperatorum quoque non solum Cyprian. de spect. 4: dum urbem faines occu- 
infantium custos, qui deus inter Sacra Llomana passet ad advocationem populi adquisiti sunt 
Vestalibus colitur. Das römische Staatsfest des 50 ludi scaenici et Cereri et Libero dicati post- 
Liber, Liberalia genannt, fiel auf den 17. März, modum reliquisqne idolis et mortuis; vgl. Ovid. 
zufällig (vgl. Wissoiva, De feriis anni JRom. vetust. fast. 3, 785 f. : lucesua ludos uvae commentor habe- 
p. Xlf.) zusammen mit einem Feste des Mars, bat, quos cum taedifera nunc habet ille dea). 
dem agonium Martiale {Macr. S. 1,4,15: Ma- Eine völlige Hellenisierung der einhei- 
surius etiam secundo fastorum: Liber alium dies, mischen Gestalt des Liber trat ein, als im Be- 
inquit, a pontificibus agonium Martiale appel- ginne der republikanischen Zeit auf Grund 
latur; vgl. Varro de l.l. 6, 14); einige Stein- der sibyllinischen Bücher der Kult einer grie- 
kalender {f. Caer. u. Vatic, s. CLL. 1, 1^ chischen Göttertrias in Rom Aufnahme fand, 
p. 312) setzen daher der Tagesbezeichnung der sich der Namen Ceres Liber Libera be- 
LIB(ERALIA) noch AGON(IVM) hinzu, andere 60 mächtigte; der im J. 258 = 496 vom Diktator 
aber (/. Maff. Farnes.) geben nur die erstere, A. Postumius gelobte, 261 = 493 vom Konsul 
die auch, wie erhaltene Datierungen zeigen Sp. Cassius eingeweihte Tempel in der Nähe 
{Bell. Hisp. 31. Cic. epist. 12, 25, 1; ad Att. 9, des Circus maximus (s. über ihn oben Bd. 1 
9, 4), allein praktisch verwendet wurde. Von Sp. 862. F. Aust, De aedibus sacris p. B.. p. 5), 
den Festgebräuchen kennen wir nur den einen der bald zu grofser Bedeutung, namentlich für 
{Varro de l. l. 6,14. Ovid. fast. 3, 713ff.), dafs die Plebs, gelangte, galt der griechischen De- 
überall in der Stadt alte Frauen {vilis anus, meter mit ihren Kindern lakchos(- Dionysos) 
Ovid a. a. 0. 726), mit Epheu bekränzt, Opfer- und Köre (Cic. de n. d. 2, 62: hunc dico Libe- 



2025 Liber Liber 2026 

rum Semela natum, non eum quem nostri ma- ccnäaug i-m-ulvcat ficcXXov rj izqötsqov, Dion.Hal. 
iores auguste sancteque cum Cerere et Libera 6, 17, 4), so nehmen auch in der Folgezeit 
consecraverunt ; quod quäle sit ex mysterüs in- Ceres und Liber als die Beschirmer des Ge- 
tellegi potest. sed quod ex nohis natos Liberos treide- und Weinbaues unter den Göttern des 
appellamus, idcirco Cerere nati nominati sunt Landmannes eine hervorragende Stelle ein 
Liber et Lihera; quod in Libern servant, in (bei Varro de r. r. 1, 1, 5 bilden sie unter den 
Libero non item). Die eigentliche Tempel- vom Verfasser zusammengestellten ländlichen 
inhaberin war Demeter, die anderen beiden Zwölfgöttern das dritte Paar). Als Spender 
nu» ihre Hausgenossen; darum wurde das des Weines {Arnob. 2, 65. August, c. d. 4, 22. 
Stiftungsfest des Heiligtums auf den alten lo 6, 1) und Beschützer der Weinpflanzungen 
Festtag der italischen Ceres, a.n deren Stelle {Coluni. 3, 21, 3. August, c. d. 4, 11. Libero 
sich die griechische Demeter setzte, die Ce- patri viniarum conservatori , C. L L. 5, 5543, 
rialia am 19. April, gelegt (das hat E. Aust vgl. auch 3, 3294) wird er insbesondere bei 
a. a. 0. p. 39f. postuliert und ein nachher auf- der Weinlese gefeiert (daher verzeichnen die 
gefundenes Bruchstück der fast. Esquil. mit menolngia rustica im Oktober sacrum Libero, 
der Notiz CER(IALIA). Cereri Libero [LiberaeJ vgl. Mommsen, CLL. 1,1- p. 332) und er- 
bat das bestätigt; s, jetzt C. /. i. 1, 1- p. 315). hält hier, zusammen mit Libera (Colum. 12, 
Wie neben der offiziellen Bezeichnung aedes 18, 4: tum sacrißcia Libero Liberaeque et vasis 
Cereris Liberi Liberaeque (Liv. 3, bb,l. 4:1,28,2; ])ressoriis quam fanctissime castissimeque fa- 
vgl. Dion. Hai. 4, 94. Tac. ann. 2, 49. Liv. 33, 20 cienda), eine Spende von neuem Most, die 
25, 3) auch die kürzere aedes Cereris (z. B. Liv. dem der Ceres zukommenden ersten Ähren- 
2, 41, 10. >0, 23, 13. 27, 6, 19 u. a. m. ) ganz schnitt, dem praemetium, entspricht und den 
geläufig ist, ebenso heifsen auch die seit dem Namen sacrima führt (Paul. p. 319: sacrima 
zweiten punischen Kriege an den Cerialia stän- appellabant muxtum, quod Libero sacrificabant 
dig gefeierten Festspiele, obwohl sie allen drei pro vineis et vasis et ipso vino consercandis, 
Gottheiten gelten {Cic.Verr. 5,36; s. o. Sp.2024 sicut praemetium de spicis, quas primum mes- 
43 ff.), schlechtweg Zi(fZiCen'a7es. Man wird daher suissent, sacrificabant Cereri); auch die Wein- 
auch ohne Bedenken annehmen dürfen, dafs die händler verehren ihn, so C. I. L. 6, 467 in Rom 
in Rom von Staats wegen bestellten sacerdotes das eoll(egium) Velabrensium {Deo sancto, numini, 
publicae Cereris {Marquardf, Staatsverw. 3, 364) 30 äeo magno Libero patri adstatori et conserbatori 
auch den Dienst von Liber und Libera mit h(uius) l(oci)), vielleicht auch die caupones von 
versahen (in dieser Richtung ist auch die Er- Caesarea Mauretaniae (C I. L. 8, 9409, wo für 
klärung für die sonderbare sacerdos Cerialis cultores Dori2)atri wahrschem\ich cultores Liberi 
Deia Libera zu Aesernia, C. I. L. 9, 2670, zu patris einzusetzen ist), und die negotiantes cel- 
suchen); die Angabe Ciceros {pro Balbo 55), larum vinariarum novae et Arruntianae bilden 
dafs man für diesen Dienst insbesondere Frauen ein collegium Liberi patris et Mercuri (C. I. L. 
aus Neapel und Velia, denen man dann das 6, 8826; ein coU(egium) Liberi patris auch 
römische Bürgerrecht verlieh, heranzog, zeigt, C. I. L. 6, 8796); auf dem Lande erscheint 
dafs wir die Heimat der ganzen Göttertrias Liber in Weihinschriften oft vereinigt mit 
in Campanien oder dem grofsgriechischen Unter- 40 Silvanus oder auch mit Hercules, die beide 
italien zu suchen haben, wo neben dem Dienste als Beschützer der Ländereien verehrt werden 
der Ceres (s. darüber iViSsm,Pom2).jS'<M(Z.S.327iF.) (C. I. L. 6,707: Soli Serapi lovi Libero patri 
auch der des Liber verbreitet und angesehen et Mercurio et Silvano ; 3,3923 aus Fannon. sup.: 
gewesen zu sein scheint, ohne dafs wir im- Silvano aiig.sac(rum) et L(ibero) p(atri); 3, Z^bl 
stände wären festzustellen, inwiev/eit hier ur- ebendaher: Libero patri et f Silvano] domfesti- 
sprünglich einheimische Religionsvorstellungen co); 9, 3603 aus Aveia: signum Liberi patris 
oder aber römischer Einflufs mafsgebend ge- et Silvani; 12, 3132 aus Nemausus: deo Sil- 
wesen sind; das fruchtbare Campanien galt vano et Libero patri et Nemauso; auch 6, 462: 
als der Gegenstand des Wettstreites zwischen Hie fuit horridus ante locus, Asteri consilio 
Liber und Ceres {summum Liberi patris cum 50 coeptus Liberi ter Bromio silvigeri dei auxi- 
Cerere certamen, Plin.n.h. 3,60 = 2^Zor. 1, 11; lium renovatum in urbe ist wohl so zu ver- 
vgl. auch Auson. Mos. 208 ff.), und römische stehen; Herculi Libero Silvano diis sanctis, 
Dichter bildeten die griechische Sage von der C I. L, 6, 294; Weihung von Statuetten des 
Einkehr des Dionysos bei Ikarios mit Beziehung Liber, Hercules, Silvanus, Mercurius 3, 633 
auf den ager Folernus um {Sil. Ital. 7, 162 ff.). aus Philippi) und führt, wie diese Götter, in- 
Unter der Einwirkung der griechischen dividualisierende Beinamen nach dem Besitzer 
Kultvorstellungen hat die Bedeutung des des betreffenden Grundstückes {Libero Kallini- 
Liber insofern eine Veränderung erfahren, ciano, C. L L. 6, 463; Libero patri Procliano, 
als er immer ausschliefslicher als spezieller 6, 466; Libero Gratilliano, 9, 2631, aus Aeser- 
Beschützer des Weinbaues gefafst 60 nia; in etwas anderem Sinne Libero patri Com- 
wurde. War die Gründung des Tempels von modiano, 14, 30, aus Ostia). 
Ceres Liber und Libera durch eine Hungers- Die Verbreitung des Liberkultes im 
not veranlafst worden, deren Abwendung römischen Reiche ist eine ganz allgemeine. In 
man von den neu eingeführten Gottheiten Italien begegnen uns Weihinschriften aufser 
erhoffte (ot 08 vnuKOvaixvTEg x-qv xs yrjv nuQ- in Rom (C I. L. 6, 461ff.) in Ostia (14, 27 — 
8av.£vaGciv avfivcxi nlovaiovg yiciQTtovg, ov 30; vgl. Ephem. epigr. 7, 1195), Privernum (10, 
liövov xr]v anÖQifiov [Ceres], dixä Kai xtjv dsv- 6435), Aquinum (10, 5422 = 1, 1182, eine sa- 
ÖQocpÖQov [Liber], kccI xag in^taccvirovg dyoQag cerdos Liberi publica Aquinas), Atina (aedes, 



2027 Liber Liber 2028 

10, 5045), Amiternum (9, 4513), im Vestiner- Zug und Triumpli des Dionysos geläußg als 

lande (9, 3571. 3603), in Aesernia (9, 2631. Idealvorbild siegreicher Feldzüge, und die. 

2G70 eine sacerdos Cerialis Deia Lihera, s. ob. Machthaber liefsen sich als neuen Liber feiern 

Sp. 2025, 33), Telesia (9, 21 97), bei den Hirpinern (über Marius Vol. Max. 3, 6, 6 = Flin. n. li. 33, 

(9, 1500), in Puteoli (10, 1586), Venusia (9, 459 150; Pompeius Flin. n. h. 8, 4; M. Antonius 

cultores Liberi), auf Sardinien (10,7556); ferner Vell. Fat. 2, 82, 4; Elagabal Hist. aug. Elag. 

in Arretium (11, 1822), Luna (11, 1335 saqer- 28, 2). Wenn Caesar einen neuen Dionysoskult 

dotes) arar(imi) [. et Lihejri patris), in Rom einführte (Serv. Ed. 5, 29: Jioc aperte 

Ariminum (11, 358), Bononia (11, 698. 715 == ad Gaesarem pertiiiet, quem constat prirnum 

6, 460), Aquileia (5, 793. 8235), Parentium lo Sacra Liberi patris transtulisse Liomam), so 

(5, 326), Tarvisium (5, 2110), Verona (5, 3260) handelte es sich dabei wahrscheinlich um 

und sonst im transpadanischen Gallien (5, 5543. einen orientalischen Kult, und auch der von 

6956). Von den Provinzen sind Spanien (C. 7. jL. Septimius Severus erbaute Tempel {Cuss. Dio 

2,799. 1108. 1109. 2105. 2611. 2634. 3264) und 76, 16) galt wohl nicht mehr dem griechisch- 

das uarbonensische Gallien (12, 250. 502. 593. römischen Dionysos -Liber, sondern einer der 

1075. 3078. 3132) durch eine mäfsige, die afri- mystisch -orgiastischen Religionen des Orients, 

kanischeu Provinzen (Byzacena, C. 1. L. 8, 73; die sich den alten Götternamen angeeignet 

Africa proconsularis, 8, 1178.1268 2;or<icttHtit'?n^j/z hatte. Vereine zum Geheimdienste des Liber 

Liberi patris. 1337; Sffp;^?. 14546. 15520 iempZa lassen sich aus den späteren Jahrhunderten 

Concordiae, [Frjugiferi, Liberi patrfisj. 15578 20 der Kaiserzeit mehrfach nachweisen, so die 

in teiuplo Liberi patris et Veneris; Numidia, thiasi Liberi patris Tasihasteni in Philippi 

8, 2632. 5293 sacerdotes Liberi patris, mann- {C.I.Ij. 3,703. 704; auch die in d*r dacischen 

lieh 8,4681. 4682. 4887. Ephem. eingr. 5, 231, InschriftvonAmpelum, C.J.X. 3, 1303, genannten 

weiblich 8, 4883; Mauretauia, 8391. 9016. 9325. Herdiani und cervae fafst Mommsen wohl mit 

10867) und vor allem die Donauländer durch Recht als Kultgenossenschaften des Liber und 

eine sehr grofse Zahl von Inschriften vertreten: der Libera, denen die Weihung gilt), ein thiasus 

vielfach erwähnt wird ein Tempel des Liber Placidianus in Puteoli {C. L. L. 10,1585), ins- 

und der Libera (so C.L.L. 3,1790 = 6362) in besondere Genossenschaften, welche sich als 

Narona in Dalmatien, der noch in republika- spirae bezeichnen (C L. L. 6, 461. KaibeJ, 

nische Zeit zurückreicht {C.L.L. 3, 1784. 1785 30 Inscr. graec. Sicil. et Ltal. nr. 925. 977. C.L.L. 

= 1,1469. 1470; vgl. 3, 1786. 1787. 1789 = 6363), 10, 6510 aus Cora: spira Uluhrana; in den In- 

aufserdem besitzen wir zahlreiche Weihungen schritten C. L. L. 6, 76 uud 261 bezeichnet sich 

aus anderen Orten Dalmatiens (C. I. L, 3, 1951. die spira zwar nicht ausdrücklich als dem 

2730. 2815. 2903. 3046. 3065. 3093; Suppl. 9752), Dienste des Liber geweiht, es steht aber dieser 

sowie aus Dacia (C. J. L. 3, 792. 896. 930. 1065. Annahme auch nichts entgegen, zumal da die 

1091— 1094. 1261. 1303. 1355. 1411. 1548; /S'wppZ. letztgenannte Inschrift auf der Basis einer 

7682 — 7684. 7916) und Pannonia (C J. L. 3, 3234. Hekatestatue steht und diese Göttin mit Liber 

3267. 3294. 3295. 3298. 3329. 3464 — 3466. 350G oft verbunden erscheint, s. unten) und unter 

== Suppl. 10433. 3923. 3956, 3957. 4297. 4363; amevii spirardies stehen {CLL. 6,2251. 2252); 

Stippl. 10343. 10432. 10910), vereinzelte auch 40 Priestertitel, wie sacerdotes orgiophantae (Pu- 

aus Moesia C.L.L. 3,750. 6317) und Noricum teoli, C.L.L. 10, 1583), parastata (ebd. 1584), 

(3, 5122). Da die sonst ziemlich seltene Ver- hier ophantes Liberi patris (6,507), ardiibucolus 

einigung von Liber und Libera (s. unter Libera) dei Liberi (6, 504. 510; s. dazu Ä. Dieterich, 

hier verhältnismäfsig häufig auftritt, so ist De hymnis Orpliicis capitula quinque, Habil.- 

wahrscheinlich ein einheimisches Götterpaar Sehr. Marburg 1891 p. 3if.), weisen deutlich 

dieser Gegenden mit den römischen Gott- auf den Mysteriendienst. In dieser Auffassung 

heiten Liber- Libera gleichgesetzt worden. tritt Liber pater in enge Beziehung zu ver- 

Wiewohl die knapi^e Fassung der Weih- schiedenen anderen Fremdkulten, wir finden 

Inschriften über die ihnen zu Grunde liegende ihn verbunden mit Isis und Serapis {C. 1. Lj. 3, 

Auffassung des Gottes keinen Aufschlufs giebt, 50 2903, Dalmatien), Sol iuvictus Mithras (C. J. L. 

wird man sie doch in der überwiegenden Mehr- 2, 2634) , häufig mit Hekate (6, 500. 504. 507. 

zahl als Denkmale der Verehrung des Wein- 510. 11, 671 aus Forum CoriieHi), insbesondere 

Spenders Liber in Anspruch nehmen dürfen. aber mit Magna Mater {Ephem. epigr.1,76 aus 

Daneben aber hatte in verhältnismäfsig früher Zama maior in Afr. Byzac), an deren Tauro- 

Zeit mancherlei aus griechischenDionysos- bolien die Priester des Liber pater beteiligt 

mysterien, wenn auch in stark gebrochener sind (C. J. L. 12, 1567); im 4. Jahrb. finden wir 

und getrübter Form, in Italien Eingang ge- häufig die Priesterwürden der Magna Mater, 

funden, und die Ablehnung, die diese Geheim- des Mithras, des Liber pater und der Hekate 

kulte von selten der Staatsreligion erfuhren, in einer Person vereinigt (C. /. L. 6, 500. 504. 

vermochte sie im privaten Leben nicht völlig 60 507. 510). Entsprechend erscheint auch Liber 

niederzuhalten. Im Anfange des 2. Jahrh.v. Chr. pater in Bildwerken mit den Attributen ver- 

waren bakchische Geheimdienste in ganz Italien schiedener Götter ausgerüstet als Liber pan- 

wie in Rom verbreitet {Liv. 39, 15, 6), bis die theus {C.L.L. 14,2865: Signum Liberi pa[tris] 

argen damit verbundenen Skandale und Aus- panthei cum suis parfergisj, aus Praeneste. 9, 

scbreitungen im J. 568 = 186 zu einem allgc- 3145 aus Corfinium; vgl. Auson. epigr. 48. 49 

meinen Verbote der Bacchanalia führten {Liv. p. 330 f. Peiper). 

39,8—19. C.J.i. 1,196; vgl. Cic.de leg. 2,37). Bildliche Darstellungen des Liber pater 

Am Ausgange der Republik war der indische werden in den Weihinschriften sehr häufig 



2029 Libera Liberalitas 2030 

erwähnt (C. I L. 3, 160. 633. 9, 2197. 3603. 10, und im Dienste des Tempels von Ceres Liber 
6435. II, 358. 715 = 6, 460. JSp/iCJ«. e/3if/r. 7, 75), Libera (nebst den zugehörigen ludi Cereri 
und wir' dürfen in dem Statuettenvorrate un- Libero Liberae faciundi an den Ceriaba, Cic. 
serer Museen eine etwa ebenso grofse Zahl Verr. 5, 36) Erwähnung, Weihinschriften fehlen 
von Bildern des Liber voraussetzen, wie von in Rom vollständig und in Italien fast gänz- 
solchen des Silvanus, Hercules u. a. Aber lieh (Amiternum, C I. X. 9, 4513: Jovt ofptMKo; 
ihre Aussonderung ist unmöglich, da die rö- mfaxiino) Libero Lib(erae); Bononia, 11, 698: 
mische Sakralkunst nicht durch Modificierung Libero patri et Lib(erae); Aesernia, 9,2670: 
der griechischen Dionysosdarstellung einen sacerdos Cerialis Dcia Libera); ebenso ver- 
eigenen Libertypus geschaffen, sondern den lo einzelt sind die Zeugoisse für das Paar Liber- 
ersteren einfach herübergenommen hat. Die Libera aus Aquileia (C.J.i. 5,793) und aus 
zufällig im Zusammenhange mit den zuge Mauretanien (8, 9016), dagegen sehr zahlreich 
hörigen Inschriften erhaltenen statuarischen aus den Provinzen Dacia (C. I. L. 3, 792. 1093. 
oder Reliefdarstellungen des Liber pater (siehe 1094. 1303; Suppl. 7916. 7684), Dalmatia (3, 
CIL 3 930 3295.4297; SupplmQ. 6,8796. 1790 = 6362. 2903) und Pannoma (3, 3234. 
9 3571- vgl auch den Altar Archäol Zeit. 1851 3267. 3298. 3466. 3506 =^ Suppl 10433. 4297; 
faf. 35 S. 385 ff. mit der Inschrift C. L L. 11, Suppl 10343), wo wahrscheinlich em emhei- 
3361) unterscheiden sich durch nichts von misches Götterpaar in die römischen Namen 
solchen des griechischen Dionysos; Kranz, Liber-Libera umgesetzt worden ist(s. Liber). Ein 
Thyrsos, Becher (vgl. CLL. 11,358, aus Ari- 20 paar zu diesen Inschriften gehörige Reliefdarstel- 
minum:' Liberum patrem cum redimiculo auri lungen {C. I. L. 3, 4297; Suppl 7916) zeigen 
III et thyrso et cmitaro arg. p. IIS), sowie beide Gottheiten in völlig paralleler Bildung 
der Panther zu den Füfsen des Gottes sind mit Kranz und Thyrsus und dem Panther^ als 
die regelraäfsigen Attribute. Der epheu- Begleiter; ebenso sind die Köpfe von Liber 
bekränzte Kopf auf den Denaren des L. Gas- und Libera mit Sicherheit erkannt worden auf 
sius (um 675 = 79, Babelon, Monn. de la Vorder- und Rückseite der Denare des L. Cas- 
republ Born. 1, 329 nr. 6), des M. Volteius sius um 675 = 79, der Gott mit Epheu be- 
(um 666 = 88, Bahelon a. a. 0. 2, 566 nr. 3) kränzt und durch das Beizeichen eines Thyr- 
und des P. Petronius Turpilianus (um 734 sus gekennzeichnet, Libera mit einem Kranze 
= 20, Babelon a. a. 0. 2, 293 ff. nr. 1. 4. 8. ao von Weinlaub und Trauben {Babelon, Monn. 
10. 14) ist trotz des Fehlens einer Beischrift de la rep. Born. 1, 329 nr. 6). Die Zahl der 
für Liber gesichert, da auf den zuerstgenannten Inschriften,« welche die Göttin allem, ohne 
Denaren hinter dem Kopfe ein Thyrsus als Liber, anreden, ist eine gaoz verschwindend 
Beizeichen erscheint und die Rückseite einen kleine (C. Z. L. 6, 469. 3, 1095. 3467 = Stippl 
entsprechenden, mit Weinlaub und Trauben 10434. 8, 860), u. zw. scheint hier der Name 
bekränzten Frauenkopf zeigt, der als Libera Libera zum Teil fdr den anderer Göttinnen 
gedeutet werden mufs. [Wissowa.] eingetreten zu sein; die Inschrift wenigstens 
Libera, Kultgenossin des altrömischen Gottes G. I. L. 3, 1095 (aus Apulum in Dacia) ist der 
Liber (vgl. Faunus : Fauna, lovis : lovino u.a.), triformis Libera gewidmet, es ist also die m 
mit dem sie gemeinsam an dem Feste der 40 späterer Zeit mit Liber häufig zusammen ver- 
Liberalia (17. März) ein Opfer erhält (/: Caer.: ehrte Hekate (s.ob. Sp.2028,51) gemeint. Die 
Libero Libferae), s. ob. Sp. 2024, 17), am Beginne Benennung einzelner bakchischer Frauengestal- 
der Republik bei der Gründung des Tempels ten unserer Museen als Libera (z. B. München 
von Ceres Liber Libera mit der griechischen Glyptothek nr. 112. British Museum, Guide: 
Kore-Persephone gleichgesetzt iCic.de nat. Graeco-Boman Sculpt. 1 nr. 198 u a.) ist will- 

d.2, 62; vgl. Verr. 5, 187: Ceres et Libera , kürlich; statuarische Bildungen dieser Göttin 

quarum Sacra populus Bomanus a Graecis ad- dürfen wir bei der untergeordueten Rolle, die 

scita et accepta tanta religione et publice et sie iu historischer Zeit im Kulte von Rom 

inivatim tuetur, ut non ah Ulis huc adlata, sed und. Italien spielt, überhaupt kaum erwarten. 

ut ceteris liine tradita esse videaniur). Die ur- so . [Wissowa ] 

sprüugliche Bedeutung der Göttin, die nach Liberalitas, die Freigebigkeit, insbesondere 

Vurro (bei August, c. d. 4, 11; vgl. 6, 9. 7, 2. diejenige der römischen Kaiser gegen Volk 

3. 16) feminarum seminibus praeerat, ist dar- und Soldaten. In halber Personifikation findet 
über völlig vergessen worden, und die römi- sich L. zuerst inschriftlich auf Augustusmunzen 
sehen Schriftsteller ersetzen, wenn sie von der der Stadt Ebora in Lusitania {Cohen, Med. imp.- 
griechischen Kore-Persephone reden, deren 1 S. 148 Oceave ^»^«sfe nr. 583 f), welche auch 
Namen einfach durch Libera (z. B. Cic. Verr. selbst den Beinamen Liberalitas lulia führte 

4, 106ff. Arnob. 5,21. 35 u. a.); vereinzelt wird {Plin. n. h. 4, 21, 117), und dann auf Münzen 
Libera auch mit Ariadne (Ovid.fast. 3, 512 = des Hadrian {Cohen 2 S. 181 ff. Adpen nr. 908. 
Hygin. fab. 224; so wohl auch bei Plin. n. h. eo 912. 930). Auf anderen Münzen dieses Kaisers 
36, 29 satyrus . . . Liberum patrem palla vela- wird sie aber bereits als stehende Frau mit 
tum umeris praefert, alter Liberam similiter), einem zum Empfang von Getreide oder Geld 
irrtümlich von Auqustin. c. d. 7, 3. 16 19 mit berechtigenden Täfelchen (tessera) in der Hand 
Ceres oder Venus (doch vgl. G. I. L. 8 Suppl (ebenda 2 S. 181 f. nr. 910. 913f.), oder ein Full- 
15578: in templo Liberi patris et Vcntris, wo hörn (2 S. 182 nr. 916 ff.) m die Hände oder 
vielleicht Venus für Libera eingetreten ist) den Schofs eines Bittenden (2 S. 183 f. nr. 931 tt. 
identificiert. Im römischen Kulte geschieht 945. 950. S. 207 nr. 1197) leerend, oder endlich 
des Paares Liber-Libera nur an den Liberalia tessera und Füllhorn haltend (2 S.183 nr.934ti.) 



2031 



Libertas 



Libertas 



2032 




dargestellt. Dieselben Typen finden sich auf 
den sehr zahlreichen Münzen des Antoninus 
{Cohen 2 S. 316ff. nr. 80fF. S. 360 nr. 940); zu- 
weilen führt sie hier aber auch neben dem Füll- 
horn oder der tessera eine Standarte (2 S. 318 
nr. 490. S. 320 nr. 513. S 360 nr. 939) oder 
einen Stab (2 S. 321 nr. 520). Auf den Münzen 
vieler anderer Kpjser wiederholen sich die 
gleichen Darstellungen: Cohen, Med. imp." 3 
S. 10 Marc Aurel nr. 74fF. S. 41fi". nr. 40lff". — 
Lucius Verus, 3 S. 182. — Commodua, 3 S. 266 

— 271. S. 309 nr. 587 mit Stern. — Pertinax, 
3 S. 392 f. — Sept. Se verus, 4 S. 32 — 35, — 
Caracalla, 4 S. 156—159. — Geta, 4 S. 260. — 
Macrinus, 4 S. 294. — Heliogabal, 4 S. 331 

— 333. — Alex. Severus, 4 S. 412 — 417. — 
Maximinus, 4 S.507f. — Balbinus, 5 S. 9f. — 
Pupienus, 5 S. 15 f. — Gordianus, 5 S. 33 — 36. 

— Philippus maj., 5 S. 102 f. 134. 137. 141. — 
Philippus min., 5 S. 162. — Trajan. Decius, 
5 S. 192f. — TreboD. Gallus, 5 S. 244. — Vo- 
lusianus, 5 S. 271. — Valerianus, 5 S. 307 — 9. 
338. — Gallienus, 5 S.394ff. 492. — Saloninus, 

5 S. 521. — Postumus, 6 
S. 35. — Tetricus, 6 S. 99f. 

— Claudius IL, 6 S. 144. 

— Quintillus, 6 S. 169. — 
Carinus, 6 S. 387. — Ca- 
rausius, 7 S. 18. — Con- 
stantinus, 7 S. 265. — 

Neu erscheint in späterer 
Zeit neben der Umschrift 
Liberalitas Aug. einmal 
eine stehende und sich auf 
eine Säule stützende Frau 
mit Mütze und Füllhorn in der Hand (a. a. 0. 5 
S. 210 Etruscüle nr. 15), und ähnlich stützt die 
mit entblöfstem Oberkörper dargestellte L. ihre 
Rechte auf eine hinter ihr stehende Vase, 
während sie in der Linken, wie gewöhnlich, 
die tessera hält, auf einem Wiener Chalcedon, 
{v. Sachen und Kenner, Die Samml. d. Müns- 
u. Ant.-Kab. zu Wien 9, 3, 31). Vgb auch 
EckheJ, D. N. V. 8 S. 544 f. [Die ältere Litte - 
ratur über Liberalitas verzeichnet Hasche, 
Lexic. univ. rei num. veterum 2, 2 Sp. 1664, 
der selbst die Münzen mit dem Typus der L. 
Sp. 1645 — 1696 verzeichnet. Von Neueren s. 
B. Engelhard , De personificationibus quae in 
poesi atque arte Bomanoruin inveniuntur. 
Gott. 1881 p. 58. Den antiken Typus der ein 
Füllhorn ausschüttenden Liberalitas ahmt nach 
eine Münze Leos X., Piper , Mythol. u. Symh. 
der ehr. Kunst 2 p. 695. Drexler.] [Steuding.] 
Libertas, göttliche Personifikation der bürger- 
lichen Freiheit {Cic. de nat. deor. 2, 61), welche 
seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrb. v. Chr. 
einen von Ti. Sempronius Gracchus (Cos. 516 
= 238) aus Strafgeldern erbauten Tempel auf 
dem Aventinbesafs fPaMZ.p.l21. />«;. 24,16, 19 
erzählt von dem Sohne des Stifters, dem Sieger 
von Beneventum 540 = 214: digna res visa, ut 
simulacrum celebrati eins diei — es handelt sich 
um die Feier des vorwiegend durch Sklaven, 
die nunmehr mit der libertas belohnt wei'den, 
erfochtenen Sieges — Gracchus, postquam Ro- 
mam rediit, pingi iuberet in aede Liheriatis, quam 
pater eius ex multaticia pecunia faciendam curu- 



Münze des Marcus 

Aurelius (nach Cohen, 

Med. imp.'^ 3 S. 42). 



vit dedicavitque) . Der Stiftungstag war wahr- 
scheinlich der 13. April, denn die Angabe Ovids 
fast. 4, 623f.: hac quoque, ni fallor, populo 
dignissima nostro atria Libertas coepit habere 
sua setzt aller Wahrscheinlichkeit nach fälsch- 
lich das atrium Libertatis (s. unten), das ja 
kein gottesdienstliches Gebäude war und dessen 
Stiftungstag nicht in den Kalender gehört, an 
die Stelle der minder bekannten aedes Liber- 
ia tatis (Oüids Fastenvorlage enthielt offenbar 
nur die Beischrift Libertati). Nicht völlig 
aufgeklärt ist das Verhältnis dieses Tempels 
zu dem ebenfalls auf dem Aventin gelegenen 
und von Augustus wiederhergestellten Tempel 
des luppiter Libertas {Mon. Ancyr. 4, 6) oder 
luppiter Liber {fast. Arval. z. 1. Sept.; s. oben 
Sp. 663 f.). Letzterer Name schliefst die u. a. 
von Jordan {Ephem. epigr. 1 p. 237) angenom- 
mene Identifikation beider Tempel aus; da- 
20 gegen würde der Stiftungstag am 13. April — 
sofern die eben ausgesprochene Vermutung 
richtig ist — , da alle Iden dem luppiter heilig 
sind, darauf hinweisen, dafs der besondere 
Kult der Libertas aus dem des luppiter Liber- 
Libertas hervorgegangen und gewissermafsen 
aus ihm losgelöst worden sei, u. zw. zu einer 
Zeit, wo sich die ursprüngliche Bedeutung von 
Über, libertas (s. darüber ob. Sp. 2022, 67 ff.) bereits 
verschoben hatte. Viel häufiger genannt wird 
30 seit der Zeit des 2. punischen Krieges {Liv. 
34, 44, 5 erwähnt eine Wiederherstellung und 
Erweiterung des Gebäudes durch die Censoren 
des J. 560 = 194) das atrium Libertatis (Serv. 
Aen. 1, 726: alii atria magnas aedes et capa- 
cissimas dictas tradunt, unde atria Licinia et 
atrium LAbertatis ; G. 1. L. 6,10025: post atrium 
Liber f tatis] ), ein geräumiges Profangebäude, 
das zu verschiedenen officiellen Zwecken dient, 
namentlich als Amtslokal der Censoren {Liv. 
40 43, 16, 13. 45, 15, 5), aber auch zur Verwahrung 
von Gefangenen {Liv. 25, 7, 12), zur Anstellung 
peinlicher Befragungen {Cic. pro Milone 59), 
zum Aushang von Gesetzespublikationen {Fest. 
p. 241 : lex ftxa in atrio Libertatis cum multis 
aliis legibus incendio consumpta est; daher ist 
auch die Erzählung des Gran. Licin. p. 14^\ 3 
ed. Bonn, vom Konsul des J. 592 = 162 P. Len- 
tulus formamque agrorum in aes incisam ad 
Libertatis fixam reliquit nicht auf den Tem- 
50 pel, sondern auf das Atrium der Libertas zu 
beziehen). Das Gebäude, welches durch Asi- 
nius Pollio eine Wiederherstellung erfuhr {Suet. 
Aug. 29) und zum Sitze der ersten öffentlichen 
Bibliothek gemacht wurde {Ovid. trist. 3, 2, 71 f.; 
vgl. M. Ihm, Centralbl. f. BibliotheTcswesen 10, 
1893, 515 f.), lag bis auf Vespasians Zeit nörd- 
lich vom Forum {Cic. ad Att. 4, 16, 14, und 
besonders die Erzählungen der Kämpfe beim 
Sturze des Galba, Tac. hist. 1, 31 und Suet. 
60 Galba 20), wahrscheinlich wurde es durch die 
Anlage des Trajansforums verdrängt, wofür 
nach Ausweis eines Fragmentes des capito- 
linischen Stadtplanes (Libertatis) an einer an- 
deren Stelle dieses Forums ein der Libertas 
bestimmtes (sakrales oder profanes?) Gebäude 
errichtet wurde (Material bei Jordan, Topogr. 
1, 2, 267 f. 460 f.); am letzten Ausgange des 
Altertums (6. Jahrh.) haftet der Name atrium 



2033 



Libertas 



Libitioa 



2034 



Liberfatis an der Kurie (Mommsen, Hermes 23, 
631 ff. Hülsen, Mut. d. arch. Inst. Rom 4, 240 f.). 
Kapellen oder Bilder der Libertas als Denk- 
mäler wirklicher oder angeblicher Befreiung 
des Volkes von seinen Bedrückern sind in 
Rom wiederholt errichtet worden, so von Clo- 
dius auf der Stelle des zerstörten Hauses des 
Cicero {Flut. Cic. 33. Cass. Bio 38, 17. Cic. de 
domo 108 ff ; vgl. Cic. de leg. 2, 42), im J. 708 
= 46 zu Ehren des Caesar als Volksbefreiers lo 
(Cass. Dio 43, 44), nach dem Falle des Nero 
(C. I. L. 6, 471), zur Feier der Thronbesteigung 
des Nerva (C I. L. 6, 472, dazu Mommsen, Ber. 
d. Sachs. Gesellscli. derWissensch. 1850, 300 f.), an 
Stelle der umgestürzten Statue des Commodus 
(Hero^mw. 1,14, 9); auch die spanische Inschrift 
C. I. L. 2, 2035: Libertatis aug. Signum cum sua 
basi C. Fabius C. f. Quir(ina) Fabianus pecunia 
sua d. d. knüpft jedenfalls an eine ähnliche 
Veranlassung an. Der Kopf der Libertas, teils 20 




1) Kopf d. Libertas, Münze 

d. Cassia (nach Babelon, 

Monn. C. 1, 331, 8). 




2) Münze der lunia 
(nach Babelon 2, 119, 51). 



30 




3) Münze d. Porcia 

(nach Babelon 

2, 369, 3). 



durch Beischrift, teils durch das redende Bei- 
zeichen des pileas libertatis (Marquardt, Privatl. 
d. Rom. 554 f.) sichergestellt, ist häufig auf 
Münzen des letzten Jahrhunderts der Republik 
(Babelon, Monn. de la re'publ. Rom. 1, 331 nr. 8. 
474 nr. 2. 493 f. nr. 1. 2. 2, 148 nr. 2), besonders 
nach der Ermordung Cäsars (Babelon a. a. 0. 
1, 334ff. nr. 12 ff. 2, 112 ff. 
nr. 31 ff.), wo auch die Denare 
des Brutus und L. Plaetorius 40 
Cestianus mit dem Reversbilde 
des pileus libertatis zwischen 
zwei Dolchen und der Um- 
schriftEID. MART. geschlagen 
wurden (Babelon a. a. 0. 2, 119 
nr. 52). Weiter zurück reichen 
die Reverstypen der Denare des 
M. Porcius Laeca (um 625 = 129) und C. Cassius 
Longinus(um 645 = 109), welche dieLibertas auf 
einer rasch dahinfahrendenQuadriga stehend und ,50 
von einer schwebenden Victoria bekränzt zeigen 
(Babelon a. a. 0. 2, 369 nr. 3. 1, 325 nr. 1 ; ähn- 
lich, aber auf einer im Schritt fahrenden Biga, 
die Denare des C. Egnatius Maxinius um 685 
= 69, Babelon 1, 474 nr. 1). Die Göttin hält 
hier in der einen Hand ein Scepter, in der 
anderen den pileus, und diese Darstellung ist 
auch auf den Münzen der Kaiserzeit, auf denen 
Libertas häufig erscheint, die eigentlich typische 
(vgl. Heibig, Sitzungsb. d. Münch. Almd. 1880 60 
],490f.), wenn auch einzelne Abweichungen 
vorkommen (R. Engelhard , De personificatio- 
nibus, quae in poesi atque arte Rom,anoruni in- 
veniuntur, Diss. Gottingae 1881 p. 52 f.). Un- 
sicher bleibt die Deutung des Reversbildes 
eines Denares des C. Egnatius Maximus (Ba- 
belon a. a. 0. 2, 474 nr. 3), welches innerhalb 
einer Tempelfront zwei Gottheiten zeigt, eine 



männliche, über der ein Blitz sich befindet, 
und eine weibliche, über der der pileus er- 
scheint; Cavedoni, dem sich Babelon anschliefst, 
erkennt luppiter und Libertas mit Beziehung 
auf die aventinische aedes lovis Libertatis; 
aber diese Erklärung fällt mit der falschen 
Voraussetzung, dafs jener Tempel dem lup- 
piter und der Libertas, und nicht vielmehr 
dem luppiter Libertas, geweiht gewesen sei 
(s. oben Sp. 664). [Wissowa.] 

Libitina, römische Göttin der Bestattung 
(sniov.OTtois xcav tisqi xovg ^vriayiovrcig oaimv, 
Plut. Numa 12), die ihren Sitz in einem 
heiligen Haine (lucus Libitinae, Obsequ. 12 u. a.; 
vestiar(ius) ab luco Libitina, C. I. L. 6, 9974. 
10022) ungewisser Lage (auf dem Esquilin 
suchen ihn BecJcer, Topogr. S. 537 und 0. Gil- 
bert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt Rom 1, 176) 
hatte. Hier war, angeblich auf Grund einer 
Anordnung des Servius Tnllius (Piso bei Dion. 
Hai. 4, 15), die Centralstelle für das städtische 
Begräbniswesen; von jedem Sterbefalle kam 
eine Gebühr in die Kasse der Libitina (lucar 
Libitinae, auch aufserhalb Roms, vgl. die In- 
schrift von Bergomum , C. I. L. 5, 5128 cuius 
eximia liberalitas post multas largitiones hucus- 
que enituit, ut lucar Libitinae redemptum a re 
p(ublica) sua universis civibus suis in perpe- 
tuum remitieret; s. Mommsen z. d. St. und Rom. 
Staatsr. 2^, 59, 4), hier wurden Listen über die 
Sterblichkeit geführt (triginta milia funerum 
in rationem Libitinae vcnerunt, Suet. Nero 39 
= Gros. 7, 7, 11), hier hatten die Begräbnis- 
unternehmer (libitinarii) ihren Sitz (Marquardt, 
Privatl. d. Römer 371 f.) und wurden die Be- 
gräbnisgerätschaften aufbewahrt und vermietet 
(Ascon. p. 29 K.-S. Plut. Q. R. 23 xöc ngos ras 
To;qp«s TtiTiQciayiovGiv iv rta r^^ivBi reo Aißi- 
Ti'vrjg; vgl. Horaz serm. 2, 6, 19: Libitinae 
quaestus acerbae; Phaedr. fab. 4, 21, 26: qui 
circumcidis omnem impensam funeri, Libitina 
ne quod de tuo faciat lucrum; auch die bei 
grofser Sterblichkeit gebrauchte Wendung 
Libitina non sufßcit , Liv. 40, 19, 2. 41, 21, 6, 
gehört hierher). Daher ist der metaphorische 
Gebrauch von Libitina für funus ein ganz ge- 
läufiger, in Wendungen wie Lihitinam facere 
(lex. lul. munic, C. I. L. 1, 206 Z. 94) oder 
exercere ( Val. Max. 5, 2, 10), Lihitinam vitare 
(Hör. carm. 3, 30, 7) oder evadere (luven. 12, 
122), Libitina struitur (Martial. 10, 97, 1), una 
lAbitina duos ferit (Mart. 8, 43, 4), tori Libi- 
tinae (Quintil. decl. 9, 6) u. a. m.; vgl. auch 
die porta Libitinensis in der Arena, durch 
welche die Leichname der Gefallenen fort- 
geschafft wurden (Hist. aug. Commod. 16, 7; 
vgl. Friedländer bei Marquardt , Staatsverw. 
3, 564). Der Kult der Göttin mufs sehr früh 
in Vergessenheit geraten sein, und darum 
waren auch die Gelehrten der ausgehenden 
Republik über Deutung und ursprüngliches 
Wesen der Libitina im unklaren und nur auf 
Vermutungen angewiesen. Einige hielten sie für 
identisch mit Persephone (Plut. Numa 12), 
die meisten aber, insbesondere Varro {de l. l. 
6, 47 und bei Non. p. 64) brachten sie mit 
Venus zusammen (völlige Vermengung bei 
Placid. Corp. gloss. 5, 30, 14 f.: Libitina est dea 



2035 



Libs 



Libye 



2036 



paganorum. Libidinis dcam, quam quidam Ve- 
nerem infernalem esse dixerunt. Tarnen et Lihi- 
tina dicitur lectus mortuonmi vel locus in quo 
mortui conduntur). Mafsgebend dafür war 
einerseits die Namensähnlichkeit der Venus 
Lubentina {Varro aa. 00. Cic. de nat.d. 2, 61. 
Serv. Aen. 1,720) oder Lubentia (Plaut. Asin. 
268; s. oben Sp. 201 f.), andererseits der Um- 
stand, dafs im Haine der Libitina ein alter 
Tempel der italischen Gartengöttin Venus stand 
(Fest. p. 265 über die rustica Vinalia: eodem 
autem die Veneri templa sunt consccrata, alte- 
rum ad circum maximum, altenim in luco 
Libitinensi, quia in eius deae tutela sunt horti. 
Daher nennt Dion. Hai. 4, 15 die Libitina selbst 
'JcpQoöitrj iv cilcei ■/.^^■idQVixsvr], und Varro bei 
Non. p. 64 spricht vorkehrt von einem Iticus 
Veneris Liibentinae) ; auch die Analogie d^r 
griechischen 'jqjQoStzr] 'ETtirvfißLcc zu Delphi 
wurde herangezogen (Flut. Q. R. 23). In der 
That beweist diese Hypothese nichts weiter, 
als dafs jede wirkliche Kenntnis vom Wesen 
der Libitina verschollen war. Auf ihr auf- 
gebaut ist dann die völlig verkehrte Ansicht 
von Bernoulli (Aphrodite. Ein Baustein zur 
griecli. Kunstmythologie. Leipzig 1873 S. 67), 
der in einem durch eine Reihe von Statuetten 
vertretenen archaisierenden Göttinnentypus, den 
sog. ,,Spes"figuren, in dem Gerhard (Hyperbo- 
reisch-röm. Studien 2, 121 IF.) Züge von Aphro- 
dite und Persephone vereint zu erkennen 
meinte, die „Venus Libitina" nachweisen zu 
können glaubt Abgesehen davon, dafs wir 
Statuen einer so in Vergessenheit geratenen 
Göttin wie Libitina zu finden überhaupt nicht 
erwa,rten dürfen, unterliegt es keinem Zweifel, 
dafs dei- ganze Typus ein griechischer ist; 
vgl. G. Wissowa, De Veneris simulacris Romanis, 
Vratisl. 1882 p. 5 f. [Wissowa.] 

Libs. Bei Auson., Tcchnopaign. de dis 8, 12 
(p. 161 Peiper) wird der lateinisch sonst Africus 
(Gell. 2, 22, 12), griechisch Xitp genannte Wind 
als Gott bezeichnet: Velivolique maris con- 
strutor, Icuconotos Libs. Vgl. Anth. Pal. 7, 
653. 738. Nonn. Dion. 39, 350. An dem Turm 
der Winde zu Athen ist er, durch Beischrift 
Aiy kenntlich, als Jüngling gebildet, mit beiden 
Händen den Schiff'szierat (aplustre) haltend, 
Baumeister, Denhnäler p. 2115, abg. ebenda 
nr. 2370 p. 2116 nach Stuart und Revett, Antiq. 
of Athens 1 chap. 3. Vgl. Lips. [Höfer.] 

Liburiius s. Indigitamenta. 

Libye, -a (Aißvr], -a), 1) Personifikation des 
gleichnamigen Landes, von der, als seiner 
Heroine, die Alten den Namen desselben ab- 
leiten, wohl schon Aesch. Suppl. 319, dann 
Ilerod. 4, 45. Isolr. 11, 10. Apollod. 2, 1, 4. 
Schal. Pind. Pyth. 4, 24. 25. Schol. Hom. II. 
1, 42. Eust. ad Hom. Od. 1485, 7 ad Dionys. 
Per. 170 p. 118. 270. Schal, ebend. 10. Ur- 
sprünglich gehört der Name dem Gebiete der 
Libyer, der Lebu oder ßebu' der Ägypter 
(Mommsen, Rom. Geschichte 5^, 621. 0. Meltzer, 
Geschichte der Karthager 1, 52. 432. Ed. Meyer, 
Geschichte des Altert. 1 § 43), an. [Als mythi- 
sches Land will G. Goerres, Studien zur grie- 
chischen Mythal. 1, 126 Libyen als ein aufser- 
weltliches Land aufgefafst wissen, „wo alle 



Lebenskeime geborgen sind, von wo das Leben 
in die Menschheit kommt und wohin es im 
Tode zurückkehrt", es soll „die aufserweltliche, 
fern von den Menschen weilende Erdgöttin, 
die Mutter der Toten und Ungeborenen ('?)" be- 
zeichnen!]. Im engeren Sinne bezeichnet L. die 
Umgebung von Ky rene,und ward erst später, wohl 
von den ionischen Geographen, auf den ganzen 
Erdteil ausgedehnt (Ed. Meyer, Forsch, z. a. 
10 Gesch. 1, 81 Anm. 2) und = Africa gesetzt. Die 
Bedeutung der Libye als reiner Eponyme von 
Libyen im engeren Sinne tritt schon in der 
wohl ältesten Erwähnung hervor, in dem Epi- 
nikion für den Kyrenaier Telesikrates von Ol. 
75 oder 76. Pinl. Pyth. 9, 55 (95) vvv 8' 

iVQvlsiflCOV TtÖzVlä 601 AlßvU d£'E,ETaL svuXicc 

vvficpav — nämlich die Kyrene — öwfiaGtv iv 
%QVO£oiq TtQOcpQcov iVDc Ol %%'ovoq ccloav avxiyitt 
avvtsXE&siv Evvofiov SwQriastai; vgl. ebend. 69 

20 (123) &c:X(if.icp 81 fiiyfv iv nolvxQ'vaa) 
Aißvag, sowie das oben Sp. 1727 Z. 7i}". mit- 
geteilte Epigramm und den Art. Libysatides, 
Libye erscheint also als die ursprüngliche 
Herrin des Landes, welche der von Apollo zu 
ihr gebrachten Geliebten Obdach und Anteil 
an der Herrschaft gewährt; in ihrem 'goldenen 
Hause' wird der Tempel der Kyrene zu er- 
kennen sein, s. oben Sp. 1731 f. 

Von den alten Genealogen wurde Libye 

30 dem von Zeus und lo ausgehenden Stamm- 
baum eingefügt. Schon Pind. Pyth. 4, 14 (25) 
(vgl. Schol. 24) nennt sie 'En<xq)OLo iiogav (vgl. 
TcaQ&ivog Enacprjig, Kann. Dionys. 3, 289), 
ebenso Aesch. Su2)pl. 319 (Eust. ad Dionys. 
Per. 175. Schol. Arat. 179 p. 68 BeJcker), wo 
B e 1 s ihr Sohn heifst (ebenso Schol. Eur. Phoen. 
291. 678. Apostol. 13, 29. Schol. Diomys. Per. 
10), vgl. Ed. Meyer Bd. 1 S. 2874 Z. 51 ff. und 
Forschungen z. a. Gesch. 1, 81 Anm. 3, 82. 

40 Vollständiger lernen wir die Genealogie bei 
Späteren kennen. Als ihre Mutter von Epaphos 
nennt Apoll. 2, 1, 4 die Memphis, die Tochter 
des Neilos — hierzu vgl. man Pind. Pyth. 
4, 56 (99), der auch Kyrenaika zu KsiXsio | 
Ttiov rsfisvog rechnet; vgl. LeJirs bei Pletv, Die 
Griechen in ilirem Verhältnis zu den Gottheiten 
fremder Völker, Progr. Danzig 1876, 16 Anm. 
— , Hygin. f. 149. Myth. Lat. 2, 75 p. 100 
die Kassiopeia; s. Bd. 2 S. 987 Z. 44ff. 

50 Nach Schol. Eur. Or. 932 ist Telegonos, 
der bei Apollod. 2, 1, 3 Gemahl der lo heifst, 
ihr Bruder. Libye vermählt sich dem Po- 
seidon, einem speziell libyschen (Herod. 
2, 50) Gott, und wird von ihm Mutter des 
Bei 03 — an den oben angeführten Stellen 
ist Poseidon als Vater nicht genannt — , Diod. 

1, 28. Paus. 4, 23, 10. Komi. Dionys. 3, 287. 
Apostol. 13, 29 und des Agenor, Schol. Eur. 
Phoen. 158. Eui^t. ad Dionys. Per. 899. Belos 

Go und Agenor zusammen werden genannt Apollod. 
3,1,1. Schal. Eur. Phoen. b. Or. 932. Hygin. 
f. 157. Tzetz. Chil. 7, 350. Bei ihrer Ver- 
mählung erhält sie von Hephaistos einen 
goldenen Korb, den sie später der Telephaassa 
schenkte, ?; ts oi ai'iiaTog saKSv, Mosch. 

2, 39. Neben dieser Hauptgenealogie be- 
stehen Varianten: loann. Antioch. fr. 6, 14 
(Frgm. H. G. 4, 544, vgl. Charax. Pcrgam. 



i>037 



Libye 



Libye 



2038 



fr. 19 = Frcjm. H. G. 3, 640) macht sie 
direkt zur Tochter der lo von UiKog 6 yial 
Zsvg und läfst sie dem Poseidon aufser dem 
Belos und Agenor noch den Enyalios ge- 
bären, genau ebenso Eust. ad JÜionys. Per. 
912. Ferner werden als Söhne der Libye und 
des Poseidon noch erwähnt Busiris, Isokr. 
11, 10. Hijgin. f. 157; Lelex, Paus. 1, 44:, 3; 
Phoinix, tSteph. Byz. s.v. 
^oiviKTi p. 669; ohne Be- 
zeichnung des Vaters 
Atlas, Plin. n. h. 7, 56, 
•JOS. Nach Goerres a. a. 0. 
soll Libye auch Mutter des 
Prometheus sein; doch 
giebt er keine Quelle hier- 
für an, und auch ich habe 
keine Belegstelle finden 
können. Mit Ägypten brin- 
gen den Prometheus in Zu- 
sammenhang Diod. 1, 19. 
Plut. de Is. et Üs. 37. Eine 
weitere Variante ist die, 
dafs als Eltern der Libye 
Okeanos und Pompho- 
lyge genannt werden — 
ihre Schwester ist Asia, 
ihre Halbschwester E u - 
rope und Thrake — , 
Ändron. Balicarnass. im 
IScIiol. Äesch. Pers. 185. 
Tzetz. Lyk. 894. 1283. 
Schol. ad Exeges. in Hom. 
IL 9, 27 p. 135. Hermann. 
Eudocia p. 439 nr. 1018. 
Apostol. 16, 19, wo Thrake 
fehlt. BeiiZi/^i«. /". 160, wo 
unter den Söhnen des Her- 
mes aufgezählt wird Liby s 
ex Libye, Palamedis filia, 
liest Bursian (s. Schmidt 
a. a. 0. p. 15) ex Libye, 
Epaphi et Memphidis filia; 
aber immerhin bleibt Her- 
mes als Vater der Libye 
auffallend; vielleicht läfst 
sich hierher die Notiz des 
Pausanias ziehen, der 5, 
15, 11 den Hermes (= 
Parammon) zu den sv Äißvr] 
&801 zählt. 

Dargestellt war Li- 
bye, den Battos bekrän- 
zend, auf einem von Kyrene 
(oben Sp. 1731) gelenkten 
Wagen, in einer von den 
Kyrenaiern nach Delphi ge- 
weihten Bronzegruppe, 



schenMarmorrelief, wo nur nachzutragen ist, 
dafs an der Seite der Libye ein Tier, leider 
mit abgebrochenem Kopfe, aber höchst wahr- 
scheinlich eine Gazelle, steht. Aus der Über- 
einstimmung der Haartracht der auf dem 
erwähnten Kelief dargestellten Libye und des 
auf Münzen von Kyrenaika vorkommenden 
Hauptes schliefst L, Müller , Numismatique de 





Kyrene im Löwenkampfe von Libya bekränzt, Marmorrelief ans Kyrene im 
Brit. Mus. (nach Smith-Porcher, Discov. at Cyr. Taf. 76). 



Paus, 10, 15, 6, vgl. hierzu 

K. Pur guld, Ärchüol. Bemerkungen zu Claudian GQ l'ancienne Afrique, Supplement 13, dafs auf 

und Sidonius 47 f. und 0. Schulz, Die Orts- letzteren gleichfalls 'la Libye c. ä. d. la per- 



gottheiten in der griechischen u. römischen Kunst 
281. vgl. 80, der mit Recht die Ansicht von 
A. Gerher, Naturpersonifikation in Poesie und 
Kunst {Suppl. d. Jahrbb. f. klass. Phil. 13) 
252, dafs Libye hier die Personifikation der Be- 
völkerung sei, zurückweist; ferner auf dem oben 
Sp. 1726 abgebildeten und besprochenen kyrenäi- 



sonnification du pays oü habitaient les Cyrc- 
niens^ dargestellt ist und er bezieht daher die 
von ihm früher a. a. 0. 1 p. 140 nr. 366 (mit 
Abbildung) nr. 367 p. 155 nr. 395 (Abbildung) 
nr. 396 auf Apollon resp. Berenike gedeuteten 
Münzen auf Libye, a. a. Cf. Suppl. 26. 31. Das- 
selbe Haupt der Libye findet sich auf Münzen 



2039 Libye Libye 2040 

von Ptolemaios I., Catal. of greeh coins in the Kornähre und ein Pflug dargestellt ist, Eckhel 

Brit. Mus. The Ptolemies, kings of Egypt 38 a.a.O. 5,206. Cavedoni, Bulletino 1843, 6, 2. 

nr. 11 pl. 6, 7 nr. 12 pl. 6, 8. 39 nr. 17 pl. (3, 10. 7, 2 und auf den Goldmünzen des L, Cestius 

76 nr. 83 pl. 18, 4 nr. 84—94. 77 nr. 95 nr. 96 und C. Norbanus, Eckhel a. a. 0. 5, 169. Diese 

pl. 18,6 nr. 97—99. 83 nr. 27 pl. 19, 4. Die ver- beiden Attribute, Elefantenfell resp. Elefanten- 

schiedenen Ansichten über dieses Haupt s. ob. 2 zahn und Ähren, sind typisch für die auf 

Sp. 517 Z. 32 ft" und Sp. 1727 Z. 1 zusammenge- Münzen dargestellte Africa, um sie einerseits 

stellt, ebenso auf Münzen von Alexandreia, (7ai. als Erzeugerin wilder Tiere, andererseits als 

of greek coins in the Brit. Mus. Alrxandria 20, Spenderin der Fruchtbarkeit (fertilis Africa 

163 pl. 24, 163. 21, 180. 24, 198. 212. 33, lo i2or. Od. 3, 16, 31) zu bezeichnen. Schon Pmt^. 

271. 38. 309. 47, 382. 78, 653. 139, 1170 pl. 24, Pgth. 9, 58 (101) bemerkt, dafs Kyrene der 

1170. Vgl. jedoch auch FurtivängJer {Jahrb. 4 Libye Teil an ihrem Lande ovrs Ttayuägncov 

[1889], 83) der lieber Isis hierin erkennen möchte. cpvxäv vr'jnoivov, ovt' dyväxa &riQcöv 

— Sonst ist gewöhnlich das charakteristische geben werde. So tritt die personificierte Africa 

Merkmal der Libye das über den Kopf ge- auf spicis et dente comas illvstris eburno bei 

zogene Elefantenfell mit dem Rüssel und den Claudian de consul. Stilich. 2, 256 und an einer 

beiden Stofszähnen, wie sie schon eine unique anderen Stelle erscheint die wehklagende 

Goldmünze von Agathokles im kaiserlichen Africa mit zerrissenem Kleide, zerzaustem 

Münzkabinett zu Wien zeigt, Torremuzza, Ährenkranze und zerbrochenem Elefantenzahn 

Siciliae num. vet. Tab. 101, 4. Eckhel, Doctr. 20 im Haare, Claudian. de bell. Gildon. 136; vgl. 

num. vet. 1 , 261. [Eine gute Abbildung dieser Sidonius 5,63. Cavedoni, BuVetino 7 f. Purgold 

Münze giebt Imhoof-Blumer , Num. Ztschr. 3 a. a. 0. 10, «Öfters wird ihr Tierreichtum auch 

Taf. 5 nr. 2 p. 4. 43. Vgl. über dieselbe Kenner, noch durch andere Tiere charakterisiert. Eine 

Die Mänzsamml. des Stifts St. Florian p. 15 f. Goldmünze des Hadrian zeigt die am Boden 

Head, Coinage of Syracuse p. 46 — 48. Ch. sitzende 'Africa', die mit der Rechten das 

Lenorinant, Num. des rois grecs Fl. 1 nr. 2 Haupt eines Löwen berührt, während sie sich 

p. 2 und pl. 23 nr. 8 p. 47. Holm, Gesch. mit der Linken auf einen mit Ähren gefüllten 

Siciliens im Altertum 2 \). iSS. Drexler.] Eine Korb stützt, Vaillant 2, 131. Eckhel Q, 4:SS , 

Bronzt' in Wien (v. Sacken, Die antik. Bronzen d. auf Bronzemünzen desselben Kaisers (abg. 

k. k. Mänz-ii. Antik.-Kab.in Wien Taf. 13, 11; 30 Daremberg - Saglio , Diction. etc. s. v. Afrique) 

vgl. p. 89) zeigt denselben Typus, nur dafs unter hält die gleichfalls mit dem Elefantenfell be- 

der Elefantenhaut noch ein feiner Schleier sieht- deckte liegende ''Africa' in der Rechten einen 

bar wird; v. Sacken a. a. 0. 89 Anm. 2 er- Skorpion, in der Linken ein Füllhorn; ihr zu 

wähnt ähnliche kleine Büsten in den Offizien Füfsen steht ein Scheffel mit Ähren, Eckhel 

und im Britischen Museum; eine hat an der a. a. 0. Borchardt, Katalog d. griech. u. rom. 

linken Seite einen Löwen, an der rechten Münzen d. Samml. d. Gymnas. zu Danzig, 

einen Elefantenzahn; damit ist wohl die im Progr. 1893 p. 57, 548; vgl. Wellenheim, Catal. 

A guide to the bronze room p. 55 bezeichnete de sa grande collection de monn. et med. 1, 

Bronze gemeint. Interessant ist die 1829 10785. Dan. Meyer, Verzeichn. röm. Kaiser- 

bei Tusculum gefimdene Doppelherme der 40 münzen, bei Widenhub . .. entdeckt p. 16; oder 

Libye und des Triton, Gerhard, Berlins antike sie hält, dem an einem Altar stehenden Kaiser 

Bildwerke p. 132, 388 (abgeb. Conze, Bischreib. gegenüber, in der Rechten eine Schale, in der 

d. antik. Skulpturen im K. Muscmn zu Berlin Linken Ähren; zu ihren Füfsen liegt ein Opfer- 

p. 90, 207; vgl. Drefsler, Triton 2, 35 Anm. 6); tier (Legende: Adventiii Aug. Africae), Eckhel 

auch hier trägt Libye das Elefantenfell und auf 6, 488. Vaillmit 1, 58; oder der Kaiser__hebt 

die Schultern fallende Locken. Auch mit dem die das Knie beugende, in der Linken Ähren 

Ammonkopf erscheint ihr Haupt auf Gemmen haltende Africa, auf (Legende: Bestitutori 

vereint, P. Knight, Priap. 12, 7. Müller, Africae), Eckhel 6, iS9. Münzen des Antoninus 

Handbuch^ 622. Dieselbe Darstellung der Pius zeigen sie in der Rechten mit einem 

Libye findet sich auf folgenden Gemmen, 50 Kranz, in der Linken mit einem Füllhorn, 

L. Müller, Description des intailles et came'es VaiUant 1, 12; oder mit eineraKorh von Ahven 

antiqu. du Musee Thorvaldsen p. 81 nr. 641 und einem Füllhorn, ihr zu Füfsen ein Löwen- 

—643. Chabouillet, Cat. gen. des camces 235 köpf, j&cÄ'/teZ 7, 4; oder mit beiden Händen einen 

nr. 1748. Winckelmann, Description despierres grofsen Kranz tragend, vor ihren Füfsen ein 

gravees du feu Baron de Stosch p. 36 nr. 21. Drache, hinter ihr drei Ähren, Eckhel 7, 4; 

22 und auf zwei Gemmen der Sammlung B. oder sie ist dem in der Rechten einen Stab, 

Hertz, Arch. Anz. 9 (1851), 101. Auf dem in der Linken eine Lanze haltenden Kaiser 

Fragment einer Geinme hält sie aufserdem in gegenüber gelagert, auf eine Felsklippe ge- 

der L. ein Büschel Ähren und Mohn, während stützt, die Rechte auf dem Kopf eines Löwen, 

ihre R. wahrscheinlich den vor ihr stehenden 60 in der Linken Spolien oder wohl vielmehr 

Kaiser bekränzte, Purgold a. a. 0. 10 Anm. 6. Ähren haltend ; in der Mitte steht eine Victoria, 

0. Müller, Handbuch^ 622. Vor allem aber Vaillant 3, 123. Auf einer Münze des Com- 

häufig ist ihre Darstellung auf Münzen, so modus sitzt sie zurückgelehnt vor dem Kaiser, 

auf einei- Goldmünze des Pompeius, Cohen, das rechte Bein über das linke gekreuzt, legt 

Monn. de la republ. rom. p. 260 nr. 11. Müller, die Rechte auf den Rücken eines Löwen 

Numismatique etc. ^ 44; auf den von Eppius, und hält in der Linken Kornähren, Boman 

dem Legaten des Q. Metellus Scipio, geschlage- Medallions in the Brit. 3Ius. (1874) p. 27 

nen Münzen, auf denen aufserdem noch eine nr. 29 pl. 33, 3. Auf Silbermünzen des Sep- 



2041 



Libye 



Libyrnos 



2042 



timius Severus liegt zu ihren Füfsen ein Löwe, 
sie selbst trägt in der Tunica (EcJchell, 171 = 
Vaillani 2, 214) oder in der rechten Hand Korn- 
ähren, Vaillant 1, 111. Eine Münze des M. 
Aurelius Valerius Maximianus zeigt zu ihren 
Füfsen neben dem Löwen noch einen Stiev, Eckhel 
8, 25. Auch auf Münzen von Numidien und 
Mauretanien erscheint das mit der Elefantenhaut 
bedeckte Haupt der Libye mit auf den Nacken 
herabfallenden Locken, L. Müller a. a. 0. 
Suppl. 13, so auf Münzen von luba L, Müller, 
I\umismatique etc. 3, 43, 58 (Abbildung); von 
luba n., 3Iüllcr 3, 103, 18 (Abbildung); 107, 71 
(Abbildung: hinter dem Haupte noch zwei Wurf- 
spiefse ; aufserdem vor dem Haupte noch eine 
Kornähre, Müller 3, 103, 19 vgl. 119; genau die- 
selbe Darstellung auf einer Münze des Königs 
Ptolemaios von Mauritanien, Müller 3, 130, 
196 [Abbild.]; vgl. p. 134); vgl. ferner die 
Münzen aus der Zeit des Interregnums zwischen 
Bocchus III. und luba IL, Müller 3, 100, 15, 
die autonome Münze von Caesarea in Mauri- 
tanien, Müller 3, 138, 209 sowie die Münzen 
mit der Legende L. Clodi, Macri. Liberatrix, 
Müller 2, 171, 384—386, woselbst sich auch 
weitere Litteraturangaben finden; endlich die 
nicht näher zu bestimmenden numidischen 
Münzen bei MüUer 3, 73, 86 (Abbildung). 87. 88. 
— Von Reliefdarstellungen sind zu er- 
wähnen 1) ein Sarkophagrelief, auf dem die 
durch Inschriftreste kenntliche 'Alrica', das 
Haupt mit Elefantenexuvien geschmückt, in 
der R. Ähren hält, Matz-Dulin, ÄntiJc. BUdw. 
■in Born 2, 3095; — 2) das Bruchstück einer 
Basis zeigt die ''Africa' in amazonenhafter 
Tracht; ihre Haare fallen in gedrehten Locken 
vorn über die Stirn, das Haupt ist mit dem 
Elefantenfell bedeckt, Matz-Biilin a. a. 0. 3, 
3624; — 3) auf dem Relieffragment einer Base 
sitzt eine Frauengestalt, nach r. gewandt, in tiefer 
Betrübnis einem vor ihr stehenden Imperator 
gegenüber; sie ist in einen Ärmelchiton gekleidet, 
legt die R. in den Schofs und stützt den mit 
Elefantenexuvien geschmückten Kopf auf die L.; 
es ist höchst wahrscheinlich die 'Africa capta', 
Matz-Bulm 3, 3630. Vielleicht ist auch mit 
Baumeister, Denkm. 12981. v. Sacken a. a. 0. 88 
die Taf. 27, 2 abgebildete Bronze, eine Figur 
in Kleidung von fremdem, orientalischen 
Schnitt, die den linken Fufs auf den Kopf 
eines Krokodils stellt, während sie mit trüb- 
sinnig und nachdenklich gesenktem Kopfe die 
Hände über den Schofs gekreuzt hält, die 
stehende Libye (Africa) capta zu erkennen. 
[Eine Marmorbüste der Africa' in Broad- 
lands beschreibt Michaelis, Ana. Marhles in 
Gr. Britain p. 222 nr. 19 als „A graceful little 
head, soniewhat in the char acter of a Venus, 
inclined gently toivards its own l. This head is 
framed in abundant curhj hair, which is duply 
undcrcut with the drill. An elephant's hide lies 
an the hair . . . in thick furrows, the large ears 
hang down at the sides. The fertility of that 
quarter of the loorld is indicated by the ivreath 
of com lying on the hide, and hound together 
behind by a pieee of riband." Drexler.] Auf 
einem pompeianischen Wandgemälde aus 
der Casa di Meleagro mit der Darstellung der 



Personifikationen der drei Erdteile erscheint 
Africa, r. von der Europa stehend, in dunkel- 
brauner Hautfarbe, mit schwarzem wolligen 
Haar, in weifsen Schuhen und rötlichem Chiton 
mit Überwurf, einen Elefantenzahn in den 
Händen tragend, Bonucci, Bulletino 1829, 193. 
Heibig, Wandgemälde 1113. Untersuch, über 
d. Gampan. Wandmalerei 219. Purgold a. a. 0. 
17 f. Vielleicht ist auch Heibig 1115 mit 

10 Cavedoni, Bulletino 10 Anm. Matz-Duhn a. 
a. 0. 2, 3095 p. 335 Anm. Purgold a. a. 0. 
17 Anm. 1116 auf Africa zu deuten; letzterer 
zieht auch Heibig 1116 hierher. Vgl. auch die 
Bd. 1 S. 1015 nach einem pompeianischen Ge- 
mälde abgebildete Africa. Ebenso wollte Eobert, 
Arch. Ztg. 42 (1884), 139 auf einer kreisför- 
migen Platte im Brit. Mus. (abg. Arch. Zig. 
a. a. 0. Taf. 2, 2) den Okeanos und die Per- 
sonifikationen der Libye, Asia und Europa 

20 erkennen; s. dagegen Engelmann, Arch. 
Ztg. a. a. 0. 209 ff. — Schliefslich sei noch 
erwähnt, dafs die von Tatian. or. ad Graec. 
53 p. 132 erwähnte Glaukippe (Alkippe, Flin. 
n. h. 7, 3, 34, mit deren Bild Pompeius das 
Theater schmückte), welche einen Elefanten 
geboren haben soll, von Löschcke, Dorpater 
Progr. 1880, 10 als Asia oder Africa gedeutet 
wird. Auch sei noch hingewiesen auf Plin. 
n. h. 28, 5, 24: in Africa nemo destinat aliquid, 

30 nisi praefatiis Africam; in ceteris vero 
gentibas deos ante obtestatur, ut velint; hier 
erscheint die Africa als Göttin, deren Beistand 
man für das Gelingen eines Unternehmens 
anruft. — 2) Nach Mythogr. Lat. 2, 69 p. 98 
Bode soll Libye ein anderer Name der Arachne 
(s. d.) sein. Ist vielleicht Lydie zu lesen? 

'[Höfer und X.] ^ 
Libykos {Aißvaög). 1) Der Aißvno; &e6g 
bei Dionys. Per. 212 ist Ammon; vgl. Eust. 

40 z. d. St, Libycus luppiter Ov. Ibis 313 und 
Schol. 313. 491. Ai'ßvs nstiXrj^svos "Jnficov, 
Nonn. Dion. 40, 392; vgl. 3, 291. Zsvg Aißvrjg 
"Jn^wv ii^QatijcpÖQog Phaestus im Schol. Find. 
Pyth. 4, 25. 9, 89. Libyae deus Hammon, 
Auson. epigr. 95 p. 34:7 Peiper. — 2) Herculi 
Liby CO, Legende einer Münze des Kaisers Postu- 
mus, auf der Hercules den in die Luft erhobe- 
nen Antaios erdrückend dargestellt ist, Eckhel, 
Doctr. num. vet. 7, 443. De Witte, Medailles 

tyo inedites 344 f. Taf. 9, 11. Cohen., Postume per e. 
59. Vgl. Solinus 27 p. 121, 15 Mommsen: 
Africam ab Afro Libyis Herculis filio dictam. 

[Höfer.] 
Libyphoites? Die Glosse des Hesychms: 
AtßvcpoLTr]v ■ tÖv iTriyivöfisvov (so Musurus) 
ACßvoLv. 'lößag hat man, wie Müller, F. H. Gr. 
3 p. 475 f. lubae fr. 38 bemerkt, auf Herakles 
bezogen, weshalb Jfw/Zer auch übersetzt: „Aißv- 
(fOixriv, eum qui ad Libyes venit (Herculem), 

CO luba dixit." Schmidt liest statt iTtiyivofiEvov. 
sni^iyvv^svov. Wie mir scheint mit Recht. 
Nehmen wir diese Änderung des handschrift- 
lichen To iTfiyv.viisvov an, so werden wir statt 
Aißvcpoitrjv lesen Aißvq)OLvi-iicx. luba meint 
wohl einen Mann von dem Mischvolk der Liby- 
phöniker, [Drexler.] 

Libyrnos {Aißvgvög), Heros Eponymos der 
Liburner und Erfinder der schnellsegelnden 



2043 Libys Ligeia 2044 

liburnischen Scbiife, Eust. ad Dion. Per. 384. nach der glücklichen Unternehmung gegen 

Steph. Byz. s. v. AißvQvoL p. 415. [Höfer.] Oichalia dem Zfiig Ärjvaiog ein Opfer dar- 

Libys (ALßvg), 1) Heros Eponymos von Li- bringen wollte und daher den Lichas nach 

byen, das männliche Seitenstück zur Libye, Trachis zu Deianeira schickte, um ein präch- 

Sohn des Mestraim d. i. der Personifikation tiges Festgewand zu holen, erzählte der Bote 

Ägyptens, loseph. Ant. 1,6,2; vgl. Stcph.Byz. jener von der Liebe des Herakles zu lole 

Aißve, d(p' oi) Aißvrj, nach Nikias bei Eust. ad und überbrachte nun von der Eifersüchtigen 

Dionys. Per. 175. Schol. ebenda 270 Bruder seinem Herrn den verhängnisvollen Peplos. 

des Asios und des Europos. Verderbt ist die Im Grimme über die furchtbare Wirkung des 
Hygiii. fab. 160 .angeführte Genealogie; s. Libye lo Geschenkes schleuderte Herakles den unschul- 

Sp. 2037 Z. 40. Identisch mit ihm ist wohl der digen Überbringer ins Meer {Apollod. 2, 7, 7. 

im Schol. Honi. 11. 9, 383 = Porphyr, quaest. Diod. 4, 38). Mach ihm waren angeblich die 

Homer, rell. ed. Schrader p. 138 Sohn des klippenartigen Inseln in der Nähe des Vor- 

Epeiros (= Personifikation der drei i'insiQoi,?) gebirges Kenaion benannt (6Vra&. 9, 426. Aesch. 

und Vater der Thebe genannte Libys. Vgl. bei Strab. 10,447 nennt einen tvi.ißoc:d&lLov 

auch Schol. Pind. Pyth. 9, 207, wo aber unter Alxci, Et. M. 417, 3 xo Al%u aä^ia. Über die 

dem Ai'ßvg doch wohl Antaios zu verstehen Etymologie von ALxädsg s. Preller, Gr. Myth. 

ist. — [2) Einer der tyrrhenischen See- 2, 255 A. 1). Diese durch das menschenähn- 

räuber, welche den Dionysos überfielen {Ov. liehe Aussehen eines Felsens in der Nähe eines 
Met. 3, 617. 676). Hyyin. fab. 134. Schirmer.] 20 durch Herakles berühmten Lokals hervorgerufene 

[Höfer.] Volkssage hat Sopliokles in seinen Trachinie- 

LibysatUles {AißvaariSsg): tivlg rcov vv^- rinnen (189ff.) mit mancherlei aus dem drama- 

cpäv ovtco ■naXovvtai , Hesych. — Meineke, tischen Zwecke erklärlichen Abweichungen ver- 

Philol. 12, 633 schreibt Aißvozidig. Vielleicht wendet. Nach ihm führt L. die lole selbst der 

gehören hierher die i^qwcaai Aißvtov Anth. Deianeira zu {vgl. Wcsterni., App. narr. 28, 8), 

Pal. 6, 225; vgl. rjQcpoaaL, Aißvrjg xi^r'jOQOi jjdh versucht aber die Wirklichkeit in schonender 

^vyatQsg, Apoll. Mhod. 4, 1322 = 1356; vgl. Weise vor ihr zu verbergen, bis ein anderer 

1307 Schol. 1309 tiid'jOqol ös ai tcpogoi rfjg sie entdeckt; auch übersendet Deianeira dem 

Aißvrjg, r] sv Aißvjj tt^m^fvai, 7iQoyLvai und Herakles das Opfergewand aus freiem Antriebe 
Schal. 1322 x&oviag de ilitsv avrag äiä xo 30 (vgl. Tzetz. Lykophr. 50). Lichas wurde ferner 

&VYaxiQ(xg elvai x^g Atßvr^g. KaXliiiaxog nach 5'o^j/(oA7ts an einem aus dem Meere ragen- 

8 BGTtoLvai Aißviqg rjQcot'dsg. — Bei Nonn. den Felsen zerschmettert (vgl. Athen. 2, 66 a); 

Dionys. 13,S4:b ist Atßvatig Beiname der Atheue. in der sinnreichen Darstellung der Sage bei 

[Höfer.] Ovid. Met. 9, 211 ff., mit der sich Hyg. fab. 36 

Libyssa (ALßvaaa), Beiname der Demeter, auffällig berührt, wurde er hoch in die Luft 

welcher Argos, der von Libyen das erste Ge- geschleudert und dann in einen Felsen ver- 

treide holte, einen Tempel in seiner Heimat wandelt (vgl. Senec. Herc. Oet. 99. 570 ff. 813 ff", 

errichtete, F. H. Gr. 3 p. 119. Polemon. fr. 982. Mythogr. Lat. 1, 58 p, 21, 7, 9 Bade. 

12 = Schol. Aristid. Panath. p. 188 vol. 3 2, 165 p. 132, 6. Schol. Ov. Ibis 347). Einer 
p. 321 f. ed. Dindorf: . . . insidri xat 'AQy^iovg Ao bildlichen Darstellung des Heraklesopfers auf 

oiSs cpQovovvzag, äg iv tij 'Agysia cnaQevxog einem Vasenscherben (bei Stephani , Compte- 

xäv nvQCüv GnsQ^iatog, iy. Aißvrjg 'Aqjov fisxa- rcndu 1869 S. 179 f. besprochen) ist der Name 

nsiiipafxsvov öib ycal drifirjxQog ALßvaaijg (so Lichas beigeschrieben. [Auf einem nolani- 

nach Wyttenbachs Änderung des handschrift- sehen Gefäfs von zierlicher Arbeit reicht Hera- 

lichen /JrjfirjXQLog Aißvrjg) lsqov l'ÖQvasv 8v xm kies dem Lichas sein Löwenfell und empfängt 

"Aqjsi, iv XccQDcÖQa ovxio %alovyi,ivcp xönco, <og von diesem dafür das vergiftete Gewand, Arch. 

cprjai Uolificov. Vgl. Festus p. 90 Lindem.: Zeit. 3 (1845), 144. Höfer.] [Ein kostbares 

Libyens campus in agro Argeo appellatur quod Gefäfs mit Darstellungen aus dem Mythen- 

eo primam fruges ex Libya allatae sunt; quam kreis des Herakles, darunter dem Geschicke 
ob causam Ceres ab Argis Libyssa vocata est 50 des Lichas, erwähnt noch Theodulf, Bischof 

und Preller, Demeter und Pcrsephone p. 302 von Orleans, Leitschuh, Gesch. d. karolingisch. 

Anm. 56. [— 2) Beiname der Gorgonen (s. d.) Malerei p. 37: Monum. Germ. Poetae Lat. med. 

Eur. Bacch. 989. Höfer.] [Drexler.] acv. 1 p. 498 ff. nr. 28 vss. 175 ff., speziell 

Libystinus, Beiname des Apollon wegen vs. 200. Drexler.] — 2) Sohn des Hyllos und 

der Vernichtung einer libyschen (karthagi- der lole {Tzetz. Lykophr. 804). — 3) Ein von 

sehen) Flottenmannschaft am Vorgebirge Pachy- Aineias getöteter Latiner {Verg. Aen. 10,315). 

num durch die Pest, Macrob. Sat. 1, 17, 24. [Schirmer.] 

[Drexler.] Ligdos {Ai'ySog), ein Kreter aus Phaistos, 

Libystis s. Libysatides. Gemahl der Telethusa, welche ihre Tochter 

Liceutia, die personificierte Zügellosigkeit, 60 als Knaben unter dem Namen Iphis aufzog 

nuUo constricta nodo, Claudian de nupt. Hon. {Oo. Witt. 9, 666 ff.; vgl. Nikand. bei Anton, 

et Mar. 78. [Vgl. auch Hör. ca. 1, 19, 3 las- Lib. 17, wo die Eltern des Leukippos ge- 

civia Licentia und Kiefsling z. d, St. Vgl. nannten Kindes Lampros und Galateia heifsen, 

Hybris. R.] [Höfer.] und Lactant. Plac. narr. fab. 9, 10); s. Iphis. 

Liclias {ALxag), 1) Genosse des Herakles [Schirmer.] 

{Sopli. Trach. Ibl m/j^u^ ohsCog A., nach den Ligeia (Aiyeia), 1) eine Seirene (Arist. 

Scholl. cvvxQocpog des Hylloa, nach Schol. Ap. mir. ausc. 103 p. 839'', 33. Eust. z. Hom. 

lihod. 1, 1213 sein naiSayoiyög). Als dieser p. 1709, 46. Lykophr. 12^ -andi Tzetz.). [Steph. 



2045 Ligeotes Liknites 2046 

ßyi:. TsQiqva und 2sLQr}vov6ai. Solin, 8. heimischen AvXsätai genannt wurden, dal's eine 
J^Just. nd Dion. Fer. 358. Schol. ebda. 358. solche Bildung des Ethnikon auf -cottjs auch 
Tzctz. ChiJ. 6, 715. Schol. Rom. 12,39.8,254; bei den auf -ai endenden Wörtern nicht un- 
an letzterer Stelle heifst sie^eine Muse. Münzen denkbar ist. Die weite Entfernuncr des kili- 
von Terina zeigen auf dem Obvers das Haupt der kischen Aigai von Epidauros würde nicht gegen 
Nymphe Terina, auf der anderen eine geflügelte meine Vermutung sprechen, da auch eine 
Frauengestalt sitzend mit Kranz und Caduceus, Widmung an den Asklepios des thrakischen 
oder stehend und einen Kranz gebogen mit Pautalia in Epidauros gefunden worden ist 
beiden Händen über dem Kopfe haltend, abg. (Ecprj^. aQx- 1884 p. 23). Drexler.] [Höfer.] 
Cat. of greek coins Brit. Mus. Italy 386. 387; jo Lig-yroii {ÄtyvQwv), Name des Achilleus, 
es ist wahrscheinlich die Seirene Ligeia, bevor er zu Cheiron gebracht wurde {Äpollod. 
J'Jckhel, Boctr. mim. vet. 1,182; vgl. 113. Heud, 3, 13, 6. Frgm. Sabb. siqopl. im Bhein. Mus. 
Eist. num. 97. Höfer.] [Vgl. Fr. Lenormant, 49 (1891) p. 618 zu 185, 26. Tzeiz. Lylcophr. 
Gaz. Arch. 8 p. 292 f. — ÄvelHnos {Opuscoli 1 178); s. Achilleus Bd. 1 Sp. 25. [Schirmer.] 
p. 182) Erklärung der Flügelgestalten auf Ligys {Ai'yvg), Biuder des Alebion, Stamm- 
Münzen von Terina als Ligeia, welche er selbst vater der nach ihm benannten Ligyer. Als 
(p. 211) zurücknahm, wird verworfen von Herakles auszog, um die Kinder des Geryoneus 
Stephani, G. r. p. l'a. 1S6'6 p. 50. Friedländer, zu holen, wollte ihm Ligys den Weg verlegen; 

A. Z. 1869 p. 101. Imhoof-Blumer, Numisni. Herakles hatte schon alle seine Pfeile ver- 
Zeitschr.S p. 18 ff., welche ebenso wie Wieseler, 20 schössen und rief in seiner Bedrängnis seinen 
Giitt. Gel.Anz. 1873, 2 p. 1830 Nike erkennen, Vater Zeus um Hilfe an, und dieser liefs Steine 
während S.Birch, (Jn the types of Terina, regnen, mit denen sich Herakles seines Gegners 
Num. Chron. nr. 26 p. 142 ff. an Iris denkt. erwehrte; der Kampf fand in der Nähe von 
Hinsichtlich des Grabmals der Ligeia bemerkt Massilia statt, und die Örtlichkeit biefs infolge 
aber Imhoofp. 19: „Will man aber Andeutungen des Steinregens Xl&ivov niäov, Schol. und Eust. 
auf das Grabmal der Ligeia finden, so sind ad Bionys. Per. 76. [Vgl. E. Besjardins, 
solche nicht in den weiblichen Wesen, welche Geogr. de la Gaule rom. 2, 58 ff. Drexler.] 
uns die Münzen von Terina vorführen, zu [Höfer.] 
suchen, sondern einzig in den Wassergefäfsen, Likmaia (ÄL%n.c!ia), Beiname der Demeter, 
und in der Quelle oder dem Brunnen, welche 30 weil sie das Getreide mit der Worfschaufel 
auf denselben Monumenten entweder als Sitz {Xix.(i6g) reinigt, Biodoros Zonas in Anth. Pal. 
der Frau, oder neben derselben, oder auch 6, 98. Suid. s. v. Äi-aiviog p. bl9 BernJiardy. 
auf ihrem Schofse vorkommen". Drexler.] [Höfer.] 
[Vgl. Seirenen und Schrader, Bie Sirenen 19, Liknites {Aiyivttrig), Beiname des Dionysos, 
46, 50. ß.] — 2) Eine Nereide (Verg. Georg. Orph.hymn. 46, tit. u. v. 1, 52, 3. Hesych. {s. o. 
4, 336. Jtiyg. praef. y>. 10 Schm.). [- 3) Bak- lakchos Sp. 7 Z. 32ff.). Flut, de Is. et Osir. 35. 
chantin, Heydemann, Paris. Antilc. 12. Hall. Serv. ad Verg. Georg. 1, 166; vgl. Compte-rendu 
Winckelmannsprogr. p. 83. Drexler.] 1859 46 ff". Stephani ehewd. 1861 23. 25 Anm. 4 

[Schirmer.] und die Anm. 1 angeführte Litteratur über die 

Ligeotes {Äiyscövrjg), Beiname des Asklepios 40 erhaltenen Denkmäler, auf denen eine Mänade 

auf einer Weihinschrift aus Epidauros 'Aav.lri- und ein Satyr den jungen Gott in einem Liknon 

niäi Aiyscozrjt b taQocpccvzrjg Mal isQSvg zov (Darstellung eines Xiy.vov s. z. B. Schreiber, 

ZcoTrjQog Mvaaiag . . . nax' ovaq, Baunack, Bildtverke der Villa Ludovisi 46 p. 72) schwen- 

Studien 1, 99 nr. 62. — Kabbadias, Ephem. ken {sysiQUv zov Aiv.vCzriv, Flut. a. a. 0.). 

arch. 1884 21 leitet den Namen von einem 0. Jahn, Sitzungsber.^ d. K. Sachs. Gesellsch. d. 

Orte (vielleicht AiyovQicc, Aiyaia, Aiysa), wo Wies. 1S61 p. 324. Über Münzen mit der Dar- 

Asklepios einen Tempel gehabt habe, ab und Stellung des Dionysos L. s. Imhoof- Blumer, 

zieht den Namen einer jetzt in Trümmer lie- Abhandl. d. philos. Klasse d. K. Bayr. Akad. 

genden Burg AiyovQiö (ungefähr eine Stunde d. Wiss. 18 (1890), 602. Vielleicht ist auch 

von dem Asklepiostempel in Epidauros ent- ,5o mit C. Müller bei Ps.-Kallisth. 1, 46 p. 52 b Ss 

fernt, vgl. auch Chandler, Meisen in Griechen- (Zeus) ^saov zov nvQog zqv £iQa(pi.cözr]v dnsy.'iri- 

land, Leipzig 1777, 316f.) hierher. [Die von asv liv?6%i]v zu schreiben Xiv-Vizriv. [S. auch 

Kavvadias vorgeschlagene Erklärung findet Voigt oben 1 Sp. 1043. Luebbert, Be Findaro 

Wide, Be sacris Troezeniorum, Hermionen- theologiae Orphicae censore. Bonn. Ind. Lect. 

sium, Epidauriorum. Upsaliae 1888 p. 56 mit 1888/89 p. 13 f. H. Heydemann, Dionysos' Ge- 

Recht wenig wahrscheinlich. Mit aller Reserve burt u. Kindheit. 10. Hall. Winckehnannsprogr. 

sei die Vermutung gewagt, dafs der Beiname 1885 p. 52, 55. Dionysos in der Wiege sitzend 

Aiyscözrig lautet; der Mittelstrich des A mag erscheint aufser auf den von Imhoof a. a. 0. 

entweder durch die Zeit verwischt oder von und von Wroth, Cat. of the gr. c. in the Brit. 

dem Verfertiger der Inschrift vergessen worden 60 Mus. Pontus elc. p. 157 nr. 35 PI. 32, 7. p. 158 

sein. Eine besonders berühmte Kultusstätte des nr. 43 PL 32, 14 angeführten Münzen von 

Asklepios war das kilikische Aigai, s, Eckliel, Nikaia auch auf einer Münze des Severus 

B. N. V. 3 p. 37, dessen Bewohner freilich Alexander von Magnesia am Mäander, Head, 
nach den Münzen Aiysaioi heifseu, wie denn Cat. of the gr. coins of Jonia p. 168 nr. 68. 
nach Steph. Byz. s. v. AvXaC die Wörter auf Drexler.] [Vgl. auch Bd. 2 Sp. 1617/18 Abb. 4, 
-ai das Ethnikon gewöhnlich nicht auf -wtjjs wo der kindliche Dionysos in seinem Liknon 
bilden. Doch zeigt eben das Beispiel des kili- auf einen Thron gesetzt erscheint und von 
kischen Aulai, dessen Bewohner von den Ein- Korybanten umtanzt wird. Röscher.] [Höfer.] 



2047 Likymnios Lilleus 2048 

Likyiunios {Ai.Y.v(iviog), Heros eponymos von solle nur für die Sühnfrist eines Jalires den 
Likymna, der Akropolis von Tiryns {Strabon Ort meiden; da sie ihn jedoch hierzu nicht 

8, 373), Oheim des Herakles {Rom. II. 2, G62), bewegen konnten, wanderten sie mit ihm aus. 
Halbbruder der Alkmene als Sohn des Elek- Eurysthuus' Einladung nach Tiryns bfefürwor- 

tryon und der Mideia (einer Phrygerin nach ten sie und werden daher, als Herakles, 

Apollod. 2, 4, 5, 4. Schol. Find. Ol. 7, 36. 46. ihrem Rat folgend, dahin gezogen ist, bald 

49. 50). Sein Grab ward noch in später Zeit mit Eurysthens befreundet. Nach Diodor 4, 

in Argos gepflegt und verehrt, Ptt^^san. 2, 22, 8. 38, 2 gingen Likymnios und lolaos, als He- 

Plut. Pyrrh. 34; und fest haftete hier die alte rakles unter dem vergifteten Gewände litt, 

Sage, dafs Tlepolemos ihn erschlagen und eben lo zum delphischen Orakel, und brachten von 

dieses Mordes wegen nach Rhodos habe aus- dort die Weisung über die letzten irdischen 

wandern müssen. Schon Homer II. 2, 662 Pflichten des Helden. Als Herakles gestorben, 

weifs davon zu erzählen, ausführlicher so- teilt dann Likymnios mit seinen Kindern das 

dann Pindar Ol. 7, 27 ff'.: im aufwallenden Geschick der Herakliden: mit diesen siedelt 

Zorn hatte Tlepolemos ihn mit einem Oliven- er nach Trachis über, mufs auf Eurystheus' 

stecken getroff'en, in Tiryns, gerade als er kam Drängen {Diod. 4, 57, 3) von dort weiterziehen, 

aus Mideas Gemächern (die Scholl, schwanken, wird in Athen aufgenommen und macht den 

ob darunter der Palast seiner Mutter, oder, ersten Hera,klidenzug mit; eine Weile nach 

wie Olymp. 10, 66, der Ort Midea zu verstehen diesen Ereignissen wird er mit seinen Kindern 

sei); ähnlich Di'ocZ. 5, 58, 7. Schol. Find. 01.7, i6 20 und Tlepolemos, während die übrigen Hera- 

u. 49, wo von einem Streit tciqi tlvcov rt^imv kliden der Heimat fernbleiben müssen, von 

die Rede ist. Nach anderen war die That ein den Argivern freiwillig aufgenommen {Diod. 

unfreiwilliger Totschlag, Dtinias Fr. IL G. 3, 4, 58, 5) und findet bald darauf seinen Tod 

25, 6. Derkylos Fr. H. G. 4, 387, 2. Schol. Pind. (4, 58, 7). Ähnlich löst Apollod. 2,8,2 die 

01. 7, 49. 50. Diodor 5, 59, 5 (vielleicht nach chronologische Schwierigkeit, dafs Likymnios 
Zenon V. Eliodos Fr. H. G. S, 178); Tlepolemos einerseits in Argos sein Leben beschliefsen, 
hatte mit seinem Stecken nur ein Rind {Schol. andererseits doch das Schicksal der Herakliden 
Pmd. OL 7, 36. 46; vgl. Elektryons Tötung durch teilen mufs; er verlegt das Lebensende in die 
Amphitryon, Apollod. 2, 4, 6, 4) oder einen Zeit des ersten Zuges, Strahons Erörterung 
Sklaven trefl^en wollen, der den greisen Li- 30 14, 653, die von Hom, II. 2, 662 erwähnten 
kymnios nachlässig führte, Apollod. 2, 8, 2, 2. Ereignisse dürften vielleicht in Theben spielen, 
Schol. Hom. II. 2, 662. Eustath. p. 316, 1. — ist wertlos. — Was den Inhalt des euripide- 
Was sonst von Likymnios überliefert wird, isclien Dramas 'Likymnios'' bildete, läfst sich 
steht entweder mit Herakles' Thaten im Zu- nicht entscheiden, Welcker, Gr. Trag. S. 696 f. 
sammenhang oder ergiebt sich aus der Kom- Nauck, Trag. Gr. fr. 473 — 479; die von Har- 
bination mit anderen Sagen. Bei dem Einfall tung, Eurip. restit. 1, 534 vermutete Beziehung 
der Taphier, der in seine erste Jugend fiel, als zur 'Alkmene'' ist haltlos, s. Engelmann, Beitr. 
der einzige Sohn Elektryons gerettet {Apollod. zu Euripid., Progr. d. Friedrichs- Gymn. Berlin 

2, 4, 6, 2), war er nach dem Tode seines Vaters 1882 S. 11. Selbst die Notizon, die sich aus 
mit Amphitryon und Alkmene nach Theben 40 Aristoph. Vög. 1242 nebst Schol. und Hesych 
gewandert und hatte sich dort mit Amphitryons Ai-av^vioig ßolai^g zu ergeben scheinen, smd 
Schwester Perimede vermählt (yljJoZ?Of/. 2,4, 6,6). unsicher, vgl. Kallim. fr. 100 d, 3. v. Wilamo- 
Seine Söhne waren Oionos, der Sieger bei den wüz - Möllendorff , Ohscrvationes crit. in com. 
von Herakles gefeierten olympischen Spielen Gr. sei. p. 12 f. Nauck, Trag. Gr. fr.^ p. 70. 
{Pind. Ol. 10, 65), dessen Ermordung durch [^Stephani, Der ausruhende Herakles ]). 212 — 224 
Hippokoons Söhne den Zug des Herakles gegen will ihn wenig wahrscheinlich auf einem viel 
Lakedaimon veranlafste {Alkman fr. 15. Eu- und verschieden gedeuteten Vaseugemälde 
phorion fr. Hh. Apollod. 2,7, 3, 2 ~ ii. Diod. {Raoul-liocliette, Mon. ined. PL 7S. Inghirami, 
4, 33, 5. Paus. 3, 15, 4. Plut. Quaest. Born. 90. Vasi fittili Tav. 248. K. 0. Müller, Gott. Gel. 
Schol. Pind. 01.10,76. Eustath. Hom. p.2dS, U), 50 Ans. 1834, 1 p. 182. Friederichs, Praxiteles 
ferner Argeios und Melas, die, von Herakles und die Niobidengruppe p. 117 &., Ygl. Step)hani, 
auf den Zug gegen Eurytos mitgenommen, vor Mel. grcco-rorn. 2 p. 31 ff', und C. r. p. l'a. 1860 
Oichalia fielen (yljJoZZoc/. 2, 7, 7, 6. Welcker, Ep. p. 80) erkennen. Drexler.] [Jessen.] 

Cykl. 1, 232). Von Argeios berichtet And^'on Lilaia {Aikccia), 1) eine Naiade, Tochter des 

Fr. H. G. 2, 350, 8 {Schol. Hom. II. 1, 52. 2'zetz. Kephisos, nach welcher die gleichnamige pho- 

Exeg.in Iliad. p. 103) noch anderes: Herakles kische Stadt benannt worden sein soll {Paus. 

wünschte seine Begleitung auf dem Zuge gegen 10, 33, 4. Hesiod. bei Schol. Yen. B. II. 2, 523. 

Laomedon von Troia und schwur dem Likym- Eust. z. Hom.. p. 275, 11; vgl. O.Müller, Orchom.. 

nios, der seinen Sohn nicht ziehen lassen S. 35). — 2) Eine iVIainade (C. /. G^j-. nr. 7473). 

wollte , er werde ihn sicher wieder heim- co [Schirmer.] 

führen; da nun Argeios gefallen, verbrannte Lilaios {AClaiog), ein indischer Hirt, der 

Herakles die Leiche und führte, den Schwur von allen Göttern nur die Selene durch nächt- 

zu erfüllen, wenigstens die Asche zum Vater liehe Feier verehrte. Die hierüber erzürnten 

heim. — Von der Rückkehr des Likymnios Götter schickten zwei gewaltige Löwen, die 

aus Theben nach Tiryns erzählt Nicol. iJamasc. den Lilaios zerrissen; Selene aber verwandelte 

Fr. H. G. 3,369,20: als Herakles nach der ihn in den Bevg yliXaiov. Pseudo-Plut. de fluv. 

Tötung seiner Kinder Theben verlassen wollte, 24, 4. [Höfer.] 

redeten ihm Iphikles und Likymnios zu, er Lilleus.' Auf Grund der Inschrift C. /. X. 8, 



2049 Lima Limnatis 2050 

4673 Lüleo. Aug. | pro. salute. imp. GaefsJ \ (Wassernymphen) bei Artemidor. 2, 38; vgl. 
31. Aureli. Severi [A]\lex[andri AugJ | u. s. w. 2, 34, wo sie unter den dsol &aXuaoioi auf- 
führt Mommsen im Index S. 1084 zweifelnd gezählt werden; vgl. Krenai. [Höfer.] 
eineu Gott Lilleus Aug. an. [R. Peter.] Liuinaia {Ai^vaia), Beiwort der Artemis 
Lima s. Indigitamenta. wegen ihres Waltens an Seen und Sümpfen. 
Limen {Äi^r]v). Nach Roberts Vermutung Unter diesem Beinamen wurde sie verehrt in 
Arch. Zeit. 35 (1877), 3 ist auf den zwei Bil- Sikyon, Paus. 2, 76 und am ambrakischen 
, äevn Helhig, PFanf^^feHjä^cZe 1018 (Atlas Taf. IIa) Meerbusen; Polyb. 5, 5. 6. 14. Von Sparta be- 
i und 1019 in der vom Beschauer abgewandten, richtet Paus. 3, 14, 2: inav^lQ-ovai ds oniaco 
dem Flufsgott (Sarnus?) zugewandten Jung- lo ngog xr^v XsaxTqv s6zlv'jQz£(.iidos'la6(6Qccg lsqÖv. 
liugsfigur eine Personifikation des Hafens, snovo^ä^ovat Sl avrrjv nal AifjivccLav , ovaav 
wahi'scheinlich desjenigen von Pompei, zu er- ovti "AQTSfiiv, BqixÖiiccqziv Ss tyjv JLQrjtäv. 
kennen. Vgl. den als weibliche Figur dar- Doch vermutet Wentzel, 'EniY.h'i6SLq Q^säv G 
gestellten, durch Inschriftreste bezeichneten p. 16 und ihm folgend Wide, Laie. Kulte -pAO^., 
Portus (Traiani) auf einem Sarkophagrelief, dafs die Worte nach hqöv nicht zur Lokal- 
! der in der erhobenen R. einen Leuchtturm periegese gehören, sondern aus einem mytholo- 
' mit oben brennender Flamme hält, unten ist gischen Handbuch stammen, worin "Aqtsiiis 
Wasser, und auf diesem das andeutende Vorder- 'Icoojqicc, Aii.i,vaia und BQiT6[i(XQtig zusammen- 
teil eines Schiffes, Matz-Duhn, Ant. Bildw. standen. Über das Walten der Artemis über 
in Rum 2, 3095, S. Lokalpersonifikationen. 20 die Gewässer und ihre Verehrung an den- 

[Höfer.] selben s. u. a. Streber, Numismata nonnulla 

Limenia {Aiiisvia), Beiname der Aphrodite Graeca ex Museo Regis Bavariae hactenus 

in Hermione, wo sie auch noch TLovria hiefs, minus accurate descripta p. 138 ff. Schreiber 

Paus. 2, 34, 11. [Höfei'.] oben 1 Sp. 559—561. Claus, De Dianae anti- 

Limeiiios (Aifi^viog), Beiname des Zeus (= quissima apud Graecos natura p. 60—64. Jos. 

lit.isvoGv.6Ttog). Vita Arati p. 275 c Petav. Murr, Die Gottheit der Griechen als Natur- 

[Roscher.] macht. Innsbr. 1892 p. 21 f. Boscher, Selcne 
Limenitas (y/tfAEfirag), Beiname des Priapos und Verwandtes S. 51 f. Um nur ein Bei- 
ls, d.) Leonid. Anthol. Pal. 10, 1, 7. Vgl. den spiel anzuführen, so sind vor einiger Zeit In- 
Priepos ivoQ^hrjg bei Antip. Sid. ib. 10, 2, 8 30 schritten bekannt geworden, welche ihre Ver- 
und Agath. Schal, ib. 10, 14, 9, den novto^i- ehrung an den Seen Egerdir Göl und Hawiran 
öcav v.(A oQfiodorrjQ Ug. bei Theaet. Schol. ib. Göl in Pisidien, im Altertum vermutlich AC^vai 
10, 16, 11 u. s. w. Wahrscheinlich ist auch genannt, belegen, s. i?a??jsaf/, The graeco-roman 
Anthol. P. 10, 17, 1 Priapos (oder Pan) ge- civilisation in Pisidia, Journ. of hell. stud. 4 
meint (s. Jacobs z. d. St. u. z. 6, 105, 1). 1883 p. 23—25. Bist. Geogr. of Asia Min. 

[Röscher.] p. 409 ff. , sowie bei S. Beinach, Chroniques 

Limenitis {Ai^svuig), wohl Epitheton der d' Orient iJ. 317. Sterrett, The Wolfe Expedition 

1 Artemie bei Apollonides Anth. Pal. 6, 105, 1; to Asia Minor, p. 226ff. Vgl. Limnatis. 

vgl. Jacobs z. d. St. [Röscher.] [Drexler.] 

Limenoskopos (Aifisvoononog), Beiname 1) 40 Limnaios (Äiiivaiog), Beiname des in Limnai 

der Artemis, Kallim. hymn. 259; vgl. 39 [und verehrten Dionysos {Nvatj'iov Jiog ^Lovvaov 

zu beiden Stellen Spanheitiis Kommentar in iv Äifipccig ia%T]6a^£v, Arist. ran. 217), 

JJrnestis Ausgabe 2 p. 196 ff. p. 360 f. Drexler.]. Kallim. beim Schol. zu Arist. a. a. ü. Phano- 

Auf Münzen vonMassilia,Obv.Hauptder Artemis, demos hei Athen. 11,465a. 8, 363b. Steph. Byz. 

Rev. Seekrebs, abg. Saussaye, Numism. de la s. v. At^vai. Eust. ad Hom. II. 871, 41. Nonn. 

Gaule Narbonnaise pl. 1, 6 — 10, will Head, Dionys. 27, 307; vgl. Thuh. 2, 15. Demosth. 

IJist. num. 7 die Artemis L. erkennen; Creuzer, 59, 76. Isaios 8, 35 u. den Artikel ,Lenaios. 

Symbolik 2, 171 zieht hierher auch die a. a. 0. Mommsen, Heortologie 362 Anm. 2. Über die 

1 Taf. 5 nr. 7 abgebildete Münze der Bruttier, neuesten Ansetzungen des Bezirkes sv Aifivaig 

die auf der einen Seite das Haupt einer Göttin 50 vgl. Poland, Das Prytaneion in Athen, Festschr. 

mit dem Seekrebs und daneben die Wasser- für Lipsius (1894), 82 ff. S. auch Wochenschr. 

schlänge, auf der anderen den Seekrebs allein /'. klass. Philol. 1894 S. 581. [Höfer.] 

zeigt. [iZea^ sagt aber nur: „T/iß eraö ma^/ &e Limnatis, Limuetis {Ai^väng, Aifivrjzig), 

here a Symbol of Artemis as the Protectress of Beiname der Artemis, gleichbedeutend mit 

Ports ÄifisvoaKÖTiog.'-^ Im übrigen vgl. über die Limnaia (s. d.), Artemidor 2, 35. Pap. Paris. 2853 

Artemis von Massilia A. Brückner, Eist, rei- {hfivizi) = Wessely, Hymn. in Dian. vs. 35. 

i)^<&^^melf«ss^7^■ms^Mm. Gott. 1826.4". p. 47—50. Anth. Pal. 6, 280. Häufig führt die Göttin 

L. Geisow, De Massiliensium republica. Bonn den Beinamen nach ihrer Verehrung an einer 

18G5. p. 42 f. Drexler.] — 2) des Apollon in bestimmten Örtlichkeit, welche wegen ihrer 

Kephallene, Antipater in Anth. Pal. 10, 25; go sumpfigen Natur den Namen Ac^vac erhalten 

~ S) des Zeus, Kalliiti. fr. 114: -p.SSS Schneider. hat. Das bekannteste Heiligtum ist das zu 

[Höfer.] Limnai an der Grenze von Lakonien und Messe- 

Limentinus s. Indigitamenta. nien, Paws. 3, 2, 6. 4, 4, 2. Strabo 8, 362. Tac. 

Limi s. Indigitamenta. Ann. 4, 43. Die Reste desselben hat Bofs, 

Limuades [Aiiivädsg), Beiname gewisser Beisen und Beiserouten durch Griechenland 1 

Nymphen, Theokr. 5, 11. [Höfer.] p. 1 ff, in einem nördlichen Seitenthal des Nedon 

Limuai {ACiivai), Personifikationen der Seen bei der Kapelle der Ilavccyia Balinviäzieea 

neben nozafioL, Nvficpai und 'EcpvdQtdss am Fufse des Berges Bcoli^vog entdeckt. Paus. 

ROSCHEK , Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 65 



2051 Limnatis Lindia 2052 

4, 4, 2 nennt die Göttin "Agtsiiig ■KccJ.ov[i£vr] auf dem Wege von Boiai nach Epidauroa 

ÄLnväxLg, Tacitus Diana Limnatis, die In- Limera im Gebiete der letzteren Stadt, Paus. 

Schriften bei Le Bas-Foiicart , Pelop. nr. 297 3, 23, 10. Wide a. a. 0. p. 106; in Tegea, 

— 300 bezeichnen sie als &£cc Ai[ivätig (bez. Paus. 8, 53, 11. Immerioahr, Kulte u. Mythen 

299 &sä ÄiiiivccTig). Limnatis absolut wird Arkadiens 1 p. 152. 155; in Patrai, Paus. 7, 

sie genannt in der Inschrift eines Bronze- 20, 7. Wide a. a. 0. p. 348 Anm. 1. Baoul- 

beckens im Berliner Antiquarium {'OnwQig liochette, Journ. des tSav. 1836 p. 517. Für 

dvs&iq-ns Äiiivüxi), welches Fränkel aus dem Troizen findet sie Fränkel a. a. 0. p. 29 durch 

berühmten Grenzheiligtum stammen läfst, s", das Schol. zu Eurip. Hippol. 1133 {Ai'fivr] 

Fränkel, Weihgeschenke an Artemis Limnatis lo xönog TQOi^tjvog ['^rnx/js] ev&a Ai-fivcczig 

und an Kora, Arch. Zeit. 1876 p. 28flf. Taf. 5. "AQzsiiig naULtai, vgl. Schol. zu vs. 228) nicht 

Höhl, Inscr. Gr. Ant. 61. Cuuer, Del.'^ 6. genügend belegt. [S. besonders auch Ad. 

Wide, Lukon. Kulte p. 104. Eben diesem Wilhdm, Athen. Mitt. 16 (1891), 350 und 

Heiligtum weist Fränkel zu die von Le Bas Anm. 2; vgl. ebend. 7 (1882), 168 Anm. 2. 

in Misthras erworbenen in Le Bas-Foucart, Höfer.] [Dresler.] 

Pelop. 161. 162 unter Sparta verzeichneten Limue {Aiiivr}), Mutter der sogenannten 

Bronzegtfäfse mit der Aufschrift Aifiväxig und Melampygen, lügenhafter und geschwätziger 

n . . . v&tg dvid'SKS zai Ai^vdzL. Vielleicht Menschen; sie hatte ihre Söhne gewarnt, je- 

darf man von dort auch stammen lassen ein mals einem da.GvTi^aiy.zog zu begegnen. Als 

Terracottagefäfs im Museum der archäologi- 20 sie nun einst auf Herakles stiefsen, wurden sie 

sehen Gesellschaft in Athen mit der Aufschrift von ihm gefesselt; als Herakles sie aber dabei 

A^ivdziog, M. üollignon, Cat. des vases peints lachen sah, fragte er nach der Ursache. Sie 

du musee de la soc. arch. d'Athenes. Paris 1878 teilten ihm die Warnung ihrer Mutter mit, und 

j). 210 nr. 793. In Aifiväziög wird man den lachend entliefs er sie, Apostol. 11, 19. Suid. 

Genetiv von Aifiväzig zu sehen haben, wie in MsXa^Ttvyov. S. d. Art. Kerkopen, bes. Sp. 1168, 

AiiiväzL den Dativ. — In Messene wurden 58if. Sp. 1171, 67f. [Höfer.] 

gefunden die Inschriften iejBas-i''oMca/^Pe7op. Limnoreia {Aiybvcäqsicc), eine der Nereiden 

311: I üoazüjjg | uqxoI \ Al^vcczi \ isQa- (s. d.): II. 18, 41. Apollod. 1, 2, 7. Suid. Lust. 

Tivaccvzs [= Athen. Mitt. 16 (1891), 351, 3; z. IL p. 1130, 61: A. öh naQcovvfiog Xi^vcov y.ccl 
— ebend. 349, 2 findet sich auf einer I'rei- 30 oqswv, d driXaöij noXlaxov Q'ccXuooav vno^vovai. 
lassuugsurkunde die Widmung mt Al^ivcczv. [Röscher.] 
Höfer.] u. 311a: 'A itoUg \ a zäv M£66a[vL(av | Limopoios {Anioiioiog) , Beiname des Zeus, 
^laovtav KIbL . . .\z}dv Uqsiav AnjLv[dxi8og Euseb. praep. ev. 6, 7, 37. [Höfer.] 
'jQzifiidog nazcc yi[vog | aQSzdg nal ivys[v£i:ag \ Limos {Ai^ug), der personificierte Hunger, 
xdQtv. I^OMcari vermutet, dafs der Kultus nach Sohn der Eris {Hesiod theog. i'il ; vgl. Verg. 
Messene aus dem berühmten Grenzheiligtum Aen. 6, 216. Ov. Met. 8, 190S.). Ihm war bei 
übertragen worden ist. Danach nr. 311a das einer Hungersnot das Ai^ov tisSlov bei dem 
Priestertum der L, in Messene in einer Familie Prytaneion in Athen geweiht worden {Hesych. 
erblich war und von einer Frau bekleidet s. v. Plut. prov. 30. Zenob. 4, 93. Biogen. 6, 13. 
wurde, vermutet er, dafs die in 311 genannten 40 Apost. 10, 69). [Bekker, Anecd. 278, 3ti'. — 
Priester nicht dem Heiligtum in Messene, son- Bei Luc. Tim. 3 erscheinen in seinem Gefolge 
dern dem an der lakonisch-messenischen Grenze Tlsvia, Ilovog, KccQZEQta, Hocpicc und 'AvÖQaicc. 
angehören. In Innern von Messenien erwähnt S. ferner Godinus p. 60 ed. Bonn. Alkiphr. 3, 
einen Ort Limnai mit Tempel der Artemis 60: si ^q dga roCg (ifv yvvaCoig 'AcpQOÖüzr} 
Limnatis Paus. 4, 31, 3. — Das messenisch- noXiovxog, zoCg öe dvÖQdaiv 6 Ai^og ■nccd'i- 
lakonische Grenzheiligtum der Artemis L. hält öqvzccl. In dem Tempel des Apollon zu Sparta 
F. Curtius, Studien z. Gesch. d. Artemis p. 4 war dargestellt yftftög i%(üv ywai-nbg iioQcpiqv, 
für „ein Filial der Limnatis am Eurotas". Athen. 10, 452b. Höfer.] [Schirmer.] 
Umgekehrt läfst Strabon 8, 362 nach Limnai Liniyros {AifivQog). Der Flufsgoit L. er- 
im Taygetos das Limnaion in Sparta benannt 50 scheint gelagert und durch Umschrift kennt- 
sein {dito öh zäv Ai^vdtv zovzcov Kai z6 av lieh auf einer Münze des Gordianos von Limyra 
xfj Endqzrj AifivccLov aiQ^zui zrjg 'Agzä^iäog in Lykieu, Etkhel, D. N. 3, 4. Head, Mist. 
lEQuv). Gestützt auf diese Notiz behauptet niim. 577. [Mt. 3, 436, 30. Cat. Ivanoff i). 49 
Wide, Lakon. Kulte \:>. 116: „Strabon herichtet, nr. 440. Nach dem von Bubeion, Bev. mim. 
dafs m Sparta Artemis Ai^vdzcg ein Heiligtum 3« ser. 11, 1893 p. 332 nr. 9, PI. 9, 7 mitgeteil- 
hatte"; und Welcker, Gr. Götterlehre 1 p. 584 ten Exemplar hat er auf dem Haupte Hummer- 
(vgl. Eofs a. a. 0. p. 21. Le Bas, Bev. arch. scheren. Ohne die Beischrift AIMYPOC er- 
1814, 2 p. 721) läfst die Limnatis in Sparta scheint er auf einem Exemplar der Sammlung 
den Namen Orthia führen, offenbar, weil Paits. Whiltall, Cut. Whittail 1884 p. 76 nr. 1190. 
3, 16, 7 bemerkt: z6 ös xcoqlov xo iTtovofia- 60 Drexler.] [Höfer.] 

to^svov AtfivccLov'OQ&i'ag lagov aaziv 'AQzsfiLÖog. LinAist {AlvÖlu) , Beiname der Athena von 

Hiergegen erheben mit Recht Einspruch J^üMcari der rhodischen Stadt Lindos, C /. G^. 2103 c 

a. a. 0. zu nr. 162 a und Fränkel, A. Z. 1876 = Latyscheo, Inscr. orae sept. Ponti Eux. p. 217 

p. 30. Letzterer bemerkt sehr richtig, dafs nr. 243; i'er:nev Corr. hell. 9 p. 106 nr. 9; p. 109. 

aus dem Vorkommen des Ortsnamens Lim- 10 p. 264 nr. 1. Hypoth. Scliol. Pind. Ol. 7. 

naion in Sparta noch nicht auf einen Kultus Ael. nat. anim. 9, 17. Meliteniotes 1735; vgl. 

der A. Limnatis daselbst zu schliel'sen ist. — auch Schneidtwin zu Diogen. 8, 4. Öfter fin- 

Ferner besafs Artemis Limnatis Kultusstätten den sich Widmungen 'A^d-dvai AivöCai v.al Ju 



2053 Lindos Linos (argiv. Sage) 2054 

JJoliii, Corr. hell. 9, 97. 102 nr. 4. 5. 103 nr. 6. Linoslied 1852. [Mannhardt, Wald- u. Feld- 
Corr. hell. 10, 264 nr. 2; vgl. auch Corr. hell. 9, kulte 281 ff. ß.] [Dacier, Mem. d. l'Ac. d. I. 
85. 10, 256. Ärch.-epigr. Mitt. aus Osterr. 7 et B. L. 47, 1809 p. 289—293. J. Stammer, 
(1883), 130. 136 nr. 70, sowie Eofs, Inscr. De Lino. Diss. Bonn. 1855. Kalkmann, Paus, 
ined. 3, 271. Auf einer anderen rhodischen p. 227 — 29. Baudissin, Stud. z. semit. Beli- 
Inschrift werden Jlavad'ccvaLGTccl ÄivStdOxaC gionsgesch. 1 p. 302 — 304. Drexler.] 
erwähnt, Bofs a. a. 0. 3, 282. Der hochbe- t t^- • • -u c 
rühmte Tempel der Athenä Lindia (Flut. Marc. ^' ^^^ argivisehe Sage, 
30. Änth. Bai. 15, 11. Baus. 10, 28, 4. Bofs, die entschieden das altertümlichere Gepräge 
Arch. Zeit. 2 (1844), 304. 9 (1851), 282 f. und lo zeigt, bei Baus. 1,43, 7: Linos, Sohn des Apoll 
Taf. 35) galt entweder für eine Stiftung des und der argivischen Königstochter Psamathe, 
Danaos, Apollod. 2, 1, 4. Biod. 5, 58. Sehol. wird von seiner Mutter aus Furcht vor ihrem 
Hom. II. 1, 42, oder der Danaiden, Herod. 2, Vater Krotopos ausgesetzt und von Hirten- 
182. Strabon 14, 655. Eust. ad Hom. II. 315, hunden des Königs zerrissen {Sehol. Hom. II. 
16. Nach Ed. Meyer, Forschungen z. a. Gesch. 18, 569 Bind. Kallimach. frgm. 315, nach- 
1, 82, 3 stammt diese Erzählung von der Lan- geahmt bei Ovid in Ibin 478). Apoll sendet 
düng des Danaos und seiner Töchter in Lindos aus Zorn ein ungeheuer (Poine), das den Müttern 
vielleicht aus Hesiod. Zum Athenakultus auf die Kinder aus dem Schofse reifst. Koroibos 
Lindos, der mit der Wegführung des Kult- tötet die Poine; da schickt Apoll eine Pest, 
bildes durch Theodosius aufhörte, s. Arch. Anz. 20 die erst aufhört, als Koroibos freiwillig nach 
zum Jahrb. 8 (1893), 132 f. Das Bild der Athena Delphi geht und sich dem Gott zur Strafe dar- 
selbst war ein Werk der Bildhauer Skyllis und bietet. Pythia verbietet ihm, nach Argos zurück- 
Dipoinos und von dem ägyptischen König zukehren; er mufs einen Dreifuls aus dem Tem- 
Sesostris dem Tyrannen von Lindos, dem Kleo- pel nehmen und tragen, bis er ihm entfällt; 
bulos, zum Geschenk gemacht worden, Georg. an dieser Stelle soll er einen Tempel für Apoll 
Cedren. 1, 564. Der König Amasis sandte als bauen und dort wohnen. So gründet Koroi- 
Geschenk für die Athene in Lindos zwei stei- bos Tripodiskoi in Megaris. Auf dem Markte in 
nerne Statuen und ein feines linnenes Panzer- Megara war sein Grab, darauf eine Elegie auf 
hemd, Herod. 3, 47. Blin. n. h. 19, 1. 2. 12. Psamathe und Koroibos {Anth. Bal.l,lb4:; die 
Ael. a. a. 0. A. Wiedemann, Gesch. Ägtjpt. 185. 30 Verse siud aber verhältnismäfsig jung, vgl. oben 
Auch auf der Insel Karpathos, besonders in Keren nr. 42) und ein Bild, darstellend die Tö- 
der Stadt Brykonte, wird Athena unter dem Bei- tung der Poine durch Koroibos. Dies Bild be- 
namen Lindia verehrt, Corr. hell. 4, 278 nr. 10. zeichnet Paits. als das älteste griechische Werk 
8, 355, eine unedierte Inschrift spricht von aus Stein, das er gesehen habe (vgl. die Ar- 
einem Tempel der Athena L, in einer der tikel Krotopos, Koroibos und Keren nr. 41). 
Städte von Karpathos, Corr. hell. 4, 279, und Nach Konon 19 wird das Kind von einem 
auf einer Inschrift aus Pompeiopolis findet Hirten aufgezogen (Kallimach. fr. 11 Bergk), 
sich ein Priester tf)g Ilohädog kccI Aivdiccg, aber von Hunden zerrissen (als Namen des 
Corr. hell. 4, 76; vgl. Bofs, Arch. Aufs. 2, 586 ff. Hirten überliefert Lactant. Blac. ad Stat. Theb. 

[Höfer.] 40 1, 581 Helenus; die richtige Lesart der Stelle ist 

Lindos {Ai'vdog), Sohn des Kerkaphos, Enkel von Eiefsling nach Codd. Monac. hergestellt), 

des Helios, Bruder des lalysos und Kameiros, Krotopos tötet seine Tochter {Ovid Ib. 576), 

Gründer der gleichnamigen rhodischen Stadt aber Apoll schickt eine Pest. Das Orakel 

{Bind. Ol. 7, 137. Diod. 5, 57. Steph. Byz. giebt den Rat, dafs Weiber und Mädchen Psa- 

s. V.). [Seine Mutter heilst Kydippe, Strabon mathe und Linos versöhnen sollen, was durch 

14, 654. Sehol. Bind. Ol. 7, 34. 135; vgl. 131. Gebete und &Qfjvoi, geschieht, in denen sie 

140 oder Lysippe, Eust. ad Hom. II. 3l5, 28; jene und ihr eigenes Geschick beklagen. Dieser 

vgl. auch Cic. de nat. deor. 3, 21, 54. Annali ^Qrjvog sei so berühmt geworden, dafs von den 

1841, 146. Nach anderer Sage hatte Tlepole- späteren Dichtern als nccvxog nä&ovg Ttagsv- 

mos (s. d.) die drei rhodischen Städte Lindos, 50 &n^n Linos gesungen wurde. ^ Auch ein Pest 

lalysos und Kameiros nach gleichnamigen und Opfer wird eingerichtet {aQvig), bei dem 

Töchtern des Danaos benannt, Strabon a. a. 0. alle Hunde erschlagen werden, die man antrifft 

Eust. 315, 14. Über den Zusammenhang des {Kvvo(p6vti.g bei Athen. 3, 56); der Monat wird 

Danaos mit Lindos s. ob. d. Art. Lindia. Höfer.] 'AgvEiog genannt (vgl. auch Klearch bei Aelian. 

[Schirmer.] hist. anim. 12, 34: h de racg rijisQccig, ccg kcc- 

Lingeus (^tyyavg) = Lynkeus (s.d.), der Ge- Xovaiv äQvrjLdag ot awot, iäv kvcov ig xr)v 

mahl der Hypermnestra, Jlposi. 13, 29. [Höfer.] ccyogav nagaßcclr], avcciQOvaiv avtov). — Da 

Lüiouoe {Aivovori), zweifelhafter Name einer das Übel trotzdem nicht aufhört, veiiäfst Kro- 

Mainade — andere lesen Jivovor] — Welcher, topos auf einen Orakelspruch hin Argos, grün- 

Annali 1829, 399, [Höfer.] 60 det Tripodiskion und siedelt sich dort an. — 

Linos {Äivog; i ist als falsch zu ändern, wo Welcher hält Krotopos hier für einen offen- 
es sich noch findet). Litteratur: 0. Müller, baren Irrtum statt Koroibos; der Irrtum liegt 
Doner M p. 349 ff. Ambrosch, De Lino. Berlin aber schwerlich in einer einfachen Namens- 
182d. Welcher, Kl. Schriften 1 -p.SS. und Allg. Verwechslung, sondern Xonon erzählt den 
Schulzeituny von Zimmermann 1830 nr. 2 — 5. Schlufs überhaupt abweichend. 
Lasaulx, Die Linoshlage. Würzburg 1842. Statius Theb. 1, 562 ff. stimmt mit Baus. 
BrellermBauJys,Bealencykl.s.\. n. Mlythol.n Erzählung überein, doch lälst er den Schluls 
p. 377 ff. Brugsch, Die Adonishlage und das (Gründung von Tripodiskoi) tort; Apoll schenkt 

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2055 Linos (theban. Sage) Linos (theban. Sage) 2056 

bei ihm dem Koroibos das Leben. Erwähnt Pieros als Vater wird beim Schol Hesiod p 32 
wird von ihm die Tötung der Tochter durch Gais f. genannt Endlich noch Hermes undUra- 
Krotopos, wie bei Konon; er malt die Poine nia {Diog. Laert. prooem. 4 und Suidas a. a. 0., 
aus und nennt auch des Sinus verderbliche vermutlichnachifemo(io>- vgl. iVa«. Co/«. p. 351) 
Dunste. Die Trauer Apolls um Linos' Tod zweifellos eine ganz späte genealogische Spie ' 
beschreibt Mv 5, 5 55. Ovid läfst den Vater lerei, worüber später. - Infolge dieser grofsen 
der Psamathe durch Apoll sterben {Ibis 575). Verschiedenheit in den Genealogieen wird 
Bei Natahs Games p. 351 endlich ist Psa- schliefslich eine Differenzierung m mehrere 

mathe eine Nymphe lochter oder Enkelin des Linos versucht von Paus., Photius , Suidas 
Krotopos die das Kmd Linos benennt, quod lo Emtath. (und Eudokia) a. a. Oü. 
antiqua Ärgivorum Imgua spurium significat. Der Sinn dieser Genealogieen ist ebenso 

— Psamatiie als Mutter wird noch erwähnt klar, wie ihre Wertlosigkeit für den Mythus- 
heiPhot. V. ÄLvosnnö. Serv. ad Verg. ed. 4, 56. sie sind nur der Ausdruck für den Gedanken! 

— Über verwandte Sagen vg\. Preller, MythoU der Sänger (resp. das Lied) ist das Kind der 
p. 379t. [u. Mannhardt a. a. 0. ß.]. Sangesgottheit. - Linos ist demnach ia dieser 

Version der berühmte Saitenspieler, der die 

II. Die Sage in Mittelgrieehenland, dreisaitige Laute von Apoll empfangen hat 

T . m 1 • ^ • ,. (Grammat. bei Censor. 12); er eründet eine 

zumal in Theben, zeigt eine wesentlich andere neue Saite (Xtxccvog), Diodor 3, 59 Bekk.; vgl 

Form. Die Hauptstelle ist Paus. 9, 29, 6-9. 20 Plin. 7, 204; er ist Erfinder des Liedes und 

— Linos, bohn des Amphimaros und der Urania Rhythmus {Diomjsios bei Dtod 3, 67 Epi- 
{buid. Aivog), der gröfste Musiker unter seinen gramm bei Eustath., Schol. Hom. a. a. 6 und 
Zeitgenossen und den Meistern der Vorzeit, wird Äppend. Anth. Pal. 390. Suidas v. Aivog und 
von Apoll getötet,_ weil er sich ihm im Liede Eudokia 622; iiovaimiv 81 Aivog . . . ngäzog 
iyiazaTr}vcpdnv)g\eichgestenth^tte. DasTrauer- i^river^is, Alkid. a.a.O.; ^orivovq TtartoLnl^va, 
hed um Ihn sei sogar zu allen Barbaren gedrun- {Uyst HQayiXsiöng), Plutarch. n. aova. 3), gröfster 
gen(Maneros). Diesen Lmos hätten Homer, Pam- Musiker seiner Zeit und der Vorzeit (Paus 9, 29 
plws und ^ai^p/io besungen. Sein Grab sei in Calpurn. Sicul. ed. 8, 24 (TFemsrf. 2). Hieronym'. 
Iheben (so auch Philochoros bei Gramer, Anecd. diron. 587 u. 597. Synkell. 126), Hirtensänger 
Par. 3 p 289) beim Helikon; vor seinem Bilde so zur Flöte (Vergil. ed. 6, 67), erster griechischer 
m einer Grotte wurden jährlich Opfer gebracht Dichter (Tzetses exeg. in II. 14, 13) ; Erfinder der 
vor dem Musenopfer. (Philipp habe die Ge- ,ian,ia {Nonn. Dionys. 41, 376); endlich nennt 
beine nach Makedonien bringen lassen, aber ihn Giern. Alex, ström. 1, 205 navzoiag oocpiag 
iniolge emes Traumes zurückerstattet.) _ Tä im- dsdat^notcc. - „Musendiener" heifst Linos in 
^rifiazatov racpov Kai oaa crjfieca a'lla riv, der angeblichen Grabinschrift: 

ccva XQovov cpaoLV acpavia&rivaL. — Später sei , ^ . „ 

ein anderer Linos gewesen, Sohn des Ismenios K-QVTcra xov &sov ccvöga Aivov, Movaäv dsQcc- 

(wohl der von Paus, mifsverstandene Beiname , , novza, 

des Apoll), Lehrer des Herakles, der naig äv '^"^ nolvQ-QTjvrjzov Aivov alltvov rj8s nazQcpa 

ihn getötet habe. Lieder hätten beide nicht 40 ^oi^fioig ßsleaiv yij Katexsi cp&i(i£vov 

verfafst oder sie seien nicht auf die Nachwelt beim Sdiol. Vidor. ad II. 18, 570 p. 513 26 Bekk 

gekommen. u^d Gramer Anecd. 3 289 

Bemerkenswert ist in dieserVersion die enge Also auch hier wird Linos von Apoll se- 

Verbmdung des Lmos mit den Musen, die nicht tötet (erschossen), wie bei Pausanias. Dieselbe 

nur m der Genealogie sich ausprägt, sondern Erzählung findet sich noch bei Suidas a. a. 

vor allem in dem Zusammenhang von Musen- Diog. Laert. a. a. 0., Phüochoros bei Gramer, 

opter und Linosfeier. - Urania als Mutter nennt Anecd. Par. 3, 289 (nach Böckh in der 'Az%ig) 

^neh Hesiod fr 97 Göttl. {Eustath. ad Hom. IL Eustath. (der Linos zu einem äy^oi^og vsocviag 

l.nTxJ: ^Pfi^^- ^"^^"^ '5c^*öZ. ad Eurip. Ehes. macht) und Schol. zu Hom. II. 18, 570 Venet. B 
l A r "^/^^Pig'^amm b. Diog. Laert. prooem. 50 Dind. An den letzten 3 Stellen wird als Grund 

und Anth. Ial.7,6U. Als Vater erscheint meist der Feindschaft hinzugefügt, dafs L. statt der 

Apoll, so Hygm 1 61 (filius Apollinis ex Urania bisherigen linnenen Saiten Darmsaiten gebraucht 

i. .'ni ""Vr ^ "^^ allein genannt: Theocrit. habe, ersichtlich eine Gelehrtendichtung, stam- 

\r' .7 .il^- ^'^^- h ^^; ^''"^- '^'''^''- ^' ^' 23- mend aus der falschen Auffassung der Homer- 

Martial.9,86, 4. Phaedr. fab. prooem. 3, 57. Verse, wo man Xivov = Faden schrieb (vffl • 

Nonnus Dion. 41, 376; auch Paus. 9, 29, 9 (Is- darüber Ambrosch p. 18 f. und Welcker a. a. 00 )! 

menios = Apoll) Weitere Genealogieen: Apoll Saiten von Tierdärmen seien in alten Zeiten 

»7 Qol^^^'.v ^^*^'^^^^^«^- 1^ ^f^^*'^^- ^«**c- zu nicht gottgefällig gewesen (Schol. ad Hom. 

Iihes.^2b)- Oiagros (resp Apoll) und Kalliope a. a. 0. Venet. A). Selbst Zenodot, Phüochoros, 

{ApoUod. 1,3, 2); Kalliope allem genannt: 60 Herald. Pont, {hei Phot.) huldigten dieser thö- 

Alkid.c. I^alam 8 p. 75 i?m/ü; Apoll und richten Erklärung, welcher ^nsto-c/i entschieden 

lerpsichore {Smd.\. Aivog); Apoll und Aithusa widersprach. Dafs selbst in neuerer Zeit sich 

{Smd V. OiiriQog und Gert. Hom. et Hesiod. init., Verteidiger dieses Unsinns gefunden haben, darf 

wo Ihoosa zu emendieren ist, da beide Stellen wunder nehmen. Im Argiim. Pind P 1 end- 

aut Charax zurückgehen); Apoll und Alkiope lieh wird die Fabel dahin variiert, dafsHermes 

S li n/ii °^ und Eustath. a. a. 0., wo jeden- den Linos weggeschafft, d. h. die Fadensaiten 

lalls Chalkiope zu ändern ist); Magnes, als Vater durch Erfindung anderer beseitigt habe. 
des Fievos, und Kleio {Tzetzes ad Lycophr. 831); Die Trauerlieder um Linos heifsen beim 



2057 Linos (Lehrer des Herakles) Linos (Lehrer des Herakles) 2058 

Scholiasten zu Homer livcpSiai; von den Dich- langt, so „gehören deren Quellen einer verhältnis- 
tern wurde er Q-grjväSBaiv anaQxaig geehrt mäfsig späten Zeit an und weisen bestimmt 
(ib. und bei Eustath. und Cramer a.a.O.). An auf die attische Bühne zurück". (0. Jahn, 

denselben Stellen werden auch die Verse (vgl. Ber. d. sächs. Ges. d. W. pinl. hist. Gl. 1859 

auch Anth. Pal. 390) überliefert, die in den S. 145 ff.) Aus der alten Sage von Linos, welche 

Anecd. iTiiygacpr} iv O/jßaig, bei Eustath. snC- aus dem Refrain des Klageliedes den Namen 

yganfia, beim Scholiasten Musenklage genannt eines beklagten Sängers gebildet hatte, war 

werden: nur dessen gewaltsamer Tod herübergenommen 

CO At'vs Ttäai &eoiai riti^Bve, col yccg edcotiav und neu motiviert: Als Mörder vor Gericht ge- 

dd'civatoi. TtQcäzoi fifXog av&gcönoiaiv dsiGai, lo stellt, beruft er sich auf die Satzung des Rha- 

iv Tiodi ds^irigm- Movcai 3i as &gTqvsov avzal damanthys (welcher also wohl als Lehrer des H. 

fivgoiievai fioXTC^aiv, inel Xin^g rillov avyäq. — schon feststand), dafs Abwehr von Realinjurien 

Andererseits aber beklagt Apoll den Tod des straflos sei. Diesen Stoff behandelten ein 

Linos, Ovid. amor. 3, 9, 23 und Martial. 9, 86, 4. Satyrspiel Aivog des Achaios (bei Athen. 15 

Spuren dieser thebanischen Version finden p. 688 c Nauck frq. tr.'^ p. 752), in welchem die 

wir auch in Argos wieder, wohin sie nach Satyrn die Schönheit des Heraklesknaben beim 

Welcker und Schulz p. 31 erst in späterer Zeit Kottabosspiele priesen. Ein gleiches des Dio- 

gebracht wurde, als man auch hier den Sänger nysios N p. 794 {Schal. Hom. A 515 Jiovjvaico 

Linos nicht entbehren wollte. So wurde ein nsnoiriTcii sv Aifimxäv vöacov^Hgu-ulriq, SfiX7]vog 

zweiter L. angenommen und ihm ein zweites 20 8^ v.Xv^siv "nsigärcci xov'Hg.). MeineTce, Hist. er. 

Grab gewidmet, Poms. 2, 19, 8. Propert. 2, 13, 8. p. 420 vei'besserte iv Aivco voaäv ""Hga-uXrjs 

Dieser Linos kommt dann als Sieger im Ge- und vermutete (frg. com. 3 p. 564) wegen der 

sang neben Orpheus als Kitharöden in der Einführung des Seilenos ein Satyrspiel. In 

Fabel von den Wettspielen des Akastos in der Komödie Linos von Alexis {Meineke, com. 

Argos vor, Hygin. fah. 273. 3 p. 443. Kock 2 p. 345) führte der Lehrer 

Nicht immer jedoch macht die Linossage seinen Schüler vor den mit allen Klassikern 

ihren Helden zu einem Thebaner. Apollod. 2, wohlversehenen Bücherschrank, damit er sich 

4, 9 läfst ihn wahrscheinlich aus Euböa nach wähle, was seiner Natur am meisten zusage, 

Theben kommen und Thebaner werden. Denn und dieser greift zuerst nach dem Kochbuche 

Herakleides (bei Plut. de mus. 3) nennt ihn x6v 30 des Simos. Auch noch aus diesen Fragmenten 

tt, EvßoLcxg, Suidas a. a. 0. einen XaXmSsvg, geht hervor, wie einerseits der komische Kon- 

Stephan. Byz. v. Ol%aUtt und Eustath. a. a. 0. trast, der durch Übertragung des späteren 

einen OlxaXimxrig. Diog. Laert. kennt sein Bildungsganges auf das reckenhafte Heroen- 

Grab auf Euböa mit der Inschrift: 'Slds ACvov Zeitalter hervorgegangen ist, andererseits der 

f)rjßaiov ids^axo yccia d-avövxa Movarjg Ovga- attische Spott über die Derbheit ihrei' böoti- 

vtrjg viov Ivaxscpävov (= Anth. Pal. 7, 616, sehen Nachbarn in die Jugendsage des Hera- 

a. Lesart ivexscpavov). Bei Stephan. Byz. lesen kies diese vor- und unzeitige Kraftäufserung 

wir noch s. v. 'ATtoXlavia .... TtoXig KgTJxrjg, rj eingeführt haben. Ganz im Stile der attischen 

TtaXat 'EX?v&egva, ACvov Tzargig, eine Notiz, Komödie ist es, dafs die schliefsliche Ent- 

die ganz vereinzelt dasteht. 40 Scheidung durch eine Gerichtsverhandlung her- 

___ _ . ITT- j TT 1 ■■ beigeführt wird. Und wenn der geprügelte 

in. Lmos als Lehrer des Herakles. Schuljunge das allgemeine Menschenrecht der 

Theokrit. 24, 103 ygdfificcxa . . . ysgav ACvog Wiedervergeltung für sich in Anspruch nimmt, 

Jff^t'tJa^sv. Eustath., Suidas, Eudokia a. a. 00. so gleicht das völlig der Deduktion des ge- 

Nicomach. härm. 2, 29. Clem. Alex, ström. 1, 323. lehrigen Schülers der Sophisten in Aristophanes' 

Tatian. contra Graecos 41. Hieronym. 752. Syn- Wolken, dafs wir hierin wohl eine parodische 

Jcell. 130. — Weil er den Knaben Herakles wegen Blüte demokratischer Autklärung sehen können. 

Ungeschicklichkeit beim Unterricht in der Musik Hierhergehörtauch das mit Inschriften versehene 

straft, wird er von diesem erschlagen, und zwar Vasenbild des Pistoxenos (Sp. 2059/60). 

mit der Zither (Apollod. 2, 4, 9. Diodor 3, 67), 50 Die hier eigentümlich erweiterte Handlung, 

oder mit dem Plektron, Aelian. var. hist. 3, 32. worin Iphikles als wohlgesitteter Schüler als 

Nach Suidas v. ifißaXovxa warf Herakles ihn Gegenbild des Herakles eingeführt wird, 

mit einem Steine tot. Die Tötung wird auch geht wahrscheinlich auf das Drama zurück, 

erwähnt bei Alkidam. a. a. 0. Paus. 9, 29 (die F. A. Voigt.] 

Thebaner wollten diesen Linos, 'KctXovfisvov Jedenfalls zeugt das Vasenbild für ein 

'lößrjVLOv, von dem bei ihnen verehrten unter- hohes Alter der Version, denn Pistoxenos 

scheiden). Nikomach. a. a. 0. Plaut. Bacchid. war Zeitgenosse des Euphronios und Duris. 

155. Tsetzes exeg. in II. p. 17, 7 ed. Herm. (vgl. Freilich wird im Citat bei Athenaios (a. a. 0.) 

24,11, wo er die Erzählung anzweifelt) und Herakles nicht genannt, aber eben das Vasenbild 

145, 24 mit der Begründung, ort alaxgag xov 60 läfst die Annahme wohl als gerechtfertigt er- 

'Hga-nXsa sTcsiga^sv. — Ambrosch p. 9 hält die scheinen. Der Stoff lag dem J.c/ia?'os als gebore- 

Tötungfür alte Sage; die weitere Ausschmückung nem Euböer nahe. Welcker (Schulzeitung p. 33) 

schreibt er dem Linos des Alexis zu. Welcker wirft die Frage auf, ob die Tötung durch Apoll 

sucht die Quelle der ganzen Erzählung im Satyr- (resp. Herakles) vielleicht in Chalkis aufgekom- 

drama des Achaios. [S. auch K. Schwenck, men sei, da dort in alter Zeit nach Hesiod poe- 

Herakles und Linos, Bh. Mus. N. F. 20, 1865 tisch -musikalische Wettspiele gefeiert wurden 

p. 457 — 459. Drexler.] und ein Linosgrab sich dort befand. „So diente 

[Was den Linos der Heraklessage an- diese_ Dichtung, so wie ohnehin der Name des 



2059 Linos (als Scliriftsteller) 

Linos die Anagraplie der Spiele vermutlich er- 
öffnete, zugleich als dichterische Einleitung für 
die Geschichte der Spiele und als dichterische 
Erklärung des Grabes." 

IV. Linos als apokrypher Schriftsteller 

ist die späteste Umformung und Entstellung der 
Sage. Aus dem Sänger wird ein Dichter, ein 
yQtt{i[iccti%6g, ein philosophischer Schriftsteller, 
wie Orpheus u. a. — Nach Dionysios bei Diod. 
3, 67 wendet er die von Kadmos eingeführten 
phönikischen Buchstaben auf die griechische 
Sprache an; sie heifsen auch pelasgische. Nach 
Zenobius Cent. 4, 45 tötet ihn Kadmos, weil 
er l'Sia yQcciinaza einführen wollte (Tzetzes exeg. 
145, 24. Taeit. ann. 11, 14), aber die Thebaner 
vertrieben Kadmos (KaSfisLcc vi-nrj). Bei Suidas 
V. Ai^og hat er zuerst die Buchstaben aus Phö- 
nikien nach Griechenland gebracht. — Welcl-er 
p. 47 möchte die ^phönikisch -[pelasg. Schrift 
des Linos aus der Grabschrift auf Orpheus bei 
Allcidam. entstanden sein lassen. — Dionysios 
a.a.O. erwähnt eine Schrift (,,in pelasgischer 



Linos (als Schriftsteller) 2060 

4, 55. Er soll die Olympiaden eingerichtet 
haben, TheopJiil. ad Autolyc. 3, 29. — Das 
grofse Jahr von Heraklit und Linos führt 
Censor. 18 an, während Flut, de plac. plnl. 2, 32 
nur den ersten nennt. „Vermutlich ist ans 
diesem Jahr, als einem Höchsten der Zeit- 
rechnung, der gelehrte Satz entstanden, Linos 
habe den Kultus des Kronos eingeführt, Theo- 
phü. ad Autol. 2, 139, oder heifst es, Linos sei 

10 uralt" ( Welcher, Kl. Sehr. p. 45 Anm. 90). Nach 
WelcJcer ist hier auch der Ursprung der Genea- 
logie, die Linos zum Sohn des Hermes (Gott 
der Wissenschaft) und Urania (Umfang der 
Kosmogonie) macht, zu suchen. Zum Schrift- 
steller sei er wohl erst durch die Verbindung 
mit Orpheus und Musaios geworden; dieselbe 
gehe nicht über die alexandrinische Zeit hinaus, 
da bei Aristophanes, Plato u. a. noch keine Spur 
sich finde, wohl aber später oft. — Linos er- 

20 scheint nun 1) als Lehrer des Orpheus, Diodor. 
a. a. 0. Suidas v. 'Ogcpe-vg. Tzetzes exeg. 24, 11; 
2) als sein Bruder, Apollod. 1, 3, 2 u. 2, 4, 9. 
Martial. 9, 86, 5. Hijgin. fab. 14. Sehol. ad 





liiuos, Iphikles, Herakles und rt]Qo\pio (_?), Vasenbild des Piatoxenos (nach Annali d. I. 1871 Taf. F). 



Schrift") über die Thaten des ersten Dionysos 
von Linos; Biogen. Laert. a. a. 0. kennt eine 
Kosmogonie (vgl. Paus. 8, 18, 1), eine Schrift 
über Sonnen- und Mondlauf (vgl. Censorin. de 
die natal. 18), über Erzeugung der Tiere und 
Früchte. Dasselbe findet sich bei Natal. Com. 
p. 351 (vgl. Vivis zu Augustin. de C. D. 18, 14), 
der Hermodor als Gewährsmann angiebt, dessen 
Name bei Biogenes ausgefallen sein dürfte. — 
In Verbindung mit Pythagoras erscheint Linos 
bei Bamascius ccnogiai nal Ivasig, tcsqI xmv 
nQcozcov <xQx<^v p. 64 u. 67 ed. Kopp, indem der 
Satz ov yaQ san tv zi, ccXXä itüvza Zv einem 
von beiden zugeschrieben wird. Bamascius 
scheint die bei Stobaeus eel. phys. 1, 10, 5 
Mein, überlieferten Verse im Auge gehabt zu 
haben; vgl. den Vers bei Biog. Laert. a. a, 0. 
Theologumena arithm. ed. Ast p. 51. Stobaeus 
floril. 5, 22 Mein, (auch bei lamblich. de 
Pythag. vita 139 Westerm. und Apostol.l, 9a). 
Fünf Veise, angeblich von Linos, bei Apostol. 
7, 59 h {Paroem. gr. 2) und Euseb. praepar. 
evang. 13, 12; vgl. auch Apostol. 17, 99a; theo- 
logiam scripsit bemerkt Servius ad Verg. eel. 



Find. Pyth. 4, 313. Tzetzes chil. 1, 307; 3) als 
sein Urgrofsvater, Certam. Hom. et Hes. p. 3; 
4) neben Orpheus gestellt, Calpurn. Sicul. eel. 
8, 24. Censor. de die nnt. 18. Nonnus Bionys. 
41, 376. Sextus Emp. adv. grammat. 1, 10 p. 204. 

50 Euseb. chron. a. 749. Celsus ap. Origen. 1, 16. 
Theodor, serm. 2 p.741. Clem. Alex, ström. 1, 323. 
Scliol.in Bionys. Thr.gramm.78b; 5) als Schüler 
des Orpheus, 'iWcomac/j. härm. 1, 2 init.; 6) an 
der Spitze derV^eisen, Hippobot.hei Biog. Laert. 
1, 1, 14. Quintil. 1, 10, 9. Celsus bei Orig. c. Cels. 
1, 14; 7) als Vater des Musaios bei Servius ad 
Aen. 6, G67; 8) als Lehrer des Musaios auf dem 
Vasenloild Annal. 1856 t. 20 (vgl. unten). — 
Die Schriftstellerei des Linos bezweifelt schon 

60 Paus. 8, 18, 1, wo angebliche Verse des L. über 
die Stys erwähnt werden; Orig. c. Cels. 1, 14 
und Grammat. bei Belcker, Anecd. 2, 185. Den 
Pythagoreern schreibt lamblich. § 139 die Autor- 
schaft zu. Aus Euseb. praep. evang. 13, 12 a ist 
zu ersehen, dafs der Jude Aristobulos solche 
Fälschungen mindestens förderte; vgl. Valcke- 
naer, Biatr. in fragm. Eurip. p. 282 und Biatr. 
de Aristob. lud. p. 84. 



2061 Linos (Linoslied) Linos (Bedeutung) 2062 

TT T»oc T,--««ci,-^^ bestanden habe. So konnte es allen möef- 

V. üas l^mosliea. ^^^^^^ Liedern als Anfang und Ende angepaßt 

Das Alter des Linosliedes in Griechenland werden: dcQxofisvoi, Ss ACvov v.a\ IriyovTfg xa- 

bezeugt schon Hom. 11. 18, 570, wo im Bilde Xiovaiv. Der "Ruf ailivov ist sehr gewöhnlich, 

der Weinernte auf dem Schilde des Achilleus: z.B. Aeschyl. AgamA'iQ \^l.\h^. Sopli. Äi. 627 . 

Ttaig cpoQuiyyi Xtystr] \ ififgösv kl&cxqi^s, Aivov E^mp. Hei. 172. Orest. 1396 etc.; daher auch cci- 

S' vitb Kaibv äsi8sv \ lentalsif} cpcov^' rol Ss 9>]ff- Xivog als Bezeichnung des Liedes (z. B. HesycJi. 

aovtsg ccficcQtfj \ fioinij x' ivyiiä te Trofft Gv,ai- v. ailivoq:, Tryphon bei Eustath. ad II. 21,280 

govtsg iitovxo. — Nach Hesiod a. a. 0. singen u. a.), ja auch des Linos selbst, 
alle Sänger und Kitharisten Linos sv siXani- lo 

vaig TS xoQoig ts. Herodat 2 , 79 kennt das YI. Bedeutung des Namens. 
Lied als weitverbreitet. Pamphos und Sappho 

besangen ihn als O^To;iiroT' = Weh -Linos, Paits. Schon die Alten sahen in dem Worte ai'- 

9, 2, 9. Fragment von Pindar heim ScJiol. zu livog etwas Fremdes, Schot ad Em'. Orest. 1395 

Phes. 895 (Bergk, Poet. lyr. 253). Über den stcö&ccGiv ot ßccgßaQOL xbv ccl'Xivov sv aQxrj 

Linos des Kallimaclios vgl. KnaacTc, Ärinlecta d-gi^vov Xiysiv. Dals der Name eine Personi- 

Alexandrino - Eomana p. 14 ff., wo auch die fikation des semitischen Klagerufes ai lanu 

Fragmente gesammelt und geordnet sind. (lenu) = „wehe uns" ist, wird nicht bezwei- 

[Nach Knaach ist Kdllim. sowohl für Paus. feit; vgl. Brwisch p. 18 ff. Bandissin, Studien 
als auch für Statins die Quelle gewesen, 20 zur semit. Beligionsgeschiclite l p. 302 — 304; 

Darauf gestützt will er Krotopos nach Stat. ebenso Maneros [Bruqsch p. 24), der schon von 

zu einem rusticus machen; erst Paus, habe Herodat mit Linos identificiert ward, 
ihn mifsverstandenerweise mit dem König 

Krotopos identificiert. Allein die Erklärung YII. Deutung des Mythus. 
des Wortes rusticus erscheint mir zu geprefst 

und die Behauptung, dafs Kallim. einzige Linos ist also semitischen Ursprungs und zu- 
Quelle des Paus, gewesen sei, unbewiesen. nächst der ,,personificierte Klagegesang", wie 
Wie sollte auch Herodat den Linos für die- Lityerses (s. d.), lalemos, Evota u. a ; dann der 
selbe Person wie Maneros erklären, von dem Repräsentant des sprossenden,bl übenden Lebens, 
er ausdrücklich bemerkt: xov Ttgcörov ßaßi- 30 das dahinsterben mufs, des zarten Lebens der 
XFvovrog AlyvTTxov TtaiSa (lovvoysväcc? Und Natur, das der Gluthitze des Sirius (Hundes^ er- 
Heradat hat doch zweifellos die argivische liegt (argivische Version), vgl. Schwenck, Myth. 
Sage im Auge!] — Vgl. noch Kallim. in d. Griechen p. 120. Daher das Totschlagen der 
Apoll. 20 fr. 11 BergJc. Moschus 3, 1 u. s. w. Hunde zur Festzeit (vgl. die Sage von Thasos 
Ob die oben citierten VersB (ro Aivs etc.) ein bei Hygin. 247 und Schal. Ovid. Ib. 479, sowie 
wirkliches Volkslied sind oder ob ein solches die römische Sitte bei Lyd. de mens. 3, 12. 
in ihnen steckt, ist sehr fraglich, zumal wegen De ostent. 8 p. 26), das Hinsterben der Kinder 
der Zusätze iitiygacpri iv Orjßaig oder sd-gr)- in der ungesunden heifsen Zeit, dargestellt in 
vstxo Ttaga xäv MovGmv ovx(og\ über die zwei- der mordenden Poine und der Pest; daher das 
fache Überlieferung der Verse vgl. BergJc, Poet. 40 Lämmerfest und Sühnopfer, das dies Unheil 
lyr. p. 878. über das älteste Versmaß der abwenden sollte (TF^Zc^L'er, ^Z.5'c7tr. p. 17 denkt 
Griechen. Freiburg 1854. Welcher, Kl. Sehr. auch an Opferung von Kindern zur Beschwö- 
p. 40 Anm. 83. rung der Hitze). Psamathe ist wohl nicht, wie 

Zweifellos war der Charakter des Liedes es meist geschieht, von ipä^a&og = Sand 
ein trauernder. Wenn es trotzdem bei froh- (Trauerzeichen) abzuleiten; es ist ein mehr- 
lichen Anlässen, wie bei der Weinlese (Hom.) fach vorkommender Name von Quellen (auch 
oder fv flXccnivKig xs togotg xs etc. gesuncren in Theben, Plin. 4,25): die aufblühende Vege- 
wurde, so erklärt sich dies leicht aus der Vor- tation ist das Kind der Quelle. — Über die 
liebe vieler Völker für melancholische Weisen zahlreichen verwandten Sagen vgl. WelcJcer, 
selbst bei froher Stimmung. Man vgl. u. a. die 50 Ambrasch, Preller, Mannhardt a. a. 00. — Mit 
ägyptische Sitte bei Herad. 2, 78. Plut. de Iside lalemos wird Linos geradezu identificiert beim 
et Osir. 17. (Anders, aber nicht ausreichend. Schal. Orest. 1390. —Wenn ahev Eustath. a.a,.0. 
deutet Mannhardt, Wald- u.Feldhulte 2 p. 282 (uud Eudok.) als letzten seiner 3 Linos „Nar- 
diese Sitte.) Damit widerleg-t sich auch Wel- kissos" anführt, so ist dies ein arges Mifs- 
ckers {Kl. Sehr. p. 39 ff.) Erklärung der Worte , Verständnis von Photius v. Xivov nach Thea- 
(loXTcfj x' Ivyixm xs. Wenn Aristophanes bei phraf^t, wo zweifellos Xigiov zu schreiben ist; 
Athen. 14, 10 meint, Linos sei nach Euripides der Fehler freilich kann schon von Photius 
SV svTvxsi: iioXnä gebraucht, so mag er wohl stammen. Damit fallen alle weitgehenden 
Hercul. für. 348 mifsverstanden haben, aber Folgerungen, die daran geknüpft sind, be- 
sein Versehen ist nicht unbegreiflich. — Nach 60 sonders von Amhrasch p. 19 ff. 
Pallux 1, 38 waren Xivog v.cu Xixvsgprig 6v.Kita- Linos' Tod durch Apoll infolge eines Wett- 
vscav (oSal v.ai ysagyäv. — Das Mifsverständ- kampfes (theban. Version) stammt wohl erst aus 
nis bei Athen. 14, 10 {Eustath. a. a. 0.), Epi- einer, immerhin alten, Zeit, wo L. bereits^ der 
charm habe in der Atalante Linos als Weber- Sänger war, in dem jedenfalls noch ein nicht- 
lied bezeichnet, ist längst von WeWker {Schul- s-riechisches Wesen durchgefühlt wurde (vgl. 
Zeitung 39) klargelegt. Schon lange ist mit Thamvris). — Herakles ist wohl, wie öfters, 
Recht bemerkt worden, dafs das Lied wohl der Stellvertreter Apolls, der Vollstrecker 
nur in der Melodie, im wiederholten at ACvov seines Willens (vgl. Müller, Darier^ 1 p. 349 f.). 



2063 Linos (in der Kunst) Litavi 



2064 



VTII. Bildliehe Darstellung. ^^P^ ^- I^i^s, wo in Bezug auf die Wind- 

.,v j o- 1 • o , - ,, götter am Turm der Winde in Athen nach- 

/ l^^^^^^^^^.^^^^^ zutragen ist E. Fanjold, Ärcli. BemerJc. zu 

(s, bp. 2059/60). Der greise Lmos lehrt den Claudian u. Sidonius 43 f fHöfer ] 
.jungen, schüchtern- aufmerksamen Iphikles das Liriope (AiQLOTtn) = Leiriope (s d) MutJi 

Zitherspiel; hmter letzterem der junge Herakles Lat. 1, 186 -p. bQ Bode. [Höfer 1 " 

'^.. trotziger Haltung, gefolgt von einer alten Litai (Aita^), Personifikation der reumütigen 

halshchen Wärterin (reQocpaco oder Afgocpaä Abbitten als der Töchter des Zeus (11 9 502 ff. 
^^w'^^fft'^^- ^•^^- ^as äufserst charakteristisch Orph. Argon. 109, wo sie h^aiov Zrivog '^oigul 
und tretthch ausgeführte, m vieler Beziehung lo heifsen; Qu. Smyrn. 10, 300 ff Antli 11 361- 
interessante Bild ist publiciert in Ann. d. In. neben c\en"EQi8Bg auch genannt Plut.amat. 18)! 
\?1^ P- ^ß^- *• ^,jT,?i- ^"'^i^^2 p. 305 nr. 2). Nach Homer a. a. 0. hinken sie und schielen 
bcnreiber, Bdderatl A190.9. Baumeister, Denkm. seitwärts; sie folgen der kräfti^^en und hur- 

"^.a^^o' -f,^"" f ^''"''^ ?';V^>^- ""''^ ^^eisters.' tigen Ate, besorgt, deren Verschuldung wieder 

p.149. Snuth im Joiirn.of Hell. stud. 1883 p. 106 gut zu machen. Wer die Töchter des Zeus 

Anm. 1. Hauser im PhiJol. 50 (N. F. 4) 2 p. 190 ehrt, den fördern und erhören sie; wenn sie 

onW f ^''"'^V^''"'^'*- ^^^'«*^^«^^*- P-375f. aber jemand mit Härte zurückweist, so er- 

2) Munchener Vase nr. 371 bei Jahn: Hc- flehen sie von ihrem Vater Bestrafuno- des 
rakles erschlägt seinen Lehrer mit einem Stuhl- Frevlers. Über die Bedeutung dieser leicht 
bem; publ. von Jahn B er. d. sächs. Ges. -i. 20 verständlichen allegorischen Züge handelt ^jtsi 
Wissensch. 1853 p^ 149 ff. Tat. 10. z. Hom. p. 768, 2ff.; vgl. die Alrlc (= Acra^ bei 

3) Vase aus Caere, Sammlung Campana, Hesych. Preller, Gr. Myth. 1, 438 und den Art 
jetzt im Louvre, publ. An. e. Mon. 1856 t. 20 Ate. \Cornut. de nat. deor. 12 p 37 f Osann- 
und Jahn p. 95: Lmos mit einer grofsen be- vgl. ebenda p. 261. Clem. Alex. p. 37 c Siilburn 
fr.^'^Af^^!" ^""^^^ ^^^"-'^ '^®" J""8^^" Musaios Gramer, Anecd. Paris 3, 239, 32 ff: s. auch 
(MOIAIOX)_ Litaiosnr.2. Höfer.] [Schirmer.] 

4) Rehef des Mus. Pio-Clement. 4, 38 {Blillm, Litaios (Anato,), 1) auf einer im ionischen 
Gal. myth. 110, 431. Gerhard, Beschr. d. Stadt Magnesia geschlagenen Münze des Kaisers Geta 
i?om 2,2 p. 206. /a7^»^ a.a.O. p. 149 u. Taf. 10, 2), die den Apollon mit einem Lorbeerzweig in 
Linos als Zitherlehrer des Herakles. 30 der R. und dem Bogen in der L. darstellt, findet 

_ Die früher mehrfach hierhergezogene Vase sich die Umschrift Aixaiog, die ohne Zweifel j 

m Berlin {Levezow 855. Furtwängler 2210) hat auf Apollon zu beziehen ist, Mionnet 3 152 

''^]!./\?en Beischriften (Nike und Linos) als 664. Lamhros in Corr.hell. 2, 509 und ebend' 

gefälscht erwiesen, vgl. Furtwängler, Vasens. Anm. 4. Cavedoni, Bull. 1837, 41. Panofka 

a. a. 0. woselbst die Litteratur. — Nicht über- Arch. Zeit. 3 (1845), 52 Anm 11 [Nach 

zeugend ist die Beziehung auf Apoll und Linos Imhoof, Griechische 3Iünzen p. 120 nr .312 ist 

bei ilfH7fe-TFie5.,Z>e«Z:m. 2, 139 a (auf einem ge- aber auf dieser Münze Zeus dargestellt und 

scbnittenen btem). Ebenso entbehrt Panofkas zwar mit der Beischrift AKPAIOC Drexler 1 

Deutung einer _ Glaspaste (Arch. Zeit. 1845 - 2) Auf dem Revers einer Münze 'des Kaisers 
p. 196) der genugenden Begründung. - In der 40 Nero aus Nikaia befindet sich ein Altar mit 

Berliner Marmoi-gruppe nr. 53 wird jetzt mit der Inschrift J^og Auai'ov, Corr. hell a. a. 

Recht Anoll und der kleine Hermes (Rinder- 508f. PI. 24, 1. Das Epitheton bezeichnet den 

diebstahl) gesehen. [Apollon und Linos soll Zeus als den Vater der Litai (s d) [Höfer 1 
nach de Witte, Etudes sur les vases peints. Litavi (Dativ), keltischer Beiname des Mars 

Paris 1865 p. 91 auf einer nolamschen Amphora auf einigen in Cote-d'Or gefundenen Steinen, 

der Sammlung des Duc de Luynes, Krotopos welche Bob. Mowat (nach früheren nicht ganz 

und Lmos nach demselben p. 92 auf einer sol- zuverlässigen Publikationen) in der Bevue 

eben der Sammlung lorrusio dargestellt sein. archeologique 1889 2 p 372 und Leja.y In- 

Drexler.] Greve.] scriptions de la CÖted'Or {Bibl. de VEcole des 

l^ipara {Amaga), beigeschriebener '^ame 50 haiites- etudes 80. Paris 1889) nr 1 203 204 

einer der Hespenden auf der Meidiasvase, 206 verzeichnen. Eine der Inschriften lautet- 

abg Bd. 1 Sp. 2602. Bd. 2 Sp. 287, woselbst AVG SAC | DEO MARTI CI | COLLVI ET 

weitere Litteraturangaben; vgl. auch Bd. 1 LITAVI 1 P. ATTIVS PATERCVLVS I V S L M 

Sp_ 2598 Z 12 Sp. 2600 Z. 14. [Höfer.] Desselben Stammes der Name des Äduera 

l^iparas {AmaQag), Herrscher der liparischen Litavicus, Caes. hell. gall. 7, 37 u ö aufwel- 

07 7"' T.- «^en flüchtigen Aiolos aufnahm, chen verschiedene Legenden gallischer Münzen 

i^hol. momjs. Per. 461; vgl. auch Evst. ad bezogen werden (LITA, LITAV)- Duchalais 

Uionys. a. a. 0. und d. Art. Liparos. [Höfer.] Description des medailles gauloises (Paris 1846) 

Liparos (AinccQog), Sohn des Auson, Vater p. 115. 116. Htocher, IJart gaulois 1 pl 2 n 2 

der Kyane der Gemahlin des Aiolos, der, von eo Dictionnaire archeol. Epoque eeltique monnaics 

seinen Brüdern aus der Heimat vertrieben, gaid. nr. 67; (vgl. auch das Verzeichnis von 

nach der von ihm benannten Insel Lipara ge- A. de Barthelemy , Bevue eeltique 1 p 293 ff) 

flohen, spater aber mit Hülfe des Aiolos nach Litavia bedeutet nach Glück, Keltische Namen 

Italien zurückgekehrt sein soll, wo er in der bei Caesar p. 120 das sich längs dem Meere 

Gegend von Surrentum als Heros verehrt wurde ausbreitende Land, das Küstenland (terra 

l 1 , no' ^^1^*- -^f- ^^'■^S'Q''- P^i^- w. h. litoralis), Litavicus (oder Litaviccus) danach 

3, 14, 93 wonach er der Nachfolger des Aiolos r terra litorali ori^mdus. Der Beiname des 

war). Vgl. Liparas. [Schirmer.] Mars ist also wohl ein topischer. Zu dem von 



2065 Lithesios Lityerses (Überlieferung) 2066 

Glück a. a. 0. p. 84 besprochenen Namen AiscJtylos' Perser 370 f.), können uns also nicht 

Convictolitavis (aus Caesar bekannt) füge als Zeugnis dienen. 

man noch den Namen Litavicrari (Orts- 2. I. Von verschiedenen Seiten ist die Li- 

name?) in dem von einem Gallier herrühren- tyersessage als Stoff für die ©sgiozai {T.G.Fr. 

den Testament hei Bruns, Fontes iuris Bomani p. 476) des Euripides vermutet worden, s. 

5. edit. p. 299. [M. Ihm.] Argum. Eurip. Med. sSiSäx&r] snl üv^odagov 

Lithesios (AiQ-rjaiog), Beiname des Apollon, aQxovrog oXvfiniddog n^' s'rei nQcottp . . . tgitog 

Steph. Byz. Ethn. p. 416 3Iein.: Äid-^aiog, b EvQniC8r,g Mridsia, ^do-ntrjrrj , /s'Uzvl, Osgi- 

'Anollcov iv rä Malice li&oj TTgoaidQVfiivog axaig ßaxvgoig. Vgl. Härtung, Euripides rest. 

?>cfi. 'Piavog 'Hliciv.wv tgitcp. Wide, Lalzon. lo 1 p. 374. G. F. Hermann, Archäol. Zeitung 

liTttZie p. 71 denkt an das lakonische Vorgebirge N. F. 6 (1848) S. 237. Jahn ebd. 11 (1853) 

Malea. Nach 3IeineJce, Anal. Alex. p. 185f. S. 167. Euripides hat auch die eng ver- 

stammt der Beiname von dem der Sage nach wandte Busiris- und Syleussage in einem 

von einem gewissen Maleas erbauten Stein- Satyrdrama behandelt; den Chor des Stückes 

dämme {UQ-og) vor dem Hafen von Phaistos. müssen (Satyrn als) Schnitter gebildet haben, 

Statt MaXscc ist nach LobecJcs (Aglaoph. p. 586 und dafür bietet schwerlich eine andere grie- 

Anm. m) von Meineke gebilligter Vermutung chische Sage einen gleich passenden Anlafs. 

der Genetiv MaXsa herzustellen. [Drexler.] Die Hypothese darf als durchaus gesichert 

Lithophoros {Ai&ocpÖQog\ auf einer im Dio- gelten. 

nysostheaterzuAthengefundenen Sesselinschrift, 20 3. Von der ^übrigen, auf Sositheos (II.) 

Bulletino 1862, 116, 6, 3. C. I. A. 3, 296, zurückgehenden Überlieferung trennt sich, wie 

steht Lsgirag iL&ocpogov; es ist fraglich, ob Mannhardt richtig bemerkt hat (S. 5), ein 

hierin der Name eines Gottes oder Heros yli'ö'o- Excerpt bei Pollux 4, 54 p. 155 BkJc: dXX' 

(fögog enthalten ist. Hittenberger C. I. A. a. a. 0. AlyvTCxCoig (i£v 6 Mavigcog yacogyiag evgsr^g, 

z. d. St. stimmt der Ansicht ViscJiers bei, dafs fiovacäv fia&rjzrjg, Aixvsgeag ds ^qv^lv 1) ot 

mit isgevg Xid'ocpogog das Amt eines Priesters ä' avxov Midov naida slvai Xiyovaiv, slg 

gemeint sei, ebenso wie ev in dem. isgscog txvq- s'giv de dfirjxov ngov.aXovi.ievov ^cccxi- 

(poQOV i^ ccyigo7töXea)c,C. I. A. a. a. 0. 264, nicht yaaat, xovg ivdidovxccg, ßiaioxsgo) ös d(i^- 

den Priester eines Heros oder Gottes ITv^qjopo?, xrj Ttegnisaövxa d'dvaxov itaQ-stv 2) ot ds 

sondern einen isgsvg Ttvgcpogog erblickt. 30 HgayiXsa yEysvrjO&at xov dno-nxsLvavra avxov 

[Höfer.] Xeyovaiv. 3) fjSsxo 8s 6 ^grivog negl xdg uXcog 

Litros (Äixgog), Führer der Kyprier und Kai xb ^sgoglnl Midov nagaftv^ia. Lityerses 
Begleiter des Dionysos auf seinem Zuge nach ist danach Sohn des Midas, läfst eine Heraus- 
indien, Nonn. Dionys. 13, 432. [Höfer.] forderung zum Wettmähen ergehen (an wen?), 

Lityerses {Atxvägarjg, u^ — ). pflegt die Unterlegenen durchzupeitschen, bis 

Litteratur: Von Altern bes. Welcker, Kl. ihm ein gewaltigerer Mäher — nach einigen 

Sehr. 1, Hfl'.; die früheren Darstellungen sind Herakles — das Handwerk legt. Das würde 
verarbeitet und ersetzt von W. Mannhardt,- etwa der Inhalt der euripideischen 'Schnitter'' 

Wald- und Feldkulte 2, 282 — 286. Mytholo- gewesen sein; doch wäre die Notiz nicht aus 

gische Forschungen IfF. ; für die litterarhisto- 40 diesem Stück allein abzuleiten; Euripides wird 

rischen Probleme B. Beitzenstein , Epigramm — nach einer alten Heraklee? — , wie im 

und Skolion. Busiris und Syleus, dem Herakles die ent- 
scheidende Rolle zugeteilt haben (2). Die 

A. Die Überlieferung. erste Partie (1) ist die einfachste erreichbare 

Form der Legende; sie wird aus einem Schrift- 

1. Das älteste sichere Zeugnis ist nach steller stammen, der Lokalüberlieferungen auf- 

Mannhardt u. A. eine Stelle aus den 'Aycc&OL nehmen konnte (Xanthos?). 

des PherekratesheiAthenAO]). Hb c (=C.A. Fr. 4. II. Genauer bekannt ist ein verwandtes 

1 p. 145 K.) in dem bei Aelian wiederholten Satyrdrama, der zJdcpvig rj Atxvsgarjg des Sosi- 

Verzeichnis der d8rj<f>äyoL (Var. hist. 1, 27). 50 theos aus Alexandreia Troas, eines Mitgliedes 

Vorher überliefert Athen, allerdings ein auf der tragischen Pleias von Alexandrien (Suse- 

Lityerses bezügliches Fragment; dafs aber die mihi, Griech. Litteratur d. Alexand. 1, 270 f.). 

Pherekratcs- Stelle nicht auf denselben ddrj- Ein anonymer mythographischer Traktat (Kata- 

q)dyog geht, zeigt die Einleitungsformel xoiov- löge verwandter Gestalten), zuletzt bei Wester- 

xög £6X1 -aal b nagd ^sge^gdxet rj Zxgdxxidi tixX. mann, Mythogr. p. 346, hat uns aus einer ge- 

Die 'y^yw'ö'ot' gehören zu den griechischen Schla- lehrten, wohl auch von Athenaios 10 p. 415. 

raffenkomödien, in denen solche Genüsse und Tzetz. Chil. 2, 595 u. a. benutzten Sammel- 

Leistungen mit Vorliebe ausgemalt werden (Zi'e- schrift charakteristische Stücke jener Dich- 

linski, Die Märchenkomödie in Athen S. 23ff'.). tung und ihre Hypothesis erhalten (s. Her- 

Das Fragment hat mit Lityerses nichts zu thun. 60 mann, Ojnisc. 1, 590". Welcker, Die gr. Tragödie 

Mit mehr Berechtigung könnte man Phrynichus 3, 1256. Tr. Gr. Fr. p. 821 f. Nck.~): AixvEgarjg 

fr. 13. T. G. Fr. p. 723 N.'^ xd ys firjv ^si'via Midov viog vo&og, ov b '^HganXrig dvsiXsv bvxa 

dovGccg (so ist zu schreiben), Xöyog aansg Xs- ■na-aö^svov iqvdyKa^a ydg xovg ^evovg ovv&s- 

yfxai, I oXeaai, -nccjtoxsfistv o^h %aX'ii.ä xfqpa- gü^siv avxä, sixa £Vbt%cöv dn BtiicpdXi'^s, 

Xdv auf die Enthauptung der. Fremden durch xd 8e acofiaxa sKopu^sv iv roig dgdyi.i,a- 

Lityerses beziehen. Aber die Verse lassen 6lv ag nagaXsXoyiafiivcov (= V. 21). texogst 

sich auch in den Persertragödien des Dichters xavxa v.axd ^igog ScocißLog iv ^aq>vi8i, Xiymv 

passend unterbringen (vgl. Herodot 7, 35 und ovxoig' — 5. 'xovxco KeXaivai TiaxgCg, dgxociu 



2067 Lityerses (ÜberlieferuDg) Lityerses (Überlieferung) 2068 

TtoXig I MiSov ysQovroq . . . | ovroq 8' sKsivov einer Wette auf Leben und Tod, keine Eede, 

TTKig Ttatgl Ttlaotog vöd-og . . . | 6 e'a&si ftfv sondern Lityerses schlägt hinterlistig selbst 

aQTcov TQ^ig ovovg Kav&rjXiovg v-xl. (als Beleg auf dem Felde den Fremden das Haupt ab; 

der a88ri(fciyCa bei Afhenaios und Lykophron wenn 0. Jahn deshalb eine Lücke bei Sositheos 

ausgeschrieben) 1 sgyä^stcii 8' iXacpgcc ngog ra annimmt, so vergifst er, dafs Lityerses bei 

ßiTia (im Gegensatz zu der älteren Fassung). | Sositheos keineswegs als tüchtiger Schnitter 

oynov &SQi^8L ... I xcorav^ xig eI&t] ^sivog ■}) geschildert war. In dem Serviusscholion sind, 

Ttags^iTj I cpaystv i8av.sv sv rs %ocTi£%6Qtcca£v \ wie auch der zwiefache Name für die Geliebte 

y.ai rov ttotov TtQovtsivBv ag ccv Iv Q-eq^l | des Daphnis zeigt, mehrere Quellen zusammen- 

tiXbov cp&ovEiv yag rotg &avovi^iPvoig okvei. \ lo geflossen; der Sositheos -Test ist also nicht 

15. iTiiazaräv ot Xya (? oi'Srja Hds.) Mchlccv- nach ihm zu korrigieren, sondern mufs als der 

8pov Qoaig I ■iiaQTt8V[.iccTcov aQ8svrcc 8cc'ipiX£L reinere Vertreter einer selbständigen Über- 

TtoTOj I Tov a:v8Q0ixr'iy.rj nvgov r]y.ovrjfi£V7j | kq- lieferung gelten. 

7t7j ■9'f pi'Jfi • roi' ^svov 8? dgayfiari^ \ 20. ccvtm 8. III. Zu diesen beiden Hauptstücken 

KvXi'aag k gar 6g ogcpavov cpsgsi | ysXäv ■O'e- kommen einige kürzere Notizen aus helleni- 

Qiarrjv äg avovv rjgLßtrjGsv'. | ort 8' aTti&ccvsv stischer Zeit, die Mannhardt in ihrer Bedeu- 

vcp' ' HgntiXsovg qprjal ^^yoii;: '&ccva)v fiFv fi'c tung unterschätzt hat. TheoJirit 10, 41 d-äoai 

Mttiav8gov £ggiq)r] noSög \ (oansg aoXog rtg. 8r] uai xavta xa xm ^sioa Aixvigacc. darauf 

r]v 8' o SiGKSvaag dvTqg . . . xig yag dvd'' folgen durchaus volkstümlich gehaltene Bauern- 

'HgaiiXFOvg' . 20 regeln, die also als Verse des Litverses gelten. 

6. Über die sprechenden Personen und die Vgl. das Schol. zu der Stelle: ovxog 6 A. ... 

Art, wie Sositheos die Daphnissage mit der vo&og xot Mi'8ov ... xovg nagiövxag xav 

Lityersessage verband, läfst Mannhardt S. 9 ^svcov svmxäv riväy-Aa^s &egi^siv fisx' av- 

den Leser im Unklaren. Aber schon O^to /a/iw, rov' slxa ECnigag aTtoxE^vcov avxcov xag 

Serwies 3 (1869) S. 180 ff. hatte eine von iJ/aww- KsqxxXag x6 Xonrov cmaa iv xo^g 8gc(yi.icxat 

hardt übersehene Tradition nachgewiesen, die cwEiXäv 7^8 sv. 'HgaiiXrjg 8e... xovxov ano- 

diese Punkte aufhellt, Serv. zu Verg. Bucol. ■htbivccc f'ggnpsv slg xbv Mai'av8gov Tioxafiöv. 

8, 68: alii.hunc Daphnin Pimpleam amasse "OQ-sv v.cd vvv ot &8gi6xal -nccxä ^gvyi'av a8ov~ 

dicunt , quam cum a praedonihus raptam aiv avxov iy-ncofiiät^ovxsg ag agtaxov 

Daphnis per totum orbem quaesissct, «nvem'i 30 ■9'fpKTTJ7f, mitBezng auf T/teoÄ'n'i ^Msi. p. 1164, 

in Phryqia apud Lityersem regem servien- 10. 1236, 60. — 9. Phot. v. Äixvegaav (aus einem 

tem, qui hac lege in advenas saevieiat, ut cum Lexikon): co8riv xiva tjv a8ovaiv oi &£gi^ovtsg, 

multas segetes haheret, peregrinos advenientes ag . . x6v ÄLxvtgGav avaKaXnvf.i8voi' rjv 8' ovxog 

secmn metere faceret victosque iuheret occidi. MiSa viog v6&og, oi-näv 8e iv KeXaivaig . . . xovg 

sed Hercules miseratus Daphnidis venit ad nagiovxag rjväy>iDi^sv avv avxm ^■EgL^eiv, fix« 

regiam et auäita condicione certaminis dnoKÖTrxav xag ■>isq}ciXag xm 8g8nävco, xo Xoi- 

falcem ad metendum accepit eaque regi ferali tiov cäßa xoig 8gdyßaaiv ivsiXäv 7j8fv dvrj- 

sopito metendi carmine caput ampu- •gsQ-rj 8s vno ^Hgav.Xsovg. r] 8\ ojdrj ßKgßagog' 

tavit. ita Daphnin a periciilo liheravit et ei ^gvysg yag avrrjv r/Sov. Aus einem ähnlichen 

Pimpleam, quam alii Thaliam dicunt, reddi- 40 Artikel verkürzt Hesych. s. v. Aixvsgaag. — 

dit, quibus dotis nomine aulam. quoque reqiam 10. Phot. s. AiTvsgGrjg' si8og a8rjg, Msvav8gog 

condonavit. — 7. Für dpn Schlufs vgl. Schol (fr. 264. CA. Fr. 3 p. 76 K.) . . "AtSovxa Ai- 

Theocr. 8 argum. (vgl. Schol. 8, 98) Zcoßt&sog xvsgaiqv an' dotaxov xecog- Mi8ov 8s iqv 6 A. 

8s Aäcpviv <^sig ^gvyCav oiSsy ysvöfxsvov,*) — vno 'HganXsovg (wie der vorhergehende 

vcp ov viv-rjO-rivai MsväXv.av aSovxa Ilavog P/?of ms - Artikel mit kleinen formellen Ab- 

\y.al Nvficpävl y.gi'vavxog, yccfiri^rivai 8\ avxa weichungen), sls xijxrjv 8s xov Ml8ov d-sgiaxi- 

QdXsiav. AXs^avSgog 8s cprjaLv 6 AlxcaXog vno Kog vßvog sn avxm avvsxs&rj. Wörtlich gleich 

^äcpvi8og fia&siv Magavav xrjv avXr^xiyLrjv. Für Suidat s. V. Aixvsgarjg. 

die Daphnissage ( Stoll oben Bd. 1 Sp. 957 if. Diese Zeugnisgruppe (III) erzählt die Le- 

hat nicht einmal die Darlegungen Pohde's ver- 50 gende fast ebenso, wie die vorhergehende, 

wertet und ist auch sonst veraltet) sei jetzt nimmt aber ausdrücklicher Bezug auf das Li- 

auf die anregende Untersuchung Beitzensteins tyerseslied und kennt den Lityerses selbst als 

a. a. 0. S. 193 ff. 243 ff. verwiesen. Klar ist, trefflichen Schnitter und Sänger; doch erzählt 

dafs Daphnis der Sprecher der oben mitge- sie von dem Wettkampfe^ ebensowenig, wie 

teilten Rhesis ist; dafs er, als berühmter die Sositheos - Fjxcevpte. Über Aixvsgarjc; als 

Sänger, das Carmen ferale vortrug und dem Name des Liedes vgl. ApoUodor Schol. Theokr. 

Herakles dadurch die Arbeit erleichterte (vgl. 10, 41 . . . xäv &sgt.GTäv cp8rj Aixvsgaag. Pol- 

die Rolle des Kadmos beim Typhopuskampfe, lux 1, 38 Aivog 8s nal Aixvsgarjg a-nanavscav 

Nonnos 1, 410flF., oben Sp. 847). Wahrschein- cpSal v.al ysojgycov. Pollux oben nr. 3. Athen. 

lieh haben in dem Stücke des Hellenisten eo 14 p. 619a. 

nicht Satyrn, sondern Schnitter den Chor ge- 11. Von einem Verhältnis des Daphnis zu 

bildet. In einem Punkte freilich stimmt das Lityerses wissen die meisten mythographischen 

Serviusscholion nicht zu dem Fragmente des Artikel nichts. In der That kann es nicht be- 

Sositheos. Bei Sositheos ist vom Wettkampf, zweifelt werden, dafs der Hiitenheros erst in 

o,, „ , . , . „ . , . . der Alexandrinerzeit, wahrscheinlich von Sosi- 

*) So etwas wird zu erganzen sein; Meineke setzt eine ,, • j- t i • r-i j. • j. 

Lücke hinter ^c^rprn-, iVa«cX; u. a. scheinen den Text für theOS m die Legende eingeführt Ist; Wenn 

unversehrt zu halten; die Klammer um ^fatiVv^^r/KGr nach Mannhardt auch diesen Zug tür alter hielt, 

Bücheier, Rhein. Mus. 39, 275. da der Dichtung dieser Zeit ,,die schöpferische 



2069 Lityerses (Deutung) Lityerses (Deutung) 2070 

Kraft in hohem Mafse abging" (S. 9), so unter- ätiologische Tendenz den Träger der Sage 
schätzt er die Hellenisten. Das ferale Carmen, geschaffen hat, so wird sie auch bei der Bil- 
durch das der Unhold gelähmt wird , mufs düng der Sage selbst der mafsgebende Faktor 
Daphnis gesungen haben (so schon O. Jahn gewesen sein. 'Deuten' ist in solchen Fällen 
und jetzt auch üeitzenstein S. 259), es ist also nichts anderes, als die Bräuche und Anschau- 
gleichfalls eine Erfindung des SositJieos. Über- ungen nachweisen, für welche die Legende 
haupt ist es fraglich, ob die mythographischen eine Erklärung bieten will. 
Notizen unter III nur auf SositJieos zurück- 16. Es ist bemerkenswert, dafs zwei schon 
gehn, wie Mannhardt annahm. — 12. Wenn von Maww/mr^i verglichene Parallelsagen gleich- 
bei Theohrit und in einigen Sätzen der Schölten lo falls von Euripides behandelt und aus einer 
nnä LexiJca der ^siog A. als Ideal des strammen alteniZ'er«Weeentlehntsind(s.ob.Sp.2066,12ff.). 
Mähers, als cigicrog &£Qiarj]g und Erfinder des Busiris opfert die Fremden oder die 'Vorüber- 
Schnitterliedes gilt, so scheint hier die ältere, gehenden' {ApoUoä. 2, 5, 11. Agath. F.H.Gr. 
oben vermutungsweise dem Euripides vindi- 4, 291), um einen Mifswachs abzuwenden, und 
eierte Form der Sage vorausgesetzt zu werden, Syleus zwingt die Vorübergehenden {nagiöv- 
bei der eine Mähwette die Entscheidung brachte; tot?, Apollod. 2, 6, 3), seinen Weinberg umzu- 
auch das Singen des Unholdes wird in die vor- graben, bis Herakles ihnen das Handwerk legt 
hellenistische Form der Sage gehören. Theolrit (Eurip. fr. 313 fF. p. 452 f. N. fr. 687 ff. p. 575 ff.; 
hat entweder ohne Kenntnis des sositJieischen s. v. Wüamoiüitz, Eur. Herakles 38. 315 f.). Es 
Dramas, also vor Sositheos, oder — was dem 20 sind also Griechen, wahrscheinlich Dorier, die 
Vf. weniger wahrscheinlich ist — im Gegen- diese Legenden geprägt haben; Herakles pafst 
satz zu ihm geschrieben; dafs er mit seinem trefflich unter die Bauern und Winzer, ist er 
MUon Sositheos gemeint habe (Reif zef'sf ein 2il), doch selbst der Vorsteher der lakonischen 'Eq- 
ist auch hiernach nicht wahrscheinlich. — yätFia. Man kann daher, obgleich das Wort 
13. Bei Sositheos (II) ist aus dem naig des Aitvsoarjg barbarisches Gepräge trägt, nicht 
Midas, dem &si:og Ä., ein vöQ'og von unbe- einmal mit Sicherheit behaupten, dafs die 
kannter Mutter geworden, der sich nur durch übrigen Elemente der Legende barbarisch sein 
seinen riesigen Appetit auszeichnet; dafs ein müfsten; in diesem Punkte gpht Mannhardt 
richtiffer'Prinz mit der Sense hantierte, mochte zu weit. — 17. Dem ganzen Zusammenhang 
dem Hellenisten als äitQBnig erscheinen. Seine so nach haben wir die in der Legende verarbeiteten 
Arbeitsleistungen stehen zu seinen Fourage- Voraussetzungen in alten Erntebräuchen 
ansprüchen in keinem Verhältnis. Wenn ein zu suchen. Leider läfst uns hier die antike 
Fremder vorbeigeht, bewirtet er ihn mit einem Litteratur, die freilich auch unter diesen Ge- 
Henkersmahle, dann veranlafst er ihn, mit aufs sichtspunkten noch nicht durchgearbeitet ist, 
Feld zu gehen und ihm beim Getreideschneiden im Stiche. Um so ergiebiger ist „die von 
zu helfen, haut ihm dabei den Kopf ab, bindet Mannhardt erschlossene moderne Überliefe- 
den Körper in eine Garbe und wirft ihn in rung. Für die ältere Form der Legende — 
den Maiander, wie 3Iannhardt S. 8 f. richtig Wettmähen und Auspeitschen des Erlahmenden 
aus der Erwähnung des Flusses V. 16 und der (nr. 3) — hat Mannhardt schon in den Wald- 
Strafe des Unholds geschlossen hat. — 14. Dafs 40 u. FeldJculten 2, 166 Analogieen nachgewiesen; 
diese ausführliche Form der Legende schon wie in dem 3. Kapitel der Myth. Forschungen 
vom attischen Theater ausgebildet sei (Mann- ausgeführt ist, ist das Auspeitschen des zurück- 
hardt S. 9), ist nicht wahrscheinlich, und würde bleibenden Mähers noch jetzt stehende Sitte 
unmöglich sein, wenn wir das Schweigen T/;eo- (s. bes. S. 146), und auch die antiken Feld- 
Jcrits richtig gedeutet haben. Über Sositheos kulte kennen ähnliche Begehungen (S. 115 ff.; 
führt keine sichere Spur hinaus. Aber die in Abzug kommt aber der schwerlich richtig 
überaus wunderlichen Einzelheiten, die wie behandelte Demeter - Festbrauch S. 121). In 
etwas Bekanntes und Selbstverständliches er- dem „Letzten" sah man nach Mannhardt den 
zählt werden, sind schwerlich Erfindung des Vertreter des Korndämons; dem ursprünglichen 
hellenistischen Dichters. Er hat sie entweder 50 Sinnenach entsprach die Ceremonie, die Mann- 
aus einer gelehrten Sagensammlung, oder — hardt S. 154f. ausführt, dem Schlagen mit dem 
wozu er seiner Herkunft nach wohl imstande Februum. Auch wer sich dem ganzen inein- 
war — aus kleinasiatischer Volksüberlieferung andergreifenden System seiner Deutungen nicht 
herübergenommen. anschliefst, wird doch den Wert der gebotenen 

■o ,7 -r» + Einzelbelege anerkennen müssen. 

±5. zur JJeutung. ^ 18. Noch überzeugender und durchsichtiger 

15. Lityerses war ein Schnitterlied; wie mit ist die Deutung der zweiten Legendenversion, 

Bormos, Maneros und Linos (s. d.) scheint man wie sie Mannhardt , Myth. Forsch. 18 ff. 50 ff. 

mit dem Namen sowohl eine volkstümliche gegeben hat. Nach niederdeutscher wie nach 

threnodische Weise, wie die bei der Arbeit ge- 60 fränkisch - schwäbischer Sitte wird der letzte 

sungenen Improvisationen bezeichnet zu haben; Schnitter, oder ein vorübergehender Fremder 

die Überlieferung nimmt darauf Bezug, indem (S. 32 ff.), hie und da auch der Gutsherr in eine 

sie bald von einem Threnos nach dem Tode Garbe eingebunden; an seinen Hals legt man 

des Lityerses, bald vom Singen des Lityerses die Sense oder den Dreschfiegel und singt ent- 

bei und nach der Arbeit spricht. Der Name sprechende Verse dazu, z. B. 'Wir wollen den 

des Liedes wird von einem Eponymos , einem Herrn bestreichen Mit unserm blanken Schwert, 

Heros abgeleitet, wie der des Linos (s.d.), des Bori- Womit man Felder und Wiesen schert.' Jetzt 

mos, des Maneros, des Hymenaios. Wenn also löst sich der Betreffende aus der nicht gerade 



2071 



Lityerses (Deutung) 



Locheia 



2072 



behaglichen Situation mit einer Gabe. Ur- 
sprünglich aber ging er einer noch fataleren 
Prozedur entgegen. In Tirol und Käriithen 
taucht man die eingebundene Person, nach deren 
Länge die Halmlänge der nächsten Aussaat 
vorausbestinimt wird, in den Inn oder den 
Dorfbach; dadurch meint man eine gute Ernte 
fürs nächste Jahr zu erwirken. Hier gilt der 
Hauptakteur ganz unverkennbar als Vertreter 
des Kornes, als „Kornalter", wie der volks- 
tümliche Terminus lautet; seine angedeutete 
Tötung ist die Vollendung der Ernte, seine 
Wassertaufe ein Regenzauber für das kom- 
mende Jahr. Die zweite Form der Lityerses- 
legende deckt sich so vollständig und in so 
vielen Gliedern mit diesem Erntedrama, dafs 
mau zweifellos das Recht hat, ähnliche Bräuche 
für sie als Grundlage vorauszusetzen. — 19. Her- 
vorgehoben sei zum Schlufs, dafs unsere For- 
derung, in den Bericht des Sositheos die Mäh- 
wette nicht einzuschieben (nr. 7), durch diese 
Nachweise eine willkommene Bestätigung er- 
hält. Die Aufforderung zum Wettmähen hat 
nur in der ersten Form der Legende (nr. 3) 
eine verständliche Beziehung. An ihre Stelle 
tritt in der zweiten Form das Heranlocken der 
naoiövtsg durch gastliche Bewirtung, an die 
Stelle der Bufse der heimtückische Überfall. 

20. Nur ein Zug der sositheaniscJien Le- 
gende findet in den bei Mannhardt überreich- 
lich beigebrachten modernen Erntebräuchen 
kein Gegenbild: die Bewirtung des Fremden; 
der Hinweis auf „die Efslust, die in allen 
Zeiten und Zonen die unausbleibliche Folge 
kraftverzehrender Erntearbeit gewesen sei", 
genügt nicht (S. 18). Gerade hier aber Jäfst 
sich vermutungsweise ein Stück antiker Über- 
lieferung einfügen. Für die dritte horazische 
Epode von den schlimmen Wirkungen des 
ländlichen Knoblauchgerichtes hat man meist 
die Hypothese in Bereitschaft, dafs Maecenas 
dem Horaz die Schüssel vorgesetzt oder zu- 
geschickt habe; aber der Schlufs, der das be- 
weisen soll (V. 18), widerlegt es. Wo Horaz 
das furchtbare Gericht hat geniefsen müssen, 
zeigt V. 4: dura messorum ilia: als Guts- 
herr, bei den Schnittern auf seinem Felde. Hat 
er sich der Sitte gefügt, die verlangte, dafs 
am letzten Erntetage der vorübergehende Guts- 
herr die Kost der Schnitter teilte und mancherlei 
verwandten Schabernack über sich ergehen 
liefs? Diese Hypothese kann aber umsomehr 
Anspruch auf Beachtung erheben, als Horaz 
Sat. 1, 7, 28 auf einen verwandten Wein- 
gärtnerbrauch anspielt {Mannhardt S. 53 f., 
wo ÄristopJi. av. 507 nachzutragen ist). Ist 
das zutreffend — und Vf. hat so erklärt, ehe 
er auf das Zusammentreffen mit der Lityerses- 
sage aufmerksam geworden war — , so haben 
wir hier das Vorbild für das Henkersmahl, 
das der mythische Schnitter dem Fremden zu- 
kommen läfst. 

21. Alles in allem ist Lityerses das Proto- 
typ des Schnitters mit seinen Liedei'n und 
Bräuchen. Eine überzeugende Etymologie des 
wahrscheinlich barbarischen Wortes ist noch 
nicht gelungen; denkbar ist es, dafs der erste 
Bestandteil sich mit dem von O. Müller für 



etruskisch erklärten Zrtwws {EtrusJcer2^ S.211f.) 
berührt. [0. Crusius.] 
Livicus, Liviiis oder Livix? In der von 

Freudenberg in Jahrbb. des Vereins v. Alterth.- 
Freund. im JRheinl. 39/40 (1866) S. 181f. nr. 2 
und Branihach, C. I. JRhen. 463 in folgender 
Form mitgeteilten, jetzt verschollenen Wid- 
mungsinschrift Apollini. Livici. \ Cn. CorneHus \ 
Aquilius Niger \ u. s. w. schwankt die Über- 

10 lieferung bei dem Beinamen des Apollo aufser 
der angeführten Form zwischen Livic und Livio 
(vgl. die Angaben bei Freudenberg und Brnm- 
haeli a. a. 00., wo auch die übrigen Publika- 
tionen der Inschrift aufgeführt sind). Danach 
nahm man einen Apollo Livius an {Orelli 2021 
mit EcTihart, De Apolline Granno S. 8, als 
topische Gottheit, deren Beinamen von dem 
Orte Linn [zwischen Kaiserswerth und Uer- 
dingen am Rhein] abzuleiten sei, aufgefafst; 

20 J. Becher in Jahrbb. d. V. v. A.-F. im Bhlde. 
17 [1851] S.168 'Schutzgottheit der gensLivia'; 
zweifelnd Freudenberg a. a. 0. und Brambach im 
Index S. 380 s. v. Apollo), oder e. Apollo Livicus 
(E. Herzog y Galliae Narbonensis prov. rem. 
historia. Lips. 1864. Appendix S. 149 nr. 653) 
oder einen Apollo Livix {Holtzmann, Deutsche 
Myth. Leipz. 1874 S. 79: 'Dabei ist an das Bad 
Leuc zu denken; vielleicht zu gothisch lekeis 
Arzt' ; zweifelnd Bramhach im Index* a. a. 0.). 

30 [Der Dedikant Cn. Cornelius Aquilius Niger 
ist leg(atus) leg(ionis) I Mfinerviac) pfiae) 
f(idelis) item proconsul provinciae Galliae Narbo- 
nensis item sodalis Hadrianalis. An Livius 
hält auch fest Glüclc , Keltische Namen bei 
Caesar p. 106, da Livius ein gallischer Name 
ist, li ir. = color, splendor, also Apollini Livio 
= Apollini splendido. Vgl. Zeufs, Gramm. 
Celt.- p. 20. 57. M. Ihm.] [R. Peter.] 
Livor, der personificierte Neid bei Clauäian. 

40 in Bufinum 1, 28ff. : glomerantur in unum \\ 
innumerae pestes Erebi, guascumque sinist7'o\\ 
nox genuit foetu; nutrix Discordia belli, \\ im- 
periosa Farnes, leto vicina Senectus, \\ impa- 
tiensjue sui Morbus, Livorque secundis an.xius 
etc. Vgl. Invidia und Phthonos. [Höfer.] 

Lixo2 Einen Gott dieses Namens nahm man 
auf Grund der Inschriften Orelli- Henzen 5897 
(Bagneres- de -Luchon) Lixoni deo Fab. Festa 
V. s. l. m. und Eevue archeol. ann. 13 Bd. 2 

50 (1860) S. 487: Deo Lixoni Flavia Büß, f. Pau- 
lina V. s. l. m. an. Es hat sich jedoch ergeben, 
dafs auf der ersten dieser beiden Inschriften 
Ilixoni steht, und dafs die zweite eine Fäl- 
schung ist, vgl. oben Sp. 119 s. v. Ilixo und 
die daselbst angegebene Litteratur. Me'rimee (an 
dem s. V. Ilixo a. 0. S. 65) erwähnt eine weitere 
Fälschung mit dem Namen Lixo. [R. Peter.] 
Lixos (ÄL^og), Sohn des Aigyptos und der 
Nymphe Kaliadne, dem die Danaide Kleodora 

60 als Gattin zufiel {Apollod. 2, 1, 5). [Schirmer.] 
Lobes (yIo^tjs), Sohn des Astakos (s. d.). 
Lobrine s. Kybele Sp. 1653 und Mater 
magna. 

Locheia, -ia {Äo%sia, -la), 1) Beiname der 
Artemis als der Geburtshelferin, Orph. hymn. 
36, 3. Eur. Suppl. 958. Iph. Taur. 1097. Blut. 
Symp. 3, 10, 3. Ltic. Dial. mer. 2, 3 {sv^cciro 
xfj Äo%£La), Creuzer, Meletemata p. 28. Menan- 



i 



2073 Locus sanctus Lokalpersonifikationen (älteste) 2074 

dros bei Spengel, Bhet. Graec. 3, 404. Aristid. — Der Plural Aöyoi erscheint — gleichfalls 

or. 1 p. 9 Dindorf; vgl. or. 2 p. 21. Bio Chrys. personificiert — bei Theodor. EyrtaJc. bei 

or. 7 p. 269 B.; vgl. "jQtsiiig . . loxsirig (lato:, Boissonade, Anecd. Graec. 1, 265. [Höfer.] 
Anth. Pal. 9, i6. 'AQX8[iidog lo%Lmv x^ql?., ebend. Loimos {Äoiyiög), die Pest als unheilbringen- 

y, 311. codivcüv uBilixcp'AQzByaSi, ebend. 6, 242. der Gott gedacht (rag rov uitoxQonaiov n^sov 

— AoxCci steht absolut C.I. Gr. 4, 7032. 'Aqzb- Aoi^ov x^'^Q^S ccTioKcoXvBtv), Eust. ad Hom. II. 

^idi loxsia xä svsQyixiSi, C. I. Gr. 1, 1768 56,26. [Höfer,] 

= Newton, Anc. greelc inscr. Brit. Mus. 2, 164; Lokalpersonifikationen, Ortsgottheiten. 

vgl. auch CaMer^jDeZ.^ 289. Collitz , DiahJctinschr . Uuter Lokal- oder Oitsgottheiten werden 

2, 1473. Eine Inschrift aus Gambreion in der lo die göttlichen Personifikationen des Meeres, 

l>]ähe von Pergamon erwähnt einen vswg xrjg der Flüsse, der Quellen, der Erde, Länder, 

'AQXt^idog xrjg Aoxiccg, C.I.Gr.2,3b(}2 = Ditten- Gegenden, Inseln, Ortschaften, der Berge und 

berger, Sylloge 470 p. 658 = Antike Skulpturen vereinzelt auch die einiger anderer Örtlich- 

in Berlin 1176 p. 455; auf einer Grabinschrift keiten, wie der Wege, Plätze, Häfen und 

aus Neapolis Boiorum 'A^xs^ixog jial^g, to|o- Bergwarteu zusammengefafst. Gemeinsam ist 

qpdpov, loxCr]g, Corr. hellen. 9 (1885), 519, und ihnen allen, dafs sie an die bestimmte Ört- 

vielleicht ist auch die Inschrift aus Halmyros, lichkeit, welche sie verkörpern, fest gebunden 

Corr. /teWe'n. 15 (1891), 566 nr, 6, zu ['AQx]sfiLSL sind, und dafs sie gewöhnlich, wenn über- 

[Jo];^£ta: zu ergänzen, vgl. ii*e2;i(e arc/j. 19 (1892), haupt, auch nur an dieser selbst göttliche 

411. Lochia Diana, Gruter, Inscr. 1011, 3. Vgl. 20 Verehrung geniefsen. 
ferner Plato, Theaet. 18 p. 149 b. Eur. Hipp. tt j -n ^ ■ ■, ^ 

166, wo s.e%^J^o,o. heifs?, und Bd. 1 Sp. 572 ^^^ Yor^steSLrvon'oI^S^^^^^ 

Z. 47 ff. Nach dem Schol.rec. Find. 01.^3, 54 ^^^ Vorstelimig von Ortsgottheiten. 

{Agtsiiidi) T^ OQ&ovaj] xäg ywai^ag iv xm 1- -Ä-ltere Gottheiten. 

TOMfTö. scpoQog yccQ Xoxsiag ist der Beiname Eigenschaften und Thätigkeiten, die eigent- 

Ürthosia (s, d.) ^ lox^icc, vgl. auch Baunack, lieh nur lebenden Wesen zukommen, auf die 

Studien 89. — 2) Vgl. Aristid. or. 2 p. 21: 17 leblose Natur zu übertragen, ist der Mensch 

ijisv 'AQxsuig XoxCa xaig aXXaig iaxiv, ccvxrj überhaupt geneigt; vor allem aber legt der 

{'A&rivä) ds xfj 'AQXSfiidi loxta TiQog xäg noch nicht prüfend erwägende Geist der Natur- 
yoväg 17 ^sog ysyävrjxai. [Höfer.j 30 Völker, ebenso wie der des Kindes, den Dingen 

Locus sanctus als Name eines göttlichen seiner Umgebung unmittelbar die Eigenschaft 
Wesens erscheint in der Inschrift C. I. L. 8, des Lebens bei, sobald sie irgend eine Thätig- 
10589 (Bordj Eheläl) Laribus Aug. et Loco keit auszuüben scheinen. Es ist dies der Stand- 
sancto Frimus Aug. lib. u. s. w. und auch punkt des Märchens, in dem alle Dinge noch 
das. 2605 (Lambese) Loco sancito Genio viel empfinden, reden und handeln, und der Dich- 
sacrufmj. [ß. Peter.] tung im allgemeinen, wenn sie von der Per- 

Locutius s. Indigitamenta u. Aius L. sonifikation Gebrauch macht. 

Loebasius, angeblich sabinischer Name des Erst auf einer höheren Stufe der Entwick- 
römischen Gottes Liber {Serv. Georg. 1, 7 ; vgl. lung gelangen Naturmensch und Kind zu der 
PawZ. p. 121. PZaad. Corp. (/Zoss. 6, 30, 9), s. ob. 40 Erkenntnis, dafs bei jeder Thätigkeit eine 
Sp. 2022. [Wissowa.] wirkende Kraft vorhanden sein mufs, welche 

Logismos {Aoyi.afi6g), die personificierte Be- für beide aber auch nur dann erkennbar ist, 

rechnung, zusammen mit ToKog (Zins) Wächter wenn sie von belebten Wesen ausgeht, da 

des Plutos, Luc. Tim. 13. [Höfer.] sich alle Kraftquellen anderer Art ihrem Ver- 

Logios (Aöyiog), Beiname des Hermes (s. d.) ständnis entziehen. Durch einen notwendigen 

als des Gottes der Rede, steht absolut bei Luc. Analogieschlufs werden sie deshalb dazu ge- 

A23olog.2: xcö ÄoyLO} &V6011EV; vgl. Luc. Gall. 2: führt, für jede Kraftäufserung ein lebendes 

'EQfiov . . Xaliazäxov Hai loy Lcoxdxov &£cöv Wesen als Urheber vorauszusetzen, auf dessen 

ÜTtävTcov. Aristid, or. 2 p. 22 Dindorf. Creuzer, besondere Art sie aus der Beschaffenheit der 

Melemata p.32; vgl. Orph. hytnn. 28,3 'Eg^sia 50 Kraftwirkung im einzelnen Falle schliefsen. 

.. löyov Q'viqxoiai ngocprixcc. Y gl. Böm. Mitt. 7 So ruft das Gebrüll (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489, 10 

(1892), 226. [Höfer.] und ßoa IJyidnavÖQog, Eurip. Troad. 29), der 

Logos {Aoyog), die personificierte Rede in wilde Lauf (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489), die unbän- 

dem bekannten Wettstreit zwischen dem A. dige, die Erde aufwühlende Kraft und die be- 

dCv.aiog und A. "A8iY.og bei Arist. nub. 889 ff. fruchtende Wirkung (s. ob. Bd. 1 Sp. 1488, 7ff.) 

Bei Dio Chrys. or. 1 p. 68 B. ist der A. '0Q%'6g des Bergstromes den Glauben hervor, dafs ein 

gleich dem als laxvQog av^^, noliog nal fisya- Stier (auch wohl ein Rofs oder Eber; s. Ken- 

2.6(pQCüv gebildeten iVo/xog, und Menandros bei tauren IX und Erymanthischer Eber unter Hera- 

Spengel, Bhet. Graec. 3, 341 sagt 7]dr} ds nal kies im Anhang), bei dem man dieselben Eigen- 

rifisig xov Aöyov xov /Jiog ccSslopbv ai/CTT/lß- 60 Schäften beobachtet hat, Urheber dieser Thätig- 

aaiisv, mg SV r]&i,ti^ gvvö^sl; vgl. Schol. Aristid. keit des Wassers sei und in diesem seinen Wohn- 

pro Quatuorvir. 1 p. 173 Jebb. Zrjxstxs, nag sitz habe (vgl. die Stiergestalt der Flufsgötter, 

IsysL xov 115. va löyov, ij löyov ddslcpov. Bd. 1 Sp. 1489, 6 fi\), während ein in Win- 

Isyofisv, oTi XU Ttdvxa did löyov avvsatrj. xd düngen zischend dahinfliefsender Bach die Vor- 

6s Ttdvxa saxl 6 Udv dSslcpbg dga 6 Ildv Stellung erweckt, als ob er einem schlangen- 

xov löyov. fidllov ds b Ildv löyog, öib Kai artigen Wesen seine Lebensthätigkeit verdanke 

"^Eqiiov vibg 6 löyog b svxsxvog, Kai nagd (s. ob. Bd. 1 Sp. 1489, 27. 1490, 2). 
&EOV dvdöiiEvog sigTiaidsvaLV {s. Fiat. Erat. 'iOS). Doch die Kraftäufserung ist eine gi'öfsere, 



2075 Lokalpersonifikationen (älteste) Lokalpersonifikationen (jüngere) 2076 

als sie bei einem gewöhnlichen Stiere und der- Seilenos, Okeanos, Gaia u. s w) während 

gleichen vorkommt auch dauert sie länger man in die Vulkane ieueratmende (Typhoeus 

tort als em solcher lebt, deshalb schreibt man Giganten) oder mit Feuer arbeitende Gewalten 

diesem J^lulsstier übernatürliche Gröfse und (Kyklopen, Hephaistos) versetzte. Andere Berge 

Jiratt, sowie unbegrenzte Fortdauer zu; damit zeigten an sich zunächst keine Eigenschaften 

wird aber sofort aus dem Stiere der stier- die sie als belebt erscheinen Hefsen, und so 

gestaltige J^lulsgott, zunächst freilich noch werden sie in älterer Zeit auch nur als Wohn- 

ohne höhere geistige Macht. Doch sobald ort der Nymphen aufgefafst, welche die auf 

diese Stute einmal eiTeicht ist, empfindet man, ihnen entspringenden Quellen sowie die Lebens- 

dals em Wesen, welches m körperlicher Be- lo kraft der auf ihnen wachsenden Bäume und 

Ziehung das menschhche Mafs überragt, auch Pflanzen überhaupt verkörpern. Daneben er- 

geistig nicht unter dem höchst entwickelten scheinen allerdings einige besonders hohe Berge 

irdischen Wesen, dem Menschen, stehen kann. als Träger des Himmels, und obwohl auch diese 

Damit beginnt die Beilegung menschlicher Thätigkeit nicht notwendig Belebung voraus- 

Mgenschaften, die sich zwar anfangs noch setzt (vgl. Fmd. Fyth. 1, 19: klwv d' oioavCa 

den tierischen einfach anreihen (ausgedrückt aw^x^t, vL^oeoa' Mzvcc), so wird doch Atlas, 

durch die Bildung des 1 lerkörpers mit Men- dem Hauptvertreter derselben (s. unt. Sp. 2109 f ) 

schenanthtz, s. Bd. 1 Sp 1489, 60ff.), aber mit menschliche Gestalt verliehen, wie ja auch 

dem zunehmenden Verständms fiir die alles die Germanen die Berge als Riesen dachten 

lierische weit überragenden Vorzüge des 20 (£". H. Meyer, Germ. Mythol. § 206: vgl. Alpos 

menschlichen Wesens führt dies notwendig oben Bd. 1 Sp. 2861 f.) ^ ' & f 
zur vollen Vermenschlichung der ursprünglich 

in tierischer Gestalt vorgestellten Götter, eine 2. Jüngere Ortsgottheiten. 
Entwicklungsstufe, wie sie uns in den home- Bei der Entwicklung der älteren Reihe 
rischen Gedichten bereits entgegentritt (s. ob. von Ortsgottheiten stimmt naturgemäfs das 
l F' , ' : l' r, Geschlecht des Namens der betreuenden Ört- 
Mntacher ist der Gang, wenn von Anfang lichkeit mit dem ihres göttlichen Vertreters 
an die vermeintliche Thätigkeit des Natur- des ihr innewohnenden Lebewesens, überein 
gegenständes sich aus menschlichen Eigen- weil beide derselben Form der A^schauun- 
schatten zu erklaren scheint, wie dies bei den 30 ihr Dasein verdanken. So sind sämtliche no- 
Nahruug spendenden Quellen und dem junges raftot' als Männer, die nqfivai oder TtriyocC als 
Leben hervorbringenden, fruchtbaren Erdboden Mädchen {vv^Lcpac), yatcc als Frau gebildet 
der iall gewesen sem dürfte, die man sich während o^og em Neutrum ist, da man sich 
deshalb als jugendkräftige Frauen gedacht die Berge ursprünglich in der Regel unpersön- 
hat (s. Gaia und Nymphen und vgl. den Ge- lieh vorstellte. Nachdem aber die naiv gläu- 
brauch von TlTjy,? als Frauenname, C. I. Gr. bige, mythenbildende Zeit geschwunden war, 
llJo 4, 9109). Bei diesem Gang der Eut- wurden in der Periode des Hellenismus, dem 
Wicklung ist es selbstverständlich, dafs die jetzt hervortretenden Hang zum Sentimentalen 
Gottheit von dem ^aturkörper, dessen Lebens- entsprechend, nach dem Vorbild jener älteren 
aulserung sie_ vertritt nicht getrennt werden 40 Ortsgottheiten in der Dichtung sowohl wie in 
kann dals sie mit demselben entsteht und der bildenden Kunst neue Gestalten ohne wirk- 
vergeht und überhaupt sein Schicksal teilt. liehen Glauben an ihr thatsächlichesVorhanden- 
Mit der versiegenden Quelle stirbt deshalb die sein geschaflen, indem man bewufst und ab- 
Nymphe, durch Regulierung und Überbrückung sichtlich die Hauptmerkmale gewisser Örtlich- 
des Musses wird der Flufsgott selbst gefesselt. keiten persönlich gedachten Wesen beilegte, 
n,,7u •.'"' <^^'eJint sich das Schicksal der sie dieser Vorstellung entsprechend gestaltete 
Ortsgottheit von dem der übrigen Götter. Das und sie so künstlich mit Hülfe des eigenen 
Hauptmerkmal des ihr zu Grunde liegenden überströmenden Gefühls belebte, wie min ia 
Naturkorpers ist die unverrückbare örtliche auch früher schon bei erregterer Empfindung 
Gebundenbeit, die trotz aller sonstigen Ahn- 50 (vgl. z. B. tiophokl. Aias 856 tf. PhiloJcL 1452 I 
hchkeit jeden emzelnenFlufs Quelle, Gegend, Oed. tyr. 1391 ff.) geneigt gewesen war, Ört- 
Berg von allen anderen g eicher Art bestimmt lichkeiten und andere unpersönliche Dinge 
unterscheidet Desha b bleibt auch die Orts- menschlichen Denkens und Handelns (s. unten 
gottheit an der Scholle haften; es bildet sich Sp. 2079. 2082. 2 108 f.) für fähig zu halten So 
nicht eme alle Flusse u. s. w. belebende Gott- personificierte man jetzt auch die Berge, und 
heit sondern em ganzes Heer von Flufs-, zwar wurden sie, jedenfalls wegen ihres mehr 
Quell-, Berggottern und Lokalgenien, die sich an männliche Eigentümlichkeiten ermnernden 
hauptsächlich nur durch ihren Aufenthaltsort rauheren Charakters, unter Anlehnung an das 
von emander unterscheiden. Vorbild der in den Bergen wohnenden Flufs- 
., .. ,^.^ f ".g^"!^^^igei" aber die scheinbare Lebens- eo gölter als ältere oder jüngere Männer gebildet 
thätigkeit eines Naturgegenstandes ist, desto wie ja ebenso die Eigennamen der meisten 
truherwirderderihantasie Veranlassung bieten. Berge männlichen Geschlechtes sind, weiblich 
eine Gottheit dalur auszubilden. Die charakte- benannte Gebirge aber wurden, oflenbar zu- 
nstischen Mei-kmale des Lebens sind nun Be- gleich in Rücksicht auf ihre Quellen, Wälder 
wegung Ihatigkeit und Fruchtbarkeit, und und Weideplätze, als Nymphen aufgefafst 
so erhalten auch die Flüsse, Quellen, das Meer Aus der Gestalt der Gaia gingen nunmehr 
und der fruchtbare Erdboden zunächst be- durch Beigabe von unterscheidenden Merk- 
lebende Gottheiten (s. Flufsgötter, Nymphen, malen mancherlei Art die Vertreterinnen der 



2077 Lokalpersonifikationen (jüngere) Lokalpersonifik, (i. d. Sprache etc.) 2078 

einzelnen Länder, Inseln und Stadtgebiete am frühsten und vollständigsten zu wirklichen 

hervor, so dafs bei jeder Klasse von Orts- Gottheiten gevsrorden sind, so müssen sie als 

gottheiten zwei Entwicklungsstufen zu unter- eigentlich mythische Wesen für sich besonders 

scheiden sind: behandelt werden, wie dies in den Artikeln 

1) Die eigentlich mythischen Ortsgottheiten, Acheloos, Camenae, Flufsgötter, Föns, Nym- 
welche für die Menschen ihrer Zeit reales und phae, Lymphae u. s. w. geschieht. Lediglich 
persönlich - individuelles Leben besafsen und ihre Verwendung als Lokalbezeichnung würde 
der schöpferischen Thätigkeit gläubiger Phan- hier zu betrachten sein, gerade die Flufs- und 
tasie ihr Dasein verdanken; Quellgottheiten hat aber 0. Schultz in seiner 

2) die mit dem Schwinden des alten Glau- lo Monographie über die Ortsgottheiten in so her- 
hens in hellenistischer Zeit sich aus den ersteren vorragendem Mafse berücksichtigt, dafs ich nur 
entwickelnden oder nach Analogie derselben das, worin ich ihm nicht beistimme, gelegent- 
durch reine Verstandesthätigkeit gebildeten lieh zu erwähnen brauche. Sonst möchte ich 
Lokalpersonifikationen, welche hauptsächlich noch auf die lehrreiche Zusammenstellung 
auf Gemälden und Reliefs an Stelle der für der auf griechischen Münzen dargestellten 
die Künstler jener Zeit noch nicht real dar- Flufsgötter bei Head, Hist. num. S. 801 f. hin- 
stellbaren Landschaft zur Andeutung des Schau- weisen. — Eine Mittelstellung nehmen die 
platzes der vorgeführten Handlung Verwendung Personifikationen des Meeres ein, die deshalb 
finden, daneben aber auch besonders auf Münzen auch schon unter Amphitrite, Thalassa und 
als symbolische Vertreter von Ländern und 20 Okeanos besprochen werden. Nach einer kurzen 
Städten gebraucht werden. Übersicht über diese mufs ich dagegen näher 

Die Scheidung dieser beiden Klassen ist bei auf die Vertreter der Länder, Inseln, Städte, 

Gestalten der bildenden Kunst nicht immer Berge, Wiesen, Häfen, Wege und dergleichen 

leicht durchzuführen; jedenfalls sind aber Orts- eingehen, da diese bis jetzt nirgends ausführ- 

gottheiten als wirklich mythische Personen zu lieh und im Zusammenhang behandelt worden 

betrachten, sobald sie selbstthätig in die dar- sind. 

gestellte Handlung eingreifen. Erscheinen die- _, -r.-, j.- ^ 4.t -ui -^ 
felben dagegen als blofse Zuschauer, die etwa . -Persomfilcation von Ortlichkeiten 
nur durch Hebung der Hand andeuten, dafs "^ ^er Sprache Dichtung und der bil- 
sie an einem Ereignis inneren Anteil nehmen,^30 denaen uns . 
so ist eine sichere Entscheidung nicht zu treffen. Uralte Vorstellungen bewahrt die Sprache 
da die Ortsgottheit selbstverständlich bei jedem fast unverändert in ihren Bildern und Redens- 
beliebigen Vorgang, der sich in ihrem Bezirk arten, und immer wieder schöpfen besonders 
abspielt, als Zuschauerin anwesend gedacht die Dichter aus diesem reichen, seit Urzeiten 
werden kann, und diese Vorstellung auch aufgespeicherten Schatze, daher sich aus den 
historisch den Übergang der einen Klasse in in der griechischen und römischen Dichtung 
die andere vermittelt. auftretenden Metaphern, abgesehen von ein- 

Zuweilen findet sich noch eine dritte Art zelnen subjektiven, aber eben deshalb meist 

von Vertretern von Örtlichkeiten, wenn diese auch rasch wieder verschwindenden JSTeubil- 

in Form der Metonymie durch ihre mythischen 40 düngen, die Anschauungsweise, die das Denken 

Gründer (vgl. z. B. Korinthos, Taras, Zakynthos, dieser Völker in ihrem Kindheitsalter beherrscht 

Tiinakos; s. Bd. 1 Sp. 2473, 46 ff.) oder die in hat, wie in einem Spiegel erkennen läfst. So 

ihnen hauptsächlich verehrte Gottheit bezeich- beweisen eine grofse Anzahl Dichterstellen, in 

net werden, wie dies z. B. bei Athen immer denen eigentlich nur lebenden Wesen zukom- 

der Fall war, offenbar weil Athene in ihrer mende Eigenschaften Örtlichkeiten verschie- 

späteren Autfassung als Göttin des Weisheit denster Art beigelegt werden, dafs die persön- 

und Tapferkeit der Personifikation der unter liehe Auffassung von Naturgegenständen dem 

ihrem Schutze stehenden Stadt selbst voll Geiste der alten Völker zu allen Zeiten eine 

entsprach. *) durchaus natürliche war. Unbestimmt und in 

Ott freilich bleibt es überhaupt zweifei- 50 flüchtigen, vielfach wechselnden Umrissen ge- 
haft, ob die eponyme Heroine oder die Per- zeichnet ist das Bild, welches sich durch die 
Bonifikation einer Stadt oder eines Landes Beilegung von personificierenden Attributen 
gemeint ist, besonders da erstere ganz all- für die einzelnen Örtlichkeiten ergiebt, deut- 
mählich durch Beigabe der für die Örtlichkeit lieh aber tritt das allen Dichtern gemeinsame 
oder ihre Bewohner charakteristischen Zeichen Streben hervor, auch die umgebende Natur 
in die Form der abstrakt gefafsten Ortsgöt- als ihresgleichen zu erfassen und sie an der 
tinnen übergehen, wenn nicht etwa, wie bei eigenen Empfindung teilnehmen zu lassen. 
Kyrene (s. d.), die Verflechtung mit wirklichen Ihre natürlichen Eigenschaften und ihre Thä- 
Mythen aut diesen Vorgang hemmend einwirkt. tigkeit wird nach dem Vorbild des eigenen 
Da also die Vertreter von Ftüssen und Quellen eo Wesens innerlich motiviert, so dafs sich, da 

*) So erscheint sie auf einem Urkundenrelief aus diese Erscheinungen selbst unveränderlich sind, 

dem Jahre 356 v. Chr. neben der die Stadt Neapolis ver- für jede Solche Öltlichkeit und ihren persön- 

tretenden Artemis - Parthenos bei Schoene, Griech. Reliefs liehen, mit ihr in der Vorstellung wechseln- 

nr. 48 und ähuUch ebenda nr. 49. 50. 53. 54. 62. 94 Ebenso ^q-^ Vertreter ein fester und bleibender Cha- 

vertritt aber Herakles die Stadt Heraklea (ebenda nr. 52 j-^kter herausbildet, der dann auch der VoUeu 

a,fh'f' ^/"^ ^^"''°" ^pf?'^ '^■•l-'"".' ?'u- \f Personifikation, wenn sie sich von der Örtlich- 

auch das Fragment eines Reliefs, welches die etruskischen . .. ,. , ,' i.. , i j. i-- • u i%,,i- 

Bundesstadte darstellte, im Lateran (Benndorf u. Schoene kelt gauzlich losgelost hat, fur immer anhattet 

nr. 212 s. 130 ff. Heibig, Führer durch Rom 1, U50). Bei Betrachtung der emzelnen Ortlichkeiten ist 



2079 Lokalpersonifikationen (Meer) Lokalpersonifikationen (Meer) 2080 

daher auch auf diese poetische Personifikation ideale in ihren Formen erläutert. München 1893 

Rücksicht zu nehmen. S. 68ff.: Die Personifikationen d. Meeres in grie- 

A Dnc Mqdt. chischer Plastik) als reine Verkörperucgen der 

A. uas meer. Örtlichkeit nur dann zu betrachten, wenn sie 

Bei Homer schwankt die Vorstelhing noch einem Vertreter des festen Landes gegenüber 
zwischen dem wirklichen Meere und der Meer- erscheinen. So werden Amphitrite und Posei- 
gottheit hin und her. Gewöhnlich ist der don mit Hestia verbunden (s. Bd. 1 Sp. 320,21 IF.), 
ükeanosstrom das Weltmeer selbst, zugleich und Ükeanos (s. d.) lagert häufig, besonders auf 
aber doch &iu>v ysveoLg {IL 14, 201. 302; vgl. Sarkophagreliefs, der Gaia gegenüber (s. Lid. 1 
246. 7, 99; vgl. Verg. Georg. 4, 382) und oft lo Sp. 1584, 57 ff. und vgl. Cohen, Med. imp.'' 2 
auch ein völlig persönlicher Gott (s. Okeanos); S. 232, Ädrien lbO'3) ganz in der bei Flufs- 
mit deutlichem Wechsel der Anschauung wird göttern gebräuchlichen Auffassung (siehe Bd. 1 
Eurynome {II. 18, 399) eine Tochter dipOQQoov Sp. 1492 f.), nur wird er stets als bärtiger Greis 
'SIkskvolo genannt. Ebenso werden der Am- dargestellt, auch durch Anker, Delphin und 
phitrite m der Odyssee nur solche Eigen- Krebsscheren von den Flufsgöttern geschieden 
schaffen und Thätigkeiten beigelegt, die auch {Cohen, Med. imp.^ 2 S. 198, Ädrien 1109). Im 
dem Meere selbst zukommen (s. Bd. 1 Sp. 318 Schofse der Tethys ruht er auf einem Sarko- 
Z. 28ff.). Pontos, Pelagos, Thalassa und Hals phagrelief mit Parisurteil bei liobert. Die ant. 
bezeichnen dagegen bei Homer nur den Natur- SarkophagreJ. 2 Tf. 5, 11 S. 16. Der AlyaCoq 
körper; das Meer selbst aber erhält mittelst 20 növtog trägt als knieender Riese die um- 
poetischer Personifikation Busen {IL 21, 125 herirrende Leto auf der Schulter nach Delos 
u. öfter), Rücken {Od. 4, 560 u. ö.) und Nabel (Sarkophagdeckel in der Villa ßorghese, Arch. 
{Od. 1, 50); es brüllt {IL 1, 482. 14, 394 u. ö.) Zeit 27 1869 Tf. 16 S. 2lfi'.; vgl. Eober't 
und freut sich (i/. 13,29; vgL Ca^wZ/. 31,13). Bei im Arch. Jcüirh. 5 1890 S. 220 f. Hermes 21 
i/tsiO(i ist jedoch nicht nur Amphitrite (:/7ieo^. 1887 S. 460 ff. Overbeck, Kunstmyth. Apoll. 
243. 254), sondern auch Pontos {Theog. 131 f. S. 369 f. Heibig, Führer durch Born nr. 914; 
233) bereits eine wirkliche Gottheit geworden. s. unt. Sp. 2118 u. Abbild. 5). Früher deutete 

Nach der Anschauung der älteren Lyriker man auch die Figur T (nach Michaelis) im 
und Tragiker hat das Meer Arme (^esc/i. CAoep/i. Westgiebel des Parthenon als Thalassa, seit- 
586 u.ö.) und Nacken (Pers. 72); es klagt (I^w- 30 dem jedoch die nackte Gestalt auf ihrem 
dar fr. 113) und lacht {Theogn. 9. Aesch. Prom. Schofse als Jüngling erkannt worden ist, wird 
90; vgl. Satyrios in der Anth. Pal. ed. Diibner diese Benennung hinfällig {Overbeck, Pl.'^ 1 
10, 6), ist taub {Alkman fr. 6; vgl. Ovid MeL S. 297. Petersen, Die Kunst d. Pheidias S. 193. 
13, 804. 14, 711. Heroid. 8, 9. Ars am. 1, 531) Walz, Progr. d. Sem. Maulbronn 1887 S. 31. 
und hört {Eurip. Med. 29); es plaudert (J.wo/i-r. Furtwänglcr im Arch. Ans. 1891 2 S. 70 f.). 
fr. 90), ruft {Eurip. Herc. für. 1296) und schweigt Eine der Ge Kurotrophos gegenübersitzende 
{Theokr. 2, 38), seufzt {Aesch. Prom. 432. Soph. Thalassa will aber Br. Sauer, Das Göttergericht 
Aias615; vgl. Fcr^. ^en. 3, 555), ist stolz {Aesch. über Asia und Hellas in „Aus der Anomia" 
A.gam.14.0; vgl. Owd Jfei. 11, 524ff.), verschwört S. 110 Tf. zu S. 96ff., in der Figur 10 des Be- 
sieh {Aesch. Ag. 651), wird besänftigt (»S'o2)/i. 40 liefs vom Ostfries des Niketempels (Äo/s, TejHjjeZ 
Aias 674) und schläft {Aesch. Ag. 566). der Nike Apteros Tf. 11) erkennen, obwohl sie 

In hellenistisch -römischer Zeit wird endlich nur als laug bekleidete, stehende Frau von 
auch Thalassa (s.d.) völlig personificiert, sodafs kräftigen Formen charakterisiert ist (vgl, je- 
sie zur Mutter der Teichinen und der Aphro- doch Pallat, Arch. Jahrb. 9 (1894) S. 22). Sicher 
dite wird. Bei den Dichtern aber erhält das bezeichnet tritt Thalassa als Statue erst im 
Meer dann auch Lippen {Antip. Sid. in der Weihgeschenk des Herodes Atticus zu Korinth 
AnthoL Pal. ed. Diibner 9, 407) und Antlitz auf, wo sie aufserdem an der Basis in Nach- 
{Verg. Aen. 5, 848); es murmelt {Verg.Aen. 10, ahmung der den Erichthonios emporhaltenden 
212. 291) und fürchtet sich {Anyte in der Anth. Gaia die Aphrodite als Kind auf den Armen 
Pal. 9,144. VaL Flacc. 2, 201. Verg. Aen. 1, 280. 50 trägt (s. Bd. 1 Sp. 320, 40ff.), sonst kommt auch 
3, 673. 10, 210); ist unempfindlich {Philodem. sie regelmäfsig in der bei Ortsgottheiten ge- 
rn der Anth. Pal. 5, 107, 5. Philipp. Thess. wohnlichen Lagerung vor, durch Ruder und 
ebenda 9, 267, 5), erbarmungslos (Diodor. Äjrtl. Delphin kenntlich gemacht; vgl. z.B. die 
m dev Anth. Pal. 7 , 62i) , zoinig {Horat. carm. Phaetonsarkophage bei Matz-v. Duhn, Ant. 
3, 4, 30. 9, 22. Ovid Met. 14, 471 u. sonst oft), Bildw. in Born 2, 3315. Fröhner, Not. d. l. 
■grausam {Ovid Met. 11,701), feindlich {Julian sculpt. ant. du Louvre 1, 21, 425 S. 390. Auf 
m d. Anth. Pal. 9, 398), übermütig {Xenokrit. Münzen von Corycus {Head, Hist. num. S. 602), 
ebenda 7, 291), trügerisch {Antij). Sid. ebenda Perinthus {Catal. Thrace S. 157) und vielleicht 
7, 407. Verg. Georg. 1, 254) und lügnerisch auch auf solchen von lotape (ITeac? S. 603) hat 
{Senec. Ag. 558 ) , aber auch wieder mitleidig eo sie Krebsscheren am Kopf, Ruder und Schifi's- 
{Plato el. 12 Bergk. Horat. ep. 1, 1, 84. Ovid knauf in den Händen. 

Met. 5, 557), sanft ( Verg. Aen. 5, 848) und treu Als ^äXuxTai werden von Philostrat. im. 1, 27 

{Antip. Sid. in d. Anth. PaL 7, 289). Endlich S. 402 Kayser, der wirklichen Farbe des Meeres 

erzeugt es auch die Seetiere ( Verg. Georg. 3, entsprechend, grünlich - blau gefärbte Nymphen 

541; vgl. Tacit. Germ. 17); vgl. iioixäv xijv {yXuvyiu yvvaicc; \gl.Helbig,Wandgem.xir.ll8i) 

^aXaztav bei Xenoph. HelL 1, 6, 15. bezeichnet, wie ja auch Horaz {Carm. 3, 28, 1) 

In den Werken der Kunst sind die Meer- von dem grünen Haar der Nereiden, Ovid {Ars 

gottheiten (vgl. H. Brunn, Griechische Götter- am. 1,224:. ilf ei. 11, 158) von der coma caerula 



2081 Lokalpersonifik. (Erde, Länder etc.) Lokalpersonifik. (Erde, Länder etc.) 2082 

des Tigris und des Tmolos redet. Ebendahin aucli die sich im Ackerland zeigende Frucht- 
gehört der männliche gehörnte Kopf (eines barkeit ihre persönliche Vertreterin, sodafs 
Flufsgottes?) mit blauem Gesicht und lauch- die ^sidcoQog aQovQcc selbst den Erechtheus 
grünem Haar im Karlsruher Museum {Arch. gebiert und den Otos und Ephialtes ernährt 
Anzeiger 1890 1 S. 2), denn alles dies beweist, {Rom. II. 2, 548. Od. 11, 308 f.), oder das 
dals der Künstler die Eigentümlichkeiten des schwarze Ackerland, die yfi ^slatva, zur Mutter 
Meeres selbst an der Meergottheit hat zum der olympischen Götter wird {Solan bei Bergk, 
Ausdruck bringen wollen. Demgegenüber sind Poet, lyr.'"^ fr. 36, 3), die der Ackerbau treibende 
die den Isthmos bespülenden Meere {Philostr, Mensch ermüdet {Soph. Ant. 338; vgl. Eurip. 
im. 2, 16 S. 419 Kayser) als schöne, heitere lo Ion 542). Da nun aber die einzelnen Strecken 
Frauen gebildet. des fruchtbaren Erdbodens nicht so scharf wie 



o^ 



Endlich ist eine reine, nicht mythisch auf- etwa die Flüsse und Quellen von einander ab- 
gefafste Personifikation des Meeres in der neben gegrenzt sind, so konnten die Vorstellungen 
Gaia, der Luftgöttin (s. d.) gegenüber auf einem der das Leben der einzelnen Örtlichkeiten ver- 
Meerungeheuer sitzenden Nymphe mit flattern- tretenden Wesen infolge ihrer Ähnlichkeit unter 
dem Gewände und Kranz in den Locken auf einander auch leicht zu der von ganze Länder 
einem hellenistischen Relief in Florenz (J)wisc/;Äe, belebenden Gottheiten und endlich zu der Ge- 
Ant. Bildwerke in Oberitalien 3, 353 S. 175 f) samtvorstellung einer einzigen mütterlich schaf- 
zu erkennen, während auf dem ähnlichen kar- fenden Erdgottheit, der Gaia (s. d.), zusammen- 
thagischen iielief im Louvre {Schreiber, Hell. 20 fliefsen. Aber noch bei Homer scheint die 
Beliefbilder Tf. 31. Fröhner, Not. d. l. sculpt. Personificierung der letzteren nicht über die 
ant. du Louvre 1, 21, 414 S. 381; vgl. Arch. erste Stufe, auf der man sich der vollen Gleich- 
Zeit. 16 1858 Tf. 119, 2 und 22 1864 Tf. 189, heit des Naturkörpers und der Gottheit stets 
sowie oben Bd. l Sp. 1575) das Geschlecht der bewufst war, hinausgekommen zu sein, da weder 
entsprechenden, in ein schleierartiges Gewand die Erwähnung von Ööhnen der Erde {Od. 7, 324. 
gehüllten Figur den Abbildungen nach zweifei- 11,576), noch die Anrufung derselben als Schwur- 
haft bleibt. Heydemann, 12. Hall. Winckel- zeugin (7L15, 36; vgl. 14, 272. Od. 5, 184) eine 
mannsprogr. S. 15 sieht in ihr einen triton- andere Auffassung nötig macht. Und auch 
artigen Meergott; da jedoch der Unterkörper später legen die Dichter, aus deren Darstel- 
im Wasser verborgen ist, kann man von einem 30 lung man die in der Anschauung des Volkes 
Fischschwanz nichts bemerken. selbst lebenden Vorstellungen erkennen kann. 

Bei späteren Dichtern findet sich künstlich mit demselben Doppelsinn sowohl dem ge- 

durch blofse Metonymie die erste Stufe der samten Erdboden als seinen einzelnen Teilen 

Anschauung wieder häufig vertreten, sodafs wohlwollende {Pindar Ol. 7, 64. Aesch. sept. 

der Name der Gottheit für das Meer selbst 17.901. Suppl. 20. Ag. 4:11. Eurip. Phoen. ^'69. 

gesetzt wird: Amphitrite (s. Bd.l Sp. 318, 49ä'.); Tibull 1, 3, 62. 3, 3, 6) oder schlimme Gesin- 

Thetis {Verg. buc 4:,ä2. ilfari. 10, 30, 11. Stat. nung {Eurip. Ion 912. Sinim. Bhod. in d. Anth. 

silv. 4, 6, 18. Claudian 33, 149 u. ö.); Nereus Pal. 15, 24, 4) und überhaupt Verständnis bei 

{Ovid Her. 9, 14. Met. 1, 187. Tibull. 4, 1, 58. {Eurip. Herc. für. 369. Ayath. in d. Anth. Pal. 

Lucan. Phars. 1, 554. 2, 588. 713 u. sonst oft). 40 9, 631. Val. Flacc. 1, 69. Ovid. Met. 14, 2. 

Aetna 84. Seneca Thyest. 633), sodafs er auch 

B. Erde, Länder, Liseln, Ortschaften. jetzt noch als Zeuge angerufen wird {Eurip. 

s o„ . „ .-., . . • n- I.A j c i Hipp. 1025. Phoen. 626. Arab. in d. Anth. P. 

a) Personiükation in Dichtung und Sprache. ^^ J^^ 3 ^^^^^ ^^,.^^^ 2, i, 30. Prop. 3, U, 63), 

Der Hauptgrund für die Personificierung und alle anderen Eigenschaften belebter Wesen 

'] der Erde und ihrer einzelnen Teile ist ihre werden auf die Erde in ihrer Gesamtheit wie 

! Fruchtbarkeit, die man als eine wesentliche auf die einzelnen Länder übertragen. Die Erde 

1 Eigenschaft des Lebens kannte. So entwickelte oder eine Landschaft ist demnach Mutter von 

sich gewifs schon zu einer Zeit, als man sich Menschen, Tieren und Pflanzen (Aeschyl. Proni. 

noch nicht auf den Ackerbau verstand, in 50 90. Verg. Aen. 12,900. Georg. 1, 13. 2, 173. 

Griechenland die Vorstellung von den in dem Aen. 11, 71) und nimmt dieselben auch wieder 

Wachstum der Bäumö und Wiesen wirksamen auf {Verg. Ecl. 8, 93. Aen. 11, 22); sie seufzt 

Nymphen (s. d.), in Italien diejenige von der {Aesch. sept. 901. Verg. Aen. 9, 709. 12, 334), 

zahllosen Schar von Ortsgenien (siehe Bd.l zittert vor Schreck ( Ker^. -4m. 7, 722. 10,102. 

, Sp. 1622). In dem trockenen Süden ist nun 12,446, G'eort/. 1, 330), trauert {Verg. Aen. 11, 

die natürliche Fruchtbarkeit eines Ortes durch 287), weint {Verg. Georg. 4, 461), wehklagt 

die Bewässerung bedingt; und so erhalten diese {Eurip. Troad. 826), liebt und sehnt sich 

Oitsnymphen oft den Namen der Quelle selbst, {Aesch. fr. 44. Eurip. fr. 898, 7. • Verg. Aen. 

wiez. ß.Kamarina(s. 0. Sp. 943), Larissa, Mesma, 8,38, Horat. carm. 4^, b, 16), hafst aber auch 

Trikka; oder man legt ihnen auch, da sie sich 60 {Soph. Aias 459. Eurip. Ion 919); sie erinnert 

eben nur durch ihren Aufenthalt von allen sich {Soph. Oed. tyr. 1401), gehorcht {Philipp. 

übrigen ihrer Art unterscheiden, den Orts- in d. Anth. Pal. 9, 778. Verg. Aen. praef. 3), 

namen ohne weiteres als charakteristische Be- dient {Verg. Georg. 1, 30. Ovid. Met. 1, 516), 

Zeichnung bei, wie dies unter anderen bei herrscht {Horat. Ep. 1, 11, 26) und urteilt 

Nemea, Messene, Aigina (s. d.), Ortygia, Li- {Verg. Ecl. 4, 58); verbündet und verschwört 

para, Euboia (s. d.), Kerkyra (s. d.), Thebe, sich {Aesch. Pers. 792. Horat. carm. 1, 15, 7), 

Harpina (s. d.) der Fall sein mag. flieht {Verg. Aen. 6, 29. 61); ist treu {Tibull. 

Beim Auftreten des Ackerbaus erhält dann 2, 6, 22. Ovid. rem. am. 174. Aetna 263) oder 

UoscHEE, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 66 



2083 Lokalpersonifik. (Erde, Stildte) Lokalpersonifik. (Länder, Inseln) 2084 

untreu {Horat. carm. 3, 1, 30. Ovid. ars am. {Find. Pyth. 10,1. IstJmi. 6, 1. Soph. Oed. Kol. 

1, 401. 450. Prop. 2, 15, 31), feindselig (Verg. 282 und sonst oft) und unglücklich genannt 

Aen. 10, 295) und unwillig {Verg. Georg. 1, 224); {Alph. Mit. in der Anth. Pal. 9, 101. 104), sie 

sie freut sich und wird begrüfst {Soph. Phil. lieben {Pind. Pyth. 12, 1. Isthm. 7, 22. Nem. 

1464. Aias 859. Ar istoph. Georg. 13 bei Mtineke 7, 9. Eurip. Herc. für. 467), hassen {Soph. Aius 

fr. com. 2 S. 990. Menand. 8,1 ebenda 4 S. 76. 459) und werden gehafat {Horat. epod. 7, 5. 

Macedon. in d. Anth. P. 7, 566. Catull. 31, 12. Ep. 1, 15, 7), sie werden als Nachbarinnen be- 

Verg. Ed. 4, 50. Georg. 2, 173. Ovid. Met. 3, 24) grüfst {Eurip. CyU. 281. Plato in d. Anth. Pal. 

und wird glückselig genannt {Pind. Pyth. 10, 1. 7,256), als Bundesgenossinnen bezeichnet (Anth. 

Soph Aias 596 Eurip. BaJcch. 565. Iph. Taur. lo Graec. app. 53 Goucjny) und häufig als Mütter 

1482. Meleager in d. Anth. Pal. 12, 256, 11). betrachtet {Verg. Aen. 6, 784. 10, 172. 200. 

Sie lächelt {Hom. hymn. in Ap. 118. Theogn.9), Anth. Pal. 7, 18, 6. 78, 3. 428, 14. 573. 15, 47. 

wundert sich {Verrf. Georg. 1, 38. Ed. 6, 37), 16, 296 u. sonst oft). 

brüstet sich {Verg! Georg. 1, 102. Aen. 6, 877) Noch entschiedener nähern sich einer vollen 

und tanzt {Eurip. Bakdi. 114); sieht {Eurip. Personifikation von Ländern, Inseln oder Ort- 

Med. 1251. Stojypl- 322. Ovid. Met. 15, 53. Ale. Schäften folgende Stellen. Zugleich Lokal und 

Messen, in d. Anth. P. 7, 5, 4), hört {Eurtpid. Person ist Delos in der Unterredung init Leto 

Med. 57. Electr. 59. Androni. 105. Verg. Georg. {Hom. hymn. 1, 51 ff.), die svQvlsLficav nörvici gqv 

1, 474), spricht oder ruft {Aesch. Suppl. 584. Ai^va {Pind. Pijth.'d,b&), Akragas {Pind. Pyth. 

Soph. Oed. tyr. 47. Ewrip. Herc. für. 1295. 20 12, Ifi'.), Theben (Pmd. OZ. 6, 85) und yä fiärap 

Theokr. 17, 71), bringt Kunde {Eurip. Heraklid. UsXaayLcc {Eurip. Iph. Aul. 1498). Als zwei in 

748) oder schweigt und ist stumm {Eurip. ihre Nationaltracht gekleidete Jungfrauen er- 

Bakch 1084. Moschion fr. 6, 13 bei Naudc, scheinen Asia und Hellas der Atossa {Aesch. 

Trag. Gr. fr.^ S. 814). Pers. 181 fl'.; vgl. unten Sp. 2087 u. 2091), und 

Die Erde hat eine Stirn {Pind. Pyth. 1, 30), später kniet die 'Aoia %%-äv nieder {Aesch. Pers. 

Brust und Busen {Hesiod th. 117. Pind. Nem. 929); die yaia Kdö^ov eilt zum Grabhügel der 

9, 25. 7, 33. Pyth. 9, 101 u. sonst oft), Euter Kinder {Eurip. Herc. für. 1389), Sicilia gilt als 

{Hom. II. 9, 141. Verg. Aen. 3, 95. 7, 262), Mutter ihrer Berge {Eurip. Troad. 222), die 

Rücken (Pindar Pyth. 4, 26. 228 und öfter. tellus Italia erschrickt {Verg. Aen. 3, 673), und 
Eurip. Iph. Taur. 46), Rückgrat {Agath. in d. 30 bei Stat. Theb. 2, 13 sieht sich Tellus sogar 

Anth. Pal. 6, 41, 5), Nabel {Find. Pyth. 4, 74 mit Verwunderung zur Rückkehr geöffnet (ip- 

u sonst oft), Knochen {Choeril. fr. 2. Nauck, saque Tellus Miratur patuisse retro). Der 

Trag. Gr. fr} S. 719. Ovid. Met. 1, 383), Adern uqo? ya>os wird regelmäfsig in diesem Doppel- 

(C/ioen/. /r. 3 a. a. 0. Verg. Georg. "l^l^Q), Ein- sinn geschildert {Aeschyl. Dan. bei Athen, n 

geweide {Verg. Aen. 6, 833. Ovid. Met. 1, 138. S. 600 ß, frg. 44 Nauck \ Eurip. bei Athen. 13 

2 274) Arme {Julian in d. Anth. Pal. 9, 398). S. 599F, frg. 898 Nauck\ Lucret. 1, 250 i. Verg. 
Länder und Inseln besitzen Augen {Pind. Ol. Georg. 2, 324 ff.; vgl. unten Sp. 2129). Ähnlich 
2, 10. Aesch. Eum. 1025. Catull. 31, 1 u. sonst steht es mit Britannia, Germania, Hispama, 
öfter), Nacken {Pind. Ol. 3, 27. Agath. in d. Lydia, Maeotia terra, Henna parens, fertilis 
Anth. Pal. 9, 641), Brust {Pind. Pyth. 1, 19), 40 Hybla bei Claudian {in Buf. 1, 131. De tert. 
Knie (Ovid. trist. 4, 2, 2), Nabel {Callim. hymn. cons. Hon. 18. De quart. cons. Hon. 127. De 
6 15 Oic Verr 4, 48, 106), Leib {Verg. Aen. cons. Stil. 3, 62. De sext. cons. Hon. 338. 
4' 229. 5, 31), Haare {Catull.29,S. Ovid. am. 1, De rapt. Pros. 2, 72ff.). Gaia aber selbst, die 
14 45. Propert. 2, Ib, 4:&). bei Ifesiod i/ieo(/. 124 als Mutter der den Göttern 

' Auch die Städte werden in Rücksicht auf zum Wohnsitz dienenden Berge noch iu 

das zu ihnen gehörige Gebiet ganz wie die dieser älteren Auffassung erscheint, tritt 

Länder und Inseln behandelt, so dafs die yi] v. 153 ff. zum erstenmal in wirklich mensch- 

0£Qaia {Soph. fr. 825 bei Nauck, Trag. Gr. fr.' Hoher Gestalt klar vorgestellt auf. Nachdem 

S. 323) und die Zvqqsvtov zQr]%£La v.oviri sie jedoch einmal von der immer weiter 

v.ai nollsvxCvcov yaict. {Macedon. in der Anth. 50 schallenden Phantasie als Person voll ausge- 

Pal 11, 27, 1) gegrüfst wird. Die Stadt hat staltet ist, beginnt sie sich auch von der 

ein Haupt {Soph. Oed. tyr. 23. Verg. Ed. 1, 24. Scholle, mit der sie vorher eins war, loszu- 

Owd./as^. 1,209. 4,256. J-m. 1,15, 26. Proper^. winden; sie hört auf reine Ortsgottheit zu 

3 11 26) Augenbrauen (i/om./L 22,411. Anth. sein und wird zur mythischen Person, zur 
Pal '9, 473, 2. Orakd bei Herodot 5, 92, 2), Göttin Gaia (s. d.) und Tellus mater (s. d.), 
kusQ-Q. {Eurip. Herc. für. 221. Suppl. 32b. Tibull. die freilich später, nachdem der Glaube an 

I 7 19), Schlund (Fer(/. 6reori/. 1, 207), Busen ihr göttliches Dasein wieder geschwunden 
{Find Öl 14, 23. Eur. Troad. 130), Rücken war, auch selbst wieder als blofse Lokal- 
{ Aeschyl Aq. 830), Nabel (Pind. dithyr. fr. Personifikation verwendet wird (siehe Bd. 1 
46 3 Bergk), Knöchel {Find. Isthm. 6, 12). co Sp. 1582 ff.). Ebenso steht auf dieser zweiten 
Städte sprechen {Aeschyl. Ag. 1106. Aristoph. Stufe voller Personifikation die Insel Delos 
pac. 539. Acharn. 34. Theokr. 15, 126), erzählen (s. d.), die, wie Salamis {G. I. A. 2, 962) und 
und beklagen ihr Schicksal {Ant. Arg. in der die thrakische Chersonesos, auch wirklichen 
Anth Pal 9, 102. loann. Barbuc. in der Anth. Kultus hatte {Bittenher ger, SyllSGl Z.173 und 
Pal 9 425 ff. Owest. ebenda 9, 250), sehen 252 Z. 50), die Landesgöttin Kommagene (s.d.), 
{Vera. Georg. 1, 490), trauern {Verg. Aen. 2, 26. n Äa^sSaificav {C. I. Gr. 1298«), Massalia (T/i. 

II 26), fürchten (Fer^.Ae«. 9,473), sind mein- Beinach, Inscription de Phocee im Bull, de 
eidig {Verg. Aen. b, 811), werden glücklich com /jeZZeVi. 17, 34), Lipara(s. ob. Bd. 1 Sp. 2602 



2085 Lokalpersonifik. (i. d. Kunst) Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2086 

u. Bd. 2 Sp. 287), Theben als Mutter mit golde- Wellen und Seetiere oder durch die Anwesen- 

nem Schild {Find. Isthm. 1, 1), Aigina {Find. heit von Satyrn, Nymphen, Bakchantinnen an- 

Isthm. 7, 18; vgl. oben Bd. 1 Sp. 148), Hellas gedeutet, doch kommen schon auf schwarz- 

{Eurip. Hei. 370 ff.), Lerna {Eurip. Her. 419), figurigen Vasen hin und wieder Gestalten vor 

Arkadia, die Peloponnesos, Aonia - Boiotia die man wegen ihrer Ähnlichkeit mit sicher 

{KaUim. hymn. in Del. 70 ff.), die Insel Kos, als Ortsgottheiten bezeichneten Figuren auf 

die bei der Geburt des Ptolemaios jauchzt späteren Darstellungen selbst als solche in 

und den Knaben mit segnenden Worten in Anspruch nehmen mufs. 

ihren Armen wiegt {TheoJcrü. 17, 64ft'.), Ai- Häufig erscheint eine Gestalt der be- 
gyptos und Europa (Antip. in der Anth. Pal. 7, lo schriebenen Art auf den den Löwenkampf des 

241, 6), Aricia als Mutter des Virbius (Verg. Herakles behandelnden Gefäfsen, die jedenfalls 

Aen.7, 762) und Populonia als Mutter des Abas mit Recht Nemea genannt worden ist {Ger- 

(ebenda 10, 172), Kerkyra (s. d.), Salamis und hard, A. V. 2, 93 f. 4, 308. Stephani, Petersh. 

die übrigen Töchter des Asopos (siehe Bd. 1 FasmsamwL 1,25. 68. Heydcmann,Vasensamml. 

Sp. 643), sowie manche andere gewöhnlich als d. Mus. naz. z. Neapel nr. 2820, abgebildet bei 

eponyme Heroinen von Städten oder Ländern Baumeister, Denhn. 1 S. 655, 722. Furtwüngler, 

(s. z. B. Atthis) betrachtete Gestalten. Kommen Vasen im Antiqu. z. Berlin nr. 1890. Walters, Cat. 

doch selbst unter den Bakchennamen Person!- d.Brit. Mus.nr.'il^. Heydeviann,Griech.Vasenb, 

fikationen wie Lemnos, Delos, Euboia und Tf. 5,3 S. 5), während die Bezeichnung ähn- 
(Jhione vor {Heydemann, 5. Hall. Winckel- 20 lieh gebildeter, beim Kampfe des Herakles mit 

mannsprogrartim S. 44 f.). Geryoneus und Kyknos zuschauender Frauen als 

In späterer Zeit werden, dem natürlichen Erytheia und Ortsnymphe {Gerhard, A. V. 2, 

Streben, die Götter überhaupt mehr von ihrer 104 B. Furtwüngler a. a. 0. nr. 2007. — Heyde- 

begrifflichen oder elementaren Seite aufzufassen mann, Mitteil, 3. Hall. Winckelmannsprogramm 

entsprechend, solche Prosopopoiieen häufiger S. 84, 2) und die einer bei dem Kampfe mit 

verwendet, daher bei Dichtern wie Clau- dem kretischen Stier sitzenden, bekleideten 

dian und Sidonius Wesen von der Art der Frau mit Stab, welche die linke Hand erhebt, 

Roma, Oenotria, Hispania, Gallia, Britannia, als Ortsnymphe [Fiirtwängler 2,. Ü..0. r\v.\m^) 

Africa eine bedeutende Rolle spielen {Purgold, noch bezweifelt wird. In Rücksicht auf 
Arch. Bern, zu Claudian u. Sidonius S. 9 ff.). 30 letztere kommt jedoch der Vergleich mit einer 

Besonders auffällig ist die Vorstellung, dafs lang^bekleideten, jagendlichen und unter Zeichen 

die Insel Delos der Latona freundschaftlich der Überraschung und des Schreckens mit rück- 

die Füfse leckt {Claudian 1, 189). Die Schil- wärts gewendetem Blick flüchtenden Gestalt, 

derung dieser Gestalten schliefst sich sonst die sich bei der gleichen Kampfscene auf einer 

aber ganz an die inzwischen von der Kunst, schwarzfigurigen Vase der Sammlung Castellani 

, zu der wir nun übergehen, entwickelten Typen {de Witte, Gatal. nr. 31 S. 11)*) und auf einer 

i an. Über die Weiterbildung dieser Personi- rotfigurigen mit der Überwindung des Talos 

fikationen in christlicher Zeit ist Piper, Blijth. {Baumeister, Denhn. fig. 1804) findet, in Be- 

d. Christi. Kunst 1, 2 S. 585 ff. zu vergleichen. tracht. Diese wird aber sicher mit Recht für 

, , r. •£! .1- -1 1 -n , T. . ^0 '^iö Nymphe Kreta erklärt. 

b) Personifikation 111 der bildenden Kunst. Unsicherer ist die Deutung der als Orts- 

1. Altere Zeit. gottheiten betrachteten Gestalten beim Kampfe 

Vor allem hat die bildende Kunst dazu des Theseus (s. d.) mit dem marathonischen 

beigetragen die in der Phantasie des ^Volkes Stier, obwohl auf späteren Gefäfsen auch bei 

lebende persönliche Auffassung von Örtlich- Theseuskämpfen Ortsgöttinnen sicher bezeugt 

keiten zu voller menschlicher Gestalt zu ent- sind (s. unten Sp. 2087). 

j wickeln. Nur Gaia selbst findet sich in einer Ganz ebenso wie auf den schwarzfigurigen 

I die Übergangsstufe zur reinen Personifika- Vasen sind diese Ortsgottheiten auf denen mit 

tion darstellenden Bildung, bei welcher eine roten Figuren behandelt, wie besonders die 
mütterliche Gottheit mit dem Oberkörper (siehe so Nemea bei Heydemann,- Vas. z. Neapel nr. 2861, 

Bd. 1 Sp. 1577 ff.) oder ein kolossaler Kopf, wie zeigt; hier wird aber einigemal durch bei- 

er der fisyälr] &86g zukommt {Furtivängler im gegebene Inschriften die Deutung sicher ge- 

Arch. Jahrb. 6 1891, 2 S. 113 ff.), aus der Erde stellt. So erscheiut Eleusis (inschriftlich) als 

hervorragt. Länder , Gegenden, Inseln und junges, vollbekleidetes Mädchen mit Diadem 

Städte sind immer in vollkommen menschlicher und Schleier, stehend, ohne Attribute neben 

Gestalt aufgefafst, und zwar treten dieselben Triptolemos, Demeter und Persephone auf 

a) in früherer Zeit, ihrer Grundbedeutung ent- einem Krater des Hieron, aus der Mitte des 

.sprechend, stets als voll bekleidete Frauen oder 5. Jahrhunderts v. Chr. {3Ion. d. Inst. 9 Tf. 43, 1. 

Nymphen auf, die, wenn sie mit anderen Per- Klein, Griech. Vasen m. Meiatersign.' S. 171, 18; 

I sonen verbunden sind, ihre Teilnahme an der 60 vgl. Eubensohn, Die Mysterienheiligtümer in 

Handlung meist nur durch Erheben einer Hand, Eleusis u. Samothrake S. 32 und oben Bd. 2 

den Gestus der Klage und der Ermunterung, Sp. 1369 Fig. 16), und bei einer Darstellung 

bekunden. Da sie jedoch durch kein besonderes der Leichenfeier des Archemoros {Heydemann 

Zeichen charakterisiert sind, bleibt ihre Be- a.a.O. nr. 3255; vgl. Äe/j/mw a. a. 0. nr. 523. 

nennung, wo der Name nicht beigeschrieben Abbildung bei Overbech, Bildw. z. Theb. und 

; ist, meist zweifelhaft. *■, ^ ■, ;,■ -.u t^ ^ ■,, .» • ^ n ■ 

1 T j "14. j. TT j_ • , T :\ IT ^l ■, *) Vgl. dieselbe Darstelhing auf einer schwarzfigurigen 

I „ .}?^^^'^ ältesten Kunst ist die Ortlichkeit LeUythos in Wien bei .. Sacken n. Kenner. Die Samml. d. 

, treilich meist nur durch einen Baum, Felsen, mnz- u. Ant.-Kab. 1,2,2,47 s. U50. 



66 



* 



2087 Lokalpersonifik. (Ortsnynlpheii) Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2088 

Troisch. Heldenkr. Tf. 4, 2; s. ob. Bd. 1 Sp. 2687 nahe steht. Die hinter Daidalos und Ikaros 
Z. 57) NEMEA als reich bekleidete Frau mit sitzende Frau mit Schale ist jedoch schwer- 
erhobener Rechten hinter Zeus. Ähnlich sitzt lieh mit Heydemann, Vasen z. Neapel nr. 1767 
0HBH beim Drachenkampf des Kadmos auf und in der Arch. Zeit. 26 1868 S. 65 für Kreta, 
einer Vase des Assteas {Heydemann a. a. 0. oder die bei der Übergabe des lakchos an 
nr. 3226), mit einem modiusartigen Diadem Hermes auftretende mit Stephani, Petersburger 
geschmückt, oberhalb der Schlange und blickt, Vasensamml. nr. 1792 für Eleusis, oder die der 
sich nach Art späterer Darstellungen von Orts- Aphrodite gegenüber auf einem Kasten sitzende 
gottheiten auf einen Felsen stützend, zu KPH- Nymphe eines Kraters aus liuvo (ikfowwm. d. /«s^ 
NAIH hin, die ebenso wie der Flufsgott Ismenos lo 4, 23. Brunn, Ann. d. Inst. 21 S. 330. Papas- 
(vgl. unt. Sp. 2137) beweist, dafs wir hier wirk- liotis in d. Arch. Zeit. 11 1853 S. 41) für Olym- 
iiche Ortspersonifikationen vor uns haben. Auf pia zu erklären. 

einem anderen Gefäis thront 0HBA in ähnlicher Solche nicht näher charakterisierte Orts- 
Gestalt unterhalb der Schlange dem Ismenos nymphen finden sich jedoch schon frühzeitig 
gegenüber {Furiwüngler a. a..0.nr.2&3'i. Ahgeh. auch auf Münzen: Aus der Zeit von 550 — 
o. bd. 2 Sp.837 f.); vgl. auch Kadmos und Thebe 479 v. Chr. Velia, Kyme {F. Gardner, The types 
auf einer rottig. Hydria des Louvre {li. Bochecte, of greek coins Tf. 1, 7. 8), Segesta {Head, Hist. 
Mon. ined, 4, 2. Miliin, Gal. tmjth. 98, 395. num. S. 144); dann (479 — 431 v.Chr.): Terina 
Heydemann, 12. Hall. Winckelmannsprogramm (P. Gardner a. a. 0. 1, 23; vgl. 5, 20. 23. Head 
S. 52, 45. Arch. Zeit. 29 1871 S. 36 f.). Auf 20 a.a.O. S. 97), Pandosia {P. Gardner Tf 1, 29; 
der Perservase (Mon. d. Inst. 9 1873 Tf. 50 f. vgl. Head S. 90), Trikka {Head S. 263) und 
Wiener Vorlegebl. Ser.7 Tf. 6) sind Hellas (s. d.) später (431—336) Rhodos {Head S. 539), Olym- i 
und Asia als vollbekleidete Frauen einander pia (Münzen von Elis bei F. Gardner Ti. 8,27; ' 
gegenübergestellt, aber nur durch hochmütige Gatul. of gr. coins, Peloponn. Tf. 13, 3 ft'.), Nola 
Haltung, etwas reicheren Schmuck und durch- (P. Gardner Tf. 5, 21), Sinope {Head S. 434), 
scheinende Kleidung ist letztere vor ersterer Euboia (Münzen von Eretria bei P. Gardner 
ausgezeichnet. In gleicher Art sitzt Hellas Tf. 7, 15. Head S. SOI), Salamis {Head S. 32d). 
als Schutzflehende in der Versammlung der Hierher gehören endlich auch die als be- 
Olympier auf zwei Vasen {Tischbein, Engraoings kleidete Frau mit grofsem Kalathos und er- 
2, 1 und danach Arch. Anz. 1892 3 S. 126, und 30 hobenen Händen gebildete Messene auf einem 
eine Neapeler Vase, nr. 3256, Monumenti 2, 30), ürkundenrelief aus dem Ausgang des 5. Jahr- 
deren Vorbild in das fünfte Jahrhundert zu hunderts v. Chr. {Älichaelis in der Arch. Zeit. 
gehören scheint {Koepp im Arch. Anz. 1892 3 34 1876 S. 104) sowie Kerkyra und Peloponne- 
S.124fi'.).*) Vgl. die Ortsnymphen 0. Bd. 2 Sp. 841. sos (?) auf ähnlichen Reliefs aus den Jahren 

Die alte Frau endlich, die auf sieben rot- 375/74 und 362 v. Chr. Sie erscheinen als 

figurigen Schalen bei dem Kampfe des Theseus vollbekleidete Frauen mit emporgezogenem 

mit der krommyonischen Sau vorkommt und Schleier; die letztere trägt ein Scepter in der 

angstvoll für das Tier um Schonung bittet Linken {v. Duhn in der Arch. Zeit. 35 1877 

(s. Theseus), ist auf einer Vase in Madrid in- S. 170 Tf. 15. v. Sybel, Katal. d. Skulpt. zu 
schriftlich als KPOMYß sicher gestellt {Bethe 40 Athen nr. 3999 S. 289. nr. 3989 S. 285). Ein 

im Arch. Anzeiger 1S9'6 S. 8; vgl. Antike Henhii. solches Scepter ist jedenfalls auch der für 

2 Tf. 1). eine Fackel erklärte Stab in der Hand der Ver- 

Wahrscheinlich sind demnach Ortsnymphen treterin von Sicilien oder Syracus auf einem 

auch iu den beim Kampf des Theseus mit Skei- Urkundenrelief aus dem Jahre 393 v. Chr. 

ron {Heydemann, Vaseft z. Neapel nr. 2850) und {E. Schoene, Griech. Bei. Tf. 7, 49. C. I. Att. 2, 8. 
bei dem des Pelops zuschauenden Frauen zu v. Sybel a. a. 0. nr. 3907 S. 280), welche Deutung 

erkennen {Brit. Mus. Catal.nv. li'di), besonders Schultz, Ortsgotth. S. 29 wohl mit Unrecht be- 

da letztere sich mit der Rechten auf einen zweifelt. 

Felsen stützt. Zweifelhaft bleibt dagegen die Derselben Gattung dürfte endlich die Statue 

Benecnung der Frau mit Lorbeerzweigen in 50 angehört haben, welche die Lindier als z^v 

den Händen bei einem Stierkampf {Heydemann Xa^nQozcctijv itax^ida zr]v kuItjv 'PoÖov der 

a. a. 0. nr. 2413; vgl. aber 11. Hall. [Vmckel- Athana und dem Zeus weihen (Inschr. im 

mannsprogr. S. 13), sowie der Palmen trägerin N. Mhein. Mus. 4 S. 189), sowie diejenige, 

bei einem Parisurteil {Furtwängler, Vas. i. Ant. welche zu der von B. Meister in Bezzenbergers 

z. Berlin nr. 3290), welcher allerdings die einen Beitr. 6 S, 17 veröffentlichten Inschrift: 0; yä 

Palmenzweig tragende Nemea des Albanischen iaqcc Jiovovcco v.ri zäg Tiöliog ©eionsLcov av 

Marmorgefäi'ses {Miliin, Gal. myth. 112, 434) avi^riv-s Seviag llov&covog gehörte. Vgl. auch ' 

*) ßr. Sauer (Aus der Anonüa S. 96 ff.) erkennt (bei . jj. . 

Besprechung zweier spätem Reliefs, die Robert iu den ß\ Ortsnymphen in Symbolischer Handlung, 
mtte^L d athen. /«./ Tf. 1 und 2 veröffentlicht hat) auf «»ü .^j^^^. ^^^^ bestimmtere Charakterisierung. 

dem JRehef vom Ostfries des Niketempels [Sauer a. a. ü. 

s. 96) eben diese» Gottergericht. Die von ischmerz ge- Den Darstellungen der Vasen waren jeden- 

beugte, auf ihrem Sessel zusammengesunkene weibliche falls die Hellas Und Salamis auf dem Gemälde 

Gestalt (Fig. 23) ist die angeklagte Hellas. Ihre in jj^g PanainOS in Olympia (s. Bd. 1 Sp. 2067, 60) 

ruhiger Haltung dasitzende Gegnerin Asia (i-ig. 7) ist ähnlich, da sie ihnen ja auch zeitlich nahe 
grolstenteils zerstört. Das Ganze bildet eine attische , , ' . , , " <• i n 

Gerichtsverhandlung. Auf einem der späten Reliefs wird stehen; Wie aber schon aut der Perservase 

Asia als thronende Herrscherin aulgelafst (Sauer a. a. O. (s. oben Bd. 2_ Sp. 2087) Hellas und Asia nicht 

s. luo). s. dagegen /,. iwta« im ^/-cA. yciA/i. y 1894 s. 22. mehr als blofso Zuschauerinnen auftreten, so 



2089 Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 

überreichte hier Salamis der Hellas den Schmuck 
eines persischen Schiffes (Paus. 5, 11, b). Dieser 
Fortschritt in der Belebung der Ortsgottheiten 
zeigt sich ebenso in der Gruppe des Ämphion 
zu Delphi (Paus. 10, 15, 6), in welcher Kyrene 
als Wagenlenkerin des Battos, Libya als Kranz- 
spenderin auftritt. *) Auf dem einen der etwa 
zu gleicher Zeit entstandenen Gemälde des 
Aglaophon oder Aristophon (Brunn, Gesch. d. 



Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) 2090 

des röm. Münzw. S. 326; vgl. EcJchel, D. N. V. 1 
S. 176). *) 

Theba hält einen Helm (Theben, nach 447 
V. Chr.. Read S. 296; im Catal. of the gr. coins 
in the Brit. Mus., Centr.-Greece S. 72, 42 wird 
die Gestalt jedoch als Harmonia gedeutet; vgl. 
ebenda nr. 41); Trikka öffnet eine cista (Trikka, 
480—400 V. Chr., Catal, Thessahj to Aetolia 
S. 52); Istiaia erhebt auf dem Hinterteile eines 



griech. Künstler 2, 54) bekränzen Olympias und lO Schiffes sitzend eine Trophäe (Histiaia, 313 — 
Pythias den Alkibiades, auf dem anderen hält -- — - _ _ 

ihn Nemea auf den Knieen (Satyr, bei Athen. 
12. 534 D. Plut. Ale. 16). Auf derselben Stufe 
steht aber schon die von dem Parier Aristan- 
dros gefertigte und zur Feier des Sieges von 
Aigospotamoi zu Amyklai um 400 
V. Chr. aufgestellte Statue 
Sparta mit einer Lyra in 
der Hand (Paus. 3, 18, 
8. Overbeck, Plastik^ 
2 S. 386), die von 
Arete (s. d.) be- 
ki'änzte Hellas in 
der Gruppe des 
Euphranor, des 
Nikias Nemea 
auf dem Löwen 
(Brunnu. a,.0. 
2,194. PZm.«. 
h.3b, 11,131) 
u. die kranz- 
spendende 
Hellas (8. d.) 
und Elis in 
Olympia. Von 
Werken glei- 
cher Art sind 
noch zu erwäh 
nen: die von Se- 
leukos und Anti- 
ochos bekränzte Ty- 
che von Antiochia, die 
als Nachbildung der Sta- 
tue des Eutychides zu be 
trachten ist (Joh. Malalas S. 201, 
1 u. 276, 5. Wolters in d. Arch. 
Zeit. 42 1884 S. 162); die von Ar- 
temisia gebrandmarkte Rhodos 
( Vitruv. 2, 8, 15); die den Kitharö- 
den Anaxenor mit Purpur schmü- 
ckende Magnesia (Strabon 14, 1, 




1) Korinthos von Lenkas be- 
kränzt, Spiegel (nach Dumont et 
Chaplain, Les ceram. d. l. Grece 
propre 2 Tf. 31 S. 188 ff.). 



41 S. 648); Ortygia als Wärterin der Kinder der 
Leto (Strabon 14, 1, 20 S. 639 f.) und Troia als 
Gefangene (Libanios 4 S. 1093). 

Auf älteren Münzen findet sich in derselben 
Auffassung Messana, die in Rücksicht auf 
dort stattfindende Spiele auf einem Maultier- 
gespann stehend von Nike gekrönt wird (aus 
der Zeit von 480 — 396 v. Chr. bei Hcad, Eist, 
num. S. 134 f.); auch Terina und Nikopolis eo die beiden ersteren sitzen, Libya liegt in der 



265 V. Chr., Head S. 308. P. Gardner a. a. 0. 
Tf. 12, 11; vgl. oben Bd. 1 Sp. 2696). 

Als Nachbildung eines Weihgeschenkes der 
Leukadier in Korinth ist die Zeichnung eines 
der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. 
angehörenden Spiegels (s. Abb. 1) 
betrachten, auf der AEYKAZ 
ugendliche, langbeklei- 
ete Frau mit Locken- 
haar und Hals- und 
Armschmuck den 
zeusartig gebilde- 
ten,vor ihr sitzen- 
den KOPIN0OI 
bekränzt (Du- 
mont et Cha- 
plain, Les 
ceram. d. l. 
Grece propre 
2 Tf. Sl 
S. 188 ff.). 
Ebenso zeigt 
eine Münze 
aus der Zeit 
von 279 — 168 
v.Chr.(Jj«7ioo/'- 
Blumer, Monn. 
gr. S. 145 und 
Choix de monn. 
gr. ^ Tf. 1, 39. P. 
Gardner, The types 
Of gr. coins Tf. 12, 40) 
die von den Aitoliern 
zum Andenken an ihren 
Sieg über die Gallier nach 
Delphi geweihte Statue der ge- 
rüsteten Aitolia (Paus. 10, 18,^7), 
welche auf gallischen Schilden 
sitzend dargestellt ist. Ganz ähn- 
lich ist Bithynia auf Münzen 
des Nikomedes I. gebildet (Im- 
hoof- Blumer, Mon. gr. S. 146). — Dieser Auf- 
fassung der Landespersonifikationen steht im 
allgemeinen auch ein schönes Bronzerelief 
der besten Zeit, das sich jetzt im Britischen 
Museum befindet, nahe (Arch. Zeit. 42 1884 
Tf. 2, 2. Robert ebenda S. 139); hier ruhen 
Europa, Asia und Libya, als fast nackte Mäd- 
chen aufgefafst, an der Brust des Okeanos, 



werden von Nike gekrönt (Catal. of gr. coins, 
Italy S. 392 ; Thrace S. 44). TTIITIZ bekränzt 
dagegen die mit Schild und Lanze dasitzende 
PQMH auf einem Didrachm. von Lokroi aus 
der Zeit vor 274 v. Chr. (Th. Mommsen, Gesch. 

*) Vgl. o. Bd. 2 Sp. 1726 f. u. 2037, sowie die Bekränzung 
des Demos (Demosth. de Corona S. 256. Polyb. 5, 88; Dumont 
et Chaplain, Les ceram. de la Grece propre 2 S. 176). 



bei Ortsgottheiten gewöhnlichen Stellung. Da 
diese Erdteile ebenso als zwei liegende und 
eine stehende nackte Frau auf einer Münze 

*) In ähnlicher "Weise bekränzt auf einem bekannten 
Cameo zu Wien (Müller -Wieseler, Denkm. 1, 69, 877) die 
Oikumene, mit Mauerkrone und Schleier geschmückt, den 
Augustus und auf dem Eelief des Archelaos von Priene 
den Homer (Baumeister, Denkmäler Fig. 118). 



2091 Lokalpersonifik. (Ortsnymphen) Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) 2002 

mit der Umschrift Defensor orbis {Cohen, Med. Taube nachfolgt, in deren Gestalt sie Zeus 
imp.'^ 6,71 Victorien 29) erscheinen, so ist verführt haben sollte {Athen. 9, bl S. 395 A. 
schwerlich mit Engehnann in der Arch. Zeit. Aelian v. h. 1, 15). 
a.a.O. S. 212 an Pontes, Hellas, Peloponnesos ^^ ^, ,, .,^. .^ ,^ , 
und Kreta zu denken. In ganz ähnlicher Weise ^) Stadtgottinnen mit Mauerkrone, 
sitzt auf einem späteren Werke die Vertreterin Zuletzt kommt, anfangs vereinzelt, dann 
der vom Meere umhergetragenen Insel Dolos immer häufiger und allgemeiner als Kenn- 
auf der Schulter des als knieender Riese auf- zeichen der Stadtgottinnen die Mauerkrone 
gefafsten Äigaios Pontes, falls nicht besser in Gebrauch, da die Mauer das wesentlichste 
diese Gestalt als Leto und das vor ihr stehende 10 Merkmal der Stadt ist. Die Beigabe dieses 
Mädchen als Delos zu erklären ist. (Sarko- Symbols war jedoch schon längst durch die 
phagdeckol in der Villa Borghese, Arch. Zeit. Dichter vorbereitet, denn bereits Homer nennt 
27, 1869 Tf. 16 S. 21 ff.; vgl. Bobert im Arch. die Stadtmauern Tgoirjc; XiitaQcc KQr'idsfiva {Od. 
Jahrb. 5 1890 S. 220 f. Hermes 22 1887 S. 460 ff. 13, 388 und die eingeschobene Stelle der Ilias 
Heibig, Führer d. Born nr. 914; s. unt. Sp. 2118 16, 100; vgl. Hom. Hymn. in Cer. 151. Hesiod. 
u. Abb. 5). seid. 105. Bacchyl. fr. 27 bei Athen. 2, 39 F), 
. r, 1 1 i. • • i /\ i^ -i-i- und Sophokles {Antin. 122) sowie Euripides 
y) Genauer charakterisierte Ortsgottinnen. ^Becab. 910. Troad. b08. 784) sprechen von 

Einen weiteren Fortschritt in der Bildung einem Kranz von Türmen; auch wirkte be- 
von Ortsgottheiten bildet die Beigabe von 20 sonders in Kleinasien die Analogie von alten 
Symbolen. Wo der Name der Stadt selbst Göttinnen, die als Herrinnen und Schützerin- 
von dem der Stadtquelle abgeleitet war, wird nen von Städten die Mauerkrone trugen, wie 
auch die Vertreterin der Stadt mit den Sym- die Ephesische Artemis (s. Bd. 1 Sp. 592, 47 
holen der Quellnymphe, dem Wassergefäfs u. die Abb. Sp. 588), Astarte (s. Bd. 1 Sp. 651), 
(Mesma, um 344 v. Chr., Head, Hist.num. S.89), Kybele *) (s. Bd. 2 Sp. 1647, 30ff.) und Tyche 
der Schale (s. Himera) oder dem Ball (Larissa, (s.d.),mitwelcherGestalten,wiediealsdenGelas- 
430 — 400 V. Chr., Heud S. 253f ; Trikka, 480 stier krönende Frau mit Mauerkrone gebildete 
— 400 V. Chr., Catal. of the greek coins in the Sosipolis (Münzen von Gda, 466—415 v. Chr., 
Brit. Mus., Thessalij to Aetolia S. 52) dar- Head, Hist. num. S. 122), verwandt sind, 
gestellt. Ähnlich steht es mit der Nymphe 30 Infolge ihres abstrakten Wesens erhält ins- 
des Sees und der Stadt Kamarina, die auf besondere Tyche allmählich eine Mittelstellung 
einem Schwane sitzend gebildet Avird (461 — zwischen einer Schutzgöttin und einer Personi- 
405 V. Chr., Head S. 112). Sonst deutet man fikation der Stadt selbst. In diesem Sinne 
häufig die Fruchtbarkeit der Gegend entweder fafste sie urQ_ 295 v. Chr. Eutychides auf, in- 
allgemein durch Beigabe von Ähren (Halbinsel dem er sie Ähren und Palmenzweig haltend 
Pelorias auf Münzen von Messana, 420 — 282 und mit der Mauerkrone geschmückt, der Lage 
v.Chr., Head S. 135 f.; Segesta, seit 415 v. Chr., der Stadt Antiochia entsprechend, auf einem 
Head S. 145 ff.; Halbinsel PalleneC?) auf Münzen Felsen sitzend darstellte, während zu ihren 
von Potidaia, 500 — 429 v. Chr., Head S.1S8) Füfsen der Gott des Flusses Orontes nach 
oder durch ein charakteristisches Produkt, wie 40 unterirdischem Laufe aus dem Felsen hervor- 
das Silphium in Kyrene (530 — 480 v. Chr., bricht {Paus. 6, 2, 4. Brunn, Gesch. d. gr. K. 
Head S. 727; vgl. 0. Bd. 2 Sp. 1728ff.) und die l,412f. Overbeck, Plastik 2'^ S. 135. Chabouillet, 
üppig blühende Myrte Siciliens (Sikelia mit Cat. des camces nr. 1749 ff.). Dieser Typus ist 
Myrtenkranz, Münzen von Aläsa, Herbessos, dann mehrfach auf andere ähnlich gelegene 
Morgantina, um 340 v. Chr., Head S. 110. 125. Städte übertragen worden (s. ob. Bd. 1 Sp. 1493 
138) an. Auf den Honigreichtum von Hybla Z. 32ff.). Auf Münzen wird zuweilen eine mit 
(5'i'ra&o«6, 267) bezieht sich die Biene neben dem Mauerkrone versehene Göttin inschriftlich als 
Bilde der Stadtgöttin (s. Bd. 1 Sp. 2767, 41). Tvxv (s. Head, Begister S. 773) oder Tvxn nö- 

Aber auch die Eigentümlichkeiten der Be- /If «s (Attaea bei Head, Hist. num. S. 449) oder 
wohner selbst, die ja durch ihr verschieden- 50 als die Tyche einer einzelnen Stadt {TaQOov 
artiges Wesen und ihre mannigfaltigen Be- 'JSgarjvcöv, Head S. 618. 686). bezeichnet, viel 
schäftigungen an erster Stelle zum besonderen häufiger aber bleibt es zweifelhaft, ob die 
Charakter eines Landes beitragen, werden zur Tyche der Stadt oder die ihr nahe verwandte 
genaueren Bezeichnung der Ortspersonifika- Personifikation der Stadt selbst gemeint ist, 
tionen verwendet, wie ja bereits Aeschylos die nur selten durch die Beischrift TTOAIC 
{Perser 181 ff.) das asiatische Weib und die (Ephesos, Friedländer in der Arcli. Zeit. 27 
Griechin als Vertreterinnen ihrer Völker in 1869 S. 103; Fvostunneb, Imhoof-Blu7ner,G7-iech. 
diesem Sinne einander gegenüberstellt. Schon Münzen Tar. öOl) oder MHTPOTTOAIC (Sardes, 
seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. kommt so Libya Head, Hist. num. S. 553), häufiger durch Bei- 
mit krauslockiger Haartracht, welche an den 60 fügung des Stadtnamens (Ephesos, Kyzikos, 
Eingeborenen vor allem auffällt, auf Münzen Temnos, Sardes ; Heud, Hist. num. S. 455. 482. 
vor (Kyrene, 431 — 321 v. Chr.; Ptolemaios II., 553) entschieden gekennzeichnet wird. So finden 
Head S. 729f. 714; vgl. 0. Bd. 2 Sp. 2038f.), sich schon im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. 
häufig aber wird diese Art der Bezeichnung Frauenköpfe, die ein mit drei turmartigen Anf- 
erst in römischer Zeit (s. unten Sp. 2094. 210011). Sätzen verziertes Diadem tragen, auf Münzen 

Rein mythologisch charakterisiert ist da- *, jjie lokale Aixffassung der Kybele zeigen ihre 

gegen Phthia, wenn sie auf einer Münze von Bpinamm l^ldQÜoma, JivÖvmvii, 'löaia, iLiaaiyowtia, 

Aegium (146 — 43 v.Chr., Head S. 348) der :^invl-i]vii, <i>Qvyia v.. i,. 



2093 Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) Lokalpersonifikationen (Provinzen) 2094 

von Heraklea Pontika (364 - 347 v. Chr., Catal Sueton JN^ro 46 ; vgl. Giliert Geschu. Topogr 
iTnrcoins, Pontus S. 140 f. Tf. 29, 16. 19 f.; d. St. Born 3 S. 326} waren jedenfalls den eigent- 
30 li Kromna nnd Amisus (330-300 v. Chr., liehen Ortspersonifikationen entsprechend und 
Heat Eist. num. S. 433. 424. Catal. a. a. 0. nach dem Vorgange der pergamenischen Kunst 
Tf '> 10 ff 21 Iflf.). Sinope (306-290 v. Chr., sowie der oben erwähnten Münzen (s. Sp.2()91) 
Catal a a ■ S 98, Tf. 22,11 ff. Imhoof-Bhmer, mit Hervorhebung der nationalen Eigentumlich- 
mmn QT S 230 vgl S. 461, 8), Marathus keiten gebildet {Brunn, Gesch. d. gr. Kunfer 1 
S V Cbr Read S 670), Syracus (nach 212 S. 602. Overbeck, Plastik^ 2 434). Auch Au- 
V "chl- aUalSicav S 226, 688); im 2. Jahr- gustus stellte eine Reihe solcher Persomfika- 
hundert V ChrabL Magnesia am Sipylus, lo tionen (simulacra pentium) m der porticus ad 
Thermae Himerenses, Kr^emna in Pisidien, nationes auf (^ert^l^er^^e«.8,721; vgl P/m./..n 
Sidon (M, Eist num. S. 551. 128. 590. 673. 36, 5, 39. GiWert Gesch. n. Topogr. d. StBomS 
Lnhoof- Blumer, Mon. qr. S. 336f ), Pyranthos S. 250), und zu Lugdunum wurde ihm em A tar 
af Kreta , Bybios in Phönizien UmK- Blumer mit den Darstellungen von sechzig janischen 
S 2'>0f 442f), Hierapytna, Aegiale {Catal. of Völkerstammen geweiht (s. Bd. iSp. 1592, 37 ö.), 
qr coins, Crete S. 48. Aegean Islands S. 84). In bei seinem Leichenzug aber führte man die 
der Kais'erzeit ist dieser Typus so häufig, dafs Bilder alle^ von ihm unterworfenen Volker m 
die Anführung einzelner Beispiele überflüssig einheimischer Tracht und Bildung voi {Bio 
[st (s Imhoof- Blumer a. a. 0. S. 495, sowie Cass. 56, 34, 3), wie spater den Leichenzug 
Srüd^.MünL^.^U unter TycheV Über die 20 des Pertinax die Erzbi der aller Lander des 
Auffassung der Marmor.statue der Stadt Theben, Reiches überhaupt verherrlichten {Bio Ca^s. 
di^ Damophon um 370 v. Chr. in Messene auf- 74, 4, 5). _ In derselben Weise sind die beiden 
.t.-llte {Paus 4, 31. 10. Brunn a. a. 0. 1, 288. Vertretermnen unterworfener Lander (bigam- 
200 slwie de;jenigen der Stadt Megalopolis bria? und Celtibena?) ^^^ .^'\^^\f , ^'^ 
voa kephisodot und Xenophon in Megalopolis Panzers der Augustusstatue im Vatikan {Hei- 
{Pcms. 8,30, 10. Brunn 1,269) ist nichts über- Ug, Führer durch Born 1 "i^- 5;/- o^^n Bd. 1 
Mert, doch stellen Imhoof - Blumer u. P. Card- Sp. 1592, 23ffO gekennzeichnet daher w eine 
ver in ihrem Num. comm. on Paus. S. 66 die ähnliche Auffassung vielleicht auch ^ir die 
Pbenda auf Tf. P 2 abgebildete Münze von Provinzen und Nationen des romischen Reiches 
Messene, welche den Kopf einer Stadtgöttin so voraussetzen f ^-f^"- .'^i^.^"^^;^^,^^*^^!^^^^^^^ 
nüt Mauerkrone und Schleier zeigt, mit dieser sogenannten Arcus Pietatis voi dem Pantheon 
Nachricht zusammen, sodafs vielleicht schon einen Kaiser um Beistand anflehend darge- 
für diese Statuen dieses Symbol in Ansprach s^tellt ^^aren (0 P^c7^<.r Topoj^^^^^^ 
genommen werden darf. I- Müllers Handh. 3 S 867. (^'{^^[''.^^J^-J. 
Zur Zeit Alexanders ist somit nach allen S. 193, 4. Ist die zugehörige porticus etwa mit 
Richtun^ren hin der Weg bereits vorgezeichnet, der porticus ad nationes identisch?). Jeclen- 
welchen die spätere Kunst bei der Personifikation falls erscheint so auf dem zu Mamz aufgefun- 
von Ländern Snd Ortschaften eingeschlagen hat. denen Schwert des Tibenus Vindelicia als 
In der Periode des späteren Hellenismus und Jungfrau mit Schwert und Dopi^laxt (Be^gL 
der römischen Kaiserzeit werden die alten 40 in d. Ja7ir&. r7. F. ^ A *m -RtoZ H. 14 S 185 t 
Typen der herrschenden verstandesmäfsig ge- Klein u. Becker, Schivert des Tiberuis). In die 
lehrten Richtung entsprechend, hauptsächlich Zeit der ersten Kaiser gehört auch die f ruh er 
nur durch Beigabe von äufseren Zeichen für den als Thusnelda bezeichnete Germania devicta 
massenhaften Einzelgebrauch weitergebildet. in der Loggiadei Lanzi in Florenz, die als 
^ Muster der typischen Darstellung eines Landes 
2. Hellenistisch -römische Zeit. -^ ^^^ Idealgestalt der Bewohnerinnen des- 
a) Bildsäulen und Reliefs. selben gelten kann (s. Bd. 1 Sp. 1629). 
In dem Festzuge Ptolemäos' H. Philadelphos Im Jahre 20 n. Chr errichteten zwölf durch 
stellte eine mit gSldenem Diadem geschmückte ein Erdbeben geschädigte Städte Kleinasiens 
Frau Korinth und solche mit goldenen Kränzen 50 zum Dank für eine Unterstützung dem Tibenus 
die von den Persern unterworfenen Städte und in Rom eine Statue, welche von den Bildern dieser 
Inseln an der Küste Kleinasiens dar (A'aZ7zxe«. Städte selbst umgeben war; spater wurden 
bei Athen 2 S. 201 D; vgl. Overbeck, Plastik^ 2 noch zwei andere Städte aus gleichem Anlals 
S. 197), und ebenso wurden in Rom bei Triumph- hinzugefügt {Tacit.ann. 2 47. 4, 13) Von einer 
Zügen neben den Bildern von Flüssen*), Seen Nachbildung dieses Denkmals {Jahn m den 
und Bergen auch die von besiegten Ländern Ber. d Sachs. ^''- <^-^lf /Jf'^ if' ^i^J 
und Städten aufgeführt {Ovid. ars am. 1, 220ff. 1851 S. 127ff. Overbeck, Plast.^ 2 8^435. Bau- 
Trist. 4, 2, 37f. 43fF.; vgl. Tacit. ann. 2, 41). meister, Benkm Fig. 1441 a-dS. 1297), die n 
Ptolemäos IV. umgab in dem von ihm erbauteu Puteoli im Jahre 30 aufgestellt wurde, ist die 
Tempel des Homer den Thron des Sängers mit 60 Basis erhalten, an welcher sich jene Stadte- 
den Statuen seiner angeblichen sieben Vater- bilder, in Relief übertragen noch vorfinden 
Städte (Aelian. v. h. 13, 22). Die von Coponius (s. Abbildung 2ab auf Sp. 2095f.). 
gefertigten Bildsäulen der vierzehn von Pom- Tmolos und Temnos werden von Junglingen 
peius {Plut. Pomp. 45) besiegten asiatischen vertreten, deren Beziehung zu den Städten durch 
Völkerschaften {Varro bei Plin. n. h. 36, 41. die Mauerkrone angedeutet wird. Da Tmolos, 

wie die Berggötter m einen Baum, so m einen 

*) Vgl. den auf einem ferculum getragenen Flursgott ^^.{.53^, Weiustock greift, dürfte WOhl 

des Jordan an> Triumphbogen des TUus ^MuUer-W^eseler, ^aumar^ g ^^^ ^^^^. ^.^ , ^^^^.^^ ^^.^^ 



2095 Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) 

wie dieser ja auch auf Münzen der Stadt er- 
scheint (Head, Hist. num. S. 554).*) 

Auffälligrer ist die Vertretung: von Temnos 
durch einen Jüngling, falls nicht auch hier 
an den Gott des nahe gelegenen Temnon- 
gebirges gedacht werden darf. Jahn a. a. 0. 
meint, dafs die Gestalt piner in der Stadt be- 
findlichen Statue des Dionysos nachgebildet 
sei, die sich auch auf Münzen der Mammaea 
und Gordianus III. finden soll (vgl. Dionysos 
mit Mauerkrone auf Münzen von Teos bei 
Imhoof- Blumer, Gr. Münzen nr. 369 Tf. 9, 16), 
während sonst auf Münzen von Temnos eine 
gewöhnliche Städtepersonifikation als Frau 
mit Mauerkrone vorkommt {Head, Hist. mim. 
S. 482).**) Die hohe Verehrung d§s Dionysos 
daselbst beweist allerdings der Umstand, dafs 
auf den älteren Mün/en der Kopf desselben, 
sowie Weinlaub und Trauben dargestellt sind 
(Head S. 481). Von den übrigen Städten er- 
scheinen sieben als reich bekleidete und meist 
auch mit Polos oder Mauerkrone und Schleier 




Lokalpersonifik. (Stadtgöttinnen) 2006 

rina in Rücksicht auf das damals zu seinem 
Gebiete gehörige (Strahon 13 S. 622) Orakel 
von Gryneia durch den Dreifufs, und Ephesos 
durch das Bild der Artemis charakterisiert 
wird (vgl. Amphipolis mit der Statue der Ar- 
temis Tanropolos auf einer Münze aus der 
Zeit des Valerianus I., Catal. of gr. coins, 
Macedon. S. 60 und unten Sp. 2124). Aufser- 
dem erscheint der Kopf des Kaystros unter 

10 derp linken Fufse der Ephesos; in der R. hält 
sie Ähren und Mohn, wie die Fruchtbarkeit von 
Mostene durch Früchte in ihrer Hanfl und im 
Schurz gekennzeichnet wird. Die Flammen, 
welche aus der Mauerkrone der Ephesos em- 
porlodern, deuten vielleicht auf die Flammen, 
welche während des Erdbebens aus dem Boden 
hervorbrachen (Tacit. ann. 2, 47). Kibyra ist 
durch Helm, Schild und Lanze ausgezeichnet, 
wohl deshalb, weil sie als Hauptstadt eines 

•JO Städtebundes und dann eines conventus für 
besonders kriegerisch galt, während Hyrkania 
zur Erinnerung an ihi-e Besiedelung durch 




2 a und b) Philadelpheia, Tmolus, Cyme, Mostene, Aepae und Caesarea auf der Basis von Puteoli 

(nach Baumeister, Denkmäler Fig. 1441 S. 1297). 



geschmückte Frauen, fünf sind als Amazonen 
aufgefafst (vgl. die Stadtgöttin von Stoboi auf 
einer Münze des Geta, Catal. of gr. coins, Maced. 
S. 106). Das reiche Sardes hat einen nackten 
Knaben, Plutos {Nonn. Dion. 13, 466 f.) oder 50 
Tylos (s. d. und vgl. den nackten Knaben auf 
dem Knie des Flufsgottes auf Münzen von 
Sardes bei Imlioof- Blumer , Griech. Münzen 
nr. 619 f.), neben sich, die seefahrende Kyme 
und die den Erderschütterer Poseidon ver- 
ehrende Aegae führen den Dreizack, letztere 
auch den Delphin; die wegen ihrer vielen 
Feste und Tempel Kleinathen {lo. Lyd. de 
mens. 4, 40) zubenannte Stadt Philadelphia er- 
scheint in priesterlicher Tracht, während My- 60 

*) Crusius im Philol. 52, 1893 S. 711 vergleicht mit 
diesen huldigenden Städten die weiblichen Flügelfiguren 
auf der oben Bd. 2 Sp. 1729 f. abgebildeten Kyren. 
Schale, indem er sie für die Schutzgenien der Tochter- 
städte der Metropolis Kyrene erklärt. 

**) Ahnlich ist die Bronzestatue eines Heros Ktistes 
mit Turmkrone des cab. de Janz6 im cab. des m6d. zu 
Paris {Furtwängler in der Arch. Ges. zu Berlin nach der 
Berl. Phil. Wochenschr. 1891 37 Sp. 1183). 



Macedonier {Plin. h. n. 5, 29, 120. Tacit. ann. 
2, 47. Strahon 13, 1, 13) die diesen eigentüm- 
lichen Kausia trägt. Das Attribut der Mag- 
nesia ist nicht mehr kenntlich. 

Dieser puteolanischen Basis ist eine Relief- 
platte aus Cervetri mit den Bildern oder Ver- 
tretern von Tarquinii (bärtiger Mann mit über 
den Kopf gezogener Toga), Volci (bekleidete 
Frau auf einem Thronsessel) und Vetulonia 
(nackter, bärtiger Mann mit Ruder) ähnlich, 
die vielleicht von einem Throne des Claudius 
stammt {Benndorf u. ScJwene, Die ant. Bildw. 
d. lateran. Mus. nr. 212 S. 130f.). 

Auf der piazza di Pietra zu Rom sind Säulen- 
postamente mit den Reliefdarstellungen von 14 
römischen Provinzen gefunden worden, welche 
zu der von M. Agrippa erbauten Basilica Nep- 
tuni (vgl. Dio Cass. 66, 24) gehört haben (Lan- 
ciani in der Arch. Zeit. 41 1883 S. 187); drei I 
derselben, die sich in den Pal. Odescalchi und I 
Farnese befinden, sind bei Matz-v. Duhn, Ant. 
Bildic. in Born 3 nr. 3623 und a beschrieben, 
wo auch die ältere Litteratur angeführt ist, 



I 



2097 Lokalpersonifik. (Länder etc.) Lokalpersonifik. (Länder etc.) 2098 

sieben andere sind jetzt im Hofe des römi- Da jedocli bei dieser Gattung^ von Denk- 

schen Konservatorenpalastes {Helhiq . Führer malern Ortspersonifikationen nur dann erkennt- 

d. Bom nr. 533, daselbst die neuere Litteratur), lieh sind, wenn sie in den hersrebr achten Formen 

drei im Mus. nazion. zu Neapel aufgestellt. vorkommen, so branchen -wir hier die einzelnen 

Wahrscheinlich ist aber auch das Bruchstück nicht weiter aufzuführen. Inschriften sind nur 

einer Africa auf dem Capitol (Matz-v. Dulin selten beigefügt, wie z. B. auf dem Relief des 

a. a, 0. 3 nr. 3624) zugehörig. Die Bildung der Archelaos von Priene {Kaibel, Inscr. Graecae 

Köpfe und insbesondere der Augen deuten auf Sic. et Ital. nr. 1295. Baumeister, Boikmäler 

spätere Zeit als die des Agrippa, sodafs die Fig. 118), wo bei der Apotheose Homers die 

Reliefs als eine vielleicht im zweiten Jahr- lo Otxouuf'i'Tj erscheint, und auf einem Sapphir 

hundert gemachte Zuthat zu betrachten sind. mit einer Jagd des Kaisers Constantius: K^gu- 

Die Haartracht, Ausrüstung und Fufsbeklei- oia KamtaSo-nicc. die als liegende Frau mit 

düng der Provinzen ist offenbar derjenigen Füllhorn dargestellt ist (Müller - Wieseler, 

ihrer Bewohner nachgeahmt; der Gesichts- Benkm. 1, 72, 416 S. 100). Hierzu sind die 

ausdruck zeigt bei allen die Trauer der Be- Einzelartikel zu vergleichen, deren Verzeichnis 

siegten, der Schnitt ist meist ideal, nur zwei unten Sp. 2in0ff. bei Behandlung der Münzen 

lassen deutlich individuelle Züge erkennen. geboten wird. 

Bemerkenswert ist femer der Torso der i\ /-, .. ij j -»/r -i 

oi i • 04. J4. -At.*.- „„„ ;i^,. Tr„;or.„„„u b) Gemälde und Mosaiken. 

Statue emer Stadtgottm aus der Kaiserzeit ' 

zu Athen (C. /. Att. 3, 423. Syhel. Katal. d. 20 Auch die Malerei stellte mehrfach Länder- 
SJmlpt. ZV. Athen nr. 422 S. 77), welche durch und Städtepersonifikationen dar, ohne jedoch 
bildliche Darstellungen (Skylla, Seetier, Wind- irgend eine neue Auffassung hervorzubringen, 
götter, Sirenen) als Seestadt (Unteritaliens?) So erscheinen auf einem Gemälde zu Pompeji 
bezeichnet wird. Als Verfertiger derselben (Hclhig nr. 1113> die drei Erdteile in Rück- 
nennt sich Tason aus Athen. Vgl. Sybel ebd. sieht auf ihre Bewohner und Produkte cha- 
nr. 423. — In der Villa Hadrians hat man die rakterisiert: Europa blondlockig, von einer 
jetzt in Ince Blundel Hall befindliche Kolossal- Dienerin mit einem Sonnenschirm beschattet, 
statue der Phrygia mit Mauerkrone, Binde und Africa mit schwarzem wolligem Haar und Ele- 
Tympanon gefunden {Michaelis in der Arch. fantenzahn, Asia, braunlockig mit Elefanten- 
Zeit. 32 187.'^. S. 25), welcher Zeit aber der 30 kopfschmuck (vgl. ebenda nr. 1114). Africa (?) 
als besiegte Provinz bezeichnete verschleierte trägt Elefantenkopfschmuck, Ährenkranz, Bogen 
Frauenkopf trauernden Ausdrucks bei J?'rö7i»er, und Köcher, Sicilia die Mauerkrone, Ähren, 
Not. d. l. sculpt. ant. du musee du Bouvre 1 S. 424 Speere und zur Andeutung der triciuetra (siehe 
nr. 463 angehört, ist mir nicht bekannt. Vgl. unten Sp. 2104) über jedem Ohre ein Bein 
endlich die Darstellungen der Libye oder Africa (ebenda nr. 1115). Auch Heibig nr. 1116, eine 
o. Bd. 2 Sp. 2037 ff. Über Roma auf den Reliefs weibliche Figur mit Elefantenkopfschmuck 
der Triumphbögen siehe den Art. Koma. Ihr und Scepter, unter ihrem Fufs Elefantenkopf, 
ältestes Kultbild wnrde zu Smyma 195 v. Chr. neben ihr ein Löwe, ist Libye oder Africa (siehe 
aufgestellt (TaaY. a*in. 4, 56). Die Provinzen an unten Sp. 2100) zu benennen; siehe oben Bd. 1 
den Säulen des Theodosius u. Arkadius zu Kon- 40 Sp. 1015f. Africa neben Dido. Auf einem den 
stantinopel beschreibt StrzygowsTci im Arch. Theseus neben dem getöteten Minotauros dar- 
Jahrh. 8 1894 S. 245. stellenden Gemälde (iTe/fei/y nr. 1214) ruht Kreta 
Auf späteren römischen Reliefs, besonders mit Bogen, Pfeil und Köcher, die ihr wohl in 
an Sarkophagen, findet sich als Vertreterin Rücksicht auf die Berühmtheit der kretischen 
des Erdbodens häufig eine gelagerte Frauen- Bogenschützen beigegeben werden, in der Höhe 
gestalt, doch ist dieselbe wahrscheinlich all- als Zuschauerin auf einem Felsen. Neben He- 
gemein als Gaia oder Tellus (s. Gaia und vgl. rakles und Telephos sitzt ebenso zuschauend 
Matz-v. Dulm a. a. 0. S. 257. Bütschke, Ant. Arkadia mit Rosenkranz und Fruchtkorb, hinter 
Bildw. in Oberital. 5 S. 436 unter Ge) aufzu- ihr ein jugendlicher Pan (Helbig nr. 1143), und 
fassen. Seltener treten hier einzelne Erdteile, 50 auch beim Tode des Adonis (ebenda nr. 340) 
Länder oder Städte auf,, wie z. B. Europa und ist eine solche Lokalgöttin zugegen, die durch 
Asia, mit Turmkrone geschmückt und inschriftl. Aufstützen des Kopfes ihre Trauer knnd giebt, 
bezeichnet (Matz-v. Buhn 3 nr. 3599), Aegina, Ägypten in der Gestalt der Isis die lo bewill- 
Africa, Alexandreia, Sicilia, sowie eine als kommnend s. oben Bd. 2 Sp. 275. 
knieende Frau mit Mauerkrone personificierte Sonst finden sich hierher gehörige Personi- 
Provinz (ebenda 3 nr. 3562. 2 nr. 3095; vgl. fikationen noch auf den von den Philostraten 
Brunn, Exeg. Beitr. 5 in den Sitzungsber. d. beschriebenen Gemälden: Thessalia mit öl- 
J5a2/ej-. .4fc. d.TT. 1881 2 S. 119ff. Matz-v. Buhn kränz, Ähre und Füllen (Bhilostr. im. 2, 14 
3 nr. 3630. 3520), oder die drei einem Trium- S. 418 Kayser), Lydia in Rücksicht auf den 
phator entgegenschreitenden Stadtgöttinnen 60 Goldreichtum des Paktolos mit goldenem Ge- 
mit Lorbeerkränzen (Fröhner, Not. d. l. sculpt. wände (2, 9 S. 415), Skyros als Frau von kräf- 
ant. du mus. du Bouvre 1 S. 424 nr. 464; vgl. tigem Körperbau mit Binsenkranz, blauem 
nr. 85 u. dazu Heydemann im 12. Hall. Winckel- Gewand, Ölzweig und Rebe (Bhilostr. II, 1 S. 6. 
mannspropr. S. 10), sowie eine durch Mauer- Jahn, Arch. Beitr. S. 312), Kaljdoxy ah krMtige, 
kröne, Füllhorn, Zweig und Getreidesack cha- mit Eichenlaub bekränzte Frau (Bhilostr. II, 
rakterisierte Alexandreia und eine sitzende 4 S. 9). Dagegen wird Oropos, da es regel- 
Stadtgöttin mit Mauerkrone und Scepter (Mai{^- mäfsig als masculinum gebraucht wurde, auch 
V. Buhn 3 nr. 3764. 1 nr. 920). als Jüngling, der von grünlich - blau gefärbten 



2099 Lokalpersonißk. (Länder, Städte) Lokalpersonitik. (Länder, Städte) 2100 

Nymphen, den Q'älutTai (s. oben Sp. 2080), Auf griechischen Münzen erscheint be- 
umgeben ist, dargestellt ( Philostr. jm. 1. 27 sonders häufig der blofse Kopf oder die Büste 
S. 402; vgl. oben Bd. 1 Sp. 299, 13). Über Ken- der personificierten Stadt, oft mit Schleier, 
chreai s. unten Sp. 2130. Darstellungen der Stephane, Modius oder Mauerkrone geschmückt, 
Roma als Weltbeherrscherin finden sich auf auf solchen römischer Kolonieen und griechi- 
einem antiken Wandgemälde im Palazzo Bar- scher Städte in der Kaiserzeit die Vertreterin 
berini und auf einem Gemälde im Calendarium derselben als vollbekleidete Frau mit oder ohne 
des Füocalus; vgl. den Artikel Roma. In Mauerkrone, modius oder tutulus, opfernd oder 
diesem Calendarium, dessen Original nach auch eine Palme, Füllhorn, Ruder oder Feld- 
älteren Vorbildern im Jahre 354 n. Chr. zu- lo zeichen haltend (z. B. Gatal. of gr. coins in the 
sammengestellt worden ist (StrzygotvsJd im Brit. Mus., Bithyn. S.lbO; Peloponn. B. 32. 66). 
Arch. Ja/irö. Ergänzungsheft 1 S. 98), sind aber Bestimmter gekennzeichnet sind dagegen: 
auch noch Alexandria (Tf. 5 S. 29), Constanti- Acha,ia durch Kranz und Scei^ter oder 
nopolis (Tf. 6 S. 30) und Trier (Tf. 7 S. 31) abge- Lanze, Schwert und Ähren (Catal, Peloponn. 
bildet. Alexandria, lang bekleidet und mit S. 12 ff. Acliaia 134 fF. Aegium u. Korinth bei 
Ähren in den Haaren, hält Ol- und Granat- Imhoof- Blumer a. P. Gardner, Num. comm. 
zweig in den Händen; neben ihr zwei Last- on Paus. Tf. R 16. G 140). 
schiffe und zwei Flügelknaben mit brennendem Actia auf Thron, mit Mauerkrone, Preis- 
Lichte, wohl zur Andeutung des Leuchtturmes vase mit Palme. Fackel oder in Tempel (Niko- 
auf Pharos. Constantinopolis in ionischem Chi- 20 polis, Catal., Thessaly to Aetolia S. 102. 107). 
ton mit Mauerkrone, Kranz und Lanze; über Aegyptus, gelagert mit Ähren und Sphinx 
ihr zwei Knaben mit Kranz, zu ihren Füfsen (Head, Eist. num. S. 721) oder mit Schlangen- 
solche mit Fackeln und ein Geldsack. Treberis korb, Früchten, Ibis und Sistrum (Cohen, Med. 
als Amazone mit Helm, kurzem Gewand, Jagd- imp." 2, 114f Adrien 96ff. ; vgl. 8, 301 Contorn. 
stiefeln, Speer und Schild legt einem gefesselten 229), wie sie auch sonst häufig die Attribute 
Germanen die Hand aufs Haupt, wie in einer der Isis (s. d.) erhält und ihr überhaupt ähn- 
Gruppe des Louvre Roma als Amazone mit lieh gebildet wird, 
zwei kleinen asiatischen Gefangenen vorgestellt Aetolia s. ob. Sp. 2090. 
ist (Fröhner, Not. d. l. sculpt. ant. d.mus.n. d. Africa ti-ägt regelmäfsig Kopfhaut und 
Louvre nr. 467 S. 426). Über andere Städte- 30 Rüssel des Elefanten als Kopfschmuck (lubal., 
Personifikationen späterer Zeit vgl. Piper, Head, Hist. num. S. lii. 74:6; vgl. den jugend- 
Mytliol. d. christl. Kunst 1,2 S. 614 ff. und liehen Kopf mit gleichem Kopfschmuck schon 
oben Kilbis. auf einer Münze des Agathokles, Head S. 159. 

Von Mosaiken kommen in Betracht: ein jetzt Babelnn, Monn. d. l. rep. Bom. 1 S. 279. 340. 

im Berliner Antiquariura befindlicher Fufsboden 435. 342 und sehr oft bei Cohen, MM^ imper.); 

aus Biredjik, auf dem ein römischer Kaiser von daneben wird sie aber auch durch Ähre und 

den Brustbildern der Reichsprovinzen umgeben Pflug, Skori3ion und Löwen {Babelon a. a. 0. 

erscheint {Arch. Zeit. 33 1876 S. 57. 1885 S. 158), Cohen, Med. imp. - 2 S. 116 f. u. 209 Adrien 142 ff. 

drei Medaillons aus einer Villa zu Budrum, u. 1221 ff. — 3, 235 Commode 69. — 4, 6 u. 52 

auf denen weibliche Brustbilder als die Städte 40 Sept. Severe 25 ff. u. 493) oder die den Präfekten 

Halikaruassos, Alexandria und Berytos inschrift- von Mauretanien als Amtszeichen zukommende 

lichbezeichnetsind(^rc7i. Zeti. 16 1858 S.217=^% ß-ute (Serv. F. A 4, 242) charakterisiert (Ba- 

und ein von Bobert im Arch. Jahrb. 5 1890 belon a. a. 0.), einmal auch nur durch Schale, 

Tf. 5 S. 220 f. veröffentlichtes Mosaik aus Portus Zweig und Füllhorn (Cohen, Med. imp."^ 2, 107 

Magnus , wo Asteria - Delos in ähnlicher Art Adrien 8 f.). Später hält sie einen Elefanten- 

wie auf dem Sarkophagrelief der Villa Borghese stofszahn und ein Feldzeichen; zu ihren Füfsen 

(s. ob. Sp. 2091) aufgefafst wird. liegt ein Löwe, der einen Stierkopf hält, oder 

Stier und Löwe (Cohen, Med. imp." 6 S. 500. 

c) Münzen. 503 f. Maxim. Herc. 65. 91. 106. — 7, 105 

a) Griechisch-römische. 50 Galere Max. 26. — 7, 235 Constantin I. 71. — 

Bei weitem die reichste Entwickelung von 7, 170 Maxence 46); vgl. oben Libye u. Dido. 

Personifikationen der Länder und Städte zeigen Alamannia sitzt trauernd am Boden, 

die Münzen dieser Periode. Mindestens seit Siegeszeichen, Bogen, Schild (Cohen 7, 248 

Anfang des ersten Jahrhunderts v. Chr. können Comtantin I. 165. — 7, 377 Constantin II. 108V 

sämtliche Formen derselben als völlig aus- Alexandria mit Elefantenkopfschmuck 

gebildet und allgemein bekaunt gelten, wie (Head S. 720) oder Mauerkrone (gens Aemilia, 

sie ja auch nach Rom bereits voll entwickelt Babelon l S. 128), Lotos, Skorpion (Cohen 2,108 

übertragen worden sind. Der Übersichtlich- u4r?nen 16 f.), Sistrum und Schlangenkorb, Ähren, 

keit wegen empfiehlt es sich deshalb bei Auf- Weinrebe, Mohn, Ibis, Krokodil (Cohen 2, 117 

führung der Einzelbildungen die alphabetische 60 Adrien 154 ff. — 2, 273 Antonin 26 ff'.); vgl. 

Anordnung zu Grunde zu legen und nur die- oben Sp. 2097. 2099 und unten Sp. 2131. 

jenigen zu berücksichtigen, die in irgend einer Amastris mit Mauerkrone, Speer und 

Weise besonders charakterisiert sind. Weg- Schwert (Cat., Pontiis, Paphl. S. 86, 13; vgl. 

gelassen sind also alle Gestalten, die ent- 88, 30 Tf. 20, 3. lll 

weder nur durch die Inschrift (z. B. Sparte, Amisos mit Mauerkrone, Füllhorn und 

Head, Hist. num. S. 365) oder ganz allgemeine Ruder, welches sie auf einon Kopf (der Gaia 

Symbole gekennzeichnet oder überhaupt nicht oder eines Flufsgottes?) aufsetzt (Catal., Pon- 

sicher zu deuten sind. tus etc. S. 21, 85 Tf. 4, 7). 



2101 Lokalpersonifik. (Länder, Städte) Lokalpersonifik. (Länder, Städte) 2102 

Anazarbos in Cilicia mit Mauerkr. sitzt, Kinder mit Ähren und Trauben (Cohen "i S. 31 

Ähren in der Hand haltend, auf einem Felsen; Trajan 125); kniet vor Trajan oder Roma (2,36 

Caria krönt sie, Isauria und Lycaonia reichen u. 79 Trajan 11 i u. 598); wird vom Tiber zu 

ihr Kranz und Urne (Imlioof-Bltwier, Monn. gr. Boden geworfen (2,71 Trajan b2b); mit Feld- 

S. 350 f.). zeichen, krummem Säbel (2, 140 Adrien 400. — 

Antiochia sitzt auf einem Felsen, Mauer- 2, 305 Antonin 347); steht mit Mütze, krum- 

krone, Ähren, Storch, Orontes {Cohen 2, 140 mem Säbel, Feldzeichen zwischen Adler und 

Adrien ^ax); vgl. oben Sp. 2092. Löwe (5, 119 Philippe pere 250 ff. — 5, 152 

Apollonia SalbakemitKalathos, Scepter Otaeilie 77ff. — 5, 172 Philippe füs 92 ff. — 

und Schale neben Zens und Athene {Imhoof- lo 5, 199 Trajan Dece 133 ff. — 5, 472 Gallien 

Blumer, Gr. Münzen nr. 430 a). 1357"); später hält sie gewöhnlich einen lituus 

Arabia mit Kamel, Straufs. Balsamstrauch mit Eselskopf (5, 187 f. Trajan Dece 12fl'. — 

{Cohen 2 S. 20 u. 27 Trojan 26K 88. — 2, 210 5, 254 Trebnnien Galle 140. — 5, 472 Gallien 

Adrien 1233. i^f^7^m,6ra^.m?y</^. 49,373. 84,374). 1359.-6,136 Claude IL M. — 6,184 Au- 

Armenia kniet in armenischer Tracht und relienl3). doch auch Scepter oder Zweig (5,206 

Tiara, die Hände bittend vorgestreckt {Bähe- Trajan Dece et Etrusc.l. — 5,212 Etru^c.3bf.). 

Ion 1 S. 216. 2 S. 70. 75. 298f.; vgl. Cohen 3, D am ascus, Frauenbüste mit Mauerkrone in 

173 L. Verus 14); sie liegt unter den Füfsen einem Tempel; neben ihr Frauen mit kleinen 

Hadrians. zwischen Euphrat und Tigris (Cohen Tempeln in den Händen, in denen ein Rind 

2 S. 21 Trajan 39); sitzt trauernd am Boden 20 und ein Kamel sichtbar ist; Widder (Cohen 

mit Feldzeichen, Schild oder Köcher und Bogen 5,126 Philippe pere 326f.; vgl. 332 f. — 5,142 

(Cohen 3, 5 M. Aurel 5ff. — 3 S. 172f. 191. 194 Phil. p. et f. 111. — 5, 154 Otaeilie 96f.; vgl. 

L. Verus 4 ff. 219 f. 255). 5, 328 Valerien p)ere 324. — 5, 483 Gallien 

Asia (s.d.) knieend (Ba&e?on 2 S. 467), mit 1461); oder sie sitzt mit Mauerkr. auf einem 

Mauerkr., Schale, Scepter oder Schiffsschnabel, Felsen; Kranz, Füllhorn, Flufsgott, Silen, fünf 

Ruder, Krone und Anker (Cohen 2 S. 109. 120. Frauen mit Mauerkr. neben ihr (5, 154 Ota- 

210 Adrien 24. 188. 1235 f. — 2, 276 An- ciliedd), oder mit Hasen, Füllhorn, Flufsgott, 

tonin 64 f.). Widderkopf (5, 257 Trebon. Galle 167); sie 

Aureliopolis in Lydien, Mauerkr., hält reicht dem Kaiser einen Kranz oder erhält ein 

die cista mystica auf dem Knie und wird von 30 Preisgefäfs von ihm (5, 155 Otaeilie 101. — 

Dionysos gekrönt (Head S. 548). 5, 201 Traj. Dece 149). 

Bithynia mit Schale und Zweig, oder Eukarpeia, Mauerkr., drei Ähren, Scepter, 

knieend mit Ruder oder Schiffsschnabel, auch (Imhoof- Blumer, Gr. Münzen nr. 582). 

mit Mauerkrone, Füllhorn (Co/iew 2 S. 109. 210f. Francia (s. d.). 

Adrien 26. 1238. 1242. 1245. Catal, Pontus etc. Galatia (s. d.). 

S. 104). Auf Münzen des Nikomedes L ist sie Gallia, s. ob. Bd. 1 Sp. 1592. Öfter kniet 

der Aitolia (s. ob. Sp. 2090) ähnlich gebildet sie vor dem Kaiser, Mauerkrone oder Helm, 

(Imhoof -Blumer, Monn. qr. 8.146). Füllhorn, Lanze, Zweig (Cohen, Med. imp.'^ 

Britannia (s.d. und vgl. Arch. Zeit. 43 2,211 Adriml2bl. — 5, 428ff. Gallien %^bS. 

1885 Sp. 158) opfert, sitzt oder steht, Scepter, 40 — 6, 49 f. Postume 311 ff. — 6, 80 Victorin 

Schild, Lanze. Feldzeichen, Panzer (Cohen 2 pere 106; vgl. 6, 104 Tetr. pere 123). 

S. 109. 121 Adrien 28. IMK — 2, 281 f. An- Germania, s. ob. Bd. 1 Sp. 1628, findet 

toninllbE. — 3,232 Co7nmode31); mit Mauer- sich zuerst auf Münzen des Traian. Sie sitzt 

kröne und gefesselt (4, 210 Caracalla 639 f. — auf Schilden und hält einen Ölzweig in der 

4, 277 G(ta 223); mit Feldzeichen, reicht dem Hand, oder sie stützt den Kopf zum Zeichen 

Kaiser die Hand (7, 8 Carausius 54ff.). der Trauer (Cohen 2, 40 ff. Trajan 207f. 220f. 

Cappadocia, siehe Kappadokia und vgl. 290). 

oben Sp. 2098. Hadrianopolis, s. Bd. 1 Sp. 1873, 35 ff. 

Caria, siehe Karia. Heliopolis in Koilesyrien, verschleierte 

Carthago, siehe Karthago. 50 Büste mit Mauerkr., Ölzweig, Füllhorn (Cohen 

Cilicia mit Helm, Schale, Feldzeichen 4,233 Caracalla 813. — 4,250 Plautille 4c3. 

(Cohen 2, 109 Adrien 29). — 4, 360 Elagahale 367). 

Constantinopolis mit Schleier, Modius, Hierapolis, s. Bd. 1 Sp. 2656. 

Füllhorn, Schiffsschnabel (Cohen 7, 243 Con- Hispania, s. Bd. 1 Sp. 2695, doch ist dort 

stantinl. 135), Mauerkr., Flügel, Palme, Sieges- noch eine Bronzestatuette des Cabinet des m6- 

zeichen, Zweig, Feldzeichen, Schiffsschnabel dailles et antiques zu Paris (Chabouillet , Cat. 

(7, 322 ff. Cows^ffl^jf mopZe 1 — 24), Ölzweig, Füll- qen. nr. 3052) und ein Marmorwerk des Briti- 

honi (7, 371 Constantin IL 64. — 390, 198), sehen Museums (Arch. Zeit. 43 1885 S. 237) 

mit Globus und Victoria (7, 460 Constance IL hinzuzufügen. 
133. — 8, 128 Gratien 19. — 8, 140 Valen- eo Histria, s. Bd. 1 Sp. 2697. 

tinien II. 13. — 8, 314 Contorn. 335). Siehe Illyricum, oder vielmehr Illyris oder lUy- 

oben Sp. 2099. ria barbara und Graeca sind, wie die Panno- 

Corcyra, Kopf mit Epheu- oder Lorbeer- niae (s. unten), als zwei einander den Rücken 

kränz, auch mit dem des Herakles verbunden zukehrende Frauen mit Feldzeichen dargestellt 

(Catal, piess. to Act. S. 132. 146. 152 f.). (Cohen 6, 304 Prohus 505). 

Dacia (s.d.) sitzt mit gebundenen Händen Isauria, s. hier Anazarbos. 

auf Schilden, Sicheln, Lanzen (r:'o/im,JfeV/'.m75.* Italia, s. ob. Bd. 2 Sp. 558ff. 

2 S.SOf. Trajan 118ff.); hält ein Siegeszeichen; ludaea, s, d., wo aber noch Cohen 2, llOf, 



2103 Lokalpersonifik. (Länder, Städte) Lokalpersonifik. (Länder, Städte) 2104 

n. 179 Adricn m.blff. 8711; die Tudaea capta (Cohen 6, 196 ÄureUen 192 ff. 209. 215. — 

bei Marini, Inscr. ant. döliari ed. de Bossi u. 6, 304 Probus 506. 519); vgl. oben Sp. 2090 f. 

Drefsel nr. 938 S. 296, sowie die wahrschein- defensor orbis. 

lieh die ludaea restituta vorstellende Erzgruppe Oriens als geflügelter Jüngling mitStrahlen- 

zu Caesarea Philippi bei Euseb. hist. eccZ. 7, 18 kränz. Köcher, Bogen, Caduceus, Füllhorn, Adler, 

nachzutragen ist. Schild, den Fufs auf eine Kugel stützend (Cohen 

Laodicea sitzt mit Mauerkr. auf einem 1,44 Marc AntoinelS. Babelonl S. 165 zwei- 

Felsen; Steuer, Füllhorn, schwimmender Flufs- feit an dieser Deutung), sonst ist Oriens als 

gott, der Stadtgöttin gegenüber Artemis (Co/?ew Rol vorgestellt (z. B. Cohen 2, 189 Adrien 

4, 358 Elapabale 352), auch von Phrygia und lo 1003 ff.), doch findet sich neben der Inschrift 
Karia (Head, Hist. num. S. 566) oder von vier Bestitut. Orientis auch eine Frau mit Mauer- 
Frauen mit Mauerkronen umgreben (4, 358 kröne (ij ^raro/l 77?), die dem Kaiser einen Kranz 
Elagahale 356. — 5, 328 Valer. pere 322); reicht oder vor ihm kniet (Cohen 5, 315 Va- 
stehend mit Mauerkrone, Stola, Beil, Schild, lerien pere 188. — 6, 197f. Aurelien 201 ff.; 
oder mit einer kleinen Figur auf der Hand, vgl. 8, 105 Valens 15). 

Steuer, Füllborn (4,358 Elag. 357ff.); sie legt Pannonia mit Mauerkr., auch mit Schleier 

die Hand an dpn Mund C4, 520 Maximin 1. 143;; und Diadem, Feldzeichen, Lorbeerzweig (Cohen 

\g\. Imhoof-Blumpr, Gr. Münzen S. 145). 2, 260f. J.eZiws24ff. — 5,193 Trajan T)ecel9t 

Libye,s.d. — Lycaonia, s. hier Anazarbos. — 6,170 Qitintillebl. — 6,192 Aurelien 1Q5)\ 

Macedonia in kurzem Gewand mit Schale 20 mit Helm und Feldzeichen (5,217 Herennius9); 

und Geifsel, auch knieend (Cohen 2, 11 u. 213 die Pannoniae erscheinen als verschleierte 

Adrien 59 f. 1279 f.). Frauen, die sich die Hand reichen oder den 

Mauretania mit kurzem Gewand, Schale, Rücken kehren; Feldzeichen (5, 193 Traj. Dece 

Feldzeichen, auch mit Elefantenkopfschmuck, 81. 85ff. — 6, 411 Julien 5). 
Ähren, Jagdspiefsen, Pferd, Korb, Lanze, Kranz, Pautalia sitzend mit modius, Erdkugel 

Stab (Cohen 2, 111 u. 185 Adrien 63. 66. 70. mit Nike, Füllhorn (Catal, Thrace S. 141). 
954ff. — 2,324 Antonin 551 i?.). Pell a mit Mauerkr., Schale, zu ihren Füfsen 

Moesia in kurzem Gewand mit Schale, ein Fisch (Cohen 4. 466 Alex. Severe 630); .sie 

Bogen, Köcher (2,112 Adrien 72), zwischen hält die Rechte an den Mund (5, 153 Oiaa?te 89). 
Löwen und Adler oder Stier (vgl. Dacia), zu- 30 Perinthos mit modius, auf jeder Hand 

weilen auch mit Zweig, Erdkugel oder Füll- einen Tempel; zu ihren Füfsen ein Altar 

hörn (5, 119 Philippe p. 258 ff. — 5. 199 f. (Catal, TJtrace S. 153). 
Traj. Dece 137 ff. — 5, 212 Etrusc. 37 ff. — Philippopolis sitzt mjt Mauerkrone und 

5, 473 Gallien 1361 f.). Schleier auf einem Felsen; Ähren, Mohn, Flufs- 

Mytilene mit Mauerkr. hält auf der L. die gott Hebros (s. ob. Bd. 1 Sp. 1872). 
Herme des bärtigen Dionysos (Imhoof- Blumer, Phoenice mit Mauerkrone, Kranz, Lanze, 

Gr. Münzen nr. 253). Schiffsschnabel, Palmbaum (Cohen, Med. imp.^ 

Neapolis in Samaria mit Mauerkr. setzt 2, 329 Antonin 596). 
den Fufs auf einen Löwen, in der 1. Hand hält Phrygia mit Mütze, Schale, Sichel, auch 

sie eine Lanze, auf der rechten den Berg Ga- 40 knieend (2, 112 u. 214 Adrien 74. 1286. — 8 

rizim (Cohen 5, 157 Otacilie 118). Contorn. 105?); s. Karia und oben Sp. 2097. 

Neocaesarea in Pontus mit Mauerkrone, Ptolemais in Galilaea mit Mauerkr., Steuer, 
Ruder, Füllhorn, Flufsgott Lykos; sie ist um- Füllhorn, Cippus mit Idol oder Wölfin, Victoria, 
geben von fünf Frauen mit Mauerkrone, den zuweilen aber auch nach dem Vorbild der An- 
Städten von Pontus (Catal. of gr. coins, Pontus tiochia gebildet (4 , 95 Sept. Severe 930 ff. — 
S. 32. Tmhoof- Blumer, Griech. Münzen nr. 55 4, 134 Julie 332. — 4, 319 Diadumenien 47). 
Tf. 4. 16). Roma (s. d.). 

Nicaea sitzend, Ruder, Füllhorn, Preis- Sarmatia sitzt weinend am Boden, Tro- 

urnen mit Palmzweigen (Catal., Pontus S. 175 phäe (7, 377 Constantin II. 109). 
Bithvnia 145). 50 Scythia stehend mit Kranz und Stab 

Nicomedia mit Mauerkr. sitztauf Felsen; (2,346 Antonin 717). 
Ähren, Schiffsschnabel, Sce-pter (Catal., Pontus Sicilia mit gelöstem Haar niedergesunken 

S. 182; Bithynia 21 f.); sie kniet, ein umge- und vom Konsul aufgerichtet (^JBa6e?ow 1 S. 213 

drehtes Steuer haltend, vor Hadrian (Cohen — 215. 2, 70 gens Aquillia\; mit der triquetra 

2, 213 Adrien 1283 f.). als Kopfschmuck, Schale, Ähren, Kranz, auch 

Nicopolis in Epirus, Mauerkr., Füllhorn, knieend (Cohen 2, 112 u. 214 Adrien 75. 1292. 

Fackel und wegen der Beziehung des Namens — 2, 347 Antonin 786); vgl. oben Sp. 2098. 
zu Nike Flügel (Catal.. Thessahj to Aetolia Siscia mit oder ohne Mauerkr., sitzend, 

S. 106 Tf. 19, 13). zu ihren Füfsen ein oder zwei Flufsgötter mit 

Noricum, Frau mit Helm, Schale und Feld- 60 Urnen (Cohen 5, 436 Gallien 976. — 6, 313 

zeichen (Cohen 2, 112 Adrien 73). Probus 635). 

Orbis terrarum wird im Anschluls an Smyrna als Amazone mit Mauerkrone und 

Oikumene (s. ob. Sp. 2098) als Frau mit Mauer- Beil (Head, Hist. num. S. 510; vgl. P. Gardner, 

kröne und Erdkugel aufgefafst. Sonst kniet Hie types S. 207). 

sie auch mit Lanze und Füllhorn vor dem Stoboi mit zwei Flufsgöttern zu ihren 

Kaiser (Cohen 2, 214 Adrien 1285. — 5,430 Füfsen (Imhoof- Blum er, Monn. gr. S. 92). 
Gallien 910 ff. — 6, 51 Postume 323 ff.); oder Syria mit Mauerkrone, Kranz, Füllhorn, 

sie reicht dem restitutor orbis einen Kranz Orontes (Cohen 2, 348 f. Antonin 794f.). 



2105 Lokalpersonifik. (Länder, Städte) Lokalpersonifikationen (Nomoi) 2106 

Thebe neben Eadmos (M. v. Tyrus, Head, Sp. 2132 Pagus) anscblofa und als kennzeich- 
Hist. num. S. 676); s. oben Sp. 2090. nende Symbole die heiligen Tiere oder die 
Thracia in kurzem Gewand mit Schale, Bildsäulen der in den betreffenden Bezirken 
Kranz, Palme {Cohen 2, 112 Adrien 77. — hauptsächlich verehrten Gottheiten beigab. 
2, 350 Antonin 816). Gewöhnlich erscheint der Nomos also als 
TroasmitMauerkr.,Feldzeichen,Palladium, jugendlicher oder als bärtiger Mann, voll be- 
dem Bild des Apollon Smintheus (Cohen 2, 91 kleidet oder mit nacktem Oberkörper, acht- 
Trajan&9'6. — 3,372 Commode 1157. — 4,469 mal auch in voller Rüstung, einmal zu Pferde 
Alex. ISevere <6bö. — 5, 479 f. GaZZtm 1426 ff.). (vgl. oben Bd. 1 Sp. 2748). Als allgemeines 
Tyrus mit Mauerkr. und betend erhobener lo Symbol der Macht führt er oft das Scepter. 
Rechten vor einem Tempel mit der Keule des Diese Auffassung zeigen die Nomoi von Alexan- 
Herakles (Cohen 5, 260 Trebon. Galle 191). dreia mit dem Nilpferd des Set, von Apollono- 
Nach dieser Zusammenstellung kommen von polis, Kabasa, Antaiopolis (vgl. Bd. 1 Öp. 1850 
Ortsgöttinnen, abgesehen von der Verbindung Z. 10), Heptakometai, Tanis und Tentyris mit 
der Ötadt mit ihrem Flufs, in Gruppen vor: dem Sperber des Horos, von Koptos und Se- 
Auazarbos, Apollonia, Armenia, Aureliopolis, bennytos mit der Gazelle oder Antilope (Ziege?) 
Britannia, Carla, Dacia, Laodicea, Neocaesarea desHoros-Min; vonKynopolisundLykopolismit 
und Phrygia; vor dem Kaiser knieen: Achaia, dem Schakal des Anubis, von Hermopolis mit 
Armenia, Asia, Aureliopolis, Bithynia, Dacia, dem Zeichen des Thot, von Diopolis Megale und 
Gallia, Italia, Macedonia, Nicomedia, Orbis 20 von Diopolis in Unterägypten, Libye und der 
terrarum, Phrygia und Sicilia. Zur Andeutung Nomos Choitea mit dem Widder des Ammon, 
des Besuches eines Fürsten wird derselbe der der Mendesios Nomos mit dem des Chnum- 
Vertreterin der Sjtadt oder Provinz gegenüber- Osiris, Heliopolites und Pharbaithites mit dem 
stehend dargestellt (z. B. Demetrios 11. Nicator, Sonnenstier des Tum-ßa, Hermonthites mit 
Catal. Seleucid kings S. 78 Tf. 21, 8. Cohen, dem des Month, Leontopoleites mit dem Löwen 
Med. imp.'^ 2, 108 tf. Adrien 15ä'.; vgl. oben des Tum-ßa-Horchuti {Brugsch, Bel.u. Myth. 
Britannia). Am häufigsten sind die Personi- d. a. Äg. S. 282. Drexler, Myth. Beitr. 1 Ö. 53, 1), 
fikationen von Ländern und Städten in der Letopolites mit dem Ichneumon der Leto - Utit- 
früheren Kaiserzeit; seit Commodua werden Buto, der Nomos Ombites und die eine Dar- 
sie dagegen ziemlich selten , immer erhält 30 Stellung des Antaiopoleites und des Menelaeites 
sich Koma, öfter aber finden sich auch später mit dem Krokodil des Sebeq-Suchos. Bild- 
noch Constantinopolis, Dacia, Moesia, Pannonia, säulen von Gottheiten halten: Antaiopolites 
Africa, Britannia, Gallia. die Nike, Arsinoeites neben Geifsel und Sonnen- 
Für die Personifikation tritt dann oft der scheibe die Büste der Arsinoe (?; vgl. oben 
genius urbis ein, der nun selbst zuweilen die Bd. 1 Sp. 1849, 61), Thinites die Elpis oder 
Mauerkrone erhält (Genius von Lugdunum, Aphrodite. Latopolites hält den Fisch Latos, 
Cohen, Med. imp.' 3, 419 Albin 40); vgl. den nach dem das Land genannt ist {Brugsch, Bei. 
genius populi Komani mit Mauerkrone {Cohen u. Myth. d. a. Äg. S. 5020'.), öebennytes Kato 
6,108 Tetncus pere 161. — 6,426 Diocletien eine Weintraube (des Osiris -Sarapis -Dionysos?; 
108. — 6, 507 u. 511 Maximien Hercule 138. 4o Drexler, Myth. Beitr. 1 S. 38 f.). Die Symbole 
189 tf. u. s. w.), Dionysos, Demeter und Hygieia mehrerer Gottheiten führen: Mareotes Widder 
mit Mauerkrone (Münzen von Teos, Erythrae, und Krokodil (?), Panopolites den Ichneumon 
Komana bei Imhoof-Blumer, Gr. Münzen nr. 369. der Leto - Utit- Buto oder der Eileithyia-Nechbit 
296. 487). - und eine Bildsäule des Pan-Chem-Min, Phthe- 
. neutes den Sperber des Horus und den Widder 
ß) Griechisch -ägyptische. ^^^ Ammon oder Chnum. 

Neben diesen griechisch-römischen Münzen In der Gestalt griechischer Gottheiten meist 

verdient eine besondere Betrachtung eine mit Symbolen ägyptischer Götter sind personi- 

Reihe von griechisch-ägyptischen, zu Alexan- ficiert: der Nomos Herakleopolites als Herakies 
dria geschlagenen Münzen aus der Zeit des 50 (vgl. Bd. 1 Sp. 1849, 22ä'.) mit Keule, Sperber 

Domitian, Trajan, Hadrian, Antoninus Plus des floros und Greif (vgL Bd. 1 Sp. 17 74) oder 

und Marcus Aurelius, auf denen nach W. Froh- mit dem modius des Sarapis, der Gebärde des 

ners {Le nonie sur les monnaies d'Egypte, ex- Harpokrates (s. 0. Bd. 1 Sp. 2746), Keule, Sper- 

tiait de l'ann. d. l. soc. d. Nuniism. 1890) Aus- ber, Sphinx; Prosopites als bartloser beklei- 

einandersetzung fünfzig personificierte Nomoi deter und verschleierter Herakles mit der Atet- 

dargestellt sind (frühere Deutungen bei Mead, kröne des Osiris, Keule und der Gebärde des 

Eist. num. S. 722 if. und oben Bd. 1 Sp. 1865; Harpokrates, auch mit dem Sperber auf der 

vgl. auch Catal. of the coins of Alexandria and Keule ; Hermopolites als Hermes mit Petasos, 

i/ieiV^omes, London 1892, /wtjodwcf. S. 97 ff. und Chlamys, Caduceus und Beutel; Tanites als 
S. 341 tf.). Da der Begritf »-ofids männlichen 60 Zeus mit Lanze und Sperber, Menelaeites ist 

Geschlechtes ist, so wurde er auch gewöhnlich einmal als Mischwesen mit Menschenoberkörper 

in männlicher Gestalt personificiert, indem und Krokodilschwanz oder Krokodilfülsen, Son- 

man sich in der Bildung wahrscheinlich an nenscheibe zwischen Hörnern, Füllhorn und der 

den Demos (Kaisermünzen von Sardes, An- Gebärde des Harpokrates gebildet, während 

tiocheia, Eukarpia, Laodikeia, Nikaia, Aizanis, Sebeq-Suchos, der dort verehrt wurde, nur 

Attaia u. s. w., s. Imhoof-Blumer, Monn. gr. und mit Krokodilkopf vorgestellt wird. 
Grieth. Münzen im Registev; F. Gardntr, The Die Gestalt wirklich ägyptischer Götter, 

typen of gr. c. Tf. 1, 18 tf, 5, 1; vgl. auch unten doch mit ihnen nicht zukommenden Symbolen, 



2107 Lokalpersonifikationen (Nomoi) Lokalpersonifikationen (Berge) 2108 

haben: Naukratites als Mann mit Schlangen- Pelusion als Isis mit Atef kröne, doch kann 
köpf {Brugsch a. a. 0. S. 158 f. 288), Scepter diese auch als Gründerin der Stadt {Flut, de 
und dem Sperber des Horos; Phthemphoeytes Is. et Osir. 17) aufgef'afst sein. 

Nomos und Fhtheneutes einmal als Horos im n u 

Kindesalter auf der Lotosblüte mit Füllhorn; ^- ^^^S^- 

Prosopites einmal als verschleierter Harpo- Unter den gröfseren Gruppen von Orts- 

krates mit Atef kröne des Osiris; Sethroites gottheiten erscheinen am sj^ätesten die Ver- 

Nomos als gerüsteter Horos mit Sperberkopf, treter der Berge, jedenfalls deshalb, weil bei 

Sonnenscheibe zwischen Hörnern (s. o. Bd. 2 diesen zunächst keine Thätigkeit wahrnehmbar 

Sp. 363), Lanze und Sperber. lo war, die Belebung voraussetzen liefs (s. oben 

Endlich erscheint Diopoleites Megas einige- Bd. 2 Sp. 2076). 
mal als reitender Sonnengott, meist mit Strahlen- Dieser unpersönlichen Auffassung entspricht 
kränz, wie er bei Sarapis vorkommt (s. o. Helio- der Umstand, dafs OQog selbst neutral ist, und 
serapis), auch gepanzert. Er reicht einer um dafs sich die Namen der Berge auf alle Ge- 
einen Baum geringelten Schlange einen Becher schlechter verteilen, wenn auch das männliche 
oder hält diese selbst in der Hand (vgl. Brugsch überwiegt. 
a.a.O. S. 288 u. ob. Bd. 1 Sp. 1535, Ifi'.: 1863). , „ .,., ^. . ,, , , t.- w 

Neben diesen männlichen Personifikationen ») Pei'sonilikation m Sprache und Diclituiig. 

des Nomos finden sich aber etwa 20 weibliche Dagegen verwendet die Sprache auch m 
Gestalten mit gleichartiger Umschrift und offen- 20 Bezug auf die Berge schon frühzeitig bild- 
bar ähnlicher Bedeutung. Zur Erklärung dieser liehe Ausdrücke, die, von lebenden Wesen 
Thatsache ist schwerlich mit Fröhner a. a. 0. entlehnt (Projektion), eine Personificierung 
S. 7 an eine mifsverständliche Auffassung des dieser Naturgegenstände vorbereiten, 
grammatischen Geschlechtes des Wortes vofxög Bei Homer findet sich zwar noch keine 
zu denken; offenbar ist vielmehr nach Analogie Spur einer eigentlichen Belebung der Berge, 
der sonst bei Ländern und Städten gewöhn- auf denen die Götter gleich den irdischen 
liehen Art der Personifikation auch hier das Herrschern jener Zeit ihren Wohnsitz haben, 
weibliche Geschlecht gewählt, so dafs eigent- wohl aber wird ihnen ein Haupt {II. 1, 44. 
lieh die dem Nomos den Namen gebende Stadt 2, 167. 869. 20, 5 u. sonst oft), Scheitel (II. 
personificiert ist. Dabei mag jedoch in einigen bo 1, 499. 2, 456 u. s.w.), Augenbrauen {11. 20, 151; 
Fällen der Name selbst (Aphroditopolites, Athri- vgl. Find. Ol. 13, 106) und Hals {II. 1, 499) bei- 
bites, Arsinoeites, Bubastites, Gynaecopolites; gtlegt,dieldsi wird als iirjzriQ&riQcov {II. 8, ilu.ö.) 
vgl. oben Sp. 2103 Nicopolis) gewissermafsen bezeichnet, und im Hymn. 18, 11 findet sich ein 
etj'inologisch mit eingewirkt haben, wie dies die Schafherden überschauender Berggipfel. Bei 
ja auch bei Latopolis der Fall ist. i/esiorf sind sie Wohnung der Nymphen, zuglexch 

Am klarsten tritt diese Auffassung bei dem aber doch schon Kinder der Gaia (T/ifO(/. 129f.). 

Memphites Nomos hervor, der durch eine Frau Pindar giebt ihnen Rücken {Ol. 7, 87) und 

mit Geierkopfschmuck (s. oben Bd. 2 Sp. 503), Knöchel {Pyth. 2, 46), auch macht er sie zu 

Scepter, Uräusschlange und Apisstier vertreten Zeugen {Nein. 3, 23; vgl. Krinag. in d. Anth. 

wird, da genau dieselbe Gestalt auf Bleimünzen 40 Pa^. 9, 283) und die Aitua zur Amme des 

mit der Umschrift Memphis vorkommt {Fröhner Schnees {Pyth. 1, 20). 

a.a.O. S. 19). Sonst gehören hierher: Arabia Aischylos, Sophokles, Euripides und Aristo- 

mit Atef kröne, opfernd; Arsinoeites, zweite phanes verleihen ihnen Schläfen {Aesch. Prom. 

Form, als Arsinoebüste mit Uräusschlange; 721), Arme (ebenda 1019), Mund und Sprache 

Athribites mit Sperber (vgl. C. I. Gr. 4711: {Soph. Phil. 16. Oed. tyr. 463. Eurip. Bacch. 

0QLcpi3L d-sä [ix]£yLaTrj u. ob. Bd.l Sp.l865, llf.); 726. Hippol.919), Augen und Sehkraft {Eurip. 

Bubastites mit der Katze der Bast (vgl. IJrexler, Iph. Taur. 262. 626. Hipp. 30. Bacch. 1384), 

Myth. Bcitr. 1 S. 128, 2); Busirites mit Stein- Gehör {Eurip. Med. 28) und Bewegung {Eurip. 

bock und Schlange; Gynaikopolites und Hypse- Herc. für. 790), ein Herz, die Bäume als 

lites mit Widder; Naukratites, zweite Form, so Haar {Ar istoph. ran. 4=70. Nub.2S0), sowie reii: 

mit Schlange; Onuphites mit Krokodil. geistige Eigenschai'ten {Aesch. Sup2Jl.Ti>6. Eum. 

Bildsäulen halten neben anderen Symbolen: 23. Eurip. Andr. 998. Herc. 371), so dafs sie 

Aphroditopolis die Aphrodite (Hathor, s. Bd. 1 dieselben auch als Nachbarn der Sterne {Aescli. 

Sp. 1864) neben Sperber; Memphites, zweite Prom. 721; vgl. Antip. Sld. jn d. Anth. Pal. 6, 

Form, eine Frau neben Geierkopfschmuck und 219, 14 u. 9, 58. Zonas Sard. ebenda 7, 404, 5) 

Schlange (s. Isis); Phthemphoeytes den Horos- oder als Kinder des Landes, in welchem sie 

knaben mit Füllhorn (vgl. Bd.l Sp. 1530 tt'. liegen (^'■Mrip. Troa<:i 220 ff.), betrachten können. 

1549 ff. Isis -Fortuna mit Füllhorn). So erklärt sich die nahezu volle Personifikation 

Die Symbole mehrerer Götter führen: Hypse- des Kithairon als TtazQLcörrjg, xQocpös und fiT^rrjQ 

lites das Sistrum der Isis und den Widder des eo des Oidipus, sowie der dem Berge gemachte 

Chnum, Metelites Sistrum und Sperber, Nesytes Vorwurf, dafs er diesen aufgenommen und 

den Ibis des Thot und den Widder. nicht gleich getötet habe {Soph. Oed. tyr. 1090. 

Völlig griechische Auffassung zeigen: Nomos 1391). Dafs freilich auch hier noch nicht an 

Oxyryncheites als Pallas mit Helm, Doppelaxt eine wirkliche Berggottheit zu denken ist, be- 

oder Lanze und kranzspeudender Nike; Saites weist schon die dem Geschlechte des Namens 

als Pallas mit Helm, Lanze, Eule und Schild nicht entsprechende Auffassung. 

(Pallas wurde der Neith gleichgesetzt); Arabia, Nachdem dann aber unter dem Einflufs der 

zweite Form, mit Scepter. Dagegen erscheint bildenden Kunst der Typus des Berggottes voll 



2109 Lokalpersonifikationen (Berge) Lokalpersonifikationen (Berge) 2110 

ausgebildet ist, wird auch bei den Dichtern {Herodot 4, 184) als xtrav ovqccvicc {Find. Pyth. 
diese halbe Personifikation immer häufiger und 1, 19) bezeichnet, und in den älteren Kunst- 
vollständiger. So fliehen die Berge hei Kalli- darstellungen ist das, was Atlas auf der Schulter 
machos (Del. hymn. 70. 118ff.), ebenso wie die hält, als Fels gebildet (s. ob. Bd. 1 Sp. 709, 25. 
Länder und Flüsse, vor Leto; hei Bion {Id.1,'62) Sp. 710, 21). Auch tritt schon auf der ältesten 
klagen sie mit den Bäumen, Flüssen und Quellen derselben, am amj'kläischen Throne, Taygete 
um Adonis {vgl. Lykophr. Alex. 81S. Nonn.Dion. als seine Tochter auf (s. ob. Bd. 1 Sp. 709, 6). 
5,354); sie schreien {Pacuv. Medus fr. 5 v. 223 Wenn ferner wirklich, wie Gerhard, Berl. 
Eibhech. Verg. Georg. 3, 43. Aen. 3, 566. 4, 303. Akad. 1841 S. 114f. (vgl. ob. Bd. 1 Sp. 708, 22ff. 
7, 590), sprechen (Lucan. 6, 618. Norm. JDion. lo 2598, 60ff.) annimmt, der ganze Mythus seinen 
16, 224), jubeln und freuen sich {Verg. Ed. 5, 62. Ursprung in Arkadien hat und Atlas bei Thau- 
6, 29. Georg. 2, 181. Aen. 12, 702), sie wundern masion lokalisiert ist {M. Mayer, Gig. u. Tit. 
sich {Ecl. 6, 30. Georg. 1,103), sie zittern vor S. 87), so kann überhaupt an gar nichts an- 
Furcht {Verg. Aen. 5, 694. Val. Flacc. 2, 201), deres als an die Berggipfel gedacht werden, 
weinen {Verg. Ed. 10,15. Georg. 4, 461. Ovid. auf denen dort, wie in jedem Bergland, der 
Met. 11, ib), seufzen {Stat.Theb. 4i,4:i7), stöhnen Himmel zu ruhen scheint, und ebenso steht 
{Nonn. Dion. lb,31i), bitten um die Begnadi- es bei der Lokalisierung in dem böotischen 
gung des Prometheus {Val. Flacc. 4, 65) und Tanagra (s. oben Bd. 1 Sp. 708, 35). Die Bei- 
zeigen überhaupt Verständnis {Verg. Aen. 11, namen o/Looqo^cov und MpaT^poqp^cav erklären sich 
260. Ovid. Met. 6,64:7. Her. 15,138; vgl. Nonn. 20 dann, wie die ähnlichen Eigenschaften der germa- 
13, 555). Der Ätna stöhnt {Verg. Georg. 4, 173. nischen Bergriesen und Berggeister (s. Grimm, 
Aen. 3, 577) oder brüllt {Verg. Aen. 3, 674; vgl. D. Myth.^ 1 S. 441. 397), aus der gefahrdrohen- 
Nonn. Dion. 3, 68. 22, 7); Berge sehen {Verg. den Natur der Gebirge. Schreitet später die 
Aen. 1, 420. Ovid. Met. 11, 150. Stat. silv. 3, 1, geographische Erkenntnis über das Grenzge- 
147) und lauschen dem Flötenspiel der Hirten birge hinüber, so wandert der himmeltragende 
{Verg. Ed. 8, 23. Ovid. Met. 13,186), gelten aher: Atlas mit in die Ferne. Der aus der Tiefe 
auch wieder als taub {Horat. carm. 3, 7, 21. des Meeres emporragende Berg, d. h. das am 
Epod.11,64. Ovid. am. 3,1, 68. Lykophr. AI. Horizont liegende Insel- oder Küstengebirge, 
1451) und unempfindlich {Eurip. Med. 1279. kennt natürlich die Tiefen desselben wie Atlas 
Androm. 537). Sie werden begrüfst {Ovid. Met. 30 {Hom. Od. 1, 52), der ja auch von anderen Ge- 
3, 25), machen beim Nahen der Götter Bahn heimnissen des fernen Westens (Hesperiden- 
{iStat. Theb. 5, 429) und erheben ihr Haupt äpfel) weifs, während er als Nachbar der 
{Ovid. Met. 4, 526). Die Alpen schmücken sich Sterne (s. oben Sp. 2108, 53) Astronomie treiben 
plötzlich mit Rosen {Claudian. 12, 9), und ein kann (s. Bd. 1 Sp. 707, 49. 2597, 9). 
vom Skeironischen Berg herwehender Luft- Dem Atlas ist wahrscheinlich Tantal os, der 
hauch gilt sogar als dessen Kind {Sosikrates Vater der Niobe, Sohn des Zeus oder Tmolos, 
Philad. bei Wleineke, Com. Gr. 4 S. 591). verwandt, wie schon sein Name auf dieselbe 
, , ,^ ,, „ Wurzel tal, tla = heben, tragen, wägen zurück- 
b) Verwandlnngssagen eponyme Heroen ^^-^^^ dürfte. In ihm mag jedoch spezieller 
und jNyuiplien. ^^ ^^^ ^g^ vulkanischer Erschütterung Einsturz 
Eine Mittelstufe anderer Art zwischen dem drohende Gipfel des Berges Sipylos verkörpert 
Berge und der persönlichen Abstraktion des- worden sein (vgl. Aristot. Meteor. 2, 8: ysvo- 
selben bezeichnen die Erzählungen von der (levov de csiciiov xa tciqI ECnvlov dvETQUTtrj), 
Verwandlung eines Heros oder einer Nymphe der nach einer Sage auf ihn gestürzt wurde, 
in ein Gebirge oder in einen Felsen, sowie wie denn ein Berggipfel des nahen Lesbos 
die Benennung von Bergen nach eponymen geradezu den Namen Tantalos führte {Steph. 
Heroen und Nymphen. Die älteste Sage dieser Byz. s. v. Tavxalog). Noch klarer liegt die 
Art ist wohl diejenige der aus der Bergmutter Sache jedoch bei Gestalten wie Aitne (s. d.), 
Rhea-Kybele (s. d.) entwickelten Niobe (s, d,), die schon bei Simonides {Scliol. Theokr. 1, 65) 
als deren Mutter Taygete, die Tochter des 50 als Schiedsrichterin in dem Streite des He- 
Atlas , genannt wii'd , da die Versteinerung phaistos und der Demeter um den Besitz Si- 
ihres Volkes schon jffomer (/Z. 24, 611) erwähnt. ciliens auftritt. Als eigentlicher Berggott voll 
Vor allem aber scheint Atlas selbst, von dessen ausgestaltet erscheint in der Dichtung zuerst 
Verwandlung die spätere Sage gleichfalls er- Tmolos hei Ovid. Met. 11, 161 S., der hei Apol- 
zählt (s. ob. Bd. 1 Sp. 707, 34fF.), ursprünglich lodor. hihi. 2,6,3 nur als König von Lydien 
nur eine Verkörperung der den Himmel schein- und als Gatte der Omphale bezeichnet wird; 
bar tragenden Berge zu sein (s. Bd. 1 Sp. 707, 15), dennoch ist der Gott bei Ovid nicht so voll- 
nicht aber, wie oben Bd. 1 Sp.705 nach Prellers kommen von dem Berge selbst geschieden, wie 
Vorgang ausgeführt ist, die tragende Kraft das in der Kunst von Anfang an nötig war. 
des Meeres zu bedeuten, da dem Wasser in eo Tmolos läfst sich als Greis auf dem Gipfel 
den Augen des Naturmenschen diese Eigen- seines Berges nieder, um Recht zu sprechen, 
schalt sicherlich überhaupt nicht zukommt. sein Haupt ist jedoch mit Wald bedeckt (aures 
Hierauf deuten die Säulen, die er trägt (Bd. 1 liberal arboribus), so dafs man zugleich an das 
Sp. 704, 48 ff. 705, 509",), denn Säulen gelten bewaldete Berghaupt selbst denken mufs. Mit 
auch sonst als Himmelsträger {Ihyk. in d. ticliol. demselben Doppelsinn wird der Kithairon bei 
Apoll. Bhod. 3,106; vgl. die alles tragende Ir- JVbnMOS, Dion. 46, 186 ff. 266 behandelt, während 
minsul, Grimm, D. Myth.^ 1, 97. 667), zugleich er an anderen Stellen (25, 15. 44, 146) offenbar 
aber wird der Ätna, wie das Atlasgebirge selbst in rein menschlicher Gestalt, und zwar wie 



2111 Lokalpersonifikatiouen (Berge) Lokalpersonifikationen (Berggötter) 2112 

Tmolos als Greis, vorgestellt ist; vgl. auch wahrscheinlich mit dazu beigetragen, dafs auch 
oben Bd. 2 Sp. 1208. diese selbst später doch noch personiticiert wor- 
VVenn ferner Haimos auch als Jäger ge- den sind. Der auf dem Berge wohnende Gott 
bildet wird (s. ob. Bd. 1 Sp. 1816, 59), so ist wurde allmählich zum Gott des Berges, bis er 
doch der Sohn des Boreas und der Oreithyia, sich mit dem Schwinden des strengen alten 
der mit der ßhodope den Hebros erzeugt, sicher Glaubens zur Bergpersonifikation verüüchtigte, 
ursprünglich der Berg selbst, und ebenso steht wie gleichzeitig der Flufsgott zur Verkörpe- 
es mit dem Heros Ardettos (Marpokr. a. 'A^öt}z- rung des fliefsenden Wassers wurde (s. unten 
zog. Suid.J, i'a.vnesaos {Hellan. in d. iSchol. Apoll. Sp. 2138). Diu bildende Kunst aber konnte 
-Rhod. 2,705; vgl. Paus. 10, ü, 1), Eryx (s. d.), lo immer nur den Gott auf dem Berge zur Dar- 
Alpos (s. ob. Bd. 1 Sp. 2861), dem Helikon (s. d.j, Stellung bringen, daher es nicht auffällig er- 
der Ide (s. d.) und anderen (vgl. Pseicdoplut. de scheint, wenn bei manchen Bildwerken, wie 
fluv. et montium nominibus 2,3. 3,2. 5,3. 7,5. z.B. unten Sp. 2116 bei I und K oder bei der 
8,3. 9,4. 10,4. 11,3. 12,3. 13,3. 17,3. 18,4.9. Münze von i'rusa (Sp. 2123), die Deutung in 
21, 4. 22, 4. 23, 4. 24, 3. 25, 4, wenn auch dieser Hinsicht schwankt, 
manche dieser Erzählungen vom Verfasser er- 
funden sein mögen). c) Bergpersonitikationen in der bildeudeu Kuust. 

Über ähnliche Vorstellungen in Deutsch- 
land handelt Gnmm, D. Myth.* 1 S. 537 und ^' -Berggotter. 
3 S. 185. -fe'. H. Meyer, Genn. Myth. § 206. In 20 V^ie bei Hesiod {Theog. 130) die Nymphen 
Rom gab es dagegen neben verwandten Bil- ^Is Bewohnerinnen der Berge vorgestellt wer- 
dungen, wie dem deus Vaticanus, Aventmus den, so finden sie auch in der Kunst zu allen 
und der dea Palatua, auch solche allgemeine- Zeiten zur Andeutung derselben Verwendung 
ren, nicht an eine beätimmte Ortlichkeit ge- [Wieseler, Einige Bemerk, üb. d. Barst, d. Berg- 
bundenen Charakters, wie den deus Montinus guttheiten in d. klass. Kunst in den Nachr. v. d. 
und lugatinus, die dea Collatina und Vallonia y^-. q^ ^^ >(/ 2_ Göttingen 1876 S. 85. Freuner 
(s. oben Bd. 2 Sp. 185, 29 fi'. 145, 68 und vgl. bei Bursian, Jahresbtr. üb. Mythol, 25. Suppl., 
Septimontius Sp. 222). Dem entsprechend wer- 1888 S. 259; s. Oreiades, Nymphai), und nur 
den bei einer Beschwörung {Ovid. Met. 7, 197) selten treten Satyrn (Pompei. Wandgem. bei 
neben anderen Gottheiten die montes ange- 30 Heibig nr. 970) oder Pan (Vasen im Musee 
rufen, während die bei Triumphen mit auf- ceram. de Sevres und im Mus. Gregor, bei 
geführten Montes, Loca, Lacus, Castella, Am- Heydemann, Pariser Ant. im lä. Hall. Wmckel- 
nes {üüid. ars am. 1, 220. Trist. 4, 2, 37. Ta,cit. viannsprogramm S. 82) an ihre Stelle. 
ann. 2, 41) als nach griechischem Vorbilde Neben diesen in metonymischer Weise ver- 
(s. ob. Sp. 2093) geschaüene Einzelpersonifika- wendeten Vertretern erscheinen später eigent- 
tionen zu betrachten sind; vgl. unt. Sp. 2131 liehe Bergpersonifikationen, doch ist bis jetzt 
Lacus. Vielleicht gehört hierher auch der in nicht sicher festgestellt worden, wann die 
Britannien verehrte deus Mouns? (Dat. Mounti, Kunst diesen Typus ausgebildet hat. Wenn 
Mountibus) oder Mounus (C /. L. 8, 321. 997. aber A. Gerber {Natur per sonifik. in Poesie u. 
1036), die Göttinnen Abnoba {Brambach, C. I. 40 Kunst der Alten in den Jahrb. f. klass. Phil. 
liUen. 1626. 1690. 1654. 1683) und Arduinna ISuppl. Bd. 18 S. 30lfl'.; vgl. seine Dissertation 
(s. d.), die freilich beide der Diana gleich- Die Berge in der Poesie und Kunst der Alten, 
gesetzt werden, der Vosegus {Brambach München 1882) nachzuweisen sucht, dafs Berg- 
nr. 1787) und Bergimus (s.d.), wie sich später Personifikationen der griechischen und iusbe- 
noch bei den Kelten Spuren eines Bergkultus sondere der hellenistischen Kunst überhaupt 
finden {D'Arbois de Jubainville, Le cycle myth. fremd seien, so ist dem entschieden zu wider- 
Irlandais S. 250 f.). sprechen. Nichts beweist der Umstand, dafs 
Die von Max. Tyr. diss. 1, 8, 8 S. 144 be- der Berg Tauros einmal (Liban. Antioch. 1 
richtete Verehrung des Berges Argaios in Kap- S. 311 BeiskeJ mit etymologischer Anspielung 
padokien, der bis vor kurzer Zeit noch em 50 als Stier gebildet ist {Gerber a. a. 0. S. 311), 
thätiger Vulkan war, erklärt sich dagegen oder dafs zuweilen auch der wirkliche Berg 
jedenfalls ebenso wie die des Hermon (s. d.) dargestellt wird {Imhoof -Blumer, Gr. Münzen 
und des Kasios (s. d.), sodafs die auf Münzen nr. 34f. 502. Monn.gr. S. 418tf. u. sonst öfter), 
von Cäsarea auf der Bergspitze dargestellte da sich sowohl solche rebusartige Bezeich- 
Gestalt mit Strahl enkrone oder mit Lanze und nungen {type parlant bei Head, Mist. num. an 
Erdkugel als der über dem Gebirge erschei- I8 Stellen; als auch eigentliche Abbildungen 
nende und deshalb auf diesem wohnend vor- ebenso bei anderen Örtlichkeiten öfter finden 
gestellte Sonnengott, nicht als Personifikation (z. B. Quellen, Häfen und Städte bei Head 
des Berges, zu betrachten ist {Head, Hist. num. ö. 260. 350. 363. 438J. Beweisend ist in dieser 
S. 633. Imhoof- Blumer, Monn. gr. S. 417 fl'. 60 Hinsicht die Gegenüberstellung des durch den 
Tf. H 1 — 5). Bedeutet doch auch der Name Gott vertretenen Peion und der wirklich ab- 
des gewöhnlich dem Helios gleichgesetzten gebildeten Tracheia auf derselben Münze von 
Gottes von Emesa Elagabal eigentlich Berg- Ephesos {Imhoof -Bhmier im Arch. Jahrb. 3 
gott (a. ob. Bd. 1 Sp. 1229). 1888 S. 295), doch auch die ähnliche Doppel- 
Gerade die alte Verehrung solcher Sonnen- bezeichnung bei den unten zu besprechenden 
götter, sowie die des alles sehenden und be- Aktai ist zu vergleichen. 

herrschenden Zeus (>to^f qpatos) auf den ebenso Da diese Frage jedoch zum Schlafs aus- 

weithin schauenden Gipfeln der Berge hat aber führlich zur Behandlung kommen wird, wollen 



2113 Lokalpersonifikationeu (Berggötter) Lokalpersonifikationen (Berggötter) 2114 



wir zunächst nur die Kunstwerke selbst be- 
trachten. 



1. Griechische Kunstwerke. 

A. Alexanclrinisches Relief zu München 
{Brunn, Glyptothek nr. 127. 
Schreiber,BeließilderTi.l6; :,. 
s. Abb. 3). Unten weidet 
eine Rinderherde, oben steht 
eine Priaposherme und ein 
Altar der spezifisch alexan- 
drinischenForm, in der Mitte, 
auf der vorauszusetzenden 
Gesamtkomposition aber 
{Brunn a. a. 0.) links, sitzt 
ein nackter, bärtiger, stark 
muskulös gebildeter ßerggott 
mit einem Pinienzweig in der 
Hand und mit einem Tierfell 
über dem linken Arme auf 
einem Felsen. Hinter ihm 
der Hirtenhund — der Hirt 
fehlt. Der Gott trägt reiches 
Haupthaar, so dafs nicht 
an Herakles zu denken ist. 

B. Poseidon und Amy- 
mone, Relief im Museo civico 
zu Bologna ( Heydemann, 
Mitt. a. ital. Antikens. im 3. 
Hall. Winckelmannspr. 1878 
S. 52. Schreiber, Reliefbüder 
Tf. 44 ; S.Abb. 4) : Der Berggott j Vm 
ist rechts oben über einem 
Tierfell auf Felsen gelagert. 
Nach Tli. Schreiher dem 
besten Kenner dieser Klasse 

von Bildwerken, sind beide Reliefs sicher grie- 
chische (alexandrinische) Originale des 3. oder 

2. Jahrh v. Chr. Vgl. die ähnliche Darstellung 
einer rotfigurigen 
Vase, Mon. d. Inst. 
4 Tf. 14. 

C. Reliefvase der 
Uffizien {Heydeviann, 

3. Hall. Winckel- 
mannspr. S. 81 Tf. 4, 
1), nach Schreiber 
ebenfalls alexandri- 
nische Originalarbeit. 
Der gelagerte bärtige 
Alte soll zwar durch 
den vor ihm stehen- 
den Weinschlauch 
wahrscheinlich als 
Silen charakterisiert 
werden, ist aber selbst 
ganz nach dem Typus 
der Berggötter ge- 
bildet. 

D. Aktaionsarko- 
phag des Louvre 
{Clarac, Mus. d. 

sculpt. 2 Tf. 113, 65. 114, 67. 115, 68. 
Fröhner, Notice de la sculpt. ant. du Louvre 
1, 8, 103, 3 S. 129. Ilillin, Gal. myth. 100, 406; 
vgl. oben Bd. 1 Sp. 1604, 32 ff.): a) Auf dem 
Felsen, über der Priapherme gelagerter jugend- 
licher Berggott mit Zweig in der Hand, b) Ge- 

EoBCHER, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 



lagerter jugendlicher Berggott mit Urne. Dieser 
Sarkophag ist nach Schreibers Urteil Mustertypus 
der alexandrinischen, in hellenistischer Zeit ent- 
standenen Sarkophagklasse, dieVorlage gehtalso 
sicher auf vorrömische Kunst zurück (s. Sp. 2119). 




2^ Berggott, Alexaudrinisclies Relief zu München (nach 
Schreiber, Relief bilder Taf. 75). 



E. Wahrscheinlich gehört hierher auch 
das Wandrelief der Villa Ludovisi {Schreiber, 
V. Lud. S. 126 nr. 106. Baumeister, Denkm. 2 




■i; iiorggütl rcclits oben, darunter Amymone uud neben ihr Poseidon, Relief 
im Museo civico zu Bologna (nach Schreiber, Relief bilder Taf. 44). 



Fig. 1359 S. 1168. Robert, Ant. Sark.-Eel. 2 
S. 17) mit dem Parisurteil, da die Arbeit nach 
Schreiber unbedingt besser ist, als die der guten 
Sarkophagreliefs römischer Zeit, die Erfindung 
aber Berührung mit Motiven des alexandrini- 

Hier sitzt der bar- 



schen Reliefbildes zeigt. 



67 



2115 Lokalpersonifikationen (Berggötter) Lokalpersonifikationen (Berggötter) 2116 



tige, fast nackte Berggott des Ida von kräf- 
tiger Körperbildung (ohne Verkleinerung) auf- 
gerichtet auf einem mit einem Tierfell bedeck- 
ten Felsen, in der L. hält er einen Ast, die R, 
stützt er auf die Wurzel eines hinter ihm 
stehenden Eichbaumes. Er schaut, ebenso 
wie eine neben ihm stehende Nymphe (Ida?), 
nach Paris und den Göttianen. 

F. Etwa derselben Zeit, wie die älteren 
dieser Reliefs, gehört eine reliefartige Gruppe lo 
aus Pergamon an (3Iilchhöfer, Die Befreiung 
des Prometheus, 42. Winckelmannsprogramvi 
Berlin 1882. Baumeister , Denhm. Fig. 1431. 

S. 1277): In der bei Flufs- und Berggöttern ge- 
wohnten Haltung liegt auf einer Felserhöhung, 
auf den linken Arm gestützt, ein unterwärts 
mit Gewaud bedeckter Mann. Die (fehlende) 
Rechte scheint er ausgestreckt zu haben, so- 
dafs er wohl in einen Baum gefafst haben 
könnte. Milchhöfer a. a. 0., Schultz, Ortsgott- 20 
heilen S. 77 und Trendelenburg bei Baumeister 
a. a. 0. S. 1279 sehen in dieser Gestalt den 
Berggott Kaukasos, während Furtwängler in 
der Ärch. Zeit. 43 1885 Sp. 228 dieselbe wohl 
mit besserem Recht fü