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Full text of "Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns und des Orients"

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BEITRÄGE 



ZUR 



PALÄONTOLOGIE ÖSTERREICH-UNGARNS 



UND DES ORIENTS 



HERAUSGEGEBEN VON 



E. V. MOJSISOVICS UND /VL, NEUMAYI\. 



II. BAND. 



KilS.C0yP.200L 
LIBMRY 

lAKVAM 
UKiVESSITY 



MIT 3o TAFELW und i HOLZSCHNITTE. 



WIEN, 1882. 
ALFRED HOLDER 

K. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER. 

ROTHESTHURiMSTRASSE 15. 






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MtflCÖMPJÜI 






Verzeichniss 

der 

Abonnenten auf Bd. II. der Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. 



Aith, Professor Dr. A. v., Krakau. 

Be necke, Professor Dr. E. W., Strassburg. 

Bergakademie in Leoben. 

Beyrich, Geheimrath Dr. E., Berlin. 

Braun, Mr., Cincinnati. 

Brusina, Professor Dr. Sp., Agram. 

Burmeister, Dr., Director d. Museo publico in 

Buenos Ayres. 
Cam er aldir e C ti on , Erzherzog Albrecht'sche, 

Teschen. 
Claus, Professor Dr., Wien. 
Cope, Professor Dr. E., Philadelphia. 
Credner, Professor Dr., Leipzig. 
Dames, Professor Dr., Berlin. 
Do eil, Director Dr., Wien. 
Dr as che- Wartinb erg, Dr. R. v., Wien. 
Eck, Professor Dr., Stuttgart. 
Fritsch, Professor Dr. A., Prag. 
Fritsch, Professor Dr. C. v., Halle a. S. 
Geological Society, London. 
Geologische Landesanstalt, Budapest. 
Geologische Landesanstalt, Strassburg. 
Geologische Reichsanstalt, Wien. 2 Ex. 
Geologisches Universitätsmus eum, Wien. 
Grotrian, Geheimrath, Braunschweig. 
Hauer, Hofrath F. v., Wien. 
Hochstetter, Hofrath F. v., Wien. 
Hofmineralien cabin et, k., Wien. 



Holub, Dr. E., Wien. 

Karrer, F., Wien. 

Katholiczky, Dr., Rossitz. 

Kobelt, Dr. W., Schwanheim a. M. 

Koenen, Professor Dr. v., Göttingen. 

Loriol, P. de, Frontenex bei Genf. 

Lundgren, Professor Dr., Lund. 

Makowsky, Professor A., Brunn. 

Meneghini, Professor Dr., Pisa. 

Merian, Professor Dr. P., Basel. 

Mösch, Director C., Zürich. 

Mojsisovics, Oberbergrath Dr. £. v., Wien. 

Museo civico, Triest. 

Naturwissens chaftl. Verein, Hermannstadt. 

Neumayr, Professor M., Wien. 

Nikitin, Professor, Moskau. 

Oberbergamt, k., München. 

Oberrealschule in Salzburg. 

Ottmer, Professor Dr., Braunschweig. 

Paläontolog. Universitätsmuseum, Wien. 

Pancic, Director Dr., Belgrad. 

Petrin o, O. Freiherr v., Czernowitz. 

Pheophilaktow, Professor Dr., Kiew. 

Pilar, Professor Dr., Agram. 

Polytechnicum, Braunschweig. 

Porumbaru, Professor R., Bukarest. 

Reyer, Dr. E., Wien. 

Sandberger, Professor Dr., Würzburg. 



l62 



Abonnenten - Verzeicliniss. 



Schwarz, Baron Julius, Salzburg. 
Sinzow, Professor Dr., Odessa. 
Stäche, Oberbergrath Dr. G., Wien. 
Städtische Bibliothek, Bern. 
Steind achne r, Director Dr., Wien. 
St ein mann, Dr., Strassburg. 



Stur, Oberbergrath, Wien. 

Stürtz, B., Mineral, und Paläontol. Comptoir in 

Bonn. 
Suess, Professor Dr. E., Wien. 
Waagen, Professor Dr. W., Prag-. 
Wolf, Bergrath H.. Wien. 



Ausserdem wurden 
unbekannt sind ; im Ganzen 

Aachen i 
Agram 2 
Basel I 
Belgrad i 
Berlin 7 
Bern i 
Bonn I 

Braunschweig 2 
Brunn i 
Brüssel i 
Budapest 8 
Buenos Ayres 1 
Bukarest i 
Cincinnati 1 
Czernowitz 1 



mehrere Exemplare 
gingen 130 Exemplar 

Dresden i 
Genf 2 
Giessen i 
Göttingen 2 
Graz 6 
Haarlem i 
Halle I 
Heidelberg i 
Hermannstadt i 
Innsbruck 2 
Kiel 1 
Kiew I 
Klagenfurt i 
Klausenburg 2 
Krakau i 



durch Buchhandlungen pränumerirt, deren Besteller 
e nach den folgenden Städten : 



Leipzig 3 
Lemberg 2 
Leoben i 
London 6 
Lund I 
Mailand 2 
Moskau I 
München 3 
Neapel i 
New York i 
Odessa i 
Paris 3 
Petersburg 1 
Philadelphia i 
Pisa I 



Prag 7 
Rom 2 
Rossitz 2 
Salzburg 2 
Schwanheim i 
Stockholm i 
Strassburg 4 
Stuttgart 2 
Teschen i 
Triest i 
Turin 2 
Wien 19 
Würzburg 2 
Zürich 2 



Druck vou J. C. Fischer & Comp. Wien. 



INHALT. 



Heft I und II. 

(i. Januar 1SS2. pag. 1—72. Taf. 1— XIII.) 

Seite 

A. Fritsch, Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Kreideformation Böhmens. (Taf. 1, 11) i 

.1. Velenovsk^, Die Flora der böhmischen Kreideformation. (Taf. III — X) 8 

S. Brusina, Orygoceras, eine neue Gasteropodengattung der Melanopsiden-Mergel Dalmatiens. (Taf. XI) 33 

O. Noväk, Ueber böhmische, thüringische, Greifensteiner und Harzer Tentaculiten. (Taf. XII, Xlil) 47 

Heft III. 

(i5. Juni 1S82. pag. 73—88. Taf. XIV— XXI.) 

Fr. Wähn er, Beiträge zur Kenntniss der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen, i. Theil. 

(Taf. XIV— XX!) .73 

Drag. Kram berger-Gor j a n o vi c. Die jungtertiare Fischfauna Croatien^. i. Theil 86 

Heft IV. 

(i. October 18S2. pag. 89— iSg. Taf. XXll— XXX.) 

Drag. Kramberger-Gorjanovic, Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 2. Theil. (Taf. XXII— XXVIII) 89 

A. Grunow, Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Oesterreich-Ungarns. (Taf. XXIX, XXX) i36 

(Die Autoren allein sind für Form und Inhalt der Aufsätze verantwortlich.) 



FOSSILE ARTHROPODEN AUS DER STEINKOHLEN- UND 

KREIDEFORMATION BÖHMENS. 



Dr. ANTON FRITSCH. 

(Mit Tafel I und H.) 



1. Ein neuer Arthropode aus der böhmischen Steinkohlenformation. 

Ich bin in der angenehmen Lage, meine Darstellung der Fauna der Steinkohlenformation 
Böhmens ^), welche seither durch einen von Dr Noväk beschriebenen Gryllacrisflügel vervollständigt 
wurde, mit einem weiteren höchst interessanten Funde zu ergänzen, nämlich durch eine ganze 
Neuroptere , welche aus der echten productiven Steinkohlenformation — und zwar aus dem 
Radnitzer Horizont stammt. Aus den jüngeren Schichten, der N}Taner Gaskohle, besitze ich eine 
ganze Reihe von prachtvoll erhaltenen Arthropodenresten, dieselben werden aber in einem Hefte 
meines Werkes „Fauna der Gaskohle" behandelt werden. 



Palingenia Feistmanteli Fr. 

(Taf. I, Fig. 1—6.) 

Geschichte der Auffindung. Am 5. Juni 1875 unternahm ich mit meinen Schülern eine 
Excursion nach Kralup und Umgebung, um denselben namentlich den Fundort des Scorpions 
CyclopJitJiahinis senior C. zu zeigen. Jedermann war bestrebt, wenigstens ein Fragment des Scorpions zu 
finden, was aber durchaus nicht gehngen wollte. Erst auf einer verlassenen Halde bei Votvovic fand Herr 
J. Ulicny einen undeutlichen Abdruck, den ich als wahrscheinlichen Leib eines Scorpions deutete. 
Als ich aber später an die nähere Untersuchung des Restes ging und am Ende des vermuthlichen 
Schwanzes lange, schmale Anhänge fand, dachte ich, dass das Petrefact ein schlechtes Fragment eines 
Asterophylliten oder einer Annularia ist und legte es bei Seite. 

Im Jahre 1879 revidirte Herr K. Feistmantl sen. in unserem Museum die Vorräthe der Stein- 
kohlenpflanzen von demselben Fundorte und fand einen wohlerhaltenen Insectenflügel. Dies gab 
Veranlassung, dass der verkannte Scorpion wieder hervorgeholt wurde — und siehe da, die beiden 
Petrefacte gehören einer Art, und zwar einer riesigen Eintagsfliege an. 



') Archiv für Landesdurchforschuug von Böhmer. B.ind IT, 1S74, Seite i. 
Beiträge zur Paläontologie Oe.sterreich-Ungarns. II, i. 



2 Aiit. Fritsch. ' [2] 

Jetzt wurde erst die Bedeutung der dünnen Anhänge am Schwänze erkannt und auch Spuren 
aller 4 Flügel nachgewiesen. Zu einer solchen Auffassung hatte ich mich vor Auffindung des 
wohlerhaltenen Flügels nie entschliessen können. 

Beschreibung. Der nachfolgenden Beschreibung liegen somit zwei Exemplare zu Grunde. 

1. Ein ganzes Exemplar, das auf weissem Schieferthon in schwach bräunlichen Contouren 
angedeutet ist. 

2. Ein linker Vorderflügel mit prachtvoll erhaltener Aderung. 

Das ganze Exemplar weist die Körperlänge von ca. 44 mm auf. Die Breite bei ausgespannten 
Flügeln beträgt 50 mm. 

Der Thorax ist sehr undeutlich erhalten, ist 20 mm lang, 11 mm breit ; längs der Mittellinie 
gewahrt man 2 kleine Höcker. Der Hinterleib ist 24 mm lang und besteht aus 9 ziemlich gleichen 
Segmenten von 3 mm Länge und 6.5 mm Breite. Während bei gewöhnlicher Lupenbetrachtung alles 
weitere Detail zu schwinden schien, so wurde es doch möglich, nach Anfeuchtung mit schwacher 
Gummilösung, das Detail bei dem Zeissischen Objective a) (sechsfache Vergrösserung) schön wahrzu- 
nehmen. (Taf. I, Fig. 3.) 

Die Segmente lassen zwischen sich einen Raum, der demjenigen entspricht, wo die weiche 
Verbindungsmembran ausgespannt war. 

Die feste Platte lauft in der Mitte am vorderen Rande in eine kurze Spitze aus ; der Seiten- 
rand ist ausgeschweift. 

Der Hinterrand ist breiter als der Vorderrand und bildet mit dem Seitenrande eine 
abgerundete Ecke. 

Das unterste der 3 abgebildeten Segmente zeigt vorspringende Leisten, die in der Mitte 
desselben eine rautenförmige Figur bilden. 

Es ist schwer zu entscheiden, ob hier die Rückenplatte oder die Bauchplatte vorliegt, doch 
scheint ersteres das Wahrscheinlichere. 

Das letzte Segment ist ganz abweichend gebaut, weil es zum Tragen der langen Fortsätze 
angepasst erscheint. Man unterscheidet in der vorderen Hälfte einen deprimirten mittleren Theil und 
zwei seitliche Schildchen. (Fig. 3 1.) An der hinteren Hälfte trägt der etwas nach links verdrückte 
mittlere Theil zwei schmale lanzettförmige Fortsätze, welche wohl der Legeröhre entsprechen dürften. 
Daraus wäre zu schHessen, dass das vorliegende Exemplar ein Weibchen sei. 

Die Seitentheile tragen die Einlenkungsstellen für die kräftigen Schwanzfäden. 

Diese Fäden sind an der Basis erweitert und verschmälern sich dann sehr allmählig. Der 
erhaltene Theil misst 30 mm; vergleicht man aber die Länge der Fäden mit der Leibeslänge bei 
der jetztlebenden Palingcnia longicaitda, so ist die muthmassliche Länge der Schwanzfäden bei 
P. Feistmanteli auf 155 mm anzuschlagen. 

Der Innenrand der Fäden ist deutlich fein gerunzelt und es kommen etwa 5 solche Runzeln auf 
ein Glied, was man besser mit der Loupe, bei schiefem Lichte, als unter dem Mikroskope wahrnimmt. 
Von den Extremitäten sind alle drei Paare angedeutet ; vor dem Kopfe liegt ein deutliches 
Basalstück des grossen, bei den Palingenien nach vorne ausgestreckten ersten Fusspaares. (Fig. i, i.) 
Das zweite und dritte Fusspaar hinterliess schwache Spuren unter dem linken Flügel. (Fig. i, 2, 3.) 
Ein drittes ähnliches Gebilde, was man leicht für ein weiteres Fusspaar anzusehen geneigt wäre, ist 
der verdickte Hinterrand des Vorderflügels. (Fig. i. r.) 

Die Flügel gewahrt man an dem Hauptexemplare nur als ebene, bräunlich angeflogene Flächen 
und blos am Hinterrande des rechten Vorderflügels ist die Oueraderung wahrzunehmen ; und das nur 



i3] Fossile Artliropodcn aus der Steinkohlen- und Kreidefoinnation Böhmens. 3 

bei günstigem Lichte und in der richtigen Lage. Wenn auch ihre Contour nicht sicher nachzuweisen 
ist, so erhält man doch einen beiläufigen Begriff von der Gesammtform durch Vergleichung mit dem 
isolirt gefundenen Flügel. 

Der Vorderflügel ist ungewöhnlich kurz und seine Länge wird der Breite ziemlich gleich 
gewesen sein, ein Verhältniss, das bei keiner jetztlebenden Form vorkömmt, die sämmtlich gestreck- 
tere Flügel haben. 

Die Contour des kleinen Hinterflügels ist blos auf der linken Seite wahrzunehmen, doch 
gewahrt man daselbst schwache Spuren von Längsadern. 

Der isolirte, später von Herrn K. Feistmantl entdeckte Flügel ist ein linker Vorderflügel 
Taf. I, Fig. 4, 5), es ist daran der Vordertheil und die äussere Hälfte des Hintertheils sehr gut erhalten. 
Man nimmt 13 Längsrippen wahr, von denen die ersten 4 Adern mit ziemlicher Sicherheit als Costa 
I, Subcosta 2, Radius 3, Ram- thyr. cubiti 4 zu deuten sind. 

Zwischen Costa und Subcosta sind 12 Oueradern, zwischen Subcosta und Radius 18 Oueradern. 
Die nähere Würdigung der Aderungsverhältnisse muss wohl Specialforschern überlassen bleiben und 
ich will nur noch Folgendes erwähnen : 

Der Fl ü gel der Palingenia /^c/.s-//v/rt«^£'// en tspri ch t f ast g e nau de n pro x im al en 
zwei Dritteln des Flügels der jetztlebenden Paligenia longicauda. 

Der Bau des Flügels ist derselbe und nur durch weiteres Wachsthum und durch Spaltung 
der Längsadern erklärt es sich, dass bei P. longicauda etwa 40 Adern, bei der fossilen Art blos die 
Hälfte den äusseren Flügelrand erreichen. 

Dass W'ir an dem fossilen Flügel wirklich den Aussenrand erhalten finden, das beweist die 
prachtvoll erhaltene Zähnelung desselben, von der ich (Fig. 6) eine Zeichnung gegeben habe. 

Das Vorkommen von Neuropteren in der Steinkohlenformation ist nichts neues und Flügel- 
fragmente werden sogar schon aus der Devonformation von New-Brunswick angeführt ^j. Auch war man 
bereits durch die Auffindung von riesigen Ephemerenlarven in Sibirien ^) darauf aufmerksam gemacht, 
dass diese Insectenordnung in der paläozoischen Periode grosse Dimensionen erreichte. Diess w^urde 
nun durch die Entdeckung des ganzen Insectes bestätigt. Auch die Dictyoneuren (Ephemera 
procera Hg.) aus der Kohlenformation, Paläontogr. X. Bd. T. 15 und Ephevieritcs Rückerti Geinitz ^) 
aus den Rothliegenden wiesen auf grosse Thiere hin. Das vorliegende Xeuropter verglich ich vor 
Allem mit der in Ungarn häufigen Palingeiiia longicauda und fand eine auffallende Uebereinstimmung 
im ganzen Bau. Auch Herr Prof Brauer, welchem ich die Zeichnung vorlegte, schrieb mir : Ich finde 
noch die grösste Aehnlichkeit im Flügelgeäder mit Palingenia longicauda Si,.-., obschon die Maschen 
gegen den Hinterrand in der ^Minderzahl erscheinen.' 

Jedenfalls liegt kein gewichtiger Grund vor, das vorliegende Insect von der Gattung Palingenia 
zu sondern. 

Wir haben vor uns abermals ein Beispiel einer constanten Gattung, welche seit der 
paläozoischen Zeit bis auf die heutigen Tage fast unverändert ihren Charakter beibehalten hat. Auch 
wird durch diesen Fund bestätigt, dass die ursprünglichen Formen sehr gross und im Detail (hier 
in der Flügeladerung) einfacher gebaut waren, als ihre Nachkommen. 



'j H. Goss. the antiquity of insects. Londoa iSSo. J. v. Voorst. 
'-) Geinitz und Hagen, Neues Jahrbuch iS65, p. 3SS 
=) Xeiie.s Jahrh. 1S65, p. 3S5. Taf. 11. Fig. i. 



4 Ant. Fritsch. ' [4] 

2. Ueber Insecten aus der böhmischen Kreideformation. 

Die tiefsten Schichten unserer Kreideablagerungen, welche wir Peruce r- S c hichte n nennen, 
sind cenomane Süsswasserablagerungen, welche zahlreiche Pflanzenabdrücke liefern. Thierreste gehören 
darin zu den seltensten Erscheinungen und ich habe vor Jahren ^) bereits einige davon beschrieben. 

Darunter fanden sich auch Insectenreste; die Flügeldecke eines Käfers, sowie eine Phryga- 
naeenröhre, welche ich damals nur flüchtig abbilden konnte. In neuerer Zeit waren wir so glücklich, 
wieder einige Insectenreste aufzufinden und daher unterzog ich auch die schon früher bekannten einer 
nochmaligen Revision und überzeugte mich, dass sie von Neuem dargestellt werden müssen. 

Wir kennen nun 6 Insectenreste aus den Perucer-Schichten. 

1. Die rechte Flügeldecke eines Aaskäfers. Silphites priscus Fr. 

2. Ein Fragment der linken Flügeldecke eines Rüsselkäfers. Otiorhynchites constans Fr. 

3. Die rechte Flügeldecke eines Bombardierkäfers, Bracliinitcs truncatus. 

4. Eier einer Blattwespe, Nematus cretaceus Fr. 

5. Bohrgänge einer Minirmotte, Tinea Araliae Fr. 

6. Köcher einer Phryganaee. Pliryganaea micacea Fr. 

Sämmtliche Exemplare befinden sich in der Sammlung des Museums des Königreiches 
Böhmen in Prag. 

1. Silphites priscus Fr, 

(Taf. II, Fig. I.) 
Flügeldecke eines Käfers? Archiv, pag. l88. Tafel III. Fig. 7. 

Nach Auffindung dieses Abdruckes war ich lange im Zweifel, ob ich es mit einem Samen, 
oder mit einer Flügeldecke zu thun habe. Erst bei der jetzigen genauen Untersuchung mit den 
Zeissischen Objectiven a. und aa. überzeugte ich mich, dass der vorliegende Abdruck einem Käfer 
angehört, wie es wohl nach der in öfacher Vergrösserung gegebenen Zeichnung jeder Entomologe 
bestätigen kann. 

Aber nicht nur die Flügeldecke, sondern wahrscheinlich auch ein Theil des Thorax ist vor- 
handen und alles deutet darauf hin, dass der vorliegende Rest der Gattung Silpha sehr nahe steht. 
Die Flügeldecke gehört der rechten Seite an, ist 20 mm lang, 7 mm breit. Man unter- 
scheidet daran einen gewölbten inneren Theil, welcher 5 mm breit ist, und einen flachen 2 mm 
breiten Raridsaum. 

Der gewölbte Theil trägt 4 schwache Längsrippen. Die Räume zwischen den Rippen sind 
durch 2 Reihen von seichten Grübchen, in deren Mitte immer ein kleiner Höcker steht, verziert. 
Der letzte Zwischenraum nach aussen trägt etwa 6 längliche schmale Höckerreihen, die sich 
strahlenförmig am Hinterrande des gewölbten Theiles vertheilen. 

Der flache Randsaum zeigt am Innenrande eine Doppelreihe kleiner Grübchen, während der 
Aussenrand aut einer leistenförmigen Verdickung eine Reihe deutlicher Grübchen trägt. 

Nach vorne hin ist die Gränze der Flügeldecke nicht sicher eruirbar, doch ist es unwahr- 
scheinlich, dass die hier liegenden Reste noch zur Flügeldecke selbst gehören sollten, sondern sie 
dürften wohl dem Thoraxschilde angehören. 



') Archiv für Landesdurchfurschung von Böhmen. Band i. II. Section, pag. 187. 



(5] FossiVt^ ArtJtropodcn ans der Steinkohlen- und Kreideforviation Böliiiiens. 5 

Man gewahrt vorne ein viereckiges Schild, dessen Ecken abgerundet sind ; die vordere äussere 
Ecke trägt etwa ein Dutzend kleiner Höcker und ist als selbständiger Lappen abgesondert. 

Hinter demselben liegt ein keilförmiges, mit der Spitze nach hinten gerichtetes Feldchen, das 
dicht mit rundlichen Grübchen besetzt ist. 

Entomologen von Fach werden vielleicht Gelegenheit finden, zur genaueren Bestimmung und 
Deutung dieses Restes beizutragen. 

Fundort. Diese Flügeldecke wurde in den lichtgrauen Schieferthonen der Perucer-Schichten 
gefunden, welche bei Kounic nördlich von Böhm.-Brod zwischen Schichten des Quadersandes ein- 
gelagert sind und ausser zahlreichen Pflanzenresten auch Unio regularis und Phryganaeenköcher führen. 



Otiorhynchites constans Fr. 

(Taf. II, Fig. 2.) 

« 

Das Fragment der linken Flügeldecke, an dem sowohl der vordere, als der hintere Rand abge- 
brochen ist, hat 4' 5 mm Länge 2'7 mm Breite. Es trägt ii Längsreihen ausgeprägter, unregelmässiger 
Grübchen. Die Grübchenreihen sind durch flache breite Längsrippen von einander gesondert. Trotz 
der Comprimirung in Folge der Einlagerung in die Schichten zeigt doch die Flügeldecke eine massige 
Wölbung. 

Die Uebereinstimmung dieses Fragmentes mit der Flügeldecke eines Rüsselkäfers im Allgemeinen 
und mit der Gattung Otiorhyiichus im Besonderen ist auftauend. Es kann auch das Auftreten eines 
Rüsselkäfers in der Kreideformation nicht überraschen, denn schon aus der Steinkohlenformation in 
England beschrieb Dr. Buckland einen CurcuUoidcs Anticii ^), und auch aus der weissen Kreide 
Englands werden von L}-ell Rüsselkäfer angeführt. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rüsselkäfer seit der Zeit existiren, in der die Coniferen 
aufgetreten sind. 

Fundort. Aus dem schwärzlichen Schieferthon der Perucer-Schichten, von Mseno bei Budin. 
Entdeckt vom Museumsassistenten Herrn Velenovskv. 



Bracliinites truncatus Fr. 

(Taf. II, Fig. 3.) 

Es liegt fast eine ganze Flügeldecke vor, von der es aber schwer zu sagen ist, ob es die 
rechte oder die linke ist, denn sie ist hinten gleichmässig abgerundet. Ihre Länge beträgt 6 mm, 
die Breite 2 mm. Die Verzierung besteht aus 8 schwach winkelig vorspringenden Längsrippen. 
Sowohl die Furchen zwischen den Rippen, als auch die Rippen selbst, tragen feine Punktreihen, 
welche man namentlich bei schief auftallendem Lichte mit der Loupe wahrnimmt. 

Die Rippen erreichen nicht den abgerundeten hinteren Rand, der eine Art von glattem 
Falz vorstellt. 

Etwa in der Mitte der Flügeldecke gewahrt man 3 rundliche Höckerchen, die in einer 
schiefen Querlinie stehen und an ähnliche Gebilde errinnern, welche für die Carabiciden charak- 
teristisch sind. 



') Vergleiche H. Goss, The geological antiquity of Insects. Entomologists Monthly Magazine Vol. XV. XVI. Separat- 
abdruck. London 1880. T. V. Voorst. 



(5 ■ A7iL Fritsch. [6] 

Die Furchung der Flügeldecke weist darauf hin, dass wir es mit einem Laufkäfer zu thun 
haben, aber die weitere Bestimmung der Verwandtschaft stösst schon auf Schwierigkeiten^). 

Der Umstand, dass jede Flügeldecke für sich abgerundet war, führt auf die Verwandtschaft 
mit dem Bombardierkäfer [Brackiims), mit dem auch die Grösse übereinstimmt, wesshalb ich durch 
den Namen Brachinites diese vermuthliche Stellung im Systeme anzudeuten mir erlaubte. 

Fundort. Aus dem lichtgrauen an Unionen reichen Schicferthon der Perucer-Schichten in 
Vyäerovic bei Böhm.-Brod. 

Tinea Araliae Fr. 

(Taf. II, Fig. 7.) 

Auf dem Blatte einer Aralie gewahrte ich wurmförmige Furchen, welche schmal beginnen 
und allmälig, ihrem Verlaufe entlang, sich erweitern. Sie kommen in verschiedenen Grössen vor, 
zuweilen in Klumpen dicht bei einander, wobei die dünnen Enden von einem Punkte zu entspringen 
scheinen. Das abgebildete Exemplar ist an der weitesten Stelle 0'4 mm breit, der Anfang und das 
Ende Hessen sich nicht mit Sicherheit constatiren. 

Die ganze Erscheinung erinnert auffallend an die Gänge der Minirmotten, wie wir sie häufig 
in den Blättern der jetzigen Flora antreffen. 

Das abgebildete Exemplar stammt von Vyserovic und ein zweites fand ich auf einem Blatte 
aus dem schwärzHchen Schieferthon der Perucer-Schichten von Mäeno bei Budin. 

Nematus cretaceus Fr. 

(Taf. II, Fig. 4—6.) 

Die Vermuthung, dass die Blattwespen schon zur Zeit der Kreideformation existirt haben, 
basirt sich auf eine Reihe. von eiförmigen Körperchen, welche längs dem Mediannerven eines dicoty- 
ledonen Blattes stehen. Es gibt dies dasselbe Bild, welches wir z". B. auf Birkenblättern finden, wo der 
Nematus septentrionalis auch seine Eier längs der Blattnerven ablegt. Das vorliegende Blatt wurde 
seiner Zeit von einem jungen Botaniker Karl Renger als einer Cryptogame zugehörig betrachtet, indem 
er die Körperchen, welche längs dem . Mediannerven stehen, als Fructificationen ansah und es 
Pteridopliyllites sorigenis benannte. 

Der Umstand, dass die Körperchen ungleich von einander entfernt sind, sowie die genaue 
Untersuchnng ihrer Form, macht es sehr wahrscheinhch, dass dies Eier einer Blattwespe sind. 

Jedenfalls glaube ich durch die stark vergrösserten Abbildungen die Grundlage zur weiteren 
Discussion gegeben zu haben. 

Auf dem erwähnten Blatte stehen zur rechten Seite des Mediannerven 12 birnförmige 
Körperchen, deren jedes von einer vertieften Zone umgeben ist. Die Länge derselben beträgt rs, 
die Breite i mm. Das stumpfe Ende ist nach vorne und aussen gewendet, das schmale Hinterende 
ist bei einigen gerade gegen den Mediannerv gerichtet oder auch nach aussen gekrümmt. (Fig. 5.) 
Bei sehr starker (45maliger) Vergrösserung gewahrt man in dem mittleren Körperchen Höcker und 
Furchen (Fig. 6), welche zur Annahme verleiten, dass in dem Ei schon eine Nymphe vorhanden 
war, von der sich nach vorne und rechts die Andeutung des Kopfes, weiter nach unten die Extremitäten, 
nach links die Körperringe erhalten haben. 



') Bei der Ausfindigmachung der verwandten Gattungen unter den jetztlebenden KTifern war mir Herr K. Pollalv behilflich, 
\iu(\\T ich ihm meinen Dank hiemit abstatte. 



\y] Fossi/c Artitropodcu aus der Steinkohlen- itnd Kreideforniation Böhmens. 



Phryganaea micacea Fr. 

(Tat. II, Fig. S.) 
Archiv. 1. c. pag. iSS. Taf. III. Fig. 6. 

Meine Vermuthung', dass die kleine mit Glimmerblättchen belegte Röhre, welche zuerst nur 
in einem einzigen Exemplare vorlag, einen Phryganaeenköcher darstellt, wurde durch spätere Funde 
bestätigt, denn im Jahre 1872 wurden in Vyserovic mehrere Exemplare von ganz ähnlicher 
Beschaffenheit aufgefunden. 

Die Länge der Köcher beträgt 20 bis 30 mm, die grösste Breite 4 mm. Die Oberfläche ist 
mit ungleich grossen Blättchen weissen Glimmers bedeckt, hie und da ist auch ein grösseres Stück 
Holzkohle dazwischen, welches darauf hinweist , dass auch Pflanzentheile zum Aufbau der Röhre 
verwendet wurden. Spuren des Thieres selbst konnte ich nicht mit Sicherheit nachweisen. 

Die Form des Köchers betreffend, so ist dieselbe schwach gebogen und die allmälige 
Erweiterung zeigt sich bei dem abgebildeten Exemplare darin, dass das hintere Ende 3 mm, das 
vordere 45 mm breit ist. 

Fundort. Schieferthon der Perucer-Schichten in Kounic und Vjserovic bei Böhm.-Brod. 

Blicken wir auf die eben beschriebenen Insectenreste zurück, so lernen wir ihren Werth erst 
dann kennen, wenn wir uns umsehen, wie viel überhaupt in der Kreideformation aus der Insectenwelt 
bekannt war. Dies wird uns durch die schon erwähnte Schrift \o\\ H. Goss erleichtert, wo wir eine 
Zusammenstellung dessen finden, was wir brauchen. 

Aus der We a Iden -F orm atio n weiss man nur von einigen nicht näher beschriebenen Flügel- 
fragmenten von Käfern, Hymenopteren und Dipteren von Leonardson-Sea, welche in der Sammlung 
der Herren Binfield sich befinden sollen. 

Einige Flügeldecken von Käfern wurden von E. Forbes auf der Insel Wight entdeckt und 
einige zweifelhafte Fragmente durch W. R. Brodie bei Punfield Bay, Swanage, gesammelt. 

Aus dem Gault kennt man bloss Bohrgänge eines Hylcsinus in fossilem Holze. 

Aus dem oberen Grünsand (Quadersand) erwähnt Geinitz eines fossilen Holzes, welches 
Bohrgänge eines Bockkäfers {Ceranibyx !) erkennen lässt. 

In der oberen Kreide bei Aachen wurden etwa 10 Arten Käfer aus den Familien der 
Ciu-adionidae und Garabidae entdeckt. Prof Pictet erwähnt auch einiger Flügeldecken aus der 
Gegend von Ronen. 

Sonst ist weder auf dem europäischen Continente, noch in Amerika etwas von Insecten aus 
der Kreideformation bekannt geworden, und von dem, was man kennt, werden weder Namen noch 
Abbildungen citirt. 

Durch die neuen Funde in Böhmen wurde nachgewiesen, dass nicht nur Käfer, Fliegen und 
Hymenopteren, sondern auch Neuropteren und Lepidopteren zur Zeit der Kreideformation existirt haben. 

Bedenkt man, dass die noch nicht aufgefundenen Insectenordnungen der Hemipteren und 
Orthopteren schon aus viel älteren Formationen bekannt sind, so ist deren Vorkommen in der 
Kreideformation auch sehr wahrscheinlich. Somit stellt es sich heraus, dass alle Insectenordnungen 
der Gegenwart bereits in der Kreidezeit existirt haben dürften. 



DIE FLORA DER BÖHMISCHEN KREIDEFORMATION. 

vox 

J. VELENOVSKY. 

I. THEIL. 
Credneriaceae und Araliaceae. 

(Taf. III— YIII.) 



VORWORT. 

Unter dem reichen Materiale an Pflanzenpetrefacten, welches sich während der letzten zwei 
Decennien durch die Arbeiten des Comite's für die naturwissenschaftliche Durchforschung von Böhmen 
im Museum zu Prag angesammelt hat, sind die Ueberreste aus der Kreideformation von besonderem 
Interesse. Aus mehreren Fundorten anderer Länder sind Kreidepflanzen beschrieben worden und 
überall lieferte die Erkenntniss der Formen aus jener Zeit interessante Anhaltspunkte für das Ver- 
ständniss der Entwickelung der Pflanzen im Allgemeinen sowie für die Ausbildung derselben während 
der Tertiärperiode im Besonderen. 

Da aber auch die Tertiärzeit in Böhmen einen bedeutenden Reichthum an Pflanzenarten auf- 
weist, so trachtete ich stets das Verhältniss derselben zu denen der Kreideperiode im Auge zu 
behalten und befasste mich mit dem Studium der Tertiärpflanzen, namentlich derjenigen aus der 
Umgebung von Laun^). 

Aus der Flora der böhmischen Kreideformation sind bis jetzt nur einige Coniferen, Filicineen 
und Algen abgebildet und beschrieben worden. Vor allem seien hier erwähnt die Arbeiten unseres 
Nestors auf dem Felde der Phytopalaeontologie, Grafen Kasp. v. Sternberg (.^Versuch einer 
geogn.-bot. Darstellung der Flora der Vorwelt*. 1820 — 1838), dann Cor d a's phytopalaeontologische 
Beiträge in Reu'ss' jjDie Versteinerungen der böhmischen Kreideformation*, Stuttgart 1845 und 
Karl Renger's Abhandlung ,Pfedvöke rostlintsovo kfi'doveho ütvaru ceskeho"^ 2iva, Praha 1866, 
(S. 113— 141.) 

Ueber die Dicotyledonen besitzen wir jedoch nur unvollständige Berichte in verschiedenen 
Akten und Fachblättern, wiewohl die Flora der böhm. Kreideformation auch an diesen bedeutenden 
Reichthum aufweist. In der letzten Zeit wurden einige Arten vonSaporta (»Le monde des plantes 
avant l'apparition de l'homme'S Paris 1879) und Heer (,,Die Flora von Moletein«) aus Mähren 
beschrieben. 

Einige Nachrichten findet man in Dr. H. B. Geinitz's, ;,Das Quadersandsteingebirge oder 
Kreidegebirge in Deutschland,* Freiburg, 1849—1850, ,, Charakteristik der Schichten und Petrefacten des 



') Abhandlungen der k. Ijöhm. Ges. d. Wissenschaften II. Bd. VI. Folge. „Die tertiäre Flora von Laun«, 10 Taf. 



[2] Die Flora der böhmischen Kreideformation. 9 

sächsisch-böhm. Kreidegebirges", Leipzig 1850 und „Elbthalgebirge in Sachsen«, Cassel 1874, dann 
in Dr. Ot. Feistman t el's Verzeichnisse der Pflanzenabdrücke der böhmischen Kreideformation 
(Sitzungsberichte d. k. böhm. Gesellsch. d. Wiss. 1872 *). 

Ich beginne hiemit eine Bearbeitung der dicotylen Pflanzen 2). Da es unmöglich ist das noch 
grösstentheils unbestimmte Material nach blossen Bruchtheilen der Blätter systematisch ordnen zu wollen, 
konnte ich nicht die Folge der natürlichen Ordnungen einhalten und gebe die Beschreibungen in 
zwangslosen Partien; erst nach Verarbeitung des ganzen vorliegenden Materiales beabsichtige ich 
sämmtliche bis dahin entdeckte Pflanzen in sytematischer Beziehung zu ordnen. 

Ein weiterer Abschnitt wird sämmtliche Früchte, Blüthentheile, Zweige und andere Pflanzen- 
bruchstücke mit Ausnahme der Blätter enthalten. Sodann wird auch eine allgemeine Uebersicht und 
ein Vergleich mit den Kreidepflanzen anderer Länder und der recenten Flora beigefügt werden. 

Schliesslich spreche ich meinen innigen Dank Herrn Prof Dr. Ant. Fritsch, auf dessen gütiges 
Anrathen ich diese Arbeit unternommen und durch dessen freundlichen Beistand ich hierin unter- 
stützt wurde, sowie Herrn Prof. J. Krejöi und Prof Dr. L. Celakovsky aus, welche in vieler 
Hinsicht mich durch Rath und That förderten. 

Prag, den i. JuU 1881. 



Ord. Credneriaceae. 

Credneria boliemica sp. n. 

(Taf. III [I], Fig. I, Taf., IV [II], Fig. 10, II.) 

Blätter gross, bis 25 cm lang (ohne Stiel) und 20 cm breit, rhombisch, immer länger als 
breit, in der Mitte oder in der vorderen Hälfte am breitesten, stets symmetrisch, 
dreilappig (selten einfach lanzettförmig); die Lappen kurz, breit, stumpf endigend; die 
seitlichen kleiner. Nur die obere Hälfte des Blattrandes seicht, buchtig gezähnt, die untere ganzrandig. 
Der Primärnerv gerade, sehr stark, zur Spitze allmälig verdünnt. Die seitlichen Basalnerven (eigentlich 
sind es nur die untersten stärkeren Secundärnerven) ziemlich gegenständig, hoch über der Basis unter 
spitzen Winkeln entspringend und dann in die Spitze der Seitenlappen auslaufend; auf der äusseren 
Seite derselben entspringen mehrere bogenförmige Tertiäräste, welche dicht am Rande durch eine 
Reihe von SchHngen untereinander anastomosiren ; auf der anderen Seite aber entspringen nur am 
Ende 1—2 grössere Tertiärnerven, welche sich mit einem ähnlichen gegenüberstehenden Zweige der 
folgenden Secundärnerven verbinden. Die Secundärnerven sind wechselständig, immer am Grunde 
ein wenig bogenförmig gekrümmt, dann aber gerade, bis zum Rande auslaufend, 
wo sie sich regelmässig unter einem rechten Winkel in zwei Aeste gabeln, welche 
dicht am Rande durch Schlingen untereinander anastomosiren. Das Nervennetz 
scharf hervortretend, aus grossen, starken Querrippen und polygonalen Felder- 
chen zusammengesetzt; die Querrippen laufen in senkrechter Richtung auf die Secundärnerven. 
Der Blattstiel beinahe von der Länge des Primärnerven, gerade, stark, ziemlich hoch über dem 



') Ein vollständiges Verzeichniss aller bis jetzt beschriebenen böhmischen Kreidepflanzen hat Prof. J. Krejci in seiner 
Geologie (Prag, 1880) zusammengestellt. 

^) Ein vorläufiger Bericht über die böhm. Kreidepflanzen findet sich in den Sitzungsber. d. k. böhm. Ges. d. Wiss. 18S1. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, i. 2 



lO 



Velenovsky. , [3] 



Blattgrunde in die Blattspreite eindringend, so dass der Blattrand am Grunde einen 
breiten Saum bildet. Das Blatt von fester derber Natur. 

Diese Art kommt sehr häufig in dem grauen oder schwarzgrauen Schieferthone von Vyäerovic 
vor. Seltener erscheint sie in den weisslichen Schichten von Kau nie. Nicht selten habe ich sie auch 
in den o-rauen Thonen von Melnik bei Sazava gefunden; ihre Blätter gehören jedenfalls zu den 
schönsten Formen des böhmischen Kreideherbariums. Sie ist von bedeutender Grösse und meist gut 
erhalten. Das kleine Exemplar Taf. III (I), Fig. i, wurde bloss darum zur Abbildung gewählt, um Platz zu 
gewinnen; es ist aber von normaler Form, gut erhalten und überall mit gut hervortretender Nervation; 
der Blattstiel ist auf Grundlage eines anderen Fragmentes ergänzt. Die Blätter kommen in dem 
Gesteine immer flach ausgebreitet vor und ihre Nervation tritt scharf hervor. Dem Nervennetze nach, 
welches immer aus starken, kenntlichen Rippen und polygonalen Felderchen zusammengesetzt ist, 
kann man schon die kleinsten Blattfetzen von Cr. boliemica von den folgenden Arten besonders 
der Gredneria rhomboidea unterscheiden. Sehr oft sind die Blätter, besonders die grösseren in der 
Mitte sehr breit. Vorne sind sie regelmässig weniger deutlich dreilappig, buchtig gezähnt. Durch die 
stumpfe Beendigung der Lappen unterscheidet sich Cr. boJiemica bedeutend von den scharf zugespitzten 
Blättern der Cr. rhomboidea. 

Formen, welche von dem in Fig. i, Tafel III (I), dargestellten Typus stärker abweichen, kommen 
selten vor. Nur einmal habe ich bei Kaunic ein Blattstück gefunden, welches ganz einfach rhombisch, 
ganzrandig ist (Taf. IV [II], Fig, 10). Dass man aber auch dieses Blättchen nur zu Credneria bohemica 
zählen kann, beweist die charakteristische Nervation, sowie die eigenthümliche Umsäumung am 
Grunde desselben. 

Das Blatt war von einer festen, mehr häutigen als lederartigen Natur. Irgend eine Einrollung 
der Blattränder, welche Zenker so oft beobachtet hatte und die auch Hos ins (Flora d. Westfäl. 
Kreideform. S. 197) erwähnt, habe ich aber in unserem reichhaltigen Materiale nie gesehen. 

Die Zugehörigkeit der vorliegenden Blätter zu der Gattung, welche Paläontologen schon längst 
Credneria benannt haben, steht ausser Zweifel; man findet an denselben alle Merkmale dieser 
Gattung in vollem Masse entwickelt; besonders die Form des Blattes und die Zusammensetzung der 
Nervation stimmen gut überein. (Ich werde die gemeinsamen Charaktere der Gattung Credneria 
noch später erwähnen.) 

Nebst der erwähnten Nervation unterscheidet sich Cr. boJiemica von allen folgenden Arten 
auch noch besonders durch die abgerundete nicht herablaufende Basis des Blattes. Durch dieses 
Merkmal aber, sowie durch die feinen Secundärnerven, welche an der Basis unter rechten Winkeln 
aus dem Primärnerven hervortreten, verräth sie ihre Verwandtschaft mit den echten Arten der Gattung 
Credneria, während die starke Verschmälerung des Blattes dieselbe zur Section Cliondrophylliim 
oder Ettingshaiisenia verweist. Uebrigens stimmt die ganze Tracht der Nervation, sowie die Form 
des Blattes sehr gut mit den Credneria-Arten, welche Zenker, Hosius (1. c). Stiehl er beschreiben 
und abbilden. 

Am meisten sind unserere Blätter denen von Credneria siibtriloba Zenk., Cr. denticulata 
Zenk. und Cr. triacuminata Hampe ihnWch.; besonders die erste Art steht der unsrigen sehr nahe, sie 
besitzt aber viel kürzere, ganzrandige und breitere Lappen, ihre seitlichen Basalnerven sind nicht so 
hoch gestellt wie bei Cr. bohemica, und nie so stark gegen den Grund hin verschmälert. 

Auch mit den verschiedenen, leider aber grösstentheils ungenügend erhaltenen Blättern, die 
zur Section Chondrophylbtm gestellt werden, kann unsere Art keineswegs in Uebereinstimmung 
. gebracht werden. 



[4] Die Flora der bdliuiiscJicii Krcidcforniatiou. 



II 



Die ähnlichsten Blätter, welche ich in der Literatur überhaupt finde, führe ich hier an : 
A. W. Stiehler, Beiträge z. Kenntn. d. vorweltl. Flora d. Kreidegb. im Harze. Paläontogr. (V), S. 64, 
Taf. IX, Fig. 5. 

Crediieria snbtriloba Zenker, steht zwar unserer Art sehr nahe, aber durch den ganzen 
Umriss, durch die Form der Basis und der Lappen, sowie auch durch die Tracht der Nervation 
ist sie sicher verschieden. 
Zenker, Beiträge zur Naturgeschichte der Urwelt. S. 20, Taf. III u. II. 

Crediieria snbtriloba. Von den hier abgebildeten Blattfragmenten gilt dasselbe, was von dem 
vorhergehenden Blatte. 
Dr. B. Geinitz, Eibthalgebirge in Sachsen (I), S. 308, Taf LXVII, Fig 3. 

Crediieria cuneifolia Bronn. Stimmt mit den Blättern von Cr. bohemiea ziemlich gut überein, 
das abgebildete Blatt ist aber so schlecht erhalten, dass es zur Vergleichung nicht zuverlässig 
benützt werden kann. 
Bronn, Lethaea geogn. Taf XXVHI, Fig. 11. 

Crediieria eiineifolia Br. Steht der Cr. boliemica nahe, die Dreilappigkeit ist aber nicht gut 
ausgesprochen und die Bezahnung des Randes ist von einer ganz anderen Art. 

Auch Sternberg's PliyUites repaiidiis (Hft. 2, S. 29, Taf XXV, Fig. i) (aus Tetschen) kann 
dieselbe oder eine sehr verwandte Art von Cr. bohemiea sein. Dasselbe gilt auch von Brongniart's 
Credneria Sternbergi. Die Abbildungen können aber zur sicheren Vergleichung nicht genügen. 

Credneria rhomboidea sp. n. 

(Taf. III [IJ, Fig. 2, 3, Taf. IV [II], Fig. 1.) 

Blätter gross, bis 18 cm lang (ohne Stiel), rhombisch viereckig bis rundlich, entweder 
so lang als breit oder etwas breiter, in der Mitte am breitesten, sehr oft ungleich- 
seitig, vorne scharf, nicht buchtig gezähnt; die ganze untere Hälfte ganzrandig. Die 
Spitze zwar kurz aber scharf endigend. Die Blatt r an der am Grunde lang am 
Stiele herablaufend. Der Primärnerv gerade, stark, gegen die Spitze verdünnt. Die untersten 
S e c u n d ä r n e r V e n d u r c h L ä n g e \' o n d e n f o 1 g e n d e n n u r w e n i g verschieden, gegenständig, 
dicht aus dem Grunde des Blattes oder ein wenig höher über demselben hervor- 
tretend. Die übrigen Secundärnerven wechselständig, unter spitzen Winkeln entspringend, am Grunde 
nie gekrümmt, bis zum Rande in gerader Richtung in die Zähne auslaufend, 
ohne sich in deutliche Gabeläste zu verzweigen. Nur die untersten sind an der 
äusseren Seite mit einer Reihe von bogenförmigen Tertiärästen und an der innnern 
näher der Spitze mit einem ähnlichen T ertiär zweig e versehen. Aus dem Nerven- 
netze nur diestärkeren Querrippen kenntlich; dieselaufen dicht und untereinander 
parallel, beinahe senkrecht auf die Secundärnerven, und sind gewöhnlich in der 
Mitte gekrümmt. Der Blattstiel so lang oder länger als der Primärnerv, gerade, stark. Das Blatt 
von einer festen, derbhäutigen Natur. 

In den graubräunhchen Thonen bei Kl. Kuchelbad sehr häufig; im Jahre 1869 — 1871 sind 
von der genannten Localität zahlreiche Exemplare dieser schönen Art in die Museensammlungen 
gekommen, während jetzt (1881) der Steinbruch aus dem Jahre 1871 spurlos verschüttet ist. Erst heuer 
im Frühling ist es mir gelungen, in den Schichten des weissen Modellirthones, welcher bei Kuchelbad 
bis jetzt gegraben wird, ein Exemplar dieser Art wieder zu finden. Dagegen fand ich in den grauen 

2* 



12 



Velenovsky. ^ [5] 



an Pflanzenabdrücken so reichen (besonders die schöne Dryandra cretacea sp. n. ist für diese 
Schichten bezeichnend) Thonschichten desselben Fundortes kein einziges Fragment von Gr. rliomboidea. 

Diese Credneria-Kxi ist durch viele Merkmale wie von den böhmischen, so von allen 
ausländischen bis jetzt bekannten Arten sehr verschieden. 

Die gewöhnlichste Form ist die rhombische, etwa wie auf dem Blatte Taf. III (I), Fig. 3 ; das 
Blatt ist nämhch so lang als breit, oder beinahe breiter, sehr oft ungleichseitig, am Grunde mehr 
oder weniger an dem Stiele herablaufend. Die Grösse ist gewöhnlich viel bedeutender, als bei den 
abgebildeten Exemplaren. 

Von dem gewöhnhchen rhombischen Typus weichen nicht selten jene Blätter ab, welche eine 
mehr oder weniger rundliche Form besitzen. In solchem Falle sind auch die grundständigen seit- 
lichen Basalnerven viel länger und auch mehr gekrümmt als die übrigen Secundärnerven. Manch- 
mal sehen diese rundlichen Formen so eigenthümhch aus, dass man in denselben sehr leicht eine 
verschiedene Art sehen könnte ; aber die charakteristischen Merkmale aller Blätter von Cr. rhonib. 
sind auch da immer deutlich und beweisen die Zugehörigkeit zu unserer Art. Die Basis ist auch 
bei diesen rundlichen Formen zum Stiele verschmälert, herablaufend und ungleichseitig, die scharfe 
Bezahnung, die eigenthümliche Endigung der Spitze ist auch da gut zu beobachten. Es kommen 
übrigens auch Uebergangsformen von ganz rundlichem bis zum rhombischen Typus sehr häufig neben- 
einander vor. Zu solchen Formen kann man schon Fragmente wie Taf. III (I), Fig. 2 und Taf. IV (II), 
Ficr. I, zählen. Ganzrandige, einfache Blätter wie bei Cr. bohcmica fand ich bei dieser Art nicht. 

Nicht nur die Form des Blattes, sondern auch die ganze Tracht der Nervation ist bei 
Cr. rliomboidea specifisch von allen anderen Credjieria-ArtQn verschieden. Die Secundärnerven sind 
hier meist ziemhch zahlreich, gerade, untereinander parallel und am Ende nie gabelförmig verzweigt. 
Die Richtung des Nervennetzes geht nicht ganz senkrecht auf die Secundärnerven; die stärkeren 
Quernerven desselben treten schärfer hervor, sind zahlreich, untereinander parallel, in der Mitte 
gekrümmt und mit anderen viel feineren regelmässig abwechselnd. Die kleinsten Felderchen sind nur 
mittels einer Lupe besser bemerkbar; in dieser Hinsicht ist diese Art freilich von Cr. bohemica sehr 
viel verschieden. 

Es ist kein Zweifel, dass auch diese Blätter zur Gattung Credneria gezählt werden müssen. 
Die Dreilappigkeit kommt hier allerdings nicht vor, aber es fehlt dieses Merkmal auch anderen Arten 
(z. B. Cr. denticulata, Cr. integerrima etc). Die eigenthümliche Bezahnung, die starken Basalnerven 
mit den Tertiärästen auf der äusseren und mit einem ähnlichen Zweige auf der inneren Seite (siehe 
z. B. Taf. III [I], Fig. 3), die ganze Tracht der Nervation, der lange Blattstiel (auf dem Blatte Taf. IV [II], 
Fig. I, ist er ganz erhalten) — das alles charakterisirt alle Credneria-Arten so gut und kommt nun 
auch bei diesen Blättern vor. 

Die starke Verschmälerung zur Basis, sowie das Herablaufen des Blattrandes reiht sie ganz 
gut zu der-Section Chondrophyllum. 

Der Umstand , dass bei Gr. rliomboidea die seitlichen Basalnerven von den übrigen 
Secundärnerven, was Länge und Stärke betrifft, nur wenig verschieden sind, mag auch als gutes 
Merkmal für diese Section angenommen werden ; bei den folgenden Arten wird sich dasselbe noch 
wiederholen. 

Von den hier beschriebenen Arten unterscheidet sich Cr. rliomboidea so deutlich, dass eine 
Vergleichung ganz überflüssig wird. Am leichtesten könnte sie noch mit den Blättern von Cr. boliemica 
verwechselt werden ; die Nervation, sowie alle vorher hervorgehobenen Merkmale lassen sie aber bei 
näherer Betrachtung sogleich als ganz verschiedene Art erscheinen. 



[6] Die Flora der böhmischen Kreideformation. 13 

Von den anderen, ausländischen Arten ist Cr. rhoniboidea der Credncria dcnticnlata Zenk. 
am ähnlichsten; siehe z. B. Stiehler, Paläontogr. (V) Taf. IX, Fig, 4 oder Zenker, Beiträge zur 
Naturgesch. d. Urwelt, Taf. II, Fig. E. Besonders die zugerundete Form von Cr. rliomboidea steht 
dieser Art sehr nahe. Die abweichendsten Charaktere der Cr. rhoniboidea im Vergleich mit Gr. den - 
ticidata sind aber : Blätter im Umriss rhombisch (bei Cr. deiiticulata oval bis rundlich), die Blatt- 
ränder am Grunde herablaufend (bei Cr. deiiticulata abgerundet oder sogar herzförmig), die Secundär- 
nerven zahlreich, gerade, das unterste Paar von den übrigen wenig verschieden und dicht aus dem 
Grunde auslaufend (bei Cr. deiiticulata sind die seitlichen Basalnerven durch Grösse und Stärke von 
den höheren Secundärnerven bedeutend verschieden, mehr oder weniger bogenförmig gekri.immt 
und immer hoch über der Basis gestellt). 

Die Ungleichseitigkeit des Blattes bei Cr. rhoniboidea ist ziemlich bemerkenswerth. Ich finde 
keine andere Species dieser Gattung, bei welcher irgend eine Ungleichseitigkeit erwähnt würde. 



Credneria laevis sp. n. 

(Taf. III [I], Fig. 4, Taf. IV [H], Fig. 2, 3, 4, 5, 6.) ' 

• 

Blätter i — 12 cm lang (ohne Stiel), immer länger als breiter, im Umrisse rhombisch, 
lanzettförmig, in der Mitte am breitesten, symmetrisch, dreilappig bis einfach lanzett- 
förmig und ganzrandig, zum Stiele hin verschmälert, aber nie merklich herablaufend. Der 
Mittellappen am grössten, in eine lange Spitze vorgezogen, beiderseits mit 2 — 3 
grossen scharfen Zähnen; die seitlichen Lappen nur auf der äusseren Seite mit einem oder 
zwei ähnlichen Zähnen versehen, seltener alle Lappen ganzrandig, oft die seitlichen nur als 
grössere unterste Zähne in der Mitte des Blattes erscheinend. Der Primärnerv gerade, 
ziemlich schwach, aber doch wie die übrigen Nerven scharf hervortretend. Die untersten 
Secundärnerven öfter gegenständig, ziemlich hoch über der Basis entspringend, gerade, meistens mit 
dem Blattrande parallel. Dieselben, sowie die übrigen Secundärnerven entspringen 
unter sehr s pitz e n Wi nk ein, sind aber am Grunde ein wenig gekrümmt und laufen erst dann in 
gerader Richtung bis zum Rande. Die untersten auf der äusseren Seite mit wenigen 
bogen förmigen Tertiäräste n, die übrigen nur am Ende mit einem ahn liehen seh wachen 
Zweige versehen. Das Blatt stets glatt bis glänzend, von einer festen, häutigen Natur. 
Nur sehr selten treten die stärkeren Quernerven des Nervennetzes hervor; sie sind schwach, in senk- 
rechter Richtung auf die Secundärnerven. Mehr als auf den Abbildungen angedeutet ist, konnte 
ich von der Nervation nie beobachten. 

Es scheint, dass diese Pflanzenart in den Perucer-Schichten in Böhmen allgemein verbreitet 
ist. Sehr häufig kommt sie in dem Schieferthone von Vyäerovic und Kau nie vor. Oefter habe 
ich sie in dem grauen Thone von Melnik bei Sazava gefunden. Ein Blättchen von einer rhombisch 
lanzettlichen Form, vorne am Rande mit wenigen grossen Zähnen, habe ich im Jahre 1881, in dem 
bröckeligen sandigen Schieferthone aufVydovle bei Jinonic gefunden. 

Die Blätter von dieser Art sind ihrer Form nach im höchsten Grade veränderlich. Nur durch 
die Beobachtung der verschiedensten Uebergangsformen kann man z. B. die zwei extremen Blätter 
Taf. IV (II), 2 (von Melnik) und Taf III (I), Fig. 4 (von Vyserovic) für dieselbe Art halten. Die Grösse, 
ganze Umriss, sowie die Bezahnung variirt bei diesen Blättern. 



^4 Velenovsky. ryi 

Die gewöhnlichste Form ist wohl diejenige, welche man in den Blättern Fig. 2, 3, 4, Taf. IV (II), 
sieht. Das Blatt ist hier dreilappig, die Lappen am Rande buchtig gezähnt. Nicht selten findet man 
aber auch, dass die Blätter ganz einfach, nicht gelappt, nur buchtig gross gezähnt sind. Dann kommen 
Blätter von einer einfachen, rhombisch-lanzettlichen, und ganzrandigen Form (Taf. III [I], Fig. 4). In 
diesem Falle variiren dieselben noch durch Grösse, Breite und Länge (z. B. Taf. IV [II], Fig. S, 6). 

Dennoch kann man in jedem Falle die Blätter von Cr. laevis sogleich erkennen. Die 
ungewöhnliche Glätte, die scharf hervortretenden Nerven, das Fehlen des Nervennetzes, der stets 
rhombische Umriss sind für diese Art ausschhesslich bezeichnend. 

Es kann jetzt die Frage aufgeworfen werden, ob man diese Blätter wirklich zur Gattung 
Gredneria zählen darf. Die ersteren Formen, wie z. B. Taf. IV (II), Fig. 6, sind freilich Crednerienblättern 
nur wenig ähnlich, aber schon auf dem Blatte Taf. IV (11), Fig. 2, findet man alle Kennzeichen dieser 
Gattung gut ausgeprägt, und mit diesem Exemplare muss man jedenfalls auch die Blätter Taf. IV (II), 
Fig. 3,4 eng verbinden. Das Blatt Fig. 2, ist, wie die Mehrzahl der Crednerien, dreilappig, buchtig 
gezähnt, von rhombischer Form, mit deuthchen Basalnerven, welche auf der äusseren Seite eine 
Reihe von Tertiärästen abzweigen ; die Secundärnerven gabeln sich am Ende gerade so wie bei allen 
echten Crednerien. Das Nervennetz, so weit es erhalten ist, zeigt dieselbe Zusammensetzung wie 
bei anderen Arten. 

Der Blattstiel ist ziemlich kurz, aber im Verhältnisse zum Primärnerven für die Gattung Gredneria 
noch lange genug. (Ganz erhalten sieht man denselben auf Taf. IV (II), Fig. 23.) 

Für ein specifisches Merkmal kann auch das gehalten werden, dass die Basalnerven am 
Ende auf der inneren Seite keinen tertiären Zweig abzweigen. 

Nach Allem dem kann nun kein Zweifel sein, dass auch diese Blätter einer Gredneria 
angehören. Freilich zeigt sich hier noch mehr die Nothwendigkeit eine neue Gattung von Gredneria 
abzutrennen. Denn die generischen Charaktere der Gattung Gliondropliylhim {Ettingskaitsenia) treten 
bei den Blättern von Cr. laevis so scharf hervor, dass sie z. B. mit den Blättern von Cr. acuminata, 
Cr. denticulata, Gr. subtriloba sehr wenige gemeinschaftliche Merkmale besitzen. 

Es lassen sich unsere Pflanzenreste mit keiner bisher beschriebenen Art vergleichen. Am 
nächsten stehen sie noch den Blättern von Gr. boheniica und Gr. rlioniboidea. Besonders die ganz- 
randigen Formen sind ziemlich verwandt mit dem Blatte von Gr. boheniica auf Taf IV (II), Fig. 10. 

Gredneria arcuata sp. n. 

(Taf. VIII [VI], Fig. 9.) 

Das Blatt rhombisch lanzettförmig, ganzrandig, zur Basis sowie zur Spitze allmälig verschmälert, 
etwa 10 cm lang, in der Mitte am breitesten. Der Primärnerv gerade, sehr stark, an der Spitze 
verdünnt. An jeder Seite desselben 3 — 4 starke, bogenförmig gekrümmte Secundär- 
nerven; die untersten viel länger als die übrigen, nicht vollkommen gegenständig; auf 
der äusseren Seite derselben wenig bogenförmige Tertiäräste. Aus dem Nervennetze nur spärHche 
Querrippen hie und da bemerkbar. Der Blattstiel sehr stark, gerade, etwa von der halben Länge 
des Primärnerven. 

Im Frühjahre 1881 habe ich das abgebildete Blatt in dem schwarzgrauen Schieferthone von 
Vygerovic (der letzte Steinbruch von Vyserovic) gefunden. 

Obwohl das vorliegende Blatt ziemlich gut erhalten ist, so genügt es doch nicht ganz 
zum sicheren Beweise, dass man es mit dem Reste einer guten von Cr. laevis verschiedenen Art zu 



[8] Die Flora der böhmischen Kreideformation. 15 

thun habe. Es müssen noch weitere Exemplare gefunden werden, um die Verschiedenheit der beiden 
Arten zu bestätigen. Das Blatt ist besonders dem Blatte von Cr. laevis Taf. III (I), Fig. 4, auffallend 
ähnlich. 

Dennoch findet man bei Cr. arcuata einige ziemlich bemerkenswerthe Merkmale, welche 
derselben als specifische Charaktere mit Recht zugeschrieben werden können. So sind hier die 
Secundärnerven, sowie der Primärnerv sehr stark, der Blattstiel etwas kürzer und dicker als bei 
Cr. laevis. Die Secundärnerven, nur wenige an der Zahl und ausserdem stark nach vorne bogen- 
förmig gekrümmt, so dass ihre Enden mit dem Rande parallel laufen. 

Das Nervennetz ist wie bei Cr. laevis ganz unkenntlich. 

Credneria superstes sp. n. 

(Taf. IV [II], Fig. 7. S, 9.) 

Blätter höchstens 6 cm lang, länger als b r ei t, ve rke hrt eiförmig, zum Stielhin 
verschmälert,in dem oberen Drittel am breitesten, ganzrandig, vorne kurz und stumpf 
endigend, aber abgerundet. Der Primärnerven stark, gerade. Die Secundärnerven unter spitzen 
Winkeln entspringend, gerade, mit den Enden hart am Rande bogenförmig gekrümmt; 
keiner von denselben weder durch Grösse, noch durch Länge von den übrigen 
bedeutend verschieden; alle wechselständig. Der unterste von ihnen auf der äusseren 
Seite mit einer Reihe von regelmässigen Tertiärästen, welche untereinander durch Schlingen anasto- 
mosiren. Aus dem Nervennetze nur die stärkeren Quernerven erhalten ; dieselben laufen in senkrechter 
Richtung auf die Secundärnerven. Alle Nerven treten scharf hervor. Der Blattstiel gerade, stark. Das 
Blatt von fester, lederartig häutiger Natur. 

Ausser den abgebildeten Blattfragmenten habe ich in dem Materiale, welches Herr Prof 
Dr. A. Fritsch inj Jahre 1865 bei B öhm. - Leipa für die Museensammlungen gewonnen hatte, noch 
einige allerdings sehr wenig instructive Blattfetzen gefunden. Das Gestein, in dem sich diese Pflanzen- 
reste vorfinden, ist ein fester, harter Sandstein aus den Chi om eker- S chicht e n, den jüngsten in 
der böhmischen Kreideformation. 

Es liegt uns zwar kein vollständig erhaltenes Blatt vor, aber aus den drei Fragmenten, welche 
abgebildet wurden, kann sehr leicht die ganze Form desselben zusammengesetzt werden. Das Blatt 
war vorne am breitesten, und hier entweder einfach abgerundet oder kurz stumpf endigend. Die 
gebogenen -Enden der Secundärnerven deuten diese Endigung des Blattes am besten an. Das Blatt 
ist überall ganzrandig. Die Nerven treten sämmtlich scharf hervor. Aus dem Nervennetze sind nur 
die stärkeren Querrippen kenntlich erhalten. 

Ich habe diese Blätter als eine Crednerienart bestimmt; die Richtigkeit dieser Auffassung 
bedarf jedoch der Bestätigung durch weitere Studien. Es bleibt aber wenig Hoffnung eine grössere 
Zahl instructiverer Exemplare zu finden, da das Gestein nach der Aussage des H. Prof Fritsch jetzt nicht 
so leicht zugänglich ist; so müssen denn Vergleiche auf die vorhandenen Blattreste beschränkt bleiben. 
Ich bezweifle nicht, dass man sehr leicht eine andere Pflanzenart finden kann, mit welcher 
diese Blätter verglichen werden könnten; aber in demselben Masse kann Niemand die auffallende 
Aehnhchkeit derselben mit Crednerienblättern läugnen. Stellt man unsere Blattreste zur Section 
Chondrophylbmi, so finden wir beinahe gar nichts, was dieser Bestimmung entgegen sein könnte. Die 
Blätter von Cr. snperstes sind zwar viel kleiner, als man sie bei Crednerien zu sehen gewöhnt ist; wir 
finden aber auch bei Cr. laevis Exemplare von denselben, ja von noch geringeren Dimensionen. Die 



i6 Velenovsky. r^j 

seitlichen Basalnerven sind bei Cr. sicperstes nicht melir zu bemerken, die untersten Secundärnerven 
sind da sogar regelmässig abwechselnd. Wir haben auch bei Cr. laevis und Cr. iohemica (Taf. II. Fig. lo, 31, 
Taf. I, Fig. 4) auf den ganzrandigen Blättern denselben Fall gefunden. Es ist ja ganz natürlich, dass 
bei ganz einfacher, nicht dreilappiger Form des Blattes sich auch keine seitlichen Basalnerven ent- 
wickeln. Wir haben dasselbe auch bei den rhombischen Blättern von Cr. rhomboidea bemerkt. 

Der Umstand endhch, dass die Blätter von Cr. superstcs sämmtlich ganzrandig vorkommen, 
kann auch der Bestimmung derselben als eine Credneria nicht widersprechen. Wir haben bei 
Cr. laevis, sowie bei Cr. bohemica auch ganzrandige Blätter in genügender Anzahl gefunden. 

Dieses wären etwa jene Merkmale, welche am meisten gegen die Gartung Credneria sprechen 
könnten. Wir finden aber auf den Blättern von Cr. siiperstes viele andere Merkmale, welche mit dieser 
Gattung sehr gut übereinstimmen. Die Nerven treten auch hier wie bei allen Crednerien scharf hervor. Die 
Secundärnerven laufen bis zum Rande hinaus, wo sie durch Schlingen gerade auf dieselbe Weise wie 
z. B. auf dem Blatte von Cr. bokeviica, Taf. IV (11), Fig. 10, oder von Cr. laevis, Taf. IV (II), Fig. 6, 
Taf. III (I), Fig. 4, untereinander anastomosiren. Auf der äusseren Seite der untersten Secundär- 
nerven entspringen regelmässige bogenförmige Tertiäräste wie bei allen vorhergehenden Arten. 

Das Nervennetz, so weit dasselbe erhalten ist, ist von derselben Art wie bei allen Crednerien. 
Die ganze Form des Blattes ist hier für die Gattung auch nicht ungewöhnlich. 

Das Vorkommen einer Credneria in den Schichten, deren Entstehung in die letzte Zeit der 
Kreideperiode fällt, ist jedenfalls überraschend. Es finden sich mit dieser Art im dem Sandsteine von 
Böhm.-Leipa auch rein tertiäre Pflanzen, wie z. B. Pisonia eoceiiica, Eucalyptus oceaniczis, R/ms prisea, 
Cassia pliaseolithes und Dryandroides-Ar'ten, in denen ich gar keinen Unterschied von den 
Pflanzen aus der ältesten Tertiärperiode finden kann. Dass die genannten Schichten noch in die 
Kreidezeit fallen, beweisen nicht nur die örtHchen geologischen Verhältnisse, sondern auch die 
thierischen Reste einer Fischart Osmeroides Leioesiensis Ag. und Pecten airvahis, welche Prof. 
Dr. F ritsch dort gefunden hat. Uebrigens kommen hier auch Pflanzentypen vor, welche für die 
Kreideflora überall sehr charakteristisch sind ; ich erwähne hier z. B. einige Farnarten und eine Aralia. 

Man bemerkt, dass in den jüngeren Schichten aus der Kreidezeit Crednerien nirgends mehr 
erscheinen; ja in den so reichen Fundorten auf Kreidepflanzen in N. -Amerika hat L e o Lesquereux 
keine einzige Art aus dieser Gattung beschrieben (wie bekannt, stimmt die erwähnte Kreideflora 
Amerika's auffallend mit den ältesten Tertiärfloren in Europa). 

Wenn daher die Bestimmung der Cr. siiperstes noch durch die weiteren Beobachtungen 
bestätigt wird, so wird es immerhin besonders für die Genealogie der Crednerien sehr interessant 
sein, dass sich noch Reste der Gattung in Ablagerungen vom jugendlichen Alter der Chlomeker- 
Schichten finden. 



Allgemeine Bermerkungen über die Gattung Credneria. 

Wir haben gesehen, dass die in Böhmen gefundenen Crednerien von allen ausländischen 
Arten verschieden sind, und dass alle nur der Section CJiondrophylhim angehören, wie es ohne 
Zweifel auch bei den sächsischen und mährischen Arten der Fall sein wird (siehe Stiehler, Paläontogr. 
Bd. V, S. 60 — 61). Chondrophyllum grajididendatum Heer von Moletein so^vie Credneria cuneifolia 
Bronn aus Sachsen gehören wenigstens auch hieher. 

Wenn man die Blätter von allen bisher bekannten Arten der Gattung Credneria zusam- 
menstellt und untereinander vergleicht, so lassen sich folgende generische Charaktere aufstellen : 



lO 



Die Flora der b'öJiniischen Krcidcforination. ij 



Blätter im Umrisse rhombisch, mehr oder weniger rundlich, meistens vorne dreilappig und 
buchtig gezähnt, immer in der unteren Hälfte ganzrandig, am Grunde abgerundet oder herzförmig 
oder zum Stiele keilförmig verschmälert bis herablaufend. Der Primärnerv stark, gerade, vorne ver- 
dünnt. Die Secundärnerven unter spitzen Winkeln entspringend, gerade, bei dem Rande gabelig ver- 
zweigt oder einfach in die Zähne auslaufend, seltener mit den Enden dicht am Rande gebogen. 
Die untersten Secundärnerven viel stärker und länger als die übrigen, meist gegenständig, mehr oder 
weniger hoch über dem Grunde stehend (die Basalnerven). Auf der äusseren Seite derselben ist eine 
Reihe von regelmässigen, bogenförmigen Tertiärästen, auf der inneren aber näher dem Ende entspringt 
nur ein einziger ähnlicher Zweig. Das Nervennetz in senkrechter Richtung auf die Secundärnerven, 
aus stärkeren parallelen Querrippen zusammengesetzt; eine feine Structur nirgends bemerkbar. Der 
Blattstiel etwa von der Länge des Mittelnerven, gerade, stark. 

Und für die Section Cred?ieria könnten folgende Charaktere gelten. 

Blätter breitrhombisch bis rundlich, am Grunde herzförmig abgerundet. Die seitlichen Basal- 
nerven stark, lang, hoch über dem Grunde gestellt; unter denselben noch mehrere schwache unter 
rechten Winkeln entspringende Secundärnerven. Der Blattstiel immer von der Länge des Mittelnerven. 

Dann für die Section Chondrophylluni (Ettings hauseiiia) : Blätter rhombisch bis rhombisch 
lanzettlich, oft ganz einfach, ganzrandig, zum Stiele keilförmig \'erschmälert bis herablaufend. Die 
seitlichen Basalnerven nicht selten weder durch Länge noch durch Stärke von den übrigen Secundär- 
nerven verschieden, entweder aus dem Blattstiel, oder höher über der Basis entspringend, seltener 
gegenständig. 

Nach dieser Diagnose kann freilich Credncria boJieiiiica so gut zu den echten Crednerien als 
auch zur Section Chondrophylluni gezählt werden. Die starke Verschmälerung des Blattes zum 
Grunde, sowie die einfache ganzrandige Form (wie Fig. lo, Taf IV [II]) reiht sie zu Cliondrophylhuii. 
Aber wir finden hier die senkrechten secundären Nervillen unter den Basalnerven auf dieselbe Weise 
entwickelt, wie bei allen echten Crednerien vom Harz und aus Westphalen. Auch die abgerundete Basis 
gehört zu den Merkmalen der echten Crednerien. 

Es können uns demnach die Blätter von Credncria bohemica der beste Beweis sein, dass alle 
Blätter der Crednerien und Chondrophyllen überhaupt sehr verwandten Pflanzenarten angehören müssen. 
Wir haben eigentlich kein Recht zwischen den Crednerienblättern echte Crednerien und Chondrophylla 
zu unterscheiden, noch zu behaupten, dass sie überhaupt eine selbständige Familie bilden. Das lässt 
sich nur durch die Blüthenverhältnisse oder mehrere andere Charaktere entscheiden ; auch die Früchte, 
welche möghcherweise noch gefunden werden können, würden die Bestimmung der Crednerien sehr 
wenig erleichtern ; denn, wenn man annehmen kann (und das ist aus der Tracht der Blätter sämmt- 
licher Crednerien schon beinahe festgestellt), dass die Crednerien eine selbständige aber doch 
mit den Moreen verwandte Ordnung bilden, so brauchen die Früchte dei'selben noch nicht von der- 
selben Art wie bei den Moreen zu sein. 

Wir finden ja so oft auch unter den jetzt lebenden Pflanzen die Früchte bei sehr nahe 
verwandten Gattungen sehr verschieden entwickelt. Das Vergleichen der Früchte von Crednerien mit 
ähnlichen der jetzt lebenden Arten kann also nie absolut zuverlässig sein. Aus demselben Grunde 
lässt sich bei dem so häufigen Vorkommen von Crednerien annehmen, dass Crednerienfrüchte schon 
längst gefunden wurden, aber bisher nicht als solche erkannt worden sind. 

Wir wollen alle jene Ansichten, welche über die Verwandtschaft der Crednerienblätter von 
verschiedenen Beobachtern geäussert worden sind, nicht wiederholen. Ich weise in dieser Hinsicht auf 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, i. 



i8 Velenovsky. [ii] 

die schönen Arbeiten Stiehler's (Palaeontogr. Bd. V, S. 57 — 69) und Prof. Hosius u. Dr. v. d. 
Marck (Flora der Westfälischen Kreideformation, S. 195 — 197) hin. 

Was aber mich betrifft, so bin ich entschieden nicht der Meinung, dass die Crednerienblätter 
mit den Gattungen Salix, Popithis, Platamcs, Cissus und Goccoloba verwandt sein könnten. In den 
drei erstgenannten Gattungen ist die Tracht der Ner.vation ganz verschieden ; die feine Structur des 
Nervennetzes, wie sie sich z. B. bei Populusblättern findet, kommt bei den Crednerien nie vor; die 
Primär- und Secundärnerven sind bei den Crednerien ebenfalls viel gröber und stärker als bei diesen 
Gattungen. Bei Cissus und Coccoloba ist die ganze Form der Blätter zumeist von anderer Art wie 
bei den Crednerien. 

Wir stimmen der Ansicht Hosius' bei (1. c. S. 197), dass die wunderbare Verdickung der 
Blattstiele, welche Stiehler auf seinen Crednerien beobachtet und abgebildet hatte, im natürlichen 
Zustande kaum normal sein wird. Auf anderen Crednerienarten wurden sie nicht beobachtet und auch 
Zenker macht davon keine Erwähnung. 

Es ist das Wahrscheinlichste, dass die Crednerien eine selbständige Ordnung bilden, welche 
in naher Verwandtschaft zu den Moreen steht. Mit dieser Ansicht stimmt die grösste Zahl der 
Beobachter überein und es lassen sich auch zur Bestätigung derselben nicht unwichtige Umstände 
anführen. 

Eine solche Form des Blattes wie bei den Crednerien finden wir zwar bei den Moreen nicht, 
aber wir haben hier andere und wichtigere Merkmale, welche in der Familie der Moreen so häufig 
vorkommen. So ist zum Beispiel der lange, gerade und starke Blattstiel, welcher sich bei Credneria 
bohemica auf der Rückseite des Blattes befindet, sehr auffallend. Auch bei den meisten Moreen findet 
man sehr lange, starke Blattstiele. 

Die Umsäumung am Grunde des Blattes von Credneria bohemica, sowie die breite, herzförmig 
abgerundete Basis der echten Crednerien und die hochgestellten Basalnerven bei denselben halte ich 
für einen guten Fingerzeig, dass die Verwandten der Crednerien auch Blätter mit rundlichem Umrisse 
und strahlläufiger Nervation besitzen mussten. 

Ganz ähnhche Verhältnisse finden wir wirklich bei einigen Arten aus der Gattung Artocarpjis 
und Cecropia. Besonders Cecropia palinata lässt sich in dieser Hinsicht mit den Crednerienblättern gut 
vergleichen. Auch bei dieser findet man einen langen, starken Blattstiel, welcher auf der Rückseite 
der Blattspreite befestigt ist; man findet hier aber eine strahlläufige Nervation und ein mehrlappiges 
Blatt. Dagegen sind aber die Lappen auf dieselbe Weise wie bei den Crednerien seicht buchtig gezähnt 
bis ganzrandig, die Secundärnerven am Grunde ein wenig einwärts gebogen, dann aber gerade und 
am Ende gabelig verzweigt ; die Gabeläste verbinden sich dicht am Rande durch Schlingen unter- 
einander; aus dem Nervennetze sind nur die starken parallellaufenden Querrippen bemerkbar, die 
feinere Structur tritt nie deutlich hervor. 

Alle diese Merkmale des Blattes von Cecropia palmata stimmen nun mit den Crednerienblättern 
so auffallend überein, dass nur die Form des Blattes und die strahlläufige Nervation beide verschieden 
macht. Aber gerade der Umstand, dass die Blätter der Crednerien nicht rundhch, sondern mehr 
rhombisch bis lanzettlich sind, ist die Ursache davon, dass bei denselben nur drei Basalnerven ent- 
wickelt vorkommen. Doch die Umsäumung an der Blattbasis bei Cr. bolieinica sowie der breite herz- 
förmig abgerundete Blatttheil unter dem Zusammenfluss der Basalnerven bei den echten Crednerien 
können mit Recht für Spuren oder Rudimente eines mehrlappigen mit strahlläufiger Nervation ver- 
sehenen Blattes gehalten werden. 



[l2] Die Flora der b'öJiiiiischen Kreideforination. 19 

Bei Artocarpus rigidiis L. befinden sich am Ende gerade so gabelig verzweigte Secundär- 
nerven, eine gerade so geformte Blattbasis, derselbe Blattstiel, dieselbe Zusammensetzung der Nerva- 
tion wie bei allen Crednerien. 

FicHs Sycomortis L. besitzt ebenfalls wie die Crednerien dreilappige Blätter mit einer ähnlichen 
Nervation; auch die Bezahnung stimmt überein; nur die Form ist etwas verschieden. 

Zur Vergleichung führe ich noch Ficiis hispida C. an Es scheint, dass die veränderliche Form 
der Blätter, welche wir besonders bei Cr. laevis gesehen haben, ein für die Crednerien allgemein 
giltiges Merkmal ist; bei unseren Arten kommt dies wenigstens überall vor. Diese Eigenschaft der 
Blätter ist aber für eine bedeutende Zahl von verwandten Gattungen manchmal charakteristisch. Bei 
den Moreen erscheint sie sehr häufig; ich nenne z. B. die Gattung iloriis, Brussonetia, Macriira. In 
dieser Hinsicht stimmen also die Moreen mit den Crednerien auch überein. 

So viel lässt sich nun zur Vergleichung der Crednerien mit der Familie der Moreen anführen. 
Wir finden demnach mehrere nicht unbedeutende Charaktere für die Blätter der beiden Familien 
gemeinschaftlich, dennoch kommen ganz ähnliche Formen von Blättern wie bei den Crednerien unter 
den Moreen nirgends vor. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Credneriaceen eine selbständige 
Ordnung bilden ; es können aber noch immer in fremden Ländern Moreen gefunden werden, welche 
in ihren Blättern einen Uebergang von Cecropia palniata zu den Crednerien bilden könnten. 

Die Crednerien erscheinen in den ältesten Kreideschichten überall als die ersten Dicotyledonen- 
pflanzen und sind ohne Zweifel in allen Kreideländern reichlich verbreitet. Erst in den jüngeren 
Schichten verschwinden sie wieder von der Oberfläche der Erde und zur Zeit der Tertiärbildung ist 
von den Crednerien schon keine Spur. In dieser Hinsicht ist unsere Crediieria superstes (wenn es 
überhaupt eine Credneria ist!) der letzte Nachkomme der Familie Crcdneriaceac. 

Auch Hosius und v. d. Marck haben aus den jüngeren Schichten der Westfälischen Kreide- 
formation keine Crednerien beschrieben. — 

In Nord- Amerika, wo LeoLesquereux so viele Kreidepflanzen beschrieben hatten kommt 
keine einzige Art von Credneria vor. Dagegen können aber L. Lesquereux's Gattungen ProtophvUiiin 
und Aspidiophylhiiii den echten Crednerien sehr verwandt sein, wenn sie überhaupt nicht in dieselbe 
Ordnung gehören. Schon Saporta (Le monde des plantes, PI. 202) hat die Bemerkung gemacht, 
dass die Tracht der Flora aus den jungen Kreideschichten Nord-Amerika's von den Kreidefloren in 
Europa ziemlich verschieden ist, und dass die Gattungen Protophylluvi und Aspidiophylium in der 
amerikanischen Kreideflora dieselbe Stellung einnehmen, wie die Crednerien in den Kreidefloren 
Europas. 

Vergleicht man Lesquereux's Aspidiophylium trilobahim (Enumeration ot cretaceous plants, 
1876, Taf. II, Fig. I, 2.) oder Prot, crednerioides (ibidem Taf. III, Fig. i) und überhaupt alle Arten 
aus der Gattung Protophylliim, welche in L. Lesquereux's Kreideflora (Taf XV — XIX) beschrieben 
sind, mit den europäischen Crednerien, so findet man unter denselben sehr viele übereinstimmende 
Merkmale. Das Interessanteste dabei scheint aber das zu sein, dass auch bei diesen amerikanischen 
Gattungen am Grunde des Blattes eine ganz ähnhche Umsäumung wie bei Credneria bohemica 
vorkommt. 

Der Blattstiel ist bei diesen Gattungen wie bei den Crednerien stark, lang, ebenso der Primär- 
nerv und die Secundärnerven, welche sich am Ende gabehg verzweigen und dicht am Rande unter- 
einander anastomosiren; auch finden wir hier ganz dieselbe Zusammensetzung des Nervennetzes wie bei 
allen Crednerien. Aspidiophylliun ti-ilobatum hat endlich auch dreilappige Blätter. Ja Protophyllum credne- 
rioides ist der Credneria denticulata (ein wenig auch der Cr. rliomboidea) so ähnlich, dass man diese 



20 Velenovsky. [13] 

Blätter beinahe der Gattung Gredneria zuzählen könnte. Auf diese Verwandtschaft von Protophyllum 
crednerioides mit den Crednerien hat schon L. Lesquereux durch die specifische Benennung mit 
Recht hingewiesen. Auch bei dieser Art sieht man am Grunde jene feinen, senkrecht entspinngenden 
jjNervillen'^* ; die Secundärnerven sind ebenfalls am Ende gabelig verzweigt. 

L. Lesquereux vergleicht die Blätter von der Gattung Pi-otophyllitm und AspidiopliyUtim 
mit der Gattung Pterospermites (Cr. Flor. S. loi), stellt sie aber in seinem Werke unter die Gattungen 
■^incertae sedis'''. 

Ord. Araliaceae. 

Cussonia partita sp. n. 

(Taf. VII [V], Fig. I.) 

Blatt dreizählig gefiedert, die seitlichen gestielten Blättchen noch einmal in kleinere, lanzett- 
förmige, am Grunde stark ungleichseitige, zur Basis sowie zur Spitze allmälig verschmälerte Blättchen 
getheilt ; das mittlere Blättchen ist noch einmal dreizählig getheilt; das Endblättchen einfach lanzettHch, 
kurz gestielt, zur Spitze sowie zur Basis verschmälert ; die seitlichen Abschnitte stark ungleich- 
seitig, die Blattsubstanz derselben breit herablaufend. Blattränder überall scharf gezähnt. Die 
Mittelnerven stark, gerade, bis in die Spitzen der Abschnitte auslaufend. Mehr ist von der Nervation 
nicht erhalten. Das Blatt ist glatt, von einer festen, lederartigen Natur. Der Blattstiel über 2 cm lang. 

Nur ein einziges Exemplar steht mir bis jetzt zur Disposition. Dasselbe hatte Herr Prof. Fritsch 
im Jahre 1865 bei Hodkovic in dem röthlichen Schieferthone der Perucer-Schichten gefunden. 

Das Blatt ist ziemhch gut erhalten, der Blattstiel ist aber leider nicht ganz. Es musste von 
einer festen, lederartigen Natur sein, gerade so, wie die Blätter der jetztlebenden Art Cussonia 
spicata Thunb. {C. thyrsoideä), mit welcher C. partita sich am besten vergleichen lässt. Auch bei 
der lebenden Pflanze kommen so eigenthümlich getheilte Blätter vor; man findet freilich bei Cjissonia 
spicata sehr grosse, langgestielte, bandförmig gefiederte Blätter, so dass unser Blattfragment nur 
einem Blättchen (dem mittleren ?) aus dem ganzen gefiederten Blatte entspricht. 

Die Blättchen bei Cussonia spicata sind aber von unserer fossilen Art durch mehrere 
Merkmale speciell verschieden. So sind die seitlichen Blättchen nur einfach lanzettlich, die seitlichen 
Abschnitte des mittleren Blättchens am Grunde verschmälert und erst dann wieder breit herablaufend; 
unter den seitlichen Blättchen befinden sich noch kleine Oehrchen, welche bei C. partita nicht 
vorkommen ; bei C. spicata sind endlich nur die seitlichen Blättchen und das endständige bei der 
Spitze spärlich, aber gross gezähnt. 

Unter den bis jetzt beschriebenen fossilen Arten aus der Familie der Araliaceen wie aus der 
Tertiärzeit, so auch aus der Kreideperiode finde ich nirgends etwas ähnhches ; höchstens kann die 
Cnssonia partita mit Aralia dcjiticulata Hos. und v. d. M. (Palaeontogr. XXVI, Taf. XXXII), und Aralia 
Towneri Lesq. (Enumeration of cret. plants, 1876 Taf. IV, Fig, i), aus den Kreideschichten und Aralia 
Dmltifida Sap. (Le sud-est de la France ä l'epoque tertiaire, Taf. XII, Fig. l) aus dem Tertiär 
verglichen werden. 

Aralia Chlomekiana sp. n. 

(Taf. V pil], Fig. 3.) 

Blättchen (?) getheilt, die Abschnitte lineal, ganzrandig. Die Mittelnerven gerade, nicht stark, 
überall ziemlich gleich dick. Die Secundärnerven unter nicht zu spitzen Winkeln entspringend, ein 
wenig bogenförmig gekrümmt. Mehr nicht erhalten. 



ri4] Die Flora der böhmischen Kreidefonnation. 



21 



Das einzige Blattfragment, welches abgebildet ist, wurde in dem festen Sandsteine in den 
Ghlomeker-Schichten bei Böhm.-Leipa gefunden. 

Dieses ist freilich zur zuverlässigen Bestimmung sehr ungenügend ; ich denke aber, dass es 
noch am besten mit den Blättern einiger AraHen übereinstimmt. Die Art der Theilung des Blattes, die 
Nervation (so weit sie erhalten ist), so wie die feste, lederartige Natur desselben sprechen sämmtlich 
für diese Familie. Es ist aber sehr schwierig zu sagen, ob das Fragment einem Blättchen von einem 
grösseren handförmig gefiederten Blatte angehört, oder ein selbständiges, einfaches Blatt ist. 

Ich führe noch einige fossile, mit unserer Art verwandte Pflanzen des Vergleiches wegen an : 

Aralia quinquepartita Lesq. (The cretaceous Flora Taf XV, Fig. 6, S. 90), hat die ähnlichsten 
Blätter; der Abbildung Lesquer eux's nach möchte unser Blattfragment ein seitliches Blättchen 
eines dreizählig gefiederten Blattes sein, Lesquereux vergleicht seine Art mit Aralia formosa Heer, 
mit der aber (siehe unsere Abbildungen von dieser Art) dieselbe sehr wenig GemeinschaftHches hat. 

Aralia denticulata Hos. und v. d. Marck. (die Flora d. Westfäl. Kreideform. Taf XXX, Fio-. 2, 
S. 107), ist sowohl der vorigen Art als unserer Ar. Chlomekiana ähnlich. Wenn diese beiden Aralien, 
Ar. denticulata und Ar. Chlomekiana, untereinander wirklich verwandt wären, so wäre es sehr 
bemerkenswerth, dass man die in der Kreidezeit so allgemein verbreiteten Arahen noch in den 
jüngeren Schichten find&t und das an verschiedenen Orten in ähnlichen Arten. 



Aralia formosa Heer. 

(Taf. V [III,] Fig. 2, Taf. VI [IV], Fig. 7, Taf. VI! [V], Fig. 2, 3, 4.) 

Blätter dreilappig, im Umriss rhombisch bis verkehrt dreieckig; die Lappen 
anz ettförm ig, in der Mitte am breitesten, oder lineal, vorne immer kurz bespitzt, 
ziemlich stumpf; der Mittellappen am Grunde gleich breit oder öfter stark ver- 
schmälert; alle Lappen am Rande dicht, klein, s ch a rf gezäh n t, nur am Grunde o-anz- 
randig, beinahe so lang, wie die Basalnerven. Das Blatt zum Stiele verschmälert, 
aber nie merklich herablaufend. Die drei Basalnerven gerade, der ganzen Läno-e nach fast 
überall gleich stark, nur bei der Spitze verdünnt; die seitlichen entspringen entweder gerade aus 
dem Blattstiele oder nur wenig höher über der Basis. Die Secundärnerven abwechselnd, unter spitzen 
Winkeln entspringend, bogenförmig, durch unregelmässige Schlingen am Rande untereinander ver- 
bunden. Das Nervennetz aus scharf hervortretenden Felderchen zusammengesetzt, in senkrechter 
Richtung auf die Secundärnerven. Der Blattstiel über i cm. lang, gerade. 

Diese schöne Aralienart ist in den Perucer-Schichten von Böhmen allgemein verbreitet. 
In der grössten Auswahl kommt sie in dem röthlichen Schieferthone von Hodkovic vor. Sehr 
häufig in den schwärzlichen Schichten nächst dem ,R ado stny mlyn" beiKozäkov. In dem trauen 
Thone beiTruböjov, unweit von Nächod. In dem grauen Thone von Lipenec nächst Laun 
und im Sandsteine bei Peruc. Im Jahre 1881 habe ich auch ein Blättchen in den sandigen Perucer- 
Schichten auf jjVydovIe* bei Jinonic gefunden. 

Nach den oben hervorgehobenen Merkmalen kann man diese Art überall sogleich erkennen 
obwohl sie an einigen Fundorten in ziemlich abweichenden Formen vorkommt. So haben die Blätter 
von Kozäkov (Taf V [III], Fig. 2, Taf. VII [VJ, Fig. 4) die seitlichen Lappen immer weit abstehend 
und besonders den Mittellappen am Grunde stark verschmälert; dann sind sie am Grunde nur 
spärlich und schwach gezähnt; ja das Exemplar Taf. III, Fig. 2 ist ganzrandig. 



22 _ Velenovsky. [15] 

Die Blätter von Hodkovic haben die gewöhnliche Form, etwa wie sie auf der Taf. V [III], 
Fig. 3, Taf. VI [IV], Fig. 7 dargestellt ist. Sie sind am Rande immer merklich fein gezähnt und 
grösstentheils mit schön erhaltener, stark hervortretender Nervation. Allein die Breite und die Form 
der Lappen variiren an diesem Fundorte bedeutend. Sie sind länglich, lineal bis breit lanzettlich, 
beinahe stumpf, kurz beendet, wodurch sie in diesem Falle dem Blatte, welches Heer in seiner 
Flora von Moletein (Taf. VIII, Fig. 3, S. 19) abgebildet hat, sehr ähnlich werden. 

Die Blätter von Lipenec und Truböjov sind von derselben Form, wie diejenigen von Hodkovic, 
während das Blättchen von Jinonic mit denen von Kozäkov übereinstimmt (besonders mit dem Blatte 
Taf V [III], Fig. 2). 

In dem Sandsteine von Peruc sind sie in lange, lineale Lappen getheilt und beinahe ganz- 
randig (Taf VII [V], Fig, 2). 

Die Art der Nervation (ich habe sie auf Taf VII [V], Fig. 3 ausgeführt), die Lederartigkeit 
des Blattes, sowie die Form desselben stimmen mit den Blättern der jetzt lebenden Aralienarten 
vollkommen überein. Auch bei den heutigen Vertretern dieser Ordnung besitzt dieselbe Art nicht 
selten bald ganzrandige, bald gezähnte Blätter, gerade so wie es der Fall bei Ar. formosa ist. 

Zur Vergleichung steht mir leider von den jetzt lebenden Arten nur Aralia trifoliata Mayer, 
mit welcher auch Heer seine Ar. formosa vergleicht, zur Disposition. Ar. trifoliata ist aber von 
Ar. formosa ziemlich verschieden. Ihre Blätter sind am Rande nur spärlich und gross, scharf gezähnt. 
Die Lappen sind am Grunde stielartig verschmälert. 

Von fossilen und speciell cretacischen Formen kann Ar. formosa am besten mit der amerika- 
nischen Ar. tripartita Lesq. (Enumeration of cretaceous plants, 1876. Taf I, Fig. i, S. 348) aus 
Kansas verglichen werden. Das hier abgebildete Blatt ist in allen Merkmalen mit unseren Blättern 
so übereinstimmend, dass es sich nur durch den nicht gezähnten Rand von denselben unterscheidet. 
Jedenfalls müssen die Pflanzen, denen die Blätter von Ar. formosa und Ar. tripartita angehören, 
sehr verwandt sein. 

Es kann für sicher gehalten werden, dass Heer's Aralia formosa (Fl. v. Moletein, Taf. VIII, 
Fig. 3) mit den böhmischen Blättern specifisch übereinstimmt. Heer's Blatt besitzt zwar viel breitere, 
vorne ziemlich stumpf endigende Lappen, als es bei unseren Blättern gewöhnlich der Fall ist, aber 
an dem Fundorte von Hodkovic kommen auch ganz ähnliche breitlappige grosse Blätter vor, die 
sich von dem Blatte von Moletein durchaus nicht unterscheiden (ich konnte wegen Mangel an 
Raum kein solches abbilden). 

In den tertiären Floren hat Ar. forißiosa in Ar. primigenia De la Harpe (Monte Bolca, Insel 
Wight), welche auch oft dreilappige Blätter besitzt, und in A. Zadachi Heer (Mioc. halt. FL, Taf XV, 
Fig. 16, S. 89) ziemlich entfernte Verwandte. 

Aralia TscJmlymensis Heer (Heer, Flora arctica (Bd. V). Beitr. z. foss. Fl. Sibiriens u. Amur- 
landes S. 42, Taf XII, Fig. I, 2, 3, 4, 5, 6, Taf XIII, Fig. i). Diese tertiäre Art steht der y4r. formosa 
und den folgenden Arten, Ar. anisoloba und Ar. triloba sehr nahe, obwohl sie durch die Form und 
besonders durch die Nervation speciell verschieden ist. Ihre Blätter sind auch dreilappig, mit verlängerten, 
am Rande gezähnten Lappen. 

Aralia anisoloba sp. n. 

(Taf. V [III], Fig. 4, 5, 6.) 

Blätter dreilappig, im Umrisse gleichseitig dreieckig. Die Lappen breit, 
vorne rasch in eine feine Spitze verschmälert; die seitlichen zweimal grösser als 



[lö] Die Flora der böhmischen Kreidcforiiiation. 23 

der mittlere, am Rande nur bei der Spitze mit wenigen ungleich grossen Zähnen; 
alle Lappen von halb e r Länge d er Bas a Inerve n. Das Blatt in der unteren Hälfte ganzrandig. 
Die Basalnerven immer aus dem Stiele entspringend, gerade, stark, bis in die Spitze aus- 
laufend und da bedeutend verdünnt. Die Secun därn erven so wie das Nervennetz sehr 
fein, selten deutlich hervortretend. Der Blattstiel über 2 cm lang, gerade. Das Blatt von 
einer festen, lederartigen Natur. 

Bisher wurde diese Art nur in dem schwarzgrauen Schieferthone von Landsberg beobachtet; 
hier kommt sie aber sehr häufig vor. 

Von allen böhmischen, sowie von allen fossilen bisher beschriebenen Arten ist Ar. anisiloba 
leicht zu unterscheiden. Durch den auffallend kleinen Mittellappen und die Länge der Lappen überhaupt, 
welche die halbe Länge des Mittelnerven nie übertrifft, unterscheidet sie sich sogleich von allen. 
Eben so ist die Endigung der Lappen bei Ar. anisoloba charakteristisch. 

Stärker abweichende Formen, als man auf den Abbildungen sieht, habe ich nie gefunden. 
Die Seitenlappen sind immer nach vorne gerichtet, so dass der dreieckige Umriss des Blattes gut 
hervortritt. Das Nervennetz ist zwar auf jedem Stücke gut zu bemerken, aber es tritt nie so stark 
und deuthch hervor wie bei Ar. formosa. Die Secundärnerven sind sehr zahlreich, fein, unter spitzen 
Winkeln entspringend. Theilweise ist die Nervation auf dem Blatte (Taf. V [III], Fig. 6) angedeutet. 

Alle Merkmale dieser Blätter stimmen mit den Aralienblättern gut überein; ich kenne aber 
keine Art unter den jetztlebenden Pflanzen, mit welcher Ar. anisoloba verglichen werden könnte. 

Aralia triloba sp. n. 

(Taf. V [III], Fig. 7, 8.) 

Blätter dreilappig, im Umrisse rhombisch; die Lappen gleich gross, breit 
lanzettförmig, zur Spitze allmälig verschmälert, am Rande fein und spärlich 
bezähnt; die Zähne reichen bis an die Basis hinab. Die Lappen von halber Länge 
de r Basalnerven. Die beiden seitlichen Basalnerven entspringen ziemlich hoch 
über der Basis des Blattes. Das Nervennetz nicht erhalten. Der Blattstiel gerade. 

Bisher wurden nur zwei Exemplare von dieser Art gefunden ; das eine (Fig. 7) in den weissen 
Thonen von Kuchelbad, das andere in dem schwarzgrauen Schieferthon von Vyserovic (Fig. 8 
— Steinbruch des H. Stupecky). 

Aralia triloba ist der Ar. formosa, Ar. anisoloba, besonders aber den dreilappigen Formen 
von Ar. Kozvaleivskiana so ähnlich, dass immer noch eine weitere Betrachtung dieser Art nöthig 
sein wird, um die Bestimmung dieser zwei ungenügend erhaltenen Fragmente zu rechtfertigen. 

Von Ar. formosa ist Ar. triloba durch folgende Merkmale verschieden : Die Lappen sind 
allmälig zugespitzt, breit lanzettförmig, in der Mitte am breitesten, von halber Länge der Mittelnerven. 
Die Zähne spärlich, nicht so scharf. 

Von Ar. anisoloba unterscheidet sie sich dagegen folgendermassen ; Die Zähne reichen bis zur 
Basis hinab; die Lappen sind in keine feinen Spitzen verzogen. Die seitlichen Basalnerven von dem 
Grunde des Blattes nicht entspringend. 

Mit den dreilappigen Blättern von Aralia Koivalowskiana (siehe z. B. Taf. VI [IVj, Fig. 4, 5,6) 
lassen sich die beiden Blattfetzen von Ar. triloba am besten vergleichen, man kann sie aber den- 
noch zu derselben Art nicht hinzufügen. Die zwei ganz deutlichen Zähne auf dem Fragmente Fig. 7 
sowie die Bezahnung des seitlichen Lappens des Exemplars Fig. 8, weisen deutlich darauf hin. 



24 Velenovsky. [17] 

dass man es hier mit einer anderen Art zu thun hat, denn ich habe noch nie ein bezahntes Blatt 
von Ar. Kozvalezvskiana gesehen. Dann entspringen die beiden seithchen Basalnerven ziemHch hoch 
über der Basis, während bei Ar. Koiualezuskiafia alle Basalnerven stets nur von der Basis auslaufen. 

Uebrigens habe ich in der Schichte bei Vyserovic, aus der das Blatt, Fig. 8, herrührt, kein 
einziges Exemplar eines dreilappigen Blattes von Ar. Koivaleivskiana gefunden, eben so wie in dem 
weissen Thone von Kuchelbad, wo Ar. Kozvalewskiana überhaupt fehlt. 

Von den ausgestorbenen Arten besitzt ein wenig ähnliche Blätter Ar. Saportana Lesq., welche 
Lesquereux aus den Kreideschichten in N.-Amerika (Fort Harker) beschreibt (Enumeration of erat, 
plants S. 350, Taf I). Dieselbe hat aber fünflappige Blätter. 

Aralia Ko-walesAATskiana Sap. et Mar. 

(Taf. VI [IV], Fig. I, 2, 3, 4- 5. 6, Taf. V [III], Fig. i.) 

Blätter im Umrisse rundhch, rundhch eiförmig bis rhombisch, 9- bis 3-lappig, am Grunde 
zugerundet, herzförmig oder verschmälert, ganzrandig. Die Lappen lanzettförmig, vorne 
allmälig zur Spitze verschmälert, entweder am Grunde oder in der Mitte am breitesten, von halber 
Läno-e ihrer Mittelnerven; die mittleren die grössten, die seithchen die kleinsten. Die Basalnerven 
immer aus der Basis entspringend, gerade, stark, zur Spitze verdünnt. Die Secundärnerven 
unter ziemlich stumpfen Winkeln entspringend, meistens wechselständig, bogenförmig gekrümmt, 
selten deuthch hervortretend. Nervennetz nicht kenntlich. Der Blattstiel gerade, dick, länger als die 
grössten Basalnerven, nach rückwärts gerichtet. 

Diese Art kommt sehr häufig in dem Schieferthone von Vyserovic und Kannic vor. 
Die Blätter sind von fester, lederartiger Natur, mit schwach hervortretenden Nerven (auf 
dem Blatte Taf. V [III], Fig. i, sind sie so weit als möglich angedeutet). Das Nervennetz war auf 
keinem Exemplare gut bemerkbar. Die Grösse ist manchmal sehr bedeutend; das Blatt Taf. V [III], 
Fig. I, ist von normaler Grösse. 

Die Zahl der Lappen variirt bei dieser Art sehr stark. Ich habe neun- bis dreilappige Formen 
gefunden. Von der Zahl der Lappen hängt dann auch der Umriss des ganzen Blattes ab. Die mehr- 
lappigen Formen sind mehr rundlich, die dreilappigen rhombisch. Es ist eigenthümhch, dass man in 
den weisshchen Schichten von Kaunic die dreilappige Form viel häufiger findet als die grossen 
mehrlappigen Blätter, die wieder bei Vygerovic, wo ich überhaupt keine dreilappigen gesehen habe, 
zahlreich vorkommen, welcher Umstand uns sehr leicht zur Ansicht verleiten könnte, dass es in diesen 
zwei Fundorten zwei verschiedene Species gibt. Die dreilappigen Blätter von Kaunic sind aber nur 
eine Varietät einer und derselben Art, zu welcher auch die Blätter von VySerovic gehören Denn man 
findet in derselben Schichte nebeneinander drei-, vier- und mehrlappige gewöhnhche Blätter; es 
kommen hier übrigens auch solche Uebergangsformen vor, die man unmöglich von den zwei vermeint- 
lichen Arten zu unterscheiden im Stande wäre. 

Ich habe mehrere Blätter dieser Uebergangsform auf Taf. VI [IV], Fig. 1—6 abgebildet. 
Schon die Exemplare Fig. i, 2 sind von solcher Tracht, dass man sie keineswegs von dem Blatte 
Taf. V [III], Fig. I trennen darf. (Taf. VI [IV],' Fig. i ist von Vygerovic.) 

Diese Veränderlichkeit der Blattform ist übrigens bei den Araliaceen eine gewöhnliche 
Erscheinung, welche wir noch besser bei den folgenden Arten kennen lernen werden. 

Wie die ganze Form, so ist auch die Nervation von derselben Art, wie man sie bei vielen noch 
jetzt lebenden Arten aus der Gattung Aralia vorfindet (siehe Saport a >>Le monde des plantes pl. 199). 



[i8] Die Flora der bdltniischen Kreidcforniaiioii. 25 

Ich habe keine bessere Art zur Vergleichung als Aralia Sicboldi, welche in neuerer Zeit allgemein 
zur Zierde cultivirt wird. Sie hat etwas grössere Blätter als Ar. Kowalezvskiana, die Form derselben 
stimmt aber mit dieser sehr gut überein. Die Lappen von Ar. Sieboldi sind auch etwas breiter, am 
Grunde verschmälert und am Rande gezähnt. Besonders übereinstimmend ist bei diesen Arten die 
Nervation. 

Von den fossilen können mit Ar. Koioalczvskiana am besten die Blätter der Aralia coiicrcta, 
welche Leo Lesquer eux aus den Kreideschichten N.-Amerika's beschrieben hat (Enumeration of 
cret. pl. S. 349, Taf. IV, Fig. 2, 3, 4), verglichen werden. Diese unterscheidet sich aber von der 
böhmischen Pflanze durch die seitHchen Basalnerven, welche sich hoch über der Basis verzweigen 
und erst die einzelnen Aeste laufen in die Lappen aus. 

Saporta, Le sud-est de la France ä l'epoque tertiaire, S. 151 — 155, Taf IX, Fig. 2, 1865. 
Aralia {Orcopanax) Hercules Sap. Saporta vereinigt hier als Synonyma Platanus Hercules Ung. 
(wahrscheinlich auch PI. digitata, PI. jatrophaefolia und Sterctilia Hercules) und Stercidia digitata 
Paul Gervais insgesammt unter dem Namen Aralia Hercules. Es ist auch unserer Ansicht nach 
natürlicher, diese grossen, lappigen, tertiären Blätter eher zu einer Aralia als zu einer Sterculia oder 
Platanus zu zählen. Mit Recht weist der Verfasser auf die Form des Blattes, den Blattstiel, seine 
Stellung zur Blattspreite und besonders die Nervation hin, -welche mit den jetztlebenden Arten der 
G3.tt\xng Aralia, besonders mit der amerikanischen Oreopanax so viel gemeinschaftliches hat. Saporta 
vergleicht die tertiäre Art mit der amerikanischen Orcop. sclerophyllum Dne et PL, 0. Cecropia Diu: 
0. brunneum PI. et Lindl. 0. hypargyreuvi Dne et PI. und 0. obtusilobuvi Rom. et Seh. 

Die böhmische Kreidepflanze Aralia Kotvaleivskiaiia steht nun mit dieser tertiären Art in 
nächster Verwandtschaft. Sie besitzt wenigstens ganz ähnliche Blätter; nur die Lappen sind etwas 
schmäler und länger. 

Es scheint, dass auch Platanits Sirii Ung. (Unger, Sotzka, Tafel XXXVI) der Gattung 
Aralia angehört. Man kann wenigstens kein Merkmal auffinden, welches mit der genannten Gattung 
nicht in Uebereinstimmung gebracht werden könnte. 

Betrachten wir nun die Verbreitung der Araliaceen in der LTrzeit, so finden wir sie durch die 
grösste Anzahl der Arten und Gattungen in der Kreideformation und besonders in den älteren Theilen 
derselben vertreten; dann erscheinen sie noch in bedeutender Anzahl im Tertiär, und zwar etwa in 
der ganzen ersten Hälfte desselben. Erst in den jüngeren Tertiär-Schichten, wo die Floren der euro- 
päischen Länder die tropische Tracht mehr und mehr verlieren, findet man nur seltene Repräsentanten 
dieser Familie. Zur jetzigen Zeit gehört die grösste Zahl der Araliaceen ausschliesslich den tropischen 
Ländern an. 

Aralia minor sp. n. 

(Taf. V [III]. Flg. 9.) 

Blatt bandförmig, 3 — slappig, im Umrisse rundlich eiförmig. Der Mittellappen am 
grössten, lanzettförmig, vorne allmälig in eine lange Spitze verschmälert, am Grunde ebenfalls ver- 
schmälert, in der vorderen Hälfte grob, gross, ungleich gekerbt, gezähnt, nur wenig 
kürzer als sein Mittelnerv. Die Seitenlappen von ähnlicher Form, die untersten aber nur von 
der halben Länge ihrer Mi tt el n e r v e n. Das Blatt am Grunde herzförmig ausgerandet, hier am 
breitesten. Die Basalnerven gerade, nicht stark. Die seitlichen zweigen über der Basis noch zwei 
andere Basalnerven ab, welche in die untersten Lappen auslaufen. Das Nervennetz nicht kenntlich. 
Die Secundärnerven entspringen unter ziemlich stumpfen Winkeln, sind sehr fein, bogenförmig. 

BeiträEre zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II. i. 4 



26 Velenovsky. [19] 

Das einzige abgebildete Exemplar wurde in dem grauen Schieferthone bei Vyserovic (der 
letzte Steinbruch von Vyserovic) gefunden. 

Schon dieses Blattfragment genügt, um als Typus einer von der vorhergehenden verschiedenen 
Art aufgestellt werden zu können. Das Blatt konnte nur fünflappig sein, denn der seitliche Basalnerv 
zweigt über der Basis auf dieselbe Weise wie z. B. die amerikanische A. concreta Lesq. noch einen 
stärkeren Nerv ab, der in den untersten Lappen ausläuft (ich habe diesen Lappen auf der Abbildung 
ergänzt). Die besondere Bezahnung des Blattes unterscheidet sich von der Bezahnung aller ähnlichen 
Arten. Die Zähne sind gross, grob. Die Secundärnerven fein, nur hie und da kenntlich, aber von 
derselben Art, wie bei allen Aralien. 

Von den fossilen Kreidearten lässt sich mit Ar. minor am meisten die schon erwähnte 
amerikanische Ar. concreta Lesq. vergleichen. 

Von den tertiären stehen die Ar. Zaddaclii Heer und Ar. primigenia De la Harpe unserer 
Art sehr nahe. 

Hedera primordialis Sap. 

(Taf. VIII [VI], Fig. 7, Taf. IX [VII], Fig. 4, 5, Taf. X [VIII], Fig. 3, 4.) 

Blätter nieren- oder herzförmig, dreieckig bis eiförmig, zumeist in dem 
untersten Theile am breitesten, am Grunde mehr oder weniger tief ausgerandet bis gerade 
abgestutzt, vorne kurz verschmälert, abgerundet oder in der Spitze ausgerandet, 
ganzrandig, fest, glatt. Aus dem Stiele laufen 3 — 7 Basalnerven aus, die sich in der Mitte 
gabelförmig theilen und ihre Zweige noch mehrmals verästeln; die letzten Zweige ver- 
lieren sich in dem Nervennetze. Der mittlere Basalnerv am längsten; aus demselben entspringen 
beiderseits 3 — 5 stärkere Secundärnerven, welche sich ähnlich wie die Basalnerven verhalten. Das 
Nervennetz selten gut kenntlich, aus grossen unregelmässigen Feldern zusammengesetzt. Die Quer- 
nerven treten niemals scharf hervor. Der Blattstiel nach rückwärts gerichtet. 

In dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic (der letzte Steinbruch) kommen diese 
Blätter sehr häufig vor. Viel seltener bei Kau nie. 

In den paläontologischen Sammlungen des böhmischen Museums befindet sich eine ganze 
Reihe von Blättern von dieser schönen Art. Die grössten Exemplare besitzen 20 cm Länge , die 
kleinsten im Durchschnitte 3 cm. Die Form ist sehr veränderlich. Die häufigste, normale, sehen wir 
etwa auf dem Blatte Taf IX (VII), Fig. 4. Nicht selten aber sind die Blätter stark ungleichseitig 
(Taf. IX [VII], Fig. 5, Taf. X [VIII], Fig. 3), in die Breite bedeutend verzogen, so dass die nieren- 
förmige Gestalt noch auffälliger wird. Manchmal sind sie am Grunde gerade abgestutzt (Taf VIII [VI;, 
Fig. 7), wodurch diese Art den Blättern von Hedera credneriaefolia ähnlich wird. Aber niemals 
findet man Blätter vorne in eine Spitze ausgezogen, sondern immer entweder 
stumpf abgerundet, oder noch öfter ausgerandet. Dieses Merkmal ist ivx Hed. primordialis 
sehr wichtig, da die übrigen Charaktere so sehr variiren, dass man in manchem Falle nicht weiss, ob 
das Blatt zu Hed. primordialis, oder zu Hed. credneriaefolia, oder sogar zur Aralia propinqjca 
gehört. Bei allen diesen der Hed. primordialis ähnlichen Arten findet man aber nie eine abgerundete 
oder ausgerandete Spitze. 

Die Zahl der Basalnerven richtet sich nach der stärkeren oder schwächeren Ausrandung der 
Basis. Die Blattränder laufen nie deutlich zum Stiel hinab (unbedeutend noch auf dem 
Exemplare Taf. VIII [VI], Fig. 7). Der Blattstiel ist immer nach rückwärts gerichtet, so 
dass es mir nie gelingen wollte, zugleich die Blattspreite und den Blattstiel auszuarbeiten. 



[20] Die Flora der böhmiseheii Kreideformation. 27 

Alle Merkmale dieser Blätter, sowie die feste, beinahe lederartige Natur derselben, die Glätte 
der Oberfläche, die Feinheit der Nerven besonders des Nervennetzes, sprechen insgesammt für die 
Verwandtschaft mit einigen Araliaceen, und zwar am meisten mit der Gattung Hedera, wie sie schon 
Saporta bestimmt hatte ^). 

Die Veränderlichkeit der Grösse und der Form, besonders aber die Tracht der Nervation 
stimmt auch mit den Blättern einiger Arten aus dieser Gattung sehr gut überein. Ich kann bisher 
zwar keine jetztlebende Form nennen, welche der Hed. primordialis ähnliche Blätter besässe, denn 
alle Arten, welche ich zur Vergleichung bei der Hand habe, sind, was die Form betrifft, von der 
fossilen Pflanze sehr verschieden. Aber die Zusammensetzung der Nervation, sowie die feste Natur 
der Blattspreite stimmt sehr gut mit den Blättern unserer Hedera helix L., besonders mit der gross- 
blätterigen, theilweise ganzrandigen (italienischen) Varietät (Art?) H. helix L. ß) chrysocarpa Tenore 
{H. poetarian Bertoloni) überein. Nur die Form des Blattes ist bei der fossilen und dieser lebenden 
Art verschieden. 

Unter den ausgestorbenen Arten finde ich keine Art, welche mit H. primordialis verglichen 
werden könnte. 

Hedera credneriaefolia sp. n. 

(Taf. X [VIII], Fig. 2, Taf. VKI [VI], Fig. S.) 

Blätter dreieckig bis rhombisch, am Grunde zum Stiel hinab kurz ver- 
schmälert, in dem unteren Drittel oder in dem untersten Theil am breitesten, zur 
Spitze hin rasch verschmälert, ganzrandig, glatt, fest. Der Primärnerv gerade, am Grunde 
stark, zur Spitze verdünnt, am Grün de desselben entspringen zwei gegenständige starke 
Secund ärnerven, welche sich b ogenf örmig krü mmen und mehrere Tertiäräste unter 
spitzen Winkeln abzweigen; höher über diesen Basalnerven entspringen noch mehrere schwächere 
Secundärnerven, die sich ähnlich wie das untere Paar verzweigen ; die letzten Zweige verlieren sich 
in dem Nervennetze, welches nur selten schwach erhalten ist. Die sämmtlichen Nerven treten schwach 
hervor. Der Blattstiel über 2 cm lang, nicht zu stark und nie deutlich nach rückwärts 
gerichtet. 

In dem Schieferthone von Vyserovic und Kau nie nicht selten. 

Das Blatt Taf. VIII (VI), Fig. 8, ist besonders durch die starken Basalnerven, welche eine Reihe 
von Tertiärästen abzweigen, den Crednerienblättern ziemlich ähnlich. Aber die Nervation tritt bei 
allen Blättern dieser Art sehr schwach hervor, so dass sie schon durch dieses Merkmal von den 
Crednerien genügend unterscheidbar sind. Uebrigens ist auch das Nervennetz, von welchem nur 
schwache Spuren auf dem Blatte Taf VIII (VI), Fig. 8 erhalten sind, von derselben Zusammensetzung 
wie bei Hed. primordialis. Damit ist zugleich sichergestellt, dass diese Blätter der Gattung Hedera 
überhaupt angehören. 

Ausser den abgebildeten zwei Exemplaren habe ich noch mehrere Blattfragmente bei der 
Hand, von denen die Mehrzahl den dreieckig eiförmigen Blättern von Hedera primordialis sehr 
ähnlich ist. Die zwei abgebildeten Blätter sind freilich von den Blättern der vorhergehenden Art 
besonders durch die Nervation verschieden, aber die zahlreichen Uebergangsformen scheinen dafür 



') Le monde des plantes, Paris 1879, PI. 200. Es ist kein Zweifel, dass der Herr Verfassser seine Abbildungen nach den 
Originalen aus dem Vyserovicer Fundorte verfertigt hat. Aber das ist wunderbar, dass auf einem Blatte die Spitze stark vorgezogen 
ist ; ich habe kein ähnliches Exemplar von dieser Art gesehen. 



28 Ve/fiiovsky. [21] 

zu sprechen, dass hier keine verschiedene Art zu unterscheiden ist. Die Form des Blattes ist im 
Durchschnitt bei diesen Arten dieselbe. Wir finden aber auf den Blättern von Hed. crediuriaefolia 
von den seitlichen Basalnerven stets nur zwei, welche ziemlich hoch über der Basis gestellt sind. 
Bei Hed. prirnordialis verzweigen sich die Basalnerven mehrmals dichotomisch, hier aber zweigen 
dieselben nur eine Reihe von bogenförmigen Tertiärästen ab. Der vordere Theil ist bei unseren 
Blättern immer in eine verlängerte einfache Spitze verschmälert, nie aber abgerundet oder gar aus- 
gerandet, wie es bei Hed. prirnordialis vorkommt. Der Blattstiel ist hier endlich nie nach rückwärts 
gerichtet und der Blattrand zum Stiele ein wenig herablaufend. 

Es ist nun ziemlich interessant, dass wir in dieser Art eine Uebergangsform finden, welche in 
der Mitte zwischen der vorhergehenden Hcdera priiiiordialis und allen folgenden Arten steht, obwohl alle 
diese Arten in ihren normalen Formen untereinander so viel verschieden sind. All Hed. prirnordialis 
reiht sich Hed. credneriaefolia durch das Blatt Taf. VIII (VI), Fig. 7, und an die folgenden durch Fig. 2, 
Taf. X (VIII) (vergleiche z. B. Taf. X [VIIIj, Fig. i, Taf IX [VII], Fig. i und Taf VII [V], Fig. 11). Wir 
werden noch bei den folgenden Pflanzen sehen, wie auch bei ihnen die Blätter eng untereinander zu- 
sammenhängen, was alles den Gedanken erweckt, dass alle Blätter von Hed. priiiiordialis, Hed. credneriae- 
folia, Aralia propinqiia, Ar. transitiva und Ar. Daphnoph)dluvi nur einer Pflanze angehören oder sehr 
nahe verwandte Arten sind. Das Erstere wird auch durch den Umstand bestätigt, dass _wir bei den 
noch jetztlebenden Pflanzen der Gattung Hedera auf den unfruchtbaren Sprossen und den älteren, 
blühenden Zweigen verschiedene Blätter finden (siehe z. B. die gemeine Hedera Helix L. .') Aber 
das ist sicher, dass alle diese Blätter einer Araliacee angehören müssen ; darauf haben wir bei jeder 
Art besonders hingewiesen und auch der Zusammenhang aller untereinander spricht entschieden 
für dasselbe. 

Heer, Flora arctica (Bd. I.) Mioc. Fl. v. Nordgrönland S. 119, Taf. XVII, Mioc. Pflanzen vom 
Mackenzie Taf. XXI, Fig. 17 a), (Bd. IV), Beiträge zur Fl. Spitzbergens Taf XVIII, Fig. 12. Hedera 
Mac Clurii Heer. Diese tertiäre Pflanze steht, was die Form der Blätter betrifft, etwa in der Mitte 
zwischen der Hed. prirnordialis und Hed. credneriaefolia. Die Blätter sind auch mit einer strahlläufigen 
Nervation und mit einem nach rückwärts gerichteten Stiele, wie bei Hed. prirnordialis ausgestattet. 
Allein sie sind viel schmäler und vorne (wie es scheint) in eine Spitze verschmälert, wodurch sie 
wieder der Hed. credneriaefolia näher steht. Heer vergleicht sie mit Hedera Helix L. 

Aralia transitiva sp. n. 

(Taf. V! [IV], Fig. 8, 9, lo.J 

Da es sehr schwer ist zu bestimmen, ob diese Blätter einer Hedera oder zur Gattung Aralia 
oder Panax oder einer verwandten Gattung gehören, so habe ich bei dieser Art, sowie bei den 
folgenden eine allgemeine Benennung Aralia beibehalten, mit welcher nicht mehr gesagt wird, als 
dass diese Blätter von einer Araliacee überhaupt herkommen. 

Blätter rundlich, zum Stiele verschmälert oder sogar herablaufend, vorne 
abgerundet, in der Spitze ausg e r an-d et, ganz randig. Der Primärnerv gerade, nicht stark, 
in der Spitze verdünnt. Aus dem Blattgrunde oder ziemlich hoch über demselben entspringen unter 
spitzen Winkeln zwei gegenständige Basalnerven, welche sich bogenförmig krümmen oder in einer 
geraden Richtung bis zum Rande hinauslaufen. Ausser diesen entspringen aus dem Primnärnerven 
unter spitzen Winkeln noch mehrere, feine Secundärnerven. Das Nervennetz kaum bemerkbar. Der 
Blattstiel 3^^ cm lang, gerade, nicht stark. Das Blatt von fester, derber Natur. 



[22] Die Flora der bohinischen Kreideformation. 29 

Bisher sind mir nur drei Blätter dieser Art bekannt ; zwei von ihnen (Fig. 8 und 10) wurden 
in dem weissen Schieferthone bei Kau nie gefunden, Fig. 7 ist aus den schwarzgrauen Schichten bei 
Vy se rovic. 

Es fällt schwer, diese Blätter als eine gute, von den zwei vorhergehenden, sowie von den 
folgenden Arten verschiedene Species abzutrennen. Betrachtet man z. B. die Blätter Taf. VII (V), Fig. 5, 11, 
welche auch eine abgerundete Form besitzen und von denen noch mehrere ähnliche rundliche Blätter 
in den Museumsammlungen sich befinden, so könnten wir Ar. iransitiva leicht zur Ar. propinqna 
und Ar. Daphnophylhim hinzureihen. 

Das könnte um so leichter geschehen, als die seitlichen Basalnerven auf dem Exemplare 
Fig. 9 auf dieselbe Weise wie bei Ar. Daphnophylluui aus dem Blattgrunde entspringen, aber auf 
den Blättern Fig. 8, 10 dieselben Basalnerven ziemlich hoch über der Basis gestellt sind, wodurch 
sie wieder mit der Ar. propinqua übereinstimmen. Auf dem Blatte Fig. 9 ist der ganze Blattstiel 
schön erhalten ; er ist lang, nicht stark, gerade, ebenfalls wie bei Ar. propinqua. 

Ar. transitiva kann endlich auch mit Hedera priuiordialis verglichen werden (siehe z. B. das 
Blatt Taf. VIII [VI], Fig. 7). 

Dennoch aber habe ich diese Art als eine von den drei ähnlichen Arten verschiedene Species 
beschrieben, da sie sich mit keiner derselben in allen Merkmalen verbinden lässt. Von Ar. propinqua 
und Ar. Daphnopliylluui unterscheiden sich diese Blätter durch die deutliche Ausrandung in der 
Spitze. Bei Ar. propinqua und Ar. Daplinophyllum verschmälern sich die Blätter nach vorne immer in 
eine Spitze, auch in dem Falle, wenn die Blätter sehr breit und von einer rundlichen Form sind 
(Taf. VII [V], Fig. 5, II). 

Durch die deutliche Verschmälerung zum Blattstiele sind sie wieder von allen Blättern von 
Hedera primordialis verschieden. (Von Hed. credneriaefolia unterscheiden sie sich eben so durch 
die Form, wie durch die Nervation und die Beendigung.) 

Das Auslaufen der seitlichen Basalnerven ist bei dieser Art verdächtig. Fig. 9 ist mit Ar. 
propinqua, Fig. 8, 10 mit Ar. Daphnopliyllum in dieser Hinsicht übereinstimmend. Dadurch erscheint 
der Unterschied dieser beiden Merkmale bei Ar. Daphnophylhivi und Ar. propinqua ziemlich schwach 
und unzuverlässig, weil man bei den ähnlichen Blättern von Ar. iransitiva beides zugleich findet. 
Darum will ich die Selbstständigkeit dieser wie der folgenden Arten nicht vertheidigen. Da aber 
nichts mehr als blosse Blätter zur Verfügung stehen, so muss man selbstverständlich an jenen Charak- 
teren festhalten, welche sich uns auf den Fragmenten als specielle Unterschiede darbieten. Eine 
Auffindung von beblätterten Zweigen oder sonst lehrreicheren Exemplaren wird in diesem Falle ent- 
scheiden, ob man es nur mit einer oder mit fünf Arten zu thun hat. 

So weit das Nervennetz bei diesen Blatten) erhalten ist, stimmt es gut mit der Nervation der 
vorhergehenden Formen überein. 

Von den jetzt lebenden Arten besitzt Hedera unibraculifera De. etwas ähnliche Blätter; die Blätter 
der lebenden Pflanze sind aber grösser und besitzen eine etwas anders zusammengesetzte Nervation 

Aralia propinqua sp, n. 

(Taf. VII [V], Fig. 9, II, 12, Taf. VIII [VI], Fig. 6, Taf. IX [VII], Fig. i, 2, 3, 6, Taf. X [VIII], Fig. i.) 

Blätter lanzettlich, ei-lanzettlich bis rhombisch, entweder in der Mitte oder am Grunde 
am breitesten, vorne allmähg in eine lange Spitze verschmälert, symmetrisch, ganzrandig. Blattränder 
am Grunde zum Stiele herablaufend. Der Mittelnerv gerade, nicht stark, in der Mitte verdünnt. Die untersten 



30 Velenovsky. [23] 

Secundärnerven gegenständig, stärker und länger als die übrigen, immer hoch über der 
Basis unter spitzen Winkeln entspringend. Die übrigen Secundärnerven fein, schwach, ebenso 
unter spitzen Winkeln entspringend; alle gerade, selten ein wenig bogenförmig gekrümmt. 
Ihre Verbindung am Rande, sowie das Nervennetz selten bemerkbar. Der Blattstiel mehr als 
2 cm lang, gerade, nicht stark. Das Blatt von fester, derber Natur. 

In dem Schieferthone von Vyserovic und Kau nie überall sehr häufig. 

Was die Form betrifft, so finden wir bei diesen Blättern wenige Variationen. Dieselben sind 

höchstens bald in der Mitte (Taf. VIII [VI], Fig. 6, Taf. IX fVII], Fig i, 2, Taf. VII [V], Fig. 9) bald 

am Grunde (Taf. IX [VII], Fig. 3, Taf. X [VIIIJ, Fig. i) am breitesten, wodurch sie in dem letzten Falle den 

Blättern von Hedern credneriaefolia ziemlich ähnlich werden (siehe z. B. Taf X [VIII], Fig. i). Das 

Nervennetz .ist selten ein wenig besser erhalten, nur auf den Exemplaren Taf VII (V), Fig. 12, 

Taf IX (VII), Fig. 6 tritt es ganz gut hervor, wie es auch auf der Abbildung angedeutet ist. In seiner 

Zusammensetzung stimmt dasselbe ziemlich gut mit der Nervation der vorhergehenden Arten überein. 

Wie schon erwähnt, stehen die breiteren Blätter von Ar. propinqua nahe der Hedera credneriae- 

folia; besonders die Blätter Taf X (VIII), Fig. i, Taf VII (V), Fig. 11, Taf IX (VII), Fig. i bilden einen 

Uebergang zwischen diesen beiden Arten (siehe z. B. das Blatt Taf X [VIII], Fig. 2). Allein die oben 

erwähnten Merkmale bilden nicht die einzigen Differenzen, auch die Nervation unterscheidet diese Art 

von Hed. credneriaefolia genügend. Die seitlichen Basalnerven bei Hed. credneriaefolia (Taf VIII [VI], 

Fig. 8) sind viel stärker und mit bedeutend grösseren bogenförmigen Tertiärästen, als bei den 

Blättern Taf VII (V), Fig. 12, Taf VIII (VI), Fig. 6 von Ar. propinqua. 

Heer, Flora arctica (Bd. V) Beitr. z. foss. Fl. Sibiriens, S. 43. 

Taf. XIII, Fig. I. Aralia Baeriana Heer. Das hier abgebildete Blatt gehört bestimmt in die 
nächste Verwandtschaft unserer Pflanze. Die Form, sowie die Tracht der Nervation stimmen sehr gut 
überein. Heer bemerkt, dass auch bei dieser tertiären Art die Nerven schwach hervortreten, und 
dieses Merkmal haben wir bei allen unseren Arten von Hedera und Aralia (sensu latiori) so constant 
gefunden. Speciell unterscheidet sich aber Ar. Baeriana von Ar. propitiqna durch die untersten 
Secundärnerven, welche weder an Länge, noch an Stärke die übrigen Secundärnerven übertreffen. 
Der V^erfasser vergleicht Ar. Baeriana mit Aralia capitata Jacq., Ar. catalpifolia, Ar. lancifolia und 
Ar. alaris, sämmtlich aus dem tropischen Amerika. 

Die Vergleichung der Ar. propinqzia mit Ar. Daphnophyllum siehe unten. 

Aralia Daphnophyllum sp. n. 

(Taf. VII [V], Fig. 5, 6, 7, 8, 10, Taf. VIII [VI], Fig. i, 2. 3, 4, 5.) 

Blätter ei- lanzettlich, meist am Grunde- am breitesten, gewöhnlich ungleich- 
seitig, vorne allmälig in eine lange Spitze verschmälert, ganzrandig. Der Primärnev gerade, nicht 
stark, in der Blattspitze verdünnt. Beiderseits desselben entspringen aus der Basis unter 
sehr spitzen Winkeln zwei bogenförmig gekrümmte, mit den Enden weiter nach 
vorwärts laufende Basalnerven. Die Secundärnerven entspringen unter ziemlich 
stumpfen Winkeln, sind sehr fein, manchmal ganz unkenntlich. Das Nervennetz nicht erhalten. 
Der Blattstiel kaum 2 cm lang, gerade, stark. Das Blatt von fester, derber Natur. 

In dem Schieferthone von Vyserovic und Kaunic überall sehr gemein. In dem Sandsteine 
sowie in dem sandigen Schieferthone bei Peruc ziemlich häufig (besonders die breitblättrige Form). 
Seltener in dem grauen Thone von Melnik bei Sazava. In dem Sandsteine vonNehvizd seltener 



[24] Die Flora der bdhmiscJien Kreideforniation. 31 

(die breitblättrige Form). Ein einziges Exemplar habe ich auch in dem grauen Thone bei Kuchelbad 
im Jahre 1881 gefunden — Es musste diese Pflanze, wie man sieht, zur Zeit der Bildung der Perucer- 
Schichten in Böhmen allgemein verbreitet gewesen sein. 

In den Museumsammlungen befindet sich von dieser Art eine grosse Anzahl der verschie- 
densten Exemplare aus allen genannten Fundorten. 

Die gewöhnlichste Form stellen uns die Blätter Taf. VII (V), Fig. 10 oder Taf. VIII (VI), Fig. i, 2, 
3, 4, 5 vor. Sie sind lanzettlich, an der Basis am breitesten, nach vorne hin allmälig in eine lange 
Spitze verschmälert; zu dieser Form gehören sämmtliche Blätter von Vyserovic und Kaunic, sowie das 
Blatt von Kuchelbad und Blattreste von Melnik. Selten sind sie stärker in die Länge verzogen, so 
dass sie in der Mitte die grösste Breite erreichen (Taf. VII [V], Fig. 6, 7, 8); so häufig in dem Sandsteine 
und dem Schieferthone von Peruc. Oefter kommen sie stark abgerundet vor, und in diesem Falle ist 
der vordere Theil des Blattes kurz, obwohl doch deutlich zugespitzt, wodurch dieselben sich den 
Blättern von Ar. propinqiLa auffallend nähern. Ein solches Blatt ist z. B. auf der Taf VII (V), Fig. 5 von 
Kaunic und dieselbe Form zeigen die Blätter aus dem Sandsteine von Peruc und Nehvizd. Wir 
könnten demnach zwei ziemlich verschiedene Varietäten unterscheiden : die breitblättrige, rundliche, 
und die schmalblättrige, lanzettliche. 

Bei der grösseren Zahl der Blätter ist die Ungleichseitigkeit sehr auffallend. So tritt sie be- 
sonders auf dem Blatte Taf VII (V), Fig. 10, Taf VIII (VI), Fig. 4, 5 deutlich hervor. 

Ein constantes und zuverlässiges Merkmal ist für die Blätter von A. Daphnophylhi7n der starke, 
kurze, gerade Blattstiel. Auf den Blättern Taf VII (V), Fig. 10, Taf VIII (VI), Fig. 4, i ist er gut 
und vollständig erhalten. 

Die Secundärnerven sind fein, schwach und immer unter viel stumpferen Winkeln als die Basal- 
nerven entspringend. Vom Nervennetze habe ich nie mehr gesehen, als es auf den Abbilduno-en 
angedeutet ist. 

Aralia Daphnophylhuii unterscheidet sich von Hedera priinordialis schon dadurch, dass das 
Blatt in eine lange Spitze sich verschmälert und dass der Blattstiel nie nach rückwärts gerichtet ist. 

Von Hedera credneriaefolia ist sie wie durch die Form so durch die Nervation verschieden. 

Allein Aralia propinqua und Aralia Daphnophyllum lassen sich durch die Form kaum unter- 
scheiden. Die Blätter von Ar. propijiqtia sind zwar meist in der Mitte, diejenigen von Ar. Daphno- 
phyllum am Grunde am breitesten. Dies ist aber durchaus kein allgemein giltiges Merkmal. Auch 
ist die Nervation bei diesen beiden Arten grösstentheils von gleicher Zusammensetzung; würden die 
seitlichen Basalnerven bei Ar. propinqua aus der Basis hervortreten, so bliebe in dieser Hinsicht kein 
bedeutender Unterschied zwischen beiden. Aber es zeigt sich gerade dieses Merkmal bei Ar. DapJi- 
nopJiyllum und Ar. propinqua als entscheidend und allen anderen Charakteren gut entsprechend. 
Von anderen Merkmalen ist noch der Blattstiel für diese Art bezeichnend. Er ist durch die Stärke 
und Kürze von dem Stiele von Ar. propinqiia ziemlich verschieden. Ich habe bei Ar. propinqua nie 
auch nur ein einziges ungleichseitiges Blatt gesehen. 

Vergleichen wir übrigens die Blätter Taf VII (V), Fig. 12, Taf. IX (VII), Fig. 6 von Ar. 
propinqzia, an welchen die Nervation gut erhalten ist, mit der Nervation von Aralia DaphnopJiyllum, 
so sehen wir gleich, dass auch diese eine verschiedene Tracht haben. — Unter solchen Umständen 
sah ich mich gezwungen, eine selbständige, von Ar. propinqua verschiedene Species aufzustellen. 

Aus der Kreidezeit finde ich nirgends etwas den Blättern von Ar. Daphnophyllum ähnliches. 

Aus den Tertiärschichten beschreibt Saporta (Le sud-est de la France ä l'epoque tertiaire. 
— Annales des sc. T. XIX, 1863. S. "]& — 81) ähnhche Arten von AraHen, welche mit unseren Formen 



32 Velenovsky. [25] 

nämlich mit Ar. Daplmophyllnin, Ar. propinqua und Ar. transitiva verwandt zu sein scheinen. 
Besonders Ar. (Artkrophyllinnf) inaeqtiifolia (Taf. IX, Fig. 7) und Ar. (Paratropiaf) Decaisnei (Taf. IV, 
Fig. 4) sind der Ar. transitiva ähnlich. Auch die hier abgebildete (Fig. 7 a) javanische Art Arthro- 
pliylliim javanimm Bl. lässt sich wie der Form so auch der Nervation nach mit Ar. transitiva gut 
vergleichen. Die Basis des Blattes ist aber bei der lebenden Art ungleichseitig, was bei Ar. transitiva 
nie vorkommt. Unsere Ar. propinqua ist wieder theilweise der Ar. {Sciadophyllum f) Zachariaisis 
(Taf. IX, Fig. 2) ähnhch. — Im ganzen ist aus der Nervation (auch Saporta fand die feinere Nervation 
bei seinen Blättern schwach hervortretend), sowie aus der ganzen Tracht der Blätter ersichthch, 
dass Saporta's tertiäre Arten mit unseren Kreideblättern in nächster Verwandtschaft stehen. 

Von den jetztlebenden Pflanzen finde ich die Blätter von Hedera {Araliä) capitata Smith, 
welche auf den Antillen und auf Jamaika einheimisch ist, und Hedera aaitifolia De. aus dem 
tropischen Amerika der Aralia Daphnophyllum am ähnlichsten. Besonders Hedera aaitifolia besitzt 
der Ar. Daphnophyllum so ähnliche Blätter, dass es ziemlich schwer fällt, einen Unterschied zwischen 
beiden Arten aufzustellen. Sie sind ebenfalls vorne in eine lange Spitze verzogen; an der Basis 
entspringen dieselben seitHchen Basalnerven ; die Secundärnerven sind auch schwach, fein und unter 
stumpfen Winkeln entspringend. Die Blätter von Ar. aaitifolia sind aber mehr lanzettlich, in der 
Mitte am breitesten und mit einem viel längeren Blattstiel versehen. 

Aralia capitata unterscheidet sich von Ar. Daphnophyllum viel mehr. Der vordere Theil 
des Blattes ist kurz und rasch zugespitzt, manchmal abgerundet; die Blätter sind bedeutend grösser, 
mit zwei Paaren von seitlichen Basalnerven, von denen das untere viel schwächer ist. 

Mit diesen beiden Arten lässt sich auch Ar. propinqua vergleichen. Wenigstens ist die Tracht 
der Nervation ziemlich übereinstimmend. 



ORYGOCERAS. 

EINE NEUE GASTEROPODEN-GATTUNG DER MELANOPSIDEN-MERGEL DALMATIENS. 



VON 



S. BRUSINA. 

(Taf. XI.) 



VORBEMERKUNGEN. 

;>Es ist zur Zeit noch recht schwierig, ein einigermassen zutreffendes Gesammtbild der Fauna 
der Inzersdorfer Schichten zu geben, da fast jeder neu entdeckte Fundort Eigenthüm- 
lichkeiten zeigt und bisher als feststehend betrachtete Ansichten modifi cirt- '). 
Diese Ansicht, welche Sandberger über die Fauna unserer jungtertiären Ablagerungen ausgesprochen 
hat, ist ebenso zutreffend wie das, was T. Fuchs über denselben Gegenstand sagt: j,Hier zeigen die 
Congerien-Schichten und die Ablagerungen der levantinischen Stufe jenen fast unerschöpflichen 
Reichthum eigenthümlicher Formen, die mit Recht die paläontologischen Kreise des Aus- 
landes in immer steigendes Erstaunen setzt'* ^). 

Nach der Veröffentlichung meiner ersten Arbeit ') habe ich wiederholt sowohl die tertiären 
Süsswasser-Ablagerungen Dalmatiens, Kroatiens und Slavoniens besucht, als auch Sammler dahin 
gesendet und wieder eine ansehnliche Menge Fossilien, darunter viel Neues, zusammengebracht. 
Einiges davon habe ich unterdessen ohne Abbildungen beschrieben *), von vielen habe ich vorläufig 
nur Diagnosen gegeben^), manches habe ich noch bis heute nicht veröfientlicht. Dieser Umstand, 
sowie das Erscheinen sehr bedeutender Arbeiten über die Fauna der tertiären Süsswasser-Bildungen 
von allen Theilen der Balkan-Halbinsel durch Sandberger, Neumayr, Tournouer, Hoernes, Fuchs, 
Burgerstein, Porumbaru ^) bewog mich, unsere Sammlungen erneutem Studium zu unterziehen und 



*) Dr. F. Sandberger. Die Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt. Wiesbaden 1870 — 1875, S. 703. 

^) F. V. Hauer und Dr. M. Neumayr. Führer zu den Excursionen der Deutschen Geologischen Gesellschaft nach der Allgemeinen 
Versammlung in Wien. Wien 1877, S. 45. 

') S. Brusina. Fossile Binnen-Mollusken aus Dalmatien, Kroatien und Slavonien, nebst einem Anhange. Agram 1874. 

*) S. Brusina. Description d'especes nouvelles, provenant des terrains tertiaires de Dalmatie (Journal de Conchyliologie. Vol. XXIV. 
Paris 1876). 

*) S. Brusina. MoUuscorum fossilium species novae et emendatae, in tellure tertiaria Dalmatiae, Croatiae et Slavoniae inventae 
(Loco citato. Vol. XXVI., Paris 1878). 

^) Dr. F. Sandberger. Binnen Mollusken der dalmatinischen Süsswassermergel (Die Land- und Süsswasser-Conchylien der Vor- 
welt u. s. w. Loco citato, S. 669—676). 
— detto. Binnen-Mollusken der Inzersdorfer (Congerien-) Schichten Süd-Europas (Loco citato, S. 676 — 7o5). 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 2. i 



34 Brusma. [2] 

eine verbesserte und vervollständigte Abhandlung über die Fauna der tertiären Süsswasser-Ablage- 
rungen von Dalmatien, Kroatien und Slavonien herauszugeben. Obwohl nun diese Arbeit ziemlich 
vorgeschritten ist, so ist mir deren Vollendung doch bis jetzt leider unmöglich gewesen. In erster 
Linie war ich durch meine Pflichten als Lehrer und Museumsvorstand, sowie durch anderweitige 
literarische Thätigkeit zu sehr in Anspruch genommen, umsomehr als ich allen vorliegenden Aufgaben 
ohne Beihilfe gerecht zu werden gezwungen bin. 

Zu dem gesellt sich jedoch noch ein weiterer Grund , welcher der Ausführung meiner 
Arbeit vorderhand hemmend im Wege steht, nämlich eine unlängst erschienene Abhandlung von 
Herrn Bourguignat. Herr A. Letourneux hat im Jahre 1878 Dalmatien und Kroatien bereist, um 
Conchylien zu sammeln ; bei seiner Anwesenheit in Agram habe ich ihm Doubletten aus unseren 
Sammlungen gegeben, und nun zu Ostern dieses Jahres hat mir Herr Bourguignat eine Abhandlung 
über unsere dalmatinischen Fossilien freundlichst zugesendet^). Nach Herrn Bourguignat's Worten stützt 
sich die Abhandlung auf das Material, welches Tripalo und Paulovic Herrn Letourneux übergeben 
haben , doch hat merkwürdiger Weise Herr Letourneux der von mir erhaltenen Doubletten 
gar keine Erwähnung gethan. Obwohl unsere reichen Ablagerungen immer und immer Neues liefern, 
obwohl ich den oben citirten Worten Sandberger's und Fuchs' vollinhaltlich beipflichte, so bin ich 
doch von der Fülle der von Letourneux aufgefundenen neuen Arten nicht wenig überrascht. 

Die erwähnte Abhandlung enthält ausser der nur dem Namen nach erwähnten Vivipara Neiimayri 
Brusma, auch die Beschreibung von 2 neuen Vivipara-Arten, alle drei aus Sinj herstammend. Sind 
denn die zwei neuen Vivipara Pauloviciana und Vivipara Bajaino7itiana nicht auf Kosten von indi- 
viduellen Abänderungen der Vivipara Nnniiayri aufgestellt.? Hat Herr Letourneux nicht vielleicht 
alle diese Vivipara von uns bekommen.? Kommen Vivipara- Arten wirklich in dem dalmatinischen 
Melanopsiden-Mergel vor? Auf die letzte Frage behaupte ich, unbedingt verneinend antworten zu 
können. — Weiter folgt die Beschreibung von 4 neuen Bythiiiia-Ax\.&\\. — Die Gattung Nematiirella 
ist mit 13 Arten vertreten, und ausser einer sind alle neu ; merkwürdiger Weise ist diese einzige be- 
kannte Art eine solche, die wir bisher, wie der Name sagt [Hydrobia Syrinica), nur aus Syrmien 
bekommen haben. — Es folgt dann eine neue Gattung Klecakia mit i Art. — Von den 7 Fossaruliis- 



M. Neumayr und C. M. Paul. Die Congerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. Ein Beitrag zur Descendenz- 
Theorie (Abhandlungen der k.'k. geologischen Reichsanstalt. Bd. VII. Wien iSyS). 

M. Tournouer. Etüde sur les Fossiles tertiaires de l'lle de Cos (Annales Scientifiques de l'Ecole Normale Superieure. Paris 
.876). 

Dr. R. Hoernes. Ein Beitrag zur Kenntniss fossiler Binnenfaunen ; Süsswasserschichten unter den sarmatischen Ablagerungen am 
Marmorameere (Sitzungsberichte der k. Akad, der Wissensch. II. Abtheilung. Wien 1876). 

T. Fuchs. Studien über die jüngeren Tertiärbildungen Griechenlands (Denkschriften der Mathem.-Naturwissensch. Classe der k. Aka- 
demie der Wissensch. XXXVII. Bd., Wien 1877). 

Dr. L. Burgerstein. Beitrag zur Kenntniss des jungtertiären Süsswasser-Depots bei Ueskueb (Jahrbuch der k, k. geolog. Reichs- 
anstalt. XXVII. Bd., Wien 1877). 

R. Tournouer. Conchyliorum fiuviatilium fossilium, quae in stratis tertiariis superioribus Rumaniae Dr. Gregorio Stefanesco collegit, 
novae species (Journal de Conchyliologie. Vol. XXVIl, Paris 187g). 

Dr. M. Neumayr. Ueber den geologischen Bau der Insel Kos und über die Gliederung der jungtertiären Binnenablagerungen, 
des Archipels (Denkschriften der Mathem.-Naturwiss. Classe der k. Akademie. XL. Bd., Wien 187g). 

R. Tournouer. Conchyliorum fiuviatilium fossilium, in stratis tertiariis superioribus Rumaniae collectorum, novae species. (Journal 
de Conchyliologie. Vol. XXVIII, Paris 1880). 

M. Neumayr. Tertiäre Binnenmollusken aus Bosnien und der Hercegovina (Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. XXX. Bd., 
Wien r88o). 

Frank Calvert und M. Neumayr. Die jungen Ablagerungen am Hellespont (Denkschriften der Mathem.-Naturwiss. Classe u. s, w. 
XL. Bd. Wien 1880). 

') Bourguignat. Etüde sur les Fossiles tertiaires et quaternaires de la Vall^e de la Cettina en Dalmatie. Saint- 

Germain 1880. 



[3] Orygoceras. 3 5 

Arten ist nur eine von früher bekannt, alle anderen sind neu. — Merkwürdiger Weise sind nur zwei, 
und zwar schon bekannte Prososthcnia verzeichnet. — Eine neue Gattung Panlovicia mit I Art wurde 
von Letourneux aufgefunden, von welcher Bourguignat sagt: ,)parait rare dans les depöts de Ribaric. 
Mais eile est si petita, qu'il ne doit pas etre facile de la recueillir." Ich habe voriges Jahr einen Sack 
voll verwitterte Mergel nach Agram gebracht, um eben durch sorgfältiges Schlämmen Orygoceras 
auszusuchen, und somit bin ich wohl auf die kleinsten Sachen gekommen; eine Paulovicia konnte 
ich mir aber nach der Beschreibung nicht vorstellen. — Von der von Neumaj'r aus Bosnien und 
Hercegovina beschriebenen neuen Gattung Melanoptychia sind 12 Arten, darunter drei neue angeführt; 
die von Neumayr und von mir schon früher bekannt gemachte Melanopsis PanZiciana, M. acanthica, 
M. lyrata, M. inconstans, AI. camptograinma, M. Lanzaeana u. s. w. sind alle zu der Gattung Mela- 
noptychia gezählt; warum J/. pterochila als Mela7ioptychia angeführt ist, kann ich nicht begreifen; 
diese ist bisher nur aus Slavonien bekannt; Herr Letourneux will sie auch aus Dalmatien bekommen 
haben, was ich sehr bezweifeln muss. Dasselbe gilt für die echte Hlelaiioptychm jMojsisovicsi Xeuiiiayr 
aus Bosnien, welche bis jetzt gewiss in Dalmatien nicht gefunden worden ist. — Eben so verhält es 
sich mit den echten Melanopsis. Letourneux will die bosnische Alelanopsis teniiipHcafa Nenin. und 
die M. Sandbergeri Nenm. ebenfalls in Dalmatien gefunden haben ; zudem sind noch 3 neue Mela- 
nopsis beschrieben. — Von der Gattung Gaillardotia 1) sind nicht weniger als 4 neue Arten auf- 
gestellt. Es folgen dann die neuen Gattungen : Calvertia mit 3 neuen Arten, Petrettinia mit i Art, 
Saint-Siiiionia mit 2 Arten, endlich Tripaloia mit i neuen Art, wozu meine Ncritiiia Sinjaiia, und 
Ti\t\n& N. platy Stoma, welch' letztere ich doch nur in Slavonien gefunden habe; alle diese 5 Gattungen 
beruhen also auf Formen der Gattung Neritina. 

Nach Herrn Letourneux stammen alle ihm übergebenen Fossilien aus Ribaric und Sinj, aus 
anderen Localitäten hat Herr Letourneux gar nichts bekommen. Wie kann er aber Prososthcnia 
Toiirnou'eri Neiiin., P. Drobaciana Bnis., Melanopsis acaiithica Neuin., welche sowohl die VViener 
Geologen als ich nur bei Mioßic gefunden haben, als aus dem Cettina-Thale stammend erwähnen ? 
In diesem Falle ist selbst der Titel der Abhandlung ungenau, denn die hart an einander grenzenden 
Localitäten Biocic, Miocic und Parcic, welche nach dem Beispiele der Wiener Geologen auch von 
mir der Kürze wegen einfach als Mioeid angegeben wurden, liegen an den Rändern der Ebene von 
Drniä und sind, durch das hohe Kozjak- und Svilaja-Gebirge von dem Cettina-Thale getrennt. Oder 
hat Herr Letourneux die oben erwähnten Arten wirklich auch aus dem Cettina-Thale bekommen ? 
Nun, es wird mir wohl Niemand verargen, wenn ich meiner eigenen Erfahrung und jener der Wiener 
Geologen, nachdem wir die Localitäten wiederholt und gründlich untersucht haben, mehr Glauben 
schenken werde, als der Aussage des Herrn Letourneux, welcher nur einmal »en passant*' vorüber- 
gefahren ist, und welcher selbst nichts gesammelt hat, weil, wie Herr Bourguignat schreibt : ^Les 
especes fossiles que je vais faire connaitre ont ete recueillies par le podestat de Sinj, le Dr. Tripalo, 
et par le comte Paulovic de Verlika.* 

Zuletzt noch eine Bemerkung. Jeder ernste Naturforscher gibt- gewöhnlich die Fundorte jeder 
erwähnten Art genau an, und, wie gesagt, sollen alle die von Letourneux entdeckten Arten aus 



') Der Gründer der Gatturrg Gaillardotia selbst schreibt : „Sous ce nom g^n^rique, je comprends toutes les petites 
Neritines marines ou des eaux saumatres, comme les viridis, Matoniana, Letourneux!, etc. etc." (Descriptions de 
deux nouveaux Genres algeriens, suivies d'une Classification des Familles et des Genres de MoUusques terrestres et fluviatiles 
du Sysieme europeen par M. J. R, BourL'uignat. Toulouse '.Si-j. Seite 49). Gaillardotia ist somit synonym von Smaragdia 
Usel (Malacologia del Mar Rosso. Pisa i86q, Seite 212. — Systematisches Conchylien-Cabinet von Martini und Chemnitz. 
Dr. E. v. Martens. Die Galtung Neritina. Nürnberg. 1879, Seite 18). 



,g Briisina. [4] 

Ribariö und Sinj herrühren. Dass Herr Letourneux eine Vivipara zu Ehren des Grafen Bajamonti in 
Spalato Bajamontiana benannt hat, ist leicht verständlich und braucht kaum erklärt zu werden ; 
Herr Letourneux hätte sich dagegen für die Wissenschaft sehr verdient gemacht, hätte er uns lieber 
benachrichtigt, ob V. Bajamontiana in Ribariö oder in Sinj gefunden wurde, um so mehr, als ich bei 
der entschiedenen Ueberzeugung beharren muss, dass die dalmatinischen Ablagerungen 
gar keine Vivipara enthalten. 

Ich habe mich in Folge dessen an Herrn Bourguignat wiederholt mit der Bitte gewendet, 
alle diese Arten mir gefäUigst auf 2 — 3 Tage zur Ansicht zu schicken, damit ich mir ein Urtheil über 
dieselben bilden könnte, nachdem der Abhandlung keine Ab"bildungen beigegeben sind. Ist etwas 
berechtigt und begründet, so will ich es gerne anerkennen ; ist es nicht, so möchte ich im Interesse 
der Wissenschaft das Gegentheil beweisen. Ich bin der erste Anhänger des Grundsatzes ^^qui bene 
distinguit, bene docet", aber nur so weit, als eine genaue und in der Natur selbst begründete Unter- 
scheidung der Form zu Nutzen der Wissenschaft sein kann. Imaginäre Species-Macherei bringt nur 
Verwirrung und Hindernisse mit sich. — Bis heute habe ich noch keine Antwort bekommen ; ich 
werde noch warten ; bekomme ich aber die neuen Arten nicht zur Ansicht, oder werden wir nicht, 
bald deren Abbildungen zu sehen bekommen, so werde ich genöthigt sein, auf die erwähnte Arbeit 
keine Rücksicht zu nehmen. 

Es war nicht, meine Absicht, mich so viel mit diesen Bemerkungen, welche mir unter der 
Feder gross gewachsen sind, aufzuhalten. Ich habe aber wiederholt versprochen, sowohl die Mollusken- 
Fauna der südslavischen Länder als jene des Adriatischen Meeres ausarbeiten zu wollen, wozu das 
zoologische National-Museum in Agram die dazu gehörigen reichsten Sammlungen besitzt. Der zuerst 
angeführte Grund möge meinen Freunden und CoUegen erklären, warum ich leider durch so viele 
Jahre verhindert war, es auszuführen, mögen Sie darum auch meine kleinen Beiträge, wie gewöhnlich, 
freundlich aufnehmen. 

Zuletzt darf ich nicht unterlassen, Herrn Lehramtscandidaten Velimir Hrziö für die Ausführung 
der Abbildungen meinen Dank auszusprechen. 

Botinec nächst Agram, 5. — 12. Juli 1881. 



ALLGEMEINER THEIL. 



Schon seit Jahren bei wiederholtem Besuche der Ablagerungen der Melanopsiden-Mergel 
Dalmatiens sind mir Fragmente einer mir ganz unbekannten Thiergattung in die Augen gefallen, 
und eben darum, weil ich mit einem räthselhaften Ding zu thun hatte (da mir von demselben nur 
Fragmente vorlagen, konnte ich mir keine bestimmte Ansicht darüber bilden), that ich in meinen 
bisherigen Arbeiten dieser Vorkommnisse keine Erwähnung. Als nun ein Naturforscher aus Paris 
vor Jahren Agram besuchte, gab ich ihm einige Stücke, mit der Bitte, diese den französischen 
Paläontologen vorzulegen, um irgend eine Auskunft darüber zu erhalten; jedoch ohne Erfolg. Endlich 
ist es mir voriges Jahr beim abermaligen Besuche aller dalmatinischen Ablagerungen gelungen, 
zwischen Hunderten und Hunderten von Bruchstücken auch 5 — 6 vollständig erhaltene Individuen zu 
finden. Allein auch jetzt blieb die Sache gleich räthselhaft. Die Embryonalwindung sowohl der voll- 



[5] Orygoceras. 37 

ständigen Exemplare als der vielen Bruchstücke belehrte mich allerdings, dass ich eine neue 
Gasteropoden-Gattung vor mir hatte; das ist aber auch Alles, was ich über das fragliche Fossil sagen 
kann. Ueber die Zugehörigkeit oder Verwandtschaft der Gattung weiss ich gar nichts. Darum habe ich 
den Herren Dr. Zittel, Dr. Neumayr und Dr. Hoern'es die Fossilien selbst, oder deren Abbildungen 
zur Ansicht geschickt. Der Erstgenannte, Professor der Paläontologie an der Universität München, 
schrieb mir: ^^Ganz räthselhaft ist mir das merkwürdige Orygoceras. Ich kenne nichts AehnHches.* 
Dr. Hoernes, Professor der Geologie an der Universität Graz, hat sich ebenso geäussert; ,> Wunderbare 
Fossilien; ich habe Aehnliches in meinem Leben nie gesehen*. Endlich Dr. Neumayr, Professor der 
Paläontologie an der Universität Wien, hat mir erwidert: ^Sie wünschen meine Ansicht über die 
merkwürdigen Fossilien, deren Zeichnung Sie mir geschickt haben; leider kann ich darüber sehr wenig 
sagen, ich habe nie etwas Aehnliches gesehen, und die einzige Meinung, die ich mir habe bilden 
können, ist die, dass es nach der Zeichnung nichts Anderes als ein Gasteropode sein kann. Aber wer 
sonst.? Ich habe keine Idee*. 

Heute noch kann ich nicht mehr sagen, als das was ich schon längst dachte und was 
Neumayr bestätigt hat, dass wir nämlich mit einer neuen Gasteropoden-Gattung zu thun haben. Ob 
wir je im Stande sein werden, über die räthselhafte Gattung mehr zu wissen, ist dahin gestellt. Der 
Erbauer des Gehäuses hat schon vor Jahrtausenden für immer aufgehört zu leben, und nur wenn uns 
einmal gegönnt sein wird, verwandte und vermittelnde Formen zu entdecken, nur dann wird es viel- 
leicht möghch, Näheres zu erfahren. Unterdessen will ich Tiicht mehr zögern, und nachdem es mir, 
wie gesagt, vorläufig unmöglich ist, das ganze Material zu bearbeiten, so will ich doch diese merk 
würdige Gattung der wissenschaftlichen Welt bekannt machen. 

Ich habe die neue Gattung, wie ich glaube, passend Orygoceras benannt, nachdem das 
Gehäuse wirklich an Gazellen-Hörner ^jen miniature* ganz gut erinnern kann. Die Arten waren gewiss 
Süsswasser-Bewohner. Diese Folgerung halte ich insoferne für berechtigt, als alle bis jetzt bekannt 
gewordenen Orygoceras aus drei von einander entfernten Localitäten zusammen mit reinen Süsswasser- 
Mollusken vorkommen. Die Localitäten sind Mio5i(S nächst Drniä, dann Ribaric und Sinj im Cettina- 
Thale. Herr Bourguignat sagt gleich am Anfang seiner Abhandlung: „Quant aux especes phocenes, 
elles sont toutes fluviatiles. Je dirai meme qu'a mon sens, quelques-unes devaient vivre dans des 
eaux douces, mais que le plus grand nombre devaient exister dans des eaux saumatres.* 

,)I1 a du y avoir, ä cette epoque reculee, dans cette partie de la vallee de Cettina, une vaste 
depression remplie d'eau salee, qui, peu ä peu, par des causes qui me sont inconnues, sont devenues 
saumätres, pour finir par etre entierement douces.* Bourguignat schliesst wieder mit der Bemerkung: 
j)Je dois ajouter que sur ces genres, trois sont d'eau douce (Vivipara, Bythinia et Melanopsis), que 
les autres me paraissent composes (d'apres l'ensemble de leur caracteres) d'especes speciales ä des 
eaux, sinon tout ä fait salees, du moins saumätres, et que ces eaux n'etaient pas Celles d'un grand 
courant, mais Celles d'un lac qui devait occuper une partie de la vallee de la Cettina.* Dieser 
Meinung kann ich nicht im mindestens beipflichten. Die Arten der Gattungen Fossarulus, Prosostkenia, 
Melanoptychia u. s. w. sind ebenfalls als Süsswasser-Bewohner wie die Vivipara, Bythinia und 
Melanopsis zu betrachten. Wie ich seinerzeit beweisen werde, schliessen sich die Gattungen 
Evnnericia, Fossarulus, Choerina und Tylopoma ') an Bytliinia eng an ; ebenso Melanoptychia an 
Melanopsis u. s. w. . 



') Bereits der Gründer von Vivipara avellana hat schon hn Jahre i86g bemerkt, dass diese Art „ziemlich isolirt" 
dasteht. Im Jahre 1874 habe ich noch zwei neue Formen veröffentlicht, nämlich Vivipara oncophora und Vivipara Melan- 
thopsis, welche mit Vivipara avellana eine eigene Gruppe bilden. Diese Gruppe hat Neumajr ein Jahr darauf ausführlich 



38 Brusina. [6] 

Wir haben schon gesagt, dass die Embryonal-Windung uns bezeugt, dass Orygoceras ein 
Gasteropode sei, ebenso haben wir schon liervorgehoben, Avie räthselhaft seine systematische Stellung 
sei. Wir können nicht einmal sagen, zu welcher Abtheilung der Süsswasser-Gasteropoden diese 
Gattung zu zählen ist. Wir können als sehr wahrscheinlich annehmen, dass Orygoceras zur Ordnung 
der Lungenschnecken {Pulinonata)^ Unterordnung der Brachiopneusta gehöre ; ein Beweis aber, 
dass diese Gattung zur Ordnung der Vorderkiemer {Prosobrancldd) nicht gehört, können wir nicht 
liefern, und dies desto weniger, als die anatomische Beschaffenheit von Orygoceras eine von den er- 
wähnten Ordnungen oder Unterordnungen grundverschiedene gewesen sein kann. 

Ich habe mich also überall nach Verwandten von Orygoceras umgesehen, und die Resultate 
meiner Forschungen kann ich nur als negative bezeichnen ; dennoch will ich dieselben hier wieder- 
holen, vielleicht besinnt sich Jemand eines besseren. 



besprochen. Wie nun Neumayr, so habe auch ich zu den vielen schon hervorgehobenen Charakteren bei den oben erwähnten 
Arten dicke, kalkige, den Bythinien ähnliche Deckel constatiren können. In Folge dessen muss man nicht nur diese Arten au.s 
der Gattung Vivipara unbedingt ausschliessen, sondern nachdem sie durch viele Merkmale eben so gut von den Viviparen, als 
auch von den Bythinien leicht zu unterscheiden sind, glaube ich heute berechtigt zu sein, für diese Formen eine neue Gattung 
Tylopoma aufzustellen. 

Ausserdem sind auch, wie ich mich überzeugt habe und wie ich es seinerzeit beweisen werde, einige der bis jetzt 
beschriebenen Emmericia mit den dalmatinischen Fossarulus eng verbunden, ohne dass es darum angezeigt wäre, alle diese 
Formen zu vermengen. Ausserdem habe ich unter, den verschiedenen bis jetzt bekannt gewordenen Emmericia zwei leicht zu 
unterscheidende Typen bemerkt. Dies hat mich bewogen , meine Gattung Emmericia weiter zu theilen; für die zuerst 
entdeckte fossile Art, und andere mit dieser verwandte Formen, will ich diese Benennung beibehalten, für die zweite Gruppe 
bringe ich den Namen Choerina in Vorschlag. 

Was die Vertheilung dieser Gattung anbelangt, so ist Tylopoma den Paludinen-Schichten eigenthümlich und wurde 
bisher nur in Slavonien gefunden. Die i^ossarw/MS-Arten sind dem dalmatinischen, bosnischen und hercegovinischen Melanopsiden- 
Mergel eigenthümlich. Die Choerina der Paludinen-Schichten Slavoniens und Rumäniens kann man als echte Vertreter der 
Fossarulus betrachten, nachdem bis jetzt aus den Paludinen-Schichten keine echten Fossarulus bekannt wurden. Emmericia 
scheint die weiteste Verbreitung zu haben ; ich bin aber nicht überzeugt, dass Euchilus hiebet gehört, und dass Emmericia 
ganz einfach synonym mit Euchilus sei. Vorläufig werde ich noch ein Verzeichnis aller bis jetzt bekannt gewordenen, darunter 
auch mancher erst neuerlich entdeckten und noch nicht beschriebenen Formen, nach meiner neuen Eintheilung folgen lassen: 

1. Emmericia canaliculata Brus., Dalmatien, Slavonien. 

2. j, Schul:^eriana nov. spec; Slavonien. 

3. ;, Umbra De Stefayii (Molluschi continentali. Atti della Socieiä Toscana di scienze naturali. Vol. III, 

Taf. XVni, Fig. 16); Italien. 

4. „ Lottii De Stefani (Loco citato; Fig. 17); Italien. 

5. „ Casini Pantanelli (La Montagnola Senese. R. Comitato Geologico d'Italia. BoUettino Vol. XI, Roma 1S80, 

S, 78); Italien. 

6. Choerina (gen. nov.) Candida Neum. (Emmericia Candida Neum.); Slavonien. 

7. „ globulosa Neum. (Emmericia globulosa Neum.); Slavonien. 

8. , Jenkiana Brus. {Emmericia Jenkiana Brus.); Slavonien, Rumänien. 

9. j, Rumana Tourn. (Emmericia Rumana Tourn.); Rumänien. 

10. Fossarullus armillatus Brus.; Dalmatien. 

11. i, auritus nov. spec.-^ Dalmatien. 

12. a Crossei Brus.; Dalmatien. 

i3. a Eginae nov. spec.; Dalmatien. 

14. 5 Fuchsi nov. spec; Dalmatien. 

i5. ;, Hoernesi nov. spec; Dalmatien. 

16. 5 moniliferus Brus.; Dalmatien. 

17. i, pullus Brus.; Dalmatien. Bosnien und Hercegovina. 

18. „ Stachel Neum.; Dalmatien. 

19. a tricarinatus Brus.; Dalmatien. 

20. Tylopoma (gen. nov.) avellana Neum. [Vivipara avellana Keum.); Slavonien. 

21. a melanthopsis Brus. (Vivipara melanthopsis Brus.); Slavonien. 

22. „ oncophora Brus. (Vivipara oncophora Brus.); Slavonien. 

23. , Pilari Neum. (Bythinia Pilari Neum.) ; Slavonien. 



i7] Orygoceras. 



39 



Eine frappirende Form-Aehnlichkeit der Gehäuse, da an eine anatomische Verwandtschaft 
jedenfalls nicht zu denken ist, habe ich zwischen Orygoceras und der recenten marinen Gattung 
Parastrophia aus der kosmopolitischen Familie der Caecidae gefunden. Meinem Freunde dem Marquis 
Leopold de FoHn gebührt das Verdienst, diese sehr interessante Gattung bekannt gemacht zu haben. 
Ich halte es nicht für überflüssig, einiges über Parastrophia zu berichten, nachdem FoHn's dies- 
bezügliche Arbeiten nicht allgemein bekannt sein dürften. 

Folin hat die Gattung im Jahre 1869, zuerst Morclctia benannt, die erste Art als Moreletia 
cortiucopia beschrieben ^), und gleich nachher als j\lorelctiana cornucopiac abgebildet ^). Diese Benennuno- 
wurde jedoch von Folin aufgelassen, da Gray schon im Jahre 1855 für eine besondere Gruppe der 
Gattung Zonites aus Mexico den Namen Moreletia gebraucht hatte ; darum hat Folin diese Benen- 
nung in Parastrophia umgeändert ^). Im Jahre 1877 gab uns Folin sehr gute Abbildungen des 
Nucleus bei allen Gattungen der Familien der Caecidae *), um gegen Allery de Monterosato zu 
beweisen, dass Parastrophia kein Entwicklungs-Stadium oder deutlicher gesagt kein unvollendetes 
Gehäus junger Thiere anderer Caeciden sein könne, sondern als zur voller Entwicklung gekommene 
selbständige Form anzuerkennen sei. Ich habe bisher keine Gelegenheit gehabt, Parastrophia in 
Natura zu sehen, darum kann ich mich in diese Discussion gar nicht einlassen, was ja auch für 
unsere Angelegenheit nicht von Belang sein kann ; doch machen mir die Auseinandersetzungen 
Folin's die Richtigkeit seiner Auffassung jedenfalls wahrscheinlich. So viel steht jedenfalls fest, dass 
eine Aehnlichkeit der Orygoceras überhaupt mit dem Gehäuse der ersten Entwicklungs-Stufen der 
Cecideen, und speciell mit der Gattung Parastrophia unleugbar ist. Bis heute sind folgende Arten 
durch Folin bekannt geworden ; 

Parastrobhia cornucopiac, aus Hong-Kong, 

5> Astiii'iana, aus dem Golfe von Gascogne, 

3 Challengeri, von der Challenger Expedition. 

Sowohl die Abbildung von Parastrophia coriuicopiae, als jene der Einbryonalwindung der 
Caeciden zeigen eine unverkennbare Aehnlichkeit mit glatten Orygoceras-¥ormen. Die Gestalt und 
die Textur der Schale im Allgemeinen, der gewundene Nucleus, endlich jene gewisse Biegsamkeit 
oder Unregelmässigkeit der Röhre haben Orygoceras und Parastrophia gemein, wogegen sich beide, 
von anderen Meeres-Rohrschnecken, wie z. B. Dentalinm, welche steifer, regelmässiger, mehr oder 
weniger gebogenen Linien folgen, leicht unterscheiden. Ein weiterer Berührungspunkt zwischen Orygoceras 
und den Arten und Gattungen der Caecidae bestehet darin, dass man bei beiden ganz glatte, theil- 
weise oder ganz gefaltete und geringelte Formen wiederfindet, so dass wir unsere Orygoceras wahrlich 
Süsswasser-Caeciden nennen könnten. — Soviel also über diese sehr auffallende, aber jedenfalls nur 
scheinbare Verwandtschaft, nachdem, wie gesagt, die Thiere unserer Gattung und jene der Caeciden, 
vom anatomischen Standpunkte aus, verschieden gebaut sein mussten. 

Weiter will ich noch auf eine mögliche Verwandtschaft die Aufmerksamkeit der Paläontolosren 
lenken, welche, obwohl sie bei dem ersten Anblicke ganz befremdend erscheinen mag, doch bei 
näherer Betrachtung nicht gar so paradox scheinen dürfte. Ich meine nämlich eine Verwandtschaft, 
welche man zwischen Orygoceras und l'äleuciennesia vermuthen könnte. Darauf, dass die Individuen 



') Berchon, De Folin, Perier. Les Fonds de !a Mer. Paris 18ÖQ, Seite 120, 122. 

-) Loco citato. Taf. XV, Fig. 7 — g. 

') Loco citato. Seite 174; ausserdem L. de Folin. Monographie de la Familie de Caecidae. Bayonne iSyS, Seite 31. 

^) L. de Folin. Note relative au genre Parastrophia (Journal de Conchyliologie. Vol. XXV., Paris 1877, Seite 2o3, Taf. V). 



40 Brusina. [8] 

beider Gattungen aus einem Spiralen Xucleus ihren Anfang nehmen, werden wir kein Gewicht legen, 
nachdem dies bei den meisten Gasteropoden der Fall ist. Bei Valenciennesia wächst die Schale trichter- 
förmig schnell an, breitet sich nach und nach so aus, dass das zur vollen Entwicklung gelangte 
Gehäus weit offen und schildförmig wird. Bei Orygoceras entwickelt sich das Gehäuse ebenfalls trichter- 
formier, aber so eng und langsam anwachsend, dass die zur Entwicklung gelangte Schale röhren- 
förmig bleibt ; darum jene grosse Verschiedenheit der ausgebildeten Gehäuse beider Gattungen, 
wogegen man fast berechtigt wäre , zu behaupten , dass deren individuelles Wachsthum nach 
demselben Gesetze stattgefunden habe Eine weitere Beziehung zwischen diesen Gattungen glaube 
ich in dem Umstände zu finden, dass beide glatte und geringelte Formen aufzuweisen haben. Endlich 
vom geologischem Standpunkte ausgehend, dürften Orygoceras und Valenciennesia auch nicht sehr 
weit aus einander stehen ; insoferne es uns nämhch bis jetzt bekannt ist, waren die Valencienncsia- 
Arten lauter Brackwasser-Bewohner der Congerien-Stufe, die Orygoceras dagegen Süsswasser-Thiere 
der Melanopsiden-Mergel. 

Valenciennesia findet sich, wie bekannt, in den Brackwasser-Ablagerungen Kroatiens, Sla- 
voniens und anderer Länder der Balkan-Halbinsel und um das Schwarze Meer ') ; die Orygoceras sind 
dagegen bis jetzt ausschHessHch in den Süsswasser-Ablagerungen Dalmatiens gefunden worden, somit 
könnten wir auch an eine zeitliche Verwandtschaft schliessen. Nehmen wir endlich an, dass Orygoceras 
und Valenciennesia wirklich in einem genetischen Zusammenhange stehen könnten, so wäre die Frage 
nach der zoologischen Stellung derselben doch noch immer nicht entschieden. Wie bekannt, haben sich 
F. V. Hauer. Bourguignat, Deshayes, Reuss, Neumayr ]\Iühe gegeben, die Verwandtschaft der Valen- 
ciennesia mit Limnaea zu beweisen; einen ganz zuverlässigen Beweis kann man jedoch nicht anführen. 
Nun, wie Valenciennesia jedenfalls die merkwürdigste Gattung unter allen Brackwasser-Mollusken ist, so 
ist auch Orygoceras die räthelhafteste, ganz allein stehende Gattung unter den Süsswasser-MoUusken. 
— Ein Hauptmerkmal der Valenciennesia. die Siphonalfurche, ist bei Orygoceras nicht vorhanden. 

Der Vollständigkeit halber werde ich noch auf eine gewisse Aehnlichkeit zwischen den Schalen von 
Orygoceras und mancher gerade gestreckten Arten der Gattungen Orthoceras und Tentaculites aufmerksam 
machen. Das glattschalige Orthoceras capillosum Barrande könnte einigermassen an Orygoceras detitali- 
forme erinnern, und die ringförmigen Wülste von Orthoceras anniclatujn Soicerby, oder Orthoceras Wissen- 
bachi Vernetäl und d Archiac sind jenen von Orygoceras corniicopiae sehr ähnlich. Tentaculites snlcatus 
Schlotheini ist auch so geringelt wie Orygoceras cornucopiae. Nun brauche ich damit mich hier wohl nicht 
weiter aufzuhalten, denn die AehnHchkeit zwischen unserer winzigen Gasteropoden-Gattung Orygoceras 
der Melanopsiden-Mergel Dalmatiens und den bedeutend grösseren, ja selbst im Vergleiche riesigen 



') Ich habe leider auf Grund zweier sehr mangelhafter Fragmente eine V alencienneAa plana aus dem SQdwasser- 
Mergel Dalmatiens gegründet (Binnen-Mollusken aus Dalmatien, Kroatien und Slavonien Seite io3). Nachdem ich mich schon beim 
ersten Auffinden überzeugt, dass nicht einmal ¥on schlecht erhaltenen Exemplaren die Rede sein kann, so habe ich mir voriges 
Jahr -wieder viel Mühe gegeben, wenigstens gute Abdrücke davon aufzufinden. Dies ist mir, wegen der ziemlichen Härte des 
Mergels, nur theilweise gelungen, und es wird auch schwerlich Jemanden besser gelingen. Unter den drei bis vier mitgebrachten, 
sehr schlechten Exemplaren findet sich jedoch eines, auf welchem der für Dreissena Dalmatica charakteristische Kiel deutlich zu 
sehen ist ; ich möchte selbt sagen, dass die Spur eines zweiten schwachen Kieles ebenfalls bemerkbar ist. Dieses Stück hat mir 
trotz seiner schlechten Erhaltung die volle Sicherheit verschafft, dass erstens diese Abdrücke von Turiake nicht mehr und 
nicht weniger als echte, nur stark zerquetschte Dreissena und keine Valenciennesia sind. Jene fälschlich und nur vorläufig 
als Valenciennesia plana aus Turiake besprochenen Abdrücke sind somit mit Dreissena Dalmatica aus Ribaric zu identificiren. 
Weiter können wir als bestimmt annehmen, dass Dreissena Dalmatica Gestalt und Grösse der Dreissena triangularis Partsch 
erreicht hat, und eine echte Süsswasser-flreissena, wie z. B. unsere recente und fossille Dreissena polymorpha Pallas, gewesen 
ist; endlich, was für uns hier das Hauptsächlichste ist, dass die bis nun bekannt gewordenen Valenciennesia - krie-n aus- 
schliessHch Brackwasser-Bewohner waren, nachdem sich die einzige sein sollende Süsswasser-Fa/e«cie«nesia der dalmatinischen 
Schichten als eine unfehlbare Dreissena sich entpuppt hat. 



[9] Orygoceras. 41 

Cephalopoden-Gattung Oj-t/ioceras der paläozoischen Schichten und der Trias-Formation, und der 
Gattung Tentacidites der Silur-Formation, welch letzterer Stellung im zoologischen Systeme noch 
weniger festgestellt ist, als jene von Orygoceras, auch nur eine äussere und scheinbare sein kann 
und ist. Und eben darum muss ich nochmals betonen, dass, wenn ich es auch für angezeigt hielt, 
diesen meinen Gedanken hier Raum zu geben, doch all dies nur als ein Versuch gelten darf, die 
verwandtschaftlichen Verhältnisse dieser räthselhaften Organismen wo möglich zu belauschen und die 
Aufmerksamkeit tüchtiger Forscher auf sie zu lenken. 

Nachdem also Orygoceras unter allen Mollusken-Gattungen ganz isolirt dasteht, nachdem 
man wirkliche Verwandte bisher umsonst gesucht hat , so muss man den Schluss ziehen , dass 
Orygoceras nicht nur eine neue Gattung, sondern eben so auch der Vertreter einer eigenen Familie 
ist, welche wir die Familie der Orygoceratidae nennen werden. 



SPECIELLER THEIL. 



Orygoceras. Gen. nov. 

Testa minuta dentaliformis, tubularia, conica, assymetrica, compressa, plus minusve arcuata, 
interdum axem circa contorta, superne semper sinistrorsum incurvata; striata, rare laevigata, saepius 
lamellis annulisque eleganter ornata; apice nucleoso, spirali, ad ventrem reverso; apertura transversa, 
elliptica, margine acuto. 

Betrachten wir die winzigen Gehäuse von Orygoceras, so wird uns zuerst jene gewisse Form- 
unbeständigkeit, welche allen Süsswasser-Mollusken besonders eigenthümlich ist, auch bei dieser 
Gattung in die Augen fallen. 

Obwohl man sonst zugeben muss, dass alle Formen der Gattung einerseits sich gut durch 
leicht fassbare Kennzeichen unterscheiden lassen, so sind sie andererseits durch gemeinsame Merkmale 
eng verbunden. 

Das Gehäuse ist wie jenes der Arten aus der Familie der Dentaliidae, oder der Caecidae 
röhrenförmig, aber nicht symmetrisch, mehr oder weniger gebogen, oben verschlossen und zugespitzt, 
unten breiter, offen und immer der Breite nach etwas zusammengedrückt, manchmal leicht um die 
eigene Axe gedreht. Diese Drehung, welche an Fig 5 des Orygoceras stenonemus bemerkbar ist, kann 
leicht an die jedenfalls viel stärkere Drehung des Nucleus von JSIeioccras erinnern.-^) 

Um über die Bestimmung oder Benennung der Theile des Gehäuses zu orientiren, betrachte 
ich selbes von jener Seite, von welcher man mit Grund behaupten kann, dass das Thier dieselbe 
beim Kriechen dem Zuschauer ganz gezeigt hätte. Angenommen also, dass das Thierchen aus 
der Mundöffnung kriechend das Gehäuse sich nachgeschleppt hat, so muss man als Vorderseite jene 
annehmen, welche, wie gesagt, der Zuschauer zuerst gesehen hätte. Ich nehme also als Vorderseite 
jene, welche die Mundöffnung selbst nicht sehen lässt, und welche die bauchigere ist. Von unseren 



') L. de Folin. Le genre Meioceras (Annales de la societe Lineenne de Maine-et-Loire. Tome XI., Angers 18Ö9)' 
Fig. b ; dann Note relative au genre Parastrophia u. s. w. Taf. V. Fig. 2. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 2. 6 



42 " Briisina. ■ [lo] 

Abbildungen zeigen Fig. i, 7, 8, 9 und 12 die Vorder- oder Bauchseite, Fig 3, 4, 10, 11 und 14 die 
flachere Rückseite, Fig. 2, 5, 6, 13 und 15 sind Seitenansichten. 

Je nachdem die Oberfläche der Schale glatt, oder mit Lamellen oder Ringen verziert ist, 
können wir verschiedene Arten unterscheiden; hier brauche ich auf dies nicht näher einzugehen. Als 
allgemeine Regel gilt weiter, dass Lamellen oder Ringe, wenn vorhanden, regelmässig quer um das 
Gehäuse verlaufen, mit der Mundöffnung parallel, welche sich schief öffnet. Nur auf den Seiten zeigen 
die Lamellen und Ringe eine kaum merkbare Krümmung; sonst sind sie auf der Vorderseite immer 
kräftiger als auf der Rückseite. 

Die Spitze des Gehäuses ist gegen die Bauchseite gewendet und fast immer gleich stark 
links gebogen; dieselbe trägt weder Lamellen, noch Ringe, sondern ist beständig ganz glatt und 
glänzend. Die Embryonalwindung oder der Nucleus ist spiralig gewunden. Die Mündung öffnet sich 
quer, und nachdem das Gehäuse immer von vorne nach hinten leicht zusammengedrückt ist, hat 
die Oeffnung einen elliptischen Umriss ; sie ist von einem scharfen Rande umsäumt. 



Orygoceras dentaliforixie nov, spec. 

(Taf. XI [I], Fig. 9-15.) 

Texta exihs, plus minusve arcuata, contorta, transverse fere regulariter plus minusve striata ; 
inferne ad aperturam simplex, plerumque uni-, bi-vel trilamellata ; lamellae subtiles, acutae. 

Hab. Ribaric, Sinj (^upiöa potok) Dalmatiae. 

Wie der Name sagt, so erinnert diese Form, abgesehen von der Grösse, am meisten an die 
glatten Arten von Dentaliiun ; es ist dies jedenfalls die einfachste und zugleich die häufigste Art der 
Gattung Orygoceras. Aus Ribariö habe ich gegen looo Bruchstücke ausgeschlemmt, aus der zweiten 
Localität dagegen jj^iupica potok* nächst Sinj habe ich im Jahre 1875 kaum ein Dutzend Fragmente 
gesammelt; später habe ich kein einziges Stück mehr von dort bekommen können, nachdem die 
kleine Fundstelle durch eine Erdabrutschung verschüttet worden ist. Trotzdem jedoch diese Art die 
häufigte ist, so habe ich doch gerade von ihr kein einziges vollständiges Exemplar finden können, 
hauptsächlich darum, weil in Sinj vorläufig nichts mehr zu bekommen ist, und die Fossilien von 
Ribaric von allen dalmatinischen Fundorten am meisten verwittert und am schlechtesten erhalten 
sind. Schon dieser Umstand, dass wir keine ganzen Exemplare besitzen, lässt uns im Zweifel, ob wir 
wirklich nur eine oder mehrere Formen vor uns haben. Um dies besser zu erläutern, müssen wir uns 
zuerst an die Abbildungen halten. 

Die Abbildung Fig. 14 und 15 sind nach dem grössten vorhandenen Stücke von Sinj entworfen, 
welches eine Höhe von 66 mm, bei 1-5 mm grösstem und i'i mm kleinstem Durchmesser erreicht ; 
im vollständigen Zustande hat dieses Exemplar 7 mm Höhe gehabt. Betrachten wir die Mündung, 
so finden wir, dass der Rand ganz und scharf ist, ohne irgend eine Spur von Lamellen auf der, 
Aussenseite. Ich möchte nicht der Vermuthung Raum geben, dass der Mündungstheil dieses Exem- 
plares abgebrochen sei, nachdem eben die Schärfe des Randes sicher beweist, dass derselbe ganz 
und vollständig erhalten ist. Somit hätten wir die typische Form von Orygoceras dcntaliforme ohne 
irgend welche Lamellen. — Noch müssen wir Fig. 13 erwähnen, welche uns ein mehr als gewöhnlich 
gebogenes Exemplar veranschaulicht , ob der typischen Form angehörend, ist unsicher, nachdem 
dasselbe an beiden Enden abgebrochen ist. — Fig. 12 stellt uns ein Bruchstück aus Ribaric mit zwei 
Mündungs-Lamellen vor, welches aber oben und unten stark verletzt ist. Exemplare mit einer, oder 



[ii] Orygoceras. 43 

zwei Lamellen liegen uns auch von Sinj vor, jene mit zwei sind viel ^häufiger, als jene mit einer 
Lamelle. Man trifft aber auch, obwohl sehr selten, Stücke mit drei Lamellen. — Beträchten wir die 
Abbildung des Exemplares aus Ribaric, Fig. 11, welche sonst nicht am besten gelungen ist, so finden 
wir, dass eine Ring-Lamelle die Mündung umgibt , und obwohl Mündungsrand und Lamelle etwas 
zerbröckelt sind, so ist doch ausser Zweifel, dass wir das Bild einer sonst gut erhaltenen Mündung 
vor uns haben. — Die Abbildungen Fig. 9 und 10 stellen ein Fragment aus Sinj dar, welches sich 
dadurch auszeichnet, dass sowohl Mundrand, als Lamelle vollständig erhalten sind. Der breite, aus 
zwei halbmondförmigen Linien bestehende Winkel, den man auf Fig. 10 sieht, ist einfach eine Narbe, 
in Folge eines Bruches des Gehäuses noch während des Lebens des Thieres. — Schliesslich ist zu 
bemerken, dass die Lamellen von der Mündung und von einander nicht immer gleich weit entfernt 
sind ; manchmal finden sie sich viel höher als gewöhnlich. In Folge dessen kann man die Frage 
aufwerfen, ob wir wirklich nur eine oder mehrere glatte Orygoceras-h.x'i&xi vor Augen haben. Es ist 
gar nicht unwahrscheinlich, dass die Stücke mit i, 2, oder 3 Lamellen als specifisch verschieden 
von der Form ohne Lamelle anzusehen wären. In diesem Falle möchte ich für die ersten Namen 
Orygoceras elasmopliornvi in Vorschlag bringen ; für die typische Form ohne Lamelle wird man auch 
weiterhin den Namen Orygoceras dcntaliforine behalten können. Unterdessen aber müssen wir alle 
diese Abänderungen unter den gemeinsamen Namen fassen ; denn nur dann wird eine Erledigung 
dieser Frage möglich, wenn es Jemanden gelingen sollte, ganze Exemplare aller dieser Formen 
zu finden. 

Wenn wir die von Folin gelieferten Abbildungen des Nucleus-Stadiums von Parastrophia ^) 
mit unseren Abbildungen Fig. 14 und 15 vergleichen, so zeigt sich eine auffallende Uebereinstimmung. 
Ich brauche natürlich kaum aufmerksam zu machen, dass bei unseren Abbildungen eben die Embryonal- 
windung fehlt, welche bei Orygoceras dentaliforine genau so beschaffen war, wie unsere Fig. i — 5, 8 
zeigen. — So wie bei Orygoceras dentaliforine Formen mit einer oder zwei Mundlamellen zu finden 
sind, so kennen wir solche auch bei der Gattung Caecuni. Caccnin liuipidum Folin aus Brasilien ^) 
oder Brocliina Chiereghiniana Briisina aus der Adria ^) haben eben nur einen Mundring. Caecuui sub- 
ornahnn Folin aus Brasilien *) hat deren zwei. 

Somit glaube ich diese Art zur Genüge besprochen zu haben : alle weiteren Einzelheiten sind 
leicht aus den Abbildungen ersichtlich, nur muss ich zuletzt ausdrücklich erwähnen, dass ich wohl 
viele Bruchstücke von Orygoceras dentaliforvie, an welchen die Spitze sammt Nucleus erhalten ist, 
gesammelt habe, ich habe aber dennoch keine solche abbilden lassen, nachdem, wie gesagt, die 
Spitze ganz gleich wie bei den folgenden Arten beschaffen ist. 



Orygoceras stenonemus nov. spec. 

(Taf. XI [1], Fig. 4-S.) 

Testa exilissima, haud arcuata, transverse fere regulariter tenuissime striata, et lamellis annu- 
latis, subtilibus eleganter ornata ; lamellae antice eminentes, postice minus distinctae. 
Exemplar integ. alt. 5.3 mm, diam. major i mm, diam. minor O'S mm. 



') L. de Folin. Note relative au genre Parastrophia u. s w. Taf. V, Fig. 4, 4 b, 4 c. 

^J L. de Folin et L. Perier. Les Fonds de la Mer. Tome II. Paris 1871 — 1876, Seite 211, Taf. X, Fig. i — 2. 

°) S. Brusina. Gasteropodes nouveaux de l'Adriatique. (Journal de Concbiyliologie. Vol. XVII, Paris tSög, Seite 268). 

*) L. de Folin et Perier. Loco citato. Seite 212, Taf. IX, Fig. 5. 



44 Brtisina. [12] 

Hab. Ribaric, Sinj (2iupica potok) Dalmatiae. 

Diese Art ist bedeutend seltener als die vorhergehende ; ich habe nicht mehr als 100 Bruch- 
stücke aus Ribaric und gegen ein Dutzend Stück aus Sinj, darunter ein einziges vollständig erhaltenes 
Exemplar gefunden. Die Art ist sehr leicht zu unterscheiden, nachdem sie der Länge nach durch 
hohe, scharfe Lamellen-Ringe verziert ist. Die Lamellen sind nie auf beiden Seiten gleich, sondern 
auf der Vorderseite sind sie mehr oder weniger hoch und ragen scharf hervor, auf der Rückseite 
sind sie schwach und mehr oder weniger fadenförmig. Was die Zahl derselben anbelangt, so variirt 
diese so stark, dass ich noch immer nicht im Reinen bin, ob ich auch hier mit nur einer, oder zwei 
Formen zu thun habe ; ein Zweifel, der nur dann schwinden wird, wenn man von beiden Formen 
mehrere vollständige Exemplare erhalten wird. Um aber die Frage unterdessen näher zu beleuchten, 
müssen wir wieder zu den Abbildungen Zuflucht nehmen. 

Die Fig. 4 und 5 sind nach dem einzigen ganzen Exemplare entworfen, Fig. 6 nach einem 
Stücke, dem nur die Spitze fehlt ; beide sind in Sinj aufgefunden und stellen die typische Form 
dar. Das letzt erwähnte Exemplar wurde abgebildet, um zu beweisen, dass das Gehäuse nicht immer 
so stark gedreht ist, wie es z. B. Fig. 5 zeigt, und dass die Bauch-Lamellen manchmal mehr als 
gewöhnlich hervorragen. Nachdem bei dem .unter Fig. 6 gezeichneten Exemplare nur die Spitze fehlt, 
so kann man an beiden Individuen ganz deutHch 9 Lamellen wahrnehmen. Dass diese Zahl aber 
nicht immer constant ist, bezeugen uns andere, nicht abgebildete Fragmente aus Sinj, welche, meiner 
Ansicht nach, entschieden zu den typischen unter Fig. 4, 5 und 6 abgebildeten Orygoceras stenoneiims 
zu rechnen sind, obwohl bei denselben, bei vollständiger Erhaltung nicht 9, sondern weniger Lamellen' 
zum Vorscheine gekommen wären. Diese Veränderlichkeit geht aber noch weiter ; Fig. 7 und 8 
stellen uns nämhch zwei Fragmente aus Ribaric dar, welche sich wieder insoferne von der eben 
besprochenen typischen Form unterscheiden, als die Schale beim Zunehmen mehr einer geraden 
Linie zu folgen scheint, und auf derselben eine grössere Anzahl Lamellen vorkömmt. Ich habe nämhch 
das unter Fig. 8 abgebildete Fragment der Spitze, auf das unter Fig. 7 abgebildete Bruchstück 
gesetzt, und jeder, der diese zwei aufeinandergelegten Stücke in Natura sehen würde, möchte auch 
behaupten, ein grosses Exemplar vor sich zu haben ; dieses so zusammengesetzte Exemplar hat dann 
17 Lamellen-Ringe, was auch aus den Abbildungen leicht wahrzunehmen ist. Diesen Versuch hätte 
man mit dem Darauflegen der Abbildungen, wenn diese nach demselben Maasstabe vergrössert 
wären, auch machen können, nachdem das aber nicht der Fall ist, so muss ich es ausdrücklich bemerken, 
um Missverständnissen vorzubeugen. Den Unterschied der Lamellenzahl kann man vergleichsweise 
noch ganz leicht ersehen, wenn man gleich grosse und gleich dicke, also verhältnissmässig überein- 
stimmende Theile des Gehäuses entgegen stellt. Während z, B. das eine Fragment 6 Ringe zeigt, hat 
das nächst ähnliche nicht weniger als 11 Ringe ; bei dem einen Stücke konnte ich nur 5 Lamellen, bei 
einem andern 10 Lamellen zählen. 

Auch die Vertheilung der Stücke in den zwei Fundorten spricht für eine weitere Theilung 
dieser Formen. Von jenem Dutzend Exemplaren aus Sinj sind die meisten mit weniger Lamellen 
versehen, also echte Orygoceras stenonemus , und nur drei tragen viele Lamellen. Dagegen von den 
Bruchstücken aus Ribaric sind drei Viertel stark mit Lamellen besetzt und nur etwa ein Viertel ist 
mit Lamellen sparsam bedeckt. 

Das weniger gewundene Gehäuse, die grössere Anzahl von Ringen, und die gerade umgekehrte 
Vertheilung der Individuen in den- zwei Fundorten hatten mich bewogen, die Form, welche Fig. 7 
und 8 darstellt, als besondere Art unter dem Namen Orygoceras Cochlea zu unterscheiden, weil man 



[i3j Orygoceras. 45 

beim Anblicke der Fig. 7 in der That an eine Schraube erinnert wird. Nachdem aber das Material 
schlecht erhalten ist, nachdem die Lamellenanzahl jedenfalls unbeständig ist, so halte ich es doch 
für besser, vorläufig nur eine Art festzuhalten, bis vielleicht bessere Exemplare ein endgiltiges Urtheil 
zulassen werden. 

Zuletzt erachte ich es als nicht ganz überflüssig zu bemerken, dass die einzelne über den 
andern hoch oben und gleich unter der Spitze stehende Lamelle, welche auf Fig. 8 zu sehen ist, 
auf Rechnung jener VeränderHchkeit zurückzuführen ist, welche bei Binnen-MoUusken überhaupt 
gewöhnlich ist, und welche ebenso gut auch bei dieser Gattung zum Vorschein kommt. 



Orygoceras cornucopiae nov. spec. 

(Taf. XI [l], Fig. 1-3.) 

Testa solidula superne tantum incurvata, transverse indistincte et tenuissime striata, annulis 
numerosis eleganter ornata ; annuli superne filiformes, ad aperturam rare spissi, semper lamelliformes, 
ceterum validi, antice eminentes^ postice minus distincti. 

Exempl. integri alt. "J'Q — 7'8 mm, diam. maj. i'3 — 14 mm, diam. min. ri — V2 mm. 

Hab. Mioci6 Dalmatiae. 

Zum Schlüsse folgt die Beschreibung einer ausgezeichneten Form, der ersten ihrer Gattung, 
die mir bekannt geworden ist, die sich aber bis jetzt nur bei Miocic gefunden hat. Schon im Jahre 
1873 entdeckte ich die ersten nur 3 bis 4 mm hohen Bruchstücke, welche mich Jahrelang in Verlegen- 
heit versetzten ; da ich mir nicht erklären konnte, was für einem Theile und welcher Thiergruppe 
sie angehört haben konnten. Diese Art ist auch die seltenste, denn obwohl ich mir viel Mühe gegeben 
habe, viele Exemplare davon zu sammeln, so habe ich doch durch Jahre hindurch kaum mehr als 
100 Stücke bekommen, und nach mühsamen Suchen ist es mir erst voriges Jahr gelungen, 3 — 4 voll- 
ständige Exemplare zu finden, und dadurch über die Natur des räthselhaften Wesens theilweise 
Aufschluss zu erhalten. Wir könnten sie auch noch darum die interesanteste Art nennen, weil sie mit 
keiner anderen zweifelhaften Form zusammen vorkommt. 

Orygoceras cormicopiae ist die grösste von allen Arten und zeichnet sich durch eine viel festere 
Schale aus. Was die Grösse anbelangt, so muss bemerkt werden, dass ein Bruchstück, obwohl die 
Spitze fehlt, doch eine Höhe von 8'2 mm, bei i'5 mm grösstem und 13 mm kleinstem Durchmesser 
zeigt, so dass das Stück bei vollständiger Erhaltung gewiss über 9 mm Höhe erreicht hat. — Das 
Gehäuse ist fast ganz gerade und nur die Spitze ist immer seitlich links gebogen ; schon beim 
Anblicke der Abbildungen kann man sich leicht überzeugen, wie die vielen kräftigen Ringe diese 
Form besonders auszeichnen. Die Anzahl derselben ist nicht beständig, nachdem sie sich auf den 
drei vollständigen Exemplaren und einem weiteren, dem nur der Nucleus fehlt, als zwischen 17 und 
22 schwankend gezeigt hat ; ein Exemplar hat nämlich 17 Ringe, das abgebildete und das wenig 
verletzte haben deren 21 und das vierte Stück hat 22 Ringe. Diese Ringe werden natürlicherweise, 
wie es auch bei Orygoceras steno7iemus der Fall ist, von oben nach unten von einander progressiv 
immer weiter entfernt, die ersten , zunächst der Spitze, sind fadenförmig , die letzten am 
Munde sind nicht immer, aber sehr oft lamellenartig und scharf wie bei Orygoceras stenoneums, die 
übrigen dazwischen, also die Mehrzahl sind kräftig, stumpf und abgerundet. Wie bei Orygoceras 
stenonenms, so ist auch bei dieser Art zu sehen, wie die Ringe auf der Vorderseite etwas kräftiger 
sind, als jene der Rückseite ; ausserdem kann man beobachten, wie die Ringe an den beiden Seiten 



4Ö ■ Brnsina. i-j.i 

der Schale in Folge der dieser zukommenden Compression von vorne nach hinten eine unbedeutende 
Krümmung erhalten. 

Die Ringe von Orygoceras cornucopiae können ganz gut an die ähnliche Verzierung des 
Caecum Brasilicum Polin aus Brasilien erinnern ^). 

Schliesslich brauche ich wohl nicht zu beweisen, dass jeder nähere Vergleich der drei Arten 
untereinander insoferne überflüssig ist, als ihre Verschiedenheit von selbst einleuchtet. 



') L. de Folin et Perier. Loco citato. Seite 212, Taf. IX, Fig. 6, 



ÜBER BÖHMISCHE, THÜRINGISCHE, GREIFENSTEINER UND 

HARZER TENTACÜLITEN. 

VON 

Dr. OTTOMAR NOVAK. 

(Mit Tafel XII und XIII.) 



I. Einleitende Bemerkungen. 

Die Tentaculiten bildeten wegen ihres in gewissen palaeozoischen Schichten massenhaften 
Auftretens und wegen der Mannigfaltigkeit ihrer Formen seit langer Zeit den Gegenstand vielfacher 
Untersuchungen. In der That wurde bereits in verschiedenen Gegenden der alten und neuen Welt 
eine beträchtliche Anzahl Formen entdeckt und einer gründlichen Beschreibung und Abbildung 
gewürdigt. 

In dem dritten Theile des über die böhmischen Silurpetrefacten handelnden Werkes unseres 
Meisters Barrande, finden wir einen wahren Schatz wichtiger, chronologisch zusammengestellter 
Literaturangaben und nahezu alles dasjenige zusammengefasst, was bisher über diese, in palaeonto- 
logischer Hinsicht ziemlich wichtigen Pteropoden bekannt geworden '). 

Doch wurden, wie ich mir in den vorliegenden Blättern zu zeigen erlaube, von einigen Autoren 
einzelne Formen theihveise mit einander verwechselt oder auch bereits beschriebene als neu 
aufgestellt. 

Derartige Irrthümer sind jedoch nicht aus Unkenntniss des in den bezüglichen Studien vor- 
liegenden Materials entstanden, sondern sie beruhen einerseits in der nicht immer günstigen Erhal- 
tung der Schalen, andererseits ist der Grund dafür in den kleinen Dimensionen, in denen sie meist 
auftreten, zu suchen; hiezu mag wohl auch das dem Erhaltungszustande derselben mitunter sehr 
ungünstige Material, nicht wenig beigetragen haben. 

Es konnte nicht im Bereiche meiner Arbeit liegen, die sämmtlichen bis jetzt bekannten 
Formen neuerdings zu untersuchen; dazu fehlte es an genügendem Material, und wäre es auch nicht 
möglich gewesen, mir solches zu verschaffen. 

Daher beschränkte ich mich in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich auf die Untersuchung 
derjenigen Formen, welche von Barrande aus dem böhmischen Becken beschrieben wurden, und 



') Vergl. Barrande: Syst. Silur. Boh. Vol. III Pteropodes pag. iio — i3i. 



48 Noväk. , [2] 

stellte mir vor allem die Aufgabe, dieselben mit einigen nahe verwandten ausserhalb Böhmens 
vorkommenden Tentaculiten zu vergleichen. Diese Arbeit bezieht sich also hauptsächlich auf solche 
Formen, die ich aus eigener Anschauung kennen zu lernen Gelegenheit hatte. 

Hieher gehören vor allem die Tentaculiten aus den tentaculitenführenden Schichten Thürin- 
gens und jene aus dem devonischen Kalkstein von Greifenstein. Auch sah ich mich genöthigt, 
einiges über die von Kayser aus den hercynischen Schichten des Harzes beschriebenen und 
abgebildeten Formen zu erwähnen, da dieselben theilweise mit einzelnen böhmischen Repräsentanten 
identificirt werden '). 

Da nun die in den Bereich meiner Studien fallenden Thierreste meist in einem den jetzigen 
Anforderungen unserer Kenntnisse ungenügenden Massstab dargestellt wurden, so habe ich es für 
nöthig erachtet, eine Anzahl bereits bekannter und in anderen Arbeiten gezeichneter Formen von 
Neuem abzubilden. Dabei habe ich die Zeichnungen so eingerichtet, dass sie dem Massstabe i : 16 
bis 20 oder nöthigenfalls bei Detailfiguren dem Verhältnisse i : 30 entsprechen. Auf diese Weise ist 
es dem Leser ermöglicht, sich schon bei flüchtiger Betrachtung der Figuren über die Grössenverhält- 
nisse der einzelnen Arten zu orientiren. Uebrigens ist bei jeder Figur die natürliche Grösse, sowie 
auch das lineare Vielfache des abgebildeten Stückes angegeben. 

Bevor ich zur Lösung der mir gestellten Aufgabe übergehe, darf ich es nicht unterlassen, 
allen denjenigen, die mich bei der Ausführung derselben auf die freundlichste Weise unterstützten, 
meinen wärmsten Dank auszusprechen. In erster Reihe verpflichtet fühle ich mich dem Herrn Prof 
Krejci, von welchem der grösste Theil des untersuchten Materials gesammelt und mir zum Studium 
vertraut wurde. Aber auch Herr Hofrath Richter in Saalfeld, Herr F. Maurer in Darmstadt und 
Herr Geheimrath Ro emer hatten die Güte, mir einen Theil ihres Materials bereitwilligst zur Einsicht 
zu übersenden. Dasselbe gilt von Herrn M. Dusl in Beraun, dessen prachtvolle Sammlung Allen, die 
da kommen und sich mit dem Studium der Fauna unseres Beckens beschäftigen, stets offen steht. 
Ausserdetn bin ich auch dem Herrn Prof G. Laube für die mir zur Verfügung gestellte Bibliothek 
des k. k. geologischen Instituts zu vielem Danke verpflichtet. 

Da es mir im Verlaufe meiner Studien gelungen ist, einige wohl hie und da erwähnte, sonst 
aber noch nicht bekannte Eigenthümlichkeiten an den Schalen, namentlich der Anfangsspitze der- 
selben zu beobachten, so sei mir erlaubt, bevor ich zur Schilderung der auf die oben genannten 
Gegenden vertheilten Formen der beiden Gattungen Tentaciilites und Styliola übergehe, einige 
Bemerkungen zur Charakteristik derselben vorauszusenden. 



II. Beiträge zur Charakteristik der Gattungen Tentaculites und Styliola. 

1. Gattung Tentaculites Schlotheim. 

Seitdem . die generische Selbstständigkeit der beiden oben angeführten Gattungen von 
Prof Ludwig aufs klarste dargestellt wurde, ist man gegenwärtig allgemein dahin einig geworden, » 
blos die mit Querringen versehenen Formen als Tentaculites zu bezeichnen und die glatten Formen, 
welche bis zum Jahre 1864 mit dieser Gatturig vereinigt wurden, mit der noch lebenden Gattung 
Styliola zu identificiren. 



-) Vergl. Kayser: Fauna d. alt. Devonablagerungen des Harzes, pag. 112— 116, Taf. XXXI. 



[3] Tentacnliten. 



49 



Der von Barrande 1867 in seinen Pteropodes pag. 123 gegebenen Charakteristik der Gattuno- 
Tentaculites habe ich, was die Anfangsspitze der hieher gehörigen Schalen betrifft, einiges beizu- 
fügen, was bis jetzt aus Mangel an gut erhaltenem Material nicht derart gewürdigt wurde, als es mir 
wünschenswerth erscheint. 

a) Die Anfangspartie der Schale. 

Bei der Untersuchung einer sehr grossen Anzahl Individuen bemerkte ich, dass bei solchen 
Exemplaren, bei denen es gelungen ist, die äusserste Spitze blosszulegen, dieselbe nicht scharfkantig 
erschien, sondern dass sich die Schale daselbst zu einem ellipsoidischen, man dürfte sagen bläschen- 
förmigen Körperchen erweitert, dessen Oberfläche jedoch keine Ringe trägt. 

Obwohl schon Richter^) eine mit dieser Beobachtung vollständig übereinstimmende Bildung 
an der Anfangsspitze seines Tentaculites cancellatiis erkannt hatte, blieb dieses Merkmal lange Zeit 
vollkommen unberücksichtigt und Richter selbst spricht 1. c. pag. 371 blos von einem ^.etwas 
verdickten Jugendende*. 

Dieselbe Gestalt der Anfangsspitze wurde späterhin von Ludwig auch bei T. niaxinms 
beobachtet. »Die in ein Knötchen endende Spitze*, welche im Texte besonders hervor- 
gehoben wird, tritt in seinen Abbildungen der genannten Art deutlich hervor ^). 

Seit der Zeit wird, meines Wissens, diese Erweiterung der Schale an der Spitze der Tenta- 
culiten nirgends mehr erwähnt. 

Unter den von mir untersuchten Arten zeigten eine Erweiterung der äussersten Spitze blos 

folgende : 

T. actiarius Richter [T. longuhis Barr) Taf XII (I), Fig. 2, 3, 17. 20. 

T. elegans Barr. [T. cancellatiis Rieht) Taf. XIII (II). Fig. i — 3, 5 — 10. 
T. interm^dijis Barr. Taf XIII (II), Fig. 24 a. 

Bei den übrigen von mir abgebildeten Arten konnte die Erweiterung wahrscheinlich blos aus 
dem Grunde nicht beobachtet werden, weil mir meist nur Exemplare mit abgebrochener Spitze 
vorlagen. Bei anderen Arten dagegen mag das erwähnte Bläschen überhaupt nicht entwickelt 
gewesen sein. Es müssen daher in dieser Beziehung noch fernere Beobachtungen angestellt werden. 

Zu bemerken ist, dass die Oberfläche der drei angeführten Arten mit feinen Längsrippchen 
versehen ist. Bei den übrigen, ebenfalls der Länge nach gerippten Arten, wie T. Geinitziamis 
(Taf XIII [II], Fig. 15 — 16) und T. infimdibiihmt (Taf XII [I], Fig. 10) konnte die Anfangsspitze, da mir 
blos Bruchstücke vorlagen, überhaupt nicht beobachtet werden. 

Dagegen beobachtete ich, dass die Anfangsspitze solcher Arten, deren Schalenoberfläche mit 
keinen Längsrippchen versehen ist, auch keine derartige knötchenförmige Erweiterung trägt, sondern, 
dass sie in ein mehr oder minder verlängertes, am Ende abgestumpftes Röhrchen ausläuft. Dies gilt 
nicht nur von solchen Arten, deren Oberfläche glatt erscheint, wie T. procerus Maur. (Taf XIII [II], 
Fig. 17 — 18), sondern auch von den mit deutlicher Querstreifung versehenen Schalen, wie T. ornatus Sow., 
von welchen mir aus dem podolischen Silur zahlreiche Exemplare zur Verfügung standen. 

Doch will ich mich über die Beschaffenheit der Schalenoberfläche von T. procerus noch 
nicht ganz rückhaltslos äussern, da die Anzahl der beobachteten Exemplare eine viel zu geringe 
geblieben ist. Was aber die quergestreifte Form betrifft, so bleibt kein Zweifel übrig. 



1) Vergl. Jahrbuch d. D. G. G. i865, pag. Syi, Taf. XI, Fig. 8. 

^) Vergl. Ludwig. Pteropoden aus dem Devon in Palaeontogr. Band XI, pag. 3ig, Taf. L, Fig. 21 — 22. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 2. r 



50 Noväk. [4] 

Auf Grund dieser Beobachtungen wird man späterhin vielleicht zwei Gruppen von Tentaculiten 
unterscheiden dürfen, nämhch (erstens) solche mit longitu dinale n und (zweitens) solche mit trans- 
versalen Rippchen. Die erste Gruppe wäre mit einem Anfangsbläschen versehen, die zweitte hätte 
kein solches aufzuweisen. 

Diesen beiden Gruppen dürfen sich vielleicht noch die beiden extremen Gruppen anschliessen, 
nämlich (drittens) die Gruppe vollkommen glattschal iger Formen, wohin T. procenis Maitr. 
gehört, und (viertens) die Gruppe der längs- und zugleich quergestreiften Formen. Vorder- 
hand ist aber noch kein Repräsentant dieser letzteren, bis jetzt noch hypothetischen Gruppe bekannt; 
darüber werden uns spätere Beobachtungen noch besser belehren. 

Die erwähnten bläschenförmigen Erweiterungen an der äussersten Spitze gewisser Tentacu- 
liten erinnern genau an jene bläschenförmigen Gebilde, an der Anfangsspitze vieler Cephalopoden 
aus den Familien der Goniatiden und Ammonitiden, denen Bar ran de (Vol. II, Text V, 
pag. 1301) das lehrreiche Capitel XVII widmet'). Diese Gebilde, die daselbst als ^Toeuf* oder 
„ovisac* angeführt werden, sind jedoch nie mit einem ,jdep6t organique" ausgefüllt. Dagegen 
beobachtete ich bei vielen Tentaculiten, dass nicht nur das Bläschen, sondern auch ein Theil des 
Hälschens mit einer vom Thiere deponirten Substanz ausgefüllt war. Es scheint, dass diese Ausfüllung 
des Bläschens bei TentacuHten erst nachträglich vollzogen wurde und überhaupt nicht bei allen 
Individuen stattfand. Man beobachtet nicht selten Exemplare, deren Anfangsspitze nicht massiv, 
sondern blos mit Gesteinssubstanz ausgefüllt ist. Es ist daher anzunehmen, dass der innere Raum der 
Schale ursprünglich bis zur Spitze, das Bläschen inbegriffen, vollkommen hohl war. (Vergl. Taf XII 
[I], Fig. 20 und Taf XIII [II], Fig. 9.) 

Zu demselben Resultate gelangt man schon bei blosser Betrachtung der ganz naturgetreuen 
Richter'schen Abbildungen von T. caiicellaüis Richter {T. elegans Barr) in den beiden Arbeiten 
über das thüringische Schiefergebirge in den Jahrbüchern der deutsch. Geol. Gesellschaft. 

Im Jahrgang 1865 ist auf Taf XI, Fig. 8 ein Exemplar mit gut erhaltenem Anfangsbläschen 
dargestellt. Dagegen wird im Jahrgang 1854 auf Taf. III, Fig. 16 ein anderes Exemplar ohne Bläschen 
abgebildet. In diesem Falle hat man es mit einem Steinkerne zu thun, dessen Anfangsspitze mit 
organischer Substanz ausgefüllt war, und im umgebenden Gestein, wahrscheinlich im zersetzten 
Zustande haften blieb. 

b) Lange und breite Form der Schale. 

Bei einzelnen Arten der Gattung Tentaadites bemerkt man, was die allgemeine Form der 
Schalen betrifft, zwei verschiedene Typen. 

Eine Anzahl Individuen, einer und derselben Art, besitzt nämlich verlängerte, ziemlich 
schlanke , allmälig cylindrisch werdende Schalen , dagegen zeigt eine andere Anzahl Individuen 
derselben Art, verhältnissmässig breitere, langkegelförmige Schalen, mit etwas weniger scharfem 
Apicalwinkel. In dieser Beziehung stehen beide Gruppen wohl einander gegenüber, doch kommen 
sie gleichzeitig in den Schichten vor. 

Derlei Gruppen, welche von Barrande als , forme longue* und ^forme large'^ unterschieden 
werden, sind auch an vielen Cephalopoden, Br achi op o de n etc. beobachtet, und als :>Vari antes* 
bezeichnet worden^). Bei einigen Arten, deren Schale im Allgemeinen betrachtet eine cylindrische 



') Partie initiale de la coquille des Cdphalopodes. 
^) Syst. Silur- Boh. Vol. V. Brachiopodes, pag. 4. 



[5] Tentaculiten. 



Si 



Form besitzt, treten diese Unterschiede wohl nicht sehr deutUch hervor, so z. B. bei T. intermedizis 
Barr. (Taf. II, Fig. 21-^ — 26). Bei anderen dagegen sind die angefiJhrten Unterschiede ziemlich auffallend. 
Dies gilt besonders von folsrenden zwei Arten : 



ö' 



f lange Form Taf. XIII (II), Fig. 3 und 5 
T. elegans Barr. K 



T. acuarius Rieht. < 



breite ,, „ , , ,2, 7—9. 

lange ,, >> XII (I), ,, 15, 16, 20. 

breite ,, ,, » „ ,, 13, 14, 18, 21. 



Doch haben diese Verhältnisse nicht viel zu bedeuten, wenn man erwägt, dass beide Formen 
mit einander durch zahlreiche Zwischenformen verbunden sind, von denen man nicht zu unterscheiden 
vermag, welche von diesen beiden Gruppen sie repräsentiren. Die Constatirung dieser verschiedenen 
Formen ist aber insofern wichtig, als man bei der Trennung des vorhandenen Materials in einzelne 
Arten, auf derartige Unterschiede kein besonderes Gewicht legen darf 

c) Beschaffenheit der Schale. 

Bei dem im Ganzen nicht besonders günstigen Erhaltungszustande der Schälchen, war es 
wohl nur in seltenen Fällen möglich, die wahre Natur der letzteren zu beobachten. Die meisten 
Tentaculitenschälchen, namentlich jene aus den Schiefern G — g 2, sind in Eisenoxydhydrat verwandelt 
und erscheinen auch demgemäss rostbraun oder gelblichbraun gefärbt. An. solchen E^^^emplaren, deren 
Schalen jedoch erhalten blieben, so namentlich an jenen aus H — hl von Srbsko, bemerkt man, 
dass dieselben aus einer durchscheinenden, glänzenden, sehr zarten Substanz zusammengesetzt sind 
und jener der jetzt lebenden Pteropoden ziemlich entsprechen. 

2. Gattung Styliola Lesueur. 

Inwiefern die glatten palaeozoischen, nach dem Vorgange Prof Ludwig's jetzt allgemein 
als Styliola angeführten Formen mit dieser in den jetzigen Meeren noch lebenden Gattung überein- 
stimmen, will ich vorläufig dahingestellt lassen. Meines Wissens ist bis jetzt bei keiner palaeozoischen 
Styliola weder ein dornförmiger Fortsatz der Schale am Mündungsrande, noch irgend welche 
natürlichen Längsfurchen beobachtet worden, wie solche bei lebenden Styliolen vorkommen. Vielmehr 
hat sich herausgestellt, dass die an palaeozoischen Styliolen beobachteten Längsfurchen unzweifelhaft 
durch Zerdrückung des Gehäuses entstanden sind, wie auch Kays er richtig hervorhob*). 

Was die Anfangsspitze der Schale betrifft, so kann ich nur so viel bemerken, dass sie bei 
keiner von mir beobachteten palaeozoischen Form scharf ausläuft,* wie dies in der Regel abgebildet 
wird, sondern dass sie stets mehr oder weniger abgestumpft erscheint. Doch nie beobachtete ich 
ein deutlich entwickeltes Anfangsbläschen, wie dies bei den Tentaculiten der Fall zu sein pflegt. 



') Fauna d. Devonabi. d. Harzes, pag. iib. 



Noväk. [6] 



III. Vergleichende Studien 

an böhmischen, thüringischen und Gre i f e n s t ein er Tentac ulite n , nebst einigen 
Bemerkungen zu den von Kayser angeführten hercynischen Formen. 

A, Die Tentaculiten aus Barrande' s Etagen F — G — _H. 

Wie Barrande in seinem Syst. Silur, de Boh, Vol. III Pteropodes (1867) gezeigt' hat, 
sind Tentaculiten im böhmischen Silur weder in der unteren Abtheilung, noch in den tiefsten 
Etagen der oberen Abtheilung derselben entwickelt. Ihr erstes Auftreten fällt daher nicht mit der 
ersten Phase der dritten Fauna zusammen In der That findet man in der Etage E noch keine Spur 
derselben vor. Sie erscheinen zuerst an der Basis der Etage F, nämlich in jenen schwarzen oder 
dunkelgrauen Kalken, welche an einzelnen Punkten, namentlich der Umgebung von Prag, entwickelt 
sind und als ,,Bande F — fi" bezeichnet wurden. Von da an lassen sie sich durch sämmtliche Etagen 
bis hinauf in die Unterabtheilung H — h i verfolgen, woselbst die Dauer derselben in Böhmen ihren 
Abschluss findet. In H— h 2 bis H — h 3 kommt keine Spur derselben mehr vor. 

Aus den tentacuhtenführenden Schichten Böhmens wurden nun folgende Arten angeführt ^) : 

Tentaailitcs elegans Barr. Vol. III, PI. 14, Fig. 20 — 27. 

^ intermedius Barr. ,, ,, ,, ,, , 33 — 35. 

,) longubis Barr. ,, ,> ^ ^j ^ 30—32. 

Styliola clavuliis Barr. ^^ j, j^ ,j ,, 28 — 29. 

Diese angeführten Arten werden in dem genannten Werke sämmtlich als neu beschrieben. 

Im Verlaufe meiner Studien hat sich jedoch herausgestellt, dass die als T. longulus Barr, 
bezeichnete Form mit einer schon im Jahre 1854 von Richter aus dem thüringischen Schiefergebirge 
beschriebenen Form übereinstimmt, nämlich mit T. aaiarius Rieht. Der Richter'sche Name hätte also 
für diese Art die Priorität. 

Ferner sah ich mich genöthigt, eine zur Gattung Styliola gehörige F'orm, die in gewissen 
Schichten oft zugleich mit St. clavubis Barr, sich vorfindet, von dieser letzteren zu trennen und als 
neu aufzustellen. Ich habe diese Form mit dem Namen Styliola striatiUa bezeichnet. 

Es wären also in den tentacuhtenführenden Schichten Böhmens folgende Formen nachgewiesen: 

. /. Tentaculites acuarins Rieht. (Vergl. Taf XII fll, Fig. i — 4 und Fig. 11 — 19.) 

2. ,, elegans Barr. ( , ^, XIII [II], ,, 5— H-) 
J. ,, intermedius » ( » » » » » 21 — 26.) 
4. Styliola clazmhts ^ ( » » » » » 27—30.) 

3. ,, striattda Nov. ( ,, ,, ,, ,, ,, 32— 37-.") 

Im Nachstehenden sollen nun diese Formen einer eingehenden Betrachtung unterzogen und 
alles da.sjenige erörtert werden, was über die Schalen derselben bis jetzt bekannt geworden ist. 



') (Vergl. Pteropodes, pag. I25.) 



[?] Tentacjditen. 



53 



1. Tentaculites acuarius Richter. 

(Taf. Xll [I], Fig 1—9 und Fig. ii — 25.) 

1854. T. acuarius Richter. Zeitschrift d. D. G. G. Band VI, pag. 285, Taf. III, Fig. 3— 9. 

i865. T. acuarius Richter, Zeitschrift d. D. G. G. Band XVI!, pag 371. 

i865. T. longulus Barr., Def. des Col. III, pag. 41. 

1867. T. longulus Barr., Syst. Silur. Boh. Vol. III, Pteropodes, pag. i33, Taf. XIV, Fig. 3o— 32. 

1875. T. acuarius Richter, Zeitschrift d. D. G. G. Band XXVII, pag. 265. 

1S78. T. acuarius Kayser, Fauna d. alt. Devonabi. d. Harzes, pag. 112, Taf. XXXI, Fig. i — 3. 

1879. T. acuarius Gümbel, Beschreibung d. Fichtelgebirges, pag. 461. 

1880. T. longulus Maurer, Der Kalk b. Greifenstein (Zeitschrift d. D. G. G.) Separatabdruck pag. 35, Taf. II, Fig. 18. 

Mit dieser von Richter aus dem thüringischen Schiefergebirge beschriebenen Art, klaube 
ich die von Barrande aus zwei Horizonten der Etage F und G des böhmischen Obersilur's unter 
dem Namen T. longiihis angeführte Form vereinigen zu müssen, und dies um so mehr, als zwischen 
den von mir untersuchten böhmischen und den thüringischen Exemplaren keine besonderen Unter- 
schiede nachweisbar sind. 

Das Gehäuse hat eine spitzkegelförimge, schlanke, längliche, nicht immer vollkommen gerade 
Gestalt. Die Zunahme geschieht oft vollkommen gleichmässig (Taf. XII [Ij, Fig, 14, 21). Es gibt aber auch 
zahlreiche Exemplare, deren spitzes Ende wohl kegelförmig ist, deren Mittelpartie aber und das entgegen- 
gesetzte Ende allmälig cylindrisch werden (Fig. 15, 16, 20). Man könnte daher conische und solche 
Varianten unterscheiden, deren Schale mit zunehmendem Wachsthume cylindrisch wird. Erstere 
könnten daher die breite, letztere die lange Form dieser Art repräsentiren. Beide kommen aber in 
den Schichten gleichzeitig vor. Der Winkel am spitzen Ende des Gehäuses ist, wie schon aus den 
gegebenen Zeichnungen hervorgeht, nicht constant. 

Die Anfangsspitze ist, da sie bei den meisten Stücken selbst beim sorgfältigsten Präpariren 
abbricht, schwer zu beobachten, doch konnte das Bläschen nicht nur an böhmischen (Fig. 17), sondern 
auch an thüringischen (Fig. 20 — 21) Exemplaren deutlich wahrgenommen werden. 

Die ganze Schale ist, bei den meisten Exemplaren (Fig. 17, 20, 21) schon von dem oberen 
eingeschnürten Ende des Bläschens, bis zur Mündung deutlich geringelt. Die Ringe sind nicht immer 
regelmässig vertheilt, doch pflegen sie an einzelnen ausgewachsenen Exemplaren in der Nähe der 
Mündung oft dichter aneinander zu rücken. Am Jugendende der typischen Exemplare erscheinen sie 
jedoch stets am dichtesten nebeneinander. Die sie trennenden Zwischenräume nehmen gegen die 
Mündung allmälig an Höhe zu. 

Wie die Abbildungen zeigen, sind die Distanzen der Ringe durchaus nicht constant, so zeigt 
z. B. das Fig. 16 dargestellte Exemplar verhältnissmässig dicht stehende Ringe, während sie in 
Fig. 18 beiläufig doppelt so weit abstehen. In Fig. 13 sind die Entfernungen schon sehr auffallend 
und unregelmässig. Derlei Exemplare, wie das letztere, sind aber verhältnissmässig sehr selten. 

Die vorspringenden Kanten der Ringe (weder an den böhmischen, noch an den thüringischen 
Exemplaren) sind nur selten etwas gerundet, meist sind sie scharf und gleichen, im Ou-erschnitte 
beobachtet (Fig. 25), einem V mit nach einwärts gebogenen Schenkeln. 

Ausnahmsweise gibt es auch unvollständig entwickelte, offene Ringe (Fig 12). 
Die Oberfläche der Schale ist, das Bläschen nicht ausgenommen, mit äusserst feinen, etwas 
erhabenen Längsrippen versehen, die jedoch nur bei starker Vergrösserung und gut erhaltenen 
Exemplaren beobachtet werden können. Sie gehen über die Kanten der Ringe hinweg, pflegen jedoch 



54 Noväk. rg| 

in den concaven Zwischenräumen deutlicher entwickelt zu sein als an der ersteren, was wahrscheinlich 
die Folge einer schwachen Abreibung sein dürfte. 

Es sind also die Rücken der Ringe nicht glatt, wie Richter (1. c. Band VI, pag. 285) annimmt, 
sondern die Rippchen setzten auch über dieselben fort, wie dies auch schon von Kayser an 
den hercynischen Tentaculiten beobachtet wurde. 

Die Anzahl der Längsrippchen ist sehr verschieden und hängt selbstverständlich blos von 
der Grösse des jeweiligen Schalendurchmessers ab. Richter zählt ihrer 12—24 oder 20—24, Kayser 
etwa 24. Viele der grossen böhmischen Exemplare zeigen sogar 30—35. Diese kleinen Differenzen 
dürften also blos auf Verschiedenheit der Altersstadien zurückgeführt werden. 

Dimensionen. Die grössten Exemplare pflegen die Länge von 6 mm nicht zu überschreiten. 
Dabei beträgt ihr Querdurchmesser am breiten Ende der Schale etwa i mm. Das Verhältniss der 
Länge zur Breite ist überhaupt auch davon abhängig, ob die Messung eben an breiten, oder langen 
Varianten vorgenommen wurde. 

Vorkommen und Verbreitung. T. acuar ms Rieht, ist in den obersilurischen Tentaculiten- 
schichten Thüringens, namentlich in den Kalkknollen derselben eine der häufigsten Erscheinungen. 
Besonders in den letzteren kommt diese Art in sehr gut erhal.tenen Exemplaren vor. Sie wurde 
daselbst zugleich mit T. Geinitzianns Rieht. [T. stcbconicus Gein.) und T. infiindihdum Rieht, entdeckt. 
Alle diese Arten kommen aber auch schon im Liegenden der Tentaculitenschichten, nämlich im 
oberen Graptolithenhorizont der genannten Gegend vor, doch sind sie daselbst noch sehr selten. 

Von Maurer wurde diese Art auch im rothen Kalksteine von Greifenstein eefunden. 

In Böhmen wurde dieselbe Art von Barrande in den Etagen F — f2') und G— g i entdeckt. 
In der ersteren, namenthch bei Zlichov, scheint sie am häufigsten zu sein. Etwas seltener, aber 
horizontal sehr verbreitet ist sie in G— g i. Aus G — g 2 sind nur einige Exemplare bekannt, die ich 
bei einer Excursion mit Herrn Prof Krejdi in den Schiefern von Hlubocep gesammelt habe. 
Einige nicht häufige Exemplare wurden in H — hl von Srbsko bei Beraun entdeckt. 

Die wichtigsten Fundorte sind folgende : 

In der Kalketage F — f 2 : Zlichov, Konöprus, Mönan. 

» » » G — g I : Branik, Hostin, Dvorec, Choteö, Lochkov, Tetin. 

s >> Schieferetage G — g 2 : Hluboöep. 
>> ,, Kalketage G— g 3 : }\ 
» j) Schieferetage H — h i: Srbsko. 

Obwohl einzelne in G — g 2 und sämmtliche in H^h i bei Srbsko gesammelten Exemplare 
(Taf I, Fig. 1—4) im Allgemeinen die Charaktere der älteren in F und G — g i vorkommenden 
Schalen reproduciren, sind doch an den, aus den beiden Schieferetagen stammenden Schalen einzelne 
minder wesentliche Unterschiede nachweisbar, die vielleicht zur Gründung einer Varietät Veranlassung 
geben könnten. 



') In Barrande's Pteropodes ist auf pag. 184 in Folge eines Druclsfehlers bei Angabe der Fundorte Zlichov, 
Konöprus und MSnan anstatt F — fa die Subdivisiou F — fi angeführt. Ich erlaube mir diesen eingeschlichenen Fehler nur 
deshalb zu berichtigen, damit dem minder orientirten Leser keine Veranlassung zur etwaigen Verwechslung der Fundorte in 
einzelnen Etagen geboten werde. In F — f i kommen wohl schon zahllose Tentaculiten vor, sie gehören aber sämmtlich der sehr 
charakteristischen, als T. intermedius Barr, beschriebenen Form an. 

^) Aus G — g 3 konnte ich überhaupt keine Tentaculiten untersuchen. Höchst wahrscheinlich ist aber die Art auch in 
dieser Abtheilung vertreten. 



[9] Tentaculiten. 5 5 

Diese unwesentlichen Unterschiede lassen sich in Kürze folgendermassen zusammenfassen: 

1. Bei sämmtlichen Individuen beobachtet man in der Regel eine grössere Entfernung der 
Ringe, als dies bei der typischen Form der Fall ist. 

2. Ferner bemerkt man bei denjenigen Schalen, deren Spitze unbeschädigt vorliegt, dass die 
geringelte Partie derselben nicht unmittelbar an das Oberende des Bläschens anstösst, sondern dass 
ein mehr oder minder verlängerter cylindrischer Hals die Verbindung zwischen den beiden Partien 
vermittelt (vergl. Taf. XII [I], Fig. 2 — 3). Dies beobachtete ich nicht nur an einigen Exemplaren aus 
G — g 2, sondern auch an jenen aus H — h i. Auch die von Kayser abgebildeten hercynischen 
Exemplare scheinen hierher zu gehören. 

Dagegen bemerkte ich bei den typischen Exemplaren, dass die geringelte Partie unmittelbar 
bis zum Oberende des Bläschens hinabreicht. Dasselbe gilt auch von den thüringischen Exemplaren. 
(Vergl. Taf. XII [I], Fig. 17, 20, 21 mit Fig. 1—3.) 

Die übrigen- Charaktere stimmen vollkommen mit den älteren, typischen Individuen überein. 

Bemerkung. Schon im Jahre 1865, also noch vor der Veröffentlichung der Pteropoden 
Barrand e 's, hat Richter die Identität »einer in Böhmen vorkomm enden Art*^) mit der von 
ihm schon früher als T. aciiarms beschriebenen thüringischen Form erkannt. Hierüber bemerkt Richter 
(1. c.) Folgendes: ^ Unter den Pteropoden spricht für obersilurisches Alter T. aciiariii s, 
indem diese Form ident ist mit einer in den zur Etage E^) gehörigen Kalken von 
Dvorec und Branik vorkommenden Art, die ich vor Kurzem in einer Sendung 
böhmischer Petrefacten unter dem Namen T. siib ornatns (ohne Autor) erhielt.* 

Leider hat Richter von den ihm unter diesem falschen Namen und mit falsch angegebener 
Etage zugeschickten Exemplaren weder Abbildung noch Beschreibung gegeben. Desswegen hat auch 
diese Behauptung Richter 's späterhin Verwechslungen veranlasst, die sonst nicht stattge- 
funden hätten. 

Eine derartige Verwechslung scheint Barrande begangen zu haben (Pteropodes pag. 131 — 132), 
indem er die oben citirte Bemerkung Richter's nicht auf seinen T. longulus, sondern auf seinen 
T. elegans bezog. Da aber, bei gut erhaltenen Exemplaren, die Unterschiede zwischen diesen beiden 
Formen sehr auffallend erscheinen, so wurde die als T. acuarius Richter zu bezeichnende Form als 
neu, und zwar als T. longjilus Barr, beschrieben. Diese Verwechslung geht aus Barran d e 's Bemer- 
kung (1. c. pag. 132): »Mr. Richter a pense, que ces deux formes {T. elegans Barr, und 
T. aciiariiis Rieht) sont identiques, d'apres un specimen de Dvorec. Mais d'apres les 
differences, que nous venons d'indiquer, cette identite ne nous parait p as demon- 
tree*, deutlich hervor. 

Aus diesem Grunde kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, dass jene böhmischen Exem- 
plare, in denen Richter schon vor langer Zeit, seinen T. acuarius wieder erkannte, mit Barr an d e 's 
T. longulus identisch sein müssen. Dafür spricht auch der Umstand, dass ich weder in dem Kalke 
der Etage G — gi von Lochkov und Tetin, noch in jenem der Etage F — f2 von Konöprus, 
Mönan und Zlichov irgend welche Stücke zu finden vermochte, die mit T. elegans Barr, über- 
einstimmen würden. Dasselbe gilt auch von den spärlichen Exemplaren der Etage H — h i 
von Srbsko. 



') Zeitschrift d. D. G. G. Band XVII, pag. 374. 

^) Da aus den Scliichten der Etage E bis jetzt keine Tentaculiten bekannt sind, so beruht diese Angabe auf einer 
Verwechslung. Richtig soll es heissen G — g i, denn in den Kalken dieser Etage gehören sowohl in Dvorec als auch in Branik 
die Tentaculiten zu den nicht seltenen Erscheinungen. 



56 Noväk. [lo] 

Es liegt daher die Vermuthung nahe, dass eine Anzahl der zu Tentaculites acuaritis Rieht. 
(= longulus Barr) gehörigen Exemplare, deren Schale deuüiche Längsstreifung zeigte, von Barrande 
als T. elegmis aufgefasst wurde. 

Aus Barrande's Bemerkung (1. c. pag. 133): „Nous ne trouvons sur le fond des rainures 
interannulaires, ni stries longitudinales, ni stries transverses'- geht hervor, dass dem 
Autor blos Steinkerne von T. longulus zur Verfügung standen, an deren Oberfläche kaum eine Spur 
von Längsstreifen wahrzunehmen war. In der That zeigen aber sämmtliche Exemplare dieser Art, 
bei gut erhaltener Schalenoberfläche, schon bei der Betrachtung mit einer guten Loupe, eine sehr 
deutliche longitudinale Streifung und erst bei sehr starker Vergrösserung kann man die wahre Natur 
dieser Streifen erkennen. 

Es darf hier nicht unterlassen werden zu bemerken, dass Barrande auf PL 14, Fig. 32 einen 
Tentaculiten abbildet, an dessen theihveise erhaltener Schale eine deutliche Längsstreifung wahrzu- 
nehmen ist. Dieses Exemplar wird als T. longulus angeführt, jedoch wie aus der Erklärung der Figur 
hervorgeht, mit der Bemerkung, dass es auch zu T. elegans gehören dürfte. (^^Il montre des 
stries longitudinales et il parait appartenir ä l'espece T. e legans'^ ) 

Da mir aber aus F — f 2 keine Exemplare von T. elegans bekannt sind, glaube ich annehmen 
zu müssen, dass das fragliche Stück nicht mit letzterer Art, sondern mit T. longulus zu vereinigen 
sei. Dafür spricht auch die feine Längsstreifung der Schale. Die sämmtlichen unzweifelhaft zu T. elegans 
Barr, gehörigen, von Barrande abgebildeten Exemplare (vergl. PI. 14, Fig. 21 — 24) zeigen bei derselben 
(dreifachen) Vergrösserung viel weiter von einander entfernte Längsrippchen und ein stärkeres Hervor- 
ragen derselben als dies in Fig. 32 der Fall ist. Die grösseren Abstände der Ringe hätten nicht viel 
zu bedeuten, wenn man erwägt, dass einzelne zu T. longuliLS gehörigen Individuen in der That 
bedeutend weiter entfernte Ringe zeigen, als die übrigen typischen Stücke. Derlei Varianten habe 
ich in den Kalken von Zlichov bei Prag (F — f2), in den Schiefern H — hi von Srbsko und bei 
den meisten Greifensteiner Stücken beobachtet. Sie kommen meist zugleich mit den dicht 
geringelten vor. 

So viel also aus dem mir zur Verfügung stehenden Material ersichtlich ist, geht T. acuarius 
Barr, von F — f 2 durch sämmtliche Subdivisionen bis hinauf in's tiefste Glied der Etage H. Dagegen 
scheint T. elegans Barr, blos auf G — g2 beschränkt zu sein, wenigstens ist es mir bis jetzt noch 
nicht gelungen, diese letztere Form in einer anderen Abtheilung der Etage G nachzuweisen. Dasselbe 
gilt von den beiden Abtheilungen der Etage F. 



2. Tentaculites elegans Barr. 

(Taf. XIII [II], Fig. I — 14.) 

I852..T'. elegans Barr. Syst. Silur, de Boh. Vol. I, pag. 82. 

1854. T. cancellatus i?ic/!f. Thüringische Tentaculiten, Zeitschrift d. D. G. G. Band VI, pag. 285, Taf. IIl, Fig. 10 — 13. 
1854 T. pupa Rieht. Ibid. pag. 285, Taf. III, Fig. 14—16. 

i865. T. cancellatus Rieht. Thüringisches Schiefergebirge, Zeitschrift d. D. G. G. Band XVII, pag. 371, Taf. XI, 
Fig. 8 — 10. 

i865. T. elegans Barr. Def. des Col. III, pag. 41. 

1867. T. elegans Barr. Syst. Silur. Boh. Vol. III, Pteropodes pag. i3i, PI. 14, Fig. 20 — 27. 

Obwohl die als T. elegans Barr, angeführten böhmischen Exemplare, wie jetzt gezeigt werden 
soll, mit der von Richter als T. cancellatus beschriebenen thüringischen Art im Wesentlichen voll- 



[ii] Tentacuiiten. 57 

kommen übereinstimmen, glaube ich doch dem von Barr an de gegebenen Namen, als dem älteren, 
den Vorzug geben zu müssen. 

Das Gehäuse dieser Art bildet, im Ganzen betrachtet, einen geraden Kegel, dessen mehr 
oder minder verlängerte Anfangsspitze plötzlich an Breite zunimmt. Die Zunahme geschieht aber 
später viel langsamer , so dass die Schale allmälig eine fast cylindrische Gestalt anzunehmen 
scheint. Die Spitze ist nicht scharf, sondern sie beginnt mit einem eiförmigen Bläschen, wie dies auch 
schon von Richter (1. c. i86?, Taf. XI, Fig. 8) beobachtet wurde. Die Verbindung zwischen dieser 
Anfangspartie und dem conischen Theile der Schale vermittelt ein mehr oder minder entwickelter, 
ungeringelter, cylindrischer Hals, dessen trichterförmig erweitertes Oberende in den mehr cylin- 
drischen Theil der Schale übergeht. Bei den meisten Stücken sieht man sehr deutlich, dass die 
Wände des trichterförmigen Theiles am Jugendende nicht gerade, sondern nach aussen etwas 
convex sind. 

Die Länge des ungeringelten Hälschens ist verschieden je nach der Form des beobachteten 
Excmplares (vergl. Taf. XIII [II], Fig. 5 und 7). Es ist kurz bei Exemplaren der breiten, und viel 
länger bei Repräsentaten der langen Form. Doch sind diese beiden Formen, da sie sehr häufig 
verdrückt sind, nicht immer deutlich ausgesprochen. 

Da die Ringe erst jenseits der eingeschnürten Partie des Jugendendes sich zu entfalten 
beginnen, so erscheint das letztere zum grossen Theile glatt. Die übrige Schalenoberfläche trägt 
starke, stumpfkantig hervorragende Querringe, die durch breitere, ziemlich ungleiche, concave 
Zwischenräume von einander getrennt sind. Bei ausgewachsenen Exemplaren pflegen die Ringe in 
der Nähe der Mündung etwas näher an einander zu rücken und an Relief zu verlieren ^). 

Sowohl über die Ringe, als auch über die sie trennenden Zwischenräume läuft eine Anzahl 
verhältnissmässig sehr starker , vorspringender Rippen , die bei zunehmendem Wachsthume der 
Schale sich durch Einschieben von neuen Rippchen, zwischen die bereits bestehenden vermehren 
(Taf XIII [II], Fig. 13 — 14). Die Rippen verdicken sich auf der Höhe eines jeden Ouerringes derart, 
dass daselbst kleine, rhombische Knötchen entstehen, die besonders in den Abdrücken ziemlich tief 
eingestochen erscheinen. 

Die Längsrippen beginnen als äusserst feine Streifen mitunter schon an der Oberfläche 
des Bläschens an der Schalenspitze, mitunter aber erst am Hälschen des Jugendendes. Die beschrie- 
benen Längsrippen sind übrigens so stark, dass man sie auch an Steinkernen zu beobachten vermag, 
was bei den übrigen Arten nicht der Fall ist. Es scheint daher, als hätte einer jeden Längsrippe der 
Aussenseite der Schale eine Furche an der Innenseite derselben entsprochen. 

Grösse. Viele der beobachteten Exemplare erreichen 8 mm Länge. Ihre Breite beträgt fast 
2 mm. Mithin ist diese Art der grösste bis jetzt in Böhmen beobachtete Tentaculit. 

Vergleichung. Die beschriebene Art scheint mit der vorigen häufig verwechselt worden 
zu sein. Doch sind, wie ich vorstehend gezeigt zu haben glaube, die Unterschiede zwischen diesen 
beiden so auffallend, dass jede Verwechslung leicht vermieden werden kann. 

Diese Unterschiede sind in der nachstehenden Tabelle übersichtlich zusammengestellt. 



') Die Angabe der Zahl der Querringe auf i mm Länge halte ich nicht nur bei dieser, sondern bei allen 
übrigen Arten für überflüssig, da diese Zahlen den mannigfaltigsten Schwankungen unterliegen, und daher von keinem beson- 
deren Werthe sind. Hierüber gibt die Vergleichung der in entsprechenden Vergrösserungen dargestellten Figuren einen genü- 
genden Aufschluss. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 2. ■ ^ 



58 



Noväk. 



12 



T. elegans Barr. 
(= cancellatus Rieht.) 



T. acuarius Rieht. 
{= longiilus Barr ) 



Jugendende 



Meist plötzlich und mit nach aussen gebo- 
genen Wänden in den cylindrischen Theil 
der Schale übergehend. 



Längsrippen 



Bedeutend vorspringend. 

Auch am Steinkerne wahrnehmbar. 

An den Kanten der Ringe knötchenförmig 
verdickt. 

Verhältnissmässig grob und weiter entfernt. 



Ganz allmälig und mit geraden Wänden 
in das Mittelstück übergehend. 



Die Schalenoberfiäche kaum überragend. 
An demselben nicht zu bemerken. 

Ohne Verdickungen daselbst. 

Aeusserst fein und dicht gedrängt. 



Vorkommen. Die beschriebene Art erscheint nach Barrande schon in den Kalken der 
Etage F — f2 und soll von da bis in die Schiefer der Etage H — hi hinaufreichen. 

Wie ich schon bei der Beschreibung von T. aaiaj'ius bemerkt habe, sind mir ausserhalb der 
Subdivision G — g 2 keine hieher gehörigen Exemplare bekannt, denn die sämmtlichen, von mir aus 
den bekannten Fundstätten der übrigen Etagen als Konöprus, Zlichov, Branik, Dvorec, 
Srbsko etc., untersuchten Individuen haben sich als mit T. acuarhis Rieht. (= longnhis Barr) über- 
einstimmend erwiesen. 

Die sämmtlichen, gezeichneten Exemplare sind den Tentaculitenschiefern G — g2 von Hlubocep 
entnommen. 

Ausserhalb Böhmens kommt die Art noch in Thüringen vor. Sie wird von Richter als 
gin den Co n gl om e r at en gruppenweise, in den Tentaculitenschiefern Alles erfüllend"^ 
angeführt. 

* 3. Tentaculites intermedius Barr. 

(Taf XIII [11], Fig. 21—26.) 

1867. T. intermedius Barr. Syst. Silur. Boh. Vol. III, Ptäropodes. pag. i32, PI. 14, Fig 33 — 35. 

Das Gehäuse dieser Art ist gerade, sehr schlank, mitunter fast cylindrisch und nimmt sehr 
langsam an Breite zu. Der Scheitelwinkel ist unter allen böhmischen Arten am schärfsten. Doch ist 
er auch hier, wie bei allen übrigen Arten nicht constant. 

Das Anfangsbläschen, welches nur an einem Exemplare beobachtet werden konnte, ist länglich 
eiförmig und hat schwach convexe Wandungen. 

Bei starker Vergrösserung sieht man, dass die Schale wohl mit deutlichen, aber unter 
allen böhmischen Tentaculiten am schwächsten hervorragenden Ringen versehen ist. Mitunter sind 
die Ringe so unbedeutend, dass sie die Schalenoberfläche kaum überragen. Die Ringe sind sehr 
weit von einander entfernt und die sie trennenden Zwischenräume höchst unregelmässig. Die Breite 
der letzteren beträgt meist ein Vielfaches derjenigen der Ringe. Sehr selten beobachtet man, dass zwei 
oder drei Ringe rasch nach einander zur Entwicklung gelangen. Noch seltner bemerkt man, dass ein 
Ring von einer schwach vertieften, circulären Furche begleitet wird. 

An der Oberfläche der Schale verläuft ebenso wie bei den vorigen Arten, eine Anzahl 
schwach hervorragender, jedoch sehr scharfer Längsrippchen, deren bei den grössten Exemplaren 
am breiten Ende nie mehr als etwa 10 — 15 gezählt werden können. Diese Rippchen vermehren sich 



[i3l Teiitaculiten. 59 

bei zunehmendem Wachsthum der Schale durch Einschiebung von neuen, zwischen die bereits beste- 
henden. (Vergl. Fig. 25.) 

Grösse. Die Länge der grössten Exemplare beträgt 3 — 4 mm, der Durchmesser am breiten 
Ende nie mehr als 0'5 mm. 

Vergl eichung. Die Art zeigt wegen ihrer langsamen Breitenzunahme etwas Aehnlichkeit mit 
T. procenis Maur. (Taf. XIII [II], Fig, 17—20) aus dem devonischen Kalk von Greifenstein. Doch 
ist letztere im Allgemeinen bedeutend stärker, hat grobe, weit hervorragende Ringe und folglich auch 
stark vertiefte Zwischenräume. Ausserdem besitzt diese Art eine verlängerte, keine Ringe tragende 
Spitze und, wie es scheint, auch kein Bläschen am Ende derselben. 

Die Art könnte nebstdem noch mit T. Geinitaianiis Rieht, verwechselt werden. Obwohl von 
dieser letzteren, stabförmigen Art blos unvollständige Exemplare vorliegen, sind sie doch schon mehr 
als 6 mm lang und zeigen ziemlich dichte, regelmässig von einander abstehende Ringe. 

Vorkommen. Die Art gehört zu den häufigsten Fossilien der Etage F — fi. NamentHch 
bei Dvroec und Lochkov sind einzelne Bänke mit den Schalen derselben ganz erRillt. Doch 
schon in F — f2 kommt keine Spur derselben mehr vor und die Art wird daselbst von T. acitai-ms 
Richter abgelöst. 

4. Styliola clavulus Barr. 

(Taf. XIU [U], Fig. 27—30.) 

i852. r. clavulus Barr, Syst. Silur. Boh. Vol. 1, Esqu. geol. pag. 82. 

i865. T. clavulus Barr. Def. des Col. III, pag. 41. 

1867. St. clavulus Barr. Syst. Silur. Boh. Vol. III, Pteropodes, pag. i36, PI. 14, Fi_g 28 — 29 

1877. St. clavulus Barr. Syst. Silur. Boh. Vol. II, Supplement aux Pteropodes, pag. 297. 

Obwohl die meisten hieher gehörigen Schälchen zusammengedrückt sind, vermag man doch 
an solchen Exemplaren die allgemeine Form derselben zu erkennen. Dieselben erscheinen 
nicht vollkommen gerade, da ihr Jugendende nach einer Seite hin etwas gekrümmt ist. Das die 
Schalenmündnng tragende Ende ist aber an sämmtlichen Exemplaren vollkommen gerade. Die 
Spitze ist nicht scharf, sondern etwas abgestumpft, erweitert sich aber gleichmässig bis zur 
Mündung. Wohl kann man auch einzelne schmälere und andere verhältnissmäsig breitere Exemplare 
unterscheiden. 

Bei starker Vergrösserung sieht man, dass die Schale nicht völlig glatt ist, sondern man 
bemerkt an der Oberfläche zahlreiche, wohl dicht gedrängte, aber unregelmässig vertheilte und 
äusserst feine Anwachsstreifchen, die sich mitunter bündeiförmig gruppiren. Die Anwachsstreifchen 
beobachtete ich sowohl an Exemplaren von Srbsko, als auch an jenen von Hlubocep sehr deut- 
lich. Die von Srbsko stammenden Schälchen zeichnen sich nebstdem durch ihren auffallenden Glanz 
und ihre Pellucidität aus. 

Grösse. Die meisten Exemplare sind kaum 3 — 4 mm lang. Viel seltner sind jene, die zu 
6 mm Länge anwachsen. Die grösste Breite beträgt nie mehr als i mm. 

Ver gleic hung. Die Species dürfte wohl mit St. laevis Richter sehr nahe verwandt sein, 
doch ist räch Richter die Schalenoberfläche der letztgenannten Art völlig glatt. 

Vorkommen und Verbreitung. Diese Species ist in G — gl sehr selten, dagegen sind 
die Flächen einzelner Schichten in G — g2 und H — h i dicht mit den Schälchen derselben übersäet. 
Etwas seltener ist sie in den Kalken der Etage G — g3. Die besten Exemplarestammen aus H — h i von 
Srbsko bei Beraun. In G — g2 bei Hlubocep, Karlstein etc. sind die Schalen meist zersetzt. 

8* 



Co Noväk. [14] 



5. StylioJa striatula Nov, 

(Taf. Xlll [11], Fig. 3 1—37.) 

Unter den einzelne Flächen der G — g2- Schiefer zu tausenden bedeckenden Styliolen findet 
man mitunter einzelne Schalen, deren Oberfläche nicht glatt, sondern mit sehr deutlichen Längs- 
streifen versehen ist. Daher sah ich mich veranlasst, dieselbe von der bereits als Styliola claviilus Barr. 
angeführten Form zu trennen und als neu aufzustellen. 

Was die allgemeine Form dieser mehr oder weniger rasch an Breite zunehmenden, lang- 
kegeligen Schalen betrifft, so erscheinen dieselben noch auffallender als bei der vorigen Art nach 
einer Seite hin gekrümmt. Fig. 31, 35 — 36 zeigen diese Krümmnng sehr deutlich. An allen diesen 
Figuren, welche der Seitenansicht der Schale entsprechen dürften, könnte man eine concave und 
eine convexe Seite unterscheiden. Während bei Styliola claviilus die der concaven Seite entsprechende 
Linie fast gerade ist (Fig 27 — 28), sieht man bei St. striatula dieselbe Linie in einem schwachen 
Bogen ansteigen. Je nachdem nun die Schalen aufliegen und zusammengedrückt sind, kann es wohl 
auch geschehen, dass viele derselben jetzt gerade erscheinen, ohne es in der That gewesen zu sein. 

Das Jugendende der Schale läuft nie in eine scharfe Spitze aus, sondern dieselbe ist abge- 
stumpft. Mitunter beobachtet man auch Andeutungen eines Bläschens, doch konnte ich mich von 
der Existenz derselben noch nicht vollständig überzeugen. 

An der, der Beobachtung zugänglichen Hälfte der Schalenoberfläche verlaufen etwa 10 — 13 
parallele Streifchen, die nicht wie bei Tentaculiten als feine Rippen, sondern als scharfe Furchen 
erscheinen. Diese Furchen reichen nicht bei allen Exemplaren von der Mündung bis zur Spitze 
hinab, sondern man kann sie bei sonst gut erhaltener Schale mitunter nur bis zu einer gewissen 
Entfernung von der Spitze verfolgen. 

Grösse. Die untersuchten Exemplare sind 2 — 4 mm lang. Ihre grösste Breite beträgt etwa 
05 mm. 

Vergleichung. Gut erhaltene Exemplare dieser Art sind in Folge ihrer Längsstreifung 
leicht von der vorigen zu unterscheiden. Doch ist sie mit Styliola striata Richter ^), einer im 
thüringischen Cypridinenschiefer vorkommenden Form sehr nahe verwandt. (Hierüber vergl. den 
nächstfolgenden Abschnitt.) 

Vorkommen. Diese ziemlich seltene Form entdeckte ich in den Kalken G — gl im 
St. Prokop-Thale bei Prag und in der schieferigen Subdivision G — g2 bei Hlubocep. Daselbst 
ist sie etwas häufiger und kommt zugleich mit St. claviilus, T. elegans und T. aciiariiis vor. 



IS. Ueber einige nahe verivandte Formen aus detn thüringischen 

Schief er gehirge. 

Die nachstehende Uebersicht der in diesem Gebirge vertretenen Formen entlehne ich einer 
gütigen Mittheilung des Herrn Hofrath Dr. Richter zu Saalfeld, die ich am 18. November 1880 in 
Präs erhielt. 



') Da die Bezeichnung Styliola striata schon bei lebenden Pteropoden verbraucht ist, so ist es nöthig, dieselbe durch 
eine neue zu ersetzen. Nach dem Vorgange Ludwig's soll diese Art im folgenden Abschnitte bereits als St. Richteri Ludwig 
angeführt werden. (Vergl. Ludwig: Pteropoden aus dem Devon in Palaeontogr. Band XI, 1864, pag. 32i — 322.) 



[iSl 



Taitaailiten. 



6i 



Aus dieser Uebersicht ist nicht nur die verticale, sondern auch die horizontale Verbreitung 
der in den oben angeführten Ablagerungen vorkommenden Tentaculiten ■') ersichtlich. 
Von unten nach oben ergibt sich das folgende Profil: 

I. Cambrisc he Schichten j 

II. Untersilur 

j_ { a) Unterer Graptolithenhorizont 
— I /') Interrupta-Kalk(Gümbers Ockerkalk) 
III. Z \ c) Oberer Graptolithenhorizont . 

•/) Tentaculitenschichten mit Kalkcon- 

cretionen (Geinitz) 

(?) Nereitenschicht. u. Conglomerate 

ö) Tentaculitenschiefer 

c) Grenzschichten 



1) 

J3 



IV 




V. j\li tt el de von 



} 



ohne Tentaculiten. 

T. acitarius Rieht., T. Geinitziamts Riclit. (=. T. 

subcotiicus Geiu.)^) 
T. infundibiihan Rieht. 
T. elegans Barr. (= eaneellattis Rieht.) T. ferula 

Rieht., Styliola laevis Rieht. 
ohne Petrefacten. 
T. riignlosus Rieht. ^), Styliola Rieliteri Liidi^'g. 

(= St. striata Rieht). 
T. typus Rieht., T. ttiba Rieht., St. Riehteri Liidivg. 



VI. Oberdevon (Cypridinenschiefer) ..... , . ,-,.,, 

^ ^ ' (=: striata Rieht). 

Um jedoch nicht aus dem Rahmen dieser Arbeit herauszutreten , will ich hier vor Allem 
diejenigen Formen berücksichtigen, welche mit den böhmischen entweder identisch sind, oder einen 
gewissen Grad von Analogie zeigen. 

Unzweifelhaft gemeinsame Formen konnten nur zwei sichergestellt werden, zwei andere sind 
analog. Die übrigen, obwohl ähnlich, sind doch als wesenthch verschieden zu betrachten. 

Demgemäss zerfallen die hier in Betracht gezogenen thüringischen Formen in drei Kategorien : 



1. Kategorie: Gemeinsame Formen. 

/. T. aciiarius Rieht. {=. longuhis Barr). 
2. T. elegans Barr. (^ caneellatiis Rieht.). 

2. Kategorie : Verschiedene Formen. 

J. T. Geinitzianus Rieht. (= T. subeonieus Gein). 
^. T. infundibuluui Rieht. 

3. Kategorie: Analoge Formen. 

j. Styliola laevis Rieht. 

6. St. Riehteri Ludivg. {=. striata Rieht). 



') Die älteren Richier'schen Bezeichnungen der einzelnen Arten sind in dieser Uebersicht bereits durch die in dieser 
Arbeit gebrauchten ersetzt, doch aber in Klammern angeführt worden. 

^) T. subeonieus, den ich hier blos deswegen anführe, damit an Herrn Richter's Uebersicht nichts geändert werde, 
ist, wie demnächst gezeigt werden soll, auf T. Geinit:{iamis zurückzuführen und aus der Liste der thüringischen Tentaculiten 
zu streichen. Deshalb ist auch sein Name hier eingeklammert angeführt worden. 

ä) Ob T. rugitlosus Rieht, in der That einen Tentaculiten darstellt, ist vorderhand unentschieden, und dies um so 
mehr, als von dieser Art blos ein einziges Exemplar bekannt ist. 



62 , Noväk. [16] 

1. Kategorie: Gemeinsame Formen. 

1. Tentaculites acuarius Rieht. 

(Taf. XU [1], Fig. 20-25.) 

Die Identität dieser Art mit der von Barrande als longulus bezeichneten Form, glaube 
ich in den vorhergehenden Betrachtungen genügend nachgewiesen zu haben. Sowie an den böhmischen, 
lassen sich auch an den thüringischen lange und breite, dichter und minder dicht geringelte Gehäuse 
unterscheiden. Auch die Gestalt des Anfangsbläschens und die Beschaffenheit der Schalenoberfläche 
stimmt vollkommen überein. Nur die in den Schieferbanden H — h i und G — g 2 vorkommende, mit 
der verlängerten, ungeringelten Spitze versehene Form (vergl. Taf XII [I], Fig. i — 3) scheint im 
thüringischen nicht vertreten zu sein. Uebrigens glaube ich, dass diese Varietät nicht viel zu 
bedeuten hat, zumal da auch bei T. elegans Individuen beobachtet werden, deren Spitze verlängert 
und ungeringelt ist. 

Die Dimensionen der thüringischen Repräsentanten sind wohl etwas geringer, obwohl z. B. das 
auf Taf XII (I), Fig. 20 gezeichnete Exemplar (6 mm) vielen der böhmischen ziemlich gleichkommt. Doch 
sind solche Exemplare verhältnissmässig selten, wogegen sie in Böhmen sehr häufig beobachtet werden. 

In diesen im Allgemeinen geringeren Dimensionen besteht auch der ganze Unterschied zwischen 
den böhmischen und thüringischen Individuen. 

Uebrigens hat Kays er auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, indem er auf die j/örm- 
lich kr üppel hafte Kleinheit* der sämmtlichen thüringischen Thierreste hinweist^). 

Ferner wäre noch zu bemerken, dass, wie Richter gezeigt hat, die Art schon im oberen 
Graptolithenhorizont, in Böhmen dagegen erst in F— f2 auftritt. 

2. Tentaculites elegans Barr. 

(T?f. XIII [11], Fig. 1—4) 

Nachdem im Vorhergehenden bereits auf die Identität dieser Form mit der späterhin von 
Richter als T. canctllatus angeführten hingewiesen wurde, muss hier wieder auf die Krüppelhaftigkeit 
der thüringischen Individuen aufmerksam gemacht werden. Diese Verkrüppelung tritt hier noch auf- 
fallender als bei T. acuarius hervor. Die übrigen Merkmale stimmen sonst \-ollkommen überein. 
Namentlich hervorzuheben sind die knötchenartigen Verdickungen der Längsrippen an den Kanten 
der Ringe, die bei den übrigen Tentaculiten nicht vorkommen. 

Auch muss bemerkt werden, dass diese Art sowohl in Thüringen als auch in Böhmen erst 
nach dem Erscheinen des T. acuarhis auftritt. In Böhmen bleibt sie, meines Wissens, blos auf 
G — g2, in Thüringen, nach Richter, auf das Unterdevon beschränkt. (Vgl. Uebersicht pag. 61.) 

2. Kategorie: Yer.schiedene Formen. 

Von diesen hebe ich nur diejenigen hervor, welche in gut erhaltenen Exemplaren meinen 
Beobachtungen vorlagen. In Thüringen sind sie sämmtlich Begleiter des T. acuarius, fehlen aber in 
Böhmen gänzHch. 



') Fauna der alt. Devonablag, d. Harzes, pag. 266. 



[17] Tcntaculiten. 67 



3. Tentaculites Geinitzianus Rieht. 

(Taf. XUI [II], Fig, i5— 16.) 

1854. T. Geinitzianus Rieht. Z. d. d. Geol. G. Band VI, pag. 286, Taf. 111, Fig. 17—19. 

T. subconicus ,; Ebenda, pag. 287, Taf. 111, Fig. 24 — 27. 

i8ö5. T. Geinitzianus ^ Z. d. d. Geol. G. Band XVII, pag. Syi. 

T. subconicus „ Ebenda, pag. 371. 

1875. T. Geinitzianus , Z. d. d. Geol. Ges. Band XXVII, pag. 265. 

T. subconicus „ Ebenda, pag. 265. 

Die hieher gehörigen Gehäuse zeigen wegen ihrer stabförmigen, kaum merklich an Breite 
zunehmenden Gestalt etwas Aehnlichkeit mit der böhmischen, in F — f i sehr verbreiteten, von Barrande 
als T. intemnediiLS bezeichneten Form. Doch sind bei diesen die Ringe äusserst unregelmässig ver- 
theilt und meist weit von einander entfernt. Auch treten die Kanten viel schärfer hervor als bei 
T. Geinitziamts , wo sie ziemlich abgestumpft erscheinen. Der von Richter (1. c.) gegebenen Beschreibung 
habe ich sonst nichts beizufügen, als dass die Längsrippchen der Schalenoberfläche nicht blos auf 
die Intervalle beschränkt bleiben, sondern über die Rücken der Ringe fortsetzen. Der Unterschied 
zwischen diesen beiden verghchenen Formen ist, wie schon aus den Zeichnungen hervorgeht, ein 
sehr auffallender und kann auch keine Verwechslung stattfinden. 

Zu bemerken wäre noch, dass die meisten der von mir untersuchten Exemplare schräge Ringe 
tragen. Die Neigung derselben zur Längsaxe ist aber blos die Folge von Clivage, wie dies auch 
schon am Gestein selbst deutlich hervortritt. Hieher gehören auch die von Richter mit 

Tentaculites subconicus Gein. 

identificirten, ebenfalls stabförmigen Exemplare. Sie sind nach den von mir vorgenommenen Unter- 
suchungen blos auf solche Individuen der vorigen Art zurückzuführen, bei welchen ^Jer Clivage-Effect 
in sehr auffallender Weise hervortritt. In Folge dessen sind die meisten Exemplare nach einer Richtung 
hin verzogen, so dass die Neigung der Ringe zur Axe mitunter 40 — 45" beträgt. Uebrigens ist diese 
Neigung je nach dem Grade der zerrenden Kraft eine sehr verschiedene und hat daher~ nichts zu 
bedeuten. 

Die übrigen Merkmale stimmen mit T. Geiiiitziaims vollkommen überein. Es ist also T. sub- 
conicus aus der Liste der thüringischen Pteropoden zu streichen und die erwähnten Exemplare auf 
T. Geinitzianus zurückzuführen. 

4. Tentaculites infundibulum Rieht. 

(Tafel XII [I], Fig. 10.) 

1854. T. infundibulum Eicht, Z. d. d. Geol. G. Band VI, pag. 286, Taf. III, Fig. 20 — 23. 
i865. ^ „ ^ » „ » , „ Band XVII, pag. 371. 

1875. » , » „ ,, „ „ ,, Band XXVll. pag. 265. 

Diese Form unterscheidet sich von allen in Böhmen vorkommenden Verwandten durch die 
rasche Breitenzunahme des Gehäuses und durch dessen dicht gedrängte Ringe. Die Kanten der 
letzteren erscheinen abgestumpft und die Intervalle sehr schmal. 



64 ■ Novdk Tjgl 

Die nächst verwandte böhmische Form wäre wohl T. acuarius Rieht. (= T. longulus Barr). 
Doch habe ich unter den zahh-eichen Exemplaren dieser Art keines beobachtet, welches mit T. infün- 
dibjihmi Rieht, übereinstimmen würde. Es scheint daher die Vermuthung, dass die letztere Form 
blos eine mit dicht gedrängten Ringen versehene Varietät der ersteren repräsentiren dürfte, ziemlich 
ausgeschlossen zu sein. 

3. Kategorie: Analoge Formen. 

Von den von Richter (1. c.) beschriebenen Pteropoden dürften die beiden der Gattung 
Styliola gehörigen Formen, als mit den böhmischen Repräsentanten dieser Gattung analog betrachtet 
werden, und zwar: 

Styliola laevis Rieht, mit St. elainilus Barr. 

>, Richteri Ludiv. \ 

I f ■ ^ u- 7 j\ f ni't St. stj-iatiila Noi'. 

(= j, striata Rieht) j 



5. Styliola laevis Rieht. 

1854. Tentaculites laevis Rieht. Z. d, d. geol. G. Band VI, pag. 284, Taf. III, Fig. 1 — 2. 

i865. Styliola laevis Eicht. Z. d. d. geol. G. Band XVII, pag. Syi, Taf. XI, Fig. 7. 

1867. Styliola laevis Barr. Syst. Silur. Boh. Vol. III, Pteropodes, pag. 134. 

Von dieser Form liegen mir aus dem Thüringischen blos Abdrücke vor. Ich hatte daher 
keine Gelegenheit, die Beschaffenheit der Schale aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Letztere ist 
nach Richter „matt und wie auch der Kern völlig glatt«. 

Bei den als St. elavitliis Barr, angeführten böhmischen Exemplaren ist dies, wie auf pag. 59 
dieser Arbeit gezeigt wurde, nicht der Fall. Man bemerkt an der Oberfläche der letzteren sehr 
deutliche Anwachsstreifen (vergl. Taf. II, Fig. 29—30), ausserdem ist auch eine leichte Krümmung 
am schmalen Ende des Gehäuses bemerkbar. 

Bemerkung. Da diese beiden letzteren Eigenschaften an den thüringischen Exemplaren 
nicht beobachtet wurden, muss vorderhand von der Identität der beiderseitigen Repräsentanten 
abgesehen und müssen noch genauere Untersuchungen angestellt werden. Doch können beide mit 
Recht als analog betrachtet werden. 



6. Styliola RicMeri Ludwg. 

1854. Tentaculites striatus Eicht. Z. d. d. geol. G. Band VI, pag. 288, Taf. III, Fig 3o— 33. 

1864. Styliola Eichteri Ludwig Palaeontogr. Band XI, pag. 32 1—322, Taf. L, Fig. i5— 16. 

f striata Eicht. 1 
iVib-] . Styliola \ ^ } Barr. Syst, Silur. Boh. Vol. III, Pteropodes, pas,. iIa. 

l Eichteri Ldwg. J ' - h- . r d t 

Diese ursprünglich als T. striatus Rieht, beschriebene Form wurde späterhin von Ludwig 
auf Grund des gänzlichen Mangels an Querringen und zwar mit vollem Rechte der Gattung Styliola 
Lesueitr zugezählt. Da aber, wie Ludwig hinzufügt, »der Name St. striata von Rang schon 
bei lebenden Pteropoden verbraucht ist*, wurde ihr die Bezeichnung St. Richteri Ludwg. 
angewiesen. Desswegen ist in dieser Arbeit die Richter'sche Art bereits unter dem von Ludwig 
gegebenen Namen angeführt. 

Obwohl diese Form bis jetzt blos im Oberdevon beobachtet wurde, verräth sie doch mit 
der von mir als Styliola striatula bezeichneten, in G — g i und g 2 vorkommenden Art , eine sehr 
nahe Verwandtschaft. 



;i9] Teiitaciiliten. 65 

Ich will mich hier blos darauf beschränken, auf einige nachweisbare Unterschiede hinzuweisen. 

d] Vor Allem erscheinen viele der böhmischen Exemplare etwas gekrümmt, was weder an 
den thüringischen von Richter, noch an den dillenburgischen von Ludwig beobachtet wurde. 

b) Ferner reichen bei den böhmischen die eingeschnittenen Längsfurchen nur selten bis zur 
Spitze der Schale, sondern meist nur etwa bis zur Mitte derselben hinab. 

Der Mangel an gut erhaltenen Exemplaren von St. striatula Nov. hat mir nur in seltenen Fällen 
gestattet, die innere Fläche der Schale zu beobachten. Es erübrigt also noch nachzuweisen ob dieselbe 
gestreift oder, wie Richter und Ludwig an oberdevonischen Exemplaren übereinstimmend beobachtet 
haben, glatt erscheint. Bei der sonst nicht häufigen böhmischen St. striatula Nov. ist dies jedoch um so 
schwieriger zu entscheiden, als die Längsfurchen nur in seltenen Fällen die Spitze der Schale erreichen. 

Vielleicht wird es sich mit der Zeit herausstellen, dass die beiden von mir bis jetzt blos als 
analog angeführten Styliolen Böhmens und Thüringens in der That identisch sind. Doch darüber 
werden uns erst später vorzunehmende Vergleichungen besser belehren. 

Vorkommen. Sehr häufig in den Cypridinenschiefern Thüringens (Rieht er). Nebstdem auch 
im oberen Devon, in den kalkigen Schiefern und den Arkoseschiefern bei Hirzenhain und der 
Paus ch enber ger Mühle etc. im Dillenburgischen (Ludwig). 

C. Die Tentaculiten des Kalkes hei Greifenstein. 

Unter der nicht geringen Anzahl theils analoger, theils identischer Arten, welche nach der 
lehrreichen Abhandlung Maurer's') der Kalk bei Greifenstein und die obersten Etagen (namentlich 
F — f2) des böhmischen Silur aufzuweisen haben, werden auch einige Repräsentanten aus der Gruppe 
der Tentaculiten angeführt. Diese sind folgende: 

{longulus Barr, 
aciiariiis Rieht. (Maurer 1. c. Taf. I, Fig. 18.) 

2. » procertis Maur. ( _ ^ ., » » » I9-) 

3. Styliola claviihis Barr. ( » » 33» 20.) 

Herr Maurer hatte auf meinen speciellen Wunsch die Güte, mir die von ihm beobachteten 
und abgebildeten Stücke zur eingehenden Vergleichung mit den böhmischen Formen zu übersenden. 

Wie mir Hr. Maurer späterhin brieflich mittheilte, ist von der als Styl, clavulus Barr, angeführten Art 
vorderhand abzusehen, da nach einer erneuerten, vom Autor selbst vorgenommenen Musterung des Mate- 
rials sich herausstellte, dass der Erhaltungszustand der betreffenden Form keine genügende Untersuchung 
zulässt. Es erübrigen also blos die beiden Tentaculiten, die ich hiemit in einem, meinen Figuren entspre- 
chenden Maasstab abbilde, wobei ich mir der von Maurer gegebenen Beschreibung einiges beizufügen 
erlaube. 

1. Tentaculites acuarius Rieht, {longulus Barr, in Maurer 1. c). 

(Taf. XII [1], Fig. 5—8.) 

Was die hieher gehörigen Greifensteiner Exemplare dieser Form betrifft, hätte ich nur so 
viel zu bemerken, dass sie namentlich mit den aus den Schiefern der Etagen H — hl von Srbsko 
und G — g2 von Hlubocep stammenden Individuen sehr gut übereinstimmen. Nur ist bei den 
letzteren ein kleiner Theil des spitzen Endes der Schale ganz glatt, wogegen an den Greifensteiner 
Exemplaren diese Partie wohl manchmal sehr unvollkommen, mitunter aber deutlich geringelt erscheint. 



') Der Kalk von Greifenstein. (Jahrb. für Min. u. Geol. 1880.) 
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 2. 



66 Novdk. 



20 



In dieser Hinsicht vermitteln also die Greifensteiner Exemplare einen gewissen Uebergang von den in 
H — hl und G — g2 vorkommenden jüngeren, zu den meisten in F — f2 und G — gl beobachteten älteren 
Formen dieser Art, welche, sowie auch die Thüringischen, bis zum Bläschen deutHch geringelt erscheinen. 

Eine unbedeutende Abrundung der Rücken der Ringe beobachtet man mitunter nicht nur 
an den Greifensteiner, sondern auch an manchen böhmischen Exemplaren. Im Ganzen sind aber die 
Ringe der beiderseitigen Repräsentanten scharfkantig und scheint die manchmal zu beobachtende 
Abrundung nur die Folge eines ungünstigen Erhaltungszustandes zu sein. 

Die Entfernung der Ringe der Greifensteiner Exemplare ist mitunter eine etwas grössere als an 
den in G — gl vorkommenden Formen. Dagegen stimmt dieselbe meist mit den von Srbsko (H — hl) 
stammenden Schalen. Doch auch diese in F — f2, G — gl und im Thüringischen vorkommenden Schalen 
zeigen mitunter die schon früher erwähnte , grössere oder auch unregelmässigere Distanz der Ringe. 

Was die Structur der Schale betrifft, so beobachtet man an den Greifensteiner Exemplaren 
eine den feinen Längsrippchen der böhmischen , thüringischen und hercynischen Repräsentanten 
entsprechende Streifung derselben. Die Streifchen erscheinen bei stärker Vergrösserung als feine, 
schwach hervorragende Rippen, die an einzelnen Exemplaren deuthch hervortreten. An Abdrücken 
der äusseren Schalenoberfläche erscheinen sie als äusserst fein eingeschnittene Furchen. 

Es sind also auch in dieser Hinsicht keine wesentlichen Unterschiede nachweisbar. 

2. Tentaculites procerus Maur. 

(Taf. Xm [II], Fig. 17—20.) 

1880. T. procerus Maurer, Kalk bei Greifenstein. Jahrb. für Mineral. Separatabdruck, pag. 35, Taf. II, Fig. 19. 

Das Gehäuse dieser Art ist im Verhältniss zur Breite sehr lang. Es nimmt an Breite sehr 
langsam zu. Die Schale beginnt mit einer langen röhrenförmigen, ungeringelten, am Ende abgestumpften 
Spitze, welche sich plötzlich conisch erweitert, um den ersten Querring zu bilden. Der übrige Theil 
der Schale ist fast cylindrisch. Die stets deutlich hervorragenden Querringe dieser Partie sind nicht 
gerundet, sondern scharfkantig. Sie sind sehr weit von einander entfernt. Die Abstände sind sehr unregel- 
mässig und betragen das Doppelte oder Dreifache der Ringe. Die Oberfläche zeigte unter dem 
Mikroskope gar keine Streifung, es ist daher anzunehmen, dass dieselbe vollständig glatt war. 

Grösse. Die Länge des grössten auf Taf. XIII [II], Fig. 20 dargestellten Exemplars beträgt 
3-5 mm, die Breite keines der vorliegenden Exemplare erreicht i mm. 

V e rgleichung. T. procenis Maur. ist mit T. intermedius Barr, aus dem Kalkbande F — fr 
sehr nahe verwandt, denn diese beiden Formen sind sehr lang und schmal, nehmen gegen die 
Mündung sehr langsam an Breite zu und haben weit abstehende, unregelmässig vertheilte Querringe. 

Der Unterschied besteht in folgenden Merkmalen: i. hat T. intermedius keine ungeringelte 
Anfangspartie. Auch beginnt dieselbe mit einer kleinen, ellipsoidischen Erweiterung (Taf II, Fig. 24 a), 
welche bei der Greifensteiner Art nicht beobachtet werden kann. 2. Sind die Querringe der böhmischen 
Art ausserordentlich schwach entwickelt und mitunter kaum angedeutet. 3. Ist der Querdurchmesser 
stets bedeutend geringer als bei der Greifensteiner Form. Die böhmische Art ist daher verhältniss- 
mässig viel länger und schmäler. 4. Endlich zeigt T. intermedius deutliche Längsrippchen an der 
Schalenoberfläche, während an der Greifensteiner Form keine Structur wahrgenommen werden konnte. 

Bemerkung. Trotz den sonst zahlreich vertretenen, theils identischen, theils analogen Thier- 
resten (vergl. Maurer 1. c. pag. 94 — 95) kann der Kalk bei Greifenstein vorläufig blos einen mit 
böhmischen Formen vollkommen übereinstimmenden Tentaculiten aufweisen. Doch wird es vielleicht 
mit der Zeit gelingen, irgend eine identische oder analoge Styliola zu entdecken. 



[2l] Tentaculiteii. 67 

D. Bemerkungen &u den von Kayser angeführten hercynischen Repräsentanten. 

In Herrn Kayser's Arbeit über die »Fauna der ältesten Devonablagerungen des 
Harzes''*) werden aus den als jjhercynische Schichten'^ bezeichneten Ablagerungen dieser Gegend 
folgende drei Tentaculitenformen angeführt: 

1. Teilt. Geinitziamis Rieht. (1. c. Taf XXXI, Fig. 4 — 5) 

2. ., amariits „ (» » .. » » 1—3) 

3. Styl, lacvis ^ {,, , ^ » ^^ 6—7). 

In meinen ^Bemerkungen zu Kayser, Fauna* etc. (Jahrbuch d. k. k. G.-R.-A., Band 30, 
1880) war es mir nicht möglich auf diese drei Formen näher einzugehen. Nach gründlicher Sichtung 
des mir von Herrn Hofrath Richter zugesandten Materiales, sei mir erlaubt, Folgendes zu bemerken. 



I. Tent. Geinitzianus Rieht. 
Diese Form kann, da sie in Böhmen nicht vorkommt, ausser Acht bleiben. 

2. Tent. acuarius Rieht. 

Die 1. c. abgebildeten Harzer Exemplare zeigen mit den thüringischen eine derartige Aehn- 
lichkeit, dass' die Identität derselben, so viel aus Kayser's Zeichnungen geschlossen werden darf, 
nicht in Frage gestellt werden kann. — Dasselbe gilt auch von jenen böhmischen Formen, die 
Barrande als T. longidiis anführt. Diese letztere Form kann, wie ich bereits gezeigt habe, von 
Richter's acuarius nicht getrennt werden. 

Doch hat Kayser Unrecht, wenn er Barrande's elegans mit Richter's und seinem, dem 
hercynischen, aciiari7is zusammenzieht, und dies um so mehr, als es jetzt keinem Zweifel unterliegt, 
dass Richter's cancellatiis dem elegans Barrande's vollkommen entspricht. 

Von den böhmischen zeigen besonders die der Etage H — hl von Srbsko entnommenen 
Exemplare von T. acuarius mit den von Kayser abgebildeten die grösste Aehnlichkeit. Dafür spricht : 

1. Die in der Regel erhebhch grössere Entfernung der Ringe, sowohl bei den böhmischen 
Exemplaren von Srbsko (H — h i), als auch bei den hercynischen vom Sehe erenst i eg. 

2. Die allem Anscheine nach ungeringelte Spitze der sämmtlichen drei von Kayser abge- 
bildeten Exemplare. Doch kann dieser Umstand vorläufig ausser Acht bleiben, da von der Beschaffenheit 
der Spitze in Kay se r 's Erläuterungen nichts erwähnt wird. Diese Uebereinstimmung wird um so auffal- 
lender, wenn man es nicht unterlässt, zwei der vorliegenden Zeichnungen mit einander zu vergleichen. 
Dazu wählte ich Kayser's Abbildung Taf. XXXI, Fig. 3 und mein auf Taf I, Fig. 2 dargestelltes Exemplar. 

Zu einer solchen Vergleichung sind diese beiden Exemplare besonders geeignet, da schon 
ihre Dimensionen einander ziemhch entsprechen. Die Länge beider dürfte beiläufig 4 mm betragen. 
Nun sieht man, dass auch die Anzahl der Ringe der beiden Exemplare ziemlich übereinstimmt, 
nämlich; 20 bei dem böhmischen und etwa 18 bei dem harzer Exemplare. 

Wohl spricht K ays er in seiner Harz-Arbeit (pag. 113) von ,^etwa 24 feinen aber scharfen 
Längsrippchen", welche an der Oberfläche der Schale verlaufen, während einzelne Exemplare 
von Srbsko deren 30 — 35 aufweisen. Dieser Unterschied, glaubeich, hat durchaus nichts zu bedeuten 



') Abhandlungen zur geol. Specialkarte von Preussen etc. Band II, Heft 4, 1878. 

9' 



68 Noväk. [22] 

und hängt die Verschiedenheit in der Anzahl der Rippchen nur davon ab, ob man sich die Mühe 
genommen hat, dieselben am breiten oder am schmalen Ende der Schale zu zählen. Hiebei setzte 
ich voraus, dass die Anzahl der gezählten Längsrippchen nicht auf den ganzen Umfang, sondern nur 
auf die der Beobachtung zugängliche Hälfte sich bezieht. 

Bei den Harzer Exemplaren wäre sonst nur noch die Anfangsspitze mit ihrem Bläschen zu 
untersuchen und sicherzustellen, ob die Spitze mit einem glatten Hälschen versehen ist oder nicht, 
oder ob dieselbe bis zum Bläschen geringelt erscheint. Vielleicht hat das Harzer Material solche 
Beobachtungen nicht gestattet. 

Hiemit ist der Beweis geliefert worden, dass i. T. elegans Barr, in den hercynischen Schichten 
des Harzes nicht vorkommt und 2. dass diese letztgenannten Schichten mit den böhmischen Etagen 
F — G — H einerseits, mit Thüringen und dem Kalke von Greifenstein andererseits, eine sehr charak- 
teristische Form, nämlich: T. acuariiis Rieht. = T. longuhis Barr, gemeinsam haben. 

Uebrigens muss hervorgehoben werden, dass schon Kays er (1. c. pag. 114.) die Identität des 
böhmischen longuhis mit Richter's acuariiis vermuthete. 



3. Styliola laevis Rieht. 

Ob die von Kayser abgebildeten Styliolen in der That die Richter'sche Form repräsentiren, will ich 
vorläufig dahingestellt sein lassen, und dies um so mehr, als mir kein Harzer Material zur Verfügung steht. 

Dass aber die böhmische Form, für welche Barrande's Bezeichnung St. clavzilus aufrecht 
gehalten werden muss, mit der Harzer zusammenzuziehen wäre, wie dies Kayser thut. Hegt vorderhand 
kein Grund vor, denn die von mir beobachteten ^/«£/«/2/j--Exemplare sind i. nicht vollständig glatt- 
schalig, 2. zeigen sie eine schwache Krümmung und 3. eine abgerundete, nicht scharf auslaufende Spitze. 
Ich kann hier nur darauf hinweisen, was bereits bei der Betrachtung der thüringischen Exemplare bemerkt 
wurde. Von den drei Harzer Formen kommt also blos eine, nämlich T. acuariiis Rieht, unzweifelhaft in 
Böhmen vor. St. laevis Rieht, kann bis jetzt nicht als identisch, sondern blos als analog betrachtet werden. 

IV. Kurze Zusammenfassung. 

Die aus dem Vorhergehenden sich ergebenden Resultate wären, kurz gefasst, folgende : 

1. Da T. longuhis Barr, mit dem von Richter im Jahre 1854 beschriebenen thüringischen 
T. aeuarius vollständig übereinstimmt, so ist der erstere Namen zu streichen und wäre die Richter'sche 
Form den beiden Ländern Böhmen und Thüringen gemeinsam. 

2. Auch die von Maurer aus dem Kalk bei Greifenstein als T- longuhis Barr, bestimmten 
Exemplare stimmen nicht nur mit den böhmischen, sondern auch mit dem von Kayser aus den 
hercynischen Schichten des Harzes angeführten T. aeuarius Rieht, überein. 

3. Da T. aeuarius Rieht, in vier weit von einander entfernten Gegenden, nämlich: Böhmen, 
•Thüringen, Greifenstein und Harz vorkommt so ist diese Form als ein räumlich bedeutend 

verbreiteter palaeozoischer Pteropode anzusehen. 

4. Da T. aeuarius Rieht, in Böhmen aus F — f2 (G — g3, wo er bis jetzt noch nicht gefunden 
wurde, ausgenommen) bis in's H — hl hinaufreicht, so ist diese Form als eine nicht nur räumlich, 
sondern auch zeitlich sehr verbreitete Art zu betrachten. 

5. T. eancellatus Rieht, ist mit T. elegans Barr, identisch. In diesem Falle ist dem Barrande'- 
schen Namen, als dem älteren, der Vorzug zu geben. 



[23] 



Tentaculiten. 



69 



Es hat daher auch Kayser Unrecht, wenn er T. clegmis Barr, mit T. longuhis Barr., resp. 
T. acuaritis Rieht, zusammenzieht. 

6. Ist T. elegans in Böhmen blos auf eine Subdivision, nämhch G — g2, beschränkt und kommt 
in Thüringen blos im Unterdevon vor. 

7. Die von Richter als T. sitbconicus Gein. angeführte Form ist blos auf solche Exemplare 
von T. Geinitzianus Rieht, zurückzuführen, deren Schalen in Folge von Clivage nach einer Seite 
derart gezerrt wurden, dass die Ringe zur Längsachse nicht normal, sondern schräg erscheinen. 

8. Die thüringer Styl, striata Rieht, muss, wie schon Ludwig gezeigt hat, die Bezeichnung St. Richteri 
Ldzvg. erhalten, indem der erstere Namen von Rang schon bei lebenden Pteropoden verbraucht ist. 

9. Keine von den böhmischen Styliolen kann mit den hier erwähnten Repräsentanten 
anderer Länder als identisch, sondern nur als analog betrachtet werden. 

10. Es kommen also in den hier in Betracht gezogenen Ländern folgende Formen vor : 



a) In Böhmen. 



G a 1 1 u n er e n und Arten 



Etagen des Obersilur 



f I f 2 



g I 



g3 



hl h 2 h 3 



1. Tent. acuarius Kicht. 

2. „ elegans Harr. 

3. „ intermedhis „ 

4. Styl, clavulns „ 

5. ,, striatula Nov. 



+ 



+ 



+ 



+ 
+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



Ij) In T h ü r i n g e n. 



Gattungen und Arten 



J3 

S 



Obersilur 



> o 



5s 



^6 



O S 



o 



Unterdevon (Hercyn) 



2 u 



O 






o g: 
u 



/. Tent 

2. „ 

3- . 

4. „ 

5. „ 

6. » 

7- » 

8. „ 



acuanus . . 
elegans . 
ferula 

Geinit:(ianus 
infundibuliim 
rugulosus 
tuba . . 
typus . . . 



g. Styl, laevis . 
10. „ Richter 



Eicht. 
Barr. 
Rieht. 



Liidwg. 



+ 



+ 
+ 



+ 



+ 
+ 



+ 

+ 



+ 



+ 
+ 



+ 



+ 



+ 



+ 
+ 

+ 



^o 



Noväk. 



[24] 



c) Bei G r e i f e n s t e i n. 

7. Teilt, aaiarius Rieht. 
2. 3 procerus Manr. 



d) Im Harzer Hercyn. 

/. Tent. acuarms Rieht. 
2. » Geinitziamis Rieht, 
j. Styl, laevis Rieht. 
10. Es sind also die böhmischen Formen , theilweise auch in anderen , weit entfernten 
Gegenden repräsentirt und zwar theils durch identische, theils durch analoge Arten. 

In den nachstehenden Tabellen sind die identischen, sowie auch die analogen Formen, der 
oben angeführten Länder übersichtlich zusammengestellt. 

(?:)IdentischeFormen. 



Gattungen und Arten 



Tent. aciiarius Rieht. 

„ elegans Barr. 

„ Geinit:(ianus Eicht. 

Styl, laevis » 

„ Bichteri Ldwg. 



Böhmen 



Thüringen 



Greifenstein 



+ 
+ 



+ 
+ 

+ 



+ 



Harz 



+ 

+ 
+ 



Dillenburg 



+ 



b) Analoge Formen. 

Styliola clavulus Barr. (Böhmen) mit Styl, laevis Rieht. (Thüringen, Harz). 

, striatula Nov. ., » » Richteri Ldwg. (Thüringen, Dillenburg) 



BEITRÄGE ZUR KENNTNIS DER TIEFEREN ZONEN DES 
UNTEREN LIAS IN DEN NORDÖSTLICHEN ALPEN. 



YOS 



Dr. FRANZ WAHNER. 

(Erster Theil mit Tafel XIV— XXI.) 



Die genaue Gliederung des scliwäbischen Jura durch Ouenstedt und die auch auf den fran- 
zösischen und enghschen Jura ausgedehnte Zoneneintheilung Oppel's brachten es mit sich, dass man 
überall, wo man sich mit dem Studium dieser Formation beschäftigte, das Hauptaugenmerk auf die 
zeitliche Aufeinanderfolge der fossilen Organismen lenkte und bestrebt war, die Parallele mit den 
Ergebnissen jener classischen Untersuchungen herzustellen. In den Alpen, wo es der verwickelten 
tektonischen Verhältnisse halber und wegen der meist vollkommen geänderten Erscheinungsformen 
(in Gesteinscharakter und Thiergesellschaften) viel später gelang, die aufgestellten Formationen 
wieder zu erkennen, mangelt es heute noch an dem Nachweise, dass alle einzelnen Oppel'schen Zonen 
des Jura auch hier vertreten sind. Was speciell den Lias anbelangt, so hatte Stur schon 185 1 gezeigt, 
dass in den gelben Enzesfelderschichten nur Fossilien des ausseralpinen Lias oc sich finden, und zehn 
Jahre später wies Gümbel vornehmlich durch seine Untersuchungen an der Kammerkaralpe nach, 
dass die Versteinerungen des unteren, mittleren und oberen Lias in den Nordalpen in getrennten 
Schichtcomplexen vorkommen und mindestens diese drei Stufen bestimmt zu unterscheiden seien. 
Die im Jahre 1866 in der Gebirgsgruppe des Osterhorn's vorgenommenen, ausserordentlich detaillirten 
Untersuchungen von Suess und Mojsisovics erstreckten sich wohl hauptsächlich auf die nun schon 
als selbständig erkannte rhätische Stufe, brachten aber für den untersten Lias den Nachweis, dass 
die Zonen des Aminonites planorbis und des Atnin. niigii/atiis auch in den Alpen vertreten sind, 
sowie man aus dem Zusammenvorkommen von Arieten mit ■Aiiiiii. Channassei"- [Amin. Channassei 
Hau. = iiiarinoreKs O/i/i.) den Schluss zog, dass auch die Zone des Amin. Biicklandi vertreten sei. 

Aus der neuesten Zeit endlich ist die Abhandlung Neumayr's „Zur Kenntnis des untersten 
Lias der nordöstlichen Alpen* (Abhandl. d. geol. R.-A., Bd. VII, 1879) zu erwähnen, welcher wir in erster 
Linie den Nachweis des selbständigen Vorkommens der Zone des Aegoceras planorbis in den nord- 
östlichen Alpen und die Beschreibung der betreffenden Fauna, sodann die Kenntnis einiger sehr 
wichtiger Uebergangsformen des unteren Lias verdanken. An diese schliesst sich gewissermassen die 
in den nachfolgenden Blättern niedergelegte Arbeit an, welche sich hauptsächlich mit der Fauna der 
nächst höheren Zone beschäftigt. 

Beiträge zur Paläuntologie Oe?terreich-Ungarns. II, 3. lo 



74 



Wä/nier. 



Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildeten die in der Sammlung der k. k. geologischen 
Reichsanstalt befindlichen Versteinerungen aus dem unteren Lias vom Breitenberg. Der grösste und 
weitaus reichste Theil des von mir bearbeiteten Materials stammt aber aus der paläontologischen 
Staatssammlung in München. Ferner wurden benützt die im k. Oberbergamte in München liegende, 
prächtige Sammlung von der Kammerkaralpe bei Waidring, die geologische und paläontologische 
Sammlung der Wiener Universität, das k. k. Hof-Mineraliencabinet in Wien, das städtische Museum 
und die Sammlung des Herrn Baron Julius Schwarz in Salzburg und die Sammlung des Herrn Baron 
Löwenstern in Oberalm bei Hallein. Für die gütige Ueberlassung dieses Materials bin ich den Herren 
Vorständen, beziehungsweise Besitzern der genannten Sammlungen, insbesondere den Herren Prof. 
Zittel und Oberbergdirector Gümbel in München, sowie Herrn Vicedirector Stur in Wien zu grossem 
Danke verpflichtet. Ausserdem sage ich meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Neumayr in Wien, 
aufrichtigen Dank für die vielfache Unterstützung durch Rath und That, welche mir derselbe seit 
dem Beginne dieser Arbeit zu Theil werden Hess. 

Ich beginne sogleich mit der Beschreibung der einzelnen Formen. Erst wenn diese bekannt 
sind, können die stratigraphischen Verhältnisse der einzelnen Fundorte, sowie die allgemeinen 
Resultate mit Erfolg besprochen werden. 



PALÄONTOLOGISCHER THEIL. 



Ammonitidae. 

Genus Aegoceras Waagen. 
Aegoceras extracostatum n. f. 

(Taf. Xl\' [I], Fig. I.) 

Durchmesser 132 mm (== i) ; Nabelweite 66-5 mm (= 0'5o); Höhe des letzten Umganges 
38 mm {= 0-29); Dicke 29 (= 0-22). 

Die Schale besteht aus 5 von aussen sichtbaren, wenig umfassenden, stark gewölbten Umgängen, 
welche bis zum Ende mit sehr kräftigen, einfachen Rippen bedeckt sind. Die Dicke der Umgänge ist 
nicht viel geringer, als ihre Höhe. Die Rippen beginnen sehr schwach an der Innenseite der Flanken 
und erreichen in der Mitte der letzteren ihre grösste Höhe. Sie verlaufen im Allgemeinen gerade, in 
ungefähr radialer Richtung über die Planken, biegen sich in der Nähe der Externseite nach vorne, 
wobei sie- nur wenig schwächer (flacher) werden, und vereinigen sich in der Mitte der Externseite in 
einem nach vorne convexen Bogen. Auf den letzten zwei Dritteln des äusseren Umganges zeigen die 
Rippen ausserdem in der Mitte der Flanken einen leicht geschwungenen, nach vorne convexen Bogen. 
Der letzte Umgang trägt 45, der vorletzte 42, der nächste innere 41 Rippen. Der letzte noch erkenn- 
bare Umgang (der fünfte von aussen) ist nur zum Theile mit Sculptur versehen, während der andere 
Theil vollständig glatt ist. (Vergl. den Durchschnitt Fig. i /i.) 

Die Schale ist bis zum Ende des ersten Viertels des äusseren Umganges gekammert. Die 
ziemlich einfache Lobenlinie (Fig. i r) ist nur theilweise erkennbar. Der Siphonallobus ist vollkommen 
symmetrisch uftd nahezu so tief, als der erste Lateral. Dieser besteht aus 3 Hauptästen, einem 
mittleren und zwei Seitenästen. Der Siphonalsattel ist sehr breit und niedriger, als der Lateralsattel. 



[3] Beiträge zjir Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. 75 

Aehnlichkeit mit Aegoceras extracostatiiin besitzt Aeg. aciiticostatuui Wright (Monograph on 
the Lias Ammonites of the British Islands, Tab. XXXV, Fig. i — 3 aus der Zone des Aeg. Henleyi), 
von welchem bis jetzt noch keine Beschreibung vorliegt. Dieses besitzt jedoch engeren Nabel und 
grössere Dicke, die Rippen sind weiter von einander entfernt und viel weniger zahlreich, was 
namentlich an den inneren Umgängen auffällt, und die Suturlinie zeigt keinen herabhäncrenden 
Nahtlobus. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. niegastoma vom Schreinbach. 

Die in Taf. XIV (I), Fig. 2 abgebildete Form, aus derselben Kalkbank stammend, stimmt 
mit Aeg. extracostatiiin in den wesentlichsten Merkmalen, so namentlich in der Beschaffenheit der 
Rippen auf der Externseite und in der Lobenlinie überein. Die letztere ist etwas weniger verzweio-t. 
Das Exemplar ist bis zu Beginn des letzten Drittels des äusseren Umganges gekammert. Der zweite 
Laterallobus ist nur zum Theil erhalten, er ist weit kürzer als der erste Lateral, und vereinio-t sich 
mit drei kleinen x\uxiüaren zu einem Nahtlobus, welcher nicht ganz so tief als der erste Lateral 
herabreicht. Der Unterschied gegen die typischen Exemplare von Aeg. e-xtracostatiaii besteht in dem 
etwas weiteren Nabel, sowie in den dünneren, enger stehenden und demg.emäss zahlreicheren Rippen. 
Der letzte Umgang trägt 49, der vorletzte 46 Rippen. Da mir nur ein, wenn auch gut erhaltenes 
Exemplar dieser Form vorliegt, so scheint es vorläufig nicht angezeigt, dieselbe von Aeg. extra- 
costatimi zu trennen. 

Aegoceras curviornatum n. f. 

(Taf. XVI (III), Fig. 2—4.) 

Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. 

Durchmesser . ._ . 68 mm (= i ) ... 27 mm (= i ) • ■ • 23'5 mm {= i ) 

Nabelweite 28 , (= 0-41) ... 10 , (= 0-37) ... 8-5 ^ (= 0-36) 

Höhe des letzten Umganges . . 23 , (= 0-34) ... 10 >, (= 0-37) ... 9 ^ (= 0-38) 

Dicke 18 , (= o 26) ... 8 , (= 0-30) ... 7 » (= 0-30) 

Das grössere der abgebildeten Exemplare besteht aus fünf sichtbaren, wenig umfassenden, 
auf den Flanken abgeplatteten Umgängen, welche bis zum Ende mit kräftigen, einfachen Rippen 
bedeckt sind. Der Verlauf der Rippen entspricht vollkommen dem Verlauf jener von Aegoceras 
extracostatiiin. Sie biegen sich in der Nähe der Externseite nach vorne, werden dabei nur wenig 
niedriger und etwas breiter und vereinigen sich in der Mitte der Externseite in einem nach vorne 
convexen Bogen. Der letzte Umgang trägt 38, der vorletzte 34 Rippen. 

Die Lobenlinie entspricht jener des Aeg. extracostatiiin. Bei letzterem ist jedoch der Extern- 
sattel in Folge der stärkeren Wölbung der Schale viel breiter, und ausserdem sind bei Aeg. curvi- 
ornatmn die Stämme der Loben tiefer, beziehungsweise die Sättel höher als bei Aeg. extracostatiiin. 
Der Siphonallobus ist symmetrisch und nicht so tief als der erste Lateral. Der Lateralsattel ist höher 
als der Externsattel. Der sehr seichte zweite Lateral vereinigt sich mit vier kleinen Auxiliaren zu 
einem Nahtlobus, welcher nahezu so tief als der erste Lateral herabreicht. 

Das in Figur 3 abgebildete kleine Exemplar trägt auf dem äusseren Umgange 31, auf dem 
nächst inneren 22 Rippen, das in Figur 4 abgebildete 29 Rippen auf dem äusserem Umgange. 

Aeg. curviornatum unterscheidet sich von Aeg. extracostatiiin durch grössere JNIundhöhe und 
engeren Nabel, durch geringere Dicke, flachere Seiten und die geringere Anzahl der Rippen. 

Sehr nahe unserer Form steht Aeg. catenatinii jr;-/§-/^^ (Monograph on the Lias Ammonites of 
the british Islands, pag. 320, Taf XIX, Fig. S — 7) aus der Zone des Aeg. planorbis. Dasselbe hat 

10* 



yö Wähner. [4] 

jedoch etwas weiteren Nabel, und die Vereinigung der Rippen aut der Externseite erfolgt in einem 
spitzeren Winkel und in etwas kräftigerer Weise ; die Lobenlinie ist etwas weniger zerschlitzt. Wright 
identificirt seine Form mit Amin, catcnatiis Sotv., de la Beche, Geological Manual, III. Ausg. 1833, 
p. 334, Fig. 74, mit Amin, trapesoidalis Sow., ibid. p. 334, Fig. 75 und mit Amin, catenattis cTOrb., 
Pal. Frang., Terr. Jurass,, vol. I., p. 301, Taf. XCIV. Was die beiden ersten Formen betrifft, so bin 
ich ausser Stande, nach den schlechten Abbildungen bei de la Beche irgend ein Urtheil abzugeben. 
Amm. catenaiiis d'Orh., Fig. i und 2 hat weiteren Nabel, weniger scharf markirte und zahlreichere 
Rippen als die Wright'sche Form. (Bezüglich des von d'Orbigny, Fig. 3 und 4, abgebildeten Exemplares 
vergl. die Bemerkung unter Aeg. Jiaploptychum, S. "]"]) 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. 



Aegoceras n. f. indet. cf. extracostatum. 

(Taf. XVI [lü], Fig. I.) 

Conf. Amm. angulatus Cliap. et Dew., .Mem. couronn. publ. par l'Acad. Ro)-. d. Sc, Bruxelles. tom. 25, Taf. 4, Fig. i a — g. 

Durchmesser 87 mm (= i) ; Nabelweite 41 mm (= 0'47) ; Höhe des letzten Umganges 24 mm 
(= 0-28); Dicke 17 mm (= 0-20). 

Diese Form unterscheidet sich von Aeg. extracostatum hauptsächlich durch die geringere 
Dicke, von Aeg. cnrviornatum durch den weiteren Nabel und die eng gedrängten zahlreicheren 
• Rippen der inneren Umgänge. Die Rippen sind auf den Flanken sehr scharf, werden aber nach ihrer 
Vorwärtsbeugung bei der Vereinigung an der Externseite wulstig. Der oben citirte Amin, angulatus 
Chap. et Dew. steht sehr nahe ; doch sind die Rippen bei demselben durch weitere Zwischenräume 
getrennt. Aeg. Portlockii Wright (Monograph on the Lias Ammonites of the british Islands 
Taf. XLVIII, Fig. 4, 5 [aus der Zone des Amaltheus oxynotus~^, von welchem vorläufig nur eine 
Abbildung vorliegt, steht in der äusseren Gestalt ebenfalls sehr nahe. Es unterscheidet sich haupt- 
sächlich durch etwas grössere Dicke und die weiter von einander abstehenden Rippen der inneren 
Umgänge, sowie dadurch, dass längs der Mittellinie der Externseite zwischen je zwei Rippen ein 
Streifen sich hinzieht, der etwas höher als die betreffende Furche, aber niedriger als die Vereinigungs- 
stelle der Rippen ist. Es liegt nur ein deutliches Exemplar aus dem schwarzgrauen Kalke, der 
»Angulatenbank'' von der Kendelklause vor. (Vergl. Suess und Mojsisovics, Studien über die 
Gliederung der Trias- und Jurabildungen in den östlichen Alpen II. Die Gebirgsgruppe des Oster- 
hornes. Jahrb. d. geolog. R.-A. 18. Bd. 1868.) Ein zweites sehr schlecht erhaltenes Exemplar von 
demselben Fundorte scheint derselben Form anzugehören; es lässt abgewitterte Lobenlinien erkennen, 
welche mit denen des Aeg. cnrviornatum übereinstimmen. 

Aegoceras haploptychum n. f. 

(Taf. XVII [IV]. Fig. 1—4.) 

Conf. 1842. Ammonites catenatus d'Orb., Pal. Franc., Terr. Jurass., vol. I, pag. 3oi, Taf. XCIV, Fig. i und 2, non 

Fig. 3 und 4. 

Fig. I. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. 

Durchmesser 116 mm (= i ) ■ 35 mm (= i ) . 28 mm (= 1 ) . I3'5 mm (== i ) 

Nabelweite 56 , (=0-48) . 14 , (=0-40) . 11-5 , (=0-41) . 4-5 , (=0-33) 

Höhe des letzten Umganges 34 ,, (=0-29) . 12 , (=0-34) . 9-5 „ (=0-34) . 5-5 , (=0-40) 

Dicke 23 , (=0-20) . 9 , (=0-26) . 7 ., (=0-25) . 4 „ (=0-30) 



15] Beiträge zur Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. jj 

An dem grossen abgebildeten Exemplare sind fünf sehr wenig umfassende Umgänge erkennbar, 
deren Externseite gerundet ist, während die Flanken ziemlich flach sind. Die durchaus einfachen 
und bis zum Ende des letzten Umganges scharf ausgeprägten Rippen verlaufen auf den Seiten zuerst 
gerade in radialer Richtung und sind in der Nähe der Externseite stark nach vorwärts gebogen, 
worauf sie allmälig schwächer werden. In der Mitte der Externseite vereinigen sich die einander 
entsprechenden Rippen in schwachen, nach vorne convexen Streifen, welche von noch schwächeren, 
gleich gerichteten Anwachsstreifen begleitet sind. Der äussere Umgang trägt 51, der vorletzte 44 Rippen. 
Bei jüngeren Exemplaren ist die Vereinigung der Rippen auf der Externseite noch deutlicher ; doch 
sind die Rippen auf der Externseite immer bedeutend abgeschwächt. Dadurch hauptsächlich unter- 
scheidet sich Aeg. haploptyclinin von den vorhergehenden Formen. An der Stelle ihrer Vorwärtsbeugung 
sind die Rippen indessen auch bei älteren Exemplaren noch vollkommen deutlich. Bei den mit Braun- 
eisen überzogenen Exemplaren vom Lämmerbach ist eine Lobenzeichnung nicht erkennbar. Bei 
einem Exemplar aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. megastoma vom Schreinbach konnten undeutliche 
Loben biosgelegt werden, welchesich zur Abbildung nicht eignen, dieaber einen unsymmetrischen Siphonal- 
lobus erkennen lassen und im Uebrigen recht gut mit der in Taf IV, Fig. 5, abgebildeten Lobenlinie 
übereinstimmen. Es sind dies typische Angulatenloben mit herabhängendem Nahtlobus, stärker zerschnitten , 
als die Loben der bisher besprochenen Formen, aber noch nicht den hohen Grad der Complication 
anderer Formen erreichend. 

Ammonites catenatus d Orb., Pal. Frang., Terr. Jurass., vol. I., pag. 301, Taf XCIV, Fig. i 
u. 2 (non Fig. 3 u. 4) stimmt in der äusseren Gestalt fast vollkommen mit Aeg. haploptycJmni überein; 
ein Unterschied besteht, wenn die Abbildung bei d'Orbigny genau ist, nur darin, dass die Vereinigung 
der Rippen auf der Externseite kräftiger ist, als bei unseren Formen und darin mehr dem Verhalten 
der Rippen bei Aeg. cnrz'iornatiiui gleichkömmt. Das in Fig. 3 und 4 bei d'Orbigny abgebildete kleine 
Exemplar stammt aus Spezia und ist nicht identisch mit der in Fig. i und 2 abgebildeten Form ; 
die Knoten, in welchen bei jenem die Rippen auf der Externseite endigen, verweist es in eine andere 
Gruppe der Angulaten, welcher der eigentliche Aiiiin. angulatns Schlotli.. Moreanus d'Orb. etc. 
angehören. Da der eigentliche Avim. catenatus Sozc, De la Beche, Geological Manual, III. Ausg., 
1833, pag. 334, Fig. 74, welcher weder aus der Abbildung, noch aus der Beschreibung erkannt werden 
kann, ebenfalls von Spezia herrührt, so ist es wahrscheinlich, dass Aiinu. catenatus d' Orb. Fig. i und 2 und 
Amin, catenatus Sow. ebenfalls verschiedene Formen sind. Ich halte es daher, selbst wenn ich über den 
oben angeführten Unterschied zwischen unserer Form und Amin, catenatus d Orb. Fig. i und 2 hinweggehen 
wollte, um jede Verwirrung zu vermeiden, für nothwendig, der erstereiveinen neuen Namen zu geben. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. viegastoniCi vom S ehr einb ach, in dem 
rothen Kalke mit Brauneisenconcretionen vom Lämmerbach. 

Eine Form aus dem gelbgrauen Kalk vom Schreinbach (Taf. IV, Fig. 5) schliesst sich durch 
die Endigung der Rippen an der Externseite an Aeg. haploptycliuni an, unterscheidet sich aber von 
typischen Exemplaren durch die grössere Dicke der Umgänge, welche nicht viel höher als dick sind, 
sowie durch die kräftigeren, minder zahlreichen Rippen. 

Durchmesser ungefähr 78 mm (= i) ; Nabelweite ^6 mm (= 0-46) ; Höhe des letzten Umganges 
ungefähr 25 mm (= 0-32) ; Dicke ungefähr 20 mm (= 0'26). 

An Stellen, an welchen man genauer messen kann, beträgt die Höhe des äusseren Umganges 
I7'5 und 15-5 mm, die Dicke beziehungsweise 15 und 14 mm. Es verhält sich also die Höhe zur Dicke 
ungefähr wie 7 zu 6. — Die Suturlinie zeigt einen herabhängenden Nahtlobus und steht in dem 
Grade der Zerschlitzung zwischen Aeg. curviornatujii und Aeg. megastoma ungefähr in der Mitte. 



78 Wähner. [6] 

Aegoceras megastoma Gümb. 

(Taf. XVIII [V], Fig 1— ö.) 

i86i. Amin, megastoma Gümbel, Geognostische Beschreibung des bairischen Alpengebirges und seines Vorlandes, S. 474. 
1862. Amm. longipmitinits Oppel, Palaeontolog. Mittheiiungen aus dem Museum des kgl. bairischen Staates, pag. i2C) 
pars, Taf. 41, Fig. 2 (Lobenzeichnung), non Fig. i. 

Fig. I Fig. 4 Fig. 3 Fig. 2 

Durchmesser , . . 155 mm (= i ) 27 mm. (= i ) !2 mm {= i ) 7-5 mm (= t ) 

Nabelweite 78 , (= 0-50) 11 , (= 0-41) 4-5 , (= 0-37) 2-5 , (= 0-33) 

Höhe des letzten Umganges 44 ,, (= 0-28) 9 , (= 0.33) 4 ,, (= 0-33) 3 ,, (= 0-40) 
Dicke 28 , (= o-i8) 8 , (= 0-30) 4-5 » (= 0-37) 3 , (= 0-40). 

jEinhochmündiger kielloser Ariet, welcher dem^/«w. tortilis it Orb. (Pal. Frang, Ter. Jur., Taf. 49) 
am nächsten steht, jedoch sich von diesem und dem verwandten Amm. Johnstoni durch seine Hoch- 
mündigkeit und viel mehr zerschlitzte Sättel unterscheidet ; auch ist der Rückensattel verhältnissmässig 
schmäler, als bei beiden verwandten Arten, und der Rückenlobus verhältnissmässig tief. Die Umgänge 
sind bis zu ^/j ihrer Höhe involut, es sind sechs Umgänge sichtbar, jeder Umgang trägt 40 gegen die 
Wohnkammer wenig stark hervortretende, ziemlich gerade Rippen.* 

Dieser von Gümbel gegebenen Charakteristik schliesse ich die Beschreibung des in Taf. V, 
Fig. I abgebildeten Exemplars an. Dasselbe hat theilweise die Schale erhalten und lässt sechs ungefähr 
zu einem Drittel involute Umgänge erkennen, welche bis zum Ende mit einfachen kräftigen Rippen 
bedeckt sind. 

Die Flanken sind schwach gewölbt, die Externseite ist gerundet, geht jedoch auf dem letzten 
Umgang in eine mehr zugeschärfte Gestalt über, welche bei noch älteren Exemplaren immer mehr 
ausgeprägt wird. 

Gleichzeitig werden die einzelnen Umgänge, welche im Innern nahezu so dick als hoch simd, 
im Verhältnisse zur Dicke sehr hoch, indem die Dicke viel langsamer zunimmt als die Höhe. 

Die Rippen verlaufen ganz gerade in radialer Richtung und scheinen in der Nähe der Extern- 
seite zu verschwinden. Bei genauer Betrachtung erkennt man an Stellen, an denen die Sculptur gut 
erhalten ist, dass die Rippen dort, wo sie in der Nähe der Externseite zu verschwinden beginnen, 
nach vorne gebogen sind, und in fast unmerklich erhöhten Streifen, welche einen nach vorne convexen 
Bogen bilden, sich in der Mitte der Externseite vereinigen. Wo derartige Stellen noch mit der Schale 
bedeckt sind, sieht man in der Nähe der Externseite feine Anwachsstreifen, welche mit den nach 
vorne verlaufenden, undeutlichen Theilen der Rippen gleiche Richtung haben. Es macht dies den 
Eindruck, als würden im späteren Alter feine, kurze, secundäre Rippen zwischen den Jangen Rippen 
sich einzuschalten beginnen. Der äussere Umgang trägt 47, der vorletzte 48, der drittletzte 30 Rippen. 

Das Exemplar ist bis zum Schlüsse gekammert. In der stark zerschlitzten Suturlinie ist der 
Lateralsattel viel höher als der Externsattel, die beiden Aeste des Siphonallobus sind schief nach 
innen gerichtet und genau so tief als der äussere Hauptast des ersten Laterals, mit welchem sie 
fast zusammenstossen. 

Der zweite Lateral tritt ganz zurück und vereinigt sich mit 5 Auxiliaren zu einem sehr gut 
entwickelten Nahtlobus, welcher tiefer herabreicht als der erste Lateral. Sehr charakteristisch ist der 
scharfe, fast schnurgerade Verlauf der einzelnen Lobenäste. 

Oppel hat a. o. a. O., Taf 41, Fig. 2 eine Abbildung der Lobenlinie eines Exemplars aus 
dem braunrothen Kalk des unteren Lias von der Kammerkaralpe bei Waidring gegeben, welches 



[j] Beiträge zur Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. 79 

Exemplar sich in der Sammlung des kgl. Oberbergamtes in München befindet, und welches mir 
ebenfalls zur Vergleichung vorlag. 

In Taf. XVIII (V), Fig. 6 ist die Lobenlinie eines anderen Exemplars dargestellt, welche 
noch stärker zerschnitten ist als bei typischen Exemplaren, aber im übrigen vollkommen überein- 
stimmt. Dieses letztere Exemplar, welches etwas hochmündiger ist als das vorerwähnte von der 
Kammerkaralpe, stammt aus gelbgrauem Kalk von demselben Fundorte und aus der gleichen Sammlung 
und ist mit der Bezeichnung ^^Arietenbank- versehen, während andere Exemplare dieser Sammlung 
die Bezeichnung ^^Cardinienbank'^ führen. 

Die Loben sind bei typischen Exemplaren vollkommen symmetrisch, doch kommen auch 
unsymmetrische Loben vor, wie bei dem Taf. V, Fig. 4 abgebildeten kleinen Exemplare. 

Fig. 2 — 5 zeigen den Verlauf der Rippen an jüngeren Exemplaren, beziehungsweise an den 
inneren Windungen älterer Exemplare. Das in Fig. 4 abgebildete Exemplar trägt 27, das in Fig. 3 
abgebildete 26 Rippen auf dem äusseren Umgange. 

Aus der Betrachtung dieser Formen ergibt sich mit Bestimmtheit die Zugehörigkeit des Aeg. 
viegastomo zur Gruppe der Angulaten oder zur Gattung Aegoceras in der Fassung Hyatt's. 

Aeg. inegastovia unterscheidet sich von dem bei Oppel, Taf. 41, Fig i, abgebildeten Exemplare 
des Anuu. longipontzmis von Langenbrücken, von welchem mir ein Gypsabguss zur Vergleichung vorlag, 
dadurch, dass letzteres schon bei verhältnissmässig geringer Grösse sehr undeutliche Rippen bekömmt, 
.welche ausserdem eine Biegung nach vorne nicht erkennen lassen, obwohl undeutliche Streifen als 
Fortsetzung der Rippen sich noch über die Externseite hinziehen. 

Vorkommen: In den gelbgrauen Kalkbänken des unteren Lias vom Breitenberg und 
vom Schreinbach, in den rothen Kalken mit Brauneisenconcretionen vom Lö mme rbach, in dem 
gelbgrauen und rothbraunen Kalk des unteren Lias der Kammerkaralpe. 

Aegoceras n. f. indet. cf. megastoma Gümb. 

(Taf. XXI [VIll], Fig. 2.) 

Ein Exemplar aus dem gelbgrauen Kalke vom Schreinbach unterscheidet sich von dem typischen 
Aeg. megastoma durch schwächer markirte, enger stehende Rippen, welche in der Nähe der Externseite 
nur eine Andeutung einer Biegung nach vorne erkennen lassen. Die Externseite selbst ist fast vollkommen 
glatt, und die kaum sichtbaren Streifen, welche bei guter Beleuchtung sich dennoch über die Externseite 
verfolgen lassen, sind trotz des guten Erhaltungszustandes dermassen undeutlich, dass sie durch 
Abbildung in natüriicher Grösse nicht wiedergegeben werden können. Das vordere Ende des äusseren 
Umganges ist beschädigt, so dass das Exemplar hier nicht gemessen werden kann. Eine Strecke 
weiter nach rückwärts ergaben sich folgende Dimensionen : Durchmesser 64 mm (= i) ; Nabelweite 
28 mm [= 0-44); Höhe des letzten Umganges 20 mm (= 31); Dicke 15-5 mm (= 0-24). 

Auf dem dem Durchmesser von 64 mm entsprechenden Umgange finden sich 40, auf dem 
nächstinneren 35 Rippen. 

Aegoceras anisophyllum n. f. 

(Taf. XVIIl [V], Fig. 7, Taf. XIX [VI], Fig. i— 3.) 

Taf. V, Fig. 7 Taf. VI, Fig. 3 

Durchmessser 6"] mm (== i ) 29 mm {= r ) 

Nabelweite 27 „ (= 0'4o) 11 ^ (= 0.38) 



8o WäJincr. [8] 

Höhe des letzten Umganges 24 mm (= 0-36) 10 mm (== 0-34) 

Dicke 16 , (= 0-24) 8 , (= 0-27) 

Diese Form steht dem Aeg. inegastoina ausserordenthch nahe, unterscheidet sich aber sehr 
bestimmt durch einige constante Merkmale. Aeg. anisophylluni ist hochmündiger, die Flanken sind 
mehr platt gedrückt, die Rippen verlaufen auf den Flanken häufig nicht genau radial, sondern der 
Hauptrichtung nach etwas schief nach rückwärts, und ihre Beugung nach vorne in der Nähe der 
Externseite, sowie die Vereinigung in der Mitte der Externseite ist stets viel auffallender als bei Aeg. 
niegastovia. Das Undeutlichwerden der Rippen beginnt jedoch auch bei unserer Form schon an der 
Stelle, an welcher sich dieselben nach vorne beugen. 

Die Lobenlinie ist bei allen von mir untersuchten Exemplaren stark unsymmetrisch, indem der 
Sipho nicht in der Mittellinie der Externseite verläuft, sondern nach einer Flanke gerückt erscheint, 
auf welcher Flanke dann die Loben und Sättel nicht blos schmäler, sondern auch seichter und 
niedriger sind, als auf der andern. Die beiden Aeste des Siphonallobus sind genau parallel oder 
nur mit o-eringer Neigung nach innen führend und etwas kürzer, als der äussere Hauptast des ersten 
Laterals, so dass das nahe Zusammentreffen der beiden Astspitzen, wie es bei Aeg. uiegastoma 
vorhanden ist, hier nicht ausgebildet ist. Der eigenthümhche gerade Verlauf der Lobenäste, wie er 
bei Aeg. megastoma sich findet, fehlt hier, die Lobenenden sind gekrümmt und umschliessen grössere 
Sattelblätter. (Vgl. auch Taf XIX [VI], Fig. 2.) Der Nahtlobus ist ebenfalls gut entwickelt und reicht 
tiefer herab, als der erste Lateral. Bei dem in Taf V, Fig. 7 abgebildeten Exemplar, einem Steinkern, 
erkennt man, dass sich die Assymmetrie auch auf die Aussenwäiide der Schale erstreckt, indem die 
Flanke, nach welcher der Sipho verschoben erscheint, und auf welcher die Loben schwächer ausgebildet 
sind, mehr platt gedrückt ist, als die andere. 

Ein grosses Exemplar aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. inegastoina vom Breitenberg, von 
ungefähr 250 mm Durchmesser und ungefähr 36 mm Dicke, welches in Taf VI, Fig. i theilweise 
abgebildet ist, besteht aus 8 sichtbaren Umgängen, von welchen der letzte eine keilförmig zugeschärfte 
Externseite hat. Die inneren Windungen sind mit kräftigen, dicht gedrängten Rippen bedeckt, welche 
auf den äusseren Umgängen etwas flacher, und deren Zwischenräume breiter werden, bis sie auf dem 
letzten Viertel des äusseren Umganges sehr undeutlich werdeii und unregelmässigen, enger stehendeTi 
Streifen Platz machen, welche bei ihrem Aufsteigen von der Naht nach rückwärts verlaufen, sich 
hierauf nach vorne umbiegen, in etwas unregelmässiger Weise über die Flanken verlaufen und, wie 
es scheint, in der Nähe der Externseite noch einmal nach vorne gebogen sind. Der ganze letzte 
Umgang ist Wohnkammer. Von der Lobenlinie ist nur zu erkennen, dass ein herabhängender Naht- 
lobus vorhanden ist. Die plattgedrückten Flanken und die relativ grosse Mundhöhe lassen mich über 
die Zugehörigkeit dieser Form zu Aeg. anisopJiyllum nicht in Zweifel sein. 

Von einem anderen grossen Exemplare (aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. inegastoina vom 
Schreinbach) folgen hier die Dimensionen : 

Durchmesser 250 mm (^= i) ; Nabelweite iii mm {^= 0.44) ; Höhe des letzten Umganges 
79 mm (== 0'32) ; Dicke ungefähr 45 mm (= 018). 

Die Externseite des äusseren Umganges ist sehr scharf, die Rippen sind bis zum Ende 
desselben deutlich, wenn auch abgeflacht und biegen sich in der Nähe der Externseite als feine 
Streifen stark nach vorne, welchen sich hier gleichgerichtete secundäre Streifen zugesellen. 

Vorkommen: In den gelbgrauen Kalken mit Aeg. inegastoina vom Breite nberg und 
Schreinbach; in den rothen Kalken mit Brauneisenconcretionen vom Lämmerbach und von 
Adnet. 



[g] Beiträge zur Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. 8i 

Ein Exemplar aus dem gelbgrauen Kalke vom Schreinbach (Taf. X, VII [IV], Fig. 6) steht in dem 
Verhalten der Rippen der Externseite 6.e.mAeg. haploptychiini näher, und die unsymmetrische Lobenlinie 
zeigt einen geringeren Grad der Zerschlitzung, als die typischen Exemplare des Aeg. anisophyllnm. 

Aegoceras Panzneri n. f. 

(Taf. XV [II], Fig. 1-2, Taf. XXI [VIII], Fig. 3.) 

Diese Form unterscheidet sich von Aeg. megastoma und Aeg. anisophylhnn, welchen sie am 
nächsten steht, durch weiteren Nabel, geringere Dicke, sowie durch die dünneren und zahlreicheren 
Rippen. Es folgen die Dimensionen einiger Exemplare : 

Taf. VIII, Fig. 3 Taf. II, Fig. 2 

Durchmesser 205 mm (= i ) . . 197 mm (= i ) . . 41 mm {= i ) 

Nabelweite 119 ^ (=0-58) . . 115 , (=0-58) . . 18 ^ (=0.44) 

Höhe des letzten Umganges ungefähr ... 47 .,(—).. 43 j, (= 0-22) . . 14 ^ (= 0-34) 

Dicke ungefähr 25 bis 26 mm . . 24 ^ (= 012) . . 11 ^ (= 0-27) 

Das in Taf XV [Ilj, Fig. I abgebildete Exemplar trägt sehr dünne und dichtgedrängte Rippen, 
welche auf den letzten zwei Dritteln des äusseren Umganges sehr flach werden und auf dem 
letzten Drittel in wenig deutliche Streifen übergehen, welche in ungleichen Abständen auf einander 
folgen. Ein anderes Exemplar (Durchmesser 197 mm) ist bis zum Ende mit kräftigen, weiter von 
einander abstehenden Rippen bedeckt ; es enthält auf dem äussersten der acht sichtbaren Umgänge 
<ö-] Rippen, auf dem vorletzten 61 und auf dem drittletzten Umgange 51 Rippen. Das Exemplar, dessen 
Lobenlinie in Taf. XXI [VIII), Fig. 3, abgebildet ist, lässt 7 Umgänge erkennen und trägt auf dem 
letzten Umgange 74, auf den nach innen folgenden Umgängen 72, 54 und 34 Rippen. Die Rippen 
sind auf den äusseren Umgängen sehr dünn und zahlreich, auf den innersten Jedoch viel kräftiger, 
als bei den anderen Exemplaren. Die Rippen haben in der Nähe der Externseite nur eine schwache 
Biegung nach vorwärts und verschwinden in der Mitte der Externseite fast vollständig. Das kleine 
in Taf II, Fig. 2, abgebildete Exemplar lässt kaum eine Spur einer Vereinigung der Rippen auf der 
Externseite mehr erkennen ; an der in Taf II, Fig. id, abgebildeten Windung des grossen Exemplares 
ist diese Vereinigung noch ein wenig besser erkennbar. 

Die Lobenlinie steht der des Aeg. megastoma ausserordentlich nahe. Der Nahtlobus reicht so 
tief oder noch tiefer, als der erste Lateral herab. Die Zerschlitzung ist eine sehr grosse, und die 
einzelnen Lobenlinien sind einander so nahe gerückt, dass die Lobenspitzen sehr häufig die Sattel- 
blätter der vorhergehenden Suturlinie berühren. Die schon erwähnten drei grossen Exemplare lassen 
auch in den Details der Lobenzeichnung gewisse Verschiedenheiten erkennen. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. 
Ich benenne diese Form nach dem tüchtigen Sammler Panzner in St. Wolfgang, dessen 
verständnisvoller Thätigkeit inbesondere der Gewinn der sehr reichen und schönen Fauna vom 
Schreinbach zu danken ist. 

Aegoceras n. f. indet. cf. curviornatum. 

(Taf. XVI. [III], Fig. 6.) 

Es liegt ein beschädigtes Exemplar vor, welches eine bedeutende Aehnlichkeit mit Aeg. 
curviornatum aufweist, sich aber von diesem durch etwas weiteren Nabel, minder kräftige, dichter 
stehende und demgemäss zahlreichere Rippen unterscheidet. Die Flanken sind noch flacher, auch 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 3. 11 



■Siz Wähner. [lo] 

die Externseite ist etwas platt gedrückt, so dass der Querschnitt eines Umganges sich einem Rechteck 
nähert. Die Höhe verhält sich zur Dicke ungefähr wie 4 zu 3. Die Rippen sind auch auf der Externseite 
noch kräftig, wo sie sich in einem nach vorne convexen Bogen vereinigen. Der äussere Umgang trägt 
46 Rippen. Jener Umgang, welcher ungefähr dem Durchmesser des in Taf. III, Fig. 2, abgebildeten 
Exemplares von Aeg. ciirviorjiahim entspricht, hat 45 Rippen, während letzteres auf dem äusseren 
Umgang nur 38 Rippen trägt. Ausserdem ist zu bemerken, dass hie und da eine Rippe vorhanden ist, 
welche weitaus schwächer ist, als die benachbarten, wobei auch die Zwischenräume schmäler werden. 
An einer dieser Stellen sind 2 schwache Rippen neben einander, deren eine so schwach ist, dass sie 
nur in der Nähe der Externseite sichtbar ist und auf dem übrigen Theil der Flanke verschwindet. 
Das sind Spuren, wie sie sonst bei Formen auftreten, deren Rippen sich im späteren Alter zu spalten 
beginnen ; sie kommen indessen auch als Abnormitäten vor. 

Die Lobenlinie ist verhältnismässig einfach, stimmt mit jener des Aeg. curviornattaii überein 
und ist nur unbedeutend stärker verzweigt. Der stark zurücktretende zweite Lateral, welcher eigen- 
thümhch zweispitzig erscheint, vereinigt sich mit vier Auxiliaren zu einem Nahtlobus, welcher ebea_ 
so tief herabreicht, als der erste Lateral. 

Vorkommen: Nur in einem Exemplare aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. ntegastoma 
vom Schreinbach bekannt. 

Aegoceras stenoptychum n. f. 

(Taf. XX [VIl], Fig. 2.) 

Durchmesser 68 mm (= i) ; Nabelweite 30 mm (= 044) ; Höhe des letzten Umganges 22 mm 
(= 0-32); Dicke 15-5 mm {= 0-23). 

Dieser Ammonit unterscheidet sich von nahestehenden Formen durch die stark plattgedrückten 
Flanken und die plattgedrückte Externseite, sowie durch die enger stehenden und zahlreicheren 
Rippen. Die letzteren verlaufen so wie bei Aeg. haploptychum gerade und in radialer Richtung über 
die Flanken, biegen sich in der Nähe der Externseite nach vorne, worauf sie schwächer werden und 
sich in der Mitte der Externseite in schwachen Streifen, welche nach vorne convexe Bögen bilden, 
vereinigen. Der letzte Umgang trägt 46 durchaus kräftige, einfache Rippen, der vorletzte '})']. Die stark 
verzweigte Suturlinie zeigt einen Nahtlobus, der so tief herabreicht, als der erste Lateral. 

Ein Exemplar von ungefähr 135 mm Durchmesser hat auf dem äusseren Umgange 62 einfache 
Rippen. 

Durch den fast rechteckigen Querschnitt erinnert diese Form an den zuletzt besprochenen, 
Taf. III, Fig. 6 abgebildeten Ammoniten, unterscheidet sich aber von demselben durch weiteren Nabel, 
enger stehende Rippen und die bedeutende Abschwächung derselben auf der Externseite, ausserdem 
durch die weit stärker verzweigten Loben. 

In dem Verlauf der Rippen steht Aeg. stenoptychum dem Aeg. haploptycliuiu am nächsten, von 
welchem er sich ausser durch die Form des Querschnittes und die zahlreicheren Rippen auch durch 
etwas engeren Nabel unterscheidet. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. megastonia vom Schreinbach und in 
dem rothen Kalke mit Brauneisenconcretionen vom Lämmerbach. 



[ii] Beiträge zur Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. 83 

Aegoceras circacostatum n. f. 

(Taf. XVI [in], Fig. 5.) 

Durchmesser 46 mm {;= i) ; Nabelweite 19 mm (= 0'4i) ; Höhe des letzten Umgangs 16 mm 
(== 0-35); Dicke 13 mm (^ 0-28). 

Die niedriegen, gerundeten Umgänge sind mit starken gerundeten Rippen versehen, welche 
sich in der Nähe der Exterilseite nur schwach vorwärtsbiegen, auf dieser in einem sehr stumpfen 
Winkel gegen einander laufen und sich mit einer ganz geringen Abschwächung vereinigen. Der äussere 
Umgang trägt 36 Rippen. Die wenig zerschnittene Lobenlinie zeigt einen herabhängenden Nahtlobus. 

Durch die kräftige Gestalt der Rippen auf der Externseite und die einfache Lobenlinie steht 
Aeg. circacostatum den Aeg. curviortiatum und extracostatutn sehr nahe. Von beiden unterscheidet es 
sich durch die geringe Vorwärtsbeugung und die gerundete (nicht schneidige) Gestalt der Rippen, 
vom ersteren überdies durch die geringe Mundhöhe, vom letzteren durch die viel dickeren und weit 
weniger zahlreichen Rippen. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. niegastoma vom Schreinbach. 

Ein kleiner Ammonit (Schalenexemplar) aus dem gleichen Kalke vom Schreinbach (Taf. [XV] II, 
Fig. 3) erinnert durch die geringe Vorwärtsbeugung der Rippen an der Externseite an Aeg. circacostatum, 
unterscheidet sich aber von diesem durch geringere Dicke, dünnere, minder kräftige und zahlreichere 
Rippen, sowie dadurch, dass die letzteren bei ihrer Vereinigung in der Mitte der Externseite zwar 
in der ersten Hälfte des äusseren Umganges noch sehr kräftig, in der zweiten Hälfte hingegen viel 
schwächer ausgeprägt (wenig erhaben) erscheinen. 

Nachstehend die Dimensionen : Durchmesser 41 mm (= i); Nabelweite 16 mm {^= 039) ; Höhe 
des letzten Umganges 15 mm {^= 0*37) ; Dicke 10 mm (0-24). 

Der äussere Umgang trägt 41 Rippen. Die Lobenlinie ist nicht bekannt. 

Aegoceras euptychum n. f. 
(Taf. XX [VII], Fig. 3—5.) 

Fig. 3 Fig. 4 

DurcTimesser 45-5 mm (= i ) 19-5 mm (= i ) 

Nabelweite 17-5 ^ (== 0-38) 7 ^ (= 0-36) 

Höhe des letzten Umganges i6'5 .^ {= 0'36) 7 >, (= 0'36) 

Dicke ungefähr 12 ^ (= 0-26) 6 ,, (= 0'3i) 

Diese Form schliesst sich durch den kurzen gedrungenen Bau der Umgänge an die vorher- 
gehende an, unterscheidet sich aber von derselben durch zahlreichere, in der Nähe der Externseite 
stark nach vorwärts gebogene Rippen, welche auf dieser undeutlich werden und sich in einem nach 
vorne convexen Streifen vereinigen. Die Externseite und die Flanken des äusseren Umganges sind 
stark gewölbt, während die Flanken der innern Umgänge, sowie des kleinen, Taf VII, Fig 4, abgebildeten 
Exemplares mehr platt gedrückt erscheinen. 

An einem anderen, Taf VII, Fig. 5, abgebildeten Exemplare, das übrigens, wie es scheint, 
einen etwas weiteren Nabel und schärfere Rippen hat, ist eine unsymmetrische, ziemlich stark zerschlitzte 
Lobenlinie mit herabhängendem Nahtlobus erkennbar. 

Aeg. euptychum unterscheidet sich von Aeg. stenoptychum, welchem es in dem Verlaufe der 
Rippen sehr nahe steht, durch die starke Wölbung der Flanken und der Externseite, wobei zu 



84 Wähner. [12] 

beachten ist, dass bei jüngeren Exemplaren des ersteren die Flanken ebenfalls flach sind. Aeg. 
anisophyllum unterscheidet sich durch weiteren Nabel, platt gedrückte Flanken und die geringere 
Anzahl der Rippen. 

Vorkommen: In dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. inegastnma vom Schrei nbach. 

m 

Aegoceras n. f. indet. cf. euptychum. 

(Taf. XVIII [V], Fig. 8.) 

Durchmesser 45 mm (= i) ; Nabelweite 16-5 mm {== 0-37) ; Höhe des letzten Umganges 
17 mm (= 0-38) ; Dicke 13 mm (= 0-29). 

Diese Form steht der soeben beschriebenen namenthch in dem Verlauf der Rippen ausser- 
ordentlich nahe, unterscheidet sich aber von derselben durch grössere Mundhöhe und Dicke, sowie 
durch die minder stark ausgeprägten Rippen. Die letzteren sind niedriger und erscheinen breitgedrückt, 
besonders an der Stelle ihrer Vorwärtsbeugung. 

Nahe dem Ende des äusseren Umganges folgen die Rippen mit ungleichen Zwischenräumen 
auf einander, und eine der Rippen wird in der Nähe der Externseite nicht blos noch breiter, als 
die übrigen, sondern zeigt auch die Andeutung einer Spaltung (des Ansatzes einer zweiten, kürzeren 
Rippe). Der äussere Umgang trägt 3/ Rippen. 

Es ist nur ein Exemplar aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. mcgastoma vom Schreinbach 
vorhanden. Die Lobenlinie ist unbekannt. 



Aegoceras diploptychum n. f. 

(Taf. XXI [VlII], Fig. I.) 

Durchmesser 153 mm (= i) ; Nabelweite "j"] mm (= 0'5o) ; Höhe des letzten Umganges 
43 mm (= 0-28) ; Dicke 27 mm (o'iS). 

Diese Form gleicht in der Gestalt und den Windungsverhältnissen der einzelnen Umgänge 
vollkommen dem Aeg. megastoma Giimb.^ unterscheidet sich aber von diesem durch kurze Rippen, 
welche sich in der Nähe der Externseite zwischen den über die ganze Flanke verlaufenden Rippen, 
und zwar dort, wo diese schwächer zu werden beginnen und nach vorn gebogen sind, einschalten. 
Diese secundären Rippen sind in der Ansicht der Externseite von den primären nicht zu unterscheiden, 
da sie mit den letzteren, welche hier viel schwächer sind, als auf den Flanken, vollkommen gleich 
stark sind. Der ganze äussere Umgang trägt eingeschaltete Rippen, von welchen durchschnittlich eine 
zwischen je zwei primären Rippen auftritt. Wann die secundären Rippen sich einzuschalten beginnen, 
ist nicht zuerkennen ; die inneren Umgänge gleichen, soweit sie innerhalb der äusseren sichtbar sind, 
denen des Aeg. megastoma. Die Rippen bilden auf der Externseite keine Knoten, sondern gehen in 
der Mittellinie fast unmerklich in einander über, was darum nicht deutlich erscheint, weil die zwischen 
den Rippen verlaufenden Furchen in der Mittellinie erhöht sind und darum verschwinden. Der äussere 
Umgang trägt 44 über die ganze Flanke verlaufende Rippen; an der Externseite hingegen zählt man 
an 90 Rippen. 

Die Lobenlinie ist nicht erkennbar. 

Von dieser Form ist nur ein Exemplar bekannt, welches aus dem rothbraunen Kalk mit Aeg. 
megastoma von der Kamm erkaralp e stammt und sich im Besitze der Sammlung des kgl. Ober- 
bergamtes in München befindet. 



[13] Beiträge zur Kenntnis der tieferen Zonen des unteren Lias der nordöstlichen Alpen. 85 

Aegoceras latimontanum n. f. 

(Taf. XX [VII], Fig. I.) 

Durchmesser 157 mm (== i); Nabelweite 79 mm (== 0-50); Höhe des letzten Umganges 
46 mm (= 0-29); Dicke 28 mm (o'iS). 

Dieser Ammonit steht dem Aeg. megastouia Güinb. in der äusseren Gestalt ausserordentlich 
nahe. Die Externseite ist wie bei den grösseren Exemplaren des letzteren zugeschärft, während die 
inneren Windungen an der Externseite gleichmässig gerundet sind. Die Rippen verlaufen auf den 
Flanken in radialer Richtung und werden in der Nähe der Externseite undeutlich ; doch lassen sich 
die entsprechenden nach vorwärts gebogenen, feinen Erhöhungen bis zur Medianlinie verfolgen. Auch 
finden sich gegen das Ende des äusseren Umganges schwache, kaum merkliche Spuren einer Ein- 
schaltung secundärer Rippen an der Externseite. Die Zahl der Rippen ist ein wenig geringer, als bei 
Aeg. inegastoma. Der äussere Umgang trägt 44, der vorletzte 40 und der drittletzte 3*7 Rippen. 

Die Lobenlinie ist sowohl von der des Aeg. megastouia, als von denen aller andern mir 
bekannten Angulaten verschieden. Die Lobenkörper sind sehr seicht, und es ist kein herabhängender 
Nahtlobus vorhanden. Der erste Lateral ist tiefer, als der Siphonallobus, der Lateralsattel höher, als 
der Externsattel, und neben dem ziemlich kleinen zweiten Lateral sind noch drei Auxiliaren vorhanden. 
Der Charakter der Verzweigung ist jedoch von den anderen Angulatenloben verschieden. Es fehlt 
den Loben ein hervorragender Mittelast, an welchen sich seitlich je ein grösserer Ast anschliesst, 
gegen welchen die i.ibrigen Aeste zurücktreten ; die einzelnen Verzweigungen sind vielmehr ziemlich 
gleichwerthig, so dass an den Sätteln, insbesondere an dem Lateralsattel eine fächerförmige Stellung 
der Verzweigungen ausgebildet ist. — Das letzte Drittel des äusseren Umganges gehört der VVohn- 
kammer an. Die letzte Suturlinie ist der vorletzten sehr nahe gerückt, während die übrigen etwas 
weiter von einander entfernt sind. 

Es liegt nur ein Exemplar aus dem gelbgrauen Kalk m\t Aeg. inegastoma vom Breite nberg 
vor, welches sich in der Sammlung der k. k. geolog. Reichsanstalt befindet. 



DIE JUNGTERTIÄRE FISCHFAUNÄ CROATIENS. 

VON 

Dr. DRAG. KRAMBERGER-GORJANOVIC 

ADJDNCT AM MINERAL. GEOLOGISCHEN NATIONALMUSEUM IN AGRAM. 
(Erster Theil mit Tafel XXI— XXVIII.) 



VORWORT. 

Die vorliegende Schrift bespricht, wie aus dem Titel ersichthch ist, die jungtertiäre Fischfauna 
Croatiens, eine Fauna, die in so mancher Beziehung Interesse verdient. Die zahlreichen, zumeist recht 
o-ut erhaltenen Fischreste, den Fundorten Podsusedund Radoboj entstammend, veranlassten die bekannten 
österreichischen Ichthyologen He ekel, Kner und Steindachner zu mancher von ihnen verfassten 
Arbeit. Der zu frühe Tod der beiden erstgenannten Forscher aber brachte eine bedeutende Lücke 
in die Kenntnis der fossilen Fischreste der österreichisch-ungarischen Monarchie im Allgemeinen, 
speciell aber harrten die zahlreichen noch unbekannten Fische Croatiens einer Veröffenthchung. — 
Ich habe mich daher entschlossen, die schwierige von den genannten Forschern begonnene Arbeit 
fortzusetzen und zu veröffentHchen, was nicht ohne Hilfe mancher meiner hochverehrten Fachgenossen 
geschah. Ich drücke daher meinen wärmsten Dank aus den Herren: Brusina, Fuchs, Hofrath 
v. Hauer, Hörnes, v. Mojsisovics, Neumayr, Pilar und Steindachner theils für die mir mit grösster 
BereitwiUigkeit überlassenen Objecte, theils für die literarischen Behelfe. 

Die beschriebenen Fischreste gehören zumeist der sarmatischen Stufe an. Der Grund, warum 
ich sie indessen blos eine Jungtertiäre* nannte, hegt darin, weil einige von den aus Podsused her- 
rührenden Fischen gewiss tieferen und zwar mediterranen Schichten entstammen und, da die Fische 
daselbst unsystematisch, d. h. ohne Rücksicht der Schichtenfolge gesammelt wurden, konnte auch 
keine Trennung der beiden Faunen vorgenommen werden, die ich übrigens, wie schon hier bemerkt 
werden mag, in Podsused gar nicht durchführen könnte, weil die mediterranen Mergel allmählig in 
die der sarmatischen Stufe übergehen und weil es auch factisch keine durchgreifenden DiiTerenzen 
zwischen beiden Faunen giebt. — Die Fische dagegen, welche den Fundorten Radoboj, Dolje 
und Vrabce entstammen, sind als Bewohner des einstigen sarmatischen Meeres zu betrachten. 

Was die Behandlung des vorliegenden Materiales anlangt, so versuchte ich die Art der 
Beschreibung beizubehalten, nach welcher meine Vorarbeiter dies thaten. In wie ferne dies gelungen 
bei den grossen Schwierigkeiten, mit denen man bei Bestimmungen fossiler Fische zu kämpfen hat, 
mögen meine hochverehrten Fachgenossen urtheilen. 



[2] Die jungtertiäre Fischfauua Croatiens. 



I. GEOLOGISCHER THEIL. 



Die geologischen Verhältnisse des westlichen Theiles des Agramer-Gebirges. 

Der vorläufig in Betracht kommende Theil des Agramer-Gebirges soll für jetzt durch die 
Linie Kustosija-Novaki von dem überwiegend grösseren östlichen Theile getrennt werden, Diese 
Trennung ist aber keineswegs etwa durch tectonische Verhältnisse begründet, sondern repräsentirt 
nur jenen von mir bis jetzt eingehender untersuchten Theil des Gebirges, in welchem sich die 
bekannten Fundorte fossiler Fisch- und Pflanzenreste Podsused, Dolje und Vrabce befinden. 

Die Gestalt unseres Gebietes ist die eines spitzwinkeligen Dreieckes, dessen Oberfläche 
circa 34 Quadrat-Kilometer einnimmt. Das Gebirge streicht von Südwest nach Nordost und verflacht 
sich ungleich; während der Abfall nach Südost hin ein allmäliger ist, ist der Nordwest-Rand 
steil. Das Gesagte wird am besten durch folgendes ersichthch werden: Denken wir uns die schon 
genannte Linie Kustosija-Novaki gezogen. Wenn wir auf derselben den höchsten Punkt aufsuchen, so 
finden wir ihn nördlich vom Bradovec-Berge mit 586 Meter verzeichnet. Nehmen wir nun die Lage 
dieses Punktes zur Entfernung der vorhin markirten Stellen in Betracht, so finden wir, dass die ange- 
gebene Quote beinahe im letzten Viertheile von Südosten gegen Nordwest gehend liegt. Diese Ungleich- 
artigkeit der Terrainsabdachung hat ihren Grund in der geologischen Beschaffenheit unseres Gebietes. 
Begreiflicher Weise sind auch die hydrographischen Verhältnisse dieser beiden Seiten ganz den 
orographischen angepasst. Während wir an der südlichen Seite die Bäche Vrabce B., Borcec B., 
Markovec B., Jezerane B. und Dolje B. zu erwähnen haben, bleibt für die nördliche Seite kaum ein 
nennenswerther Bach zu verzeichnen. 

Den grösseren Theil unseres Gebietes nehmen die Ablagerungen der Kreideformation ein. 
Sie bestehen hier aus drei Gliedern, nämlich einem Dolomitkalke, einem rothbraunen bis schmutzig 
graugelben Tegel, der oft mit Sandkörnern untermengt ist, und einem sandigen, grauen, gelb ver- 
witternden Schiefer mit Petrefakten (wahrscheinlich den Gosaubildungen angehörend). 

Der Dolomitkalk bildet eine zusammenhängende, von Südwest nach Nordost hin sich aus- 
breitende Masse, welche gegen Süden zwei halbinselartige Vorsprünge entsendet, wodurch 
ebensoviele Buchten gebildet werden. Es sind dies : die Bucht Podsused, Kriäevcak, gornji Stenjevec, 
welche wir kurz als die j^Podsuseder Bucht*^ bezeichnen wollen, dann jene durch gornji Stenjevec, 
Ponikva, gornje Vrabce begrenzte „Vrabceer Bucht*. 

Der Dolomitkalk ') wird von dem erwähnten stellenweise sandigen oder auch zumeist kleine 
grünliche Körner enthaltenden Tegel unterteuft (.^), welcher braunroth und schmutzig graugelb gefärbt 
ist. Diesem folgt nun das wichtigste Glied dieser Formation, nämUch der sandige, graue Mergel- 
schiefer, welcher an der Oberfläche gelb verwittert und Petrefacten enthält. Ich erkannte darunter 



') Dieser Dolomitkalk wird auch zur Trias gezählt, doch kann ich mich mit dieser Annahme nicht befreunden, da es 
meines Wissens ausser den petrographischen Analogien dieses Dolomites mit jenen der Trias kaum weitere Anhaltspunkte gibt, 
welche für die Zugehörigkeit des in Rede stehenden Dolomitkalkes zur genannten Formation sprechen würden. Es kann wohl 
nicht verschwiegen werden, dass es im nahegelegenen Samoborer-Gebirge factisch Triasablagerungen gibt, doch sind die 
geologischen Verhältnisse jenes Gebirges noch zu ungenügend bekannt, als dass man auf Grund derselben etwa schon 
nach äusseren Gesteinsähnlichkeiten sichere Schlüsse auf das Agramer-Gebirge übertragen könnte. Für unsere Annahme sprechen 
indessen die stratigraphischen Verhältnisse. 



88 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [3] 

eine CiicuUaea, einen Pecteii {Janirä) cf. quadricosiatiis, Fiisus (?) und einige Cyclolithen. Ich glaube, 
dass dieser Mergel den Gosaubildungen angehört. Das Liegende desselben bilden gelblich- 
graue und rothe Plattenkalksteine, welche jedoch nicht in unserem Gebiete aufgeschlossen sind, 
sondern weiter östlich, beispielsweise hinter der Bärenburg im s. g. ,,crveni mramor«. Daselbst fand 
ich bisher blos den Abdruck eines Ammoniten, welcher leider gänzHch unbestimmbar ist. Dünn- 
schliffe dieser Kalksteine zeigten unter dem Mikroskope zahlreiche Foraminiferen, worunter sich 
Textidaria globifera und Globigerina cretacea erkennen Hessen. 

Der Dolomitkalk wird umsäumt vom Leithakalke der jüngeren Mediterranstufe, welcher an der 
südlichen Seite besser als an der nördhchen entwickelt ist. Ihm folgen graue oder gelbhche Mergel 
derselben Stufe, ausgezeichnet durch die zahlreich in ihnen vorhandenen Foraminiferen und 
Spongiennadeln (Vrabce), Die Mollusken sind leider nicht gut erhalten und auch nicht gerade sehr 
zahlreich vorgefunden worden. 

Viel wichtiger sind indessen die Ablagerungen der sarmatischen Stufe, welche wir nur an 
der südlichen Seite entwickelt finden. Sie bestehen da entweder aus gewöhnlichen Mergeln wie 
z. B. in o-ornji Stenjevec, woselbst sie mit schmalen Sandbänken wechsellagern, oder auch aus weissen 
bituminösen, sehr kieselsäurereichen Mergelschiefern (Dolje), oder wieder aus ebensolchen, jedoch 
aber graugrünen Schiefern u. s. w. In Podsused gehen die mediterranen Mergel ganz allmäUg 
in solche der sarmatischen Stufe über (Pilar: Verhandl. d. k. geol. R. A. 1877, pag. 102.) — Diese 
Mergel der sarmatischen Stufe zeichnen sich ganz besonders durch ihre reiche Fauna und Flora aus. 

Auf den sarmatischen Schichten ruhen endhch die Congerien-Mergel. — Wenn man in's 
Thal von gornji Stenjevec einbiegt, so sieht man an der linken Thalseite, wie auf den sarmatischen 
Mergeln stellenweise eisenschüssiger Schotter aufliegt. Schottermassen finden wir aber auch den 
Congerienschichten aufgelagert, als auch am südlichen Gebirgsrande, wo sie kleine Hügel bilden und 
offenbar diluvialen Alters sind. 

Dieser kurze Abriss der vorhandenen Formationen und ihrer Glieder in unserem Gebiete 
dürfte zur Orientirung genügen. Um indessen die Reihenfolge der einzelnen Formationsglieder besser 
veranschaulichen zu können, wollen wir im Nachfolgenden die schon mehrfach genannte Linie 
Kustogija Novaki begehen, dabei aber insbesondere die Umgebung von VrabCe in's Auge fassen. 



Die geologischen Verhältnisse von Vrabce. 

Das Dorf Vraböe liegt nordwestlich und ungefähr 1V2 Stunden weit von Agram entfernt. 
Sobald man von der Hauptstrasse rechter Hand gegen Norden abbiegt und den Fahrweg antritt, 
welcher zum Dorfe führt, so überschreitet man auch zugleich die Grenze, welche die langgestreckte 
Posavina vom Agramer Gebirge trennt. Anfänglich sind es nur Hügel von circa 200 — 280 Meter 
Höhe mit sanften Abhängen, die man rechts und links zu Gesichte bekommt. Erst hinter dem Dorfe 
(weiter nordwärts) erreichen die einzelnen Berggipfel eine Höhe von über 350 Meter. Das Thal, 
welches früher der Strasse und dem Mikulicbache (auch Vrabce-B. genannt) einen nicht gerade breiten Raum 
überliess, verschmälert sich da zu einem tiefen, engen Querthal, welches bis zum südlichen Abhänge der 
Vrabecka-Gora (circa 2-5 Kilometer von Vraböe) sich in gerader Linie erstreckt, dort sich aber 
gabelt. Der rechte Zweig des Mikulic-Baches ist die gerade Fortsetzung des Thaies, welches von 
da an nur mehr den Namen einer Schlucht verdient. Verfolgen wir nun diese Schlucht bis nahe an 
die Quelle des rechten Bacharmes (circa 2 Kilometer weiter) und biegen dann bergauf in nordwest- 



[4] . Die jungtertiäre Fischfauna Croaiiens. 89 

lieber Richtung, so verqueren wir einen langgezogenen Bergrücken von circa 500 Meter Höhe, von 
welchem wir, falls wir die angegebene Richtung beibehalten, nach circa ^/^ Stunden das Dorf 
Novaki erreichen. Diese hier skizzirte Linie ist das Profil, welches wir nun einer eingehenderen 
Betrachtung unterziehen wollen. 

A. Tertiär formation. 

1. Congerienstufe. 

Die Schichten dieser Stufe sind zum grössten Theil vom Walde oder auch stellenweise mit 
Schotter überdeckt. Hie und da findet man im Walde Grmosnica oder Graberje vereinzelte 
Bruchstücke von Congerien. — Bei weitem interessanter sind die Ablagerungen der 

2. Sarmatischen Stufe, 

welche i^i Kilometer nordwärts vom Pfarrhause, rechts beim Bache zu Tage treten. Viel besser sind 
sie sichtbar im ersten Steinbruche auf der linken Thalseite. Leider ist die Schichtenreihe daselbst 
schon ziemlich verdeckt durch die häufigen, durch Regengüsse verursachten Rutschungen. Man kann 
indessen gut von unten nach oben folgende vier Glieder unterscheiden : 

a) Cerithiensands tein. Ist im erwähnten Steinbruche selbst nicht aufgeschlossen, sondern 
unter ihm am Wege neben dem Bache. Viel besser noch an der anderen Berglehne vis-ä-vis dem 
genannten Steinbruche. Dieser Sandstein ist ziemlich mächtig und führt eine grosse Menge von 
Ceritliiuiii pictum und C. rubiginosuni, Ueber ihm folgt ein an Petrefacten sehr armer 

b) Kalksandstein von gelbHcher Farbe, deutlich in Bänke gesondert. Ausser Steinkernen 
von Cerithien und hie und da solchen von Cardien fand ich sonst nichts darin. — Dieser Kalkstein 
wird zu Bauzwecken verwendet. 

c) Ein Comp lex von verschiedenen Mergeln, welche nur schmale Streifen bilden. Zu 
Unterst, d. h. auf dem früher geschilderten Kalksandstein liegt ein bläulicher Mergel mit Cerithien und 
Cardien, ihm folgt ein etwas stärkerer Streifen von dunkelgelbem Mergel, welcher sich durch seine 
Pflanzenführung auszeichnet. Diesen Mergel durchsetzt eine dünne Sandbank mit einer grossen Menge 
von Cerithien [pictum und rubiginosum), dann auch Mactra podolica, einigen Cardien u. s. w. Darüber 
folgt das interessanteste Glied dieses Complexes, nämlich der dunkle, grünlichgraue, bituminöse, dünn- 
l>lätterige Mergelschiefer, welcher sich durch seine Fischführung auszeichnet. Auch Pflanzen- und 
Molluskenreste kommen darin vor, jedoch sind erstere ganz verkohlt und verwittern sehr rasch an 
der Luft, letztere sind meist ganz zerquetscht. Vor einigen Jahren wurde in demselben Mergelschiefer 
auch ein Seesäugethier vorgefunden , aber von den Steinmetzen bis auf drei Schwanzwirbel 
zerschlagen. — Ueber diesem Mergelschiefer liegt ein hellgelber, weicher Mergel, welcher sich nicht 
spalten lässt, und Bulla Lajonkaireana, Trochus sp., Modiola viarginata u. s. w. enthält; endlich ein 
etwas härterer Mergel von bläuHcher Färbung. Das nun folgende concordant aufgelagerte, zugleich 
letzte Glied dieser Stufe, bestehend aus 

d) hellgrauem, geschichtetem, hartem Kalkmergel und lichtbraunem Sand- 
steine, sticht bezüglich des Charakters seiner Fauna merklich von den unter diesem liegenden 
Straten ab; während die in letzteren sich befindlichen Reste Meeresthiere waren, weisen dagegen 
diejenigen der über ihnen liegenden Schichten auf einen grossen Einfluss des süssen Wassers hin, 

Beiträge zur. Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 4. i 2 



go ' Drag. Kraniberger-Gorjanovic. [5] 

welches grosse Armuth an Organismen, überhaupt grosse Monotonie der Fauna zur Folge hatte. 

— Der Kalkmergel enthält eine Menge von Planorlns sp., Liiniiaeiis sp., ausserdem auch Trochus 
(selten) und Cardmm sp. ; der ihm aufliegende Sandstein aber insbesondere Melanopsis impressa, 
dann viele kleine Paludinen (?) u. s. w. Beide Gebilde betrachtete ich früher als der Congerienstufe 
angehörend '), was indessen nicht der Fall ist, weshalb ich hiermit meine frühere irrthümliche 
Ansicht zurückziehe. 

3. Die jüngere Mediterranstufe. 

Die Ablagerungen dieser Stufe linden wir besonders gut aufgeschlossen an der rechten Seite 
des Mikulic-Baches. Sie bestehen da aus einem grauen Mergel äSpongienmergel"^ und dem Leitha- 
kalke. — Wir wollen nun jedes Glied besonders besprechen und beginnen mit dem grauen. 

Spongienmergel, 

welcher gleich hinter einer kleinen, isolirt dastehenden Mühle knapp beim Bache ansteht und das 
Liegende des früher besprochenen Cerithiensandsteines bildet. Offenbar repräsentirt dieser Mergel 
eine in grösseren Tiefen abgelagerte Bildung, was aus verschiedenen Anzeichen hervorgeht. Ich 
bemerke blos, dass in der mir von Herrn C. Schwager in München zugesandten Liste über die 
in diesem Mergel vorhandenen Foraminiferen, Formen verzeichnet sind, welche ungezwungen auf 
grössere Tiefen schHessen lassen. Ausserdem enthält dieser Mergel noch Reste von Lithistiden, 
Schwämmen, welche nur in grösseren Tiefen vorzukommen pflegen. 

Der Grund, warum ich diesen Mergel ..Spongienmergel* nenne, liegt in der auffallend grossen 
Menge von Spongiennadeln, die er führt, welche nach den Untersuchungen, die Herr Prof. Dr. K. Zittel 
auf mein Ersuchen vorzunehmen die Güte hatte , zweien Ordnungen angehören und zwar den 
Tetractinelidae mit den Gattungen Stelletta und Geodia, dann den schon genannten Lithistidae. Von 
der Gattung Stelletta erkannte Zittel eine an die Art Stell, discophora Sol. erinnernde Form. Die 
übrigen Gattungen hinterliessen entweder nur Fragmente oder Nadeln, welche indessen sehr schön 
erhalten sind. 

Ich glaube, dass es von grossem Interesse sein dürfte, auch die Resultate, welche Herr 
C.Schwager beim Studium der Foraminiferen dieses Mergels erhielt, mitzutheilen und dies um so 
mehr, als sich aus der Fauna desselben die Thatsache herausteilt, dass dieser Mergel Arten 
enthält, welche man zum Theil in isochronen Bildungen Italiens wieder findet. 

— Die von Herrn Schwager bestimmten Foraminiferen sind: 



'ö 



Virgidvia Schreibersi d'Orb. 
Bolivina dilatata Rss. 
Uvigerina pygmaea d'Orb. 

» [pygmaea aiitoruni) 

Buliniina pyrida d'Orb. 
Plecaniuni [Textilaria acuta Rss.) 
Pullenia [Nonionina) cf. bulloides d'Orb. 

» j Soldanii d'Orb. 

» » Boneana d'Orb. 



Piilvinidina scaplioides Rss. 

» conoidea Cziz. sp. 

» Partschi d'Orb. 

TriDicatulina sp. Grjippe der lobatula d' Orb. 
Asterigerina sp. 
Globigerina bulloides cTOrb. 
Polystomella crispa Lamk. 
Triloctilina nitens Rss. 
Buliniina elonsiata dOrb. 



') Verhandl. d. k k. geol. R.-A. 18S0, pag. 298. 



[6] Die jimgtcrtiärc Fischfainia Croaücns. 91 

Die Mollusken sind in diesem Mergel ziemlich spärlich vorhanden. Zahlreich kommt darin 
blos Lucina borealis vor. Hie und da trifft man auch gut erhaltene Exemplare von Isocardia cor L., 
die selbst ihre ursprüngliche Färbung noch besitzen. Auch Venus nniltilauiella Lam. fand ich darin 
sowie ein Fragment eines Cardiuiii s und einige Exemplare einer Natica. 

Der Leithakalk 

bildet das letzte Glied dieser Formation und besteht hier aus einem gelblichen, porösen, stellenweise mit 
in rhomboedrische Krystalle zerfallenden Calcit durchzogenen Kalkstein, welcher keine Lithothamnien 
zu enthalten scheint, auch anderseits sehr arm an Petrefacten ist. Ich fand in ihm blos zwei Stein- 
kerne von Conus sp. und ein Fragment von Pectcn sp. Dieser Kalkstein geht allmälig in einen grau- 
lichen ziemlich weichen Sandstein über, in welchem man hie und da einige Lithothamnien bemerkt. 
Zahlreicher sind sie indessen vorhanden in einem weisslichen kompakteren Kalkstein, welcher zwischen 
dem erst erwähnten porösen Kalkstein und dem Sandstein liegt. Darin fand ich auch eine sehr schöne 
Pectenart, welche wahrscheinHch eine neue Art repräsentirt. Leider besitze ich nicht die nöthige 
Literatur, um sie mit anderen Formen zu vergleichen , weshalb ich auch auf die Beschreibung 
derselben vor der Hand verzichte. Der graue Sandstein lieferte bisher blos Steinkerne von Phola- 
domya alpina Math, und den eines Pectuncjilus. 



B. Die Kreideformation. 

Den bei weitem ausgedehntesten Theil unseres anfänglich skizzirten Profiles nehmen die Abla- 
gerungen der Kreideformation ein, welche hier aus drei leicht unterscheidbaren Gliedern bestehen, 
dem Dolomitkalke *), einem rothbraunen, stellenweise mit Sandkörnern untermengten Thone und 
endlich aus einem mächtigen grauen, sandigen, an der Oberfläche gelb verwitternden Mergelschiefer 
(Gosaumegerl }). 

Der früher besprochene Leithakalk liegt auf dem Dolomitkalke, welcher sich bis hinter 
die Kalköfen in der Schlucht erstreckt , durch welche der rechte Zweig des Mikulidbaches 
(circa 2 Kilometer nördlich vom ersten Steinbruche) fliesst. Dort wird er von einem roth- 
braunen Thone, welcher oft stark mit Sandkörnern von 3 — 5 — 8 mm Länge gemengt ist, unter- 
teuft (?). Die Mächtigkeit dieses Thones ist eine geringe. Nach ihm folgt nun der genannte graue 
sandige Mergel (Gosaumergel .'), das wichtigste Glied dieser Formation. Er führt stellenweise auch 
Petrefacten, dann aber in grösserer Anzahl. Die wenigen etwas besser erhaltenen Molluskenreste 
lassen vermuthen, dass dieser Schiefer wahrscheinlich der mittleren Kreide angehört. Die darin 
aufgefundenen Petrefacten haben wir bereits erwähnt, es sind dies : Janira ef. quadricostata, Cucullaea sp., 
dann ein Fusus {?) und einige Korallen. Man könnte demnach den Dolomitkalk der jüngeren Kreide, 
diesen sandigen Schiefer zur mittleren und dann einen grauen und rothen dichten Kalkstein, welchen 
wir schon früher schilderten, der unteren (?) Kreide zuzählen. Natürlich ist diese hier durchgeführte 
Gliederung unserer Kreide eine nur muthmassliche, da bisher zu wenige Fossilien vorliegen, um etwas 
Positiveres darüber sagen zu können. 



') In meinen schon genannten „Vorläufigen Mittheilungen über die jungtertiäre Fischfauna Croatiens" (Verhandl. d. 
k. k. geol. R-A. 1880, pag. 297) stellte ich diesen Dolomitkalk in die Trias. 



92 



Drai 



Kra m berger- Gor i an o vic. 



[7] 



Das Alter der Planzen-, Fisch- und Insectenführenden Mergel von Radoboj. 

Im Laufe des verflossenen Jahres schickte mich Herr Prof. Dr. P i lar nach Radoboj, um dort 
Petrefacten und Gesteinsarten aufzusammehi. Die Ausbeute war eine ziemHch geringe , da der 
Schwefelbau gänzlich eingestellt ist und ich mich daher begnügen musste, die noch an Schutthalden 
und Feldern umherliegenden Mergelplatten zu untersuchen. Einer meiner sehnlichsten Wünsche war, 
einige sichere Anhaltspuncte zu gewinnen, um das Alter der oben genannten Mergel zu eruiren. 
Wenngleich die stratigraphischen Verhältnisse dieser Localität durch die Untersuchungen Paul's') 
und Pilar's^) genau bestimmt wurden und auch die obigen Mergel als der sarmatischen Stufe 
angehörig betrachtet worden sind, so fehlten doch die Belege hierzu. Der Leithakalk der Mala gora 
lieferte bisher nur schwache Anhaltspunkte zum Zwecke einer präcisen Altersbestimmung. Ich fand 
ein halbwegs ausgewachsenes Exemplar eines Pccten latissimiis, dann ein Bruchstück eines Pecten 
Malvinae und das Fragment eines solchen, welcher bezüglich seiner erhabenen und breiten Rippen 
an Pecten septeniradiatus erinnert. 

Von viel grösserer Wichtigkeit ist indessen ein dem Leithakalke aufliegender und das unmit- 
telbare Liegende der Pflanzen-, Fisch- und Insectenführenden Mergel bildender gelblich-grauer Mergel, 
welcher bisher, wie es scheint, übersehen wurde. Diesen Mergel nun gewahrt man beim Abstiege 
vom Berge jjMala gora* (in südöstlicher Richtung) in Wassereinschnitten, sowie auch am Wege, 
welcher östlich von Radoboj knapp unter dem Gipfel des St. Jacob's-Berges gegen die Ocura hinführt. 
Dieser Mergel führt in grosser Menge Ostraea Cochlear. Der Schlemmrückstand desselben liefert ein 
interessantes Materiale zu mikroskopischen Studien, indem er eine grosse Menge von Foraminiferen 
und Echinidenstacheln enthält. Die geringen literarischen Behelfe, die mir zur Verfügung gestanden, 
waren nicht ausreichend, um die zahlreichen Foraminiferen zu bestimmen, dennoch erkannte ich 
einige Formen, welche mir für die jüngere Mediterranstufe charakteristisch zu sein schienen. Um 
darüber sicher zu sein, ersuchte ich den bekannten Foraminiferenforscher Herrn Felix Karr er in 
Wien, die Bestimmung derselben zu übernehmen, was auch von ihm mit grösster Bereitwilligkeit 
geschah, für welche Liebenswürdigkeit ich ihm hiermit meinen herzlichsten Dank ausspreche. 

Die von Herrn Karrer vorgefundenen Foraminiferen sind folgende: 



Trochamina sp. f ss. 
Plecanmm abbreviatimi Orb. ss. 
Clavidina covimnnis Orb. ns. 
Nodosaria baccilhim Orb. ss. 
Dentalina Verneulii Orb. ss. 

j) scabra Rss. s. 

„ giittifera Orb. ss. 

5) acnta Orb. ss. 

j, Adolpimia Orb. ss. 

Glandulina laevigata Orb. ss. 
Frondicularia n. sp. ss 
Cristellaria pedicin Orb. ss. 

j cultrata Orb. sp. s. 

j austriaca Orb. sp. ns. 



Buliinina pyrula Orb. ss. 

j, acideata Orb. ss. 

Polymorphina digitalina Orb. ss. 

» aeqiialis Orb. sp. ss. 

j, communis Orb. sp. ss. 

8 problema Orb. sp. ss. 

Uvigerina aspcrula Cziz. ss. 
•» pygmaea Orb. ss. 

Orbulina universa Orb. hli. 
Globigerina biilloides Orb. hli. 

^ triloba Rss. Iih. 

Nonionina communis Orb. ss. 
.., Soldanii Orb. ss. 



') Verhandlungen der k. k. geol. R.-A. 1S74, pag. 223 
^) ibid. 1877, pag. 99 — 102. 



[8] Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 93 

Nach Herrn Karrer' s Ansichten trägt diese Fauna den Charakter höherer Lagen des 
badener Tegels; keineswegs scheint ihm dieser Mergel an seichten Stellen abgesetzt worden zu 
sein, sondern mehr an tieferen Punkten, worauf die Auswahl der Dentalien, Cris t e Uari e n, das 
häufige Vorkommen der Globigerinen, sowie das gänzliche Fehlen der Mili olideen, Amphi- 
steginen Operculinen u. s. w. hindeuten. 

Ich glaube, dass die gemachten Erörterungen und insbesondere die von Karrer hier ange- 
gebene Ansicht genügen wird, um zu zeigen, dass man die besprochenen Mergel unmöglich dem 
Schlier, wie dies einige Geologen thun, zuzählen kann, sondern dass sie zweifelsohne der sarmatischen 
Stufe angehören. Die Analogien der Lagerungsverhältnisse dieses Fundortes mit jenen an anderen 
Punkten Croatiens hat schon Pilar (1. cit.) betont ; auch bezüglich der Flora und Fischfauna ist unver- 
kennbare Uebereinstimmung mit gewissen anderen Localitäten constatirbar, somit in jeder Beziehung 
wenig Grund vorhanden, die besprochenen Mergel in eine tiefere Stufe zu versetzen. 



ANHANG. 



Chemische Analyse der biturainösen Mergelschiefer von Vrabce und Dolje. 

rt) Der Mergelschiefer von Vrabce. 

Im Laufe der bisherigen Schilderungen erwähnte ich schon einige Male des dunklen, grünlich- 
grauen, bituminösen Mergelschiefers von Vrabce. Ich glaube, dass es nicht ohne Interesse sein dürfte, 
auch einiges über seine Eigenschaften zu sagen. Dieser Mergel ist weich und lässt sich in dünne 
Blätter spalten. Beim Erhitzen entwickelt er einen schwarzen, stark nach verbranntem Kautschuk 
riechenden Rauch. 

Die hier beigegebene Analyse wurde freundlichst von Herrn Baron v. Foullon im Labora- 
torium der k. k. geol. Reichsanstalt durchgeführt : 

Si O^ 42-62 Percent 

AI3 O3 11-92 

FeO 5-12 

Mn O Spuren 

Mg O 0-83 Percent 

CaO 12-83 » 

Glühverlust , 27-30 j, (Spuren von Alkalien). 

100-62 Percent. 
.»Den bedeutenden Glühverlust verursachen die organischen Substanzen, als auch die Carbonate. 
Jene 12-83 Percent CaO verbrauchen allein schon 1008 Percent COa''- 

U) Der weisse Mergel s chie f er von Dolje 

ist sehr weich, lässt sich in dünne Blätter spalten, enthält weniger Bitumen als der vorher geschilderte, 
aber eine bedeutendere Menge von- Kieselsäure. Schabt man etwas von diesem Mergelschiefer 



94 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [9] 

ab und untersucht ihn dann unter dem Mikroskope, so gewahrt man bei sehr starker Vergrösserung 
eine grosse Menge verschiedener Diatomeen, als auch einzehie 'zierHche Radiolarien, welche 
in die Gruppe der Acanthodesmiden und zur G'aXXM-a.^ Dictyoclia gehören. Die chemische Analyse 
habe ich im mineralogischen Laboratorium der Wiener-Universität bei Herrn Prof. Dr. A. Schrauf 
durchgeführt und fand, nachdem ich den Mergelschiefer gehörig ausglühte : 

Si O2 73'I9 Percent 

Ca CO3 ,....'. 11-32 „ 

Mg O 104 

AI2 O3. 7.04 ,, 

FegOa 574 ,, 

98'33 Percent. 
Durch andauerndes Glühen verliert unser Mergel, wie ich bei einer anderen Probe fand, 
i4-58Vo seines Gewichtes an Kohlensäure, Wasser und organischer Substanz. 



II. PALÄONTOLOGISCHER THEIL. 



Notizen über die bisher veröffentlichten Arbeiten über die fossilen Fische Croatiens. 

J. J. He ekel. In Leonhard und Bronn's neuem Jahrbuche (Jahrg. 1849, pa-g- 500) citirt dieser Forscher 
folgende Genera aus Radoboj : 

1. (.^) Miigil. (Diese Gattungsbestimmung ist als vollkommen richtig zu betrachten). 

2. Trachinus mit der Art Track, dracunculus Heck. 

3. Capros. Diese Gattung wurde nach einem ziemlich mangelhaften Exemplare bestimmt. 
Die nähere Untersuchung anderer neu aufgefundener Individuen ergab indessen, dass 
man es mit einer den Capros nahestehenden, jedoch neuen Gattung zu thun habe. 

— Meletta sardinites Heck, aus Radoboj. Denkschriften der k. k. Akademie d. Wiss., math. nat. Cl. 

Wien, 1850, I. Band, pag. 227—230, Tab. XXIII und XXIV. 
Fr. Stein dachner: ^Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs.'' (Dritte Folge.) 
Sitzungsberichte d. k. k. Ak. d. W. m. n. Cl. Wien, 1860, Bd. 40. 

Der zweite Abschnitt dieser Arbeit, betitelt : ^jUeber einen fossilen LophobrancJiier von 
Radoboj in Croatien'*, bespricht (auf der Seite 571 — 572 dazu Taf. III) eine Art der Gattung 
Syngnatlnis und zwar Syng. Helmsii Steind. 

— jjBeiträge zur Kenntniss etc.* (Vierte Folge.) Sitzungsber. d. k. k. Ak. d. W. m. n. Cl. 1860, Bd. 38. 

Scoinber stisedanus Steind. (pag. TT^, Tab. II). Dieser Scomber stammt nicht aus Podsused, 
sondern aus Radoboj her, weshalb ich mit Bewilligung des Herrn Dr. Franz Steindachner 
den Namen ^ susedamts'-^ mit einem andern vertauschte. Ich erlaube mir für diese Art den 
Namen ^Steindachneri vorzuschlagen. 

In demselben Bande werden noch drei Arten der Gattung CJiatoessjis (Fam. Clupeoidei) 
beschrieben, die sämmtlich aus Podsused herrühren. Es sind dies : 

Chatoessiis Ininiilis Steind. pag. 782 — 786, Taf III, Fig. i. 
.^ brevis Steind. pag. 786—787, Taf III, Fig. 2. 

>) tenuis Steind. pag. 787 — ^788, -Taf. III, Fig. 3. 



[lo] Die jiingtcrtiäre Fisclifauna Croatiois. 95 

Bei der Besprechung der Art Clupea [Meletta) doljeana in. habe ich gezeigt, dass die Gattung 
Chatoessus in unseren Ablagerungen nicht vorkömmt, und dass jener verlängerte letzte Dorsal- 
strahl nur als ein specifisches Merkmal unserer Art zu betrachten ist. 
R. Kner: ^Ueber einige fossile Fische aus den Kreide- und Tertiärschichten von Comen und 
Podsused". (XL VIII. Band d. Sitzungsber. d. k. k. Ak. d. Wiss. Wien, 1863.) 

In dieser Arbeit werden zwei aus Podsused herrührende Fische beschrieben und zwar: 

1. Glupea arcuata Kner (pag. 143—145, Tab. III, Fig. 2, 2a). Diese Art hält Dr. Bassani 
für eine Varietät der Clup. sagorensis Steind. (Siehe später bei Bassani), 

2. Brosnmis susedanus Kner (pag. 145 — 148, Tab. III, Fig. 3). 

und St ei n dach n er : j^Neue Beiträge zur Kenntniss d. fos. Fische Oesterreich's", 1863. 

Morrhua aeglefinoides Kner et Steind. aus Podsused. (XXXI. Bd. d. Sitzungsber. d. k. k. Ak. 

d. W. m. n. Cl. pag. 18 [34I, Taf V, Fig. 2.) 
L. v. Vukotinovic: »O petrefaktih n obce i o podzemnoj fauni i flori susedskih lapora.'' (Ueber 

Petrefacten im Allgemeinen und die fossile Fauna und Flora der Mergel von Podsused), ^Rad* 

der südslav. Akademie der Künste und Wissenschaften. Agram, 1870, Bd. XII. 

Auf der 36. — 38. Seite dieser Arbeit werden drei Clupeaceen beschrieben und zwar: 

Meletta sardmites var. Iieterostonia Vnk., Clnpea spliaerocepJiala Vuk. und Cl. ventricosa Quenst. 

var. inflata Vuk. Bezüghch der ersten Varietät, nämlich der Mel. sardinites var. Iieterostonia Vuk. 

glaube ich, dass sie ganz überflüssig sei, indem die angegebenen Unterscheidungsmerkmale zu 

serinsfüeie sind, als dass es nöthig wäre darauf hin eine neue Varietät zu begründen. Immerhin 

0000' «-J •■-' 

ist es ein Verdienst des Herrn Vukotinovic, dass er es zuerst war, welcher auf die nahe Ver- 
wandtschaft der suseder Meletten mit denen von Radoboj hinwies. 

Was die Clupea sphaerocephala Vuk. anlangt, so zweifle ich nicht im geringsten, dass sie mit 
der Kner'schen Clupea arcuata ident sei. 

Jene Clupea endlich, welche Herr Vukotinovic für eine Varietät der Clupea ventricosa Quenst. 
hält und sie als var. inflata bezeichnet, halte ich für eine selbständige Form. 
D. Kramb erger: ^^Vorläufige Mittheilungen über die jungtertiäre Fischfauna Croatiens''. (Verhand- 
lungen d. k. k. geol. Reichsanst. 1880, pag. 297 — 300.) 

In genannter Mittheilung wurden die in vorliegender Arbeit beschriebenen Fische angegeben. 
Fr. Bassani: j^Appunti su alcuni pesci fossih d'Austria e di Würtemberg.* 1880. 

In genannter Arbeit bespricht Verfasser (pag. 15) eine aus Radoboj stammende Perca-Art, 
welche er mit der aus den aquitanischen Schichten von Menat herrührenden Perca angusta Ag. 
zu indentificiren sucht. (Anm. 33.) 

Dass ich mich der Meinung nicht anschliessen kann, geht aus der Beschreibung der Art 
Labrax Neuniayri in. hervor. 

Die Kner'sche Art Clupea arcuata hält Dr. Bassani, wie wir es schon sagten, für eine 
Varietät der Clupea sagoreiisis Steind. [Clupea sagorensis und Glupea alta Steind. betrachtet 
der Verfasser mit Recht als synonym.) 

Ganz richtig ist die Ansicht des Verfassers bezüglich der in Anmerkung 32 (pag. 29) ange- 
gebenen Fragmente, welche ohne jeden Grund als Tliynnus propterygius Ag. bestimmt waren, 
indessen aber einem S comb er angehören, wie dies der Verfasser ganz richtig erkannte. 



96 Drag. Krainberger-Gorjanovic. [ii] 

S^ihcl. Teleostei Müll. 
Ord. Acanthopteri Müll. — Farn. Percoidei. 

Im k. k. Hofmineraliencabinete wird der Rest eines aus Radoboj stammenden Percoiden auf- 
bewahrt, den mein hochgeehrter Freund Prof. Dr. Bassani in seiner Schrift ^Appunti su alcuni 
pesci fossili d'Austria e di Würtemberg* beschreibt ^). Herr Bassani meint, dass diese Perca in 
engster Beziehung zu Perca angiista Ag. stehe. Es ist nicht zu zweifehl, dass sich beide Fische factisch 
ähnlich sehen, ja wenn wir noch, wie dies mein Freund thut, annehmen, dass die grauen fischführenden 
Mergel von Radoboj dem Schlier zuzuzählen sind und da bekanntlich die Perca angusta den aqui- 
tanischen Schichten von Menat entstammt, so wäre diese Annahme ziemlich plausibel. Anders nun 
verhält sich die Sache jetzt, da man mit Bestimmtheit sagen kann, dass die radobojer Mergel der 
sarmatischen Stufe angehören. Auch dies Factum wäre an sich noch kein ausreichender Grund, der 
gegen die Identität beider Fische sprechen würde ; denn warum sollte einer Art die Fähigkeit abge- 
sprochen werden, von der aquitanischen bis in die sarmatische Stufe herein sich zu erhalten? Ich 
habe trotzdem guten Grund, die Identität der Perca angitsta Ag. mit dem radobojer Percoiden zu 
bezweifeln. Ich fand nämlich in Dolje bei Podsused unter andern Fischresten auch einen sammt 
Abdruck ausgezeichnet gut conservirten Percoiden, welcher mit dem aus Radoboj herrührenden 
Exemplare nahe verwandt ist. Dieser Percoid lässt aber bezüglich seines deutlich beschuppten Oper- 
culum's und der übrigen EigenthümHchkeiten mit Sicherheit annehmen, dass er der Gattung Labrax 
angehört. Wenn wir zu dieser Thatsaclie noch hinzufügen, dass unsere Fischfauna den Charakter 
einer echten Meeresfauna an sich trägt, so haben wir nur um so mehr Grund an unserer Bestimmung 
fest zu halten -). 

Immerhin bleibt die Zutheilung fossiler Percoiden in die Gattungen Perca oder Labrax mit 
Schwierigkeiten verbunden. Denn, bedenkt man, dass es lebende Pcrca-hxt&n. gibt mit einer geringen 
Anzahl von Stacheln in der ersten Dorsale (9 — Ti), dann wieder Labrax- ^rt&xs. mit mehr als 9 Stacheln ; 
dann wird man wohl die häufigen Zweifel begreifen, welche gegen die generische Stellung dieses oder 
jenes fossilen Percoiden erhoben werden. Trotzdem aber erlaubt uns die Facies einer bestimmten 
Stufe entweder das Vorkommen der Gattung Labrax oder das der Gattung Perca als wahrscheinlich 
vorauszusetzen. Bei Fossilien, welche Süsswasser-Ablagerungen entstammen, wird diese Bestimmung 
erschwert durch den früher in der Anmerkung hervorgehobenen Umstand, dass eben die Labrax häufig 
in süsse Wässer gelangen. Nur ganz gut überheferte Reste lassen da eine schärfere Determination 
zu. Für den radobojer Percoiden aber glaube ich, dass er in die Gattung Labrax einzureihen ist, weil, 
wie schon gesagt wurde, in den Schichten dieser Localität ausschüessHch Meeresfische vorkommen. 
Die drei besprochenen Percoiden: Perca angusta Ag., Labrax, von Dolj e und von Radoboj 
unterscheiden sich folgendermassen : 

Der Labrax von Radoboj besitzt in der Rückenflosse, sowie auch in der Caudale eine grössere 
Anzahl von Strahlen als Perca angusta. Ausserdem besitzt letztere drei schlanke Stacheln in der 
Anale, während dagegen der radobojer Labrax nur zwei solche vorweist, von denen jedoch der 
zweite auffallend lang und stark ist. 



') Atti della Societä Veneto-Trentina di Scienze Natur., Anno 1880, pag. 15. 

2) Man darf wohl nicht die Thatsachfi aus den:i Auge lassen, dass die Labrax während der Brunstzeit vielfach in 
süsse Wässer gelangen. Warum sollte man da die Möglichkeit bezweifeln, dass einige Individuen zurückblieben und ihre Reste 
hinterliessen, da man doch zur Genüge Beispiele kennt, wo in Süsswasser-Bildungen Meeresfische vorkommen. Immer sind es 
da Formen, die eine bedeutende Aussüssung des Meereswassers ertragen. 



r[2] Die jungicrtiäre Fischfauna Croatiens. 97 

Der radobojer und doljer Labrax unterscheiden sich hauptsächlich durch die Beschafifenheit 
der stachehgen Strahlen der Dorsale und Anale, welche beim Labrax von Dolje schwach und kurz 
sind. Auch hat letzterer eine geringere Strahlenzahl in den Dorsalen, eine grössere aber in der 
Anale. Der bequemeren Uebersicht halber erlaube ich mir eine Tabelle beizufügen, um die Unter- 
scheidungsmerkmale der besprochenen Fossile ersichtlicher zu machen : 

Perca angusta Ag. Labrax v. Radoboj. Labrax v. Dolje 

Körperhöhe zur tot. Länge c. i : 4% — i : 4'/2 

Kopflänge zur tot. Länge ■ ■ c. 1 : 3'/o — i : S'/o 

Wirbelzahl 3o (12+ 18) ■ ■ • 28 (i 2 -|- 16) 24 (8+ 16) 

erste Dorsale 9 ■ ' lo 

zweite Dorsale Vo is Uo 

Anale ^'s 'U U 

Pectorale 17 — — 

Ventrale Vs V5 Vö 

Caudale 8I8-7I10 c.SIq-SIO 8I9-8I7 



Genus Labrax. 

/. Labrax Neiiuiayri Kramb. 
(Taf. XXII, Fig. 5.) 

Diese Art ähnelt bezüglich ihres schlanken Körpers dem Labrax schizurns Ag.. vow Mte. 
Bolca *), unterscheidet sich indessen von demselben durch die sehr schwach eingebuchtete Caudale, 
welche bei L. schizurns tief gegabelt ist und als eines der bezeichnendsten Merkmale für diese Art gilt. 
Ausserdem hat unsere Art einen längeren Kopf, längere Strahlen in den Ventralen, sowie lange 
Stacheln in der Anale. Die Anale beginnt bei L. schizurns genau unter dem Anfange der zweiten 
Dorsale, bei unserer Art dagegen etwas weiter hinten. Mit L. major '^) hat L. Neumayri den langen Kopf 
gemein, unterscheidet sich jedoch von ihm durch die schwachen Dorsalstachel, welche bei ersterer 
Art sehr kräftig sind u. s. w. 

B eschreib un g : 

Der Körper dieses etwas über ix cm langen Fisches ist schlank. Seine maximale Leibeshöhe 
(beim Anfange der ersten Dorsale) beträgt den 4-5 Theil der Gesammtlänge oder sie gleicht der Länge 
von 8-5 abdominalen Wirbel. Von dieser Stelle nimmt die Körperhöhe nach rückwärts hin und zwar 
bis zur zweiten Dorsale resp. Anale sehr langsam ab, von da indessen gegen die Caudale hin etwas 
rascher und zwar so, dass der Schwanzstiel beinahe 3mal in der vorigen Höhe enthalten ist und nicht 
einmal noch der Länge von drei abdominalen Wirbeln gleicht. Der Kopf ist lang und ist 3'3mal in 
der Gesammtlänge enthalten ; seine Höhe verhält sich zu seiner Länge wie beinahe i : 2. 

Von den Kopfknochen ist nicht gerade vieles zu sagen möghch, da sie nicht besonders 
gut erhalten blieben. Das Praeoperculum lässt bei einem dieser Exemplare die Zähnelung an seinem 
hinteren Rande erkennen, welche dort stärker wird, wo sich derselbe nach vorne biegt. Die Zähne 
sind da grösser und nach rückwärts gebogen. Obwohl das Operculum nicht mehr ganz erhalten ist, 
so ist dasselbe doch bemerkenswerth, da es noch recht gut die Beschuppung wahrnehmen lässt, 
wodurch die Richtigkeit der generischen Bestimmung ausser Zweifel gesetzt wird. Die Kieferknochen 



') Agassiz : „Recherches " Tom. IV, pag. 89, Tab, i3. Fig. 2 et 3. 

-) ibid. pag. 87, Tab. 12. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 4. '^ 



gS Drag. Krainberger-Gorjanovic. [13] 

sind nicht mehr gut erhalten, dessenungeachtet zeigen ihre Ränder eine Reihe von kleinen spitzen 
zurücko-ebogenen Zähnen. Der verkohlte Rest des Auges lässt auf eine beträchtliche Grösse desselben 
schliessen. Interessant ist die Gehörkapsel, welche man hinter dem Auge gewahrt, und welche sich 
durch ihre beträchtliche Grösse auszeichnet (long. 5 mm, lat. 3 mm). An der Oberfläche derselben 
bemerkt man eine durch die Mitte und der Länge nach sich ziehende S-förmig gewundene Vertiefung. 

Die ziemlich starke Wirbelsäule ist nur sehr leicht gebogen und ist aus 24 Wirbeln zusammen- 
gesetzt, von denen 8 dem abdominalen und 16 dem caudalen Körperabschnitt angehören. Die Wirbel 
sind etwas länger als hoch und nehmen nach rückwärts zu an Grösse nur allmälig ab, wobei jedoch 
die Dimensionen jedes einzelnen so ziemlich gleich verbleiben. Die oberen Apophysen der Wirbel 
sind von massiger Länge, etwas gebogen und in Allgemeinem nicht stark. Ihr Neigungswinkel zur 
Wirbelachse erreicht in der mittleren Körperpartie sein Maximum (c. 50°) und nimmt nach vorne 
sowie auch nach rückwärts allmälig ab. Zu bemerken wäre noch, dass die oberen Dornfortsätze 
der vorderen abdominalen Wirbel viel stärker und dazu bedeutend zur Wirbelsäule geneigt sind. Die 
unteren Dornfortsätze des caudalen Körperabschnittes sind länger als die entsprechenden, ihnen 
gegenüber stehenden oberen und der längste davon gleicht der Länge von drei abdominalen Wirbeln. 
Deutlich sind noch 8 Rippenpaare erhalten ; davon sind die vorderen Paare länger, kräftiger und 
gebogener als die hinteren. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem Anfange des 23. Wirbels (von rückwärts gezählt) und 
besteht aus 10 beinahe geradlinigen schwachen Stacheln, von welchen der vierte 3^/3 abdominale 
Wirbel misst. Die Träger der zwei ersten Stacheln reichen beinahe bis zur Wirbelsäule herab, die 
übrigen werden immer kürzer. Vor dieser Flosse stehen noch etwa vier blinde Träger. 

Die zweite Dorsale nimmt ihren Anfang ober der Mitte des 14. Wirbels und reicht bis 
ober das Ende des 6. Wirbels zurück; sie zählt ilio Strahlen. Der erste getheilte Strahl ist der 
längste von allen, da er der Länge von 4V2 Wirbel entspricht, somit den längsten Strahl der ersten 
Dorsale um eine Wirbellänge übertrifft. Die Träger sind zarter als die der vorigen Flosse. 

Die Anale ist senkrecht unter dem Ende des 11. Wirbels (also 2'/ä Wirbel hinter der zweiten 
Dorsale) inserirt. Sie besteht aus 3I 9 Strahlen. Die stacheligen Strahlen sind beinahe geradlinig, 
davon der erste sehr kurz und knapp an den zweiten angeschlossen. Der zweite und dritte sind 
beinahe gleich lang, nur ist der zweite etwas kräftiger. Die Länge derselben beträgt fast 4 abdominale 
Wirbel. Die 9 getheilten Strahlen nehmen an Länge nach rückwärts hin ziemlich rasch ab und zwar 
so, dass der letztere davon um mehr als die Hälfte kürzer ist als der erste, welcher unbedeutend länger 
ist als die längsten stacheligen Strahlen. Bezüglich der Träger wäre zu bemerken, dass diejenigen 
der stacheligen Strahlen dieser Flosse wohl die längsten und stärksten sind und fast bis an die 
Wirbelsäule herauf reichen. Die übrigen sind sehr zart. 

Von ansehnlicher Länge sind die Strahlen der unter dem zweiten Dorsalstachel beginnenden 
Ventrale ; es messen nämlich die längsten davon 6 abdominale Wirbel. Die Anzahl derselben beträgt 1I5. 

Die Pectoralen stehen etwas vor und ober den Ventralen. Leider ist es nicht möglich, 
die Anzahl ihrer Strahlen anzugeben. 

Die Caudale endlich stützt sich auf die Fortsätze der zwei letzten Wirbel Sie ist sehr 
schwach eingebuchtet und besteht aus 8I9 — 8I7 getheilten und kurz gegliederten Strahlen, wovon 
die längsten 7 abdominale Wirbel messen. Die Entfernung der beiden Schwanzlappen gleicht der 
Leibeshöhe. 

Von der Seitenlinie sind nur wenige Spuren erhalten. Dieselbe läuft anfänglich zwischen der Wirbel- 
säule und der Rückenprofillinie, biegt sich dann allmälig vor dem Beginne der zweiten Dorsale herab. 



[14I Die jnngtertiäre Fischfaiina Croatiens. 99 

Die Schuppen sind von der bei den Percoiden gewöhnlichen Form. 
Fundort: Dolje. Weisser Diatomeenschiefer. 
Wird in der creol. Sammhui^ in A^ram aufbewahrt. 



2. Labrax mii l tip i unatits Kraiiib. 
(Taf. XXllI, Fig. :.) 

Diese Art liegt in zwei Exemplaren vor; eines stammt aus St. Nedelja und ist gut conservirt, 
das andere nur theilweise erhaltene dagegen aus Podsused. 

Von Labrax Heckeli Steind. ') (aus Griechenland herrührend) unterscheidet sich unsere Art 
durch die grössere Anzahl der Strahlen in der zweiten Dorsale und die etwas geringere Wirbelanzahl. 

Beschreibung: 

Der Körper dieses Fisches ist gestreckt. Seine Rückenprofillinie verläuft gegen die Schwanz- 
flosse hin fast geradlinig, während dagegen die Bauchprofillinie einen sanften Bogen beschreibt. Die 
maximale Leibeshöhe (beim Beginne der ersten Dorsale) beträgt den vierten Theil der Körper- 
länge (ausgenommen die mangelnde Caudale) oder sie gleicht fast 7 mittleren Wirbellängen. Die 
Höhe des Schwanzstieles beträgt nur 2-5 Wirbel. Der ovale, nur etwas längere als breite Kopf gleicht 
dem 3'5 Theil der totalen Länge. 

Die Kopfknochen treten besonders deutlich an dem aus Sused stammenden Exemplare hervor, 
wesshalb ich auch die Beschreibung derselben nach diesem Individuume vorgenommen habe. Der 
kräftige Intermaxillarknochen ist an seinem äusseren Rande uneben als ob er gesägt wäre ; diese 
Unebenheit rührt von den kleinen ausgefallenen, conisch zugespitzten, etwas gebogenen Zähnen her, 
von denen nur noch einige zerstreut umherliegen. Nicht minder stark ist auch der Oberkiefer, der 
sich nach unten allmälig ausbreitet und in der Mitte eine Längsfurche besitzt. Der Unterkiefer ist 
nur etwas länger als der Oberkiefer und von der Gestalt eines flachen stumpfwinkeligen Dreieckes. 
Das Os quadratum stellt ein beinahe gleichwinkeliges Dreieck mit abgestumpften Winkeln dar, 
dessen unterer, mit dem Angulare des Unterkiefers gelenkig verbundener Theil sich durch seine 
Stärke auszeichnet. Es verlaufen nämlich von dem höckerigen, etwas eingeschnürten Gelenkkopfe des 
Os quadratum zwei faltige Verdickungen aus, welche sich allmälig gegen das Os tympanicum 
liin verflachen. Das Pra eop er culu m ist an keinem der beiden Exemplare vollständig überliefert; 
es mangelt nämlich überall der untere gezähnte Rand. Die stumpfwinkelig gebogene Leiste zeichnet 
sich durch ihre Stärke aus und ist merklich von dem abgeflachten gezähnelten Hinterrande erhoben. 
Es ist dies die innere Leiste des linken Praeoperculum's. — Sehr gut ist auch ein Zungenbeinpaar 
erhalten mit noch vier daran hängenden Radii br anch iost egi. 

Die starke fast geradlinig verlaufende Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln, von denen 12 an 
den abdominalen und 12 an den caudalen Körperabschnitt entfallen. Die Höhe eines jeden Wirbels 
verhält sich zu dessen Länge wie i:i'25; eine Ausnahme davonmachen die letzten vier quadratischen 
Schwanzwirbel, sowie auch vielleicht die vordersten vier Bauchwirbel, die indessen nicht klar zu 
Tage treten. Was den Neigungswinkel der oberen Dornfortsätze zur Achse der Wirbelsäule anbelangt, 
so unterliegt er keinen wesentlichen Schwankungen ; denn, abgesehen von den Apophysen der hintersten 



") Sitzungsber. d. m. nat. Gl. d. k. k. Ak. d. W. Wien, XL. 

i3* 



loo Drag. Kramberger-Gorjanovic. [15] 

Caudahvirbel. schliessen alle übrigen nahezu den \\'inkel von ca. 50" ein. Die Dornfortsätze der 
vordersten vier Bauchwirbel sind die kräftigsten und die vorderen 3 — 4 Apophysen der Schwanzwirbel 
wiederum die längsten von allen (im Mittel 2^ ^ Wirbellängen). Während die eben besprochenen oberen 
Fortsätze fast geradlinig sind, sind die unteren wie ein langgestrecktes S gebogen. Hinsichtlich ihrer 
Neigung entsprechen sie den ihnen gegenüber liegenden oberen. Der Dornfortsatz des dritten Schwanz- 
wirbels ist der längste von allen und beträgt 2-5 mittlere Wirbellängen. 

Die Rippen sind durchwegs länger als die Apophysen. 

Die den vorderen Bauchwirbeln entspringenden sind gebogen, während dagegen die hinteren 
fast gerade sind. 

Die erste Do rsale beginnt ober dem vierten Abdominalwirbel oder nahezu im ersten Drittel 
der Körperlänge. Sie zählt 10 Stacheln, von denen der fünfte 3 mittleren Wirbellängen gleicht, die anderen 
aber nehmen nach vorne und rückwärts zu an Länge ab. Die Basis dieser Flosse gleicht der Länge 
von 4^/3 Wirbeln. Die Träger der Stacheln sind sehr stark, besonders aber die ersten vier, welche 
auch noch von ansehnlicher Länge sind (2 Wirbel). Vor der Flosse stehen zwei blinde Träger. 

Die zweite Dorsale beginnt gleich hinter der ersten oder senkrecht ober dem vorderen 
Ende des 14. Wirbels (von rückwärts gezählt) und zieht sich bis senkrecht ober das vordere Ende 
des dritten Wirbels zurück. Die Basis dieser Flosse erreicht somit die Länge von fast 11 Wirbeln. 
Sie besteht aus einem ungetheilten und 24 getheilten und von ihrer oberen Hälfte an kurz geglie- 
derten Strahlen, die nach hinten zu nur allmälig zarter werden. Die Träger der vorderen Strahlen dieser 
Flosse stehen bezüglich ihrer Grösse und Stärke kaum jenen der vorigen Flosse nach. Die übrigen 
werden nach rückwärts zu immer kleiner und schwächer. 

Die Anale beginnt unter der Mitte des achten Wirbels und besteht aus zwei Stacheln und 
etwa 7 getheilten und gegliederten Strahlen. Der erste Stachel ist kurz (== i Wirbellänge), der zweite 
ist dagegen dreimal so lang als der vorige und dabei recht kräftig. Am vorderen Rande des ersten 
bemerkt man einen deutlichen Streifen, welcher offenbar durch die Verwachsung zweier Stacheln 
herrührt. 

Die Pectorale ist etwas unter der Mitte der Leibeshöhe angebracht; leider ist sie nur 
fragmentarisch erhalten. 

Sehr gut sind dagegen {und zwar an beiden Exemplaren) die Bauchflossen conservirt. Die 
länglichen kräftigen Beckenknochen tragen sechs Strahlen, von denen einer stachelig ist ; die übrigen 
längeren Strahlen sind sämmtlich getheilt und zwar jeder achtmal, und dabei kurz gegliedert. 

Die Caudale ist leider weggebrochen. Zu erwähnen wäre indessen, dass diese Flosse von 
zahlreichen Fortsätzen unterstützt war, welche zum grössten Theil von dem letzten Wirbel ausgehen. 
Auch die Apophj'sen der zwei vorangehenden Wirbel trugen zur Stütze dieser Flosse bei. 

Die Schuppen sind verhältnissmässig klein. 

Fundort: Sv. Nedelja (Pilar). 

Wird in der geol. Sammlung in Agram auibewahrt. 



j. Labrax intennedijts Ki-aiii. 
(Taf. XXII, Fig. 6.) 

So nenne ich den schon mehrfach besprochenen radobojer Labrax, welchen Herr Dr. Bassani 
für eine Perca hält. Da die Beschreibung dieses Fossiles bereits von Herrn Bassani genau durchge- 
führt wurde, so brauchen wir sie hier nicht nochmals wiederzugeben, um so weniger, als wir schon in 



[i6] Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 



lor 



den einleitenden Bemerkungen zu den Percoiden in übersichtlicher Weise einige seiner wichtigeren 
Merkmale angegeben haben. 

Dieser schöne Fisch wird im k. k. Hofmineraliencabinete aufbewahrt. 

SchhessHch hätte ich noch eines kleinen Percoiden zu erwähnen, welcher aus Vrabce 
stammt und ziemlich stark an Labrax ■Neumayri in. erinnert. Da aber die Indentität dieses Fisches 
mit erwähnter Art nicht genügend bewiesen werden konnte, so bleibt er vorläufig als Labrax cf. 
Neumayri in. bezeichnet. Der Fisch ist 45 mm lang und 10-5 mm hoch. 



Genus Serranus. 

In den neuen Beiträgen zur Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs (von J. Hecktl und 
R. Kner) finden wir bei der Besprechung der Art Serranus pentacanthus Heckel ^) ein zuverlässiges 
Merkmal angegeben, welches die generische Bestimmung derselben ausser Zweifel setzt und dieses 
Kennzeichen besteht in der Art der Zähnelung des Praeoperculums. Ein aus der Umgebung von 
St. Sim u n (bei Agram) herrührender schöner Ueberrest weist bezüglich der Zähnelung seines leider nur 
zum Theil erhaltenen Praeoperculums ebenso entschieden auf eine nahe Verwandtschaft mxt Serranus. 
Auch die wenigen noch vorhandenen Zähne des Intermaxillarknochens (4 an der Zahl), sowie die einzige 
Rückenflosse mit ihren 11 Stacheln sprechen zu Gunsten der Gattung Serranus. 

Wenn ich nun auf Grund dieser wenigen Kennzeichen den in Rede stehenden Ueberrest der 
Gattung Serranus zuziehe, so geschieht dies wohl nur aus dem Grunde, da es an sicheren Merkmalen 
mangelt, welche gegen diese Annahme sprechen würden. Es könnte wohl der breite Körper unseres 
Fisches einige Zweifel bezüglich seiner generischen Stellung erwecken, doch fehlen andere Anhalts- 
punkte, die im Vereine mit besagter Eigenschaft für gewisse andere Gattungen sprechen würden. 
Auch sind z. B. Merkmale wie Einbuchtung des Praeoperculums in Verbindung mit einer entsprechenden 
Tuberosität des Suboperculums bei fossilen Fischen kaum constatirbare Eigenthümlichkeiten. Aus 
allen diesen Gründen glaube ich mich für die Angehörigkeit unseres Fischrestes zur Gattung Serranus 
aussprechen zu dürfen. 

/. Se rr an 3CS a Itus Krainb. 
(Taf. XXIII, Fig. I.) 

Von den bisher bekannten Arten dieser Gattung unterscheidet sich unsere durch die 
ansehnliche Höhe des Körpers, sowie auch durch die grössere Anzahl der Strahlen in der Dorsale 
und Anale. 

Beschreibung: 

Die grösste Leibeshöhe beim Anfange der Dorsalen dürfte kaum mehr als 3^imal in der 
Gesammtlänge enthalten sein; oder sie gleicht der Höhe von 10 mittleren Wirbeln. Die Rückenprofil- 
linie bildet einen nur schwach gekrümmten Bogen, welcher erst hinter den vorderen weichen Strahlen 
der Rücken- sowie die Bauchprofillinie beim Anfange der Anale sich mehr gegen die Schwanzflosse 
hin biegt. Der Schwanzstiel ist breit und erreicht beinahe die halbe Leibeshöhe. 



') Der.kschr. d. k. k. Ak. d. Wiss. Bd. 10, pas. 6S, Tsf. VllI, Fig. 8. 



102 



Drag. Kramberger-Gorjanovic. [17I 



Der Kopf ist leider verunstaltet, auch sind die einzelnen Knochen desselben aus ihrer urspmng- 
lichen Lage gebracht. Von den Kieferknochen ist noch recht gut der Oberkiefer erhalten. Derselbe ist 
44 mm lang, etwas gebogen, oben sehr verschmälert und wird nach unten zu allmälig breiter (11 mm). 
Sein unterer Rand ist abgerundet. Neben seinem oberen Ende und gleich hinter ihm liegt das kräftige 
Os intermaxillare. An demselben sind nur noch vier Zähne erhalten geblieben ; drei davon sind etwa i mm 
lang, etwas gebogen und zugespitzt, der vierte befindet sich beim oberen Ende des Zwischenkiefers, 
ist doppelt so lang und ebenso beschaffen wie die vorigen. Dieser letztere scheint einer der Fang- 
zähne zu sein, wie solche den Serravus zukommen. An der anderen Seite des Oberkiefers und zwar 
links und unter der besprochenen Zwischenkieferhälfte sehen wir einen Theil des linken Intermaxillar- 
knochens und an dessen oberem Ende den Bruchtheil eines grossen Zahnes, welcher die vorhin 
beschriebenen um vieles an Grösse übertroffen hat. Die beiden Praeopercula liegen nach verschiedenen 
Richtungen. Ihr hinterer Rand ist gerade und fein gesägt (ich zählte bei 60 Zähne daran) und erst 
o-egen den Winkel hin (wo sich nämlich das Praeoperculum nach vorne hin biegt), werden die Zähne 
etwas länger. Der weitere Verlauf der Zähnelung ist leider nicht einmal im Abdrucke mehr sichtbar. 
Zu erwähnen wäre noch, dass die innere Leiste des Vordeckels recht stark ist und sich ziemlich 
rasch gegen ihren gezähnelten Rand hin verflacht. Das Operculum ist auch nur theilweise erhalten. 
Es scheint in drei Dornen ausgegangen zu sein, was ich nach seiner leicht undulirten Oberfläche zu 
schliessen wage. 

Die ziemlich kräftige Wirbelsäule zieht sich durch die Mitte des Körpers und ist leicht 
gebogen. Die Anzahl ihrer Glieder beläuft sich auf 24 (wahrscheinlich sind zwei davon vom Deckel über- 
deckt), wovon 14 dem caudalen und die übrigen dem abdominalen Körperabschnitt angehören. Mit 
Ausnahme der sechs ersten Caudalwirbel, dann der 4 (.?) vordersten Abdominalwirbel, welche quadratisch 
sind, sind alle übrigen etwas länger als hoch. Jeder Wirbel wird durch eine Querleiste in zwei 
ungleich grosse ovale Vertiefungen eingetheilt, wovon die obere die grössere ist. Die oberen Dorn- 
fortsätze entspringen mit ihrer breiten Basis so ziemlich durchgehends aus der Mitte der Wirbel, 
verschmälern sich indessen rasch gegen ihr oberes Ende und sind fast geradlinig und ziemlich lang; 
der längste beträgt 3V2 abdominale Wirbel. Die vordersten 4 Apophysen zeichnen sich vor allen 
übrigen durch ihre auffallende Stärke aus. Diese sind sowie auch die der hintersten Schwanzwirbel 
am meisten zur Achse der Wirbelsäule geneigt (erstere ca. 45°, letztere ca 40 — 30°). Die Dornfort- 
sätze der unteren Wirbelseite entspringen etwas vor der Mitte des Wirbels mit einer minder starken 
Basis, auch sind sie gebogener als die der oberen Seite, sonst aber entsprechen sie so ziemlich den 
gegenüberstehenden. Die Rippen sind massig gebogen, weder besonders lang noch stark. 

Die Rückenflosse zählt 27 Strahlen, von denen li stachelig und 16 gegliedert sind. Ausser 
den ersten und den zwei letzten Stacheln, welche allein noch ganz geblieben sind, sind die übrigen mehr 
oder weniger mit dem Gesteine abgebrochen, weshalb von der Gestalt der Flosse nicht gesprochen 
werden kann. Die Länge des ersten Stachels beträgt etwas über eine , die des letzten vier 
Wirbellängen. Die folgenden kurz gegliederten Strahlen sind auch nicht in ihrer ganzen Ausdehnung 
und Anzahl mehr erhalten. Die Träger der stacheligen Strahlen sind breit und lang ; einige davon 
reichen bis nahe an die Wirbelsäule herab, nehmen jedoch nach rückwärts an Länge und Breite 
allmälig ab, insbesonders diejenigen, welche die gegliederten Strahlen unterstützen. 

Die Anale liegt unter dem 5. Caudalwirbel und besteht wahrscheinlich aus 3 stacheligen 
und ca. 12 gegliederten Strahlen. Die Träger derselben sind sehr schlank, besonders aber soll 
dies für die der ersten 2 oder 3 vordersten gesagt werden, welche fast bis zur Wirbelsäule 
herauf reichen. 



[i8] Die jung tertiäre Fischfauna Croatiens. 103 

Die Strahlen der V en t rale ii, stützen sich an die verhältnissmässig schwachen Beckenknochen. 
Die Strahlenzahl dürfte 1I5 oder 6 sein. 

Ueber die Beschaffenheit der Pectoralen kann leider nichts gesagt werden, weil sie ganz 
aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben sind. 

Die Caudale endlich stützt sich an die Träger der drei letzten Schwanzwirbel. Die Haupt- 
stütze dieser Flosse gewähren indessen die zu grossen dreieckigen Platten umgebildeten Fortsätze 
des letzten Wirbels. Die Anzahl der kurzgegliederten Strahlen dürfte 24 sein. 

Die Schuppen sind massig gross. Ihre Oberfläche ist dicht mit concentrischen Streifen 
bedeckt, ausserdem sind noch an einigen besser erhaltenen auch einige von der Mitte der Schuppe 
ausgehende Radien sichtbar. 

Fundort: Umgebung von St. §imu n (bei Agram). Auf einer hellen Kalkmergelplatte. Wird 
im geolog. Museum von Agram aufbewahrt. 

2. Serraiius dubius Krainb. 

(Taf. XXVIIl, Fig 5.) 

Ein sehr wahrscheinlich auch zur Gattung Serranus gehöriges Fragment unterscheidet sich 
von der vorhin beschriebenen Art ganz wesentlich durch die geringere Anzahl von Stacheln in der 
Dorsale und den abgerundeten Vordeckel. Indem leider des mangelhaften Erhaltungszustandes halber 
eine Vergleichung mit den von Mte. Bolca herrührenden Ser/'am/s-Arten nicht genau durchgeführt 
werden kann, so glaube ich richtiger gehandelt zu haben, für diesen Rest einen provisorischen Namen 
vorzuschlagen, als ihn etwa mit älteren Formen zu identificiren. 

Der Körper dieses Fisches ist ziemlich breit, da der Abstand der Insertionsstelle der Ventralen 
bis zur Dorsalen der Länge von ca. 12 Wirbeln entspricht. Die Rückenprofillinie bildet eine Gerade, 
welche sich vom ersten Dorsalstachel an wahrscheinlich sehr rasch nach abwärts gewendet hat, was 
aus der Lage der einzelnen Kopfknochen auch hervorzugehen scheint. Die Gestalt des Körpers 
würde demnach einigermassen an Ser. occipitalis Ag. erinnern. 

Der hintere Rand des Pr a e o p er culum s ist abgerundet und sehr fein gezähnelt. Das Os 
quadratum ist breit, von dreieckiger Gestalt, mit einem etwas verdickten und vorstehenden Gelenk- 
theil versehen. Die 13 noch vorhandenen Wirbel (10 davon gehören dem abdominalen Körperabschnitt 
an) sind fast quadratisch; ihre Apophysen verhältnissmässig lang und ziemlich stark. Die Rippen sind 
kurz, dünn und gebogen. 

Die Dorsale weist nur mehr ihre 9 stacheligen und 4 getheilte Strahlen auf Die stacheligen 
sind mit Ausnahme des kurzen ersten von fast durchgehends gleicher Länge (ca. 5 abdominale 
Wirbel). Ihre Träger, besonders die der vorderen Strahlen, reichen bis fast an die Wirbelsäule herab, 
die übrigen werden allmälig kürzer und schlanker, besonders gilt dies für diejenigen, welche die 
getheilten Strahlen dieser Flosse unterstützen. 

Die Ventralen bestehen wahrscheinlich aus 1I5 Strahlen, wovon die getheilten (6 abdominale 
Wirbellängen) fast um die Hälfte länger sind als der geradhnige stachelige Strahl. 

Die Pectoralen liegen etwas ober den vorigen. Sie enthalten 12 oder 14 feine Strahlen. 

Fundort: Podsused (in d. geol. Sammlung in Agram). 



I04 Drag. Kranibcrger-Gorjanovic. [19] 

Farn. Berycoidei. 

Genus Metoponichthys Kramb. 

Die beschriebenen fossilen Repräsentanten der Familie Berycoidei stammen entweder aus der 
Kreide oder aus den älteren tertiären Schichten ; in den jüngeren Ablagerungen wurde bisher noch 
kein Fisch dieser Familie aufgefunden. 

Im Jahre 1875 fand ich zum ersten Mal einen solchen in den sarmatischen Diatomeenschiefern 
von Dolje und im Jahre 1881 an derselben Localität, zwei weitere, besser erhaltene Individuen. Die- 
selben erwiesen durch eine Reihe charakteristischer Merkmale ihre Ängehörigkeit zur Familie Berycoidei, 
jedoch ist ihre Einreihung in irgend eine Gattung derselben nicht möghch, weshalb ich gezwungen 
war, für diese Fische eine neue Gattung aufzustellen. Unter den bekannten lebenden Gattungen dieser 
Familie zeigt unsere einige Uebereinstimmung mit der Gattung des indischen Meeres Rliynchiclithys 
C. V., und zwar nicht nur hinsichtlich der Körperge.stalt, sondern auch der annähernd gleichen 
Anzahl und dem Baue der Flossenstrahlen und der verlängerten Schnauze. Letztere besteht bei 
Rhynchichthys nur in einer Zuspitzung des Oberkiefers, während bei unserer Gattung beide Kiefer in die 
Länge gezogen sind. 

Die Charaktere der Gattung Metoponichthys lassen sich folgendermassen zusammenfassen: 

Körper länglich, gedrungen, Kopf gross und mit einer vorgestreckten Schnauze versehen. 
Stirne gewölbt. Kopflänge 2V3 bis 2^/, und die Leibeshöhe 3— 4mal in der Gesammtlänge. Prae- 
operculum mit einem schief nach ab- und rückwärts gewendeten Dorn versehen. Auge rund und gross. 
Wirbelsäule aus 24 (10 + 14) Gliedern bestehend. Dorsale mit 8 — 9 starken Stacheln. Ventrale lang. 
Caudale abgerundet. Schuppen ctenoid. 

/. metoponichthys longiros tris Kramb. 
(Taf. XXIV, Fig. I u. la.) 

Der Körper dieses schönen kaum drei Centimeter langen Fisches ist von länglicher, gedrungener 
Gestalt. Die grösste Leibeshöhe (beim Beginne der Dorsale) verhält sich zur totalen Länge (immer 
die Caudale mitgerechnet) fast wie i : 4. Der Kopf ist gross, 2-6mal in der totalen Länge enthalten 
(bei Rhynchichthys pelamidis C. V. ßmal) und seine Breite in der Kopflänge 1-5 mal. Die Gestalt 
des Kopfes bietet eine bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit dar, welche ich auf folgende Weise zu 
veranschaulichen versuchen will. Verlängert man die Profillinie des Rückens in der Richtung des 
Kopfes, und denkt sich dann ebenfalls auch die Profihinie der oberen Schnauzenhälfte nach beiden 
Richtungen verlängert : so werden diese beiden, nahezu beim Beginne der Dorsale sich schneidenden 
Linien einen Winkel von fast genau 40° einschhessen. Dies hat seinen Grund darin, dass der Kopf 
eine auffallend abwärtsg^ichtete Stellung'besitzt. Während die Stirne in die Rückenprofillinie allmälig 
übergeht, indem sie mit derselben einen schwach geschwungenen, elliptischen Bogen bildet, ist die 
Schnauze von der Stirne deuthch abgesetzt. Die Länge der Schnauze gleicht dem 04 Theil der 
Kopflänge, während die Höhe derselben nur den 0-25 Theil einnimmt. Von den Kopfknochen ist 
nicht vieles zu sagen möghch. da der Kopf nicht ganz erhalten blieb, und ausserdem sind dieselben 
so klein, theilweise auch noch verunstaltet, dass man ihren Bau selbst mit Hilfe einer starken Loupe 
kaum genau erforschen kann. Vom Ober-, Unter- und Zwischenkiefer sind nur Eindrücke sichtbar. 
Das Praeoperculum blieb nur in einem geringen Fragmente übrig. Das runde, dem Stirnprofile nahe 



[20] Die jungtertiäre Fisckfauna Croatiens. 105 

gelegene Auge ist von ansehnlicher Grösse ; der Diameter desselben beträgt nämlich fast ein 
Drittel der Kopflänge. Der kräftige Schultergürtel lässt sehr deutlich die an ihrem hinteren Rande 
gezähnelte Scapula erkennen. 

Die Wirbelsäule ist an ihren beiden Enden schwach gekrümmt, so dass sie die Gestalt eines 
langgezogenen S darstellt. Sie besteht aus wahrscheinlich 26 Gliedern, von denen ca. 14 auf den caudalen 
Körpertheil entfallen. Zum grössten Theil sind die Wirbel quadratisch ; nur einige Caudalen machen 
hieven eine Ausnahme und sind etwas länger als hoch. 

BezügHch der Dornfortsätze der Wirbel wäre zu bemerken, dass die unteren etwas länger 
und mehr zur Achse der Wirbelsäule geneigt sind, als die oberen und dass diese sowohl, als auch die 
unteren gegen die Caudale hin an Länge verheren und sich allmälig immer mehr zur Wirbelsäule neigen. 

Die Dorsale beginnt fast in der Mitte des Körpers (die Caudale jedoch ausgenommen) oder 
beiläufig ober dem 22. Wirbel und zieht sich bis nahe an die Caudale zurück. Sie besteht aus neun 
kräftigen, steil aufgerichteten Stacheln, die bezüglich ihrer Länge merkhch von den ihnen folgenden 
14 oder 16 feinen, weichen Strahlen abstechen. Die vorderen dieser genannten Strahlen sind anfänghch 
sehr kurz und verlängern sich dann allmälig, um wahrscheinhch gegen die Caudale hin wieder an 
Länge zu verlieren, was ich indessen nur nach der Gestalt der Anale schliesse, indem der grössere 
Theil des in Rede stehenden Flossentheiles mangelt. Von den Stacheln ist der zweite der längste 
von allen und gleicht der Leibeshöhe. Der erste ist sehr kurz (um '/s kürzer als der vorige) und 
steht an der RückenprofiUinie senkrecht; die übrigen schHessen mit derselben Winkel von ca. 65° 
(der zweite) bis ca. 40» (der letzte) ein und nehmen vom zweiten Stachel an nach rückwärts zu an 
Grösse allmälig ab. Die Träger der Flossenstrahlen sind bezügHch ihrer Grösse verschieden. Die 
grössten und stärksten sind diejenigen, welche zur Stütze der Stacheln dienen. Aber auch diese 
verjüngen sich, je mehr sie sich jenen der weichen Strahlen nähern. Der Träger des ersten vertical stehenden 
Stachels ist gegabelt ; der eine seiner Schenkel ist schräg nach vor- und abwärts gerichtet, der andere, 
etwas längere steht fast senkrecht zur Wirbelsäule. Die drei folgenden Träger reichen bis nahe 
an die Wirbelsäule herab und haben eine senkrechte Stellung ; die übrigen neigen sich allmälig nach 
vorne und nehmen dabei an Länge und Stärke ab. 

Die Anale beginnt unter dem 10. Dorsalstrahl oder unter dem dritten Caudalwirbel und zieht 
sich bis unter den Anfang des il. Caudalwirbels zurück. Leider mangeln ihr die stacheligen Strahlen, 
welche wahrscheinhch stark gewesen sein mussten, da die entsprechenden Träger kräftig und ziemlich 
lang sind, während dagegen diejenigen der 18 weichen Strahlen viel kürzer und äusserst fein sind. 
Die weichen Strahlen dieser Flosse sind sehr dünn, jedoch beträchthch lang. Insbesondere sei dies 
für die mittleren Strahlen dieser Flosse gesagt, welche nahezu 5 mittlere Wirbel messen. Die übrigen 
werden gegen die Caudale zu immer kürzer. 

Die Ventrale ist leider nicht mehr in ihrer ganzen Erstreckung erhalten, doch war sie, nach 
den hinterlassenen Eindrücken zu schHessen, sehr lang. Die längsten ihrer Strahlen reichten, zurück- 
gelegt, gewiss über die Anale heraus. Diese Flosse Hegt unter dem vierten Dorsalstachel und besass 
einen stacheligen nebst 4 oder 5 weichen Strahlen. 

Bei weitem besser ist die Pectorale conservirt. Sie ist im unteren Drittel der Körperhöhe 
und etwas vor der Ventrale inserirt. Die Anzahl ihrer sehr zarten, ausgebreiteten, Strahlen beläuft sich 
auf ca. 18. Die längsten davon erreichen etwas über 2/3 der Leibeshöhe. 

Von den 12 noch erhaltenen, getheilten Strahlen der Caudale sind die mittleren davon ziemHch 
lang (die längsten erreichen ^4 der Leibeshöhe) und lassen ihrer gleichen Länge halber mit Sicherheit 
annehmen, dass die Flosse nicht ausgerandet war. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns II, 4. ~ ' 14 



io6 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [21] 

Der Körper war mit sehr kleinen Ctenoidschuppen bekleidet, wie man dies bei günstiger 
Beleuchtung und mit Hilfe einer guten Loupe durch das Glitzern der noch vorhandenen Spitzen der 
Schuppenränder deutlich wahrzunehmen vermag. 

Fundort: Dolje (weisser sarm. Diatomeenschiefer). 

Wird im Agramer Museum aufbewahrt. 



2. Metopo7iichtys octaca^ithus Kramb, 
(Taf. XXIV, Fig. 2.) 

Unterscheidet sich von der vorigen Art durch ihren breiteren Körper, die weniger gewölbte 
Stirne, den minder nach abwärts gedrehten Kopf und die geringere Anzahl von Stacheln in der 
Dorsale (8). 

Beschreibung: 

Während bei der vorigen Art die Rückenprofillinie eine gerade, resp. horizontale Linie bildet (ver- 
gleiche die entsprechende Figur) und dem zu Folge die Körperhöhe bis zur Anale gleich verbleibt, stellt 
sie bei dieser neuen Art eine schräg nach abwärts gerichtete Linie vor. Dem entsprechend erreicht 
die Leibeshöhe zwischen dem ersten und zweiten Dorsalstachel ihr Maximum und ist ß^einal in der 
Gesammtlänge enthalten. Von dieser Stelle an nimmt die Höhe gegen die Caudale, sowie gegen die 
Schnautzenspitze hin ab. Die Bauchprofillinie bildet einen flachen Bogen. 

Der grosse, nach vorne hin etwas verschmälerte Kopf ist 2 — 3mal in der totalen Länge 
enthalten. Der Diameter des grossen kreisrunden Auges beträgt nur etwas mehr als den vierten 
Theil der Kopflänge. Der Unterkiefer ist hoch, vorne etwas verschmälert und sein hinterer Rand 
schwach gebogen. Der Zwischenkiefer ist ziemlich breit, vorne etwas abgerundet und mit einem 
zurückgewendeten kurzen Stiele versehen. Das Praeoperculum ist unter einem Winkel von ca. iio" 
gebogen; der Winkel selbst mit einem nach ab- und rückwärts gerichteten Dorn versehen. Ob die 
Ränder des Vordeckels gezähnelt waren, kann mit Bestimmtheit nicht angegeben werden. Die 
Kiemenbogen sind sehr dünn, massig gebogen und nehmen nach rückwärts hin an Länge zu ; ihre 
Anzahl ist 7 oder 8. 

Bezüglich der Wirbelsäule wäre blos zu bemerken, dass sie aus ca. 24 Gliedern besteht, von 
welchen 12 an den caudalen Körperabschnitt entfallen. 

Die Dorsale beginnt genau in der Mitte des Körpers (die Caudale ausgenommen) und besitzt 
8 kräftige Stacheln und 14 — 15 zarte Strahlen. Wie bei der vorigen Art, so ist auch hier der erste 
Stachel kurz und senkrecht gestellt, der zweite der längste und nach rückwärts gerichtet (gleicht '/* 
der Leibeshöhe), die übrigen verlieren allmälig an Länge und Stärke. Bezüglich der Träger gilt 
dasselbe, was bei der vorigen Art gesagt wurde. 

Die Anale besitzt 14 oder höchstens 16 weiche und vielleicht 3 oder 4 (?) stachelige Strahlen. 

Die Ventralen stützen sich noch an die schmalen, kurzen Beckenknochen. Der stachelige 
Strahl dieser Flosse reicht über die Anale heraus. 

Die Strahlen der Pectoralen sind äusserst zart ; ihre Anzahl ist nicht eruirbar. 

Die abgerundete Caudale lässt 16 Strahlen erkennen ; die längsten davon betragen fast den 
vierten Theil der totalen Länge. 

Fundort: Dolje (weisser Diatomeenschiefer). 

Wird im geolog. Museum zu Agram aufbewahrt. 



[22] Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 107 

Farn. Sparoidei. 

Genus Chrysophrys. 

Vor zwei Jahren glückte es mir, in Podsused einen sehr gut erhaltenen Ueberrest eines 
Sparoiden zu finden, der seiner Körpergestalt und der Bezahnung nach noch am besten mit den 
Vertretern der Gattung Chrysophrys übereinstimmt. Neben den Kieferknochen gewahrt man nämlich 
eine Anzahl von Zähnen, welche bezügHch ihrer Gestalt merklich von einander abweichen. 

Es gibt ausser schlanken, an der Spitze erst etwas einwärts gebogenen Zähnen kürzere aber 
dickere derselben Art, als auch platte, ovale, grössere und kleinere Mahlzähne. Die geschilderten 
Zahnformen im Vereine mit den übrigen Merkmalen lassen mit ziemlich grosser Sicherheit annehmen, 
dass der vorliegende Fisch ein Chrysophrys sei. 

Chrysophrys B r usin ai Kramb. 
(Taf. XXII, Fig. 7 u. 7 a.) 

Unter den lebenden Formen zeigt unsere die grösste Verwandtschaft mit der Art des mittel- 
ländischen Meeres Chrys. ajirata C. V. Der Körper erscheint buckelig, indem vom Beginne der 
Dorsale die maximale Leibeshöhe rasch gegen den Kopf, als auch gegen die Caudale hin abnimmt. 
Die Profillinie vom genannten Punkte aus gegen die Schwanzflosse hin stellt eine nach abwärts 
gerichtete beinahe gerade Linie vor, während die von demselben Punkte gegen die Mundspitze 
sich hinziehende einen gebrochenen Bogen darstellt. Die Bauchprofillinie erleidet nur beim Anfange 
der Anale eine sanfte Biegung gegen die Caudale herauf, sonst ist sie von der vorderen Spitze des 
Unterkiefers an bis zur genannten Stelle beinahe eine gerade Linie. Die grösste Leibeshöhe unseres 
Fisches beträgt 40 mm bei einer Totallänge von 120 mm, woraus sich das Verhältniss der Höhe zur 
Länge wie l : 3 ergibt (oder sie gleicht der Länge von ii*/a mittleren Wirbeln). Die Kopflänge gleicht 
31 mm, sie ist daher fast 4mal in der Gesammtlänge enthalten. Die Gestalt des Kopfes ist die eines 
Dreieckes. Von den besser erhaltenen Knochen wäre vorzüglich der Kieferknochen zu gedenken. 
Der Mund ist horizontal gespalten ; seinen oberen Rand bildet der lange, ziemlich starke Zwischen- 
kiefer, dessen oberer Rand parallel bis zum zweiten Drittel der Länge seines unteren Randes verläuft, 
dann aber schräg nach abwärts wendend sich mit dem Ende des unteren Randes unter einem spitzen 
Winkel verbindet. Das vordere Ende des Intermaxillarknochens ist mit einem schlanken, unter einem 
Winkel von ca. 75" abgehenden, schief nach aufwärts gerichteten Stiele versehen. Es wurde bereits 
hervorgehoben, dass die Kiefer mit verschiedenen Zähnen versehen waren. Die grössten Zähne waren 
die vorderen s. g. Fangzähne. Dieselben sind schlank, r5 mm lang, von cylindrischer Gestalt, sehr 
schwach gebogen und erst ungefähr von ihrem letzten Viertel an spitzen sie sich zu, wobei sich die 
ursprünglich leichte Krümmung plötzlich verstärkt, als auch dem entsprechend die Concavität der 
anderen Seite vergrössert. Unter den umherliegenden Zähnen gewahrt man noch kleinere cylindrische 
Zähne, deren oberer Theil conisch zugespitzt ist, sowie auch kurze und bis 1-25 mm breite, platte, 
ovale Mahlzähne. 

Hinter dem Zwischenkiefer liegt der Oberkiefer, welcher sich nach rückwärts zu allmälig 
ausbreitet. Der Unterkiefer ist schmal aber ziemlich stark. Das Praeoperculum hat eine senkrechte 
Lage ; die eine, d. i. die hintere Leiste nämlich bildet mit dem oberen Rande des Unterkiefers und 
dem der vorderen Leiste des Vordeckels einen rechten Winkel. 

.4* 



io8 



Drag. Kr amber ger-Gorjanovic. [23] 



Die kräftige Wirbelsäule besteht aus wahrscheinlich 24 Gliedern, wovon 14 dem caudalen 
Körpertheil angehören. Die einzelnen Wirbel sind länger als hoch. Die ziemlich starken Dornfortsätze 
entspringen (oben sowie unten) aus dem vorderen Wirbeltheil und zeichnen sich aus durch ihre 
geringen Abweichungen bezüglich ihres Neigungswinkels zur Wirbelachse (die vorderen ca. 60», die 
mittleren ca. 70°, die hintersten ca. 40°). Die Apophysen der hinteren Abdominalwirbel erreichen 
eine Länge von 3, die der hintersten Caudalwirbel kaum die eines Wirbels. Die Fortsätze der unteren 
Wirbelseite sind etwas länger, als die ihnen entsprechenden, gegenüberstehenden oberen, sonst sind 
sie aber wie diese beschaffen. Die nur theilweise erhaltenen Rippen sind massig lang und beinahe 
gar nicht gebogen. 

Die Dorsale beginnt fast genau im ersten Körperviertel und zieht sich bis senkrecht ober 
den 5. Wirbel (von hinten gezählt) hin. Sie besteht aus 11 stacheligen, ziemlich starken, schwach 
oeboo-enen Strahlen und aus wahrscheinlich 14 getheilten. Von den stacheligen Strahlen ist der erste 
der kürzeste, der dritte der breiteste und der vierte der längste {= 4 mittlere Wirbellängen, der 
jj __- , Wirbellängen). Die Träger der stacheligen Strahlen dieser Flosse sind lang und mit ihrer 
breiten Basis zum Strahl gekehrt; die vordersten davon reichen beinahe an die Wirbelsäule herab, 
während die übrigen allmälig nach rückwärts zu an Länge verlieren. 

Die Anale liegt senkrecht unter dem 11. stacheligen Strahl der Dorsale und zieht sich bis 
senkrecht unter den 7. Wirbel (von rückwärts gezählt). Ihre Basis ist über die Hälfte schmäler als die der 
vorigen Flosse. Sie besteht aus 3 kräftigen Stacheln und ca. 9 getheilten Strahlen. Der zweite Stachel 
ist der längste und kräftigste (seine Länge gleicht derjenigen von 4V3 abdominalen Wirbeln ; der erste 
beträgt beinahe nur V3 des zweiten). Die getheilten Strahlen sind leider sehr fragmentarisch erhalten. 
Mit Ausnahme der Träger der stacheligen Strahlen, die kräftig sind und bis nahe an die Säule 
herauf reichen, sind die übrigen sehr dünn und kurz. 

Die Ventralen liegen fast senkrecht unter dem Beginne der Dorsale ; die 15 vorhandenen 
Strahlen weisen keine besonderen Eigenthümlichkeiten auf. 

Die Pectoralen stehen etwas vor und ober den Ventralen. Ihre Strahlen sind sehr fein und 
überdies beträchtlich lang (die längsten über 4 Wirbellängen). 

Die Caudale ist ziemlich tief ausgerandet ; sie zählt ca. 18 Haupt- und einige Randstrahlen. 
-Die einzelnen Strahlen sind getheilt und kurz gegliedert. Die Entfernung der beiden etwas gebogenen 
Caudallappen beträgt ca. ^/s der Leibeshöhe. 

Schuppen sind nicht erhalten. 

Fundort Podsused. Im mineralog .-geologischen Museum zu Agram. 



Farn. Trigloidei. 

Genus Scorpaena. 

In der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt zu Wien befindet sich ein zur Familie 
Trigloidei und Gattung Scorpaena gehörender Rest, welcher durch das Vorhandensein eines mit dem 
Praeoperculum in Verbindung stehenden Suborbitalknochenringes, sowie auch durch die Gestalt des 
Körpers, den Bau und die Stellung der Flossen genügend charakterisirt ist, um die Richtigkeit der 
Einreihung in die erwähnte Gattung unzweifelhaft zu machen. 

Dieses vorliegende aus Radoboj herrührende Fundstück repräsentirt eine neue Art, für welche 
ich mir den Namen 



[24] Die jiingtertiäre Fischfauna Croaticns. 109 

/. Scorpa ena Pilari Kranib. 

(Taf. XXII, Fig. I.) 

vorzuschlagen erlaube. Von der von HeckeP) beschriebenen und aus den Ablagerungen der jüngeren 
Mediterranstufe des Wiener Tertiärbeckens stammenden Art Scorpaena prior Heckel, unterscheidet sich 
unsere schon auf den ersten Anblick durch ihre sehr geringe Grösse, die bedeutendere Höhe und 
die stärkeren Wirbel. 

Beschreibu ng : 

Der Kopf dieses Fisches ist verunstaltet ; jedoch aber lassen der noch mit dem Praeoperculum 
verbundene Suborbitalknochen, sowie auch der in seiner natürlichen Lage gebliebene Oberkiefer und 
das Os quadratum auf die Grössenverhältnisse des Körpers schliessen. Die grösste Körperhöhe (genommen 
von der Ventrale bis zum vierten ungetheilten Strahl der Dorsale) -verhält sich zur totalen Länge 
(mit Einschluss der sehr langen Caudale!) wie fast 1:3. Die Höhe des Schwanzstieles zur maximalen 
Körperhöhe wie = 1:4. Die Länge des Kopfes zur totalen Körperlänge mochte sich etwa wie 
I : 35 verhalten haben. Der Oberkiefer ist von länglicher Gestalt. Sein unterer Theil ist breit und 
wird etwa von der Mitte gegen sein oberes Ende hin schmäler. Vom Intermaxillarknochen blieb nur 
ein geringes Bruchstück über. Der mit dem Praeoperculum in Verbindung stehende Suborbitalring ist 
sehr stark ; sein hinterer Theil ist breit, und wird von einer tiefen Furche durchzogen. Sein vorderer 
Theil ist dagegen in einen starken Dorn verlängert. Ob die zwei seitlich von diesem liegenden Dorne, 
welche anscheinend mit dem ersteren verbunden sind, wirklich integrirende Theile des vorderen 
Suborbitalknochens sind, kann nicht behauptet werden, da es auch aus ihrer ursprüngUchen Lage 
gebrachte Knochen der Scapula sein könnten. 

Das Praeoperculum ist an seinem ganzen hinteren Rande nur dreimal eingebuchtet, so dass 
dadurch drei abgeflachte Dorne entstehen, von welchen der erste (dem inneren Winkel gegenüber- 
stehende) der grösste ist. Vom Operculum blieben nur mehr Spuren übrig. Das Os quadratum ist von 
ansehnlicher Grösse und hat die Form eines spitzwinkeligen Dreieckes. Sein unterer in das Angulare 
eingeschaltet gewesener Theil ist eingeschnürt. Die Ossa radii branchiostegi sind etwas gebogen und 
von ansehnlicher Stärke. 

Die nach aufwärts gebogene Wirbelsäule wird von 22 (8 + H) Wirbeln gebildet, die vom 
Kopfe an gegen das Caudalende hin allmälig kleiner werden. Die Höhen- und Breitendimensionen 
eines jeden Wirbels sind gleich. Von den aus ihnen hervorgehenden Apophysen sind im Allgemeinen 
jene der unteren Seite der Wirbelsäule stärker, als die der oberen Seite, mit Ausnahme der ersten 
vier oder fünf Ihr Neigungswinkel zur Achse der Wirbelsäule beträgt fast durchgängig etwa 45°. 

Die Rückenflosse beginnt ober dem hinteren Ende des Praeoperculums und zieht sich bis 
über den vierten Wirbel (von hinten gezählt). Ihre Basis kommt so ziemlich der halben Körperlänge 
gleich. Diese Flosse wird von 20 Strahlen gebildet, wovon wahrscheinlich 11 ungetheilt waren. Die 
längsten davon sind etwa 2'5mal in der grössten Körperhöhe enthalten. Sämmthche ungetheilten 
Strahlen zeichnen sich durch ihre Stärke aus. Beiderlei Arten von Strahlen werden von starken und nach 
oben breiten Trägern unterstützt, wovon jedoch jene der getheilten Strahlen etwas schmäler sind ; die 
Länge aber dieser letzteren steht kaum jener der Träger der ungetheilten Strahlen nach (aus- 
genommen die hintersten). Im Durchschnitte gleicht die Länge eines Trägers der Länge zweier Wirbel. 



') J. Heckel: ^Neue Beiträge zur Kenntniss etc." 1861, pag. 24, Taf. X, Fig. 10. 



HO 



Drag. Kr amber ger-Gorja7wvic. [25] 



Die aus gleich langen Strahlen bestehende Caudale beträgt fast genau den vierten Theil der 
totalen Länge oder zwei Drittel der Höhe; sie wird von den theilweise zu Platten umgebildeten letzten, 
sowie von den Apophysen des ihm vorangehenden Wirbels unterstützt. Die Anzahl der Strahlen beläuft 
sich auf .ca. 14. 

Die Anale beginnt unter dem 10. Wirbel (von rückwärts gezählt) und besteht aus ca. 10 Strahlen, 
von welchen wahrscheinlich die ersten drei ungetheilt und der erste davon der kürzeste von allen 
war. Die längsten Strahlen dieser Flosse (der 5. und 6.) betrageji. etwa ^/j der Länge der Caudal- 
flosse. Die Träger der ersten drei Strahlen sind stark und lang, während die übrigen allmälig kürzer 
und schwächer werden. Die paarigen Flossen sind minder gut erhalten. Von den Bauchflossen sind 
nur die ersten zwei Strahlen mit einem Theile des Beckenknochens übrig geblieben. Dieselbe beginnt 
senkrecht unter dem vierten Strahl der Rückenflosse. Von der vor ihr liegenden Pectorale sind nur 
zehn ziemlich starke und lange Strahlen zählbar, von welchen die längsten zurückgelegt, fast bis zur 
Anale reichen würden. 

Fundort: Radoboj. (Sammlung der k. k. geolog. Reichsanstalt.) 

2. Scorpaena 7iiinima Kramb. 
(Taf XXII, Fig. 2.) 

Dieses Fischchen, welches ich erst heuer in Dolje fand, Hess trotz der geringen Grösse des 
Körpers eine genaue generische Bestimmung zu. Alle bei voriger Art als Gattungsmerkmale angegebenen 
Eigenthümlichkeiten zeigt auch dieses in natürlicher Grösse abgebildete Individuum. Ausgenommen 
die geringere Grösse und den etwas schlankeren Körper, unterscheidet sich diese Art von der 
beschriebenen noch besonders durch den weniger gekrümmten Vordeckel mit längeren Dornen. 

Beschreibung : 

Der Körper dieses 21 mm langen Fisches ist länglich ; seine maximale Höhe beim Anfange der 
Dorsale beträgt 5 mm, woraus sich das Verhältniss der Höhe zur totalen Länge wie i : 4V0 ergibt. 
Diese Höhe nimmt gegen die Caudale hin allmälig ab, und zwar so, dass die Rückenprofillinie eine bei- 
nahe gerade Linie vorstellt (nur der Schwanzstiel ist etwas aufgebogen), die Bauchprofillinie dagegen 
einen leicht geschwungenen Bogen. Die Höhe des Schwanzstieles beträgt ca. 1^/4 mm. Die Kopflänge 
ist 3^2 irial in der Gesammtlänge enthalten. Von den Kopfknochen wäre zu erwähnen : 

Das Praeoperculum ist äusserst wenig gekrümmt und die 3 kräftigen Dornen daran sind länger 
als bei voriger Art, insbesondere aber derjenige, welcher der Anheftungsstelle des Suborbitalknochens 
gegenübersteht. Der Suborbitalknochenring besteht aus zwei Theilen ; der eine schliesst sich mit seinem 
verhältnissmässig breiten Rande an das Praeoperculum an und zieht sich bis unter die Mitte des 
Auges hin, von wo aus der zweite, in wahrscheinlich drei Dornen ausgehende Theil, der mit dem 
vorigen verbunden ist, bis an die Oberkieferknochen hinreicht. Das Auge ist hoch oben angebracht. 
Die Scapula war auch bedornt, wie dies einige deutliche Spuren zeigen. Die massig gebogenen Ossa 
radii branchiostegi sind 6 oder 7 an der Zahl vorhanden. 

Die gebogene dünne Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln, wovon ca. 14 an den caudalen und 
die 10 übrigen an den abdominalen Körpertheil entfallen. Die Länge der einzelnen Wirbel übertrifft 
ihre Höhe um ein Geringes, auch ist die Abnahme ihrer Grösse gegen die Caudale hin eine allmähge. 
Der Neigungswinkel der Apophysen variirt zwischen ca. 60" und ca. 45"; es sind nämlich die 



[26] Die jungtertiäre Fischfauna Croatieiis. 



III 



Dornfortsätze der vordersten Abdominal-, sowie der hinteren Caudalwirbel diejenigen, welche mehr 
zur Wirbelachse geneigt sind und auch in der Regel kürzer sind, als die übrigen der mittleren 
Körperpartie. 

Die Dorsale beginnt gleich hinter dem Hinterhaupte und zieht sich bis senkrecht ober den 
fünften Wirbel (von rückwärts gezählt) zurück. Sie besteht aus 12 stacheligen und 7 getheilten Strahlen. 
Die stacheligen Strahlen betragen etwa ^/j der Leibeshöhe, die weichen dürften dagegen etwas länger 



'S^ 



Die Anale beginnt unter dem 11. Wirbel (von rückwärts gezählt) und besteht aus 7 
Strahlen, von welchen 3 ungetheilt sind und der dritte davon 3 mm lang ist, somit ^/j der Leibes- 
höhe ausmacht. Einige (vordere) der weichen Strahlen sind länger, als der genannte längste Stachel. 

Die Ventralen besitzen ausser einem Stachel noch je 4 — 5 weiche Strahlen, die fast um die 
Hälfte länger sind, als der stachelige und reichten bis nahe an die Anale zurück. 

Die etwas vor und ober den Ventralen stehenden Pectoralen lassen die Anzahl ihrer Strahlen 
nicht bestimmen, doch waren sie kürzer, als diejenigen der Ventralen. 

Die Caudale ist lang und besteht aus gleich langen Strahlen, wovon die mittleren oder längsten 
beinahe der Leibeshöhe gleichkommen. Ihre Anzahl belauft sich auf ca. 10 — 12. 

Von Schuppen ist nichts zu sehen. 

Fundort: Dolje (weisser Diatomeenschiefer). 

Wird in der geolog. Sammlung von Agram aufbewahrt. 



Farn. Trachinoidei. 
Genus Trachinus. 

T r achinus dracunciilus Heckel. 
(Taf. XXII, Fig. 3—4.) 

Trachinus dracunculus Heckel. Leonh. u. Bronn's neues Jahrb. 184Q, pag. 5oo. 

Der Körper des Fisches ist langgestreckt. Die Leibeshöhe beim Beginne der Anale verhält 
sich zur totalen Länge wie = i : ca. 5V2, oder sie gleicht 7*;3 bis 8 Wirbellängen. Dieselbe vermindert 
sich allmälig von der genannten Stelle gegen die Caudale hin, und zwar so, dass die Höhe des 
Schwanzstieles 2V2mal in der vorigen enthalten ist. Die Kopflänge dürfte s^^mal in der Gesammt- 
länge enthalten gewesen sein. 

Die fragmentarisch erhaltenen Kopfknochen lassen ihre Umrisse nicht mehr wahrnehmen, 
weshalb auf eine Beschreibung derselben verzichtet werden muss. 

Die massig starke Wirbelsäule besteht aus 34 — 36 Gliedern, von welchen etwa 23 auf den 
caudalen und die übrigen auf den abdominalen Körperabschnitt entfallen. Die Höhe jedes einzelnen 
Wirbels ist beinahe zweimal in seiner Länge enthalten ; dieses Verhältniss bleibt bis zum Schwanz- 
ende gleich, nur werden die Wirbel nach hinten allmälig kleiner. Die oberen Dornfortsätze der 
Wirbel, und zwar die der mittleren Körperpartie, bilden mit der Achse der Wirbelsäule einen Winkel 
von beiläufig 60°, welcher sich nach vorne sowie nach hinten allmälig vermindert. Die unteren Dornfort- 
sätze entsprechen hinsichtlich ihrer Neigung so ziemlich den ihnen gegenüberstehenden, nur sind sie 
durchwegs etwas gebogen, während dagegen die oberen zum grössten Theil geradlinig und nur die 
hintersten unter ihnen etwas gekrümmt sind. Die Rippen sind sehr zart und von massiger Länge. 



112 Drag. Kr amber ger-Gorjanovic. [z'j\ 

Die erste, aus 6 — 7 Stacheln bestehende Dorsale ist im Verhältnisse zur zweiten, welche 
sich fast über den ganzen übrigen Theil des Rückens hinzieht, sehr schmal zu nennen. Der dritte und 
längste Stachel davon gleicht der Länge von ca. 5V2 Wirbeln; die übrigen nehmen immer mehr an 
Länge ab, jedoch rascher nach hinten als nach vorne. Der erste Stachel nämlich ist nur unbedeutend 
kürzer, als der dritte, dagegen ist der letzte um die Hälfte kleiner als dieser. Wie bemerkt, ist die 
zweite Dorsale sehr lang. Sie nimmt ober dem 25. oder 26. Wirbel (von rückwärts gezählt) ihren 
Anfang und zieht sich bis ober die Mitte des 6. Wirbels. Genaue Angaben über die Beschaffenheit 
ihrer Strahlen können nicht gemacht werden, indem sie dem Rücken bei allen (4) Exemplaren anliegt. 
Sicher ist jedoch, dass ihre vorderen und hinteren Strahlen kürzer waren, als die übrigen. Nach der 
Anzahl der Träger zu schliessen, dürfte sie etwa 22 — 24 Strahlen besitzen. Was die Träger der beiden 
Flossen anlangt, so sind sie im Allgemeinem ziemHch lang (die vordersten oder längsten gleichen 
2Va Wirbellängen); ihre Grösse nimmt gegen das Schwanzende hin allmälig ab. 

Die Anale ist auch sehr lang. Sie beginnt schon unter dem letzten Strahl der ersten Dorsale 
und besteht aus ca. 26 Strahlen, die jenen der zweiten Dorsale gleichen. Was nun die Träger anlangt, 
so sind sie mit Ausnahme einiger vorderen, welche ein förmliches Bündel darstellen, indem sie 
anscheinend aus einem Punkte divergirend nach zwei Richtungen hin ausgehen, sonst ganz so wie 
jene der Dorsalen beschaffen, nur sind sie durchwegs länger. 

Die Pectorale ist breit und besteht aus langen getheilten Strahlen, von denen die mittleren bis 
zum sechsten Analstrahl zurückreichen. Ihre Anzahl beläuft sich auf ca. 16. Die kehlständige Ventrale 
besteht wahrscheinlich aus sechs getheilten Strahlen, welche fast um die Hälfte kürzer sind, als die 
der vorigen Flosse. 

Die Caudale stützt sich auf die zwei plattenartigen Fortsätze des letzten und die Apophysen 
des vorletzten Wirbels. Die Anzahl ihrer Strahlen ist ca. 14 Haupt- und jederseits ca. 3 — 4 
Randstrahlen. 

Die einfache Seitenlinie verläuft anfänglich im oberen Körperviertel und senkt sich dann 
succesive gegen die Mitte des Körpers. Die Schuppen sind nirgends deuthch erhalten. 

Fundort: Radoboj. (Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt.) 



Farn. Sphyraenoidei. 

Genus Sphyraena. 

Sphyraena Croatica Kravib. 
(Taf. XXVIII, Fig. I.) 

Dieses einzige, verhältnissmässig recht gut erhaltene Exemplar unterscheidet sich von den 
bisher bekannten Arten dieser Gattung theils durch ihren weniger schlanken Körper, theils durch 
ihre kürzeren Wirbel. Bezüglich ersterer Eigenschaft allein muss unsere Art von SpJi. bolcensis Ag. 
getrennt werden, ebenso auch bezüglich ihrer kürzeren Wirbel von Sph. gracilis Ag. Sph. amici Ag. 
ist ein Fragment, dessen Stellung in der Gattung Spliyracna noch nicht genügend begründet ist, 
weshalb auf eine Vergleichung mit dieser Art verzichtet werden muss. Spliyracna Viennensis Steind. 
ist eine sehr kleine Art. Abgesehen aber von der geringen Körpergrösse, gibt es noch durchgreifendere 
Unterschiede, die ich aber hier nicht näher erörtern möchte. 



[28] Die jimgtej-tiäre Fischfaima Croatiens. 113 



Beschreibung: 

Da leider der Kopf gänzlich verunstaltet ist, so muss von der Angabe der Längenverhältnisse 
des Körpers abgesehen werden. Ich beschränke mich daher darauf, die Leibeshöhe blos in Wirbellängen 
auszudrücken. Dieselbe beträgt beim Beginne der ersten Dorsale 5% abdominale Wirbel und bleibt 
bis zur zweiten Dorsale, resp. Anale gleich und erst nach diesen Flossen verringert sie sich, jedoch 
nur ganz allmälig, indem die Höhe des Schwanzstieles beinahe 3^5 Wirbellängen beträgt. 

Die ziemlich starke Wirbelsäule lässt 21 Glieder in zusammenhängender Reihe und ausserdem 
noch drei seitlich umherliegende erkennen. 12 davon gehören dem caudalen und die übrigen dem 
abdominalen Körperabschnitte an. Die einzelnen Wirbel sind länger als breit ; niemals aber gleicht 
ihre Länge der doppelten Höhe. Gegen die Schwanzflosse hin verkleinern sich die Wirbel, bleiben 
aber trotzdem immer länger als hoch. 

Die Dornfortsätze sind dünn und nicht besonders lang. Der längste Fortsatz im abdominalen 
Körpertheil ist nur iVg abdominale Wirbel lang. Der Neigungswinkel derselben beträgt so ziemlich 
durchgehends ca. 45°. Die Rippen zeichnen sich ebenso wie die Apophysen durch keine besondere 
Länge und Stärke aus. Sie sind schwach gebogen und die längsten messen etwas über drei 
Wirbellängen. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem vorderen Ende des 18. Wirbels (von rückwärts 
gezählt) und besteht aus dünnen, geradlinigen Stacheln, deren längster (wahrscheinlich der dritte) nur 
zwei Wirbel misst. Ihre Anzahl dürfte kaum mehr als 4 erreicht haben. 

Bei weitem besser ist die zweite Dorsale entwickelt. Sie beginnt ober dem Anfange des 
10. Wirbels und reicht bis ober die Mitte des 7. Wirbels zurück. Der zweite Strahl dieser Flosse 
erreicht eine Länge, welche jener von 4 abdominalen Wirbeln gleicht, der letzte ist aber beinahe viermal 
kürzer als dieser, weshalb auch die Flosse sehr schräg nach rückwärts abgestutzt erscheint. Die 
Anzahl der Strahlen beläuft sich auf 10, einer davon und zwar der erste ist ungetheilt, die übrigen 
aber getheilt und gegliedert. Die Träger dieser Flosse sind lang und schmal, insbesondere aber die 
der vordersten Strahlen. 

Die Anale beginnt genau unter dem Anfange der zweiten Dorsale. Sie scheint ebenso wie 
die vorige Flosse 10 Strahlen zu besitzen, was ich indessen blos nach der Anzahl der Träger constatirte, 
welche in ihrer ursprünghchen Reihenfolge erhalten sind, während die Strahlen selbst nur theilweise 
vorhanden blieben. 

Die Ventralen stehen unter und etwas vor der ersten Dorsale. Ihre Strahlen stützen sich 
auf die schlanken Beckenknochen, sind indessen zumeist nur in Abdrücken sichtbar. Die längsten 
davon erreichen die Länge von 3 Abdominalwirbeln. 

Sehr gut ist die Caudale conservirt. Sie zeichnet sich insbesondere durch ihre ansehnliche 
Breite aus. Sie dürfte etwa 22 Haupt- und jederseits noch einige Randstrahlen besitzen. Sämmtliche 
Strahlen sind getheilt und gegliedert. 

Die Schuppen sind massig gross und rund. Ihre Oberfläche ist mit zahlreichen Radien 
versehen, welche durch dichtgedrängte concentrische Kreise durchkreuzt werden. 

Die Seitenlinie zieht sich anfänglich im oberen Sechstel der Körperhöhe und senkt sich 
dann unter der zweiten Dorsale unter die Wirbelsäule. Die Seitenlinie wird markirt durch körnige, 
ovale Verdickungen, welche der Länge nach gespalten sind. 

Fundort: Podsused. Wird im geologischen Museum in Agram aufbewahrt. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 4. 13 



114 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [29] 

Farn. Mugiloidei. 

Genus Mugil. 

Ueberreste von echten Mugil-Arten sind bisher blos aus den Süsswassei'-Schichten von Aix 
in der Provence bekannt geworden. Dieselben beschrieb Agassiz in seinem bekannten Fisch- 
werke unter dem 'H-a.m.tn ]\higil princeps^), obwohl sie schon früher von Blainville veröfifentlicht 
wurden, jedoch aber mit der lebenden Art des mittelländischen Meeres Lhig. cephalus C. V. identi- 
ficirt, was sich indessen nachträglich als nicht correct erwies. Unsere vorliegenden Skelette stammen 
theils aus Radoboj, wie dies schon Heckel in Leonh. und Bronn's Jahrbuch^) erwähnte, theils 
wieder aus dem grünlich-grauen, bituminösen Schiefer von Vrabce her. Sie sind dem Micg. princeps. Ag. 
sehr nahe verwandt, können aber aus manchen Gründen mit dieser Art nicht gut vereinigt werden. 
Ich hebe nur hervor, dass die zweite Dorsale bei unseren Exemplaren weiter vorne beginnt, dass 
die hakenförmigen Fortsätze der Wirbel (wo vorhanden) auffallend lang zu nennen sind, dass die 
Pectoralen sehr lang sind u. s. w. Was die Verwandtschaft unserer fossilen Reste mit der lebenden 
Art Mtig. cephahis C. V. anlangt, so kann ich dies kaum übergehen, ohne hervorzuheben, dass sie 
ziemhch gross ist. Ich will es nicht wagen, diese fossilen Reste mit der erwähnten lebenden Art zu 
identificiren, weil zu diesem Zwecke die vorliegenden Exemplare nicht hinreichend gut erhalten sind 
und ausserdem hege ich auch manche Bedenken gegen diese Vereinigung. Ich nenne sie indessen 
nach dem zuerst in Radoboj aufgefundenen Exemplare : 

Mugil Rad oboj anus Kraiitb. 
(Taf. XXVIU, Fig. 2, 3, 4.) 

a) Exemplar aus Radoboj. Taf. XXVIII, Fig. 2. 

Der Körper dieses Fisches ist gestreckt. Seine Höhe (bei der ersten -Dorsale) dürfte ca. 6mal 
in der Gesammtlänge enthalten gewesen sein. Von den Kopfknochen ist noch am besten das Oper 
culum conservirt; es hat die Form eines Dreieckes, dessen zwei untere Winkel (der hintere und 
vordere) sehr abgerundet sind, während dagegen der obere zugespitzt erscheint, Seine Oberfläche 
ist leicht convex gebogen und mit vom oberen spitzen Winkel radiär ausgehenden Knochenfasern 
bedeckt. Ein fragmentarischer Knochen, welcher jedenfalls das Praeope r c ul u m ist, zeigt einen 
der Leiste desselben gegenüberliegenden, merklich nach hinten ausgezogenen Rand. 

Die kräftige fast unmerkHch gegen die Schwanzflosse hin dünner werdende Wirbelsäule 
verläuft fast geradlinig und besitzt noch 20 Wirbel, von denen 12 dem caudalen und die übrigen 
(wahrscheinlich auch 12) dem abdominalen Körperschnitte angehören. Sämmtliche Wirbel sind von' 
gleichen LänEjen- und Breitendimensionen, dabei sehr stark und höckerig. Die massig gebogenen 
Dornfortsätze sind im Allgemeinen kurz und schwach zu nennen. Sie gehen zum grössten Theil aus 
der Mitte eines jeden Wirbels (ausgenommen einige der hinteren Caudalwirbel) mit einer kräftigen 
Basis hervor, die jedoch gegen ihr Ende hin rasch an Stärke abnimmt. Der Neigungswinkel der 
oberen Apophysen beträgt etwa 40». Die unteren Dornfortsätze der ersten zwei Caudalwirbel sind 
sehr kurz und stark zurückgebogen ; die darauffolgenden zwei längeren sind etwa 50» zur Wirbelaxe 



') „Poissons fossiles.« Vol. V. pag. 121, Tab. 48, Fig. i u. 2. 
^) Jahrg. 184g, pag. 5oo. 



[30] Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 115 

geneigt, während dann die noch übrigen den oberen entsprechen. Es soll hier noch gleich bemerkt 
sein, dass die Apophysen der letzten drei Schwanzvvirbel geradlinig, dabei viel stärker als alle vorigen 
sind und zur Stütze der Caudale dienen. Ausserdem geht noch der letzte Wirbel in zwei dreieckige 
Platten aus. 

Die ziemlich schwachen Rippen sind durchwegs länger als die Apophysen (3^/3 — 4 Wirbel). 

Die erste Dorsale beginnt beinahe in der Mitte des Körpers (ohne der Caudale) oder 
ober dem vorderen Ende des 15. Wirbels. Sie besteht aus sehr starken, nur sehr schwach zurück- 
gebogenen Stacheln, von denen nur drei vorhanden sind. Der erste und längste Stachel beträgt genau 
4 Wirbellängen oder ^/g der Leibeshöhe; die übrigen werden nur unbedeutend kürzer. Die Träger 
dieser Stacheln sind mit Ausnahme des ersten bis zur Wirbelsäule herabreichenden und plattenartig 
ausgebreiteten, auffallend kurz (^ ^/a des ersten) und im Verhältnisse zur Stärke der Stacheln auch 
schwach zu nennen. 

Etwa 7^/2 Wirbellängen hinter dem Beginne der ersten Dorsale nimmt die zweite ihren 
Anfang. Sie scheint jedoch merklich aus ihrer natürlichen Lage gebracht zu sein ; besonders aber 
gilt dies für ihren vorderen Theil. Nach der Anzahl der Träger zu schliessen, besteht sie aus 10 
mehrfach getheilten Strahlen, von welchen jedenfalls der erste ungetheilt war. Die Träger sind 
ziemlich schwach. 

Die Anale beginnt r5 Wirbellängen vor der soeben besprochenen Flosse. Sie wird von 
ca. 8 getheilten Strahlen und drei Stacheln gebildet, von welchen letzteren der dritte der längste 
ist und drei Wirbel misst, während der erste nur der Länge eines solchen gleicht. Die vorderste 
der getheilten Strahlen sind übrigens länger als der letzte Stachel ; die anderen Strahlen sind leider 
nur theilweise erhalten. Die Träger bieten nichts bemerkenswerthes dar. 

Die Ventrale liegt unter dem vorderen Ende des 17. Wirbels (von rückwärts gezählt) und 
lässt deutlich 5 Strahlen erkennen, von denen der erste stachelig ist (ursprüngHch wahrscheinhch 1I5) ; 
die übrigen etwas längeren, jedoch zerbrochenen Strahlen waren mehrfach getheilt. Alle stützen sich 
noch an die schlanken und über 3 Wirbel langen Beckenknochen. 

Die Pectorale ist leider schlecht erhalten und zwar so, dass man nicht mehr im Stande ist, ihre 
Insertionsstelle genau anzugeben. Sie scheint ca. 4 Wirbel vor der ersten Dorsale fixirt gewesen zu 
sein und besass ziemlich lange Strahlen, wie man dies nach der Stärke der noch vorhandenen 
Strahlenfragmente schliessen kann. 

Die Caudale ist auch nicht mehr ganz erhalten gebheben. Sie ist von ansehnhcher Grösse 
und war nur massig eingebuchtet. Ihre Strahlen sind mehrfach getheilt und kurz gegliedert ; die 
Anzahl derselben dürfte ca. 14 betragen haben und ausserdem noch einige Randstrahlen. Diese Flosse 
wird von den Apophysen der zwei letzten Wirbel, sowie auch von den schon erwähnten zwei Platten, 
in welche der letzte Wirbel ausgeht, unterstützt. 

Das noch theilweise erhaltene Schuppenkleid besteht aus ovalen, ziemhch starken Schuppen. 
Von einer der schmälern Seiten der Schuppe verlaufen ca. 9 faltenartige Radien, von welchen die 
mittlere die längste ist, die übrigen aber jederseits regelmässig an Länge verHeren. Ueberdies ist 
noch die Schuppenfläche mit einer guillochirten Schichte bedeckt. 

Fundort: Radoboj. Sammlung d. k. k. geol. Reichsanstalt. 

b) Exemplare aus Vrabce. Taf 28, Fig. 3, 4- 

Körper gestreckt. Die maximale Leibeshöhe beim Beginne der ersten Dorsale gleicht dem 
6.-7. Theil der totalen Länge oder sie entspricht der Länge von ca. 5V2 abdominalen Wirbeln. Die 
Kopflänge mag SVj — S^/amal in der Gesammtlänge enthalten sein. Von den Kopfknochen tritt uns 

IS* 



ii6 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [31] 

als bezeichnend das breite dreieckige Operculum hervor ; seine Oberfläche ist mit deutlichen vom 
oberen Winkel radiär ausgehenden Knochenfasern bedeckt. Die übrigen Kopfknochen sind leider 
unkenntHch. Die Wirbelsäule ist massig stark, zählt 24 (12 + 12) Wh-bel, die sich nach rückwärts zu 
nur ganz allmälig verjüngen. Der vordere und obere Theil eines jeden Wirbels geht in einen schlanken 
nach vorne gebogenen Haken über. Was die Grösse der Wirbel anlangt, so wäre zu bemerken, 
dass sie mit Ausnahme einiger kürzerer Abdominal- und weniger Caudalwirbel fast zweimal so lang 
als hoch sind. Die Apophyscn sind flach und S-förmig gebogen (besonders schön die unteren) ; ihr 
Neigungswinkel beträgt in der mittleren Körperparthie ca. 50", vermindert sich indessen allmälig nach 
rückwärts, wobei auch die Länge der Apophysen abnimmt. Eine Ausnahme hievon machen blos die 
Fortsätze des dritt- und zweitletzten Caudalwirbels, welche geradhnig sind und zur Stütze der Caudale 
dienen. Der letzte sehr reducirte Wirbel geht in zwei dreieckige Platten über. 

Die Rippen sind dünn und massig lang. 

Die erste Dorsale beginnt senkrecht ober dem 16. Wirbel (von hinten gezählt) und besteht 
aus 3 (?) ziemlich starken Stacheln, wovon der längste ca. 4 abdominale Wirbel misst. Die Träger 
der Stacheln sind schlank, dabei weder besonders lang noch stark zu nennen. Vor und hinter dieser 
Flosse bis zur zweiten Dorsale hin ziehen sich blinde Träger, 

Die zweite Dorsale steht ober dem 9. Wirbel und besteht aus ca. 8 Strahlen. Ihre Träger 
sind dünn. 

Die Anale hegt unter dem vorderen Ende des 10. — 11. Wirbels, steht also vor der zweiten 
Dorsale. Sie zählt ca. 12 Strahlen. Ihre Träger sind so wie bei der vorigen Flosse beschaffen. 

Die Ventrale steht vor der ersten Dorsale und zwar unter dem 19. — 20. Wirbel (von 
rückwärts gezählt). Die Anzahl ihrer noch an die Beckenknochen angehefteten Strahlen beträgt 1I5. 
Der stachelige davon ist geradhnig und ziemhch kräftig ; seine Länge gleicht jener von beinahe 
3 abdominalen Wirbeln. Die getheilten Strahlen dieser Flosse sind nur unbedeutend länger als der 
geschilderte stachelige. 

Die Pectorale ist nur an dem kleineren Individuum sichtbar. Sie zeichnet sich aus durch 
ihre beträchthch langen Strahlen, deren ca. 15 vorhanden sind und von denen die längsten 4'/3 ab- 
dominale Wirbel messen. 

Die Caudale ist leider an beiden Exemplaren mangelhaft erhalten. Sie dürfte ca. 16 Haupt- 
und einige Randstrahlen besitzen. 

Fundort: Vrabce (sarm.) Im geologischen Museum in Agram. 

Pam. Scomberoidei. 

Die in den wiederholt genannten Localitäten vorkommenden verhältnissmässig zahlreichen 
Vertreter der Fam. Scomberoidei gehören vier Gattungen an : 

d) der Gattung Scomber, von welcher Steindachner ^) einen sehr gut erhaltenen, aus Radoboj 
stammenden (an der Etiquette ist irrthümlich der Fundort Podsused angegeben) Rest beschrieb und 
ihn mit dem Namen Scomber Susedamis belegte. Eine andere Art dieser Gattung habe ich beschrieben. 

b) der bisher im fossilen Zustande noch nicht bekannten oder vielleicht besser j,nicht erkannten* 
Gattung AiLxis, von welcher mehrere Exemplare von Radoboj, Podsused und Vrabce vorliegen und 
vier Arten angehören. 



') In : „Sitzungsber. d. m. n. Gl. d. k. k. Ak. d. W. in Wien«. Bd. XXXVIII, pag, 776, Taf. II. 



[3: 



Die jungterhäre Fisckfauna Croatiens. 



"7 



c) der Gattung Caranx, von welcher sich drei Arten leicht unterscheiden Hessen. 

d) meiner neuen Gattung Proantigonia, die durch zwei aus Radoboj herrührende Arten 
repräsentirt wird. 



2. 



1 



Aö 





Das von Cuvier und Valenciennes aufgestellte kleine Genus Auxis umfasst Formen, die 
gewiss^rmassen zwischen den Scomber und Thynniis in der Mitte stehen. Der schlanke Körper und 
die beiden durch einen weiten Zwischenraum getrennten Dorsalen sind die Merkmale, welche die 
Gattung Auxis mit der Gattung Scomber gemein hat. Der häufig höhere Leib, sowie die oft grössere 
Anzahl der falschen Flossen, dann die grösseren Schuppen am Brustgürtel, welche letztere einen 
förmlichen Panzer bilden und endlich der Kiel zu beiden Seiten der Schwanzflosse, sind die Eigen- 
thümlichkeiten, welche die Gattung Auxis mit der Gattung Thynnus theilt. 

Die Charaktere der Gattung Auxis sind demnach folgende: Körper schlank; beide Dorsalen 
durch einen weiten Zwischenraum getrennt; Schuppen am Brustgürtel grösser und einen Gürtel 
bildend; ein Kiel jederseits der Schwanzflosse. 

Diese hier geschilderten Eigenschaften lassen sich wohl sehr gut an lebenden Arten verwerthen, 
um eine generische Trennung durchzuführen. Die Zutheilung eines fossilen Restes aber in die Gattungen 
Scomber, Auxis, Thynnus (ich werde wegen 
des häufigeren Vorkommens und der noch 
häufigeren Verwechselung diese eben ge- 
nannten drei Genera auch einer eingehenden 
Betrachtung unterwerfen) ist oft mit Schwie- 
rigkeiten verbunden. Das häufige Fehlen 
des Kopfes und noch öfter der Schuppen, 
u. s. w. sind die gewöhnlichen Schwierig- 
keiten, mit denen der Palaeoichthyologe zu 
kämpfen hat. Da ich in eine ähnliche Lage 
versetzt wurde, und da mir eine richtige 
Determination sehr erwünscht war, so griff 
ich zu den Skeleten der lebenden Vertreter 
der drei genannten Gattungen, um weitere 
Merkmale ausfindig zu machen und dadurch die Bestimmung zu erleichtern. 

Das Vorhandensein von verkürzten Trägern der Strahlen der ersten Dorsale, welche an fast 
allen mir vorHegenden fossilen Resten sehr gut ausgeprägt sind, lenkte auch meine Aufmerksamkeit 
dahin, diese für den erwähnten Zweck möglicherweise zu verwerthen. Durch die ausserordentHche 
Güte des Herrn Directors des k. k. Hofnaturaliencabinetes Dr. Fr. Steindachner wurde es mir ermöglicht, 
das Studium dieser verkürzten Träger auch an Skeleten lebender Arten vorzunehmen, und das da- 
durch erhaltene Resultat zeigte, dass eine scharfe Trennung dieser drei Genera bei nur einigermassen 
gut erhaltenen Resten wirklich auf Grund der genannten Träger durchführbar ist. 

I. Genus Auxis. Den Bau der verkürzte Träger beobachtete ich an Auxis vulgaris C. V.\ 
er ist folgender Art : Der Träger des ersten stacheligen Strahles der ersten Dorsale ist der grösste 
(einem zweischneidigen Dolche nicht unähnhch). Sein oberer Theil (die Basis) hat zwei kurze seitliche 
Arme, an welcher der erste ungetheilte Strahl anliegt. Die folgenden Träger werden allmälig kürzer, 
dabei aber geschieht folgende Aenderung an ihren Armen : s,Im selben Verhältnisse, als die Grösse 
des Trägers unten (bei c) abnimmt, nehmen die seitlichen Arme an Grösse zu und bilden am Rücken 



Fig. 1. Schematisch dargestellte Träger TOn Auxis vulgaris C. V. 
^. Der erste unverkürzte Träger mit den vorderen Armen a. — 2. Derselbe von der 
Seite gesehen; a sein vorderer, h sein hinterer Arm. — 8. Ein folgender Träger 
dessen Arme a sich etwas vergrösserten. — 4. Ein verkürzter Träger, bei vrelchem 
a stark ausgebildet ist. — c. Dasselbe, nur ist auch der zweite Arm 6 vergrössert. 
— S = Strahl. 



iii: 



Drag. Kramberge7'-Go7'janovic. [33] 



einen doppelten Kamm.* Hinter dem zuerst sich zu einem Kamme verlängernden Arm [d] befindet 
sich noch ein kleinerer {b), der bei noch grösserer Verkürzung des Trägers, sich ebenfalls vergrössert 
(jedoch bleibt er fast um die Hälfte schmäler als der erste) und schmiegt sich dem ersten Kamm 
an, ja verwächst sogar mit ihm und bildet scheinbar ein ununterbrochenes Ganzes. 

Wie aus den Abbildungen zu ersehen ist, Hegt ein jeder Strahl zwischen je zwei Kämmen. 

Die verkürzten Träger ziehen sich nicht bis zur zweiten Dorsale hin, sondern lassen einen 
Raum übrig, der durch s. g. blinde unverkürzte Träger erfüllt wird, eine Eigenthümlichkeit, welche, 
wie wir bald sehen werden, für diese Gattung sehr bezeichnend ist. 

Um mich nicht zu weit in die osteologischen Details einzulassen, will ich nur noch mit 
einio-en Worten die Anordnung oder das Fehlen dieser besprochenen verkürzten Träger bei den 
noch übrigen zwei Gattungen berühren. 

2. Genus Thymms. Für diese Gattung ist es sehr bezeichnend, dass die verkürzten 
Träger der Strahlen der ersten Dorsale sich bis zur zweiten erstrecken. 

3. Genus Scomber, Diese Gattung besitzt im Gegentheile zu den beiden genannten keine 
verkürzten Träger mit der kronenartigen Auszackung. 

Der UebersichtHchkeit halber will ich eine Zusammenstellung der Merkmale dieser drei Genera 
in tabellarischer Form angeben : 

A. Beide Dorsalen durch einen weiten Zwischenraum getrennt. 

I. Keine kronenartig verkürzten Träger der Strahlen der ersten Dorsale. 
Schuppen am ganzen Körper gleichmässig. Scomber. 

II. Die Strahlen der ersten Dorsale stützen sich auf verkürzte Träger. 

Schuppen am Brustgürtel bilden einen Panzer. Auxis. 

B. Beide Dorsalen sehr genähert. 

I. Die verkürzten Träger reichen bis zur zweiten Dorsale hin. 

Schuppen am Brustgürtel einen Panzer bildend. Thynmis. 

Die fossilen Reste, welche mir zur Beobachtung der erwähnten Eigenthümlichkeiten im Baue 
und der Ausdehnung der verkürzten Träger zum Studium vorlagen, stammen {Scomber, Auxis), wie 
schon erwähnt wurde, aus Radoboj, Podsused und theilweise auch aus Vraböe. Eine Thynnus-Art (aus 
den Menilitschiefern von Nikolschitz) aber wurde mir freundlichst von Herrn A. Rzehak in Brunn zur 
Ansicht übersandt. 

Bevor ich zur Beschreibung der Fossilien übergehe, hätte ich noch Folgendes über die bereits 
beschriebenen Thynnusreste zu bemerken : 

Thynnus propterygms Ag. von Mt. Bolca *) ist, der Abbildung nach zu schliessen, sicherlich 
kein Thyiinus. Die beiden weit entfernten Dorsalen, sowie auch der schlanke Körper lassen in ihm 
vielmehr einen Azixis vermuthen. Die grösseren Schuppen am Brustgürtel sind ja auch dem Auxis 
gemein. Es wäre jedenfalls eine Revision dieser, sowie auch der von Dr. Sauvage ^) von Oran (in 
Algier) beschriebenen zwei Thynnus- Arten (77/. angustus Sauv. und Th.if) proximus Saiiv) erwünscht. 
Wir werden später eine aus Radoboj herrührende kleine, sehr schlanke Auxis-Art kennen lernen, 
die dem Th. ayigustus Sauv. sehr nahe steht. Ausserdem citirt Dr. Sauvage ^) ein dem Genus Auxis 
oder Scomber nahe verwandtes Individuum, welches der Abbildung nach kaum diese Stellung zu 



') „Les poissona fossiles" Vol. 5, Tab. 27. 

-) Annales geologiques IV, iSyS, pag. 144 — 147, PI. 3, Fig. 21 — 24. - 

') ibid. „ , 1873, pag. I48— ibo, PI. 2, Fig. 12. 



[34] Die jtingtertiäre Fischfauna Croatiens. 119 

verdienen scheint. Die Gestalt des Körpers, besonders aber der schmale Caudalabschnitt, dann die 
sehr kleinen Wirbel und endlich die Lage der zweiten (?) Dorsale dürften schwerlich die Stellung in 
der Familie Scoviberoidei überhaupt rechtfertigen. Ich habe diese letzteren Bemerkungen nur deshalb 
hinzugefügt, um dadurch möglicherweise Veranlassung zu einer wiederholten Untersuchung dieser 
raglichen Reste zu geben, wofür das Fehlen oder das Vorhandensein verkürzter Träger höchst wahr- 
scheinlich einen sicheren Aufschluss geben würde. 

I. Genus Scomber. 

I. Scomber Steindaclineri Kramb. *) 

(Syn. : Scomber Susedanus Steindachner. Sitzungsber. d. m. n. Gl. d. k. k. Ak. d. W. Bd. 38, pag. 776, Taf. II.) 
Körper schlank und gestreckt. Kopflänge 4-Smal (oder == 9 Rumpfwirbel) ; Kopfliöhe /mal 
und die maximale Leibeshöhe (unter den Bauchflossen) 5'75mal in der Gesammtlänge enthalten. 
I. D. 10 — 11; 2. D. II + 5 p. sp.; A. 12 + 5 p. sp. ; V. 8(.^) 
Anzahl der Wirbel : 28 (11 + i/)- Schuppen klein, concentrisch gestreift. 
Fundort: Radoboj. (Sammlung des k. k. Hofmineraliencabinetes). 

2. Scomber priscjis Kramb. 
(Taf. XXIV, Fig. 3.) 

In der geologischen Sammlung zu Agram befindet sich eine zweite Art dieser Gattung, 
welche wie die erstere alle generischen Merkmale in ausgezeichneter Weise zeigt. Der Unter- 
schied zwischen Sc. Steindachneri und dieser neuen Art liegt darin, dass letztere einen höheren Leib, 
zahlreichere Wirbel und viel kleinere Schuppen besitzt. Das vertical gestellte Praeoperculum, eine 
Eigenthümlichkeit, welche keiner europäischen recenten Art zukommt, mangelt auch unserer Art 
nicht, weshalb sie sich auch wie Sc. Steindachneri den heutzutage lebenden Arten des indischen 
Oceans anschliesst. 

Beschreibung : 

Der Körper dieses mit Ausnahme des verunstalteten Kopfes sonst gut conservirten Fisches ist 
länglich und gestreckt. Vom Beginne der ersten Dorsale nimmt die Körperhöhe, welche an dieser 
Stelle 8-5 Abdominalwirbel misst, gegen das Schwanzende hin ungleichmässig ab ; denn, während sich 
dieselbe bis zum Beginn der Anale kaum eine Wirbellänge vermindert, nimmt sie dagegen von da 
an rasch ab, und zwar so, dass sie ober der Mitte des achten Caudalwirbels (von rückwärts gezählt) 
nur 4-5 abdominale Wirbel beträgt. Da die oberen Kopfknochen mit dem übrigen Körper noch im 
natürlichen Zusammenhange stehen, so ist die Angabe der Grössenverhältnisse des Körpers genau 
durchführbar. Wie bemerkt, beträgt die maximale Leibeshöhe 8-5 Wirbellängen oder sie steht zur 
totalen Körperlänge im Verhältnisse wie i : 4-5 (bei Sc. Steindachneri i : 575). Die Kopflänge ist 3-6mal 
in der Gesammtlänge enthalten. ' . 



') Wie ich es schon bei der allgemeinen Besprechung der drei Genera der Farn. Scomberoidei bemerkte, ist der Fundort 
dieser Art irrthümlich als ^Podsused« angegeben. Die Mergelplatte, an der sich das Skelet des betreffenden Fisches befindet, 
stammt aus Radoboj, weshalb mich Herr Dr. Fr. Steindachner ermächtigte, einen anderen Namen zu wählen. Ich erlaube mir daher 
den Speciesnamen „Susedanus" in ^Steindachneri' umzuprägen, welche Aenderung jedenfalls allgemeinen Anklang finden wird. 



I20 Drag. Kr amB erger- Gorjanovic. [35] 

Die Kopfknochen sind äusserst mangelhaft erhalten. Mit Ausnahme des längHchen Unterkiefers 
und des Praeoperculum, dessen innere Leiste rechtwinkelig gebogen ist und eine senkrechte Lage 
hat, ist noch kaum etwas Erwähnenswerthes von den Kopfknochen vorhanden. 

Die ziemlich starke, leicht gebogene Wirbelsäule beginnt im oberen Drittel der Leibeshöhe 
und zählt 30 Wirbel, wovon 16 dem caudalen und 14 dem abdominalen Körperabschnitte angehören. 
Ausgenommen die drei letzten Caudalwirbel, welche gleiche Längen- und Breitendimensionen besitzen, 
sind alle übrigen etwas länger als breit (i : c V3). 

Die Dornfortsätze der Abdominalwirbel, und zwar die oberen, sind zur Achse der Wirbel- 
säule geneigter als die den Caudalwirbeln entspringenden ; erstere bilden einen Winkel von ca. 40", 
letztere einen von ca. 50°, welcher sich jedoch vom siebenten Wirbel (von hinten gezählt) gegen das 
Schwanzende hin rasch vermindert. Die abdominalen Wirbel besitzen an der unteren Seite keine 
Fortsätze, dagegen sind sie an den Caudalwirbeln vorhanden und entsprechen hier hinsichtlich ihrer 
Neigung jenen der oberen Seite. 

Die Rippen sind im Allgemeinen länger als die Dornfortsätze und leicht gebogen, Sie scheinen 
schon am ersten Wirbel zu beginnen, von wo sie dann an Länge allmälig nach rückwärts abnehmen, 

Die erste Dorsale beginnt beiläufig im ersten Drittel der Körperlänge oder ober dem 25. Wirbel 
(von rückwärts gezählt) und besitzt 10 oder 11 stachelige Strahlen, wovon der längste 4 Wirbellängen 
beträgt. Die Träger der Strahlen sind ziemlich lang und unverkürzt. (Die Träger der vorderen Strahlen 
messen 2, jene der hinteren 1-5 Wirbel). 

ir5 Wirbellängen hinter dem Beginne der ersten Dorsale nimmt die zweite ihren Anfang. Die 
Anzahl ihrer Strahlen ist 10 — 12, wovon die längsten etwas über 2 mittlere Wirbel messen ; die 
übrigen werden nach hinten immer kürzer. Die Träger der Strahlen dieser Flosse sind kürzer und 
schlanker als jene der ersten Dorsale. Hinter dieser Flosse folgen fünf falsche Flossen, die von 
ziemlich starken, stumpfwinkelig gekrümmten Trägern unterstützt werden. Zwischen beiden Dorsalen 
befinden sich 10 blinde Träger. 

Ganz analog der vorigen Flosse ist die Anale gebaut. Sie beginnt eine Wirbellänge hinter 
der zweiten Rückenflosse und zählt 12 Strahlen. Hinter ihr folgen noch 5 falsche Flossen. 

Die Ventrale beginnt unter dem Anfange der ersten Dorsale ; ihre Strahlen stützen sich noch auf 
die Beckenknochen und waren über 6 an der Zahl vorhanden. Die Pectorale ist etwas vor der ersten 
Dorsale und an der Mitte des Leibes angebracht. Sie besteht aus 18 Strahlen, wovon der erste und 
zugleich der längste drei Wirbellängen beträgt. 

Die massig eingebuchtete Caudale besteht aus 18 Hauptstrahlen, welche halbkreisförmig um 
den letzten Wirbel angebracht sind und aus jederseits 5 oder 6 Randstrahlen, welche von den 
Fortsätzen des vorletzten Wirbels unterstützt werden. Die längsten Strahlen dieser Flosse messen 6 
und die Entfernung der beiden Caudallappen 8 Wirbellängen. 

Die concentrisch gestreiften Schuppen sind äusserst klein; es gehen deren 6 Reihen auf die 
Länge eines Wirbels. 

Fundort: Podsused. (Geologische Sammlung Agrams.) 

II. Genus Auxis. 

Von dieser Gattung hegen aus Radoboj nicht weniger als 14 Platten mit Abdrücken zweier 
Arten vor, aus Podsused und Vraböe dagegen nur je eine Art. Alle diese Ueberreste zeichnen sich 
aus durch das Vorhandensein verkürzter Träger, deren Anzahl sich bis auf 11 beläuft, und welche 



r^ßi Die jtmgtertiäre Fischfauna Croatiens. 121 

nicht bis zur zweiten Dorsale reichen, sondern einen durch bhnde Träger ausgefüllten Zwischenraum 
hinterlassen. Die grösseren Schuppen am Brustgürtel sind an fast allen Individuen mehr oder weniger 
erhalten geblieben. Bemerkenswerth ist aber, dass die Anzahl der Wirbel unserer Auxis-Arten geringer 
ist, als bei den lebenden. 

7. Auxis er oaticus Kramb. 
(Taf. XXV, Kig. I, la.) 

VorHegende, sammt Abdruck erhalten gebliebene, prachtvolle Art ist wohl einer der schönsten 
und grössten unter den bekannten fossilen Fischen. Unter den lebenden Arten gleicht sie dem Auxis 
vjilgaris C. V. des mittelländischen Meeres, unterscheidet sich jedoch von ihm durch die viel geringere 
Wirbelzahl (30 — 32, Auxis vulgaris bei 40). 

B es chreibung : 

Die Länge dieses Fisches (mit Einschluss der leider mangelhaft erhaltenen Caudale) beträgt 
nicht weniger als 57 cm. ; seine Gestalt ist die einer flachgedrückten Ellipse. Der Körper erreicht 
seine maximale Höhe in der Mitte zwischen beiden Dorsalen, und beträgt daselbst den 5-5 Theil der 
totalen Körperlänge oder 6'/s Wirbellängen. 

Von diesem Punkte, sowie auch dem ihm gegenüberliegenden, nimmt die Körperhöhe allmälig 
ab ; dabei beschreibt das Rücken- sowie das Bauchprofil eine sanft gebogene Linie, die vom Beginne 
der Dorsale, sowie der Anale sich etwas mehr krümmt, jedoch nur bis senkrecht über und unter das 
vordere Ende des achten Schwanzwirbels, woselbst die Körperhöhe blos die Länge von 2% Wirbeln 
beträgt, also weniger als die Hälfte der maximalen Leibeshöhe. Von da an, und gegen das Ende 
der Wirbelsäule hin, verlaufen beide Profillinien schräg und fast geradlinig. 

Der lange nach vorne zugespitzte Kopf nimmt den vierten Theil der totalen Länge ein, 
und seine Höhe mag i%mal in seiner Länge enthalten gewesen sein. Von den Kopfknochen sind 
noch Fragmente des Zwischenkiefers mit noch 8 oder 9 spitzigen kleinen und schmalen Zähnen 
erhalten geblieben. Ebenso ist auch ein Theil des Unterkiefers mit ebensolchen Zähnen erhalten. 
Das Praeoperculum hat die Gestalt eines halben elliptischen Bogens ; seine Oberfläche ist mit Knochen- 
fasern bedeckt, welche vom stumpfen Winkel der inneren Leiste tangential ausgehen. Das Operculum 
ist von ansehnHcher Grösse ; seine Umrisse sind jedoch nicht mehr erkennbar. Ausserdem sind noch 
einige Ossa radii branchiostegi sichtbar, die von massiger Länge und nur schwach gekrümmt sind. 

Die kräftige, fast geradlinig verlaufende Wirbelsäule beginnt so ziemlich im oberen Drittel der 
Leibeshöhe und besteht aus ca. 30 — 32 Wirbeln ; davon gehören ca. 17 dem caudalen und 13 — 15 dem 
abdominalen Körperabschnitte an. Mit Ausnahme der letzten vier Caudalwirbel, sind alle übrigen 
etwas länger als breit (i : 1V4). Die Dornfortsätze der vorderen Abdominalwirbel, und zwar die an der 
oberen Seite derselben, bilden mit der Achse der Wirbelsäule einen Winkel von 45», der sich immer 
mehr gegen den Anfang des Caudalabschnittes hin vergrössert, so dass der Dornfortsatz des fünften 
Caudalwirbels ca. 75° erreicht; von da an wird der Winkel wieder kleiner. Die Länge der Dornfort- 
sätze ist ebenso verschieden ; die längsten (im abdominalen Körperabschnitte) kommen der Länge 
von 3 Wirbeln, die hinteren nur einem Wirbel gleich. Die Apophysen der unteren Seite, mit Ausnahme 
einiger sehr kurzen im abdominalen Theile, sind etwas länger und mehr zur Axe der Wirbelsäule 
geneigt, als die entsprechenden der oberen Seite (50»). Die Dornfortsätze des letzten Abdominal 
sowie auch jene der ersten drei Caudalwirbel sind an ihrer Insertionsstelle schmal, werden immer 
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns. II, 4. ''-' 



122 



Drag. Kramberger-Gorjanovic. \},J\ 



breiter um sich dann wieder zu verschmälern ; man kann sie gut mit einer Sense vergleichen. Diese 
schliessen ausnahmsweise einen etwas geringeren Winkel mit der Wirbelsäule ein als die übrigen. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem Anfange des 24. Wirbels oder genau beim ersten Drittel 
der Körperlänge und bestand ursprünglich aus 10 Strahlen (nach der Anzahl der verkürzten Träger 
(11) zu schliessen), wovon der längste drei Wirbellängen misst. Hinter den verkürzten Trägern folgen 
noch 7 blinde, hakenförmige Träger '). 

Die zweite Dorsale beginnt im zweiten Drittel der Körperlänge oder ober der Mitte des 
14. Wirbels (von rückwärts gezählt). Sie wird von ca. 12 Strahlen gebildet, deren Länge jedoch nicht 
genau anzugeben ist. Ihre Träger sind schlank; die Länge des ersten beträgt 1-5, während jene des 
letzten, einer Wirbellänge gleich kommt. Hinter der zweiten Dorsale folgen 6 falsche Flossen, wovon 
nur zwei gut erhalten bheben. 

Die Anale beginnt eine Wirbellänge hinter der zweiten Dorsale und zählt ca. 12 Strahlen, 
wovon der zweite über eine Wirbellänge beträgt. Die Träger der Strahlen dieser Flosse sind eben- 
falls schlank ; der erste misst etwas mehr als zwei, der letzte nur einen Wirbel. Hinter der Anale 
folgen noch 5 falsche Flossen. Von der Ventrale sind 8 Strahlen sichtbar, wovon der längste drei 
Wirbellängen beträgt. Diese Flosse liegt unter dem Anfange der ersten Dorsale. 

Die Pect orale ist an der Mitte des Körpers angebracht und steht etwas vor der Dorsale. 
Es sind davon einige (8) Strahlen erhalten gebheben. Von der Caudale ist nur ein Bruchstück 
vorhanden, sie besteht aus flachen, ziemlich breiten und kurz gegliederten Strahlen, 

Die Schuppen sind oval und mit concentrischen Kreisen versehen. Ihre Grösse ist mit Aus- 
nahme der etwas grösseren, stärkeren und rundlicheren des Brustgürtels, eine verhältnissmässig geringe 
(3^/2 mm die des Caudal-Theiles). 

Fundort; Radoboj. In der Sammlung der k. k. geolog. Reichsanstalt. 

2. Auxis Vr ab^eejtsis Krainb. 
(Taf. XXIV, Fig. 4.) 

Mit Ausnahme des nur theilweise conservirten Kopfes bheb im übrigen das Skelet ziemhch 
vollständig erhalten. Von der vorigen Art unterscheidet sich diese, ausgenommen die geringe Grösse, 
noch durch die Lage der Anale gegenüber der zweiten Dorsale, die kleinere Wirbelanzahl 28 (14 + 14), 
bei Auxis croatims 30 (13 ■\- 17) und die äusserst kleinen Schuppen. 

Beschreibung: 

Die grösste Körperhöhe dürfte sich zur totalen Körperlänge wie ca. 1:5% verhalten haben; 
oder sie gleicht 7 mittleren Wirbellängen. Die Leibeshöhe beim Beginne der zweiten Dorsale gleicht 
5 abdominalen Wirbeln. Der Kopf mag den ca. V^ Theil der Gesammtlänge betragen. 

Von dem kaum zur Hälfte erhalten gebliebenen Kopfe sieht man nur noch Spuren des breiten 
Praeoperculum's, etwa 5 schlanke Kiemenbögen und einen Theil des Auges. 

Die Wirbelsäule beginnt im oberen Drittel der Körperhöhe und beschreibt zwei sanfte 
Biegungen. Sie besteht aus 28 ziemlich kräftigen Wirbeln, wovon 14 dem abdominalen und ebenso- 
viele dem caudalen Körperschnitte angehören. Mit Ausnahme der fünf letzten Caudal- und der 



') Zwischen je zwei dieser blinden Träger gewahrt man ein kleines isolirtes Knöchelchen. 



138] Die jungtertiäre Fischfaiina Croatiens. 123 

vordersten 5 oder 6 Abdominalwirbel, die von gleichen Dimensionen sind, sind die übrigen durch- 
gängig etwas länger als breit (fast wie i : i'S). 

Die Dornfortsätze an der oberen Seite der Wirbelsäule bilden mit der Achse derselben einen 
Winkel von ca. 40—45", die der unteren Seite einen von 60«. Die Apophysen der Abdominalwirbel 
der unteren Seite sind sehr kurz und nur unbedeutend aus ihrer rechtwinkeligen Lage gebracht. Die 
Rippen sind dünn und lang. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem 23. Wirbel, und mag ursprünglich etwa 10 oder 11 Strahlen 
besessen haben. Der zweite Strahl davon misst über die halbe Körperhöhe. Die sehr schön erhaltenen, 
nach hinten immer kleiner werdenden, verkürzten Träger (11 an der Zahl) dieser Flosse sind von der 
Gestalt einer 5 — /zackigen Krone. 

Die zweite Dorsale beginnt 12 Wirbellängen hinter dem Anfange der ersten Dorsale und 
besteht aus ca. 10—12 Strahlen. Nach ihr folgen etwa 4 oder 5 falsche Flossen. 

Die unter der zweiten Dorsale stehende oder nur etwas (Va Wirbellänge) vorgeschobene Anale 
zählt 10—12 Strahlen ; die längsten davon messen 1V2 abdominale Wirbel. Hinter dieser Flosse folgen 
wieder ca. 5 falsche Flossen. 

Die Ventrale liegt unter der ersten Dorsale. Die Anzahl ihrer Strahlen ist nicht zu ermitteln, 
dagegen aber ihre Länge, welche 3^/3 abdominalen Wirbeln gleicht. 

Die Pectorale ist fast genau in der Mitte des Körpers und etwas vor der Ventrale angebracht. 
Hinsichtlich der Strahlenlänge gilt dasselbe, was für die Ventrale gesagt wurde. 

Die Caudale ist massig eingebuchtet und zählt ca. 20 Haupt- und jederseits noch 5 Rand- 
strahlen. Die längsten Strahlen davon erreichen die Länge von fast 6 Abdominalwirbeln. 

Die Schuppen endHch sind, mit Ausnahme jener grösseren, den Brustgürtel bekleidenden, 
äusserst klein. 

Fundort: Vraböe. Im geolog. Museum zu Agram. 

J. Atixis minor Kramb. 
(Taf. XXIV, Fig. 5, 6.) 

Ich habe schon vorher bemerkt, dass in Radoboj eine kleine sehr schlanke Auxis-Art sich 
vorfindet, welche dem Thynnus angiistus Sativg. hinsichtlich ihrer schlanken Körpergestalt sehr nahe zu 
stehen scheint. Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass Th. angiistiis eine grössere Anzahl 
von Wirbeln besitzt, wovon die einzelnen beträchtlich länger sind, als dies bei unserer Art der Fall 
ist. Die erste Dorsale soll noch bei ersterer Art aus 20 Strahlen bestehen, welche Strahlenanzahl 
meines Wissens keiner lebenden noch fossilen Art dieser Gattung zukommt. 

Von den vorher beschriebenen Arten unterscheidet sich unser Äicxis minor durch seinen 
langgestreckten Körper dermassen, dass ich eine weitere Angabe von Unterscheidungsmerkmalen für 
überflüssig erachte. 

Beschreibung : 

Von dieser hübschen Fischart liegen etwa 10 Platten mit Abdrücken theils ausgewachsener, 
theils junger Individuen vor. 

Die grösste Leibeshöhe beim Anfange der ersten Dorsale beträgt 4^/3 abdominale Wirbel 
oder den achten Theil der Gesammtlänge (bei ausgewachsenen Individuen ; bei jungen ist dagegen 

der Körper noch schlanker, indem sich die maximale Körperhöhe zur totalen Körperlänge wie i : 10 

16* 



124 Drag. Kramberger-Gorjanovic. [39] 

verhält). Das Rückenprofil verläuft bis senkrecht ober den Anfang des zehnten Caudalwirbels (von 
rückwärts gezählt) fast geradlinig ; von letztgenannter Stelle aber krümmt sich die Profillinie unter 
einem sehr stumpfen Winkel und verläuft ebenfalls geradlinig bis zum Ende der Wirbelsäule. Die 
Bauchprofillinie ist ebenso beschaffen, nur beginnt die Krümmung erst unter dem hinteren Ende des 
II. Schwanzwirbels. Die Leibeshöhe beim Beginne der Anale beträgt genau 4 abdominale Wirbel ; 
sie ist somit nur um ^/j Wirbellänge geringer als die Höhe beim Anfange der ersten Dorsale. 

Der nach vorne verschmälerte Kopf beträgt beiläufig den vierten Theil der totalen Körper- 
länge oder II V3 abdominale Wirbel, übertrifi't somit die maximale Leibeshöhe um mehr als das 
Doppelte. Von den Kopfknochen sind manche noch recht gut erhalten. Der lange schmale Intermaxillar- 
knochen trägt noch eine Reihe Zähne (12 — 14), welche durch kleine Zwischenräume getrennt sind. An 
diesen Knochen schmiegt sich der Oberkiefer an, der durch einen engen Spalt vom Zwischenkiefer 
getrennt ist und nur mit dem oberen Ende des genannten Knochens in Verbindung steht, während 
das untere Ende ihn berührt. Auch der Unterkiefer ist vollständig erhalten geblieben und zeigt seine 
beiden verschobenen Hälften. Das Dentale trägt etwa 12 — 14 kleine zugespitzte Zähne. Das Opercular- 
System ist minder gut erhalten. Noch am besten tritt das Sub- und Interoperculum hervor, welche 
beide eine der längsten Seite parallel verlaufende Streifung zeigen. Das Operculum ist breit und 
an seinem hinteren Rande abgerundet. Die innere Leiste des Praeoperculums ist stumpfwinkelig 
gebogen. Das Auge ist ziemlich gross; sein Diameter mag etwa Jmal in der Kopflänge enthalten sein. 
Die kräftige Wirbelsäule beschreibt zwei flache Bögen und zählt 30 Wirbel, wovon 14 dem 
abdominalen und 16 dem caudalen Körperabschnitte angehören. Die Wirbel .sind hinsichtlich ihrer 
Dimensionen nur ganz geringen Schwankungen unterworfen, denn, ausgenommen die drei letzten 
Caudal- und nur einige wenige Abdominalwirbel, sind alle übrigen Wirbel fast durchgängig gleich 
gross. Die Höhe eines jeden Wirbels ist i'Smal in seiner Länge enthalten. Die Dornfortsätze der ersten 
12 Abdominalwirbel (und zwar jene an der oberen Seite) und dann jene der hintersten Caudalwirbel, 
sind die geneigtesten von allen. Der Winkel, den sie mit der Achse der Wirbelsäule einschliessen, 
beträgt ca. 40 — 45°. Die übrigen Dornfortsätze, sowohl die an der oberen Seite der Wirbelsäule als 
wie auch die an der unteren Seite derselben gelegenen, sind im allgemeinen weniger geneigt; die 
oberen 50 — 60", die unteren 45 — 50". Die Rippen sind lang und fast geradlinig. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem 25. Wirbel (von rückwärts gezählt) und besteht aus 
10 oder II Strahlen, die sehr dünn aber von bedeutender Länge sind ; der dritte davon gleicht 
der Leibeshöhe oder 4^/3 Wirbellängen. Die verkürzten Träger sind wie bei den vorigen Arten 
kronenartig ausgezackt. Hinter diesen folgen 6 — 7 blinde Träger. Die zweite Dorsale beginnt ober 
der Mitte des dritten Caudalwirbels und besteht aus ca. 12 Strahlen, wovon die längsten zwei Wirbel 
messen. Ihre Träger sind sehr zart. Darauf folgen etwa 5 falsche Flossen mit ihren noch theilweise 
erhaltenen äusserst feinen Strahlen. 

Die Anale beginnt um eine halbe Wirbellänge hinter der zweiten Dorsale und zählt etwa 
12 Strahlen, die von schlanken Trägern unterstützt werden. Der Träger des ersten (mangelnden) 
Strahles ist der längste (2-5 Wirbel) und stärkste; die übrigen werden immer kürzer und feiner. 
Hinter dieser Flosse folgen ca. 5 falsche Flossen. 

Die Ventrale liegt unter dem Anfange der ersten Dorsale, die nähere Beschaffenheit dieser 
Flosse anzugeben, ist nicht möglich. Die Pectorale lässt nur einige verworren umherliegende Strahlen 
erkennen. Die Caudale ist sehr gut erhalten ; sie ist tief eingebuchtet und besteht aus ca. 16 — 18 Haupt- 
und jederseits noch 4 Randstrahlen, die halbkreisförmig um den letzten sehr kurzen Wirbel angebracht 
sind. Die längsten Strahlen dieser Flosse messen fast 6 abdominale Wirbel. 



[40] Die jungtertiäre Fischfaiina Croatiens. . 125 

• Die Schuppen sind äusserst klein (ihr Durchmesser beträgt kaum '/j mm). Bei einem Individuum 
ist noch die SeitenHnie erhalten geblieben, welche gleich hinter dem Rückenprofile beginnt und sich 
etwas vor der zweiten Dorsale senkt, dabei beschreibt sie eine Anzahl concaver Biegungen. Ich 
habe dieselbe in Fig. 5 einzeichnen lassen, um dafür nicht gezwungen zu sein, ein neues Bild zeichnen 
zu lassen. 

Fundort: Radoboj. Zum grössten Theil in der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt. 

^. Auxis thynnoides Krumb. 
(Taf. XXVI, Fig. X u. 2.) 

Diese Art unterscheidet sich von allen vorangehenden durch ihre fast durchgehends quadra- 
tischen Wirbel, die grössere Leibeshöhe und die geringere Anzahl blinder Träger zwischen beiden 
Dorsalen, wodurch sich unsere Art den Thynnus nähert. 

Beschrei b ung ; 

Von einer genauen Angabe der Längenverhältnisse des Körpers kann hier nicht die Rede 
sein, da der Kopf leider gänzlich fehlt. Nach dem noch erhalten gebliebenen grösseren Theile des 
Körpers zu schliessen, war derselbe weniger schlank, als bei den vorher beschriebenen Arten ; seine 
Höhe bei der ersten Dorsale, welche der Länge von 8 abdominalen Wirbeln entspricht, mag höchstens 
4'5mal in der gesammten Körperlänge enthalten gewesen sein (bei A. croaticus vi. 5'/2. die übrigen 
zwei Arten sind noch schlanker). Von da an, nimmt die Körperhöhe gegen das Caudalende stets ab 
und zwar so, dass sie beim Beginne der zweiten Dorsale der Länge von ö'/g Wirbeln gleicht. 

Die kräftige, fast geradlinig verlaufende Wirbelsäule zählt ca. 30 Wirbel, wovon nur 28 
erkennbar sind ; davon fallen dem caudalen Körperschnitte 16 und dem abdominalen ca. 14 zu. Die 
Wirbel sind im Allgemeinen kurz ; mit Ausnahme der letzten 4 schlankeren Caudalwirbel sind alle 
übrigen fast quadratisch. Die aus ihnen entspringenden Apophysen sind ziemlich stark. Ihr Neigungs- 
winkel, den sie mit der Axe der Wirbelsäule einschliessen, ist verschieden : so bilden die Dornfort- 
sätze an der oberen Seite derselben einen Winkel von ca. 40 — 45", die der unteren Seite einen von 
60 — 65' ein. Der Neigungswinkel nimmt stets gegen das Ende der Wirbelsäule allmälig ab. 

Die erste Dorsale beginnt ober der Mitte des 25. Wirbels (von rückwärts gezählt) und mag 
ursprünglich 10 — II Strahlen besessen haben, wovon der dritte oder der längste ^/j der Körperhöhe beträgt. 
Die Träger dieser Strahlen sind verkürzt. Die folgenden zwei s. g. blinden Träger sind unverkürzt und 
etwas länger als die vorigen. Die zweite Dorsale beginnt 10 Wirbellängen hinter dem Anfange der 
ersten oder ober dem 14. Caudalwirbel (von rückwärts gezählt). Nach der Anzahl der Träger zu 
schliessen, dürften sie 12 zarte getheilte Strahlen enthalten, wovon die längsten kaum der Länge von 
2 Wirbeln gleichen. Darauf folgen etwa 5 falsche Flossen, von denen nur die Träger erhalten blieben. 
Genau unter dem Beginne der zweiten Dorsale nimmt die Anale ihren Anfang. Dieselbe besteht 
aus 10 — 14 Strahlen, wovon der erste stachelig ist und von einem kräftigen Träger unterstützt wird. 
Die folgenden Strahlen gleichen hinsichtlich ihrer Länge jenen der zweiten Dorsale. Darauf folgen 
wiederum 5 falsche Flossen, wovon ebenfalls nur die Träger sichtbar sind. 

Die Ventrale liegt senkrecht unter der ersten Dorsale. Die Anzahl ihrer Strahlen, sowie ihre 
Länge anzugeben, ist nicht gut mögUch. Die Pectorale blieb gar nicht erhalten. 

Die theilweise conservirte Caudale ist massig eingebuchtet ; die Anzahl ihrer getheilten und 
gegliederten Strahlen beläuft sich auf ca. 32 (mit Einschluss der Randstrahlen). 



126 Drag. Kr amber ger-Gorjanovic. [41] 

Die Schuppen sind mit Ausnahme einzelner grösserer, noch am Brustgürtel befindlichen, klein 
und zart. Die Oberfläche aller ist mit feinen concentrischen Kreisen bedeckt. 

Fundort: Podsused. Eine Platte mit der soeben beschriebenen Art befindet sich in der 
Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt, die andere (Abdruck) in der geol. Sammlung zu Agrain. 

Schliesslich hätte ich noch zweier grosser Ueberreste von Scomberoiden Erwähnung zu 
thun, über deren generische Stellung ich wegen des misslichen Erhaltungszustandes nichts positives 
anzugeben vermag, weshalb ich auch eine nähere Beschreibung dieser fraglichen Reste vermied. Der 
eine davon stammt aus dem uns bekannten weissen bituminösen (Diatomeen-) Schiefer von Dolje 
und misst fast ein Meter. Nach der Gestalt des Körpers, insbesondere aber einiger Kopfknochen, dann der 
Anzahl der Wirbel, der Gestalt, Beschafi"enheit und Lage der noch vorhandenen Flossen, sowie auch 
der Schuppen zu schliessen, muss der fragliche Rest einem Auxis oder Scomber angehört haben. 
Das gleiche gilt von einem bei weitem schlechter erhaltenen Reste aus Podsused. 

Falls es mir glücken sollte, im Laufe späterer Ausgrabungen bessere Exemplare zu finden, 
so werde ich nicht ermangeln hievon einige Mittheilungen zu machen. 

Genus Caranx. 

Die bisher in Podsused und Radoboj aufgefundenen Ueberreste der Gattung Caratix 
gehören drei Arten an, welche sich untereinander hauptsächlich durch den Bau der Seitenlinie 
unterscheiden. Es sind dies Caranx Haiieri in. und C gracilis in., welche eine schmale gekörnte 
Seitenlinie aufweisen, die erst im caudalen Körpertheile eine erhobene Schuppenreihe bildet. Die 
Seitenlinie der dritten Art C. longipinnatus in. beginnt sogleich mit einem breiten Bande von sehr 
kurzen Schuppen, die sich erst im caudalen Körpertheile zu einer erhobenen Reihe gestalten. 

I. Caranx Haüeri Krainb. 
(Taf. XXVI, Fig. 3, 4, 4 a, b und Taf. XXVIl, Fig. i.) 

Der Körper dieses Fisches ist länglich. Die Rücken- sowie die Bauchprofillinie verringert sich 
gegen das Kopf- und Caudalende, und verleiht somit dem Körperumriss die Form einer flachgedrückten 
Ellipse. Der nach vorne etwas zugespitzte Kopf ist ca. ß^/gmal in der totalen Länge enthalten. Die 
grösste Körperhöhe (beim Beginne der ersten Dorsale) verhält sich zur totalen Länge wie i : ca. ^^l.^. 
Das grosse, der oberen Kopfprofillinie genäherte Auge beträgt den ca. 4. Theil der Kopflänge. Die 
Kopflcnochen sind nur mehr fragmentarisch erhalten geblieben. Vom Präoperculum ist noch die innere, 
unter einem stumpfen Winkel gebogene Leiste sichtbar. Ausserdem sind noch einige massig gekrümmte 
Ossa radii branchiostegi, sowie Fragmente des Ober- und Unterkiefers bemerkbar. 

Die kräftige, nur schwach gebogene Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln, wovon 14 dem caudalen 
und 10 dem abdominalen Körperabschnitte angehören. Die vorderen Abdominal-, dann die 2 — 3 letzten 
Caudalwirbel sind die kürzesten von allen ; ihre Längen- und Breitendimensionen sind beinahe gleich. 
Der 5. — 9. Caudalwirbel (alles von rückwärts gezählt) ist beinahe zweimal so lang als breit. Die 
letzten drei Abdominalwirbel, sowie auch die vier ersten Caudalwirbel sind um die Hälfte länger 
als breit. 

Die Rippen sind lang und massig gebogen und werden nach hinten zu immer kürzer. Die 
von den Wirbeln ausgehenden Dornfortsätze sind fast gerade und mit Ausnahme einiger, den vorderen 
Abdominal- und letzten Caudalwirbeln entspringenden, von ansehnlicher Länge (= 25 mittlere 



[42] Die jimgtertiäre Fischfauna Croatiens. 



127 



Wirbellängen). Was die Neigung der Dornfortsätze zur Axe der Wirbelsäule anbelangt, so sind jene, 
welche den abdominalen Wirbeln entspringen, geneigter zu derselben als die von den Schwanz- 
wirbeln ausgehenden. Die ersteren schhessen mit der Axe der Wirbelsäule einen Winkel von ca. 
45—50» ein, während von den letzteren die vorderen mit der erwähnten Axe einen Winkel von ca. 
60° und die hinteren einen solchen von ca. 45° bilden. Dies eben Besprochene gilt für die Dornfortsätze der 
oberen Seite der Wirbelsäule ; die an der unteren Seite derselben entspringenden Apophysen sind 
etwas geneigter und werden ebenso gegen das Caudalende hin kürzer und zur Wirbelaxe mehr und 
mehr geneigt, wie jene der oberen Seite. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem 21. Wirbel (von rückwärts gezählt) und besteht aus 
8 ungetheilten Strahlen, wovon wahrscheinhch der 4. oder 5. der längste ist und der halben Körper- 
höhe gleich kommt. Genaueres über die Strahlen dieser Flosse anzugeben, ist nicht mögUch, weil sie 
dem Rücken anliegen. 

Die zweite Dorsale beginnt gleich hinter der ersten oder etwas vor der Mitte des Körpers 
und besteht aus ca. 26—28 Strahlen, von welchen der erste ungetheilt, alle übrigen aber getheilt 
sind. Die Länge des zweiten Strahles beträgt etwas über zwei Wirbellängen; alle folgenden werden 
immer zarter und kürzer. 

Die Träger der Strahlen der ersten Dorsale sind lang (= 2 Wirbellängen) und an ihrer Basis 
breit. Jene der zweiten Dorsale, und zwar die der ersten Hälfte derselben, stehen bezügHch ihrer 
Grösse kaum jenen der Strahlen der ersten Dorsale nach; hingegen werden die folgenden allmälio- 
kürzer und feiner. Vor der ersten Dorsale stehen noch zwei s. g. blinde Träger. 

Die Anale beginnt um eine Wirbellänge hinter dem Anfange der zweiten Dorsale und besitzt 
24 — 26 getheilte Strahlen, von welchen die vorderen der Länge von ca. 2 Wirbeln gleich 
kommen, während die übrigen immer kürzer und kürzer werden, wie dies auch bei der zweiten 
Dorsale der Fall ist. Vor der Anale befinden sich zwei starke, freie Stacheln, die von langen bis fast 
zur Wirbelsäule heraufreichenden Trägern unterstützt werden. Das Verhalten der übrigen Träger 
dieser Flosse ist dasselbe wie bei der zweiten Dorsale. 

Die Ventralen stehen unter dem Beginne der ersten Dorsale. Die Anzahl ihrer Strahlen 
•genau anzugeben, ist nicht möghch (ca. 6), da sie verunstaltet ist. Nach der Stärke der noch erhalten 
gebliebenen Strahlen zu urtheilen, mussten dieselben lang gewesen sein. Dasselbe gilt von den hoch 
angebrachten Pe c toralen, die nur wenig vor den vorigen stehen. Die eine Flossenhälfte lässt nur 
mehr 10 Strahlen erkennen. 

Die massig eingebuchtete Caudale besteht aus ca. 22 Haupt- und einigen Randstrahlen, 
die von den Apophysen der zwei letzten Wirbel unterstützt werden. 

Die wahrscheinlich runden Schuppen sind mit zarten concentrischen Kreisen bedeckt. Die zum 
grössten Theil noch erhalten gebhebene Schuppenreihe der Seitenlinie beginnt im oberen Sechstel 
der Körperhöhe und krümmt sich beim Beginne der zweiten Dorsale allmälig bis unter die Mitte 
des Körpers. Der im abdominalen und theilweise auch im caudalen Körperabschnitte befindliche 
Theil der erwähnten Schuppenreihe zeigt blos eine einfache gekörnte Reihe, dagegen bilden diese 
Schuppen vom siebenten Schwanzwirbel (von rückwärts gezählt) an einen förmlichen Grat, der sich 
allmälig verschmälert. Es ist nämlich jede einzelne dieser Schuppen unter einen gewissen Winkel 
gekrümmt. Die dadurch entstehende Kante ist aber in einen etwas vorgezogenen (gegen die Caudale 
gerichteten), schwach gebogenen Dorn umgewandelt, welcher sich zum Theil auf die Kante der 
nächstfolgenden Schuppe anlehnt. 

Fundort: Podsused. Beide Platten befinden sich im Museum zu Agram. 



128 Drag. Kr amber ger-Gorjanovic. [43] 

Das grössere, auf der Taf. XXVII, Fig. i in natürlicher Grösse abgebildete Exemplar der- 
selben Art stammt ebenfalls aus Podsused und ist Eigenthum des Agramer Museums. 

2. Gar an X gracilis Kramb. 
(Taf. XXVII, Fig, 2, 3 und 4.) 

Ist eine kleine, dem Caranx Haueri m. nahe stehende Art, welche sich bezüglich ihrer 
geringeren Grösse, schlankeren Körpers, der langen tief ausgerandeten Caudale und der sehr zarten 
Schuppen von erwähnter Art unterscheidet. 

Ueberreste davon wurden in Radoboj und Podsused aufgefunden. Obwohl zwischen den aus 
genannten Fundorten herrührenden Exemplaren einige Differenzen bestehen, so kann man sie wohl 
kaum von einander trennen, weil vorläufig eben zu weniges zum Vergleiche vorliegt und weil anderseits 
sich die Unterschiede blos auf die Strahlenanzahl in der zweiten Dorsale und Anale beschränken. 
Es wird genügen, wenn wir hier nur eine kurze Zusammenstellung der Grössenverhältnisse des Körpers 
und die Strahlenanzahl angeben. 

a) Exemplare aus Radoboj, Taf. XXVII, Fig. 2, 3. 

Die Leibeshöhe zur Gesammtlänge wie i : 5 — 5 Vj ; die Kopflänge zur totalen Länge wie i:fast 4. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem 20. — 21. Wirbel (von rückwärts gezählt); die zweite 
Dorsale ober der Mitte des 15.; die Anale unter dem 14. Wirbel und die Ventrale unter und 
etwas hinter dem Beginne der ersten Dorsale. 

Strahlenzahl : 

I. D. 8; 2 D. c. 1I21— 23; A. c. 2I20; P. i2(?); C. c. 4I8— 8l3(?). 

Die Pectorale besteht aus sehr feinen und langen Strahlen. Die Caudale ist tief ausge- 
randet und hat schmale lange Lappen, deren längste Strahlen der Leibeshöhe gleich kommen. Die 
Schuppen sind sehr zart. In der paläontolog. Sammlung der Wiener Universität und im geolog. 
Museum in Agram. 

b) Exemplar aus Podsused. Taf. XXVII, Fig. 4. * 
Die Leibeshöhe zur Gesammtlänge wie 1:5; die Kopflänge wie I : ca. 3%. 

Die erste Dorsale beginnt ober der Mitte des 20. Wirbels; die zweite Dorsale ober 
dem vorderen Ende des 14., die Anale unter der Mitte des 14. und die Ventrale endlich unter 
dem 18. Wirbel von rückwärts gezählt. 

Strahlenzahl : 

I. D. 8; 2. D. 1 125—26; A. ca. 2I24; P. 16; C ca. 4I16 oder 18I3 (?). 

Die übrigen Merkmale, wie bei den vorher geschilderten Exemplaren. — Im Museum der 
Wiener Universität. 

Auch in Vrabce und Dolje wurden fragmentarisch erhaltene Exemplare aufgefunden, 
welche wahrscheinlich der eben besprochenen Art Caranx gracilis m. angehören. (Agramer Museum.) 

3. Caranx longipinnatus Kramb. 
(Taf. XXIV, Fig. 7 und 8.) 

Diese in einigen Exemplaren vorhandene Art unterscheidet sich von den bereits geschilderten 
durch ihre Seitenlinie. Dieselbe besteht aus Schuppen, welche sich im abdominalen, theilweise auch 
im caudalen Körperabschnitte durch ihre sehr geringe Länge, jedoch bedeutende Breite, auszeichnen. 



[44] -^^^' jiiiigteytiäre Fischfaima Croatie^is. 129 



Beschreibung: 

Die Kopflänge verhält sich zur totalen Körperlänge wie 1:3-6; die grösste Leibeshöhe (beim 
Beginne der ersten Dorsale) zur Gesammtlänge wie i : 4-3 — 4-6. Gleich von der ersten Dorsale einerseits 
und den Ventralen anderseits, fangen die Körperprofillinien viel rascher gegen die Schwanzflosse hin 
abzufallen an, als dies bei der vorigen Art der Fall ist. Der nach vorne zugespitzte Kopf ist etwa um ein 
Viertel länger als breit. Das grosse, ein Viertel der Kopflänge messende Auge liegt in der Mitte des 
Kopfes und ist dem oberen Profile genähert. Die Leiste des Prä operculum's ist stumpfwinkelig 
gebogen; von ihrem Winkel aus verlaufen gegen den hinteren Vordeckelrand hin etwa fünf 
faltenartige Streifen. Das Operculum stellt ein stumpfwinkeliges Dreieck dar, dessen längste Seite 
oder der äussere Rand einen Bogen beschreibt und dessen kleinere im anliegenden Winkel abgerundet 
sind. Das Suboperculum ist schmal und in die Länge gezogen. Die Kinnladen sind von gleicher 
Länge und zeigen Spuren kleiner Zähne. 

Die kräftige, aus 24 Wirbeln bestehende Wirbelsäule ist nur schwach gebogen; es entfallen 
davon 14 Wirbel auf den caudalen und 10 auf den abdominalen Körperabschnitt. Die letzten zwei 
Caudal-, dann einige der vordersten Bauchwirbel sind quadratisch; alle übrigen sind fast doppelt so 
lang als hoch. Von den 8 oder 9 Rippenpaaren sind die ersten 3 — 4 Paare an ihrem oberen Ende 
gebogen und messen 4^3 Wirbellängen, die folgenden 4 oder 5 Paare sind fast geradlinig und kürzer 
als die vorigen (das letzte Paar blos etwas über zwei Wirbellängen). Ueber die Apophysen der 
Wirbel ist nichts besonderes zu sagen. 

Die erste Dorsale beginnt ober dem 21. Wirbel und besteht aus wahrscheinlich 8 stache- 
ligen Strahlen, wovon die längsten der halben Körperhöhe gleichkommen. Genauere Angaben über 
die Länge der einzelnen Strahlen zu machen, ist nicht möglich, da die Flosse bei einem Individuum 
dem Rücken anliegt, beim anderen aber sind die Strahlen derselben abgebrochen. Die Träger der 
Strahlen dieser Flosse sind von massiger Stärke und erreichen im Durchschnitte die Länge von ca. 
iVa Wirbel. Vor dieser Flosse gewahrt man noch ca. 3 blinde Träger. 

Die zweite Dorsale beginnt ober dem ersten Caudalwirbel und besteht aus 28— 30 Strahlen, 
wovon nur der erste ungetheilt ist. Der zweite und dritte davon erreicht eine Länge, welche beinahe 
der halben Körperhöhe gleich kommt. Die folgenden Strahlen werden allmälig kürzer und feiner. 
Die Träger dieser Flosse sind etwas zarter als die der vorigen, besonders aber die der hinteren 
Strahlen. 

Die Anale liegt gegenüber der zweiten Dorsale und besteht aus 28 getheilten Strahlen, die 
hinsichtlich ihrer Länge und der sie unterstützenden Träger gerade so beschaffen sind, wie jene der 
zweiten Dorsale. Vor der Anale befinden sich zwei kurze, massig gekrümmte Stacheln, die von 
kräftigen, senkrecht zur Axe der Wirbelsäule stehenden und fast bis zur letzteren heraufreichenden, 
Trägern unterstützt werden. 

Die an die schlanken Beckenknochen sich anheftenden Strahlen der Ventralen sind zart 
und von ansehnlicher Länge (= 4 abdom. Wirbel); ihre Anzahl mag sich auf 6 belaufen haben. 

Die Pect oralen stehen etwas vor den vorigen Flossen und sind unter der Mitte des Körpers 
angebracht. Die Anzahl ihrer zarten und langen (6 abdom. Wirbel) Strahlen beträgt in jeder Flossen- 
hälfte ca. 15. 

Die massig eingebuchtete Caudale besteht aus ca. 22 Strahlen, die von den Apophysen der 
letzten zwei Wirbel unterstützt werden. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarnb. II, 4. 17 



130 



Drag. Krainberger-Gorjanovic. [45] 



Die Schuppen sind kleinerund zarter als bei C. Haiieri, jedoch von der schon besprochenen 
Textur. Eine Ausnahme hieven machen jedoch jene, ein förmliches nach hinten sich verschmälerndes 
Band bildenden Schuppen der Seitenlinie. Letztere beginnt im oberen Sechstel der Körperhöhe, 
krümmt sich etwas vor dem Beginne der zweiten Dorsale und senkt sich dann allmälig gegen die 
Mitte des Körpers. Der im abdominalen, theilweise auch im caudalen Körperabschnitte befindhche Theil 
der Seitenlinie besteht aus kurzen aber breiten (kaum viermal in der Leibeshöhe) Schuppen, die 
anfäno-hch einen nur schwach erhobenen Grat bilden, der sich jedoch gegen die Caudale hin allmälig 
erhöht, wobei die Schuppen schmäler aber stärker werden. 

Fundort: Podsused. In den Sammlungen in Agram und der geol. Reichsanstalt in Wien. 



Genus Proantigonia Kramb. 

Heckel hat, wie ich dies schon früher erwähnte, einen Capros aus Radoboj in Leonhard's 
und Bronn's Jahrbuche citirt '), welchen ich unter dem in der Sammlung der k. k. geologischen 
Reichsanstalt vorhandenen Materiale wieder fand. Derselbe stellt ein junges Individuum dar, welches 
so mancher wichtiger Merkmale entbehrt, weshalb seine Einreihung in die genannte Gattung nicht 
als sicher betrachtet werden kann. Zwei andere bei weitem besser erhaltene und ausgewachsene 
Individuen, wovon ich eines aus Radoboj selbst mitbrachte und das andere mir freundlichst vom 
Herrn Prof. Dr. Ki§patic in Agram zum Studium überlassen worden ist, lassen mit Sicherheit 
annehmen, dass wir es mit keinem Capros zu thun haben. Die Gründe, welche für diese 
Behauptung sprechen, liegen einmal in der Beschuppung, die vorläufig bemerkt eine zweifache ist, 
indem die Schuppen des Brustgürtels stärker und grösser sind als jene, welche den übrigen Körper 
bedecken. Ausserdem sind auch die Schuppen, welche die s. g. Flossenscheide bilden mit dünnen, 
spitzen Stacheln versehen, welche man am Bauch- sowie Rückenrande mittelst einer starken Loupe 
deutlich wahrzunehmen vermag. Nach dieser letzteren Erscheinung kann man ziemlich ungezwungen 
schliessen, dass die Schuppen überhaupt ctenoid sind. Werfen wir ferner ein Augenmerk auf die 
Flossen, so fallen uns sofort die sehr langen Strahlen der Ventralen auf, wie solche bei keiner Capros- 
Art anzutreffen sind, sondern vielmehr an eine Antigonia denken lassen. Aber auch mit dieser 
Gattung haben unsere Reste, ausgenommen etwa noch die Beschuppung und die Körpergestalt keine 
besonderen gemeinsamen Merkmale und unterscheiden sich von ihr durch die grössere Anzahl der 
Analstacheln, welche bei Antigonia nicht mehr als zwei beträgt. 

Ueber den grösseren oder geringeren Grad der Verwandtschaft unserer Reste mit Capros 
oder Antigonia kann hier nicht gesprochen werden, da sich diese letzteren Gattungen vorzüglich 
durch die grössere oder geringere Vorstreckbarkeit ihrer Schnauze unterscheiden, ein Merkmal, 
welches an fossilen Resten kaum constatirbar sein dürfte ; wir werden indessen kaum fehlgehen, 
wenn wir unsere Gattung zwischen die beiden genannten nämlich, Ajitigonia und Capros, stellen. 

Die Charaktere der Gdittung Proantigojiia sind : Körper breit von mehr oder weniger rhombischer 
Gestalt. Leibeshöhe nur wenig über zweimal, Kopf fast dreimal in der Gesammtlänge enthalten; letzterer 
nach vorne zugespitzt. Auge gross und rund, der oberen Profillinie genähert. Wirbelzahl 22 (10 + 12), 
Dorsale 8I14 — 18; Anale 3 1 ca. 20; Ventrale 1I4 oder 5; lang, zurückgelegt bis zur Anale 
reichend. Pectorale ca. 13 sehr zarte Strahlen. Caudale ca. 3I7 — 8, 7 — 8 I3 (.?). Schwanzstiel äusserst 



') Jahrg. 1849, pag. .^oo, 



[46] Die jnngtcrtiäre FiscJifauna Croatiens. 131 

kurz. Schuppen des Brustgürtels stark, am übrigen Körper sehr dünn und dicht mit concentrischen 
Kreisen bedeckt, ausserdem sehr feine Spitzen an ihrer Oberfläche sichtbar. Die s. g. Schuppenscheide 
am Rücken- sowie am Bauchrande mit feinen Dornen versehen. 



7. P r o aiitig onia radobojana Kramb. 
(Taf. XXVII, Fig. 5 und 6.) 

Von dieser Art lagen mir zwei Exemplare zur Untersuchung vor ; eines ist 18 — 19 mm, das 
andere 26 mm lang. Was die Gestalt des Fisches anlangt, so könnten wir uns dieselbe am besten 
mit Hilfe einer Ellipse erklären, bei welcher wir uns blos jenen Theil, welcher durch die Linie, die 
das obere Ende der kleinen Axe mit dem rechten Ende der grossen Axe verbindet, weggeschnitten denken. 

Die maximale Leibeshöhe beim Anfange der Rückenflosse ist etwas über zweimal und die 
Kopflänge beinahe dreimal in der totalen Länge enthalten. Der Kopf hat die Form eines Dreieckes, 
dessen vorderer Winkel d. h. jener, welchen die beiden Kiefer bilden, 60" ausmacht. Die Kopfhöhe 
übertrifft die Kopflänge beiläufig um ein Viertel. 

Der Unterkiefer ist ein breiter aber kurzer und etwas vorgezogener Knochen. Das Praeoper- 
culum ist schmal und fast genau unter einem rechten Winkel gebogen ; an seinem Rande wurde keine Spur 
einer Zähnelung wahi-genommen. Die Ossa radii branchiostegi sind sehr kurz und etwas gebogen. Das 
grosse Auge ist dem Stirnprofile nahe gelegen ; sein Längendurchmesser beträgt ein Drittel der 
Kopflänge. 

Die etwas nach vorne aufgebogene Wirbelsäule besteht aus 22 Wirbeln, wovon 10 dem 
abdominalen und 12 dem caudalen Körperabschnitte angehören. Mit Ausnahme der hintersten etwas 
länger als breiten Schwanzwirbel, sind alle übrigen quadratisch. 

Die den Wirbeln entspringenden Dornfortsätze sind ziemlich lang aber schwach; ihre Länge 
nimmt sowohl oben als unten von vorne gegen die Mitte des Körpers zu und von da an, gegen die 
Schwanzflosse hin wieder allmälig ab. Was die Neigung der Apophysen (der oberen) zur Wirbelaxe 
anlangt, so wäre zu bemerken, dass die Fortsätze der vorderen Bauchwirbel anfänglich einen Winkel 
von ca. 50° einschliessen, welcher sich gegen die Körpermitte hin bis auf ca. 80" vergrössert, bald 
aber gegen die Schwanzflosse hin sich vermindert und bis auf ca. 45° sinkt. Die unteren Dornfort- 
sätze, und zwar die der vordersten 6 — 7 Bauchwirbel sind sehr kurz und werden nur allmälig nach 
hinten länger und sind im Gegensatze zu den ihnen gegenüber stehenden, geneigten Fortsätzen 
beinahe senkrecht auf die Wirbelsäule gestellt. Die folgenden entsprechen fast genau den ihnen 
correspondirenden der oberen Seite, nur sind sie etwas länger. 

Die Rippen sind sehr kurz und äusserst zart. 

Die Dorsale beginnt ungefähr ober dem ersten Drittel der Körperlänge (die Caudale mit- 
eingezogen) und besteht aus 8 stacheligen und etwa 14 — 16 getheilten Strahlen. Die ersteren sind 
äusserst schwach gebogen und bezüglich ihrer Länge und Stärke verschieden. Der erste Stachel ist 
der kürzeste von allen. Seine Länge beträgt nicht mehr als drei Wirbel ; der zweite ist fast dreimal 
so lang, der dritte aber, welcher zugleich der längste ist, gleicht der Länge von 12 Wirbeln. Die 
übrigen werden allmähg kürzer und dünner und zwar so, dass der achte nur um ein geringes länger 
ist als der erste. Die getheilten Strahlen sind dünn und dürften hinsichtlich ihrer Länge kaum jener 
des letzten Stachels nachstehen. 

Die Träger dieser Flosse werden im allgemeinen vom ersten Stachel an und bis zum letzten 
getheilten Strahl immer zarter und kürzer. Der Träger des ersten Stachels besteht im Gegensatze 

17* 



132 Drag. Kramberger-Gorjanovic. . [47] 

zu allen übrigen einfachen aus zwei Armen, wovon der kürzere nach der Schnautzenspitze und der 
andere etwas über zweimal längere, schräg nach vorne und gegen die Wirbelsäule gerichtet ist. Diese 
beiden Arme des Trägers schliessen untereinander einen Winkel von ca. 45" ein. Die übrigen Träger 
sind, wie bemerkt, einfach, an ihrer Basis etwas breiter und einige davon reichen bis nahe zur Wirbel- 
säule herab. Die Träger der getheilten Strahlen sind zarter, jedoch stehen die vordersten davon 
bezüglich ihrer Länge kaum jener der hintersten Stacheln nach. 

Die Anale beginnt unter dem letzten stacheligen Strahl der Rückenflosse oder unter dem 
ersten Schwanzwirbel. Sie zählt 3 Stacheln und beiläufig 20 getheilte Strahlen. Der erste oder 
längste der Stacheln gleicht der Länge von 4 Wirbeln, die übrigen zwei sind nur ganz unbedeutend 
kürzer als jener. Die getheilten Strahlen gleichen jenen der Dorsale. Der Träger des ersten Stachels 
ist stärker und doppelt so lang als dieser und ist senkrecht gegen die Wirbelsäule gerichtet. Die 
übrigen theilweise noch erhaltenen Träger sind viel zarter, aber von beträchtlicher Länge. 

Die Ventralen liegen unter und etwas vor dem Anfange des ersten Stachels der Dorsale 
und bestehen aus 5 — 6 Strahlen, von welchen einer ungetheilt ist. Diese Flosse zeichnet sich insbe- 
sondere durch ihre bedeutende Länge aus ; sie reicht nämlich bis nahe zur Anale zurück. Die längsten 
Strahlen davon übertreffen die halbe Leibeshöhe oder sie gleichen der Länge von etwa lO Wirbeln. 

Die unter der Mitte des Körpers und nur wenig vor den Ventralen angebrachte Pectorale 
besteht aus sehr zarten Strahlen, deren Anzahl sich auf ca. 13 belauft. Die Flosse scheint abgerundet 
gewesen zu sein ; ihre mittleren Strahlen erreichen fast ein Drittel der Leibeshöhe. Der Schulter- 
knochen ist ein langer oben etwas breiter, nach unten sich aber immer mehr zuspitzender Knochen. 

Die Caudale wird von den Fortsätzen der zwei letzten Wirbel unterstützt. Sie zählt bei 
16 Strahlen, wovon die mittleren der halben Leibeshöhe gleichkommen. 

Die Höhe des sehr kurzen Schwanzstieles gleicht der Länge von ca. 4^/2 Wirbeln. 

Die Schuppen sind ctenoid. Diejenigen, welche die untere Bauchgegend bekleiden, sind viel 
kräftiger als die übrigen und zeigen unter starker Vergrösserung Spuren von feinen Spitzen. 

Fundort: Radoboj. Wird in der geol. Sammlung in Agram aufbewahrt. 



2. Pr anti g o 7ii a Ste iiida chiie r i Krainb. 
(Taf. XXVU, Fig. 7.) 

Die Beschreibung der vorher geschilderten Art stimmt im Grossen und Ganzen ziemlich 
mit dieser überein, weshalb ich mich nur auf die Hervorhebung der Unterscheidungsmerkmale 
beider beschränken will. 

Während sich die grösseren Schuppen der vorigen Art bis zur Anale hin ziehen, beschränken 
sie sich bei dieser Art nur auf einen kleinen Raum vor den Ventralen. Die übrigen äusserst zarten 
Schuppen lassen bei günstiger Beleuchtung und starker Vergrösserung zahlreiche concentrische Kreise 
an ihrer Oberfläche wahrnehmen. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal liefern die Ventralen, welche 
ungeachtet des grösseren Körpers dieser Art, ganz dieselbe Entfernung ihrer Insertionsstelle von 
derjenigen der Anale besitzt, wie es bei der vorigen Art der Fall war. Die Strahlen dieser Flosse 
reichen über den ersten Analstachel heraus, während sie bei voriger Art denselben nicht erreichen. 
Die Länge des Ventralstachels beträgt bei Proant. radob. über die halbe Leibeshöhe, bei dieser Art 
aber beträgt seine Länge fast genau um so viel weniger. Als letztes Unterscheidungsmerkmal 
hebe ich noch hervor, dass die Dorsale genau im ersten Drittel der Körperlänge beginnt, während 



[48] Die jungtertiäre Fischfauna Croaiiens. 133 

sie bei Proant. radob. etwas weiter hinten ihren Anfang nimmt, weshalb auch der Kopf dieser 
Art zugespitzter aussieht. 

Eine Eigenthümlichkeit, die ich bei Proantigonia radobojana nicht beobachtete, besteht darin, 
dass man bei starker Vergrösserung an der Basis der zweiten Dorsale sowie auch der Anale kleine 
stachelige Spitzen wahrnimmt, welche man für die Zacken der Schuppen der Schuppenscheide beider 
genannten Flossen betrachten kann. 

Fundort; Radoboj. In der geol. Sammlung Agrams. 



Fam. Gobioidei. 

Von dieser Familie sind bisher zwei Gattungen aus unseren Ablagerungen bekannt geworden. 
Die eine ist Gobhcs, welche durch eine Art in zwei Exemplaren repräsentirt ist, wovon das eine aus 
Podsused, das andere aus Dolje herrührt. 

Die zweite Gattung ist der bisher in fossilem Zustande noch nicht bekannt gewesene Callio- 
nymus. von der ich etwa 112 Exemplare einer Art bei meinem vorigjährigen Besuche in Radoboj 
gesammelt habe. 

1. Genus Gobius. 

G o b i ns pit Ulis Kranib. 
(Taf. XXV, Fig. 2 u. 2a.) 

Erinnert sehr an Gobius {■=. Cottus) multipinnatus H. v. M., muss aber von dieser Art 
getrennt werden, weil er in der zweiten Dorsale und Anale eine geringere Anzahl von Strahlen 
besitzt. Aus ganz demselben Grunde darf er auch nicht mit Gobius Viennensis Steind . vereinigt werden. 



Beschreibung; 

Der Körper dieses kleinen Fischchens ist gestreckt und nur 41 — 45 mm lang. Seine Leibes- 
höhe — etwas hinter dem Beginne der ersten Dorsale — ist ca. 6mal, der länghche Kopf ca. 4mal in der 
Gesammtlänge enthalten. Von den Kopfknochen bemerkt man blos an dem aus Dolje herrührenden 
Exemplare noch den Unterkiefer mit einer Reihe verschieden grosser, zugespitzter und etwas zurück- 
gebogener Zähnchen, dann das dreieckige Os quadratum und einige gebogene, ziemlich breite 
Kiemenbögen. 

Die Wirbelsäule zählt 28 Glieder, die durchgehends etwas länger als hoch sind. Es 
entfallen davon 18 an den caudalen, die übrigen 10 an den abdominalen Körperabschnitt. Die 
Dornfortsätze sind dünn, nehmen gegen die Körpermitte an Länge allmälig zu, wobei auch ihr 
Neigungswinkel zur Wirbelaxe bis auf ca. 50» anwächst, während beides, sowohl die Länge als auch 
der Neigungswinkel, gegen die Caudale hin succesive abnimmt. Die Rippen sind sehr zart, ziemlich 
lang und gebogen. 

Die erste Dorsale besteht aus 6 theilweise schwach gebogenen, stacheligen Strahlen, die 
im Verhältnisse zur geringen Grösse des Fisches keineswegs sehr dünn zu nennen sind. 

Die zweite Dorsale beginnt ober dem 18. Wirbel (von rückwärts gezählt) und zieht sich 
bis zum vorderen Ende des neunten Wirbels zurück. Sie enthält nur 1I8 Strahlen, von denen die 
weichen getheilt und die hinteren davon recht lang- sind. 



134 Drag. Kraviberger-Gorjaiiovic. [49] 

Die Anale beginnt unter dem 16. Wirbel und endigt der zweiten Dorsale gegenüber. Sie 
zählt 1I9 Strahlen, von denen die hinteren sehr lang sind und der Leibeshöhe gleichkommen. Die 
Träger aller dieser Flossen sind schlank. 

Die Pectoralen sind unter dem Anfange der ersten Dorsale angebracht. Sie bestehen aus 
je ca. 12 ziemlich dünnen Strahlen. 

Die Ventralen zeichnen sich aus durch ihre langen getheilten Strahlen, welche der Leibes- 
höhe beim Beginne der ersten Dorsale gleichen. Es ist blos die eine Flossenhälfte sichtbar, und da 
gewahrt man, wie sich ihre 8 Strahlen an den dreickigen, kurzen Beckenknochen stützen. 

Die Caudale ist rückwärts abgerundet; sie besteht aus ca. 22 Strahlen, welche von den 
Apophysen der 2 letzten Wirbel unterstützt werden. 

Die Schuppen sind verhältnissmässig gross aber dünn. Von ihrem fein gezähnelten Rand 
laufen convergirend gegen den vorderen Rand hin einige ziemlich starke Radien. 

Eines der abgebildeten Exemplare (Fig. 2.) stammt aus Dolje, das andere (Fig. 2a.) aus 
Podsused. Beide werden im Museum zu Agram aufbewahrt. 



2. Genus Callionymus. 

Im Laufe des verflossenen Sommers fand ich in Radoboj etwa 12 Platten mit Skeleten einer 
sehr kleinen Fischart, welche der Gattung Callionymus angehört, einer Gattung, von welcher fossile 
Ueberreste bisher noch nicht bekannt waren. Unter den lebenden Arten ist es die Art Callionymus 
dracuncnlus L. ^), mit welcher unsere Fossilien einige Uebereinstimmung zeigen, und diese besteht 
in den stark entwickelten Ventralen, der auffallend langen Caudale und der fast gleichen Anzahl der 
Flossenstrahlen. Schärfere Vergleiche konnten nicht gemacht werden, weil alle Individuen am Bauche 
liegen, wodurch der Bau der Anal- und Dorsalflossen nicht mehr untersucht werden konnte. 



Ca lliony mii s vi ac r oc e p liahis Kranib. 

(Taf. XXV, Fig. 3, a, b, c.) 

Das grösste Exemplar der einzigen Art dieser Gattung misst 26V2 rnm totaler Länge. Der 
auffallendste Körpertheil des Fisches ist wohl der Kopf, welcher allein fast den vierten Theil der 
Gesammtlänge ausmacht, dabei aber auch ansehnlich breit ist und von dem übrigen sehr schmalen 
Körpertheil bedeutend absticht. Sehr bezeichnend ist unter den Kopfknochen das Praeoperculum. 
Es hat einen schmalen, nach rückwärts gewendeten, in einen Dorn ausgehenden Fortsatz und ausser- 
dem zwei nach innen gewendete Dorne; sein vorderer Theil ist ausgebreitet. Die ovalen Augen 
liegen nahe bei einander. 

Die Wirbelsäule besteht aus ca. 22 Wirbeln, die nur etwas länger als hoch sind. Bemerken's- 
werth ist der letzte Wirbel: seine hintere Hälfte geht in zwei dreieckige Platten über, die zur Stütze 
der Caudale dienen. Die Rücken- und Afterflosse liegt leider ganz dem Körper an, wodurch 
es unmöglich wird, ihre Strahlenanzahl anzugeben. Bios an einem Exemplar sieht man einen isolirten, 
wie es scheint, Rückenflossenstrahl, welcher sich durch seine Länge auszeichnet. Sehr gut ist die 



^) Bonaparte : „Iconografia della fauna italica.' Tom. III. Siehe bei Callionymus dracunculus den Text und die 
entsprechende Figur. 



[50] Die jungtertiäre Fischfauna Croatiens. 135 

Caudale conservirt. Sie besteht aus 2 I 8 I 2 Strahlen, von denen die mittleren oder längsten 2^/3mal in 
der Gesammtlänge enthalten sind. Alle Strahlen sind mehrmals getheilt. 

VorzügHch sind an fast allen Exemplaren die stark entwickelten Ventralen erhalten. Sie 
befinden sich etwas vor den Pectoralen und stützen sich auf ihren kurzen, quergestellten und 
verbundenen Beckenknochen. Ihre Strahlenanzahl beläuft sich auf 6, wovon der äussere ungetheilt 
und der kürzeste ist, die übrigen sehr früh sich theilenden immer länger werden und der Flosse 
ein seitlich abgerundetes Aussehen verleihen. Die längsten Strahlen davon gleichen beinahe dem 
vierten Theil der Gesammtlänge. Jedenfalls war zwischen den Strahlen ein Häutchen ausgespannt, 
welches sich noch an einigen Individuen als ein schwarzes Colorit zu erkennen gibt. 

Die Pectoralen sind kürzer und schmäler als die Ventralen und stehen hinter diesen ; sie 
stützen sich auf längliche Platten und besitzen ca. 18 sehr zarte Strahlen. 

In der geologischen Sammlung in Agram. 



BEITRÄGE ZUR KENNTNISS DER FOSSILEN DIATOMEEN 

ÖSTERREICH-UNGARNS. 



A. G R U N O W. 

(Mit Tafel XXIX, XXX.) 



Die erste Veranlassung zu dieser Arbeit, welche ich nach und nach durch Fortsetzungen zu 
vervollständigen hoffe, gab eine reiche Suite von Kieseiguhrproben, welche Herr Hofrath Professor 
Dr. von Hochstetter und Herr Kittl in der Umgebung von Franzensbad und Eger sammelten und 
mir zur Untersuchung übergaben. Abgesehen davon, dass diese Proben viele Arten enthielten, welche 
Ehrenberg nicht in der Microgeologie aufführt, erschien es mir nothwendig, auch die schon früher 
beobachteten Formen durch Beziehung auf seitdem veröffentlichte genaue Abbildungen sicherer 
festzustellen, und Einzelnes durch neue Zeichnungen zu erläutern. Später theilte mir Herr Oberberg- 
rath Stur zwei miocäne Ablagerungen von Tallya und Dübravica mit, von denen besonders die letztere 
reich an neuen und interessanten Arten ist, und welche den kleinen Kreis miocäner Arten, welche 
durch Ehrenberg aus den Ablagerungen von Jasztraba, Zamuto und Mocär bekannt geworden sind, 
wesentlich erweitern. Von diesen drei Localitäten ist mir bisher nur Mocär zugänglich gewesen, und 
werde ich einige der darin beobachteten Formen gelegentlich mitbesprechen. Von Jasztraba liegen 
mir nur fast unhältige Proben vor, von Zamuto, wo die mir ganz fremdartige Pinmilaria Dux Ehbg. 
vorkommen soll, leider gar nichts. Zwei neue, hier noch besprochene Fundorte fossiler Diatomeen 
sind Holaikluk bei Leitmeritz und Kis Ken Wo es die Charakterisirung der Arten oder zusammen- 
hängender Gruppen nothwendig machte, habe ich auch lebende Diatomeen und fossile von anderen 
Fundorten in den Kreis meiner Besprechungen und Abbildungen gezogen. Die Abbildungen sind 
sämmtlich mit Hilfe der Camera Incida und unter Benutzung eines Oel-Immersion-Systems von Zeiss 
von mir angefertigt. Objective von geringerer Leistungsfähigkeit sollten überhaupt bei Untersuchung 
von Diatomeen gar nicht verwendet werden, da selbst die besten uns noch bei sehr kleinen Formen und 
besonders schwierigen Structuren oft im Stiche lassen. 

1. Klebschiefer von Dübravica bei Neusohl in Ungarn. 

Durch Herrn Oberbergrath D. Stur erhielt ich vor einiger Zeit eine Probe dieses höchst 
interessanten Schiefers, welchen Herr Professor J. Klemens in der Umgegend von Neusohl aufgefunden 
hat, in der Voraussetzung, dass darin eine reiche Ausbeute an Diatomeen der oberen miocänen 



[2] Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreich-Ungarns. 137 

Stufe, welcher dieser Schiefer angehört, zu erwarten sei. Diese Voraussetzung hat sich nach genauer 
Untersuchung desselben vollkommen bestätigt, indem dieselbe ausser einer grossen Anzahl bekannter, 
eine nicht unbedeutende Reihe theilweise sehr interessanter neuer Formen ergab, unter denen 
besonders Surirella C/evumtis, Cymbella iiisignis, Navicula Sturii und die vierseitige Form von 
Staiirosira Harrisonii hervorzuheben sind. 

Nach einer gefälligen Mittheilung des Herrn Professor Klemens findet sich dieser eigenthümliche 
Schiefer, welcher das Ansehen von biegsamen, vielfach spaltbaren Pappdeckeln hat, in einem kleinen 
Thale an einer Stelle, wo zwei Flüsschen bei einer dreieckigen Spitze zusammenfliessen. Das Thal 
muss jedenfalls früher bei seiner Ausmündung verengt oder geschlossen gewesen sein, so dass es von einem 
See erfüllt war, in welchem sich die Schiefer gebildet haben. Jetzt laufen die Flussrinnen viel tiefer, 
so dass die ganze Fläche dazwischen trocken Hegt. Die dreieckige Oberfläche des Diatomeenschiefers 
beträgt ungefähr 8 Hektaren und die Mächtigkeit '/a bis 3 Meter, wahrscheinlich auch mehr. Die 
Schichten sind zum Theil horizontal, theils etwas geneigt und merkhch wellenförmig, die obersten 
weiss und die untersten rostfarben. Die gesammelten Muster Hegen an obertriadischem Hchtem Dolomit. 
Diese Formation zieht sich mit ihren tieferen Schichten gegen Nord-West. Von Süden her ist die 
kleine Fläche von Quarziten, von Nord-Ost, Ost und West von Trachyt-Breccien und Trachyt-Tuffen 
begrenzt. Von Lias-, Jura-, Neocom- und Nummuliten-Bildungen befindet sich nichts in der nächsten 
Nähe. Man kann mithin vermuthen, dass der Diatomeenschiefer sich nach dem Hervortreten der 
Trachyte gebildet hat, also miocän ist, was auch sonstige eingeschlossene Pflanzenreste beweisen. 
Nach diesen Mittheilungen des Herrn Professor Klemens erwähne ich nun noch, dass der 
Charakter der in dem Schiefer enthaltenen Diatomeen vollkommen denen eines grösseren Seebeckens 
entspricht. Die zahlreichen Cymbellen und Epithemien deuten auf eine reiche Flora von Algen, 
Charen und andern Wasserpflanzen hin, auf denen dieselben schmarotzend lebten. Auffallend ist das 
gänzHche Fehlen einiger Gattungen, welche in jetziger Zeit an ähnlichen Localitäten fast immer 
vorhanden sind. Diese sind : Amphora, Stanrone'is, Pleurosigma, Campylodiscns, Cymatopleura, 
Tabellaria und Cyclotella. Nach einigen noch jetzt lebenden Formen zu schliessen, müsste das Klima, 
während die Ablagerungen entstanden sind, ein kaltes gewesen sein, es sind aber andere, z, B. die 
in grosser Menge vorkommende Epithemia Cistula darunter, welche heute nur in wärmeren Gegenden 
leben. Es lässt sich annehmen, dass z. B. der ohnehin im Schiefer nicht häufige Tctracychis aus 
höheren, kälteren Gebirgsgegenden in das tiefer Hegende wärmere Seebecken herabgeschwemmt 
worden ist, wodurch der anscheinende Widerspruch leicht gelöst ist, wenn man nicht zu Acclimati- 
sirungen seine Zuflucht nehmen will, die, oft nur von geringen Unterschieden in der Gestalt begleitet, 
seit dem Miocän stattgefunden haben können. 

Die bisher beobachteten Arten sind die folgenden : 
Epithemia Cistula [Ehbg.) var. lunaris Grün. Ich fasse unter dem Namen E. Cistula eine Reihe von 
Formen zusammen, welche sich in Hinsicht der ganzen Gestalt der E. gibberula nähern, von 
dieser Art aber durch die sehr stark entwickelte MittelHnie verschieden sind. Es gehören hierher 
Eunotia Sphaerula Ehbg., E. undosa Ehbg., E. Jordani Ehbg. und E. zebrina Ehbg. {partim f). 
Alle haben starke, deutlich punktirte Querstreifen. Die am wenigsten gebogenen Schalen hat 
E. zebrina, die am stärksten gebogenen, die im Schiefer von Dübravica sehr häufige i'ar. lunaris, 
welche mir lebend in verschiedenen Süsswasseraufsammlungen Bengalens vorHegt, sonst aber von 
keinem andern Standorte bekannt ist. Die Länge der Frustein schwankt zwischen 0-027 bis 013 mm, 
von den stark punktirten Ouerstreifen gehen 10 bis 13 auf O'OI mm. Die fossilen Exemplare von 
Dübravica zeigen grössere Schwankungen wie die lebenden von Bengalen. Es kommen weniger 
Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns II, 4. • 18 



138 A. Grunow. [3] 

gebogene Schalen vor, wie sie sich in den ebenfalls miocänen Ablagerungen von Jasztraba, 
Zamuto, MoCär und in den mexicanischen, Tisar genannten Schichten vorfinden, einzelne Schalen 
haben sogar kopfförmig verdickte Enden, ohne dass an eine specifische Abtrennung irgend 
einer dieser Formen gedacht werden kann. Tab. XXIX (I), Fig 2 kleinere ganze Frustel, Fig. i grosse 
Schale. Sehr nahe steht der E. Cistula und ist vielleicht nur V-arietät derselben die E. proboscidea 
{Kg.f) W. Smith, welche sich z. B. im diluvialen Mergel von Domblitten und im Bergmehl von 
St. Fiore, sowie lebend in grösseren Seen vorfindet. In der Arbeit von Cleve und Jentzsch über 
diluviale Diatomeenschichten Norddeutschlands ist diese Art als E. Zebra var. proboscidea aufgeführt, 
was ich aber 1862 unter diesem Namen veröffentlichte, ist eine entschiedene Varietät der E.Zebra und 
ganz verschieden von der im Mergel von Domblitten auftretenden Art, welche sich an E. Sorex anschliesst 
und von dieser hauptsächhch durch weiter gestellte Rippen unterscheidet. Bei E. .S^r^jr kommen 2, oder 
seltener 3 Punktreihen auf einer Rippe, bei E. proboscidea W. Smith ^ — 5. Was E. proboscidea Kg. 
ist, lässt sich kaum sicher entscheiden. Im Kieseiguhr von Oberohe, in dem sie vorkommen soll, 
sah ich nur E. Sorex und manche Formen der E. Zebra, welche an Kützing's Abbildung der 
E. proboscidea erinnern. Im Bergmehl von St. Fiore ist sie häufig und von Ehrenberg als 
E. gibberula aufgeführt und abgebildet worden, in Nichtübereinstimmung mit verschiedenen 
anderen Abbildungen dieser Art. Bei all dieser Unsicherheit habe ich vorläufig die Art im 
Smith'schen Sinne adoptirt und zur besseren Verdeutlichung des Gesagten eine Schale von 
Dombhtten auf Tab. XXIX (I), Fig. 3 abgebildet. Fig. 4 ist eine Varietät mit kopfförmigen 
Enden von St. Fiore. Zur Vergleichung habe ich noch eine Schale der E. Sorex aus dem Kiesel- 
guhr von Oberohe beigefügt. Tab. XXIX (I), Fig. 5. 

Etmotia polyglyphis Grün, in Van Heurk Synops. Tab. 34, Fig. 33 {E. pentaglyphis et E. hexaglyphis 
Ehbg.). Nicht selten mit 5 — 7 Zähnen, welche bisweilen etwas stumpfer sind als an anderen 
Localitäten. Diese Art findet sich mit 4 bis 7 Zähnen in sehr vielen nordamerikanischen, schwedischen 
und finnländischen Ablagerungen. Lebend habe ich sie aus dem nördlichen Norwegen bis zum 
Nordcap Europa's beobachtet. 

E. mi}ior {Ktsg.) Rabenli. Gnui. in Van Heurk Synops. Tab. 33, Fig. 20, 21. Nicht selten. Häufige, 
noch jetzt lebende Art. 

E. pectinalis var. stricta (Rabenh) Grün. 1. c. Tab. H, Fig. 18. Selten. 

E. incisa var. "1 hyalina Grün. Unterscheidet sich von anderen ähnlichen Formen der E. incisa durch 
die viel zarteren Querstreifen, von denen in der Mitte 25 und an den Enden über 30 auf O'Oi mm 
gehen. Selten. Tab. XXIX (I), Fig. 7. 

E. Ehr enbergii [Ralfs f) var. quaternaria Grün. Ich rechne zu E. Ehrenbergii der E. pectinalis verwandte 
Formen, welche nur am Rücken wellig gezähnt sind, und die auf der Bauchseite in der Mitte 
keine Anschwellung besitzen wie E. iindulata (]¥. Smith). Ich habe diese Formen in Rabenhorst's 
Beiträgen Heft II besprochen und schrieb ihnen damals eine gerade Anzahl von Zähnen zu, 
habe aber seitdem vielfach Formen mit einer ungleichen Anzahl Zähnen getroffen, welche von 
den anderen nicht getrennt werden können. Die im Schiefer von Dübravica beobachtete Schale 
hat vier Zähne am Rücken und ist besonders zart gestreift (in der Mitte 16 Querstreifen in 
O'OI mm, an den Enden mehr) so dass sie dem Cliniacidiuni tetraodon Ehbg. entsprechen dürfte. 
Die Gattung Glimacidiiim (Ehbg. 18 6g), die sich von Ennotia durch glatte Schalen unterscheiden 
soll, verdankt ihren Ursprung dem veralteten Schiek'schen Microscope, welches Ehrenberg mit 
zu bedauernder Consequenz während seines ganzen Lebens anwendete, welches ihn verhinderte, 
seine eigenen Arten genauer kennen zu lernen und Schuld daran ist, dass wir es 



[4] Beiträge zur Kenntniss der fossile?! Diatomeen Österreich-Ungarns. 139 

in seinen Arbeiten mit einer so grossen Anzahl ganz uneruirbarer Arten zu thun haben. Vielleicht 
lassen sich die Arten der Gattung CHmacidiuin, die nur auf dem schwankenden Unterschiede 
der Anzahl der Zähne basirt sind, als Eunotia Climacidium zusammenfassen. Diese Art würde 
sich von E. Ehrenbergii durch zartere Querstreifung, wenn auch nur sehr unsicher, unterscheiden, 
und die Form von Dübrovica würde dazu gehören. Tab. XXIX (I), Fig. 6. 
Synedra Ulna FJibg. var. Häufig. Form mit sehr starken Querstreifen, von denen 8 — S'/a auf ooi mm 

gehen, und glatter Area in der Mitte. 
5. {Ulna var.) danica Kg. Häufig. Streifung wie bei der vorigen Form. Streifenlose Area auf einen 
kleinen länghchen Raum in der Mitte beschränkt. (Vergl. Grün, in Van Heurk Synops. Tab. 38, 
Fig. 14.) 
5. delicatissima Smith, brit. Diät. Tab. 12, Fig. 94. Häufig und sehr genau mit Smith's Abbildung 
übereinstimmend. Querstreifen 11 in 001 mm, durch keine glatte Area in der Mitte unterbrochen. 
5. familiaris Kg. var. neogena Gnin. Die erweiterte, streifenlose Mitte (0002 5 mm breit) ist durch 
zwei sehr seichte Einschnürungen von dem allmähg gegen die Spitzen hin immer dünner 
werdenden übrigen Theil der Schalen (vor den Spitzen O-OOI mm breit) getrennt. Querstreifen 17 Va 
bis 19 in O'OI mm, Länge Oio mm und länger. Nicht selten. Hat Aehnlichkeit mit Fragilaria? 
crotonensis Kitton, bei welcher die erweiterte Mitte aber nicht durch Einschnürungen abgegrenzt 
ist. Von der eigentlichen Synedra familiaris, welche auch als zur Gattung Staurosira gehörig 
betrachtet werden kann, und von der sehr ähnhchen Staurosira bidens {Heiberg) ist unsere Form 
durch längere und schmälere Schalen verschieden. Eine ähnhche Form findet sich lebend in 
Bengalen. Tab. XXIX (I), Fig. 15. 
Staurosira Harrisonii {W. Stnith) Grün, in Van Heurk Syn, Tab. 45, Fig. 28. {Odontidiiim W. Sm. 
Bibliarium leptostaiiron Ehbg. f) Häufig. Vielfach verbreitete noch jetzt lebende Art. Tab. XXIX (I), 
Fig. 16. 
St. Harrisonii var. Amphitetras Grün. Eine ausserordentlich interessante Form, die noch wichtiger 
dadurch wird, dass Cleve im diluvialen Kieseiguhr von Domblitten eine entsprechende dreiseitige 
Form gefunden hat. Wir haben es hier nicht mit Abnormitäten zu thun, wie schon das durch- 
aus nicht vereinzelte Vorkommen beweist und finden ein vollkommenes Analogon in vielen 
Biddnlphia-Art&n, die 3, 4 und mehrseitig vorkommen und dann sogenannte Triceratien, Amphi- 
tetras, etc. bilden. Unter den Fragilarieen haben wir noch ein zweites Beispiel an Triceratiiim 
cruciferum Kitton, welches die Amphitetras-Form von Rhaphoneis amphiceros darstellt, während 
ich eine dreiseitige Form dieser Art auch unter Diatomeen von Taiti und den Seyschellen auf- 
fand. Wahrscheinlich ist auch das interessante Triceratinm exiguum die dreiseitige Form von 
Staurosira parasitica {Odontidiuvi W. Smith), welche mit ihm gemeinschaftlich vorkommt. Die 
dreiseitige Form von Domblitten scheint nicht zu St. Harrisonii zu gehören, wie Cleve annimmt, 
sondern zu der damit nahe verwandten und schwer trennbaren St. mutabilis. Ich habe sie in allen 
mir vorhegenden Proben von Domblitten gesehen, und auch in einer, in welcher St. Harrisonii gar 
nicht, Tr. inutabilis dagegen sehr häufig vorkommt. Ich habe auf Tab. XXIX (I), Fig. 18 die 
vierseitige Form von Dübravica und zum Vergleich auf Tab. XXIX (I), Fig. 17 die dreiseitige Form 
von Domblitten abgebildet. Lebend sind beide bisher noch nicht gefunden worden. 
Staurosira {constriiens var) Venter {Ehbg.) Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 45, Fig. 24 {Fragila ria 

Venter Ehbg). Häufig. Tab. XXIX (I), Fig. 8—10. 
St. intermedia Grün. l. c. Tab. 45, F"ig. 9 — n {Fragilaria mutabilis var.? intermedia Grün. olim). 
Häufig. 

18* 



140 ^- Grimow. _ [5] 

St. brevistriata var. sjibaaita Grim. l. c. Tab. 45, Fig. 32 {Fragilaria aaäa Ekbg.ff). Häufig. 
Alle 3 zuletzt genannten Arten sind fossil und besonders lebend sehr häufig. 

Peronia? antiqua Grün. Schalen keilförmig, mit abgerundeten Enden, 0022 — 0049 mm lang, 0-0035 
bis 0-004 mm breit, mit schmaler Mittellinie und ca. 16 — 18 matten Querstreifen in O'OI mm, 
von denen einzelne etwas stärker markirt sind, so dass manche Schalen ein fast Meridion-artiges 
Ansehen erhalten. Von Peronia erinacea weicht diese interessante Art, die den Uebergang zu 
Meridian zu vermitteln scheint, ausserdem durch die kaum sichtbaren Endknoten ab, wodurch 
sich auch solche Schalen davon unterscheiden lassen, bei denen einzelne Streifen nicht vor den 
anderen stärker hervortreten. Hin und wieder. Tab. XXIX (I), Fig. 8, 9. 

Surirella Clemetitis Griin. Schalen länglich, in der Mitte eingeschnürt mit abgerundeten Enden. Mittel- 
linie kurz, kürzer als die halbe Schalenlänge, an beiden Enden mit einem scharfen Stachel 
versehen. Rippen kurz, randständig, 2 in 001 mm, wie der übrige Theil der Schale matt und 
unregelmässig punktirt. Länge 0'i8 — 0'2i mm, grösste Breite 0052 — ^0058 mm. Breite bei der 
Einschnürung in der Mitte 0'03 mm. Eine eigenthümliche Art, welche mit keiner anderen 
Aehnlichkeit hat. Die mit Stacheln endende Mittellinie findet sich auch bei 5". Capronii Breb. 
und 5. contorta Kitton, Umriss und Rippen sind aber bei beiden ganz anders. Nicht selten, aber 
fast immer nur in Bruchstücken. Tab. XXIX (I), Fig. 19. Nur 38ofach vergrössert. 

S. Silbsalsa IV. Smith brit. Diät. Tab. 31, Fig. 259. Selten. Es ist dies die einzige Art, welche auf 
einen schwachen Salzgehalt hinweist. Genau ebenso fand ich die Art in einer von Herrn Kittel 
bei Soos gefundenen fossilen Ablagerung, sowie lebend in den Salinen von Schönebeck und 
an den Küsten Englands. 

Tetracyclus laciistris Ralfs. (W. Smith brit. Diät. Tab. 39, Fig. 308, Bibliarinm Stella, Glans, speciosunt 
Ehbg. etc.). Hin und wieder. Die zwischen den Rippen befindlichen Punktreihen (ca. 20 in 001 mm) 
sind von Smith nicht abgebildet worden. Diese in nordamerikanischen, schwedischen und finnlän- 
dischen Ablagerungen häufige Art kommt auch lebend nicht selten in England, Schweden und 
Norwegen vor und wurde neuerdings in Sümpfen hoher Alpenthäler (Chamounix, Saar, Ferpecle, 
Zinal etc.) aufgefunden. 

Hantzschia 1 dnbravicensis Grün. Eine fragliche, nur einmal beobachtete Form, die auch Aehnlichkeit 
mit den Schalen von Nitzschia commutata hat, bei welcher aber der hier sehr deutlich ausge- 
sprochene Mittelknoten fehlt. Die Schalen sind linear, kaum gebogen, mit abgeschnürten kopf- 
förmigen Enden, . 0-065 "i^n lang, O'OOJ mm breit. Kielpunkte ca. 5 in 001 mm, Querstreifen 
sehr zart punktirt, 16 in OOI mm. Tab. XXIX (I), Fig. 23. 

Cocconeis lineata [Ehbg. ?) Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 30, Fig. 31, 32. Häufig, meist in kleineren 
Formen, welche sich mehr oder weniger der C. Placentula nähern. 

Achnanthes lanceolata [Breb.) Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 37, Fig. 8 — 11. Kurze Form mit breit- 
abgerundeten Enden dieser häufigen jetzt lebenden Art. 

Cymbella Sturii Grün. Aehnlich den grossen Exemplaren der G. lanceolata, aber mit breiter abgerundeten 
Enden und von allen anderen Arten durch die an den Enden auf eine längere Strecke verdickte 
MitteUinie ausgezeichnet. Die Querstreifung ist wie bei C. Cistula auf der Bauchseite in der Nähe 
des Mittelknotens durch einen kleinen, länglichen, glatten Fleck unterbrochen, bisweilen findet sich 
auch ein ähnhcher kleinerer glatter Fleck auf der convexen Schalenseite. Länge 0-19 — 025 mm, 
Breite 0-032 — 0-032 mm. Querstreifen in der Mitte 7 — 8, an den Enden 10—12 in O.oi mm, 
deutlich granulirt. Punkte ca. 14 in 001 mm. Häufig. Tab. XXX (II), Fig. 35. 



[6] Beiträge zur Kennlniss der fossilen Diatomeen Österreicli-Ungarns. 



141 



C. lanceolata var. cornuta [Elibg), [Cocconema cornntuiii Elibg. Microg. ij. A. p^). Schalen 0'i5 bis 
0.20 mm lang, 0-027 — 0-029 mm breit, Querstreifen in der Mitte 7 — 8, an den Enden 10 — 11 in 
Q-Oi mm, deutlich granulirt, Punkte 10 — 12 in o-oi mm, an den Enden enger. Nicht selten. 
Lebend hin und wieder, fossil im Mourne Mountains Deposit, im Loome Bridge Deposit, im 
Bergmehl der Lüneburger-Haide etc. 
C. gastroides var. neogena Grnn. Unterscheidet sich von anderen Formen hauptsächlich nur durch 
etwas enger gestellte Punktirung der Querstreifen, in der Mitte 1372 — 14V2 in o-oi mm, während 
sonst gewöhnlich 11 — 12 Punkte bei 0. gastroides auf 001 mm gehen. Bei einem 0-175 nim langen 
und 0'033 mm breiten Exemplare kommen in der Mitte am Rücken 7Va, am Bauche 9 und an 
den Enden 12 Querstreifen auf O-Qi mm. Kleinere Exemplare nähern sich oft mehr oder weniger 
der C. Cistula, welche in ausgesprochenen Formen im Klebschiefer von Dübravica nicht ent- 
halten ist. 
C. gastroides var. ? Dubravicensis Grün. Eine durch die Gestalt der Endknoten sehr ausgezeichnete 
Form, welche sich in einem verlängerten glatten Räume befinden, der viel grösser ist, wie bei 
anderen Arten, und der auch gegen die Spitzen hin durch zerstreute Punktreihen begrenzt wird. Im 
Uebrigen ist die Form der C. gastroides ähnlich, von der sie möglicherweise eine Regenerationsform 
ist. Auf der Bauchseite findet sich in der Mitte eine kleine seichte Falte, in welcher die Punkte der 
Querstreifen kleiner sind. Diese Falte findet sich auch bei der vorvorigen, sowie hin und wieder 
bei recenten Exemplaren der C. gastroides. Sie entspricht dem kleinen glatten Raum der C. Cistula 
und zeigt, wie auch in dieser Hinsicht beide Arten nicht allzuverschieden sind. Es wurde bisher 
nur ein Exemplar beobachtet, welches 0-168 mm lang und 0-027 mm breit ist. Querstreifen 6 
bis 9, Punkte 14 — 17 in 001 mm. Tab. XXIX (I), Fig. 30. 
C. gastroides var. ? crassa Gnin. Schliesst sich an kürzere Formen der vorigen an, und steht ausser- 
dem der C. Cistula so nahe, dass es schwer ist, sie mit Sicherheit bei einer dieser beiden Arten 
unterzubringen. Lang 0073 mm, breit 0-024 rnn^! Querstreifen in der Mitte 6 — 7, an den Enden 
9 in 001 mm, Punkte 16 — 17 in o-oi mm. Hin und wieder. Tab. XXIX (I), Fig. 28. 
C. cymbiforviis [Elibg.) Van Heurk Syn. Tab. 2, Fig. 11. Häufig und genau mit jetzt lebenden Formen 

übereinstimmend. 
C. abnormis var. antiqua Grün. Unterscheidet sich von C. abnonnis durch die mehr kopfförmig 
verdickten Enden und etwas entfernter stehenden Streifen, welche sehr zart punktirt sind. Bei 
den meisten recenten Formen der im Umriss sehr variablen C. abnonnis ist der mittlere glatte 
Theil der Bauchseite durch zwei seichte Einschnürungen vom übrigen Theile der Schale gesondert, 
was bei der fossilen Form (übrigens auch bei manchen jetzt lebenden) nicht der Fall ist. Länge 
0-032 — 0-033 rnnij Breite 0008 mm, Querstreifen 7 — 8 in o-oi mm. Hin und wieder. Tab. XXIX (I), 
Fig. 31. 

Der Habitus dieser Form ist wenig cymbellaartig, so dass man geneigt sein könnte, sie zu 
Navicula oder zu der von Schumann aufgestellten Gattung Alloioneis, (mit der vielleicht Anonioinei 
Pfitzer zu vereinigen ist) zu stellen, welche Schalen mit unsymmetrischer Structur, sowie unsym- 
metrischen Zelleninhalt besitzt und ein Mittelglied zwischen Navicula und Cymbella bildet. Es sind 
aber vor definitiver Feststellung dieser Gattung noch verschiedene Punkte genauen Untersuchungen 
zu unterwerfen. Viele Navicula-A.rten zeigen wenigstens im Bau des Mittelknotens und der Endknoten 
eine kleine Asymmetrie und haben dennoch symmetrischen Zelleninhalt, andere fast vollkommen 
symmetrisch gebaute, wie z, B. N. dicephala haben cymbellaartigen Zelleninhalt. Die Frage wird noch 
dadurch erschwert, dass bei einzelnen Arten die Richtung der Excentricität in beiden Schalen einer 



142 A. ' Grunow. [7] 

Frustel nicht constant zu sein scheint. Bei Alloioneis cynibelloides Grün, beobachtete ich cymbellaartige 
Frustein, bei denen die Mittellinien beider Schalen nach derselben Seite hin gekrümmt waren, und 
andere, bei denen sie in entgegengesetzter Richtung ausgebogen sind. Von verschiedenen noch 
unveröffentlichten Alloioneis- Arten erwähne ich hier noch eine, welche sich durch ausserordentliche 
Asymmetrie der Streifung und Mittellinie bei sonst ganz naviculaartig gebauten Frustein auszeichnet, 
und welche hin und wieder im Sande der englischen Meeresküsten vorkommt, z. B. in St. Aubin's 
Bay und Firth of Tay. Sie ist vom letzteren Fundorte in Cleve und Möllers Diatomeen unter Nr. 292 
ausgegeben und von mir Alloioneis Stauntonii genannt worden. Wie bei C. abnonnis fehlt in der 
Mitte auf einer Seite, die immer nach derselben Richtung hin zu liegen scheint, die Streifung gänzlich. 
Ich habe auf Tab. XXX (II), Fig. 36 eine Zeichnung dieser durch blosse Beschreibung schwer festzu- 
stellenden interessanten Art zur Vergleichung eingeschaltet. 

C. austriaca var. prisca Grün. Unterscheidet sich durch etwas stärkere Biegung der Mittellinie und 
durch einen oft nach der Rückenseite hin etwas mehr erweiterten glatten Raum um den Mittelknoten, 
besonders bei dem grösseren abgebildeten Exemplare. Kleinere Exemplare sind denen von 
Perdoneg (confer. A. Schmidt. Diät. Atl. Tab. 71, Fig. 68) viel ähnlicher. Die Schalen sind 005 
bis 0-078 mm lang, 0'0I3 — 0019 mm breit. Die Punkte der Querstreifen stehen eng, 22 — 24 in 
O'Oi mm. Nicht selten. Tab. XXIX (I), Fig 29. 
C. austriaca var. excisa Grnn. Kleine Form der vorigen mit in der Mitte auf der Bauchseite etwas 
eingeschnürten Schalen. Selten Tab. XXIX (I), Fig. 27. 

Es existiren zwei als C. excisa bezeichnete Formen, nämlich G. excisa Kg., welche eine 
Varietät der C. affinis ist und in dem mir vorliegenden Originalexemplare von Triest vollständig in 
dieselbe übergeht, so dass sie als C. ajfinis var. excisa bezeichnet werden muss und C. excisa 
A. Schmidt Diät. Atlas Tab. 71, Fig. 35, welche Petit als C. tiirgida var. excisa in Bull, de la soc. 
bot. de France 1877 Tab. i, Fig. 2 abgebildet hat, die aber nach authentischen Exemplaren eine 
Varietät der C. leptoceras Kg. ist. Da von C. ajfinis var. excisa keine genügende Abbildung vor- 
handen ist, so habe ich eine solche auf Tab. XXIX (I), Fig. 26 gegeben, um eine Vergleichung dieser drei 
Formen zu ermöglichen, welche eins der vielen Beispiele bieten, wie wenig oft die äussere Gestalt 
bei Bestimmungen der Diatomeen massgebend ist. 

C. leptoceras {Ehbg.ff) Kiitzg. Grnn. in Van Heurk Syn. Tab. 2, Fig. 18. Diese Art unterscheidet sich 
oft etwas schwierig von G. ajfinis durch die gerade Mittellinie. Da Ehrenberg's Art höchst 
fraglich, Kützing's Abbildung in den Bacillarien, Tab. 6, Fig. 14 sicher hieher gehört, so habe 
ich es unterlassen einen neuen Namen zu geben, wie es eigentlich richtiger wäre. 
Var. minor Grnn. Schalen 0026 mm lang bis 0'007 mm breit. Nicht selten. Tab. XXIX (I), Fig. 32. 
Var. angusta Grnn. Schale 0^024 — 0^027 mm lang, 0005 — 0005 5 mm breit. Querstreiten enger, 12 
bis 15 in O'OI mm. Nicht selten. Steht kleinen Formen der G. laevis Nägeli sehr nahe. 
Tab. XXIX (I), Fig. 33, 34. 
G. affinis Kützg. Grnn. l. c. Tab. 2, Fig. 19. Häufig und genau mit jetzt lebenden Formen überein- 
stimmend. 
Gomphonema intricatum Kg. (Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 24, Fig. 28, 29). Nicht selten. 
G. intricatum var. piunila Gr2in. (1. c. Tab. 24. Fig. 35, 36). Nicht selten. 
G. Vibrio Ehbg. (Grün. l. c. Tab. 24, Fig 26) selten. 

G. montanum {Schuni) Grnn. (1. c. Tab. 23, Fig. 33). Selten. Schmale, lange Form. 
G. dichotonmm [Kiitzg., partim) IV. Smith. (Grün. 1. c. Tab. 24, Fig. 19, 20). Hin und wieder. 
G. (olivaceuni var. ?) subramosum Kiitzg. (Grün. 1. c. Tab. 25, Fig. 26, 27). Nicht selten. 



[8] Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreicli-Ungarns. 143 

Alle diese Gojiiphonema-Artcn sind noch heute in ähnlichen Formen lebend häufig. 

G. abbreinatiivi Kiitsg. [nee. C. Ag.) (Grün. 1. c. Tab. 25, Fig. 16). Selten. Genau mit lebenden 
Exemplaren dieser seltenen, mir nur von wenig Standorten bekannten Art übereinstimmend. 
Etwas grössere Formen scheinen in warmen Ländern häufiger zu sein. 

Navic2ila nobilis [Ehbg) Ki'itzg. var. neogena Grün. Unterscheidet sich von anderen Formen der 
N. nobilis durch die kürzeren Streifen und die deshalb breitere Mittellinie. Länge 0215 mm, 
Breite 0032— O'Ojö mm, Querstreifen 5 in 001 mm. Hin und wieder. Tab. XXX (II), Fig. 41. 

iV. major Kg. (1. c. Tab. 42, Fig. 8). Selten. Noch jetzt lebende Art. 

N. leptogojigyla [Ehbg.) [Pinniilaria leptogongyla Ehbg. Microg. 16. 3, 22 — 10. i, 11), Selten. Sehr häufig 
im Bergmehl von Eger und auch lebend nicht selten. Von A. Schmidt ist diese Art im Diatomeen- 
atlas Tab. 45, Fig. 28 mit stark punktirter Streifung abgebildet, wie sie bei sehr zerfressenen 
Exemplaren der Gruppe Pimmlaria bisweilen in unregelmässiger Weise sichtbar wird. Für 
gewöhnlich ist jedoch selbst mit den besten Objectiven keine Spur einer Punktirung zu entdecken. 

N. viridis Kg. var. semicruciata Grün. Grössere Form, welche ziemlich genau der Abbildung von 
N. viridis in A. Schmidt's Diatomeenatlas Tab. 42, Fig. 14 entspricht, bei der aber auf einer 
Seite in der Mitte die Querstreifung auf einer kurzen Strecke fehlt. Selten. 

N. rupestris {Ha?itzsck) var. seviicrnciata Grün. Aehnliche Form der mit N. viridis innig zusammen- 
hängenden N. rupestris (Confer. A. Schmidt. Diat.-Atl. Tab. 45, Fig. 41 — 44). Hin und wieder. 
Kommt auch zwischen recenten Aufsammlungen der N. rupestris hin und wieder vor und hat 
wie bei der vorigen oft nur die eine Schale einer ganzen Frustel in der Mitte auf einer Seite 
unterbrochene Querstreifung. 

N. modesta Grün. Kleine Art, welche einige Aehnlichkeit mit N. appendiculata zeigt, sich aber davon 
durch die Streifung unterscheidet, welche in der Mitte nicht unterbrochen und nur sehr schwach radial 
ist. Gegen die Enden hin stehen die Streifen wie bei allen Pinnularien in entgegengesetzter Richtung 
schief. Länge 0-035 i^ii". Breite 0007 mm, Querstreifen 21 — 22 in O-oi mm. Selten Tab. XXX (II), Fig. 39. 

N. [decurrens Ehbg. var.?) subsolaris Grmi. Diese in den Diatomeenlagern von Stavanger, Cherryfield 
und Dana's Fond nicht seltene Form ist von A. Schmidt im Diatomeenatlas Tab. 45, Fig. 29, 30, 
wenn auch mit höchst störender Punktirung der Querstreifen, sonst aber sehr gut abgebildet. Im 
Klebschiefer von Dübravica findet sie sich hin und wieder und ausserdem eine Form mit etwas 
kürzeren Querstreifen und dadurch breiterem glattem Mittelraume, welche als ^fortna brevistriata'^ 
bezeichnet werden kann. Tab. XXX (II), Fig. 38. 

N. parvida Ralfs. {Pinnularia parva Gregory in Microsc. Journ. II, Tab. 4, Fig. 11.) Ich habe diese 
Art im Mull Deposit, in dem sie vorkommen soll, noch nicht gesehen, und Gregory's Abbildung 
ist nicht ganz genügend, um mit Sicherheit danach bestimmen zu können. Ich habe deshalb die 
bei Dübravica vorkommende Form, die wahrscheinlich zu N. parvula gehört, abgebildet. 
Tab. XXX (II), Fig. 37. 
N. oblonga Kg. (A. Schmidt, Diat.-Atl. Tab. 47, Fig. 63 — 68). Selten aber genau mit noch jetzt 
lebenden Formen übereinstimmend. 

N. Haueri Grim. Nahe mit N. peregrina verwandt, unterscheidet sich diese interessante Art davon 
durch das constante Auftreten zweier glatten Längsstreifen, welche beiderseits die Streifung 
unterbrechen. Die Schalen sind stumpf lanzettlich, 0.08 — o.i2 mm lang, 0017 — 0-019 mm breit ; 
die sehr zart punktirten Querstreifen sind in der Mitte radial, an den Enden in entgegengesetzter 
Richtung gebogen, 5 — 8 in O'Oi mm. Eine nah verwandte Art ist N. gr'önlandica Cleve. Acad. 
Wissensch. Stockholm 1881. Tab. i, Fig. 13. Diese Art ist breiter, hat einen grösseren, runden, 



144 ^- Grunow. [9] 

glatten Raum in der Mitte und kürzere, die Streifung unterbrechende glatte Linien. Eine ähnliche 
Unterbrechung der Streifung scheint besonders bei arktischen Diatomeen öfter vorzukommen. 
Häufig. Tab. XXX (II), Fig. 48. 
N. {radiosa var. f) diibravicensis Gnm. Steht der N. radiosa sehr nahe, die Punktirung der Quer- 
streifen bildet aber scharf markirte Längsstreifen (25 in o-oi mm), was bei jener nicht der Fall ist. 
Die Schalen haben hierdurch einige Aehnlichkeit mit denen von Schizoneina aus der Gruppe 
Rainosissima. Die Schalen sind 0072 — 0085 mm lang, o'Oii mm breit und lanzettlich mit etwas 
abgerundeten Enden. Querstreifen 13 in 001 mm, in der Mitte entfernter. Nicht selten. 
Tab. XXX (II), Fig. 49. 

Diese Form hat mit N. vulpina Kg. (Grün, in Van Heurk Syn. Tab 7, Fig. 18) insofern 
Aehnlichkeit, als auch bei dieser die Punktirung, besonders an den Enden Längslinien bildet. In der 
citirten Abbildung tritt dies nicht deutlich hervor, da die einzelnen Streifen punktirt abgebildet sind. 
Besonders scharfe Längsstreifen (24 in O'OI mm) zeigen diluviale Exemplare aus den Ablagerungen 
von Domblitten, in welchen diese Art häufig ist. 
N. tcnella Breb. var. minutissima Gnin. Sehr kleine 0'0i7 — 0'027 mm lange und 0'0035 — 0^004 mm 

breite Form mit 16 — 19 Querstreifen in 001 mm. Nicht selten. 
N. digito-radiata [Greg.) (Grün, in Van Heurk Synops. Tab. 7, Fig. 4). Selten. Fast die einzige Brack- 
wasserform im Dübravicer Schiefer. 
N. dicephala [Ehbg. ?) W. Smith (Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 8, Fig. 33, 34). Hin und wieder, 

bisweilen in sehr kurzen Formen mit nur wenig vorgezogenen Enden. 
N'. [Gastriim Ehgb var. !) exigua Greg. (Grün. 1. c. Tab. 8, Fig. 32). Hin und wieder. 
N. Gastru.m{Ehbg..^) Griiii. in Van Heurk Syn. Tab. 8, Fig. 25, 27. Hin und wieder, meist in kleineren 
Formen, welche der oben citirten Figur 27 entsprechen. N. Gasiriun ist von Donkin ohne glatte 
Area um den Mittelknoten abgebildet und mit ganz glatten Streifen, so dass mir seine Abbildung 
zweifelhaft geworden ist. Die sonst höchst unvollkommenen Zeichnungen Ehrenberg's zeigen einen 
glatten Raum um den Mittelknoten. Ich nahm früher an, dass das Alterniren kurzer und längerer 
Streifen in der Mitte für diese Art charakteristisch sei, bei manchen kleineren Exemplaren ist dies aber 
kaum zu bemerken. Die Punktirung der Querstreifen ist sehr variabel, die Exemplare von 
Dübravica haben'ig — 20 Punkte in 001 mm. Die auf Tab, XXX(II), Fig. 51 abgebildete kleine Form 
weicht vom Typus durch die in der Mitte nicht abwechselnd längeren und kürzeren Streifen 
ab, ohne deshalb von N. Gastruin getrennt werden zu können. 
N. Gastruiii var. styriaca Griin. Grössere Form mit sehr stark punktirten Querstreifen (ca. 14 — 15 
Punkte in 001 mm). Selten. Diese Form beobachtete ich vor vielen Jahren im Erlafsee bei 
Mariazell und später an einigen anderen Localitäten, und bezeichnete sie als N. styriaca in litt, 
Lagerstedt bildete sie 1873 in den Süsswasserdiatomeen von Spitzbergen als N. punctata var. 
asymnietrica ab, weil das eine von ihm beobachtete Exemplar in der Längenaxe etwas unsym- 
metrisch war. Sie gehört aber durchaus nicht zur Verwandtschaft der N. tiiscula [Stauroneis 
punctata Kg), deren Struktur weiter unten bei N. [tusciila var."?) arata erörtert werden wird, 
und ist für gewöhnlich ganz symmetrisch. Tab. XXX (II), Fig 50. Eine noch grössere Form scheint 
auf Franz Josefs-Land nicht selten zu sein. 
A^. Clcnicntis Griiu. Diese jedenfalls mit N. Gastruni nahe verwandte Art zeichnet sich durch eine 
Asymmetrie im Baue aus, welche mich veranlasst, dieselbe als eigene Art zu betrachten. Es endigen 
nämlich auf einer Seite zwei der mittleren radialen Streifen mit am Mittelknoten liegenden vom 
übrigen Theile der Streifen getrennten Punkten, wie dies bei der Gruppe der N. mutica und bei 



[lo) Beiträge zur Kcjintniss der fossilen Diatomeen Österreicli-Ungarns. 145 

den unsymmetrischen Go7iiphone!na-Arte.n in ähnlicher Weise der Fall ist. Wahrscheinlich hängt 
hiermit auch eine Asymmetrie in der Gestalt des Zelleninhaltes zusammen, wie sie übrigens 
auch bei anderen mit A\ Gastruin verwandten Formen, die symmetrisch gebaute Schale n 
haben, vorkommt. yV. Clementis hat breitlanzetthche Schalen mit vorgezogenen, stumpfen Enden, 
0-040 — 0-045 mm lang, 0012 — 0015 breit. Ouerstreifen zart punktirt, radial, in der Mitte, wo 
sich zwischen den längeren Streifen kürzere eingeschaltet finden, 8— 10, an den Enden 16 in O-Oi mm. 
Hin und wieder. Tab. XXX (II), Fig. 52. 
N. {tuscula Ehbg. var. .') arata Grün. Unterscheidet sich von N. tuscula durch die lanzettUchen, an 
den Enden kaum vorgezogenen Schalen und den rundlichen, glatten Raum um den Mittelknoten . 
welcher bei jener mehr in die Breite gezogen ist. Die Streifung ist genau wie bei A'^. tuscula, 
die Streifen sind zart punktirt, gegen den Rand hin zusammenhängend und gegen die Mitte hin 
in 2 bis 4 kurze Partien getrennt, welche wie die Punkte anderer Arten aussehen, in Wirklichkeit 
aber aus zwei bis drei gedrängt stehenden Punkten bestehen. Ganz ähnlich ist es bei Navicula 
{Stauroneis) aspera, von welcher einzelne Formen punktirt und andere gerippt aussehen und 
bei der unter starker Vergrösserung sowohl die Punkte als die Rippen zart gestrichelt erscheinen. 
Die Schalen von N. arata sind 006 — 0067 mm lang und 0-0l8 — 0-02 mm breit. Querstreifen 
in der Mitte 8 — 9 in o-Qi mm, an den Enden enger. Nicht selten. Eine ganz ähnhche Form sah 
ich recent im Schlamm des Hudson Flusses. Tab. XXX (II), Fig. 58. 

Die mit der hier beschriebenen Form nahe verwandte N. tuscula hat einen eigenthümlichen 
Zelleninhalt, welcher sehr verschieden von dem aller anderen mir lebend bekannten Arten ist und 
Veranlassung geben könnte, hierauf eine eigene Gattung zu begründen. Vorläufig bedarf es aber noch 
sehr vieler Untersuchungen, ehe festgestellt werden kann, welchen Werth die Gestaltung des Endochroms 
bei der Trennung von Gattungen und Familien hat. Bis jetzt ist die Zahl der genauer beobachteten 
Arten noch sehr klein, und auch bei diesen werden weitere Beobachtungen noch andere Resultate 
ergeben. Lanzi hat Goniphonenia olivaceuui mit coccochromatischem Zelleninhalt beobachtet, ich 
selbst G- acuntinatuni und G. constrictuvi und zwar bei gesunden, parasitenfreien Exemplaren mit 
braungelben Endochromkugeln. Es würde zu weit führen, andere Beispiele aufzuführen und benutze 
ich einstweilen die Gelegenheit, um auf Tab. XXX (II), Fig. 56, 57 (if^) die Abbildung des Zelleninhaltes 
von A''. tuscula einzuschalten, welcher vergHchen mit dem von A^. elliptica, N. dicephala und dem 
normalen Endochrom der meisten anderen N^aviaila- Arten zeigt, welche Abänderungen jetzt schon 
in einer einzigen Gattung vorliegen. 

Auf Tab. XXX (II), Fig. 55 habe ich noch zur näheren Erörterung des über den Zelleninhalt 
Gesagten ein lebendes Exemplar der mit A^. Gastruin und Placentula nahe verwandten N. dicephala Kg. 
abgebildet. 

A^. elliptica var. grandis Gnm. Die grösste bisher von mir beobachtete Form, lanzettlich elliptisch 
bis 0-13 mm lang und bis 0-045 n^m breit mit 10 Punktreihen in OOt mm und 10 Punkten in 
001 mm. Nicht selten. 
A'. elliptica var. minor Grün. Elliptisch, ca. 0.033 rrirn lang und 0015 mm breit. Punktreihen 10 — 11 
in 001 mm, Punkte 11 in o-oi mm. Nicht selten und, wie es scheint, durch keine Uebergangsformen 
mit der vorigen verbunden. Unter den mir bekannten Abbildungen steht A. Schmidt Diät. Atl. 
Tab. 7, Fig. 29 von Domblitten am nächsten, unterscheidet sich aber durch etwas grössere 
Gestalt und entferntere Punktreihen. Fig. 55 auf Tab. 7 vom Ramner Moor ist kleiner, und enger 
punktirt gestreift, so dass unsere Form zwischen beiden ziemlich in der Mitte steht. 

Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Ungarns II, 4. 19 . 



146 Gnmoiu. [ll] 

N. elliptica var. viinutisstvia Griin. in Van Heurk Syn. Tab. 10, Fig. 11. Nur 0014 mm lang und 
o 008 mm breit. Querstreifen zartpunktirt, 17 — 18 in o-oi mm. Selten. 

Der Formenkreis der N. elliptica umfasst so verschiedene Dinge, dass es vielleicht besser 
wäre, einige Arten davon abzuscheiden, die indessen von einander scharf abzugrenzen fast unmöglich 
wäre. Aehnlich ist es bei den verwandten Arten mit Längsfurchen neben der MitteUinie, wie z. B. 
N. fiisca, Smitkii, didyma, Crabro etc., aus denen theilweise schon eine Menge ununterscheidbarer 
Arten gemacht worden sind und die sogar unter sich oft kaum mit Sicherheit trennbar sind. Wir 
haben es hier mit einer der formenreichsten Gruppen der Gattung Navicula zu thun, bei der noch 
in Frage kommt, ob sie nicht besser als eigene Gattung (vielleicht Diploneis Ehbg. emend.) zu 
betrachten sei. Jedenfalls ist der Zelleninhalt von N. elliptica sehr verschieden von dem anderer 
Navicula-Avicn, und besteht aus bisweilen tief gelappten Endochromplatten, die einen entschiedenen 
Uebergang zu den coccochromatischen Diatomeen andeuten. Da mir keine derartige Abbildung bekannt 
ist, habe ich eine Zeichnung auf Tab. XXX (II), Fig. 62, 63 eingeschaltet. 

N. ventricosa var. triincatida Grün, (in Van Heurck Syn. Tab. 12, Fig. 25). Selten; etwas länger wie 

die citirte Abbildung. 
N. infirma Griin. Diese kleine, nur in einem Exemplare beobachtete Art hat mit keiner lebenden 

Süsswasserart Aehnlichkeit. Die Schalen sind länglich oval, 002 mm lang und 0007 mm breit. 

Der Mittelknoten ist von einer lanzettlichen, glatten Area umgeben, die Querstreifen sind zart 

punktirt und bis an die Enden radial gestellt, in der Mitte 13, an den Enden 16 — 17 in o-oi mm. 

Sie scheint zur Gruppe der N. palpebralis zu gehören. Tab. XXX (II), Fig. 53. 

N. {Criicicula var. f) protracta Grün, in Cleve und Grün. arct. Diät. Tab. 2, Fig. 38. Die im Kleb- 
schiefer von Dübravica selten vorkommende Form ist noch kleiner und schmäler und als var. 
minuta zu bezeichnen. Tab. XXX (II), Fig. 47. Lebend kommt die Art meist in schwach salzigem 
Wasser vor. 

N. rhojnboides Ehbg. Ziemlich grosse Form mit 27 Querstreifen in o-oi mm, die durch etwas 
verlängerten Mittelknoten sich meiner Varietät amphipleHroides (Cleve et Grün. Arct. Diät. 
Tab. 3, Fig. 59) nähert. Nicht selten. 

Melofira arenaria Moore (Van Heurk Syn. Tab. 90, Fig. i, 2, 3, Orthosira W. Smith, Gaillonella 
varians et biseriata Ehgb.). Häufig. Diese schöne grosse Art kommt in Europa vielfach fossil 
und lebend vor. Ehrenberg führt sie auch in einigen amerikanischen Ablagerungen auf, in denen 
ich sie bisher noch nicht gesehen habe. 

M. undiilata Kiitzg. (Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 90, Fig. 8, 9, Gaillonella undulata et punctigera 
Ehbg) Selten. Ist mir nur fossil vom Habichtswald und von Förarn bekannt. Eine ähnUche Form 
kommt selten im Oregon Tripel vor. Eine andere Form, die ich als var.'? samoensis in Van 
Heurk Syn. Tab. 90, Fig. 5, 6 abgebildet habe, wurde mir als lebend von den Samoa-Inseln 
herrührend mitgetheilt. 

M. Roeseana Rabenh. (Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 89, Fig. 1—3). Selten und bisweilen in Formen, 
die der Varietät Porocyclia entsprechen (s. Fig. 19, 20 derselben Tafel). Kommt lebend besonders 
an feuchten Localitäten ausserhalb des Wassers vor. Synonym sind Orthosira spinosa Greville 
und Ehrenberg's Liparogyra, Stephanosira und Porocyclia- KxtQn. 

M. crenulata var. italica und var. ambigua Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 88, Fig. 7 und Fig. 12 
bis 14. Hin und wieder. Sonst sowohl lebend wie fossil sehr häufig. 



[i2] Beiträge zur Ketintniss der fossilen Diatomeen Österreich- Ungarns. 147 

M. Scala {Elibg) (Grün. 1. c. Tab. 86, Fig. 34, 35, Gaillonella Ehbg) Hin und wieder. Häufig im 

Saugschiefer von Mocär bei Schemnitz. Unterscheidet sich von M. distans durch einen Kranz 

gröberer Punkte im Umfange der Schalen und ist sonst mir weder fossil noch lebend vor- 
gekommen. 

2. Polier schief er von Tally a. 

Nach einer Mittheilung des Herrn Oberbergrathes Stur, welcher mir Proben dieses Schiefers 
zur Untersuchung mittheilte, gehört derselbe wie der vorige zur sarmatischen Stufe und ist viel 
jünger wie die böhmischen Polierschiefer. Obgleich derselbe ziemlich reich an Diatomeen ist, bietet 
doch die Untersuchung derselben grosse Schwierigkeiten, da sie sehr fest durch Kieselerde zusammen- 
gekittet sind, die sich nur durch längeres Kochen mit Alkalien, wobei auch ein Theil der Diatomeen 
zerstört wird, einigermassen trennen lässt, so dass der Zusammenhang lockerer wird, Eigenthümlich 
ist dabei, dass die meisten darin enthaltenen Diatomeen nicht in einzelnen Schalen, sondern in ganzen 
Frustein vorkommen, welche bei Nitzschia Friistulum, der am häufigsten auftretenden Form, zu- 
sammenhängende Bänder von 2 — 8 Frustein bilden, die selbst nach dem Kochen mit ziemlich starker 
Kalilauge sich oft nicht trennen, so dass man annehmen muss, dass die Imprägnation mit Kieselerde 
den Zusammenhang wesentlich verstärkt hat. Die Kieselerde selbst tritt eigenthümlich krystallisirt auf 
in mikroskopisch kleinen rundlichen Massen von 003 — 005 mm Durchmesser, die aus keilförmigen 
radial gruppirten Segmenten bestehen, und unter dem Polarisator schöne Farbenerscheinungen zeigen. 
Die im Tallyaer-Schiefer vorkommenden Arten deuten alle auf einen Salzgehalt des Wassers, 
in welchem sie gelebt haben, hin, es sind selbst einige Formen darunter, welche in der Jetztzeit an 
sandigen Meeresküsten leben. Ausser vielen unbestimmbaren Bruchstücken theilweise grösserer Arten 
ist es mir gelungen, folgende Arten, welche eine sichere Bestimmung gestatten, aufzufinden. 
Epithejnia succincta Breb. (Van Heurk Syn. Tab. 32, Fig. 16 — 18). Selten. 

Synedra tenella Grün. (Van Heurk Syn. Tab. 41, Fig. 26) var. ' brevis. Unterscheidet sich durch viel 
kürzere, 0-025 — 0028 mm lange Frustein. Schalen 0'0025 — 0^003 mm breit, mit sehr wenig 
verdünnten abgerundeten Enden. Querstreifen kurz, ziemlich matt, ca. 22 in 001 mm. Hin und 
wieder. Eine längere Form mit 19 Querstreifen in 001 mm habe ich bisher nur in der Front- 
ansicht gesehen. Tab. XXIX (I), Fig. 13. 

S. laevissivia Grün. (Microsc. Journ. 1877, Tab. 193, Fig. 3) Z'ar. ? fossilis. Die Schalen der beobach- 
teten Exemplare sind schmal lanzetthch, mit abgerundeten Enden, 0075— 0105 mm lang, und in 
der allmälig erweiterten Mitte 0^003 — 00033 mm breit. Querstreifen sehr zart. Hin und wieder 
Tab. XXIX (I), Fig. 14. 

Staurosira {brevistriata var) Mormono7-uin Grün. (Van Heurk Syn. Tab. 45, Fig. 31). Ich habe zwei 
zusammenhängende Frustein und eine zerbrochene Schale beobachtet, welche sich von dieser 
im Salzsee von Utah vorkommenden Art hauptsächlich nur durch kürzere O'Oii — 0016 mm lange 
Frustein unterscheiden. 

Nitzschia Frnstnlum {Kg.) Grün. [Synedra Frustuhint Kg. Grün, in Van Heurk Syn. Tab. 68, Fig. 28, 29). 
Wie schon oben erwähnt, ist dies die im Schiefer überwiegend auftretende Form. Sie variirt 
bedeutend in der Grösse, mit 0'0i5— 0045 mm langen Frustein, welche kürzere oder längere 
Bänder bilden, wie ich sie in Van Heurk's Synopsis Tab. 69, Fig. 2 als var. subserians abgebildet 
habe. Die grössten Formen entsprechen der var. Hantzschiana (1. c. Tab. 69, Fig. i), die kleinsten 

,9* 



148 



Qrunoiv. [13] 



der var. inconspicua (1. c. Tab. 69, Fig. 6). Kielpunkte 9— 11, Querstreifen 22—24 in Q-oi mm. 
N. Frustuluni kommt nicht ausschliesslich im salzigen Wasser vor, sondern bisweilen auch in 
warmem Wasser, ähnlich wie Amphora coffeaeformis. Die sehr ähnliche N. perpiisilla Rabenh., 
die sich nur schwach durch stumpfere, etwas vorgezogene, nicht keilförmige Spitzen unterscheidet, 
findet sich hauptsächlich in süssem Wasser. Einzelne Formen im Schiefer von Tallya sind bis 
0-055 mm lang und nähern sich der ^V. intennedia Hantzsch., haben aber stärkere Querstreifen 
(20 — 21 in O'OI mm). 
N. Tallyajia Grrim. Frustein linear längHch mit abgerundeten Enden o-02— 0033 mm lang, 0-007 bis 
0-0075 mm breit, Kielpunkte 5 — 6 in O'OI mm, Querstreifen 20 — 21 in O'OI mm. Die Kielpunkte 
stehen in der Hauptansicht ziemlich weit vom äusseren Rande entfernt, wodurch diese Art sehr 
leicht kennthch ist. Mit Sicherheit hieher gehörige Schalen habe ich noch nicht beobachtet. 
WahrscheinUch haben dieselben mit denen von N. aviphibia AehnHchkeit. Eine Schale, die 
vermutlich hieher gehört, fand ich schmal lanzetthch 0-02 mm lang, 00033 mm breit, mit 
7 Kielpunkten und 2oVa Querstreifen in 001 mm. Hin und wieder. Tab. XXIX (I), Fig. 21. 
N. fiisiformis Qrim. (in Cleve et Grün. Arct. Diät. pag. 95). Die wenigen beobachteten Exemplare 
sind viel kürzer wie die aus Brackwässern Florida's, 0-033— 0-o6 rn^i lang mit 14 Kielpunkten und 
28. — 30 Querstreifen in O'OI mm. Der Kiel scheint etwas weniger exentrisch zu sein, wodurch 
sich die Form der N. dissipata nähert. 
ISI spectabüis {Ehhg) (Grün, in Van Heurck Syn. Tab. 6t , Fig. 8, 9). Brackische Art, welche ich bisher 

nur in einigen Fragmenten beobachtete. 
N. [Stgina var.??) nee-gena Griin. Hat AehnHchkeit mit N. Sigma t'ör. rfc//?««//«, genauere Verwandt- 
schaftsbeziehungen lassen sich aber an der einen beobachteten Schale, deren eine Spitze abge- 
brochen ist, einstweilen nicht feststellen. Dieselbe ist etwas über 0-07 mm lang, 0009 mm breit, 
stumpf lanzettlich, nicht sigmoidisch. Kielpunkte ca. 7 in o-oi mm, Querstreifen 16— 17 in O'Oi mm. 
Die Punkte der Querstreifen bilden unregelmässige, kurze, gebogene Längslinien, ungefähr wie bei 
Sigma, ca. 19 in o-Oi mm. Tab. XXIX (I), Fig. 22. 
Cocconeis Pedicidus {Ehbg.) Grün, in Van Heurck Syn. Tab. 30, Fig. 28—30. Nicht selten, meist in 

ziemlich kleinen Formen. 
Amphora coffeaeformis {Ag.) Kützg. Hin und wieder in ziemlich zart gestreiften Formen mit 20—24 
Querstreifen in der Mitte. Zu dieser Art gehören verschiedene, theils in warmen Quellen, theils 
in schwach salzigem Wasser vorkommende Formen [A. aponina Kg., A salina W. Smith etc.). 
Trotzdem die Art vielfach abgebildet wurde, existirt kaum eine ganz genügende Zeichnung 
derselben. Ohne Streifung und Schalenansicht findet sie sich in A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 26, 
Fig. 56 — 58, ich selbst habe dazu als Ergänzung eine genaue Schalenansicht in Van Heurck 
Syn. Tab. i, Fig. 19 von A. salina geliefert, welche wie schon oben erwähnt, kaum als Varietät 
von A. coffeaeformis getrennt werden kann. Die am stärksten gestreiften Formen, die ich als 
var. salinariim bezeichne, haben in der Mitte 14 — 16 Querstreifen in 001 mm, die kleinsten, am 
zartesten gestreiften Formen entsprechen der A. borealis Kg. Im Schiefer von Tallya finden 
sich verschiedene stärker und sehr zart gestreifte Formen. 
A. acutitcscula Kg. Bacill. Tab. 5, Fig. 32. Grün, in Van Heurck Syn. Tab. i, Fig. 18. Unterscheidet 
sich von den stärker gestreiften Formen der A. coffeaeformis durch die viel stärker gestreiften 
Längsfalten der verbindenden Membran. Originalexemplare von Genua haben 13 zart punktirte 
Querstreifen in den oberen Schalenhälften und 18 Querstriche in den Längsfalten der verbindenden 
Membran. Die Exemplare von Tallya nähern sich durch etwas engere Querstreifen (20 — 22 



[14] Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreich-Ungarns. 149 

in O'Oi mm) mehr oder weniger der A. coffeaeformis var. salinarum. A. acutiuscnla kommt 
sowohl im Meere als in salzigen Binnenwässern (z. B. salziger See bei Halle) vor. Ob A. lineata 
Grregory davon verschieden ist, bleibt zweifelhaft. Ich beziehe auf diesen Namen vorläufig Exemplare, 
welche sich durch viel gröbere und entferntere Punktirung der Querstreifen von A. aciitiuscula 
trennen lassen, und von denen ich auch einige Bruchstücke im Polierschiefer von Tallya gesehen 
habe. 

N. [caftcellata var. r) annnophila Gnui. Ich bezeichne mit diesem Namen kleine mit N. cancellata 
Do7ikin verwandte Formen, welche sich durch schmälere Schalen und engere Streifung auszeichnen 
und noch nirgends eine genauere Bearbeitung gefunden haben. Sie schliessen sich an Pinnularia 
inflexa Gregory an, welche jedenfalls auch zum Formenkreise der ^V. cancellata gehört, haben 
aber schmälere Schalen und weniger radiale Streifung. Die Frustein sind O'OIJ — 0'O3 mm lang, 
0008 — 0'0I5 mm breit, die Schalen 0005 mm breit. Die zart punktirten Querstreifen sind in 
der Mitte etwas radial (10 — 11 in 001 mm) und an den Enden senkrecht auf die Mittellinie (12 
bis 13 in 001 mm). Die Schalen sind wie bei allen Verwandten der N. cancellata hoch gewölbt. 
Die hierhergehörigen Formen finden sich an sandigen Meeresküsten Englands und Schwedens 
und sind im Polierschiefer von Tallya nicht selten. Tab. XXX (II), Fig. 68, 69 von Tallya, Fig 66, 67 
lebende Exemplare von Firth of Tay. Fig. 70 ist eine fragliche Form mit schmäleren Schalen 
von Tallya. 

N. ainniophila var. intermedia Grün. Aehnlich der vorigen, die Schalen sind aber etwas enger 
gestreift, so dass in der Mitte 12 — 13 und an den Enden ca. 15 Querstreifen auf 001 mm kommen. 
Kommt oft mit der vorigen gemeinschaftlich vor und so auch im Polierschiefer von Tallya. 
Tab. XXX (II), Fig. 72, 73 von Tallya, Fig. 71 lebend von Hunstanton. In den arktischen Diatomeen 
habe ich diese Form auf Tab. 2, Fig. 41 als Navicjcla caricellata forma mintita in etwas schiefer 
Lage abgebildet, wobei die Lage der Endknoten etwas deutlicher hervortritt. 

iV. anunofJiila var. degenerans Grün. Schalen 0-014 — 0-02 mm lang, 0-004 — 0005 mm breit. Quer- 
streifen sehr zart punktirt, in der Mitte 14—15, an den Enden 18 — 19 in 001 mm. Mit den vorigen 
Formen häufig in den Hunstanton-Sands. Aehnliche Frustein kommen auch in dem Polierschiefer 
von Tallya vor, es lässt sich aber ohne Schalenansichten, die mir noch fehlen, nicht entscheiden, 
ob sie hierher oder zur nächsten Art gehören. Tab. XXX (II), Fig. 74, 75 lebend von Hunstanton. 

N. arenicola Ortin. {Amphiprora arenaria Brebisson in litteris). Unterscheidet sich von den vorigen 
durch die länglichen, in der Mitte bisweilen schwach erweiterten, an den Enden breit abgerun- 
deten Schalen. Querstreifen etwas radial, sehr zart punktirt, in der Mitte 13 — 14, an den Enden 
21 in O-Oi mm. An den Meeresküsten von Frankreich und England. Tab. XXX (El), Fig. "jG, ■/■/ 
von Hourdel. 

Die Art ist sicher keine Amphiprora und Brebisson's Artenname musste wegen N. arenaria 
Donkin umgeändert werden. Auch diese letztere Art, von der noch keine ganz genügende Abbildung 
existirt, und die ich an einem anderen Orte erläutern werde, scheint im Schiefer von Tallya einem 
Bruchstücke nach vorzukommen. 

.^T. viicrorhynchus Grün. Schalen klein, schmal lanzettlich, mit dünnen vorgezogenen Enden. Mittel- 
knoten sehr klein, Ouerstreifen fast parallel, zart punktirt, in der Mitte 16, an den Enden 17 
in 001 mm. Steht der JV. Bidnheimii Grün, ziemlich nahe, welche in Salinen in Gesellschaft der 
Nitzscliia Frustulnni vorkommt. Hin und wieder. Tab. XXX (II), Fig. 46. (Die Enden sind nicht 
immer so dünn wie bei dem abgebildeten Exemplare.) 



150 Grunow. [jj] 

iV. ovalis {Naegelif) Hilse (in A. Schmidt Diat.-AÜ. Tab. 7, Fig. 33) unterscheidet sich von iV. elliptica 
durch die sehr zart punktirten, fast glatten Querstreifen. Im Schiefer von Tallya finden sich sehr 
kleine, 002 — 0022 mm lange, und 0008 — 00085 mm breite Formen mit 16 — 18 Querstreifen in 
001 mm, die ich als var. ptimila bezeichne, und die ich auch nicht selten im kaspischen Meere 
beobachtete. Ich habe sie in den Algen des kaspischen Meeres als Formen der 'N. elliptica 
aufgeführt, die vielleicht zur fraglichen iS''. Panmda Breb. gehören, glaube aber jetzt, dass es 
besser ist, iV^. ovalis von iV. elliptica zu trennen, und die hier besprochene kleine Form zu 
ersterer zu ziehen. Etwas stärker gestreifte Formen kommen auch in der Ostsee vor. 
Tab. XXX (II), Fig. 61. 

iV^. interrupta Kg. var. Tallyana Grün. Weicht von allen von mir bisher beobachteten Formen dadurch ab, 
dass die zartpunktirten Querstreifen in der Mitte ausserhalb der Längsfurchen gänzlich unterbrochen 
sind, während sie innerhalb der Längsfurchen ununterbrochen die ganze Schale durchlaufen. Unter 
den von A. Schmidt im Diatomeen-Atlas auf Tab. 12 abgebildeten Varietäten steht ihr Fig. 5 
von Riigenivalde am nächsten, aber auch bei dieser sind ausserhalb der Furchen die Querstreifen 
noch schwach angedeutet. Bei Fig. 12 derselben Tafel [var. Novae Zeelandiae A. Schmidt), 
sowie in Lagerstedt's Abbildung eines Exempläres von der Beeren-Insel fehlen die Querstreifen 
auch innerhalb der Längsfurchen in der Mitte gänzlich. Vielleicht lassen sich von N. interrupta 
einige Arten abscheiden, für die es aber schwer sein dürfte, sichere Grenzen zu finden. Hin und 
wieder. Tab. XXX (II), Fig. 59. 

iV. interposita Leivis (Proceed. of Philadelphia Acad. of nat. sc. 1865, Tab. 2, Fig. 19). Dej- 
N. rhomboides nahestehend, unterscheidet sich diese nordamerikanische Brackwasserart davon 
durch den kleinen, schärfer markirten Mittelknoten. Die Exemplare von Tallya sind 0085 
bis 009 mm lang, 0021 mm breit und haben 22 Querstreifen, sowie 13 — 14 scharf markirte 
Längsstreifen in 001 mm. 

Mastogloia lanceolata T/nuaites (Van Heurck Syn. Tab, 4, Fig. 15 — 17). Selten. Lebend in Brack- 
wässern der Meeresküsten. 

M. elegans Leiuis? (Proceed. Philadelph. Acad. of nat. Science 1863, Tab. i, Fig. 9 und 1865, Tab. 2, 
Fig. 16). Ich habe nur eine Schale ohne Randfächer beobachtet, welche möglicherweise 
eine neue Navicitla sein kann, dabei jedoch so vollständig mit mir vorliegenden Exemplaren 
der im brackischen Wasser Nordamerikas vorkommenden M. elegans übereinstimmt, dass ich sie 
für eine Schale derselben halte, von der sich die Randfächer getrennt haben, wie dies oft vor- 
kommt. Tab. XXIX (I), Fig. 20. 
Aviphiprora {Amphitropis) duplex Donkin (Grün, in Van Heurck Syn. Tab. 22, Fig. 15, 16). Selten. 
Ist vielleicht nur eine kleine Form der A. paludosa und kommt wie diese in mehr oder weniger 
salzigem Wasser vor. 

A. [Amphitropis) decussata Grnn. l. c. Tab. 22, Fig. 13. Selten. Genau mit jetzt lebenden Exemplaren 
dieser nicht häufigen marinen Art übereinstimmend. 

3. Thoniger neogener Basalttuff von Holaikluk bei Binove im Leitmeritzer Kreise, 

Derselbe enthält zahlreiche Blätterabdrücke und besteht grösstentheils aus äusserst fest durch 
Kieselerde zusammengekitteter Melosira tenuis Kg., deren inneres Lumen oft sogar von fester, Stein- 
nkere bildender Kieselerde erfüllt ist. Die hier auftretende Form der M. tenuis hat 0007 — 0021 mm 



[i6] Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreich-Ungarns. 151 

Durchmesser, und ist sehr zart punktirt gestreift, so dass ca. 24 longitudinale Punktreihen auf 
O'OI mm kommen. Die Schalen haben mehr oder weniger deutliche Zähne an der oberen Peripherie 
und gehen so in M. crenulata var. ambigiia Grün, über, wie sich denn überhaupt M. tennis nicht 
scharf von M. crenulata trennen lässt. (Vergl. Van Heurck Syn. Tab. 88.) 

4. Diatomeenlager von Kis-Ker. 

Ich besitze von demselben nur ein mir von Herrn Hauck mitgetheiltes Präparat, welches 
ausser vielen unbestimmbaren Fragmenten eine Anzahl Arten enthält, welche noch jetzt leben und 
auf einen schwachen Salzgehalt des Wassers schliessen lassen. Ueber die Beschaffenheit des Lagers 
und das Alter desselben ist mir vorläufig nichts bekannt. Die bisher bestimmten Formen sind folgende : 

Epiihemia gibberula Kg. (Van Heurck Syn. Tab. 32, Fig. 11 — 13). Selten, in meist sehr kleinen Formen. 

Eunotia gracilis {Ehbg.) Grün. (I. c. Tab. 33. Fig. 1). Selten. 

Synedra splendens var., ähnlich der var. danica (1. c. Tab. 38, Fig. 14). Nicht selten. 

Staurosira inutabilis Grnn. forniae brevissimae (1. c. Tab. 45, Fig. 12, die ersten beiden Figuren). 

Sehr häufig. 
St. mutabilis var. intercedens Grnn. (1. c. Tab. 45, Fig. 13). Häufig. 
St. brevistriata var. lapponica Grnn. (1. c. Tab. 45, Fig. 35). Häufig. Wie schon früher von mir 

bemerkt, vielleicht nur eine kurz gestreifte Form der St. nmtabilis, die indessen bisweilen sehr 

constant vorkommt. 
St. producta {Lagerst) [Fragilaria aegualis var ? producta Lagerst. Grnn. 1. c. Tab. 44, Fig. 7). Nicht 

selten. 
Nitzsckia frjistuluin [Kg.) Grim. (1. c. Tab. 68, Fig 27) Hin und wieder. 
N. spectabilis [Ehbg?) Ralfs. (1. c. Tab. 6"], Fig. 8, 9). Hin und wieder in Fragmenten. 
Cocconeis Placentida Ehbg. (1. c. Tab, 30, Fig. 26, 27). Nicht selten in meist sehr kleinen Formen. 
Amphora coffeaeformis Kg. (Vergl. bei Tallya). Hin und wieder. 
Cymbella affinis Kg. (1. c. Tab. 2, Fig. 19). Nicht selten. 

C. cymbiformis [Ehbg) (1. c. Tab. 2, Fig. 11). Nicht selten, meist in kleinen Formen. 
Gomphonema siibclavaticm Grnn. (1. c. Tab. 24, Fig. i). Nicht selten. 

6r. {gracile var.) dichotoimim {Kg. partim) W. Stnith (1. c. Tab. 24, Fig. 19, 20). Nicht selten. 
Navicnla tenella Brebissoji forma parva (1. c. Tab. 7, Fig. 21). Nicht selten. 
JV. Bulnheimii Grtin. (1. c. Tab. 14, Fig. 6). Nicht selten, oft etwas grösser wie die Abbildung, mit 

18 Querstreifen in 001 mm. 
Melosira crenulata Kg. var. ambigua Grmi. (1. c. Tab. 88, Fig. 13, 14). Selten. 
M- (crenulata var) tenuis Kg. (1. c. Tab. 88, Fig. 9, 10). Selten. 

5. Kieselguhre, Vivianit und Ockerlager von Eger und Franzensbad. 

Von Herrn Kittl erhielt ich 11 verschiedene, von ihm und Herrn Hofrath von Hochstetter 
gesammelte Proben aus dem Soos-Moore bei Eger, von deren Gehalt an Diatomeenarten ich hier 
unter Zufügung einiger schon früher in meinem Besitz gewesener Muster eine übersichtliche Zusammen- 
stellung gebe. Nach Herrn Kittls Mittheilungen, welche im Anschlüsse an diese Arbeit veröffenthcht 
werden, ist die Kieselguhr-Bildung theilweise noch im Fortschreiten begriffen, besonders bei den 



152 Grrunow. [17] 

jüngeren Vivianit und Ocker enthaltenden Ablagerungen und reicht so bei einigen in die neueste 
Zeit hinein. Ich habe das interessante Soos-Moor leider nicht selbst gesehen, und aus den übermittelten 
Proben konnte ich nicht durch Auffindung des Zelleninhaltes constatiren, ob einzelne Arten noch 
jetzt lebend dort anzutreffen sind, selbst nicht bei der letzten Columne, welche als ^^Schlamm und 
Algen aus einem Tümpel des Soos-Moores* bezeichnet ist. Dieses Muster enthielt neben zahllosen 
kleinen, einzelligen, protococcusartigen Algen, die sich theilweise erst beim längeren Stehen gebildet 
zu haben scheinen, Fragmente von Diatomeen, welche augenscheinlich der Detritus älterer Ablagerungen 
sind. Vielleicht ist Navicula Pupula die einzige lebende Form darin. Die vivianithaltigen Ablagerungen 
zeichnen sich durch das Vorkommen einiger Nitzschien [1^. Brebissonii, comnintata, vitrea, und die 
neue N. Kittlii) aus, die ockerhaltigen durch das Vorkommen von Stirirella sitbsalsa und Navicula 
interrnpta, welche darauf hinzudeuten scheinen, dass sie sich in sehr salzhaltigem Wasser gebildet 
haben und vielleicht auch jetzt noch bilden. 

In der Uebersichtstabelle sind die häufigeren Formen (soweit ich hierüber Auszeichnungen 
gemacht habe) durch zwei Kreuze bezeichnet. In den ersten beiden Columnen habe ich angezeigt, 
welche Arten dem Süsswasser und welche dem salzigen Wasser angehören. Die nächsten drei Columnen: 
Franzensbad, Eger-Moor (Rabenh. Alg. Europ. 2203) und Franzensbad (Kittl. Nr. i) sind hauptsächlich 
Süsswasserbildungen. Die folgende Columne Soos (Kittl Nr . 2) ist das grosse von Cotta entdeckte 
Lager, welches hauptsächlich aus Campylodiscus Clypetis und anderen Arten schwach salziger Wässer 
besteht. Die anderen Columnen (Kittl Nr. 3 bis 10) dürften ungefähr dem Alter nach geordnet sein, 
so dass Nr. 10 die jüngste Bildung wäre. 

Bei jeder Art, welche in Van Heurck's Synopsis der belgischen Diatomeen abgebildet ist, 
habe ich in der Tabelle Tafel und Figurennummer beigefügt. Dieses Werk, in welchem ein grosser 
Theil der Abbildungen von mir herrührt, ist bis auf die letzte bald erscheinende Lieferung fertig. 
Einige andere Citate, besonders aus A. Schmidt's Diatomeenatlas, dessen vorzügliche Abbildungen 
leider nur einen Theil der Diatomeenfamilien und Gattungen umfassen, habe ich in den der Tabelle 
folgenden Bemerkungen beigefügt : 



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Beiträge zur Keiintniss der fossilen Diatomeen Österreich- Ungarns. 



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Beiträge zur Paläontologie Oesterreich-Uugams. U, 4. 



154 



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Lebend im salzigen Wasser 



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Franzensbad 



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Eger-Moor (Rabenhorsi Alg. 
Europ. 22o3) 



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Franzensbad (Kittl Nr. i) 



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Soos, das von Cotta entdeckte 
grosse Lager (Kittl Nr. 2) 



+ 



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+ 



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Soos, aus einer Tiefe von 
2 Metern. Einlagerung in Torf 
(Kittl Nr. 3) 



+ 



++ 



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Soos, unreines Kieseiguhr 

aus geringer Tiefe nächst der 

grossen Quelle (Kittl Nr. 4) 



+ + 

+ + 



+ 



+ 



-+ 



Soos, kleines Lager nächst der 
Kaiserquelle (Kittl Nr. 5) 



++ 



+- 



+ t±++-+ ++- 



++ 



Soos, Oberfläche eines kleinen 
Lagers (Kittl Nr. 6) 



+ 



+■ •+ •+• ++ 



+++ 



Soos, von einem oberflächlichen 
Lager (Kittl Nr. 7) 



+ -4 + •++ ++++• + ■ • + •••+ ++ 



Soos, Vivianit mit Kieseiguhr 
(Kittl Nr. 8) 



+ 



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++ 



Soos, grosses Ocker- u.Vivianit- 
Lager (Kittl Nr. 9) 



+: 






++ 



+ +++•+! + 



Soos, Ocker an einem Abzugs 

graben nächst dem grossen 
Campylodiscuslager (Kittl Nr. 10) 



+ • 



+ 
+ 



+•+•++> 



++• ■ •+• •+ 



+ ■ 



Schlamm und Algen aus einem 

Tümpel des Soos-Moores 

(Kittl Nr. 11) 



[20] Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomee^i Österreich-Ungarns. 155 

Bemerkungen zu obiger Zusammenstellung und Aufführung einiger Abbildungen, 
welche in Van Heurck's Synopsis nicht enthalten sind. 

Surirclla Patella Ehbg. nahe mit 5. ovalis verwandt. Abbildung in A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 23, 

Fig. 63. 
i^ subsalsa IV. Sviitli. brit. Diät. Tab. 31, Fig. 259. 

Nitzsc/lia Kittlii Grnn. Gross, ganze Frustehi, hnear länglich, in der Mitte eingeschnürt, mit breiter 
längsstreifiger Membran. Schalen kahnförmig mit wenig excentrischem Kiele, in der Mitte etwas 
eingeschnürt. Kielpunkte gross, quadratisch, 2^\^ — 3^/2 in OOi mm, Querstreifen zart punktirt, 19 
in o-Qi mm. Frustein bis 02 3 mm lang und bis 004 mm breit. In einem Gemenge von Vivianit 
und Kieseiguhr häufig. Tab. XXIX (I), Fig. 24, 25 (Fig. 25 — ^). Unterscheidet sich von iV. bilobata, 
welcher sie im Bau am nächsten steht, durch die grossen fast quadratischen Kielpunkte und 
von JN^. vitrea, welche ähnHche Kielpunkte besitzt, durch die scharf verengte Mitte, während die 
Frustein von "N. vitrea theils ganz linear oder nur ganz allmälig in der Mitte etwas verengt sind 
und keine Spur eines Centralknotens aufweisen, welcher bei 'K. Kittlii vorhanden ist. 

Am nächsten steht ihr eine bisher unveröffentlichte Art aus den Salinen von Kreuznach, 
welche ich nach ihrem Entdecker 'N. Dippelii nenne. Sie ist gewissermassen eine verkleinerte Form 
der K. Kittlii, hat aber viel schmälere Schalen, die ausserordentlich zart gestreift sind, so dass es 
nur mit Mühe gelingt, die Streifung, die feiner wie die der Amphipleura pellncida ist, zu sehen. 
Die Messung so zarter Streifungen hat grosse Schwierigkeiten, nur einmal ist sie mir annähernd 
gelungen und hat ca. 42 Streifen in O'OI mm ergeben. Die \'erbindende Membran ist ebenfalls breit 
und vielfach längsstreifig. Länge O 08 — O'ii mm. Kielpunkte gross, 4 — 5 in OOI mm. Schalen sehr 
schmal kahnförmig, Kiel fast central. Es schliesst sich an diese Arten als kleinste Form N. aniphoroides, 
welche ich in den arktischen Diatomeen als fragliche Hantzschia beschrieb, die aber jetzt durch 
diese analogen grösseren Formen ihre bessere Deutung findet. 

AcJinanthcs lanceolata var. perpusilla Grnn. Schalen 0012 mm lang und 00036 mm breit. Querstreifen 
der Unterschale in der Mitte 14, an den Enden 18 in 001 mm. 

Amphora commntata Grün. Ich habe diese häufige Brackwasserform, welche von W. Smith als 
A. affinis abgebildet wurde, anders benennen müssen, da die echte A. affinis Kg. nach Original- 
exemplaren eine ganz andere mit A. ovalis nahe verwandte Art ist. 

Naviaila leptogongyla {Ehbg.) in A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 4S, Fig. 28, Pinmdaria leptogongyla Ehbg. 
Microg. 10, I, II. Wenig von N. viridis durch etwas erweiterte Mitte verschieden und sich dadurch 
kleinen Formen der N. major nähernd. 

Navic?ila Krockii Grnn. in litteris. Am nächsten verwandt mit Pinunlaria globiceps Greg, unterscheidet 
sie sich davon durch viel kleinere Gestalt und engere, in der Mitte nicht unterbrochene Querstreifen. 
Die Schalen sind 0'0I9 — 0028 mm lang, in der Mitte 00055 — 0007 mm breit, Querstreifen in der 
Mitte stark radial, 15 — 17 in 001 mm, an den Enden entgegengesetzt gerichtet 19 — 21 in CGI mm. 
Nicht selten in verschiedenen Lagern bei Soos. Sonst liegt mir diese Art nur noch von Wester- 
botten vor, wo sie Krock in schwach salzigem Wasser lebend sammelte. Tab. XXX (II), Fig. 40. 

iV. appendicidata Kg. In der Legende zu Van Heurck's Tab. 6 ist ein störender Druckfehler, indem 
N. appendiculata als Fig. 18, 19 aufgeführt ist, während Fig. 19 zu iV. molaris gehört und Fig. 20 
zu 'N. appendiculata. 

• 20* 



156 Griiiunv. [21] 

JV. liungarica Gnin. (Verh. Wien. Zool. Bot. Gesellsch. 1860, Tab. 3, Fig. 30, Pinnulai-ia pygmaea 
Ehbg. Microg. 10, i, 9, nee. Naviaila pygmaea Kg.). Da die vorhandenen Abbildungen dieser 
durch die 2 starken Querstreifen am Ende der Schalen ausgezeichneten Art ungenügend sind, 
habe ich eine Zeichnung auf Tab. XXX (II), Fig. 42 beigefügt. Pinnularia nana Greg., die nach 
Ralfs hieher gehören soll, schliesst sich nach - Originalexemplaren von Edinburgh dem 
Formenkreise der JV. cincta Ehbg. an. JV. Iiiunilis Donkin, welche sich durch stärker verdickte 
Mitte und vorgezogene fast kopfförmige Enden von JV. liungarica unterscheidet (iV. inflata 
Kg.?, W. Sin.?, Greg. Griin., Pinnularia capitata Ehbg. partim?. P. signata Ehbg.?, 
P. garganica Rabetih. ?) kommt hauptsächlich im süssen Wasser vor. In schwach salzigen 
Gewässern findet sie sich seltener und scheint dort vollständig in N. hungarica überzugehen, 
die an solchen Localitäten nicht selten ist, und unter anderen auch in schwach salzigen Tümpeln 
am südHchen Ufer des Neusiedler-Sees mit mehreren anderen im Franzensbader Kieseiguhr 
vorkommenden Arten (z. B. Canipylodisciis Clypeus, Navicula sculptä) sich vorfindet. N. hungarica 
variirt besonders auffallend noch mit schmäleren, rein lanzettlichen Schalen. Vereinzelt zwischen 
kurzen, breit abgerundeten Schalen, sammelte solche Formen Möller bei Wedel. Ferner sah ich 
sie lebend von Bombay Hook Island und aus dem Tana Elf in Finnmark. Ohne Beimengung 
von typischer E. hungarica ist sie nicht selten im Kieseiguhr von Oberohe, weshalb ich sie als 
var. Luneburgensis bezeichne, und im Mergel von Domblitten. Auf Tab. XXX (II) habe ich als Fig. 43 
ein Exemplar von Oberohe und als Fig. 44 ein solches von Domblitten abgebildet. Noch schmäler 
als das Letztere sah ich Schalen aus dem Tana Elf Die in Hinsicht der Gestalt und starken 
Streifung ähnliche, sonst aber sehr verschiedene N. costulata Grün., welche im Mergel von 
Domblitten vorkommen soll, habe ich in demselben nicht angetroffen, so dass sie mit der vorigen 
verwechselt zu sein scheint. Auf Tab. XXX (II), Fig. 45 habe ich ein Exemplar dieser Art von 
Wrietzen abgebildet. 

Man nimmt an, dass die Mergel von Domblitten sich aus vollkommen süssem Wasser abge- 
setzt haben, die eben besprochene iV. liungarica var. luneburgensis und noch ein Paar andere Formen 
lassen mich aber vermuthen, dass wenigstens theilweise darin ein kleiner Salzgehalt vorhanden 
gewesen sein muss. Es sind dies besonders zwei häufig vorkommende Navicula-Axten, welche als 
Süsswasserformen kaum eine genügende Deutung finden. Die eine ist JV. borussica Cleve (A. Schmidt, 
Diat.-Atl. Tab. 8, Fig. 17 ohne Namen), welche den marinen Arten JV. nitida Greg, und besonders 
H. Cynthia A. Schin. so nahe steht, dass man sie für eine kleine Form der letzteren halten kann. 
Die andere ist eine sehr häufig vorkommende, kleine Form der marinen JV. [notabilis var. ?) expleta 
A. Schmidt (Diat.-Atl. Tab. 8, Fig. 51, 52, nee. N. expleta A. Schmidt l. c. Tab. 69, Fig. 7, 8), welche 
ich als var. domblittensis bezeichne, und auf Tab. XXX (II), Fig. 60 abgebildet habe. Es scheint, als 
wenn bisher diese Art mit der gleichzeitig auftretenden .A^. elliptiea, von der sie jedoch sehr verschieden 
ist, vereinigt worden sei. Ausser der vorigen ist noch eine andere unbeschriebene Navicula im Mergel 
von Domblitten häufig, die ich JV. Jentzschii nenne. Sie hat elliptische, breite, oft etwas stumpf 
rhombische Schalen, länghchen Mittelknoten und dicht an den Spitzen Hegende sehr kleine Endknoten. 
Querstreifen deutlich punktirt (mit 22 Punkten in o-oi mm) radial, in der Mitte 8 —10, an den Enden 
12 — 16 in O'OI mm, oft auf einer Seite etwas enger als wie auf der anderen. Länge 0017 — 0'02 mm, 
Breite 0^009 — 0-0115 mm. Tab. XXX (II), Fig. 64. 

JV. dicephala Kg. var. subcapitata Grün. Unterscheidet sich durch an den Enden nur wenig verdünnte, 
breit abgestumpfte Schalen. Kommt auch am Neusiedler-See und einigen anderen Locahtäten 
vor. Tab. XXX (II), Fig. 54. 



[22] Beiträge sur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreich-Ungarns. 157 

JV. boJieniica Ehbg. (Microg, 10, i, 4, A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 49, Fig. 43, 44). Hierher gehört auch 
'S. costata Kg., N. pannonica Qtnin. und wahrscheinlich 'N. polygraiiniia Schunian. 

Diese Art kommt sowohl im Kieseiguhr von Soos, als in einer sehr ähnlichen Ablagerung 

von Catania in Sicilien, welche Prof. Silvestri dort sammelte, oft mit inneren Schalenbildungen 

vor, so dass eine Frustel von einer anderen etwas grösseren eng umschlossen erscheint. Durch diese 

bei vielen Diatomeen auftretende Verdopplung der Zellenwände schützen sich dieselben jedenfalls 

gegen Austrocknung bei zeitweise ungünstigen äusseren Umständen. 

'S. fossilis Ehbg. (Microg. 10, i, 6, JY. trigramma Fresenius in Abh. Senkenberg Mus. 1862, Tab. 4, 
Fig. I — 9, N. bohemica var. A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 49, Fig. 45). Lässt sich kaum von der 
vorigen trennen und unterscheidet sich nur durch die Punktirung der Ouerstreifen, welche 
weniger regelmässige Längslinien bildet. 

N. biceps Ehbg. {partivi). Ist es schon schwer N. spJiaerophora von iV. scnlpta Ehbg. (N. rostrata Kg., 
N. tuniens W. Smith') scharf zu trennen, so ist eine specifische Trennung von N. biceps und 
N. sphaeropliora fast unmöglich. Es ist am besten den Ehrenberg'schen Namen biceps, der 
ohnehin von ihm sehr verschiedenen Dingen beigelegt wurde, ganz fallen zu lassen, und diese 
Form als JV^, spJiaerophora var. snbcapitata zu bezeichnen. 

iV". firma Kg. in A. Schmidt Diat.-Atl. Tab. 49, Fig. 3. Ist jedenfalls nur eine kleinere Form der 
'S. Iridis Ehbg., von der auch iV. niicrostoma Kg. kaum getrennt werden kann. 

'S. inierrupta Kg. Die Franzensbader-Form dieser vielgestaltigen Art ist von A. Schmidt im Diat.-Atl. 
Tab. 12, Fig. 3 abgebildet worden. 



ANHANG. 



Ueber das Vorkommen der Diatomeen führenden Ablagerungen von Ernst Kittl. 

Da ich bezüglich der allgemeinen Verhältnisse des ,Soos*-Moores bei Franzensbad auf die 
von A. E. Reuss im I. Bande der Abhandlungen der k. k. Geologischen Reichsanstalt (Die geogn. 
Verh. d. Egerer Bez. etc. pag. 70 u. f) verweisen kann, so seien mir nur einige erläuternde Angaben 
bezüglich der an Herrn Grunow eingesendeten Proben gestattet. 

Hinsichtlich des geologischen Alters der Diatomeen führenden Ablagerungen bemerke 
ich, dass man wohl dieselben (im geologischen Sinne gesprochen) als recent bezeichnen muss, dass 
sich aber doch gewisse Altersunterschiede der einzelnen Diatomeen-Lager ergeben, so sind jedenfalls 
die aus der Tiefe des Moores stammenden Lager, sowie das zuerst von Cotta und Palliardi entdeckte 
Campylodiscus-Lager von bedeutend höherem Alter, als die meisten der übrigen Proben, welche 
theils als ganz recente, direct aus Tümpeln oder Abzugsgräben entnommen sind, theils aber aus 
gewiss nur wenige Jahre alten Ablagerungen wie die mit Ocker und Blaueisenerde gemengten Proben 
und eine andere, von der Oberfläche des Moores entnommene. 

Was den Salzgehalt des Wassers betrifft, in welchem die einzelnen Diatomeen-Lager, resp. 
die Organismen gelebt haben, deren Reste die Diatomeen-Lager bilden, so bieten einige mir vor- 
liegende chemische Analysen gute Anhaltspunkte, um daraus auf den genannten Salzgehalt schliessen 
zu können. In dem Moore entspringen zahlreiche Gas- (Kohlensäure-) und Mineralquellen, deren 



158 Grtinow. [23] 

bedeutendste die jKaiserquelle* von den Besitzern des Moores, den Herren Mattoni und KnoU, gefasst 
wurde, und deren Wasser jetzt theils direct versendet, theils zur Erzeugung des »Eisenmineralmoor- 
salzes* verwerthet wird. Von dieser Quelle hat Prof. Gintl im Jahre 1876 ') die Analyse vorgenommen, 
deren Resultate beiliegen, und die uns schliessen lassen, dass die meisten Kieselguhrlager nicht in 
ganz reinem Wasser, sondern in Kohlensäure (0-0013), Glaubersalz (00028), Kochsalz (o-ooio) und 
kohlensaures Natron (0-0007) führendem Wasser entstanden sind. Zu diesen möchte ich alle von der 
Oberfläche und aus der Tiefe des Moores stammenden Proben, respective deren Lager rechnen. 

Analyse der Kaiserquelle von Prof. Gintl in Prag. 
In 10.000 Gramm Wasser: 

Carbonate neutral Bicarbonate 
berechnet gerechnet 

Ka^SO^ 0-84492 0-84492 Temp. 18-4 C. 

Na^So/ 25-73543 25-73543 ( Ba'---Stand beim Schöpfen: 

2 < ' ^ ' l 726 mm 

NaCl 9-69032 9-69032 

LiCl 0-02928 • 0-02928 

NaNOg 0-14213 0-1421 3 

Ameisens Essigs., \ ^^^ _\ 

Butters , Valenans. ) ^ - ^ ^ 

Phosphors. Kalk 0-17544 0-17544 

NajCO, TZ'^i'n io-36520 

CaCOj 1-44401 2-07937 

MgCOg 0-85477 1.30251 

FeCOg 071498 0-98608 

MnCOg 0-02396 o-o33i2 

NHjCOj 0-04425 0-06453 

AljOg o-ooo83 o-ooo83 

Si02 0-98042 0-98042 

Organ. Substanz o'o9698 0-09698 

Halbgeb. CO2 4-42207 — 

Freie ^ > 2-63479 • - 12-63479 

7i6rQ5 c. c. 

Gesammtrückstand 47-82744 — 

Von den übrigen, namentlich von den mit Ocker oder Blaueisenerde verunreinigten Diatomeen- 
Lagern kann sicher angenommen werden, dass sie aus theils stärker concentrirtem, aber dem eben 
citirten ähnlich verunreinigtem Wasser stammen, theils aber in stark eisenhaltigem (namentlich Eisen- 
vitriol führendem) Wasser zur Ablagerung gekommen seien. Die Verunreinigungen, d. h. der Gehalt 
an Salzen bei dieser letzten Gruppe von Wässern mag wohl ausserordentlich verschieden gewesen 
sein, wie ja die verschiedene chemische Zusammensetzung der an vielen Stellen des Moores auf- 
tretenden Ausbildungen beweist ; bald sind diese Effloreszenzen fast weiss, sie bestehen aus Glauber- 
salz und etwas Bittersalz ; bald aber sind sie gelblichgrün gefärbt und enthalten ausser den zwei 
genannten Salzen oft mehr als die Hälfte an Eisenvitriol. 

Herr Prof. Dr. Joh. Oser hatte die Güte, in seinem Laboratorium an der k. k. technischen 
Hochschule in Wien eine Anzahl der von Herrn Hofrath Dr. F. von Hochstetter und mir im Jahre 
1879 gesammelten Proben analysiren zu lassen. 

Die Resultate dieser Analysen bestätigten das uns bereits Bekannte (aus der oben citirten 
Arbeit von Reuss u. a. a. O.), sowie die uns von unserem freundlichen Führer Herrn Gustav Knoll in 



') Siehe Sitzungsbr. d. Wiener Ak. d. W. 1876. 



[^4] 



Beiträge zur Kenntniss der fossilen Diatomeen Österreich-Ungarns. 



159 



Franzensbad gemachten Angaben. Des allgemeinen Interesses wegen sei noch erwähnt, dass sich in 
den meisten Ockerproben gebundene Kohlensäure in grosser Menge nachweisen Hess, was uns also 
zeigt, dass der in grossen Mengen im Moore vorhandene Schwefelkies sich zunächst bei Zufuhr von 
Sauerstoff in Eisenvitriol umwandelt, der aber bald bei Freiwerden von Schwefelsäure sich in Eisen- 
hydroxyd umsetzt, welch letztere Verbindung endlich durch die Kohlensäure der Quellen des Moores 
in Eisencarbonat umgewandelt werden kann, so dass man wohl sagen kann : Wir haben hier im 
Soos-Moor die Umwandlung von Pyrit in die ersten Anfänge eines Spatheisensteinlagers beobachtet. 
Ich füge schliesslich noch die von Herrn E. Adam im Laboratorium des Herrn Prof. Oser 
ausgeführte chemische Analyse einer dem grossen Campylodiscus-Lager entnommenen Probe bei, und 
stelle zur Vergleichung eine ältere Analyse des Franzensbader Kieselguhres von Klaproth daneben. 



H,0 
SiO, 

AI3O3 

CaO 

MgO 

SO3 

Cl 

Glühverlust 

Alkalien • • 



Kieseiguhr von Soos 
E. Adam 1880 

778 
74-20 
6-77 
o-8o 
0-68 

OT I 

2-3i 

o'i4 

674 

Spuren 



Summe 



99"- 



Kieseiguhr von Franzensbad 

Klaproth 

210 

72-0 

2'5 
2'3 



q8o 



Wien, im Mai 1882. 



E. Kittl. 



Berichtigungen. 



Pag. 34. Der Anmerkung ist beizufügen: Porumbaru, Etüde geologique des environs de Craiova. Paris iS 

„ 43. Zeile 14 von oben: statt „die ersten Namen* lies: ^die ersten den Namen". 
In der Erklärung von Taf. XI ist bei Fig. 10, 11, 12, i3 dem Texte ein ? vorzusetzen. 



TAFEL I. 

Fig. I. Palingenia Feistmanteli Fr. Ein ganzes Exemplar von Votvovic bei Kralup in Böhmen. Natürliche Grösse! Die 
Vorderfüsse und die Schwanzanhänge nach Pal. longicauda ergänzt, pag. i. 

o 2. j Das 4 — 6 Hinterleibessegment. Vergr. 6mal. 

„ 3. , Das Ende des Hinlerleibes. 1. Seitenplatten des letzten Segmentes, p. Legeröhre. Vergr. 6mal. 

j, 4. j Linker Vorderflügel von demselben Fundorte. Vergr. 2mal. 

,5. „ ' Vordere äussere Ecke desselben Flügels. Vergr. 5mal. 

j 6. , Fragment desselben Flügels aus der unteren Partie des Aussenrandes. Vergr. lömal. 



A.Fritsth: Fossile Arthropoden aus Böhmen. 



Taf.I. 




Beüi-äge zur Palaeontologie von Oesterreidi Ungarn, 
herausgegeben von Edm.v.JVIqjsisovics n.:M.NeumaYi>,B(l.II,1881. 

Verlag vjWfned Holder, k.k. Hof-u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 



LhhAnsl.v.Th.Bannv/arlh.Wien . 



TAFEL II. 

Fig. I. Silphites priscus Fr. Rechte Flügeldecke von Kaunic bei Böhm.-Brod. Vergr. 6mal. a. Querschnitt, pag. 4. 
„ 2. Otiorhrnchites constans Fr. Fragment der linken Flügeldecke. Vergr. I2mal. Von Mseno bei Budin. pag. 5. 
„ 3. Brachinites truncatus Fr. Flügeldecke. Vergr. 6mal, daneben ein Stück in i5maliger Vergrösserung. Von Viserovic bei 

Böhm.-Brod. pag. 5. 
j, 4. Nematus cretaceus Fr. Eine Reihe von Eiern längs des Hauptnerven eines Blattes. Von Bohdcinkov bei Liebenau. 

Nat. Grösse, pag. 6. 
,j 5. „ drei Eierkapseln. Vergr. 6mal. pag. 6. 

. „ 6. „ Die besterhaltene Eierkapsel. Vergr. 45mal. pag 6. 

„ 7. Tinea Araliae Fr. Bohrgänge einer Minirmotte auf dem Blatte einer Aralie. Von Vyserovic bei Böhm.-Brod. Vergr. 6mal. 

pag. b. 
„ 8. Phryganea micacea Fr. Köcher einer Phryganeenlarve. Von Vyserovic bei Böhm. Brod. Vergr. 6mal, pag. 7. 



A.Pritscli: Fossile Avthropoden aus Böluneii 



Taf.n. 




1^ 




ii 



I U:'i 



/ 

45. 
1 



IS 



K%4 



Beiträge zur Palaeontologiy von Oestcrreicli l'ngarii, 
herausgegeben von Edni.v. Molsisoxics u.M.Xeumayr,B(l.n,1881. 

Yerlaq v. Alfred Holder, k.k. Hof-u. Univarsitäts- Buchhändler m Wien. 



IhhAnsty. Th. Bsnmvarlh. W?en . 



TAFEL III (I). 

Fig. I. Credneria bohemica Vel. Ein beinahe vollständig erhaltenes Blatt von geringer Grösse; der Blattstiel auf Grundlage 
eines ähnlichen gestielten Exemplares ergänzt; die Nervation besonders auf der rechten Seite ausgeführt; aus dem 
schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic (der letzte Steinbruch von Vys). pag. 9 (2). 
„ 2, 3. Credneria rhomboidea Vel. Fig. 2. Ein Blatt von einer mehr rundlichen, schwach unsymmetrischen Form, mit stark 
herablaufender Basis. Fig. 3. Ein kleineres Exemplar von normaler Form; es ist rhombisch, deutlich ungleichseitig; 
beide aus dem gelbgrauen Thon von K 1 ei n -Kuch elba d (i'Sög — 1871). pag. 11 (4). 
' » 4. Credneria laevis Vel. Ein ganzrandiges, rhombisches Blatt aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic 
(der letzte Steinbr.). pag. i3 (6j. 



Yelenovsla': Pie Flora der böhmisdien Kreidefoniiation. 



Taf.M(I) 




■J^'P."'s^r,'J;'. 



Beiträge zav Palaeoiitologie vor Oestcrreicli Ungarn, 
herausgegeben voa Edm.v. .Mojsiso\-ics u.M.Neuma\T,Bil.II,1881. 

Verlag v.jHfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhandler in Wien. 



l;± .-'-;-- ..: riW.'2."Ä !ii'?r.. 



TAFEL IV (II). 

Fig. I. Credneria rhomboidea Vel. Ein Blattfragment von einer melir rundlichen Form, mit ganz erhaltenem Blattstiele, p. ii (4). 
2, 3, 4, 5, 6. Credneria laevis Vel. Fig. 2, ein schön erhaltenes Blatt von gewöhnlicher Form und Grösse; der Blattstiel 
ganz erhalten, aus dem grauen Schieferthone von Melnik bei Sazava. Fig. 3, 4, zwei ähnliche Blätter von gewöhn- 
licher Form; Fig. 3 der Blattstiel ganz erhalten; Fig. 4 aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic, Fig. 3 
aus dem weissen Schieferthone von Kaunic. Fig. 5, 6, zwei kleine, ganzrandige, rhombisch rundliche Blattchen, welche 
nicht selten in dem weissen Schieferthone von Kaunic vorkommen. — Auf den Blättern Fig. 2 und 4 ist die einfache 
Nervation angedeutet, pag. i3 (6). 

Fig. 7, 8, 9. Credneria superstes Vel. Alle drei Blattfragmente aus dem Sandsteine der Chlomeker Schichten von Böhm. 
Leipa. Fig. 8, der untere Theil des Blattes. Fig. 7, q, der obere Theil erhalten. Die Nervation vollständig angedeutet, 
pag. I b (8). 
„ 10, II. Credneria bohemica Vel. Zwei Blätter von der Oberseite abgedrückt, so dass der charakteristische Blatisaum am 
Grunde gut bemerkbar ist. Fig. 11, aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic, .Fig. 10 ebendaher, aber 
aus den weisslichen Schichten, pag. 9 (2). 



Velenovsltv: Die Flora der böhraisdieii Kveitlefomiatioii 



TafFÜl) 




y;!sr.DV.-kyi^?i 



ijh.Ar.stv.lh^annwaTih «hn. 



Bciltägp zur Palaponlologie von Oestcri-ekli Ungarn , 
herausgegeben von Edra.v. Mojsisows u.M.Neumayr, Bd.1,1881. 

Verlag v.jMfped Hqtdep, k.k. Hof-u. Universitäts-Buchhandler tn Wien. 



^ 



TAFEL V (III).. 

Fig. I. Aralia Kowalewsliiana Sap. u. Mar. Ein theilweise ergänztes Blatt von normaler Form, aber von geringerer Grösse; der 

Blattstiel beinahe ganz erhalten; die Nervation so weit als möglich atisgeführt; aus dem schwarzgrauen Schieferthone 

von Vyserovic (der letzte Steinbr.). pag. 24 (17). 
„ 2. Aralia formosa Heer. Ein Blättchen mit ganzrandigen, weit abstehenden Lappen; aus dem schwarzgrauen Schieferthone 

von „Radostn^ ml^n" bei Kozakov. pag. 21 (14). 
„ 3. Aralia Chlomekiana Vel. Ein Blattfragment aus dem Sandsteine der Clomeker Schichten von Böh m.-Leipa pag. 20 (i3) 
5 4, 5, 6. Aralia anisoloba Vel. Alle drei Blätter aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Landsberg; Exemplare von 

normaler Form und Grösse; Fig. 6 die Nervation theilweise angedeutet, Fig. 4, 5 der Blattstiel ganz erhalten, pag. 22 (i5) 
„ 7, S. Aralia triloba Vel. Fig. 8, der Blattstiel nicht ganz erhalten; Fig. 8 aus dem grauen Schieferthone von Vyserovic 

(der letzte Steinbr.). Fig. 7 aus dem weissen Modellirthone von K le in-Kuch el ba d. pag. 23 (16). 
„ Q. Aralia minor Vel. Ein theilweise ergänztes Blatt aus dem grauen Schieferthone von Vyserovic; die Nervation 

ausgeführt, pag. 25 (iS). 



Yelenovslfl'-. Die Flora der liöhmischen Kreidetbmiatioii . 



Tai-.V(in) 




leienovsyr/ sei. 



Mi.Ar.sT.v.'Ih.3aiinwiij4; ftJw. 



Beiträge zur Palaeojitologie von Oestcrreicli Ungarn, 
herausgegeben von Edm.v. Mojsisoxics u.M.Xeuma\T, Bd.n,lü81. 

Verlag v.jMfred Holder, k.k. Hof-u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 



TAFEL VI (IV). 

Fig. I, 2, 3, 4, 5, 6. Aralia Kotvalewskiaiia Sap. u. Mar. Blätter von verschiedener Form und Zahl der Basalnerven; Fig. i 
ein fünflappiges Exemplar aus dem Schieferthone von Vyserovic; Fig. 2 ein fünflappiges, Fig. 3 ein vierlappiges 
Blatt. Fig. 4, 5, 6 dreilappige Blätter, welche so häufig in den weisslichen Schieferthonen von Kaunic vorkommen; 
Fig. 5 ergänzt, pag. 24 (17). 
T. Aralia formosa Heer. Ein typisches Blatt aus dem röthlichen Schieferthone von Hodkovic. pag. 21 (14). 
„ 8, g, 10. Aralia transitiva Vel. Fig. 9, der Blattstiel ganz erhalten; die Nervation soweit als möglich angedeutet; Fig. g, aus 
dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic, mit hochgestellten Basalnerven; Fig. 8, 10, aus dem weisslichen 
Schieferthone von Kaunic, beide mit gewöhnlichen seitlichen Basalnerven, pag. 28 (21). 



Yeleiiovsln-. Die Flora der böhmischen Ki'eidefomialioii . 



Taf.VI (F) 




i£i$nüvsi<\^a£i, 



M.jinsr.v.Tli.Saßuivanh iV;sti. 



Bcilräge zur Palaeonlologie von Oesterreich Ungarn , 

lierausgegeben von Edm.v Mojsisows u.M.Xeuma>xBd.n,1881. 

Verlag v.jftlfped Holden, k.k.Hof-u. Universifäts-BuchhändlBr in Wien. 



TAFEL VII (V). 

Fig. I. Cussonia partita Vel. Ein Blattfragment aus einem grossen, bandförmig gefiederten Blatte, aus dem röthlichen Schiefer- 

thone von Hodkovic. pag. 20 (i3\ 
„ 2, 3, 4. Aralia formosa Heer. Fig. 2, ein lang- und schmallappiges Blatt aus dem Sandsteine bei Peruc; Fig. 3, ein 

Blatt mit ausgeführter Nervation, aus dem röthlichen Schieferthone von Hodkovic; Fig. 4, die typische Form aus 

dem schwarzgrauen Schieferthone von jRadostny mlyn" bei Kozäkov. pag. 21 (14). 
„ 5, 6. 7, 8, 10. Aralia Daphnophj-llum Vel. Fig. 8, die gewöhnliche Form aus dem grauen Schieferthone von Peruc; 

Fig. 10, ein schönes, ganz erhaltenes Blatt (mit ganzem Stiele) aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic; 

Fig. 6, 7, kleine, schmalblättrige Exemplare aus den grauen Thonschichten von Kau nie; Fig. 5 ein rundliches Blatt 

mit ganz erhaltenem Stiele, ebendaher, pag. 3o (23). 
j, 9, II, 12. Aralia propinqua Vel. Fig. 12, g, aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic; Fig. 11, aus dem 

weisslichen Schieferthone von Kaunic; Fig. 12, ein grösseres Blatt mit ausgeführter Nervation: das Blalt Fig q ist 

von der typischen, normalen Form; Fig. ii, rundliche Varietät, pag. 29 (22). 



Velenovsla": Die Flora der böhmisclien lü-eideformalioii . 



TalMHY) 




y;:?z:rs^a^. 



Bt'iti-ägc zur- Palaeontolojip von OostcTri>idi rnsarn, 
liei-ausgegeben v(in. Edni.v. .Mojsiso\ics u.M.Xeunia\T.BdJI,1881. 

Verlag v.j/Hfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhändler in Wisn. 



7ir^ g"cr7- Fi-^ir^-^ 3ff,': 



TAFEL VIII (VI). 

Fig. I, 2, 3, 4, 5. Aralia Daphnophyllum Vel. Fig. i, aus dem -weisslichen Schieferthone von Kaunic; die übrigen von 
Vyserovic. Fig. i, 2, 3, der Blattstiel ganz erhalten; Fig. 4, 5 stark ungleichseitige Exemplare, pag. 3o (23). 

„ 6. Aralia propinqua Vel. Ein Blatt von normaler Form, mit ganz erhaltenem Blattstiele; von Kaunic. pag. 29 (22). 

„ 7. Hedera primordialis Sap. Ein schönes Blatt, nur mit drei Basalnerven, am Grunde gerade, nicht ausgerandet, so dass 
es der Aralia propinqua nahe kommt; aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vyserovic. pag. 26 (19). 

„ 8, Hedera credneriaefolia Vel. Ein typisches Blatt von dieser Art; aus den weisslichen Schichten von Kaunic. pag. 27 (20). 

„ 9. Credneria arcuata Vel. Aus dem schwarzgrauen Schieferthone von Vygerovic (1881); der Blattstiel ganz erhalten; 
die Nervation ausgeführt, pag. 14 (7). 



VelenovslfY: Die Flora der böhmisdien Kreideformaliou . 



TalVm (VI) 




YsJsnovskydsl 



iah Anstx'Hi.Bannivarih Wien. 



Beiträge zur Palaeonlologie x'on Oesterreidi-Ungarji , 
herausgegeben von Edm.v. Mojsisovics u.M.Neuma\T, ßd.D,188l. 

Verlag v.jWfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts- Buchhändler in Wien. 



TAFEL IX (VII). 

Fig. I, 2, 3, 6. Aralia propinqua Vel. Fig. i, aus den weisslichen Schichten von Ka unic, die übrigen aus den grauen Schiefer- 
thonen von Vyserovic; Fig. 3, ein am Grunde ungewöhnlich breites und beinahe herzförmiges Exemplar; Fig i, 2, 
von normaler Form und Grösse; Fig. 6, mit ganz erhaltenem Blattstiele und ausgeführter Nervation. pag. 29 (22). 
„ 4, 5. Hedera primordialis Sap. Beide Blätter aus dem schwarzgrauen Schieferthone vom V3-serovic; Fig. 5, ein stark 
unsymmetrisches Exemplar; Fig. 4, die gewöhnliche Form. pag. 26 (19). 



VelenoYsIa^: Die Floi'a der böhmischen lü-eideformatioii . 



Tat. IX (M) 




VsUr.^vsAvdsl. 



_ LTlk.Aist.v.lh.Bajiimar^ T/fier.. 



Beiträge zur Palaeontologie von Oestcrreidi l^garn, 
hc'i-ausgegeben von Edm.v. Jfojsisovics u.M.Xeuma\T,ßd.iI,lö81. 

Verlag v.jHfred Holder, k.k.Hof-u. Umversitäts- Buchhändler in Wien. 



TAFEL X (VlID- 

Fig. I. Aralia propinqua Vel. Aus den weisslichen Thonschichten von Kaunic; eine Uebergangsforn-i zur Hedera credneriae- 
folia. (cf. Fig. 2.) pag. 29 (22). 
, 2. Hedera eredneriaefolia Vel. Aus dem weisslichen Schieferthone von Kaunic; ein kleineres Exemplar mit ganz erhaltenem 

Blattstiele, pag. 27 (20), 
, 3, 4. Hedera primordialis Sap. Fig. 4, ein schönes Blatt aus dem schwavzgrauen Schieferthone von Vyäerovic, mit 
ausgeführter Nervation; die häufigste Form und Grösse dieser Art. Fig. 3, ein stark unsymmetrisches Exemplar von 
Kaunic. pag. 26 (ig). 



Yelenovsky: Die Flora der böhmisclien Ki'eidefopiuatioii . 



TafJ(Vni) 




Yehnovsl^del. 



AnstxTh.Eannwar^ W/en. 



Beiträge zuv Palaeontologie von. Oestcrreicli Ungarn, 
lieraus^eöeben voa Edra.v. Mojsisovics u.M.NeamajT,Bd.n,1881. 

Verlag vjWfped Holder, k.k. Hof-u, Universitäts-Buchhandler in Wien. 



TAFEL XI (I). 

Fig. I. Orj^goceras cornucopiae Vorderseite I 

„ ■. . , 7'6 mm hoch, i'a mm erösster, r2 mm kleinster Durchmesser; aus Mio6i6. 

„ 2. a „ beitenansicht > ' > -f s i i 

, 3. » „ Rückenseite ) ?="§• ^5 ('3). 

„ 4. „ stenonemus Rückenseite 1 5'3 mm hocli, i mm grösster, o'8 mm kleinster Durchmesser; aus Zupi6a 

„ 5. „ „ Seitenansicht j potok nächst Sinj. pag. 48 (11). 

„ 6. s i> Seitenansicht; 4-6 mm hoch, i mm grösster, o'8 mm kleinster Durchmesser; ebendaher. 

„ 7. » 11 ? Vorderseite; 4'2 mm hoch. i'B mm grösster, i mm kleinster Durchmesser; aus Ribarid. 

;, 8. „ >i '■ Vorderseite ; 3'4 mm hoch, o'8 mm grösster, 0'6 mm kleinster Durchmesser ; ebendaher. 

„9. a dentalifurme? Vorderseite 1 4 mm hoch, i-3 mm grösster, i mm kleinster Durchmesser; aus Zupica 

„ 10. „ i, Rückenseite / potok nächst Sinj. pag. 42 (10). 

» II. „ a Rückenseite; 4'5 mm hoch, i'i mm grösster, o-g mm kleinster Durchmesser; aus Ribaric. 

j, 12. „ a Vorderseite; 3'6 mm hoch, fi mm grösster, o'g mm kleinster Durchmesser; ebendaher. 

, i3. „ a Seitenansicht: 4*4 mm hoch, O'Q mm grösster, cy mm kleinster Durchmesser; aus Zupida 

potok nächst Sinj. 

j, 14. s j) Rückenseite 1 

r c •. • ui f 6'6 ™m hoch, i'5 mm erösster, n mm kleinster Durchmesser; ebendaher. 

» 13, „ „ Seitenansicht J ' s j • 

Alle Abbildungen sind stark, aber nicht gleich vergrössert. Die Original-Exemplare befinden sich in der Sammlung 

des National-Museums in Agram. 



S.Brusina. Or-ydoceras. 



Tafll(I). 



^^ 









iZ. 



•^ 



Velimir Hräic deliiu 




Lhh. Anst. v. Th. Baxtn warth. Wien . 



Beiträge zur Palaeoiitologie von Oesterreich -Ungarn, 
herausgegeben von Edni.v. Mojsisovics u.M.Neumayr,Bd.ir,1881. 

Verlag v.jHfred Holder, k.k. Hof-u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 



TAFEL XII (1). 

Fig. I. Tentacidites acuarius Rieht. Abdruck eines flachgedrückten fxemplars mit deutlicher Längsstreifung und ungeringelter 
Spitze. i6mal vergr. Aus den pflanzenführenden Schiefern der Etage H — h i von Srbsko bei Beraun. (Novak'sche 
Sammlung.) pag. 53 (7). 
„ 2. Steinkern mit gut erhaltener, ungeringelter Spitze und Bläschen. i6mal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Samml.) p. 53 (7). 
„ 3. Jugendende mit theilweise erhaltener Schale und ungeringelter Spitze. 32mal vergr. Aus den Kalkknollen der Etage 
G — g2 von Hlubocep. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 
4. Stark vergrösserte Partie eines anderen Brachstückes etwa 3o — 35 Längsrippchen zeigend. Aus Etcge H — h i von 
Srbsko. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 
„. -5, Sleinkern mit abgebrochenem Bläschen, dessen Abdruck am spitzen Ende noch deutlich ersichtlich ist. Die Ringe an 
der Spitze etwas undeutlich. 2omal vergr. Aus dem devonischen Kalkstein von Greifenstein. (Sammlung des Herrn 
F. Maurer in Darmstadt.) pag. 65 (19). 

6. Ein Exemplar mit deutlichen Ringen bis zur Spitze. Bläschen daselbst erhalten. Eine Partie am breiten Ende deutlich 
gestreift. 2omal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 65 (19). 

7. Bruchstück mit etwas abgestumpften Ringen. 2omal. vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 65 (19). 

8. Abdruck eines Bruchstückes mit Bläschen. Spitze etwas undeutlicher geringelt als der übrige Theil des Gehäuses. Auch 
die feinen Längsrippchen der Schale sind deutlich abgedrückt. 2omal vergr. Ebe ndah er. (Dieselbe Samml.) p. 65 (19). 

Q. Mittelstück eines anderen Exemplares ohne Schale. 2omal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 65 (19). 

10. Tentacidites infundibulum Rieht. Sleinkern eines ziemlich vollständigen Exemplars. Aus den Kalkconcretionen der 
Tentaculitenschichten Thüringens. Etwa 2omal vergr. (Hofrath Richter.) pag. 63 (17). 

11. Tentaculites acuarius Rieht. Ein mittelgrosses Exemplar ohne Schale und ohne Bläschen. i6mal vergr. Aus dem 
lockeren Kalkstein der Etage F — f2 von Zlichov bei Prag. (Novak'sche Sammlung.) pag. $3 (7). 

12. Gekrümmtes Exemplar mit abgebrochenem Bläschen und mit zwei offenen Ringen in der Nähe der Mündung. lömal 
vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 

i3. Conische Varietät mit ziemlich weit abstehenden Ringen, ohne Anfangsspitze. Schale erhalten, i6mal vergr. Eben- 
daher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 

14. Dieselbe Varietät mit dichteren Ringen. Schale theilweise erhalten und deutlich gerippt. Die Ringe in der Nähe der 
Mündung dicht gedrängt. i6mal vergr. Kalkstein der Etage G — g i von Branik bei Prag. (Dieselbe Samml.) p. 53 (7). 

i5. Ein mittelgrosses, anfangs kegelförmiges, dann cylindrisches Exemplar mit abgebrochener Spitze. Schale vollständig 
erhalten. i6mal vergr. Kalkstein von Lochkov. Etage G — g i. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 

lö. Ein ausgewachsenes Exemplar, mit dichten Ringen und gut erhaltener Schale. Die Spitze kegelförmig, die Endpartie 
cyiindrisch. i6mal vergr. Branik bei Prag. Etage G — g i. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7), 

17. Geringeltes Jugendende mit vollständig erhaltenem Bläschen. Die Schale des letzteren deutlich gerippt. 32mal vergr. 
Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 53 (7). 

18. Steinkern einer conischen Varietät. Aus den Schiefern der Etage G — g2 von Hlubofiep. (Dieselbe Samml.) p. 53 (7). 
ig. Drei stark vergrösserte Ringe eines grossen Exemplars aus dem Kalke von Branik. Etage G — g i. (Dieselbe Samml.) 

pag. 53 (7). 

20. Lange, cylindrische Varietät, mit theilweise erhaltenem Bläschen an der Spitze. Ein Theil des Gehäuses ist der Länge 
nach abgetragen, im Inneren desselben steckt die Schale eines kleineren Individuums, an dessen Spilze der Umriss des 
Bläschens noch deutlich zu erkennen ist. 2omal vergr. Aus den thüringischen „Tentaculitenschichten mit Kalk- 
concretionen". (Hofrath Richter.) pag. 62 (16). 

21. Steinkern einer conischen Varietät mit normal entwickelten, bis an's Bläschen reichenden Ringen. 2omaI vergr. 
Ebendaher, pag. 62 (16). 

22. Unvollständige Schale mit gut erhaltenen Längsrippchen. 2omaI vergr. Ebendaher, pag. 62. (16). 

23. Anderes Exemplar mit etwas weiter von einander entfernten Ringen und deutlicher Längsstreifung. 2omal vergr. 
Ebendaher, pag. 62 (i5). 

24. I d e m. Stark vergrösserte Partie, die feinen Längsrippchen zeigend, pag. 62 (16). 

25. Längsschnitt. 2onial vergr. Ebendaher, pag. 62 (16). 



O.Novak: Tentaculilen 



Taf.Mai). 




Hovak ad nat. dehn. : 



lilhAnsi.v.Th.Bsmwsrth. Wien . 



Beiträge zur Palaeontologie von OestcrreicK Ungarn , 
herausgegeben von tdm.v. Mojsisows u.M.Neuma\T,B<l.n,l881. 

Verlag y.jWfped Holder, k.k.Hof-u. UnJversitäts- Buchhändler in Wien. 



Fig. 25. Stück der Schale. 3omal vergr. Ebendaher, pag. 58 (12). 

26. Steinkern eines grossen Exemplars mit sehr unregelmässig abstehenden Ringen. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) 
pag. 58 (12). 

2y 28. Styliola clavulus Barr. Zwei schwach gekrümmte, unvollständige, jedoch nicht zusammengedrückte Exemplare, ohne 

Schale. Die Spitze derselben ist abgestumpft. i6mal vergr. Aus H— h i von Srbsko. (Noväk'sche Sammlung.) p. 59 (i3). 

29. Zerdrücktes, fast vollständiges Exemplar mit theilweise erhaltener, quergestreifter Schale. i6mal vergr. Ebendaher, 
pag. 59 (i3). 

30. Unvollständiges, zerdrücktes Gehäuse, eine deutliche Querstreifung zeigend. i5mal vergr. Ebendaher, pag. Sg (i3). 
3i. Styliola striatula Nov. Kleines Gehäuse, dessen Schalenoberfläche vollständig erhalten ist. Die feinen Furchen reichen 

bis zur Spitze hinab. 2omal vergr. Kalkstein der Etage G— g i von St. Prokop bei Prag. (Noväk'sche Sammlung.) 

pag. 60 (14). 
32. Anderes theilweise erhaltenes Exemplar mit deutlichen Furchen am breiten Ende. 2omaI vergr. Aus G — g 2 von 

Hlubocep. (Dieselbe Sammlung.) pag. 60 (14). 
33 Fast vollständiges, jedoch zerdrücktes Gehäuse. Die Furchung blos am breiten Ende entwickelt. 2omal vergr. Die 

unregelmässigen Maschen durch Zerdrückung der Schale entstanden. 2omal vergr. Ebendaher, pag. 60 (14). 
34. Anderes ebenfalls zerdrücktes Exemplar. 2omal vergr. Ebendaher. Bei a. Abdruck der äusseren Schalenoberfläche. 

Streifung deutlich, b. Steinkern. Die grosse Längsfurche durch Zerdrückung entstanden, c. Aeusserer Abdruck der Spitze, 

ohne Streifung. pag. 60 (14). 
„ 35. Ziemlich vollständiges Exemplar. 2omal vergr. Ebendaher, a, b, c, wie in Fig. 34. pag. öo (14). 

36. Fast vollständiges, mit Gestein ausgefülltes Gehäuse, dessen Spitze erhalten ist. Die Schale nach einer Seite gekrümmt. 

2omal vergr. Ebendaher, pag. 60 (14). 
j 37. Kleineres, etwas gekrümmtes Exemplar. 2omal vergr. Ebendaher, pag. 60 (14). 



4- 



9- 



TAFEL XIII (II). 

Fig. I. Tentacidites elegans Barr. (Die Exemplare 1—4 entsprechen der von Richter als T. cancellatus angeführten Form.) 
Anfangspartie mit gut erhaltenem Bläschen, jedoch ohne Schale. i6mal vergr. Aus den Ten tac u liten schi e fern 
Thüringens. (Hofrath Richter.) pag. 62 (16). 

2. Steinkern einer breiten Varietät mit erhaltenem Bläschen, ibmal vergr. Ebendaher, pag. 62 (16). 

3. Lange Varietät ohne Schale. 32mal vergr. Ebendaher, pag. 62 (16). 
Abdruck der äusseren Schalenoberfläche eines anderen E.'cemplars. Ebendaher. (Die Figur ist mit Figur 14 zu 
vergleichen.) pag. 62 (16). 

Jugendende mit der Schale und gut erhaltenem Anfangsbläschen. Lange Varietät. 6mal vergr. Aus den Schiefern der 
Etage G— g 2 von Hlubooep. (Noväk'sche Sammlung.) pag. 55 (9). 

Idem. Bläschen mit verlängertem, geringeltem Hälschen. 32mal vergr. Die Längsrippchen reichen bis zum Scheitel 
des Bläschens hinab, pag. 55 (9). 

Jugendende einer breiten Varietät mit kürzerem Halse und deutlich gestreifter Schale am Bläschen. i6mal vergr. 
Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 55 (9). 

Anderes Exemplar ohne Schale und mit abgebrochener Anfangspartie. Breite Varietät. i6mal vergr. Ebendaher. (Die- 
selbe Sammlung.) pag. 55 (9). 
Innere Schalenfläche eines zerdrückten Exemplars. i6mal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 55 (9). 

10. Vollständige, mittelgrosse Schale mit schön erhaltener Oberfläche, jedoch etwas zerdrückt. i6mal vergr. Ebendaher. 
(Dieselbe Sammlung.) pag. 55 (9). 

1. Ein grosses Exemplar ohne Schale. Die obere Hälfte zeigt die Oberfläche des Steinkernes resp. die innere Schalen- 
fläche. Die untere Hälfte zeigt den Abdruck der äusseren Fläche des Gehäuses im umgebenden Gestein. Die Ringe in 
der Nähe der Mündung sind schwach hervortretend und dicht gedrängt. i6mal vergr. Ebendaher. (Dieselbe 
Sammlung), pag. 55 (9). 

2. Idem. Partie der Oberfläche des Steinkernes. Die weit vorspringenden Längsrippen setzen über die Ringe fort und 
erweitern sich an denselben zu kleinen Knötchen. 32mal. vergr. pag. 55 (9). 

3. Idem. Partie des äusseren Schalenabdruckes. 32mal vergr. r. Ring, ^. Zwischenraum, pag. 55 (9). 
Partie des Abdruckes der äusseren Schalenoberfläche eines nicht gezeichneten Exemplares. i6mal vergr.; r. Ring; 
^. Zwischenraum. Die Längsrippen vermehren sich durch Einschiebung von neuen zwischen die bereits bestehenden. 
Die eingestochenen Grübchen entsprechen den knötchenförmigen Anschwellungen der Rippen an den Ringen. Eben- 
daher. (Dieselbe Sammlung.) (Diese Figur ist mit Fig. 4 zu vergleichen.) pag. 55 (9). 

[5. Tentaculites Geinit^ianus Eicht. Bruchstück mit längs gestreifter Oberfläche. lömal vergr. Aus den thüringischen 
Tentaculitenschichten mit Kalkconcretionen. (Hofrath Richter.) pag. 63 (17). 

16. Ein grösseres Bruchstück, dessen Ringe durch Clivage etwas verschoben erscheinen. i6mal vergr. Ebendaher, 
pag. 63 (17). (Diese Figur ist insofern unrichtig, als dieselbe durch ein Versehen so gezeichnet wurde, dass das Licht 
von rechts kömmt, während es bei allen anderen Abbildungen von der linken Seite einfällt.) 

17. Tentaculites procenis Maur. Ungeringelte Spitze. i6mal vergr. Aus dem devonischen Kalkstein von Gr ei fe n stein. 
(Sammlung d. H. Maurer in Darmstadt.) pag. 66 (20). 

18. Ungeringeltes Exemplar mit gut erhaltener, unvollständiger Spitze. Etwa 2omal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Samml.) 
pag. 66 (20). 

19. Grösseres Exemplar mit abgebrochener Spitze. i6mal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung) pag. 66 (20). 

20. Bruchstück eines grossen Exemplars. i6mal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 58 (12). 

21. Tentaculites intermedius, Barr. Junges unvollständiges Exemplar. i6mal vergr. Aus dem schwarzen Kalkstein der Etage 
F — fi von Dvorec. (Noväk'sche Sammlung.) pag. 58 (12). 

22. Grösseres Bruchstück mit ebenfalls erhaltener Schale, somal vergr. Ebendaher. (Dieselbe Sammlung.) pag. 58 (12). 

23. Ziemlich vollständiges Exemplar mit erhaltener Schale und abgebrochener Spitze. 2omal vergr. Ebendaher. (Dieselbe 
Sammlung.) pag. 58 (12). 

24. Anderes Exemplar mit Schale, dessen Spitze abgebrochen ist. a. Anfangspartie, wahrscheinlich von demselben Exemplare 
herrührend, mit gut erhaltenem, elliptischen Bläschen und Längsstreifchen. Ebendaher, pag. 58 (12). 



14. 



O.Novak: Tenlaculiten , 



Tarxiuini. 




Noväk ad nat.dehn. 1 



3^. 36- 

litkAitst.vJh.BsiinwarthMen. 



Beiträge zur Palaeoutologie von Oesterreich Ungarn, 
herausgeöeben von Edm.v. Mojsisows u.M.Xeuma\T, ßd.n,l881. 

Verlag v.jltlfred Holder, k.k.Hof-u. Universrtäts- Buchhandlsr in Wiea. 



TAFEL XIV (I). 

Fig. I. Aegoceras extracostatum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontologische Staatssaramlung 
in München. Die Rippen des äusseren Umganges, welcher grössteniheils von der Schale entblösst ist, sind in der 
Mitte der Flanke in Wirklichkeit höher und schneidiger, als in der Abbildung, d— g, Theile der inneren Windungen; h, 
Querschnitt mit Ansicht der Externseite des innersten sichtbaren Umganges, welcher vollkommen glatt ist. pag. 74 (2). 
2. Aegoceras cf. extracostatum n. f. Steinkern mit theilweise erhaltener Schale aus dem gelbgrauen Kalke mit Aegoceras 
megaStoma vom Schreinbach. Oben zusammengedrückt. Paläontolog. Staatssammlung in München, pag. 73 (3). 



F.Wähner: Unterer Lias. 



Tar.XJV.II). 




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A fleinrich del et liih 



Beilpäge zur Palaooivtologie von Oesteprcifli -Uniarn. 
herausgegeben von Edm.v, Mojsisimcs u.M.Xeuma^T, B(1.1I,1882. 

Yerlaq v. Alfred Holder, k,k. Hof-u. Universitäts- Buchhändler in Wien 



LiäiMst T. J.AppeVs.Hachf.Vfiai . 



TAFEL XV (II). 

Fig. I. Aegoceras Pan:(neri n, f. Steinkern aus dem gelbgrauen Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontologische 
Staatssammlung in München, a, Seitenansicht. Der äussere Rand an dem letzten Drittel des letzten Umganges ist 
beinahe vollständig erhalten, was nach der Abbildung zweifelhaft erscheinen könnte; die unregelmässige Streifung 
dieses Theiles ist nicht genau wiedergegeben, b, Externansicht, c, Querschnitt, d, Theil der inneren Windungen. 
e, Lobenzeichnung der vorletzten Windung, irrthümlich verkehrt gezeichnet, pag. 8i (9). 
j 2. Aegoceras Pan^neri n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aegoceras megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung 
in München, a, Seitenansicht; der Durchmesser der Abbildung ist zu gross, die Windungsverhältnisse und die Sculptur 
sind richtig wiedergegeben, indem die Abbildung entsprechend dem grösseren Durchmesser um wenige Rippen mehr 
enthält als das Original, b, Externansicht; die Mundhöhe ist zu gross gezeichnet, pag. 81 (9). 
a 3. Aegoceras cf. circacostatum. Schalenexemplar aus dem gelbgrauen Kalke mit Aegoceras megastoma vom Schreinbach. 
Paläontolog. Staatssammlung in München, b, die Mündung ist in der Abbildung zu hoch. pag. 83 (11). 



F.MUhner : Unterer lias 




AHeiiffidi dsl et !ith 



Beiträge zur Palaeontologie von Oesterreich Ungarn, 
herausöcöeben von Edra.v. Mojsiso\'ics n.M.Neumayr, ß(l.II,18ö2. 

Verlag v. Alfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhindler in Wien 



Lith.Anst V J.Appels Nadif.Men . 



TAFEL XVI (III). 

P"ig. I. Aegoceras n. f. indet., cf, cxtracostatum. Schwarzgrauer Kalk der „Angulatenbank" in der Kendelklause Geologische 
Sammlung der Wiener Universität. In der Externansicht (b) erscheinen die Rippen dichter gedrängt, stärker nach 
vorn gebogen und weit weniger kräftig markirt als am Original. S. 76 (4). 

„ 2. Aegoceras curviornatum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach, Paläontolog. Staatssammlung in 
München. In der Seitenansicht (a) ist der Nabel zu weit die äussere Windung viel zu niedrig gezeichnet. Die Rippen 
sind am Original noch mehr erhaben. In der Externansicht (b) erscheint die Mündung an den Flanken zu stark 
gewölbt. Die Lobenzeichnung (c) ist in den Details nicht vollkommen genau, pag. yS (3). 

„ 3. Aegoceras curviornatum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung in 
München, pag. 7? (3). 

„ 4. Aegoceras curviornatum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung in 
München. Die Mündung ist in der Seitenansicht zu niedrig, pag. 75 (3). 

„ 5. Aegoceras circacostatum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung in 
München. Die Rippen erscheinen in den beiden Externansichten (b und c) nicht kräftig genug. Die Lobenzeichnung 
(d) ist in den Details ungenau, pag. 83 (11). 

„ 6. Aegoceras n. f. indet., cf. curviornatum. Steinkern aus dem gelbgrauen Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. 
Paläontolog. Staatssammlung in München, c, Externansicht einer kleinen Partie mit erhaltener Schale aus dem ersten 
Viertel des äusseren Umganges; eine kleine Abschwächung der Sculptur in der Medianlinie tritt in der Abbildung 
nicht hervor. Die Lobenzeichnung (d) ist ungenau. Der Nahtlobus reicht in Wirklichkeit so tief herab als der erste 
Lateral; es sind vier Auxiliarloben vorhanden. S. 81 (9). 



F.Wähner: Unterer Lias. 



Tca£XVI(Jnj 



h c 




Beiträge zur Palaoontologip von Oestcrreicli Ungarn, 
herausgegeben von Edm.v. Mojsisoxäcs u.M.Neuma\T,ßd.n,l882. 

Yerlaq v. *lfped Holder, k.k.Hof-u Universitäts-Buchhändler in Wien. 



Lith tast T J'.Appel's Nachf.V/ien . 



TAFEL XVII (IV). 

Flg. I. Aegoceras haploptychum n. f. Rother Kalk mit Brauneisen-Concretionen vom Lämmerbach. K. k. Hof-Mineralien- 

Cabinet. pag- 76 (4). 
2_ » i> Rother Kalk mit Brauneisen-Concretionen vom Lämmerbach. Paläontolog. Staatssamml. 

in München. Rippen und Furchen sind am Original in der Mitte der Externseite 

schwächer ausgebildet, pag. 76 (4). 
3^ « » Rother Kalk mit Brauneisen-Concretionen vom Lämmerbach. Paläontolog. Staatssara.m- 

lung in München, pag. 76 (4). 
A ^ 5 „ Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megaStoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung 

in München, pag. 76 (4). 
i. ^ s a Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung 

in München. In der Externansicht erscheint die Mündung zu hoch. pag. 76 (4). 
^6. » anisophyllum n. f. Uebergang zu haploptychum. Steinkern aus dem gelbgrauen Kalk mit Aeg. megastoma 

vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssamralung in München, c und d assymmetrische 

Lobenlinie; M := Mitte der Externseite, S = Sipho. pag. 81 (g). 



F.W'ähner: Unterer Lias. 



Tat:xyn(Fj 







4. 






Beilräi'o zur Palaeontologie von Oestcpreicli -Ungarn, 
herausgegeben von ?]dni.\. >fojsiso\'!Cs n.M.\euma\T,Bd.n,l882. 

Verlag v, Alfred Holder, k.k. Hof-u. Universitäts-Buchhändlar in Wien 



litK/tast V J.^el's Nachf.Vfien . 



TAFEL XVIII (V). 

Fig. 1. Aegoceras megastoma Gümb. Gelbgrauer Kalk des unteren Llas vom Schreinbach. Paläontologische Staatssammlung in 

München, pag. 78 (6). 
„ 2. „ „ „ Desgleichen, pag. 78 (5). 

„ 3. „ „ i, Desgleichen pag. 78 (6). 

„ 4. » «, j> Desgleichen pag. 78 (5). 

5. „ „ » Ansicht eines Theiles der inneren Windungen eines grösseren Exemplares aus dem gelb- 

grauen Kalk des unteren Lias vom Breitenberg. Paläontologische Staatssammlung in 
München, pag. 78 (6). 
„6. „ a » Lobenlinie eines Exemplars aus gelbgrauem Kalk (jArietenbank"') von der Kammerkar- 

alpe. Sammlung des kgl. Oberbergamtes in München, pag. 78 (6). 
„ 7. „ anisophyllum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung 

in München. Die Rippen sind am Original in ihrem Verlauf über die Flanken kräftiger markirt. An den 
Umbiegungsstellen werden sie schnell undeutlich, c, Lobenlinie; M = Mitte der Externseite, S = Sipho. 
Der Nahtlobus reicht am Original so tief herab als der erste Lateral, pag. 79 (7). 
„ 8. j n. f. indet., cf. eitptychum. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staats- 

sammlung in München, pag. 84 (12). 



F.M'ähnerj Ifhtercr Lias . 



TaEXWir.W. 




Beiträge zur Palaeontologic vor Oeslepreicli Ungarn, 

hcraus^e^ebCTi von Kdm.v. MolsisoNics u.M.Ncumayr, Bd.l[,1882. 

Yerlaq \f.jMfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhandler in Wien 



liäi.Anst.v.'ni-Ba/wwafih Wsn. 



TAFEL XIX (VI). 

Fig. I. Aegoceras anhophyUum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Breitenber^. Sammlung der k. k. geolog. 

Reichsanstalt, a, Theil der Seitenansicht des bei 25o mm im Durchmesser haltenden 
Exemplars, Der Bruchrand links existirt nicht am Original, er ist eine willkührliche 
Abgrenzung der Zeichnung; die runde Linie sollte den inneren Rand des zweiten 
Umganges darstellen, b, Seitenansicht, c, Querschnitt eines Theiles des äusseren Um- 
ganges, welcher sich an den in a oben liefindlichen Theil des letzteren fast unmittelbar 
anschliesst. pag. yq (7). 
;, 2. „ , j Lobenlinie eines Exeropkrs aus dem gelbgrauen Kalke mit Aeg. megastoma vom Schrein- 

bach. Paläontologische Staatssammlung in München. M = Mitte der Externseite, S ■= 
Sipho. pag. 79 (7). 
a 3. , , „ Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. pag. 79 (7). 



F.Vüiner: Unterer Lias. 



Taf.XECCn). 




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1 . ^ 


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Bfilräge zur Paiaeontologifr von OesterreicK Ungarn. 

herausgegeben von Edm,vMojsiso\ics u.M.Neuma)T,Bd.II.l882. 

Yerlaj v.Jklfped Holder, k.k.Hof-u. UnJYersrtäts-Buchhandler in Wien. 






TAFEL XX (VII). 

Fig. I. Aegoceras lätimontanum n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Breitenberg. Sammlung der k. k. geolog. 
Reichsanstalt, pag. 85 (i3). 
, 2. Aegoceras stenoptychiim n. f. Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung in 

München, pag. 82 (10). 
„ 3. Aegoceras eiiptychum n. f. Steinkern aus dem gelbgrauen Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. 

Staatssammlung in München, pag. 83 (11). 
^ 4, „ » » Gelbgrauer Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. Paläontolog. Staatssammlung in 

München, pag. 83 (11). 
^ 5. „ » » Lobenlinie eines Exemplars aus dem gelbgrauen Kalke vom Schreinbach. Paläontologische 

Staatssammlung in München. M = Mitte der Externseite, S = Sipho. pag. 83 (11). 



F.Wähiicr : Unterer Lias . 



Taf;ix(vn). 




A.SwobodaM. 



Beiträge zur Palaeontologie von. Oestcrrcicli Ungarn, 
herausgegeben von Kdni.v. Mojsisovics u.M.Neuinavr, ßd.n,l882. 

Verlag v.jftifred Holder, k.k. Hof-u. Universifäts-Buchhändiep in Wien, 



litk.Anstxlh.Baiuimrih y/i?rt. 



TAFEL XXI (VIII). 

Fig. I. Äegoceras diploptychum n. f. Rothbrauner Kalk mit Aeg. megastoma von der Kammerkaralpe. Sammlung des kgl. 

Oberbergamtes in München. Die eingeschobenen Rippen sind am Original gleich stark mit den in der Nähe der 

Externseite nach vorwärts gebogenen Theilen der primären Rippen, pag. 84 (12). 
„ 2. Äegoceras n. f. indet., cf. megastoma. Steinkern aus dem gelbgrauen Kalk mit Aeg. megastoma vom Schreinbach. 

Paläontolog. Staatssammlung in München, c Lobenlinie, M = Mitte der Externseite, S = Sipho. pag. 7g (7). 
„ 3. Äegoceras Pan:{neri n. f. Lobenlinien eines grossen Exemplars aus dejn gelbgrauen Kalke vom Schreinbach. Paläont. 

Staatssammlung in München, pag. 81 (9). 



F.Wähner: Unterer Liag. 



Ta£XXI(Vl) 




ÄSwahodali 



Beiträge zur. Palaeontologie von Oesterreicli Ungarn, 
herausgegeben von Edm.v. Mojsiso\'ics u.M.Neumaw, Bd.n,1882. 

Verlag v.^lfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhändler in Wisn.. 



lilh.Ar,sr.v.Th£a/mwat^ Wien. 



TAFEL XXII (I). 

Fig. I. Scorpaena Pilari Kramb. aus Radoboj. pag. 109. 

i 2. I, minima Kramb. aus Dolje. pag. iio. 

j 3. u. 4. Trachinus dracunculus Heckel. aus Radoboj. pag. iii. 

, 5. Labrax Neumayri Kramb. aus Dolje. pag. 97. 

i> 6. j, intermedius Kramb. aus Radoboj. pag, 100. 

, 7. Chrysophrys Brusinai Kramb. aus Podsused. pag. 107. 

, 7 a. Vergrössert dargestellte Fang- und Mahlzähne von Clirys. Brusinai m. pag. 107, 



I)V Krauiberöer : Fossile Fische Croatiens (I.) 



laf-xxn:. 



I'i^.3. 



Fig.^. 




Fi^.5. 







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FUj.l. 



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d.Nai.^ez. u. nth y. 7. umrs. 



Beiträge zur Palaeontologie von Oesterreicli Ungarn, 
herausgegeheii von Edm.v. Mojsisinics u.M.Neunia\T,J3and I. 

Yerlaq v, Alfred Holder, k.k. Hof -u. Universitäts- Buchhändler in Wien. 



i ilh. Ansl.v.Th.Bsnn wanh. Men . 



TAFEL XXIII (II). 



Fig. I. Serranus altus Kratnb. aus der Umgebung von St. Simon, pag. loi. 
j, 2. Labrax multipinnatus Kramb. aus St. Nedelja b. Sambor. pag. gg. 



U' Kramberqer : Fossile Fisdic l'foalii'us (II. 



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n Q ^at §c; u.lilh v.V.Uviira 



Utk AnslyVt.Bsnn i/jr;A. 'tTte 



licilrügo «III- l'alai'üiilülosii' vmi OosIciTcicIi Ingai-ii, 
hcruiisgegolicii von Kdm.v. Mojsisovics u. M, Neumayr, iiand II. 

Verlag »Jilfned Höldsr, k k Hof-u Umversitats-Buchliiindlar in Wien. 



TAFEL XXIV (III). 

Fig. I. Metoponichthys longirostris Kramb. aus Dolje. pag. 104. 

j I a. Dasselbe einige Male vergrössert. pag. 104. 

» 2. Metoponichthys octacanthus Kramb. aus Dolje. pag. 106. 

» 3. Scomber priscus Kramb. aus Podsused. pag. 1 19. 

„ 4. Auxis vrabceensis Kramb. aus Vrabfie. pag. 122. 

a 5., 6. Auxis minor Kramb. aus Radoboj. pag. I23. 

» 7., 8. Cara«A- longipinnatus Kramb. aus Podsused. pag. 12S 



i)V lü-amberöer : Fossile Hsche Croatiens (JH). 



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Fig 5. 



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Tiff. ; 








n.d.Xai.^ez.iLlilh. y. V. Ihtira. 



liikAnsl.r.Ii.Bsunwlrtk.W'en. 



Beiträge zur Palaeontologie von Oesterreich Ungarn, 
herausgegeben voa Edm.v. Mojsisovics u.M. Neumaw, Band II. 

Verlag V- Alfred Holder, k.k.Hof-u. Universitäts-Buchhandler in Wien. 



TAFEL XXV (IV). 

Fig. I. Auxis croaticus Kramb. aus Radoboj (72 magn. nat.). pag. 121. 

a I a. Praeoperculum von Aux. croaticus. pag. 121. 

„ 2. Gobius pullus Kramb. aus Dolje. pag. i33. 

» 2 a. » „ „ , Podsused. pag. i33. 

„ 3. Callionymus macrocephalus Kramb. aus Radoboj (magn. nat.). pag. 134. 

„ 3 a. Derselbe viermal vergrössert. pag. 134. 

o 3 b. Die Ventrale und Pectorale nach einem anderen Exemplare vergrössert dargestellt, pag. 134, 

» 3 c. Ein Theil des Praeoperculum's (vergrössert). pag. 134. 



II'. Kraiiiljer»«"!' : Kussili' l'iM'lif ('niiiluiis-(IV') 



lal JKV'. 



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r. d. iVs.' 6si u i:!h ■/. 7 l^Kira 



Vn-\[v'aü^o nw l'aiai'iuilolo^ic \(ni (Icsti-iTcicIi rnüiini, 
lu'rausgc^<'l)(Mi \'m\ Kdm.v. Mojsisovics u.M.NenmiivT.lJand IT. 

Verlfiq v Alfred Holder, k.k. Hof-u. Unlversitäts-Buchhandler in Wien. 



liihAnsT.r.T.h.Sssr.yrsrth.'iKsr,. 



TAFEL XXV[ (V). 

Fig. I. Auxis thynnoides Krumb, aus Podsused. pag. 125. 
8 2. Dasselbe (Gegendruck), pag. 125. 
„ 3. Caranx Haueri Kramb. aus Podsused. pag. 126. 
» 4- » » .3 . pag. '26. 

j, 4 a., 4 b. Gekielte Schuppen der Seitenlinie von Caranx Haueri m. 

vergrössert dargestellt (4a. Ansicht von der Seite, 4 b von oben), pag. 126. 



DI' Ivraiubei'öer : Fossile Fisclie Croaüens (V) 



Taf.im. 



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Fig. 4 a. 



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. n.d.Nat.^ez.u.lifhv.V.Uwira. 



Beilräüo zup Palai'onlologie von Oesterreirli Ungarn, 
herausgegeben von Ediii.v. Jlclsisoxics u.M.Neumayr.Eand ^. 

Yerlaa vjllfred Holder, k.k.Hof-c. Umversitäts-Buchhardler in Wien. 



lithAiist.v.Ti.BsimwBrthMen. 



TAFEL XXVII (VI). 



Fig. 1. Caranx Haueri Kramb. aus Podsused. pag. 126. 

„ 2. 3 gracilis , , Radoboj. pag. 128. 

» 3. „ „ . , „ pag. 128. 

» 4. s 3 ä j, Podsused. pag. 128. 

„ 5. Proantigonia radobojana Kramb, aus Radoboj. pag. i3i. 

„ 0. Dasselbe (ein jüngeres Individuum), pag. i3i. 

3 7. Proantigonia Steindachneri Kramb. aus Radoboj. pag. i3 



J)y lü-ainberger : Fossile Fische Ci-untiens (Yl) 



Fig. 5. 



Taf.XXM. 



Fy.6. 




n. d. Xal. ßsz. u- Ii!h :: V. ün':ra . 



Beiträge zur Palaeontologie von Oesterrcicli Ungarn, 
herausgegeben voa Edm.v. Mojsisovics u.M.Neumayr.ßani E. 

Verlag vjMfped Holder, k.k.Kof-u. Universifäts-Buchhändler Ir, Wien. 



LithAnsl.vJh.Bsnnwarih. Vlien . 



TAF EL XXVllI (VII). 



Fig. I. Sphyraena croatica Kramb. aus Podsused. pag. 112. 
„ 2. Mugil radobojanus „ „ Radoboj. pag. 1 14. 

,, 3. „ „ » » Vraböe. pag. 114. 

3 a. Vergrössert dargestellte Wirbel vom Individuum Fig. 3. pag. 114. 
, 4. Mugil radobojanus Kramb. aus Vrabce. pag. 114. 
5. Serranus dubius Kramb. aus Podsused. pag. io3. 



!•'' Kraiiiliei'°er : Fossile Fische t'rüaliens (VH) 



Taf XX™ 





na, .'rar lei u lith V V. L'wiTd. 



liiilraiie zur l'alaeoiiloliiui" von lll■^ll>n'ei(ll rnjnrn. 
luTüusgeüebcii von Kilm.v. Mojsisiiviis uMNciiniayi', liaiul II. 

Verloq v^lfred Holder, l- l< Hof-u Un.vfrsitäls- Buchhändler m Wien. 



iimAns!y.7kB3:inw^:!i ii^en. 



TAFEL XXIX (I). 

Fig. 1. Epithemia Cistula (Ehbg.) vjr. lunaris Grün, von Dubravica. Grössere Schale, pag. iSy (2). 
„ 2. Dieselbe. Kleine ganze Frustel. 

„ 3. E. (Cistula var.?) proboscoidea (Kg.?) M'. Smith von Domblitten. pag. i38 (3). 
„ 4. Dieselbe. Varietät mit kopfförmigen Enden von St. Fiore. pag. 1 38 (3). 
„ 5. E. Sorex Kg. von Oberohe. i38 (3). 

„ 6. Eunotia Elvenbergii var. quateniaria Grün, forma tenuisiriata (Climacidium tetraodon Ehbg.). Dubravica. pag. i38(3). 
» 7. E. incisa var.? hyalina Grün. Dubravica. pag. i38 (3). 
„ 8., 9. Peronia? antiqua Grün. Dubravica. pag. 140 (5). 
„ 10., II., 12. Staurosira Venter (Ehbg.). Dubravica. pag. i Sg (4). 

i3. Synedra tenella var.? brevis Grün. Tallya. pag. 147 (12). 
„ 14. 5. laevissima var.? fossilis Grün. Tallya. pag. 147 (12). 
„ i5. 5. familiaris var. neogena Grün. Dubravica. pag. iSg (4). 
„ 16, Staurosira Harrisonii (W. Smith) Grün. Dubravica. pag. i39 (4). 
„ 17. St. mutabilis var. trigona [Clere). Domblitten. pag. iSg (4). 
„ 18. St. Harrisonii var. Amphitetras Grün. Dubravica. pag. iSg (4). 
„ IQ. Surirella Clementis Grün. Dubravica. Nur 38ofach vergrössert. pag. 140 (5). 

20. Mastogloia elegam Lewis? Tallya. pag. i5o (i5) 

21. Nit^schia tallyana Grün. Tallya. pag. 148 (i3),. 
„ 22. A'. neogena Grün. Tallya. pag. 148 (i3). 

23. Hant:!schia? dubravicensis Grün. Dubravica. pag. 140 (5). 

„ 24. Mt^schia Kittlii Grün. Theil einer Schale. Soos. pag. 155 (20). 

„ 25. Dieselbe. Ganze Frustel ^^'/i- 

, 26, Cymbella affinis var. excisa (Kg.) Grün. (C. excisa Kg.) Lebend von Triest. Original-Exemplar von Kätzing. pag. 142 (7). 

„ 27. C. austriaca var. excisa Grün. Dubravica. pag, 142 (7). 

28. C. gastroides var.? crassa Grün. Dubravica. pag. 141 (ö). 

29. C. austriaca var. prisca Grün. Dubravica. pag. 142 (7). 

„ 3o. C. gastroides var.? dubravkensis Grün. Dubravica. pag. 141 (6), 

3i. C. abnormis var. antiqua Grün. Dubravica. pag. 141 (6). 

32. C. leptoceras (Ehbg.?) Kg. var. minor Grün. Dubravica. pag. 142 (7). 
» 33., 34. C. leptoceras var. angusta Grün. Dubravica. pag. 142 (7). 

Vergrösserung bei allen Figuren, wenn nicht anders bemerkt, 76ofach. 



A. Grunow ; Diatomeen (1) 



Taf.XXK. 




Utk Änslv.Jh.Bäi:nw3T^.'Sisp. 



Ecilrä'jc zur l'nlut'oiilolosii' von Oestorroich UngBrn, 
herauseeäeben von K<lm.v. JlojsisoA'irs u.M.Xeumavi', Band II. 



Verlag v. Alfred Holder, kk. Hcf-u, Universitäts- Buchhändler in Wien. 



TAFEL XXX (II). 

Fig. 35. Cymbella Sturii Grün. Dubravica. pag, 140 (3). 

j 36. Navicula (Aüoioneis) Stauntonii Grün. Lebend von St. Aubin's Bay in England, pag. 142 (7). 

„ 37. N. parvula Ralfs. Dubravica. pag. 143 (8). 

„ 38. N. {decurrens Ehbs.?} subsolaris Grün. Dubravica. pag. 143 (8). 

„ 30. N. modesta Grün. Dubravica. pag. 143 (S). 

„ 40. N. Krockii Grün. Soos. pag. i55 (20). 

„ 41. N. nohilis Kg. var. neogena Grün. Dubravica. pag. 143 (S). 

„ 42 iV. hungarica Grün. (Pinnularia pygmuea Ehhg.) Soos. pag. i36 (21). 

„ 43. N. hungarica var. luneburgensis Grün. Oberohe. pag. i56 (21). 

„ 44. Dieselbe, schmälere Form. Domblitten. pag. i56 (21). 

„ 45. N. costulata Grün. Lebend von Wrietzen. pag. i56 (21). 

„ 46. N. microrhynchtis Grün. Tallya. pag. 149 (14). 

„ 47. N. (Crucicula var.?) protracta Grün, forma minor. Dubravica. pag. 146 (ii). 

, 48. N. Haueri Grün. Dubravica. pag. 143 (8). 

„ 4q. N. (radiosa var.?) dubravicensis Grün. Dubravica. pag. 144 (q). 

„ 5o. N. Gastrum Elibg. var. styriaca. Grün. Dubravica. pag. 144 (9). 

, Dl. N. Gastrum Ehbg. forma minor. Dubravica. pag. 144 (g). 

„ 52. N. Clementis Grün. Dubravica. pag. 144 (9). 

„ 53. N. infirma Grün. Dubravica. pag. 146 ([i).| 

„ 54. N. dicephala Kg. var. subcapitata Grün, Soos. pag. i56 (21). 

„ 55. N. dicephala Kg. Lebend mit asjmmetrischen Endochromplatten von Berndorf. pag. 145 (10). 

„ 56., 5-j.N.tuscula(Ehbg.)(Stauroneis punctata Kg.)Lebend mit Zelleninhalt von Berndorf. Nur 38ofach vergrössert. pag. 145(10). 

„ 58. N, (tuscula var.?) arata Grün. Dubravica. pag. 145 (10). 

„ 59. N. interrupta Kg. var. tallyana Grün. Tallya. pag. i5o (i5). 

, 60. N, expleta A. Schmidt var. domblittensis Grün. Domblitten. pag. i56 (21). 

„ 61. N. ovalis Hilse forma minor. Tallya. pag. 159 (i5). v 

, 62., 63. N. elliptica Kg. Lebend mit tiefgelappten Endochromplatten von Berndorf. pag. 146 (ii)- 

„ 64. N. Jent^schii Grün. Domblitten. pag. i56 (21). 

„ 65. N. scutelloides var. mocarensis Grün. Mocär. Ist im Text nicht besprochen und unterscheidet sich von anderen Formen 
durch die entfernt stehenden Punktreihen, zwischen denen nur am Rande sehr kurze, enger stehende Streifen einge- 
schaltet sind. 

„ 66., 67. N. (cancellata var.?) ammophila Grün. Lebend von Firth of Tay. pag. 149 (14). 

„ 68., 69, Dieselbe. Fossil von Tallya. pag. 149 (14). 

„ 70. Fraglich hierher gehörige Schale von Tallya. pag. 149 (14). 

„ 71. N. ammophila var. intermedia Grün. Lebend von Hunstanton pag. 149 (14). 

„ 72., 73. Dieselbe, etwas enger besireift von Tallya. pag. 149 (14). 

„ 74., 75. N. ammophila var. degenerans Grün. Lebend von Hunstanton. pag. 149 (14). 

» yS., 77- N. arenicola Grün. [Amphiprora arenaria Brebisson in /i«en's.) Lebend von Arromanches. pag. 149 (14). 



A. GrunOM' : Diatomeen (111. 
36 



Taf.XXX. 




Autor del. 



Uciti'äge zur l'aiai'ontologic» von ()esl(?i-i'oirli l'ngarn, 
herausgegeben von Edm.v. Mojsisox-ics u.M.XoiunajT, Band )I. 

Yerlaq vjdfred Holder, k.k. Hof-u, Universitäts-Buchhandler in Wien. 



Li'h.Amt yTfi,Sajtn:fälih. liJen , 



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