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Full text of "Über Clytia leachi Rss., einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation"

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LANGSCHWÄNZIGEN DEKAPODEN 



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Prof. Dr. A. EM. REU SS ZU PRAG, 

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 






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(Aus dem VI. Bande der Denkschriften der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 

besonders abgedruckt.) 



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WIEN. 

AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 

1853. 



(Vorgelegt in der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe vom 21. Mai 1852.) 



ÜBER CLYTIA LEACHI Rss., 



EINEN 



LANGSCHWÄNZIGEN DEKAPODEN DER KREIDEFORMATION. 

VON PROF. Dr. A. EU. REUSS ZU PRAG, 

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 

(MIT V TAFELN.) 
(VORGELEGT IN DER SITZUNG DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE AM XXI. MAI MDCCCLII.) 



In den Schichten der böhmischen Kreideformation ist nächst Callianassa antiqua Otto, welche in den der 
oberen Kreide angehörigen Sandsteinen des nordöstlichen Böhmens (Chotzen, Schirmdorf, Tfiebitz u. s. w.) 
in Menge angetroffen wird, die obengenannte Species die häufigste unter den wenigen in ihnen bisher 
gefundenen Crustaceen. Sie scheint den kalkigen Schichten, die unter dem Namen „Plänerd oder Pläner- 
kalk" bekannt sind und dem mittleren Quadermergel Geinitz's (dem terrain turonien Orbignys) angehören, 
eigenthümlich zu sein. Wenigstens habe ich sie bisher noch in keinen anderen Schichten zu entdecken 
vermocht. 

Die ersten Reste derselben wurden von Man teil aus der weissen Kreide von Lewes und von 
Houghton in Western-Sussex beschrieben und abgebildet unter dem Namen von Astacus Leachii (M an- 
tell, The fossils of the South-Downs, 1822, p. 221—223; Taf. 29, Fig. 1, 4; Taf. 30, Fig. 1, 2; 
Taf. 31, Fig. 1—4). 

Am deutlichsten und mit den böhmischen Resten ganz übereinstimmend sind die Scheeren (Taf. 29, 
Fig. 1, 4; Taf. 31, Fig. 4). Taf. 29, Fig. 4, stellt die Scheere eines sehr grossen Individuums dar; 
Taf. 30, Fig. 2 und Taf. 31, Fig. 4, zeigen die beiderseitigen Scheeren neben einander. Von den anderen 
Gliedern der Scheerenfüsse ist auf den Abbildungen nichts Deutliches zusehen. Ob die von Mantell 
hieher gerechnete Fig. 5 der Taf. 29 wirklich hieher gehöre , ist wegen der Krümmung der Scheeren- 
finger unwahrscheinlich. Taf. 31, Fig. 1, 2, 3 und 4 stellen den Cephalothorax dar, der aber sehr unvoll- 
ständig erhalten zu sein scheint und auch sehr undeutlich abgebildet ist, so dass sich nicht mit Sicherheit 
bestimmen lässt, ob diese Theile wirklich dem Astacus Leachii angehören. Am wahrscheinlichsten ist dies 
noch bei Taf. 3 1 , Fig. 3 , welche die Querfurchen des Cephalothorax am deutlichsten wahrnehmen lässt. 
Die Längsfurche auf Taf. 31, Fig. 2, ist an den viel besser erhaltenen böhmischen Exemplaren nicht vor- 
handen und scheint, wenn das abgebildete Individuum wirklich unserer Species angehört, bloss zufällig 
durch Zusammendrückung entstanden zu sein. 

(Reuss.) 1 



2 A. Em. lieuss. Über Clytia Leachi Rss., 

m 

Taf. 31, Fig. 4, stellt einen der äusseren Fühler (V) und eine sehr undeutliche Scheere eines der 
vorderen Gangfüsse (V) dar. Aus beiden lässt sich gar nichts Näheres entnehmen. 

In Taf. 30, Fig. 1, ist endlich das sehr unvollständige hintere Ende des Hinterleibes dargestellt. Man 
bemerkt die Umrisse der sehr verdrückten drei vorletzten Hinterleibsringe und die innere paarige Schwanz- 
flosse der rechten Seite. Ob sie wirklich von Astacus Leachii abstammen, lässt sich bei der gänzlichen 
Isolirung dieser Theile und dem Vorkommen noch anderer Astaciden an demselben Fundorte nicht wohl 
bestimmen. — 

Später entdeckte Geinitz diesen Krebs auch im Pläner von Strehlen und Weinböhla in Sachsen und 
beschrieb unter dem M an tell'schen Namen ein Fragment von ersterem Fundorte (Charakt. d. Schichten des 
sächsisch -böhmischen Kreidegebirges, p. 39, Taf. 9, Fig. 1). Es besteht in einem seitlich zusammenge- 
drückten , am vorderen Ende unvollständigen Cephalothorax und einer Scheere von grossen Dimensionen. 
Ich habe auf Fig. 3 nochmals eine treue Abbildung des mir von meinem Freunde, Herrn Prof. Geinitz, 
zur Untersuchung gütigst anvertrauten Exemplares geliefert. 

Römer gibt in seiner Schrift „über die Versteinerungendes norddeutschen Kreidegebirges (p. 1 OS)", 
eine kurze Diagnose, ohne neue Details hinzuzufügen und neue Fundorte anzuführen. Seine Beschreibung des 
mit dem Namen G/yphea Leachii bezeichneten Thieres beschränkt sich ebenfalls auf den Cephalothorax und die 
Scheerenfüsse. Er spricht jedoch zugleich die Vermuthung aus, dass wohl auch das zweite Fusspaar mit S*chee- 
ren versehen gewesen sein mochte, die aber den übrigen drei Fusspaaren fehlen dürften. Er hebt übrigens 
schon die Verwandtschaft mit Clytia von Meyer (Neue Gattungen fossiler Krebse, 1840, pp. 19,20) hervor. 

Diese Verwandtschaft wurde von mir (die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation, 1845, 
I, p. 16) noch vollkommener anerkannt, so dass ich mich bewogen fand, den in Rede stehenden fossilen 
Krebs unter dem Namen Clytia Leachii mit der Meyer'schen Gattung zu verbinden. Ich fand ihn im Plä- 
nerkalk von Kutschlin bei Bilin und von Hundorf bei Teplitz, so wie auch im Plänersandsteine von Hradek 
und Tfibitz. Die von mir beschriebenen und (1. c. Taf. 6, Fig. 1 — 6 ; Taf. 42, Fig. 3) abgebildeten 
Theile sind: das am vorderen Ende unvollständige Kopfbrustschild , die Scheerenfüsse mit den grossen 
Scheeren, Bruchstücke von Gangfüssen und eines Kaufusses, ein Theil der Geissei eines äusseren Fühlers, 
die letzten drei Hinterleibsringe und endlich Fragmente der Schwanzflosse. 

Später wurden mir zahlreiche schöne Reste aus dem Planer des weissen Berges bei Prag bekannt, 
deren Beschreibung die hauptsächlichste Veranlassung zur gegenwärtigen Abhandlung bildet. 

Geinitz führt in seinem Werke „über das Qnadersandsteingebirge in Deutschland (1849, p. 97)" 
auch den oberen Quadermergel von Quedlinburg als Fundort von Clytia Leachi an. Da ich jedoch die von 
dem dortigen Salzberge stammenden Reste nicht aus eigener Anschauung kenne, so bin ich nicht überzeugt, 
dass dieselben wirklich der genannten Species angehören; um so weniger als die von Quenstedt in 
seinem neuen Handbuche der Petrefactenkunde Taf. 20, Fig. 11, unter dem Namen Astacus Leachii abge- 
bildete Scheere von dort, nimmermehr zu dieser Species gehört, wenn sie überhaupt von einem Astaciden 
abstammt i ). 

Dagegen erhielt ich durch die gefällige Mittheilung des Herrn Professors Dr. Geinitz eine wirk- 
liehe Scheere von Clytia Leachii aus dem Quadermergel von Essen in Westphalen zur Ansicht 2 ). Über 



1 J Dasselbe spricht Herr Dr. Geinitz in einem an mich gerichteten Briefe neuerdings aus. Auch Herr Dr. Giebel in Halle gab mir auf 
meine Anfrage die gefällige Auskunft, dass die am Saly.berge gefundenen Krebsreste zu Callianassa Faujasi und vielleicht auch zu 
C. untiqua gehören, dass das von Quenstedt abgebildete Exemplar ihm aber ganz fremd sei. 

2 ) Herr Dr. F. Römer in Bonn, an «eichen ich mich dessbalb wandte, theilte mir mit, dass sich auch im Museum von Bonn eine solche, noch 
vonGoldfuss etiquettirte Scheere befinde; dass diese Fossilreste aber keineswegs aus den der Tourtia gleichzustellenden verstei- 
nerungsreichen Schichten von Essen herstammen, sondern wohl einer höheren, dein eigentlichen Pläner parallelen Schichte angehören 
mögen. 



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einen längschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 3 

das Vorkommen bei Osterfeld und Dülmen, das Geinitz in seinem Werke „über das Quadersandsteingebirge 
in Deutschland (1849, p. 93)" anführt, brachte ich nichts Näheres in Erfahrung. 

Endlich M'Coy (On the Classification ofsome british fossil crustacea in the annals and magazine of 
natural history, 1849, No. 23, p. 330 — 332) erhebt den in Rede stehenden Krebs zum Typus einer selbst- 
ständigen Gattung, welche sich von Meyer's Clytia durch die bedeutendere Körpergrösse , den langen 
seitlich gezähnten Schnabel des Kopfbrustschildes und die dornigen Höcker desselben und der Scheeren- 
fiisse unterscheidet. Er nennt sie nach dieser Bewaffnung der Schale Enoploclytia und erwähnt noch zwei 
andere ihr zugehörige Arten: E. ImageiWC. aus der weissen Kreide von Burwell und Maidstone und 
E. brevimana W C. aus der unteren Kreide von Cherry-Hinton bei Cambridge. 

In der kurzen Charakteristik der Gattung Enoploclytia beschreibt er alle Körpertheile mit Ausnahme 
der Kaufüsse, Fühler und vollständigen Gangfüsse. Von letzteren vermuthet er irrthümlicherweise , dass 
alle vier Paare ein einfaches klauenförmiges Endglied haben mögen. 

Von En. Leachii scheint er jedoch ausser den schon von Mantel 1 beschriebenen Bruchstücken keine 
anderen Theile zu kennen. Wenigstens führte er Nichts von denselben an und der Gattungscharakter scheint, 
was den Hinterleib betrifft, nur nach den anderen zwei Arten entworfen zu sein, da derselbe auf unsere 
Species wenig passt. Wie M'C o y aber Enoploclytia Leachii als der lebenden Gattung Galathea zunächst 
verwandt ansehen konnte, ist unbegreiflich. Er scheint dazu durch den stark gezähnten Schnabel, den 
kleinen Hinterleib (was aber von E. Leachii ganz unrichtig ist) und die ungetheilten äusseren Lappen 
der Schwanzflosse verleitet worden zu sein, ohne die übrigen, sehr abweichend gebildeten Theile zu 
berücksichtigen. Unsere Species steht vielmehr den Gattungen Homarus und Nephrops nahe, ohne mit 
einer von beiden ganz überein zu stimmen. Ich werde dies später, nach gegebener Beschreibung der 
Clytia Leachii, genauer begründen. 

Meiner Beschreibung, die mehrere früher nicht bekannte Details umfasst, liegen zahlreiche mehr 
weniger vollkommen erhaltene Exemplare von drei verschiedenen Fundorten zu Grunde. Die zahlreichsten 
stammen aus dem Planer des weissen Berges von Prag und befinden sich theils in der Sammlung des Herrn 
Hofrathes , Ritters von Sacher (Fig. 4), theils des Herrn J. Barrande (Fig. 5,6,9), theils des k. k. 
Universitäts-Minerah'en-Cabinetes (Fig. 1), theils des böhmischen Museums (Fig. 2, 10). Die (Fig. 3, 8) 
abgebildeten Exemplare aus dem Pläner von Strehlen in Sachsen wurden mir vom Herrn Professor 
Dr. Geinitz gefälligst mitgetheilt '). Das Original der Fig. 7 aus dem Pläner von Hundorf bei 
Teplitz gehört der fürstlich Lobko witz'schen Sammlung in Bilin an, woher es mir von dem Herrn 
Custos Rübe seh zu wiederholter Untersuchung freundschaftlichst dargeliehen wurde. Die vollkom- 
menen, naturgetreuen Zeichnungen sind von der Hand des Herrn Sax, am hiesigen physiologischen 
Institute. 



Es liegt nur ein einziges Exemplar vor, an welchem man die Länge des ganzen Thieres und das 
Längenverhältniss des Kopfbrustschildes zum Hinterleib entnehmen konnte. Das Fig. 4 abgebildete misst 
0,163 in die Länge von der Spitze des Stirnschnabels bis zum hinteren Rande der Schwanzflosse. Davon 
kommen 0,075 auf die Länge des Cephalothorax , und beiläufig 0,088 auf jene des Hinterleibes; mithin 
verhalten sich Hinterleib und Cephalothorax ohngefähr wie 1,16 : 1, — ein Verhältniss , welches von 
dem bei Homarus (1,2:1) und Nephrops norvegicus (1,3: 1 im Mittel) nicht wesentlich abweicht. 



') Der Fig. 3 dargestellte grosse Cephalothorax nebst einer Scheere wurde schon von meinem Freunde Ge in itz früher abgebildet in 
„Charakt. des böhin. Kreidegeb." Taf. 9, Fig. 1. 

1 * 



4 A. Em. Reuss. über Clytia Leachi Ras., 

An dem Exemplare auf Fig. 1 , ist der nur in seinen Contouren undeutlich erhaltene Hinterleib nach 
unten eingeschlagen. Das ohngefähre Verhältniss desselben zum Kopfbrustschild stellt sich wie 1,2:1 
heraus , also beinahe wie oben. 

Nimmt man nur auf die absolute Grösse Rücksicht , so würde das auf Fig. 3 dargestellte Exemplar, 
wenn es nach dem eben angegebenen Verhältnisse ergänzt wird, eine Totallänge des Körpers ohne 
Scheeren von 0,182 ergeben. 

An allen vorliegenden Exemplaren ist das Kopfbrustschild mehr weniger verdrückt, theils von den 
Seiten, theils von oben, theils in schräger Richtung. Es ergibt sich jedoch klar, dass dasselbe lang-oval 
sei, mit geradlinigem gerundeten Rücken und convexen, etwas zusammengedrückten Seiten. Nach vorne 
verschmälert es sich allmählich bis zur scharfen Spitze des Schnabels , erreicht seine grösste Rreite hinter 
dem letzten Drittheil , wird dann wieder etwas schmäler und endet, rasch abgestutzt, in dem hinteren, zur 
Aufnahme des Hinterleibes bestimmten , tiefen , halbmondförmigen Ausschnitt. Die Rreite verhält sich zur 
Länge beiläufig wie 7:16. Jedoch wechselt dies Verhältniss bedeutend. (Rei Homarus ist es im Mittel 
wie 1:2, bei Nephrops norvegicus wie 1 : 2,7.) 

Die Seitenränder sind, sowie der Hinterrand, zu einem, besonders an letzterem, breiten Saume 
verdickt, der neben sich nach innen eine schmale, aber sehr deutliche Furche hat. Reide zusammen messen 
am Hinterrande beiläufig 0,0025 in der Rreite. Im vorderen Theile des Seitenrandes verschwinden Leiste 
und Furche allmählich. 

In der Mitte des Vorderrandes verlängert sich das Kopfbrustschild zu einem sehr spitzen , schmal-drei- 
eckigen Schnabel (Fig. 2), der, von dem Rande des Orbital-Ausschnittes an gemessen, wenig mehr als 
0,011 Länge hat. Ausser der sehr scharfen, 0,003 langen Endspitze trägt er auf jeder Seite drei spitze 
Dornen, von denen der vorderste der längste, der hinterste der kürzeste ist. Die obere Fläche des 
ganzen Schnabels zeigt, wie bei Homarus, eine tiefe, mittlere Längsfurche, die beiläufig in gleicher 
Linie mit dem hinteren Seitendorne an einem in der Mittellinie gelegenen kurzen, dornigen Höcker endigt, 
hinter welchem sich in einiger Entfernung und in gerader Linie noch ein zweiter kleinerer befindet. 

Nach aussen neben dem Stirnschnabel des Cephalothorax liegt beiderseits der ziemlich tiefe Orbital- 
Ausschnitt (Fig. 2), der über dem äusseren Winke] von einem starken, gerade auswärts gerich- 
teten, an der Rasis dicken, spitzen Dorne von fast 0,0045 Länge begrenzt wird. 

Die obere Fläche des ganzen Cephalothorax wird durch zwei über die ganze Rreite desselben ver- 
laufende tiefe Querfurchen in drei deutlich begrenzte Regionen geschieden, von denen die hinterste die 
grösste, die vorderste die kleinste ist (Fig. 1, 2, 3, 4, 5). 

Die vordere Region endet nach rückwärts in einem in der Mitte mit sehr kurzer und stumpfer Spitze 
versehenen und mit der Convexität nach hinten gerichteten flachen Rogen und lässt ausser einigen undeut- 
lichen Erhöhungen und Vertiefungen keine deutlichen Regionen unterscheiden. Nur bemerkt man im hin- 
teren Theile eine breite aber sehr kurze Furche, die beiläufig in der Mitte jeder Seitenhälfte der vorderen 
oder Nuchalfurche entspringt, aber sehr bald nach vorne endigt (Fig. 1, 2). Dieselbe furchen- 
artige Depression ist auch bei den von Meyer beschriebenen Clytien sichtbar, z. D. bei Clytia ventrosa 
Myr. (1. c. Taf. 4, Fig. 29, b). Sie deutet gleichsam die Grenze zwischen der vorderen seitlichen Leber- 
gegend und der Magengegend an. 

Die mittlere Region des Cephalothorax wird rückwärts von der, wie es scheint, etwas weniger tiefen 
hinteren oder Rranchialfurc he begrenzt, welche mit ihren Seitentheilen schräger nach unten verläuft, 
so dass die Mittelregion in ihren Seitentheilen schmäler ist als im Rückentheile. Die Rranchialfurche ist 
doppelt und ihre beiden Schenkel schlicssen, wie bei Clytia ventrosa (Meyer, 1. c. Taf. 4, Fig. 29, a), eine 
schmale, gabelförmige Erhöhung ein, die, sich verschmälernd, nicht ganz den Seitenrand des Kopfbrustschildes 



einen langsehwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 5 

erreicht, indem die Branchialfurche in die Nuchalfurche noch vor ihrem Ende einmündet. Die beiden Hälften 
dieser gabelförmigen Region stossen in der Rückenlinie unter einem Winkel zusammen, der 90° wenig 
übersteigt, in einem Punkte, welcher beiläufig in der Mitte zwischen der Nuchalfurche und dem Hinterleibs- 
Ausschnitte gelegen ist (Fig. 1, 2, 3, 5). 

An beiden Seiten der Mittelregion des Kopfbrustschildes wird ein kleiner Theil durch eine von 
hinten nach vorne verlaufende Furche, die, aus der Branchialfurche entspringend, in die Nuchalfurche 
einmündet, abgegrenzt. Er verlängert sich nach vorwärts unter die vordere Region des Cephalothorax. 
Unmittelbar über der genannten Verbindungsfurche erhebt sich die Mitteliegion zu zwei stumpfen Höckern, 
von deren vorderem sich eine seichte Furche nach oben und hinten bis in die Branchialfurche fortzieht 
(Fig. 1, 3, 4, 5). Eine ganz ähnliche Bildung nimmt man an Clylia ventrosa von Meyer wahr. 

Die grösste Ausdehnung unter den drei Regionen des Kopfbrustschildes besitzt die hintere. Sie ist 
vorne durch die hintere Spitze der Mittelregion , hinten durch den Ausschnitt für die Insertion des Hinter- 
leibes, welcher gegen die Rückenlinie eine fast rechtwinkelige Richtung hat, ausgeschnitten. Man vermag 
an ihr keine besonderen Erhöhungen oder Vertiefungen zu unterscheiden. 

Die ganze Oberfläche des Cephalothorax ist mit zerstreuten, spitzen Knötchen und Höckerchen 
besetzt, welche in der hinteren Region am kleinsten, aber auch am dichtesten zusammengedrängt sind. 
In der mittleren , besonders aber in der vorderen Region sind zwischen ihnen vereinzelte , weit grössere, 
spitzdornige Höcker eingestreut , welche eine ziemlich regelmässige Lage haben. Acht derselben bilden in 
der Mittellinie des vorderen Abschnittes eine Ellipse, deren längere Axe mit der Längs-Axe des Cephalotho- 
rax zusammenfällt. Auf jeder Seite dieser Ellipse , steht ein Paar eben solcher Körner hinter einander. 
Am hinteren Seitentheile bemerkt man constant vier dergleichen rautenförmig- gestellte. Der die Seiten- 
ränder und den Hinterrand einfassende Saum ist, wie die ihn begleitende Furche, ganz glatt. 

Nur an zwei der mir jetzt zur Untersuchung zu Gebote stehenden Exemplaren, so wie an dem schon 
vor längerer Zeit in meiner Monographie der böhmischen Kreidepetrefactcn (Taf. 42, Fig. 3) abgebildeten, 
Sr. kaiserlichen Hoheit dem Erzherzoge Stephan angehörenden Exemplare sind Bruchstücke des Hin- 
terleibes erhalten, und auch da sind sie nur von der Rückenseite sichtbar. Fig\ 4 zeigt wohl sämmt- 
liche 7 Hinterleibsringe in Beziehung auf ihre wechselseitige Abgrenzung ziemlich deutlich erkennbar. 
Wegen vielfacher Verdrückung und sonstiger sehr unvollkommener Erhaltung ist aber von ihrer übrigen 
Beschaffenheit, sowie von ihrer seitlichen Begrenzung Nichts wahrzunehmen. Es lässt sich daher auch über 
die Breite des Hinterleibes nichts Bestimmtes aussprechen , jedoch scheint er bedeutend schmäler zu sein 
als der Cephalothorax und sich nach hinten nur allmählich und wenig zu verschmälern. Keineswegs dürfte 
aber die Breitendifferenz so bedeutend sein, als M'Coy in seiner Charakteristik der Gattung Enoploclytia 
angibt. Noch weniger stimmt die Länge des Hinterleibes mit der Angabe von M'Coy überein. Der Hinter- 
leib ist nicht nur nicht kürzer als der Kopfbrustschild, sondern, wie schon oben dargethan wurde, noch 
etwas länger, ganz im Widerspruche mit der von M'Coy abgebildeten Enoploclytia brevimana , welche 
wohl mit Clytia Leachi nicht zu einem und demselben Genus gehören dürfte und ohne Zweifel den Gala- 
theen näher steht. 

An dem Fig. 5 abgebildeten Exemplare sieht man die vordersten vier Hinterleibssegmente seitlich 
zusammengedrückt. Alle sind der Quere nach in zwei Bänder getheilt, ein vorderes schmäleres, mehr 
deprimirtes und ein hinteres breiteres und höheres. Beide setzen treppenförmig an einander ab und sind 
durch eine Querfurche geschieden. Das vordere schiebt sich bei der Einlenkung unter das hintere des 
nächstvorliegenden Binges. 

Das erste Hinterleibssegment unterscheidet sich in seiner Form wesentlich von den übrigen. Es ist, 
besonders das hintere Querband, viel kürzer; beide Querbänder sind nicht so deutlich von einander 



() A. Em. Reu ss. Über Clytia Leachi Rss., 

abgegrenzt. Zugleich ist der ganze Ring viel schmäler und das hintere Querband verlängert sich nach 
unten nur in einen kurzen, am freien Ende abgestutzten Fortsatz, der bei gekrümmtem Hinterleibe von 
dem grossen Fortsatze des zweiten Hinterleibssegmentes fast ganz umfasst werden musste , wie es auch 
bei Homarus und Astacus der Fall ist. 

Das zweite Segment ist viel breiter; der Seitenfortsatz seines hinteren Querbandes sehr gross, am 
unteren Rande schräg abgestutzt, daher breit dreieckig, der hintere Rand steigt gerade abwärts und fällt 
mit dem hinteren Rande des ganzen Ringes in eine Linie zusammen. 

Die nächstfolgenden zwei Segmente stimmen mit dem vorigen überein; nur ist der seitliche, zapfen- 
förmige Fortsatz schmäler und bildet ein spitzeres Dreieck, dessen hinterer Rand etwas ausgeschweift 
ist; — das Taf. 42, Fig. 3, meiner „Monographie der böhmischen Kreideversteinerungen" abgebildete 
Exemplar bietet die vorletzten zwei Hinterleibssegmente und ein Rruchstück des vierten, sämmtlich von 
oben niedergedrückt dar. Man entnimmt daraus die beinahe viereckige Form der Hinterleibsringe. Am dritt- 
letzten (fünften) ist der seitliche Fortsatz noch schmäler dreieckig , mit noch schieferem , mehr ausge- 
schweiftem hinteren Rande. 

Das sechste Segment ist länger als das vorhergehende , in seinem Körper fast ganz vierseitig. Der 
noch kleinere spitz-dreieckige Seitenfortsatz nimmt nur den vorderen Theil ein, während der hintere den 
Ausschnitt bildet , an welchem sich die äusseren paarigen Schwanzflossen ansetzen. Überhaupt stimmt der 
Bau der Hinterleibsringe, so weit er aus den vorliegenden Bruchstücken ersichtlich ist, ganz mit jenem bei 
Homarus überein. 

Von der Schwanzflosse sind nur unbedeutende Fragmente erhalten. An dem eben beschriebenen 
Exemplare bemerkt man einen Theil des ziemlich grossen letzten Hinterleibssegmentes , — der mittleren 
unpaarigen Schwanzflosse, deren Hinterrand aber abgebrochen ist. Es stellt sich jedoch deutlich heraus, 
dass dieselbe aus einem einzigen Stücke besteht , wie bei Homarus und nicht durch eine Quernath in zwei 
Stücke geschieden ist, wie bei Astacus. Zugleich ist an demselben Exemplare ein Theil der linken inneren 
paarigen Schwanzflosse überliefert, an welchem man die neben dem flachen Längskiel vorlaufende kurze 
Längsfurche erkennt. 

Auch das Fig. 4 dargestellte Individuum zeigt Spuren der mittleren unpaarigen und der linken 
inneren paarigen Flosse, aber nur in undeutlichem Abdrucke. An ersterer erkennt man ebenfalls einen 
schwachen Längskiel. 

Von der äusseren paarigen Flosse ist nirgends etwas erhalten ; es lässt sich daher auch nicht bestim- 
men , ob dieselbe durch eine Quernath in zwei Stücke getheilt wird, obwohl dies sehr wahrscheinlich ist. 

Endlich zeigt auch die Platte auf Fig. 1 die sehr undeutlichen Umrisse des gegen den Unterleib 
eingebogenen sehr verdrückten Hinterleibes. 

Über die Unterseite des Körpers geben die zu Gebote stehenden Exemplare fast keinen Aufschluss, 
da beinahe überall nur die Rückenseite entblösst ist. Nur das einzige sehr fragmentäre Exemplar, Fig. 6, 
liegt am Rücken und zeigt, dass das Sternum sehr schmal-linear ist und sich nach rückwärts zu keiner 
Platte ausbreitet, wie man es bei den Galatheiden beobachtet. Auf Fig. 2 sieht man unterhalb des Cephalo- 
thorax den Abdruck des unteren Bogens eines der Hinterleibssegmente, der, nach diesem Abdrucke zu 
urtheilen, in der Mittellinie einen eben solchen ziemlich langen , spitzen Dorn getragen haben muss , wie 
wir ihn bei Homarus vulgaris beobachten. 

Unter den Extremitäten sind die Sehe erenfüsse am häufigsten, wenn auch gewöhnlich nur in 
Bruchstücken erhalten. In ihrer Totallänge betrachtet, sind sie beiläufig doppelt so lang als das Kopfbrustschild. 

Über die oberen Glieder derselben lassen sich nur sehr unvollkommene Daten entnehmen. Das sehr 
kurze erste Glied — die Hüfte — ist nirgends deutlich genucr überliefert worden. 



einen langschwänxigen Dekapoden der Kreideformation. 7 

Das zweite, — das lange Glied von Meyer's (Femur) ist an dem Exemplare Fig. 5, 0,030 lang 
und 0,010 breit (an Fig. 7, 0,034 lang, bei 0,017 breit), massig gewölbt; verschmälert sich nach 
unten etwas und endigt mit einer schiefen, nach innen gerichteten grossen Gelenkfläche, die von einer 
stark erhabenen Leiste eingefasst zu sein scheint. 

Das dritte Glied — das kurze Glied von Meyer's (Tibia) — misst an Fig. 6 und 5 beiläufig 0,012 in 
die Länge sowohl als auch in die Breite, an Fig. 7, 0,017 in die Länge, bei 0,016 Breite. Es ist stark 
gewölbt, am oberen Ende mit einer schräg nach aussen stehenden Gelenkfläche versehen. Das untere Ende, 
dessen Gelenk ausgehöhlt ist, erscheint ebenfalls von einer erhöhten Leiste eingefasst. In der Mitte bemerkt 
man einen ziemlich tiefen Ausschnitt, so dass das untere Ende einen grossen rundlichen, stark vorspringen- 
den Höcker bildet (Fig. 7, und Reuss, Verstein. der böhmischen Kreideformation Taf. 6, Fig. 3). 

Die Scheeren endlich zeichnen sich bei unserem Fossil durch eine sehr bedeutende Grösse aus, 
scheinen aber, wie auch Quenstedt bemerkt, nicht immer beiderseits gleich zu sein. An dem eben 
erwähnten (1. c. Taf. 6, Fig. 3 , abgebildeten Exemplare aus dem Plänersandstein von Tfiblic hat die 
linke Scheere grössere Dimensionen als die rechte. Sie besitzt eine Länge von 0,104, bei 0,028 Breite 
des Carpus, an einem anderen kleineren Individuum (Fig. 6) 0,066, bei 0,015 Carpusbreite. Eine 
isolirte Scheere (Fig. 9) misst 0,072 in die Länge, wobei aber noch die Spitze zu fehlen scheint, bei 
0,022 Handbreite; eine zweite nicht ganz vollständige Scheere aus dem Plänerkalk von Kutschlin 
0,065 in der Länge, 0,021 in der Breite. Die beiden Scheeren aus dem sächsischen Pläner (Fig. 3, 8), 
sind, trotzdem dass an Spitzen noch ein Stück fehlt, doch beiläufig 0,120 lang, bei 0,030 — 0,036 
Breite des Carpus. Bei vollständigen Scheeren scheint sich mithin die Breite zur Länge zu verhalten, 
wie 1 : 3,5—4,3. 

Der Carpus ist ziemlich vierseitig, in der Mitte am breitesten, gegen beide Enden sich etwas 
verschmälernd, massig zusammengedrückt, an den Seitenflächen gewölbt, an den Seitenrändern win- 
kelig (Fig. 10). Er ist verhältnissmässig kurz, denn im Mittel beträgt seine Länge nur ein Drittheil 
der ganzen Scheerenlänge, so dass mithin die Finger doppelt so lang sind, als die Handwurzel. 

Beide Finger, der bewegliche und unbewegliche, sind sehr lang (bis 0,080), dabei dünn und schlank, 
wenig zusammengedrückt, beinahe ganz gerade. Die einander zugekehrten Ränder sind, gleich einer 
Säge, mit einer Reihe spitzer, starker Dornen besetzt, die im geschlossenen Zustande der Scheere zwischen 
einander einzug-reifen scheinen (Fig. 3, 9). 

Auch die Ränder der übrigen Scheerenfussglieder, mit Ausnahme der Coxa , insbesondere aber der 
Carpus, sind mit entfernt stehenden dicken Dornen bewaffnet. Die übrige Oberfläche zeigt eine ähnliche 
Sculptur, wie der Cephalothorax; sie ist nämlich mit zahlreichen feinen Höckern besetzt, zwischen welche 
grössere kurze Dornen eingestreut sind, die auf der Oberseite in ziemlich regelmässigen Reihen stehen. 
Auf dem langen Gliede scheinen sie am sparsamsten und am wenigsten entwickelt zu sein ; so wie sie auch 
auf der Unterseite überhaupt weniger hervortreten , als auf der oberen. 

An den Fingern bemerkt man statt der Dornhöcker auf jeder Seitenfläche zwei Längsfurchen, in 
denen kleine, ungleiche Gruben an einander gereiht sind (Fig. 3, 9). Es wird dies schon vonMantell 
ausdrücklich angeführt (Geol. of the South-Downs, Taf. 29, Fig. 4; Geol. of the South-East of Engl. 
p. 128, Fig. 1). — Die eigentlichen Gangfüsse sind nirgends vollkommen erhalten. Einzelne aus 
dem Zusammenhange gerissene Bruchstücke derselben findet man zwar auf mehreren der vorliegenden 
Gesteinsplatten; bemerkenswerthere Reste aber bieten nur die Platten Fig. 1 und Fig. 6, besonders 
erstere. 

Die Gangfüsse waren überhaupt dünn und zusammengedrückt, an der Oberfläche nur mit entfernten 
kleinen, körnigen Höckerchen besetzt. 



8 Ä. Em. Reuss. Über Chjtia Leachi Rss., 

Das Exemplar, Fig. 1 , zeigt ausser etwas undeutlichen Resten des ersten, zweiten, dritten und vierten 
Gliedes der drei hinteren linken Gangfüsse noch die Scheere des ersten und zweiten Gangfusses derselben 
Seite. Besonders die erste ist gut erhalten, die des zweiten nur im Hohl- Abdrucke vorhanden, lässt sich 
aber aus der ebenfalls vorliegenden Gegenplatte theilweise ergänzen. Die Scheeren sind schlank, zusam- 
mengedrückt und messen in der Gesammtlänge 0,028 bei einer Handbreite von 0,0055. Die Hand ist 
0,017 lang, während auf die Fingerlänge nur 0,011 kommt. Übrigens sind sie langgezogen und schmal- 
vierseitig , mit beinahe parallelen Seitenrändern. Die Finger sind dünn , etwas zusammengedrückt und 
nur gegen die Spitze hin sehr schwach gebogen. 

Auch das Fig. 4 abgebildete Exemplar zeigt einen Theil des ersten Gangfusses beider Seiten , aber 
zerdrückt und in Beziehung auf die Form sehr entstellt. Mannimmt daran die beiläufig 0,024 langeScheere, 
das 0,011 lange und 0,005 breite vierte Glied und einen Theil des dritten Gliedes wahr. 

Auf der Fig. 2 abgebildeten Platte sind neben dem Cephalothorax Stücke sämmtlicher vier Gang- 
füsse der linken Seite sichtbar, an welchen man sich überzeugt, dass der letzte Gangfuss ebenso gebildet 
sei, wie die übrigen, nicht aber rudimentär, wie bei den Galatheiden. 

Das in meiner Monographie der böhmischen Kreideformation (Taf. 42, Fig. 3) abgebildete Exemplar 
zeigt auf der linken Seite die klaueaförmigen Endglieder zweier hinterer Gangfüsse (e, e') , welche spitz- 



■o 1 



konisch und schwach gebogen sind. 



Von den Kauwerkzeugen ist ausser Bruchstücken des hintersten Paares der Kaufüsse nichts 
bekannt geworden. Nur auf der Platte Fig. 4 sind dieselben beinahe ganz erhalten bis auf das nur mit 
einem kleinen Theile sichtbare kurze, erste Glied. Die Länge der Glieder ist folgende, und zwar: 



des zweiten. 


. 0,009 


des fünften . 


. 0,005* 


des dritten . 


. 0,006 


des sechsten 


. 0,006. 


des vierten . 


. 0,006 







Die grösste Breite (des zweiten Gliedes) beträgt 0,005. Die äussersten Glieder sind im Querschnitte 
dreikantig, alle scharfkantig und an den Kanten mit Sägezähnen besetzt. Das letzte Glied ist klauenförmig 
und sehr schwach gekrümmt. 

Aus Fig. 1, wo ein Theil des linken hintersten Kaufusses erhalten ist, geht hervor, dass nebst den 
Randzähnen sich am oberen Ende eines jeden Gliedes jederseits ein 0,003 langer, sehr spitzer Dorn befindet. 

Von den Fühlern ist an beinahe allen Exemplaren fast keine Spur wahrzunehmen. Nur an Fig. 7, 
aus dem Plänerkalk von Hundorf, sieht man die 0,060 lange, dünne Geissei des linken äusseren Fühlers, 
die aber an der Spitze noch abgebrochen zu sein scheint. Mantell führt an (Geol. of the South-East of 
Engl., 1833, p.122), dass sie auf schuppigen Stielen sitzen, ohne etwas zur näheren Beschreibung beizufügen. 

Fasst man sämmtliche eben beschriebene Charaktere zusammen, so ergibt es sich unzweifelhaft, dass 
unser fossiler Krebs zu jener Abtheilung der Langschwänzer gehöre, welche man mit dem Namen der 
Astacinen belegt und deren Repräsentanten unser gemeiner Flusskrebs (Astacus fluviatilis) und der 
Hummer (Homarus vulgaris) sind. Der ganze Habitus des Körpers , das Verhältniss des Hinterleibes zum 
Kopfbrustschilde, die in allen Theilen feste, kalkige Schale , die Beschaffenheit der Scheerenfüsse , das Vor- 
handensein von Scheeren an den ersten Paaren der eigentlichen Gangfüsse, die Bildung der Schwanzflosse, 
das linienförmige Brustbein u. s. w. sprechen deutlich genug dafür. Wenn auch mehrere andere der wich- 
tigsten Familiencharaktere an den nur unvollständig erhaltenen Fossilresten nicht erkannt werden 
können , so ist man dagegen im Stande auf die Abwesenheit vieler, andere Makrourenfamilien bezeichnenden 
Charaktere mit Sicherheit zu schliessen , — ein negatives Merkmal , das bei fossilen Resten so oft zu Hülfe 
genommen werden muss und immerhin von hohem Werthe ist. 



einen langschioänzigen Dekapoden der Kreideformation. 9 

Geht man die lebenden Gattungen der Astacinen durch und vergleicht man sie mit unserem fossilen 
Thiere, so überzeugt man sich , dass dasselbe dem Homarus am nächsten steht. Vom Astacus entfernt es 
sich durch den an den Seitenrändern mit mehreren Dornen besetzten Stirnschnabel; durch den nicht in die 
Quere gegliederten Mittellappen der Schwanzflosse, — Merkmale, die es mit Homarus gemeinschaftlich 
hat, mit welchem es auch in seinem robusten Bau, der starken Entwickelung und den Randdornen der 
Scheere , der Form der Hinterleibsringe , der Gegenwart eines Dorns auf der Mitte des unteren Bogens 
der Hinterleibsringe u. s. w. übereinkommt. Am wenigsten Ähnlichkeit besitzt es mit Nepbrops , der sich 
durch Form und Sculptur des Kopfbrustschildes und der Hinterleibsringe, so wie durch die langen aber 
dünnen , prismatischen Scheeren leicht unterscheidet. 

Stellt man eine genaue Vergleichung mit den ziemlich zahlreichen fossilen Astacinengattungen an, so 
fällt sogleich eine beinahe vollkommene Übereinstimmung mit der von Herrn, von Meyer errichteten Gat- 
tung Clytia (Klytia), die ihre ältesten und meisten Repräsentanten in derOolithenperiode zählt, in die Augen, 
Wie bei unserem Krebse verlängert sich der lange, seitlich etwas zusammengedrückte, geradrückige 
Cephalothorax vorne in einen spitzen Stirnschnabel ; auch bei Clytia wird derselbe durch zwei Quer- 
furchen in drei hinter einander liegende Regionen abgetheilt, welche mit Ausnahme der dem Seitenrande 
zunächst gelegenen Theile keine markirteren Erhabenheiten oder Vertiefungen zeigen. Bei beiden ist die 
hintere Querfurche doppelt und schliesst eine schmale gabelförmige Partie ein; bei beiden zeigt sich an den 
Seitentheilen der mittleren Region dieselbe , beide Hauptquerfurchen verbindende kurze Längsfurche und 
über derselben zwei kleine Höcker. Bei beiden ist das Kopfbrustschild von einem glatten Saum und einer 
nebenliegenden Furche eingefasst. Kurz, es lässt sich eine genaue Übereinstimmung beider im Baue des 
Cephalothorax mit Bestimmtheit nachweisen. 

Ich habe daher auch schon 1845 in meiner Monographie der böhmischen Kreideversteinerungen den 
Astacas Leachii Mant. unbedingt zur Gattung Clytia gezogen und als Clytia Leachii beschrieben. Auch 
jetzt, nach Untersuchung zahlreicherer und theilweise besser erhaltener Exemplare, kann ich von dieser 
Ansicht nicht abgehen. Der Umstand, dass Clytia Leachi grösser ist, als AieClytie?i der Juraformation, dass die 
Oberfläche des Kopfbrustschildes und der Scheere mit Höckern und Dornen besetzt, dass der Stirnschnabel 
grösser und seitlich deutlich gezähnt ist, kann wohl keinen giltigen Grund abgeben, unsern Krebs von Clytia 
zu trennen und, wie M'Coy in der jüngsten Zeit gethan hat, zum Typus einer eigenen Gattung zu erheben. 

Solche Differenzen, wie die oben angedeuteten, können wohl die Sonderung in Species rechtfertigen, 
und finden sich mehrfach , selbst in noch höherem Grade , bei Arten , die doch allgemein in einer und der- 
selben Gattung vereinigt werden. Ja es weichen die von M'Coy selbst in der Gattung Enoploclytia ver- 
einigten Species viel mehr und viel wesentlicher von einander ab, so dass ich, so weit es sich aus der ge- 
gebenen rohen Abbildung von En. brevimana schliessen lässt, meine Zweifel an der Rechtmässigkeit dieser 
Vereinigung nicht verhehlen kann. Wollte man aber jedes unwesentliche Merkmal für hinreichend zur Auf- 
stellung selbstständiger Gattungen erachten, so würde man sich bald genöthigt sehen, fast aus jeder einzelnen 
Species ein Genus zu machen ; es würde dies zu einer höchst bedauerlichen Zersplitterung führen und die 
ohnehin schon sehr schwierige Übersicht noch mehr erschweren. 

Von der anderen Seite ist es Avohl aber auch nicht zu rechtfertigen , wenn man das Zusammen- 
ziehen der Arten und Gattungen zu weit treibt und, wie es Quenstedt noch in seinem neuen 
Handbuche der Petrefactenkunde thut, alle lebende und fossile Astacidengattungen wieder in das ein- 
zige Genus Astacus zusammenwirft. Es wird dadurch der Paläontologie kein Dienst erwiesen, da sie 
weder als ein blosses dienstwilliges Werkzeug der Geognosie, noch als eine blosse Gehülfin der Zoologie 
angesehen werden kann. Beide haben gleich gewichtige und gleich gegründete Ansprüche an sie zu richten. 

(Iteuss.) 2 



10 A. Em. Reuss. Über Clytia Leachi Rss., einen langschwänzigen Dekapoden der Kreideformation. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. 1, 2. Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag. 
„ 3. Aus dem Plänerkalk von Strehlen bei Dresden. 

„ 4, 5, 6. Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag. 
„ 7. Aus dem Plänerkalk von Hundorf bei Teplitz. 

„ 8. Aus dem Plänerkalk von Strehlen bei Dresden. 

„ 9, 10. Aus dem Pläner des weissen Berges bei Prag. 
„ 11. Ideale Zusammenstellung der bisher bekannten Theile des Krebses. 

„ 12. Dieselbe, in der Seitenansicht. 

a. Stirnstachel des Cephalothorax. 

6. Orbitaldorn. 

c. Nuchalfurche. 

d. Branehialfurche. 

e. Hintere Gabelfurche. 

f. Von der Branehialfurche gegen die Seitenhöcker (h) des Mitteltheils des Kopfbrustschildes auslaufende seichte 
Furche. 

g. Kurze von der Nuchalfurche nach vorne verlaufende Furche. 

i. Seitentheil des mittleren Abschnittes des Cephalothorax, der sich nach vorwärts unter den vorderen Abschnitt 

desselben erstreckt. 
k. Glatter Saum des Kopfbrustschildes. 

I. Langes Glied (Femur) der Scheerenfüsse. 
m. Kurzes Glied (Tibia) der Scheerenfüsse. 
n. Carpus der Scheere. 
o. Unbeweglicher Finger. 
p. Beweglicher Finger der Scheeren. 
q, (/', q", (/'". Gangfüsse. 

r, r'. Scheeren der ersten zwei Gangfusspaare. 
s, s'. Klauenförmige Endglieder der hinteren zwei Gangfusspaare. 
t. Erster 
u. Zweiter 
v. Dritter 

ic. Vierter \ Hinterleibsring. 
x. Fünfter I 
y. Sechster V 
a. Siebenter J 

a. Unzertheilter Mittellappen der Schwanzfüsse. 
ß. Geissei der äusseren Fühler. 

■j. Hinterster Kaufuss. 

6\ Erstes, e. zweites, C drittes, ij. viertes, 3. klauenfönniges letztes Glied desselben. 



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Denkschriften der kjMcad.dMssenscli nurfhem.iiatunv: C'I.VI.Bd. 1854. 



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Denkschriften der kAkail. Ofäsensck.mafh.em.iiatnrw: Cl.M. Bd. J8. r >4. 



Neuss. Ueber'ClyliaLeachi liss. 



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I.itluiin r.'ii-li-^t'ilr. in tLk.k.Kofu.Staafsflnnjfcfim, 



Denkschriften der k.AkiHl.tlAVi'sseiiscIi.niatliPiii.nnfiinv.Cl.Al.Bil. 18 5 \. 



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T.if V 




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Diiik.s(lir.d.k.Akn(l.il.^'i.ss('iisfli. 



iaatkem.natum.Cl."Vr.Bd.l854. 



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