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Full text of "Die Oberflächengestaltung der schlesisch-böhmischen Kreide-Ablagerungen"

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MITTEILUNGEN 



der 








Band XXIV. 



Im Auftrage des Vorstandes horausgegeben 



von 



Dr. L. Friederichsen, 

Erstem Sekretär. 



Mit einem Porträt, 53 Abbildungen auf 27 Tafeln, einer Karte 

und 23 Figuren im Text. 



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HAMBURG. 
L. Friederichsen & Co., 

(Inhaber : Dr. L. u. R. F r i e d e r i c h 8 e n). 

Land- und Seekartenhandlung, 

geographischer und nautischer Verlag. 

Neuerwall 61. 

1909. 



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Alle Rechte vorbehalten, 



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Inhalt. 



Seite 

Kraus, Alois, Prof. Dr.: Zweiter Reisebericht aus Ceylon und Yorder-Indien. 1—30 

Lottermoser, Eckhard: Die Ergebnisse der Temperatur-Beobachtungen in 

Salvador und Süd-Guatemala 31—84 

Obst, Erich, Dr.: Die Oberflächengestaltung der sohlesisch-böhmischen 
Kreide-Ablagerungen. Mit 21 Abbildungen auf 11 Tafeln, einer 
Karte und 6 Figuren im Text 86—191 

Zahn, Gustav W.von, Dr.: Die zerstörende Arbeit des Meeres an Steilküsten. 

Mit 32 Original- Abbildungen auf 16 Tafeln und 16 Figuren im Text. 192—284 

Friederichsen, L, Dn: Georg von Neumayer + 285—297 

Petersen, Jon., Dr. : Carl Christian Gottsche f ■ • • 299—316 

Sitzungsberichte vom 1. Oktober 1908 bis 2 Dezember 1909 317—348 

Mitglieder Verzeichnis vom 1. Januar 1909 351—369 



Abbildungen. 

Porträt Georg von Neumayer's. 

Tafel I — XI: Abbildungen zu »Obst, Die Oberflächeugestaltung der schlesisch- 
böhmischen Kreide-Ablagerungen.« 

Tafel 12—27: Abbildungen zu »von Zahn, Die zerstörende Arbeit des Meeres 
an Steilkasten.« 



Karten. 



Tektonische Karte der schlesisch-böhmischen Kreide-Ablagerungen 



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Die 



Oberflächengestaltung 



der 



schlesisch- böhmischen 
Kreide* Ablagerungen 



(Ein Beispiel für die Einwirkung der Diluvialperiode auf das Relief 

der deutschen Mittelgebirge) 



Von Dr. phil. Erich Obst 

wissenschaftlichem Hilfsarbeiter am Kolonialinstitut in Hamburg 

(Seminar för Geographie) 



Mit 21 Abbildungen auf 11 Tafeln, einer Karte und 6 Figuren im Text 



Original »Vom 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Inhaltsverzeichnis. 



Einleitung 



Seite 
88 



Kapitel I. Der geologische Aufbau der schlesisch- 

böhmischen Kreideformation 90 — 107 

a) Adersbach und Weckelsdorf 91 

b) Heuscheuergebirge und Reinerz-Nesselgrunder 
Höhen 94 

c) Gebiet der Glatzer Neisse 104 

Kapitel IL Verwitterung und Abtragung im 

Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreide- 
formation 108 — 157 

a) Verwitterung der Kreidesandsteine 108 

b) Verwitterung der plänerartigen Gesteine . . 134 

c) Abtragung 138 

Kapitel III. Oberflächen- und Felsformen im 

Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreide- 
formation 158—188 

Nachtrag und Literaturverzeichnis 189 



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Vorwort. 

Die vorliegende Arbeit verdankt ihre Entstehung einer Exkursion 
des geographischen Seminars der Universität Breslau unter der 
Leitung von Herrn Prof. Dr. Passarge im Frühjahr 1907. 

Die mir gestellte Aufgabe beschränkte sich zunächst darauf, die 
eigentümlichen Lochbildungen, die wir an den Sandsteinfelsen der 
Kreideformation in der Heuscheuer wahrgenommen hatten, eingehend 
zu studieren. Bei der Arbeit im Gelände aber kam noch eine mannig- 
fache Reihe anderer interessanter Verwitterungsformen hinzu, so dass 
die Untersuchungen sich nicht allein den Lochbildungen zuwendeten, 
sondern auf die Oberflächen- und Felsformen der Kreideformation 
ausgedehnt wurden. 

Zu grossem Danke verpflichtet bin ich den Herren Professoren 
Passarge, Hintze l ) und Frech, *) die mir allezeit ihre Ratschläge 
zu teil werden Hessen und meine Arbeit in jeder Beziehung förderten. 

Auf mehreren meiner Reisen genoss ich die Unterstützung der 
von dem Verlagsbuchhändler Herrn Arnold Hirt in Leipzig dem 
geographischen Lehrstuhl der Universität gemachten Stiftung, wofür 
ich auch an dieser Stelle meinen ergebensten Dank sage. 

Die photographischen Aufnahmen habe ich zum Teil selbst auf- 
genommen, zum andern Teile verdanke ich sie meinem Freunde, 
Herrn H. Wolff in Breslau, der mich auf einer meiner Wanderungen 
durch das gesamte Gelände begleitete und in liebenswürdigster 
Weise einige Aufnahmen für mich anfertigte ; auch ihm gebührt mein 
aufrichtigster Dank. 

Hamburg, Mai 1909. 

E. Obst. 



l ) Direktor des mineralogischen Institute der Universität Breslau. 
*) Direktor des geologischen Instituts der Universität Breslau. 



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Einleitung. 

Die Kreidoabiagerungen, die wir vom Kloster Grüssau über Aders- 
bach und Weckelsdorf und weiter über die Heuscheuer bis tiel 
hinein in den Südosten der Grafschaft Glatz verfolgen können, gehören 
sämtlich der oberen Kreideformation an und sind somit als Sparen 
jener gewaltigen Überflutung der Kontinente aufzufassen, durch die 
der Beginn des Cenoman allenthalben gekennzeichnet wird und deren 
Reste wir nicht nur in den verschiedensten Teilen Europas, sondern 
auch in fast allen andern Kontinenten begegnen. l ) 

Die schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen sind bereits des 
öfteren der Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. 
Von den älteren Autoren wären hier Beyrich, 2 ) Geinitz, 8 ) Roth 4 ) 
und andere zu nennen, von den jüngeren Forschern Weithofer, 6 ) 
Gürich, 6 ) Petraschek, 7 ) Sturm, 8 ) Michael, 9 ) Leppla 10 ) und 
Flegel. 11 ) — Bei allen diesen Untersuchungen handelt es sich indessen 

*) Vergleiche E. Suess: Bau und Bild Oesterreichs, Wien 1903. Seite 166 
und F. Ko8smat: Paläogeographie. Göschen 1908. Seite 98/105 und Anhang Figur 5. 

8 ) E. Beyrich: Das Quadersandstein-Gebirge in Schlesien, Zeitschrift der 
Deutschen Geologischen Gesellschaft 1849 Bd. I. 

3 ) E. Geinitz: Das Quadersandstein-Gebirge in Deutschland. Freiberg 1849. 

4 ) J. Roth; Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Niederechlesischen 
Gebirge und den umliegenden Gegenden. Berlin 1867. 

a ) K. A. Weithofer; Der SchaUlar-Schwadowiteer Muldenflügel des nieder- 
schlesisch-böhmischen Steinkohlenbeckens. Jahrbuch der K. K. Geologischen 
Reichsanstalt, Wien 1897 Bd. 47 Heft 3. 

e ) Q. Qiirich; Erläuterungen zu der geologischen Übersichtskarte von Schlesien, 
Breslau 1890. 

7 ) W. Petraschek; Zur Geologie des Heuscheuergebirges. Verhandlungen der 
K. K. Geologischen Reichsanstalt, Wien 1903 No. 13. 

s ) F. Sturm ; Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und 
seine Fauna. Jahrbuch der Kgl. Preuss. Geologischen Landesanstalt, Berlin 1900. 

9 ) R. Michael; Cenoman und Turon in der Gegend von Cudova in Schlesien. 
Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Bd. 45. 

10 ) A. Leppla ; Geologisch-hydrographische Beschreibung des Niederschlags- 
gebiets der Glatzer Neisse. Abhandlungen der Kgl. Preuss. Geologischen Landes- 
anstalt N. F. Heft 32. 

u ) K. Flegel; Heuscheuer und Adersbach- Weckelsdorf, eine Studie Ober die 
obere Kreide im böhmisch - schlesischen Gebirge. Inaugural - Dissertation , 
Breslau 1905. 



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89 

ausschliesslich um die Lösung geologischer, häufig rein stratigraphischer 
Probleme. Aber auch die geographische Wissenschaft findet in jener 
herrlichen Landschaft mit ihren schwach welligen Ebenen und den 
schroffen Sandsteinmauern, mit den grotesken Felslabyrinthen und 
rätselhaften Felsformen immer neue Anregung; und zwar ist es vor 
allem die Oberflächengestaltung, welche eine Bearbeitung auf den 
ersten Blick ebenso interessant wie lohnend erscheinen lässt. 

Die Oberflächenform einer Landschaft ist im wesentlichen das 
Produkt zweier Faktoren : des geologischen Aufbaus einerseits, durch 
den die Oberflächenform in ihren grossen Zügen bestimmt wird, und 
der Verwitterung und Abtragung auf der anderen Seite, durch die 
die Kleinformen der Landschaft and die mannigfachen Felsgestalten 
herausmodelliert werden. 

Hiermit ist auch uns bereits der Weg angedeutet, den wir in 
unserer Betrachtung zu gehen haben werden. Wir beginnen mit 
einer zusammenfassenden Übersicht über den geologischen Aufbau 
des behandelten Gebietes, 1 ) wenden uns alsdann den Verwitterungs- 
vorgängen zu, wie wir sie im Gelände beobachten können, um endlich 
im Schlusskapitel eine Schilderung der Oberflächenform zu geben 
unter besonderer Betonung der Frage, ob die heute wirksamen 
Witterungsagentien imstande sind, derartige Formen zu schaffen, 
oder ob wir zu ihrer Erklärung andere, heute nicht mehr wirksame 
Kräfte anzunehmen gezwungen sind. 



') Hierbei konnten wir uns zum grössten Teil auf die oben angegebene 
Literatur stützen. Eigene neue Aufnahmen waren nur im Gebiet der Kreide 
von Kronstadt notwendig. 



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^ 



Kapitel I. 

Der geologische Aufbau der schlesisch- 

böhmischen Kreidefortnation. 

Grundlegend für alle späteren Arbeiten über die Geologie unseres 
Gebietes waren ohne Zweifel die vorzüglichen Forschungen Beyrichs, 
wonngleich ihn auch teilweise der Mangel an genügenden Aufschlüssen 
zu irrigen Vorstellungen über den Bau des Kreidegebirges führte. — 
Er nahm an, dass in der Zeit zwischen dem Rotliegenden uud dem 
Absatz der Kreideformation — die Zeit glaubte er wegen des Fehlens 
der dazwischen liegenden Formationen nicht näher bestimmen zu 
dürfen — grosse Veränderungen in den Formen des kristallinischen 
Gebirges eingetreten seien, und dass also beim Hereinbrechen des 
Cenoraanmeeres die Kreide in fertigen Buchten und Mulden zum 
Absatz gelangte. In diesem Sinne schreibt er: *) „Von Neu-Tscher- 
beney (nördlich von Cudova) bis über Neu-Biebersdorf hinaus sieht 
man die Kreideformation in unmittelbarer Berührung mit den von 
Graniten durchsetzten kristallinischen Schiefern, welche das böhmisch- 
glätzische Grenzgebirge zusammensetzen, und findet dann weiter die 
Kreideformation über die relativ niederen Teile dieses Gebirges aus- 
gebreitet wie eine unregelmässig begrenzte Decke, die nur zwischen 
Neu-Biebersdorf und Pohldorf jenseits Nesselgrund mit dem be- 
deutendsten Teil der Kreideablagerungen, dem Kreidegebiet Glatz- 
Schildberg, zusammenhängt; dieser mittlere Teil füllt also Busen 
und Buchten des kristallinen Schiefergebirges aus, während der öst- 
liche Teil der Kreideablagerungen, von Oberschwedeidorf und Putsch 
anfangend, die golfartig bis Schildberg reichende Gebirgseinsenkung 
erfüllt." — Die späteren Arbeiten haben allerdings zu dem Ergebnis 
geführt, dass diese Vorstellung nicht ganz den wirklichen Verhältnissen 
entspricht, dass die Kreideschichten nicht in fertigen Buchten des 



*) Beyrich in Roths Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Nieder- 
schlesischen Gebirge. Berlin 1867. Seite 354. 



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91 

Urgebirges zum Absatz gelangten und in diesen dann in ihrer ur- 
sprünglichen Lagerung verblieben sind, sondern vielmehr starke tek- 
tonische Störungen nach Ablagerung der Kroidesedimente statt- 
gefunden haben, bei denen die Kreideschichten ohne wesentliche 
Veränderung der horizontalen Lagerung in die Tiefe sanken, wo sie 
der Verwitterung und Abtragung widerstehen konnten, während die 
auf den hochgelegenen Gebirgsschollen verbleibenden Reste bald der 
Zerstörung anheimfielen. Eine genaue geologische Zeitbestimmung 
dieser Bruchperiode, welche übrigens das gesamte Sudetengebirge 
orfasste, ist schwierig; absolut genau ist nur die Angabe postcreta- 
ceisch und präglacial. Da nun die glacialen Studien Partschs zu 
dem Resultat geführt haben, dass die heutigen Talsysteme im Diluvium 
bereits vorhanden waren, so wird man folgern dürfen, dass das durch 
tertiäre Schollenbewegung geschaffene Gebirge während der Plio- 
cänperiode vollkommen Zeit zur Ausgestaltung gehabt hat. Für die 
hauptsächlichsten Dislokationen ist also die jüngste Tertiärzeit (Pliocän) 
zweifellos auszuschliessen *). Wenn man weiterhin mit Frech die 
sndetischen Brüche mit den nordwestböhmischen Dislokationen und 
Massenausbrüchen in Verbindung bringt, so gelangt man zu dem 
Schluss, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Bruchbildung etwa 
in der zweiten Hälfte des Miocän zum Abschluss gelangt ist und 
man somit ein oligocänes Alter der Verwerfungen annehmen darf. 
Zu demselben Resultat kommen übrigens auch Kalkowsky 2 ), 
Petraschek 8 ) und Gürich. 4 ) 

In ihrem geologischen Aufbau stellen die schlesisch-böhmischen 
Kreidesedimente keineswegs eine Einheit dar, so dass es zweckmässig 
erscheinen wird, eine Gliederung einzuführen und folgende drei Gebiete 
nacheinander zu behandeln: 

a. das Kreidegebiet von Adersbach-Weckelsdorf, 

b. das Heuscheuergebirge und die Reinerz-Nesselgrunder Höhen, 

c. das Neissegebiet. 

a. Das Gebiet von Adersbach -Weckelsdorf kann kurz gekenn- 
zeichnet werden als eine ausgeprägte Mulde ohne jegliche tektonische 



') Vergleiche hierzu F. Frech: Über den Bau der schlesischen Gebirge. 
Geogr. Zeitschrift Bd. 8, 1902. Heft 10. Seite 568. 

*) E. Kalkowsky : Über einen oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer 
Überschiebung bei Weinböhla in Sachsen. Abhandlungen der Naturwissenschaft 
liehen Gesellschaft Isis in Dresden, 1897. Seite 86. 

•) W. Petraschek: Über eine Diskordanz zwischen Kreide und Tertiär bei 
Dresden. Ebenda 1901. Seite 108. 

<) Gürich: a. a. 0. Seite 173. 



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92 

Störungen in ihrem Innern. Die Rinder der Malde bilden die kristallinen 
Schiefer nnd Tonschiefer zwischen Schatzlar - Knpferberg - Freiberg 
einerseits and im Nordosten das Gneismassiv der Eule. Innerhalb 
dieses Gebietes sanken die ursprünglich horizontal gelagerten Schichten- 
systeme in die Tiefe, so dass sich an den beiden Flugein, flach 
muldenförmig nach dem Innern zu einfallend, zunächst die Schichten 
des Karbon anlagern, dann folgt das Rotliegende und endlich die 
Kreideformation selbst (Tafel I. Abb. 1). Das Liegende der Kreide- 
schichten bilden in diesem Gebiet, wie aus dem eben Gesagten 
hervorgeht, entweder die roten dyadischen Sandsteine oder die Porphyr- 
und Melaphyrdecken des mittleren Rotliegenden. — Als unterstes 
Glied der Kreideformation tritt, naturgemäss nur an den Randern 
der Mulde, das Cenoman auf. Die liegendsten Schichten des Cenoman 
bestehen aus einem rötlichen Sandstein, der an einzelnen Stellen in 
ein grobes Konglomerat übergeht. Die Farbe sowie die Struktur 
dieser Gesteine weisen unverkennbar auf das aufgearbeitete Rot- 
liegende hin. Seiner eigenartigen quaderförmigen Zerklüftung wegen 
hat dieser Sandstein den Namen Cenomanquader erhalten. Er bildet 
in seinen oberen Lagen einen meist durch Glaukonit grünlich ge- 
färbten Sandstein mittleren Korns und wird in zahlreichen Brüchen 
als Baumaterial abgebaut. — Dieser cenomane Quader, der gegen 
Nord und Süd nur nach aussen hin den Randrücken zusammensetzt, 
zieht nun zwischen Schömberg und Friedland quer durch die von 
Nordwest nach Südost streichende Synkline hindurch und bildet auf 
diese Weise eine Scheide zwischen einer südlichen und einer nörd- 
lichen Mulde. Für die nördliche Spezial-Mulde ist es eine bezeichnende 
Erscheinung, dass hier nicht mehr das Cenoman die Ränder der Mulde 
bildet ; der Cenomanquader verschwindet vielmehr in gleicher Breite in 
Ost und West am Totenkopf nördlich von Trautliebersdorf und bei Klein- 
Heinersdorf, so dass von hier ab ein neues Gestein als tiefstes zu 
Tage tretendes Glied der Formation die Ränder bildet, der Pläner- 
sandstein (Tafel I. Abb. 2). Dieser mergelige Sandstein unter- 
scheidet sich von dem Cenomanquader vor allem durch seine geringe 
Wetterbeständigkeit, so dass er technisch nicht verwertbar erscheint 
und daher auch nirgends ein Abbau anzutreffen ist. Durch einige 
Funde von Inoceramus labiatus Schloth. bestimmte Flegel ') das 
Alter des Plänersandsteins als Unterturon. — Bildet dieses Gestein 
in der nördlichen Spezialmulde das tiefste zu Tage tretende Glied 
der Kreideablagerungen, so erscheint es in der südlichen Mulde als 



>) Flegel: a. a. O. Seite 11. 



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93 

Hangendes des Cenomanquaders ; von diesem trennt ihn jedoch ein 
4 — 5 m mächtiger blaugrauer, toniger Quader mittleren Korns, der 
nach Flegel die Grenze zwischen Cenoman und Turon darstellt. 
Flegel hat daher für ihn die Bezeichnung „Grenzquader" vorge- 
schlagen. *) 

In diesem Wechsel der petrographischen Facies zwischen den 
cenomanen und turonen Sedimenten bei konkordanter Auflagerung 
lernen wir eine bezeichnende Eigenart dieser Periode kennen, eine 
Eigenart, welche auch während des Turons anhält. Die Tiefe des 
Kreidemeeres schwankt fortgesetzt, wodurch auf der anderen Seite wieder- 
um ein steter Wechsel in der Facies der Sedimente bedingt wird. Ent- 
spricht der Cenomanquader mit seinen rötlichen Konglomeraten im 
Liegenden einer Brandungs- und Flachseebildung, so sehen wir das 
Kreidemeer zur Zeit der Ablagerung des Plänersandsteins sich ver- 
tiefen, 2 ) und dieses Tieferwerden des Kreideozeans hielt an, so dass 
sich auf seinem Grunde jene kalkigen und tonigen Gebilde absetzten, 
die wir nunmehr als nächstes Glied in der Schichtenfolge der Aders- 
bach-Weckelsdorfer Kreidemulde kennen lernen. Es ist ein blaues 
bis blaugraues, kalkreiches Gestein, das seinen Namen „Planer" 
nach der Ansicht Flegels von seinem Vorkommen bei Plauen 
(Pläner = Plauener Stein) erhalten hat; nach einer anderen, mir 
natürbcher scheinenden Deutung, die mir Herr Dr. Hörn, Hamburg, 
gütigst mitteilte, bezeichnet man mit dem Worte Pläner ein Gestein, 
das im Gegensatz zum Quader plattig, planig verwittert (planig 
verwitterndes Gestein = Pläner). — Der Pläner zeichnet sich im 
unverwitterten Zustande durch sehr grosse Härte aus und wird 
daher vielfach zur Wegebeschotterung abgebaut. In seinen Schichten 
findet man als Leitfossil den Jnoceramus Brongniarti JSow., so 
dass man sein Alter wohl als Mittelturon festsetzen darf. 

Die Tiefe des Kreidemeeres änderte sich nun abermals nach Ab- 
lagerung des Pläners. Der Kreideozean verflachte sich wiederum, so 
dass wir nunmehr als oberstes Glied des Hangenden einen Quader- 
sandstein antreffen (Tafel I. Abb. 1). Dieser ebenfalls noch mittel- 
turone Sandstein ist gelblich oder schmutzig-weiss gefärbt. Er 
erreicht seine bedeutendste Mächtigkeit im Zentrum der Mulde bei 
Adersbach und Weckelsdorf selbst, wo seine bizarren Verwitterungs- 
formen immer wieder neue Scharen von Reisenden herbeilocken. 
Mit steilen Wänden ragen die Denudationsreste der ehemals zu- 



*) Flegel: a. a. O. Seite 9. 
•) Regel: a. a. O. 8eite 11. 



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sammenhängenden Decke dieses mittelturonen Sandsteins aas dem 
Plänersockel auf (Holsterberg bei Adersbach, Haideberg bei Weckels- 
dorf, Vostaz bei Politz). Auf weite Strecken hin aber fehlen dann 
auch wieder Überreste von Quadersandstein vollkommen, so dass der 
Pläner vorherrscht, so vor allem im Südosten. An der Ostgrenze 
der Kreideablagerungen hat sich jedoch noch ein weiterer Rest des 
Mittelquaders erhalten, der in der Braunauer Lehne den die Rand- 
erhebung bildenden Cenomanquader krönt und sich von hieraus weiter 
nach Südosten fortsetzt bis ins preussische Gebiet hinein, wo wir 
ihn in der Wünschelburger Lehne weiter verfolgen können. — Er- 
wähnung verdient noch die wichtige Tatsache, dass, je weiter wir 
nach Osten vordringen, der Winkel, unter welchem die Kreide- 
schichten von Nord und Süd nach dem Muldeninnern zu einfallen, 
immer kleiner wird, so dass die Neigung der Schichten im äassersten 
Südosten schon nur noch etwa 8° beträgt; auf diese Weise nähern 
sich die Schichten allmählich der horizontalen Lagerung, welche wir 
in dem zweiten Gebiet, dem Heuscheuergebirge und den Reinerz- 
Nesselgrunder Höhen, als unterscheidendes Merkmal kennen lernen 
werden. 

b. Während im Norden und Süden die Grenzen dieses zweiten 
Gebietes naturgemäss gegeben sind durch die Verbreitung der 
Kreideformation selbst, ist es schwierig, es im Osten und Westen 
abzugrenzen ; denn ebenso allmählich wie das Gebiet des Heuscheuer- 
gebirges und der Reinerz-Nesselgrunder Höhen im Westen in die 
Synkline von Adersbach-Weckelsdorf übergeht, ebenso unmerklich 
neigen sich im Osten seine Schichtensysteme allmählich der Neisse- 
senke zu. Hier Begrenzungslinien einzuführen, erscheint demnach 
also mehr oder minder willkürlich. Dennoch sei es der Übersicht- 
lichkeit wegen gestattet, das tiefe Erosionstal von Machau-Bielai als 
Westgrenze anzusehen und das Gebiet im Osten durch eine Linie zu 
begrenzen, welche etwa die Ortschaften Wallisfurth, Alt -Heide, 
Falkenhain, Altweistritz, Langenau verbindet. 

Wollen wir den geologischen Aufbau des so umgrenzten Ge- 
bietes kurz kennzeichnen, so müssen wir von der Lagerung der 
Schichten ausgehen. Wir hatten oben bereits betont, dass in dem 
Gebiet von Adersbach- Weckelsdorf, je weiter wir nach Südosten 
wandern, der Fallwinkel der Schichten ein immer kleinerer wird. 
Die Synklinale Lagerung tritt allmählich immer mehr und mehr 
zurück, bis sie in dem Gebiet des Henscheuergebirges und der 
Reinerz-Nesselgrunder Höhen selbst schliesslich fast vollkommen 
verschwindet, so dass das ganze Gebiet als eine gewaltige, 



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95 

horizontal gelagerte Kreidetafel erscheint; nur an den Grenzen der 
Kreideverbreitung im Süden und Südosten, wo die Kreidesedimente 
an das Urgebirge anstossen, finden wir lokale Aufrichtung der 
Schichten, und bei näherer Untersuchung erweist sich hier die Be- 
grenzungslinie als ein Bruchrand. Eine Reihe weiterer derartiger 
Verwerfungslinien durchsetzt die horizontalen Schichten des Heu- 
scheuergebirges und der Reinerz-Nosselgrunder Höhen, und in diesen 
beiden Tatsachen: der annähernd horizontalen Lagerung der Kreide- 
schichten und der Zerstücklung dieser weit ausgedehnten Decke 
durch eine Anzahl von Brüchen, kann man die charakteristische 
Eigenart dieses Gebietes erkennen, eine Eigenart, die, wie wir unten 
sehen werden, sich naturgemäss auch in der Oberflächenform aufs 
deutlichste wiederspiegelt. Auf die spezielle Tektonik werden wir 
unten ausführlich einzugehen haben; zuvor jedoch erscheint es not- 
wendig, den stratigraphischen Aufbau in grossen Zügen kennen zu 
lernen. 

* 

Wandern wir z. B. von Wünschelburg nach der Heuscheuer und 
von hier nach Reinerz, so werden wir bei dieser Nordsüd-D urch- 
querung einen guten Überblick erhalten (Tafel I. Abb. 3). Wir 
sehen zunächst, dass im Norden dieses Gebietes das Rotliegende 
wiederum als Unterlage der Kreideformation auftritt. Haben wir 
dieses durchwandert, so finden wir auf der herrlichen Heuscheuer- 
Kunststrasse bald Aufschlüsse in einem mürben, braunen, sandig- 
mergeligen Gestein, in dem wir leicht den Plänersandstein wieder- 
erkennen. Er bildet also hier wie in der nördlichen Spezialmulde 
des Adersbach -Weckelsdorfer Beckens die tiefste anstehende Ab- 
lagerung der Kreideformation. Seine Mächtigkeit beträgt 10 — 20 m. 
Überlagert wird dieser Plänersandstein von einem blaugrauen Gestein, 
dem sogen, unteren Pläner, der etwa dieselbe Mächtigkeit wie der 
Plänersandstein erreicht; er ist ident mit dem mittelturonen Pläner 
von Adersbach- Weckelsdorf. Weiterhin treffen wir an der Scholaster- 
drehe als nächstes Glied des Hangenden einen Quadersandstein an; 
es ist der mittelturone Quader der Wünschelburger Lehne, den wir 
oben bereits als Fortsetzung des Quaders der Braunauer Lehne er- 
wähnt hatten. In einem grossen Steinbruch wird dieser Sandstein 
abgebaut. Zu unterst lagert dort .eine 5 m mächtige Schicht von 
feinem gelben Sandstein, der nach oben gröber wird und bei einer 
Mächtigkeit von 30 m in einen sehr feinen weissen Quador von 5 m 



l ) Vergl. Flegel: a. a. 0. Seite 15. 



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Mächtigkeit übergeht. Den Abschluss nach oben bilden dann gröbere 
weisse Sandsteine. Die Gesamtmächtigkeit dieser Ablagerungen 
beträgt 60—80 m *). 

Unsere Strasse beginnt nun steil anzusteigen. Wir haben den 
Plateauabfall zwischen Karlsberg nnd Wünschelburg zu erklimmen. 
Nach einiger Zeit bemerken wir nun an den Aufschlüssen zu beiden 
Seiten des Weges, dass im Gegensatz zu der Adersbach- Weckelsdorfer 
Mulde hier der mittelturone Quadersandstein nicht das oberste Glied 
der Kreideformation bildet, dass vielmehr nach Ablagerung des 
Mittelquaders das Kreidemeer sich abermals vertiefte, so dass sich 
auf seinem Grunde wiederum kalkig- mergelige Gesteine bilden 
konnten, die wir nun als Hangendes des Mittelquaders kennen lernen. 
Es ist ein sehr fester, blauschwarzer Pläner, der in einer Mächtigkeit 
von 100—120 m den Quader der Wünschelburger Lehne überlagert, 
und für den sich die Bezeichnung „oberer Pläner" allgemein ein- 
gebürgert hat. Er begleitet uns lange Zeit auf unserem weiteren 
Marsche und bildet dann jene ausgedehnte Hochfläche von Karlsberg, 
auf der sich schliesslich die grosse und kleine Heuscheuer und der 
Spiegelberg erheben. Die fast senkrechten Wände dieser Gipfel 
lassen schon von weitem erkennen, dass es wiederum ein Quader- 
sandstein ist, der den oberen Pläner seinerseits noch wieder über- 
lagert. Dieser obere Quadersandstein der Heuscheuer und seines 

* 

Bruders, des Spiegelberges, stellt die jüngste marine Ablagerung in 
der niederschlesisch-böhmischen Mulde dar. Es ist ein hellgrauer 
bis weisser Sandstein, der eine Mächtigkeit von fast 100 m erreicht. — 
Was die stratigraphische Stellung dieses oberen Quaders anbetrifft, 
so hat sich besonders Flegel in seinen Studien der böhmisch- 
schlesischen Kreide eingehend damit beschäftigt. Er kommt auf 
Grund seiner paläontologischen Forschungen zu dem Schlüsse, dass 
„der obere Heuscheuerquader als ein Äquivalent des Kieslings- 
walder Sandsteins in der Grafschaft Glatz und des Oberquaders der 
Sächsischen Schweiz und der Löwenberger Mulde aufzufassen und 
dem Emscher zuzurechnen ist." *) Ist diese Altersbestimmung 
richtig, — Petraschek zweifelt sie an 2 ) — dann werden wir mit 
Flegel den oberen Planer, der das Hangende des mittelturonen 
Quaders der Wünschelburger Lehne und das Liegende der Emscher 
Ablagerungen bildet, in der Tat für oberturon halten müssen und 
den Karlsberger Pläner der Zone des Scaphitea Geinitzi und der 
des Inoceramu8 Cuvieri zurechnen. 



l ) Flegel : a. a. 0. Seite 26. 

') W. Petraschek: Zur Geologie des JSeuscheuergebirges 



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97 

Wollen wir nunmehr unsere Wanderung nach Reinerz zu fort- 
setzen, so bieten sich uns zwei Wege dar. Der erste führt uns über 
Friedrichsberg und Friedersdorf nach Roms und von hier nach 
Reinerz; der andere etwas längere geht zunächst am Abhänge der 
Friedrichsgrunder Lehne entlang, um uns dann über Utschendorf 
und Rückers ebenfalls nach Reinerz zu führen. Beide Wege gewähren 
einen guten Einblick in den geologischen Aufbau dieser Gegend. 

Folgen wir nämlich dem ersten Wege, so wird uns auffallen, 
dass der Bau des Gebirges hier im Süden dor Heuscheuer ein 
anderer ist als im Norden. Der mittelturone Quader der Wünschel- 
burger Lehne keilt sich nämlich in der Tiefe aus (Tafel I. Abb. 3), 
so dass wir auf unserem Marsche ständig im Pläner bleiben. Haben 
wir den oberturonen Karlsberger Pläner durchquert, so gelangen wir 
unmittelbar in das Gebiet des unteren Pläners hinein, der uns nun 
über Roms bis nach Reinerz begleitet. 

Möchte es nach dem eben Gesagten so scheinen, als ob der 
Gebirgsbau der Reinerz-Nesselgrunder Höhen ein durchaus einheit- 
licher und leicht zu übersehender wäre, dass eben das gesamte 
Gebiet von Pläner eingenommen wird, so wird uns nun der östliche 
Weg von Karlsberg über Utschendorf und Goldbach nach Reinerz 
zeigen, dass dem in der Tat nicht so ist. Auch hier bewegen wir 
uns natürlich vom Hangenden ins Liegende ; aber nachdem wir nörd- 
lich von Utschendorf den oberturonen Pläner verlassen haben und 
eine kurze Strecke im mittelturonen Pläner marschiert sind, stossen 
wir plötzlich auf einen Quadersandstein, der sich durch das häufige 
Vorkommen von Exogyra columba und Lima canalifera als ein Äqui- 
valent des Quaders der Wünschelburger Lehne kennzeichnet. Erst 
kurz vor Reinerz gelangen wir wiederum in den mittelturonen Pläner, 
auf welchem die Stadt selbst steht. Versucht man, die Grenze des 
Goldbach - Utschendorfer Sandsteins festzustellen, so bemerkt man, 
dass es sich um eine Sandsteininsel handelt, die auf allen Seiten 
von mittelturonem Pläner eingeschlossen ist. Ein zweites Sandstein- 
vorkommen ist weiter östlich bei der Kolonie Höllenberg zu ver- 
zeichnen, und auch das Nesselgrunder Gebirgsstück" im Südosten 
von Reinerz setzt sich aus fast horizontal gelagertem Quadersandstein 
zusammen. Dieser eigenartige Wechsel von Pläner und Quadersand- 
steinen im Süden und Südosten des Heuscheuergebirges erschwert 
zunächst das Verständnis für den geologischen Aufbau dieser Gegend. 
Man hat bisweilen die Vermutung ausgesprochen *), dass die isolierten 



') Leppla: a. a. O. Seite 31 

Mittei'.iiiigeii XXIV. 




I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



98 

Sandsteinvorkommen, wie wir sie bei Goldbach-Utschendorf und der 
Kolonie Höllenberg finden, auf toktonische Veränderung zurückzuführen 
seien. Dem widerspricht jedoch der ganz allmähliche Übergang der 
petrographischen Facies, den man vor allem bei Goldbach und 
Utschendorf wahrnehmen kann. Wir möchten uns aus diesem Grunde 
eher der von Petraschek und anderen aasgesprochenen Ansicht an- 
schliessen, dass das isolierte Vorkommen von Quadersandstein in 
den mittelturonen Sedimenten durch fortgesetzte Verschiebung der 
Facies Verhältnisse zu erklären ist, durch welche gerade das Turon 
gekennzeichnet wird. In der Gegend von Goldbach-Utschendorf und 
Höllenberg wurde eben das Mittelturon in Sandfacies, weiter nördlich 
und nordwestlich in der Facies des Pläners entwickelt. 

Ob wir auch die Sandsteine, welche sich im Südosten von Reinerz 
zwischen Neu-Biebersdorf und Falkenhain ausbreiten, sowie die Sand- 
steintafel des Nesselgrundes zu diesen mittelturonen Sandsteinen 
stellen dürfen, oder ob nicht vielmehr diese Ablagerungen wenigstens 
zum Teil als ein Äquivalent des obersten Heuscheuerquaders (Emscher) 
anzusehen sind, muss dahingestellt bleiben, da dieses Gebiet noch 
einer eingehenden stratigraphischen Untersuchung harrt *). Weiter 
nach Südwesten, in der Umgegend von Reinerz, grenzt die Kreide- 
formation, wie bereits oben erwähnt, durch eine Verwerfung un- 
mittelbar an den Gneis und Glimmerschiefer des Urgebirges an. — 

Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung der tektonischen 
Störungen zu, welche die fast horizontal gelagerten Kreideschichten 
des Heuscheuergebirges und der Reinerz-Nesselgrunder Höhen durch- 
setzen, und es erscheint wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, 
dass wir wohl die Tatsache einer Verworfung festzustellen imstande 
sind, über die Art der Bewegung indessen nur Vermutungen anstellen 
können. Ob die in geringerer relativer Höhe befindlichen und an 
den Rändern geschleppten Schichtensysteme der Kreide wirklich ab- 
gesunken sind, oder ob nicht vielleicht das Gegenteil, ein Empor- 
pressen der randlichen Massive, stattgefunden hat oder sich gar beide 

*) Auf zwei, allerdings nur flüchtigen Begehungen dieser Gegend konnte ich 
in dem Sandstein von Pohldorf zwei Inoceramen sammeln, welche durch einen 
Vergleich mit den von Flegel aus dem Emscher der Friedrichsgrunder Lehne 
gesammelten Fossilien als Inoccramus Cuvicri bestimmt wurden. Ein oberturonee 
Alter dieses Sandsteins erscheint somit sehr wahrscheinlich. Aus dem Sand- 
stein der Kapuziner Platten konnte ich Fossilien nicht erhalten , jedoch scheinen 
mir die Lagerungsverhältnisse und die ausserordentliche Übereinstimmung in 
der petrographischen Facies mit dem Pohldorfer Sandstein darauf hinzuweisen, 
dass auch der Saudstein der Nesselgrunder Tafel desselben Alters — also wahr- 
Hcheinlich oberturon bis Emscher — sein wird. 



Ortgtal tom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



99 

Bewegungen kombiniert haben, ist ein Rätsel, dessen Lösung uns 
wohl niemals glücken wird. Gewiss ist diese Frage für das endgiltige 
Resultat der Lagerungsverhältnisse wenig bedeutungsvoll; immerhin 
aber erscheint es angebracht, gelegentlich auf diesen Punkt hinzu- 
weisen, um den hypothetischen Charakter irgend eines vermuteten 
Hebungs- oder Senkungsvorganges nicht zu verwischen. *) — 

Man kann nach dem Vorschlage von Frech 2 ) die Verworfungen, 
welche die weit ausgedehnte Kreidetafel dieses mittleren Teils der 
Grafschaft Glatz durchsetzen, in zwei grosse Gruppen einteilen und 
demgomäss unterscheiden : 

1. diejenigen Brüche, die im wesentlichen von OSO nach WNVV 
verlaufen, 

2. eine Anzahl von Spalten, die von NNW nach SSO, also in 
annähernd meridionaler Richtung streichen. (Vergleiche zu den 
folgenden Ausführungen die angeheftete tektonische Karte der 
schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen. 

Der erste von OSO nach VVNW verlaufende Bruch beginnt bei 
Putsch südlich von Glatz und setzt sich in N 70°W über Nieder- 
Schwedeldorf bis nördlich von Ober-Schwedeldorf fort. An dieser 
Bruchlinio stösst das Rotliegende mit den nach S geneigten Kreide- 
schichten aneinander. Am Roten Berge bei Putsch sind in einem 
Steinbruch die Schichten unmittelbar am Bruchrand aufgeschlossen. 
Die Kreideschichten sind durch die tektonische Bewegung steil auf- 
gerichtet, z. T. sogar überkippt, so dass sie hier mit einem Winkel 
von 80° nach N einfallen 3 ) (Tafel III. Abb. 7). Es treten vom 
Liegenden ins Hangende folgende Gesteine auf: 

4. Plänerkalk mit Verwitterungslehm an den Kluftflächen (Zone 
des lnoceramus Brongniarti, Mittelturon), 

3. Quadersandstein, ca. 15 m mächtig, deutlich nach N einfallend 
(Zone des lnoceramus labiatus, Unterturon), 

2. blaugrauer, kalkig -ton ige r, mittelkörniger Sandstein, 5 m 
mächtig (Grenze zwischen Cenoman und Turon, Grenzquader), 

1. undeutlich geschichteter Quadersandstein, ca. 80 m mächtig. 
Im Hangenden ist die Zerklüftung vorwiegend. Exogyra 
columbctj Ptcten asper. (Cenoman). 

! ) Vergl. hierzu Frechs Ausführungen über den grossen sudetischen Rand- 
bruch in: „Über den Bau der schlesischen Gebirge". Geogr. Zeitschrift, Bd. 8, 

1902. Heft 10, Seite 562 ff. 

*) F. Frech : Reinerz als Zentrum der Glatzer Mineralquellen. Seite 9. 

8 ) Vergl. : Führer für die geologischen Exkursionen in die Grafschaft Glatz^ , 
bearbeitet von K. Flegel und E. G. Friedrich, herausgegeben von F. Frech*. 
Seite 13. 



t Original from 



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100 

Dem Bruch Putsch — Ober-Schwedeldorf geht etwas südlicher 
eine zweite grosse Verwerfung annähernd parallel, der Heuscheuer- 
bruch, welcher durch zwei Querstörungen mit dem ersten Bruch in 

■ 

Verbindung steht. — Die erste dieser Querstörungen, an welcher 
ebenso wie an der anderen die Kreide im Osten abgesunken zu sein 
scheint, verläuft von Agnesfeld in der Richtung N 15°W über Czett- 
ritz nach Neu-Heide. Der zweite Bruch beginnt bei der Kolonie 
Wallisfurth und streicht von NNO nach SSW, bis er AltrHeide er- 
reicht. Hier knickt er bajonettförmig um und geht dann in den 
eigentlichen Heuscheuerbruch über. Dieser verläuft nun in der 
Richtung N70°W 1 ) über Walddorf, Neu-Rückers und Friedrichsgrund 
und endet auf der Hochfläche von Karlsberg. Er zerlegt das Heu- 
scheuergebirge in zwei schmale Längsstreifen, welche an der Bruch- 
linie in vertikaler Richtung gegeneinander verschoben worden sind; 
denn von Alt-Heide bis Friedrichsgrund grenzt der Quadersandstein 
der Wünschelburger Lehne unmittelbar an den oberturonen Karls- 
berger Pläner, und von Neu-Rückers bis zu den Seewiesen berühren 
sich an dieser Bruchspalte der mittelturone Quader und Emscher 
Sandstein. Die Sprunghöhe dieser Störung schätzt Leppla unterhalb 
Friedrichsgrund auf mehr als 200 m. 

Die letzte von OSO nach WNW gerichtete Störung stellt eine 
grosse einheitliche Verwerfung dar, welche von Grafenort über Reinerz 
hinaus bis nach Roms zu verfolgen ist. Zahlreiche Quellen dringen 
längs der Verwerfung aus der Tiefe herauf und haben dieser Bruch- 
linie den Namen „Grafenorter Quellenspalte" eingetragen. Sie ver- 
läuft in der Richtung N 80° W von Grafenort nach Neu-Batzdorf 
und berührt dann weiterhin die Ortschaften Falkenhain, Neu-Biebers- 
dorf, Reinerz und Roms. Die Schichten fallen längs dieser Ver- 
werfung nach Nordosten ein im Gegensatz zu den beiden voran- 
gegangenen parallelen Störungen, so dass hierdurch der Gebirgs- 
streifen Friedersdorf — Rückers — Neu-Falkenhain die Eigenschaft 
einer Grabensenke erhält. 

Mit der Grafenorter Quellenspalte kreuzen sich in der Gegend 
von Reinerz eine Anzahl von Verwerfungen, die nunmehr bereits der 
zweiten Gruppe, den annähernd meridional verlaufenden Brüchen, 
angehören. Diese gliedern sich wiederum in die westlich gelegenen 
Spalten von Cudova, in die Verwerfungen südlich von Reinerz und 
in zwei grosse östliche Brüche. 



• *) Zu sämtlichen Messungen wurde ein Kompass verwandt, der von N(0°) 
iowohl über W(90°) als auch über 0(90°) nach 8(180°) eählt. Die magnetische 
•Reklination ist mit 7 1 /« ° W in Rechnung gezogen worden. 



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101 

Die bedeutendste Störungslinie in der Umgegend von Cudova 
ist die sogenannte Cudovaer Quellenspalte. Sie folgt dem Westabhang 
des Mensegebirges und streicht dann in N 20° — 25° W an Lewin 
vorbei nach Straussenei. Eine zweite Verwerfung beginnt südlich 
von Lewin und ist in der Richtung N 35° W bis nach Hronow zu 
verfolgen. Beide Störungen stimmen darin überein, dass an ihnen 
die Kreideschichten gegen das Urgebirge ins Liegende verworfen 
wurden, so dass die an den Rändern geschleppten Schichten von 
Ost und West nach dem Innern zu einfallen und breite Rücken des 
Urgebirge» auf beiden Flanken die Kreide umsäumen. Durch einen 
dritten mittleren Kreidebruch, der durch Cudova selbst in nord- 
südlicher Richtung verläuft, wird die Kreidescholle von Cudova 
schliesslich noch in zwei parallele Streifen zerlegt. 

Ganz ähnlich ist der tektonische Bau der Kreide im Süden von 
Reinerz. An einer nach NNW gerichteten Verwerfung wurde die 
Kreide des Altarberges vom Urgebirge des Predigtstuhles losgetrennt; 
die Kreideschichten fallen nach Westen ein. Eine zweite, westlich 
gelegene Bruchlinie, die sogenannte Reinerzer Quellenspalte, begrenzt 
die Kreide im Osten gegen den Glimmerschiefer der Hohen Mense, 
welche im Westen bis zu 1084 m ansteigt. Es bilden somit — genau 
wie bei Cudova — die Kreideschichten an der oberen Weistritz eine 
Grabensenke; und auch hier lässt sich analog den Verhältnissen von 
Cudova ein mittlerer Bruch feststellen, der, von der Dachskuppe im 
Süden bis zum Freudenberg streichend, die Kreidescholle in zwei 
Längsstreifen teilt. 

Anlässlich der Aufnahme des Kreidegebietes von Kronstadt 
konnte Verfasser den Verlauf der wichtigsten Störungslinie im Süden 
von Reinerz, der sogenannten Reinerzer Quellenspalte, genauer ver- 
folgen. Die Kreide von Kronstadt stellt ein von Grunwald bis nach 
Schwarzwasser sich erstreckendes, etwa 1 — Vit km breites Gebirgs- 
stück dar, welches längs zwei paralleler Verwerfungen in das Urge- 
birge eingebettet wurde. Die westliche Verwerfung, an welcher die 
Kreide vom Glimmerschiefer des böhmischen Kammes (Adler-Gebirge) 
losgetrennt wurde, ist die oben erwähnte Reinerzer Quellenspalte. 
Sie beginnt bei Schwarzwasser im Südosten von Kronstadt und ver- 
läuft nun mit einer ausserordentlichen Gleichförmigkeit der Richtung 
(N 35° W) an Kronstadt vorbei nach Friedrichswald und von hier 
immer in derselben Richtung bis nach Reinerz und Roms, wo sie 
sich mit der Grafenorter Quellenspalte vereinigt, um sich alsdann 
in einem flachen, nach SW geöffneten Bogen nach Straussenei zu 
wenden. Die östliche Begrenzungslinio des Kronstädter Kreidegebietes 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 




102 

zieht sich am Westabhang des Habelschwerter Gebietes entlang. Ob 
sie mit der Reinerzer Quellenspalte durch eine Querverwerfang- im 
Zusammenhang steht, lüsst sich bei dem vollständigen Fehlen von 
Aufschlüssen im Süden von Schwarzwasser nicht entscheiden. — Die 
Bruchlinie verläuft in ihrem südlichen Teil genau parallel der Rein- 
erzer Quellenspalte. Nördlich von Trtschkadorf aber ändert sie ihre 
Richtung und durchquert in N 5° die Reichsgrenze; kurz dahinter 
nimmt sie jedoch ihren ursprünglichen Verlauf wieder an and be- 
grenzt nun in der Richtung N 35° W die Schwarzen Sümpfe nnd die 
Seefelder, um sich dann schliesslich mit einem scharfen Knick nach 
NO zu wenden, wo sie sich mit der ersten grossen östlichen Ver- 
werfung vereinigt. — Der Bruchcharakter des von diesen beiden 
Linien begrenzten Kreidegebiotes von Kronstadt offenbart sich vor 
allem in dem Einfallen der Schichten längs beider Verwerfung-en 
nach dem Innern zu (Tafel IL Abb. 4). So konnte sowohl in einem 
Aufschluss an der Strasse von Trtschkadorf wie in einem kleinen 
Steinbruch südlich von Kronstadt ein deutliches Einfallen der Schichten 
nach SW festgestellt werden '), und entsprechend neigen sich die 
Schichten auf der entgegengesetzten Seite am Abhänge des böhmischen 
Kammes, wo mehrere kleine Schurflöcher anzutreffen sind, nach NO. 
Zahlreiche Quellen sprudeln besonders an der westlichen Verwerfungs- 
linie hervor, von denen einige sich durch ihren Kohlensäuregehalt 
besonders auszeichnen. 

An die beiden Bruchlinien tritt im NW bis hinunter nach Kron- 
stadt nur Pläner heran; südlich von Kronstadt jedoch stellt sich auf 
beiden Seiten ein Saum von Plänersandstein ein, dessen pulverförmige 
Verwitterungsprodukte dem Gestein in der Bevölkerung die Be- 
zeichnung „Mehlstein" eingetragen haben. — Dieser Plänersandstein 
wird dann in seiner oberflächlichen Verbreitung immer ausgedehnter, 
je weiter wir nach SO kommen, bis schliesslich der Pläner bei 
Schwarzwasser vollkommen verschwindet, so dass der Plänersandstein 
den südlichen Abschluss des Kronstädter Kreidegebietes bildet. 

Zu erwähnen ist noch die eigenartige Lagerung der Pläner- 
schichten im Süden von Grunwald an der Reichsgrenze. Hier muss 
offenbar eine lokale Stauung beim Absinken eingetreten sein, denn 
während dio Schichten an der Verwerfung selbst noch normal nach 
SO einfallen, finden wir sie in kurzer Entfernung in nahezu senk- 
rechter Aufrichtung, schliesslich sogar in überkippter Lagerung, so 
dass sie hier unter einem Winkel von 80°, ja sogar 60° nach NW 

') Eine Messung des Fallwinkels ergab in Trtschkadorf 10° — 12°, in Korn- 
t 6° — 8°, stellenweise 10°. 




, i Original from 

UNIVERSITYOFMirMGAJ 



103 

einfallen. In kurzer Entfernung nach dem Innern der Kreideverbreitung 
zu beginnt dann wieder das normale Einfallen nach SO. 

Was das Alter der in dem Kronstädter Graben auftretenden 
Gesteine anbetrifft, so lässt sich bei dem Mangel an Aufschlüssen 
auch hierüber nur wenig sagen. Aus dem Plänersandstein südlich 
von Kronstadt sammelte ich einige Exemplare von lnoceramus labiatus 
Schloth., die auf ein unterturones Alter der sandigen Ablagerungen 
hinzuweisen scheinen. Ist diese Vermutung richtig, so wird man 
den im Hangenden befindlichen Pläner als mittelturon ansprechen 
dürfen und ihn dem mittelturonen Pläner von Reinerz gleichsetzen, 
mit dem er ja auch in seiner oberflächlichen Verbreitung unmittelbar 
zusammenhängt. — 

Etwa in der Fortsetzung der Längsrichtung des Kronstädter 
Grabens nach SO finden sich zwei isolierte Sandsteinvorkommen bei 
Cihak und bei Nesselfleck. Sie stellen offenbar Ablagerungen in 
ursprünglich vorhandenen Mulden des Urgobirges dar; denn die Be- 
grenzung gegen den Gneis und Glimmerschiefer ist bei beiden eine 
unregelmässig lappige Linie, die Lagerung der Schichten eine hori- 
zontale. Von Fossilien fand ich in den beiden Pecten asper } Pecten 
aequicostatus und Exogyra columba. Es handelt sich hier also 
offenbar um zwei cenomane Sandsteininseln, die sich trotz der relativ 
bedeutenden Höhe über dem Meeresspiegel erhalten haben, weil sie 
eben in kleinen Becken des Urgebirges zum Absatz gelangten und 
auf diese Weise geschützt waren gegen die zerstörenden Kräfte der 
Verwitterung. 

Die beiden grossen Östlichen Verwerfungen, zu deren Besprechung 
wir nunmehr gelangen, bezeichnet Leppla als Staffelbrüche '). Sie 
werden dadurch charakterisiert, dass an beiden die Kreide im NO 
vom Urgebirge im SW losgetrennt wurde. — Der erste Bruch begrenzt 
die Nesselgrunder Kreidetafel gegen den Gneis im Westen. Die 
Verwerfung setzt am „Dürren Berge" zwischen Voigtsdorf und Kaisers- 
walde ein und verläuft zunächst in der Richtung N 30° W ; später 
wendet sie sich mehr nach Westen und nimmt die Richtung N 50° W 
an. In dieser Richtung streicht sie an Tannigt vorbei, vereinigt 
sich alsdann mit dem östlichen Bruch des Kronstädter Grabens und 
endet südlich von Biebersdorf im Reinerzer Forst zwischen dem 
Holzberg und der Bläskekoppe. — 

Die letzte grosse Verwerfung ist die Störung Hohndorf — Alt- 
Wei8tritz— Sauerbrunn— Falkenhain. Sie setzt östlich von Hohndorf 



l ) Leppla: a. a. 0. Seite 33. 



°" 9ma " rom 



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104 

an der Kliegelkoppe ein und verläuft in der Richtung N 30° W bis 
zum Dohlenberg, wo sie mit scharfem Knick umbiegt, um in N lO " O 
Alt-Weistritz zu erreichen. Von hier nimmt sie ihre alte Richtung 
von N 55° W wieder an. Am Biems-Berg setzt jedoch abermals 
eine Querstörung ein, welche eine parallele Verschiebung der Ver- 
werfung nach NO bewirkt. Von Sauerbrunn ab verläuft dann die 
Störung mit ziemlicher Gleichförmigkeit in N 60° W, berührt 
weiterhin Pohldorf und verliert sich schliesslich südlich von Falken- 
hain. An dieser Verwerfung, welche die Kreidescholle im NO gegen 
das horstartige Urgebirgsmassiv von Neu - Weistritz, Voigtsdorf, 
Spätonwalde, Hüttengut im SW abgrenzt, hat eine bedeutende Auf- 
richtung der Kreide stattgefunden, und das Einfallen der Schichten 
nach NO und kennzeichnet die Verwerfung gleichzeitig als die 
natürliche westliche Grenze des Neissegebietes. — 

c. Wollen wir den geologischen Aufbau auch des dritten Abschnittes, 
des Neissegebietes, mit einigen Worten kennzeichnen, so werden wir 
sagen dürfen, dass die Kreide des Neissegebietes das im grossen 
darstellt, was wir im kleinen in der Grabensenke von Kronstadt 
kennen gelernt haben. Auch in dem Gebiet der Glatzer Neisse wird 
die Kreideformation durch zwei parallele Brüche abgegrenzt gegen das 
Urgebirge, dessen Höhen die Kreidescholle auf beiden Seiten um- 
säumen; und aus der Tatsache, dass wir in dem Neissegebiet Ab- 
lagerungen antreffen, die, wie wir unten sehen werden, trotz der 
geringeren Meereshöhe (1 — 300 m) gleichalterig sind mit den obersten 
Schichten des Heuscheuergebirges (7-900 m), dürfen wir wohl den 
Schluss ziehen, dass es sich hier um eine gewaltige Einsenkung der 
Kreideschichten längs der beiden parallelen Verwerfungen handelt. 
Den Bruch Hohndorf — Alt-Weistritz — Falkenhain hatten wir als 
nordwestliche Grenze der Neissesenke bereits kennen gelernt. Eine 
zweite grosse Störungslinie setzt nördlich von Brand ein und bildet, 
etwa in der Richtung N 10° — 15° W streichend, die Grenze der 
Kreideformation des Neissegebietes gegen den westlichen Gneis und 
Glimmerschiefer. — Am Ostabhang der Schlösselkoppe beginnend, 
verläuft diese Störungslinio zunächst in N 60° W bis westlich von 
Hohndorf, wo unter scharfem Knick ein Umbiegen in die Richtung 
N 10" W stattfindet. Diese Richtung wird nun in dem weiteren 
Verlauf im wesentlichen beibehalten. An Lichtenwalde vorbei über 
Seitendorf und Rosental können wir den Bruchrand deutlich verfolgen, 
bis wir zu dem Dorf Steinbach gelangen, wo einige Querverwerfungen 
vorhanden zu sein scheinen. Von Steinbach aus verläuft dann die 
ndverwerfung in der Richtung N 45 ° W bis westlich von Bobischau. 




I Original from 



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105 

Hier findet abermals ein Umbiegen statt, nnd in der Richtung 
N 10° W können wir nan die Störungslinie nach Böhmen hinein 
verfolgen, bis sie bei Schildberg ihr Ende erreicht. 

Durch eine westöstlich gerichtete Querverwerfung wird hier der 
Zusammenhang mit der östlichen Randverwerfung hergestellt. Diese 
verläuft von Schildberg aus zunächst parallel dem westlichen Bruch 
etwa in N 5° W, bis sie bei Bobischau wieder in reichsdeutsches 
Gebiet eintritt. Sehen wir von einigen unbedeutenden Quer- 
verwerfungen, z. B. der ost-westlich gerichteten von Schreibendorf, 
ab, welche uns deutlich die Einwirkung zweier verschiedener tek- 
tonischer Richtungen, der nord-süd gerichteten und der hercynischen, 
vor Augen führen, so wird man als Streichrichtung der östlichen 
Bruchlinie bis Neuendorf etwa N 20 ° angeben dürfen. Hier nimmt 
die Verwerfung fast genau nordsüdliche Richtung an und verläuft 
nun über Kieslingswalde nach Neu-Waltersdorf, wo sie plötzlich 
ihre Richtung abermals ändert, um in N 55 ° W über Alt- Waltersdorf, 
Herrndorf und weiterhin an der Antonienkapelle nördlich von Grafen- 
ort vorbei bis ins Neissetal sich zu erstrecken. Leppla hat — und 
wohl mit Recht — die Vermutung ausgesprochen, *) dass im Neissetal 
zwischen Grafenort und Rengersdorf noch eine südnördlich gerichtete 
Verwerfung vorhanden sein wird, welche die Verbindung des östlichen 
Bruchrandes mit dem bei Putsch beginnenden Bruch herstellen 
würde. Bei der Bedeckung mit Diluvium und Alluvium lässt sich 
augenblicklich hierüber eine Entscheidung nicht fällen. 

Allseitig durch Bruchlinien gegen das Urgebirge abgegrenzt, 
besitzt die Neissesenke nur im NW keine tektonische Grenze. Die 
schwache südöstliche Neigung der Schichten des Heuscheuergebirges 
aber lässt erkennen, dass der Abbruch der Neissesenke auch hier 
eingewirkt hat. 

Beim Einbruch der Kreidedecke an den eben kurz vorfolgten 
Bruchlinien trat naturgemäss eine randliche Aufrichtung der Schichten- 
systeme ein, so dass hier die ältesten Ablagerungen, die wir in dem 
Neissegebiet überhaupt antreffen, in steiler Lagerung zutage treten 
(Tafel II. Abb. 5 und 6). Es sind die uns schon aus den beiden 
westlichen Gebieten bekannten Gesteinsarten, cenomaner Quader- 
sandstein und turoner Pläner. Das Innere der Neissesenke jedoch 
wird von Gesteinen eingenommen, die man gewöhnt ist, unter dem 
Namen „Kieslings walder System" zusammenzufassen. Dieses besteht 
aus einer unteren Abteilung, die im allgemeinen tonig -kalkige 



*) Leppla : a. a. O. Seite 36/37. 



°" 9ma " rom 



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106 

Ablagerungen umfasst — den Kieslingswalder Ton — , und einer 
oberen, einer Sandsteinbildung, — dem Kieslingswalder Sandstein. — 
Den weitaus grössten Teil des vom Kieslingswalder System bedeckten 
Raumes nehmen die Kieslingswalder Tone ein. Es sind graue oder 
blaugraue Gesteine, welche durchaus an den Pläner erinnern, von 
diesem jedoch durch die häufig auftretenden Ton- und Brauneisen- 
steinknollen unterschieden werden, welche für die Kieslingswalder 
Tone bezeichnend sind. Fast überall, wo Kieslingswalder Ton auf- 
geschlossen ist, finden wir eine innige Wechsellagerung von Ton 
und Sandstein, welche auf die enge Zusammengehörigkeit der beiden 
Abteilungen des Kieslingswalder Systems hinweist (Tafel III. Abb. 8). 
Schon während des Absatzes der tonigen Kieslingswalder 
Schichten muss offenbar ein gelegentliches Seichterwerden des Kreide- 
meeres stattgefunden haben, welches schliesslich dazu führte, dass 
nur noch sandige Sedimente zum Absatz gelangten. Der auf diese Weise 
entstandene Kieslingswalder Sandstein, welcher nur in dem Winkel 
von Kieslingswalde und südlich von Mittelwalde sich erhalten hat, 
ist von grauer oder graublauer Farbe und zeichnet sich vor allem 
durch einen auffallenden Reichtum an Glimmerschüppchen aus; zahl- 
reiche Abdrücke von Laubblättern weisen auf die Nähe der damaligen 
Küste hin. — Mit dem allmählich einsetzenden Rückzug des Kreide- 
ozeans vergrösserte sich dann die Korngrösse der Ablagerungen, so 
dass wir im Hangenden des Kieslingswalder Sandsteins Konglomerate 
beobachten (Tafel II. Abb. 5), welche uns als letzte Reste des nun 
endgiltig verschwindenden Meeres in den schroffen Riffen der Hirten- 
steine bei Kieslingswalde erhalten geblieben sind. — Die Kenntnis der 
stratigraphischen Stellung des Kieslingswalder Systems verdanken 
wir vor allem den Untersuchungen Sturms. 1 ) Dieser führte für die 
Kieslingswalder Tone eine Zweigliederung ein; die untere Abteilung, 
die als Leitfossil den lnoceramus Brongniarti führt, stellt er dem- 
gemäss zum Mittelturon, während er die oberen Kieslingswalder 
Tone nach dem Vorkommen von lnoceramus Cuvieri zum Oberturon 
rechnet. Aus dem Kieslingswalder Sandstein führt Sturm Placen- 
ticeras Orbignyanum Gein., Baculites ineurvatus Duj. und 
Turrilites varians Schlüt. und einige andere Ammoniten an, die 
gemeinsam mit den hier gefundenen Inocoramen: lnoceramus 
involutus Sow. und lnoceramus lobatus Münst. entschieden auf 
Emscher-Ablagerungen hinweisen, in denen sich allerdings senone 
Elemente bereits stark geltend machen 2 ) 




') Sturm: (Siehe Seite 88, Anmerkung 7). 
2 ) Sturm: a. a. O. Seite 63. 



t Original from 



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107 

Die Schichten des Kieslingswalder Systems schmiegen sich natur- 
gemäs8 den beim Absinken steil gestellten, stellenweise sogar über- 
kippten älteren Kreideschichten an und fallen im allgemeinen von 
Osten und Westen nach dem Innern der Grabensenke zu ein 
(Tafel II. Abb. 5 und 6). — Auf die muldenförmige Lagerung des 
Sandsteins von Rieslings wal de sowie einige andere unbedeutende 
Abweichungen von der regelmässigen Lagerung einzugehen, würde 
über den Rahmen dieser Arbeit hinausführen. — 



Fassen wir nunmehr mit einigen Worten das Ergebnis 
des ersten Teils unserer Betrachtungen zusammen, so 
werden wir uns daran zu erinnern haben, dass wir in dem 
Gebiet von Adersbach-Weckelsdorf eine typische Synkline 
kennen gelernt hatten, deren Achse von Nordwest nach 
Südost verläuft und deren Schichten dementsprechend von 
Südwest und Nordost nach dem Muldeninnern einfallen. 
Tektonische Störungen sind innerhalb dieser Synkline nicht 
zu verzeichnen. 

Das Heuscheuergebirge und die Reinerz-Nesselgrunder 
Höhen sind im Gegensatz hierzu durch eine fast völlig 
horizontale Lagerung der Schichten ausgezeichnet, und 
diese weit ausgebreitete Decke wird zerstückelt durch eine 
Reihe von Verwerfungen, welche entweder die hercynische 
Streichrichtung bevorzugen oder von N nach S gerichtet sind, 
oder endlich — wie die beiden östlichen Staffelbrüche — 
in einer Richtung verlaufen, welche etwa der Resultierenden 
der beiden Hauptrichtungen entspricht. 

Das Gebiet der Glatzer Neisse endlich stellt ein lang 
gestrecktes Gebirgsstück dar, das an zwei parallelen, an- 
nähernd von N nach S gerichteten Verwerfungen in das Ur- 
gebirge eingesunken ist. Dass der grösste Teil dieses 
Gebietes von dem plänerähnlichen Kieslingswalder Ton 
eingenommen wird, ist für das Zustandekommen der Ober- 
flächenform von grosser Bedeutung. Denn wenn auch der 
geologische Aufbau in allererster Linie massgebend für 
die Oberflächenform ist, so spielen daneben die petro- 
graphischen Eigenschaften der das Gebiet zusammen- 
setzenden Gesteine und die damit zusammenhängende Ver- 
witterung und Abtragung eine überaus wichtige Rolle. 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



108 



Kapitel II. 

Verwitterung und Abtragung im Gebiet der 
schlesischkböhmischen Kreideformation. 

Mit Rücksicht auf die Zwecke der folgenden Untersuchungen, 
einen Zusammenhang zwischen Verwitterung und Oberflächenfonn 
abzuloiten, erscheint es notwendig, den stratigraphischen Gesichts- 
punkt nunmehr zurücktreten zu lassen und dafür mehr Gewicht auf 
die petrographischen Eigenschaften der zu behandelnden Gesteine zn 
legen. Wir werden daher die Sandsteine der Kreideformation auf 
der einen Seite zusammenfassen und alle plänerartigen Gesteine — 
also auch den Kioslingswalder Ton — ihnen gegenüberstellen. 

Unter Verwitterung verstehen wir die Gesamtheit aller Zerfall- 
erscheinungen des festen Gesteins, welche durch die Einwirkung der 
Atmosphärilien und der Organismen herbeigeführt werden. 

a. Wollen wir nun einen Einblick gewinnen in die Verwitterungs- 
vorgänge, welche sich in den Sandsteinen vollziehen, so ist es not- 
wendig, zunächst die chemische Zusammensetzung dieser Gesteine, 
ihre Strukturverhältnisse sowie ihre sonstigen physikalischen Eigen- 
schaften kennen zu lernen. — Die Sandsteine setzen sich aus zwei 
Bestandteilen zusammen, einem körnigen Gemengteil, der, abgesehen 
von etwaigen accessorischen Beimengungen, aus reinem Quarz besteht, 
und aus mikrogranulösen Substanzen, die bald kalkiger, mergeliger, 
bald toniger oder kieseliger Natur sind und die Zwischenräume 
zwischen den einzelnen Quarzkörnchen mehr oder minder vollständig 
erfüllen. Unterziehen wir nun die Sandsteine einer Analyse, so wird 

* 

es uns in der Tat gelingen, die einzelnen Substanzen voneinander zu 
trennen; wir können dann angeben, wieviel Prozent Kieselsäure, 
wieviel Tonerde, Kalk usw. in den Gesteinen enthalten sind; trotz- 
dem worden wir enttäuscht werden, wenn wir annehmen, dass diese 
chemische Untersuchung uns wertvolle Aufschlüsse über die Be- 
dingungen der Verwitterung der Sandsteine geben wird. Selbst die 
umfangreichste Analyse vermag nicht, diese Erwartungen zu erfüllen. 



> 



I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



109 

Es ist das nnbestreitbare Verdienst Hirsch walds *), die Un- 
zulänglichkeit der chemischen Analyse für die Untersuchung der Ver- 
witterung der Sandsteine ausführlich dargestellt zu haben. Er fand 
nämlich, dass bei den Sandsteinen ein eindeutiger Zusammenhang 
zwischen dem Prozentualgehalt an Kieselsäure und Bindemittel- 
substanz auf der einen und Verwitterbarkeit auf der anderen Seite 
nicht besteht. Obwohl doch der Quarz ein Mineral ist, das den Ein- 
wirkungen der Atmosphärilien selbst in geologischen Zeiträumen auf 
das vollkommenste Widerstand zu leisten vermag, beobachtete er 
Sandsteine mit hohem Kieselsäuregehalt, die trotzdem schnell ver- 
witterten. Und auf der anderen Seite konnte er feststellen, dass 
sich gelegentlich Sandsteine mit einem relativ geringen Kieselsäure- 
gehalt und einem prozentual hohen Bindemittelgehalt als sehr 
wetterbeständig erwiesen, selbst wenn das Bindemittel aus lockrem, 
pulverfbrmigen Kaolin bestand 

Die mikroskopische Untersuchung lieferte nun die Lösung dieses 
eigenartigen Problems. Der Zusammenhang der körnigen Bestand- 
teile des Sandsteins wird nämlich noch auf eine andere Weise als 
durch jene Bindemittelsubstanz bewirkt. Bei der Mehrzahl der festen 
Sandsteine erkennt man an Dünnschliffen, dass die Quarzkörnchen 
durch eine Uberrindung von reiner Quarzmasse miteinander verwachsen 
sind, während das tonige, kalkige oder mergelige Bindemittel nur 
die Hohlräume ausfüllt, welche durch das Zusammenwachsen der 
Quarzkörner entstehen. 2 ) Hirschwald schlägt für diese Uberrindung 
den Namen Kontaktzement vor, während er das „Bindemittel" als 
Porenzement bezeichnet. Fehlt das Kontaktzement vollkommen, so 
dass die einzelnen Quarzkörnchen in dem Bindemittel gleichsam 
schwimmen, so nennt Hirschwald diese Erscheinung Basalzement. 
In diesem Falle ist vor allem der Silifizierungsgrad des Bindemittels 
zu berücksichtigen, welcher bei derartigen Sandsteinen dann geradezu 
als das wichtigste Kriterium der Wetterbeständigkeit zu betrachten 
ist und den Mangel an einem kieseligen Kontaktzement durchaus 
ersetzen kann. 

Nach diesen Darstellungen werden wir nun leicht den Mangel 
einer chemischen Analyse erkennen: sie vormag zwar, den gesamten 
Kieselsäuregehalt eines Sandsteins anzugeben, sie ist aber nicht 
imstande, die Kieselsäure, die als Kontaktzement oder Infiltrations- 
substanz des Bindemittels auftritt, von der Kieselsäure der Quarz- 



l ) J. Bir8chwald ; Prüfung der natürlichen Bausteine, Berlin 1908. 
8 ) Hirschwald: a. a. 0. Seite 263. 



t Original from 



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110 

körnchen zu trennen. Und hierin ist eben ihre Unzulänglichkeit be- 
gründet; denn gerade die Trennung der den verschiedenen struk- 
turellen Bestandteilen des Gesteins angehörigen Kieselsäuremengen 
würde eine chemische Untersuchung erst wirklich lohnend machen, 
und hierzu roichen leider die bisherigen analytischen Methoden 
nicht ans 

Von den grundlegenden Untersuchungen Hirschwalds ausgehend, 
dürfte es uns daher nicht genügen, die Sandsteine der Kreideformation 
lediglich zu analysieren, sondern es stellte sich gleichzeitig die Not- 
wendigkeit heraus, sie auch mikroskopisch zu untersuchen ! ). 

Von den cenomanen Sandsteinen erschien eine ausführliche chemische 
Analyse allerdings ans mehreren Gründen nicht ratsam und lohnend. 
Einmal besitzen die cenomanen Ablagerungen, wie wir im ersten 
Abschnitt gesehen, nur geringe oberflächliche Verbreitung und sind 
eigentlich nur in den Randerhöh nngen der Adersbach-Weck eis dorfer 
Mulde von Einfluss auf die Oberflächenform. Andererseits aber weisen 
die cenomanen Sandsteine an ganz benachbarten Punkten bereits 
makroskopisch so grosse Unterschiede auf, dass eine Probe dieses 
Gesteins noch viel weniger wie bei allen anderen Sandsteinen uns 
einon allgemeinen Begriff von der Zusammensetzung der ganzen Stufe 
geben würde. — Daher wurde von einer Analyse des cenomanen 
Sandsteins abgesehen. Das Gestein dieser Stufe ist ein rötlicher, 
gelblicher, brauner oder grauer Quarzsandstein von mittlerem, selten 
feinem Korn. Er zeichnet sich vor allem durch das reichliche tonige 
Bindemittel aus, welches die einzelnen Quarzkörnchen von allen 
Seiten umhüllt, so dass es hier durchaus angebracht ist, von Basal- 
zellen t im Sinne Hirsch walds zu sprechen. Einzelne Schichten werden 
gekennzeichnet durch ihren Reichtum an Glaukonitkörnchen, welche 
eine mehr oder weniger intensive Grünfarbung zur Folge haben. 
An anderen Stellen geht dieser cenomane Sandstein in eine rötliche 
Arkose über, die aufs deutlichste das aufgearbeitete Rotliegende 
erkennen lässt. Auch konglomeratische Lagen stellen sich hin und 
wieder ein. 



») Ich möchte an dieser Stelle nicht verfehlen, Herrn Dr. Lindner und 
Herrn Dr. WyKogorski meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen. Bei den 
mineralchemiechen Untersuchungen, die ich in der mineralchemischen Abteilung 
des Mineralogischen Institus der Universität Breslau ausführen durfte, hatte 
Herr Dr. Lindner die Güte, mich anzuleiten und zu unterstützen. Herr Dr. 
Wysogoraki half mir in überaus liebenswürdiger Weise in der Bestimmung der 
mikroskopischen Eigenschaften der Gesteine. Beiden Herren bin ich zu grossem 
Dank verpflichtet. 



Ongmalf™ 



UHIVERSITYOF MICHIGAN 



111 

Im Gegensatz zu dem cenomanen Sandstein mit seinem reichlichen 
tonigen Bindemittel zeichnen sich die turonen Sandsteine, wie man bereits 
mit blossem Auge wahrnehmen kann, durch ein deutliches Zurück- 
treten des Bindemittels aus. Varietäten von mittlerem Korn herrschen 
hier durchaus vor, wenngleich ein Feinerwerden des Korns in ein- 
zelnen Bänken nicht zu verkennen ist. Andererseits treten gelegentlich 
auch in dieser Stufe Lagen mit Quarzgeröllen bis zu Haselnussgrösse 
auf '). In Bezug auf den Eisengehalt des Bindemittels schwankt 
das Gestein vielfach und innerhalb weiter Grenzen. Häufig finden 
wir parallele Lagen besonders eisenschüssiger Substanzen, die an 
anderen Stellen in schrägen, nicht selten senkrechten Blättern 
(Schlieren) oder auch in kugeligen Gebilden das Gestein durchsetzen. 
Im Wünschelburger Steinbruch endlich findet sich die Exogyra 
columba in so massenhafter Anhäufung, dass man förmlich von Exo- 
gyren-Bänken sprechen muss. Dieselbe Erscheinung berichtet übrigens 
R. Beck aus der Sächsischen Schweiz 2 ). Ebenfalls im Wünschel- 
burger Steinbruch sind eigentümliche, offenbar minerogene Bildungen 
zu beobachten. Es finden sich dort Sandsteinkugeln von einem 
Durchmesser von 10 — 25 cm, welche in verschiedenen Schichten des 
mittelturonen Sandsteins regellos verteilt sind. Häufig sind diese 
Kugeln durch eine wenige mm starke Schicht lockeren Sandes von 
dem sie umgebenden Sandstein getrennt, so dass sie dann leicht 
herauszubekommen sind. In anderen Fällen fehlt diese Zwischen- 
schicht wiederum, so dass die Kugeln fest in den Sandstein eingelagert 
sind. Diese Kugeln zeichnen sich durch grosse Härte aus; beim 
Betupfen mit Salzsäure konnte ich bei den acht untersuchten Kugeln 
nur einmal ein schwaches Aufbrausen bemerken, so dass man in 
diesem Falle wohl auf ein Bindemittel von Kalkcarbonat schliessen 
kann. 

Derartige Sandsteinkugeln sind meines Wissens aus den 
schlesisch-böhmischen Kreideablagerangen und auch aus der Sächsischen 
Schweiz noch nicht beschrieben worden. In Westdeutschland aber 
haben A. v. Koenen s ) und seine Schüler *) sie wiederholt beobachtet, 

') Käsebrettplateau, Felspartie an den Sieben Kammern (Wünschelburger 
Lehne). 

*) R. Beck : Erläuterungen zur geologischen Spez 'talkarte des Königsreichs 
Sachsen. Sektion Königstein-Hohnstein, Blatt 84 Seite 10. 

*) A. v. Koenen: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 43, 
1891. Seite 790. 

4 ) Erläuterungen zur geologischen Karte von Preussen, Lfg. 127, Bl. Alfeld. 
Geognostisch bearbeitet von A. v. Koenen, Q. Müller und 0. Orupe. Seite 29 ff. 
(Hilssandstein). 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



112 

und zwar in den verschiedensten Formationen, so dass es sich keines- 
wegs um eine Eigentümlichkeit nur des Kreidesandsteins zu handeln 
scheint. 

Zur Untersuchung gelangten drei Proben, von denen die ersten 
zwei der Wünschelburger Lehne entstammen, während die letzte der 
Sandsteininsel von Goldbach-Utschendorf entommen wurde. 

Probe I der Wünschelburger Lehne ergab folgende chemische 
Zusammensetzung : 

SiO* 91.98 

AI2O3 3.67 

FeaOs 0.75 

CaO 0.29 

MgO 0.32 

K2O 0.83 

Na 2 0.95 

H2O 1.47 

100.26 
Die Probe II zeigte nur wenig Abweichung hiervon: 

SiOa 91.56 

AI2O3 4.09 

Fe 2 3 0.82 

CaO 0.17 

MgO 0.27 

K2O 1.29 

Na 2 0.57 

H2O 1.37 

100.14 

Im Dünnschliff zeigte sich bei diesem Sandstein, dass das 
Bindemittel in der Tat auffallend zurücktritt und die einzelnen 
Quarzkörnchen bereits durch eine feine Haut von Kieselsäure mit- 
einander verwachsen sind (schwaches Kontaktzement). Im Binde- 
mittel fand sich Feldspat ziemlich reichlich vor; er war teils frisch 
(nicht selten Mikroklin-Struktur), teils in tonige und glimmerige 
Substanzen zersetzt. Ausserdem fanden sich spärliche Andeutungen 
zersetzter Mg, Fe-haltiger Substanzen. Die Quarzkörnchen selbst 
sind teils eckig, teils rundlich. Sie liegen infolge des Kontakt- 
zements verhältnismässig dicht aneinander ; indessen lassen sich Poren 
deutlich wahrnehmen. 

Der Dünnschliff des Goldbach-Utschendorfer Sandsteins stimmt 
mit dem des Wünschelburgers im wesentlichen überein. Das schwache, 



I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



113 

kieselige Kontaktzement und das spärliche, tonige Bindemittel finden 
wir auch hier wieder. Die Feldspatindividuen, die sich im Binde- 
mittel vorfinden, sind zum grössten Teil in tonigo Substanzen um- 
gewandelt; die Quarzkörnchen sind auch hier zum Teil eckig, zum Teil 
rund geformt. Die Analyse zeigt entsprechend grosse Ähnlichkeit 
mit der des Wünschelburger Sandsteins: 

AhOs 3.89 

FeaOs 0.94 

CaO 0.07 

MgO 0.21 

KtO 0.72 

Na*0 0.94 

H2O 0.94 

100.20 

Ein wesentlich anderes Resultat liefert dagegen die Untersuchung 
des Emschersandsteins aus dem Heuscheuergebirge. Die Analyse 
lautet folgendermassen : 

SiO* 98.07 

AI2O3 0.66 

Fe 2 0.<j 0.10 

CaO 0.02 

MgO 0.04 

K2O 0.09 

Na*0 0.04 

H2O 0.50 

99.52 

Auffallend an dieser analytischen Untersuchung ist besonders der 
hohe Kieselsäuregehalt, dessen strukturelle Bedeutung wir jedoch erst 
aus der mikroskopischen Untersuchung zu erkennen vermögen. Die 
grösstenteils rundlichen Quarzkörnchen sind von einer starken kon- 
zentrischen Schicht von Kieselsäure umgeben, so dass die einzelnen 
Individuen aufs festeste miteinander verwachsen sind. Die Raum- 
erfüllung ist eine sehr vollständige, so dass die Poren von ungemein 
geringer Grösse sind. Ein spärlich eisenschüssiges, ebenfalls noch 
silifiziertes Zement erfüllt die Hohlräume zwischen den einzelnen 
Quarzkörnchen. In diesem Porenzement finden sich nur selten Feld- 
spatindividuen, etwas häufiger dunkle, aus toriigen Substanzen und 
Eisenoxyd zusammengesetzte Häufchen, die offenbar das Zersetzungs- 
produkt des Biotit darstellen. Muskowitblättchen sind spärlich. 

MUteiluDgen XXIV 8 



Original from 



UNIYERSITY OF MICHIGAN 



114 

Ganz vereinzelt lässt sich Zirkon nachweisen. — Von der ausser- 
ordentlichen Härte, welche dem Gestein infolge des ausgeprägten 
kieseligen Kontaktzements eigen ist, kann man sich vielleicht erst 
dann einen rechten Begriff machen, wenn man erfährt, dass den 
Steinbruchsarbeitern z. B. an der Friedrichsgrunder Lehne ein Lohn- 
zuschuss von 150 % gewährt werden muss, um überhaupt nur 
Arbeitskräfte für dieses Material zu bekommen. 

Die Sandsteinkugeln, welche im Wünschelburger Steinbruch uns 
begegnet waren, finden sich in dem Emschersandstein nicht mehr. 
Dafür erscheinen neue eigenartige Gebilde, die Sandlöcher, die sich 
zwar ganz vereinzelt auch schon in den cenomanen Sandsteinen vor- 
finden (Cihak), im Mittelquader stellenweise bereits in grösserer 
Anzahl auftreten (im Wünschelburger auffallend selten, häufiger da- 
gegen in Adersbach und Weckelsdorf) und nun schliesslich hier in 
dem Emscher derartig massenhaft den Sandstein durchsetzen, dass 
sie für die Modellierung der Felsen von grosser Bedeutung werden. 
Es sind kugelförmige Hohlräume mit einem Durchmesser von 
wenigen cm bis zu 1,20 m, die mit lockrem Sande angefüllt sind. 
In der Farbe und der Form des Kornes weicht dieser Sand meistens 
nicht ab von dem umschliessenden harten Sandstein. Nur hin und 
wieder kommt es vor, dass eine Braunfärbung des lockren Sandes 
eingetreten ist und sich eine eisenhaltige Schicht wie eine Rinde an 
der Innenwand der Sandlöcher abgesetzt hat. 

Diese eigentümlichen Bildungen sind bisher noch keiner ein- 
gehenden Untersuchung gewürdigt worden, obwohl sie eine weit 
verbreitete Eigentümlichkeit der verschiedensten Sandsteine darstellen. 

Andree 1 ) und Haack 2 ) berichten von derartigen Loch- 
bildungen aus dem Teutoburger Wald-Sandstein, A. v. Koenen 3 ) 
und Ebert 4 ) aus dem mittleren Buntsandstein, und schliesslich hatte 
Herr Dr. Basedow die Liebenswürdigkeit, mir eine kleine Notiz 
zu übersenden, in der er von ganz ähnlichen Erscheinungen in 
tertiären Sandsteinen Südaustraliens berichtet. 5 ) Als Entstehungs- 

*) K. Andrie: Der Teutoburger Wald bei Iburg. Inaugural - Dissertation, 
Göttingen 1904, Seite 27 ff. 

8 ; IV. Haack : Der Teutoburger Wald südlich von Osnabrück. Inaugural- 
Dissertation, Göttingen 1907, Seite 65 ff. 

■) A. v. Koenen: Erläuterungen zu der geologischen Spezi alkarte von 
Preussen, 62. Lfg. Blatt Reinhausen, Seite 6 ff. 

*) A. v. Koenen und 27». Ebert: Erläuterungen zu der geologischen Spezial- 
karte vou Preussen, 62. Lfg. Blatt Waake, Seite 11 ff. 

8 ) H. Basedow: Note on Tertiary Exposures in the Happy Valley District. 
Transactions of the Royal Society of South Australia 1904, Seite 260 ff. 




I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



115 

Ursache für die Anhäufung lockeren Sandes in festem Gestein wird all- 
gemein eine lokale Konzentration, eine Konkretion von verschiedenen 
leicht zerfallenden Mineralsubstanzen im Bindemittel angenommen, 
welche vom Sickerwasser in lösliche Substanzen umgewandelt und 
ausgelaugt werden, so dass dann „masses consisting of uncemented 
sand-grains" l ) übrig bleiben. Derartige Bindemittelsubstanzen können 
kalkig-dolomitisch sein, können aus Eisenkarbonat oder Kalkkarbonat 
bestehen oder endlich im wesentlichen von Markasit 2 ) gebildet 
werden. Die Entstehungs weise der Sandlöcher ist demnach eng 
verwandt mit jener von Hirschwald als subkutane Verwitterung 
beschriebenen Erscheinung 3 ) und entspricht somit in gewisser Beziehung 
auch der von Walther 4 ) aus der Wüste geschilderten Verwitterung 
von innen heraus, welche dort zur Bildung der Hohlblöcke Veran- 
lassung gibt. 5 ) — Um einen Überblick über die Zusammensetzung der 
lockeren Sandmassen zu erhalten und gleichzeitig Material für weitere 
Studien dieser interessanten Bildungen zu schaffen, analysierte ich 
aus drei Sandlöchern je eine Probe des lockeren Sandes und der 
einschliessenden Wandung. Die Probe I und II entstammen dem 
Friedersdorfer Sandstein, aus dem auch die Probe des Emschersand- 
steins herrührt, dessen Analyse wir oben mitgeteilt; die Probe III 
dagegen entstammt einem Sandloch des Cihaker Sandsteins. 

I. Weisser Sand mit ebenfalls heller Wandung (Friedersdorf): 

Lockerer Sand Wandung 

SiO* 98.89 98.76 



Ahos . 


.... 0.91 .... 


. . 0.82 


FtOs 


... 0.14 .... 


... 0.16 


CaO 


... 0.03 


0.04 


MgO , 


, ... 0.24 .... 


0.05 


K*0 


, ... 0.05 .... 


0.09 


Na 2 ... 


f • • • ^^ ■ ■■ * ■ • • 


.... 0.11 


H2O 


, ... 0.32 .... 


.... 0.41 




100.82 


100 . 44 



') Basedow: a. a. O. Seite 259. 

•) Haack: a. a. O. Seite 67. 

*) Hirschwald ; a. o. 0. Seite 316. 

4 ) Johannes Walther: Gesetz der Wüstenbildung, Berlin 1900, Seite 20/21. 

*) Es liegt nahe, anzunehmen, dass ein Zusammenhang zwischen den Sand- 
steinkugcln des Wünschelburger Steinbruchs und den Sandlöchern des obersten 
Heuscheuer-Quaders besteht, dass die Massen lockeren Sandes aus dem Zerfall 
der Sandsteinkugeln hervorgegangen sind. Trotz emsigen Suchens habe ich indes 
an keiner einzigen Stelle eine Sandsteinkugel gefunden, bei der der beginnende 
Zerfall erkennbar gewesen wäre. — 



Ong.na.ftom 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



116 

IL Gelblicher Sand und rostbraune Innenkruste (Friedersdorf): 

Lockerer Sand Wandung 

SiO* 98.64 92.33 

AI2O3 0.21 1.16 

Fe2()s 0.67 4.66 



CaO 


. .. 0.03 .... 


0.02 


MgO ... 


• 1 • \J g \J X ■ 1 1 • 


. .. 0.04 


K2O 


... 0.11 


0.13 


Na.O 


. .. 0.20 


0.12 


H*0 .. 


... 0.40 .... 


.... 1.22 




100 27 


99.68 


JII. Wie I (Cihak): 






SiOi 






AI2O3I 
F2O3 | ■' 


> a 1 . ÖO . • g . 


5.20 


Ca . . . . 


... 0.21 


0.38 


MgO 


. .. 0.22 


0.36 


K2O 


. .. 0.41 .... 


0.68 


Na*0 


... 1.05 


0.69 


H2O 


... 1.12 .... 


1.04 


80a 


... 0.01 .... 


0.01 



99.92 100.51 

Neben diesen Sandlöchern finden sich an manchen Stellen kugelige 
Absonderungen, welche sich durch ihre braunrote Färbung sehr leb- 
haft von dem weissen Sandstein abheben. Sie besitzen ungemein 
grosse Harte und scheinen Konkretionen von Spateisenstein dar- 
zustellen. 

Die übrigen Sandsteinablagerungen der Emscher Stufe, vor 
allem der Kieslinpfswalder Sandstein, sind von geringerer Bedeutung 
wegen ihrer unbedeutenden oberflächlichen Verbreitung. Der Kies- 
lingswalder Sandstein ist ein blaugraues, graues oder braungraues 
Gestein von sehr feinem Korn und zeichnet sich, wie bereits erwähnt, 
vor allem durch den Reichtum an Glimmerschüppchen aus. Ferner 
besitzt dieser Sandstein Einlagerungen von Platten und Knollen eines 
sehr festen, beim Zerschlagen glasig klingenden Gesteins, des sog. 
„Eisensteins" der Arbeiter, welcher von Sturm ! ) beschrieben worden 
ist: „Diese Einlagerungen bestehen aus einem sehr dichten Gefüge 
von Quarzkömchen, die durch ein fast tonfreies, etwas kalkiges 
Bindemittel verkittet werden; die regellos im Gestein verteilten 

') Sturtn: a. a. O. Seite 46. 



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Original frorn 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



117 

Knollen und Platten sind der Bearbeitung der Sandsteine ungemein 
hinderlich, und manche guten Werkstücke müssen beiseite gelegt 
werden, weil eine unvermutet auftretende Eisensteinknolle der 
weiteren Bearbeitung des Stückes allzu grosse Schwierigkeiten ent- 
gegenstellen würde." — 

Diesen Erörterungen über die chemische Zusammensetzung der 
Sandsteine und ihrer mikroskopischen Strukturverhältnisso schliessen 
sich zweckmässig einige Worte über die chemische Verwitterung an. 
Werfen wir noch einmal einen Blick beispielsweise auf die Analyse 
des Emschersandsteins, so erkennen wir ohne Schwierigkeit, dass im 
Verhältnis zum Quarz, der ja als fast unangreifbar angesehen werden 
darf, die übrigen Mineralien in verschwindend kleinen Quantitäten 
sich vorfinden. Ausserdem aber sind sie fast durchgängig selbst die 
Restprodukte der chemischen Zersetzung primärer Gesteine; sie 
kommen also für eine weitere chemische Umsetzung kaum mehr in 
Betracht. Sind im Bindemittel noch unzersetzter Feldspat and 
Glimmer vorhanden, so wird die chemische Verwitterung auf einer 
Zersetzung dieser Silikate beruhen. — Endlich ist der chemischen 
Einwirkung der Pflanzenwelt an dieser Stelle zu gedenken. Die ab- 
sterbenden Pflanzen liefern durch den eintretenden Fäulnisprozess 
reichliche Humussubstanz, welche sich aus braunen Ulmin- und 
schwarzen Huminstoffen zusammensetzt. Letztere entwickeln sich 
allmählich aus den Ulminstoffen durch Aufnahme von Sauerstoff und 
nnter Abscheidung von Wasser und Kohlensäure. Dieser fort- 
schreitende Oxydati onsprozess geschieht aber nur zum kleinsten Teil 
auf Kosten des Luftsauerstoffes; vielmehr wird die weitaus über- 
wiegende Menge des Sauerstoffes den im Boden oder Gestein vor- 
handenen Oxyden entnommen. So wird das unlösliche Eisenoxyd 
des Bindemittels zu Eisenoxydul reduziert, das, mit der gleichzeitig 
entstandenen Kohlensäure verbunden, leicht in Lösung geht. 1 ) Bei 
dem Überschuss an Humussäure bilden sich ausserdem leicht saure 
hnmu8saure Salze, welche von dem durchsickernden Wasser gelöst 
und entführt werden. Endlich wird die bei der Vermoderung ab- 
gestorbener Vegetabilien entstehende und vom Wasser absorbierte 
Kohlensäure lösend auf die allerdings nur in geringen Mengen vor- 
handenen kalkigen Bestandteile der Bindemittelsubstanz einwirken. 2 ) 

l ) Vergl. hierüber in: Der Acker, eine Folge von 7 Vortragen, Hamburg 
1907. J. F. Herding, Entstehung der Bestandteile des Bodens, Seite 10. 

■) Nach F. Rinne: (Praktische Gesteinskunde, Hannover 1908) lösen 10000 Teile 
kohlensäurefreien Wassers nur 0,3 Teile ca. COs, während kohlensäurehaltiges 
Wasser 10 — 12 Teile aufzunehmen vermag. 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



118 

Hiermit ist dann aber auch der Kreis der chemischen Veränderungen 
im wesentlichen erschöpft, und selbst wenn wir zugeben wollen, dass 
durch die chemische Verwitterung gelegentlich eine Lockerung im 
Gefüge des Sandsteins eintreten mag, so wird doch die Gesamtwirkung 
der chemischen Umsetzungen stets nur von untergeordneter Bedeutung 
für den Zerfall des Sandsteins bleiben. 

Die Verwitterung der Sandsteine ist in der Tat fast ausschliess- 
lich mechanischer Natur. Bevor wir jedoch auf diese eingehen, 
müssen wir zuvor einige wichtige physikalische Eigenschaften der 
Sandsteine unseres Gebietes behandeln, und zwar sind von diesen 
für unsere Zwecke vornehmlich drei zu berücksichtigen : die Schichtung 
der Sandsteine, ihre Zerklüftung und ihre Wasserdurchlässigkeit. 

Von den fünf möglichen Arten der Schichtung l ) finden sich hier 
hauptsächlich die folgenden vertreten: 

1. die Schichtung wird bewirkt durch reichliche Ausscheidung 
von Bindemittelsubstanz in parallelen Lagen, 

2. die Schichtung beruht auf einer Abwechslung der Korngrösse. 
Während die letztere Art der Schichtung in den cenomanen 

Ablagerungen eine wesentliche Rolle spielt, tritt sie bei den Sand- 
steinen von Adersbach-Weckelsdorf und der Wünschel burger Lehne 
bereits bedeutend zurück. Für die Kmscher-Ablagerungen ist sie 
überhaupt mehr oder minder belanglos. Die Korngrösse ist bei diesen 
Sandsteinen im allgemeinen eine äusserst gleichmässige. 2 ) 

Parallele Lagen von Bindemittelsubstanz dagegen kann man 
durchgängig in allen Sandsteinen unseres Gebietes feststellen. Der 
Abstand dieser Lagen — d. i. die Mächtigkeit der Schichten — ist 
durchaus ungleichmässig , so dass sich Allgemeines hierüber nicht 
sagen lässt. Stufenweises Auftreten von Dünnbankigkeit ist bei den 
cenomanen und turonen Ablagerungen eine nicht seltene Erscheinung. 
In den Emscher- Ablagerungen dagegen fehlt sie im allgemeinen; 
hier ist die Mächtigkeit der Schichten durchgängig eine ziemlich grosse, 
2—5 m und mehr. - Die Bedeutung der Schichtung für die Ver- 
witterungsvorgängo beruht nun auf der Verschiedenheit in dem Ver- 
halten der eigentlichen Gesteinschichten und der Schichten von Binde- 
mittelsubstanz gegenüber den Witterungsagentien. Und es ist hierbei 
von geringer Bedeutung, ob wir eine Lage von Bindemitteisn bstanz 
direkt oder eine Schicht gröberen Korns vor uns haben ; in letzterem 



l ) Hirsckwald: a. a. O. Seite 266/67. 

*) Von den Konglomeraten in den obersten Schichten des Kieslingswalder 
Systems sehen wir im Augenblick ab; sie besitzen nur ganz lokale Bedeutung 
und können den Habitus der ganzen Stufe kaum beeinflussen. 




I Original front 



UNIVERSrTY OF MICHIGAN 



119 

Falle nämlich erkennt man leicht, dass die grossen Quarzkörner 
auch einen grossen Zwischenraum zwischen einander haben, dass zu 
ihrer Verkittung mithin eine grössere Menge von Bindemittelsubstanz 
angewandt werden musste als in den feinkörnigen Schichten darüber 
und darunter ; auch hier also eine schichtweise Anhäufung der Binde- 
mittelsubstanz. Diese unterscheidet sich nun von dem eigentlichen 
Gestein sowohl in der chemischen Zusammensetzung wie in ihrem 
physikalischen Verhalten. Das Bindemittel ist mehr oder weniger 
verunreinigter Ton; es ist gewöhnlich nur schwach oder überhaupt 
nicht silifiziert und steht daher, was Festigkeit anbetrifft, weit hinter 
dem eigentlichen Quarzsandstein zurück. Ausserdem aber übt die 
Schichtung einen grossen Einfluss auf die Wasserdurchlässigkeit aus. 
Wie wir unten sehen werden, sind die eigentlichen Gesteinsschichten 
mehr oder weniger vollkommen wasserdurchlässig, die Zwischen- 
schichten von Bindemittelsubstanz dagegen vermöge ihrer Zusammen- 
setzung aus Ton so gut wie undurchlässig. — In dem Wechsel also 
von härteren und weicheren Schichten — je nach dem Mangel oder 
Reichtum an tonigem Bindemittel — , in dem Wechsel von wasser- 
durchlässigen und -undurchlässigen Schichten erkennen wir den 
wesentlichen Einfluss der Schichtung *). 

Senkrecht zur Schichtung durchsetzt nun ein System fast recht- 
winklig sich schneidender Klüfte die Kreidesandsteine, und jene 
eigentümliche Zerspaltung in quaderförmige Bruchstücke verlieh dem 
Gestein den Namen „Quadersandstein". Die wiederholt angestellte 
Messung der Streichrichtung dieser Klüfte, sowohl in dem Felsen- 
labyrinth der Heuscheuer wie der Wilden Löcher, als auch in den 
Schluchten der Felsenstädte von Adersbach und Weckelsdorf ergab, 
dass sie nicht ganz unregelmässig verlaufen, sondern vielmehr zwei 
Hauptrichtungen bevorzugen, und zwar N 30° — 35° und N 40° — 45° W. 
Die grössten Abweichungen von diesem mittleren Werte betragen 
etwa 10° 2 ). Gelegentlich finden sich jedoch, z. B. in Weckelsdorf, 
aber auch sonst, Klüfte, welche in dieses Schema nicht hineinpassen 
und annähernd nordsüdlich gerichtet sind. — Die Tiefe, bis zu welcher 
die Klüfte die Sandsteinschichten zerspaltet haben, ist eine geradezu 
erstaunliche. In dem Felsenlabyrinth der Heuscheuer schätzte ich 



1 ) Sehr häufig ist übrigens die an den Sandsteinfelsen deutlich sich ab- 
hebende Schichtung Diagonalschichtung. 

2 ) J. Partsch hat die Streichrichtung der Klüftung ebenfalls einer Messung 
unterzogen und gibt (Schlesien, Seite 81) folgende Werte an: N 20°— 30° 0, 
N 36° W. Bezüglich der Korrektur für die Deklination bei meinen Messungen 
vergleiche Seite 99. Anm. 3. 



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120 

in don Kluftgängen die Höhe der fast senkrechten Felswände stellen- 
weise auf etwa 30 — 40 m, und dabei betrag die Breite der Spalten 
unten immer noch 2 — 5 m, so dass man die Gesamttiefe der Klüfte 
wohl auf 80 m und mehr schätzen darf. 

Für die Entstehung dieser Spalten liegt eine vollkommen be- 
friedigende Erklärung bis jetzt noch nicht vor. Gutbier bespricht 
die Zerklüftung der Kreidesandsteine der Sächsischen Schweiz l ) und 
kommt zu dem Schluss, dass man die Grundursache zu der Zer- 
klüftung in der Zusammenziehung der als Meeressand abgelagerten 
Massen während des Festerwerdens derselben zu suchen hat. „Die 
Zusammenziehung, schreibt Gutbier, strebe allerdings ursprünglich 
danach, kugelförmige Absonderungsflächen herzustellen", und Gutbier 
glaubt, diese Kugelform auch an einigen Felsen erkennen zu können; 
„wo aber die kugelige Zusammenziehung der Massen durch das An- 
hängen an die Schichtungsebene gestört wurde, da entstanden die 
senkrecht auf letztere niedersetzenden und sich kreuzenden Spalten, 
deren Resultat — der Quader — als das reinste Produkt der nur 
durch Adhäsion beschränkten Attraktion betrachtet werden muss". *) 

Ohne weiteres lässt sich diese Ansicht nicht von der Hand 
weisen; ob aber die Zusammenziehung der Sedimente beim Fest- 
werden eine so inteüsive ist, um ein derartiges Zerbersten der Ab- 
lagerungen hervorzurufen, wird entschieden angezweifelt werden 
dürfen, da ein Beweis hierfür keineswegs erbracht ist. Überdies ist 
gerade die quaderförmige Zerklüftung der Kreidesandsteine eine so 
eigenartige, den anderen Sedimentgesteinen mehr oder minder fremde 
Erscheinung, dass uns die Gutbiersche Hypothese nicht befriedigen 
kann. Richtig jedoch ist ohne Frage, dass die Klüfte nicht lediglich 
als Verwitterungserscheinungen gedeutet werden dürfen, wie es hin 
und wieder geschieht. Sie lassen sich in jedem Steinbruch — auch 
im frischesten Gestein feststellen, und selbst einer auch nur einiger- 
massen bedeutungsvollen Erweiterung der Klüfte durch die Ver- 
witterung wird man nicht beipflichten, wenn man in den Kluftgängen 
z. B. der Heuscheuer die korrespondierenden Sandlöcher an den beiden 
Felswänden beobachtet hat. Die Ränder dieser Löcher sind so scharf, 
ihre Durchmesser beiderseits so genau übereinstimmend, dass man 
fast den Eindruck mitnimmt, die Felsen seien erst vor kurzer Zeit 
auseinandergeborsten. Wenn hier eine starke Verwitterung an den 

l ) A. v. Gutbicr: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz, 
Leipzig 1868. Seite 27. 

») Outbier: a. a. 0. Seite 29. 



" 



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121 

senkrechten Quaderwänden genagt hätte, wären dieso Löcher wohl 
kaum mit solcher Schärfe erhalten geblieben. 

Die Mehrzahl der Forscher ist heutzutage wohl geneigt, die 
Zerklüftung auf tektonische Störungen zurückzuführen, wie es auch 
Hettner für den Quadersandstein der Sächsischen Schweiz aus- 
gesprochen hat *). Die starke Zusammenpressung der Sedimente, 
welche durch ein muldenförmiges Einsinken der Schichten oder eine 
keilförmige Heraushebung der randlichen Gebirgsmassive hervor- 
gerufen wurde, und die Auslösung dieses gewaltigen Druckes durch 
die mannigfache Bildung von Vorwerfungen müssen in der Tat als 
die Grundursache der Kluftbildung angesprochen werden. Indes 
dürften tektonische Bewegungen allein kaum zur Erklärung der 
Quaderbildung, wie wir sie heute beobachten, genügen. Verfasser 
hatte wiederholt Gelegenheit, andere Kreideablagerungen, z. B. die 
von Lähn-Löwenberg zu besuchen. An tektonischen Bewegungen 
fehlt es hier nicht, vielmehr herrscht ein wahrer Überfluss von 
Störungslinien vor, und dennoch kann es dem Beobachter nicht ent- 
gehen, dass die Zerklüftung bei weitem nicht den Grad erreicht, 
durch den die Sandsteine des Heuscheuergebirges und von Adersbach- 
Weckelsdorf ausgezeichnet sind. Und schon wenn man die Zer- 
klüftung bei den einzelnen Sandsteinen unseres Gebietes gegeneinander 
abwägt, findet man eine deutliche Abstufung, welche uns vielleicht 
noch auf einen neuen Gesichtspunkt hinweisen kann. — In Cihak 
und Nesselfleck, wo wir die Kreide in präcretaceischen Becken des 
Urgebirges abgelagert finden, ist die Zerklüftung minimal. Die ceno- 
manen Ablagerungen von Adersbach - Weckelsdorf weisen quader- 
förmige Zerklüftung zwar bereits deutlich auf, werden aber bei weitem 
übertroffen von den im innersten Kern der grossen niederschlesisch- 
böhmischen Mulde abgelagerten jüngeren Kreidesandsteinen, die aber 
fast überall nur in einzelnen horstartig stehen gebliebenen Denun- 
dationsresten erhalten sind. Wir möchten aus dieser Abstufung den 
Schluss ziehen, dass die relative Höhenlage und die orographischen 
Verhältnisse ebenfalls von wesentlichem Einfluss auf die Bildung der 
Klüfte sind. Durch die tektonischen Bewegungen werden in dem 
Gestein vertikale Flächen geringerer Kohäsion als schwach aus- 
geprägte Spalten entstehen; eine Erweiterung dieser Spalten zu 
grossen Klüften findet jedoch erst dann statt, wenn einzelne Sand- 
steinpartien, ihres seitlichen Halts durch die Verwitterung und Ab- 
tragung beraubt, inselförmig aus der Landschaft emporragen und 

l ) A. Hettner: Die Felsbildungen der Sächsischen Schweiz. Geographische 
Zeitschrift. Bd. 9. 1903. 



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122 

nunmehr die vertikalen Tafeln, gleichsam aufatmend von dem starken 
seitlichen Druck, unter dem sie bisher gestanden, sich allmählich 
seitlich zu neigen beginnen. In den Felsenlabyrinthen bietet sich 
allenthalben Gelegenheit, derartig schräg gestellte Quader zu be- 
obachten (Tafel IV. Abb. 9). 

Wenn wir nun zum Schluss unserer einleitenden Betrachtungen 
über die physikalischen Eigenschaften der Quadersandsteine noch 
mit einigen Zeilen bei der Wasserdurchlässigkeit verweilen, so er- 
scheint dies deshalb notwendig, weil, wie wir unten sehen werden, 
gerade die Durchlässigkeit für die mechanische Verwitterung eine 
überaus bedeutungsvolle Rolle spielt. — Der wichtigste Faktor für 
die Wasserdurchlässigkeit ist die Aufsaugungsfiihigkeit oder „relative 
Porosität", wie es Hirschwald nennt *), dargestellt etwa durch 
diejenige Menge Wassers, welche ein bestimmtes Volumen des Gesteins 
bis zur vollkommenen Sättigung aufzunehmen vermag. Versuche zur 
zahlenmässigen Bestimmung dieser Grösse hätten sich im Laboratorium 
unter einigem Zeitaufwand leicht ausführen lassen; wir haben trotz- 
dem davon Abstand genommen, weil gerade diese Laboratoriums- 
versuche den Verhältnissen in der Natur allzu wenig Rechnung zu 
tragen vermögen. Wenn sich das Gestein, wie es bei den bisher 
üblichen Versuchen zur Bestimmung der Durchlässigkeit der Fall 
ist, zum grössten Teil oder vollkommen im Wasser befindet, dann 
interessiert das Ergebnis dieser Untersuchung wohl den Techniker, 
vor allem den Brückenbauer; der Geograph jedoch wird diesem 
Resultat kein grosses Gewicht beimessen dürfen, da die Verhältnisse 
bei anstehendem Gestein in den meisten Fällen anders liegen werden. 
Man könnte allerdings die Methode umändern und etwa auf einen 
Gesteinswürfel von bestimmter Oberfläche ein bestimmtes Volumen 
Wasser tropfen lassen und alsdann bestimmen, in welcher Zeit und 
wieviel cem Wasser auf der Unterseite wieder austreten. Derartige 
Methoden sind jedoch unseres Wissens technisch noch nicht aus- 
gearbeitet worden, würden ausserdem den natürlichen Verhältnissen 
immerhin nur in beschränktem Masse nahe kommen ; denn schliesslich 
spielt, wie Leppla mit Recht betont 2 ), auch der Neigungswinkel 
der Schichten eine Rolle. Der Tropfen verwendet bei horizontaler 
Auffallfläche sein ganzes Gewicht, um in die Tiefe zu dringen, bei 
einer geneigten nur einen Bruchteil desselben. — Lediglich der Voll- 
ständigkeit wegen sei es gestattet, einige nach der alten Methode 



1 ) Hirschwald: a. a. O. Seite 270. 

2 ) Leppla: a. a. 0. Seite 234. 





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gewonnene Werte über die Wasseraufsaugungsfähigkeit von Sand- 
steinen unseres Gebietes hier anzuführen, welche Leppla in seinen 
hydrographischen Studien mitteilt *). Während frischer fester Gneis 
nur etwa 0,5% seines Volumens an Wasser aufzunehmen vermag, 
ergibt sich für die Sandsteine der Kreideformation ein mittlerer Wert 
von 4 — 6%, und zwar für Kieslingswalder Sandstein (Neu-Walters- 
dorf) etwa 4%, für Heuscheuersandstein 3—9%. — Diese weite 
Grenze, innerhalb derer die Durchlässigkeit bei den HeuscheuersaDd- 
steinen schwankt, wird uns nicht Wunder nehmen, wenn wir dessen 
eingedenk bleiben, dass die Wasserdurchlässigkeit lediglich von den 
Strukturverhältnissen abhängt, diese aber, wie wir gesehen, sogar 
innerhalb der einzelnen Stufen sehr schwankende sind. So werden 
denn die Erörterungen über die Durchlässigkeit der verschiedenen 
Quadersandsteine nie Anspruch auf Allgemeingültigkeit machen können, 
sondern für einzelne Schichtenkomplexe der verschiedenen Stufen 
sehr wohl modifiziert werden müssen. 

Nur mangelhafte Raumerfüllung, das Vorhandensein von Rissen 
und Poren ermöglicht die Durchlässigkeit des Gesteins. Wo nun, 
wie wir es bei den cenomanen Sandsteinen gesehen haben, die 
Zwischenräume zwischen den einzelnen Quarzkörnchen sehr voll- 
kommen durch ein toniges Bindemittel ausgefüllt werden, wird die 
Wasserdurchiässigkeit naturgemäss relativ unbedeutend sein. Einen 
höheren Betrag erreicht sie bei dem Kieslingswalder Sandstein, 
wenngleich hier wiederum die horizontal angeordneten Glimmer- 
schüppchen der Wasserzirkulation hemmend in den Weg treten. — 
Das Maximum der Wasserdurchlässigkeit finden wir schliesslich bei 
den mittelturonen und Emschersandsteinen. 

Nachdem wir nunmehr das Material genau kennen gelernt haben 
und uns sowohl mit der chemischen Zusammensetzung wie den 
wichtigsten physikalischen Eigenschaften der Kreidesandsteine bekannt 
gemacht haben, wenden wir uns jetzt den Verwitterungsvorgängen 
selbst zu. Die chemische Verwitterung hatten wir bereits oben 
behandelt. Bei der Betrachtung der mechanischen Verwitterung nun 
bieten sich uns zwei Wege dar. Zunächst könnte es angebracht 
erscheinen, dem Vorbilde Hettners zu folgen. Dieser zerlegt die 
Erscheinung der Verwitterung und Denudation in der Sächsischen 
Schweiz in solche der Felskanten, in denen sich die wagerechten 
Oberflächen mit den senkrechten Felswänden schneiden, und in 
solche der Felswände. 2 ) — Da wir jedoch gedenken, uns zum Schluss 

») Leppla: a. a. 0. Seite 336 ff. 
*) Hettner: a. a. O. Seite 612. 



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124 

unserer Betrachtung die Frage vorzulegen, ob wir die Felsformen 
und ihre Eigentümlichkeiten ableiten können als ein Produkt der 
heute zu beobachtenden Verwitterungskräfte, oder ob es eventuell 
notwendig erscheint, andere klimatische Bedingungen zur Erklärung 
ihrer Entstehung anzunehmen, so möchte es uns kaum zweckmässig 
dünken, die Hettner'sche — man möchte sagen lokale — Methode 
anzuwenden. Wir werden vielmehr uns bemühen, die heute wirk- 
samen Faktoren in ihren Effekten einzeln genau zu studieren und 
nacheinander die verschiedenen Verwitterungsagentien und ihre 
Wirkungen auf das Gestein zu verfolgen. 

In niederen Breiten mag sich die starke solare Erhitzung des 
Gesteins während des Tages und die ebenso intensive Wärmeaus- 
strahlung in der Nacht, mag sich dieser schroffe Temperaturwechsel 
in einer Zerstörung des Gesteins unmittelbar äussern, wie es von 
Wüstenreisenden wiederholt beschrieben worden ist. l ) In unseren 
Breiten jedoch ist die tägliche Temperaturschwankung bei den 
heutigen klimatischen Verhältnissen keine so erhebliche, als dass 
man ihren Einfluss auf das Gestein irgendwie beobachten könnte. 
Erst in Verbindung mit dem Wasser — also mittelbar — haben wir 
eine Einwirkung des täglichen Temperaturwechsels zu verzeichnen. — 
Die Wirkung des Frostes lernen wir in jedem Handbuch so ausführ- 
lich kennen, dass wir über das Allgemeine dieses Phänomens kurz 
hinweg gehen können, um uns den speziellen Beobachtungen zuzu- 
wenden; es kann im übrigen nur immer wieder auf die vorzüglichen 
Ausführungen Hirschwalds hingewiesen werden. 2 ) Die notwendige 
Vorbedingung für eine Einwirkung des Frostes auf den Sandstein 
ist ein bestimmter Grad der Wassererfüllung der Gesteinsporen; 
denn „es ist ohne weiteres klar, dass die mechanische Kraft des in 
den Hohlräumen des Gesteins gefrierenden Wassers nur dann auf 
die umschliessenden Poren Wandungen einzuwirken vermag, wenn das 
Wasser im Moment des Gefrierens keinen genügenden Raum zu seiner 
freien Ausdehnung findet." 3 ) Nach unseren obigen Ausführungen 
über die Strukturverhältnisso der Kreidesandsteine wird es uns nicht 
wundernehmen, wenn wir feststellen müssen, dass wir intensive Frost- 
wirkung vor allem an den mit Basalzement ausgestatteten cenomanen 
Ablagerungen und an dem verhältnismässig stark porösen mittel- 
turonen Quadersandstein beobachten können, wo hingegen die Emscher- 




l ) In neuster Zeit von L. Schnitze ; Aus Namaland und Kalahari, Jena 1907. 
Seite 67 ff. 

■) Hirschwald: a. a. 0. Seite 36 ff. 
■) Hirschwald: a. a. 0. Seite 36. 



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]25 

Sandsteine der Heascheuer durch ihr starkes kieseliges Kontaktzement 
gegen die zersprengende Wirkung des Frostes gefeit zu sein scheinen. 
In dem Wünschelburger Steinbruch (mittelturoner Quader) ist man 
gezwungen, besondere Massnahmen zu treffen, um das Gesteinsmaterial 
vor der Einwirkung des Frostes zu schützen. Man deckt hier die 
im Spätherbst gebrochenen, von Bergwasser erfüllten Werkstücke 
während des Winters ein, da sie andernfalls durch das in den Poren 
angesammelte und gefrierende Wasser zum „Zerfrieren" l ) gebracht 
werden würden. Derartige Vorsichtsmassregeln sind in den Stein- 
brüchen an der Friedrichsgrunder Lehne (Emscher) vollkommen un- 
nötig. Man erkennt hieraus den innigen Zusammenhang, welcher 
zwischen der strukturellen Eigenart der Gesteine einerseits und der 
Frostwirkting auf der anderen Seite besteht. 

In welcher Weise wirkt nun aber der Frost auf das Gestein ein ? 
Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt im Gelände während des Winters 
1907/08 hatte Verfasser Gelegenheit, durch fortgesetzte Beobachtungen 
an Ort und Stelle sich ein Urteil hierüber bilden zu können. — In 
den cenomanen Ablagerungen besteht die vorherrschende Verwitterungs- 
form, welche durch den Frost bedingt wird, in einem Absanden der 
Gesteinsoberfläche. Das reichlich vorhandene tonige Bindemittel 
saugt die Feuchtigkeit, welche die atmosphärischen Niederschläge 
bezw. deren Schmelzwässer liefern, begierig auf. Beim Gefrieren aber 
wirkt nun jedes Eiskriställchen wie ein Keil, der zwischen die 
einzelnen Ouarzkörner hineingetrieben wurde, und da kein Kontakt- 
zement vorhanden ist, welches durch seine Festigkeit dem Froste 
entgegenwirken könnte, so gelingt es diesen kleinen Keilen leicht, 
die Quarzkörnchen auseinanderzusprengen. Staubartige Sandschichten, 
welche die cenomanen Felsen und Gesteinstrümmer sehr häufig 
konzentrisch umlagern und sich aufs deutlichste von der weissen 
Schneedecke abheben, geben ein überaus anschauliches Bild von der 
Wirkung des Frostes. Eine Berührung der Gesteinsoberfläche zeigte, 
dass in der Tat eine energische Auflockerung stattgefunden hatte; 
ein blosses Herüberfahren mit dem Hammer bewirkte ein reichliches 
Abfallen der Quarzkörnchen ganz im Gegensatz zu der beträchtlichen 
Widerstandsfähigkeit des Gesteins im Sommer. Indes hatte dieses 
Absanden auf die Festigkeit des Gesteins im ganzen wenig oder gar 
keinen Einfluss. Es handelt sich lediglich um eine Auflockerung der 
Oberfläche bis zu einer geringen Tiefe (etwa l /a cm). 



l ) Ausdruck der Steiubruchsarbeiter. 



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126 

Wenn es nicht gelangen ist, dieselbe Art der Frostwirkang in 
dem Mittelquader der Wünschelbnrger Lehne und in Adersbach- 
Weckelsdorf nachzuweisen, so wird dies seinen Grund offenbar in 
dem Vorhandensein des wenn auch schwachen, so doch deutlich 
wahrnehmbaren kieseligen Kontaktzements haben, welches durch 
intensive Kombindung imstande ist, die Frostwirkung zu paralysieren. 
Als ich das Gelände im Winter besuchte, habe ich jeden Felsen, an 
dem ich vorbeikam, eifrigst beobachtet, um eventuelle Veränderungen 
durch den Spaltenfrost festzustellen. Allein die weisse Schneedecke, 
die wochenlang die Felsen umlagerte, zeigte in keinem einzigen Falle 
abgesprengte Quarzkörnchen. Und als ich im Frühjahr dieselben 
Stellen wieder aufsuchte, war rings um die Felsen herum von ab- 
gesprengten Gesteinsteilchen nicht das mindeste wahrzunehmen. Die 
täglichen Temperaturschwankungen sind offenbar in unserem jetzigen 
Klima nicht excessiv genug, um die Festigkeit der Gesteine zu über- 
winden und ein Absanden zu erzeugen. Dafür bewirkt andererseits 
die relativ starke Porosität dieser Gesteine, dass der Frost sich in 
einer weitaus gefährlicheren Form äussert. Die Feuchtigkeit sickert 
tief in das Gestein hinein, gefriert in der Nacht, taut zum grossen 
Teil während des Tages wieder auf, um gegen Abend wiederum zu 
erstarren. Bei diesem Prozess bewirken die vielen kleinen Keile, als 
welche wir die in den Poren des Gesteins erstarrenden Feuchtigkeits- 
partikelchen kennen gelernt haben, durch immer wieder einsetzende 
Minierarbeit eine derartig intensive strukturelle Auflockerung, dass 
das Gestein, ohne dass da eine Veränderung der äusseren Form 
wahrzunehmen wäre, durch und durch mürbe wird und ein Hammer- 
schlag den scheinbar so brauchbaren Gesteinsblock in einen Gras 
von Quarzkörnchen zerfallen lässt. Derartig „zerfrorene" Blöcke 
konnten in grosser Anzahl in Adersbach-Weckelsdorf und auch an 
der Wünschelburger Lehne nachgewiesen werden. Auffallend ist, 
dass dieser Zerstörungsprozess an anstehendem Gestein nicht zu be- 
obachten ist, 1 ) sondern es sich stets um Geröllblöcke des Schutt- 
hanges handelt. Ob dies seinen Grund darin hat, dass die strukturelle 
Festigkeit der Trümmerblöcke durch ihren Absturz von der Felswand 
bereits stark erschüttert wurde oder die fehlende Bedeckung mit 
Erdreich und Vegetation, sowie die im Verhältnis zum Volumen 
grössere Oberfläche der Gehängeblöcke die Einwirkung des Frostes 
hier begünstigt, vermag ich nicht zu entscheiden. 



l ) Im Wünschel burger Steinbruch wurde mir z. B. mitgeteilt, dass an den 
noch ungebrochenen Felsen nie ein »Zerfrierenc beobachtet sei, »weil es im 
Felsen stets wärmer sei und der Frost nicht soweit hineinkämet. 



!•■ OnsH-lfan, 



UNIVERSrTY OF MICHIGAN 



127 

Ganz besondere Erscheinungen treten dann ein, wenn das Gestein 
von Schlieren durchzogen wird. Diese braungefärbten, besonders eisen- 
schüssigen Bänder müssen offenbar ein sehr grosses Wasserfassungs- 
vermögon besitzen, so dass sich in ihnen das Wasser reichlicher an- 
sammelt als in dem umgebenden Gestein und beim Gefrieren sich 
derartig ausdehnt, dass der Felsen längs dieser Schliere zerplatzt. 
Ist das Gefüge des Felsens noch zu fest, um ein völliges Zersprengen 
längs der Eisenschliere zu gestatten, so treten mannigfache, meistens 
radiär gestaltete Risse und Sprünge in dem Gestein auf. Jene Stellen 
aber, an denen ein Felsblock in dieser Weise auseinandergeborsten 
ist, bieten nun dem Frost und den übrigen Verwitterungskräften 
naturgemäss neue Angriffspunkte, so dass auch hier schliesslich ein 
völliger Zerfall erreicht wird. 

Schalten wir nunmehr den Wechsel im Aggregatzustand, welcher 
bisher das wesentlichste Moment darstellte, aus, und betrachten wir, 
welche Einwirkung auf das Gestein die atmosphärischen Nieder- 
schläge im flüssigen Zustande ausüben. Wir werden auch hier von 
der Porosität der Sandsteine, der Wasserdurchlässigkeit, auszugehen 
haben; denn sie ermöglicht dem auffallenden Regentropfen, in das 
Gestein hineinzudringen. Die Feuchtigkeit folgt nun den Gesteins- 
poren und sickert infolge der Schwerkraft in die Tiefe. Hierbei wird 
einmal, sofern das Wasser die nötigen chemischen Eigenschaften 
besitzt, eine Lösung einiger Mineralien vorsichgehen, *) vor allem 
aber wird das Wasser das Bindemittel allmählich aufweichen und 
durch fortgesetzte Wiederholung des Sickerprozesses die aufgeweichte 
Bindemittelsubstanz rein mechanisch ausschlämmen. Zweifelsohne 
wird die Festigkeit der Sandsteine hierdurch sehr wohl leiden ; trotz- 
dem aber steht die zerstörende Wirkung des Sickerwassers hinter 
der des Frostes bedeutend zurück, besonders wenn ein stark aus- 
geprägtes Kontaktzement vorhanden ist, welches auch nach Aus- 
schlämmung des Porenfüllmittels die einzelnen Körner noch sehr fest 
aneinanderbindet. Es fehlt dem Sickerwasser im Vergleich zur Frost- 
verwitterung die treibende Kraft im buchstäblichsten Sinne des Wortes, 
nämlich die zersprengende Wirkung des sich beim Gefrieren aus- 
dehnenden Wassers. — Ist jedoch der Sandstein längere Zeit inten- 
siver Wasserdurchtränkung ausgesetzt, vor allem als Geröll in den 
Bächen, so addiert sich auch hier die Wirkung des Wassers zu einer 
beträchtlichen Grösse, und der Sandstein wird so mürbe, dass er 
vollkommen zerfällt, sobald sich ihm fester Widerstand entgegenstellt. jf 



i 



) Vergl. unsere Ausführungen über die chemische Verwitterung auf Seite 117. 





t Original frorn 



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128 

Wie so oft, hat auch hier die Bevölkerung einen überaus treffenden 
Ausdruck für das allmähliche Mürbewerden des Sandsteins im Wasser 
geprägt, wenn sie von dem „Verfaulen" des Sandsteins im Wasser 
spricht, das ihn daher zum Brückenbau nicht besonders geeignet er- 
scheinen lässt. 

Die atmosphärischen Niederschläge befeuchten natürlich auch die 
Aussenwände der Felsen, und es ist infolgedessen leicht einzusehen, 
dass hierdurch eine schwache oberflächliche Auflockerung bewirkt 
werden kann. Von praktischer Bedeutung ist dieser Prozess jedoch 
keineswegs. Ein Absanden findet infolge des oben erwähnten Mangels 
einer sprengenden Kraft im allgemeinen nicht statt; dagegen ist es 
durchaus wahrscheinlich, dass es dem Winde durch diese Auflockerung 
erleichtert werden mag, einzelne Quarzkörnchen von dem Gestein 
abzublasen. 

Bemüht man sich, den Verlauf des Sickerprozesses in seinen 
einzelnen Stadien genau zu verfolgen, so stösst man bald auf die 
Einwirkung eines Strukturelementes, der Schichtung, die wir aus 
diesem Grunde oben in etwas breiterer Form behandelt haben. Das 
durch den Felsen hindarchsickernde Wasser gelangt nämlich nach 
längerem oder kürzerem Wege, je nach der Mächtigkeit der Schichten, 
auf eine Lage toniger, wasserundurchlässiger Bindemittelsubstanz, 
welche dem weiteren vertikalen Eindringen der Feuchtigkeit ein 
Ende bereitet. Der Druck aber des von oben beständig nach- 
sickernden Wassers zwingt nun die auf der undurchlässigen Schicht 
sich ansammelnde Feuchtigkeit, sich einen Weg nach aussen zu 
bahnen. Jeder, auch der feinste Kapillarweg wird nun benutzt, um 
die Aussenwand zu gewinnen. Nicht nur an den Schichtenfugen, 
sondern über einen grossen Teil der Felswand verteilt, erscheinen 
die winzigen Wassorkügelchen, wie Diamanten in der Sonne glitzernd, 
an der Aussenfläche. Nach meinen Beobachtungen — und ich habe 
diesem Punkte ganz besondere Sorgfalt zugewandt — überwiegt 
das Ausschwitzen des Sickerwassers an den Aussen wänden durchaus 
über das Hervorsickern an den Schichtenfugen, denn ich habe wohl 
viele feuchte Felswände wahrnehmen können, an keiner einzigen 
Stelle aber trat das Sickerwasser nur an den Schichtenfugen zutage. 
Und die langen Eiszapfen, welche häufig an überhängenden Felsen 
zu beobachten sind, entstehen nach meinen Wahrnehmungen keines- 
falls allein aus dem an Schichtenfugen austretenden Sickerwasser, 
sondern in der Mehrzahl der Fälle aus den Schmelzwässern der 
Schneekappe, welche die Felsen krönt; allenthalben sieht man dieses 
Schmelzwasser zur Mittagszeit an der Aussenseite der Felsen herablaufen. 



I Original front 



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120 

Durch lang fortgesetzte Wirkung wird die auf der tonigen 
Zwischenschicht entlang gleitende Feuchtigkeit beginnen, erodierend 
auf diese einzuwirken. So wird die erweichte Bindemittelsubstanz 
nach und nach von dem Wasser nach aussen entführt, und aus dem 
mühseligen, lang andauernden Kampf geht schliesslich das Sicker- 
wasser als Sieger hervor: die störende Zwischenschicht ist zum 
grössten Teil oder vollständig abgotragen; das Wasser kann in 
vertikaler Richtung weiter in den Felsen eindringen, bis es in der 
nächstfolgenden undurchlässigen Schicht einen neuen Gegner findet. 
So geht es fort, bis schliesslich der Sandstein an einzelnen Stellen 
in seiner ganzen Mächtigkeit vom Sickerwasser erobert ist. Und nun 
sammeln sich die vielen und jetzt rascher hindurchsickernden Nieder- 
schläge erst an denjenigen Stellen, wo ein anderes Material, der 
undurchlässige Pläner, den Sandstein unterlagert, und an der Grenze 
dieser beiden Ablagerungen treten die Wässer in Form von Quellen 
zutage. Sämtliche vom Verfasser besuchten Quellen des Gebietes 
finden sich in der Tat an einer solchen Grenze und sind somit als 
Schichtquelien zu bezeichnen. — Dass die Quellwässer auf ihrem Wege 
durch die Sandsteine recht wohl zerstörend einwirken, und zwar sowohl 
chemisch wie mechanisch, ersehen wir mit besonderer Deutlichkeit 
aus den Mitteilungen A. Schwagers, 1 ) welcher die Kreidewässer als 
besonders rückstands- und zwar vor allem kalkreich bezeichnet im 
Gegensatz zu den Gneiswässern. Fast alle Quellen, welche in dem 
Gebiet der Kreideformation entspringen, weisen einen Kalkgehalt von 
mehr als 10 mg pro Liter auf, 2 ) und bei der Analyse eines Quell- 
wassers, welches 1,5 km nordwestlich von Alt-Heide hervorsprudelt, 
fand Schwager in einem Liter 159 mg Rückstand, wovon nicht weniger 
als 77,7 mg kohlensaurer Kalk waren, welcher allerdings zum Teil 
wohl auch dem Pläner entzogen sein mag. 

Das Heraustreten des Sickerwassers ist vor allem von Bedeutung 
für die Besiedelung der Felsen mit pflanzlichen Organismen, welche 
nun ebenfalls an der Zerstörung des Sandsteins mitarbeiten. Die ersten 
Ansiedler pflanzlicher Natur gehören offenbar zu der Gruppe der Algen. 
Sie überziehen den Felsen mit einer dünnen Schicht einer hellgrünen, 
bisweilen auch dunkler gefärbten, gallertig-schleimigen Masse, deren 
Hauptverbreitungsgebiet gerade die feuchtesten Stellen sind (die feuchten 
Wände auf dem Heuscheuergipfel), und liefern ihrerseits wiederum 
ein geeignetes, nährstoffreiches Substrat für die Keimung von Moos- 
und Farnsporen. Die feinen Hyphenfaden der Flechten und Moose 

*) Lepyla: a. a. 0. Seite 347. 
") Leppla ; a. a. 0. Seite 349 ff. 

Mitteilung«!! XXIV. 



I Original frorn 



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130 

aber führen nun bei ihrem Eindringen in das Gestein eine formliche 
Minierarbeit aus ; sie drängen sich mühsam zwischen den Quarzkörnchen 
hindurch, umstricken diese schliesslich und führen auf diese Weise 
eine Lockerung herbei. Das Resultat dieser pflanzlichen Zerstörer 
ist stets ein deutlich wahrnehmbarer Substanzverlust, wie mau 
besonders nach dem Abfallen der Moospolster beobachten kann; ein 
mehr oder weniger tiefes Grübchen mit uneben ausgenagtem Grande. 1 ) 
Durch die Schaffung dieser Unebenheiten auf den Felswänden aber 
fordert die Pflanzenwelt ausserdem mittelbar die Zerstörung 1 des 
Gesteins, indem hierdurch das Ablaufen der atmosphärischen Nieder- 
schläge verzögert wird, was wiederum eine stärkere Erweichung des 
Bindemittels, eine intensivere Wirkung des Frostes zur Folge hat 

Was wir bei den niederen Pflanzen im kleinen gesehen haben, 
vollzieht sich im grossen bei den Tannen und Fichten, welche gerade 
im Gebiet des Quadersandstein äusserst intensiv geflanzt werden, 
da das Verwitterungsprodukt — ein mehr oder weniger reiner Quarz- 
sand — den Anbau von Feldfrüchten nicht gestattet. Die Wurzeln 
folgen den Rissen und Spalten des Gesteins, nehmen dann aber im 
Verlauf ihres Wachstums an Grösse so zu, dass der verfügbare Raum 
zu ihrer Ausdehnung nicht mehr genügt; nunmehr wird ein starker 
zersprengender Druck auf das Gestein ausgeübt, welchem dieses 
nicht selten nachgeben muss. An der Friedrichsgrunder Lehne, aber 
auch auf dem Gipfel der Heuscheuer, sowie in Adersbach und Weckels- 
dorf finden sich derartige durch Baumwurzeln auseinandergetriebene 
Felsblöcke in grosser Zahl. 

Im ganzen genommen scheint, wie wir sehen, die Pflanzenwelt 
nur relativ geringe Bedeutung für die Verwitterung der Quader- 
sandsteino zu besitzen. In Wirklichkeit jedoch sind jene dichten 
Schonungen und Wälder, welche sich, wie bereits mehrfach betont, 
gerade im Verbreitungsgebiet des Sandsteins vorfinden, sowie die 
filzartig verwachsenen Moose und die Gräser von der allergrössten 
Bedeutung; denn das dichte Pflanzenkloid ist es, welches den bei 
allen Verwitterungsvorgängen reichlich entstehenden Sand an den 
Boden bindet und auf diese Weise die Winderosion lahm legt oder 
überhaupt unmöglich macht, welche ohne diese Pflanzendecke zweifel- 
los den Felsen in überaus intensiver Weise bearbeiten würde. An 
Stellen, wo jene Vegetation vollkommen fehlt, kann und wird aber 
auch selbst in unserem feuchten deutschen Klima der Wind seine 
zerstörende Tätigkeit entfalten. Dies beweist uns zunächst die 



») Hirschwahl: a. n. O. Seite 270/71. 



I Original from 



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131 

Beobachtung F o 1 1 e r e r s *) über Windkorrasion am Heidelberger 
Schlossturm, 2 ) wo der durch mehrere Öffnungen eindringende Luft- 
strom Wirbel bildet und dabei mit Hülfe der von der Verwitterung 
erzeugten und mit fortgerissenen Sandkörnchen bis zu 15 cm tiefe 
Locher ausgehölt hat. — Aber wir brauchen nicht einmal in die 
Feme zu schweifen ; in unserem Gebiet selbst bietet sich mannigfache 
Gelegenheit, den Wind und seine Einwirkung auf das Gestein zu 
beobachten. Jeder, der wie Verfasser öfter Gelegenheit gehabt hat, 
zur Zeit eines Sturmes in der Nähe einer der vielen Steinbrüche 
unseres Gebietes zu weilen, wird am eigenen Körper verspürt haben, 
wie der Wind die lockeren Quarzkörner der grossen, jeder Vegetation 
baren Schutthalden aufwirbelt und mit sich fortreisst, um nun mit 
ungemeiner Heftigkeit jedes sich ihm entgegenstellende Hindernis zu 
bepeitschen. In einem Steinbruch war beim Absprengen einer Fels- 
wand kurz vor Einsetzen eines starken Sturmes eine Reihe von 
Sandlöchern blossgelegt worden, und es war nun ein überaus lehr- 
reiches Schauspiel zu beobachten, mit welcher Kraft der Wind gegen 
die Felsen raste, die lockeren Quarzkörnchen der Sandlöcher erfasste 
und sich gleichsam hineinfrass und solange in diesen mit Sand gefüllten 
Hohlräumen herumwirbelte, bis auch das letzte Körnchen ergriffen 
und fortgeführt war. Nach Abflauen des Windes konnte ich diese 
Löcher genauer studieren, die zuvor mit einer zwar mürben, aber doch 
durchaus kompakten Sandmasse ausgefüllt gewesen waren. Sie 
waren wie ausgefegt; nicht ein einziges lockeres Quarzkörnchen war 
zu entdecken. 

Gelegenheit, sich mit Sand zu beladen, findet nun aber der Wind 
keineswegs allein in den Steinbrüchen, in den mit Pflanzen so gut 
wie gar nicht besiedelten Schutthalden ; Windbruch und Entwurzelung 
sind in den Wäldern unseres Gebiets, besonders in den Bezirken der 
Kgl. Oberförsterei Karlsberg eine, man kann nur sagen traurig häufige 
Erscheinung, der jährlich eine beträchtliche Zahl von Stämmen 
zum Opfer fällt. 3 ) Und so findet der Wind auch hier in den Wurzel- 
ballen der aus dem Boden gerissenen Bäume allenthalben Sand genug, 
um sich mit Quarzkörnchen anreichern zu können. Auch von den 
Aussenwänden der Felsen wird es gelingen, durch Frostwirkung oder 



*) K. Futterer in den ; Mitteilungen der Grossherel. Badischen Geologischen 
Landeeanstalt, Heidelberg 1899, Seite 478 ff. 

*) Es handelt sich um einen Gang des 1533 erbauten und 1689 von den 
Franzosen gesprengten Theaterturms. 

•) Die Enge der Waldwege und die Lockerheit des Sandbodens tragen 
offenbar hieran die Hauptschuld. 



!•■ OnsH-lfan, 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 




132 

ständige Befeuchtung durch atmosphärische Niederschläge gelockerte 
Quarzkörner abzublasen. Und trotzdem ist es nicht angebracht zu 
behaupten, dass dem Winde in unserem Gebiet eine allgemeine 
modellierende Wirkung zukommt; denn die Korrasion besteht nicht 
im Aufwirbeln, nicht in einem gelegentlichen Abblasen von Sand- 
körnchen, sondern sie hat einen allgemeinen Transport der mit- 
gerissenen Körnchen zur Voraussetzung; der Wind muss grössere 
Strecken überwehen können, ohne durch fortgesetzte Hindernisse an 
dem Mitfuhren von Quarzkörnchen gehindert zu werden; er muss erst 
durch andauernde grosse Geschwindigkeit den Sandkörnern jene 
kinetische Energie verleihen, die wir als Grundlage intensiver Korrasion 
ansehen müssen; und unter den heutigen klimatischen Bedingungen 
und der damit zusammenhängenden Vegetation kann der Wind in 
unserem Gebiet sich nicht mehr derartig mit Sand beladen und diesen 
auf grössere Entfernungen mit sich führen. Allenthalben stellt sich ihm 
ein Strauch oder ein Baum oder gar zusammenhängende Waldgebiete 
entgegen, die einerseits hemmend auf seine Geschwindigkeit einwirken 
und ihn vor allem gleichsam aufs sorgfältigste filtrieren und die 
eventuell mitgerissenen Quarzteilchen zum Niederfallen bringen. Ich 
habe an demselben Tage, an dem ich in dem eigentlichen Steinbruch 
den Sandsturm beobachten konnte, festzustellen versucht, wie weit 
der heftige Ostwind die Staub- und Sandteilchen, die er in dem 
Steinbruch und auf den Halden aufgewirbelt hatte, transportieren 
würde. Ich ging zu diesem Zwecke in der Richtung des starken 
Windes bis zu derjenigen Stelle, wo das Gebiet des Steinbruches an 
den Wald angrenzt. Hier drehte ich mich noch einmal um ; der 
Sandsturm war noch immer überaus lästig. Kaum vermochte ich, 
mit geöffneten Augen dem Winde entgegenzusehen; die feinen Sand- 
und Staubteilchen, die auf das Gesicht aufprallten, riefen ein 
empfindliches, prickelndes Gefühl hervor. Nunmehr ging ich in den 
Wald hinein, und schon nach etwa 5 m verspürte ich von mitgerissenen 
Staub- oder Sandteilchen nicht das Geringste mehr, während ich im 
Steinbruch noch immer jene grauen Sandwolken aufsteigen sah. Auf 
diese kurze Entfernung also hatte der allerdings dichte Waldbestand 
die mitgerissenen Teilchen fast sämtlich zum Abfallen gebracht. 
— Ich habe, um ganz sicher zu gehen, an stürmischen, aber trockenen 
Herbsttagen die Felsenlabyrinthe der Heuscheuer und der Wilden 
Löcher aufgesucht, um zu sehen, ob hier vielleicht eine Windkorrasion 
sich entfalten könnte. Ich habe nie Sandstürme in den verzwickten 
Felsgängen wahrnehmen können, und auch die Führer konnten mir 
trotz wiederholten Befragens von solchen nicht berichten. 




I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



133 

Auf Grund dieser Beobachtungen möchte ich den Wahrnehmungen 
Becks über die korradierende Wirkung des Windes in der 
Sächsischen Schweiz 1 ) nicht allzuviel allgemeine Bedeutung bei- 
legen. Eine eingehende Kritik zu üben, muss ich mir allerdings 
versagen, da ich Becks Beweisobjekte nicht an Ort und Stelle nach- 
prüfen konnte. Flugsandanhäufungen und eigentümliche Felsformen, 
vor allem anscheinend vom Winde korradierte Glasscherben haben 
Beck zu der Überzeugung geführt, dass in der Sächsischen Schweiz 
auch unter den heutigen klimatischen Bedingungen eine Wind- 
korrasion festzustellen sei. In einigen Punkten scheint Beck in der 
Tat recht zu haben, vor allem, wenn er jene wagerechten Leisten 
und Hohlkehlen an den vertikalen Felswänden als Korrasions- 
erscheinungen deutet; dass aber rezente Korrasion diese Formen 
geschaffen haben soll, erscheint mir nicht bewiesen. Die matt- 
geschliffenen Glasscherben wären für diesen Punkt wohl von aus- 
schlaggebender Bedeutung, und gerade hier kommen mir immer 
wieder Bedenken. Ohne Frage mussten die Scherben doch eine 
Reihe von Jahren und sogar in annähernd derselben Stelle an ihrem 
Fundpunkt gelegen haben, ehe „sie an den Seiten mattgeschliffen 
erschienen und ihre ursprünglich scharfen Bruchkanten oft deutliche 
Abrund ung erkennen Hessen." *) Sollte dies aber bei einem so leb- 
haft besuchten Ausflugsort, wie es das Schrammtor ist, möglich sein? 
Ist nicht etwa die Eau de Cologne-Flasche, auf die sich Beck 
besonders stützt, vielleicht zufallig schon vorher durch Berührung 
mit einer ätzenden Flüssigkeit matt geförbt worden? So beachtens- 
wert die Wahrnehmungen Becks zweifellos sind, erscheint eine 
sorgsame Nachprüfung doch überaus notwendig. In dem Gebiet der 
böhmisch-schlesischen Kreideformation ist jedenfalls trotz eifrigen 
Nachspürens von einer rezenten Windkorrasion nichts festzustellen. 
Selbst an den Glasscheiben des kleinen Aufseherhäuschens im Stein- 
bruch an der Friedrichsgrunder Lehne, wo ich doch selbst Sand- 
stürme beobachtet habe, konnte von einem auch nur irgendwie 
wahrnehmbaren Mattgeschliffensein des Glases keine Rede sein, ob- 
wohl die Scheiben schon mehrere Jahre der Witterung ausgesetzt 
sind und das vollkommene Fehlen von Vegetation einerseits, der 
Reichtum an Staub und Sand andererseits einer rezenten Korrasion 
die günstigsten Bedingungen liefern würden. — An den Fensterscheiben 

') R. Beck: Über die korradierende Wirkung des Windes im Gebiete des 
Quadereandsteins der Sächsischen Schwein. Zeitschrift der Deutschen Geologischen 
Gesellschaft, 1894, Seite 537 ff. 

8 ) Beck: a. a. 0. Seite 640. 



°" 9ma " rom 



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134 

des Wirtshauses auf dem Heuscheuergipfel war gleichfalls nicht dio 
geringste Mattförbung festzustellen. — 

Überblicken wir jetzt noch einmal alle Beobachtungen, 
welche wir im Gelände über die Verwitterung der 
Quadersandsteine anstellen konnten, so gelangen wir 
selbst bei eingehendster Würdigung der Zeit als geolo- 
gischen Faktor zu der Überzeugung, dass die Ver- 
witterung der Quaderfelsen in unserer Periode eine 
minimale ist, und der Grund hierfür liegt klar auf der 
Hand: die Quadersandsteine verwittern lediglich 
mechanisch, die klimatischen Bedingungen aber sind 
viel zu wenig excessiv, um einen beträchtlichen Zerfall 
der Gesteine hervorzurufen. 

b. Wir wenden uns nunmehr der zweiten Gruppe von Gesteinen 
zu, welche wir in unserem Gebiet antreffen, und welche wir in 
den einleitenden Worten als plänerartige Gesteine zusammengefasst 
hatten. Die Gesteine dieser Gruppe, der Plänersandstein sowohl 
wie der Kieslingswalder Ton und auch der Planer selbst, müssen als 
mehr oder weniger verunreinigte Sandsteine bezeichnet werden, und 
zwar ist die Beimengung entweder toniger oder kalkiger Natur. In 
unverwittertem Zustande sind sie alle von blauschwarzer oder blau- 
grauer Farbe, welche aber je nach dem Grade der Verwitterung in 
eine mehr graue oder bräunliche Färbung übergeht. Nach der 
Klassifikation Hirschwalds l ) müsste der Pläner seines hohen 
Gehaltes an Kieselsäure wegen als Kalksandstein bezeichnet werden, 
denn die chemische Analyse z. B. des Pläners von Karlsberg lieferte 
folgendes Ergebnis: 

Si0 2 58.64 

AltOi 6.30 

Fe«Os 4.93 

CaO 11.43 

MgO 2.37 

K2O 0.75 

Na 2 1.93 

H2O 3.67 

CO* 9.66 

SOs 0.15 

99.83 



*) Hirschwald; a. a. 0. Seite 483. 



J l 



Original front 
UNIVERSITY OF MICHIGAN 



135 

Im Dünnschliff 1 ) erscheint der Pläner als eine tonig-kalkige 
Masse, in welcher sich eine grössere Anzahl von Qaarzkörnchen be- 
findet. Feldspat konnte in nennenswerter Menge nicht wahrgenommen 
werden. Dagegen treten deutlich kleine Eisenerzkörnchen in nicht 
geringer Anzahl hervor. Ganz untergeordnet finden sich stark zersetzte 
Reste von Biotitblättchen und vereinzelt Apatit- und Zirkonlamellen. 

Die chemische Zusammensetzung übt hier bei den plänerartigen 
Gesteinen einen ungleich grösseren Einfluss auch auf die strukturellen 
Verhältnisse und die Verwitterung des Gesteins aus als bei den 
Sandsteinen. Die mit Quarzkörnchen vermengte, tonig-kalkige Masse 
des Pläners zeigt sehr vollkommene Raumerfüllung, und die bedeutende 
Menge von Ton nimmt dem Gestein die Möglichkeit, viel Wasser 
aufzunehmen, so dass die plänerartigen Gesteine im Gegensatz zu 
den Sandsteinen als wasserundurchlässig bezeichnet werden müssen. 
Am stärksten ist diese Eigenschaft nach Leppla 2 ) bei dem Kieslings- 
walder Ton ausgeprägt. — Ausserdem möchte es uns scheinen, als 
wenn die oben erwähnte Beimengung von Eisenerzkörnchen für den 
Pläner von grosser Bedeutung ist. Seine Härte wird zweifelsohne 
durch die Anwesenheit dieser Körnchen sehr günstig beeinflusst, und 
nicht minder ist diese Beimengung für die Verwitterung von Be- 
deutung. Denn wenn wir uns die Frage vorlegen, welche chemischen 
Umwandlungen in einem derartig zusammengesetzten Gestein vor- 
sichgehen können, so wird es im wesentlichen auf die Zersetzung 
der Eisenerzkörnchen hinauskommen; nebenbei wird natürlich eine 
partielle oder vollständige Auflösung des Kalkes vorsichgehen. 

Eine Probe von stark verwittertem Pläner des Karlsberger 
Plateaus zeigte bei der chemischen Analyse folgende Zusammensetzung: 

Si0 2 63.62 

AI2O3 7.47 

Fe20a 5.79 

CaO 7.66 

MgO 1.23 

K2O 0.76 

Na 2 1.50 

H2O 5.21 

CO2 6.40 

SOa 0.01 

99.65 



1 



') Die schwierigen mikroskopischen Untersuchungen des Plänergesteins über- 
nahm in überaus liebenswürdiger Weise Herr Professor Dr. Milch in Greifswald, 
dem ich auch an dieser Stelle meinen ergebensten Dank aussprechen möchte. 

*) Leppla; a. a. O. Seite 335. 




I Original from 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



13G 

Im Dünnschliff unterschied sich der verwitterte Pläner wenig 
von dem frischen Gestein. Deutlich wahrnehmbar war vor allem 
die fast vollständige Umwandlung des Eisenerzes in Eisenoxydhydrat 
Ausserdem war eine Anreicherung an organischen Resten zu erkennen. 
Die chemische Auflösung des Kalkes und vor allem die Umwandlung 
der Eisenerzkörnchen in lösliches Eisenoxydhydrat wird zweifellos 
der Grund für das bei der Verwitterung sich einstellende allmähliche 
Mürbewerden des Gesteins sein, und das Eisenoxydhydrat wird dem 
Gestein jene bräunliche Farbe verleihen, welche als Vorbote des 
beginnenden Zerfalls sich einstellt. 

Hand in Hand mit dieser allmählichen Umwandlung geht nun 
aber eine sehr wichtige mechanische Veränderung der plänerartigen 
Gesteine vor sich. Der Pläner, der, wie bereits erwähnt, in 
unverwittertem Zustande eine so grosse Härte besitzt, dass man ihn 
als Strassenbeschotterungsmaterial benutzt, lässt von Schichtung so 
gut wie nichts erkennen. Er erscheint als massiges, derbes Gestein, 
das in Farbe, Härte und Struktur sehr lebhaft an Basalt erinnert. 
Sobald jedoch die Zersetzung der Eisenerzkörnchen vorsichgegangen 
ist, und der verwitternde Pläner seine dunkelblau-schwarze Farbe 
verloren hat, beginnt das Gestein, schiefrig und splittrig zu werden; 
senkrechte Risse und Spalten stellen sich ein, und bald erinnert der 
verwitternde Pläner an einzelne Reihen aufeinandergeschichtetes Holz 
(Tafel IV. Abb. 10). Wie dort durch den Druck von oben häufig 
einzelne Scheite Holz aus der Mitte der Wand hervorgedrückt werden, 
und durch diese Störung des Gleichgewichts die Wand schliesslich 
ganz in sich zusammenfällt, so dauert es auch bei dem verwitternden 
Pläner nicht lange, und einzelne Griffel des mürben braunen Pläners, 
welche mit dem übrigen Gestein gar keinen Zusammenhang mehr 
haben, treten in der Mitte der Wand heraus; und schliesslich ist 
auch hier in der Plänerwand das Gleichgewicht derart gestört, dass 
eine ganze Wand niedergeht und ein Fusshang aus schiefrig- 
splittrigem, ganz und gar mürbem Gestein sich bildet, dessen Material 
bald in einen feinen sandig-tonigen Grus zerfällt. — Dieser Prozess 
wiederholt sich nun fortgesetzt; auch die nächste Wand, die schon 
nur noch zum Teil aus dem Fusshang hervorsieht, wird schiefrig: 
und grifflig, bis auch sie eines Tages sich ablöst und nun der 
Gehängeschutt an Höhe schon bedeutend zunimmt. Auf diese Weise 
dürfte es wohl zu erklären sein, dass man den Pläner und seine 
Verwandten, den Plänersandstein sowohl wie den Kieslingswalder 
Ton, im Gelände so äusserst selten anstehend findet. Fast überall 
hüllt diese Gesteine jener Mantel von Detritusmasse ein, dessen 



I Original frorn 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



137 

Entstehung wir soeben geschildert haben. Auf die einzelnen pläner- 
artigen Gesteine näher einzugehen, erübrigt sich, da das Wesen der 
Verwitterung, der feinstückige Zerfall zu pulverformigen Ton, ihnen 
allen gemein ist. Das am leichtesten Zerstörbare von diesen Gesteinen 
ist der mergelige Plänersandstein ; ihm reiht sich der Kieslingswalder 
Ton an, während der Pläner selbst den nachdrücklichsten Widerstand 
zu leisten imstande ist. 

Dieser schiefrige, splittrige Zerfall der plänerartigen Gesteine 
bildet einen sehr wesentlichen Gegensatz zu der Verwitterung der 
Sandsteine, einen Gegensatz, der, wie wir sehen werden, auch für 
die Oberflächenform von grundlegender Bedeutung ist. 

Auch für den Strassenbau ist dieser Gegensatz von nicht zu 
unterschätzender Bedeutung; eine Strasse durch ein Sandsteingebiot 
hindurch zu legen, bereitet im allgemeinen keine allzu grossen 
Schwierigkeiten. Der feste Sandstein kann mauerartig in fast senk- 
rechten Wänden von der Strasse aufsteigen; da ihm kleinstückiger 
Zerfall fremd ist, wird sich am Fuss dieser Sandsteinmauern auch 
nur wenig Verwitterungsschutt anhäufen, und die senkrechten Wände 
werden sich im allgemeinen als stabil erweisen. Anders dagegen 
liegen die Verhältnisse, wenn sich eine Strasse in den Pläner ein- 
schneiden muss. Das zunächst äusserst feste, blauschwarze Gestein 
scheint allerdings ebenso senkrechte Einschnitte vertragen zu können 
wie der Sandstein. Sobald aber die Verwitterung längere Zeit auf 
das Gestein einwirkt, vollzieht sich jener Prozess, den wir oben aus- 
führlich behandelt haben. Allenthalben kommt eine der vertikalen, 
aus einzelnen Platten und Griffel bestehenden Wände herunter- 
gestürzt und überschüttet die Strasse mit Detritusmassen. Derartige 
Erscheinungen treten z. B. bei der Assmusstrasse, die von Karlsberg 
nach Straussenei führt, fast in jedem Jahre wieder auf, da man hier 
bei Anlage des Weges der Verwitterungsart des Pläners nicht 
genügend Rechnung getragen und senkrechte Wände angeschnitten 
hat. Ich selbst passierte diese Strasse im Frühjahr 1907 kurz nach 
Niedergang einer grossen Reihe von Plänerwänden. Die Strasse war 
für Fuhrwerk so gut wie unpassierbar. Gewaltige Massen des 
morschen Pläners überlagerten den Fahrweg. Man machte sich je- 
doch nun die schlimmen Erfahrungen zu nutze, räumte die Pläner- 
trümmer nur zum Teil ab und Hess den Rest als natürliche Böschung 
liegen. — Nach meinen Beobachtungen, die auch mit den Aussagen 
der Bevölkerung übereinstimmen, finden derartige Felsstürze in 
Plänergebieten fast nie im Sommer, selten im Winter, vielmehr fast 
ausschliesslich im Frühling statt. Es scheint, dass das in den Fugen 



Ortgtal tom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



138 

des bereits splittrigen Pläners gefrierende Wasser an diesem Vorgange 
besonders stark beteiligt ist und ein stellenweises Anseinanderpressen 
der Tafeln nnd Griffel der Planerwände hervorruft, sodass im 
Frühjahr die Störang des Gleichgewichts so gross geworden ist, 
dass die Katastrophe eintritt. 

Zeigt also, wie wir gesehen, der Pläner in seiner Verwitterungs- 
art eine merkliche Abweichung von der Verwitterung der Sandsteine, 
so muss doch zum Schluss noch auf einen Punkt hingewiesen werden, 
in dem beide Gesteinsarten eine Übereinstimmung aufweisen: es ist 
das Auftreten kugeliger Konkretionen. Die Plänergeoden, die an die 
im Wünschelburger Steinbruch gefundenen Sandsteinknollen erinnern, 
sind besonders zahlreich zu beobachten an den steilen Wänden, welche 
die malerische Strasse von Reinerz nach Grunwald auf beiden Seiten 
einrahmen. Es sind kugelige Gebilde von 20—30 cm Durchmesser, 
die sich in der Farbe nur wenig oder gar nicht von dem sie umgebenden 
Pläner unterscheiden. Allein ihre Festigkeit ist eine ungleich grössere. 
Während ringsherum das Gestein splittrig und grillig wird und 
langsam seitlich abbröckelt, verändert sich die Struktur dieser Geoden 
gar nicht. Sie bleiben häufig im Gestein sitzen, wenn auch längst 
die sie einschliessenden Plänermassen durch die Verwitterung zum 
Abfallen gebracht sind, und ragen dann halbkugelförmig aus den 
Felsen heraus, so dass man in der Tat den Eindruck empfangt, als 
sässen hier „Kanonenkugeln" im Felsen, wie die Bevölkerung diese 
Bildungen zu nennen pflegt. Gelegentlich, wenn die allmähliche 
Abbröckelung des mürben Pläners soweit vorgeschritten ist, dass 
eine solche Geode nicht mehr genügend Unterstützungsfläche besitzt, 
fällt die feste Kugel heraus und hinterlässt als Spur ein halbkugeliges 
Loch, wie man es in grösserer Anzahl in den Plänereinschnitten der 
Bahnstrecke Rückers-Reinerz beobachten kann. 

Für das Landschaftsbild spielen diese Bildungen jedoch nur eine 
sohr untergeordnete Rolle, da, wie bereits angedeutet, die plänerartigen 
Gesteine überhaupt nur sehr selten als Felsen im Gelände anzutreffen 
sind, vielmehr infolge der ihnen eigentümlichen Verwitterungsart fast 
stets von einer mehr oder minder dichten Schicht von Verwitterungs- 
produkten bedeckt sind, welche infolge ihrer Zusammensetzung im 
allgemeinen einen fruchtbaren Ackerboden liefern. — 

c. Legen wir uns nunmehr die Frage vor, was aus dem von der 

Verwitterung gelieferten Schuttmaterial wird und was wir über die 

Abtragung der Verwitterungsprodukte im Gelände beobachten können. 

Da dem Winde, wie wir oben ausgeführt haben, unter den heute 

herrschenden klimatischen Bedingungen keine irgendwie bedeutungsvolle 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



139 

Einwirkung auf das Gestein zugestanden werden kann, so werden wir 
die Abtragungsvorgänge zweckmässig in folgende Gruppen einteilen: 

1. Abtragung durch atmosphärische Niederschläge und fliessendes 
Wasser, 

2. Abwärtsbewegung von Fels- und Schuttmassen, 

3. Abtragung durch die Tätigkeit des Menschen in den Steinbrüchen. 

In ganz ähnlicher Weise, wie die dichte Vegetation hemmend 
auf die korradierende Tätigkeit des Windes einwirkt, beeinflusst sie 
auch die abschwemmende und abspülende Tätigkeit der atmosphärischen 
Niederschläge. 1 ) Einerseits wird die Vegetation einen Teil der Nieder- 
schläge auffangen, der nun den Erdboden überhaupt nicht erreicht 
oder nur unter Verlust eines grossen Teils seiner kinetischen Energie, 
die für die Abtragung massgebend ist; zum andern aber kann das 
auf den Erdboden auffallende Wasser vermöge seiner Stosskraft 
intensiv abtragend nur dann wirken, wenn die Verwitterungsprodukte 
nackt zutage liegen. Wo dies ausnahmsweise der Fall ist, an den 
Gehängen frischer Steinbruchshalden, an den Böschungen neu an- 
gelegter Wege, können wir die Wirksamkeit der Abtragung durch 
die atmosphärischen Niederschläge allenthaben beobachten. Die 
auffallende Trübung der kleinen Rinnsale in den Chausseegräben wird 
zweifellos in der Abspülung der Böschungen ihren Grund haben. 
Mannigfach verschlungene und sich vereinigende Wasserrunson 
modellieren diese Böschungen, besonders in dem undurchlässigen 
Plänerschutt, wo das Wasser zum allergrössten Teil oberflächlich 
abfliesst. Aber bald überziehen sich auch jene wenigen nackten 
Stellen mit einer allmählich immer dichter werdenden Decke von 
Gräsern und Kräutern, welche den Verwitterungsboden vollkommen ein- 
hüllen und festhalten, so dass die atmosphärischen Niederschläge kaum 
noch irgend eine nennenswerte Abtragung zu bewirken imstande sind. 
Die geringe Bedeutung, die wir nach unseren Beobachtungen der 
Abspülung durch die atmosphärischen Niederschläge beilegen müssen, 
bringt uns in einen Gegensatz zu den Beobachtungen und Messungen, 
welche Karsten hierüber in dem Düsternbrooker Gehölz bei Kiel 
angestellt hat. 2 ) Dieser Forscher beobachtete eine eigenartige 



*) Mit Qötzingcr (Beiträge zur Entstehung der Bergrückenform. Geograph. 
Abhandlungen Bd. IX, Heft 1. Leipzig 1907 Seite 21 ff.) unterscheiden wir 
zwischen Verschwemmung und Abspülung, je nach dem Fehlen oder Vorhanden- 
sein sichtbarer Rillen und Runsen auf der angegriffenen Fläche. 

*) G. Karsten: Über die Wirkung kleiner Niveauveränderungen durch die 
atmosphärischen Niederschläge. Schriften des Naturwissenschaft!. Vereins für 
Schleswig-Holstein Bd. IX, 2. Heft, Kiel 1892. 



Original ftom 



UNIVER5ITY0F MICHIGAN 



140 

Wachstümserscheinung der Bäume; während nämlich der Baum, 
welcher gepflanzt wird oder aus dem Samen aufspriesst, mit seinem 
walzenförmigen Stämmchen die Erdoberfläche durchbricht, die Wurzel- 
ansätze aber unterhalb der Oberfläche bleiben, fiel es Karsten auf, 
dass an zahlreichen Bäumen die Wurzelansätze sich auch oberhalb 
des Erdreiches vorfanden. Da sich wohl kaum mit dem Alter aus 
dem Stamm oberhalb der Erde hervortretende Wurzeln bilden, so 
schloss Karsten, dass füglich nur zwei Erklärungen für diese eigen- 
artige Erscheinung heranzuziehen sind: entweder wird der ganze 
Baum durch irgend eine Ursache gehoben, sodass die Wurzeln als- 
dann aus dem Erdreich herausragen, oder aber das Erdreich wird 
langsam und allmählich abgewaschen und auf diese Weise werden 
schliesslich die Wurzeln blossgelegt. — Da für die erste Annahme 
jede Grundlage fehlt, so erklärt Karsten diese Erscheinung als eine 
Wirkung der Abspülung durch die atmosphärischen Niederschläge. 
Folgerichtig misst er nun den Abstand der jetzigen Erdoberfläche 
bis zu dem Anfang des eigentlichen wurzellosen Stammes, vergleicht 
mit dieser Zahl das Alter des betreffenden Baumes und gelangt so 
zu dem Ergebnis, dass in 200 Jahren eine Abtragung von 200 cm, 
d. h. 1 cm pro Jahr stattfinde. 

Der Gedanke Karstens ist nicht neu und bereits 1888 von v. Fritsch 
in ähnlicher Form ausgesprochen worden ; *) und dass das von den 
Asten und dem Hauptstamm herabrieselnde Wasser sehr wohl eine 
langsam sich bemerkbar machende Abspülung des Erdreiches um den 
Stamm herum bewirkt, ist eine Erfahrung, die wir bei jeder Pflanzung 
machen können. — Original wird der Ideengang Karstens dadurch, 
dass er die gefundenen Werte auf die Oberfläche als Ganzes über- 
trägt und eine entsprechende Abtragung der alluvialen und diluvialen 
Hügel errechnet, die so ins ungeheure wächst (in 10 000 Jahren 100 m, 
dass man bei konsequenter Fortführung der Rechnung zu dem Resultat 
kommen muss, dass diluviale Höhenzüge eigentlich überhaupt nicht 
mehr existieren dürften. 

Die Ausführungen Karstens interessieren uns nicht allein 
deswegen, weil sie ihrerseits im Widerspruch stehen zu dem geringen 
Botrage, welchen Lapparent als Gesamtbetrag der Abtragung der 
Oberfläche überhaupt angibt, 2 ) nämlich 0,110 mm pro Jahr oder 1 cm 
in etwa 91 Jahren, sondern vor allem deswegen, weil auch in unserem 
Gebiet zahlreiche Bäume jene Stelzbeinigkeit aufweisen, welche als 

l ) Karl v. Fritsch: Allgemeine Geologie. Stuttgart 1888. Seite 306/7. 
*) A. de Lapparent: La mesure du temps par les phenomenes de Sedimentation. 
Bulletin de la societe geol. de France Bd. XVIII Seite 351/65 (besondere Seite 364). 



Ongmalfi™ 



UNIVERSrTY OF MICHIGAN 



141 

Beweis der hochgradigen Abtragung durch die abspülende Tätigkeit 
der atmosphärischen Niederschläge angeführt wird. Es lag daher 
nahe, die entsprechende Berechnung auch hier anzustellen, um den 
hierbei sich ergebenden Wert mit den Zahlen Karstens zu vergleichen. 

Allein bei näherer Untersuchung ergab sich sogleich, dass es 
kaum angängig sein wird, diese eigentümlichen Erscheinungen auf 
eine allgemeine flächenhafte Abtragung von 1 cm pro Jahr zurück- 
zuführen. Schon die Tatsache, dass die erwähnte Erscheinung 
keineswegs an allen Stämmen zu beobachten ist, 1 ) und dass sich auch 
am Fasse der Erhebungen, wo die Verwitterungsprodukte doch 
zusammengeschwemmt sein mussten, derartige „stelzbeinige" Bäume 
antreffen lassen, bereitet einer Erklärung im Karsten sehen Sinne 
einige Schwierigkeit. Ich möchte in Übereinstimmung mit den von 
mir befragten Forstbeamten jene Bildungen zum mindesten für das 
untersuchte Gebiet auf andere Ursachen zurückführen. Besonders 
in den Sandsteingebieten, wo wir, wie bereits mehrfach betont, die 
intensivste Forstwirtschaft antreffen, kommt es häufig vor, dass ein 
Same auf einen Felsblock fallt und dort genügend Dammerde findet, 
um zu keimen. Bald aber reicht die Nahrung nicht mehr aus, und 
das Bäumchen sendet einen Teil seiner Wurzeln auf der Aussenseite 
des Blockes entlang in das Erdreich. Je stärker und mächtiger nun 
aber der Stamm und die Wurzeln werden, um so intensiver wirken 
sie zerstörend auf den sie umklammernden Felsblock ein, bis dieser 
schliesslich zerfällt. Sind nun die Wurzeln bereits stark genug, so 
bleiben sie stelzenartig im Erdreich stecken, während der eigentliche 
Stamm erst in der Tat in einiger Entfernung vom Boden beginnt. 
Dass die atmosphärischen Niederschläge, vor allem das am Stamm 
herunterrieselnde Wasser nun den Sandgrus noch auseinandertragen, 
erscheint durchaus wahrscheinlich. Die atmosphärischen Niederschläge 
sind aber demnach doch nur die unmittelbare Ursache für die 
Stelzbeinigkeit. — Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass bisweilen 
die Baumstümpfe der geschlagenen Stämme im Boden stecken bleiben, 
und wenn diese nun allmählich vermodern, so kann sich auf ihnen 
bald ein geeigneter Boden für Tannen- und Fichtensamen bilden, 
welcher durch Samenflug hierher getrieben wird. Die jungen Pflanzen 
aber treiben ihre Wurzeln wiederum auf der Aussenseite der Baum- 
stümpfe in die Erde hinein, 2 ) und diese äusseren Wurzeln ersetzten 



') Karsten schließet aus dieser Tatsache auf eine frühere hügelige Beschaffen- 
heit des Terrains; jedoch erscheint eine derartige Annahme absolut unwahrscheinlich 
für ein Gelände, das wie das unserige aus horizontal gelagerten Schichten auf- 
gebaut ist. 

*) siehe umstehend '). 



Original ftom 



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142 

später hinlänglich erstarkt die meist verkümmernden mittleren Wurzel- 
teile vollkommen, so dass nach dem Verwesen der alten Reste der 
junge Stamm wie auf Stelzen in der Luft schwebt. Aach hier können 
und werden natürlich die atmosphärischen Niederschläge den ver- 
modernden Baumstumpf allmählich entfernen und zur Erhöhung der 
Stelzbeinigkeit beitragen, ohne doch die unmittelbare Ursache hierfür 
gewesen zu sein. Diese Erklärungen für die Stelzbeinigkeit der 
Bäume scheinen mir wenigstens für das untersuchte Gebiet die natür- 
lichen und zutreffenden zu sein. Der interessante Versuch, die ab- 
spülende Tätigkeit der atmosphärischen Niederschläge mit Hülfe 
dieser Erscheinung zahlenmässig zu bestimmen, muss dann aller- 
dings aufgegeben werden. 

Wir wenden uns nunmehr der abtragenden Tätigkeit des fliessenden 
Wassers zu. Wenn auch in allererster Linie die Grösse des Gefälles und 
der Wasserführung von massgebender Bedeutung sein mag, so ist doch 
andererseits ihre Abhängigkeit von der wechselnden Widerstand- 
fahigkeit der verschiedenen Gesteine eine so augenfällige, dass sie 
dem Beobachter im Gelände unmöglich entgehen kann. Schon die 
Form der Sammeltrichter, in welcher sich die Quellwässer und das 
oberflächlich abfliessende Regenwasser vereinigen, zeigt jene Ab- 
hängigkeit in aller Deutlichkeit. In dem sehr durchlässigen Quader- 
sandstein wird ein grosser Teil des auftretenden Wassers versitzen 
und nur wenig oberflächlich abfliessen. Die Erosion ist daher nur 
gering und hat ausserdem noch die bedeutende Härte der Sandstein- 
felsen zu überwinden. Die Sammeltrichter bilden daher im Quader- 
sandstein weit ausgedehnte, in der Flussrichtung meist lang gezogene, 
äusserst flache und wenig geneigte Wannen oder Mulden. Ganz 
anders liegen die Verhältnisse bei den plänerartigen Gesteinen. 
Nicht allein im frischen Zustande zeigen diese Gesteine eine ausser- 
ordentlich vollkommene Raumerfüllung, sondern auch ihre durch den 
kleinstückigen Zerfall gelieferten tonigen Verwitterungsprodukte er- 
weisen sich als sehr wasserundurchlässig. Die meteorischen Nieder- 
schläge fliessen daher zum allergrössten Teil oberflächlich ab. In 
demselben Masse aber nimmt die Neigung zu erodieren zu, und der 
leicht zu transportierende, feine Verwitterungsschutt dieser Gesteine 
fallt der Stosskraft des Wassers derartig zum Opfer, dass die 
Sammeltrichter ihre untere Grenze immer höher hinaufschieben, von 
geringerer Grösse sind und in ihrer Gestalt sich mehr der Form 




*) Vergleiche hierzu Prof. Dr. Theodor Schübe, Breslau : Aus der Baumwelt 
des Riesen- und Isergebirges. Der Wanderer im Riesengebirge, Bd. XI, Nr. 296, 
Seite 1 IG. 



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143 

eines Amphitheaters oder Zirkus nähern. Als Beispiel der ver- 
schiedenen Formen der Sammeltrichter möchte ich die langgestreckte, 
den grössten Teil der Henschener umfassende Sammel wanne des Rot- 
wassers einerseits und die scharf abgegrenzten, der Zirkusform sich 
nähernden Sammeltrichter des Friedrichberger und Friedersdorfer 
Wassers andererseits anführen. 

Mit dem Austritt aus dem Sammeltrichter beginnt nun die 
eigentliche Erosionsstrecke, und auch hier drängt sich der Zusammen- 
hang von Talform und Gestein dem Beobachter förmlich auf. Es 
würde natürlich über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen, eine 
eingehende hydrographisch-geographische Beschreibung der einzelnen 
Täler und ihrer Bildungsweise zu geben. Der Mangel an Zeit und 
genügenden Spezialkenntnissen würde wohl auch den Erfolg eines 
solchen Versuches in Frage gestellt haben, und für den ganzen öst- 
lichen Teil unseres Gebietes besitzen wir überdies eine solche Be- 
schreibung in dem mehrfach zitierten Werke Lepplas. Wir müssen 
uns also darauf beschränken, aus der Fülle von eigenen Beob- 
achtungen und von Literaturangaben das herauszuschälen, was für 
den Vorgang der Abtragung durch fliessendes Wasser charakteristisch ist. 

Die Grösse der erodierenden Kraft ist in erster Linie von der 
Stosskraft des Wassers abhängig, welche wiederum als die Resultierende 
der verschiedenen Geschwindigkeit der Wasserteilchen zu verstehen 
ist; diese Geschwindigkeit ist nun aber nahe der Oberfläche im 
sogenannten Stromstrich am grössten und nimmt mit der Tiefe 
ab. 1 ) Die mechanische Arbeit des Flusses ist daher nahe der Ober- 
fläche an den beiden Ufern bedeutender als in der Tiefe, so dass 
das normale Profil eines Flussbettes eine V-förmige Rinne dar- 
stellt. Es wird im übrigen hauptsächlich darauf ankommen, welcher 
Widerstand der Erosion vor allem im Stromstrich durch das Gestein 
entgegengesetzt wird. Schneidet sich nun ein Flussbett in pläner- 
artige Gesteine ein, so wird der seitlichen Erosion im Stromstrich 
zunächst energischer Widerstand geleistet werden; allmählich aber 
wird das Gestein schiefrig, splittrig und mürbe, und schliesslich löst 
sich nun, wie wir es oben ausführlich beschrieben haben, eine vertikale 
Wand von dem Plänerfelsen ab, dessen feiner toniger Grus vom Wasser 
leicht mitgeführt wird. Nun beginnt das Wasser, weiter an den 
Plänerwänden zu nagen, bis auch die nächste Wand zusammenstürzt. 
Da die Wasserführung der Plänerge Wässer infolge der Undurchlässig- 
keit der Gesteine eine relativ bedeutende ist und infolge der den 
plänerartigen Gesteinen eigentümlichen kleinstückigen Verwitterung 

*) Leppla: a. a. O. Seite 116. 



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UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



144 



die Erosion im Stromstrich sich stark entfalten kann, so wühlt sich 
das Wasser in diesem Gestein im Laufe der Zeit eine Rinne ans, 
deren V-Form aufs deutlichste ausgeprägt ist. (Figur 1.) Anders 




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Figur 1: Schematisches Profil eines Tales im plänerar tigen Gestein. 



dagegen liegen die Verhältnisse im Quadersandstein. Die grosse 
Wasserdurchlässigkeit und die damit zusammenhängende geringe 
Neigung dieser Gesteine zur Hochwasserbildung sind der Erosion 
sehr hinderlich, so dass längere Täler im Gebiet des Quadersand- 
steins fast gänzlich fehlen. Muss aber ein Fluss auf seinem Wege 
ein Quadersandsteingebiet durchbrechen, so setzt der Sandstein in- 
folge seiner grossen Härte und des absoluten Fehlens von splittriger, 
kleinstückiger Verwitterung der seitlichen Erosion so energischen 
Widerstand entgegen, dass eine seitliche Abtragung so gut wie 
unmöglich wird und die Erosion daher versucht, nach der Tiefe zu 
zu schreiten. Aus dem normalen V-förmigen Tal entwickelt sich 
dann im Sandsteingebiet eine U-förmige, steilwandige und enge, bis- 
weilen kanionartige Auswaschungsstrecke. (Figur 2.) 




Figur 2: Schematisches Profil eines Tales im Quadersandstein. 






Original from 
UNIYERSITYOF MICHIGAN 



145 

Im Gelände bietet sich allenthalben Gelegenheit, die verschiedenen 
Talformen und ihre Abhängigkeit von der betreffenden Gesteinsart 
deutlich zu verfolgen. Greifen wir als ein überaus lehrreiches Bei- 
spiel den Verlauf des Rotwassers heraus, welcher die Hochfläche 
von Karlsberg entwässert. Trotz der hohen Lage dieses Plateaus 
und der dadurch bedingten reichlichen Niederschläge, und obwohl 
ausserdem der undurchlässige Pläner den grössten Teil der Hoch- 
fläche einnimmt, ist die Wasserführung eine verhältnismässig geringe, 1 ) 
was wohl darauf zurückzuführen ist, dass von den 18 qkm, welche das 
gesamte Niederschlagsgebiet des Rotwassers umfassen, 9,26 qkm dem 
sehr durchlässigen, ganz bewaldeten Quadersandstein angehören. 2 ) — 
Das Rotwasser verläuft auf der Plänerhochfläche dem Streichen der 
Schichten parallel nach SO. Sein Bett ist ein typisches Plänertal 
und daher ausserordentlich flach. Beim Forsthaus Neu-Friedrichs- 
grund aber biegt der Bach nach Süden um and durchbricht den 
Quadersandstein. In einer tief eingeschnittenen, klammartigen 
Schlucht hat er sich hier eingesägt, bis er schliesslich in mehreren 
kleinen Wasserfällen die steilen Wände des Quadersandsteins hinab- 
stürzt. Nach einer kurzen Strecke im Pläner stösst das Rotwasser bei 
den letzten Häusern von Friedrichsgrund abermals auf Quadersand- 
stein, in welchem er sich wiederum ein enges und dafür um so 
tieferes, kafionartiges Bett eingesägt hat. Sobald er dann aber 
nach SW in den Pläner umbiegt, ist der Widerstand gegen die seit- 
liche Erosion gering genug, um die Anlage eines breiten V-förmigen 
Bettes zu gestatten. — Die Gefalle von der Quelle aus nach unten 
gestalten sich nach Leppla 3 ) für den laufenden km folgendermassen : 
30 m (Karlsberg im Pläner) 
9,5 m (sandige Aufschüttung im Pläner) 
8,5 m (desgleichen) 

3 m (desgleichen) 

12 m (Eintritt in Quadersandstein) 
12, 15, 105 m (örtlich sogar 140 m), im Durchschnitt also ca. 65 m 

(Erosion im Querdurchbruch im Quadersandstein) 
32 m (Aufschüttung und Erosion im Pläner bei Friedrichsgrund) 
20 m (Erosion im Pläner und Quadersandstein) 
15 m (grobe und feine Aufschüttung im Pläner). 



*) Leppla schätzt sie (a. a. 0. Seite 279) auf 15 Sekunden-Liter. 
•) Leppla: a. a. O. Seite 279. 
») Leppla: a. a. O. Seite 279. 

Mitteilungen XXIV. 10 



Origirt.il ff'.iin 



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I 



146 

Dieselbe Erscheinung: ein breites, typisch V-förmiges Tal in 
plänerartigen Gesteinen nnd eine U-formige, tiefe, enge Auswaschungs- 
strecke im Quadersandstein tritt uns bei fast allen Bächen nnd 
Flüssen entgegen. Wir sehen es ebenso wie beim Rotwasser beim 
Lichtenwalder Wasser kurz nach Verlassen des Urgebirges und \ 
seinem Eintritt in den Pläner und Quadersandstein, und nicht 
minder deutlich hebt sich beim Wölfeisbach die Erweiterung des 
Bettes bei seinem Eintritt in den Kieslings walder Ton ab; der 
Kressenbach wiederum schneidet sich am „Dürren Rand" eng und 
schluchtig in den Quadersandstein ein, während sich das Tal beim 
Eintritt in den Pläner sofort wieder erweitert. 

Mit ganz besonderer Schärfe prägt sich dieser genetische Zusammen- 
hang zwischen Talform und Gestein in der Talenge aus, welche das Bett 
der Weistritz zwischen der Kolonie Höllenberg und Neu-Falkenhain kenn- 
zeichnet. Schluchtartig hat sich hier das Wasser der Weistritz eingesägt 
in den Sandstein, welcher der seitlichen Erosion nur allzu grossen 
Widerstand entgegengesetzt hat. — Und wenn man die Neisse von 
ihren Quellen aus verfolgt, soweit sie das Kreidegebiet durchfliesst, 
können dem Beobachter dieselben Eigentümlichkeiten der Talform 
nicht entgehen. Besonders augenscheinlich ist die Tal Verengung bei 
Oberlangenau, wo die Neisse aus dem weichen Pläner und dem Kies- 
lingswalder Ton in den widerstandsfähigeren Sandstein eintritt. Die 
steilen Uferböschungen und die schluchtartige Enge des Flusses 
stehen hier im scharfen Gegensatz zu der Talform im Kieslingswalder 
Ton. Eine ähnliche Erscheinung wiederholt sich im Neissetal weiter 
unterhalb bei Habelschwerdt, wo sich der Fluss abermals durch 
Quadersandstein einengen lassen muss. 

Nicht minder deutlich lassen sich immer dieselben gesetzmässigen 
Änderungen der Talform auch bei den Bächen und Wasserläufen des 
Adersbach- Weckelsdorfer Gebietes nachweisen, so dass es unnötig 
erscheint, weitere Beispiele anzuführen. — 

Werfen wir zum Schluss noch einen kurzen Blick auf das Material, 
welches durch die Erosion verfrachtet wird, so tritt uns auch hier 
derselbe genetische Zusammenhang zwischen den physikalischen 
Eigenschaften der Gesteine und ihrer Verwitterung und Abtragung 
entgegen. In Flussläufen, die sich in Quadersandstein einschneiden 
(Reinerzer Weistritz, Neisse bei Langenau), finden sich reichlich Blöcke 
des Quadersandsteins, die, fast immer annähernd kugelförmig, durch ihre 
Grösse gegenüber den Gerollen der kristallinen Gesteine auffallen. 
Man wird diesen Unterschied in der Grösse der Gerolle wohl in der Tat 
mit Leppla auf den Unterschied dos spezifischen Gewichtes zurückführen 



I Original ftom 



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147 

dürfen. 1 ) Bei den kristallinen Gesteinen beträgt das spezifische 
Gewicht 2,6—2,7, bei den Sandsteinen dagegen nur 2,0; da aber bei 
der Abtragung durch das fliessende Wasser ausschliesslich das 
absolute Gewicht in Betracht kommt, so wird im allgemeinen nur das 
Produkt Volumen X spezifisches Gewicht bei den verschiedenen Ge- 
steinen gleich sein müssen, mithin bei spezifisch leichten Gesteinen 
das Volumen grösser als bei spezifisch schwereren. — Zu längerem 
Transport sind die Sandsteingerölle wenig geeignet. Sie werden 
zunächst im Wasser mürbe und nehmen dadnrch bei der Rollung im 
Flussbett zwischen härteren Gesteinen an Grösse rasch ab. So finden 
wir in der Neisse vor der Aufnahme der Reinerzer Weistritz bei 
Putsch, also in 3 km von zunächst Anstehendem und in etwa 17 km 
Entfernung von der viel Geröll liefernden Umgebung von Bad Langenau, 
keine Sandsteingerölle mehr, und die ihr von der Weistritz aufs neue 
zugeführten verlieren sich schon bei Kamenz nahezu gänzlich und 
sind bei Patschkau nicht mehr vorhanden. 2 ) 

Die zerriebenen Sandsteingerölle aber liefern nun reichliches 
Material an Sand, welcher bei geringer werdendem Gefall und Tal- 
erweiterung zur Aufschüttung fluviatiler Schuttkegel verwandt wird, 
wie wir es allenthalben, vor allem im Weistritz- und Neissetal beob- 
achten können. 

Dass die plänerartigen Gesteine kein Material zur Geröllbildung 
liefern, bedarf bei der ihnen eigentümlichen Verwitterung keiner 
besonderen Betonung. Wohl aber wird die starke Flusstrübe, welche 
nach heftigen Regengüssen besonders in der Neisse zu beobachten 
ist, auf Rechnung des feinst verwitterten und leicht mitzuführenden 
Pläners und Kieslingswalder Tons zu setzen sein. 

Ich möchte diese Betrachtung über die Erosion durch fliessendes 
Wasser nicht verlassen, ohne auf den eigentümlichen Verlauf jenes 
Baches hingewiesen zu haben, welcher den Kreidegraben von Kronstadt 
entwässert. Die Erlitz bildet nämlich keineswegs, wie es auf den 
bisherigen geologischen Karten dargestellt ist, die Grenze der Kreide- 
ablagerungen nach NO, sondern hat ihr Bett östlich von dem am 
Habelschwerdter Gebirge entlang laufenden Bruchrande im Gebiet 
des Glimmerschiefers eingegraben (Tafel II. Abb. 4). Die Steinbrüche 
auf dem rechten Ufer der Erlitz sowohl in der unmittelbaren Nähe 
der Kronstädter Kirche wie südöstlich von Kronstadt, wo das stark 
schiefrige Urgestein zu Plattenbelag abgebaut wird, beweisen die Tat- 
sache aufs deutlichste. — Die Verlegung eines Flussufers vom Gebiet 

») Leppla: a. a. O. Seite 13. 
2 ) Leppla: a. a. 0. Seite 13. 



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148 

grösster Auflockerung, dem Bruchrande, fort, ist nun an und für sich 
noch nichts Ungewöhnliches ; die Erlitz aber folgte nicht dem Einfallen 
der Schichten, verlegte ihr Bett nicht in den mürben Pläner, sondern 
grub sich in den ungleich härteren Glimmerschiefer ein. — Es ist 
mir trotz eingehender Studien an Ort und Stelle nicht gelungen, eine 
einwandsfreie Erklärung hierfür zu finden. Talterrassen fehlten voll- 
ständig; das Bett ist ohne jeden Zweifel durchaus junger Entstehung. 
Möglicherweise handelt es sich bei der Erlitz überhaupt nicht um ein 
natürliches, sondern um ein ursprünglich von Menschenhand angelegtes 
Bett. Wir müssen es dem Historiker überlassen, nachzuprüfen, ob 
sich vielleicht irgend ein Anhalt dafür findet, dass die von Norden 
und Nordosten kommenden Ansiedler jenes Sumpfgebiet, als welches 
uns die Gegend in den ältesten Nachrichten geschildert wird and 
worauf wohl auch der Name Langenbrück (gegenüber von Kronstadt) 
hindeutet, durch einen am Fusse des Habelschwerdter Gebirges sich 
entlangziehenden Graben zu entwässern suchten. Die Erosion des 
diesen Kanal benutzenden Wassers hat dann möglicherweise erst das 
heutige Flussbett geschaffen. 

Die zweite Abtragungsform hatten wir als Abwärtsbewegung von 
Fels- und Schuttmassen bezeichnet. Die treibende Kraft ist auch 
hier die Schwerkraft, welche auf die bei der Verwitterung entstehenden 
Zerfallprodukte unmittelbar einwirkt. Dass wir das Zusammenstürzen 
der Plänerwände bereits unter dem Kapitel „Verwitterung" und nicht 
an dieser Stelle behandelt haben, hat seinen Grund darin, dass bei 
dem Niedergehen der Plänerwände ein Transport des zerfallenen 
Gesteins nur in recht bescheidenem Masse stattfindet. Die Pläner- 
wände, die wir im Gelände antreffen, sind meist nur wenige Meter 
hoch (selten mehr als 5 m), so dass bei der Ablösung einer solchen 
Wand infolge der geringen Höhe die Bewegungsenergie des Pläner- 
schutts nur unbedeutend ist und bei der Kleinheit der Verwitterungs- 
produkte ein bedeutungsvoller Massentransport nicht vorsichgeht; 
man muss in der Tat dieson Vorgang mehr als ein Insichzusammen- 
stürzen, denn als Abwärtsbewegung bezeichnen. Bei dem Qaader- 
sandstein liegen die Verhältnisse wesentlich anders. Löst sich hier 
ein Quader von den hohen, senkrechten Wänden ab, so kann er, sofern 
er beim Herabstürzen nicht bereits zerschellt, weit ins Vorland hinab- 
rollen. Die ausgedehnten Schuttgehänge, welche die Sandsteinmauern 
allenthalben umgeben, lassen durch ihr wirres Haufwerk meist eckiger, 
scharfkantiger Blöcke erkennen, in welch wirksamer Weise das 
Landschaftsbild durch diese Art der Abtragung, die Felsstürze, in 
dem Gebiet des Quadersandsteins beeinflusst wird. 



MgM«*. 



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149 

Um so mehr ist es zu bedauern, dass es uns nicht möglich war, 
ein derartiges Herabstürzen losgelöster Quadennassen im Gelände 
mitzuerleben. Es blieb mir daher nur übrig, Erkundigungen darüber 
einzuziehen, wo und wann in den letzten Jahren ein Felssturz beob- 
achtet worden war. In der Kgl. Oberförsterei Karlsberg 1 ) erfuhr 
ich, dass vor etwa 30 Jahren am Spiegelberg herabstürzende Fels- 
massen grosse Verheerungen in den jungen Schonungen angerichtet 
hatten ; jedoch war an derselben Stelle vorher das Gestein gebrochen 
worden, so dass es sich in diesem Falle um das Herabkommen 
künstlich unterminierter Quader handelt. — Da im übrigen 
an allen Orten, wo ich nach einem Herabstürzen von Fels- 
massen forschte, immer dieselbe Antwort erfolgte: so lange man sich 
erinnern könnte, sei etwas Derartiges nie vorgekommen, so versuchte 
ich zuletzt, in einigen Chroniken nach einem Bericht über Felsstürze 
zu fahnden. Bei der peinlichen Sorgfalt, mit welcher die Chronisten 
jede Kleinigkeit mit einer uns fast komisch anmutenden Ausführlichkeit 
der Nachwelt überliefert haben, war wohl zu erwarten, hier einen 
Hinweis auf derartige Katastrophen zu finden, zumal viele Ortschaften 
unmittelbar am Fusse von Quadersandsteinfelsen angelegt sind, wo 
Felsstürze naturgemäss von ganz besonderer Bedeutung gewesen 
wären. Aber auch hier waren die Bemühungen vergebens. — Wir 
gelangen somit zu dem Resultat, dass ein Herabstürzen von Quader- 
reihen in unserer Zeit überhaupt nicht mehr stattfindet oder zum 
mindesten ausserordentlich selten auftritt. Im Schlusskapitel kommen 
wir auf diesen Punkt noch einmal zurück. 2 ) 

Es erhebt sich nun eine weitere Frage von allgemeinem Interesse, 
nämlich die, ob die am Fusse der Felsen angesammelten Schuttmassen 
eine starre, unbewegliche Masse darstellen, oder ob sie die Fähigkeit 
besitzen, ihrerseits wiederum noch Bewegungen auszuführen. Was 
sich über diesen Punkt durch Beobachtungen im Gelände feststellen 
liess, hat trotz der darauf verwandten Mühe zu keinem positiven 
Resultat geführt. 



') Es ist mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle Herrn Kgl. Oberförster Thotnnuk 
in Karlsberg, welcher mir stets bereitwilligst behilflich war, meinen aufrichtigsten 
Dank auszusprechen. 

*) Zu welchen Seltenheiten heutzutage das Herabstürzen von Quadennassen 
gehört, beweist die Tatsache, dass man in Adersbach an einem Block, welcher 
nach dem Bericht der Führer in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch 
Blitzschlag abgesprengt worden sein soll und unmittelbar vor einem Touristen 
niederstürzte, eine Tafel angebracht hat zur Erinnerung an jenes Ereignis, 
welches seitdem sich nie wiederholt hat. 



Ortgtal tom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



150 

Angeregt durch die Mitteilung Assmanns, 1 ) versuchte ich zunächst, 
die Frage zu entscheiden, ob die auf dem Gehängo angesammelten 
Blöcke durch die Mitwirkung von Rauhreif und Glatteis eine Abwärts- 
bewegung ausführen. As s mann vermutet nämlich, dass im Winter 
ein Niederschlag von Rauhreif und Glatteis den Gesteinsblock mit 
einer überaus glatten Hülle umgeben, welche jede Unebenheit der 
Oberfläche ausgleicht. „Da nun hiervon häufig sowohl die aufliegenden 
Blöcke als deren bisher rauhe Unterlage betroffen werden, entsteht 
ein Zustand unsicheren Gleichgewichts, welcher bei geeigneter Fläche 
die ausgezeichnetsten Bedingungen zum Gleiten darbietet. Eine gering- 
fügige Veranlassung, welche sonst wirkungslos bleiben würde, kann 
nun hinreichen, um mächtige Blöcke der Schwerkraft zu überantworten, 
welche nun bei fast völlig fehlender Reibung auf der Unterlage weite 
Transporte derselben ermöglicht". 2 ) 

Um diese Vermutung nachzuprüfen, wählte ich auf den verschiedenen 
Halden insgesamt 20 Blöcke aus und schlug nun im Herbst in der 
Nähe jedes Blockes zwei Pfahle so ein, dass eine die beiden Holzstäbe 
verbindende, stramm gespannte Schnur den Gesteinsblock gerade 
berührte. Im Frühjahr besuchte ich alsdann dieselben Stellen wieder, 
um eine etwaige Veränderung der Lage festzustellen. In mehreren 
Fällen waren die Holzpfähle leider teilweise oder völlig herausgerissen, 
so dass nur noch 12 vollständige Messungen vorgenommen werden 
konnten. Hierbei ergab sich, dass, soweit die Methode Anspruch auf 
Genauigkeit machen kann, eine Verschiebung der Blöcke in keinem 
Falle stattgefunden hatte, obwohl im Winter wiederholt plötzlich 
einsetzende Witterungsumschläge zur Bildung von Rauhreif und Glatt- 
eis Veranlassung gegeben hatten. 

Bei weiteren Studien über etwaige Bewegungsvorgänge innerhalb 
der Schuttmassen gelangte ich zu einer interessanten Wahrnehmung, 
welche allerdings in den l 1 /* Jahren, die mir zur Arbeit im Felde 
zur Verfügung standen, noch nicht in genügender Weise weiter verfolgt 
werden konnte. — Überall, wo durch den Wegebau der Gehängeschutt 
der Quadersandsteine angeschnitten wird, reinigt man bei der Anlage 
des Weges die Böschungen sorgfaltigst von den aus dem Schutt 
hervortretenden Sandsteinblöcken, weil erfahrungsgemäss sonst die 
Stabilität der Böschungen leiden würde. Es ist nämlich eine Tatsache, 



J ) R. Assmann ; Über die Mitwirkung von Rauhreif und Glatteis bei der 
Abtragung von Gesteinamassen in den Gebirgen. Naturwissenschaft!. Rundschau, 
2. Jahrgang Nr. 47, Braunschweig Nov. 1887. 

■) Assmann : a. a. 0. Seite 423. 



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151 

welche mir auch der Kgl. Oberförster Herr Thommek aus eigener Er- 
fahrung bestätigte, dass fast stets an Böschungen, welche in einem Jahre 
gereinigt worden sind, nach 2—3 Jahren neue Sandsteingerölle wieder 
in Erscheinung treten, welche mit immer grösseren Teilen ihres 
Gesteinskörpers das Böschungsgehänge durchbrechen und schliesslich, 
wo die Gleichgewichtsbedingungen überschritten, die Böschung herab- 
rollen, um dann gewöhnlich in dem Wasser des Chausseegrabens zu 
„verfaulen" und der Abtragung durch das fliessende Wasser über- 
antwortet zu werden. 

Für diese eigenartige Erscheinung können füglich nur zwei Er- 
klärungen in Betracht kommen: entweder findet an den Böschungen 
eine sehr starke Abspülung statt, so dass die Gehänge mehr und 
mehr rückwärts verlegt und auf diese Weise einzelne Blöcke frei- 
gelegt werden, welche schliesslich bei fortgesetzter Abspülung dos 
Erdreichs herunterstürzen müssen. Die zweite Möglichkeit ist die, 
dass die Blöcke in dem Gehängeschutt Abwärtsbewegungen aus- 
führen und, indem sie in dieser Bewegung verharren, schliesslich die 
Böschung durchbrechen und endlich hinabrollen. — Für eine derartig 
intensive Abspülung, wie sie notwendig sein müsste, um diesen Vor- 
gang zu erklären, fehlt nun aber jeglicher Anhalt. Weder sind die 
Gräben an den Böschungen merklich angefüllt mit herabgeschwemmtem 
Material, noch ist irgendwo eine Veränderung der Böschung, wie 
sie bei etwaiger Rückwärtsverlegung sich einstellen müsste, zu 
beobachten gewesen. Dagegen lassen sich für die zweite Annahme, 
dass die Blöcke im Gehängeschutt eine Abwärtsbewegung ausführen, 
einige Argumente anführen, die in der Tat darauf hinzuweisen 
scheinen, dass eine solche Bewegung wirklich stattfindet. Um diesen 
Problemen näherzukommen, wählte ich an den Böschungen des 
Weges, welcher nördlich von dem Weissen Gestein über Sechskant 
nach der Friedrichsgrunder Lehne und dem Frommeltweg führt, 
mehrere aus den Gehängen hervorstehende Blöcke aus und versuchte, 
deren Bewegung nachzuprüfen. — Zunächst lockerte ich 10 Blöcke 
und zog sie aus dem Schutt heraus, um festzustellen, was sich über 
ihre Gestalt und Lage im Schutt erkennen Hess. Hierbei war eine 
Tatsache ganz augenfällig: sämtliche Blöcke, von donen jeder 
5—10 kg wiegen mochte, waren mehr oder weniger deutlich keil- 
förmig gestaltet, und stets war der Block so orientiert, dass seine 
Längsrichtung mit der Neigungsrichtung des Gehänges zusammenfiel. 
Nicht an einem einzigen war das Umgekehrte, ein Heraustreten mit 
der Breitseite, zu beobachten. Im Aussehen unterschieden sich diese 
Trümmerblöcke nicht wesentlich von den auf der Oberfläche der 



Original ftom 



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152 



Gehänge anzutreffenden; nur wiesen sie zum Teil mehr abgerundete 
Kanten auf als jene. Zur weiteren Untersuchung wählte ich nun 
15 Blöcke auf den verschiedensten Stellen der Böschung dieses 
Weges aus und schlug Pfahle derartig in das Gehänge hinein, 
dass die Gesteinsblöcke nur eben den Pfahl tangierten. Ich ver- 
wandte hierzu gehobelte und zugespitzte Pfähle, welche 40 cm lang, 
20 cm breit und 2 cm dick waren, und schlug sie so ein, dass etwa 
15 cm aus dem Erdreich hervorsahen. (Figur 3.) An der 

Schmalseite dieser Pfähle war 
eine den Längskanten parallele 
Nute angebracht, mit Hilfe derer 
ich nun bei jedem Pfahl den 
Winkel bestimmen konnte, den 
diese Nute mit der Horizontalen 
bildete; und zwar wählte ich 
der Gleichmässigkeit wegen stets 
den Winkel, dessen Oeflnung 
dem Gehänge abgekehrt war 
(Winkel a in Figur 3). Bei jeder 
Winkelbestimmung machte ich 
zehn Messungen und notierte als 
Winkelwert das arithmetische 
Mittel, welches sich aus den einzelnen Messungen ergab. Da jede 
Messung mit möglichster Genauigkeit vorgenommen wurde, glaube 
ich, die Fehlergrenze jedes Winkels auf 1° beschränkt zu haben. 
Nach etwa drei Viertel Jahren nahm ich die erste, nach weiteren 
5 Monaten die zweite Nachprüfung vor. Leider waren auch hier 
wiederum einige Pfähle in der Zwischenzeit herausgerissen worden, 
was in der folgenden Tabelle durch einen Strich angedeutet sein 
mag. Das Resultat der Messungen war das folgende: 




Figur 3: Die Bewegung der Fels- 
blöcke innerhalb des Gehängeschutts. 



Pfahl No. 


Nach dem 
Einschlagen 


1. Nach- 
prüfung 


2. Nach- 
prüfung 


x* ■ ■ ■ « % % 

II 


50° 
76° 

H5 1 /« 

88° 

70 l /*° 

55 1 /» 

61° 


46 1 /» 

62 l /*° 
88° 
70° 
55° 


41° 


III. . . 
IV 


94° 


V 

VI 


55° 


VII 








Onyin.il from 

UNIYERSITY OF MICHIGAN 



153 



Pfahl No. 



VHI. 

IX. . 

X. .. 

XI. . 

xn.. 

XIII. 
XIV. 
XV.. 



Nach dem 
Einschlagen 






1. Nach- 
prüfung 



2. Nach- 
prüfung 



58 1 /* 
79° 

51° 

64 1 /* 

73° 

59° 

75 1 /* 
70° 



76° 

60° 

63° 

71 1 /* 

58° 

75° 

67 1 /* 



71° 

44V2 



66° 
58° 



65° 



Was für Folgerungen lassen sich nun aus dieser tabellarischen 
Zusammenstellung ziehen? Von den acht verwertbaren Messungen 
zeigt die Mehrzahl eine Neigungsänderung an. Nur bei den 
Pfählen VI und XIII ist die Lage annähernd dieselbe geblieben. 
Bei den Pfählen I, IX, X, XII und XV ist die Änderung in dem- 
selben Sinne erfolgt : die Pfähle sind gehängeabwärts gedreht worden. 
Nur Pfahl IV macht hiervon eine Ausnahme, indem er eine Drehung 
im entgegengesetzten Sinne erfahren hat. 1 ) 

Diese Veränderung in der Neigung der Pfähle kann aber von 
keiner anderen Kraft hervorgerufen worden sein als durch den Druck 
der Gesteinsblöcke, welche somit in der Tat Bewegungen auszu- 
führen scheinen. Vom rein physikalischen Standpunkte aus wird 
uns dies auch nicht einmal fremdartig erscheinen; denn die Schwer- 
kraft, welche auf den im Gehängeschutt befindlichen Gesteinsblock 
einwirkt, können wir in zwei Komponenten zerlegen, von denen die 
eine das Bestreben hat, den Gesteinsblock in den Schutt hinein- 
zupressen, während die andere ihn parallel dem Gehänge abwärts 
zu bewegen sucht. Nun wird zwar im allgemeinen diese letzte 
Komponente die schwächere sein, 2 ) aber es kommt für eine eventuelle 
Bewegung ausserdem der Widerstand in Betracht, welcher dieser 
Bewegung entgegengestellt wird, und dieser Widerstand wird durch 



*) Dass bei allen Pfählen auch bei der «weiten Nachprüfung der Block 
noch genau an der Breitseite des Pfahles anlag, bedarf wohl keiner besonderen 
Betonung. 

*) Die beiden Komponenten wären bei einem Böschungswinkel von 46° 
gleich gross; da dieser Winkel jedoch meist kleiner ist, so wird die senkrecht 
zur Neigungslinie wirkende Kraft überwiegen ; indes kommen gerade an dem 
Wege, den wir «ur Beobachtung verwandten, Böschungen bis zu 60° des öfteren vor. 






UNIYERSITYOF MICHIGAN 



154 



die Strasseneinschnitte für die parallel der Böschung wirkende 
Komponente wesentlich reduziert, so dass hierdurch sehr wohl die 
an und für sich schwächere Komponente die wirkungsvollere werden 
kann. — In welcher Weise nun diese Abwärtsbewegung der Blöcke 
im einzelnen vorsichgeht, entzieht sich vorläufig unserer Kenntniss 
vollkommen. Vielleicht spielt auch hier das in den Sandsteinschutt 
einsickernde Wasser noch eine Rolle, indem es die durch die Ab- 
wärtsbewegung des Blockes zusammcngepressten Sandmassen wieder 
auseinanderführt und so die Bedingungen zu einer weiteren Bewegung 
des Blockes schafft. 

Gleichsam prädestiniert za diesen Bewegungen sind natürlich 
diejenigen Blöcke, deren Gestalt und Lage einer Abwärtsbewegung 
am günstigsten sind, d. h. langgestreckte Felstrümmer, deren Längs- 
achse in der Richtung der Bewegung liegt. In dieser Tatsache 
werden wir übrigens zweifellos auch den Grund dafür zu erblicken 
haben, dass alle von uns herausgezogenen Blöcke, wie wir oben 
gesehen, eine derartige Form aufweisen. Natürlich werden auch die 
anders orientierten und anders geformten Blöcke von der Schwer- 
kraft erfasst; aber nur die günstig orientierten werden der Schwer- 
kraft talwärts zu folgen vermögen. 

Die andersartige Bewegung des 
Pfahles IV widerspricht nun aller- 
dings scheinbar einer derartigen 
Abwärtsbewegung. Vielleicht 
aber lagerte an dieser Steile in 
grösserer Tiefe noch ein anderer 
Block, welcher aus irgend einem 
Grunde sich stärker bewegte, 
infolgodesson gegen den unteren 
Teil des Pfahls so stark drückte, 
dass hieraus eine steilere Stellung 
des Pfahls resultierte, die sich in 
der Vergrösserung des Winkels u 
ausdrückte (Figur 4). 



■ • • ' • ■ ■ 



■ ■ * 




Figur 4: Die Drehung des Pfahls IV. 



Überhaupt stehen wir auf dem Standpunkt, dass, wie auch ein- 
leitend bereits bemerkt, diese Erscheinung durch die mitgeteilten 
Beobachtungsreihen keineswegs genügend erforscht ist, sondern dass 
erst durch einige Jahre fortgesetzte Messungen dieser Art ein end- 
giltiges Urteil hierüber gefällt werden kann. Immerhin ist schon 
jetzt die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine derartige Abwärts- 



Oigilizedby C.OOglc 



Original frorn 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



155 

bewegnng der Gesteinsblöcke im Gehängeschutt tatsächlich stattfindet, 
und dass es sich hier nm eine neue Art der Abtragung handelt, 
welche, an und für sich geringfügig, durch Summierung an Zeit und 
Baum sehr wohl von Einfluss auf die Oberflächenform werden kann. 
Umfangreichere Beobachtungen stehen uns zur Verfügung, wenn 
wir uns jetzt den Rutschungen des Gehänges zuwenden. — Rutschungen 
stellen in unserem Gebiet eine weit verbreitete Abtragungsform dar ; 
da aber alle derartigen Gleitbewegungen lockerer Massen eine 
intensive Durchtränkung, eine schlammartige Konsistenz des Bodens 
zur Voraussetzung haben, so werden wir es erklärlich finden, dass 
dem ausserordentlich durchlässigen Sandsteinschutt derartige Er- 
scheinungen im allgemeinen fremd sind. Dagegen finden wir überall, 
wo die Natur oder der Mensch die Plänergehänge angeschnitten hat, 
diese Abtragungsform weit verbreitet. Besonders in nassen Früh- 
jahren stellen sich allenthalben Rutschungen ein. So fand ich auf 
einer Wanderung in dem jungen und daher noch steilwandigen, 
tiefen Plänertal, welches von der Karlsberg-Cudovaer Chaussee hin- 
überleitet nach Dörnikau, den Weg mehrmals überschüttet mit dem 
von den steilen Gehängen herabgerutschten tonigen Plänerschutt, 
und an dem Abbruchsrand des PI äo ersock eis im Norden von Dörnikau 
spielen derartige Rutschungen eine grosse Rolle. — Für den 
Menschen sind jene Rutschungen in Verbindung mit der Abspülung 
von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Die Plänerhänge sind 
infolge der Neigung zu Rutschungen so wenig stabil, dass man sie 
nur ungern zur Anlage von Feldern verwendet. In Johannistal er- 
zählte mir ein alter Bauer, dass zwar jedem Dorfbewohner ein 
Streifen Land an dem Abhang gehört, dass aber nur die wenigsten 
ihn beackern. Denn einmal sei an eine Bearbeitung des Bodens mit 
dem Pflug nicht zu denken, vielmehr müsse das Erdreich mit der 
Hacke umgeworfen werden, und zum andern käme, sobald das Erd- 
reich seines schützenden Pflanzenkleides beraubt wird, nach jedem 
Regenguss eine solche Menge Erdreich herunter, dass man bisweilen 
den kostbaren Boden in Körben wieder hinauftragen müsse. Die 
Bewohner haben es hier daher vorgezogen, die Plänergehänge als 
Wiesen zu benutzen und ihre Äcker, soweit es möglich ist, auf der 
Plänerhochfläche anzulegen. Ähnliche Erscheinungen wiederholen 
sich an allen Stellen, wo das Wasser tiefe Furchen in der Pläner- 
landschaft gezogen hat. Die Abhänge sind entweder mit Sträuchern 
oder Bäumen bepflanzt oder sie werden als Wiesen benutzt; nur im 
Notfalle legt der Mensch trotz Rutschung und Abspülung hier seine 
Acker an. — Jung vernarbte Ausrutschnischen finden sich in grösserer 



I Original ftom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



156 

Anzahl in den Plänergehängen dos Friedersdorfer Wassers bei der 
Kolonie Johannistal. Auf dem Privatwege von der Assmusstrasse nach 
den Wilden Löchern konnte ich selbst eines Tages eine solche Rutschung 
in all ihren Einzelheiten beobachten; und in dem Gebiet des Kieslings- 
walder Tones finden sich ebenfalls an den verschiedensten Stellen 
Abrutschungon der Verwitterungsprodukte dieser Gesteine. Die 
vielen kleinen Rutschungen an den Strasseneinschnitten und den 
Gehängen der Wasserläufe im Gebiet der plänerartigen Gesteine, 
welche einzeln anzuführen naturgemäss zu weit fuhren würde, be- 
stärken uns in der Ansicht, dass die Rutschungen für die Ober- 
flächenform der Plänerlandschaft von grosser Bedeutung sind, indem 
sie in Verbindung mit der kleinstückigen Verwitterung dieser Gesteine 
dazu beitragen, jene sanften, flachwelligen Formen zu schaffen, durch 
welche die Plänerlandschaften ausgezeichnet sind. 

Abgesehen von der Bewegung der Blöcke in dem Fusshang der 
Quadersandsteine und den Rutschungen im Verbreitungsgebiet der 
plänerartigen Gesteine scheint der Boden stabil zu sein. Anzeichen 
für ein „Kriechen" des Gehängoschuttes im Sinne Götzingers 1 ) 
lassen sich nirgends feststellen. Denn die allenthalben wahrzu- 
nehmende „Diskordanz" 2 ) von Sandsteinblöcken auf verwittertem 
Pläner (z. B. am nördlichen Gehänge des Frommeltweges) muss 
wohl in unserem Falle als Verschwemmung einzelner Trümmer der 
Schutthalden gedeutet werden. — 

Der Mensch übt im allgemeinen keinen wesentlichen Einfluss 
auf die Gestaltung einer Landschaft aus. Wir haben oben bereits 
wiederholt darauf hingewiesen, dass durch die Anlage von Strassen, 
durch das Einschneiden in die am Fusse angehäuften Verwitterungs- 
produkte eine mittelbare Verstärkung der Abtragung durch den 
Menschen herbeigeführt wird. In anderen Gebieten wird hiermit der 
Einfluss des Menschen erschöpft sein; in dem von uns bearbeiteten 
aber liegen die Verhältnisse anders. Der Quadersandstein liefert ein 
im allgemeinen sehr brauchbares Baumaterial 3 ) und wird daher in 
zahlreichen Brüchen abgebaut. Nicht nur am Spiegelberg und an 
der Friedrichsgrunder und Wünschelburger Lehne, sondern allenthalben 
leuchten bei schönem Sonnenschein dem Wanderer schon von weitem 



') Oötzinger: a. a. 0. Seite 37 ff. 

*) Oötzinger: a. a. O. Seite 38. 

■) Der widerstandfähigste Sandstein dürfte zweifellos der Sandstein der 
Friedrichsgrunder Lehne sein, der jedoch seiner Härte wegen einmal zu hohen 
Arbeitelohn erfordert (siehe unsere Ausführungen auf Seite 114) und ausserdem 
für Skulpturarbeiten in der Tat zu hart sein soll. Man zieht aus diesem 
Grunde gewöhnlich den raittelturonen Sandstein der Wünschelburger Lehne vor 



Ofetal fem 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



157 

helle Schutthalden gewaltiger Steinbrüche entgegen. Der Abbau ist 
ein so intensiver, dass es in der Tat nicht angängig erscheint, die 
Betrachtung der Abtragungsvorgänge zu schliessen, ohne einen kurzen 
Einblick darin gewonnen zu haben, in welch wirksamer Weise der 
Mensch hier die Abtragung fördert. Gegenüber den Massen, welche 
durch die Tätigkeit des Menschen jährlich den Sandsteinfelsen ent- 
zogen werden und entweder als Bausteine exportiert oder als nutzloses 
Material auf den Halden aufgehäuft werden, erscheint die Abtragung 
durch die Natur selbstverständlich minimal. Eine einzige Firma 1 ) 
allein führt aus zwei Steinbrüchen, welche allerdings zu den grössten 
gehören, dem Wünsch elburger und dem Friedersdorfer, jährlich 4068 cbm 
an Baustein aus 2 ) und muss zu deren Gewinnung etwa 20 900 cbm 
Felswände jährlich abbauen. 8 ) 

Wenn man nach diesen Zahlen versuchen wollte abzuschätzen, 
wieviel cbm Felswände in einem Jahre überhaupt in dem ganzen 
Gebiet vom Menschen abgetragen werden, so dürfte der Betrag von 
100 000 cbm eher zn niedrig als zo hoch gegriffen sein. Dass ein 
derartig hoher Betrag auf die Dauer nicht ohne Einfluss auf das 
Landschaftsbild sein kann, versteht sich von selbst. 



l ) Es ist die bekannte Firma Carl Schilling, welche mir in grösster Zuvor- 
kommenheit die im Text folgenden Daten mitteilte. 

*) Und zwar aus dem Wünschelburger Steinbruch 3768 cbm und aus dem 
Friederedorf er 300 cbm. 

*) Diese verteilen sich folgendermassen : 

Wünschelburger Steinbruch etwa 18 800 cbm, 
Friedersdorfer Steinbruch etwa 2 100 cbm. 



Ong.na.ftom 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



158 



Kapitel III. 

Oberflächen* und Felsfortnen im Gebiet der 
schlesisch'böhmischen Kreideablagerungen. 

Nachdem wir nunmehr den geologfischen Aufbau sowie die Ver- 
witterung und Abtragung im einzelnen kennen gelernt haben, begeben 
wir uns in das Gelände, um bei einer Wanderung durch das gesamte 
Gebiet nachzuprüfen, ob und in welcher Weise sich die Eigentüm- 
lichkeiten der Landschaft von diesen beiden Faktoren ableiten lassen. 

Es wird sich kaum ein zweites Formationsgebiet in Schlesien 
finden lassen, welches eine so ausgeprägte Eigenart besitzt, wie das 
der Kreide an der schlesisch-bömischen Grenze. So verschieden ist 
das Relief der Kreidelandschaft von den sanften Formen des Urgebirges 
oder den Kuppen des Porphyrs im Waldenburger Bergland, dass es 
nur eines Bildes aus jenen Gebieten bedürfen wird, um bei der später 
folgenden Schilderung der Kreidelandschaften die kennzeichnende 
Eigenart dieser Gebiete herauszufinden. — 

Tafel V. Abb. 11. zeigt uns einen Ausblick vom Nordabhange 
des Ebersdorfer Kalkberges (Devon) auf die Neudorfer Berge. Aus 
der nur wenig modellierten Feldlandschaft des Vordergrundes (Ober- 
karbon) erheben sich jene mannigfachen Rücken und Kuppen (Urgebirge 
und Unterkarbon), welche das Landschaftsbild beherrschen. Nirgends 
erblicken wir anstehendes Gestein. Die vorwiegend chemische Ver- 
witterung hat die Oberfläche des Urgebirges und der paläozoischen 
Gesteine (Konglomerate, Schiefer, Kalkgesteine) in eine mächtige 
Lehmdecke eingehüllt und in Verbindung mit dem wechselnden Wider- 
stand, den die verschiedenen Gesteine der Verwitterung und Abtragung ' 
entgegengestellt, jene sanften Rückenformen geschaffen. 

Und nun wandern wir durch das Waldenburger Bergland, vorbei 
an den hoch aufragenden glocken- oder kuppenfbrmigen Porphyrstöcken 
und weiter durch das flachwellige Rotliegende des Braunauer Ländchens 
hinüber nach dem Kreidegebiet von Adersbach und Weckelsdorf 1 ). 1 



x ) Nach Niederschrift dieser Arbeit erschien eine kleine Abhandlung W. 
Petrascheks über die Oberflächen- und Verwitterungsformen von Adersbach und 
Weckelsdorf (Jahrbuch der K. K. Geolog. Reichsanstalt, 1908. Bd. 68, 4. Heft). 
Die Arbeit konnte leider nur noch zum Teil berücksichtigt werden, enthält aber 
auch kaum wesentlich neue Gesichtspunkte, soweit unser eigentliches Thema in 
Betracht kommt. Bezüglich der tektonischen Verhältnisse in der Adersbach 
Weckelsdorfer Mulde scheinen die Forschungen Petrascheks jedoch zu wichtigen, 
von der bisherigen Auffassung wesentlich abweichenden Resultaten zu führen ; 
jedoch müssen ausführliche Mitteilungen hierüber abgewartet werden. 



I Original ftom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



159 

Mögen wir nnnmehr unseren weiteren Marsch bei Friedland im 
NO beginnen oder auch von der entgegengesetzten Seite her, von 
Qualisch aus, den Felsenstädten von Adersbach und Weckelsdorf 
zustreben, auf beiden Seiten steigt mauerartig mit sehr scharfem 
Absatz die unterste Stufe der Kreideablagerungen, der cenomane 
Quader, aus dem flachwelligen Untergrund des Rotliegenden heraus 
(Tafel I. Abb. 1). Das Fehlen kleinstückiger Verwitterung in Ver- 
bindung mit der vertikalen quaderförmigen Zerklüftung hat hier eine 
gewaltige Felswand entstehen lassen, deren Quadermassen mit ihren 
am Fusse sich anschmiegenden Trümmerhalden dem Wanderer 
schon aus grosser Ferne entgegenleuchten. Dieser bis zu 700 m 
ansteigende waldige Höhenrand (der Riegel mit dem Kraupenberg 
bei Qualisch 704 m, der Wachberg 701 m) umgibt als steile Rand- 
erhebung das gesamte Kreidegebiet und macht sich in elliptischem 
Bogenzuge so auffallend in dem Landschaftsbilde geltend, dass ihm 
auch die politische Grenze von Preussisch-Albendorf über die Gegend 
von Schömberg bis in die Nähe Friedlands sich anschliesst *). Haben 
wir diese scharf nach aussen abbrechende Randerhöhung des Kreide- 
gebietes erklommen, so breitet sich eine flachwellige Hügellandschaft 
vor uns aus, welche sanft nach dem Muldeninnern zu geneigt ist. 
Wir befinden uns in dem das Cenoman überlagernden Plänersandstein, 
dessen leichte Zerstörbarkeit znr Bildung jener fast horizontalen, nur 
wenig modellierten Fläche geführt hat. Nach kurzem Marsche aber 
erhebt sich aus diesem Untergrunde ein steiler Rand (Hottendorf, 
Merkelsdorf), welcher uns auf die eigentliche Plänerfläche hinauf- 
führt. Die grössere Härte des Pläners gegenüber dem leichter 
zerfallenden mergeligen Plänersandstein kommt also in dem Relief 
auf das allerdeutlichste zum Ausdruck. Aber auch die Lagerung der 
Schichten steht im engsten Zusammenhang mit der Oberflächenform; 
denn jene Plänerhochfläche, welche wir bei Hottendorf erreicht hatten, 
und welche, der Verwitterung des Pläners entsprechend, ein massig 
welliges Plateau darstellt, senkt sich wiederum ganz allmählich nach 
der Muldenmitte zu, wo dann der Pläner untertaucht unter dem 
mittelturonen Quader. Mit ausserordentlich steilen Gehängen ragt 
nun diese Stufe aus der Plänerlandschaft hervor. Allerdings ist die 
ursprünglich zusammenhängende Decke dieses Quadersandsteins nicht 
mehr erhalten, sondern in eine Reihe klotzartiger Gebirgsinseln auf- 
gelöst; den Zusammenhang unterbrechen schluchtartige Felsengassen, 
deren Wände durch die quaderförmige Zerklüftung mannigfach 



l ) Partsch : a. a. O. Seite 90. 



Origirt.il ff'.iin 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



160 

zerspalten nnd durch die Verwitterung zu den wunderlichsten Fels- 
gestalten modelliert worden sind. — Die imposantesten dieser Quader- 
ruinen stellen die genau in der Achse der Synkline gelegenen Felsen 
von Adersbach und Weckelsdorf dar, deren groteske Schönheit 
alljährlich Tausende von Touristen herbeilockt. Weniger bekannt, 
aber nicht minder romantisch ist ein südöstlich benachbartes Massiv 
des oberen Quadersandsteins, der Vostaz (700 m); es liegt ebenfalls 
genau in der Mittellinie der Mulde, „mit scheinbar unersteiglichen 
Felsen aufstrebend aus den fruchtbaren Plänerhügeln, welche das 
Fundament des unteren Quaders verhüllen". 1 ) 

Auch der dritte bedeutende Rest der einstigen Decke mittel- 
turonen Quadersandsteins, der obere Quader der Braunauer Lehne, 
hebt sich, ebenso wie die vielen kleineren Quaderruinen, äusserst 
scharf im Landschaftsbilde ab. Der Braunauer Stern (vom tschechischen 
steny = die Wände) ist der besuchteste Gipfel dieses schroffen, 
schmalen Randgebirges, das ohne sicheren Gesamtnamen als eine 
Sprachgrenze von unübertrefflicher Schärfe das Braunauer Ländchen 
vom Politzer scheidet und noch auf böhmischem Boden der Höhe 
von 800 m sich nähert, ehe es sich anschliesst an die Heuscheuer 8 ). 

Der stete Wechsel steil aufragender Gebirgsstufen und sanft 
nach dem Muldeninnern sich senkender Hochflächen, auf welchen die 
steilwandigen Quaderklötze inselartig aufgesetzt sind, ist also in 
gleicher Weise ein Produkt des geologischen Aufbaus wie der Ge- 
steinsbeschaffenheit der einzelnen Stufen (vor allem der Verwitterung); 
und diese gesetzmässige Eigentümlichkeit des Reliefs ist so augen- 
scheinlich, dass wir sie bei jeder Wanderung durch das Gebiet ver- 
folgen können, mögen wir von Halbstadt ausgehend die Route 
Dittersbach-Bodisch-Weckelsdorf-Adersbach-Qualisch einschlagen oder 
unsere Wanderung bei Trautenau beginnen und über Parschnitz- 
Petersdorf-Preussisch Albendorf-Berthelsdorf nach Merkelsdorf und 
weiter nach Friedland marschieren. 

In der nördlichen Spezialmulde tritt der Zusammenhang zwischen 
Oberflächengestaltung und geologischem Aufbau nicht minder deutlich 
zutage. Infolge des Fehlens des Cenomanquaders und des Vor- 
herrschens des weichen Plänermergels ist der Absatz der Kreide- 
formation gegen den dyadischen Porphyr nur sehr wenig deutlich 



') Partsch: a. a. O. Seite 91. 
•) Partsch : a. a. O. Seite 91. 



I Original ftom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



161 

im Landschaftsbilde zu erkennen, und die allmähliche Neigung des 
Geländes nach dem Muldeninnern zu (Neuen) entspricht in klarster 
Weise der Lagerung der Schichten. 

So gesetzmässig das Relief der Adersbach- Weckelsdorfer Kreide- 
landschaft als Ganzes erscheint, so kompliziert werden die Verhält- 
nisse, sobald wir uns Einzelheiten zuwenden. Wir wollen im Augen- 
blick absehen von den bizarren Verwitterungsformen der Felsen des 
Quadersandsteins und nur einen Augenblick verweilen bei der Frage, 
welche Kräfte die anscheinend ganz regellose Verteilung des mittel- 
taronen Quaders bewirkt haben können. Dass einst der Quader- 
sandstein von Adersbach als gleichmässige Decke die älteren Schichten 
überlagerte, darüber kann ein Zweifel nicht mehr bestehen. Die 
allenthalben erhaltenen Reste, welche wie Zeugenberge auf dem 
Plänersockel ruhen, beweisen eine ehemalige gleichmässige Aus- 
breitung dieser Ablagerungen auf das klarste. Welche Kräfte aber 
können derartige Lücken in dem festen Gefüge dieser Stufe hervor- 
gebracht haben? Hat etwa das Kreidemeer selbst bei seinem Rück- 
zug einen Teil seiner eigenen Sedimente wieder zerstört und mit- 
fortgeführt, oder haben Verwitterung und Abtragung im Laufe vieler, 
vieler Jahrtausende immer wieder an den Felsen genagt, bis 
schliesslich nur noch die heute sichtbaren Ruinen übrig blieben? 
Unsere Erkenntnis versagt bei diesen Problemen vollkommen; nur 
eins scheint uns sicher: wenn die Verwitterung und Abtragung 
jene Massendefekte hervorgerufen haben, dann muss in 
vergangenen Zeiten die Bedeutung jener Kräfte eine un- 
gleich grössere gewesen sein als in unseren Tagen, und es 
müssen sich Kräfte an der Abtragung der Gebirge beteiligt 
haben, welche wir heute nicht mehr wirken sehen. 
Denn selbst bei der allergrössten Summierung an Zeit können die 
kleinen Rinnsale und Bäche, welche heute die Landschaft durch- 
ziehen und als einzige einigermassen wirkungsvolle abtragende Kräfte 
in Betracht kommen, eine derartige Riesenarbeit nicht geleistet haben, 
und Talterrassen, die auf ein früher weiter ausgedehntes Flussbett 
und eine grössere Abtragungsfahigkeit schliessen lassen würden, fehlen 
bei der Mehrzahl von ihnen. Wir können ausserdem, von dem hoch- 
gelegenen Kreideeiland ausgehend, uns nach jeder beliebigen Richtung 
wenden und werden doch in keiner der weiten Flächen auf sandige 
Aufschüttungen grösseren Stils stossen, wie es bei einer Abtragung 
durch fliessendes Wasser doch zu erwarten wäre. Im Gegenteil, fast 
allseitig leuchten uns die Ackerflächen in saftigem Rot entgegen, 
und die Feldlesesteine beweisen auf das deutlichste, dass das Rot- 

MitteUungeD XXIV. 11 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



1(12 

liegende frisch zutage tritt und von einer Bedeckung mit herab- 
geschwemmten Sandmassen keine Rede sein kann. — Je mehr wir uns 
in die Einzelheiten des Reliefs vertiefen, um so stärker wird in uns 
die Überzeugung, dass nur eine einzige Kraft imstande gewesen sein 
kann, eine derartige Oberflächenform zu schaffen: der Wind. Nur 
die abtragende Tätigkeit des Windes (Ablation = Deflation Walthers) 
wirkt fläch enhaft; nur sie kann ganze Gesteinsdecken abtragen und 
derartige Formen schaffen, wie wir sie in der Kreidelandschaft von 
Adersbach-Weckelsdorf gesehen haben. — Wir werden im Schluss- 
kapitel noch einmal auf dieses Problem zurückkommen und wenden 
uns jetzt dem zweiten Gebiet zu. 

Vom Rotliegenden der Wünschelburger Gegend aus erscheint die 
Heuscheuer als derselbe steil aufragende Gebirgsklotz, wie wir ihn 
in der Braunauer Lehne soeben kennen gelernt haben (Tafel VI. Abb. 12). 
Sobald wir jedoch diesen steilen Rand erklommen haben und von 
dem Plänerplateau von Karlsberg aus die mächtigen, aus horizontal 
gelagerten Schichten aufgebauten Mauern der Grossen und Kleinen 
Heuscheuer und des Spiegelbergs erblicken, erkennen wir den Unter- 
schied gegen die Kreidelandschaft von Adersbach -Weckelsdorf. Die 
horizontale Lagerung der Schichten l ) drückt dem Landschaftsbilde 
derartig den Stempel auf, dass das Heuscheuergebirge im Gegensatz 
zu dem beckenförmigen Stufenland von Adersbach -Weckelsdorf als 
reines Tafelgebirge bezeichnet werden muss. Die beiden Stufen, 
welche hier landschaftlich deutlich hervortreten, sind: die Pläner- 
fläche, deren tonige Verwitterungsprodukte die für den Pläner 
typischen sanftwelligen, weichen Bodenformen geschaffen haben, und 
das Plateau des Quadersandsteins mit den steil aufragenden kahlen 
Felswänden. Und diese beiden Stufen machen die kennzeichnende 
Eigenart der Landschaft nicht nur in dem Heuscheuergebirge, sondern 
auch in den Reinerz- Nesselgrunder Höhen aus, so dass auch hier in 
diesem zweiten Abschnitt die Lagerung der Schichten und die ver- 
schiedenartige Verwitterung der beiden Gesteinsarten, der Quader- 
Sandsteine und der plänerartigen Gesteine, in Verbindung mit der 
mannigfachen Modellierung, welche diese Gesteinskomplexe erfahren 
haben, ausschliesslich das Relief der Landschaft bestimmen. Ebenso 
wie in Adersbach und Weckelsdorf ist nämlich auch in diesem zweiten 
Gebiet die zusammenhängende Decke des obersten Quaders vielfach 
zerstört. Gewaltige Massen sind abgetragen worden, und nur einzelne, 



l ) Für die Oberflächenform spielt die geringe Neigung der Schichten von 
2°— 3° nach SO keine erhebliche Rolle. 



t 






* 



I 



I Original ftom 



UNIVERSITY OF MICHIGAN 



163 

inselartig aus dem Plänersockel aufragende Quadermassen geben 
Kunde von der einstigen Ausdehnung jener grossen horizontalen 
Schichtentafel, und die ungleich vollständigere Erhaltung des Pläner- 
fundaments '), welches den grössten Teil der Landschaft einnimmt, 
fuhrt uns die oben besprochenen Probleme der Abtragung von neuem 
vor Augen. 

Auf einzelne Züge der Landschaft einzugehen, erscheint fast 
unnötig. Es ist dasselbe Landschaftsbild, welches uns entgegentritt, 
gleichgiltig, ob wir von Karlsberg aus zur Heuscheuer emporschauen 
oder, von Pohldorf nach 8W wandernd, die Sandsteintafel des Nessel- 
grunder Gebirgsstückes mit der Kapuzinerplatte erblicken, oder endlich 
von den Plänerhügeln im Norden von Reinerz unsere Blicke über 
die grossartige Tafel schweifen lassen, welche sich von Wallisfurth 
aus in 2 — 3 km Breite 15 km weit nordwestwärts über den Spiegel- 
berg bis zu den Wilden Löchern bei Bukowina erstreckt. Ein und 
dasselbe Gesetz beherrscht das Relief die&er Landschaft: der Wechsel 
sanftwelliger Plänerebenheiten und steil mit mauerartigem Absturz 
aus dieser Platte aufsteigender, horizontaler Quaderruinen, an derem 
Fuss sich die Trümmerblöcke zu grossen Halden angehäuft haben. 
Mit welch peinlicher Sorgfalt dieser Zusammenhang der Oberflächen- 
form mit der verschiedenartigen Verwitterung der betreifenden Ge- 
steine in der Natur zum Ausdruck gelangt, beweisen die schroffen 
Felsen, mit denen die Sandsteininsel von Goldbach-Utschendorf zum 
Steinbachtal abfallt, beweisen nicht minder deutlich die steilen, von 
dem weithin leuchtenden Schloss Waldstein gekrönten Sandsteinhöhen 
im Osten von Rückers. Südlich des Hciischeuergebirges jedoch, in 
der Umgebung von Reinerz, wo dieser Wechsel von Pläner und 
Sandstein infolge des Auskeilons des mittelturonon Quaders gänzlich 
fehlt, verschwindet sogleich auch die Tafelgebirgslandschaft, und 
flache Plänerhügel herrschen nun vor. Der steile Rand, mit welchem 
dann schliesslich der Plänersockel des Heuscheuergebirges abfällt 
gegen die Tiefenlinie der Dörfer Keileudorf, Tschischney, Kessel, 
Jacobowitz, bildet eine landschaftlich höchst ausdrucksvolle Grenze 
des Heuscheuergebirges gegen die kristallinen Gesteine des Dörnikauer 
Berglandes. 2 ) Die vielen Felsstürze aber und die zahlreichen 
Rutschungen, welche gerade an diesem Steilrand wahrzunehmen sind, 
weisen darauf hin, dass dieser Höhenrand junger Entstehung ist und 



') Auch Partsch ist dieser Gegensatz der Erhaltung aufgefallen. Vergl. 
Partach; a. a. O. Seite 78. 

a ) Partsch: a. a. O. Seite 74. 



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die Verwitterung bereits eifrig daran arbeitete, die markante Form 
zu verwischen und die sanfteren Formen der Plänerlandschaft auch 
hier zu schaffen. 

Die tektonischen Störungen treten in dem Landschaftsbilde des 
bisher betrachteten Teiles so gut wie gar nicht hervor, vielmehr 
wird das Relief fast ausschliesslich durch den Wechsel von hartem 
Quadersandstein und bröckligem Pläner bestimmt. Wenden wir uns 
jedoch den zungenförmig in das Urgebirge hineinragenden Kreide- 
ablagerungen zu, so werden wir auch die Abbruchslinien in der Land- 
schaft ohne Schwierigkeit herausfinden. Besonders im Kronstädter 
Graben tritt dieser Zusammenhang zwischen der Oberflächengestaltang 
und den tektonischen Störungen in markanter Weise hervor. Wie 
in einem Trog lagern hier die eingesunkenen Plänergesteine zwischen 
dem Glimmerschiefer des Habelschwerdter Gebirges und dem Gneis- 
rücken des Adlergebirges, und der Bruchrand markiert sich mit 
grosser Schärfe im Landschaftsbilde als Beginn des Steilanstiegs des 
Urgebirges. In der Kreidesenke selbst bestimmen sanfte Boden- 
formen, wie sie die Plänergebiete kennzeichnen, das Relief der 
Landschaft. Nirgends unterbricht ein Rest unverwitterten Gesteins 
die gleichmässige Ebenheit dieser tonigen Hochfläche zwischen den 
beiden kristallinen Kämmen. — Nördlich von Kronstadt befindet sich 
zwischen Kaiserswalde und Reinerz, anf Plänerboden aufruhend, das 
baumarme Sumpfgebiet der Seefelder, deren ausführliche wissen- 
schaftliche Beschreibung wir Göppert verdanken. 1 ) 

Das dritte morphologische Hauptgebiet der schlesisch-böhmischen 
Kreide ist die Neissesenko. Bezüglich ihrer Oberflächenform steht 
sie in engstem Zusammenhang mit der Kreidelandschaft von Kron- 
stadt, mit der sie, wie wir uns aus dem geologischen Abschnitt 
erinnern, den tektonischen Bau gemein hat, und da ausserdem der 
grösste Teil beider Gebiete von Gesteinen eingenommen wird, welche 
petrographisch auf das engste miteinander verwandt sind, so wird es 
uns nicht überraschen zu sehen, dass das Relief in den beiden 
Gebieten ausserordentliche Ähnlichkeit aufweist. Von den beiden 
Urgebirgsrücken flankiert, erscheint uns die dazwischen eingeschaltete 
Kreideformation der Neissesenke als eine mehr oder weniger ebene 
Hochfläche, die sich ein wenig nach dem etwas mehr dem westlichen 
Abbruchsrande genäherten Neissetal abdacht. Die fast horizontale 



*) H. R. Qöppert ; Über die Seefelder in der Grafschaft Glats und die Torf- 
bildung auf denselben. 32. Jahresbericht der Schles. Gesellschaft für vater- 
ländische Kultur. Breslau 1854. 



( Original from 

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Lagerung der Schichten und der feinstückige Zerfall, der dem Kies- 
lingswalder Ton in derselben Weise eigen ist wio dem Pläner, haben 
auch hier in dem Neissegebiet eine leicht gewellte Oberfläche 
geschaffen, so dass der gesetzmässige Zusammenhang, welcher den 
geologischen Aufbau und die Verwitterung mit der Oberflächen- 
gestaltung verbindet, hier noch einmal in der grossartigsten Weise 
zum Ausdruck kommt. — Bei der leichten Zerstörbarkeit der auf- 
tretenden Kreidegesteine kann man im allgemeinen die Grenze der 
Formation als einen auffälligen Absatz gegen den steilen Abfall der 
Flankengebirge in dem Relief der Landschaft wiedererkennen, so 
vor allem in dem südlichsten Ende der Neissesenke, wo sich das Tal 
zwischen Bukowitz und Schildberg kesseiförmig erweitert und steil 
aufragende Urgebirgsmassive allseitig die Kreidesenke scharf und 
natürlich begrenzen. Wenn jedoch ältere Glieder der Kreideformation, 
vor allem der cenomane Quader oder aber auch der gegenüber dem 
Kieslingswalder Ton schwerer verwitternde Pläner an den Rändern 
geschleppt zutage treten, dann wird die Schärfe des Absatzes 
gemildert und der Übergang vom Randrücken zur Neisseniederung 
ein ganz allmählicher, sofern nicht der Quadersandstein einen stufen- 
förmigen Anstieg vermittelt. 

Die obere Abteilung des Kieslingswalder Systems, der Kieslings- 
walder Sandstein, tritt infolge seiner grösseren Härte im Landschafts- 
bilde deutlich hervor, wenn auch nicht in der Form steiler, felsiger 
Mauern, wie wir es beim Quadersandstein gesehen hatten. Die tonigen 
Beimengungen, die wir bei der Beschreibung des Kieslingswalder 
Sandsteins erwähnten, bedingen doch bereits einen rascheren Zerfall, 
so dass zwar an beiden Stellen, wo sich der Kieslingswalder Sandstein 
erhalten hat, deutlich ausgeprägte Erhebungen einige Abwechslung 
in die monotone Ebenheit der Landschaft hineintragen, ohne indes 
den grotesken Charakter der Quadersandsteinwände zu besitzen. — 
Südlich von Mittelwalde windet sich die Strasse mühsam den Abhang 
des Kieslingswalder Sandsteins hinauf, und ist man am höchsten 
Punkte angelangt, so erblickt man von diesem Pass aus nach Norden 
und Süden das nämliche Landschaftsbild: hier die Hochfläche von 
Grulich-Schildberg, dort das flach gewellte Gelände der Neissesenke 
bei Mittelwalde. 

In seinem Hauptverbreitungsgebiet, dem Winkel zwischen Kies- 
lingswalde und Alt-Waltersdorf, tritt der Kieslingswalder Sandstein 
als eine die tonige Niederung um etwa 100—150 m überragende Platte 
sehr scharf im Relief der Landschaft hervor (Tafel II. Abb. 5). Enge, 
schroffwandige Täler haben diese Platte vielfach zerfurcht und in eine 



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Roiho stoil aufragender Berge aufgelöst, deren markantester Vertreter 
der Kapellenberg südlich von Kieslingswalde ist. Noch einmal erkennen 
wir hier bei der Gruppe der Kieslings walder Berge den nunmehr 
durch das gesamte Gebiet der schlesisch-böhmischen Kreideablagerungen 
verfolgten genetischen Zusammenhang zwischen dem Aufbau und der 
Verwitterung einerseits und dem Relief der Landschaft andererseits. 
Denn diese anmutige Berggruppe ist so ausschliesslich durch den 
Wechsel von Kieslingswalder Ton und Kieslingswalder Sandstein und 
die verschiedene Verwitterung dieser beiden Ablagerungen bestimmt, 
dass mit der Verbreitungsgrenze des Kieslingswalder Sandsteins auch 
die Grenze der Kieslingswalder Berge zusammenfällt. — 

Wir gelangen nunmehr zu dem letzten Abschnitt unserer Aus- 
führungen, der Betrachtung der Verwitterungserscheinungen, die wir 
an den Felsen wahrnehmen können; und zwar handelt es sich an 
dieser Stelle ausschliesslich um die Verwitterungsformen des Quader- 
sandsteins, denn alle plänerartigen Gesteine sind infolge der ihnen 
eigenen kleinstückigen Verwitterung nur sehr selten als anstehende? 
Gestein anzutreffen, und wo dies wirklich einmal der Fall ist, zerfallen 
diese Gesteine viel zu leicht, als dass die Verwitterungskräfte ihre 
Spuron an ihnen eingraben könnten und diese Spuren dann auch 
erhalten blieben. Das Studium der Verwitterungsformen der Quader- 
sandsteinfelsen aber wird uns gleichzeitig in den Stand setzen, ein 
endgiltiges Urteil über die oben berührte Frage zu fällen, ob der 
Wind wesentlich bei der Herausarbeitung des Reliefs der schlesisch- 
böhmischen Kreidelandschaft mitgewirkt hat. 

Wenn wir, von Wünschelburg kommend, die senkrechten Wände 
des Mittelquaders erreicht haben oder am Eingange der Adersbacher 
oder Weckelsdorfer Felspartien stehen, fallen ausser den mit eckigen 
Blöcken besäten Halden vor allem die grotesken Felspfeiler auf, die 
wie Orgelpfeifen aneinandergereiht stolz gen Himmel emporragen. 
Und wenn wir uns dann in die Felslabyrinthe hineinbegeben und 
nach weiteren Verwitterungsformen Umschau halten, so tritt uns an 
den Sandsteinwänden eine Fülle der rätselhaftesten Gebilde entgegen. 
Hier erregen hohlkugelformige Vertiefungen von beträchtlichen 
Dimensionen (Durchmesser meist 30—40 cm oder darüber) unsere 
Aufmerksamkeit (Tafel VII. Abb. 13), dort erblicken wir, an den 
Schichtenfugen sich entlangziehend, eine mannigfache Reihe von 
Höhlen und Löchern, zwischen denen sanduhrfbrmige Pfeiler stehen 
geblieben sind (Tafel VII. Abb. 14). Bisweilen sind auch kleinere 
Höhlchen regellos über einen Teil der Felswand verteilt und erinnern 
dann in allen Einzelheiten an die Bienenwabenstruktur und Steingitter 



Ortgtal tom 



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Walthers 1 ) (Tafel VIII. Abb. 15). An anderen Stellen wiederum 
erblicken wir Felswände, welche durch Hohlkehlen und vorspringende 
Leisten eigentümlich modelliert sind (Tafel VIII. Abb. 16). Aber auch 
hiermit ist die Reihe rätselhafter Gebilde immer noch nicht erschöpft. 
Wenn man Zeit genug hat, einige Tage in dem landschaftlich so 
überaus anziehenden Kreidegebirge herumzustreifen, wird man des 
öfteren auf ganz sonderbare Felsgestalten stossen. Auf schmalem 
Fusse ruhen mächtige Gesteinsplatten auf, so dass das Ganze wie 
ein riesiger Pilz aussieht (Tafel X. Abb. 19). Auf dem „Käsebrett", 
östlich von der Scholasterdrehe, finden sich derartig gestaltete Felsen 
in grosser Zahl. — An vielen anderen Stellen aber (z. B. auf dem 
Hampelfeld, dem Heuscheuergipfel, in den Wilden Löchern, auf der 
Braunauer Lehne und anderwärts) begegnet man noch eigentümlicheren 
Gestalten; auch sie tragen auf zierlichem Unterbau eine mächtige, 
allseitig überhängende Felskappe und erscheinen, von W oder aus 
gesehen, ebenfalls als gewaltige Pilze (Tafel IX. Abb. 17). Sobald 
man sich aber von N oder S diesen Felsen nähert, erkennt man, dass 
es sich um langgestreckte Formen mit scharf ausgeprägter Schmal- 
und Breitseite handelt, für die der Name Hammerfelsen am passendsten 
erscheint (Tafel IX. Abb. 18). Wie Gebilde aus der Wüste ragen 
diese gewöhnlich ca. */* m breiten, 3—4 m langen und ca. 2—3 m 
hohen Felsen aus den dichten Schonungen heraus, und ihre durch 
Riefen und Rillen mannigfach modellierten Seitenwände erhöhen so 
recht den eigenartigen Eindruck, den diese letzten Reste einer einst 
weite Flächen bedeckenden Sandsteintafel in dem Wanderer hervor- 
rufen. Versuchen wir nunmehr festzustellen, wie diese verschiedenen 
Verwitterungsformen entstanden sind. 

Da wir in dem zweiten Teile unserer Abhandlung die in der 
Gegenwart sich vollziehenden Verwitterungsvorgänge ausführlich 
dargestellt haben, so sollte man auf den ersten Blick meinen, einem 
derartigen Versuch dürften keinerlei Schwierigkeiten entgegenstehen. 
Aber die modellierenden Kräfte der Verwitterung und Abtragung 
setzten doch bereits mit dem Augenblicke ein, als die Kreidesedimento 
aus dem Meeresboden emportauchten; wir können mithin die uns 
heute entgegentretenden Felsgebilde nicht als ausschliesslich unter 
den jetzigen Bedingungen entstanden ansehen, sondern müssen viel- 
mehr daran festhalten, dass die beobachteten Erscheinungen aus 
einer Übereinanderlagerung verschiedener Vorwitterungsform on resul- 
tieren, von Formen, welche zu verschiedenen Zeiten und unter 



l ) J. Walther: a. a. 0. Seite 36. 



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~\ 



168 

verschiedenen klimatischen Bedingungen entstanden sind; wir müssen 
uns daran gewöhnen, in den heute wahrzunehmenden Verwitterungs- 
orscheinungen nur das Endergebnis einer langen Reihe von Prozessen 
zu erblicken, in denen bald diese, bald jene Kräfte stärker modellierend 
wirkten. Und erst wenn wir in kurzem Überblick die verschiedenen 
klimatischen Einflüsse kennen gelernt haben werden, denen Ost- 
deutschland und im besonderen unser Kreidegebirge im Laufe der 
geologischen Entwicklung ausgesetzt war, erst dann werden wir 
imstande sein zu entscheiden, welcher Kraft die eine oder die andere 
Verwitterungsorscheinung ihre Entstehung vorwiegend verdanken 
dürfte. — 

Da sich Spuren der Meerestätigkeit seit Beginn der Tertiärzeit 
in unserem Gebiet nicht nachweisen lassen, so werden wir unsere 
Betrachtung über die verschiedenen, durch das Klima bedingten 
Verwitterungsvorgänge naturgemäss mit der Tertiärzeit beginnen 
müssen. Allerdings vermögen wir in Anbetracht der unendlichen 
Spanne Zeit, welche seit jener Periode verflossen ist, nirgends 
Spuren tertiärer Verwitterung und Abtragung mit Sicherheit nach- 
zuweisen, ') aber dennoch dürfen wir nicht stillschweigend über jene 
Periode hinweggehen, wird doch gerade im Tertiär bei dem vielfach 
sich verändernden Klima und den tektonischen Bewegungen, welche 
die ursprünglich weit ausgedehnte horizontale Kreidetafel in einzelne 
Schollen zerlegten, eine mannigfaltige Modellierung der Kreideland- 
schaft stattgefunden haben. — Im Eocän herrschte auch in Mittel- 
europa ein feuchtheisses, tropisches Klima, das einen intensiven 
Zerfall der Gesteine zur Folge gehabt haben wird. Ob ein Mantel 
von Roterde sich schützend über die jungen, von tektonischen 
Störungen wohl noch nicht berührten Kreideschichten ausgebreitet 
haben mag oder gewaltige Regengüsse die Verwitterungsprodukte 
wieder entfernten, entzieht sich unserer Kenntnis. — In dem zweiten 
Abschnitt der geologischen Neuzeit, dem Oligocän, setzte nun im 
Verbreitungsgebiet der alten und inzwischen stark erniedrigten 
karbonischen Faltengebirge eine Periode intensiver tektonischer 
Störungen ein, von denen auch die jüngeren Deckschichten, z. B. die 



') Im Flussgebiet der Glatzer Neisse finden wir ewar an vielen Stellen 
Beweise dafür, dass die Abtragung durch fliessendes Wasser in vergangenen 
Zeiten eine intensivere gewesen sein muss als in der Gegenwart; bei dem 
Fehlen tertiärer Ablagerungen aber ist es nicht möglich, mit Sicherheit au ent- 
scheiden, ob diese stärkere Erosion im Tertiär oder später stattgefunden hat. 
Leppla steht auf dem Standpunkt (a. a. O. Seite 60), dass die Terrassenbildungen 
in der Hauptsache postglacialer Entstehung sind. 



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Kreidetafel unseres Gebietes, ergriffen wurden. Durch das Zerbersten 
der horizontalen Schichtenmassen wurden die Grundzüge der heutigen 
Oberflächengestaltung herausgebildet, und bei dem subtropischen 
Klima, welches das Oligocän kennzeichnet, mit trockenheissen Sommern 
und an Regengüssen reichen Wintern wird ohne Frage eine intensive 
Umgestaltung des Reliefs der Kreidelandschaft stattgefunden haben. — 
Im Neogen macht sich eine allmählich immer deutlicher werdende 
Annäherung an das Klima der Gegenwart bemerkbar. Die Pflanzen 
vom subtropischen Charakter verschwinden, und Formen der wärmeren 
gemässigten Zone treten an ihre Stelle. — Und am Schlüsse der 
Tertiärzeit, im Pliocän, herrschte ein dem gegenwärtigen durchaus 
entsprechendes Klima in unseren Breiten. 1 ) Geringe Temperatur- 
schwankungen im Verein mit der Abnahme extremer Feuchtigkeits- 
verhältnisse werden in der damaligen Zeit die mechanische Ver- 
witterung und die Abtragung auf das nämliche Mass reduziert haben, 
wie wir es in der Gegenwart beobachten. 

Eine tiefgreifende Umgestaltung des Klimas und mit ihm der 
Verwitterungsbedingungen vollzog sich nun mit dem Einsetzen der 
diluvialen Eiszeit. „Ungeheure Schneemassen fielen im Ufergebiete 
des nördlichen Atlantik nieder, und auch die Schneefelder des Alpen- 
systems begannen zu wachsen. In Norwegen und Schweden drängten 
sich überall Gletscher in die Täler hinein, wuchsen immer höher 
empor und verschmolzen bald miteinander zu grossen Eisdecken. u 2 ) 
Von dem nordischen Zentrum ausgehend, orgoss sich nach allen 
Seiten ein gewaltiger Eisstrom, der im Westen und Norden bald das 
Meer erreichte, im Süden aber auf ein weit ausgedehntes, in dem 
milden Klima des Tertiär tiefgründig verwittertes Felsenland stiess, 
das er sich Schritt für Schritt eroberte. Unaufhaltsam drängte die 
skandinavische Eisdecke nach Mitteldeutschland hinein, bis die im 
Tertiär entstandenen Mittelgebirge einem weiteren Vorrücken Halt 
geboten. — „Ein furchtbarer Kampf entspann sich beim Vorrücken 
des Eises an der Gletscherkante ; denn hier lebte eine alteingesessene 
Flora und Fauna, welche solange als möglich Widerstand leistete." 3 ) 
Aber die gefahrliche Nähe der grossen Eismassen bot für eine 
ständige Flora und Fauna allzu ungünstige Verhältnisse, so dass 
allmählich die anspruchsvolleren Lebewesen den Rückzug nach den 



l ) Vergl. F. Frech: Über Eisseiten und das Klima der geologischen Ver- 
gangenheit. Das Weltall. Jahrgang III. Heft 16/17, Berlin 1903, Seite 222. 

*) J. Walther: Geschichte der Erde und des Lebens. Leipzig 1908, Seite 504. 
•) J. Walther: a. a. O. Seite 606. 



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% 



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nicht vergletscherten Gebieten Mitteleuropas (im Südwesten Frank- 
reich, im Südosten Ungarn und Stidrussland) antreten mussten. 1 ) 

Immer lichter wurde die Vegetation am Saume des Inlandeises 
und immer mehr wurden die deutschen Mittelgebirge ihres Pflanzen- 
kleides entblösst, bis schliesslich das Gestein, sofern es nicht von 
tertiären Verwitterungsprodukten bedeckt war, nackt und kahl zutage 
lag. Durch die intensive Sonnenbestrahlung am Tage und die nicht 
minder extreme Abkühlung in der Nacht musste nun ein lebhafter 
Zerfall der Gesteine durch den Spaltenfrost vorsichgehen. Zu diesen 
klimatischen Umwälzungen gesellte sich dann weiterhin, wie die 
Forschungen V a h 1 s *) und S o 1 g e r s 8 ) ergeben haben, ein Faktor 
von grösster Bedeutung hinzu: die Herausbildung starker, trockener 
östlicher Winde, die aehr wohl im Zusammenhang mit der über den 
Eismassen sich einstellenden Anticyklone gestanden haben mögen 
(Eiswind Jentzschs). 4 ) — 

Wollen wir nunmehr eine Vorstellung davon gewinnen, in welcher 
Weise unter derartigen klimatischen Begingungen die Verwitterung 
modellierend eingewirkt haben mag, so wird es am zweckmässigsten 
erscheinen, uns für einen Augenblick denjenigen Gebieten zuzuwenden, 
welche in der Gegenwart noch analoge Bedingungen aufweisen. In 
Grönland studierte Drygalski 5 ) die Verwitterung kristalliner Gesteine 
und unterscheidet vier Verwitterungsformen, die dort für die Ober- 
flächengestaltung des Gneislandes bestimmend sind, nämlich die 
Zerteilung des anstehenden Fels in grosse quaderförmige Blöcke 
durch drei sich schneidende Kluftsysteme, das Abplatzen schalenförmiger 
Platten von 2 bis etwa 20 cm Stärke, die Abschäl ung der obersten, 
wenige Millimeter dicken, polierten Haut und das Zerfallen des an- 



*) Über den Einwand einiger Forscher, dass die Baumwelt flieh trotz der 
Nähe der grossen Eisfelder auf den Mittelgebirgen erhalten haben könnte, ver- 
gleiche A. Nehring : Über Tundren und Stoppen der Jetzt- und Vorzeit. Berlin 
1890, Seite 131/132. 

*) M. Vahl: De kvartaere Stepper i Mellevropa. Geografisk Tidskrift 16, 
1901—02. Kopenhagen 1902, Seite 173 ff. 

") F. Solger: Über fossile Dünenformen im norddeutschen Flachland. Ver- 
handlungen des XV. Deutschen Geograph ontages in Danzig. Berlin 1906, Seite 
159 ff. (besonders Seite 165). 

4 ) A. Jentz8ch: BeifcrÄge zum Aushau der Glacialhypothese in ihrer An- 
wendung auf Norddeutschland. Jahrbuch der Kgl. Pr. Geolog. Landesanstalt für 
das Jahr 1884. Berlin 1885, Seite 623. 

5 ) E. v. Drygalski: Grönland-Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu 
Berlin 1891—93. Berlin 1897. 



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171 

stehenden Felsen zu Gras 1 ). — Ans der Antarktis berichtet Philippi 2 ) 
sehr ausführlich und klar von den dort beobachteten Verwitterungs- 
erscheinangen. „Besonders auf den höheren Teilen des Berges sind 
in diese erratischen Blöcke 3 ) tiefe Löcher und Rinnen eingebohrt, 
widerstandsfähigere Teile ausgemeisselt, kurzum, es zeigen sich alle 
Erscheinungen, die als Windwirkungen aus der Wüste bekannt sind. 
Ich bin auch der Ansicht, dass es trotz sonstiger klimatischer 
Verschiedenheit die gleichen Faktoren sind, welche hier wie in der 
Wüste diese merkwürdigen Erosionserscheinungen hervorrufen, nämlich: 
grosse Temperaturunterschiede in kurzen Zeiträumen, die eine ausser- 
gewöhnlich starke Zertrümmerung des Gesteins zur Folge haben, 
excessive Trockenheit der Luft und Fortschaffung alles feineren Materials 
durch heftige Winde." 4 ) Dieselben klimatischen Faktoren waren nun 
aber, wie wir gesehen, im Diluvium massgebend für die Modellierung 
der deutschen Mittelgebirge. Erscheint es daher nicht als notwendige 
Schlussfolgerung anzunehmen, dass auch dieselben Verwitterungsformen 
in jener Zeit in unserem Gebiet herausgearbeitet wurden? — 

Auf den gewaltigen Vorstoss der nordischen Gletschermassen 
folgte dann in dem zweiten Abschnitt des Diluviums ein allmählicher 
Rückzug des Inlandeises. Wir brauchen in unserer weiteren Betrachtung 
nicht die Streitfrage anzuschneiden, ob diese Abschmelzperiode von 
erneuten, wenn auch schwächeren Vorstössen des Eises unterbrochen 
wurde und wie oft sich dieser Wechsel eventuell wiederholte, sondern 
können uns mit der Tatsache begnügen, dass, sei es nach dem ersten 
grossen Vorstoss des Eises (Haupteiszeit) in einer Interglacialperiodo 
oder nach dem endgiltigen Verschwinden des Eises aus Mitteleuropa, 
in den ehemals vergletscherten Gebieten ein ausgeprägtes Steppen- 
klima seinen Einzug hielt. 

Durch die mit unermüdlichen Eifer durchgeführten Forschungen 
A. Nehrings 6 ) haben wir einen Einblick gewonnen in die Flora 
und Fauna, welche jene Steppenperiode kennzeichneten. Das damalige 
Mitteleuropa glich etwa den heutigen ostrussischen und südwest- 
sibirischen Steppengebieten, den „im Frühling von einem bunten 



») Drygalski: a. a. O. Seite 31 ff. 

*) E. Philippi in : Deutsche Sfldpolar-Expedition auf dem Schiff „Gauss" unter 
Leitung von E. v. Drygalski. Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde 
and des geographischen Instituts. Heft 5. Berlin, Oktober 1903. 

*) Es handelt sich dort um Granit, Gneis, Amphibolit usw. 

*) E. Philippi: a. a. O. Seite 131/32. 

*) A. Nehring: ÜberTundren und Steppen der Jetzt- und Voreeit. Berlin 1890, und 
A. Nehring: Die Ursachen der Steppenbildung in Europa. Geographische Zeit- 
schrift 1895 Seite 152 ff., sowie eine Reihe kleinerer Publikationen. 



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Blumenteppieh bedeckten, im Sommer aasdorrenden und im Winter 
unter meterhohem Schnee begrabenen Sand- und Lehmwiisten von 

Transkaspien." l ) 

Tiere, welche durch ihren Körperbau auf das schärfste auf ein 
Leben in der Steppe hinweisen (Arctomys bobac, Spermophilus rufescens, 
Lagomys pusillus, Alactaga jaculus u. a. m.), bildeten die Charakter- 
tiere des damaligen Mitteleuropa. Über die klimatischen Bedingungen 
jener Zeit wissen wir naturgemäss nur wenig; Vahl versucht in 
seiner bereits zitierten Studie nachzuweisen, dass trockene Ostwinde 
die kennzeichnende klimatische Eigenart der Steppenperiode gewesen 
sein müssen, und Solger gelangt in seinen Untersuchungen über 
die Dünenformen im norddeutschen Flachlande zu demselben Resultat. — 
Die zuverlässigsten Rückschlüsse in Bezug auf die ehemaligen Ver- 
hältnisse der Vegetation und des Klimas gewähren jedoch ohne allen 
Zweifel neben den paläontologischen Untersuchungen die Berichte 
von Reisenden aus denjenigen Gebieten, die in der Gegenwart denselben 
Bedingungen unterliegen wie Mitteleuropa in der Steppenperiode, den 
russischen und sibirischen Steppen. Und welches sind nun die 
klimatischen Eigentümlichkeiten, welche in jeder dieser Reise- 
schilderungen angeführt werden? Es sind: grosse Temperaturunter- 
schiede zwischen Tag und Nacht, mangelnde Bedeckung des Bodens 
mit Vegetation, ungleichmässige Verteilung der Niederschläge und eine 
ausserordentliche Entfaltung des Windes. — Es fehlt der Wissenschaft, 
schreibt Middendorff, 2 ) noch an einem Ausdrucke, unter welchem 
Stürme zusammengefasst würden, deren Wirkung dadurch viel 
schrecklicher wird, dass sie in ihrem Laufe Gelegenheit finden, fein- 
verteilte Körper der verschiedensten Art mit sich fortzureissen, die 
sie jedem Widerstände, auf den sie treffen, entgegenschleudern. 
„Gleich wie in den afrikanischen Wüsten durch den Samum, so wird 
auch in den schneearmen südsibirischen Steppen, welche die südlichere 
Sonne sehr früh von ihrer Winterhülle befreit, Sand und Staub durch 
die Stürme emporgewühlt. Als Sand- und Staubstürme wüten sie 
nicht minder verderblich wie die Schneestürme. Was ihnen an Frost- 
strenge abgeht, wird durch die Rauhigkeit des Streumaterials über- 
wogen." 3 ) „Wer es nicht selbst erlebte, hat keinen Begriff von der 
unwiderstehlichen Gewalt, mit welcher der Sturmwind in seiner 
äussersten Wucht über die waldlosen nordischen Ebenen als Orkan 



») J. Walther; a. a. O. Seite 609. 

8 ) A. Th. v. Middendorff: Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens. 
Bd. IV, Teil 1. Seite 384, Petersburg 1867. 
■) Middendorff; a. a. O. Seite 384/386. 



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dahinrast: mit grösster Anstrengung vermochte ich kaum, zu ver- 
schiedenen Malen gar nicht mehr, mich auf den Beinen zu halten." *) 
In ähnlicher Weise äussert sich Helmersen über den Schneesturm 
in der Orenburger Steppe. „Bei beginnendem Buran wird der Schnee 
anfangs in langen Streifen dicht über den Boden hingeweht. Mit 
der Stärke des Windes steigt auch der Schnee höher, verdunkelt die 
Sonne, und wenn hierzu noch Wolken sich entladen, so sieht man 
znletzt nichts als eine dichte undurchdringliche Schneemasse, die mit 
entsetzlicher Gewalt gepeitscht und gewirbelt wird." 2 ) Und Goebel 
erzählt an mehreren Stellen seines interessanten Reisewerkes von 
plötzlichen Wirbelwinden, durch welche sogenannte Sandhosen erzeugt 
werden, die an steilen Felsen oft zerschellen. 3 ) — Mögen diese Hinweise 
genügen, um uns zu zeigen, dass in den Steppengebieten Russlands 
neben den Schneestürmen Staub und Flugsand eine Hauptrolle spielen, 
zumal da der Wind durchweg lebhaft ist, ja sehr häufig als Sturm 
auftritt; mögen sie genügen, um zu beweisen, dass die rezenten 
Steppengebiete nicht nur Gebiete des Staubabsatzes darstellen, wie 
Hettner behauptet, 4 ) sondern dass eine Wegnahme der lockeren 
Bestandteile des Bodens durch den Wind in jenen Gegenden eine 
überaus häufige und wirkungsvolle Erscheinung bildet. 

Nach diesen Darlegungen werden wir nunmehr imstande sein, 
eine Vorstellung davon zu gewinnen, in welcher Weise die diluviale 
Steppenperiode die Oberflächengestaltung der deutschen Mittelgebirge 
beeinflusst haben wird. War in der vorausgegangenen Periode bei 
der Nähe des Eises und den dadurch bedingten grossen täglichen 
Temperaturschwankungen vor allem ein ausserordentlich intensiver 
Zerfall der Gesteine, die Bildung mächtiger Trümmerhalden vorsich- 
gegangen, so setzte nun in der Steppenperiode bei der Trockenheit 
des Klimas und dem Fehlen eines schützenden Pflanzenkleides eine 
Zeit absoluter Herrschaft des Windes ein. Allenthalben wurden die 
lockeren Detritusmassen aufgewirbelt, gegen die Felsen geschleudert 
und von neuem vom Winde erfasst; erst an den der vorherrschenden 
Windrichtung abgewandten Böschungen von Tälern und im Wind- 



») Middcndorff: a. a. O. Seite 389. 

8 ) Gr. v. Helmersen: Reise nach dein Ural und der Kirgisensteppe 1883—35. 
Beiträge zur Kenntnis des russischen Reiches. Fünftes Bändchen, Seite 164, 
St. Petersburg 1841. 

8 ) C. C. Goebel: Reise in den Steppen des südlichen Russlands. Dorpat 1838 
Bd. I. Seite 138 und 202 (Zitiert nach Nehring: Tundren und Steppen, Seite 127). 

*) A. Hettner: Die Felsbildungen der Sächsischen Schweiz. Geographische 
Zeitschrift IX. Jahrg. Leipzig 1903, Seite 609. 




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N 



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* 

schatten der Höhenzüge gelangten die leicht beweglichen Sand- und 
Staubmassen zur dauernden Ablagerung. In dieser Zeit entstanden 
die lössartigen Lehme, welche in ganz Mitteleuropa eine so häufige 
Erscheinung bilden, entstanden in Schlesien jene Lössmassen, die den 
flachen Rücken des Pless-Rybniker Hügellandes polstern (Annaberg), 
jene zusammenhängende Lossdecke, welche sich auf dem linken Ufer 
der Oder bis gegen Kosel und Neisse erstreckt, sowie zahlreiche 
Lössablagerungen in Mittel- und Niederschlesien, entstanden endlich 
im Norden der Provinz jene ansehnlichen Lössmassen, die, bisweilen 
8—10 m mächtig, die Flanken der Trebnitzer Hügel umhüllen. 1 ) 

Mit welcher Heftigkeit die Sandstürme der diluvialen Steppen- 
periode jedes ihnen entgegenstehende Hindernis bepeitschen, lassen 
mit grösster Deutlichkeit die harten nordischen Moränenblöcke 
erkennen, welche durch die Korrasion zu Dreikantern geschliffen 
worden. Und wenn schon in dem von den schlammigen Fluten der 
Abschmelzwässer getränkten Vorlande sich die Vegetation nicht in 
dem Masse entwickeln konnte, um einer Entfaltung des Windes erfolg- 
reich entgegenarbeiten zu können, um wieviel mächtiger musste sich 
dann die Wirkung des Windes auf den kahlen, felsigen Höhen der 
deutschen Mittelgebirge gestalten! Ganz besonders aber war unser 
Kreidegebirge dem Winde preisgegeben. Hier fand er die lockersten 
Verwitterungsprodukte vor, die er leicht mit sich fortreissen konnte, 
und hier wurde, mehr als bei allen anderen Gesteinen, durch den 
intensiven mechanischen Zerfall der Quaderfelsen immer wieder neues 
Schleifmaterial, harter Quarzsand, geliefert. 

Es kann demnach wohl kaum ein Zweifel darüber be- 
stehen, dass im Diluvium (sowohl während der Nähe des 
Inlandeises als in der Steppenperiode) eine überaus be- 
deutungsvolle Umgestaltung des Reliefs der Kreideland- 
schaft vorsichgegangen ist und dass der Wind in diesem 
Prozess eine massgebende Rolle gespielt hat Und wenn 
wir bei der Betrachtung der Oberflächenform zu dem Er- 
gebnis gelangten, dass einzig und allein der Wind im- 
stände gewesen sein kann, ein derartiges Relief heraus- 
zuarbeiten, wenn wir weiterhin jetzt erkannt haben, dass 
zu Beginn der Quartärzeit Perioden bestanden haben, in 
welchen bei starken täglichen Temperaturschwankungen 
der Wind eine intensive modellierende Kraft entfalten 
konnte und entfaltet hat, so werden wir, ohne leichtfertig 



) Die schlesiachen Lössf unde sind angeführt nach J. Partsch : Schlesien Seite 168. 



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zu handeln, die Behauptung aufstellen können, dass die 
Herausbildung der inselartig aufragenden Quaderruinen 
sowie die über weite Gebiete sich erstreckende Freilegung 
des Plänersockels im Diluvium unter der Herrschaft des 
Windes vorsichgegangen ist. 

Mit dem Klima der geologischen Gegenwart und seinem Einfluss 
auf Verwitterung und Abtragung haben wir uns bereits in dem zweiten 
Teil dieser Arbeit ausführlich beschäftigt. Je weiter wir uns vom 
Diluvium entfernen, um so mehr verschwinden die grossen täglichen 
Temperaturschwankungen; der Feuchtigkeitsgehalt der Luft beginnt 
zu steigen, und langsam aber stetig ergreift ein immer dichter 
werdendes Pflanzenkleid Besitz von jenen Gebieten, aus denen es die 
herannahenden Gletschermassen einst vertrieben. So bildeten sich 
allmählich klimatische Verhältnisse aus, die für eine energische 
Wirksamkeit der mechanischen Verwitterung *) die denkbar ungünstigsten 
Bedingungen schufen, so dass, wie wir gesehen, in der Gegenwart 
sowohl die Verwitterung als auch die Abtragung auf ein äusserst 
geringes Mass reduziert worden sind. 

Nach diesem kurzen Rückblick auf die klimatischen Faktoren, 
die in der geologischen Vergangenheit für die Modellierung der 
schlesisch-böhmischen Kreidelandschaft massgebend gewesen sind, 
wenden wir uns nun den im Gelände beobachteten Verwitterungs- 
formen der Quadersandsteinfelsen zu. 

Die erste Frage, der wir begegnen, ist die : welche Kräfte haben 
die gewaltigen Schutthalden erzeugt, die sich am Fusse der senkrechten 
Quaderwände angehäuft haben und dem Landschaftsbilde einen so 
eigenartigen Stempel aufdrücken? Wir können nach unseren obigen 
Darlegungen keinen Augenblick im Zweifel sein; die Tatsache, dass 
wir bei dem heutigen Klima die Bildung derartiger Trümmerhalden 
nicht beobachten können, im Diluvium aber die klimatischen Verhältnisse 
durchaus danach angetan waren, gewaltige Blockmeere entstehen zu 
lassen, zwingt uns förmlich den Schluss auf, dass die Schutthalden 
mit ihren eckigen Quaderblöcken nicht in der Gegenwart entstanden 
sind, sondern in jener Periode, wo die extremen täglichen Wärme- 
schwankungen und der durch die Kälte der Nacht immer wieder 
unterbrochene Schmelzungs Vorgang des in die Schluchten hinein- 
gewehten Schnees notwendigerweise ein Zerbersten der Schichten- 
massen, ein Absprengen ganzer Quaderreihen zur Folge haben mussten. 



') Diese kommt für den Quadersandstein ausschliesslich in Betracht. Die 
chemische Verwitterung wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Gegenteil intensiver 
geworden sein. 



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Im engsten Zusammenhange mit der Bildung der Trümmerhalden 
am Fusse der Quadermauern stehen die grotesken Felspfeiler, die 
wir besonders an der Wünschelburger Lehne und in Adersbach und 
Weckelsdorf beobachten; denn auch sie verdanken ihre Entstehung 
vorzüglich dem Zerbersten der Kreidesandsteine. Nachdem die durch 
die tektonischen Bewegungen hervorgerufenen feinen Risse ganz be- 
sonders im Diluvium zu klaffenden Spalten erweitert worden waren, 
begann die Verwitterung, die scharfkantigen, quaderförmigen Klötze 
zu bearbeiten. Spaltenfrost und Wind, gelegentlich wohl auch das 
aufprallende Regenwasser, sie alle arbeiteten daran, die scharfen 
Kanten abzurunden, bis schliesslich aus den eckigen Quaderklötzen 
die zierlichen Felsnadeln entstanden. Wir wollen hiermit keineswegs 
behaupten, dass diese Formen ausschliesslich im Diluvium entstanden 
sind und in der Gegenwart keinerlei Modellierung ausgesetzt seien. 
Im Gegenteil mögen die häufig wahrzunehmenden vertikalen Rillen, 
welche von dem kuppenförmigen oberen Ende der Pfeiler ausgehen, 
sehr wohl rezente Bildungen darstellen und durch die Erosion des 
oberflächlich abfliessenden Regen wassers entstanden sein; aber die 
wesentlichste Herausarbeitung wird doch zweifellos im Diluvium sich 
vollzogen haben. — Wie bedeutungsvoll übrigens die verschiedene 
Härte der Gesteine für die Modellierung der Felsen ist, beleuchtet 
die Tatsache, dass die Felspfeiler fast ausschliesslich auf den ceno- 
manen und mittelturonen Quader beschränkt sind, im Emschersand- 
stein dagegen infolge der intensiven Kornbindung durch ein kieseliges 
Kontaktzement ungleich eckigere Formen vorherrschen. 

Handelte es sich bei den bisher betrachteten Verwitterungs- 
erscheinungen um verhältnismässig einfache Formen, so betreten wir 
jetzt mit dem Studium der eigentümlichen Lochbildungen ein Gebiet 
mannigfacher Komplikationen, und nur monatelang fortgesetzte Be- 
obachtungen im Gelände ermutigen mich, diesen Punkt ausführlich 
zu behandeln. — . In den grossen, meist hohlkugelförmigen Löchern 
mit glatter Innenwand (Tafel VII. Abb. 13) orkennen wir unschwer 
die sogenannten Sandlöcher wieder, welche wir oben bereits eingehend 
besprochen haben. Die meisten dieser Löcher enthalten von dem sie 
einst erfüllenden Sand keine Spur mehr und vorleihen den Felsen 
ein sehr eigenartiges Aussehen, besonders wenn mehrere dieser Hohl- 
räume im festen Gestein dicht beieinanderstohen. Bisweilen berühren 
sich zwei Sandlöcher, so dass sich dann an der Hinterwand des einen 
eine neue Vertiefung ansetzt. 1 ) Im Friedersdorfer Steinbruch war 

*) Ein solcher Fall liegt in dem untersten Loch der Abbildung vor. In 
meinem Tagebuch finde ich hierüber folgende Notiz: Dieses Loch besteht aus 



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177 

in dieser Weise sogar eine ganze Reihe von Sandlöchern aneinander- 
gegliedert. Was mir bei derartigen Bildungen dann besonders auf- 
fiel, war die Tatsache, dass auch die weiter nach dem Innern zu 
gelegenen Löcher ausnahmslos wie ausgefegt erschienen. Endlich 
beobachtete ich auf dem Heuscheuergipfel an mehreren Stellen Sand- 
löcher, deren Oeflnung an der Felswand nur 2—3 cm betrug, während 
sich nach dem Innern zu eine Höhlung von ebenso viel Dezimeter 
Durchmesser auftat, auch hier war der Sand bis auf das letzte 
Körnchen entfernt. Ich wüsste für die Fortführung des Sandes aus 
all diesen Löchern keine andere Kraft anzuführen als den Wind ; nur 
ihm kommt die Fähigkeit zu, auch durch kleine Oeffnungen in die 
dahinterliegenden Vertiefungen einzudringen und die Sandkörner zu 
entführen. 1 ) 

Wie bereits oben erwähnt, liegen aus der Sächsischen 
Schweiz Beschreibungen derartiger Sandlöcher nicht vor 2 ); vielmehr 
haben alle Forscher, welche dort die Lochbildungen studiert haben, 
diese mannigfaltigen Formen als einheitliche Erscheinung zusainmen- 
gefasst. — 

Mit grosser Begeisterung hat sich G.utbier 3 ) dem Studium der 
Verwitterungserscheinungen in der Sächsischen Schweiz gewidmet. 
Er ist bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass 
die Zone stärkster Zerfressenheit der Wände vor allem am Fusse der 
Felsen zu beobachten sei, und dass diese Zone aller Wahrscheinlich- 
keit nach im Zusammenhang steht mit den sogenannten Fichten- 
dickichten, in welchen die jungen Nadelhölzer so dicht zusammen- 
gewachsen sind, dass sie tiefen Schatten verursachen und jeden 
Luftstrom verhindern. „In dieser Zone schlagen sich an vielen 
Tagen im Jahre die Nebel nieder und können nicht entweichen. Die 
Feuchtigkeit hängt sich in Tropfen an das Gestein und wird zum 
grossen Teile von demselben aufgenommen. Ein kieselig-toniges 



einer Vorhöhlung, welche 40 cm breit und 41 cm hoch ist. In einer Tiefe von 
30 cm erweitert sich die Innenwandung zu einem zweiten Loch, welches am Ein- 
gang 24 cm breit und 26 cm hoch ist, im Innern aber eine Breite von 45 cm 
und eine Tiefe von 56 cm erreicht. 

*) Natürlich wird man aber nicht in jedem einzelnen Falle auf die diluvialen 
Stürme zurückzugehen haben ; denn an besonders begünstigten Stellen wird 
selbstverständlich auch heute noch der Wind deflatierend wirken können. 

*) Dass sie trotzdem auch in der Sächsischen Schweiz vorhanden sind, 
scheint mir mit einiger Sicherheit aus den Abbildungen Chitiners und Runge* 
(Monographien zur Erdkunde XVI) hervorzugehen. 

•) Outbier: a. a. 0. Seite 90 ff. 

Mitteilungen XXIV 12 



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Bindemittel widersteht am besten der Zerstörung; waltet aber der 
Ton vor, so nimmt er begierig das Wasser anf, welches ihn mecha- 
nisch aufweicht und ausführt". 1 ) — Für die Lochbildungen unseres 
Gebietes ist dieser Erklärungsversuch Gutbiers zum mindesten 
unzureichend; denn abgesehen davon, dass bei der Mehrzahl der 
Quadersandsteine die Kornbindung eine viel zu intensive ist, um 
eine so leichte Zerstörbarkeit zu ermöglichen, steht der Vermutung 
Gutbiers vor allem die Tatsache entgegen, dass die mannigfach ge- 
narbten Stellen sich ebensowohl an den frei in den Himmel hinein- 
ragenden Wänden zeigen wie am Fusse der Felsen. So geistvoll 
die Beschreibung Gutbiers von dem Wogen und Wallen des Nebel- 
meeres ohne Zweifel ist, so wenig können die Resultate seiner 
Forschung einer wissenschaftlichen Nachprüfung standhalten. — 

Zu wesentlich anderen Ergebnissen gelangt Hettner in seinen 
Studien der Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz 2 ) Zwar be- 
tont auch er das zonare Auftreten der Lochbildungen; da sie sich 
aber an freigelegenen Wänden ebenso wie in engen Schluchten finden, 
da sie ferner über manchen Schichtenfugen in langen Reihen auf- 
treten, während sie darüber oder darunter ganz fehlen, so spricht 
Hettner die Vermutung aus, dass sie dem Sickerwasser zuzuschreiben 
seien, „das gerade an den Schichtenfugen etwas reichlicher hervor- 
komme und dabei hauptsächlich zur Zeit des Frostes Sandkörner 
mitnehme." 8 ) In dieser Vermutung wird Hettner bestärkt durch die 
zahllosen kleinen Eiszapfen, die man im Winter von der Decke dieser 
Nischen und Grotten und Ueberhänge herabhängen sieht. 

Wir können uns aus verschiedenen Gründen dieser Theorie nicht 
anschliessen. Den ersten Stützpunkt seiner Hypothese erblickt 
Hettner in der nicht zu verkennenden Anhäufung der Lochbildungen 
längs der Schichtenfugen. Wir haben nun aber in dem zweiten Teil 
unserer Abhandlung wiederholt darauf hingewiesen, dass die Schichten- 
fugen infolge der Anreicherung an leicht zerstörbarer Bindemittel- 
substanz die am wenigsten festen Stellen am Felsen darstellen. Hier 
muss also auf jeden Fall die intensivste Zerstörung einsetzen, gleich 
ob Sickerwasser, Spaltenfrost oder Windkorrasion die modellierenden 
Kräfte sind, denn sie alle zielen darauf hin, die Härteunterschiede im 
Gestein herauszuarbeiten. Man kann daher unseres Erachtens aus 



l ) Outbier: a. a. O. Seite 99. 

*) A. Hettner : Gebirgebau und Oberflächengestaltung der Sächsischen Schweif. 
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde U. Bd. 4. Heft, Stuttgart 1687 
und A. Hettner: die Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz. Geogr. Zeitschrift 
9. Jahrgang 1903, 11. Heft. 

8 ) A. Hettner: die Felsbildungen in der Sächsischen Schweiz. Seite 614. 



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der Tatsache, dass gerade die Schichtenfugen besonders angegriffen 
erscheinen, dass die Lochbildungen an einzelnen Stellen massenhaft 
auftreten, während sie in den Schichten darüber und darunter ganz 
fehlen, nicht die mindesten Rückschlüsse auf die Kräfte ziehen, welche 
jene sonderbaren Gebilde geschaffen haben. Und was die von den 
kleinen Nischen und Grotten herabhängonden Eiszapfen anbetrifft, 
von denen Hettner sagt, sie erhöben seine Vermutung fast zur Ge- 
wissheit, 1 ) so kann ich auch an dieser Stelle nur meine oben 2 ) bereits 
mitgeteilten Beobachtungen wiederholen. In keinem einzigen Falle 
war es mir möglich, mit Sicherheit zu erkennen, dass das Wasser, 
ans welchem sich der Eiszapfen bildete, aus dem Innern des Felsens 
hervorsickerte; dagegen sah ich häufig deutlich das Schmelzwasser 
der Schneekappe, die dem Felsen aufgesetzt war, an der Aussenwand 
herablaufen. 

Lassen sich also aus der Verteilung der Lochbildungen, ihrem 
Auftreten an bestimmten Stellen der Felsen keine sicheren Rück- 
schlüsse auf ihre Entstehungsweise ziehen, so werden wir umsomehr 
erwarten dürfen, durch die Form der einzelnen Löcher Aufschluss 
darüber zu erhalten, welche Kräfte vorwiegend an ihrer Heraus- 
modellierung mitgewirkt haben. Es ist ohne weiteres klar, dass, 
vorausgesetzt, die Löcher sind durch die erodierende Kraft des 
Sickerwassers entstanden, eine allmähliche Verjüngung der Loch- 
wandungen nach dem Innern zu uns den Kanal andeuten müssto, 
welchen das Sickerwasser benutzt hat. (Figur 5.) Werfen wir nun 





Figur 5. Schematischer Querschnitt 
durch eine vom Sickerwasser 
modellierte Felswand. 2 



Figur 6. Schematischer Querschnitt 
durch eine der vielen im Gelände anzu 
treffenden Felswände mit Lochbildungen 



») Hettner: a, a. O. Seite 614. 
*) Seite 128 dieser Abhandlung. 



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180 

aber einen Blick auf die netzartig zerfressenen Wände (Figur 6 und 
Abb. 20 und 21), so bemerken wir an keiner einzigen der zahllosen 
napfförmigen Vertiefungen jenen Kanal nach innen, welcher auf eine 
von innen nach aussen wirkende Kraft hinweisen würde; vielmehr 
grenzen mehr oder minder glatte Wände jene in den Felsen hinein- 
greifenden Höhlungen auch nach dem Innern zu scharf ab. Die 
Form der eigentümlichen Narben und kleinen Höhlchen, „die wie 
ein zierliches Netzwerk in Hochrelief erscheinen" 1 ), widerspricht 
somit einer Entstehung durch Sickerwassererosion. — Eine Reihe 
weiterer Ueberlegungen wird uns zu demselben Resultat fuhren. 
Vorausgesetzt, die Hettnersche Hypothese bestünde zu Recht, so 
wird man aus ihr die Schlussfolgerung ziehen dürfen, dass überall 
dort, wo an Sandstein wänden ein Ausschwitzen des Sickerwassers zu 
beobachten ist, dieselben oder wenigstens ganz ähnliche Verwitterungs- 
erscheinungen sich herausbilden müssten. Ich habe von diesem 
Gesichtspunkte aus an verschiedenen Stellen Beobachtungen ge- 
sammelt. In der Nähe des Wünschelburger Steinbruchs konnte ich 
wiederholt ein Ausschwitzen des Sickerwassers aus dem mittelturonen 
Sandstein wahrnehmen. Während die oberen Bänke absolut trocken 
waren, trat in der Mitte der Felswand das Bergwasser deutlich 
heraus. Nirgends aber fanden sich an diesen Stellen zierliche Stein- 
gitter oder Schichtenfugenlöcher, wie man nach der Hettnerschen 
Hypothese erwarten sollte. — Dieselbe Erfahrung machte ich auf dem 
Heuscheuergipfel, in Cihak und in Nesselfleck sowie in den Kreide- 
gebieten von Lahn und Löwenberg. Besonders hier bot sich mir oft 
Gelegenheit, den von Hettner vermuteten Zusammenhang zwischen 
dem Austreten des Sickerwassers und der eigenartigen Modellierung 
der Felswände nachzuprüfen, da Lahn lange Zeit mein Wohnsitz war. 
Zwar bemerkt man auch hier an den Quaderwänden ein lebhaftes 
Hervortreten des Sickerwassers ; nach steingitterartigen Verwitterungs- 
formen aber forscht man vergeblich. Die Wände sind im Gegenteil 
auffallend wenig modelliert; nicht nur die Lochbildungen, auch die 
Hohlkehlen und Leisten fehlen hier vollständig. 

Fassen wir also jetzt kurz die Tatsachen zusammen, welche 
gegen die Hettnersche Sickerwassertheorie sprechen: 

1. Das Austreten des Sickerwassers vollzieht sich nicht in der 
Weise, dass das Wasser nur an den Schichtenfugen oder aus 
einzelnen Löchern heraustropft; vielmehr findet ein stets über 



») R. Deck: a. a. 0. Seite Ö43. 



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eine grössere Fläche der Felswand verteiltes Ausschwitzen 
in der Form winzig kleiner Wasserkügelchen statt, deren 
Erosionskraft naturgemäss minimal ist. 

2. Die Form der Löcher widerspricht einer Entstehung durch 
eine von innen nach aussen wirkende Kraft. 

3. An sehr vielen Felswänden, an denen ein Aussickern des 
Wassers deutlich erkennbar ist, fehlen die eigenartigen Loch- 
bildungen vollständig. 

Einen wesentlichen Fortschritt in der Erforschung der eigen- 
tümlichen Verwitterungserscheinungen der Quadersandsteinfelsen be- 
deuten die Darlegungen Becks, der bei seinen Kartierungsarbeiten 
rar die Königlich Sächsische Geologische Landesuntersuchung auch 
den Verwitterungsformen seine Aufmerksamkeit zuwandte und hier- 
bei zu überaus interessanten Resultaten gelangte. Die zelligen 
Gebilde (Tafel X. Abb. 19) betrachtet Beck allerdings im wesent- 
lichen als die Erzeugnisse der „normalen" Verwitterung und bekennt 
sich somit in diesem Punkte wohl zu der Hettnerschen Ansicht. 1 ) 
Die Form der zierlichen, sanduhrförmigen Pfeilerchen aber, welche 
an den Schichtenfugen zwischen den kleinen Höhlen stehen geblieben 
sind, weist nach der Überzeugung Becks mit aller Deutlichkeit auf 
eine Entstehung durch Windkorrasion hin. 2 ) Indes kommen Beck 
sehr bald Bedenken, ob wirklich alle Felspfeilerchen als Korrasions- 
erscheinungen anzusprechen sind. Er geht nämlich von der Voraus- 
setzung aus, dass es sich auf jeden Fall um rezente Korrasion handeln 
müsse, findet dann aber an einzelnen Felsen dieselben Gebilde unter 
Umständen, „die jede Mitwirkung des Windes ausschliessen" 3 ), und 
ragt daher die einschränkende Bemerkung hinzu, dass die Sanduhr- 
form zwar im allgemeinen sicherlich eine Folge starken Sandgebläses 
sei, in anderen Fällen aber analoge Formen wohl „auch im Laufe 
der ausschliesslich wirkenden normalen Verwitterung unter anderen 
günstigen Nebenumständen" entstehen könnten. 3 ) 

Ausschliesslich durch die Korrasion des Windes aber sind nach 
Beck jene horizontalen Furchen und hervortretenden Leisten entstanden, 



l ) Es ist sehr zu bedauern, dass es Beck im Rahmen seiner Arbeit (Über 
die korradierende Wirkung des Windes im Gebiet des Quadersandsteins der 
Sächsischen Schweiz) nicht möglich war, auf diese „normale" Verwitterung näher 
einzugehen; die von uns gegen die Entstehung dieser Gebilde durch Sicker- 
wassererosion geltend gemachten Einwände hätten sonst auch Beck nicht ent- 
gehen können. 

*) R. Beck: a. a. O. Seite 541 ff. 

•) jB. Beck: a. a. O. Seite 543. 



°" 9ma " rom 



UUl'.'ERSrTY OF MICHIGAN 



182 

weicht« sich besonders auf den nach O und SO zugekehrten Flächen ! ) 
vorfinden. „Der Schichtung parallele, jedoch schwach wellig ver- 
laufende, zarte, wegen ihres grösseren Eisenoxydgehaltes widerstands- 
fähigere Gesteinslagen haben hier dem Sandgebläse grösseren Wider- 
stand geleistet und springen deshalb als schwache Leisten hervor." ') 
(Tafel VIII. Abb. 16 und Tafel XI. Abb. 21). 

Nachdem wir nunmehr die verschiedenen Ansichten kennen gelernt 
haben, die für die Entstehung der Verwitterungserscheinungen des 
Quadersandsteins der Sächsischen Schweiz ausgesprochen worden sind 
— - für unser schlesisch-böhmisches Kreidegebirge existieren keinerlei 
derartige Untersuchungen, — wird es am Platze sein, anschliessend 
an einige kritische Bemerkungen zu Becks Ausführungen unsere 
eigene Ansicht über diese problematischen Gebilde darzulegen, und 
zwar werden wir am zweckmässigsten mit der Betrachtung der seltsamen 
Hohlkehlen und vorspringenden Leisten beginnen, weil ihre Entstehung 
am einfachsten zu entziffern ist. Diese Formen lassen auf das klarste 
erkennen, dass weder das Sickerwasser noch der Spaltenfrost, noch 
irgend welche anderen in der Gegenwart vorherrschende Verwitterungs- 
kräfte ihre Bildner gewesen sein können; nur eine einzige Kraft kann 
jene glattwandigen Furchen in den Felsen eingemeisselt, kann die 
feinen Härte unterschiede der einzelnen Gesteinslagen mit solcher 
Schärfe herausgearbeitet haben : die Korrasion des mit Sand beladenen 
Windes. 2 ) So sehr wir uns also in diesem Punkte in Übereinstimmung 
mit Beck befinden, wenn wir die Hohlkehlen und Leisten ausschliesslich 
als Korrasionsskulpturen ansehen, so sehr müssen wir die Richtigkeit 
des zweiten Teiles seiner Hypothese bezweifeln, dass nämlich jene 
Formen das Produkt von in der Gegenwart zu beobachtenden Sand- 
stürmen seien. — Wir haben bereits oben 3 ) die Ansicht ausgesprochen, 
dass uns bei der Dichtigkeit des Pflanzenkleides und den übrigen 
klimatischen Bedingungen eine auch nur einigermassen bedeutungsvolle 
Entfaltung dor Windkorrasion unmöglich erscheint. 4 ) Und gerade 
die Hohlkehlen und Leisten bestärken uns in dieser Anschauung. 



») R. Beck : a. a. O. Seite 543. 

*) Uettner ist auf die Entstehung dieser Formen nicht näher eingegangen, 
sondern hat sich mit der Feststellung begnügt, dass „vortretende Leisten und 
Höcker oder Zapfen «eigen, dass die Verwitterung (?) wirksam gewesen 
ist". (Hettner: a. a. O. Seite 613.) 

») Seite 160/161. 

4 ) Wenn wirklich an ganz besonders begünstigten Stellen in der Gegenwart 
Windkorrasion stattfinden sollte, so wird ihre Wirkung zweifellos eine äusserst 
geringe bleiben. 



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Denn diese seltsamen Skulpturen stellen eine so allgemein verbreitete 
Eigentümlichkeit der Felsen unseres Gebietes dar und treten so häufig 
an Stellen hervor, wo eine Mitwirkung des Windes in der Gegenwart 
unbedingt auszuschliessen ist, dass nur zwei Möglichkeiten in Betracht 
kommen können: entweder entstehen diese Hohlkehlen und 
Leisten in der Gegenwart; dann müssten Sickerwasser und 
Spaltenfrost und die übrigen in der Gegenwart vor- 
herrschenden Kräfte jene Formen herauszuarbeiten imstande 
sein, oder aber es sind in der Tat Korrasionsskulpturen; 
dann aber müssen sie Relikte aus einer Zeit vorstellen, in 
der bei fehlender Vegetation Sandstürme nicht wie heute 
eine Ausnahme, sondern die Regel bildeten, wo sie ganz 
allgemein einen wichtigen Faktor in der Modellierung der 
Felswände darstellten, Relikte also aus der Periode der 
diluvialen Sandstürme. Da nun aber, wie wir oben gesehen, 
die erste Möglichkeit absolut ausgeschlossen erscheint, so gelangen 
wir zu der notwendigen Schlussfolgerung, dass wir jene Gebilde in 
der Tat als Reste der diluvialen Verwitterungserscheinungen ansehen 
müssen. In dieser Anschauung werden wir bestärkt durch eine 
Beobachtung Becks, die auch mit der unsrigen übereinstimmt, dass 
nämlich diese Formen mit besonderer Schärfe an den nach Osten 
nnd Südosten gekehrten Wänden hervortreten, d. h. an Flächen, die 
der in der Gegenwart vorherrschenden Windrichtung abgewandt sind, 
den scharfen, mit Sand beladenen Ostwinden der Diluvialperiode 
dagegen am stärksten ausgesetzt waren. 

Haben wir aber erst einmal durch diese Untersuchung die Über- 
zeugung gewonnen, dass diluviale Verwitterungserschein nngen noch 
mit Sicherheit nachzuweisen sind, so werden wir mit Hilfe dieser 
Erfahrung eine Reihe von Formen zu erklären imstande sein, welche 
zuvor mehr oder minder rätselhaft erschienen. Dahin gehören in 
erster Linie die sanduhrförmigen Felspfeilerchen. Wenn diese Gebilde, 
wie Beck theoretisch bewiesen hat, durch Korrasion des mit Sand 
beladenen Windes entstanden sein müssen, sich aber andererseits 
häufig an Stellen finden, wo an eine Einwirkung rezenter Sandstürme 
nicht im entferntesten gedacht werden kann, so werden wir jetzt 
nicht mit Beck unsere Zuflucht nehmen zu jener hypothetischen 
Bemerkung, dass analoge Formen wohl auch im Laufe der aus- 
schliesslich wirkenden normalen Verwitterung unter anderen günstigen 
Neben umständen entstehen können, sondern werden vielmehr in dieser 
Tatsache den Beweis dafür erblicken, dass auch die Felspfeiler 
Relikte aus der Sandsturmperiode des Diluviums darstellen. 



Il Ongmalfton, 



UNIVERSITYOF MICHIGAN 



184 

Was endlich die Lochbildnngen an den Schichtenfügen und die 
steingitterähnlichen, netzförmigen Gebilde anbetrifft, so gehen hier 
die Meinungen am weitesten auseinander. Wir haben oben den Nach- 
weis dafür zu erbringen versucht, dass die hente vorwiegend an der 
Modellierung der Felsen sich beteiligenden Kräfte nicht imstande 
sind, derartige Formen zu schaffen. Wenn wir nun aber aus den 
Reisebeschreibnngen Walthers und anderer Forscher ersehen, dass 
in der Wüste, wo der Wind der massgebende Faktor für die 
Modellierung der Felsen ist, überaus ähnliche Gebilde häufig anzu- 
treffende Verwitterangserscheinungen darstellen (Vergleiche Abb. 20 
und 21 mit Abb. 15), wenn wir weiterhin in Betracht ziehen, dass 
in unserem Kreidegebirge und zwar in der jüngsten geologischen 
Vergangenheit der Wind annähernd dieselbe Rolle gespielt hat, wie 
heute in den Wüsten, so kann unserer Überzeugung nach kaum ein 
Zweifel darüber obwalten, dass die Lochbildungen an den 
Schichtenfugen sowie die zierlichen Steingitter zum 
grössten Teil, wenn nicht ausschliesslich den Winden der 
Diluvialperiode ihre Entstehung verdanken. 

Die letzten rätselhaften Erscheinungen in unserem Gebiete sind 
die Pilz- und Hammorfelsen (Tafel IX. Abb. 17 und 18). Die Grund- 
lage für die Entstehung dieser Formen werden wir zweifelsohne in 
dem Wechsel einer härteren Schicht oben und weicherer, sie unter- 
lagernder Schichten zu erblicken haben. Soweit sich Härteunter- 
schiede im Gelände mit Hilfe des Hammers bestimmen lassen, fand 
ich diese Vermutung bestätigt. Neben diesem Härteunterschied wird 
natürlich auch die Zerklüftung für die Entstehung dieser Riesenpilze 
heranzuziehen sein. Aber sie zerspaltete, wie wir gesehen, die 
Kreidedecke in quaderförmige Klötze ; es erhebt sich also die Frage, 
welche Kräfte die durch die Zerklüftung gelieferten Quader zu jenen 
rätselhaften Gebilden mit ausgeprägter Schmal- und Breitseite um- 
arbeiteten. Der Spaltenfrost kommt nicht in Betracht; ich habe 
gerade an diesen Felsen im Winter wiederholt nachgeforscht, ob 
sich ein Lossprengen von einzelnen Körnchen beobachten lässt; bei 
keinem einzigen ist dies der Fall. Und wenn man im Sommer jene 
Felsgruppen aufsucht, wird man durch das Fehlen von Verwitterungs- 
produkten an ihrem Fusse darauf aufmerksam gemacht, dass die 
Herausarbeitung dieser Formen überhaupt kaum in der Gegenwart 
sich vollzogen haben kann. Denn wer sollte die bei der Modellierung 
entstehenden Detritusmassen fortgeschafft haben? Die Felsen stehen 
mitten im Walde, wo weder Wasser noch Wind augenblicklich ab- 
tragend wirken können, und für die Annahme, dass in der Gegen- 



Original from 
UNIVERSITYOF MICHIGAN 



185 

wart etwa die Vegetationsverhältnisse jemals wesentlich andere 
gewesen wären als heute, fehlt jeglicher Anhaltspunkt. 

Eine kennzeichnende Eigenart aller Hammerfelsen, wo immer 
man ihnen begegnen mag, ist die konstante Richtung ihrer Längs- 
achse, nämlich N 70° — 80° W; es liegt daher der Gedanke nahe, 
aus der stets gleichbleibenden Längsrichtung der Felsen die Schluss- 
folgerung zu ziehen, dass eine in dieser Richtung wirkende Kraft 
die Hammerfelsen herausmodelliert habe. Die einzige Kraft aber, 
welche in einer bestimmten Richtung besonders stark modellierend 
wirken kann, ist der Wind. So führt uns das Studium dieser sonder- 
baren Felsgestalten zu der Vermutung, dass starke von OSO wehende 
Winde in einer der geologischen Gegenwart vorausgegangenen Periode 
diese Formen geschaffen haben. 

In dieser Vermutung werden wir bestärkt durch die Ver- 
witterungserscheinungen, die wir an den Hammerfelsen wahrnehmen 
können. Zierliche sanduhrförmige Pfeiler heben sich deutlich ab an 
der Einschnürung zwischen Kopf und Stiel dieser Riesenpilze, und 
schwach vorspringende, etwas wellig verlaufende Leisten, welche 
Beck als sicheren Beweis für Windkorrasion anführt, modellieren 
die Seitenflächen. Alle Erscheinungen fügen sich also 
zusammen zu dem Schluss, dass auch die Hammerfelsen 
in der Periode der diluvialen Sandstürme entstanden 
sind. Mit ungeheurer Gewalt bepeitschte immer und 
immerwieder das scharfe Sandgebläse die Quaderklötze, 
so dass die unten lagernden weicheren Schichten der 
Zerstörung mehr und mehr anheimfielen, während sich 
die darüber befindliche härtere Schicht allmählich zu 
einem allseitig herüberragenden Schirm ausbildete. 

Eine Frage für sich bleibt es aber noch, ob wir aus der Längs- 
richtung dieser Hammerfelsen einen Schluss auf die Richtung der in 
der Diluvialperiode vorherrschenden Luftströmungen ziehen dürfen. 
Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die eine der beiden Haupt- 
kluftrichtungen etwa in derselben Richtung streicht wie die Längs- 
achse der Hammerfelsen, dass also von OSO nach WNW verlaufende 
Schluchtengassen entstehen mussten, die dem Winde die Richtung 
mehr oder minder vorschrieben und ihn zwangen, die vorhandenen 
Wege zu benutzen, also von OSO nach WNW zu wehen, selbst wenn 
er als reiner Ostwind das Kreidegebirge betrat. — In diesem Zu- 
sammenhang ist eine Wahrnehmung von Interesse, welche Solger 
bei seinen Dünenstudien im norddeutschen Flachlande machte, dass 
nämlich, nach der Richtung der Dünen zu schliessen, nicht genau 



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186 

östliche Winde jene Bildungen schufen, sondern vielmehr ans OSO 
wehende Luftströmungen. 1 ) Und da auch Beck die Exposition der 
Korrasionsskulpturen nach Osten und Südosten hervorhebt, so gewinnt 
es in der Tat den Anschein, als hätten ostsüdöstliche Winde in der 
Diluvialperiode die Vorherrschaft gehabt. 

Nachdem wir nunmehr gesehen haben, von welcher Bedeutung 
für die Oberflächengestaltung der schlesisch - böhmischen Kreide- 
landschaft und die Modellierung der Felsen die Diluvialperiode mit 
ihren starken Sandstürmen gewesen ist, bleibt uns zum Schluss noch 
die Aufgabe, Stellung zu nehmen zu einigen Einwänden, welche 
gegen unsere Anschauung geltend gemacht werden könnten. So hat 
z. B. Hettner in seinen Stadien über die Felsbildungen der Sächsischen 
Schweiz die von uns vertretene Anschauung, welche damals aller- 
dings noch nicht ausführlich begründet war, damit zu widerlegen 
versucht, dass er den Einwand erhob 8 ), dass, wenn jene Bildungen 
in einer geologischen Vergangenheit unter anderen klimatischen 
Bedingungen entstanden wären, sie durch die heute wirksamen 
Kräfte längst wieder zerstört worden wären. Ein solches Bedenken 
wäre im vollstem Masse berechtigt, wenn es sich um Gesteine 
handelte, welche bei einer chemischen Verwitterung, die doch in der 
Gegenwart bei weitem überwiegt, leicht zerfallen. Wir sind aber in 
dem zweiten Teile unserer Arbeit zu dem Resultat gelangt, dass die 
Sandsteine fast ausschliesslich nur mechanischer Verwitterung unter- 
liegen, und dass bei der beträchtlichen Härte, welche der Mehrzahl 
von ihnen eigen ist, und bei dem absoluten Fehlen scharfer Temperatar- 
gegensätze zwischen Tag und Nacht die mechanische Verwitterung 
in dem Klima der Gegenwart auf ein Minimum reduziert ist Es 
erscheint daher sehr wohl möglich, dass sich gerade am Quadersandstein 
Verwitterungserscheinangen aus der der geologischen Gegenwart 
unmittelbar vorausgegangenen Periode erhalten haben. Natürlich 
arbeitet die Verwitterung in der Gegenwart daran, die vorhandenen 
Skulpturen zn vernichten, und hier and dort wird durch Sickerwasser, 
Spaltenfrost und die sprengende Kraft der kleinen Wurzeln pflanz- 
licher Ansiedler ein Quarzkorn gelockert. In Schneckentempo steuert 
die rezente Verwitterung ihrem Ziele entgegen: mehr oder minder 
ebenflächige Felswände und ein Fusshang, nicht aus aufeinander- 
getürmten, eckigen Blöcken, wie ihn die extremen Temperaturver- 
hältnisse der Diluvialperiode erzeugt haben, sondern aus Sand- und 

') E. Solgcr: Die Entstehung des brandenburgischen Odertales. Monats- 
berichte der Deutschen Geolog. Gesellschaft No. 10/11 1907 Seite 243. 
») Hettner: a. a. O. S. 610. 



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187 

Lehmmassen, die allmählich bei der Verwitterung der diluvialen 
Blockmeere am Fasse der Quadersandstein wände entstehen werden. 
Aber, wird man vielleicht nun einwenden, zugegeben, die selt- 
samen Bildungen seien wirklich durch die Korrasion diluvialer 
Sandstürme herausmodelliert worden und als Korrasionsskulpturen 
heute noch zu erkennen, warum sind diese Relikte diluvialer Ver- 
witterungserscheinungen auf den Quadersandstein beschränkt? 1 ) Wir 
müssen uns vorbehalten, in einer späteren Arbeit über den Einfluss 
der Diluvialperiode auf die Oberflächengestaltung dos Riesengebirges 
und anderer deutscher Mittelgebirge diesen Einwand ausführlich 
zu behandeln, da es über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen 
würde, das bereits über diesen Punkt gesammelte Material an dieser 
Stelle wiederzugeben. Dass diluviale Verwitterungsformon in den 
kristallinen Gesteinen nicht beobachtet sind, hat zum Teil seinen Grund 
darin, dass diese Gesteine von der in der Gegenwart lebhaft wirkenden 
chemischen Verwitterung verhältnismässig leicht zerstört werden, 
dass also etwa vorhanden gewesene Verwitterungserscheinungen aus 
der Diluvialperiode inzwischen vernichtet worden sind; überdies wird 
berücksichtigt werden müssen, dass die kristallinen Gesteine nicht 
wie die Quadersandsteine nackte Felsflächen dem Sandsturm entgegen- 
stellten, sondern vielmehr zum Teil in eine vor allem aus dem Tertiär 
stammende Lehmdecke eingehüllt waren. Und ob endlich nicht doch 
an einigen Stellen auch in anderen Gesteinen als den Quadern der 
Kreideformation die Spuren der Diluvialzeit mit ihren excessiven 
Temperaturverhältnissen und heftigen Sandstürmen zu erkennen sind, 
kann zurzeit weder in diesem noch in jenem Sinne entschieden werden, 
weil derartige Studien noch fast vollständig fehlen. Die Untersuchung 
der eigenartigen Lochbildungen im Granit des Riesengebirges, jener 
von Berendt 2 ) für Gletschertöpfe, von Partsch 3 ) für Vertiefungen 
stark angewitterter Felsstellen durch schweifendos Regenwasser 
gehaltenen Bildungen, sowie das Studium einer Reihe sonderbarer 
Felsgestalten, die allem Anschein nach im Zusammenhang mit der 
Diluvialperiode stehen z. B. Plattenstein-Heidentisch bei Geber- 
schweier, 4 ) werden den Gegenstand der späteren Arboit bilden. 

•) Weitner: a. a. O. S. 610. 

') O. Berendt: Sporen einer Vergletschern ng des Riesengebirges. Jahrbuch 
der Kgl. preussischen geologischen Landesanstalt für das Jahr 1891. Berlin 1893 
S. 37 ff. 

■) J. Partsch: Die Vergletscherung des Riesengebirges zur Eiszeit. 
Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. 8. Bd. Stuttgart 1894. 
Seite 103 ff. 

*) L. O. Werner : Megalithische Denkmäler im Oberelsass. Globus. Bd. XCV 
Nr. 4. 1909. Seite 56. Abb. 7. 



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188 



Nachtrag. 

Nach Niederschrift meiner Abhandlung erschien in Krakan eine sehr 
bemerkenswerte Arbeit von Dr. vonLozinski 1 ) über die mechanische 
Verwitterung der Sandsteine. Für unsere Betrachtung ist von 
besonderer Wichtigkeit der zweite Teil dieser Abhandlung, in dem 
Lozinski sich mit den grossen Blockbildungen beschäftigt, die er an 
den Gehängen des ostkarpatischen Gorganyzuges, des südlichen Ural 
und des Heuscheuergebirges beobachtet hat. Seine Resultate lassen 
sich kurz in folgenden Sätzen zusammenfassen: 2 ) 

„Die tiefgehende mechanische Zertrümmerung der Sandsteine, 
wie sie uns z. B. im Gorganyzuge oder auf der Oberfläche der 
Heuscheuer entgegentritt, hat sich hauptsächlich im eiszeitlichen 
Klima vollzogen. Als das diluviale nordische Inlandeis seine Maximal- 
ausbreitung erreichte, war der Spaltenfrost in den an den Eisrand 
angrenzenden Gebieten mit bedeutend gesteigerter Intensität wirksam. 
Diese Gesteinszertrümmerung in der Umgegend des diluvialen Inland- 
eises nennt Lozinski die periglazialeFazies der mechanischen 

Verwitterung. Siehatsich heutzutage nurinden wider- 
standsfähigsten Gesteinsarten, grösstenteils Sand- 
steinen und Quarziten, erhalten. Am grossartigsten tritt die 
periglaziale Verwitterungsfazies in den Schuttregionen des ostkar- 
patischen Gorganyzuges und des südlichen Ural auf." 

Die Anschauungen Lozinskis stimmen mit den meinigen in vollstem 
Masse überein. In einigen weniger bedeutungsvollen Punkten, z. ß- 
der Entstehung von Pilzfelsen durch löchorige Auswitterung der 
Sandsteine in Tyssa in Böhmen (Seite 6 ff. seiner Abhandlung) kann 
ich ihm allerdings nicht beipflichten. 

l ) W. Lozinski: Über die mechanische Verwitterung der Sandsteine im 
gemässigten Klima. Bulletin De TAcad£mie Des Sciences De Cracovie. Clasee 
Des Sciences Math6matiques et Naturelles. Janvier 1909. 

*) Vergleiche das Referat des Verfassers im Geologischen Zentralblatt Band 13, 
No. 2. 15. Juli 1909. Seite 94. — 






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189 



Literatur-Verzeichnis. 

(Alphabetisch geordnet.) 

1. K. Andree: Der Teutoburger Wald bei Iburg. Inaugural- Dissertation 

Göttingen 1904. 

2. R. Assmann: Über die Mitwirkung von Rauhreif und Glatteis bei der Ab- 

tragung von Gesteinsinassen in den Gebirgen. Naturwissenschaftliche 
Rundschau 2. Jahrgang No. 47. 1887. 

3. H. Basedow; Note on Tertiary Exposures in The Happy Valley District. 

Transactions of the Royal Society of South Australia 1904. 

4. R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs 

Sachsen. Sektion Königstein-Hohnstein. Blatt 84. 

5. R. Beck: Über die korradierende Wirkung des Windes im Gebiete des 

Quadersandsteins der Sächsischen Schweiz. Zeitschrift der Deutschen 
Geologischen Gesellschaft 1894. 

6. G. Berendt: Spuren einer Vergletscherung des Riesengebirges. Jahrbuch der 

Königlich Preussischen Geologischen Landesanstalt für das Jahr 1891. 
Berlin 1893. 

7. E. Beyrich ; Das Quadersandsteingebirge in Schlesien. Zeitschrift der 

Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 1. 1849. 

8. E. von DrygalsH: Grönland-Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu 

Berlin 1891—93. Berlin 1897. 

9. K. Flegel: Heuscheuer und Adersbach-Weckelsdorf, eine Studie über die 

obere Kreide im böhmisch schlesischen Gebirge. Inaugural-Dissertation 
Breslau 1905. 

10. F. Frech ; Führer für die geologischen Exkursionen in die Grafschaft Glatz 

Bearbeitet von K. Flegel und E. G. Friederich, herausgegeben von 
F. Frech. 

11. F. Frech: Reinerz als Zentrum der Glatzer Mineralquellen. 

12. F. Frech: Über den Bau der schlesischen Gebirge. Geographische Zeit- 

schrift Band 8. 1902. 

13. F. Frech ; Über Eiszeiten und das Klima der geologischen Vergangenheit. 

Das Weltall, Jahrgang 3, Heft 16/17. Berlin 1903. 

14. K. v. Frit8ch: Allgemeine Geologie. Stuttgart 1888. 

15. K. Futterer: Über Windkorrasion am Heidelberger Schlossturm. Mitteilungen 

der Grossherzoglich Badischen Geologischen Landesanstalt. Heidel- 
berg 1899. 

16. E. Geinitz: Das Quadersandsteingebirge in Deutschland. Freiberg 1849. 

17. C. Claus Qöbel: Reisen in den Steppen des südlichen Russlands. Band 1. 

Dopart 1838. 

18. H. R. Qöppert: Über die Seefelder in der Grafschaft Glatz. 32. Jahres- 

bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur. 
Breslau 1854. 



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UNIVER5ITY0F MICHIGAN 



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19. G. Gotzinger: Beiträge zur Entstehung der Bergrückenform. Geographische 

Abhandlungen Band 9, Heft 1. Leipzig 1907. 

20. G. Giirich: Erläuterungen zu der geologischen Übersichtskarte von Schlesien. 

Breslau 1890. 

21. A. v. Gutbier: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz. Leipzig 1858. 

22. W Haack: Der Teutoburger Wald südlich von Osnabrück. Inaugural- 

Dissertation Göttingen 1907. 

23. Gr. v. Helmerden; Reise nach dem Ural und nach der Kirgisensteppe (1833 

bis 1835). Beiträge zur Kenntnis des russischen Reiches. 5. Band. St. 
Petersburg 1841. 

24. J. F. Herding ; Der Acker. Entstehung der Bestandteile des Bodens. 

Hamburg 1907. 

25. A. Hettner: Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der Sächsischen Schweiz. 

Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. 2. Band, 4. Heft. 
Stuttgart 1887. 

26. A. Hettner: Die Felsbindungen der Sächsischen Schweiz. Geographische 

Zeitschrift Band 9. 1903. 

27. J. Hirschwald ; Prüfung der natürlichen Bausteine. Berlin 1908. 

28. A. Jentzsch: Beiträge zum Ausbau der Glazialhypothese in ihrer Anwendung 

auf Norddeutschland. Jahrbuch der Königlich Preussischen Geologischen 
Landesanstalt für das Jahr 1884. Berlin 1885. 

29. E, Kalkowsky ; Über einen oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer 

Überschiebung bei Weinböhla in Sachsen. Abhandlungen der Natur- 
wissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden 1897. 

30. A. v. Kocnen: Erläuterungen zur geologischen Karte von Preussen. Lfg. 127. 

Blatt Alfeld. Geognostisch bearbeitet von A. v. Koenen, G. Müller 
und O. Grupe. 

31. A. v. Koenen: Konkretionen aus Sandsteinen und Sanden. Zeitschrift der 

Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 43. Protokoll der Sitzung 
vom 12. August 1891. 

32. A, v. Koenen: Erläuterungen zu der geologischen Spezialkarte von Preussen. 

Lfg. 62. Blatt Reinhausen. 

33. A. v. Koenen und Th. Ebert: Erläuterungen zu der geologischen Spezial- 

karte von Preussen. Lfg. 62. Blatt Waake. 

34. F. Koasmat: Palaeogeographie. Göschen. 1908. 

35. A. De Lapparent: La mesure du temps par les phänomönes de Sedimentation. 

Bulletin de la Soci6t6 göologique de France. Band 18. 

36. A. Leppla ; Geologisch- hydrographische Beschreibung des Niederschlags- 

gebiets der Glatzer Neisse. Abhandlungen der Königlichen Preussischen 
Geologischen Landesanstalt N. F. Heft 32. Berlin 1900. 

37. B Michael: Cenoman und Turon in der Gegend von Cudowa in Schlesien. 

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 45. 

38. A Th. v. Middendorff; Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens. 

Band 4, Teil 1. Petersburg 1867. 

39. A. Nehring: Über Tundren und Steppen der Jetzt- und Vorzeit. Berlin 1890. 

40. A. Nehring; Die Ursachen der Steppeubildung in Europa. Geographische 

Zeitschrift. Band 1. 1895. 

41. J. Partsch: Die Vergletscherung des Riesengebirges zur Eiszeit. Forschungen 

zur deutschen Landes- und Volkskunde. 8. Band. Stuttgart 1894. 



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UNIVER5ITY0F MICHIGAN 



191 

42. J. Bartsch: Schlesien. Eine Landeskunde für das deutsche Volk. Breslau 1896. 

43. W. Petraschek; Über eine Diskordanz zwischen Kreide und Tertiär bei 

Dresden. Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis 
in Dresden. 1901. 2. Heft. 

44. W. Petraschek: Zur Geologie des Heuscheuer Gebirges. Verhandlungen der 

Kaiserlich Königlichen Geologischen Reichsanstalt No. 13. Wien 1903. 

45. E. Philippi: Deutsche Südpolar-Expedition auf dein Schiffe »Gauss * unter 

Leitung von E. von Drygalski. Veröffentlichung des Instituts für 
Meereskunde und des geographischen Instituts. Heft 5. Berlin 
Oktober 1903. 

46. F. Rinne: Praktische Gesteinskunde. Hannover 1908. 

47. J. Roth: Erläuterungen zu der geognostischen Karte vom Niederschlesischen 

Gebirge und den umliegenden Gegenden. Berlin 1867. 

48. L. Schul tze: Aus Namaland und Kalahari. Jena 1907. 

49. Th. Schübe: Aus der Baumwelt des Riesen- und Isergebirges. Der Wanderer 

im Riesengebirge. Band 11, No. 298. 

50. F. Solger: Über fossile Dünenformen im norddeutschen Flachland. Ver- 

handlungen des 15. Deutschen Geographentages in Danzig. Berlin 1905. 

51. F. Solger: Die Entstehung des brandenburgischen Odertales. Monatsbericht 

der Deutschen Geologischen Gesellschaft. No. 10/11. 1907. 

52. JF. Sturm: Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und 

seine Fauna. Jahrbuch der Königlichen Preussischen Geologischen 
Landesanstalt. Berlin 1900. 
63. E. Suess: Bau und Bild Österreichs. Wien 1903. 

54. M. Vahl: De kvartaere Stepper i Mellevropa. Geografisk Tidskrift 1, 1901 

bis 1902. Kopenhagen 1902. 

55. J. Walther: Gesetz der Wüstenbildung. Berlin 1900. 

56. J. Walther: Geschichte der Erde und des Lebens. Leipzig 1908. 

57. K. A. Weithofer : Der SchatzlarSchwadowitzer Muldenflügel des nieder- 

schlesischen-böhmischen Steinkohlenbeckens. Jahrbuch der Kaiserlich 
Königlichen Geologischen Reichsanstalt. Wien 1897. Band 47, Heft 3. 

58. L. O. Werner: Megalithische Denkmäler im Oberelsass. Globus, Band XCV, 

No. 4. 1909. 



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359 



Im Laufe des Jahres 1908 hat die Gesellschaft folgende Mitglieder 

durch den Tod verloren: 



I. 


Adolph Bieling. 


9- 


Karl Müller. 


2. 


Joh. Fricdr. Bohl. 


IO. 


Albert Panzer. 


3- 


Oberlandesgerichtsrat Dr. Herrn. Gossler. 


ii. 


Dr. A. Plagemann 


4- 


Direktor A. Hane. 


12. 


H. Sprick. 


5- 


Admiralitätsrat Koldewey. 


IJ- 


Carl Suhrberg. 


6. 


Carl Meisner. 


14. 


Dr. Fr. Traun. 


7- 


Bürgermeister Dr. Mönckeberg. 


15. 


Th. Wohlwill. 


8. 


Eduard L. Moll. 







Mitglieder-Bestand am I. Januar 1909. 

Ehrenmitglieder 15 

Korrespondierende Mitglieder 8 

Ordentliche Mitglieder: 

Bestand Ende 1907 628 

Eingetreten in 1908 39 

667 
Verstorben oder ausgetreten in 1908 35 

Bestand am I. Januar 1909 632 

Gesamt-Bestand am 1. Januar 1909: 655 



Druck von Ackermann & Wulff Nacbfl., Groaardt A Gowa. 



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Abb. 1. Profil durch die Adersbacher Kreidemulde. 

(Nach A. Wcithofer, der Schatzlar-Schwadowitzer Muldcnflügel.) 
Massstab 1 : 200000. Ueberhöhung 3 : 1. 







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Abb. 2. Profil durch die nördliche Spezialmulde des Adersbach 

Weckelsdorfer Beckens. 

Nach K. Flegel, Heuschcucr und Adcrsbach-Weckelsdorf.) 
Massstab 1 : 71000. Uebcrhöhung 2»/a ! L 






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Abb. 3. Profil durch das Heuscheuergebirge. 

(Nach K Flegel, Hcuscheucr und Adersbach-Wcckelsdorf.) 
Massstab 1 1 68000. Uebcrhöhung 2'/* : I. 



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Abb. 4. Profil durch den Kreidegraben von Kronstadt i. B. 

(Mach Aufnahmen von E. Obst.) 
Massstab 1:32000. Ueberhöhung 2'/*:l. 




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Abb. 5. Profil durch den Neisscgraben bei Habelschwerdt. 

(Unter Zugrundelegung der Lcppla'schcn und Stürmischen Arbeiten und nach Aufnahmen von E. Obst. 

Massstab 1:117000. Ueberhöhung 5:1. 







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Abb. 6. Profil durch den Neissegraben bei Mittclwalde. 

(Unter Zugrundelegung der Lcppla'schcn Arbeiten und nach Aufnahmen von E. Obst.i 

Massstab 1:59000 Ueberhöhung 2 l / t :1. 






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Abb. 15. Steingitter i n Ari zona* 

(Nach J. Walthcr, Gesetz der Wüstenbildung.) 




Abb. 16. Hohlkehlen und Leisten an den Felsen von Weckelsdorf. 




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Mitt d. Geojrr. Ges. i.fH. Bd. XXIV, Taf. IX 




Abb. 17. Hammerfelscn auf dem Hampelfelde 

von Westen gesehen. 




Abb. 18. Dieselben Felsen wie in Abb. 17 

von Süden gesehen. 



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Mitt. d. Geoer. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. X. 




Abb. 19. Pilzfelsen auf dem „Käsebrett'' (Wünschelburger Lehne). 




Abb. 20. Netzartige Verwitterung an den Sandstcinfelsen der Sachsischen Schweiz. 

(Nach R. Beck, Ucbcr die korradierende Tätigkeit des Windes in der Sächsischen Schweiz.) 






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Mitt. d. Geogr. Ges. i. H. Bd. XXIV, Taf. XI. 




Abb. 21. Verwitterungserscheinungen an den Sandsteinfelsen von Adersbach. 

(Nach W. Pctraschck, Oberflächen- und Pclsformcn in Adcrsbach-Weckclsdorf.) 
Das Klichce stellte die Direktion der K. K. Geologischen Rcichsanstalt in Wien gütigst zur Verfügung, 



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