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Full text of "Emil Schorsch Collection 1841-1999"

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3. Kapitel . 
Relijäon als typi scher V/eg zu &'tt. 



Eine arundl'rage, die den reli^iüsen Menschen beun- 
ruhigen kann, itiL das Vorhandensein verschiedener Reli- 
gionen, '^'enn es zutrifft, dass im Grunde jede Religion 
sich für die allein seeligmachende hult, für die wahr e 
Religion, so liegt der Schluss naöhe, aass möglicherweise 
keine Religion wahr ist. jedenf=ills schien es vun unlös- 
barer Schwierigkeit, zwischen der wahren Religion und 
den falschen Religion.^ zu unterscheiden. Biese t'rage 
liegt unausgesprochen sichc^rlich vielfach der Gering- 
schätzung der Reli ion zugrunde. Sie soll jeaoch aus dem 
Unbewussten herausgehoben werden, um die Frage nach dem 
WSSrrün des Judentums, das wir ^l.ich zu Anfang als zentral 
religiösen Lebensstandpunkt b. stimmten, zu klären. 

13er entscheidende Begriff, aer zur ['.larung beitragen 
kann, ist die Auffassung der Religion als typischer ^^eg 
zu G'tt. Viele iv^enschen können gleichzeitig eine Licht- 
quelle betrachten. Sie sind überzeugt, alle di..s..lbe 
Lichtquelle zu sehen, und -.rotzdem sieht sie jeder nur 
mit seinen Augen. Bs entsteht also in ihm ein ^nz per- 
sönlich.^s Bild der einen Li'^hkiuelle. So etwa kann man 



sich das Vorhandensein vcrschiedenur Religionen vorstel- 
len. 



Es gibt nur einen G'tt, ein Gottlich».s; aber jeder 
Mensch muss diese fa-csacne auf süine ganz personliche V/eise 
erfahren. Es gibt also zahllosu Wege zu G'tt. Wenn wir 
diese Y/ege als Religion bezeichnen, so könnte uS grund- 
satzlich s. viele Religionen geben, als es Menschen gibt. 
Es ist dah-r von aiesem Standpunkt aus verwunderlich, dass 
es nur wenige Religionen gibt, dass so viele Manschen in 
ihrem persönlichen Wege zum Göttlichen übereinstimLien, 
und dass Millionen das Ewige auf die gleiche Art und 
weise erfahren und erleben. 



- 2 - 

]3ioses Zusarnmeniinden zahlreicher ivlenocäen zur 
gleichen Erlebnisi'orm beruht am' einem geuioinsamen V.'esen, 
von dem ein j<^der als Teil das Oanze ausdrückt, »iese 
Eigentümlichkuit ist mit dera Begril'f Typus gemeint. TJer 
Typus bezeichnet nicht das Wesen eines ßinzelmensohen, 
sondern das verschiedenen Menschen zugrundeliegende gleich. 



a 



rtige Sigentünliche, das in den zugeh^renden l,:unschen in 



mannigraltigster Form zum Ausdruck konimen kann. 

Drei selch,,, ürlebnisgru^pen, die sich .jedoch nicht 
mit Religionstypen decken, sina der visuelle, akustische 
und aer emotionale Typus. Diese drei Typen können in 
jeder Religion als unterscheidun^^smerkmale vorkorimen 
und Sinei manchmal auch die Ursache von : cxmpi'en innerlßLb 
einer Religion. Insofern haben sie auch t'ur dieSö Er- 
ört.'rung eine Bedeutung, 3^ sie bei der BvStimr.un,: des 
V.'esens der jüdischen Religion eine Rcll>:: Si.ielu-n. Wir 
können unoer dem visuellen T^pus diejenige ...enschenart 
verste-.en, di^ d^s Sein durch da-. Auge zum BöV/ußts^^'n 
■ Lr-^n -. -ntec Jlom akustischen Typus, di-^ durch das Oehör 
überv;iegc^nd erlebende Art und unter deiu e-iouloralen Typus, 
die hauptsachlich gei'ühlsmassig reagierende Art v.n k^n- 
schen. iSs liesse sich denken, dass diese Srlcbnisti,pcn 
sich ait i irgendwelchen Religionen deckten und dem gleichen 



Erleben e 



ir. und denselben gemeinsamen religiösen Ausdruck 



ver 



liehen. Da jedoch schon in der gev-ohnlichen Ebene 



des Lebens diese 3 Typen nicht in reiner Form vorkommen, 
sondern sich r;ur durch ueberwiegen der einen oder anderen 
Erlebnismöi^lichkeit restsxellen lassen, so ist es einleuch- 
tend, dass dit.se 3 Typen auch innerhalb der Religionen 
nur in ivii..chrormen vorkouai.en una nur unter besonderen Um- 
standen vesensunterschiede zwischai aen Religionen bestim- 

mcsn v;erden. 

Es ist selbstverstanoilich, dass die typischen 



- ^ - 

unterschiede in der Erlebnis- una Ausdrucksiocm auch irgend' 
eine körperliobe rürc^-lation besitzen. Biese Notwendigkeit 
liegt dem Scrc^ben d^r iieuxigen 2.wit zugrunde, die den sii^^en- 
ert ülutciassig zusanirriengehörenüer i>*en3chen im Un^crsuhied 



w 



r/ 



u anderen feststellen wollen. Ss 



i Sit sclion ort daraur liiu- 



gewiesen -A-ord-jn, dasü in Lolulier untersclieidung nicnt aie 
Herabsetzung öiner anderen ulutm.^ssig gubund^nen G-em inschai't 



liegün s 



oll. Das bedeutet die sachliche Anert^ntkannung, 



dass jeder Lebenstypus das Swin, wenn auch aui' verschie- 
dene weise, üü doch in i^lyich w^ttvollur Form zum Aus- 
aruck hingen kann. Der B-griiT a^s T.vpus, der in diesen 
Oudankengc^ngen zum AUijdruck ..oinirit, bezeichnet also gleich- 
saiii die Haut, aus der -nach aeta 7olKsir,und- d-jr i-ien^ch nicht 
heraus kann. Er besagt also, dass die i.ierischu.n trouz aer 
Ot,-meinsaauxeit aus ErKenntnis- und arlebnis^cgc^nj uin^us 



iev/ijse ta 



ts..^hliohe Gr'^-nzun in der Ausdruuksrorm mrcs 
Erlebens nicht üb rVin-len konn>.^n. Eine solche Er^venntn^s 
bv stimmt auch das l,7esen der richtigen una lalachen ^^ifis^ion. 
Richtige M.i sion büdeutet d^s Auslmdigmachen glt^io harziger 
Erlehr,x^t:;pen. F^l^^'^u i..i.i^lwn boa^./.ou den Versuch, Iv-en- 

Irn^in rois t:,pisch andersar Lx^.,r Menschen herüber- 



sCiiür' ^'JL x^ o. 



zuziehen. Bin solcher Mi.sicnsb griiT ist jeglichen ^±'f 9]:t:> 
beraubt, da in Wirkllch^vcit nicht mear der kersch o endern 
dxö Idue missioniert. Dt^r IWnsc.. hc.t rur die A'axgabe, die 



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o u 



;xner ]>la^nc^ten a,n die Menschen 



Iat;c. ceinur Religion v; 

vi^ranz..urxr, ,u^. Im übrigen wird diu Religion Ss^lLst die 



.u xhr ceiiO 



Q'^-' 



3cerd>^n T:ypt!n au.- uer grossen Zahl d^r Menschen 
an sich l.er^/izi^hen. In diezou. Sinne u.iss.uniwrt j>^do 
Religion, ^uchwonn ^-^ v/l- das Judonuum aktive kissic-s- 
irfieit ablehnt. Die Tatn-.che ihres Vorhanaensuins 






übt aui' die zugc- hörenden Typen oino ünziuhungkraft aus, 
wirkt also unzv;;.-irülhu.i't irgundw^o missionierend. 3o aber 



auch ist es zu begreifen, dass 



^ V. o. w> '^ 



..er. "v vj! 



rsuixic^denen Reli- 



gionen eine V-rstu,ndnisu:ügliul'ikdi t üb^r llw blosse Dal- 



- 4 - 



.■^-niiurit: de' 



rTlciühlocro-ohtii^ung 



J.=;r^oni£-n 



düng hinaus und diu Ancrl 

- n 1 ■• üh i st . Zunachs . s üi ö rt : ede c UJ^n^ oL 

Reli^ionsc^möinnchaft an, in:..rhai:. d^.er er geboren i^t. 

Auoh Vieri, or t:vpiG.h ei^:entlic;h zu einer an.erGr. Reli- 
.■ionc:semein.ol..ft geliür.- .ollte. Es iat aar.^,t.us mög- 
lieh und .ichrc.l-ainlicli, d..2 zicV^, urt.. den Christen ■., 
••:- .-^ arlctnistypen und unter den .luden christliche 
Erlel)nistL-::en befinden. Bieser Uust.nd kc.nn innerhalb 
einer Reli, iot:s,e.:.inschaft zu ganz erheblichen Spannungen 
führen, mag aber zugleich auuh eine Ureache xur xhre Le- 
bendigerhaltung sein und -banso die Br.cke bild.n dür die 

1 „ ^1 . V o n -i • i nvc:!n da solche iviisch- 
VerstanditiUng zviechen den i^^^lifaion^n, uc öu^ 

typen der Praxis V^erstaüdnis x ui d x>^t. ..--xx^ 



übec*br ingen . hönr.en . 

I^er B&grifr 



des 



ist/ 
religiösen 3rlebni3t:.pus bei 



den 



bisherigen Erorterun^^en inhaltlich noch imur rornlos 
geblieben, ^r lasst uns aud arund logischer üeberl.,^angen 
ahnt^n, aass das Vorhandensein v rschied.ner R.-.ligion-n 
nicht ein üebel sondern eine KoLwendigheit darstellt. 
10,ie wer. is-. schön durch die .lannigdaltigkeit! Dna auch 
aud dem &cbiet dos Religiösen .;.re Sindörnigkeix zu- 
gleich langweilig... Ein^^i.igh.it , Die tats.chlidie Nicht- 
einrörmigkeit soll nun zunächst an einem Beispiel erör- ' 



tert werden: 



- IP - 



In der Auixau;iung der Ntitur zeigen sicli topi^che Unto - 
aohiede ii: der religiösen Yerttnliigung, aie sich nicht 
wili;:urlich Verarmungen laü^^en. Ma-n b-^traohte lolg^'ndes 



Lied aua den Upanishads , da^ ein^n Ausdruck des mai- 
schen Naturenprindens darstellt. 

AUS Muckle:-Der Geis, der ./adi sehen KulLur und aas 
ivbendland." S. l2../i23. Aus den Upanisnads . 
"Aul* eines Ro^So-s Ruck^^n ^agen _wir daain ... 
Im ])ammergrauen schutuelb es die Hahnen, 
Als [.lOr.-^nrot urnrlattern sie sein Haupt. 
Nun springo'^ empor, es glUht sein Sonnc-nauge, 
Una bis zun lliiii.el rect es sicn ^iii;ö,ux . 
Sc^in üux- scharrt Tage, t.:.nzelnd geht der ..onao run, 
Das Jahr - <.'in iaxz, una Jei.t, iri_ „ahen Sprüngen 
Siorühn Sterne um den rasena öchn..lln L-ux. 
in v.olkenxlück>.n uroplt aer Scuaum von den »'-^^-f^ 
ES schnaabx der Sturm, und „icTt's m seinem Den ^r- 

gang 

den ?Lüpi' empor, dann zutken Bli^oze um die B'^rge seiner 

Uer Rec-on trieft durch dieses V/aldes Strähnen, 
Und keuchend kuchx in j'. nem Ivleer die Gischx. 
Doch üb sich .-.nackend Diegt der B^ume Stamm, 
Ob überFelsen v/irr die '■!og^ schlagt - 
Alles dahin! Gerissen wird es ruaelos und «Vvig, 
Durch Tag zur Nacht, aus 3mnklen in das x^Qli^"- 
SO iag-n wir durch dieses Aethers blaches i-ela, 

i^n ici die 3rde und die ganze v.'elt." 

ju, ^e.., aic ^L c, ^^,.^^^j,^^..2ung von i-]beraara. 

Das Eigentümliche dieser Naouraurrassun^; liegt 



in der la^ntirizic-rung d..'S klt-^nschen mit dür llatur. äs 
ist nich^ nur ein Bild xür die Glut und Schnei ligk<.it 
des menschlichen Lebens. Man spürt vielmehr aus jedem 
^J/orte, wie das Blut des Dichters und die Natur im glei- 
chen Rvthmus schlagen-:; und wenn er r.it den -.vort^^n schli<.sst 
..So ,a-'en wir durch dieses Aethers blaches pela, Du, ich, 
üie Erae und die ganzu .velt.", so bringt .r hier die 
seelische Uebereinstimumung und Gleichst^^llung deutlich 
zum Ausdruck. Diese Aui'rassung ist von einer berückenden 

ügigkeit. Die Brust wei.et sich in der -'ühnheit 
des Gedamiens, dass der -ensch mit dem Sturm der Natur 

selbst durch die Ewigkeit o^ii'"* 

Auch das Judentum kc-nnt eine begeisterte und^ 
tiefemprundene Naturschilderung. Sin Böis^-iel hierfür 



Qroiis^ 



1 c:j Q «^^ 



- 6 - 



ist der Psalm 19 "• 

"Die Himmel erzahlun aiu Ehre G'ttes, 

und seiner Ilcinde V/erk veri.ündet das Firmament. 

Bin Tag strümt dea. andern Rede zu, _ 

eine llaoht gibt der anderen Erkc^nntnis.. 

Ohne laute Rede, ohne v.'or^e, ungehorx ist ihre 3tifiit:..e. 

Ueber aie ganze Erde spannt sieh ihre Saite; 

am Snde des Erdballs versxoht man ihre Worte; 

dort haD er aer SOime ein Zelt gesetzt. 

Und sie kommt hervor wie c^in Braut .gam au., dem ßraucgemaon, 

freut sieh v.ie ein Held zu wanciern die Bahn. 

Von dem einen Ende ac;s ii-iariiels isi, ihr Ausgang, 

zum anaer'o-n ihr'- RücK-kehr, 

und nichts ist verbergen vor iurer Glut!" 

Der Sanger hat nier d,e ?Jatur i.äz tierstar 'i:inrühlung 

in ihrer . , , . • 

Grosse und Sehönheit erlebt. Kan i'uhl o seine 

Naturverbundenheit und seine Pruude an gesunder ^'-rart in 
dem Vergleich a^r Soi.ne mit einem gibbaur, einen Helden. 
So v;ie der gibbaur seine Krarte noeh einmal innerlieh 
mi^t, spielüna und strahl. ^nd^ bevor ^-r aen >Lampr aufniiiarit , 
so ist auch die sonne von strahli^nl^r Kraft erfüllt, 
die in sieh gebaj.lt am Horizont .rscheinx, um den Tageslauf 
zu beginnen. Aber der Unterschied zwischen Jüdischem 
Naturgefuhl unu dem der Upanishads offenbart sich sehen 
in deiu kleinen v/örtchen "wie". u3ie Soni.e kom-t wie ein 
Bräutigam aus seinem Brautgemach hervor. ?reut sich wie 
ein Held, :.u wandern die Bahn. v;eder ist es dem Singer 
möglieh zu sagen: Di^ Sonn.^ ist ein gibbaur und ein cho.aun, 
Bräutigam und Held, -.och umgekehrt, aass aer ^-ensch die 
Sonn--, ist. Er kann höchstens sagen: 

Der iviensch ist wie eine Sonne, und die Sonne 
erweckt L-'bcnsfreude, wie wir sie bei krafterfUllten 
Menschen wahrnehmen. Aber noch deutlicher wiru der 
unterschied, wenn wir den Anfang d^s Psalmes betrach- 
ten: "iöie Himmel erzählen die Bhr^^ G'txes". Vdt absoluter 
Selbs-.toerstundlicukeit wird hier di-^- llatur einem höheren 
Sinn untergeordnet. Ihre Schönheit, ihre Kraft, ihr Strah- 



len ist nichts Selbststana 



ie-es sondern ist eine Sprache, 



Ausdruck für ein Höheres, nämlich für d-.n Schöpfer dieser 



- 7 - 



IJaxur . In den Up;^«.nishads ict die Natur sylbststaniig ge- 
v.'orden- sit> ist Cj'tt; im Juaentum ver^ünaet die Natur 



G'tt. 



ji ser Uni-eri>vjiiied i;it nicht zux'ixllig. Der 



jüdisch emprinaende ilensch kann zv;ar die Schönheit der 



indischen AuiTaüSung nachrUhlen; aber er kaim seine ah- 



2 



chauung nichö rr.it der indicchen vertauschen, auch wenn 
er wollte. V/er die TJa^ur als Ver dndigung G-» '.tes ütiipfin- 
det, kann sie unrnögliuh als selbststandige G't-J.elt an- 
erkennen. Ebenso mag es deiv. inaischen M'-^nschcn nicht 

ö..'li^h Soin, dij Matur, in der der gexühlsmassig aui^r 



mo 

geht, als die Schcpi'ung eines üoergeordneten a'ttes 
zu erripxind-...'n. Dise unver uausohbarkcit der beiden Stand- 
punkte nenr.ün -.vir t:/pisch . 3s handelt sieh hier u® 
unvcri-j^nder liehe Gegebenheiten. Noch deutlicher wird di'--- 



se 



r typische untersch ied, wenn .vir den Gedanken weiter v.r 
rolgen. W;xhrend im Ausgangspunkt d«r Ilaturbetrachtung 
nuch eine gev;isse Vöcv/anatsoiiaxt besteht, entrecno-n 
sich die beiaen Anschauungen immer w^i'^er voneinander, je 
mehr sie das Leben gestalten. Die verwunderlich'-: i-''oi't- 



s 



etzuni.-- des Psalmes laufet namli-h: 



"Die Lcihre G-tLes ist i'ehlerlos, se.lenerciuickend, 



o. ,-. 1 f 



das -eugnis u'ttes ist wahr, m;-..,cht den Toren weis«. 



/ 



I 



Die Grrundlagen der religiäsen Symbole # 
Vortrag Im Jugendverein aun 28 .ll #1954 gehalten • 



^ 



Liebe Freunde ! 

Die Themen, die ich mir im Verlaufe der vergan- 
genen Jahre, die Sie mich schon kennen, für Vor- 
träge heraussuche und über die iah z.B. auch im 
Rahmen der Lehrvorträge der Gemeinde Jeden Don- 
nerstagabend spreche, stehen alle in einem be- 
stimmten Zusammenhang. 

Ich versuche hier nicht etwa irgendeine Gredanken- 
welt zu beschreiten, um eine:n Menschen einmal ei- 
ne Stunde ein intellektuelles Vergnügen zu be- 
reiten, sondern um j'idisches Leben irgendwie 
so zu klären, daos man es begrifflich vielleicht 
möglichst deutlich vor Augen stellen kann und 
hoffe, dass aus dieser Klärung ein deutlicher 
Lebensweg hervorgeht. 

Es hat gar keinen Zweck, aie Frage, die am 
Sonnabend im Mittelpunkt stand, nochmals auszu- 
breiten, da die Gefahr bei dem Thema: "Vereinheit- 
lichung des deutschen Judentioms" besteht, ins 
Phrasenhafte abzuschweifen, ^enn nicht solch eine 
Gedankenwelt Schritt für Schritt erarbeitet wird. 
Auf diesem Wege soll der heutige Abend ein kleiner 
Schritt sein. 






- 2 - 

Die Grundlagen der relliriasen Symbole. Es scheint 
ein uninteressantes Thema zu sein, das auoh Im 
Augenblick gar nloht aodern Ist. Was versteht 
man n\xa unter einem Symbol? 
Wenn a,3, ein Mensch einen anderen nloht liebt 

* 

so ist das Ruckenzudr ^i.en dr^r A;81t:ic'c» :Jie36s , 

Geruhls. Wonn Jciriand aar due Handauosircüken eines 

anderen ihrr. sichtbar don aüokcn zudce^it, so wissen 

Rlle Beschoid, was da-.it gemeint ist. oder 

wenn jcman . bcrchlend die Hand auastrejltt, wenn' 

ein© Person ins Ziminor tritt, sö holsst das: 

Gehe wieder htaausi Der Oriöntale untorcchoiaet 
hierin/ 

sich/sear, denn bei ihm unterstützt dio Hand die 

Rede. I5ß stockt da'rif.ter ein ganz bostixmter Men- 
schentypua. 

Das Gyrr.bol ist ein, Spracho rur sich and 

braucht k^ino Urtorstützung; es ist die Ausdrucks- 



rorm, die etrac Dai.i-.terlic 



s bezeichnet. 



Wir Juden haben sehr viele relijjiöse Symbole, 
Wenn man z.B. einen i'rOKmen Juden betrachtet, so 
ki?nnzeiohiit--n ihn bj^sonaers viel Merkmale: Er 



umhüllt sich nit einem Tallis, oder wie wir 



OS bei 



• ß 



- 3 - 



nnßoTQT. 0ötjüdi80i;en Olaufaensbrüaern üel.en^ be- 
wegt 3 ich *jOln B^te?'i in einc^ aauörndön llythmuß und 

bed utaa nun diwiüo Si:..l-oio? "53 r:il:}t r-:t dl d:oJö 

wlü Tit^nn ein Eaun gebaut -j^ird und alle :vosten i'ür 
die l:loir;3tor Toilo i.ü ein^c-lner: Vüransboreohnet 
wü^rd^^^n^ Jcuüjh .ilie jl^IIö zuja-jaeni^ex'u^t eint»n 
bestl^u-ten kilnn haben^ sc rtii^^eu auch alle reli- 
giÖQön Symbolo einen b sticn/cen^ gemeinsdtnon Sinu 
haben. Bs ?iiusä ^lierairi.b' I^i^rboi vor Kurz- 
suLlüsson bewahrt w-irdon* Ein Beis^iol hiuri^t: 
Wenn iiä RoligioLsuntörrioht dio Fra^o^ gcStöilt wird; 
w woher konant das Getreide", und die Antwort orfolgt: 
wVoc Hüben a^tt«, ac ist dies ein KurzscAus^^ 
der au4:ßerQrv.er.t lieh ^crahriiuh i&Jt^ da er eiLe 
pünlu'aulheit in eich birgt. Es w ^re ^l^o uucb 
ein Kur::3c.iluuj^ renn man ös-gei: würde, dußs der 

Sinn der Symbole die 3JZö?fiähur.g zum ilUchatöi: söi. 



- 4 - 



Es ist ein grosser Unterschied, ob man im Auto 
über eine Flache hinwegsaust, oder ob man mit 
dem Puss jedes stück Srae abtciStet, oriuhlt und 
erlebt. Man sieht beim II in;vo. -sausen nur einen 
grünen sdhtnalen streiten, wu herrlice wiei^e ist 
und man nimmt dio ^atur überiiaupt nicht mehr 
wahr. So ist es auch aur geistigem Oebiete. 
Man muss auch den geistigdh v.'eg durchlaufen und 
durchdenken, man muss die Fragen, die das Geisti- 
ge angehen h runtertrausponieren, wie wir es 
tagi ich tun. Wir habun üino uiimenge von solchen 
S'ormen, cien^n jeder Mensch sich unterwirft: Bs 
sind unsere Lebensi*orm?n. TJenn raan unser Leben 
durchdenkt vuin Anfang bis zum Ende des Jahres, 
dann wird man fsts wellen können, dass wir uns 
eiüur UnsucKie von f otaalen Bolastungen unterwor- 
fe:i haben. Zum BoiSj iel unsere Kleidung: welchem 
Ifilden würde es überhaupt einf-.llen, sich die 
Last unserer Kleidung aufzubürden? v;enn man sieb 






• 5 - 

überlegt, wie unbeciuan, ungosund una letzten snües 
ger;xhrlich( durch Erregung der ForunkulüS0)der stei- 
fe Kragen ist, sc Tragt man sich doch iinr-;er wieder: 
^rum tra-gt man ihn? Warum untorv/irft sich die 
ganze europäische Menschheit diesen Din^^n? 
Die Hausfrau hat die Last des Haschens, Steifens 
etc.. Der Kragen selbst ist d s Unbequemste, was 
man si ;h denken kann und zur ungilrstigston Zeit 
rüisst sicher das Kragenknopilüch, so dass utmütze 
Zeit verschwendet werden muss etc. V'arum tr^^gt 
die gesarrte europaische ^iannerwelt, allerdin£^8 
•rst nach der frar.zciischen Revolution, diese ei- 
gentümlichen Uöhrcnhüson, aie dem Bein trotz der 
schönen Form den Siniruck ahnlich einem Slefanten- 
fusse verleihen? Es sind Jhragen, die scheinbar 



lacherlich erscheinen; und doch sind ii»^ von unge- 
höurer Bedeutung. Bs werden Tür i>inge, die schein- 
bar gar keine Bedeutung haben, unerhörte Kräfte 
vergeudet. Auch bei der tttmenwelt funktioniert die 
Mode wie bei einem Parademarsch. 3s wird dilctiert 



-. 6 • 



und die ganze Ijamenwolt unt-.. r^irft aioh diesem 

Gosetz* Bs i;:.t traben eix\^ ungr.:heure kraft, die 

den iVienacen 2ivingt, diese LdLg>5 zu ^^.Tifüllen* 

H 2* Unsere ^ohnon^^vir scali ssen uns 

ka. s t e n röj^m ige/ 
ein in Räume, /die manchnal aussehen wie grosse 

Scirge. ^Aenri ein Mersch von der freien Natur 
huieinkoair.t und dxe;:.8 :v:iat3La;;iernen sieht, dann 
wird er erschrecken und sioh Tra^x^n: v/io können 
siüli Mensoi.en in dic^se S.rge oinschliessen. V/arum?| 
Früher haben sich die Bov/ohner der '*2rd& begrün- 
deterweiGO ^»15 zum Schutz gegen die K^lte in 
Hohlen eingegraben. Aber heute - v/u bleibt 'ile 
grosse freie llatur, die Schönheit der W^^ldor? 
was ZY/ingt die^o i>ior,3ciien, was treibt sie in 
die ilühlen? 13s ist di^sselbe ;vie dia Med:?, die 
döu Mensden befiehlt, steife i^ragen zu trageii 
und Kleidung, die nichc zweckentsprechend und 
bequem ist* dasselbe finden wir bei der lloi-^ 
liohkeii^sform des Begriissens* Vas treibt den 



• 7 - 



Menschen eirieia itm ^:aiiz Gleichgültigen die Harxi 

zu reichen, sich nach seinem Wohlberinden zu, er- 
kundigten etc. ? ^^as gebietet ihm, sich so zu binden?| 
Auch die büsti-miten Essensgesetze fallen hierunter 
und noch vieles m3hr* wenn wir z.B. an Tische 
sitzen und zu hause eiacal einen liühnerknochen 
abnagen würden und ihn dazu in die Hand nfthn.en^ 
so würden wir dies in ooselschait doch nie tun. 
Bezeichnend darür ist das Strichwort: Gebildet 
ist nur der^ der wenn er allein ist, c^uch daij i^esset| 
nicht zum iMuncle l^ahrt. Das Praktischerere wird 
nicht imirer ausgeführt und es soll auch ^ensc en 
geben, die in geschickter Weise, sogar die Sauce 
um die Gabel schlingen können. Bs ist eine Bil- 
dungsarigelegenheit, wenn ivlensci.en diese ForiLen 
genau erfüllen. In jedera Schritt, in Jedem Blick, 
in der Frisur und überall: Der europaische wiensch 
lobt heute eingehüllt wie in einem eisernon Korsett •] 
Was bewegt ihn sich so zu führen? Die Antwort: 
Die Kraft, die er ditfur aufbringt, ist nicht ver- 



• 8 • 

Ks gths^rt cii4::a^ dass iv^ixii gegeneinan lOr hol icii itt.^ 

werden^ aio y.rLut^n^ d^i^s die Gh^r^^inscaart zot«* 
stört wlrci*durc;h aaubtitTvorlo4i^;en^ a?-ö ii: jcrdi*ci 
Menaciiori s<;hlua.r.ürt* r^i.ce Fotr::eK uitij. also ein 
^^ußöero^^d«:!tliüii guter (Jadai ki^t Ijer eurür^^isohe ].*eiuich 
zeigt aurai; aie unb.:\/uss:.ö Un.vrur .mn^ ^u eii^ei- 
liöhoroii ;.wtJok a©n Auudruck eines iuetili^u C-tribbv.hSt 
Ifonn Kuropa z»b* einrjil x eii:©r t-S'-e . erdori ij Ute, 
dann ivira doch oinö goiobx v erden; Diu au4.^i?rücäöi/t- 
iicae ijii>:tipiiu^ äil^ Crdnuijg, düi uicu ui© i^lur^üchvii 
freiTTilii^ unt.rv. orr^n i.aben^ fcjü «Ii^öö Lebvae^vj^iijbr- 
keit t'jx :.lxe vorlie^rdün ^ar. rJs tsteü :t hinter all 
di *Bt.r Viulf itigktit doch ein gen^oiusac-or Sir:i>^ 

wer run r eli^^iüge : ornien verötthti?ii . ill, 
imiss einüL Einblick habeu aDcr il.ru M>ntitgi.^xt.gkuit • 



Ss i£t i'Ur die judc-n, ..ia i^. eiio Art dor i^c^rttön, ad- 



- 9 - 

lien Bio 3ioh unterv/erfen^ üer Prorunie hüllt sich 
in eino -^»^rt von Formen, die ihn im er nehr bindet, 
denn steht niciit hin..er alleu reli^iöson Formen 
uin ;iir.n, dass dür KOnsoh sich ?.\x sc.in-^r Selbste 
orhaitung di sen Für .e,i unLjnvirrt? 
Der ivo\.iiie Jude ü^richt sc;,on incrgons, v/ann er 
seinem Augon aurschla^^v^t, ooitn ürwacheii ein ö^bet: 
^Uoh dai.ke Dir, Herr der v/elt, dass IXi T.ir meine 
*iö6ie \. iv3dergögeben uust»' und t.^gl^itet räch stiiit-. 
livÄiö Vorgange der i/.or^entoilJtte mit Gebeten und 
Seg.nöSf.ruchen; Dj^-s ii^mae'^vascaen otc. ferr er dann 
2^ *..inuten r.iit den Tri 11 im ein aar Stirn und dt-^n < 
Äi ernenn uii^ Arme und ao. i ^^usohlungen zum cvoboto da- 
ß--eht, so iüt daii ein ganz ei^^;c-nimalichGö Bild. 

• i» . 

''■^ . ' ■ 

Es dut'Vt an, wie oin .lorn aui* der Stirn^ Mittags 

wird er v.-ie von Ue bereit chti gern geaalten und darf 

sich nicat gloion aur das ^ss n otürzen, sondern 

«9 i V e\\/ 
mußö orßt vun/Segensö ,ruch oe^l^^itet dio üande 

waiii Jaon und eine Breche n;a'jhon* Nach dem liissen 
spricht er das Tischgebet, nachruittags das Mincha- 



<- , 






- 10 - 



^:ehet, abends das Ab ^üdjjebet ur^U vor dorn Sin- 
sohlareri wieder d;^s ^'s.ciritpiubot . Tag für Tag 
wiederholt»** üich dies ina Loben deu rr(Xi:Den Ju- 
d^)n. 15s ist eine urierhörte Bltilurg zu den all- 
gemoincn Fcruon hini^u. 

Dann naht der Üabbat: Per Jude 
aari' kein Stu ckch. rn p-pi^'r zerreicvn, niciits 
Bostchondes vernichten! Sr wird zurücksc- 
halten durch eine i^:entU!r/iioh0 Mucht* ^"aö 
i3t GS? Vielleicht das a':bot a'ttf^s? Nein! 
3s ist d^s Unsichtbare, das sie z^/ingt. 
l?s xiüi:.;ieri Peiertagd^: Die :;a:i rahrtistago, die 
ihnen '/erlustc r.atericllor Art brin-:on, ?!)ie 
Fasttago, an lenon öi^^ sija ,]oglicKer Speise 
und Xranlis 3n::,halt0n müssen» So g^vht eg T g 
Tür Tag, das ganze Lebon hindurch unterwirft 
sich der Jude di.^sen un rh'orten Binlungen. 



V/arum und wioso brin^-;t d?r Jude diese Krnft 
aur ? Di3 ÄntTTort kann nur lauten: 



- 11 -- 

Der Jude ji<a nn sich ßolchei. Bindurigen unterwerfen, 
weil er sich damit zugleich einom Seienden unter- 
wirrt, aas uehr iut aus das Leben der Freiheit, 
du» uie IvSensc en sich son^i-t wunscrien. Und diüse 
V/elt kann nur sein ein UDsich't-bart:?^, Höchstes^ 
liwi^;eö, ivCetap'ai/siscnes* JiJs kann nur 3<>in Jen- 
öeitb deß stoi'riichen. WentJ mau oMür nun den 
Be^rjLi'f &«Lt vüuhlt, dann karji uan aagen; O^ttl. 
Der Jude unterwirft sich in ö^jiuom Lehen dem 
IIö eil st 'in^ i>Ietö.ph.vsi sehen, 3r übertrj.gt diesen 
V^iilen in ,^ede nanalung ßjtn>ö porsonliclien Lebens, 
üir t^laubt, aasö diese Binaung von Forrr.eii beglei- 
tet seit, wird über aen Tod xiir.aus» Ubor den letz- 
ten Tag^evtl* erst der erster oinos ?;uhren Le- 



bens. 



Ueber Symbole braucht man ^^ar tiicht mehr 



diskutieren. Vielleicht ist allu« ein wenig un- 
deutlich und v^ird vor iölgcndeu ;itandpunkt aus 
deutlicher und klarer ^^^erri^^n: 



SS gibt V. rscaiedene Religionen auf der 



• 12 - 



Wtilt. 3ie beöto..0n darin, da^;^ dio Arigehöri^j;en 
jöder üOt^rürfuiidou öanüiübchart oixio anüero 

wuö den iwüaöci.ön iu praktisch on Löbur. von gröbster 
B deutung iat* Sio unte iSjU^ideu u oli in der 
Auöüruakui'orm . Jude^ioin büdirigt^iiieJ:! den 
jüdisoüen li^Libol^n zu uni...rv»\.rrüü. 

:;fc> gibt rioii^iüi^srwri.ion, die dixs 
Judüutu.^ voraböchout* Zua: B^isiuel diö orga a sti^ 

« 

^tfi^e Religion. Si© v;ill die urcU'tä, aia die 
IvioutJouen in ^ioli ve rt> ., ur t^i. , ver ;;6 1 '^1 i juen . Das 
BLnvun(i.iruni/a,;uc^ii!öto b^ii dün i«iö:>ao..eri ist ja 
üie Faiiig,k9it, oiu ueuea Lube-. zu erzöugön. 
Abac aivr Vergöttlichun^i ai^oüs Z^ugungsakts 
uuü iUn alö etas Oötclichs.s zu vere;;ren, ver- 



übüOuouU dvt Jude tiöA» 



iiS 1 



5t vorgekojEOiön, 



aasß diö Töfipül zu d-^ry. ucr^b^«v. .r-.igt wurden, 
wüs BÄii heute; ..it i-'röudunhauc bezciciinöt. Und man 
kann nicht be^reiren, wio sehr sich die Mönschhuit 



• 15 - 



erniodri^;t hat* 

joaojh gab es auch Zeiten dos Gegentoils: 

DOü :,:önchtaTr5 und d'-fc I^onnenLurrs, Zeiten in 

denen du.c Asketer.turr., die 2ntL'xlUL>ami{:rit , nervo r- 

pe ober Tiurdc. "renn run :^.ber die «i'Ur; ckhaltung 

das laaal wäre, dum. tu :3a ton aXle a.or.3ehen ins 

Klostor r'Cli n and die '.'enc'jhheix :varde auö- 

öterbön. ..bar dau Leben iöt ^tl^rk^r als i'al- 

sche Bc^griffe vor. L^^bon and sotzt slcli durch. 

T) ie andtTTe 3(}ito d jc \rcr^ottli<5};ving 
u.B-^wunat3r..iiig 
/des Zou,:ii^n.!.tes ist daa Zorstüren des Lebens. 



'»j 'Z/ 



- 14 - 



Sas Menschenleben wurde gering geachtet. Fremden- 
mord, Siilavenmord und Kinder ord 7;aren aie Folge - 
er scheinungen« :Nooh heute Tinaet ir.an in ulten 
Bauv/:rkon Särge vo<. Kindern, die geopfort raren« 
l&ü ist eben tjo, dass die Anhw>.nger der -r^iastisehen 
Re-ligion stets ver^juchon ;veräon, ihrer -Zerstörung 
AUi^d^ruck zu geben« So wurde zum B'^^i spiel Matusch- 
ka getrieben einem Moloch anfüge löron und vvir 
begreifen nic^ht, was für ein Wahr^sinn ihn verleitote 
solche zerstörende Taton zu begehen« 

Die Lebensrom: der Juaen jecoch hat eine 
Beziehung zu einau Höchsten und v.enn man vom Grott- 
lichon die Anschauung hat^ vrie ich es vorhür schil- 
derte , dann sind aiese Dinge unmöglich« 



Der Pf rsismus spielte vor 2 6oo Jahren 
eine grosse Rolle und fand seinen Ausgang vin 
Zaratuötiira« j)er iarsismus unter sohvJiaet den 
(J»tt des Lidi tes und d^vr Firiflbrnis^ den a*tt dos 
Outen und des Boi^-^en» Der ö'tt des i-ic^ites^ der 






* 



• 15- 



das Licht geschaffen hat, steht in dauernden Kampf 
mit seinem ae{];eng«tt, dem a*tt der Finsternis, 
dan diabolus, d^itn Teufel. Et. ist der ^ ampf 
sv;isehen Ormuzd mit Liciitgviis;;er^ Uhd Ahriu^n liiit 
Damonon, dem zuin Siogen entücheixen jedor Glaubige 
helfen si>il* Die Aiihan^er dieser Relif;ion konnten 
nicht begreiren, dass oin a*tt dc'.s Oute und Böse 
geüchiiffeu hatte, und sie uiv.lten deshalb aie 
Existenz zw^er (j'ttheiten für notwundig. Es 
haben nic-it alle Mensc^ en die gev,altige K.raft 
der Fr ..jphaten, das 9ut und Böse in oiner Einheit 
anzuarkemien* Aber das Judentum zoigt in dc^n 
Ausdruckaformen seiaer Religion aie uöcaste 
B02iehui*g zur ;wi^keit# 

Der Buddhiscus i.>t :ie reinste Auüdrucki>- 
form einer passiven Ethik; Dieses gah;.o Leben 
ist wie oiii dumi f er Sc aleier, der zorrijsen 
werden musB, so da^s uas ües-^ere Seiu folgun kann: 
ijas Hichiinehrleben. Die ^;ahrö weit ii^t für sie 



- 16 - 

dieser Welt in das Niohtmehradin^ in das Nirwaum. 
Der Buddhist glaubt an eine seelenwatiderung und 
die ewige Wiedergeburt» Sr icuss also aunohmen^ 
daaa in jedecn Lebeweaen« 0^i ^b Tier oder Pflanxe^^ 
▼ielleiuht die Seele oines seiner Vor rahren wie- 
dergeboren Yi Orden ist« Er geht daher seines Weges 
und hütet sioh^ irgendein Lebewesen zu vernichten^ 
Oder einen Wurm zu zertrex^en» wenn aber zum Bei-» 
spiel ein Mohau^edaner den H^^st e inea Tieres in 
den Tetipel wirjft^ dann wird er varnichtet^ derji 
er ist nicht mehr lebon8v,ert und wird zerrissen» 
Itr wird nur dann erlöst -arerden, wenn er den höchsten 
Grad erreicht hat und ein vOilst^ndig gutt^r Mensch 
Ist; sonst wird er wiedergeboren alö '«furrn oder 
irgendein Tier# l^ruia hüte Dich^ irgendeinem Lebe- 
wesen etras zulaide zu tun! Der personliche Aus-» 
druck dieser passiven Weltanschauung ist der Farkir« 
der in absiltoter Starre sich in sicli selbst Ter- 



senlct* 






- X7 - 



Diß Judentum ^odooh brin^ der. Icbundi^en Sag 
reiner alctiver Ethik in aiös© VoIl. Ks 8 ohreibt 
vor: Das und das aoll at ^u tun ! iäb oebot 
der Zedokoh ist die Uöchcto Forderung: Eu aollät 
nicht nur dem anderen niditß tun, sondern Du 



Bullst 



ihn sorg^. Du sollst döca Isot- 



leideuden helfenl 

DitüOs ist der unoruürto Uuteracüieo. 
zwisohan der v oitauflTassung dea buduhiistlaoiiün 
Typus und des jüdischen Typus, nor Islüua, u, 
das Ohcistöntum ha-ben di-se Aui'r&ssung über- 



nosscen 



Biese ^udiaoUe Sthik iat eingebt» ttet 
in eine sohöne Form, die gekrönt ißt durch 
die Saboatwelhe, Sbenso wie man ein besonders 



«•rtvollea Scharaokstuck stets in den ßo) 
Hüllen a Uibewalircn wird. Dieser sa.bath is-c 
nichts Zufälliges und wenn vi Die Juden heute 
du roh die tragische Sntwicklung den Sabbat nioht 



/ 



- 18 - 



u-jiir iialxcn können, 30 üollan sie äüuh vranigstens 






alles ünnuw2,e varL.uiduh. Ks int ^5twas ITohes, 

und da^j Qe^jüt in roraii. tritt: ^-Du. darfst nun 
nichts meur /.orstörerj»^ Ailöis ^ibt cier Jude 
am 3a; bat auss d^r lltna^und ar 1 riit caäurch 
den (jehorfcjiim cai eine hcaiiatü Mt^clit . Ss i.st 
aie ünt.^rurcijiung^ die Ünterwariung unter len 
göttlichen y;iiien. 

Üine der gröb-üten Sünder: äa^r Gageti- 
-vartlst: 3er Juae .kann nicht i.öhr geauruhen! 
Kr ist eil. obildot^vun ^ioh eingenczixu.ün und 
joder a^lt ^iou für einer. i^lv3inen t*»tt. 

Im a] igei' oin.-^n l ^eht jeder Ivieisofa 
aiir der Boden der Bwigkeit. Sei oz de.r Christ, 
der moh^vEiOdanör oder aer Ät\iiu.iiißv aev orgiatiti- 

- * 

öohin ileii^ioO| nur der ..lu^ Sohivatzeiide, •; 

der vacLelt auf der Krdo lierum und steht nicht" 
fest» Derjenige, der s: zusagen für ein Sntr6e- 

biilet in die europäioche i}<^sollschaft söia 



- 19 - 



Juaentum vork-.urte, ier ist h- ute der an:-lüok- 
licluito und b-lc^uerriSv/crtcotü Menisch uikI weites 
g^r n. vhtn^ur, ^uhiii er gohori.* 

ver>^ottort. sie liOiinteü radit mehr gc.horoh-n. 

vor, Gcitiö Jori^r du de arr^ Fr ::at- g^^b.-nd clio r.feolit 
dar Brviu aus lex Haiid eii^'t.f ^-^-^i &/. le Verbote 
und Q. böte doli S-bbata ntr-n^: ri'Jilt» i^*ür 
C »tt ii5t 33 iiclit DO ?;iohtig, ab r tur aie 
i4en>>ohou ist ii oino un;^eheuor Liehe Bi-adurig» 
Der Ijabbat KtxA beginnt ^ iwderr. di'^ Hau^rrau^ 
dciö So^ijbol der Gk^fühlstiofo^ die LicUt.er ent- 
zUnict uni jegnet* UriCi aii; Sabbatondo wird 
dio gerio3ht'ina Kerze vom Man», entzündet, als 
Ausdruck dr^fur, da-^ö der Meriöch wloder diu 
Mc3.c;iit Ubor dio Srde ergreift. 

ijie werden zugaben irüsson^ dass diose 
Form des tJudentums, eine Lebensform ist# 



Säs ist divs goißtigo (le^tand^ in aas der Jude siüa 

gohi.llt iiatj clor Cubbat, d.io Pc^t^ru^^gt- aiu a aor 
Ri^thHiao, in den. cLc^t; Juioi:i:.uni atniG^. 4llt* Faste 
erinnern una un^erv ürl^r: uns der jüaiöu}i^n üe- 
sc. iC'.to, Au ciü!. hüheo Pviiertagen sin^i ai':^ Si/- 
ß^-^^;^g^ti aio Tore a<. iJ ^^iruni lö uiiu aiu Ju i^n r^^inig(>^n 
ih -e 2'c.':'iv/« A^. Ja'..m-Aip ur iintw^f v/eriöi. 3i..a a.ia 
Juujti der .^nscx: V/C;lt den licBc^lijh^n Pormei?, die 
den Körper dom (ri^i^it ur.tarwerferi. 'öaa j iuische 
L ■ beu 131 et'.rc^i^ iJaii2ies ai d das JudeiitaL;* oin;^^ iiei- 
li.^^-^i:^ <i^- ßJttiiclicw :TaiL.na aaf Srdan. for 7/^g 
.-u 'ii^:>en Idoalcn nr.u^u ori Jiraprt .varüon ruid ist 
gcbaHüien au ua;3 ^liati^^^o Utit^r^^c^rf^n ur*tjr den 



gö 1 1 1 L oVi V ri w i 1 ien . 

JCXXTinQgK Ali 



•c? 



w 3r Jen/ 

Krixit'j V3rv;QLdot 



an lau Uz. .er/ arr^r. ..er riioio^ StiaÄütäÜdii 
)txx:k!iJ£ und i:.a;3aton sioli dec. untörwurr^n^ der 
hinter a Ien Oeüotsen steht; Dom jgottli jh^r. v/illen> 
Akioa ist bjwusüt i'ür diesen got'clichen Willen 
gjstorben una alu ßoino Stirn mit eiaernüm k rr^. 






- 21 - 
gerolt^ rt wuxde^ KXüLxkt« er 



xkX: ilwro I;ii:aöl, 



der »-ge, ür üer (>• tt^ lut ^iinzig. 

Alle, dio sich gro;-is urid 1^ Lug Vurkoni::en, 



»V 



©rui^t: uxix dUijQ nur li St^ti^l^i ^brigbl':;:ibt 



i^lc hu jtn uiriü groiico Aur^'^be: ,Vir ßii.o. Boten 
^»Ltiiß iii d-ujer ,Vc-lt^u.nd .iusaruciv uicsos Bote - 
deitia iat die purm^ du; ürytibci, ciaö ö3Sotz# 
Es i^t vor aliöu. aie v.ci^^h^iw öxr^ir rcru, aie 
iii^Hil von ivlorijjohc/ti iiuar. .t^ ^iondern v^jx. irtüse 



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Dl« Snuid l ajjen der rell^^läsen Symbole. 
Vortrag Im Jugendverein am 28.11.1934 «."ehaltea 



Liebe Freunde ! 

Die Themen, die ich mir im Verlaufe der vergan- 
genen Jahre, die Sie mich schon kennen, filr Vor- 
träge heraussuche und über aie ijh z.B. auch im 
Kahraen der Lehrvortrage aer (»emeinde jeden Don- 
nerstagabend spreclie, stehen alle in einem be- 
stimmten ^Zusammenhang • 

Ich versuche hier nicht etwa irgendeine Gedanken- 
welt zu beschreiten, um eine.n Menschen einmal ei- 
ne Stunde ein intellektuelles Vergrxügen zu be- 
reiten, sondern um j idisches Leben irgendwie 
so zu kliren, da-.s man es begrifflich vielleicht 
möt^lichst deutlich vor Augen stellen kann und 
hoffe, dass aus dieser Klarung ein deutlicher 
Lebensweg hervorgeht. 

Es hat gar keinen Zweck, aie Frage, die am 
Sonnabend im Mittelpunkt stand, nochmals auszu- 
breiten, da die Gefahr bei dem Thema: "Vereinheit- 
lichung des deutschen Judentums" besteht, ins 
Phrasenhafte abzuschweifen, wenn nicht solch eine 
Gedankenwelt Sahritt für Schritt erarbeitet wird. 
Auf diesem .Vege soll der heutige Abend ein kleiner 
Schritt sein. 



♦ 1 



# 2 - 

Die Grundlagen der religiösen Symbole* Es scheint 
ein uninteressantes Thema zu sein, das auch im 
Aiogenblick gar nicht modern ist» Was versteht 
man nun unter einem Symbol? 
Wenn z.B. ein Mensch einen anderen nicht liebt 

so ist das Rückenzudrehen der Ausdrucke dieses 

* 

Ghsfühla. ^onn jemand auf das Handauss trocken eines 
anderen ihm sichtbar den Rucken zudreht, so wissen 
alle Bosch eid, was darit gemeint Ist. Odor 



>>i" 
■^z^' 



wenn jeman^ berehlend aie Hand aussxro^vikt, wenn 

eine Person ins Zimmer tritt, so heisst das: 

Gehe wieder hloaus! Der Orientale unterscheidet 
hierin/ 

sich/sehr, denn bei ihm unters Lützt die Hand die 

Rede. WS stockt dahinter ein ganz besLinimter Men- 
schern^ puö. 

I^s 3y!rbol ist . in-.- Sprache Tur sich und 

braucht k^inc UnLerßtützung; uj ist die Ausdrucks- 
form, die etwas lla?ii>t erliegendes bezeichnet. 
Wir Juden haben sehr viele religiöse Symbole. 
Wenn man z.B. einen fronimen Juden betrachtet, so 
kennzeichnj-n ihn b^fsonaers viel Merkmale: Er 



umhüllt sich mit einem Tallis, oder wie wi 



r es bei 



•'W 



ixn&Kivei. üütjudißcuen alaubenöbrüdern kseiien, bö- 
we^rt sich beim BBten in ein^m dauernden Ri thraus und 
umgürtet aioli mii: eineiu bisuüderen Gkirtel. 7/c;a 
bedeuten nun dieise Symbol<i? Es gibt Tür all diese 
Erlilarungea noch ub'ir^ecrdn:te Jiriilarungön, ji^beriöo 
wie wenn ein Haus gebaut wird und allo Kosten für 
diö kli^incton Teile im eini:elrien voransberoi-.hnet 
werden, jodooli alle T-zile zu^a mengenigt einen 
bestinu.ten Sinn haben, so müssen auch alle reli- 
giösen a^'mbüle einen b sti;ir.iten, geneinöiurien Sinn • 
haben. Eö musö iiliordingi^ hit-^rbei vor Kurz- 
schliicsen bewahrt werden. Bin Beispiel hiorr'<r; 



'P 



enn iiii lleiigiensanterr.icht die Frn£;o gestellt wird; 



" woher kouimt dt^s Oetroida'', und viie Antv/ort erfolgt: 
»•Vom lieben O^tt^, so ii^t dies ein Kurzso. lub^s, 
der au^serörder-tlioh g^'rcxluiivjh i^jt^ du er eine 
Denliraulheit in 3 ich birgt. Es w i.re also auch 
ein Kurzßchluss^ wenn man sagen würde, daös der 
Sinn aer Symbole die BezÄ^huüg zum Höchsten sei. 



• 4 - 



Sa ist ein grosst^r unterschied, ob cian im Auto 
übor eine Fiaciio hinwegsaust, oder ob tnau rr.it 
dem i^usa jedes Gtuck 3rao abtastet, oridhlt und 
erlebt, uan sieht beiß iiinwo^sausen nur einen 
grünen sdhr^len Streiron, zo herrliü:.e iVie^e ist 
und Bian ninmt die l^atur überhaupt nicht mehr 
^alir« So ist oa auch aar geiati^^om Gebiete. 
Irlan musß auch den goiatigen ..'eg iurcJilaufen und 
durchdenken, nan r.uss die Fragen, die das Geiati- 
g« angehen h runt ertransponier en, Tsrio wir es 
tag., ich tun« v^ir habon «.^ine tJnKonge von sülciien 
formen, denen jeder Mansch »ich unt' rwirft: Sa 
sind unsere Lebensrorm, n. ¥©nn caan arser heben 
durchdenkt vena Ani'ang bis zur Snde des Jahres 
dann wird ean r^stSLe31en können, dasa wir uns 
ein^T UnsuisE;e von rorsialon 3olaßtune;oG unterv?or- 
fe:; haben. Zun B^is.iel unsere ^U.eidung: welcham 
Wilden würde es überhaupt eini'..ll0n, sich die 

't 

Läse unserer Kleidung aurzubürden? ?;enn man sich 



überlegt, wie unboc.uoti, an^c^sund und letzten 3nda» 
ger JtiriichCduron iirrcgung aar i'orani£ulouo)der stei- 
ro kragen ist, sc iragt man sich doch iisir.er ?iieder: 
larum tr^gt i;:ian ihn? :;arum unLöcwiri*t aich die 
£^nZQ europaische t onüo.Xiöiu dieaen I^in^uü? 
Die Hausrrau hat die U st daa .»ajchen;^, Jtöirens 



eto#. 



Kragen selbst ist d ü '-•nbeciuoaste, wd« 



Bian öi 'h aericeu kruui und zur tif;^;,.r:ßtigßten Zeit 
roisst sicher aas Kre*con*^:r.Qi.jLiüoi'^, ^o auh^ uiuiUtze 
2.oiL vorschwordet v vorder rnu::s e^c* Tarum tr'^gt 
die getarnte europc^iricUe ^ian? erwolt, allordin^-e 
erst tÄCh aer rranzöiacäorA Rovoiution, diese ei- 
gentüEiiiuhen Ilohr^-^rüiüuon, axe dem Bein trotz der 
aohönon Form den r^in-cucl üliniich üiuom :^ai'd.u\.uU'^ 
foßse vorleihen? m tjina l^a^.>ör., die so/.uinbar 
lacherlioh orsuheini^n; una doch siiit äIött von unge- 

7, 

hourer Bcdeutucg, üb werden x'ür i^in^^^ die büheir>. 
bar gar keine- Bcaeutung :.abon^ uneruortö lliarte • 
vergeuüöt, Aach bei der iiimen^üit i'unktiöiiiert di« 
llod© wie bei einaa i-artidemurach. äß wird diktiert 



•• 6 •. 



ana lie garze lamonwelt unt*.-rwirrt ^iuh di^söm 

Gesötz» Kö ict eben eint* ungeheure Ii.rart^ die 

duri «.ei.ijc*.en zwingt, aiese .Mngt? zu arfUllt'n. 

k 2# unsere? £ühhu£^,i'ir sc:.livi»Ä«n uns 

l»ßtonröX'r;,ige/ 
ein in Rcjuaiüe^/die ßiÄnchirai aui^seLen wie grosse 

Ss^rge« ;;erir. ein Mensch von dor I'reieti J-atur 

hereinkonui.t und dioöe l^'iütök&sernen öidht, dann 

wird ©r erschrocken und siuh rve^^^on; Wie-' konni>a 

öich Liönsühen in diüso S-^rgo oinsühiioss^n. Varum?| 

Früher Laben öiou die Bovrohnor Jer Jvdi:^ togrün- 



deter?tOit5o 



2.um Schutz gtjgen dio ?:r>lte in 



»...•'. / 



liohlön vingegrc^ben* Aber heute - wo bleibt die 
grosse Troie Hcitur^ die Suhünhöit iur f^^ldor? 
l'aö zi^ingt dießu ^^nöchen^ vfac t roibt sie in 
die Hohl an? ^ ist daüaelbe wie aa^ i&oax^^ uio 
dea MenöCiiun bel'iehlt, öteiTe i^ragen zu tragen 
und iLloidung^ die nichi ü:v/ock«-^atsproühenu und 
bequem iat* Da^So^^lbo finden wir bei der Hör- 
liciikoiworonn des Begriissenß, i^as treibt den 



- 7 - 



Mö' sehen ©ireo ihm 'anz Oivich, filtit'en dlo Harid. 

ZU reichen^ sich i;:::.oa eeiriom ' ohlberinden zu er- 
kundigten oto. 7 'as gjbiotet ihm^ sich so zu biöden'l 
Auch die bcsti -ton lisaonßgusc^t::^ rallai. hierunter 
und noch viuloG mc^r* Wör.n T-ir z.H. ^u. Tische 
sitzen und zu haut^e einn::^! einen Hühnoririnochon 
abraf^on rürdon und ihn aazu in aie HaLi nilac-öu^ 
so wurden wir diai> in öose Isehaft üocu nie tun* 
Bez^iothnend darfir iut daß 3vrici:würt: Oobildet 

« 

ist nur aer^ der wo.mü qv allein ist, ^uch da» Mesöei| 
niclit zuru Äluniö tuart* Das irukti^clieröre v^ird 
nicht ii::M:er ausgef Ihrt und uis noll auch M^?iSC ön --. 
goben^ di o in f,oschioictur weiso, sogar die Sauce 
HO die Oab 1 achlingan iiönnen* '^ ist eine Bil- 
d mgsangulegetJäoit^ crin Menac.en diese r'orsien 
genau err-illon. In jeden Schritt, in jedem sXick^ 
in der ?ri3ur und überall: Der eurup<iisci.e i'.ensch 
Ic'bt htiute eingehüllt v:ie in einen aisern^>G Korsett ,| 
Wme belegt ihn sich so zu i'uhran? Die Antv/ort: 
Die JLrart^ di<;^ er dafür aufbringt, ist nicht ver- 



^ 8 • 

abseid QU :riö.;i:5rt: ]^^ ..anault üicU um die Löbensrorm 
eincir Gr. moiupchaxt ^ ü^ ist l«:^boriSiiütv;eudig, dasi^ sich 
die Mö:iso..en gemeinsar: aar dieser Brde einrichten. 
Es g^^hurt dazu, aass raan gegeneinanter höf ich ist, 
etü^ Auü reinem B^joisuiuü müssen Formen gebildet 
werdun, dio verhauen, uass dio (Kije inscliaft zer- 
stört v/ird*durch Raubtierveriaa^^en, das in jedem 
Menschen schlußia^ert . Diese Forcen sind also ein 
ausserordentlich guter i>edanke* l;er europäische Mensch 
zeigt durch die unbowuss^a Un.eror mung an einen 
höheren k-weck den Ausdruck eines iaoalen Streb^ns. 
Wenn Europa z.b. einmal z; eitov Wüste verden s.llte^ 
dann Vi^ird aoch eins gelobt r;erden: l)ie auoserordent- 
liehe Disziplin^ die orunung, der sich die Menschen 
freiwillig untw.-rworr^n habet: , so aa^s Lebcnsraorlicb- 
keit Tur alle vorlianden ?;ar. Ks st3c ii: hinter all 
diüß^r Vielfältigkeit doch ein geroinsaii.er Si^n» 



wer nun reli^griöse r^ornen verstehen vall^ 
muss ein<jn Einblick iiaben über ihre felannigialt gkoit • 
Es ist für die Juden, aie zv.eite Art dor Fernen de- 



- 9 - 

iien sie si-Sn ur.türv.err«3'n; der Prc^ama hfjlit sich 
in eiae -^rt vox. i^'^oraion, dio iLn im er mehr bindet^ 
denn otoht niciiC hinter ail^n religiösen ?or en 
ein Sinn, dasc dor :/:ar;ij;ih dich ::u seiner Selböt^ 
©rhaltun,; di sen ?or;c?n untonvirr^? 
|>er i^ru:.i:i»^ Juae iir rieht aai.on icurgcnä, tftmn er 



öoin^^ Augen aux^sclAiAgt^ beim i'Irwacha:. ein G'^rbct: 
"loh dar;ka Dir, Lerr dor v olt, dauc IXi :;.ir ir-ein« 
Seele ^ iodergegobi^n hust»' und begldtet -ueh o-ütt-* 
liu-e /urganji;© aer l/orgontailotto ni:^t Qebeten ut;d 
8ög.r*i:s^.rL.caen; I)t.2 liandev^^oaen ot;^. ^^ean er aarji 
2l> ; inutvu rait den iriliiii. ai; dar I)tiru und d^n 
HiöDon \x^ Arue und Ko.r g^s -thlung'^n zum Oubotö da-^ 
sieht, 8:^ iut das ein gans eig^ontuirJiuhes Bild. 
:uz t:u't-jZ aiiu, wia oin Ilorn aux* der 3tir:.# -viittag« 
wird or wie vut. üc-bcrniuühtiij>iai; £0:,alw^n ux.d darf 
sich nicat e:l->i^^ auf das Sss jn wturzcn, scnderif; 
muss erst von,'^3egtTiöu^ruoh .:©^:lüitet dio handa 
was h'i*n urd uino Breche r^ühon* Jfach dexn licsen 
sprioIiL. 3r d^ii Ti^o:.g^bat, naahaittags das l,:inoha- 



- 10 - 



,jon:t, ;il»ci;d8 daß Ab': i^d^eiiOL ut«u Vür ^ajiii uitir- 
öc.';lc.rt*n wia<i<vc u.ß Kud-it.r.cDöt.. Tu-f, tu-. Tiig 
wiaderholt* Jiat: lioß in; i.i^bon 'i »u xrO!,.inön Ju~ 
dün, T^ \ai din-,- ur.orr.örto tUnaung -^li aan all- 

u&ri* ..ein Ct/ucivü:: -n Püpijr i;t;rrüicor., uioi.it« 
BeawvhuKdco varüiohlünj !:r -A-ird zurückge- 
halten au roh cii.o . i^^Oü^ .^^.ioliö .vU«ü:.'w. raö 
Ijt eu? /iel..,>jci.c daü (Kbüt G' Ltca? Nvitü 
3u Ist 'IfaD Unsu ciau.ro, daü aic zwihi-t, 

iliiiun Vetj. .iöty r atörivllor Art brin-on. ffii& 

und Tranks onU;&?,ter. e-iissa/i, ao g^Ut fcS X^^g 



rür iJi^*» '^^^ ganze LeböC hindurch art^r'-NArit 
«loh u<ör Juaö üi «Süll uti tUvrtaj üii.auiiß-^n. 
Ätiriin unrl wi ao brinj-t d<r juuö (iiwa«^ Krnrt 



£.ui ? l?ic' Antwort kam nur iautüa; 



• ■> 



- 11 - 

Der Jude '::v.nn Jioh solchi^t. Binaun^j-w^n unter.i^rfer., 
weil er k^ich damit zugl<iich aititna Seic:;deri uiittj^r- 
^virrt, ci&G röhr i::t eis uu;] Lobon cer ^*r<-llieit, 
(i?.c o.o i'ensc ou sich sonuL v/unocne»^» unci uic^-so 
weit kann nur LJ^ur. ein Urm.io}.v..tca'v>is^ i;öv:LiiLe;s^ 



L>/i^:üß^ ;"0taphyö.i2^:.tU". 



!'ii5 k^^titi rur 8-»iii ^c^n- 



©•r Cu(\e uit^orv,irrt ^iük in t^elrec- Leben at>Gk 

Willen in ^edo ivar^älu^ g G.in a p^'^s-jiilic.on Lebons 
3r rlaubt^ daxjG dieso :]iii4ua^, von Foruicf. be^l^i- 
tot c*^>ii; * ird vbur den Toa i!lrö.u3, ube»r der. 1ül2- 
ten Tci^i^uvtl^ ori;t <le:iL orston aincö iic^urot. Lu- 
benß^ 

Ueber Gitibolu brauchL marj gar iiiciit mehr 
diskutiürei;* Vielleioiit i^t alleü uin venig un- 
deutlich una wird voi xül^j^nav^ii Ste^ndpufLkt auft 

deutliüi]cr uiKi klarer wetclvh: 

V 



- 12 - 



Welt^ 3iö b^nte: en darin, il^:^z dio A-ugchori .m 
jodor b'nr^.rorronvion aamelnscliart ainu anioro 
131nGt:dlan;> zu u3:r. Uaborrr:3r.iSjUIlo.:an iv*bün» 
i»:iS da>i Mo^ioohon i-^ prallt isouor. Lobon vot. ^row;:ter 
B {ieutung iat,. üiü unt.> j helaer. z .cii in der 
Auöciruoköi'r^rr . Jado^ein b^ lin.-t.sijh dar; 

Uö gibt IvOj i2ioi:iii'wrr..on, die clrxj 
Jude^itur von^bachüut* Zam B^^liii iol dio .;r^l~.:ti- 
Gcne Roli^rion. 3iö v.üi die Kn^rto. li-^ ciiG 
Menaohw^n in ,:lch vore.reL, vor r'^ttlioiier.. ]^ci.s 

aie ?^^hi^J-;:f.it, ein püuc-ö Lcbüt. z-c 3r::c'-s»r<>n. 
Aber dii: V(?r^;ot-Llic}.üJif: dic-üQi; Zcu£aiKe2£'^ta 
unu Ihr als ^t^'^c OövLlicho;: zu voro! ron, vor- 
fctbsohout dor Judo ti<-i'. j^s aLt v or j^Cii orut cn , 4 

6as3 die roBjrcI zn des. uer:.b<iC7vur.a^t vurdeii» 
wac EÄH heute rit i'roudi-nhaQ^ toioichcLt. Ucü «an 
j;üdc nicht bo.;rtiror , viic sehr alch diu iv^er.£;ohhoit 



- X3 -^ 



orriodrlrt hat 



Jt^'Cj:. ^j^b :z ^ucU ^clLon ie;^ G^i^ertciJs 



Dö£i %-Önchtu:ir u*;. d a r^o r;ei.tur.£ 



»^ 



£> • ^ 






cer.on de ivtkuter wum, uio ni.tl.alLuamK It'ervcr- 



6^ liV 



ge..ü>:c?n vrurao* •. oi.n tiU 



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b^r iie; .^u^>c 



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iiJ.j. i*U**g 



MüßLor i;e:. !i u!.a die L:ar.;:»vj;:hcit Tr^rao ai;i- 
ett^rbert f.bür ci .;. ^,obun ii^t £itJ.rLor uia Ts»!-. 



Lei:^ Bv'i^irro v^ii, Lub^n und ai;t;^t. ^ich civircl 



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D ic ander;:) sJoitv^ ie% 



ff^^ ^:'^4.'t i , ,u 



■4 v 4. 



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\J k< w J. X V' 



4..a 









• 14 - 



Sas ifönBChmileban war de gtxing g^^^aohtet« Frmdaa^ 
mord« SKXaveuffiord and Kinder ord war^n die Folge •» 



ereoheinun^WL • Noch heate finaet man in alten 
Baawerken Scirge von Kindern« die geopfert raren* 
Ss ist eben so« dase die Anhanger der orgi&ati sehen 
Heligion stets versuchen werden« ihrer Zerstörang 
AttSd»raok za geben« So wurde zum Beispiel Ma tusch- 
ka getrieben eines Moloch anzugehören und wir 
begreifen nicht« was Tür ein Wahnsinn ihn verleitete 
solche zerstörende Taten zu begehen« 

Die Lebensform der Juden jedoch hat eine 
Bezlehong zu einem Eödhsten und wenn man vom Qott^ 
liehen die Anschauung hat« ^rie ich es vorher schil-» 
derte « dann sind diese Singe unmöglich« 



Der l^rsisi&as spielte vor 2 600 Jahren 
eine grosse Rolle und fand seinen AU£;^ang ^te 
Saratasthra« Der l^rsismus unterscht>idet den 
3*tt des Llihttts and der VinaAirnis, den O'tt dea 
Outea und de« Böten. Der a*tt des Llohtee^ der 



:v 



^ 



• X 5 - 



d&a Lioht g«8oiui£f«D liiit»8t«ht in äaaerr.d«» Kampf 
mit S0in«ia Oogeng^tt, d«m (J»tt dot Finsternis, 
d«B dlabolus, dem Teafol« l£fi Ist der lampf 
zvlsuhan uriaazd mit Llcixtgoistarn aud Ahrlman mit 
XkuBonan, daa zu» Siege« antsohaiden jadar dlaablga 
halfen soll. Die inb&ngar dleaar nellgion konnten 
nicht bagrolfan, daaa ein a*tt das Oute and Bdae 
gasoharrati hätte, and aiü hielten deshalb die 
Siclatanz zweier a*tth9lten für notwendig* Sa 
haben nicht alle Uensohen die gewaltige Kraft 



der pr Ipheten, das Out und Böee In einer Einheit 
anzuerkennen. Aber das «Judentum zeigt in den 
Auadruokaformen seiner Religion die höchste 
Beziehung zur iSwigkeit« 

Der BuddUisKUB ist die reinste Ausdrucka- 
fovm einer passiven JSthlk» Diosea ^nze Leben 
ist wie ein dumpfer Sohl ei er, der zerrissen 
werden omss, so dasa das bessere sein folgen kann: 
Uaa Hioht«ehrleb«n* Die wahr« W^lt lat für sie 



- 16 - 

eiiiü absolute Vorndinun^ dieri>i;r v;eit, 4as Aufgehm 
diüser W^it in das •Uchtraohrj^air., in dus Mt-wana. 
Der Buddhist .^luubt an eine Seöl.inwai.doruLg und 
dia e'Aiga Wiudörgeburt. "ir rousö alao etunciimen, 
das3 in jeden Löboivesen, s^i <b Tier oder Pflanze^:* 
vielleicht aie Seele eines Bv-*inor Vorfahren wie- 
dergc-boron voraon ist. Kr goht daher seines V/eges 
und hütet sich, irgendein Lebe/esin i-u verriehtin, 
oder einen ',7urir. zu zertreten. Wenn aber zu.a Bei- 
ai)iel ein rohacödaner der Rest e iner. Tiores in 
üeu Tömpel virft, aann wird er vjrni^htet, denn 
er im Licht mehr lebonsvert und wird zerrissen. 
Br wird iiur dam erlöst vrordüü, wem er der* höchsten 
Grad erreicht hat und ein voj istdndig guter Keusch 
ist; jonst v.lrd er wieder ^^eboren als Wurm oder 
irgendein Tier. .'Darum hüte T>xch, irgendeinem Lebe- 
Wfcssn etv.'as zuleide zu tun! Der personliche Aus- 
druck dieser passiven Weltanschauung ist der Farkir 
der in absdliuter Starre sich in sich selbst ver- 



senkt. 



■'^'S"^-. 



=>* 



f 






13uu Juden Lim je^ooh bringt der. i'Jben'..i^-eii Zug 
röiner aktiver i-Uiik in aic-se 'Ä'el:.. Ss ;;:J chreibt 
vor: ijaa und da^^j soll bt ju tun ! Kis G^^bot 
der Zedokoh ist die uö^^hste Forderung: Du sollst 
nicht nur deni anderen niciix.s tun, sondern Du 
sollst rur ihn borgen» Du soilst dt^r:! J^ot- 
leidai.dej. helfen j 

Diesem i^jt der aneöhürte Unterschi oa 
zwlöcliiin aer VeltaulTaLSur:;^ des >^.ud. nistischcin 
Typus und de^^ jüdischen Xi'pus. lier Islam^ u 
das GLristontum iiabi. n ai^^-se AuiTassung über- 



non^men* 



V 



L'iesö jiidisohe Sthik ist eict^ebcttet 
in tiine scUöna Perm, diu gelorönt izt durch 
die Sabbatweihe, ßbensü wie man ein besonuers 
Wörtvoll oa Sohmucls^tuok atots in den ßchönaton 
Hüllen a urbev/ahcen v/ird. pioser Sabbatfe ist 
nichts Zufälliges und wnnn viele Juden heute 
durch die tragische Entwiclilung den Sabbat nicht 



• 18 . 



Keh» halben können, so soll an sie doch wdnlgsteaö 
alles Unnütze vermeiden. Ka iat etwa« nohes, 
wo n am Freitag- dio üinkelheit hereirbrieöt 
und das aebot in Kraft tritt: »Da aar rat nun 
nichts mehr xeretcrerl« AI loa ^ibt aer Jude 
am .Sa bat aus dar i!&na,und er 1 ricfc caiuroh 
den QeharaajD an eine höchste Macbt , ss ißt 
die Unterordnung, dl«/ ünterwerfang unter den 
göttl.üh«3 l,illeu. 

Sine der grö säten Sündeii der Gegen- 
wart iat; Der Jud» kann nicht r.oiir gehorohon! 
Er ist ein ebiXaetjWon sioh ei ngenorainati und 
Jeder halt sieh fUr einun kloinen 0»tt. 

Im »ilgo-^einön Si^eLt Jeder Mensch 
auf döE Boden der 3»igi:eit. sei es der Christ, 
der iiohaciedav.er oder i^or Anhi-nj^or dtr or^iaati- 
Sidt^n Religioni nur dar ^auü Schwatzende, 
der wackelt auf der Erde herum und steht nicht 
rast, »rjenige, der öozuaagön für ein Sritrie- 
biiiet in die europäische Oesdlisohatt sein 



- 19 - 



Juien^^um verkauf tö, der ißt h«äutö dtr uugluok- 
llohi^to und belaacrnßwürteate Irienscli und v^eiss 



n- vAtmer.r, ^oiiin Br g4,hört 






X- 



Alle iii^CG Men&chyr: hnban d loh selbst 



vargiwtort* Sie konntöü nicht raelit g^hjvotdn. 

Aber die roli^iöce AuDdruo5isUoriii iJoUröibt 
vor, da;5S Jeder Jude air. ifraitagabend ciiki f^j^oilt 
der i^do aua dör Hand gibt^ und alle Verbote 
und QK^bote d^s Uabbatu streng ^.rfuilt* Pur 
e »tt ist Oö aicht Sü v;iahtig, ab ^r rur die 



Dm: Hab bat 



begirJit, iiia^r» die Hausi'rau, 



das Gynbol der QetiJiletiQtQ ^ die Llohter ent* 
zLtndct und t.egiict. Und as. iiubb&tciBd« wicd 
diö geriuoh^ene Kvc20 vom Mann #nt2Undöt, alB 

r 

AuGdruck dafürii aacis aer Merßoh wieder aie 
Ifticht über die Krde ergreirt. 

Sie werden xugoben niU&s«B^ daas aiei^e 



rw*. 



X.-'- 



Porai des Juden tarn« ^ eine Leb eng form ist# 



.•rjflP 



- 20 - - 

Si ist das gdistigo aewand, in das dar Ju4« sidi 
grtiullt hat| d0T Gabbat, dio Pelertagü «in a aer 
Bythmus» in dar. ds.s Jucl antun atmet, äü-;? Keato 
erinnern und anter^'jrren uns der Judlioatn O0- 
•ohioht©. An den hohen Fei er tagen siDd die 2y- 
nago^an dio Tore dos ^iaK-as und dia Juaav. reinigfen 
ihre Sot-1«, Ar Jaiao-Kip ur untiit-werreu aiäh al© 
Jadon der i=;6iR2;< n Welt d9i höriliciifm Poriüeu, die 
den Körper aem CK* ist untörtiorfön. Ttas j.ui3cUe 
L^«b«n ist eti^e Banzos and daa Juden tuit« öihi;» Roi- 
llgung des göttliches Nancns auf &rden, Zer jieg 



2B diesen Idealen ejugs crliimpi't wörasn und ist 
gebunden an das günstige lJnt*ir erfen utJtor den 

göttlioh<»n Willen. 

«irdev 
A3 le :':rtilte voi~,väKÖA?t 



an das Un erworfon :or .Mode, 



t f % ♦ ♦•••>'« 



••*••• ^ 



and r.üscton sich dta- untorv^^riwii, der 



hinter a len aes^^tsür, steht: r>en_gottlloli'cn Äilien« 
Akiba ist b tci S3t l'ür die^jen göttiichet. 7;il.on 
«eßtorben una ala aoino Stirn siit eiaernuß k caa 



:..t 



- 2X • 

Bpraoh 



i 

'.. .• V 



: Hör© ißraol. 



ddr iöf.ige, unser 0»tt, iat einzig. : 

Alle, die sich irroas ar;a klug vor koruu;©». 



\ \ .. 



sol^lon ti-'<ioni-9n, dass sie ines Tiges abgerufen 



r* 
*• 



erddn ood d&nn nur di - St^olö librigMeibt. 



\ 



Wir ii&bür ©ine gross© AUi^gabo; Wir eiuci BoUu 
^»Ltös in (ii fisr "feit, und Auaaruck dieses Bote - 
selns ist dio Fora, da.; Sysibol, daa atJsetz. 
Es iJt vor allen aie leiah-^it' einer Porm« dio 
nicht von Merißohec ateuatit, sondern von Kos© 
dviBoh göttliche reislit it döu llBnäntimn oxA^rtbart 
vurdo« 




t 



Rali K ion als tyclsouer w eg zu g'tt. 
Judentmn als typlsoher weg z\x Q'tt. 
Vortrag: Rabbiner De. Schorsch am 29. Nov. 54. 






' l 



In der ersten Hälrte dos Abento will ich sprechen über: 
Religion als typischer weg zu (J'tt. Es scheint »on ausser- 
ordentlicher Schwierigkeit zu sein, die wahre« aeligiora« 
von den ralsohen Religionen zu unterscheiden. Das Vorhanden- 
sein veraohiedener Religionen kann den religiösen Menschen 

1, 

beunruhigen, da oa für ihn nur eine wahre Religion geben kann. 
jedoch ißt das Vorhandensein verschiedener Religionen zurü«k - 
zuführen auf die Verschiedonarti ckeit der Srlebnistypen, da 
Ja jeder auf seine ganz persönlicho feiso (J'tt erlebt. Ea 
gibt aber nur einen a'ttj ein Göttliches. Die glJ. che Er- 

lebnisform zahlreicher Menschen prägt die verschiedenen r 

. • f ■ ■ t ■ . 

Ligiösen Ty en. 

De& drad, der notwenA g ist, um einen (K danken greif-r 
bar deutlich in die Brscheinung treten zu lassen, möchte ich 
heute dadurch erreichen, dass ich erst ergänze, was noch not- 
wendig ist und aanach eine Uebersicht gebe. Nach der Ueber- 
sicht werde ich eine kleine pause eintreten lassn, um Ein- 
wendungen zu ermöglidien. 

Ss liegt mir ausserordentlich viel daran, bei dieser 
' Frageetellung unbedingt in der Art und Weise verstanden zu 
/ werden, wie ioh es wünsche. Ich möchte nicht missve rstanden 
werden; dazu sind die Gedanken viel zu rein und zu hoch, ala 
dass man sie 1 ichtfertig irgendwie gefährden dürfte. 

Zunächst einmal habe ich vor 8 Tagen schon über 
den Buddhismus, den Monismus und die verschiedenen Religionen 
gesprochen. Insbesondere auch über die Ethik im Buddhismua. 
Der Buddhismas hat die Binatellung, dass daa gesamte Seien*«, 
das wahre Sein, eigentlich nidit von der Art sein kann wie 



- 2 - 



aQ8«r« V«lt. li.iz ztt öinec 



is-jar. üvadtj Ist ab«r 



anü <iit>8er weit. Dia vahro »oXt dagegen ist «ice absolute 
Verneinung dieser Welt, das Aargehen diiis^'r v/elt. in das 
NioiiUaeiairseiu, in das Sirva.r.a, ;ü.d Ot^Xeurtdj., ai«^ «iuh 
oiit dtta Buduhiumuii b^ aohoiti^jt haben, ülüd filoh uiahw 

V 

darüber im Klaren^ olb «Nirvi-i.Ä** dia vüilka:UÄdi*G Aui^liicaia^^ 
if! tftU"Walil«\ in du;i r:iv;htmaaiLS«»iu^ba>t«ut<^t oaBz r»r Aar- 



lunaiii; iu Clin vülll;uai^«^i; jiauer 



riiciiiwd ^^iu^ .iA^d iu 



Beza^ auf dies« Tcdt JO v«gBcaieds>n iic^t^ lb.ü^ div.ao ^^^u^^d 
Veit hiohw neiir verwaiidt iüw mit dor anaarcu# ITir abet^ 
die ^^ugleian in un^ traj^^eu das Atmau uuü daa Brahiisan^ sind 
durah diose auch verwuudU mit d«»r gauz^a Velt^ in ai«i id r 
hiuaingt>dtulit tiini# «^ftyi biat J^l'' ^agt der BuiddLiiit zu 
4#ddtte In diüü«! Panteiüouö Iiö4];t oino boraokande^ ^ro- s«- 
^ü^ige Tiltaurrassung^ die wohl aer Urni rung dus (K^oankena 
der Seiäilenwanderung ist* Kotwendi, oreieiise^ denn wenn wir 
uins sind n:it dii^t^v Mlt^ dann »uss im ao:^ankon dieser Sii^- 
heit aaoh die Frag© gelöet worden nuch der Ich dar menaoh- 
Hoben Ferscinliohkeit* Jeder Mensoi. hat ein lohbeensst-' 
sein« Diesoa Bemisataein unteraohAidet ihn vom Xier# 
««Ich bin ich''« Darum hat jener europÜSch« Denker D# 
•eine Lehre aurgebaut auT : Ich erkenne« aliio wvi^j ich^ daaa 
ich bine ISfie aber eoll i.un im abdanken einer absoluten Vev^ 
dchwommt^nheit und Verbundenholt r.it der ganzen Veit der Ich- 
gedanke seini^ Statte finden • Ijarauf kann es nur eine Ant«» 
«ort geb^i: Diesua Ich wird entweder ii: Nirwana erlöst und 
aus dieser Veit gleichsar. zmn VerschY7inden gcbraclit oder es 
■uss in dieser %dlt in der gleichen Form oder in einer 
neuen Form wieder erschein^«« Wenn aie Veit nur Materie 
wars« dann könnte aati siuh vorstellen« dass mit dem Zerfall 



Leibes auch die lersdnliahkei 






Diese Qe.terialii>ti80he Ansicht vom W08<dn der weit 



• J - 



ist durchaus nicht buddhii^tisch und ii^t der Bedeutung ent- 
ßogengeüotzt, dio der Buadiiiiimus vom vahron BoiirU^ßtsein 
der V/elt gibt. Das Wesen kehrt immer wieder, wird immer 
wieder nöut# geboren, mus^i sich lautern bis es so rein 
gt^w Orden l;it, daü^j 00 uui^gehen k^;nn in daa Nichtmihrüeiu, 
in das Nirwai:.a, ^asä kann aus der An^ichauung des Rades 
der ewigen V.-ieder gebart für eine Sthik her'AuswachsenJ 
eine itnik, die uns unser iUndein vorsolueibt. Wenn man 
sich vorstellt, dass der Buddhist aun^^lunen inuss, da^s evtl« 
in judom Lebewesen, ieu er begegnet vivl.eicht die Seale 
eines seiner yürfahren wiedergeboren worden ist, so kann 

< ' ' - 1 

man sich daraus von selost die Sthik des Buddhisinus ab- 

.. ' ■• ' ■...'■'..-, ■ ■■ ' 

leiten, eine durchaus passive ifthik.iiute Idch irgendjeraande», 

sei eü einem Tier, ^iner Pflanze, etv.as zuleide zu tun* 

Denn wenn Du ihm wehtust, greifst jju vielleicht aix frevel- 

hafterweise ein in das Rad der Wiedergeburt* In dem 

Buddhismus liegt eine eigene unerhörte Passivität, die 

iypus aes/ 
sich politisch in dem/indischen Menschen auswirkt* Der 

Indur ist ein durciiaus pai^siver Mersch, die Verkörperung 

des Nichtwiderstandleistens. JWLese passive Weltanschauung 

findet ihren persönlichen Ausdruck im Bilde des r^arkirs^ 



der in dem Augenblick die höchste Stufe mnnrttKxtUK! 






erreicht, in dem er unbeweglich auf dem Boden siv-zend 
sich in absolviter Starre in sich selbst versenkt* 

Id.ese passive Sthik ist eine Qegenan schauung 
dessen, was das Judentum in die Welt gebracht hat: 

Nicht die passive - sondern die aktive Sthik* 
Du sollst nicht nur dem andern nichts tun, sondern Du sollst 

für ihn sorgen. Hier wird verkörpert der Begriff dar 
Zedokoh: Da sollst dem anderen, dem Hotleide nden|holfenI 

In diesem Punkte tritt der unerhörte Unterschied 
zwischen der V/eltauffassung des buddliistlschen Typus und 



v 



- 4 - 



; 



& 



des jüdißohcn Typus in üei Auswirkung klar in Brachei- 
nung. Dor jüdische Typuu sagt: sei ii.\i\Av in der 
Veit, tritt ©in für Deinen Menschenbrv der, liebe ihn, 
denn er ist wie ixi! Bas steht im Zutan-erhanrr mit 
der Prfc,-e; welches ist nun die Anschauung, diu daj^ Ju- 
dentrc in die Welt gobri'.clit he.t. Es iöt au^jh eine 
natural iL:tische Siilieit^deutung von Hatur und wer.sdi eii- 
kräften, doch darin vom Buddhiair.us untmrschi -den, dass 
allo Kriilte der i'latur, alle Kräfte doa Menschern, der 
V7elt und der MonßctocitSj/eschichte geaanmelt gegenüber- 
gestellt worden eineß ewigen willen , nicht eliiem por- 



scnl.chen ö*tt, 7do man es ge" ähnlich auffasst. Sobald 

»»persönlicher/ 
nian den Begrifi/a»tt»» anvendet, so t^oschiehl es leicht, 

daso sich dii- Monscaen den lieben O'tt irgur.dwie als 
alten litona mit lun^m Bart vorstellen. Bß ^^\\X 
rahrschoinlioh zurück auf die erste Stunde des nicht- 
jüdischen Religionsunterrichtes, Im christlichen 

im 

Religionsunterricht wird in einer ganz arderen sach- 

!!• Teil. 
läge die Sj/mbolisohe Vermensohlchung da rgestellt •/ Die 

/ 

Ansoyiauung^ die durch die Juden in die Welt gebracht ist: 

I)as3 ein zielbeTrusjter Willei* der ^velt gegenübersteht, 
ist absolut verschieden von jeglicher Ersehe inungs^i^rm 
dieser Brde, Du sollst Dir keine Vorstellung i^om 
Göttlichen machen. Das Judentum spricht nur von dem 
Willen, der die v/elt gestaltet undhlnaus führt in die 
aktiv ' Ethik des Judentums^ yom sittlichen V'ilL en. 
Der sittliche Wille, der innerhalb des Judentums deut- 
lich Tird, die sitiliche Aktivität, die fordert: Die 
Beseitigung des Mordes, die Ausmerzung des Raubes usw. 
als Orundsätze mensohlidien Handelns, geht zurück auf 
den sittlichen willen a'ttes, der den Propheten klar 
and deutlich geworden ist. Aber wenn ich nun nach 

diesen Ausführungen mich ^^nz förmlich ausdrücke so 



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- 5 - 

HO ist es 20, dass übarall, «owahl im Judentum vi© 
in ander on Religioneu die velt als g33üL10üSoi.e 
Sliihöit einem ewigen '.7iliön /.ogenübersL. ht, der 
didöö -Äolt göi^chal^on hat. Di^oe Y/elt muss ioh em- 
por ;Joliw in -on 2UC /GrvoUkomnnunr., zur Roinhoit, zur 
raassiar.iscUa). Zeit. Diese 'jeutuug dor ...olt,uad 
was alle RaLigionon varauchan. und v/aa jeder Mensoh 
V3rsuch.>, v/enn or über R.l i^ on nachdenkt ist: ras 
A- Süih .ndöraotzcn da it: Waa ist die Welt und was 
bin iol.? Das Judentum anlwortet darauf eindeutig: 
Die^e v;elt isx gescliaffen von einea ewigen göttlichen 
^Villen. Das ist ein.- grocjzU^ige lüirJacitsdeutung, 
Die pantkJiütisolie Deutung auf der einen, die mcno- 

thieiatiscae Deutun- auf der anderen seiie, der 

des Buddhismus/ 
unerliÖrTio pessiir^iümusAm^ '^^^ situli>^he Optixis- 

raus des Judontu .3, «las cind 27.ei unerhört grosse 
Ronzörtionen der ., oltauf f assung, die ölnanaer gö- 
genliberstehen und deren Auswirkungon bis in aie . 
allerkleincten Beziehungen auch heutigen Tag. s zu 



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verspüren sind* 

Innerhalb der monotheistischen Religionen 

bestehen ebc-ni-alls Unter sd.ie de. Sie zerfallen in 
5 verschiedene druppen: Judentum, Christentum und 
iGlam. Der UntorscUied der vorliegt, ist ein typi- 
scher. Den. Judentum air. nachsttn s^eht der Ißlam, 
«eil auch er den Begriff des einzigen a'ttes an den 
Anfang s .eilt und nicht d en TJnweg über die Deuxung 
des dreieinigen ü'ttes einschlagt, in diesetr: 
" ZusaiTuneuhang darf ich nun folgendes sagen: 

Di© Auffassung des Judentums vom Sinn 
und sein der \velt ist im Islam einfach aufgepflanzt 



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- 6 - 



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und entvri ekelt v.orden auf äom veßeii ^enoa aramäischen 
I^leiTScheri, der t.uf der araciiaschon KHlbirxel au-- ge- 
wachsen y^rtey und oin^ebaut i t In diö mo othoißtiiJd-e 






Y'eltaui'J'aßsuuß des Judentums. 

Schwi-ritrer ist das Vorstlndniö des Chriaten^ 
tuiTiS. Itii mochto Jedocih bemerken, dass allö Religionen» 
die ich g nannt habe und r<eBii»,auch für uns Juder. 
Ilolligtumor sind. Wir vyrt:.usor.en nicht ©in n Typus 
mit deia andorn. Jede Religion i-t eia H-> lißtum,und 
das einzif^e ist, daSD wir uns ßowidßer philosOt;hir.cher 
UntJrsö.dedy i--Jar werdon; aber wir haben di^-^ Lebens- ^ 
fücm jodar anderen Religion oinfaoh a4n2'U>r^:tmr)0n* 

Der unterschied liv-iochon Ja um tum and 

Christ 5ntu.r/b... st ht aai: dor i^leichon arundlage der 

Sthiic elnjr andersartig-an göttl cli-n Deutung: Die 

dreiracha Srscheinun sf orm a'ttes: Q'ttvater, Sohn 

und 1! iliger Oeist. Di ae ßo^^riffe sind uhnlioh audi 

im Hebr^iso-'.en vorhanden: Ruach kaudesch= Hoilioei* Geist, 
tr jtzdemeia 



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aai iJntersolii 'd darin, der sich jedoch .schwer 
definl-ren lässt und de^ auszuführen ich einen Abond 
bcondars bonöti.^en wlirde. Bezeichnend ist, dass 
ein spHuischer Maranne, der zum ahtisuentum überzutragen 
gezwungen T.tirde, den Au sprach tat: "Sei nicht wie Dein 
Vator ". Wir Juden können auf ..lle Piille 



»«.-!• 



typisc 



nicht verstehen, dass man an Stol e des . inzigen a'ttea 
eine Dreieinigkeit setzt. Wir nehrnen ohne weiteres an, 
daas.derf roiiae Christ in der D eieinigkeit tatsachlich 
die Binlieit a'ttes erlebt und trotzdem ist es den Juden 
nicht md lieh, dioses na chzueOi finden. Dies bedeutet 
die typische Trennung das Christenturas vom Judentum, 
las gleiche besteht in der Bthik. An einer Stelle geht 
die ohr-stliohe Bthik so ar über die judische hinaus: 
Du sollst Deinen peind lieben. Das Judentum führt 



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- 7 - 



diese Forderung jödo h zft ad absuraurr;. T5S sagt: Öi 

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eollst Löinen Nj.oht;ten lieben wie Dioh sclbüt. Auoli 13oi- 
neu Peinci, and wönn ein Foind straucholt, frohlook-- 
nicht. Tu a ll;:t ihn uadi nicht hasson. Aber das Ju- 

« 

dentian sagt nicht: "La sollst Kolben Feind liübQn," and 
Tn<xx d. shalb nic'.t, weil ain ^«^anach daü oini*av;u nicht ka >n. 
(„enn ruan sich vürsL..llt, daüi. di3 „ öl w unLur^mgü, 
dasa ail-^a, was hior W«rt X'ur uns l.at, hir;fu,llig wird, 
üaai könnte diüiS vi^l. wiohl u. glich sain. 2,'ach der Aur- 
«rstehunj Jaau haben lic Christin an die Wi dorköhr ge- 
glaubt. 33 V r tatsächlich Untergangastini^uang und aus 
dieser 3t 1 munK wurd* ^sagt: jobt axleü, %vas Ihr bü- 



8 



itzt, iort, dönri eiiar '■.•ird ain Kamel durch üin ri.idel - 
Öhr ahan. denn ein Rai -her ins ilimi;:0lreich galanö=jn. 

In di-^sem Zusaraieiiiaag inöchtü ida v/ifedbcum 
von dem l^iai rie svrechen, den ich schon 2 n^l er.vJruvt ha- 



n Ki-ent„.iaö entkleiden. 2a::.alD haben sich die Juden 



be. Es ist Maln.onides, der ici Jahro 1955 ^OC Jahre ge- 
worden s-^in wurde. Zu seiner üoit .larden die Juaen 
im südiichon Arabien verfolgt. 15s ^^atand ein eigen- 
tümlich or Irophüt, der angab, er sei von G'tt gesandt und 
die Juden mUssten J/Iühamed adac anarkenntn. Sie aUsster c icn 

jede 

ar. :,:alionid«s gewandt und er sagte: In unserer Schriit 
steht :"IJU sollst von Deinem Verniögon geben" (die glei- 
che H;inschr.ankun,^ T^ie bei der Feindtsliehe) . !'idit,l>i 
Bellst Dein Vermögen verteilen, dt.:Ji Tr^nn c-r alles gibt, 
bleibtihm nichts mehr,unci er t.us^ ß-lbst Allmosen betteln 
gehen und dam. ist die LebcnsmögUdikeit für don U nechen 
zu Ende. In diesein Punkte geht die christliche StUik 

über die jüdische hi-.aus 

ner unterschied bt^sLoht ici G'ttesbogrifi*: 



- 8 - 



Dar zweite Unterschied liegt in dem Begriff, dass die 
Gnade ö'ttes durch einen Mittler vermittelt ^rd. 
Dieses ist eine Lehre, die jeder nachempfinden kann. 
wer in seinem Leben einmal, nur ein einziges Mal, 
einen Lehrer gehabt hat, an dorn er mit tiefer Begeisterung 
hing der wird begreifen, was Rührertum b deutet. 
Man kann zu einem gewissen Grad nachempf injlen, dass 
Menschen das Bedürfnis haben, einen Führer zu besitzen , 
der sie in die höchsten Regionen führt. Das Christen- 
tum hat diösen Führet auch in der Gestalt Jeäu gefunden. 
Aber der Juae ist ein anderer Typus. Br kann zwischen 
sich und a»tt keinen anderen al.; Mittler anerkennen. 
Der Unterschied zwischen Katholiezismus und Protestan- 
tismus liegt in der Auffassung des Vermittlors. 
Beim Katholizismus erscLieint die Vermittlung in einem 
mystischen Licht, wälirend beim Protestantismus eine 
natürliche Vermit13errichtung angestrebt wird. 

Ich will nun noch einmal zur besseren Ueber- 
sicht klar die verschiedenen Rtligionstypen schildern: 

1, poUtheistischer Typus; Es ist eine Natur- 
deutung nach Menachemrt. Man führt die Erscheinungen 
der Natur zurück auf Götter. Die e Art der Religion 
nannte ich die menschlich geriditete, die anttoprozen- 
ttisohe Natur deutung , düB^^egonüber die antroprozen- 
trisohe Kruftedeutung in den Orgiastischen Religionen 

steht. 

2. orgiastische Relittionen: Es wi rd der Zeugungs- 

akt auf aer einen und der Zerstßrunggtrieb auf der 
anderen Seite als das Höchste anj^ebetet. 

3, parsismus ; Die Richtung ist eine objekti- 
vierende Natur- and Kraftedeutung . Der Parsismus 
unterscheidet den G'tt des LiÄo s und der Finsternis 



- 9 - 

den O'tt des Guten and des Bösen. Der »»tt des Liditea 
ü^eht iii dauerndem Kampf mit dem O'tt der Pinsterni», 
dorn Teai'el, diabolus. Der par^lsmus, der diesen Kappf 
zwiaoheii Qut una Böse sieht, der deutet die Welt als m- 
alisQius und geht damit über üe Ht/^ur- und Krafte- 
deutung hinaus 2u einer Kinh.itadeutung. 

4, Pantheismus und B u<i<ihiümus: 

Neben diese Deutungen treten nun die meta- 
p,;y3iBchun iiinheiitsaeutungen von Natur und Mensohen^ 
krufteu, wiederum mit zwei Unterschieaen: Mit der 
Kiohtuiig auf das Jenseits, mit der Richtung auf das 

Siesseits.Ii 

5. Monismus; Wir finden hier einen umgekehrten 

^^untheiößius. üie Materie wira zu a'tt erhüben. / 

6.7.8. : J udentum. Christentum u. Islam: 
Hier tritt uns die metaphi^sisohe Binheitsdeutung 
klar entgegen. Das .aesseits und das Jenseits sind 
eng miteinander verbunden und das irdische Sein beruht 
auf der SoUüpfung a'ttes. Bin wunderbares Sinnbild hier- 
für ist die Traumieiter Jakobs. Sie steht auf der 
Erde und ragt bis in dem Himmel. Sie verbindet das 
Brdgebundoue mit aem Metaphysischen. Das DieBSeits und 
jenaeitß werden zu einer Einheit, welcher Einheit 
das bedarf noch einer spateren Erörterung. 

8. Jlatholiüismus. (wie vorher angeführt). 



Zwischen diesen verschieden n Religiunstypan 
bestehen eigentümliotie Beziehung. n. loh bin Innerlich 
manchmal tief erstaunt, Bs sind 2 grosse Kreise , die 
wiederum in sich zurückkohron. 

Der erste Kreis :±Kt »er polythoismuü. Dem- 
gegenüber steht der Pantheismus. Aber im Monismus uehrt 
er wieder zurück zum Polytheismus. 



- 10 - 



Der z>fc>lto Rrele; Angeinn :en Kit den orgiastisohen 
fioligionen. Dagegen s.eht der Dualisinaß de» larsis» 
mus tLu£ der oinuii Seite und die Metaphysische Bin- 
heitsdöutuijg äaa Ju lontumsauf dtr anderen Seite, Mit 
dem •**©g: iri* de» Gatans» derjenige, der uns auf dem 
20 hindert» i^ird zun Dualiacsus das Paraiamue zurück- 



Kehrt • 



Nac^' 



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Ausl* ttirungen von Herrn Löwenbach: 



loh hatte keine v/ertung irgend einer Rüiig;iün itua- 
gesprochön. Ich dpraoh nur davon, ds-ua os versohie- 
dene Rrlohenstypeii gib^. Diose Auffassung ist ni tcals 

' eineitlioh für ai le Menschen zu gootalten, -reil die 
Uensohen grums^atzlioU vorsohiedcn sind« Darum hab« 
ich gle«ioh zu Anfang meiner Vortra^iörolho gesagt: 

^ Orunäsa.t::lioh könnte es auf der Srdfe ouvitile Religionen 
geben a s og Mensohfm gibt, aber es sind nur 9 ver- 
schieden Typen Vorhand n. Das ist ein verbluffendes 



Ergebnis 



Ein Tyvus davon ist dus Judeotuni. Das ii;t 



unsere seelische Haut, aus der vir nicht harauskönr: ,n. 

Ich mödite höute abend noch kurz auf cxas 
»»am kodaueoh" zurttoICtomnien « das religiöse, heilige 
Volk. Zuerst m ss ich die Kra^^o aufi^erfon: 

Woher komraen lie hu .igen Juden? 
Wir haben zunächst die jüdische Lehre, dass wir die 
nbene awrohooa" die Binder Abrahams sind «Das könnte also 
bedeuten, dass wir Juden blutgt-nass von Abralianj ab- 
stasaiien, der vor #000 Jahren aus Ur am Euphrat aus-r 
fwandert ist nach Kanaen in Palästina, jianeben haben 
wir 4if kul||urgoßohi eheliche u«berliefvirung, dass wir 
nämlich aeit Urzeiten fortwahrend fremdes blutge- 
mast. es Volkötuc; in unser Sein au genommen hüben. 
Schon Abraham hat deine }1S Knechte in seine Leb«tiS— 



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- 11 - 



gemeinöohaft aurgenomraen. Es tritt uns alco öciion 
aier ein anleres Volkstum intgegen. Ferner dunen 
wir nicht vergossen, dasü ai. Juaen ais die uuü Ae- 
gypten ausüügen, bögluitet wurden von dem «ere« raw« 
s unbestimmbarer Volksbestandteil, der im Volka- 
ganzon aufging. Ausserdem haben aie Juden in Palastina 
die öibeoniten in ihr« Chsmeiuöohart aufgenommen. 
Weiter v/ird berioh et, da;3s die Juden die Philiüter 
in ihre öcmeinsuhaft aufgonornc-.en haben. Diest^ sind 
höchstvahrach inllch indogerraanisc:iaa Ursprungs, 
Ebenso v:ie eine Reihe der anderen Völkerschaften Pa- 

> 

lästinasj Z.B. dioCÄttitor, von d^nen man vermutet, 
dass auch aie indogermanischen Ursprungs sind, und die 
später von Ramses miL Kempflöwen verniditet wurden. 
Des weiteren sind Vfxn Judentum Iiionschen auü dorn rö- 
mischen und griechischen Kulturkreisen aux'g nooiaen 

ein/ 
worden. Rabbi Meir ist auch solcher Menjoh, der 

♦ 

im Judentum eino ungeheure»- Bedeutung errungen hat 

komme 
und der Naohfidtox eines griechischen PBoselythen war. 



In Südarabion sind ganze Volksstamme zum juaentum 
übergetreten, ebenso in Abessinien, »n Südrusol- nd 
raren es die Chasar9n,und es ist uns bekao m., da.ss 
In der Zeit Heinrichs d.i. viele christliche Geistlich« 

übertraten« 

Nach einem Interessanten Bericht im «Mor^jen« soll 
der grösste Teil der europäischen Juden nicht von den 
Juden aus palästina, sondern von armenischen Proselythen 
abstaamen. 



Wir können also zwei Theorien aufstellen: 

1. wir sind Nachkommen Abraham«. 

2. ]ÄS Judentum ist blutgernäss aus zahllosen Volks- 

büstandteilen zusac mengesetzt. 



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- 12 - 



loh witiöerhole \icda. quomI dio FrsL ©: ror.ar Lom t das 

Jüdlt.ohc Volk? In der Blb^l ict der Beweis dafür 

geben, dass die judc-n grossen Wert auf Hacsenrfclnheit 

gelegt ht-ben , loh möchte ^azu nooh roli^endoß auafuhren: 

Von den 2anaritarern turdeo die Judön in die 0«.farii;©n- 

scuaft t/pfUhrt. Iä man f üroht.öt-, aa.;a difc wilnen 

Tier- überhand nt^iir.on wurden und man difces aar das 

duroli die Saciis-ritanor/ 
Äichtarbctea dor L.-nd&sgotthelt/zuruokr Jhrto, '»urde 

der V.unsch naoh elneic israolltiisca«! T-riv-üter laut» 
Derieben bestand aber der heidrlsche Typus.' Auf der 
Ginvn Sei tu v,urdv5 uluo diealte hoidnii^chv Rülig^icn 
beibehalten urd aur dor anderen Söl .e batete man den 
ö't . der Juden an, weil mar ihn türchteto. So entstand 

■ # 

?lcr 3an.aritani£;che T^pusi, Dia Juden Lab© die Gacari- 
tarjer nie in ihre (Ji-Eia inu ciaf t aufg»n«Binen. Sie Ir-hnten 
slfa y;vi^on ihr'SC Cyrdrotia/Lua ab. 

Für die 2»' ei to Theorie stricl.t die Cieschlohte Esras, 
dordas n ue Palustina inner?, ioh r forTiiort hut. lir zwang 
di<^ Juden, ihr* hfidniso>:9c Fra.jen fortiiujchici.en, ässc 
fciiß er hiodruoh did riuscoroiiiheit des ^üllso.a») Volkes 
erha-ten wollte, d-'.nr. 8 uhlußt di^^st»s ;aiea Theorien 



vi'OU der Aufnehme 



• >•:♦«•; 



anderer Völker ins juacntu 



Ire ocsioht. Er v, ollt© vt -^Ir^ohr die ReÜKionsreinheit 
erhalten, denn die Frauer. bchidtoii in ihrer Sha die 

heidnißche :ioligit/n bdi • tMiyaionio^rdr: l^t den Judar* 
verboteu. 

De.0 j, discho Volk ist otvas anderes als ein 

Rasßtnvolk, wenn auch ein T^ il von uns seine Verfahven 
zurUekf hreu itann V.iß auf die Juden, die frUhr in Pa - 
lautiua ,;elcbt hab n. Wir sind kein UutinöSöigcs Rai.se- 
volk ütndern ein T;^^ervolk, d.h* Zum Jucu ntum gekört 
nicht der, der ir seirer. Blute dazu pa nt, sondern dar 
in üeineiu Oeist zuß^hCri^ ist» 

TÄS Jtt^.:^ntum ist zentralreligiösor Leben«- 
standpunkt 



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Augen g?riß3«n hat: "Dar Ewi-ge ist G'tt.der Ewig« ist 

G'tt!" 

Onaore Prof «tan haben uns den E.vigen gelehrt »dessen 

imaus3prö0h].iah«r Narae auf dam ^/ega duroh unsere Geschieh« 
te uns geheimnisvoll bogleitet hat und ewig begleiten 
wird. Ks ist daa Eitjönt'imliohe und Unabänderliche des 
Juacntijims, da3S es die v.'ortä der Profeten als Leit- 
stern durch das t^aiize Löban xind dux'Oh die ganze Ge- 
siohichts botraclxbet. Diese Wort« sind niedergelegt in 
der Hoilii^cn Schrift; und darum ist es eine UnraOt='licl^lteit 
f iir uiis , die Bibel irgendwie nach Art einer profanen 
Schrift zu betrachten oder betrachten zu lassen • Es 
goht nicht an, dass das Sazi«rma3oer des Verstandes 
in kalter BcreOinung unsere Heilige Schrift durchfurcht 
und zerschneidet, "^ann es wlrde sonst Spott getrieben • 
•nit de:a Heiligsten und dem Herzblut Jener ge,valtigen 
M<«>nsch<--n , deren Leben nichts anderes mehr war als der 
< Ausdruck göttlichen .7erkzeu:-s und Willens. Wenn in 
un-iorm GUteshdusem die Thorarolle umhüllt wird mit 
prächtigem Jewand, g.:j3C-im.ickt wird xit leuchtender 
Krone aid blinlcandö.Ta Schild, und wenn diese Rollen 
aufbejtfahrt v.»rden im besonderen Schrein, der liebevoll 
flir sie gebaut XKIII uiid jesclmäckt wurde, wenn wir 
am iest der Thora-Freude sarütlichc Tüorarollen heraus- 
nehmen aus ihrem Haus und symbolisch ein Licht hinein- 
stellen, damit der Schrein des göttlichen Lichtes nicht 
entbehre, wenn -vir diese Rollen in strahlender Peier 
riurch den hohen Kaum des G'ttsshauses tra.3«n und wenn 
in den kleineren Gebctstuben unserer frommen ostjüdischen 
Brüder »MIxätl^Thora in Händen, zur. Tanae schreiten, 
80 fcottimt in all diesen Handlunscn die unendliche Liebs 
z\m Ausdruck, die aus dem Herzen des jüdischen Volkes 
emporir/allt und die schriftgewcrine G'ttesstimm« UDih:ait. 



- 11 - 

Lauras Kausche eirpifes, die Lehra IklosöS ist Warhsit! 
Di«3«s Bort gibt dar Grund stimmimg jUdi3Ch#r Be- 
trachtvmgswoiso für di« Heilige Schrift eindeutigen 
Auadruck! Unsere Profeten sind uns Wegweiser im düsteren 
Lande irdischer VerliUllxing. Kur Frcfeten können sie 
in die Schranken fordern, und k.innt«n das herrliche 
Buch d'sr Bibel viellaicht unter die kritische Sonde 
nehmen. Wer aber kein Prof et ist, möge die Hand davon 
lasben, denn er w'irde aich mit unhJiligem Spiel am 
Heiligsc-en versündigen, ohne auch nur im Geringsten 
uns der «ahrhait naher au btingenl 

Um diese He 11 ig« Schrift herum rankt sich 

i' ■ . ■ . 

mit treuesier Gläubigkeit das jüdische Leben in aller 
Zeit. In diesem profetiaclien Buche sprudelt die ewig- 
lebendige Quelle, die das 'jüdische Volk auch in der 
härtesten Allste irdischen Daseins vor deji Verdursten be- 
v.ahren wird. Wenn wir sagen, dass das Eeliglöse, 
die si:ingeb«nde Leb t^ns, bin düng an G'tt der zentrale Le- 
ben.sstandpunkt des jüdischen Daseins überhaupt ist, 
bo .i-lisscn wir diesen bedanken, diese Feststellung 
eines Seienden, nicht eines Konstruierten dahin er- 
gänzen, dasa ditser Lebensstandpunkt seine sichtbare 
«urzel hat eben in aeca ..vinderv<fcrk h&iliger Schrift. 
Das bedeutet, dast. wir zur eigenen Klärung unseres 
Weges nichts anderes zu tun haben, als in das G*ttesvort 
der Bibel hiricinüulauschen und aus der gc staltgewordenen 
Offenbarxing die Stimme dar Wahrheit herauszuhören. 
n'*rui dies die grvmdsutzliche Voraussetzung für unser 
ganzes weiterea Verhalten geworden ist, so sind wir 
an den Punkt g«langt, an den die Hbri^en uns von G'tt 
verliehenen Kriifte des Verstandes ujid der Vernunft, 
des GerUhles und de« Fürschvmgßdxan^es in die Erscheiniuig 



- 12 - 



xmä in ihr Recht eintreten d-.Ti:9V , Dies« Art Porüohun« 
wird j<»doch wenig gsmein haben Tdt jenwr acsier-sadon 
•.vi:i3«nsol-xaftlich8n BeUtigung, dU den xmh^llisan 3i- 
"belei-lclärer der N-uzeit kennzeichnet; sie wird viel- 
mehr den V/eg b-äsohreiten, der seit uralt-tr Z^it voa 
JudantujTi beschriften worden ist und der in unsnrtn 
grosG»-'-» Erkllrem, insbesondere in d-sr ,2src-itvollsn 
und zu.'leioh imendlioh kl-j^^en Art E-iSCbis sichtbar 
Kf worden i^t« Liist Art ear Dibel2rklarun,2, d»r Bibel- 

forschuiis nennt raan Kiidr-^sch. Eieses .Vort h^it später 

es/ 
sina -sngsre J32d*utvJi,:5 geA-cnn<?n ?.l3 ursprünglich der 

^all war. Man verstand t^clilieoslich darunter nur noch 






Is gsT.ütvclle und unvsrbindiich* Art der Auslegunj; 



des ßibcl«urt£8; aber ursprlinTilich bsd«ut«te es ein- 
fach diiS Bestreben, uimittelbar auis dem Bibel.vort 
abzuleiten, v.t.s in u serem Lebon, zu jeder Zeit und 
in jeder Lag« uns als »Vahrhöit voranlouehten soll. 
Es gibt eine fust töricht aniiutendo Spielerei, die 
Jedoch gera,;.e in ihrer üt-^rspannton, sinnlosen Art 
deuUich die rio!;tige Auffa^siaig dsc Judentums vom 
woseu der Bibel vva beleuchten Imstande ist. Ec gibt 
Keuschen, die :-r. einer ungeklärten und ;5chwierij?en 
Lage sich Hat aui^ der Bibel holen worien, indem sie 
das Heilige Buch aufschlat^en uüd die Stelle, die ihnen 
gerade ijuxulltgcrv;cis€ vor die Aui:en tritt als Orakel 
-and Stiauac G'ttes f Ir ihren Fall betrachten. Wir Juden 
betrachten die Bibel Sr/ar niohi; als coches Orakel; 
aber in canzen /jcsehcn übcrstranit jedoch das ßibel- 
v;ort sinngebvnd lonaer ganzeo Loben. Unsere Weisen 
durchforsohten soit Urzeiten irdt unandlicher Hingab« 
jedes .7ort u:id joden Üedrjiken^ dt^r Heiligen Schrift; 
und da *s kauci eine Labonülagc gibt-, die nicht irgend- 



\ 



> 



- -13- - 



eirmal an irgöndeiner Stell« d»r ßibal zum Vorbild« 
gedient hat und zum Ausdruolc s«it03tiaön ist, oo ist es 
verständlich, dass .-nan wohl für jede Lag« auch irgend- 
ein« Antwort im rechtvarstandencn 3ib .Iwort finden kann. 
Dies« Auffassung ist weit entfernt von sinnloser Orakel- 
verwenduiig unsoror i3ibel; aber sie ist noch weiter ent- 
fernt von jener höhnisch kalten Uob^^ --l «gnnheit , die di« 
Bibel als «in altes literarisohes Werk mit manchen ^Tor- 
ziigen und manchen Peii-jm betrachtan will. Zwischen 
diesen Auffassuni^en liegt eine .7alt, und es hat wenig 
Zweck, unmösliohe 3r icken schlagen zu wollen. Es gibt 
nur das iebot der klaren Abwendxiiig '/on di03«ni Standpunkt 
d«r Zerstörung des wimdarbaren 'Ja^ebas aus irdischen 
und himinlichsn ISden. Ss icomiat ei:imal für jeden die 

Zeit, da er ^anz klar entschoiden muss über Abwendung 
und Zu/vendung: JudontuJi befiehlt Zuwendung zur heili^ien 
Schrift als dem prü-'stischcn OffönblirungsbuGh« des ewi-ea 
(J'tteswillens, un d die alte Art der Bibel »r.vlarung, 
der Äiidrasoh lehrt uns, wie wir zu J-sdir 'ieit uns Rat 
holen können aus dam heili/sn Brunnen, in dem ewige 
.Yahrhelt sprudelnd sich erneuert. 



Am k d a u s o h 



Vortrag: Rabb* De. Schorsoh, LehrhauB, am 6.12.1934. 



ih 



Meine Damen und Herren I 

loh möohte heute abend vor Weihnachten mit den Vortragen 
dann abschliessen und erst wieder Mitte Januar beginnen. 
Heute abona no ohte ich zu Ende kommen mit dem Kapitel de» 
"am kodausch" des heiligen Volkes, des religiösen Volkes. 
Ich habe Ihnen einen BinblioR gegeben in den Qrundaufbau 
vt>b der Anschauung des Judentums. 

Ich darf vielleicht noch einmal den Gedanken 
ins öedachnis zurückrufen, den ich Ihnen schon zu Anfang 
ausführte. Ich habe durchaus nicht die Absicht, Ihnen 
irgend etwas über das Judentum zu beweisen, sondern ich 
beschreibe Ihnen das Judentum ao, wie ich es sehe, wie es 
mir erscheint auf Grund meiner persönlichen Intuition. 

Ich gehe um dieses Judentu;; herum, um es von 
allen Seiten zu besehen. , Das bedeutet nämlich; Man muss 
das Judentum in Be^iiehung setzen mögliohstzu allen Seiten 
des Lebens, mit denen wir in Berührung kommen. Denn 
nur das, was wir solbst erleben, was von uns selbst in 
unserem Leben geilärt worden ist, ist wertvoll; was man 
nur in Begriffen weijs und was man nur von einer Seite 
aus betrachtet, das ist eben nicht vollständig geschaut. 
Darum versuche ich das Judentum von allen Seiten her zu 

beleuchten. 

Zuerst habe ich Ihnen die HiaLlen angegeben, aus 

denen die Ken tnis des Judentums erwachst. 

Und dann in einem zwei ton Kapitel habe ich Ihnen 
dargestellt, dass Judentum grund«aüzlich zentralreligiöser 
/ Lebensstandpunkt bedeutet. Es gibt ausserhalb der religio 

i 

' sen Betrao itung des Judentums überhaupt kein Judentum. 
BS gibt wohl verschiedene Judentümer, aber kein Judentum 



ri 



- 2 - 



dass niohi. irg ndwle zeutraireligiös gobundön ist. 
BS ist nicht gesagt, dass zv;isohen orthodox und liberal- 
religiös ein wesentlicher unterschied besteht, denn 
beides sind grundsätzlich religiöse Auffassungen des 
gesamten Lebens überhaupt und g'ttgebundenes Leben 
jüdischer Menschen. Sie sind gleichd^iu die Wurzeln, 
aus denen alles Judentum herauswächst. 

Dieser Gedanke ist natürlich eine Behauptung, 
die unter Umständen üem einen oder anderen vielleicht 
noch nicht einleuchten wird. Ks liegt in der Natur 
aller dorartii^n Qegönstuide, die man nicht beweist. 



die tan nicht logisch 



I' • 4-# i^* « -• 



k mathematisoh auf- 



baut, sondern die r^an beschreibt • Ijass man sie erst 
voellkonmen vorsteht, wenn man auch das Spatere weiss 
und vurs-.anden hat, erst dann hat man die gesamte ueber- 



schau. 



Es liö^^t in der Natur menschlicher T)arstellunr'«- 
fähißUeit, dass man das einmal Gesehene klar bewusst 
aufnimmt oder linear darstellen kann, indem man einen 
grossen g eistigen V/eg zurücklegt, und dadurch notweiÄg 
immer wieder auf diese ZusaTmienhänge eingehen muss. 
Der Gedanke ist in den 5 Abenden schon deut- 
licher ge'vorden, dass das Judentum dln typischer Weg 
zu G'tt ist. Ich habe versucht, Ihnen darzustellen, 
wie das Judentum aus der scheinbaren Menge der Vor- 
hand enun Typen sich heraushebt als ein ^nze bestimmter 
klar ersichtlicher Vfeg ins Metaphysische; So deutlich, 
dass ein jüdischer Mensch ohne weiteres an dem Schema, 
das ich Ihnen von 8 Tagen gegeben habe, nachprüfen kann, 
ob er ein jüdischer Typus ist oder nicht. Die Typen 
lassen si.;h nicht miteinaoider verquicken. Es gibt 
wohl eigentumliche Verstandigungsmöflichkeiten über 



/l 



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- i - 



w • 



das i.ewöhnliohe Majs hinaus, wenn aber üich jemand 
in seiner Entwicklung als klar bestimuiter Typu« unter 
allen Umstu,nden als Jude er.. eist, kann er sioh nie 
zu einem ohristliohen T^^pus entwiokel-en. wer Ö'tt gegen- 
übertritt aurch einen Vermittler, durch einen reli- 
giösen Fuhrer, ist ein anders gerichteter Mensch als 
aer jenige, aer G'tt ioant/r nur unmittelbar gegen- 
ubertreten kann, und alle ai .: jenigen i-enschen, die 
innerhalb aes Juaüntums aen weg des Vermittlers gehen 
wollten, sind vollständig aus a&a Juaentums aus- 
geschieden, üs iat ausserordentlich interessant, 
unter diesem Gesichtspunkt t stzustollen, dass immer 
wieder Versuche gemacht werden, ein Vermittlertum 
einzuschieben. Bis zu einem gewissen ü-raae linden 

• » ■ , ' 

wir aiöses auch bei dwu Chassidiömus, der bekannt wurde 
uurch die Arbeit von Martin Bubor. In g wissem Grade 
scheint es manchmal, als ob der wunuorrabbi eine Ver- 



m 



ittierstelie einnehmen könnte. Wer ein gewisses 



> ■ 

Fingerspitzengefühl in diesen Dingen hat, der karji 
hier gonau nachprüfen, wiö manchmal in sonderbarer 
Amt una Weise dieser g^nza zusamcienhang ins Schwanken 
gerat. Icli führe aies an, um aie Verbindung mit dem 
Leben zu iäuchen._^Die Hervorhebung aes judischen 
Typus ist nur eine Vorsture zur Kiatung. 
Zuerst habe ich versucht, die foru^le Schilderung des 
Judentums deutlicher auszurühten und bin dann über- 
gegangen zum Begrii'r des «am kodausch", des heiligen 



Volkes. 



ich habe die Frage beantwortet: Woher kommen 



die Juden rein körperlich? 

Die Behauptung, dass die Juden - wie es von 
versoliiedenen Seiten b ehauptet wird - eine Rassege- 



- 4 - 



toöiiiüohal^ sül, kann nie t zutroxTeiit una %ira von 
ddu laxuttigi-u buch nicht aurüOatidlt. Zoi^v In don 
lu».i»aoiauidfebu«hcrn, dio n»*uording3 auch in don schu- 
len liütiuLdt vverden, r^ird vttr^oliiedünw ioh vlie 
Foßtstö: it;ur.^ geoÄcht, dast? das «Judwitum niciUL ülne 
Easae üöi, iionaorzA öin Vulk, datüs aut* verschied n n 

Eü iöt ganz dautiioh i'Jr den, der gesühioht- 
lioUe Zuüau. 0r.i1.iUg0 liberaieht, d-.ßu die Judon tat- 
3a.ciiilch ein Volk aina, daa aua den vor-oniöv* an 
iiaöäöa bastüiit., aife da ubtechuupt. göb«u '.;ann. Vi-1- 
luioht £.ibt öJ ..beruaupt köinen Rasaßtypus, der 

« 

niuht iO. Judötitum «-utlaitm w^rfc. Ich wäiüs es 



nicht, «ia kotiJtt fs Kun, daiis alldießö lier-echen 

auö dön v«rschiödotiüu s.nc;fcrüxi li&fcjön ^wtad© ;:^a 

Juattni-um göü^uaccii tduat, und i.iuLt zu anueron. 

iwß ist ijaui aorkwuraig, dt.CJ3 ec nt'ben aen vorachieden- 

i'arUigöii Juden, don ohii.tsiychon Juden in Uonan, 

aöii ti iöoh fliüngo^iisoLten kensoien, d©n rallu»chi schon 

Juden, den ü«i»war:ien Judfcn, in ailtiriiöuslßr Zeit 

nach uüci Berich« tiineü amerikaniüchon Arohaoloj^en 

itu Faciiion^latt, auch indiMitsohe Juden gibt. 

Hier liwgt dor Fall b aonders ia*rkv.uraig, S« wurde 

aber üu -seit rühr n uouue aböm iinw Thöüriü zu ont- 



wiijköln, die ihaon in Bozug auf die n^riiunrt der 
iiiuiaiiischun Kultur Aufaot.iUiJö g^bon wi.rde. Es iot 
jödeniuliö üi'runaichUiüh, daao lio Juaen ein Mi soh- 
vol^ sind in Bezug aux' die raaaiauhö lleriainit. 'ft'ae 
Bind sie aber nun geiatigV In aer uöb^rliul'erun^ wird 
ea «i.lipp uucL klar öchaiton, da*»» wir die JJachkoaaaea 
Abahamd ßiud inn-chalb d:s goiatigen Judsntuma. 



wenn z.B. ein Proselyt zum Judentum konunt, dann bekommt 
er einen j üdisohen Namen, ebünso wie ein Niohtjude, der 
zum Judentum übertritt als"Ben Awrohom- bezeichnet wird, 
was eine unmittelbare VerHiniung übor Jahrtauaendo 
hinaus zu Abraham bedeutet. Diese Lehre der körperli- 
chen Abstammung wird ganz besonders stark besiegelt durch 
den Bund Abrahams unter dem Namen: Milah = Beschneidung. 
V/as liogt hior Merkivurdiges vor? Es gibt eino Lei.re 
im Judentum, nach der ohne diese Aufnahme in den Bund 

» 

Abrahams ein Jude nicht Jude sein könnte. V/ir wisüen 
auch, daes die Zu/.ehürigkeit körperlich bwsiegelt wira. 
Bei der Aufnahme eine Knableins in uen Bund spricht man: 
Du sollst aurch poin Blut leben, IXirch dieses Vergiesaen 
des Blutes, des ertl. auch eine Lebensgefahr Jars ollen 
könnte, sag^t man: IXircli dieses Vergossene Blut sollst und 
wirst lu leben, ras liegt hier zutage? Ss ist eine körper- 
liehe Versiegelung ein© geistigen Qehaltes. Nun rausste 

* 

ich Sie zum ersten Male auf einen eigentümlichen Umstand 
aufmerksani machen, den icjh Ihnen .)©aoch als Abs^hluss 
eines besonderen Kapitels beantworten möoh-e. 

Zun&ohst will ich Ihnen eine ganz kurze Antwort 
darauf geben. Wir sehen nebeneirnnder Qeisxigea, oder 
im Judentum gefasste Menschlichkeit, sowie körperliche 
Bindung. Was hat df^is eigentlich niteinanaer zu tun? 

Stellen wir uns einen Vater vor, der sich per- 
sönlich zu einem charaktervollen Ivlonüchen herausge- 
arbeitet hat. Wie wird er versuchen seiner eine Ethik 
seinem Sohne zu übergeben? Der Vater wird höohstwahr- 
sehe inl ich wie alle Pädai/ogen, die zum ersten iv.al vor 
ein© Bulche Aufgabe gestallt sind, sagen; inaem ©r i^i±. 
seinen Sohn vornimmt: Bs ist ein© Grundlage des ge- 



- 6 - 



samten 



«vf ff 1 §<r. I I 



Mens che ntuma, dem anderen zu helfen« 



Er vird mit vielen Worten seine ETthik darlegen und 
eines Tages das Merkwürdige entdecken, dass der Sohn 
die Worte gehört hat, aber die Taten nicht ausfuirt# 
Der \^atjr hatt. vurausgosotzt , da^^swenn man etwas 
sagt, oö auch getan wird* Uan mu^^ aber eines Tages 
aus eigener Erfahrung erkenhen, dass Menschen nicht 
das tun, vras j^iosa^t wird, auch wenn man ^s 5 mal wie- 
derholt, wird es vielleicht i-^Äum gehört werden. Wer 
nur Mit v.ürt-n deu andoru etwas lv?hrv3n will, wird 
elLOs Tagos zu seinem grüssten 3rs laufen erkennen : Das 
V/ort lehrt nicht, sonäera nur unter eincrr ganz be- 
sonderen Konstellation* 

Z.B.: äs bronuen I*ampen. Die^e Lauipen 
kann man zur Kraftaus Strahlung bringen, v*enu man 
an einer ganz# bostiiaiAt on stelle einen Hebel berührt. 
Wir man einrach an die v/and drucken, so v/orden die 
Lampen nicht roagieron, ebenso an keiner anaoren 3tei- 
le, sondern nur durch den auslösenden Hebel, der in 
einer jinz bestimmten Konstt^llation den Kontakt her- 
beifuhrt. Aber diese i^eltene Möglichkeit dos Kon- 
taktschluüses i;jt umgeben von einer Wüste der Nidit- 
möglichkeiten. Alle diojunigon, die mit der Pädago- 
gik anfangen, beginnen mit dem Lühren vun Worten. 
Bin Beispiel, das Ihnen uhn^ weiteres dt^utlich vor 
Augen rührt, was ich meine: Wenn jemand z.B» in einer 
Qrossstadt nervös geworden ist, was wird man tun, um 
ihn zu heilen? iä.^ hau keinen k.weck, ihn in aar Grross- 
Stadt zu lassen und ihn mit Worten zu heilen versuchen, 
sondern man muss ihn in ein anderes Milieu versetzen. 
Da er im großstadtischen Loben krank g eworden ist, 

80 wird er höchstwahrscheinlich nur wieder gs- 



/ 



- 7 - 



vf-ü 



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\-\ 



Sunden, in öiner Umgebung der Huhe, in der leben- 
digen Frische grüntoder Natur, ä»» ist nicht mög- 
lich, dasö man eine Heilungömethode so ohne weiteres 
aus uer Westentasche üiehön kann. Der beste Arzt und 
Pädagoge vlvi ohne rorte einen sulchon Menschen 
in ein anderes Milieu verprianzen « ein pädagogisches 
Mittel ohne Worte. Die Mil-eub«eini'lussung ist das 
erst« pädagogische Mittel überhaupt. Das Bltern- 
hauö ist aussonlagjebend für die üharakterg. stÄltung 
eines jeden Menschen. Hicht durch die v;orte dt;s 
Vaters oder der Mutter, sonaern dudurch, aass llose 
eine ganz bestimintas Lebwn gestalten, wenn aie 
Eltern -u dem Rinde sa^^en: m musrt die v^ahrheit 
sprechen und -^ines Tagos merkt da& Kind, dasa die 
Bltorn anders handeln als sie sprechen, dann sind' 
die Worten ve -pullt. persönl.oUes Beispiel ist das 
beste. wenn wir aieses übertrafen auf aen Raiunen 
tinor aeiaö irß cuait und den nahmen der r.enscliheit , 
ttanni üt es unmöglich, da s Jone ungeheure meta- 
psysi3che Verbinaung nait dem (Jüttlicheu erhalten 
werden könnt^e durch raino Bügrifi'sroraulierung. 
ist absolut auJguschloHsen. Ueber die Frage, wie 
es geixiacht werden Idinnte, möchte ich heute aDonci 

nicht sprechen. 

ich möchte aber aux ein^^n Punkt hinv/eisan, 
dem zuliebe ich diese ürörtccung ausgeschlossen habe. 
Die Miiah, die Beschneidung, ist eine unerhörte 
irdisolie Bindung ewiger metaphysischer Beziehungen. 
Der physiker weiss ganz genau, dass er mit stiuor 
Apparatur unsichtbare Strömungen langen kann ui.d 
sie in Srscheinung zu bringen vermag. So kann der 
Jude ewige Ströme Tangen in ^anz besonderen Arten 



Das 



8 - 



,A 



von Symbolen. »Bin soloh gevraltiges Symbol ist die 
Besuhneiclun, . Diesen öedarik.in ku.nn ich Ihnen noch 
deutlidriür machen auX' Grund von Erörterungen. Be- 
uenlien Sie dio Gefahr der orgiaetiscU n R> üi^ion, die 
das Judentum örbarmuni;sloß beliumpfto, da sie mit 
dsr>. Mord verbunden v:ar und koin Littwl zur Srhaltung 
sondern zum Zerstör on bot^ Die Jud n sa.gcm niüht: 
LS.U zirzoch: Du sollst i-iioht morden. Nicht t:oll 
df^s blut niessen, der Blut vergossen hat, sondern 
sie vollzogen eine Bin'^un g durch las Blut. Di© 

orpic.stische Reli ion ist verbunden nät dem seKualis- 

ein/ 
mus. Die Beuohneidung ist/so döutJioh.s Symbol da- 
für, dass dai-, Judentum nicht an den lIaupLgrunalf,ge 
des Lebens vorbeigelit, an der das vergangene Jahr - 
hundert einjTach vorbeiging. In der Zeit der 1 über- 
tat finden junge Mensch n isxttsf, hauiig nicht das roch- 

« 

te Vevstanduir. Mar. sollte über diese Dinge dann 
nicht reden, ^jonrlern liober schweigen. Diese Vor- 
gänge sind starker als alles scheinbar iiesthetische, 
was die Menec! en bindet. Dt-s Juaontum geht hieran 
nicht vcrbei und hat durch dies Syaibol ^edem ein- 
deutig gesagt: Auf diesem Oebi-st bedeutet Aiiß- . 
Schweifung seelischer Tod und späterhin die körper- 
liche Vernichtung des Voltes. Die Geschichte lehrt, 
dass hieran grosse Völker zugrunde gegangen sind. 



Dieses wird i.iu.9r so bleiben. 



wie las Zitat 



sage; Der weit Setritbe, erhalt suh durch liun^,er 



und Liebe. 



ras ich eben ausführte, s.eht im bejuüvieren 



.. o 



ZuaaiixijiöniAang Kit dam ae^rifi^ des ^»aia kodausoh' aeo 
h>.-iligen Volkes • TMiS Judentum v?ill fortihaltou vom 
Orgiaaruus« Hier b^^giunt aie geistige Ilultong^ und 
Jöder^ -ior üiuh di^öw^r üinaun^; unterwirrt *ritt dan.it 
ein g«ißtigöß licbe^ die Löhre uni^ereß Vaters ivbraham 
an^ in Verbindung durch öin Körper lioh^ß Zeichen. 
Hiiir liegt ein Myateriun^ daas man weiter nicht mehr 
eri laron kani-# Aber i>w v ird #8 um.» Juden gtilcK:rt: 
Das ist dar BunA Abraliams* !)a abc^r Abruham alle 
Beim? liauügenoiiSön in üieöen Sana einger rhct iiat^ 
sind cic nit iho: verburiueh worden^una Dieu;and ar^n 
genau wiesen^ ob er von AbraUam absta t o ter von 
eine» aer Uaa«g6r.oaat)n^ die dan;als zur HaaS|^^ n* 
ßc..art voa Abraham gehurt hftiMin* IJicht diu rassln - 

massige Zuger: Jri;:.kvlt ißt aiisscVilag^-oband, sonlorn 

. " ' ■ • . • ' ■ ' ' 

die geiötig^j Bindur^g durch körperliche ünterwcrrung* 

In die«em I/unkte darf Kuropa sich an uie Bru^t :in- 

liuLlagen, und wir Juuön sind mit iaien Tu^:ender: und 

iiurupas/ 
VorZugen/unu/da it auch citalicn P Llern ver..nüprt und 

mit der europäischen Geschichte verband n* Ich 

brauche es riioht -.v eiter außzuTuhrun* In dem Funkte 



süss ;ran rtanchxal eine i:*;-ere ^chan^. 



woiprinaen^ 



Bnd ich fc,laub« nur eino Andeutuni; rEa:jhen zu müöscn, 
wie deutlich hier aui' cti göo; Oebiete Schulu und Sühne 
mathemat seh gewissenhaft in-einanaergrt iren; aller- 
dings auch die »ohatlgond^ die nie etwas mit denen 
zu ton iiatten, die aur diesem oe biete sündigten. 
Diese abramitiso .e Aufgabe is^ in einor ^anz be- 
sonderen Art und Welse ü Verlierer l worden, bis sie 
zur Konstituierung des ••am kodauöch« fuhrt. 
Und ich möchte darauf eingehen, weli diese Frage in 
unserer Diskussion manohzual eine Rolla spielte* 



• 10 - 



Diese Auüäb© jLbroiiams v.'urde von ceiuem Sühn isaak 
und apäter von j£.ku>. ülJ^rnoiTimen. Abt»r üuitob hat 
dmo Aui'gabo nicht airä*t sunuern indirekt über- 
nüimen. Jaüob hat man dadurch als eiueu Botrüger 
hinbestellt, weil ör Ssau av ctio Kr«tgeburt ge- 
bracht hat. Veun w .r aie Behauptung aurstolien, 
cl:.3s der Bögrüi aöS "an. ko.auöch" uirdkt aul Abrahaia 
zurüc ^-ht, so mü:^sen vir xülgond..s beruckaichtiga . 
Ksau iJt ja nit Jakoo vör^andt gev/oson. Kr w^i-r ßöin 
Bruuöt. Trotz ui-ü-r biatöi:i;.3Siü"n Yerianritsciiart 
herrachten zv^iüchvm buia.>n -Ine owige ?»:iinasc;hart. 
Las Blux. verbindet nicht nur, sonaürn öb kann auJa 
UB n..xich tremien, tifcnau wie ©s kein© gross. ra Feind- 
ac^xX c«hen ka^ji alu i^c-^radö unter Blutsverwandten. 
yxü Mörk'AÜrdlt,^ im Judentum ist, aasi; aie^e Vorgang© 
von ja.hri.aus^nden un.)ä ualbar übertrafen wuraen auf 
die OöSchichT.e der Juden, die. Foinosohait ü..i-chen 
jaküb una ^sau war ursprünglich eino ganz personlichö 

und wurue späterhin übertra^^^-n aui dae Bild des 
Ka...pfeö zwischen Juaen unj Römern. JJ^s i^anz* Kl ttl- 
alter hindurch wurde Eoai bezoichn-sio als Bdom, das 
iöt der J*am'. für fisau. Hier riugt alno Juda mit ^i<m 
um J.eo..nßmo^,lichk. it. Dör Dichter Heinrich heine, 
den ich ;3Ch..n .einmal zitierte, jor.er jüdische uiohi.er, 
den die Tragik veri'olgte, ha^ rolg.^ndes laeinos (>ö- 

dicht geschrieben: 

An Edom: 

•i n Jahrtausend schon ;na IsiJiger 
dulden wir uns brüderlich. 
Du, du duldc^ßc, dasa*^ ich atrae, 
dass du ras«st dulde ich. 
t,anclut.al nur in duitlon Zeiten, 
war dir wunderlich zumut 
und die li sban trovs^QnTi^^yUu^i. 
färbtest du mit deinem Blut, 
jetzt '.7ird unsre Freuiidsol^aft f-ister 
und noch täglich nimmt sie za 



- 11 - 



uonn icii ß«ibüt beginn» zu rae^^n 
und jcli . erdö raat wie LU." 

ES Ist der K.Bv.ir zvisohen J^Kob und Süau, ui.d soloh ein 

0«4ioht ir^ ^«ituiter d»:»r I.k;:anziputior. ist höchst a;eriwur. 

alg. Hüenn ioiia olbat ..ütii»-'-* 2u racün una iuU v.^rde rJiöt 

bald/ 
wiö lU". Diu Jad^n werdtii ti^nau so vasond wio die aar^lige 

lügfebunii. K;^ ist dor fö-mplT der oatoriali et lachen Velt- 

arnjehauu' .,, nit den orgifc-ctio. hen P.eli; ior.ön, dio diö Lloriaoh- 

helt v.^rr.iohtet. »»• aber lloitie empiaud i.t liicUwS wuiuor 

alB ein Vorrat ntx Bt^grii'f do» Am Kod^;. ti^ch, dar ri^iliten 

Lebwutibu^aiiuritj d«»r Ju4«|N« Br gab dam Godioht t)«wu8St dto 

üeberschrift:"«.ii Bdom". 

"Per Srstgüborono h:i'Uto im Orient daa 
Vorrecht, vom :*b0 dos Vaters 2/J 5:u u.prant,ön. Die L\.bri- 



tron crhieltt..n üt^u Rsttof 1. 

Üm jcküb lau .jrBtc« hurtar^^cLt ericauite, 

«ftnr. iBüscto tsau aui* den ia.;.teriollöti Krfol,, vör;,iüiiten. 

au hat iir. Au-ferblicA dön Ifarigors, al« or von der Jagd • 
Itaft, an divse lai£;aü - niola godauht. ^Diozi.^ uebdrletiung 
Ist ihd -rat ö, itor gti.OBinen» denn er sagt:".venn ciein 
Vat..r tud ißt, werde ich raeiren Bruier era. blasen.« 
V,'Jnn jahob 3sau hatt^ bettögen vrollon, butto er d»n ihm 
zuBtchendon Vorteil ^jpltc-nd geaftcht, jedoch L-^ite or nocU 
nicht eiruual V«rt aui" das ihc zuatchcn'j© iiXbe, aur das er 
auch ohna Krstgebu rtcroch Anspruch gehabt hatte. Alß Jakob 
aaöli öeincv «anUorsobairt ;sur uckkan lie^s or »au sa^on: 
« Mit meinor Familie bin ich auogozogon und bin zur.ckgo- 
koiri...'n mix müinen 2 groöc«n Lagern, dia ich durch Deiner 
Hände Arbeiw orv.orbon habe. Ich bring© ihm ein Oosch-nk 
entgegen, d»» d«a Bruder flauen aoll, ftasu ich aui* das rir- 
bö keinen Arspruoh erhebe. Kh habe soviel wie ich braaojje. 



Esau 



dieses auch an und riel Ihm trotz Pein- 



- 12 - 



ßchatt uri den Hals uUu. hUsbte ihn* Er se.h ein^ 
da^s OÄ ein irrtuni aoiaer Ueber::eugung v;ar. Jakob 
hatte keiiiesralls einen r.aterifellen Vorteil errei- 
chen wollen, dciS ii-t hieraurch klar erwieson* 
Er war vielmehr der Berufene, das geistige Erbe 
ßaint3ß Vaters Abraham .tnzutrütan. ';?9r hat ihn 
denn nun verleitot, 12sau den Erstgeburtasügun ab- 
zuliat-m? D^-s 7/ar neine Muttar* Hiar spielt wie- 
der ^anno',1 eine jüdisoho Frau eine uu^rhür^a Rolle# 
Als Mutter liebte sie beide. Ab >» R^beklia war mi^^hr - 
al'.5 eine Wuttört Sie hatte die Fah.gkeit, das 
Bv;ig^ klar ^u erkennen* Sic ar kannte alü einfacher 
Mensch, d&s.> Jakob, der äeit seiner frühesten Jugend 
in ß einem lelt v;ohnteuiid iannc^r im Miarasch lernte, 
der eigentliche liac^ifolger des Geirrtes war, den 
Abraham in die ^elt gebracht ha te. Jakob lüucste 

IL 

c4nr^:.ch der Nachfolger v erclei: und den Segen be- 
komrien* Ein Segen ist nämlich kein Wert: Er be- 
deutet unerhört viel. Als C: au aleo von der Jagd 
kaiü und schrie: Vater^ ha::t Du keinen Segtn mehr 
für mich! Da sagte Abraham: Nein, ich habe ihn 
deiner. Bruder gegi>ben# Segen ist .:ein Wort; hier 
liegt eine unerhörte Kraft, und man urKenut das 
vielleicht: am d eaulichuten an Qugen;ruuck, am Fludi. 
Q' ut hatte nauüch zu Abraham gesagt: Diejenigen, 
die Dich fluchen, werde ich fluchen, und die, die 
Dich segnen, werde ich segnen* Die deutsche Ueber- 
Setzung ist falsch« 

Ab er '^i oh werde fluchen^ die Dich fluch en«»* 
Im Hebräischen versteht man hierunter etwas anderes. 

Mekale#lcho meaur. Kai heisst leicht und kile 



/ 



- 13 - 



leioliter uÄühen* Die Juden brauohen als Ausdruck 
tHjt rur Siiro « koivud, wf.s in uer direkten Ueber- 
betzuiig "3chweiö'* büdeuLot^ diu Eiire^ die einten 
Monusciun schv/er macht. Mekalel heia t Ehre 
aböchnoiden s 1-, iüater n'6.v.hQn. In dem V/ort 

* 

verriüicaen liegt oraur, deaatin Starrm ist or = 
leuchten oder Licht. Der Fluch besteht darin^ 
dv'^.Skj ein Mensch es v;agt^ die itraft^trüme des 
Guten unheilig /:u berühren« Durch Blitzes- 
schriello vdrd er f^inge hüllt in dui^ Licht Gattes 
und v/ird daran zugrunao gchen^ dcim kein Mensch 
scliaut a^tt und bleibt am Leben. 

wer Dir aeino Ehre abschneidet^ den werde ich 
zerstören» loh üb rgebe Dir einen Schatz, spater 
wird es nücJimals beim Propheten jerimia wieder- 
holt.: Ich mache Dich zu einer eisernen Mauer, 



4^ 



u einer testen Stadt. Sie werden nichts gegen 



Dich vermögen. Da bist vor. a»tt bestimmt, einen 
^eg zu gehen, der das Böse ausrotten soll, damit 
an seine Stalle das Gute kom t. Nach Deiner Kraft 
geht es nicht, s ordern nur nach Deinem Glauben, 
denn es ist eine göttliche Senkung. 

rie::^n Glauben an eine ^jöttlidie Sendung 
hat Ksau nicht gehabt. Er ging hinaus in den 
\Vald und sch^ss die Tiere. Ihm tat es nicht leid, 
wenn ein Tier angesoliossen wac und verblutete. 
Jakob konnte es nicht, v/ir könnten uns unmöglia 
vorstellen, dass er ein Tier verletzte und mitansah, 
wie es langsam zugrunde ging. 



- 14 - 



Usau -ar nicht gooiijn.^r, für die -^ollandnn^ der 
iB©tapi;yai sahen Auigabe. Jakob rauhste dies© Auf- 
gabe durch oir\cr\ Ur.;v. m: lib^vtnohjriön, durch .Jonas 
Sreignia, daa vielumstriiitön ist umi dio Mönscliön 
niöhL begröifen Können. Jakob wM^^to d iö iUlschen 
vittel die ör T r'^H"«-«^ ividor seinen Bruder bt^nutzte. 



öpauori.in auuhwiel^r büasen. Br hat es auch 
selbst gessgt: lichvroror, habe ich er j eben ruiif.»©!!. 
Soine Lieblingai'rttu nahel, um aio or 7 Jahr© die- 

•f. 

non musste, ist ihm gestorben. Josei ist ihr-i ge- 
noMPen uu<i es drohte in- Qc?r Verlust seines Sohneß 
Ben^&.min. Sein Leben, das auf diesen 5 i^-enschen 
beruht, wird von ini;en her zerrissen. Daß ist die 
Sühne rür die uni'aircn kittel. Aus diesem Fampl* 
steigt harvor für das Judentiun: Jisroel, der 
Otttesluioiprer. ^a v-are adiöner ge^vesen, wenn 
Jakob ohne Fehler ein Sn^ol gewesen wäre. Jedoch 
wäre das dann nicht dcis Leben gev-esen. Das Leben 
* ist (?twas am eres. Was muss inan käoipfen, was 
Überwindenl Uier iß- Jakob der^jenige, der sich 
überwunden hat. Slvef = derjenige, der von uer 
Ferse Uer kiuipi't, aer v.n hinten hör versucht, 

seinen V/eg zu räumen. Und er wurde ein Jiaroel 

er '' 

weil o'in-jt ttäiapron aollta wie 3in Purst. Er 

sollte rät orfanam Visier liiampren .vie ein Fürst, 
denn nun yj..nr,tt er in Lichte CJ'ttes. So 3eh«n 
wir in Jakob unseren eiiiontlichen ütainnvater mit 
Eecht. Ssau hutte seine Aufgabe nur verschlampt und 
verschmutzt. Jakob musste sich eben durch alle 
Höhen und Tiefen zu seinem Leben hindurchkampren. 



• Ip • 



An s einuü Lobonßa.bond hatto oc koinen anderon 
V.^anscljiierr, als jnsor noch oinm ;.l wieder 'aißohon, 
don Solin seiner Frau^ ui. aio or 1^; Jahre lang 
godient hattö| darui wolltü er sterben, as i;j"t 
ein 77undervol-.cL: Bild: v/ird dor llGnsoh goboren, 
(xi\.nxi ama dio Pingur zur Fa-ict gobcillt, dixz 
Zeichon dor l'aohtor^^oirun^: alles üoll mir ge- 
hören. Wenn der I/.enr>eh stirbt, dixija sind die 
llaiido au.3gobrei;.ot. Aliea ii:>t oitül, allojj hubon 
Y/ir hor^^egobon* v 

Co musö noüh in Druuia bocchri^ ben v/erden, 
da.s deix MuM.ch^n Jakob darstellt* ßs kann aber 
nur bosc/.rieben i;:erden . it aen v.orton der B-bcl. 
Wenn ich eine B-^tte an Ciü richten dürfte^ dann 
lüj:;en 3ia d ocli bitte einiral in einer de^utachen 
Ueb rsotzung diu Joscis- und uie «^akOüSgeschichtei 
iuöbaöundc^re di^« hurrliohu Gescnichte, wie die 



Bruder mit Joaer zu^amn: entrelTon, Joser sich zxx 
c^rkennen ^ibt und Jakob i:ur B^grüssung kOMitt 
Lw'ider iist es heute unsor G-esohick^dass die meisten 
in literarischen Di gen vordor^onsind* Es gibt 
zu vi'^1 .- Dichter^ die das Thoma b handalA: '*dass 
zwei si.-::!^! lieben und an !3nd9 kriegen^* ♦ Lesen 
Sic- eiriTüal die joGOxsgv-schiohte^ in dor die ^n^e 
öoh. ere Problematik de^s Mensclilichon Leben;j dar- 
gis teilt \7ird und ijie \7w^rdon dio ganze jchoiJ^iöit 
kdn;s tierischer Ghi^staltung achten »uansciüichen Er- 
lebens empfinden* Wem treten nicht die Tranen 
in die Augen, an der Stelle, v;o Josef sich seinen 
Brüdern zu erkennen gibt« Sie erhalten dann einen 
Begriff davon, dass in dieser Gestalt Jakobs im 

Tiefsten ein une4ndlich reiner Geist vorhanden 



- 16 - 



war, der überging aui* seino söhne und sivh auoti ©mpor- 
kampl'ön mu^ate. In diüaüm Zusanmonhang aiJdilo iotL 
Ihnön rdg-naö Güscuichtö n. ch"^ voran üi:».lton. 
Ja. -Ob hatte eino Toohtwr. Sie ^irg einmal epazieren 
und ..'urde daboi von dem Sohn des Furzten N. gefunden, 
und er hi,t ihr Gewalt angetan. hTc hielt dann am 
ihr« iiana an, jeducii uagto Jakub .ein vrort. Abor 
die Bruder sagten: '.l'ir könn^-n unsere :ichv,ostor kainom 
Kann gobeu, an aen nicht die Bo-sohn^iaun,.; vollzG, en 
ist. Der FürtJt er.au,rte sich boröit, an sich und 
ceintn "Jnt -'rgebwnen die "^iia vorneiiiaen i:u la^iion. 
Am 5. Tage, als i^io nun an hefl^it^en jcLmorzan dala- 
gen, übai*iolen (li^ beiden 3 >hne -lic 3ov;ohnor von 
ach. und Liacntcn üi -3 niod-.;r. Alt; Jakob üics hörte, 
sagte er: I;.r habt mich stinkend gernacat in aic- 
aetn Leben. Und noch aur ^oin^iü jterb«bette fluchte 
er deu Zorn seiner Söhne, trut2dom Die erwiderten : 
Kai-n man einfach liier unsere 3ohv;es er herfallen? 
Und 3ol_en wir sie zur BühlL,rin herabwürdii:en lassen? 
Die Br^.dcr seilten ai. lihre ihrer Uchweüter retten. 
Die Atii-usvharö ui -ser ü^b^^rlief erung isc von einer 
c'r;jchruckcuden iAimyfhtjit und üo^^r von wir.em r,cnmutz 
Gri'üHt, de« einen kjohaua rn macht. Trot^üOL: ;3^eht 



Q 



s in der xiibel, aenn un;^üre bitoel is^ kein liauli 



von Engeln una Heiliger: sondern von ivlenucen, in 
dum ä.llüiJ rein Menöühxiühe und Triebhafte, das über- 
wunden werder mauste zum Vorschein Aomrrx. Man 
darf nun nicht glauben, das.. die Zugehörigkeit zum 
am ..üdaueoh ein gezwungene sei. kankann di se Zu- 
gehörigkeit nur erkampxeu. i.:an muss manchmal durch- 



- 17 - 



vaten den Sumpf des Lebens und die Niedt^rungen seiner 
ui;:enen Strünunren. Ivjtiu dui'.s kciinpi*en gegen s tJ h 
unu andere und diu Bibul Züigt uns, v/ie Koa-cihon 
kJxiii|j"uii ffiuauten.venn man lu ute die Bibel nou ent- 
avckto, v/:,rdon die Gelehrten übGrra£.cht seir; von 
der unendlichen Lebcrc, sv/ahrh*. it. ulu der ur.c»naliühen 
Beinheit, mit der dieses Leber. £;;i-öcLiluor- >.ird und 
wie ui-an es ubcrv.'ir.at3n r.uö3. Y/fer ai: die Bibel haran- 
g ht UK eijum uecthotisohen aenusß von ihr zu er- 
halten, der muco im ti xsten enttuusci.t v.orden, dem 
kann sio nicht das Troruen, ..aiJ üio iu ..it'lv i-h.i-eit 
i^t: Di'^ 3uüh des Lobons . In den Ausjenbiichon 
dob Leben, v;o Trir ^^l^vi^^^" nicht !::ehr v.ei-.erzur.Önnen, 
rinden v/ir in d. r Bibel zahllosa Gtei: en, dit uiiS 
sagen: V.'ir goheron üum ^-ta kodaujoh, v:omi vir nur 
dazu g ehören v;ol len. " V/onn Ihr ir„ Loben auuh v^in- 
dcrn trüast, rird O'tt nicht goatatton, -Jach :.u be- 
Aus uralter Zsit homrit übor uns eine Sicherheit: 
V/ir vierd-n unseren V/e^j c'"^h«n, ras auch i. c;en mag. 
Wir sindir eine Sc>hr groaee aenieiniL.c .aft uingOgan- 
gen , die iir Oeis'-igon gestaltet v/ird, dem am ko- 
dausch. 3ie ^verdei. nur. auch vorstehen, -a^ der 
be.-rüT an koc'aucch bedeutet. 7/ir Juden herben es 
nicht leichter als die anderen und üinu nicht auc- 
erwahli. zu Vorrechttn. "'eni. unü jerand un^ic^re 
HAusorv.ahltheit" z.^m Yorvrurf macht, dann werden wir 
ihm antworten: Eo ist doch unter Ur.st.inden It^ichter 
kein Judo z\i cein. 7;ir sind das Volk göttlichen 
Ei-'ontuns. "Auserv.-aiiltea Volk" ict ticht richtig 



übersetzt. "An seguilch" h. iij;.t vielmehr: G'tt ge- 
hör- gös Volki 

a'tt hat uns wie unsere Vater in mystisch« 



f 



- 13 - 



Verbiaauug zu siüh .^obracht, l.'i-tna.ri.i kann siüh 
aub aiüüöf üöüiuhung hutaaaJij üen. Si« brauchen 
iiar öimia.! iu^ Lfc»büii hinainzuac;hen,ob« man sich 

kann,olaiö ii.xi.;?rliüh ciajoi z--rbvucaöK 2.U werUun. 

tiur ioii UuDö Such auüörv-Jij t vou ai.luu JTölkeru. Aber 
aucii ]iiür ist di Uebcrs' t:iuiig niciit richtig: 
joaati heibüt ich habe orüÄi&nt. Ifc.3 Judentum heijst 
orkomiWi. iiit. i^iw d.-.rg-^yL'^-llt ala eine eheliche Oe- 
m«iri.-cLai't. Wir sind die Braut und O'tt ist der 
Bräutigam. tJ:G.:i in der sjiaiux-sten Zoit godei'ikt 
ß» tt der Liobv.^ der Jugor.di:.«jit. Ir den herrlichöten 
Toneö bedingen jm die Propheten die Zeit der Liebe. 
Ali jedom /rtiitii^-teud b<.-^rui-afei> wit d^-'n ^abbath: 
Äüüin.',Gh draut! Ler Itsspruch A-.ißS muös riohl-ig 

* 

ub.rL^otzt heiß^^^c: So a*^be ich euch er^cauit und 
dac uj; ä.uad© ich an Euch oiile ear^^ Sunden, iiiö 
hJiJst iu eint, proxaae SprüiJhvi äb^ic-ra^ön; 
Ss giüt x^üini^ ^cÖüÄ^wce 3^iöi.hrx ur den Judon c^ls 
^siuh z\x Il^^^^vl auö ^ein^;! Uirlaph^i^ißchün öebunaeu 



Ich 



halt, loa viviös ^a'^ gc^nau, w^r.© ioh ^a^. 
öpcc'cu. nicht in Bildern. — 

ü^ö aciiuör sagoen^ c^i8 Jüöt?x ins Gerangnis 
^jvvvvrirou -Rurd^': L'us y lud die Polgen unserer Versun- 
d.k-aJi-'tJii. weil wir die L'ot uijaeres Druders 
Scihdn una vreii wir ihn in seinur fJot Vin-^iiuoiinen 



-^ • .c 



^ s„' M^ tM« w n « 



iis iiJt die Frage aui^goworfen, ob auch heute 
noch der l^m^x^tt: des am koaau.;üh xür uns zutrifft. 
Ich kann ihn^n nur indeuten, wa.s ich meine. Ich 
werde in einem anderen Zusaracenhang auf diese 



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Zus;vmp-;enhange noch d'^utlichör eingehen. Man muss 
najniioh, v/önn man dio Waiirli^ait des ßegrlfl'QS am Eo- 
dausoh vt>ii5tohön will, imütande Söin, uieraus die 
Abloitungon für unüor jan..«J3 rerüönlioh a Leben zu 
/iit>ii*^n, v.enu man dioüsuiüht icar.n, wenn Roligioa 
nur otwaü ist, v7a.. uoar ur^s schwebt, aanu i^-t es 
einu unwaiTire Riligi^n. AöligiüU ist aur d.iü, 
was ich pfefsoalich tun katai, öü iat eine Forderung 
der Verwirklichung. ' iKtü i^t die Anerketniung des 
Witi^n Schopl'örs ü'ttitft Welcher Richtung sind 



. 1 



nun aieae Ableitungon zu i.^achun? Man Kann folgen- 



■t '' ■» 



d<js ö&ven: St;, gibt L^yln Gebiet, C.&q m^jn^ichlichen 

"^ der Betrachtung 

Lebens, das aujs.rlialb a.-o ö'ua.ntums und der reli- 

giösen P'--rd.erungen bestehen kar.n. " 13e.s wird recht 

acutlioh iaucii in hAinüt uid ß^s --hiohte, aenn ^s 

gibu kein G^-bi«-t, das nicht untöi doci ^Udischen ,, 

BinAluuii iine b^sond-rre P'a-bung anniin' t. In üineni 



spateren ..wg der' Untersuchung v/^te . larzustelln, vi© 
alle L^-bensf ormer una L-hensget; talturigen unter dem . 

■'.'.•.■ . • • -■-■./■•■;• 

jUdiscliGrA A'ili^M ürschüiiiuu va.rdün. u^ ist em . 
Aufdruck dea 't:^pUö. „i^ ISw du.ki Lobüu i>u g stal.en 
in Uli seinyn Erscheinungon untor den Ford, rungen ; ; 

• »•■'. 'S ... ', . • ■ i ' . . • , ..■*■• 

...... ^ • . • ' . • • . . 

dei;. Juuisch.n Q' tteserl ibnis. 'Au ist die Frage ,. 
•gestellt V. Orden: Ob das Judv^ntum nicht eint- Foraerung 

" , , : ' ■ ■■-,■■■■ " ■ - •■ ' ■■■: « 

l'lir di»^ n-ch^jadiscae .elt ^ui-'t^-st ;llt hat. Ist 
im jua»3ntum auch wiciini Buddhismus .j^ner ubcrstoi- 
gertolnaividualien^us, dor sich im 'Kastengeist furcht- 
bar i-usv. irkt und in doi 7Gr3..ni.ung düs FavLira, in 
dem Aufg^^hen ins Nirwana, seinen Ausaruck findet? Nein! 
Im Ju aatum hau «s aies^n Standpunkt nie gegeben. 
Im t^udentum liegt ein religiöse Pordrung für die 
nichtjudische Welt, Der Judentum ist ein weg zu ö'tt 



o- 19 - 



Das Judentum verlangt 



öir%öFordörungen, die von 



allen Völkern der Erde erfüllt worden müssen, wenn Mensch 
neben Mensch bestehen soll. Sind diese Forderungen aus 



jüdischer Bngheri-igkeit hervorgegangen? 



»:■»«:•; 



Oder sind 



es übergeordnete Forderungen, die manschliesslieh aner- 
kennen muss? 3ö ist uaijserst interössant, wie das 
Judentum Itlipp und klar einen deutlichen Y/eg geht^ der 
vollkommeu ins praktische Loben übergreift, Di ex« 7 



Forderungen, die für die Nachkouimen Äoahs aufgestellt 
w Orden sind, sind die Grundgesetze, die überhaupt 
eine menschliche Q-emeinschaft möglich machen. Wenn 
sie niolit beachtet würden, so würde eine Flut sittlicher 
Verkom enheit die Folge seinl 

1, Die Forderung der Dinim (dass Recht gesprochen 
werden muss) Dieses muss die erste Forderung bleiben, 
die für alle Menschen besteht. Hinter dem Begrirf : Recht 
steht eine unendliche metaphysische Beziehung; es ist 
kei.e ^nge partikular ist i sehe Forderung. Jeder Mensch 
kann einmal in die Lage kommen, gerecht beurteilt wer- 
den zu wollen und zu müssen. Bedera$.en wir einmal das 
Unrecht des Fromden-und des Kindermordes, Hier besteht 
im Judentum eine ganz bestimmte Abgrenzung von den 



orgiastischen Religionen. 4 

2* Die Forderung des BiriJäß hascht^m: Die An- 
erkennung eines Q'ttes. Die Menschheit kann nienaLirS 
in Q'ttlosiJJkeit bestehen. Bs gibt nur einen ö'tc, den 
Q»tt der Erde, der alles in sich schliesst. 

3.,4.,u.3. ES sind drei Forderungen, die zu- 
saip^eagehoren; Av.audoh soroh = Verbot des Götzendienstes, 



i H 



i 



- 20 - 



2* Lau zirzoch: Verbot des Blutvergiesjions. 
3. Lau zinoi't: Die verbotenen Ehen, Unzudit etc. 

« 

6. : Ever min haohajeh: Das Verbot der 
Tierciuäleröi: Dcts Vermeiaen von Schmer zlugung an 
lebenden wesen# 

BS war z.B. Trüher im Orient Sitte, wie 
insbesondere Lehrer GKittmau ausTührte, dass die 
Mensouen ihren Proviant in l^ib^nder Porp; mitnahmen, 
^•a* von einer Kuh in roher V/e^se Stacke Fleisch zum 
Verzehren heraussclmitten, wodruch das Tier natürlich 
sehr leiden mauste. Genau so wie eine andere Unsitte; 
Dass man das Muttertier melkte und das Zicklein schlach- 
tete, da dctö Wasser i^jaapp war. 

7* &esel • • • • Verbot des Raubes, For- 
mulierung des Eigontumsbegrifi . 

Ich möchte an di ser Stelle noch einmal 
betonen, dass diese 7 Gebote keine partikalu,ris tischen 
Forderungen sina, sonaern rein etriische Forderungen, 
paaagogisch-praktisch Tormuliert* Hier haben v^ir 
ein Beispiel, wie metaihysische V/erte^ ins Praktibche 
umgesetzt werden* 

Sogar das Leben aer Tiere ixd dem der Menscen 
gleiohbewertett Liese 7 Forderungen las. ; en d eut lieh 
das ,^üdische Leben erkann ^^n, diesen wunderbaren Orga- 
nismus des religiösen Systems der Juden. Beginnt?nd 

* • " -. ■ 

mit der seh itf tlichen Lehre der Bibel und daran 
rankend die mündliche Lehre. Das Judentum bewegt 
sich aulheiligcxn Boden, der diuse »ligiöse Bindung 
geschaffen hat« 



1 . Religion als zentraler Lebensstandpunkt 



Die Bellgion hatte einmal die Herrschaft in der »Veit. 

Das war im Mittelalter. Sie hatte das Reich G'ttes auf 
Erden schaffen können, nach welchem die Sehnsucht in den 
Herzen der Menschen brennt« Aber die Religion des Mit= 
telalters hatte trotz d3s weltlichen Armes, der ihr zur 
Verfügung stand, diese Aufgabe nicht erfüllt • SJU Es 
triijmphierte vielmehr die menschliche Selbstsucht mit 
ihren Trabanten der niedrigen Leidenschaften. Und da 
die Eeligion iiire ev;ige Aufgabe nicht erf ullite , wurde sie 
mit Verbannung bestraft • Sie wurde verbannt aus dem Be« 
zirk dessen, was die Menschen in Yalirheit schätzten \md 
was sie als Höchstes anerkannten. Gewiss gab es noch 

* 

viel Relision,weil es immer religiöse Menschen gibt, die 

auch in Aon Zeiten schwerster Bedrückung und Verfinsterung 

if ■ ■ 

der Wahrheit vom Höchsten nicht lassen« Aber was man so 
schlechthin Religion nennt, der in ein System geformte 
Weg zw G'tt befand sich in einer gefährlichen Ruhestellung^ 
Alles war passiv, ein Sickzugjnur die Pietät hielt noch 
von der haltlosen Flucht zuriclc* Die Menschen, die darin 
den traurigen Mut auf brachten, diese Flucht als Rettung 
zu preis(^n,die die Heligion als Opium verleumdeten, die 
ein Paradies auf Erden errichten v/ollten aber ohne die 



// 



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■I '* / 1 



/ ] 



Herrschaft des (Göttlichen, hatten ein leichtes Spiel • 
Sie hatten nur die letzte Scham vor der Verletzung der 
\ Pietät gegen Eltern, Grosseltem zu beseitigen; und Scham= 
' losigkeit ist ein gSlZ süsses Gift* Die vor der Religion 
Fliehenden wuchsen zu einem gewaltigen neexe an. Gross 
war die Strafe der Religion, die ihre Stunde verpasste, 
da weltliche Macht es ihr ermöglicht hätte, ein göttli= 
ohes £^ioh des Friedens und des -ienschengläckes auf Er » 
den zu errichten • Sie hatte in der die Wirtschaft ver= 
göttlichenden Menschheit ihren Kredit verloren» Ihren 
Dienern haftete ÜtXK&S ein Schimmer der Lache rliibhkeit 



, ) 



\ 



j 1 an. Die Religion war in den Staub gezogen • Sie wurde 






f? V / 



/ V /, 



\ 



\ 






verspottet .verachtet ,1)0 schimpft. Aus der Be^himpfun« 
w^lrde öina ./iusenschaft. In Äuoesn wurden ihre "Ergebnisse* 
anschaulich zur Darstellung gebracht. Wie rfin Wahnsinn 

verbreitet» -^ich Auflehnung und Frechheit gegen das 

Höchste ,\uid kein Blitzstrahl fuhr aus hoiterem Himmel 

hernieder, um den Lästerer zu z'ichtigen. Wair das nicht 

es 

.o4r. t^/>wp1r :la-Pür . das 3/e in (löttliches gXXlI 



^ 



So dachten die Menschen. Sie hatten O'tt getötet. Der 

der Vemichtting 
Gelehrte hatte sein Verk/mit klugen, logisch fein aufge= 

bauten Schlussfplgerungsn und Beweisen ausgeführt ; der 
Politiker hatte in Versam;alungen mit ihm abgerechnet; 
das Volk IJSÄlMXÄIäÄXfiSI verliess die Cr» tteshäuser 
und f'ihlte sich scheinbar frei und glücklich in einem 
lustvollen Leben »für das nach den empfangenen Lehren 
ja keine Hechenschaft mehr .SffiÄ vor einem Höheren abzu» 
lögen V7:ir. G'tt v^ar tot; es lebe der G'tt Mensch! 

Der .Veg aum Erd^nglück der "Menschheit war nun ei* 
gentlich frei. Die Religion war vernichtet; ihre Diener 
-die "Pfaffen"- diffamiert. An Stelle der Profeten hat= 
ten Philosophen und Literaten freie 3ahn,den V7eg zum 
Glück zu weisen. Alles war bereit. Nxzr das Glück,dessen 
Kommen doch berechnet war, sollte nicht nahen. Sollte 
vielleicht doch ein Fehler tn der Recliniing sein? Oder 
gar viele Fehler? Der »^enschengeist hatte Maschinen er= 
funden. Aber die toten Eisenleiber w-arden aus Sklaven 
zu Herren und vcrdamaten Millionen von ifienschen ziir 
Arbeitslosigkeit, zum Hunger. Die Gelehrten erfanden Me« 
thoden zur ungeheuren Verunehrung von Währung und Gütern. 
Aber andere scheinen vom 7/ahnsinn ergriffen zu sein, da 
Aie darttber nachdenken müssen »wie man einen Teil dieser 
Güter wieder vernichtet ,nicht weil kein Mensch mehr 
hungerte, scndem weil die menschliche Gewinnsuoh* nicht 
befriedigt 'wurde. In dem einen Erdteil starben Millionen 

Menschen am Hunger. Im anderen Erdteil fütterte man das 

' . ^ ^. ^ T ■, «4.<,r«v. Grosse Geister waren am 
Brotgetreide den Lokomotiven. 



'^erke,uai die Unordniing au bannen ,\un den V/ahnsinn z\x be= 
seitigen. Aber wahrend sie mit fiiesenkxäften sich bemüh» 
ten.dem Glück der Volkerverütundigung die Tore zu öff= 
xien ,\vxi.Jh302i dieue Toro vor ihren Augen zu. Die Zollmau» 
em wiirden immer hoher; sie öeschränlcung saxf die Guter 
dti3 eigenen ^andoü inuaer nutwencilijore Und schon begann 
auoh das Kriegsschvvert zu rasüclne Es gab wieder Feinde ^ 
deren Vernichtung höchstes ^ebot vmrde* Der kaum ge» 
gründete Völkcrbimd begann abzubröckeln* Hot und Tod 
schritt wieder Über die Erde. Das erwartete Glück war 
ausgeblieben. Die Menschen fühlten sich ent tauscht. 
Und Enttäuschung ist eine Sprache. Eine Sprache ohne 
./orte, aber deutlicher als jede -^ede. 

7/er si)richt die Sprache der Enttäuschung? Wer 
«chliesut die Tore Irdischen Gläckes mit furchtbarer, 
lautlOüer Go .alt , während die Menschlein sich abmühen, 
die i^ore i^y^isTTi^^^itf offen zu halten? Antworten wir mit 
den .Vorten des Sdngcrs (Psalm 2,1 - 5): 

"Ä^arum lärmen die Völizer und ersinnen Natio» 
nen Eitles? - Es stehen aui* Könige der Erde, 
und Fürsten ^ft>rlj|^**^^^*^'^^^^^ beraten sich ge» 
«jen G'^t und seinen Gesalbten^ 'Wir wollen 
ihre j3aride zerroissen und ihre Fesseln von 
-uns werfen! • - Der im Himmel wohnt lacht; 
der Herr spottet ihrer! Dann spricht er zu 
ihnen im Zo2m,^md mit seinem Grimm schreckt 
er sie*" . 

.Ya^irlioh, alles ist schon ^ewosen iind es gibt nichts 
Heues imter der Sonne! (Eoheleth 1,9). ^Vas sich vor unse« 
r^n Augen in der Vi^rgangenen 2iext abspielte , war dasselbe^ 
vvas seit Jahrtausenden in ima^^r neuen Formen sich wie= 
derholte; die Flucht vor G'tt! Ob mit Lärm oder mit 
der Uctaubung durch Hingabe an ein Loben des eitlen 
Genusses, ob durch Beratung und klug und schlau ersonnene 
Gedanken uad Plane, oder ob mit revolutitoärer Zerstö» 
rungswu/t,- immer war es eine Flucht vor G*tt. Die Men» 
sehen haben sich wie Kinder benommen; sie nahmen ihre 
Hände vor die Av^en und sagten mit ßeziog a\if das GÖttli« 
che; ich sehe dich nicht! lind weil sie nun so weit ab=« 



Irrttn vom richtigen Weg, weil sie die Langrnut Gattes 

als Beweis für die Richtigkeit ihrer Verirrung betrach« 

teten^so müssen sie nun in der V7Uste ihres Irrweges das 

sohreokliche Hohnlachen des göttlichen Schicksals hären , 

das sein Spiel mit den Verirrten treibt # Es gibt keinei^ 

schrecklichere Verhöhniuig als UJÜj; die Ohnmacht der 

menschlichen Macht »als die Unf ählgkeit »Ton dem Wasser 

zu trinken »das man sich selbst erbohrt hat# Die Menschen 

der Gegenwart mUssen erfahren, dass es keine flucht Tor 

G*tt und seiner durch ihn gesetzten Aufgabe geben kann 

und darf ; sie müssen erfahren ,dass die versuchte flucht 

Todesgefahr bedeutet! Sie erleben zu Ihrer ZeittZu ihrer 

Stimde,was der Psalmist in die Worte gekleidet (Ps*139t 

7 - lo)i ••Wohin soll ich gehen vor deinem Geiste? 

wohin vor deinem Angesichte fliehn? 
wenn ich in den Himmel stiege ^so bist du dort, 
legte ich mich in die Gruft tauch da bist du! 
Trüge ich Flügel der Morgenröte p 
wohnte ich am Ende des Meeres , 
auch dort leitete mich deine Hand 
und ergriffe mich deine Rechte !•• 

So spricht denn mit eindeutiger Gewalt die Lehre 

der Gegenwart zu uns: TfllYISTfll Die Menschen sind auf 

falschem >/ege gewesen^als sie G*tt leugneten^als sie 

die Flucht vor ihm ergriffen in das Land des Hichtver» 

pflichtetseinSfdas Land ausschliesslichen, irdischen Ge» 

nusses* Die Menschen müssen erkennen ^dass diese Flucht 

die verschiedensten Formen angenommen hatte ,und dass 

sie mit Riesenschritten dem Untergang entgegeneilen^ 

wenn sie nicht endlich erkennen ^wo sie stehen und was 

geschehen muss. Es gibt nur eine Rettung für die Mensch» 

heit: das ist die Umkehr zu GHt! Mit rasender ^wahnsinni^^ 

ger Wiit haben sie sich in die Erde verbissen und wollten 

die Welt des Stoffes auf den Thron Gattes setzen» Sie 

müssen ablassen von dieser lebensgefährlichen Sünde in 

Jeder Form land müssen wieder heimkehren in ih» wahre/^ 

Heimat g*ttgebundenen Lebens« Ueber xmserer i^eit steht 

ein gewaltiges Wort als leuchtende Aufgabe: Teschuwah ^ 

Umkehr! Und wir wollen diese Aufgabe erfüllen ^ indem wir 



versuch«n,den Standpunkt des Judentums zu suchen und zu 



erkennen» 

Stellen wir es gleich von vornhinein fest: Das 

Judentum ist Religion ,d.h. Bindung an G'tt! Wie dies zu 

verstehen ist.muss die kommende Untersuchung ergeben; 

aber am Anfang muss diesej^ Erkenntnis und dieses «ekennt« 

nis stehen; Ob wir wollen oder nicht - das Judentum ist 

•wige Bindung an G'tt. Lösung von dieser Bindung ist 

Ist 
Selbstmord. MlÄXder Jude als g'ttgebundener »ensch 

gefährdet, so ist es sein Schicksal »dem er nicht entgehen 

kann »vielleicht eine Prüfung »die ihn in eine höhere 

Stufe versetzen wird. Ist der Jude jedoch als von G'tt 

losgelöster Mensch gefährdet »so hat er selbst die Gefahr 

auf sich herabbeschworen dwxch die Flucht vor seiner 

Bestimmiing »vor seiner Aufgabe »durch den Verrat an sich 

selbst. G*tt hat vor Jahrtausenden mit unserem Stammvater 

Abraham einen Bund geschlossen. Das Bundeszeichen 

der Beschneidung legt bis zum heutigen Tag an unserem 

eigenen Körper i^eugnis ab von der Virklichkeit dieses 

Bündnisses »von der Unmöglichkeit »dem Blande «i entfliehen. 

Hier hat die \mbe schreibbare geistige Verbindung mit 

dem Urheber alles Seins einen in greifbarste Hähe drln= 

genden körperlichen »stofflichen Ausdruck gefunden. Es 

wäre nicht zu begreifen »wie die Mahnung der G« ttesbindung 

vergessen werden konnte »die in diesem sichtbaren ^eichen 

liegt »wenn nicht der rfahnsinn der Gottlosigkeit »der sich 

über die Erde ergossen hatte »auch unsere Gemeinschaft 

krank gemacht hätte. Halten wir also fest: Judentum ist 

für alle Ewigkeit die Verpflichtung der Juden »sich an 

G'tt 2U binden »sich i^ und seinem .Villen unterzuordnen. 

W«r aber kündet uns von dieser Jüdischer Religion, 

und was ist überhaupt diese Keligion? Hier müssen wir zu= 

nächst eine Peststellxing treffeniilX Es ist den *enschen 

auf allen Gebieten der -fissenschaf t ohne -Weiteres begreif» 

lioh.dass nicht jeder die neuen Ergebnisse der Forschung 



und die g<5nialaii Leistungen d^r äfahrheitsfindun« zu3tan= 
de "bringan kann. Auch wenn hernach ein jeder imstande 
ist »den pythagoreischen Lehrsatz zu begreifen, so ist 
seine Pindxmg doch eine einmalige »unnaWiahailiche Tat. 
Die grossen (xelehrten sind gleichsam »egebahner in dem 
unübersehbaren und dunklea üeländo inenaohlichen -^ebens; 
niemand wurde sich deshalb mit ihnen vorgleichen, vrfeil 



er den einmal gebahnton 7eg nun mit leichter Mü^e nach» 

zuschreiten vermag. Anders war es im Gsbieto der Beligion . 

Da hielt sich ein jeder für sachverständig. Ein jeder 

glaubte ,G*tt vor das Pomim soines eigenen Verstandes 

ziehen zu d Irfen ,".'»« il er erwartete, selbst ..'erkzeug ei= 

ner Offenbarung werden zu können »falls es so etwas ge= 

ben sollte. Diese Menschen hätten jadooh nur ihre Er« 

fahrungen axif den Gebieten der -Vissenschaft übertragen 

müssen auf das Gebiet der Religion, um zu wissen ,dass 

begnadete 
es auch hier so ist,das3 nur wenige/Menschen würdig 

sind »der religiösen Erkenntnis a\x£ Erden den Weg zu 
bahnen, das3 jedoch die anderen Menschen dio Möglichkeit 
haben, den einmal gebahnten Veg nschzuschreiten und dann 
im eigenen Erleben bestätigt zu finden »was die Grossen 
entdeckt und verkündet haben. 

Diejenigen »die a\jf dem Gebiete der Religion die 
Wahrheit verkündeten »waren unsere Ptofetcn »Menschen» 
deren ^eben mit inbrünstiger Glut an das Göttliche ge= 
bunden war »sodass eine Loslösung iUUUI einem augenblick= # 
liehen Tode gleichgeitommen wäre. Gewiss ist in ihnen 

manchmal auch der Gedanke aufgestiegen »sich zu lö^en» 

gegmn die 
einmal ohne r/iderspruch MYBlti anderen **enschen leben 

zu können; aber die Ohnmacht dieses Wxmsches zeigt den 

unerhörten Grad ihrer Bindung an das Höchste. Das er= 

schüttemdste Beispiel ist der Prof et Jeremia . Er bricht 

in die Worte aus; (Jer.2o»7 - 9): 

"Du hast mich Überredet G*tt»und ich liess mich 
überreden; du hast mich ergriffen und hast es 
fertig gebracht. Ich war zum KllB?BKiXilB«Xiü«fciM 

XXig Gelächter den ganzen Tag; alles spottet über 
mich. So oft ich red«»muss loh schreien» 



■-^v, 



Gewalttat und ßedrliokun« muss ich nrfenjso ist das 
C}'tte3 mir z\xr Schmach geworden und zum Spott ^jn 
TaglBa sprach ich: ich will £Uii£ nicht m«hr SililXil 
an ihn d<9nken .nicht mehr in seinem Namen reden. Da war 
es aber in mir wie ein verzehrendes ITeuer »eingeschlossen 
in meine Geheine ;ich versuchte ,espa auszuhaltenjaher 
ich konnte nicht!" 

Solche Worte anzutasten, erregt Scham in uns. Hier 

ringt ein ewiger Geist mit G'tt.und für uns ist es Li« 
teratur? Aber wir wollen um \m3erer selbst willen nicht 
schweigen, denn trotz aller menschlichen Kleinheit spa- 
ren wir,dass der Prof et in seinem Kampfe, in welchem sei» 
^ •.. _j-t. ^^\,^^-mr,v,o-?* ur-fnriA'h .unseren Kamüf KSTS^t 



fJihrt. 7ie weit sind doch die Menschen von G'tt entfernt! 
Sie haben sich Ja entschlossen, nicht mehr von G'tt zu 
reden. Sie haben in rasender Verwirrung ihr Leben von 
jedem wahrhaften G' ttverbundens^in ausgepresst und in 
die Erde verklam^-nert ! Ist das nicht der Kampf des Pro» 
feten im Grossen? Gewiss sind die Menschen kleine ,uabe= 
deutende Wesen;aber in ihrer Gesamtheit offenbart sich 
die mitleiderrogende Tragödie des Menschen schlechthin. 
Die Bindung an das Göttliche ist zu gewaltig , eine un= 
geheure Forderung, die vielleicht naturnotwendig einmal 
in jedem den G. danken hervorruft , ob es nicht eine Lösung 
von diesem Zwange geben könnte. Einmal richtet sich 
vielleicht in jedem das Gigantische auf und versucht, 
die Fesseln zu lösen, die ihn an den üimmel schmieden. 
Knechtschaft drückt nieder und verfinstert das Lebon. 
Ist die Bindung an G'tt nicht auch eine Knechtschaft? 
Ist es würdig »immer nur nach dem «illen des Höchsten 
zu fragen? Ist es nicht menschenwürdiger, in freier 
Selbstverantworung seinen Lebensweg mit stolzer ünab» 
hanglgkeit zu gehen? Ja wir sehen, wie die Autonomie des 
Menschengeistes, die der grosse Philosoph dem Menschen 
der Heuzeit gegeben hat »ein Geschenk darstellt, das viel» 
leicht seine wahre Bedeutung erst auf dem Hintergrunde 
des gewaltige» Kampfes gegen die G'ttesbindung erhalt. 
Auch wenn der grosse Denker selbst ein from^ner «^ensch war 
^ _^ 4^ni^4/%u*i- v»4Ä-f f\nt>yt niöhta anderes AJULt als 



8 



das ;?erkz«uß der G'tt«ntf«rrung gev/esen. Salt den Ta« 
gen der Schöpf ung .da das Unerhörte geschehen, was uns 
in majestcttisoher Spracheals der mie G'ttes mitge» 
teUt wird: V/ir wollen einen Menschen schaffen nach 
unserem Bilde , nach unserer Aehnllohkeit- (l.M.1,26), 
seit der Mensch mit dem göttlichen Funken gebildet 
wurde ,der ihm Ahnung des Höchsten erleuchtend vermit- 
telt »seit diesem Tage finden wir immer wiader den ter= 
8uch,sich vom Göttlichen zu lösen.sich seihst violeioht 
zum G'tte zu machen, wenigstens for seinen eigenen Leben« 
beeirkiseit diesen Tagen gibt es immer wieder den Kampf 
gegen G'tt und das Streben.aus dieser vermeintlichen 

Sklaverei sich zu lösen» 

Diesen Kampf haben die Menschen der Gegenwart 
Form erlebt; sie erkannten seine Ursache 




in 

in dem gierigen Lechzen nach irdischem fenuss »dessen 

höchstes Ziel, die itocht, Augen/Herz SIX wie mit einem 
Nebelschleier verdüstert. Aber in dem Proteten Jeremia 
sehen wir diesen Kampf in wlinifeer Form. Hier kämpft 
nicht ein genus suchtiger Mensch nach Lust und Macht, 
hier kämpft nicht die Trägheit um ihre Ruhe: hier kaiqEft 
ejji älensch um sein Leben! Zu viel Schmerz und Leid 
ist schon über ihn gekommen;er kann einfach nicht mehr. 
Da schreit er auf: Ich will nicht mehr denken und nicht 
mehr reden,d.h. an G'tt den^ken und von G'tt sprechen, 
denn es gibt für den Profeten überhaupt kein anderes 
Denken und Beden! und dieser Schrei des "Ich will nicht 
mehr!" und des schmerzlich«ten und aufwühlendsten ?Hein! 
nein!" b^rmt wie fressendes Feuer in seinen Gebeinen. 
Er muss erkennen.dass dieses' nein« zugleich der Tod der 
Seele wäre. Die Seele schaut G'tt, und sie kann nicht sa= 
gen: Ich sehe nicht! Hicht sehenwollen und doch Sehenmüs« 
sen -zwischen diesen beiden Polen liegt die Tragödie 
alles Menschlichen! Die Grossen durchkämpfen diese Tra- 
gödie; die Kleinen -und hiezu gehörte die Meuzeit- halten 



f 



Ih-r« Hand vor dt« Augan und sa^en: Ich söhe nichts! Di« 
inutis«n I«\«isGhen dor K«na*fct war»n in W.'^hrheit feige! 
MUSS man es einem Menaohen sf»genab«r Liberhaupt ausspre» 
oh«n,da38 wir in jeder Faser unseres Seii»verknlijft sind 
mit dem allewigen Sein? Daaa wir «in Hiohts sind »ein 
Stauboh<§n »dass der Lufthauoh Tod von der Erde hinwicpu» 
stet? Dieses schwankende Sein des Menschen zu erkennen 
und naoh dioöer Erk«natnis zu handeln - dies erfordert 
wahren Mut! Wir aussen erkennen und be können »auch wenn 
unser Herz dabei blutet »dass wir auf Erden nur zu Gast 
sftndjdass unser Dasein anderswo im Sein verankert sein 
muss jdast? wir so leben aüsaen ,dass unser Leben von uns 
in unserer wahren lieiiaat vor dem Richtersttol eines 
ewigen Richters verantwortet werden kannjf(,dass unoer 
irdisches Leben sich abspielt mtor diesen Himinel cv/igen 
Ernstes, dass jedes irdisch-Ileitsre von einer Träne un» 
spielt wird.dasa durch alles Dasein ein ewiges Kommen 
und G«hen sich schlängelt , dass das Leben des Einen/de« 
Tod des Andern bedeutet, dass in den 
starken Raubvogels die Taube im Todeskampf sich windet, 
dass ein . chrei durch alles irdische Sein hallt, Schrei 
des Schmerzes und Schrei der Lust »Schrei des Todes und 
Schrei des Lebens ,\uid dass in diesem Schrei tönt der 
Kampf um G'tt! Wir wissen es; aber wir verstehen es nicht. 
Wir hören die Stimme O'ttesjaber sie ist zu gewaltig, 
als dass wir sie nicht fürchteten, als dass jvir nicht 
verleitet werden sollten »unsere Ohren verstopfen zu 
wollen. Aber unsere Profeten reisson uns die :7atte aus 
den Ohren, und ihr -Vort gellt in unserem Herzen wider, 
und in uns brennt durch sie entfacht die Flamme der Er=» 
kenntnis.dass ein G'tt ist, und nichts als G'tt ist, und 
wir Manschen nichts sind, wenn wir nicht in G'tt sind, 
dass a'ttfluoht erbärmliche Feigheit ist und Flucht ins 
Verderben zugleich! i/ir sprechen, wir bekennen mit dem 




des stolz- 



.Xl&M 



lo 



di« bliridmach.nd« Götztnbind« d«m Volk« von d«n Aug.n 
g«riss«n hat: "D.r Ewig« ist G'tt.d«r Ewig« ist G'TT!" 

V«rsucht man di« Grund« auf zud«ck«n,di« uns zur 
restlos.n An«rk«nnung d«s Göttlich«n zwing«n,di« uns 
gar k«in«n and«r«n Ausw«g m«hr lassen, als d«n,lIX all«i 
G«sch«h«n und Sein auf G'tt zu b«zi«h«n,in all«m nach 
s.in.m Will.n zu fragen. so liegt einer der Hauptgr'inde 
in der Antwort auf die Frage: was wird nach dem lode 
pi^fTS»T5iis sein? Das Naheliegende wäre »diese Frage 
haupt nicht zu stellen. Auch wenn Mi uns das Erleben 
des Tieres imner fremd bleiben mag, so entsteht in uns 
doch die Vermutung, dass ein Tier wohl kaum die frage: 
was wird aach dem TAde sein? empfind«n wird. .Vir Menschen 
können jedoch dieser Frage nicht ausweichen. Das V.rhal» 
ten des Tieres ist uns versperrt. Schon die Tatsache, 
dass diese Frage entstehen kann »beweist , dass wir ihr 
nicht ausweichen dirfen. Di« Unterdrückung dieser Frag« 
muss in irgend einer Art;^ ein Vergehen gegen unsere 
menschliche Bestimmung sein, so als ob jemand wissen 

könnte, eine Mauer drohe einzust irzen.und trotzdem nicht 

und GefahrdiuiJE u<«^«%.* 

fKTgTüiig« die Annäherung/anderer Menschen verhindere . 

Wie ab«r kann denn ein Mensch diese Frage beantwor= 
t«n? Hoch nie ist jemand zurückgekommen , um uns Kund« 
geben zu können von späterem S«inl Es war« jedoch ein 
törichter Entschluss ,aus diesem Grund« auf j«de Antwort 
verzichten zu wollen, wenn dieser Virzicht ein hemmungslos 
8«s L«ben ermöglichen sollt«. In diesem Falle müsste 
man sagen, dass di« nach B«fri«digung schreienden Leiden- 
sohaft«n d«s M«nsch«n einen allzu feilen Bundesgenossen 
in de« Nichtwissen gefunden hatten. Ab«r di« Leiden« 
sohaften kompromittieren ihren Bundesgenossen nicht als 
ein Nichtwissen sondern als ein Nichtwissenwollen! Es 
gibt Religionen, die di« Kund« vom jenseitigen Leben 
weit ausgebaut haben. Das hat das Judentum nicht getan. 
Aber es hat mit unumstösslicher Deutlichkeit eines 



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f 

» 



11 

g«l«hrt: dit (^twisshtit ,dass e* «in Fortlebtn nach d«m 

darlibtr hinaus: 
Tode gibt/dass der Mensch Eechenßohaft ablegen muss 

für die P'ihrung seines irdischen Leben»! Diese Gewiss» 

heit ist in der Heiligen Schrift so gro««,da8s sie 

nirgends ausdrlcklich ausgesprochen werden ausste. Das 

Selbstverständliche wird ja nie in .'.'orte gefasst! Wer 

die unendliche sittliche Glut biblischer Lebensführung 

enaisst.der weiss, dass sie ihre Kraft saugt aus der 

GewiBsheit ewiger Polgen. Kur eine solche Einstellung 

weiss den Menschen im Sittlichen unermüdlich anzustossen 

und aufrecht zu erhalten. Auch wenn das talaudisohe 

Judentun mit abüoluter Vortdeutlichkeit den ^edanken 

der Unsterblichkeit und Verantwortlichkeit nach den 

Tode nicht formuliert hätte, so müsste doch ein jeder, 



der hinter den fforten die Atmosphäre sieht, au» der 
sie geboren .vorden,den biblischen Menschen , aber insbe» 
sondere den Profeten als den mit Ewigkeiten und ewigen 
Polgen rechnenden Menschen erkennen! 

In diesea Zusammenhange , wo die Bedeutung der Bibel 
fllr das Judentum noch nicht erörtert worden ist, soll 
jedoch auf diesen G.danken biblischer Beisplelgebung 



UifiX 



fiXXXSSISSZ 



a\if die Ewigkeit gerichtete Blick auf die Lebens- 
gestaltiing eines Menschen auszuüben imstandeist l Wir 
können freilich in unseren Gedankengangen immer nur den 
Weg rückschlies sende r ßewegmig gehen. Die Wahrheit oder 
Unwahrheit einer Sache offenbart sich dem Menschen am 
Deutlichsten immer nur in den Polgen. "Die Prüchte 
legen Zeugnis ab"! Nähmen wir nun an, dass - wie so oft 
in der Geschichte der Menschheit gelehrt wurde - mit den 
Tode wirklich alles aus wäre - was wire die Folge? 
Müssten den Menschen nicht einen rasenden Lebenshunger 
nach Befriedigung aller Leidenschaften und Triebe er- 
fassen? Ihn hält ja nicht der dumpfe , von der Vernunft 
nicht erhellte Instinkt des Tieres in Schranken. 



- 12 - 



Es ist \inausdenk\iar , was gcsohehen wUrd« , wenn der von 
verantwortungslosen Philisophen leichtfertig in die <Velt 

seif 



gesetzte Gedanke, dass mit dem Tode alles aus 
von allen Menschen oder auch nur einem erheblichen 
Teil in die Praxis umgesetzt würde, Schilderungen 
von Schiffsuntergängen berichten uns von dem grauenhaften 
Kampfe um das bisschen Leben, das sich in letzter Minute 
erschütternd abspielt. Die Verhältnisse der Menschen 
würden der wahnsinngeschwängerten Luft eines Schiffs- 
unterganges gleichen: Einer der Todfeind des andern, 
wenn die geringste Lustbefriedigung unterbunden werden 
sollte! Dieses Grauenhafte ist nicht Wahrheit, kann nicht 
Wahrheit sein, sonst hätte die Menschheit sich längst 
schon selbst zerstört! Es ist vielmehr umgekehrt: Das 
Leben des Menschen, der seit Urzeiten im Tiefsten ver- 
spürte, das all sein Tun im irgendwelchen Zusammenhange 
mit dem ewigen Sein stünde, bekommt den heroischen Schii|- 
mer entsagungsbereiten Mutes, wenn es sein muss, wenn 
ein Höheres es fordert. Es ist gerade so, als ob der 
Mensch , dessen Blick bei aller Erdnähe auf die Ewigkeit 
gerichtet ist, innerlich aufgerichtet werde, als ob 
sein aufrechter Gang, der ihn von den Tieren unterscheide^ 
Ausdruck klarbewusster Unendlichkeitschau wäre. Die 
Menschen waren immer klüger als ihre falschen Propheten, 
auch wenn diese zahllose zugrunde richteten. Wer Jedoch 
lehrt, dass mit dem Tode alles aus sei, der ist ein fal- 
scher Prophet? der vergiftet die herrliche Natur G'ttes, 
deren Reinheit nur von Menschen getrübt werden kann. Es 
gilt nicht, ihnen i-eindschaft zu erklaren. Sie sind arme 
Irregehende. Es gilt vielmehr, die ffahrheitssuchenden 
zu ermannen, zu dem Entschlus* sich ohne Beirrung dem 
wahren Sein, dem göttlichen Sein zuzuwenden und 
als sinngebende, ewifsprudelnde , zentrale Quelle 



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ganzen irdischen Daseins zu erkennen und ihm zu dienen. 



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iljse die biindmaohende Götzenbinde dem Volke von den 
Augen gerissen hat: "Der Ewi-ge ist G'tt.der Ewige ist 

G'tt!" 

Unsere Profeten haben uns den Ewigen gelehrt , dessen 

unaussprechlicher Name auf dem V/ege durch unsere Geschiclp= 
te uns geheimnisvoll begleitet hat und ewig begleiten 
wird. Es ist das Eigentümliche und Unabänderliche des- 
Judentums, dass es die Worte der Profeten als Leit- 
Stern durch das ganze Leben und durch die ganze Ge- 
sichichte betrachtet. Diese Worte sind niedergelegt in 
der Heiligen Schrift; und darum ist es eine UnrnQ^Hohkeit 
für uns, die Bibel irgendwie nach Art einer pro^Wn 
Schrift zu betrachten oder betrachten zu lassen. Es 
gsht nicht an, dass das Sezierraesser des Verstandes 
in kalter Berechnung unsere Heilige Schrift durchfurcht 
tmd zerschneidet, denn as W.rde sonst Spott getrieben 
mit dem Heiligsten und dem Herzblut jener gewaltigen 
Menschen, deren Leben nichts anderes mehr war als der 
Ausdruck gottlichen .7erkzeu;s und willens. Wenn in 
unseren G« tteshausern die Thorarolle umhüllt wird :.iit 
prächtigem Gewand, gaschmickt wird init leuchtender • 
Krone und blinkendem Schild, und wenn diese Rollen 
aufbewahrt werden im besonderen Schrein, der liebevoll 
für sie gebaut XfiilÄ und geschmückt wurde, wenn wir 
am Fest der Thora-Preude samtliche T^iorarollen heraus-^ 
nehmen aus ihrem Haus und symbolisch ein Licht hinein- 
stellen, damit der Schrein des göttlichen Lichtes nicht 
entbehre, wenn wir diese Rollen in strahlender Feier 
durch den hohen Raum des G'tteshauses tragen und wenn 
in den kleineren Gebetstuben unserer fro:^imen ostjUdischen 
Brüder ,äIIxÜf/Thora in Händen, zum Tanze schreiten, 
so kommt in all diesen Handlungen die unendliche Liebe 
zum Ausdruck, die aus dem Herzen des jüdischen Volkes 
cmporwallt und die schrif tgewordne G'ttesstimme umhült. 



- 11 - 



I 



tauras Mauschc e^es, die Lehre Moses ist watrheit! 
Dieses Wort gibt der Grund Stimmung jUdisoher Be- 
trachtungsweise fUr die Heilige Schrift eindeutigen 
Ausdruck! Unsere Profeten sind uns Wegweiser im düsteren 
Lnnde irdischer Verhüllung. Nur Profeten können sie 
in die Schränken fordern, und könnten das herrliche 
Buch der Bihel vielleicht unter die kritische Sonde 
nehmen. »Ver aher kein Prof et ist, möge die Hand davon 
lassen, denn er Wirde sich mit unheiligem Spiel am 
Heiligsten verständigen, oline auch nur im Geringsten 
xins der Wahrheit näher zu bmgenl 

Um diese Heilige Schrift herum rankt sich 
mit treues l-er Gläubigkeit das jüdische Leben in aller 
Zeit. In diesem profetischen Buche sprudelt die ewig- 
lebendige Quelle, die das jüdische Volk auch in der 
härtesten 'iVüste irdischen Daseins vor dem Verdursten be- 
wahren wird. Wenn wir sagen, dass das Religiöse, 
die sinngebende Lebensbindung an G'tt der zentrale Le- 
bensstandpunkt des jüdischen Daseins 'überhaupt ist, 
so müssen wir diesen Gedanken, diese Feststellung 
eines Seienden, nicht eines Konstruierten dahin er- 
gänzen, dass dieser Lebensstandpunkt seine sichtbare 
Wurzel hat eben in dem ^Tunderwerk heiliger Schrift. 
Das bedeutet, dass wir zur eigenen Klärung unseres 
Weges nichts anderes zu tun haben, als in das G« ttes ort 
der Bibel hineinzulauschen und aus der gcstaltgewordenen 
Offenbarung die Stimme der Wahrheit herauszuhören. 
Wenn dies die grimdwätzliche Voraussetzung für unser 
o-anzes weiteres Verhalten geworden ist, so sind wir 
an den Punkt gelangt, an den die übrigen uns von G'tt 
verliehenen Kräfte des Verstandes und der Vernunft, 
des Gefühles und des Forschungsdranges in die Erscheinung 






I 



md in ihr Recht eintreten dürfen. Diese Art Forschung 
wird jedoch wenig s^mein haben mit jener sezierenden 
wi .senschaftlichen Betätigung, die den unheiligen Bi- 
belerklärer der Neuzeit kennzeichnet; sie wird viel- 
mehr den Weg beschreiten, der seit uralter Zeit vom 
Judentum beschriften worden ist und der in 'unseren 
..rossen Erklärern , insbesondere in der gem-itvollen 
und zu,^leich unendlich klugen Art R.schis sichtbar 
.«worden i..t. Diese Art der Bibelerklarung, der Bibel- 
forschung nennt man Midrasch. Dieses >/ort hat später 
eine engere Bedeutung gewonnen ils ursprllnglich der 
i^all war. Man verstand schliesslich darunter nur noch 
die gemütvolle und unverbindliche Art der Auslegung 
des Bibelwortes; aber ursprunglich bedeutete es ein- 
fach das Bestreben, unmittelbar aus dem Bibelwort 
abzuleiten, was in unserem Leben, zu jeder Zeit und 
in jeder Lage uns als Wahrheit voranl.uchten soll. 
Es gibt eine f ast t Jricht anmutende Spielerei, die 
jedoch gera ;e in ihrer -iberspannten, sinnlosen Art 
deutlich die richtige Auffassung des Judentums vom 
Wesen der Bibel zu beleuchten imstande ist. Es gibt 
Menschen, die in einer ungeclarten und schwierigen 
La^-^e sich Rat aus -.er Bibel holen wollen, indem sie 
das Heilige Buch aufschlagen udd die Stelle, d.e ihnen 
gerade zufälligerweise vor die Augen tritt als Orakel 
und Stimme G'ttes- für ihren Fall betrachten. Wir Juden 
betrachten die Bibel, zwar nicht als solches Orakel; 
aber im ganzen gesehen "iberstrahlt jedoch das Bibel- 
wort sinngeb nd unser ganzes Leben. Unsere Weisen 
durchforschten seit Urzeiten mit unendlicher Hingabe 
jedes Wort und jeden Gedanken/ der Heiligen Schrift; 
und da es kaum .ine Lebenslage gibt, 'die nicht irgend- 



- -13- - 



einnal an irgendeiner Stelle der Bibel zum VorlDilde 
gedient hat und zum Ausdruck gekommen ist, so ist es 
verständlich, dass man wohl für jede Lage auch irgend- 
eine Antwort im rechtverstandenen Bib-lv/ort finden kann« 
Diese Auffassung ist weit .:^ntfernt von sinnloser Orakel- 
verwendun.^ unserer Bibel; aber sie ist noch weiter ent- 
fernt von jener höhnisch kalten Ueberlegenheit , die die 
Bibel als ein altes literarisches //erk mit manchen Vor- 
zügen und manchen Fehlern betrachten will. Zwischen 
diesen Auffassungen liegt eine ffelt, imd es hat v/enig 
Zweck, unmÖ,{:liche Br'icken schlagen zu wollen. Es gibt 
nur das G-ebot der klaren Abwendung von diesem Standpunkt 
der Zerstörimg des wujiderbaren Gewebes aus irdischen 
und himmlichen i&ien« Es kommt einmal für jeden die 

Zeit, da er ganz klar entscheiden muss über Abwendung 
und Zuwendung: Judentum befiehlt Zuwendung zur heiligen 

Schrift als dem profe tischen Of f enfeÄrungsbuche des ewigen 

G* t Leswillens , vn d die alte Art der Bibelerk:larmig , 

der Midrasch lehrt uns, wie wir zu jeder Zeit uns Rat 

holen Yonnen aus dem heiligen Brunnen, in dem ewige 

"Wahrheit sprudelnd sich erneuert. 



Das Judentum - ein religiöser Organismus. 
Hit unausweichlicher Gewalt dringt sich dem Juden der Oejen= 
wart die Frage nach dem Sinn und Tesen;^ des Judentums auf. 
War es in früherer ^eit noch möglich, diese Frage zu umgehen 
oder zu unterdr*icken,so ist die äikssere und innere Möglich^ 
keit hiezu immer mehr geschwunden , und es ist heute geradezu 
eine Frage der inneren Lebensfähigkeit geworden, ob man sein 
Judentum als ein sinnvolles oder sinnloses Schicksal trägt, 
ob man eine Antwort auf die Frage nach dem Sinne des Juden= 
tums findet. In einem solchen Augenblick ist es notwendig ,dass 
jeder gehört werde, der einen Beitrag zur Lösung der inneren 
Judenfrage geben kann. Ja es besteht sogar die Verpflichtung, 
auf Grundlegendes hinzuweisen, wenn es scheint, als ob im 
Drange der Gegenwart und unter dem Druck der Zeit Antworten 
gegeben 7^erden,die von dem Juden, der das Judentum als zeit= 
lose, nur in tausendfältiger Beziehung jedes gegenwärtige Sein 
gestaltende Erscheinung betrachtet , als nicht oder nicht ganz 
zutreffend empfunden werden kann* Es ist nicht gleichgültig, 
pb das Gewissen in den Fragen der Deutung unseres Judentums 

• - * ■ * - 

völlig befriedigt sein kann oder nicht. In den innersten Ge= 

•I ■ ■ ■ 

lenken unseres geistigen Lebens muss absolute Reibung slosig= 

keit herbeigeführt werden, wenn nicht eines Tages von innen 

heraus Äerstörende Kräfte hervorbrechen sollen. Es geht nicht 

an, sein Gewissen zu beschwichtigen mit der Meinung, eine halb 

oder dreiviertelsrichtige Anschauung vom v/ahren Sein des Ju= 

dentums sei deshalb v/eniger gefährlich, weil eine grosse Zahl 

nicht 
von Menschen daran glaubt. Die ^^ahrheit wird/ durch grosse 

Zahl und Abstimmung gefunden. 



Die uneinheitliche , Zwiespalt ige Deutung der Judenfia^-| 
ge w^ird schon in der Mannigfaltigkeit der Begriffe deutlich, 
die uns die Zeitgeschichte als Lösung entgegenträgt , als da 
sind: Volk,Nation,Glaubensgemeinschaf t ,Rassengemeinsciiaf t , 
Blutgemeinschaf t , oder ebenso deutlich in den eine bestimmte 
Geisteshaltung schlagartig aufdeckenden Eigenschaftswörtern 
jüdisch, israelitisch, mosaisch, nichtarisch. Alle diese begriffe 
haben das eine für sich,dass sie nicht blosse Schreibt isch= 
erzeugnisse sind sondern Hinweise auf tatsächliche Lebens= 



haltungen und =Gestaltunsen. Sie sind alle wirklich. AlDer 
gerade hierdurch wird die Notwendigkeit dringend empfunden, zu 
einer Klärung durchzustossen. Dies wird freilich nur müglich 
sein »wenn dieses Stret)en von wirklichkeitsbildender Kraft 
teseelt ist und man das Reich wirklichkeitsfremder , rein the= 
oretischer Begriffe vermeidet. So mag es verständlich werden, 
dass auch diejenigen Bemühungen, die das Judentum als ewigen 
Wert ^erne dem Tagesstreit entziehen möchten, nicht an den 



lelDendigen Beziehungen zur Gegenwart voriihergehen können. 

Es soll nun hier als klare XäMMä^Sg Antwort auf die 



Fra^^e nach dem Sinne des Judentums die Anschauung vertreten 
werden, dass das Judentum ein religiöser Or/canismus ist. Die= 
ser Begriff grenzt sich ab sowohl gasen den Begriff der [{tUe\y] 
Glaubensgemeinschaft als auch den der Blutsgemeinsohaft . Die= 
ser letzte Begriff soll hier die mehr oder weniger deutlich 
und entschieden formulierte XÄMMfifiäg Vorstellung vertreten, ä 
dass die jüdische Gemeinschaft irgendwie blutraässig bedingt 
wäre. Es lässt sich freilich nicht leugnen, dass da, wo Men= 
sehen leben, auch die Blut= und Vererbungsfrage eine Rolle 
spielt. Die blutmässigen Zusammenhänge innerhalb der mensch= 
liehen Geraeinschaftsbil düngen d-^ängen sich ja unbewusst auch 
dem einfachsten Menschen auf. Es ist kein Zufall , dass ver= 
wandlschaftliche Bindungen eine Art von organischen ^estal= 
tungen hervor rufen, aus ienen sich unverkennbar das Leben von 
Gemeinden, Städten und Völkern aufbaut oder von denen es min= 
destens stark beeinflusst wird. In den Vererbungs= -und Ras= 
senlehren offenbart sich der Versuch, den blutmässigen Zu= 
sammenhängen in systematischer und wissenschaftlicher ."eise 
auf die Spur zu kommen. Auch in der jüdischen Geneinschaft ist 
der blutmässige Zusammenhang vun Teilen -nie der Gesamtheit! - 
nicht geleugnet worden. Das Pamilien= und Sippengefühl spielt 
hier eine ausserotdent liehe Rolle und vmrde offenbar aus 
innerstem Triebe seit uralter Zeit bewusst gepflegt »denn 
schon unser Stamiwater Abraham verpflichtete seinen Knecht 
Elieser durch Schwur, für seinen Sohn Isak eine/1 Frau nur aus 
dem eigenen Geschlecht auszuwählen. 



Aber es ist nvm. ein wesentlicher Unterschied, ob man 
die blutmässigen Bindungen innerhalb .ihrer Crrenzen erkennt 
und anerkennt »oder ob man die zeitaberspannende Erscheinung 
des Judentums durch eine -zwar psychologisch begreifbare- 
Ueberspannung des Biut= und Rassegedankens zu erklären ver= 
sucht. Selbst wenn es so wäre,dass die Judenheit einer einzi= 
gen R'isse und einem Blute angehörte ,milsste man zwischen die= 
ser Rassegemeinschaft \md der geistigen Gestalt, die man Ju= 
dentum nennt »unterscheiden. Da nun aber von allen ernsthaften 
Forschern bei der Judenheit wie bei so vielen Völkern eine 

anz ausserordentliche Rassenmischung festgestellt wird; ja 
da der offene Blick in die allernächste Umgebvmg schon eine 
verblüffende Rassenverschiedenheit ISX erkennen rauss,so ist 
es einfach unmöglich, Judentum mit irgendwelcher rassischen 
GrLindlage zu identifizieren. Selbstverständlich bestehen 

ewisse Beziehungen zv/ischen dem Geist igen, das in Menschen 









seinen Ausdruck findet, und dem körperlichen Sein des Men= 
sehen. Diese Beziehungen sind eigent'^mlich ßonvs und mMssen 
an anderer Stelle erörtert werden. Aber das , was das Judentum 



im Innersten kennzeichnet ,muss zunächst abseits dieser Be- 
zeihiingen festgestellt werden, und das beste Bild hiefiir gibt 
uns die Vissenschaft der Psychologie , die uns zwischen fundie= 
renden Elementen und den sie gestaltenden Kräften unterschei= 
den gelehrt hat. Die Menschen -und selbst wenn sie einer 
einzigen Rasse angehören sollten- sind der Stoff , der von 
gewaltigen, in sie hineinversenkten Ideen gestaltet wird. 
Auch das Judentum ist eine solche Idee; nur ist hier der Vor= 
behalt zu machen, dass darunter ein Wirkendes zu verstehen 
ist, das erst später dargestellt werden kann. Diese göttliche 
Idee oder Idee G'ttes hat sich aus der Mitte der Völker -eine 
uralte jüdische Lehre- ein Volk aus er wähl t , um sich auf der 
Grundlage seines Seins zu gestalten zur lebendigen ■.7irklich= 
keit. l^s ist gleichgültig, wie man das Erzeugnis dieses Vor= 
ganges nennt »wenn man nur das rechte darunter versteht. Man 
kann es Äweb- Religion nennen. Nur muss man sich darüber im 



Klaren sein.class die Eigentümliohkeit dieser Religion in der 
Nichtbesohränkung auf das Kirohliohe und Kultmässige besteht, 
obwohl -***«^e-Beidel ebenfalls v/esentlich dazu gehört. Es ist 
vielmehr so,dass die Idee G'ttes als ein unbedingt und un= 
eingeschränkt iVirkendes auf alle Lebensgebiete hin'iber= und 
eingreift. Es gibt nichts und kann nichts geben, was sich der 
lebendigen Beziehung auf das Göttliche entziehen dirf te ,wenn 
dieses nur ernst genommen wird. Dieser Herrschaftsanspruch 
wird in eingenfimlichster '^eise entsprechend^ der typischen 
Art der Völker und Gruppen sichtbar gestaltet. Seine vYesens= 
art im Judentum ist die unmittelbare Verbindung mitj^Ausgangs= 
punkt,die Sehnsucht . im Kiddusch hasGhem,der Heiligung des 
göttlichen Namens in jedem Augenblick, in jeder Lage sich des 
Ursinnes unseres Lebens und der Urver pflichtung bewusst zu 
sein oder zu werden. Und so entsteht denn ein Religionsge= 
bilde der lebendigsten, blutvollsten, umfassendsten Art;und 
wir wollen es zur deutlichen Kennzeichnung und Unterschei= 
dung von unwirklicher, blutleerer Phrasenreligion, die nur 
Geltung in den Mauern des G'tteshauses hat , nach dem Beispiel 
eines lebendigen Körpers, in dem alles zu allem Beziehung 
hat imd zugleich alles in wimdervoller Ueber= und Unter= 
ordnxmg einem Ganiaen dient, einen religiösen Or/^anismus nQn= 



nen. 



Mit diesem Begriffe des religiösen Organismus , der 



das Sein und den Sinn des Judentums ausdrucken soll ,uiiter= 
scheiden wir klar zwischen den Hauptauf fasssungen unseres 
Judentums. Die eine Art neigt mehr oder weniger dazu, das 
Judentum im Sinne einer rassischen ,blutmässigen Einheit als 
eine körperliche Erscheinung zu betrachten -eine merkwürdige 
Nachwirkung des Materialismus!- .deren eine Eigenschaft un= 
ter anderem auch die eigentumliche , bodenständige ,blutgemässe 
Art der Religion •»*•. In der äussersten Folge -4ta*«%*e- auch 
ein jüdisches Volk einmal ohne diese Religion existierenjj 
es wäre eben nur nicht vollkommen; aber der Grund und Boden 
dieses Volkes, däe blutmässige UfiMH Vorhandensein wäre 
^ - Es /wÄ»»-sogar/grundsätzlich möglich/,dass 



ein Jude 



sich einwanderen jclfnf d /o c ' o n- zuwendet und trotzdem 






Jude bliebe. Er wäre eben dann ein Jude, der nur hinsichtlich 
der'^^rtfeiOÄ-von der ;7esensart des Judentums aus Irrtum 
abgewichen wäre. Gewiss geht heute nur die nicht jüdische 

elt soweit, das Vorhandensein eines derartigen Judentums zu 
behaupten, während innerhalb des Judentums auch in den Reihen 
der jenigen, die das Judentum als einen Bluts Zusammenhang be= 
trachten.ein in der ^^^^lil^Äbgewichener nicht mehr als 
Jude betrachtet wird. Aber man mässte eigentlich erkennen, 
dasseine solche Trennung auf Willkürlichkeit beruht, denn es 
ist nicht einzusehen, warum ein Jude aus ir.^end einem Qrunde 
kein Jude mehr sein soll, wenn doch schon durch seine Geburt 
blutmässig sein Judentum gegeben sein soll. So wenig ein 
rassisches Geschöpf irgend welcher Art sich aus den Grenzen 
seiner naturgegebenen, stofflichen Form lösen kann, so wenig 
mlisste ein Jude sich aus dem stofflichen Rahmen des rasse= 
massigen Judentums lösen können,därfe er auch machen, was er 
wolle. Die Früchte, d.- sin^ die Folgen, legen nach einem tal= 
mudischen Grundsatz Zeugnis ab für die Richtigkeit eines 
'.Teges. Man bedenke einmal, dass im Laufe der jüdischen Ge= , 
schichte zahllose Juden als Märtyrer gestorben sind, weil sie 
die Vertauschung der Konfession als einen Verrat am Judentum 
empfanden'. .Yelch fürchterlichem Irrtum wären sie zum Opfer 
gefallen,wenn sie doch auch als Angehörige einer anderen 
.MUe^ hätten' Juaen bleiben können! Aber der Irrtum liegt 
nicht auf der Seite äS Märtyrer , sondern auf der Seite der= 
jenigen, die das Judentum letzten Endes als Blutszugehörig= 
keit bestimmen wollen. Unsere Auffassung des Judentums als 
eines religiösen Organismus will diesen Irrtum an der Quelle 

korrigieren. .Tas wir jüdische Religion nennen ist nicht eine 
mehr ?der weniger wichtig zu nehmende ^.^^^ ^i^tmässig be= 
/Eigenschaft 
dingten Yolkskörpers, sondern Ist selbst ein Ursprung.eine 

lebendig sprudelnde Quelle.eln Mekor ohajjim.der Hensohen 

an sich heranzieht oder auoh vielleicht abstdsst und auf 

diese Art und Weise aus dem Material blutmässig bedingter 

Menschen sich einen Körper .ein Neues schaff t .einen lebendi= 



gen Orsanismus,fi,ir den schon die Thora den entscheidenden 
Besriff sepräst hat: am kodosch . heiliges Volk! Der Be-riff 
"heilig" ^)esaL^t durchaus nicht etwas Über irdisch=Phantasti= 
sches,das einen Heiligenschein um uns legen soll, sondern be= 
sagt mxr,dass eine aus überirdischen Quellen entspringende 
Kraft sich allseitig ausbreitet und gestaltet und so ein 
zusammenhängendes Ganzes durch sinnvolle Ordnung und lebendr 

1 

ges Aufeinanderbezogensein schafft, ■^iena wir dieses Ganze 
Volk nennen, so schliessen wir uns nur dem Sprachgebrauch 
der Thora an. Aber es geht nicht an, das Judentum dadurch Be= 
stimmen zu wollen, dass man unter Benutzung der 7ortgleich= 
heit dem Volksbegriff einen anderen Sinn unterschiebt und 
an Stelle des Begriffes Kodosch das jüdische Volk als ein 



HZ in erster Linie blutmassig Begrtuidetes 




zu erklären. 



Die Bestimmung des Judentums als eines religiösen 
Organismus unterscheidet sich aber ebenso deutlich von der 
anderen weniger systematisch als praktisch gestalteten Haupt= 
auffassung des Judentums, nämlich es als Religion in die en= 
gen Grenzen des Kirchlich=Kul tischen und rhiiosophisch=Ethi= 
sehen zu verbannen und es so seiner lebendig strömenden, das 
jüdische Leben umfassend)^ gestaltenden Kraft z.u berauben. Es 
^eht nicht an, ein Judentum, das nur noch ein Minimum an Ver= 
pflichtung und Opfer auf erlegt , mit dem von Qer Thora als 
am kodosch bestimjnten Judentum gleichzustellen. Echte Religion 
verlangt tasachliche Hingabe ;und keine noch so schönen ?7orte 
können ein tatsächliches Sichnichthingeben zum wahren Juden= 

tum stempeln. 

So scheint denn im Begriff des Judentums als eines 
religiösen Organismus ein .Vegweiser gefunden zu sein, der in 
der Zeit der Verwirrung den auch t.tm den jüdischen .Teisen 
hochgeschätzten derech hoemzci,den goldenen Mittelweg erken= 
nen lässt. Gewiss gibt es einen sogenannten .Veg der Mitte, 
der nichts anderes als Ausdruck der Schwachheit ist, weil der 
ihn einschlagende Mensch nur durch negative Haltung bestimmt 
wird, d.h. durch die Furcht oder Unfähigkeit sich zu entschei= 



4 



den. Der wahre V.'eg der Mitte erfordert dagegen Anspannung 

aller Kräfte, nicht nur deshalb, weil man sich nach beiden Sei= 

da — 

ten zu wehren hat ,ifiSlI jedes Extrem den Menschen hundertpro= 

zentig mit Beschlag belegen will, sondern vor allem deshalb, 
weil i^er eine positive Forderung bedeutet , nämlich die , das in 
Extreme zerfallene Judentum wieder zu einer Einheit zusammen= 
zuführen. Die Einheit aber ist nur zu erreichen, wenn^die Er= 
kenntnis des Jud^ums wieder einmündet in die durch/Grund= 
Schriften und unsere Geschichte als wahr erwiesene Bestimmung 
des Judentums als Forderung nach Bildung eines am kodosch, 
oder eines religiösen Organismus'. 



J 



8 



II. Das Ernstnehmen cles Gnte-ö p^laubens. 
Man erkennt den Menschen nicht daran, was er sagt, sondern 
was er in seinem Lehen tatsächlich ernst nlmat . Nichts ist 
widerlicher als eine Kluft zwischen liSlX^I "Vorten und Ta= 
ten,wenn darin noch nicht einmal das Streben nach Erfüllung 
des Ideals zum Ausdruck kommt. Was jedoch wird ernst genom= 
men? Hält man Umschau, so kann man zwar sehr viel Materielles 
und Triehartises erkennen; Hinsähe an Ideen dagegen hilt nur 
sehr schwer letzter Prüfung stand. Die Menschen suchen sich 
sehr gerne das am wenigsten Verpflichtende aus , und von den 
Ideen sind di.^jenigen in der allgemeinen Uehung am meisten 
helieht,die keinen Einfluss auf das alltagliehe , an ganz an= 
deren RtiM.MiT&fL Wünschen orientierte Lehen verlangen. 

•-enden wir dagegen den Blick auf unsere eigene fe^ichte , 
auf imsere eigene ',7elt,so drangt sich uns eindeutig ein ganz 
Anderes als lehensbeherrschende Kraft auf. Freilich ist hier 
zunächst eine Vorbemerkung zu machen. Es gibt verschiedene 
Methoden,um die Gewalt der Verpflichtung abzubauen, die unan= 
genehm fordernd auf den Menschen liegt. Jahrtausende lang galt 
, unsere Bibel als das Quellbuch aller .Yahrheit der Lebensf^ih= 



sch 



run^ 



ö • 



Hätte man eines Tages dieses Buch 






Die Gru ndlagen der religiösen Symbole # 
Vortrag im Jugendverein am 28.11 .1934 gehalten 



Liebe Freunde ! 

Die Themen, die ich mir im Verlaufe der vergan- 
genen Jahre , die Sie mich schon kennen , für Vor- 
träge heraussuche imd über die ich z.B. auch im 
Rahmen der Lehorvorträge der Gemeinde jeden Don- 
nerstagabend spreche, stehen alle in einem be- 
stimmten Zusammenhang. 

Ich versuche hier nicht etwa irgendeine Gedanken- 
welt zu beschreiten, um einem Menschen einmal ei- 
ne Stunde ein intellektuelles Vergnügen zu be- 
reiten, sondern um jüdisches Leben irgendwie 
so zu klären, dass man es begrifflich vielleicht 
möglichst deutlich vor Augen stellen kann und 
hoffe, dass aus dieser Klärung ein deutlicher 
Lebensweg hervorgeht. 

Es hat gar keinen Zweck, die Frage, die am 
Sonnabend im Mittelpunkt stand, nochmals auszu- 
breiten, da die Gefahr bei dem Thema: ''Vereinheit- 
lichung des deutschen Judentums" besteht, ins 
Phrasenhafte abzuschweifen, wenn nicht solch eine 
Gedankenwelt Sfihritt für Schritt erarbeitet wird. 
Auf diesem Wege soll der heutige Abend ein kleiner 
Schritt sein. 






k* 



• 2 - 

Die Grundlagen der religiösen Symboler Es scheint 
ein uninteressantes Thema zu sein, das auch im 
Augenblick gar nicht modern ist* Was versteht 
man nun unter einem Symbol? 

Wenn z.B. ein Mensch einen anderen nicht liebt 

•i 

so ist das Rückcnzudrc^hen der Ai;sdriickö dieses 

&e±uhls. \7onn jemand aar das Ilandausstr^oken eines 

anderen ihm sichtbar den Rücken zudreht, so v/issen 

alle Bescheid, v/as dat:iio gemjint ist. Oder 

wenn jeman^ bc^i'ehlend die Hand ausS"Lrecr:t, wenn 

eine Person ins ZinuLor tiitt, 30 heiL;su das: 

Gehe v/ieder hinaus! Der Orientale antersoueiaet 

lii erii^ / 
sich/sehr, denn bei ihm uni:ersuützt die Hand die 



Rede. Es steckt daliir.ter ein ganz bestimmter Men- 
schentypus . 

Das Syn.bol ist Line« Sprache- Tur sich und 

braucht k^an^ UnLerstüuzurig; es ist die Ausdrucks- 

rorm, die etwas Öahi terliegendes bezeichnet. 

Wir Juaen haben sehr viele religiöse Symbole. 

Wenn man z.B# einen x'rommen Juden betrachuot, so 

kennzeivjhn-n ihn b.sonaers viel ivlerlanale: Br 



umhüllt sich mit einem Tallis, o .er wie wir 



es bei 



- 3 - 



unseren ostjüdiscUen ü-laaben3br;.idern seuun, be- 
v/egt sich beim Beten in eineru cuuernden Rythrrius und 
umgürtet sich mit einern "besoiideren Gürtel. V/as 
beü. Uten nun die^^ie S;yrübole? Es gibt lur all ciie^e 
Erklärungen noch ubergeordn -te Erklärungen. Ebenso 
wie v/enn ein Haus gebü.ut v/ird und alle Kosten lur 
die kleinsten Teile im einiiielnen vorausberechnet 
W'c^rdc^n, jedoch alle T^- ile zuja mengeitigt einen 
bestiiui.iten Sinn haben^ so müssen auch alle reli- 
giösen Symbole einen b stimjraten, gemeinsamon Sinn 
haben. Es muss allerdin, s hierbei vor Kurz- 
Schlüssen bev/ahrt werden. Ein Beispiel hierTur: 
Y/enn im Religionsunterricht die Präge gestellt vird; 
^' woher kommt das Getreide»*, und die Antwort erfolgt: 
'^Vom. lieben G'tt'», so ist dies ein Kurzsc.luss , 
der ausserordentlich geTcihrlich ist, da er eine 
Denkfaulheit in sich birgt. Es V7.^re also auch 
ein Kurzschluss, v/enn man sagen v/ürde, dass der 

Sinn der Symbole die Beziöhung zum Höchsten sei. 






- ^ - 



E3 ist eingrosst-r Unterschied, ob man im Aiito 

über eine Piache hinv/egsaust, oder ob man mit 

dem Pu3s jedes Stück Erde abtastet, üriuiilt und 

erlebt. Man sieht beim Ilinwegsausen nur einen 

grünen sdhmalen Streiken, wo herrliche \7ie^e ist 

/ 

und man nimmt die Natur überhaupt nicht m.ehr 
v/ahr. So ist es auch aux* geisti^^em G-ebiete. 
Man muss auch den geistigen V/eg durchlaufen und 
durchdenken, man muss die Prägen, die das &eisti- 
ge angehen h runtertransponieren, v/ie wir es 
täglich tun. V/ir haben c^ine Unmenge von solchen 
formen, denen jeder Mensch sich untrvv'irrt: Es 
sind unsere Lebensrorm^^n. V/enn man ui.ser Leben 
durchdenirt vom Anrang bis zum finde des Jahres, 
dann wird mia:; T sts[.ellen ivönnen, dass wir uns 
einjr U-^sumzue von formalen Belastungen unterv/or- 
feu haben. Zum B- is ,iel unsere Kleidung : V/elohem 
V/ilden würde es überhaupt eiriiV..l±en, sich aie 
Last unserer rleidung aufzubürden? Wenn man siJa 



t 



- 5 - 

überlegt, wie unbeciaem, ungesund und letzten Enaes 
ger;u.lirlicli(ai:irGh Erregung der i*'oruniiulüse)der stei- 
fe Kragen ist, so Tragt man sich dooli irru;.er v/ieder: 
Warum tragt man ihn? V/arum unterwirft sich die 
ganze europäische Mensc.iheit diesen Din.-^en? 



Die Hausfrau hat diu Last des waschens, Steif ens 
etc., Der Kragen selbst ist d. s unbequemste, was 
man si.;h denken kann^ und zur ungünstigsten Zeit 
reisst sicher das 'rragenknoprloeh, so dass unnütze 



n* -_ • 



^Qiz verschv/ondet v/erden rauss etc. Warum trj^gt 
die gesamte europc^iscae i»iannerv;elt , allerdings 
erst nach der franzüiscaen Rsjvolution, diese ei- 
gentümlichen Rührenhüsen, die dem Bein trotz der 
schönen Form den Sinaruck ahnlich einem Elefanöen- 
fusse verleihen? Es sina Fragen, die scheinbar 
lu^cherlich jrscheinen: und doch sind aiörr von unp-e- 
heurer Bedeutung. 3s werden lur Dinge, die schöiti- 
bar gar keine Bedeutung haben, uneriiörte Kr arte 
vergeudet. Auch bei der Bu,menv/elt tunktioniert die 
Mode v/ie bei einem Faradernarsch. Es v;ird diktiert 



- 6 - 



und diu ganze 53amenv/elt unterv/irrt ^iuh diesem 
Gesetz. Es i^t eben eino ung iieure Kraft, die 
den Menüc.en avingt, diese Dinge zu erlullen. 



X. 



2. Unsere V/Qhnun<?::Y /ir sc:ili> ssen uns 
kasteniü/h.ige/ 
ein fT^R.aume,/die rimnoiamal aukiselien v/ie grosse 

S^rge. Wenn ein Mensch von der freien Natur 
hüreinkomi t und diese Mietskasernen sieht, dann 
v;ird er erschrecken und sich fra^^en: V/i-o« können 
Sj-cti Menschen in diuse S.^rge einschliessen. ■7arum?| 
Früher haben sich die Bov/ohner der 3rde begrün- 
deterv/eise gxg zum Schutz gegen die Kalte in 
Höhlen eingegraben. Aber heute - v/o bleibt die 
grosse freie Natur, die Schönheit der V/^>.lder? 
Was zv/ingt diese i^'-enscuen^ was treibt sie in 
die Höhlen? Es ist dasselbe v;ie die Moue, a.ie 
dem Menschen befiehlt, steife Kragen zu tragen 
und Kleidung, die nicht zv/eckentsprechend und 
bequem ist. Das^^elbe finden v/ir bei der Höf- 
lichkei.sform des Begriissens. Was treibt den 



^v 



- 7 - 



MeiiScLen einem ilim ..anz G-l^-icln ülti.-:'on die Ilarii 



zu reichen, sich nach seinem 'Vohl'berinden zu er- 
kundig -^^-n etc. ? ;Vas gebietet ihm, sich so zu binden': 
Auch die bestimmten Essensgesetze fallen hierunter 

und noch vieles mehr, wenn wir z*B* am Tische 
sitzen und zu hause einmal einen Hühnerknoohen 
abnagen würden und ihn dazu in die Hand nahmen, 
so würden wir dies in oesellschaft doch nie tun# 
Bezeichnend dafür ist das Sprichwort: Oebildet 
ist nur der, der wenn er allein ist, auch das Messe 
nicht zum Munde führt* Das Praktischerere wird 
nicht immer ausgeführt . und es soll auch Menschen 
geben, die in geschickter Weise, sogar die Sauce 
um die Gabel schlingen können. Es ist eine ßil- 
dangsangelegenheit, wenn Menschen diese Formen 
genau erfüllen. In jedem Schritt, in jedem Blick, 
in der Frisur und überall: Der europäische Mensch 
lebt heute eingehüllt wie in einem eisernen Korsett 

Was bewegt ihn sich so zu führen? Die Antwort: 

< 

Die Kraft, die er dafür aufbringt, ist nicht ver- 



- 8 - 

abscheuenswert: Es handelt sich um die Lebensform 
einer Gerne insohaft ^ Es ist lebensnotwendig, dass sich 
die Menschen gemeinsam auf dieser Erde einrichten. 
Es gehört dazu, dass man gegeneinander höflich ist, 
etc* Aus reinem Egoismus müssen Formen gebildet 
werden, die verhüten, dass die Gemeinschaft zer- 
stört wird^durch Raubtier verlangen, das in jedem 
Menschen schlummert. Diese Formen sind also ein 
ausserordentlich guter Gedanke. Der europäische Mensch 
zeigt durch die unbewusste Unterordnung an einen 
höheren Zweck den Ausdruck eines idealen Strebens. 
Wenn Europa z.B* einmal zu einer USTüste werden sollte, 
dann wird doch eins gelobt werden: Die ausserordent- 
liche Disziplin, die Ordnung, der sich die Menschen 
freiwillig unterworfen haben, so dass Lebensmöglich- 
keit für alle vorhanden war. Es steci:it hinter all 
dieser Vielfältigkeit doch ein gemeinsamer Sinn. 

Wer nun religiöse Formen verstehen will, 
muss einen Einblick haben über ihre Mannigfaltigkeit • 
Es ist für die Juden, die zweite Art der Formen, de- 



- 9 - 

neu sie sich unterwerfen; der Proimne hüllt sich 
in eine ^rt von Formen, die ihn imiaer mehr bindet, 
denn steht nicht hinter allen religiösen Formen 
ein Sinn, dass der Mensch sich zu seiner Selbst-» 
erhaltung diesen Formen untein/yirft? 
Der fromme Jude spricht schon morgens, wann er 
seine Augen aufschlägt, beim Erwachen ein Gebet: 
»»Ich danke Dir, Herr der Y/elt, dass Du mir meine 
Seele wiedergegeben hast»' und begleitet auch sämt- 
liche Vorgänge der Morgentoilette mit Gebeten und 
Segenssprüchen: Das liändewaschen etc. Wenn er dann 
25 Minuten mit den Tfillim an der Stirn und den 
Riemen um Arme und Kopf geschlungen zum Gebete da- 
steht, so ist das ein ganz eigentümliches Bild. 
Es mutet an, wie ein Hörn auf der Stirn. Mittags 
wird er wie von Ueb ermächtigen gehalten und darf 

sich nicht gleich auf das Essen stürzen, sondern 

einem/ 
muss erst von/Segensspruch begleitet^ die Hände 

waschen und eine Breche machen. Nach dem Essen 
spricht er das Tischgebet, nachmittags das Mincha- 



- 10 - 



gebet, abends das Abendgebet und vor dem Ein- 
schlafen wieder das Naötitgebet. Tag für Tag 
wiederholt« sich dies im Leben des frommen Ju- 
den. Es ist eine unerhörte Bindung zu den all- 
gemeinen Formen hinzu. 

Dann naht der Sabbat: Der Jude 
darf kein Stückchen Papier zerreisen, nichts 
Bestehendes vernichten! Er wird zurückge- 
halten durch eine jigentümliche Macht, las 
ist es? Vielleicht das Gebot G'ttes? Nein! 
Es ist das Unsichtbare, das sie zwingt. 
Es kommen Feiertage: Die Wallfahrtstage, die 
ihnen Verluste materieller Art bringen, ftie 
Pasttage, an denen sie sich jeglicher Speise 
und Tranks enthalten messen. — So geht es Tag 
für Tag, das ganze Leben hindurch unterwirft 
sich der Jude diesen unerhörten Bindungen. 
Warum und wieso bringt der Jude diese Kraft 
auf ? Die latwort kann nur lauten; 



- 11 - 

Der Jude kann sich solchen Bindungen unterwerfen, 
weil er sich damit zugleich einem Seienden unter- 
wirft, das mehr ist als das Leben der Freiheit, 
das die Menschen sich sonst wünschen. Und diese 
Welt kann nur sein ein Unsichtbares, Höchstes, 
Ewiges, Metaphysisches. Es kann nur sein jen- 
seits des Stofflichen. Wenn man dafür nun den 
Begriff a-*tt wählt, dann kann man sagen; ö^tt!. 
Der Jude unterwirft sich in seinem Leben dem 
Höchsten, Metaphysischen. Er übertragt diesen 
Willen in jede Handlung seines persönlichen Lebens. 
Er glaubt, dass diese Bindung von Formen beglei- 
tet sein wird über den Tod hinaus, über den letz- 
ten Tag, evtl. erst dem ersten eines wahren Le- 
bens. 



Ueber Symbole braucht man gar nicht mehr 
diskutieren* Vielleicht ist allew ein wenig un- 
deutlich und wird von folgendem Standpunkt aus 
deutlicher und klarer werden: 

Es gibt verschiedene Religionen auf der 



- 12 - 



Veit. Sie bestehen darin, dass die Angehörigen 
jeder betreffenden Gemeinschaft eine andere 
Einstellung zu dem Uebermenschlichen haben, 
was den Menschen im praktischen Leben von grösster 
Bedeutung ist. Sie unterscheiden sich in der 
Ausdrucksform . Judesein bedingt, sich den 
jüdWchön Symbolen zu unterwerfen. 

Es gibt Religionsformen, die das 
Judentum verabscheut. Zum Beispiel die orglasti^ 
sehe Religion. Sie will die Kräfte, die die 
Menschen in sich verspür en , ver göttl i chen . Das 
Bewunderungswürdigste bei den Menschen ist ja 
die Fähigkeit, ein neues Leben zu erzeugen. 
Aber die Vergöttlichung dieses Zeugungsakts 
und ihn als etwas Göttliches zu verehren, ver- 
abscheut der Jude tief. Es ist vorgekommen, 
dass die Tempel zu dem herabgewürdigt wurden, 
was man heute mit Freudenhaus bezeichnet. Und man 
kann nicht begreifen, wie sehr sich die Menschheit 



- 13 - 

erniedrigt hat. 

Jedoch gab es auch Zeiten des Gegenteils: 
Des Mönchtums und des Nonnentums, Zeiten in 
denen dcis Asketentum, die Enthaltsamkeit, her vor- 
gehoben wurde. Wenn nun aber die Zurückhaltung 
d»s Ideal wäre, dann müssten alle Menschen ins 
Kloster gehen und die Menschheit wurde aus- 
sterben. Aber das Leben ist stärker als fal- 
sche Begriffe vom Leben und setzt sich durch* 

D ie andere Seite de» Vergöttlichung 
U.Bewunderung 
/des Zeugui^aktes ist das Zerstören des Lebens. 



• 14 - 



Das Menschenleben wurde gering g ea cht et* Fremden- 
mord, Sklaveninbrd und Kindenaord waren die Folge - 
erscheinungan* Noch heute findet man in alten 
Bauwerken Särge von Kindern, die geopfert waren. 
Es ist eben so, dass die Anhänger der orgiastischen 
Religion stets versuchen werden, ihrer Zerstörung 
Ausd»ruok zu geben# So wurde zum Beispiel Matusch- 
ka getrieben •i«em Moloch anzugehören und wir 

-» 

begreifen nicht, was für ein Wahnsinn ihn verleitete 
solche zerstörende Taten zu begehen.. 

Die Lebensform der Juden jedoch hat eine 
Beziehung zu einem Höchsten, und wenn man vom Gött- 
lichen die Anschauung hat, wie ich es vorher schil- 
derte , dann sind diese Dinge unmöglich. 



Der Parsismus spielte vor 2 6oo Jahren 
eine grosse Rolle und fand sdinen Ausgang vfcn 
Zaratusthra. Der Parsismus unterscheidet den 
(j»tt des Lichtes und der Finöfernis, den a'tt des 
Outen und des Bösen. Der Q-'tt des Lichtes, der 



-15- 



das Licht gesohaffen hat, steht in dauerndem Kampf 
mit seinem Gegeng'tt, dem G«tt der Finsternis, 
dem diabolus, dem Teufel. Es ist der Kampf 
zwischen Ormuzd mit Lichtgeistern und Ahriman mit 
Dämonen, dem zum Siege» entscheiden jeder Gläubige 
helfen soll. Die Anhänger dieser Religion konnten 
nicht begreifen, dass ein G'tt das Gute und Böse 
geschaffen hätte, und sie hielten deshalb die 
Bxiatenz zweier G'ttheiten für notwendig. Es 
haben nicht alle Menschen die gewaltige Kraft 
der Projpheten, das Gut und Böse in einer Einheit 
anzuerkennen. Aber das Judentum zeigt in den 
Ausdrucksformen seiner Religion die höchste 
Beziehung zur Ewigkeit. 

Der Buddhismus ist die reinste Ausdrucks- 
form einer passiven Ethik; Dieses ganze Leben 
ist wie ein dumpfer Schleier, der zerrissen 
werden muss, so dass das bessere Sein folgen kann: 
Das Niohtmehrleben. Die wahre weit ist für sie 



^ 16 « 

eine absolute Verneinung dieser V/elt, das Aufgehen 
dieser V/elt in das Nichtmehrsein, in das Nirwana • 
ller Buddhist glaubt an eine Seelenwanderung und 
die ewige Wiedergeburt • Er rnuss also annehmen, 
dass in jedem Lebewesen, sei es Tier oder Pflanz eijiti 
vielleicht die Seele eines seiner Vorfahren wie- 
dergeboren worden ist. Er geht daher seines ?/eges 
und hütet sich, irgendein Lebewesen zu vernichten, 
oder einen Wurm zu zertreten. Wenn aber zum Bei- 
spiel ein Mohamedaner den Rest e ines Tieres in 
den Tempel wirft, dann wird er vernichtet, denn 
er ist nicht mehr lebenswert und wird zerrissen. 
|)Br /»ird nur dann erlöst werden, wenn er den höchsten 

« 

Grad erreicht hat und ein vollständig guter Mensch 
ist; sonst wird er wiedergeboren als Wurm oder 
irgendein Tier. Darum hüte Sich, irgendeinem Lebe- 
wesen etwas zuleide zu tun! Der persönliche Aus- 
druck dieser passiven Weltanschauung ist der Parkir, 
der in absoluter Starre sich in sich selbst ver- 



senkt. 



- 17 - 



Das Judentum jedoch bringt den lebendigen Zug 
reiner aktiver Ethik in diese Welt. Es schreibt 
vor: Das und das soll st i)u tun ! Das Q-ebot 
der Zedokoh ist die höchste Forderung: Du sollst 
nicht nur dem anderen nichts tun, sondern Du 
sollst für ihn sorgen. Du sollst dem Not- 
leidenden helfeni 

Dieses ist der unerhörte Unterschied 
zwischen der V/eltauffassung des buddhistischen 



Typus und des jüdischen Typus. -Der Islam, u# 
das Christentum haben diese Auffassung über- 



nommen 



Diese jüdische Ethik ist eingebettet 
in eine schöne Form, die gekrönt ist durch 



die Sabbatweihe. Ebenso wie man ein besonders 
wertvolles Schmuckstück stets in den schönsten 
Hüllen a uf bewahren wird. Dieser Sabbath ist 
nichts Zufälliges, und wenn viele Juden heute 
durch die tragische Entwicklung den Sabbat nicht 



- 18 ^ 



mehr halten können, so sollen sie doch wenigstens 
alles Unnütze vermeiden. Es ist etwas Hohes, 
wenn am Freitag die ÄinSielheit hereinbricht 
und das Qebot in Kraft tritt: "Du darfst nun 
nichts mehr zerstören!« Alles gibt der Jude 
am Sabbat aus der Hand, und er lernt dadurch 
den Gehorsam an eine höchste Macht • Es ist 
die Unterordnung, die Unterwerfung unter den 
göttlichen Willen. 

Eine der grössten Sünden der Gegen- 
wartist: Der Jude kann nicht mehr gehorchen! 
Er ist eingebildet, von sich eingenommen und 
jeder hält sich für ein^n kleinen fl-»tt. 

Im allgemeinen steht jeder Mensch 
auf dem Boden der Ev^igkeit* Söi es der Christ, 
der Mohamedaner oder der Anhänger der orgiasti- 
sehen Religion^ nur der klug Schwatzende, 
der wackelt auf der Erde herum und steht nicht 
fest. Derjenige, der sozusagen für ein EntrjÄe- 

billet in die europaische Gesellschaft sein 



- 19 - 



Judentum verkaufte, der ist heute der unglück- 
lichste und bedauernswerteste Mensch und weiss 
gar nichimehr, wohin er gehört. 

Alle diese Menschai haben s ich selbst 
vergöttert. Sie konnten nicht mehr gehorchen. 

Aber die religiöse Ausdrucksfiorm schreibt 
vor, dass jeder Jude am Freitagabend die Macht 
der Erde aus der Hand gibt| und alle Verbote 
und aebote des Sabbats streng erfüllt. Pur 
G »tt ist es nicht so wichtig, aber für die 
Menschen ist es eine ungeheuerliche Bindung* 



Der Sabbat 



beginnt, indem die Hausfrau, 



das Symbol der Gefühlstiefe, die Lichter ent- 
zündet und segnet» Und am Sabbatende wird 
die geflochtene Kerze vom Mann entzündet, als 
Ausdruck dafür, dass der Mensch wieder die 
Macht über die Erde ergreift. 

Sie werden zugeben müssen, dass diese 
Form des Judentums, eine Lebensform ist. 



- 20 - 

Es ist das geistige öewand, in das der Jude sida 

gehüllt hat} der Sabbat, die Feiertage sin d der 
Rythmus, in dem das Judentum atmet. Alle Feste 
erinnern und unterwerfen uns der jüdischen Ge- 
schichte. An den hohen Feiertagen sind die Sy- 
nagogen die Tore des ^immels und die Juden reinigen 
ihre Seele. Am Jaum-Kippur unterwerfen sich aUe 
Juden der ganzen Welt den herrlichen Formen, die 
den Körper dem Geist unterwerfen. Das jüdische 
Leben ist etwas Hanzes und das Judentums eine Hei- 
ligung des göttliches Namens auf Erden. Hev Weg 
zu diesen Idealen muss erkämpft werden und ist 
gebunden an das geistige Unterwerfen unter den 

göttlichen Willen. 

werden/ 
Alle Kräfte verwendet 



# «*. 



an das Unterwerfen der Mode, 



i'«»:«''B''>««i / »:# ♦«':«:•«•>♦■« 



.• *. *» 



und müssten sich dem unterwerfen, der 



hinter a len Gesetzen steht: Dem göttlichen Willen« 
Akiba ist bewusst für diesen göttlichen Willen 



gestorben und als seine Stirn mit eisernem 



Kamm 



s 



- 21 - 

Sprach 
gefoltert wurde, tooDdübn er 



: Höre Israel, 



der Ewige, unser G'tt, ist einzig. 

Alle, die sich gross und klug vorkommen, 
sollten bedenken, dass sie eines Tages abgerufen 
werden und dann nur dio Seele übrigbleibt. 
Wir haben eine grosse Aufgabe: Wir sind Böten 
^'ttes in dieser Welt, und Ausdruck dieses Bote - 
Seins ist die Form, das Symbol, das Gesetz. 
Es ist vor allem die y/eisheit einer Form, die 
nicht von Menschai stammt, sondern von Mose 
dttttch göttliche Weisheit den Menschen offenbart 
wurde* 



•« 



Religion als typischer Veg zu a'tt« 
Judentum als typischer Weg zu g'tt. 
Vortrag; Rabbiner Dr. Sohorsch am 29 .Nov. 34. 



.» 



In der ersten Hälfte des Abends will ich sprechen über: 
Religion als typischer Weg zu a»tt. Es scheint Von ausser- 
ordentlicher Schwierigkeit zu sein, die wahre« Religioffl« 
von den falschen Religionen zu unterscheiden. Das Vorhanden- 
sein verschiedener Religionen kann den religiösen Menschen 
beunruhigen, da es für ihn nur eine wahre Religion geben kann, 
jedoch ist das Vorhandensein verschiedener Religionen zurüwk - 
zuführen auf die Verschiedenartigkeit der Erlebnistypen, da 
ja jeder auf seine ganz persönliche weise G'tt erlebt. Es 
gibt aber nur einen ö'tt; ein Göttliches. Die gl d che Er- 
lebnisform zahlreicher Menschen prägt die verschiedenen re- 
ligiösen Typen. 

Den Grad, der notwenA g ist, um einen Gedanken greif» 
bar deutlich in die Erscheinung treten zu lassen, möchte ich 
heute dadurch erreichen, dass ich erst ergänze, was noch not- 
wendig ist und danach eine üeber sieht gebe. Nach der üeber- 
sicht werde ich eine kleine Pause eintreten lassen, um Ein- 
wendungen zu ermöglichen. 

Es liegt mir ausserordentlich viel daran, bei dieser 
Fragestellung unbedingt in der Art und Weise verstanden zu 
werden, wie ich es wünsche. Ich möchte nicht missve-rstanden 
werden; dazu sind die Gedanken viel zu rein und zu hoch, als 
dass man sie leichtfertig irgendwie gefährden dürfte. 

Zunächst einmal habe ich vor 8 Tagen schon über 
den Buddhismus, den Monismus und die verschiedenen Religionen 
gesprochen. Insbesondere auch über die Ethik im Buddhismus. 
Der Buddhismus hat die Einstellung, dass das gesamte Seien*«, 
das wahre Sein, eigentlich nidit von der Art sein kann wie 



•* 



••• 



- 2 - 



unsere Welt. Bis zu einem gewissen Grade ist aber trotzdem 
eine Annäherung vorhanden zwischen unserer Persönlichkeit 
und dieser Welt. Die wahre Welt dagegen ist eine absolute 
Verneinung dieser Welt, das Aufgehen dieser Welt in das 
Nichtmehrsein, in das Nirvana. Die Gelehrten, die sich 
mit dem Buddhismus beschäftigt haben, sind sich nicht 
darüber im Klaren, ob «Nirvana" die vollkommene Auflösung, 
in das**S«il**, in das Nichtmehrsein, bedeutet oder nur Auf- 
lösung in ein vollkommen anderes herrliches Sein, dasiT in 
Bezug auf diese weit so verschieden ist, dass diese ganze 
Welt nicht mehr verwandt ist mit der anderen. Wir aber, 
die zugleich in uns tragen das Atman und das Brahman, sind 
durch diese auch verwandt mit der ganzen Welt, in die wir 
hineingestellt sind. "Das bist Du!" sagt der Buddhist zu 
jedem. In diesem Panteismus liegt eine berückende, gross- 
zügige WÄltauffassung, die wohl der Ursprung des Gedankens 
der Seelenwanderung ist. Notwendigerweise, denn wenn wir 
eins Bind mit dieser Welt, dann muss im Gedanken dieser Ein- 
heit auch die Präge gelöst werden nach dem „Ich der mensch- 
lichen persönlichkeit. Jeder Mensch hat ein Ichbewusst- 
sein. Dieses ßewusstsein unterscheidet ihn vom Tier. 
"Ich bin ich". Darum hat jener europäische Denker D. 
seine Lehre aufgebaut auf : Ich erkenne, also weiss ich, dass 
ich bin. Wie aber soll nun im Gedanken einer absoluten Ver- 
schwommenheit und Vearbundenheit mit der ganzen Welt der Ich- 
gedanke seine Stätte finden. lUarauf kann es nur eine Ant- 
wort geben: Diese« Ich wird entweder im Nirwana erlöst und 
aus dieser Welt gleichsam zum Verschwinden gebracht oder es 
muss in dieser Welt in der gleichen Form oder in einer 
neuen Form wieder erscheinen. Wenn die Welt nur Materie 
wäre, dann könnte man sich vorstellen, dass mit dem Zerfall 
des Leibes auch die Persönlichkeit aufhört. 

Diese materialistische Ansicht vom Wesen der Welt 



- 3 - 



'* 



•. 



ist durchaus nicht buddhistisch und ist der Bedeutung ent- 
gegengesetzt, die der Buddhismus vom wahren Bewusstsein 
der Welt gibt. Das Wesen k^rt immer wieder, wird immer 
wieder neue geboren, muss sich läutern bis es so rein 
geworden Ist, dass es aufgehen kann in das Nichtmehrsein, 
in das Nirwana. 7/as kann aus der Anschauung des Rades 
der ewigen Wiedergeburt für eine Ethik herauswachsen? 
eine Ethik, die uns unser Handeln vorschreibt. Wenn man 
sich vorstellt, dass der Buddhist annehmen muss, dass evtl. 
in jedem Lebewesen, dem er begegnet vielleicht die Seele 
eines seiner Vorfahren wiedergeboren worden ist, so kann 
man sich daraus von selbst die Ethik des Buddhismus ab- 
leiten, eine durchaus passive Ethik.Hüte Bich ir gend j ema nde» , 
sei es einem Tier, einer Pflanze, etwas zuleide zu tun. 
Denn wenn Du ihm wehtust, greifst m vielleicht a±x frevel- 
hafterweise ein in das Rad der Wiedergeburt. In dem 

Buddhismus liegt eine eigene unerhörte Passivität, die 

Typus des/ 
sich politisch in dem/indischen Menschen auswirkt. Der 

Inder ist ein durchaus passiver Mecßch, die Verkörperung 
des Nichtwiderstandleistens. Diese passive Y/eltanschauung 
findet ihren persönlichen Ausdruck im Bilde des Pa^kirs, 
der in dem Augenblick die höchste Stufe 
erreicht, in dem er unbeweglich auf dem Boden sitzend 
sich in absoluter Starre in sich selbst versenkt. 

Biese passive Ethik ist eine Gegenanschauung 
dessen, was das Judentum in die Welt gebracht hat: 

Nicht die passive - sondern di e aktive Ethik. 
Du sollst nicht nur dem andern nichts tun, sondern Du sollet 
für ihn sorgen. Hier wird verkörpert der Begriff der 
Zedokoh: DU soUst dem anderen, dem Notleidenden,helfen! 

In diesem Punkte tritt der unerhörte Unterschied 

t 

zwischen der Weltauffassung des buddhistischen Typus und 



- 4 - 



des jüdischen Typus in der Auswirkung klar in ErÄchei- 
nung. Der jüdische Typus sagt: Sei aktiv in der 
Welt, tritt ein für Deinen Mensch enbruder, liebe ihn, 
denn er ist wie Du! Das steht im Zusammenhang mit 
der Präge: welches ist nun die Anschauung, die das Ju- 
dentum in die Welt gebracht hat. Es ist auch eine 
naturalistische Einheitsdeutung von Natur und Mensch en- 
kräften, doch darin vom Buddhismus unterschieden, dass 
alle Kräfte der Natur, alle Kräfte des Menschen, der 
Welt und der Menschheitsgeschichte gesammelt gegenüber- 
gestellt werden einem ewigen willen , nicht einem per- 
sönlichen a'tt, wie man es gewöhnlich auffasst. Sobald 

"persönlicher/ 
man den Begriff/Q-'tt" anwendet, so geschieht es leicht, 

dass sich die Menschen den lieben &'tt irgendwie als 
alten Mann mit langem Bart vorstellen. Es geht 
wahrscheinlich zurück auf die erste Stunde des nicht- 
jüdischen Religionsunterrichtes, im Christi i dien 
Religionsunterricht wird in einer ganz anderen sach- 
läge die symbolische vermenschlchung da rgestellt^i e 
Anschauung, die durch die Juden in die Welt gebracht ist: 
Dass ein zielbewusster Wille» der weit gegenübersteht, 
ist absolut verschieden von jeglicher Erscheinungsform 
dieser Erde. Da sollst Dir keine Vorstellung *om 
Göttlichen machen. Das Judentum spricht nur von dem 
Willen, der die Welt gestaltet undhinaus führt in die 
aktive Ethik des Judentums, vom d. ttlichen WiB en. 
Der sittliche Wille, der innerhalb des Judentums deut- 
lich wird, die sittliche Aktivität, die fordert: Die 
Beseitigung des Mordes, die Ausmerzung des Raubes usw. 
als Grundsätze menschlichen Handelns, geht zurück auf 
den sittlichen Willen G'ttes, der den Propheten klar 
und deutlich geworden ist. Aber wenn ich nun nach 
diesen Ausführungen mich ganz förmlich ausdrücke, so 



- 5 - 



so ist es so, dass überall, »owohl im Judentum wie 
in anderen Religionen die v/elt als geschlossene 
Einheit einem ewigen Willen gegenübersteht, der 
diese Welt geschaffen hat. Diese weit muss Sich em- 

* 

por schwingen zur Vervollkommnung, zur Reinheit, zur 
messianischen Zeit. Diese Deutung der Wel1i,und 
was alle Religionen versuchen, und was jeder Mensch 
versucht, wenn er über Reli^on nachdenkt ist: Das 
Auseinandersetzen damit: Was ist die Welt und was 
bin ich? Das Judentum antwortet darauf eindeutig: 
Diese 7/elt ist gesclriaffen von einem ewigen göttlichen 
Willen. Das idt eine gr'osszügige Einheitsdeutung, 
Die pan-lBistische Deutung auf der einen, die mono- 
theistische Deutung auf der anderen Seite, der 

des Buddhismus/ 
unerhörte pessimismus/ünd der sittliche Optimis- 
mus des Judentums, das sind zwei unerhört grosse 
Konzeptionen der Weltauffassung, die einander ge- 
genüberstehen und deren Auswirkungen bis in die 
aller kleinsten Beziehungen auch heutigen Tages zu 

verspüren sind» 

innerhalb der monotheistischen Religionen 

bestehen ebenfalls Unterschiede. Sie zerfallLen in 
3 verschiedene (Jruppen: Judentum, Christentum und 
Islam. Der Unterschied der vorliegt, ist ein typi- 
scher. Dem Judentum am nächsten steht der Islam, 
weil auch er den Begriff des einzigen (J'ttes an den 
Anfang stellt und nicht den Umweg über die Deutung 
des dreieinigen O'ttes einschlägt, in diesem 
Zusammenhang darf ich nun folgendes sagen: 

Die Auffassung des Judentums vom Sinn 
und Sein der Welt ist im Isiam einfach aufgepflanzt 



- 6 - 



l 



und entwickelt worden auf dem Wesen jenes aramäischen 
Menschen, der auf der araLisohen Halbinsel aurge- 
wachsen iacksr und eingebaut ist in die monotheistische 

vreltauffassung des Judentums. 

Schwieriger ist das Verständnis des Christen- 
tums. Idi möchte jedoch bemerken, dass alle Religionen, 
die ich genannt habe und neun», auch für uns Juden 
Heiligtümer sind. Wir vertauschen nicht einen Typus 
mit dem andern. Jede Religion ist ein Heiligtum,und 
das einzige ist, dass wir uns gewisser philosophischer 
unterschiede klar werden; aber wir haben die Lebens- 
form jeder anderen Religion einfach ainzuer kennen. 

Der Unterschied zwischen Judentum und 
Christentum besteht auf der gleichen arundlage der 
Ethik einer andersartigen göttlichen IDeutung: Die 
dreifache Erscheinungsform G'ttes: G'ttvater, Sohn 
und Heiliger Geist. Diese Begriffe sind ähnlich auch 
im Hebräischen vorhanden: Ruach kaudesch= Heiliger Geist. 
ES ist ä^äSS^uSterschied darin, der sich jedoch schwer 



definieren lässt und den auszuführen ich einen Abend 
besonders benötigen würde. Bezeichnend ist, dass 
ein spanischer Maranne, der zum Chiistentum überzutreten 
gezwungen wurde, den Ausspruch tat: "Sei nicht wie löein 



Vater " . Wir Juden können auf alle Fälle «att typisch 
nicht verstehen, dass man an Stelle des einzigen G'ttes 
eine ülreieinigkeit setzt. Wir nehmen ohne weiteres an. 
dass derf roime Christ in der lUreieinigkeit tatsächlich 
die Einheit G'ttes erlebt und trotzdem ist es den Juden 
nicht möglich, dieses nachzuenpfinden. Dies bedeutet 

die typische Trennung des Christentums vom Judentum. 

Das gleiche besteht in der Ethik. An einer Ställe geht 

die christliche Ethik sogar über die jüdische hinaus: 



Du sollst Deinen Feind lieben. Das Judentum führt 



- 7 « 



diese Forderung jedoch wk ad absurdum. Es sagt: »i 
sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Auch Dei- 
nen Peind, und wenn Dein Feind strauchelt, frohlocke 
nicht. Du sollst ihn auch nicht hassen. Aber das Ju- 
dentum sagt nicht: "Da sollst Deinen Feind lieben," und 
zwar deshalb nicht, weil ein Mensch das einfach nicht kann 
(wenn man sich vorstellt, dass die Welt unterginge, 
dass alles, was hier Wert für uns hat, hinfällig wird, 
dann könnte dies vielleicht möglich sein. Nach der Auf- 
erstehung Jesu haben die Christen an die Wiederkehr ge- 
glaubt. ES war tatsächlich Unter gangsstimmung und aus 
dieser Stinmung wurde gesagt: Gebt alles, was Ihr be- 
sitzt fort, denn eher wird ein Kamel durch ein Nadel - 
Öhr gehen, denn ein Reicher ins Himmelreich gelan^n. 

in diesem Zusammenfeang möchte ich wiederum 
von dem M» ne sprechen, den ich schon 2 mal erwähnt ha- 
be. ES ist Maimonides, der im Jahre 1955 8oO Jahre ge- 
worden sein würde. Zu seiner Zeit wurden die Juden 
im südlichen Arabien verfolgt. Es «tostand ein eigen- 
tümlicher Prophet, der angab, er sei von G'tt gesandt und 



die Juden müssten Mohamed 



anerkennen. Sie müssten s ich 



jeden Eigentums entkleiden. Damals haben sich die Juden 
an Maimonides gewandt und er sagte: In unserer Schrift 
steht :"Du sollst von Deinem Vermögen geben" (die glei- 
che Einschränkung wie bei der Peindesliebe). Nioht.Da 
Sollst Dein Vermögen verteilen, denn wenn er alles gibt, 
bleibtlihm nichts mehr, und er muss selbst Allmosen betteln 



gehen, und dann ist die Lebensmöglichkeit für den Manschen 
zu Ende. In diesem Punkte geht die christliche Ethik 

über die jüdische hinaus 

Der unterschied besteht im G'ttesbegriff : 



- 8 - 



Der zweite unterschied liegt in dem Begriff, dass die 
Gnade G'ttes durch einen Mittler vermittelt wird. 
Dieses ist eine Lehre, die jeder nachempfinden kann. 
wer in seinem Leben einmal, nur ein einziges Mal, 
einen Lehrer gehabt hat, an dem er mit tiefer Begeisterung 
hing, der wird begreifen, was Rührertum bedeutet. 
Man kann zu einem gewissen Grad nachempfinden, dass 
Menschen das Bedürfnis haben, einen Führer zu besitzen , 
der sie in die höchsten Regionen führt. Das Christen- 
tum hat diesen Führer auch in der Gestalt Jesu gefunden. 
Aber der Jude ist ein anderer Typus. Er kann zwischen 
sich und G»tt keinen anderen als Mittler anerkennen. 
Der unterschied zwischen Katholi#zismus und Protestan- 
tismus liegt in der Auffassung des Vermittlers. 
Beim Katholizismus erscheint die Vermittlung in einem 
mystischen Licht, während beim Protestantismus eine 
natürliche Vermit-Qerrichtung angestrebt wird. 

Ich will nun noch einmal zur besseren Ueber- 
sicht klar die verschiedenen Religionstypen schildern: 



poiz: 



deutung nach Men«chemrt. Man führt die Erscheinungen 
der Natur zurück auf Götter. Die.e Art der Religion 
nannte ich die mensdilich gerichtete, die anttoprozen- 
ttische TJatur deutung . demgegenüber die antroprozen- 
trische TCräftedeutung in den Orgiastischen Religionen 



steht. 



2. nrf ^iastische Religionen: Es wird der Zeugungs- 
akt auf der einen und der ZersUörungstrieb auf der 
anderen Seite als das Hödiste angebetet. 

3. Parsismus : Die Richtung ist eine objekti- 
vierende Natur- und Kräftedeutung . Der Parsismus 
unterscheidet den G'tt des Li<tte s und der Finsternis 



- 9 - 

den a«tt des Guten und des Bösen. Der G'tt des Udites 
steht in dauerndem Kampf mit dem a'tt der Finsternis, 
dem Teufel, diabolus. Der parsismus, der diesen Kappf 
zwischen Gut und Böse sieht, der deutet die Welt als m- 
alismus und geht damit über die Natur- und Kräfte- 
deutung hinaus zu einer Binheitsdeutung. 

4, Pantheismus und Buddhismus: 

Neben diese Deutungen treten nun die meta- 
pgysischen Einheitsdeutungen von Natur und Menschen- 
kräften, wiederum mit zwei Unterschieden: Mit der 
Richtung auf das Jenseits, mit der Richtung auf das 

Dieaseits.S 

5. Monismus: Wir finden hier einen umgekehrten 

|>antheismus. »ie Materie wird zu G'tt erhoben. 

6.7.8. : Judentum^. Christentum u. Islam: 
Hier tritt uns die metaphysische Binheitsdeutung 
klar entgegen. Das Jüesseits und das Jenseits sind 
eng miteinander verbunden und das irdische Sein beruht 
auf der Schöpfung G'ttes. Ein wunderbares Bfennbild hier- 
für ist die Traumleiter Jakobs. Sie steht auf der 
Erde und ragt bis in de» Himmel. Sie verbindet das 
Erdgebundene mit dem Metaphysischen. Das Dieaseits und 
jenseits werden zu einer Einheit. Welcher Einheit 
das bedarf noch einer späteren Erörterung. 

8. Katholizismus, (wie vorher angeführt). 



Zwischen diesen verschiedenen Religionstypen 
bestehen eigentümliche Beziehungen. loh bin innerlich 
manchmal tief erstaunt, Bs sind 2 grosse Kreise , die 
wiederum in sich zurückkehren. 

iter erste Kreis :3ack »er Polytheismus. Dem- 
gegenüber steht der Pantheismus. Aber im Monismus kehrt 
er wieder zurück zum Polytheismus. 



- 10 - 



r ^r zweite Kreisj. Angefangen mit den orgiastischen 
Religionen. Dagegen steht der Dualismus des parsis- 
mus auf der einen Seite und die Metaphysische Ein- 
heitsdeutung des judentumsauf der anderen Seite, Mit 
dem Begriff des Satans« derjenige, der uns auf dem 
Wege hindert, wird zum Dualismus des Parsismus zurück- 



kehrt • 



jOarum habe 



Nach einigen Ausführungen von Herrn Löwenbach: 
ich hatte keine Wertung irgend einer Religion aus- 
gesprochen, ich Äprach mr davon, dass es verschie- 
dene Brlebenstypen gihl^. Diese Auffassung ist niemals 
einheitlich für alle Menschen zu gestalten, weil die 
Menschen grunis*ätzlich verschieden sind, 
ich gleich zu Anfang meiner Vortragsreihe gesagt; 

^ n • V, i.Kr,«+A 68 auf der Erde soviele Religionen 
G-ruai satzlich konnte es aui u.«*. 

geben als es Menschen gibt, aber es sind nur 9 ver- 
schiedene Typen vorhanden. Das ist ein verblüftenles 

Ergebnis. 

Bin Wpus davon ist das Judentum. Das Ist 
unsere saelisohe Haut, aus der wir nicht herausl^önnen. 

loh mochte heute abend noch kurz auf das 
„am todausch" zurttoUkonmen = das religiöse, heilige 
Volk, zuerst mass ich die Frage aufterfen: 

»oher kommen die heutigen Juden? 
Wir haben zunächst die jüdische lehre. daSS «ir die 
„,ene awrohom« die Kinder Abrahams slnd.Das konnte also 
bedeuten, dass wir Juden blutgemäss von Abraham ab- 
stauen, der vor »000 Jahren aus Or am Bxphrat aus, 
gewandert ist nach Kanaan in Palästina. Daneben haben 
,ir die kullurgesohichtllche ueberlleferung. dass wir 
nämlich seit Urzeiten fortwährend fremdes blutge- 
mässes Volkstum in unser Sein aufgenommen haben, 
schon Abraham hat seine 3l8 Knechte in seine LebÄns- 



- 11 - 

gerne in Schaft aufgenommen. Es tritt uns also schon 
hier ein anderes Volkstum entgegen. Ferner dürfen 
wir nicht vergessen, dass dio Juden als die aus A6- 
gypten auszogen, begleitet wurden von dem «ere« raw" 
s unbestimmbarer Volksbestandteil, der im Volks- 
ganzen aufging. Ausserdem haben die Juden in Palästina 
die aibeoniten in ihre Gemeinschaft aufgenommen. 
Weiter wird berichtet, daas die Juden die Philister 
in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben. Diese sind 
höchstv;ahrsch>..inlich indo germanischoa Ursprungs. 
Ebenso wie eine Reihe der anderen Völkerschaften Pa- 
lästinas j Z.B. dieCKititer, von denen man vermutet, 
dass auch sie indogermanischen Ursprungs sind^ und die 
später von Ramses mit Kampflöwen vernichtet wurden. 
IDes weiteren sind vom Judentum Menschen aus dem rö- 
mischen und griechischen Kulturkreisen aufgenommen 

ein/ 
worden. Rabbi Meir ist auch solcher Mensch, der 

im Judentum eine ungeheuc ev- Bedeutung errungen hat 

komme 
und der Nachfidkx« eines griechischen Pioselythen war. 



In Südarabien sind ganze Volksstämme zum Judentum 
übergetreten, ebenso in Abessinien, in Südrussland 
waren es die Chasaren,und es ist uns bekai nt, dass 
in der Zeit Heinrichs d.i. viele christliche Geistliche 

übertraten, 

Nach einem interessanten Bericht im "Morgen" soll 
der grösste Teil der europäischen Juden nicht von den 
Juden aus paläst ina, sondern von armenischen Proselythen 
abstaamen. 



Wir können also zwei Theorien aufstellen: 

1, Wir sind Nachkommen Abrahams. 

2. Das Judentum ist blutgemäss aus zahllosen VolkS' 

bestandteilen zusan mengesetzt. 



-la- 



ich wiederhole noch einmal die Pra^e: Woner komir.t das 
jüdische Volk? In der Bibel ist der Beweis dafür ge- 
geben, dass die Juden grossen Wert auf Rassenreinheit 
gelegt haben . Ich möchte dazu noch folgendes ausführen: 
Von den Samar itanern wurden die Juden in die Gefangen- 
sctiaft geführt. Da man fürchtete, dasa die wilden 

Tiere überhand nehmen würden und man dieses aur das 

durch die Samar itaner/ 
Hichtanbeten der Landesgottheit/zurückführ te, wurde 

der Wunsch nach einem israelitischen Priester laut. 
Daneben bestand aber der heidnische Typus. Auf der 
einen Seite wurde also die|alte heidnische Religion 
beibehalten und auf der anderen Sei ^e betete man den 
ö'tt der Juden an, weil man ihn fürchtete. So entstand 
der samar itanische Typus. Bie Juden haben die Samari- 
taner nie in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Sie lehnten 
sie wegen ihres Syndhretismus ab. 

Pur die zweite Theorie spricht die Geschichte Esras, 
derdas neue Palästina innerlich r «formiert hat. Er zwang 
die Juden, ihre ha dni sehen Frauen fortzuschicken, 
Wenn er hiedruch die Rassereinheit des jüdischai Volkes 
erhalten wollte, dann s chlägt dieses allen Theorien 



v*on der Aufnahme 



• <i »:« 



anderer Völker ins Judentum 



ins Gesicht. Er wollte vielmehr die Religionsreinheit 
erhalten, denn die Frauen behielten in ihrer Bhe die 

heidnische Religion b#i. ^Missionieren ist den Juden 

verboten. 

Das jüdische Volk ist etwas anderes als ein 

Rassenvolk, Wenn auch ein Teil von uns seine Vorfahren 
zurückführen kann bis auf die Juden, die früher in Pa - 
lästina gelebt haben. Wir sind kein blutmässiges Rasse- 
volk sondern ein Typenvolk, d.h. Zum Judentum gehört 
nicht der, der in seinem Blute dazu pa^st, sondern der 
in seinem Geist zugehörig ist. 

3te.s Judentum ist zentralreligiöser Lebens- 
standpunkt 



■1 



Amkodausoh 
Vortrag: Rabb# Dr. Sohorsch, Lehrhaus, am 6 •12. 1934* 



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Meine Damen und Herren I 

loh möchte heute abend vor Weihnachten mit den Vorträgen 
dann abschliessen und erst wieder Mitte Januar beginnen. 
Heute abend mochte ich zu Ende kommen mit dem Kapitel des 
"am koaausch" des heiligen Volkes, des religiösen Volkkes. 
Ich habe Ihnen einen Einblick gegeben in den Qrundaufbau 
vDii der Anschauung des Judentums. 

Ich darf vielleicht noch einmal den Gedanken 
ins O-edächnis zurückrufen, den ich Ihnen schon zu Anfang 
ausführte. Ich habe durchaus nicht die Absicht, Ihnen 
irgend etwas über das Judentum zu beweisen, sondern ich 
beschreibe Ihnen das Judentum so, wie ich es sehe, wie es 
mir erscheint auf &rund meiner persönlichen Intuition. 

Ich gehe um dieses Judentuia herum, um es von 
allen Seiten zu besehen. Bas bedeutet nämlich: Man muss 
das Judentum in Beziehung setzen möglichstzu allen Seiten 
des Lebens, mit denen wir in Berührung kommen. Denn 
nur das, was wir selbst erleben, was von uns selbst in 
unserem Leben g ei'J.ärt worden ist, ist wertvoll; was man 
nur in Begrifren weiss und was man nur von einer Seite 
aus betrachtet, das ist eben nicht vollständig geschaut. 
Darum versuche ich das Judentum von allen Seiten her zu 

beleuchten. 

Zuerst habe ich Ihnen die IJiaLlen angegeben, aus 

denen die Kenntnis des Judentums erwächst. 

Und dann in einem zweiten Kapitel habe ich Ihnen 
dargestellt, dass Judentum grundsätzlich zentralreligiöser 
Lebensßtandpunkt bedeutet. Es gibt ausserhalb der religiö- 
sen Betrachtung des Judentums überhaupt kein Judentum. 
Es gibt wohl verschiedene Judentümer, aber kein Judentum 



f 



4 



t 
t 



- 2 - 

da sf nicht irgendwie zentralreligiös gebunden ist. 
Es ist nicht gesagt, dass zwischen orthodox und liberal- 
religiös ein wesentlicher unterschied besteht, denn 
beides sind grundsätzlich religiöse Auffassungen des 
gesamten Lebens überhaupt und g'ttgebundenes Leben 
jüdischer Menschen. Sie sind gleichsam die Wurzeln, 
aus denen alles Judentum herauswächst. 

Dieser Gedanke ist natürlich eine Behauptung, 
die unter Umständen dem einen oder anderen vi^^lleicht 
noch nicht einleuchten wird. Es liegt in der Natur 
aller derartigen Gegenstände, die man nicht beweist. 



die man nicht logisch ±1 






k mathematisch auf- 



baut^ sondern die man beschreibt. Bass man sie erst 
voellkommen versteht^ wenn man auch das Spätere v/eiss 
und verstanden hat, erst dann hat man die gesamte ueber- 



schau. 

Bs liegt in der Natur menschlicher Darstellungs- 
fähigkeit, dass man das einmal Gesehene klar bewusst 
aufnimmt oder linear darstellen kann, indem man einen 
grossen g eistigen Weg zurücklegt, und dadurch notweiÄg 
immer wieder auf diese Zusammenhänge eingehen muss» 
Der G-edanke ist in den 3 Abenden schon deut- 
licher geworden, dass das Judentum ein typischer Weg 
zu &'tt ist. Ich habe versucht, Ihnen darzustellen, 
wie das Judentum aus der scheinbaren Menge der vor- 
handenen Typen sich heraushebt als ein ganz# bestimmter 
klar ersichtlicher Weg ins Metaphysische; So deutlich, 
dass ein jüdischer Mensch ohne weiteres an dem Schema, 
das ich Ihnen von 8 Tagen gegeben habe, nachprüfen kann, 
ob er ein jüdischer Typus ist oder nicht. Die Typen 
lassen sich nicht miteinander verquicken« Es gibt 
wohl eigentümliche Verständigungsmöglichkeiten über 



« 3 - 



f 



*•♦ 






i 



das gewöhnliche Mass hinaus, wenn aber sich jemand 
in seiner Entwicklung als klar bestimmter Typus unter 
allen Umständen als Jude erv/eist, kann er sich nie 
zu einem christlichen Typus entwickel«n. wer (J'tt gegen- 
übertritt durch einen Vermittler, durch einen reli- 
giösen Führer, ist ein anders gerichteter Mensch als 
derjenige, der &'tt immer nur unmittelbar gegen- 
übertreten kann, und alle diejenigen Menschen, die 
innerhalb des Judentums den Weg des Vermittlers gehen 
wollten, sind vollständig aus dem Judentums aus- 
geschieden. Es ist ausserordentlich interessant, 
unter diesem Gesichtspunkt f ..stzuatellen, dass immer 
wieder Versuche gemacht werden, ein Vermittlertum 
einzuschieben. Bis zu einem gewissen Grade finden 
wir dieses auch bei dem Chassidismus, der bekamt wurde 
durch die Arbeit von Martin Buber. In gewissem Grade 
scheint es manchmal, als ob der Wunderrabbi eine V^^r- 
mittler stelle einnehmen könnte. Wer ein gewisses 
Fingerspitzengefühl in diesen Dingen hat, der kann 
hier genau nachprüfen, wie manchmal in sonderbarer 
A»t und Weise dieser ganze Zusammenhang ins Schwanken 
gerät. Ich führe dies an, um die Verbindung mit dem 
Leben zu suchen._l/Die Hervorhebung des jüdischen 
Typus ist nur eine Vorstufe zur Kiä*ung. 
Zuerst habe ich versucht, die formale Schilderung des 
4udentums deutlicher Auszuführen und bin dann über- 
gegangen zum Begriff des "am kodausch", des heiligen 



Volkes. 



Ich habe die Frage beantwortet; Woher kommen 



die Juden rein körperlich? 



Die Behauptung, dass die Juden - wid ©s von 
verschiedenen Seiten b ehauptet wird - eine Rassege- 



- 4 - 









meinsoha±*t sei, kann nicht zutraf fen| und wird von 
den Kundigen auch nicht aufgestellt. Sogar in den 
Rassekundebüchern, die neuerdings auch in den Schu- 
len benuti werden, wird verschiedentlich die 
Peststellgung gemacht, dass das Judentum nicht eine 
Rasse sei, sondern ein Volk, dass aus verschiedenen 
Rassen besteht. 

Es ist ganz deutlich für den, der geschicht- 
liche Zusammenhänge übersieht, dass die Juden tat- 
sächlich ein Volk sind, das aus den verschiedenen 
Rassen besteht., die es überhaupt geben kann. Viel- 
leicht gibt es überhaupt keinen Rassetypus, der 
nicht im Judentum enthalten wäre. Ich weiss es 
nicht* Wie kommt es nun, dass alldiese Menschen 
aus den verschiedenen anderen Rassen gerade zum 
Judentum gekommen sind?, und nicht zu anderen. 
Es ist ganz merkwürdig, dass es neben den verschieden- 
farbigen Juden, den chinesischen Juden in Honan, 
den typisch mongolischen Men schien, de: 

, den schwarzen Juden, in allerneust er Zeit 
nach 4am Bericht 
im Pamilienblatt, auch indiwitsche Juden gibt. 
Hier liegt der Fall besonders merkwürdig. Es würde 
aber zu weit führen heute abend eine Theorie zu ent- 
wickeln, die Innen in Bezug auf die Herkunft der 
indianischen Kultur Auf seil luss geben würde. Es ist 
jedenralls offensichtlich, dass die Juden ein Misch- 
volk sind in Bezug auf die rassische Herkunil;. Was 
sind sie aber nun geistig? In der Ueberlieferung wird 
es klipp und klar erhalten, dass wir die Nachkommen 
AbÄhams sind innerhalb des geistigen Judentums. 





I 



— 5 — 



** 



Wenn z.B. ein Proselyt zum Judentum kommt, dann bekommt 
er einen jüdischen Namen, ebenso wie ein Nicht Jude, der 
zum Judentum übertritt als"Ben Awrohom" bezeichnet wird, 
was eine unmittelbare VerÄin^ng über Jahrtausende 
hinaus zu Abraham bedeutet. Diese Lehre der körperli- 
chen Abstammung wird ganz besonders stark besiegelt durch 
den Bund Abrahams unter dem Namen: Milah = Beschneidung. 
Was liegt hier Merkwürdiges vor? Es gibt eine Lehre 
im Judentum, nach der ohne diese Aufnahme in den Bund 
Abrahams ein Jude nicht Jude sein könnte. Wir wissen 
auch, dass die Zugehörigkeit körperlich besiegelt wird. 
Bei der Aufnahme eine Knäbleins in den Bund spricht man: 
Du sollst durch Dein Blut leben. Durch dieses Vergiessen 
des Blutes, das evtl. auch eine Lebensgefahr dars\.ellen 
könnte, sagt man: Durch dieses Vergossene Blut sollst und 
'wirst Du leben. Y/as liegt hier zutage? Es ist eine körper 
liehe Versiegelung eine geistigen Gehaltes. Nun müsste 
ich Sie zum ersten Male auf einen eigentümlichen Umstand 
aufmerksam machen, den ich Ihnen jedoch als Abschluss 
eines besonderen Kapitels beantworten möchte. 

Zun&ähst will ich Ihnen eine ganz kurze Antwort 
darauf geben. Wir sehen nebeneinander Geistiges, oder 
im Judentum gefasste Menschlichkeit, sowie körperliche 
Bindung. Was hat das eigentlich miteinander zu tun? 

Stellen wir uns einen Vater vor, der sich per- 
sönlich zu einem charaktervollen Menschen herausge- 

beitet hat. Wie wird er versuchen seiner eine Ethik 
seinem Sohne zu übergeben? Der Vater wird höchstwahr- 
scheinlich wie alle Pädagogen, die zum ersten Mal vor 
eine solche AufgabegesteQ.lt sind, sagen; indem er sich 
seinen Sohn vornimmt: Es ist eine Grundlage des ge- 



ar 



-. 6 - 



t, 



samten n t ^ Menschentums, dem anderen zu helfen. 

Er wird mit vielen Worten seine Ethik darlegen und 
eines Tages das Merkwürdige entdecken, dass der Sohn 
die Worte gehört hat, aber die Taten nicht ausführt» 
Der Vater hatte vorausgesetzt, dass wenn man etwas 
sagt, es auch getan wird. Man muss aber eines Tages 
aus eigener Erfahrung erkennen, dass Menschen nicht 
das tun, was gesagt wird, auch wenn man es 5 mal wie- 
derholt, wird es vielleicht kaum gehört werden. Wer 
nur mit Worten den andern etwas lehren will, wird 
eines Tages zu seinem grössten Erstausn erkennen : ijas 
V/ort lehrt nicht, sondern nur unter einer ganz be- 
sonderen Konstellation. 

z.B.: SS brennen Lampen. Diese Lampen 
kann man zur Kraftausstrahlung bringen, wenn man 
an einer ganz« bestimmten Stelle einen Hebel berührt. 
Wir man einfach an die v/and drücken, so werden die 
Lampen nicht reagieren, ebenso an keiner anderen Stel- 
le, sondern nur durch den auslösenden Hebel, der in 
einer ganz bestimmten Konstellation den Kontakt her- 
beiführt. Aber diese seltene Möglichkeit des Kon- 
taktschlusses ist umgeben von einer Wüste der Nicht- 
möglichkeiten. Alle diejenigen, die mit der Pädago- 
gik anfangen, beginnen mit dem Lehren von Worten. 
Bin Beispiel, das Ihnen ohne weiteres deutlich vor 
Augen führt, was ich meine: Wenn jemand z.B. in einer 
O-rossstadt nervös geworden ist, was wird man tun, um 
ihn zu heilen? Es hat keinen Zweck, ihn in der Gross- 
stadt zu lassen und ihn mit Worten zu heilen versuchen, 
sondern man muss ihn in ein anderes Milieu versetzen. 
Da er im großstädtischen Leben krank g ewor den ist, 
so wird er höchstwahrscheinlich nur wieder ge- 



- 7 - 



Sunden, in einer Umgebung der Ruhe, in der leben- 
digen Frische gründnder Natur. Es ist nicht mög- 
lich, dass man eine Heilungsmethode so ohne weiteres 
aus der Westentasche ziehen kann. Der beste Arzt und 
Pädagoge witd ohne Worte einen solchen Menschen 
in ein anderes Milieu verpflanzen = ein pädagogisches 
Mittel ohne Worte. Die Milieubeeinl'lussung ist das 
erste pädagogische Mittel überhaupt. Das Eltern- 
haus ist ausschlaggebend für die Gharaktergestaltung 
eines jeden Menschen. Nicht durch die Worte des 
Vaters oder der Mutter, sondern dadurch, dass diese 
eine ganz bestimmtes Leben gestalten, wenn die 
Eltern ^u dem Kinde sagen: Du musst die Wahrheit 
sprechen und eines Tages merkt das Kind, dass die 
Eltern anders handeln als sie sprechen, dann sind 
die Worte verpufft. Persönliches Beispiel ist das 
beste. wenn wir dieses übertragen auf den Rahmen 
iiner OemeirBchaft und den Rahmen der Menschheit, 
danni st es unmöglich, da. s jene ungeheure meta- 
psysische Verbindung mit dem Oött liehen erhair-en 
werden könnte durch reine Begriffsformulierung. Das 
ist absolut ausgeschlossen. Ueber die Präge, wie 
es gemacht werden könnte, möchte ich heute abend 

nicht sprechen. 

ich möchte aber auf einen Punkt hinweisen, 
dem zuliebe ich diese Erörterung ausgeschlossen habe 
Die Milah, die Beschneidung, ist eine unerhörte 
irdische Bindung ewiger metaphysischer Beziehungen. 
Der physiker weiss ganz genau, dass er mit seiner 
Apparatur unsichtbare Strömungen fangen kann und 
sie in Erscheinung zu bringen vermag. So kann der 
Jude ewige ströme fangen in ganz besonderen Arten 



8 - 



von Symbolen. ©Bin solch gev/altiges Symbol ist die 
Beschneidung. Diesen Gedanken kann ich Ihnen noch 
deutlidier machen auf örund von Erörterungen, bö- 
aenken Sie die (jefahr der orgiastischen Religion, die 
das Judentum erbarmungslos bekämpfte, da sie mit 
dem Mord verbunden war und kein Mittel zur Erhaltung 
sondern zum Zerstören bot# Die Juden sagen nicht: 
Lau zirzoch: Du sollst nicht morden. Nicht soll 
des blut f Hessen, der Blut vergossen hat, sondern 
sie vollzogen eine Bindung durch das Blut. Die 

orgiastische Religion ist verbunden mit dem sexualis- 

ein/ 
mus. Die Beschneidung ist/so deutliches Symbol da- 
für, dass das Judentum nicht an den Hauptgrundlage 
des Lebens vorbeigeht, an der das vergangene Jahr - 
hundert einfach vorbeiging. In der Zeit der Puber- 



tät finden junge Menschen 



häufig nicht das rech- 



te Verständnis. Man sollte über diese Dinge dann 
nicht reden, sondern lieber schweigen. Diese Vor- 
gänge sind stärker als alles scheinbar Aesthetische, 
was die Mensclien bindet. Das Judentum geht hieran 
nicht vorbei und hat durch dies Symbol jedem ein- 
deutig gesagt: Auf diesem Gebiet bedeutet Aus- 
schweifung seelischer Tod und späterhin die körper- 
liche Vernichtung das VoIbs. Die Geschichte lehrt, 
dass hieran grosse Völker zugrunde gegangen sind. 



Dieses wird immer so bleiben. 



'•%'p €' *.••:•* 



wie das Zitat 



sage: Der Welt Getriebe, erhält sich durch Hunger 



und Liebe. 



Was ich eben ausführte, s^eht im besonderen 






V 



- 9 •'' 



«. 



Zusammenklang mit dem Begriff des "am kodausoh" des 
heiligen Volkes. D«« Judentum will fernhalten vom 
Orgiasmus. Hier beginnt die geistige Haltung, und 
jeder, der sich dieser Bindung unterwirft tritt damit 
ein geistiges Erbe, die Lehre unseres Vaters Abraham 
an, in Verbindung durch ein körperliches Zeichen. 
Hier liegt ein Mysterium, dass man w eiter nicht mehr 
erklären kann. Aber so wird es uns Juden gelehrt: 
Das ist der Bund Abrahams. Da aber Abraham alle 
seine Hausgenossen in diesen Bund eingeführt hat, 
sind sie mit ihm verbunden worden, und niemand Ivann 
genau wissen, ob er von Abraham abstanrnt oder von 
einem der Hausgenossen, die damals zur Hausgemein- 
schaft von Abraham gehört haben. Nicht die rassln - 
massige Zugehörigkeit ist ausschlaggebend, sondern 
die geistige Bindung durch körperliche Unterwerfung. 
In diesem Punkte darf Europa sich an die Brust an- 
schlagen, und wir Juden sind mit allen Tugenden und 

Europas/ 
Vorzügen/und/damit auch mitallen Fehlern verknüpft und 

mit der europäischen Geschichte verbunden. Ich 

brauche es nicht w eiter auszuführen. In dem Punkte 



muss man manchmal eine innere Scham 




empfinden 



und ich glaube nur eine Andeutung machen zu müssen, 
wie deutlich hier auf diesem Gebiete Schuld und Sühne 
mathematisch gewissenhaft in-einandergreifen; aller- 
dings auch die schädigend, die nie etwas mit denen 
zu tun hatten, die auf diesem Gebiete sündigten. 
Diese abramitische Aufgabe ist in einer ganz be- 
sonderen Art und Weise überliefert worden, bis sie 
zur Konstituierung des "am kodausch" führt, 
und ich möchte darauf eingehen, weix diese Frage in 
unserer Diskussion manchmal eine BDlle spielte. 



- 10 - 



«• 



©lese Augabe Abrahams wurde von seinem Sohn Isaak 
und später von Jakob übernommen* Aber Jakob hat 
diese Aufgabe nioht direkt sondern indirekt über- 
nommen • Jakob hat man dadurch als einen Betrüger 
hingestellt, weil er Esau um die Erstgeburt ge- 
bracht hat* wenn wir die Behauptung aufstellen, 
dass der Begriff des "am ftodausch" direkt auf Abraham 
zurückgeht, so müssen wir folgendes berücksichtigai . 
Esau ist ja mit Jakob verwandt gewesen* Er war sein 
Bruder* Trotz dieser blutsmässigen Verwandtschaft 
herrschten zwischen beiden eine ewige Feindschaft. 
Das Blut verbindet nicht nur, sondern es kann auch 
uaendlich trennen, genau wie es keine grössere Peind- 
scftaft geben kann als gerade unter Blutsverwandten* 
Bas Merkwürdige im Judentum ist, dass diese Vorgänge 
von Jahrtausenden unmittelbar übertragen wurden auf 
die (Jeschichue der Juden, die Feindschaft zwischen 
* Jakob und Esau war ursprünglich eine ganz persönliche 
und wurde späterhin übertragen auf das Bild des 
Kauipfes zwischen Juden und Römern. Das ganze Mittel- 
alter hindurch wurde Rom bezeichnet als Bdom, das 
ist der Name für Bsau. Hier ringt also Juda mit Bdom 
um Lebensmöglichkeit. Der Dichter Heinrich Heine, 
den ich schon einmal zitierte, jener jüdische Dichter, 
den die Tragik verfolgte, hat folgendes kleines Ge- 
dicht geschrieben: 

m Edom: 

Ein Jahrtausend schon und länger 
dulden wir uns brüderlich. 
Du, du duldest, dass» ich atme, 
dass du rasest dulde ich. 
Manchmal nur in duklen Zeiten, 
war dir wunderlich zumut 
unddie lieben fr ommen JX^j^^U^t^f 
färbtest du mit deinem Blut* 
jetzt wird unsre Freundschaft fester 
und noch täglich nimmt sie zu 



- 11 - 






demm ich seihst beginn' zu rasen 
und ich werde fast wie jDu.'^ 

Es ist der Kumpf zwischen Jakob und EsaU| und solch ein 
G-edioht im Zeitalter der ©nanzipation ist höchst merkwür- 
dig. "Denn ich selbst beginn» zu rasen und ich werde fast 

bald/ 
wie IDuw* Die Juden werden genau so rasend wie die damalige 

Umgebung. Es ist der Kampf der materialistischen Welt- 
anschauung mit den orgiastischen Religioneni die die Mensch- 
heit vernichtet. Was aber Heine empfand ist nichts weiter 
als ein Verrat am Begriff des Am Kodausch, der heiligen 
Lebensbejahung der Juden. Er gab dem &e(iiöht bewusst diö 
Ueberschrift:»»an Bdom««. 

Der Erstgeborene hatte im OriSBt das 
Vorrecht^ vom Erbe des Vaters 2/3 zu empfangen. Die Uebri- 
gen erhielten den Restteil. 

V;enn jakob das Erstgeburtsrecht erkaufte, 
dann musste Esau auf den materiellen Erfolg verzichten. 
Esau hat im Augenblick den Hungers, als er von der Jagd 
kam, an diese Tatsache nicht gedacht. Diese ueberlegung 
ist ihm erat später geicommen, denn er sagt: "Wenn mein 
Vater tod ist, werde ich meinen Bruder erschlagen." 
wenn jakob Esau hatte betätigen wollen, hätte er den ihm 
zustehenden Vorteil geltend gemacht, jedoch legte er noch 
nicht einmal V/ert auf das ihm zustehende Erbe, auf das er 
auch ohne Erstgeburtsrech. Anspruch gehabt hätte. Als Jakob 
naöh seiner Wanderschaft zurückkam liess er Esau sagen: 
n Mit meiner Familie bin ich ausgezogen und bin zurückge- 
kommen mit meinen 2 grossen Lagern, die ich durch meiner 
Hände Arbeit erworben habe. Ich bringe ihm ein Geschenk 
entgegen, das dem Bruder sagen soll, dass ich auf das Er- 
be keinen Anspruch erhebe. Ich habe soviel wie ich brauche. 
Esau erkannte dieses auch an und fiel ihm trotz Pein- 



- 12 - 






Schaft am den Hals und kusste ihn* Er sah ein, 
dass ex ein Irrtum seiner lieber zeugung war. Jakob 
hatte keinesfalls einen materiellen Vorteil errei- 
chen wollen, das ist hierdurch klar erwiesen. 
Er v/ar vielmehr der Berufene, das geistige EJrbe 
seines Vaters Abraham anzutreten. Wer hat ihn 
denn nun verleitet, Esau den Elrstgeburtssegen ab- 
zulisten? Das war seine Mutter. Hier spielt wie- 
der einmal eine jüdische Prau eine unerhörte Rolle. 
Als Mutter liebte sie beide. Abe« Rebekka war mehr 
als eine Mutter. Sie hatte die Fähigkeit, das 
Ewige klar zu erkennen. Sie erkannte als einfacher 
Mensch, dass Jakob, der seit seiner frühesten Jugend 
in seinem Zelt wohnteund immer im Midrasch lernte, 
der eigentliche Nachfolger des Geistes war, den 
Abraham in die Welt gebracht ha.te. Jakob musste 
einfach der Nachfolger w erden und den Segen be- 
kommen. Bin Segen ist nümlich kein Wort: Er be- 
deutet unerhört viel. Als Esau also von der Jagd 
kam und schrie: Vater, hast Du keinen Segen mehr 
für mich! Da sagte Abraham: Nein, ich habe ihn 
deinem Bruder gegeben. Segen ist kein Wort; hier 
liegt eine unerhörte Kraft, und man erkennt das 
vielleicht am d eutlichsten am Gegenstück, am Pluda. 
G'tt hatte nämlich zu Abraham gesagt: Diejenigen, 
die Dich fluchen, werde ich fluchen, und die, die 
Dich segnen, werde ich segnen. Die deutsche Ueber- 

setzung ist falsch. 

Abert^ich werde fluchen, die Dich fluchen.»» 
Im Hebräischen versteht man hierunter etwas anderes. 
Mekale#lcho meaur# Kai heisst leicht und kile 



15 - 



leichter machen* Diö Juden brauchen als Ausdruck 
ijtz für Ehre = kowed, was in der direkten Ueber- 
setzung wschweö^ bedeutet, die Ehre, die einen 
Menschen schwer macht. Mekalel heis^t Ehre 
abschneiden = leidater machen* In dem Wort 
verf liehen liegt oraur, deaHen Stamm ist or = 
leuchten oder Licht. Der Fluch besteht darin, 
dass ein Maisch es wagt, die Kraftströme des 
Guten unheilig zu berühren. Durch Blitzes- 
schnelle wird er eingehüllt in das Licht Gattes 
und wird daran zugrunde gehen, denn kein Mensch 
schaut G'tt und bleibt am Leben* 

wer Dir Deine Ehre abschneidet, den werde ich 
zerstören. Ich übergebe Dir einen Schatz, später 
wird es nochmals beim Propheten jerimia wieder- 
holt.; Ich mache Dich zu einer eisernen Mauer, 
zu einer festen Stadt. Sie werden nichts gegen 
Dich vermögen. Du bist von G'tt bestimmt, einen 
Weg zu gehen, der das Böse ausrotten soll, damit 
an seine Stalle das Gute komi.t. Nach Deiner Kraft 
geht es nicht, sondern nur nach Deinan Glauben, 
denn es ist eine göttliche Sendung. 

Diesen Olauben an eine göttliche Sendung 
hat Esau nicht gehabt. Er ging hinaus in den 
Wald und schoss die Tiere. Ihm tat es nicht leid, 
wenn ein Tier angeschossen war und verblutete. 
Jakob konnte es nicht, wir könnten uns unmöglioiA 
vorstellen, dass er ein Tier verletzte und mitansah, 
wie es langsam zugrunde ging. 



- 14 - 



Esau v;ar nicht geeignet für die Vollendung der 
metaphysischen Aufgabe. Jakob musste diese Auf- 
gabe durch einen Umweg übernehmen, durch jenes 
Ereignis, das vielumstritten ist und die Menschen 
nicht begreifen können. Jakob musste d ie falschen 



Mittel, die er 



« f I 



wider seinen Bruder benutzte. 



Spaterhin auch wieder büssen. Er hat es auch 
selbst gesagt: Schweres habe ich erleben müssen. 
Beine Lieblingsfrau Rahel, um die er 7 Jahre die- 
nen musste, ist ihm gestorben. Josef ist ihm ge- 
nommen und es drohte ihm der Verlust seines Sohnes 
Benjamin. Sein Leben, das auf diesen 3 Menschen 
beruht, wird von innen her zerrissen. Das ist die 
Sühne für die unfairen Mittel. Aus diesem Kampf 
steigt hervor für das Judentum: Jisroel, der 
G»tteskämpfer. Es wäre schöner gewesen, wenn 
Jakob ohne Fehler ein Engel gewesen wäre, jedoch 
wäre das dann nicht das Leben gewesen. Das Leben 
ist etwas anderes. Was muss man kämpfen, was 
überwinden! Hier ist Jakob derjenige, der sich 
überwunden hat. Ekef = derjenige, der von der 
Perse her kämpft, der von hinten her versucht, 
seinen V/eg zu rä^en. Und er wurde ein Jisroel 
weil einst kämpfen sollte wie ein Purst. Er 
sollte mit offenem Visier kämpfen wie ein Purst, 
denn nun kämpft er im Lichte G'ttes. So sehen 
wir in Jakob unseren eigentlichen Stanmvater mit 
Eecht. Esau hatte seine Aufgabe nur verschlampt und 
verschmutzt. Jakob musste sich eben durch alle 
Höhen und Tiefen zu seinem Leben hindurchkämpf an. 



- 15 - 



An s einem Löbensabend hatte er keinen anderen 
Wunsohmehr^ als josef noch einmal wiederzusehen, 
den Sohn seiner Prau, am die er 14 Jahre lang 
gedient hatte, dann wollte er sterben. Es ist 
ein wundervolles Bild: Wird der Mensch geboren, 
dann sind die Pinger zur Paust geballt | das 
Zeichen der Machtergreifung: alles soll mir ge- 
hören* Wenn der Mensch stirbt, dann sind die 
Hände ausgebreitet. Alles ist eitel, alles haben 

wir hergegeben. 

Es muss noch ein Drama beschrieben werden, 
das den Menschen Jakob darstellt. Es kann aber 
nur beschrieben werden rrit den Worten der Bibel. 
Wenn ich eine Bitte an Sie richten dürfte, dann 
lesen Sie doch bitte einmal in einer de^^utschen 
Uebr Setzung die jose*s- und die Jakobsgeschichte, 
insbesondere dio herrliche Geschichte, wie die 
Brüder mit Josef zusamm entreffen, Josef sich zu 
erkennen gibt und jakob zur Begrüssung kommt. 
Leider ist es heute unser Geschick, dass die meisten 
in literarischen Dingen verdorfeensind* Es gibt 
zu viele Dichter, die das Thema bt^-handelA: "dass 
zwei sich lieben und am Ende kriegen". Lesen 
Sie einmal die Josefsgeschichte, in der die ganze 
schwere Problematik des Menschlichen Lebens dar- 
gestellt wird und Sie werden die ganze Schönheit 
künstlerischer Gestaltung echten menschlichen Er- 
lebens empfinden. Wem treten nicht die Tranen 
in die Augen, an der Stelle, wo Josof sich seinen 
Brüdern zu erkennen gibt. Sie erhalten dann einen 
Begriff davon, dass in dieser Gestalt Jakobs im 
Tiefsten ein une4ndlich reiner Geist vorhanden 



- 16 - 



war, der überging auf seine söhne und sioh auch empor- 
kämpfen musste. In diesem Zusammenhang mödate ich 
Ihnen folgende Geschichte nicht vorenthalten. 
Jakob hatte eine Tochter. Sie ging einmal spazieren 
und wurde dabei von dem Sohn des Pursten N. gefunden, 
und er hat ihr Oewalt angetan. Er hielt dann um 
ihre Hand an, jedoch sagte Jakob kein V^ort. Aber 
die Brüder sagten: Wir können unsere Schwester keinem 
Manne geben, an dem nicht die Beschneidung vollzogen 
ist. Der Purst erklärte sich bereit, an sich und 
seinen untergebenen die Miia vornehmen zu lassen. 
Am 5. Tage, als sie nun an heftigen Schmerzen dala- 
gen, übaf ielen die beiden Sohne die Bewohner von 
Seh. und machten sie nieder. Als Jakob dies hörte, 

j 

sagte er: Ihr habt mich stinkend gemacht in die- 
sem Leben. Und noch auf seinem Sterbebette fluchte 
er dem Zorn seiner Sohns, trotzdem sie erwiderten : 
Kann man einfach über unsere Sehwesi^er herfallen? 
Und soUen wir sie zur Buhlerin herabwürdigen lassen? 
Die Brüder wollten die Ehre ihrer Schwester retten. 
Die Atmosphäre dieser Ueberlieferung ist von einer 
erschreckenden Dumpfheit und sogar von einem schmutz 
erfüllt, de« einen schaudern macht. Trotiidom steht 
es in der Bibel, denn unsere Bibel ist kein Buch 
von Engeln und Heiligen sondern von Menschen, in 
den alles rein Menschliche und triebhafte, das über- 
wunden werden musste zum Vorschein kommt. Man 
darf nun nicht glauben, dass die Zugehörigkeit zum 
am kodausch ein gezwungene sei. Mankann dic;se Zu- 
gehörigkeit nur erkämpfen. Man muss manchmal durch- 



- 17 - 



waten den Sumpf des Lebens und die Niederungen seiner 
eigenen Strömungen. Man muss kämpfen gegen s i5 h 
und andere und die Bibel zeigt uns, wie Menschen 
kanten mussten.V/enn man heute die Bibel neu ent- 
deckte, würden die G-elehrten überrascht sein von 
der unendlichen Lebenswahrheit und der unendlichen 
Lt, mit der dieses Leben geschildert v/ird und 



f 



wie man es überwinden muss. W©r an die Bibel heran- 
geht um einen aestheti sehen aenuss von ihr zu er- 
halten, der muss im tiefsten enttäuscht werden, dem 
kann sie nicht das werden, was sie in Wirklichkeit 
ist: Das Buch des Lebens. In den Augenblicken 
des Leben, wo wir glauben nicht mehr weiterzukönnen, 
finden wir in der Bibel zahllose Stellen, die uns 
sagen: Wir gehören zum am Äodausch, wenn wir nur 
dazu g ehören wol len. " Wenn Ihr im Leben auch wan- 
dern müsstt^ wird G'tt nicht gestatten. Euch zu be- 
Aas uralter Zeit kommt über uns eine Sicherheit: 
Wir werden unseren Weg gehen, was auch kommen mag. 
Wir sindin eine sehr grosse Gemeinscixaft eingegan- 
gen , die im Oeistigen gestaltet wird, dem am ko- 
dausch. Sie werden nun auch verstehen, was der 
begriff am fcodausch bedeutet. Wir Juden haben es 
nicht leichter als die anderen und sind nicht aus- 
erwahlt zu Vorrechten. Wenn uns jemand unsere 
«Auserwähltheit" zum Vorwurf macht, dann werden wir 
ihm antworten: Es ist doch unter Umständen leichter 
kein Jude zu sein. Wir sind das Volk göttlichen 
Eigentums. »»Auserwahltes Volk" ist nbht richtig 
übersetzt. "Am segulloh" heisst vielmehr: a'tt ge- 
höriges Volk! 

a'tt hat uns wie unsere Väter in mystische 



- 18 - 



>v 



1 
1 



Aber 



Verbindung zu sich gebracht. Niemand kann sich 
aus dieser Beziehung herauslösen. Sie brauchen 
nur einmal ins Leben hiBainzusehen,ob« man sich 
aus dem Kreise des jüdischen Geistes herauslösen 
kann, ohne innerlich dabei zerbrochen zu werden. 

Später hat X der Prophet Amos gesagt: 
Nur ich habe Buch aus erwählt von allen rölkern. 
auch hier ist di Uebersetzung nicht richtig: 
jodati heisst ich habe erkamnt. Das Judentum heisst 
erkennen. Es ist dargestellt als eine eheliche Ge- 
rne inschaft. Wir sind die Braut und G'tt ist der 
Bräutigam. Und in der schlimmsten Zeit gedenkt 
G»tt der Liebe der Jugendzeit. In den herrlichsten 
Tönen besingen n die Propheten die Zeit der Liebe. 
An jedem Freitagabend begrüssen wir den Sabbath; 
Komm« ,0h Braut! Der Ausspruch Arnes muss richtig 
übersetzt heissen: So habe ich euch erkannt und 
dar um ahnde ich an Euch alle eure Sünden. Das 
heisst in eine prorane Sprache übertragen: 
BS gibt keine grössere aefahrfür den Juden als 



sich zu lüfcsen 



aus seiner metaphysischen Gebunden 
heit. Ich weiss ganz genau, was ich sage. Ich 



spreche nicht in Bildern. — 

Die Brüder sagten, als Josef ins Gefängnis 
geworfen wurde: Das sind die Folgen unserer Versün- 



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digungen, weil wir die Not unseres Bruders 

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sahen und weil wir ihn m seinei iwv. 



liessen. 



Eß ist die Frage aufgeworfen, ob auch heute 
noch der Begriff des am kodausch für uns zutrifft. 
Ich kann Ihh^n nur andeuten, was ich meine. Ich 
verde in einem anderen Zusammenhang auf diese 



- 19 - 



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Zusammenhänge noch deutlicher eingehen. Man muss 
nämlich, wenn man die v/ahrheit des Begriffes am Äo- 
dausch verstehen will, imstande sein, hieraus die 
Ableitungen für unser ganzes persönliches Leben zu 
ziehen. Wenn man diescs nicht kann, wenn Religion 
nur etv/as ist, was über uns schwebt, dann ist es 
eine unwahre Religion. Religion ist nur das, 
was ich persönlich tun kann, es ist eine Forderung 
der Verwirklichung. Das ist die Anerkennung des 
ewigen Schöpfers Cr'tt. in welcher Richtung sind 
nun diese Ableitungen zu machen? Man kann folgen- 
des sagen: Es gibt kein Gebiet, das menschlichen 

der Betrachtung 
Lebens, das ausserhalb des Judentums und der reli- 
giösen Forderungen bestehen kann. Das wird recht 
deutlich iaucfa. in Kunst und Geschichte, denn es 
gibt kein Gebiet, das nicht unter dem jüdischen 
Einiluss eine besondere Färbung annimmt. In einem 
späteren Weg der Untersuchung wäre klarzustelln, väe 
alle Lebensformen und Lchensgestaltungen unter dem 
jüdischen Willen erscheinen würden. Es ist ein 
Ausdruck des Typus. Wie isu das Leben zu g.;stalLen 
in all seinen Erscheinungen unter den Fordt-rungen 
des jüdischen G'tteserlebnis. Es ist die Frage 
gestellt worden: Ob das Judentum nicht eine Forderung 
für die mchtjüdische Welt aufgestellt hat. Ist 
im Judentum auch wie im Buddhismus jener überstei- 
gerte Individualismus, der sich im Kastengeist furcht- 
bar auswirkt und in der Versenkung des Pa»kirs, in 
dem Aufgehen ins Nirwana, seinen Ausdruck findet? Nein! 
Im judBadium hat äs diesen Standpunkt nie gegeben. 
Im ..udentum liegt eine religiöse Pordt^rung für die 
nicht jüdische Welt. Der Judentum ist ein Weg zu G'tt 



- 19 - 



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Das Judentum verlangt xhä eir^Porderungen, die von 
allen Völkern der Erde erfüllt werden müssen, wenn Mensch 
neben Mensch bestehen soll. Sind diese Forderungen aus 



jüdischer Engherzigkeit hervorgegangen}^ 



oder sind 



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es übergeordnete Forderungen, die manschliesslieh aner- 
kennen muss? Es ist auk^serst interessant, wie das 
Judentum l^lipp und klar einen deutlichen ¥eg geht^ der 
vollkommen ins praktische Leben iübergreifl;* Diexjt 7 
Forderungen, die lur die Nachkommen Äoahs aulgestellt 
w Orden sind, sind die Grundgesetze, die überhaupt 
eine menschliche Gemeinschaft möglich machen. Wenn 
sie nicht beachtet würden, so würde eine Flut sittlicher 
Verkom.-ienheit die Folge seinl 

1# Die Forderung der 3)inim (dass Recht gesprochen 
werden muss) Dieses muss die erste Forderung bleiben, 
die für alle Menschen besteht. Hinter dem BegriiT: Recht 
steht eine unendliche metaphysische Beziehung; es ist 
keii e ^nge partikularistische Forderung* Jeder Mensch 
kann einmal in die Lage kommen, gerecht beurteilt wer- 
den zu wollen und zu müssen. Bedenl^en wir einmal das 
Unrecht des Fremden-und des Kindermordes. Hier besteht 
im Judentum eine ganz bestimmte Abgrenzung von den 
orgiastischen Religionen. 

2% Die Forderung des Birkas haschem: Die An- 
erkennung eines G'ttes* Die Menschheit kann nieraLis 
in Gottlosigkeit bestehen. Es gibt nur einen G'tu, den 
G»tt der Erde, der alles in sich schliesst. 

3#,4#,u.5# ES sind drei Forderungen, die zu- 
saipqieiagehören* Awaudoh soroh = verbot des Götzendienstes, 



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2# Lau zirzoch: Verbot des Blutvergiessens. 
5# Lau zinori": Die verbotenen Ehen, Unzudat etc • 

6. : Ever min hachajeh: Das Verbot der 
Tierquälerei: Das Vermeiden von Schmerzfügung an 
lebenden weson* 

Es war z.B# früher im Orient Sitte, wie 
insbesondere Lehrer Guttman-, ausführte, dass die 
Menschen ihren Proviant in lebender Form mitnahmen, 
z#B* von einer Kuh in roher Weise Stücke Fleisch zum 
Verzehren herausschnitten, wodruch das Tier natürlich 
sehr leiden musste* Genau so wie eine andere Unsitte: 
Dass man das Muttertier melkte und das Zicklein schlach- 
tete, da das Wasser knapp war. 

' 7* Gesel . . . • verbot des Raubes, For- 
mulierung des Bigentumsbegriff . 

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal 
betonen, dass diese 7 Gebote keine partikularis s^ischen 
Forderungen sind, sondern rein ethische Forderungen, 
pädagogisch-praktisch formuliert. Hier haben wir 
ein Beispiel, wie metaüliysische Werte ins Praktische 
umgesetzt werden. 

Sogar das Leben der Tiere v/ird dem der Menschen 
gleichbewertet. Diese 7 Forderungen lassen d eut lieh 
das .jüdische Leben erkennen, diesen wunderbaren Orga- 
nismus des religiösen Systems der Juden. Beginnend 
mit der schriftlichen Lehre der Bibel und daran 
rankend die mündliche Lehre. Das Judentum bewegt 
sich aufheiligem Boden, der diese leligiöse Bindung 
geschaffen hat. 



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Die ilidisohc Relation. 

1. Religion .ils ze^itraler Lobeiibi>tandpuakt • 

2. Religion :iil'i typischer '.7es zu G'tt. 

3. Das religiöse Volk (Am kodosoh) . 

4. Ersatzreligion. 

5. Die religiöse Ethik. 

6. Der religiöse Kultus. 

7. Die Geschichte unter religiösem (rosiohtr^punkt . 

8. Religion und '.Tissenschaf t . 

9. Der Teg zur Reli;^ion# 

10. Religionspädagogik. 



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Aus Muokle; "Der Geist der jüdischen Kultur und 

das Abendland." i.'ZJ/f il» . 
Aus den Upanishads. . ■ 



"Auf eines Rosses Rücken jagen wir dahin... 
Im Dämmergrauen schüttelt es die Mähnen, 
Als Morgenrot umflattern sie sein Haupt. 
Nun springt's empor, es glüht sein Sonnenauge, 
Und bis zum Himmel reckt es sich hinauf.' 
Sein Huf scharrt Tage, tänzelnd geht der Monat 

hin. 

Das Jahr - ein Satz, \and Jetzt, in jähen Sprün- 
gen 
Srühn Sterne um den rasend schnellen la\if . 
La Wolkenflocken tropft der Schaum von dem G^biss 
Es schnaubt der Sturm, und wirft's in seinem 

Donnergang 

den Kopf empor, dann zucken Blitze um die 

Berge seiner Flanken. 
' Der Regen trieft durch dieses Waldes Strähnen, 
Und keuchend kocht in jenem Meer der Gischt. 
Doch ob sich knackend biegt der Bäume Stamm, 
Ob üb>3r Felsen wirr die .7oge schlägt - 
Alles dahin! Gerissen wird es ruhelos und ewig, 
Durch Tag zur Nacht , aus Dunklem in das Helle . . . 
So jagen wir durch dieses Aethers blaches Feld, 
Du, ica, die Erde und die ganze iVelt." 



Uebersetzung von Eberhard. 



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Uober Setzung von Martin 
(Buber, S. 24 - S.27) 



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;Veh ihnen, die Haus an Haus reihen, Feld nachrücken an Feld, 
bis zuende der Rauni ist, - einzig ihr angesiedelt im Innern des 
Lands! In meinen Ohren ist Er der Umscharte: «werden nicht die 
vielen Häuser zur Oede , grosse und schöne siedlerlos, •••! 
Denn zehn Joch Rebgartenboden bringen ein einziges Schaff und 
ein Malter Aussaat bringt einen Scheffel. 

weh ihnen, die, frühmorgens auf, dem Rauschtrank nachjagen, die, 
spät in der Dämmrung , der »i/ein erhitzt, Leier, und Harfe, Pauke 
und Flöte und »^ein ist ihr Trinkgelag, Sein »»erk erblicken sie • 
nicht, auf das Tun seiner Hände sehn sie nicht hin. 

Brum wird mein Volk weggeschleppt, aus Erkenntnislosigkeit , 
sein Ehrenschein sind Hungerleider, sein G-etiimmel verschmachtet 
vor Durst. Drum weitet die Gruft ihre Gier, reisst auf ohne 
Mass ihren Rachen, und hinabfahren muss sein Glanz, sein Getümmel, 
sein Getose, was so lustig war in ihm. 

Da wird gesenkt der Mensch, wird geniedert der Mann, geniedert 
sind die Augen der Hohen, Er der Umscharte erhöht sich im Gericht, 
der heilige G'tt wird im V/ahrspruch erheiligt. Die Lämmer weiden 
da wie auf ihrer Trift, auf den Trümmern der Feisten zugast 
dürfen sie fressen. 

7/eh ihnen, die Schuldstrafe herziehn an Stricken des »^ahns, Siind- 
busse an »^agenseilen, die sprechen: Er beeile, beschleunige nur 
seine Tat, damit wirs sehen, es nahe, komme nur der Ratschluss 
des Heiligen Jisraels, dass wirs erkennen! 

T/eh iltnen, die zum Bösen sprechen: Gut! und zum Guten: Bös! 

Die die Finsterniss machen zum Licht und das Licht zur Finster- 



und Süss zu Bitter! 

<^eisen, vor ihrem eigenen Antli'Cz 



nis , die Bitter machen zu Süss 

ueYi don in ihren eigenen Augen 

Gescheiten! 

^»eh den Helden im «»eintrinken, den Männern, tüchtj.g, Rauschsaft 

zu mischen, die den Frevler bewährt heissen um Be Schenkung und 

das: Bewährt! vorenthalten Jedem der Bewahrten. 

Drum, wie Feuers Zunge Stoppeln frisst und Heu in der Lohe zer- 
schlaff t, wird ihre Wurzel wie Mtder werden, ihr Blust aufflattern 
wie Staub, denn sie haben Seine, des Umscharten, V/eisung verwor- 
fen, verschmäht das :7ort des Heiligen Jisraels. 

Darum ist Sein Zorn wider sein Volk entflammt, seine HcUid 
reckt darüber er aus, er schlägt es, die Berge erzittern, ihre 
Leichen sind wie Unrat mitten auf den Strassen. Bei alldem 
kehrt sein Zorn nicht um, und noch ausgereckt ist seine Hand. 

Er erstellt eine ßannerstange Stämmen fernhin, er pfeift einen 
herbei vom Erdenrand, da: eilends, leichtfüssig kommt er. 
Kein Matter darunter, kein Strauchelnder, er schlum^iert nicht, 
er schlaft nicht ein, nicht wird der - ■ 

Schurz seiner Lenden geöffnet, nicht wird der Riemen seiner 
Schuhe gelöst. Dessen Pfeile geschärft sind, alle seine Bogen 
gespannt, die Hufe seiner Rosse wie Kiesel zu achten, seine : 
Räder wie der ^Virbelwind, sein Brüllen ist wie der Löwin, wie 
Jungleuen brüllt er. Er heult auf, packt die Beute, sichert 
sie, keinur ist, der sie entrisse. So heult es nun, 3jn jenem 
Tag, über sie herein, wie Heulen des Meers. Man starrt über 
die Erde: da ist Finsternis, ängstend, zum Licht auf: 
verfinstert in ihjren Nebeln ! 



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üwbersetziuig von Martin ßuber. 
(Buber, S. 24 - S.27) 

v;eh ihnen, die Haus an Haus reihen, Feld nachriioken an Feld, 
bis zuende der Raum ist, - einzig ihr angesiedelt im Innern de« 
Lands! In meinen Ohren ist Er der Umscharte: werden nicht die 
vielen Häuser zur Oede , grosse und sohöne siedlerlos, ..•! 
Denn zehn Joch Rebgartenboden bringen ein einziges Schaff und 
ein Malter Aussa.;it bringt einen Scheffel* 

i^eh ihnen, die, frühmorgens auf, dem Rauschtrank nachjagen, die, 
spät in der Därajiirung, der »i/ein erhitzt, Leier, und Harfe, Pauke 
und Flöte und uein ist ihr Trinkgelag, Sein n^erk erblicken sie 

nicht, auf das Tun seiner Hände sehn sie nicht hin. 

Drum wird mein Volk weggeschleppt, aus Erkenntnislosigkeit , 
sein Ehrenschein sind Hungerleider, sein Getiünmel verschmachtet 
vor Durst. Drum weitet die Gruft ihre Gier, reisst auf ohne 
Mass ihren Rachen, und hinabfahren muss sein Glanz, sein Getümmel, 
sein Getose, was so lustig war in ihm. 

Da wird gesenkt der Mensch, wird geniedert der Mann, geniedert 
sind die Augen der Hohen, Er der Umscharte erhöht sich im Gericht, 
der heilige G'tt wird im vrahrspruch erheiligt. Die Lämmer weiden 
da wie auf ihrer Trift, auf den Trümmern der Feisten zugast 
dürfen sie fressen • 

V/eh ihnen, die Schuldstrafe herziehn an Stricken des ^^ahns, Sünd- 
busse an ȟagenseilen, die sprechen: Er beeile, beschleunige nur 
seine Tat, damit wirs sehen, es nahe, komme nur der Ratschluss 
des Heiligen Jisraels, dass wirs erkennen! 

T/eh iknen , die zum Bösen sprechen: Gut! und zum Guten: Bös! 
Die die Finsterniss machen zum Licht und das Licht zur Finster- 
nis, die Bitter machen zu Süss und Süss zu Bitter! 

<»eh don in ihren eigenen Augen «weisen, vor ihrem eigenen Antlitz 
Gescheiten! "•^ 

»»eh den Helden im .»eintrinken, den Männern, tüchtig, Rauschsaft 
zu mischen, die den Frevler bewährt heissen um Besohenkung und 
das: Bewährt! vorenthalten Jedem der Bewahrten. 

Drum, wie Feuers Zunge Stoppeln frisst und Heu in der Lohe zer- 
schlaff t, wird ihre r/urzel wie Mtder werden, ihr Blust aufflatte 
wie Staub, denn sie haben Seine, des Umscharten, w'eisung verv/or- 
fen, verschmäht das v;ort des Heiligen Jisraels. 

Darum ist Sein Zorn wider sein Volk entflammt, seine H^ind 
reckt darüber er aus, er schlägt es, die Berge erzittern, ihre 
Leichen sind v/ie Unrat mitten auf den Strassen. Bei alldem 
kehrt sein Zorn nicht um, und noch ausgereckt ist seine Hand. 

Er erstellt eine Bannerstange Stämmen fernhin, er pfeift einen 
herbei vom P^rdenrand, da: eilends, leichtfüssig kommt er. 
Kein Matter darunter, kein Strauchelnder, er schlumaiert nicht, 
er schlaft nicht ein, nicht wird der 

Schurz seiner Lenden geöffnet, nicht wird der Riemen seiner 
Schuhe gelöst. Dessen Pfeile geschärft sind, alle seine Bogeii 
gespannt, die Hufe seiner Rosse wie Kiesel zu achten, seine 
Räder wie der ^^irbelwind, sein Brüllen ist v/ie der Löwin, wie 
Jungleuen brüllt er* Er heult auf, packt die Beute, sichert 






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Schemuel I, 15- 1-23 





1) Und Sohemuel spraoh zu Sohaul: "i/Iioh hat der Ewige gesandt, 
um dich zum König über sein Volk, über Jisracl , zu salben; und 
nun höre auf den Laut der T/orte des Ewigen. 2) So spricht der Ewi- 
ge der Soharen: Ich habe bedacht, was Amilek an Jisrael getan, 
was er ihm in den V/eg gelegt, als es aus ivlizraim hinaufzog. 

3) So geh denn und schlage Amalek, und ihr sollt bannen alles, 
was sein ist; und schone ihn nicht, sondern töte Mann wie Weib, 
Kind wie Säugling, Ochs wie Lamm, Kamel wie Esel!" 

4) Da bot Schaul das Volk auf imd musterte es in Telaim: Zwei- 
hunderttausend iVIarschfähige und zehntausend, mit der Mannschaft 
vtn Jehuda. 5) Und Schaul kam zur Stadt Amaleks und legte sich 
in einen Hinterhalt im Tal. 6) Und Schaul sprach zu den Kenitern: 
"Auf, entfernt euch und zieht hinab aus der Mitte der Amalekiterj 
Damit ich euch nicht mit ihnen raffe, da ihr doch Liebe geübt an 
allen Kindern Jisrael, als sie aus Mizraim heraufzogen." Da 
zogen die Keniter fort aus der Mitte Amaleks. 7) Und Schaul 
schlug Amalek von Hawila bis gegen Schur, das vor Mizraim liegt. 
8) Und er ergriff Agag, den König Amaleks, lebend; alles Vtlk 
aber b.annte er, ins Schwert hinein. 9) Doch tat es Schaul und 
dem Volk leid um Agag und um das Beste der Schafe und Kinder, 

die Zweitgeworfenen, und die Mastlämmer und um alles Gut, und 
sie wollten sie nicht bannen, aber allen verächtlichen und 
schwachen Bestand, den bannten sie. 

10) Da erging das Tort des Ewigen an Schemuel, besagend: "Mich 
reut es, dass ich Schaul zum König eingesetzt, denn er hat sich 
von mir abgewandt und meine 'Vorte nicht erfüllt." Das verdross 
Schemuel, und er schrie zum Ewigen die g.anze Nacht. 12) Und 
am Morgen machte Schemuel sich früh auf, Schaul entgegen. Da 
wurde Schemuel berichtet, besagend: "Schaul ist nach dem Karmel 
..,gek#mmen, und sieh, er setzt sich dort ein Handzeichen, dann 
hat er sich gewandt und ist weiter nach dem G-ilgal hinauf, gezogen." 

13) Als nun Schemuel zu Schaul kam, da sagte ihm Schaul; "Geseg- 
net S'jist du dem Ewigen, ich habe das V/ort des Ev;igen erfüllt." 

14) xvber Schemuel sprach: "Und was ist das Geschrei der Schafe in 
meinen Ohren und das der Rinder, das ich höre? " 15) Da sprach 
Schaul: "Von den Amalekitern haben sie sie gebracht, weil das 
Volk das Beste der Schafe und der Rinder verschonte, um es dem 
Ewigen, deinem G'tt zu schlachten; das Uebrige aber h_.ben v/ir 
gebannt ." 

16) Da sprach Schemuel zu Schaul: "Lass ab, dass ich dir künde, 
was der Ewige zu mir in der Nacht geredet." Und er sprach zu ihm: 
"Rede!" 1?) Und Schemuel sagte: "Nicht s#? Bist du dir auch 
gering in deinen Augen, kiKxiÄXÄxxxiLÄj2kxgÄXXKgxiKx:äix±KÄKXXH^ßjKJ( 
bist du doch das H.iuüt der Stamme Israels, und der Ewige hat dich 
z^m KiJnig übor Jalrael gesalbt! 18) D.ann hat der Ewige dich auf den 
''»cg geschickt und gesprochen; "Geh und banne die Sünder, die Ama- 
lekiter, und kämpfe mit ihnen bis zu ihrer Vernichtung! 19) Und 
warum hast du nicht gehört auf die Stimme des Ewigen, sondern 
bist über die Beute hergefallen und hast getan, was böse ist in 
den Augen des Ewigen?" 20) Da sprach Schaul zu Schemuel :"Ich 
habe ja auf die Stimme des Ewigen gehört und bin den V/eg ge- 
gangen, den mich der Ewige geschickt hat, ich habe Agag, den Kö- 
nig der Amalekiter mitgebracht und Amalek gebannt, 21) aber das 
Volk nahm von der Beute Schafe und Rinder, das Beste dus Bann- 
guts, um es dem Ewigen, deinem G'tt, zu sohlachten im Gilgal." 

22) Schemuel aber sprach; "Hat Lust der Ewige an Hochopfer und 
Schlachtung v\;ie an dem Hören auf des Bwgen Stimme? Gehorsam, 
sieh, ist besser als das Opfer, auf lauschen als der 'f^Udder Fett. 

23) Denn gleich i^ahrsager schuld ist Trotz, gleich »Kahn- und Pup- 
pendieoBt die Dreistigkeit, .«eil du des Ewgen './ort verworfen, 
verwarf er dich als König." 



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!• "bi** Reliq:lon als zentraler Leb^n-istanflounkt . 



Die Religion hatte einmal die Herrschaft in der 'J^elt . 
Das war im Mittelalter. Sie hätte das Reich G'ttes auf 
Erden schaffen können, nach '.volchem die Sehnsucht in den 
Herzen der Menschen brennt. Aber die Relision des Mit= 
telalters hatte trotz des weltlicben Armes, der ihr zur 
Verfügung stand, diese Aufgabe nicht erf lillt . 28X Es 
triumphierte vielmehr die menschliche Selbstsucht nit 
ihren Trabanten der niedrigen Leidenschaften. TTnd da 
die Religion ihre ewige Aufgabe nicht orfüllte , wurde sie 
mit Verbannung bestraft. Sie wurde verbatint aus dem Be= 
zirk dessen, was die Menschen in Wahrheit schätzten und 
was sie als Höchstes anerkannten. Gewiss gab es noch 
viel Religion, weil es immer religiöse Menschen gibt, die 
auch in den Zeiten schwerster Bedrückung und Verfinsterung 
der 'Wahrheit vom Höchsten nicht lassen. Aber was man so 
schlechthin Religion nennt , der in ein System geformte 
Weg zu Cx'tt befand sich in einer gcfährlichon Ruhestellung. 

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Alles war i3asGiv,ein R-lcka\ag;nur die Pietvlt hielt noch 
von der haltlosen Flucht zurück. Die Menschen, die dann 

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den traurigen Mut aufbrachten , diese Flucht als Rettung 
zu preisen, die die Religion als Opium verleumdeten, die 
ein Paradies auf Erden errichten wollten aber ohne die 
Herrschaft des (röttlichen , hatten ein leichtes Spiel. 
Sie hatten nur die letzte Scham vor der Verletzimg der 
Pietät ge^^en Eltern ,Grosseltem zu beseitigen;und Schara= 
losigkeit ist ein piX süsses Gift. Die vor der Religion 
Fliehenden wuchsen zu einem gev/altigen Heere an. Gross 



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r die Strafe der Religion, die Ihre Stunde verpasste, 



da weltliche Macht es ihr ermöglicht hätte, ein göttli= 
ches Reich des Friedens imd des Menschenglückes auf Er = 
den zu errichten. Sic hatte in der die Wirtschaft ver= 
göttlichenden Menschheit ihren Kredit verloren. Ihren 
Dienern haftete 5IM5 ein Schimmer der Lache rlibhkeit 
an. Die Religion war in den Staub gezogen. Sie '.vurde 



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verspottet »verachtet »beschimpft. Aus der BeoChi-npfmc 
wurde eine '.Yis.enschaf t . In Museen wurden ihre "^r^ehni sse- 
anschaulich .,u.r Erstellung gehracht. '?/ie ein Wahnsinn 
verbreitete sich Auflelmung und Frechheit gegen das 
Höchste, md kein Blitzstrahl ^uhr aus heiterem- Himnel 
hernieder, um den Lästerer zu züchtigen. War das nicht 
ein Beweis dafür ,dassAin f>9ttliches §XKX7. aicht gah? 

So dachten die Menschen. Sie hatten r>'tt getötet. Der 

, der Vernichtung , ^ . 4, ^- 
Txelehrte hatte sein ■''erk/mit klugen »logisch fein aufge- 
bauten Schlussfplgerungen und Beweisen ausgeführt ; der 
Politiker hatte in Versa-imlungen mit ihm abgerechnet; 
das Volk ZJKf-f^JTiZIJ^.TTO. verliess die C'tteshäuser 
nnd fühlte sich scheinbar "^rei und glücklich in einem 
lustvollen Leben, für das nach den empfangenen Lehren 
ja keine Rechenschaft mehx 522Ü vor einem Höheren abau= 
legen war. O'tt war tot;£3 lebe der n'tt MenscM! 

Der '^:cs zum Erdenglück rler ^'enschheit war nun ei= 
gentlich frei. I^le Heliglon war vernichtet ; ihre Diener 
-die "Pfaffen"- diffamiert. An Stelle ^^'er Profcten hat= 
ten Philosophen md Literaten freie Bahn, den '.«^eg zum 
Glück zu weisen. Alles war bereit. Nur das Glück, dessen 
Kominen doch bereclmet war »wollte nicht nahen. Sollte 
vielleicht acch ein Fehler in der Tt^ohnan^ sein? Oder 

,1^ Fehler? Der Menschengeist hatte Maschinen er= 
frmc^en. Aber die toten Eisenleiber wurden aus Sklaven 
zu Herren und verdammten Millionen von Menschen zur 
Arbeitslosigkeit, zum HT.inger. Die Gelehrten erfanden Me= 
thoden zur ungeheiiren Vermehrujig von ITahrung \mä Gütern. 
Aber andere scheinen vom Vfahne-inn ergriffen zu sein, da 
äie dar^=ber nachdenken müssen, wie man einen Teil dieser 
Grüter wieder vernichtet , nicht weil kein Mensch mehr 
hungerte, sondern weil die menschliche Gewinnsuclifc nicht 
befrie-^igt v/urcle . Tn dem einen Erdteil starben Millionen 
Manschen am H^angcr. Im anderen Erdteil fütterte man das 
Brotgetreide den Lokomotiven. Grosse freister waren am 



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■Terke,ua die Unordnung zu "bannenjurn den lalinsinn zu he= 
seitiii-en. AlDer v/ährend sie mit Riesenkräften sich t)emUh= 
ten,dem Glück der Völkerversttindigung die Tore zu öff= 
nen »wuchsen diese Tore vor ihren Augen zu. Die Zollmau= 
ern wurden immer hoher; sie Beschränkung auf die Güter 
des eigenen I'andes immer notwendiger. Und schon begann 
auch das Kriegsschwert zu rasseln. Es gah wieder Feinde, 
deren Vernichtung höchstes ^ebot wurde. Der kaum ge= 
gründete Völkerbund begann abzubröckeln. Not und Tod 
schritt wieder über die Erde. Das erwartete Glück war 
ausgeblieben. Die Menschen fühlten sich enttäuscht. 
Und Enttäuschung ist eine Sprache. Eine Sprache ohne 



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^Vorte,aber deutlicher als jede -^ede# 

V/er spricht die Sprache der Enttäuschung? V/er 
schliesst die Tore irdischen Glückes mit furchtbarer, 
lautloser Gewalt , während die Menschlein sich abmühen, 
die Tore XfiXÄIIÄXK offen zu halten? Antworten wir mit 
den V/orten des Sängers (Psalm 2,1-5): 

"V/arum lärmen die Völker und ersinnen ilatio= 
nen Eitles? - Es stehen auf Könige der Erde, 
und Fürsten iüMMiiiXÄXÄlfiM: beraten sich 
gen G'tt und seinen Gesalbten; 'IVir wollen 
ihre Bande zerreissen und ihre Fesseln von 
uns werfen!' - Der im Himmel v/ohnt lacht; 
der Herr spottet ihrer! Dann spricht er zu 
ihnen im Zorn, und mit seinem Grimm schreckt 
er sie" • 

Wahrlich, alles ist schon gewesen und es gibt nichts 
Neues unter der Sonne ! (Koheleth 1,9). «Vas sich vor unse= 
ren Augen in der vergangenen Zeit abspielte , war dasselbe, 



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s seit Jahrtausenden in immer neuen Formen sich v/ie= 



derholte: die Flucht vor G'tt! Ob mit Lärm oder mit 
der Betäubung durch Hingabe an ein Leben des eitlen 
Genusses, ob durch Beratung und klug und schlau ersonnene 
Gedanken und Pläne, oder ob mit revolutionärer Zerstö= 
rungsvm/t,- immer war es eine Flucht vor G'tt. Die Men= 
sehen haben sich wie Kinder benommen; sie nahmen ihre 
Hände vor die Augen und sagten mit Bezug auf das GÖttli= 
che: ich sehe dich nicht! Und weil sie nun so weit ab= 



irrten vom richtigen 'A'eg,weil sie die Langmut G'ttes 

als Beweis für die Richtigkeit ihrer Verirrung betraGh= 

teten,so mlissen sie nun in der Wüste ihres Irrweges das 

schreckliche Hohnlachen des göttlichen Schicksals hören, 

das sein Spiel mit den Verirrten treibt. Es gibt keinej^ 

schrecklichere Verhöhnung als ällC^ die Ohnmacht der 

menschlichen Macht, als die Unfähigkeit ,vün dem ..'asser 

zu trinken, das man sich selbst erbohrt hat. Die i»ienschen 

der Gegenwart müssen erfahren ,dass es keine i'lucht vor 

G'tt und seiner durch ihn gesetzten Aufgabe geben kann 

imd darf; sie müssen erfahren ,dass die versuchte i'lucht 

Todesgefahr bedeutet! Sie erleben zu ihrer Zeit, zu ihrer ■ 

Stunde, was der Psalmist in die Worte gekleidet (Ps.l39, 

7 - lo)i "Wohin soll ich gehen vor deinem Geiste? 

wohin vor deinem Angesichte fliehn? 
wenn ich in den Himmel stiege, so bist du dort, 
legte ich mich in die Gruf t ,auch da bist du! 
Trüge ich Flügel der Morgenröte, 
v;ohnte ich am Ende des Meeres, 
auch dort leitete mich deine Hand 
\Hid ergriffe mich deine Rechte!" 

So spricht denn mit eindeutiger Gewalt die Lehre 
der Gegenwart zu uns: SliXilJia Die Menschen sind auf 
falschem .7ege gewesen, als sie G'tt leiagneten,als sie 
die Flucht vor ilim ergriffen in das Land des llichtver= 
pflichtetseins.das Land ausschliesslichen, irdischen Ge= 
nusses. Die Menschen müssen erkennen ,dass diese Flucht 
die verschiedensten Formen angenommen hatte ,und dass 
sie mit Riesenschritten dem Untergang entgegeneilen, 
wenn sie nicht endlich erkennen, wo sie stehen und was 
geschehen muss. Es gibt nur eine Rettung für die Iviensch= 
heit: das ist die Umkehr zu G'tt! Mit rasender ,wahnsinni= 
ger Wut haben sie sich in die Erde verbissen und v/ollten 
die ./elt des Stoffes auf den Thron G'ttes setzen. Sie 
müssen ablassen von dieser lebensgefahrlichen Sünde in 
ieder Form lond müssen wieder heimkehren in ihifc wahre^ 
Heimat g' ttgebundenen Lebens. Ueber unserer Zeit steht 
ein gewaltiges Wort als leuchtende Aufgabe: Teschuwah, 
Umkehr! Und wir wollen diese Aufgabe erfüllen, indem wir 



versuchen, den Standpimkt des Judenti;iins zu suchen und. zu 

erkennen. 

Stellen wir es gleich von vornhinein fest: Das 
Judentum ist Religion, d.h. Bindung an G'tt! Wie dies zu 
verstehen ist,muss die kommende Untersuchung ergeben; 
aber am Anfang muss diese;^ Erkenntnis und dieses Öekennt 
nis stehen: Ob v/ir wollen oder nicht - das Judentum ist 

ewige Bindung an G'tt. Lösimg von dieser Bindung ist 

Ist 
Selbstmord. Xäü&Xder Jude als g' ttgebundener Mensch 






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efahrdet,so ist es sein Schicksal , dem er nicht entgehen 

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kann .vielleicht eine Prüfung, die ihn in eine höhere 

Stuf el versetzen wird. Ist der Jude jedoch als von G tt 
losgelöster Mensch gefährdet, so hat er selbst die Gefahr 
auf sich herabbeschworen dimch die Flucht vor seiner 
Bestimmung, vor seiner Aufgabe »durch den Verrat an sich 
selbst. G'tt hat vor Jahrtausenden mit unserem Stammvater 
Abraham einen Bund geschlossen. Das Bundeszeichen IXglX 
der Beschneidung legt bis zum heutigen Tag an unserem 
eigenen Körper Zeugnis ab von der irklichkeit dieses 
Bündnisses, von der Unmöglichkeit , dem Bunde zu entfliehen. 
Hier hat die unbe schreibbare geistige Verbindung mit 
dem Urheber alles Seins einen in greifbarste Nähe drin= 
genden körperlichen, stofflichen Ausdruck gefunden. Es 
wäre nicht zu begreifen, wie die Mahnung der G' ttesbindung 
vergessen werden konnte , die in diesem sichtbaren ^eichen 
liegt, wenn nicht der Jahnsinn der G' ttlosigkeit ,der sich 
über die Erde ergossen hatte »auch unsere Geraeinschaft 
krank gemacht hätte. Halten wir also fest: Judentum ist 
für alle Ewigkeit die Verpflichtiing der Juden, sich an 
G'tt zu binden, sich i^m und seinem '//illen unterzuordnen. 

//er aber kündet uns von dieser jüdischer Religion, 
und was ist überhaupt diese Religion? Hier müssen wir zu= 
nächst eine Feststellung treffen^SIX Es ist den i-^enschen 
auf allen Gebieten der .Tissenscnaf t ohne ^/eiteres begreif= 
lich,dass nicht jeder die neuen Ergebnisse der Forschung 



und die genialen Leistungen der ./ahrheitsf indung zuötan= 

de bringen kann* Auch wenn hernach ein jeder imstande 

ist, den pythagoraischen Lehrsatz zu begreifen, so ist 

seine Findung doch eine einmalige ,unnahhahmliche Tat. 

Die grossen G-elehrten sind gleichsam -Vegebahner in dem 

un'lbersehbaren und dunklen Gelände menschlichen Lebens; 

niemand v/lirde sich deshalb mit ihnen vergleichen , weil 

er den einmal gebahnten ./eg nun mit leichter Mü&e nach= 

zuschreiten vermag. Anders war es im Gebiete der Religion. 

Da hielt sich ein jeder für sachverständig. Ein jeder 

glaubte, G'tt vor das Forum seines eigenen Verstandes 

ziehen zu d'irfen,weil er erwartete ,se'lbst //erkzeug ei= 

ner Offenbarung werden zu können, falls es so etwas ge= 

ben sollte. Diese Menschen hätten jedoch nur ihre Er= 

fahrungen auf den Gebieten der 'A'issenschaf t übertragen 

müssen auf das Gebiet der Religion, um zu wissen, dass 

begnadete 
es auch hier so ist, dass nur wenige/Menschen würdig 

sind, der religiösen F.rkenntnis auf Erden den Weg zu 

bahnen, dass jedoch die anderen Menschen die Möglichkeit 

haben, den einmal gebahnten V7eg nachzuschreiten und dann 

im eigenen Erleben bestätigt zu finden, was die Grossen 

entdeckt und verkündet haben. 

Die jenigen, die auf dem Gebiete der Religmon die 

Wahrheit verkündeten , waren unsere P tof eten «Menschen ^ 

deren -Lieben mit inbrünstiger Glut an das Göttliche ge= 

bunden war, sodass eine Loslösung MäX einem augenblick= 

liehen Tode gleichgekommen wäre. Gewiss ist in ihnen 

manchmal auch der Gedanke auf gestiegen, sich zu lösen, 

gegen die 
einmal ohne Widerspruch )£KX'g»j4 anderen ^^enschen leben 

zu können ;aber die Ohnmacht dieses 7/unsches zeigt den 

unerhörten Grad ihrer Bindung an das Höchste. Das er= 

schütterndste Beispiel ist der Prof et Jeremia. Er bricht 

in die \Vorte aus: (Jer.2o,7 - 9): 

"Du hast mich überredet G'tt,und ich liess mich 
überreden; du hast mich ergriffen und hast es 
fertig gebracht. Ich war zum SiS^iSiliÄXÜlÄiiXgäÄÄÄJi 

Xläg Gelächter den ganzen Tag;alles spottet über 

mich. So oft ich rede,muss ich schreien, 



Gewalttat und BedrUoV.m. .uss ich^rufen^ 

a-ttes mir ^^^.^^^f^^ ufsllüS niäht Lhr ^ääiUüi» 
Tag '.Da sprach i^h. ^ch vvixj. **-*• Namen reden. Da war 

^" r .*!f mi^"w?ro?f v,r"ehriSd"s' F^uer^lngesohlossen 
" SIL SeSeL:-lorver.ucht.,eB*»S aus.uhalten;ab« 

loh konnte nicht!" 

Solch« '.Vorte an^tasten.errcet Scham In uns. Hier 

rlnst ein ewiger Qeist mit G'tt.md filr un. ist es Li= 
terat«? Aber wir wollen um unserer ..Ibst willen nicht 
schweigen, denn trotz aller menschlichen Kleinheit spü= 
„n wir.dass der Prof et In seinem Kampf e , in welchem sel= 
ne Se-le sich schmerzhaft windet . unseren Kampf BUUEI 
f;mrt. «ie weit sind doch die Menschen von SHt entfernt! 
Sie haben sich Ja entschlossen, nicht mehr von G'tt zu 
reden. Sie haben in rasender Verwirrung ihr Leben von 
. jedem wahrhaften C ttverbundensein ausgepresst u-nd in 
die Erde verklammert! Ist das nicht der Kampf des Ero= 

v,9 p-ivTco. sind die Menschen kleine ,uiitie= 
feten im Grossen? Gewiss sina uj-c 

. . -', o.n.«-h^r ir ihrer Gesamtheit offenhart sich 
deutende v/esen;aDer in xux-j- 

■ .. ^^^m T>rc.födie des Menschen schlechthin, 
die mitleiderregende iragoaie uca 

;^^r, p?-;+ + iTPhe ist au gewaltig , eine vm= 
Die Bindung an das Gottiicne it.». & 

.-heure Porderuns .die vielleicht naturnotwendig einmal 
In jedem den bedanken hervorruft , ob es nicht eine Lösung 
von diesem Zwange geben konnte. Einmal richtet sich 
vielleicht in jedem das Gigantische auf und versucht . 
äie Fesseln zu losen,die ihn an den Himmel schmieden. 
Knechtschaft drückt nieder und verfinstert das leben, 
ist die Bindung an G'tt nicht auch eine Knechtschaf tf 
ist es wurdis, immer nur nach dem .Villen des Höchsten 
zu fragen? Ist es nicht menschenwürdiger , in freier 
Selbstverantworung seinen Lebensweg mit stolzer Unab= 

.- o T„ ^fy =»hen wie die Autonomie des 
hängigkeit zu gehen? Ja wir sehen, wie 

Menschengeistes, die der grosse Philosoph dem Menschen 
der »euzeit gegeben hat, ein Geschenk darstellt , das vier 

T, :, 4.„v,o. .VQ+ quf dem Hintergrunde 
leicht seine wahre Bedeutung erst aui 

^-o r.0.c,mn die G' tteshindung erhält, 
des gewaltigen Kampfes gegtn aie 

Tl. „4. -.^« -rvnm 'ler "^ensch war, 
Auch wenn der grosse Denker selbst ein fromer 

,0 ist er Vielleicht hier doch nichts anderes SISä als 



8 



das Werkzeug der G' ttentf ernung gewesen. Seit den Ta= 
gen der Schöpfung, da das Unerhörte geschehen, was uns 
in majest.xtischer Spracheals der V/ille G'ttes mitge= 
teilt wird: "V/ir wollen einen Menschen schaffen nach 
unserem Bilde, nach unserer Aehnlichkeit" (1 .lvl.1,26) , 
seit der Mensch mit dem göttlichen Funken gebildet 
wurde, der ihm Ahnung des Höchsten erleuchtend vermit= 
telt,seit diesem Tage finden wir immer wieder den ter= 
such, sich vom Göttlichen zu lösen, sich selbst viölcicht 
zun G'tte zu machen, wenigstens fir seinen eigenen Leben= 
bezirkiseit diesen Tagen gibt es immer wieder den Kampf 
gegen G'tt und das Streben, aus dieser vermeintlichen 

Sklaverei sich zu lösen. 

Diesen Kampf haben die i^enschen der Gegenwart 
in unwürdiger Form erlebt; sie erkannten seine Ursache 

in dem gierigen Lechzen nach irdisahem §enuss .dessen 

und 
höchstes Ziel, die Macht , Augen/Herz MX wie mit einem 

Nebelschleier verdüstert. Aber in dem Profeten Jeremia 
sehen wir diesen Kampf in wLiidfeer Form. Hier kämpft 
nicht ein genussächtiger Mensch nach Lust und Macht, 
hier kämpft nicht die Trägheit um ihre Ruhe: hier kari|ft 
ein "^ensch um sein Leben! Zu viel Schmerz und Leid 
ist schon über ihn gekommen; er kann einfach nicht mehr. 
Da schreit er auf: Ich will nicht mehr denken und nicht 
mehr reden, d.h. an G'tt denken und von G'tt sprechen, 
denn es gibt flr den Profeten überhaupt kein anderes 
Denken und Reden! Und dieser Schrei des "Ich will nicht 
mehr!" und des schmerzlicheten und aufwühlendsten "Nein! 
nein!" brennt wie fressendes Feuer in seinen Gebeinen. 
Er rauss erkennen, dass dieses' nein' zugleich der Tod der 
Seele wäre. Die Seele schaut G'tt, und sie kann nicht sa= 
c-en: Ich sehe nicht! Nichtsehenwollen und doch Sehenmüs= 



sen -zwischen diesen beiden Polen liegt die Tragödie 
alles Menschlichen! Die Grossen durchkämpfen diese Tra= 
gödie;die Kleinen -und hiezu gehörte die Neuzeit- halten 



ihre Hand vor die Augen und sas«n: ich sehe nichts! Die 

mutigen Menschen der Neuzeit waren in V/ahrheit feige! 

MUSS man es einem Menschen gegenüber überhaupt ausspre= 

ohen,dass wir in jeder Paser unseres Se ins verknüpf t sind 

mit dem allewigen Sein? Dass wir ein Nichts sind, ein 

Stäubchen.dass der Lufthauch Tod von der Erde hinwggpu^ 

stet? Dieses schwankende Sein des Menschen zu erkennen 

imd nach dieser Erkenntnis zu handeln - dies erfordert 

wahren Mut! Wir müssen erkennen und bekennen, auch wenn 

unser Herz dabei blutet, dass wir aixf Erden nur zu G-ast 

sind,dass \.mser Dasein anderswo im Sein verankert sein 

muss,dass -wir so leben müssen, dass imser Leben von uns 

in unserer wahren Heimat vor dem Richterstmhl eines 

ewigen Richters verantwortet werden kann/{,dass unser 

irdisches Leben sich abspielt unter diesem Himmel ewigen 

Ernstes, dass jedes irdisch-Heitere von einer Träne um= 

SDielt wird, dass durch alles Dasein ein ewiges Kommen 

oft 

^mä üehen sich schlangelt , dass das Leben des Einen/den 
Tod des Andern bedeutet , dass in den Fängen des stolz- 
starken Raubvogels die Taube im Todeskampf sich windet, 
dass ein Schrei durch alles irdische Sein hallt, Schrei 
des Schmerzes und Schrei der Lust, Schrei des Todes und 
Schrei des Lebens , und dass in diesem Schrei tönt der 
Kampf um G'tt! V/ir wissen es;aber wir verstehen es nicht 
Wir hören die Stimme &'ttes;aber sie ist zu gewaltig, 
als dass wir sie nicht fürchteten , als dass wir nicht 
verleitet werden sollten, unsere Ohren verstopfen zu 
wollen. Aber unsere Profeten reissen uns die '.7atte aus 
den Ohren, und ihr 7ort gellt in unserem Herzen wider, 
und in vins brennt durch sie entfacht die Flamme der Er= 
kenntnis,dass ein G'tt ist, und nichts als G'tt ist , und 
wir Menschen nichts sind, wenn wir nicht in G'tt sind, 
dass G'ttflucht erbärmliche Feigheit ist und Flucht ins 
Verderben zugleich! Wir sprechen, wir bekennen mit dem 
Volke auf dem Berge Karmel ,aXXÄÄ wo der Prof et Elijah 



lo 



di« bliridmachend« Götzenbindc dem Volke von den Augen 
.-erissen hat: "Der Ewige ist G'tt,der Ewige ist G'TT!" 

Versucht man die Gr'iinde auf zudecken, die uns zur 
restlosen Anerkennung des Göttlichen zwingen, die uns 
gar keinen anderen Ausweg mehr lassen, als den,äXI alles 
Geschehen und Sein auf G'tt zu beziehen, in allem nach 
seinem llllen zu fragen, so liegt einer der Hauptgr^inde 
in der Antwort auf die Frage: was wird nach dem Tode 
PXSMM» sein? Das i^iaheliegende w^re, diese Frage über= 
haupt nicnt zu stellen. Auch wenn Mi uns das Erleben 
des Tieres im.ier fremd bleiben mag, so entsteht in uns 
doch die Vermutung, da SS ein Tier wohl kaum die i-rage: 
was wird -lach dem Tide sein? empfinden wird.. V/ir Menschen 
können jedoch dieser Frage nicht ausweichen. Das Verhal= 
ten des Tieres ist uns versperrt. Schon die Tatsache, 
dass diese Frage entstehen kann, beweist ,dass wir ihr 
nicht ausweichen d irfen. Die Unterdrückung dieser Frage 
muss in irgend einer Art/ ein Vergehen s^z^n unsere 
menschliche Bestimmung sein, so als ob jemand wissen 

könnte, eine Mauer drohe einzustürzen, und trotzdem nicht 

und Gefahrdving , 

tiiäiÄMiX die Annäherung/anderer Menschen verhinaere . 

Wie aber kann denn ein Mensch diese Frage beantwor= 
ten? Noch nie ist jemand zur Jckgekommen,uiü uns Kunde 
geben zu können von späterem Seinl Es wäre jedoch ein 
törichter i:ntschluss,aus diesem Grunde auf jede; Antwort 
verzichten zu wollen, wenn dieser Verzicht ein hemmungslos 
ses Leben ermöglichen sollte. In diesem Falle müsste 
man sagen, dass die nach Befriedigung schreienden Leiden= 
Schäften des Menschen einen allzu feilen Bundesgenossen 
in dem Nichtwissen gefunden hätten. Aber die Leiden= 
Schäften kompromittieren ihren Bundesgenossen nicht als 
ein Nichtwis.;en sondern als ein Nichtwissenwollwi! Es 
gibt Religionen, die die Kunde vom jenseitigen Leben 
weit ausgebaut haben. Das hat das Judentum nicht getan. 
Aber es hat mit unumstösslicher Deutlichkeit eines 



r 



I 



11 

gelehrt: die ^ewissheit ,dass ei ein Fortlel)en nach dem 

darüber hinaus: 
Tode gibt/dass der Mensch Rechenschaft ablegen muss 

für die Führung seines irdischen Lebens! Diese Gev^iss= 
heit ist in der Heiligen Schrift so groaa.dass sie 
nirgends ausdrücklich ausgesprochen werden musste . Das 
Selbstverständliche wird ja nie in .Yorte gefasst! Wer 
die unendliche sittliche Glut biblischer Lebensführung 
ermisst,der weiss, dass sie ihre Kraft saugt aus der 
Gewissheit ewiger Polgen. Nur ein« solche Einstellung 
weiss den Menschen im Sittlichen imerraudlich anzustossen 
und aufrecht zu erhalten. Auch wenn das talmudische 
Judentum mit absoluter .7ürtdeutlichkeit den ^edanken 
der Unsterblichkeit und Verantwortlichkeit nach dem 
Tode nicht formuliert hatte, so müsste doch ein jeder, 
der hinter den .7orten die Atmosphäre sieht, aus der 
sie geboren worden, den biblischen Menschen , aber insbe= 
sondere den Profeten als den mit Ewigkeiten und ewigen 
Folgen rechnenden Menschen erkennen! 

In diesem Zusammenhange , wo die -öedeutung der Bibel 
fir das Judentum noch nicht erörtert worden ist, soll 
jedoch auf diesen Gedanken biblischer Beispielgcbung 
noch nicht allzugrossen Nachdruck gelegnt werden. XJÜÜiX 
MXXSSIMi Bedenken wir selbst , welchen Einfluss der 
auf die Ewigkeit gerichtete Blick auf die Lebens- 
gestaltung eines Menschen auszuüben imstandeist l Wir 
können freilich in unseren Gedankengängen immer, nur den 
Weg rückschliessender Bewegimg gehen. Die Wahrheit oder 
Unwahrheit einer Sache offenbart sich dem Menschen am 
Deutlichsten immer nur in den Folgen. "Die Früchte 
legen Zeugnis ab" l Nähmen wir nun an, dass - wie so oft 
in der Geschichte der Menschheit gelehrt wurde - mit dem 
Tode wirklich alles aus wäre - was v/äre die Folge? 
Müssten den Menschen nicht einen rasenden Lebenshimger 
nach Befriedigung aller Leidenschaften und Triebe er- 
fassen? Ihn hält ja nicht der dumpfe, von der Vernunft 
nicht erhellte Instinkt des Tieres in Schranken. 



- 12 - 



f 



Es ist unausdenkbar, was geschehen würde, wenn der von 
verantwortungslosen Philisophen leichtfertl,:j in die Welt 
gesetzte Gedanke, dass mit dem Tode alles aus xxxx sei, 
von allen Menschen oder auch nur einerü erheblichen 
Teil in die Praxis umgesetzt würde. Schilderungen 
von Schiffsuntergängen berichten uas von dem grauenhaften 
Kampfe um das bisschen Leben, das sich in letzter Minute 
erschütternd abspielt* Die Verhältnisse der Menschen 
würden der wahnsinngeschwängerten Luft eines Schiffs- 
unteriranges gleichen: Einer der Todfeind des andern, 
wenn die geringste Lustbefriedigimg unterbunden werden 
sollte! Dieses Grauenhafte ist nicht .Vahrheit, kann nicht 
'.Vahrheit sein, sonst hätte die Menschheit sich längst 
schon selbst zejystört! Es ist vielmehr umgekehrt: Das 
Leben des Menschen, der seit Urzeiten im Tiefsten ver- 
spürte , das all sein Tun im irgendwelchen Zusammenhange 
mit dem ewigen Sein st'inde , bekommt den heroischen Schia;i- 
mer entsagungsbereiten Mutes, wenn es sein muss, wenn 
ein Höheres es fordert. Es ist gerade so, als ob der 
Mensch , dessen Blick bei aller Erdnähe auf die Ewigkeit 



o 



erichtet ist, innerlich aufgerichtet werde, als ob 



sein aufrechter Gang, der ihn von den Tieren unter sehe ide1j 
Ausdruck klarbewusster Unendlichkeitschau wäre. Die 
Menschen waren immer klü^ger als ihre falschen Propheten, 
auch wenn diese zahllose zugrunde richteten, ./er jedoch 

» 

lehrt, dass nit dem Tode alles aus sei, der ist ein fal- 
scher Prophet; der vergiftet di« herrliche Natur G'ttes, 
deren Reinheit nur von Menschen getrübt werden kann. Es 
gilt nicht, ihnen Feindschaft zu erklaren. Sie sind arme 
Irregehende. Es gilt vielmehr, die 7/ahrheitssuchenden 
zu ermannen, zu dem Entschlus? sich ohne Beirrung dem 
wahren Sein, dem gottlichen Sein zuzuwenden -und iluuc es 
als sinngebende, ewi|gsprudelnde , zentrale Quelle des 
ganzen irJis -hen Daseins zu erkennen und ihm zu dienen. 



RELIGION AS CENTER OF UTK 



Oaot rallgloxi 



po89«88ea doninlon over th« •urthi ttais 



happened in the Ulddle Ages. It oould hav« or«ai«d th« kinsdom 
of God on earth f or whloh the human heart was Inipasslcmtdljr 
longing hut, It could not fulfll this task despit« th« woyldly 
power It enjoyed and wielded. On the contrary, hunan egotltm 
with all the accompanying phenomena of tßnohle paeslons wa» 
prevaillng and triiimphing, and heoause rellglon dld not aoeo»» 



punlshed 



XZII 



ialnl: 



xBuch rellglon existent, heeause there are and were always 

per8«out«d 

rellßlous men who even in tlmes when rellglon was »^B a äRbi / 

wof- 
and ruthlessly suppresaed, dld^abataln from adherlng to ths 

supreme truth. However, what Is iiaually called rellglon • 

the way to God shaped In ä partlcular system- was In a danßero|te| 
Situation. Everythlng was passive, was a retreat; only a r*»t 
of reverence kept man baok from unbounded fllght. The men 
who had the sad oourage of pralslng thls fllght as salvatlonp 
who oalumnlated religiös as oplate; who also wanted to estab» 
llsh a paradlse on earth but wlthout the recognltlon and do- 
mlnatlon of the Dlvlne. had rlven themselves an easy task. 



»^ k 4 e ♦ <«. 



They only had to remove the rest of reverence men 

harhor nattorally In thelr heart to thelr parents and grand- 

parents; and shamelessness is a sweet polson* 



L -B.«' . 






The people fleeing from religion grew to a mighty army. 



Severe was the punishment of relioion v/hich had let ,ad«^ its 
opportunity/ when v^orldly power coulu have enaLled lit to create | 

a kingdom of peace and hiiman happiness on earth. It had lost 

the human society . . .. „r,j^,„ 

its credit in msKJclKÄ/that deified the economic relationships 

»RXxhEfcEEEHxmEHX among men. Its servants attxsEi were exposed 
to ridicule and not seldom openly iaK?;feK!äxa±x mocked at. Reli- 
gion was drawn into the dust; it was derised, despised, insulted 
Insult was made a science. In museums its "results" were puh- 
licly exhihited. Revolt and impertinence against the supreme 
Being were spreading like an epidemic , and no lightning was 
feil from heaven to punish the blasphemer and slanderer. Was it 
not a proof that something Divine did not exist at all? - This 
actiially was the natixral conclusion of innuraerable men; they 
had aholished G'd; derisi-ely Friedrich Nietzsche ,EaiiE± the 
philosopher who invented the lixKxs ideal of "Superma.n", called 
out in'his hook Zarathustra: "This old man in the forest does 
not know that G' is dead!" -In his opinion itxisas there was 
nohody eise who could have douhted that G' was finished for 



e^A^ 



6 



te^ 



ever></vvas proven as a "bogJT iEXtEXX invented to terrify chil- 
dish >-rown-ups who did not guorjti the infinit^ power in man 
himself. There \vere also many scientists and students who 
had taken part in the annihilation of the "hog%«" belief m 
G' with clever, fine constru.cted conclusions and proof s; there 
were politicians v;ho had held sxäsy the day of rechcninr -ith 



religion and its G' whojrrthey declared to be "opi«» for the 

talDandonned 
^_.^_. .. -.--. he people ±Kf*/the houses of G' and used 

their ^ron Mnywe ^^ lhe .rj e 



rte for -as they believed- more useful 



occupaticns; they seemdd to feel happy and satisfied with this 
new freedom from the fetters of religious faith; life x«xjdMx v. 
will «he beaiitiful now, they persuaded themselves, for there 
will he no-one who can demand reckonin.^^ for our deeds. G' was 
dead; long live the god MAN! 



..-ii 



' / .~ 



. ./ 



The way to the earthlv hapriiness of kisncT manl'-ind vms 
supposed to "be free then» Religion was annihilated; its 
servants and promoters, the clerics were exposed and dis- 
honored. Instead of prophets, philoscphers, scientists, 
politicians, authors ,E±ExxxHäxx]axfEX±k self-appointed leaders 
of all Ivindswere called upon to show the way to the ^^inal 
sta,<Te of human hapyiness of earth. Everything was prepared; 
only the happiness v^^hose Coming v/as so cleveDyi^' and scien- 
tifically fi/??gured out, did not want to eehi come into exi- 






O 



tence. Should it "be possihle that man was perhaps wrong in 1 



his calculation? The human intellect had invented m.achines; 
but, the dead iron hodies changed from slaves into masters 
and condemned millions of men to unemplo^ment and hungcr. 
. Scientists discovered m.ethods to an unimaginable increase of 

t 

of food and goods hut, others seemed to he seized hy a stran-j 
ge mental disturbance for they feit ohliged to find out ways 
of destroving the goods and food produced not hecause there 



w 



ere no r^ople v/ho v;ere starving bi't because the human greed 



for money was not satisfied. On one continent millions died. 
of hnnrex; on the other they used •brfcad o otuf le - for heating 
en.pdnes. Great men were searching for ways and means to 
ban the spirits of disorder^tut^ v/hile they endeavored to 
open the doors for the mutual "umderstandins of the nationsl 
these doors were slammed in their face. The walls of custom 
duties j^rew higber and higher; the .Limitation to the pro- 
ducts and merchandise of one^s own country tecame more and 



mo 



re compulsory* Then the sword of war "began to clash aga; 



there were ennemies again whose annihilation hecame the 
highest commandment. The League of Nations founded with 
greatest hopes only a few years ago , began to crumble off^ 
Keed and death were striding again over the earth. The 
hapriness sxjiEKtÄÄ so certainly expected . to arrivfr , did m 



■..^*«?f^^^ 



ftir iiii's 






r 



come; men feit disappointed, and disap^^ointment is a language, 
a language without words but more distinct than any human 
spgÄch. I.eadin.p: personalities among philsophers and scien- 
tists "began to recognize the mistakesfewftü' short Comings and 
Jde5is± silly boasts cn the side of the people v;ho wanted to 

kill G' and religion, v;hen a nev; phase of human destruction 

lonprer any 
Start ed which gave no/time to anyone to slowly change his 



attiÄude towards faith and religion. 

Nazis and'^Fascists turned the world upside down. 



I > 



/ 



Grund sätzliohes zur_Frage^e3_ ,sy stematlsohen_Rell£lonszgn. 
terrichtes. (Zugleich eine Buchbesprechung) ; (x)) . 



von E. Schorsch, Hannover. 



Das älteste jüdische Scarifttum kennt in dem 
Gebiet, das die Frage des systematischen Religionsunterrich- 
tes ber-lhrt 4 Ausdrucksformen: 1. das unsystematische Ge- 
setz- und Lehrbuch der Thora; 2. das Geschichtsbuch, in 
welchem die göttliche Einwirkung und Er&iehung sichtbar 
wird; 3. das systematische Gesetzbuch der Mischna und der 
dazu gehörenden Schriften; 4. das Diskussionsbuch des 
Tal^d^JrTn Welchem die starre Form des gesetzlichen Lehr- 
buches durch lebendige Aussprache aufgelockert wird und 
zugleich in gemütvoller ./eise eine Verbindung mit den 
aussergesetzlichen Stoffen hergestellt wird. 

In späterer Zeit finden wir in merkwürdiger Aus- 
ein":inderfq.ltung und Zusaimnenfassung drei Formen, die den 
uralten Formen des in V/orte gestalteten jadisch-religiösen 
Erlebens nicht ganz gleichen, und zwar 1.: das syste- 
matisierte Judentum der Decisoren, deren deutlichstes 
Beispiel der Mischne-Thora des Maimonideg^und der Schul - 
chan-Aruch des Josef Karo darstellen. In ihnen kommt 
wissenschaftliches Systematisierungsbestreben für den 
halachischen Stoff zum Ausdruck; aber zugleich tritt an 
nicht wenigen Stellen der religiöse Geist des Judentums 
begrifflich formuliert in Erscheinung. Diese Art gleicht 

am meisten der mischnischen Form gesetzlicher Auf- 
iJt^ft^^^eX^rt^ Bind die philosophischen 
Schriften, die nicht zuerst nach den gesetzlichen Vor- 
schriften des Judentums fragen, sondern nach der 



x) Dr. Ernst Jacob, Israelitische Religionslehre, M^inchen 
1935, Verlag B.Heller. 



w 



i 



l 




- 2 - 

metaphysischen Grundlegung des Ganzen. Diese Art Schriften 
haben im alten jldischen Schrifttum kein -ä4.^?ekWa Vor- 
bild/ auch wenn für den einen oder ?^eren Gegenstand 
k^instlerische Gestaltun.^skraf^/^rfianches herrliche, meta- 
physische Grundfragen ä^^y^llende oder berihrende i/erk 
der Dichtkunst herjKTrgebracht hat^ Die dritte Form, 
die ebenfalls bis auf die Neuzeit ihre Bedeutung erhalten 
hat, ist der Komentar. Er begldtet die Heilige Schrift; 
.4nr- jedem <Vorte treu sich anschmiegend behandelt er so- 
wohl gesetzliche -^-als auch philihsophische Fragen. Die 
Quelle dieser Ausdrucksform jüdisch-religiösen Erlebens 
ist sicherlich uralt. Die halachischen Midraschim sind 
deutliche Vorboten dieses Schrifttums. Seine eigentliche 
Bedeutung jedoch hat der Kommentar erst später bekommen, 

und zwar wohl auch deshalb, weil indieser üorm eine Gegen- 

I 
Wirkung; enthalten v/gr gegen die all'zu starre , unlebendige 

Systematisierung, die das gesetzliche- aber noch vielmehr 
das metaphysische Bestreben in Bande zu schlagen drohte. 

In den Kreis dieser Erwägungen gehört auch die 
Frage der Lehrbücher für den systematist|Len Religions- 
unterricht, die die Neuzeit in erheblichem Maße hervor- 
gebracht hat. Der systematische R.U. galt wohl immer als 
problematisch. Das kann jedoch nicht bedeuten, dass er 
keine Berechtigung besässe, sondern vorerst nur, dass die 
heuti.^'e Zeit in dem Strom der Entwicklung so gefangen ist, 
dass sie über die Grimdf ragen -wft4 — Pr o blome noch nicht 
bis zur anerkannten systematischen Zusammenfassung des 
Ganzen lAnd zur gültigen Form vordringen konnte, in welcher 
entsprechend den systematischen Bestrebungen im Altertum 
und im Mittelalter eine Ueber schau über das Judentvun g 
Gestalt gewinnen könnte. Dass aber trotzdem immer wieder 
yi^ von feuern Lehrbücher für den systematischen R.U. entstehen, 
beweist, dass ein tiefes Bedürfnis vorliegen muss. Welcher 
Art dieses Bedürfnis sei, kann an dieser Stelle nicht end- 
gültig geklärt werden. Es soll jedoch in wenigen Punkten 



- 3 - 



•^ 
fi 



! 



auf die Ei/^entlmlichkeiten des Fragekomplexes hinge- 
wiesen und so zur Klärung beigetragen werden* ilicrbei ^ 



_ßjj } 1 pn ^ Punfe l 



werden • 



Ulf 



{ t y^ Uf, . 



1 Die Art der Religionsdarstellung * 

Piir die systematische Darstellung einer 
Religion kann es 2 Arten von 3egr indungen geben. Die 
ersj^e -Ari? -:eht von der Rel igion aus, die zweite Art vom 
Menschen. 'Muss eine Religion systematische Darstellung 
fordern? Da grunds^ätzlich jeder Religion ein Streben 
nach totaler Lebensbeherrschung innewohnt, so müsste sie 
eigentlich auch ein System aufstellen, das ihre Voraus- 
setzungen und i^'orderungen für sämtliche Lebensverhältnisse 
darstellt. Dieser objektive Gesichtspunkt ist wohl auch 
die Ursache für die im Laufe der Menschheitsgeschichte 
irmner wieder erneut auftauchenden systematischen Dar- 

r 

Stellungen der Religionen. 'Im Judentum wird dieser Ge- 

L / 



. y i^^^ danke eigentümlich illustriert durch den Umstand, dass 
104^^ y^ sich neben Gesamtdarstellimgen, die auch praktisch nie: 






mdhr auszuführende Gesetze enthalten, auch solche finden, 
die nur die ausführbaren G-esetze darstellen xand somit 




21^^i^"^< of f enbaren , dass es der Religion auf totale Beherrschung 
"-'/^^er jewaili^^en Lebensverhältnisse ankommt. Schon von die 
r: 1 ^' Vv sem Gesichtspimkte aus wäre es zu begreifen, dass auch 
' t für die Schule ein Lehrbuch des systematischen R.U. ge- 



/ 



Of. 



a 



geht vom Menschen aus, ist also subjektiv. G-emeint ist 
der Wunsch des Menschen, die allseitige Auswirkung der 
religiösen Voraussetzungen zu erfahren. Das bedeutet die 
Annahme eines geistigen Bedr:ifnisses nach systematischer 
Erkenntnis. Es muss jedoch erkannt werden, dass syste- 
matische Religionslehre kein Bedürfnis für alle Menschen 



- 4 - 



< 






l 



sein kann, da sehr viele Menschen -vielleicht sogar die 

meisten- unsystematisch denken. Die Ausdrucksform de^ 

Judentums in der geschichtlichen Darstellung, im Kommentar 

und in der zwanglosen Diskussionsart des Talmud ist ein 

deutlicher Beweis dafür, dass das Judentiom die Natur 

t 
des unsystematischdenkenden Menschen kennt, versteht und 



ihr entgegenkommt. Daneben gibt es allerdings auch 
systematischjienkende Menschen. Ihnen ist es ein Be- 
Äxii dürfnis das flies sende Erleben und seine verwirrende 
Mannigfaltieikeit zu einem klaren System zusammenzufassen 
und so den V/eg zur A'abrheit unerschütterlich festzulegen. 
Dieses Bestreben hat bei den grossen jüdischen Denkern 
dazu geführt, einerseits die gesetzlichen Grundlagen und 
die Forderungen dds Judentums für ihre Zeit unter Be- 
rücksichtigung aller Entscheidungen systematisch zu ver- 
zeichnen und andererseits die metaphysischen Beziehungen 
des Judentums in einer anderen, aber ebenfalls systemati- 
schen Form niederzulegen. Die modernen Reli^^äonslehr- 
bücher versuchen nun beides zu vereinigen. Sie wollen 
- oft in sehr gedrängter Form- einen Einblick geben 
in die gesetzlichen Forderungen des Judentums und gleich- 
zeitig auch die metaphysische Grirndl egung in den Rahmen 
des Systems einspannen. In jedem Falle wird ein solches 
Bemlhen schwerlich gen "gen. Sowohl für den in gesetzlicher 



Bezieh\ing Auf klarungsuchenden wie auch für den meta- 
physisch Denkenden wird immer zu wenig und nicht Genügendes 
geboten sein. Man konnte daher an der Notwendigkeit eines 
systematischen Religionlehrbuches insbesondere für Schüler 
zweifeln, w nn es nicht noch eine zweite Art nach Systematik 
stiebender Menschen gäbe , nämlich jene , die nur eine 
Uebersicht über das ganze Judentum gewinnen will , ohne 
jedoch allzu tief in die Dinge eindringen zu müssen. 



- 5 - 



t 
• 



^ 



Dies ist mehr eine syste.ngtisoh- :gaktische Art; und xmter 
Ber icksichtigung dieses Umstandes gewinnen die modernen 
Religionslehrbiicher eine gewisse Bedeutung. Sie nützen 
denjenigen, die wissen mochten, was das Jud^^ntum im 
allgemeinen verlangt, setzen dabei allerdings einen Men- 
schen voraus, der sich von vornherein im gewissen Sinne 
bedin;:\ingslos dem Geiste des Judentums unterwirft, also 
einen Menschen, der eigentlich erst durch das Seligions- 
lehrbuch (allgem in: durch Erziehung) geschaffen werden 
soll: Nämlich den jüdisch-religiösen Menschen, dessen 
■ Religiosität in der Festigkeit des Sichunterwerfenkönnens 
in die Erscheiniin^: tritt. Man muss also in diesem Falle 
mit Mitteln zur Religiosität erziehen, die ei-entlich nur 
auf denjeni-^en wirken, der sie schon besitzt. Aber diese 
Schwieri^rkeit wird sich wohl nie aberv/inden lassen. Darum 



ist sie auch nur ein kritischer, zur Vorsicht mahnender 
Gesichtspunkt und. keir\-^adel des systematischen R.U.\S. 
Die Kunst des Erziehers wird wohl in allen Grundbezirken 
des Lebens immer nur in der Entfaltung eines schon Vor- 
handenen bestehen können. Nichtvorhandenes schaffen 
ist dem Göttlichen vorbehalten. 

2 . ) P sycholO;^<ische Gnundlegung. 

Ein Lehrbuch muss wesentlich Ricksicht nehmen 
ouf den Schüler, der Mehrt werden soll. Das bedetat, dass 
auch ein Religionslehrbuch auf einem zureichenden psycho- 
logischen Fundament aufgebaut sein muss. Eine psycholo- 
gische und im Gebiete der Religion wohl auch sachliche 
Pehlerauelle des systematischen Religionlehrbuches ist die 
lehrhafte, absolute ./ahrheit verklindende Formulierung des 
reli^-iösen Lehrgutes j denn sie ist ausgesproiahen \inlebendig. 



- 6 - 






l 



aöhton w t-r- 



jaie hoc 



chsten Vorbilder der fieliriion verkün- 



denden und lehrenden Menschen, die Propheten , --«e-teennetr^ 
wir ger a de bei ihnen w . nhrn e h i uuu , wie a Jr ^ sich vor aer ge- 



ruhi._^en Formulierung -^fa«-^t--tin.tfS^M4:eh-^^ In ihren ./orten 
steckt eine bohrende, springende, vorv;ärtstreibende Kraft. 
Wir fühlen in ihnen deutlich die seelische Bewegung. Der 
Prophet lehrt nicht, dass man z.B. G'iter rieht imrecht- 
raässi.^erv/eise sich aneignen darf. Das ist im Lebenskreis 
der Reli,i:ion ganz sel>)stverstindlich. Ergreift vielmehr 
an einem Punkte, an welchem seine Zeitgenossen sich ver- 
s'indisten, ein, um dem r-litriosen Gebote Beachtimg zu 
verschaffen. [j)er Proph^^-^ll nicR^^^in .Vissen lehren, 
sondern ein .<iss^j:v<^s unmittelbar im Leben seine Aus- 
wirkung fi^d^t O Prophetische Religionslehrkunst gibt also 
keinen Ueberblick über die Forderungen des Judentums, sondern 
sie greift an den richtigen seelischen Ansatzpunkten ein, 
da wo^ das Volk eindeutig das Verstehen des religiösen 
Gebotes auch E,QE,Qrv seinen '«/illen erleben muss. Ihre Re- 
ligion umfasst und fordert nafirlich auch das gesamte Leben, 
ist also ebenfalls System, jedoch nicht materiales . alle 

Objektivierungen des jüdisch-religiösen Geistes \imfassenwollm' 

j 
dej System sondern formales von den religiösen Kräften 

ausgehendes und so von innen nach aussen auf das ganze 
Leben ausstrahlendes, durchdringendes und total erfassendes 
System. Diese Art System ist jedoch aufgelockert, der 
jev eiligen seelischen Situation genähert, in Bewegung ge- 
bracht , auf Verwirklichung der religiösen Forderung hin- 
drängend. Es scheint, als ob diese dynamische Art des 
religiösen Lehrens mindestens in einer Zeit, in welcher das 
religiöse Lehrgut nicht unangefochten dasteht, die richtige 
ist. Die statische Art , das Lehrgut einfach darzubieten, 
geht an der Tatsache der Anfechtung vorüber. Der syste- 
matische Reli.^ionsunterricht hat den Vorzug, das religiöse 






- 7 - 

Probiem an der HauptstelLe und nioht an aussenliegenden 
Piinkten anzufassen. Aber er aiuss es dann in einer \Veise 
tun, die der Heiligkeit und der auf Verwirklichung; hin- 
drängenden Art des Gegenstandes entspricht. Dieser be- 



er 



n'lgt sich keines^'alls mit dem blossen ^ewußtwerden. Er 
will, er inuss d'^s Leben formen! Er darf fordernd auf- 
treten. Ja, er muss dies tun in einer Zeit, in v;eloher ^ 
zahlreiche Ideen irdischer Bindung ausschliessliche Unter- 
werfung ford rn. Er ist keine im blosser Beschaulichkeit 
zu erwerbende l4^he it. Reli^tiion wird nur durch Leben erworben/| 
Das Leben ist schwankende Bewegung. Religion fordert Er- 
kenntnis dieser Bewegung und zu>ileich ihre Unterwerfung 
unter das ^öttliohe Gebot, um dem Schwankenden dauernde 
Richtung zu verleihen. Und dieser i'orderung entspricht 
auch die Notwendiijkeit , im systematischen R.U. an die 
Stelle statischer Darbietung dynamische, auf Verwirklichung 

» 

hindrängende Bewegxing zu setzen. 

n Neben diese formale Forderung im Rahmen der 
psychologischen Griindlegung tritt in heutiger Zeit in vor- 
derster Linie eine materiale Forderungy Ö|ls erster Bau- 
stein für das psychologische Fundament der -Virkungsmög- 
lichkeit,fc^e fordernd -nicht nur lehrend- auftretende 



Religion kann nicht an der insbesondere die Seele der 
Jugend imiUer wieder bedrängenden Frage/ vorübergehen: 
Was bedeutet das Vorhandensein der versch iedenen Religionen? 
ffir möchten meinen, dass diese ausserordentlich schwierige 
Frage bei der Entwertung der Geltimg der Religion eine 
nicht geringe Rolle gespielt hat, xmd dass ein Religions- 
lehrbuch der Neuzeit eine grimdBätzliche Aufgabe der 
Gegenwart nicht erfüllt, wenn es nicht auf diese Frage 



eine Antwort zu geben weiss 



^^ Es handelt sich dabei durch- 



x) .»'elcher Erschütterung der religiösen Ueberzeugung ist 
z.B. ein Mensch ausgesetzt, der in einem populär gehaltenen 
Büchlein über antike ivjBterien(Burger , Antike Mysterien, 
M'inchen, 7. -9. Tausend, Tusculum-Schrif ten , Seite 3) folgendes 
liest: "Das Grösste und Beste, was der Orient uns zu geben 
hatte, das wiren seine Religionen. Ewig denkwürdig in der 
Geschichte der abendländischen Menschheit bleibt jener 5. 



- 8 - 



aus nicht um .ine inhnltliohe Frag« des systematischen 
R.U. , die anderen inhaltlichen Fragen gleichgestellt ist, 
sondern um eine ausschlaggebende grundsätzliche Frage 
f'ir die Berechtigung des systematischen R.U.r in heutiger 
Zeit Überhaupt, da die zulängliche Beantwortung in diesem 
Falle erst die innere Bereitschaft und Aufnahmewilligkeit 
flr das religiöse Lehrgut erzeugt. Die allgemeine -zwar 
oft unausgesprochene- Anschauung ist, dass jede Religion 
Anspruch darauf erhebe, die wahre Religion zu sein. Da 
aber nur eine Religion d ie wahre sein könne, so -fol- 
gert der Denkende- sei wohl keine Religion wahr. Die 
Lessingsche Fabel von den drei Ringen hat einen fatalen 
Kern. Da niemand weiss, v;elches der echte Ring ist, 
so könnten allerdings alle drei Besitzer so leben, als 
ob ihr Ring der echte wäre. Sie könnten aber auch die 
Folgerung daraus ziehen -dies entspricht durchaus der 







K 



Reli^'ionen fei oh 'in oiuem' . Valm Tw fänden imd es besser wäre, 
in einem unentscheidbaren Kampfe, in welchem man unter Um- 
ständen sich als Getäuschter entpuppen könnte, nicht 
mizutun, sondern ausserhalb der drei Religionen seinen 
eigenen weg zu gehen und sich keiner Religion anzuschlies- 
sen. Darum mussheute ein Rsli^nslehrbuch in erster 
Linie eine klare, eindeutige Antwort auf die Frage nach 
der Bedeutung des Vorhandenseins verschiedener Religionen 
zu geben wissen; und wir könnten uns vorstellen, dass 
ein solches Lehrbuch gerade mit einem diese Frage be- 
treffenden Kapitel eröffnet wird. Wir möchten die 
psycholo,^ische (und sachliche) Richtigkeit der Antwort 



Fortsetzung d.Anmerlcung zu Seite 7: 

April des Jahres 205 v.Chr., der Tag, an dem als erste 
orientalische Gottheit die Kybele mter Wolken von »ifeih- 
rauch auf dem palat*nischen Hügel zu Rom ihren Einzug 
hielt. Zuerst zögernd, dann aber in stürmischem Sieges- 
lauf folgten andere Gottheiten: Aus Aegypten kamen Isis, 
Osiris. Serapis, aus Kleinasien Attis und Sabazios, aus 



- 9 - 
bezweifeln, seine eigene Relision als die Höchste und die 
anderen Religionen als grössere oder kleinere Irrwege Ein- 
zustellen. Das Itethalten an diesen "Irrwegen" wäre nicht 
so einfach zu erklären. Abgesehen davon mag gerade diese 
Einstellung, die nat^irlich jec/e Religion für sich hegte, 
eher zu ihrer Entwertung beigetragen haben. Die richtige 
Antwort scheint uns -um ein Beispiel zu geben- angesichts 
des nichtmissiontreibenden Judentums in der Annahme zu 
liegen, dass jede Religion für einen bestimiaten Menschen- 
typus den Weg zu G' tt darstelle. Darum kann jede Re- 
li.^ion wahr sein, d.h. den Menschen zu G'tt führen, und 
trotzdem eine Vertauschung der Religionen nicht möjlich 
sein, weil jeder Tj^us nur einen V/eg , nämlich den, 
seinem Typus entsprechenden gehen kann.* Der Gedanke 
scheint uns also nicht von der Hgind zu. weisen zu sein, 
in einem Religionslehrbuch der heutigen Zeit die Haup t - 
religionen der Erde in ihrem typischen .«'esen kurz dar- 
zustellen, um das Bewußtsein seines eigenen, unvertausch- 
baren typischen Weges klar hervorzurufen. Es genügt in 
einer Zeit des .Weltverkehrs, in der jeder fast mit jeder 
Lebensform und -Grundlage irgendwie in Berührung kommt, 
nicht, nur in genügsamer Selbstschau die Züge seines 
eigenen V/esens zu beschreiben, sondern man muss , um in 
sich selbst fest zu stehen, von der imnachahmlichen Ei- 



t 



x) Das Judentxom schliesst -wie wir meinen- nur einen 
Religionstypus von der Existenzberechtigung aus, den 
orgiastischen, d.h. denjenigen, der den V/eg zum Gött- 
lichen durch UnSittlichkeit gehen möchte. Auch da, 
wo der Polytheismus bekämpft wird, lauert im Hinter- 
grund immer die Gefahr der orgiastischen Verirrung , da 
unter den vielen Göttern eben immer auch ein blutdürsti- 
ger Molech war. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass 
Blut- und Sexualrausch den Menschen auch ins Gebiet des 
Uebersinnlichen versetzen /können. Das Judentum, das 
jedoch das Sittliche als Flc^ngnlraf^. G' ttes und daher 
als Forderung für das Menschenleben erkannt hat, lehnt 
den orgiastischen ^Veg radikal ab , und die ganze Kultur- 
menschheit hat sich dieser Anschauung angeschlossen. 



- 10 - 

gen-Art des Anderen iind ihrer Berechtigung eine Ahnung 
haben. Das ist etwas ganz anderes als kraftloser Re- 
lativismus und Skeptizismus. Im Gegenteil, es kann auf 
diese V/eise eine Gläubigkeit und geistige Festigkeit ent- 
stehen, die derjenigen des Mittelalters nicht nachsteht, 
sich aber gcuf einer höheren Ebene befindet, da sie mit 
der eigenen inneren Sicherheit nicht den Fanatismus \md 
die Feindschaft gegen andere Relgionen verbindet , sondern 
selbstverständliche, aber nicht zur - ^iganon Laxheit be- 
re Oh t igende , Duldung und Anerkennung* -Vir meinen also, 
dass unter den heutigen Umständen in einem Seligions- 
lehrbuoh eine Antwort enthalten sein muss, die dem 



/esens^^ehalt des Judentiims entspricht und zugleich auch 



die Frage der Mannigfaltigkeit der Religionen und die 

unleuglDare psychische Tatsache klärt, dass man Religionen 

nicht wie ein Kleidungsst'ick vertauschen kann* Ohne eine 
solche klare Antwort wäre das Fundament, auf dem das 

Religionsgebäude systematisch errichtet werden soll, von 

vornherein psychologisch br^ichig* Auch wenn man eine 

andere Antwort als die ausgeführte^ geben möchte (die 

nur als Beispiel diente), so kann , unter keinen Umständen 




auf die grundsätzliche Klärung*^ in einem Religionslehr^»*<!4_ 



jwaah. verzichte-^ wei ' de - n . Wer in schwankender Zeit baut, 
muss unbedingt zuerst ein sicheres Fundament legen; imd 
in Bezug auf das Reiligiös-Metaphysische ist unsere Zeit 
schv/ankender ,als je eine andere ^gewesen ist. 

3.) .JMfe- Quellen der Religionsdarstellung. 



Für ein jüdisches .leligimslehrbuch ist eine 

QK*a<*^ 

x) Damit wird auch zugleich ein^religionspsychologisch gar 
fährlicher Umstand geklärt, nämlich die Frage des echten 
Proselytentums . 






'*" 



- 11 - 



klare Stellungnahme 7Axr Frage der Geltung unserer Bibel 
unbedingt notwendig, denn sie ist ja das Religions- 
lehrbuch im höchsten Grade. Hier möchten wir einer 
Einseitigkeit das ..'ort reden. Die Darstellimg, dass eine 
W Richtung die Bibel in allen Teilen -ftie- unbedingt 



t^^c** 



unter 



ZS.JUa^ -&ohiöfe*i±ah-aner kennt, die andere Richtung -j 
A***^^ irgendwelchen Gesichtspunkten eine Auswahl in der Gel- 
'i^l^l'^: tungswertigkeit vornimmt, ist vom Standpunkt religiöser 

Bildung und Pörderimg aus nicht befriedigend. Eine 
solche Darstellung gehört in^lein Buch der jüdischen Ge- 
schichte, aber nicht in ein Religionslehrbuch, auch wenn 
erst der Lehrer den Text ctes Lehrbuches zum Leben erwecken 



f 
f 



üoll. Ein Religionslehrbuch muss so geschrieben sein, 
dass man es ohne Gefahr, d.h. ohne das Bildungsziel zu 
schädigen, dem Schüler in die Hand geben kann. Die 
Feststellung von ..ieinungsverschiedenheiten in Bezug auf 
die Geltung der Bibel ist für den Religionsunterricht zu 
wissenschaftlich. Es ist ein ungeheurer Unterschied im 
Grade der Ehrfurcht, ob ein Schaler der Bibel mit dem 
absoluten Glauben an ihre« Ö#«oii4«^it^^:ehfcei4s- gegenüber tritt 
oder mit der Voraussetzung, zur auswählenden Kritik be- 
rejhti^t zu sein. Hier stehen zwei .Veiten -e4dter-e inander 
gegenüber, von denen die eine über die andere lächelt, 
und die andere befürchten muss, von der ersten in ihrer 
wesentlichen Voraussetzxmg entwurzelt zu werden. Im 
praktischen Unterricht ist es vielleicht möglich, eine 

Brücke zu schlagen; ein Religionslehrbuch jedoch ent- 

und ./irkungsmJglichkeit/ 

wurzelt seine eigene ueberzeugende Sicherheit , /wenn es 
nicht einen eindeutigen Standpunkt einnimmt. Der Ver- 
fasser muss ja slbst eine klare Stell\mg beseitzen, und 
er wird immer nur fördernd auf die seelisch ^leichveran- 
lagten einwirken können. Diese Einwirkung ist jedoch 
nur möglich, wenn die Meinung des Verfassers komprom/isjü>5 



^ ^ 



4. I > ' 
V 












„.Hk 



. ; 



f — 



V- 



x) 



* ' • tJ 



jlnmerkimg zu Seite 12 Mitte: 



Damit darf auch der Charakter der Decisoren nicht 
vervvechselt werden, denn hinter ihnen steht eind ausser- 
ordentliche, ja geradezu äberragende Triebkraft, nämlich 
der Begriff der Mi zwo h. Dieser Begriff bedeutet die 
imerschütterliche Ueberzeugung , alles, was da geschrie- 
ben steht, als Heiligung des göttlichen Nemens verwirk- 
lichen oder als Entweihung vermeiden zu müssen. 



\ 



- 12 - 



t 
f 






zur Darstelliing kommt, \md letzten Endes ist entschei- 
dend nicht ein imlebendi^jes , seelenloses ./issen, sondern 
ein in die Praxis, in das Tun ülDetflihrtes V/issen. Die 
Stellung zur Bibel bedeutet ebenfalls psychologische 
Grundlegung. Judentum ohne Bibel ist und«i<.bar. Sie 
ist der Quell lebendi^ren Wassers, in welchem sich G'ttes 
Wirkung auf unser Volkjspie :elt . 'Henn man erreichen 
könnte, dass jemand gar nichts anderes als den Willen 
entwickelte, aus diesem Quell stets zu trinken, so wäre 
der Zweck eines Religionslehrbuches vom Standpunkt see- 
lischer V/irkung und Erhaltung der Religion aus zum 
grössten Teile schon erf'illt, denn dann wäre das V/issen 
in lebendige Bevvegimg geraten. Auf die Dauer werden 
solche Wirlomgen (neben dem viel wichtigeren Umstand der 
richtigen Lehrerpersönlichkeit) nur von solchen Reli- 
::ionslehrb*lchern erf illt werden können, in welchen die 
Persönlichkeit in ihrer ganzen Ueberzeugung und Hingabe 
zum Ausdruck kommt. Das ist etwas durchaus anderes als 

geruhige, imerschiitterliche Darstellung einer wie dog- 

- X) 

matisch festgelegten Religion^ Ueberzeugimg , die an 

der Bibel und dn der Uebersetzung ins Leben gewachsen 
ist und gestählt wurde, wikkt irajner belebend und an- 
treibend. Sie ist selbst in der Form kontemplativer 



Wahrhe i t s suche 



t-s -Spinc^BS- Ethik deutlich - 



we-y- d e n kan» - von gewaltiger Sprengkraft erf illt. 

40 ^ P^^ Srprache der Religionsguellen. 



Mit dem Judentum in unlösbarer Verbindimg 
steht das gewaltige Mysterium der hebräischen Sprache. 
Hierunter ist jedoch keinesfalls der Gebrauch dieser 
Sprache allein zu verstehen. Vielmehr ist die oft un- 
definierbare Umwelt der hebräischen Begriffe gemeint, 
deren Uebertragung in andere Sprachen schlechthin un- 
möglich ist* Der Schabbos ist befahl smässig etwas 



- 13 - 



r 



r. 



durchaus anderes, als selbst die 4mgdgXiÄiia»«- Formulie- 
rung "Sabbath" vermuten lasst. In ihm spiegelt sich das 
ganze wanderbare Sein des jüdisch en Ruhetages und aller 
Beziehungen, die jüdische Gedanken- und Gefühlswelt im 
Laufe der Geschichte in ihm verankert hat. Aehnlich 
liegt es etwa mit den Begriffen kiddusch haschem und 
chillul haschem und vielen anderen. Es wäre die Präge 
zu erwägen, ob nicht in den Rahmen eines Religions- 
lehrbuches (nicht eines Sprachlehrbuches!) diese Er- 
kenntnis eingespannt werden müsste, etv/a in der Form 
eines hebräischen Begriffsunterrichtes. Blosse An- 
führung der Begriffe genügt hier durchaus nicht. Hierin 
hat uns die Sprache der Umgebung^ irregeführt. Man 
müsste neue Wege beschreiten und -imner unter Berück- 
sichtigung des Gedankens eines Lehrbuches- verbuchen, 
die Bügriffswelt hebrcxisch festgehaltenen jüdisch-re- 
ligiösen Erlebens in Definition, Beschreibung, Erzählung 
und anderes mehr lebendig zu machen. 

' 5. S ystematischer Religionsunterricht und Lebe,n^ 
Die Gefahr des systematischen R.U. besteht 
in der seelilöshen Versteifung und im Verlust der na- 
türlichen Beziehungen zum unaufhörlich^ Leben. Das 
Leben ist nicht systematisch; darum wirkt der syste- 
matische R.U. wie eine starre Form, die widernatürlich 
über das bewegte Leben gestülpt wird. Aus diesem 
Grunde ist es notwendig, bei jeder Möglichkeit das Le- 
ben wiederum in den systematischen R.U. einzufügen, 
und als Vorbild kann uns Maimonides dienen, in «^ö^^.^^J^^.^. ^(,^ 
streng systematisch^ Werk des Mischne-Thora das 

HMaasseh", die Beziehung zum Geschehnis, zum 
wirklichen Leben, Eingang gefunden hat, wo es dem 
Verfasser zur Verdeutlichung 



/ 



- 14 - 



notwendig erschienen ist . Vielleicht ist die Krise der 

gerade 
Religion im allgemeinen/ auf den ^aderspruch zwischen Lehre 

und Lcten zurückzuführen. Religion verlangt das Höchste 
an sittlicher und vergeistigter Lehensgestaltung. Das Leben 
jedoch in seinen harten Mforderungen und Auswirkungen des 
Kampfes um des Dasein zieht immer wieder in die Tiöfe hinab. 
InnerhBlb des ganzen religiösen Schrifttums kann dieser 
V/iderspruch nirgends deutlicher axiftauchen als gerade in 
einem Lehrbuch für den systematischen Rel.Unt. Die Kluft 
ist so gross, dass sie oft kaujn durch den geschicktesten 
Lehrer, der das Buch nur als losen Mlmüpfungspunkt be- • 
nutzt und aus sich heraus lebendiges zu gestalten versucht, 
überbrückt werdenr" Hinzu kommt der weltanschauliche &kskk 
Widerspruch. «Venn man bedenkt, wie im Verlauf von 500 
Jahren ttx. grosse^ weltanschauliche Stürme über das -Abend- 
land dahinbrausten: 'Sie scholastische Welle, die Jasaimitxtt 
die Kirche ,±HXÄKHxM±*tKi|ii!mic±xgM±B±i±xludup die humanisti- 
sehe JVelle, die den Menschen, die mechanistische -Velle, 
die die Maschine, und die biologische «Velle »iKxägmxMitiiiÄ 
jiBmi±xsK»* die das Leben in den Mittelpunkt gestellt hat ,^ 
go ist esbegreiflich, dass das religiöse Lehrgut nicht un- 



angefochten stehen bleiben konnte, dass Religion in den 
Geriich der Mumifizierung kommen musste. Dieser Gefahr des 
»Widerspruchs zum Leben muss 4ä jede« -i/erk^ dfs sich mit 

•h. 

Religionsüberlieferung beschäftigt, entgegeng«wirk*- we*4«n. 



x) siehe Jakob von Usxküll , der Organismus und die üm.velt, 
in "Das Lebensproblem" von Driesch \md .<oltereck, Leipzig 
1931, Seite 189 f. 



* 



Il 



- 15 - 

Die wahre Entgegenv/irlmng besteht in 4er Lebens gestaltung 
nach religiösen Grundsätzen, denn nooh so bestrickende 
falsche Theorien werden durch die -Anschauung eines religiös- 
erfilmen lebens leicht entwurzelt. Die Frage der prakti- 
schen religiösen Lebensbildung ist also genau so wichtig 



w 



le die Frage der Feststellung des religiösen Lehrgutes. 



Es ist der Gedanke des immer w in der 



Thora wieder- 



kehrenden 



«rj-j Ihr sollt meine Ge- 



bote erf illen !" . In wunderbar anschaulicher V/eise kommt 
diese Forderung durch den grossen XSXI Pädagogen Pestal/ozzi 



zum Ausdruck. Er schreibt in "Lienhard und Gertrud": 




"G'tt ist für die Menschen nur durch die Menschen 
der G'tt der Menschen . . . Daher soll nuch ein 
Mensch den andern nicht durch Bilder und »»orte 
sondern durch sein Tun zur Religionslehre empor- 
" leben. Denn es ist umsonst, dass Du dem Ar-ien 
sagest: Es ist ein Grtt, und dem ./ aislein: Du 
hast einen Vater im Himmel. Mit Bildern lehrt 
kAin Mensch den andern G>-tt kennen. Aber wenn 
^ Du dem lixraen hilfst, dass er wie ein Mensch leben 

kann, so zeigst Du ihm G,M;t; und wenn Dti das 
Waislein erziehst, das ist wie wenn es einen 
5ater hätte, so lehrst ^u es den Vater im Himmel 
kennen, der Dein Herz also gebildet, dass Du es 
erziehen musstest" . 

Pestalozzi kennt also drei Stufen des religiösen Lehrans: 
• 1. Das blosse Wort; 2. das sKSSh±iÄBXiÄxlais|i±K± Bild und 
das ^esoliilderte Beispide-. 3. das Tim selbst. Rückwärts 
gesehen ist das Tun das Leben, Bild xmd geschildertes 
Beispiel ein /bglanz des Lebens, das blosse »Vort ausge- 
presstes und schematisiertes Leben, »/ir erkennen daran 
die ausserordentliche Gefahr für das systematische Religions- 
lehrbucha^ dieser letzten, unlebendigen Art anzugehören. 
«OS ist zu tun? Man muss versuchen, das Leben selbst / 
-oovveit es irgend möglich ist- in den Unterricht einzubauen. 
Diese Mö;:^lichkeit ist beschränkt. Das zweite ist die Ein- 
führung zahlreicher Beispiele aus dem wirklichen Leben der 
Vergangenheit und Gegenwart, die mit allen Mitteln der pä- 
dagogischen Darstellungskunst zxom geistigen Erlebnis aus- 
gestaltet werden müssen. Das bedeutet auch für ein lehr- 



- 16 - 
buch des systematischen Religionsunterrichtes die For- 
derung, den Rahmen der systematischen Darstellung durch 
möglichst viele zureichende Beispiele religiösen Lebens 
aufzulockern. Das Beispiel ist in diesem Falle unter 
keinen Umständen nur eine Unterstreichung sondern viel- 
mehr ein wesentlicher Baustein des Planes, weil es die 
Brücke vom <Vort zvag. Tun darstellt, /.us diesem G-runde 



mus 



s man wohl zu einer neuen Form der Darstellung des reli- 



giösen lehrgutes für die Zwecke des Unterrichtes kommen. 



uuixxim 

6 .Die Mono^<raphie als Form des Beli^rionsunterricht 
liehen Lehrbuche s . ~ . • 



^ 



Unter Beräoksichtigung der angefahrten Gesichts- 
punkte und zugleich der aus dem Leben auftauchenden zahl- 
reichen, hier nicht genannten anderen Probleme, mit denen 
ein Religionslehrbuch sich auseinandersataen nues, wenn es 
in iVirkl ichke 1 1 Religion lehren will, muss man erkennen, 

dess die bisherige Form des religionsunterrichtlichen Lehr- 
monographische 

buches unzulänglich ist. ßn ihre Stelle sollte die/Dcr- 
stellunr' von Einzelf ragen treten. Die Wirkung könnte 
in vieler Beziehung ausserordentlich g'instig sein. Die 
oft störende , das Erkennen der «Vahrheit nicht fördernde 
allzu grosse Kürze könnte bei Einzeldarstellungen vermieden 



we 



rden. Das Leben selbst könnte in den Aaschauungen be- 



deutender Menschen, Erzählungen, Schilderungen, Berichten 
usw. in den Kreis des Religionslchrbuches eintreten. Rein 
technisch wäre eine öftere Erneuerung und daher -Anpassungs- 
fähigkeit sn die jeweilige Lage möglich. Dieser Umstand 
ist im G-egensatz zu anderen Wissenschaftsgebieten für die 
Frage des Religionsunterrichtes und der Religion selbst 
von weittragender Bedeutung; denn Religion kann nie lan- 
abhängige G-eltung verlangen, sondern sie muss immer in 



- 17 - 

innigem Kontakte stehen mit dem Leben, dessen Erfahrungs- 
quelle die Relijion entsteigt, um Erfüllung im Streben nach 
dem Gröttlichen zu finden. Als ein laixgxHxxÄHXMÄÄxgxaxjtx 
wertvoller Versuch in dieser Richtung ist das Buch von 
Moritz jobe l , der Sabbat (Berlin 1935, Schocken -Verlag)^ 
zu werten. Auch dieses Buch ist für den Religionslehrer 

nur Ausgangspimkt der Behandlimgsweise . Aber es beweist 

psychol02:isch 
schon/durch seine Reichhaltigkeit die umfassende Kraft 

des Sabbatgedankens und entfernt sich damit von der im- 
lebendi^p-en Trockenheit anderer Darstellungen. Um ganz 
im jüdischen Sinne wirken zu können, sollte bei einer Neu- 
ausgabo versucht werden, zu möglichst vielen Stücken ilen 
hebräischen Urtext hinzuzufügen, da es sich hier durchaus 
nicht nur lom ein mehr oder weniger bedeutungsloses Gewand 
handelt, in das man den Stoff willkürlich kleiden könnte. 



Monographien dieser Art, die jot ^ on h n nhr wn'n'' 



durch 



vermittelnde Stücke den G-eist des ÄÄxaiijucx psychologisch 

und pädagogisch geschulten /Sammlers verr^.ten «dürf -ben., 

würden sicherlich auch den G-edanken deutlich machen, dass 

materiale systematische Vollständigkeit im Religionsunter- 
ist 
rieht weder zu erreichen/noch eis oberstes ideales Ziel 

aufgestellt werden brauchtejrf. Es kommt vielmehr darauf 

an, den .Villen zur systematischen Lebensbewältigung unter 

religiösen Gesichtspunkten von innen heraus zu entfachen, 

den Eindruck 
und damit/zu vermeiden, als ob es sich auf dem Gebiete der 

Religion gleich anderen ^Vissenschaf tsgebietcn um Uebemahme 

eines blossen iz/issens handele. 



7> ^Israelitische ReligionslehrS^von Ernst Jacob. 



i 



Legen wir die erörterten Gedanken als Maßstab 
sn d£:'S neuerschienene Religionslehrbuch von Ernst Jacob an. 
Es besitzt einen ausserordentlich klaren, einfachen Aufbau, 



der in seiner Gesamtheit die scheinbar oft dogmatisch 



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anmutende Sprache geruhiger Formulierimg bis zu einem ge- 



- 18 - 



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Wissen Grade 7.u dynamischer Bewegung eines zielstrelsigen 
Ganzen auflockert. Es ist ein geschickt angelegter und aus 
tiefem Empfinden gewachsener moderner praktisch-syste- 
matischer Versuch, welcher demjenigen, der Einblick und 
Uehersicht über das Judentum gewinnen möchte, ein zu 
einem Ziel führendes Mittel an die Hand gibt. Dem Ver- 
fasser ist dabei die in der Natur dieser kcl Bucher gele- 
gene Unzulänglichkeit ihres netzartigen Charakters, der 
erst eine Erf^illung und Ausfüllung durch den Lehrer bedarf, 
vor ^u^en gewesen. Er rechnet mit der Lehre rpersön^lichkeit , 
die sein V^erk eigentlich nur als i^us^iangspunkt persön- 
licher Schöpfung zu betrachten hätte. Eine wesentliche 
Eigenschaft des Buches ist die von religiös-liberaler 
Haltung ausgehende traditionelle Einstellung der ganzen 
Darstellung, in welcher deutlich wird, dess in der durch 
Jahrtausende gewachsen^en Form des Judentums gewaltige 
Kräfte der Erhaltung, Stützung und Förderung verborgen sein 
müssen. Ihnen ermöglicht der Verfasser durch sachge- 
mässe Darstellung eine Auswirkung, ^b man ^ngoDiahtc ^ ^r- 
,s^die Behauptung (Seite 8), dass Religion in keinem 
Gegensatz zur .Vi ssenschaft stände, weil Religion sich nur 
an Herz und Gewissen, .Vissenschaf t jedoch sich an den 
Verstand wende, aufrecht erhalten kann, ist eine Frage. 
n^nn die «Vissenschaf t die ihr (vom Verfasser) gesetzten 
Grenzen überschreitet und zu weltanschaulichen und gar 
religiösen Folgerungen und Forderungen sich erhebt, wie 
es ja im neimzehnten Jahrhundert durchaus der Fall war, 
so müssen Reibungen und Gegensätze entstehen, denen man 
um der Religion selbst willen nicht aus dem Wege gehen 
darf .1 Die Notwendigkeit der Auflösung in dynamisch gehal- 
tene Einzeldarstellungen wird hier wie bei anderen Re- 
ligionslehrbüchem besonders ersichtlich etwa in der Fra- 
ge der Bedeutung der Busstage und der Hohen Feiertage. 



t 



- 19 - 
Hier wird an eine der wundesten Seiten der gegenwärtig 
lebenden Menschheit gerührt, denn ihr ist das Schuld- 
bewußtsein fast völlig abhanden gekommen. Die tradi- 
tionsgemässe Darstellung der Bedeutung dieser Tage ist 

imter den obwaltenden Umständen und den Möglichkeiten die- 
ser Art Religionslehrbücher ein Weg, dessen Vorzug in der 

Vermeidung falscher Töne und irriger Hichtung besteht. 
Er kann jedoch unter dem Gesichtspunkt religiöser «Wirkung 
und Forderung nicht befriedigen. Dies wird z.B. deutlich 
beim Vergleich mit der Gefühlswelt chassidischer Erzäh- 
liongen, die in loser Form durch die Genialität dichteri- 
scher und religiöser Begabung oft erschütternd die gewal- 
tigen Vioßfte zur Darstellung bringen, die im i'/irkungskreis 
unserer Hohen Feiertage geborgen sind. Ganz besonders 
dankenswert ist die Aufnahme einer Reihe von Fragen, die aus 
dem Leben der Gegenwart durch Umwelt und Eigenwelt ent- 
stehen missen;^ \md die dem Lehrer Ailass zu einer gründ- 
lichen Behandlung geben. Auch das Problem der psycholo- 
gischen Grimdlegung ist damit /erkannt worden. Ebenso fin- 
det die Notwendigkeit, die Mannigfaltigkeit der Religionen 
zu erklären und die psychologische Gefährlichkeit dieser 
Tatsache zu beseitigen, in diesem Buche eine kurze Berück- 
sichtigTmg (Seite 7 imd 21), während -aoftet-creir diese Ge- 
denken/nur in apologetischer Absicht und daher verschieft 

dargestellt werddn. 

Sehr denkenswert ist die Aifügung des Ab- 
schnittes: "200 V/orte Judentum", in welchem in treffsiche- 
rer .Veise ein Teil jener hebräischen Begriffe zusammenge- 
stellt ist, die nicht etwa nur hebräische .Vorte zum all- 
täglichen Gebrauche darstellen, sondern Einführungsbegrif- 
fe in die jüdisch-religiöse Erlebnisvvelt sind. Unter dem 
Gesichtspunkt des hebräischen Begriffsunterrichtes ist 
dieser Abschnitt einer wesentlichen Ergänzung fähig. So 
sollten noch weitere wichtige Gebiete jüdisoh-religiöser 
Gedankenwelt in der kristallklaren Ausdrucksform der he- 
bräischen Sprache 




- 20 - 

angef'ihrt werden, wie etwa: u ^y.-i'J «'_. ••_ / 
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und viele andere. 



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Das sind hebräische Worte, von denen jedes eine Welt be- 
deutet. Aus diesem Grunde gehören sie -und nur solche- 
in ein Religionslehrhuch, das ja etwas anderes als Lehr- 
buch einer Sprache bedeutet. Es ist allerdings die 
wichtige Aufgabe des Lehrers, die Welt dieser Begriffe 
lebendig zu machen und den Schüler im Erlebniskreise echten 
Judentums zu verankern. 



8. Ist sv atematischer Relig ionsunterricht 

notwendig? ' 



I 
i. 






Was die Frage des Lehrbuches anbetrifft, so 
haben wir unsere Ansicht dahingehend schon ausgesprochen. 



* n 1 nr ft c 



Art von Religionslehrbüchern die monographische Dar- 
stellung von Einzelfragen zu treten hätte. Ebenso haben 
wir auch schon xinsere Meinung bezüglich der Frage des 

« 

systematischen Religionsunterrichtes angedeutet. Aeussere 
systematische Vollständigkeit zu erreichen, ist sowohl 
angesichts des ungeheuer umfangreichen Stoffes als auch 
der psychologischen Forderung, die Verbindung zwischen 
Gelehrtem und Gelebtem zu schaffen, nicht möglich und 
nicht notwendig. Es gibt Stoffe, die ohne den Hintergrund 
einer gewissen Lebenserfahrung nicht gelehrt werden kön- 
nen und dürfen, ohne ein verhängnisvolles Missverstehen 
heraufzubeschwören. Hiezu gehört alles, was sich auf 
die Ei^-enschaften G'ttes bezieht, dann Vorschriften und 
Lehren über Ehegemeinschaft und dgl. mehr. Religions^r 
Unterricht muss also grundsätzlich unter dem Gesichts- 
punkt und unter der Forderung erteilt werden, nach dem 
Abgang von der Schule sich erneut und vertieft immer 



- 21 - 



V 



wieder mit dem reli-^iösen Lehrstoff zu beschäftigen, da 
erst mit stei.-ender Lebenserfahrung die Bedeutung imd das 
Wesen vieler Forderungen deutlich werden. Lehrbücher 



des systematischen Religionsunterrichts können also 



für den Schüler in^- 



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iterr: 
inneygar nicht geschaffen werden; 
für den Lehrer bedeuten sie einen Anhaltspunkt f'ir die 
Auswahl des Stoffes. Mders liegt es mit der Frage des 
formal-systematischen Religionsunterrichtes, d.h. des 
Religionsunterrichtes, der^'^totale Lebensbeherrschung durch 
religiöse Kräfte und religiöse Gesinnung abzielt. Innere 
Lückenlosigkeit des Unterrichts, Mschluss des Stoffes 
an den Jeweiligen Erfahrungs zustand und Versuch/J prak- 
tischer Mswirlamg ist daher oberstes Gebot. Die Schwie- 
rigkeiten solchen Unterrichts sind ganz ausserordentlicher 
Art. Sie können mit den Mitteln des Schulunterrichts 
allein nicht überwunden werden. Die Schaffung von reli- 
giösen Lebengemeinschaften wie etwa von Jugendgemeinden 
und anderen "Formen, ist u-nbedingt notwendig. Damit 
gewinnt die Lehrerpersönlichkeit überragende Bedeutung. 
Sie darf sich nicht auf den schulmässigen Unterricht be- 
schr.änken, so sehr dies ruch im Zug des geordneten Schul- 
unterrichts liegt. Systematischer Religionsimterricht 
im Sinn Ä totale» Lebensauffassung ^.fordert sich der 



Aufgabe vollständig hingebende Lehrkräfte, erfordert 
eine lebendige Behandlungsmethode, die immer den M- 
schluss an das Leben zu suchen be^*««i* ist und erfordert 
ein Schrifttum, das durch Widerspiege^^lung der Mannig- 
faltigkeit des Lebens im religiösen Lebensbereich die 
Gefahr unlebendiger Trockenheit vermeidet. 






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kvti Muokle: '^Der Geist der Jidisclien Kultur und 
^^ das Abendland ••• l^H/fli 

Aus den üpanishads. 



"Auf eines Äosses Kacken Jagen v/ir dahin. •• 
Im Dämme rgrauen sc:iutte.lt es qI':^ M^ihnen, 
Als Morgenrot umflattern sie sein haupt. 
Nun sprin^jt's empor, es ^jl^iht soin Sonnexiauge i 
Und bis zum Him^nel reckt es sioii hinauf • 
Sein Huf scharrt iage , tänzelnd ^jeht der Monat 

hin, 
Las Jahr - ein Satz, und jetzt, in Jähen Sprin- 

arühn Sterne um den rasend schnellen Lauf* 

In Wolkenflooken tropft der Schaum von dem G-^biss 

Es schnaubt der Sturm, und wirft's in seineiü 

Donner^fang 
den Kopf empor, dann zucken Blitze urn die 

Ber^e seiner flinken. 
Der Regen trieft durch dieses .Valdes Strähnen, 
und keuchend Kocht in Jenem Ivieer der Gischt • 
Doch ob sich knackend bie^jt cer Baume Stamm, 
Ob Ub^r Felsen wirr die ffogc schlägt - 
Alles dahin! Gerissen *vird es ruhelos imd ewig. 
Durch Tag zur Nacht, aus Dimlclan in das Helle* •♦ 
So Jagen wir ciurch dieses Aethers blaches Feld, 
Du, ici, die Erde und die ganze »Veit»" 

üebersetzung von Eberhard • 






3»Kai)ttel » 
Religion als typischer weg zu Q'tt. 



Eine arundfrage , die den religiösen Menschen beun- 
ruhigen kann, ist das Vorhandensein verschiedener Reli- 
gionen. Wenn es zutrifft, dass im Grunde jede Religion 
sich für die allein seeligmachende halt, für die wahre 
Religion, so liegt der Schluss naehe, dass möglicherweise 
keine Religion v/ahr ist, jedenfalls schien es von unlös- 
barer Schwierigkeit, zwischen der wahren Religion und 
den falschon Religionon zu unterscheiden. Diese Frage 
liegt unausgesprochen sicherlich vieirach der Gering- 
schätzung der Relitiion zugrunde. Sie soll jedoch aus dem 
Unbewussten herausgehoben wurden, um die Präge nach dem 
fitosen des Judentums, das wir gleich zu Anfang als zentral- 
religiösen Lebensstandpunkt bestimmten, zu klären. 

Der entscheidende Begriff, der zur Klarung beitragen 
kann, ist die Auffassung der Religion als typischer weg 
zu Q'tt. Viele Menschen können gleichzeitig eine Licht- 
quelle betrachten. Sie sind überzeugt, alle dieselbe 
Lichtquelle zu sehen, und ^rotzdem sieht sie jeder nur 
mit seinen Augen. Es entsteht also in ihm ein ^nz per- 
sönliches Bild der einen Lichtquelle. So etwa kann man 
sich das Vorhandensein verschiedener Religionen vorstel- 
len. Es gibt nur einen O'tt, ein Göttliches; aber jeder 
Mensch muss diese Tatsache auf seine ganz persönliche weise 
erfahren. Es gibt also zahllose vege zu G'tt. Wenn wir 
diese Wege als Religion bezeichnen, so könnte os grund- 
sätzlich so viele Religionen geben, als es Menschen gibt. 
Ss ist daher von diesem Standpunkt aus verwunderlich, dass 
es nur wenige Religionen gibt, dass so viele Menschen in 
ihrem persönlichen Wege zum Göttlichen übereinstimmen, 
und dass Millionen das Ewige auf die gleiche Art und 
weise erfahren und erleben. 



- 2 - 



Dieaös Zuaaamunxindün zalilroichor Kenschen zur 
gleichen Brlebnisform beruht auf einün gemeinsamen Wesen, 
▼on dem ein jeder als Teil das Ganze ausdrückt* Diese 
Bigentümlichkeit ist mit dem Begriff Typus gerne int • Der 
Typus bezeichnet nicht das Wesen eines Sinzelmenschen, 
sondern das verschiedenen Menschen zugrundeliegende gleich- 
artige Sigentünliche, das in den zugehörenden Menschen in 
mannigfaltigster Form zum Ausdruck kommen kann. 

Drei solche Brlebnisgruppen, die sich ^edoch nicht 
mit Roligionst:/pen decken^ sind der visuelle, aiiustische 
und der emotionale Typus. Diese drei Typen können in 
jeder Religion als Unterscheidungsmerkmale vorkommen 
und sind manchmal auch die Ursache von Kämpfen innerbUb 
einer Religion. Insofern haben sie auch für diese Br- 
örterung eine Bedeutung^ Da sie bei der Bestimrnn.r des 
Wesens der jüdischen Religion eine Rolle Bpielen. Wir 
können unter dem visuellen Typus diejenige Menschenart 
verstehen, die das Sein durch das Auge zum Bewußtsein 
bringt ^ unter dem akustischen Typus, die durch das Gehör 
überwiegend erlebende Art und unter dem emotionalen Typus 
die hauptsächlich gefühlsmässig reagierende tpot von Men- 
schen. Es liesse sich denken, dass diese Erlebnistypen 
sich mit ifergendwelchen Religionen deckten und dem gl ei eignen 
Brleben ein und denselben gemeinsamen religiösen Ausdruck 
verliehen. Da jedoch schon in der gewöhnlichen Ebene 
des Lebens diese 5 Typen nicht in reiner Form vorkommen, 
sondern sich nur durch ueberweibgen der einen oder anderen 
Brlebnismöglichkeit feststellen lassen, so ist es einleuch- 
tend^ dass diese 5 Typen auch innerhalb der Religionen 
nur in MioChformen vorkommen und nur unter besonderen Um- 
ständen yesensunterschiede zwischen den Religionen bestim- 
men werden* 

Ss ist selbstverständlich, dass die typischen 






- 3 - 

üntorscuiödQ in der Erlebnis- und Auadrucksform auch irgend 

Diese Notwendigkeit 
©ine körperliche Korrelation besitzen. 

liegt dem streben der heutigen Zeit zugrunde, die den Eigen- 
wert blutmässig zusanimengehörenuer üAenschen im Unterschied 
anderen feststellen wollen. Bs ist schon oit darauf hin- 



zu 



gewiesen wordün, dass in solcher Unterscheidung nicht die 
Herabsetzung einer anderer, blutmässig gebundenen Ghsmüinschal't 
liegen soll. Das bedeutet die sachliche Anernetkannung, 
dass jeder Lebenstypus das Sein, v/enn auch auf verschie- 
dene weise, sü doch in gleich wettvollor ?orm zum Aus- 
druck hingen kann. Der Bt'griff des Typus, der in diesen 
Gedankengängen zum Ausdruck kommt, bezeichnet also gleich- 
sam die Haut, aus der -naoh dem Volltsmund- der Mensch nicht 
heraus kann. Er besagt also, dass die l/ienschen trotz der 
Qemeinsamkeit des Erkenntnis- und ErlebnisgegensiÄndes 
gewisse tatsächliche Grenzen in der Ausdrucksform ihres 
Erlebens nicht übursinden können. Eine solche Erkenntnis 
bestimmt auch das Wesen der richtigen und ralschen Mission . 
Richtige Mi :3ion bedeutet das Ausfindi^jnachen gleichartiger 
Srlebnistypen. Falsche Mission bedeutet den Versuch, Men- 
schen zu einem Kreis typisch andersartiger Menschen herüber- 
zuziehen. Bin solcher Missionsb. griff ist jeglichen Affektes 
beraubt, da in Wirklichkeit nicht mei.r der Mensch sondern 
die Idee missioniert. Ber Mensch hat nur die Aufgabe, die 
Idee seiner Religion wie einen Magneten an die Menschen 
heranzubringen. Im übrigen wird die Religion selbst die 
zu ihr gehörenden Typen aus der grossen Zahl der Menschen 
an sich heranziehen. In diesem Sinne missioniert jede 
Religion, auch w enn sie wie das Judentum aktive Missions- 
tatigkelt ablehnt. Die Tatsache ihres Vorhandenseins 
übt auf die zugehörenden Typen eine Anziehungkraft aus, 
wirkt also unzweifelhaft irgendwie missionierend. So aber 
auch ist es zu begreifen, dass zwischen verschiedenen Reli- 
gionen eine Verständnismöglichkeit über die blosse Dul- 



.i»' 



- 4 - 



düng hinaus und die Anerkennung der oieiohberechtigung 
möglich ist. Zunaohsu gehört jeder Monaoh derjonig^-n 
Religionsgemeinschaft an, imerhalb derer er geboren iat. 
Auch wenn er typis^l^ eigentlich zu einer anderen Reli- 
gionsgemeinschaft gehören aollto. Es ist durchaus mög- 
lich und wahrscheinlich, dass sich unter den Christen 
jüdische Srlebnistypen und unter den uuden christliche 
Erlebnistypen befinden. Dieser Umstand kann innerhalb 
einer Religionsgemeinschaft su ganz erhebliehen Spannungen 
führen, mag aber zugleich auch eine Ursache xür ihre Le- 
bendigerhaltung sein und ebenso die Brücke bilden für die 
Verständigung zwischen den Religionen, da »oiche ilisch- 
typen der Praxis Verständnis für beide Religionsformen 

ül»«#brinßen. können. . ^ ^'^}/ . ,^„ 

Der Begriff des religiösen Erlebnictypus bei den 

bisherigen lilrörterungen inhaltlich noch immer formlos 
geblieben. Er lässt uns auf Grund logischer üeberlegungen 
ahnen, dass das Vorhandensein verschiedener Roligiontn 
nicht ein Uebel sondern eine Notwendigkeit darstellt. 
Die weit ist schön durch die Mannigfaltigkeit! Und auch 
auf dem Gebiet des Religiösen wäre Einförmigkeit zu- 
gleich lang^-eiligc Eintönigkeit, Die tatsächlicbe N.cht- 
•Ini'örmigkeit soll nun zunächst an einem Beispiel erör- 
tert werden: 



- 5 - 



In der Aurfasaung der tlatur Saigon Gich typische Un- 
schiede in der religiösen Veranlagung, die sich nicht 
willkürlich vordrangen lassen. Man betrachte folgendes 
Lied aus den Upanishads, das einen Ausdruck des indi- 
schen Naturenipfindens darstellt. 

AUS iyuckle:"Der Geist, der Jüdischen Kultur und das 
Abendland.«« S. 12:/i25. Aus den Upanishads. 
"Auf eines ROi^sos Rücken ^agen v;ir dahin ... 
Im Dammergrauen schüttelt es die y.ähnen. 
Als yiorg:-nrot umilattern sie sein Haupt. 
Nun springt'S euipor, es glüht sein Sonnenauge, 
Und bis üuni Hir;ir.el recLt es sich hinaur. 
Sein Kui* scharrt Tage, t::i.nzelnd geht der Monat hin. 
Das Jahr - ein iatz, und jetzt, in jalien Sprüngen 
Sprühn Sterne um den rasend schnv^lln Lauf» 
In .volkenfl ecken tropft der Schaum von dem Qebiss 
Es schnaubt der Sturm, und ..irft's in seinem Don er- 
gang 

den Kopf empor, dann zucken Blitze um die Berge seiner 

Flanken. 

Der Regen trieft durch dieses V/aldes Strähnen, 
Und keuchend kocht in jenem Meer die Gischt. 
Doch ob sich luiackend biegt der Baume Stamm, 
Ob überFelsen wirr die woge schlugt - 
Alles dahinl Gerissen wird es ruhelos und »wig. 
Durch Tag zur Nacht, aus Dunklem in das Helle... 
So jagen wir durch dieses Aethers blaches Feld, 
Du, ich, die Erde und die v;anze Y.elt." 

Uebersetzung von Eberhard 

• Das Eigentümliche dieser Naturauffassung liegt 



in der Identifizierung des Menschen mit der Natur. 



ES 



ist nicht nur ein Bild für die Glut und Schnelligkeit 
des manschlicaen Lebens. Man spürt vielmehr aus jedem 
V/orte, wie das Blut des Dichters und die Natur im glei- 
chen Rytlimus schlagen:, und wenn er nit den vierten schliesst] 
"So jagen wir durch dieses Aethers blaches Feld, Du, ich, 
die Erde und die ganze ,.elt.", so bringt ^r hier die 
Scjelische Uebereinstimmung und Gleichstellung deutlich 
zum Ausdruck. Diese Auffassung ist von einer beruckenden 
Gros 3 zügigkeit. Die Brust weiset sich in der Kühnheit 
des Gedankens, dass der ix^ensch mit dem Sturn der Natur 
selbst durch die Ewigkeit jagt. 

Auch das Judentum kennt eine begeisterte und 
tiefempfundene Naturschilderung. Bin Beispiel hierfür 



• 6 - 



ist der Psalm 19: 

••Die Himmel erzuhlen die Ehre Q«ttes, 

und seiriör Hunde v/erk Var;:andet aas Firmament. 

Ein Tag strömt dem andern Rede zu, 

eine Nacht gibt der anderen Erkenntnis. 

Ohne laute Rede, ohne Worte, ungeuür^ ist ihre Stimn:e. 



Und sie kommt hervor wie ein Braut -gam auo dem Brautgemaoh, 

freut sich v.io e^ii H^^id zu wandern die Bahn* 

Von dem einen Ende des H-.mmels ist ihr Ausgang, 

zum anaer v.n ihru Rückkehr, 

und nichts ist verborgen vor ihrer Glut!-» 

Der Sc^i-nger hat hier de Natur i.it tier^tor Hinrühlung 
in ihrer 

arößüe una Schönheit erlebt. Man i'ühlt seine 

Naturverbundenheit una seine Früuda an gosunaer Krart in 
dem Vergleich der Sorme mit einem gibbaur, einem Helden. 
So wie der gibbaur seine Kräfte noch eini:;al innerlich 
miat, spielend und strahl^Tid bevor er den Kampf aufnimmt, 
so ist auch die Sonr^e von strahlender Kraft erfüllt^ 
die in sich gebaxlt am Horizont ^rschv^int, uir. den Tageslauf 
zu beginnen. Aber der Unterschied zwischen judischem 
NaturgexUhl und dem der Upanisshuds orrwibart sich schon 
. in dem kleinen v/Örtchen "wie". Die Soni.e komi.t wie ein 
Bräutigam aus seinem Brautgemach hervor. Freut sich wie 
ein Held, zu wandern die Bahn, V/eder ist es dem Sanger 
möglich zu sagen: Die Soixne ist ein gibbaur und ein choßaun, 
Bräutigam und Held, nooh ung-^kehrt, aa.ss der ^i^ensch die 
Sonno: ist. Er kann höchstans sagen: 

Der Mensuh isx wie eine Sonne, und die Sonne 
erweckt Lebt-nsfreude, wie wir sie bei kraftert'Ullten 
Mönsuhen w ahrnohmen. Aber nooh deutlicher wird aer 
Un-«erschied, wenn wir den Anrang des laalnies betrach- 
ten: "Die Hiuimel erzählen die ühre ü'ttes*'» Mit absoluter 
Sölbö^1lyersta.ndliciikeit wird hier diw Natur einem höheren 
Sinn untergeordnet. Ihre schünhoit, Ihre Kralt, ihr Strah- 
len ist nichts SelbststUndigcs sondern ist eine Sprache, 
Ausdruck für ein Höheres, nämlich riir den Schöpfer dieser 






- 7 - 



Natur. In don üpanishads ist die Natur solbststandig ge- 
worden: sie ist (r'tt; im Judentum verkündet die Natur 



a'tt. 



Di; ser Unterschied ist nioht zui'iillig. Der 



jüdisch eapl'indünde Mensch kimn zwar die Schönheit der 
indischen Aul'fassung nachi'ühlen; aber er tenn seine An- 
schauung nicht rr.it 'ler indiüchen vert^iu.chen, auch wenn 
er wollte, '^or dia Natur .v-ls Vev ;;ndigung G» Ltes empfin- 
det, '.tann sie unmöglich als selbst stand ige G«ttho;t an- 

I 

erkennen. Bbenso mag ec dem indischen Kenschen nicht 
möglich sein, die Natur, in der der gefühlsur-assig auf» 
geht, als die Schöpfung eines übergeordneten G'ttes 
zu empfindon. Diese unvert;iUGchbark<jit der beiden Stand- 
punkte nenntn v;ir typisch . Es handelt sich hier u^ 
unveränderliche Gegeberhaitcr . Noch deutlicher wird die- 
ser typische unterschied ^ wenn wir den G*?danken weiter ver- 
folgen. Wahrend im Aus^^angspunkt der N&turbetrachtung 
noch eine gewisse Verwandtschaft bcSt^ut, entfernen 
sich die beiden Anschauungen in-cer weiter voneinander, je 
mehr sie das Leben gestalten. Die verv/underliche Fort- 
setzung des F salines lautet nämlich: 
"Die Jjöhre G-ttes ist fehlerlos, se.lenerquickend, 
das Zeugnis G'ttes ist wahr, mcicht der. Toren wfise." 



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24. Januar 1935. 



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Meine iDamen and Herren ! 

Ich begrüsse Sie and freae mich, da^is Sie wieder 
in Su grosser Zahl erschienen s ind* 

Wir wollen ans mit dieser Vortragsreihe ein- 
arbeiten in das wirkliche Sein and Wesen des Jadentams« 
Die heatige Zeit ist besonders daza angetan, den V/ansch 
in ans za wecken. V/ir sind dabei von der Voraassetzang 
aasgegangen, dass wir ans nach keiner Seite hin ablenken 
lassen wollen, weder aas Parcht vor irgendeiner Meinang 
noch darch Zuneigang. Wir wollen aaf Grand jener aner- 
schöpf baren and ewigen Qaelle des Jadentams, aaf Grand 
der biblischi-^n Schrift das Jadentam so kennenlernen, wie 
es im Laafe der jahrtaasende von innen heraas Gestalt an- 
genommen hat. 



Ich habe vor V/eihnaohten zu Ihnen über 3 Themen 



gesprochen. 



1« Ueber Religion als zentralreligiöser Le- 



bensstandpunkt. Daraus geht schon m^t Eindeutigkeit hervor, 
dass Judentum und ReligL on 2 unzertrennbare Begriffe sind. 
Ob nun Religion gleichzeitig als Kirche betrachtet werden 
kann, ist nicht beantwortet; diese Frage wird später 
eine RolL e spielen. Religion ist nicht etwas, was man nur 
nebenbei ausübt, sondern Religion bestimmt den Menschen, 
weist ihm den Weg, gibt ihm in allen Fragen des Lebens Aus- 
kunft und latnn dargeißgt werden in einem zweiten Kajitel, 

2. dass Judentum immer ein t ypischer Med zu 
a»tt ist. Unsere heutige Zeit stellt eine ausserordentlich 
schwierige Aufgabe. An dieso-r Aufgabe sind viele Menschen 
ausgeglitten und werden itmer noch weiter ausgleiten. 
Im Mittelalter hatte die Religion allgemeine Geltung, später 



t* 



- 2 - 



hat sie diese verloren^ weil die ^vienschen der neuen 
Zeit keine Antwort darauf finden, wieso es möglich ist, 
dass jede Religion von si h behauptet, dass sie die 
einzig wahre sei und trotzdem nur eine die wahre sein 
kann« T/enn alle wahr sein wollen, dann ist ein 
Widerspruch gegen den Begriff der V/ahrheit • Es 
gibt aber auch nur eine v/ahrheit, das liegt schon 
im Begriff* Die Antwort ist unendlich schwer. Aber 



v; 



[0 Schwierigkeiten vorhanden sind, da beginnt erst 



der weg zur y/ahrheit# Ich habe versucht in 3 Vor - 
trägen darzulegen, dass jede Religion der Erde ein 
weg zu G'tt ist, es ist tine reine Angelegenheit des 
Typus. Wir sind ja al le v.rschieden in äusserer 
und seelischer Gestalt und so hat jeder Mensch zum 
Ewigen, zum Metaphysischen, zum Zeitlosen eintn be- 

1 

sonderen V/eg mit angeboren bekommen, fieser angeborene 
weg ist der Weg zu seiner Religion. Es gibt auf der 
Erde gar nicht ttiele solcher typischer Wege. Ich 
habe Ihnen in klarer Uebersicht dargelegt, dass es in 
V/irklichkeit nichbmeiir als höchsteris 9 verüchiedtne 
typische Religionswege- oder Stufen gibt, und d.^s 
Judentum ist eine Stul'e. Es liann jede Relij^ion wahr 
sein, genau so wie wir alle das Licht wahrnehmen, je- 
der mit seinen Augen und trotzdem ist es die gleicle , 
eine Lichtquelle. So ist es auch derselbe ^Mcl.e G'tt, 
dem die iviensclien ihren Weg gehen, einen_V ater haben 



zu 



wir alle. 



Ich habe nun zunächst in aller Kurze versucht, 
Ihnen darzulegen, dass dio ßt-stimuiung des Judenxums 
dahin geht, dass es als "Am Kodausch" sämtliche Aeus- 
serungen des Lebens betrachten soll unter dem Gesichts- 
punkt des göttlichen willens, denn das bedeutet am ko- 



- 5 - 



dausch. Nichi, gemeint ist mit Am Kodausch, dass wir 
uns um das Haupt einen Heiligenkranz winderi! Wir sollen 
Menschen s ein, die auf der Erde stehen und mit dem Kogf 
in den Hinanel ragen, ins ZeiLlQsel Der Gei-t kündet uns 
vom lebendigen Göttlichen. Der 3rgel im Traumbild Jakobs, 
die Traumleiter ist die Versinnbildlichung dafür, dass 
der Mensch der üJrde mit seinen Gedanken in den Himmel 

ragt . . - 

"3ih heiliges Volk sollst Du sein und Ihr seid mir 
ein segullüh, ein auserwahltes Volk, denn mir gehört die 
ganze Erde, v/er dem Judentum eine andere Besoimirun^, geben 
will als die, Gottesvolk zu sein, dex. entwurzelt die 
Thora. Die 7/ünsche des Manschen sind seinem persönlichen 
V/illen unterworfen, nyüntsch-n kann er, dass der Himmel 
einstürzt. Wünsclien kann man, dass das Judentum etwas 
arüeres sein soll, als am kodausch, G'ttosvolk, aber 
wissen müüsea wir, er ruft nicht Theorie in die Schranken, 
ondern er ruft das ev/ige Buch der Menschheit, di. Heilige 



s 



Schrift, in die; Schranken. 

"Ihr SL;id uär das auserwj.hlte Volk, Ihr sollt mir 
sein ein Reich von priosxern und ein heiliges Volk,<'Bo 
lautet die urewige Be-Stim.'.ung. den Satz: 

Ein evange ischer Geistlicher pragte/lftas V/ort ^ 
it Sie sollen es la.:sen stan!" Und wir können das Wort: dass 
wir ein Volk von Priestern sein sollen, nicht stehen lassen, 
sondern müssen es anwenden. 

Zur Klärung dieser Prägen wollen wir zu einem 
weiteren Kapitel fortschreiten: 



- 4 - 



E r satz -Religionen 



e 



Man soll, wenn man etv/as klar darstellen will, auch 
zugleich das Gegenteil beleuchten. 

Das Licht in seiner ewigen Eigenart wird uns deutlich 
durch die i^rfahrung des ]3unliels. 

Ich möchte über jene merkwürdige Versuahe sprechen, 
die bis in die unmittelbare Gegenwart gemacht werden, 
um vor seiner reli^ psen Bestimmung zu fliehen, isenken 
Sie an die ErÖ rterung über die verschiedenen Typen. 
Ich habe nicht mehr und nichx weniger damit behauptet, 
dass es überhaujjt keinen Menschen gibt, der nicht irgend- 
ine klar derinierbare Einstellung zum Metaphysischen 
bestzen kann und muss. Jeder ist irgendwie innerhalb 
dieses Typus-Schemas eingegliedert. Es besteht die 
Mgölidikeit, dass ein Mensch sich übers eine Eigenart 
hinwegtäuscht, wenn ein Mensch sich jedoch über sich 
klar wird, so wird er eines Tages ert decken, dass 
er zu irgendeinem Typus gehört. 
Er gehört zum Beispiel: 

1.) zu dem Typus, der in der Natur etwas Absolutes an- 
betet, wie z.B. die Griechen, die in jeder Quelle einen 

G'tt sahen, oder 

2.) zu jenen, die die Kraft als solche anbeten, die 

sich äussert im Menschen, im Tier, im Seienden. Die 

Kraft als Urheberin alles Geschehen. 

5.) zu denen, die die irdische weit als Trug betrachten, 

als ein Nichts, als einen Schleier der Maya. Es gibt 

viele Menschen, die vom Buddhismus angezogen werden 

und die in den buddhistischen Klöstern die innere 

Ruhe und Beschaulidi keit suchen, damit sie aufgehen 

ins Nirwana. 



{* 



- 5 - 



4.) Diejenigen, die das Ewig-Göttliohe verspüren, das 
aber nur durch irgendeinen Mittler zu ihnen kommen kann. 
sei es eine göttliche oder menschliche Vermittlung. 
Es gibt zahllose solcher Menschen. Aber jedes Mal 
ist es ein besonderer Typus in Bezug auf das Metaphysigche 
5.( jene, die dem Monismus huldigen, jener Typus, der 
die Materie verabsolutiert. Auch Aristoteles hat ge- 
sagt, die Erde ist von Ewigkeit da. Wenn das wahr 
ist, dannm«4 die Materie zum Gr*tt, denn dann hätte 
nicht &'tt die Erde geschaffen, sondern die mterie. 
Qitt ist etv/as Absolutes, Unerschütterliches, Iwig aus 

sich Quellendes. 

Man soll keine Menschen bekehren. Von 
den echten Missionaren, die hinausgehen in die Ur- 
wälder Afrikas oder zu den raongdischen Völkern des 
fernen Ostens, um ihnen die ReligionoiEarepas zu 

bringen, ist es vielleicht so gemeint, aass sie nur 

Religions/ 
den Typus ihr ex/Richtung herausfischen wollen. Auch 



unser aiuck ist nicht voll, irgendwo 



bohrt es in 



uns, bis wir unseren ureigenen v/eg gefunden haben, bis 
wir zu uns selbst gekomiiien sind. - 

Hermann Resue hat seinem Buch Demian das 
Motto gegeben: Ich wollte ja nur zu mir selbst. 



13a 



warum war das so schwer? 
s ist die Aufgabe etwas anders formuliert, die 



auch ich mir gestellt habe, wir Juden wollen zu uns 
selbst. Leider ist dies durch 1000 Umstände sehr 
erschwert, durch den Lärm der Großstadt, dass wir niclt 
die Zeiu haben, vi eil icht auch nicht den Mut, durch- 
zudringen zu unseren persönlichen Wesen. Immer gab 
untei den Menschen eine Flucht vor dem Metaphysi- 



es 



sehen. 



. 6 - 



Biese Flucht möchte ich unter 4 ae Sichtspunkten 



beleuchten: 



die er 



ste Art der Flucht; Die Flucht in die 



Verleugnung des Göttlichen« . , 

2.) Die Flucht in den Aesthetizismus. 
3.) Die Flucht in die Geschichte. 
4.) Die Flucht in die Astrologie un^ Magie. 



Ich meine damit folgendes; Es handelt sich 
nicht darum, dass ein Mensch nicht genau weiss, zu 
welchem Typus er gehört, sondern dass er seine Zugehörig- 
keit zu einem Typus nicht eingestehen will und einen 
Ausweg sucht, meser ist sehr interessant und be- 
zeichnend für die ganze oeschichte der Neuzeit. 
Man kann fragen, woher kommt es, dass man 
das Göttliche verleugnet^ l'/as ist das Gottliche? 
ES ist douh keine Erfindung von mir. Das Göttliche 
ist doch jenes unheimliche, das auf uns Menschen lastet, 
das wir fühlen, wenn wir allein sind in dunkler Nacht, 
wenn wir nicht mehr wissen, was eigentlich werden soll 
uÄd wie es weitergeht. Solange wir mit Menschen zusam- 
men Sind, unterliegen wir dem Ivlass engefühl, solange 
wir durch Menschen abgelenkt werden, täuschen wir uns 
selbst über die Notwendigkeit hinweg, an die furcht- 
bare Ewigkeit zu denken. Di es es Ewigfurchtbare ist 
der Tod. was wir mit dem Begriff Tod bezeichnen, ist 
nicht der Abschied vom L ben, sondern das Nichtwissen, 
was eigentlich gescldeht, wohin es geht. Jeder ist 
eingebettet in dieses unerhörte Getei^nis. Ob hoch oder 



- 7 - 



tun soll. 



niedttg, vor dem Tod sind alle Menschen gleich und 
das ist immerhin ein gewisser Trost. 

wenn man einmal versucht hat, mit jenem 
Unbestim baren sich auseinanderzusetzen, so bleibt 
eine ungeheure Enttäuschung nicht aus, wie überhaupt 
auf dem aebiete der Religionen. Zur BntwicLlung 
bedarf es imir.er der linttäuschungen. Man glau bt, 
man wa,re dem Geheimnis hahe und wird zurückgestossen 
in das Reich der Unwissenden. Ivlan glaubt, der IVeg 
ist absolut sicher. Und siehe, man zv;».ifelt an ö'tt, 
an d en Menschen und allen. Man weiss nicht, was man 

BS ist ein ewiges Auf und Nieder. Wie unsere 
Gedanken auf- und ni-dersteigen, so steigen unsere 
Beziehungen zum Ewigen. Man kann die i^^age nicht lösen: 
ivian soll man eigentlich im praktischen Leben tun. Heu- 
te weiss man die Antwort. Heute fühlt man sich als 
Held. Morgen ist man niedergeschlagen und ist keincA 
schritt näher dem Ge i sti geriünd dieses Enttäuschung 
bringt den Menschen schliesslich dahin zu sagen, es 
gibt kein Göttliches, er will nichts damit zu tun haben. 
Er will den Weg gehen, mag komi.ai was will. Es i.t 
nicht etwa die Einstellung des Durchschnitts..enschen, 
sondern im Gegenteil, es ist der höohststehende Mensch 
der Gefahr am meisten ausgesetzt. Dafür gibt der 
Taliiuid ein wundervolles Beispiel: 

Elischa ben Abuja, der grosse Lehrer des Rabbi 
Meir, ist sogar aus der Gemeinde ausgeschlossen, und 
trotldem ging Rabbi Meir, einer unserer gröbsten Gel eh r 
ten, iimier wieder zu um, um von ihm zu lernen, 
hat'gesagt; Es gibt kein Götxlidies. Man strafte ihn 
nun nicht, dass man ihm seinen Reichtum nahm oder ihn 
gar tötete, sondern der jüdische saun sagte: in unserer 



Elischa 



- 8 - 



Gemöinsohal't kannst 3)u nicht bleiben, wir können mit 
Bir zusammen nicdit leben. 

ElisGha ben Abuja ist durch folgendes oeschehnis &ott es- 
leugner geworden: ' Eines Tages kam er an einem Bauern- 
hause vorbei uraa hörte , wie der Vater zu seinem Sohne 
sagte; "&eh' hinauf in den Taubenschlag una hole eine 
junge Taube, die alten aber lasse fliegen, denn in der 
Thora stehx, dass nur die jur^..en Tiere genonmen werden 
dürfen." Elischa sagte sich, wel ch bedeit ender Lohn 
muss aem Jungen vurbehäL ten s.in, denn der Knabe befolgt 
das Gebot aer ait^rnachtung und -liebe, und ausserdem 
erfüllt er ein G^-bot der Thora. Der Kr.abe stieg die 
Leiter hinauf, doch bevor er noch aen Taubensdalag er- 
reicht ha-.te, fiel er herab und war tot. Als Elischa/ 
das sah, sagte er: es gibt keinen Gott, keinn Lohn, 
wie es in derTHora stehtl So wurde Llischa ben Abuja 

ein Gottesleugner. 

Als man Rabbi Meir zum Vorwurf madate, dass er den Ab- 
trünnigen no.h im.r axf suche, sagte er: "Es ist genau 
so al3 weun ich einen Granatapfel finde, pas Geniesbare 
daran esse ich , die schale werfe icih fort. In der 
gleichen Art mache ich es mit den Weisheiten Blischas, 
ich behalte die guten." 

warum wurde Slischa ben Abuja abtrünnig? V/eil er dem 
Göttlichen am nächsten stand, yer sich z.B. seelisch in 
s.lch hoher Art und Weise aufarbeitet, der fühlt manchmal 
unter sich s chwindelerregenle Tiöfe. 

Als David die Bundeslade zurückführte nach 
Jerusalem glitten die ?ferde aus und die Lade kam ins 
schwanken. Der Priester girff nach der Lade, um sie 
zu stützen und viel in gleichen Augenblick tod nieder. 
„Von denen, die mir nahe sind, will ich geheiligt sein" 

ES ist etwas unerhört« Qefälir liehe s um den Bezirk der 



*. 



M 9 "^ 



Religionen und wenn das vergangene Jahrhundert geglaubt 
hat, daran vorbeihuschen zu können und sich vor (J'ttes 
Heiligkeit Scheuklappen an die Augen macite, so hat 
es sich getäuscht. Denn die Polgen, die den Volkskörper 
Berrütten, werden nicht auxbleiben. Dadurch, dass man 
sich die Augen verschliesst vor Krankheiten, die im 
Körper wirken, wird sie nicht geban nt. 

Die Polgen dieser Krankheit, dass man s ich mit 
Frechheit an das Hochs. e und Heiligste heranwagte, köni.en 
nicht ausbleiben. Bs gibt keine weitere Rettung al2 auf 
die sem Wege umzukehren. EinÄne Polgen brauche ich wohl 
gar nicht erst zu schildern, die sich auf Erden bceit- 
machten. Vielleicht verstehen Sie mich nun, wenn ich 
Ihnen damit sagen wollte, dass die Flucht« in die Ver- 
leugnung des Göttlichen eine Eigensctiaft des 1 9» J^iir- 
hunderts gewesen ist, indem man auf wissenschaltlichem 
Gebiet eine so ausserordentlich hohe Stufe erreicht hat, 
Vom wissenschaftlichen s+^andpunkt aus verdient der Mensch 
des 19. Jahrhunderts g rösste Bewunderung; doch seelisch 
steht er unter den primitivsten Menschen, das ist kein 
Zweifel, wer die seelischen Aeusserungen der e iniö,ehsten 
Menschen kennt, z.B. die der Neger, der eingeborenen 
insulaern, der Südamerikaner, der Australier, der muss 
sichwundern, mit welcher Klarheit diese Menschen das 
urheilige fühlen und mit weicht absoluter Sicherheit 
Sie d iesem Ausdruck geben. In d en kleinsten Aeusserungen 
des Duala-Negers z.B.: "Behüte mich davor, dass ich mei- 
nen Nachbarn um seine neue Kappe beneide." 
Südseeinsulaner, d-e niemanden wecken, bevor der schla- 
fende von selbst erwacht. Sie fühlen, hier wird der 
Mensch seelisch neugeboren. Wir dagegen leben mit der 
^hr, leben in die Nacht hinein, wissen vom Tage nichts 

mehr, arbeiten in den Höhlen der Menschen, wie 



z.B. die 



- 10 - 

wie vor Jahrtausanden die Trogloditen. Y/ieviel wird z. 3. 
mit dem .unstliohvn Lieht hei Tag gearbeitet? Y/o ist da 
der Unterschied, wo der Portsohr i*tt? Bs ist nur Trug und 
Schein, nur äusserlich. Inner, ich ist der Mensch des I9. Jahr- 
hunderts nicht vorv/ärtsgekümmen, er steht seelisch unter den 

I 

primitivsten Menschen. Ivlan braucht z.B. nur an das i'urcht- 
bats Massenrnorden zu aenken. Hierzu fehlt dem primitiven 



Mai s(ii en die V/issenschaft. Ss gibt einige ganz grosse 
Beispiele von der richtigen Lösung j^ner Gefahr der Flucht 
in die Verleugnung des Göttlichen. Und ich will Ihnen nur 
2 Beispiele hierfür in aller Kürze anführen. 

das erste ist Hiob; Der angesehene und reiche 
Mann, der vom Sata (d.h. vom Schicksal) geprüft wird. Ss ist 
leicht , ein guter Mensch zu sein, w enn es einem gut geht und 
man gesund ist. Und so wird Hieb geprüft: Der Reiche sit2t 
in Staub und Asche von Geschwüren bedeckt und seine drei 
Freunde kommen zu ihm und sagen: Kein Mensch wird be- 
straft, der keine Sünde getan hat. Darum b ekenne! Hiob 
art wertet:« Ich bin mir keiner Sünde bewusst". Und die 
Freunde begriffen nicht, dass hier ein Mysterium ton unge- 
heurem Amsmass von sich geht, das immer wieder;.ehrt. Es geht 
manchmal Menschen s chl echt, von denen wir wissen, dass sie 

eÄt Bny-el in Menscheng stalt an Hilfe und wohltun sind. 

^ ' wird 

was geht hier vor? Was Hiob tun? der von s einen Freunden 

verschmäht und verachtet wird. Würden wir uns wundern, 

wenn er fluchfe? Hier komn:t die richtige Lösung! 

Mensch flucht nicht. Er sagt nicht, es gibt keinen G'tt, 

sondern er verflucht den Tag seiner Geburt. "Wäre ich doch 

nicht geboren", dieses Leben ist unverträglich!" Aber seinen 

MUnd erhob er nicht gegen G'tt. 

welch' unerhörte Stärke äussert sich hier im Beispiel 
Hiobs. ich muss mich hier mit dem Blick auf andere Menschen 



Dieser 



- 11 - 



fragen: Ist Hiob nicht e in wunderbares Beispiel des 
jüdischen Volkes? Aber darauf muss ich Ihnen ant- 
worten: nev Hiub der Bibel ist überhaupt gar kein 
Jude! DOS möchte ich ausdrücklich betonen: Hier 
kommt das Menschliche zum Ausdruck. Der Mensch trägt 
das Leid der Ungewissheit. Er versucht, sich dagegen 
aufzulehnen und es kommt der Augenblick, wo er 
glaubt, es nicht mehr ertragen zu können; wenn er 
es in einem solchen Augenblick fertigbringt, zu 
sprechen wie Hiob und nicht das Gottliche zu verleug- 
nen dann kommt die Umkehr, dann kommt die 7/endung. 
Man sagt nicht umsonst: Wenn die Not am grössten, 
dann ist G'tt am nächsten. 

15as zweite Beispiel ist rast noch er- 
schütternder gestaltet als bei Hiob und zwar bei 
Elija. Y/ir öffnen am Sederabend die Tür, stellen 
auf den Tisch einen Becher mit wein und erwarten 

w 

den Propheten Elija. Er soll die Erlösung der Mensch- 
heit verkünden. Er ist eine unerhört packende Ge- 
stalt. Er lebte in dem nördlichen Reich in der 
Hauptstadt Samaria. Dort standen alle Kulte, ein- 
schliesslich der orgiastischen, aufdem Höhepunkt und 
Elija eiferte als einziger dagegen. All seine Mit- 
hingemordet, er war als 



'«:«:4i':^; 



kämpf er waren 
einziger übriggeblieben. Und es gelang ihm durch 
merkwürdige Ereignisse den König Achab zu über- 
zeugen, dass er auf dem falschen Vfege war. Wielange 
willst IDu noch über 2 Schwöllen springen. Adaunoj 
echod: Der Ewige ist &'tt. Elija glaubt, dass er 
nun alles erreicht hat und befeeht dann eine m.nschli 
che Handlung: Er lässt hunderte von Priestern der 
AStarte und 4es Bai an den Fluss führen und töten. 



12 - 



Obi^eich er das Unheil kannte, das von diesen Priestern 
ausgegangen war und wusste, wieviel Morde durch sie 
schon geschehen waren, h&tte er sich in diesem 
Augenblick überwinden müssen. Vielleicht mre dann 
die Geschichte anders geworden. Die Königin Isabel • 
versuchte mit allen Mitteln über den König Gewalt 
zu bekommen und den Propheten hinrichten zu lassen. 
Bliga konnte und wollte nicht m^hr kämpfen. In 
seiner Enttäuschung wollte er in die Y/üste wandeln 
und dort sterben. Er schlaft ein, um zu sterben, 
denn er will nichts mehr von dieser Welt wissen. 
Ein Sngel weckt ihn jedoch und gibt im Brot und ei- 
nen Krug mit Wasser und Elija trinkt und s chläft wei- 
ter. Wir sehen hier den Schlaft als Symbol des 
Nichtmehrwolleno. Yfieder wecnt ihn der Engel. Er 
gibt ihm einen Auitrag: Er soSble einen weltlichen 
nicht jüdischen Konig über Israel salben und Elija 
einen Nachfolger, der das G'tteswort ^iterver künden 
würde. Gptt ist mit seinem Tode einverstanden, 

hachdem Elija seine Aufgabe erfüllt hat. Die 
geschichte geht jedoch «ixer: Elija ist nicht ge- 
storben, er ist in den Iliumel gefahren, d.h. er lebt, 
er wanuert. Vielleicht ist es der Mord an den 85O 
Priestern, oder die nicht zu Eni e geführte Lebens- 
aufgabe. Das Judentum hat dem Propheten Eli^a die 
Aufgabe diktiert: Er wird koirüien am Bndeif der Tage 
wenn die Geschichte erfüllt ist und das Reich G'ttes 

auf Erden verlöinien. 

Elija wäre es nie eingefallen, G'tt zu 
leugnen, weil die Aurgabe ihm zu schwer war. Eine 
schwere Aufgabe ist vielleicht manchmal nicht zu 



IJ - 



tragen, aber mehr als sein Leben kann der "^enßcii 
nicht verlieren. Er verliert aber ein anderes 
Leben, wenn er seine Aui'gabe verliert. Das wiasen 
alle i.:enschen. Als Alexander der arosse einen 
indischen Pursten lebendig verbrannte, wusste 
dieser im Todesaugenblick zu sage : Wie schön 

4 

ist es, v/enn der Körper dtiiech Peuer zerstört wird 
und die Seele freigibt für die Ewigkeit. Daraufhin 
sagte Al-^xander der &rosse: "Du darfst noch einen 
Wunsch an mich richten." »er indische Purst ant- 
wortete: "Äi bist in 2 Tagen bei ndr" Und in zwei 
Tagen war Alexander gestorben. Alle Mensche, die 
vom Religionsgefühl erfüllt ;iind, wissen, dass die 
Enttäuschung nur eine Etappe ist auf dem Woge der 
endgültigen Lösung ihrer Aufgabe. Es kam oft bei 
den grossen geschichtlichen Gestalten vor, dass sie 
enttauscht waren. Wie z.B. Hiob, Elija und Mose, der 
sagte, es ist schon bald soweit gekommen, aass das 
Vulk mich erschlagen wird. Diese Schwierigkeiten 
sind nur ein Hinweis darauf, dass die Aufgabe erst 
dann schwer zu werden beginnt. 



Eine zweite Flacht ist die Flucht in die Astro- 
logie und Magie. 

Am besten w.rden Sie dies durch folgendes ver- 
stehen: Ein Mensch, der sich absio lut nicht zu 
einer Klarheit durchringt und zum Metaphysischen 
bekennen will, der nicht einmal für sich Buch machte: 
Wie wird es einmal mit Dir sein, wem ÜÄi Stirbst, 
wie steht es eigentlich um Dich? Bin solcher Mensch, 
der es nicht wagt, diese Prüfung anastellai , hat u.a. 



- 14 



den Ausweg, in die Astrologie oaer Magie auszuweichen 

Sie wissen, dieser Ausweg wird heute vielrach be- 

die Anerkennung^ 

treten. V/as bedeutet divser Ausweg?' Es bedeutet, 
dass uns Ksaiäctsüs. ein Unheimliches und Gewaltiges um- 
gibt. Dass aber der Mensch den Wunsch hat, über 
diese Gewalt zu herrschen und nicht sich ihm ein- 
zui'ügen. Dieser v/unsch ist begreiflich. Srkommt 
auch deutlich zum Ausdruck in dem Märchen: Sesam 
öffne 33ich. ^er hat nicht schon den vmnsch ge- 
habt, den Schlüssel zu besitzen, der alles auf- 
schlieast, um al les zu beschauen. Die w.en sehen 
haben es sich in den verschieiensten Formen aus- 
gemalt. Aber in die Praxis umgesetzt haben es die 
Astrologen und Magier. Die Magie ist nichtdie 
Erkenntnis des Dämonischen, sondern cier Versuch es 



zu 



beherrschen. An dem und dem Tag d;,rfst Du das 



und das nicht ^un. bezw. nur tun, denn alles 
andere wird Dir uiisslingen bzw. gelir^en. Ich 
führe nur des Interesse halber eine Zeitschrift, 
die noch vor 8 Tagen he rausgeko turnen ist, die z.3. 

■ 

verhaltungs- bzw. unt ürlaasungsvorschriften für die 
einzelnen Wochentage angibt. 

' Es ist nun interessant, dass diese Rat- 
schläge in ein astrologisches Gewand geileidet werden. 
Denn durch Berechnung der sternenbahnei. soll genau 
festgestellt werden, was für die Menschen gut ist. 
Von Individualismus kann natürlich gar keine Rede 
mehr sein. Es gilt nur das Allgmeine, denn die 
Sterne kümmern sich doch nicht um Einzelnes. So 
gibt es z.B. astrologische Kalender für alle Monate 
und merhere Jahre. An und für sich sind gegen diese 
Ratschläge nichts einzuwenden, da sie für jeden 



- 15 - 



Menschentypen anzuwenden sind und laein Unheil an- 
stiften können. V/ir stehen hier bei der Astrologie 
am Ani'ang einer Entwicklung, von der wir nocii 
nicht wissen, wohin sie geht. Aber berechnen können 
wir sei, denn die B es o uäiti-feueg mit der A. ist 
eine Flucht vor der Klarheit, vor der klaren Ein- 
sicht unserer menschlichen und geistigen Verprlich- 
tung. Wir müssen uns eingestehen, dass wir z.B. 
von dem Willen des Göttlichen nur durch ganz 
hervorragende Menschen erfahren können. Dieses 
sind unsere Propheten, die niemals sagen, dass man 
an dem und dem Tag, das und das nicht tin dürfte, 
sondern: Du sollst keinen Zauberer bei Dir haben . 
Du darfst solche noch nicht einmal leben lassen 
unter Dir. Warum denn eigert lieh nicht? Sie 
vernebeln uns die klare Atmosphäre. Wer weiss 
denn, was einmal aus diesem Geheimnisvollen heraus- 
l^omm n wird. Die Mensdien hoffen, auf diese Art 
und weise eine ivlacht Zugewinnen übdr Dinge, über 
die Wie nie Macht haben werden. Hier liegt eine 
Flucht in die Unwahrhit vor. Bei den Menschen, die 
sich damit beschäftigen, findet man häufig eirB 
tiefe innere Ueberz uging und man möchte wünschen, 
dass sie di^se auf etwas andere übertragen würden. 
Aber sie wollen sich nicht zu einem Typäs bekenr^n. 
Man muss zwischen diesem unterscheiden und jenem, 
nämlich der Verkümigung de. Orakels, die världich 
mögHWi-ist. Sicher haben Sie schon einmal voh 
den griechischen Mysterien-Religionen^hört. Ein 

Gedanke, der zurückführt zu einem Kapitel, das ich 
noch in e.nem Punkte ergänzen möchte. Die gleiche 
Mfsterien-Religion finden wir in dem Begriff des 
Orakels zu Delphi, pythia, eine unverheiratete 



- 16 - 

Priester in, versetzte sich durch aufsteigende Dämpfe 
i Priester/ 

in Ekstase und dann deuteten die den Sinn ihrer Prophe- 
zeiungen um in Wer te, über das was kommen sollte. 
Es wären ihnen nie eingefallen ein Rezept zu göben 
für einen Kreis von Menschen, die innerhalb einer gewissen 
Zeitspanne geboren sind« 

Wir Juden haben ein derartiges Orakel auch 
einmal gehabt. Die genaue Ueberlieferung davon ist 
jedoch verloren gegangen. Man weiss nicht, in 
welch r Art und weise "Urim und Tiurmin (vielleicht 

I - - 

Licht und Pehlerlosigkeit) zu deuten sind. . : 

Aber das Orakel war kein Sch7;indel, sondern 
die Verbindung eines zur Ekstase neigenden Menschen mit 
den anderen Sein. Es liegt haarscharf*- neben dem 
Weg der Astrologie. 

Ich weiss nicht, ob Sie mich hier richtig 
verstanden haben, vielleicht ist jemand unter Ihnen 
der sich mit diesen Dingen beschäftigt, «enn man« 

f 

nämlidi sein Judentum erkennen will, dann muss man 
sich vorher darüber klar werden, ob man nicht auf 

* 

Falschen Wege ist. Ich persönlich behaupte, dass 

der Weg der Astrologie ein falscher Weg ist, weil 

er den Menschen vorlügt, er könne Macht gewinnen über 

das Göttliche. Er ist aber zu unterscheiden von der 

Prophetie, d.h. der Voraussage der Zukunft. Wenn z.B. 

pyftia Alexander dem Grossen voraussagte; Wenn Du 

über den Pluss gehst, wirst Du ein Reich zerstören, 

so hatte er nur die Weissagung falsch ausgelegt, indem 

erglaubte, er würde ein anderes Reich zerstören, 

wa^.rend er in Wirklichkeit sein eigenes vernichtete. 

Diese Voraussagungen sind also häufig eingetroffen. 

Man flindet die Fähigkeit, mit dem Göttlichen zu sprechen 



- 17 - 



also nicht nur bei den Juden. Z.B. Bileam eto. 

t 

waren auch Instrumente des Göttlichen und auch 
in der Bibel finden wir eine grosse prophezei4ng. 
Scheor joschuf : Es wird ein Rest umkehren. Und 
umkehren heisst: von dem falschen Weg auf den 
richtigen zurückkehren. Der richtige Weg ist der, 



da.oS 



wir alles, was an uns herantritt beiseite 



lassen und uns endlich einmal zurückwenden 
V^nd die Worte hören: Sieh, o Mensch, ich habe 
Biv gesagt, was Du tun sollst; Lieba und Gerech- 
tigkeit sollst ^ üben und in Demut warü ein vor 
Deinem G'tt. Dieae Worte strömen ein unendliches 

Licht aus gleich der So ne. 

Es gibt eine Vorauskündigung, aber sie 
ist für uns ganz etwas anderes als für die Griechen. 
ES ist nicht die Flucht in die Magie oder Astrolo- 
gie. Bei den Alten geschah -3S, dass man Kinder 
tötete, um ihren Geist zu berufen, damit er die 

.f 

Zukunft voraussagte. 

ich führe das an, weil man uns Juden 
immer wieder den Ritualmord vorwirft. Dahinter 
steht immer noch der Gedanke, der sich bis ins 
MiV.elalter erl^ten hat, dass man die Zukunft 
magisch vorausbestimmen konn-.e und beschwören 
konute durch den Geist der Toten. Ich persönlich 
glaube , dass Sie si.h vielleicht gar nicht mit 
diesen Dingen beschäftigen und sie nicht kennen, 
aber wenn ich davon freche, ist es datum, Ihnen 
zuzeigen, dass das Judentum uns vor Irrwegen be- 
wahrt, aass wir nicht eine Flucht mitmachen sollen, 
darum iiann ich nicht daran vorbeigehen, über Astro 
logie und Magie zu sprechen.lch habe Ihnen di.se 
Dinge genannt, da sie so haarscharf nebeneinander 



- 18 - 



liegen. Die alten Griechen haben mit ihrem Orakelwesen 
das Sichvereinigen mit dem Göttlichen versucht. Wir 
wollen nicht herrschen, sondern uns vereinigen mit 
der Gotth:it. UndG'tt wird und tragen, wie die Athmos- 
phäre uns trägt. Sin Flugzeug könnte so nicht fliegen, 
und so kann uns das Göttliche tragen, w enr. wir uns nur 



hinainschmiegen. 



Wir Juden haben die klare Offenbarung: 



Gib 



Dich dem Göttlidien hin, wenn Du hörst, auf d^s, was 
G'tt mr sagt, dann wird G-tt Dir alles geben, w as zum 
Glück notwendig ist. Das ist keine Abrechung, sondern 
das oute, das durchaus den rechten Weg verfolgt. .; 

Dem zweitmWeg, den ich Ihnen schilderte, 

« 

gügd ich nun den dritten an: 

y lucht in rien Histor izismus... 

siewissen wieviele aesehiohtswerke erstanden 
Sind. All.s nuss eine desch.ohte haben, auch unsere 
I^Mllie, sogar die aes.hicMe der Flohdre.sur »to. wurde 
neiedergalegt. Die ansehen sind von e in.m Taun^el «- 
griifen: Ueber alles muss eino a.sohiohte g.sohr leben 

• ^,-. ^ -wip PS früher eewesen ist. 
werden. Man muss wissen, wie eb iruaot ^ 

Ueberall gibt es eine Historie; In der I^ltur, in der 

Zivilisatxon, der Medizin, Philosophie, Kriegsgeschidite" 



eto.etc# 



loh lehne die aeschiohte an und für sieh 



nioht ab. aber loh ..enne j.nen PunW, .0 der Hlstorizis. 
^. niohts anderes mehr ist als die Pluoht In die Snt 



fernung vom Göttlichen. 

^as ist Historizismus? 



Ma 



E» ist in seiner tiefsten 
n glaubt nämlich, dass dadurch. 



Form etwas Ivlagisches. 

dass das groi^se Beistehende schon eine Vorfam hatte. 



— * 



- 19 - 






das V/under des Seins geklärt zu haben. Man meint, 
weil schon vor 100 Jahren jemand gl^.ichen Namens und 
gleicher Familie dagewesen ist, dadurch in der Cxegen- 
war vielleicht irgendeine Präge 1^. idater gelöst wer- 
den könnte* Der Rationalismus rindet seine Ueher- 
stei erung im Historizismus. ' - 

Der liistorizismus sagt, man müsse nur die Oeschichte 

... . » 

der Juden kennen und wir sind erlöst. I^s ist nicht 

wahr. Ifas haben sie davon, dass sie wissen, wie der 

Hergang der beschichte war. Vor Jugendlichen wüx de 

ich natürlich nie so sprechen und mich ao o-usdrüciien, 

da ich möchte, dass sich die Jugc-nd mit d. Gesch. bescnaitigj 

aber Ihnen gegen .b er kann ich eing stehen, dasa man 

auch bei der Geschichte sich von wahren Judentum ent- 

ferrit. 

Zum Beijpiel begehen wir jetzt den 800 jährigen 

Geburtstag von M^-'^imonides, dem grossen Gelehrten , der 

Herzliches geleistet hat. i^eberall wird dieser grosse 

Mann gefeiert und durch seine Leittungen durchaus mit 

Recht. ES gibt aber eine grosse Gruppe von Juden, 

die diese Feier nicht m itmachen wollen. ITarum? Ich 

habe das im ersten Augenblick nicht begrüTen. Und 



ma 



n macht ihnen den Vorwurf, dass sie hyperorthodox 



seien. 



Ihre Begrürrlur^ ist: Wir wehren uns dagegen, 
dass man den grossen iviaimonidos als eine G^schichts- 
gestalt verherrlicht, anstaut nach seinen Wegen und 
Vorschriften zu leben. Di ^se Leute wollen nur die 
Gefahr des Historizismus vermeiden. Denn er hat 
ja ungeheure Werke geschrieben, nach denen man leben 
sollte und müsste, jedoch das hat man vergessen. Man 
erkennt ihn an und harä elt nicht naoh seinen Vorschrift- 
ten. Wir finden den gleichen Gedanken in dem Klopp- 
stockschen iiiitat: "Wir Dichter wollen weniger ver- 



- 20 - 



herr licht und mehr gel.;sen sein. 

Das Judentum nun fordert Vermeidung ä-ller 
Irrwege. Und ein solcher Irrweg ist auch der Histori- 
zismus. Man soll sich zwar mit der beschichte be- 
schäftigen; wer aber .n Geschichte glaubt, wie an ein 
magisches Y/underwerk, der ist auf einem Irrweg, der 
nicht weniger in die Irre führt als die übrigen, die 

ich Ihnen genannt habe. . . 

ich mödite nun noch kurz abschliessen mit 
dem 4. Irrweg: Die Flucht in den Aesthetizismus. ; 
ich m glaube, diese Zeit ist vorbei. Es gab aber 
ganz bestimnit eine Periode, in der man in der An- 
betung der Kunst und Wissenschaft eine vollkomrr.en inaer- 
liche Befriedigung gefunden hat. Kunst ist etwas 
Göttliches und der wahre Künstler ein Prophet. Der . 
Kunstler hat die Fähigkeit , mit seinen Mitteln den 
göttlichen Willen auszusprechen. Der Kaier, der ; 
Bildhauer, der Architekt hat die Fähigkeit, etwas zu 
gestalten, .vas wir anderen nur fühlen. Der Aestheti- 
zismus ist eine Verirrung in die Form. Der Künstler 
soll nicht die Form anbeten, sondern mit Hilfe der 
Form einen Qe danken inhalt ausdrücken. Alle "ismen" wie 
Kubismus etc. legten nur noch Wert auf diese Formen, 
obwohl sie behaupteten , einen Inhalt auszudrücken! 
3,iB Form macht den Künstler. Bei den wiriaich grossen 
Künstlern scÄimiegt sicü die Form wunderbar ein in de n 
, vresensinhalt, den er offenbaren will. In dem Augen- 
blick, in dem nur noch die *'orm angebetet wird, ist 
es nilht melir Verldandigung des Göttlichen, sondern 
er ist Spieler geworden. Denn der Aesthetizismus ist 
etwas spielerisches. Es ist in Wirklichkeit nichts 
anderes als eine Flucht irnr der ewigen Wirklichkeit 



- 21 - 



des Oöttlicheu. Man hat geglaubt, man könne wichtige 
Lebensfragen besiegen, wenn man siö nur in i.üiastle- 
rische Form kleidete, und hat darüber vergessen, 
dass der wahre Künstler in s einer Form das Göttliche 
verkündet. -' . - • ■ 



loh inhe heute abend versucht, Ihnen 4 Irrwege 
aufzuzeichnen. Die Flucht vor dem Göttlichen ist 
im ersten Falle die Verleugnung des Göttlichen, die 
die Grössten erfasste, ebenso wie im Falle des Aesthe- 
tizismus wirklich gross veranlagte Menschen davon 

\ 

betroffen wurden* • ' ■ 

» . * 

Der i-listorizismus ist eine allgemeine Gefahr. 
Er hält die Menschen ab vor der richtigen Prüf ui:tg 
seines 7/egeS und Standortes. Und das, v;as In unserem 
tiefsxen Innern im Dunkeln wallt, 7;as einen in Angst 
versetzen könnte, da man nicht v/eiss, WoS werden kann 
= Astrologie. Wenn ich nun gesagt, habe, es ist die 
Aufgabe für uns, unsere Zugehörigkeit zu einem meta- 
physischen und religiösen Typus zu erforschen, so habe 
ich durch Irrwege aufgezeigt, wo die Grenzen liegen, 
bei denen man nicht ausgleiten darf. Schon die Bibel 
kennt die Gefahr, nur in ihrer Sprache. Ich erinnere 

nur an jeremia. 

nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit 
nicht rühme sich der Held seiner Starke 
nicht rühme sich der Reiche seines Reichtums 
sondern in folgendem rülime sich der Mensch: 

der sich rühmen will: 

dass er versteht und mich begreift 

dass ich der Ewige bin, der Liebe übt 

und Recht und Gerechtigkeit auf der li.rden. • 

Daran habe ich Wohlgefallen, 

so sprach der Ewige. 



- 22 - 

Der psalmist sagt: Wenn man noch so sehr versucht , aus 
zuweichen, es i^eht nicht, denn: 

wohin soll ich fliehen vor Deinem Geist 

wohin könnte ich mich entfernen 

wenn iah in den Himmel hineinst.- ige 

und wenn ich mich in die Gruft bette 

und wenn ich die Flügel der Morgenröte trüge 



• •••••• 



I 



Meine mmen und Herrai ! 

Verstehen Sie di'-se SpractB . Es ist etwas 
unerhörtes dieses jüdische Einseitigkeit, aber sie 
ist die Einseitigkeit des Menschen, der auf dem ., 
höchsten Berge steht und die ganze Gebirgskette über- 
schaut. ES ist eine Einseitigkeit , auf der man alle 
Irrwege u nd Fehler verni^-idet*?. 

Ich wollte Ihnen die Fluchtwege beschreiben 
und gleichzeitig angeben, w,,,s das Judentum unter dem 
rechten Weg versteht. Und im nächsten 1/Ial will ich 
eine Rei^z^he von Fragen klaren, wie man den 
Inhalt des Judentums praktisch gestaltet, die jüdisch- 
religiöse Ethik und das jüdische Recht. 

" . % 










\,^ 



24. Januar 1935. 



%/ 



Meine ia.men und Herren l 

loh begrusse Sie und freue mich, da.s Sie wieder 
in Sv grosser Zahl ersohienen 8 ind. 

Wir wollen uns mit cLioser Vortragsreihe ein- 
arbeiten in das wirkliche Sein und Weaen aes Judentums. 
Die heutige Zeit ist besonders dazu aii^otan, den Wuncoh 
in uns zu weoken* ?/ir sind dab i von der Voraussetzung 
ausgegangen^ dass wir uns na oh keiner Je^te hin ablenken 
lasson wollon, wader aus Jfurcht vor irgendeiner Meinung 
noch duroh Zuneigung. Wir ^vollen auf arund jener uner- 
sohöpfbaren und ewigen Quelle des Judentums, auiT örund 
der biblisoh' n Sohrxft das Judentum so kennenlernen, v/ie 
es iiii Lauxe der jahruauö^nde von innen heraus Q-estalt an- 
genoiimien liat« 



Ich habe vor Weihrac-'iten zu Ihnen über 3 Themen 



gesprochen 



le üeber Religion al;j zentralreligioser Le- 



bensatandpunkx . Daraus geht üohon m^u liindeut igkeit hervor, 
dass Judentuiü und aeli^ on 2 unzc^rtreuLbare Begriffe sind. 
Ob nun Religion gleichzeitig als Kir^iie betrachtet werden 
kann^ ist nicht beantwortet; aiese ira^e wird spater 
eino Roli e ;dpi<-l6n# Religion ist nicht etwas, was ri;an nur 
nc^benbei ausübt, sondern Reli^^on bestimzüt den Menschen, 
wt^ist ihm den '^eg, gibt ihm in allen Prägen des Lebens Aus- 
kunft und kann aarg^i^gt werden in ein^m zweiten Kajttel, 

2. dass Jud e txtum imriier ein typischer VIosl zu 
Q»tt iste Unsere heutige Zeit stellt eine ausserordentlich 
schwierige Aufgabe» An di^^Bjr Aurgabe sind viele Menschen 
ausgeglitten und werden itrmer noch w eiter ausgleiten* 
Im Mittelalter hatte die Religion allgemeine Geltung, später 






^ 



hat 8iu dl US« vwrlor«.'^« ««ll diu «^nauadn dar noicin 
Zelt. k«in« Antwort <U,raur riiid&n, vi «so aa möglloh ist« 
dasa J0d« RüXijlor. von 8i h bt>>haut>tat « olasa sie dl« 



•inzig vahro sei ana trotzdam nur eine 



wahre sein 



kann« «enn alle valir ooin sollen« dann ist «iin 
liderapruoh ge^^vn don Bögriff der vahrli it . Ss 
gibt al»er aaah nur eine irahrheit, das liegit schon 
im Begrirr« Die Antwort ist unendlich sohvor« Aber 
ro achwierigktiiton vori^mden sind, da bugiant ««rst 
der weg zur , ahrh-it. loh habe versticht in 3 Vor - 
träg^^n darzulegen, das« Judo Religion der Srde oin 
Teg zu 0*tt ist, es ist t^lne reine Angelvj'gf^hdit des 
Typus. Vir isind ja al le v ruohiöden in attsserer 
und seeliäcn.r OüStalt und äo hat JJuder M«nsoh zum 
i^wigen, zum &t«itaphy tischen, zota Zeitlosen ein n be- 
sonderen weg mit angoboror. bekosmen« Dieser angoborwie 
Weg ist der eg zu seinor Roligion« ü gibt auf 
Irde gar nidix, Itiel* solcher tvpiuciior .-^ege« loh 



iKkbe Ihnun in klatw^r U 



cht dargelegt, äa;js ös in 



ffirkliclüceii niclltr.ehr als hödhstens 9 verschiedene 
typisohö Religionssege- oder StuJTen gibt, und d^a 
Judentum ist eine Stur«. Ss kann Jude lioHt^iwn mim 
■•in, ^vnau so wie wir alle das Licht vahrnehmen, 4** 
der mit seinen Aag€0 und trotzdec ist es die ^It icis , 
•ine Lichtquelle. So ist es Mich derselbe gMohe o*tt, 
zu den; die Mensohen ihren T^e^^ gehen, einen V ater haben 



wir alle. 



loh habe nun zunaoii;>t in allar Kurze versu ht. 



Ihnen d ar zulegen, dasu di^i B^stieoung deft Judentoras 
dahin geht, dass i*B als **Am Kodausoh** sämtliche Aeus-> 
••rungoa des Lebens betrachten «oll ..nter dem Oesichts- 
punkt d«i fSttlichdn willens, denn das hindeutet am ko- 



- 5 - 



dausoli* Kioht gociofint i;jt mii. Am .üdausuh^ dass wir 
uns um das Haupt einon Helligonkranz winaerj Wir sollen 
Menschen s ein, die auf der Srde stehen und mit dorn Kopf 
in den Himmel ragen, ins Zeitlose! Der aei t kündet uns 
"^^ vom lebür.digen (Jottliolien. Der iSr^ol im Traumbild Jakobs, 
die Iraumleiter ist die V'ör;jinnbildlichung dafür, dasr, . 
der MO isoh der iürde miü seinen Gedanken in den Himmel 



ragt 



"Sin heiliges Volk soliat Du aoin und Ihr seid mir 



oin öogiilloh, ein auserv/tihlt^ü Volk, derm mir <:;ehört die 
gp.nzo Rrde* wer dem Judentum aine andere B'^stimmung geben 
will als dio, Oottesvolk zu sein, der entwurzelt die 
Ihora, Die V;ün3che des MonacUen i>ind kleinem perscjnlichm 
Willen unterv/orfen. Wün;:ioh n kann or, vlanr> der Himniol 
einstürzt* V/ünsolien kunn man, dass das Judentum etwas 
anderes sein 3ü13 , als am kodausch, Q«ttesvolk, aber 
wissen uüüseu v/ir , or ruft nicht Theorie in die Schranken, 
sondern or ruft dcis ev/ige Buch der Menschheit, di Heilige 
Schrift, in die Schranken. 

♦♦Ihr seid ü.ir das ausenv-^hlto 7olk, Ihr sollt mir 
sein ein Reich von priostern und .in heiliges Volk,«Bo 



lautet die urev-ige ßestim ung# 



den Satz: 



Elin evange ischor Geistlich t?r prägte/ftü,s ^ort^ 
^ Mie sollen es la::sen stan!'^ Und wir tonnen das Wort: dass 
wir ein Volk von Priestern sein sollen, nicht stehen lassen, 
sondern müssen os anv. nden. 

Zur Klärung dieser Prägen wollen wir zu eln«n 
weiteren Kapitel fortschreiten: 



• 4 • 



Kraatt ^aeligionen 



MMi 0oll^ wann man etwa« klar aaratollan will, nxicik 



siigl^ioh 



OegenLuil bclu^uohLan« 



Vf^B Lloht in wt^inor erigen Ki^nart wird uns deiitlioli 
durch die ^^fahrung des runliels« 

loh EBoohte Über Jene merkwürdige /ersaahe aprech n^ 
die bia in lie umaiutel&are O^gu M wa rt ge»aaht werden« 
am voc 4Si^int>r rolij^^aen Bestisxiung zu rixehen« Denken 
Sio an die Sri rL rung über die? verß<Aiio4enen Typ«a* 
Iah habe uiaht aehr und nicht weniger darit behauptet, 
daejg; ee ub«irhau|^t meinen i^&ndohen gibt, der nioUt irgend«» 
ein^ ^ar derinit^rbare £inat Uung «ua Metaphysischen 
bdalzeii kann u nd biu8»> Jeder ist irgendwie irrerhalb 
dieses Typus«*oChecm3 oingsgiiedert» ^ bosteht die 
Ugolidikeit, dat^s ein Mensoh sich übers eine fiigenart 
hinvregt^&uuuht, wenn ein &!ui:.«uah aiisa jedoch über sich 
klar wiru, Sw wird er uines Tages atl decken, dass 
er zu irgondoiaiB Typus gehört« 
Br guhört zum Beispiel: 

I») tu aem Xy^us, aer in der K&tur etwas Absolutes^ an«» 
bet«^t, wio z3« aie (hrii.ohon, die in Jeder Quelle einen 
(|*tt £ahen, oder 

2«) zu joeien, die die Kraft als solche anbeten^ die 
sieh äussert im Ken80^:ien, im Xiur, im Sei^nd^a« Die 
Krart als Urheberin alles Oew0huh<^'n# 

3#) zu denen, die diw irdische velt al^ Trug betraohtcmt 
ftXs ein Nichts, als einen Siiiloier der Maya« Ss gibt 
viel«! Menschen, die vom Buddhismus angezo£;en werden 
und die in den buadhiLtisohen Xldstern die innere 
Ruhe und Besohauli<h ^elt suchen, damit siw aurg-hin 
ins Mirwana» 



- !; - 



4.) Dioden igen, die das »rig-aöttlioho Tor«pÜr«n, da» 
»ber nur duroh It^wndulaön Ml^tl^^r z\x ihnün kocai-dL kÄnn. 
1 «s olB« göttliohü od r menachllohe TorcitLlung. 
giljt z&ltllose 8oluh<?r Mensohan« Aber Jedes VAX 
Ist en ©In beson lerer Ty-us In Bezug &ur das Metfcphyslsoh« 
5«( Jone, ^tlo doß llo&l88ui6 iuildlü«n, jonur Typus, de» 
die üiterie verabeolutiurt* Auoh irlatotul.:»« hat ge- 
sa^, dlo Brde ist von ]5wlßkelt da. l«nn das irahr 
Ist, dannid«! dl© lÄterlo zuci (J'ttt denn dann hatt.« 
nicht a'tt dlo ^de gHOOhaften, sondere die liittarie. 
0»tt lat otwaa Absolutes, Cn tüc..ut;.erllohes, Iwlg aas 
sieh ;^uellandoü. 

Mtfi soll kein*:» Menaol. an be* ehren. Von 
den echten Hlsaion&ren, Ale hinauagöhen In dt© Dr- 
wal'.ier Arrikas oder zu dun non^idlach«! Y'.lkern dos 
romen Oeti^us, uja ilm^r, 41© aelli;l».rä«iSar«pa8 zu 

bringen, Ist ec vlolloicht so gv« int, aase sio nur 

aellGiü»'-ß/ 
den Typu3 ihror/Jiioiitani^ her^ur.ri8ak<m wollen« Auob 



unser Oi ok lot nloht voll, irg«>Bdwo 



bohrt e& in 



uns, bis wir aasoren uroigonen e^; g^jAindon liabän, bis 



•i» zu unü j Jlbat 4;*. 



s.nd. 



Honaann Hosi>o hat soinea Buoh Dtmlan das 
Motto gegeben: loh woL te ja nur zu mir ööl\>«t, 

«arum war <UkS so soh^/er? 
9uB lat dl^: AuiTg'Abe otwaa andere forauliart, die 
au oh loh mir gestellt habe, rlr Juden wollen ax ans 
»olbst, Lelaer lat dies duroh li)00 ümatondo sehr 
eraohwert, «aroh den LÄcm der Oroflbtadt, das s vir niolt 
die Zel- htiben, vi oll Icht auoh nicht dön Mut, durolu 
sudringet. zu unaeren p^rs^nliohen Woaon. Irffler gab 
•0 untö« dön MeJisoaön eine ?luoht vor dem Metaph^sl- 
sohen» 



• 6 - 



Pltse FlUvjlit röclito loh ufitor 4 öeeicUtßpankten 
bel'uohuon; 



dlt) ersto A.rt 1er Flucht: rlc llucht 1ü die 

2#) Die ?lucht In dtn A©ßth©tiziömuß^ 

J.) Die Flacht in die QLSchii.hta. 

40 rio Fl clit ir die Afetrclogi« uu- Ka^^ie. 



•4 



Ic . B#lri^ iamlt rol^iendetis Ss harcelt siali 
alcdSit daru^ ^ dÄs^; alu M«n80h nicht gf^naa weisse, zu 
welohOTTi Tyius ar ijöhört^ sonierr dacc er seins Zmj^Larig- 
8:;.it zu elnum T^^:>us nicht ein^o.^teher. vill -ind int^n 
Ausweg ßuoht* Tileser Ict s^hr intere^^isant und b<i- 
»©ichnond fUr die ganze Oosohlohte der ^^©az^^it» 
Man kann I'rÄj,e?i, iu\ r kam-.t ea^ das« oan 
da3 Oittlioh vt^rl ^u^n« tt 'aß Ist das sittliche? 
Es iöt dt:>v.h ;_oln.^ Srrindun^ von xvAt. T^z Söttliciie 



tBt doch Jöne^ Unhelrullohe^ dua &iur uns ijn^^olion luatot^ 
dlAl wir iublön^ wenn vir £;i:öin jsiud in dunklur -laoiit, 
l/eiiH vrir uiuht -.jhr wi^^o .^ ra^ «i4J.^tll;5h v*örd©u soll 
uiid wie es wui ler^^-htm Solange wir r:it i^lunaarien zusaa- 
«en uind^ u^;torliogeu wir duL* i^'ÄSi:ieng3rahl^ öülÄnge 



wir durah Menüohen abg^^lenkt werden^ tStu^^oiien wir une 
Solb^t üLor '11^ Notw. nl-i^li'vlt hlr/veg, an die fj.rcht- 
bare Brl^/kolt zu den): n* 'Ole-^Ewigfur'Jhtbarö i^it 
der loA. wc^e vir tnlt dem BGürirr Tod beze lehnen ^ ist 
nicht der Abochied vora L bon, sondern d^cs Hiohuwisaen^ 



wa^ ©Igentilv^h g©£»u..it^ht^ wohin 



eht* Jöder ict 



eingebettet in dieses un^^rUorte Qtili;^ lnais# Ob uooh Uwt^v 



- 7 - 



». 



nl«cittg, vor 'ten Tel wind all® Mensoher gleioh und 
d&s ist Icanerhln ain g«fri«gor Troot. 

V#un &:itr! oii«al v^töucht Imt, uit Jen« 
Uub»ati«x \>aren »ich ausalran ;»r::;u3«*i.z«*n, sc bl« ibt 

auf dAs: 0«>l)i9t,a der Raligicn&Fn« Zar Sntvloklung 
b«tar3f ü.i luaor dur "..nttausunargen. Uan glau bt, 
iö«n Wir© dev 0<.4iöiaml» fcaho und wird 2url'ckg^»fitoj:ßen 



in da£5 Reich cior tJnifl£.;.örieien. 



claubt, der teg 



ißt abeolut sichör. und Si«?h«, «tac «wel^elt an a»tt, 
ander. Jileritrtien um tllen. Man weiaa nicht., i?a» »&ß 
tun Süll» SB l«t ein CTtfiii ?c AulT uisd »ied«»r. Yit» uncerd 
ae«ar.kdii aaf- unc. ni d«rst0i£eii, eo «teigen untere 
Bexibhuiigen zum Bwig^u. «an luitio die ^''raga liicht löaen: 
Man aoll löaR öi^entlich im pritltti schon tebi-r tun. Heu- 
te wttxas tan die Antwort. Heute fuUlt lu&n üiah ttla 
Kela. Ifortcen ist »an nledergeo hla^on und ist t*^iniJi 



Schritt ttti.cr dem o. i-tigvcUiid di.ac»« Sntt&uacluing 
brihßt den MerjwChon cehliesaüeh dahin za sa, ©n, «8 
gibt k«in oitLliciiöe, er will nlchtß da^it ru tun haben. 



Jr will den veg geben, na|r kocr ai 



v;ill. 



iL^ 



nicht etwa dia r.init^ülung dea iÄrcfcecl:nltt«wi«M*chen, 



aondt^rti ic GWj';öntöil, es ist der höohetatehonäe ioensoii 
.j»r acraUr ar. coiat«« auageaetzt. DafUr gibt der 
Haltsnd ein «u.avjrvuJLlos Boispiol: 

nisotaa bar. Abu ja, aer girosae Lvhror dea Rabbi 
Meir, i»t ßotar aua der Oeceinda aasgeßcUloaaon, und 
trotzdem ging Rabbi Meir, einer unserer grätistan o^acb r- 
tön, iaaDör wi adcr sui iioa, ua von iiat «u lernen. SliauiA 
bat geaagt; 3s gibt üein üijt^liübea. v^n atrafta ihn 
tion ftiobt, 4&»fi si&n iha aeinön ?»oichtaci naht: oder Iha 



0^9 



tötete, aondern der 4^<^^^<*^^ B^ n sagte: In onaorer 



- 8 - 



aeoid Insohart kannat Du nioht bleiben, wir köuntn mit 
Dir zasammjn niith^ leben* 

Blisoh» ben Abuja Ist duroh f olgandaa oooohehniß oott es- 
laugner geworden ; Elnös Tagy>8 kam er an einem saut^^rn- 
liaus© vorbei onfi hörte , wie avt Vati^r 2:a seinem Sohne 
sagte: «öeh' hinauf in üen Taubensöhlag un^ hole eine 
Junge Xaabe, die alten abor laaae fliegen, denn In der 
Thora eteht, dasa nur dla jurv en Tiere genommen werden 
dürfen.» Klisoha sagte aiöh, wel cäh beieitenaer Lohn 
musa atem Jungen vcrbehd ten au in, denn der Knabe befolgt 
das Gebot aer ältarnauhtung un.. -liöbe, und aaaaerdem 
erfüllt er ein o<.bot der Thora, Der iü^abe stieg die 
Leiter hinauf, uouh bevor er noch aen Taubenschlag er- 
roiJit ha-te, fiöl r herab und war tot. Als Elisoha/ 
daa sah, sagte or: es gibt keinen >olt, kein n Luhn, 
wie es in aerThora ateiitl so wurde .lischa ben Abuja 

ein GK>tt©8leUbiier. 

Als man Rabbi l^ir zum Vorwurf maditü, dass er aan Ab- 
trünnigen no h loa r aif suche, sa^te er: "Sa iat genau 
so ala we».n ioh einen Granatapfel finde. Das »eniiwbare 
daran esse loh, di^ cohalt. werfe iöh fort. In der 
gleiciien Art maohe ioh .s mit den Keisheit.^n i^liöolias, 
loh bblaalte die guten." 

Warum wurde äliaoha Den Abuja abtrünnig? well e» dem 
Qöttllohon am ndohatün stund, wer sich z.B. aoelisoh in 
• .loh hoher Art und TTeiae aufarbeitet, der fUhlt manohmal 
unter sloh sohwlndelerregen-ie T*Äf©» 

Ala 2avid die Bundealade zurüokfühcte naoh 
jeruaalem t- litten die Pferde aua und die Lade kam Ina 
Schwanken. Der prleater girff naoh der Lade, um sie 
m stutzen und viel l« glelohen Augenblick tod nieder. 
ftVon denen, die mir nahe aind, will loh geheiligt sein" 

Ba lat etwaa Unerhörte oefähcllohea un den Bvk;lrk dev 



- 9 - 



Euligionen und wenn das vergangene Jahrhundert geglaubt 
hat, aaran vorbeihuöohen zu können and sloh vor d'ttes 
Heiligkeit Soheuklappen an die Augen maclto, so hat 
es sieh getäuscht. Denn die Folgen, die den Volkakörper 
■errütten, werden nioht auxbldlben. Dadurch, dass man 
sieh die Augen versoaliesst vor Kfankhuiten, die im 
Körper wirken, wird sie nioht geban nt. 

Die Folgen dieser Krankheit, dass man sich mit 
Frechheit an das Höcfas-e und Heiligste heranwagte, kön« en 
nioht ausbleiben. Bs gibt keine weitere Rettung al^ auf 
die sea Wege umzukehren. Sinaäne Folgen brauche ich wohl 
gar nioht erst zu schildern, die sich auf Beden b»eit- 
maohten. Yieileioht verstehen Sie mich nun, wenn ich 



.t 



Ihnen damit sagen wollte, dass die Pluohxeb in die Ver- 
leugnung des Göttlichen eine Bigenscäiaft des 1 9. Jahr- 
hunderts gewösen ist, indem man aui' wissensohartliciiem 
Gebiet eine so ausserordentlich hohe Stufe erreicht hat. 
Vom wissenschaftlichen s+andpunkt aus verdient der Mensch 
des 19. Jahrhunderts g rösste Bewunderung; doch seelisch 
steht er unter den primitivsten Menschen, da,a ist kein 
Zweifel. Wer aie seelischen Aeusserungen der e iniuchsten 
Mi^nschen kennt, z.B. die der Neger, der eingeborenen 
Insulaern, der Südamerikaner, der Australier, der muss 
slohwunaern, mit welcher Klarheit diese Menschen das 
Urheilige fühlen und mit welchf absolutt^r Sicherheit 
Bio d iesem Ausdruck geben. In d en kleinsten Aeusserungen 
des Duala-Negers z.B.: "Behüte mich davor, dass ich mei- 
nen Nachbarn um seine neue Kappe beneide.« z«B. die 
Sudseeinsulaner, d e niemanden weoiten, bevor der Sohla- 

i 

fende von selbst erwacht. Sie fühlen, hier wird der 
if«n8oh seelisch neugeboren. Wir dagegen leben mit der 
flw, leben in die Nacht hinein, wissen vom Tage nichts 

mehr, arbeiten in den Höhlen der Menschen wie 



- 10 - 

wie vor Jahrtausenden die Troglodyten. Wieviel wird z. B. 
mit dem künstlichen Licht bei Tag gearbeitet? Wo ist da 



der ü«tersc4iied, wo der Portschri#tt? Es ist nur Trug und 
Schein, nur äusserlich. Inner: loh ist der Mensch des 19. Jahr- 
hunderts nicht vorwürtsgekommen, er steht seelisch unter den 
primitivsten Menschen. Man braucht z.B. nur an das furcht- 
ba» Massenmorden zu denken. Hierzu fehlt dem primitiven 
Maas(h«n die wissönschaft. 3s gibt einige ganz grosse 
Beispiele von der richtigen Lösung jener oefahr der Flucht 
in die Verleugnung des Göttlichen. Und ich will Ihnen nur 
2 Beispiele hierfür in aller Kürze anführen. 

das erste ist Hl ob« Der angesehene und reiche 
Mann, der vom Sata (d.h. vom Schicksal) geprüft wird. Es ist 
leicht ein guter Mensch zu sein, w enn es einem gut geht und 
man gesund ist. und so wjrd Hieb geprüft: Der Reiche sit2t 
In Staub und Asche von Qeschwüren bedeckt und seine drei 
Freunde kommen :^u ihm und sagen: Kein Mensch wird be- 
straft, der keine Sünde getan hat. Darum bekenne 1 Hiob 
ait wertet:" Ich bin mir keiner Sünde bewusst". Und die 
Freunde begriffen nicht, dass hier ein Mi^sterium ton unge- 
heurem Aasmass von sich geht, das immer wieder .ehrt. Es geht 
manchmal Menschen s ohl echt, von denen wir wissen, dass sie 

gät , Engel In Menscheng stalt an Hilfe und wohltun sind. 

wird 
was geht hier vor? Wrs Hiob tun? der von seinen Freunden 

verschmäht und verachtet wird. Würden wir uns wundern, 

wenn er fluch^? Hier komK;t die richtige Lösung! Dieser 

Mensch flucht nicht. Er sagt nicht, es gibt keinen ö'tt, 

sondern er verflucht den Tag seiner Qeburt. "Ware ich doch 

nicht geboren", dieses Leben ist unerträglich!» Aber seinen 

Mand erhob er nicht gegen a'tt. 

welch« unerhörte stärke äussert sich hier im Beispiel 
Hlobs. loh muss mich hier mit dem Bliok auf andere Manschen 



- 11 - 



fragen; Ist Hiob nicht e in wunderbares Beispiel des 
Jüdisohen Volkes? Aber darauf muss ioh Ihnen ant- 
worten; Der Hiob der Bibel ist überhaupt gar kein 
Jude» D üs möohte ich ausdrücklich betonen: Hier 
kommt das Menschliche zum Ausdruck. Der Mensch tragt 
das Leid der üngewissheit. Br versucht, sich dagegen 
aufüulehntn und es kommt der Augenblick, wo er 
glaubt, es nicht mehr ertragen zu können j wenn er 
es in einem solchen Augenblick fertigbringt, zu 
sprechen wie Hiob und nicht das Göttliche zu verleug- 
nen, dann kommt die Umkehr, dann kommt die Wendung. 
Man sagt nicht umsonst; Wenn die Not am gcössten, 
dann ist Qt*tt am ncichsten. 

las zweite Beispiel ist rast noch er- 
schütternaer gestaltet als bei Hiob und zwar bei 
Elija, wir öffnen am Sederabend die Tür, stellen 
auf den Tisch einen Becher mit wein und erwarten 
den Propheten Elija. Er soll die Brl sung der Mensch- 
heit verkünden. Br ist eine unerhört packende Ge- 
stalt. Br labte in dem nördlichen Reich in der 
Hauptstadt Samaria. Dort standen alie Kulte, ein- 
schliesslich der orgiastischen, aufdem Höhepunkt und 
Elija eiferte als einziger dagegen. All seine Mit- 



kampfer waren 



% -^ • 



m * 4 • »•«:« t i 



hingcmordet, er war als 



einziger übriggeblieben» Und es gelang ihm durch 
merkwürdige Ereignisse den Eönig Achab zu üb er- 
zeug en, da SS er auf dem falschen Wege war« Wielange 
willst Du nooh übet 2 Schwöllen springen* Adaunoj 
eohod: Der Ewige ist ö^tt* Elija glaubt, da^s er 
nun alles erreicht hat und begeht dann eine mc^nsohli- 
ehe Handlung; Er lasst hunderte von Priestern der 
Astarte und des Bai an den Fluss führen uxii toten« 



X2 - 



Obiiüioh ür ^m Unheil kannte, das von diesen Priestern 
ausgegangen war und wus^te. wieviel Korde durch sie 
schon g.sohGhen waren, httttö «r sich in diesem 
Augenblick üburv^inden civsson. Vi '^»1 ^ .^ i cht mre dann 
die GesoUichte anders geworden. Die Königin Isabel 
versuchte mit allen Mitteln über den König Gewalt 
zu beitornruen und den Propheten hinrichten zu lassen. 
Bliäa konnte ur.d v/ollte nicht m hr kcimpfen. In 
oeinur Enttäuschung wollte er in die V/ust© wandeln 
und dort sterben. Er scltlJift ein, an zu sterben, 
denn *^r will nichts raehc von dieser Wolt wissen. 
Bin T^igel vreokt ihn jedoch und gibt im Brot und ei- 
nen Krug mit Wasser und Slija trinkt und e ohläft wei- 
ter. Wir sehen hier den Scldart als Sinibul des 
Kichtmehrrollen^. Wieder wedct ihn der Kngöl. vx 
gibt ihm einen Auitrag; Sr öcikle einen weltlichen 
nicht jüdischen fönig über Israel salben und Slija 
einen Nachfolger, der das a'tteuwort «eiterverkünden 



Die 



würdo. ap*t ist mit seinem Tode einverstanden, 

hachdem Elija seine Aufgabo erfüllt hat. 
ge schichte geht jedoch «iter: Elija ist nicht ge- 
storben, er ist in den Hiijnel gofahren. d.h. or lebt, 
er wauaert. Vielleiclt ist es der Kord an den 850 
Priestern, oder die ui^iht zu ISni o geführte Lebens- 
auf^be. Das Judentum hat dem Propheten Eli^a die 
Aufgabe diktiert: Sr wird kommen am Bnda» der Tage 
wenn die aeochich.e erfüllt ist und das Reich O'ttes 

auf Erden veruünien. 

Elija wäre es nie eingefallen, G'tt zu 
leugnen, weil die Au -gäbe ihn zu schwer war. Ein© 
BCliwere Aufgabe ist vi* lle icht manchrual nicht zu 



• II - 



tragen, aber mehr als sein Loben kann der ^^enßch 
nicht variieren. Er verliert aber ein anderes 
Leben^ wenn er seine Aar gäbe verliert* Das wiesen 
alle iYenschen* Als Alexander der Grosse ein^n 
indiöohen Pursten lebendig verbannte, wasste 

* 

dieser im Tode saug© tibi ick zu sage. ; Wie schön 
ist es, wenn der Körper dä»oh Peuer zerstört w^rd 
und die Seele freigibt für die S^/ugiieit, Daraufhin 
sagte AI 'xander der Örosae: "Du darfst noch einen 
Yrunsch an mich richten." Der Ind. üche Purst ant- 
wortete: "]3u bist in 2 Tagen bei nir" Und in zwei 
Tagen war Al«?xander gestorben. Alle «len^che, die 
vom Religi uns ge fühl erfüllt jind, wissen, dass die 
Enttau. ohung nur eine Etappe ist auf dem 7/^ge der 
endgültigen Lösung ihrer Aufgabe. Es kam oft bei 
den grosr.en geschichtlichen (K'stcaten vor, 6a.S3 sie 
enttäuscht waren. Wi« z.B. iüüb, Elija und Mose, der 
sagte, e^; ist schon bald soweit gekomuen, aass das 
V.'lk mich ereciaagen wird. Diese Schwierigkeiten 
sind nur ein Hinweis darauf, aass die Aufgabe erst 
dann schwer zu werden beginnt. 



« 



Eine zweite Flacht ist die Flucht in die Astro- 
logie und Magie. 

Am besten w-^rden Sie dies durch folgendes ver- 
stei^ien: Bin Mensch, der sich abs4o iut nicht zu 
einer Klarheit durchringt und zum wietaphyai sehen 
bekennen will, der nicht einmal für sich Buch machte: 
Wie wird es einmal mit Dir sein, wenn Da ttirbst, 
wie steht es eigentlich um DiÄ? Bin solcher Mensch, 
der es nicht wagt, diese Prüfung ansaitell« , hat u.a. 



- 14 - 



den Auawög,in die Astrologie oaer Magie auszuweichen 

Sie wissen, dieser Ausweg wird heute violrach t>e- 

die AnarKennung, 

treten, was bedeutet dl« ser Ausweg? Sß bedeutet. 



da SS uns 



■»•'#':*»'♦ 4». ■•• 



ein ünheimliJaes und Q-ewaltiges um- 



gibt. "Dass aber dor Mansch den wünsch hat, über 
diese Gewalt zu herrschen und nicht sich ihm ein- 
zul'ügen. Dieser wünsch ist begreiflich. Bci:ommt 
auch deutlich zum Ausdruck in dem Märchen: Sesam 
öttne Dich. Y.'er hat nicht schon den 'Wunsch ge- 
habt, den Schlüssel zu besitzen, dor alles auf- 
schlie^st, um alles zu beschauen. Die Menschen 
haben es sich in den verschieionstan Formen aus- 
gemalt. Ab^r in die : raxis umgesetzt haben wS die 
Astrologen und Magier. Die Magie ist niclAdie 
Erkenntnis des Dämonischen, sondern der Versuch es 
zu beuerr sehen. An dem und dem Tag ,d- rf st IXi das 
und das nicht tun. bezw. nur tun, denn allos 
andere wird Dir uiisslingon bzw. gclipgon. Ich 
führe nur des Int^-resse halber eine Zeitschrift, 
die noch vor S Tagen hwrausgekocinen ist, die z.B. 
verhaltungs- bz/.-. unt urlaüsungsvorsohr iften für die 
einzelnen 7/ochentage angibt. 



BS 



ist nun interessant, dass diese Rat- 



schläge in ein astrologisches aerand geileidet werden. 
Denn durch Berechnung der Sternenbahnen soll genau 
festgestellt werden, was für die Menschen gut ist. 
Von Individualismus itann natürlich gp.r keine Rede 
mehr sein. Es gilt nur das Allgmeine, denn die 
Sterne kümmern sich doch nicht um Binzelres. So 
gibt es z.B. astrologische Kalender für alle Monate 
und merhere Jahre. An und für sich sind gegen diese 
Ratschläge nichts einzuwenden, da sie für jeden 



'V. 



. 15 - 



Mensohentypen anzuwenden sind und hein Unhell an- 
stiften köniien. v/ir ijtehen hior bei der Astrologie 
am Anfang einer Entwicklung, von der wir noch 
nicht v/ißsen, wohin sie geht. Aber berechnen können 
wir sei, denn die BesouaftilgueB ßii't cl©^ A. ist 
eine Flucht vor der Klarheit, vor der klaren Ein- 
sicht unserer menschlichen und geistigen Verpilich- 
tung. Wir müssen uns eingestehen, dasc wir z.B. 
von dem willen des aöttli.;hen nur durch ganz 
hervorragende Menschen erfahren können. "Dieses 
sind unsere Propheten, die niemals sag. n, dass man 
an dem und dan Tag, das und das nicht tun dürfte, 
sondern: Du sollst keinen Zauberer bei Dir haben . 
Du darfst solche noch nicht einmal leben lassen 
unter Dir. Y/arum dt nn eigert. lieh nicht? Sie 
vernebeln uns die klare Atmosph- re. Ter vyeiss 
denn, was einn-al aus diesem Geheimnisvollen heraus- 
\oxm n wird. Die Menschen hoffen, auf diese Art 
und weise eine ivfecht zu g ^winren ubör Dinge, über 
die Wir nie Macht haben werden. Hier liegt eine 
Flacht in die UnwaUrh it vor. Bei den Menschen, die 
sich damit beschäftigen, findet man häufig eins 
tiefe innere üeber:: ugung und man möchte wünschen, 
dass sie di^se auf etwas andere übertragen würden. 
Aber sie wollen sich nicht zu einem TypüB bekenren. 
Man muss zwischen diesem unterscheiden und jenem, 
nimlich aer Verkütü igung des Orakels, die wiriaicti 
mö^Wi ist. Slchsr haben Si^ schon einmal von 
den griechischen Mysterien-Religion eng,- hört. Ein 
öedanke, der zurückführt zu einem Kapitel, das ich 
noch in e.nem Punkte ergänzen möchte. Die gleiche 
Mfaterien-Reli^ion finden ^x in dem Begriff des 
Orakels zu Delphi, pythla, eine unverheiratete 



\-: 



' '7 



• 16 - 

Priößtörin, vorsotzto aioh duroh aufateigcnde Dampfe 
i Priester/ 

in Ekstase und dann deuteten die den Sinn ihrer Prophe- 
zeiungen um in ?/ccte, Ubör das was kommen sollte. 
SS wären ihnen nie eingöfallen ein Rezept zu güben 
iüT einen Kreis von Menaohen, dio innerhalb einer gewissen 
Zeitspanne geboren sind» 

^ — . 

Wir Juden habon ein derartiges Orakel auch 
einmal gehabt. Die genaue Ueb er lieferung davon ist 
jedoch verloren gegangen. Man weiss nicht, in 
wöloh r Art und Weise "Urim und Tiuttnin (viäLlc-icht 

■ r . 

'■•' - ' 

■♦ ■ ■ • - ■ • •.' 

LiohtundPehlerlosigki.it) zu deuten sini. 

Aber das Orakel war kein Sclwindel, sondern 
die Verbindung eines zur Ekstase neigenden Mensdien mit 
den anderen Sein. Es liegt haarscharf*- aeben dem 
Weg aer Astrologiö, '-M' 

Ich weiss nicltt , ob Sie mich hier richtig 
verstanden haben, viell«^ioht ist jemand unter Ihnen 
der sich mit di 'sen Dingen beschäftigt, »enn man« 
nämlicii sein Judentum erkennen will, dann muss man _ 
sich vorher darüber klar werden, ob man nicht auf ^ 
Falschen »e^ ist. Ich p rsönlich b-^haupte, dass 
der weg der Astrologie ein falscher ifteg ist, weil 
er den Menschen vorlügt, er könne Macht gewinnen über 
das Göttliche. Sr ist aber zu unterscheiden von der 
Prophetie, d.h. der Voraussage der Zukunft. Wenn z.B. 
Pi'ltta Alexander dem »rossen voraussagte; Wenn IXi 
über den Pluss gehst, wirst Du ein Reich zerstören, 
so hatte er nur die Weissagung falsch ausgelegt, indem 
erglaubte, er würde ein anderes Reich zerstören, 
wa..rend er in Wirklichkeit sein eigene! vernioht eta. 
Diese Voraussagungen sind also häufig eingetroffen. 
Man «indet die Fähigkeit, mit dem Qöttlich^n zu sprechen 



- 17 - 



* » 






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also nicht nur bei den Juden« ZtB« Bileam eto« 
waren auch Instrumente das (göttlichen und auch 
in der Bibel fir.den wir eine grosso Prophezciitng. 
Scheor joschuf : Ss wird ein Rest umkehren. Und 
umkehren hoisst: von dem falschen weg auf den 
richtigen zurückkehren* Der richtige Weg ist der^ 
da..s wir alles ^ was an uns herantritt beij^iaite 
lassen und uns endlich eirmial zurückwenden 
\;nd die wort«.- hören: Sieh, o Mensch, ich habe 
Dir gesagt, was Du tun sollst: Liebe und Oorech- 
tlgkeit öolrst Du üben und in Demut wanl ein vor 
Deint^m G'tt» Ditj^e V/orte ström^u ein unendliches 
Licht aus gloich der So ne. 

Es gibt eine VorauskUndigung, aber sie 
ist für uns ganz etwas anderes als riir die Qriechen. 
in ist nicht die Flucht in die Ma^^ie oder Astrolo- 
gie. Bsi den Alten geschah os, das^ man Kinder 
tötete, uro ihr an (Je ist zu berufen, damit er die 

* 

Zukunft voraussagte. 

loh fahre das an, weil man uns Juden 
immer wieder den Ritualmord vorwirrte »ihinter 
steht immer noch der Gtedanke, der sich bis ins 
Mittelalter erholten hat, dass nan die Zukunft 
magisch vorausbestimmen komae und beschwören 
kon te durch den Qeist der Toten* Ich i^ersonlich 
glaube , dass Sie si h vielleicht gar nicht mit 
diesen Dingen beschäftigen und sie nicht kennen, 
aber wenn ich davon spreche, ist es datum, Ihnen 
zuzoigen, dass das Judentum uns vor Irrwegen be- 
wahrt, aass wir nicht eine Flucht mitmachen sollen, 
darum kann ich nicht daran vorbeigehen, über Astro - 
logie und Magie zu sprechen. Ich habe Ihnen di-se 
Dinge genannt^ da sie so haarscharf nebeneinander 



- 18 - 



liegen. Die alten ariechen haben mit ihrem Orakelwesen 
das Sichvertiinigön mit dem (Jöttiichen versucht. Wir 
wollen nicht herrschen, sondern uns vereinigen mit 
der dotth it. Undö»tt wird und tragen, vi^ die Athmos- 
phäre uns trägt. Sin Flugzeug könnte so nfccht r liegen, 
una so kann uns das Qöttliohe tragen^ w ön:. wir \xm nur 

hinw^inschmiögen* 

Wir Juden hahöa die klare Offenbarung: aib 
Dich dem (Jöttiidien hin, wenn Du hörst, auf dita, was 
a'tt Üir sagt, dann wird a» et Dir alles geben, w as zum 
Olüok notwendig ist. Das ist keine Abreclnint;, jonderu 
das Oute, das durohauü dön rechten Weg verfolgt. 



' i_. 



' Dem zweitaiweg, den ich Ihnen aöhilderte. 



füg* ich nun den dritten an 

Flucht in den Historizismua. 



Siew issen wieviele (jeschichtswerke entstanden 
sind. Alles muss eine öeschiohte haben, auch unsere 

» .•■.-■ 

Familie, sogar die Odschichte der Flohdre^üur --to. wurde 
n#ieder gelegt. Die £iöniJchon sind von ein~m Taumel ör- 
griffen: Heber alles muss eine (Hjsohichte geschrieben 
werden. Man muss wies n, wie es früher gewesen igt. 
Ueberall gibt es eine Historie; In der Kultur, in der 
Zivilisation, der Medizin, philosoi-hie, Kriegagcsuhiciite 
etc. etc. Ich lehne die Geschichte an und für sich 
nicht ab, aber ich kenne jenen Punkt, wo der Historizis. 
mus nichts anderes mehr ist als die Flucht in die Änt 

fernung vom Qöttliohen. 

Vas ist Historizismus? S« ist in seiner tiefsten 
Form etwaa i^iagisches. Man glaubt nämlich, dasa dadurch, 
dass das grouae Beistehende schon eins Vorfosn hatte, 



ef-v 



- 19 - 



\V-^. \ 



■ i 



•ff .1 



das wunder des Seins geklärt zu haten. Man meint, 
well schon vor 100 Jahren j< mand gleichen Hamen» und 
gleicher Familie dagewesen ist, dadurch in der (^egen- 
war vielleicht irgonAeine Frage li iditer gÄost wer- 
. den könnte. Der Eutlonalismus findet seine üeher- 
. stei erung im Historizismus. « .. 

Der Historizismuß sa^, man müsse nur die Gtesohiehte 

der Juden kennen und wir sind erlöst» Das ist nicht 

','■.■ • ' • . , • _ • ' • 

wahr« v;as haben sie dc<.vün^ das^ sie wissen^ wie der 

Hergang der <*eschichte war. Vor Jugenvllichen würde 

. ich T\atürlich nie so sprechen und mich so ausdrücken, 
da ich möchte, dass sich die Jug-^md mit d#öesch.beschal*ti 
aber Ihnen gegen b er kann ich eing stehen, dass man 

auch bei der Öeschichte sich von wahren Judentum ent- 

kernte 

Zum Beispiel begehen wir jetzt den 8oo jährigen 

Geburtstag von Maimonides, dem grossen ablehrten , der 

Heriliches geleistet hate Igfeberall wird dieser grosse 

Mann gefeiert und durch seine Leittungcijn durchaus mit 

> 

Rechte Es gibt aber eine grosse CJrupje von Jude i, 
die diese Peier nicht m itma che n ?/ollen. Warum? Ich 
habe das im ersten Augenblick nicht begriffene Und 
man macht ihn-n den Vorwurf, dasß sio hyperorthodox 



seien» 



Ihre Begründur^g ist: Wir wehren uns dagegen, 



dass man den gro. sen Maimonides als eine GK^schichts- 
gestalt verh'^rrlicht, anstatt nach seinen Wegen und 
Vorschriften zu leben. Di se Leute wollen nur die 
Gefahr des Historizismus vermeidene Denn er hat 
ja ungeheure Yferke guschrieben, nach denen man leben 
sollte und müsate^ jedoch das hat man vergessen. Man 
erkaint ihn an und hatd elt nicht naoh seinen Vorschrift-- 
ten* Wir finden den gleichen Gedanken in dem Klopp«- 
stookschen Üitat: "Wir Dichter wollen weniger ver- 



- 20 - 



^1» ■■ .,, / 



herr licht und mehr gol sen seiu. 

Das Judentum nun forciert Vermeidung aller 
Irrwege, und oin ßolcher Irrweg ist auch der Hiöturi- 
zismaBt Man t^oll öich iiv;exr mit der iies.^hichte be- 
scheiftigenj wer aber n öeschichte glaubt, wie an ein 
magisches Wunderwerk, der ist auf einem Irrweg, der 
nicht weniger in die irre Tuhrt als die übrigen, die 



ich Ihnen genannt habe 



\ 



Ich ü^öchte nun noch kurz abschliotjüen mit 
dem 4. Irrwog: Die Flucht in den Aesthetizismus. * 
Ich iE|; glaube, diese Zeit ist vorbei. Es gab aber 



- \ _ . '. . V 



gar 2 b.ötimnt eine perioae, in der man in der An- 
betung der iiunat und Wiss'^nüchaft eine vollküi:;j:nen inner- 
liche Befriedigung gefunden hat. Kunst ist etwas 
Gkittlidaes und der wahre Künstler ein Prophet. Der 
IQinötler hat die Fähigkeit , mit seinen Mitteln den 
göttlichen willen auszuaprech n# Der ialer, der • 
Bildhauer, der Architekt hat die Fähigkeit, etv.as zu . 
ger>talten, vvus wir anderen nur fiihlen* Der Aostheti- 
zismus ist eine Verirrung in die Form. Der Künstler 
soll nidi t die Foru anbeten, sondern mit Hilfe der 
Form einen Gedanken Inhalt ausdrucken* Alle "isnien»^ wie 
Kubismue etc. legten nur noch Wert auf diese Formen, 
obwohl sie behaupteten , einen Inhalt aus2udrückenl 
Di» Form macht den Künstler. Bei den wirkli oh grossen 
Künstlern schmiegt sich die Form wunderbar ein in de n 
Weaensinhalt, den er of^orLbaren will. In dem Augen- 
blick, in den- nur noch die i'onn angebetet wird, ist 
es nicht menr Verldindigung des Göttlichen, sondern 
er iat Spieler geworden. :Demi der Aesthetiziisinus ist 
etwas Spieluri seine«. S« ia- in wirLlioakeit nichts 
anderes als eine PI cht irnr der ewigen virkJiohk*it 



ff. 



- 21 - 



des Oottlichon. iOan hat geglaubt, man könna widiLig© 
Lebonsfra^en bcülö^^Qn, renn man üio nur in l.Uniitle- 
risohe Porm kloidete, and hat darüber vergossen, 
dasö der vraJare Künstlt-r in seiner Form das GK^ttliuhe 

veriiundet# ^ . ■ v 



■-l': 



loh hab3 heute abend vercu^jht, Ihnen 4 Irrwege 
aufzuzeichnen. Die Pluoht vor dem aüttlidien ist 
im ersten Falle die Verleugnung dus Göttlichen, die 
die (Jrüßöten orfasste, ebenso wie im Falle des Aesthe- 
tizicmus wirklich gross veranlagte Menschon davon 
betroffen wurden* 

• . * - * 

'f * . "■ . ■ ■■'»■' 

Der Kistorizismus ist eino allgoneine Oefahr. - 
Br hält die Menschten ab vor der richtigen Prüfui"(g • . 
seines Weg s und Stand ortoSt Und dus^ v;as in uniäerem 
tiefsten Innern im Dunkeln w allt, ^ras einen In Angst 
versetzen liönnte, da man nicht v/^iiss, w^s werden kann 
SS Astrologie, werm ich nun gesagt, habe, es ist die 
Aufgabe für uns, unsere 2ugeaÖrigkeit zu einem meta- 
physischen und religiösen Typus zu erforschen, so habe 
ich durch Irrwege aufgezeigt, wo die Grenzen liegen, 
bei denen man nicht ausgleiten ciarf . Schon die Bibel 
kennt die aefahr, nur in ihrer Sprache. Ich erinnere 
nur an Joremia. 

lUcht rühme sich der V»^eise sein^or Weisheit 

nicht rühm«, sich der Held seiner Stu^rke 

nicht rühme sich der Reiche seines Reichtums 

sonder u in folgendem rühme sich der Mensch : 

der sich rühmen will: 

dass er versteht und mich begreift 

dass ich der Bwrige bin, der Liobe übt 

und Recht und Gerechtigkeit auf der ßrdan. 

D«ran habe ich Wohlgefallen, 

so s, räch der Swige. 



- 22 - 



» 



S 



Dar psalmißt sagt: Wenn man uoch jJO sehr versucht ^ aas- 



Xtt*Yüicli<äri^ es ,^eht nicht^ denn: 

wohin üoll ich riiöh^n vor Itöinan &eist 

wohin könnte ich mich entf-rnen 

^^enn iah .n den üiDtnel hlnc^inst ige 

und ^i^v^ ich mich in die Gruft bette 

und 7;enn ich die Flügol aor iviorgenröte trüge 



• •••••# 

• • ••••• • 

• ••••••• 



Meine Uamöii und Hertai | 
. Verstehen Sie di se Sprach». Es ist etwas 
unerhörtes dieses jüdlßche Eins-iJitigkeit, aber sie 
ist di .' Einseitigkeit des Mensohen, der auf dem 
höchsten Berge steht und dio gam.ö Oebirgßkette Uljer- . 
soliaut. S3 ist eint. Binöeitigl^ait , auf der nan alle . 
Irrwege u nd ?ehler verrvidet*. 

loh vrollte Ihnen die Fluchtwege beschreiben 
und gleichzeitig angeben, ir->ö daj Judentum unter dem 
rechten %'eg versteht* Und im nudiaten Mal will ich 
eine Rei/he von Fragen lili^^^ren, wie man den 



.» ^-'it;» •♦*•§•.•'• .'»:•* 



Inhalt des Judentums praictisch gestaltet, die jüdisch- 
religiöse Ethik und das jüdische Recht. 



\ 

/ ' 



V 



Meine iBamen und Herren ! 



1 



i. 



Ich begrüsse Sie und freut^ tnich,d.ass Sie das "Wetter 
nicht gescheut haben, denn heute abend könnte man wirk- 
lich den .en, dass man vielleicht von dem Regen und dem 
Sturm draussen mehr beeindruckt wäre, als von geistigem 
Streben und ich könnte bestimmt keinem Menschen einen 
Vorwurf daraus machen. Darum dunke ich Ihnen und freue 
mich, dass Sie gekommen sind. 

Das neue Kapitel, dase ich heute vor 8 Tagen 
angeschnitten habe, ist vielli^icht noch nicht vollstän- 
dig in der Absicht herausgekommen, die ich damit ver- 
bundei. habe. Es liegt daran, dass hi^r ein neuer 
Gedanke ber..hrt v/orden ist und ich v;erde es so machen. 



w 



ie bisher immer, dass ich denselben Gedankengang in 



alier Kürze noch einmal darlege; aber nicht in der 
weise, dass ich das gleiche Problem wieder hol-ge, t;ondern 
dass ich zugleich noch weitere Ergänzungen hinzufüge. 

« 

Y/enn'Sie zurückdenken , so wird Ihnen am besten in Er- 
innerung sein, dasj ich zuletzt gesprochen habe über 

da/ 
" Religiöse Typen". Wie aber kam ich za?3üa, diese Typen 



zu erörtern? Dadurch, dass ich Ihnen gleich zu Anfang 
darlegte, dass jeder Mensch irgendwie eine Beziehung zum 
Unendlichen haben mUsste, ob er will oder nicht. 

wenn er nicht will, wenn er sich s einer Beziehung 
zum anderen Sein, wie man eü nennen will, Sie verstehen 
mich wenn er sich aieser Beziehung nicht etv;a l^r werden 
möchte, so kommt er doch zu dem Bewußtsein dieser Be- 
ziehung spätestens in dem Augenblick, da der Todes - 
gedanke in ihm aufsteigt und wenn er sterben muss. 

Ich meine nun, ein Mensch, der doch vor eine 



«r 



- 2 - 



l' 



t 



geistige Situation gestellt wird, der er nicht aus- 
weiohün kann, der soll nicht warten bis endlich ein- 
mal die Situation sich sü verschärft hat, dass er 
gar nicht mehr ausweichen kann. Der Mensch soll nicht 
wie ein Tier auf der Treibjagd sich hineintreiben 
Lassen in jenen Augenblick, sondern bev.'U..st die klare 
Einstellung zum unendlichen nehmen, und jeder Mensch 
hat solch eine Einstellung zum unendlichen. Ich 
habe diese Stellung gefächert dargulegt soweit ver- 
schiedene Arten auf der Brde überhaupt möglich sind. 
Es gibt verschiedene religiöse Typen. Ich ging 
aus von der Erörterung über die G-rundauffassung des 

Judentums. 

ich habe dargelegt,, dass Judentum für uns 

grundsätzlich zentralreli^^i öser Lebens Standpunkt 
bedeutet. Ich habe das an den Anfang gestellt, um 
Ihnen zu sagen, v/orauf ich hinauswollte. Ich weiss 
wohl, dass ich niohts beweisen kann, aber ich Kann 
Ihnen vieles verständlich machen. Ich opfere den 
Oedanken, da.s ich nichts beweisen kann dadurch, 
äass ich meine metaptosische Auffassung über dus 
Judentum ganz klar in den Anrang stellte. 

und als zweitt^s Ji^pitel fügte ich den 
Gedanken des "Am Kodausch" ein. Der zentralreligiöse 
Lebensstandpunkt ist dl e Ausweitung des religiösen 
Urerlebnisses. Ich habe das in aller Kürze dargelegt 
und bin dann fort geschritten zur Erörterung der 
Erforschung der Religiösen Typen. Nun will ich 
dazu übergehen, jene Ausweitung des jüdischen Reli- 
gionserlebnisses auf das gesamte Leben näher darzu- 
stellen und zwar für gewisse GebiAe, die unmittelbar 

aktuell für uns sind. 



- 3 - 



Wir 



^ 



loh hübe heute vor 8 Tagen ein Kapitel eingeschoben 
aus einem metaphysisch-pädagogischem Gesichtspunkt 



heraus. 



V/oher kommt es eigert lieh, das3 die Menschen 



sich nicht zu ihrer metaphysischen Einstellung be- 

kennen wollen? Es ist durchaus nicsht etwa so, wie 

von 
es vielleicht mancher Söite irgendwie auxgei'asst 



w 



erden könnte. Ich will niemanden zum relig lösen 



Stadnpunkt des Judentur^s bekehren. Das iSegt mir 
durchaus fern. Sondern ich habe dargelegt, dass es 
Umstände gibt, die eriddren würden, warum ein Mensch 
sich nicht hindurohfindet zu seiner metap^sischen 
Ureinstellung, zu seiner persönlichen Religion. 
Ich habe diese Hindernisse heute vor 8 Tagen darge- 
stellt nicht systematisch sondern rein paiaktisch. 
Ich habe einige Beispiele herausgenommen, die unter 
ganz bestimmten Gesichtspunkten eine Rolle spielen. 
Als erstes dieser Hemmnisse sehen wir jene eigen- 
tümliche Situation der Q'ttesleugnung. Es kommt 
bei manchen, ox't den bedeutendsten Menschen, der 
Augenblick, in welchem sie sagen: Bas Göttliche kann 
nicht vorhanden s.ein. Es gibt k.in klares ziel- 
bewusstes Regiment dieser Welt, weil sie persönlich 

eine g«aaz tiefe Enttäuschung er-lebt haben. Das 
sehen wir bei Elija ben abuja, einem gewaltigem Ge- 
lehrten, der durch ein Erlebnis zu dieser ueberzeugung 
gekommen ist, dass es keinen Erlöser gibt. Es gibt 
g:einen Lohn, wie es in der Thora geschrieben steht, 
also gibt es auch kein Göttliches. Aus Bseinem Grabe 
loder-te ein ewiges Feuer, bis Rabbi Meir für ihn 
Erbarmen bei G'tt erlangte. Dieses lodernde Feuer 



- 4 - 



1 



ist ein bildliches Sirmbol für einen aeda.,ken,xÄ ter 
unrichtig ist und sich vorzehrt. loh gehe Ihn.n 
echt und recht eine Losung dieser Situation der a-ttes 
«leugnu« in aller Kürze, dargestellt an Ilioh, dem 
grossen Biohtjuden der Blhel, der von S'tt durch 
Leiden ged*nütigt wird Ws auf den arund, in seiner 
aesundheit,- in seinem Reichtum. ' Bei dem, der mit 
grauslichen Qeschvtoen bedeclct auf dem Boden sitzt, 
finden wir. dass er nicht in die (J-ttesleugnung um- 
kippt, sondern wie hier ein starker gewax g 

+ -cv wprf lacht nämlioh den Tag 
zum Ausdruck kommt. Er verixuwio 

seiner Geburt. 

Z.b. finden wir in einem Disput im-Talmud, wo 

zv;ei gros.e Schüler des Schamaj und lüllel 2 Jahre 
lang Sich gestritten haben, ob^ es gut sei, dass der 
Mensch geboren sei oder nicht. Nach 2,ähriger scharfer 

h«t ran abi^estimmt: taaOL die MajoriXc^t 
Untersuchung hat Cxan aü^cöo* * 

v^co^v =5ei der Mensch wäre nicht 
war dailir, dass es besser sei, 

^■ur^vQvi i <5t da untersuche 
geboren. Nachdem er aber geboren ist, da u 

. -vo Ar sich eben in der Untersuchung 
er seine Taten, da übe er sicn eoc 

^^ ,«aa OC5 -hei den Mensda en 
der Wahrheit. Das Schwierxgste, was es bei 

V, «-0= rtass ich nichts weiss. Diese 
gibt ist: ich weiss, dass icn 

+ «c T?s ist doch auch so, 

Br..enntnis ist von sokrates. Es ist 

aass man mit dem biSc.en Licht unseres Verstandes nur 
ein klein wenig das Dunkel um uns durchbricht. Aber 

^ Verzweiflung in der Frage der Bc- 



jene grosse 



■0:^:m:t 



Die Vernunft ist 



•i< 



kenntnis kann kein Mensch beseitigen. 

. ri^c nns nur ein klein . enig hinein- 
eine elende Krücke, die uns nur ö 

• ■L.-4- ^nv^Q das uns hinaus- 
führt ins Metaphysische. Es gibt eins, das un 

, -. T nP« Pluezeug, das die Brdgrenze 
rührt aus dem Dunkel. J-.nes Plugz ug. 



5 - 



% 



überwinden könnte und uns aus der irdischen Ge- 
bundenheit h rausrührt. Man sagt: Glaube ist richtig 
udn i'alsch. Es l^omint darauf an, was man sich denkt, 
jene gev;altige Intuition ist es, die den Menschen 
imnitten allem hält und bindet ;wie die Schiffchen 
am Karussel, so wird der Mensch doch hochgehalten 
durch die Bis^nstange des Glaubens. Diese Ver- 
bundenheit hat Hiob gehindert, G'tt zu leugnen. 
Es gibt überhauj)t> gar keinen Juden, der nicht von 
dieser gev/altigen symbolischen Gestalt ergriffen 
würde, nämlich von der Gestalt des Hiob. 

Es gibt ausserdem noch eine andere Gestalt, 
den Propheten Elija, der für G'tt geeifert hat und 
der in der V/üste sich niederwirft, um in den Tod zu 
sciaafen. Wie G'tt ihn weckt sagt er: "Geeifert habe 

ich für iöich und sie haben alle Propheten G'ttes. 
getötet, Ulli ich allein bin übriggeblieben und will 
nun nicht mehr". Ihn hatte jene Mia.tigkeit überfallen, 
die den Menschen überkommt, Wenn seine ganzen Hoffnun- 
gen und Bemühungen ihm ©rstört sind. Und dieser 
Prophet, der in dem Himmel gefahren und nicht ge- 
storben ist, ist das Beispiel dafür, dass das Judentum 
uns führt 'und lohrt, nach der Wahrheit zu suchen, 
auch wenn man nicht mehr kann und nicht mehr will. 

ES gibt «ine Möglichkeit die Y/ahrheit ^u suchen. 

Elija ben Abuja, Hiob und Elija 
An diesen 5 Gestalter^habe ich versucht, 

Ihnen die falsche und richtige Antwort zu geben inder 
Frage der G'ttesleugnung, die den Menschen befällt. 
ES kommt bei jedem iv^enschen einmal der Augenblick, 
in aem er sich sagt, es gibt gar kein Göttliches, es 
ist alles sinnlos. Man kann dabei hangen bleiben, 

wie die Mücke am Leica. 



- 6 



i 



•»-. 



Aber man muss sioh lösen, denn die Antwort ist falsch. 
Aber daj wird erst vollkommen sichtbar werden aus 
dem Ueberblick, den ich Ihnen noch geben werde. 

Tte.s 2. Hemmnis habe ich dargestellt indem 
Begriff des Aestetteizismus , jener Auffassung, die 
heute nicht mehr vorhanden ist. Vor einigen Jahren 
war sie noch bestinmit anzutreffenj aber di. Zeit selbst 
hat diesen Aethetizismus als lebunsunwichtig ge- 
zeichnet. Es ist auch eine Flucht vor der Not- 
wendigkeit, seine metaphysische zu definieren, ei- 
nen Standpunkt zu haben. Unter Aesthetizismus ver- 
stehe ich nicht etwa die echte Kunst. Dieae unter- 
scheidet sich vom Aesthetizismus durch den Inhalt. Der 
Aest.. tut so, als käme es nur auf die Form an, 
gar nicht mehr auf den Inhalt. Es sind immer neue 
«ismen«. aufgetaucht und der Inhalt ist ganz und gar^ 
vergessen worden. Die echte Kunst hat den Inhalt 
und eine grosse Form. Denken w.r nur an die grossen 
Ivlaler, Bildhauer, Dichter und Architekten. Der Aest. 
war etwas Schaumgeborenes; Schaum, der sich auf dem 
ungetrübten Meer der echoen Kunst wie ein Hauch be- 

wBgt hat • 

Die echte Kunst mr ste^s im Judentum 

vorhanden, ^uoh in der neusten Zeit. Denken wir 
an Liebermann, Elkanusw. In der Bibel sohon kommt 

1. v,^v,c.+i p.!- vor mit einan vainder- 
ein grosser jüdischer i.unstler vor, 

t:>o -iQt wirklich etwas Herrliches in der 
baren Namen. Es ist wirKxioa 

Bibel: Jeder Name hat eine Bedeutung. Bezal'el hat 
alle grossen Kunstwerke in der Stifshütte geschaffen: 
Bezal.el ist gleich = unter dem Schatten a'ttes. 



- 7 - 



Der echte Künstler arbeitet unter dem schatten 

Q-'ttes. 

Ich möchte einmal ein Kapitel einfügen üer 

die Mittel des religiösen Ausdrucks. Die echte 

Kunst ist ein religiöser Ausaruck. Der Aest. ist 



glöiclisam nur ein Schein vun diesem Ausärucksmittel, 
ec ist nur ein Y/eg der Flucht vor dem BQi-önntnis 
seines metaphysischen Standpunktes. 

Das 3. Hemiinis ist der Historizismus. Viel- 
leicht bin ich hier am wenigsten verstanden worden, 
il dooh der Gedanke nicht unmittelbar nahe liegt, 



we 



obwohl man die Erscheinungen kennt. Es ist psycho- 

/. 
logisch vielleicht für die hiesigen Verliältni-se 

gar nicht entscheidend. Der Eist, hat in der Frage 

des Nichtbekennens seines metaphysischen Standpunktes 

eine grosse Rolle gespielt. 

Metaphysik bedeutet, das», was jenseits 

alles Körperlichen ist, Dieses vollkommen Andere 
im Geg nsatz zur körperlichen Natur. Dieses voll - 
kommen andere wird anerkannt durch Kart . Er hat 
gesagt: Das Ding an sich. Man kan.. es an sich nicht 
ernennen, aber nur den Schein eines Mnges an uns. 
Der Hist. hat keine Stellung zur Frage der Meta- 
physik genommen, weil er sagte; Ich verstc^ie etwas, 
wenn ich seine Geschichte, seine Entwicklung kenne. 
Denn dann bin ich darüber im Klaren, was es bedeutet. 
Es ist ein berückender Standpunkt und ganze Genera- 
tionen sind darauf hereingefallen. Ich meine jenen 
Punkt, wo der Hist. ins Metaphysische hinüberkippt. 
Nur im Laufe der Jahre ist etwas Neues daraus geworden 
iDenken Sie nur einmal an die vielen Bestrebungen 
der raLigiösen Entwicklungen. Es ist unglaublich, 



- 8 - 



was auf dies m Gebiete sich die Denker alles geleistet 



^ 



^1 



haben. Ausgegangen von 



der Religion der primi- 



tiven, dem Animismus, blieb zuletzt eine verklärte 
vom Verstände zu rekonstruierende Ethik übrig. 
So hat man mittels der historischen Darstellung das 
Wesen der Religion entwurzelt. Dieses ist eine Ent- 
wicklung, die sich erst im Laufe der Geschichte her*^^- 
christallisierte. Aber es gibt in geistigen Dingen 
eigentlich gar nicht solch e ine Entwei cklung . Dies 
ist nur ein Aberglaube. Schon in der Bibel steht: 
Du sollst nicht morden! Das wurde vor 3500 Jahren 
gesagt. Könnte man s ich vorstellen, dass in Millionen 
Jahren einmal ein anderes ethisches Gebot sich ent- 
wickelt haben könnte» "Du darfst morden!" ? 

Das ganze Schaffen ist nicht rational berechen- 
bar. Nicht darstellbar durch die Begriife der mecha- 
nischen Entwicklung. Es ist irrational. Der Histo- 
rizismus hat viel Untieil angerichtet, jedoch möchte 
ich im Moment nicht mehr darauf eingehen. 



Als 4. habe ich die Astrologie und Magie an- 



geführt. 

Man könnte darüber einen Winter lang spre- 
chen. BS ist ein ungeheuer gefährlicher Ausweg. 
Es ist ein Hammnis, das eine gewaltige Rolle spielt, 
wer sagt, dass die Astrologie keine grosse Rolle spiele, 
der hat die Zeit nicht richtig beobachtet. Sehen sie 
sich doch einmal die Zeitungsständer an, Sie finden 
dort eine ganze Reihe von astrologischen Zeitschrii^- 
ten, von denen wohl einige verboten, aber in^nerhin noch 

ehr er e zu verkaufen sind. 

Astrologie und Magie spielen wie gesagt 



eine 



ungeheure Rolle. Sie bieten die Voraussetzung, 



dass man sein Leben beherrschen, bzw. voraussehen 



1^ 



- 9 - 



kann, wenn man den Laui' der Gestirne kennt. 

Was bedeutet aber diese Auffassung? Sie 
bedeutet, rCatt sich klar zur v/irklichkeit hinduroh- 
zustossen, stattdessen sich mit einen Nebel von Vor- 
stellungen behängt. Sei es für sich oder andere, 



we 



r die Zukunft voraussagen kann, lebt auf durch 



diese Macht. Es ist eine Ableitung von den Preiestern 
der Perser, der Begriff des Magiers, den wir in Zoro- 
aster finden. Die Magie hat etwas, was den Menschen 
in Bann schlagen kann. Es ist wie ein Hinweis auf 
das Märchen, d^-S den Menschen vorgaukelt, er könnte 
über alles Macht gev/innen. Zugleich danobengesxellt 
ist die Frage, ob es nicht unter einem höheren Ge- ■ 
sichxspunkt eine echte Art von vbrausverkünl igung 
gibt. Ich habe dabei auf das Orakel hingewiesen. 
Es iJJt diese echte Art der Vorausver. ündigunjj, dass 

' ' ' ' ' ' ■ 

ein Mensch wirklich fühlt, was kominen wird; denn 
es gibt in Wirklichkeit die Mögliclikeit, etv;as voraus- 
zuspüren. EinMensdi, dei^f in natürlicher Umgebung, 
wie auf dera Lande lebt, ist viel reifer für solche 
Dinge. Es gibt wirklich einen Schicksalstraum etc. 
Das beruht auf einer anderen Voraussetzung . Schon 
die ariechen haben sich durch da,s Orai^l von ihren 
Priestern, die Voraussage machen lassen, dass sie 
Binsw>.rden mit dem G'tte, und durch diese grosse Schau 
versuchten sie einen b.stim ten Gesichtspunkt für ihr 
Leben zu bei.omiuen. Reiche zwei eigenartige Vorgänge 
liegen hier haarscharf nebeneinander?, dessen Unter- 
schied zufli.Teil im Wunsche des ivienschen liegt? 

1, Der Mensch will eine magische Macht ausüben 

2. Der Mensch will nur Werkzeug a»ttes sein. 



- 10 - 



BS ist v/ie bei jeremia, der nicht der Bote &«ttes 
sein will, wei:. er sich vor den Mens cuen fürchtet* 
Er sagt, er sei zu jung, etc. Aber da erwidert G«tt: 
Ich mache aöich zur eisernen Mauer gegen die Pursten. 
Er ist nur der Bote a*ttes und und muss ausführen, 
was G-'tt ihm sagt. Er musste einfach sprechen, da er 
von G-'tt hinausgestellt war und dieses ^ürte. Dieses 
ist ji^doch etvfas vollkommen anderes, als jene unheiligen 



Zaubereien. 



In der Bibel steht. Du sollst die Zauberer 



nicht leben lassen. Auch die Römer verurteilten die 
Zauberei, ebenso wie die Babylonier das Zauberwesen 
bekämpften. Und wir finden es auch für alle Zeiten 
festgelegt, denn es steht auf der Han^urabi-Säule auf 
dem Hanur ab i- Gesetz, dass Zaubereien verboten sind. 

Alle 4 angeiührten Auswege sind Hemmnisse 
auf dem V/ege, sich zu seinem Standpunkte zu bekennen. 
Und ich konnte noch eine grosse ^*'enge anderer Auswege 
diesen hinzufügen. 

Ich möchte denjenigen, in denen die Frage 
auftaucht: V/oher kommt es denn, dass sich ganze Gene- 
rationen dem vershhliessen, sagen, dass ein Maasch gar 
nicht aus- weichen kann , dass er bekennen muss. V/eiter 
antworte ich darauf nicht etwa: ^Teil sie erkennen, in 
der Richtung liegt nicht die ^mhrheit, sondern weil 
sie sich einfach nicht von dem Sein haben in die Enge 
treiben lassen. Wir sind alle einmal in der Situation, 
dem Qöttliohv^n gegenübertreten zu ^jüssen. Seien wir 
mutig und wollen wir es tun in dem Augenblick, *n dem 
uns der Ernst der Situation dazu zwingt. 



- 11 - 



Wenn ich nun übergehe zur Frage der .jüdischen ETthik , 



i 



so verfolge ich n. cht den Zweck, Ihnen ein 



_j , • 



■•f • t'-w^''9,'t:-*.' 



System der jüdischen Ethik darzulegen, das würde 
zu weit führen. Ich will heute die judische Ehtdk 
erörtern um-erldetn gleichen Gesichtspunkt, unter dem 
ich bisher alles betrachtete und zwar von Starüpunkt 

des Judentums. 

Ich spreche über die Frage: was ist Judentum. 
Ich will keinen bekehren, sundern nur ausführen, 
dass hier die Wahrheit für uns, lür unseren jüdischen 
Typus liegt. Inweichem Zusammenhang steht die jüdische 
Ethik mit dem jüdischen Typus? ¥as versteht man denn 
überhaut>t unter Ethik? Es gibt darüber ein ganz 
philosophisches Fach mit allen möglichen Merkwürdig- 
keiten. Man unterscheidet nach dem Ur^rung, nach 
dem Objekt, nach der Form. 

' Sagen wir z.B.: V/ir verstehen unter Ethik 
all das was der Mensch handelnd tut oder auch handelnd 
nicht tut, in jeder Beziehung, die irgendwie eine Be- 
ziehung besitzt vom Handeln des Menschen zum Ewig- 
metaphysischen, wer einen Menschen neben sich ver- 
hungern lässt, tut eigentlich gar nichts. Atier 
trotzdem hanielt «r in seinem Nichthandeln unethisch, 
und gegen unser Gefühl. Wenn z.B. jemand bei einem 
Mörder, der hingerichtet werden soll, von Mitleid 
erfüllt ist, so urteilt er im praktischen Leben unter 
einem ewigen Gesichtspunkt, der ihm nidat klar ge- 
worden ist. wenn z.B. einer glaubt, das Recht zu 
haben, Tiere zu töten und Mensdi en zu zertreten, so 
hat das irgeniwie eine Beziehung zu seiner metaphy- 
sischen Voraussetzung, und di-se Beziehung möchte ich 
darstellen und darauf von vornherein eine Antwort 

geben. 



- 12 - 



Man kann nämlich in der Frage der Ethik nicht irgend- 
etwas behaupten oder vom Verstände ableiten. Das ist 
einer der grossen I rrtümer, dem z.B. auch Kant anheim- 
gerallen is-^, eine l'ormale und materielle Ethik. 
Die formale ETthik ist deutlich ausgedrückt durch den 
kategorischen Imperativ: "Handele so, wie eigentlich 
alle Menschen handelA müssten. Kant hat gesagt: Handele 
so, dass die Maxime Dein s Handelns zum allgemeinen 
Grundsatz erhoben vferden könrt e. F^nt setzte dabei 
voraus, dass sie in der Rücksicht, auf das gemeinsame 
Leben läge, ita Sozialen. Und darin hat er sich merk- 
würdig getäuscht. "Handele so, wie alle handeln soll- 
ten", damit habe ich noch nichts aus gesagt, über die 
Mein ng eine^ Menschen. Ich könnte mir vorstellen, 
dass ein Gev.altiger sagen würde: "Bitte stellt alles 
nach diesem Prinzip des kategorischen Imperativs rich- 
tig. Man könnte z.B. durchaus Scigen: es ist möglich, 
dass er nach dem kategorischer. Imperativ richtig ge- 
handelt hat; denn Kant hat gedacht, anders könnte kein 
Mensch handeln, wenn er sich nicht selbst schädigen 

v;ollte. 

Dass man den kategorischen Imperativ auch 

anders auslegen kann, das beweist ein Tyrann des 
Altertums, der nach dem Grundsatz handeltet: Ich 
tue, was ir gefällt und was ich für richtig halte, 
handelt ihr doch auch so, ich werde mich schon erhalten 
und durchsetzen. Kant hat jedoch vorausgesetzt, dass 
ein Mensch so etv/as nicht denkt. Der 

gnL kategorische imperativ gibt uns keine m^i^- 



« ^"o»«r. 



i'ori.ale 



' A ^b 4^ /'S ' tf wä 



keit, einen Sprung zu machen zur mai^riellen Ethik. 



- 13 - 



Kant hat aus begreiriichen G-ründen diosen Imperativ 
so farmuliert. Er war nämlich in seintm Leben ein 
streng Trommer fietist und als solcher erschien es ihm 
selbstverständlich, dass ein Mensch nicht stehlen und 
morden wird, und weil er so dachte, hat er ohne weiteres 
angenommen, die Formulierung väirde genügen: Handele so, 
dass alle auch so handeln müssten. Der kategorische 
Imperativ hat eine gewaltige Bedeutung. Man muss 
nur den Unterbau, der verhüllt ist, klar hinstellen. 
*"^an muss z dgen, dasü in wirkiictikeit der kategorische 
imperativ ein Denkmal ist, des auf einem Sockel steht, 
der ti^t im Metaphysischen verankert ist. 
Es gab Mensdien, die wussten, was aut und Böse ist. 
und zwar aui' Grund eines Vorganges, den man Offenbarung 
nennt, iiaben sie es einfach gei^vusst, 

äbenso wie in der ';;issenschaft ein Suklid hat 
seine gr urii 1 eg enden Lehrsatze entdecken können had 
auch liinstein seine Relativitätstheoriü9 Obers o der 
douLsche physiker Plank j: ne wunderbare Entdeckung von 
der Portpflanzung des Lichtes etcl hat machen können . 
Es sind gewaltige Entdeckungen, die oft in einem Ju- 
genderlebnis fundieren. Es gibt viele Schriften, wo 
grosse Gelehrte ihre Theorien darstellen, und zv;ar wie 
sie sich im Laufes ihres Lebens entwickelten. Es 
gibt eine Wahrheitsschau auf jedem Gebiet. Auf den 
Gebieten der v/issenschaft etc., warum nun nidit auf 
dem Gebiet der Bhtik, der Beziehung des Einzelmenschen 
zur Menschheit? Es gibt Menschen, die haben gesehen 
was gut ist und andere, die haben sich versehen. Diese 
Dinge lÄnn man nicht miteinander versöhnen. 

ich muss hier zurückgehen auf jenen Ursprung 
des ethischen wertes, der vom Judentum der Welt 



- 14 - 



übergeben vAirde und vom Is»lam und Christentum aufge- 
noimiai v/orden ist: Es sind die 10 Oebote. 

Ich v/ill heute den zweiten Teil herausnehmen: 
Du sollst Vater und I.lutoer ehren, nicht morden, nicht 
stälen, nicht falsches Zeugnis aussagen und nicht be- 



gehren 



// 



Das sind Grundsätze dar menschlidien Verhaltungs- 
weiSü, dahingestellt auf ewigem granitenem Sockel. 

Lau tfcrzoch: Du sollst nicht morden! 
Lau* tinhof : Du sollst nicht ehebrechen ! 
Dieses sind V/orte, die wir uns einhämmern 
müssen, dann komniai wir zu jener Voraussetzung, die 
das Judentum macht in Bezug auf Ethik. Ich habe Ihnen 
ein Buch mitgebracht von Ruaolf Otto, dp die Religion 
vom Standpunkt der Religionspsychologie behandelt. 
Er" knüpft an an das "Am kodausch". Ich zeige Ihi.en 
h ier eine Abbildung, die die aüttin Durga darstellt, 

damit Sie sie einmal von Angesicht zu Angesicht schauen. 
- Die Inder sind ein geistig hochstehendes Volk. Sie 
haben Durga, die Mutter und Göttin Indiens, als eine 
scheussliche Teufelsfratze dargestellt. Der grässliche 
Murü ist weit aufgesperrt und man glaubt, eine fürchter- 
liche Stim:ae daraufi zu vernehmen. Auf der Sttrne sehen 
wir 3 fürchterliche Augen und vom G-.sicht aus sehen 
wir erschreckende Krallenfüsse. Es ist ein scheuss- 
liches Bild und wir müssen und fragen, warum haben die 
Inder versucht, das Göttliche so darzustollen? Otto 
entwickelt den Gedanken vollKommen richtig. Er sagt: 
Diese Darstellung ist nicht ein getreues Abbild der 
Göttin IDurga, sondern die Darstellung des Eindrucks 
des Furchtbaren, den man vom Göttlichen bekommt. Wir 
haben im jüdischen den Ausdruck: Nauro. Wir nennen 
G'tt den Furchtbaren und fügen diesen Begriff dem 



- 15 - 



ßöttliohen Namen hinzu. Hier haben Sie dieses Furcht- 
bare bildlich ausgedrückt. Denken Sie bei diesem 
Bild daran, was das Judentum sagt, und zwar: Du 
sollst Dir kein Bild machen von Deinem a'tte. Hier 
liegt auch die Quelle für die Abschneidung der 
künstlerischen Betätigung, soweit es eine bildliche 
Auüdrucksweise betrifft. Das Jud ntum musste uns 
vor diesem Irrweg bewahren^, weil das Göttliche 
furchtbar ist, muss der Mensch furchtbar handeln 

* ■ ' ' ' " ■ 

am Menschen. So primitiv es ist, so is^ es dojh 
eine Voraussetzung, die von wahllosen Menschen aer 
Erde gemacht worden ist. Wöil «las Leben, das Iwig' 
Seiende furchtbar ist, darum herrscht ein Kampf aller 
g gen alle, darum ist der Menüch zur Grausamkeit be- 
rechtigt. Das ist ein merkwürdiger Schluss. Das 
jud.^ntum jedoch sagt: Trotzdem sollst Äi, o Mensch, 
nicht morden, nicht stehlen, n iclit ehebrechen etc. 
Die jüdische Tradition sagt: Für Ehebrechen und Dieb 
stahl steht Todesstrafe, ebenso wie auf dem "IXi sollst 
' nicht morden." Denn mit dem Diebstahl ist der Menschen- 

4 
-• 

dieb Stahl gemeint. 

In diesem Zusammenhang möchte ich hinv/eisen 
auf den 6o. G-burtstag von Albert Schweiz^^r, der eine 
' herrliche Gel ehrten Zukunft in Deutschland hatte, und 
ungeachtet dessen hinausgegangen ist vor üram über 
die Versündigungen am afrikanischen Volk, an den 
Schwarzen. Er konnte es nicht ertragen, dass unter 
der t/Iaske der Kultur draussen unendlich viel Unglück 
geschafien wurdeja und er w ollte ihnen helfen. 

Die Bibel sagt: Lau signof : Du sollst nicht steh- 
len. 
Lauf zirzof: Du sollst nicht töten. 

Du hast nicht das Recht, das Leben eines 
Menschen zu beeinträchtigen. 



- 16 - 



zum Mann gehör t die Frau. Der Mensch besteht aus 
2 Teilen, aus männliehem und weiblichem. Und aus 
der Vereinigung wird erst ein Ivlensch geschaffen. 

NichtMur der Ehebruch der verheirateten 
prau ist todeswürdig, sondern es gilt für ..ann und 
Prau; es gibt keine doppelte Moral. TXi hast nicht 
das Recht, das Leben eines anderen Menschen zu be- 
einträchtigen. Du sollst deinen Na,chstaa lieben, 
wie dich selbst. Bind eut scher Rabbin.r hat den 
Zusatz' g macht: dem er ist wie du. Y/ennweiter 
gesagt wird: Du sollst nicht falsches Zeugnis able- 
gen und Du sollst nicht begehren, so ist das nur 
der psychologische Ursprung . Mit dem Neid fängt 
es ja an. ^ Und darum: Äi soHst nicht b g ehren die ^ 
Kappe Beines Nachbarn etc. Wir habeti in den Grund- . 
geboten eigentlich nur eine Ausfäoherung des einen 
Gebotes: Beeinträchtige nicht das Leben eines anderen 
Merxsotien, denn er ist wie Du. Daneben haben wir die 
ehtische Ableitung, die aus der religiösenjoraus- 
setzung entspringt. Selbst P ürsten stehen als staub^ 
geborene vor Göttlichem, yas bedeutet das? Es wird 
besonder, hervorgehoben, weil es. Menschen gab, die 
andere zugrunde richten durften, 
als absoluter Kurzschluss zu betrachten ist. Nichts 
anderes ist es im Dualismus, jener Lehre, die aner- 
kannt ein Göttliches und ein ixLabolisches. Es gibt 
also sonnen- und Teufelsmenschen. Daraus resultiert 
ein ewiger Kampf zwischen den Sonnen und Teufels- 
menschen, im Pantheismus des BubbdhismuS besteht 
die Vorschrift; dass man andere Menschen im Leben 
nicht beeinträchtigen darf. Der Buddhismus verbietet 
auch den Mord, aber er verbietet xhn unter der Voraus. 
Setzung, er väirde durch einen Mord eine Stufe tiefer 



w^s jedoch 



- 17 - 



sinken und zur v/ied-rgelDurt verurteilt werden. Nicht 

als Mensdi sondern als Tier und dadurch würde er noch 

von . . 

weiter entfernt tsx^ 4derErlösungdes Nirwana. Das ist 



eine passive Ethik: Tue nicht das und das, sondern 
vermeide alles, was Dir schaden könnte auf dem Weg. 
zum Nirwana. Dieser Typus ist nicht lobens tüchtig 
genug. Derselbe Buddhismus hat die Kasteneinteilung 
geschafi'en, wonach Mensciien, obwohl staubgeborai wie 
wir .rotzdem höher oder tiefer stehen. Sie dürfen sich 
nicht miteinander vermischen. Es gibt unberührbare bei 
den Buldhisten, die Parias, und Gandhi hungert dafür, 
dasü sie in die ivlenschengerieinschaft aufgenommen werden. 
Diese Schattenseiten mucs man im Buddhismus mit in 
Kauf nahmen. Ich nehme; das an, woil der Buudhismus 
Sü lange existiert und weil er'keine vernichtende Kriege 
k-ennt, weil er 500 Millionen laenschen in ihrer Leb.ns 
möglichkuit, in ihrem sozialen Sein der Y;elt geschenkt 
und erhalten hat; debshalb glaube ich, dass der buddhistij 
sehe Mensch diese Präge erkennen wird. Vor allen Din- 
gen erkenne ich den unterschied vom jüdischen Typus 
in der Auffassung des: Du sollst nicht morden, damit m 
nicht nach dem Tod etwa als Tier wiedergüboraa wirst.. 

Sie sehen, wi^ ich in aiesem einen Punkt die 
strenge arenze ziehe zwischen deji religiösen Typen. 
Das Judentum sagt klipp und klar: Sin unenilicher 
göttlicher V/ille, den 3Qu bildlich nicht darstellen 
darfst, hat den M enschen geschafen. V/ir benutzen 
den Begriitr "Adam" für die ^anze Menschheit. Darum 
findet man ihn bei uns auch nicht als Personen namen. 
jener erster Adam ist Sinnbild der ganzen Menschheit 
und alle Manschen haben das gleiche Lebensrecht, 
darum darfst Du nicht morden, stehlen etc., also 
das Leben Deines Nächsten nicht beeinträchtigen. 



- 18 - 



Darüber hinaus kommt nun die andere Seite: v/eil er 

« 

Dein Bruder ist, 3)ein Bruder in G«tt. Deshalb : 
woochwtp: sollst Du ihn lieben • Was ist im Judentum 
L^^be? Ss gehört zur jüdischen Ethik, v/enn man den 
V/ orten der Lehrer zuhört, die den G-edamLen im ver- 
gangenen Jahrhundert innerhalb der Theologie Ivlar- 
gelegt haben, kann man etv/..s Merkwüridges erleben. 
Nämlich den gewaltigen Unterschied zwischen dem, was s ie 
als Höchstes der Religion Iwhrten und dem, was in der 
Praxis getan wurde, 

G-elehrt v/urde: Du i^iollst Deinen G-'tt lieben, 
die Menschen lieben, Deinen Nächsten und ihm beistehen. 
Y/ie soll isich nun das bei den natürlichen Menschen 
in der Praxis auswirken? Sollen wir ihnen um den Hals 
fallen?. Man ruuss sich die Antwort darauf gc.ben können. 
Ich bin schon einmal auf den Begrifl' der »»Awo»- =Liebe 
eingegangen, aber dieses Mal muss er naher beleuchtet 
v/erden. Vielleicht wird er deutlich in Jaier Schei- 
dung, die Christentum und Judentum schuf. 

" Du sollst Deinen Nächsten lieben!»» dieses 
ist ;.öchstes G-ebot bei beiden und sie stimmen hierin 
vollkomn.en überein# Es gibt aber auch eine negative 
Formulierung dieses Begriffes. Ich erläutere dieses 
Am Besten an einem Beispiel. Ein Heide kam zu Hillel 
und sagte: Mache mich zum Juden, vä rhend ich auf einem 
Bein stehe, bringe es mir in dieser Zeit bei. Und 
Hillel sagte: Der Grundsatz des Judentums, aus dem 
all^s abgeleitet werden kann^heisst: 7/as Dir verhasst 
ist, tu auch dem anderen niciat; alles übrige ist nur 
Kommentar und nun gehe hin und lerne. Der Betreffende 
ist ein sehr fromnioi^ Mensch geworden. Die Pädagogik 
Hilleis hat den Mann von dem Irrweg h.rabgeleitet, sich 



- 19 - 

s^rcli über eine ReligL on lastigzamachen. liillbl hat 
etv/as Unerhörtes g etan: Er hat eine negative 1^'ormulie- 
rung des Gebotes gegeben: Du sollst IKjinen Nächsten 
lieben. Neu definiert zur positiven Fomualierung: 
Tue deui anderer., was Du v/illst, was man üiv tue. 

Es ist ein merkwürdiger Unterschied in 
diesem theologischen Schritt, die positive oder negative 

Formulierung. 

Y/enn z.B. ein Mens cii eine Krankheit oder 
ein persönliches Budüri'nis hat, so kann er diese Dinge 
nicht au- seine Nebenmenschen übertragen* Wenn es 
z.B. ihm gut schmeckt, so kaa n er nicht verlangen, dass 
es auch den anderen schmeckt. Diesist natürlich nur 

ein v/ortgeplankel. 

Es muss an und für sich in dir ist lieh er 
wie jüdischer Auffassung etv/as ganz Bestimmtes liegen. 
Der Unterschied ist in einigen Begriffen sehr deutlich 
beliannt z.B* in Zedoko und Awoh: &er4chtigkeit una Lie- 
be. Das Judui-.uua kennt als Höchstes die Gerechtigkeit 
an und das Christentum als Höchstes die Liebe. Was Hil- 
lel negativ gesagt hat: w- s Bir verhasst ist, tue auch 
den andern nicht an* Gerechtigkeit und Liebe sind psx 
Chol 0: ..seh fi verschiedene Aasdrucksformen. 



o * 



I 



Gerechtigkeit kennen die Menschen alle, aber 

Liebe isnrjß die v;enigsten. 

Ignatz von Lojola war imstande in jener wundet- 
baren Liebe sich aufzuopt'ern,eb nso v«rie Franziskus von 
ASsisi, das sind Menschen die sich hingeben konneri als 
Opfer für andere. Zahllose Gestalten gibt es im 
Christentum, die verehrungswürdig sind. Ebenso im 



- 20 - 



Judentum wie im Isläjoa. Ei^ gibt Mönschen, diu gross© 
Liebesluhigkeit Tür die anderen haben. Das Christen- 
tum %afe»t den shritt und stellt die Li^'be hin als Auf 
gäbe für alle Menschen. Bin ungeheures Wagnis und 
ein wunderbarer Mut. Das Judentum wagt diesen Schritt 
nicht. D as Judentum will den Menschen nicht in innere 
Zerwürfnisse bringen. Als oberste Forderung gilt hier: 
Beeinträchtige nicht das Leben Deines Nebenmensciien . 
Bas Judentum fordert das, was man tun kann, v/as man 
erreichen xia^n. Ich tA^^»^^«» ^^^ Christentum fordert 
hier Uebermonschliches. Es besteht hier diegro.se . 
Gefahr, class der Mensdi zum Heuchler werden muss. 

Ich möchte den Ilillelschen G-edanken iür 
das. Judentum vorziehen. Die Forderung: Tue Deinem 
Nächsten alles, was Du haben möchtest, d--s man Dir tue. 
SS liegt uns zunächst näher der Gedanke der negativen 
Formulierung: Hüte Dich Deinem Na«hstai ein Unrecht 
zu tun, denn JÖu v/illst auch kein Unrecht erdulden. 



I 



Ich habe nun zunächst einmal die Grundlagen 
der e. jüdischen Elitik in zwei Punkten festgelegt. 

1. Im m-itai^hysi sehen Ursprung. 

2. In psyhc. elegischer oder pädagogischer Richtung 

Vom Judentum aus gesehen hei s st es: Tue das, 
was Du tonnst, tue dem andern kein Unrecht. Es steht 
dahinter die ganze Fülle eines lebenumfassenden Systems. 
Aisi Material will ich Ihnen zum Schluss noch eine Stelle 
vorlesen, die uns der Talmud überliefert und über die 
Sie selbst nachdenken sollen. 

Rabbi Simlai hat uns gelehrt: G'tt hat 
uns gegeben 6l3 Ge- und Verbote und zwar 565 Gebote 
ensprechend den Tagen eines Sonnenjahres und 248 Verbote 
entsprechctnd der Zahl der menschlichen Glieder. Da kam 



- 21 - 

David und hat diese 6l3 Qe- und Verbote zurückgeführt 

auf 11 und 2;v/ar ist dieses enthalten im Psalm : 15 . 

Da sagt er: Wer, o &'tt, darf in Deinen Zelten weilen, 

wer auf Deinem heiigen Berge wohnen. 

Wer fehlerlos in Unschuld wandelt, 

Wer Gerechtigkeit übt, wer v/ahrheit spricht 

in seinem Herzen, 

wer mit seiner Zunge nicht verleumdet . 

Y/er seinem nächsten kein Böses tut und 

Schmach nicht bringt auf seinen Nebenuenschen. 

und v;er verächtlich ist und auch von ihm ver- 
achtet wird , . . '. '. 



l 



wer solches tut, der wankt nicht für alle Ewig- 
keit! 

Das sina die 11 anböte, die David aufge- 

• * • 

Stellt hat. 

Dann kam Jesaja undhat sie auf 6 Gebote zu- 
rückgeführt. Er sagt: \7er in Gerechtigkeit v/andert, 

V^er Redlich'- s spricht, 
Y^er Gewinn und Betrug verachtet, 

wer suine Hand verschlieest , damit er nicht Be- 
stechung annehme, 

wer seine Ohren versctiliesst, um nicht Blut- 
schuld aufs ich zu laden, 

wer seine Augen verstopft, lamit er nichts 

Böse® tue, der erfüllt 

seine vorgeschriebene^! Gebote. 

Dann kam Mischä und führte die ^ Gebote auf 



3 zurück. 



3f. Siehe , o Mensch, es isx Dir gesagt, was 



der Ewige, Dein G'tt von Dir verlangt: 

1. Rechtes tun, 2. Liebe üben, 3. demütig wandeln 

vor Deinem G'tte. 

Dann kam noch einmal Jesaja und führte diese 

Gebote auf 2 zurück: 

Wandert recht und übt Gerecht igkeitl 



- 22 - 



J 



Arnos dagegen i'Lüarte alle Gebote auf »ins zurück: 

"wirschun und wichju: Sucht mich und liebt! 
Habakuk sagte: wejadisch und hat damit den 
Grundsatz aufgestellt: Der Zadik, der Gerichte, wird 
in seiner Treue leben. In diesem Begriff ist das Juden- 
tum in seiner tiefen ewigen ethischen Beziehung erfasst. 

Im Ghassidismus spielt der Zadik eine grosse 
Rolle. Der Zadik wird leben in seiner Treue. Zedokoh 
mit "Gerechtigkeit" zu übersetzen, ist nicht richxig. 
sondern: Zedokoh ist das, was der Monsch im Leben tun kann, 
um sich seiner g « ttähnl i chke it nicht schämen zu müssen, 
dasiji was man an jeden Binz.;lnen als Pord-rung richten . 
kann. Y/enn ich sage: Liebe Deinen Nächsten, so entsteht 
die Präge: \Yie soll ich denn das tun? Ich mache diesen 
Satz nicht lächerlich, ich bc^wundere es, denn es ist 
etwas Hohes, dass es in den Mittelpunkt gestellt wurde. 
Trotzdem aber sage ich: Der jüdische Typus konnte in 
den Mittelpunkt stellen nur das Tfort: Der Gerechte 
wird ins einer Treue leben. Und wenn Sie den Gang 
der Dinge beobachtet haben, so haban Sie gefunden, dass ■. 
der Gedanke der Zedokoh sich allmählig aus den 6l5 .• 
Ge.- und Verboten herausgeschält hat bis er in einer 
3 fachen Säule hervorging. Es heisst: 

Säf drei Dingen s teht die Welt: Aur er G'tteslehre, 

Auf dem G'ttesdienst u. 
auf der rechten Liebestatigkeit; 
Also: auf dem Recht, der v/ahrheit und auf dem Prieden. 
wenn Sie i» Leben eines Denkers 2 Ausdrücke nebeneinander 
gestel.Lt haben, werden Sie häoTigfinden, dass diese sich 
widersprechen. Hi^r liegt aber kein Widerspruch vor, 
sondern es ist ein Tor zur ^'/ahrheit. Ueber das Meta- 
physisch- k^nn man nicht sprechen mit irdischen V/orten, 
man kann nur bildlich davon sprechen und das gewaltigste 



( ^ 



- 25 - 



Bilt' is^ immer nur das: 

Es ist so und es ist doch nicht so, 
handele so und handele doch nicht so^ 

nur durch solche &e gensätze v/ird ein Ivlenscu vorbe- 
reitet, den v/eg ins Metaphysische zu finden. 

Heute in 8 Tagen werde ich Ihntjn die Frage äkx 
v/eiter darlegen, indtm ich dann eingehe auT da,s jüdi- 
sche Recht und von da aus weiter zu der Prag, des 
religiösen Kultes. Die uebrigen Themen, die ich noch 
behandeln werden, sind : 

Der religiöse Kultur, 

die aoschichte urt er religiösem ü-esichtspunkt, 

Religion und Wissenschaft, 

die Art der G-» ttesoiTenbarung, 

dar V/eg zur Religion und Religionspädagogik. 

Diese Ueberschriften sagen nur .;enig# Ich will alle 

Gebiete nur unter dem Gro Sichtspunkt behandeln, in 

welcher Art und y/eise sie Ausdruck des jüdischen Typus 



sind. 



Am Ende dieser V rtragsreihe möciite ich, dass 



Sie ein Kleines Stück mit mir zusammen und durch Ihre 
eigenen G-edanlien weitergekommen sind in der Präge der 
Definition, was ist Judentum in v/ahrheit. 



? 

A 






\ 



Meine Damen und Herren l 






f « 






loh begrüsse Sie und freu« mloh^di^^se Sie das Wetter 
nioht gt^soheut haben^ denn heute abend könnte man wirk- 
lich den en, dass man vielleicht von dem Regen und dem 
Sturm draussen mehr beeindruckt wäre^ als von geistigem 
Streben und ich könnte bestimmt keinem Mensdien einen 
Vorwurf daraus maohen* Ijarum danke ioh Ihnen und freue 
mioh^ dass Sie gekommen sind« 

Das neue Kapitel, dase ioh heute vor Ö Tagen 
angeschnitten habe, ist vielleicht noch nioht vollstän- 
dig in der Absieht herausgekommen, die ioh damit ver- 
bundeil habe* Es liegt daran, dass hier ein neuer 

« 

Qedanke ber ^hrt wordm ist und loh v;erde es so machen, 
wie bisher immer, dass loh denselben Oedanken^ng in 
alier Kürze noch einmal darlege; aber nioht in der 
weise, dass ioh das gleiche Problem wieder holtsei sondern 
dass ich zugltioh nooh weitere Ergänzungen hlnzuHige. 
wenn Sie zurüokdenkaa , so wird Ihnen am besten in Br- 

innerung sein, dasjs ioh zuletzt gösproohen habe über 

4*/ 
» Religiöse Typen**. Wie aber kam ioh zufiüat, diese Typen 



zu 



Dadaroh, dass ioh Ihnen gleich zu Anfang 



darlegte, dass jeder Mensch irgendwie eine Beziehung zum 
Unendlichen haben müsste, ob er will oder nicht. 

wenn er nioht will, wenn er sich seiner Beziehung 
zum anderen Sein, wie man es nennen will, Sie verstehen 
mich, wenn er sich dieser Beziehung nioht etwa Ar werden 
möchte, so kommt er doch zu dem Bewußtsein dieser Be- 
ziehung spätestens in dem Augenblick, da der Todes - 
gedanke in ihm aufsteigt und wenn er sterben muss. 

Ioh meine nun, ein Mensch, der doch vor eine 



i> 



f. 



- 2 - 



4 



t 



geistige Situation geß^ellt vflrd, der er nicht aua- 
weiohön kann, der soll nioht warten b^s endlich ein- 
mal die Situation sich so verschärft hat, dass er 
gar nicht mehr ausweichun kann. Der Mensch soll nicht 
wie ein Tier auf der Treibjagd sich hineintreiben 
Lassen in jenen Augenblick, sondern bewuust die klare 
Einstellung zum Unendlichen nehmen, und jeder Mensch 
hat solch eine Einstellung zum Unendlichen. Ich 
habe diese Stellung gefächert dargelegt soweit ver- 
schiedene Arten auf der Srde überhaupt möi;lich aind. 
Ss gibt verschiedene religiöse Typen. Ich ging 
aus von der srörterung über die Orundauffassung des 



Judentums* 



Iah habe dargelegt, dass Judentum für uns 
grundsätzlich zentralreligl öser Lebens Standpunkt 
bedeutet. Ich habe das an den Anfang gestellt, um 
Ihnen zu sagen, worauf ich hinauswollte. Ich weiss 
wohl, dass ich nichts beweisen kann, aber ich kann 
Ihnen vieles verständlich machen. Ich opfere den 
Gedanken, daüs ich nich^s beweisen kann dadurch, 
ft»ss ich meine metaphysiache Auffassung über das 
Judentum ganz klar in den Aniang stellte. 

und als zweites Kfpitel fügte ich den 
Oedanken des «Am KodauschH ein. Der zentralreligiöse 
Lebensstandpunkt ist die Aus./eitong des religiösen 
urerlebnisses. loh habe das in aller Kürze dargelegt 
and bin dann fortgesoh*ttten zur Srörterung d«r 
Brforsohang der »eligiösen Typen. Nun will ich 
dazu übergehen, jene Ausweitung des jüdischen Reli- 
gionserlebnisses auf das gesamte Leben 
stellen und zwar für gewisse aebiAe, die unmittelbar 



darzu- 



aktaell für uns sind. 






- 3 - 






loh habe heute vor 8 Tagen ein Kapitel eingeschoben 
aas einem metaphysisüh-pädagoglsohdm Oesichtspunkt 



heraus. 



V/oher kommt es ei gört lieh, dass die Mensohen 



sich nioht zu ihrer metaphysischen Einstellung be- 
kennen wollen? Ss ist durchaus nidit etwa so, wie 

von 
es vielleicht mancher 3*^1 te irgendwie auigefasst 

werden könnte. loh will niemanden zum relig lösen 
Stadnpunkt des Judentums bekehren« Das liegt mir 

durchaus fern« Sondern ich habe dargelegt, daas es 

■~^ . 

Umstände gibt, die erlildren würden, warum ein Monsoh 

' .■ ■ i* 

sieh nicht hindurchfindet zu seiner metaphysischen 
Ureinstellung, zu seiner persönlichen Religion. 
Ich habe diese lündemisse heute vor 8 T^gen darge- 
stellt nicht systen^tisch sondern rein praktisch. 

. . .■ \ 

loh habe einige Beispiele herausgenommen, die unter 
ganz bestimmten Q^sioht spunkten eine Rolle spielen. 
Als erstes dieser üeMrani>sse sehen wir jene eigen-- 
tfjmliche Situation der a^ttesleugnung. Es kommt 
bei manohen, oj^ den bodeutendsten Menschen, der 
Augenblick, in welchem sie sagen: Da^ (}ntt liehe kann 
nicht vorhanden sein. Es gibt k in Itlares ziel- 
bevTusstes Regiment dieser Welt, weil sie persönlich 



eine k 



tiefe Enttäuschung erlebt haben. Das 
sehen wir bei Elija ben abuja, einem gewaltigem Oe- 
1 .hrten, der durch ein Erlebnis zu dieser Ueberzeu,<?ung 
gekcMnmen ist, dass es keinen Erlöser gibt. Es gibt 
Jt«lnen Lohn, wie es in der Thora geschrieben steht, 
also gibt es auch kein (Jöttliches. Aus •seinem Grabe 
loder-b ein ewigo» Feuer, bis Rabbi Meir für ihn 
Srbarman bei Qt^ tt erlangte« Dieses lodernde Feuer 



's*. 



- 4 - 



r l\ 



ist ein bildliches Symbol für einen (joda Hen.ädc «ter 
unrichtig iat und sich v-rzehrt. Ich gebe Ihn^n 
eoht und recht eine Lösung dieser Situation der a«ttes- 
#leugnu« in aller Kürze, dargestellt an Hiob, dem 
grossen iJiohtjaden der Bibel, der von ö'tit durch 
Leiden ged*nütigt wira bitJ auT den örund, in s einer 
Gesundheit, in aeinem Roiohtuüi. Bei dem, der mit 
grajslioiiön Gudch.vüren bedeckt aui' dem Boden sitzt, 
finden wir, duss er nicht in die Q» Ltesleugnung um- 
kippt, sondern wie hier ein starker gewaltiger Mensch 
zum AusdruQi: kommt. Ar verflucht n^julicu den Tag .• 

seaner Gh-burt, ? 

ü.b. fiudeu wir in einem Disput im Talmud, wo 

. - • 

avöi grosse Scüüler des sohamaj und Hillel 2 JJarv;. 
lang sich gestritten haben, ob» es gut sei, uas^ der 
Mensch geboren sei od^r uicuU H^-ch 2Jahciger scharfer 
Untersuchung hax uäu aüge3tim..t; tMXK die Majorität 
Ifar dafür, duss es besser sei, d^r Men^sch wäre uicht 
guboren. Nachdem er aber geboren ist, da untersuche 
er seine Taten, da übe er sich eben in der Untersuchung 
der Wahrheit. Das Schwier .g*.te. was oS bei den Mer^ en 
gibt ist: Ich weiss, das;; ich nlotits weiss. Di-»ö 
Br-.emitnis ist von sokrates. Es ist doch auch so, 
dass roan mit dem bii.c..en Lichi. unseres VersUndes nur 
ein klein wenig das Duixkel ul. utxS durchbricht. Abor 



^ene grosse 



Verzweiflung in der Frage der Jir- 



kenntnis kann kein Mensch beseitigen. Die Vernunft ist 
eine elende Krücke, die uns nur ein .lein >. euig hinein- 
rührt ins Metaphi^sische. Sß gibt eins, das: uns hinuus- 
rührt aus dem imnkel. J .nes Flugzeug, das die Srdgrenze 



>!, 



\ 



- i> - 



Überwinden konnte und uns aus der irdischen Ge- 
bundenheit h rausführt. Man sagt: Glaube ist richtig 
udn falsch« Es liomint daraui' an^ was man sich denkt* 
Jene gewaltige Intuition isi; es^ die den Menschen 
iiamitten allem hält und binaet;wie die Schiffchen 
am I\arussel, üo wird der Mensch doch hochgehalten 
durch die Bis nstange des Glaubens* Diese Ver- 
bundenheit hat Hieb gehindert, Qt^tz zu leugnen* 
1^ gibt uberhai4»i^ gar keinen Juden^ der nicht von 
diesur gewaltigen symbolischen Gestalt ergriffen 
würde, nämlioh von der G-stalt des Hieb* 

Es gibt ausserdem noch eine andere Gesxalt, 
dsa propliöten Elija, der für a»tt geeifert hat und 
der in der '.möte sioh niederv/irft, um in den Tod zu 
soiaafen. Wie ö'tt ilin weckt sagt er; «aeeifert habe 
ich für Dich und sie haben alle Propheten a'ttes 

* 

getc)tt.t,uai ioh allein bin übriggeblieben una will 

* 

nmj nioh^ naerir". Ihn Uat'ue jene L«iaotigk©it überfallen, 
diö den Merisohen überkom t, \<'enn a«ine ganzen Hoffnun- 
gen und Bemühungen ihm serstört sini. Und dieser 
Prophet, der in ä&m Himwel gefahren und nicht ge- 
storben ist, ist das Beispiel dafür, dasa das Judentum 
uns führt und lohrt, nuoh der Wahrheit zu suchen, 
auoh «unn man nicht mehr kann und nicht mehr will. 

Es gibt «ine Ivroglichkeit, die v/ahrhcit zu suchen. 

Elija beu ^baja, diob aiiv^ >iija 
An diesen 3 (>estalteiiB:habe ich versucht, 

Ihnen die falsche und richtige Antwort zu geben Inder 

Frage der O'ttealeugnung, die den Mensouen befällt. 

üs komiiit bei jedem Mönöc^.en einmal der Augenblick, 

in aem er sich sagt, es gibt gar kein Göttliches, es 

ist alles sinnlos. Man kann dabei hangen bleiben, 

wie die Müoke am Leim. 



i 



'V 



- 6 - 



Aber man muss sioh lösen, denn die Antwort ist falsoh. 
Aber da.. *icd «st roUkoirimen sichtbar werden aua 
doüi Ueberbliok, den ich Ihnen noch geben v/ardo. 

paa 2« Heramnia habe ich dargestellt indem 
Begriff des Aeatetteiziamus , joner Auffassung, die 
heute nicut mehr vorhanden ist. Vor einigen Jahren 
war Sic noch bestinaat anzutreffen; aber die Zoit sei bat 
hut diesen Aethetizismus als lebonsunwiohtig 
zeichnet. Es is'. auch eine Flucht vor der iTot- 
wendigkeit, seine metaphi'si^che zu derini-iren, ei- 
nen ütaiidpunkt zu haben. Unter Aostheti^iscius ver- 
ßuühe ich nicht etwa die echte Kunst. Diese unter- 
scheidet sioh vom Aesthetizismus durch den Inhalt. Dar 
Aest. tut so, als käme es nur auf dio Porm an, 
gar nicht mehr auf den Inhalt. Bs sind i'.raer neu© 
Hismen" aufgetaucht und der Inhalt ist ganz und gar 
vergasööu worden. Di« echte Kunst hat den Inhalt 
und eine grosse Form. DenKen w r nur an die groason 
Maler, Bildhauer, Dichter und Architekten. Der Aest. 
war dtwas Schaumgeborenes; Schaum, der sich auf dem 
ungetiubten Meer der echten Kunst wie ein Hauch be- 

wegt hat. 

Die echte Kunst war ste^s im Judentum 

vo«haiiden, auch in der neusten Zeit. DenV.en wir 
an Liebermann, Slkanusw. in der Bib-^1 schon Loma:t 
ein grosser jüaischar Künstler vor, mit einem »oinder- 
baren Namen. Bs ist wirklich etwas Herzliches in der 
Bibel: Jeder Name hat eine Bedeutu. g. Bozal'el hat 
alle grossen Kunstwerke in der StifshUtte gouchaffen: 
Beaal'el ist gleich » unter dem schatten a»ttes. 



\ 



- 7 - 



z 



Der oohte Künstler arbeitet unter dem schatten 
aittes. 

Ich müdate einmal ein Kapitel einTUgen tber 
die Mittel des religiösen Ausdrucks. Die echte 
Kanjt iat ein religiöser Aus.iruok. Der Aest. ist 
gloionßam nur ein Schein vcn diesen Aus*ruoksmittel» 
ist r.ur ein Tog der Flucht vor dem Bei>enntni3 
ein öS nretaphyslschon Standpunkte». 

D3.S 3. Hemmis ist dei Historizismus. Viel- 

JSim— > * l ■ '■III ■ ■ " 

lüioht bin ich hier am wenigsten verstanden worden, 
weil (ic h der OtJdanke nicht uiimittell^ar nahe liogt, 
obwohl man iie Erscheinungen kennt. Ss ist psybho- 
logi;:üh vicl?.olcht für die hiesit^en Verlmltniase 
gar nicht ontsoheidend. Der Hist. hat in der I^rag« 
des lllohtbokennons seinen aietaphysi sehen Standpunkt©« 
•ino grosso Eolle gespielt . 

Mötai)hi'3ik badoutat, da3»,wa« jenseits 
alles Körporlichen ist. Dieses vo?ulkori:Tnan Andere 
Im 3eg naatz zur körperlichen Natur. Dieses voll - 
komii.en andere wird aaericannt durch Kait • Er hat 
gesagt; Das Ding an sich. Man kanr es an sich nicht 
erkonnsin, aber nur den schein eines Dinges an uns. 
Der Hitst. hat keine Stellung zur Präge der Ivleta- 
physik genoair.;en, weil er sagte; Ich verstehe etwas, 
wenn ich seine Goschich le, seino Bntwicklun':; kenne. 
Deiai daro. bin ich darüber im Klaren, was es bedeutet. 
3s ist Gin berückender Standpunkt und ^janze Ch nera- 
tionen sind darauf hereingeralle». Ich meine Janen 
Punkt, wo der Hist. ins Metaphysische hinüberkippt. 
m.r in Laui'e der Jahre ist etras N ues daraus geworden 
Denken Sie nur einmal an die vi elen Bastrebungon 
der rcfLlgiLösen Entwicklungen, ss ist unglaublich 



K 



|l«ln« SBundn und iierretx I 



loh liegrüsso Sie and freu. mloh,d-S0 sie das irett« 
nioht gusoheul haben, deaii heute abend konnte man v.rk- 
lioh den en, dass man vielleloht von dem Regen und dem 
Sturm drausa«! mehr beeindruokt wäre, als von geistiges 
Streben und ich könnte bestiamt keinem Menstiien einen 
Vonrurf daraus maohen. Darum danke ioh Ihnen und freue 
mieh, dasB Sie gekonjuei. sind* 

Das neue Kapitel, das« ioh heute vor Ö Tagen 
angeschnitten habe, ist viölleioht noch nicht vollstän- 
dig in der Absieht herausgekommen, die ioh damit ver- 
banden habe. Ks liegt daran, dass hier ein neuer 
oedanke ber .hrt wordwi ist und ioh «erde es so maohen, 
wie bisher immer, dass ioh denselben Qedankoagang in 
alier KUrie nooh einmal darlege; aber nicht in der 
weise, dass ioh das gleiche Problem wieder hol-go, sondern 
dass ioh zugl^ ioh nooU weitere lir|pui2ungen hinzuiljlge. 
Venn Sie zurüokdenk^a , so wird Ihnen am besten in sr- 

inneron^ sein. d*su ioh zuletzt gesprochen habe über 

da/ 
•* Religiöse Typ«a«*. Wie aber kam ioh zutikas, diese Typen 

SU erörtern? Sadaroh, dass ioh ihnmi gleioh zu Ani'ang 

darlegte, dass jeder Uensoh irgendwie eine Beziehung zom 

haben müsstef ob er will oder nioht. 

wenn er nioht will, wenn er sioh s einer Beziehung 
som anderen Sein, wie man es nennen will, Sie verstt?h€» 
■loh, wenn er sioh dieser Beziehung nioht etwa l^r werden 
möchte, so kommt er doch zu dem Bewußtsein dieser Be- 
ziehung spätestens in dem Augenblick, da der Todes - 
gedanke in ihm aufstei^ und wenn er sterbwi oass. 

Ioh meine nun, ein Mensoh, der doch vor eine 



- 2 - 



fi 



geistige Situation gestellt wird, der er nicht aui- 
«eioht^Q kam, der «oll nloht warten bi» endlich ©In- 
oiäl die Situation eloh »o verecharft hat, das» er 
gar nloht laohr auswölohun kann. Der Menaoh »oll nicht 
wie ein Tier auf der Treibjagd aloh hlx*6lnti-eiben 
Laßsoii in jenen Auigönbliok, ßonaern be^a^st die iJ-are 
Klnütellung aum Un^nallohen nöhnon, und jeder Mensch 
Itfit »üloli «iuö ülnstuUung zuai ünöndllolien. loh 
habe diese Stellung gefächert aar gelegt sowölt vör- 
Bohledene Arten auir der ürde üborh&u|,t cü^^Hoh sind. 
BS gibt veraohiedene rellglöae Typen, loh ^Ing 
aus von dör lÄörttrung übor die Grund aal'fasßung de» 



Juden tuBtfl. 



leh habe di;^rgelegt, daee Judentum £\ix uns 



grundfiätziloh ze 




öfü^v Lcbensstanlpunkt 



bedeutet. Ich habe das au den An^arig ge»tellt, um 
Ihnen zu sagen, wora^uf loh hinauswollte. 



Ich weiss 



wohl, dass loh nichts beweisen karai, aber Ich kann 
Ihnen vieles vorctändlloh laaohen. loh opi 



den 



Oödanken, da;.fi loh nichts bcw^iseu tonn dadurch, 
ft»6S ich Deine mötaphysiaohe Aufraneung iböt dt.s 



jud&nwum ganz 



In den Anrang atollte. 



und als zweltt^s i>^pltel rügte ich den 
Oedanken des «Am KodauschH ein. Der zontralrellgiöse 
Lebensötandyunkt let die Aus-.oltung des religio son 
Urerlebnisses. loh habe das In aller Kürze dargelegt 
und bin dann f ortgoschtttten zur Brörterung ior 
Srforsolmng der mellglösen Typen. Nun will loh 
dazu übergeh^m, jenu Ausweitung d«s jüdischen a«ll- 
glonserlebnlBses auf da» bosamte Lcboil n&her darzu- 
stellen und ze»r für gewleso Qebl^, die unmittelbar 
aktuell rur uns sind. 



i 



- 3 - 



loh h:bo heute vor 8 Tagen ein K&pltel eingesohotoen 
aas einem motaphy»ii:ch-päidagogisohem Gesichtspunkt. 



heraus* 



T'oher kommt es ei^^it lioh, dasis die itsr.sohen 
sloh nicht zu ihrer metaphysischen iäinstellung be- 
kennen wollen? «s ißt dvirohaas nicht etr/a so, ^ie 

von ^ . 

es viellaiohii Rianoht>r Seite ir^iandwie auigexTasst 

werden könnte. loh vUl nienanden zum rellg lösen 
Stadnpunkt des Judentura hekehron. Das iSegt lalr 
durohaus fern. Sondern ich habe dargelegt, dass e« 
umstünde gibt, die er Üiren würden, warum ein Monsoh 
sieh niüht hindurchfindet zu seiner metaphysischen 
Urein3tellung, zu seinar porsonliohen Religion. 
Ich hahe diese Hindernisse heute vor 8 T^.gen darge- 
stellt nicht aystemtisoh sondern rein praktisch, 
leh habö einige Bftispi'l- hurausgeromman, die unter 
ganz bosxlrronten asaichtspi^nkten eine Rolle spielen. 
▲18 er atoB dieser Meirnnisse sehen wir joce ölgen- 
tümliohe Situation der (»»ttealeugpung. Ss kommt 
bei manchen, ort den bedeutendsten Menschen, der 
Augeobliok, in welchem sie sagen: V^n ftottllohe kann 
nicht vorhanden sein. 15» gibt k In klares ziel- 
bewttgstes Regiment dieser Welt, weil si^ persönlich 

tiefe Snttausohunjj orlo^.t haben. l»» 
sehen wir bei Sli^« ben abuja, einem geiraltigem öe- 
1 ,hrten, der durch ein Erlebnis zu dieser ueberzeugun« 
gekommen ist. dass es keinen isrlöser gibt. 1» gibt 
feinen Lohn, wie es in der Thora geschrieben steht. 
also gibt es auch kein (Jottlichefl. Aus »sein 
lodert ein ewlgo» Feuer , bis Rabbi 
Srbamien bei a»tt erlangte. Diese» lodernde Feuer 



eine 



drabe 



für ihn 



« 



• 4 «- 



iat ©in blldlloha« Symbol für «inen Ooda ken,*Ä <•» 
anrlohtlg lat und eich Vv^zehrt, loh gebö Ihn^^n 
eoht und reoht eine Lösung Äieser Situation (iüt Ö»tte8- 
♦lougna« in aller Kürze, dargestellt an Uiob, dem 
groösen Miohtjnden der Bibel, der von O'tt duroh 
La i den fiditaütigt wird biß auT den Orund, in seiner 
Gesundheit, in seinem Reichtum. Bei dam, der rr^it 
grauslichen Ocschwüren bodöokt auf dem BOden eitzt, 
finden wir, das^ er nicht in die 0» itosleugnung um- 
kippt, sondern wie hier «in starker giäfwaltiger Mensch 
zum Attsdruoi; k^jornt. Kr verflucht namlloh den Tag 

sedner Qeburt« 

Z.b. findet* wir in einem Disput im Talmud, wo 



SolMuna, 



lÄng 



Mensch geboren sei odor nicht. Naoh 2Jahri«er scharfer 
Untersuchung^ hat cAn abgostimj.t; 



ciie Major it>*t 

war «teilir, dass es bessdr Söi, d<-r Meniäch wäre nicht 
geboren. Haohd**m er aber geboren ist, da untersuche 
er öüine Taten, da übe er ai<A eb»n in der Untersuchung 
der Wahrheit. Iäb schwier gate, was es bei den Kenaäi en 
gibt ist: loh weise, das« ich nid^ts weiss. Diese 
irkenntnia ist von sokrates. is ist doch auch so, 
Oass man mit dem bißol.en Licht unseres Verstände« nur 
ein klein wenig das Dunkel um uns durchbricht. Aber 
jene grosse «nsB Verzweiflung in der Frage der Ar- 
kemitnls kann kein i-lensoh beseitigen. Die Vernunft ist 
eine elende Krücke, die uns nur ein klein • enlg hinein- 
führt ins Ketaphi^aißche. BS» gil>t «ins, das uns hinaus- 
fahrt aus dem Dunkel. J nes Flugzeug, das die ErdgCMZe 



t 



s 



- 5 - 



Uberwlndon könnt© und uns aus der IrüiBOhen O0- 
bundMihalt h rtiuorührt, ...au üe-ät: Olaub« i^t richtig 
ttdn t^lsoh* Es lioor-t darauf an, ras man slchdenict« 
Jene gmmlzisB Intuition iBt es, die den Mereohen 
lamltten alle« hält und binuetjTrie dif GcUiffohtn 
ea KRTusael, Bowlrd dor Menach doch hochgehalten 
duroh die Sls net&nge des al&ub- ns» "Dl^ec \rer- 
bunionheit hat Hlob ^ehirdert, O'tt zu leugnen. 
Em gibt über ha »^ gar kein an Juden, der nicht von 
dlis-^r gewaltigen »ymbollsohei (Jostalt ergrifi.en 
würde, Dämlloh von dar G-stblt des Hiob, 

iSs f.lbt ausserden noch eine SLuiert C^ST'ilt, 
den Fro,,h.t8n Sllju, der f ur a»tt geeifert hat und 
4er In der Vijsto» sich niederwirft, um In den ToJ zu 
schlafen, wie 0»tt Ihn v eokt sa^rt t>r: «aoeifert habe 

loh fir Dich und sie haben alle prOi.hf;t«n a'tteo 
get3t.*t,uni ich allein bin übritiigebll.bsr und rill 
nun nioh. i»oar". Ihn hatte Jene Ma-tigkeit überralien, 
dlo den Menäoli«« überkom t, Tenn oein« ganzen lioffnun- 
i?en und Bemfihuni'en IIbc »rstört sind. Und dieser 
Prophet, der In dei: Hira «1 gefahren unri nicht ge- 
storben ist, Ist da» Beispiel dafür, das- das Judentu» 
uns führt und 1 ! rt, r.'<.ch der »ahrheit zu isuchen, 
auch weßn nmn nicht mehr kanr. und nioht wehr will. 

88 gibt »ine Mo .'llohictlt, die f ahrh^ it zu suchön. 

Uli Ja ben Abu ja, Hiob una Slija 
An diesen 3 Gestalt- t6 habe i-h vetsuaht, 

Ihnen dio fulscho und richtige Alt wort zu geben Inder 
Fra^je der 0*tt«^sleugnung, die den Manso'.in berallt. 
,:8 korot bei Jedem i^ensohen oinraal der Augenblick, 
in aeui er sich sagt, ea gibt gnr kein Qöttlicjhea, •• 
ist alle« similus« Man iiann dabei hangen bleiben, 

wie die MUoke am Lein« 



^ 6 - 



Abar l.9Ji nuzz eich loscng denn die Antwort Ibt Talsoli» 
Aber da. wird erit Tollkor -^ n ßiohtbar werden aue 
tmn Ueberblloky den ich Ihi.eu huoh geben ¥<0rdo« 

'i}as 2# Horp^nls Uaibe ich dargest 11t In d mi 
Bßßriff des Aesfctiiislcnms ^ joLer iiUfranaung^ dl« 
liouto nlelit'BitDhr vuvlyAhuon iöt. Vor Ginli-on J^^lirön 
war sie noch beßtlsicit anzutreften^ aber di Zeit selbst 
bat d Q&en AethetiziemuB als leb rnaunwloiitlg ge- 
i.alohntit# Htm iBt auch »ino Flucht vcr uor ot- 
vendlgkelt^ aeln L.etaptiysltiche zu doi inlt^rerii •!•- 
fion Ctaödpunkt zu haben» üntör Aecithettzlßriittß v^^- 
a^ehe ich nlöht etwa die eohte Kunnt* Diene an :.eT- 
ßoheldet sicih vom A^6tUetl2.1niU4» duroh den Inhalt« Der 
Ae&t« tut 30 1 als k^mu eii nav au]^^ die Form an^ 
gar nicht mehr auf den Inhalt* ^:c cinl irjT.er Keu© 
»»lsi?ien<^ auTgotaueHt und dor Inhalt ist ganz uiid gar 
verges^eii woeden« Di- eohte Kunat hat den Inhalt 
und eine grosoe Form» penker: t r nur an die qcocb.xx 
Maler 9 Blldiiuuer^ Dlohtf^r und Arol^itl/vtön» Der Aeat. 
war etwas G^haumgeboronesj nchFoici^ der sieh aur dem 
ungetrübten Meer der oohten Kunst wie ein Hnuch be- 



wegt hat« 



Die echte Runst war lötets i^ Judentum 



vowha/ den^ auch in der neusten Ileit« Denken ^ir 
an Moberiiaiai^ Klkanusw« in der Blbol sohon !:oru^t 
ein grosner JUdlsoher Künstler vor^ nit einem wurider- 
barei; Hanen« Ks Ist v/icklioh etwa« Uertllohes in der 
Bibel: Jeder i^Wie hut tilne Bedeutu gm B«zal*el hat 
alle groeoen Kunstwerke in der 3tirsh;v;tte gc . ohafren: 
BöaA?.«el iat gleich m unter dem Schatten d^tte«« 



- 7 - 



Der «ohte Kün»tl©r arbeitet anter das soli»tt,«u 



(^(ttaa. 



loh loü 



einmal «^in Kapltöl e^afü^ön Cber 



die I4itiel dws raligiösen Anßdrucks. Di^ eulst«! 
Kttnst Ist ein religiöser Ausiruok. for A©st« Ist 
glelohsam nur ein T5ot»in v n d!e»«K Auetraokauiitttlf 



9« 



l3t nur sin VJög ü©r Flucht vor loru B^^vtiauunis 



Beino3 ojötapiiyaischen Stanclpunlites. 

Dl^s 3. Üea i nla ist der FlstorizisDiue. Viel- 
luioht bin ioh hior aw wecif^ston TCretariöC'ii wor4fon» 
weil (io h der öödunke nicht unmltteltar uuhe iiagt, 
obwoül man uio -.rsohoinuiii^en könnt, i" iat i>ii#oiiO- 
logisuh violleloht für die hieei->jn 76t:*^l-ni-se 
^r nicht ontBchöldend. Der Hißt, liat in der Frage 
des lliohttoekonnwis seine« Retaphi'ßtsc^hou S uar*ü.punktea 
eine grosse Äolie gespiolt. 

M«tÄplii? s ik bedeutet, dao«*,- ä« j^nfjoits 
ttlles Köcperlichön ist, Dießec voIlUoru n Juidöro 
im Qq^ naatz air körperlichen TiÄtur. t'ieflOB voll - 
koBL-en andere '»ird anerkannt durch Kalt . '.c laxt 
gesagt: Das ring an sich, ^^an kan es aa »ic rächt 
er«.onr.cn, aber nur den ncholn fin.^s Dingos im uns. 
Der HiJt. hat köind ütellung zur Frage der Mela- 
physik genocxen, weil er sagte; Ich v^3t,-ut etwas, 
wenn ioh seine öüSohichLe, aelca SntvicUung kfeni,«.. 
Denn dann bin ich oarüber in Klaren, waa ©a b^dawutat. 

ist ein tQrua.v«nder stanipunkt und «äp.na« Gcaara- 
tionan sind darauf hereirjgerallen. Ich laaine jen^n 
iunkt, wo der Bist, ins M taphysisohe hinUr.orkippt. 
Mu: in Lattie der Jahre ist et.mü Heues daruat gwcrden 
Denken Sie nur einmal an die tl «^len B ^Jtrvbuugöü 
der rAlgiLdsen Satwioklangon» Sa ist unglaablioh. 



/y 



- 8 • 



was aui" di^B m Oublute sich die Denker alles geleistet 



♦. 



haben. Ausgegangen von 



der Religion der Primi 



tiven, derc Animiemus, blieb zuletzt eine verklärte 
vom V^er Stande zu rekonstruierende Sthik. übrig. 
So hat man mittels der historischen Darstollung das 
Wesen der Religion entwurzelt. Dieses ist eine Ent- 
wicklung, die sifjh erst im Laufe der &esohichte her- 
ohr istall isierte. Aber es gibt in geistigen Dingen 
eigentlich gar nicht solch e ine Bntweicklung. Dies 
Ist nur ein Aberglaube. Schon in der Bibel steht: 
I^i sollst nicht morden! Das vurde vor 3500 Jahren 
gesagt. Könnte man sich vocsts^len, dass in Millionen 
Jahren einmal ein anaeres ethisches Qobot sich ent- 
wickelt haben könnte; «Du darfst morden!" ? 



Das ganze Schaffen ist nicht rbttional berechen- 
bar. Nicht darstellbar durch die Bugriife der mecha- 
nischon Siitwicklung. iSs ist irrational. Der Ilisto- 
rizismus hat viel Unheil angerichtet, jedoch möchte 
ioh im Moment nicht mehr darauf eingehen. 



Als 4. habe ich die Astrologie und Magie an- 



geführt 



Man könnte darüber einen Winter lang spre- 



chen. Es ist ein ungeheuer gefahrlicher Ausweg. 
SS ist ein Hwnmnis, das eine gewaltige Rolle spielt, 
wer sagt, dass die Astrologie keine grosse Rolle spiele, 
der hat die Zeit nicht richtig beobachtet. Sehen sie 
sich doch einmal die Zeitungsständer an, Sie finden 
dort eine ganze Reihe von astrologischen Zeitschrift- 
ten, von denen wohl einige verboten, aber ituL.erhin noch 
mehrere zu verkaufen sind. 

Astrologie und Magie spielen wie gesagt 

eine ungeheure Rolle. Sie bieten die VorausBetzung , 
dass man sein Leben beherrschen, bzw. voraussehen 



- 9 - 



kaaan, vjenn man der. Lauf der Geßtirna kennt« 

Was bedeutet aber üiv^se Auftasaung? Sie 
bedoutot, ß^att sich klar zur ?'irkliülikait hinduroh- 
zu;itüßöön, ütattdcüsen sich mit einen Nebel von Vor- 
ßtüllungör, behängt. Sei es für sich oder andere, 
wer die Zu.:anrt voraussagen kann, lebt auf durch 
diese l^iacht. Kü ist oin« Able^i-utiti von den Preiestern 
der Feraer, uer Begcii'f das iv.agiers, dei: wir in Zoro- 
asiter f Indien. Die Iviigie hat eti.as, was den Menschen 
in Batm schlagen liann. Es ist v.ie ein Hinweis auf 
das Märchen, dae deiu Mensciien vorgaui^elt, er köiüite 
über alles Ixiacht geväni.ön. Zu^jleich danebengos-ellt 
ist die Frage, üb ea nicht unt^r einein höheren &o- 
sich\,spunkt eine echte Art von Vorausvorkünl igung 
gibt, loh habe uabei auf das Ora..el hingewiesen. 
iSs ist dirise echte Art aer 7orau^ver. undigunj/, dass 
ein Mensch wirltlicii fühlt, was kommen wirdj denn 
es gibt in Wirklichkeit die ...öglichkeit, etwas vor«uB- 
zuspüren. Bin Mensdi , deriu naturlicher Umgebung, 
wie :..ur dem Lande lebt, ist viel reifer für solche 
Dinge. BS gibt wirklich .inen •jchicksalstraum etc. 
üas beruht auf einer anderen Voraussetzung . Schon 
die ariechen haben sich durch das Orakel von ihren 
Priestern, die Voraussage machen lassan, dass aie 
Sinswcrden mit dem G'tte, und durch diese grosse Schau 
versuchten sie einen b-stim ten aeoichtspunkt für ihr 
Leben zu bekomu^en. v<elchö zxei eigenartige Vorgange 
liegen hi«r haarscharf nebeneinander?, dessen Unter- 
schied zuA.Teil im 'ansehe des i^ienschen liegt? 

1, Der Mensch will ein^ magische Macht auaüben. 

2. Der Mansch will nur Werkzeug a*ttes sein. 



- 10 - 



SB Ist v/ie bei jeremia, der nicht der Bote O'ttes 
sein will^ weil er sich vor den Mens cuen fürchtet. 
Br sagt, er sei zu jung, otc. Aber da erv/idert 0»tt: 
Ich mache Dich zur eisernen Mauer gegen die Pursten« 
Br ist nur der Bote a^ttes und und muss ausführen, 
was ö'tt ihm sagt. Er r:u33te einfach sprechen, da er 
von ö'tt hinausgi^stel It war und dieses ^ürte# Dieses 
ist jedoch etwas vollkommen anderes, als jene unheiligen 



Zaubereien. 



In der Bibel steht. Du sollst die Zauberer 



nicht leben lassen. Audi die Römer verurteilten die 
Zauber ei I ebenso wie die Babylonier das Zauberwesen 
bekämpften. Und wir finden es auch für alle Zeiten 
festgelegt, denn os steht auf der Hamurabi-Saule auf 
dar. Hanurabi-Gtsetz, dasc Zautereion varboten sind. 

Alle 4 angeführten Auswege sind Hemmnisse 
auf deu) V^ege, sich zu seinem Standpunkte zu bekennen« 
Und ich künr...e noch eine grosse *"enge anderer Auswege 

diesen hinzurügen« 

Ich möchte denjenii^en, in denen die Frage 
auftaucht: Woher, kommt ets denn, dass sich ^.zo Gene- 
rationen dem vershhliessen, sa^en, dass ein Möisch gar 
nicht aus weichen kann , dass er bekennen muss. Weiter 
antworte ich darauf nicht etwa: Weil sie er kenn gn, in 
der Richtung lieg:t nicht die v/ahrheit, sondern weil 
aio sich einfach nicht von dem Sein haben in die Enge 
treiben lassen. Wir sind :i.lle einmal in u©r Situation, 
dan Oottlichvn gegenübertreten zu ipüsüen« Seien wir 
mutig und Trollen wir es tun in dem Augenblick, *n dem 
uns der Brnst dar Situation d azu zwingt« 



- 11 - 



Venn icü nun übergehe zur Frage aer aüdlachen Bthik, 



so vertolge ich n oht den Zweck, Ihnen ein 
Gystem der jüdischen Bthik darzulegen, das würde 
zu v.eit führen. loh will heute die jüdische Shtdk 
erörtern unxerd« gleichen öosichtspankt, unter dem 
ich bisher alles betrachtete and zwar von SLarüpunkt 

des Judentums. 

Ich sprocho über die Pra^e: v-as ist Juaentum. 
ich will keinen bekehren, sondern nur ausruhren, 
dar.s hier die Wahrheit für ua»i, xtir unsaron jüdischen 
Typus liegt. Inwelchem ZusacmenhäiTg öteht die jüdische 
Sthik mit den jüdischen Typus? V;a6 versteht madenn 
^.berhaut>t unter Sthik? Ss gibt darüber ein ganz 
philosophisches Fach mit allen möglichen Merkwürdig- 
keiten. Man unterscheidet nach den ür^rung, nach 

> 

dem Obj«ict, nach d«r Form. 

Sagen wir z.B.: V/ir verstehen unter Ethik 
Hll das, was der Mensch handelnd tut oder auch handelnd 
nicht tut, in jeder Beziehung, die irgendwie eine B 
Ziehung besitzt vom Handeln des Menschen zum Bwig- 
metaphysischen. Wer einen Menschen neben sich ver- 
hungern ILsst, tut aigentiicU gar nichts. Aber 
trotzdem harUelt .v in seinem Nichthandtln unethisch, 
und gejren uns«r Gei'Uhl. Wenn z.B. jemand bei einem 
Mörder, d«r hingerichtet worden soll, von Mitleid 
erfüllt ist, 30 urteilt er in praktischen Leben unter 
einem uwigen aesichtspunkt, der ihm ni<ht klar ge- 
worden ist. wenn z.B. ein.r glaubt, das Hooht zu 
haben, Tiere zu töten und ^;^nsai en zu zertreten, so 
hat das irgeniwie eine Beziehung zu seiner metaphy- 
axBchen Voraussetzung, und di se Beziehung möchte ich 
daretellen und darauf von vornherein eine AUwcrt 

geben« 



- 12 - 



Man löinn nämlich in der Frjige der Bthik nicht irgend- 
©tvas beiiaupttn oder vom Ver;itande ableiten« lus ist 
einer der g roüjson I rrtUmer, dem z.b» auch Kant anhüim- 
goiallen iö^i eine rürniule und materielle Ethik. 
Die fürrr.al3 Bthik ist deutlich ausgedrückt durch den 
kategcrt sehen Iirp^rativ: "Handele so» v/ie ei^jentlich 
alle Menscher, handel» müssten. Kant ha.t gesagt: Hand-le 
so, dass die Idaxime Dein s Randeins zum allgemeinen 
QrandiLatz erhoben vferden könit e. I^.nt setzte dabei 
voraus, df^.ss sie in der R cksicht auf das geraeincame 
Leben läge, i; Sor.ialen« Und darin hat er sich merk- 
würdig getäuscht. "Handel© so, wie alle handeln Soll- 
ten", damit habt-- ich noch nichts auEg-vC:;.gt, über die 
Mein ng eine*: Menschen. Ich könnte mir vorstellen, 
dass ein GK). altiger sagen würde: «Bitte stellt alles 
nach di'Sera Prinzip d^js kateg«»ischen Imperativs rich- 
tig. Man könnte z.B. durchaus Scigen: os ist möglich, 
dasj er nach dem kategorische;. Imperativ richtig ge- 
handelt hat, denn Kant hat gedacht, anders könnte kein 
Mensch handeln, v/önn er sich nicht selbst sdiadigun 



v;ollte« 



liass man den kategorischen Imperativ auch 



anders auslegen kann, das beweist ein Tyrann des 
Altertums, der nav.h dem Grundsatz handeltet: Ich 
tue, was ir gefällt und v;as ich für richtig halte, 
handelt ihr doch auch so, ich werde mich schon erhalten 
und durchsetzen. Kant hat jedoch vorausgesetzt, dass 



ein Mensch so etv.as nicht denkt. Der 



for ala 



feKXKK kategorische imperativ gibt uns keine MöüLioh- 



keit, einen Sprung zu machen zur matri eilen Bthik. 



- 13 - 



Kan\. iu.t uuj b^igrairiioiivin Jrunitin cLlu^sen Imperativ 
so rurmulivirt« 3r war näfülioh in ;3ein«cim Leben ein 
streng rroiömar ßletist unU v.1^ solcher erschien es Ihm 
aelbßtvurstandliah, daöß ein MenBoii nicht stehlen und 



Ql 



ordwm wird^ und weil er bo dachte, hat er ohne weiteres 



angenomniün^dfce Fürn.uliorun|>; v^ürde genügen: Handele so, 
dass alle auch so handeln mübsten* Der kategorische 
imperativ hat eine gewaltige Boaeutung* Man muss 
nur üfcsti unterbau, aer vorhullt ist^ltlar hinstellen, 
'^an üiuati z.dgfcn, üasa in firkliuhkeit der kategorische 
lm;}orativ Gin j)enkmal ist, daa auf einom Sockel steht, 
clor tiijf im Metaphysißohon verankert ist. 
Ba gab Mönsdtien, aie v-ussten, v/aa Out und Böse ist. 
und 2war üuI' Grund jinas Vorganges, den ruan Offenbarung 
nonnt, i.aben sits es Ginfaoh göwusst, 

«beriso wie in dor i'issanüohaft ein üjaklid hat 

seine er um legenden i>eiir»u.tze entaeoken xcönnen Imd 

wie 

auoh -änatein seinu Relativitatstheoriy^ «beiso der 
düUvSoUa phisikar Flank j. ne wunderbare Kntdeckung von 
der Portpflanzung das Liohtes eto. hat machen können • 
£3 sind gewaltige Bntdec.vungen, die oft in einem Ju- 
genaerlebnis funuierüu. üa gibt viele üohriften, wo 
groöse G^aehrte ihre Theorien darstellen, und zwar wie 
sie sich im Laufes ihres Lebens entwickelten. Es 
gibt eine '.iahrheitssohau auf jfcdaiu aebiet. Auf den 
Oebieten der v.issenscualt etc., warum nun nicht auf 
dem (iebiet der j;htik, der ßeii-hung des Binzelmenachen 
zur Mei^aciihdit? a,s gibt wünschen, die haben ^sehen 
was gat ist und andere, die habtn sich vers ehen. Diese 
Dinge tonn man nicht miteinander versöhnen. 

loh muss hier zurückgehen auf jenen Ursprung 
des ethischen wertes, der vom Judentum der V/elt 



y 



Kf- 



- 14 - 



ü'bergobön \varde and vom Ißerlam und Christentum aufge- 
noi]r.0n vrorden i^t: Eß sind die 10 G€)bote. 

Ich \ ill heute den zureiten Teil horausnchji:en: 
Du sollst Tater und Matter ehren, nicht m. rden, nicht 
BtÄen, nicht fidschcs Zeugnis aussagen und nicht be- 



gehren 



Das sind QrundȊtze der irenschliciien Verhaltungs- 



we 



ise, dahingestellt s.uf ewigen granitenem Sockel. 
Lou ttrzoch: !)u sollst nicht morden! 
Lau« tinrof : m sollst nicht ehebrechen ! 
Dieses sind Worte, die wir uns oinhüjmciern 
müssen, dann kommen wir zu jener Voraussetzung, die 
das Judentum macht in Bezug auf Sthik. Ich hö.be Ihnen 
o£n Buch 2ii '.gebracht von Rudolf Otto, dp die Religion 
vom Standpur.; t der R.v ij/ionspsychologie behanlelt. 
Er knüpft an an das "Am Kodausch". Ich zei^ie Ihren 
h ier eine Al^bildung, die die Göttin i^ur^a darstellt, 
damit Sie sie ;inmul von Ar.^psicht zu. Angesicht scliauen. 
Die Inder sind ein geisttg hochstehendes Volk. Sie 
haben IXirga, die Mutter und Oottin Indiens, als eine 
scheusöliche Toufelsf ratze dargestellt. "Der grässliohe 
Muni ist weit aufgesperrt und mar glaubt, aine l*ürchtor- 
liühe Stirn, e da: au« zu vernehmen. Auf aer Sttrne sehen 
wir 5 fürchterliche Augen und vom sieht aus sehon 
wir erschrockÄnde Krallenfüsse. IB Ist ein scheuss- 
lichoB Bild und wir nUssen und fragen, varmn haben die 
Inder versucht, das öottlicho sc de-rzustollon? Otto 
entwickelt der. oedanlcen volli:oma.en rieh ig. St sagt: 
Di'^se DTirstellung ist nicht ein getreues Abbild der 
Qöttin Diirga, sondern die Darstellung des Eindrucks 
des Purohtbaren, den man vom oöttlichen bekomnit. Wir 
liaben im jüdischer, den Ausdruck: Nauro. Wir nennen 
ö*tt der: Purohtbaren und fügen diesen Begriff dem 



- 15 - 



\ 



göttliclien Najuen hinzu, Ili ir habön Bio dJeacs Puroht 
bacö bildlich ausgedrückt. Denken Sie bai dioseta 
Bild daran, waiS d; ö JudentuTi sagt, und iiwar: Du 



s 



ollst Jjix kein Bild iiacjhi-n von Dein^^oi a'tte. Hier 



liegt auch die Quelle rür di? Abschneidung der 
künstl<!ri soften 3 et ü L i gang , sov/öit «s -^iu^ bildliche 
Au^jdraoksweicö b^tiiiTt. Da:; Juä ntum musjte uns 
vor di(..s*ai Irrweg bowahron; wfeil das ajwt,licho 
rurchtbar ist, .r.uss der Mansch furchtbit handeln 
am l^enschen. Co primitiv es iit, so ii^v- oi; dü.-h 



eine Voraussetzung, die v^n »aiLllü^ür. iconscaen car 
Erd3 gö'iiiacht -.forden iüt. v.ail däs Leb.n, das e^ig 
Ceionde furchtbar ist, darum uüriacht fein Kampi' aller 
gvgen allo, darum ist der wenaoh i'-ur Grausamkeit be- 
rechtigt. Das ii;t oin muricvurdigör Schluss. Das 
jud- litora jedoch sagt: Trot-^dcr,. kiollst Da, Mensch, 
nich'ö morden, nicht steiacn, n icl.t ehebrechen etc. 
Die Jüdische l'r:.di^iori lact: Pur siiobrechen und Di'&b 
ahl steht Tod^sstraie, obenso wie nur dem »m sollst 






nicht morden. Don.-, mit dem Diebstahl ist der Monschen- 



diebstahl gor::«.- int. 

In diesora Zusttmmenhang möchte ich hinv.aiuen 
auf den 60. a burtstag vuu Albi»rt Schweiz r, der eine 
herrliche aelohrtenzukunrt in Doutsohlanl hattsj, und 
ungeachtet dessen hiaausüegs-ngen int vor üram über 
dio Versündigungen au arrilAnischen V"lk, a-n den 
Soh'.7arzen. Br konnte es nicht ertragen, dftss unter 
dar mske der I'.ultur draussei. unendlich viel Unglück 



geschti.f-1-eu wurderi und er w ollte ihnen hal-'en. 

Dia Bibel sagt: Lau slgnof : Du sollst nicht steh- 
len. 
Laux' zirzof: Du sollst nicht töten. 

DU hast niüht das Rooht, das Leben eines 
Mensen en zu be-^intrachtigen. 



.y. 



- 16 - 

Zuiu Mann gehet t aie Frau. Der M^i^^ tcst^ht aus 
2 Teilen, aus mämaicUum und weiblichem. Und aus 
der Vereiniguufc. wird erst ein Menach geßchairön. 

MiwitNar uer Ehebruch der vorhöiri:tüten 
Prau iBt tüüea*'ürdig. Bündern oß i^iU rur -..lixU und 
Frau; es gibt kein.^ düpp..lte Licral. Bi hast nicht 
das Hecht, <uxs Leb^n ein.s anderen Menschen '^u be- 
eintr..ohti^^n. Du sollet deinon Hudi^stai lieboii. 
v,ie aid. selbst. Sind eut^cher Habbinr hat den 
Zusatz gruacht: de^^ .r i- vie du. r'.nnw e.ter 
gesagt wird: Du ^ulx^t t.icht ral.ou.s Leugni^^ ablo« 

. ^ •'T >-^ »^^ »ht li-'/ohron. so i^t da^ nur 

gen und u^x suxlßo uloüL Uw^^^utvti, 

dfc^r pb>oUologiiJOue Lrsprang • i^r.^^ 

öü > an* Una abirum: IXx buli 0I; nx^^au u i^^ 

geboten .i^eutiiuh nur ein. Au.rUch-: rung ies ein3n 
^öutes: Bo«»iutruohtige nicht das Lebon eines anderen 

. „n «r iai wi6 TAI. Dun.-^ben haben wir die 
MätiöOiiön, denn ec a&^ wj-" -»Ai. a** 

, -, -j ... z^iÄ Äi-G der räli*^iÖäc)n Voraus- 
ehtische Ableitung, die au- aec cöx t, ^^^ 

Setzung er,t.^rir.gL. ..l^..t F ürst.n st.her. als stau»- 
geboren. v«c ootaioh». -..as bedeutet d^s? Es wird 

als absolu^^r ^r«c.da.s zu betri^cWan Ist. !U=M8 
ana«.. ist .s im Dualismus. Jouer Lehr.. « ane.- 
• ^*„nt «in vhi.t:.ioh»a und ein üabolis.'.eu. Es eU* 
^Uo Sor..,»n- und T^ui-eUmenschcr.. li^caus resultiert 
.in «»leer Kampr z«isoU*<i d««. So.m* und Tcuiels- 
..nsoton. X.. PautU.isn.us d.s Bubbdbismus b^st.ht 
»ie vots^krixtv üass .*u ander. Kensol-,.ti ii. Leben 

. ^ • 1+1,^»« riH.rf "Der BuddhiäL^us verbietet 
nicht beeilt facht igen darr. i;*»i 

. ^ «>.«, «r verbietet .hn unter der Voraui 
auch den liiord, abei er veruxvv,« 

Setzung, er wurde durch einen l/"ora eine Stufe tiefet 






^ - 17 - 

sinken und zur wi^dorgaburt verurteilt werden. Nicht 
als Mensdh sondern als Tier und dadurch v/ürde er noch 
weitor erti'^rnt äktkIi .AdorKrlöBungdcc Nirwana. Uay ist 
©ine passive Ethik: Tuo nicht das and duB, sondern 
vermeide alles, was Dir schauen könnte aur dam *eg. 
zuw Nirwana. Di&ser Tyiue ist iiicLu lobais t-ciitig 
genug. Der&elbe BuüdhieruUs. uat die ;.:a3tüneintoiluni; 
geschs,tren, vonaoh ./lenschen, obwohl suaubgobor« wie 
T."ir, •.rotzdem höher oder titfer stehen. Sie darion sich 
nicht ir.iteiDander v.TOi.chen. Es gibt Unberuhrbare bei 
den Bu. 'd^isten, die f-arias, und Gandiii hungert daf.r, 
das.; aie ir: die ..enöc:.eng<i.-.-in!iohart ^at^nomim werden. 
Di.se 3cuattenD0itön muab xütxv im Buddhiemus mit in 
Kauf n hmen. Ich nöhm. das ar, ^^-c-il der Buudhismus 
so lang« 9xistic?rt und ^ell erkeit^e venüchtendc r.riege 
kennt, weil er 50ü :.\illiou.in l/.snscheii in ihrer Leb ns 
inö,:lichl'.at. in ihrem oo^ialen Sein der -..Glt geschenkt 
und erhalten hatj , deiishalb rli.v.^e ich, dass der buddhisti 
sehe luen^ch di iäo Präge eri^nnen wird. \rür allen Din- 
gen ork^nne ich den üntarücLied vom jüdischen Ti^pus 
in der Aui'i'asuun,, dos: Du sollst nicht norden, damit JXi 
nicht nach den Tod etwa als Tier wieder g-^^borai wirst.. 

3i.isahon, wi- ich in aieseu einen rankt die 
stran-e örenze ziehe zv-iscnen des reli..,iü3en Typen, 
ras Jud.-ntum bagt .aipi- und klar: 3:in unonil icher 
göttlicher v;llle, den Da bildlich nic!.t darstellen 
darrst, hat deuKcndohen g^schafen. Wir benutzen 
rien Bogriif "Adam" tav die ,,an^e McnsohHeit. üaruui 
findet man ihn bei uns aich nicht als Personen naiven, 
jener erster Adam ist SitmUild der ganzen r.en;:criheit 
und alle Monschon haben d<xs gleiche Lebensrecht, 
darum dari'st T)u nicht morden, stehlen etc., also 
das LtJben DtincS Nächsten nicht beeintri^chti^n . 



- 13 - 



iju ruber hiticius kutjmt uau äit* atitiurö ooite: Weil ^r 
Dein Bfuder ißo, Lein Bruaor in ü'^t. ijeühiiib : 
woüchwto: sullsu Du iiin liobou, „aa iat iui judontuiu 
L_t;be? Eö gehört zur judisoubu jitiiik« »öiiu ukin den 
V/orteu uer Lehrer üuaört, aio dvsii Gfc»duni..äii im ver- 
gühg- nun Jahrhuiidert in^^orhülb clor Thöologi© klar- 
gölögt haben, ^'.ann man ©tv. s i»iörkwuridgeö erlöliön. 
Nämlich den gövaXLigen Uutarochiea zwiöciiön dorn, ^ixß sie 
alö iiöüitittt^s uür Hiiligion i-hrtan und dem, v.'&s iu der 
Praxis getan viurde. 

&elw'Urt v.urdü; Du jollst Deinen G'tt liaben, 
die lu^riBoawn hieben, Jbinen xVudUßten unu ilua btoiatöiiön. 
Wie öüll oic.L nun daii bei den naturliüuun jv:.enöciiön 
in uüL ^ taiciö ;au«v.irk£n? Sollfci. wir ihnar, .m dön lials 
i'alicn?. «^n nu-^i^ aic-i aie la.tWor^ a^.raur g^ben können. 
Ich bin icuon yinmal aal' aön üögriii der ««Awo- =LiJbö 
eingej^angen, aber wxeaoa i..al uiufa* «»r u^-her bdlcuohwet 



we 



rden. Vxexj. eicht v.'ird er u^uuiich in ^vner Scnai- 



aung, die üur ^sUentun. und Judentom i;chuf. 

" Du aoliüt ijeire n liachüten li-i.ben!'» di^seö 
ist -öchstos üebot bei boiuen und uie ütiüiuieu hierin 
volli.ODifcien uborein. iiSJ i,ibt aber auch eine; negative 
i-üruiuliurung dieses Segrirres. Ich erl^-uter© dieses 
jiUi B«äLen an einem BeiSi^iel. Ein Heide k-m zu hillel 
und üagte: Mache mich zum Juii-n, m rhena ich aux eineui 
Bein stehe, bringe eö a.ir in diaü^r it-eit bei« Und 
Hiiiel sagte; Der Orunaeatz a^s Judontums, aua ueui 
all.s abgel-itet v?ecden iiann heisüt: ;.as Die verhasst 
ist, tu auch dwa anderen nicht; all js übrige ist nur 
ii.üßcientar und nun gehe hin und lerne. Dur BötreiTende 
ist ein ööhr iroram^« Mensch gew erden. Die ladagü^^ik 
Hilielü hat den «iann von dem Irrweg h rabgoleitet, sieh 



/ 



/ 



i 

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^ 



- 19 - 

sicli uüör ©iuo aöi-igi- on xuätigzucauhun. Hillöl hat 
etwa^ UnuriiorUb gvtan: Sc hat v..iiic rwgativt- Foraiulie- 
ruug das Gebotös ^s^guüen: Du sollst Dtjiuferi iMEi.ohyfc.jn 
Hoben. Heu düilnicrt aar positiven i'Ot«ttliörung: 
Xu« dwii. auuerö , v-as lu will&x, wi^a aan Pir tuw. 

S8 iat ein nieckwürd j-i^or Ijnteraciii d in 
diesem thöoltgiscUen Schritt, dia positive odör negativ© 

Pormal icrung. 

v.enti i.,ii. oin Lc-r.scii eine KryjQkhoit oder 
oin pcrsJtaiohcs B'-durl'nis hat, so kann er dleso Ding« 
nicht au. aeim Neb encien sehen übertragen. V.enn es 
z.B. ihn: gut sclmitJCkt, so larin er nidit verlangen, duss 
es auch d©n andareu suhrueoüt. L»j.e8it.t natUrlicu nur 

eiu „ottgeplunitel. 

S^ mudo an ur.a für sich in dir etlicher 

wiu jüdischer Aurfassung etwas tjanz ptistiüjutes liegen. 
Der Unterschied ist m e.nifjun B<^grixxün üöhr deutlich 
beiÄjnt z.B. in Zedüko und ^woh: O^rdohLigiieit und Lie- 
be, ijaa Judcntuu iiamt J^ls Houhi^es die Oer-c^chtigküit 
an und das Ühridtüntom als HöchstöS die Liebe. Was Hil- 
lel negativ gesagt hat: w a Dir Vürhasst ist, tue auch 
den andern nioho an. aer^chtigk^it und Li^bo sind psy. 
chülOi^.soh 8 varsüuiüdöne Ausuruokarormen. 

Qaröchtigrteit kennen die Iviensohcin alle, aber 

Liebe \eui^ die wenigsten. 

Ignatz von I.ojola war icistande in jener wunde*- 
baren Liebe sicii aufzuOi..iern,*=b nso wie Franz isiois von 
Aisiöi das sinu ...encJien die ^ich hingegen konner, als 
Opl'er lur aiidore. Zahllose G*:'ötilten gibt es im 
Chrietentuiu, die verehrungawurdig sind, über^o im 



/■ 



^ 



- 20 - 



Judentum w^e in liiiäLm* ••:.: gibt .vünaclien, die groiS^Q 
Li(^besr higkeit i'ür die auaeren haben* Du^ Ohri^iten- 
tum tia^f^t den ::hritt und i3 tollt dit; j/iubü iiiu aiii Auf 
£'.bo f )r ^.1^ „.,en;jc;:en. liin utit^L^hour^^ö N'^giais und 
ein wunderbarer .iut. Tag JuaentuEi wagt j.ioSür. ochritt 
ni.'ht. D as Judentuni will den Menschen nicht in innere 
i^erwürfniüso bring^:n. Al^ oborut^ Foraeruug gilt ux^r: 
BeeintrLchtigo nidit aaü Leben Deines I.ebeni^onsciiun . 
IXxi^ Judontun fcirdert d\s, ^k/^ rian tun loiim , v;as äiun 



erreichen .a 



Idi ^s.ubi>^ d-.s Guristuntura fordert 



hior Uobormoncdi liches, ^s V^r^steat hier diti g ro- se 
G-ofahr, da SS der :/ensd; zun: ilcuchl;.r ■;v^rdöL nuisa. 

Ich möchte don Ilillc-lsohcn u-c?dunksin Tur 
das Judentum vor-.i.;hen. Dio Forderung: Tue Deinem 
Nächsten allt:s, .;a.s T).. haben röcht est, d.s man Jir tue 
Ss liegt uns zunächst nlihor der G dun/.j der negativen 
?orr.ui: .rung: Huto Dich DcinGGi ;iu.i.sttCL ein Unrecht 
zu tun^ denn Du wiaist :.uch huin lli.r; cht -^raM-ldon. 



Ich habe nun zunaclxst einr::cd die Qvur.iLlx^^^n 
der e ,iüdi s ch en Kht i 1: in zv/ei Punkt v^n rostgelagt, 

1. In c:. ta^.hyß i sehen Urs^.rung. 

2* In psyhc ologisciior oder pc^agogisoher liichtui^g 

Vom Judentum aus gesehen hoisst es: Tue das, 

was Du kannst^ tue den andern kein Unrecht* Ss steht 

daliinto^r die ganze tuli-e eines lebenumrassenlen S^sterris« 

Asl Material vill ich ihner: zum Schluss noch eine Jtelle 

vorlesen^ die uns der Talmud überlier-..rt und über die 

Sie jelbst nackienken sollen. 

Rabbi Gimlai hat uns gelahrt: 0»tt hat 

uns y-ereben 6l5 oe- und Verbote und zwar 365 Gebote 



t> o 



ensi rechend den Tagen eines 3onnenjahres und 248 Verbote 
entsprech nd der Ijahl der m nschlichen Glieder* l)a k:.in 



^=si<L 



• 21 - 

David and liat diese 6l3 00- und Vorbote zuilicl^gerühirt 

ujxt 11 unu zwar ifcit dieses onthaltön im F^alm : 15» 

Da sagt er: %ör^ o ö'tt» darf in Deinen Zeiten weilen^ 

wer auf Deinem heiigen Berge iwohnen. 

W«r feiilerlos in ünüchula wandelt , 

VJer fl^6Techtigkeit übt, wer " rjhrhoit spricht 

in seinem lierzen. 

Wer mit öoinur Zunge nicht Vv-rleumdet. 

Ver suinöLi na'jiicton kein Boseß tut und 

Schraach nicUt bringt auf meinen N^bem^ onschen. 

Und v/or v«^rachtlioh ist und aucii von ihm vev- 

eichtet wird • • • « • 



wer Gülchos tut^ der wankt niuht für alle Ewig- 
keit! 

Das öina die 11 GKbote, die "ijav.d aarge-- 



stellt hat# 

Dann kam Jesaja undhat sie 9nif 6 Oebote zu- 

rückgßführt* Sr sagt; Wer in Oor-chtigiieit v/andert^ 

wer Redlich s spricht, 
W«r Gewinn und Betrug verachtet , 

wer ;ic.inu Iland versoiiliaest , damit er ni^ht B 

ßtechung annetoxe, 

wur seine Ohren verscb li^^sst, um nicht Blut- 

cchuld aufir>ich zu laden, 

wer seine Augen verstopft, oamit er nichts 

Böse« tue, der erfüllt 

s^^ine VC rgesohri ebener öeboto. 

Tüinn kam Mischd und führte die # Gebote auf 



3 zurück. 



h. Siehe , Mensch, es ist. Dir gesagt, was 



der Swige, Dein &»tt von- Dir vorlangt: 

1^ Rechtes tun, 2* Liebe üben, 3* demütig wandeln 

•> 

vor Beinom ö'ttö. 

I)E.nn iam noch einmal Jasaja und führte die so 

Oöbote auf 2 zurüok: 

ändert reoht und übt Qereclit igkeltl 



• 22 - 
Arnos dagogon führte all« 0«bot9 atif «Ins zurück: 

Iröohun uiid wichju: 3ueht mich und l*«ht! 



Hubakuk atk^Xe: vajadlych und hat d^mit den 
Orundöi^tz aufg' etvlit: Der Zadik, d r der ^cüte, wird 
In seinor Troae löbon. In Oiesm Bögrirr i&t das Judön- 
tuaj in seiDOT tiefen öwi^en «tiiiöcher. Boziöiiun^i OTras-t. 

im GlÄSSiuitinuü üpiwlt cer Z- dik ein© groi^ee 
RüUe. Dyr Zudik wird Idb©«. iß Cöinar Truuo, Zödokoh 
uät «C^^tecLtlteK-it'^ '*:u .ber^etzen, ist nicht richtig, 
SonÄorn: Zodokoh i^st d-ta, waa der M-n;ioü iu töbön tun kann, 
UE 8ioh 3ei.n.^r gtttäOmliuhheit nicht, ech^inon zu musson, 
cLus^ wtia Kian uu joüun Sinii^Itian :as Ford- run^ richten 
kann, rrann loh sa^-e: Li^^be Trinen Nrichnton, so .^t« .t;ht 
dlö rratic: T7l . soll ich denn das tun? Ich nach© dleßea 
Sat2. nicht .-;tcr»rliüu, ich b.*-unüore ua, denn ea ijt 
etwas Höh: ■, dass es iti den Mittölpurit g-stellt wurde. 
Trczac« aber ^.a^e ich: jjor ,>.d.coht. Typua konnte in 
den liitwölpunk. stauen nur d-s rort; l)er a^rochwe 
wird in s einer Treue leben. Und wem Sio cien Gar.g 
der öinj:>J bc-obaoLtot habon, sc haada ^i« göXuncLen, dass 
der aedanke der Zedükul. sich alltnoualig aus den 6l5 
de - ui:d Vurbci,«n U^ca .ögu^u...lt :.at bis ur m einer 
}fach«n 3i*ul3 horvori^in^j. Bß heiastz 

liu- drei T)ir.,««i s uht ale feit: Anr er O'tteilehre, 

Auf de« G't-tcßdidDiit u« 
auf der rechten Liebe ata Li gkeits 
Also: auf dem nrchl, der Tahrh It und auf dem Frieden, 
wenn Sie i» Leben eines Denker» 2 Aueärucki. neb*^n.=jinander 
genteX't haben, werden Sie hatfigfind«n, dal« diese sie h 
wldereprochen. tti-r li.igt über kein >iclor.T^raoh yor. 
»ondern ea iet ein Tor zur Waiirheit. Uebor das Meta- 
pluttiöch kann man nicht sprechen mit irdieohen Worten, 
man katm nur blldlioh davon epreohen und das gewaltigate 



f 



- 23 - 



K 



Bilt iöt icinor nur dbOt 

Es ist so und. es i«t dtwh nJc ht so, 
handölo bo uiiC Us^vkioIö douh nicht so, 

nat dtLXCh soluho Ot^gf^n Kratze v/ird ein ^^lensch vorbe- 
reitest, den v/eg ins Metaphyöische zu llnaen. 

Heute In 8 Tagen werde ich Ihnen die Frä.ge 
weiter darlegen, indim i«h dann -ingoh© ;-.ul' dc.s jüdi- 
sche Eöoht und von da aus wditur zu der Fra^ dos 
reiigiööen Kultes. Die uebrigon Thaiien, die ioh nooh 

behandeln verde«, sind : 

Der religiöse kultur, 

die Qoschiolitö urt ür riiigiös««! Gesichtspunkt, 

Höligion und "'issen schall;, 

aio Art der G»tt6£;ori'enbarung, 

dör . e^ 2ur Religion utid Reli«=jionspadagogik, 

Dlose Ueberschriften sagen nur onig. Ich '.vi 11 alle 
Gebiete nur unter dorn (Jesichtspunkt bv^h^rw oln, in 
welcher Art und v;eise sie Aa3 druck des judi^jchan Typus 

sind. 

Am Bndo di aar V rtrai^^sreihe inociita ich, dass 

Sie oin Icloines Stück, ait mir i.ußuüUiiöa und durch Ihre 

eigenen aedsrnken 'Vöiterg«kürair.än sind in uer Präge dm- 

Döi'initiun, was ist Judtmtum in ahrh.it. 



« 



I 



I 



- 1 - 



Meine Damen und Herren 1 



1 



V 






Dieser Tage sagte mir eine der üjamen, die hier an den 
Abenden t ei Iniriimt, dass sie ein Bild habe, dass gerade 
in diesem Kreise sicher sehr interessieren wurde, fieses 
Bild ibt Ihnen vielleicht bekannt, denn es ist der Stich 
von Dürer: Melancholia. Dieser Stich ist wirklidi 
ein prophetisches V/erk. Man sieht hier eine betrübte 
Prauengestalt dasitzen. Um sie herum sind die ver- 
schiedenen Symbole der Wissensohart und der praktischen 
Bewältigung der Welt: Handwerkszegg etc. Als Symbol 
dafür aufzufassen, dass sie alle v/issere chaften durch- 
forscht und mit allen Mitteln versuch . hat, die Yfelt 
zu bewältigen. Sie hat sogar versucht in der geheim- 
nisvollen Kabbala zu lernen. Man sieht oben in der 
Ecke geheimnisvolle Quadarte. jedoch alles ar umstnst , 
Das Q-lück ist nicht gekommen, weder durch die V/issen- 
sciiaft noch durch die praktische Lebensbeherrschung. 
Da sit^ nun die Frau mit trübem Blick. Aber sielt 
auf einmal, wie im Hintergrund der Himmel sich öffnet 
und ein Lichtstrahl hervorquillt. Dürer hat voraus- 
gezeigt, wie weit der Mensch in der Wissenschaft kommen 
wird. Wissenschaft ist etwas Wunderbares, aber der Mensch 
wir die ent^ltige Befri -digung nicht durch sie er, erben, 
sondern nur, wenn er versteht, den Blick emporzurich- 
ten zum Himmel, aus dem das Licht der &/;igkeit durch- 
bricht und das Dunkel unseres Lebens erhellt. 

Die Rolle des Lichtes, das das Dunkel durch- 



bricht, ist das, was 



wir heute mit dem Begriff der 



Religion bezeichnet haben. Die Religion ist die Bin- 

« 

düng an das höhere geistige, an das Ewige. Wir haben 



i. 



V 



\ 



- 2 - 



4 



V 



*, 



f 

I 



versucht, jene Punkte darzustellen, andenen das Lidat 
hineinquillt in die mens c hl i che aümeinschaft, jene 
Urpunkte, die man nicht weiter erklären kann, die typische 
Offenbarung des RJ. ig lösen in den verschi den^ n Menschen- 
arten.Y/ir sind nun dabei, den jüdischen Typus inner- 
halb dieser 9 Typen auf seine Bigentümlichkeit genauer 
zu untersuchen. \7ir haben vorige v/octe begonnen mit 
dem Kapitel der judischen Ethik. Icü habe versucht, 
jenen Boden zu bestimriien, de« die jüdische Ethik stark 
unterscheidet von der Ethik irgendeinen anderen Typus, 



un 



d ich habe es davon abgeleitet, dass innerhalb des 



jüdischen Typus wir die zulängliche Begründung dai'ür 
finden, dass der andere Mensch das gleiche Leb^nsrecht 
besitzt wie v.ir selbst und zwar quillt diese Voraus- 
setzung unmittelbar aus der metaphysischen Voraus- 
seztung des jüdischen Typus. Der jüdische Typus kennt 
keinerlei Dualismus, nicht den G'tt des Lichtes und 
den der Finsternis. Der jüdische Typus sieht einen 
göttlichen Willen, unvorstellbar, unbegreifbar, aber 
ein klarer zielbewu^ster Wille, der di.se Welt gestaltet 
hat. Er hat einen Menjchen geschaffen una von diesem 
stammt die ganze Menschheit ab. Adam ist das Symbol der 
ganzen Menschheit. Das ist jüdische Auffassung. Dagegen 
steht die Aut'fassung ein.s anderes Typus, jener z.B. der 
glaubt, weil es einen &«tt d-s Lichtes und einender 
Finsternis gibt, gibt es auch Licht und Teufelsmenschen. 
Bö gibt Könige und Fürsten, die von d en aöt^ern abstam- 
men und die das Recht haben, andere zu v ernichten. Das 
sind urgefühle, Urauffassungen , die immer da waren. 
Aber der jüdische Typus hat eine andere Vorstellurig 
von dem, was a'tt ist, urri hier beginnt eigentlich die 

jüdische Ethik, hier ist die Quelle. Ich habe 
die Ethik des Buddhismus daneben gestellt. Es ist eine 



i-.«:-t « 



i 



I 



Ich habe 



- 3 - 

vollkoirjnen andere Art, eine passive Ethik. Der Mers ch 
ist nur egozentrisch gerichtet. Tue nichts, was Beinen 
weg ins Nirwana verhindern könnte. Selb stb er ä- an dl ich 
ist der buddhistiL;che Menschgenau so wertvoll wie der 
järüdische. Er ist eben nur anders als wir. 

Ich habe Ihnen neulich aufgezeigt, wo die 
jüdische Ethik zu quellen beginnt. An jenen Punkt m , 
wo die Offenbarung kollelctiv vom ganzen Volke aufge - 
nömmen wdrde, in den beiden Erfahrungen, dass G«tt ist 
und dai^s kein anderer G'tt neben ihm ist. Nur diese 
beiden ersten Gebtte sind von G'tt gesprochen und vom 
Volk gehört worden. Hier beginnt unser jüdisches Sein, 
die jüdisch-ethische Erfahrun- zu quellen, 
die mi-.tleren Gebo;:e überschlagen und werde nun aufdiese 
eingehen. Heute vor 8 Tagen habe ich d .rauf hingewiesen, 
wie in den Geboten, Du sollst nicht .äten , nicht ehebre- 
chen, nicht stehlen, eigentlich das Grundg-bot der jüdi- 
schen Ethik gemeint ißt, denn alle drei Gebote beziehen 
sich auf üixöe, deren U ebertretung mit der Todesstrafe 
belegt ist. Bas Morden i^t selbstverständlich auch 
nach unserem heutigen allgemeinen i.iensch enge fühl de« Todes- 
strafe unterworfen. Auch auf den Ehebruch beruhte theo- 
retisch die Todesstrafe. Aber nur das Vergehen mit der 
verheirateten Prau bedeutete Raub. Der Mensch ist 
dadurch ze^ört und entweiht. Äucli aa3 Gobot, lau signof, 
DU sollst nicht stehlen, zog die Todesstrafe nach sich,, 
weil damit der Menschenraub gemeint war. Und weiter : 



Du B 



ollst nicht lejo = falsches Zeugnis aussagen, denn 
auch das ist ein Vergehen, was nach jüdisch^ethis eher 
Auffassung eine Todesstrafe zur Folge haben kann, weil 
die zeugen Falsches gegeneinander aussagen und daait 
das Seht6ksal dessen zerstören können, den sie verleugnet 



•* 



- 4 - 



H« 



h 






haben, Also eine Lebensbeeinträohtigung daraus ent- 
spri essen könnte • 

Nun BK ine Damen und Herren, müdite ich denselben 
Gedanken, den ich vor 8 Tagen dargestellt habe, von einer 
anderen Seite her beleuchten. Ich will Ihnen nicht einen 
Abrics der jüdischen Ethik geben, weil man darüber un- 
endlich viel sprechen könnte, ich will aarum haute ver- 
suchen, Ihnen ein Bild darüber, v/t.s judische Ethik iüt, 



ffi 



lit einer kurzen Zeichnung darzustellen. 



Man hat irumfcr schon die Ethik aus der Wissen- 
schaft überhaupt als besonderes Gebiut herausgehoben; man ^ 
hat sich damit eigentlich im innersten gegen das Leben 
veräindigfe. V/elcher ist sich denn bewusst, dass er ethisch 

Wenn er hantelt , so zeiht er nicht 
und fragt, wa^ gebietet mir die Ethik? 
did Ethik heraus. /Der Mensca ist 



im Leben handelt? 
wie eine Schublade 



doch eine Einheit^ wenn man ihn von irgendeiner Seite her 
berührt, so spürt es der ^anze Mansch. Unsere Sinne sind 
genau so geartet. Man kann si berühren vonvfclcher Seite 
man will, sie werden i:.iaer die gleiche Empfindung haben, 
wenn man z.B. den Augennerv durchschneidet, so lautet die 
Aussage derjenigen, die mit diesen Dingen zu tun haben , 
dass der Operierte auch eine Liohtempf indung hat, ob - 
wohl das Schneiden nichts mit dem Licht zu tun hat. 
Das Auge reagiert mit eine« Liclt empfindung, w eil e s der 
Lichtträger ist. So ist der Mansch eine Einheit, von 
welcher Seite» auch eine Aufgabe an ihn herantritt. Und 
so reagiert immer der ganze Mensch und nicht nur d er ethi 
sehe Teil des Menschen. Darauf beruht auch das ungehai er 
schwierige d^r v/ahrheitsforschung, weil man das Q&nze 
erfassen und begreifen muss. Das Ganze ist mehr als 
die Sumi.:er der Teil, eines Ganzen. Aber indem Augen- 
blick, in dem man etwas unterteilt, fehlt eben die Ganz- 



«• 



- 5 - 

heitsbeziehung, die mehr ist als die Summen? der Teile. 
Es ist nicht richtig, wenn man die Ethik als einen 
Teil herauslöst. V/enn ich Ihnen nun e inen Begri±*r ge- 
ben möchte, v/as die jüdische Ethik ausmacht, so muss ich 
versuch, n, Ihnen ein Bild zu geben von der Reaktion , die 
der Körper des jüdischen Seins erc raltet auf dic^ unend- 
liche i^^age, vvas ist das Seiende, was ist das Leben? Das 
ist die metaphysische Frage. Wie reagiert der Jüdische 
Typus unter dem Lichtstrahl, den wir unter d em Begrifi* 
der Ethik im jüdischen Sein auslegen. 

Hier ist entscheidend der Q-'tteshegriff» 
Bedenken Sie doch einmal: Es ist ausgeschlossen, dass 
das Judentums mit etw; s Nebensachlichem angehen kann. 
Die Bibel beginnt mit; Am Aniang schuf G'tt himirxel und 
Erde. Mit diesen Worten wird schon das Judentum in 
seiner .'anzen Lebensauffassung begründet. Die spätesten 



Gödanlien sind in V/irklichkeit schon am Anxang ent- 



halten. 



a«tt , Himmel und Erde, diese Begriif e üind gleich 



am Anfang . V/as bedeutet die Mitteilung der Bibel für 
uns un-Ger ethischem Gesichtspunkt. Die Schöpfung von 
Himmel und Erde durch O'tt bezeichnet d en jüdischen 
ethischen Kosmos. Hier ist das Haus des Judentums be- 
gründet. V/ir stehen nicht mehr ungeschützt im jüdischen 
sein da, wir sind hineingüstellt in eine Beziehuiqg zum 
Bv/igen. Es ist ein seelischer Kosmos. Ich zeichne es 
f ol g ndermas jen : 



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- 6 - 

Die Erde ist die Basis, die ich durch einen Strich sym- 
bolisiere. Darüber wölbt sich wie eine alocke der Himmel 
der die Erde abschliesst. Oben mache ich einen Ein- 

iinitt. Hie« bricht der Wille des Göttlichen ein und 
sdiafft den Kosmos. Das erste das G'tt schafft ist der 
Mensch Adam, den ich durch einen Pfeil nach unten ein- 
zeichne. Adam ist das Menschengeschlecht zugleich. Nun 
kommt ein Drittes, was ich schon früher angedeutet habe. 
Nämlich nach der Schöpfung dieses irdisch. seelis chen 
Lebern raumes gibt G'tt ein Verb indu% sglied, das von 
dieser Schöpfung hinüberführt vom Binzellebewesen zum 

G-e s amtmen s ch «n . 

und das Bindeglied ist das 4. aebot: 

Gedenke des sabbattag.s, ihn zu heiligen! Hüte den 
Sabbath, ihn zu heiligen. Das erste war Gebot und das 
zweite Verbot, dieses steht im 5« Buch Mose. 
Dieser Sabbat hat .-in. unerhörte, gewaltige, tragende 
Aufgabe. Es ist lächerlich, dass manchuial b ehauptet 
wird, dass der Sabbat irgendwie im Zusammenhang steht 
mit dem Schabbatu, der bei den Babyloniern der Vollmond- 
tag b edeu.et. Dieser Schabbatu war der Vollmondtag 
• im Monat, ein dämonischer Tag, an dem der Mensch nicht 
herausducfte, v/eil die mmonen ihn vernichten würden. 
Y/ie soll nun dieser Schabbatu in Zusanrnenhang kommen 
mit dem tiefreligiösen Sabbat, dem Tag der allgemeinen 
•sozialen Ruhe. Dieser Sabbat nun, der als Zwischen- 
glied von der Menschheit heruntersteigt zum allgemeinen 
sozialen Leben, enthalt ein idar gegliedertes Gebot. 
BS sollen ruhen an diesem Sabbat Du und Dein S ohn und 
Deine Tuuhter und Dein lüiecht und ^ine Magd und Dein Vieh 
und d.r Fremde, der in Deinen Toraa weilt. Dies ist 
eire klare Fächer ung im Metaphysischen# 



- 7 - 



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Im Mittelpunkt steht das «»Da»»^ darum herum Sohn und 
Tochter, Knecht und Magd und dann das Vieh, das mit 
zum Hausstand gehört und darüber hinaus der Fremde, 
der nicht zum Hausstand zahlt. Sie haben hier eine 
sehr klare Fachorung des Sabbatgebotes und damit 
bidBiart den j üdiscuen Lebenskomplex, den grosse 
»hiiosophen als Ethik bezeichnet haben* 

Ich will Ihnen nun heute abend was ich 
hier schematisch dargestellt haben, d eutlicher erklären, 
indem ich di^^se Facherung als konzentrischen Kreis 
in ihrer ganzen Lebendigkeit zu erörtern versuchen 
werde* Im Mittelpunkt steht das du. Es v;ird lunai 
au^i'allen, dass die Frai nichtgenant ist. Das Du 
ist Mann und Frau gemeinsam. Einen anderen Sinn 
braucht man gar nicht zu sudiea und auszudeuten* In 
der Bibel heisst es: "Darum verlässt d^r Mann Vater 
und Mutter und hängt aem ^l^^ihe an; lixx sie werden 
zu eiin^m Fleische." Das ist das Schema der Einehe, 
der monogamen Ehe. In Y/irlilichk^it aber ist es das 
Schema des Menschen, denn der Mensch ist eine Einheit 
aus Mann und Frau. V/ie das imFamilienleben zu ver- 
stehen ist und sich auswirkt, kann ich Ihnen nidit 
deutlicher klarmachen, als wenn ich Ihnen ^.inmal das 
wunderbare Lied aus aen Sprüchen Salomonis anrühre 
"Sin wackeres Weib, w^r kann t^s iinden!" Es ist eine 
wunderbare Uebersetzung, die von Klausner stammt, aus 
seinem Buche; Gedichte der Bibel. Dieses Lied gibt 
ganz deutlich wieder, was das Judentum in der Beziehung 
von Ivlann und Frau in jeder Beziehung kennt. Hier ist 
nichts körperliches etc. getrennt. Es ist etwas 
Quellendes, seiendes. Es ist nicht schöne zu sagen, 
als es Salomo ausgedrückt hat. 



- 8 - 



wer ein bi'-^dres Wt^ib gewann, 
dem ist Glück und Heil beschert. 
Ueber Perlen geht ihr Wert, 
ueber alles Gold ihr Sein. 
Ihr verürü,ut mit ganzem Herzen Haus 
und sich der ivlam. so gern, 
und die treue wird dem Herrn keinen Vorteil 

je verscherzen 



Meinw Damen und Herren! 

Ich glaube, sogar in der uebersetzung 
kann man sich dem Zauber dieses Liedes nicht ent- 
ziehen. Sie werden viell-icht schon gedacht 
haben, dass Schiller den Tenor dieses Liedes 
nachgeahmt hat in dem Lied der "Glocke". 7/ir 
finden dort ganz ähnliche Bilder, aber wir haben 

hier das Verhia-ltnis zwischen Mai n und Prau ^nz 

Was ist das Eigentümliche? 
aeutlich und Idar dargestellt./ Ssasx Äie Frau ist 



nicht das Spielzeug des Mannes wie z.Tl. bei den 
ariechen. Sondern die Prau ist Hilfe iiim gegen- 
über, oder wie man neuerdings sagt, seine Kameradin, 
seine wirkliche Lebensgefährtin und vollkommen gleich- 
berechtigt. Wie verdreht ist doch der Sinn in dem 
V/ort Kameradschaftsehe. Denn in dem Begriff 
Kameradschaftsehe steckt etwas Vorübergehendes, 
Spielerisches. Aber in dem Begriif des tomeraden 
steht cLeuwlich: "Hilfe ihm gegenüber". Die Prau 



I 



I* 



- 9 - 

der Mann 
steht im Ivlittelpunkt der Familie und sorgt für deren 

wirtschartliohe Erhaltung . Der Mann erkennt die 
Frau an und die Kinder rühmen s^e. jeden Freitag- 
abend hört man in den jüdischen Hixusern das hohe 
Lied auf die Frau. Sie wartet bis der Gatte nach 
Hause kommt. Der Sabbatengel empfängt ihn mit aem 
Lichterstrahl, ein Gedicht ist das inmitten der rauhen 
All tagsweit. Und der Mann spricht dann die yorte». 
Bin wackeres \7eib, wer kann es finden? .- 
Dies wird gesprochen von Millionen Juden an jedem 
Freitagabend. Das ist jüdische &egenwar^. El; is. über- 
haupt etv/as Eigenartiges des Judentums, das 3 es immer 
verbindet das ivietaphysische mit dem Praktiscl.en. Eben- 
so wie durch die tiakobsleiter der Himmel mit der Erde 
verbunden wird. Wenn in dem Sabbatgebot steht: Du - 
ato, so steckt in di :^sem weltumhüllenden m eine ganze 
Philisophie, eine ganze Ethik = die Annerkennung der 

jüdischen Fra,u. 

Ich möchte bei di.ser Gelegenheit darauf hinweisen, 
dass z.B.' vor Jahrtausenden schon Debora die Führerin 
des Volkes war und ihr Mann nur der Begleiter. 
Die Prophetin Debora w rd in der Haftara neben Mose 
gestellt. Und Debora und Barak singen zusami.en ein Lied. 
Der Zusammenhang von Himmel und Erde klingt manchmal 
wieder in der Aatrologie. So ist es immer inder Y/elt, 
dass das Gute zugleich durch eine kleine Veränderung 
verdreht werden kann. Hier ist in dem Du, in der 
Vereinigung von Mann und Frau, zugleich eine Vereini- 
gung gefunden im irdischen Gewände zu dem Binheits- 
begriff "G'tt". So steht als Grundbau streng auf 
der Erde: Mann und Frau, »ie Frau als Kern der Mensch- 



- lö - 



heit. IliermuüS alles ^t sein, hier müssen sich die 
Dinge verklammern, dass kein Sturm sie lösen kann, in 
der Physik firüen wir das wieder, denn in der Atom- 
leure wird gesagt, dass das Prcton sich mit ungeheurer 
Kraft mit demBiektron verbindet. V/elche Kraft ^h ort 
(lazuELektron und ?roton zu binden zu einer Einheit! 
und welche ungeheure Kraft gehört erst dazu, um Mann und 
Frau in echter, vÄirdiger und guter weise, in reiner 
ata - Luft aneinander zu binden. Jene Zweiheit, die 
wir imt::er wieder finden in4 guten und schlechten Romanen. 
Hier beginnt nun der zweite konzentrische Kreis: Bie 
Kinaer, Sohn und Tochter. Nach jüdischer Vorschriil: 
hat man seine Pflicht erst dann erfüllt, .; enn man Sohn 
und Tochter besitzt, ich möchte gleich einen Gedanken 
voraussdiicken: Es gibt eine theoretische Ethik, die 
das Fernliegende zuerst n^nnt, die mit herrlichen Vier- 
ten kommt und nun sagt: Das und Das tut man den Fremden 
und Fernsten, gehe hinein und Künue ihnen das Wort Mensch- 
tum. ^Uiv Juden meinen aber, wir müssten den umgekehrten 
Y/eg gehen. Unsere prlicht im Innersten zuerst e rfüUen. 
Eine grosse Frau den vorigen Jahrhunderts: Ivlarie von 
Ebner Bschenbach hat gesagt: Es ^ bt Menschen, die 
sagen, man k.,nn nicht allen helfen, darum helfen sie 
niemanden. Das ist ein grosser Ausspruch, man soll nur 
imn^ei^ den nächsten Schritt tun. Es ist nur eine Be- 
schränkung, die uns der Schöpfer auferlegt hat, indem 
er uns zu Mensclien geschaffen hat.. 

Die nächste Aufgabe ist, dass di^s Ver - 
halonis zwischen Eltern und Kindern ine der rechten Ar t 
- und weise gelöst wird. Und di.ses Verhältnis wird 

unmit elbar an das Sabbatgebot angeschlossen: Ehre Vater 
und Mutter, damit Du lange lebst auf x:rden. 



- 11 - 



4 



s die ganze mensoliheit 



Das Leben auf der Erde ist abe. nicht etwa als billige 
Bezahlung für Einhaltung dieses Gpbotes aufzuiUscen, 
denn da^ wart- berecunende Ethik. Bie EXistenzmöglicii- 
keit ist davon abhängig, ob dieser zweite schritt 
in der Begründung der Menboiiheit in der rechten 'ileiiie 
getan värd. Ist die Ehe gegründet und der Bestand der 
Menschheit in rechter \/eise ge, lant, dann muas Vater 
und Mutter aastehen als der Mittelpunkt, an deu: sich 
nun wieder die Kinder emporranken zu Menschen. Die V/issen 
^chaft sagt uns, dass jedes Kind die Stadlern durchläuft, 
die die Menschheit im V. -laufe ihrer Entv/icklung zu 
druchlaufen habe. Y/as der ^-ienscli durchläuft in seinem 
eigenen Sein von Keim an ist eine Widerspiegelung dessen, 
eine Entsprechung zu dem, v/as 

durchlaufen hat. 

Nun, die Kinder ..üssen s.ch an den Eltern anpor- 
ranken und da v.rlang^ das Judentum et^7as, was man 
noch vor einigen Jahren vergessen, nämlich, dass die 
Kinder den Eltern Ehrerbietung entgegenbringen. V/enn 
nun nach dem Kriege die Jugendaufgestanden ist uud 
gesagt hat: V/eil unsere Eltern im Kriege versagt haben, 
haben wir das Recht ihr. Vormünder zu sein. DaS war jene 
zeit , da^s wenn der Vaxer etwas gesagt hatte, das eine 
Brüder^chenzum anderen sagte: "Sollen w:.r ihn aufldären?" 
ES war eine unglaubliche Verdrehung des Verhältnisses 
zwischen Kindern und Eltern nach dem Kriege. Du sollst 
Deine Bitern ehrfürchten! Was bedeutet es nun, Ehrer- 
bietung als oebot aufzuerlegen? Ich glaube, niemand 
von uns hatte den Mund einem Kinde zu sa.^.en: Du musst 
^ich ehrent T7ir betrachten es als selbstverständlich 



- 12 - 



ste 



und unser Recht, dass die x^nder uns aus Liebe diese 
Ehrerbietung von cillein entgegenbringen. Es ist e ine 
ungeheure Weisheit des Judentums, dacs es diese Srir- 
erbietung nicht in die Freiwilligkeit stellt, sondern 
gebietet. Das versteht man heute besser als vor ein.m 
Jahr. Eü ist etwas Grosses: Sich unterordnen zu können, 
nicht immer sein eigenes kleines Licht als Sonne hinzu- 

Uen. In dem mittelalterlichen Orden hatten wir Jenen 
eigentümlichen kollektiven Individualismus, jenes änder- 
bare Zusammenstehen von Menschenwürde in V^^rbindung uit 
der Freude am Unterordnen und Gehorsam. El; ist -och so, 

t 

dass man diesen altdn ^ngen gegenüber eine Beschrei- 
bung nicht zu geben braucht, es ist etw...s Grosses, lieiliö- 
ges daran, an das man nicht rühren darf. 

Entweder erkennt man das Verhältnis zu den 
Eltern als ein göttliches Gebot an, oder, man ist auf 
voilkormen anderem Wege. Bin zweites gibt es nicht. 

Das Judentum gebietet die Blternehrung, ganz besonders 

in 
im Talmud aber auch schon detBibel. Dafür gibt es 

zahllose Beispiele. Im Talmud wird ein Heide hinge- 
stellt, der in der Ebene von Jerusalem gewohnt hat. 
hatte einen ..errlichen Edelstein zu verkaufen, den es 
nicht mehr gab. Es kam ein Händler und bot ihm eine 
grosse Sumi.e dafür. Jedoch der Stein war eingeschlossen 
und der Schlüssel dazu lag unter dem Kopfkissen des 
schlafenden Vaters. Das Geschäft wurde nicht abgeschlos- 
sen, weil .-r den Schlaf des Vaters nicht stören wollte. 
Dies ist als Beispiel der Blternehrung hingestellt. 
Es ist eindeutig für die grossarti^ mldsamkeit des an- 
deren beim jüdischen Typus, dass der Talmud gerade dieses 
Beispiel besonders hervorhebt, denn man sieht: Hier 
steckt nicht die geringste Un.erbewertong des anderen 



Er 



- 15 - 
Der sogenannte Heide steht auf der gleichen Stufe 
wie der Jude, der seine Prlicht erfüllt; er v/ird sogar 
als Beispiel hingestellt. 

In den Mussar-Sühriften finden v/ir zahllose 

Ausmalungen, v;as man zu tun hat. Man» soll sich z.B. 
nicht auf den platz des Vaters setzen, nicht mit itim 
rechten etc. Es wird ausgesponnen, was man unter Eltern 
irgend versteht, und dieses Verhältnis zwischen Kin- 
dern und Eltern beruht natürlich auf der umgekehrten 
Voraussetzung, dass die lültern für die Kinder eintre- 
ten. Ich glaube, ich brauche nur zu erinnern, an die 
ungeheure Liebe, die man gerade in unseren vereisen 
bei den Eltern für die Kinder findet. Manchmal geht 
diese Liebe vi. 1 zu weit. Sie wissen, wie jene jüdi- 
sche Mütter den V^unsch gehabt haben (eine Art seeli- 
sche Krankheit) der Sohn müsse etwas Höheres werden 
als der Vater war. jedoch ist doch jeder Beruf das 
HöEhste, wenn er nur richtig ausgefüllt wird. V/ir 
wissen doch, dass all unsere aelehrten alle möglichen 
Berufe gehabt haben wie z.B. Bauern, v/ass ertrager, auch 
Minister und Aerzte. Uer Beruf macht gar nichts aus. 
Noch heute hat ein Schriitsmier in Südar^abien einen 
Rabbiner (in Jemen) gefunden, der ein Scljnied war und 
er wuDste seine Klugheit nicht genug zu rühmen, 
ich wollte zeigen, dass die Liebe der Eltern zu den 
Kindern oft viel stärker gewesen ist als umgek^jhct. 
V/ir sehen wieder die beiden Kra.te, die Eltern und 
Kindern zusaumensciimieden. Wir sehen, wie dt.r Bau- 
stein wiederum in dem zweiten konzentrischen Ring mit 
aller Festigkeit an den innersten Kern angelegt wird. 
SÄ wird im Judentum der Tempel der Menschsxheit gebaut, 
Die Brhcung der Eltern durch die Kinder und die rich- 
tige Versorgur^ der Eltern durch die Kinder, also 



- 14 - 



das richtige Familienleben, ixt das immer der Stolz 
unseres Judentums war unt ist. Diese Forderung der 
Bibel ist immer eingehalten worden. Jeder hat ein 
Schaudern empfunden, wenn er hört, dass e ineMutter 
ihre eigenen Kinder verhungern liess, um sich selbst 
Genuss zu verschaffen. All dies geht zurück auf das 
G bot. dass uns Juden amßerge Siani gegeben ward, und 
das ist die Fcicherung des Oebotes der Blternehrung. 

Nachdem nun Körn und erster Ring in richtiger 
Art und Weise zusammengefügt sind, lüinn die Päclerang 
weitergreifen: "3ein Knecht und Deine Magd" Dies ist 
eine eigentüm..iche Aeusserung, denn es gibt 2 Arten von 
Knechten: einen jüdischen und einen nichtjüdischen Knecht 
Man muss hier ganz deutlich unterscheiden und soIj. sich 
nicht falschen B etra eilt un gen hingaben über den Begriff 
aefi jüdischen und nicht^üdiachen Knechtes, dadurch 
le«tman das Judentum nicht kennen. Der jüdische Knecht= 
Sklave ist eine vollkommen falsche UebersetzuQg. üesn 
das Knechtsverhältnis dauerte nur 6 Jahre. Er lionnte 
ich selbst verkaufen und verdingen und konnte verkauxt 



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«• 



^uraen, wenn er z.B. beim Einbruch gefasst wurde und 
das oe-tohlne nich". zurückgeben konnte, in diesem 
Falle konvfe sein.. Arbeitskraft veriiaui^t werden, 
unter normalen Umständen jedoch ging er nach 6 Jahrsn 
der Knechtscliaft frei aus. Der arenzpunkt v;ar das 7« 
Jahr, wenn er im 5- Jahre verkauft vnirde, hatte er 
nur noch 2 jähre zu dienen, iäin /erdingen der Arbeits- 
kraft hatte also nur den Zweck, das begangene Unrecht 
zu sühnen. Heute sperrte man bei Einbruch die Leute 
X Jahre ins a^^fangnis; früher konnte er d af ür arbeiten 



- 15 - 



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Sobald der Herr etv/ua getan hatte, ging der Mieoht 
frei aus. W^nn etwa jemand eine Frau verkaufte, dann 
durfte der Käufer sie nur erv/erben, in der Voraus. 
Setzung, dass er sie heiraten wollte . Sonst ginge 



s-e frei aus, andernfalls mu-ste d>jr x^iuler sie lur 
Sohn als Prau bestimmen. 

Bsj ist stilbstvorstcindlieh, dasa dic^se Be- 
trachtungsweise nur auf aen Volksgenossen Gültigkeit 
hat±H. Die wahre ITthik kommt erst zum i^äsdruok dem 
Schwächeren gegenüber, auf den m.n Rücksicht zu neh- 
men :iat. Aber wie war es in Bezug auf den nichtjü- 
dischon Knecht? Durch das ganz Mittelalter geht die 
Institution des Sklaventums hindurch. Man betrachtet 
den Sklaven nicht als Mensch, s ondern nur als '.Var. 
Einen Sklaven durfte m^',n todschlagen, ohne dass sich 
jemand überhaapt darum kümmerte. 7/enn man z.B. einmal 
diese Sklaven austeilte und es blieb einer übrig, dann 
wurde er c-infachg etoilt und evtl. als Fischfutter 

verwandt. 

In der Bib.l steht:"Wenn ein Sklave seinem 
Herrn ort lauft, darfst Du ihm diesen nicht wieder zu- 
rückgeben, "denn er ist sicher nur deshalb entlaufen, 
weil er misshandelt wurde, denn überall waltete in 
der Sklaverei furchtbare Graumsamkeit . \;elche Ein- 
stellung finden wir im Judentum in Bezug auf den nicht- 
jüdischen Sklaven? In der Übel steht ganz d ertlich: 
wer einen Sklaven erschlagt, wird wieder g etötÄt , und 
damit ist schon wieder die Grrenze abgesteckt. 
Der nicht jüdische Sklave ist genau so ein Mensch wie 
sein Herr und darum sagt der Talmud : ¥er sich einen 
Saklven kauft, kauft sich einen Herrn, er muss Rück- 
sicht auf ihn nehmen. 1000 Vorsdirilten hat er zu 



- 16 - 



erl'üllen: Du darfst den Sklaven nictt misshani elnusw. 

Die nichtjüdischen Sklaven müssen genau so ruhen 
am Sabbat etc. wie die Herren; sies ind miteinge- 
schlossen in zahllose absetze des Judentums. Sklave 

Mose 

ist n;^inlich = Arbeiter. Man bezeichnet KtEk bei 



d.!m Worte: ewet nicht als Sklave, sondern als wiener 
G'ttes. und darum ist die heutige Uebersetzung des 



awodim mit 
heib-sst. 



Arbeiter auch falsch, da ewet= ©iener 



Ss kann gar keine Sklaven geben, weil G'tt den 
Menschen geschaffen hat und aus dieser Urerkenntnis 
resultiert, dass jeder Mensch als Mensch gehalten, 
geachtet und geehrt werden muss. Hier t ritt schon 
der NichtJude in den Kreis der sozialen Pfi ichtoi ein, 
in der Gestalt des Hausgenossen, der die Arbeit ver- 
richtet. Darüber hinaus finden wir im 4. Kreis 
das Tier und im 5« Kreis den Prernden 

. Ea ist ausserordentlich interessant, dass 
ohnes weiteres in den Kreis der sozialen Pflichten das 
Ti.)r u.iteingesciaossen wurde. Jene Ganzheitsbeziehung 



habe ich schon am Anfang besprochen. Das Judentum 
erkennt keinen tobretischen Unterschied in der Le- 
benberechtigung sn. Das Tier hat die gleiche Lebens, 
berechtigung wie der Mensch. Wenn es uns nun aber 
Z.3. gestattet, das Tier zvi seh achten, um von ihm 
zu leben, so darf dies nur unter ganz besonderemoe- 
sichtspunkt geschehen. Und zwar im Hinblick darauf, 
dass wir uns erhalten müssen und es aus diesem Grunde 
einfach nicht ganders möglich ist. Darum musste 
aaah in Palästina die Viehwirtschaft geschaffen wer- 
den. Aber eine Einschränkung wird durch das Gebot 



r 



-17- 

gemacit : Du sollüt dem Tier nicht zu nahetreten. 
Darüber hinaus hat aie Pi'lanzenwelt die gleiche 
Berechtigung. Sogar im Kriege, v/enn Du eine Stadt 
belagerst, hüte Dich eine. Pruclitbauin zu zer- 
stören. Es ist uns nicht gestattet, Tiere zu 
züchten bzv/. pflanzen zu vermisciien. Es heisst; 
Du di.rfst aucli nicht den Maulesel züchten. 
Eb ist uns also verboten, eine Verv/irrung in der Na- 
tur anzurichten. Bs hat sich schon bösartig heraus- 
gestellt, wenn der Mensch aur Grund seiner V/issen- 
schart in die N: tilir eingegriffen hat. so z.B. hat 
man in Australien Kalateen eingeführt, die sich dann 
später auf Tausendenvon Kilometern fortpflan^zen, so 
das 3 die Menschheit dem machtlos gegenüberstanu. 
Man musste dann ein klc;ines Inse/^t ( die L a U s e ) 
einführen, das die Kalrteenen verstörte. Es gibt 
noche eine Monge anderer Dinge, die sich noch furcht- 
barer auswirkten, wenn der Mensch versuchte einzu- 
greifai in den Gang der Natur. 

Ich möchto in di^^sen Zusammenhang er- 
innern an das herrliche Qebot : Im ?. Jahr soll auch 
das Land ruhen, das Sabbatjahr , d enn da soll es 
wieder dem Schöpfer zurückgegeben werden. Hierin 
liegt eine unendliche Klugheit. Ich könnte mir vor- 
stellen, dass dit Menschheit eines Tages darauf zu- 
rückkommt und den Boden einige zeit brach liegen lässt, 
anstatll ihn immer wieder mit Kunstdünger zu befruchten. 

in der Bibel steht; Im 7- Jahr soll auch 
das Land ruhen. Nicht nur der Mensch, nicht nur die 
Familie, u.cht nur die arbeitenden Kräfte sollen ruhen, 
sondern auch d s Tier und das Land sollen ruhen. Es 
äst wirklich etwas t^z Eigai artiges und was geschieht 



- 18 - 



denneigentlich mit dem Sabbat? 

rhythmisches 

Der Sabbat ist ein MtfcWr»»KK tagK Pri nzip 



das aus dem Kosmischen entnommen ist. Die Sieben 
spielt eine unerhörte Rolle im Kosmos. Dadurch, 



dass die Bibel die Ruhe i 



• •«_ t M ^t_ 



I ; J -1 



befiehlt, uusnahms- 



lüs i'ur alles, dadurch dass alles in einem bestimmten 
Zeitabstand ruhen muss, wird eben wieder das Ver- 
steifte gelockert, wird der Mensch aus seiner Kultur 
und Zivilisation wieder hineingestellt in den Strom 
des unbfewussten Werdens und Vergehens. Das ist Juden- 
tum! Dieser Sabbat ist im Judentum geboren worden, 
er bezieht alles ein in das jüdische Gebot. Es ist 
von ausserordentlicher Bedeutung, dass in den äusseren 
konzentrischen x^reis der abSDlut Fremde, der uns nichts 

anii;eht, miteinbezogen wird. Es gibt ein Buch von 
Bertonette, der versucht über die Stellung im Juden- 
tum Klarheit zu schaffen. Es ist bezeichnend, dass 
er gerade dieses Problem ausgewählt hat und in- 
teressant, welche Betrachtungen er anstellt. 

wenn e iner sagt: Ivlan kann nicht allen helfen, 
so ist daswahrschieinlich eine Ausrede, dass er kei- 
nem hilft, wenn jemarxi nur für sich ist und nicht 
auch für andere, waS bin ^ch dann? so fragte schon 
ein alter Weiser. Man muss alles mit allem ver- 
knüpfen, und so muss man in seinem Sinnen und Den..en 
für sich s feist, für die ganze Familie, für alle , die 
zu seinem Kreis gehören, gleichzeitig die G edanken 
verbinden mit denjenigai , die uns scheinbar nichts 
angehen. Dieses genauer definiert: 
ES gibt drei Arten von Fremden: 

1. Ger, 

2. Ger toschat, 
5 . Nochim 



- 19 - 

"Ihr sollt den Premaling lieben, denn Premdlin.^e wart 
Ihr im Lande Aegypten". D-nn es wird gesagt: es ist 
nicht ein böLiebiger Fremdling, sondern e iner, der sich 
unserer Volksgemeinsohaft angesculossen hat. Das ist 
falsch. Der Beweis hierfür ist der Nachsatz: ^enn 



Fremde v/art ihr im Lande 

2. hierbei haben wir das toschat hinzugefügt. 
Ger toschat ist in der Bibel der llalproselyt, der nicht 
nur bei uns wohnt, s o.dern der sich schon den Sitten 
angeschlossen Hat und die toiltvorschriften einhält. 
BS ist dann natürlich s elbsuver standlich, dass dieser 
ger toschat auch eingeschlossen wird in die sozialen 
Gesetze. Es geht deutlich -.ervor, dass auch der Volks, 
fremde miteingeschlossen ■..•erden muss und wir Ixaben 

zahllose Beweise dafür: 

,.2u sollst den Fremdling nicht bedrucken, nicht de- 
mütigen usw. DU sollst auch nicht ganz abernten 
auf Beinen Feldern, sondern etwas stehen lassen für 
die schwachen, Witwen und \'ja.is en und den Fremdlin g. 

die 5. Art, der nochim, ist gl'.ich = der 
Volks- und Landfremde, der nur vorübergehend im Lande 
weilt, etwa der Tourist, damals der Karawanenführer 

V/as sagt nun das Judentum in Bezug auf den nohim? 
um den braucht man sich doch eigentlich nicht zu küm- 
mern, de»ner fällt unter das internationale Gesetz. 
Oder schreibt das Judentum vor, dass wir uns doch 
um ihn ^^mmern? Es gibt e ine ganz herrliche Stelle, 
in der deutlich zum Aasaruck kommt, dass auch er ein- 
geschlossen wird in das weltumspannende Gefühl des 
Jüdisch-sozialen, in Salomos Lied wird es folgender- 
mas.en in Worte ^^ gekleidet: Auch der Fremde, der 



USW. 



t 



- 20 - 

kommt von einem anderen Lande, der Dich nicht kennt, 
der nicht zu unü gehört, wenn er kommt und vor Dir nie 
derfallt, dann musi^t Dua uchsein (jebet erhörten. Hier 
wird deutlichder Fremde in den Begriff des ^üdischso- 
zialen einbezogen, wenn er sich einfügt und in die3öi;i 
Lande empfinaet, wennsein Oebet zu ö'tt aufsteigt, 
dann erhöre ihn, denn auch ertrugt Menschenantlitz. 
Er ist eben einbezogen in alles, was Leben bedeutet. 
Man muss zwar 3 Arten unterscheiden, aber sie gehören 
alle drei ins Jüdisch-soziale. 

Das 4. G-ebot, das sagt: Du, dein Sohn und Tochter 
etc. sollen ruhen und der Fremdling, der sich in deinen 
Toren aufhält, zeigt die gleiche Kielt ung. In dieser 

fächerung 11 agt die metaphysische Voraussetzung 
dass ein a'tt mit seinem v/iHen in den Ihnen vorge- 
zeichneten Kreis des Kosmos eingebrochen ist. und 
dass dieser Begriff sich fächert im Sabbatgebot. Hier 
haben wir die Grurülage dessen, was man unter dem Ge- 
sichtspunkt der Ethik als :iüdi^che Ethik auffassen kann. 

V 

was durchweht denn nun das Gebilde des jüdischen Kos- 
mos? welches aefühlt herrscht hier? Hi .r lebt 
der so oft missverstandene Bögriff der Ahawo, der Liebe, 
in der Tier- der Triebwelt besteht das Zerreißen, 
das ^errisenwerden = der Kampf aller gegen alle. 
Auch die Stechmücke, die den "^enschen in die Hand 
sticht, ist etwaj Göttliches, denn es ist doch ei gai- 
artig, dass diese Mücke gerade das Blut des iv^ens chen 
für sein Fortbestehen braucht. Das Judentum stallt 
das Gegenteil der Schmerzbereitung, das Mitgefühl mit 
a llem Lebendigen gleich = inneres Verbundensein 
mit allen, also die Liebe als Hauptforderung in den 
Mittelpunkt: Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie Du- 



- 21 - 
Das ist der Ausspruch. Das heisst: Du bist in allem 
enthaltaa . Hier finaen wir einen Ausdruck, in dem 
das Judt-ntum und der Buddhismus sich iDeruhren. Auch 
der Buddhismus sagt: Bas bist Du, Du bist in allüm. 
Aber weitergehend rinden wir die Trennung: denn es 
heisst: es könnte darin die Seele Deines Vaters vor 
handen sein und hier liegt die strenge Trennung vom 
Judentum, Denn hier zal gt der Buddhismus die passive 



Ethik. 

Erfüllt von d^v wunderba,ren Luft des/ 

egriffe der "ahawo" hab^Ji 



o 



wir .aer aas 



Gebäude des jüdisch-ethisch Sozialen. 

Y/enn ich die Verbindung suchen soll mit dem 
ü ich vor 8 Tagen gesagt habe, so mochte idi noch 



v;aü 



wiederholen, das 3 die Propheten einmal versucht ha- 
ben, die 613 &e- und Verbote in weniger zusammenzä- 
i'assen. liabakuk hat sie au«ii einen einzigen Grundsatz 
zurückgeführt. T/aS bedeutet diese Zurückiuhrung? 
die 615 Ge- und Verbote sind die Stützbalken des jü- 
dischen ivosmos. Aber ^s besxeht die MögLichk it 
veilleicht die Atmosphäre gross und weit zu gestalten, 
um wenigstens im Geist die einfache Grundlage zu er- 
kennen. HabalJik sagt: Der Gerechte lebt in seiner 
Treue. Was ist gerecht? Es hat nichts mit unserer 
Auffassung von^flBcht zu tun . Es heiest: der rechte 
Mensch. Dieser Men.ca ist deshalb recht, weil er tut, 
was aus der metaphysischen Verbindung für ihn h..raus- 
quiilt. In seiner Treue und seinem Glauben lebt er 
nach den Worten: Emuno und zadik. Der Mensch muss 
wissen, um was es sich letzten Endes handelt. Es kommt 
eini-Äl das ddnkle Tor an jeden hran und hoffentlich 
wird er dann nicht vom sclüiwrz zerrissen und Hoffent- 
lich hat er dann nicht zu bereuen. Man muss leben 
in seiner Erkenntnis und Mut haben zum eigenen jüdi- 
schen G'ttesbewusstsein. 



», 



i 



- 22 - 
Ich babe Ihnen vorhin in der Natur gezti gt, dass 
ein zerr eisen und zerrisennwerden besteht, jedoch 
das Soziale ist von a'tt goschaff en.y/ir betrachten 
aber dieses aerühl des Sozialen, das aus unu ent- 
springtals ob es ganz selbstverstiindlich rein ir4di- 
schen Ursprungs wUre, V/ir empfinden es als selbst- 
verständlich, aus unserem Blute qulle nd und als Be- 
weis dafür, dass wir einem ganz bestimmten Typus 
angäiJören: Dem j üdischen Typus, der hier gefächert 
v/ird zu di'-ser \7elt der Ganzheit, von der ich ver - 
sucht habe, ihnen ein Bild zu geben. 

Nun wäre die Aufgabe die, dass ich versuchte 
den 2. Schritt zu zeigen, der auch getan werden muss 
aus dem Leben der sozialen Verbindung hinaus, 
zu den Leben, das einfach nichtximmer mit dem Begriff 
der ahawo unmittelbar in verbinaung steht. Es gibt 



no 



ch andere Beziehungen, die nach strengem Recht 



und Grusetz behandelt werden müssen. 

V/ei-m z.B. ein Kaufmann Ware fortgibt und der 
Käufer kann sie nicht bezahlen , dann kann ernicht 
einfach sagen: schen..e mir die Ware. Denn wenn solch 
ein fall sich ölters wiederholen würde, so stünde 
der Kaufmann bald sei .st vor dem Ruin. Ss gibt 
ein Leben, wo auch noch etwas anderes gelten muss, 
als das was ich heute abend schilderte. Es be- 
stellt die ung heure Gefahr: die prakti che Welt. 
Hat das Judentum di.se Kluft übe wunden? Ich möchte 
xn 8 Tagen noch Näheres ^hnen aber das "Jüdische 

Recht ■ erläutern. 

zum Sehluss möchte ich Ihnen noch ein 

Beispiel anfahren: Sie w .Gsen, das- das Christen- 
tum win ganz grosser Wurf nach der Vollkouuuenhlatt 



i, 



- 2) - 
indem es das Q-ebot der Nächstenliebe in extremster Form 
vor den Menschen hinstt^llte, zugleich mit dem &öbot, 
alles aurzugebai , was man besitzt, 'D^hyi erier kommt 
ein Kamel durc ein Nadeöhr, denn ein Reicljt^r in (ien 
Himmel. Al^ diese Gebote aufgestellt wurden, v/ar 
WeltuntergangSBtimmung. Die N^;.ch:i.olger di-ser Lehre 
mussteri leben* Leben heisst: dass man diese prinz^ien 
nicht mehr durchühren kann und hier beginnt ein unge- 
heurer ii^mpf. E^ i.3t aigcinüLiiaiich^ festzustellen, was 
für einen If/eg das Christentum gefunien hat. V/ir haben 
kein Recht, irgendein Urtei 1 zu fiillen. ßewunderswert 
ist, w eichen weg das Christoitum üingesclilagen hat. Es 
hat einen v/iderspr^-ch überv/inaen müssen, der geseicht - 
lieh hinv^^ingeratcn ist. In welchem Zusauimenhan^ steht 
daj praktische L^ben mit den enuferntcsten Punkten 
die man vor Gericht tragen miuss, mit dem was ich heuLe 
als soziale At...osphEre des jüdischen TVp^s dar- 

gest llt hab^? 

Diese Artv/ort werde ich verbuchen, ihnen 

am nächsten Abend zu geben. 



- 1 - 



Meine Dauien und Herren I 



I 

V 



r 



Dieser Tage sagte r.ir oine der TÄmen, die hier ar den 
Aboudoh t c-ilniüü::.t, daSL ile vin Bild i.abo^ das r, gerade 
In diesem Kreise sicher sehr interessiürcn wurde* ^ios&s 
Bild iit Ihnen vielleicht b-^kar^nt, denn ©y Ist der Stich 
von Darier: Meiancholia. Dieser Sticn it;t wirklich 
ein prophutisoh^^s u^vk. M^^n sticht hier :.^ino batr'i'ota 
Frauung'. stalt dawst;*2:ent Urr. sie h^-rrm iiiind die v^r- 
eehiedön n S;ymbc;lo der 7/1^:3 ri^ciialt und dev praktischen 
Bowältigung d'^r vclt: llundwtrrkszogg otc* klii Symbol 
d'arür aurzui'ast^on^ dacs sio allo i;'is3t.m chatten Muroh- 
forojht und mit allcu Mitteln versuclri . hat, die vrelt . 
z\x bev&ltigan. Sie hat so^ü^r voriiucht in der geheim- 
nisvollen Kar.bala zw lornen. ivifetn siuht oben in der 
Ä3)^e g-heimnißvolle c^uadarto. jedocjh alles ar ULiaon^, 
Das Olücii iüt nicht ge^:„oniruon^ v;dder rvurch die v/iBs>>n- 
öoiiart nodii Uuroh ai.. praktische Lebonßbeh^rrschung. 
Va. cit^t nun die Frau mit trübem Blick. Aber si.itt 
auf einmal^ wie im Hintergrund der HiniiLel sich Öffnet 
und ein Lichtstrahl hervor q.ai 11 1, Durer hat voraus- 
gez igt^ wie weit aer Lion^oh lu der *.7isöenschaft kominan 
wird. Wissenschaft ist etwas lumerbares, aber der Me&soli 
Trir die ent|tü.ltii?e Befri di^n nioht durch sie er erben, 
sonaern nur, wenn <*r versteht, den Bliek oiapurzurlch- 
ten zum Hitnmal, aus ders das Lioht der B-.vigkoit durch- 
bricht und das Dunkel unsviras Labens orhellt. 

Die Eollö dea Lichtes, daa das Dunltel durch- 
bricht, iat das, 'e?as aas wir heute mit dem Begriff der 
Religion bezeichnet haben. Die Religion ist die Bin- 
dung an das höhere Oei^tige, an das Swige. Wir haben 



./" 



K 



- 2 - 



I 






\ 



versucht^ Jene Punlcta ctarzus teilen^ an denen das LjCht 

* 

Uifpunkte^ ait^ man nloUt wait^r «klaren k^rin, die typisohe 
Offenbarung des RJligiJaen in den verachi den n Ken^jchen- 
artcn^Wir sind nun dabei, den jüuiaoh'^n Typus inrier- 
hiilb di eoör 9 T^peii txxjn: Sv^ino 3iMaa t /mlichkeit genauer 
kiu unterbuciion. wir Laben vür i^ö v/ojhtr bogoni.on lait 
dem Kapittil aor jaa.:.jciiea Ethii:# Id. h^^bc Vvrj3uühu, 
jenen Boden z\x b s^iranen, dei^ ai«.- jüdicche Ethik stark 
unterscheidet von der StUik irgendeineB anaeren Typua, 
und ich iia^bc eu davon abgel-.itet, dasb i'ir.erhdb doß 
Jüdischen Typus v;ir aic^ /.ulan^liohe'Begr'iUuung da^ur 
rinL.cn, daj;: der arjdero iv.ensch das gleiche Lebv^nsrecht 
besitzt Tiriö ..ir selbst and zv;ar cui.!.3t diese Voraus- 
Setzung unmittelbar u\x'^ der muUxph.vöiöCiKr.n Voraui>- 
seztung de;: jüdischen Typus* 75©r jüdii^che Typus kenut 
keinerlei Dualißmue^ nicht den G^tt des Li'^-htv.js und 
den der Pinüternis. Der JUdii;5Che Typus sieht einen 
gottlichen Willen, unvorstellbar, unbegreirbar, aber 
ein iilarer zielbcicu.ster Vville, dci?r di.iie v/elt g«^;italtet 
hat* Sr tut einen Meii.>0ixn jvnichalUen und vort dieiiem 
ßtoüinit die gan2.e i:en:>Ci.heiL ab» Adam i;jt das S:>'n-bol der 
ganzen Moa.uhheit# Daa ist judische Aurxas»:ung. URgegen 
stuht die Auc'i'&^sung ein s anderes Typus, jener z«B* der 
glaubt, weil es einen Q^tt d s Liohtes und einander 
Finsternis gibt, gibt es auoh Licht utid Teuielsmenschen* 
Es gibt Könige und Fürsten, dici von d an öotuern abstam-* 
men und die das Rjoht haben, andere zu v ernioht^n* Das 
Ssind Urgei'.Ahle, üraufä^assungun , die imuier da waren* 
Aber der jüdiache Typus hat eine andere Vorstelluqg 
von dem, v/as ö'tt ist, uril hier beginnt eigentlich die 
tttfmhch» judisoht^ lithik, hier ist die Quelle« loh habe 
die Sthik des Buddhismus daneben gestallt« £s ist eine 



I 



< 



- 3 - 

Yollkommcn ander© Art, eine passive Ethik. D«r Mors oh 
Ist nur t:go:.fcnttrisch gerichtet. Tue nichts, was Deinen 

Veg ins Nirwana verhindern lLönntv2. Selbatbers, undlioh 
idt dör buudhiöU;-ch© Menschgenau so wertvoll wie der 
j4üdische. 15r ist oben nur anders als wir. 

loli habe Ihnen neulich aui'g<:.a«^igt, wo die 
jüdiaciiQ Stliiii zu quall.'n hoginrt . An .'itiia-.-n punk-^cn , 
wo die Oi'i't'nbö.rung kcile>.tiv vou ganzen Volke i*ai'ge ~ 
nöüÄ/iea wdrde, in d im beiden Erralirungcn, dass a'tt ist 
und daijs --ein anderer G'tt nvben ihm ist. Für tlifc' se 
beidon ersten GkuOte sind von a'tt. ges^ rochen u. d voia 
Volk gehört viorden. Hier bogiütit ur-eef Jüdiiiches Sein, 
diu judicch-cthiuchG 3tr«aru)..^ zu '^11 eilen. Ici. hübe 
die niotloren oebo.e Überschlagen und werde nun aurd lese 
eingehen. Ileuwe vor 8 Tagen h.%be ich d c^^ui' hingewiesen, 
wie in den üebott.n, I^ Swli-t nicht uätcn , nicht ehebre- 
ohen, nicht stehlen, cl^ent 1 iJh das Qrundgcbot der jüdi- 
schen Ktr.lk got'^.oint ict, donn alle drei S'-boto beziehen 
sich auf Dinö«, deren ü eboTXCötung mit der Todesstrafe 
belegt ist. Das Morden it:t selbstverständlich auch 
ni.ch uusoruiü heutigen uli^L.J.w.u ..öi^cheng..fuhl de» Todes- 
strafe unterworfen. Auch auf den Ehebruch beruhte theo- 
retisch die Todesstrafe. Aber nur das Vorgehen mit der 
verheirateten Frau budeutyte Raab. Der Mensch ist 
dadurch zea^rt und tntweiht. Auch uas Gebot, lau signof, 
DU sollst nicht sterilen, zog die Todesstrafe nach sich, 
weil damit der Mensch nraub gemeint war. Und » eiter : 
DU sollst nicht lejo « falsones Zeugnis auasagen, denn 
aachdas ist ein Vergehen, was nach jüdisdi^ethis eher 
Auffassung eine Todesstraf» zur Folge haben kann, weil 
die Zeugen P&lsohes gegeneinander aussagen und damit 
das SchA*k»al dessen zerstören können, den sie verleugnet 



K , 



A 



- 4 - 



• 



k 



V 



1 



haben, Also einü Löbfenabeointr^ohtigung daruati ent- 

Nun m ino ijapien und Harren, möditu ioh d ©nsolben 
aedankon, d©n iuh vor 8 Tagen uarg' stellt iiaba, vyii einer 
anaeran Söita hör belöu-Jhtan. Ich will ihnen nioht einen 
AbriükJ dar Jüdisoheri üthii: goben, weil manOar-ber un- 
enalioh viel sprach -n könnte, ioh will lanim haite ver- 
Bttchan, Ihnon ..in Bild darüber, was jüdidohe Sthik i;:t, 
mit einer kurz^. n Zeiohnun^: darzustellen. 

M8.n hat immi^r schon aie Ethik auü der 7 isaen- 
sohafx überhaupt als btsonderos aebi.t h^-rausgehoben; nian 
hut üioh daffii. eigentiioh im Innersten gdgen das Leben 
versind i/-'t. V/elch^r ii^t sich denn bewusst, das^ ^r ethisch 

im J.eben handelt? ^enn er huiü eiL , j-o feiht er nicht 

und tragt, wa^ g. bietta mir üie Ethik? 
wie eine Sohubl^de die Ethik hucaua. /'i>er Xlen^c-i ist 

doch eirxii j^inheit| wenn man ihn von ir g . n a-i i r. or i3eit^ ner 
berührt, so spürt es der ,anze Ivitnsoh. Unsere Sinne sind 
genau so goartet. Man k-ann si b^^rUir^n v^n^Ucher 3^itQ 
nian will, sie werden i- iner ^ie ^Idche Smi^fin.ung kiben. 
wann uian z.B. den Aug.nnerv durohe hneidet, no lautet o.i© 
Aussage der jenii^^^n, di. mit ci -3en Din^un zu tun haben , 
dacs der Operierte auch oitie Li'Jhtar.i,)f indunj hat, ob - 
v.ohl das Sclmeiden nichts Kit dem Lichu zu tun hat, 
paa Auge reagiert uit einer Liolli ernpfindui..g, ireiles a'.r 
Lichtträger iut. So ist aer i.onsc.i e ino Einheit, von 
welcher 3eito» auch eine Aurgabe an ihn heranLritt. und 
80 reagiert innner der ganze Kien^id. und uicit nur d er ethi • 
8c;.e Teil des lüen^chen. Daraui" beruht auch daa ung>^haier 
Sehwierige d.r vmhrheittifoisohung, weil cvan das Ganze 
erfassen und begreiren muss. Das Ganze Iltl mehr ala 
die iJuic er der Teil eines Ganzen. Aber indem Augen- 
blick, in dem man ef^a^ unterteilt, fehlt eben die Ganz- 



- :> - 



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h#ltSb3Zlv^ung, dl j m^Uc lue ald dlt^ Summe« der T^^^lle« 



V 



fs Ist niöhu rlohtijs^ vrenn man cLie Ethik cils ^^iD^n 
Toll h^ruuöloüt* ..kinii iuh lUiiöi; nun # iiic^n Bogrifi' g(j- 

▼urau^'h u^ lUi^öU üin 3ilvi i:u i^t^Lwn vüu clor atä't^ütion ^ di( 
der Xörpör des ^udl^ohen Seins ett xal..t aur di. urivfiä- 
liehe -^rage^ vau ist das ieiende^ waa ist de^e Leberr? Bas 
ißt ditsi niötaph:yöibcUe Fragte* %i^ reagiert dur jüai^uha 
Typus unter d«it ) ieiitiitral.l^ d(>n v.ir uti.'iir d ein Begrirr 
der Ilthik it.( Ju( iucii^ni l^eir) uuiilui^.ut.^ 

Ki r Ist entiTOU« idt-oa übe ft'wt r3bfe>^rlf3f • 
B dt-^nkor Sie ßoch einsial: SB is.:t ftusgeBchlot-sen, olass 
d;*c Judc-ntuciC tdt ötw e MvbwrAi^a.iiöli«« ü.t.tchai kann. 
Die Bibel bogiuiit r::it: Ate Ar:^tig jjhuJt a'tx üitriel und 
Srdö, Mit cli^-üüi; «orton wird zdLoxx dv-s Jucyrtum in 
seinter fjiniiün l.übünaö.ui*i*a^eutig bogrut.uut, Di^ spätt^K 

ölna in virH"! iuhkuit iicuori axa äIü» itg ent- 



LuItOQ. 



O'tt , ilii..: ül uLu ärac, cLxuöü b^'erixTü Lina gleich 



am Ar.Ang • ' iu: bQcie-Jitrt die ^'.itteilui:g der 3ibül rur 
utiu uu-cc wthi£.oheci öwiieiatspuruit« Di« wüu.'i.i'uutj von 
Hlnimel und *\ri(i aurch wt'tt bozuioiinöt d on ^Mdi^oUen 
etliiücut© Rosao«« ilio^^ l;it dts.« Huu,ö «i«;i Ju4.ailume bo- 
ijrüiidet. Wir stt^h^n ni^iit laeiir untj^schU^^zt in Jüdischön 
Söin da, rir sind hineirijsastellt in eic»? BeKieinirfe zum 
9rig<»n. Sa iat. iiivi atelisoher '.-oat.vS. lau zuichn« a^ 
l'ulg 'nädrnj&&.:6n: 



! 



- 6 - 



Dia jJrdQ ist di9 Baaifl, clio ich auvoh einen 3ur4.cri s i/a- 
bolisior9. iÄcüöur wölbt such 'fiie ©ine aioolio der Himraal 






} 



V« 



I 



<i^r <Jie üvü-ü ab3ühli<;*K.3t» Obo^n mache icli einen Em- 
aoimitt. Hier bricht dor .'.'iilö das Oittlich^n ein und 
sdiai^t den :\oumos. Das erst.^ d&s G'tt syiiafi't ist der 
Mondch Adam, den ich durch eiuon Pföil v.b.oh untün ein- 
zeichne. Adam iat das tk niiohcuguachlocit 2Utslt.ich. Nun 
kommt öin Drittes, wa^- ich schon rrüher angedeutet iiabe. 
NaB^ich i.ach dor GcLupfung di-ses irdisch.aeelischon 
Lebe»B raumes gibt (J»tt ein /t^rbinaun: ßglied, das von 
dieser Soliöpfung hini.b erführt voü Einseil ebowesen zum 

0-65 auitmen s ch en . 

und das Bin.agliod ist das 4. Oebot. 

Gedorito df^s Gabbuttag s, ihn ?.u h€)iligen! Hüte den 
Sabbath, ihn i.u heiiit-on. !Ui; erste v/ar (jrbot und das 
zv:eitö Verbot, dieses st^-iit im 5» Buch Mose. 
Dieser Sabbelt hat --^in unc-rhort;, g-valtiga, tra^j-nde 
Aargabe. £3 ist läcinsriioh, daßs laanch^al b «hauptet 
wird, dasc der Sabbat irgündwio im Zuisarmiieuhang otVnt 
mit dam Schabbatu, der bei den ßabylünit-rn dfor Vollmond- 
tagb t^deu-et. Dioper C-ichahbatu war der Vollmonatag 
im Monat, ein däaioniacher Tag, in ctem Uor t'^n^ch nicht 
heraußdir Ate, veil die üiiiionen ihn vernichten v.Urdan. 
Wie ßoll nur. uiv-'Sur Sehabbatu in Zuticnt.wnhar.g kororren 
nit deci ^icJrre..Iciü..en .abbat, d'>n Ta^- der allgemoinen 
i,üziaien Ruhe. DiuBOr Sabbat nun, der als Zwischen- 
glied von der Menschheit heruntovötulgt zum allger.einen 
sozialen Loben, enthalt ein laar gegli-^dert^s Gebot. 
Ba seilen ruhen andieöyr:i Sab>)at Du und Dein S ohn und 
Deine T.^ht>-X und jein inecht und Deinu Magd und Dein Yith 
und d r Fr«iid», der in Deinen Toroa weilt. Di-s ist 
elis klare Facherung in Metaplu^s Ischen. 



• ) 



- 7 - 



t 



^ 



Im Mittelpunkt steht das "Da", darum herum Sohn und 
Tochter, Knecht und Magd und dann da» Vieh, das mit 

der Fremde, 



7^^111 Hausstand gehört und darüber 
der nicht zum Hausstand zählt. Sie haben hier eine 
sehr klare Faohorung des Sabbatgebotes und damit 
bfldlftft den jüdischen Lebenskomplex, den grosse 
ahilOBophen als Bthik bezeichnet haben, 

loh will Ihnen nun heute abend ira-s ich 
hier sohematisch dargestellt haben, d eutli eher erklären. 
Indem ich dlose Pächerung als konzentrischen Kreis 
In ihrer ganzen Lebendigkeit zu erörtern versuchen 
werde, im Mittelpunkt steht das du. Bs wird Ihnen 
auffallen, dasa die pcax niohtgenant ist. Das du 
ist Mann und Prau gemeinsam. Einen anderen Sinn 
braudit man garnicht zu sudiai und aasüudeutün. In 
der Bibel heisat es: "Darum verlässt der Mann Vater 
und Mutter und hängt dem Weihe an; *« sie werden 
zu einem Fleische." Das Ist das Schema der Einehe, 
der monogamen Ehe. In Wirklichkeit aber ist es das 
Schema des Menschen, denn der Mensch ist eine Einhalt 
aus Mann und Frau. Wie das imFamilienleben zu ver- 
stehen ist und sich auswitict, kann ich Ihnen nicht 
deutlidier klarmache , als wenn ich Ihnen einmal das 
wunderbare Lied aus den sprüchoi salomonis 
"Bin wackeres weib, wor kann es ilndeni" Es ist eine 
wunderbare üebersetzung, die von Klausner stainmt, aus 
seinem Buche: Qedidhte der Bibel. Dieses Lied gibt 
i^nz deutlich wieder, was das Judentum in der Beziehung 
von Mann und Frau in jeder Beziehung kennt. Hier ist 
nichts körperliches etc. getrennt. Es ist etwas 
Quellendes, seiendes. Bs ist nicht schöne zu sagen, 
als es Salomo ausgedrückt hat. 



t. 



- 8 - 



wer ein biedres Velb gewann, 
dem ist aiüok und Heil beaohert. 
Uober Perlen geht ihr Wert, 
ueber alles Oold ihr Sein. 
Ihr vertraut mit ganzem Herzen Haus 
and Bioh der Mann so gern, 
und die treue wird dem Herrn keinen Vorteil 

je verscherzen 






Meine Damen und Herren 1 

loh glaube, sogar in der ijebersetzang 
kann man sioh dem Zauber dieses Liedes nicht ent- 
ziehen. Sie werden vieliaoht schon gedacht 
haben, dass Schiller den Tenor diöses Liedes 
nachgeahmt hat in dem Lied der «aiocke«. Wir 
finden dort ganz ähnliche Bilder, aber wir haben 

hier das Verhältnis zwischen Mm n und Jrau gpinz 
axmz a»»» ^^^ ^^, ^^^ Eigentümliche? 

deutlich und klar dargestellt./ San »ie Prau ist 
nicht das Spielzeug des Mannes wie z.Tl. bei den 
arieohen. Sondern die Prau ist Hilfe ihm gegen- 
über, oder wie man neuerdings sagt, seine Kameradin, 
seine wirkliche Lebensgefährtin und vollkommen gleich- 
berechtigt. Wie verdreht ist doch der Sinn in dem 
wort Kameradschaftsehe. Denn i» dem Begriff 
Kameradschaftsehe steckt etwas Vorübergehendes, 
Spielerische.. Aber in dem Begriff des Kameraden 
steht deu^lioh: -Hilfe ihm gegsnüber-. Die Prau 



4 



•i 



- 9 - 

der Mann 
Bteht im Mittelpunkt der Familie und sorgt für deren 

wirtsoharUiohe Erhaltung . Der Mann erkennt die 
Frau an und die Kinder rühmen Sxe. Jeden Freitag- 
abend hört man in den jüdischen Häusern das hohe 
Lied auf die Frau. Sie wartet biß der Qatte nach 
Hause komir.t. Der Sabbatengel empfängt Ihn mit dem 
Lichter strahl, ein Gedicht ist das inmitten der rauhen 
Alltagswelt, und der Mann spricht dann die UTorte» 
Bin wackeres Weib, wer kann es finden? .- 
Dies wird gesprochen von Millionen Juden an jedem 
Freitagabend. Das ist jüdische aogenwar^. B^ isi: über- 
haupt etwas Eigenartiges des Judentums, dasa es immer 
verbindet das Metaphysische mit dum Praktischen. Äben- 
so wie durch die ^Jakobsleiter der Himmel mit der Erde 
vetbundea wird. Wenn in dem Sabbatgebot steht: Du - 
ato, so steckt in di.>sem weltumhüllenden m eine ganze 
Philisophie, eine ganze Ethik « die Annerkennung der 

jüdischen Frau. 

loh mochte bei di ser Gelegenheit darauf hinweisen, 
dass z.B. vor Jahrtausenden schon Debora die Führerin 
des Volkes war und ihr Mann nur der Bogleiter. 
Die Prophetin Debora w rd in der Haftara neben Mose 
gestellt, und Debora und Barak singen zusam. en ein Li*d 
Der Zusammenhang von Himmel und Erde klingt manchmal 
wieder in der Astrologie. So ist es immer inder feit, 
toss das oute zugleich durch eine kleine Veränderung 
verdreht werden kann. Hier ist in dem Da, in der 
Vereinigung von Mann und Frau, zugleich eine Vereini- 
gung gefunden im irdischen Oewande zu dem Binheits- 
begriff •<»»tt-. SO steht als Grundbau streng auf 
der Erde: Mann und Frau. Die Frau als Rem der Mensch- 



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heit. Hlermuca alles ftit 8«in, hier müssen sich die 
Dinge verRlaaimern , dass kein Sturm sie lösen kann. In 
der Physik finden wir das wieder, denn in der Atom- 
le'are wird gesagt, dass das Prdton sich mit ungeheurer 
Kraft mit demXLektron verbindet. Welche Kraft jph ort 
dazoELektron und ]froton zu binden zu einer Einheitl 
Und wölche ungeheure Kraft gehirt erst dazu, um Mann und 
Praa in echter, würdiger und guter weise, in reiner 
ata - Luft aneinander zu binden. Jene Zweiheit, die 
wir immer wieder finden in4 guten und schlechten Romanan« 
Hier beginnt nun der zweite konzentrische Kreis: Die 
Kinder, Sohn und Tochter. Fach jüdischer Vorschrift 
hat man 8 eine Pflicht erst dann erfüllt, w enn man Sohn 
und Tochter besitzt. Ich mochte gleich einen Gedanken 
voraussdiicken: Ss gibt ein© theoretische Ethik, die 
das Fernliegende zuerst nunnt, die mit herrlichen Wor- 
ten kommt und nun sagt: Das und Das tut man den Fremden 
und Fernsten, gehe hinein und Künae ihnen das Wort iviensch- 
tu«. Wir Juden meinen aber, wir müssten den umgekehrten 
wog gehen. Unsere pilicht im Innersten zuerst o rfüllen. 
Blne grosse Frau den vorigen Jahrhunderts: Marie Ton 
Kbner Bschenbach hat gesagt: Ss g?. bt Menscuen, die 
sagön, man k;inn nicht allen helfen, darum helfen sie 
niemanden. Das ist ein grosser Ausspruch, man soll nur 
imme* den nächaten Schritt tan. Bs ist nur eine Be- 
soj^ränkung, die uns der Schöpfer auferlegt hat, indem 
•r uns zu Menschen geschaffen hat.. 

Die nächste Aufgabe ist, dass das Ver - 
haltnis zwischen Bitern und Kindern t*e der rechten Ar t 
and weise gelöst wird. Und dieses Verhältnis wird 
onmit elbar an das Sabbatgebot angeschlossen: Bhre Vater 
und Mutter, damit Du lange lebst auf Erd«n. 



- 11 - 






Das Leben auf der Rrde ißt abe. nicht etwa als billige 
Bezahlung für Einhaltung dieeea ö^botoe aufzufassen, 
denn daa wäre bereoimende Ethik. Ble Bciatenzmöglidi- 
keit ißt davon abhängig, ob dieser zweite achritt 
in der Begründung der Menscliheit in der rechten weise 
getan ^ rd. Ißt die Ehe gegründet und der Boßtand der 
Menschheit in rechter weise geplant, dann musß Vater 
und Matter dastehen als der Mittelpunkt, an dec sich 
nun wieder die Kinder emporranken zu Menschen. Die Wissen 
sohaft sagt unß, dass jedes Kind die Stadien durchläuft, 
die die Menschheit im Verlaufe ihrer Entwicklung zu 



druohlaufen 



was der Mensch durchläuft in seinen 



^4 



eigenen Sein von Keim an ist eine Widerspiegelung desßen, 
eine Bntßprüohung zu dem, was die ganze Menschheit 

durchlaufen hat. 

Hun, die Kinder müssen s.oh an den Eltern anpor- 
ranken und da verlangt das Judentum etwas, waß man 
noch vor einigen Jahren vergeßßen, nämlich, dass die 
Kinder den Bitern Ehrerbietung entgegenbringen. Wenn 
nun nach dem Kriege die Jugendaufgestanden ist und 
gesagt hat; weil unsere Eltern im Kriege versagt haben, 
haben wir das Recht ihre Vormünder zu sein. Das war jene 
zeit , dass wenn der Vater etwas gesagt hatte, das eine 
Brüdeririohenzum anderen sagte: -Sollen wir ihn aufklären?' 
BS war eine unglaubliche Verdrehung des Verhältnisses 
zwischen Kinaern und Eltern uftoh dem Kriege. Du sollst 
Deine Bitern ehrfürchten! Was bedeutet es nun, Ehrer- 
bietung als öebot aufzuerlegen? Ich gUube, niemand 
von uns hätte den Mund einem Kinde zu sat;en: Du musgt 
mioh ehrenl Wir betrachten es als selbstverständlloh 



<. 



- 12 - 



c' 



• 



and unser aecht, dass die Kinder una aus Liebe diese 
fiirerbietung von allein ontge^enbritigen. BS ist eine 
ungüheure WeishöiL des Judentums, daüs es diese Äir- 
erbietung nicht in die Freiwilligkeit stellt, sondern 
gebietet. 1X.S versteht man heute besser als vor einem 
Jahr. Iß ist etwas aroeses: Sich unterordnen zu können, 
nicht immer sein ei genes kleines Licht als Sonne hinzu- 
stellen, in dem mittelaltorliüJ:.en Orden hatten wir jenen 
eigentümlichen kollektiven Individuali saus, jenes wunder- 
bare Zusum enstehen von Menschenwürde in Verbindung i^it 
der Freude am Unterordnen und Gehorsam. Sa ist coch so, 
dass man diesen altun Dingen gegenüber eine Becchrei- 
bung nicht zu geben braucht, es ist etwas Grosses, Heili» 
ges daran, an das man nicht rühren darf. 

Entweder e rket nt man das Verhältnis zu den 
Kltorn als ein göttliches Gebot an, oder man ist auf 
vollkommen anderem Vege. Bin zweites gibt es nicht. 

Das Judentum gebiotet die Elternehrung, ganz besonders 

in 
im Talmud aber auch schon derßibel. Dafür gibt es 

zahllose Beispiel*. Im Talmud wird ein Heide hinge- 
stellt, der in der Ebene von Jerusalem gewohnt hat. 
hÄtte einen ..errlichen Edelstein zu verkamen, den es 
nicht mehr gpib. Bs kam ein Handler und bot ihm eine 
grosse Sumr^e dafür. Jedoch der Stein war eingeschlossen 
and der Schlüssel dazu lag unter dem Koplkissen des 
schlafenden Vaters. Das Geschäft wurde nicht abgeschlos- 
sen, weil er dun Schlaf des Vaters nicht stören wollte. 
Dies iut als Beispiel der Blternehrung hingestellt. 
Es ist eindeutig für die grossartig? Duldsamkeit des an- 
deren beim jüdischen Typus, dass der Talmud gerade dieses 
Beispiel besonders hervorhebt, denn man sieht: Hier 
steckt nicht die geringste Unterbeweiteng de« anderen 



Bc 



- 13 - 

Der sogenannte Heide steht auf der glolcaen Stufe 

v/ie dur Jude, der aeina Px licht erfüllt; er wird sogar 

»« 
ais Beiapiel hingc+ä teilt. 

In ler. I.iu.ߣ"'.r-D'-*iirirtor rii doi. wir zahllose 
Auüiaalui:ie,viU, was ran zv tur hat. ManB aoll ülch z.B. 



nicht auf den platz det? Vaterü setx'.n, nicht at iina 
reühwwii etü, liö wira außgüäpuniivjn, vri-s man antar Kitarn 
irt^und vura teilt, und ditiaos Ver .Itnia z;7iü(;U«.r "'än- 
dc-rii und Eltorn b r;.-hu uut.rjich aui' der uü-^iv;] ehrten 
Vorauasotüun^, dasb die üJit rn i^iir üio Kinder eintre- 
ten. Ici. i^laubö, icii brauche nur "u orinncrn, an die 
urigtsiiüure Lifbe, die hau g^^raae iu unBöron Kreisen 
£>Qi doli üJioeru i'ur die lander Jindet. Ma>iChTnal geht 
dieije Li-bu vi 1 zu weit. Sie wissen, wie ö^r.e jüdi- 



s 



che .v^.tttter den Wunsch geliubt Laber. (eine Art üoeli- 



öche Araiiiii:ieit) aer iiohn mii^se etv;^,s Höh .res worden 
al3 der Vater vvar. jadJch iüt aoch joder Boruf das 
llüah^iuö, woiui er x\ur richtig ausgeriait wird. Vir 
7/^a3un doch, dasu all unnere ayiehrten all9 .'n:i^licht2n 
Boruro ji..habt haben v/.e z.xi. üauern, . at:;jectr;ager, auch 
MiniöLör una Aeri-tü. Der Beruf macht ge.r nichts aus. 
Noch hvjute U.t ein ^chrirtöMler in 3i;darf»r.bien einen 
Ivabbxn^r (iu Jemen) germüen, awr ein sc;.mied war und 
er wu'jste seine Klughuit nicht gwnug zu. rühi-um. 
icti wellte Zöi^^^en, daas die i^iebe der üü-torn zu den 
Kinueru oft viel itariier gewesen ist als unifrekeirt. 
Wir sehen v/i.^aer die beiden Kraj-te, die Litern und 
Kindern zujuiijnenüolitaieden. Wir öehwn, wie der Bau- 
stein vriedoruui in deu a..eiten kunzentrischen Ring mit 
allur Festigkeit au den ii*neröten xvern angelegt wird. 
S6 v.'ird im judöntum der Tenipal der iylenschaacheit gebaut, 
Die Brhrung der Eltern durch aio Kinder und die rich- 
tige Veraorgui« der Kitern durch die Kinder, also 



♦. 



- 14 - 



t, 



I 

• 



das richtige Pamilienleben^ddriE das immer der Stolz 
dnseres Judentums mar unu ist. Di^^s^ Porderung der 
Bibel ist immer eingehalten worden# Jeder hat ein 
Sohaadern empfunden, wenn er hört, dass e ineMutter 
ihre eigenen Kinder verhungern liess, um sich aelbat 
Qenuss 2u veraohaffen. All dies geht zurück auf das 
a bot. das» uns Juden an®erge Siani gegeben ward, und 
das ist die päoherung des öebotes der Blternehrung. 

nachdem nun Kern und erster Ring in richtiger 
Art und weise zusammengefügt sind, kann die Fächerung 
weitergreifen: »«Bein Knecht und Deine Magd" Dies ist 
eine eigentümliche Aeusserung, denn es gibt 2 Arten von 
Knechten: einen jüdischen und einen nichtjüdischen KnoolA. 
Man muss hier ganz deutlich unterüoheiden und soll sich 
nicht falschen Betrachtungen hingeben über den Begriff 
deM jüdischen und nicht^üdi sehen Knechtes, dadurch 
lettman das Judentum nicht kennen. Der jüdische Knecht« 
Sklave ist eine vollkommön falsche Uebersetzugg. De»n 
das Knechtsverhältnis dauerte nur 6 Jahre. Br konnte 
sich selbst verkaufen und verdingen und konnte verkauit 
Verden , renn er z.B. b^im Einbruch gafasst wurde und 
das oestohlne nicht zurückgeben konnte, in diesem 
Falle konnte seine Arbeitskraft veri^auft werden, 
unter normalen Umständen jedoch ging er nach 6 Jahran 
der Knechtschaft frei aus. Der Orenzpunkt war das 7- 
Jahr, wenn er im 5- Ja^^^f® verkauft wurde, hatte er 
nur noch 2 Jahre zu dienen. Ein Verdingen der Arbeits- 
kraft hatte also nur den Zweck, das begangene Unrecht 
zu sühnen. Heute sperrte man bei Einbruch die Leute 
X Jahre Ins Gefängnis; früher konnte er dafür arbeiten. 



- 15 - 



* 



sobald dor Herr otv/aa gotan hatte, ^jing der "n.v3ht 
i'roi au;3. \j<^nii et,va, je;:.üad oino Pr'iu varkaufte, dann 
durfte dor vjxufor sie nur erv; erben, in der v'oraus. 
aetzunn;. lar.ß ov sia liüiraten woll :o. Sonst ging© 
ü e rröi fc-uj, finaurr.i'allB UiU^etö cor l iUi.?r si« lur 



a. 



'jül:in ala r'rau bastimmen. 

Uli ii;t cel';)Ctvcri;u:vn(;.lioh, (laßt; diese Bc'- 
trachtun;rswoiBO nur <%ur len VolKögcnoLisen Cruitifikeit 
hattas. Die \.'&hro Kthiü i;ocnt erst zun) .vssdruck dem 
SchwUohürai gügonubor, aui* don mn RLc '-wicht 'au r.eh- 
men lat. nber wie wur os in Bozu^; auf dön niühtju- 
dicchon Kneaht? Dar oh das ganz Mituela.Uör geht die 
Inatituttkon dea ükluvontuuü hin,iuroh. hIüh butraoalet 

en 3kluvon nicht als !■ -nnoh, s ondern r.ur ü-Is 'vVar. 
^inen LiUlavGn iurfto tn n tol^chla^j^n, ohn.j daas aieh 
jemand überhaupt ciarura kümniorte. '"enn nian z.B. oiuLÄl 
diose 3klav3n aui>teilte und ©y blieb uin^^r ;Jbrig, dann 
wurde er oinfa^ih^ ctoilt und üvxl. :.l3 Fiöchfutter 

varwardt. 

In der Bib 1 stt'ht:"V.'9r.n ein 'okl^ve aüinöm 

Herrn ert lauft, darfst IXi ilixix di Cön nicht wieder iu- 
ruckgoben,"aenn er iiit i;iüher nur aöshulb enöl::ureu, 
weil er mibßhaidelt v.urde, denn überall v;altoto in 
der 3Llaverei farohtbare CrraumsaDikeit . V/eicn« Sin- 
j;t<aiu».i; finden vir im dudenLum in Bezug auf den nicht- 
jüdi-.chen Sklaven? In der ibel steht ganz d e^tlioh: 
vereinen Sklaven erschlagt, v.ird v/ieder g etötit , und 
darrit ist schon wieder die Grenze abgestöckt. 
Der ni-'ht ji.dincho Sklave ist g^nau so ein Uensch wie 
sein Herr und dämm sagt der Talriud : V,'er sich einen 
Saklven kauft, kauft sich einsn Herrn, er muas Rück- 
gioht auf ihn nehmen. 1000 Vorsdirirten hat er zu 



- 16 . 



* 



4 



erfüllen: m darfst don Sklaven nlolt misshaixlelausw 

Dio nichtjüdi sollen Sklaven rnüasen gonau so ruhen 

am Sabbat ©to. wie dio ilerron; aies ind mltöinge- 

solilOGsen in zahllos© Gosötze des Judentuma. Sklave 

Mose 

ist n..ii;lic5h = Arbeiter. Man bezeichnet ztxk bei 
djm Worte: ewet nicht als Sklave, sondern als Diener 
Ö»tte8, Und daruüi ißt die heutige Ueberaetzung des 



awodim mit 
heit>68t. 



Arbeiter aachxalsch, da ewet« Diener 



Bs liann gar keine Sklaven geben, weil ft'tt den 
Menschen geschaffen hat und aus dieser Orerk^nntnie 
resultiert, dass jeder Mensch als Menaoh gehalten, 
geachtet und geehrt werden muss. Hier tritt schon 
der NichtJude in den Kreis der sozialen pa ichtaa ein. 
In der Gestalt des Hausgenossen, der diJ Arbeit ver- 
rioiitet. Darüber hinaus findon wir im 4. Kreis 
das Tier und im 5. Kreis den Fronden 

Ea ist ausserordentlich interessant, daaa 
ohnes weiteres in den Kreis der sozialen Pflichten dae 
Ti'^r {üiteingesciaossen wurde. Jene Ganzheitabeziehang 
habe ich schon am Aufting besprochen. Das Judentum 
erkennt iteinen tiöhretischen Unterschied in der Le- 
benberechtigung an. Das Tier hat die gleiche Lebens, 
bereohtigung wieder Mensch. Wenn es uns nun aber 
X.?,. gestattet, diis Tier z\i seh achten, um von ihm 
zu leben, ao darf dies nur unter ^n-. besonderewiOe- 
sichtspunkt geschehen. Und zwar im Hinbliok darauf, 
dass wir uns erhalten müssen und es aus diesem arunde 
einfach nicht ganders möglich ist. Darum muaste 
aaoh in Palastina die Viehwirtschaft geschaffen wer- 
den. Aber eine Einschränkung wird durch das öebot 



§ 



i 



4' 



-17- 

geinacWb : Tn sollst dem Tier niüht zu nahetroten. 
»trüb er hmttuß hat lie ri'lunz ^rvolt die tjlöiohe 
Bereoliti^'ung. Sogar It. ^rio^^e, wenn Du eine Staat 
belagerst, hüte Dich eine. Frucht baux zu zer- 
stören, ßö ißt una nicht fescat^et, Tiore zu 
Süchten bzv;. prlan^en 7m vermischen, y^s hf?i33t: 
Ui d vtai. aucli nicht .lün ,.;aulüücl iiüchten. 
K., ißt uns al-oo verbotet;, eine Verwirruiig m der Na- 
tur anzurichten. Ku hat siuh s^^auu bösartig heraus- 
gi'<3tt»llt, wenn der küi;..ch aux Ocuna jein.r ;.- lö oen- 
sohart in die N t4r eingegr irren hat. so z.B. hat 
luan iu Australien r^afcteen eingerührt, die sich dann 



Q 



pciter aar Taaoondenvon Kilometeri- j.ortprlan*:6en, SO 
daiä.. die . onschheit aeu. n.achtloß gögOüL: >ifc>rstan... 
Man muusto dax^ ^iu .J.^inöu inüü^kt ( die L a U a e ) 
einrühren, das aie /.a^fteenen :. erstörte. Ss gibt 
noeht» eine i.i.ni^ö anderer T)in,:e, die tiicJi i.uch rurcht- 
barer auüwirkten, '.vonn der iien^^oh Vucöu.-htö ©iuzu- 
greirai in den Gang der Natur. 

Ich uücht. ir. di.öüa 2;ü£i;.;:.j.i nhang tr- 
innern an dau hotrliche Qebot: Im ?• Jahr öuli auca 
das Land ruhen, daa Babbatjahr , d enn da soll es 
wieder aeni schüprer zurudLgüiiübeu worden. liiBrin 
liegt cin^ uaen.lich- Klugheit. Ich könnte uir vor- 
atcllcn, aaus ui i..er.achh.ut eines Tages darauf zu- 
rückkum..t una den Boden e inig.' Zeit brach Ueijen lasst, 
anstattl ihn iirjrier v;i..der nüt Kun^^tdünger zu befrucllfcen. 

in der Bioel steht: iß 7- J^-hr soll auch 
aas Lanarukon. Nicht nur der Men.cU, nichl nur die 
Faraili^, -'-o^^ ^^^ ^^^- arb^itenuen hr^^rte aollen ruhen, 
sondern auch d s Tier und d^s Laua sollen ruhen. 
4Bt v.iriaich etwaä ,iuiz Bigoi artiges und was geschieht 



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18 ist 



denneifaentlich mit dem Sabbat? 

*=■ rhythmisohea 

Der Sabbat ist ein t i Hw i mt W* Pti nziip 
das aus dem Kosmiüohon entnomihen ist. Die Sieben 
spielt eine unerhörte Rolle im Kosmos. Dadurch, 
dass die Bibel die Ruhe iaüÜMkk befiehlt, ausnahms- 
los für alles, dadurch dass alles in einem bestimniten 
Zeitabstand ruhen muss, wird eben wieder das Ver- 
steife gelockert, wird der Mensch aus seiner Kultur 
und Zivilisation wieder hineingestellt in den Strom 
des unbewussten Werdens und Verg.-hens. Das ist Juden- 
tum! Dieser Sabbat ist im Judentum geboren worden, 
er be^^ieht alles ein in das jüdische Gebot 
von aussarordentlicher Bedeutung, dass in den äusssren 
konzentrischen rireis der absolut Premds, der uns nichts 

anseht, miteinbezöget: wird. Es gibt ein Buch von 
Bertonette, der versucht über die Stellung im Juden- 
tum Klarheit zu schaffen. Bs ist bezeichnend, dass 
er gerade dieses Problem ausgewählt hat und in- 
teressant, welche Betrachtungen er anstellt. 

Wnn einer sagt; Man kann nicht allen helfen, 
so ist daswahrsciueinlioh eine Ausrede, dass er kei- 
nem hilft, wenn Jemani nur für sich ist und nicht 
auch für andere, waS bin -oh dann? so fragte schon 
ein alxer weiser. Man muss alles mit allem ver- 
knüpfen, und so muss man in seinem Sinnen und Dsmien 
für sichsilst, für die ganze Familie, 
zu seine.. Kreis gehören, gleichzeitig die ö edanken 
verbindet, mit denj^nig^i , die uns scheinbar nichts 
ai«ehen. Dieses genauer definiert: 
ES gibt drei Arten von Promden: 

1. 0er, 

2. Ger tosohat, 

3. Moohim 



alle ^ di« 






4 

• 



- 19 - 

«Ihr sollt den Pretadling lieben, denn Fremdlinge wart 
Ihr im Lande Aegypten". Dt-nn es wird gesagt: e» iat 
nicht ein b^iebiger Fremdling, sondern e iner, der sidi 
unserer Volksgeraeinaohaft angesoiilossen hat. Das ist 
falsch. Der Beweis hierfür ist der Nachsatz: ^enn 



Fremde wart ihr im Lande 



2. hietb^i haben wir das toschat hinzugefügt, 
aer toschat ist in der Bibel der Halproselyt, der nicht 
nur bei uns wohnt, s o dern der sich schon den Sitten 
angeschlossen hat und die Kultvorschriften einhält. 
Bü ist dann naturlich s elbstver ständlich, dass dieser 
gor toschat auch eingeschlossen wird in die sozialen 
Gesetze. Bs geht deuUioh :.ervor, dass auch der Volks. 
fremde miteingeschlossen v;erden muss und wir haben 
zahllose Beweise dafür: 

"Bu sollst den Fremd ing nicht bodr.icken, nicht de- 
mütigen usr. Du sollst auch nicht ganz aberkten 
auf Beinen Feldern, sondern etwas stehen lassen für 
die schwachen, Witwen und ^raisen und den Fremaling;. 

die 3. Art, der nochim, ist gleich « der 
Volks- und Landfremde, der nur vorübergehend im Lande 
weilt, etwa der Tourist, damals der Karawwienführer 



usw. 



notalm? 



Um den braucht man sich doch eigentlich nicht zu küm- 
mern, d«ner fällt unter das internationale Qesetz. 
Oder schreibt das Judentum vor, dass wir uns docA 
um ihn kümmern? Bs gibt e ine ganz herrliche Stelle, 
in der deutlich zum Assdruck kommt, dass auch er ein- 
geacÄlossen wird in das weltumspannende (Jefühl des 
Jüdisch-sozialen. In Salomos Lied wird es folgender- 
massen in Worte Tfiatt gekleidet: Auch der Fremde, d« 



'^.-. 



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- 20 - 

kommt von einen anderen L».nde, der Dl oh nioht ktnnt, 
der nioht zu uns gehört, v/enr. er kommt und vor Dir nie 
derfallt, dann musjt Lus- uoh«eln Qebet erhörten. Hio» 
wird deutliohder Pramde in den Begriff des ^«Idischso- 
zlalen einbezogen, wenn er sich einfügt und in dioseq^ 
Larrie empfindet, wennsein aebet zu ö»tt aufsteigt, 
dann erhöre ihn, denn auch ertragt Msnsohenantlitz. 
Er ist eben einbezogen in allos, was Leben bedeutet. 
Man muss zwar 3 Arten unterscheiden, aber sie gehören 
alle drei ins Jüdisch-Soziale. 

Uas 4. Gebot, das sagt: »u, dein Sohn und Toditer 
etc. sollen ruhen und der Preradling, der sich in deinen 
Toren aufhält, zeigt die gleiche Hioit ang. In die.er 

facherung 11 gt die metaphysische Voraussetzung 
dass ein G'tt mit seinem willen in den Ihnen vorge- 
zeichneten Kreis des i'-osmos eingebrochen ist. und 
dass dieser Begriff sich fächt^rt im Sabbatgebot. Hier 
haben wir die Grund läge dessen, was man unter dem Oe- 
ßiohtspunkt der Sthik als jüdi-.ohe Bthik auffassen kann. 
was durchweht denn nun aas Gebilde des jüdischen Kos- 
mos? welches Gefühlt herrscht hier? Hl.r lobt 
der so oft ml ssverstandene Begriff der Ahawo, der Li«be. 
Inder Tior- der Triebwelt besteht das Zerreifen, 
das ^errisenwerden « der Kampf aller gegen alle. 
Auch die Stechmücke, die den i^en^oiien in die Hand 
sticht, ist etwa^ Göttliches, denn es ist docü €i gai- 
artig, dass diese Mücke gerade das Blut des Mecsohen 
für sein Portbestehen braucht. Das Judentum stellt 
das Oogentoil der Scnmerzbereitung, das Mitgefühl mit 
a llem Lebendigen gleich • Inneres Verbundonsein 
mit all», also die Liebe als Hau ptf orderung In den 
Mittelpunkt: Liebe Deinen Hächaten, denn er Ist wie Da- 



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- 21 - 

i)as ist der Aasspruoh* Das hois^t: Da bist in allem 
enthalttn • Hier rinden wir einen Aasäruok, in dem 
das Judentum und der Buddhikiiaus üidi berühren* Auch 
der Buddhismus sagt: Da.ö bist Du, Du bist in alle». 
Aber weitergehünct finden wir die Trennung: denn es 
heisst: es tiönnto darin die Seele Deines Vaters vor 
handen sein und hier liegt die strenge Trennung vom 
Judentum* Denn hier 2ti gt der Buadhii;mus die passive 

Ethik, 

Brfullt von dor vmndi^rbir^n Luft des/ 

egrifÄ der ^'ahawo*' hab^a wir ;:ier das 



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Oebaude dac Jüdisch-ethi jch Sozialen* 

V/enn ich die Verbindung suchen soll mit dem 
wari ioh vor 8 Tagen goi^^agt habe^ so m. ohto idi noch 
wiederholen^ das 3 diu Proph^rten einmal versucht ha- 
ben, die 613 Ge- und Verbote in v/enigor zusammenzti- 
i'assen# Habakuk hat sie au#it einon einzigen Grundsatz 
zurUcl-igarührt. Was bedeutet dxese Zurückiuhrung? 
die 615 oe- und Verbote sind die Stützbalken des ju- 
dinchen i^osmos* Aber os besieht die MÖglichk it 
veilleicht die AtLioaphure gross und weit zu gestalten^ 
um wenigstens im üeisi. die ein^auue Grundlage zu er- 
kennoÄ. üabaloik sagt: Der Gerichte lebt in seiner 
Treue. 7/as ist gerecht? Es hat nichts mit unserer 
Aui'facsung von^l^cht zu tun • Sj^ heisst: der rechte 
Mensch, Dieser lien^ch ist deoUu^b reclit ^ ?/eil er tut^ 
was aus der metaphi^si sehen Verbindung l\ir ihn heraus- 
quillt. In seiner Treue und seinem Glauben lebt er 
nach den Worten: Emuno und zadik. Der Mensch muss 
wissen^ um was es sich letzten Endei^ handelt» SB kommt 
einrjsil d: s dunkle Tor an jeden h ran und hoffentlich 
wird er dann nicht vom Scijniprz zerrissen und hoffent- 
lich hat er dann nicht zu bereuen« Man muss leben 
in seiner Srkenntnis and MUt haban zum eigenen Jüdi-» 

soh«n »«ttertewuflgtBaln^ 




4 



- 22 - 
loh kabe Ihnen vorhin in der Natur gozd gt, dass 
ein zerreisen und iierriBennwarden besteht, jedoch 
das Soziale ist von ö'tt goscJiaifen.wir betrachten 
£i,ber dieseß Oei'ühl des Sozialen, daeauß uns ent- 
opringtals ob es gana selbstveretandlich rein iridi- 
sohen Ursprungs wa,re. V;ir empfindün es als selbst- 
verBtändlioh,aus unserem Blute qulte nd und als Be- 
weis daflir, dusü wir oinüm ganz bestimmten Typus 
angöi&en: Den; j üa lachen T:^pus, der hier gafächert 
vird zu di-ser Weit der Oanzhoit, von der ich Ter - 
sucht habe, Ihnen ein Büd zu ^eben. 

Nun wäre die Aufgabe die, dass ich versuchte 
den 2. Schritt zu zeigen, der auch getan werden muss 
aus deju Leben der sozialen Verbindung hinaus, 
zu dem Leben, das einfach nichtximmer mit dem Begriff 
der ahawo uniiittelbar in Verbindung steht. Bs fi^bt 



no 



oh andere Beziehungen, die nach strengem Recht 



und Qesetz b<.*uanaelt werden müssen. 

wenn z.B. ein Kaufmann Ware fortgibt und der 
lÄufer kann sie nicht bezaiileu , dann kann ernicht 
einfach sagen; sciifcni.e mir die Ware. Denn wenn solch 
ein fall sich öfters wiederholen würde, so stünde 
der Kaufmann bald seli.st vor dem Ruin. ES gibt 
ein Leben, wo auch noch etwas anderes gelten muss, 
als das was icu heute abond schilderte. Ss be- 
stellt die ung.heure Gteft,hr: die prakti che weit. 
Hat das Judentum di^se Kluft überwunden? Ich möchte 
in & Tagen noch ijähores ^hnen über das "Jüdische 

Recht" erläutern. 

zum schittss möchte idi Ihnen noch ein 

Beispiel anfuhren: Si© w issen, das^: das ChrlÄtafr- 

toB ein gan» grosser Wurf nach der VollkommenWitt 



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- 25 - 

indem es das Gebot dor Nächstenliebe in extremster Por« 
yor den Menschen hinstellte, zugleich siit dem Obbot, 
alles aut'zugebui , waa roan besitzt. Denn eher komnit 
ein Kamel auroL ein Nadeöhr, denn ein Reidapr in *en 
Himmel • Als diese Gebote aufgestellt v.'urden, war 
WeltuntQrgangSBtimmung. Die F^chTolger di*^ser Lehr© 
musBten iebon. Letjen heiijst; dass man dies« Prin24)i8n 
nioh'u mehr durcriiü. hren kann und hier baginnt ein ungö- 

hüurör KP-Gipf. Si. ist Qifi.-ntlunlioh, f estzustäi ien, was 
für exnon weg das Christ rntura gefunien hat. Wir haben 
kein RiJchx, irgondain Urtoi 1 zu fallen. Bewunderswert 
ist, »X elohen Vlog das Christentum eingeschlagen hat. Bs 
hat einen widerspr oh übarwinden müssen, der gescaicbt- 
lloh hineingeraten ist. In wölohsm Zusammenhang steht 
day praktische Leben mit don entfsrntasten Punkten 
' die man vor Gericht tragen muss, mit dam was ich haut© 

als soziale At^osplÜire des jüdischen Typus dar- 

gcst lit habuj 

Diese Art .vort werde ich ver; uchon, ihnen 

am nächsten Abend zu geben. 



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Das jüdische Recht 



21.2.1935. 



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Meine Uamen und Herren ! 



Ich möchte heute mit einet|pädagogi sehen Erörterung 

beginnen. 

unmittelbar nach dem Kriege ist ein neuer BegriÜ" in 
der Päaagogik zur Herrschaft gekommen, der insbe- 
sondere von den verdienstvollen Pädagogen Kerschen- 
stein u nterstützt , nicht gesclml'l'en, worden ist. Es 
ist der Begriff der Totalität. 
Was verstand man darunter? 

Nun, stellen S^e sich einmal die Aufgabe vor, dass man 
das System einer Kultur der kommenden Generation 
überliefern will. Wie macht man das etwa? 
Da hä die intellektuelle Schule, die alte Schule näm- 
kich, einen Tfeg eingeschlagen, möglichst alle Kultur- 
güter in die Schule hineingenoranen. Immer neues kam 
hinzu, immer mehr mussten die Schüler lernen. Kam man 
noch vor einer Generation mit 25 Wochenstunden aus, 
so kam es bald auf 55 Wochen für den Schüler. Das 
ist unerhört viel. Trotzdem hat sich herausgestellt, 
dass auch diese Art Bildung nicht ausreichte, um die 
Kulturgüter gegen das Verschwinden zu schützen. 

Biese Art Bildung versuchte, den Weg des 
Unviversalismus zu gehen. Man versuchte, jedem Schüler 
möglichst alles zu vermitteln. Es gab vor 500 Jahren 
universalgebildete Menschen, die alle Zweige der 
Bildung beherrschten, öa^ ist in der Neuzeit nicht 



mehr möglich gewesen, weil der Wissensstoff viel zu 



umfangreich vnirde. Die Kultur lief Gefahr an irgend- 
welchen Stellen brüchig und der Zukunft nicht mehr 
überliefert zu werden. 



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- 2 - 



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Denken Sie nur einmal an das wissen eines Ingenieurs. Auch 
er muss ioh spezialisieren. Vielleicht würde sonst irgend- 
eine v/ichtige Konstcuktion vergessen. 

Da kam Kerschenstein auf ein eii^entümliches 
Prinzip, und er hat im Jahre 1917 eine Schrift veröffent- 
licht, in v;elcher er dieses eigenartige Prinzip beleuchtet 
hat. BS hate nämlich gar keinen Zweck, einem Menschen 
die gesamten Kulturgüter zu überliefern. Der Mensch hat 
gar nicht alle Kärfte, um sie zu versteh. n. Nicht jeder 
ist z.B. musikalisch begabt. Wir müssen uns auf den 
S+andpunkt stellen, datis jeder Mensch bestim te Kräfte 
hat, eine bcstiramte Kräftekonstellation besitzt. Polfe- 
lich muss man nicht danach streben, dem Menschen alle 
Kulturgüter zu übermitLeln, sondern entsprechend seinen 
Kräften sich möglichst alle BEulturgüter total aneignet, 
die er verstehen Iiarin. Man häaft nicht einem Menschen un- 
geheure Mengen von ftingen auf, man greift nur Kultur- 
güter, die uns angemessen erscieinen, heraus. Bö ent- 
steht eine Bildung von inner her. Diese Bildung, die wir 
uns nach Aneignung dieser Kulturgüter erwerben, ist 
nicht mehr universal sondern total« von den Kräften aus, 
und sie geht aus, von dem, was die Wissenschaft gefunden 
hat. Diese Art totaler Bildung, dieses Streben nach To- 
talität, hat eine unerhörte Bedeutung gewonnen. Die Wissen- 
schaft hat schon Jahrzehnte vorher gewusst, was eigent- 
lich iLommen wird, was innerhalb der pädagogischen Wissen- 
schaft an neuen Tragkräftigen und Beherrschendem auf- 
tauohön wird. Diese totale Bildung, dieser Begriff der 
Totalität spülte schon eine Rolle bei den Erörterungen, 
die ich Ihnen in diesem Winker vortrug. 



Ich will Ihnen nicht einen Ueberblick 



>» 



- 3 - 



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I 



S' 



über aaa Sysxem awö Juaentums von aussen her güoen. Das 
wäre ein Unternehmen, das man nicht ohne die Kenntnis 
der hebräischen Sprache, in der ja alles geschrieben 
ist, vornehmen könrxte. Viel wichtiger ist es heute 
in Bezug auf das Judentum totale Kenntnise zu vermitteln, 
von der Gestalt des Judentums. Ich versuchte in mei- 
nen bisherigen Vorträgen Ihnen ein Büd zu geben von dem 
Wesen des Judentums, vom dem, v/as zum jüdischen Typus 

4 

gehört, nämlich ein ^nz besonderer Mensch. 

T7as gehört nun zu seiner geistigen und seeli- 
schen Wesensg stalt? Aui' diesen weg habe ich meinen 

Vortrag gestellt. 

Heute vor 8 Tagen habe ich ein Kapitel angefügt 

über die jüdische Ethik. 

Heute will ich vers^uoh^n, Ihnen einen Einblick 
zu geben in Totalitat des Judentums, und nicht ein Sammel- 
surium von Din^-^en bringen. 
« V/as stellt eigentlich sich das JXitentum vor, 

wenn es an den ßegrifi' der Ethik denkt? 

3Da habe ich Urnen ein Bild, vielmehr ein Schema, 
an die Tafel gezoichhet,und iioh will es wieder tun, weil 
ich heute darauf weitergehen muss. Ich habe gesagt, 
das Judentum stellt die Welt sich vor als eine geschlossene 
Einheit, einen Kosmos im geistigen Sinne. Ich sage nicht, 
in welchem äusseren wissenschaftlichen Sinne, denn diese 
Frage wurde schon so oft klargestellt. 

"Am Anfang schuf a«tt Himmel und Erde" , dieses 

ii^t das erste Wort der Bibel. 






^.t 



*•* 



- 4 - 



d X uue z. ö 1 üUliUXig : 






*.' 



Mit diesem Sabbatgebot hat uns a«tt etwas Eigai tümlidies 

gegeben. B liarntlich endet die Schöpfung damit, dass 

Q-itt wie es die Bibel ausdrückt , am 7» Tage ruhe. 

Das darf man sich nicht vorstelloi, wie etwa bei den 

Menschen, denn das ist ja nur die menschliche S^rac^. 

ES wird ja imu:er betont, dass die Thora spricht in Wort.d.M 
Wir müssen den Sinn dahinter erkennen. Der Sabbat ist 

im Ewigen, im Reich des Kosmischen eingewurzelt. Von 
diesem Sabbat sttahlt das Ruhegebot aus in sozialer Wei- 
se. Ruhen muss Mann und Frau, Kreis der Kinder, Viel 
Knechte und Magd und alles was dazu gehört; sogar der 
Fremdling, der in Deinen Toren weilt. 

ich habe heute vor 8 Tagen ein Vergröberung ange- 



ln Yv'irk- 



zeigt, weil ich nur eine Familie angegeben habe, 
lichkeit beruht die Menschheit nämlich nicht aui* einer 
j^milie, sondern aufzahllosen Familien. Wir müssen 
uns nun das Sabbatgebot nicht ausgestrahlt denken über 
die ganze Erde mechanisch verteilt, sondern nur auf 
die Familien beschränkt. 

Gestatten Sie, dass ich diese 7 Bezirke säulen- 
haft nebeneinander zeichne . Diese 5 Säulen, auf die 
der Sabbat ausstrahlt, sollen die Familie repräsentieren, 
auf denen sich die gesamte Menschheit geschlossen, uni- 
versal aufbaut, ich habe dargestellt, wie das Sabbat- 
gesetz ausserordentlich merkwürdig formuliert ist, und 
die Heimat dessen ist, was die jüdische Ethik ausmacht. 
Beim Sabbatge^etz heisst es »ML> d.h. Mann und Frau zu- 
gleich, BS ist etwas Eigentümliches; jedoch die eigent- 
liche Voraussetzung ües Judentums, dass nämlich der 
Mensch aus zwei Teilen besteht. Darum: "es verlasse 
der Mann Vater und Mutter und hange dem Weibe an, dass 



K^ 






*.' 



- 5 - 

sie v/erden zu einem Fleische. Mann und Frau gehören zu - 
sammen, wie zwei Teile. Und es heisst nicht; Die Frau 



x: 



« •* 



•«•^;<»;^ 



ist dem Manne gleich -Stellt, denn das WLire eine falsche 
Betrachtungsweise. Also ist die Fragestellung: Ist im 
Judentum die Frau» untergeordnet oder ist sie dem Manne 
beigeordnet, f;u.lsch. (Gelobt seist m Ewiger, dass Du 
mich nicht zum Weibe geschan'en hast, bezieht sich auf 
andere Gebiete). Man müss diese Vorschrift betrachten 
unter dem einzigen Gesichtspunkt der Bibel. loh habe 
schon zu Anfang herausgestellt, dass Mann und Frau zusam- 
men ein Mensch sind. Aber so« wie wir verschiedene Or- 
gane haben, die alle einen anderen Zweck erfüllen, so 
hat innerhalb des Organismus Mensch die Frau andere 
Aufgaben als der Mann; aber beide zusamen haben eine 
grosse Aufgabe, nämlich den Menschen zu bilden. 

V/enn Sie bedenko-n, dixi^s gesagt werden ist, 
: Am 7. Tag- sollen ruhen Du, Dein Sohn und Deine Toch- 
ter usw. und die Frau wird nicht erwähnt, so bedeutet 
das, dass sie eingeschlossen ist in das wunderbare, 
grossartige "DuH. 3)as Judentum fordert, dass die Kinder 
die Autorität der Eltern anerkennen. Auch die Eltern 
sind verpflichtet, den Kindern gerecht zu wenden, also 
ist auch das gefeenseitit. Das Judentum gestattet nicht, 
dass das Küken sich klüger dünkt als die Henne, gestat- 
tet aber auch nicht, wie in jenem Falle bei einem Neger, 
der, als ihn sein Sohn im Schlafe c.urch sein vor der 
Tür vollfuhrtes Kriegsgehöul störte, einfach erschlug. 
Das ist nicht gestattet. Es ist hier wiederum ^enes 
gegenseitiges Verhälntnis: Kinder und Eltern gdiör en 
zusammen, ebenso diejenigen, die mit uns arbeiten: 
Knecht und Magd. Wir dürfen sie nichu unterdrücken. 
da ist das gemeint, was man in der Welt als Sklaven 
bezeichnet* 



- 6 - 



Der nicht jüdische Arbeiter, auch er rauss am Sabbat ruhen. 
Durum d.uri'te im Altertum e n Jude eint-n nij ht jüdischen 
Sklaven nicht mehr an ein.n NichtJuden weiterverkaufen, 
weil er sich durch die Eingliederung in den jüdischen 
Lv^hensbezirk ein Recht aur die Sabbatruhe erv;orben hatte. 
Hierdurch ist etwas Totales nicht Universales zusamiuenge- 
leimt. Das Vieh ist ebenfalls eingeschlossen in diasas 
Ruha^ebüt, donn der Gferechte kennt die Seele seines 
Viehs. Der wahre, der rechte Mensch kerjQt eben zu- 
gleich auch das Geheimnis des Seins. 

An dieser Stulle habe ich auf die Verbindung 
mit der buddhistischen Lebensauffassung hingewt^i^sen. 

Es gehört mit zum Judentum, alles gl ich mitzufühlen und 
wir spüren alle die Tragik. Unsere Propheten haben es 
schon gesagt, dass auch wir dem Tier gegenüber grausam 
sein müssen, v/enn wir es schlachtüL. müssen, um es zu 
verzehren^ wie aber sollten wir Mensdi en s onst legen? 
w Am Ende der Tage wird diu Zeit konirnen, da wird grasen 
nebeneinander der Löwe and die Kuh una ein Kind wird 
ß.tzen an der Höhle des Baselisken* '» Dieser Traum des 
Propheten gibt die Zielrichtuing an* IQass wir haite noch 
nicht scM^eit sind, daran ist eben unsere begrenzte kensch- 

heit schuld. 

Auch der Fremde gdriört zu diesem Lebens kr eis »und 
auch er gehört L.it in da^ Ruhegübot. 
ti 3)er Fremde, der in Deinen Toren weilt'», denn auch er 

ist ein Mensch. D^^-s ""udentum geht aus von der Voraus- 
setzung der Gleichberechtigung aller M nschen, die ja 
abstammen von dem Menschen, der gebildet ist aus zwei 



Teilen« 



loh habe Ihn(^ aufgezeichnet und erklärt, dass 



dieser Kreis Mose erfüllt ist von dem Gefühl der t»ahowo". 



*wv 



- 7 - 



der Liebe. Nun entsteht aber eine zweite Präge: 
«Wie»» soll ich das tuen? VTenn es h isst: Liebe Deinen 
Häohsten Tide Dich selbst, -Bükl ich ihm dann um den Hals 
fallen? Aber darüber hinaus meinen wir, dass es ge- 
schäftliche Beziehungen gäbe, bei denen es unklar ist, 
wie man sie nach dem Prinzip der Liebe gestalten soll. 
Z.B.: D©T Bauer produziert und muss verkaufen, sonst 
kann er nicht leben. Kann man das irgendwie nach dem 
Prinzip dieser Ethik klären und bel-uohten? Es gibt 
in jedem Gemeinschaftsleben ein System des Rechtes und 
der Rechtsbezibbungen. Wie hat das Judentum diese 
Rechtsbeziehungen aufgüi'asst, diese grossen Fragen gelöst? 
Im Leben gibt es etwus Profanes und es ist keine Lösung, 
des Problems, wenn das Eiitische eingeschlossen wird in 
das G'tteshaus, sondern eine Durchschneidung des g»©di- 
schen Knotens. Wir spüren ganz deutlich, dass nur der- 
jenige unter religiösem Gesichtspunkt seine Auf gäbe d enk- 
massig gelöst i.at, der den uebergang findet zum gesamten 



leben. 



Wie hat das Judentum diese Beziehijngen aufge- 



fasst? ich könnte Ihnen heute abend ein System des jü- 
dischen Rechtes darlegen, jedoch möchte ich Sie auf- 
merksam machen auf ein werk, wo Sie sich orientieren 
können und wo alle Sttollen angeführt sind, die hierfür 
eine Rolle spielen. Es ist das 5 beendige werk, die 
Lehren des Judentums von Bernfeld, der erst vor kurzem 
seinen 70 Geburtstag feierte. Nun ich will die Frage 
nicht systematisch erörtern. Ich wiil nur sagen, dass 
das Judentum natürlich ein ganz grosses System des Rechts 
aufgestellt hat. Es gibt z.B. Vorschriften über: die 
Einsetzung von Gerichten. Richter, über Offenbarungseid, 
Rechtsspruch, Zivilverfahren, Strafverfahren etc. Sowie 
Rechtssätze über Sklavenrecht, Vormundschaft, Beitrags- 



>* 



- 8 - 



pflioht für gemeinsame Zwecke, aerztliche Hilfeleistung etc. 
Dann auuh Masse und Gewichte, Familienrecht und besondere 
Vorschriften für Armenpflege. Alle di..se Vorschriften 
sind nicht etwa aus der neuen Zeit hervorgewachsen, sondern 
wir sie alle in dem grossen System unseres Talmud. 

was beaeutet er? Die Thora, die Lehre ist die Ur- 
quelle, das v;ort G'ttes. Doch steht im neuen Testament: 
nomos = Gesetz und es heisst, die Juden leiden unter der 
Last der Gesetze. Man stellt sich vor, dass die Juden 
eingeengt werden durch Vorschriften, das ist aber nicht 

gerecht. 

Judentum ist Thora, d.h. Lehre. Sie ist Ausdruck 

unseres eigenen V/esens. Sie ist nicht e ine Last, sondern 
innerhalb der unendlichen Binsamd.eit ^^l^i^^ ^^^^ 
Erleichterung, eine Hilfe, etwas Grossartiges ;/trotz des 
Umi'anges ist sie kurz formuliert. 

Auch das Sabbatgesetz. ¥as soll man darunter 
verstehen? Wie soll man ruhen, darf man z.B. überhaupt 
nicht aus dem Hause, darf man eine bestinmte Kilometer- 
zahl vielleic.t nur gehen etc. Das steht nicht dabei. 
Darum : Es muss neben dem schriftlichen Gesetz ein münd- 
liches Gesetz nebenhergehen. I^s Mündliche durfxe nicht 
aufgeschrieben werden. Warum? Damit imn.er der Uebergang 
da war von dem schriftlichen, formulierten Gesetz zum Le- 
ben, wenn man nur ein schr.ftliches Gesetz hat, so be- 
steht die grosse Gefaiir, dass man innerlich erstarrt, dass 
n^n sich überhaupt nicht mehr dem Leben angliedern kann. 
ES Ron^t nicht darauf an, dass ein Gesetz besteht, sondern 
dass der Mensch im Leben bestehen kann. Der Sinn der 

. -,^+.--n„v,„ rrfthpn Eitsteht Z.B.: Bi darfst 
Thora muss in Erfüllung gehen, Hi- » «-« 



•»^ 



- 9 - 

einen anderen keine Zinsen abfordern. Und wenn Bu 
ein Dar lehn gibtst und es kommt das 7* Jahr, so ¥er- 



lischt der Anspruch 



Die Juden v/aren ein Bauern- 



volk und man ooll dem Bauern nicht Zins abrordern, 
sondern es ihm schenken, wenn er es im 7« J£»-hr nicht 

zurüci geben kann. Allmu-hlig hat sich aber der Kauf, 
mannsstand en;.w- ekelt. Es gab auch betrügerische Man- 
schen, die es sich zu Nutze machte? , dass das ]3arlehn 
im 7. Jahre, wenn es nicht zurückgegeben werden konnte, 
verfiel und darum wollte niemand mehr G-eld ausleihen, 
auch nicht an die Notleidenden. 

Der grosse Hillel iiat da die Vorschrift 
getroffen, dass der, der nicht will dass sein Darlehn 
verfällt zum Gericht geht und sagt; ich will nicht, dass 
mein Barlehn verfällt. Auf diese y^eise bekamen die 
Notleidenden wieder Geld, zugleich aber und das ist 
die unerhörte Klugheit des jüdischen Gelehrten, war 
man gegen Betrüger gesichert. Der, der die Armen be- 
schenken wollte, hat.e die Möglichkeit dies zu tun, in- 
dem er einfach nicht zum Gericht ging, wodurch er dem 
Notleidenden das Dar lehn geschenkt hatte. Der Sinn 
wurde verwiriaicht während d-.r Buchstabe beseitigt 



wurde. 



Ein grosser Rabbi, der vor 1000 Jahren ge- 



lebt hat, Rabbi Ger schon in Mainz, hat auch grosse 
V/erke vollbracht. Die mündliche Lehre durfte nicht 
aufgeschrieben werden, damit das schriftliche Gesetz 
angepasst werden konnte dem Sinn des Lebens. Der 
ginn des Gesetzes musste erfüllt werden. Nun kam aber 
die Gefahr, dass das mündliche Gesetz verloren ging. 
Inxolge der Kriegswirren, die über Palästina gingen, 
hatte» man keine Zeit ins Lehrhaus zu gehen und es 



-/o 



«w^ 



war w gi ich, dass die mündliche Lehre in Ver- 
gessenheit gereitjda die Röi er, die das Judentum 
4n der 17urzel ausrottu,n v;ollten, die jüdischen Iland- 
lu! gen und das Studium der Thora mit Todesstrafe be- 
legten. In dieser Notlage blieb nichts anderes 
ixKk iibrig als auch die mündliche Lehre zu fixieren. = 
Mischna, die Vfiederholung und nun haben wir ja etwax, 
was der Erstarrung anheimfallen kann. Da kam aber 
wieder etwas aus dem jüdischen Typus heraus: Biese 
Mi s dl na wurde diskutiert in den Hochschulen Palästinas 
unü Babyloiiiens. In Babylonien wurde diese münd- 
liche Lehre diskutiert und e s wurden Protokolle 
niedergeschrieben = G-emarah und im Zusainmeniiang 
mit der i.iischna = Talmud. Da stuht z.B.: Rabbi sso- 
undso htot das und das gesagt und Rabbi so und so hat 
das und das gesagt, jedoch ist eine Entscheidung 
nicht getroffen worden. Man hat Auswege gewählt, 
dass man diese Mischna wieder aufgelockert hat und 
man hat Thesis und Antithesis gegenübergosuellt und 
dem Leben wie es ist Bin^ng verschafft. Im Leben t- 
steht die Behauptung und Gegenbehauptung, das Leben 
muss f Hessen können, und das Leben ist nie starr. 
Man hat eine ^; rossartige Mei st er le istung vollbracht, 
man hat zugleich das Leben und das Fixierte. Später 
hat man inmer wieder den Versuch gemacht, aus dem 
Talmud das gesamte Rechtssystem herauszuziehen für 
alle Zeiten. Der erste war Maimonides, der »or 800 
jahron ein herrj iches wissensctoftliches Werl ge 
schrieben hat. Wenn wir seinen Geburtstag i^.^^f em 
Jahre benen, so begehen wir den aeburtstag stss mo- 
dern ün D.nkers und Wi.:.s.nschal^lers. Arba turim ist 
sein höchstes werk, ein kov^mentar dazu, das das ge- 
s mte Rechtssystem der damiligen Zeit erörterte und 



ft. 



- 11 - 



^< 



zurückführte auf die Grundst .-llen. Aus diesem Kommen- 
tar ist der Schulchan Aruch entstanden und seither haben 
wir kein grosses Werk mehr, dass die Rechtssatze zu- 
sammengerasst und angewandt hco-tte auf die Gegenwart. 
Wir finden dort eine grosse Plut von Antworten und 
Prägen und einen Zusamm-nfeang zu dem Strom des Lebens 
bis auf den heutigen Tag. Hier ist praktisch entschie- 
den worden, was das Judentum zu dem und dem Umstand, 
zu der und der also jeder Situation sagt. 

Ich habe Ihnen nun einen lieber blick gege- 
ben über den Pluss des jüdischen Leb.^ns und Erlebens, 
soweit man .s sehr ftlich verfolgen k^nn. Ich wollte 
Ihnen jedoch kein Universalsystem des jüdischen Rechts 
.eben, sondern Ihnen nur das ^^/erk andeuten, dass Ihnen 
jederzeit zur Verfügung steht, und ich glaube, wir haben 
es sogar in unserer Jugendbibliothek zum Ausleiehen. 
Die Frage, die ich stelle ist nun die: welches ist 
denn eigentlich der innere Kern, aus dem die jüdische 

Rechtsauffassung fliesst? 

Ich will Ihnen kierzu Beispiele geben, die 
deutlich machen, was ich nur mit Begriffen formulieren 
kann. Da muss man ausgehen von einem Satz, der sehr 
zum unrecht dem Judentum falsch ausgelegt wird; 

««Auge um Au^e. Zah n um Zahn!" 
Wir wissen, man hat schon oft gesagt, das Judentum, sei 
grausam. Wie k^nn man vorschreiben, dass wenn jemand 

A, ^^ «i-iocrA=5Phlaf>en hat, ihm wieder 
einem Menschen ein Auge ausgescniagen ua , 

ein Auge ausgeschlagen werden soll? 

•W enn jemand nun nicht richtig orienteirt 
ist üb.r das Judentum, dann wird er fragen, wie Liann 
ich mich nur deswegen verteidigen? Packen wir ruhig 
den Stier bei den Hörnern; Dieses Wort : Auge um Auge, 
und Zahn um Zahn, ist ein nerrliches ©thisch-rechttlches 



- 12 - 



Pathos. Die Grundlage, auf dem alles Recht unserer 
Meinung sich aufbauen kann. RQOht bedeutet nicht, 
Erbarmen mit jemanden, sondern Recht bedeutet, das 
sorgfaltige Abwägen gegeneinander, was der eine getan 
hat und was di Reaktion daraur ist. 

Was versuchen denn die Richter in der V/elt? 
Sie versuchen, eine angemessene Sühne zu aciiaffen, 
das ist doch dasselbe, wie auch im Judentum: Auge um 
Auge, Zahn um Zahn. Es gibt nämlich eine Kultur, wo 
das gleiche ^7orte steht. Namlidi bei den Babyloniern. 
In dem Gesetzbuch des Hamniurabi, dem ältesten, das 
wir besitzen, steht: wenn ein^r einem anderen eine 

Hand abhackt, so soll audi ihm die Hand wieder abge- 
hackt werden. 

Diese Formulierung ist in der Bibel übergegangen 

ind dem Wort: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die hebräi- 
sche S.^rache ist semitisch und wir verstehen sie nicht 
feeaau. Die Hebräer -aaen nicht eine neue 

Sprache erfunden , obwohl sie eine neue Schrift, wie 
^ haben, 

Griuane behaupLet, erfunden und die Griechen haben ihre 

cX X ö '»^ 

Schriit davon abgeleitet. Die Juden haben nicht eine 
neue Sprache geschaffen, sondern das Semitische benutzt. 
Man weiss ja gar nicht, wie oft man sich im praktischen 
Leben mit biblischen Red.wuüdungen ausdrückt. Man 
findet noch heute sehr viel. Bibelverse überall. Z.B. 
' bei dem neu erschienenen Buch: Das Herz ist wach, 
v;er denkt daran, dass dieser Titel schon im nH.he.Lied" 
s.eht und zwar: Ich scnlafe, aber mein Herz ist wach. 
ES ist ein Ausdruck, der uns der deutschen Sprache ab- 
solut angemessen erscheint , und doch handelt es sich 
um einen Au. Spruch in der Bibel. Stellen Sie sich 
einmal ein sprachphilosophisches Sx^Ärnaadc Problem 
vi,r: Man will ausdrücken, dass die Beziehungen zwischen 
Mensch und Mensch, Familie und Pamiüe, Volk und Volk 



- 13 - 



auf absolutem Recht beruhen müGSsn. Y/ie sollte ein 
damaliger Mensch in jener -^eit denn in der semitischen 
Sprache ausdrücken? Damals ist man daraui' gekommen, 
dass man die Pormulieruüg des Semitischen benutzt hat; 
So wie ein Mensch getan hat, soll ihm wiedergetan v/er- 
den. Der Talmud, die mündliche Lehre, gib^ den 
Sinn der nichtrixierten Schrill: an und zv/ar: V/enn einem 
jedem soi getan werden soll, ..ie er selbst getan hat, 
so ist es bei einem Einäugig -■n,der einem Zv/eiaugigen 
ein Auge schlägt, doch nicht dasselbe, v;enn man iiim 
nun das eine Auge ausschlagt. Darum kann nur ge- 
meint sein: Wiedererstattung des erlittenen Schadens, 
soweit dies möglich ist. 

Und der Talmud weist weiter ciaraut hin: 
Es steht ausdrücklich in der üibel: Wer einen Men- 
schen erschlägt, dess Blut soll wieder vergossen weiJ- 
den. Bu sollst keine Bestechung annelirnen, kein Löse- 
geld nehmen von dem, der einen Menschen erschlagen 
hat. Was bedeutet denn nun diese Unterstreichung? 
Wenn aber cir.er einem anderen nur ein aiied verletzt 
hat, dann darf man Lösegeld nehm, n? Nur also. für den 
Mord kein Lösegeld! Daran besteht kein Zweifel. 
Das ist massgebend dafür, wie d«ie So-.-'lle der Bibel 
aufzufassen ist, jene uralte Erklärung dew VoMces, 
dase die mündliche Ueberlieferung hat. Massgebend da- 
für ist r.ur der Talmud, und das Wort: Auge um Auge, 

is^ nur so aurzufassen, dass man Geldersatz geben 

das man deti anderen geraubt hat 
muss für das Glied, aber kein Geld für len Mord. 

Ben unterschied in der Formuli.^rung der Thora 
und des ilammurabige^etzes kann ich Ihnen an e in an 

Beispiel erläutern: 

Im Hanmnarbi-Gesetz s.eht: Wenn jemand ein 

Haus baut, und es stärzt ein ziögölstoin hernieder 



- 14 - 



und ersohlLgt ein Kind, dann wird das Kiud des 
Baumeisters wieder getötet. Hier haben Sie ange- 
v/andt die wir lidae Wiedervergeltung: Auge um Auge. 
In dieser.. Punkte aber sagt die B bei: Damit man 
nichtirrt, muss Verständnis entstehen: Yüter dürfen 
niüh. um der Kinder willen und Kinder nioht um der 
Vottar willen sterben, jeder stirbt nur l'ür seine 
eigenen Schuld. Die Thora wendete sich gegen die 
herrschende Bedeutui g des ursemitischen Reohtscitzes . 
Nun entsteht die weitere Präge: V^enn die G-rundlage 
des Rechtes eben di.ses "ajin tachas a^in" ist, 
dieses vollKommene angemessene Vergeltung, wer muss 



dann eigentlich dieses Recht durchführen? V;ie soll 

man es durchführen? Y/ie konmt es nun eigentlich, 

dass das Judentum aus seiner Gei^ra-mtauffassung der 

als eines geistig-seelischen Kosmos 
Welt/zu diesem Grundsatz : Auge um Auge, komint? 

Wir könnten griechische Begriffe für die Atii.osphäre 
dieses Kosmos nämlich Harmonie= Scholaum anwenden. 
Wir bitten viel um scholaum. Wenn wir davon spre- 
chen, was O'tt seinem Volk geben soll, so sagen 
wir: G'tt gibt seinem Volke w.a.;ht, indem er ihm 
Frieden gibt. Es ist eine Harmonie mit allem Sei- 
enden. Der, der ein Unrecht begeht, zerstört diese 
Harmonie und v/eil er sie zerstört, muss sie wieder 
hergestellt werden, sonst klafft eine Wunde im 
Dasein, die nur geschlossen werden Icann durch 
einu angemessen« Sül.ne. Aus diesem Grundsatz heraus 
entstand das "Auge um Auge". 

und wie soll er durchgeführt werden? 
Uas' Judentum hat einun eigentümlichen Grundsatz auf- 
gestellt: Nämlich durch Zeugen. Ich spreche vom 
Straf recht überhaupt. 



. 15 - 

V/er ein Verbrechen begangen hat, der kann nur 

gerichtet v/erden, v/enn zwei Zeugen sagen: V/ir ha- 
ben gesehen, dass er das und dss getan hat und 
dann entsteht noch die Frage: Wer w irft den ersten 
Stein? Es gibt keinen Henker, der angestellt wäre, 
und die Zeugen müs^ en die ganze Verantwortung 
übernelimen.G-eständnisse tuen gar nichts zur Sa- 
che, und deshalb -::ibt es im Judentum unmöglich 
eine Folter. Diese hätte gar keinen Y/ert, da sie 
ja nur versucht, eine G-eständnis zu erpressen. 
Auch Indizienbeweise sind wertlos, nur die Zeugen 
sind ausschlaggebend. Der Talmud drückt sich 
in einfacher Sprache aus. 

" ,Yenn R üben z.B. dem Schimon mit einem 
gezückten Messer nachgeht und Schimon ist in eine 
HÖhie geflüchtet . Und wonn dann Rüben mit einem 
blutigem Messer aus der Höhl er wieder herauskommt, 
dann kann man .hn doch nicht veiJurteilen, sagt 
dann der Talmud. Denn es bosteht die Möglichkeit, 
dass Schimon gestürzt ist und selbst in das Messer 
hineingefallen ist. Also - wenn Keine Zeugen für 
diesen pall da sind, kann Rüben nicht zum Tode 

verurteilt werden. 

Es müssen auch zwei zeugen stets sein, denn 
einer hat gar keinen \Vert. Zwei Zeugen könnte 
man getrenr.it vernehmen. Bin Zeuge gilt nur im 
Ziv«ilrecht, aber au.h nur dann, wenn er vorher 
einen Eid gzschworen hat, denn der Eid bedeutet 
den Juden unendlich viel. Der Jude soll nämlich 
nicht oft schwören, nicht G'tt anrufen, lieber 
ein unrecht auf sich nehmen. 

So iiann ich ihnen aus der Wirklichiceit 

eine Begebenheit berichten: 



- 16 - 



Bin Mann hat aui* einige hundert Mark verzichtet, 
obwohl es nur eines Wortes bedurfte, um den Pro - 
zess zu ge, innen. 3r hat gesagt: Ich nehme wegen 
Geld nicht den Namen G'ttes in den Mund, und er 
hat nicht geschworen. Wennman nun bei Gericlt 
bei einem Zivilprozess der., einen den Eid zuerteilt 
hat, so ist dies ein scharfes Mittel. Beim Straf- 
prozess gab es nur die Möglichkeit von zv/ei Zeugen. 
üTrotzdem in der Bibel viele Dinge mit der Todes- 
strafe belegt worden sind: wer z.B. Vater oder 
Mutter flucht, der muss sterben, oder wenn Eltern 
ein^n ungeratenen Sohn haben, co müssen sie vor 
Gericht gehen und Anklage gegen den Sohn erheben, 
so dass der Sohn dann gesteinigt wird (aber welche 
Eltern werden denn dus tun?) trotzdem es ßo ist, 
hat das Judentum etwas ^anz Eigentümliches getan, 
und hier komrt eine ganz merkwürdi/e Seite des 
jüdischen Typus zum Ausbruch. Und zwar: bei der 
Zeugenaussage müssen die Zeugen aussa-en: Wir haben 
es gesehen, jedoch genügt das zum Verurteilen nidit, 
sondern sie mussten hinzufügen: wir hatten ihn auch 
verwaimt. Und wenn er dann go^sagt hatte: Ich 
tue es trotzdem, dann war er todesschuldig. 

Auf Ehebruch steht auch Todesstrafe beim 
Vergehen mit einer verheirateten prau. Hier vor- 
her zu verwarnen, ist doch iiaum zu konstruieren. 
Bei dem Fall des Schli:.gers und Säufers müssen 
Vater und Mutter direkt zu Gericht gehen. Da nun 
aber Vater und Mutter nictit zu Gericht gehen werden, 

hat man praktisch die Ausführung der Todes- 
strafe in diesem Falle unmöglich gt.macht. 

Der Talmud hut z.B. formuliert, dass ein 

Gericht, ds^ss im Verlaufe von 7 Jahren ein 



s 



- 17 - 

Todesurteil fällt ein mördericch s &erioht sei. 
Warum? Nun, '.venn Si mich* rauht verstehen, so 
wird ILuen sicher eine Erleuchtung in aieüeu. Falle 
wegen des Grundaatzes: Auge um Auge, kommen. 
Man hat die Todesstrafe unuiö glich gemacht, weil 
die G-rundlage des Jüdischen Rechts ist: Die Ver- 
geltung. Y/er kann denn alü Mensch die Gev;:üir 
übernehmen, dass das wus v/ir einem .lenschen antun 
wirliche Vergeltung, vollkomruen angemessene ver - 
geltung ist? m der Theorie wird die Todesstrafe 
gefordert, praktisch aber unmöglich gemacht. 

ES steht z.B.: Bu solls. das Recht eines 
Armen nicht beugen in einem Rechtsstreit. 

Das kön..en wir psychologisch so vexsxuhea: 
Bin Armer, der kein Geld hat, ist ein unangesehener 
Mann. Sein Recht wird man bald beugen können. 
Du sollst abur auch den Armen nicht in s einem Streit 
begünstigen, st.ht.auch. T/o findet man das noch 
einmal in der ^^elt? T/elche Ei,:>^nschaxten muss die- 
ser Typus haben,der eaiem Armen Recht geben kann, 
auch wenn er unrecht hat. 

Trenn nun wirklich jemand hinger i eint et wor- 
den ist, dann lautet die Vorschrift: Sein Leich- 
nam darf nicht üb r N^.cht dort hangen bleiben, denn 
es wäre eine Beschämung für G'tt, da der Mensch 
in seinem Ebenbilde geschaffen ist. 

Hoche schrieb* z.B., dass im Mittelalter 
überall auf den Hügeln die L.ich.n der Hinge- 
richteten herumhingen. 

Das Judentum ^edoch sagt: Wenn es schon 
einmal soweit gekommen ist, dann nimm den Leich- 

, vo.,^..v,rt ihn Wir sehen auch in diesem 
namab und begrabe lan. w-l»- 

Punkt, väe die Rücksichtnahme auf das strenge 



- 18 - 



Recht die Grausamkeit verhihdert. So kommen v/ir 
zu merlwürdigen Begrixlen im Judentum. Man UiUSs etwas 
tun, dasc innerhalb der Reiha der Ordnun^^ des stren- 
gen Rechts steht. Es ist sehr instruktiv und ich 



VI 



ill fhiaen dafür ein Beispiel aus dem Talmud wört- 



lich wiedergeben. Sie v/erden merken, dass der 
Talmud eine eigenarti^^e, stenographische Sprache 
hat. Sie bekommen den Eindruck, das. es wirklich 
aus den Quellen unmittelbar hervorleucht öt. 

Tralrtat Sei oe 30 B. , Barbe lüezia. Es steht 
dort eine Geschiclite, die sich zugetragen hat. Es 
handelt sich um Rabbi Ismael, Sohn des Rabbi Jose, 
ein alter sehr beleibter Mann, der nicht mehr schwer 
arbeiten ..onnte. Dieser Rabbi gihg einst auf dem 
Wege und da be.^^gnete er einem Manne, der ein ilolz- 
bündel trug. Das musste schwer gewesen sein, denn 
der Mann setzte das Bündel ab, verschnaufte und 
sagte zu Rabbi Isamel: "Hilf mir das Holz wieder auf- 
nehmen". Das war für den Rabbi sehr schwer, denn 
er ixfcnnte sich nicht bücken. 7fas sollte er nun tun? 
Wir v/ürden s ar^en: "Ich Kann es nicht!" Aber Rabbi I. 
hat folgendermassen gehandelt :Br fragte: \'/as kostet 
denn das üolzbündel. Der Mann sagte:" 1/2 Sous", 
Darauf gab ihm Rabbi J. den halben Sous und erklärte 
das Holz für "hefker" = herrenloses Gut. jeder, 
der es findet, kann es in Besitz nehmen. Kaum 
hatte er das gesagt, da versuchte der Alte wieder, 
das Holzbündel aufzunehmen. Da gab ihm Rabbi J. wieder 
V2 Sous und sagte wieder, das Holz wäre hefker. Aber 
er sagte dabei: Nein mein lieber i^'reund, dieses Bün- 
del ist hefKer für alle , nur nicht für iJich. 



- 19 - 



in Babylonien iiit dieser Fall bearbeitet worden. 
Da sagte einer der Schüler: Rabbi J. war doch 
ein alter Mann und es ist doch selbstverständlich, 
dass es seine Ehr eni cht erlaubte, so etwas zu 
tun. Darauf wurde ilim zur Antwort gegeben: 
Rabbi J., aer Sohn dos Rabbi Jose, hat gehandelt 
übur das strenge Recht hinaus. Das heilst: Er 
hätte sehr wohl das moralische Recht gehabt zu 
sagen: ich liann nicht , er ist aber darüber hinaus 
gegangen. Br gab dem Mann einen Sous, damiter 
ihn nicht beschämte. und das Gesetz* übertritt. 

An Kleinigkeiten orx'enbart sich der iv^ensch, 
z.B. in jener Geschichte bei der Einstellung eines 
Lehrlings, der die Stelle bekam, weil der Chef 
sah, wie er eine Nadel vom pussboden aui^hob. 

Eine i.weite Geschichte, die über das strenge 
Recht hinausgeht dieses noch unterstreicht: 

Raf Jehuda ging einst mit seinen Freunden 
spazieren. Sie liamen auf den Iwarkt, wo man 
das Getreide anbietet und verkautli. Da sagte 
Rabbi j.:"Wenn nun hier jemand einen Beutel m it 
Geld finden würde, wem würde dann der Beutel ge- 
hören"?. Da sagte einer der Freunde; "der Beutel 

würde dem Firmer gehören!" V/arum? Hier haben 

z.B. 
wir das jadische Fundrecht; ^^enn der Verlierer 

dadurch das er ja verloren hat/ 
keinen Verzicht ausübt, so Lann niemals ein 

anderer den Gegenstand erwerben, da dieses Ver- 
zichten aber vorauszusetzen ist, gehört der Beutel 

dorn Finder . 

Dies steht im Gegensatz zum römischen 
Recht. Denn in dem Augenblick,gehört d em Verlierer 



- 20 - 



nichts mehr, w 



der &egensLanci nicht mehr in seinem 



Besitz sich befindet. Y^enn Jemand z.B. einen gol - 
denen Ring in das Meer wirft und wenn ihn dann spater 
hin Jemand findet, so darf er ihn selbstverständ- 
lich behalten, denn (fer Verlierer rechnet mit aem 
stand igen Verlust. 

Ebanso ist es auf der. Markt: V/er hier etwas 
verliert, der rechnet mit s^in^r gewöhnlichen Psy- 
chologie: "V/enn das nun Jeinand findet, so gibt er 
es doch nioh. mehr zurück" und leistet auf diese 
Weise den Verzicht, 

Darauf sagte ein Schüler weiter: V/enn nun 



w 



irklich ■.eiaand kommt und sagt, ich habe den Beutel 



verloren und es ist der, den Du in der iiand hast, 
denn er hatte dieses deichen, was ist dann? Dann 



mu 



SS er den Beutel wieder zurückgeben, Wieso kann 



man denn beides anwenden, fragte der andere? 
Ba^rauf erhielt er zur Antwort: Ja, er darf ihn 
behalten nach dem stren,,en Recht. Aber über 
das stren, ,e Recht hinaus muss er ihn zurückgeben 
und darf ihn nicht behalten. Juristisch wäre 
er berechtigt, den Beutel zu behalten, Jedoch 



m 



oralisch mutis er ihn v/ieder znoückgeben. 



- 21 - 



Bin woiteres Beispiel vmrde behandelt: 

Bin Vater hat einen Esel gefunaen und ihn 12 Monate 

lang gefuttert. Nachdem diese Zeit herum war, 

ist anzunehmen, dass der Besitzer inzwischen darauf 

verzichtet hat. jedoch gab dieser Vater den Esel 

Jahr 
dem Besitzer auch nach diesem äbobk zurück, als 

h der Besitzer meldet. So muss man handeln auch 



SIC 

über das strenge Recht hinaus. 

Rambam z.B. sagt: 

V/enn jeuiand seine Obsternte einfach in die 
Scheune eines anderen unterbringt, ohne ihn zu fragen 
und geht einfach fort, so dc.rf der Besitzer der 
Scheune einen Teil da^ verkaufen und den Rest des 
Obstes lExraöc herausso^aien lassen. Das würde man 
heu.e doch auch tun. Aber, sagt Rambam weiter, 
aus dem Grundsatz heraus ist der verpflichtet, zum 
Gericht zu gehen, damit man für einen Teil des Geldes 
eine neue ünter.oinft zum Unterstellen mieten kann. 



»^ 



V/as bedeutet dieser Grundsatz eigentlich: 
Ueber das strenge Recht hinaus? Ich kann es Ihnen 
am allerbesten mit einem Strich in unsere Zeichnung 
einzeichnen. Ich nehme dazu einen farbigen Stift. 
G«tt hat Himmel und Erde geschaffen und gestellt auf 
das Recht; denn 0hne das Recht könnte keine mensch- 
liche Gemeinschaft existieren. Es heisst wohl: 
Auge um Auge, Zahn und Zahn, aber es gibt eine Ver- 
pflichtung, gegen die Menschen Erbarmen zu haben. 
BS gibt Falle, wo der Mensch verpflichtet ist, über 
das strenge Recht hinaus ins ethische Reich vorzu- 
dringen. Auch irjierhalb des strengen Reiches des 
Rechtes soll der Mensch sich davor bewahren, einem 



- 22 - 



Nebenme;.sohen Etire und Würde zu zerstören. 
Eü gibt in der Bibel zwei Ausdrücke für a'tt: 

1, : elaukim, 

2. : adonoj = Herr. 

Diese beiden Namen bildeten die Ursach>3, dass man 
dies« eigentliche kritische Bibeli'orschung vorge- 



nommen hat. 



E 



s 



heisst: Am Anfang schuf a«tt Himmel und 



Erde und im zweiten Kapitel steht : "adonoj." . 
Das kann doch nicht ein und deriüelbe geschrieben 
haben. Polglich müssen hier zwei Quellen vorge- 
legen haben. In Wirklichkeit gibt es nur den 
einen Satz: G'tt offenbart sich nicht. Der Name 
elaukim bedeutet: G'tt in seiner Bigäischaft als 
Richter und G'tt hat in seiner unendlichen Eigen- 
schaft des Richters die Y/elt gesciaffen. 
Aber der zweite Namen ist: j h u h - Erbarmen 

G'ttes. 

Das ist der Wortlaut der Offenbarung G'ttes: 

.-a'tt offenbare mir doch deinen Geist, ich möchte 
3,ich schauen." Darauf antwortete G'tt: Mein Ange- 
sicht kannst Mi nicht schauen, aber meinen Rücken 
kannst I>u sehen. Als aber dann G'tt vorüberzieht, 
da hörte er die Worte: Der Ev;ige ist reich an Gnade 
und L-ngmut, aber rreisfrechen will er nicht. 

Das ist die Erkenntnis des göttlichen Er- 
barmens, aber darüber hinaus der Ausaruck des stren- 
gen Rechtes: Er spricht nicht frei, er ahndet die 
schuld der Vater bis ins $.u.4. Geschlecht, 
um was handelt es sich da? 
Wir müssen die Welt er^^eunen und daraus ver- 



- 25 - 



atehen lernen: Di^^ Münsclion müssen leiden an Krank- 
heiten "bis ins 3. und 4. Gejohlecht. Darin gibt 
es ein v/eltgericht . 

Ich möchte hier noch einmal Hoche anführen, 
der öagt9-"Ich glaube nicht an den liehen &'xt."Er 
ist überhaupt merliWUrdig apathisch. Er rührt weiter 
aus, dass er oi't erlebt habe, dass Menschen, die 
ihm Unrecht zugerügt hatten, oft ihre Strafe noch 
z.. seinen Lebzeit^-n bekommen hatten. Er j^laubt 

cht an dasOöttliche, aber es ist doch merlwürdig. 



ni 



dass er trotzdem die Bestrafung sieht. 

Der älteste mündliche Konin entar ist in die 
aramäische Sprache übersetzt worden. 

"Er sühnt die Schuld aer Vater an den ab- 
trünnigen Kindern, die salbst fortfahren, die Sün-r 
den der Väter weiter zu tun". Es gibt aber au-h 
ein.' Umuehr, also auch m diesem Gebiet, und man 
stt^ht gegenüber dem unendlichen Recht der gottlichän 

Hand. 

V/er nicht daran glaubt, der wird zugrunde 
gehen. Ich glaube daran, st.lit in unserer heiligen 
Schrift, denn das kann man nicht beweisen. Unsere 
Wissenschaft, Dinge der Chemie und Physik, kann 
man noon nicht einmal beweisen. Man muss Dinge 
fjihlenl Der V/elt zugrunde liegt das ewige göttliche 
Erbarmen. Das ist gestellt auf Recht, denn ohne 
Recht gibt es keine Existenz. und ginge die Mensch- 
heit zugrunde. 

Aber über dem R^cht sieht der Himmel der 
göttlichen a%de. Wenn wir mit einen anderen Spre- 
chen, dann sollen wir nicht zu hart mit ihm ins 



— 24 — 



Gericht gehen, denn richte deinen Nebenmensuhen nicht, 
bevor Du i.icht selbst in seine Lage geliominen bist. 

Ich erlaube, ioh habe Ihnen untjr dem Gesichts-' 
punkt der Totalität einen gewissen Einblick in das 
Gebiet gegeW,v;as ich den jüdischen Typus nenne, und 
wenn ich heute in 8 Tagen eine weitere Schilderung 
desselben geben werde, dann werden Sie mich viel- 
leicht verstehen. 

Ich will sprechen über: Jüdische Kultur 

oder G^-'Schichoe unter jüdischen Gesichtspunkt. Ich 
ringe noch mit der Frage, welches Thema pädagogisch 
dam heutigen naher liegt, jedoch werde ich das noch 
entscheiden. 



■ l 



Der jüdische Kult. 



28-11.1935. 



1 

•V: 



Meine Jamen und Herren ! 

Vor 8 Tagen ha^e ich versucht, Ihnen einen 
Einblick zu geben in den inneren Aufbau des jüdischen 
Rechtes. Das ausserlich Bemerkbare und Bemerkenswerte 
war zunächst einmal deas Eigentümliche, dass das Ju- 
dentum das Rechtssystem unmittelbar hieinbaut in die 
Gesamtheit seines religiösen Werkes. 

Das Juaentum, ich habe es einerzeit einmal 
dargestc It in der Auri'assung des Philosophen Spinoza, 
erlaubt keine Trennungzv/isdi en der religiösen Voraus- 
setzung, den Glauben an das einzig v/irksame Göttliche 
und dem praktischen Leben. Es ist gestaltete Religion. 
Wenn das aber uer Fall ist, muss natürlich alles berück- 



s 



ichtigt werden, was^sonst auf der Erde irgendwie in 



das rein rechtliche Gebiet hineinreicht. So hat das 
Judentum in der Theorie innerhalb seiner Schriften: 
Im Talmud und innerhalb seiner mündlichen Lehre, Mischna 
und Gemarah ein ausgedehntes Rechtssystem entwickelt . 
ich wollte Ihnen keinen Einblick geben in das eigent- 
liche System des Rechi.es sundern nur in seinen Aufbau. 
E.^ ist Ihnen sicherlich deutlich gev; erden, dass gerade 
der Grundsatz: A^im tachas ajin: Auge um Auge so üoft 
missversoanden wurde. Es ist eine ausgesprochen .jüdische 
Anschauung von dem notwend gen Aufbau der sozialen Welt- 
anschauung. "Auge um Auge" heisst schon nach der Thora 
nicht, dass wann ein MOfiSca einem anderen ein Auge 
ausgeschlagen hat, es ihm wieder ausgeschlagen werden 



muss; deutlich weist darauf das Wort hin: 



Ihr sollt 



kein Lösegeld nehmen für den Mörder. wenn hier eine 
Aussage gemacht ist: Pur den Mörder, so weist dieses 






A 



♦» 






i 



- z - 

darauf hin, dass selbstverstanaxiüh in B-^ug auf 
andere Vergällungen ein Lösegela gen omiiien worden 
ist und enommen v/erden darf, nämlich übur das 
strenge Recht hinaus • 

Warum hat man eigentliche für diese 
Eösung keine eigentliche Formulierung verv/andt? 
Sicherlich handelt os sich hier um e in Problem 
der öprachphisophie. Welche v/orte muss man denn 
anv/ednen, um einen bestimiuten Zusarimenhang auszu- 
drücken? Die damalige Zeit i^ nnte keine abstrakten 
philosophischen ßegriiTe. Man hatte damals diese 
abstrakten Begrifre von sozialer Weltordnung, vom 
allgemeinen R^cht usw. in jenem Sinne v/ie heute 
nicht gehabt. Darum hat man jene in der semiti- 
schen Welt gebEäalicriGÄ Formulierung: Auge um Auge 
benutzt, um das auszudrucken. Denn es herrscht 
ai ch heute noch für alle das gleiche obige R^-cht. 
In dem Buch: Einführung in die Rechtswissari;jchaft 
von Prof. v/e^ener steht einleitend: wenn in dem 
Bürgerlichem Q-esetzbuch der § 1 lautet: Die Reclits- 
fähigkeit des Maischen "beginnt mit der Vollendung 
der Geburt, so meint hier aer Verfasser: Jeder 
Mensch, und v/ir sagen damit etwas iffelt geschieht - 
liches, unser Recht Kennzeichnendes aus.: Das 
ist keine Hörigkeit, kein Sklaventum ,kein Men- 
schenunter sclriied vor dem Recht gibt, kurz ganz 
ausarücktich: Das B.G.B. und ebenso samtliche 
Gesetzbücher der europaischen Staaten erkennen 
keinerlei Sklaventum mehr an. Alle Menschen sind 



i 



rleidiber echt igt vor dem Recht, d.h. in Wirklich- 



keit vor wem? Vor &'tt 1 Darin steckt ein meta- 
physischt.s Prinzip in dem Stadnpunkt; Jeder hat 
genau soviel Recht wie de« andere. Das ist eine 
Beziehung zu den allerletzten voraus s et zugnen. 



- 3 - 



t 



I 



Die alten Völker rjahmen an: Es gibt Sonnengeborene 
und er geborene« Menschen, and die können ja nicht 
alle geleich sein* Nur die Zarückführung auf 

den einen G-ott konnte in der sozialen ^eltordnung 
d€a Gruni Satz konstruierui ; Alle Menschori sind vor 
dem Rocht gleich. In der Thor a steht: "Sin Recht 
gilt Tür ISuch alle!»» Das allüin würde schon ge- 
nügen und ist außer ordenxlioh interessant Im 
3. Buch Mose wird dieser G-e danke v/ eit er geführt: 
Wie der Fremde, so der Einheimische! Der schwächste 
Mensch auf der Eirde ist immer der Fremde! Der Recht- 
lose, der keinen Verteidiger hat. Man kann wohl sagen, 
dass dar Grundgedanken dieses met-physischen Rechts- 
systems ist: Das Verhältnis zum Fremden, der keinen 
Schutz hat. Und Üor sagt die Thora: Wie der Fremde, 
so der Einheimische, ein Recht für Buch alle, und 
löst diese Forderung dej allgemeinen gleichen Rechtes 



ab mit dem 



iw;^:*:!^-!'*» 



Worte: Denn ich bin der Ewige, 



Euer Q-*tt. Rein oberflä^chiich steigt zunächst ein- 
mal der &edaniie auf: Inwc^lchem Zusammenhang steht 
die Behauptung: Ich bin der Ewige, Euer &'tt mit decji 
"gleichen Recht für alle'». 

Meine Damen und Herrei., v;:^s ich Ihnen gesagt 
habe, gibt ganz eindeutig darauf Antwort: Weil es einen 
G'tt gibt, der alle Menschen geschaffen hat in seinem 
Ebenbilde, de;:3halb gilt für alle das gleiche Recht! 
Dieses ist vom Judentum in die Welt hinein gebracht 

und ist wirklich rein .jüdischer &-ist> In allen Rectt s 

Kultur^ 
Systemen der Völker hat dieser Grundsatz der Bibel 

die Herrschaft angetreten • Es ist nicht die Herr- 
schaft eines politischen iViaohtgefühl*, sondern 
die gro^üse metaphysische Voraussetzung, die sich auf 
das Allerletzte bezieht. Hier hat die Wahrheit 



•♦» 






% 

\ 



» 4 - 

die Herrschaft angetreten, jener Grundsatz: 
"Auge um Auge" steht h ute über allen aerichts- 
gebäudei der V/elt. Man urteilt unter dem &e- 
siohtspunkt, dass jeder in der Theorie g«l«ich- 
bereohtigt ist. Das üelbstveratandlich in der 
Praxis doch Irrtümer unterlaufen können, das b eruht 
darciuf , dass jeder trotzdem ein schwacher Mensch 
ist und die v/ahrheit nicht imne« finden kann. Ich 
habe dann versucht, Ihnen darüber hinaus jenen 
Satz zu entwickeln, der bezeichnend ist für das 
jüdische Recht. 

Vor 8 Tagen hat hö^'' Buouholz einen 
netten Ausspruch dafür verwandt: Man findet in 
jedem Rechtssystem ein Ventfel. Und dieses Ventil 
das verhindern will, dass das strenge Recht, durch 
seine Strenge zu einem Unrecht wird, wird im Tal- 
mud formulit;rt: fber das strenge Recht hinaus. 
In dem jüdischen Recht , innerhalb des strengen 
Rechtes, kommt ein ganz eigentümliches ^jüdisches 
Prinzip zum Ausdruck. In der Thora wird «ür 
sehr vi ele Vergehungen theoretisch die Toaesstrafe 
gefordert, auch für das Fluchen gegen die Eltern. 
In der Praxis jedoch wird dieselbe unmöglich ge- 
macht durcti die verschiedenen Formen, die man gar 

nicht ausführen kann. 

Z.B.: 1. mussten die zeugen den Tater ver- 
w«Bnt haben. Der Tater musste gesagt haben, ich 
tue es trotzdem. Denn erst dann konnte u;an den 
Täter hinrichten, wenn die zeugen aussagen konnten, 
es war wirklich so und der O^er hat die Strafe ge- 
wusst. Das kam natürlich äusserst selten vor. 

Es st>^t im Talmud, dass ein Gericht, dass in 7 

fällt, 
Jahren ein Todesurteil ein mörderisches Gericht 

sei und dasselbe auch, wenn divises in 70 Jähren ge- 



- 5 - 



t 



5 



%♦ 



* » • 

fällt wurde. 

BS hat jemand mir gegenüber unter 4 Augen ein- 
gewandt: Soll man aus dieser pr^lcti sehen Verhin- 
derung der Todesstrafe annahiiBn, dass vielleicht 
dadurch dem Verbrech n zu l.iciit Eingang verschafft 
wurde? Ich habe darauf gestntw or t et : Es ist gerade 
umgökelxt. Man kann daraus entnehmen, wie äusserst 
selten ein Menschenmord in unserer (jemeinschaft 
vorge..or.imen sein muss, wenn man mi. dieser Milde 
auskommen konnte. Wenn es anders gewesen vrtirde, 
so hätte man au^ der Praxis heraus, eine mrchbre- 
chung des alten jü. isciien Prinzips schaffen müssen. 
Was ich aber sagen wollte; ist eben, das;^ in diesem 
Falle : "Ueber dc.s strenge Recht hinaus" zum graudio- 
sen Durchbruch gekommen ist. Der Mensch ist nicht 
ans,t..lle von Gott. Es ist durchaus möglich, daß 
das, was man als strenges Recht bezeichnet, als 
furchtbares Unteciit herauskommen kann. Einer unse* 
rer Weisen sagt: Richte Deinen Nächsten nicht, 
bevor Du nicht in seine Lage gekorarüen bist. Von 
anderer Seite beleuchtet bedeutet dies den gleichen 
Grundsatz: Es ist unenilich schwer, -.vahres Recht zU 
sprechen. Es ist ausserordentlich b.zeichnena, dass 
das Judentum für G'tt und den Richter einen^ Aus- 
druck hat: elauhim. Y^ie weit man das Prinzip, das 
strnge Recht nicht zum unr ehtwerden zu lassen, be- 
tonte, beweist jener Gc^danke: Man muss davor bewahren, 
den Armen nicht zu milde zu beurteilen aus Mitleid 
horuas. Der freie Richter, der sich G'tt verant- 
wortlich fühlt, ist der mrkliche Genosse G'ttes, 
der mit- ihm sdi äffen und vetr.ichten kann. Dennen 
Sie an das, was ich Ihnen bereits über den jüdischqn 
Typus gesagt habe. Es gibt einen Religionstypus, 
der das Zerstören ver göttlicht, und ebenfalls das 



- 6 - 






Zeugen in der Talso uen Art und V/tii;je* Aber in der 
richtigen Weise hat man i.un dem Richter die Möglich- 
keit düs zerstörer;s und des Schafiens in die iland 
g'. geben. Im Traum iLann man ii.ancumal das Rechts- 
sy Stern und die; iiecutspilege vor sich soiien als ein 
gev/al;.iges eBiernes Rad, das über die Menscl'iiibit 
hinweggeht und den zermalmen v/^rd, den es paclt. 
Das^ man verainaerte, das.. da.j »»Auge umd Auge»» nicht 
zu solche einem vernichtenden Rade v/urde, v/ar un- 
geheure göttliche Aufgabe. Ich habe versahht nach- 






uweisen, wie sich dieses Prinzip im Judentum a,us- 



göv/irkt hat. Ich iiiöohtü huuDt» nu'^i i.ücli eiue Klei- 
nigkeit hinzufügen, nci-mlioh die Frage der Ent- 
wicklung d s Zinsrechtes. Icli fi ii: e dies an, weil 



diese Prare manchmal ein,) praktische Bedeui-ung ge- 



winnt. Es 



steht in o.er Bibel: IJu. soll^ät Deineci 



Vulksgenossen, wenn IXi ihm &vjld leihst, keine Zir.- 
son abnehüien. Aber vorn Ausländer dari'st Du ^ii.sen 
nehmen. Es ist ein Standpunkt, der uns oft von 
anderer Seite.' heute zum Vorv/urr gemacht wird. Es iüt 
l'alsc, v/enn man solche tsinen Grrunaüat-. unter heu- 
tigen B^griflen erfassen will. Ivian musc selbstver- 
stand! ich immer v/issen, unter welchen Umstanden, 
und in welcher ivulturhöhe und Zeit ein solcher Aus- 
spruch entSLand. Es gibt ^lenschen, die alte Si 
tuationen mit V/illen in deu. Sinne» der Gegenwart 



auslegen. 



Y/ir köni-en gerade bei diesem >iatz sagen: 
es ist einfach unmöglich, ihn aui'die Gegenwart in 

Beziehung zu bringen! 

Di^^se Grundsätze haben überall dort Anwendung 

wo der Bin..eimische mit dem Fremden, 4er nicht im 
Lande wohnt, in Qeschaftsbe.iehungen s.eht. Palastina 



- 7 - 

war ein Durchzugsland, das schon damals durch Kara- 
v;anenstrassen durchzogen war. Es hat nicht erst 
heute die Bedeutung der Brück^^ zwischen Orient und 
Oißident gev;onnen. Der KaulViiann, d.^r Handel rührt, 
muss wenn er mit PremaLn zusammenstasst ein besonaeres 
Recht obwalten lassen, das schwieriger zu gestalten 
ist als das Recht innerhalb seines Landeskreises, 
weil ja der Fremde zu Hause nur ein eigenes Kecht 
hat. Der Fremde, der in das Land kam, hat selbst- 
verständlich von jdem, dem er &eld g. borgt hatte, Zin- 



s 



en verlan^jt. Es war Qang und &abe, dass niemandöm 



etv/as geschenkt wurde. Auch vom jüdischen Bauern, 

dem er &eld geliehen hatte, hat er Zinsen verlangt. 
Für das Land Palast ina haben wir in der Bibel den 
Ausdruck: Kanaan. Die Bewohner aieses Landes waren 
die Kaeirnaaniter. Bedenken Sie einmal den Zusammen- 
hang: In der späteren hebräisch n Sprache der Bibel 

bedeutet Kanaan zugleich der Kaal'mann, der Handler. 

Fremde 

Ein deutlicher Beweis datür, dass der Sxix. der Kaui*. 
mann war und der Jude der sbocdüerx Bauer* Zum Bei- 
spiel haben Angehörige eines fremden Volksstammes , 
die Mitianiter josef gekauft. 

Wem sie geborgt hatten, von dem verlangten 
sie Zinsen. Sollten die Juden nun dieses anders 



ma 



ühen und Geld verleihen, ohne Zinsen zu fordern? 



Nach dem damaligen Recht bestimmt nicht. V/ir ver- 
steifen es heute ganz gut, dass in wirtschaftlichen Be- 



rv 



irken selbstverständlich eine Rechtsbeziehung herr- 



schen muscj. Später entstand eine gewisse Schwieri g- 
keit innerhalb des jüdischen Bezirües dadurch, dass 
sich auch ein jüdischer Kaufmanns stand entwickelte, 
und es ist nicht recht ersichtlich, warum er vom öeld- 



v 



- 8 - 



verleihen nicht auch einen Gewinn haben sollte, ms 
Judentum hut hier einen Ausweg geschaffen, der bis 
zum heutigen Tage gültiges jüdisches Recht ist. 
Bis zum heutigen Tages ist es nicht möglich, schlecht- 
we>.-- einfach Zinsen abzunehmen. ¥er einem Kaufmann 
&eld borgt, darf einen Gewinn nur in Etepfang nehm n, 
wenn er auch ein Risiko mitübernimmt, wenn er z.B, 

Gesellschaf tür wird. 

Ich glaube, ich verstehe von geschäft- 
lichen Dingen sehr wenig, aber es hat sich in der 
Praxis so herausgebildet. Innerhalb des jüdi- 
schen R.-chtes bezeijh net man diese Person mit = 
Schuttaf. Das genossenschafterverhälntnis ist die 
Grundlage für die Srmoglichung des Zinsrechtes. 
ES hat eine eigentümliche BntwiclLLung hinter sich. 
Als d:.s Christentum entstanden ist, hat es die 
gesamte L hre, die Ueberlieferung der Bibel für sich 
in Anspruch genom-en. Man unterscheidet zwei Ar- 
ten von Christen: Die Judenchristen und Heidenchristen. 
Die Judenchristen waren Juden, dl e an den Mochiach 

Sie haben/aile Vorschrixten des Judentums auszu- 
führen und unterschieden Sxch nur dadurch, dass sie 
daran glaubten, dass der Messias schon erschienen 

sei. 

Die Heidenchr.sten dagegen waren von dem ge- 
sagten Religionsg.^etz der Juden befreit und haben 
nur an n.ues zu glauben, liier ist zum Teil ein neues 
System des r el igLösen praktischen Lebensgeschaffen 
worden, dass selbstverstanilich Sintluss auf die 
Entwicklung der Völker geschichte gehabt hat. 



V 



♦. 



- 9 - 



rr 



Aber beide Teile dieser Christen, die Judenchristen 
und Heidenchristen, betrachten ame Versprechungen 
und Verheissungen der Bibel als für sich gegeben. 

.B. ist so das kanonische Hecht die Grundlage 
gür das christliche Recht geworden. Polglich auch 
d;.s Verbot des zinsnehmens von Volksgenossen. Kein 
Christ durfte; vom andern Zinsen nehm..n. Besonders 
innerhalb des Mittelalters, gab es selbstverständlich 
h nictit jene Menscheu, die einem KauHnann umsonst 



auc 



Geld borgten, so daSü das Christentum auf einen eigen- 
artigen Ausweg verfiel. Ber Mittelsmann, dem man 
das Geld gab, der NichtVolksgenosse war der Jude, 
und von dem durfte man Zinsen nehmen und der durfte 
es wiöderumg dem Christen verleihen. Man muss 
wiriaicli stauenen über da,s Prinzip, nacii dem die 
Welt sich entwickelt. So v/urden z.B. die Juden 
im Mittelalter s ihr oft vertrieben, aber nadi wenigen 
Jahren wurden sie imr:.er wieder zurückgerufen. 

Nun, ich habe mal gelesen, dass eirimal ein 
Gelehrter untersucht hat, wi-lange die Ewi^neit 
solcher Verträge dauerte. Es waren durchschnitt - 
lieh 2 Jahre. Jedes xvlal siegte die wirtschaftliche 
Umsicht, denn man brauchte sie als Mittelsmänner , 
um Geld auf Zinsen ausleihen zu können. So hat 
sich biblisches Gut als Art Schutzpanzer im Mittel- 
alter ausgewirkt. Gerade im iviittelalter, wo die 
furchtbaren Verfolgungen der Judn.heit stattfanden, wä- 
re denkbar gewesen, da..s es heute gar keine Juden 
mehr gäbe, wenn nicht diu praktische Notwendigkeit 
die Judenerhalten hätte. In der Neuzeit ist 
dieser Panzer gefallen. Heute braucht man den ^uden 



- 10 - 

niohz mehr als Mittelsmann. Bin ganz gewisses 
System ist in der Bn'uwicklu ng begriffen, etwas 
Neues geht vor sich. Es v/xre ausserordentlich in 
teressant, einmal nach den geschichtlichen Prinzipien 
zu suchen, die insgesamt noch heute v/irken und 
früher gev;irkt haben. 

Dann mdctit e ich noch ein zweites hinzufügen. 
Wie steht es in d era Augenblick, in dem das jüdische 
Recht wirklich oder scheinbar im v/iderspruch zu 
den Rechten irgendeines Staatea koan en rr.usste, in 

dem die Juden leben? 

Darauf ist folgendes zu sagen: Im ün- 
sc:.luss an einen ßri f d s Propheten jeremia an 
die Verbannten in Babylon: 

"Suchet das V/ohl der Stadt, wohin i^'tt 



EU 



ch geführt hat'S ersehen wJr seine Einstellung zu 



diesen Fragen. 

Eingros.-.er Talmudlehrer hat vor 7000 

Jahren als absoluten gültigen &rundsatz d.iS jüdisch- 
religiösen Rechtes den aatz aufgestellt: "üas 
Recht des Landes, in dem wir «ohnen, ist für uns 
gültig^^s, verpflichtendes Recht; n:cht nur praktisch 
sonder auch unter religiösem Gesichtspunkt. 
Wir finden eine Reihe solch r Beispiele. Z.B.: 
Betet für das Y/ohl der Obrigkeit, denn wenn sie 
nicht vÄ.re, dann würde eine» den anderen verschlin- 
gen. Wir sehen, wie das Judentum die Biaufindung 
für di' Notwendigkeit einer straffen Regierung von 
jeher dokum, ntiert. Bei Juden gilt bei allen r4»li- 
sionen das Recht des LiuitBr Staates . In dem Augen- 
blick, wo von uns Juden verlangt würde, ein Ver- 



M 



». 



- 11 - 

£;,ehen auf uns zu nehmen xn Bezug auf Götzen- 
dienst, z.B. orgiasi^ische öien stle istung: Mprd 
oder Unzucht, so haben v/ir nioht do.s Recht uns 
auf den Grundsatz zu berufen, dass das Recht 
des Staates das allein gültige wäre, sondern 
müssten, w enn dies nötig v;are, als Märtyrer 
sterben. Dieser Grundsatz ist auf g; stellt wor 
den nach der 2-e: Störung des Tempels. Da kamen 
die Gelehrten zusariir.en bei Uscha und b. rieten, 



wa 



wieder zu tun aare, um das Judentum zu er- 



halten, lladrian hatte die geringste jüa isch- 
religiöse Verpflich.ung und Ausübung mit der Todes 
strafe belogt. Die geleiürten beschlossen, dass 
in einem solchen Falle jedes Gesetz übergangen 



we 



ärden dürfte. Der jud' brauchx sich nicht töten 



zu lassen, wenn er das Sabbatgesetz oder das Spei- 
SGg bot übertreten soll. Nur auf 5 Falle steht 
Totfes straffe: Götzendienst, Unzucht und Mord. 

Aber meine Damen und Herren, beachten Sie 
doch bitte, was die Gelehrten für sich selbst als 
obers^en Grundsatz aurstellten. llntsJacidend 
für einu Religion und :in VoIk ist, was die r^ührer 
tun. Die Gelehrten haben die Ausnahmen für das 
Volk bestimmt. Für sich selbsL haben sie keine 
gelten lassen. Zahllose von ihn.n sind den Mär- 
tyrertod gestorben, weil sie z.b. Einen Schüler 
unterrichteten, das oabbatgebot hielten ubw. Im 
Mittelalter hat sich das in merkwürdiger Art und 



We 



ise wiederholt. In Spanien hat man e s den 



Juden anheimgestellt, entweder auszuwandern oder 
das Christentum anzunehmen. Zsa-hllose Juden 

> 

man sagt: 500 000 seien ausgewandert und unter 



- 12 - 

ihnen Don Isak Abaravonel. Aber lausende üind auch 

in Suanien g'^ft'fav geblieben aus Liebe zu ihrer Heimat. 
Eshat ihnen aber kein &lück gebracht. Es ist eine 

eij^entümliche Verstrickung, dass die Geldsuoht aer 
übri, en Chris tv^nheit geweckt wurde und sie nicht eher 
ruhten, bis sie das verciögen der neuen Christen 
mächtig wurden und zwar durch die Inquisition. Damals 
sind zwhllose Juden gestorben, Laben ihr Vermögenver- 
loren, weil vielleicht jemand am Sabbat frische v;asch« 
angevog.n hat. Aber sie konnten nicht unter dem Ge- 
sichtspuikt sterben, unter dem die G^dehrten des 
2. nachchristlichen Jahrhunderts g^-storben sind, die 
dem Judentum treu geblieben waren. Denn sie haben 
Ihren Vorteil gesucht una ihr Vermögen zu retten 
und deshalb ihren Glauben getauscht. Aber ein ^lau- 
bensta';sGh nicht aus ueberzeugung hat noch iieinem 
Menschen Gluck gebracht. V/enn Sie bedenken, dass jeder 
in meinem T^ijus hineingeboren ist und da» jüdische 
Typus ein. n ganz b sonderen V/eg zu Gitt bedeutet, 
aann ist das Heraustreten aus diesem lieg zugleich 
ein ilerausgeschleudertsein. So stec.it vielfach schon 
in diesen: Glaubenswechsel der seelische Toa, der 
in e. genartiger Weise sich herauswachsen kann. 
Hier kommt der Zusatinieniiang mit dem judisch .rel igiösen 
Typus wieder in einer eigentümlichen Art und V/eise 

zum Ausdruck. 

Meine Damsn und Herren ! 
Ich möchte nun h>iute versuchen, Ihnen 
einen Gedankengang zu erprtern, von dem ich nicht 
ohne weiteres überzeugt bin, dass ich mich vollstan- 



.v 



- 13 - 

dig vors oändlicii machen kann. Weil ich /.war mit 
Worten s childern kann, was ich mdine; aber es gibt 
ein Gebiet , v/o 77orte nicht genügen, wo man fühlen 
muss, um zu begreiiVn. Vidi leicht v/ird aber aouh 
eine Ahnung sich v ermitteln lassen, vielleichtwird 
bei vielen ein Verst..ondnis daiur sei» 

(Dch möchte sprechen über den j üdischen Kult : 
Warum? Vielleicht denken Sie noch einmal an das 
Schema deü jüdisclaai- geistigen Kosmos, dass ich 
Ihnen seinerzeit angezeichnet habe. 

Die Erde, darüber gespannt der Himmel. V/ir 
leben eingebettet in die V/elt des götUichtn Yfirkens. 
Und c.ls oberstes Gebot finden wir die Nächstenliebe. 



V/ 



ir müssen uns nun in diese Wfelt , deren Boden ich 



Ihnen loarz angedeutet habe hineindenken. Sie müssen 
sich dabei den ausgespannten HiiTirr.el denken und hin- 
zudenken jene Drahtseile, die den Boden mit dem 
Iiimi;:el verknüpfen, an dem die £*rde auf gehängt i st . ' 
V/ir haben ein bestimmtes System der Lebensgestal^ung 
und Y/eltanschauung aus unserem Judentum aus dem jü- 
dischen Gotteserleben heraus entwickelt. Nun ent- 
steht die Frage: Wie überliefert man ein solches 
System der Zukunft, denn wir betrachten es ja auJi 
als etv/as Wertvolles, aas den Kindern nicht verloren 
gehen darf. Es ist der Gedanke des gleichen Menschen- 
rechtes, denn unsere Kinder dürfen keine Sklaven ler- 
den. Wir wollen die Wahrheiten des gitllichen Rech- 
tes, der Sittlichkeit, des Gebotes zur Nächsten liebe 
der 2,ukunft überliofern, ^enau so wie das v^hristentum 
und der Islam. Die Präge: Wi :. überliefert man dies? 
ist schwer zu beantworten. In der Theorie kann diese 



- 14 - 



TT 



Frage gar nicht gelöct werden, sondern nur in der 
Praxis. Denn wenn der Talmud sagt: Die Früchte 
werden Zeugnis ablegen tüv die Rieht i^telt des 
v;ege«, so bedeutet dies: Nur wer dazu beitragt 
dasü di: göttliche sixtlicakäit aur Erden erhalten 
wird, hat bewiesen, dass er aut rechtem Wege ist 
und dass e s richtig ist, wie er lebt. \7ir befinden 
\jns hier in einer enschlidien Tr- gik. Wir alle 
wollen wissen, ob es richtig ist, was wir tuen, 
ob es richtig war, das kann erst die Gentration 
nach uns beurteilen. Wir müssen hier ein Risiko 
auf uns nehmen. 7/er weiss, wtis das beduetet: 
Das Abhangifekeitsgerühl vom Göttlichen, ein Mensch 
sein, aer ein Risiko tragt? Ivian klebt nichtan 
den Bingen, man weiss es uann auch anders kommen. 

wir sa-en vom G'tt im Gebet: er ändert die Zeit 
er wechselt die Perioden. 3)amit rechneo der reli- 
giöse Mensch. Er ist jeden Augenblick bereit, sich 
zu verandern, wenn er weiss, sein Weg ist ein fal- 
scher. 

Bin zweiter Gesichtspunld: kommt hinzu: 

Wie kann man seine eigene innere Lebenssicher- 
heit erhalten oder gev.innen? Wie lebt man denn 
sicher in einer Welt, die in Bewegung geraten ist. 
wenn man heute den (SJbus betrachtet un^er dem Ge 
sich-.spunkt, was heute in Bewegung geraten ist, 
dann graut es einem vor den Aussich.a: , di. sich 
eröffnen. 50 Millionen gelber Menschen können 
marschieren, wenn sie sich vereinigen. Dm hat 
Buropa nichts gegenüber zu stellen. Heute 
schon ertönt der Ruf: Afrika den Afrikanern. 
Man mr- -ar nicht an solche Probleme denken. Die 



- 15 - 



» 



Srcle ist rund ist, kann siö'h ^edarz^:;it ins Eolien 
iiom.uen. Das S hicksal ist im Rollen begriffen. 
Wie erhalt man nun s eine Sicherheit und Ruhe? 
luch jene, die ..raktisch ihren Beruf ändern r-uss- 
Len US7/. , das s nd Lebenfragen, die an .-jeden ein- 
zelnen von Ihnen herantroten i.ümien. Jedem 
einhelnen von Ihnen kann aer Weg der religiösen 
Erkenntnis von i^ieuem sieh eröffenen. Wir haben 
nicht umsonst das aefühl dafür, dass Religion keine 
Spielerei ist. Hier fin.ien wir auch verun. ert die 

Lehre des Lebens- und sterbenkonnons . V/er sich 
aber mit diesen Gedanken nicht besohioftigt gehört 
zu den Glüciaiehen, die Scheuklap en tragen können 

Am Gl cidi .hstc^n sind di . Ti^-re. Leider sind wir 

Men schal mit der Vernunft begabt und w r sötxisxx 
spüren die ungeheure Kluft zwischen der...: engbegranz- 
ten irdischen Sein und der unend liclikeit. Vfir ^ind 

blind und müssen g hen und wissen nicht wohin. 
Diese probleraekönnen nur gelöst werden, wenn man. 



s 



antwortet das Judentum, in jedeui Augenblick 



sein Leben mit der BwigkeiL verbindet. Und dieses 
Vgrbundensein mit der üwigk^it für sichs^olbst, für 
seine Kim er, fü.^rt zu dem, was man unter dem Begriff 
des Kultus gewöhnlich bezeichnet. 

Meine Dc^men und Herren ! 

Zaerst will ich einen anderen Geaan^.engang ein- 
schlagen: Vielleicht ist es ihnen noch nie deutL ich 
g«v/orden, dass wir alle einem ungeheuren Kult un- 



- 16 - 

terv/orren sind, femlicli döm Kult der für di G-esell- 
öchaft gilt und notwendig ist, der: Kult der Klei- 
dung, der V/ühnung, des Zusaimienlebens usw., alles 
spi-.it sieh unter strengsten Porraen ab, wie sie 
selbst keine Religion vorgeschrieben hat. 
Denken Sie nur einmal an unsere Kleidung. Ich bevmn- 
dere die Männer, die es fertigbringen, sich in die 
engen steifen Kragen zu zwengen. Die Frauen sind 



uns w 



irlilich hier voraus. Denken Sie doch einmal, 



an diese unt' örmi gen Röhrenhos ©n der iin..er, di.. das 

sonst so schön geformte Bein verunzieren! 
Was muss ein Kind alles erl-rnen, um ein vollgültiges 
Mitglied der meniöchlichen Gesellscliaft zu sein. Es 



mo 



Öchte nicht mit Messern una Gabeln essen. Möchte 



nicht den G-ebrauch der rechten Hand annahmen und 
all die 1000 Dinge noch, die ein Kind erlernen muss. 
imn müüste einmal ein Inventar des gesellschaftlichen 
Kultas aufstellen und dabei würden wir finden, dass 
wir es gar als Belästigung empfinden. Sobald aber 
ein T^ilder in einen Lederschuh hineinschlüpfen muXK, 
dincx so empfindet der, die ganze europaische Gesell- 
schaftsordnung als einen ungeheuren Zv/ang. Darüber 
hinaus besitzen wir nicht m.ehr wie der frühere 
Mensch len gesttrbten Himmel über uns etc. wir leben 
in steiErnen Höhlen. Wir haben uns grossartige Schluch 
ten in unser .n Städten geschaffen, in denen wir den 
Himel gar nicht mehr slihen. Wir haben gar kein Gefühl 
für den Himmel mehr, welche Entberhungen und Entsa- 
gungen haben wir uns auferlegt! Wie ordnen wir uns 



- 17 - 

Wie ordnen wir uns den gesellschaftlichen Sioten unter? 
Der Menüch hat oxx'ensicutlioh eine Begabung dafür, Kult- 
zu treiben und es koriirat nur darauf an, wofür er estut. 
Wir tun us für dieGesellscliaft, für die es eben einfach 
einmal gilt. Es wäre ps:v'chologisch und philosophisch 
ungeheuer Interessant festzustellen, unter v/elchem 
Gesichspunkt man sich diesem Zwang der gesellscliaftlichen 
Formen unterzi ht . Sehen Sie einmal: Der religiöse 
Mensch sagt, wenn man sich für gesellschaftliche Sitten 
tausendfach buugen kann, kann man es. dann nicht audi 
in dem Qcdanlien, dass man etv/as tut zur Befosxigung 
seines Lebens unter ev;.gem metaphysischen aeisiobte 
punkte. Dass man etWc.s tut für die Nachsäen, damit 
sie ruhen können und i icht Zusamm nstürzen v/enn Un- 
ordnung eintritt und Gefahren d rohen. Daraus hat 
das Judentum sein System des Kultes entwickelt. 

Meine Damen und Herren! \/io suxl ich Ihnen das 
nun deu-aicbi machen, damit Sie den Gesit dieses Kultus 
vetspüren. Ich glaube das am b.:-sten dadurch zu errei- 
chen, das.. ich Ihne? 2 Linien ert wickle. 

1, Die Linie dessen, w-.s man unter Gebet versteht. 

2. Die Feiern des jüduscaen Tages, der Feiertage, 

des Sabbaths usw. 

Zum Gebet möchte ich au den Anfang stellen, 
dass das Judentum durchaus nicht verlan^^t, dass jemand 
betet. Das hat der Talmud so formuliert: Wenn jemand 
ein langes Gebet sprechen will, hat er ein grosses 
Vorbild an unserem Lehrer Mose. I^: war 14 Tage und 
Nächöte auf dem Sinai und hat cb rt gebetet. Wer.n 
jemand ein kurzes Gebet sprechen will, so hat er wie- 
derum als Vorbild Mose: Er hat nur 5 Worte gesprochen: 
jeOh G'tt, heile sie doch" ! und das b.-zog sich auf 
seine Schwester Miriam. Das Gebet dieser 5 V/orte ist 



- 18 - 



%> 



in Erfüllung gegangen. Bas Judentum verlangt durchaus 
nicht von den Menschen, dass sie sich hinstellen und 
nur "dawen.n", d.h. die Gebete nur so herunterplappern. 
Man käme hier in eine Entwicklung, in die der Buddhis- 
mus sich verstrickt hat. Ueberall im Orient laui'en die 
G.betsmuhlen. 15000 mal in einer Stunde und es ist natür- 
lich <iine vollkomiaen mechanische Auffassung des Gebetes 
Das Gebet bed-utet aber im Judentum etwas anderes und e s 
ist ausguschlousen, daS3 etwas derartiges im Judentum mög- 



£3QCX2!X 



des Menschen mit der ET-vigkeit, mit metaphysischen Gesichts- 
punkten, ich will Ihnen ai. s in folgendem deutlicher 
mchen: Wenn ein Jude dos morgens auiVacht, dann be- 
ginnt er sein Gebet mit einer philosophischen Betrachtung. 
»Adaun aulom, ascher molach" Herr der ^/elt der regiert hat, 
bevor irgend et..as geschaffen wurde, der heute regiert 
und der sein wird, wei:n die Welt nicht mehr besteht . 
BS gibt heute Haturv;issenschaftiiche* G'^iehrte, die 
sagen, die 7/elt würde irgendein Tod sterben und zwar 
den Kältetod, und führen auch den YJ^^-rmetod an etc. 
Mit diesen Problemen setzt sich der Jude ganz selbst- 
versxänolich auseinander. Er erhebt seine Qedank.n 
in die awi^eit. «ir rangen jeden Tag mit diesen Be- 
trachtungen an. Wir wissen, irgendeinmal wird es kommen. 
in dieser Pormgeht es weiter und das Gebet schliesst 
nit den Worten, die bezeichnend sind für das jüdische Da. 
sein : "In seine Hand vertraue ich meinen Geist und 
meinen Körper. Der Bv;i6e ist mit mir, welau iro: Ich 
fürchte mich nicht! Ich habe keine Furcht und das ist 
eine Weltanschauung, die sich aus diesen beiden Worten ^nt- 
wickelt, dieans Heroische grenzt. Damit fängt man an, 

v,-i,.vi+ vj-Acrt sich miL diesen V/eis- 
zu leben und w enn man nicht wagx, siea mx 

heitea auseinandersusetz^en und sich vor ihnen feige 



- 19 - 



verschliefst, so würde di..s sohliesslich zu einer Yer- 
biegung der ^nzen Menschheit führen. Aber wer sich 
schon gleich uorgens di se Betrachtung vor Augen halt, 
gehört zu jenem Typus, der aus deu Innern zu beten 
versteht, aenn er hat die Verbindung mit dem Göttlichen 
und kann sagen : welau irso: Und ich lurchte mich nicht. 
Der J de spricht weiter: aelubt seist Du, Ewig r, der 
uns geheiligt hat durch seine Gebote und ur.s befohlen 
hat, die Hanie zu waschen. Sie ersehen daraus, dass 
die Reinlichkeit sehr viel bedeutet. und für den Juden 
mit zu dem Höchsten gehört. Ich weiss nicht, wielange 
es her ist, dass man dao hygienische Prinzip entdefe^ 



hat. 



Es liegt gar nicht so lange zurück, dass man 



feststellte, dass der Schmutz die Hrsache vieler Krank 
heiten ist und unheimlicu viele Krankh.itserrt.ger 
in sich tragt, wieviele Frau n starben seinerzeit 
bei der Geburt etc. durch diese infeitionen. 



G«tt gebitet uns, dio Hände zu waschen. 



Es 



gibt Leute, die sagen, Mose war ein sehr gescheiter 
Mensch, er hat viel von Medizin v.standen und das Volk 
tut es nur, wenn die Reli^^ on es gebietet. Dieser 
Standpunkt ist msch. Mose hat es sicher nicht be- 
wusst aus diesen Beweggründen getan, denn ein Mensch, 
der seinen Blick nur auf das Sv/ige rieht .et ist inner- 
lich so gelockert, dass er überall spürt, wo die Wahr- 
heit liegt, ich kann mir vorstellen, dass ein grosser 
Mensch durch einen einzigen G^^dan. en auf wissenschaft- 
lichem Gebiete ein ric htigmach^nde Sntdeclmng machen 
l,ann, die er intuitiv gefunden hat, weil er auf einem 
Turm geistiger Höhe steht, von dem er das gesamte geisti 
ge Leben vor ä ch liegen sieht. Es ist b .stimmt kein 



- 20 - 



Zui'all, dass gerade im Judentum der Berui" aes Arztes 
und des Theologen so oft miteinander verbunden isnd. 
luh habe noch erst vor kurzem Mit Herrn Dr. Catzen- 
steindarüber gesprochen. Es wirkt natürlich in bei- 
den Berufen zugleich dxe Strömung der Mensdienliebe 
mit. Der Arzt Itann heilen und helfen. 

Das Judentum hat einen J^ult nicht daetrum 
entwickelt, um mit ihm das Religiöse zu unterbauen, 
Meimonides sagt: Essen sollst Du und trinken, damit 
Du Deinen Körper erh;..ltst, um G-'tt zu dienen. Jeder 
Mensch hat körperliche BedürUnisse und es gehört zur 
wirklichen Zivielisation, dass man darüber keine Worte 



na 



cht. Die Reinlichkeit, die sich hier entv;icLelt hat. 



ist wirklich ein Fortschritt. Aber es ist eigentüm- 
lich und es gibt nichts in der reit, was nicht irgend- 
wie in den Kreis aer jüdisch-religiösen L bensaurfas- 
sung hineingreift. 

Z.B. : Boruch atc adonoj 



Oelobt seist Du Ewiger, unser G'tt, König der Welt, 
der den Menschen g ebildet hat in seiner y/eishet , der 
ihn geschaffen hat uät oeffnungen und Höhlungen und 
es ist so, dass wenn sich eines davon öffnen würde ode 
schlieasen, so wäre es nicht möglich, vor öir zu be- 
stehen. Gelobt seist Du Ewiger, der alles frisch 
erhalt und Wunderbares tut . 

Strindberg hat sich das Paradies so Isror- 
gestellt, dass es dort kein körperliches Bedürfnis gibt 
Auch die psycho-A^alyse geht gleiche Wege. 

Der jüdisch-roL igiöse Typus geht nicht scheu 
an diesen Problemen vorüber. Er fügt es mit ein in 
sein System. G'tt hat es so gewollt, und der Körper 
ist ein herrliches Instrument des göttlichen Willens. 



- 21 - 

c. 

Demgegenuoör staht die Askese, die den Körper abtöt«=*t. 
Wie stark ist der jüdische Mensch, der den Körioer 
nicht obtet, sondern Lebenöregeln aufstellt, durch 
deren Befolgen er gesund bleibt. Und vom Körper 
kommt man zur Seele. Das ist uin alaubensbekenntnis, 
dase- das Judentum für alle Zeit vom iviaterialismus 
gesciiieden hat. Sie merken gl ü ich, was für yin 
Strenger Trennungsstrich hier gezogen ist zwischen 
Clr isteutum und Judentum. Es hoisst im Gebet: 
Mein G'tt, die Seele, die m mir gegeben hast, ist rein, 
rein hast lU sie geschaffen, 

iflu hast sie gebildet. Du hast sie mir eingehaucht 
und Du wirst sie einst wieder von mir nehmen, 
und sie irär zurückgeben in der zulcünftigen 7/elt. 

eit solange die Seele in mir ist, 



Und jed-rz 



danke ich Dir, mein G'tt 
Gelobt seist Du, D-v-ger, 



der dem toten Körp r die 
Seele wiedergibt. 



Sie wissen, da;.s das Chris u.ntum die Lehre von 
der Erbsünde hat. Wir können das Mysterium des Christen- 
tums nicht kritisieren und auch nicht verstehen; es 
ist ein Heiligtum des anderen, das wir nihht berühren, 
aber .s ist nicht unsere V/elx. Und w^.n ein Jude zum 
Christ^tum Iterttttt und er hat nicht Schindluder ge- 
trieben mit seiner Religion, so muss er sich mit dem 
Grundsatz auseinandersetzen, ob er sich grundsatzlich 
für Sündig halt und von s einer Sünde nur erlost wird 
durch den Glauben an den Opfertod Jesu. Hier schei- 
det sich das Judentum absolut vom Christentum, 
gehen verschiedene V/ege zu G'tt, aber beide V/ege fuhren 
zu G'tt. 5ie Gc^danken, die ich hier angef ül.rthabe , 
sind die jenigen, die mich bewegen, aber es väirde 
ein schaden sein, wenn sie nur gedacht und nicht aus- 



— - • 

Sie 



-ü 22 - 



ges. rochen würden, 

Welche Bitte haben wir, wenn wir morgens unser 
Leben anrangen? Btv;as ganz Persönliches kommt nun 
mit dem der Tag beginnt. Ich glaube, dass das was 
wir in unserem eigenen Innern auffinden, nicht so 
verschieden sein wird. 

"Es möge wohlgefällig sein vor iQir, Ewiger unser &'tt, 
dass Du uns in Deiner Lehre zu Hause sein lassest, 
dardt v/ir Deine Gebote erfüllen etc. 
und unmittelbar daran imüpft sich noch ein zweites 

Gebet: 

'»üs möge wohlgc-ffällig sein vor Dir, G'tt unser Vater, 
dass Du micix heute und jeden Tag erretten mögest vor 
frechen Mei sehen und vor i^'reoiiheit überhaupt, 
vor bösen N: chbarn, vor böser Plage, vor dem ver- 
derblichen Satan, vor einem bösem Gericht und vor 
einem bösen Ger i cht s ge gener , ob er ein Volksgenosse 

ist oder nicht ." 

und immer sei der Mensch g» ttesfürchtig 
Auch im Geheimen bekenne er die V/ahrheit, stehfe er 
zur Wahrheit, und dann stehe er auf und ^ reche. 

Meine 3)amen und Herren ! 
Ueber legen Sie doch noch einmal den Ge- 
danken; fliv kommen t^i^glich mit den anderen Menschen 
zusammen, überlegen gar nicht wie tausendfu^ltig die 
Beziehung^» zu dem anderen Sein iot . Ich hatte wün- 



schen mögen, dass 



«•:«■•!••.'<» 



kxselir viele noch vor 10 Jalriren 



hier den Oedanken vers"öanden . ätten: 

"Herrg'tt bewahre mioh vor frechen Menschen 
und vor Frechlieit4-". Denn wenn man iie Krai liheit s- 



ur 



Sache der letzten 10 Jahre erkennen will, möchxe 



ich sie als die Krankheit der sc-elischen Preclihelt 



bezeichnen* 



- 23 - 



Dunken Sie nur einmal an jene frechen Bilder, in 
denen man alles herabgezogen hat, was anderen heilig 
ist. Die Menschen haben gar nicht mehr begriffen, 
dass sie herabziehen. Sie wussten niciits davon: 
Ich habe nicht das Recht, etv/as herabzumindern, 
v/as anderen hä lig ist. iyo war die Ehrfiir ciitvor den 
Menschen, vor dem Heiligtum des anderen? Ich glaube, 
in diesem Punlrte durfte man sagen: pater paccavi: 
Vater ich sündigte. Jeden Morgen ruft man es sich 
ins (Jeauclinis: Oschamnul 

Viele Sünden sind da begangen worden, 
und wie steht es wirklich? Ein kleines Aederchen 
platzt im Gehirn und der Mensch atmet nicht mehr. 
und trotzdem: Eiirfutchtslos hat man die Natur zer- 
stört, her. liehe Walder niedergehauen etc. Z.B. ist 
man in Afrika nach Jahrtausenden zum ersten Mal mit 
dem Pflug über dl Brde gegangen, jedoch siehe da .. . 

Die schwer erkämpfte Brdkrurae wurde vom Winde hin- 
weggeweht und ee entstand Wi-iste. Ich habe es seiner- 
zeit in einer Berliner illustrierten so gelesen und 
auf diese Weise rächte sich die Natur gegen die Frech- 
heit der Menschen. Und her sagen wir im Gebet: Halte 



uns 



fern von der Frechheit. Welcher Mm seh möchte 



sagen: Mit «eichen Dingen habe ich mich* nicht 
auseinanaerzusetzen. Das sind psychologische Arjge 
lagenheiten der Lebenskunst. Wenn wir Juden morgens 
aufstehen, entsteht für uns ein jüdisches Problem: 
was ist der Jude? Eins der furchtbarsten Dinge, von 
denen ich je gehört habe, war: als ein Kind sagte : 
"loh möchte kein Jude sein!" Es wäre töricht, dem 
linde einen Vorwurf machen zu wollen, denn es ist 
zu verstehen, dass e in jüdisches Kind so sprechen kann. 



- 24 - 



Es ist so lUrchtbar, dass unsere ganze Tragik darin 
zum Ausdruolu kommt • Una wenn jemand auch Flucht 
versuchen will: Es gibt keine Flucht »Q« dem Judentum 
denn bis in» die 3* G-eneration wird heute wieder 
aas Judesein geahndet. V/as ist denn eigentlich 1 ps. 
mit unserem Judesein* Daraur v/ird eine Antwort 
gegeben, so gross, so v/unaerbar, dass man darüber 
bloss staunen kann. Ganz deutlich wird es Ihnen 
erst in 8 Tagen sein, wenn ich sprechen werden über: 
Geschichte unter jüdischen &es i cht spunlit .Zunächst 



mo 



öchte ich einmal den allgemeinen Gedanken des 



Pessimismus berühren. 

"Herr etiler V/elten, nicht aui' unsere 
aerecht i^ieit können wir uns verlastjen, sondern nur 
auf Dein Erbarmen! V/as ist unsere liiire, unser 
Hamen, unsere Herechtigkait. &»tt unser Vater, 

es sind nicht alle Helden vor Dir. etc 

Habol hov;$ . . . 

Alles ist eitel und ..ertlos, das ist 

der Ausdruck des Peesimismus. An e inem solchen G-e- 

danken gehen wir nicht vorblai. Dio jüdische Ver- 

«weifläng fängt da an; Wir wollen den V/eg nicht mehr 

gehen, der unsabsonaert, wir wollen iveine^Juden mehr 

sein. V/as ist denn schon unser jüdisches Dasein? 



Alles ist eitel, ist gesagt worden. Aber ec ist 
direkt ein Aufatmen, wenn es heisst: v;ir sindBain 
Volk, Sühne seines Volkes, Söhne Abrahams, der JJich 
liebte und der Bir zug. scwhoren hat am Berge koria. 
Sohn isaaks, der gebunden wurde auf dem Altar, 
die Gemeinde Jakobs, Deines erstgeborenen Sohnes und 
aus der Liebe, mit der Du ihn liebtest und aus der 
Freude, mit der m segnetest seinen Namen: Israel. 
Und darum sind wir verpilicute^, auf zustehen und zu 



- 25 - 



sagen: Höre I^rc^^l, der Ewige unser Q-«tt ist ein Q-'tt* 
V/as ist hie« gesagt worden? Hier v/ird nicht ge/J-ügelt 
hier wird uuo eine geschichtliche waLrh«Iit ins Oe- 
däahnis zurückgerufen. V/ir ^ind die Nachl'^oriii'üen der drei 
Stammväter Abraham, Isaaks und Jakobs, die ein neues 
grosses Mens ohengesdnle cht ins L^berj gerufen haben. 
Kürzer konnte man den Sinn und den Qü-ng des Judentums 

nicht bezeichnen. 

V/ ir sind Madikoraiiien Abr...ixams, der Ji»ich liebte. 
üaiiiit hat der v/endepunkt begonnen, dass ein ivl« soll so 

gan.. Mensch v;ar. V/as hiute als menschlich gilt, ist 

üb er 

erst VüEi judent'om geschaffen. Das ist ein Satz , den 
ich vor nicht so ferner Zoit noch mit m inem^ Schülern 
dis.^utiert, . Abraham v/ar ;-anz Mensch, weil er das 
Göttliche liebte.Aus jenem Menschen h^-^raus iiam die 
geniale Li^be zu &'tt. las nun aber sein Sohn er - 
duldet hat, das ist eine Bindung, eine Kneclt ung. 
Was hat er denn gexan? ErÜess sich binden! Er hat 
f^e, gesagt zu seinem Schicksal. Das v/ar der Sohn, und 
der dritte: jakob, da wird gesagt: Y/ir sind die Oeuß inde 
Jakobs, Deines erstgeborenen Sohnes, der die Erbschaft 
eines Abraham auf sich nehmen konnte. Hier wird klar 
unxer schieden, ob jakob oder Bsau der Erstg.^boretie war 
ES heisst: V/ir sind die Oemeinde Jaiiob, Deines erstge- 
broeenen Sohnes, jenes Menseln en, der die Erbsahaft 
Abrahams auf sich genommen hat und auf sich nehmai 
konnte, aus der Liebe, mit der Du ihn liebtcstl 
7/enn bei Abraham g esa^^t wurde-. Br liebt G'tt, so wird 
hier gesagt: G'tt liebt ihn, er wurde von G'tt geliebt 
ms Judentum lehrt: Man rauss Vertrauen haben auf das 
Y;aloen des Schicksals. Man versteht vielleicht sonst 
gar nicht, was geboten wird und es hat keinen Zweck 



- 26 - 



Es hat keinen zweck zu klügein: was bringt der morgige 
tag, wie wird es wei i^ergehen. G-lauben wir doch, G-'tt 
liebt uns, wenn wir recht Juden sind. Er hat den 

Namen bekommen: Israel und das bedeut et: Er kampite 

um 

»prte &itt, mit ö'tt .n der Welt! 

Darum sprechen wir; Höre Israel, der Bv/ige, 
unser G'tt ist ein &'tt. Wenn der Tag mit dem 
Gebet beginnt, dann baut sich der Horizont unseres 
Daseins. So lebte der Jude tieix jahc xausenden, denn 
seine Gebet stehen im Talmud. Und ein kleiner Teil 
ist übergegangen in die Praxis des Christentums. 
Wir rinden es wieder in den herrlichen Gebet; Vater 
unser, der m bist im Himmel. Das .vönnen Sie ohne 
Sc.iWierigkeit übertragen ins Hebräische: Owino mal- 
kenu. und führe uns nicht in Versuchung, das ist 



• • 



da :jelbe, wie auch wir beten, Hier haben wir einige 
Begriffe herausgenommen aus dem ivxeere dar .jüdisclBn 
Lehre und hier vereinigen sich wieder auch in grossen 
heiligen ßegriiten die verschiedenen Wege, die doch 
alle zu G'tt f. ihren. Im tiefsten r eL igiösen «mlffinden 



stimmen duch alle religiösen wahrhaft über ein. 



Es 



gäbue noch ausserordentlich viel darüber zu sagen, 
was das jüdische Gebet bedeutet. Nicht das Gebet, 
das dahlns-ceht und pla.pert, wie eine Göbetsmühle. 
und nicht das: Man zahlt G'tt eine Geb^^^tsmünze und 

wird dafür belohnt. 

ES ist eine unerhörte Vorstellung: Das Gebet 

ist eine Vereinigung des Menschlichen mit dem Gottlichen. 

in der Ewiglt* it 
wenn ich bete, bin ich/für mich allein und diese Ein- 
samkeit tut dem Menschen ausserordentlich gut. Es war 
manchmal gut, wenn auch in der Grossstadt, wo der Lärm 
alles übeödröunt, hie und da eine kleine einsame Minute 
den Geist des Menschen emporführen würde zum Ewigen, 



- 27 ^ 



zum unendlichen. 

V/as ich Ihnen dargstellt habe» ist der Ausdruck des 
jüdischen Typus. Es gibt z. 3. Gebete der Buddhisten, 
der primitiven, der Neger, des Indianers etc. etc. 
Jedoch das &obet der Juden ist ein jüdisches Gebet, 
unsere Nöte, unser Glauben, alles s-Deht in Be:.iyaung zum 
GötLlichen. Unser Glaube, der über al lern waltet, ein 
Wille und wenix wir an einen anderen Menschen dtnken, 
dann achliessen wir ihn ein in unser Gebet. 
König Salomon (David?) betet; Ilerrg'tt, wenn ein 
Fremder iioriant .... und so ßchlies.:en wir ihn ixät ein. 
Ich möchte nun schliessen mit einen herrlichen G^'-bet 
des grossen Gelehrten, eines Zeitgenossen des Marsamuel, 
abal Recha, mit dem wir noch heute den !• g beschliessen. 
" An uns ist es, den Herrn zu ppeisen. Wir beugen uns vor 
ihm und an jenem Tage, an dem alle Greuel von der Erde 



verschwunden 3e.in werdun 



• » 



Hier komi-en die Gedanken ^^ines Juden mitten hienein 
in unser Gebet. Es wird ein Tag komiien, da wird kein 
Mensch deu. anderen mehr Böses tun. Jeder vi rd zugeben, 
auch wenn er sich innerlich nicht g&nz verwandt i'uhlt, 
dass mit diesem Gedanken oLneherrlidie Konzeption des 
Lebenkönnens, des Lebenaiüsseaa und zug«leich ein^ herr- 
liche Konzeption eines idealen Menschentypus vorliegt. 

Vielleicht ist Ihnen nun doch zum Teil eine masx 
Ahnung aufgegangen, von dem ^as ich Ihnen sagen wollte. 
Idi weiss nicht, ob das zum Ausdruck gäi ommen ist, was 
ich fühle und emiJfinde, aber ioh möchte es wünschen 
und mit diesem punkte möctrteich nun abschliessen: Das 
Judentum verlangt nichi^, dass ein Mensch beten soll. 
Bin langes G<.bet findeo ein Vorbild in Mose und ein kurzes 
ebenso. Wir bezahlen G'tt nicit etwas und er gibt 
uns auch keinen Lohn, sondern: 



- 28 - 



wir erhüben uns in die Sphäre des Mose, v/enn wir 
beten, wir erheben unsere Seele ins Metaphysische, 
wir erholen unsere Seele. I 






1 



7- Harz 193!p> 



Meine ^Jumen und Herren ! 



% I I 



'1 



Ich bitte um Entschulaigung, aacs ich uiioh um eine hal- 
be Stunde verspätet habe; ich musjte :^n einer auoser- 
.jrdentlich wichtigen Sitzung teilnehn.en, iwh kann ihnen 



im AUj^enblick nicht sagen, um 



v/as c'S sich hanaclt, aber 



es lag im allgemeinen Interesse. 

Vor 8 Tagen habe ich versuch*, Si- in den 
Sinn des jUdisci^en Kultes einzui'iJiren und ich habe zu- 
wachst einmal darauf hingewiesen, dass wir Menscüen 
ja alle, ob wir es wissen oder nicht, in einen Kultus 
eingebettet: sind und zwar in den Kult der QeSüllschai't. 
zahllos sind die Forderungen, denen wir un.. unter- 
werfen müssen: Im täglichen Leben, in der Kleidung , im 
Benehmen usw. Wir sind üingebett^-^t in die Norweniigke it 
uns standig im Zügel halten zu u:üssen und zwar um 
einer irdischen Beziehung willen. Religiöser und 
jüdischer i.ultus bedeutet, dass m;xn Beschränkungen 
und Rüoksichte. auf sich nimmt nicht um irgendwelcher 
irdisclier Beziehungen sondern meinetwegen um üb<^rirdi- 
scher Be..i.;hungen willen. Das he.sst, dass man das 
Leben nicht nur einbettet in die Rücksichtnahme auf die 
Bipg^ä, die uns unmittelbar umgeben, sondern unsichtbare 

« 

Vorgixnge, -lie wir mit Metaphysik bezeichnen , denn 
Metaphysik ist nichts anderes als eben das geheimnis- 
volle Unsichtbare, aus dem alles horaus quillt, und zu 
dem alles wied.r zurückkehrt, ^s gibt viele Mischen, 
die sich keinerlei (K^dunken über die metaphysischen Vor 
aussetzungen des Lebens machen; das bedeutet nicht 
etwa, dass sie nieht aie Mo gl i chke it hatten, sich 
darüber klar zu werden, sondern sie denken nur nieht 
darüber nach. Unsere Zeit gibt unj darjh ihren Lärm 



- 2 - 



kaum uie Mögliohkeit G^-danken in un3 zu wecken. Sobald 
aber ein Mensch naohdenkt, komL.t er auf die anum. anrauche 



absolut notwendige Ueberzeugung, da^s unser sichtbares 
Leben liödrist:ns ein Y/ellenkariiiii ist auf der unendlichen 
Flut unsichtbaren und vieilv-icht Tur irüner unbegreii- 
lichen Seins. Ein Mensch, der nachdenkt v/ird ohi-es 
weiteres vtrstehcn, dass unser Leben nur v;ie schon ein- 
mal angerührt, ein G-lirriiien derev/ig göttlichen Seele im 
menschlichen Körper ist, und -./enn der Köpper zerbricht, 
kehrt die Seele zurück in dcis ewige DunLel, aus dem sie 
gekommen ist. Und v/nnn ein Mensoh solche Worte nicht 
nur denkt, sondern daraus Konsequenzen zieht, aann kommt 
er zu notv/onaigen V^^-rhaltungsmassregeln in Sv^^^inem Leben 
und solche Verhaltun^saassregeln, Pormen, in die er 
sich ^^elbst einbettet, sind religiöser Kult undbedeutBt 
eine Lebensrorm unxor der B^-^ Ziehung zum Ev/ig-^-Gdt Glichen. 
Es handelt sich ixi^^r nicht um eine Be:.iL.hui:g zum N^chs^en 
- z.3. v;enn ich mit einem iviesser essen würde etc. — sonder 
v/ie &»tt es auffassen würde, v/enn ich :: ich in dies.-m 
Augenblick so oder so verhalte. Religiöser Kult wird 
von jedem kensc.:en versxanden, wenn manche auch nur 
in &ei'ahren versuchen, es mit dem G-^danken ^*tt ernst zu 
machen. Es gibt eben im Loben Formen, in die man sich 
hiBeinstela.en muss und man könnte sich diese iPormen 
zahllos bildu'n. Es könnte ein iviensch z.B. sagen: 
Ich vvürde mich um G»ttes ^Ji. laa 24 Stunden auf ein B$in 
stellen. Auch dieses wäre eine besondere Form , die sich 
ein Mensch überlegt hat. Es gibt Menschen , die so 
etwas tun und es gibt diese ivienschen insbe^^onaere im 
buddhistischen Rei igionskreise. Es gibt z. B. auch 
Menschen, die sich tagelang an den B^-^inen an einem Baum 



- 3 - 



¥» 



a-uihängen lassen, dault aar dit^se Y/eise die Seele i^ich 
vom Körper loslöse una uui'guhe ins Reich des (Jättlioiien. 

Bei den Julen gibt es so etwas niclit ! Das 
Judentum verbietet die Abtötung des i.örpers. Aber 
es lautet L.uch, dass man s oinern Körper nicht rröhn^^n 
dürfe, indem man z\ B. seinem Tr.^^^b nachgebe* Das 
Judentum verlangt e^nen V/eg, der zv/ischen üiesen bei- 
den Extremen liegt, oder wie Maimonides sagt: den derech 
ha^oschori, den ^er-.djn wj^:;, den goldenen Mittelweg. 
Es ist bewunderungswürdig, v/elohe Verbindung bestand 
zwischen jüdisühen und grit-cliisuhem Göist, Aristoteles 
und Iv'iciimünides. Und suuon in der Ttiüra bei der /er- 
heissung heisst es: Es soll wohnen Jai'eth in den :Delten 
Sems und das bedeutet, dass die S^hünheit wohnen ^oll 
in unserem Kreise ui.d uueh i-i\ griechischen G-eist. Es 
gibt Brüc:i.en, aul dcn^^n iue'ischen zueinar.der ..or-men 
können. Dies ist die R..cksichtnahm- auf den &-^ist, 
denn gerade zwischen den Extremen der Kürperabtütu;:g 
und Triebrrühnung entsteht eine grusse Form unu. diese 
Form aurchuacht Von morgens bis ab.^nis, von der Ge- 
burt bis zum Tode, diese Rücksichtnahme, diese Ableitung 
des as.zen Lebens ist das System des religiösen xvultus. 
Da wir aber alle einem Ti/pus angehört:n, hat sich eben 
für ..nseren Typus, das h-isst für zahllose Menschen ein 



ganz bestimmter Weg, eine ga 



nz beSL,im::;te Form für aj le 



her:-.us gebildet. 

Ich habe ihnen vor 8 Tagen ^üne« innerea Be- 
ziehung dargt^bracht, die den iiultuBS begründet und zwar: 

das Gebet! 

v;as beaeütet das Gebet? Ich habe gleich be- 



- 4 - 



merkt, dass das Qebüt x^airiün Kuhhandelt mit a 'tt 
darstellt. T,7er das &ebet so aut't'tfsst, der muss ei- 
nen ral schon v/eg gehen, der versperrt sich durch 
Scheuklappen die Aus sieht aui' die Wahrheit, Das 
G-ebet ist ein V/eg, auf dem der Mensch einsam ist für 
Minute und Stunde. B^^soh'^ers am Js.um Kippur steigt 
das Gebet auf zu G'tt und es ist eigenartig, dass 
der Jude an diesem Tage auf Si^eise und Trank verzich- 
tet und nur den Wunsch hat, an diesem Tage seine 
Seele mit G'tt zu voreinigen. Es ist eine Einheit, 
die der Mensch deshalb erstreben kann, da jeder 
Mensch ja im Ebenbilde G'ttes gesciafi'en ist. Es 
gibt nichts Purciibareres, als v/enn Mensc.en sidi 
verachten und nicht w i-ssen, dass sie seelenprobleme 
in sich tragen und z.b. wie beim Mor gengebet sprechen: 

Herr der Y/elt, der Bu v/arst, bevor alles ge- 
schalten wurde, der Du bist, nach. dem alies geschaffen 
ist m;d sein wirst, wenn nichts mehr vorhanden sein 
wird. Dio-ses sind wahrhaftig philosophische Gre- 
dank'ongänge. Wir sehen ein, da^s wir nur Wind sind 
aur der Erde und wir werden eivmia verstieben und 
nicht mehr sein. Es ist eine ungeheure geistige 
Forderung, dass wir Juden u. s gleich morgens m der 
Weise in das Gebet stellen. Di-^-ses ist jedoch nur 
ein kleines Gebet. Wir haben aber 5 Bände unserer 
Machsorim und wer diese Ge-danken versteht, die in 
diesen Gebeten stehen, der r.uss in diese TiÄfe ein - 
gelangen sein, in das Leben des Geeistes überhaupt. 
Wie einfach hat es eigentlich der "^ensch,der wie 
im Orient nur den Rosenkranz herunter zubeten hat, im- 
mer in derselben W^ise. Ich spöttele gar nicht über 
ein derartiges Gebet, jedoch ist das eben nicht 
jüdischer Geistl Das Judentum fordert, dass wir 
das Geschenk der Vernunft, das wir bekommen haben. 



K 



- 5 - 

ausbauen zu einem Kunsuv/erk, 

Ich habe da in zum S^luss das bin^j nooh dar- 
gestellt, wie nun in den Gebeten das judische Schick- 
sal morgens in aller Frühe jedes ivial uns ^ r Augen 

gostollt wird. 

" Was ist der Mensch? \7as hat der Mensch dem 
Tiere voraus"? Ueberhaupt nichts! Denn alles ist 
eitel und nachdem der Mensch gl.äch am hier entwurzelt 
werden ist, da ko.mt dann ein Impuls, der uns wieder 
aufhorchen lasst. Hiör kommt Porm und Kraft düS 



se 



elischen Motors, damit man wieder arb^ii ^en l«,nn 



als Jude ,der es gi eher nicht leicht hat in der Welt. 
" Aber wir sind die Söhne, Deines Bundes, Nachkoi;.uen 
Abrahams, der öich ii>.bte, Isaaks, der gebunden wurde, 
und Gem-inde Jakobs, den Du liebtest und den Du darum 
mit den i^amen nanntest: Jisc.el, d.h. der Kampfer 
um G'tt. In diesen 5 Worten, die i ur ein iDichter so 
ausdrücken konnte, ist die ganze Geschichte gestreift. 
Abraham, der als ersxer den Götzenui ,nst als uiaJri.llig 
v.rdarmite, is«ak, der gebunden wurde und das Los des 
Märtyrers auf sich nahm, Jakob, den G'tt liebte und 
der ihn Streiter um G'tt und für G-tt nannte. Ob wir 
es erkennen oder nicht, ob w.r juaensem wolß n oder 
nicht. Ob -..ir empfinden wie der i^eine Junge, der sagte; 
„ich will kein Jude sein", ob wir flüchten w ollen bis 
ans Snd. der Y/elt: Es hat alles keinen Y/ert. Y/ir sind 
als Juden hinaingeboren in die V/elt und ©üssen durch 
unser Leben G'tt dienen auf ürden. Durch uns soll der 

Strahl erhalten bleiben, auch wev^n er inu.er wieder 
versiegen wird und wie das vorsieh* geht, das will ich 



.1. 



Ihnen dar ifegen 



K 



- 6 - 



loh will noch einzelene Punkte anfuhean, die ich immer 
wieder vor Augen gesta It habe. z.B. den Gedanken: 
Sie verstJien, was ich damit meine, im aebet; das mit 
borach schomar ani'ajigt. Bort lautet es: V/enn Ihr 
auch goring an Zahl s^id, wenn Ihr auch wenige seid, 
Fremde und wenn Ihr wandert von Volk zu Volk von 
Reich zu Reich, so hat G'tt doch nicht zugelassen, 
dass auch nur einer bc^drücict wird .... singt dem 
ßv/igen ein Lied, erzuhlt unter den Völkern seine 
Treue, denn y;ross ist a»tt. Es ist doch zu bewundern, 
mit welcher Klarheit hier das Judenschicksal heraus - 
gehoben wird. Ebenso w e z.B. am Montag und ©onnerstag- 
Tachanun-GebetjPBeine k<.inder, di-^ verabscheut werden 
unter den Völkern!£tca'/er kennt denn den (K^dan. en nicht! 
Das CKbet jedoch ist vielleicht entstanden vor 800 
Jahren und wir sprec .en es heute n^ch. Oder 

wenn wir immer wi.der aur der Erde verachtet werden 
und wir fra-^en: Y/uher kommt «s eigentlich? Dann 
werden wir eines Tages .ntdecken, daas es viele 
sch:^ cuteMenschen aui- der Srde gibt, dass aber die 



schlechtesten jene Verleumder sind, die aus eigenem 
Kreis entstehen, jene Mensch n die aus Sehnsucht nach 
Karrieru zu Abtrünnigen werden und die alte Gene in- 
scliai't beschimpfen. Wir wissen, was uns von aiesen 
Leuten angetan w orden ist! Lügen, die absichtlich 
von ihnen in die ¥elt gesetzt worden sind usw. 
Y/ir können es verstehen, dass wir mitten im heilig^n 
Gebet sprechen: " Dem Verleumder, dem sollst 3>i iieine 
Hoffnung geben", sie sollen ausgerottet und vernichtet 
werden, gelobt s^i^st Du , Ewiger, unser G'tt, der 
die Uebermütigen demütfegt. Ivlan muss in guten Zeiten 
die Geschichte kennen, um so etwas zu verstetien und 
muss zurücksinnen in uralte gev/altige vfeisheit des 



- 7 



Judentums . Von ungei'uhr haben unsere Vorrahren doch 
nicht diese Wissens, rait gehabt. Es waren Helden 
des Geistes, und wir haben es iui Gebet. V/en kann 
es noch wunden.., da,,s unsere grossen Lein: er und Fuhr er 
Bauern, Handwerker, ¥assertri:.ger , oder Aerzte waren? 
Esist öuch etwas aaz auiiaerotceit liohöu, dass ^eder 
so hieneingesoellt ist ins Leben. Die Forderungen , die 
an den jüdischen Typus gestellt werden, sind Gesünderer 
Art. Man kann manchmal Neid empfinden, dass man über 
seine Grenzen nicht hinauslcann. W-^ id aui' jene Religion, 
die nur verlangt: Hineinüc miegen in 



• • • • • 



V/elcher jüdischu^r Typu3 kann das? Jeder muss 
sein eigenes Lehen leben, Vater sterben nicht für Kinder 
und Kinder ster.-en nioho für Vater. Jedc-r büsst nur 
für seine eigene schuld. Hier wird der Jude ge- 
patekt von der Faust G'ttes und hieneing.^stel . t ins Leben. 
Wir sind als Juden geboren uns sollen uns hier VDr 

Entweihungen und Schändungen hüten. Wie leicht ist 

wecieev/orfen v/orden 
wft die Religion/durch äussere Umstände !Und wenn wir 

dann fragen, was ^ard denn geschehen, dann antv/or^en 
wir mit dem grossen König im Reich des Geistes und der 
Kunst, der so viel gelitten hat, der grosse König BaMid: 
Lass mich doch nicht .'allen in die Hände aer ivienschen, 
wenn ich gestraft werden soll, sondern in die Hand 
G'ötes. 



- 8 ^ 

Soi wollen wir Juden imr:ier sprechen, wenn wir gequält 
werden, soll G'tt uns strafen und nicht die Mensdiea. 
Hie und da beginnt manchmal auch das uralte Haupt des 
Judentums den Kopf zu schütteln, wissend, was im Leben 
vor sich geht. Am Abend treten v/ir hin undsprechen 
die V/orte: Er ändert die Zeiten, er wechselt die Perio- 
den, gelobt seist Bu Ev/iger, unser G'tt, Es war einmal 
so im ültertum und Mittelalter und es herrschten einmal 
tüber Palästina der Römer und der Griche usw. Da wtrd 
man hineingestellt in die Notwendigkeit, eigene Lebens 
erf ah runden zu sammeln una dann genen wir auclri nicht 
vorüber an dem s cliv;ersten Schicksal, das Menschen er- 
fahren können . Und im gewohnl-^chen Leben ist .s 
immer noch Su, dass das das schwerste Schicksal ist, 



v/ 



enn ein Mensch sterben muss, als Märtyrer sterben muss. 



Ich habe Ihnen ein kleines Büchlein mitgebracht : das 
heisst Eaom, das ist zugleich der Name der Amoniter, 
jenes Brudervolkes, das uns so sehr befehdet hat und 
auch der Beiname des Bruders Jakobs, Esau. äs ist in 
derschlichtesten Sprache, die man sich überhaupt vor^tel 
len kann , geschrieben. Es sind Berichte eines Augen- 
zeugen von den Verfolgungen die unsere aiaubensgenossen 
in den Kreuzzügen erlebt haben. Ich möchte ihnen 
einen kurzen Abschnitt vorlesen, um Ihnen zu Züigt;n, 



v; 



ie ein Kultus im &» t^esdienst sich bis heuxe bewalrt 



hat. 

ff siehe Absatz im Buch Edom! 

Seil: den Kreuzzügen, seit jener Zeit spricht man 
in unseren Synagogen 2 mal im Jahr und bezeichnender 
weise aber in den Synagogen des Ostens an jedem Sabbat 
( denn unsere ostjüdisohen alaubensbrüder sind Nachkommen 
jener, die nach den Kreuezügen vertrieben und in den 
Osten geflohen sind) und da sprechen wir dann: 

Af horachamim, Vater des Erbarmens, Herr, der 



- 9 - 

in der Höhe wohnt, er im) ge gedenken der Prormu n in 
seinem Erbarmen, der »edlichen, der Vüllkommenen in 
der heiligen Gene in de, die ihr Leben aufgaben zur Hei- 
ligung des go -etlichen Namens. Sie waren achnelier 
als Adler, stärker als Löwun umd den V/üen des Schöpfers 
zu erfüllen. Mö-e unser G«tt mit uns ihretwillo-n Er- 
barmen haben. 

Was bedeutet das? 

Hi .r ist die G-escliichxe unmittelbar in 
unseren ilultu^s aufgenommen. Wir haben es nicht ver- 
gessen, 2 ual wird es vorgetragen am Sabbath vor dem 

Schewaausf^'St und Tischu b'aw. 

Meine Damun und Herren ! V/er unsere Gebet e 
durchlebt, der wird erschtt tert sein, wird gekneto't 
vom Geschick. Er weiss, dasr. vir N^chkoui. en sind, von 
Vätern und Müttern, aie Helden waren, der versteht, dass 
^''^'' in den Worten eines Juden, der uiit seinem Judentum 
gespielt halt, Heinrich H.ine, wirklich wunderbar for- 
muli--.rt wird und zum Ausdruck komme, was wir alle empfin- 

den: 

Das Volk der Griechen b^stana auü scaönen Jünglingen,! 

ist ein Volk von ' 

Das Volk der Juden kÄSiXKStxäDCJJ/Munnern 

wer solche Geschichte gehabt uat und sie einbe- 
zieht in das Leben, in dei Kult, wer hier nicht vergisst, 
was in der Vergangenheit geschehen ist, wird dadurch 
ein anderer Mensch, dass er aie Beziehungen zum Höchsten 
erkennt. Man kann nicht sa ,.n: Es fangt hier an und 
hört dort auf. Bin M nsch soll sein eigenes Leben hin 
einbauen in das, was er von der Ver^an.enh.it überliefert 
bekoumit,- weichen V/eg er persönlich finden wird, um 
das Alte zu verstehen, kann niemand voraussehen. Die 
Forderung der .^^^^^^TM llen wxr darüber scl...iben: 




v;as 



- 10 - 
jedes IvJal sdiü^süen wir daü liaupti/obet mit den Worten 
niierr d-r Welt, bew;.hre me.ne Zun,,;e vor Bösem und meine 
Lip en vor trügerischen Reden, lass duoh meine Se^le 
schweigen gegen die, die mich i'luchen und mein Leben 
sei wie Staub vor Dir. Oe.fne mein Herz* Deiner Lehre 
una meine Gebote las 3 meine Seele boiTolgen. Und 
wer Böses gegen mich sagt, zerstöre seinen Lauf und 
vernichte seine Plane. Tue es um Deines Namens willen. 
Tue es um Deiner -eiligkeit, Dexn^r Lehre, um Deiuer 
Grösse willen. Ur.sere Seele soll schweigen gegen 
die, die uns Böses tun und wirv/ollen erst: ben scholaum, 
Frieden für alle und für unsere Gerne inscua it. Solche 
Worte solen llelfee sein, aie die Seele von neuem 
sciffliieden, dass sie ertragungsfuhig wird für ein 
Leid, das lange noch nicht so gross ist, wie das, 
unsere Voriahren ertragen haben. Ich möchxe ihnen 
in aller Kürze noch e inige ürd eutungen machen'- 
und sprechen über den Zyiilus des Jüuischen Jahres und 
über Geschichte unter religiös -jüdischem Gesichtspunkt. 
Heute m 8 Tagen werde ich es ausfühürl icher beschrei- 
ben, aber alles kc^m man nicht auf einem M:-a erörtern. 
Was den Zyklus des jüdischen Jahres anbetrifft, so ist 
auch 4er ein Kultu^s, aber ein Kult von merkvmrdiger 
Art. Haben Si-- sich selbst sclion einmal beobachtet? 
Haben Sie schon bemerkt, dass unbewusst der Atem 
einen besonderen t bestimmten Rythmus hat? Das Herzt 
scrilugt den gleichen Takt, ob sie gehen oder stehen, 
was wir auch tuen, das Herz schlagt im gleichen Takt. 
Ein eigentümlicher lythmus, auf den sich unser Leben 
aufbaut. Nun s.h.n Sie einmal, eine Widerspiegelung 
dieses Rythm.us ist auch im Leben des gesammten jüdisch- 
retgiösen Typus vorhan den.' Äs ist der Rythmus d. s 
Jahres. Er wird eingeteilt durch verschiedene Er- 



- 11 - 



hebungen. Zanachat e immal iüt daü glc iuliinaüSige: der 
Sabbath. Hier und da habe ich schon darüber gespr oolien, 
dasö der Sabbath für heiliger gilt als der Jaum Kipi.ur 
Der Sabbath, von dem es «iheisst: Man soll ruhen, damit 
die Se^le ;-;ieder 2;u sich finden iiann. "Der Sabbath is 
entsdieidend lür das Judentum'. Wie entscheidend er 
ist, sagt mxü ein V/ort aus dem Talmud. Da steht näm- 
lich v;ann der Messias kommt und es mre vdrklidi inte- 
ressant, das zu wissen. Db.s Judentum g. bt das auch 
an, aber nicht die genaue dironische Einteilung, das 
genau e Datum, sondern die Bedingungen: "Wenr. alle 
Juden Schabbos halten, dann kommt der Me^jsia". Das 
ist ein eigentümliches Wort. Es ist ungeheuer bedeuxsam, 
dass herausgehoben wird, dass der Sabbath für das Judentum 
das (jrundleg nde schafft undv;ir erkennen villeicht die 
Tragik, in der vär uns in Deutschland befinden. Den 
darüber dürfen wir uns nichL täuschen, dass wir in 
Deutsc.land den Sabbath einfach nicht als absolute 
Pcrderung an j.den Sohlen können. Das Berufsleben 
macht leider die lieilighaltung des Sabbaths für viele 
nicht möglich. lU r einen richtigen Weg zu finden, 
ist eine schwierige Aufgabe. 7/enn jemand die Bedeutung 

des sabbath kennt, ward er einen Weg linden, um an 
diesem Tage teilhaftig zu werden der g^-..altigen Weis 
heit, die im Sabbathgebot steckt. Und v;äre es nur die 
Beschäftigung mit der heiligen Schrift, denn man kann 
sag'.n, was man will, es eht nichts über die unerhörte 
Weisheit, die in unserer heiligen Schrift, in unserer 
Thora steckt, und am Sabbath wollen wir uns mit der 
Thora besci-^tigen. Ein mir bekannter Herr macht es 
z. B. so, dass er, da er am Sabbath seinen Geschäften 
nachgehen mu^s, er sich in seiner Pfcizeit und am Frei- 
tagabend, dem Anfang des Sabbaths, sich mit der Thora 
beschäftigt. 



•"> 



- 12 - 

Bas fet unser Blut und unst^^r L^ben. Das Budi , das in 
über 600 Sprachen übersetzt ist und in jedem Jahr in 
vielen Sprachen hLniauswandert in di v/elt, es ist unser 
Buch, das uiüssen wk immer bedt-nkun. Gerade im Mi>.tel- 
alter gab sie den Juden besonderen Halt. Am Pr«.itagabend 
da war det Jude ein König und seine Prau war eine Koni 
gin, sinst aber v/ar er ein* gedrückter Menach. Am 
Freitagabend besingt er seine Frau als Königin des Hauses, 
es steht ein Duft über di es m Saobath, ein Tarn, ein 
Eebensodem. Sie kannen die Geschichte über die rä.i^öse 
Sprache, über die Sprache d^JS Jui entums. Bin klein 
wenig will ich heute andeuten. Sie kennen die Gesouichte 
von jenem römischen Kaiser, der am Sabbath bei Rabbi 
jemed eingeladen war. Er hat dort einen wunderbaren 



Duft in sich aufgeno-mmen und hat gemeint, die Speisen 
munden iiim vd. e nie zuvor. Er befahl nun seinem Koda 
die gleichen Speisen anzufertigen. Dieser lief zu Rabbi 
Jemed und liess sich die Spelsezusacpipfflnstcllung geben. 
Aber der Kaiser wollte dem Koch den Kopf abschlagen 
lasiien aus Zorn darüber, das^ die Speisen trotzdem anders 
seil meckten als die bei Rabbi Jemed, und er fragte 
Rabbi Jemed, ob es vielleicht an einem Gewürz liege, 
das sein Kocli vergessen habe. Ja, es war wirltlich ein 
Gewürz, nämlich der D..ft des Sabbaths. Hier haben Sie 
in wunderbarer A rt und \7eise in einem Midrasch die 
Bedeutung des Sabbaths. in genuitvoll er- Beziehung erhalten. 
Denken Sie andie 3 v/allfahrtsf este: pejsach, Sche- 
wuaaa und Suckaus, fernc,r an Roschhajchono und Jaum- 
jqbppur, das purim-Pest, das bevorsteht und das Ghanu-iia- 

Pest. 

Wir feegini-en diesen Zyklus dev Feiertage mit Pes- 
sach, dem Geue; ktage des Auszuges aus der Knechtschaft 
aus Aegypten. An jeddm Sederabend sagen w ir es vi eder: 



- 13 - 



Es ist etwc^s 



a 



Heu.e sind wir Knechte, morgen Freie. 

Wuiti.rteres uhd unsox« «rosDe Sc rirten r Uhren uns nin-in 
in den ^.nrang der jüdischen qoe. . inscUartswerdung . 
Dann kommt di9 Wüstenwanderung und dann er st-dle 
Erlösung. tt.nn ko.:.t das Sohev^uausr.st , das v/oohen- 

. T. ^ « Q-i«i»i mhin unoere aemeinsühaft die Thor 
fest. Am Bt!i:^g6 biaai mnm uuuoi. 

^ o«, cnv-ansfest wird die WuStai Wanderung 
im lanpL'ang und am Suii.^usieao 

^ , ^-i.=. TJii +A in der v;ir sjnnbolisch 

dargestti It duro.i die Hu^te, m 

, -, V, -i V, T v-vri ■.;>pr vJeise vermischt 
leben, jene '^eit vi ra dadurcn m inniger v/eis« 

mit unserer aegenwart. 

Biese 5 Feste sind Peste, die mitten hien- 

eiust^-llen in das jüdisoiie Leben. 

Am pessach beginnt die Gerstenernte, 
am .ohewu.usi-.s-uu i.t si o buenuct. .Manbrxngt schon 
die Blüten im Tempel dar. Denken Sie doch bei dieser 
Gelegenheit wieder an den wunderbaren Traum J^ obs: 
Me Leiter, de auf dem Boden st.ht und in den Hi..el 
ragt.l-Ii.r haben ^ir aie grossen gesohichtlicuen Feste, 

i-ic n-yr Qc^p vran-ierung durch die 
d.h. sie eri.iiern an die grosse \,an-LOLu ^ 

r, •+ H vpr'rn-^rer diese Wanderung mit der Erde, sie 

4:^4- 7nri'n*(»>i sind öS P ste von 
schv/^.>bt nicht in der Luit. Zugl^ica .lua 

, •^- ^ -^ -Q^ap tnntf denn an diesen 5 
ung.h eurer politiscuer Bede tun^, 

. nnsere Vo-rahren ins Jerusalem versaLimelt . 
Festen, waren unt-ero vu-xö,.iLv^ 

. V, V, Metren w^r hie«- in Deutschland eine 
Vor einigen Jahren nat^en w^r 

^n ^ vv^+pr dem wot-oO stand: Jeder 
ähnliche Bewegung, die unoer dem iv.oo 

. -. nnoh Rerlin! Jias haben wir Juden schon vor 
einmal nacn Beriim -'»^" 

■; V, Ko-rt-H-u-en r Bedeutung gesagt. 
Ja hrta... senden m übertragen.. t d^ 

Tr,>v.''nViypn in Jerusalem. Von 
im Jahr warun unsere Vorxdhren in o 

«. e-io her Mvi blieben 8 Tage im 
über den GrenEßn kamen sie her urv 

.•« 'nilinA-noli tischer Bezie - 
Tempel. ¥as bedeutet dic-s in ...ultutpoiix 

v,a + rr 1 ich ihre Nahrung s_;ittel 
hung? Sie hatten xa^itaDcx naturlicn mr 

• -,.v^PVlder Form. Sie führten die 
mitgebracht und zwar m lebender J? orm. 

Tiere mit sich, manchmal aber auch Waren, di 



3 mal 






tüi e 



- 14 - 

zu Gel de machten, indem sie sie in d-^-^r Umgebung des 
Tempels zum Kaufe- ausboten. Hieraur bozi-hen sich au h 
die \y ohsler im Neuen Tt^stament. „aruin machte» u.an 
den Juden zum Vorwurf, das^ sie die ^v7aren am Teüipel aus- 
boten? Hie grossen Märkte im Mittelalter fanden imir/er 
bei den Kir»ohen statt. Siy habem hier ein Beisxjfeel*, 
das Sie sicher schon kannten, eingefügt in den Sinn 

des Judentums. 

Wir haben heute nuch di^.se 3 groü^en Yfalilfahrts- 
feste, die erinnern an die gewaltige Bedeutung, die 
sie in Palästina gü.vonnen haben. Sie sollen in uns wach- 
räfen das geschichtliche ßewusstsein und gleichzeitig 
die Geachichöe verbinden mit dem Boden. Das jüdische 
Volk war ein Bauernvolk. Y/ir sollen nie v^rgcissen, 
dass vom Boden aus, der Mensch entschieden wird. V/ir 
finden in der Thora grosse Bodengesetze, die noch hai te 
für ie Boaenreformler von besonderer Bedeutung iiina. 

Man führt es nur in moaernen VI orten aus. Nachdem 
das Gesetz in uns wach geworden ist, werden wir 3 Tage 
vollkommen isoliert, aus der Gemeinschaft herausgehoben. 
Dann ist es nicht mehr die Gem^irE chaft, sondern dann 
Bindwwir nur als Personen G'tt gegenübergestellt. 

Nun Roschhascuono und Jaum-Kippur. = Neujahr 
und Versöhnungstag. Unser Neujahrsf t.-st ist eben etwas 
ganz anderes als das bürgerliche Neujahr. Man sagt 
einen netten Ausspnch: Unser Jahr fuiigt mit dem "Rausch" 
an, das andere hört damit auf. Aber es ist uoch 

eigentümlich fiär den jüdischen Typus, das. wir das neue 
Jahr nicht mit Freude begingen, sondern still im Gebet. 
Am Roschhasc:.ono wir eingeschrieben und im jüdischen 
Kult besiegelt, wer leben wird und wer sterben wird, 
wer erhüben wird und wer gedemütigt werden wird, dies 
ist ein ganz grosses Bild. Ich werde versuch n, Ihnen 



- 15 - 

die Bedeutung des Bildes dar2.ulegen: Wenn der 
Dichter sagt: Es v;ird in die grosse Posaune gestossen 
und alle ßn^, el erzittern, heut ist der Tag des Ge- 
richtes und so kommen sie alle Weltenbewohner, nicht 
die Menschen allein, nicht die Brdbev/ohner allein, alle 
Weltbev/ohner, die es überhaupt gibt. Und sie zi hen 
vorbei unter Deinem Stabe und es mrd gerichtet. 
Man muss das varlilich einmal ini erlioh an siJi selbst 
erleben und vä rd erschüttert werden. Es heisst: 
G'tt sd.lägt vor sich auf das Sefer hasse, das Buch 
der Geschichte, es ist ein merkwürdiges Tagebuch 
nsc^ aer Anscliauung des Didriters. Es liest sich näm- 
lich von selber vor. VIs^Q ist das für ein Tagebuch? 
All unsere T»ten, auch unsere Y/orte, dit^ wir sprechen, 
diesind nicht verflogei., sondern eingeüchrioben in die 
Bwigiieit. Und wenn wir ihnen wieder begegnen, werden 
wir sie an den Folgon erken QQ . Wie töricht v/aren 
wir, dasj wir nicht früher nachgedacht haben. Es gibt 
für allv..s eine Folge. Der Jude denkt dasfür sich, 
der Mensch allein. Roscrihaschono und Jaumkippur sind 
Tage der gro^^sen Abrechnung und ein ganz personliches 
Menschheitsfest, wo manherausgehoben v;ird aus der 
Gerne mscliaft. Es gibt nur einen G'tt urxL vor dem 
werfen wir uns am Jaum Kippur bieder, stellen Sie sic.i 
einmal vor, an jedem Jahr erleben wir das mit allen 
Votbereitungen und all den wunderoaren gefühlsmässigen 
Begleiterscheinungen. So erleben wir die ganze Flut 
der Oeschohniüse, die Problemstellung dei»s Mensdien. 
Aber immer nicht isoliert im Intellelttuell en sondern 
eingebaut* in den Glauben, in ein kraftvolles Leben 
des Inn^ron und der Seele. Ein Mensch, der so lebt, 
der atmet erst unter goutli ehern Gesichtspunkt. 



Wi 



ir teilen unser Leben ein in Wochen und dix ch den 



- 16 - 

Sabbath und die Peicjrtage bekomii.en sie das Spektralband 
des jüdi seilen Jahresrytlimus. Uni wer.n Sie das Spektral- 
band des Öhr istliche Jahreszyklus danebenstellen, 
dann würden Sie eine mer würdige Bntdecl-üing machen: 
Denn dort hebt der Mensch an 9 Tagen, bei den Juden 
kommen noch 4 Tage hinzu, ;.ich aus dem PIuüS des Tages 
heraus und i,war beim Christentum last zu derselben Zeit 
wie im Judentum. Man hat hier einmal bildlich deut- 
lich vor Augen, wie do oh däiSTudentum und Oliristentum 
im Reiche des Seeliscüen gleichmüssig atmen. Und wenn 
man sich vorste.lt, dass es noch andere Spektralb ander 
gibt, wird man begreii'en, dass das Judentum Ungeheures 
in die ';7elt gebracht hat. Nicht nur bedanken, sondern 
auch ä. ne Soeleni'orm. Dann .ann ich ihnai nicht 
in Worten schildern. Es gibt niosht nur einen Rythm^s 
des Herzens sondern auch einen der Seele. Nun gestatten 
Sie mir, meine damen und Hörren, noch einige V/orte 
zur Präge : die Geschichte unter religiös-jüdischenm 
Gesichtspunkt zu sagen. Es ist aber heute abend nicht 
mehr anders möglich, als daxs ich Ihnen ein Beispiel 
heraushole, in dem die Frag estellung deutlich wird 
und ein Beispiel, das Sie nicht allzu sehr anstrengen 



wir. 



Die Geschichte ist nicht m.hr dac persönliche 



'Gesch.hen allein, sondern ist das Personliche verbunden 
mit dem Gemeirs chaftlichen, zurück in die Vergangen- 
heit gesehen und für die Zukunft vermuoet. Bin Band 

/^ O Q 

dütiehdas Leben für a re Bauer zieht, auch ein Spek- 
tralband, ein Atmen, und der ist der grösste Geschichbs- 
Schreiber, der dieses Band in seinem Rythraus beschrei- 
ben kann. Zahllose haben es versucht, im Altertum 
im Ivlittelalter und in der Neuzeit. 3)ieses sind 3 Perio- 
den, aber das Judentum atmeü iL. Zeitraum von 700 Jahren. 
Aber ich will dieses heute nicht mehr beschreiben, son- 



- 17 - 
dern nur eine Pra^e stellen: Was bedeu et von jüdisch 
reliiviösem Typus aus überhaupt di^^ &eschichi:e? Was 
bedeutet diese Frage? Si-^- bedeutet: Es ist umiöJLich, 
irgend etwas aus der Qanzhi^it acs Judentum s heraus 
zu nehmen und besonders zu behandeln. Wen man s ein 
ganzos ethisciios Leben , vi rtsohaftliehes Leben, das 
gesamte Lebc:n decausseren Form aufbauen muss, so uiuss 
au eh die G-esohich^e damit im Zusamiaenhang stohja . 
Es bestehun zwei grou. e Unterschiede in aer G-eSuhiohts- 
schreibung, und zwar eine die ja sagt zur ewig-religiösen 
Beziehuug unter dem aesi^jh^ spunk-& a'ttes, das is l die 
Gesuhichtssdireibung unserer Bibel und eine, dieabsolut 
davon abweicht und gleichsam immer nach d^^m Prinzip geht, 
mix den Augen aul' dem Brdboden herumzusuchen. 

Meine Barnen un ,. ^ercen ! Ich will ihnen nur noch 
einen Punktun^erer ßibel darlegcr. , wo aiese beiden 
priniiipion zusammentreffen. Es ist wiri-lich etwas 
Merkwürdxges und ich führe es an, da es im Zusammen- 
hang steht mit dem Purimf -.;st,i)?it Worten aus dem Puriqi- 

büchlein, 

BS gibt in der Bibel ein Bi.chlein, in dem 
der Name G' i.t üb er hau. jt nichu vorl^ommt. Das isx dio 
Geschichte*, die wir am pur im in der Synagoge vorlesen, 
die Esther- Geschichte. Es ist hier also witklxch eine 
weltliche &esd. ichtsschreibung,die in der B-bel steht. 
Es ist düch etv;as BigeitümÜches und oas soll nun da- 
hinterstecken? V/as ich Ihnen nun darlege , ist gleich- 
sam eine B|piSü4de Sie kamen alle die Purim-aesJa ici.te, 
und Sie werden zugeben, dass in dieser Geschichte alles 
mit einer unerhört gtossen Sinf Eiligkeit zugeht. 
Man sollte es gar nicht für möglich halten, wieviel 
Zufalle zusaiiunentreffen, so dass hier die Juden von 
grösster Gefahr gerettet werd<^n. Zunächst einmal der 
lächerliche Befehl des Königes, der in der Weinlaune 



- 18 



der Königin WaL^chti befielht, unversdiloiert auf ein 
grosses Fest zu erscheinen* löaan nach ihrer Vertrei^ng 
waich Zufall, dass d.^r König von allen schönsn Mudchen 
dos Landes gerade die Jüdin Esther zur Frau erwuhlt* 
Dann erwischt MoÄdechai die beiden Verschwörer, die dem 
König an den Kr-^gen w ollen. Er meldet auf dem Umweg 
über die Königin Esther die Versdiwörung , j. doch ver- 
gisst der König, ihn zu belohnen. 3-jdeni.en Sie anmal, 
Tiie grobe Zufälligkeit, wenn z.B. der König in jener 
encsch eidendenNach nicht gewacht sondern geschlafen hät- 
te! Also der K>nig wacht in der Nacht, und er kann nicht 
schlaren. V/as taten Sie in .inem solchen Fall? Sie 



1 ,' • • • 



vmrdöu vielleicht ein üuch nehmen und lesen. Der Jrs^önig 
jedoch holt die Chronik, in die langv/ eil igen Staats- 
ereignisse verzeichnet sind, es ist doch e ine grobe 
Sinnfälligkeit in dieser Oescaichte. Aus dieser groben 
Zufälligkeit möchte ich Ihnen ein kleines Bild ^nt- 

wiclilen. 

Es ist nämlich gar niohc so zufällig. Die Köni- 
gin Esther m rde von Mordechäi gebeten, gehe zum König 
und bitte für iöein Volk. Du musüt gehen, denn waan Du 
es nicht tust, dann wird viollticiit Dein Volk gerettet 
aber Du wirst zugrunde gehen. Die Königin lic)ss ihm 
darauf sagen, dass ii.nerhalb 30 Tagen Keine.' zum i\öi.ig 
duürfe. Trotz dieser Lebensgefahr ertschlieüst sich die 
Königin doch , zum König zu gehen. Sie fastet 3 Tage 
und tut den Gang. Sie ivOiamt hinein zum König, der sehr 
erstaunt ist und stets muüste der König, wenn ihm der 
Besuch angenehm v/ar, da;3 Zepter ausstrecken und siehe da, 
trotzdem Esther ungerufen kam: er streckte das Zepter aus, 
ir fragte daraufhin Esther, was Willst a»i und wenn es das 
halbe Kv.nit,reich wäre, so will ich es Dir gewahren. Und 

die Königin sagt: Lade den Huamann zum Abendbrot ein. 



- 19 - 

Was tut sie denn nun eigöntlich beim Mahl? Der 
König iüt ©in gutmütiger und leiciatfortiger Men.oh 
und als sie so b.isaruinan sitzen, da sagt Esther 
auf die Pr ge des Königs: Lade Haamann noch einmal 
lür morgen ein. Mindestens konnte nun bei dem König 
der Gedanke der Eifersucht aurkomir.en und es iiam nocii 
hinzu dasssein er^eit im Orient dauernd Verschwörungen 
an der Tagesordnung waren. Dass nun der König in 
der Nacht nicht schlafen iionnte, ist doch kein Zufall 
und er wollte einmal nachgehen: Vfie haben sioh eigent 
lieh meine ^orrahren in ahnlichen Situation n ver- 



? Und hat schon einmal eine Königin ihren liatten 



ahlten' 



ermorden lassen? 



])a a ieb er bä. dem Warnen Mordechai stehen, 
und stellt fest, dass dieser noch nicht einmal eine 
Belohnung erhalten hat. Und nun konmt morgensin aller 
Früher ausgerechnet Haamann zum Köni^; und will die 
Bitte an ihn stellen, den Mordechai hängen ^u lassen. 
Da stellt ihm der König eine Präge-. Was soll der 
König mit demjenigen 1xin, den er .hren will. Haamann, 
aar glaubt, er s ei gem. int, antwortet: Man nehme des 
Königs Gew..nd und des Königes Ross uiid xühre di . sen 
Mann auf diesem Ross durch die Stadt und rufe: So 
geschieht dem M.:nn, den d^r König ehren will. 
Da hat der König gedacht: Du elend. r Kerl, jetzt hast 
DU Dich verraten, Du strebst nach der Krone! 
Au^^enblick war Haamann verl oren. Als nun c.nach 
dieser Handlung Haamann zum Mahle gerufen wird und 
der König wieder an Esther die Präge stellt, was sie 
wolle, da ar;twortet si ■: Rette mich und mein Volk ! 
Wir sollen ausgerottet werden. Und als der König fragt 
von wem de,.n, da zeigt sie Auf Haamann. Da ist nun 
dem König die Möglichkeit gegeben, dass s, ein arimm 



In dem 



- 20 - 

ausbricht. Als Esther zum ersten Mal zum Kö;;ig ging, 
dastand Haamann noch in voller Gunst. Die Sache ist 
wahr s che in_ich nich^ unrichtig konstruiert undich bin 
überzaigt, so war der richtige Zu^ariidenhang. 

Di>-ses Büchlein Liit dieser Geschichte, die 
so einfach vom ivienjchlichen aus zu verstehen ist, sjtht 
in der Bibel. Die weisen xiaben sich darüber gestritten, 
ob man diese Geschichte hineinstellen soll oder nicht, 
aber sie haben sich d..ch dafür entschlossen, weil der 
G'ttesname nicht sichtbar, jedoch verstecl-tt darin stün 
de. Gerade hinter diesen Zuf?ällen, die so plumt aus- 
sehen, steht der \';ille G'tt s, v/erm wir nur nachdenken, 
dann finden wir einen sehr laicht ver st uni liehen psysho- 
log...üchen zugleich aber auch einen hühJeren raetaphysiüctien 

Sinn. 

Das ist Geschichte vom jüdischen Standpunkt aus. 

Es ist G'ttesgeSühichte auf Erden, aber zu verstehen 

vom i'iensclitn aus. 

Die Lehre, diu wir aus dv^r jüdischen Gescaidiue 

ziehen sollen heisst: 

"Du Jude, Du hast alle Kircifte zu gebrauchen, 
um Dich im Leben zu c^rhedten. Du darfs. nicl± die Hani e 
in die Taschen stecken und abzuwarten und zuzusehen, 
Bu musot es so machen, wi.^ die Al-cen, wenn mi ])ein3n 
Teil zum Gescaehc-n hinzuxügen wilst, im uebrigen wird 

G'tt schon walten! 

In der ganzen Ssthergeschichte gibt 

es nur einen wirklichen Zufall und das ist der Augen- 
blick, in dem Haamann, gerade morgens von seiner inneren 
Unrast getrieben vard, zum König zu gehen, um ihn 
zu fragen, ob er seinem bösen v;i lev. folgen kann. 
wer stört denn einen anderen so früh luorgens? ! Hier 
kann man es ja sehen, wie G' ^^t _ ingreift, so dass die 



- 21 -- 

Münsohen sd. on glauben, sie to^t^n ü^ ;:olbst. 

Sü ..ird G-esühichJe gev/irktl 
IJeider liann ioli halte abend hier nicht 
nooh Y/eiteres aufführen. Es entsteht eine unge- 
heure Präge, die ich heute abend aber nur stellen 
und nichL b (^antworten mochte. 

Wie sollen wir die Ureschichxe der Juden 
verstebenausserhalb der Bibel? Für aie Bibel haben 
v/ir jene grossen Geschichtsschreiber gehabt, die 
unser G-e^chohen emprunden uaben unter e v/igen a - 
sichtspunkt;far die Zeit naci. der Bibel r hlt 
bis zum heutigen T^.ge der xv^ensdi , der die gleiche 
Fähigkeit gelmbt hü,ttü, der zusair em'ügen kann 
Erde und Hiuael , aer die jüdische , di- eine Runder 
gösüiich^e ist, ver;jtanden hatte zu schreiben un^er 
demGe Sichtspunkt: G-'tt hat es so gewollt. Aber 



man 



sollte aoch iixiec v/ieder versuchen, einmal 



einzut^reii'en. Das Ganze werden wir nicht losen 
köni.en, dazu fehlt uns das iviaterial , der prüph.t. 
Aber zum Teil v/ird an eii.z^lnen Stellen doch sicht- 
bar, v/as die Alten bezeichnet haben mit dem pinger 



G'ttes. 



Ich hab^ das Geluhl, meine lernen und Herren, 



w 



enn Sie selbs- nachdenken, v;ird ihnen das eine 



oder andere einfallen, e^ gibt eine ganze Menge 
Situationen der V rgangeniieit, in denen man sagen 
könnte: IDas war der Finger G'ttes. Uüd darüber 
möchtü ich heu e in 8 Tagen sprechen und vitlleicht 



auch anschliessc^nd daran über das P:idagogische in 
der Weltgeschichte und vielleicht auch ganz kurz 
über Religion, v/ahrh&it und Wissenschaft. Aber 
im allgemeinen werde ich heute in 8 Tagen noch Ainen 
Ueberblick geben und dann diesen Zy.,lus abscxiliessen. 



r 






14.5.1935_._ 



Meine Samen und Herren 1 

loh hatte heute vor 8 Tagen erklärt, daßs ich 
heute den Sohlusevortrag halten wollte. Hun bin ich ge- 
beten worden, die Themen, die ioh noch angekünd igtfc hatte 
nicht vorher zu beenden. Ich habe mich auch entschloe- 
Ben, ausser an dem heutigen Abend noch ei nmal in 8 T.gen 
und dann den S^hlussvortrag erst in 14 Tagen zu halten. 
Und ich möchte es ihnen überlassen und bitte Sie, zu 
überlegen, ob man nicht vielleicht auch mal einen 
«iskassionsabend veranstaltet und dabei versucht, das 
aeüambbild herauszuschälen, also daas jeder von seinem 
Standpunkt aus die Dinge durchdacht hat und hier in 
l^onzentrierter Form Prägen stellt. Vielleicht besteht 
Interesse und auch die Möglichkeit, dass man hie und da 
einmal während des Frühjahrs und des Soumers zusummen- 
kommen könnte, vielleicht in Abständen von 4 bis 6 Wochen, 
unter Umständen ist auch die seelische Situation wie- 
derum auf irgendeine Art und Weise verschoben, so dass 
d cn das Bedürfnis besteht, sich einmal auszusprechen, 
wenn dies der Fall ist, dann müsste m türlich jeder-mann 
direkt benachrichtigt werden, und zu diesem Zweck möchte 
ioh Sie bitten, doch Ihren Namen und Adresse in die Liste 
einzutragen, so dass ich lie dann in solchen 
evtl. benachrichtigen könnte. 

vor 8 Tagen habe ich begönne, Ihnen eine 
Präge darzulegen, deren Tragweite ich mir durchaus 
bewuset bin, ebenso wie ioh mir darüber klar bin, dass 
von mir keine endgültige Lösung gegeben werdn kann; 
und trotzdem muiss versucht werden, eine Lösung zu 
saolvn. loh glaube, dass die Richtung , in der die 
Lösung dieeer Frage tor sich gehen kann, durchaus sidit- 
bar wird. Ich habe begonnen, das Problem der Geschichte 



- 2 - 



^■■-/. 



/ 



unter dem oesioh^p unk^t des jüuiaoh-religiöson Tirpua 

zu behanaeln, und ich werde zunächst einmal mit 

Episode 
einer tBXSK beginnen, die In der uatur der augen- 



bliokllchen Zelt unseres jüdischen Jahresoyklus liegt 
In aller Kurze habe loh Ihnen den inneren psycholo- 



Man 



in der 



gisohen Qang der pur im - (leschichte dargelegt 
hätte m türlioh audi in irgendeiner Periode ein- 
setzen könnon, aber wie es eben ro manchmal im Leben 
geht, man muss sich nur der Strömung des Tages ein 
fach hingeben. Der merkwürdige soh -inbare Zufall 
trägt uns die Beispiele entgegen, die von eindeutiger 
Klarheit sind. So ist in Bezug auf die Frage der 
Geschichte unter r el lg iös#jüd Ischen Gesichtspunkt 
gerade auch die Purimgesiü lohte ^n uigeütüml icher 
Beweiskraft. Und zwar deshalb well 
Bibel erwarten würde, das ttuch im Buche Esther imer 
wieder die Beziehung zum Göttlichen angeführt würde. 
ÄS ist jedoch nicht der Fall. In der Purimgeschlchte 
kommt nicht einmal der G'ttes vor. ]3aB Auffällige 
an dieser Geschichte ist, dass soh inbar eine Zu- 
fälligkeit neuen dieandere gerückt ist. Wenn 
irgendein solcher zafall ausfallen vürde, so würde 
der Zusammenhang nicht klappen und es käme nicht zum 
glücklichen Ende. Ich habe ihnen dargestellt, wie 
in einem Räderwerk hier alles psychologisch inein- 
ander greift und habe Ihnen gezeigt, wie hier eine 
kluge Frau, schön In ihrer Qelitigkeit und schön durch 
ihre Einfachheit die eben den Geist aus dem Gesitoht 
herausleuchten lasat, wie hier die königin Esther aus 
tiefem Herzen das Volk errettet, auf eine wunder- 
bare kluge Art und Weia«. Hätt^sie im ersten Augen- 
blick, daaie ihr Leben wagte, irgendetwas gegen 
B&amann unternommen, so wäre ihr scheinbar beim König 



- 3 - 



H)' 



f 



nichts gelungen, denn Haanann stand nocxh in yoller 
Qunst. Aber Haamann hatte in seinem Hass weiterwühlen 
inn ^n, was tausenden und abertausenden von Menschen 



das Leben hätte kosten können. Da hat die Königin 
einen plan ausgesonnen und in dem König einen Ver 
dacht geweckt, der vielleicht schon sowieso bei ihm 
vorhanden war. Violleicht hatte Haamann doch dach 
der Krone gestrebt; ä. e hat ihm das Mi strauen 
eingetlösst und hm klargemacht, dass er Mordeohai 
nicht ohne weiteres rallen lassen konnte, da er ihm 
das Leben gerettet und er ihn noch nicht einmal dafür 
belohnt hatte. Wie dannalles aufeinanderfolgt ist 
bt'sonders merkwürdig. ^Jie der K.nig nicht schlafen 
kann, sich die Chronik holen lasst und nachsieht, wie 
seine Voc ganger sich in ähnlichen pälle« verhielten 
und plötzlich beim Umblättern auf die Geschichte Mor- 

4 

dechais stöbst. Wie dann ein s ohe inbarer Zufall den 
Haamann in aller Frühe herfuhrt und di^ ser den König 
in seiner Nachtruhe stört und wie nun Haamann kommt 
und der König ihm die bewuüSte Präge stellt, aus deren 
Beantwortung er klar zu erkennen ^aubt, datis Haamann 
nach der Kr >ne strebt, das ist alles so wundervoll 
eitigefädelt und wie dai.n im entscheid nden Au^-enblick 
die Königin sagt: »♦ Er ist es, der uns das Leben nehmen 
will,»»Äa war Haamann schon verurteilt. Aber von all 
den psychologischen Zusaenmenhängen, die unmittelbar 
einsetzten, steht nicht ein Wort der purimgeschichte. 
In der parim-OeüChichte stehen einfach die Begeben- 

* 

heiten. Es wird angeführt, dass der König sich die 
Esther ausgesucht hat von allen Mädchen des Landes. 
D^ss Esther zum König gegan^ien ist usw., aber von 
den inneren Beziehungen ist nichts mitgeteilt. Der 
jüdische aeschioH sschreiber begnügt sich mit der 



- 4 - 



m 






Wiedergabe der äusseron Bröigniase. Hier beginnt die 
Oeßdi ictJtBsdi reibung der Bibel in das Licht zu rtidt n. 
denn der Oesohi(Äx*S8chroiber wondet weinen Blick dahin 
wo auch ich den Blick hinrichten mödite. 

Die biblische Geschieht »sehr Gibung ist voll- 
kommen subjektiT undzuglfeücH An höohfltem arad« , wie 
es Menschen sonst überhaupt gar nicht möglich ist, 
objektiv. Subjektiv aus dem öinrachen Gründe, weil 
der Geschichtsschreiber es durchaus wagt, ITast 
vor jedes Ereignis den AusdruOt zu setzen: G'tt sprach, 
G'tt hat es so gefügt usw. Das ist doch wirklich rein 
subjektiv, und weil ich es ^aube, setz© ich vor das 
Ereignis; O't. hat es so gewollt. Trotzdem ist diese 

subjektive Art auch zugleich die einzige Möglichkeit 

die w r auf Erden haben/ v. 4. «< « 

/ Geschtohte zu schreiben. Daü mochte ich zunächst eln- 

nal an einer KloinigKe.t zu erörtern Versuchs n. Wie 
ist denn die Geschichtsschreibung sonst bei der 
Geschichte der Völker gestaltet. Ks gibt da bei jedem 
Geschichtsschreiber b-stimmt© Voraussetzungen. Eine 
Gescaiohtssohreibui.g ohne zugrundeliegende Vor gärige, 
auf die man sich beziv^^ht, gibt es überhaupt niclt . 

Der eine z.B. d^t von der Voraussetzung aus, sein 
Volk sei das all er bedeutendste. Und daher wird d^des 
Ereignis die GlMrie des eigenen Volkes etfaöhen. Ein 
anderer gtHt von d em Gedanken aus und es ist Ihnen durch- 
aus bekannt, dass alle ku turellen Vorgänge auf der Er- 
de Begleiterscheinungaa materieller Vorgtoige wären. 
Das ist der sogeannt^e historische Materialismus. 
Alles ist Kampf z-iischen arm und reich, Arbeitsnehner 
and Arbeitgeber. Er ist eine merL-würdige Auf fassur« , 
das Materielle zur Grundla^^e des Kosmos zu machei , s> 
dass alles Geistige nur einj Art chemische Begleit- 



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ersoheinung der iv^aterie. Wie wird ein derartiger Schxi ft- 
ßtöller z.B. die öeBchi. hte sohreibenY Br wird ver- 
suchen, in jeder Handlung irgendwie seine Theorie zu 
bewahrheiten. V/erm er z.B. nioht nur die Kampfe der Armen 
gegen Reiche behandelt, so wird er diesen Zusamm nhaig 
finden. Und er wird ihn finden müssen , wenn er von 
seiner Idee aus den Humanismus darstellt, wenn er die 
herrlichen wetrke eine Rembrand behandelt, den Bau d«r 
gotischen Kirchen, dann muss er immer Bestätigungen 
seiner Voraussetzungen finden, daan sonst wäre seine 
Theorie ja rilsch. Qenau so ist es bei der dynastischen 
öeschichtsschreibung. Wenn wirklich ein Herrscher wirk- 
lich Z;,B. nicht der beste war, oaer Fehler gemacht hat 
30 wird der dynastische Qesohichtaschreiber dies ver- 
schweigen, denn es wurde ja sonst nicht zur ho:.en Glorie 
des Kaisers oder Königs gereichen. Br würde also ver- 
schweigen, was nioht hiaainpasst und das Gegenteil be- 
richten. Dieses ist z,B. bei den Berichten der assyrischen 
Grosskönige der Fall. Ich habe Ihnen s ohon einmal ge- 
■•igt, wie auf der ä murabi-Säule de« Sonnengott dem König 
eine Rolle überreicht. Die Sonne heisst auf assyrisch 
M oiamoL und rabi heisst in diesem Sinne sowvÄl wie Herr 
der sonne. Der Kaiser, der K.nig und der Grosskönig der 
Assyrer war ein ^'tt. Br konnte nur siegen und wenn 
er eine Niederlage erlitt, so war es keine böswillige 
, auf den Obelisken, diese T^i*erl age einfach nictt 
einzutragen. Das Alleraühnste bei den Berichten be- 
steht darin, dass sie ein anderes Licht auf das Brei»- 
niag eworfen haben. Als kleines Beispiel hierfür folgen- 
des: Der König Sanherib marschiert mit seinen Truppen 
durch Assyrien nach Aegypten. Alle Staaten hat er unter- 
worfen, nur in Palästina ist das iJ.eine Juda übrigge- 



blieben. 



20 km. westlich von 



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j,ra.ale« lagert <l«t as.yrlBOhe oros.kSnlg . Kr sohioW 
seinen Feldherrn Rabsaki nach Juda und laset eine gros- 
se »,ra»abarlsierende Rede halt* : unterwerft ».oh dooh. 
Attf wen vertraut Ihr denn, etwa au* B.ren O'tt? 
voller Schmähungen Ist diese Rede. Rabsaki versucht, 
die Juden el nzusohUohtern. Sie hören die Rede In 
der Sprache, die sie verstanden, in aramäisch, Ber 
damalige KBnig Htskla wurde von Jesala unterstützt, 
der sein Ratgeber war, und als d eser mithörte, daß 
der assyrische aroBWnlg d*e religiöse wundläge des 
judischen Volkes angriff. daB er 8»tt schmähte, sagte 
„: Morge. ist er besiegt, onter kd mn Umständen 
darf die Stadt übergeben werd« . Sohnelle« als er 
gekommen ist. muß er wieder abziehen. Rabsaki muss 
ausder Stadt und verkündet dem arosskönlg. was ihm 
gesagt wurde und siehe; Am andern Tage Ist das He.r 
verschwunden, dem assyrischen orcs^unig war zu Ohren 
geko».en. das. ein .eglyptlsches Ersatzh.er heranzog, 
in einer «aoh^.s o berichtet dl. Bibel. Ist ein H.W 
vernichtet worden. So kam der Engel (J-ttes und schlug 
das He« mit Post. Denn eine solche hat das He« ver- 
nichtet, »ir wissen heute, das. die Pest durch Mäuse 
verbreitet wird und man fand. das. das Lederzeug des 
Heeres von Mausen zernagt war. W« Re^t« *~ H"«« 
eilen fluchtartig nach »inivee zurück. Der König 
selbst ist mit knapper Hot entkommen. Weser Feldzug 
ist von einem typischen oeschlchts.ohrWber gefälscht 
,.rd.n. denn auf einem Obelisken hat man .1. In.chrlft 
gefund.n: »oh. der asyrlsoh. Orosskbnlg Sanherib habe 
»eslegt: Die Syrer. *ru.. die Ammoniter. Israel und 
den König Hiskia von Juda habe Ich elngeseaossen .1. 

- 4»< Oft kann moo. die Qesöi ichte 
•inen Vogel in seinen Käfig, fio kann man ox 

auoh leaen. Man muss sich dann fragen, warum er 



- 7 - 

den Vogelkäfig denn nicht aufgemaoht hat. Aber der 
assyrische Ocosskünig hat eben nur gesiegt. Kr kann 
nicht einfach eine Stadt vergebens gestürmt haben! 
Wir sehen hieraus, wie dynastische oesoiiichtsschreibapg 

die einfachsten Tatsachen verbiegt. Dass er fliehen 
wsste, dass er überhaatp nicht zum Kampf gekommen 
ist, das verschweigt er vollkommen. Kein wort von 
den wahren Begebenheiten steht in den Berichten und 
wir sehen hier die ttge, die geboren wird aus der 
grossen Voraussetzung, um zu verherrlichen. 

Welche Qesohiohtssclireibung man auch nehmen 
mag, sie uit erliegt immer der Oefahr, dass dirch den 
Willen der Verherrlichung seiner Idee die Wahrheit 
leidet. Die biblische Oesv^hichtssohreibung hat die 
Voraussetzung: G'tt hat eben alles so gestaltet. 
Diese Art von Voraussetzung hat e ne ganz merkwürdige 
Folge. Un.. ist zugleich die subjektivste öeschichts- 
schreibung, die man Ä ch denken kann, weil doch nur 
berichtet wird was im willen &»ttes geschah. Nun ent- 
steht aber eine ungeheure Präge: Wie ^ rieht dein Q-tt 
zu dem Mensolien und da macht die Bibel die Voraus- 
seztung, sowie es auf Erden gexidddrilk geschieht, so 

Spricht Q'tt! 

Meine Damen und Herren! Verstehen Sie die 
umkehrung der Dinge. Alles, was überhaupt gesdiieht, 
ist Ausspruch G'ttes und wer G'tt verstehen will in 
seine m Willen hat nichts anderes zu tun als sorgfältig 
alle sinne zu scharfen, Augen und ühren aufzumachen, 
zu sehen und zu hören. Br muss die Schrift O'ttes 
erst sehen und hören und dieSchrift G'ttes besteht 
in den Vorgängen, wie sie nun einmal sind. Würde er sie 
anders sehen, könnte er die Schrift G'ttes nicht ver- 
stehen. Die Voraussetzung alles geschieht durch G'tt, 

zwingt den Menschen 



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- 8 - 



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anter allen umstanden dhm 



Dinge 






so zu Bohildern, wie 



sie göwöson sind. In der Bibel finden wir dort eine 
dynaatisohe QesohiohtBSohreibung? Die Möglichkeit wäre 
vorhanden. Denken wir an den xvönig ßivid, der grosse 
Heros. Von ihm wird der -^essias abstammen, der grosse 
Psalmensänger ist er, der von den Schafen we^, die 
Rettung tfon den Philistern vorllbrachte, der alle Kämpfe 
bestand und ein echter Held, ein prächtiger Mensch ist. 
Hier läge doch wirklich aus dynastischem Prinzip der 
arund vor, diesen König als Heros, uU einen herrlichen 
König in allen Beziehungen darzust 1 len und hier wird 
uns nicht »twa von kleinen Fehlern berichtet, die er 
begangen habe, sondern uns wird gesagt, dass er einen 
gftnz gemeinen Meuchelmord in der abscheulichsten Art 
und weise begangen hat. Er Hess Uria an die Proit 
locken und durch die Feinde ermorden. Dies s wird 
uns berichtet. Bin dynastischer Geschichtsschreiber 
hätte es bestimmt verschwiegen. Hier wären alle Voraus- 
setaungen gegeben, die Dynastie zu verherrlichen. Aber 
es wird uns sein Fehler berichtet, weil sonst der oe- 
sohichtsscureiber die öesahichte ö'ttes fälschen würde, 
ifen könnte a^nst die ^^usacuanhänge zu dem späteren Leben 
des Königs davia nicht finden und iiönnte nicht vorstehen, 
was geschehen ist.^ Wir haben hier ein er sc Gitterndes 
Beispiel, üne aufsteigende Linie ist da, vom schönen 
Jüngling bis zum Helden, zum Kämpfer, zum König und 
dann kommt der Zaaammenbruch, ein Unglück nach dem an 
dorn ausgehend von dem Verbrechen. Zunächst stirbt der 
Solin der Prau, die er durdi Mord erworben hat. Er ver 
sucht alles MögLiohe, um das Schicksal umzustimmen. 




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- 9 - 

aber es geht n oht. Hunger geht üb^r das Land^ die 
pest verwüstet alles. Man sieht, wie das Schicksal 
den Metiöchen angreift, wiö es um den König wetter- 
leuchtet. Sein Sohn Absalom empört sich gegen ihn. 
und er muss fliehen wie ein bettler in der Nacht., 
beschimpft von den Gemeinsten seines Volkes und 
er kann sich nicht einmal wehren^ Als dieser Auf - 
stand niedergeworfen ist, sein Suiin Absalom ge# tötet 
wird, da ist dieser Tod seines S ohnes ein Dolchstoss 
in seinem Herzeue David war alt geworden, ein 
armer gebrochener alter Mann und am snde seines 
Lebens empört sich wieder ein Sohn gegen ihn und zwar 
Adona. Er kommt überhaupt nicht mehr ^ur Ruhe. Er 
stirbt und kann zum Schluss nur noch seinen Sohn 
Salomon zu sidi rufen laßr.en, um ihm zu j^jagen, was 



er tun soll» 



Hier finden wir keine dynastische Ge- 



schichtsschreibung, sondern das ist Photographie der 
Vorgänge I Hier sind wir im innerster. Herzen der 
jüdischen Voraussetzungen und dieses ist nur die Vor- 
aussetzung: unter dem Oasiohtswinkel Q-ittea. Das, 
Was gesoliieht, so spricht &'tt und Du hast zu hören, . 
was geschieht. Einen anderen ^'eg wird es nicht geben. 



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Meinen Damen und Herren ! Was ich Ihnen eben dar- 
gfestd.lt habe, ist wirklich eine umkehrung derjanigen 
Prinzipien, die man son^^t in de. Gesötiichtssohreibung 
anwendet. Und t»«ttdem ist es so eindeutig, wie nur 
Irgend etwas klar sein kann, dass die Bibel nac4i diesem 
Prinzip Geschichte geschrieben hat. Nun gehe ich 
über zu dem Prinzip, das ich anwenden macht ^^ auf die 



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ganze g Dsdiichte bis zur Gegenwart. Wie ist lie Entwiok- 
lang des Volkes vor sich gegangen unter dem Qesiohtß- . 
Winkel O'tte»? tennc^n ver^uolvt, das jüdische Oesohick 
m einT Art und weise zu besohroibenl wie die absohichten 
anderer Tölkör, so muss man sinsohrankungen ,^: achen, 
denn wir finden keinen anderen oe gi cht spunkt'. unter dem 
das jüdische Schicksal mit irgendeinem anderen Schicksal 



ondern 



der Erde zu vergleichen wäre. Wo gibt es noch einmal 
eine Gemeinschaft, die keinen eigenen Boden hatte 2000 
jähre lang und trotzdem erhalten blieb, obgleich viele 
aus dieser Gemeinschaft flohen, unzählige vertrieben wur- 
den, die ganze Erde durchzogen, so dass aie i^iensch-n 
schliesslich selbst ihr Schicksal kaum begreifen konnten 
und das Bild des ewigen Juden als Symbul entstand. Wo 
finaet man et^ras Derartiges noch einmal? Wer Gefühl da- 
für hat, Bpütert das wunder oder w.e viele sagen: den 
P^uohl Wir empfinden Judesein nicht als Fluch, 
als eine ungeheure Aufgabe, als ein wunderbares, d «u .«ir 
dienen laüssen. Wir können nicht anders, aber ich bin 
überzeugt, am Ende der Tage wird sich herausstellen, 
dass wir einem wunderbaren treu gewesen sind 
derartige Geschichte ist nicht mit den Mitteln ge - 
schrieben, die man sonst bei der Völker und Kriegs- 
geBchiclite verwendet und wenn man versucht, Su zu schrei- 
ben wie die Bibel es getan hat und wenn man versucht, 
sie mit den Begriffen, wie wir sie heute verstehen, 
wi<^er gegenwartig zu machen, so iut das unsere persön- 
liche Aufgabe. Denn das. war früher gv^schehen ist, 
was früher geschildert worden ißt, das müssen wir 
/ wiederum lebendig machen für uns. Dann katm man aus 



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der »rstollung der Bibel ein Eigentümliche» herausfinden, 
und ich will Ihnen dieses Eigentümliche mit vollkommen 
•infachen Begrifien darstellen. Denken wir an den 
Begründer ds Judentums: Ahrah«m. Bas ist gleichsam 
der Herzschlag der jüdischen oeschichte. Oft durchdacht 
und was ich Ihnen jetzt darlege, ist wirklich meine voll- 
kommene ueterzc^^gung. Bi^^ser Abraham wandert aus aus 
Babylon, das damals Beherrscherin des gesamten vorderen 
Orients v;ar. Wir fanden dort noch herrlich.. Bauwerke, 
die ausgegraben wurden. Man staunt über diusu gefundenen 
Kunstworke.. über die Kurst, die damals geherrscht haben 



imxs8e 



in dieser grossen Kultur lobte ein Mann 



Dieser 



,0g auB uni nahm iie Ansoiiauung dieser grossen Kultur mit. 
Br sucht nur etras neues, aber er lebt in dieser Anschau- 
ung. Dasl st z.B. an dem Beispiel dargestellt, dass 
jakob 2 sohwestern heiraten konnte. Di ««es war nur mög- 
U* auf arund des babylonischen Rechtes. Abraham stand 
auf dieser hohen Kulturstuf.. Br «olite aber darub«c 
hinaus, in der Vergangenheit, die u» die Herrschaft 
de. vorderen Orients ki-pi'te. war die Kultur a.gyptlsoh 



jene herrlichen Kunstwerke 



unter Bnohathon zeugen davon. 



Man könnte annehmen, dass sie im späteren ariechenland 
geschafxen wurden, sie mren also 900 Jahre der Weltge-^ 

sohl cht« in ihrer Kultur vorau«. 

Abraham zieht infolge einer Han.^ersnot nach 
Aegypten. Br hat dowt zugleich die aegyptische Kunst 
kennengelernt, die damals die Welt beherrschte. 
Sohn isaak übernahm die beiden Kulturen. Jakob il4eht 
nach Mesopotamien, kommt aann nach Palästina zurück und 
hat die Anschauung der grossen Kulturen in sich. Im Alter 



sein 



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~ 12 - 



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muss er naoh Aegyptön. Und er lernt dort wieder die 
grosse Kultur kennen. V/ir sehen ganz deutlich, wie 
im Schicksal der 3 Stafanväter uns eine wage gezeigt 
wird. Das Neue idrd geboren aus dem Seh^n heraus. 
ES wird alles benutzt, was die Vergangenheitörosses 
geschafft hat, aber das Neue ist die Krönung des Ganzen. 
Ss wird das Alte mit der. Neuen zu einem -harmonischen Ganzen 

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vereinigt. So beginnt das jüdische Schicksal mit den 
3 Staromvlitern und so wird es fortgeführt bis auf den 
heutigen Tag. Was tih ■'■hnen darl^e sind Dinge, die 
niemand widerlegen kann. So war »s nomlich in wirklich- 
kelt. Man kann es nur ard ers schauen. Das Bild von 
der Wage ist unmittelbar für die älteste Zeit richtig 
und audl der jetzigen a<^neratioLi einleuchtend. Ebenso 
wie isaak eine pause darstellte zwischen der ungeheuren 
Ansohauungsauf nähme, die einem Abraham und Jakob zuteil- 
wurde, Sü kann man eine Pause iür das ganze Volk, eine 
selbstschöpferische, beruhigende Pause feststellen, als 

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nämlich Moses sein Volk nach Pdlüstina geführt hatte. 
700 Jahre lang waren sie für sich allein und auf einem 
eigenen Boden. Auf einmal kflm das Leid von Babylon wie 
der und führt dieses Volk in die Gefangenschaft. 
6o6 vor ohrstl. Zeitrechnung bis 558 unter Nebukadnezar 
und seinem Nachfolger ßelsazar. Nun leben die Könige 
nur in persischer Kultur, jahrhundertelang . Das hat 
einen grossen Binfluss auf das Judentum ausgeübt. Man 
raässte «nendlioh viel au scheiden, wenn die Berührungen 

zwischen jüdischer und persischer Kultur ausgeschlossen 
werden sollten, Bs ist ganz eindeutig, dass hier die 
arm 



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armenische Kultur dem Judentum nahe^bracht wurde« Die 
Juden haben unter der Herrschaft gelernt» Spä.ter kamen 
die römische und griechische Kultur. Hier ist eine ähn- 



liche ümsohlingung dasxk jüdischen Geistes durch die 
griechische Kultur* während das ein Kampf war auf 
Leben und Tod, hatten die Juden in Persien doch ein ruhi- 
geres Leben* Hier haben wir neben der römischen Kultur 
die persiiohe. Wir seh n, wie der Wagebalken schvebt* 
Und nun meine Damen und Herren! Denken Sie an das 
Mittelalter! loOO Jahr© sind in Deinon Augen wie ©in Tag. 
y/as bedettön denn 1000 Jahre des Mittelalters? Sie be- 
deuten gar nichts! Aus den Stürmen der Völkerwanderuiig 

ringt sich das christliche Mittelalter hindurch, das 
auf dem örunde des Rötnerreiches und jüd soh-geistiger 
Kultur versucht, d^n Geist Buripides auf eine höhere 
Ebene der Sittliolikeit, Moral und aaLigion zu heben. 
Und wir wissen, wie unendlidri schwer es gew- sen ist. 



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wieviel Verirrungen an den Rand des Verderbens geführt 
haben. Dann kommt die Kultur der Neuzeit. Und hier be- 
ginnt die Kultur der wissansohaft, die aufbaut auf den 
Anfang der Wissenschaft in der griechischen Kultur und 
ausbaut zu eine«»ganz ungeheuren. Die^e Kultur wird 
aber in einem doppelten an das Judentum herangebracht. 
Zunächst einmal haben sich Juden selbst an der Ueber- 
lieferung beteiligt, Sie haben die Schriften der gcie- 
ohisoUen Dt;nker ins Hebruische und Aramäische übertragen. 
und brachten sie so nach Europa. So lebten die Juden 
diese Kultur im arabischen und maurischen Gewände und 
man spricht vom goldentn Zeitalter der Juden in 



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- 14 - 
Spanien. Aur der anderen S^ite wird es der wissen- 
sohaft entgegangef ührt , die sich lost löst aus dem arabi- 
sehen Oewande. Die J den lernen die neue Wisüensohaft 
kennen, geben sich ihr hin» lernen sie in 2 Seiten kennen, 
im oevande des Orient «im arabisch-maurischen Gewände 
und zugleich im aböndländischen Geist und der Wissen- 
schaft, die im 19. Jahrhundert besonders stark geworden 
ist. Wiederur- jind die Wagebalken d eutl ich erkennbar 
und zwar schwanken sie rechts und links vom Judentum 
in ungeheure . Ausschlägen. Die arabisoh-spanisdie Kul- 
tur bat nicht zu tittern aufgfcihört. 1492 fand die Ver- 
treiLunti der Juden aus Spanien s^att. Wie luerkwür ig ' 
musB es uns 193^ anmuten, dass d^e spanische Regierung 
offiziell teilnimmt an der Feier für den jüdischen Denker 
l(la:monides. Bedenken Sie, dass von einigen Jahren zahllose 
spanische Christen zun Judentum zurückkehrten, weil vor 
500 Jahren ihre Voriahren einmal Juden gewesen sind. Ein- 
geje itot wurden diese Bestrebungen durch einen Offiziw 
der spanischen Mauren in Oporto, der ein ausserordentlicher 
Mittelsmann w%r. Es ist äussertt syppathisoh in welcher 
Einfaohh.it und Gradhi it er seinen L-ndsleuten sagt: 
Kommt zurück! 500 Jhhre sind vergärten und trotzdem 
haben wir die alte Kulturverbundenheit mit dem Judentum. 
Man sieht doch, wie der Wagebali en zittert. Diese alte 
Kul-ur hat das judentumrnicht losgelassen. Bedenken Sie 
doch, wie aua der anderen Seite das Judentum verlJiüpft ist 
mit der WtesenoChaft der Gegenwart. Es ist einfach, mit 
der vergar.genen Zeit zu schalten und den Judentum Ab- 
trünnigkeit vorzuv/erfen. Man darf aber nicht vergessen 



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das;., auoh ein© Hingabe an diu Idee der tissensch^ilt 
Btattgöfunden hat. Man mus s nur mal die Namen im 

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Oeißte vorüberziehen lassen aer groseen judieohen Ge- 
lehrten, die aui' allen Gebieten üur Geburt der europä- 
ischen v;iößenschai't beigetrat^eL haben. Denken Si© z.B 
nur einmal an die Tecimik: 

Ohne Hertz kein Radio. 

Moritz jakob aux' dem Gebiete der Galvanoplastik. 
Schwarz, xev daß erste iiahrbare Luitsdiirf erl'and. 
Khrenötoin, der Chefkonstrukteur der Zeppelmv.erke. 
Berliner, E rfinder des OraKophons. 

Aul" dem Gebiet der i^edezin: H^noch = Kinderheil- 
künde, lleiüser, Ehrlich, üeröon,PRankel , Vaesermanri, 
Trr^ube, Meyerhoff, Freud und Adler. 

Dann: Liebermann, Karo, Frank, Einstein, Gratz, 

Wildstatter, Goldstein uöw. 

Eine ^nze i^-enge solcher Gelehrten muas man sich 
einmal im Gaist vorüber zi^-hen lassen, um zu seh^-n, wie 
sich der jüdische Gt^ist mit al-.en Gebieten der V/issen- 
schait des Abendlandes vermählt hat. Wir finden hier 
eine abi:olu^e Hinj^abe. Bedenken Sie wie die Liebe 
ausgegiingen ist. Aehnlich einer Shoschaddung. Es hat 
etwas Meria?ürdigeß stattgelUnden; l^^un gestatten Sie 
mit, m ine Daman und Herren, da^js Ich das Bild auf die 
Theologie i. inüberführe. Bs ölet mich an, wie ein Ge- 
bot des Auszuges für die Gelehrten. Und siehe da, 
sie fanden zurück in das Land, in den die Ruhepause 
für den Jüdischen Geist vorhanden war, T.'ir sehen, 
wie der Xac«iettidKXK W^^gebalken nadi den dauernden Sohwan- 
laingen durch die Jahrtausende, iio Juden zurücksdilea- 



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- 16 - 

dert. ölautoon Sie nich^, da;.s das v/as mit judischer 
Politik zu tun hat. ich bin absolut unpolitisch und 
habe das 5er:.hl, dass hier die Oedank.n nicht Idar zum 
Ausdruck kommen können. Wir sagen, wenn^ir die Thcr a 
ausheben: Von Zion geht die Lehre aus, und das Wort 
(j.ttes von Jerusalem. Und dahin kehrt es auch .unick. 
BS ist doch wirklich etwas iSigenartiges und das muss ^h 
feststellen; Hier beginnt etwas Sondorbares deutlich 
i„ Toraer,-- vt S»sti.tt <i^r »uexng. Das ist etwas an- 
4er«s ^13 P-..gaug. Er.»aXig hat der a,:t*ohe, nicht der 
judo die Fügung erfunden. Ein griechischer »ramtiker, 
der da. Drauia zurueWührt in den wog, den die Götter 
Vorschriften, liier .teht der H.ld. Vor ihm ein Läi-e. 
hinter ihm eine Hiesensohlange, zur Seite ein Abgrund. 
Als er in eln.r Situation war, aus der er sich gar nicht 
„,,hr hell-.m Ron.to , aa Uoo ihn d- tt empor und errettete 
ihn. Ic:-> stelle es de.Ualb so ausfürhli.h dar, um den 
Ood*nken dst Tugunt, deutlich zu maiÄon. 
ist m der weit nicht die Fugung, sondern die Fügung. 
Die Dingo .ao.sen ineinander wie im Bstherbuch. So «ie 
<1„ Uhrmchar Uie Hatohen ineinandergreiren läset, so 
geht es in dar V.elt .u. Die aeschichte ist gefugt, sie 
ist nicht druch einen O-tt zufälligerweise gefugt worden 



In (;iili.liohlieit 






- 17 - 



Ss iat eigentümlich und das kann man nicht bestreiten, 
dass das Land Palästina heute wirklich wieder einü gros- 
se Reihe bedeutender Gelehrten aufnehmen kann. Meine 
Damen und Herren ! Jene Periode der Verschmelzung mit 
dem europäischen Q^eist scheint ihr Etride zu nehmen und 
der jüdische öeist kehrt wieder zurück in die Oerilde 
des Orients, so scheint es. Nachdem im Mittelalter 
die Verschmelzung der spanischen P^ultur ihr Ende ge- 
funden hat, so scheint eben die Verbindung mit dem 
europäischen öeist ihr Bnde zu nehmen. Ich kann mich 
täuschen, aber über eines täusch ich mich nictt , 
dass bis zum heutigen Tage der Herzschlag jener jüdi- 
schen (beschichte deutlicdi wahrnehmbar ist, und dass 
wir Juden immer die Berührung mit der herrschenden 
Weltkultur hatten und haben mussten. Wir haben die 
mesopotamische, und ^egyptiöche Kultur, die römiach- 
g riechische und spanisch-arabische Kultur jetzt die 
europäisch-wiss.>nschartliohe Kaltur. Wir sehen, wie 
die zwei Seiten hin und herschwanken auf dem Boden des 
jüdischen Wagebalkens und jetzt scheint etwas Neues zu 
beginnen, wenn man die Dinge fests -eilen will, wie 
sie gewesen sind, so kommt man an der Erkenntnis des 
Eigentümlichen nicht vorüber. Es taucht die Frage 
auf, was soll aus allem werden? K< iner weiss es. 



aber 



■ÜBiten 



der jüdischen oescbichESchreibung ^eu bleiben. Wir 
müssten sagen: In dem, was geschieht, spricht (J'tt zu 
ans. So kann kein Pädagoge die Menschengemeinschaften 
erziehen und bewegen, wie der Pädagoge der Geschichte 
oder sagen wir: Wie d'ttl. 






-18 - 



loh persönliüii für mioh habe durohaus den Mat, hinter 
diese Dinge zu setzen.: So spricht a'tt. Und die 
Propheten sohliasstn mit den Worten: So ist der Spruch 
G'ttes. Nicht durch ftewalt, nicht durch Macht, 



son- 



dern durch meinen G^äat, so spricht Äie U eher lieferung 
hat Israel gesiegt, üs gibt nur ein Beispiel der 
Oesühichtssc^ireibung der Erde, und aas ist u nsere 
Bibel. Es ist etwas ünt*rhörtes, so etwas Gewaltiges 
daüs sogar die jüdischen Geschichtsschreiber sich da- 
vor fürchten. Ivian siebt wie imirier wieder Qesdaiohts - 
Schreiber entstehen, diesich nicht genug tun können, 
die Gesuhichte zu verklären. T3a müssen ökonomische 
zustände zu Verherrlichungen herhalten etc. Ich will 
keine Beispiele anfahren, aber icu glaube, heute 
ist der wahre jüuiache GescU.chtaschreiber noch nicht 



entstanden. "^V 

Meine Barnen und Herren ! Das, was ich Ihnen gesagt 
habe, ist nicht beweisbar, wie eine mathematische 
Voraussetzung, aber man kann es erfühlen und es ist so, 
dass wenn man »twas neues erkennt und e rkcnnen will, 
wird man es nur vollständig erkennen, wenn man wagt, 
sich voll auf diesen Boden zu stellen, sonst ist 
das Neue zu schwer, zu uLdMchführbar . Sobald man sich 
aber einmal durchgerungen hat zu d em Mut, die Dinge 
von diesem Standpunkt aus zu betrachten, dann stellt 
es sich heraus, dass nur diese Auffassung der Ge- 
schichte uns aufreohx erhalten ka n. Was vorher ein« 
Last war, wird auf einem wial zu einem tragenden Boten. 
Die Geschichte sagt uns ist ein TTort G'ttes, mit dem 
G'tt spricht nicht zu uns. sondern zur Welt. Man spüfert 
deutlich, dass man hier handeln kann und man fühlt sidi 
nicht mehr verlassen. Wir spüren: Uns.r Raum ist frei. 
Wir können gehen, wohin wir wollen, aber so wie der 



warzellos und die Wurzeln des Judentums müssen 



hinuntersenken in den Urgrund des 



oten. 



wir miüsen den Sohwung unseres Wagebialkens er- 
halten und wir werden hinausge schleudert und 
zerschmettert, wenn **T nicht jenen Halt rtn- 
don, der den Schwung irdischer Gewalten aufhält. 
Von daher kann eine ^nz neue Kraft kommen: So 
wie es geschieht, hat &«tt es gewollt. Was ge- 
schehen wird, geschieht durch ö'tt. Aher was ich 
Ihnen dargelegt habe, ist biblische Oesdaichts- 
Schreibung. Eine ähnliche Geschichtsauffassung 
finden wir im is»lam, aber hier werden Sie den 
unterschied merken, wie der jüdisch-religiöse Typus 
sich vom arabischen unterscheidet. Dort finden 
Sie den ßegrifi* des kismeth und Schicksals. Darum 
konnte der Araber in wenigen Jhhr zehnten Afrika, 
den vur deren Oriont und Turkistan zerstören, weil 
G«tt es bestimmt hat, beseelte sie ein ungeheurer 
Elan. Der Judekennt diese Voraussetzung jedoch 
nicht. ES gibt hier so etwas nicht, das später 
bei den Arabern eingetreten ist: Die Hände in 
den Sohoss legen, denn es muse doch komn-en, wie 
0»tt es bestimmthat. Bina furchtbare Untatigk it 
resultiert aus dem Begriff des Kismeth. Das 
Judentum aber sagt: Alles hat ö'tt bestimmt. Deine 
Kräfte musst Du schulen. Du musst kämpren. Es ge- 
hört mit in den Plan: Du bist mitgestaltend. Da 
musst mitwirken, mittun. Und di' ser Gedanke wird 
▼on Franz Hosenzweig, dem grossen Juden, von dem 
loh Ihnen bereits erzählte, in einen wunderbaren 
Satz gebracht: Die Welt wirlt|»Wir Mensohenwirken mit. 
Das ist etwas vollkommen anderes alt, das, was wir 
im Is&lam finden* 



• 20 - 
Dlo Telt «Ird von in «in haraua g€»0taltot da roh das 
Ringen d«8 if.etß ohen cit der. oattliohn. Es ist ein 
anderer Ausdruoit xlir den BegriiTf Jlsro«!. Vir wüBBtk 
ans id oder auf uns besinnen. Vir mü seitot uns vi«d. r 
in Jeder Riahtung prUiTen. Ss ist nioht gestattet, ai 
nooh so klein« P liier zu bosoiionigon. Wir können 
nioht daran vorbei« Diese Pädagogik kümmt von a»tt. 
So sprioht 0»tt mit unsi Ihr s^Ait kiimpren. 5s beginnt 
ein nauöS Stadium, uin« n«ue AuTgübo, die man ni^Ut . 
voraussagen kann, an der m un n ar tuitwirLfcn kann. ' 
Es wird etw s ^janz arotjues um cjit vielen scbiserzen 
TTird es geboren. Aber in unsere:. H9r:^en ruht der Glaube, 

dass das Judentum von Neueci zuru.:kgc^rundöri hat^ niüht 

*'''.■', • ^ 

Abtrünnigkeit darf man den ve gar.gvnön oeadilechtern 

vorwüri^en. Bi war ein Sichvers ehrenden der gel s -.igen 

Krairt, ein sichausstreuen , v n den Nietssohe ge- 

f '...'-■ 

sagt hat, man Eüsste sie sorgfältiger registtieren. 
SS ist ein gä*altig*»r Beitrag zur europäischen Qe- 
sohichte. Es ^ar oine Verschvendung und nach diöser 
Vors vjhitandagnsau cht <osi.t nun die Ruo: ehr zu sicüi 
selbst, zu den eigenen Quellen. Mac naass wieder trin- 
ken aui3 den Quellen des i^bens. Und diesen B(i griff 
des Quell dts Lebens liat ein jüdischer D^Bker vor 700 
Jahrün geprägt: Salotso ihn gabirol und er hat ein Buch 
gosoUriobcn, das in allen ■t.-loBtersohulon geluhrt wurde 
und man l.at nioht gewuBSt, dass os von d#si Jüdludi - 
3panisoh«?n Dicxaer stammte. Mud hialt ihn für uinen 
Araber. 8r ist iia Alter von 5o Jlihron vor den Mauera 
erschlagen und vursoharrt worden. Kn den. frühen üiuhon 
des Itondolbaums, anter der. er lag, hat der damalige 

Uerrscher d^n Mord entdec/.t. Salomo ihn Qabirol «ar 
früh verwaist. Einsam wandelt er auf den iitrasson 
Sari^goßsas und fand keine Ruhe. Der gross« Dichter 



^' 



• 21 - 



und Mensoh hatte das höchste '^orte das Judentums 
geprägt: Quell des Lebens« und hau ausserdem 
•ine grosse volatar istische Philosophie geeohrieben, 
Wir dürfen die Verbindung mit diesen Quellen des 
Lebens nicht verlieren. Wir haben nur einen Bo- 
den, der UI8 nicht genommen werden kann. 
BS gab die Verschmelzung mit cier griechischen 
Kultur, die ich aber weiter gar nicht schildern 
will* Dann mit der spanischen, der arabischen Kul- 
tur und später der deutschen Kultur. Nach 700 
Jahren bei den Kreuzzügen sind unsere übriggeblie- 
benen Glaubensgenossen nach Polen ausgewandert 
und haben dort in unendlicher Treue das deutsche 
Kulturgut des Mittelalters bewahrt. Sie sprechen 
die Sprache eines Walther von d« VogoL weide. Sie 
tragen den Mantel des Mittelalters, den man heute 
als K^ftan verspottet. Es st doch eigenartig, 
da SS nochheute in Palästina Kämpfe wegen der deut- 
schen mittelaluer liehen S räche herrschen. Die 
Jiddischisten wollen nicht, das man in Palcxstina 
in den Schulen hebritisch lahrt. Und wo heute in 
Palästina vi el-i eicht eine neue Kultur wird, ist 
der Boden dazu zum grössten Teil gelegt worden von 
den ostjüdischen Glaubensbrüdern • Jetzt kommt 
heute hinzu die neue hochdeutsche Kultur, um sie 
legt sich ein schmaler Ring sphar4di scher Juden un 
ein noch ödiaialerer Ring von arabisch« Juden. Es 
ist etwas gsinz Merkwürdiges: Vir sehen im Geiste wi 
hier ein giossen ^eer zu wallen b^ginrt und dieses 
Meer Icann den Boden öffnen für den Quell des Lebens. 
Dort in der. Lande, wo jede Religion ei» Kirche 
haben muss« Es beginnt bestimmt hier etwas Eigen- 
artiges und neues. Schon vor 200 Jahren hat man 



e 



•ii, 



- 22 - 



den Strom murinen könnön. Nun finden vrir auf einmal 

tiaüli der Vorn:ahlunitnit dör öuropäißchon Kultur ^enen 

Raokzug aur den äusewruton Wa^elial^on. Dort , wo 

dör Quell des Löb^iiia sprudelt, aui' dem Berge Q'tL^s, 

^iv 'riüban dine kui'^uh^^ die einen r eligiöaen duden, 

der das Sein und Wesen ö'1-tös a^^ürt, begeistern kann. 

Man spurt wia un^jeheuec geraiirliah es ist, dicson 

weg einzuseliiagan. Es ist uicht ao diufaoh, den 

in das Lar.fl, wo man G'tt am nächsten ist. 
Sohritt zu tun. Aber bestimmt ist liier ein Ausdruck 

dafür, dasü heute \yiödör Qeseiiiohte gösolr ieben wir d, 

3chioLi.e der Zukunft. Siaiier ist, dass für uns 
oe nur i-;ilt: Iliur sprioht Öitt zu uns. 

MO ine uara-.n und llarron! I)i os Süll kein 
Beweis sein. Es ist nur ein-^ De.r3tsllun,r dessen. 



&e 



was i.Jti glaubo. B^ b ginnt zur gleichen lieit ein 
Srwachen anderer Kräfte, und es war c tbricllt , nur 
den eigenen Xraftan Wahrheit und B^^recntigung zuzu- 
sclreibon. Ss beginnt ein Neues übo-rall, auf dem 
das Alte sJa ii'f bruoh loidot und zum Teil durch die 
Unfähigkeit, Böswil.iglt it und Schlecntigkeit der 
Iviensühen. «ir Juden Imbun unter den Prinzip der 
biblischen aesonichtsschreibung iumer bei jodem Vor- 
gang den Blick naci; inren gewendet. Al=^- Jerusalem 
vpn der Paust des Titus zertrüm ert wurde, schreib 
der römische (lesohi cht sschc eiber, dass man das Volk 
der Juden .iidlich unt£rworfer\ hat und der Talmud 
schreibt: .lerusalem ist zugrunde gegangen dirch: 
gruid losen Ha«s. E^ ist eine durchaus andere Kraft 
nach unserer Vorstellung, die in der Welt wirkt, 
4uuh geschichtlich. i?.'airum ist Jerusalem zugrunde- 
gögangen? 



- 25 - 






warum iat Jerusalem zugrunde gegangen? 
DLiroh Kamzar und Barkamzar. Kamzar gab ein grosses 
Pest und zu diesem Pest fand aich auch unaufgefcdert 
Barkamjar ein. Da die beiden verfeindet warten, wollte 
dör Hausherr ihn herauswerfen lassen. Der andere 
aber sagte: Beschäme mich doch bitte nicht in der 
OefienUichkeit » ich werde das ganze r.ahl bezahlen. 
Aber K. Hess ihn doch herauswerfen und S0j^|^^«^*^" 
diesem (Kund© der Beschämte zu Titus uid > i. , 6 »l L - ihn 
gegen die Juden auf. 

i. 

vor der Vertreibung der Juden aus Spanien 
wurde ein Breif geschrieben. Darin stand ; Worin 
besteht die Schuld, die die spanischen Juden aur sich 
geladen haben? Sie waren nicht schlochtor als die 
spanischen Nicht Juden auch. Nicht umsorß t sagt man: 
Wie mancher, der &nade beim Pursten gefunden hat, ver- 
gass in seinem Reichtum und Glanz die Demut. Israel • 
diente nicht mehr seinem Herrn. Es baute sich Paläste, 
war mit wurden und Aemtern ausgestattet, kleideten 
sich in pEachtvollen Gewändern und die Frauen trugen 
sioh wie Fürstinnen und konnten nicht genug Gold zur 
schau stellen. Nun wu den sie uu-.h des Lernens und 
Arbeitens überdrüssig, ihre Herrscher fröhnten dem 
MUssiggang.und verfielen in Spottlust. Jeder jagte 
nach Aemtern, keiner gönnte dem andern Brot oder auch 

Die Näoiite wuraen durch Zechgelage und Musik- 
Veranstaltungen vertan. Statt der Eintracht war nichts 
als unaufhörliche Zänkereien. Ich höre meine Brüder 
oft klagen, dass sie unverdient verfolgt werden usw.usw. 



Shre. 



Iile 



me l^m. n un dllerren I Was für ein Qeist ge- 



- 24 - 



hört dr^xu, in «iner Zelt in d«r ii ep^nlßchon Juden 
ao verfolgt wurden. In .iner -olohc^n £«lt dee Leiden« 
noch EU B^gen; W.oht die audom alnd «ohuld, Bond.rn 
wir «ind schuld! Wir v»oll0O untevauohe«, «ae boi uns 

,ln une Ueurcr Mut« Einer, «ut. der h«y« quillt aua e.tg«i 

liers«. =»««4«" -^»^i ^«■' "•* ""■'"*"' "*"""• "•"• ""' **" 

Oel»t elr« Volk.e. da. «ol.s. dlo gescheht« d« TOlt 
*lr von 0-vt «oäol«-l»t.en, duroU «£521^!^ '««' ^*""^" 
«uesec wir die Schrift elnsohr, Iben. es .ocrr.t uicht 

• « ^^ Äfiriftvan den*.on* v.örji wit nur wissen, 
wir sind aar dec. richtige« «eg«. Heut« g^>«»t elr-ogro.» 
»eile .b«r unsere (K-»aluiJOb«l-t. die RUükkohr zum Juden.t»i. 
Kine «nderbare Welle, die auB eol-ten Mertn k«»t. Tra- 
gen wir wieder da»u bei. da«*, die neue oeachlchte ge 
80hrl<ben «ird .It ein.» teln.n OrU'fol. den .Ir eelbet 
herst iion wollen durch eigene prurung. 



•' k 



M^ine IifxiB^n und Herroti l 

loh habe versucht, iUnönveraohiedan© 

Oed&n en des Prinzips der üeschichtsschreibung «Unter 
dem Ges loht «Winkel Ü»tte8« daczustulien. Ich b^be 
anob verauoht .inzugvhen, auf die Qescb i cht e der 
naohbibU sehen ^eit. Per a^sohichtsschreib^r fehlt 
noch, der di .»e Zeitspanne oo d^rzustol.^n verstände 

wie die Bibel es get^n hat. Ich habe versu.lt . IT ür 

an. selbst g wisse Aus*irimngcn heute dar.uo.ullen. 

Für ans selbst irgendein.« V^-g zu sehen und zu suchen. 

der uns Wurde bewahren laeat una uns zugl ich aich 

,^^ i^u y^»\%tx wrtr«4uaht- Ihn -n das Kinzigar- 
Hcifnung gibt . loh habe voraaout, i«« 

tlge der jüdischen Gesch^chtsaurfassung da«ulegen. Ich 
«üsst. noch sehr, sehr viel hinzuTügen und illustrieren, 
denn loh Uann Ihnen di se Dinge so nicht darlegen, aber 



-25- 



ioU «ihXe. »u. ale»» We«e li«.- die .ahr.elt. Ich 

vo« loh fühle ab-T nur den Weg, m 
Ihn >n nicht angeben, ioh runx 

.v^«r» wird. Das eine, aasß 
vT^loher Richtung es g.^hen wird. 

^.« .einen U.Bt^^en Überhand n.h.en darf ist 
.,e zerreiBBung durch irgendwelche P.rteirüc.s.oh. 

^* ^ dem Boden seiner ueberzcmgung . 

V,.« m einer tieferen Ueto..rzeugung, 
Aber dioae muss ruhen in einer 
,^Xich dass ein gewaltiger CH.eins<*.aftage.st 
.ns verbindet. 3.. i- die .eb.r.eu^ng, da. ^ ^^^ 

•^^'^*i•7ncf vor den anae-i* 
1^1+ wurd-n nicht zum Vorzug vor 
vir auserwuhlt wura n ^^t,^- 

AMf^^aba. zusammeoptehon 
sondern z einer grösseren Aufgabe. ' 

. ..ht da.s man sich auf dem Felde des gol , 
heisst nicht, daas nu*" „^^«„ 

n«nenfindot. sondern auf dem Boden 
denen Kalbes zus.m.enfind ^...xichen. 

.asammenfindet des ewigblühenden Geist 

• T.a« di.- uns alle v -rbindet und 
RS gibt nur eine Idee, di - u 

••... den furchtbaren partoistreit der ver^ 
liann uns über den furcn 

v.rtT^ön Wir müssen niecuu •« 
ctmen Jahrzehn'.e hinweghelfen. 
'^^ ^ rinrrit die Gemeinschaft 

,. einen Scluastrich setzen, da.it di 0« 

.,+• der Idee, das Volit G'ttes 
der Juden wachsen kann auf der Ide , 

U zusein sondern zu werden, wenn in de. S.nn 

\t n. der jüdischen Geschichte u^ er dam 
die Betrachtung der juux» , , v«i. 

. ..r E.i^l. it ein klein bischen dazu bex- 
Gesichtspunkt der B^^igk n^ wecken. 

. .n hatte in Ihn.n die ueb.rzeug^ng zu wecken, 

g.tra gen hatte, ^ ^^^ ^^^ ^^^ 

dass durch Anschluss ar. d..3 uralte 

H^asar weg beschleunigt wer- 
ewiR-JUdischen Geistes dieser V.eg 

^ .hö die ich mir heute 
den konnte, wäre eine Aufgabe, 

abend gestellt habe, zum Teil erfüllt. 

Meine Damen und H^^rren ! 

ich vrerde heute in 8 Tagen ver- 

•••^4«oh relifi^öson Typus, das 
-«nhen das Bild des judisch. reiig^ 
attohen, »'»•ö » ergänzt ha- 

^ A •«>, einen eigentümlichen Zug erg 
ich heut« durch einen »**& 



\ 



- 26 - 



to wälwer darzustolion uiiter .len ooaiohtsrinkel! 
per Vtg zur Aufraaaang cids jU<ilßohp.rd igiöaon 
Typus rjr «Inen jeden Juaen. Das ißt sine Prag«, 
d ö doch b Btimtit schon allen oiv'^Al aurg^tauobt 
iat: Vl;J ^indöt m&n zu siohs elbst? Ti-. itann 
nun In slchs ölbdt di^ 3<*8tinicunir fiua..n? ui* 



loh Ihnen in Deinrn i^rzen Vortri^g^rt veraucht ha- 
\H> darzust..nen. Hi rmit bößinrt etßt« eire 
oolbBtaohöpföriSwiii' To.tigkt^lt. •Da0;it boginnt 
die oigoi^c rereinlichkeit zu rirgon. Ks iet 
eint- wunaervolle Au^oioht:, dasu man aiwii gegon- 

r 

Beltig wirklloh holten ^ann, daaa can In diosor 
!t«lt, in äiessr 3tur.de miteinander vorbunden, den 
V^ büßchcelUn tenn, dor na.nohKal »Irklioh nioht 
»•ioht ißt. und ich nöchte versuch n, Ihnen aus d»r 
jüdlsohan Lalace und auü der a^s hioh^c aSni«jö 
vege dar-^ulagon, die auo uralter Erfahrung quellen, 
inaner dar&ur himsi.Jön, ria ;dr ans .Igoniiich 
Vorhalten müssen, daadt wir zu un^ Bölbßt koi 
penn dar'^ber habe ich aioh V:oin o üwöiiTül hingo- 
geben. Die ünlöbundigk- It a es Jalentu:^^ -r^r 
nioht nur SuUuld derjanig^n, AU- nieh^s cehr davon 
wlaaea wollten, sondern häufig war es uuoh aie 
Starre, die sich über unser wunaerbareß Jud^n- 
tUB gebreitet hat. Man hat -^ugiigeb©: , daus das 
Leben e tfkoh und nicht verstanden den Zusan. enhang 
zu f in .ön ir.it der joweilieien Zeit. Jedoch heute 
Duss öS geil Ingen, heute raü^sen wir den weg doÄ 
finden, unser Judüntaa» in uns zu verlebendigen. 

Dsrn weder der zum Judentum gehurt, fühlt in irgend- 
einer Richtung liegt die ^.uelle sei^ur Kraft: das 



f 

/ 




- 27 - 



Ä . 



meine Birrier und Herren I wennich heute in 8 
Tagen den Ghesicht^punkt d&.rlegea will: Wie kommt 
der ^üdiaohe Tyfus zu seiner Sölbsterkenntnis, so 
will ioh Sie nioht belehren^ ßondern die Wege 
aufzeigen» auf deijn der jüdisoue Ty/U» gleicli - 
sam das getan hat, w%& der grosse deutsche Di eilte 
Heßse in seinem ^Do lan^ sagte: Ich wollte ja 
n r zu mir selbst, warum war das so seil wer? 

Wir müssen es versuchen und es ist so unge- 
heuerlich s ohv/ er« Ich habe heu^e vor 8 Tagen keine 
lÄSioission veranstaltet und weiss es nicht^^ üb Si© 
heute eine wUm chen* Ich hatte folgende Bitte 
an Sie: y/enn jemand prinzipiell anders aus eigener 
Ueberzeugung heraus denkt, bitte ich, ruhig seiner 

Meinung Ausdrucli zu geben, damit mun den vViderhall 

• . .. . 
der CK'dankeri verneh^aon kann» Nur so könnte man 

vollkommen zur Kl^^x^ung LomUiOn. Wnn sich unter "^ 
alesem Gesichtspunkte jemand zu ^^orte tielden möchte, 
so bitte ich darum* 



:t> 



Xi. 5. 1935 



i 



l 



habe. 



Meine Damen und Herren! 

loh darf das Heft noch aL nmal h rumgfh aa lassen und 
diejoa igen bitten, die vor 8 Tagen nicht da waren, sich 
einzutragen, damit ich Sie benaohriohtlgen Isann, falls 
es sich, als gunstig oder notwendig heraua stellen soll- 
te, daß wir im Laufe des sommers noch zu d. nor Aus- 
sprach* zusammenkommen. 

Meine Damen und Herrun! Ich möchte die v/iederholuhg 
dessen, was ich Ihn>.n heute wr 8 lagen vorgetragen 

ehmen, indem ich Ihnen zum Teil einen Brief 
vorlese, den ich bdt ommen habe. Hier sind einige Präge 
von einer mein r Hörerinnen angeschnitten worden, und 

I , «. 

es ä. nd wirklich die antsofteidenden Fragen. Vielleicht 
ist es doch ganz interessant, einmal zu hör« , in wel- 
cher Art und weise solche (jedanken in der persönlich- 
keit eines anderen Menschen auftauchen. «Ich bin 
a ne einfache Prau«, heißt hier ä e ;^inla tung dieses 
Briefes, "In Ihren letzten Vorträgen erwähnten Sie, 
dafi die Bibel dl e Menschen so beschreibt, wie slesind. 
Das ist das Vfichtigste, das ^s überhaupt gibt, v/ie 
soL ten wir armen südigen Mensdien, denn den Mut haben 
zum Kämpfen, wenn in der Bibel nur Jln^^elsgestalten wären- 
Denn ob Sünde, ob gross oder klein, G'tt vergibt nie 
uns, aber die Strafe müssen wir ertragen. Jakob wurde 
immer wieder von seinen eigenen Angetiörigen betrogen. 
David muöste dasselbe Leid an sich e nähren, das 
er anderen zugefügt hatte und wie sclwer mu ste Abraham 
leiden, weil er geglaubt hat\.e, er i üsse ö'ttes Ver- 
heisimng ein wenig kopieren. Ich meine den Sohn der 
Magd, unter diesem Gesichtspunkte habe ich mein Leben 
und das meiner Mitmenschen b eobachtet und immer wieder 
erfahrai,'»wenn Du sündigst, dann idrst IXx bestraft! 
Dies dehnt sich nach meiner Meinung auf Familie und 



»• 

» 



- 2 - 






ganze Volker aaa. All«» Leid, was G'tt schickt, ist 

wie eine Strafe. Unser Leben ist nicht Fügung sondern 

Fu^ng. Vir können durch unseren Lebenswandel manches 

zum Outen b eeinflussen, Ihren Auii^sprohh: Vor der Be- 
kohrang li^ift exnt; WUste möthte ich hiemit in 

ZusaEinenhang bri .gen. Die v/eniffSten Mensch n besohar- 
tlgon sich mit dür Bibel, und sc stehe ich i'a^.t allein 
mit meiner Aurrassung und kann die heilige Schrift doch 
nicht so Verdeutlichen wie iuh es gern möchte. Dann 
sagten Sie, dass es sich mit dem j Lid i s cii >n Glauben 
nicht vertrüge, dasa ein Mensch Hir den anderen stürbe. 
Jedoch feab n wir doch da eiü Beispiel in der Bibel: 
jophtas T«^chter. Diest^s Kapitel hat mich sehr er- 
scUüttert. DGrleiclitsinnige Vater hat ine grosse 



Sunde begangen 



ezQ, etc. 



»'Ich bin vorllko'.men Vorurteilsfrei und 
für mich gibt eti nur gute und schlooLte Menschen. 
wer es ist und woher sie kommen, ist :ir ganz gleich, 
denn alles sind Ge-cliöpre a»ttes!« 

Maine Damtn und Herren! ich habe Ihnoi 
e nen Teil diesJs Briefes vorgelesej, weil er Ihiiue 
eine eigentümliche wiaerstiegotung desse; ist, was 
ich vor 8 Tagen Ihnen vori^utragen versucht habe. 
Hier sind wirldiche /ragen angeschnit;.en und einen 
teil kann ich Ihne» gleich beim wieder holen b eant- 

wort€n • 

E>jutt ^r 8 Tat;en habe ich darzulegen ver- 
sucht, dass die Auffassung der Jüdischen öescäiiohte, 
die A'.f faccung der GosJiichte vom jüdisc. 
religiösen Typus aus, den ich ihnen in den v.rscaie 
denen Vortragen vorstellen wollte, nicht etwa die 
Auffassung 4 er Fügung, condern der Fugung ist. Sie 
wissen, wie der sohreiner die GegeiBtände ineinander- 
greifen lässt durch die Fügung und wie auf das ma- 




.», 



*' 



- 5 - 

Bita^li»oh© oobl^t der üegrlir dt.r fu^jang IIb rt »«w wer- 
de iot. Johann Söbaetian Baoh Ist ein U.Aau>v der Fugung. 
Hi-r gr«Udn In wui-dörbarer Welse die atimen Ineiiuiiider. 
and 00« n in»t daß Judentum groirun alle Vürgjinga d«r 
Oesohloiit« wundervoll inolnunder und g^W'vait». sion »o 

al8 Ob an ir^;«ndeiner Stöl:©, -o «• gerade no^t?endlg 
* über, il-ltit.'riderv.oia«/ 

iBt, a»tt in wutflörvollör ««Isö elngr^il^» duroh irg nd- 
•in« PUg ng. Ich darf vi -li» loht ein Böiuplel zur Ver- 
deuaiuhun^ anrühren. Densen QU an don Durchzug der 

n -1"h!!ö Rn-e Ideer. Tflr bogr^iren ©■ al» «in« 



irunderbare :at der Srlüung, die CV.tt uns hat zuteil »«r- 
den lassen. Ü steht nicht nur im ^li tt eljunl^t de» Pesaach- 
f est^^ü sendern di^o ganzen Jahres. IfeoU ^ede.. (Jebet 
erinnern wir uns aer Bufruiung. Aber wennim Roten i^^esre 
nioht zur r^^htea ^eit eine troaliene Furt 8nts..vnden 
«Lre, ßo .aren alle Judan duroh dio Aeg^pter^vwi nicht et 
worden. Hl r hut O'tt eirgagrlfron. 



«.•:♦.» 



StB^Cict 



Mose den Gtab auaui.d es tümen uioh die Was.er zu Mauern 
und als die Rinder Uiael hir.durohgogan,;^ Ä nd und die 
Aegjrpter kO£.;::eD an ^ü Moer» atreout l^os.. wl oder um den 
Stab au« und die ^asaer V:<4»«» zurück. Wenn e a .ä;.8 .oh- 
lioh CO gewesen ^.re, datm war es ?U^ng. Dar.n hütte 
Ottt eingegr irren. Der von T^ripld^s vurr.-andte Deux ex 
«aohina. Aber so iut es gar nictt . Hier muas man 
^'"^^ dl. Blbul richtig durchlesen und Uh ges^.ehe Ihn.n 
ruhig ein, da.s dor jonige der mich in diese« Falle hat 
die takrh'it schauen geler.rt, der verstorbene Rudolf 
Kittel «ir, der uu« gozülgt h^.t, ^ie sandle Bibel wfitt- 
lioh nehmen kaim und der die .undtcbaren iiusarrmeKhange 
entdeckte, die idb unter den oesioht^ unkt der ge«M»ten 



\: 



•*v>....- 



- 4 - 



-> 



aesohiohtaaui"ra3aunü Fügung nenne. D^e -anze Waoh ' 
weht© ein atark.r Ostwind und di esör wind trieb die '.v'asser 
zu M-tuern empor* . Derartige Ereignisse finden wir auch 
heute nooh.V/enn ioh Sie daran erinnere, werden Sie aehen, 
daas ihnen die Tatsache durchaus beita- nt ist. Denl^en Sie 
nur an die üamom-s^ütme , Un^ieheure ^ ngen von Sand 
werden viele ^ilome«ter uahingetragen. Solche Stürme fin- 
den wir in Nücdafrika. äben so s ohneM Wi e ein Sturm 
entstehen kann, kam. er wieder aufhören oder si oli drehen. 
Mit einem aohlag© laset die 7/indkraft naoh und die Sand 
nassen stürzen niader. -^©nn gerade unglücklicherwoise 
eine Karagane dort ist, 00 ersciok t ^ie darunter. Eh 
Oelebrte haben die Gegenden gtuau untersudit und festge- 
stellt, daasee aolche Stürme heutenooh gibt, Z.B. habe 
loh da ©ine Potogrfie einer mutigen I^rau gesehen, es 
war ein Toinado, der dahinfegte, und wie ein Me ser 
die ganze Farm duruhüchnitt una gerade durch don Teich fuhr, 
so dasc die Wasser eioh aufbi*umten zu einer wunderbaren 
8-iule, Die^,en Moment hat die Frau fotogrxiert. Ich be 
wundere diea© (leiatesgegenwärtigkeit die^er^rau, die sl oh 
nicht aas Angat veruarg, sondörn aen Mut zum Fotografieren 
hatte. Diese Begebenheit wurde i.. einer illuatrierten Zeit- 
schrift g aohildert. Hier haben wir die Möglichkeit deut- 
lich vor Augen, wie die Wasser sL ch aufbäume können. 
das gleiche ist damala dort geschehen und es iat durch- 
aus verständlich, dass plötzlich der Wind auihörte. Das 

einzig Unbegreiiliche , ^/änderbare an dem Vorgang iat 
nicht daa Eingreifen O'ttes, Sondern d»B Zeitpunkt, zu 
dem das stattfand, dass gerade in d«m Augenblick, in 



- 5 - 



M 



9 



dem die isiRöll^en die trookeno Purt braaohten, ßioh die 
Wasßör aui'büuraten und dtiss ebenso der Wind aurhörte als^ 

Vi' ' ' 

• " . / 

die Aegyptor kamun. Ver von uns hat nicht schon erlebt 
dass in einem ganz b- stimmten Tunlrt durch einen glück- 
lichen Umstand solch gUnstigfc.r Zeitpunkt eintrat? im 
uebrigon h..nge'i die- Dingcd^jrohaus natürlich zuBumt..en. 
Wir erl ben hier di*^ i'ugung und nicht die Fügung. Und so 
betrachten wir die gan^e Oeßchichte. Ueborall haben wir 
die Fügung, loh habe nicht um^ov^t das Estherbuch ange 
mhrt, in dem dor Nam-^ G'ttes ninht einjr. 1 vorkom t - Hier 
ist die Fugung dargestellt. Hierin ^rd das Eigoatümliche 
sichtbar, was das Judentum mit der Auffassung der Oesohioh- 
to will. Ich glaube meine Demen und llorrm , diese koper- 
nitoalsche v,'anaung, die das Judentum hier vorgono^r.en hat, 
die voll..ommene Umü.ädcrung «er roltgeschichte von unge- 
heurer Art. Das Judentum sagt; Alle Voigänge auf der 
erde, die wunderbar ineinandergreifen sind ebonöo wie 
sie gefugt worden sind und sich fn^en, Aasdruck des gött- 
lichen ';7iilenß. Nicht muüs man itgori^rno ein Wunder suchen, 
es is. unmittelbar nebon uns. TUoh ist irgendwie etwas 
bosondurs ^aaaoht wordrn, sondern wa^ wir erleben, dass ist 
die Sti.nm. a.ttes. DaSo wir das erleben, dass wir heute 
hier 3 iüd and in Ruhe Ui d prfcfeden, das wir gesund sind, 
überhautp die F^:-igkeit hüben , uns 2U verstehen, dass die 
Mecedihuit haute in Ruhe .lebt und dass vielleicht Stürme 
bevoretshc^, dass vielleicht Vornichtung vorbereitet wird 
usw. alles ist Fugung, die Stiore aUtes. Denken Sie nur 
einmal an China, was da vor sich geht! Bedenken Sie ein- 
mal, das Judentum b ekennt 3i(äi zu den, was auf der Brde 
vorgAt. Es flüohtot sich nicht etwa hoohoben auf Berge 



^^-^. 



. 6 - 



;:#• 






*i 



wie das Kloster der *^nche bei Eerlcho. Das Judentum 
bekennt sich zur weit. Hier offenbart sioli ö'tt. Da» 
Judentum erkennt nioht Kisraeth an, gondürn es gesohieht 
nur all das, was a 'tt Yorgos ehr i eben hat, Ss sagt nidit, 
loh darf ruhig :die Häi;de in dio T:.achon stecken, denn 
es kommt dooh, wie ü'tt es will. Hi'^r ist dit^ Scheide an 
der Buddliismuö und Judentum sich in Wahrheit mesüerßcharf 
trennt:*n. Unsere Kräfte, unaet Singreif on, die ii et wendig 
kelt, dass wir oingreifai kJnnen uni taüijsen, oUer es nibtt 
tun, gehören zusanimen. fir stehen mit -tJn im weltenplan, 
müssen raik mpf en und mittun, muasen alle Kräfte be, utze»., 
die des Körpers und des Geist -'S, die »itt uns geschtakt 
hat, die reit ist nicht eine sdi ickuni^ G'ttes , sie ist 
ein Kampf. Sehen ^vir hinaus: Wer hat nichi. üchon die fe- 
dern einer Taube li -gen sehen, die ein Habicht zerrissen 

hat nicht ychon eir.en imusbus£.ard geüehan, der 
eine ifeis zerriss. Wir sehen den Fümpf überill. Wir 
brauchen fear nicht z. lügen: SB ist nichts neues, v;as unsere 
Entv.iokluni^stheoretiker lehren. Kt.mpf ist eben ein Mittel 
in der Pugurg. Leben ist eben Kacipf . 'iJir müssen mitkämpfen 

« 

mitempfinden, sorgen, dass die u?elt ^ird. Die Sohöpfung 
war vur Jahrtausenden, die %^elt ivird, a.tt ist von Bwifc 
keit und wir loben in die;:-m Ä'eiden und Vc-rgehen. Aber das 
Leben ibt doppelschichtig. Und dahinter steht aln gewal- 
tiges ruh ges Meer ohne Etde. Wir sirid nun einmal geboren 



hat . ^&v 



um den weUonkamm zu bilden und es hat keinen 



sioh 



nicht dazu zu bekeuren. Vir außüer. auf und nieder, müssen 



flciiwinunan sonst ertrinken wir Mensolien in unserer Hoifnungg 
loßigkeit. Wir müssen jasagen zu uiÄrem sohioksal, muaaon 
es ergreifen und zu gestalten versucht n. Ss hat 1« inen 



• 7 - 



»p 



♦'",■■- ' ' ' ' . 

Sveok, dorn Altt'n na,;hujagan und L»il1.öolil.iüB©r 2u bauen« 
tu muoß fiöfiprooh«Bn, «s v^\x3t^ elJ.gegriifon werden. So y, 
betrachtet daa judontum all» Pingo von dem objektivsten 
stand, tnkt aua, den ea gaben kann. Objektiv, weil 
Alle anderen Standpunkte zur Vurbiygurtg der oe b >.;hei oht» 
jrürh*.^n Küäson« Die dynaJtiBche &o3ü6hiohtS8chreibung 
z,h. kai.n nioh- zugobon, cla^i- der üold ein /erbreohen 
be^jangtn hat. Die heroisoaa at*8ohioh « kann nicht 
elngeaxehen, daas auohf oigos Voll;aar der Srde ist, 
Unsere Gesühichtsauhreibung m .luet uns von hero ißohen 
Taigen unaeras Volke», von großuen Kamijfergaswalten 
und von F©ig-in^eBf de aioh vorkrcohon haben, die 
das Qetreiia Vel liaoht abgerissen habtn eto, 
Attoh der hi^itorlsoh'- Materialiamus dar alles »«£ ...ate- 
rte zarüokruhrt muiis abenj-alls ,:.ur V rbit^rg in der 
Attfi'aiißung der (Kischiohtd fulren. Dl aAitf ras annü dee 
jUdisoh -raliglößon Tipuß 2:eiuhnjt alleß lur, wie ea 
tatS'iohlioU vor aloh^ieht, «a scuht der G*i«sel o'ttea 
der Belohnung a'ttee ^^.egenuber. feiinea 3)ir eiüßid 
sohlßoht güht, dann danke darai., dati ^^t« Tage komiTen . 
und Du ».annot fes beöa r teagü . Du .ujßt Dioh auftichten 
an der i'aJiÄhoit. Diese AuiTasuun^ ist die objektivate, 
die es überhaupt für idens«^ ß« geben kat.n, trae in dieaer 
Aurraoaung unriohtig geauueh n kann, oaa fallt darai 

» 

unter den Begriff des irrtuma aber nioiit uiter den der 
palß(4iung. Wn cUrist.lüher jcoz er Theologe, König, 
hat auBgeaproohen, daaa an Treue der oesehichtaada T«i- 
bung ie In Oeschiahtabuob irgend einen Volkea, ea mit 
der Bibel aufnehmen ktimite* 

Maine Dam n und Uörren* Vor 8 Tagen haben wir 



/ 



/ 



(3 

■f ; 



X.. 



. 8 



♦•♦ 



in ausgc)(bhntürwoise alese üinge auszubreiten ver^uohtt 

Äasbosoniere habe ich gezeigt^ wie man eigentlich die 

■ . ■ • . ,( 

G'eso^iohi:e des Juden .ums auffassen könnte, habe Ihnen . , 
eine Theüijie dargelegt, mit Illuütratiot-en, die i(ii 

a«ß pßä^ Chol ogi sehen örünaen für notwendig hielte Sie könn-^ 
ten 2u mir sa^en» V/enn Du diese Aurfassung des Judentums 

Von der Geschichte d'^rlegt, nüsstoßt üu uns audl eine 
AntTTort auf das g eben kennen, ^^as uns heute bcv:egtt 
Und ich i.abe versucht , Ihnei eine Theorie darzulegen, 
Ici: bin keiv. Frophet, aber es mlissto einmal einer kciuruent 
loh hiibe 6B deutlich zu m?xchen versucht an dem Bilde einer 
wage, die auf einem Sockel ruht« Ich zeigte .hnen einen 
Wagebalken, der die weltliche und einen der die östliche 
Kultur rflu'asst# Palästina ha^ eine eigentümliche Lage 
zwischen Ost und West t ' 

Abraham, der aus der babylonisoUen K Itur 
kam, zieht nach Aegirpten, also sohun westlich» Kg ißt 
nich'o mehr dor Orient« 



4 



4 



- 9 - 



A 



Hlor finden wir schon dengruuBan Blnnuim auf dU Kanat 
von so naton, von d*r .mxx »agt, dase «le die Orundzüge 
dar grleuhlBohen Kunst hatto, obßloloh sie 900 J»hf 

vorli«^ bestxind* 

Jakob lebte In Palästina. Br mu^s durob 

•in merkm-rdlgs Fügung, namlloh dadurch, daas sein 
Bruder Ihm mit dsm Tode droht nach Aegypten auewandern. 
gr wird ein av.dercr U.na.a; er nuas durch die babylonische 
Kultur hindurch In dio aegyptisohe. also hinoln in die 
Kultur des vorderon Oriunts. Siator n 
4«r pev»;i8ch..n Kultur, dann '«.»l-^r die tmkedoniaohe 
Kuiuxr. dann aur der einen Seite die holienistisohe und 
•tti' der anderen die arrablsche, danr. apater aui' der 
einen Seite die mittelalterliche Kultur und auf der 



der Einil.u 



n die nua.»l-.llohe Kult«. In der sich die Jud«>n 
verloren habcr.. In die sie sich l.inein^türzten. Iflr 
teben hier eiuü 3r. oitorung des Wagebalkens. Und heute 

erleben wir etwas ^m Uerkwurdiges, dasa nämlich In de« 
Augenblick, in den en not-ndig war, lal.stlna offenstand 

22000 deutsche Jude undliler dio osLjUdisoh^^ Kultur 
vorzuherrscken b.glnut. Ich ^äro ein schlechter Redner, 
wollte Ich nicht erwähnen, was wir jaden gaiatet 
haben. Bitte bedenken Sie, daso von d« Nobelpreis- 
tragern }^ Juden sind, üin Bev.ois daiTir, daosw ir aros- 
ses geleistet haben. Hun noch olnr^l finden sich die 
grp8.en (K.lehtten In die »ahe des Ter :p«ls auf den 
Skopusberg versetzt. Ich Oarf nun aber auch nicht ver- 
schweigen, dass der High Ko.::n.lssionar seinen gi^^ ß«^*«** 
auf dem Berge dos *B*en Kates" auigebaut hat .TT« n loh 
auf den Standpunkt st^hb, da.. Pagung vorllcgL, so Ist 
auch diese» eine Pug^ng. Irgendwie «ü son doch die DlngO 
»8»m«nhangen. Und von nelnem Standpunkt aus, glaube 

loh, daos wirklich die feltgesch lohte einen Siiiitt 



• 10 • 



naoh vorvdurts tut« 



.-f^ 



\ 



kjbhrt 



nioht wie dar, und das 20. Jahrhundert wird er«t noch 
geboren« Kin neuer Schritt beginnt, was es wird, 
wlsoen wir nooh nicht. Aber davon, da^s wir üine be- 
Bcmdere Aufg^ib© liaben. Un loh root Überzeugt. 

Wir flnier In paläatina 2 Schlohten von Juder, die 
groüse sohloht os'».jüdlöcher öiaubenbruder, dl© die mit 
tül alter! lohe Kultur bis heute, Ihre Gptmche, bewahrt 
haben und zwar In elfior uRorliÖrten T 
heute In Palästina und überall noch Kanpfe statt ob 

als Sprache 



SS finden 



laoh oder jlddlooh vorherröohen soll. 
Siiileht / 

finden wir di-^ fcmrtrinnnai der Juden , die die n^äu- 



»«ItUche europälöohe Kultur in sich auf gen otjrr^n haben. 
««(• wird hlor etitcttihen? Viel eloht Ist de Orurdlage 
gesoharren für einen neuen rd l^isiösen Fortschritt. I»» 
Eellgläae Ist nicht etwas, i«« in dl» Synagoge gehört. 
BS ist ein Mittelpunkt, von di*c dau gan: e Leben strahlen- 
artig arfasüt wird. Stwaß Walares steout dahinter. So- 
wohl der froEjae Christ als auoh der Kphamedaner Höbt 



und hangt an dem ia de gonaa wie wir. «an b raud 
den Arabern nur zu s^gen, dass« die Juden dl« oinar:>!oöühe« 
rauben wollte und man wurde unabsehbare .-eigen h rauf- 
beschworen. Äse dl** Christen eborso an dies« Larde 
hangen wird daluroh dargestellt, dasa vor 8ü und 90 Jhhre 
dMtsohe Christen naoh lalastlna gegangen sind , die 



Tempi :T , die do rt 




Kolonien gebau- habim. 



Qltsös Und spiel- eine un^ehüure Rolle unter ewig 



«bd 



Wagebalkens, den loh Ihren dargestellt hab.-. «loht ua- 
•tfast legt gerad» 15n,:land, das eine besonders gute Spür- 
nas« für diplomatische Möglluhkelten hat, seine ßand auf 
dieses L»nd und baut ^^•n und lagt eine o^lleltong vcn 



• 11 - 

l8oü Kilomtitem von Haifa naoh Tripolis« Aber eben o 
gehört es zur Fugang, d&sa vir uns r Jchidisal ver- 
stehfiD« unsure /erbiniong mit dür KuXwur der Un;g4>bang pflegec 
a^it Dank arkelt worden wir die UerrXich<^n ^^iiatZü der 
doutsohen ^Itur in ans bewahren, vir viui^en, n&ä ?.-ir 






ihr zu verdankcm ]iab«n« Nie hab«^n vir Jadvm 



die Augen gosui^losecm una haben ont:8tirnig gesagt: 



Hur das« «aa auadoi Jadtidtum geboren iat^ iui ^nzig 
und allein diel'^loöiing der Telt# In kurz^^tn Züg^n zu- 



sacmengura :;t ergibt es nur die Andeuuing^ wie 



au(*i 



hoate das ht^rbe aes hiok urter dem Gesiuhtupankt^ so 
wie es gerügt wird, einen Sinn in unserom eigenen Sohick- 
sal erhält#Jeder, dc^r uns anü^gegenttitt, ist ein Ge- 
sandter Gattes zu ihrgendeinem Iweciu Wer sicdi zu die 
setr: OQsiohtspunkt b^kernt, bat inre rlioli einen Vorteil, 



den er vorher ni^h:- gehabt hat« 






'^waiLuinü Damen uni Herren, koaie ich 



na& zoD eigontliohen soUlu^sk^pltel* 

loh möchte Ihnon noch largt^^ll un den feg 
des ^Udiso.en Typ^B zu sich selbst^ denn darsbiT ging^^a 
sämtliche AuoSührungen hinaus« 

In jedem i^^-ünsjhen, der daa Oesohvnk seines 
Verstandes in r chter Art und weise nicht nur an^^^^oDtnen 
sondern aufge:;o Bsnen hat, der die Vt^rpflichtun^; spürt, 
alle Kir&fte zu sdiul^an, in jedem solchen i^enschen s tedk t 
das Streben nach Totalität» Dieser BogririT ist erst 



vor 20 Jahren zum 1# ual inrer:^lb der päda^^ogisohen Li-* 
teratur im deutso .en Kulturkrel^ aurgotaucht« Totalitat 
ist glw'ich Aur£>!issung des gesamt mi Lebens von einem zen«- 
tralen Mittelpunkt aus und ich Labe vursuuht , Ihnen 
darzulegen, dasa da sjudentum diose Eraclielnung, vor 
der so vi le riiohen mödhten, von der so vieli nichts 



• 12 - 



wisaan wollen« auf dau Qesohunk m cditen sie so gern 
verzlohtoa^ in ^ich aur^^tiinoiamdn h&u« Für diaaen a#«» 
dankan sind Im ü-Httelaltor Ylele g^8torb«Q# Daa: 
dieses Judentum in solnor^erkw <rdlgkait überhaupt noch 
«tistlert« wto ei; doch kein Land itiat, wo es unter einem 
zentralen Or^nismus vereint wäre, aasL dluses Judentum 
eine Qejaoottanscliauung des Lebens ist^ dies beruht auf 
olns>; unerklärb^^rem Htwas, und dieses 'rtw s ist von 
O^tt gegeben* Dies ist der JUdiscli^ Typus« Typus ist 
natrülioh nur ein wort von wenigen Buchstaben. Ich 
meine ^ane grossen Ansatzpunkte, von denen der Mensoh 
einen bek>timr:.ton weg zur Wahrheit gehen muss, den man 
nicht vertauschen kann* Aber ^et\ti tcJELn z#B# nicht 



muSi^kalisoh ist, dann wir 



ebto der -eg zum Verst änd-» 



nis jener her liehen ^art^onien im Reiche der .;usik ewig 
vocsüiäosubii bl. ibiin* U&n iaun dieatiu Ansati.punkt 



nicht willkarlich gtibon. 



* « » ♦ 4 



das hat all^;emcine 



aülti^;keit# Vir sind eingebaut in einen sclimale Weg. 

« 

In unseren p rsönllcäien ^eg# Der We|^ des jüdischen 

Typus« und ich uabe ihnen diu verscuiedeiiun Ty^en^ die 

es aur lilrden gibt deswegen neboneinandw^r gestallt« 

praji..isch 
^un entsteht die Fra^e^ wie man nun zu einer 

eigenen Totalität komi t# ich kann Ihnen ohne Besinn^i 
eingestehen, dass es nicht n:ii. einer philosophischen 
Spekulation zuoamiu nhängt, sondern mit der Präge, dass 
loh einmal, wenn ich ruokblicke auT mein i»eben, nicht 
sagen muss. Du bist einen ^rrweg gegangen • So wie 
ich heute in einer i^otiz gelesen haben : Ich bin zwar 
$0 Jahre alt#, aber wenn ich bedenke, wieviele 2eit ich 
£\XT andere gelebt habe, danu bin ich noch ein ^ehr jun- 
ger Mensdh« Sr hat ausserordentlich w enig nur an die 
Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit untet ewiges 



- 15 - 



Ooslchtspunkt gi>aaoht« loh dj^r^oUi^ zu Ihnen^ wulX 
loh ^^laube^ daso elnu Zwlc^spraoha aauhvcnn loh i^a 
vielen .spreche beiden ^e nach enrilit^t^ <iöm der es au.-» 
S}.rioht und de^u^dAr •& hört und das al erboste ware^ 
wenn dit^ v<.r .altnisrna^iaig eint^uitlge Zwiiiuj^i^ch» didh 
iXQoh vi eil loht zu alnor et^a^i doutlioheren Verbin- 
dung auflüükörn k inn^e und daruE habn. loh daraur 
hingevfieaen^ daos vir hie und da vleXiwiohL einmal 
IxaL^uTü dea 3or mer^ ;:u£iau :Oniioia..en« 

¥ie ko.j::.t ß^an zu aiuh eolbut? Wie 
I 0!ar:t r*an zu dem^ was i:nan alü jUdiachReit^ als 
Veranlagung dos jüdiodb en T^pus ir; aich versp^ttri;« 
Meine Damen und Herren - 

Zuna^chist möühte ich ihnen aini::al 2 Beispiele 
geben aus unserer Zi^it. 



Das 1« Beispiel ist das des Philosoilien Otoil 



Cohen* 

Und das 2» Beispiel das UcS beaettendsten Den- 
kers Franz no;;anz^^reig^ dem Gcl^.ler vori Cohen« 

Cohen stsormt aus der Familie eines jüdischen 
Lehrers und wurde ein beruhmtvr proressor, der 



}6 jHhre lang in K^vrburg gewirkt ha.# Sr ^^^ dort 
eise neue ac uIü gegr^^nde«.^ 4ie l^uarburger aohule^ 
tind Ifamen von Klag gehören hierzu» Das war allge- 
nelne M6Kischlichkeit« aer f^r sich hingab« £r war 
^»ingesuMo ; en in da^s Kant 'sehe 3ystem# iSines 
aber mac^it in dlesern Leben ataztig» Ich habe einen 
üchUler Von ihn iLeL.niAg^ lernt, einen Iledaktuur, 
keinen Juden, der sagte, es ist etvras ^merkwürdiges, 
wenn Cohen die Lehrkanzel betritt: 9r hat irieer 
einen schwarzen Hock an und steht ia wie ein PricMTter 
So hat er die philosophisJien ieliren vorgetragen» 

Ir hat Vt.n der ihilosoj.hie kIb e tr%8 güiprocho« 



- 14 - 

was 4«ß iwor ao:.en in a«inor «jan::©!» 3t in^-un /«wegen 
vor&ndert. Sr ist also aolion in Hi oiitungaai. dls 
Totali üit vorgoiiarii-on. Und als nur. Ooh«n von 
Marburg wöiiging, wais t at or da? Sr cing nach 
Berlin und gründoto dio A.Adecie rür dio ¥isaon- 
ac-Airtuu dos judor-tOBJ«. Sr denk- aur &inm. u^l 
nadiden er auf d«n H:>hoti der allgeavinün W s son- 
üOAirtön s-and daran, duäc er «in^* kVAdt.mie Tut 
das J dönt-ußMi grUr»den Eü-sto und er war ein t/ifriget 
?:.rderer tUr dl« Hodi^ohult» fUr ais enaohaiftfen de» 
judöntutüs. Als er geatrobon i»r, And man in sei- 
nen JoUrcibtiüch ©in «ianusUript; Die Religion der 
VemuniX aus den QttäUen 4*6 ju eutaits. Bedenk n 
Sie einer der ^jrossten ihilosohön, Gründer «iner 
grossöi; Solmle eto. boglnr.eni lis &l.i;*-'m«in menach- 
llohw vor. dem man öieh», daüa r zu sich zarück- 
gc runder, liat, als er starbt. 



coh n antwr Veri» 



vamtx. 



!MI 



war Hcliakelir des jülisohen Typus '^ sich selbst. 
»Lühseln n loie ist das Werk erso:.l*>non und«lr 
habün hlor symptoBÄiisoh, wie hivir ein jUilscUr 
TVitos, wissen.ioiiai.'tliuh an erster Stelle stehend, 
SU jI oh B ölbst zurUoiigeXünderj hat« 

Sein öOiiüler Franz Ro^onüweig etaujj;t uurf einer 
I-Uolllö, wo man von ihm niohts wissen wolitü. Kr 
war Im r'elde alü Soldat an.; hat dort Oedanken an 
daj HüBhte und zu^jl ioh an das Letzte in sich ver- 
spürt ui;d Aiödergesohrlüben. Er hat diuse Briefe 
naoh Haus geschiiöct, «an hat siedort gösaanslt 
and naoh Beendigung des iLricges hat er dit«es serk 
erweiternd zusaanungefauat und unt^^r dec: Ti-ei her- 



- 15 - 



I 



ausgegeben: Der Stern der Srlösung. Und das klingt 
scUon atiderB al. dao Buoh: Religion der Vernunft aus 
den Quel on des Judentum« • -38 ist elno morkwiir- 
di^e Sprache und es Ist gar niohl. deutsuh, das nian 
liest, Kani'aoh hageullöh, ist der Uebr .isohe litel 

AuoU Luti. ör hat violo h&bri.ijohe Begriffe in 
aie deutsche Sprache eingeführt. Aber hier ver- 
spür eri wir ai'S der deutschen Sprache den jüdischen 
Qeist. Hosenzweig hat miu die«em Buch eine Philo- 
sophie geschrieben von einin: solch unendlichen Tiwf« 
and Schönheit, daes der der eich hineinfinden kann, 
erschüttert gepackt wird, loh habe versucht, 
•inen wiÄterlang Vortrage zu halten und die Brklä 
rung^-n zu diotsem Buch za geben. Ich bin aufviel 
Verständnis für dieses Baoh gcstosse«. i^^an wird 
einmal rückbliokond mit di-seo Buche eine neu« Kttl- 
turhistorisohe und philosöi hisdi e i'citrechnuj.g 
bog nr.en. Das Entscheidende ist: w« hat sich hier 
fttr Fran z Rosenzweig vollzogen? Bs.st die Euck- 
kchr zu einem etwas anderen Juden vuia als bei Cohen. 
Bei üohen ist es eine göttlich • Keimkehr, aber im 
•uropai Stilen Gerande» im F>raok.. Br hat i r.er noch 
daa^^ewand des Verstandes uoigchabt, was i m Anschluss 
an Kant in europäxsoher rhilosophiu wurzelte. 
Frunü Rüsenzwöig küm;t:t tuit etwas vollkommen anderem. 
Die ^onzQ R^ä ij^ion war dlfamiert. Es konnte sowei 
kociuön, dacse in ganz grosser Arzt wie Virchow sagte- 
er glaube nicht an die Kxistenz der Seele, denn 
beis einen vielen Sktionen habe er noch nie «ine 
Se le entdeckt. Da» w ar selbst verstäLndl ich durch- 
aas mo^lloh and es ist Itlar, daus ein grosser Menscli 
auch mal bei einer Kleinit;keit duoua wird, es 



- 16 - 

tttt aber nicht.» xur Bewertung <l«ß Oöl^rten, 
Heokftl war oln ^nz grosser oolohrter, abar auf 
d&BL Gebiete <ler Religion hi^z er Yl» 1 daBone» Zeug 
geredet. Aber es war eVion das 19 . jahrhuniert« 
«un koon*- auTeinem Mal ein mann, der siyh mit 
dem 19. jahrhondort ause Ina ni ersetzt und eine 
aeae Orundlago soltarrt, Inder: er das geoamte 
Leben vom r»ligiööen Urgsunae aas betrachtet 
and tfztviokeXt* Und z^yar ohne jedes Mittel der 
Vetnanrt. Und nun i^ain^.X, der entfiohoidtmde Punkt. 
SS uo wt nloht ..araur an, wti» ein J^. rsoh denltt, 
das Deriium wird erst wertvoll, wenn ssan es in 

die wir.aioJilielt Uters.»t2it rindet, loh denke cit 

irhilosophdQ 
Dankbar *:eit an einen gros enxXxxÄwuaoc in Tu bin- 

g«n, an prtif üSoV Addigsun, ein kla^r KarÄuner 

aber or geriet in Rührung, wtnn er vun deci .jü- 

diöoh<>n phlloßOihan Spinoza siraoh, denn Spijozu 

hat seine rhilosophi« gelebt und das war daa 

fwnderbare und das Ist wahrhaftig dus B ^isplel 

eines Philosophen, der ein jüdisch r Philosoph 



«ar 



Franz aosent^Teig hat seine Philosophie auch 



ins Leben überi'ührt. Aber er war von einer furcht 
baren KranklÄii* ergrifren: ein Glied nach dco 
Wandern wurde gelähmt und er konnte z let«t nur 
noch liegen, sein oeist aber war rege. Keben 
seine:. Bett sass seine Qattln und or ..or.i;te nur 
noch mit den Au^^n auf ©in Gehre ibmasuhine 
deute 1. und die Frau hat gewusst, was er molnte und 
hat danach die Torte gecchrl':;bun* Und was f.l*^ 
ben Sie, was er in diwsen *.elt«i gesoi»nen hat; 
gr hat emö uebersetzung der Bib 1 mit Martin Bä- 
ber horausgögüber.. J »doD Tag tomen zu Roeenzwelg 



- 17 - 



Studenten, und i.abcn bei ihm Sohaoharic und Mlncha 
gebetet. Denn Hosenzwal g ist nioht nur zum Juden- 
tum heimgekehrt, sondern auoh zum rol-giösan prak- 
tisoh^n ^udt^^nxum. Br i^t ina ^Ärktlsohe Loben das 
Judentum hiMinges Altet in seinen eigenen Lebens- 
rythmus. In dieser soLweren Situation des Körpers 
und der See»* ist er von der Krde gegangen. Er »ar 
eine harmonisch« persönliühlteit, ein iioimgo kehrt er. 
wit er OS in diesem I'\ilie wirk ich nur wer d« konrt e. 
ES wur aymptümatlöcu flir den V{r,.:ang , den wir alle 

erleb n. 

loh habe Ihnen an diesv^n beiden ßeiapielen rein 
ausserlioh die Heimkehr des ^ÜdicoU^i Tyruo zu sich 
selbst aargcöLellt. loh habe dabei versucht, die 
seeliüohen v;ege , um die es aioU d&be . üborUaujt 
handelt, aurzuzeigen. Bei beiden Gelehrten Uabon 
wir ^r uns ein aussv^res Schicksal und ein inneres 
Brle-ben. Sie werden vo Schicksal irgcndtrie um 
ringt, ^ohen von einem gl aCidiciien Schicksal, 
^senzv-eig von einen traurigen. <'ohen -var nicht 
böfri digt, das war der erste «nusoheidonde umstand, 
man ist nicht zui'riödfen, irgendwo bohrt es. Meine 
Daiüun und Herren, man wäre nioht mutig, "©nn man 
nicht ©iOtiestehen wollte, da..ß m jeden Mecisc ©n 
die Frage bohrt, was wird mit Dir sein, »otm lu 
einmal Dein Leben h..er aux der Krde auif geben cusst. 
Die grobse Frage koHit doch einmal zu jedem. Ss mre 
gar nicht Böglioh, dars auropa di se eigentümliche 
Entwicklung g«) omtie- hätte ohne die Maschine, die 



mit itoem Lara jede Besinnung todgeuci lagen lAt, 
Die lī sehen d enken nioht daran, wa. kommoi wird und 
wenn sohun öiner zugrunde geht, das Leben g.ht weiter. 



• X8 - 

So z.B. wird iioohd oin Srlebnifl söina« ^^ebana 

nid y^rgätt^en* Und z'wixx das erate sterben , daa 

©r sah. iSine wöohnörin war ©a im Berliner Nordon, 

die inerlioh ▼erblutöcen, v. eil 2 pwtilwtiüohö AetZlB 

eiö vorl«itzt hatten, äs war In einer düsteren Kuller- 

wohnang. Draussan sauaten Automobile vorbei, die 

Menschen laohtai und daa L"öben pulßte weiter, es 

war ein «er äiu r d i gea Bild und hier lag ein luoisoh, 

der starb. Er ko r.to das nie ni«hc vergessen , so 

h:it ^ es in seinem öuohe berichtet. Meine Damen 

und Herren I Wir wis. en alle nicht, was komman wird* 

Jsder ""onscii uJxaB eitaoal daran d enken; 

Iffenn einer unserer Bei^annten den v:ög n die Evigk- 

kt?lt geht, so soil<jn wir Um die ietztö Slire 
erw«ji.ien. Desaer man geht in da^ Hauader Trauer, 
als in das Haus der Freude. Die Besi nlictikeit is 
oin wunderbares Geschenk. Daa Judentum ist keine 
arabeareligiwn , aber es hat den Mut der wahren 
iSannhaitigkeit und ardererseits aaoh der wah en 
Praulichkeit, der wir in Sara begegnen. IXi Eus.t 
eben Dein Leben überblicken unter diesem allerletzten 
höchsten ueslolt i¥>u>^ "^^ Cohen hat gemerkt, da;.« 
er nooh nicht zuriickgc'JTu. uen hat zu sich sölbst, 
zu seinei- eigenen Jüdi.;clien TVi-u» und er cuas des- 
wegen einen Stachel emprur.don ^laben. Dann rindet 
aan in . einam Schreibtisch das Bu<di, das ©r Ver- 
anlasst auroa die a usseren Umstunlo gosoh i«ben 
hat, ausgeführt durch den Stachel: Kiiunst Du Dein 
Loben ©iniial verantworten? Und bei Roaonzweig brauche 
ich nur daraur uinzuwei.en, dass e r iimar krank war 
•in entsetzliches Krai kenlager hatt». ^in k-Jiscl., 
d©r solühts triebt, wird dooii zutiefst davon «»c- 
achUttert. loh seh^ mich heute noch, Kvine T*.r en 
und Herren, als jungen Soldaten drauasen. Junge 
Soldaten waren wie die H<^s«n. FurcVt hat oan ricsbt 



- IV - 



•mprundttn, w«nn die Oranaten kamen, nar di«. 41« «cüob •!»■ 
wil verwandet varmi und die ea nioht kann ton, haben aioh 
•inftkoh hlngöworf •n- Aber loh seho noch höute ©inun 



fühl 



lomal 



In BtröBwnden Regen maradiierten, machten i»i» an«i er Zu- 
tikerfabrlk Station. Am anderen Morgen atiA Ito e» «loh herauo: 



Wir hatten uno In Änaerar kUllgueit auf Frord«mi8t gelegt 



und es hat ans nlchte außgetraol*. Aber als dann Im Morgen- 



kamwi, 



Dennwecn hier ein. ftre^nate niedereA lug, «6 waren wir 
verloren. Aber draussen hatten die Pioniere schmale Graben 
50 blB 40 am. hooh gegraben und hier koni.ten wir uns hin- 
werfen, loh seh« «loh heute nodx: 1«*^ hatte mich nicht 
hingeworfen, aogair den Kopf aufgeotüt-t und godacÄ, wran 
willst Du Dich nun erinnern: -öden Aut^enblick laniB t IXi 
sterben. Die Oranaten s <h lugen um ml oh unentwegt ein. Ich 
kann Ihnen sagen, es war rfa.8t ein Fluch In mir, de- n loh 
labe In de« lagfcibliok an die Kathes^tlksturil e gtdacht und 
mir gesagt; Vas habe l h nun von den guten Zeagnlssen? 
und glauben Ule mir, von dem AugunM Ick an habw loh für 
■ein Leben gelernt J^habt. Da« war der »g der Umkehr. 
» hat oloher jeder einml soloh einen Aut;onblivk erlegt. 
SB ko«c3t nur darauf an, das« man Ihn nltht vorglsst. S.n 
sweltes Wil wird e« nicht ^ohr an uns I» rantreten, darum 
Baissen wir den Mut haben, den richtigen f^g zu gehen. 
und Franz Ro^enwelg Ist dl äsen weg vorangegangen »i sich 
«olb«t . und lugleloh hat er one mit «einem herrlichen Buche, 
«Ml weg gewlet>en, den ^r g hen nollton. 

«Ir dürfen nioht vorbei an unserer Heiligen Schrlf^. 
Hl^rU- ein B *» dw Weisheit und Schönheit, der iahrhult 
und Klugheit. Hier tm «ohöpfen und zu trinkt^ Ist eine 
ungeheure Lebensauf ^be. »• Lernen «teht Über alle«. 



,y 



• ao - 

Aber «8 steht auoh dort: Hioh. nur das Lernon iot die 
Hntpsaahe, Bondern aaoh dag Tun. Dafi Ist Tollkomcsea 
riohtlg. Denken wir nur an Spinoza, aber trotzdem steht 
aaoh im gl e lohen Bereich: Das Stualom der Lehre geht 
über alles, denn im Stadium der Lehre ist Zugloch Lehre 

und Tat miteinander verbunien, loh möchte Ihnen 
hierzu ein Beispiel aus der Bibel geben, wie man es nioht 
madien soll. Die oesohicite ist von einer eigon- 
tUmliohen inneren Spannkraft. Ks ist di« 0©ßchlolte 
des Simson, des grossen Helden, der einzigen tragischen 
Gestalt im Sinne der orleoh.n, Ss handelt sich um ein« 
Mensdien on ungeheurer Körperkraft. Kr hatte eile 
Fähigkeit gehabt, durch sein« groSi^e Körperkraft fln 
Tülk zu leiten« Dieser Mann ist geboren worden unter 
einem religiösen Aspekt. Sein Leben stand unter dem 
Oeslohtspankt, dass er ein (Hsandter a*ttessel, dass 
•r ein Nasir wäre. Und wie hat nun dieser Mann Süine 
Kraft, die a tt lh> ges<dienkt hat, benutzt ? Br hat 
mit ihr gespielt! Br hat z.B. 200 Füchse gefangen und 
ihnen die Schwänze zuü^mengebundun und dann hat er 
einen grossen Brand entfacht , Indem er den FüuUsen 
brennende Büschel an dl- scUwimze gebunden hat und diese 
dann auf die Polder der Philister gejagt. Dieses war 
wirklich eine hasslich» Splal rei. Und dabei wäre r 
imstande gewösen, sein V olk ^n der Herrschaft der 
Philister zu befreien. Aber er hat geq? ftelt und so fiel 
er dann in die s<h lihgen, die einem MensAen durch Fugumg 
bereitet werden., in die Sohlintjen der Frau . Die Frau 
Ist #lne Hilfe dem Manne gegenüber, unter dem oesiotts 
ponkte 0»tte8 betrachtet ist Mann und Frau ölne wunder- 
bare Anfg^be zaerteilt: DenMcnsditsn zu bilden. Aber 

das Abw 



. 21 - 



das Alweiohen ▼(» wog i«t Ja «o ger^rlioU. Wieviel© 
haben sioh aohuii dtt»oh den i^leohön «eg sioh selbst zu- 
grunde ge iohvet. Cherohtx Xa f ©mm«! So war e s bei 
SlBSonl Die Prau, die ihn «idier geliebt hat, ich bin 
daTon Überzeugt, wurde von ihn nidit als Hiiro ungesehen, 
itle wurde von ihm gedÄteütigt und war ein Spielzeug 
für ihn» » liftt sioh die fraulidxe Tüoke entvioteüt 
Sie iLut ihn auf die Ptob e gestellt and wollte sehen, 
ob er nicht audh gedmütigt werden könnte. Hier liegt 
Fügung vor und seine Augon wurden ausgestochen, weil 
•r vorher nicht gosehen liat. «Du sollst sAauen, denn 
Da bist zum soÄuen gebeoren, Br fangt wieder von unten 
an zu leb n, als MUhlentreter, als blinder gebrochener 
Mensdht Vie er dann im Tempel si-eht von allen Seiten ver- 
höhnt, bespiSÄi, da spridit er ein Gebot, viell«i<iit da 
erste in seinem Leben: Herg'tt noch einmal gib mir die 
Kraft, und die Kraft ist wi der da, er drückt die Säule 
zusanmen , und alj.eß stürzt Über ihm -in. 

wer mit seinem T.eben spielt, mit dem 

Wersem Leben nicht in die "^g«^,'^i;:'?^,^JL'' sie'^h^* * 
wird gosiiolt. Das sLeillt uns die Bibel dar. Sie fUür 

^einerlei Morallehren an. Sie sdaildort lie KensAen, » ie 
sie gewesen sind. Aber wir. die wir uns Gedanken «achen, 
wir verstehvn hüute mit unseren Begrifien, was es be- 
deuten soll. Man muss sein Leben ernst n.hmon und nie» 

spielen, wenn I}u zurückblickst in diu Vergangenheit, 
dann kan man vieles verk;»*lien, aber einen Vor warf ann 
raaneiüeben: Vom Krnst des Lebens ist nicht viel zu ver- 
spüren, wenn das Bankkonto groBS goiug war, dann i.ar 
a»tt überflüssig, dann war alles gestattet. Aber die 
Zeit liegt hinter uns. 



«» 22 - 
wenn wir uns auoh maaolimaX unglüoklioh fühlen^ ein 
Stolz darf doch In unserem Herzen wohnen. Ich glaube, 
wir stehen eine Stufe höher als unsere Vorjahren. 
Wir müi^sen wieder um das Leben im Lebaa kumpren» Wir 
1 ernen wieder unser Leben ernst zu nehmen und darum 
drüfen wir unser Haupt höher tragen* 

Wenn li r nun den zweiten seelischen Punkt 
heranziehen, so ist es der Begriff des Leidens, der 
den Menschen stahlt und pxrüft. Wie ist es mit dem 
Leiden? Oft st^ It man die Präge an andere, oft 
an sich s elbt. Warum bin idi ein Measoh nur mit 



solchen Pühigkeiten und nicht 



anderen? warum is 



der krank, warum ist überhaupt da > Leiden über die 

, . ' . ■ . ■ . * - ' >'•,■', 

Menschheit gekommen usw» sw» 

BS sind Prägen, die in irgendeiner Porm 

■• ■ "« . 

an jedai gestd It worden s .nd. Das Judentum hat 
dafür ein wunderbares wort: Leiden sind auch Boten 
'^«ttes, aber nur für daa Mesohen, dar sL e erfahrt , 
Häner hat das Hecht, über den aaderdn zu rtell«. 
Du kannst den anderen nicht verurteilen, bevor Di 
nicht in seine Lage gekommen bist. Bsgibt Leiden, 
die aitt aus Liebe soi;iiakt, um den Menschen dadruoh 
zu jittüfen und zu erziehen. jBsgibt Maischen, die 
sich nicht vorwerfen können, irgend «twas Böses ge- 
tah zu haben , die aber tvottdem unter ihron aesdi idt 

leiden mitesen. Sie müssen sich dann tröstön, dass 
es Leiden aus Liebe sind, an denen der Mensdi wach- 
sen soll. Im uebrigen hat die Bibel ein eigenartiges 
|>rinzip. Josef wird an die Aegypter verkauft. Warum 
IXroh die Bosheit der Brüder. Eigenartig wie hier 
der Midrasch eingreift. Unschuldig war Josef durdiau 
nicht. BT war mit den Söhnen der Mägde aufgewachsen. 



Da sagt nun der Midrasch* Mose hat eine dreifache 






*v,- 



. *•« • V«» 
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- 25 - 

Verleumdung seiner Brüder seinem Vater gegenüber 
ausgesproohen: 1« Sie sdilauhteten Tiere und assen 
sie roh, 2« trieben sie unzuoht und 3* noch ein Ver- 
breohea. woher weiss nun der Mldrasch, da. s d as 
tatsäohllch so gewesen ist? Er hat s e verspottet 
als Söhne einer Sftklavin. Josef Ist so gestraft 
worden. Die brüder haben Ihn in die örube geworfen 
und er ausste zusehen, wie sie ein Tier schladäteten 
und es geitjraten haben. Uns ist ja der oenuss von 
Blut verboten» Fromme Juden gehen sogar so weit^ 
dass sie nicht einmal das eigene Blut^ wenn sie sich 

»-B. verletzt haben, mit den Lip; en aufsaugen dürfen 

» . 

Qescixwviige denn, dass wir Blut zu rä. igiösen Zwecsken 
gebrauchten» Es ist fast schon wie eine a»tteslasterung, 
dies üverhaupo auszusprechen. Auch das Blut der 



Tiere zu geniessen ist uns verboten ia; 






* ^ 



>>T« 



'P^ # #. ).»;4'»/«'.^:4' 't:i««' 



Josof musste ferner 



als Sklave das Sdi icksal erdulden, in welchem er seine 
Brüder verspottet hatte. Ihr seid Söhne einer Sklavin, 
hatte e r gesagt und nun erging es ihm in Aegypten sob« 
dass er als Skalve sein Leben fristen musste. 
Der Midraüch malt das ein bissohen aus. Wenn sein 
Herr sagte :Bring mir Glühwein, dann brachte er ihm 
solchen, darauf entgegenete dann der Herr: «ach will 
keinen CHühweln, loh will Qewürzwein. Es ging ihm 
dann gut und Josef fL ng an sich zu schmücken. Da 
sagte Q't zu ihm: Wie, Äi bist hier und Dein Vater 
weint «ich die Augi^naus. Und er hetzte die Bären auf 
ihn und die (Jelüste der Frau des Pothi|lkar. Die Schön 
heit des Josef soll so gross gewesen sein, dass die 



- 24 - 



Frau des Potiptaar Ihren Preunditmun oine Apfelsine 
and ein Me&ser gitb, daciit sio diese 8<hälen, darm 
ri f si«) Josef herein und siehe! Die Freundinnen 
hatten Ä oh alle in den Pinger g ecnitteo . Da sagte 
die Prau des potiphar: Ihr seht den Josaf zum erste .n 
Malirtxnd schneidet ^oh s chon in die Ping^r und i 
bin jeden Tag um ihn and soll nicht gopaciit werden? 
Undnun kommt ©s , worauf der Midrasch hinauswill. 
Und trotz allem wiÄÄstand josef durch sein leiden 
ist der öohte Kern in ihm erwischt, iär war dodi kein 
Scharlatan, sonlem eine grosse Natur, die durch das 
Leiden aus ihm he ra is geholt wurde« Das Entscheidende 
war dass indem Augonbliok, v;o es darauf ankam, wn 
ihm Widerstand gel. istet taard». Jeder kommt einmal 
an eine Station, da ist ©inö rxufUng für ihn, Was 
auch gesdiieht, hier ussen wir ein Examer. bestrtien. 
Dafür ist die schule ein gür.ijtlge Vcr einrieb tung. 
Wenn wir da^ Leben als eine I-rüfung betrachten, „• 

vom grnst auüge end, dann werde u wir auf diese Art 
und v/eise eines Tages zu dem koujsien, was aus uns her- 
a»will , denn die Pr fang« rufen horwor, was der 
Mensch in Wahrheit ist. Jeder moss seinen weg für 
sich gehen. Allmahlig he^^ommt man ain Fingerspitzen- 
gefühl dafür, ob ein Maiudi die Aufgabe e rfollt hat, 
zu sich selbst zu kommen, ob er eine Persönlichkeit 
geworden ist oder nicht, wer ein Bischen die Augen auf- 
mnoht, der kann es mit .Ötliohor sloherhuit unter- 
scheiden, ob er einen Piuohtoenßt^en vor sich riat, oder 
•inen, der zu i*oh will, denn die Pluohtmensdi«! ha- 
ben eine merkwürdig* Art der Lebensauffassung . »en; 
Si0 lü dl sem Vortrage konmen, ist es ein Zeichen 



- 25 - 
Idfci h»be Ihnen kein Späasse vorg macht, soni ern 
übe* die tiefsten Prägen gesprochen und habe ver- 
Buoht, Ihnen den 7/eg zum jüdischen Typus zu zeigen 
Wenn man zu sich selbst kommen will, muss man 
auch ernstmachen mit dem arurxibuoh, das<o wir be- 
sitzen^ mit unserer Bibel« s^ ist notwendl»^^ dass 
rmn nicht etwas \jbov die Bibel, sondern in der Bibel 

liest» Erst dann entstehen die wirklich ai Fra^^on • 
Mab muss sich dauiit besdiaf tigen* Manche sagen: 
Iah habe keine zeL t» Ein uig»n.rtiger Stardpunkt* 
wenn man k eine Zeit hat^ dann flndetman wiikiich kei- 
ne Zeit , auch nicht Tür das Notwendigst e# ?/enn man 
sich aber die Zeit darür nimmt, dann istmanaur einmal 
auf einer neuen Ebene und die Hau jt besä. äftigun^^, 
die vorher alles raubte, die ganze Zeit für sich 
In Ansprudi nahm, ist auf einmal leichter. Man ist 
in einer gehobenen Stimmung, wird von innen her be- 
friedigt. Was einem so schwer erscdiien, dafür hat 
man auf einem Mal viel i^eit. Bi-ganz neues Gefühl 
der Befriedigung steigt in uns auf. und ich wäre 
meiner Auf^be untreu, wenn ich Ihnen etv;a einre** 
den wollte, ein Jude könn^;^ zu seinem Judentum kommen, 
ohne sl oh mit der Bibel zu besdiatf tigen« Ebenso wenig 
wie ein MenscAi sich nichL ans einem eigenen Sda opf 
aus dem Sumpf ziehen kann, genau so wenig kann 
ein Menscii ohnedie Bibel nicht zum Judentum zurüolf- 



kommen • 



Das Chii stentum hax. es einfacher« Es ]j»hrt 



dte aiauben an die PUhrergestalt des Jesu. Da spüren 
wir vielleiolt , was für die Christen AA#v/ahrheit 
dieses Glaubens bedeutet. 



- 26 - 



Wir 



n diesön weg jodoeh i.icht gehen, ün» kam 
kein Uenöuh zu üitt fuhren, aber una Juden ist da» 
Cüioho werk der biblischen L«b nsgestaitung gegeben. 



Dies ist 



wer hineingreift wird überraöuht sein von der Pi 
der Lebensgedanken. Wem. ein i^.aa ßch z.B. weiss, dass 
er in der nuahaten Stunde sterben r.usa, dann gibt 
OS nur ein Buch, das« er in die liand nir.«nt: Dl o Bibel 
Onsöre Bibel, in der die M«x sehen su dargestti It sind, 
wie sie sind, sündhafte .^»ai schon, ücisaahen, die 
gekämpft haben, die himiufwollen im Sone, zum 
Leben, zum Lebdu der a^figtoit. Dieser weg ist ein 
se li£Oh r weg, ein ¥eg, der zu gl ich eine Tat er- 
fordert, und ich taöohlbo Sie wirklich bitten, ver- 
sttoäen Sie eiimal eint solche Tat undz ar an e Inon 
Tage, andeu Sie die Tat einbauen könri(?n. 
Sicherlich der Freitagabend. Bine halbe stund« nur 
brauch KAn sich daftt« zu nt^hmen, urasomohr, wenn 
man K-naer hat. Man soll sica die Bibel eine halbe 
Stunde vornhetaen, nicht wie man aoiram U.st, sondern 
darüber spreoh n. Ss ist eigenartig, wie sich dann 
die öedan^-en «inst<llen, wia eidi die Her;:en auf- 

sohli ssen. 

Meine lomon und Herren t lÄ glaube, diese Ta% 

iöt duroiiaus cimlich und ich bin der Arsicht , dass 
druch Sic ein weg beschritten wird, der zu dem 
weg zu «ich selbst fUtact. Man braucht, «enn ican 
die Totalität des Lebens erfahren will, wenn ican 
Jude sein will, nar in unseren Quellen zu soh )pf en. 
In der Ihora ist alles enthalten. To man hingreift, 
ist ewige T/ahrheit. Sogar wenn die floi enref ormor 
•ine neu- Idee brauchen, werden sie heute noch dar u 
lernen können* 



- 27 - 

Die Idee der Bodenreform der Bibel ruht auf der 
breiten Wirklichkeit ö'ttea. »»eden Tag t^ägt er 
ans und wir sind auf ihm. jeden Tag eine kleine 
Tat, und ös wäre rtir jeden der ^nrang zu einer 
t**fen inneren Befriedigung. Weiter wird die Ent- 
wio klang der Menschen viol -icht nooh ducch vi le 
Stadien in der Entwicklung dahin führa , das 3 jeder 
Mensch zu sich kommen wird. Und der jüdische Typus, 
der zu sich komma wird, wird wahrscheinlida über- 
einstimmen als Frau mit dem wunderbaren Ausdruck: 
Sie lächelt des letzten Tages, ohne PWBOht steht 
sie da, eie hat ihr H^^us geordnet. 

and als Mann: er befiehlt sein Haus 
und dann wird er öingesamraelt zu seinem Volke. 

Ks lit^gt darin eine solche Grösse, Das ist 
Linie. Solch ein Mensch hat nicht gespielt, er geht 
den weg zur grossen Prtti'ung durchs schwarze Tor, ohne 
Furcht. Er ändert nur s€.in Haus und geht in die 
nächsthöhere stufe ein. v/eun s dili ^"Sslich einmal 
alle Menschen zu sich gek ommtn sein werden, wird 
aus diesen vielen Strömungen, di zum Qättlichen 
gehen auch ein irdischer Widerhall erilingeß. 
Dann werden die wienschen auf verseil iedene Arten ei- 
nen weg finden zum Ursprung des Rei^giosen. Es wird 
der Tag kommen, da werden str Men die Volker zum 
Berge &«ttes. Dies ist t:*in wanderbares Zukunfts- 
bild and es wird niemand mehr zum anderen ^rechen: 
Sei Du mein Lehrer, dann alle werden wissende sein. 
Von dt^r Erkenntnis a»ttes werden alle voll sein, 
sowie die Tälder die Erde bedecken. In ans selbst 
In ans selbst drängt Göttliches zur Wirklichkeit. 

Wir 



! 



- 2Ö - 
Wir selber sind Kampf öt um a»tt und rur a'tt. Wir 
sind als Juden bewusst "Jisroel« Kämpfer für a'tt. 
Der w«g, den wir gehen, ist steil. Eg ist ein weg, 
der senkreoiit aufrührt ^ auf dem viel© abgleiten^ 
©in weiter weg von der Erde zum Himmeln hin Traum^ 
den Jc'kob geträumt hat, wird doch einmal wahr wbvdtJn; 
BLnmal werden alle Leiden vergessen sein und wir 
werden sagen, wir dürfai o'tt danken, der unü gvlotrt 



hat, 

hen« 



mnseren eigenen weg zu sohau^^n und zu ge - 



f' 



Mit dem ht^tigen Abend möchte ich meine Vortsäge 

_ • . . ' '. • .. 

für den Winter abschliessend Vielleicht wird es sich 

einmal ergeben^ dass wir zu einem anderen Zeitpunkt 

wieder zusammenkominen# 

Meine ^iBonen un d Herren^ icn taöchte sie bitten, 

falls Prägen bestehen, sie heute abend noch zum 



Ausdrucü zu bringen* 



loh danke Ihnen. 



!!!!!!!!!! I !!!!!!!!! M !!!!!!!!!!!!! f !!!! f ! 1 !! l I I I 11 I !!! I ! I ! 
hei^ hei, hei! ! I !! f 

Ha - a - a - ah - ah ! ! ! ! ! 1! j ! 



Guide to the Papers of Emil Schorsch CoUection (1899-1982), 1841-1999 (bulk 1927-194... Page 1 of 1 



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B) Individual Lectures 
ler Title 

Jewish Youth and Religion 

Inauguration of Jewish Youth Organization 
(Manöver) 

To Parents of Jewish Youth (Manöver) 

Die Bedeutung des Judentums 

Gibt es ein Fortleben der Seele nach dem Tode? 

Gliederung der Jugendarbeit 

Jüdische Geschichte 

90th Anniversary of the Women's Association 

Inauguration of the Gym 

Bar Kochba 

Judentumserziehung in Meutiger Zeit 

Bar Kochba Table Tennis Tournament 

To Parents of Jewish Youth (Manöver) 

Inauguration of the Leibniz-Loge 

To the Manöver Jugendheim: Raum und Geist 

Der wahre Weg: On Rosh ha Shanah; Israelitisches 
Gemeindeblatt Badens 



Date 

undated 
1928 



1929 
1931 
1932 
1933 
1933 
1934 
1934 
1934 
1935 
1936 
1936 
1936 
1936 
1936 



November 

October 

December 

March 

September 

Oct.-Nov. 

January 
January 
May 
May 



file://X:\LBI\EmilSchorsch.html 



6/22/2006 



M !^(03 




Bmil Scfiorsci ^ol/t 



ecH^0 



M.S*3 Isct-ure fiDonf^ Yom^ ß^'ijhii, f^,0. 



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LecH^ ao^i//- {ffi/tJ) a/iJ /ief/'j'e"^' 



^.p. 




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£^ ist eine gewagte Sache, •^'Oö/^e Menschen 7ai ^^^rnnlas«en, ihre 
GeAarlren fi>»er Religion nnazuaprechen, ^ewa^t, rinht etwa ai-»- dem o ^^ 
Grunde, weil man revolutionäre Geda^-ken 7ai >^e-rf^rohten hätte* Hevol-ct- ^i 
tion ist "iR an nioh weder gut noch sohl echt • Irr^er wird es sich da— 



mrr^ hardeln, wamm revolutioniert wird* Will die Ernp 'nirg gegen dna 

Bisherige hessere Zustände herheifiJhren, so wird wohl Yelv wahrheits- 

suchender Mensch schlechthin eineVenirtelnng atissprechen körnen* 

• Aher dn»ronf liom^nt es ^Mn an, dass wan Wahrheit sucht* Die- 

ses Strehen entscheidet sogar üher ,iede Handlung des Mdnsc>^en* Es 

entscheidet nlso ai^ch fc'her die Frage, oh rran ,1ugondliche Menschen 

auffordern darf, üher Heligion ein Urteil ahzugehen* 

d enn / 
Man n^iss also die PrRge so stellen : KannTJug^nd nherhaupt 

uher das, Tras r>Tan Religion nennt, urteilen ? Hat sie genügend Erfah- 
ru ng, nicht um das Letzte und Höchste r:her diese Frage zu sagen, 
aher wenigstens f^oviel Erfahrimg, dass s*e von der Wahrheit ihres 
Gegenstandes etwas ahAt, dass ihr Urteil einem Suchen nach Wahrheit 
entspricht ? 

Ist (iBe rieht der Fall, dann ist .1edes Urteil frivol, und 
es könnte kein ernster Menv^ch verantworten, zu solcher^ Urteilen auf- 
gefordert zu ha'^en* 

Kann also J^igend üher Religion urteilen ? 
Nei> urd .ia. 

Es >^ag sein, dass vielleicht das kleine Kird dem Göttlichen 

näher steht als der Er^iYachsene* Aher eines darf man nie vergessen : 

Was man Religion nennt, ist imrrer nur von Erwachsenen geschaffen wer- 

den, vor IfejDSChen, di« die Kot iind die Gefahrer des Lehens kernende- 

lernt imd aragekojgtet ha'ben. Religion ist ia das Suchen nach einem 

Boden, der dauerrder ist als das von Bitterkeit und Not erfi:llte 

Trersohliche le^hen. Ihre Wahiiieit ist der e-'ns^ige nrd letzte ^Toffnnngs- 

atrahl, wenn sich der schwarze Sohleier des Todes einnal ij^her den Uen- 

schnn 



i 



If 



2. 

breitet» 



-■.^^ 



% 





Efj gp.h auch im Gebiet der Religion von ,ieher Revolntionare« 
AT)er es ist ein eigenartiger Ureatnnd, daae diese Enrpf^rer gegen das 
das Bestehend« reife Männer "mren, die das Lehen in seiner Schrverv 



nnd Tiefe l'-ennengeleiwt hatten, nvü die - wenn es sein rmiaste - för 



pedanken gestorhen sind, 

Wi?l J-ugend sich mit ihnen vergleichen ? - Aber sie will 
üher derer Qeda^}^en urteilen ? If-chte sie doch nn das ;7ort denken, 
das unsererr grössten PrpphVten galt ; Ziehe deine Schtihe au'?, denn 

der Boden, fiuf dem du stehst , ist heiliger Boden. Wenn irgendwo, 
dann gilt hier das >ra.l est It lache Gehet der Ejfhrfiircht» Wer es über- 
tritt, für den hlsiht das Tor 7v wahrer Religion für immer verschlos- 
sen» 

Darf also Jtigend ,?arnicht urteilen ? - Doch. Sie darf, mnss 
vielleicht urteilen, Stel'-ong nehmen, well sie in unserer Zeit leht, 

W r s«he nicht, wie nnsem Zeit das Band der Religion abge- 
streift hat oder roch schlimrer, innerlich gelöst hat und äuaaerlieh 
das Überkommene bewahrt; also den Vorwurf der Heuchelei geradezu 
herausfordert ! Der missversteht das 'ffesen de-^ Religion, der glaubt, 
sie g'4be sioh aiich mit Heuchlern zufrieden . Er hat nichts begrif- 
fen von dem furchtbaren Ernst des Gedankens, dass wir einst alle Re^J 
chenschaft ablegen müssen vor dem, der mit lanerbittlirher Klarheit 
in das Innere sch^^nt, 

'.Vir braiichen ni'^ht nur Ansübende im Geriete der Religion, 

Wir brai^chen niede r Bokanner^ Und »ieT- Weg dahin geht rur über das 

eigene Gewissen^' über die eig^nei4 Stellungnahmeii , Es fehlt uns aber 

heute an Männern, an Bekeu'-em des Judenturas, die sich nicht ron 

Materialismus der Seit haben iinter.lochen lassen. Darum darf man 

für 1-nsere heutige Jugend wieder ein Wort des grossen Hillel in den 

Vordergrund rf^ken: "Wo keine Mlinner sind, bemühe dich ein Mann zu 

nein l' 



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Unsere JrLgend ist vielleicht nicht rit ier Jngen^^ fTüherer Zeit 7u 



▼ergleichen, Sie ha-^ Briegs- nnd Nachkriegszeit erleht iind merschli- 
che Leidenschaften in ihrer Tiefe Bi^fgowijhlt loschen. Waniin soll sie 
nic'Ht anch von dem Heiligen ahnen, das in de>r i:)ralten Terrioel der Reli-» 
gion wohnt ? 

In diesem Sinne sollte die AiissT)rache ein Zeichen dafi^r s*ln. 

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dass die ^rfiircht ^^or einem letzten Erl^ennen in iir^erer derieinschaft 
wieder zn vachsen heginnt« 



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Vortrag bei der Einweihwngafeier des 
Jtigend Vereins, Hannover, 5, IX. 28. 



Keue Ati^gal)en der Jagend. . 

Komrat in ein neues Heimjauch neue Aufgaben! 

Bisher schon viele Aufgaben: Bildung des Geistes u.des Körper» 
Verträge über .itidiscne Wissenschaft »allgemeine Zeitpr®b= 
leme allgemeine Wissenschaft jArbeitsgeraeinschaften.lüd. 

?HJS^i??JSl^J??'®^^^® ' ^**^*"*^^^®^®™i® •Sesichtigui;i:en. 
Körperliche BildungiSport, Wanderungen. 

«enseiS!*"^' ^«*e,ünterhaltmigsabende, gemütliches Zusaw» 

Noch neue Aufgaben? 

Antwort^Ja^|iS|_^neue Aufgabe zunächst, nä«l ich Zusammenfassung 

Suchen eines I«benssinnes. Bisher nur hemmgeachwemmen.von 1e« 

BlSwS??e?t^irfif ^i:^"-''^ '^"^^ ''^ ^^^-'^« ^- -- 

Sinn u.Möglichlceiten der Ji:igend:Kach de« Kriege gf>glaubt «.Ia 
If???.-?®""® Aufgaben finden. Enttäusonunr Art Ikflir^Ü 
Weltbuhne gegen die Jugend. Wahr ist:Mfht die Jugend 
rSS aShäS??^ finden.Neues,Wahres finden von dÄJah« 

V.rzuJ'Sr\'"" L^^«««?^n^ SpÄLer^ Jugendbewegung v.r 

^J;^J^1^^^ -J*^ Neue, das »an ihr .eigt in seiner 
Wahrheit ahnen können. eriTeifen vnm p««hi«.I. I^ -Z , 
gend hat Elan "i«^gr«iren, zum Panier erheben. Ju* 

Är«berung der Gemeinde! Vortrag: Jugend i« ^«^ n« L^ 

IlM ™,;. pf2?",°" *'«®'' "*lÄe». Vielmehr: jMendwll 
mLS^e'Ge^^iS^^^^f JS"i.*o:^ "»"•" ^«i-^n »"Seit 

kennt. dass wirkii«^« t«»*«^ < ^Y*^^ «©«teilt. Sie er« 

akti>«« IfnS gehö?? ^ "* ^"^ ^^' Gemeinde in tiefste« 

^Hs ist eine ^ü.ieche Ge;einde? - Gestaltung eines Gemeinschat.. 



z 

le>)ena nach "oralten iüdisch-religiösen Prinzipien, d.h. nach den 

Prinzipien ewiger Wahrheit. Nicht etwa zu nichts verpflichten» 

de Religiosität! 

Selche jüdische Crenieinden fehlen, Üherall suchen die 

heutigen Menschen, die Juden die Wahrheit, nur nicht in ihrer 

Nähe,ii« JudentuM ! waniM in die Ferne schweifen... Im tMfsten 

un"begriedtgt b leihen! 

Weg zu einer neuen j üd . GeToe inde : 

1.) Jüdisches Lehrtiaus . Schule der Jugend! Eine selche 
Möglichkeit «iss geschaffen u.muss dann "benutzt 
werden! 
2.)Greistig jüdisches Leben suchen! Versaarailungsort 
Synagege,be8 hak'neses.Ich könnte ja sagen: Ich 
spreche nicht als Habbiner,sendem als Jugend« 
ftihrer - gerade weil ich die Jugend zur Wahr« 
heit fütiren will, spreche ich als Rabbiner, d.h. 
als einer, der sich bewusst in die ersten Reis 
hen einer gefährdeten GeMeinschaft gestellt :hat. 
Synagogen-besucii an einem christlichen Jteier« 
tag der auf Sabbat, auf einen jüdischen Iteiertag 
fällt. Welch iapesante Wirkung, wenn öffentlich 
dekuÄtentielrt wird, wie die Jngenn wieder das 
JudentTUB erebern will. 
3. )Ge8taltung eigener Feiem(Sijuah- feiern etc. 
im Zusammenhang mit dem Lahrhaus ! ) 
Eigenes Blatt, in dem die neuen Jugendfragen 
erörtert werden: Jngendgewe inae . ZusamMenschlua« 

zu einer Jugendgerreinde! 

3chluss:Partikulari8tisch?»ein.Menschlichkeit gibt es nur in 

Gestaltung von Besonderheit. Judentum ist ewig gültige 
u. für den der sie Vennt, herrliche Besonderheit der 
Gem4ftn??chaftsgestaltung. 

Welcher Mensch, weiche Jngend, echte Jugend hfttte nicht gern 

Grosses geschaffen? Ich habe auf eine Punkt nur hin« 
gewiesen: Konzentration zu rErneuerung echter Jüdischer 
Gemeinschaft . 

Schiller: Wer etwas Treffliches leisten will 

hött 'gerne was Grosses geboren ' 
Der aaremle still u.unerschlafft 
Im kleinsten Punkte die höchste Kraft, 




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Tiene Räume :^ii der Jf^nge anr"ge,oT) riebt rri.t rllo??or L^erBledlung auch 

in/"jue Arf^a'^^en •^^er'hiirleii sein soÜl teri.Di«^ n^nt^T:]/^;?! JngordTO reine ha'ben 

Gic^ r^'^mr 'hi^'^her B'^'^on eine an^n-ro-^d^rtl'icVje Vevpr^ vnv AMfg^>>ev^,e^ 

stellt f^or\.Bss VB.T ^ it Hec>it ""vH^en var-njOT) ^ii ii e-^-^r Ire- ^re rooh eine 

ne\;e Awr^-abe treter so]3, p.rp.n-^ g*il> i'^-r R^drier dio iV-^t^vort ,of? .?*'"^^e noch 

eipe ne-ue Auf rn'bo^r: 53^3 ich die Zm^^-^'^-erif'^s^miv.p: der? Bi'='^or1/en/Dio Ju« 

gonc5 icüv3se oiner- noiatir. Lo^erv^siT n iiiic^en, Ri«hor soi sie 4ai»Ä^M:5ti auf al« 

Idn Oobi^tor henirv^::^Boh'.voTiiT^en, 7c ^'ner boI ctcr Boiler, in den ^-^an ein'JViir« 

zeit v;ie oir. BaiiirV'.ach der^ Kripz-^e ^^esondo?;*^ "hwl-o r-nr .r:ejr]anl)t .diese 

eine rone A^if/rp'be ] örne die Jn^^^rd i^'^i'^-Bt fir^en.Da.s Alter. ^«vS d63n 

iriep; hei allen K^imn^finien vorlor-er ha^OjV-atte. Vein Zv-tr^very nehr zn 

sich u.'i^a'b der Jti^eiid ihr Vertr^i^en^'^ine rene Gef^trOtnrg 7ai finden. 

A'ber hente 3oi eire jJntt'^ni^ohvn,^? i<efrl -t .Uno ho ] or^r^e e??^da^8 in ei#x»r 

politiöoVienp^ir^erdy'lirinL'eriv^cher Zeitschrift vor Vvrzen? A'e,Ä;en die Jii^end 

gesohriehen wcr-^en sei. Die c^n^end hftbe nie v.njr^rer etwas Neues /^refun- 

den. Sie hrhe viel^a^hr ir-r^er nnr '1e'1ar>en^die ars oer Erfahrung fie?5 

Altera r5ta>rii^en,nufgenor-ren///ahr pei an die??er I ritllr^riRas ^ur Aufzeic^ 

gu.rg rer^er vVege itJrfahrnir:^ nicht enthehrt werr^en >önne.Aher die Jugend 

hwhe loch einen Vor^u^,sie hahe n^^lioh Sc^^Tnmg'kr^ft u.>.önne daher das 

u.desv^en «Vahrheit sie ahne, 
Eeue,äa9 rriar ihr %ei;re/ergreifen u.dnrchfiihren. 

Und was ist nun «iienes Ke-ae^iHwS als 7n7.^awT^errap;^ende Aufc 

ie;ahe der Ju>:end vorschwebten solli^tEs sei die Aufn-ahe^eine neue, wahre 

. G-erreinde zv ■bilrleE..i;ir-e il'vlische Crereeinde f?ei fiie (Tev«=!taltii]T/5 eines 

GerreicachaftBle'benf^ npch uralten .iüdiaoTi-reHglÖnen Prinzipien, d.h.nack 

Prinzipien ewiger »Vahrheit.iisie seien nicht aufgohaut auf' zu nichts ver« 

pflichtender Heligiogitat. Solch 7;ahre ,iüdische Cfenieinden müsßten wieder 

Sef,ch£ffen -wrdeK.Urd der leg clRliin J^'-Tfalüe in verschiedene Unter^rup« 

pen äer üf.ferut aufgab©. 



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♦Es gähe Giiien oTter .Tiidi3c"hG Streit, r!or nie entnchltJden wor^len sei. 
Der Stroi/t tiä"ilich,vm3 wichtip;er sei, Tim oiier Lehren. Bftr üruad 4«% 
der nichtaBttscheidiing istj-iaas ?m vHr«chifidenen Zelten das eine oder 
flan nndere vricbti«rer Bein kßnce .Heute fghle es aw .Visnen "»im das Juden« 
tuni.Dan:.ra ^\i3te ei.'jentnoh die Jn/^iend fordern, la-^?« il^r eine Möglichkeit 
^:ef=!Chßffen •»ri:rd8,die.-e8 Wiaaon in wodorner v/eise 7.v erv^erhen.Ea trtfigse 



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VT sie eine iloßhachnle oder - wenn raan die nralte }"ie?,eiohnun^ fi^r jüd. 
Ilochsc'-ulen hem'itr.e - es rv^^(> ein .ifidlrtohes Lehrl^ens ge^chftffer '^erdi»n. 
ür.d wenn eir, r^olehes ,'renoh äffen «ei,dPnn rrüswse die Jn;!;er.fl es "beiiiitrren. 
'•Weiterhin '-ror.e die Jr-cnd den Ort Rnf'3ncrien,"fo ii^disches Lel)en flieast 
n.f;ep.taltet Tdrd.das Pos hR].- 'reseSjder; Ort -.ler Vert^airr^lnng oder - grie« 
chisch - die o;/r!agc«;e. Inner GeVjet sei nehr als (febe^...^a Ist 5?n^Tleich - 
eine TetsP-c>'e,-or der die anderu otannend stehen - die .iüdische Phllo= 
sopVie.?]s vr<^Te ein if^-r-cs 'artiges DoVnv-ejot neiien Ji^gendwollen»,wenn an 
TR^:en,nn denen ein richt,iuäischer J^"eiertRg rrit ietn öaTjhat oder eirem 
.-'t'dtscVer Psier1:ag r^n3fl^'>-enfJillt,Ju'?rend das herrliche VersarriwlTmgahRi:u3, 
dPs sie m Karnover ■'->e9it^t,n;nen wirde.Ein ^^efintea G'tteahsi:« atimait 
allein schor; ■-eli'-iösi?:-!^ bleich aber wäre es -in Zeichen dafiir.daes nun 
.irdisches Loheio vor einer ranen Jn^end t^k ir-nen heraus gs-fitaltet werden 
scll.Des^/el+eren ynv.vter\ von der Juf.erd eeht •'iJdiBclie Feiern veranatal*^ 
tet vre rflen, -ihr lieh -/ie -bisher schon .iijd.5^ierr -'erenstaltet ;vorden sind. 
und aktiv y.nr.no die Jiagend sich mit all diesen Praxen anseinandersotr^en 
av.ch die,-^enigen^die es nicht in freier tnn ^önrjen.in den: fiir sie /reschaf« 

fenen Bl8.tt -^er Ji:i^ond,^e-eiude.K-ntÄ:])ie Anf/^ahe^eine neue >'}e«einde zu war 
den !^erf":ne in sehr vio^e Urterauf^^sher.TJrd werm ?ran einverfen wolle- 
//ari^r den ±;srtiltularisnn^s einer hesonderen ,1iidischen JLftV,ftn^o>,taltuia.r' . 
Gepeinschaftspestaltun^,v:an.Tr. nicht einfach eine ^^dinpuo l^Yo^^ irensch« 
liehe l^h-^rs-esteltur^? so sei darauf zu er7Tidern,dass es so etwas wie 
eine rein^ r>-enschliche tehensgestaltun^ nicht ^Iht.Es ^ibt rrenschliche 
Lehena^estaltun^ mir in der Besonflerheit de» TTT)-aB.Und'ein solcher Tr« 
pus der ideer>u.aerreinschaft!=»5;estaltnng von ewi,^,e>>i Wert sei iaa Judens^ 
tuiB.oc also kon^^entrierensioh die neuen AufirUhon der Jn^end in d'^r einen 
Auf^«rft>,e «ir,e echte .ili-lische Gen^ein'ie nen ^u' scharfen. und ^enr^ man HTiHüf 
sa.fcenjvollte,die3 sei doch eine >3^>ine Aufgnhe,so ^vvsse n>an >rit devc 7or= 
tft ochillors ant^^orten: -7er etTms Treffliches leisten will - H^^ttVern« 

^Z^r''T:%^'''^''''^''^~^Zl '''*^-^^ """"^^^ u.unersohlaf.ft - Iir^'kiein'iten 



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1, 

Bafen3ftbend für die Enern, rteror. Kindwr die Rel Igionsschiilo 

Äw 31. Jan^-ar 1929, 
aiwreserKi ce, 40 Persoren. 

In der BiwneittTrn; weist äer- Dr^ür^hornch aarni^-r ^in.dass 
die E]tem«'bende da^n rfi©r,en eoHler., daa Irterecwe rfo » lehrrjrs wie «inch dea 
das des Sc>i\51ers in derr ürrwe^c« fhe- cti« i^lterJi 7.v rörderr'. In de^- »eiis-ions- 
8c>vle wer^e v^hr Heligionf^mterricht erteilt ein ht den höheren Schi?3eii.I)ie 
Elterr) flis, di*^ ihre Klrder in die Heligionascinile nr-icler. ge'ben dar^it 
l'hre'^ »ninsche Anr^dmck, das ihr« Kinder tiefe- ir dw3 Jvi,e^ tiirr e^'n^etührt 
m'rden nJa es sonst der I;>i33 sei. Der Rcligionsu^ t errieft sei eigentlich 
mir ein Ersatz für den Unterricht der Eltern, dem die Elterr swlhst sei/en 
verpfli'^htet- -^hre Klrder in dws Jiidrirt^^Tn (^inJ?i5ff;h-v^r, Das sei der Sinn der 
Worte in Sch^rra-aehet: wesohlnantont l*77onecho: Dv so23-s3t 3l« deiner Kind-^m 
elnsohfirren. Durch Benir imd raan,'^'^ lAde Kenntnis äeler .iedooh rjle Elte n 
in den allerwiat-r Fällen nicht v-^hr in^tande, swl^st Itor'^ Kind^^r 7.v ^mt9T^ 
richten, daher trete an die Stelle der lÄhrer. Mf»r M'rfe hei»»! Heli,'zicnsim- 
terricht nie verlsernen, das*? es hier elr lerren fi^r da- Leh'^n gilt. Was in 
der SchnlJe sonst gelernt wird, Terd-r zrrr ;?^ös3tr!n Teil rac>^ Vi^rlass'-JD ä"^ 
Schule -"ied-^r vergessen. Das misse ,1edoch h«ini Relgi'-nsnnterricht -'nders 
sein. Ja hier h^ginne das eigentliche"lerren " er'^t nach V^^-rlns -en -1 er 
Schv:ie, Joder Ji:ide s«i venD^lichtwt 7A7 lernen ad fim^m iwiussau. "»^ig z\m Taare 

•iwnh '=mge 
seh 9^n ge- 

,. , ,- - j v^r&vvart 

Wäre, Ure diesen ^'edarlren znr klaren ifilnsicht zyy hr-ir:ren, s^len die Eltern- 
»^hende g-^ninrt. Sie -/t'rden ihren Zweck n-r da- n erfülle- , w^nn es 7M e'-ijer 
re^Ter Aussprache körne, -n dwr rr^^glichst viele t^iln^^^irm sollt-^n, 

A usspra-^he^ 

Fthu CroldiTH nn; Der Gen ^^icht3i:ii}tor ioht gel \m fiMi^oherx 
Religion^nnterrloht d-^r h'*her'^r Sehnten T)en3er, ßel^^\:r^T «33 in dr?r Reli- 
gionsachrle. Herr Le vif^ohn^ weiBt daranr hiü, das i da^ mit d'-?n Voraiisset- 



7vr\^-^v. 7TT3n>-r^rh'r;Te^ ile rrnn ar der höherer) 



Schril« 



«n im Genchlohtsiinte>"rinht 



rBacp/^D dürfe. Di« .lüdi^c^ieii aeschl-hte g-l viel le"b'-rdlger^ wonn den Schti* 
lern bv^- dem a31;z?Tr3in^n fireachiohtgnnterrinht die Geschicht^r der inliegenden 
Völker "hekarint sei. er/ 

iier Hfiln e mann w eint darniir v>in, das^eina Z^it lang 55eine 
Kinder an dem -•üdisoh^fn Religionnimterrl-^ht de-^^ höhc-wn Schnlen habe teil- 
nehmf^n lasg-nj er hn'be gin .iedooh wieder in di-^ Hei -lontischnle geschio>t^ 
weil ^i« dort mehr le?mten. 

Pran Bals am, stellt den üntra^?;, Hv^h die ,1üdlBoh^ Kiirsiv- 
So>^rlft in d^r He3igio-33chi;le zv lohr.^n. Darf'her entspinnt sich ein^ Dehaf / 
te . / 

Fran Natt hwrichtet. das-^ elf? in Görlitz dae iüdigehe 
Schreih^r gelernt hahe^ ah^r ^ar Icelne Geleg-nhe-^.t h:. n^ es anzwvenden. 

Her">- Rn n oler hetont ^«doch^ davS-^ die hehräieche Schrift 
^ir die ost,iüdi*=!nh"n Kinder^ notTT^nd lg aei^ wem s±^ z^B. ihrer Grosse! tern 
nach d'^r Heimat schrolh^'n wollten. MJ.t lhr«n gehe es keine ander-? VersÜfindi"* 
gnng als dnrch di'^ hehräischfi Sc'^rift. TjT mach« d^^-r Vorschlag^ iiHlsohe Ge- 
schir^hten in hehr^lischer Schrift les-^n ^n lan -n. E^> gehe solche Bücher in 
Biic>^^r in Leip?:lg» Jedoch w^iss eB kein v»erk land kf^in-^n Verlag an5;:tigehen* 

He rr Be id nr?r verspricht, ein Bi^ch, wir: Herr Rndoler 
ange/xeh-^n hahe, 7M h'^schaf r*f^n. Es s-^i deutsch« Sprac>^e mit hehr-'i^chen Brich** 
staher ge8chri':.hen, z.B. dit? Buher' sehen Saclien. 

ha rr Lehrer Wel nherg hält es ^iv wichtig festriistellen, 
wie gross das Interesse fiür das ,iüdi5che Sclrreihwn st^i. 



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Z. 



AbschHessoüd ^-^edoch w.*iBt Her'" JXt. Sc'hpr^^ o'^ daraiif hin, dasf^ es nicht 
nötig wJ^re, cihe "befördere ötiirde fijr die ^dlsche Ki:jri8v-üohrift eiii7:^i- 
führen. Er hah« auf ffu-^BCh der Klr'lcv ein^^til arr Sc'^^nnas einiger Stmnden 
die Buohstnher der hehräiacher Kiir^^lv-Schrift i:rd "hre Vr^r'blndiingen an die 



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* 

— _ . , — , „ ^ _.. Einfilirung 

des Jßdisch-Sc'hrei'henj? al^ ßnmd argftgo'beri, es sei ein« Art Sterog-rafie, 

Daraiif e^tfid.ert"'. Herr pr.3chor;^ch ^ er yönne höchstens zugehen, dass es sich 

•am eire Art Ge>'eiTn3o'»Trlft handele. Znr Best^itlgi^rg •n'Jhrt Her r Rn^oler a n. 

dass es «i]es, was seine Angestellter nicht lesen solli^n. In ii'dl'^c'her 

Schrift schreihe. 

Herr FrledTra nn rrelnt, dass es sich "^eirr Religinnsnnte rieht 

tn WirUlchlrelt nicht rm Unterrir-ht In Heligion handele sondern vn das Lehren 

der Sprache. Die Kinder sähen die Religion ?ft nicht. Es werde i^edoch zu 

wenig Heh-^älsch gelernt, und das Gelernte wi^rde twsoVi vergessen. Jfan m'i^se 

also nehr Unterricht ertw'len. 

Herr Helnerrann meint, die Kinder sollen lelMusn, ttes-Tran im 
G-otteshause hetet. Dafür seien 4 St'^nder wöchentlich genng. 

Herr G ottlieh h o-^ont. das- in der Religionsschule im Behrä- 
js chen sehr viel gelehrt werrt«. Das sehw er an seinem Kinde. Er spricht 
weiter den Wursch aus, einwn Kursus nach der Si:dstf»dt (HildesVieirierstr. ) zu 
verlegen, da der Weg für die Kinder sehr wei t sei. Diesem Wunsch schliesst 

sich Frl. Hoderherg ar. 

H err Aschheim tragt, oh d«r Religionsunterricht '^ur gleichen 
Zeit wie in der Schiile erteilt «erden Icönne. Herr Dr. Schorsch weist nnf die 
Sohwiereigkeiten der Organisation des Rellgionsun*-errichtes hin. Es handele 
3ic> al>ln an der höher-^n Schulen um 167 verschiedene Klassen. Allen Klas- 
sen gleichzeitig mit dem christlichen Religif-nsunterricht den .-^üdichen Reli- 
gionsunterricht zu «rt«-^ ler, sei eine fKlctische TJnmöglichlceit. Mfln hraiiche 
dazr rlrdeatens die dreifache Anzahl der Lehrer, die XiJlX heute znr Ve-fi5gU25g 
styiehe . Aher nrch Komhinatlonen seien Y^vm möglich, nicht einmal von Para- 
lell-Klassen derselhen Schiele, da fi^r den christlicher Heligion^tinterri-ht 
der verschiedenen Klassen n^r ein I^ehrer zur Verfi'mng stünde, der Immer 
nur in einer K lasse untorricht«n kann. Dagwr die Eirricht^-ng von verschie- 
denen Kursen in v^^rschiedinen Stadtteilen sei vielleicht möglich. Es liegen 
.iedoch hierhei SchwieriirV^iten in der Orgarisaitior vor, da fi;r die Komhina- 
tion ri^r die Kafehmittage zur Verfügung stünden. Ein« Erle ich t'^rnng -^ärees, 
wenn sioh herau-^st-^llen #153HK^eollte, dass man Gnmdschulklaasen auch vorr 
mittags zusammenfassen könnte. 

Frau Fri'.!dmann g lanht. die Kinder nehmen den Relig ionstm- 
terricht ricv-t errst. Als Beweis fü^^rt sie an, dass Gehnrts tags feiern imd 
dergl. Dirge als Gründe ge.iten, am Religionsunterricht nicht teilzunfehmen. 
Herr Le>^rer Levis ohn weist Amregegenüher damaf hin, dass nher das Ernstnehmen 
die Eltern entscheid'^n. Wenn die Eltern darüf sorgen, dass ihre Kinder regel 
massig ^nm HelgionvSnnter'^icht kommen, desgl., wenn sin fi5r dif^ Vorhereitnng 
ihrer Kinder sorgen, dann würdwn di« Kinder anch der Relgirnsnntexricht ernst 
nehm'^n. Frau Rieg^lhai:i-r)t unterstreicht diese Ausfiihrungen mit dwr Angahe, 
dass ihr Kind den Religionsunterricht v-ellig n'»hme. Auch Herr Inspektor 
Mev^r herichtet ans seirer rfahining, daa-s die Kinder den "Religionsuntericht 

Sf^hr nehmen« 

Herr Dr. Sch orsch, sni-ach nnn üher den Aufhau des Religions 

Unterrichtes. Die heu-*-ig- Ke'igionsschule dnrfenicht dem Ahgchlnss de« Ler- 
nens. So lang-^ Kinder das Gliicl: hätten auf Kosten Ihres Vaters die Schule 
ZV hesuchen und leif/(nen zu dt'rf-r^n, solange sollt er sio auch ihr Wissen xm 
ihr Judentum vertieftfB. Mit 14 Jahr-rn oder oft schon fri-:her sei dieses Wis- 
sr^n nicht f*rtig, nnd er würde Einrichtungen treffen, daas die,ienig-n Schüler 
die räch Ahsol^^ir»rüng der heutigen Klassen der Religionsahule noch weiter die 






3*' 



^ 



'5. 

öffentliche achniHr» 'Heaiichen, anoh (relegenhoit h"?tter, in Ar"beitrt/z;en^ir^c"haf- 
t-^n ihr religiöses üfisswn 7M vertiefen. Jör ►^itte die ElteT^, wen^- diese 
Sache ar sie heruntrete, sie 7M nrtersttitfjen. 

Des .veitercn weist ex- daranf hin, dass er verschiedene Elnri^h- 
tnng-jn getfoff'^n hahe, um d^n Heligionm^nterricbt ymä das Interesse der« Ein* 
der 7n "belo-hen. So z.B. habe er eine Jugendhihliothelc geschsf-f^n, diirch die 
die Kinder in gerriätl icher »If'^ise In .Indisches ^er>r,n rnd Fijhlen elngefi-^hrt 
werden s'^l^er. Dem Arsp^om dienen Prris«, die dieses Jahr 7.vm ersten MäI 
verteilt vmrd'^n seien. Dieser Aush..!] we-de roch ;7eite.r- fortgesetzt. Die" 
serr gehörtet hvcIi die Schaffnnßr der Bit- mähende an, die vielleicht dr-irml 
iw Jahr veranstaltet werden wollen. Desgl. möchte er in ahsehharer Zeit 
alle 4 #oohen oiren Jng-t^ dgottesdier«t in der S^-nHgo,Te ahhalt«n. Das hahe 
.ledoch nnr dann einen Wert, wenn die Jr/rerd anch "OllzJIhlig e-^s-heine denn 
eine leere Synagoge mache sc>ior auf Jäi^rwac>«scne einen herahHtirrmendftn'ßih- 
d mck, "Ujn wieviel mehr auf Kinder. Kr möcht«, dass alle ** Wochen -tattfin- 
dende «luge-^gotte'^dienst als Vernfli^'Htnng flJr sSrrtM-^h-j Ki-rter g«?ltwn solle 
di« fim RelipriongsnnterTlcht teilrehrv-v^n.JedocTi wolle e^- zuerst 4ie Meinung ' 
der Elte-r hören. Es erhöh sich kein fidersr)rtich. 

^ Zuiti Schluj3s weist Herr Lehrer Levisohr darauf hin, oh man 

nicht einen heson'^leren Eltemahend ahhalt^rn aolle, um e^nT-l die Frage def 
.iüdischer öchule zu eröT-tem. Herr Dr.Schorsch hält «s nicht für nötig 
da die Gemeinde ia sowieso die Ahsicht hahr, eine irdische Schule ins Lehen 
zu rufen, schalt der Hiderstard de- st^dt. Behörden ve schwlrdo. 

Daraur schliess Herr Dr.Schorsch der isitfiina'bend, ,- :' 



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OeJemna Jfs '77Je,?/i^w5 




lö. I.ivoi. 






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Die heutige Ziisar^men^nnft hat eine he^sonrlr>^e Be^ 

deutTJrg. E*^ Vo^-^men I\ jr^-n/^nhftn 7A7eler Rfinigionfi-n '^^n^ai^nen, 

utr ^ieh z\3riäo>st e1n>^''?^l iih^r r; Ire Pr?^ge den VerBuc"^^ der 

Ver8t?indigiir)g zr )rpc>en. //as h^deutet ein Boloher V^r"^ 

8uch,d/^r pa 8chcn and^rs^/o off^rn u.r'it gnterr Er'^olg 

geivpcht wnrde? EvS giht anf der -^j^de ,7/er^n aneh nicht all=^ 

zxi^n.rjle ,80 doch immerhin eine ganze Anzahl von rieli=: 

gieren, iie sich früher mehr oder v/er.iger he-Oind'')ten, 

von drn^n ^ede sich iMir/einzig ;.7qV re li e 1 igion h ie 3 1 , 

©f>i?-S^4-'e3rg Die Folgen solchen Verhaltens "konnten nicht 

anshjeihen. Venn ,1ede Religion sich für di^ einzig wah^ 

re hält, 80 v;ar eigentlich vornnsznseh.en,das8 ein^^-^J 

iemand l:ommen 'vird,der den Schluss zieht: Es V7ird wohl 

hei solchem Streit > e i y e Religion die vVahrheit verl<i3n= 



den. Iw'at anderen //orten: Dass die' i^lut des -Atheisnu^s 



:i 



des G' * teslei^gvertnme so gewaltig Pnschwo] 1, sehe int 

eine v.^chuld der sich he>>*mrpfenden n-^:iigionen s-^lhst 

zu sein! Ich will die Ahschni^ t te dieser £nt7/ic l<]nrig 

hentfj n i c"^ t ' he ac h re ihen . Ihre l^igri^nder ?/aren Philo=^ 

öophen,die dnrch die techniscJien Erfolge der ITatnrv;is^ 
senschaft zu ihren iTehlschliissen veranlasst 7/orden 



-r 



Ksirid. Ihr^ Irrtiim ist lorrigiert worden ii.sie hahe 



n 



•in fi/^r Ef^nl^ftrn 4e¥-^f^*^-?54f*ir imsoror Zeit .teine I>chfol=^ 
ger gefunden. Dafiir hPt 8ioh nach dem u-e8etz,da.ss eine 
Genor.«,tion nPch dern Tode eines DenVers seine Ansohau-ujip- 
1/bde ^ird,rler athr iativSrlKi^ I^^aterinl iBmnR nnter dem Vol- 
Ve aii8ge"hre it "-t in einem LaaRe^dan geradezu ernohrek^' 
lenri Ist. Ic'h g]aiil)e,nan darf sich nicht dnrnh die 
rjoch ivvif^T p^vossn Zahl vori Et^Bnchern d^r G' ttaahäiisft r 
t.H\i3cheri lavS8«n. !^b^ Ür I«:'???^«« der IvAnRchen h'-dit« 'hn=- 
7/«gt , ist ftin- praktlqohftr Ii^tftriali-Bmis ,d.h.i^inft Einstel-I 

, :iur.ig,die ■boeagt, ,da?!{^ :!«r I^^naoh sicli v/egftn vS-^irrs Han=^ 
deine ^/ot kftjre'^r höh^r'^r .Venen zu vi-r^nt-nort.-^n }-jp''bf^ 
dJ^sfii dPr, Lfil-)en mit dem Todo ms. p,«i u.da"<-! fsinxig Er- 
st,reheri8?/erte i-discl"ft G}i;cl<ae] i gl^ftit w/^re. Es -i5?t 
nicht ZM ver]^ernen,dn8R hierniit trotz dfl.T miHinnofi^ 
rechen GftTrPuch-^a dne Begriffes ' sozial* in 7/irklichl-'5it 

■ die r!ier,sch liehe J:igen8C>:aft sich durch zn.se tzen "beginnt, 
die iw.-<^r dir! nor'^l ischon Hei-nnr.gpn 7,^1 f"h«r-7inden ver=^ 
sncht, nämlich der grasse ,nPo] te i^goisms, j^^ach der 
Lh«rzengnng religiöser Llenschen >;nnn die Fo Ige e reche i=- 
nung dieser Ahwendnng vom" Gott] i'-hen nicht anah^eihen 
^i'' Seihst ze rstörnn g ier ^-en schengerminschaft oder -^ie 

'' II ■»! III ■ ■ _ I I ll^^««^W— ■— — — 1— — ^»-i— — — ^/ 

evS aus arder(^n Gründen Snengler genannt hat: Der Unter=^ 



gang des AhendlaDdes. 

i'iljiem solcl-'en Anatnrn rnftn-schlicTaer Zftratörurjga- 
vAit g'^geni^'ber nn;.ss«n di^^ leligionen not-^ftnrUgftrr/eise 
ihr« irterneri S-^r« It igke iten v<^r/y.qpen ^ sie müsBen er- 
nennen, dPss «!? nnter grnsBtern Gfi8ichtannn> te heute rmr 
^ Parteie n ^\rr der vVelt giht: Die eine,riie unter ^iner- 
l^enming da3 OTrlgen Q^ttea durch Anwendung reJ igiöa^ethi H 

Rcher PringiT.ien die j/elt erhalten nill^ii.die andere. 
praK tisch e • * 

die cTürcTTTTeTTgmang (£s gibt nr.mlioh viele J*rPohen riie 

G'ttes ' 

^•^^^ theoretische/Lengner Bi.nd,aher prattiach noch das 

dar, reUglös-ethische ^rhe der Vergangenlieit uhernonirr«n 
hahen u. ver-rirlclichen,daa iat natürlich vveitrus hesBer 
ncch^pls venn ieir^nd mit Porten G'tt Pnerl-ennt nher 
praktisch das Cregenteil dor Porderimgen tnt ! ) der .zer> 
at ör e nde n Sei bs 1 3 n cht 7Am> Siege verhiltt. Die J?ord-rung 
der Stunde Rlso heisat: Zn-gamn^ena chln.-^a aller neligiösen 
gegen die ungeheuer angeTrachscne Zeratörungg /refahr'! 

Di?^ae »Kenntnis, die achon d«a Öfteren T.ra]<ti^ 
achen Ausdruc> gefunden hat, begegnet einer Schwierig- 
keit. .7enn näral ich im Untergrunde des in der Zeit der 
Cre fahr geschlosaeneh Burgfrledens d-r GedPnke »weiter 
schwelt, daas . Jede -^eligion die Wahrh eit allein Feuach- 
tet hoben will, so ist hiedurch notwendigerweise die 



Echfhf^it ci/^s ^.ugnmrmmnchlusses ^e triebt u.drrrit ^^i<«5l- 

deicht niioh rifir Erfolg dr^s Ziisnmmftn^ohlugses in Frage 

gestellt. Daher ist es dring,^nd notwendig, ^f^ss die ver=^ 

schiede neri Religionen sich gegenseitig einir^nl >ennejt. 

lernen, vr^rst ehe n lernen u.lw'iissverständnisse heseitifiien. 

^lie früher das Verhältnis vergifteten. L'an wird aus 

dieser ^.^ahren Verständigung ernennen, in^/de fern iede 

Religion rrit Recht ihre «Vahrheit hehau-otet u.doch keine 

die vVahrVieit der andern nnter^^räht . Allerdings miss 

r>-an,ujr: L.is'^.verstöndnisse -^^u verp-eiden, solche Vege ge=^ 

hen,die sicher zur vVesenserkenntnis der anderen Reli=^ 

gion fvhrt, ein solcher 7i>g ist, die Li^thode der Selhsts, 

darstellun^. Hierdurch v/ird ^^er]^ieden,dass anch heim 

hesten //illen unhevrusste Vorurteile das wahre ^erstehen 

i:inmög.lich machen. Unter d in aeri Cresichtapun>tftn faa.se 

ich den hentigen Vortrag auf,i5.r)i den ich gebeten worden 

bin. Ich möchte Ihnen, Bo^^eit es in kurzer Zeit rrnglich 

ist, einen kleinen liinhlick in dae 7/e.qen des Jn-lentumes 

gehen, so wie «vS wir Juden se]her nuffasen. Diese Seihst- 

darstellung hat eine donpelte och wierig]<eit . Erstens 

hPhen -^ir Juden l<ein e autorit ative SteHe. die etwa v,y\ 

nagen berechtigt ;7äre: Das u.das allein ist Judentum! 
Der Katholizismus hat eine solche Stelle in Papsttum. 



r^i uns Judftn i^t r^aasge'hrnd anf^t«]Je ''^ines einzigen 
Znntrnms die GeBan-ynthe it unse r r g Schrifttums wie rs 
sich irn La\ifft d«r Jahrtan.serle her^'WBge'bildet' hat. _Jftde: 
inde hat das Reoht e.vr GrnM «ingfthftnder Kft>iTitriia die- 
ses Schrifttiws sich eine «igcne Kftinnng bh«r das Ju- 
dentum/^ ?Ai "bilden, aher keiner ist herecht igt , einen an^ 
deren zur Annahrne seiner Entscheidung zrn.ngen zu 770: = 
^•"- Pip, Rnhhiner hnhen ihre Autor^-tät als _Ge lehrte 
die auf Grund ihrer eing«>henden Kenntnis Auskunft ge= 
hen können üher die Pri-?^ip.i«n der Vergangenheit , mit ' 
denen die Handlungen der G ege n-vart in lui n>1pr,tr stehen 
sollen. Diese '^nsserordentn iche J?reihei.t des Denkens 



hildet in dem Angreblick eine 3ch7/i!-rig]<eit , in d-m 
^^ ^i»? >^Jr^e AntT?ort auf die Präge nach dem -/es-n 
des Judentnmes gehen will. Lßn müsste eigentlich sa^ 
gen: Alles , was sich in den J^hrtan genden d'^s Bestehens 
unserer Gemeinschaft zugetragen i.i.her-usgehi Idet hat 
ist ^Bs^ Judentiim. Es giht also infolge des ung-henren 
StoffumpfRnges keine kurze sond e rn nur eine Jar^ge Ant ^ 
wort auf, die Frage nach dem .Yes^n des .Tudentnms. Mit 
dieser ii'eststellnng ist aher dem Zwec} des heutigen 

nachmittags nicht gedient, da ich ,in hier die umpmng- 
reiche öf»ee Antwort der .jüdischen &esrhichte u.Lite=- 



ratm- nicht g«>)en l^ann. Ich will dnh«r f?ns .i«r G«,snmt- " 
holt cl.^s Pro-b]enia einige Fragen herau.ssohälen, von denen 
ich glauhfijdP.gs sie in der Kv:rze ar^ hegten ein^n Ein=^ 
"blick in das «Vesen des Jndentiwftg zugehen verr^ögen. Es 

flind^ folgende 5 Fragen: 

i. »Vie .stehf^t d^s Judentijre j^nm CTnttTiph*n? 

-• 'i-'^ "T^,^^ ^•'^ '^^'^'^^ SrJenrtnia des Göttlichen ani^l 
o. vVie steht es zn anderen Religionen? 
^. .Velr^hes igt die Pörm.ries .jüdischen SeinsV 
t>. vVie dcn^.t sich das Jndentnm die Z\iknnft des 
MenschengcschHechts? 

v7as nnn die erste Fr^g f? arhetrifft: -Vie steht das 
Judentum zuir Göttlic^'m,so ni.ns r^n diese ]?rage aus 
der j] rund frage aJIles Jifenachlichen heraus verst-hen. Tn 
.iedem tenschen leht whr oder v/enig«r die hohrende 



Sehr.'^r.cht nach Erkenntni s d er let zten U srpv>> alles 
•Seienden, v/oher komwt all es, was da ist? .fes ist denn 
letzten i'inries das ^^orhaniene ,das Seiende? Auf di-se 
i'TPg« gi>^t es verschi-^dene Antr/orten .die sich dadurch 

Geführ^^"'^'^'''^'''^''"'' ^'" ""'"^^ d^^ Versta nd oder aus de» 
Xft^MEK stnmjr^n. Ich will au P ii-se verschiedenen Ant 
Worten nicht einge^-^en. Ks genügt, um die Antwort des 
Judentums darzulegen, auf eine einzige dieser Artworten 
einzugehen. i:an kann rein Vernunft gemäss hei- der Frage 

nach der Ursache auch ouf der JBegriff einer letzten 
Ursache kommen u. diese letzte Ursache G'tt nennen. Irri 



7 e 

LIittelaltftr gl anlöte ymr mit d.ys'firr GeianVengnng das 

Dasein Cr'ttes loglaoh >^e^ne\s(^.n 7Ar können. (Der 'koR]>"o=^ 
logivsoh« C7'tte3T)eweia). Es erfordert ahf^r woh] nicht 
viel Phartasie u,7.1nri;hlungB vermögen, um die > Sohv/än he 
eines nolo>^en log ischen Tt^ tteshep.-rif fes 7a\ ernennen 
A^bgeoehen davon, rlpsa rx^r\ ^Igftntlioh ^.ei rt«r L>»thorle 
der ü '9?»chenforacliung nie stehen b^eihen ]ann,rm.n mtisa 

« 

imrviftr -.vi^der fragen: .Vo"h«r yor^mt n'^jn dPr.,rwras dn als daa 
Letzte 'be'^eiohnet h^st?- derr logisch erachlofl^^'^rien 
fJ'tt -r^Dhlt .i??cif?q v7arire,Begcir!tf>rnde,Ar?;i'>h«^nrie - kurz 
.iftdes immittelhar le hend ig Ee rjih re nde ! Der fl'ttes^ 
hegriff des JudentmjB hat nichts nlt einem solch lo- 
gisch erschlo33(?nen zu tun. Er heruht ■ vielrveh-r grif 

den Uienr^chen '^ 

einer Erfahrung , einem Erlehen,das ^ft von aussen her 

in^/uiidersar^ster,aufrüttelnster ^Teise herührt hat, ein 
Erichen, dem rmv. nicht aus'-veichen kann. so "rie m^n 9 B 

# 

einer Erankheit nicht ausweichen tann. Jetzt noch ist 

der lÄnsch gesund u. beherrscht von unh^indigero Lehens- 

-rillen. Da ergreift di« Schwäche der Krpnkheit seine 

Glieder u. vollbringt eine merkwürdige Veränderung in 

dem ietzt noch lehenstrotzender Menschen, flr 7/,ird still 

ftr wird schwach. ;/as «* ihm/noch gross u.Krstrehens- 
"^ftrt erschien, versinkt;ein ungeahntes Huhehedürfnis 



B 



. ii"herl<o)nmt ihn; er will mar noch stftrh«n. loh h^he nicht 
willkürlich 7Am V«rg]«ich das Bild der Lranl^hait crf>nom^ 
n«n. Sie ist ^s nämlich, diR den lÄnsohen heransr-eiast 
axm dem lauten Tag-agetriehe u.ihm erat üherhaimt daa 
innere Ohr öffnet für daa,v;aa das Judentum Pr'tt nennt. 
Dann aher ist ea no,ala ob ein winziges K-iferohen ift = 
mandem in die Ohrmt^achel geraten wäre u.n\in üher daa 
Trommelfell kriecht. ,7-3 vor^«r e in ,««jTÖrharcac>f Ge- 
räusch war,da^ brüllt i«t^t,toht,raiisr.ht »schmettert 
wie tausendfältiger Kanonendonner. Dem y-Bnn niemand 
rrehr ausweichen! So hahen uns-^re Grossen der hihlischen 
Zeit Cr'tt erleht! Nicht anders ist es zu verstehen, 

wenn der Paalmint aiiricht : (Pa.i^ö, ühers.^r r-J^ein^ 

t''^?^'"'^ v"* König, Hoheit legt er*.=,ioh aA; 
In Allmcht hat der Herr aioh angetan - ' 
i^a steht di^ vVe]t,sie wandet nicht- 
Hoch thron-st du im ewigen Licht! ' 
i^s erhöhen sich Strome o Herr 
Es erheben die Ström' ihr Getös' 
F.a erheben Ströme ihr Brausen! - 
Doch über der Strörr« Getos' 
Rauscht mächtig das wogende Meer - 
Allmächtig im Himmel ist G'tt! - 

Oder i7enn ein anderer Ps^lmist suricht: CPa ^9)- 
Oebt^der Herrn (ien Ruhm seines Mr^^ns! 



Die stimme des Herrn mit Ma.iestät. 
Die btimrm des n:-^rrn zertrünroert ,iie Z«dern- 
Der Herr zertrümrrftrt die Zedern des Libanon' 
i^.r-lasst sie hüpfen wie Lälber 



LihRnon u.Sir.ion 7/ie (junge vVildoch.sen) (v.mir ! ) 
Die Stimni.e d. Herrn ont mündet J^uer flammen. 

t 1 ■« ^Ik. \. ^ * «M. .^ ^__ T^^ ^a ^ m ..KSK 




ii.ftnfhlättort dlR »VäMer. 

In ar^inera Paläste aiorioht RHes: Hfirrlich! 

j^ iat, riUvq .soUch em Brlri'hftn hewor gegangen 
^er Psnlmist formuliert die Drl^enntnis mit d«n iVorten: 

■ 

^er Herr thront üher dftr Plut , 
der Herr thront r^l^ I^önig immerdar ! (B^rnfeld) . 

fen '.7ird T^ohl ohne vyeiteres zi:i.8;ehen,daas ein so 

erlebter G'tt etwas unvergi.eiohhar anderes ist «Is ein 

logisch erschlossener. Ohne anzugreifen definiert -ias 

JudentuTT d«n Unterschied zwisch en helden Begriffep da= 

durch, dnss es seinen ß'tt rennt d«n «1 cha.l.den lehen= 

digen a'tt. Hierin liegt die Chnrayterisierung d«s 

philoaonhisch ^e rschlossenen Letzten a]a tot ^t^fl.c heis^t 

nnwirksam! Und -=»3 ^/ird wohl niewnd hestreiten können, 

dass gerade ier Rückzug de r tieuzeit anf ^em^hiloso'^ 

^*i2£iiSIL-G-' fcC die Religion diskreditiert haV. Ivan hat 

darrit gleichsam das innere Oh r. das aivP üe Stir-rr« des 

Göttli-hen zu lauschen versteht . wegooeriert "ie mn 

den BlinddarTT wegnimrrt. So komr^. es, dass die Menschen 

heute die__3t imn>e des Göttlicher, pgr nicht ry^hr rr^.y^^^^=^ 
heiu Sie laufen zwar ratlos -'le ein aufgescheuchter 



10 
Amfti.sftnhanfen in ihrer in Yfivvixr^vng /reraterftn ver= 

minftgasnhnrtfiven ■MirtfiChFi.ft ii. Politik hemTr.,u.wiP!<^«n 

— II I I ■■IIUJII ■! 1 ' 

nicht, (iasa dan #ort 'lesi Proffttftn tlegnia dent end mpy^nt: 
vJea.5,2&): "Sein (a'tte!?; ^ehrrll ist vie riaq Ge-hrWll 
des löwen. *Vie ein Len hrüllt n.toht er u.-nao>t iien Raiih 
/ u.v'?oli]eppt ihn fett ii.lei-er rettet". 

Aus welchem Crrnnde "hin ich etwoa ausführlicher 



X>M,aH«ia<i 



anf die er^ite Jhr f^gfi .wie das Judentum 7.rYn fTöttli-hen 

steht, eingegangenV ,Veil nnr von di<^ser G^-nndlRge f^ns 

iie Ersehe innng des Jndentur-s zu hegreifen ist. Uas 

Jndentnr r' ist nichts anderes eis die Ausur'a/Tung seines 

GHteaerlehena . IJrr di'=^s a>ier ver-^tändl ich 711 rächen 

iniss ich noch auf zwei EigentÜTrlich>eiten dieses Rrle- 

hens onPn^er^sar*' rmchen. Ivfln kör.rte vielleicv>t ans den 

ilforten der Psalrristen ertrehTren,'iass sie sich den letz= 

ten Urgrund alles Seienden nur nls Schrecknis hesrei- 

fen. Deir IvSt R'her r^lc^t f50. rxewinpi er>-n fanden ^1(» fll^ses 
{r\Bs rmm auch sehen f^ls Zor n Cr'tteR 'he'^eichnftt^) ' 
ErRohreo>e.nde,Lähirftnde/aher ^h ist fioch "mir ein Bild 

7M dessen Verstäncin^s ein wichtiger Zng ^ehlt: Daa 

vschein>>flr Er3chrec>erde ist ziigleich i^ngerrein anTiie-^ 

hend^ "Fessel rd,hRnneM. Der PsalTri.qt (,Ps,43.2 ii.3) driickt 

das so ^.usl''*7ie eine Hindin raoh ^Vasserqnellen ]echzt, 

I so lech?:t meine Seele raoh dir,o G'tt. 



Un^ dann 
danach: 



11 

m. nooh deutlloheri^ifii BllAa- iinr>nittel>>ar 
E3 dürstet rtei.ne Se^^le nach G'tt, 
nach dem ]e>>endigen rx'tt; 
warn darf ich >o>n»-en 
u.vor dem Antlitz Or'ttes er5?cheinen? 

Der protestantische Oe"' ehrte Rndolf Otto hat heson^ 

ders auf diese Eigenschaft des nüdl^chen Cr^tteshegrif^ 

fes,d.er ia auch vom Chrif^tentum t'hernommen wurde auf= 

werlfsair ger^acht. Er rennt nie ein f^scjjiaauiC, etwas 

Faszinieren'iea. Mit di'^ser Srl<erintris hat er (ien -Veg 

« 

frei genacht 7^^T Beseitigung eines alten Kissverstend^ 



«t»»»«^ !•» '«*' 



m —IUI 114 _J« 



nisseg,!ias3 när>nlioh (ier. Q'tt des Jndertiir^ ^Ht G'tt 
der Roch e. w?ire. Es wifrdn heute zu weit fv'Hren die Irr=^ 
wege dieses Iv^issverstf'ndnisses nachzugehen. Es genügt 
darauf hinzuweisen, dass in Begriff des le'^A'^'ndigen iBtz- 
ten Seins das Erschrecl-ende u. lieheharnende zugleich 
Jiegt. In der 21215-/"'''^^''^ ^'^ '^l-^deruTn r^it anderen Vor- 
ten: Du sollst den Ewigen, deinen G'tt lieh en rrit dei- 
nem /ranzen Herzen, deiner -anzon Seele, deiner gfinzen 
ir^raft! - Darrher hat sich schon der verd ienstirolle 
Psvrho]oge Ludwig Klfige s in seiner Charakterologie er- 
regt, inderr er fragte: f.ann nan denn Liehe gehieten? 
- So ist es aher auch gar nicht ge-- eint, sondern rii« 

\ins in alleir rmssgehende Thora will sagen: Solange du 
Cx'tt nicht liehst, hast du ihn nicht ernannt ,hist du 



12 

auf Irrwegen! Und Rls der kann, der wir a]s den grösR=^ 

ten im^^erer Profeten anp{elien,Rl?^ Lb^e ^lehraiichtlg d^t- 

tes HerrlichVeit erlennen wollte(<J.M.33,18) ,da offen^^ 

T)arte sich ihn G'tt (^.k..-)^, t ti,7} al<? der:;^ 

'Herr, Herr, "barmherzige n. gnädige d'-^t , langrnitig 
u. reich an Hnld n. Treibe, der iie Hnld "Hewahrt 
hi5=i in?^ tan5=?end.ste deBchlecht ;8nhnld,kis!^etat 
n. l^^hl vergiht . 

Und rwm ^orrv-t da^ Eigentümliche , das er^t ^arz erklärt 
was G'tt im Jndertum hedentet: 

Ganz straflos lässt er nichts hinzieheni«r a>infl«t 
die Schiild der V' ter ar den Kiniem n.KiMeo=^ 
kindern,am dritten u. vierten ßenchlechte. 

' /j< P^'\^^^ Gedanl^e,der schon in den 10 Crohoten s+eht 
|ffir dasMigsverstärdnivSjdfis in derr Ea»>^en Racheg'tt 
liegt, ils ist nicht die Hede riavon.dass G'tt die Binder 
für die _iichnld rier Eltern_Mstraft . Ai^sdrücVlich r^teht 

im ö.B.Moses,Lap.^4,16: »V-'^ter sollen nicht getötet 
/werden nm der Kinder willen, n. Kinder nicht \m 
(der V?lter willen; ieglipher sterhe nur fi5r seine 
J Schuld!" 

to^e weist nur anf die unnmstnssliche , nicht weg5^n]ei3g= 
nende u.wegzunhartasierende fnrcht>>are 'Wahrheit hin 

^— ^— ■<■— II ■ w ill II II ■ ■iMfc— >^M^— ' 

dass die Schuld der Eltern sich auf die Kinder aus=. 
wirkt (Bernfeld),:^.B. hei Krankheiten! Der Mensch ringt 
mit dieser ü^rkeT^ntnia ,u. die Thora sagt uns: Trotz allem. 
es ist der IJ^he^olle _GM^ , der die Sünden nicht ganz 



15 

iingestraft Ifis-st 11. ihrer am. den Kindern u.Kind«s>- indem 

gedfny-t!. Weiter lann rmn diea^a Rätsel nicht lösen, u. 



— *■« !■ rIM 



WO ein soJr'.y.e'^ Rfttsel iRt,l^.R.«!t e?? dfta Jurientiirr "heFitehn. 
.Vir iri3SGten nicht Menschen f5ein,in deren hegrenztero 
Körper nur "he^grent*e iVeigheit leher T^ftnnjWenn -"rir alle 
Ie"bensr?3t?5el n^sen könnten. Knr der aifiii'he nn den.nna 
in Liehe hnmerden G'tt lösst mg ?3icher sein,riess 
auci- in Urhegrein i^hRten Reine Liehe waltet 

Eine zweite Higerschaft des iiJdi^^ohen H'tteshegrif- 
fes misfi ich noch ann*:T^ren,wern ich von innen her das 
Jndentnir -ersti^rdlich mnchen will. Ich hahe vorhin ge=^ 
sagt,dass der Begriff des l ehendigen Gattes anf intiii^ 
tiverr^ nnrittelharem SrJe hen heniht .u. nicht logisch er- 
schlossen ist,. Des soll mm a>^er nicht bedeuten, dass 
das JudentTim den loginch erschlosseren G'tteshegriff 
ahlehnt. Es lehnt ihn mirj^ eh, wem er Pnr^telle des 
Erleb ten die Grundlage ujiseres religiösen Seins bilden 
sollte. Wenn aber der vernunftb e£abte_Jter,sch ausserd em 
auf Grund des Drarges nach Vernunfterl-enntnis der 7elt 
logisch .Rie begr\-nden will, so bleibt ihn dieser 'Mg 
unbenovrren. Das Judentum hat noch nie der Wissenschaft^ 



liehen ülrforschAuig der Jelt ein^ Hindernis in den ;7eg 
gelegt. Fragt rmn nach der Ursache, so wird~r"an '^ie eben 



14 
in tinf=!eren G-* tteshegriff firrlen. »Vir hn^hen n^imlipiii niir 

eii3 eirij^iges Dog^a,we]n]n rnar den in Präge >omnenden 

Satz iir^^erer Thora 30 rennen will, das ii^t der GlanT)ens=^ 

satz iv^. ö.B.Iv:. 6,4,]rit dem der fro>rr>ie Jnde nuf den LiT>=' 

per Rtirl^t: ^ ^Höre Israel , der Ewige, nrvser O'tt ist ein 

einig-eir^iger ! " Die lebendige Jb^r'kerrtris dieser .Vahr=' 

hoit tritt in nns ein Rvf Aer^ //ege des Erlehers» Vom 

Standpi-^nVte des Den>erir^. aiis a>er,ist dieser G' ttesl:>e=^ 

griff so hooh(oder tief - wem >an an den Begriff der 

•logiso>>en Begri'ndnng dentt ! ) ,dass er den V/eltenraiOT, 

der denl. ^--irisch erfasst werder soll , gleichsam rn-te eire 

i:jngehenre Sorne erlenohtet ,f*?»ft also dem D^nVen nützen 

tarn, Ohre es zu hehinderrier ist für das DerVen ein 

nnerreich"harer,a>)er weg eweiserder Zielhegriff. Ir rile- 

ser Eirstellnrg liegt die wnrderhnre gei<^tige Freiheit 



mmm 



hegri:rdet ,die es -ermöglichte, da ss unsere Glruhigen 

trotz äev religiösen Birdiing 7Ai .-'eier Zeit ir ^-ollem 

ürrpfarg ar 'ien •'.vi^'serpjoV'Rftlic'hen Te^tve'bvr^pen einer 

Lnltnr teilne hmen dorrten, weil nie zu he fürchten war 

u. ist, das irgendeine HntdecViirg der vi/issenschaft den 

G-'tteshe griff des hi hl i sehen Jndertnms erschüttern 

hörnte. Vir. hetrachten M.e } räf te des ^frefühles n.des 
Verstandes als a l'/.ögMchlc^-iten,die das Cröttliche in 



15 
ViT'Q hineingelegt hat u.die iina gestatten, ^ie ITahrheit 

zu 8\iohen. Sie nnterwscheiden 5?ioh dadii'rnh^dBRB der lo-^ 

-gli^rh nrh<»itandg Verstand uns einen nchwachen Ahglanz, 

einen Begr-i ff mir darhieten kann,ier mit Üogisr^her 

I'otwendigVeit gefolgert doch nicht dem ert8T)richt,was 

uns die Kräfte des intuitiven G-efi:h:ies mit der vollen 

Wucht u.,dem. jJYu^^ngl ariz des i^rJehten als e] cha,i,als 

lehendigen G'tt erl^ennen lehren. 

Kun imiss die Frage gestellt werden: vYie hat 
das Judentum seine i^r>enntnis des G^tt7inhpn ^^i(e> in 
einen ein!^igen Glauhensgrurdsatz zusammengehallt 7/er=^ 
den ^^onnte ^ausgeurfigt ^j-erw irVlicht? 

Eine //ahrheit zu entderlen,erf*ordert einen 

/ 

genia:ieii Ge igt, 5. st eine geniale Findling . Trotf^derr Ist 

euf rellgiö5?en G-e'biete don'it mir ein Teil,ein kleiner 

Teil ier notT/endigen Forderung erffint. Viel nchw1.eri= 

ger noch ist n^müch die Anwendu-g des ftefiindenen auf 
» ■- ' ■ '■■■ ' 

die zahllosen Fnlle nnBeren irdischen Seins. Dass ae= 

-p.i^i. ■ ' — ^— 

reohti^teit -«Hwfr eine Forderung wahrer n'tteser1--ernt.= 



nis ist, wird irrn-er -"ieder von nenem vor Ifensohen er= 

>annt. Dieser Gerecht igVeit aher znn Siege vai verhel= 

fer,sie diirohj^nf ihren, er fordert nicht nehr n. nicht we^ 
niger als den Einsät?; eines ganzen L5envschenlehens,,ift 



mk 



16 

ganz er Gererat Ionen; u. doch l^ann rmn nie a^gen,rian ha'be 

der Forderung voilstMndig genrgt. Iiaohael KohlhfiavS 
hat sein Lehen p1^ nicht zn grof^isen lanfnrel?? pnge= 
sehen, nir mir in einen einzigen, in seinem lYille Gerecht 
tig>eit zn er^ fangen! //as aher ist ein PpJl inn^rhalh 
^"ier Milliarden von Fällen, die das Lehen der -^-rde hie^^ 
tot! Sovlelr-Hl schwerer ist es, das Prinzip der Ge rech- 
tig keit durch. z ufüh re n y -la sogar nur dnrchzndenl-en! Teiss 
rv^an denn in ,ieden Pa.lle,was Gerechtigheit ist? ivan wird 
also die Schwierig} eit der Ve rw 1 r^ 1 i ch nn^ ve t -ci t eh e n , 
/i/ieviel nc'^-werer i-^t es nun, die gesar>ote üir]<enntnis des 

II .■■! ■ ' ■ I I III ■ II ■■ 

Gött lichen aiif Erden zn verwir>lichen . ."^a PMch nur dnrch=^| 
zuden]en! iJas erfordert nicht nnr den Einsatz eines 
t/ienschenlehens ,das erfordert sogar nicht m^T den Hin=^ 
satz einer Volksgenerat io n , das erfordert die ni>pahe 
einer Vrl>sexisten z fü r iie ganze Daner ihres B^^ste=; 
hens auf der nirde . So fassen wir Juden den Begriff 
des anserwRhlten Volkes auf! Er bedeutet nicht eine 



Einhildnng, nicht eine Bevorzugung, sondern, eine Belastn^i^ l 

r'her das Liiss dessen hinans,was sonst an die Menschen 

als Forderung gestellt wird, ^Vir r>einen,dass wir die 

Aufgehe gestellt >>ekorT^en hotten, gleichgültig, oh die 
andern es tun oder nicht, einrml durch zud en k en . was die 



17 • 
Porderiirg nach irdischer Verwirk lioTinng "bedeutet , die 

in der iiirterntris des Göttlichen T}egn:ndet liegt, ii. 

nicht nur durchzudenken, sondern tinser £esnrvrf:es Sein 

hie anvS i^nde der Tnge für diene Ainfgahe in r\ie ilsp'f^c'ha' 

fr 

Je ZV werfen! 

Diene Dnrchdenl\i?ng,davS gedarrte SypiterK) rier /inwen=^ 
durg ai3f der ^arzen Ur^pfa^g rieft irdi^^cv^er L'^^hPiris ist 
znir- ersten Lal geschehen durch unseren Profeten L^OvSe 



n. liegt vor in der sogeramten 5,Brchern Jviose der Tho=^ 
rallch ^7*dss sehr wohl,dans es eine hi>>e3VritiscV.e 
iVage ist w4e-44e aus ^rieviel i^iiellerschrifter ^ie Tho= 



ra ?;T!RPirriengesetzt ist. Dift^jeri GedorJ-en frrw«Vinft Ich 

nnr.tirr an dem erj^ähnten ft«4ft«;^e« ZuBarrmenharg 44*» 7.n 

j;eigen,wle ■hofleiitnrig!=?10vS die 'hi'hellritiriche Frage fiir 

das JiidertTir)- ist. Se]"hst werrs die Theorien stir-mten - 

was ich h ^streite! - so ko^T-t es doch nur auf den ei=^ 

ren UT>-stan<i an,dass Piir nns in der Thora rjjr den gan= 

zen Ui^fang des Lehens der Gedanke des G öttlichen diirch-i 

gedacht iatl Daher finden wir in dieserri Bloche nicht 

nvT religiöse Gedanlen in gewöhnlichen Sinne ,vSondern 

wiWfinden die Grnnd Vorschriften ffr alle Gehiete des 

lehens, für die Hechts-nr echnrg fi.enBVi so 'vie fijr Po 11= 
tik im allgeireinen u.Sozialooliti}; irr I3esonderen» 



18 

.Vir firrier VorB^^hriften der ] 




fier IurlividiiBls-. n. 



So7lnlethJ ,l[ genau so 'vlo -rlrtF^ohaft] lohe Ornn^lgeset^e 
ii.VorRc"hrl-rt,en. Wir rivAen .Vir flnr^er Vorsr-hri -Pteri auf 
iredl^lrlschem Ge'biet g^rar so wie ".rl-erntrlsse v. Pol= 
geriirper Pvf dem r7f?"bd4te ,da!=( rmri >iente etwa r-it dem 
i'iamen faraT)3vcholog ie "bej^eichnet ,u.dgn .»vehr, 'Ter mir 
ein lleir werig Gefühl für religiöse amndst irmiung hat, 
der we1f?f?,daFia das ge?3arrte System rier Tho-^a herana^e- 



-r f r-mimin 



wachnen i?5t aus eirer unendli^-hen TRlip^in'^nv n]nt rlle 
so tief lst,da??s ihr vVa?^Fier so j<:iar wie da'^ eiv>es Berg- 
sees erscheint. - Und nun ein ohara^teristisches Bei= 
spiel ftir das ."/esen des «Tnflentnrva nnch -"-on hente: Die= 
ses B^xh der Thora steht im Mttelpnnl^te ,ie'=ies unserer 



tmt' •' 



Gottesdienste ! Je^]^s_<Tahr v/ird das gan^e Bnoh einnwl 
in der ST^-nagoge durchgelesen, m es h^steht die Vorp-Plich= 
timg,es rvr sich allein noch öfters dnr^hj^iiilesen. '-Vas 
hedentet das? ria hedeutet einen G'ttesdienst eig-;ner 
Art! Unser G' ttes dier^st will ms ^nn"chst nicht in mv- 
stis-he Glnt einhüllen . sondern er verlangt ,dass wir 
G'tt dienen, indem wir seinen Tillen nach dem Beispiel 
der Thora aiif allen Gehieten des Lehens dnrchdenVen 



wmmmmtmm^mmmm 



11. dnrch führen! DaN?i ist nicht gedacht, dass r»^n r^cha! 
nisch die r!eset?;e der Thora auf unsere , viel fach gan55 



n^"hr den Sinn .-^ener Gesetze arwerrien! lenn ^.B.in der 
Thora steht, dass mr ioAerr ^Lohnorhe iter ../meinen Lohn 
noch arkelhen Tage anahe zahlt ,eo lann dfiR hente nicht 






»^ 



?chanlf?ch anf alle dehiete angewendet werden! Aher 



der Sinn ist nnverl-ernhar: l'Bn darf den J ohnarhelter 
nicht einrml dadurch sch'ödigen,riasB ran ihr meinen 
Lohn nicht zrr richtigen Zeit an^he^ahlt! Es stecVt 
also hierin eine l-ennheit so7,ia!l= ,ar>eitseth,ischen Ekf 
pfindens,das ran hente der Allger-einheit wünschen rnch: 
te n.das innerhaLh der Ihora nichts a.nde->-es hedentet 
als in einer l'leinen,heisr»ielhaft gew-;hlten Falle die 




Answirl^nr;? des Thorfigehotes der K.q,ch '^te 

Es ist hegrei flieh, dass die Anwendung in anderen 
Fällen weitans sc>iwieri)ier ist. So steht z.B. in der 
Thora das rrrnndprin^.ip der Hechtsnrechrng: Ange nr An- 
ge Zahn nr -Zahn nsw. //ir wissen, wie falsch dieser Grund= 
sat?, ansserhalh des Jndentrrs anfgefasst wird n. welche 
Vorwürfe ran gegen nns erheht. Der Fehler hesteht darin, 
dass wan die heutige Sprachauf fa ss^un.^VritiKloa. ^^^r 
i:^rV 1 firung eines uralten viertes henutzt ,Htatt sich zu 
hesinnen,was darals darit gereint war. Das w«re ,Tenan 
so, wie wenn .iewnd nach 3000 Jahren in der Buche eines 



20 

öchriftatellers nrserer Tage den AiiBdruc^ -Tärde: die 

Birde de r Ju^tlt ia sei etwas verrutscht gewesen, n. er 
wiirde dnrans rnr a'b]eiten,daRs in unserer Zeit rvier>r= 
wt^rdige Gepflogenhe-i ten h^itten herrj=5r»lien ^'i.^sen. VPhr=^ 
scheinüioh sei iie o'berHte Rir^hfrerin eine Frnii gewe^>en 
die tlnvStitin,die wohl ^"rie vielleicht alle Richter heifn 
G-ericht.sayt rit verhiindenen Angen dagesesser v/^ren! 
'^7ag ist in '.Virklichl^eit rit der^ Ansdriic> Aii^e urr An^e ' 
ger-eint? - Der 3st7. ist soVnr^ass aus ihn^ die Be:: 
deutnrg ?:nnr:ch^^>t nicht heT^rorgeht . Lan rmiss also da^^ 
nach fragen > j7le die Leute der rlai^aligen Zeit ihn ver:^ 
stanrien hahen,es rmss eine rrüridliche Erl< 1 r-^rniie- fr^^.fre^ 
hen hahen! Diese mündliche ßrh 1 ärung , d ie nicht für die^^ 
sen Fall sondern fi?r die ganze Thora notwendig war 
ist Ann Innerhalh der iiildischen riorvieiyiflohaft g4nau 
wie riie Thora seiher T^it unerhörter Treue weitergege^^ 
hen worden von Creschlecht zu Geschädcht ,his ran sie 
endlich niedergeschriehen hat u,sie Mschn a d.h. zweite 
lehre, ErlRuterung,Komrentar der Thora rannte. Aher wir 



w 



issen ?a ans unserer Z^it,dass auch offizielle lorr^ 



^^ntare noch rris^de*tet werden Vönnen. So hat auch da=: 

mals wie heute die ^^otwendigyeit hestanden JJher die 
Auslegung des Kommentars zu diskutieren. Diese Dislrnss= 



^«•WNiaMMMVi^ M II I i.ii I«« 



21 

. ion geBohoh in ion Hoo'hBcynjJen vor Palfistira n.Bfi'hTs: 

lonien in den ersten nachohrlf^t liehen J^f^i^rhiinrlerten. 
S'-h] ieanlicTn hat man auch diose Di5?>TiB.^ioren nieder^ 
gesohriehen, 11. nannte nun das ganze Nery - die Dis]^UBs=^ 
Ionen rher die i^ürdliohe Lehre, die die Thora erl^lärte: 
Ta 1 r^ud , So entstand der so viel gesohrrähte ,wein f^o vre^ 
nig gol^annte Talmid! D^rJTalrrnd ist nichts anderes als 
die Ar^vendnng der Thore auf das gan^ e Le^hen der damli^^ 

lylBl^«^' Tlrttm»' r H TMln T""~~^"~" ""' II II II ■ 11 ■! III IM 

p^er! Zeit .* "Anwendung" ist nicht genijgend "^^e^e ich renrt; 

der TaÜ^rnd iat daa^Rlngen vr^ die Arwenrinng des göttlich. 

fiednnl-erp ^nr alle Verhältni5?f?e,die die Erde hletet. 

//ern «vir a]f?o wiaaen wollen, v/hs die Thora in ihrerri Ge= 

aft+'S!; "Aixge vrr Anpre" wirklich ne inte, so missen "^ir den 

JPa !Tn:d aufschlagen, der rrs die Stelle erl^lnrt. Und er 

v*5agf nun eindeutig^dass ?ene3 Gesetz nur so zu ^ervSte^ 

hen ist,dass S'ihadenersätz in der Hohe des Verlustes 

geleistet werden mass. jlntsteht dann die ^pige: 7/Rrum 

iat dieser GedanVe so irerlcwürdlg ai>sgedrrc>t? Aher die 

Antwort ist einfach: Die TTiora will sngen: Innerhalh 

der Recht snrechung darf nur der Grundsatz der Gerech=- 

tigVeit herrschen, sonst ist es Veire Ji echts iorechung t 

•jVer iinschu]dig ^or Gericht >on^nt,will keine Gnade son=^ 
dern sein Recht! .Vohin kä^^ ^an,wenn rnan anstelle des 



2Z 

R^^ohten die ffilllcür vset^^en wollte! Drs Getiot der Llo^be 

steht atif eirerr anderen Blntte. ,Venn ieinind 7m Rocjit 
vernrteilt worden ist,dfinn erst 44« ert!3teh+ die Frage 
oTi Iran nicht (rnnde wagten la5=!sen qoll,dP iooh alle 
Ivenscher schwach Bind. So nnr ist ?enes aeset7. der Tho^^ 
ra 7A1 verpitehen n. nicht ander«. ';/ollte G'tt,die Yelt 
Wfire hente schon so ! ' 

*''■'■*■• '^^'^ Ahschlnaa des Talirnd war die Aufgahe ^deTi 
in der Thora dar^-^i+ellten .Tillen Ci'ttes irrn^r wieder 
rron reneir anf die Verhol] tnisse der ;'/e]t an^nwer^den nicht 
heendet. Die r^rschliche vVelt ^"ndert sich na fortlan=^ 
fend. Und so finden wir denn,dass die geschilderte Auf=- 
^gahe_Ruch imrer wieder von nene m in Angriff genor^ny^n 
wurde. Jüdische JPhilosophen, /;r^^te,rre lehrte anderer 
.yissenschaften,Iu5nst 1er, Dichter, Lan^ u.Hand= 

Wirker u.noch viele Rnde-re Tmhr hahen sich h^ g 7.\vr heuti- 
gen Tage der Aiifgahe i7nter?;ogen,die Vernflichtnrgen der 
Ifenschen ge^«ss den ^«ft44g4i:i«e« Forderungen der Thora 
dnrch5!;udenl--en \3. vorznlehen. Der Stoff, ihre Ergehrisse 
ihre Literatn r Ist nnühersohhar geworden, hat sich a.ns*=^ 

gehreitet wie ein ^ereistiges L^ftPTjnhAT» (üe gestellte 

endgültig 
Aufgahe >arn nicht/gelöst werden, solange imrm r nen e 

Geschlechter die Erde hevölVern. "" ' 



23 

Ans den "biwSherigen Aiisfühn^rgen geht hervor, welch 

Bi:)^3erorrlentlichea Hssn geistiger Freiheit fla^ cJnri,en=~ 



tnri meinen Anh'iTigern gestattet , wem 'ran den geringen Um=^ 
pf ang dogTrat lache r Bindung betrachtet ,n. an gei?!tlger 
Freiheit foT^dejt ,wenn rr^an noch einmal ^He "^isher ge=^ 
schilderte, urendliche Aiifgahe liherden}<t. Scheinhar im 



W'idersnrnch dazu steht da?:u etwas, was iw Heuen Testa=^ 

^g^^^tatm. - — •■ — ■ - * 

rrent als Gro^^tz he?eichnet wird u.was mn dort als ei=- 
ne grosse Belastung empfindet. vVir Juden nennen das 
Sy^A.er dieser Gesetze ]u;i7\TOth ,rl .h,Gehote ^0^ -^tes) . Es 
ist nicht leicht , elnerr Aus senstehenden >lar zu v^.cy^en, 
(iass die I/izwoth ^r den religiösen Juden nicht eine 
B'^^lf^^tung sondern eine Lehenserleichterung hedeuten. 
Iv'^pn mvss festhalten, dass rile religiösen Forrien,wie rrpin 
sie heute auch nennt, nur eine ä u^ser- e Bindung sind, 

* 

u. Veine Oeisteshindiin g oder gar Geistes>nehelung. Am 

Sahhat sollen wir von .-Jeglicher Arheit ruhen, aher nicht 

nur wir sondern auch alle Haus genossen, auch Knecht u. 

togd u. sogar iie Tiere! Das ist doch offensichtlich 

>elre geistige Bindung! Den>en kann trotz dieser Vor^ 

Schrift ?eder,was er will! Allerdings - u. hierin liegt 

das Entscheidende - gemeint Ist, wir sollen üher r\ie 
Gehote G'tteJ nachdenken, /iher niemand lann u.will dazu 



24 
zwingen! Mt anderen Worten: Dbb gesamte Sys^terw der 

Mzwoth ist nichts als Hinweis: Denl'e üher die Gehote 



«MM 



MfMHWWUW» 



G'ttes nanh!^ .Venn rnan ein ,1rdl'=^ohe Haus "hetritt dann 
sieht rmn an den Pfosten der Türen eine Vleln « ferga- 
r^rtroll e angebracht. Das ist >ein Talis««n>l,wie ^iel=- 
leicht ein Awssenstehender denken könnte , sondern auf 
dieser PergaTOntrolle steht ein kurzer Abschnitt aus 
der Thora,der uns an die Grundgehote des Judentuns er=- 
innert. Und wenn wir ein Ha-s hetreten,dann will die 
Befolgung, die Erfüllung einer religiöser Form richts 
anderes als ein Hinweis, eine rei igiöse Den>fiufga-he 
sein! ^ - Waru m aher ist uns diese s System der Gesetze 
auferlegt? Das >ann man nur unter einerr üherindividu= 
eilen pädagogischen Gesichtspunkt verstehen. .Vie soll 
nta.n eine geistige Errungenschaft den Kindern u.Kindes=^ 
k indem iJherl iefern? Bekanntlich kam »«n rur mteriel= 
l e Gvter verschenken ; geistige nicht! Wo sind die herr= 
liehen Gedanten der griechischen Philosophen hingekorrmenl 
SPenn nicht ^ufälligerwpise einige ihrer Bücher erhalten 
worden wären, so wäre ihre Geistesarbeit lJä,ngst versun= 
ken u. zugrunde gegangen! Das Judenturr hat einen eigen*^ 

*EH4M}«.nj?«Ä.^«''^h^t,oder vieln^hr G'tt hat ihn dnrch 
seine Profeten uns gezeigt. Es hat narallel dem System 



25 

der ThoragedarVen ein System der Form airPg^« teilt. die 

nun stärdig die Aufga^ie .stellt ^üi^er die Gedanyen der 
Thorft nachzTig^inren so wie es iw S.Biiche I/oses helsst: 

^ T 

»Venn du in deinem IlRnse sit'^est n.wern (\v anf der Stas=^ 
se gehst, wem du dich niederlegst u.wemi dn aufsteh-^t. 
Auch der einfachste Mansch l^ann eine Form verstehen 
Während ihm viele fredanVen oft nicht ^ug^ro-lich sind! 
So aher hat das Jiidentu m das Gehäude seiner Erhaltung 
diese iingeheure pär^agogi.sche Aufgahe der therlleferung 
rieht nuf die Schulter werlger gei??tiger Führer gentelll; 
Bondern auf das Handeln aller Angehörigen seiner Ge- 



■hwiaMn 



reirschaft. So yann sich ierm die Form auswirken *ie 
die harte Schale um einen Fruchtkern. Es Vönren Cre-ne^ 



rat Jonen gebrückter. nicht rrehr denkender Manschen vorüs^ 
hergehen, wenn die Not der Zeit auf unserer Gemeinschaft 
lastet. Durch die Form wird un<^.ere Religion weiter ge^ 
gehen, u. wenn hessere ^^eiten konTmen,hricht neues altes 



■MMMaMH*« 



Lehe nvSjius dem unheschMigten Fruchtkern, der iurch die 
Schale der Form vor der Gefahr der Zerstörung geschützt 



wurde. 



Damit ist seihst verständlich das -/Tesen unserer 



religiÖ«?en Formen nicht erschouft. Ich hin insbesondere 
nicht eingegangen auf ihr Gemüt=-Ansnrechendes,.u. nicht 



^6 

auf die Tatsache, das« auch die Findling einer Form eine 

geniale Lei^timg^ i«t . Nur auf einns ^vill inh noch h\n^ 
weisen: Selh^tverv^tflndllch liegt In .jeder religiösen 

% 

Form, a^har nicht nur In der jliMlschen, sondern auch In 
der, die das Chrlstentuin notwendigerv^reise ans^ehildet 
hat(7..B.seire Liturgie!) ein e geiTahr^d ie tKimlinh,davSs 
ein nnreligiöser tensch sich d^rch Erfii]liwg der Form 
als religiös ausgiht,die G-efahr de r Heuchelei. Ich ge= 



'nmm'm^mmmm 



he ohne weitereg zu,dass es sicher in der ,1ü(iischen 
Vergangenheit un**r sehr, sehr viraler anderen auch Heüch- 
1er ge gehen hat; die giht's auch heute noch in allen 
Religionen der gani^en feit. Ea ist klar.dass Iceine 
Religion diese Heuchler dulden kann u.will;aher die 
' Schwier ig}seit "besteht darin, daf?3 kein Mensch dem andern 



in die Seele schauen l-ann! '/71e hat sich das Judent 



um 



mm gegen die He\ich]er gesichert ,*^o weit man das Tiher=^ 



Mrirfl«k«MMW*»«M««*MMMii*«Mi 



l 



haupt yann? Dadurch, dass es die stärkste Kritii',die 
,ie an religiösem Heuchlertum geüht wurde , die Kritik 

unserer Pro fe tan nämllch,immittelhar nehen die Thoras^ 

•^■^^"^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^'•*' - »■ . II — ^»> 

Vorle sung gestellt hat, also auch in den Mittelpunkt 

unseres &'ttesdienstes,sorlass immer wieder ^on neuem 

der religiöse Mensch durch rlie Kritik der Profeten ^um 
Tiachdenken gehracht wird. Nur ein Beisuiel hlefür: Ti^r\xi 



Z7 

z.B. der Aiiqerw nhJimgw/^edanl^ft.den ich frijh«r g«nnhildert 

■ha"he, wirklich einmal iri falscher Tfeise ,7aj fanschow 

Stolze atiagelegt würde, dann wirkte ala korrigier^ftder 

Donnerschl ag das 9. Kap. des Profeten Arro«,da?j in imfle= 

ren S^rragogen nach der Thoravoräesung verle?!en wird: 

Seid ihr, ihr Kinder Ipirael n-ir rlern etwa r^hr wert als 
die i^uachiten,ala die /.thiopier,4richt der Ewige! Euch 
nahe ich 7war aas /gyrjten herausgeführt ,aher die Phi= 
lister anch ans KaT)htor,u,AraTn rus Kir! .. Diirch das 
Schwert werden nTrlrorrjnen alle Sünder n^ires 'volVes ! . . . 

So könnten ^H.ele Beispiele angeführt werden. 
Aher es genügt das eine, um zu zeigen,dass das Jvdertura 
die allen R'^ligionen drohende Gefahr der Seihst zerst«=^ 
rnng durch Urwahrl-aftigkeit wohl ker.nt ,u.sich ^ur-h 
Aie sch?jrfste SeJhstkrltik dagegen gewappnet hat. 

Ich hahe nun des öfteren schon andere Reli= 
gionen erwähöt ,u.will nun kurz die Frage aufwe-rfen: 
y/ie steht das Judentnm ;j; runds-i,tz1 icv. zu anderen He 11=^ 
gionen? Darauf ist zunächst zn antworten, was ich schon 
angedeutet hahe: Das Judentnrrt hSlt sich nicht für die 
einzig wahre Religion«i^,u.der stnr>'^te Beweis 'hiefi5r 



ist das praktische JVerhot der Liasion. H^itten wir den 
genannten Glauhen,so Trüssten aus innerer VernfMchtung 
alle lüftnschen den selig mach-nde». Gedanken zuführen. 
Das Judentum hWt sich nur für e inen ^eg,der zu G'tt 



28 
führt ii.r)ur für eine Art der Auv^prägnng de.s (rottlichen 

auf der Erde. Es verlangt von allen Bewohnern der Er=^ 

de nur eines: n?5ml ich das zu -^^e in, als was <=^le gesohafr^ 

fen worden sind: Adam, d.H. Mensch zu sein. Aher das Mensohl 

sein ist sehr schwer, weil ,ia die Forderung in allen 

Einzelheiten durchdacht werden rnus3,ii.so Vorwit es denn, 

dass die l/'enschen leicht ahirren. In der Sintflu t wurs^ 

de die da>mlige verderhte 1/fenschheit von der Erde ver=^ 

tilgt u.r^it Pioali hegann eine neue l/tenschheit . Darrit 

er es aher nicht so schwer hahe wie Adan,derr ohne Erläu=^ 

terung nur die Aufgahe des Iifenschseirs gegehen wi:jrde, 

O'tt -so lehrt uns der Talmid- 

^-■at/den Kpchkorr^en des Tloah /siehen Hinweise, Gesetze ge=^ 

gehen , die ieder erfüllen Truss,der Ivjensch sein will. Ach 

werde sie sofort anführen.^ Aher trotz dieser Hinweise 

sind die Menschen wieder ahgeirrt ,u.da hat G'tt ein 

Voll^ aus d er I^iitte der Vollmer h<:^rausgenorrr>en \i.gah ihm 

613 Hinweise,<lehote .derit es in seiner Art u.^Veijjje .ohne 

mehr ahzuirren,den Credanl^en des Göttlichen dnrch die 

Geschichte der J&nschheit trage. Die Bücher der Bihel 

sind die Be seh reihung des >7 e^es,die Darstellung der 

Er Ziehung, durch die G'tt endlich das '^ol> Israel unter 

unendlichen Schwierigkeiten, die im Charal^ter der Ifen^" 
sehen u.der Völlrer liegen, z\ir Annahme seiner ewigen 



29 
Aufgabe ^eferacht hat. In di^^f^ea 3ypit.ew paast nicht d«r 

Gedanke der f^llein wahren Religion, Unsere Ai^fler-J^nhlt^ 

heit if^t nichts als eine Aiiserwähltheit dnroh BelRstnn^. 

Von den jfenschen der Ürde aher Ist nach der Anaohaniing 

nn<ierer Re3igior nlchtffrftrlanf;t alg die Annoh'-e n. ver= 






wirkllfhung der 5?ie"ben,deiii Noah auferlegten Gehote. 



>inn'»imii. 



S3 i3t die Verpf lichtTing . i:>erall gerecht e Gerichtshöfe 
einz\iset?:en,9ich >>ewusst zu sein,dasa die ganfee Welt 
durch eiven göttliche n .yiller get Tragen wird, das Verbot 
des orgiostischen Götzendienstes, der rrit l^-d (Mens che n= 
onfer)n. Unzucht ^rerhun^len wnr,dag Verhot des Blut vergie 
l^^^j^®-^ Verhot derJJnziicht,das Verhot des Rnp-bes u. 
das Verhot der Jierqu^i lere i. - bs wfirde zu weit 

führen, diese slehen noachidischen Gehote in ihrer gan= 
zen Bedeutnrg darzulegen. Kurzes Nachdenken aher wird 

lehren, dass es sich dahei un Gehote hendelt die wn 

in allen Religionen ' 

^^''^■^ "^"^ ft^ JgQ^in Tr^enschl ich /empfi ndet ;u. ir^-h ginnhe, 

dass die Erde ein Paradies wrire,wenn n^^r die noachidi= 
sehen Gehote durchgeführt wSren. 

Nim hnrz noch die Frnge: vyelchea ist '^ia Form 
des ,1üdischen Seins? Ich gl anhe , daran j? giht es mir ei^ 

ne Antwort; Das Sein der .indischen Ger<einschaft ist 
ein geschlechtliches j7nnder! Ic>> erspare mir, hiefür die 



öü 



/forte nicht .iüdi'^nher Denker an zuführen, weil rii« Tat^^' 
fsache der? denl^enden Menpschen von selhat ein]enohtet. 
Iv5an T)redigt hente wieder flllenthp]hen 5y?ind!=?ohaft p«^~ 
gen imsere ,ii:'di"^che CrerelrPiohnft . Da?? -i «^t nra nichts 
Kenes! Unsere (Tery=?in'=3Chaft hat dies ac'- on öfters, iim 
nicht zu sagen irrwer erdu:iri9t im Verlauf ihrer fle-^ohirihsJ 
te. vVer}n es räch ^^riBChllnVieir Pirwevssen fi^enanp-en ^'-)re 
SO -^nre das Juden tr n; IMr.gst auf der V/elt misgerottet. 
Und so g]auhen mir^ denn.dasa der Geist Tr'ttes sieht- 
har üher uns gewaltet u.unsierhalten hat. loh h^he 7,-a 
Anfang gesagt: Judent^-rr ir,t eigentlich a]les/.7as ir- 
Laufe der Zeiten in seinervi Geiste geschaffen 'mrde. Ich 
Icönnte ,ietzt kürzer sngen: tTndentum ist di e Ges chichte 
des Judentums ! ist die Geschichte dessen, -vie sich der 
g öttliche Geist_in der "besonde ren Form unserer Gerne in- 

^^^^^'^***'*"****— ^™**— *'^^'**'— ~'^~*^'~"— *'~^— ^— -r— i-irr ^i imiib 

scKsft offenhart .hat. 

Dazu ist Ire in Jidersur uch . dass ^rir Jud en als 
Jtensch_en gesehen nichts anderes sind als andere Menschen 
auch. .Vir hahen -Arie alle Gemeinschaften der ^rde Gute 
u. Schlecht e unter uns, gen i nie u. kleine Menschen- ^/ir 



I*>*~»«»K««<— — 1 » in— g 



Mriu^BMnaaMMMMM 



o-mtmmmmm 



sind wie alle Itenschen aus Fleisch u.Blut. Aher das 

fun^^-ateht darin, dass diese T>/5Rnnchfingru^fie Vei pH 
ihren|u.demaandern«Menschen«Gn eichsein trotzdem das 



31 



^^^terial hia^eten n.-hp.den,in den sloh in vr!*hegre1fli= 

in e tri er Form 
ober 7/eise dfts flöttliche'auf £rdei i/;Te.qtpTtftn nöoh^-e 

Dfis ist aher nicht - wie -^rir gJmi^f^n - der »^mlität 



^mttmm 



der .^Jr-^chen ?^ii ^^erdnrVen, sondern dem Umstände .den der 
ST)rnchdichter(.ö,lö;lV; — ~*" iiuT7,uwxi a«r 

*^^*^^ in die .Vorte geDrägt hat: Ein Bminidea Lehena 



■■i**wn«aB«i»» -■«. . . 



ist d ie göttljnhe Lehre den:^enlgen,die sich da van fest= 
l^Iammern.. 

Und nun noch ganz kurz die Frage: '>7ie denkt s ich 
das Judentum die Zukunft des Mens c^engeso>>1eP.h^-..c^ 

Ilieiim ist ^-^ri T)or)T^eltfiB_7ML her«r>en: Das Judentum 
^ch keine Aussage iiher die ;Velt,die .Jenseits des To= 

»0 

d^es liegt. Das hedeutet nicht, dass es nicht an ein Fort- 
22]Tenjier Seele nach iem Tode g]auhe;im rre^^enteilTTilT 
ist aelhstversfindliche Voraussetzung. Aher es rrpcht 
keine Auss-'.ge darüher,weil ein I^ensoh dariiher xilr.hts 
wisse2i,u.-elhst,wenn e» es m3sste,es mit me^-schnchen 
Begriffen nicht au ssagen kann. Umsomehr -erlangt das 
Judentum, dass alle fenschen auf den g-rar^ desJJliickes ' 
hinarbeiten. der auf ' Erdjen_ erreicht werden kann. .Vas 
hierunter zu denken ist, ist leicht zu verstohen,wenn 
-nn das bisher über die noachid ischen Geset_ze aesagte 

nocheinmal fberdenl^t. Sin allgemeines Ife nscheri^iiinv ist 
ohne allgemein hohen sittlichen S+:and nicht zu erreichen 



'6Z 

SlttlichlLftlt li°rgt a'hftr rr.it wahrer CJ' tteger^emtnla 



<i II II II ■! 



7Usarrr^n,u.Ro rmlen nriBore Profiten, doren Worte 'viedoriim 
vielfache Verwendung in unHereir. O-'-^tesdienj^^t ;?:e-fimden 
yja>en,aiis,'vie e inst ^JJe Völker glrcP.lioh sein 'W^den 
in der Erlernt^is u. Verwirf] ichung den CröttTi-hen Der 
ProPet JeBaia f^^rioht es rrit den .Yorten ans: 

''Dereinst, in den ST)äteren Tagen/vird anfge^^ 
' richtet sein der Ter^-nel des Herrn hochragend 

iiher alle Berge n.erhaher i:her alle Hrgel-r-r. 

u.zn ihri werden alle Nationen strorv^n. .\ 
G'tt wird richten zwischen den Kationen 'r. 
zurechtweisen die vielen Völker. Dann werden 
sie ihre Schwerter zu Sicheln iirric^chmieden ' 
u.ihre lanzen zu Reh>-essernieine Nation wird 
nicht ft'rder das wSchwert p^efren -Ue ard 'ijre 
erhehen, U.Sie werden nicht rrehr das Frieg-Püh= 
Ten lernen! (Jes.2,4ff). 

Diese \'JoTte werden pedes Jahr einmal ir unseren^ 
Gottesdienste verlesen. Die^ '.Yorte anderer Profeten sind 
e Ingehaut in unsere Gehete. Dass es aher einst so 7/eit 
Jiorviirer "-nge,riaa3 Ue Ifenschen vvieder wie Adarr nichts 
f^mAeves als •fen'^ch aein vrerderijd^ i 
iirVennt.ris des G'ttliohen dos Rechte 7a^ tvn' im^^+ande 



^•«■«■■■MfaWiJtMIlBAiriBiMap^KaiAwtMUlik 



r I I ■ f— Mi i i yiwurr i f 



iT r»'«!» m 



MtamM 



ist, diese Hoffmijig anrenhen wir 7.\ m Sohl i:isse einevS ]le= 
d en Gehet es rrit den .7orten dos i^rofeten Sechar.iah ans: 

Der E-dge vvird einst Konig sein fher die ganze 
i-rde. Zn dieser Zeit wird der Ewige als einig n 
sein liare als einig anerelrannt worden. (.So -h 14 9) 



öö 



loh ha'hejsov/eit es in yArr^.p-v Zeit »rögnich ist, ein Bild 
des Judentums zn geTien versucht, so wie -^s sich von in- 
ren heraus' darstellt- Aher -^s dies nur '-^in /?an?; Klei= 
ner Teil des urendür-hen Stoffes. Und trot7.derr ist er 



vielleicht noch r^n iim-ofongreich riir eine gerz >irrze 
Artwort, die ^^ielleinht der eine oder andere mir die 



MMKaOtaal^. ^'>-.. 



iVage i^ach der ./Ovsen des Judenti-^rs erwarten »»'öcVite, 
Eine solch feanz Jknrp^e Artwort '.vill ich auch noch ge.-hen 
u. z7/ar rrit den ''/orten eines unserer grossen ,1i:iiischen 

Lehrer, iap ^ur Zeit Jesu geleht hat. •'WW<^,;U^ ,' 

Zu Scharr'a,i >am ein Heide u. wollte Jude we^-den 
wenn es Ihrr gekehrt werden >önnte, solange er auf' 
einem Beine stehe. Schamma.i glaiihte ,' er Heide 
wolle ihn verspotten u.trieh ihn fort. Da ging der 
Heide zu Ilillel u.trug ihm den gleichen -Tun seh 
vor. Hillel aher erwiderte ihm.: ".Vas du nicht 
willst, das nigg auch l^einem andern zu», das ist 
das ganze Judentum. Alles andere ist nnr Komnv^ntar 
mar ii:rl< 1 ärung . Und nun gehe hin u. lerne die äv- ' 1 
l^'lärung!" ■ 

Iw'Bine Antwort ist länger als die Hillels. Aher 
doch nicht lang genug, um Iviissverständnisse '-ielleici-t 
ganz zu ver^^'eiden. Darrm wollen wir hingehen n.ians ge= 
^ genseitig erklären, uns hier rher die -besonders interea= 
sierenden Prägen anssorech^^n. 



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Emil JcLrsch d^l/f^^ie» 



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22. XI. 52. Rabbiner Dr. Schorsch 



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Auf dieae Präge gi>>t es ir^ grossen ii, ganzen eigent= 
lieh vvT Z AntwortsrögllchVeiter : Ja oder nelr! Es 
giht natürlich innerhalb <ies Ja oder nein Sonderr^ögt 
lichlcel-^en. Aher in^r^r gehören die Antworten entweder 
7.X1T Grrnne der Ja=^ oder Nein-Antwort. 

Die Antwort Ja ist uralt. Schon die prir^itiven 
Völler der Vergangenheit u.der Oegerwart h^'^en anf die 

]?Vage,oh die rTensohl iohe SeeDe nnsterh]1oh ist rrlt 

Ja ' 

Ja geantwortet. Es war ein hlnthaftejy,Vein >]os^es 

LlnnenheVenntnls. Sie hahen sich vor den Seelen der 
Ahgeschledenen gefürchtet. Sie hahen ihnen Sneisen 
u.Getranle auf die Gräher gestellt , damit sie irr? Jen^^ 
seits nicht zu darhen hrauchten. Königen gah n^an un^ 
geheure Schutze rrit ins Grah. Heute gr^^ht rmv die noch 
nicht , entdeckten u.herauhten Schätze aus, wie etwa das 
Grah des Tut-ench-Amon,oder wie die noch reicherea 
Gräher der hahy]onischen Kcnige,die vor Jahrtausenden 
geherrscht hahen. Dahei ertdec>te rmn grausige Dinge: 
Jfen hat manchen einen ganzen Hofstaat an Sklaven u. 
Bediensteten mitgegehen,dle man^'a!fso heim Tod© des 



/i 



T 



V 



Herrschers ehenfalla getötet hatte. iYartw? Nnn,well 

der Herrscher Ir Jerselta doch auch SHa-n-en hraucht! 

hvA dahei iracher die völlig unverl^rannoft daliegenden 

SHelette durchaiia den Eindruck, als oh die Cretriteten 

c 
n-lt ihrer Tötung einverstarden gewesen wären, *^]n oh 

sie es für ein schönes Opfer oder gar kein Orifer ar= 
gesehen hätten, zu sterhen,ur ihrem Herrn im Jenseits 
ZV dienen. '.Venn ran solchen Manschen gesagt hätte: es 
giht gar kein Fortlehen der Seele im Jenseits - sie 
hätten eine solche Behau-ntung gar nicht verstanden. 
Das wäre ehenso gewesen, wie wem ^emnnd hätte hehaun« 
ten wollen, die Sonne ginge nicht auf. 

Aher auch die alten Ger-^anen gl achten an ein 
Fortlehen der Seele nach dem Tode, In Walhalla lehten 
die Hei den, h ingegehen der Ihren liehsten Arheit sich 
gegenseitig mit iem Schwerte Arme u. Beine ahzuhauen. 
In Walhalla aher mit der Aussipht ,dass die verlorenen 
Glieder ahends wieder angewachsen sind. Dies'=?r ahsolus 
te Glauhe an <ias Jenseits gflh ihren die I<raft,>rieges= 
rische Helden 7ai sein. Was sollte auch der Toi sie 
schrecken, wenn man Aussicht hatte, durch den triegertod 
ein herrliches, ewiges Lehen y.n gewinnen: 



ATier a\ich nach der Ansicht der Grieohen f^ah es 
eir Port]e"ben der See3e ranh den Tode. Zwar eraohien 
Ihren daa diesseitige Lehen ala das Schönste n. Herr- 
lichste. Das Jenseits war nur der Hades, die Unter« 
weit, wo die Seeler ein Schattendasein führten n.nnter 
umständen wieder ins irdische Lehen 5!;rrücVge führt 
werden konrten. Aher die Vorstellnng,d.aas daa seelische 
Dasein des Ifenschen in- Tode sich in Nichts arflöaen 
könnte, war ihren völlig frer^. 

ton hrancht nicht alle aiisserhaJh des Judentums 
".seiner TochterreDlgionen stehenden Völker u. Gemein- 

Schäften aufzukohlen. Man kam zusammenfassend die 

es 
•t>ehauptung aufstellen, dass^ in der Vergangenheit kein 

Volk der Erde gegehen hatte, das an dem Fortlehen der 
Seele nach dem Tode auch nur p-e^weifelt hätte. 

Aher garz selhatverständllch war der Gedanke 
des Fortlehena der Seele dem Judentt^m u.den aus dem 
Judentum hervorgegangenen Religionen. Es gah zwar ein- 
mal eire .iüdische Sekte, die das Fortlehen der Seele 
lergnete. Das waren die Sadduzäer. Sie waren merkwür= 
digerweise zugleich die Kriegaparte i. Es soll daa 



nur 



argefiJhrt werden gegen die BehftUT)tung,daas Kriegslust 



hervorquelHe aiis dem CrlHn'ben an r[l) Un^terhl ioh>*elt, 
dang also die ReDigion die Krieg<5ilii3t forde re,?7eil 
nan iajden Tod nic>^t 711 ftirchten hrauohe. Die Saddu^^ 
^aer^scbeinen i'Hre Kriegg]nst gerade ansi dem aiaiihen, 
daj^B mit dem Tode alles aus sei, gesogen zu >iahen. Aher 
r\ie Sariau7äer waren eine Vinderlieit u.qind vollständig 
c*us dem Judentnrn Trersohwnnrien . ürd p«o »^c^t denn im 
Jurlen'^nm,0hristenti7m u. Islam der Vergangenheit ganz 
selKstverst^ndllch ier (ITanhe geherrscht ,dass ^ie See^^ 
le ries ü^nschen nach dem Tode weiter lehe. XKXKXJÖÜfX 
Das Christentum lehrte den Himmel, in den rlie Crnten 
n.^ie Hölle, in die die Bösen ^o^men. IJncl der Islam 
verdanl^te seiner Lehre vom Schicksal u.^om Jenseits 
die gon^e ungeheure StossVraft,mit der er in den ersten 
Jahrhimderten seines Bestehens die halhe Jelt eroherte. 

Auf diese Dinge soll an dieser Stelle nicht 
weiter eingegcmgen werden. Ss sollte nnr gezeigt wer^^ 
(ien,duss die Lehre vom Fortlehen nach dem Tode uralt 
u. allgemein Verbreitet war. 

Die Lengnung des FortJe'hena der Seele igt nnn, 
wie 30 vieles, eire Erfiridnng de,g i9.Ja>irhundert9. 3io 
■beruht auf der Entwicklung aer Philosophie seit Des- 
cartes.der 1650 gestorhen ist. Desoartes unteraoheis: 



det 6 Arten von ewigen Se in '^ fernen: (\ie natura natn=: 
rans,die ewige SiT-hatan^,^ . i.Gott. Von ihrr^ pescnct^ 
fen ist aie nattira naturata,rtie geschaffene SnhatHn?:, 
Rher sie zerfällt in 2 Teile, die denVen'^e n.die ans^ 
gedehnte Snhstanz.d .LGeiat u. Stoff, oder wir vttnrten 
sagen: Seele n. Körner. Naoh Deacartes sind beide 
ewig wie die natura n«tiTrans,wle Gott. Aher sie sind 
auch ewig wesens verschieden, so dass es zwischen awist 
u.KörT>er eigentlich gar Veine ^Vechselwirknng ge>^en 
könnte. Der ßednnke, Ich wolle ietzt TOlnen Arrr hie:^ 
gen, durfte eigentlich gar keinen Erfolg ha>>en,denn 
wie könnte der aKsolut wesensversc>>ledene Geist in 
das Reich des Stoffes hestirrrrend eingreifenT^Ans die= 
aerr Grunde hahen die philosonhischen K'^chfolger des 
Descartes eine merkwürdige Lehre aufgestellt. Sie 
meinten, Gott gr*4re In .iedem Aiigenhlick in den Gang 
der Dinge ein. .7enn ich denVe,dass ich ietzt r-einen 
Arm »legen will, so ergreift Gott diese Gelegenheit 
als Herr über Geist n. Körner, den Körper, nämlich in 
diesem f«alle meine Armm:skeln zn he/stlmmen.dass gi© 
dem geistigen Befehle nachkorm^n. Diese Theorie der 
Occasionalisten,^GelegenheitsDhilosonhen im angeführten 



Sinne, ist sehr rerkwürdigjii.clTirchHua ninht ohne wei= 

ters einleuchtend. Aber 7.\^i ihr rruaste die Philoaonhie 

des DescarteSjder eine »hnolnte Versohiedenheit; zwi= 

^chen Geist u. Körper annirrnt , fast zwangsnäRsig fuhren. 

Zu einer gcxr\7. anderen Lösnng aher karr Sninoza. 

Für ihn ist Geist n.S+off ?!war anch e'vig^aher sie 

sind mir -so r^int er- ?:wei verschiedene Seiten ein= 

Tindesselben, nämlich des Göttlichen. Gott hat unendlich 

^iele Eigenschaften, Attrihwte,XKXXKÄMJ0aö5Ä die alle 

3 irrt 
ewig sind;>^ekMnnt lüX nns aher mir ä Eigenschaften 

''^^^loliS* "-f'^r'^iö ^^^^ aläo nicht entgegengesetzte 
gieicngeornnete , ^ 

sondern/nar^llene iirsche immgen des Göttlichen. Darum 

den nsychonhvsischen 
nennt nan diese Anffi.ssnng apinozag^Paralleliamna. lach 

ihn- qi>i(^ „jpio Geist u. Körner gleichwertig.^ 

Aher es ist eine einn-»che th^r legung, iass sehr 



JUQQC 



JIMSX. 



Gan5^en erklärt wurde n.die andere r\xyr mIs Begleit:= 
erscheiming. Erklärte imn also das Geistige als Grund= 
lago,so kam man ?;ur einer Art Idealisrnia n. Pannsychi3=- 
'»'ns(Allheseelnng)in. erklärte man das Stoffliche zur 
Grundlage, so kam man 7ur Anschauung des itoterlalias 
mtig. Diese Philosophie wurde nun im 19. Jahrhundert 



zur Beheraoherin clor garten .Vis?jenachi»ft ,iH>^er ins- 
"besondere der Naturwigaenncbuft . Dar'it wurdf^r die ras 
teriallgtigchen Phlloaophie;^.y8ten>e der früheren Zeit 
wieder lebendig. Schon ein Derol^rit n.EnlVnr erk]är=^ 



ten das Stoff Hohe für das wahre Sein. Aher erst i 



m 



lö. Jahrhundert wurde rrit Inhrnnat u. Hingabe der A?a- 
teriallsima in all seinen Polgen durchgedacht u.rücV« 
slchtsloa auf alle iracheinungen des Lehens, insheaon* 
dere aher auch auf das politiache Leher ühetragen. 
Der J/kterinlisn-na erHärt alles Geistige a.ls hlosae 
Begleiterache immg ier atof fliehen Vorgänge. Urser 
DenVen ist eigentlich nur eine Summe heatlm^ter che= 
niacher Vorgänge irr Gehirn! -Venn also das Geh im 7er= 
fällt, wenn es irr Tode ^^erwest ,waa ist dann? Kuji dann 
ist'^ehen rlt dem Densen auch a\is ! Dass es etwas ge^ 
hen Vnnnte,waa auch nach dem Tode noch denVt,ein« 
Seele, da'? iat «nf Griind dieser Voraussetzungen un= 
mögliohl ISMXSJK 

Am merl<würdiggten hat sich diese Anschauung auf 
dem wisserschtiftlioien Gehlet ausgewirkt , das sich 
Seelenkainde rennt, Psychologie ! Im vorigen Jahrhundert 
ist eine Psychologie ohne Seele entstanden. D.h. man 



6 

hat gicn eirfaoh (iar-it >^egr\igt , ^e8t,?;uatel]en,flaas 

daq Bewuaj^taein des Iifenachen ao u.ao geatw^tet ist, 
zurr Ausdruck konunt. Die Annahine einer Seele 'vnr hier- 
zu nicht nötig. Vas ist der i^nach? ßin Bün'^el vnn 
Empf indTingen - antwortet der Philoaonh ifech. Irr Tode 
natürlich fällt aaa Bündel auseinander u.dann iat's 
mit dem Menschen aua, endgültig aua. 

üie SeelenVunde also war ein ViRsenacVaft von 
der Seele i)hne Seele, ^er Materiallamia hat allea See- 
lische 7ur Moaaen cherr'ischen Begleiterscheinung des 
Stoffes heraTigrdrücl>-t, - wenn man in einer solcnen 
Situation die Präge nach der IJnsterhlich>eit der See- 
le gestellt hätte, nun dann muss doch die Antwort ar^ 



foliren: Die Pr«ge sei unwissenscn^ftlicn gestellt; 
der itensch hahe Veine Seele, also }:onne es «nch keine 
Ünsterhlichkeit ier Seele ge>^en. J7enn ich mich also 
auf diesen Standpun>t stellen wollte, so mügste ich 
iet7t erklären: I^ine Herrschaften, ich hahe ihren 
also in rT^erzeugender iVeise nachgewiesen, dass ÄÄ3K 
MmXX. Sie gar keine Seele hahen. Ich hitte Sie also 
sich nicht weiter mit dieser unmit?5en Frage zu heachäf: 
tigen,aenn wenn Sie sterhen,ist alles ans. 



9 

Ich weiss nicht, oh ,1epx.rd unter Ihnen ist, den eine 

derartige Antwort hefriedigen würde. Aher ich iröcnte 
vermuten, daas rnanche Uns^ufriedenheit in ihrem Herzen 
als Stachel sit^^en hliehe,wenn Ihnen eire derartig© 
Antwort gegehen werden sollte. Darnrr machte ich mich 



einmal etwas näher mit der material istischen Leugt 
rnng der Seele heschSftigen,u. znnächst ein-ml einen 
Cresichtsnnnyt anlegen, den man als Pragmatismus hes= 
zeichnen l<f)nnte,a.h.als Annahme, dass etwas v/ahres 
sich als gnt erweisen müsse, u.^ern es sich als jffchlechtl 
erweise - nun, dann ist die Voransse tznng e>'en nicht 
wahr. Der Talmud drncVt das so ^ins: Perosehem me-is= 
dim Hlehem,ihre Prrchte legen Zeugnis ah fiir sie; 
oder -wie es im Testament des Christentums heisst: 
An ihren Prticnten sollt ihr sie erl^ennen! 

Also nJüT^n wir einmal an, der Material i-smns 
mit seiner Lengn\ing der Seele n. damit anch der TTn= 
sterhlichVeit nche recht. -Vas ist dann die 'Fblge? 
Ein Mensch, der ahsolnt davon üherzengt ist,dass es 
mit seinem Tode für ihn endgültig «ns ist, was wird 
der tim? Vird er nicht versuchen, in diesem >nrzen 
Lehen sich an Lnst zu verscri£;ffen,was irgend möglich 



10 
Ist? Eine Strafe nach dem Tode hat er nicht ?:n er- 
warten. Eine Strafe in aeinerr- Lehen wird ihn ntir achrek 
>en, soweit er heriJrcui-en msa,da<=?3 sie ihn wirklich 
trifft,d.h.daa3 n«n ihn erwischt. Ein solcher Mensch 
rmiss notwendigerweise 7.vt Oeführ für alles das werden, 
was n«n Moral n. Ethik nennt. Die religi^ise Forc»l scvgt: 
Dn sollst nicht morden, du sollst nicnt stahlen, dn 
sollst nicht ehehrechen! Aher war\iw soll ein Mensch 
der nicht an ein Portlehen nach flem Tode, der noch 
nicnt einrnal an die Existenz einer Seele glanhtjiiese 
Verhote nicnt übertreten? Ich sttge diirchc.us nicnt, 
d&ss ale Lengner der Seele n.der lJnsterhlich>eit 
schle-hte Mgnschen sind. Im Gegenteil glanhe ich,dass 
nicht wenige darunter glühende Begeisternng ^ür das 
olJgemeine Ifenschenrecht empfanden. A>ier ich kann gar 
nicht hegreifen, wie sich flie Moral ans ihrem lttteri= 
Hllsmns herleiten cier hegrürden soll? Seihst wenn 
man annehmen würde, dass ^Ae ßiück der Kinder den Men=^ 
sehen 7n ethischem Handeln veranlasst, so hliehen doch 
mindestens diejenigen ansehen ührig,die >eine Kinder 
hHhen! Es scheint n^ir vielmehr so ?.\i sein,dasa die 
materialistischen l^ngner der Seele ".Unaterhlichkeit 



11 

die trotzdem ethische Me^aohen «^indjlr dieaer Ethilc 
die Eiergchftlen eirer ganz anderen An«?ohnming rrit qich 
herumtragen, nämlich einer Arachaunng,da33 die Seele 
des Itenaohen nach dera Torte weiter] e'bt n.die Folgen 
ihreq Handelns wrährend ihrer iraiscnen k.rrhuhn zu 
tragen hat. ilfürde aher einmal die Lehre, dass mit dem 
Tode alles a\ia ist, sich üherall verbreiten n.die iten= 
sehen ernst mit ihr machen, so miisate iie natürliche 
Folge gein,dcias ein i-asender Egoismus iie Herrschaft 
ergrlrfe;,1eder müaste zum Feind dessen TTerden,der 
seiner Lngt im Wege steht, ier Stfirkere mirde den Schwa= 
chere vernichten n.'^iie Lehre, dass mit dem Tode alles 
a\ig ist,w\irde die Selhstvemichtnng der r>*>nschheit 
eingeleitet hahc»n. 

wer aiese Konsequenz leugnen möchte, ier hntte 

nur einen Ausweg: Er müsste nfimlich hehRunten,dttsa 

das J/ior«l lache genau so im Ifenschen Ijege wie etwa 

das Bedürfnis zu essen, also einfnch nwtürlich sei. 

Aher er würde sich cit»mit seihst heiligen. Denn nicht 

u. iat natirlich 
das Moralische liegt im Menschea^sondern das Nicht*= 

mornlische, Amorali sehe. .Ver kann behaupten, dasa in 

der Natur das Vorbild liege für das Ver>>ot etwa: Du 



1 p 

sollst niont, r\yrden,d.n aollat ricnt atehlen! Das (Je = 
genteil ist der ülall! In der K«tTjT herrscht rias Hecht 
des Stärl<eT:^n,d.h.der Stärkere nimmt sich das Recht, 
den SchTTJ^criwren au morden, dem Schwi^cheren die Kahrimg 
wegziinehmen. Das Ii/brnli^che ist ein ^ehot gegen d ie 
i<at\tr! Und der Leugner der Unstorhl icnl^e'it l^ann sich 
nicht USX darauf herufen,dass es ols l^atürlichVeit 
dann iferfiCtien «ngwhuren sei. Aus der leugnung der Un»^ 
sterhlichkeit fliesat im Falle der konsequenten Lurchs= 
führung aller Folgerungen der Urtergang der %rschheit 

Hat ran einmal auf Gruna aieses pragrna tischen 
GÄsichtapunVtes ile GePÄhrlichVeit der Leugnung der 
Unsterblichkeit erkannb.su wird der die Verantwortimg 
fühlende Mensch den gan?en ßrnst der Frage fühlen. 
ür wird auch nicnt me^■>r snielerlsch die Fr«ge ?:urück= 
drängen u.unhea>^ twortet lassen, sondern er -vird mit 
aer ganzen Kraft seines Denkens an seine ganz uersön^^ 
liehe Lösung der Frage hem^-gehen in der >^estlmmten 
Erwartung, das s aus der Beantwortung auch eine Beein* 
flussung seiner I«hwnagestnltung erfolgen wird. 

Die einfachste Art der Beantwortung wnre wenn 
.iömand irorhanaen näre, der das Jenseits ke-mt u.uns 
aus eigener Anschauung herichten könnte. Wir «lasen 



das 3 dies <=^ire törichte Ho-Pfmirg w^ere. Zwar giht es 

l'en>^cher,die hehc^iipten, Tote hesch'A^ören zn tonnen. 

A"her wns an P]a-»-theiten hei ^^jolchen Be'ichwnriin^en 

worien i^t 
von len C^el-^ter-n rter Dahingeschiedenen gesagt/ÄÄX» 

MXIXK, spricht nicht gerade riafür,dass sie ans flem 
Jenseits starrm^xi, 

linn r-n^is aJ^io einen anderen Weg vmt Beart\7or=^ 



tnng der Frage nach der Urs^erh] IchVeit ^ev Seel 



e 



einschlagen. } ann rrptv (\er direl-ten 



nicht he schreist 



ten,so nnss nan einen indirekten ^Veg gehen. Es giht 

min seit langem eine Art von Beweisen fvr die ünsterhs^ 

lichVeit , ?!.B.der historische Beweis, ßr hesagfweil 

an 

a]l0 Vö]l<er/eine Unsterhllchleit der See]e geglanht 

ha'^en^deshajh n^vJsse auch etwas vVahres da>>inter sein, 

Iwar hrancht nicht hescnders scharfsin> ig ?v sein xirr 

zu ernennen, dass dieser Beweis nnznlMrgDich ist. '/?a=^ 

rurr soll es nicht rög] ir-h sein,(iass a33e VrlVer der 

Vergangenheit in di^serr PnnV.te ;3;eirrt hätten. Die 

JVaVrheit wird nicht durch J.ja.iorität entschieden. iVenn 

ir^ ^Mittelalter allgemein die llär verhreitet war in 

Ircller gJ^'he es Vng*ä,die anf Bäiinen nficTi?5er,,ao het 

die AQ] Lerneinheit der Ver>reitnrg e"hen nnr die Grrg= 
ae des Irrturts nnterstriohen. Her historische Beweis 



14 
ex corsenau gertiuw hat Bewej.aVrnft riir für ier,cler 

Bn die UrsterT^licMeit glaii"ben will . Einen Ungl'iut 
"higen Parr er nicht vj'ber?;e\igen. 

Daher möchte ich einen anderen -Veg der Beant=- 
wort\:ing einschlagen Ti.TinnHchst fragen: .Vie verh«^lt 
es sich denn mit der Znlänglichkeit der.^enigen rrenschs: 
liehen Pähig>eit,die die UnsterhMchVeit >^ewiesen 
hahen möchte, d .h. hat die Vernunft des Iferschen «her* 
hawpt die F8higl-eit,die T-nsterhlir-hteit ?ai ernennen 
oder ?.\i leugnen? Anf diese Frage m:?^chte ich lrHT)T) n. 
Har mit "nein" antworten. Und 7war ans folgender 
Iherlegnng heraus: .7ir ]ehen in einer /Veit, die sich 
aufhaut auf den Koordinaten Raum u.Zeit. Was wir er^ 
lehen,erlehen wir ir'-mer irgendwo u. irgendwann. Nun 
wird iiese raumj^eitliche IVelt o^^fenai cht lieh sc>oii 
gea+ ort, wenn wir in Schlaf versinl-en. /Vir wissen nicht 
wo wir weilen, nicht Ort u. nicht Zeit. Erwachen wir 
aus einem hleiernen Schlaf, ao ist uns unmöglich zn 
sagen, oh wir i Stunde oder 24 Stunden geschlafen ha- 
hen. Diese Störung daarch den Schlaf scheint mm herr=^ 
sehend tax werden durch '^en Tod. In Tode ist doch alt 
lern Anschein nach alles Raumj^eit liehe ?.v Ende. Wir 
müssen also annehmen, daas es nehen der raum-^eitl'chen 



15 

Melt eir«^ völlig anders geartetes Sein gi'htjeln Sein 

ohne Rai-ir n.Zeit. Aber rr^hv als dieses Kegative l<ann 
misere Vermmft nif;ht aiissagen. Sie ist «"bsolnt \in- 
fähig, diese Grenze des Negativen 7.n \:"bersoh reiten. 
Dass sJe diese Unfähigkeit wi^rr^t ,geht daraus hervor 
dass nje rit einern gewaltigen Salto mrtaTe miB (\ie^ 
ser Situation herans:?\:ihiiT3fen versucht hat n.erl^"'ärte 
e» glht ehen >ein anderes Sein a:is das >mterielle 
den Sinnen zngiirgliche Dasein. /Venn ein A/fensch stirht, 
dann geht ehen sein ganj^es Dasein, das ist der Körper 
in einen anderen Zu-'tand iiher. Vnn k^'nnte also ruit 
E-^cht >>ehauT)ten,<ia3s die Hexe irr- Iffirchen von Hansel 
u.Gretel tatsäclilinh zvrr Schornstein hinausgefahren 
seijal? sie verhranntc,denn iras die Hexe wpr,iF't voll= 
>oirBTen nr-gesetfit worder in .Väme, Rauch etc. Die rro^ 
nistische Arschaurng also, die ein Sein ausserha]h 
von Zeit u.Ranim nicht arerVennen will,hew*lst tatssch- 
lich nur^das Unhehagen der Vernunft angesichts der 
Tatsache, dass sie die Grenzen des ranri^eit liehen Das^ 
Seins niovt t'herschreiten Vann. Das rächt sich auch 
noch in anderer Befiiehurg herer>har. »Vas wir erlehen 

9 

ist alles eing^suonnen in denji Begriff der Erdlichleit 



16 

Aher ael^st der Ibnist miiaa ßine TJnerdlicVjT'eit von 
Ranm u.Äelt fordern. Vorstelllifir lat diene rneridllch*^ 
lelt ledoch nicht! l^n Varn mir sagen: Rarm u.Zelt 
liören nicht anf,sind nnhegren^t ;aher wie ao etwas 
möglich ist, ist gar niclit 7ai hegreifen. Die Vernunft 
stösat alao anf Gren^en^die aie^ nich t üh^rschreiten 
Parn! Sie int folglich ^nr Er-Torschnng deR nahror 
SelDB ein rniznlärgl Inhes, JlL^.^TrüggJ"- ^ Sie Vötinte ver^ 
glioher "werden nlt cirem Rcharfen Tanclnerxre8-ier,mitsr 
telst deaaen ein r>'eterdin> er, eiserner Treaor geöf-Pnet 
werden wollte! Scharf ist die Vornnnft jah^r ^.nr Lö=^ 
Bnng der iVage nnoh der^ '«^ah-ren völ]lg nrgeeigret, Sie 
>ann nlchta arideres tnn,ala zergliedern, was Ihr als 
Lteterial gegeben wird. Das ivMterial liefert Ihr ei- 
nerseits iie Slrreserkenrtnis,was als Err^flndungen 
uns nnn^ittelhnr entgegentritt, andererseits aher hle^ 
tet neues L/titerlnl eine von der Vernunft vol]lg ^er^ 
schiedere Kraft der un^ittelharen Eirfühiiung^der 
intiiltiven Schau, die frei wird besonders ii^ Zustande 
da der Kör-oer geschwächt ist. Darum spielt das Pasten 
hei den Schöpfern neuer, grosser u. welttragender Sy^ 
steme elre so grosse Holle. In der E>sta<^e,d.h.ehen 
im Hinaustreten der Seele aus dem Körner schaut rmn 



17 
un;5:ealnnte Dinge. Die Profeten n.SVstatiVer ai:ier Völs= 

ker nchenl^n in ihrer Sclnun derr Mengchengesohlenht 
ÄrVenntnigae (]es wahren Seins, sie "bieten njnserem 
Denken Material, Rn dernjsioh ühen kann, j^erlegen n. klü- 
geln kann, ohne ,1ermls etwas Neues zv schaPPen. 

Im vorigen Jahrhurdert hat die Vernnnrt sich 
entGchlossen,als Iviaterial ihres Denkens nnr noch die 
äinnesorkenntnis anzuerkennen, das toter ia] profeti^^ 
scher Sch'Mi aher ahj^nlehnen. Sie hat sich dar'it -^ev^ 
rnnnt in die Unzulänglichkeit n. Gefährlichkeit mate^: 
rialistischer n.rnonistischer Beengung. Darum entsteht 
für nns eine neue, aher in /Vahrheit uralte Aufgahe, 
nämlich: die >^ewusste .Viederzuwendnng zur Schau der 
Profeten,zur -Veit der Religion! 

Bevor ich nun aher anf diese Präge eingehe 
soll zuerst noch eine Crrnndfrage geklärt werden. Für 
die Religionen existiert ein JensejJ:s,d.h .eine von 
der raumzeitlichen ^elt ahsolut verschiedene v7elt. 
Die 'Viasenschaft des vorigen Jnhrhnrderts hat ein 
solches «Jenseits ahgelehnt. ton könne sich eine Port=:^ 
Setzung des Lehens rher den Tod hinaus nur vorstellen 

unter denselhen Bedingungen, unter denen wir .ietzt 
schon lehen,also ehen nur in den Koordinaten von Raum 



18 . 

U.Zeit. Die Religion hnt gioh niemalg nnter dies^a 

natnr«i3aen3C>ipniin-he,in ;/irk]loh>eit rr«tanhv3iacln© 
Dogrm gehengt. Nnn ■herij>irt, es eigenartig, 5!\i sehen 
wie Ue heutige Physik, also die Naturwissenschaft im 
höchsten Sinne, von dem monistischen Dogrrft der einig= 
einzigen Veit ahruckt. Sie erklärt nämlich eindeutig, 
das v7elta]l sei nicht unendlich, wie msn hisher hes^ 
htiuntet hahe, sondern endlich. Und ^war schliesst sie 
es aus der J^unehmenden Entrernnng der fernsten 3tern= 
nehel von uns u. voneinander. Das hew4ise,dass das 
'Vertan iTmer grösser werde. Grund voransset^iing des 
Grösserwerdens aher ist die EndlichVeit des .7eTt»n.q t 
'.Venn also urser '.VeDtnll nicht unendlich sondern end= 
lieh ist, so giht es in ganz ein fache m,naturwissen= 
schaftlichen Sinne wieder ein Jenseits. Damit ist also 
von Seiten der MatnrwissenschAft seiher die Griindlage 
''er monititischen Naturphilosophie 7,erstört,u.der J7eg 
freigemacht zur uralten religiösen Erkenntnis, die irrmer 
ein Jenseits gelehrt hct. 

Eine zweite Grundfrage noch: Hat ier Ifensch eine 
Seele? Dnranf antworte ich ehnnso eindei-tig: Ja. Die 

leugnung der Menschenseele war die letzte Stufe in der 
Entwicklung der materialistischen Veitanschauung» 



19 

Was sollte ai:ich eine Seele in einer nDniati sehen Stoff=^ 

weit? Wird diese monistische Stoff^elt hehaiiiotet ,:lann 
r^MBS -so schwer es aiioh p:efai:ien ist- iie Seele(leng=- 
net werden. Ich glanhe,Veine Beh^untiing ist dero ein=^ 
fachen Iferschen schwerer ein7ntrichtern,a]s die,dass 
er Veine Seele hahe,'^ass er nnr ein Bündel von Fjrrt)^ 
findnngen sei. Darum war die Psychologie ohne SeeJe 
nnr ein Privatvergnügen dieser Wissenschaft ,n. erst 
in dem Aiigenh]lck hat die Öffentlichkeit wieder Tnte=^ 
resse gewonnen an der Psvchologie ,als die Psychoana- 
l77se den Ifer sehen wieder als Einheit genommen n.er=^ 
] ]ärt hat. Da nun die m^^deme Phvsik -^ie Voraussetzung 
der monistischen Stoffwelt zerstört hat, ist nun auch 
der Weg wieder frei geworden, dass der wissenschaft=: 
Üich denkende Lfersch ohne Hemmungen zum Glauhen an 
die Menschenseele zurückkehren kann. Der religiöse 
u.der einfache Mersch hut niem^^ls daran gezweifelt. 

Und n\an möchte ich mich nach der Peststellung 
dieser Voraussetzungen der direkten Bea-twort\ing dsr 
Präge nach der UnsterhlicWei t der Ifensch^rseele zu- 
wenden. Wie ich schon erklart hahe,will ich keine 

irgendwie gearteten^'Beweise'' «rführen. Ich hätte mich 
^u damit wieder KKX ,1enem unzulängl i^^hen Strahen an^ 



20 

ge8r»h]o.sgen,rrlttelst der Varriinft etwas 7^^ erkennen, 

was ihr aT)?iol\it unziigäng] inh ist. Ich werde vlels: 
mehr nichts anderes tiin,a]s das I/at^rial ansd^hten, 
dc*s nns scnon vur Jwhrt^iisenden pro fet Ische Schau pß^ 
liefert hat. 

Hierhei entsteht nun eine wic>>tige Präge, vfenn 
die Profeten aller Völker d'^s Jenseits geschant u. 
verkündet hahen, woher kommt es dann,dass die ver-^chAe- 
denen Religionen sich das Jenseits so ^hv.'7, verschieb:: 

» 

der c^nnrnden? ßs giht doch nur ein Jenseits, das sie 
meinen 

^UK JÖÖÜ5XR3tMX . Also münsten sie es auch einheitlich 
schildern! Der Buddhis^ms z.B. nennt das Ziel, zu dem 
die ^ienschenseele streht, Nirwana, u. er meint finmit 
nichts c.rderes nls dc*s wollig Anderssein -^ener vYelt. 
iSs lässt sich darüher streiten, oh das Kiwana eine 
endgültige Auflösung Aer Menscheneeele in das Nichts 



mehrsei n oder nur in das Kichtmehrirädschdasein he:=^ 
deutet. Jedenfi^lles ^'^^,t ist iie Vorstellung vorhan^ 
'^eUjdass die Jytenschenseele ,die ihre tonschen^ufgahe 
nicht erfüllt hat, wiedergeboren werden muss,um in 



einer! neuen, vielleicht tieferen Dftäöins-Stufe si^-h zu 
läutern. 



21 

Daa CViriBtertnm etollt Bloh ^u^ JenaeitvS vor 

zerfallend in Hlinml \T.rlö]]e,(ior Hirrrrel als Aufent=^ 
haltgort für die Guten, die Hö]]e für die Bö!=?en. Das 
wird oft "bis ins Kleinste ausgemalt ,n. es scheint 
r^anch>^al eine pädagogische Aufgabe z\i sein, den Schüs^ 
1er drthin zu "bringen u.für sein ganzes Lehen unnus^ 
]öschlich zu heein^lussen,dass er das Fegefeuer ge^ 
radpzu riecht. 

Der Is^am >ennt ebenfalls Hir^tr^el u. Hölle 
u. weiss sie auszumalen. Da i -^t 11 e Rede ^on eirer 
BX haardünnen BrücVe,üher ^i« 3ee]o ins Paradies schrei 
ten muss. Hat sie Schuld auf sich geladen, so ff:ieitet 
sie aus n. stürzt hinunter in lie Hölle. 

Auch in der im Talmud u.LIidrasch marchmal 
zum Ausdruck l<ommenden Voll^sreligiön des Judentums 
findet sich die Unterscneinung zwischen Him^iel u. 
Grehinnom,wenn dies au^'h ir unserem ganzen religiösen 
lehen keinerlei AusdrucV findet. Die Freuden des Pa=^ 
radieses werden manchmal mit herrlichen Farben ans- 
gemHlt. Die Frommen werden wohnen unter dem Glänze 
der göttlichen %,iestst. 

Ist es n\in wirklich eine Entwertung des 



22 

Gedankens, das s die Seßle im Jenseit,?} nach den Tode 

w<=»iter lehtjweil die ver3chied'=?nen Religionen qicn 
davon veraohiedene Vorstellnngen imcher? Die Antwort 
iat eigentlich sehr einfach. »Vern zwei Jferachen ein 
nrddaaae]he Bild betrachten, w<?o sehen sie doch zwei 
vernchiedene Bilder, dem ieder sieht es auf seine 
Art. 77enn es sich nnn aher auaserder»' um einen Ge/ren- 
stnnd handelt, der derr irdischen Lehen gan?^ entgegen^ 
gesetzt ist,JtXII dann kommt zn dieser Verschiedenheit 
des Sehens noch dazn die c5ch.,iHrigVeit ,das Unanssprech: 
hare ans zusprechen. ^Vas nämlich von allen Religionen 
iiher das Jenseits gesagt wird, bedeutet nichts anderes 
als ein 9ild,(ifte.^he sagen soll: ^as «Jenseits ist 
ah'^olnt wirk] ich, dass ich sagen könnte, do Titlest 
dort auf goldenen 3ti;h]en,oder du wirst dort zu hüssen 
hahen,wa3 du im irdischen Lehen -gesündigt. 

Diese Sprache des Religiösen musa »^an versteh 
hen. Dann erst k«nn mwn weit er schreiten u. wirk liehe 
Unterschiede in den Religionen feststellen. Uns liegt 
rntv'rlich i.m Herzen die ii^dische Auff-ssung. Bekannt^^ 
lieh ist massgebend für das J'-dentum -lie Bibel die 

Heilige Schrift. Und in dieser RichtTing m-cht wn nun 
eine merkwürdige Entdeckung: Von einem Leben nach dera 



so 



26 

Tode Ist dort üherhauT>t nicht di« Red«. Venn rmn dies 

7A-m ersten Ws]e ertdecVt,so ist rmn ü^er die Ifessen 
er'^taiint. Denn dem Gefühle nach gehört der GedarVe 
der UnaterhlichVeit der Merschenaeele unhedingt zvm 
Ansohaannggl<reis der Bihel. Aher es ist tatanchnch 
sojdasa in der Bihel so gut wie nichts iiher das Lehen 
nach dem Tode stöht. Gewiss giht es einige Stellen, 
die a\if ein e-^iges Lehen hindeuten; am eindeiitigsten 
d.ie Stelle im Preftigjr Salomonis 12;7: Der Stauh kehrt 
zvT Erde zurück, was er war;der Geist aher kehrt 7,n 
Gott ?^urtVk,der ihr gegehen. Das ist rngTeich c,ncn 
die eineiige Stelle, an der gan^ entfernt etwas üher 
den Znstnnd rac^- dem Tode Hn;^ges«gt wird, nöml ich dass 
die Msnschenseele eher -nieder in den Schoss des G-tt=^ 
liehen v«rv»in>t ,an« dem sie f^eh'^ren wurde. Eine nner^d* 
lieh Kemchheit liegt üher dieser /^nssernng,die weit 
davon entfernt ist, dem Ifenschen zm sagen: Tue Gutes 
damit dn einmfll im Jenseits deiren Lohn emnfängst. 
Vergleicht man eine solche inisseriing mit den fannt=^ 
dicken Versr^rechnngen der VolVsreligion,die ein herr=^ 
liches Lehwn im Jenseits verspricht , mit den eingehen- 
Ansmalungen anderer Religionen, so muaa mn staunen 
üher den herhen Heroismus, der unserer Bihel inne-vohnt. 



24* 
Da wird einfach gesagt; Dn {=jollat nicht rrorden.iu 

sollst nicht stehlen usw., u. die ein^^ige Begründung: 

Ich h-^n der ßwlge,dein Crott! Es ist ah«r gar?: unvor=-- 

stenhar,dass an dieser Stelle etwa die ■'^egrfrdung 

stehen könnte: Dar^it du in den Hirrr«l Iro^rr^t ! 

An trarchen Stellen der Thora steht ein Ausdruck, 

der etwa hesagt: Wenn du die Gehote Crottes erfüllst 

dann wirst du lange lehen. ^]s ist zu verstehen, dass 



iie späteren i!3r>lRrer,iie 



unter ollen IJr^t«nden einen 



Anhaltspunkt für die UnsterhlichVeit der Menschen= 
s'^ele in der Thora finden wollten,riie9(es lan^e Lehen 
als lehen Im Jenseits deuteten. Aher es ist ehenso 
un7weifelhaft,dass dies nicht gemeint war. "Deine Tag« 
werden sich nwhren auf ierc Ärdhoden,rlen der Herr, dein 
Gott dir giht», der Erfolg ier Ausführung von Gottes 
Geboten ist zunächst ein langes Lehen auf der Brie! 
Und wenn rmn einwenden möchte: Wie engherzig sucht 
doch dtts Judentum einen Lohn für das Gute auf Srden 
so versteht man ehen die Bihel nicht. Die Gehote Got= 
tes stehen in unmittelharem Zusammenhang mit dem Le- 
hen: 3iehe ich lege r\iv Tnftute vor Segen u. Fluch u.du 

(ff 

wähle iHS 1/^hen! Ahwendung vun Gott hedeutot den ersten 
Schritt anf dem liege zum Unteri?«ng - dns ist die An=^ 



25 

schannr^ der Bihel. A^er nirg'^ndG wird ein derartiger 

(xedan>e T^egrürdet mit den Iliir^reia anf ein Le"hen nach 

« 

dem Tode. 

se 
Die/'feisheit der BiTiel iat mir erc^t volllrora* 

rren >:iar g'=iworden drrc'h das Schlagwort unserer Tage; 
■tieligion aei Ooiurr füra Volk. Wieao tann Religion 
üpirrr. so in? Die Begniraung geht dahin, dapja die Reli=^ 
gion den liiensohen auf einen Lohn im Jenaeita vertrö- 
ate u. daher verhüte, daaa der nnterdrijcvte n.ßeyneoh=- 
tote Lfen-^ich aich aein Lehenarecht auf di'^aer ,7elt 
erkämpfe. Der Erfinder iea Sohlogwortea vom OTJinm 
hat allem Arachein vor der hihManV^en Religion n-'ohts 
gewuaat,denn dann hätte er atntzig werden müaaen. 
Dort ateht anoh niot^t ein '/Vort von der Belohnung im 
Jenaeita J Alao erweiat unaere Ei'^el ir ihrer Yeiaheit 
daa Opiumwort a3a daa,waa ea ir //ahrheit iat: Ein nos^ 
litiachea ^ch Togwort, ein Eamnfmittel ,aher Vein Hinweis 
auf eine Wahrheit. 

Kaoh dieaen Auaführnrgen körnte mPin vielleicht 
r"eiren,daa3 ea meine Ahaicht wäre,nach7,uwei8en,da8a 
ea nach den /»orten ier Bihel vielleicht ^r kein Fort- 
lehen u.Veire Vergeltung nech dem Bode ge^e. Diea 
aher entanricnt durchaua nicht meiner Ahaicht. Im 



46 
Gegenteil g]au"be ich mit a^baoluter itestigkeit an ein 

Fortle'hert der Seele nach iem T odej-^a sogar an eine 
Vergeltung, 11. ich hin auch der Ansicht, dasB diese An=^ 
schnnnng zvigiexcn rit hiTiMschen ühereinstii^tr-'- . Der 
Geist der Bihel wäre üherhannt nicht derVhar ohne 
diw Voransaetziing,dHsa ein nnr-ittelhares ;l7eiterTehen 
nach deir To'^e giht. Das ist so selhstverständlicn 
dass die Bihel es gar nicht a\is?;iisT)r«chen hrancht! 
^n^ wir T»«iren,es müsse wort-'örtlich drinnrwhen weil 
wir der Ansicht sind, die Bihel rnjsae auch direkte 
Antworten anf nhiloaorthiache Prägen gehen, wie z.B. 
die Frage: was ist der Tod, n. was geschieht räch dem 
Tode? A>^e^ die Bihel will mit den Philosophen, d.h. mit 
L'ienschen,die mit dem Taachenmesser der Vernunft dem 
Stahl der üwigVeitsprohleme 7.n Leihe gehen, nichts zn 
tnn hahen! Die Bihel vn'll ausschliesslich nrofetische 
Gottesschan verkünden n. stellt dftrüher hir?^\ia nnr die 
einzige Präge: Steht das Lehen der tenschen mit dieser 
profetischen SchPn in Einklang oder nicht? Am Anfang 
(\.eT hihlischen Offenhanmg steht: Ich hin der Ewige 
dein Gott - n.nn^ dieser Offerharnng des göttlichen 
Seins fliesst alles, ohne Ausnahme; »»Dn sollst nicht 
Pils Verleumder umhergehen unter deinem Volke u. rieht 



ZI 
gleicia;g\:ltig stehen "belr^ Blut« deinsa Nnchf^ten, ich 

hin der Ewige, de in Gott! - v7enn ein Premiling hei dir 
weUt in enrerr' Lande, flollgt dn ihn nicht hodrvicV^n; 
wie ein üinheimiaoher aei er enoh,der Fren'de,der hei 
ench ist;ii.dn aollst ihn liehen wie dich seihst, denn 
Premilinge wäret ihr lt»i Lande J^gvnten - ich hin ier 
Ewige, de in Gott!" 

Also die einzige Begründung hier u.inmer: loh hin 
der Ewige, dein Gott! //er verstehen will, kann ^^eratehon, 
u.Trer nicht will, der hleiht ehen ansaerhalh des hih~ 
liachen Bereiches! »loh >nnn den 7/illen Gottes nicht 
wissen», ist eine gern im Mnnde ge rührte, wnnder wie 
gescheit klingende Redensart. Derrgegenüher erklärt 
die Bihel irit iahrtanseniealter Vnchtigkeit u.UnherührtJ 
heit: Aher ich weiss den Villen Gottes !Die Profeten 
hahen ihn erschaut u.geMindet ,n.dies nnr,weil sie Gott 
erkannten wie Mose "von Angesicht zu Angesicht». .Vahr=^ 
heitsschan hietet die Bihel u. nicht nhilosonhiache 
Klügeleien! 

Und nun eine Frage; Wenn nnn die Bihel vom %„,: 
sehen sagt, er sei im Ehenhilde Gottes gesohafPen worder) 
d.h. Gott hat ihm ein Stückchen seiner seihst einge= 



% 



f 



26 
hanchtjhat aio dairit nicht mich etwas anag^angt v'her 

die Frage der T3n3ter"b3iohVeit der üfenaolneriseelft? Ja 
sie hat etwas an<^ge3«gt! 3o wahr Crott leht so rvahr 
er der Schöpfer alles irdischen Seins ist, so wahr er 
den Itenschen in seineir» Bilde geschaffen hat, so wahr 
ist es,das3 die Seele, die göttliche Seele des i^nschen 
nnsterhlioh ist! Braucht MK auch nur ein einziges 
^ort in der Bihel noch üher die Frage der TJrstert)= 
lichl<eit,wenn doch gelehrt ist,dass Gott leht,dass 
der Ii/iensch seinen ^vnien 7.v erfüllen hat? Wo das Wort 
Gott steht in der Heiligen Schrift ,drö>nt iT^-rrer zu- 
gleich Mt die A/iahnnng: Bedenke es,o iVen-^chjdenn du 
hist nnstorhlich in deiner Seele,derr Gottesgeschenk 
das deinem Körper eing'^hancht ist! - Und weil dieser 
Gedanke der UnsterhlichVeit so selhstverstTindlich ist 
deshalh braucht er nicht ausgesprochen zu werden, 
deshalb hat die Bihel Zeit, nur X3SKX die Fragen zu 
lehren, wie der itensch sein Lehen gestalten soll, 

Deshalh hraucht sie anch Veine Theorie aufzu- 
stellen üher die Art des Fortlehens nach den Tode. 3a 



• • ^ 



ist oft die Frage anfg'^worf^n worden, oh es eine r)'=»rsnn' 
liehe Unsterblichkeit gibt oder nur eine allge^'^'^ine. 
I^ichts sagt die Bibel darü^'^r aus. .Vozu auch? D>=.s « 



30 






i^ ahfjolnt andepRalhige Sein ranh detr Tode Irann nl« ntlt 

irdir^oher Bildern germ.]t werden, .sonst w?ire der Tod 

.ia nicht der Tod deg Irdischen. XÄXXKXMJOaxJßCKKOX 

ÄIMXMXlOa DasvS aher die Profeten das andersartige 

Sein geschaut haben, scheint riir persönlich ausser 

allem Zweifel. Die absolute, unerschütterliche Veran^ 

lerung im Crött liehen, die nicht Kot u. nicht Tod scheu= 

te,ist nur :^u erklären aus der Schau des höchsten 

Gutes, der höchsten Seligkeit , die es gehen Vann,aus 

der Schau des anders-artigen göttlichen Seins u.des 

Seins in Gott. Nur einmal scheint ein Profet den Ver»^ 

sTich gemacht ^u haben, etwas darüber auszusagen. Der 

Frofet E5rechiel schiMert die göttliche Offerbarunff 

ganz unmng:i if>hen 
in den nngl^ublibhsten/ Zusammensetzungen irdischer 

Vorstellungen. Damit soll das so völlig An'^ersart ige 
erläutert V7er±en. Aber er bleibt beim Allgerrv>inen 
stecken. Der Profet Daniel dagegen versucht etwas nus=: 
ztisagen über die UnsterbUchkeit der Seele u.die Art 
des ewigen Lebens, üs reicht aber rur zu dem hilflos: 
ser Vergleich: (12, ö) '»Die iVissenden lexichten wie der 
Glanz des Himmels, u.die.lenigen, die andere zur Gerecht j^. 
keit führen, wie die Sternen rür alle Ewigkeit!" 

Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? Ich habe ^^. 



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^eigt,wie urspriJng] io>i die ganze Ivfengchhei.t »nit Ja 
antwortete, wie dann die iTia-^emsohaft des vorigen Jahr= 
hnnderta zuerst sich abgrenzte gegen das '^taph^sisoho 
&e"biet n.in hezTig anf alle Fragen des Jenseitigen 
vsagte: '^ir können 's nicht wissen. BaJd a"her ga"h»< sie 
vor, es doch ztl wissen, dnss es nänljch l<eine Unst'*rh= 
lichVeit ge^hen lfönne,weil alles Sein nnr rmterielles 
Dasein wäre, u. der itensch keine Seele ha "he. loh hahe 
anoh Vxirz gezeigt, wie schon die heutige l^atnrwissensch. 
sich von diesem iiherheh liehen Öehahren ahwendet/^ u. 
wie iie rnenschliche ^ernnnft XKXKXIX z^ar imatand« 
ist, das ihr durch Sinneserkenntnis u. intuitive Schau 
gegehoBC Erker ntnisimterial zu ordnen n.zn v«rarhei=: 
ter,das3 sie aher selber nicht irrstonde ist ,?3rl<enntni3=^ 
material zu heschoffen. DaruTr müssen wir uns hhwenden 
von der SoheuVlanpenuhilosouhie des vcrrigen Jahrhun= 
derts u.uns hinwend«n t^ut profetischen '^chau,die uns 

ewige Wahrheit verkündet. Oh es ein Fortlehen nach 
dem Tode giht,ist keine Frage de» Vernunftwissens 
sondern des Glaubens! Glauhen aber heisst nicht ver= 
nnaten sondern absolut bluthaft sicher wissen! Wit dem 
Tode ist es nicht aus i .Vas mit tms geschieht - ich 
weiss es nicht, aber daas rr'it uns geschieht nach un=^ 
seren Toten in die3»»r iVelt.das weiss ich. 



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Bffiil ^chotsJ CoUtM 



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Gliederung der Jxagendarbeit^ 
von Rabb* Dr# Schorsoh. 

Der jidlsohe Ju^endverein vertritt die gesamt= 
jiidlsohe Idee» Daher Ist es wohlangeb rächt , einmal 
einige cJedsinken über die Gliederung der gesamten Ju« 
gendarbe It In einer Gemeinde auszusprechen • 

hierin in einer Gemeinde noch kein Bund und kein 
Jugendverein vorhanden wvare^und es worde jemandem die 
Aufgabe gestellt ^eine Jugendarbelt ins Leben zu rxxfen 
und Baturlich zu gliedern - wie miisste diese Aufga« 
be ausgeführt werden^das ist die frage • 

Es gibt zunächst zwei Möglichkeiten: man könn= 
te die Jugendarbeit aixf bauen , indem man von den Bedürf« 
nissen der Gemeinde ausgeht , indem man berücksichtigt^ 
dass einmal die heranwachsende Jugend die von den 
Vätern errichtete und erhaltene Gemeinde libernehmen, 
weiter ausgestalten und insbesondere vor Zerstörung 
bewahren sollte» Man könnte aber auch, ohne diesen 
Gesichtspunkt zu beracksicht igen, seine Blicke hinaus« 
lenken über die Grenzen der Gemeinde und die Jugend=» 
arbeit aufbauen entsprechend den Strömungen, die sich 
im allgemeinen jüdischen Leben herausgebildet haben* 

was die erste Möglichkeit anbetrifft, so würde 
sich nat^irllchervveise zunächst einmal eine Schichtung 
der Jugendarbeit nach Altersklassen ergeben. Es ist 
dxirchaus von -Bedeutung, ob man Gleichaltrige oder Un» 
gleichaltrige zusammenfassen niill oder muss* Uenn 
auch ein gewisser Vorteil der Zusammenfassung von 
Ungleichaltrigen nicht bestritten werden soll, so ist 
doch die Zusammenfassung von Gleichaltrigen aus leicht 
begreiflichen psychologischen Gründen Jeder anderen 
Schichtung weitaus überlegen. '^^Qxixi wir diese Schloh= 
tiing KBTTlKiS vertikale Gliederung nennen wollen, so 
können wir die andere Möglichkeit der Schichtung 
die horizontale Gliederung nennen. Es könnte nun 
scheinen, als ob vertikale imd horizontale Gliederung 
der Jugendarbelt sich vielleicht bis zu einem ge= 
wissen Grade vereinigen Hesse* Das ist leider nur 
sehr schwer möglich. Die einfachste Art der Lösung 
besteht darin, dass auf der Grundlage der horizontal 
len Gliederung auch eine vertikale Gliederung durchs* 
geführt wird. Aber es ist sofort ersichtlich, dass 








dieser Auft)au der JiAgSndarbelt sich höchstens für 
ganz grosse G-emeinden rechtfertigen lässt,die so viel 
Jugend besitzt ,dass- auch hei dieser weitgehendsten 
Teilung keine Zersplitterung erfolgt. Angenomin :n,es 
befänden sich in einer G-emeinde 5oo Jijgendliche ,die 
für Jugendarbeit in Frage kämen. Auf Grund horizon= 
taler Schichtuhg sollen sich 5 Bände gebildet haben, 
die nun ihrerseits eine vertikale Schichtung in 3 
Altersklassen vornehmen würden, so bekäme man bei 
ganz schematischer ^erteil long für jede arbeit sfähi= 
ge Jugendgruppe 5oo : 15 das sind ungefähr 33 Mitglie= 
der. Tatsächlich jedoch ist eine schematische Vertei= 
lung unmöglich, sodass für die kleineren Sünde eine 
Schichtung nach Altersklassen kavun mehr möglich und 
daher die Jugendarbeit gehemmt wird* 

Man nun vielleicht einwenden, das s die G-lde= 
derung der Jugendarbeit von der ideologischen Seite 
her in Angriff genommen werden müsste. Es ist nat'lrlich 
nicht der Zweck dieser Zeilen, zu dem Inäalt irgend 
einer Bundesideologie Stellung zu -nehmen. Aber man 
spricht keinen zu kritischen Gesichtspiuikt aij-s,wsnn 
man meint, es müsste eine Möglichkeit bestehen ,Unter= 
schiedsschattierungen in Ideologieen statt durch 
Gründung von Bnnden in Arbeitsgemeinschaften zu pfle= 
gen, die beim Wegfallen schichtiger , also äusserer, 
technischer Veränderungen vielleicht sachlich umso 
tiefer durchbilden könnten. Es soll also durchaus 
nicht die Berechtigung bestritten werden, wirklich 
tiefgreifende Unterschiede in den Ideologieen als 
schichtbildende Kräfte anzuerkennen. Nur müsste man 
sich in dieser horizontalen , nach den Vorgängen von 
Parteibildungen gestalteten G-liederung weise ^e= 
schränkung auf erlegen, um die Jugendarbeit nicht 
durch Zersplitterung zu geäShrden. Es würde vollkom= 
men genügen ^v^enn eine die Judenheit durchziehende 
Idee^fiÄlXXIISXSK in einem einzigen Bunde vertreten 
wäre ,imd alle ähnlichen Schattierungen sich nur in= 
nerhalb dieses Bundes in der praktischen Arbeit aus 
wirken würden. 

Aber man muss der Frage der horizontalen G-lie = 
derungen zwei weitere Prägen anschliessen. 'v7äre es 
nicht richtig , Jugend überhaupt noch nicht horizon= 
tal ,nach ideologischen UntersCxhieden zu gliedern, 
sondern zur Wahrung v;irklichen Einheitsempfindens 





mögliohst lange mxr die vertikale Gliederung durchs 
ziif Uhren? Und ist die Fordeinng der vertikalen Glie« 
derung,die die Nachfolge schaft einer Gemeinde in 
natürlicher «Veise sichern will nicht auch tragkräf= 
tige Idee^die ohne den Nachteil von Zer3plitterungs= 
möglichkeiten zu haben, den togehe\;iren Vorteil einheita^ 
bildender Kraft besitzt? 

Was die erL^te Frage anbetrifft ,so brauchte die 
Gliederung der Jugendarbeit «!S*K15«1S]6XKX»TSIYgT» nach 
Altersschichten durchaus nicht die Folgeeiner rämp= 
fung der Ji;igendarbeit zu haben* Man könnte sämtliche 
vorhandenen Ideen in Arbeitsgemeinschaften eine 
Statt geben, ohne dass man unnatiirl icherweise Jugend 
schon zu heroischen Ueberzeugungsvertretem irgend 
einer Ideologie stempelt • 

Was jedoch die zv/eite Frage anbetrifft ,so 
wird hiermit allerdings die Ansehaaung vertreten, 
dass die Auf gäbe , unter 3erücksichtun,j; natürlicher 
Gliederungsnotwendigkeiten |die Ji;igend als Nachfolger 
und Erhalter und Gestalter einer Gemeinde heranzu= 
bilden, als überragende Idee betrachtet wird. Nicht 
etwa dass Jugend am Gängelbande geführt werden soll! 
Jugend soll nach Art und »Veise des Jugendlebens aber 
einer Idee gerecht werden, die Jahrtausende aberstan= 
den und viele Ideologieen überdauert hat. Die Gemeinde 
ist nämlich die natürliche Gliederung der Jüdischen 
Bemeinschaft in horizontaler Schichtung , und es ist 
nicht von Vorteil, dass weitere horizontale Schichtung 
gen die Einheit Jüdischer Gemeinschaft unter Umstanden 
bedroht. Dieser Gedanke wird eines Tages violleicht 
für die Jugendarbeit ausschlaggebend sein. Wieviel 
oft unnötige Nebeneinanderarbeit , wieviele Verschwen« 
düng von Arbeitskraft , die sich bei den oft wenigen 
zur Verfügung stehenden Kräften auf die verschieden« 
sten Bünde verzetteln muss,wflLrde dadurch vermieden 
werden, und es würde damit auch eindeutig in die Er» 
soheinung treten, dass nicht nur die Jugend das Hecht 
hat , Forderungen an die Gemeinde zu stellen, sondern 
auch die Gemeinde ein Recht hat auf ihre Jugend! 



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Hannover, den 5.12.1955. 



Jüdische Oeschichte. 




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Das Ch anukliafest ist ein ausgesprochen ge- 
schichtliches Pej^t. Wer es verstehen will, muss unbedingt zu- 
rückgehen auf die Zeiten des Makkabaer-Aur stand es, auf den hel- 
denmütigen Kampf, den die Juden um die Freiheit der Religions- 
ausübung führten. Aber es genügt noch nicht einmal zum völli- 
gen Verständnis, rur diesen Freiheitskampf in seiner Entwicklung 
und seinem Verlauf kennenzulernen. Y^Er die Dinge tiefer erfassen 
will, muss zurückgehen auf die geschichtliche Epoche vor dem 
Makkabäer auf stand und hinübergreifen auf die Entwicklung des 
jüdischen Staates, die aus den erfolgreichen Kämpfen heraus- 



v/uchs. 



So lehrt uns denn das Ghanulika-Fest di Bedeutung 



der Gtesihlichte überhaupt. Geschichte ist nicht etwas Feststehen- 
des, einmalig Gewesenes. Geschichte ist viel mehr,/ Äin dau- 
erndes Pliessen, ein vielleicht nie völlig ergreifbares und be- 
stimmbares Geschehen. Geschichte ist ein lebendiges Strömen, so 
wie das Leben selbst; und wenn ^uiv irgend eine Epoche heraus- 
heben, so ist es geradeso, als ob wir in das Bett eines Stromes 
Pfahle ratrmten, um die unaufhörlich sich dah inwalz enden Fluten 



aufzuhalten. 



Aus diesem Grunde ist Geschichte so vieldeutig 



Es ist ja jedem Menschen möglich, einen anderen Zusar-inenhang 
herzustellen; und so ist es auch begreiflich, dass man schliess- 
lich auf den Gedanken kornmen kann, Beschichte für etwas grund- 
sätzlich Sinnloses zu erklären, für Hefker, herrenloses Out, das 




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jeder an slohrei^sen und mit anderem Sinn erruiJen kann. Dies^ 
Aufi"assung der Geschichte Ist jedoch nicht .jüdisch ! Gerade das 
Channukkafest lehrt uns, was uns Juden jadische Oosohitohte be- 
deutet. Sin Juda-Makkabi, der die Frucht seines Kampfes in der 
Chanukkath-Habajith, in der Einwftihung, der Neuweihung des 
Tempels erblickt, zeigt damit, dass für ihn, den Handelnden, 
die Geschichte nicht sinnlos ist, denn er legt ja die Frucht 
seines Kampfes einöm höchsten Sinn, dem lebendigen G'tt zu 
Füssen! Daa aber war immer der Sinn dar jüdischen Geschichte: 
Alles Geschehen rankt sich um den VJillQn G'ttes. Es ist ent- 
v/eder ein Portschritt auf dem '.vege der Yervoilko; mnung aller 
irdischen Zustande, oder ein Stillstand, oder ein Zurückweichen, 
oder ein Irrweg, oder ein ümv.eg ! Aber eben diese Auffassung 
ist in ihrer ungeheuren Einfachheit ausgesprochen jüdisch. 
Tollte man einv/enden, dass diese sinrachhfit zugleich Einsei- 
tigkeit wäre: - nun denn, dann ist es eben jüdische Eigenart, 
diese Einseitigkeit, id. die V.elt gebracht zu haben, d.h. aber 
Brnst zu machen mit dem Gedanken dos Malchuth Schamajim, der 
Herrschaft G'ttes auch auf Erden! Es ist unvorstellbar, dassÄ 
unsere Propheten den Gedanken ertragen hätten, das Sein eines 
G'ttes in ein absolutes Jenseits zu verlegen, aus dem heraus 
seit der Schöpfung keinerlei Einwirkung mehr auf irdische 
Vorgiingd erfolge. Seitaalters her haben jüdische Denker die 
Kraft der Vernunft als ein göttliches und zum Gebrauch ver- 
pflichtendes Geschenk empfunden. Aber hinter diesem kühlen, 
klaren, verständigen Tun da loderte die Leidenschaft eines zur 
vollen Hingabe verpflichtenden G'ttesglaubenÄs. Der Begriff 
emunah, der eigentlich Festigkeit, Vertrauen bedeutet und der 
In der Bibel die Stelle des deutschen Begriffes Glauben vertritt 



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- 2 - 





will besagen, dass wir Juden von jeher aur das Dasein Q'ttes 
bauten, unser Lebensgebaude errichteten. Ss war für uns nie 
eine billige Phrase, die im Leben zu gar nichts verpflichtete, 
neben der man sein und tun konnte, was nian wollto. a«tt war 
für uns immer ein El Chaj, ein lebendiger G'tt; d.h. ein in 
allem unmittelbar wirkender und dem religiösen aemut erkenn- 



barer ö»tt. / 

Diese Anschauung, dieser Glaube, dieses v/issen 

kann auch nicht Hal^ machen vor der Geschichte. Denn wäre 

es möglich, das Geschehen ohne G'tt in Y.ahrheit zu begreifen, 

so wäre auch unsere Voraussetzung falsch. Darum konnten die 

Propheten, aar um kann der Jude nicht darauf verzichten, in 

allem Geschehen ein ueber irdisches, t^öttlichea trirken zu er- 

kennen, so wie auch 6.13 ägyptischen Zeichendeuter, als sie 

zum 1. Mal mit jüdischem G( ist in Verbindung kamen, bekennen 

^'^ , . . 

raussten: .«Ä- ezba elokimi da^ ist der Pinger G'ttes. 

Das Chanukkaf-st ist wahrhaft ein Hinweis auf 
den Pinger G'ttes, auf sein lebendiges rirken, so wie w ir im 
Gebete sageninDu aber standest unseren Vorrauren bei in Zeiten 
ihrer Not, Du strittest ihren Streit, Du richtetest ihr Recht, 
Du rächtest ihre Rache, Du überliöf ertost Hfelden in die Hand 
der Schwach n. Viele in die Hand Weniger, Hnreine in die Hand 
lÖ-ner, Frevler in die Hand der Gerechten, U«bermütige in die 
Hand derjenigen, die Deine Lehre üben; und Dir hast Du damit 
einen grossen undheiligen Kamen in Deiner Welt geschaffen !" 

Jüdische Gesichte ist für uns keine Ange- 
legenheit nur des kühlen Verstandes | 
kennen in allem, was uns berührt bis auf die Qegemvart einen 
Hinweis auf ewige sinnvolle Zusammenhänge, einen Mahruf , eine 



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. Wir Juden er- 



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Warnung a'ttes. Darum muss jeder Jude, der sein Leben verstehen 
vill, auch zu Hause sein in der jüdisci.en Geschichte. Kennt er 
den Strom jüdischen Seins, wie er durch die Jahrtausende anauf- 
haltsam daiiinriosfl, so w ird daraus eine lebendige Verbindung 
erwachsen, ein Erkennen seiner Selbet, eine Erleuchtung der 
Vergani^enheit; Mut i'ür die öe£er.wart und Horrnung für dlie Zukunft! 
Darum säume niemand, hinunter zusteigen an das Ufer seines Lebens- 
stromes, der Geschichte unserer Q-emoinschai't, unserer eigenen 
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Rabb« Dr. Sehorsc:.. 



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Zur Beachtung emprohlen die Anzeige i'ür die Sonderveranstaltung 
der Lehrkurse der Synagcgen-O^meinde: 

Jüdische Geschichte in 10 Vorträgen vom 7.Jan.bis 11 »März 3 



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Ansprache Rabbjnsr Dr. ^^horsch 



zum 90 jihrigeiÄ Jutiläimi des Frauenvereins • 
Meine Gehr geehrten Damen ! 



Xl^nn man in heutl^-:»r Zeit einem Fr':iuenvcre Jn 
Gl'^ckw'.insche zwm 90 jahrigen Best'^hen aussprechen will, 
so ist es 3nn.2irlioh unmögliGh, hiefür 'allgemeine Phrasen 
^ verwenden, die vielleicht in friihcrer Zeit "b'irgerl j.chcr 
Ruhe ein Pest verschönen konnten. Was heute geschieht, 
getnn und gesprochen wird, muss eine unmittelbare Bezichurg 
fiu-Tv/eisen zur V/irklichkeit der Gegenv/art , denn wir halben 
keine Zeit, Krifte zu versohweridsn und neben den Dingen 
und Geschehnissen herzulaufen. 



1 /soll 



Der Gl'ickwimsch f soll daher anknüpfen ^\n 
die wahre Bedeutung und das V/esen des Prauenvereins . Dies 
ist oft genug formuliert worden. D^^rum kann hier als 
Ankn'ipfungspunkt ein V/ort unserer vVeisen verv/endet werden, 
das den allgemeinen GlMckwunsch in einer besonderen '/i'ei- 
se formuliert. Unsere V/eisen suchten die Bestehens- 
]^::lichkeit ddr Menschheit aufzudecken und prägten das 
Ergebnis ihres Nachd nkens in die V/crte: 

Auf drei Dingen steht die '^^elt , auf der GUtoslehre, auf 
dem Gottesdienst und auf der Erweisung von .Wohltaten, 
oder sagen wir besser; Auf der t'itigen Menschenliebe. 

Es ist selbstverständlich., dass die Er- 
haliung dieser drei Grundsäulen, der Fundamente des V/elt- 
baues eine Aufgabe des Mannes nnc] c](^y^ Pv.^,, 



f 



- 2 - 



darstellt. Zuglsich aber ist -s einleuchtend, dass trotz 
der geraeinsamen Aufgabe die Frau dss Gemeinsame und f'ir 
alle Craltige in besonderer Art und 7/eise, entsprechend 
jhrsm vVesen und ihrer Veranlagung srf'lllen muss. Es 
gibt Lebflnsgebiete, auf denen der Vorrang dem Manne, 
und andere, auf denen der Vorrang der Frm gelassen v;er- 
Wn muss. Suchen wir nun aus der Bestimraimg ujnserer 
■.7eisen jenes Gebiet heraus, auf dem das .Yeson der Frau 
am deutlichsten in die Erscheinung treten und zur Ver- 
wirklichung beitragen kann, so werden wir unwillkürlich 
haften bleiben bei der dritten Grundsäule: Der gemilus 
chassodim. Sicherlich hat die Frau auch oine wesentliche 
Aufgo,be bei der Erhaltung der G'tteslehre, aus deren 
Ganzheit alles fliesst, was irgendwie zur Erhaltung 
unseres Menschend iseins beitragt; und ein Bewcisyfür '/r^ 

^abe ist ..dJj s ^r^-n r iurtff ri e s ..^IsLul.!- ^ r . hrx i t n g i J b -i ? B t iii^iii s 
.r'-if-r itbl rr'tT-; dass auch die j'idische Frauenwelt Hannovers 
^e Notwendigkeit empfindet, j'idische Kulturaufgaben 
iRse-its jedes j'idisch-politischen Gedankens nur um 

ihrer selbst, also um der Jahrheit wjllen, zu erfüllen. 

Und auch \^-ä die Awodah, den G'ttesdienst 
anbetrifft, so hat auch hier die Frauenwelt eins lufgabe 
von tiefer Bedeutung. Das Judentum hat ihr die grosse 
Verpflichtung titiger Teilnahme am öffentlichen G'ttes- 
dienst aus Rücksicht auf die Eigenart der Fr;^uenauf gaben 



\ 



- 3 - 



wnicht auferlegt. Aber dafür ist der Prau die unendlich 
Y/ichtige Aufgabe auteil geworden, tati^^e und erfvillnnde 
Priesterin im Ileiligtiom des Familienlebens zu sein und 
dort den Boden au bereiten, 9,us dem in :iller Stille immer 
wieder von Neuem Belebung uf.d Erhaltung echten G'ttcs- 
bewusstseins kommt • 




Die dritte Säule jedoch, auf der die V/elt 
i^eruht , ist eigentlich zur besonderen Pflege der jadi- 
schen Pr-^.u 'fbergeben. '^Yas unsere .eisen gemiluth chasso- 
dim nennen j lässt sich in ein Doppeltes teilen. Das 
1. sind die v/irklichen Liobesleistivngen, die anderen Ivlen- 
schen zur Erhaltung ihres L*-^ben3 vorhelfen* Das 2. jedoch 
ist die Gesinnung, -lus der heraus immer wieder von Heuern 
die Lust er\v:\cht , helfend anderen Menschen beizustehen* 
Dieses 2. ist eine ausgesprochene Aufgabe der Frau. 
Denn die Gesinnujrig der Menschenliebe ist be.^r*lndet in 
einem lew tauw, einem guten Herzen, das Leid aller Men- 
schenkreatur unmittelbar verspärendei Frauenherzen. 
Niemand auf der V/elt ist so wie die Frau imstande, das 
Äid anderer als personliches Leid zu empfinden, weil 
doch nach uraltem Gesetz alles was auf Erden lebt, unter 
Schmerzen dem Mätterl ichen entsprossen ist. So wie 
nun auf Erden nichts wachsen und gedeihen kann, wenn 
der v/ärmende Strahl der Sonne f elht , so \^nn auch wahre 
Menschenliebe, Hilfsbereitschaft und Pflege unserer 
nat'lrl ichen Zusammengehörigkeit auf Leben und Tod nicht 
gedeihen ohne öewi Mutterboden des mitfühlenden Frauen- 









- 4 - 



das immer wieder alle Ver'o-irtunp' .^"uflockert und 



Würde mr^.n mir //ert legen :.iuf die objektive 
Hilfeleistiing , so konnte man vielleicht glauben, auf die 
Mitv/irkung der Frau verzichten zu können. Da aber beim 
Versiegen der Quellkraft echter Menschenliebe sehr bald 

'ch die objektiven Leistungen vernichtet Srürden, so i.-t 
es ein Gebot der Sorge für das Kommende, in dem Gebiet 
tatiger Menschenliebe der Prau diejenige Stellung zu. schaf- 
fen, die ihr gebührt; Hier ist das Königreich stiller 
und öffentlicher V7irksamkeit der Prau! Hier soll ihr 
mütterliches Herz sich auswirken zum Besten der heran- 
reifenden Jugend, für die n j emand so tief em-ofinden kann 
wie eben eine Mutter, und. zum Besten aller derjenigen, 
die der Hilfe bedürfen imd die in ihrer Hilflosigkeit 
dem hilflosen Kinde zu vergleichen sind. 

7/enn ich nun im Namen der j'idischen Jugend 
in Hannover und zugleich im Namen der Zion-Loge dem Is- 
^elitischen Prauenverein zum Jubiläum den herzlichsten 
"ickvmnsch ausspreche, so geschieht es zunächst aus 
dem Gefühl der Anerkenn;.:ng und der Dankbarkeit her >us 
für das, was in 90 Jahren an vorbildlichen Menschenv/er- 
ten von der jüdischen Frauenwelt Hannovers geschaffen 
vmrde, was für die Jugend und für dje Notleidenden getan 
wurde. Dann aber gipfelt der .Vunsch in dem Gedanken, 
dass immer eine Harmonie bestehen möge zwischen dem auf 
die Förderung des allgemeinen Besten gerichteten Streben 



- 5 - 



der Zion-Loge und deöledlen .virken des Traelitischen 
Frauenvereins, ^^äö^ dass die Jugend der j'idischen G-e- 
me i.nde Hannovers an ihrem eigenen Schicksal das Tun und 
Strehen des Israelitischen Prauenvereins als Vorbild 
empfinden möge, und dass auf diese Vveise die -ijrojrv -... 
Lsen ^-enann^^j der Erhali^ung. dej^JoÄ^ischih^ 




ule der ^e-niluth ohasso^lmv der "^rrgirt'g rv Men a < o he nl i c >? 



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in_diß,,3e\^ia,hrung der Prau^'^geben',— rrie'-'-T^T'SS'FiTt:' v.crdcn'— 






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zum 90 jahriigen Jubiläum dea Prauenverelns> 8.MärZ 1934 



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Meine sehr geehrten Damen und Herren ! 



wenn man in heutiger Zeit einem Prauenverein Glückwün- 
sohe zum 90 Jahrigen Bestehen ausspreehen will^ so ist es 
innerlich unmöglich, hierür allgemeine Phrasen zu verwenden, 
die vielleicht in Trüherer Zeit bürgerlicher Ruhe ein Fest 
verschönen konnten* V/as heute gesc:ii0ht, getan und gespro- 
chen wird, muss eine unmittelbare Beziehung aufweisen zur 
Wirklichkeit der Gegenwart, denn wir haben keine Zeit, Kr ar- 
te zu verschwenden und neben den Dingen und Geschehnissen 
herzulaufen. 



Der Glückwunsch, den ich im Namen der jüdischen Jugend, 
Hannover, die niir in meinem rabbinischen v/irken besonders 
anvertraut ist, aussprechen möchte, zugleich auch im Namen 
der Zion-Loge, deren Präsident leider an der Teilnalime bei 
der heutigen Feier verhindert ist, soll daher anknüpfen an 
die wahre Bedeutung und das '"esen des r'rauenvereins. Dies 
ist oft genug formuliert worden. Darum ki^nn hier als An- 
knüpfungspunkt ein V.'ort unserer v;eisen verwendet werden, 
das den allgemeinen Glückwunsch in ein-r besonderen Vfeise 
formuliert. Unsere v/ei..en suchten die Bestehensmögliohkeit 
der Menschheit aufzudekken und prägten das Ergebnis ihres 
Nachdenkens in die Worte: 



f 



Auf drei Din.:en st ht die 7.'elt, auf der G'ttclehre, 
auf dem Gottesdienst und auf der Erweisung von v;ohltaten, 
oder sagen wir besser: Auf der tatigen Menschenliebe. 

Es ist selbstverständlich, lass die Erhaltung dieser 
drei OrundSi^^ulen, der Fundamente des yeltbaues eine Aufgabt 
des Mannes und der Frau gemeinsam darstellt. Zugleich aber 
ist es einleuchtend, dass trotz der gemeiiiSamen Aufgabe 
die Frau das Gemeinsame und für alle Gültige in besonderer 
Art und Y'eise, entsprechend ihrem Wesen und ihrer Veranla- 
gung erfüllen miss. Es gibt Lebensgebiete, auf denen der 
»'errang dem Manne, und andere, auf denen der Vorrang uer Frau 
gelassen werden muss. Suchen wir nun aus der Bestimmung un- 
serer 7/eisen jenes Oebiot heraus, auf dem das '"esen der Frau 
am deutlichsten in die Erscheinung treten und zur Verv/irk- 
lichung beitragen kann, so werden wir unwillkürlich haften 
bleiben bei der dritten Gnundsuule: der gemilus chassodim. 
Sicherlich hat die Frau auch eine wesaatliche Aufgabe bei 
der Erhaltung der G'ttslehre, aus deren Ganzheit alles 
fliesst, was irgendwie zur Erhaltung unseres Menschendaselns 
beitragt; und ein Beweis dafür ist, dass auch die jüdische 
Frauenwelt Hannovers die Notwendigkeit empfindet, jüdische 
Kulturaufgaben abseits jedes jüdisch-politischen Gedankens 
nur um ihrer selbst, also um der "ahrheit willen, zu erfüllen. 



•5 






- 2 - 




f 



Und auc3h was die Awodah, den ö'ttesdienst anbetrirft, 
ao hat auch hier die Frauenwelt eine Aurgabe von tiefer Be- 
deutung. Das Judentum hat ihr die grosse Verpflichtung tä- 
tiger Teilnahme am ön'entlichen Q'ttesdienst aus Rücksicht 
auf die Eigenart der Pr au enauf gaben nicht auferlegt. Aber 
dafür ist der Prau die unendlich wichtige Aufgabe zuteil 
geworden, tätige und erfüllende Priester in im Heiligtum 
des Familienlebens zu sein und dort den Boden zu bereiten, 
aus dem in aller Stille immer wieder von Houem Belebung und 
Erhaltung echten 0' ttesbewußtseins kommt. 

Die dritte Säule jedoch, auf der die .;elt beruht, ist 
eigentlich zur besonderen Pflege der jüdischen .'Yau über- 
geben, was unsere 7;eisen gemiluth chassodim nenaen, lasst 
sich in ein Doppeltes teilen. Das erste sind die wirklichen 
Liebeslei otungen, die anderen Menschen zur Erhaltung ihres 
Lebens verhelfen. Das zweite jedoch ist die öosinnung, aus 
der heraus immer wieder von Neuem die Lust erwacht, helfend 
anderen Menschen beizustehen. Dieses 2. ist eine ausge- 
sprocheno Aufgabe der Fruu. Denn die Gesinnung der Men- 
schenliebe ist begründet in einem lew tauw, einem guten 
Herzen, das Leid a 1er Menschenkreatur dnmittalbar verspü- 
renden Prauenherzen. Niemand auf der reit ist so wie die 
Prau imstande, das Leid anderer als persönliches Leid zu 
empfinden, weil doch nach uraltem Gesetz alles was auf Erden 
lebt, unter schmerzen dem Mütterlichen entsprossen ist. So 
wie nun auf Erden nichts wachsen und gedeihen kann, wenn 
der wätanende Strahl der Sonne fehlt, so kann auch wahre 
Menschenliebe, Hilfsbereitschaft und Pflege unserer natür- 
lichen Zusa; mengeliörigkeit auf Leben und Tod nicht gedeiheh 
ohne den Mutterboden des mitfühlenden prauenherzens, das 
immer wieder alle Verhärtung auflockert und belebt. 

Würde man nur v7ert legen auf die objektive Hilfeleistung 
so könnte man vielleicht glauben, auf die Mitwirkung der 
Prau verzichten zu können. Da aber beim Versiegen der Quell- 
kraft echter Menschenliebe sehr bätid auch die objektiven 
Leistungen vernichtet würden, so ist es ein Gebot der Sorge 
für das Kommende, in dem Gebiet tätiger Menschenliebe der 
Prau diejenige Stellung zu schaffen, die ihr gebührt: Hier 
ist das Königreich sti:-ler und öffentlicher Wirksamkeit der 
Prau 1 Hier soll ihr mütterliches Herz sich auswirken zum 
Besten der heranreifenden Jugend, für die niemand so tief 
empfinden kann wie eben eine Mutter und zum Besten aller 
aer jenigen, die der iiilfe bedürfen und die in ihrer Hilf- 
losigkeit dem hilflosen Kinde zu vergleichen sind. 

wenn ich nun im Namen der jüdischen Jugend in Hannover 
und zugleich der Zion-Loge dem Israelitischen Frauenverein 
zum Jubiläum den herzlichsten Glückwunach ausspreche, so 
geschieht es zunächst aus dem Gefühl der Anerkennung und 
der Dankbarkeit heraus für das, was in 90 Jahren an vor- 
bildlichen Menschenwerten von der jüdischen Frauenwelt gaa- 
novers geschaffen -w«r4«-, was für die Jugend und für die Not- 
leidenden getan wurde. Dann aber gipfelt der ^'unsch in dem 
Gedanken, dass imer eine Harmonie bestehen möge zwischen 



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- 3 - 



dem auf die Pordorung des allgomeinen Besten gerlohteten 
Streben der Zion-«-Loge und dem edlen wirken des israeli- 
tischen Prauenvoreins, dass die Jugend der jüdiücUen Ge- 
meinde Hannovers an ihrem eigenen Schicksal das Tun und 
Streben dos IsraelitiscliSn Prauenvereins als Vorbild em- 
pfinden möge und dass aur diese v/eise die in die Bewah- 
rung der Prau gegebene dritte Mensehheit-stützende Säule 
der gemiluth chassodim, der echten Menschenliebe, unver- 
sehrt der Zukamt überlierert werde | 



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Ansprache bei der Einweihung der 
Tiirnhalle am 8*Sep.l934* 

Meine sehr geehrten Damen und Herrn! 

Liebe Pre\indel 

Von dreifacher symbolischer Kraft ist die 

Handlung des heutigen Abends erfüllt: das erste 

Symbol: eine Synagoge wird zur Turnhalle umgewan= 

deltidas Zweite: wir haben einen Schritt zurilck 

in die Vergangenheit tim müssen; das dritte: 

die Vergangenheit ist in der Gegenwart lebendig 

geworden. 

Prägt man: Wie ist es möglich, ein G'tteshaus 
in eine Turnhalle umzuwandeln, so liegt vielleicht 
bei Missverstehenwollenden ein ^erdacht nahe; sie 
meinen nämlich ,II1S8XTOlHS]5KIIKy]^gTX weil eine 
Turnhalle der Jugend gewidmet sei, und weil die 
i*euzeit die Jugend über alles stelle, deshalb 
dürfe man auch selbstverständlicherweise den Gas 
danken des Gotteshauses dem der Jugendpflege un= 
terordnen,denn Dienst an der Jugend sei auch 
in gewissem Gottesdienst« 

Ein Körnchen Wahrheit steckt in solcher Ue« 
berlegung* Jugend ist immer ein Schritt über die 
jeweilige Generation, über sich selbst hinaus, ein 
Kettenglied der Menschheit in die Zukunft hinein» 
geschmiedet. Da aber die Menschheit eine göttli« 
che Aufgabe hat, so ist die Erhaltung und Pflege 
der Jugend Grundsteinlegung für die Erfüllimgs= 
möglichkeit dieser Aufgabe und insofern wirklich 



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eine Art Gottesdienst. 

(Jerade wir In Hannover haben ein deutll 
^eichen dieser Zusammenhänge« Unsere Gemeinde 
hat als eine der ersten Gemeinden die 
Notwendigkeit erkannt, die Betreuung der Jugend In 
rabblnlsohe Hände zu legen. Gewiss gibt es keine 
mechanische Trennung zwischen Jxigend un4 Alter. 
Die Gemeinde umfasst wie eine Familie alle von 
Jung bis Alt. Hierzu Ist es kein Widerspruch, 
wenn Innerhalb dieser Gemeinschaft ein Teil schelrts 
bar besonders hervorgehoben wird, denn die Jugend 
hat hiermit nur Ihr Hecht, kein Vorrecht erhalten. 
So aber war es möglich geworden, den Vorzug der 
jüdischen Gemeinde Hannover lelne wlrkllcheEln« 
heltsgemelnde mit einem Gottesdienst . einem fiab= 
blnat, einer Verwaltung zu sein, von Neuem In der 
Jugend zu unterbauen. Seit Jahren haben wir In 
Jugendgemeinde, Jugendring und Jugendhelm das ^e» 
fühl tatsächlicher Einheit gepflegt und erhalten, 
ohne da SS eine Elchtung geschädigt und eine In» 
nerllch tote Vermischung herbeigeführt worden 

wäre. 

Und nun kommt als neues Glied dieser wahren 

Elnheltspflege hinzu die der gesammten Jugend zur 

Verfügung gestellte Turnhalle. Es Ist bei rechtem 

Nachdenken etwas Herrliche s,dass die Anregung 

und Doirchführung des Tumhallenplanes ausging von 

einem tatkräftigen, vorbildlichen Manne, der einem 



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Sonderverein vorsteht »aber in ganz selbstver» 
ständlicher Velse xmd aus tiefem Jüdischem Emp» 
finden an die ganze jüdische Jugend Hannovers ge=« 
dacht hat. Er ist ein prächtiges ^eichen dafür, 
dass es in unserer Gemeinde eine andere als auf 
Einheit und Gemeinsamkeit zielende Derweise nicht 
mehr geben darf und kann. Wir brauchten nicht 
erst durch unser Jüdisches Schicksal der aller» 
neuesten Zeit belehrt zu werden. 

Der Schöpfer dieser Turnhalle darf sicher sein, 
dass sein lii Werk, das von tJBfem Mitgefühl für 
die Jugend angefacht , von wunderbarem Optimismus 
beschwingt und von vorbildlicher Tatkraft durch= 
geführt wurde, im Herzen »Mg>»»»y^TT der Jüdi» 
sehen Jugend unserer Gemeinde Dankbarkeit erwecken 
wird. Diese Dankbarkeit wird aber auch diejenigen 
schmücken, die zur Verwirklichung des guten "«qt» 
kes die Mittel zur Verfügung gestellt haben. 

Und wenn man nun heute rückschauend das ganze 
Werk betrachtet, 80 kann man nicht umhin , Verwunde« 
rung darüber zu empfinden, dass nun eben ein altes, 
allerdings fast zur Ruine gewordenes G'tteshaus 
zur Turnhalle ausgebaut wurde. TT>T»m xbex es 
steckt irgendwie ein Fingerzeig eines 
Willens darin. Wir wissen, welch unendliche Mühe 
sich der Schöpfer der Turnhalle gegeben hat,an= 
derswo seinen Plan zu verwirklichen. Ab«r es 
gab keine Möglichkeit. Da wurde sein Sinn geradezu 
seherisch auf diese alte Synagoge gelenkt, deren 



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Betreten ffigfön Einsturzgefahr fast schon polizei» 
lieh Terbot^Ä. Er hat gezeigt ,dass es diirchaus 
nicht notwendig gewesen war, dieses Haus völlig 
verfallen zu lassen, sondern dass man es für einen 
neuen, aber sicherlich &SKK unter dem richtigen 
Gesichtspvinkt auch heiligen Zweck verwenden konnte* 

Das jedoch ist eben die Frage, die vielleicht 
in manchem aufsteigen kann, ob man die Umwandlung 
dieses verfallenen Gotteshauses in eine Turnhalle 
rechtfertigen kann« TBiyjgl 

Wir sind Juden, d.h.wir sind Nachkommen des 
Jehuda, eines der zwölf Söhne unseres Stammvaters 
Jakob* Vor seinem Tode hat Moses alle Stämme geseg»» 

Segen:/Jodow rov lau,w*eser mizorow tihje, seine 
Hände sollen für ihn streiten ,\md Schutz vor sei» 
nen Feinden sollst du sein! Hier haben wir neben- 
einander den (bedanken der Körper» und Ge istpfle- 
ge, sagen wir im heutigen Zusammenhang: den bedan- 
ke von Turnhalle und Synagoge. Denn die Tumhal« 
le soll die Körperkräfte pflegen und iflSMIHI 
die körperliche Gesundheit erhalten. •'Die Hände 
sollen für uns streiten! •• Es ist durchaus nicht 
Jüdische Art, den Körper imgeschult zu lassen und 
untätig auf die Hilfe G*ttes zu warten. Uns sind 
die Glieder des Körpers geschenkt worden, damit 
wir sie regen und sie uns und unserer Erhaltung 
dienstbar machen. Wenn wir diese/ Pflicht nicht 



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vernachlässigen, dann ist unsere Hoffnung auf gött» 
liehe Hilfe ganz anders begründet als beim Untä« 
tigen. Das Hoffen auf diese Hilfe findet seinen 
Ausdruck in den "Versanunlxangshäusem" »wie wir 
unsere Gotteshäuser in Wahrheit nennen, weil wir 
uns da einfinden, um gemeinsam die letzte Schwach» 
heit und Hilflosigkeit alles Menschlichen zu 
bekennen. Die Heiligkeit eines solchen Ortes ist 
von wunderbarer Kraft erfüllt. Sie legt natür» 
lieh Verpflichtungen auf. Sie fordert ,dass die 
Körperpflege in diesem einstigen G'tteshause unter 
einem höchsten Gesichtspunkt geschieht, dass die 
Grenzen des menschlich Gültigen xind Anständigen 
nie überschritten werden. Aber wir zweifeln nicht, 
dass diese Bedingung gewahrt wird, und darum sind 
wir überzeugt, dass diese Umwandlung des G*tteshau= 
ses von tiefer symbolischer Bedeutung sein wird: 
Die Hände werden hier gestähl* und die Kräfte des 
Körpers geübt SiZUi in solch reiner und Vorbild» 
lieber Weise werden, sodass nie die Hilfe des 
Göttlichen imserer Gemeinschaft fehlen möge! 

Die zweite Symbolik der heutigen Handlung^: 
wir haben einen Schritt zurück in die Vergangen» 
• heit tun müssen! Es ist doch kein blosser Zufall, 
dass man gerade auf unser altes G'tteshaus bei 
der Suche nach einem für eine Turnhalle geeigne= 
ten Baum gekommen ist. Es standen \xaa ja keine 
anderen Räume mehr zur Verfügung. Da musste man 
wohl oder Übel eben im eigenen Bestände und Ge« 



biete nach einem geeigneten Objekte Sil suohen. 
Unter solchen Umständen hielt man wi|J|jQ{j|Jj^der 



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alten Synagoge Einkehr; man tat also 

einen Schritt von Jahrhunderten riiclcwärti# 

Hierin liegt eine tiefe Symbolik, denn auch wir 
haben diesen Schritt um Jahrhunderte zurück tun 
müssen. Betrachtet man die Zukunft unserer Ge« 
meindeiso wird man iXiU von dem Gedanken bewegt, 
dass sie zahlenmässig sich im Rückgang befindet 
und sich früherem Zustande wieder näherte Schon 
heute ist die Zahl der Seelen, die 1924 55oo 
betragen hat, sicher schon \mter 5ooo gesunken. 
Die Zahl wird noch gainger werden. Aber das Ba= 
trübliche besteht darin, dass so viel Jugend aus* 
gewandert ist. Nicht nur, dass sie selbst nun 
fehlt; sie hätte Ja auch den Stamm des übemäch» 
sten Geschlechtes^lliiPsollen. So wird sich also 
der Rückgang unserer Gemeinde mit Jedem Jahre 
mehr auswirken. 

Aber nicht nur äusserlichi^zahlenmässig müssen 
wir diesen Rückgang feststellen. Wir haben immer 
geglaubt , dass wir vor unseren Vätern den grossen 
Vorzug ^i^TTTgg^ weiter ,\mgehinderter Zukxmft vor 
\ms hätten. Wir glaubten uns, ihrem Zustande weit 
überlegen. Und nun sehen wir, dass wir im Irr= 
tum waren. 

Jede Rose hat Domen. So hat auch das Gefühl 
der Freude, heute eine solche schöne Turnhalle 

einweihen zu dürfen, einen Stachel. Wir haben 



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nicht nur die alte Bulne ausgegraben. Wir haben 
ziiglelch >ohne dass jemand daran dachte- tratun» 
wandlerlsch gezeigt, wie wir heute denken und be» 
trachten: rückwärts ist unser Blick gerlohtet, da 
die Zukunft dunkel ror uns liegt. 

Aber es ist doch kein blosses Hüokwäl;t s ; e s 
ist vielmehr -und das ist die dritte Symbolik der 
heutigen Handlung- ein Zurück ,\uii das Vergangene 
für die Gegenwart lebendig zu machen! Dieser Ge» 
danke geht aus von einem Bitteren; aber er endet 
in einem Frohen. War doch die Geisteshalt\mg ein 
oft überhebliches fierabschauen auf die Leistung 
xmd das Wesen früherer Generationen. Diese Haltung 
ist beendet. Man baut zwar heute sehr schön und 
praktisch. Was aber die früheren Generationen 
darin leisteten, wird so leicht nicht übertroffen. 
Bei der Untersuchxuig der Mauern dieses alten ,ver» 
fallenen Hauses stellte sich heraus, dass sie von 
ausserordentlicher Dauerhaftigkeit slnd,xmd dem 
Eindruck der Schönheit dieses Raumes kann sich 
XiZlZ niemand entziehen* Es ist schon so: unsere 
Vorfahren waren tüchtige Menschen »auch wenn sie 
nicht diese Freiheit hatten wie wir. Darum ist 
es gut, dass wir mit der Einweihung dieser Tum= 
halle wieder einmal bei ihrer Leistung Einkehr hal= 
ten,dass wir sie in den Mittelpunkt unseres ge= 
genwärtigen Denkens stellen. Denn wenn man es 
recht bedenkt: die Freiheit der Emanzipation war 



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der Lohn für die IX Treue , die lii die ('esohleohte 
vor der Emanzipation ihrem Judentum gehalten 
haben. Ihre Treue soll wieder lebendig werden, und 
UlSZberufen als Träger neuer Treue, d.h. alt er 
Treue in der Gegenwart ist die Jugend, der diese^ 
Halle gewidmet ist, um darin ihren Körper für 
die Erfüllung geistiger Aufgaben zu stählen. 

, . Die Seelen der früher|nj^Sgnerationen,die 
im Zeitalter der Unfreiheit diese;^Haus als G' 
tteshaus geschaffen haben, blicken heute auf uns, 
die wir uns zur Einweihung einer Turnhalle hier 
versammelt haben, hernieder. Verstehen iftir die 
Symbolik dieses Augenblick! Mit bittere» ^efühl 
mussten wir in die Vergangenheit hinabsteigen, 
weil die Gegenwart verdunkelt vor uns liegt. Aber 
siehe da, wir fanden in dem verfallenen Werk der 
Alten einen kostbaren Schatz, einen Ausdruck der 
damaligen Opferwilligkeit und Treue auch in der 
schwersten Zeit der Unfreiheit. Und nun haben 
wir -weil wir ein schönes G* tteshaus schon besit» 
zen- aus diesem Hause die T\imhalle erbaut. Bas 
möge zur Befriedigung Ili®§chöpf ers und aller 
Spender und zum Betten unserer ganzen Gemein- 
schaft ein ^eichen dafür sein,dass unsere Jugend 
hier ihren Körper stählt, damit ihre Hände für sie 
zu streiten verstehen , wie der alte Segen für 
Juda es kündet, damit aber auch ihr Geist zurück» 
kehrt zur alten Treue zum Judentum. Dann wird der 
heutige Augenblick einmal einen Wendepunkt zum 



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Guten bedeuten; dann wird uns die göttliche Hilfe 
beistehen in allem l>eid und in aller Bitterkeit! 



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Dem Bar Koohba ziam 15 Jahrigen Bestehen* 

von Rabbiner Dr# Schorsch* 
Der Rückblick auf ein 15 Jähriges Bestehen ist gewiss 
kein Anlass zum ffeiern, aber ein Anlass zur 2ÄÄÄÄii»Kt|ixJdf»K|f 
Priifung der Fundamente, auf denen Idee \ind Gemeinschaft 
beruhen* Der Tum ft Sportverein Bar Kojhba vereinigte 
Innerhaib der Zeitspanne von 1 1/2 Jahrzehnten Junge 
Menschen einer ganz klar bestimmten Weltanschauung mit 
der Aufgabe körperlicher Schulung und Ertüchtigung. Man 
konnte die Präge auf werfen, ob nicht gerade der Sport ge- 
eignet wäre, alle weltanschaulichen Gegensätze zu über- 
brücken ^^^ ohne Seitenblicke Menschen mit Menschen, Juden 
mit Juden zu vereinigen. Derin wenn es irgendein in sich 
wertvolles neutrales Gebiet gibt, das sich aus eigener 
Gesetzlichkeit heraus gegen weltanschauliche Kämpfe 
sträubt, so ist es Turnen und Sport • Man müsste wahr- 
scheinlich auf dieser üeberzei;igung beharren, wenn eine 
geordnete turnerische und sportliche Ausbildung durch 
weltanschauliche Trennung verhindert würde. Ist Jedoch 
eine Gemeinde gen'igend gross, so wird diese Ausbildungs- 
möglichkeit nicht gestört, wenn Menschen gleicher welt- 
anschaulicher Richtung in einem Vereine zusammengefasst 
werden. Unter diesem Gesichtspunkt wird sogar eine- 
wertvolles Element der TrennTzn^; lebendig. Auch in der 



^Ifi^kirl« Einheit i»fif^ 



miDsen also erkennen, dass durch weltanschauliche Gliederung 
der Portschritt nicht gehemmt, sondern durch Anregenden 
Wettkampf gefördert wird. Nur ist es notwendig, dase Gift 
des Machtkampfes \xm Jeden Preisfernzuhalten, denn er zer- 
stört den Auf au in seinen Grundlagen. Aus der Einheit 
gegliederter Mannigfaltigkeit entstünde chaotisches, sinn- 
loses und hasserfülltes Gegeneinander. 

Der Bar Kochba in Hannover war sich dieser gnmd- 
legenden Forderungen von Jeher bewus*t. Wenn er Junge 
Menschen zur körperlichen Ertüchtigung auf dem Boden seiner 
Idee zusa menf asste , so geschah es nicht aus absolutem 
Trennungsbestreben heraus sondern aus dem Wimsche nat ir- 
lljher Gliederung. filsJUixxlslxSuBKlx Das beweist sein ein- 
deutiges, klares Streben zur Gemeinde. Er hatte von Jeher 
den Wunsch, sich in das Gemeindeganze, dcl4 auf religiösem 
Boden alle Kinder des Judentums und Jegliche Richtung um- 
fasst, einzuordnen. In diesem 1itni1fc»n nicht ganz leichten 
Streben hat er -4as muss man heute rückblickend anerkennen- 
wertvollste Gemeindearbeit geleistet. Er hat seinen Jugend- 
lichen Mitgliedern die Möglichkeit gegeben, sich körperlich 



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zu entwickeln und gesund zu erhalten. Damit jedoch h*t 
er zugleich die Möglichkeit geistiger Entwicklung geschaffen, 
denn es ist ja eine alte Erkenntnis, dass die Beherrschung 
des Körpers eine wesaatliche Voraussetzung ist für gesunde 
geistige Entfaltung. Diese Möglichkeit beruht auf einem 
Doppelschritt: In der Bindung und der Befreiung. Gerade 
hei jungen Menschen ist es u unendlich wichtig, ihnen 
über die Zeit körperlicher Entwicklung und des Garens 
aller KrdLfte hinwegzuhelfen. Es gibt kein besseres Mittel 
dazu als Turnen und Sport. Wenn jüdische W4tsheit fragt: 
Wer ist ein Held?, und antwortet: Wer seine» Triebe be- 
zwingt, s. ist in ieser Forderung idealer Selbstbeherr - 
schung jegliche» Mittel eingeschlossen, das den Menschen 
zum fttk^taaszx Gibbor, zum kraftvollen Menschen entwickelt, 
also auch die körperliche Ertüchtigung durch Turnen und 
Sport. /es ist ja kein Zufall, dass die Persönlichkeit des 
Königs David in sich vereinigt die &twl B ttfflQlrrttx Schönheit 
dichterischer Lebensverklärung und -Durchdringung aiit be- 
wunderungswürdigem mannlichen Eeckentum. Er dankt G'tt, 
dass er seine Hände den Kampf gelehrt. Das ist kein Bild 
sondern unmittelbare, fast könnte man sagen sportliche 
Wirkl ichke i t yxttBxxtlsxaakÄtiftÄ» 

/>^ Jedoch die Schulung und Beherrschung der Kör- 
perkräfte wir erst die Voraussetzung für die Entwicklung 
des wahren önigs, der gYi«t8^bild in den Gang jüdischer 
Geshhich e hineingestellt ist. Aus dem Recken des Körpers 
wurde der Held des Geistes, der imstande war, jene Arbeit 
zu vollbringen, die schwerer ist als alle körperliche 
Schulung, das ist: Einpflanzung göttlichen Geistes In das 
mmhxmxiBlteMx wirkliche Leben des Auf und Hieder, der Liebe 
und des Hasses und der nie abreissenden Kette von Lust und 
Leid. Dies ist der zweite Schritt, zu dem körperliche 
Ertüchtigung vorbereitet: Befreiung des Geistes durch Bin^ 
d üng des Körpers! So hat denn der Bar Kochba wie alle 
Tum ».Sportvereine eine unendlich wichtige Aufgabe, die 
es immer wieder wachzurufen giltj und hiezu ist gewiss 
der Zeltpunkt des 15 jährigen Bestehens geeignet, der in 
recht verstandener Weise veranlasst, die Fundamente des 
eigenen Baues zu prüfen. ^Öi^Aufgabe wird gesteigert und 
geheiligt dixrch den Umstand, dass das Bemühen des Bar Kochba 

fast ausschliesslich der heranwachsenden Jugend gilt. 

fr arbeitet somit in verantwortungsvollster Stellung an der 
Lidamentlerung unserer Gemeinschaft in Gestalt der kommenden 
G^elatlto. eI möge ihm immer vergönnt sein, diese Aufgabe 
in hingebender Treue und Wahrhaftigkeit zu dienen! 





Begriissungsworte zum 15-3ährigen Jubiläum 
des Turn-und Sportverein Barkochba bei seiner 
Jubiläumsfeier am Sonntag, den 4.N0V.I934. 

Meine Damen und Herren! Liebe Freunde!. 

Als Rabbiner Hannovers, in dessen Arbeitsgebiet 

unter anderem auch insbesondere die Sorge für unsere 

Jugend einbegriffen ist, spreche ich dem Turn-und 

Sportverein Barkochba herzliche Glückwünsche aus. 

Der Barkochba ist aus dem Jugenleben der "Gemeinde 

Hannover nicht mehr hinwegzudenken. Er hat in ziel= 

bewusster »geradliniger Art seine Jugend dem Sport 

zugeführt und wertvollste Arbeit an ihrer körperli= 

chen Entwicklung «8IU5iÄ2ÄlX geleistet. Ueber den 

Rahmen seiner engeren Aufgaben hinaus hater jedoch 

immer und inbesondere imter der Leitung seiner 

jetzigen Führer die Wahrung des Zusammenhanges mit 

der übrigen Jugend J^annovers als wicht igile Aufgabe 

erkannt und zu ihrer Erfüllung beigetragen. Die zu 

ihm gehörende Schuljugend war auch immer ein treues 

Glied unserer Jugendgemeinde , und das oft überschau» 

mende Temperament der Jugend zeigte deutlich, welche 

wichtige Erziehungsaufgabe ein Turn- und Sportverein 

allein auch unter diesem Gesichtspunkte zu erfüllen 




hat. Ich wünsche dem "erein von Herzen, dass er zu 
seiner eigenen Zufriedenheit und zum Wohie unserer 
Gemeinde sein bisheriges Streben auch weiter verfol= 
gen möge, dass -um mit den vVorten des Psiimisten 
zu sprechen- seine Jugend sprossen möge wie die 
XX Palmen »gränen wie die Zedern des Libanon, dass sie 
-nach dem in ihrer Jugend solcher Grund gelegt- 
markig und frisch bis in späteste Jahre bleiben 
möge, um zu verkünden ,ki Jaschar haschem,dass auch 
der Barkochba innerhalb unserer Gemeinde beiträgt 
zur Erhaltung und Stärkimg religiösen fiewusstseins, 
und so in seinem Teil den Baustein liefert zum re= 
ligiösen Aufbau der ganzen Judenheit! 




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3m ^a^mcn 5cr am ^onnceetag jcbcr XDoc^« in 5«e 3ipn- 
lofl« Jtattpnbcnbcn tDoptrageabcnbc Iprac^ ^cpr 5>r. 6<^opJch dm 
28. aiot>cmbcr 1935 über ^Probleme bcr 'Jubcntumecrsicbuna In 
F>«utig«p 3cit-. ^icfce S>ortrag f4)Iop einen 3t)BIuf Ober ^r- 
5iel^ung$fragen ab, ber Don Äerrn ^Deiner eingeleitet unb bon ben 
5öbwrn ber ©ünbe fortgeje^t tDurbe. 

5)ie etotftcilung, bie fcbon in ber 2b«maJtcIIung entölten i% 
benul^enb, ging i;err ^r. 6cborjd^ sunacbft Don bem ^Oerju^ au$- 
eine ^egrijf^beftimmung für ^^ubentum** 3u pnben, um bann an 
toefentlid^en pabagogijd>en ^nftitutionen unb OHet^Jobcn bie Prob- 
leme ber Cgr3iel)nna Id>lec^tl)in su bemonftrieren. mu ber 6*il- 
berung ber aktuellen jübiJc^M^n 6ituationen bePam ba^ Referat 
Jeme organijc^^ f?\brunbung — eine auege5eicbnete (ßrunblage für 
eine ^uefprac^e. fDcnn bae^ Referat, bat bie 3nftitution«n (^ule, 
^unb, QWilieu, ^ugenbbcim, (Boftcsbienjt u. a.) unb Problem« ber 
^rsiebung leibe nfd^afteloe barfteUte unb eine im »efentlidj^en 
]ad)\\d)9 Sö)\\bQvnnQ toar, ol>ne ben 3ujammen(>ang mit ber prob 
lematiß ber biftorijc^en (£nttx)icllung 5u bcriieren, er^eiJdS^te bie €ir 
gflnsung unb f unbierung bur^^ bie tatjäc^Ii^e Situation, »ic to r 
fic bei er3ie^eri|c^er O^rbeit jeber 3^rt borpnben. 

^ie ^uejprac^e, getragen bon ^ugcnblid^^en unb <£rö)ac^|eneH 
berpiebenfter $?\nlcbauungen, unb bon ben übcraue 3ablreicben 
3uf)örern mit ec^^tem ^nterefje berfolgt, läßt fid> oielleic^t babin- 
gebenb 3ujammenfafjen: 5)ie fragmürbigPeit unjerer materiellen 
unb geiftigen €|iften3, bie ^tomifierung ber jübijc^en <ßejell|<^ft 
unb bie baraus rcjultierenbc ^ibergcn3 b?r OubentumMuffaflungen 
bat 3ur 5olge, ba^ bie jübilcb-Bulturcllc Cgnttx>idllung Peine normale 
mebr jem Ponnte. ^ie !>eutige ©eneration aljo f>at Peine berbinb- 
li0eJIlorm, bie eine eini)eitlicbe 5)or)'tellung bom ^Oübifcben S)oll 
al$ ^beenbolP** ermöglichte. 

. , ^.*^ ^uelprac^^e unb auc^ ba^ öc^luPtoort bat 'Hebncrt mun- 
beten m bie gememjame ^ojfnung, baf^ buvd> «re3 Serael toieber 
eine dlormalirierung jübifcben £ebene erfolge, unb ba^ im Saufe 
ber lo angebabnten organifc^en (gnttoicPlung eine neue 'Jubentum^- 

(beorie entftebcn toerbe, bie im toefentticben toieber bie uralte jfl« 
bjj<^>e !?bc€ bcinbalten toirb — toie ee eben ba^ XDefen einer jeben 
S\enal(jance iß. 

' ^er ^Oorfifecnbe, ^err ^ecbteantoalt (ßolbftein, banPte J^errtl 
5)r. 6cbor{d> für ben mtereflantcn $?lbcnb, ber eine gute JDorbe- 
reitung b>ar für bie folgenben 3a)ei !Oortragc, bie fi^ ^^^ aPuten 
Problemen <£rc3 ^«raele, bem „Qlabel ber ISOelt", befajjen f ollen: 
y5Die ^Araber palaftinoe'* unb „Palaftina unb ber ^bejfinijc^e 
Ärieg**, f. r. 



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Judentiim^erziehunf: in 
Keutlner Zeit. 



•^IB^Mü«! 



28. Nov. 1935. 
Judentums er Ziehung in heutifce r Zeit. 

Vorbemerkim.g;; j£ie will ich sprechen? Leidenschafts= 
lese Suche nach Wahrheit »oder Leiäenschaft zur 
Wahlrheit. Keine Zweclclüsen. Beispiel: I-ricgslu= 
een (VerstUjnmelimgen aus Graiisainl:eit ; Italien- 

A"bessinien) • 

Die drei Grundbegriffe im V/ort Judentums er ziehimg: 

1. v/as ist Judenti;iin? 

2. Giht es Uherhaupt eine Erziehujicsmöglichkeit? 

3. V/elches sind die Erziehungsmittel? 



1. Was ist Judentum? 

a ^Vnmial=suh.iektive Bestirnmim 



Wille zum Judentum. " Jasagen zum Judentum" . 
Ist etwas damit erreicht? Ja,Ahgrenzung gegen 
die Verneinung des Judentuins durch die Juden, 
gegen die Assimilation mit dejp Absicht auf 

Auflösung. 

VphlPr diese-r BestJlinmttling : nur formal, nicht 

^-^-^^^^gkrJU^istgfSagpSn^^'^er^aspora; 
hahen alle den vailen zu^gi Judentum, bekämpfen sich 
trotzdem; also genügt ganz offenbar der blosse 

Wille zum Judentum nicht. 

Palästina: Um alle schlingt sich das Band 
des jüdischen Landes und des selbst^erständli= 
chen jüdischen Seins; trotz«/em gibt es sich 



sich heftig bekämpfende Parteien; Unterschied kann 
theoretisch ziim Teil nur im Weg liegen; in V.'ahr= 
heit muss auch eine verschiedene Auffassung des 
Judentums ziigrunde liegen. 

TT^-hrnische Kultur ist ebenfalls nur formale 
Bestimmung des Judentums. (Kein Zweifel üher die 
ungeheure Bedeiitung des Fehräischen. Anderer 
Sprac&p-eist ; andere 7/eltanschauung; wir Juden 
sehen infolge unserer Kenntnis des Ileträischen 
und Indcfeermaniichen stereoskopisch. Beisr^iel 
hierfür zugleich als pädagogisches Beispiel 
für die Verdeutlichung des hehräischen Sprach- 
geistes: Lokach = nehaan, kaufen (mekkach .imem= 
kar); im Deutschen: nehmen auch = stehlen; ja 
sogar kaufen manclmal in dieser Bedeutung .Im 
HeLäischen ist stehlen eine für sich vollkom^nen 
isolierte Handlung ung Tatbestand : ganav. Hxer 
klingt insbesondere der Kenschendie^stahl nach, der 
als schreckliches Verbrechen (Todesstrafe) xn 
den asereth hadihroth verhüten ist. 

Beispiel : Beim Verhum steht im Vordergrund 
a i; Frlge " n ach der Aktivität, ahgoschlossene oder 
aie iica^, TT„^/iT,,r.c,. im Deutschen die 

nicht ahgeschlossene Handlung, ^^J 
Zeit. Ausdnxck für die ausserordentliche Akti 

. ^A^ iTpit ist da, um vom Menschen 
vität des Jtiden: die ^.elt ist aa, 

1 "-^vo+on 7,-leTes verändert zu 
im Sinne eines höchsten z.ie_es v 

'"tZ.^u ist ne.r.lsc. ^a .udentu. nicM_ 
laentisoh. ES tenn völlig ^mBüdisohes hebraxsoh 



fcrB,uliert werden. Extremes Beispiel: es kunnte 
..slmi:.Uon in he.rUischer Sprache S^P^j^^S* 
;eraen,w>aTd irae wohl auoh.werm alle Juden nur 

he"bräisch verstehen \r 
Evanselien ins Hebräische. 



„Irden. UelDersetung de» 



^^ Tr.v,n1tliche T^p..tirmuns. 

i • ^ h...so.-u, ,-yv- — _ ^ «„ + T -1 Phe fkv f nähme 

Peis-iele: Stetige tmd wesentlxche KUi 

T ...riteile- hoasafsuf (i^^/pter) , 
fremder Rassenhestandteile. noa _^ . _^ ,^ 

Chazaren. Totnlität eines organinch 

2.) Vol^she^rxff. Totalix ._einschafts= 

^d geistig einheitlich hestx.-.ten Gemexn 

lehens. ^;,^v,+Mche r>edeutuns: 

AussercraenUlohe ^^ „e.-»elUiohen 

,) aecen a.e Mosse ^^,^„ ^,„,„,a= 

S...tenhe.ri. . - --^^^^^ .- ^— ^-^^""^^ 
rLrcLSfeaan^e; .edoch in .n.ehendi.er 
rorm vor^vesseno-,en) ,^,j_,,,,^,iehenaicer 

'\: "i^es -; insoh..tslehens. .s .raucht 
AnsatzpunM exnes ^^^^^^ ^^ ^,^^,,„, 

telne ^«i'^^f^^^f "'. j^err-chaft kcnrt.d.ss jeaes 
-** der «^^"^ ™ ;. -la^^^p^eluns -a Ver.«r= 
Vcli eine «!f!»;;^*;„, ,,f Erden bedeutet . Jedes 
perung des »'^S«" ^^^ „erden.senau so.wle mn 
Vcll. muss asm «tolten V ^ vielfnltiekelt 

jedes lehewesen als Ausdracl. 



des Seins erhalten v:ill. 

c) Einfühn-mg des "Lel)ens"=I3e£:riffes in 
die Auffassimg des Gemeinschafts] eigens, Die atoini= 
stische ITaturwissenschaft hat auch das Gemei»fichafts^ 
leben/ in Einzelteile -das Individuum- zerschlagen 
und dardt tatsächliches Gemeinschaftslehen thecre= 
tisch ah.pnewürp-t . 



Gefahr des Vcl'ks'^e.rrylfep. : 
Man "begnügt sich -aus Finderfretdejvielleicht- 
mit den einfachen gemeinsamen Dasein, dem hioligi= 
sehen Sein, instinkthaften, tierischen Gein (in 
gutem Ginne), und vergisst ,dass der Mensch nicht 
mehr instinlctfeaft zu lehen verimg; er besitzt V^r= 
nunft,und muss unter Aufivendung aller Kräfte, sein 
Gemeinschaftsleben unter höherem, einheitlichem 
Gesichtspunkt regeln. 

llan darf also nicht nur sagen: wir wollen 
als Volk leben; man muss vielmehr fragen: als 
"Was für ein Volk" sollen und wollen wir leben? 
Schon in der Bibel: goj imd am. 
Goj kadosch (sippen:?: und daher blutmf.ssig 
bestimmtes Volk) .Öewijjah = Körper. 

Am kadosch. amam,zusammenschliessen, verbinden. 

Vgl. Secharjah: goojim rabbim werden kommen imd 
sich zusammenschliesr^en zu einem am. 

Art des .jüdischen Volkes : 
am kadosch, Nachdruck auf dem TTorte kadosch. Religiö= 



ses Volle, vom G'tteswillen -der durch die Profeten 
ofienljart ist- "bestiirmtes Volle. 

Fose: weniflinu ani v/eamclio (!) milcol hoarnmim 

al hoadomoh, 

i^l in, •:):'!: Ad mr'Sa^ paus'önim -.1 sehet e s-'ijiin? 



Schluss: Ich Icaiin nur ülDer Erziehung zu diesen 
Judentum spredhen. 



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2,>"7ilit _es 



„■^-.^i,^,i«t Ain>. Ttirsleh-infsmiifTl ich- 



^^^^^Die Iberischen ha^en naiv immer als serostver» 

stänaiioh aaran seGlav**- ^^'>«i- ^^^ Einrlohtwig 

der Cohulo. ^ ^ .»^ 

Itedilcale ÜDerspltrAms nach dieser ..eite 
durch aen Rationalismus : Die mensohllohe Ceele 
sei ein tal,ula rasa.KEnne von Erzieher nach Be= 
lie-ben teso-nrieben v/erden. ,=^1 + .. 

Radll^ale tfterspitzuns nach der andere.yexte. 
I„3 ^--v.-»^^^^ -nes andes. ES gilt nur noch Ver- 

dlvinismus. Daher auch nach dem Kriege -wo 
r .Tip^ m Treibhausluft mit rasender 



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hörte, von ihr gar nicht zu erfüllende Aufsa'be und 
Ve r an tv/ Ortung auferlegt . 

Die richtige I.'itte (derech hftemzaith ) : 
Jeder ITensch ist eine Individualität mit iDersonderen 
An].asen,die mn nicht v;iir.cUrlich verändern kann. 
(Hienand kann musikalisch gemacht v;erden) . 
Das seht nun alyer nicht wieder so weit,dass jeder 
vom anderen so tief verschieden wäre,dass nan 
nicht seraeinsame Forderungen ^±s su einem gewissen 
Grade avif st eilen dürfte. Sonst wäre keine Kultur 

möglich , 

Forderungen der Gemeinsaal:eit notwendig, scnät 

kein Zusammenleben und keine I'ultior möglich. 

Jeder kann jedoch mir die Güter der Kult^^ 
übernehmen und fordern, für die er veranlagt ist. 
Also ist es notwendig, die Anlagen des Menschen 
zu entwickeln md ihn an die richtige Stelle zu 
brin-en. llan konn die Anlagen jedoch nur durch 
entspredhende,£leichgeartete ICulturgüter entwickeln. 

/ , 4-„ ;5ac. "Ri iri^inf^srircesses von Kerschen- 
(Grundgesetz de? ^. ijua-m, ,b! j^-c- 

Steiner) 

Der Begriff des T,vpus . 
Jeder, der erziehen will,muss Tnnivirlu.al= -und T.ypus^ 

forsc her sein. 

Erziehung also dreierlei: 

1) Erkennen der Anlagen. 

2) Anre^oing und Ausbildung der erT,vünschten,und 
Unterdrück^mg der nicht er.vünBChten,insbeBondere 



sozial nicht zulässisaioder nachteilisen Anlagen. 

3) Erlangung eines Bozial xmd. kuj.turell 
un"bedin/^t erforderlichen Sildungsstandes. 



VJelclies sind die Sr ?.ieh^ln^^^smittel? 

1) Snlm lml'5si:?e r.üttel : 

UnterrichtungjEelehriing. Das '."ort , einfaches 

Ausst^rechen scheint das kürzeste Lüttel zu sein. 
In 'vVahrheit das schlecht est e/:;eil es 1!) direkt 
einwirken v/ill und daher leiclt auf Widerstand 
stösst. Stille Ahlehn^ong imd T^Ausohung D.eicht 
möglich. 2.) weil es sich des inshesondere rir das 
Kind a-ber auch noch für den erwachsenen Menschen 
schw^.r verständlichen yorthe-riffes T^edient. Nicht: 
ve-st".ndnis und I.!is sirer stämdnis inshescndere der 
schwieri/^eren Lehenshecriffe sind naheliegend. 
3.) weil sich der Unterricht auf alle diejenigen 
Stoffe heschränlcen muss,die irgenwie r^it Worten 
zu erfassen sind. Gerade heim Judentixin spielen 
neben den Wissensdingen Gefühlsdinge>^ (z.B. Wille 
zu^ Judentum ) eine grosse Rolle. 

o ^TT-^n ATmn ^sm",ss5 f;e lÜttel. 

■ Das sind soD.che Mittel, die das Wort nicht 
unbedingt ausschliessen, deren entscheidender ■ 



8 

ITachdnfiicl-c ^edcch einer anderen Art von Einflussnalime 
iDeruht . 

a) Das Vorloild . Hier wird ein ganzes LeT3ens= 
ide;.l in Totalit,"t der Einzelpersönlichl:eit vor= 
.^elÖDt. Bei "leicher oder ähnlicher Veranla.jiins 
von ausserordentlicher T/irkung. Entscheidend die 

S ympathie , Zwie i PTUiiß . 

hasinoh mekalkeles es haschiiroh; ebenso SäSSEaSX 

hoahawoh. Lie^be imd Ilass sind nur Ausdruck der 
entr-egensesetzten oder gleichen Veranlagung. 0l3jek= 
tivität ist zu erstreiken, inshesondere durch das 
Mittel der grössten nerecV^ti;^keit -Anerkennung der 
andersartigen Individualität des Schülers, denn es 
ist natürlich unmöglich, jeden üenschsn nur mit 
einem Erzieher seiner Art zusammenzubringen. Es 
ist immer vertrauener;jeckend,w enn der zu Erziehende 
merkt, dass ihm nicht irgend eine Heinujig aufge= 
drängt werden soll,sondem,dass ihm nur Hilfs= 
Stellung zur Entwicklung der eigenen Anlagen ge= 

gehen werden soll. 

Hierher gehört der Begriff des Grui^^^enf Uhrer^^s . 

Entscheidend, dass er den allgemeinen ^Jillen vor= 

leht. 

Auch die Frage, dass Jugend von Jugend se= 

fülirt werden soll, ist von dem Standpunkte aus 

richtig, dass der o^iise Mensch im jugendlichen . 

Vorbild die Möglichkeit der Ausführung des Ideals 

auch in jugendlichem Alter erkennt. Schwierig ist 



I 



die Fräse, wer von den jugendlichen Führern die 
Verantwortimg für eine ^^Veltanschauung übernehraen 
kann,nicht etwa fü* sich -jeder Jugendlache hat 
das Recht, in seinem Leben zu experimentieren-; 
anders jedoch, wenn er als Vorbild auf andere Ju= 
gendlich einwirkten soll. Im Allgemeinen ist es 
nicht richtig, dass der Jugendliche als FlJhrer eine 
eigene Weltanschauung besitzt; er hat sich meist 
einer grösseren Gruppe angeschlossen, die bewusst 
die Jugend für sich erziehen möchte Cwozu jeder 
das Recht hat). V/ir haben also sehr oft im Lager 
der Jugend nichts anderes als die geistigen Ver- 
hältnisse der Erv^'achsenengruppe vor uns. 

1^) iinfi Er2iehi i>i ,^;ssituat.^ nn. Dr.s Lülieu. 
Beisi^iel :Ein Kind ist in der Grossstadt nei^os 
geworden; kann nicht lernen und sich nicht lconzent= 
rieren. Selbstverständlich nützt der beste Lehrer 
nichts, wenn nicht die Situation geändert wird. 
Das Kind muss in eine i^.ige, möglichst ländliche 

Das Milieu als pädagogische Situation kann nicht 
aus der Westentasche gebogen werden. 

T.nr.^.c.-ulheii^ ; kommen aus England. In Deutsch- 

land durch Lietz eingeführt. .^ ,. ^,. 

Bdäeutung der HV:^-^ohnrah]cibWzxm; xhr .ett. 
Milieu als pädagogisches I.Üttel. 

worin steckt der W^rt des Milieus? • 



lo 
Bietet und fordert Totalität . 
Beisriel fUr Judentums erziehuns durcli Milieu: 



Jüdische TTeime (Waisenhäuser »lelirlinsslieime , 

usw . 

Jüdische Sc--"le . Früher Kampf mm die Konfess= 
ionsschule. Simultanschule will Einheit schaffen 
vor Erlan£;ung der Eigenart. 

Aufsa-be der jüdischen Schule: Bildung ,,1üdischer 
Eigenart. ITicht Ausschaltimg der fremden Kultur= 
Stoffe. Jedoch einen Standpunkt bilden, von dem 
aus Brücken geschä3igen v/erden können. Lesen lernen 
an jüdischen Stoffen etwa aus Bil)el und lüdrasch 
und jüdischer Literatur, nicht an ^Weihnachten, 
Nike] aus, Tannenbaum etc. Es gibt nur wenig weltan= 
schaulich UngeD-ondenes. Es ist wirklich vervmnder= 
lich,dass die Tauf t. ewegvmg nicht noch rasender 
um sich gegriffen hat, nachdem von frühester Jugend 
an der Geist und die Seele des jüdischen Kindes 
mit Stoffen des christlichen Lebens angefüllt 

war. 

T.:^^.e^T.P Ji^<?endheime ,die räumlitikh allerdings 

so gestaltet sein müssten,d: ss man jüdischen Geist 

zma Ausdruck bringen konnte: Jeder Bund einen 

Raum; Leseraum etc. 

.Tüdi sehe Ju^endbünde .Kachdruck auf dem v/orte 

jüdisch. Sie müssen ihre Mitglieder in ein jüdi= 
sches Milieu hineistellen wolleru Dann sind sie • 
mitten im Gewirr der Grosstadt entstandenes, see= 



11 

lisches lind geistiges Ililieu. 

Jüdisches Lehrhaus ^ am besten ein wirkliches 
Haus, in dem immer geistiges Leben herrscht, in v/el= 
chem Gruppen sich su jüdischen Feiern zusammenfinden 
könnten. Ausgestaltung zu einem umfassenden Ge= 
meindehaus. Früher wäre dasGeld dafür da gewesen. 
Es fehlte die Einsicht in die Notwendigkeit solcher 

Grnnduggen. 

Entscheidend immer der Geisl^er in all diesen 

Institutionen herrscht. 

Re;":es und echtes .nrp ttesdienstliches Leben . 
Nur regelmässiger Gottesdienst bildet pädagogisch 
wirksames LIilieu,ist aber auch Voraussetzung für 
wirkliche Lebensförderung. In Deutschland herrscht 
meist ein religiöses Leben in homöopathischen 
Dosen» Kann wenig nützen. 

Nachwirkungen der Naturwissenschaft des 19 • 

Jahrhunderts. 



c.) Die Lebenssituation . 
Alle bisher gennnten Llittel sind bev/usste pädago= 
gische Handlungen, wenn auch bei der Erziehungs= 
Situation des Milieu mit der unbeirassten Y/irkung 
grundsätzlich gerechnet wird. 

Die Lebenssituation, das Leben ist völlig unab= 
hängig von unserem ^;7illen. Es ist die Erziehungs= 
Situation von Ilaschera jisborach. 



12 

Grun^"^ sätzlich muss Jeder, der über Erziehung 
nachdenkt und sich mit ihr beschäftigt, wissen, dass 
er nur für die ^^ Schule des Lebens" vorbereitet. 
Letzten Endes wirkt erzieherisch nur, was in die 
V/irklichlieit um2:esetzt, gelebt v;ird: 

al taamen beazmecho ad jaum maus* che (llillel II.) 
Die Er ziehinics Situation des Lebens geht nie zu 
Ende und kein Mensch wächst aus ihr hinaus. 

Die heuti.^e ^eit ist sichtTsarste Erziehungs= 
Situation für uns Juden. Es wird uns z.B. vor 

Augen geführt : 

UnberechenlDarkeit des Lebens (ra'bbans niachacho= 

waus belev isch...) 

Kein Vertrauen auf menschliche Umstände wie ^^ ^^^ 
jahrhundertelange Ansässigkeit udgl.möglich,";,^;"^^^«-,^,^ pi 

Flucht aus dem Judentim, Taufe, Trennung voil ' 
der Geraeinschaft ist verhängnisvoM für den Täter, 
noch mehr für Kinder und Kindeskinder; sind ent= 
wurzelt . (paiiked awaun owaus . . . ) 

Ahiegung der jüdischen Verpflichtmigen wie 
Sahfeat etc. aus wirtschaftlichen Gründen, um wirt= 
schaftlich nicht zurückzubleiben, ermcg]icht Reichtum 
und damit auch Vordringen in gehobene Stellungen 
imd die verhängnisvolle Ausrdrkung der heutigen 

Zeit. /Anerkennung wirklicher Führer wie etwa Moses 
IlendPlsolin'nur in dem,v;as gerade passt, trägt gift 
in sich. Gesetz und Bürgerliche Vereinigung! 

Das beängstigende Schwinden des jüdischen 
¥;issens läuft Hand in Iland mit der immer grösseren 
Verbreitung unrichtiger Behauptungen über das Ju= 

dentum. . , , , , 

Hoch vieles mehr könnte man als Lehren der 

Zeit anführen: Es sind zugleich Lehren der Bibel. 
Kein Zweifel :G«tt spricht heute mit uns durch das 
Leben! 



13 
Palästina als ^^ädateo.pjische Situation . 

In Palästina finden vjir alles vereint, was zur 
Judentiims er Ziehung notwendig ist. 

Jüdische Schulen gibt es überall; jüdische 
Hassen mit jüdischem Leben gibt es in Polen; jüdische 
Bauern gab es schon inrner,in grosser Zahl in der 
IBcrnine; jüdische Einricltingen bot die jüdische 
Welt allüberall, oft in äusserlich vorbildlicher 

Weise; usv;. 

Alles z-asammen gibt es nur in Palästina. 
Dazu komraen einige neue, pädagogisch unendlich wich= 

tige Umstände: 

Die hebräi:-.che S-prache er f öffnet den Weg zum 
hebrätisclien Sprachgeist; zugleich zur Bn)el,eine 
für sich selbständig wirkende Srziehimgsv;elt,wenn 
sie nur gekannt wird, und insbesondere in der Jr= 

Cl T^ ^* *^ O fl (-^ 

* PrlAstina ist admas kaudesch; dies wirkt als 
Verpflichtung tmd antreibender Stachel. 

In Palästina ist der Sabfeat selbstverständlicher 
Rulietag;sodass jetzt erst wieder d§r oabbat in 
umfassender \7eise sich fruchtbar auszuwirken be= 

^^""""in Palästina ist die Vereinigung von Thora tmd 
v-eltlicher Beschäftigimg, d.h. organische Lebensge- 
staltunr MMnSgSSSälsaägXunt er dem G'ttesbefehl 
wiedereinml im Lauf der Jahrtausende möglich ge= 
worden. Eigenartig dass es mit der Zeit zusammen= 
trifft, in welcher das uralte jüdische Ideal des 
reli^'-iös-gebundenen Bauerntums in der Parole : ^ 
Zurücv zuS Boden! Weltgeltung zu gevmnnen scheint. 

Auf Palästina sind die Augen der ^udenheit 
gerichtet, - eine Anstachelimg pädagogiscner Art 
?on P.usserofiäentlicher Verpflichtungskraft und 
..ir^gsmöglichkeit. ^^^ ^^^^^^ ^^^^^ ^^^ 

um die Verwirklichung des G'tteswillens auf Erden, 



14 
um das malchuth schama^jim al haarez,in ein "bren: 
nendes Stadium getreten. 

Wir f:,ailen es deutlich: Es ist G'tt,der uns 
heute zum Judentum erzieht! 



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^artlU SpeeJ), l/lfk 







Ansprache iDeim Tischtennistiirnier des 
des Barkochba. 19. Januar 193S* 

T-ie^^e Freimde! Ich iDegr'^sse Sie im Namen des 
ganzen Jugendrings in der schönen Turnhalle der 
Gem.einde Hannover , und möchte die IToffnimg ausspre= 
chen,dass ein scliönes Tu ni er in einem schönen Raum 
einen nev'en Baustein wahrer Lehensfreude in Ihrem 
Le'ben liedTere. 

Jüdischer Sport unterscheidet sich von an= 
derem Sport dadurch, das s er immer auch eine Beziehung 
zum Geistirjen aufweisen muss. Biese Bezi]fehi.mg soll 
in diesem Augenhlicke lebendig gemacht werden. 

Sie liegt in der üb erh rückenden Kraft des 
Sportes» Sport vereinigt l'enschen aus den verschie= 
densten Städten und sogar Ländern -auch v^erm sie sich 
völlig fremd sind- zu einer Einheit. Sport kann 
auch Menschen, die weltanschaulicb auf verschiedener 
Grundlage stehen, in einem gemeinsamen Tim zusammen= 
führen, und so zu wahrer innerer Befriedimg beitragen. 

Aber echter jüdischer Sport hat noch eine 
andere Kraf5 der Üb erb rückung. Dies kommt immittelbar 
in dem Psalmliede zum Ausdruck, mit dem der heutige 
Tag)^, der erste Tag der Woche eingeleitet wird. Y.^ir 
singen da an jedem mozae schabfeat ein Lied des 
sport= und kriegsgeübten Königs David, das mit den 
Worten anfängt: baruch adoschemx zuri,hammelammed 
jadaj lakrav,ezbeotaj lamilchamah, gelobt sei G^tt, 
mein Feister meine Ilände den Krieg gelehrt und meine 
Finger den Streit ! 

Es ist wirklich ein klein wenjfe verblüffend, 
dass dieses 'Tort geradezu grossartig auf IT^r heutiges 
Unternehmen passt,denn Sie streiten ja auch mit 
Händen imd Fingern, ^md dürfen daher nuch ein Dankes= 
wort sprechen an denjenigen, der uns Menschen die 
Gesimdheit gegeben hat, die uns körperliche Betätigung 

gestattet. 

Aber entscheidend ist das folgende V/ort 
imseres grossen Volkskönigs: magini uwo chassiti, 
er ist mein Schild; auf ihn -d.h. auf G»tt- vertraue 
ich. Hier haben wir in der kürzesteh Form jene 
grosse Überbrückung des Judenturas zwischen dem 





Körperlichen imd den Geistigen, zwischen irrlisc?ieE 
Betätigimg vnä. Uimvandung riim Göttlichen, zwischen 
Sport und wahrem Judentum! 

Die grösste Gefahr, in der die sportlic'^'e 
Freude am Körper steht, ist die Verselhständigung 
des Körperlichen, die I.!einung,dass der LIensch nichts 
v/feftter -"-u tun braucheyf, als ehen seinen Körper zu 
pflegen, ein tüchtiger Eportsmann zu sein; einer 
Finwendung zum Geistigen bedürfe es dann nicht. In 
diesem Falle wäre aus dem Sport ein GötzendiBHst ge= 
worden. 

Beim Barkochloa iDesteht diese Gefahr nicht, 
denn er treibt ja Sport nicht um des Sportes v/illen* 
Immer steclct hei ihm die AnschauunUi dahinter, die 
jüdische Jugend um des Judentunis i^illen auszubilden 
imd zu dessen Erneuerung beizutragen. 

So möge e3 denn diese Haltung be'vusst wfe&ter 
pflegen; immer mögen bei ihm nebeneinander liegen: 
magini uwo chassiti.der Schild des Sportes, das 
Sportabzeichen, und die kraftvolle Zuwendung zp_m 
echt Jüdisch-Geistigen. Dann v;ird er auch zur rr= 
fülTung der davidischen Schlusswcrte beitragen, die 
von einem glücklichen, bäuerlichen Palästina sprechen: 
alufenu messubalim, an perez,\7e-en 3o2eth,v7e-en 
zev/achah birch0^/;ethenu, unsere Rinder werden MSgSÜC 
trächtig sein, ohne Verlust, ohne Schaden, und kein 
TiTbhgeschrei mehr in unseren Strassen^ J'd ^n/iP/^ e^'i^e 



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Anspra-Qrhe nm Elte iiaTDend de» 
undes deutsch=j*idischer Jugend; 25 ♦lo^* 



Lieloe Freunde? 

Der lienti^e -von euch veranstaltete Abend- 
steht imter zwei Gesichtspunkten: 'JTinterhilfe und 
Elterna'bend. Das l^edeutHt einmal, da ss ihr euren El= 
tern zeigen V70llt,was ihr in eurem Dunde treiht, 
v/as euÄ^e Ideale sind und wonach ihr streht; und zum 
2;":eiten v/ollt ihr durch emer Spiel den n^otleidenden 
Llenschen unserer Gemeinschaft helfen» Es steckt nun 
ein hitterer Kern in dem Bestreiken, durch Spiel 
V/ohltätigkeit su üben; es erinnert an eine der in 
früherer Zeit vorgekommenen Sünden, der des V/ohl tätige 
keitshalleSj'bei dem die Hauptsache das Amüsement 
der Veranstalter vrar,imd dir vorgeschützte Grund, dass 
etwas als Hilfe der i^ormen abfallen sollte. Darum 
i:-t es richtig, dass v;ir in diesem Augenblick einmal 
in aller Kürze versuchen, euer ^un in den richtigen 
Zusammenhang hineinzustellen . 

Euer Helfenv/ollen kann man mit dem hebrä= 
ischen Begriffe der gemilus chassodim bezeichnen, 
Er/'^eisung von TJohltaten. Ihr erinnert euch sicherlich 
an das bedeutsame V/ort imserer 'Weisen: ''Auf ("irei 
Dingen steht die 'Jelt : auf der Thora,auf dem G't~ 
tesilienst und auf der Eirv/eisung von Wohltaten". Hierin 
ist die Rede von den drei Säulen, avif denen die Iuen= 
schengemeinschaft steht; undzugleich müssen v/ir da= 
Xt\n denlcen,dass ':wn.n nur eine Säule hiervon ein= 
stürzt, die ganze llenschheit gefährdet ivird. Dass auch 
ihr heute der Erhaltung dieser drei JSäulen dienen 
wollt, ist ohne weiteres ersichtlich. 

Der ersten Säule dienet ihr, indem ihr 
heute ein Stück auf führt, das nicht nur einen jüdischen 
Inhalt hat, sondern das einer von euch selbst gedieh- 
tet hat. Dies legt Zeugnis davon ab, dass ihr euch 
ernst'"aft mit unserem ureigenen Judentum beschaff 
tigt. Freilich gehört noch mehr dazu, denn eTudentum 
ist die göttliche Lehre von der Menschlichkeit, enthal= 
ten in unserem vnmderbaren Buche der Thorg. Und es 
ist ausschlaggebend für unser Geschick, ob wir selbst 
diese Menschlichkeit immer wieder von neuem kennen 
lernen wollen, damit wir sie nach dem Hennenlernen 





auch verwirklichen können. 

Auch der zv/eiten Säule der Erhaltung der 
MenschJieit dient ihr, der awaudoh,das was wir G-»ttes= 
dienst nennen. Gottesdienst ist zunächst einmal 
seit uralter Zeit in allen Religionen die Zusammen^ 
kimitt im Cr' ttehaus, wo man sich gemeinsam dem Gedan^ 
ken der Ewigkeit widmet* Aher ein solcher Gottesdienst 
allein genügt nicht. Das Judentum f ordert, dass das 
ganze LelDen ein G*ttedienst ist, dass alles, v/as ge= 
schieht leschem schomaj jim,su Ehren Gattes geschieht. 
Ein solcher Gottesdienst ist sehr viel schwerer noch 
als hlosse religiöse Zusammenkimf t • Und ihr dürft 
heute Abend erkennen, dass auch ihr auf dem w'ege zu 
solchem T-ehensg* ttesdienr^t euch bewegt. Denn was 
wollt ihr mit eurem Tun? Ihrivollt unserem Judentum 
zur Ehre gereichen? Judentum jedoch ist eben die 
Lehre der Verehrimg G'ttes durch ein Leben der 
Menschlichkett. In dieser Aufgabe sind wir alle 
ev;ig Strebende. Diese Aufgabe ist imendlich,wo wir 
auch sind, ob hier in Deutschland oder anderswo. 
'Tenn jemand auswandert, so kommt er g ewöhnlich in 
ganz fremde Verhältnisse imd es wircl ihn v/ohl sehr 
oft das Heimweh anlcommen. Aber er kann einen treuen 
Begleiter haben, dar ihn tröstet, und das ist unser 
Judentum. "Jler sich vornimmt -wo er auch sei- ,ein 
treuer Vertreter unseres Judentums zusein, der wird 
auch in der schwersten Gef^^hr und Not einen Beschüt= 
zer haben, den wird man niemals wegen unwürdigem 
Verhalten ausser Landes weisen müssen! 

Einer von euch, der lange euer Führer war,Phi= 
lipp Goldmann geht in wenigen Tagen von euch KKK in 
das grosse Land jenseits des Ozeans. Erhat euch ge= 
zeigt, wie man hier eure Ideale vereinigt mit echter 
Treue zum Judentum. Er hat diese Treue seinem vorbild= 
liehen ElternhaHise entnommen, und sicherlich ivird er 
auch in der Eremde diesen vmnderbaten Talismann, den 
er hier -in seinem Leben seinen jungen Freunden ge= 
zeigt hat, nicht vergessen; dann v/ird das Judentum, 
dann wird G'tt auch ihn nicht vergessen. 

Und der dritten Säule der Menschheitserhaltung, 
der gemiluth chassodim dient ihr heute hier in aller 
öffentlichkeit. Ihr wollt Notleidenden helfen. Damit 




zeist ihr euch im Kampfe segen die Sel"bstsuclit,die 
daJikläSM slaiilDt,es genüge, wenn es einem nur sSbst 
gut gellt. Aber ihr zeigt auch,aass ihr ein Gefülil 
ha'btj'iioi -vvelcher Form Jugend den Notleidenden helfen 
darf. Aber es gilt auch für erwachseneyl ITenschen. 
Man darf nämlich der Armen nicht beschämen. Darum 
ist eure indirekte Hilfe so schön. Ihr habt euch 
für die Sammlung an den Eint opf Sonntagen zur Ver= 
fügung gestellt, und auch an sonstigen Samnlungen 
beteiligt ihr euch. Und heute Abend dienst ihr dem 
gleichen ^wecke in einerindirekten, aber ernsten 

Form. 

Und 
Ihr werdet aus bomim zu baunim,aus Kindern, die 
y',issen,wn p JTl -^ <=>■>♦ ^"^"H- imv . r^n^it , iMrfin1n-h iTir zu ]3auleu= 
ten,die mitbauen nnder Erhaltimg der Gnuidsäulen der 
Menschheit, an den Säulen der göttlichen Lehre pr,^k= 
tisch ge^'bter Mens chlichlcetl . 



was leistet ihr damit? Ihr verwandel"^ euch. 




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Ansprache 
bei der Einführung in die Leibniz-Lo^e 
am Dienstag, d. 19. Mai 1936. 





Wenn die «^elt, in der man lebt, äusserlich und inuerlich 
erschüttert worden ist, muss man - sofern man noch Kräfte in sich 
f 'ihlt- den Versuch der Prüfung seiner V/eltanschauungsgrundlagen 
machen und evtl • zu einer neuen Grundlegung schreiten* 

»»ir wollen im Rahmen dieses Denkens heute Abend von dem 
ausgehen, was uns am nächsten liegt, von den Idealen unseres Ordens 
W.B.a^E., i/i/ohltätigkeit , Brüderlichkeit und Eintracht» »^ir haben 
hier zwei positive und ein negatives Ideal von uns# «Vohltätigkeit 
ist ein aktives Ideal der praktischen Handlimg, Brüderlichkeit 
ein solches der G-esinnung» Eintracht ist mehir ein negatives, ein 
passives Ideal der Zurückhaltung, die Aufforderung, Zwietracht zu 
vermeiden, (gewiss ein wichtiges Ideal, desoen Bedeutung gerade in 
einer Zeit erKannt wird, da das Vergehen eines Einzelnen der ganzen 
Gemeinschaft aufgebürdet wird und daher auch nur das Zusammen- 
stehen, die Vermeidung von Zwietracht die Kräfte der Erhaltung 
hervorrufen kann)* " -_ ^ 

Kein Zweifel, dass diese Ideale in das Gebiet der Ethik ge- 
hören, der Lehre von guten Handeln ♦ Sie scheinen von selbst ein- 
zuleuchten • Vnirde man ohne jede Voraussetzung nach der Notwendig- 
keit des Ideals der «Wohltätigkeit fragen, so würde der Bruder 
■unseres Ordens wohl in irgend einer Form antworten, dass sich die 
Hilfeleistung sn Notleidenden von selbst verstehe; es ist eine 
Forderung der Menschlichkeit. Ausserdem werde sie auch vom Egoismus 
befürwortet, der auf die Möglichkeit hinweist, es könne jeder Mensch 
einmal in Not kommen und da er der Hilfe bedürfen* -/^ah für die 
Brüderlichkeit und die Eintracht könnte angeborene Selbstverständ- 
lichkeit und Egoismus in ähnlicher <^eise zur Begründlang ihrer Ver- 
pflichtungskraft angeführt werden» 

Solche Begründungen haben Durchschlagskraft jedoch nur, 
wenn sie auf einem concensus imnium, auf einer Uebereinstimmumg 
aller beruhen. Dann aber brauchen sie eigentlich keine Begr'indung* 
Führt man doch solche Begründungen an, so ist es meihr der Ausdruck 
eines glückhaften Empfindens der Selbstzufriedenheit, die das rei- 
bungslose Mitschwiminen im Strom der Allgemeinheit konstatiert • 

^ders liegt die 



- 2 - 





Sache jedoch, wenn die SelbstverstfLidlichkeit solcher Ideale in 
Frage gestellt wird. Das Fehlen des conoensus imnium wirkt dann 
wie eine Schwinge, die Spreu und «»'eizen voneinanaer sondertt Die- 
jenigen, deren Gl'icksempf Inden csuf dem consansus omnium beruht, 
werden sich w ahrscheinl ich ohne viele Heminungen dem neuen Ideal 
anschliessend Beim alten Ideal werden aber nur diejenigen bleiben, 
die von der Sehnsucht nach V/ahrheit getrieben hief 'ir zulängliche 
Begr^'indungen gefunden haben werden als nur die liebere ins timmung 
aller. 

An die Ideale unseres Ordens hat die Zeit der vergangenen 
Jahi-zehnte mindestens scharf kritisierende Sonden angelegt. <Vohl- 
tätigkdit wurde gewiss nicht als schlecht hingestellt. Hier die 
Frage tauchte doch ganz entschieden auf, ob individuelle V/ohl- 
tätigkeit nicht eine Versiindigung gegen den Geist des wirklichen 
Menschenrechtes darstellt. Die Kultur und Zivilisation beruht • ^ 
auf der Zusammenarbeit aller. Daher haben alle das Recht auf 
Erhaltenwerden selbstverständlich zur Zeit ihrer iirbeitsausf ührung , 
aber auch zur Zeit ihres Nochnichtarbeitenkönnens i:uid Nichtmehr- 
arbeitenkönnens* (Popper-Lynkeus-Nährarmee) • Gev/iss konnte man . 
dann vom j 'dischen Standpunkt aus einwenden, dass ^Vohl tätigkeit 
in unserem Sinne gleich Zedokoh, gleich Gerechtigkeit ist, dass ' 
also das Element der Beschämung, das in jeder privaten <i/ohl tätigkeit 
liegen kann, dem i^iillen des Judentums entsprechend ausgemerzt werden 
müsste. /ber es handelt sich hier um eine prinzipielle Verän- 
derung. Es wurde der individuellen V/ohl tätigkeit die allgemeine 
rechtliche Verpflichtung, dem Individualismus der Sozialismus 
gegenübergestellt« 

i«enn man auch bei dieser Kritik noch gewisse verbindende 
Bracken finden mochte, so gi.'iff eine andere Jxt der Kritik viel 
schärfer an. Wohltätigkeit ist insbesondere eine Verpflichtung den 
Schwachen und Kranken gegenüber. Wer konnte sich vorstellen, dass 
einmal eine Zeit kommen wird, in der die Verpflichtung der Hilfe- 
leistung für Schwache angezweifelt würde. Diese Umwälzung kam be- 
kanntlich mit Nietzsches Philosophie. In seiner letzten Periode 
stellt er als Ideal die Bejahung des Willens zur Macht auf« Ueber- 
mensch und Herdenmensch stehen einander gegenüber. Die Herdenmen- 
schen sind nur Material für die Erzeugixag des Uebermenschen« Diesem 



- 3 - 





ist alles erlaubt* Die alte, auf dem G^ ttesglaubea beruhende Moral 
ist aufgehoberit "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt". Begreiflich, 
dass der Schwache, wenn es notwendig erscheint, nicht gehalten, 
sondern gestossen wird, damit er noch schneller fällt* 

Henn eine solche Philosophie ausgesprochen .vird, dann ist 
es noch weit bis zur ihrer Verwirklichung • Zuerst sind noch 
die Kräfte der Vergangenheit lebendig, so dass Theorie und Taten 
zueinander in iViderspruch stehen. ^J^er einmal kommt der Augenblick, 
da die neuen Ideen sich durchgesetz.t haben* Dann haben sie die 
Fähigkeit, die alten Ideen aufzuheben und das Leben tatsächlich 
nach ihrer Vorstellung zu gestalten* In diesem Augenblick wird auch 
die alte Idee wieder auf den Kampdp.atz gerufen* Sie muss entweder 
xmter neuen Verhältnissen zu einer neuen ßegriindung kommen, oder 
sich selbst endg'ilttg aufgeben« 

In dieser Lage sind heute die Ideen unseres Ordens • Seine 
Ideale sind nicht geeignet, den Herrenmenschen zu erzeugen* Im 
G-egenteil wo . len sie "Brüderlichkeit", die G-lsichheit der Menschen, 
Sie lehnen das Recht des Stärkeren auf unmoralische Handlungen, 
wenn es für ihn nützlich wäre, ab, und verlangen kategorisch Hilfe- 
stellung für den Schwachen. Muss man diese Ideale als unrichtig 
erkennen? - . . - . - • 

• Prüfen wir diese Frage auf dem Hintergrunde der in diesem 
Augenblick ims auf taujhenden Begriffe der heteronomen und au- 
tonomen Ethik* Man versteht unter hetoronomer Ethilf ein von einer 
, ausserhalb des Menschen liegenden Autorität vorgeschriebenes 
sittliches Handeln, z*B. von G' tt gegebene Gesetze. Autonomes 
Handeln beruth auf der angeblich vorhandenen Fähigkeit des Menschen, 
aus eigener Vernunft a: solut gültige ethische Gesetze zu erzeugen* 

Das Altertum kannte nur heteronome Ethik. Immer hat 
ein G'tt die Gesetze verordnet* Ein Beispiel: Auf der Hamurapi- 
Säule sieht man, wie der Sonneng' tt Schamasch dem vor ihm 
knieenden König Hjunurapi in Form einer Rolle sein Gesetzbuch 
übergibt* So stammte auch die Ethik, das über das Recht hinaus- 
gehende Verhalten zu den Menschen, aus göttlicher Quelle. V/odruch 
kam die »Sendung? Durch die Entdeckung des Rechtes der Einzel- 
persönlichkeit* Durch den aufkommenden Individualismus. Kopernig:us 
hat den Menschen heimatlos und wurzellos gemacht* Vor ihm wölbte 
sich ein schützender Himmel über dem irdischen Reich der manschen und 



- 4 - 



^ 




und ge"ährte duroh seine Hoffnun_'- auf die Zukunft auch Sicherheit 
in der irdischen Gegenwart, da. ein vorstellbarer G'tt aus diesem 
Himmel heraus imumstössliche Gesetze verordnete* Kopernikus hat den 
Himmel zerstBcfirt. Jetzt war der Mensch nichts metir als ein winziger 
Staubkorn auf dem kleinen Planeten, der sich im unendlichen "^i/eltall 
mit rasender Geschwindigkeit drehte» Es gab nun logischerweise 
nur noch einen möglichen fiuhepunkt: das war der Mensch selbst. 
Er musste in sich einen feststehenden Msatzpunkt suchen, nachdem 
jeder ausserhalb liegende Msjitzpimkt genommen war. Der Mensch fasste 
Zutrauen zu seiner Vernunft. Hatte sie ihm nicht die Erkenntnis 
von der wahren Beschaffenheit der V/elt gegeben? Sollte sie nicht 
auch imstande sein, ihn Sicherheit in der Jb'rage nach dem richtigen 
Verhalten der Menschen zueinander geben können? "' V ' 

Es ist daher durchaus verständlich, dass 'der Phiiosoph 
Descartes den Aisatz des absoluten Selbstbewusstseins in der Denk- 
3CÄXjäxgJCıi möglichHeit fand. Cogito ergo sum, v;eil ich denken kann, 
deshalb bin ich. So stünde der Mensch nun wenigstens in einem Punkte 
fest. Nach Carte sius wäre der Mensch mm durchaus imstande .p-ewesen, 
G'tt zu entthronen imd damit auch die .7elt der göttlichen Ethik, 
/^er er fand den rettenden Ausweg, indem er für wahr' erklärte , r/as 
olare et distincte sei, was in sich klar und von anderen Begriffen 
deutlich unterschieden wäre. Dazu aber gehörte in erster Linie 
der Begriff G'tt. Er meinte also, dass G'ttes Existenz eben 
durch vernijnftige Einsicht klar ersichtlich wäre und damit auch die 
auf Religion gegründete Sittlichkeit. Er bemerkte offenbar nicht, 
dass er in Wirklichkeit die Reli-ion zerstörte, da er das Dasein 
G'ttes von der Gnade der ihn erkennenden menschlichen Vernunft 
abhängig machte • 

Die endgültige Zerstörung dieses Pfeilers v/urde durch den 
grossen Philosophen Kant vorgenommen. Er wies nach, dass ein noch so 
klar vorgestellter Begriff durchaus noch nicht existieren müsse. 
Also besage auch die klare Vorstellung G'ttes nicht über seine 
wirkliche Existenz. G'tt lasse sich nicht beweisen. 

Trotzdem blieb sowohl für Descartes als auch für Kant 
die göttliche Ethik erhaltenl Bei Descartes ai geschah es durch das 
Mittel, dass die Existenz G'ttes und mit ihr natürlich sein Sitten- 
gesetz eben durch den Verstand als unbedingt notwendig und seiend er- 



« 5 - 



^ 




kanntwurde. Bei Kant dadurohrji dass er zv/ar die ßeweismöglichkeit 
Gattes durch Vernunft leugnete; daf iir#*jedooh Ü-'tt als Postulat, 
als iJ'orderimg des Glaubens erhob, ohne welches es kein sittliches 
Handeln geben könne* Er fonnuliert das so: Das moralische Gesetz 
führe "zur Religion, d*i. zur Erkenntnis aller Pflichten als 
göttlicher Gebote, nicht als Danktionen, d.i. willkürlicher, für 
sich selbst zufälliger Verordnungen eines fremden ^/illens, sondern 
als wesentlicher Gesetze eines jeden freien ^7illens für sich 
selbst" (Kritik der praktischen Vernunft, erster Teil, 2. Buch, 
Hauptstück V, Das Dasein G'ttes als ein Postulat.) 

Der Pferdefuss in dieser Auffassung liegt offenbar darin, 
dass das göttliche moralische Gesetz seine Göttlichkeit dc?durch 
erweisen muss, dass es als das Gesetz unseres freien willens er- 
kannt wird; es aiuss sich also vor dem Richterstuhl der menschlichen 
Vernunft verantworten. Damit ist natürlich seine Kraft gebrochen, 
denn in diesem Frdle ist eben die menschliche Vernunft der wahre 
G'tt. 

. Ist es nun verwimderlich, dass eines Tages die R'.icksicht 
auf einen von d;^»r Vernunft geglaubten und gnädigst anerkannten 
G'tt schon aus Gründen der Beq^uemlichkeit fallen gelassenv/urdei*? 
Dann gab es nv^r noch einen G'tt; das war die Vernunft selbst. 
Aber die - von G'tt aus gesehen- rückläufige Bewegung des ^^enschen 
zu sich selbst machte nicht Halt. Der Mensch begann in seiner 
«Vissenschaf t sich selbst aufzulösen. Das Vorhandensein der 
menschlichen Seele 'vvurde geleugnet» Das Ichbewusstsein erschien 
fast wie eine Selbsttäuschung. Der Psychologe Mach erklärte die 
menschliche Seele nur noch als din Bündel von Empfindungen ♦ i'olge: 
Allgemeiner Skeptizismus. Wenn in dieser allgemeinen Auflösung nun 
irgend jemand einen neuen Haltepunkt aufstellte, so musste er sicherl- 
lich Erfolg haben. Dieser neue Haltepunkt war der gesteigertete 
Individualismus, der Egoismus. In Stimers Buch"Der Einzige und 
sein Eigentiom" wurde radikal der IvL.nschheitsbegriff geleugnet. 
Es existiert nur noch der lebende, sinnliche Mensch* Sein Eigentum 
reicht so weit als er will. Er erkennt kein anderes Gesetz als 
das seines eigenen Wohles und Vorteiles an^ 

Nicht ganz so weit geht Nietzsches Lehre vom Uebermenschen« 
Aber auch für ihn gibt es keine anderes Gesetz als die Notwendigkeit 



b - 



4 




seine eigene Persönlichkeit zu enowiokeln. 

Hie i-Otwendige Folge solcher philosophieen musste die 
theoretische Vorr/egnahme eines KampTes aller ^egen alle sein* Da 
aber die Menschen doch ein gesundes B;riipi*inderi Tür den Wahnsinn 
der Selbstvernichtung haben, der iii solcher Lehre übersteigertster 
Egoismus steciwt, haben, so begreiien v/ir, dass als einrache Folge 
der Uebersteigerung nach dorn besetze des Pendelschlages das an- 
dere Extran entstund, der hemmungslose Kollektivismus des 19 . 
Jahrhunderts, in dem das Individuum sich selbst zu Gunsten der ., 
Gemeinschart Vüllst.xndig aufgab. Ss gibt i'ür diese ^rt;oUeinung 
u igtintlich keino andere zulangliuhe Er di^rung als eben der L7/ang 
der Selbsterhaltung der Mas^e, die sich nicht von hemmungslosen 



Egoistv^-n als Mit ^.el zum Zweck g-^brauchen las.:en Y/ollten, 



tiO 



c; 



Y/ar nun eine andere Art des Egoismus, dt^r die ScUi/achen, die sich 
nicht allein erhalten konnten, zu gemeinsamer ilili'e zusammentrieb. 
Aber das Ganze 7/ar eine vüllständig ontgotterte Welt. Von der 
autonomen Vernunrt, die Raubte, sich selbst regieren zu können, 
war nichts übrig geblieben, als ein hemmungsloser Egoismus, der 
nur aus durchsichtigen Zwecken manchmal mit o rauschen Prinzipien 
verbrämt t/urde» •* - • v 



r • 



u aiesen moralischen Prinzipien, die in V/irkliciikeit 



aus ga> z anderer V/elt stammen, gehört auch das V/.B.u.^. unseres 
Ordens» Aus dem Egoismus heraus kann man keines der drei Ideale 
begründen* WohUjaLigkeit aus Egoismus ist keine V/ohltutigk^it, 
Sondern höchstens Berechnung, die im j^aben ^u^c^nblick die 
Wohloätigkoit sus-pendiert, da sie nicht mehr zu eguistiscaen 
Zwecken notwendig erscheint, abg^^aehan aavon, dass Wühlte, v.igkcit 
aus Egoismus die rechte Behanalung des Nebeiinenschen vermissen 



- 7 - 

laüüt. BrüderliclikuiL aus ii),j-oii3iauü iJt keine ^rUdoriickköit sondern 



^ 




iictöke. Mritrs^üiiu aus -^güismus Zerbricht im belben Augenblick, da 
gwietrcicht nützlicher erscheint • Wir jjöhen, cLajü in der Zeit der 
Verwirrung, die der Egoismus una iiatcrialisrnus des 19* Jahrhunaerts 
hervorgebracht haben, unbure Ordensiaeen geradezu nach einer zuläng- 
lichen Begründung ;5chreien. V/ie iüt isie zu ringen? • ; " 

Zeigen v;ir die Jüdische i:iegründung. Kurz gesagt: Sie 
ist rein theologisch, d.h. ""» ttbezogen, vom ^« tteabegrixT abge- 
leitet. Erkennen wir zunächst einmal nur den rortnal-lopischen Zu- 
üammenhang: Das Judentum lehrt, dajci aie -^rde von ü-ttt gescharr^n 
Tvurde, und dasü er den einen Menschen erschuf, von dem dann alle 
Menschen abstaniriten. Has bedetuet nach dem Talmud, dass kein Mensch 

das Reciht und die Möglichkeit haben sollte, sich eine andere, - y/ie 

, ■ .',■.• . "■ 

er meint- bt-sserc- Abstammung zuzulv^-gen. • 

Mit dieser Anschauung y/ird der ^egrirr der yiei.schheit 

begründet. Sxirner leugt die V/irklichkeit der Menschheit. Sr ist 

» _, . ■ - *> - ■ '. 

nur ein Oattungsbegrifr, ein Jibstraktum, der letzte Kichauten einea 
alLen &espenstes. (v/indelband, öescichte d.Ph.Se. i?6ip). .... 

^er Talmud stellt dagegen die Menschheit nicht nur als -tiegriiT 
sondern als eine historische -Tatsache hin. Alle Menschen sind 



Blutsverwandte, eine grosse Familie. In Jeder Familie kann es 
Streit geben; aber die Mitglieder genören untrennbar zus.:-:i.mmen. Kei- 
ne Jöiskussion kann es verleugnen, ^iv Menscuen sind J^rüder in 
ü-'tt. Und welches ist das recht Veriialten zv/ischen Bri.aern? 
Die Brüderlichkeit! Das Wohlwollen, nicht das Uebelwollen; Die 
Hiire, nicht die Störung und nicht die Zerstörung* iJfe-ruber hinaus 
aie Eintracht, so Y/ie innerhalb einus einzelnen Menschonkörpers 
liar i.onie herrschen muss^ wenn nicht Krankheit ausbrechen soll; so 
muss auch innerhalb eines Volkes- und m^^ Suiüi.^itskörpers Harmonie 



^ 



% 



- 8 - 
herrschen, aanix nicht Kr^unkheit Zöratörend ciurtrcto . Wenri über 
Krankheit aui'taucht, wenn ilen sehen Ibideu, dann muas man ihnen heli'en, 
denn wir le.den mix den Brüdern, wir OL;pritiden in des v/ortes wahrster 
üedeuxung Mitleid, weilwir ja in v/ahrheit alle zu^ariiiTiengohüren. 
So entwickelt sich aus der einfachen theologischen Vorausaei-zung 
des Schüprerg» ttes, der die i-»rdü erschaxi'ei., Lwanf^loa die Freiheit 
unseres Ordensideales. • 

Bs v/ird also j 'j de w eitere »-enscuhcitsentwickluigti ab- 
hangig sein von dera Verheil onis zxxai G-' tT.esbc!grirr , oaer besser gesagt 

■ ■<.■•,■-■ 

zur V/irkliohkei t G'>~utüs, Wir müSL;en ar.s in ciieötiir. üugen blick noch 
einmal an die rUükluurxge Bev/ü^ung erinnern, aie vücii dc;lbK;tver- 
ständlichen Cj» ^tes^lixuben aes ilit Lelalterü zur entgöLterten V/elt 
des ra..enden Bgoiamus des Einzelnen und dessen G-egenspiois aer 
sieh verteiaigenaen Masse rührte. * Der philosophisch denkende Mensch, 
uer die V/irkung ablcniit, muss. naturlicher7;eise auch uie Ursache ab- 
lehnen. Die Ursacheli^gt in der Talschcn Idee der Autonimie aes 
i^iensehen, (in gewissen Grenzen ist sie auch wieder richtig; soweit 
sie nämlich das j^^reiheiustaeY/usstsein des Menschen in der Wahl-; 
zv/iscwen Gul xxin BüstJ ausdrücku). Echte i-Ioral, wirksame iloral ist 
nicht autonom sondern hetoronora; dem i,.en sehen vori einem liöheren,göttl • 
Wesen verordnet. iJer **eg uür j^rli^oeilung geht v/ie bei aller